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Full text of "Die Schulkomödien des Paters Franciszek Bohomolec, S.J.; ein literarhistorischer Beitrag zur Kenntnis der Anfänge der modernen polnischen Komödie"

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SLAVICA 



BEITRÄGE ZUM STUDIUM DER SPRACHE, 
LITERATUR, KULTUR, VOLKS- UND ALTERTUMS- 
KUNDE DER SLAVEN 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

M. MURKO 

O PROFESSOR DER SLAVISCHEN PHILOLOGIE 
AN DER KARLS-UNIVERSITÄT PRAG 



VIII. DIE SOHULKOMÖDIEN DES PATERS 
FRANOISZEK BOHOMOLEC S. J. 



VON 

AD. STENDER-PETERSEN 



oo<z^ 



HEIDELBERG 1923 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 



DIE SCHULKOMÖDIEN 

DES PATERS FRANCISZEK 

BOHOMOLEC S. J. 



EIN LITERARHISTORISCHER BEITRAG 

ZUR KENNTNIS DER ANFÄNGE DER MODERNEN 

POLNISCHEN KOMÖDIE 



VON 



AD. STENDER-PETERSEN 




HEIDELBERG 1923 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 

Verlags- Nr. 1780. 



Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht in fremde Sprachen, 
sind vorbehalten. 



2 9 1955 





^^o-:^034 



Vorwort. 

Vorliegende Arbeit ist nur eine Teilfrucht meiner 
Forschungen auf dem noch wenig bearbeiteten Gebiete 
der polnischen Komödie im 18. Jahrhundert und einer 
Frage gewidmet, die ich aus der Fülle der sich darbieten- 
den Aufgaben herausgegriffen und eingehender behandelt 
habe. Warum ich gerade Bohomolec und seine Schul- 
komödien zum Gegenstande dieser Studie gewählt habe, 
davon spreche ich in meiner Einleitung und kann daher 
im Vorworte davon schweigen. Hier möchte ich nur be- 
tonen, daß mancher Mangel, vielleicht auch mancher 
Fehler, die ich mir möglicherweise habe zuschulden kom- 
men lassen, ihre Erklärung oder gar Entschuldigung in 
der besonderen Eutstehungsart meiner Studie finden 
müssen. 

Hindernisse materieller Art stellten sich der Durch- 
führung meiner Aufgabe mehrfach in den Weg. Der 
nordische Slavist, der seinen Forschungen eine literar- 
historische Richtung gibt, ist in weit höherem Grade als 
seine Mitbrüder auf dem Gebiete der germanischen und 
romanischen Philologie durch äußere Umstände dazu ge- 
zwungen, sich sein wissenschaftliches Material auf längeren 
oder kürzeren Reisen zu erwerben, Reisen, die leider dem 
tiefer dringenden Studium die nötige Muße und Konzen- 
tration rauben. Slavische Texte und Werke älteren Datums, 
zuweilen auch die Forschungsresultate der Kriegsperlode, 
sind ihm im großen und ganzen in den nordischen Biblio- 
theken unzugänglich oder nur schwer zugänglich; die Ent- 



VI Vorwort. 

fernung von den slavischen Bibliotheken und der leider 
immer noch erschwerte ßücheraustausch zwischen Polen 
und Skandinavien hindert ihn in mehr oder weniger 
wichtigen Fällen an der exakten Durchführung seiner 
Pläne; er muß, wenn er sein Ziel erreichen will, den 
Wanderstab ergreifen und dankbar sein, wenn ihm die 
Kämpfe und Krämpfe Europas, vielleicht auch seine eigenen 
Verhältnisse, die Wanderlust nicht benehmen und nicht 
dem Forscherdrange die Flügel binden. 

Auch diese Arbeit wäre wohl kaum entstanden, w'enn 
nicht äußere Umstände — vor allem die finanzielle Unter- 
stützung der Universität Kopenhagen, der hiermit 
ein aufrichtiger Dank dargebracht sei, — es dem Verfasser 
möglich gemacht hätten, zwei Sommer (1920 und 1921) 
in Krakau zwecks Bibliotheksstudien zuzubringen. Mit 
besonderer Freude gedenke ich der vielen Stunden, die 
ich in den Räumen der altehrwürdigen Biblioteka 
Jagielloiiska zugebracht habe, und deren ergiebige Aus- 
nutzung während der kurzen Ferien so sehr durch das 
freundliche Entgegenkommen ihres Direktors, des Herrn 
Professors Dr. Fryderyk Papee, und der übrigen Leiter 
gefördert wurde. Mit Freude gedenke ich hier auch meiner 
stillen Studien in den Bibliotheksräumen der Polska 
Akademja Umie j ^tn osci, zu der mir der Skandi- 
navenfreund Herr Professor Dr. Jan Rozwadowski mit hilfs- 
bereiter Liebenswürdigkeit den Zutritt vermittelte, und 
meiner Klosterstunden in dem Lesesaale des Muzeum 
X. X. Czartoryskich, dessen Leiter mir freundlich 
halfen. Mit Dankbarkeit erinnere ich mich der leider 
nur wenigen Stunden, die es mir vergönnt war, dem Vor- 
trage des Herrn Professors Dr. Stanislaw Windakiewdcz 
über die Geschichte der neuzeitlichen polnischen Dramatik 
lauschend, imUniwersytetJagiellonski zuzubringen. 
Ihnen allen sei hier ein herzlicher Dank gesagt. 

Freilich habe ich nicht davon träumen können, das 
auf Reisen gewonnene Material schon an Ort und Stelle 
zu verarbeiten, die eigentliche Arbeit mußte fern von den 



Vorwort. VII 

Quellen hier am Orte meiner Wirksamkeit geleistet wer- 
den, und was mir in dieser Beziehung gelungen ist, ver^ 
danke ich in sehr hohem Grade dem glücklichen Umstände, 
daß mir die Schätze der schwedischen Bibliotheken und 
der Großen Königlichen Bibliothek zu Kopen- 
hagen zur Verfügung standen und ein umfassenderes 
Studium der mich interessierenden Fragen ermöglichten; 
vor allen Dingen aber bin ich der hiesigen Stadt- und 
Universitätsbibliothek aufrichtigen Dank schuldig 
für die nie erschlaffende Hilfsbereitschaft ihrer Funktionäre, 
denen ich in der Person ihres Direktors, des Herrn Doktors 
Lars Wählin und des Leiters der Ausleihestelle und der 
Bücherexpedition, Herrn Doktors Sven Gren Broberg, 
meinen herzlichen Dank darbringe. Die gleiche Dankes- 
schuld statte ich auch für wertvolle Hilfe bei der be- 
schleunigten Korrekturlesung meioem Freunde, dem Herrn 
Kapellmeister Fritz Schaefer, Berlin, und für die so rühm- 
lich bekannte deutsche Präzision des Verlages bei der 
Drucklegung meiner Arbeit seinem Leiter, Herrn 0. Winter, 
an dieser Stelle gern und freudig ab. 



Goten bürg, im Mai 1923. 



Der Verfasser. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Vorwort V 

Inhaltsverzeichnis VII 

Literaturverzeichnis XI 

Einleitung: Kritische Analyse der einschlägigen wissenschaft- 
lichen Literatur 1 

Kapitel I: Bohomolec in seinem Verhältnis zur Dramatik 

des Jesuitenordens in Polen und Frankreich . . 19 
Kapitel II: Bohomolec' Verhältnis zur lateinischen, vorzüghch 

Plautinischen Komödie 88 

Kapitel III: Bohomolec' Verhältnis zu Meliere 131 

Kapitel IV: Sonstige Quellenverhältnisse bei Bohomolec . . 192 

Kapitel V: Die Tendenz der Schulkomödien 312 

Kapitel VI: Die literarhistorische Bedeutung der Schul- 
komödien 355 

Anhang: Analyse und Bibliographie der «Schulkomödien» 382 



Literaturverzeichnis. 



A. Werke und Quellen. 

1. Komödien 

a) polnischer Dichter: 
Franciszek Bohomolec: über die Bil)liographie der Schulkomödien 
vgl. Anhang; über die Bibliographie der Theaterkomödien 
vgl. die Note auf S. 369. 
Codex Collegii Calissiensis Societatis Jesu, saec. XVIII (Ms. 1S2 

Bibliotliecae Jagellonicae Gracoviensis). 
Codex CoUegii Posnaniensis Societatis Jesu, saec. XVII (Ms. R 380 

Bibliothecae Upsaliensis). 
Aleksander Fredro, Dziela, wvdal H. Biegeleisen, t. I — V. Lwöw 

1897. 
Ignacy Krasicki, Dziela, t. VII. Warszawa 1832. 

Lgarz. komedya w 3 aktach, przez M. Möwiiiskiego. Warszawa 

1780. 
Statysta, komedya w 3 aktach, przez M. Möwiiiskiego. War- 
szawa 1780. 
Solennizant, komedya w 3 aktach, przez M. Mo\Niiiskiego. 
Warszawa 1780.' 
(Stanislaw^ Mycielski), Junak, komedya we 3 aktach, ed. druga. 

Warszawa 1774. 
Juljan Niemcew^icz, Powröt posla . . . Z wst^pem St. Kota (Biblio- 

teka Narodowa, serja I, Nr, 4). Krakow (s. a.). 
Urszula Radziwillowa, Komedye y Tragedye. Nieswiez 1754. 
(Waciaw Rzewuski), Natrqt, komedia. Poczajöw 1759. 

Dziwak, komedya. Lwöw 1760. 
Franciszek Zabiocki, Dzieia, wyd. przez F. S. Dmochowskiego, 
t. I— VI. Warszawa 1830. 
Pisma, wyd. Boleslaw Erzepki. Poznaii 1903. 
Zbiör Kommedyi Granych na Theatrum w Dukli (Ms. 250 Biblio- 
thecae Jagellonicae Cracoviensis). 



XII Literaturverzeichnis. 

1)) nichtpolnischer Dichter: 

Dominique liian collelli, Nouveau Theatre Italien. Anvers 1713. 
Bruevs et Palaprat, (Euvres de theätre . . . Nouv. ed., Paris 

MÜCCLV-MDCCLVI. 
Campistron, CEuvres choisies. Paris MDCCCX. 
J.-A. du Cerceau, Poesies diverses, nouv. e'd., t. I— II. Paris 

MüCCLX. 
Chefs-d'u'uvre comiques des successeurs de Moli^re: t. 1: Baron 

et Dufresny; t. II: Dancourt. Notices par G. Roth. Paris (s. a.). 
Pierre Corneille, (Eavres. Nouv. ed par Ch. Marty-Laveaux 

Paris 1862. 
Dancourt, Les tpuvres de theätre. 4° ed. Paris MDCGXLII. 
Destouches, (Euvres. Nouv. 6d. Amslerdani-Leipzi^ MDCCLV. 
Dufresny, (Euvres. Nouv. ed. Paris MDCGXLVIl. 
Gherardi, Le Theätre Italien . . . Amsterdam 1701. 
Carlo Goldoni, Le Commedie. T. I— XIII, Bologna MDCCLII— 

MDCCLVII. 
Gottsched, Deutsche Schaubühne. Leipzig 1741. 
Gr esset, (Euvres. Nouv. ed. Paris 1794. 
Holberg, Den danske Skueplads. Kjobenhavn 1731. 

Samlede Skrifter, udg. af Carl S. Petersen. Kcbenhavn MCMXVII. 
Le Sage, (Euvres. T. XI— XII: Theätre. Paris 1828. 
Caroli Malapertii Sedecias, tragoedia aliaque Poemata . . . Dvaci 

MDCXXIV. 
Variorum poernatum fasciculus. Calisii MÜCXV. 
Moliere, (Euvres. Nouv. ed. par Despois et Mesnard. T. I — XIII. 

Paris 1875 &c. 
Theätre complet. T. I— IV. Paris (s. a.). 
T. Macci Plavti Gomoediae. Reo. W. M. Lindsay. Oxonii (MCMIII). 
Charles Poree, Fabulae Dramaticae, ed. . . . Lutetiae Parisiorum 

MDCCXLIX. 
Regnard, (Euvres. T. I — V. ^d. stereotype. Paris an X (1801). 

Theätre choisi. Notice par G. Roth, t. I — II. Paris (s. a.) 
Romagnesi, (Euvres. Nouv. ed., t. I— II. Paris MDCCLXXII. 
P. Terenti Afri, Gomoediae. Rec. R. Yelverston Tvrrell. Oxonii 

(MCMII). 



2. Andre Quellen. 

a) Allgemeines: 

Carlo Goldoni, Memoire« . . . par Moreau. Paris 1822. 
Lukasz Görnicki, Dworzanin Polski. Wyd. K. J. Turowski. Kra- 
kow 1858. 



Literaturverzeichnis. XIII 

Lucian. Ausgewählte Schriften, erklärt von Julius Soinmerbrodt. 
Bd. i. Berlin 1S60. 

Ubaldo M i ^' n o n i , Noctium Sarmaticarum Vigiliae. Braunsbergiae 
MDCCLI. 

Poniatowski), Die Memoiren des letzten Königs von Polen Stani- 
slaw August Poniatowski, Bd. I (Polnische Bibliothek, hrsg. 
V. Guttry, v. Koscielski, i2. Abt., Bd. I). übers, v. I. v. Powa, 
eingeleit, v. Guttry. München (s a.). 

L. Annaei Senecae De ira ad Novatum libri III. Rec. A. Bar- 
riera, Aug. Turinorura &:c (s. a.). 

b) Zeitschriften: 

Kurv er Polski, Jahrgang 1752 — 1760. 
Mercure de France, Jahrgang 1730 u. 1753. 
Mercure Galant, Jahrgang 16S4 und 170^4. 
Nouveau Mercure, Jahrgang 1720. 
Wiadomosci Warszawskie, Jahrgang 1766 — 1767. 



e) Jesuitenschriften : 

•Jan Bohomolec, Dyabel w swoiey postaci, t. I — II. Warszawa 

1772—1777. 
Franciszek Bohomolec, De lingua Polonica colloquium , . . Varsa- 
viae MDCCLII. 
Pro ingeniis Polonorum oratio . . . Varsaviae MDCCLII. 
Rozrywki ucieszne y dowcipne. Warszawa 1763. 
Supellex Latinitatis ex Phraseologia P, F. Wasrner S. J. . . . 

Vünae MDCCLI. 
Ubaldo Migrionio Schol. Piar , . . Varmius Exetesticus . . . 

Varsaviae MDCCLII. 
Zabawki Oratorskie . . . Warszawa 1755. 
Zal)awki Poetyckie . . Warszawa MDCCLIV. 
Faustyn Grodzicki, Theatrum eloquentiae . . . LeopoU MDCCXLV. 
Joseph Jouvancy, Magistris scholarum inferiorum S. J. de rationa 

discendi et docendi . . . Florentiae MDCCIII. 
Franciscus Lang. Dissertalio de actione scenica cum . . . obser- 
vationibus quibusdam de arte comica . . . Mouachii 1727. 
Adam Malczewski, Umbra ligatae praecursio solutae eloquentiae, 

Posnaniie MDCCXLVII. 
Jacobus Masenius, Palaestra eloquentiae ligatae, Coloniae Agrip- 

piuae 16S2— 16S3. 
Ratio Studiorum et lustitutioues scholaslicae S. J.. coli, a G. 

M. Pachtler. Berhn 1SS7. 
Rudzki, Philosopbia orthcdoxa . . . Posnaniae ^IDCGL. 



XIV Literaturverzeichnis. 

B. Handbücher. 
1. Bibliographie und Biographie. 

Jüzef Brown. Biblioteka pisarzuw Ayystencyi polskiej Towarzystwa 
Jezusowego (przeh WL Kiejnowski). Poznan 1862. 

Dictionnaire des thöatres de Paris. Paris MDCGLVI. 

Karol Estreicher, BiWiografja Polska, t. I. u. ff. Krakow 187!2. 

Jauocki, Lexikon derer ilztlebenden Gelehrten in Polen. Breslau 1755. 

Wladyslaw N e h r i n g , Konarski (Ersch und Grubers Enzyklopädie). 

C. Sommervogel, Bibliotheque de la Compaguie de Jesus. P. I: 
Bibliographie par Aug. et AI. Backer. Nouv. ed. T. I — X. 
Paris 1890—1909. 

K. Wl. Wöycicki: Zyciorysy znakomitych ludzi. Warszawa 1850. 

2. Geschichte. 

Szymon Askenazy, Nowe wczasy. Warszawa 1910. 

Anatol Lewicki, Zarys historji Polski, oprac. J. Friedberg. Wyd. 8. 

Warszawa (1920). 
Wladyslaw Smoleiiski, Przewrot umyslowy w Polsce w XVIII 

wieku. Krakow 1891. 

Dzieje narodu polskiego. Wyd. 5. Warszawa (1919). 
Stanislaw Zai^ski, Jezuici w Polsce. Lwöw 1902. 

3. Literaturgeschichte. 

a) polnische: 
Adam Belcikowski, Ze studyöw nad literatur^ polski^. Warsza- 
wa 1886. 
Alexander Brückner, Geschichte der polnisch. Literatur. Leipzig 1901. 

Dzieje literatury polskiej w zarysie. Warszawa 1905. 
Piotr Chmielowski, Dzieje krytyki literackiej w Polsce. War 

szawa 1902. 
Historja literatury polskiej od czasöw najdawniejszych do 

korica wieku XIX. Wyd. St, Kossowski. T. I. Lwöw- 

Warszawa (1914). 
Ignacy Chrzanowski, Historja literatury niepodleglej Polski. Wyd. 

IV. Warszawa-Kraköw 1920. 
Tadeusz Grabowski, Krytyka literacka w Polsce w epoce pseudo- 

klasycyzmu. Krakow 1918. 
Gabr>'el Korbut, Literatura polska od pocz^tköw do powstania 

styczniowego, t. I. Krakow 1917. 
Stanislaw Tarnowski, Historya literatury polskiej. T. III: Wiek 

XVIII. Wyd. 2. Krakow 1904. 
Alexander Tyszyriski, Wizerunki polskie. Zbiör szkicöw literackich. 

Warszawa 1875. 



Literaturverzeichnis. XV 

b) nichtpolnische: 
Gustave Lanson, Histoire de la litteralure franqaise. 14" tid. 

Paris 1920. 
Heinrich Morf, Geschichte der französischen Literatur im Zeitalter 

der Renaissance. 2. Aufl. Straßbur^ 1914. 
Storia letteraria d'Itaha, scritta da una societä di professori. T. IX: 

A. Belloni: 11 seicento. T. X: T. Concari: II settecento. 

Milano (s. a.)- 
Friedrich Vogt und Max Koch, Geschichte der deutschen Literatur. 

Bd. I— II, Leipzig-Wien 1913. 



C. Monographien. 

1. Zur Geschichte des Dramas im allgemeinen. 

Robert F.Arnold, Das moderne Drama. Straßburg 1908. 
Bruno Busse, Das Drama. 2. Aufl. Leipzig — Berlin 1918 — 1919. 
Wilhelm Creizenach, Geschichte des neueren Dramas. Bd.I — V: :2. 
Halle 1911-1916, 

2. Zur Geschichte des polnischen Dramas 

a) im allgemeinen: 
Piotr Chmielowski, Nasza literatura dramatyczua. T. I — H. 

Petersburg 1898. 
Karol Estreicher: Rys ogolny pismiennictwa dramatycznego pols- 

kiego (Dziennik literacki, nr. 41, 1853). 
Wiktor Hahn, Literatura dramatyczna w Polsce XVI wieku. Lw6\v 

1906. 
Marjan Szyjkowski, Dzieje nowozytnej tragedji polskiej. Typ 
pseudoklasyczny 1661 — 1831. Krakow 1920. 
Dzieje komedji polskiej w zarysie. Krakow 1921. 
Stanisiaw Windakiewicz, Teatr polski przed powstaniem sceny 
narodowej. Krakow 1921. 
Teatr ludo^vy w dawnej Polsce. Krakow 1904. 

b) Bohomolec betreffend: 
Ludwik Bernacki, «Klopoty panöw», komedya ks. Fr. Bohomolca 
(Pami^tnik Literacki, Bd. V. Lwöw 1906). 
enryk Biegeleisen, Zywot ks. Fr. Bohomolca (Album ucz^cej si^ 
miodziezy polskiej, poswi^cone Jözefowi Ignacemu Kra- 
szewskiemu. Lwöw 1879). 
Piotr Chmielowski, Bohomolec (Wielka Encyklopedja Powszechna. 
Warszawa 1893, Bd. IX— X). 



XVI Literaturverzeichnis. 

Lucjau Malinowski, j^zyku komedyj Franciszka Bohomolca 
(Rozprawy Akad. Um., wydz. filolo^'., t. XXIV). Krakow 1895. 

Nowakowski, Bohomolec (Encyklopedya Orgelbranda, Bd. III). 

Wladyslaw Strusinski, Komedye X. Franciszka Bohomolca w 
stosunku do teatru francuzkiego (Pamif^tnik Uteracki, t. IV). 
Lwöw 1S05. 

c) Andere Komödiendichter betreffend: 
Ludwik Bernacki, J^rödla niektörych komedji Fr. Zablockiego (Pa- 

mi^tnik literacki, t. VI). Lwöw 1907. 
Ignacy Chrzanowski, komedyach Aleksandra Fredry. Krakow 

1917. 
M. Gawalewicz, Franciszek Zablocki. Krakow 1894. 
WJadyslaw Günther, seine Studien über Fredro im Przegliid polski, 

(rok XLII, t. 166, nr. 496, Krakow 1907; — rok XLIV: 1, 

Krakow 1909); — in der Biblioteka Warszav/ska (rok 1913, 

t. 1,289, Warszawa 1913; — rok 1914, t I— II 293-^294. 

"Warszawa 1914). 
Wiktor Hahn, W sprawie zrödel komedyi Fr. Zabiockiego (Pami^t- 

nik literacki, Bd. X). Lwöw 1911. 
Bronislaw K^sinowski, die Einleitungen zu seinen Ausgaben von 

Zabtockis «Zabobonnik» (Arcydzieta polskich i obcych pi- 

sarzy, t. 43— 44, Brody, s. a.) und «Fircyk» (ibidem: t. 58, 

Brody, s. a.). 
Eugeniusz Kucharski, Fredro a komedja obca. Stosunek do 

komedji wloskiej. Krakow 1921. 
Seine Studien über Fredro im Pami^tnik literacki (rok V, 

Lwöw 1906); — in der Biblioteka Warszawska t. II, 274, 

rok 69, Warszawa 1909). 
Stanistaw Tarnowski, Komedye Aleksandra hr. Fredry (wyd. 2). 

Krakow 1896. 



3. Zur Geschichte des französischen Dramas, 
insbesondere der Komödie. 

a) Allgemeines: 
Louis Bourquin, La controverse sur la comedie au XVIII» siecle 

et la lettre ä d'Alembert sur les spectacles (Revue d'his- 

toire litteraire de la France . . ., 26 — 27« annee). Paris 

1919-1921. 
Ferdinand Brunetiere, Les epoques du theätre fran9ais(1636 — 1850), 

b^ ed. Paris 1914. 
L. Petit de Julleville,.Le theätre en France. 5e ed. Paris 1901. 



Literaturverzeichnis. XVH 

Eagene Li nt ilhac, Hisloire^'enerale <lu llieätreen Fiance.I*;iris>(iy()r>). 
Henri Lion, Le Ih^ätre (Kapitel XI von L. Petit <le .lullevilles Ilis- 

toire de la langue et de la lilterature fran<;aise, l, VI). 

Paris 1898. 
J.-J. Olivier, Les coniediens francais dans les cours d'Allemagne, 

t. I-IV. Paris MCMI— MC.MV. 
II. A. Paludan, Studier over Corneillcs Forliold til det spanske 

Drama (Kdda. Bd. XVIII). Kristiania H)i>i>. 

b) Möllere betreffend: 
J. Belhge, Zur Technik iMolieres (Zeitsclirift für französische Sprache 
und Literatur, lirsg. v. D. Behrens, Bd. XXI). Berlin ISWJ. 
G. Michaut, La jeuncsse de Moliere. Paris 1922. 
Louis MoJand, Mohäre et la comedie italienne. Paris 1867. 
Eugene Rigal, Moliere. T. I— II. Paris 1908. 
Max J. Wolff, Moliere. Der Dichter und sein Werk. München 1910. 

c) Betreffend den Einfluß des franz. Dramas (der Komödie) 

auf das polnische: 

Wladyslaw Folkierski, Mohere en Pologne (Revue de litterature 

comparee, dir. par Badensperger et Hazard. 2- annee, 

nr. 2). Paris 1922. 

Zofia Gasiorowska, Wplyw Moliera na komedye Kiasickiego 

' (Pami^tnik literacki, Bd. XIII). Lwöw 1914—1915. 
Wiktor Hahn, Tomasz Corneille i Franciszek Zablocki (Pami^tnik 

literacki, Bd. X). Lwöw 1911. 
Boleslaw Kielski. wplywie Moliera na rozwöj komedyi polskiej 
(Rozprawy Akad .Um., wydz. tilolog., serya II, t. XXVII) 
Krakow 1907. 
M. Smolarski, Fredro i Wolter (Biblioteka Warszawska, t. II, 28ü, 
rok 1912). Warszawa 1912. 
Studja nad Weiterem w Polsce. Lwow 1918. 

4. Zur Geschichte der Jesuitenkoinödie. 

Paul Bahlmann, Das Drama der Jesuiten (Euphorion, Bd. II). 

Bamberg 1895. 
Ernest Hoysse, Le thöätre des jesuites. Paris 1880. 
Joseph Ehret, Das Jesuitentbealer zu Freiburg. Freiburg i. B. 1921. 
Carl Kaulfuiä-Diesch, Untersuchungen über das Drama der 

Jesuiten im 17. Jahrhundert (Archiv f. d. Studium d. 

neueren Sprachen und Literaturen, Bd. CXXXI resp. XXXI). 

Braunschweig-Berlin 1913. 
Karl von Reinhaidstoettner, Zur Geschichte des Jesuitendranias 

in München (Jahrbuch f. Münchener Geschichte, 3. Jahrg.). 

Bamberg 1889. 

n 



X VI 1 1 Literalurverzcichnis. 

J.ikob Zeidicr, Sliulieri und Hoiti;ipe zur Ges<'hichle «ler -Tosuiteii- 
komodie und des Klostordramas (Thcatcrpescliichtliche 
Foiscliungen, Bd. IV). 

5. Zur Geschichte der itahenischen Komödie. 

a) Die Commedia deirarte: 
Adolfo Barloli, Scenari inoditi della conunedia deirarle. Fiicnzc 1880. 
Arniniid Haschet, Lcs comedies Italiens ä la cour de rrnnce. 

Paris ISSO. 
E. Bcvilacqua, (fiaml)atlista Andreini e la coiupagnia dei cFideli» 

(Giornale stoiico della letlcralura Italiana, vo). XXIII — 

XXIV). Torino 189i. 
(J.-A.-J. Desboul m i ers) , Ilistoire anecdotique et raisoniiee du 

Theätie Italien. Paris MDCCLXIX. 
Giuseppe Guerzoiii, II teatro Italinno nel secolo XVllI. Milano 1876. 
Oskar Klingler, Die Com^die-Italiennc in Paris nach der Samm- 
lung von Gherardi. Straßburg 1902. 
Corrado Ricci, 1 teatri di Bologna nei sccoli XVIJ e XVIII. Sloria 

anecdotica. Bologna 1888. 
Michele Scherillo, La commedia dell'arte in Italia. Studi e pro- 

fih. Torino 1884. 
Winifred Smith, The commedia dcllarle. A study in Italian popu- 

lary comcdy- New York 1912. 
Max J. Wol ff, Italienisdie Komödiendichter (Germanisch-Romanische 

Monatsschrift, Bd. IX, Heft 5/6). 

b) Goldoni: 
A. Lüder, Carlo Goldoni in seinem Verhältnis zu Moliere (Zeil- 
schrift f. franz. .Sprache und Literatur, Bd. V). Oppeln 1883. 
Ludwig Mathar, Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 

XVIII. Jahrhunderts. Montjoic MCMX. 
Johannes Merz, Carlo Goldoni in seiner Stellung zum französischen 

Lustspiel. Leipzig 1903. 
Maria Ortiz, Goldoni e la commedia dell'arte (La Cultura. Revi.sta 

critica, anno XXXI, ur. 21), Roma-Bari 1912. 
Rassegna Goldoniana (1707—1907), (Gioruale storico della 

letteratura Italiana, vol. LH), Torino 1908. 
Charles Rabany, Carlo Goldoni. Le theatre et la vie en Italic au 

XVIII* .<iccle. Paris-Nancy 1890. 
Emilio Re, La .onimedia Vencziana e il GolJ'jiii (Giornale sL<.'rico 

della letteratura Italiana, vol. LVIlIj. Torino 1911. 
Riebard Scbmidbauer, Das Komische bei Goldoni. München 1906. 
P. Toldo, Atlinonze fra il t'-atro coniico di \'(jUaire e quello del 

Goldoni (Giornale storico della letteratura Italiana, 

vol. XXXI). Torino 1898. 



liitornturverzeicbnis. XIX 

6. Zur Geschichte des deutschen und dänischen 
Dramas (resp. der Komödie). 

n. Belouiii, De (ioltsched ä Lessin^'. Ktu'le. I'aris I'.M)'.«. 

Ifaiis lirix, Hü'ltcrg og Th^iUre Italien (Dlda, fiel. XI). Kristi.nii.i 

i9iy. 

C. A. H. Burekhardt, Das Hepeiloire des Weiiiiarischen Thcatt'r> 

unter (foethes Leitung (Thealergeschiclitiic he Forschungen, 

Üd. I). Hamburg-Leipzig 1891. 
Au^'ustc Ehrlich, Les ccmedies de Moliere eii AUemagne. Paris 1888- 
Ih.lberg Aa r bog, Bd. 1— III. Kobcnliavn-Kri.ctiania lOi'O— 1022. 
A. Legrclle, Holberg considere comnie imitateur de Moliere. 

• ['aris 18G-1-. 
Carl Roos, Det 18. Aarhundredes tyske Oversiettelser af llolbergs 

Komedier. Kjobenhavn 19*22. 
Olaf Ska vlan. Holberg soni Komedicforfalter. Kristiania 1872. 
Paul Stächet. .Seneca und das deutsche Renaissancedrania (Palaestra. 

Bd. XLVl). Berlin 1907. 
Ad. Stender-Peler sen , llolbejg j sydtyskc ordensskoler (Holberg 

Aarbog 1922). Kobenhavn 1922. 

7. Zur Geschichte des russischen Dramas. 

P. Morozov, OOerki iz islorii ru.sskoj dramy (Zurnal Min. Xar. 

Prosv., t. CCLIV— CCLVIH). S.-Peterburg 1887 — 1888. 
Ad.Stciider-Petersen, En russisk efterligning av «Jean de France> 

(Holberg Aarbog 1920). Kübenhavn 1920. 

8. Zur Geschichte der lateinischen Komödie. 

(J. Micliaut, Histoire de la comedie Romaine. Piaute. T. I — II. 

Paris 1920. 
Karl V. Reinhardstoettner, Plautus. Leipzig 1886. 

9. Zur Motiv- und Typengeschichte. 

0. Fest, Der miles gloriosus in der französischen Konu'idie. Fr- 
langen-München 1897. 

Ilerman Graf, Der miles gloriosus im engli.schen Drama . . . Ro- 
stock (s. a.). 

Tadeusz Sinko: Genealogja kilku lypöw i Hgur A. Fredry (Rozpra- 
wy Akad. Um., wydz. filolog., t. LVIII). Krakow 1918. 

Ad. Stcnder-Potersen , Ett bidrag tili «Jeppes-motivets historia 
(Edda, Bd. XVII). Kristiania 1922. 

Alexander von Weilen: Shakespeares Vorspiel zu Der Wider- 
spenstigen Zähmung. Frankfurt a. M. 1884. 

n* 



1 



Einleitung. 

Kritische Analyse der einschlägigen wissen- 
schaftlichen Literatur. 

Pat€r Franciszek Bohomolec S. J., der lichte 
Zeuge jenes geistigen Aufschwunges, den Polen — freilich 
allzu spät — in der zweiten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts, kurz vor dem Untergange seiner Selbständigkeit, 
noch hat erleben dürfen, ein Kind des csächsischen» 
Verfalles, der trotz mannigfaltiger und wertvoller Kultur- 
bestrebungen^ doch nur Verfall war, und ein Mann der 
cStanislaischen» Ära, die trotz aller Symptome des poli- 
tischen Absterbens doch eine geistige Glanzzeit war, ein 
Jesuit, den der Orden band, und doch ein liberaler und 
reformfreundlicher Geist, der sich als solcher zu betätigen 
suchte. Pater Franciszek Bohomolec war trotz des 
bescheidenen Platzes, den die moderne Literaturforschung 
ihm mit Unrecht in den Annalen der polnischen Kultur 
zuerkennt, ein würdiger Zeitgenosse größerer Männer, wie 
Stanislaw Konarski, der große Geistesreformator, wie Ignacy 
Krasicki, der Bischof und Dichter, wie Franciszek Zablocki, 
der feine SprachkQnstler, und Adam Czartoryski, der ge- 
schulte Richter des Geschmackes, es ohne Zweifel gewesen 
sind; mit ihnen zusammen hat er eine bedeutsame Ilolle 
im polnischen Geistesleben jenes Jahrhunderts gespielt, das 
für die politische Freiheit des polnischen Staates so ver- 
hängnisvoll geworden ist. 

Ein Mönch und Pädagog, Professor der Rhetorik und 
grammatischer Verfasser, Latinist und zugleich Purist in 



^ Vgl. Szymon Askenazy, Nowe wczaay (Warszawa 
1910), S. Iff. 

Stender-Petersen. Die Schulkomödien. 1 



^ Einleitung. 

seiner Stilauffas.siing, ein Journalist und Druckcreidircktor, 
Zcitsobriftcnredakteur und eyßtcmutischer Herauijgeber ge- 
!-cbichtliolicr Quellenschriften, Historiker, Archiiolog, Geo- 
grapli und Biograpli, hat Bohomolec vielleicht in keiner 
von den hier aufgezählten Rollen Hervorragendes ge- 
leistet, wenn auch ohne Zweifel ihm die Palme der Ini- 
tiative in mehreren Fällen zuerkannt werden muß. Im 
allgemeinen aber ein scriptor minor, der sich mit gesun- 
dem, vorurteilslosem Sinne vom Strome der Zeit mit fort- 
ziehen ließ, wird Bohomolec mich ebensowenig^ wie jeden 
anderen Literaturforscher in seinen oben aufgezählten 
Rollen eingehender beschäftigen können. 

In einer anderen Hinsicht aber ist Bohomolec den- 
noch ein Bahnbrecher gewesen, und wenn er auch hier 
ästhetisch nur ein poeta ordinis secundi geblieben ist, 
so verdient er rein geschichtlich — meiner Meinung nach — 
bedeutend größere Beachtung und gerechtere Wertschätzung 
als die, welche ihm in der polnischen Literaturgeschichte 
sonst allgemein zuteil zu werden pflegt. Kein anderer 
als eben Bohomolec ist der «Vater» oder Ur- 
heber und Pionier der polnischen Komödie 
gewesen. Weder Zabiocki noch Krasicki, weder Niem- 
cewicz noch Czartoryski haben diesen Ehrentitel verdient, 
da sie doch nur den Weg weiter verfolgten, den jener 
ihnen gewiesen hatte. Chronologisch könnten nur etwa 
die Fürstin Radziwill und Waclaw Rzewuski Bohomolec 
den Titel streitig machen, jene^ mit ihren Übersetzungen 
einiger Molierischer und anderer französischer Komödien, 
die sie um die Mitte des 18. Jahrhunderts auf ihrer 
Hofbühne zu Nieswiez aufführen ließ, dieser mit zwei 
selbetändigen Komödien, die 1759 und 1760 erschienen. 
Aber die privaten Bestrebungen dieser beiden blieben 



* Die Komödien (übrigens auch die Tragödien) der Fürstin 
Urezula RadziwiJt sind nur sehr wenig untersucht. Man hat einige 
der Koincxlien als Übersetzungen Molierischer Originale erkannt, 
einige andere sind atxjr quellenmäßig unbestimmt verblieben. Ich 
hoffe, an anderem Orte auf diese Frage zurückkommen zu können. 



EiiileitoDg. 3 

ganz ohne Nachklang und Einfluß, während die Konco- 
dien des Paters B<:>homolec literaturgeschichllich die Be- 
deutung eines Fundamentes für die epätere Entwickelung 
der niodernen Komödie in Polen erringen durften. 

Bohoroolec* Wirksamkeit als Komödiendichter zerfällt 
zeitlich (in gewissem Grade auch tj^pologisch) in zwei 
deutUch voneinander geschiedene Perioden, die Periode 
der Schulkomödien und die der von ihm selber soge- 
nannten «Theateikomödien» («komedye na teatrum»). 
Die € Theaterkomödien >, die durch einen Zeitraum von 
t> bis 15 Jahren von der Periode der Schulkomödien ge- 
schieden sind (die erste <Theaterkomödie> erschien 1766), 
entetanden — wie schon der Name besagt — anläßlich 
der 1765 erfolgten Eröflhung des ersten öffentlichen 
Theaters in Warschau. Diese Komödien bilden mit Jözef 
Bielawskis, Adam Czartoryskis und Ignacy Krasickis Komö- 
dien eine historische Etappe in der Entwickelung der 
modernen polnischen Komödie, wobei die letztgenannten 
drei Komödiendichter alle irgendwie unter dem Einfluß 
der Bohomolecschen Komödienart stehen und deutlich den 
Drang zur Sitten- und Gesellschaftskomödie verraten. 
ZaWockis lange überschätzte Komödiendichtung stellte sich 
eigentlich jener Tendenz zur Emanzipierung der pol- 
nischen Komödie von der französischen entgegen, indtm 
sie den bequemeren Weg der eleganten Tracsponierung 
und Polonisierung französischer und dabei nur zweit- 
klassiger Muster statt selbständige Bahnen einschlug. 
DenncKjh würde man noch nach ZaUocki, nr>ch bei Niem- 
cewicz. Wybicki und Kossakowski, sogar noch bei den 
unmittelbaren Vorgängern Fredros um die Wende des 
Jahrhundertf deutlich den Einfluß der Bohomolecschen 
Komödie nachweisen können. Wenn aber die geschichtlichen 
Zusammenhänge zwischen den drei repräsentativen Namen 
der fK)lnischen Komödie: Bohomolec-Zablocki-Fredro im 
großen ganzen leicht erfaßbar sind, so ist das bisher nicht 
der Fall gewesen, wenn es galt, die Ursprünge der Komödie 
ßohomolec' genauer zu bestimmen, d. h. die Frage zu 



4 Einleitung. 

be;un\vorten. wie eigentlicli die S chulkomödio UQsereci 
PAterH begritten werden soll. 

Die Frage nach der 8c hui komö die kann zugleich 
als eine Frage nach den typologiBchen, etoff liehen und lite- 
raturgeschichtlichen Ursprüngen der «Theaterkomödie» und 
damit als eine Frage überhaupt nach den Quellen der 
modornen polnischen Komödie der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts betrachtet werden. 

Die.se Frage, die also nur einem Teile der dichte- 
rischen Wirksamkeit des Patern Bohomolec gilt, und der 
ich ganz bewußt die engen Grenzen einer Einzelfrage 
ziehe, scheint mir um so berechtigter zu sein, als Bohomolec' 
Porträt sowohl von den Veiiassern größerer synthetischer 
Darstellungen der polnischen Literaturgeschichte als auch 
von Einzel forschem fast immer verzeichnet wird, und man 
bisher noch kein abschließendes und in allen Hinsichten 
gerechtfertigtes Urteil über die Komödien des Jesuiten 
und Dichters gewonnen hat. Eine kritische Übersicht der 
bisher über Bohomolec Komödien gefällten Urteile und 
der über ihn ausgesprochenen Anschauungen, die ich hier 
folgen lassen möchte, wird die Bere(;htigung meines Ver- 
suches, jene obengestellte Frage zu beantworten, dartun. 
Ich beginne mit den großen synthetischen Literatur- 
geschichten, berücksichtige aber hierbei nur das seit ca. 
1900 Geleistete^, würde mich doch die Analyse der älteren 
Darstellungen zu weit führen. 

Piotr Chmielowski, der Verfasser der bekannten 
«Historya literatury polskiej» (1900)*, drückt sich sehr 

3 lA-ider ist mir cUis in die <(EacykIopedja Polska» aufge- 
nommene Kolleklivwerk über die Geschichte der polnischen Lite- 
ratur: «Dzicje literatury pi^knej w Polsoe», Bd. I — II (Krakow 1918), 
tiesoTiders Prof. Hahns Abhandlung über die dramatische Dich.- 
timg vor der Teilung Polens (Bd. II, S. 1 — 16j, unbekannt ge- 
blieben. 

* leh kenne nur die zweite, von Stanislaw Kossowski 
besorgte AiLSga}>e des ersten Bandes: «Ilistorya literatury polskiej 
od czasow najdawniejszych do koiica wieku XIX». Tom I (Lw6w 
Warszawa 1914). S. 444—445. 



Einleitung. "> 

voMichtig und Rchwe))end aus. Er räumt zwar «in, <hS 
Boliomolec «hin und wieder vernucht hat, zu polnischen 
VerhältniFsen horabzustei<4rn, Mängel und Fehler unHcrer 
(der polnischen) (»eseilschal't zu streifen, Tyjien auH der 
ihn umgebenden Welt herauszugreif(?n und in ^er Kouiödie 
dae an den Pranger zu stellen, was er als ßcliädlieh an- 
sah». Das gilt aber nur von den späteren Komödien, 
während von den «Schulkomüdien» nur soviel gesagt wird, 
daß Bohomolec seine Motive aas den Komödien Moliere.s, 
französischer Jesuiten und auch der Commedia deU'arLe in 
französischer Vermittelung geschöpft habe, Wahrheiten, 
die nur teilweise richtig, jedenfalls nicht erschöpfend und 
vor allen Dingen nicht genügend sind. Chmielowskis 
Standpunkt ist durchaus negativ. «Bohomolec hat we<ler 
scharfen Witz, noch plastische Phantasie, noch die Fähig- 
keit besessen, einen lebhaften Dialog durchzuführen», 
meint er, und zwar nicht etwa von den «Sclmlkomcklien», 
sondern gerade von den späteren, auf dem Warschauer 
Theater aufgeführten Komödien. Die Quelle dieser Komö- 
dien scheint ihm vornehmlich Moliere zu sein, und er 
geht sogai- so weit ^zu behaupten, «alle Typen seiner 
Komödien hätten bei französischen Komödien Verfassern 
ihre Vorbilder*, ein Fehler, der immer wieder von den 
polnischen Literaturforschern wiederholt wird. Chmie- 
]owski hat augenscheinlich die Tatsache, daß einige 
von Bohomolec' «Schulkomödien» nach seiner eigenen 
Angabe Moliere nachgebildet sind, allzu leicht vemll- 
geineinert. 

Noch bezeichnender aber für Chmielowskis negativen 
Gesichtspunkt in der Beurteilung der Verdienste unseres 
Dichters ist der Umstand, daß er in seiner Skizzen- 
saramlung (von einer wirklichen Geschichte kann hier 
nicht die Rede sein) «Nasza literatura dramatyczna», deren 
VII. Abschnitt der << Komödie der zweiten Hälfte de.s 
18. Jahrhunderts» gewidmet ist, nur ganz im Vorbeigehen 
auch von Bohomolec spricht, während Zablocki, Bogu- 
siawski und Niemcewicz je ein besonderes Kapitel zuteil 



6 Einleitung. 

wird.^ Wenn irgendwo so hätte man eben hier eine aus- 
fülirlicbere Studie über den Vater der polnischen Komödie 
erwarten dürfen. 

P^inp:ebender, wenn auch nicht gerechter verfuhr 
St anislaw Tar no wski in seiner polnischen Literatur- 
geschichte^* mit unserem Komödiendichter, dem er un- 
gefähr 10 Seiten seines Werkes geopfert hat. Sein Ge- 
sichtspunkt ist ausschließlich der des ästhetischen Kritikers, 
nicht der eines objektiven Historikers,'' und es fiel ihm 
leicht, den Komödien Bohomolec' jedweden rein -jißthetischen 
Wert abzusprechen. Sonderbar ist es aber, daß dabei 
kein Unterschied zwischen den «Schulkomödien» und den 
ästhetisch bedeutend wertvolleren «Theaterkomödien» ge- 
macht wird. Im Gegenteil, es heißt von den letzteren, 
daß sie sich von jenen nur dadurch unterscheiden, daß 
sie nicht für die Jugend, sondern für Erwachsene ge- 
schrieben sind (ohne daß aus diesem sehr bedeutsamen 
Faktum irgendwelche Schlüsse für die Charakteristik und 
Erklärung der * Schulkomödien» gezogen werden), und daß 
Lie})esmotive den Angelpunkt der Handlung bilden. Der 
eminente kulturgeschichtliche Wert der späteren Komödien 
unseres Dichters wird gar nicht berührt, dagegen der 
Mangel an Komik ungebührlich hervorgehoben, während 
die große historische Bedeutung der Komödien ganz mit 
Stillschweigen übergangen wird. Wenn so das allgemeine 
urteil über die Komödien des Paters Bohomolec auf Grund 
seiner sogenannten «Schulkomödien» gewonnen wird, hat 
man zum mindesten recht zu erwarten, daß diese richtig 
dargestellt und gewertet werden, aber auch das ist nicht 



^ P i o t r C li Dl i e 1 o \v s k i . Nas2ia liieratuia dramatycznii. 
Szkice nakreslono . . . Tom'I (Petersburg 1898), S. 94 ff. 

^ S t. Tar MO wsk i , Historya literatuiy polskiej. WiekXVIIl 
(wyd. 2), tom III (Krakow 1904), S. 141 ff. Die erste Ausgabe 
vorn Jahre 1900 kenne icli nicht. 

"Vgl. Wilhelm Feldmanns Charakteristik von Tar 
nowski in dessen Werk: Wspölczesna literatura pöl.ska 1864 — 1917, 
Bd. I (6. Ausg., Warszawa Krakow 1918), S. 136 fi. 



Einleitung. 7 

der FaJl. Tarnowski hat sich zwar die Mühe gegeben, 
einige von ihnen (7) näher zu analysieren, aber erstens 
ist die Wahl durchaus nicht glücklich ausgefallen, zweitens 
verrät sie, daL> Tarnowski nur die Komödien der ersten 
zwei Bändo gekannt hat, wodurch es uns begreiflich wird, 
wie er eine der besten «Schulkomödien», den «Paryzanin 
Polski», dem sogar Chmielowski l)edingten Wert zuerkannte, 
hat übersehen können. Aber auch die Kenntnis jener 
Komödien, die Tarnowski selbst au-drückUch nennt und 
analysiert, ist nicht besonders fmponierend, passiert ihm 
doch der Lapsus, daß er den Schluß der «N'atrt^tnicy» 
an die Komödie «Dziedzic chytry>» (der übrigens «Chytry 
dziedzic» genannt wird) anklebt und von Figlackis Philo- 
sophie als einer *polityka wieku terazniejszego' spricht, 
während Figlacki doch immer den gedanklich etwas 
anderes bedeutenden Ausdruck 'polityka teraznieyszey 
mody anwendet. Die wenigen Sätze schließlich, die 
Tarnowski an verschiedenen Stellen der Frage über Boho- 
molec' Quellen opfert, wecken den Eindruck, als ob dieser 
im allgemeinen recht selbständig verfahren sei und nur in 
einigen wenigen Fällen Moliere bearbeitet habe, und Komö- 
dien, die Bohomolec selbst ausdrücklich als fremdes Gut 
bezeichnet hat, w^erden unbekümmert als Originalkomödien 
behandelt. Wenn Tarnowski, von solchen unsoliden Daten 
ausgehend, sein ästhetisches Urteil über die ersten Komödien 
unseres Dichters dahin formuliert, daß sie «kaum den aller- 
ersten Komödienkeim bilden, kaum besser sind als die 
alten Dialoge», so können wir von vornherein an der Berech- 
tigung dieses ganz unhistorischen Urteils mit Recht zweifeln. 
Dieser Zweifel wird zur Gewißheit, wenn wir dem eigent- 
lichen und eigentümlichen Wesen der «Schulkomödien» 
nähertreten und sie als Teil einer besonderen, literatur- 
historisch nicht uninteressanten Gattung betrachten. Und 
schließlich ist es eine Frage, ob wir wirklich das Recht 
haben, Bohomolec so ganz tief unter Zablocki zu stellen, 
wie Tarnowski es tut, und ihm jeden selbständigen Wert 
abzusprechen, um Zablockis Bedeutung auf seine Kosten 



8 Einleitung. 

zu untcrt?treichen; denn die Forechungen der letzten Jahre 
haben dargetan, daß Zahlocki in nicht geringem Grade 
überschätzt worden ißt. 

Tarnowski hat es wenigstens der Mühe wert gefunden, 
Bohomolec näher zu besprechen. Wenden wir uns aber 
zu Brückner, so überrascht uns erstens die Kürze, mit 
der dieser ihn abgefertigt, zweitens die Fehlerhaftigkeit der 
Daten, auf denen Brückner sein Urteil basiert. Daß 
Bohomolec in seiner deutschen Literaturgeschichte® nur 
eehr kurz behandelt wird, können wir mit Gleichmut 
ertragen, besonders, da Bohomolec' Verdienst positiv hervor- 
gehoben wird; Zablocki wird freilich traditionell auf seine 
Kosten als sein «Nachfolger, der ihn weit überflügeln 
sollte», herausgestrichen. Dagegen hätten wir in seiner 
polnisch verfaßten Literaturgeschiche eine eingehendere 
Charakteristik unseres Komödiendichters zu finden er- 
wartet.^ Aber Brückner hat eich damit begnügt, mit 
einigen Worten auf die lobenswerten Intentionen deß 
Dichters hinzuweisen und seine Komödien als ziemlich 
belanglos hinzustellen. Dabei kennt auch er nicht alle 
Komödien des Paters, sagt er doch, daß «eine «Schul- 
komödien ^^ nur vier (nicht fünf) Bände umfassen; merk- 
würdigerweise werden nur die schwächsten, und zwar 
ohne Nennung der Titel, analysiert; von den späteren 
Komödien nennt Brückner nur zwei, wobei die Besprechung 
der ersten nicht den eigentlichen Schwerpunkt derselben 
berührt, und auch die zweite nicht zu ihrem Recht« kommt. 
Auffallend und sehr wenig den Tatsachen entsprechend 
ist es auch, daß Brückner den Typus der späteren 
Bohomolecschen Komödie mit der Richtung eines Diderot 
und Mercier zusammenbringen zu wollen scheint. 

Sind so die Urteile der synthetischen Daretellungeni 
der polnischen Literaturgeschichte, die wir Brückner, 

® A. Brückner, Geschichte der polnischen Literatur (Die 
Literatliren des Ostens, Bd. I, Leipzig 1901), S. 241. 

3 Ders., Dziej€ literatury polskiej w zarysie. Tom I (Wax 
szawa 1903), S. 4031, 442 ff. 



Einleilunir. 9 

Tarnowski und Chmielowski verdanken, keineswegH gerecht 
oder berechtigt, so kommt Chrzanowski in seiner 
«Geschichte der Literatur des unahhänj^igen Polens» '* 
dem wahren Sachverhalte schon näher, wenn er, die Schul- 
komödieu nur wenig berücksichtigend, da.s Hauptgewicht 
auf die späteren Komödien legt; denn wenn wir einen 
ästhetischen Wertmesser anlegen wollen, kann nur die 
spätere Komödie unseres Dichters als Objekt einer solchen 
Wertmessung betrachtet werden. Die Besprechung, der 
pr in dieser Hinsicht die zwei «Theaterkomödien» 
«Malzenstwo z kalendarza» und «Pan dobry* unterzieht, 
ist im allgemeinen sympathisch betont, nur hätte natür- 
lich der Kenner der Bohomolecschen Komödien gewünscht, 
daß der Forscher nicht nur diese zwei Komödien heraus- 
gegriffen hätte, sondern daß in Kürze die ganze Fülle 
der Bohomolecschen Themata, die Tendenz und der Ideen- 
gehalt derselben charakterisiert worden wären. Die «Schul- 
komödien» aber, für die wir uns hier besonders interessieren, 
werden nur eben gestreift und als ihre Quellen «italie- 
nische und französische» Komödien ohne nähere Angabe 
der Titel bezeichnet. Auch Chrzanowskis Gesichtspunkt 
ist ein unbewußt unhistorischer, ein von Werturteilen 
beeinflußter; auch er übersieht die Bedeutung der «Schul- 
komödien» für die Beurteilung der eigenartigen Anfänge 
der polnischen Komödie und ihren besonderen literatur- 
historischen Charakter. Wenn er aber — im Gegensatz 
zu Brückner, Tarnowski und Chmielowski — schon mit 
Achtung und Interesse vom Werke unseres Dichters spricht, 
eo erklärt sich das dadurch, daß zwischen den Jahren 1903 
und 1908 Einzeluntersuchungen über Bohomolec* Komö- 
dien erschienen waren, die trotz zahlreicher Fehler und 
Mißgriffe und trotz nicht zufriedenstellender Beleuchtung 
jener Komödien dennoch die Bedeutung derselben hervor- 
hoben und zu einer ernsteren Betrachtungsweise zwangen. 

^^ I. Chrzanowski, Historja literatury niepodlegiej 
Polski (wyd. 4, Warszau-a 1920), S. 409 f. Die erste Alifla^R 
fl908) ist mir nicht bekannt. • ! 



10 Einleitung. 

Schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts haben 
einzelne Forscher sicli für die Gestalt unseres Paters und 
für seine Komödien interessiert, ohne doch wirklich 
Wi8sen>chaftliches zu leisten. K. WL Wöycicki war der 
erste Biograph unseres Paters*^ dem Brown^*, E. Nowa- 
kowski^^ und besonders Estreicher ^* mit kurzen bio- 
graphischen und bibliogra])hischen Skizzen folgten. Was 
sie vorlirachten, ist aber für unsere Zwecke mehr oder 
weniger belanglos, und in einer kritischen Revue können 
sie ohne weiteres übergangen werden. 

Den erstem Versuch einer Darstellung der Geschichte 
der polnischen Komödie hat seinerzeit Aleksander Ty- 
szynski gewaut. In seinen 1875 in Warschau erschie- 
nenen «Wizerunki polskie » («Polnische Bilder»)^^ beginnt 
auf S. 167 ein Kapitel, das den Titel trägt: «Die pol- 
nische Komödie im 18. Jahrhundert». Wenn das auch 
nur wieder eine Skizze ist, und wenn auch Bohomolec 
vor einem Czartoryski und Zablocki ganz in den Schatten 
tritt, so wirkt doch das ruhige und objektive Urteil des 
Forschers über Bohomolec' Bedeutung für die Entwicklung 
der polnischen Komödie einfach wohltuend im Vergleich 
mit den verächtlichen oder ironischen Urteilen der mo- 
dernen Forscher. «Wenn Bohomolec auch kein Genie 
gewesen ist» — meint Tyszyriski — «so war er immerhin 
ein Mann von Verdienst und Talent» (S. 171). Dieses 
maßvolle Urteil ist um so bemerkenswerter, als Tyszynski 



^^ K. AV 1. Wöycicki, Zyciorysy znakomitych ludzi Tom I 
(Warszawa 1850), S. 180. 

^2 Brown, Biblio'eka pisarzöw As. Pulsk. Tow. Jezusowego. 

^^ Nowakowskis Artikel in Orgelbrands Encyklopedya 
Fowszochna, Bd. III (Warszawa 1860). 

** Est reicher, Rys ogölny pismiennictwa drarnatycznego 
(.Dzioiuiik litoracki.. 1853, Nr. 41, S. 38—47). Vgl. «Rozmaitosci 
lwovi.skieT 1858, Nr. 6. 

*'' A. Tyszynski, Wizerunki polskio. Zbiör szkic6w lite- 
ratkich (Bibliotftka uajfx^lniejszych utvvorow literatury europejskiej. 
Litejatiira fKiiska). TWarszawa 1875), S. 167 ff. : «Komedya polska 
w XVIII wieku». 



Einleitung. 11 

MIT die «Schulkomöilicn» zu kennen scheint, c Diese 
Komödien» — setzt er fort — «waren alle nicht lan^ 
und nicht in Versen, sondern in Prosa verfaßt, enthielten 
■-oniit weniger echte Kunst (?) und gaben keine voUstiin- 
digen Schilderungen des gesellschaftlichen Lebens. Aber 
fast jede von diesen kleinen Komödien (<:sztuczki») hatte 
irgendein moralisches Ziel und war reich an Lehren; die 
Waffen der Satire und Ironie waren in der Hand des 
[alters Bohomolec keineswegs stumpf, sein Humor war 
tchter Humor, der komische Dialog war wirklich komisch, 
Handlung und Situationen, wenn auch geringeren Um- 
fanges, gebührlich entwickelt und die Charaktere nicht 
nur den veränderten Namen nach, sondern auch kraft 
ihres Wesens oft wirklich national». Leider ist aber dieses 
günstige Urteil nicht autoritativ genug, da Tyszynski über- 
haupt eine ausgeprägte Neigung zum Loben hat, findet er 
doch sogar in den «Komödien» der Fürstin Radziwilt «ge- 
wisse Vorzüge», «reiche Phaptasie» und «oft Witz». 

Erst im Jahre 1879 ist der erste Versuch einer wirk- 
lichen Biographie des Paters Bohomolec gemacht worden, 
der tiefergreitende Studien über seine Wirksamkeit auf 
dem Gebiete der Komödie und überhaupt über sein 
ganzes Schaffen ermöglicht hat. Der Biograph war der 
damalige Student der Universität zu Lwöw, der spätere 
verdienstvolle Literaturforscher Henryk Biegeleisen. 
Auf seiner Biographie/^ die jeder kritischen oder lite- 
raturhistorischen Wertung von Bohomolec Lebenswerk 
sorgfältig aus dem Wege ging, zugleich aber eine ge- 
naue , später von Estreicher ergänzte und vervoll- 
ständigte Bibliographie der Werke unseres Dichters bot, 
fußen die späteren Biographen Bohomolec', ohne irgendwie 
N^eues hinzufügen zu können: sow^ohl P. C h m (ielowski) 
in seinem Artikel in der «Großen Allgemeinen Enzyklo- 



^*5 H. Biegeleisen, Zywot ks. jezuity Fraaciszka Boho« 
raolc«! (Album uczaoej si^ mlodziezy polskiej poswi^cone Jözefowi 
Ignacemu Kraszewskiemu», Lwöw 1879), S. 619 ft 



IJ Einleitung:. 

pädi€>" al^ auch der Jesuit St. Zal^ski in seinei» 
Werke über ^Die Jesuiten in Polen», im Kapitel über 
Hohoniolec. "' Auch ich verdanke diesem j^ed legen on Werke 
vicV^. 

Ein sympathi^sches und auf eingehendem Wissen be- 
gründetes Urteil, das den Verhältnifisen, unter denen Bo- 
liomolec gearbeitet hat, gerecht zu werden sucht, hat der 
historische Dramatiker und Literaturforscher Adam Beici- 
kowtski in seinen « Studien ^^^ über Bohomolec gefällt, 
den er gleich in der Überschrift seiner Studie den «ersten 
polnischen Bühnendichter» nennt. Seine größte Bedeu- 
tung sieht er in seiner Rolle eines Pioniers, der das junge 
polnische Theater vor dem geistigen Tode zu bewahren 
gewußt hat. «In der für das nationale Theater kritisch- 
sten Zeit, nämlich in seinen allerersten Anfängen», — so 
drückt er sich aus — «hat er es vor einem vorzeitigen 
Tode gerettet und hat auch durch seine eigenen Werke 
bewirkt, daß sich das Publikum von ihnen interessieren 
und amüsieren ließ und sich nicht etwa mit Widerwillen 
und Gleichgültigkeit von der polnischen Bühne abwandte». 

Damit könnte die Übersicht über das, was die Verfasser 
synthetischer Darstellungen der polnischen Literaturge- 
schichte und die älteren Biographen und Monr^graphen 
über Bohomolec zu sagen gehabt haben, abgeschlossen wer- 
den. Sehen wir von den allgemeinen literaturgeschicht^ 
liehen Darstellungen ab, von denen wir doch keine detail- 
lierte Diskussion über die Komödien unseres Autors fordern 
können, und die uns nur insofern beschäftigen können, 
als wir in ihnen einerseits den Widerklang von Einzel- 
forschungen über unser Thema, andrerseits eine allgemein- 



1' Wielka Encyklopedja Powszeclina Iliustrowana (VVarsrawa 
185% Bd. IX—X. 

^* Ks. Stanislaw Zal^ski, Jezuici w Poisce. Tom 111,' 
cz^6<5 II (Lwöw 1902), S. 1167—1173 u. passim. 

^9 A. BelcikowEki, Ze studyöw nad Uteratur^ polricxi 
(Wajßzawa 1886). S. 292—320 («Pi^rwszy sceniczjiy pisaX2 
polski»). 



EiDleitung. t:( 

historif^che Wertnng desselben zu suchen berechtigt Bind, 
— .so müssen wir konstatieren, daß die obengenannten, 
dem vorigen Jahrhundert entstammenden Einzelforschungen 
nicht über das Sta<lium der Lebensbeschreibung und der 
^'agen und mehr mler weniger subjektiven Charakteristik 
hinaus gelangt sind. 

Es ist dem laufenden Jahrhundert vorbehalten ge- 
wesen, wie überhaupt auf dem Gebiete der Geschichte 
der dramatischen Dichtung in Polen, so auch speziell auf 
dem bescheideneren Gebiete der Bohomolecforschung — sit 
venia verbo — etwas Positiveres zu schaffen. Was nun 
die Geschichte der dramatischen Dichtung im allgemeinen 
anbetrifft, so erscheint es a priori klar, daß eine solche 
Geschichte einer Dichtungsart nur auf Grund vorher- 
gehender, eingehender Einzelstudien der einzelnen Ele- 
mente derselben, ich meine: einzelner zeitlicher Gru}>pen, 
einzelner Repräsentanten, sogar einzelner Werke, ge 
schrieben werden kann oder, wenn solche Einzelstudien 
fehlen, entweder selbst in eine Reihe von Einzelstudien 
der oben angedeuteten Art zerfallen oder zu einer rein- 
bibliographißchen Kompilation henibsinken muß. Eine 
synthetische Geschichte der polnischen Dramatik, die 
weder auf erschöpfenden Einzelstudien noch auf bloß- 
bibliographischem Material beruht und auch nicht selbst 
jils eine Reihe unabhängiger Studien von Einzelfragen 
gelten will, ist von vornherein zum Mißlingen verdammt. 
So ist auch Chmielowskis oben zitierte, verfrühte Arbeit 
mißlungen, einfach weil die nötigen Vorarbeiten fehlten 
So ist auch die unlängst erschienene, von dem verdienst- 
vollen jungen Forscher Marjan Szyjkowski verfaßte 
kurze Geschichte der polnischen Komödie^*' in vielen 
Punkten verfehlt und in den ßohomolec gewidmeten Ab- 
schnitten direkt fehlerhaft. Der Mangel einer Monographie 
über die Komödien des Bohomolec hat sich gerächt, und 
nur wenn Szyjkowski die vornehmlich bibliographische 

20 Marjan Szyjkowski, Dzieje komedji polskiej vf 
'/ajysie («Z hisfcorji i litoratury» 4, Krakow 1921). 



U Einleitung. 

Methode befolgt hätte, die er seiner kurz zuvor erschienenen 
«Geschichte der modernen polnischen Tragödie »^^ zugrunde 
gelegt hatte, liiitte er ein Werk geschaften, das dem Vor- 
wurfe des verfrühten Erscheinens hätte entgehen können. 

Der Zeitpunkt für eine zusammenhängende, histo- 
rische Darstellung der Entwickelung der polnischen Ko- 
mödien der neueren Zeit ist somit noch nicht gekommen, 
denn noch bieten sich zahlreiche ungelöste Fragen über 
Rzewuski, die Fürstin Radziwilt, Bohomolec, Krasicki, Czar- 
toryski, Zablocki u. a. — um nur die Verfasser von Komö- 
dien aus dem 18. Jahrhundert zu nennen, die meinen 
Forschungen am nächsten stehen, — der Detailuntersuchung 
und Einzelforschung dar. Die Detailuntersuchung und Ein- 
zelforschung, die, statt mit Bohomolec zu beginnen, mit 
Fredro und Zablocki begonnen hat, freilich mehr als er- 
folgreich begonnen hat, hat somit in einer ganzen Reihe 
von Fragen immer noch das Wort. 

Diese Detailforschung hat nun aber unglücklicher- 
weise an einer falschen Stelle den Hebel angesetzt. Sie 
hat ein allgemeines Problem aus der Fülle der Fragen, 
die der Beantwortung harren, herausgegriffen, ehe noch 
die wissenschaftliche Basis für das Studium geschaffen 
war, und hat demgemäß nichts w'eniger als eine wirkliche 
Lxjsung jenes Problems geben können. Ich meine die 
«umfangreiche, aber wenig ergiebige Abhandlung», wie 
F. Krcek sie ganz richtig charakterisiert hat^^, die Bo- 
lesiaw Kielski über den «Einfluß Molieres auf die Ent- 
wickelung der polnischen Komödie» ^^ seit Bohomolec bis 
Fredro geschiieben und 1907 in den Abhandlungen der 
Krakauer Akademie veröffentlicht hat. Ein solches Thema 
behandeln, bevor man noch richtig weiß, worin eigentlich 



-^Marjan Szyjkowski, Dzieje nowozytnej tragedji 
polskiej. Typ pscudoklasyczny 1661—1831 (Krakow 1920). 

22 Vgl. <'Arch. f. sl. Ph.», Bd. XXXII, S. 537. 

23Boleslaw Kielski, wjjlywie Moliera na rozwöj 
kom«Iyi jK>lskiej (Rozprawy Akad, Um., wydz. filolog., serya II, 
tom XXVII, Krak6w 1907, S. 129). 



Einleitung. 15 

die Entwickelung der polnischen Komödie bestanden hat, 
bedeutet, einen (iuersschnitt durch einen K(irper machen, 
der noch nicht existiert. Bevor noch Einzeluntersuch- 
ungen über die Konuidien eines Fredro, eines Zablocki, 
eines Krasicki, eines Bohoraolec die Werke eines jeden von 
ihnen als ein (lanzes bestimmt hatten, griff Kielski die 
wichtig«^ Quellenfrage heraus und beleuchtete sie einseitig 
und ausschließlich vom Stand])unkte eines natürlich im 
groGtn und ganzen un vernein baren, aber höchst unwissen- 
schaftlich a priori postulierten Moliörischen Einflusses. So 
geschah es denn, daß fast alles sich seiner Meinung nach 
auf Müliere zurückführen ließ. 

Die Berichtigungen, mit deren VeröftVaitlichung man so- 
fort begann, taten die ganze Unhaltbarkeit der Kielskischen 
Behauptungen dar. Und das Hauptverdienst seiner Ab- 
handlung bestand vielleicht gerade darin, daß er neue 
Studien anregte, die wichtige und voll überzeugende 
Daten au den Tag förderten. Was Fredro anging, so 
haben wertvolle Studien eines W. Günther^*, eines 
M. Smolarski^^ eines Kucharski^^ die Frage über die 
Quellen den Komödien dieses endlich zu seinem Recht 
gekommenen Dichters sehr gefördert und sind in den 
hervorragenden Monographien 1. Chrzanowskis^^ und 
Kucharskis^^ zu einem vorläufigen Abschluß gelangt, 
der sehr weit von den Resultaten Kielskis abliegt. Auch 
betrefls Zablockis ist die Forschung sehr bald zu ganz 
anderen Resultaten gelangt, als diejenigen Kielskis es waren, 

2* Vgl. seine Beiträge iin «Przeglcid Polski» (t. 166, 1907; 
't. 173, 1909; t. 174, 1909) und in der «Biblioteka Warszawska» 
(1913, I; 1914, I— II). 

25 Vgl. seinen Artikel in der «Biblioteka Warszawska» (1912, II). 

2« Vgl. seine Artikel im «Painiglnik Literacki» (1906), in der 
«Biblioteka Warszawska» (1909, II; 1911, I) u. a. 

2^ Ign. Chrzanowski, komedyacli Aieksandra Fredry 
(Krakow 1917). 

28 Eugenjusz Kucharski, Fredro a komedja obca. 
Stosunek do komodji wloskiej. («Z historji i iiteratury» 5. Kra- 
kow 1921). 



l(i Einleitung,'. 

zu Resultaten sogar, die die bis dahin herrschende Meinung 
von Zabtockis eminenter Bedeutung und Selbständigkeit 
ganz empfindhch reduzierten. In dieser Beziehung nniuß 
die wichtige Arbeit, die L. Bcrnacki-^ schon 1&07 ge- 
leistet hat, vor allen Dingen hervorgehoben werden. Andre 
ergänzt<jn seine Ergebnisse, und die früheren Resultate der 
Zabl4)cki-Foi-schung büßten allen Wert ein. Bedeutend 
schlechter ist es um die Literatur über die anderen 
Komödiendichter der Stanislaißchen Epoche bestellt. Ich 
will nur flüchtig erwälinen, daß Zofia Gasiorowska 
in ihrem Artikel über Krasickis Verhältnis zu Moliere*** 
zwar nicht Unwesentliches geleistet, wohl aber den Fohler 
l>egangen hat, in Kielskis Fußtapt'en zu treten, d. h. 
Molieres Einfluß auf Krasicki in hohem Grade zu über- 
treiben. Fast ebenso schlimm steht es mit Bohomolec. 
Zwar hat \V. Strusinski^^ fast gleichzeitig, wenn nicht 
schon vor Kielski, der in den P'ußnoten zu seiner Abhand- 
lung auf ihn verweist, einen wertvollen Artikel über 
Bohomolec' Quellen geschrieben, einen Artikel, in dem 
ein — als s<:)lcher sehr wohltuender — Versuch gemacht 
wird, dem Vergleichsmateriale weitere Grenzen zu ziehen, 
als das der Fall war bei Kielski; aber auch dieser Aufsatz 
war (iinerseits nicht ganz frei von Mißgriffen, andrerseits 
bei weitem nicht erschöpfend. Schließlich hat auch 
L. Bernacki mit einer kürzeren Notiz über die Quelle 
mner der Bohomolecschen Komödien'^^ zur Diskussion der 
Quellenfrage beigetragen. ^^ 

-^ Lndwik Rernacki, ;?;r6dla riiekt6iych koraedji Frau 
r:iszka ZaWockiogo (cPamietnik Literackio, VI, 1907.) — Vgl. au'h 
Wiktor Hahn, Tomasz Corneillo i Franciszek Zablocki (ibid., 
X, 1911) tind W sprawie Trödel komedyi Fr. Zablockiego (ibid.). 

^'^ Zofia Gasiorowska, Wply v,- Moliera na komedye 
Kraaickiego («ParrÜQtmk Literacki;», XIII, 1914—1915). 

^^ W, S t r u s i n s k i , Komedye X. Fr. Bohomolca w sto 
^unku <k> teatru francuzkiego ("Pamifdriik Literacki», IV, 1905). 

3-Ludwik Bernacki, Klopoty Panöw, komedya ks. 
Fr. Bohomolca (<PamiQLnik Literacki^», Bd. V, Lwow 1906, S. 59j. 

23 Erst nach Abschluß meines Buche.s ist es mir gelungoü, 
Ton der neulich in den Abhandlungen der polnischen Akademie 



F.inleilunij. 17 

Einiges ist somit schon getan, aber dieses t einiges» 
ist herzlich wenig, unvollständig und durchaus nicht ab- 
ßchließend. Wenn wir auch dank Bohuniolec' eigenen 
Mitteilungen einiges über die Quellen der «Schulkomödien» 
wissen, so liarrt du) Quellenfrage im ganzen doch noch 
ihrer vollstilndigen Beantwortung. Wir wissen, wie sicli 
das Leben unseres Paters in seinen Hnuptzügen gestaltet 
hat, nicht aber, was ihn zur Betätigung als Komödien- 
dichter getrieben hat. Wir wissen, daß er Jesuit und Lehrer 
gewesen ist, nicht aber, wie gerade diese Tatsachen sich 
in seinen «Schulkomödien» geäußert haben, wie Bohomolec 
selbst seine Wirksamkeit betrachtet und welche Ziele er 
verfolgt hat, und inwiefern er, der Komödien schreibende 
Jesuit, innerhalb seines Ordens etwa einen Boden gehabt 
haben kann, auf dem er fest und sicher hat stehen können. 
Wir wissen, daß Moliere viel für ihn bedeutet hat, nicht 
aber, bei wem er sonst gelernt, wem er sonst gefolgt ist, 
von welchen Rücksichten er sich bei der Wahl seiner 
sonstigen Vorbilder hat leiten lassen, d. h. wir keimen 



der Wissenschaften zu Krakau (Rozprawy Polskicj Akademji 
Umioj^tnosci, wydzial filologiczny, tom LX, Nr. 6) erschienenen 
Arbcif. von Jözef Golr^bek: Komedjo konwiklowo ks. Fran- 
ciszka Bohomolca w zaleznosci od Moljera, Krakow 1922, Kennt- 
nis zu nehmen, ich habe daher auch nicht in diesem Buclie auf sie 
Rücksicht nehmen kömien. Gol^bek bewegt sich im großen und 
ganzen noch vollständig in den von Kielski gewiesenen BalunMi 
eines ausschließUcben Vergleiches^ der Schulkomödien Bohomolec' 
mit ^loliercs Komödien. Der vollständige Mangel eines wirklich 
neuen Gesichtspunktes und die konsequente Einseitigkeit der von 
Kielski eingeführten Methode verringern außerordentlich den Wert 
\md die Frucht des Fleißes, mit dem Goh\bek Molierische Motive 
bei Bohomolec sucht, findet und zuweilen fälschlich annimmt. 
Gola.bck berücksichtigt ebensowenig wie Folkierski in seinem. 
Aufsatz: Moliere en Pologne in der Revue de Litt^rature Compare«'! 
(II, 2, Paris 1922, S. 175 ff.), verneint sogar im Hinblick auf Gol- 
doni andere Einflüsse als die Molieres und trägt somit wesentlich 
zu dem Irrtume bei : Bohomolec' Komödien seien nichts anderes 
als lauter Adaptationein Molierischer Vorbilder. Vgl. Revue des 
Etudes Slaves, II, 3—4, Paris 1922, S. 317. 

Stenrler-Peterscn, Die Schulkomöv-lien. 2 



18 Einleitung. 

weder iicn ganzen Umkreis seiner literarischen Kenntnisse 
noch sein Verhältnis zu ihnen, wir haben keine er- 
schöpfende Definition des ganzen literarhistorisch bedeut- 
samen Typus seiner Schulkomödien und keine genaue 
Darlegung des Verhältnisses seiner Schulkomödien zu den 
späteren Theaterkomödien, wir wissen vor allen Dingen 
nichts über die literarhistorische Stellung und Bedeutung 
seiner Schulkomödien, ihren Platz in der Geschichte der 
polnischen Komödie, ihre Bedeutung für die Entwickelung 
dieser Komödie in den folgenden Jahrzehnten, den ersten 
Jahrzehnten des polnischen Theaters. Der Pater Bohomolec, 
der Vater der Komödie in Polen, der polnische Moliere, 
wie Fürst A.Czartoryski'^'* ihn mit einer gewagten Hyperbel 
genannt hat, ist praktisch genommen immer noch eine mehr 
oder weniger unbekannte Größe für uns und seine Schul- 
kom()die immer noch nicht endgültig erforscht. 

So glaube ich mit vollem Rechte behaupten zu können, 
daß die Studie, die ich hiermit der Kritik vorlege, ihre 
volle wissenschaftliche Berechtigung im Obengesagten 
findet. 



3* A, Czartoryski, Historya Nauk Wyzwolonych (1766) : 
«Temu polskiemu Molierowi winn« teatrum polskie po- 
prawQ swoj?, oii allK)wiem pierwszy w narodzie- swym pisal 
podlug rcgul komedye.» — Vgl. A. Brückner, Dzieje litera- 
turv . . ., tom I, S. 441. 



]» 



Kapitel I. 

Bohoniolec in seinem Verhältnis zur 

Dramatik des Jesuitenordens in 

Polen und Frankreich. 

Es ist meine Aufgabe nicht, Pater ßolioniolec' Leben 
ausführlich zu schildern, wenngleich ich auch der Meinung 
bin, daß die von Biegeleisen vor ungefähr 45 Jahren ge- 
lieferte Biographie, trotz ihrer großen Verdienste, als in 
wesentlichen Punkten veraltet betrachtet werden muß. 
Meine Aufgabe macht es mir aber zur Pflicht, die Daten 
aus Bohomolec' Leben hier in Kürze anzuführen, die zu 
einer richtigen Beleuchtung seiner «Schulkomödien» irgend- 
wie beitragen könnten. Denn gerade die äußeren Um- 
stände, unter denen Bohomolec sich entwickelt und als 
Komödiendichter gewirkt hat, haben auf seine Wirksam- 
keit verändernd und bestimmend eingewirkt und ihr den 
äußeren und inneren Charakter gegeben, den ich in meiner 
Studie zu bestimmen versuchen werde. 

Da ich nun aber meinen Untersuchungen eine mög- 
lichst enge Grenze gezogen habe und als Gegenstand der- 
selben nur einen Teil seines dichterischen Schaffens, nur 
die von den sogenannten «Schulkomödien» repräsentierte 
erste Periode betrachtet wissen will, so ergibt sich daraus 
von vornherein, daß eben nur diese erste Lebensperiode 
uns hier interessieren kann. Ich werde somit nicht auf 
jenen Teil seiner Wirksamkeit eingehen, der in die neue, 
durch König Poniatowskis Regierungszeit nach außen hin 
symbolisierte Kulturära fällt, sondern nur die Zeit ins 



20 Kapitel I. 

Aup:e fiisscn, die uiit den letzten Jahren der sogenannten 
«sächsischen» Periode zusanniienfällt. Ich werde Bohomolec 
nicht in jene Lebensperiode nachgehen, die vor allen 
Dingen von seiner breiten journalistischen Arbeit ihr Ge- 
präge erliält, sondern nur bei seiner pädagogischen Arbeit 
an der modernen Jesuitenschulö zu Warschau verweilen, 
um aus ihr den äuß'^ren Typus seiner «Schulkomödien» 
zu erklären. Wie und was J^ohomolec nach seinem Ab- 
Fohiede von der Schule gewirkt, sei den Biographen 
überlassen. 



Der junge, erst 32 Jahre zählende Jesuit mit dem 
weißrussischen Namen Franciszek Bohomolec, der 
1752 als Professor der Beredsamkeit nach Warschau be- 
rufen wurde, um in dieser Eigenschaft unter anderem die 
Theateraufführungen seiner Schüler nach althergebrachter 
Sitte zu leiten, war ein Mann, der schon reichhaltige Ge- 
legenheit gehabt hatte, sich in der Welt umzusehen und 
seine wissenschaftlichen und pädagogischen Fähigkeiten an 
den Tag zu legen. 

Wahrscheinlich der älteste von den sieben Söhnen 
des Witebskischen Kleinadelsmannes (vom Geschlechte der 
Boliorya) Pawel Jozef Bohomolec und seiner Gattin Fran- 
ciäzka (Cedrowska), ging er als ITjähriger Jüngling seinem 
Vater und zweien seiner Brüder^ mit dem Beispiel voran 
und wurde 1737 Jesuit. Als solcher absolvierte er vier 
Jahre sjüiter die Jesuitenschule zu Wilna und wirkte dann 
ah Magister der Grammatik an den Elementarschulen da- 
selbst, bis er im Jahre 1746 von seinem Ordenschef, dem 
litauischen Provinzial Franciszek Truchnowicz^ zusammen 
mit seinem Schulgenossen, Ordensbruder und späteren 

1 Dor eine von ihnen war der bekannte Bekämpf er des Aber- 
glanljens Jan Cliryzostom Bohomolec, Verfasser der Schrift «Dyabel 
w svvoiey postaci», 1772. 

2 Vgl. S o m m e r V o g e I , Bibliothöcjue elc, Bd. VIII, S. 257, 
wo er Truchonowicz genannt wird. — Zal(jski, Jezuici w 
Polsce, Bd. III, 2, S. 1055. 



Bohomnlec in seinem Verhältnis z. Dran.atJk d. Jesuitenonlens. 21 

Warschauer Kollegen Miehal Kie}[>s-z"' ins Ausland zur 
Vervollkonininung seiner Bildung gesandt wurde. Die 
beiden weißrussischen Jesuiten waren nicht die ernten, 
die nach dem Westen Euro]ias gesandt wurden, denn 
sclion iToü hatte der Orch'n, hi<*rin dem modern gesinn- 
ten -^ordo scholarum piarumt folgend, begonnen, seine 
jungen Kräfte zur weiteren Ausl)ildung nach Rom (vor- 
nelnnlich zum Studium der Theologie), nach Prag (vornehm- 
lich zum Studium der Mathematik) und nach Paris (vor- 
nehmlich zum Studium der Physik und Astronomie) zu 
senden. Bohomolec und Kielpsz wurden, soweit bekannt, 
direkt nach Rom gesandt, wahrscheinlich um Theologie 
zu studieren. Wenn aber Janocki, dem wir die meisten 
Daten aus der Jugend des Bohomolec verdanken, durch- 
scheinen läßt, daß sein Lehrer hierin der Pater Contuccio 
Contucci gewesen sei,* so kann das nur richtig sein, 
wenn wir voraussetzen, daß Bohomolec in Rom nicht (oder 
nicht ausschließlich) Theologie, sondern vornehmlich Rhe- 
torik studierte. Contucci (1688 — 17G8) war nämlich be- 
rühmt als Professor der Rhetorik am CoUegium Romanum 
S. J., an dem er 30 Jahre seines Lebens wirkte, um später 
zum Konservator am bekannten Museum Kircherianum 
ernannt zu werden. Ein hervorragender Archäolog, stand 
er in steter Verbindung mit den größten Gelehrten seiner 
Zeit, wie Winckelmann, Muratori, Abbe Barthelemy u. a. 
In seiner Eigenschaft als Professor der Rhetorik hatte er 
1730 eine lateinische Tragödie «Jaddeus» (mit einem 
Prologe und «intermezzi da cantarsi nella tragedia» in 
italienischer Sprache) für die Konviktoren des Seminarium 
Romanum verfaßt, die im folgenden Jahre schon in voll- 
ständiger italienischer Übersetzung erschien. Zu der Zeit 
aber, als Bohomolec nach Rom kam, beschäftigte er sich 



3 So nennen ihn Szyjkowski, Dziejc tragedji etc., und 
So m mer voge 1, a. a. 0., Bd. IV, S. 1034; — Zal^ski da- 
gegen bald (S. 1165) Kielpsz, bald (S. 1211) Kielpsza. 

* Janocki, Lexicon derer itztlebenden Gelehrten in Polen. 
Breslau 1755. — Vgl. B i e g e 1 e i s e n , a. a. 0., S. 629. 



32 Kapitel 1. 

gorftde mit einer lateinischen Umarbeitung des 1730 zu 
Rom erschienenen theaterhistorischen Werkes «Le maschere 
sceniche et le ligure comiche (ranticlü Komani», das einen 
gewissen P>ancesco de' Ficoroni zum Verfasser hatte ; der 
gelehrte Akademiker^ gab es im Jahre 1750 in völlig 
veränderter Gestalt mit dem bescheidenen Titel «Fr. Fi- 
coronii Dissertatio de larvis scenicis et figuris comicis 
jintiquorum Rumanorum. . . Romae MDCCL» heraus. Bo- 
homolec wird in ihm einen Kenner des Theaterwesens 
und der Geschichte des Dramas, speziell der Komödie 
gefunden haben, und es liegt nahe zu vermuten, daß er es 
war, der seinen polnischen Schüler mit der Komödie seiner 
Zeit bekannt gemacht, ihn vielleicht sogar auf das von 
(Joldoni gerade begonnene Reformwerk auf dem . Gebiete 
der Commedia dell'arte aufmerksam gemacht hat.^ 

Aus den Nachrichten, die wir besitzen, müssen wir 
schließen, daß Bohomolec ganze vier Jahre in Rom zu- 
gebracht hat. Ob er auf seiner Auslandsreise auch andere 
Städte besucht hat, bleibt uns leider unbekannt. Sicher 
hat er auf seiner Hinreise wie auch Heimreise Wien und 
Venedig besucht, vielleicht ist er auch in Neapel gewesen, 
wohin er die Handlung seines «Pan do czasu» verlegt hat, 
möglicherweise auch in anderen Städten Italiens, aber das 
ßind nur Vermutungen, auf denen sich nicht bauen läßt. 
In Paris scheint er nicht gewesen zu sein, wie gern wir 
auch einen solchen Pariser Aufenthalt dem werdenden 
Schöpfer der modernen polnischen Komödie gewünscht 
hätten und wie gern wir auch aus einem solchen Auf- 
enthalt seine gute Kenntnis der Pariser Jesuitenbühne 

s Er war Mitglied der Accademia degli Arcadi, zu d^r auc'i 
Goldoni gehörte. 

« Vgl. Sommervogel, M. II, S. 1396. — La grande 
I.nc yclop«'*die, tome XII, S. 843. — Bohomolec hat später vielleicht 
sein lx.'scheidenes Vorwort in. der «Dissertatio» kopiert. ConLucci 
sagt nämlich: «. . . Quae si lecbor eruditus hunc meum qualern- 
cumqQf laljorem aeque bonirfue faceat, alia etiam ejusdem auctoris 
opcra Latine verUm../ Vgl. Bohomolec' Worte auf S. 3G1 meiner 
Abhandlung. 



Hohomolec in seinem Verliältiu-s z. Dramatik <i. JesuitenorJeiis, '_M 

und der gleichzeitigen französischen Koniüdie orkliircn 
niöcliten. 

Im Jahre 1750 kehrte liohomolec nach Wihia zurück 
und wurde als Lehrer der Rhetorik an d(Mi .lesuitenschulen 
angestellt. In dieser Eigenschaft gah er 1751 eine 
«Supellex Latinitatis, ex Phraseologia P. Francisci Wagner 
S. J. ad usuni e^cholarum ejusdem Societatis coUecta» 
heraus, ein Werk, das nach Estreichers Mitteilung inso- 
fern selbständig war, als er es mit einer ])olnischen I'hrase- 
ologie und einem cindex vocum patriarum» erweitert hatte, 
und das sieben Auflagen (die letzte in Polock 1795) er- 
lebte. Auf diese Weise lenkte er die Aufmerksamkeit 
seiner Vorgesetzten auf sich und wurde schon 1752 vom 
polnischen Ordenspro vinzial Porzecki als Lehrer nach 
Warschau ans dortige, zu Ehren des Gründers so genannte 
«Gymnasium Zaluscianum» berufen, um schon im folgen- 
den Jahre (1753), nachdem er sich durch seine Arbeit 
cDe lingua Polonica Colloquium» (1758 von seinem Schüler 
Ksawery Leski ins Polnische übersetzt) und durch seine 
Polemik mit dem höchst modern denkenden und ratio- 
nalistisch gesinnten, aus Italien stammenden Piaristen 
Ubaldo Mignoni' ausgezeichnet hatte ^, als Professor der 
Iihetorik ans unlängst gegründete Collegium Nobilium (auch 
Akademia Szlachecka genannt) versetzt zu werden. In dieser 
Eigenschaft, die er bis zum Jahre 1760 bekleidete, hatte er 
nach alter Sitte die Pflicht, jährlich ein paar dramatische 
Vorstellungen zu leiten und für das Repertoire zu sorgen. 

Seine dramatische Wirksamkeit begann Bohomolec 
schon 1752, also noch in seiner Eigenschaft als Lehrer 
am Zaluskischen Gymnasium, nach der bisher an den 

^ Ubaldo Mignoni, Noctimn Sarnia icaruni Vigiliae. 
Braunsbergae ^IDCCLI. — Vgl. T. Grabowski, Kiytyku lite- 
racka w Polsce (Krakow 1918), S. 162 ff. 

^ Fr. Bohomolec, Pro ingeniis Polonorum ora'i> habi a 
Varsaviae in Gynmasio Soc. Jesu Calendis Septembris anno . . . 
MDCCLII. — id.: Ubaldo Mignonio Schol. Piar. Noctium Sarma- 
ticarum auctori, praeceptori suo suavissirao Varraius Exetesticus. 
Kalendis Decembris Anno MDCCLII. 



i4 Kapitel I. 

.fesuitenscluilen befolgten Tradition, mit Tragödien. Man 
{»liegte, wie ül)erall an den Scluilcn des Jesuitenordens^ 
mindestens dreimal jährlieh lateinische, seltener polnische 
Tragödien von den Schülern der Kollegien aufführen zu 
lassen, wobei früher der Professor der Rhetorik es den 
Schülern überließ, den Dialog nach seinen Anweisungen 
auszuarbeiten, während man zu Bohomolec' Zeit schon 
im großen und ganzen davon abgekommen war: der Lehrer 
pflegte selbst das Drama zu schreiben, und die Schüler 
hatten es nur aufzuführen, wobei der Lehrer wiederum 
die Rolle des Regisseurs übernahm. 

Wir Icennen die genaue Anzahl aller von Bohomolec 
aufgeführten Tragödien nicht. Nur drei von ihnen sind 
ims überliefert. Die chronologisch erste gehört mit 
Bestimmtheit weder seiner Feder, noch ist sie eine Arbeit 
seiner Schüler. Man grub aus der Vergessenheit eine 
Imndert Jahre alte Tragödie aus, deren Thema von den 
Jesuiten aller Länder seitdem immer wieder und wieder 
von neuem behandelt worden war, somit eine bewährte, 
typische Jesuitentragödie. Der Verfasser, der bekannte 
Jesuit und Mathematiker Carolus Malapertius (Char- 
les Malapert), hatte sogar in enger Beziehung zu Polen 
gestanden, schrieb er doch seinen «Sedecias» während 
seines Aufenthaltes in Polen und dedizierte er ihn doch, 
als er ilm 1624 herausgab, seinem Gönner, dem Prinzen 
und zukünftigen König Wladyslaw, wie er schon früher 
mit seinen zu Kaiisch gedruckten poetischen ^Erzeugnissen 
getan hatte ^. Michal Kielpsz, Bohomolec' Kollege, war 
der eigentliche Übersetzer oder Bearbeiter jener Tragödie, die 
sowohl polnisch wie lateinisch von den Warschauer Konvik- 
toren aufgeführt wurde und später mit dem Titel 
«Sedecyasz. Tragedya od szlachetney mlodzi konwiktu 



^Caroli Malapcrtii ... Variorum poemalum fasci- 
cuius. Calisii armo MDCXV (und mehrmals später). — id.: Se- 
decias. Tragoodia aliaque Pocmata ... ad Serenissimum Vladislaiim 
Poloniafj Priiicipem, Dvaci MDCXXIV. — Vgl. Soramervogel, 
Bd. V, S. 395 f. 



Eoiioir.olec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jcsuitnionlcns. l2r> 

\Vart»zaugkic'go S. J. i)rzedslawiona w WarFzawie 1752> 
erschien. ^'^ 

Eine andre Tragödie wurde im Sommer des folgenden 
Jahres (nach dem tKiiryer Polski» Nr. S7() vom «elben 
Jahre am 19., 20. und 25. Juni 1753) anläülich der Iloch- 
j'citsfeier des «straznik wielki koronny», Fürst Stanishaw 
Lubomirski mit Izabella (Elzbieta), der Tochter des Fürsten 
August Czartoryeki und Schwester des später al-; Theater- 
kenner bekannten Adam Czartoryski, von den «Kavalieren» 
(i)llegii Nobilium Varsavi'Mi.^is Soc. Jesu aufL'eführt. Bo- 
homolec hat sie später (1754) in seinen «Z-ibawki Poe- 
tyckie niektorych kawaleröw Akademii Szlaeheckiey War- 
szawskiey Soc. Jesu w Krasomoskie\' sztuce c\vic'ZJ|cych 
FJ^» veröffentlicht, und zwar unter folgendem Titel: 
C e z a r w E g y p c i e 
TPvACElilA 
Pod zaszczytem wielkich Jmion 
J. 0. Xiaz^cia Jego MCi 
Stanislawa 
L u b o m i r s k i e g o 
3' J. O. Xiozniczki 

Jzabelli 

C z a r t o r y s k i e y 

Straznikow 

Wielkicli Koronnych 

Äfalzonkow 

we dni ich wesehie 

Roku 1753 

Od Jch MCiow 

Ka.valeroH' 

Collegii Nobilium 

Varsnviensis 

Soc: JESU 

WYPPvAWIONA. 

io Vg]. Szyjkowski, Dzieje . . . tra^edji polskiej. S. 75. 
— Z a 1 ? s k i , Jezuici w Polsce, S. 1165. — S o m m e r v o j; e 1 , 
Bd. V, S. 395 f. 



26 Kapitel I. 

Daß diese Komödie in die «Z:\bawki» aufgenommen 
worden ist, könnte Beweis genug dafür sein, daß wir es 
hier mit einer nach den Anweisungen des Lehrers aus- 
geführten Schülerarbeit zu tun haben, denn Bohomolec 
hat nachweislich nur (natürlich von ihm mehr oder 
weniger stark retuschierte) wirkliche Schülorarbeiten in 
jene Sammlung aufgenommen und selbst die Reihe der 
jungen Verfassernamen aufgezählt. Wenn zu jener Tragö- 
die kein Autor genannt ist, so beruht das einfach darauf, 
daß die Tragödie sicher die Frucht kollektiver Arbeit 
mehrerer Schüler gewesen ist. Man könnte sich vielleicht 
fragen, inwieweit diese Tragödie literarhistorisch mit 
jenem «Cesar in Egitto» verwandt ist, der Ü 745, d. h. ein 
Jahr vor Bohomolec' Ankunft in Rom, und vielleicht auch 
später im Seminarium Romanum der Jesuiten gespielt 
worden ist.^^ Jedenfalls sehen wir, daß auch das Thema 
dieser Tragödie wie die meisten jesuitischen Tragödien- 
stoffe ein traditionelles war, gerade dieses ein hervor- 
stechendes Charakteristikum der Jesuitendramatik. 

Schließlich kennen wir noch eine dritte Tragödie, 
die unter den Auspizien unsers Paters über die Bretter 
der Warschauer Jesuitenbühne ging. In den nämlichen 
«Zabawki», in denen wir den «Cezar w^ Egypcie» fanden, 
folgt gleich auf jene Tragödie eine andere mit dem Titel 
«Lizymach, Tragedia», die im Gegensatz zu jener mit 
einem «Argument» versehen ist. Dasselbe lautet folgender- 
maßen^^: «Lizymach, kröl Tracyi, gdy z Pyrrhusem o 
tron Macedonski woiowal, Agathokiesa, syna z pierwszey 
zony, przez ktörego y Getöw naröd dziki usmierzyl y sam 



11 Vgl. Sommervogel, Bd. VII, S. 80. 

12 Bei Justinus lautet die Stelle folgendermaßen: «Neo ostentis 
fid*js defuit, nam brevi post tempore Agathoclem, filium sutim, 
quem in suc-cessionem regni ordinaverat, per quem multa bella 
prc-spere gesserat, non solum ultra patrium, verum etiam uHra 
liumamim morem perosus ministra Arsinoe noverca veneno inier- 
fec'it.» M. Juniani Justini Epitoma historiarum Philippicarum Pomjjei 
Trogi ex rec. Fr. Ruehl. Lipsiae MDCCCLXXXVI, liber XVII. 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 27 

z ich TQku byl uwolniony, z przyczyiiy Arsiny, cörki 
Ptolomeusza a swoiey drugiey malzonki, przez tiucizn(j 
utraciL Justin., lib. XVII.» Wir haben es hier wieder 
mit einem typisch-jesuitisclien Stofle zu tun, der schon 
vor Bohomolec in Westeuropa vom Orden mehrfach 
dramatisiert worden war. Die berühmteste unter diesen 
Bearbeitungen stammt von dem als Dramatiker unter den 
Jesuiten sehr bekannten Pater Charles de la Rue (1643 
bis 1725), der am 8. Februar 1668 im Pariser College 
de Louis le Grand seine Tragödie, die ursprünglich den 
Titel «Agtithocles», erst später den Titel «Lysimachus» 
trug, von seinen Schülern aufführen ließ.^^ Mit dieser 
Aufführung begann die «große» Periode in der Geschichte 
des Pariser Jesuitentheaters. ^■^ Inwieweit die von Bohomolec 
aufgeführte Tragödie eine Übersetzung einer von den 
vielen Dramatisierungen des Stoffes ist oder eine selb- 
ständige Bearbeitung desselben, entzieht sich meiner 
Kenntnis. 

Wann der «Lizymach» in Warschau aufgeführt worden 
ist, wissen wir zwar nicht, können aber daraus, daß er 
im Jahre 1754 gedruckt worden ist, mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit schließen, daß das in den Jahren 1753 
bis 1754 geschehen sein muß. Welche anderen Tragödien 
außerdem noch unter Bohomolec' Leitung im adligen Kon- 
vikt aufgeführt worden sind, wird mis nicht berichtet; 
nur soviel ist uns aus dem «Kuryer Polski» (Nr. 158 aus 
dem Jahre 1756 und Nr. 8 und 31 aus dem Jahre 1757) 
bekannt, daß auch später noch, als Bohomolec sich schon 
ganz der Komödie gewidmet hatte, Tragödien in seinem 
Collegium NobiUum aufgeführt wurden, wahrscheinlich — 
ßo vermutet schon Biegeleisen ^^ — unter der Leitung 
unseres Paters. 



13 Sonimervogel, Bd. VII, S. 290 ff. 

1* Ernest Boysse, Le theätre des jesuites (Paris 1880), 
S. 153. 

1^ B i e 2; e 1 e i s e n , Zvwot ks. Fr. Bohomolca, S. 632. 



i}s Knpitel I. 

Wir sehen somit, daß Bohomolec seine dramatisch- 
pädagogische Tätigkeit cf^nau so begann, wie jeder andere 
jesuitische Professor der Rhetorik es getan hätte: mit der 
Besorgung und Aufführung typisch-jesuitischer Tragödien. 
Er wandelte somit ganz in den Spuren seiner Kollegen 
an den verschiedenen Jesuiten kollegien und half mit eine 
Tragödiengattung kultivieren, die in Polen gerade zu dieser 
Zeit, d. h. um die Mitte des 18. Jahrhunderts, eine 
wirkliche Blütezeit erlebte. Noch etwa zehn Jahre vorher 
war sie für polnische Schulen etwas Neues, war sich doch 
Stanislaw Jaworski, als er 1746 in Kaiisch eine polnische 
Tragödie mit dem Titel «Jonatas» aufführte, voll bewußt 
etwas im Vergleich mit den früheren dramatischen Übungen 
der Jesuiten Neues eingeführt zu haben: er sagte in seinem 
Vorworte an den Leser ausdrücklich, daß er «das erste 
Eis habe brechen müssen ».^^ Später floß der Strom der 
reformierten Jesuitendramatik in reichem Überfluß, und 
ich brauche bloß an die tragischen Erzeugnisse eines 
Bielski^^, eines Meciiiski^^, eines Sadowski^^ oder eines 
Soltyk^^ zu erinnern, um von der Produktivität des 
Ordens auf dem tragischen Felde eine Vorstellung zu geben. 
Es war das eine rechte Akme, auf die der Orden stolz sein 
zu können glaubte. Es war das aber vor allen Dingen 
kein national-polnisches Phänomen. Denn wie der Orden 
der Jesuiten überhaupt der internationalste unter allen 
katholischen Orden war, so war auch seine allgemein- 
literarische und speziell- dramatische Wirksamkeit eine 
Erscheinung von ganz internationaler Art. Fast für jede 

16 S z y j k o w s k i , a. a. 0., S. 70. — Vgl. Sommer- 
vogel, Bd. IV, S. 764. 

1 ' S z y j k o w s k i , a. a. 0., S. 72. — Vgl. Sommer- 
vogel, Bd. I, S. 1461 ff. 

1^ Sommer vogel, Bd. V, S. 855. — Szyjkowski, 
a. a. 0., S. 80. 

1^ Szy jko wsk i , a. a. 0., S. 75. — Vgl. Sommer- 
vogol, Bd. YII, S. 371. 

2*^ S z y j k o w s k i , a. a. 0., S. 75. — Vgl. Sommer- 
vogel, Bd. VII, S. 1374. 



Boljoniolec in seinem Verhältnis z. Drama' ik d. Jeauitenordens. -M) 

polnische Tragödie können wir — wenn nicht gerade 
Quellen, so doch — xVnalogien in der Dichtung der west- 
europäischen Jesuiten finden, fast jede polnische Jesuiten- 
tragödie ist durch eine zuweilen recht alte Tradition ge- 
heiligt, fast alle behandeln Stoffe, die außerhalb des 
nationalen Lebens liegen und keineswegs auf eigener Er- 
findung beruhen, sondern durch immer und immer wieder- 
holte Dramatisierungen als für den Schulgebrauch passend 
sich erwiesen hatten und von zahlreichen Vorgängern 
mundgerecht gemacht worden waren. Das Alte und Neue 
Tesiament, der Martyrolog der katholischen Kirche, die 
Geschichte des Jesuitenordens, die Annalen der Heiden- 
missionen, immer häufiger aber die profane (vorzüglich 
antike) Geschichte boten Stoff genug dar zu einer nach 
bestimmten, von Zeit zu Zeit modifizierten Regeln vorzu- 
nehmenden Dramatisierung, einer Dramatisierung, die nach 
keiner künstlerischen Persönlichkeit verlangte, sondern sicli 
den Forderungen der Tradition fügte. Dennoch mußten 
aber die Tendenzen der von Corneille und Racine ge- 
ßchaflfenen klassizistischen Tragödie mit der Zeit verändernd 
auf die äußere Form der Jesuitentragödie einwirken, und 
daraus, daß die Ordensdraraatik immer rechtzeitig sich 
den neuen Formen anzupassen suchte, ohne doch ihren 
eigentlichen Charakter je ganz aufzugeben, läßt sich 
die zähe Lebenskraft derselben erklären. Auch die 
um die Mitte des 18. Jahrhunderts aufblühende pol- 
nische Jesuitentragödie ist ein Gebilde kpmpromißhafter 
Natur.21 

Ob nun diese polnische Jesuitentragödie, der auch 
Bohomolec, wie wir gesehen, gleich von Anfang an huldigte, 
und die sich durch ihre äußere, streng geregelte Form 
scharf von der früheren, altertümlichen Ordensdramatik 
unterschied, als ein direktes Resultat jenes Einflusses zu 
erklären ist, den die dramatische Tätigkeit des Piaristen- 
ordens auf die der Jesuiten ausgeübt haben soll, das 



21 Szyjkowski, a. a. 0., S. 70. 



r.O Kapitel 1. 

ist eine Fni^o, die meines Ernchtcns nicht so ohne 
weiteres bejahend beantwortet werden darf, wie Szyjkowski 
es tut.^* Denn der Typus der polnischen Jesiiitentragödie 
ist keineswegs als ein spezifisch polnischer zu betrachten, 
sondern ist, wie das auch eigentlich von vornherein zu 
erwarten ist, mit dem der westeuropäischen Jesuitentragödie 
identisch. Auch im katholischen Westeuropa setzt 
gleichzeitig eine sehr fleißige jesuitische Tragödien- 
produktion ein, die von der modernen weltlichen Tragödie 
der Franzosen stark beeinflußt ist. Was die süddeutschen 
Ordensprovinzen angeht, so brauche ich bloß an die 
«Tragoediae» des Augsburger Jesuiten Anton Claus 
(1601 — 1754) zu erinnern, die schon 1741 erschienen^^ 
und 10 Jahre spcäter ins Polnische übertragen wurden^**, 
weiter an die 1757 und 1764 erschienenen «Tragoediae» 
des Andreas Friz^^ (1711 — 1790), an die «Tragoediae 
Autumnaless, die der Innsbrucker Rhetoriker und 
Orientalist I. Weitenauer (1709—1783) im Jahre 1758 
erscheinen ließ^^, schließlich an das «Thcatrum Politicum» 
(1760) des Augsburger Dompredigers Franz Neuraayr 
(1697— 1765).^^ 

Die ursprüngliche Quelle dieser jesuitisch -klassi- 
zistischen Art müssen wir aber natürlich beim französischen 
Orden suchen, der seine dramatische Blütezeit Ende des 
17. und Anfang des 18. Jahrhunderts hatte. Charles de 
la Rues (1643 — 1725) Namen sind wir schon begegnet: 
er war als Verfasser zweier Tragödien weit über Frank- 
reich hinaus bekannt ^^; als Verfasser zahlreicher Tragödien 
wird auch Joseph de Jouvancy (1643 — 1719) genannt.^^ 



22 Szyjkowski, a. a. 0., S. 70. 

23 So mm er vo gel, Bd. II, S. 1204. 
2* Von einem gewissen Ign. Lopacinski. 

^^ Sommervogel, Bd. III, S. 1004 ff. 

26 Ders., Bd. VIII, S. 1051 ff. 

27 Ders., Bd. V, S. 1654 ff. 

28 Ders., Bd. VII, S. 290. 
2» Ders., Bd. IV, S. 830 ff . 



Rühomolei- in seinem Verhältnis z f^rninatik iK Je«^uIl»»nonIer.'<. '.A 

Von allen die Lervorra^eiul^^ttn Dramaturgen t?iiul al>er 
Gabriel le Jay (16ö7- 1734) und Charles Poree (1075 
bis 1741), Professoren der Rhetorik am Pariser College 
de I^ouis le Grand, Vertreter der (ilanzzeit ihres Ordens. 
Von le Jay besitzen wir sieben Tragödien und vier Dramen 
(darunter eine Josephs-Trilogie), die 1725 in seiner «Biblio- 
theea Rhetorum, exempla complectens» erschienen; Porec 
hat in den Jahren 1708 — 1728 sieben Tragödien verfaßt 
und aufführen lassen (darunter einen «Sefevi Myrza> 
1712, einen «Hermenegildus> 1718, einen «Sennacherib», 
1728 usw.), die zum größten Teile in den «Tragoediae^ 
editae opera P. Cl. Griffet S.J. » 1745 zu Paris gesammelt 
erschienen. 

So meine ich denn, daß der Typus der Jesuiten- 
tragödien, die wir Mitte des 18. Jahrhunderts in Polen 
antreffen^*', aus Westeuropa von den Jesuiten selbst ein- 
geführt worden ist, und wenn wir die polnischen Jesuiten 
die alte Regel, daß nur Latein die Sprache der Tragödie 
sein darf, verlassen sehen, so tragen sie auch dafür nicht 
die Verantwortung, denn zur selben Zeit hatten sowohl 
das College de Louis le Grand wie auch andere Jesuiten - 
schulen die lateinische Sprache in weitem Umfange auf- 
gegeben und waren zur Landessprache übergegangen. 

Wenn ich somit die polnische Jesuitentragödie mit 
Szyjkowski ein Kind des Kompromisses nenne, so tue ich 
es dennoch nicht in dem Sinne, in dem Szyjkowski den 
Ausdruck anwendet. Szyjkowski hat meiner Meinung 



""^ Eine allseitige Beurteilung der p-Dlnischen Jesuitentragödie 
liegt mir hier fem, um so mehr, als eiae wirklich wissenschaft- 
liche Durchforschimg des existierenden Materials in Polen noch 
ganz fehlt. Prof. Windakiewicz hat, wie ich nach Abschluß 
meiner Arbeit erfahre, eine solche Untersuchung mit dem Titel: 
«Teatr kolegjöw jezuickich w dawnej Polsce> in Vorbereitung:. 
Wir dürfen dieser Arbeit sicher mit allergrößtem Interesse ent- 
gegensehen. Vgl. Sprawozdania z czynnosci i posiedzeh Polskicj 
Akademji Umiej^tnosci, tom XXVII, marzec 1922, Nr. 3, S. 2—3. 
— W. Hahns Literatura dramatyczna (Lwöw 1906; umfaßt be- 
kanntlich nur das 16. Jalirhundert. 



3-J Kiipitel I. 

nach den Fehler begangen, die polnische Jesuitentragödie 
des 18. Jahrhunderts als rein-polnische Erscheinung zu 
betrachten, was ihn dazu verleitete, den Zusammenhang 
der.selbeu mit den analogen Bestrebungen der fremd- 
ländischen, vorzugsweise französischen Jesuiten zu über- 
sahen. Um den neuartigen Charakter, die klassizistische 
Form dieser Tragödie zu erklären, nahm er an, daß 
Konarskis Schul- und Schultheaterreform die Jesuiten 
zu der Neuerung veranlaßt habe. Wenn wir aber näher 
zuschauen, stammt diese Neueinführung direkt aus der 
reformierten Jesuitentragödie der französischen Schulen. 
Faktisch aber hat die Konar.-^kische Tragödie kaum 
einen unmittelbaren Einfluß auf die der Jesuiten ausgeübt. 
Die sogenannte Konarskische Schulreform bestand, was 
speziell die dramatischen Schüh»raufführungen betrifft, 
dnrin, daß man resolut die Meisterwerke der franzö.-ischen 
Verfasser übersetzte und auf die Bühne brachte, ohne sie 
durch Eliminierung der bisher verpönten Frauenrollen zu 
kastrieren und ohne ihnen eng-pädagogische Tendenzen 
unterzuschieben. Man begann mit Corneilles «Othon» 
(1744), setzte mit Voltaires «Zaire» (1747) foit und hatte 
bald Racines «Athalie», Corneilles «Polyeucte» und «Hera- 
clius», Racines «Esther», Voltaires «Alzire», cMerope», 
«Brutus» usw. übersetzt. Schließlich schrieb der Reformator 
der «scholae piae» eine moderne Tragödie mit dem Titel 
«Epaminondas», die 1755 oder 1756 aufgeführt wurde. 
Konarski hatte vollständig mit der schulmäßigen iVIoral 
gebrochen und eine andere Tendenz gewählt, die Tendenz 
der indirekten Beeinflussung der Gesellschaft durch Exem- 
plifizierung bürgerlicher Tugend und sozial - politischer 
Ideale, wobei er hohe ästhetische Ansprüche stellte. Seine 
Vorbilder waren die großen Meister der französischen 
Tragödie, denen er mit Begeisterung folgte, in der Er- 
kenntnis, daß die Lehrhaftigkeit der Jesuitenszene eng- 
herzig, unkünstleiisch, unzweckmäßig war, und daß das 
traditionelle Prinzip der Fraueneliminierung sich selbst 
überlebt hatte. Indem er so zum Schrecken der kon- 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens, ^r; 

kurrierenden Jo^uiten radikal mit den formellen Vor- 
urteilen d«^r letzteren brach, führte er den großstiligon 
Geist sozialer und politischer Tendenz in seine Tragödie 
und in da.=? Sclmldrnma ein, das nicht mehr der Erziehung 
der Jugend, sondern der Erziehung der (xesellschaft im 
moderneren Geiste gewidmet war. Auf diesem Wege 
folgten ihm aher die Jesuiten mit zäher Festhaltung ihrer 
pädagogischen Prinzipien grundsätzlich nicht. In dieser 
Beziehung war für sie ein Kompromiß grundsätzlich aus- 
geschlossen. Sie konnten in der Form nachgeben, ßie 
konnten sogar, wenn auch nicht ohne harten Kampf in 
der Frage der Frauenrollen nachgeben. Von ihrem Geiste 
aber, von ihrer Tendenz und von ihrer Auffassung der 
Aufgabe un 1 der Bestimmung der Schulkomödie wichen 
sie keinen Fußbreit ab. 

An diesem Satze von dem Konservatismus der jesui- 
tischen Schuldramatik müssen wir stets festhalten, wenn 
wir den Charakter der Bohoraolecschen «Schulkomödie» 
recht verstehen wollen. Denn Bohomolec, der mit der 
Aufführung typischer Jesuitentragödien begann, stak auch 
als Verfasser der «Schulkomödien» tief in den Anschau- 
ungen seines Ordens, so tief, daß sein Charakter als jesui- 
tischer Schulmann in scharfem Gegensatz zu seinem 
(s})äteren) Charakter als Journalist und Kultureiferer zu 
stehen scheint. Vielleicht beziehen sich gerade hierauf 
die für Biegeleisen ^^ so rätselhaften Worte, mit denen 
Jariocki 1755 den jungen Professor der Rhetorik dem 
europäischen Forum präsentierte: 

«Der Pater Bohomolec besitzet wirklich viel natür- 
liche Fähigkeit und Neigung zur Läuterung des Ge- 
schmackes unserer Nation in den freyen Künsten, 
heget aber noch vielerlei Vorurteile, die ihn in 
der Erkenntniß derer heylsamsten Wahrheiten und nütz- 
lichsten Wissenschaften augenscheinlich hindern.» 



31 Biegeleisen, a. a. 0., S. 613. 



Stender-Petcrsc-n, Die Schulkomödien. 



:U Kapitel I. 

Schon bald, nachdem Bohomolec sein Lehramt an 
(loni jesuitischen Collegium Nobilium übernommen hatte, 
verließ er das Gebiet der Tragödie und widmete sich der 
Komödie. Spätestens im Jahre 1755, wahrscheinlich aber 
hchon früher, begann er auf der Bühne seines Schul- 
theaters jene Lustspiele aufzuführen, die der Nachwelt in 
fünf kleinen Oktavbänden überliefert sind und mindestens 
oinc Arbeit von fünf Jahren repräsentieren (1755 — 1760).^^ 
Sie waren für polnische Verhältnisse unbedingt eine 
Neuerung, und wenn auch Bohomolec innerhalb seines 
Ordens, vom Standpunkte der dramatischen Wirksamkeit 
fies ganzen Ordens gesehen, kein absoluter Bahnbrecher 
für eine vom Oiden noch nicht praktisierte dramatische 
Art gewesen ist, so war dennoch der Schritt, den er tat, 
lür seine Ordensnation ein reformatorischer Schritt. 

Die Reform war zunächst negativer Art und bestand 
gerade darin, daß er die Jesuitentragödie aufgab. Er 
hatte wohl eingesehen, daß diese Treibhauspflanze, erwachsen 
aus dem mageren Boden eines miechten Kompromisses, 
keine Zukunft hatte, und zu dieser Einsicht mußte ihn 
zuallererst die einfache Tatsache führen, daß die eng- 
pädagogische, von keiner wahren Kunst durchglühte Tra- 
gödie seiner Ordensschule ganz von der bei den Piaristen 
vorbehaltlos gepflegten und von hohen allgemeinen Ideen 
getragenen Tragödie der großen französischen Meister in 
d<in Schatten gestellt worden war. Wie dem von den 
Vätern der heiligen Schulen verfochtenen Prinzipe der 
Verweltlichung der Unterrichtsmethode ein wirksamer 
Widerstand nicht entgegengestellt werden konnte, so er- 
schien es aussichtslos, für die eng-moralische Tragödie der 
meistens unpoetischen Jesuitendichter gegen die Macht 
der von den Piaristen zugleich eingeführten weltlichen 
Tragödie der Franzosen anzukämpfen. Konnte man aber 
nicht mit dem wachsenden Einfluß und der erstarkenden 



32 Vgl. die im Anhang gegebene Analyse aller «Scliul- 
komödien». 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d, Jesuilcnoidens. 35 

Bedeutung der Piaristen auf diesem Gebiete wetteifern, so 
galt es ein neues Gebiet zu finden, auf dem man, obne seine 
Grundsätze aufzugeben, dennoch den Konkurrenten mit 
Erfolg entgegentreten konnte. Da kam Bohomolec gerade 
im rechten Augenblicke mit seiner Idee, die Komödie der 
Sache des Ordens dienstbar zu machen. War Konarski, 
der Piarist, Vertreter der französischen Tragödie, so sollte 
nun Bohomolec, der Jesuit, die Komödie zu einem Ele- 
mente der Schulpraxis machen. In dieser Beziehung darf 
die von Bohomolec geschaffene «Schulkomödie», meiner 
Meinung nach, ohne Zweifel als ein neues Konkurrenz- 
mittel im Kampfe um die bedrohte Oberherrschaft auf 
dem Gebiete der Schule betrachtet werden. 

Eine solche «Neuerung» konnte nun aber um so leichter 
an jener Schule, in der Bohomolec wirkte, gewagt werden, 
als gerade sie bestimmt war, soweit mit dem Geiste der 
Tradition vereinbar, die Schulmethoden der Piaristen an- 
zuwenden. Worin diese bestanden und worin Konarski 
überhaupt das Ziel seiner Reformbestrebungen sah, brauche 
ich nicht an dieser Stelle im einzelnen darzulegen. Es 
darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden'^, daß die 
bahnbrechende pädagogische Wirksamkeit jenes Schülers 
des römisch-piaristischen Collegium Nazarenum^ nach den 
ersten vergeblichen Versuchen, nach vielfachen Reisen in 
ganz Westeuropa, endlich im Jahre 1740 mit der Grund- 
legung des modern organisierten Collegiuins zu Warschau 
erfolgreich eingesetzt hatte. Konarski konnte nun un- 
gestört die alte, auf Alvarez' lateinischer Schulgrammatik 
basierte Schulmethode bekämpfen und seine Grundsätze in 
den «Ordinationes visitationis apostolicae» paragraphieren. 
Er war einer der ersten, die für einen natürlichen Sprach- 
stil statt des «Macaronismus» eintraten und Cicero als Muster 
aufstellten^*, er führte Wolfifs philosophisches System in 

33 Vgl. W 1. Nehrings sehr lesenswerten Artikel in Ersch 
■und Orubers Allgemeiner Enzyklopädie (sub «Konarski»), 2, Sektion, 
Bd. XXXVIII, S. 177 ff. 

^ Vgl. Nehrings angeführten Artikel. 

3* 



3ft Kapitel I. 

Polen ein und setzte Geschichte, Geographie, Mathematik 
und Naturwissenschaft aufs Schulschema; in seiner Schule 
lösten juridische Untersuchungen \Mid polnische (meisten- 
teils aup dem Französischen übersetzte) Tragödien die 
althergebracliten Schuldialoge ab, welche zu allegorischen, 
panegyrischen oder religiösen Deklamationen ausgeartet 
waren ^^ und dem Studium der modernen Sprachen wurde 
ein bedeutender Platz eingeräumt. Bekannthch mußten 
die Jesuiten nach heftigem Widerstände dem Beispiel 
ihrer Konkurrenten folgen, und vorbehaltlos äußerte sich 
dieser Rückzugsprozeß endlich in der Gründung der War- 
rjchauer «Akademia Krölewsku» (auch «Szlachecka»), deren 
Statuten die Aufgabe derselben dahin definieren, daß sie 
«na publicznti Rzeczypospolitey uslug^ do poboznosci, do 
nauk wyzwolonych y do zycia obyczaiowego JMC 
Panöw Konwiktoröw prowadzi». Bohomolec konnte sich 
somit getrost das Experiment mit den Komödien erlauben: 
man wai* nun einmal auf den Weg der Neuerungen ge- 
kommen. 

Dennoch war Bohomolec innerhalb des Ordens kein 
radikaler Bahnbrecher. Denn auch die Art der modernen 
Komödie war schon durch das Beispiel und die Praxis 
andrer Ordensnationen, vornehmlich durch die der franzö- 
eißchen Jesuiten, sanktioniert. Bohomolec folgte nur diesem 
Beispiele, und zwar in bedeutend größerem Umfange, als 
allgemein angenommen wird. 

Freilich bestimmte die alte «Ratio studiorum» der 
Jesuiten vorn Jahre 1559^^, daß «tragoediarum et comoe- 
diarum, quas nonnisi latinas ac rarissimas esse oportet, 
argumentum sacrum sit ac pium, neque quicquam actibus 

•*-^ Vgl. Piolr C h rn i o 1 o w s ki , Dzieje krytyki literackiej 
\y Pols% ( Warszawa 1902), S. 71 ff. — Tadcusz Grabowski, 
Krytyka litcracka w Folscc w epocc pseudoklasycvzrau (Krakow 
J918), S. 134 ff. 

2ß «Ratio studiarum et institutiones scholasticae Societatw 
f— ' ^r»ll. a. G. M. Pachtlcr (narlin 18S7), Bd. II, S. 272. 



Bohomolec in seinem Verhall nis z. Dramatik ti. JeMiilenoiilen-. M 

interponatur, <iUüci n<>ii latiimm ßit ftc decorum», d. h. sie 
verbot die niclitlateiuischen Profankomödien mit auHdrück- 
lichen Worten. Aber das Gesetz war im 18. Jahrhundert 
durchaus veraltet und liatte ganz seine Autorität verloren. 
Neben den Ilehlon und Miirtyrorn der alten Schuldramcii 
erschienen schon l'rühzeiti'j; und gar nicht selten kumische 
Gestalten ^^, die sich unschwer auf Plautus und Terenz 
zurückführen lassen. ^^ Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter 
der Komödie, ließen sich Aufführungen von Komödien 
nicht mehr unterdrücken, und wenn das Latein noch in 
großer Ausdehnung als Sprache der Tragödie galt, die 
Sprache der aktuellen Profankomödie wurde mehr und 
mehr die Landessprache. 

I>er Orden der Jesuifon hatte sich auch theoretisch schon 
früh für die Ästhetik dos Dramas und damit auch, und zwar be- 
sonders, für die der Komödie zu interessieren Ijegounen, Einer 
der ersten Jesuiten, die sich eingehend mit der Tlieorie der dra 
malischen Poesie beschüfttgteii, war der Professor der Rlietorik zu 
Köln, der spätere Historiograph des Erzbischofs von Paderborn, 
Jacobus Masenius (Jakob Masen, 1G06 — 1681), der im 
dritten (1657 erschienenen) Teile seiner <'Palaestra Eloqucntiae 
ligatae» alle Arten der dramatischen Dichtung ausführlich or- 
Crterte^a \md durch eigene dramatische Exempel (z. B. den von 
A. V. Weilen seinerzeit ^'^ übersehenen <'Rusticns iraperans;>) illu- 
strierte. Masen verhielt sich aber zur Dramatik rein-logisch und 
behandelte sie dementsprechend nicht vom Standpunkte der Schule 
aus, sondern ganz abstrakt. Wie der Jesuitenorden das'Drama, speziell 
die Komödie, seinen pädagogischen Zielen dienstbar machte, können 



3^ P. Bahlmann, Das Drama der Jesuiten (<' Euphorien», 
Bd. II, Bamberg 1895), S. 271 ff. 

3*^ J. Z e i d 1 e r , Studien und Beiträge zur Geschichte der 
Jesuitenkomödie und des Klosterdramas ('Theatergeschicbtliche For- 
schungen», hrsg. von B. Litzmann, Bd. IV), S. 14. 

^^ Vgl. C. Kaulfuß-Diesch, Untersuchungen über das 
Di-ama der Jesuiten im 17. Jahrhundert (Archiv f. d. Studium der 
neueren Sprachen und Literaturen, Bd. CXXXI (1913), S. 5 ff . 

*'^ A. V. Weilen, Shakespeares Vorspiel zu «Der Wider- 
spenstigen Zähmung) (Fnuikfurt 1882). — Vgl. meine Abhand- 
lung «Ett bidrag tili ,Jepi>e'-motivets historia» («Edda», Kristiania 
1922), wo ich eingehend ül)er das «rustJcus-rex>.-MoLiv bei den Je- 
suiten, speziell den polnischen, handle. 



38 Kapitel I. 

wir somit nicht bei ihm erfalircn. Die Komödie (er nemit auch die 
Art der cttragicoconioodia» \md der «comi cot ragocdia») wird im Gegen- 
satz ziir Tragödie, die nach Aristoteles als «imitatio actianis illa- 
stris . . . per misencordiara & melum inducens similium pertar- 
bationiim purgationem» bezeichnet wird, so definiert: «Est imi-" 
tatio actionis ridiculae . . . per speni ac gaudium inducens simi- 
limii aifectionum purgaHonem» (S. 10, § III). Der Jesuitenpater 
Ren 6 Rapin, der zu Tours wirkte (1621 — 1687), un'.er dessen 
Einfluß Goldoni später gestanden zu liaben scheint ^\ und der 
einige Jahrzehnte nach Mascn (1681) zu Amsterdam seine «Re- 
flexions sur l'Eloquence, la Poeticpie, l'Histoire et la Philosophie» 
herausgegeben hat *-, betonte einerseits das Lächerliche als wesent- 
liches Element der Komödie {"Le ridicule est ce qpi'il y a de plus 
essentiel a la comedie», S. 195), andererseits aber auch das mora- 
lische Ziel dersell>en (c(La comedie, qui est une Image de la vie 
commune, coiTige les deiaats publics eii faisant voir le ridicule 
des defauts pariiculiers;>, S. 125). Aber auch er scheint noch 
keinen prinzipiellen Unterschied zwischen der Komödie üherliaupt 
und der Komödie der Jesuitenschule im speziellen zu machen, und 
die sehr richtigen Bemerkungen, die er über die Naturtreuo als not- 
wendiges Charakleristikon der Komödie und über die rein-tech- 
nische Notwendigkeit der Hyperbolisierung d^^r komischen Züge 
macht, gelten der Komödie als solcher, nicht der Schulkomödie. 
Anders verhält es sich sclion mit den Erörterungon über 
Tragödie und Komödie, die der bereits genannte Pater Joseph 
Jouvancy in seine <;Ratio discendi et docendi»*^ (1703) hat 
einfließen lassen, um sie später ausführlicher in seinen, mir 
leider unbekannten cinstitutiones poeticae ad usum Collegiomm 
Societatis Jesu» zu verwerten. Hier ist der y>ädagogische Grund- 
satz konsequent durchgeführt, und von der Tragödie wird bei- 
spielsweise ausdrücklich gesagt, daß sie der sittlichen Erziehung 
zu dienen habe. Der Komödie aber war dieser 
autoritative Meister grundsätzlich abhold. Zwar 
lir-ß sie sich nicht mehr aus der Schule vertreil>en, und Jou- 
vancy hat das Ijekanntlich selbst durch seine «expurgierte», 
150 Jahre hindurch immer wieder neuedierte Terenz-Ausgabe dar- 



*^ J o h a n n e s M e r z , Carlo Goldoni in seiner Stellung zum 
französischen Lustspiel (Leipzig 1903), S. 13 ff . 

*- S o m m e r V o g e 1 , Bd. VI, S. 1443. 

*3 Magistris scholarum inferiorum Societatis Jesu de ratione 
discendi et docendi ex decreto Congregat. Generalis XIV auctore 
lOSEPHO IVVENTIO Soc. Jesu. Florentiae MDCCIII. — Vgl. 
Sommcrvogel, Bd. IV, S. 830. — B ah 1 mann, a. a. 0., 

V O.QO 



Hohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Je-uilcnordens. 30 

getan. Nichlsdesboweiiiger riet er alKT, so selten wie nur möy 
lieh Komödien aufzuführen. «Ejusdem (comoediae) in Christianis 
& religiosis scholis usus parcus & prudens esse debet, proptor 
scurrilitatem liuic gciieri carminis insitajn, quue sumnwpere cunn 
institutione pia & lilerali puerorum pugnat, & coruiu indoli depra- 
vandao pcrqiuun opix>rUuia est.» Aus diesem Grunde sprach er 
sich scharf dagegen aus, da,Q man die Schüler Dienerrollen ans 
führen ließ: <Quis autem ferat ingenuos adulescentes vernularum 
& lixamm gestus, mores, ineptias doceri? quam merito parentes 
intordum conquerunlur, filios suos non ut artes istas condiscerent, 
in nostram traditos disciplinam esse.» ** Mit demselben Eifer 
sprach er sich auch gegen das Vorkommen weiblicher Rollen in 
der Schulkomödie aus. Pater Jous'ancys Anscliauungen waren 
seinen polnischen Ordensbrüdern wohl b?kannt, wurden doch ge. 
rade seine oben zitierten Schriften mehrfach von den polnischen 
Jesuiten um die Mitte des 18. Jahrhunderts wieder abgedruckt.^^ 

Interessant, aber in diesem Zusammenhange von geringerer 
Bedeutung ist unter den deutsch-jesuitischen Theoretikern Pater 
Franz Längs im Jahre 1727 zu München erschienene «Disser 
talio de actione scenica. . . . cum observationibus quibusdam d(^ 
arte comica^ *^, in der der freimütige Verfasser einen Versucli 
macht, die verschiedenen Regeln, die das dramatische Schaffen ein 
engten, umzustürzen, vor allen Dingen die «unitas temporis a*- 
loci», imd eine Theorie der Schauspielkunst zu schreiben, die au' 
eigener, langjähriger Erfahrung basiert ist. Von einer prinzipiellen. 
Abneigung gegen die Komödie, so wie wir sie bei Jouvancy sehen, 
ist bei I-ÄUg nicht mehr die Rede : Komödie und Tragödie haben 
für ihn, vom Standpunkte der Schule, augenscheinlich genau den- 
selben Wert, und beider Ziel und Aufgabe ist es, «pios & utiles in 
spectatoribus affectus» auszulösen, weil es die Pflicht eines jedeji 
<rpoeta religiosus» sei, «eo Studium omne convertere, non t a m u t 
delectet quam ut prosit».*^ 

Von größerer Bedeutung für die Entvvickelung der 
polnisch- jesuitischen Anschauungen über Wert und Nutzeii 
des Dramas überhaupt, des Schuldraraas im besonderen 
waren natürlich die Gesichtspunkte der französischen Zeit- 

** Zitiert nach P«.einhardstoettner, Zur Geschicht^i 
des Jesuitendramas iii München (Jahrbuch für Münchener Ge- 
schichte, 3. Jahrgang, Bamberg 1889), S. 147. 

^^ «De ratione» zu Lublin (1746), zu Warschau (s. a.), die 
«Institutiones» mehrfach zu Lwöw, Braunsl)erg, Kalisz und Poznaii. 

*« Vgl. Sommer vogel, Bd. IV, S. 1479. 

4- Fr. Lang, Dissertalio etc., S. 10, 83. 



40 Kapitel I. 

genossen unter den Jesuiten. Man war besonders stark für 
dio Frage über das Verhältnis zwischen Bühne und Schule in 
Frankreich interessiert, wo bekanntlich gerade die Jesuiten 
seit Ende des 17. Jahrhunderts als eifrige Verteidiger der 
Schuldramen und des Theaters gegen Angriffe frömmelnder 
Gegner auftraten*^, wobei doch der Unterschied zwischen 
weltlichem und geistlichem (schulmäßigem) Drama scharf 
betont wurde.*^ Der hervorragende Dramatiker Gabriel 
le Jay äußerte sich darüber in seiner «Bibliotheca 
Rhetorum» (1725), wo er die Notwendigkeit einer schul- 
mäßigen Betrachtung der dramatischen Theorie mit einem 
Hinweise auf die Schulaufführungen als feste coutume 
begründete: «L'obligation, oü nous sorames de donner 
souvent de ces sortes de spectacles au public nous a fait 
etudier avec plus de soin cette partie de la poesie>. Von 
Aristoteles' Regeln ausgehend, stellte er als Aufgabe des 
Schuldramas die Erziehung der jungen Generation zum 
Heroismus und zur Tugend hin.^^ Charles Poree schrieb 
sogar eine spezielle Abhandlung über die Frage: «Theatrum 
sitne vel esse possit schola informandis moribus 
idonea?» (1733)^\ eine Frage, die er dahin beantwortete, 
daß zwar nicht das Theater im allgemeinen, wohl aber 
das der Schule dazu geeignet sei; denn das Theater der 
Schule sähe sein Ziel besonders in der Erziehung der 
Jugend zu edlen Gefühlen und vornehmer Weltanschauung: 

«Quorsura — amabo vos — in Gallia, in Italia, in Hispania, 
in Germania, & alibi gentium, tot viri Acadomiis litterariis prae- 
positi Thealra in Gymnasiis cri^unt, ubi Javontiitem Academicam 
recilandis Tragoediis vel Comoediis exerceant? Qua pertinet 
operosonim hominum, & in umbra. desudantjum labor & in- 
dußtria? An id studont unum, ut pucroram fingant vocem ad 



** Vgl. Louis Bourquin, La controverse sur la ccHm6die 
au XVIir' siöclc fRovue d'histrjire litteraire de la France . . ., 
Paris 1019—1921), S. 52, 58 (Bd. 26). 

*» Bourquin, a. a. 0., S. 60—61 (Bd. 26). 

^'^ Bourquin, a. a. 0., S. 352 (Bd. 27). Das Zitat ist aua 
dem Lateinischen überselzL 

" Sommervogel, Bd. VJ, S. 1027. 



BuhomolcL- in seinem Verbaltni!^ z. ürait:atik d. Jcsuitenonlcns, 41 

suavitatcm, gestum ad elegaiUiam, inccssuiu aA digaitatom, 
totnm corporis habitum ad concinnitatein & decentiam? Noa 
aspemantiir qiiidem istuni exercitationis rnolestao fructum, crajtis 
patet usus in toUim vitani frecpienlissimus. Se<i aliud spcc- 
tant operae suae prelium pluris aestimabilo, Trajiciimt diaci- 
pulos ex humili & obscura littoranim schola in scbolani 
Thoatri sublimem & splendidam, ut juvcncs magnas olim ia 
Repub. porsonas acluri discant mature ea spemere vel amare, 
(piae in scena domestica risu vel plausu excipi vidoriul.»^' 

Wir stehen nunmehr vor der Frage, die wir zuvörderet 
beantworten müssen: In welchem Verhältnis zu diesen 
theoretischen Anschauungen des Jesuitenordens steht 
Bohomolec, der Propagator der ersten modernen polnißchen 
«Schulkomödie»? Ein näheres Studium der Anschauungen 
Bohomolec' über die Komödie, ihren Charrkter und ihre 
Ziele, wie wir sie entweder direkt aus der Analyse seines 
eigenen Vorwortes zur ersten Auf^gabe seiner Komödien 
oder indirekt aus diesen Komödien selbst erschließen 
können, erlaubt uns, die Frage dahin zu beantworten, daß 
Bohomolec' Ausgangspunkt typisch jesuitisch war, 
d. h. daü seine theoretischen Anschauungen, jedenfalls 
zu Beginn seiner Wirksamkeit, in völliger Übereinstimmung 
mit den Anschauungen seines Ordens standen. Bohomolec 
könnt« ohne Risiko die relativ neue Art der modernen 
« Schul komödie» in seiner Schule einführen, wußte er doch, 
daß dasselbe schon seit Jahrzehnten in den französischen 
Schulen seines Ordens geschah, und daß er selbst in nichts 
von den dramatischen Prinzipien, die dort zur Anwendung 
kamen, abwich. 

Die Form der jesuitischen Dramatik ist nie konstant 
gewesen; im Gegenteil, sie hat immer nach Zeit und Land 
gewechselt. Sie ist eine andere gewesen im Laufe des 

17. Jahrhunderts, sie hat eine wieder andere Form im 

18. Jahrhimdert gehabt. Ihr Geist blieb aber derselbe, 
am Geiste der jesuitischen Dramatik ist nie gerüttelt 



52 Ich zitiere nach dem VorÄ'orte des ajionymen Herausgebers 
der Komödien Porees: Caroli Poree e Societate Jesu, SÄcer- 
'k)tis Fabulae Dramaticae . . . Lut. Paris. 1749. 



45 Kapitel I. 

worden, solange der Orden existierte. «Denn» — sagt 
Zeidler in seinem vorlrefiflichen Aufsatz über das Jesuiten- 
drama '"^^ — «dadurch wußte der Orden in Kunst und 
Leben seinen Einfluß zu bewahren, daß er den Forderungen 
der Zeit entgegenkam, ohne an seinem Grundtypu« 
etwas zu verändern.» 

Worin bestand nun aber der Grundcharakter des 
jesuitischen Dramas, und was machte seinen Grundtjpus 
aus? Wir haben gesehen, wie Juventius forderte, daß 
di"^ Komödie mit den moralischen Prinzipien der Unter- 
richtsmethode übereinstimmen sollte. Wir haben gesehen, 
wie Poree die Meinung verfocht, daß die Aufiührung von 
Schauspielen ein erzieherisches Mittel sein konnte und 
auch ein solches innerh:\lb der von der Schule gezogenen 
Grenzen war. Tatsächlich war die Tendenz, das «fabula 
docet», immer Hauptsache für den jesuitischen Dramen- 
verfasser, und dieser Zug war immer konstant.^* Nicht 
die Zeichnung eines Charakters, wie bei Moliere, nicht die 
Schilderung bestimmter, negativer Sitten, die Anlaß gaben 
zu mehr oder weniger abstrakten, generellen Schluß- 
folgerungen ethischer oder moralisierender Ait, die immer 
nur ein Sekundäres waren sowohl für Moliöre wie für seine 
Nachfolger, sondern der a priori gegebene moralische Satz, 
ein von vornherein feststehendes ethisches Gebot, waren 
für den jesuitischen Verfasser von Komödien (wie Tragödien) 
das Primäre, das zu Beweisende; die Handlung dagegen, 
der Charakter, die Sittenschilderung, der Beweis eelbst 
also ein Variables und Sekundäres. «Wie der 'Vorspruch' 
der Predigt oder die 'Thesis' der Disputation steht der 
Satz des Dramas da, welcher anschauend bewiesen werden 
soll.»^* Die pädagogische Rücksicht auf Grundsätze 
ethischer, religiöser und kirchlicher Art war das leitende 
Inzitaraent des jesuitisclien Dramatikers, der seine Wirk- 
earakeit als eine rein-pädagogische, ad majorem Dei gloriam 

" L. Zeidler, a. a. 0., S. 27 
^^ Eh^enda, S. 25. 
•" Ebenda. S. 24. 



Bohoinoiec in scinera Verliälluis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 4-3 

bestimmte ansah und auf künstlerischen, rein-literarischcii 
und rein-ästhetischen Wert keine Ansprüche erhob. Er war 
«sacerdos», er war PädHgog, und seine dramatischen Ar- 
beiten nur ein integrierender Bestandteil des ganzen Unter- 
richtswesens. «Wir haben die Produktionen des Ordens 
als Theaterstücke zu betrachten, bestimmt, mit allen Mitteln 
der Bühnenkunst auf das Gemüt der Zuschauer zu wirken 
und so die übrigen Institute *de Propaganda fide', Schule 
und Kanzel, zu unterstützen.»^^ Wenn nun Bobomolec 
in seiner Vorrede an den Leser unterstreicht, daß er seine 
Komödien «dia zwyczajnoy szköl naszych rozrywki» ge- 
schrieben habe, um dadurch ihre ästhetischen Mängel 
(«Sam ted)'- znam to dobrze, ze w tych komedyach tyie 
upodobania czytelnik nie znaydzie, ile z czytania Francuz- 
kich lub Vvloskich drudzy odnosic zwykli») zu ent- 
schuldigen, so tritt uns aus dieser Motivierung sofort der 
Standpunkt des jesuitischen Pädagogen entgegen, der sicli 
voll bewui3t ist, daß seine Komödien nicht als literarische 
Erzeugnisse betrachtet werden dürfen, sondern der Schule 
dienen sollen, ßohomolec formuliert die Aufgabe der 
Komödie folgendermaßen: «Koniec albowiem komedyi y 
cel wla^ciwy lest: na smiech podai^c poprawiaö zl^e 
obyczaie». Das ist natürlich nichts anderes als eine 
Umschreibung des bekannten Satzes «ridendo castigare 
mores». Aber dennoch erhält er im Munde eines komödieii- 
schreibenden Jesuiten eine veränderte Bedeutungsnuance. 
Denn ist für Moli^re und Jeden bedeutenden Komödien- 
dichter das «ridendo» gerade die Hauptsache, während 
das «castigare mores» als die praktische raison d'etre der 
Komödie, als das nicht beabsichtigte, doch um so wirkungs- 
vollere Resultat erscheint, so ist die typische Auffassung 
eines Jesuiten die, daß das bewußte und gewollte «castigare 
mores ^ das wesentliche Ziel der Komödie ist, das Lachen 
aber bloß ein Mittel, die Aufmerksamkeit zu fangen.*^ 

^« Ebenda, S. 16. 

^' Vgl. den auf S. 39 zitierten Giimdsatz, der rom Heraus- 
geber von Bidemianns «Ludi Theatrales» stammt: «eo Studium omne 
convertero, non tim ut ^^'-^^fpf quar-; ut r^'>^'* • 



44 Kapitel 1. 

So sagt der Jesuit (Bohomolec) nicht wie die berühmte 
Foriuel Holbergp lautete: «Nicht bloß zur Lust», sondern: 
-Nicht zur Lust». Daß dann das lustige Element, die 
Komik, als Beweismittel angewandt wurde, verändert« 
nichts an der pädagogischen Grundtendenz, konnte nicht 
das Ziel, das der Dichter sich geeetzt, weniger heilsam 
erscheinen lassen, sagt doch Bohomolec mit ausdrücklichen 
Worten: «Der Zweck heiligt das Mittel» («CzQstokroö koniec 
fhwalebny rzecz, na pozör mniey chwalebn^, zdobi y 
okrasza»). Der Zweck aber war, wie w^ir es so oft an 
-Bohomolec' eigenen Komödien studieren können, nicht nur 
der, einen Charakter oder eine Unsitte lächerlich zu machen, 
womit sich die weltlichen Komödiendichter zu begnügen 
pflegen, sondern auch und vornehmlich der, auf offener 
Szene den verlachten Charakter zur Erkenntnis seiner 
Fehler zu bekehren oder die Überwindung einer Unsitte 
ad oculos zu demonstrieren: d. h. die Handlung sollte 
mit einem «pater peccavi» abgeschlossen werden. 

War aber jede dramatische Aufführung zugleich eine 
Lehre und ein moralischer Unterricht, so vergaß der Ver- 
fasser und Jesuit auch nie, daß sie die praktische Aufgabe 
hatte, die jungen Schauspieler im zweckmäßigen Benehmen 
und gewandten Reden zu üben. Por6e sprach davon als 
einer Aufgabe, die dem Grade ihrer Bedeutung nach gleich 
auf die moralische Erbauung folge. Auch Bohomolec unter- 
streicht dieses Ziel mit nicht mißzuverstehenden Worten, 
und zwar gleich am Anfang seiner Vorrede, indem er auch 
darin einen Entschuldigungsgrund dafür sucht, daß seine 
Komödien nicht als Komödien beurteilt werden können, 
nicht als ästhetisch vollkommen angesehen werden dürfen. 
«Ktörzy teatralne swoie zabawki na widok swiata przez 
druk wysadzai^, swe niedostatki zasianiaö zwykli, mieni^c, 
iz takowe rzeczy lepiey siQ na teatrze niz papierze wydai^. 
Ja tey wymöwki pospolitey na pokrycie wielu niedoskona- 
loeci, znayduiiicych sie w mych komedyach, zazywac nie 
inysle, gdyz Jiie tylko komedye lyb traiedye (sie), ale iei 
kaaania, mowy y inne tak krasomowskie, iako y rymo- 



HohoDiolec in seinein Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens, io 

tworskie prace wiele ozdüb z lauwij^cego udatnoHci 
przywKaszczaiq. Przetoz zaden z roztropnych ludzi, 
czytai^cych rzecz takow^, nie domaga hit,- od niey tych 
7:ewnctrznych powaböw, ktüremi osoba raowif^caHkichai^cych 
iimysiy do siebie pociaga. Zatym y te komedye zo sIq 
wielu, przy ich wyjn-awowaniu znayduiiicym sio, podobaty, 

pocliodzik) to, iako iiii nitj zda, bardzioy z 

udaiqcyoh zalety niz z wtasney ich doskonaloHci 

Przetoz o to si(j usilniey staralem, coby bardziey w 
udaiq,cych niz w nich chwalono.» So unterstreicht 
BohoDiolec nachdrückUch, daß er bei der Abfassung seimi- 
iComödien sich nicht von ästhetischen Rücksichten halx^ 
leiten lassen, sondern imraer seine jungen Schauspieh'r 
vor Augen gehabt und seine Aufmerksamkeit darauf ge- 
richtet habe, daß die einzehien RoJlen und die ein- 
zelnen Teile der Rollen zu ihrem Alter, ihren Fähig- 
keiten, zu ihrem Auffassungsvermögen paßten und ihnen 
Gelegenheit geboten wurde, ihre Talente und ihr Benehmen 
von den dankbaren Zuschauern bewundern zu lassen. 
Bohomolec obige Worte waren sicher keine Bescheiden- 
lieitsphrase bloß. Aus diesen Worten spricht zu uns seine 
Zufriedenheit darüber, daß er der Versuchung entgangen 
war, die dramatische Kunst sich zum Selbstzweck zu 
machen. 

Eine andere Äußerung des jesuitischen (mönchischen) 
Geistes, die zugleich den ganzen äußeren Habitus des 
jesuitischen Dramas im allgemeinen und der Komödie im 
besonderen stark beeinflußte, war die ziemlich konsequent 
durchgeführte Eliminierung weiblicher Rollen. Ihren Ur- 
sprung hatte sie in der alten «Ratio studiorum», wo kurz 
und deutlich das Verbot zu lesen war: «nee persona uUa 
rauliebris vel habitus introducatur>.^^ Besonders beredt 
hatte Pater Jouvancy seinerzeit in seiner obengenannten 
«Ratio discendi et docendi» die Gefahren geschildert, die 
von einer Einführung des weiblichen Elementes in das 



^s ;<Raiio studiorum , a. a. 0., S. 272. 



46 Kapitel I. 

Siihuldrama drohten. «Nullus itaque>, so riet er den 
8chulmagiBtern, «sit aniori profano, quamlibet casto, locus; 
nullus personis foeniinarum, quolil)et induantur cultu! 
Ignis licet cineri FuppositUf^, tractari sine detrimento nequit: 
;ic prunae, qunmvis extinctae, ei non urunt, saltem in- 
quinant. Hoc etiam ex ista cautione capiet utilitatis 
religiosuB magister, ut non habeat neceese lectitare verna- 
(mlos quosdam poetas, quorum in fabulis amor tener, ac 
dedita opera quaesitus primas fere eemper obtinet, qua 
lectione nihil est exitialius.»^^ Das war für die Jesuiten 
ein Kardinalpunkt, der bis zum äußersten verteidigt wurde, 
und in der Abwesenheit weiblicher Rollen und einer Liebes- 
intrige eah man vor allen Dingen den Unterschied 
zwischen dem weltlichen und dem schulmäßigen Drama. 
I^ater le Jay suchte sogar in seiner zitierten «ßibliotheca 
Rhetorum» und vornehmlich in der Vorrede zu seiner 
Tragödie «Josephus fratres agnoscens» (1695) den Satz zu 
beweisen, daß auch die Tragödie der profanen Dichter, 
jedenfalls in ihrer besten und höchsten Form, jeder 
Liebesintrige (freilich nicht jeder Frauenrolle) sorgfältig 
auszuweichen pflege, und er führte die Tragödien der 
Griechen und Corneilles Werke als Beweismittel für seine 
These an.*^ Und noch in einem 1734 gedruckten latei- 
nischen Poem sprach sich der französische Jesuit Marsy 
gegen die korrumpierende Einwirkung erotischer Elemente 
auf da^ Drama der Schule aus.^^ 

Wie stellte sich nun Bohomolec zu dieser Frage"? 
Als er seine Komödien schrieb, war der Kampf für und 1 
^egen Frauenrollen erst kürzlich entbrannt und setzte die 
Gemüter der Jesuiten in heftige Bewegung. Die Piaristen 



*9 Zitiert nach Reinhard stoettners Abhandlung, 
a. a. 0., S. 166. 

«0 B o y s 8 e , a. a. 0., S. 94 ff. 

^1 Ebenda, S. 97. — Auch Pater Pierre de Villiers S. J. sprach 
sich 1711 in einem Briefe über Opern und andere Schauspiele 
gegen die Liebesintrige aus. Vgl. Bourquin, a. a. 0., S. 84 
bis 85 (Bd. 26). 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 47 

hatten nämlicli begonnen, in ihren aus dem Französischen 
übersetzten Tragödien die weiblichen Rollen beizubehalten 
und einzelne Schüler in Fraucnkleidern auftreten zu lassen. 
Konarski hatte sogar in seiner Vorrede zur Übersetzung 
von Corneilles tOthon» (1744) behauptet, daß weder 
Tragödien noch Komödien ohne weibliche Rollen bestehen 
könnten. Sofort meldete sich in der Gestalt des bekannten 
Tragödienverfassers Jan ßielski (1714 — 1768), eines der 
konservativsten Jesuiten, die sich nicht mit der piaristischen 
.Schulreform versöhnen konnten, ein Verteidiger der jesui- 
tischen Auffassung von der Verwerflichkeit und Schädlich- 
keit von Frauenrollen im «Schuldrama». Er entwickelt« 
sie, und zwar teilweise nach dem Beispiel le Jays, teil- 
weise mit neuen Argumenten, in seiner «Przedmowa do 
ozytelnika», mit der er 1748 seine Tragödie «Zeyfadyn, 
Uröl Ormuzu> einleitete: «Tragedya, 'Otto' nazwana, z 
Piotra Kornelego, wielkiego francuzkiego poety, wierszera 
polskim tlömaczono po czQSci, po cz^^ci odmieniona, w 
r^ce mi trefunkiem wpadla. Czytalem i^. z ciekawoöcif^ y 
now^ tarn, cale dawnym wiekom nieznaiom^, przed 
wszystkich prawie rymotworstwa — a tragedyi osobliwie — 
nauczycielöw wiadomoscij^ zakryta, w argumencie wypisan^ 
tragedyi regul^ upatrywaiem: iakoby mi^dzy osobami, 
akcye tragedyi wydai^cemi, swoie biaiogiowy koniecznie 
mieö powinny mieysce, ze komedye, tragedye (slowa s^ 
pomienionego — rzek^ tymczasem, gdyz mi modestya 
juoia zakonna zaostrzad nie pozwala piöra, — trageda) 
nigdy ieszcze bez interweniencyi osöb bialoglowskich od 
rozumnych y na swym si^ znai^cych rzemiesle pisane nie 
byly. Ktöre zdanie gdyby ile nieostrozno^ci — ze 
*zuchwaiosci' nie powiem — w authora piörze, tyle do 
uwierzenia latwosci w czytelniku znalazlo, czystsze 
zakonne y od niewiescich mniey czQsto foremnych 
adresöw upiz^tnione alboby zamilknr^d musialy theatra 
y tey moiey tragedyi gdzie w ciemuosciach pogrzebaney 
butwieöby podobno przyszlo. » Statt — wie wir erwarten 
würden — darzutun, daß es von einem rein-pädagogischen 



48 Kapitel I. 

Gesichtspunkte schädlich sei, Knaben Frauenrollen spielen 
lu laßsen und sie mit dem Begriffe der 'Liebe' bekannt 
lu machen, verneint Bielski kategorisch, daß Liebesmotire 
ein integrierender Bestandteil der Tragödie, sei es der 
antiken, sei es der modernen, wären, und folgt so dem 
oben zitierten Gedankengange des Paters le Jay, indem 
er, wie dieser, der besonders Corneilles «Pompee», «Rodo- 
gune> und «Hcraclius» anführt, einzelne Werke der antiken 
und modernen Dichter als Beweis dafür zitiert, daß, 
wenn freilich Frauen auf der Bühne erscheinen, doch nicht 
weibliche Affekte und erotische Motive den Kern der Hand- 
lung bilden. Jedenfalls müs:?en «niewiasty w scenie y 
niewiescie mi^kkie milosci» aus der « Schul tragödie» 
strengstens verbaunt sein, denn «nienaruszony, w niozym 
nie poszlakowany kandor y od miekkich, niewie^cich 
affektöw daleki umysi» sei das Ideal des Geistlichen, der 
twieczn^'swiatu nieprzyiazn wypowiedziab. Bobomolec war 
durch diese jesuitische Anschauung gebunden, und nichts 
konnte ihm ferner liegen als der Gedanke, diese Grund- 
regel seiner Ordensschule zu übertreten, obgleich er sehr 
wohl einsah, daß eine Eliminierung der Frauenrollen seine 
Komödien eines Bestandteiles beraubte, der für jede Ko- 
mödie wesentlich war. Die Entschuldigung (kaum Ver- 
teidigung) dieses Mangels nimmt eine ganz bedeutende 
Stelle in seinem Vorworte ein: 

. . . Saxa tedy znam to dobrzo, ze w tych komedyach tyle 

upodobania czytelnik nie znaydzie, ile z czytania Francuzkich 

hib Wloskich drudzy odnosic zwykli. Przyczyna tego y ta 

icst n i e m a ^ a , ze nieprzyzwyczaieni do ös6b biiloglowskich 

(kU^rych zazywanie wiele la'wosci w robieniu komedyi przy- 

Rosi) mieysca nie daiemy y wolemy ustapi'': wszystkich tych 

powalx'jw y ozrlob, ktörych iani od slabszoy ptci pozyczaia, ni/ 

mlodz polsk^, do m^skich yrycerskich dziel 

tirodzonq, w niewieäcie zmlodn wprawiac oby 

czaie y do tego przyuczaö, od czego ich wiek 

ieszcze daleki byc powinien. 

Ohne Zweifel bezeugen die hier von mir gesperrten Worte, 

daß Bohomolec an Bielskis Argumentation gedacht hat, 

ohne doch literarhistorische Beweise für seine Anschau- 



Hohomolec in seinenn Verhällnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 49 

ung anzuführen. Das wäre ihm auch schwerlich so leiclit 
gehingen, wie Bielski mit der Tragödie, hatte doch dieser 
selbst eingeräumt, daß «Plaut y Terencyusz komiki» gegen 
seine Thcori«* vom frauenloson Drama sprechen. Für 
Bohomolec war augenscheinlich die rJepfl()g»'nheit des 
Ordens einerseits, die pädagogische Rücksicht auf die 
polniecho Jugend, die «ritterlich» erzogen werden sollte, 
andrerseits entscheidend. Doch führte er auch eine n*»ue 
Autorität zur Unterstützung seiner Überzeugung an, näm- 
lich Charles Rollin (1661 — 1741): 

Z tey przyczyny y Akademia Paryska za swiadcctwcru 
Rollina przcz wiele ksi^g bardzo m.'idrych calemu znaio- 
my(?) 6wiatu, surowe (?suro\V4?) ustaw;\ zakazala wszyst 
kiem kollojriom, do swey wladzy nalez^cym, aby sip nie wa- 
zyly niJodzi, naukami bawi^cey si^, w iiiewiescicli szatach y 
postaci na teatra wprowadzac. 

Es ist nicht gleich klar, was Bohomolec eigentlich mit 
dieser Berufung auf die Pariser Universität und Roll in 
gemeint hat. Denn freilich gab die Universität im Jahre 
1695, als Rollin Rektor war, «un mandement tres severe* 
hf^raus, das von den Schüleraufführungen handelte. Aber 
das Edikt war vornehmlich gegen die Aufführungen der 
Jesuiten selbst gerichtet und verbot ausdrücklich jede 
Aufführung von profanen Tragödien. Und was die vielen 
hervorragenden Bücher (^Traite des etudes», «Histoire 
anciennc», < Histoire romaine»), die Rollin, ein Jansenist, 
also Ketzer, geschrieben hat, anb^'triff^, so erschienen sie 
bekanntlich erst lange nach seiner 1702 wegen Häresie er- 
folgten Absetzung. Bohomolec' Berufung auf diese Autori- 
tät ist somit vom jesuitischen Standpunkt aus kaum 
glücklich, wenngleich er natürlich recht hat, daß Rollin 
seiner Werke wegen in der ganz-r'U Welt bekannt ist. 
Nun hat sich aber Rollin wirklich in seinem 1726 er- 
schienenen «Traite des etudes» über das Theaterwesen an 
den geistlichen Schulen ausgesprochen, wobei er nach- 
drücklich die Berechtigung, die Notwendigkeit und den 
pädagogischen Wert der szenischen Aufführungen bezwei- 

Stender- Petersen, Die Schul komödien. 4 



r)0 Kapitel I. 

feite, was Bohomolec klugerweise verschweigt. Für ihn 
l)irgt sich sogar eine große Gefahr für die Moral der 
Schüler in jenem Agieren: «C'est le danger qu'il a que 
cette Sorte d'exercice ne fasse naitre dans l'esprit du maitre 
et des ecoliers, comme cela est assez naturel, le desir de 
s'instruire par leurs yeux de la nianiere dont on doit 
declamer la tragedie; de frequenter pour cela le theatre, 
et de prendrc pour la comedie un goüt qui peut avoir 
des suites bien facheuses, surtout ä cot äge.»*** Daher 
müsse man besonders vorsichtig mit den dramatischen 
Aufführungen sein, wenn dem Übel wirklich kein radi- 
kales Ende gesetzt werden kann, vor allen Dingen aber 
konsequent Liebesmotiven aus dem Wege gehen. 

Wenn Bohomolec solcherart das jesuitische Prinzip 
von der Notwendigkeit der Eliminierung aller Frauen- 
rollen und aller Liebesmotive, jedenfalls im Anfang seiner 
Wirksamkeit als Verfasser von Schulkomödien, streng 
beobachtete, so scheint er es nicht aus innerer Überzeu- 
gung getan zu haben, sondern nur dem Zwange der jesu- 
itischen Tradition folgend. Davon überzeugt uns einer- 
seits der Umstand, daß er praktisch e-ehr bald sich mit 
der Weglassung von Frauenrollen begnügte, dagegen ruhig 
Liebesmotive und überhaupt erotische Motive als Trieb- 
federn der Handlung beibehielt, andrerseits die sehr tole- 
rant lautenden Worte der Einleitung, mit denen er den 
Passus über die Frauenfrage abschließt: 

Nie przyganiam iednak przez to bynaymniey przeciwnemu 
zwyczaiowi, gdy tiasz utrzymui^. Wolno kazdemu bronic swoie 
zdanie — bez uszczerbku inaczey trzymai^cych . . . 

So hätte der fanatische Pater Bielski nicht gesprochen, 
und diese friedvollen Worte bilden einen wirklich wertvollen 
Zug in dem geistigen Antlitz unseres über den Parteien 
Htehenden Komödiendichters. Auch hat Bohomolec sicher 
selbst deutlich gefühlt, daß er durch die Eliminierung der 

«2 Zitiert nach Boysse, a. a. 0., S. 108. — Vgl. Lan- 
s o n , Histoire de la litt^rature fran^aise, 14. &i. (Paris 1920)^ 
S. 728. 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Josuitenonlens. .">! 

weiblichen Rollen aus der Komcidio eine ästhetische In- 

kommensiirabilität beging, die .seinen Produkten nur schaden 

konnte, sagt er doch selbst verlegen und entschuldigend: 

Ja wyznaJQ, iz trzymai.ic siQ mego zwyczaiu, wiele trud 

noäci zazylcm \v przerabumiii dwöch moich kome<lyi, to ifst 

drugiey y trzccicy, kton'ch tresc poniowaz call prawie na bia- 

toglowach Jegomos<5 Pan Moliero zasadzil, przetoz tak ie 

musiak'm latac y kleic, zebym y komedyi szlukq zachowal y 

pici niowiesciey do nicli nie przj'piiscil . . . 

Wenn aber Bohomolec, den jesuitischen, d. h. schul- 
mäßigen Charakter seiner Komödien unterstreichend, ohne 
weiteres einräumt, daß sie nicht mit einem ästhetischen 
Wertmesser gemessen werden können, nicht wie Bielski 
beliauptet, daß dieser «kastrierte» Typus der Ordens- 
dramatik der literarhistorisch einzig berecbtigt(3 Typus 
sei, so ist sich Bohomolec zugltich voll bewußt, daß seine 
Komödien nicht bloß einen eng-pädagogischen Wert haben, 
sondern auch eine nationale und gesellschaftliche Tat 
bedeuten. Er fühlt sich nicht nur als der erste jesuitische 
Pädagog, der die im Ausland schon lange gepflegte Art 
der € Schulkomödie» modernen Schnittes in die polnische 
Schule einführt, sondern zugleich auch als der erste Pole, 
der eigene Komödien in der polnischen Sprache heraus- 
gibt und auf diese Weise die Literatur seines Landes uro 
eine neue Gattung bereichert. 

Wiem, ze moie komedye nie z iednakim od wszyslkich 
b^dq, smakiem czytane, poniewaz (eraz — iako dawny Polak 
powiedzial — «iest wiele przyganiaczöw, a malo dzialaczow». 
Ale imikaij\c obmowy dnigich nie nie poczynac — iest zna- 
kiem malego serca. Wiem, ze ledwie kilka komedyi 
polskich yto z cudzego i^zyka calkiem tlumaczonych na 
swiat wyszlo. Robionych zas albo przerabianych zaden ieszcze 
podobno Polak oyczystym i^zykiem nie wydal. A przeciez to 
zabawka iako iest y uczciwa y pozyteczna, tak 
godna tego, azeby si^ Polacy w niey röwnie 
iako y inne narody kochali. Doäö dla mnie b^dzie, 
ieöli mym przykiadem inni Polacy zach^ceni, lepsze robi^, 
zechc^ Iq sztukQ wydoskonalid y h o n o r P o 1 s k i i n n y m 
narodom zaleci(5. Tym zas, ktörzy mi przygania6 zech^:^» 
b^§ si^ t^ pospolit^ poetöw obroii^ zaslaniac : 

4* 



f>2 Kapitel 1. 

Gaiiisz mo koraedye y szarpiesz, nieboze? 
Nie dbam o to, gdyz ganid kazdy co chce moze. 
Ale icili chcesz, abym dbal o twoie zdanie, 
Zr6b lepszc. nie jx)dlegte zadnego naganie. 

I)ohomolec hatte den Stcjlz des Pioniers, der eine neue 
liahn ira kulturollen Leben seines Volkes bricht, und wußte 
wohl, daß sein Beispiel nicht ohne alle Folgen bleiben 
konnte. Wir können sogar behaupten, daß er den bewuß- 
ten Gedanken gehabt hat, der Vater der polnischen Ko- 
mödie zu sein. Dieser Gedanke ermutigte ihn sicher zur 
VeröffentUchung seiner Komödien, wie auch der günstige 
Empfang, der ihnen l)ei ihrer Aufführung zuteil ge- 
worden zu sein scheint. Mit der Erklärung, daß seine 
Komödien gar nicht mit dem vorgefaßten Plane ge- 
schrieben worden seien, sie drucken zu lassen, ent- 
ischuldigt Bohomolec die ästhetischen Mängel derselben 
nochmals; sie seien nur gedruckt w-orden, weil sie «wielu 
przy ich wyprawowaniu znaydui^icym si^ podobaly 
y do nalegania o ich drukowanie zach^cily». «Ja si^ z 
tym oswiadczam» — beteuerte Bohomolec — «ze gdym 
ie dla zwyczayney szköl naszych rozryvvki pisal, nigdym 
o tym nie myslil, aby kiedy pod drukarsk^ pra- 
s^ podpasc mialy». Wir brauchen darin keine vor- 
sichtige captatio benevolentiae zu sehen, denn aus der 
Geschichte der französischen^^ und auch der polnischen^* 
Jesuiten komödie ist es zur Genüge bekannt, daß die Dra- 
matiker des Je.suitenor>lens meistens ihre Produkte im 
Manuskript liegen ließen. Nur nach Einholung einer spe- 
ziellen Erlaubnis der Ordensvorsteher, die die literarische 
Reputation ihrer Kongregation eifersüchtig überwachten, 
durften die einzelnen Mitglieder des Ordens ihre Werke, 
die der Drucklegung und Veröffentlichung wert befunden 
worden waren, herausgeben. Das bedeutet auch die ste- 
reotype Notiz auf dem Titelblatte der Bohomolecschen 
Komödien: «Za pozwoleniem starszych» oder «Za pozwole- 

•3 Boysse, a. a. 0., S. 24. 

6* S z y j k o w 3 k i , a. a. 0., S. 7.3. 



Bohomolec in seinem Verhüll nis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 53 

uieni zwierzchnosci». Auch der Hinweis darauf, daß 
Freunde des Verfassers ihn besonders eindringlich um 
Veröffentlichung d(U- Komödien gebeten hätten, hat seine 
Parallelen, speziell bei den franzcinißchen Jesuiten, die fast 
immer unterf-treichen, daß nur die Aufforderungen der 
Schüler und Freunde sie dazu vermocht hätten, der Ge- 
fahr einer öffentlichen Kritik zu trotzen/* 

Kurz: der pädagogische Gesichtspunkt, die Eliminie- 
rung der weiblichen Rollen, die Versicherung, daß die 
Komödien eigentlich gar nicht für das breite Publikum 
bestimmt seien, schließlich auch das regelmäßig wieder- 
kehrende «Argument», womit Bohomolec seine Komödien 
einleitet, nach dem Muster der lateinisch schreibenden 
Jesuitendramatiker, die dadurch das Verständnis erleich- 
tern wollten, bezeugen, daß Bohomolec in erster Linie als 
jesuitischer Dramatiker angesehen werden muß. Daß 
er sich der allgemein-gesellschaftlichen Bedeutung seiner 
ersten Komödien bewußt ist, ändert nichts an der Tat- 
sache, daß seine Komödien als «pädagogische Schulkomö- 
dien» zu betrachten sind, als die letzte Etappe in der 
Entwicklung der Jesuiten dramatik. 

Fragen wir uns, ob wir bei Bohomolec neben den 
oben besprochenen inneren Übereinstimmungen auch fak- 
tische Berührungspunkte mit der Schuldramatik der west- 
europäischen Jesuiten feststellen können, so führen uns 
unsere Untersuchungen, zum Teil von Bohomolec' eigenen 
Hinweisen unterstützt, wieder zum berühmten College do 
Louis le Grand in Paris. Hier war die modernisierte 
jesuitische Schulkomödie, ziemlich gleichzeitig mit der 
Schultragödie, Anfang des 18. Jahrhunderts zu wirk- 
licher Blüte gelangt, und als Vertreter der Gattung ist 
das Dreigestirn Gabriel le Jay, Jean-Antoine du Cerceau 
\ind Charles Poree vor allen anderen zu nennen. Alle 
drei hat Bohomolec gekannt, alle drei bearbeitet bezw. 

«ö Boysse, a, a. 0., S. 74. 



5i Kapitel I. 

übersetzt, bei allen dreien hat er gelernt. Diese Tatsache 
scheint mir mit besonderem Nachdruck betont werden zu 
müssen. 

Le Jay war schon vor Bohomolec gut in Polen be- 
kannt, und zwar in erster Linie als Tragödien dichter. 
Mehrere seiner Dramen und Tragödien waren schon ül)er- 
setzt. So war schon 1754 sein «Abdolonimus» («drama 
actum bis ludis prioribus anni MDCXCVI etMDCC») in 
einer von einem gewi^^sen Jan Puttkamer verfertigten 
polnischen Übersetzung zu Sandomierz erschienen ^^, und 
im selben Jahre ^^ hatte der bekannte Bischof Jözef J^drzej 
Zaluski den ersten Teil seiner «Josephus»-Trilogie, den 
«Josephus venditus»^^, übersetzt, an den sich eine andere 
«Josephus» -Tragödie, der «Jözef uznany», schloß, dessen 
Original Charles-Claude Genest St. Vilmers zum Verfasser 
hatte. Auch später intf-ressierte man sich in Polen für 
le Jay: so übersetzte Mina^owicz 1773 die von Juvenals 
zehnter Satire inspirierte «piece ä tiroirs» «Vota» («Z^dze 
ludzkie») und 1774 seine dramatische Dissertation 
«Revocata Virtutem inter et Fortunam Concordia» («Zgoda 
mi^dzy Fortunq, y Cnot^ przywröcona»). 

Als Tragödien Verfasser und Erfinder von allegorischen 
Balletts bekannt, hat le Jay nur zwei eigentliche Komödien 
geschriel)en; die eine trug den Titel «Philochrysus seu 
Avarus», ist den 15. Dezember 1697 zum erstenmal im 
College zu Paris aufgeführt worden und findet sich in 
der «Bibliotheca Rhetorum» (1725) abgedruckt. Wie 
pchon der Titel vermuten läßt, und wie le Jay selbst im 
Vorwort bekennt, ist diese Komödie nicht ohne Anlehnung 
an Plautus* « Aulularia» und Molieres cL'Avare» entstanden. 
Die andere Komödie — und diese hat für Bohomolec 



^6 Noch 1799 erschien eine zweite Ül>ersetzung derselhen 
Tragödie zu Kielce mit dem Titel: «Abdalonim Wieäniak». 

^' In «Zebranie rytmöw» (1754). 

68 «JöZfC'f zaprzedany. Tragedya bez osoby niewieskiey z 
laciAskiego wierszem przelozona.» 



BohomoleiJ in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. ')5 

große Bedeutung gehabt — trägt den Titel «Damocles 
sive Philosophus Regnans». Sie ist — w'w. der Titel der 
1703 erschienenen Ausgabe beweist — in den Jahren 
1695 und 1702 zuerst im Pariser College gespielt worden 
(«drama actum bis ludis ])ri(tribus anni MDCXCV et 
MDCCII») und ist gh ichfalls in die «Hibliotlieca auf- 
genommen.^^ 

Die letztgenannte Komödie kann als eine typische 
Jesuitenkomödie bezeichnet werden. Ihre Tendenz ist 
sozialer Natur, indem sie darauf ausgeht zu zeigen, daß 
Macht kein unbedingtes Gut sei, daß ein jeder den Platz 
auszufüllen habe, an den er vom Geschick uJer — besser 
von Gott — gestellt worden ist. und daß ein jeder Stand 
seine Sorgm und seine Mühen habe. Der pädagogische 
Satz, der somit dem «Philosophus Regnans» zugrunde 
liegt, könnte so umschrieben werden: «Du sollst nicht 
mehr sein wollen als du bist». Als beste Illustration 
dieses Satzes sah er die bekannte Geschichte vom Schwerte 
des Damokles an, die er aber wesentlich abänderte. Er 
sagt darüber selbst in seiner Vorrede, die ich bei Boysse "^'^ 
französisch zitiert finde: «II paraitra peut-etre etonnant, 
que du courtisan depeint par Thistoire, le poete ait fait 
un philosophe, et qu'il ait neglige dans Damocles l'episode 
que tout le monde connait. Qui ne sait, en effet, que 
ce Damocles fut un des courtisans de Denis de Sicile, 
qui, epris des charmes de ia toute-puissance, voulut ex- 
perimeuter la fortune des rois? On sait aussi qu'effraye 
par une epee nue que l'on suspendit par un til au-dessus 
de sa tete, il reconnut que la condition royale n'etait pas 
aussi heureuse qu'il l'avait pense.» Statt dessen hat 
le Jay Damokles zu einem Philosophen und Weltver- 
besserer gemacht, der die bestehenden Dinge kritisiert. 



69 Loider ist mir die Komödie unzugänglich gewesen und 
ich bin gezwungen, meine Schlußfolgerungen und Urteile auf der 
von B o y s s e , a. a. 0., S. 198 ff., gegebenen Analyse zu ba- 
sieren. 

'0 Bovsse, a. a. 0., S. 198 ff . 



50 Kapitel I. 

und in einem dem Tyrannen Dionysius dedizierten Buche 
seine revolutionären und utopischen Anschauungen zusam- 
menfaßt. Er will die Finanzwirtschaft durch Abschaffung der 
Steuern, die Administration durch Aufhebung des Minister- 
instituts und Einführung der absoluten und persönlichen 
Alleinherrschaft, die auswärtigen politischen Verhältnisse 
durch Einführung des ewigen Friedens von Grund aus ver- 
ändern und statt der Gewalt und des eisernen Gesetzes 
Liebe und Vertrauen als Grundlage des Staates betrachten. 
Als ihm dann die Möglichkeit gegeben wird, seine Ideen 
jjiaktisch zu betätigen und zu verwirklichen, kann er 
natürlich weder ohne Steuern noch ohne Minister, weder 
ohne Krieg noch ohne die übrigen kritisierten Einrichtungen 
des alten Staates auskommen und will abdizieren, was 
ihm aber erst gelingt, nachdem er seines Philosophen- 
bartes verlustig gegangen ist. 

Bohomolec hat selbst in seinem Argument gesagt, 
daß seine Komödie «Filozof Panui^cy» nichts anderes 
als eine leichte Umarbeitung der le Jayschen Komödie 
ist: «Ta koraedya, od X. Gabr. Franciszka Lejay Soc: Jesu 
J'rancuza, slawnego krasomowcy, napisana y od röinych 
röznemi iqzykami tlumaczona, teraz na polski z nieiak^ 
odmian^ przelozona» .... Worin die Veränderungen, 
von denen B(jhomolec somit ausdrücklich erzählt, be- 
standen haben können, ist mir leider unmöglich festzu- 
stellen, da ich die Originalkomödie, wie gesagt, nicht 
kenne. Ein Vergleich zwischen den von Boysse zitierten 
Stellen und den entsprechenden vStellen in der polnischen 
Bearbeitung oder Übersetzung läßt mich vermuten, daß 
die Veränderungen sicher nur von untergeordneter Be- 
deutung gewesen sein können; als Beispiel führe ich hier 
eine Stelle aus Damokles' Monolog im Anfang des zweiten 
Aktes an, wo er glücklich die Zinnen der Macht erstiegen 
hat: 

Le Jav II 1: 



DAM: L'ägfe d'or est enfin re- 
venu; les philosopLes re- 



Bohomolec II, 1: 

DAM; Juz zlote wieki powra- 
cai^I Filozof kröluiel 



Hohoirolec in seinem Verhiilliiis z. Dramatik d, Jesuitenordens. .'>7 



gnent. Ijoin d'ici le tu- 
muilo de la gueire. Je 
veux qwti qu'il arrive, 
uno paix 6lernelle au de- 
dans et au dehors, Qu'un 
amour mutiiel unisse le 
penple et Ic roi. II me 
piait de supprimer & 
d'abroger tous Ics impöts. 
Auciin tribut sous mon 
T^gne ne p^sera sur la 
Siciie. Un prince est as- 
sez riebe quand 11 pos- 
s^de Tamour de ses 
peuples. 



Procz zii\d woyna! Po- 
koy nic'ustanny nioth w 
mym kwjlnie krölestwic. 
y m\isi kwitJK\(';. Ja w 
tym. Milo.sr wzaiomna 
niech poddanych z swym 
krölera zicdnuczy. Milos- 
ciii, nie zaä (rwog;^ chc<^ 
mväe panstwo kierowa/,. 
Wszystkie cla, podalki j 
daniny znoszQ, gluzui<j, 
kassut«]; zadna dart, p6ki 
Damokles zy6 b^dzie, nie 
nprzykrzy si? memu lu- 
dowi. D066 bogaty lest 
kröl, kföry w miloäö 
Bwych poddanych obfi- 
tuie. 



Wenn le Jays Illustration zum Satze von der Schwere 
der Macht und von der Notwendigkeit, sich immer ohne 
Murren in das von oben verhängte Schicksal zu finden, 
als dramatisches Werk recht vereinzelt dasteht, so fand schon 
früh, schon lange vor le Jay, derselbe vSatz eine andere 
und dramatisch sehr fruchtbare Behandlung. Das didak- 
tische Motiv von dem betrunkenen Bauern, der für einen 
Tag zum König gemacht wurde, hat literaturgeschichtlich 
eine sehr interessante Entwickelung gehabt, deren Anfänge 
in der alten chinesischen'^ und orientalischen'^ Literatur 
wurzeln, und die mit den modernen Behandlungen noch 
nicht ihre letzte Grenze erreicht hat. Diese Geschichte 
ist in Spezialabhandlungen so allseitig untersucht worden, 
daß ich nicht auf dieselbe hier einzugehen brauche, son- 
dern mich mit einem Hinweis'^ auf dieselben begnügen 



'1 Vgl. die Notiz in der «Edda», Bd. XVI (1921), S. 319. 

'2 A. V. Weilen, Shakespeares Vorspiel zu «Der Wider- 
spenstigen Zähmung» (Frankfurt a. M. 1884). 

'3 Ad. StendoT-Petersen: Ett bidiag tili «Jeppe»- 
motivets historia («Edda», Bd. XVII, 1922). Vgl. die hier zitierte 
Literatur. 



5S Kapitel 1. 

kann. Das Motiv, das aus Shakespeares «The taming 
of the shrew» und aus Holbergs klassischer Komödie 
«Jeppo paa Bjerget» allgemein l)okannt ist, wurde nach 
d»T Prosaboarbeitung, die der deutsche Jesuit Bidermann 
U>40 in seiner «Utopia» gegeben hat, jesuitischer Schul- 
behandlung imd Dramatisierung in breiter Ausdehnung 
zugänglich, wenn auch früher schon, und wie ich ver- 
mute, nicht ohne Einfluß der wandernden englischen 
Komödianten, mehrfach seitens der Jesuiten, vornehmlich 
d^r deutschen, der Versuch gemacht worden ist, das 
lehrreiche Motiv dramatisch auszubeuten. Schon vor 
Bohomolec' Komödie «Ktopoty Panöw», nämlich im Jahre 
1724 hatte der Kalischcr Jesuitenpater und Professor Pru- 
szecki eine wesentlich, wenn auch nicht ausschließlich, 
auf Bidermanns Prosa erzühlung basierte Dramatisierung 
des Motivs vorgenommen: er nannte sein lateinisches und 
versifiziertes Stück «Rustici ebrii in regem mutatio». Zu- 
gleich und auch früher ist dasselbe Motiv zum Gegen- 
stand komischer Dramatisierung gemacht worden. Be- 
sonders bekannt ist die erste polnische und eine der 
ältesten Dramatisierungen überhaupt, Barykas Komödie 
«Z chlopa krol», die schon 1633 entstanden ist. 

Es kann Bohomolec nicht unbekannt gewesen sein, 
daß das Motiv vom betrunkenen Bauern, der König wurde, 
schon so oft behandelt worden war. Dennoch versuchte 
er es nicht, sich auf diese vielfachen und zum Teil wohl- 
grglüokt^n Dramatisierungen zu stützen, sondern wandte 
sich wiederum an das College de Louis le Grand. Die 
französischen Jesuiten hatten sich nämlich auch sehr 
fleißig mit dem für ihre pädagogischen Ziele so passenden 
Motive boschäftigt. Eine der ersten französischen Be- 
arbeitungen, von der wir Nachriciiten'^* haben, ist 1701 
zu Amiens aufgeführt worden; d«'r Verfasser des «drama 
ludicrurn» «Rex unius diei» war der dortige Professor 
der Rhetorik am Jesuitenkollegium Joseph de Tlsle de 



'* Vgl. Sominorvogel, Bd. I, S. 285, u. Bd. IV, S. 1866. 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik «1. Jesuitenordens, "»ü 

Gast (1675—1708). Eini;];e Jahre Bpiltor, nämlich 1704, 
ließ der Pariser Professor Paul le CMerc (1057 — 1740) 
seine Schüler ara Collej^o seine Komödie «Philij)pe le lion, 
duc de Bourgogne» aufführen, eine Komödie, die Hogar 
auf allerhöchsten Wunscli vor dem König von Enf^dand 
wiederholt wurde. '^ Keine von heiden scheint gedrufkt 
worden zu sein, keine von heiden kann somit Bohomolec 
bekannt gewesen sein. Er wählte eine dritte Dramati- 
sierung, die bekannteste von alhai dreien, du Cerceaus 
«cora^die h4roique>, die bald als «Les Incommoditez de 
la grandeur», bald als «Gregoire ou le Faux duc de 
Bourgogiie> zitiert wird. Die Komödie muß schon vor 
1701 entstanden sein, da wir wissen, daß sie in diesem 
Jahre im Jesuitenkolleg zu Ronen gespielt worden ist. 
Im College de Ix)ui3 le Grand ging sie aber erst 1717 
über die Bretter. Sie erschien 1749 im «Recueil de 
poesies diverses».^^ 

Du Cerceau hat nur französische Komödien ge- 
schrieben, die einzige, die er lateinisch verfaßte, über- 
setzte er selbst ins Französische. Von öeinen Komödien 
sind nur folgende gedruckt: 1. «Les Incommoditez de la 
Grandeur»; 2. «L'Ecole des Peres», die 1739 im College 
aufgeführt worden ist; 3. «Esope au College»; 4. «Les 
Cousins», die 1725 aufgeführt worden sind. Außerdem 
schreibt man*^^ du Cerceau noch fünf andere Komödien 
zu, die aber alle leider ungedruckt geblieben sind, näm- 
lich: 1. den 1725 aufgeführten «Euloge ou le Danger des 
richesses», 2. den 1718 und 1728 aufgeführten «Point 
d'honneur», 3. eine Komödie mit dem Titel «Le Riebe 
imaginaire», 4. eine schon 1699 im College gespielte 
Komödie «La Defaite du solecisme» und 5. den 1720 
aufgeführten «Philosophe li la mode». 



75 Vgl. «M er eure Galant» (S. 273—277) vom Juni 1704. 

"ß Ich kenne die Komödie nach der Ausgabe: «Poesies di- 
wrses^ du R. P6re du Cerceau. Nouv. 6d., T. I~II (Paris MDCCLX). 

'■^ Boysse, a. a. 0., S. 352. — Vgl. Sommervogel, 
Bd. 11, S. 969 ff. 



00 Kapilol 1. 

Bohomolec hat nicht das Original zu seinen «Kio|>oty 
Pan(!)w» angegeben, und wenn man sein Argument zu 
dieser Komödie liest, in dem er nur kurz mitteilt, daß 
«ta komedya iest na fundamencie owey historyi, ktör^i. 
() iednyni z xiqzf^t Burgunskich czytamy», hat man den 
Eindruck, daß er eben jene prosaische «historya» als 
seine eigentliche Quelle hat bezeichnen wollen. Aus- 
geschlossen ist es natürlich nicht, daß er irgendeine Prosa- 
rodaktion seines Stoffes gekannt hat. Es steht aber den- 
noch fest, wie schon L. Bernacki'^ nachgewiesen hat, daß 
Bohomolec' Komödie nichts anderes ist als eine leicht 
abgeänderte Übersetzung der du Cerceauschen Komödie. 

Du Cerceau soll das Motiv zu seiner Komödie bei 
seinem Ordensbruder Angelin Gnzet (1568 — 1653) in 
dessen «Pia Hilaria» vom Jahre 1618 gefunden haben. ^'-^ 
Inwieweit das richtig ist, entzieht sich meiner Beurteilung, 
da ich Gazets Werke nicht kenne. Nur will ich die 
Vermutung aussprechen, daß kaum Gazets Jamben-Er- 
zählung die einzige Quelle du Cerceaus gewesen ist, daß 
sicher irgendeine Verbindung der einen oder anderen Art 
zwischen seiner Dramatisierung und den gleichzeitigen 
Dramatisierungen anderer französischer Jesuiten einerseits 
und den deutsch-jesuitischen Dramatisierungen des 17. Jahr- 
hunderts andererseits bestanden hat, eine Vermutung, die 
ich hier nicht zu verteidigen brauche, da ich es schon 
andernorts getan habe. Treffend ist dagegen v. Weilens 
Bemerkung, daß du Cerceaus Komödie in wesentlichen 
Teilen einen starken Einfluß seitens der obenbehandelten 
le Jayschen Komödie erfahren hat, ein Einfluß, der eich 
besonders in dem Audienzmotiv äußert. 

Bohomolec, der le Jays Komödie übersetzt oder — 
wenn man will — bearbeitet hatte, fand bei du Cerceau 
dieselVje Idee von der weisen sozialen Einrichtung der Welt 

'^Ludwik Bernacki, «Klopoty panöw», komedya ks. 
Fr. Bohomolca («Parai^tnik Literacki», rocznik V, Lwöw 1906, 
S. 69 ff.) 

" ibid., S. 60. — Vgl. Sommervogel, Bd. III, S. 1298. 
Die Erzähliing trug den Titel «Philippus Bonus». 



}k)honioIec in seinem Verh.lltnis z. Dramaliit d. Jesuitenordens. f»l 



und von der Sündhaftigkoit de.s Noid^^.s den Großen und 
Mächtigen gefrvnüber, dio auch ihre Sorgen haben, die 
spezifitJchen < Sorgen der Macht», «incoinrno(Jitez de la 
grandeur» oder — polnisch — €klo|)oty pan(')w», dieselbe 
rdee, die ihm im «Damocles» augenscheinlich gefallen hatte 
und sehr lehrreich erschienen war. Zudem war du Cer- 
ceaus Komödie noch aupg» prägter in ihrer pädagogischen 
Tendenz, indem der b»trunkene Bauer vom Für-ten gerade 
zu dem Zsvecke für einen Tag zum Fürsten gemacht wird, 
damit der junge Sohn des Fürsten einsehen lerne, daß 
Herrechen eine Kunst sei und große Erfahrung fordere, 
und daß ein Hauer zuweilen im Gegensatz zum Fürsten 
und Mächtigen seines verliältnismäßig imhekümmerten 
Daseins wegen beneidet werden könne. Die letztere Idee 
wird ausdrücklich ausgesprochen: 
Du Cerceau I, 4 
LE DUC: 

Je veux bien te le dire ici confidement 
Voyant ce malheureux dorniir paisible- 

ment, 
D.ins la place expose sans risque pour 

sa vie, 
Je n'ai pü m'empecher de lui porLer envie. 
«Cet yvrogne> — ai-je dit — ccou- be sur le 

pave, 
Attcnd Iranquillement que son vin soil 

cuve ; 
Et d'un profoijd sommeil sans trouble, 

Sans .'llarnies« 
Quand il veut, comine il veut, il peut ^'oüter 

les charnies. 
Et moi qui regne iei, loin d'un bonheur 

pareil, 
11 faut qu'au poids de Tor j'achette le 

snnimed; 
Et si la nuit raa garde autour de moi 

rangee 
En armes pour moi seul ä veiller obligee 
Ne m'assure un repos qu'il tr<»uve ä peu 

de fiais, 
Je n'ose fermer I'roil au fond de mon 

Palais. > 



Bobomolec I, 4 

KILIPP: 

Ten widok — przyznam 

cisJQ — zazdruöc w mym 

sercu wzbudzib 



Myslilem sam w sobie : 
tMily Büze, len czlek nu 
bruku lezj^ y smarznego 
sobie siia z.izvwa. 



A ia musze u mych leka- 
rz6w snu sobie potrosze 
kuj)owac. 

Ten czlek, na ulicy, nie 

siQ nie l^ka ; 

a ia \v mym patacu 

muszQ slraz trzyma(^, ze- 

bym sobie sen ubez- 

pieczyl. 



i\i Kapitel I. 

Lange Auseinandersetzungen, besonders im ersten Akte, 
dienen nun dazu, um die Idee des Stückes von allen 
möglichen Gesichtspunkten zu beleuchten. Bohomolec, 
dem es auch darauf ankam zu belehren, hat sie keines- 
wegs unterdrückt. Dir junge Prinz erkennt aus dem 
drastischen Beispiele, das sein Vater ihm gibt, wieviel 
Erfahrung, Mäßigung und Überlegung dazu gehört, um 
• in Reich zu regieren, und daß es leichter ist, Kritik zu 
üben, als selbst zu regieren. Der Zuschauer aber, sowohl 
«1er erwachsene >vie der jugendliche, wird darüber belehrt, 
daß es höchst unvernünftig ist, die Großen dieser Welt 
ihrer Macht wegen zu beneiden, daß man, im Gegenteil, 
mit dem Los zufrieden sein soll, das einem jeden von 
der weisen Vorsehung beschieden w-orden ist. 

Wirklich bedeutsame Veränderungen hat Bohomolec 
nicht in seiner Übersetzung vorgenommen. Die handeln- 
den Personen haben meistenteils ihre Namen beibehalten, 
nur der «officier» Valere und sein Diener Carmagnole 
haben bei Bohomolec aus unerklärlichen Gründen die 
neuen Namen Robert resp. Marcin annehmen müssen, 
und der Nachbar des Titelhelden Gregoire-Grzegorz heißt 
nicht mehr Lubin, sondern hat den polnischen Namen 
Tomasz. Wichtiger ist es, daß Bohomolec die siebente 
Szene des dritten Aktes, wo der <39avant ridicule» mit 
dem Namen Fadius auftritt, ganz ausläßt; es ist möglich, 
daß Bohomolec die vollständige Überflüssigkeit dieser 
Szene im dramatischen Sinne erkannt hat und daher 
beschloß, den Fadius aus dem Personenverzeichnis aus- 
zuschließen. Abgesehen von diesen Veränderungen folgte 
Bohomolec Szene für Szene seiner Vorlage, indem er die 
<lu Cerceauschen Verse in stark verkürzender Prosa wieder- 
^'ab; das obenangeführte Zitat und der hier folgende 
Monolog des erwachenden Bauern illustrieren zur Genüge 
'lie Methode unseres Pateri?: 

Du Cerccau 11, 3 Bohomolec II. 3 

<;R EGOIRE (eil se froltant les yeux): | GRZEGORZ (na krze^le 

bogato ubrany): 



Hohomolec in seinem Verhiillnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. ti3 



, Taiii ilo Lata ! dlugo 
^ spalem. Czas pöysö do 

domu A lo ro? 

Nie znani sani siebie. 
Cöz to iost? Gdzic ia 
iestem ? Grzei^orzu, ( zy<^ 
lo tyV (l'rzeüieni sohle 
oczy). Ale i)odol)iio ia 
ieslem. Tak icsl — ia. 
Oto .«-a inoie r(;cc-, moic 
nogi y glowa inoia. Ale 
te suiiijie — iak u kaia 
tu wlazly? Nie im. Nie 
.szpelne. Mil«zmy! Ale 
iak to kanalslwo mi 
przyszlol Cbyba röwuie 
...... Cyt! Kl)^ do 

mnie idzie! .... 



(^, (ja, r^voillons-nou«: .... Que veut 

ilire ceciV 
Je ne me connohs plus, n'est ce pas toi, 

Gr^Koire V 
Plus j'y pense pourtant, plus j'ai peino ä 

le cioire. 
Apr^stoutjesuis nioi, jenemelrompe pas: 
Voilä mes pied<. mon corps, ma td'te & 

mos doux bras. 
de? habit«: — il est vrai — nie donnent 

quiilque peine, 
Oette uiuiriiilicence est un peu bien .sou- 

daine: 
Ecoutez! Taisons-nous & ne jurons de rieii, 
r«la me plalt pourtant & me sied a.ssez 

bicn 
Oni da, je connois tel qui se mire & se 

cane, 
A qui Sans vanite lorb(jue je nie coniparo, 
ile pompeux attirail, ces habits sur ma foi 
Ne viendroient pas si hien a beaucoup 

prös qu'a moi. 
Mais j'apper^ois quelqu'un qui me veut 

quelque chose . . . 

Die le Jaysclie und die du Cerceaue-che Komödie 
nehmen im Repertx)ire der Bohomolecschen Komödien 
in gewissem Sinne eine besondere Stellung ein. Sie ge- 
hören beide zu einem Typus, der nach den pseudo- 
klassischen Vorstellungen weder rein-tragisch, noch rein- 
komisch war; tragisch nicht, weil die Handlung komisch 
>chloß, auch komisch nicht, weil das Milieu der Handlung 
fürstlich war und Könige und Herzöge auf der Bühne 
erschienen. Es war ein gemischter Typus, was le Jay 
mit dem Ausdruck -Drama», du Cerceau mit dem Aus- 
druck «comedie heroique» hatte l)ezeic}inen wollen. 
Ältere Ästhetiker, wie Masen, der im «Rusticus Imperans» 
dasselbe Motiv behandelt hatte, das der du Cerceauschen 
Komödie zugrunde liegt, hätten den Typus mit dem Aus- 
druck «comoedia historica» definiert. Dieser Typus fehlt 
sonst ganz bei Bohomolec, bei dem das Milieu durch- 
gehends bürgerlich und nichthistorisch ist. 



r>4 Kapitel I. 

Wenn aber der Typus bei Bohomolec sonst fehlt, so 
hat die Idee bei ihm fortgewirkt. Auch die Idee jener 
beiden Komödien, die freilicli tyjjisch-jesuitiech ist, ist 
<l(^ch andererseits recht exklusiv, indem sie nicht direkt 
]>rakti8ch-])ädagogir'ch, sondern gewissermaßen philo- 
eophii^ch-didaktisch genannt werden muß, steht sie doch 
in nahem Zusammenhang mit der metaphysischen Idee: 
«vita somnium est». Die Eitelkeit der Macht, die Ver- 
gänglichkeit inii:?cher Herrlichkeit, die Wertlosigkeit aller 
nienschliclien Bestrebungen überhaupt — das ist der ge- 
dankliche Urgrund, aus dem die Komödie vom trunkenen 
Bauern, der König zu sein glaubte und wieder als Bauer 
erwachte, und die Komödie von Damokles, der da glaubte, 
ein König könne das Leben umgestalten, erwachsen sein 
müssen und auch erwachsen sind. Erst sekundär gesellte 
sich zu dieser abstrakten Idee die eng-pädagogische Tendenz 
von der Notwendigkeit, sich mit seinem kleinen Schick- 
salslos zufrieden zu geben, und von der Verwerflichkeit de» 
Strebens nach einer glänzenden gesellschaftlichen Stellung 
und nach größerer Macht. 

Diese Id(?e treffen wir bei Bohomolec wieder in einer 
Komödie, deren eigentlicher literarischer Ursprung von 
grmz anderer Art ist und uns an einer anderen Stelle 
näher beschäftigen soll. Ich meine den «Arlekin na äwiat 
urazony». Der misantbropisch gestimmte Harlekin erklärt 
sich hier näirdich bereit, nach Warschau zurückzukehren, 
al>er nicht in .-meiner Eigenschaft als Harlekin, sondern in 
der neuen (;ines Grafen, eines Graf de Barba. Der dritte, 
vierte und teilwei.^e fünfte Akt dieser Komödie stechen 
ihrem Tone nach auffallend von dem Tone der ersten 
zwei Akte ab, wovon später des näheren die Rede sein 
wird. Uns interessiert es hier, daß die oben aufgezählten 
Akte der Idee dienen, daß Macht eitel Schaum sei, daß 
man mit dem gegebenen Lose zufrieden sein müsse, — 
einer Idee, die eben für jene beiden Jesuitenkomödien so 
charakteristisch ist. Und nicht nur die allgemeine Idee 
dieses Teiles der genannten Komödie, sondern auch die 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 6ö 

Eh3mente ihrer Handlunf:^ erinnern uns an le Jays und 
du Cerceaus Komödien. Wie (Jregoire bei dem letzteren 
mehrere Akte hindurch zu essen verlangt, ohne überhaupt 
dazu zu gelangen, ho daß er zuletzt verzweifelt ausruft: 

Ä meneT co bcaii Lrain oii deviciidroil 6tique: 

Si c'cst etre la I>uc, pargoi, poiiit do qaartier, 

Je m'en dC.-.Iaro net, je renonce au inetier. 

Comment? j'airaerois mieux cent fois etro ä. la clialno . . , 

(IV, 1) 

Hl» wird auch Arlekin mehrere Akte hingehalten, ohne 
etwas zum Essen zu bekommen, ho daß auch er schließ- 
lich erbost ausruft: 

Sluchaycie! Jesli im zaraz ie§c nie dacie, nie chcQ byc 
y pancm. Bierzcio sjbie y suknie y panslwo. WoIq byc Arle- 
kincm v niio<'- kawat rlileba w r^iku niz paneru glodnvm , , . 

(III,' 5) 

Wie Dauiokles bei le Jay, und Gregoire bei du Cerceau 
muß auch Arlekin Gesandte empfangen, erstens den ver- 
m» intlichcn Fechtmeister Jodelet, der wie der Gesandte 
von China hei du Cerceau Arlekin fordert, dann den Gc- 
sajidten des Grafen de Socha, der ihn zu seinem Schwieger- 
sohn erwählt hat. Arlekin behandelt ihn genau so grob, 
wie Gregoire den chinesischen Gesandten: 

GRfi: , . . AUons, boutez dessus, point de cer^monie. 

Et hous ditcs la fin. de votre lilanie . . . 

Pargoi, je cixiis qu'il reve. Est-ce lä tout compere? 

(II, 6) 
ARL: Sit^dzze, möy kumie. 
POL: Niechze pienvey . . . 
ARL: Ale si^dz konieczniel 
POL: Mnie nayprzöd nalezy . . . 

ARL : Ach, «nalezy», <(nalezy» ! I Siaday, möwiQ, bo ciQ piQ§ci:i 
w kark posadz^ ... (IV, 3) 

Als Gr<^goire bei du Cerceau später gehängt werden soll, 
bittet er seinen Nachbar Lubin, ihn mit seiner Gegenwart 
zu trösten: 

GRE: Ah, Lubin, (jui l'eüt cru? 

LUD: Gregoire, qui l'eüt dit? 

GR£: Qu'ä ce terme fatal ma grandeur aJD>outit? 

Stendcr-Petersen, Die Schulkomödien. 5 



66 Kapitel I. 

LUB: J'oji ai la lärme k l'oeil. 

GRfi: J'en d^pite ma vie. 

LUB: miasl 

GR£: Si tu voulois mo tenir compagnie? 

LUB: Va, j'y sorai present. 

GR£: ' Jusbe Ciel ! 

LUB: (ioulciirl 

GR£: Tu mo (fuittes. 

LUB: Adieu, tu me perce le coeur. (V, 4) 

Auf eine ähnliche Weise nimmt Arlekin" Abschied von 
Heinem Freunde Pantalon: 

ARL: . . . Poshichay, Pantalonie. Ty moim iesteä wiemym 

przyiaciclem ? 
PAN: Prawda . . . 
ARL: Uczyiize ty mi teraz w potrzebie iednQ laskQ, o ktörj^ 

b^dQ prosiJ, 
PAN: Z wielk^ ochot^I 

ARL: marn^ ciQ rzecz proszQ: day mi r^kQ, ze uczynisz. 
PAN: Alo z "wielkq ochot^I Möwze, co takicgo? 
ARL: Idz ty za mjiie na szubenicQ. 
PAN : Nie, bracie. Tego niemozna uczyniö. Ale to dla twoiey 

przyiazni üczyniQ, ze, kiedy ciQ b^Ji wieszali, b^dQ przy 

lym pöty, az ci^ obiesz^. (V, 3) 

Es unterliegt somit kaum einem Zweifel, daß der «Arlekia 
na ^wiat urazony:> in gewissen Partien eine starke Beein- 
tlussung seitens der oben besprochen «heroischen» Komö- 
dien der beiden Jesuitenpatres le Jay und du Cerceau, 
besonders aber des letzteren, erfahren hat. 

Dennoch gehört der ganze, eigenartige Typus der 
Harlekinkomödie nicht in die Klasse jener beiden Komö- 
dien, einer durch ihr Äußeres und Inneres einsam da- 
stehenden Komödiengruppe. Die Art der historischen 
Komödie, die früher viel gepflegt worden war, wurde in 
der neuzeitlichen Epoche der Jesuitenkomödie von der' 
bürgerlich- tendenziösen, unmittelbar pädagogischen Art in 
den Hintergrund gedrängt, natürlich unter dem Einfluß 
der bürgerlichen Komödie Moliercs und seiner geistigen 
Nachkommen. Bohomolec hatte sich damit begnügt, die 
heroischen Komödien der Patres le Jay und du Cerceau 
ins Polnische zu übersetzen, ohne sonst die Art zu pflegen 



Bohomolec in «einem Verhältnis z. Dramatik J. Jesuitenorden«. 67 

oder sich von ihr, was die äußere Fornn seiner Komödien 
anbetrifft, beeinfliis.sen zu lassen. Das Milieu seiner 
komischen Handlungen ist sonst niemals fürstlich oder 
höfisch, sondern grundsätzlich bürgerlieh. 

In dieser Beziehung steht er dem dritten von den 
oben genannten Komödienverfassern des College de Louia 
le Grand am nächsten, ihm verdankt er wohl auch am 
meisten: ich meine Pater Por«^e. 

Poree, dieser — wie Bohomolec sich im «argument» 
zum <Oyciec nieroztropny» ausdrückt — «slawny w 
Paryzu krasomowca», war seinerzeit in Frankreich sowohl 
als Tragödiendichter wie auch als Verfasser zahlreicher 
Komödien bekannt; sowohl diese wie jene schrieb er 
konsequent nur lateinisch. Die wichtigsten Tragödien 
habe ich schon an anderer Stelle genannt, hier inter- 
essieren uns seine Komödien. 

Die älteste unter ihn'en ist der 1712 aufgeführte 
«Paezophilus sive Aleator», eine Komödie, die, wie schon 
der Titel andeutet, das aus Regnards und Dufresnys 
Komödien bekannte «Joueur» -Motiv schulmäßig behandelt. 
Im Jahre 1715 folgte der nicht gedruckte und augenschein- 
lich nicht erhaltene «Plutophagus sive Decoctor»^^, in dem 
wahrscheinlich ein Verschwendertypus im Zentrum der 
Plandlung stand. Im Jahre darauf folgte der «Misoponus 
sive Otiosus», eine Komödie vom jungen Müßiggänger, 
und 1717 der «Pater araore vel odio erga liberos excae- 
catus». Nach einem längeren Zwischenraum wurden 1727 
der «Philedonus sive Juvenis voluptarius» und 1730 die 
«Liberi in deligendo vitae instituto coacti» aufgeführt. ^^ 
Es fragt sich nun, ob eine Abhängigkeit von Poree bei 
Bohomolec konstatiert werden kann, ob direkte Ent- 
lehnungen aus Porte Komödien eine wirkliche Abhängig- 



^^Sommervogel, Bd. VI, S. 1024. 
^1 Ich zitiere im folgenden nach der Ausgalje: Caroli 
Poree, Fabulae Dramaticae . . . Lutetiae Paiisiorurn MDCCXLIX. 



6^ 



Kapitel I. 



kcit beweisen. Diese Frage ist unbedingt bejahend zu 
beantworten. 

Aus dem «Paezophilus sive Aleator» stammt der 
Ingress des «Ubogi pokorny». Dort wird der Onkel des 
Titelhelden Chrysorius vom Diener Parmeno daran verhin- 
dert, ins «conclave», wo Paezophilus sich vor ihm versteckt 
hat, einzudringen (I, 3). Im «Ubogi pokorny» hindert 
Kleanders Diener Sbrigani Johan, den Diener des alten 
Anzelm, des zukünftigen Schwiegervaters, daran, ins Schlaf- 
gemach seines Herrn einzudringen (1,3). Natürlich braucht 
Bohomolec theoretisch dieses Motiv nicht gerade bei Por6e 
entlehnt zu haben, sondern konnte es direkt aus der Quelle 
des letzteren, Regnards «Joueur», genommen haben. Doch 
spricht die größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß Poree 
dio eigentliche Quelle gewesen ist und nicht Regnard, 
denn in derselben Komödie finden wir ein anderes Motiv, 
da^^ sicher auch aus dem «Paezophilus» stammt, wie der 
ganze Dialog dartut. Chrysorius hat dem Paezophilus 
Geld gegeben, damit er «turmam emere» könne; nun 
hat aber Paezophilus das Geld verspielt, und der Diener 
Parmeno muß eine Räubergeschichte erfinden zur Erklärung 
dafür, daß keine «turma» gekauft worden ist (1,3). Un- 
gefähr ebenso liegt die Situation bei Bohomolec. Sbrigani 
n)uß Anzelm erklären, warum er, der Diener eines angeb- 
lich reichen Herrn, in Lumpen gekleidet gehe, und er- 
findet eine Räubergeschichte (11, 2). 



Force I, 3: 

(HR: ... Et illam emit? 

l'AR (vnltu inquieio & anxio) : 

He, nondum plane rem 

fransegif. 
(HR: Q^ianrlonam igitur? 
PAR: Non salis liquet. 
CUR: Quid ita? 
PAR (dolorem simulans): Quia 

ma^inum invenimus infor- 

tunium. ! 

CHR : Jamne pecuniam aleae f 



Bohomolec II, 2: 

ANZ: Ale powiedz mi, Sbrigari, 

za oos tak lekko ubrany? 

Wszakci dzis zimno ? 
SBR: Nie wiem, iak komu, a!e 

mnio az nadto dzi§ go- 

Ti\.c<y (vvzdycha). 

ANZ : Cöz to iest ? Czego wzdy- 
chasz ? 

SBR: Fraszka, mospanie. Pro- 
szQ iruQ nie pyta6 o to. 
Zaczniymy inn^ mowc. 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 6tt 



oommisit? Die, age, dicJ 
loquere ! 

PAR : At noli vociferari . . . 
Ludum loquoris ? Atquo 
minimo ludus fuit, sed 
conccrtaüo gravis. 

CHR : Quin igitur ilarrare per- 
gis. 



ANZ: Ale cöz przecie? ChciaJ- 
bym wiodzic(^. Mow ini 
zarazl 

SBR: Brori Puniol Jak sir; möy 
pan dowic o fym. ... 
Ach, Icpieyze zamilcz^. 

ANZ: DaiQ parol, zc panu tw<» 
iemu tego nie powiem. 

SBR: A teil pan kawalermrv 
dlugi i(^zyczek. 

JOH: Kto? ia? Frzepraszani, 
nie mierzyles go lokciem. 

ANZ: Ja siQ tqczq za Johana, 
ze on nie nie powie. 

SBR: Ale na co mam möwic? 
Dos6 mi w tym oslrzodz 
WM. Pana, ze gdy dziA 
pöydzksz do nas z kern- 
panijv, trzjoba siq dobrzo 
Tizbroic . . . 

Nachdem sowohl Parmeno wie Sbrigani die Neugier des 
Alten durch solches Hinhalten aufs äußerste gespannt 
haben, geben sie beide eine erfundene Geschichte von 
einem Überfall*^ zum besten, wobei Sbrigani den Umstand 
benutzt, daß Anzelm einen früheren Freier namens Kleon 
abgewiesen hatte. 



PAR : Dum ad praefectum eque- 
stris turmae sedulo pergi- 
mus, cnm praesente po- 
cunia, in praedones in- 
cidimus. 

CHR: In aleatores videlicet. 

PAR: In praedones praedatores. 
Uli herum comiter ado- 
riuntur primum, mox ar- 
mis infestis pelunt. Ille, 
quoad licet, resistit. Manu 
movit arma, oculis ful- 
gurat, voce intonat, coe- 
lum ipse territat, ut fa- 



SBR: Dowiedzial sIq on od ko- 
gos, ze WM. Pan sw.-^ 
cörk^ masz wydac za pa- 
na moiego, y za to sig 
rozgniewawszy, zebral 
hultaiöw kupQ, z ktöremi 
czatuie na zycie WM. Pa- 
na. 

ANZ: Kto? Kleon? 

SBR: Ten sam. Ja bgd^c vr 
tym od Sc^siada ostrze- 
zony, postrzeglem nie- 
ktörych, zasadzki czy- 
ni^cych, y poczalem im 



82 Dieselbe Räubergeschichte wird im «Chetpliwiec-^ wieder- 
holt. V2I. unten S. 220. 



70 Kapitel I. 

eile intelligas qui vir sit. I möwic: «Czy macie wy 

q\ialis l)eliator fulurus . . . | suiimienie na zycie pana 



Quid mulla? miinero vic- 
lU3 esi. Omni pecuiiia 
spoliatus. Mea tarnen 
opera oduclus c proclio, 
domum integris veslibus 
& incolumis rediit. 



tak zacnogo czalowaö? 
Czy rozumiccie, ze tö 
warn uydzie bez kary?» 
Ja ledvvom to wyrzekl, 
iak sIq wysypiit na mniel 
iak zaczn^ mi^ szarpa«!^, 
bi(^, targac! Tak ze ze 
wszystkim na mnie suk- 
nie poszarpano. 

Aus demselben «Paezopbüus» stammt ein Motiv, das 
j^uhomolec episodisch in seine «Przyiaciele stoiowi» ein- 
geschoben hat. Der z'.veite Akt des Poreeschen Stückes 
beginnt damit, daß Parmeno von seinem Herrn den Auf- 
li'.'ig erhält, irgendwie zu veranlassen, daß die drei Gläu- 
biger Acestes («sarcinator»), Gryt-ariopola («gemmarum &c 
niercator») und Aeschrokerdes («foenerator, idemque credi- 
tor>) sich gedulden. Genau dasselbe soll Frontin, der Diener 
dt s verschwenderischen Robert, tun, als die beiden Gläubiger 
des letzteren, Erast und Dorant, erscheinen (I, 4). Beide 
Diener sind ho klug, die Kreditoren einzeln vorzunehmen. 
Parmeno spricht zuerst mit Aceste>, dann mit Grytariopola 
und scldießlich mit Aeschrokerdes (II, 4 — 6); einem jeden 
von ihnen erzählt er, daß sein Herr ins Feld zu ziehen 
gedenke und ihnen später seine Schuld mit der eventuellen 
Beute bezahlen wolle. Frontin aber, der zuerst mit Erast 
redet, bindet ihm auf, daß sein Herr in Kürze heiraten 
wolle und die Mitgift der Braut zur Begleichung der Schuld 
l.'enutzen werde; dem anderen dagegen, dem Dorant, er- 
zählt er genau dasselbe, was Parmeno bei Poree erzählt, 
iiämlich, d:iß Robert Soldat zu werden beschlossen habe; 
sein Argument ist dabei fast wörtlich dasselbe, das Par- 
meno Grytariopola gegenüber anwendet: 

Poree II, .5: i Bo ho rn o lec I, 6: 

PAR: Mililiam cogilamus. Mili- ! FRO: Sluchay, powiem ci pod 
tiae iure ulimur. Libel- sekrelem. Pan möy teraz 

liim recipe, i przyiril shizb^ zolniersk^ 



Bühomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 71 

CRY: QvLod rnilii niiiitiao iua j a zolnierz ma prawx» 

praedicas? j zwleka«'" dlu^öw wypla- 

TAH : Acs alienuni soru disBol- | cenio. 

vimus. Hoc niililiae ius 

est. I 

Wenn das auch nur Einzelheiten sind, öo sind es jeden 
falls doch tatöiichliclie Beweise dariir, daß Bohomolec dii^ 
Komödien des Paters Porec fleißig und eingehend studiert 
hat.**^* Der überzeugendste Beweis ist aber der, daß eine 
von den Bohomolecsrhen Komödien eine leichte Um- 
arbeitung einer Poreeschen ist: ich meine den cOyciec 
nieroztrojmy». Das Original dieser Komödie ist Pordes 
«Pater amore vel odio erga liberoa excaecatus», und 
Bohomolec verheimlicht keineswegs, daß die Komödie nicht 
ihm gehört. Im Argument derselben teilt er folgendes 
darüber mit: «Ta komedya, napisana po lacinie od xiedza 
Karola Poree Soc. Jesu, siawnego w Paryzu krasomowcy, 
a po polsku z nieiak^ odmianq, przetlumaczona, wyraza 
'Oyca nieroztropnego'.» Die lateinische Komödie des fran- 
zösischen Jesuiten hatte eine für einen Polen nicht un- 
interessante Vorgeschichte, und es ist nicht ausgeschlossen, 
daß Bohomolec diese Vorgeschichte gekannt und ge- 
rade deswegen auch die Komödie aus der Reihe der übrigen 
desselben Verfassers erwählt hat. Am 9. Februar 1734, 
d. h. einen Monat, nachdem der Kurfürst von Sachsen, 
August III., unter russischem Drucke zum König erwählt 
worden war, während der landflüchtige König Stanislaw 
Leszczynski in Danzig und Königsberg auf die weiten* 
Entwicklung der Dinge wartete, wurde im Pariser Jesuiten - 
kolleg ihm zu Ehren ein Fest veranstaltet, wobei eine 
lateinische Ode deklamiert und ein «drama comicum», 
eben die Komödie des Paters Por^e, aufgeführt wurde. 
Boysse hat den erhalten gebliebenen Theaterzettel in seinem 
Werke ^^ abgedruckt: 



82a Weiter imten (S. 96) kommt eine andere Entlehnung aua 
dem -<Philodonus sive Juvenis voluptarius» zur Sprache. 
83 Boysse. a. a. 0., S. 294 f. 



78 Kapitel I. 

D. O. M. 

IN STANISLAUM 

REGEM 

A POI.ONIS ELECTUiM 

CARMEN HEROICUM 

In Scbolä Rhrtorices compositum 

recitabunt, 

IN REGIO 

LUDOVICI MAGNI COLLEGIO 

Die Martis nonä mensis Februarii, 

anno 1734, 

horä post meridiem pesqui-secunda 

SELECTI RHETORES. 

CARMINI HEROICO 

SUBJICIETUR DRAMA COMICUM 

CUJUS ARGUMENTUM 

Pater Nimio Erga Filium Araore Excaecatus. 

Die Komödie begann bei Poree mit einem «Argu- 
mentum >, das die Handlung folgendermaßen wiedergab: 

«Patricius, pater male cordatus, Philotam filium natu ma- 
jorem iniquo amore, Eugenium natu minorem odio pariter 
iniquo prosequebatur. Eugenius ingenio eleganti, animo do- 
cili & morigero, indole suavissima ac inprimis singulari in pa- 
trem picfate odium injustum tentat avertere, & geniloris, quem 
unioo diligit, benevolentiam sibi conciliare. Sed frustra. Filium 
Optimum & patema charitate dignissimimi procul ablegare Pa- 
tricius cogiLat. Philotas contra durus, inflocilis, ferreus, Patri 
infensus, quo plura experitur patemi amoris testiraonia, eo 
jjfuribüs prodit argumeriüs ingratum animum, pravamque voluu- 
Latem a/1 omne vitiorum genus propensam, jamque flagitiis 
exercitatam. Patricius Irenaei viri optimi consiliis, & Dolophili 
Kervi callidi artibus adjutus errorem agnoscit suum; quo de- 
posito, resipiscit.» 

Die Tendenz dieser Koujödie war gegen die moderne 
und falsche Erziehung der Jugend überhaupt gerichtet, 
w»iim die moralische Lehre auch zunächst die sein sollte, 
die Eltern von einer ungerechten und ungleichartigen Be- 
handlung der Kinder abzuschrecken. Poree benutzt die 



Bohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik il. Jesuilenoidens. 73 

Gelegenheit, hier und dort Feine Grundsätze ülx-r Erziehung 
einzustreuen, die dem craisonneur» dfs Stück-'s Innaeua 
in den Mund gelegt werden, wie dieser auch die Kiitik 
7A1 besorgen hat. Sonst geht die Handlung .sbcr darauf 
aus, zu zeigen, wie Eltern in der Beurteilung ihrer Kinder 
irren können, und wie schädlich es ist, die einen den an- 
dern vorzuziehen und jene auf Kosten die^^cT zu verw()hnen. 
Auf jesuitische Weise wird der ungerechte Vater schließlich 
zur Einsicht gebracht, daß er falsch gehandelt hat, wobei 
Por^e, der auch sonst gern bei anerkannten weltlichen Komö- 
diendichter (Moliere, Regnard) Ideen und Situationen leiht, 
die Intrige auf derjenigen des «Malade imaginaire> basiert. 
Bohomolec hat nun keineswegs seine Vorlage sklavisch 
übersetzt, sondern hat sich einige, nicht unwesentliche 
Änderungen und Abweichungen erlaubt, die dazu dienen 
sollten, die Komödie komischer zu machen, als sie 
ursprünglich in Forces Fassung war. Zunächst hat er 
versucht, dieselbe wenigstens äußerlich zu polonisieren, 
indem er den haudelnden Personen neue Namen gab. 
Nur der ungerechte Vater hat seinen lateinischen Namen 
in polonisierter Gestalt, nämlich als «Patrycy» beibehalten. 
Seine Söhne dagegen, die bei Poree Philotas und Eugenius 
heißen, sind in Benedys und Woytek umgetauft worden. 
Irenaeus, der bei Poree als «Patricii amicus* auftritt, ist 
bei Bohomolec Patrycys Bruder geworden und hat im 
Gegensatz zu jenem, der natürlich der «oyciec nieroztropny» 
des Titels ist, den Namen Roztropski erhalten, der ihn 
zugleich als den polaren Gegensatz des ungerechten Vaters, 
als gerechten Onkel charakterisieren soll. Der «moderator» 
Neophylax, der Lehrer der beiden Jünglinge, heißt bei 
Bohomolec Medrski, ein Name, der die Weisheit des 
Lehrers charakterisieren soll, und dem bei Poree episodisch 
auftretenden «pater filii male admodum morati», namens 
Philostorgus, ist der neue^Name Synocki gegeben worden. 
Dem treuen Diener Dolophilus, der als «Spiritus raotor» 
der ganzen Intrige erscheint, trotzdem Poree ihn in seinem 
Personenverzeichnis eu nennen vergessen hat, gab Boho- 



74 Kapitel 1. 

molccdenS3'mpatbie erweckenden NaraenWicrnicki, wodurch 
zugleich der Charakter des ergebenen und treuen Dieners 
an'^edeutet wurde. Schließlich treten bei Poree noch zwei 
ganz episodische Personen auf (Sz. 3 resp. 25), der Castoropola, 
als cpetasorum opifex» näher bezeichnet, und der Pyracnaon, 
der den Titel «faber ferrarius» trägt; beide hat Bohomolec 
gestrichen, weil sie auf keine Weise zur Handlung beitragen. 

Den allgemeinen Gang der Handlung hat Bohomolec 
nicht verändert, wohl aber etwas gekürzt, denn statt der 
etwa dreißig Szenen, aus denen die Komödie Portes be- 
steht, hat er durch Streichung einiger überflüssigen Szenen 
(Sz. 5 — 0, 9 u. a.) und Zusammenziehung anderer eine Reihe 
von nur etwa 21 Szenen erhalten, zu denen er noch drei 
Szenen, nämlich die Szenen 2, 3 und 18, die seiner eigenen In- 
vontion gehören, hinzugefügt hat. Diese Szenen sind einer aus- 
führlicheren Charakteristik des Lehrers Medrski vorbehalten. 

Zum Vergleiche zwischen der Poreeschen Original- 
komödie und der Bohomolecschen Bearbeitung diene hier 
zunächst ein Parallelzitat aus jener und dieser. Die Stelle, 
die ich anführe, ist jener Brief, den bei Poree Philostorgue, 
bei Bohomolec Synocki bei ibren respektiven Söhnen ge- 
funden zu haben behaupten: 
P o r e e Sz. 15 : j B o h o m o 1 e c Sz. 12 : 

«Te amo übique gratulor, «WinsziiiQ tobie, Pafaucyuszn, 

Pamphile, qiiod paternae auc- ! zeS oycowsldey wladzy iarzmo 
toritatis jugxim excusseris; pa- z slebie rzucil. DziwTiiQ siQ 
trem tuum admiror, & rideo, } twemu oycu, ze sIq toH iuz w 
qui tibi moderari velit id aeta- \ tym wieku b^d^cym chce rz^- 
tis, quo tui juris esse debeas. I dzi6, kiedy iuz mozesz sam so- 
l'.quidem si vigesimurn attigis- bio dobrze poradziö. Ja za- 
sem annum, meus sciret patcr, ' pewiie, gdybym mial lat dwa- 
qnibus terminis paferna defi- ; dzieScia, nauczylbyra oyca, iakie 
riiatur auctoritas. Gratia su- ; iogo wladza ma granice. Ale 
peris, est ille bonus vir . . ., & j dzi^ki Bogu, on iest czlek do- 
hoc uno molestu.s, quod me ! bry . . . w^tym tylko naprzy- 
blanditiis oneret ac prope ene- ' krzony, zo rni? swoiemi piesz- 
cel suis. Ferendus tarnen est, i czotami malo nie zamorduio, 
dnin vel me illi fortuna vel illurn Trzeba iednak go cierpieö, pöki 
);j;hi mors auferat. ProfecJurus. j albo mnie Fortuna od niego 
est hodie nescio quo . . . Ejus j albo iego ode mnie ämierc od- 
profectio ronsiliis favet mei3. Si I dali. Ma dziä nie wiem dckj^d 



Bohomülec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 7ö 

res bene processeiit, scies. Tu wyiQtdzut . . . Odiaz/i iego lest 
cape exemplum de me, si sapis, ' mym zamyslom pozyletzny. 
et vale.» Je^li si»; uda, dowicsz si^ y 

nauczysz od»; nuiie, iak masz 
siQ po3t«,'powa(i.» 

Auf diese Weise übersetzt Bohomolec getreu Wort für 
Wort der lateinischen Vorlage, mit Ausnahme jener Szenen, 
die er ganz ausläßt. 

Wenn der «Pater .... excaecatus» seinerzeit bei 
seiner Erstaufführung als «drama comicum» bezeichnet 
wurde, war die Ursache zu dieser wenig adäquaten Be- 
zeichnung ohne Zweifel die, daß die handelnden Personen 
nicht Fürsten und Halbgötter waren, sondern einfache 
Bürgersleute. Denn ein wirklich komisches Elenoent ver- 
missen wir in der lateinischen Komödie des Paters Poree. 
Auch Bohomolec hat augenscheinlich das komische Ele- 
ment vermißt und darin einen Mangel erkannt. Die 
«nieiaka odrniana», die er sich erlaubt, und auf die er 
im Argument ausdrücklich aufmerksam macht, besteht 
nun, wie gesagt^ wesentlich darin, daß er die Komödie 
komischer zu machen gesucht hat. Freilich hat er kaum 
den rechten Weg zur Erzielung einer komischeren Wirkung 
eingeschlagen. P2r machte den ehrlichen und rechtschaffenen 
Lehrer der Poreeschen Komödie zu einem Pedanten, ohne 
zugleich seinen sympathischen Charakter irgendwie zu 
verneinen. Auf diese Weise hinterläßt sein Lehrer Mf^drski 
in unserem Bewußtsein einen zwitterhaften Eindruck, 
indem wir zwischen Spott und Anerkennung schwanken. 
Als Beispiel sei hier Porees und Bohomolec' Fassung der- 
selben Szene nebeneinander gestellt. 
Poree Sz. 7: Bohomolec Sz. 6: 

PATRICIUS, NEOPHYLAX. PATRYCY, MEDRSKI. 

PAT: Accede, Neophylax, accede PAT: Panie M^drski. 

proprius & ausculta. 
NEO: Ad omiüa nie promptum M^D: Tak iest. Y oyciec möy tak 
vides. sIq nazywal A z boku 

kto napisal: cGonveniunt 
rebus nomina saepe 
suis». 



76 



Kapitel 1. 



FAT: Liberos a quindecim die- 
bus tibi nioderandos tra- 
didi. 

NEO: Non est, opinor, quod te 
fiicti poeniteaty 

FAT: He! noiulum quidem. Ego 
te uiiuni elegi e multis. 
Hoc non ignoras. 

NEO: Neque ignoro, neijue sum 
immenior. 



FAT: Causa deligendi fuit quod 
te prae ceteris candidum 
& apertum in diclis cre- 
didi. 

NEO: Honorifice de 
& vere. 



FAT: Neque vero adulatores 

fero. 
NEO: Neque vero sunt ferendi. 

FAT: Neque illos parentes inep- 
tos <fc stolidos probo, qui 
mira de liheris audire 
amant, quia ipsi mira 
pracdicant. 

NEO: Neque vero sunt probandi. 



FAT: Loquere igitur aperte & 
candide: an satisfaciunt 
liberi? 



NEO 
FAT: 



NEO; 



He, he 

Age die! Ne dubita! Fhi- 
lotas nonne sedulus in 
officiis «fc diligens? 
Imo nulli magistro satis- 
facit. Nihil audit, nihil 
attendit. nihil capit. 



FAT; 

MED 
FAT: 
M^D; 

FAT: 



me sentis M^D; 



FAT: 
M^D; 
FAT: 



M^D: 



FAT: 



M^D; 
FAT: 



Dobrze. Wiesz, ie iuz kilk? 

niedziei, iakem ci^ wziql de 

mych synöw za nauczy- 

cicla. 

Pj awda. Tak y Filip, krö) 

Macedonski, przyi^l Arys 

tolelesa. 

Tak iest. Fami^tam, Äem 

ciebie miedzy wielu na teu 

urzjjd wybrah 
: Nie inaczey. Fer synec- 
dochen : unum ex multis. 
Ta figura byla in deliciis 
Ciceronowi. 

Fosluchayze ! Dia tegom 
ci(j obrat, bo wiedziaJem. 
ze iestes czlek szczery y 
prawdQ lubisz möwiö. 
: W tym ia nasladui^ Epa- 
minond^, ktöry nigdy na- 
wet zartem nie klamah 
Wiesz, ze ia y podchlebst- 
wa nie lubi^. 

Y ia toz samo. Wtaönie 
iak övv waleczny . . . 
Foczekay! Nie chwal^ ia 
y tych rodzicöw, ktörzy 
tylko pochwaly sJuchaö 
swoich dzieci lubi^. 

Y Demostenes tego nie 
lubiJ, choc byt — za poz- 
woleniem WM. Pana — 
rodem z Grecyi. 

Möwze mi teraz — iakef^ 

poczcivvy y m^dry — praw- 

d^: iak si^ moi synowie 

sprawui^? 

Quorsum haec? 

Möw mi szezerze: wszak 

Benedys pilny? posluszny? 



M]5D: Avertant superi! Ani pil- 
ny ani postuszny ani s\q 
chce u('zy(5. 



Rohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 77 



PAT: Tanto melius, tanto me- 
lius! Isla levitas signum 
habet vividi & acris in- 
genii. Efe'o sie eiam, cum 
id essem aetatis. Eu^jeni- 
us autem ({uiJy 

NKO: Eugenius totum se tradit 
magistris Sc artibus. Ille 
scribcndo manuni exercet, 
legendu nienlem excolit, 
/ historiaedat operam, geo- 
graphiao, philosophiae, 
mathematicis . . . 

i^AT: Satis esf, satis est! Phi- 
lolas noniie vita <fc moribus 
suavis, honestus, integer? 

.VEO: Imo procax, petulans, frae- 
ni impalicns, anians sui 
plus aequo & male me- 
luo . . . 

HAT: Ne metue ! Delervescent 
paulatim adolescentiae cu- 
pidilates & velut generosa 
vina, cum defervuerint, 
nütescent. Eugenius veroV 

NEO: Eugenio nihil suavius est 
in agendo. In loquendo 
prudens, urbanus, vere- 
cundus . . . 

PAT: Hon . . . das mihi verba, 
Neophylax ; neque de Phi- 
lota, neque de Eugenio 
Vera loqueris. 

NEU: De utroque vera loquor. 
lllud addam de Philota, 
ipsum absenti tibi male 
aliquando dicere, & reve- 
rentiam patri debilam vio- 
lare dictis S: jocis. Frus- 
tra moneo. arguo . . . ridet 
me . . . 

PAT (risum Neophilaclis imitatur 
ridicule): He he he. Ri- 
det te. 



PAT Tym Icpiey, lym lepiey ! 
To wszystko lest znakieui 
zywego y byslrego dowri- 
pu. Ja tez, kiedym byl 
mlodszy, loz sanio czyni- 
lein. A Woytek coV 

MI^D: Woytek — Iru-stra dicere, 
darmo möwid— ustawirznie 
si(j uczy, pisze, czyta, poy 
muie . . . 



PAT: Dosö tego, do^ö tego ! A 
Benedys wszak pi^knyoh 
obyczaiöw, grzeczny, mily, 
ludzki? 

MEd: Jako zywo — przeciwnie 
wszystko ! Har.ly, nieiudz- 
ki, leniwy iak Sardanapal, 
uparty iak Nero, Itjkani 
SJQ . . . 

PAT: Nie l^kay siq! Ustann 
powoli te mlodosci zap^dy. 
Wszak y piwo, iak si^ 
ustoi, to bywa czystsze. 
W^oytek zas co? 

M^D: Jak piwo \v7state mily, 
roztropny, nie mai^cy ani 
kwasu uporu ani drozdzy 
wyst^pköw, ani . . . 

PAT: Jako zywo, iako zywo! ani 
o lym, ani o tym prawdy 
mi nie möwisz! 

MI^D: Mentrri non est meum. 
Jak o tym tak o tym 
prawdy möwi^. To tylko 
ieszcze przydum o Bene- 
dysiu, ze on w oczy iaie, 
kinie, szydzi, a gdy go 
* upominani, to si^ ze mnie 
smieie ... 

PAT: Cha cha cha. Smieie si^ 
z ciebie! 



Kapitel I. 



NEO: Minatur eliam, & rae one- 

rat conviciis. 
TAT: Vellem te quoque plagis 

onerasset, »S: parum abest. 

NKO: Heu! quid ilaV 

FAT: Quia maledictus es, calu- 

mniator, sycophanta ! 

Isla non merui nomina, 

neque is e?o sum qui . . . 

Tu scilicct coram me filio 

maledicas meo. 
NEO: Vera audire voluisti, vera 

audivisti. 



MED: Y owszem mi grozi: mi- 
natur. 

FAT: Cha cha. Grozi: minatur. 
Bylbym rad, gdyby ci^ 
ieszcze obit. 

MED: A to za co? pro quo? 

FAT: Ze^ plotka, oszczerca! 



NEO: 



FAT: 



M^D; 



FAT: Abi, & liberos ad me mitte. FAT; 



MIJD: Na M^drskiego to Wasz- 

mosc Fan möwisz? 
FAT: Takie rzeczy przede mn^ 
na Benedysia m6wi6?! 
Chciat Waszmoöö Fan 
prawdy — otöz i^ powie- 
dzialern. Quae dixi, dixi. 
IqM sobie. Niech BenedyÄ 
do mnie przyidzie. 
Der Typuf' der Por6eschen Schulkomödien ist zugleich 
der Typus der jesuitischen Komödie des 18. Jahrhunderts 
überhaupt. Ich glaube, daß diese Identifikation durch ein 
näheres Studium der französischen Jesuitenkoraödien, soweit 
diese noch erhalten sind, würde bestätigt werden können. 
Die charakteristische Eigenschaft der Poreeschen 
Komödien bestand nicht so sehr in den äußeren Mitteln 
der Komik, die von Poree sehr vernachlässigt worden 
Find. Sie bestand auch nicht im Streben nach einer wirklich 
künstlerischen Charakteristik, obschon darauf von Poree 
zweifellos einige Sorgfalt verwendet worden ist, sondern 
der Hauptzug, der seiner Komödie ihren eigentlichsten 
Charakter gab, war seine moralisierende Tendenz, der die 
Charakteristik nur als Ancilla untergeordnet war. Diese Ten- 
denzgeht dahin, die zwei Generationen, an die sich die Komö- 
die der Schule wendet, die der jungen Menschen und die ihrer 
Eltern, unmittelbar zu belehren, und gerade nach diesen ver- 
schiedenen Objekten der Belehrung müssen meiner Meinung 
nach Porees Komödien vor allen Dingen gruppiert werden. 
Die eine Klasse der Komödien hat somit die Aufgabe, 
sich mit den typischen Fehlern und Lastern junger 
Leute zu befassen: der Held dieser Komödien ist immer 
ein <juvenis> oder ein «adulescens», sie sind immer «per 



Bohomolcc in seinem Veihältuis z. DrAinalik «1. .Icsuilenordi-ns. 1\) 

aetatem juris sui facti» oder jccJcnfaÜH «noiulum e tutoriH 
potc8tate egrcKsi> und, statt sicli mit Fleiß dem Studium 
hinzugeben («honis nrtibuK operam dare>), verfallen sie 
entweder dem Spiele (*aleae») oder dem Müßiggange 
(«otium»)oder schließlich einem unsittlichen Lebenswandel 
(«vita liberior», «voluptas»). Gewöhnlich sind oh Bchlechto 
Freunde, von denen sie dazu verführt wcrd(Mi, mnnehnial 
verführen sie selbst ihre 1^'reunde zum schlechten Leben, 
kommen aber scliließlicli zur Einsicht und werden ent- 
weder von ihren Sünden freigesprochen oder ai)er streng 
bestraft, wobei dadurch — wie eines von den Poreeschen 
(obligatorischen) «Argumenten» ausdrücklicli l)emerkt — 
*adolescentibus statuitur exemplum:. bezeichnend für 
Poree ist der Umstand, daß der mißratene Jüngling regel- 
mäßig als ursprünglich gut und gesittet betrachtet wird : 
der Spieler Paezophilus war früher «amarl dignus, ingenio, 
natura, indole, pudore, comitate, suavitate» (I, 3), der 
liederliche Knabe Philedonus ist «olim pius, temperans, 
castus 1? (Sz. 2) gewesen, und dasselbe wird vom Müßig- 
gänger Mieoponus gesagt. In allen diesen Punkten ähnelt 
Bohomolec ihm ungemein. 

Die andere Kategorie, in der wir die zwei Komödien 
«Pater .... excaecatus» und «Liberi .... coacti» 
zusammenfassen können, ist dadurch charakterisiert, daß 
die hierher gehörigen Komödien gegen Fehler und Sünden 
der Eltern ihren Kindern gegenüber gerichtet sind. Das 
war eine gewagtere Aufgabe, denn man konnte der Schule 
den Vorwurf machen, daß sie die Söhne dadurch zur 
Kritik der väterlichen Autorität erziehe, die Kinder zu Rich- 
tern ihrer Eltern mache. Natürlich war das Ziel dieser 
Komödien gerade umgekehrt das, die wahre Autorität 
gegen allen Mißbrauch zu schützen und auf diese Weise 
zu stärken.*^'* Dennoch lag es nahe, von Seiten der Väter 
eine Opposition zu befürchten, und Poree kam ihr kluger- 

83a Vgl. die Schlußreplik des Patr^xy im xOyciec nie- 
roztropny;; : ^Cczcie siQ Rodzice z mcgo nioszcz^äcia, iak raacie 
dzieci waszych ani zbytecznie kocha<^, ani zbytecznic strofowa<5 !» 



80 Ka, itcl I. 

weise zuvor: er fragt sich in einem Prologe, der, wie alle 
seine Prologe, französisch verfaßt ist, folgendermaßen : 

Mai quoi? Nous siod-t-il bien de peindre 

oeux qui doivent regier nos moeurs? 

Aber er läßt seinen Prologdeklamator sich sofort selbst 
antworten : 

Ils n'auront pas liou de s© plaindre, 

nous serons nos propres oenseursl 

Da? geschieht nun im «Pater excaecatus», zu dem jener 
Prolog gehört, auf die Weise, daß ein ungeratener Sohn 
neben dem ungc^rechten Vater auftritt, wodurch sich die 
moralische Indignation vornehmlich gegen den ersteren 
wendet, wä])rend der kritisierte Vater zum Schluß rehabi- 
litiert wird. In der anderen Komödie wird dem un- 
gerechten Vater eine Tartuff egestalt an die Seite gestellt, 
die jenen natürlich ganz entlastet. 

Genau dieselbe Klassifikation läßt sich auch bei 
Bohomolec durchführen, genau dieselbe Einteilung glaube 
ich aucli bei den jesuitischen Koraödiendichtern Frank- 
reichn im 18. Jahrhundert konstatieren zu dürfen. 

Die Komödien, die bei Bohomolec gegen die «patrea», 
d. b. eher Onkel als Väter, gerichtet sind, pflegen gleich 
im «Argument» die Notiz zu enthalten, daß der Held 
ein «starzec bogaty> oder ein «pan bogaty» sei, der dann 
im weiteren Verlaufe gewöhnlich als «stryi» näher be- 
zeichnet erncheint. Es läßt sich nicht bezweifeln, daß 
Bohomolec oft Vorlagen, in denen der Alte eben als Alter 
verhöhnt und vorspottet wird, bewußt so umarbeitet, daß 
der komische Held nicht wegen seines Alters genasführt 
wir<l, sondern weil er sich einer Ungerechtigkeit schuldig 
macht, und weil eben die Ungert chtigkeit älterer Leute 
den jungen gegenüber bestraft werden muß. Eine typische 
«Pater »Komödie (richtiger eine «OiikeU-Komödie) ist bei 
Bohomolec der «Dziwak», dessen Held, ein «starzec», statt 
seines Neffen, der sich keineswegs irgendwie versündigt 
hat, einen \\ildfrenjden Menschen zu seinem Erben machen 
möchte, bis ihm gewisse (konstruierte) Umstände den 



Bohoiuolec iii seinem Verhältnis z. Dramatik d. Jesuitenordens. 81 

wahren Wert des verkannten Neffen offenbaren. Dieselbe 
Irlee liegt dem «Dziedzic chytry» zugrunde, sowie zum 
Teil auch den «XatrQtnicy», denn auch liier werden Onkel 
darüber belehrt, daß nie ihre hoffnungsvollen Neffen nicht 
grundlo.M ungerecht behandeln, ihnen nicht grundlo.s miß- 
trauen dürfen: denn Hartnäckigkeit und Unbeug.samkeil, 
vor allen Dingen Eigensinn den WünRchen der Jugend 
gegenüber führen nie zu einem guten Ziele. Man könnte 
diese Komödien als «Ecoles des oncles> bezeichnen, wie 
der Titel einer der Komödien lautet, die Pater Fran9oi-:- 
Joseph-Terrasse Desbillons (1711 — 1789) zum Verfasser 
habfn, einen der letzten Komödiendichter des College 
de Louis le Grand. '^* Außerdem schrieb er eine lateinische 
Prosakomödie cSchola 8enum>, die er selbst ins Fran- 
zösische übersetzte unter dem Titel >L*Ecole des peres» 
und wahrscheinlich wie auch den «Homme du temps 
passe» im Pariser College aufführte. ^^ Auch du Cerceau 
hat eine «Iilcole des peres» verfaßt, wie wir oben sahen, und 
die Frage, ob nicht der «Paryza;nin polski» teilweise dieser 
Koraiklie einige Motive verdankt (ohne deswegen eine 
«Pater »-Komödie zu sein), wird uns noch später beschäftigen 
dürfen.®*^ Eine Väterschule kann auch der «Figlacki ka waler 
z ksiezyca» genannt werden, wo der Vater zur Einsicht ge- 
langt, daß ein volles gegenseitiges Vertrauen zwischen P]ltern 
und Kindern die beste Garantie gegen die Intrigen von schur- 
kischen Tartuffenaturen ist ; übrigens eine Komödie, die 
wahrscheinlich nicht ohne wirksamen Einfluß seitens der 
Poreeschen «Liberi coacti> entstanden ist.^^ Schließlich 
kann zu den «Väter»-Komödien auch noch die «Radn 
skut^'czna> gerechnet werden, ol)gleich der Held hier 
weder Vater noch Onkel ist: denn der Hauptheld ist 
immerhin ein «starzec bogaty», und die Komödie ist 

s* Vgl. Sommervogel, Bd. 11, S. 1952 ff. — La grande 
Encyclopedie. T. XIV (Paris, s. a.), S. 211. 
^^ S o m m e r V o g e 1 , a. a. 0. 
^6 Vgl. S. 276 dieser Abhandlung. 
s^ Vgl. S. 250 dieser Abhandlung. 
Stonder-Fetersen, Die Schnlkon'.ödien. 6 



88 Kapitel I. 

Homit jedenfalls für die ältere Generation bestimmt, der 
darin vorgelialten wird, wie unvernünftig es ist, nicht 
auf den Rat besonnener Menschen, sondern auf den Rat 
von Scliarlatanen zu hören und unbedingt den eigenen 
Willen durchsetzen zu wollen. 

Bedeutend zahlreicher sind sowohl in Bohomolec^ 
Repertoire als auch in dem der französischen Jesuiten die 
«Juvenis» -Komödien. Mit Bezug auf Bohomolec können 
wir auch von «mlodzian»-Komödien sprechen, wird 
doch immer schon im «Argument» ein <mlodzian» dieser 
oder jener Art als der Held bezeichnet. Jeder Bohomo- 
lecsche «mlodzian» besitzt nun, genau wde die Poreeschen 
«juvenes», einen Charakterfehler oder eine sonstige Schwäche, 
von der er (und mittelbar der jugendliche Zuschauer und 
Schauspieler) durch die Komödie befreit werden soll. Ge- 
wöhnlich wird dieser Fehler oder diese Schwäche schon im 
Titel der Komödie angedeutet. Die «Nieroztropnosc swym 
zamyslom szkodzj^ca» hat den «unbesonnenen» «mlodzian» 
L«^liusz zum Helden, wie auch Desbillons seine Komödie 
<L'Emporte» gegen eine ähnliche, für die Jugend charak- 
teristische Schwäche geschrieben zu haben scheint,^^ wie 
vielleicht auch noch die 1762 zu Arras aufgeführte Ko- 
mödie «L'Impatient» einen solchen Charakter behandelt. ^^ 
Im cürazai^cy siQ nieslusznie o przymöwki» ist der Held 
wiederum ein «mlodzian», der den Fehler hat, überall 
Kränkungen seiner Würde zu wuttern, einen Fehler, der 
vielleicht dem «Suspiciosus», der 1705 zu Nancy gespielt 
wurde,^^ dem «Hypoptophilus sive Suspicax» (1716) des 
Paters Nicolas - Louis Ingoult (1689— 1753),^^ dem 
1757 im Jesuitenkolleg zu Avignon aufgeführten «Soup- 
ronneux»^^ zugrunde lag. Auch im <Pan do czasu» ist 
der Held ein junger Mensch: ihm hat das große Los den 



88 Sommervogel, Bd. II, S. 1952. 

89 Dcrs., Bd. I, S. 57.5. 

90 Ders., Bd. V, S. 1563. 
9i Ders., Bd. IV, S. 614 f. 
92 Ders., Bd. I, S. 697. 



Hohomolec in seinem Verhältnis z. Dramatik il. Jesuitenonlcns. ^3 

Kopf verwirrt, wie es wohl auf gleiche Weise jenem H<1- 
(Jeii einer im Kolleg zu Bourges l7o3 go.-piolten Komutlie 
mit dem Titel >L'Honime yvre de .sa fortune» ergangen 
sein mag^^ oder dem Helden der 1748 im Pariser Collego 
aufgeführten Komödie tHomo repentinus fortunae filius», 
die Pater Marchand 7Aim Verfasser hat.^* Der Pralil- 
hans au;-; dem «Chrlpliwiec, der sich einen hochadligen 
Namen gibt, ohgleich er nur ein einfacher Kaufmanns- 
sohn ist, hat wahrscheinlich geistige Ahnen im «Nohilitatis 
aemulator», der 1732 zu Dijon über die Bretter der 
Jesuitenbühnc ging,^^ oder im «Glorieux», den Pater 
(Jervairi Genin 1751 verfaßt hat.^^ Ebenso darf der «Pary- 
zanin polski» gedankUch trotz anderen Ursprungs und 
spezifisch polnischen Charakters mit jenem «Marquis Clin- 
cantin ou le Partisan des modes>, von dem uns ein Schul- 
programm vom Jahre 1754 aus Avignon berichtet,^^ zu- 
sammengestellt werden, und der «Statysta mniemanyi, 
der, wie ich noch zeigen werde, eine Umarbeitung einer 
französischen Komödie ist, ist sicher eine Komödie der- 
selben Gattung -vN-ie der 1745 im College de Louis le Grand 
gespielte «Juvenis süperbe fastidiosus»,^^ den man Pater 
Geoffroy oder Pater du Baudory zuschreiben muß, 
oder wie der 1755 im Kolleg zu Aix gespielte «Baron 
de Forfantiere ou l'Art de se faire valoir» des Paters 
Dusserre.'-^^ Der «Duelliste», der 1733 mit dem latei- 
nischen Titel «Machaerophilus sive Juvenis pugnax» im 
Pariser Kolleg gespielt wurde und den Pater de la Sante 
zum Verfasser hat,^^° ist der Idee nach, soweit uns der 
Titel zu schließen erlaubt, mit dem Bohomolecschen 



" Sommervogel, Bd. VIII, S. 1893. 

9* Ders., Bd. V, S. 522. 

95 Ders., Bd. IX, S. 218. 

96 Ders., Bd. III, S. 1315. 

97 Ders., Bd. I, S. 696. 

98 Ders., Bd. VI, S. 267. 

99 Ders., Bd. YIII, S. 1584 u. IX, S. 270. 
100 Ders., Bd. VI, S. 259. 

6* 



8-i Kapitel I. 

«Junak» nicht unverwandt, und was die beiden «Ver- 
schwender »-Komödien unseres pohlischen Schulkomödien- 
dichtera, nämhch den «Ubogi pokorny» und den «Ubogi 
hardy», anbetrifft, so entsprechen ihnen bei den franzö- 
sischen Jesuiten zahb'eiche Komödien ähnlichen Inhalts 
oder ähnlicher Tendenz: so der 1729 in Fleche ge- 
spielte «Dissipateur»^^^, so die gleichnamige Komödie 
des Paters Rivet, die 1746 im Pariser Kolleg aufgeführt 
wurde, ^^^ so der cDecoctor» und der «Paezophilus» Porees, 
so endlich der 1755 zu Dijon aufgeführte «Joueur».^^^ 
Bohomolec befand sich auch in Übereinstimmung mit 
seinen westlichen Kollegen, als er mit seinen «Przyiaciele 
stoiowi» die jungen Scholaren vor falscher und vor über- 
triebener Freundschaft warnte, denn auch dieses Thema 
sehen wir oft von den französischen Jesuiten dramatisch 
behandelt: ich nenne bloß jene «Amicorum schola», von 
deren Aufführung uns ein Schulprogramm aus Amiens 
vom Jahre 1728 berichtet, ^^* und die Komödie «Omnibus 
amicus nulli amicus», die 1732 zu Bourges gespielt 
wurde. ^^^ Schließlich ist auch der «Mysliwy» eine aus- 
geprägte «juvenis »-Komödie, zu der ich bei den franzö- 
sischen Zeitgenossen freilich kein eigentliches Analogon 
gefunden habe: zur Not kann man aber an jenen «Chas- 
seur guerrier» erinnern, der schon 1689 zu Amiens auf- 
geführt wurde. ^*^^ Die Bekämpfung der Misanthropie aber, 
d. h. eines sündigen Menschenhasses, der nicht von heiligen 
Motiven, sondern von Selbstsucht diktiert wird, ist eine 
«-minent jesuitische Bestrebung: ich erinnere bloß an 
Desbillons «Misantrope»^®^ und an Geoffroys gleich- 
namige Komödie;^^^ von der letzteren erfahren wir, daß 

101 Sommervogel, Bd. III, S. 779. 

102 Ders., Bd. VI, S. 267 und 1881. 

103 Dcrs., Bd. III, S. 63. 

104 Ders., Bd. VIII, S. 1627. 
10-^ TJers., Bd. VIII, S. 1893. 

106 T)ers., Bd. I, S. 284. 

107 Ders., Bd. II, S. 1952. 
^08 rx-rs., Bd. III, S. 1334. 



Bohomolec Jii seinem Verhällniö z. Diamalik d. JcsuilcnDiilcn:-. S5 

(las Thema ganz anders aufj^ofaßt ist, als bei MoliOre, 
denn der MenschenhasFer der Jcj-uiten ist «un e.-<prit de 
travers qui juge de tont ä Tavanlure, qni ne connoit ni 
defaiit dans hii, ni m^rite dans les autres, poiir (jui tous 
les hommes sont ridicules et qui Test encore i)lus>.*^* 
Kein Wunder, daß der Misanthrop bei Bohomolec Harle- 
kint>kleider hat anlegen müssen und in der Komödie 
«Arlekin na f^wiat urazony» verspottet wird! Und if-t 
nicht auch die eigenste Gestalt unsres Paters, der Fig- 
lacki, dieser «Politikus von der neuesten Mode», aus der- 
selben, gegen die Auswüchse des modernen Geistes ein- 
genommenen jesuitisclien Anschauungsform erwachsen wie 
z. B. du CerceauR schon genannter «Philosojjhe j'i la mcde»? 
Wie dem auch sei — und ich behaupte keineswegs, 
daß die von mir mehr oder weniger zufällig gewählten 
Parallelen immer treffend sind — wir sehen jedenfalls zur 
Genüge, daß der Typus der Bohomolecschen Schulkomö- 
die — sei es, daß sie zur Belehrung der älteren (Jeneralion, 
die über die Jugend zu gebieten hat, dienen soll, sei es, 
daß sie gegen die Schwächen und typischen Sünden der 
jüngeren Generation, die der Obhut der Schule anvertraut 
ist, gerichtet wird — , duß dieser Typus seiner Tendenz 
nach, mit dem der französisch-jesuitischen modernisierten 
Schulkomödie wesentlich identisch ist. Hin und wieder 
erweitert sich zwar Pater Bohomolec' Horizont, und statt 
engherzig moralisierender Komödien, die sich speziell an 
die Väter und Kinder wenden, entstehen dann unter s( iner 
Feder Komödien mit bedeutsamem Fernblick, Komödien, 
die sich an die breiten Schichten der (lesellschaft wenden 
und Probleme von wenig schulpädagogischer Art berühren; 
dann kann Bohomolec gewisse soziale und kulturelle Miß- 
stände zum Gegenstand seines Sp(jttes machen, z. B. falsche 
Auffassung des Begriffes «Bildung» bei jungen Leuten 



1^9 Lettre ä 1 auteur du Mercure. sur im spec'acie, donn^' au 
College de Louis le Graiid>, ^Mercare de France/), ilai 1753 (Paris 
MÜCCLIII), S. 170. 



8« Kapitel I. 

(vi^'l. die «Medrkowie» und « Kawalerowie modni»). Zu- 
weilen ist dieser Zug auch in Komödien sehr ausgeprägt, 
die wir oben als «Pater»- oder «Juvenis» -Komödien bezeich- 
net haben, die also sonst zu den eng-pädagogischen Schul- 
komödien gerechnet werden müssen, und dieser Zug kann 
in solchen Fällen die primäre Absicht, als moralische 
Lehre zu dienen, stark verdunkeln: diesen sozial-kulturel- 
len Zug finden wir z. B. in Komödien wie der «Paryzanin 
polski», dessen Tendenz stark kultursatirisch ist, in den 
«Natretnicy», wo uns die verschiedensten Gesellschafts- 
typen vorgeführt werden, z. T. Typen von rein polniscliem 
Charakter, in den beiden Komödien mit dem gemein- 
samen Titel «Figlacki polityk teraznieyszey mody», deren 
Titelheld eine von Bohomolec unzweifelhaft a,uf pol- 
nischer Grundlage, wenn auch nicht ohne unpolnische 
Nebeneinflüsse gebildete Gestalt ist u. s. w\ Schließlich 
kann Bohomolec auch Komödien in sein Repertorium 
aufnehmen, die ganz tendenzlos sind: eine solche tendenz- 
lose Komödie ist vor allen Dingen jene unjesuitische, 
die den Titel hat «Bhzni^ta». Aber diese Ausnahmen 
oder Abweichungen können nicht den Eindruck ändern, 
den das Studium der «Schulkomödien» hinterläßt, näm- 
lich, daß der ganze Geist der von Bohomolec verfaßten 
Schulkomödien in nichts vom Geiste der gleichzeitigen 
Jesuitenkomödie in Frankreich absticht. 

Meine weiteren Untersuchungen über das Verhältnis 
Bohomolec' zu seinen Quellen, über seine Charakterisie- 
rungsmethode, über die Art seiner Tendenz und über die 
Grundsätze, von denen seine Kritik ausging, werden im 
Einzelnen das Resultat dartun, zu dem mich der flüchtige 
Vergleich seiner Themenwahl mit derjenigen der französi- 
schen Jesuiten geführt hat: daß nämlich Bohomolec mit 
seinen Schulkomödien dem Beispiel seines eigenen Ordens 
gefolgt ist, daß seine Schulkomödien nach dem Rezepte 
der modernisierten französisch- jesuitischen Dramatik ver- 
fertigt sind, daß seine Schulkomödien par excellence 
Jsouitenkomödien gewesen sind. Bohomolec' Schulkomö- 



Hohomoloc in seinem Yerhillliiis z. Dramatik d. Jesuitenordens, bl 

dien sind ein Irtzter frischer Sj)rüßHng dt^r internationalon 
Jesuitondramatii^, die in Deutschland eines hmi^.samf n 
Todes geBtorben war, die in Frankreich ihre Blütezeit 
hinter sich hatte, die nun in Polen kurz vor der Auf- 
hebung des Ordens noch aufblühte und gerade dadurch 
einer wirklich nationalen Dramatik, einer wirklich natio- 
nalen Komödie den Boden bereitete. Darin liegt auch 
zunächst Bohomolec' größtes Verdienst. 



Kapitel II. 

Bohomolec' Verhältnis zur lateinischen, 
vorzüglich Plautinischen Komödie. 

In höherem Grade, als es sonst mit den Komödien 
anderer Dichter zu sein pflegt, ist das Problem der 
Bohomolecschen Komödien ein Quellenproblem. Zeichnen 
sich Quellenuntersuchungen im allgemeinen durch einen 
negativen Charakter aus, indem sie uns die Grenzen 
dichterischer Invention aufdecken, uns die Abhängigkeit 
der Meister von iiiren Vorgängern und Vorbildern dartun, 
nur weniges über über den Prozeß ihres Schaffens er- 
zählen, so offenbart sich dennoch bei Bohomolec, bei der 
Untersuchung der Quellen seiner «Schulkomödien», die 
Tatsache, daß sein dichterisches Schaffen wesentlich aus 
seinem Verhältnis zu diesen Quellen erkannt werden muß. 
Denn sein Verhältnis zu ihnen ist ein anderes als das 
Verhältnis eines Plautus oder Moliere zu den ihrigen, 
es ist nicht das Verhältnis eines Meisters zu seinem Stoffe, 
den er zur Vollkommenheit erhebt, sondern das Verhalten 
eines Handwerkers, der den vollkommenen Stoff umformt, 
entformt, um ihn den Zielen und Zwecken eben seines 
Handwerkes anzupassen. Ihm gilt der Stoff" nicht als 
eine Summe künstlerischer Möglichkeiten, die er zu Er- 
zeugnissen höchster Kunst erheben will, sondern als etwas 
zufällig Gegebenes, das benutzt werden kann, um Sätze zu 
beweisen, die dem Stoffe nicht eigen sind, die vom Stoffe 
unabhängig sind. Als echter Jesuitenprofessor sah er im 
komischen Stoffe, den er bei seinen Vorbildern fand, ein 
Mittel zur Veranschaulichung seiner unkünstlerischen Ten- 



Bolioraolec' Verhriltni.s z. lat., vorzügl. Piaulinischen KomöJie, 89 

il'.nzen. Aus dem Studium s^cines Verhältnisses 7A\ seinem 
Stoffe wird sich uns sein Charakter als jesuitiFcher Dra- 
matiker mit einer Evidenz ergeben, die d:LS Ilesidtat 
unserer [Jntersu(;hungen über sein direktes Verhältnis zur 
"ranzösi-chen Jesuitendramatik nur befestigen imd er- 
_änzen wird. 

ßohomulec hat sehr wohl gewußt, daß seine Abhängig- 
keit von fremden Meistern nicht unentdeckt bleiben 
konnte, daß speziell seine Art der Verarbeitung fremder 
^^tofTe Kritik begegnen mußte. Er sucht sich in seinem 
N'orworte gegen alle \'orwürfe zu wahren, aber seine Ver- 
teidigung läßt vieles zu wünschen übrig, glaubt er doch, 
-ich hinter der Autorität Terenz' und Mol ieres, verstecken 
zu können: 

Takowy sposöb przcrabiania cudzych komodyi, ie^li si(* 
komu iiio jKxloba, teil musi pierwey wielu innycli z{;an.ic 
poetöw, teyze wolnosci co y ia zazyv\'ai.'\cych. Ktorycli zo iest 
wielka liczba, dwoch tylko nayprze<liiieyszych wspomnQ, toiest: 
Tercchcyusza (sie !) y M ii 1 i e r a (sie !). Pierw.szy z M e - 
riandra, greckiego poety, drugi z hiszpaiiskich, wloskieh y 
angiciskieh komedyi swoie ulozyl . . . 

Abgesehen von den faktischen Fehlern, die dieser Passus 
enthält, ist das Verhältnis, in dem Bohomolec zu seinen 
Mustern steht, wie schon oben bemerkt, ein ganz anderes 
als jenes, in dem Terenz oder Plautus oder Moliere zu 
den ihrigen stehen. Aber das hat Bohomolec selbst 
mit geheuchelter oder wirklicher Naivität nicht ein- 
irestehen wollen. 

AVas nun Terenz angeht, so scheint er trotz jener 
Zitierung seines Namens fast gar nichts für Bohomolec 
bedeutet zu haben. Das ist um so überraschender, al& 
bekanntlich gerade Terenz von der katholischen Schule,, 
später von der der Jesuiten, wegen seiner «castitas» ge- 
rühmt und dem Plautus anscheinend bei weitem vor- 
gezogen worden ist.^ Davon zeugen die «christiani- 



^Karl von Reinliardstoettner, Plautus. Spätere 
Eaarbeitungen . . . (Leipzig 1886), S. 23, 26 u. f. 



1>0 



Kapitel II. 



vierten» Ausgaben des Terenz, davon zeugt die unzählige- 
mal aufs neue herausgegebene, vom Jesuiten Juventius 
b-^sorgte Ausgabe des « ex purgierten > Terenz (Rothomagi 
1686). Bohoniolec verdankt trotzdem keine seiner Komö- 
dien einem terenzischen Motiv, bat keine Szene bei Terenz 
geliehen, und wenn wir von dem in der «Nieroztropnosc 
pwym zamyslom szkodzqca» unerwartet mit dem Namen 
Chremes auftretenden Boten (oder «przyiaciel») absehen, 
welcher Name bekanntlich oft bei Terenz vorkommt (in 
der «Andria». im «Eunuchus», im «Phormio», im «Heau- 
lontimorumenus»), so gibt es bei Bohomolec auch keine 
Terenz direkt entlehnten Personen. Es ist aber nicht 
unmöglich, daß die Gestalt des <Figlacki» gedanklich von 
Terenz' «Euimchus» -Figur, dem Parasiten Gnatho beein- 
flußt ist. Da wir es aber hier nicht mit indirekten Ein- 
flüssen, sondern mit wirklichen Entlehnungen zu tun 
liaben wollen, und die Gestalt des Figlacki eine eingehende 
Untersuchung fordert (vgl. S. 330), können wir die eben 
berührte Frage vorläufig unentschieden lassen. 

Plautus aber, den Bohomolec in seinem Vorworte 
mit Stillschweigen übergeht, liat große und direkte Be- 
deutung für die Entstehung der Bohomolecschen Komödien 
gehabt, und gerade diese Verschiedenheit in der Be- 
handlung des «eleganten» Terenz, den Bohomolec trotz 
der Empfehlungen aller Autoritäten beiseite läßt, und des 
grol)körnigen Plautus, den er nichtsdestoweniger zu seinem 
Vorbilde wählt, könnte für den guten, unbeirrbaren^ Ge- 
schmack unseres Paters sprechen — wenn hier wirklich 
bewußte Wahl vorläge. 

2 Plautus "erfreute sich besonders in Polen großer Beliebtheit. 
Darauf deuten unter anderem die Plautus-Ausgaben des verdienst- 
vollen Krakauer Buchdruckers Matthias Scharfonl^ergk, der in den 
Jahren 1.5.30 — 1543 den <'Amphitruo>;', den «Mercator», die «Cassena» 
lateinisch und emendiert herausgab; darauf deutet auch Piotr Cie- 
klinskis 1-597 'erschienene, ]K>loni.sierl.e Übersetzung des «Trinum- 
niu-s» ("PotroynyÄ), in der die Helden niil polnischen Namen wie 
Dobrochowski, Zlotogrodzki, Woytowicz usw. auftraten. — Vgl. 
P. C h m i e 1 o w s k i , Nasza litera'ura dramatyczna, Bd. I, S. 92. 



Bohoniolec' Verhäl'nis z. hü., vorziic''- riautiiii.*(lj':'n Koiiiöili.'. 1»! 

Bohomok'c; Verhältnis zu Plautus iai nur unvoll- 
kommen untertaucht worden:'* wir h:ihen ])isher nur gewußt, 
daß die «Menaechmi^ und die tMcjhtellariiv» ihm als Vor- 
bilder gedient hahcn. Es erweist sich nun, daß jene 
Komödien mehr als Vorbilder gewesen sind, dnß auch 
der «Trinummus» für ihn von Bedeutung gewesen ist, 
daß eine von seinen Komödien in der Ilauptsaehe auf 
den «Pseudolus» zurückgeht, und schließlich, daß Bohomo- 
lec nicht zwei Phiutinische Komödien, sondern mindestens 
vier gekannt und benutzt hat. 

Aus einem Vergleiche der Plautin ischen «Menaech- 
mi» und der Bohomolecschen «Blizniota», die auf jene 
Komödie zurückgeführt werden müssen, lernen wir die Art 
und \Veii?e kennen, wie Bohomolec seine Vorlagen zu ver- 
ändern und umzuarbeiten versteht. Schon das Argument 
zu dieser Komödie, das ich im Anhang abgedruckt habe, 
ist in allem wesentlichen eine Wiederholung des Plau- 
tinischen Argumentes oder Prologes, bloß mit dem Unter- 
schiede, daß der Vater nicht ein Syrakusaner, sondern 
ein «Anglik» ist, daß sein Reiseziel nicht Tarent, sondern 
Konstantinopel ist, daß die Zwilh'nge bei seiner Abreise 
nicht «septuennes», sondern zwölfjährig sind, daß der 
eine Zwilling nicht von einem «Epidamniensis», sondern 
von einem Türken geraubt wird, der ihn an einen Bürger 
in Neapel verkauft, so daß nicht Epidamnus («haec nrbs 
Epidamnus est, dum haec agitur fabula», V. 72),* sondern 
Neapel der Ort der Handlung ist. Das sind Abweichungen, 
die zwar etwas überraschend, aber dennoch nicht so groß 
.sind, daß wir behaupten könnten, 15ohomolec habe sein 
Argument unabhängig von Plautus' Prolog zusammen- 
gestellt, oder Bohomolec habe eine Bearbeitung des Plau- 
tin ischen Stückes, nicht das Original selbst bearbeitet. Auf- 
fallend ist es zwar, daß Menaechmusl und MenaechmuslI 



3 Und zwar nur von S t r u s i n s k i , a. a. 0. 

* Ich zitiere liier imd im folgenden nach der von \V. M. Lind- 
say besorgten 'Oxford-Ausgabe : T. :M a c c i P 1 a v t i , Comoediae. 
Oxonii (MCMIII). 



Kapitel II. 

(Sosicles) bei Bohomolec Piotr Leliusz und Jan Leliusz 
heißen, und wir denken unwillkürlich an G. B. Andreinis 
<I due Lelii simili», die 1613 vor französischem Publi- 
kum aufgeführt wurden, und sicher eine italienische Be- 
arbeitung des lateinischen Stückes sind.^ Aber wir werden 
kaum irgendeine Verbindung zwischen dieser oder einer 
anderen Bearbeitung der Komödie des Plautus und der 
Bohomolecschen Bearbeitung herstellen können, und müssen 
uns damit l^ognügen zu konstatieren, daß Bohomolec' 
«Bliz'niQta» wahrscheinlich direkt auf Plautus zurück- 
gehen. Au8 Gründen, die wir außerstande sind festzu- 
stellen, hat Bohomolec die verschiedenen Lokalangabon 
seines Vorbildes verändert und seinen Plelden neue Namen 
gegeben, vielleicht um die eigentliche Herkunft seines 
Stückes zu maskieren. 

Frauen spielen bekanntlich nur eine ganz neben- 
sächliche Rolle in Plautus' Komödie, und es fiel Bohomolec 
verhältnismäßig leicht, das weibliche Element zu elimi- 
nieren. Die «meretrix» PZrotium, die Geliebte des Me- 
naechmus 1, konnte ohne Schv*'ierigkeit durch einen männ- 
lichen Freund ersetzt werden, der den Namen Dorant 
erhielt; die ancilla der Erotium und die <;matrona», d. h. 
die Frau des Menaechmus I, spielten eine so episodische 
Rolle, daß sie ganz wegfallen konnten. Der Parasit Pe- 
liiculus wurde bei Bohomolec zum «podchlel)ca» Robert, 
der «senex», der Adoptivvater und Schwiegervater des 
Menaechmus I, nannte sich bei Bohomolec Adrast und 
erscheint im Personen Verzeichnis als «starzec bogaty», der 
«medicus» ist als «cyrulik» beibehalten. ^lessenio, der 
<servus» des Menaechmus U, wird von BohonuAec Sbri- 
gani gf-nannt, und Frontin, wie der Diener des Piotr 



•^ K. V. Rci nhard s toc t tn er, a. a. 0., S. 544. — Ar- 
mand Baschef, Les comediens üaliens ä Ja cour de France . . . 
(Paris 1882), S. 319. — Johannes Merz, Carlo Goldoni ... 
(Leipzig 1003), S. 27. — E. Bcvilacqiia, Giambattista An- 
dreini (Giornale storieo del'.a letteratura ibliana, vo'. XX I\', 1894), 
S. 115. 



Bohomolec' Verhältnis z. lal , vorzir.'l. I'hiuiinisclicii K'>üii.di('. \Ki 

Leliu-sz licißt, ents])richt in einigen Züpen seiner Rolle 
dem «cocus» Cylindrus bei Plautup. Auüerdoiu liat JJo- 
homolec noch eine Figur eingeführt, den Galeerensträfling 
(«niaytek na galery skazany») namens Furl)(^ni, einen 
früheren Freund Sbriganis. Die ganze raison d'etre die.ser 
Figur ist wohl bloß die, daß sie Bohomolec die Gelegen- 
heit gab, die Komödie mit einem effektvollen Auftakte 
zu beginnen, der nichts anderes als ein Gemeinplatz der 
französischen Komödie und am nächsten mit der Szene 1, 2 
von Regnards cLe Divorce» vergleichbar ist/' 

Die eigentliche Nachahmung der Plautinischen Ko- 
mödie beginnt erst nach diesem Auftakte: von einer 
wirklic-hen Übersetzung der Vorlage können wir in diesem 
Falle nicht sprechen; es handelt sich um selbständig 
dun.'hgeführte Analogien zu den einzelnen Szenen der 
Plautinischen Komödie unter Zuhilfenahme mehrerer 
Motive, die aus anderen (Quellen stammen. 

Charakteristisch ist in dieser Beziehung gleich der 
Monolog d<'s Parasiten Robert (1, 2), der sonst im Ver- 



6 Ich führe den Dialog zum-Vergleiche aii: 

FIRB: Wiesz, zem si^ puhlilcq zawszc ratl bawil. /iiuydowac 
sio iia halach, <^)|)oracli, komcdyach, laiii chc.'ic zahiedz 
iwicdynkom, iednym szpady wyci^galem, drugim, zeby 
siQ kichani^m bliznicnui nie przykrzyli, labakierQ wyimo- 
N\a!oni, innyni, zeby na zlc pieni<jdzy nie zazywali, 
kieszy z kieszcni wymykalcm, y tarn daley , . . 

SBRI: \Vi?lk;i dol)ni jniblirznemii przyslufio czyniles! 

FL'RB: Czynilbyin ia y dota.d, gdyl)y nii zazdrosc ludzka nie 
])rzeszkodzila. 

SRRI: Ta kanalia wszQdzie siq wmiesza! Ale cuz to bylo? 

ITRB: Bagatcla! Ale z iiiey rzecz wielka urosla. Razii pew- 
ncgo, gdyni byl na komedyi, pewny kawaler znalazl mji 
r^k^ w swoiey kicszeni y za t^ bagalelfj urazony oddal 
Uli? do sjirlu. S^d, t^ moi(; poufalosc zlc so!)ie tluma 
czc'ic, rekomendowal mie na galerg. Tarn skorom si^; 
przyuital z kolegami, wnet mi na szyie kolniorzyk ze- 
lazny wlozono y kazano mi cudze kraie nawiodzac. Ja- 
koz na tey samey galcrze, do ktörey mialem przywia.- 
zanie, v/oiazui^c przybylem tu szcz«jsli\vie iuz dwi temu 
tygodnie . . , 



•J4 Kapitel IL 

laufe der Haiullung dem Parasiten Peniculus der «Me- 
naeclinii> zu entsprechen hat; der Monolog aber ist statt 
des «Menaechmi» - Monologes (I, 1) eingeschoben, mit 
dessen Ausführungen über die Allmacht des Essens er 
nichts gemein hat; im Gegenteil, Robert klagt, daß er 
heute ohne Mahlzeit geblieben sei: 

ROH : Nieszcz^sliwy to dzieii iakis ! Nie mogQ dzis cale zna- 
losc tobiadu «dla siebie . . . Juz mie w tym miescie 
dobrz;o znaiji; iiiz moie podchlebstwa raalo co wazq,; iuz 
howinkom moim iiiic- wierza.. Tem dotychczas zylem, 
przez to Tvstep miewalem do godnych kompanii. Ale z 
czass:^m wszystko sIq odmienia. Niema wi^kszey 
biedy na czleka iako miec zotc^dek 
strawny anie miec swoiey kuchni ... 

Bohomolec scheint hier einfach den Gedankengang aus dem 

Monologe eines anderen Piautinischen Parasiten, des Er- 

gasilaus aus den «Captivi» (III, 1) wiedergegeben zu haben: 

ERG : Miser homo est qui ipse sibi quod edit quaerit et id aegre 

invenit, 
sed ille est miserior qui et aegre quaerit et nihil invenit; 
ille miserrumust, qiii quom esse cupit, / tum / quod edil 

non habet. 
nam hercle ego hiiic die, si liceat, oculos ecfodiam lubens, 
ita malignitate oneravit omnis mortalis mihi; 
neque ieiuniosiorcm neque magis ecfertum fame 
vidi nee quoi minu' procedat quidquid facere occeperit^ 
ita(que) venter gutturque resident essurialis ferias. 
ilicet parasiticae arti maxumam malam crucem, 
ita iuventus iam ridiculos inopesque ab se segregat . . , 

Hier wie dort dieselbe Klage über die veränderten Zeiten, 
liier wie dort die gleiche Behauptung, daß es nichts 
Schlimmeres gäbe, als einen guten Magen und nichts zu 
essen. Peniculus schließt seinen Monolog mit den Worten ab : 

nam ego ad Menaechmum Imnc / nunc / eo, quo iam diu 

sum iudicatus 

nunc ad eum inviso. sed aperitur ostium. 

Menaechmum eccum ipsum video, progreditur foras. 

So schließt auch Robert bei Bohomolec seine Betrach- 
tungen, indem er außerdem noch hinzufügt, daß der alte 
Adrast die Freundschaft seines Adoptivsohnes mit dem 



Bohomolcc* Verhältnis z. lat., vorzugl. Plautin ischen Komödie. Wo 

Schmarotzer nicht gern sähe, ein Zug, der sich nicht bei 
Phiutus findet, und der uns erklären soll, wnrum Piotr 
Leliusz den Robert nicht zu sich iius Haus lädt, sondern 
mit zum Freunde Dorant führt: 

ROB: . . . SprobuiQ szczQscia: pöydQ do Lcliiisza . . . Tt'n 
niiQ zavvszo dobrze przyimuio , . . Tylko len starzec 
Adrast, ktory go do siebic za syna przywlaszczyt, krzywo 
na nxnio pogl.'\da. Ale niech sobie pogl^da, bal — y 
bardzol Byleby nii pozvvolil w swoie pölmiski zaglji- 
dac . . . Lecz oto sam Leliusz z swego domu \vycho- 
dzil . . . 

Die Art und Weise, wie der Parasit sich darauf an 
Piotr Leliusz heranpirscht (I, 3), in einer Szene, die der 
bei Plautus auf Peniculus' Monolog folgenden entspricht, 
ist bei Pldutus auch eine andere, denn Robert geht bei 
Bohomolec Umwege, um sein Ziel — eine Mahlzeit — 
zu erreichen, indem er alle Neuigkeiten auskramt, die 
er von seinen Korrespondenten erhalten zu haben vor- 
gibt, u. a. die Neuigkeit, daß der türkische Kaufmann 
Hali, bei dem Adrast den Piotr freigekauft haben soll, 
die Schatzkammer des Sultans zu Konstantinopel ange- 
zündet haben und dafür im Gefängnis erwürgt worden 
sein solle. Darauf schmeichelt er Leliusz und führt das 
Gespräch geschickt aufs Mittagessen: 

ROB: . . . Teraz przeruiymy iq mow^ . . . Dok^dze to 

idziesz ? 
LEL: Do pewnego przyiaciela. 
ROB : FewTiie na obiad ? 
LEL : Bynaymniey ! ]Mani inszy interes. 
ROB: A na obiad do siebie powröcisz? 
LEL: Tak iest. 
ROB: Zebym pokazal, z iakim iestem do ciebie serca przywici- 

zaniem, b^üQ iadl dzisiay u ciebie . . . 
LEL: Calym sercem zyczylbym . . . 

ROB: Ja strasznie lubie z toba. siQ bamc. Y lubo dzis kilku 
panöw przysylalo do mnie, zapraszaiq^c mi^ na obiad, ia 
iediiak woIq ziesc z tob^. U nich ^vieIe ceremonii, a 
ia . . . 
LEL: Ja siQ obaudam, zebym sie przez to nie naprzykrzyt 
memu Adrastowi. On iako czlek stary nie zawsze rad . . . 



^6 Kapitel II. 

ROB: Rozumicm! Ja go znam dawno. Oa cho6 sio zmarszczy, 

alc ... 
LEL: Oto tak uczynmy! Idzie hi do nas Doran», przyiaciel müy 

poufaly. Do niego si^ na obiad zaprosiemy. 
ROß: Dia miiie to iedno ... (I, 3) 

Robert lügt hier seinem jungen Freunde vor, daß er von 
vielen anderen schon eingeladen worden sei, um dadurcli 
eeine Bettelei zu verdecken, ein Motiv, daß Bohomolec 
nicht selbst erfunden zu haben brauclit, konnte er es doch 
schon bei Poree in dessen «Philedonus sive Juvenis 
voluptarius a liberiore vita revocatus» angewandt finden: 
hier motiviert der nach lateinischem Beispiele gebildete 
Parasit Trechedipnus im Gespräch mit dem Diener seines 
jungen Gönners, dem Polydromus, folgendermaßen sein 
Erscheinen : 

TRE: Me tibi, Polydrome, et hero tuo excusatum venio, qiiod a 

meiisa vestra totos abfuerini quatuor dies. 
POL: Jain te excusatum habemus, Trechedipne, alibi nempe iibi 

parata fuit coena. 
TRE: Ita nie nuilti sibi convivani cxpctiint, ut nequeam omnibus 
satisfacere. Sed me vobis restituo; vobis hodie ad coe- 
uam adcro. Hoc Philedono, si modo est intus, denuncio. 

(1,8) 
Der erste Akt schließt damit, daß Piotr Leliusz sich 
und den Parasiten bei Dorant zu Tische einlädt, wie 
Menaechmus I, der Erotium seinen Besuch und den des 
Peniculus anmeldet. 

Mit dem zweiten Akte beginnen bei Plautus und 
Bohomolec die Verwechslungen und Mißverständnisse, die 
jedoch infolge gewisser neuer Momente nicht immer 
übereinstimmen. Und zwar können wir konstatieren, daß 
feie im zweiten Akte recht parallel verlaufen, im dritten 
und vierten Akte stark abweichen, während sie im 
letzten, fünften, einander wieder näherkommen. 

Bei Plautus haben wr folgende sieben Verwechs- 
lungen: 

1. Menaechmus II, der Fremdling in Epidamnus, geht zufälliger- 
weise an Erotiums Haus vorbei und wird von ihrem Koche 



Bohomolec' Yerh;iltnis z. lat., vorrQgl. Pliulinischen KomöJie. 07 

Cylindrus für Monaochmus I, der zum Gastmalil erwartet 
wird, gehalten (II, 2). 

2. Eroüum, dio gerade aus dem Hause tritt, sieht in Menaech* 
mus II ihren Liebhaher Menaechmus I und lockt ihn trot« 
seines erstaunton Widorstrcbens mit sich ins Haus (II, 3), 

3. Der Parasit Pcniculus, der seinen Gönner Menaechmus I in. 
der Stadt aus den Augen verloren hat, erwartet ihn vor 
Erotiums Haustür (III, 1) und glaubt, der aus dem Hause 
tretende Menaechmus II sei der Erwartete (III, 2); w^s 
dieser natürlich ungeduldig verneint. Peniculus \*ill sich 
rächen. 

4. Die ancilla der Erotium hält Menaechmus II auch für 
Menaechmus I und gibt ihm außer dem Mantel, den Me- 
nacx:}unus I seiner Frau geraubt und der Erotium (im ersten 
Akte) geschenkt hatte, eine goldene Spange ihrer Herrin 
(III, 3). 

5. Dio Frau dc3 Menaechmus I, die den Raub des Mantels enl- 
dovkt hat, glaubt Mcnacch.aius II soi ilir ujigeireucir Gatte, 
und überhäuft ihn mit Vorwürfen (V, 1), 

6. Der herbeigerufene Vater der matrona glaubt auch sofort, 
Menaechmus II sei sein Schwiegersolm Menaechmus I, und 
ist über den wilden Seelenzustand des letzteren sehr er- 
staunt und l)ekümmert (V, 2). 

7. Als dann der nichts Böses ahnende rechte Menaechmus I 
mit Gewalt von seinem vermeintlichen Walmsinno geheilt 
werden soll, glaubt der herbeieilende ser\nis Messenio, 
Menaechmus I sei sein Herr Menaechmus II, und befreit 
ihn (V, 7). 

Aui diese Weise wird Menaechmus II sechsmal für Me- 
nat^ohmus I gehalten, dieser nur einmal für jenen. Außer diesen 
sit^lrcn eigentlichen Verwechslungen liegen bei Plaulus noch vier 
Situationen ähnlicher Art vor, die als Konsequenzen jener Ver- 
wechslungen erscheinen . und zu Mißverständnissen An- 
laß Ueten : 

1. Die vom rachsüchtigen Peniculus unterrichtete matrona über- 
fällt ihrc^n ahnungslos aus der Stadt heimkehrenden Mann 
Menaechmus I mit Vorwürfen wegen seines Besuches bei der 
Hetäre — während faktisch Menaechmus II derjenige war, 
der bei der Hetäre das Gsistmahl genossen hat (IV, 2). 

2. Von seiner Frau dazu gezwungen, den ihr gehörigen Mantel 
sofort von der Hetäre ziirückzufordem, klopft Menaeclimus 
bei der Erotium an, ist aber sehr erstaunt, als diese be- 
hauptet, ihm denselben nach dem Mahle zwecks einiger 
Umänderungen gegeben zu haben — während es tatsächlich 
Menaechmus II war, dem sie den Mantel gab (IV, 3). 

.« i e n d c r - P e t e r <= c n , Die Schui komödieu. 7 



98 Kapitel II. 

3. Mcnaechnius I soll mit Gewalt von seinem vermeintlichen 
Walmsinn iK^freit werden — während es in Wirklichkeit 
Menaeehmns II war, der Anlaß zu solrlicn Maßregeln gab 
(V, 5). 

4. Messejiio äußert gegen seinen Herrn Menaochmus II seine 
l'Yeudc darüber, daß er ihn für seine Befreiung aus den 
Händen des Arztes mit Freilassung; belohnt habe — während 
es tatsächlich Menaechnius I gewesen ist. den er befreit 
und um Freilassung gebeten hat (V^ 8). 

Diese Mißverständnisse sind mm solchermaßen Folgen der 
obenangeführten Verwechslungen, daß das orsle Mißverständnis 
aus der dritten Verwechslung, das zweite aus der zweiten, das 
dritte aus der sechsten und das vierte aus der siebenten Ver- 
we<hslung floß, wobei die Verwechslungen 1, 4 und 5 ohne im- 
raittelbare Folgen geblieben. Da nun gerade diese einerseits den 
Frauonrollen gehören, andererseits für den Gang der Handlung 
ohne wesentliche Bedeutung waren, Itonnte Bohomolec sie zum 
Teil ohne weiteres weglassen oder mit Leichtigkeit umformen: 
er nahm auch nur die erste mit herüber und ersetzte Cylindrus 
durch den Diener des Piotr Leliusz I, dem Fr^>ntin. 

Bohomolec' Szenar entspricht nun in folgender Weise 
dem Plautinischen, 

Die erste Verwechslung entspricht der ersten bei Plautus: 
Frontin hält den zufällig vorl>eigehenden Jan Leliusz II für seinen 
Herrn (Verwechslung a = Verwechslung 1). 

Dorant, der an die S.'clie der Plaulinjschen Krotium getreten 
ist, hält ihn gleichfalls für Piotr Leliusz I (Verwechslung b 
= Verwechslung 2): 

DOR (rozumiei^c z podobienstwa, ze to Piotr Leliusz, mowi do 
Jana Leliusza): Przyiacielu, iuze6 skohczyl interes? 

LEL: Do kogo on möwi? 

DOR (co§ pomieszany): Obiad iuz gotowy. Jeili chcesz. wnet 
kaz^ wydawad. 

LEL: Do mnie to möwisz? 

DOR: Tak iest. 

LEL: Owoi drugi! 

DOR: ProszQ do mego domu. 

LEL: Nie mam tey i^mialoSci b<id£ic ci nieznaiomy. 

DOR: Nieznaiomy za§? Co to za taicmnica? 

LEL: Mnie sio z/ia, zem nie mial honora nigdy ciQ Widzie6. 

TX)f{: Ale iarty na slron^l Obiad, iakeä kazal, iuz gotowy. 

LEL: Jam kazal?! — Co tu za lud w lym miefeciel? 



Bohomolec' Verhältnis z. lat,, voriü^rl. I'laulinischen Komödie. 99 

DOR : A wszakeÄ rni m6wi], ie masz dzis u mni« by<^ na. 

obi«<lzie 7. Ilobertom. 
LEL: Z Uoljerleia zas? Co to za ie<lon? 
DOR: Nie znasz RoU'rta? A wszakci to tw<iy przyiaciel. 
LEL: Möv przviaciel? Nio wiem, czego chcecie o<lo mnie. 

(II, 3) 
Wir vergleichen damit die ent'^prcchende Stelle hei 
PI au tu 8 : 

ERO: earaus intro, ut praiideamus. 

MEN : bene vocas : tam {^ratiast. 

ERO: qur igitur mo tibi iussisti coquere dudiun praridiuin? 

MEN: egon le iussi coquere? 

ERO : certo, tibi ot parasito tuo. 

MEN: quoi, maliuii. {xarasito? certo haer nmljer non sanast 

ERO: Pöiiiculo. [satis. 

MEN: cfuis isio est Peniculus? ((iii extergentur baxeaeV 

MEN: qiiis isto est Peniculus? qui extcrgeiitur baxeae? 

ERO: scilicet qui dnduni tecum venit . . . (II, 3) 

Bohomolec fügt liier (in der vierten und letzten Szene des 
zweiten Aktes) ein erstes, bei Plautus nicht vorgesehenes Miß- 
NTersländnis ein (Mißverständnis a), das aus der erstxjn 
Szene des ersten Aktes fließt : der Galeerensträfling Furboni fragt 
Fnmtin nach seinem Freunde Sbrigani, dem Diener des Leliusz, 
XHid Fronlin behauptet, e r sei selbst der Diener des Loliusz. 
Leliusz. 

Rol>ert glaubt, Jan Leliusz, der aus dem Hause des Dorant 
tritt, sei Piotr, und ärgert sich darüber, daß er ohne ihn ge- 
gessen "hat (Verwechslung c = Verwechslung 3); aber 
nicht er, sondern Frontin, der mit dabei ist, ül>ernimmt die Auf- 
gabe, Adrast (nicht wie bei Plautus, der malrona) miLzuLeilon, 
daß sein Adoptivsohn den Verstand verloren habe. 

Weinn nun Bohomolec dem Sclienm des Plautus genau ge- 
folgt wäre, müßlen jetzt die Verwechslung 4 und die Mißverständ- 
nisse 1 und 2 folgen. Die Verwechslung kannte ohne Schwierig- 
keit mit der Eliminierung der ancilla wegfallen. Schwieriger war 
das mit den beiden Mißverstäjidnissen, die aui> der drittem und 
zweiten Verwechslung folgten, denn sie bildeten einen integrie- 
renden Bestandteil der Plautinischen Handlung; andererseits konnte 
Bohomolec sie nicht ohne Veränderung beibehalten, weil die bei 
ihm eliminierte matrona die Hauptrolle dabei spielte. Er half sich 
so, daß er den heimkehrenden IHoLr Leliusz von dem Parasiten 
mit Vorwürfen üb<irhäufen ließ, weil er ohne ihn bei Dorant 
gegossen habe, was Piotr natürlich erstaunt verneint (M i ß v o r - 



100 Kapitel II. 

ständnis b = Mißverständnis 1). Aber Dorant bestätigt 
wie Erotium die Behauptung des Parasiten (Mißverständ- 
nis c = Mißverständnis 2). 

In der Komödie des Plautus spielt bekanntlich der 
der matrona geraubte Mantel, den Menaechmus I seiner 
Geliebten schenkt, den diese dann Menaechmus II gibt, 
und an dem schließlich die matrona in Menaechmus II 
ihren ungetreuen Gatten zu erkennen glaubt, eine gewisse 
Rolle, indem er den allgemeinen Wirrwarr vergrößert und 
unterstützt. Nun konnte Ijohomolec natürlich dieses 
Motiv nicht in seiner ursprünglichen Form in seiner 
Komödie anbringen, sondern mußte das Motiv vom ge- 
stohlenen Frauenmantel durch ein anderes ersetzen, um 
dadurch die Intrige im gewünschten Sinne zu verändern. 
Die Art und Weise, wie diese Substitution des Mantels 
durch einen Geldbeutel («worek») geschieht, ist be- 
zeichnend für Bohomolec' Methode. Zunächst sei 
an die näheren Umstände erinnert. 

Sbrigani, den sein Herr Leliusz II schon in der Szene II, 1 
zum Hafen geschickt hat, um seinen Geldsack zu holen, tritt ge- 
rade wieder auf, als der Parasit uad Dorant sowie Frontin darüber 
mit Piotr Leliusz I herum streiten, ob er bei dem Dorant gewesen 
sei oder nicht; Sbrigani glaubt natürlich, Leliusz I sei Leliusz II, 
und liändigt ihm den Geldbeutel ein. Wir haben hier somit ein© 
neue Verwechslung (Verwechslung d). Piotr Leliusz I gibt 
ihn 'dem Robert mit dem Auftrage, den rechten Besitzer ausfindig 
zu machen. Ehe Bohomolec weitergeht, fügt er hier noch eine 
nfnie Dienerszene ein, die auf einem neuen Mißverständnis beruht 
und mit dem unter a genannten im Zusammenhang sieht: Sbri- 
^ni und Frontin geraten nämlich in Streit über die Frage, wer 
von ihnen beiden eigentlich der Diener des Leliusz sei, eine Szene, 
^ie damit schließt, daß Sbrigani von dem anderen eine schallende 
J'Iaulßchelle erhält (Mißverständnis d). Man wird beim 
I-Xisen dieser Szenen an den Dialog zwischenMercurius 
und Sosia in der ersten Szene des ersten Aktes 
des Plautinischen (resp. Molierischen) «A m p h i t r u o» er- 
innert, wo der Streit auch mit Maulschellen gewürzt wird und 
Sosia sich als arger Feigling entpuppt, der ebensowenig wie Sbri- 
gani zurückzuschlagen vcrsteJit. Dieser kommt nun aber bei Boho- 
molec gleich darauf aus dem Regen in die Traufe, denn sein wirk- 
licher Herr erscheint imd fragt ihn nach dem Beutel. Sbrigani; 



Bohomolec' Verhältnis z. lut., vorzügl. Plautiiiischen Komödie. 101 

behauptet natürlich, ihn schon an Leliusz abgegeben zu haLcn, 
womit Jan sich nicht zufrieden geben kann : er fordert, Sbrigani 
solle ihm den verlorenen Beutel sofort, koste es, was es wolle, 
zurückschaffen (Mißverständnis e). Als dann Furboni und 
Sbrigani mit vereinten Kräften dem armen Robert den Beutel ge- 
waltsam abgenommen haben und ihn Jan zurückorsLatten, ist zwar 
dieser hefriedigt, aber sehr erstaunt, daß auch Robert behauptet, 
er selber, Leliusz, habe Rol)Odrt den Beutel eingehändigt (Miß- 
verständnis f). 

Wolier hat nun Bohomolec dieses Motiv vom herum- 
waudernden Geldbeutel"? Ich glaube, wir haben allen 
Anlaß anzunehmen, daß auch dieses Motiv nicht eine 
freie Erfindung unseres Jesuiten ist, sondern aus einer 
bestimmten Quelle stammt. Es ist bekannt, daß auch 
Regnard in seinen «Menechmes» auf Plautus' Komödie 
fußt: die Zwillingsbrüder erhielten bei ihm reclit ver- 
schiedene Charaktere; zugleich war das Motiv von der 
Plautinischen «palla» durch das Motiv von der «valise» 
fjrstattet worden, die in die Hände des unrechten Bruders 
gelangt. Walirscheinlich auf Regnards Bearbeitung fußte 
teilweise auch Goldoni^ als er seine Komödie «I due 
gemelli Veneziani» verfaßte, die vielleicht sogar ohne 
eigentliche Kenntnis der Plautinischen Komödie entstanden 
ist. Auch Goldoni ersetzte jenes Motiv auf seine Weise: 
bei ihm hat genau wie bei Bohomolec «un bauletto con 
delle gioje» eine Rolle zu spielen, der uns die Gewißheit 
gibt, daß Bohomolec gerade aus dieser Komödie jenen 
neuen Zug entlehnt hat. Die Sachlage ist bei Goldoni 
nämlich folgende: Arlecchino, der Diener des einen Zwil- 
lingsbruders namens Zanetto, will seinem Herrn dessen 
Koffer mit den Kostbarkeiten abliefern, händigt denselben 
aber dem Tonino ein, den er für seinen Herrn hält (II, '2, 
vgl. die Verwechslung d bei Bohomolec). Nachher ist 
er sehr erstaunt, als sein wirklicher Herr nach den «bezzi» 
und den «zogie» fragt, die er durchaus nicht erhalten 
«u haben behauptet, und die Arlecchino ihm unbedingt 



' Vgl. K. v. Reinhardstoettner: Plautus, S. 547, 



lOi Kapitel II. 

wiederschaffen soll (IT, 7, vgl. das Mißverständnis c). 
Inzwischen hat aber Tonino die «zogie» dem Pancrazio, 
deni Nachkommen des Plautinischen Parasiten und des 
Schurken der Goldonischen Komödie, gegeben, damit 
er sie dem eigentlichen Besitzer zurückerstatten solle 
(«penso de cosegnarle a vü, acciö vegnindo fora el patron, 
ghe le podife restituir», 11:12). Als aber Pancrazio die 
Kostbarkeiten beim Tiburzio orefice verkaufen will, wird 
er vom Bargelio und dessen Birri augehalten (III, 1 — 3). 
Zanetto ist zwar sehr damit zufrieden, daß sein Eigentum 
wiedergeschaflfl ist, aber auch nicht wenig erstaunt darüber, 
daß Pancrazio — wie vorher Arlecchino — behauptet, 
die Sachen von ihm selbst erhalten zu haben (II[, 4 ; 
vgl. das Mißverständnis f). Somit können die eine Ver- 
wechslung und die zwei Mißverständnisse, die sich bei 
Bohomolec an das Motiv vom herumirrenden «worek» 
knüpfen, sehr wohl aus der Goldonischen Komödie er- 
klärt werden.^ 

Im weiteren kehrt Bohomolec zu seiner primären Vorlage, 
der Komödie des Plautus, zurück. Und zwar entsprechen die 
letzten Szenen (6 — 7) der Szene 2 des fünften Aktes bei Plautus; 
der Parasit, der statt der matrona auftritt, klagt dem Adrast in 
Jan Leliusz' Gegenwart, daß dieser, den er für Piotr hält, ihn des 
Diebstahls beschuldigt habe; Adrast glaubt gleichfalls, Jan sei Piotr 
(Verwechslung e = Verwechslung 6): 

ROB : Moäcipanie Adrascie, gdybym nie mial wzgl^du na god- 
nosc Waszmosci Pana, tobym wiedz'isil, iak nad^odzic tQ 
zniewag^ ktör^ Leliusz memu honorowi czyni. 

ADR: cöz tu chodzi? 

ROB: Leliusz sam dawszy mi pieni^dze, teraz siQ tego za- 
piera y mnie zlodzieystwo zadaie. Mnie . . . mnie • . . 
zlodzieystwo ! WoIq nie zyc niz . . . 

ADR: Jakiez to pienir^dze? (rozumieia.c, ze to Piotr Leliusz, 
möwi do niego): Leliuszu, co to masz za pieni^dae? 
zk^d ie wzi^les? 

LEL: Ja z moich pieni^dzy nikomu rachunku nie daigl 

ADR: Oj to za odpowiedz? 



8 Ich zitiere nach der Ausgabe «Le Commedie del signor 
awocato Carlo Goldoni . . .», tom, I, ed. 2, Bologna MDCCLIIL 



Bohomolec' Verhältnis z. lat., vorzü|<l. Plautinischen Komödie. 103 

ROB: Widzisz Waszmo^c Paii, iak odpowiadu. Ja ]X)i2ic nio 

mogQ, zo dzis Leliusza w Leliuszu zjialosc nie mogQ. 

Jakby nio ton byl cztowiek ro (Jaunicyszy. 
ADR: Müwzo nü zaraz, I^iliuszu, zk:\d masz pienindze? Pewiiie 

poczynasz iaz dlugi pociqgat \v nadzieiQ moiey fortuny? 
LEL: Ja \v nadzieiQ twoiey fortuny niani diugi zaci^gaö? 

Wiesz o tym, ze si^ ol>eydQ y t>ez diugow y bez twDiey 

fortuny. 
ADR: Ale zkiidze ie masz przecie? 
LEL: Zka.d mam, to mam. Tobie nie z tego! 
ADR: Niebo! co sie z niin dzieie?! — Ale powiedz mi Ro- 

bercie, zk^d on ma te picni^dze? 
ROB: Wieleby o tym möwic — ale to nie iego sa pieniz^dze . . . 
LtU^: Jak ty smiesz möwiö, ze nie moie? NauczQ cio ... 
ADR: Leliuszu, powoli, powoli ! Wszystko b^dzie dobrze ... 

Day mi te pieniadze . . . 
LEL: Przepraszam — nie tak latwo mi ie odebraö iak . . . 
ADR: C6z? takio to poshiszonstwo ? 

LEL: Jakim prawem ode nmie wyciagasz posluszenstwa? 
ADR: Njebal czyz takiey spodziewalem sIq po tobie wdzi^cz- 

nosci ? . . . otöz nadgroda za ma dobroc I 
ROB: Pamietasz, zem ci dawno po nim obiecywal? Widzia- 

iem, iakiego ten mlodzian charakteru. 
UEL: Co? chcesz wiedziec, iakiego iestem charakteru? Do- 

byway szpady! Wnet cIq nauczQl 
ADR: Jeszcze co? 

LEL : Doby way, möwie, bo cig na wylot . . . 
ROB (za Adrasta sie chowa, möwi^c): Ratuy miQ Waszmosö 

Pan ! Zmiluy sie ! 
LEL; Nio skryiesz siQ, hultaiu! 
ADR: Leliuszu, co si§ stalo? Stöyl Ty masz rozum pomie- 

szany ! 
LEL: Gdybym na twa starosc nie uwazal, nauczylbym ciQ sa- 
mego rozumu! Ty zas, panie czerkesie, nie uydziesz 
gniewu moiegol s (Odchodzi.) 

Adrast glaubt natürlich, daß Leliusz verrückt sein müsse 
und beschließt, einen Bader zur Hilfe zu rufen. Daraus ent- 
springt dann bei Bohomolec — wie bei Plautus — ein Mißver- 
ständnis, indem der von Rol>erL und dem alten Adrast zitierte 
Bader den nichts ahnenden P i o t r Leliusz von dem Wahnsinne, 
den man an Jan konstatiert zu haben glaubte, heilen soll (M i ß - 
8 t ä n d n i s g = M i ß v e r s t ä n d n i s 3). Bohomolec erlaubt 
sich dabei eine Szene zwischen dem gesunden Patienten und dem 
ausfragenden Arzte (besser Bader) einzuschalten, die nicht direkt 



lOi Kapitel II. 

auf dem Plautinischen Texlc beruht, sondern aus M o l i 6 r e 8 
<'M o n s i e u r de P o u r c e a u g n a c» enllelint ist : bekanntlich 
hat Molierc selbst die berühmte Szene (I, 8) nach der Szene dee 
Plautus gebildet, jene Szene, wo der Arzt doii Pourceaugaac ein- 
gehend ühev seinen Gesundheitszusland ausfragt und in seinen 
Antworten lauter Krankheitssymptome entdeckt. "Wir können 
hier wahrscheinlich von einer bewußten Wahl 
zwischen den verwandten Versionen, von denen 
die Molierische eine künstlerisch abgeschliffene Variation der Plau- 
tinischen darstellt, reden. 

Auch im folgenden stimmt der Gang der Handlung bei Bo- 
homolec mit der Plautinischen gut überein. Der Bader und Fron- 
tin, PioLrs Diener, wollen diesen, der vermeintlich krank ist, binden, 
als Sbrigani und Furboni erscheinen und im Glauben, Jan werde 
Gewalt angetan, Piotr zu dessen größter und angenehmster Über- 
raschimg befreien (Verwechslung f = Verwechslung 7). 
Statt des letzten Mißverständnisses, das wir noch bei Plautnis 
finden, und das auf dem Motive von der angeblichen Freilassung 
^lessenios beruht — Bohomoloc hat es auslassen müssen, weil er 
nicht die altrömischen Sklavenverhältnisse zwischen Diener und 
Herr in seine Komödie herübemehmen konnte — , tritt bei unserem 
Dichter-Bearbeiter unmittelbar die Auflösung des Konfliktes ein, 
indem er alle handelnden Personen zum ersten Male auf der Bühne 
versammelt und sie zur Einsicht kommen läßt, daß man zwei 
Leliusze vor sich hat. 

Wenn wir nun das arithmetische Fazit der obig<m 
Untersuchungen ziehen wollen, konstatieren wir, daß den 
sieben Verwech.'r^lungen des Plautinirchen Stückes bei 
Bohomolec zwar nur eechs gegenüberstehen, daß aber die 
Zahl der Mißverständnisse bedeutend vero[rößert ist: denn 
statt der vier Mißverf-tändni^se, die wir bei Plautuß fest- 
stellen konnten, gibt Bohomolec sieben, und zwar sind 
vier davon bei Plautus niclit vorgesehen. Von den 
Verwechslungen, djy wir bei ihm finden, ist eine im 
Vergleich mit der Plautinischen Komödie neu. Von den 
fünf Neuerungen, die wir somit bei Bohomolec vorfinden, 
verdankt er aber drei (nämlicli eine Verweclislung 
und zwei Mißverständnisse) Goldoni. Nur zwei Miß- 
verständnisse gehören eigentlich ganz Bohomolec an, sind 
aber auch wiederum unter dem Einflüsse von Reminiszenzen 
aus fremden Komödien entstantlen. Unser Resultat 



Bohomolec' Verhültni-s z. lat., vorzüj:! I'l.iutinisclien Konifldie. 105 

muß also dieses werden: lU) b oin ol cc' M<*thode 
— jedenfalls bei der Bearbeitung «liesf^r Plaiitinipchcn 
Vorlage — ist nicht die Methode der freien In- 
V e ntion , sondern die Methode d er Kon ta lu i n n- 
tiongegebener Motive. 

Die tPrzyiaciele stolowi» bieU;n in ihrer Han 1- 
lung, im besten Einklänge mit dem hier gewonnenen 
Resultate, wesentlich eine mehr odt-r weniger geschickte 
Kontamination von zwei Plautinischen Komödien, d« r 
«MoBtellaria» und de« «Trinummus», eine Konta- 
mination, die nicht unberechtigt® unrl nicht ungeschickt 
durchgeführt ist. Von einer einfachen Nachahmung, 
Bearbeitung kann hier somit nicht gut die Rede eein, 
im Gegenteil, man könnte die «Prz3'iaciele stoi<jwi» mit 
einigem Rechte als eine mehr oder weniger selbständige 
Komödie betrachten, deren Handlung Bohomolec — sit 
venia verbo — als komischer Eklektiker auf gewissen 
Plautinischen Motiven basiert hat. Welche von jenen 
beiden Komödien dabei der Ausgangspunkt für ihn ge- 
wesen ist, können wir nicht ohne weiteres ausmachen: 
obgleich die Exposition der Komödie an den Anfang des 
«Trinummua» erinnert, scheint dennoch die «Mostellaria» 
die primäre Quelle für Bohomolec gewesen zu sein. 

Was für Holberg, der bekanntlich seine Komödie 
« Abracadabra> auch auf der «Mostellaria» basiert hat, 
nur ein Experiment war, nämlich die Elinnnierung aller 
Frauenrollen, das mußte für Bohomolec natürlich ein 
Prinzip sein. So kommt es, daß die übrigens auch bei 
Plautus nur episodischen Frauen, die beiden Freundinnen 
Philomatium und Delphium sowie die Dienerin Scapha, 

ö Eino solche Verflechtung der «Mostellaxiai» und des «Tri- 
riummus» ist keineswegs vereinzelt in der Geschichte der Komödie. 
Schon Giovanmaria Cecchi hat in seiner 1550 erschienenen «La 
Dotei» dieselbe Kontamination angewandt, freilich «ohne rechten 
Zweck und unvermittelt». Vgl. K. v. Reinhardstoettner, 
a. a. 0., S. 753 ff. — Max J. W o 1 f f , Italienische Komödien- 
dichter in der * Germanisch-Romanischen Monatsschrift*, Bd. IX, 
Heft 5/6, S. 167). 



ICH) Kapitel II. 

auegeschieden sind. Die Plauptpersonen der lateinischen 
Komödie (den Philolaches adulescens, seinen Vater Theo- 
propides, den witzigen Intriganten und Diener Tranio, 1 
außerdem den Danista Misargyrides und den Nachbarn 
Simo) finden wir auch bei Bohomolec wieder, freilich mit 
veränderten Namen: hier haben wir den «mlodzian 
rozrzutny>^ Robert, seinen Vater Anzelm , den Diener 
Frontin, weiter den *kupiec> Rudolf und den Nachbarn 
Leopold. Der liebenswürdige Schwelger Callidamates hat 
bei Bohomolec zwei Freunden Roberts weichen müssen, 
dem Alkander und dem Klearch, die mit den neuen 
Namen auch einen neuen Charakter angenommen und 
eine nicht unbedeutende Rolle bei Bohomolec zu spielen 
haben. Zuletzt sei nur noch bemerkt, daß der «servus» 
Phaniscas unter dem neuen Namen Jan auftritt. Der Ort 
der Handlung — bei Plautus heißt es «scena Athenis» 
— ist bei Bohomolec nicht ausdrücklich genannt; nichts 
deutet darauf, daß die Handlung als in polnischem Miheu 
sich abspielend gedacht werden muß. 

Wir können vorläufig den ganzen ersten Akt weg- 
lassen, da die wirkliche Anlehnung an die «Mostellaria» 
erst mit dem zweiten Akte beginnt. Die beiden Szenen, 
aus denen der zweite Akt der Plautinischen Komödie be- 
steht, haben bei Bohomolec ihre Parallelen in der ersten 
und in der fünften Szene; die beiden folgenden Szenen 
bei Bohomolec sind auf Grund der beiden Szenen des 
dritten Plautinischen Aktes entstanden. Wenn somit der 
Diener Frontin der zechenden (Jesellschaft die Nachricht 
bringt, der alte Anzelm sei plötzlich heimgekehrt, wenn 
er diesen davon abzuhalten sucht, in sein Haus zu treten 
(wobei er freilich nicht wie bei Plautus und den meisten 
seiner Nachahmer das Ammenmärchen vom Hausgeepenste 
zum besten gibt, sondern die neue Ausflucht erfindet, 
daß das Haus urplötzlich von einer Seuche verpestf»t 
worden sei), wenn er weiter die Geschichte vom Haus- 
kaufe erfindet und vom Nachbarn die Erlaubnis zur Be- J 
eichtigung seines Hauses erhält, so sind das alles Szenep, 



Fiohomolec' Verhriltnis z. lat., vorzQgl. Plautinisdicn Komt'iclie. 107 



die bei Plautus vorgezeiolinot sind (Rohoiii. If. 1, 5, 6, 7 
= Plautufl IF. 1, 2, III, 1. 2). 

Zum Ver<^loiche seien hi«r die erste Szene des dritten 
Aktes bei Plautus und die sechste Szene des zweiten Aktes 
bei Bohomoleo angeführt: 
IMaulus lil. 1, V. 31 IT.: 
TRA: . . . no e^ro iiiiser. 

scelestus. iiatus tlis ininii- 

cis Omnibus, 
iani illo pracsonte adibit. 
ne ego bonio suin iniser, 
ita et hinc et illinc me ei- 

hibent nep'otium. 
sed occupal)o adire .... 



al>i (juaeso hinc 

domum. 
DAN: abeam? 

TRA: redito huc circiter 

meritlie. 
DAN; reddelurne i^itur faenus? 
TRA: reddet: nunc abi. 

DAN: iam hercle ego illunc no- 

minabo. 

TRA: eugae slrenue! 

beatus vero es nunc quom 

clamas. 

DAN: meum peto. 

multos me boc pacto iam 
dies frustramini. 

molestus si sum reddite 
argentum: abiero. 

THE: .... quis illic est? quid 

illic pelil? 
quid Philolachetem gnatum 

compellat /meum/ 
sie et praesenti tibi facit 

convicium V 

quid illi debeturV 



Bohomolec II, 6: 

FRO: . . . Czy kaci tego kredy- 
tora tera/. iiadalil Zjjubi 
miQ, ieäli przed oycem 
o swym dhio^ co na- 
mieni. 



(Idzie do Rudolfa y möwi mu) : 
Hudolfio, picni.'\dzc albo 
kamionicQ iulro micc b<;- 
dzicsz. Dziä miey cicr- 
pliwosc, bo pan m6y 
bardzo zabaN\Tiy. 



RUD: Juz to kilka dni Robert 
miQ tak hidzi. 

FRO: Cicho, cicbo, nie m6w 
tak glosno. 

RUD: Czcmu nie mam o swoie 
möwic ? 

FRO: Ale nie wrzeszcz! Wiem, 
ze masz gtos dobry ! 

RUD: Oddaycie mi, com dal 
Rolicrtowi — to b^d^ mil- 
czal. 

ANZ: Frontynie, czogo ehre ten 
czlowiok ? CO to on mö- 
wi o moim Robercie? 

RUD (zbliza sIq do Anzebna 
möwiaf ) : Pewnie Robert 
syn WM. Pana? 

ANZ: Tak lest. Czegoz chcö- 
cie od niego? 



108 



Kapitel IL 



TRA: quatluoi (luadraginta illi 
debentur minae; 
die te daturunj, ut abeat. 



THE: 
TRA: 


egon dicam dare? 
dice. 


THE: 
TRA: 


egoneV 

tu ipsus. die modo, 
ausculta mihi. 




promitte, age inquam: ego 
iubeo. 


THE: 


responde mihi: 
quid eo est argentum fac- 
tum? 


TRA: 


aedis filius 

tuos emit. 


THE: 


aedis? 


TRA: 


aedis. 


IHE: 


eugae! Philolaches 
patrissat: iam homo in 
mercatura vortilur. 



(V. 114). 
TRA: nam postquam haec aedes 

ita erant, ut dixi tibi, 

conlinuo est aUas aedis 

mercatus sibi. 

(V. HI) talenlis magnis to- 

tidem quot ego et tu 

sumus. 
sed anaboni has dedit 

quadraginta minas. 
hinc sump.sit quas ei dedi- 

mus. salin intelligis? 



RUD: Chc^ pi^tnasln tysi^cy, 
kt^rych pozyczylem . . . 

ANZ: Roberlowi? 

RUD: Tak icst. 

ANZ: Jak to Rol)ert mögl po- 
zyczac ? 

FRO (bierze na slxonQ Anzelma 
y möwi): Pozyczyt. Ale 
— te pieni^dze wielki 
zysk przyniosiy . . . Obie- 
cuy rau, WM. Pan, ze 
iutro mu oddasz. 

ANZ: Ja mam oddawa;6? 



FRO: Nie b<;dziesz WM. Fan 
zalowal. 



ANZ: Ale na c6z te pieni^dze 

pozyczone ? 
FRO: Kupuiemy kamienic$, bo 

w tamtey, wiesz WM. 

Pan, nieraoina mioszka6. 



ANZ : Czy nie droga ? 

FRO: Za l)ezc€nek l^ kupuiemy. 
Kamienica barzo pi^kna^ 
warta 60000 zlotych, a 
myämy sIq zgodzili na 
30000. PiQtnaäcie iuz da- 
lismy tysiQcy, a drugie 
pi^tnaäcie przy obi^ciu 
mamy wyplaciö. Ten, co 
i^ przedaie, barzo zahiie. 



Bohoraolec' Vertuiltnls z. lat., vorzüj?!. Plautini^;^^l♦nl Komödio. 1()'.> 



THE: bene hercle factum. 



DAN: heus, iani adpetit 

meridie. 

THE: adoiescens, niecum rem 

habe. 
DAN: nenipe aps te petam? 



THE: petito cras. 

DAN : abeo : sat habeo si cras fero. 



THE: qna in repione islas aedis 
emit filius? 

TRA: , . de vicino hoc proxuino 
tuos emit aedis tilius. 

THE: non in loco emit perbono. 

TRA: immo in optumo. 

THE: cupio hercle inspicere has- 

ce aedis. pultadum fores 

atque evoca aliquem intus 

ad te, Tranio. 



zo sifj tak tanio zgodzih 

chciatby odst^pid targu, 

alft po czasio — iui wzi^t 

polowQ sumrny. 
ANZ: Jesu tak lest, to warn 

po<l7Jokui<>. 
FRO : Y iabym mial zawodzic 

WM. Pana? 
RUD: Cüz, mam sIq spodzit 

\va(': pieni<jdzy? 
ANZ: Przyiacielu, ia dziä z dro 

gl tu przybytem; mioy 

cierpliwosc; iutro ci wy 

piacQ do szebiga. 
RUD: Ale iuz m'ni tak ludzo 

no ... 
ANZ: B£\dz pewicn, zc iutro oJ 

bicrzesz twe pieni.'\dze. 
RUD: Miiieyaza o toi Zacz«; 

kam do iulra. (Odcho 

dzi.) 
ANZ: Ktör^z lo kiipuiecie ka 

mienicQ ? 

FRO: Oto tamtci mi rogu. Patrz 
WM. Pan. 

ANZ: PiQkjia kamienica! 

A czy mozna i^ wew 

n^trz obaczyc ? 
FRO: Musz(j rozmuwiö siq z sa 

mym icy panem, ieäli tc 

raz — 

al© y on sam idziel 



TRA: eugae! optume eccum ae- 
dium dominus foras 
Simo progreditur ipsus . . . 

Wenn wir diese beiden Texte vergleichen, finden wir, daß 
Bohomolec eine wirkliche Neubearbeitung derPlautinischen 
Vorlage geliefert hat. Die Repliken seiner Personen er 
innern zwar an die Fragen und Antworten der Plautini- 
•schen Figuren, der Gang des Gespräches ist in seinen 
.Hauptzügen derselbe wie bei Plautus, das Ziel des 



110 Kapitel II. 

Dialogas iPt bei beiden Dichtern identisch. Dennoch 
erreicht aber Bohomolcc durch Wegstreichung größerer 
Partien, durch Zusammenziehung des (Tcspräches eine 
gewisse Charakterverschiebung, die für die ganze Auf- 
fassung der Komödie seitens Bohomolec' von sehr großer 
Bedeutung ist und in direktem Gegensatze zu Plautus' 
Intentionen .«teht. Für Plautus ist die Gestalt des Tranio 
die Hauptgestalt des Stückes: mit besonderer Vorliebe 
gibt er dem «servus» jede Gelegenheit zur Entwicklung 
seiner hervorstechenden Charaktereigenschaften ; wir haben 
die Gestalt eines blitzschnell überlegenden, sich in häufigen 
Selbstgesprächen ergehenden, die allgemeine Situation 
ganz beherrschenden spiritus rector der ganzen Intrige; 
mit großem Reichtum an Details, mit zahlreichen komi- 
schen Wortplänkeleien, mit witzigen Repliken schmückte 
Plautus den Dialog zwischen dem danista und servus 
einerseits und dem senex und servus andererseits aus. 
Ganz anders ist Bohomolec' Verhalten der Gestalt des 
Dieners gegenüber: er beraubte ihn der Möglichkeit, seinen 
Witz so ungezügelt spielen zu lassen, wie das bei Plautus 
möglich war; er behielt nur den allgemeinen Gang des 
(Sespräches zwischen den Auftretenden und schränkte die 
Rolle des Dieners möglichst ein. Denn für Bohomolec 
war die Gestalt des Dieners nur eine nebensächliche Figur, 
deren einzige Aufgabe die war, die Handlung durch- 
zuführen, und das komische Element zu repräsentieren in 
dieser Komödie, die ernst gemeint war und über eine 
Frage belehren sollte. Doch von der Tendenz der Komö- 
die werde ich in einem anderen Zusammenhange reden 
können. Als weiterer Beweis dieser Behauptung kann 
die Szene dienen, die auf die obenzitierte folgt. Alle 
die Ix)beserhebungen, mit denen Tranio den Nachbarn ßimo 
überhäuft, seine eindringlichen Bitten, dem Theopropidee 
ja nichts von dem verschwenderischen Leben seines Sohnes 
zu erzählen, sind bei Bohomolec resolut weggeschnitten. 
Zugleich ließ er aber das Motiv des Zusammentreffen» 
zwischen dem vermeintlichen Käufer des Hauses und dem 



f r uKi iil Hrh cp Ve: ^ x. B. Hc^b^re die 

Idee m emifeo ee -eben I in 

geg e ben batte. f& 
Gang der Har '' 
Diener nkfat ir 

menle dagegen, anf denen die Saene bei Bobomolec 
bembt nnd k uwq ps oeo, ae finden neb alle bei 
PUotoe wieder. 

Und 80 rerfibit BobonM^ec aucb im «reitercn Ver- 
laufe jener Teile der KomSdie, die FlmtiiB entiebnl 
sind. Hit Weg^bssinig der in der OrSatdaMugßhe ak 
in, 3, lY. 1 und IV. 2 (V. l>-20) benicbnetcn, for den 
Gang der flandhmg reUtiT weniger wicbt^en Steoea 
(wobei die Hanptinge ans HI, 3 in der secbslen nnd 
-'Lbiaiten 8aene des nreiten Aktea bei Bohomolee mr Ver- 
' endnng kamen) m w eil et der polniidie Beaitiefter auch 
die PlantinKdien Stenen IV,«2 (V. SlfL) und IV. 3 for 
eeine Komödie, nnd zwar in der drillen nnd Tieften Saene 
aeines dritten Aktes: der Vater slfiBt mit dem Diener Jan, 
der seinen Herrn Kleardi nadi Hanee abholen wüL, an- 
«ammcn nnd erfilut Ton djeiaein zum euleu Male den 
wahren ^acfareriialt (ilL, 3X der in einem Ge^HScb mit 
dem beimkebrenden Leopold eeine Bestätigung findet (m, 4 ). 
Wie oben bddlt Bohomolee aneb hier nnr die banptrildi- 
liebsten Tateaeben bei, ohne eidi nm das dialekliadie 
Dttnn nnd Dian des Flantns zn knmmem. Und indem 
er dabei anf einige, im eiaten Akte expo s üiuusw e iae an- 
gedentete Motive znrö digieifl , gdingt es ihm, am dem 
^ren% gdnngenen Abachlnne, den wir bei Flantns vor- 
finden, eine nene, dramatiadi liemlicb gut dnrdigelobfte 
I^JBUi^ des JConfläts zo gi'FtilJgn 

IKese l C»| M miii ni stanuDt nnn ans einer anderen 
Komödie des FlantnB, dem «Trinmcmns*. 

Bekanntücfa beginnt Flantos ii^ T-. 
«Mosleilaria^ damit^ dafi einer der : 
^^^-z :er Tlieotiiopidea, namens Gz 



11 '2 Kapitel II. 

schwenderischen Theben verleite, Vorwürfe, die Tranio mit 
Hohn und Spott beantwortet. Bei Bobomolec beginnt die 
Komödie ganz anders. Der alte Freund des verschollenen 
Anzelm, namens Wilhelm, berät sich mit dem Diener 
Frontin über das verschwenderische Leben des jungen 
lioberts, seines Mündels, wobei die Frage einer Mit- 
schuld d-'s Dieners an dieser Lebensweise ganz ausgeschaltet 
ist. Im Gegenteil, er ist ganz der Ansicht Wilhelms, daß 
Roberts Leben sehr tadelnswert sei; die Schuld daran 
— und das ist ein bemerkenswerter Zug, den wir später 
zu besprechen haben werden — fällt auf Roberts 
Freunde. Aus dem Gespräch der beiden werden wir 
über die ökonomische Misere des jungen Herrn unterrichtet, 
und um dem drohenden Haus verkaufe zuvorzukommen, 
den Robert beabsichtigt, um mit dem Erlöse seine 
Gläubiger, vor allen Dingen einen gewissen Rudolf, zu- 
friedenzustellen, kommt nuji Frontin auf den Gedanken, 
einen Gauner («filut») zu mieten, der dem Robert einen 
falschen Brief von Anzelm, den jener tot glaubt, über- 
bringen solle mit der erfundenen Mitteilung von dessen 
bevorstehender Heimkehr; der Überbringer des Briefe^ solle 
Fich für einen guten Freund des abwesenden Anzelm aus- 
gaben. Wilhelm billigt diesen Plan und geht ab, um 
ihn sofort auszuführen. Das ist zweifelsohne aus dem 
«Trinummus» entlehnt, denn auch hier rät der alte 
Megaronides dem Vormunde des verschwenderischen 
Jünglings Lysiteles, dem edlen Callides, er solle dem Plane 
Peines mißratenen Mündels, den letzten Acker zwecks 
Beschaffung einer standesgemäßen Aussteuer für die 
Schwester, die sich verheiraten möchte, zu verkaufen, auf 
die Weise zuvorkommen, daß er einen «sycophanta» miete, 
der sich für einen R<'isegenossen des verschollenen Vaters 
Charmides ausgeben und Lysiteles einen gefälschten 
Brief und Geld im Namen des Vaters übergeben solle 
(III, 3). 

Diese Annahme einer Motiventlehnung wird nun da- 
durch zur Gewißheit erhoben, daß die ganze Szene 



Bohomolec' Verhältnis z. lat.. vorzügl. Plautinischen Komödie. IH 



(IV, 1) aus dem <TrinummU8>, wo der heimkehrende 
Charmidps mit dem J^ykophanten Pax vor seinem eigenen 
Hause zusammentrifft und, olme ihm zu sagen, wer er iFt, 
von ihm die erfundene Geschichte von der Hrief-^endunj^ 
erfährt, von IJohomoIec recht geschickt in den zweiten 
Akt (Szene zwei) eingeschoben ist, wo der heimkehrende 
Anzelm (alias Charmides alias Theopropides) zuallererst 
auf den «filut» Marcin stößt: 

2: 



Plautus 1V,2: 

SVC. huic e;;o die noinen Tri- 

numino facio; nam ego 

operam meam 
tribu' numinis hodie loca- 

vi ad artes nu^alorias. 
advenio ex Seleucia, Mace- 

donia, Asiu atque Ara- 

bia^ 
quas eij'o neque orulis nee 

pedibus uniquain usur- 

pavi nieis. 
viden egeslas quid negoli 

dat homini misero mali, 
quin ego nunc subigor tri- 

um nunimum caussa 

ut hasce epislulas 
'dicam ab eo homine me 

accepisse quem rgo qui 

sit homo iiescio 
neque novi neque nalus 

necne is fuerit id solide 

scio. 

(v. 24): has regiones de- 
monstravit mihi ille 
conductor meus; 

apud illas aedis sistendae 
mihi sunt sycophanliae. 



/ Diese Stelle bei Bohomolec' 
dürfte mit Charmides' Mono- 



Bohomolec 11, 

MAR : Y ia te<ly mam ud»v 
przed RolKjrtem, ze teraz 
iadQ z Konstant ynopola, 
gdzio moia noga nigdy 
nie posLala. 



Mam uczynic sig przyia- 
cielem Anzelma, ktörc 
gern nigdy nio v.'idziaJ, y 
oddac od niego Hst sy- 
nowi. 



Wiem, ze w tym domu 
mieszka syn, aie iak- 
bym tego nie wiedzial, 
spytam sIq kogo, zeby 
mnieniano, zem nio iest 
z tego mieysca. Oto ia- 
ki§ staruszek tu idzie. 
Jego sig spytara. 

Bohomolec II, 3 : 

ANZ (sam do siebie möwi) : Jak 
mi sIq serce cieszy, przy- 



Steoder-Petersen , Die Schulkomödien. 



114 



Kapitel II. 



log (IV, 1) in Verbindung ge- 
bracht werden; hier wie dort 
Dankgefühle des glucklich 
Heimkehrenden /. 

(v. 29) CHA: quid, adulescens, 

quaerisV quid vis? quid islas 

pultasV 

SYC: heus senex, 

census quom /sum/, iura- 

lori recterationemdedi. 

Lesbonicum hie adulescen- 

tem quacro in bis ru- 

gionibus. 

|v, 51) CHA: eloquere, isli tibi 
quid homines debent quos tu 
quaeritas V 
SYC: pater istius adulescenlis 
dedit has duas ml epi- 
stulas, 
Lesbonici. is mihi est ami- 
cus. 

CHA: teneo hunc manufes- 

tarium. 
me sibi epistulas dedisse 
dicit. ludara liominem 
probe. 



(V. 60) CHA: ab ipson istas ac- 
cepisti V 

SYC: e manibus dedit mi ipse 
in manus. 



(V. 59) CHA: ubi ipse erat? 
SYC: bene rem gerebat. 

CHA: erga ubi? 

SY'C: in Seleucia. 



MAR 
ANZ: 



blizai;\c siQ de mego do- 
mu . . . Dobrzo to mö- 
wiiv: «Wsz^dzie dobrze, a 
naylopiey w domu». 
Hey, staniszku I 
Czeizo chcecie? 



MAll : Czy to iest dom Roberta ? 



ANZ: A CO tarn za sprawQ ma 
cie? 

MAR : Mam mu oddac list od 
iego oyca. 

ANZ : Od kogo ? od oyca Ro- J 
berLa? " 

MAR: Tak iest. 

ANZ (sam do siobi© möwi): 

2adnych temu czlekowi _, 
niedawalem listöw. B^dQ 
dissymulowat, zebym siQ 
lepiey mögl wypyta6. 

MAR: Cöz? czy tu mieszka Ro- 
bert? 

ANZ: Czy sam oyciec ten list 
dal tobie do Roberia? 
czy kto inny? 

MAR: Sam oyciec, sw^ wlasa^ 

TQk^. 

ANZ: Nio wiesz, co on pisze? 
MAR : To pisze, z© wkrötce ma 

tu przybyd. Juz wyiachal 

2 Konstantynopola. 
ANZ : A gdzie siQ z nim widzia- 

lۤ? 

MAR: W Konstantynopt>lu. 



Bühoinolec' Verhältnis z. lal., vorzüirl. Mautinistlien Komödie. 115 



(V. 63) CHA: novistin honii- | ANZ 

nem? ' 

SYC: ridicule rogilas, quo- MAU 

cum un.i cibum 
capere soleo, 
(V. 61) CHA: qua lacie est , AiNZ: 
homo? MAU 

ANZ: 



SYC: ses'iuijtedc quiddamst 

quam tu longior. 



CHA: 
SYC: 
CHA: 
SYC: 



CHA: 



Callinicus? 
non est. 

Callimarchns? 
nihil agis. 
neque adeo edepol flocci 

facio, quando egomet 

memini mihi, 
at enim multi Lesbonici 

sunt hie: nisi nomen 

patris 
dices, non mostrare istos 

possum homines quos 

tu quaeritas. 
quod ad exemplum est? 

coniectura si reperire 

possumus. 



MAU 



\\ . w*! ViXin. «|ui\.i C3L iji iiuiiicii I 


<Vxl£.< 


(V. 65) SYC: illi edepol —Uli 


MAU 


— illi — vae mihi 




misero I 




. . . devoravi nomen im- 




pudens modo. 




(?. 74): CHA: Callias? 


ANZ 


SYC: non est. 


MAR 


CHA: Callipus? 


ANZ 


SYC: non est. 


MAR 


CHA: Callidemides? 


ANZ 


SYC: non est 


MAR 



ANZ 



^fAR 



ANZ 



W'iqc musisz go znaud? 

JaJizo nie? to möy wielki 
przyiaciel. 

JaJ{i/. on iost? 
Sk;\py okruLnie. 
Alo nie to ! Ja siQ py- 
lam, iakiego on wzroslu? 
Jost prawie na pi^ö ca- 
löw wyzszy od ciobie. 
Test to iakiä filut, alo 
dissymuluymy I — Jakzo 
mu iniii;? 

Imie ? Zaraz I . . . An . . . 
An . . . Wypadto mi toraa 
z glowy I 



Czy nie Andrzey ? 

Nie ... An ... An ... 

KrQci mi siQ na if^zykn. 

Czy nie Anloni? 

Nicl Bodayby gol Nie 

mogQ przypomnieö. 

Czy nie Anna? 

Podobnieyszy do Anny 

niz do Antoniego, ale nie 

Anna. 

Czy nie Anastazy? 



Nie, nie ! . . . Ale mniey- 
sza o imiQ I Ja domu Ro- 
berta szukam. 

Rol>ertöw iest tu wielie. 
Je.4ii mi imienia oycow- 
skiego nie powiesz, ia nie 
zgadne, ktörego ci trzeba 
Rüberta. 



b» 



llfi 



Kapitel II. 



SYC: 



CHA 
SYC: 



ad hoc exemplum est: an 
Chaies? aiiChaimidesV 

num Charmides? 
em islic eiit. qui istum di 
peidant ! 



CHA: dixi ego iain dudum 
tibi: 
te potius bene dicere ae- 
quom'st homini amico 
quam male. 

SYC: satin inter labra atque den- 
ies latuit vir minimi 
preli ? 

(v. 110): CHA: noverisne bomi- 
nem? 

SYC: ne tu me edepol arbi- 
träre beluam, 
qui quidem non novisse 
possim quicum aetatem 
exegerim. 



/SYC: quis tu homo es?/ 

(V. 128;: CHA: qui mille num- 
mum tibi dedi ego sura 
Charmides. 

SYC: neque edepol tu is es ne- 

que hodie is unquara 

eris, auro huic quidem. 

abi sis, nugator: nugari 

nugatori postulas. 

(v. 136): CHA: quis ego sum igi- 
tur, si quidem is non 
sum qui sumV 

SYC: quid id ad me attinet? 

dum ille ne sis quem ego 
esse nolo, sis mea caus- 
sa qui iubet. 



MAR : Imienia z;iponmialem, ale 

wiem, iz si^ na «an» za- 

czyna. 
ANZ: Czy nioAnzelm rnuimig? 
MAR: To to to; ten sam to lest! 

Boday go kaci wziQli, 

niepoczciwy I 
ANZ: Za coz go klniesz? 



MAR: A czemu mi on dawTiiey 
na pamiQC nie przyszedl? 

ANZ : WiQC znasz dobrre tego 

Anzelma? 
MAR: Jabym go nie znal, z ktJ6- 

rym przez 6wier6 roku w 

iednym domu mieszka 

fem? 
ANZ: Czy nie podobny on do 

miiie ? 
MAR: Co za podobienstwo ? 
ANZ: A cobys rzckl, gdybym 

ia sam byJ tyra Anzel 

mem? 
MAR: Nie ieste.4 do tego podob- 
ny. 
ANZ: Wiedzze o tym, ze ia 

sam iestem öw Anzelm, 

oyciec Roberta. 
MAR : Prozno chcesz to we mnio 

wmöwi6. Y nie bylcä y 

nie bgdziesz t]^^ Anzel- 

mem! 



ANZ: A ktöz ia ieslem? 



MAR: B^dz sobie czym chcesz, 
byles nie byl Anzelmem. 



Bohomolec' Verhältnis z. lal., vorzQgl. Plautinischen Komödie. 117 

Aus den hier geßenübergestellten szenischen Replik«'n 
erhellt zur Genüge, daß eine direkte Entlehnung der von 
Bohomolec eingeschobenen Szene aus dem «Trinuinnnu.s» 
vorliegt. Eine solche Verflechtung der aus der «Moslellaria» 
entnommenen Hiindlung mit einem Motive aus dem «Tri- 
nummus» war psychologisch sehr erklärlich, da die Heim- 
kehr des verreist gewesenen V^aters und das verschwendc- 
rit^che Leben seines Sohnes Motive waren, die die Hand- 
lung jener Komödie mit der der letztgenannten leicht in 
gedankliche Assoziation brachten. Zudem war die Szene 
komisch, entlastete auch stark den bei Plautus immer an- 
wesenden Tranio, diente somit indirekt der Absicht 
Ilohomolec', Tranio so viel als möglich in den Hintergrund 
zu schieben, und paßte so leicht in den ganzen Gang der 
Handlung hinein. 

Auch in diesem Falle liegt keine sklavische Abhcängig- 
keit vor, und wenn Bohomolec seiner Vorlage auch in der 
Hauptsache folgt, so übernimmt er doch aus ihr nur die 
wesentlichsten Motive, und auch diese stellenweise in ver- 
änderter Reihenfolge. Weniger wichtige Einzelheiten, wie 
z. B. die Reisebeschreibungen des Sykophanten, läßt er 
aus und konzentriert den bei Plautus weitausgesponnenen 
JMalog stark. 

Aber die Einführung dieser Personen, die in der 
«Mostellaria» nicht vorkamen, des Sykophanten Marcin, 
des Vormundes und Nachbarn Wilhelm, mußte natürlich 
auch auf den übrigen Gang der Handlung verändernd ein- 
wirken. Marcin konnte ebenso spurlos von der Szene ver- 
schwinden, wie er es auch bei Plautus in dem cTrinumraus» 
tat; Wilhelm war durch seine Rolle und sein Verhältnis 
zu Robert und Anzelm zu stark gebunden, als daß Boho- 
molec ihn einfach in der weiteren Entwicklung der Hand- 
lung hätte ignorieren können. Aber erscheint Marcin im 
Gegensatz zu Wilhelm nicht mehr auf der Bühne, nach- 
dem er sie einmal erst verlassen hat, so mußte doch dus 
Zusammen treflfen zwischen Anzelm und ihm natürlich stark 
auf das folgende Gespräch zwischen dem ersteren und 



118 Kapitel II. 

Frontin ein\>'irken: er hatte nicht nur wie in der «Mos- 
t^Uaria» die Aufgabe, den alten Anzelm vom Betreten 
seines Hauses zurückzuhalten, sondern auch die, ihm die 
Geschichte des gefälschten Briefes zu erklären, d. h. zwei 
Lügen statt der einen aufzutischen. Er findet sich rasch 
in die Situation und erfindet schnell einen Vorwand: 
FRO : Ach, w iakim smutku tu bylismy do tych czas I 
ANZ: Czemuz to? 
FRO: Rozglosit tu ktös nie po chrzeäciansku, ze WM. Pan — 

uczciwszy uszy — iimarles. 
ANZ: 2yiQ ieszcze — y zdröw iestem. Ale powiedz mi, co ten. 

list znaczy? 
FRO: Do tegoz y ten list zmierza. Syn WM. Pana a pan moy 
zacny, odebrawszy tQ smutn^ o Smierci WM. Pana no- 
winQ, w taki wpadl zal, ze ani iesc ani pie6 nie chcial. 
Ja tedy, chc^c go pocieszyc y zabiedz zlemu, namöwiwszy 
siQ z panem Wilhelmem, zmyslilem ten list do iego, w 
• ktörym niby to WM. Pan piszesz, zes zdröw y ze szcz^§- 

liwie tu powracasz. Oto ten list. 
ANZ : M^drzeäcie uczynili. Ale nie spodziewalem siQ, zeby möy 

Robert mial mi§ tak mocno zalowac. 
FRO: Ach, mospanie, nie vviem, zk^d mu lez tyle staie. Usta- 

wicznie . , . 
ANZ: Idzmyz do niegol Pocieszmy go czympr^dzey 1 (II, 5) 

Erst jetzt sieht sich Frontin gezwungen, den alten Anzelm 
auf irgendeine Weise davon abzuhalten, das Haus zu be- 
treten; dabei hatte Bohomolec ihn nicht das Plautinische 
Motiv von den «mostella» auftischen lassen — die Ur- 
eache ist nicht ganz einleuchtend, vielleicht wollte er seine 
Schüler nicht mit Gespenstergeschichten füllen ^^ — , 

10 Es ist wohl nicht mehr als ein allerdings bemerkens- 
werter Zufall, wenn ein anderer Jesuit, der berühmte Bidermann, 
in einem seiner Stücke genau dasselbe Motiv von der angeblichen 
Hausseuche anwendet. In seinem «Cenodoxus», der mehrfache 
Reminiszenzen an Plautinische Komödien (die «Menaechmi*, die 
«Aulularia;^) aufweist, verhindert der Sklave Dama den Parasiten 
Mariscus daran, das Haus des Doktor Cenodoxus zu betreten, 
indem er ihm vorschwindelt, daß es von der Pest verseucht sei, 
augenscheinlich, wie bei Bohomolec, eine Umformung des «Mo- 
st<*llaria»-Motiv3. — Vgl. Reinhardstoettner, Zur Ge- 
schichte des Jesuitondramas in München (Jahrbuch f. Münchener 
Crescliichte, 3. Jahrg., Baniberg 1889), S. 93, 97. 



Mohomolec' Verhältnig z. Kit., vorzügrl. Plautinischen Komödie. 119 

Hondern erfaiul für ihn eine andere, der Wirkung naoh 

analoge Lüge. Er erzählt folgendes: 

FRO: . . . Tmx dorn lest zapowietrzony ! Juz kilka iest nie- 
dziol, iak po zanikiii^to , . . Pan möy, rhc^c z piwnic 
wodo sprowadzic, kazal w niey kopac. Gdy nieco wy 
kopano, alic posLrzegit k»ch glglx)ki, |)elen wQiow, amo- 
k6w. iaszczurek, z ktörego zaraza wycliodzj\ca ztiraz 
ludzi zabiiac poczQla . . . Ktokolwiek wszedl do tego 
domu, zaraz z lyin sig smatem pozegnal . . , 

Was die Gestalt des Wilhelm angeht, so mußte 
Bohomolec ihn noch einmal auf die Bühne hringen, 
wenn seine episodische Rolle nicht allzu bleich erscheinen 
sollte. Er erhält eine Szene, um die von Jans und I.eo: 
polds Behauptungen geweckten schlimmen Ahnungen zu 
bekräftigen. Übrigens beginnt schon der dritte Akt bei 
Bohomolec mit düsteren Ahnungen, da Anzelm in der 
Siadt Gelegenheit gehabt hat, schlimme Gerüchte über 
seinen Sohn zu hören. 

Die Lösung des Konfliktes ist bei Bohomolec eine 
andere als bei Plautus, und schon in der Exposition, dem 
ersten Akte, hatte er dieser Konfliktlösung vorgearbeitet. 
Aug. O. Friedrich Lorenz, der in seiner Ausgabe von Plautus' 
Komödien Holbergs «Abracadabra» mit der Plautinischen 
«Mostellaria» verglich, wies mit Recht darauf hin, wie 
vorteilhaft der dänische Dichter den plautinischen Szenen - 
gang durch die Einführung des €danista> (des Juden 
Ephraim) noch vor der Ankunft des Vaters verändert 
hatte. ^^ Eine ähnliche Veränderung finden wir bei Boho- 
molec. Schon im ersten Akte (I, 4 — 6) läßt er, zwar 
nicht den Rudolf, aber zwei andere Gläubiger, den Erast 
und den Dorant, auftreten, die Frontin auf jene oben 
beschriebene, Poree entlehnte Weise zur Tür hinaus- 
komplimentiert werden. Diese beiden Kreditoren läßt Boho- 
molec, der nicht den sclmn zufriedengestellten Rudolf 
wieder auf die Bühne bringen konnte, im letzten Akte, 



11 Ausgewählte Komödien des T. M. Plautus. Erklärt voa 
Aug. 0. Friedrich Lorenz. Bd. II (Berlin 1866), S. 56. 



120 Kapitel II. 

jils sie von der Rückkehr des Vaters gehört haben, wieder 
auf der Bildfläche erscheinen, und ihr Guthaben nochmals 
zurückfordern. Das gibt dann die von Bohomolec von 
Anfang an bewußt augestrebte Gelegenheit, die moralische 
Minderwertigkeit der Freunde zu zeigen, die Robert sich 
angeschaffl hat, die ihn ins verschwenderische Leben 
gelockt haben, und auf deren freundschaftliche Hilfe er 
nun, da er mittellos dasteht, fest, aber vergebens baut: 
sie ziehen sich zurück, und Robert erkennt, daß er falsch 
gehandelt hat. 

Trotz dieser Veränderungen und Abweichungen, die 
Bohomolec sich hier in größerem Umfange erlaubt hat 
als bei der Bearbeitung der «Menaechmi», können wir mit 
Jveichtigkeit die absichtlich verwirrten Fäden der zwei 
Plautinischen Motive trennen und erkennen, wie frei Boho- 
molec die in der «Mostellaria» gefundene Intrige verändert, 
umformt, verkürzt, verdichtet, mit dem «Trinummus»- 
Motiv verflicht, und so eine Intrige aufbaut, die seinen 
später näher zu behandelnden Zielen voll entspricht. 

Kielski hat geglaubt, daß die Intrige des «Mysliwy» 
eine «nowa odmiana 'Les Fourberies de Scapin'» sei, denn 
die Rolle des witzigen Dieners sei nichts anderes als eine 
Variation des Moliereschen Scapin («rola bowiera sprytnego 
sluz^cego dochodzi tu do bardzo szerokiego zastosowania, 
zupelnie w duchu wspomnianej farsy Moliera»).^^ Ganz 
abgesehen von der wenig beweisenden, sich nur auf sub- 
jektive Eindrücke .stützenden Form seiner Argumentation, 
ist der faktische Gehalt seiner Behauptung nachweisbar 
falsch. Die Quelle der Intrige, bisher übersehen, 
ist wiederum eine Komödie des Plautus, nämlich 
der «Pseudolus». Der Titel läßt zwar einen direkten 
Zusammenhang zwischen diesen beiden Komödien nicht 
gleich vermuten, dennoch lehrt uns aber ein Vergleich, 
daß dem wirklich so ist. 



12 Kiel Ski, a. a. O., S. 142. — Strusihski weiß nichts 
über die Quelle des 'xMyäliwp zu sagen. 



Bohomolec' Verhältnis z. lat., voizügl. Plautinisehen Komödie. liJl 

Der Inhalt der Plautinischen Intrig»*nk(iniödie, in der 
der Diener Pseudolus die Rolle des TiUlhelden i?pielt, ist 
bekanntlich in kurzen Worten der, daß Pscudoluö, trotz 
der Vorsichtigkeit des Kupplers Ballio und des alten Vater.s 
SIdqo, seinem jungen Herrn namens Calidoru.«', <lom Sohne 
des letztgenannten, hilft, die geliebte PhcKinicium, die der 
Kuppler einem nicht auf der Bühne auftretenden Offiziere 
(Polymachaeroplagides) zu verkaufen beabsichtigt, durch 
einen glücklich durchgeführten Betrug dennoch für sich 
zu erwerben. Er erreicht das, indem er einen Helfers- 
helfer Simia, den Diener des Charinus, der ein guter Freund 
des jungen Calidorus ist, dazu veranlaßt, sich für den 
Burschen des Offiziers auszugeben, der gekommen sei, um 
das Mädchen laut Abmachung abzuholen. 

Bohomolec konnte das Motiv der Liebe zwischen 
Calidorus und der Phoenicium nicht beibehalten. Ihre 
Rolle mit der eines Freundes zu vertauschen, wie Boho- 
molec es bei der Umgestaltung der «Menaechmi» hatte 
tun können, ging in diesem Falle^ nicht gut an. Statt 
dessen wandte er eine Methode an, die wir öfters 
bei ihm werden beobachten können: er veränderte 
den Gegenstand der Leidenschaft des jungen Helden, in- 
dem er aus dem geliebten Mädchen, das von einem Kupp- 
ler gefangen gehalten wird, einen heißbegehrten — Hur^d 
machte, den der Kaufmann, ein «starzec lakomy» namens 
Leopold, zu verkaufen hat. Der Held mußte sich aus 
einem verliebten Jüngling demgemäß natürlich in einen 
passionierten Jäger verwandeln lassen. Er nennt sich bei 
Bohomolec Robert. Alle «lorarii» und «meretrices», die 
bei Plautus vorkommen, mußten und konnten ausgemerzt 
werden, aber der allgemeine Gang der Handlung und die 
wichtigsten Rollen waren auf diese Weise gerettet. Pseu- 
dolus hat nur den Namen Tomasz angenommen, seine 
Rolle des «spiritus rector» jedoch behalten; der Vater 
Simo heißt Kleon, sein Freund Callipho nennt sich 
Alkander; Charinus wird in Dorant umgetauft, der 
Diener Simia in Marcin, der Offiziersbursche Harpax in 



1-iü 



Kapitel II. 



Grzegorz Der Ort der Handlung, als welcher bei Plautu« 
Athen genannt wird, wird bei Bohomolec an einen un- 
bestimmten < Platz zwischen Kleons und Leopolds Haus» 
(cplac miedzy domem Kleona y Leopolda») verlegt. 

Auch der «Mysliwy» ist nicht eine Übersetzung oder 
leichte Umarbeitung der Plautinischen Komödie, sondern 
eher eine Komödie, deren Handlung aus dem «Pseudo- 
lus> entlehnt ist, während der Hauptcharakter und die 
Tendenz selbständig sind. Eine ganze Reihe von Szenen 
und Motiven ist von Bohomolec hinzugefügt, dennoch aber 
ist die Entlehnung vollkommen evident. 

Die Anlehnung an den «Pseudolus» beginnt nicht 
sofort — und das if^t wahrscheinlich die Ursache, daß 
man bisher seine Abhängigkeit von Plautus übersehen hat — , 
sondern erst mit der vierten Szene; diese, die fünfte und 
die sechste Szene des ersten Aktes entsprechen genau 
dem ersten Akte des Plautus, unter Auslassung der 
zweiten Szene bei dem letzteren, die der Charakteristik 
des häuslichen Lebens des «Heutgeborenen» gewidmet 
ist. Als Beispiel sei hier eine Stelle aus der dritten 
Szene des Plautinischen Stückes mit der entsprechen- 
den Stelle aus der fünften Szene bei Bohomolec zusammen- 
gestellt. 
Plautu.« 1,3 (v. 116fr.): 



BAL: non edepol habeo profecto 
(seil: Phoenicium ve- 
nalem), nam iam pri- 
(lem vendidi. 

CAL: quo raodoV 

BAL: viginti minis. 

CAL: viginli ralnis? 
BAL: ulrum vis, vel quater 

quinis minis. 
milili Maccdonio, et iam 
quindeciia habeo minas. 
/ V. 147 / . . . mihi hodie at- 
lulerit mües quinque 
quas dsbtt rninriS, 



Bohomolec I, 5: 
LEO: . . . A do tego iuz nie 
mam psa tego do nabycia. 



ROB: Jak to? 

LEO : Juz ten pies po cz^öci lest 
mi zaplacony. 

ROB: Od kogo? 

LEO: Pewny officer go kupil y 
iuz mi dal 8 czerwonych 
zlotych. A lesztQ, to iest: 
4 czerwonych ziotych ma 
mi odeslaö przez swego 
czlcka, kL6remu za poka- 
zaniem znaku, miedzy nami 



Bohomolec' VerlK'\ltnis z. lat., vorzQgl. FMautiiiischen Komödie. 1Ü3 



sicut haec est praestitula 
summa ei Ärgento dies . . . 

(v. 126) CAL: iuravistin te illam 
nuUi vcnditurum 
nisi mihiy 

BAL: fateor 

, . . . at arjjentum intro 

condidi 
ego scelestus nunc argen- 
tum promere possum 
domo: 
tu qui pius, isloc es ge- 
nere y,natus, nummum 
non habes. 
CAL : Pseudole, adsiste altrira ss- 
cus atque onera huDc 
malediclis. 
PSE: licet. 



CAL: 


sceleste. 


HOB: 


Ah, hultaiu! 


BAL: 


dicis Vera. 


LEO: 


Zgadtes. 


PSE: 


verbero ! 


TOM: 


Krzywoprzysi^zca! 


BAL: 


quippini? 


LEO: 


Prawda. 


CAL: 


bustirape! 


ROB: 


Ijakomcze 1 


BAL: 


certo. 


LEO: 


Tak lest. 


PSE: 


f urcifer ! 


TOM: 


SkQpco ! 


BAL: 


factum optume. 


LEO: 


Pozwalani. 


CAL: 


sociofraude ! 


ROB: 


Niecnotü! 


BAL: 


sunt mea istaec. 


LEO: 


Stusznie. 


PSE: 


parricida! 


TOM: 


Lichwiarzu l 


BAL: 


perge tu! 


LEO: 


Sprawiedliwie. 


CAL: 


sacrilege! 


ROB: 


Zdrayco! 


BAL: 


fateor. 


LEO: 


Nie inaezey. 


PSE: 


peiiure! 


TOM: 


Szatbierzu ! 


BAL: 


vetera vaticinamini. 


LEO: 


Wszystko to prawda 


CAL: 


legerupa! 


ROB: 


Sknero! 



BAL: 



caütores probos. 



PSE: in pertussum ingerimus 
dicta dolium, opeiam 
ludimus. 

BAL: numquid aliud etiam voltis 
dicere? 



umöwionego, rnani le^o 
psa wydaö. 

ROB: A wszakoH obiocal mnie 
te^ro ps:i przedaö? 



LEO: Y WM. Pan obiecalej^ mi 
dawno zai>laciö za niei-'o, 
a przecie nie dolrzymaleA 



ROB : Tomaszku , co b^dziemy 

czynili? 
TOM: Laymy mu za tu niospanie. 



LEO: Pi^knie spiewaitj. 

TOM: Y nie wstydzisz siQ tego? 

LEO: Nie. 

ROB: Nie b^dziesz tego zalowal? 

LEO: Nie. [ruszy. 

ROB : Torro r'>.M'a nie nie po- 



124 Kapitel II. 

CiAL: ecquid te pudet? 



BAL: ten amatorem esse inven- 
tum inanem quasi cas- 
sam nucem? 



LEO: Czy6cie iuz skoüczyli sw^ 

piosnk^? 
TOM: Szkoda naszey g^by na 

niego. 



Im folgenden überspringt Bohomolec vollständig den 
dritten Akt bei Plautus. Sein zweiter Akt entspricht mit 
seinen ersten vier Szenen dem aus vier Szenen bestehen- 
den zweiten Akte bei Plautus; die zwei letzten Szenen, 
d. h. die siebente und achte, sind mit den zwei ersten 
Szenen identisch, mit denen bei Plautus der vierte Akt 
beginnt. Die zwischenliegenden zwei Szenen, nämlich die 
fünfte und sechste, sind von Bohomolec aus eigener Ini- 
tiative und mit bestimmter Absicht eingeschoben und haben 
mit der Intrige und dem Gang der Handlung eigentlich 
nichts zu tun. In anderer Hinsicht sind sie aber sehr 
interessant und werden daher an einer späteren Stelle 
dieser Untersuchung Gegenstand unserer speziellen Be- 
trachtung werden; hier können wir uns damit begnügen, 
die Tatsache festzustellen. Wichtig ist hier aber der 
Umstand, daß der ganze dritte Akt des Plautus resolut 
unterdrückt ist. Das hängt natürlich damit zusammen, 
daß dieser Akt in der lateinischen Vorlage ausschließlich 
der Charakteristik des leno Ballio und der Beleuchtung 
seines Verhältnisses zu seinen Dienern und Sklavinnen 
gewidmet ist. Für Bohomolec war das eine nicht nur 
überflüssige, sondern von vornherein unbrauchbare Ver- 
zögerung: er ließ den Akt einfach aus und folgte damit 
demselben Grundsatze, dem wir ihn bisher in seinem 
Verhältnisse zur (Plautinischen) Vorlage haben folgen sehen, 
d. h. er strich ohne Schwanken aus, was in seinen Ge- 
dankenkreis nicht hineinpassen wollte oder konnte. 

Dagegen benutzte er die Gelegenheit, ein Motiv, das 
bei Plautus nur angedeutet ist, breiter auszuspinnen, näm- 
lich die Gegenüberstellung der beiden Spitzbuben Pseu- 
dolus und Simia (IV, 1). Freilich stimmen die Repliken, 
die Tomasz und Marcin bei Bohomolec miteinander (11,7) 



Bohomolec' Verhältnis z. lat., vorzü;^!. Plautinischen Komödie. ltÄ5 

wechseln, im allgemeinen mit denen der Vorlage über- 
ein, und auch Marcin behauptet prahlerisch wie Simia: 

( habe aniiniini bonuni : 

pulchro ego hanc explit-atain tibi ivm dalx). 
sie ego illum dolis atque mendaciis 
in timorcm dabo mililarem advcnam, 
ipsus sese ut lieget eum esse qui siel 
meque ut esse autumet qui ipsus est . . .) 

MAR: Ja pozwalain, nicch sobie Grzegorz przycliodzil Upew- 
iiiam, iz t-ak zakrQCQ, taJc zawiklam ten intcres, ze nie 
tylko Leopold mnic uzna za prawdziwego Grzegorza, ale 
y sam Grzcgorz b^dzio Wc-^tpif, kto z nas dw6ch iest 
prawdziwszym Grzegorzem. 

Aber im einzelnen unterscheiden sie sich bei Bohomolec 
stark von ihren Vorbildern, denn dieser wollte die bei 
Plautus nur angedeutete Idee, daß die beiden Spitzbuben 
einander zu übertrumpfen suchen, wobei Toraasz nicht 
ohne weiteres auf Marcins Treue rechnen kann, weiter 
ausführen. Das tat er recht geschickt am Anfang des 
dritten Aktes. 

Der dritte Akt setzt nämlich mit der zweiten Szene 
die Handlung an der Stelle fort, wo sie durch den Schluß 
des zweiten Aktes abgebrochen worden war: mit der Szene 
IV, 3 bei Plautus. Dabei flicht Bohomolec, wie oben be- 
merkt, ein unerwartetes Motiv ein, das die bei Plautus un- 
bezweifelbare Pfiffigkeit und Geistesgegenwart des Dieners 
beträchtlich verringert; Marcin jagt Tomasz ins Bockshorn : 

TOM: Marcinie! hey! Marciniel A spiesz si^l Czego si^ za 
trzymuiesz ? 

MAR: Jakie§ szkniputy poczynai^ mi lese do glowy. 

TOM: Co ty z szkrupulami ? Ale czemuz si? tak dlugo bawil u 
Leopolda ? 

MAR: Ja nie wiem, za co wy Leopolda skner^ nazywacie? 

TOM: Albo co? 

MAR: Suto miQ y nakarmil y napoil. 

TOM: Cöz mu sIq to sLalo? 

MAR : Y kazal mi przed wszystkiemi möwic, ze on nie iest ani 
sknera ani lakomy. 

TOM: Y on ma swoy punkt honoru. Y dla tego tedy tak dlugo 
tarn si^ bavril ? 



126 



Kapitel II. 



MAR: Y dla tego mam szkrupul oszukiwad tego czlowieka, klö- 

ry miQ tak dobrze przyic^l. 
TOM: Cöz tedy my^lisz, u kata? 
MAR: MyälQ mu psa tego odprowadzic y wyznaö näsze szal- 

bierstwo. 
TOM: Czy masz ty rozum? 

MAR: Mam. Co wi^ksza, mam ieszcze y sumnienia kawalek. 
TOM: Pi^knieby^ zrobil. 
MAR: Nie wytrzymam. Szkrupul miQ raocno gryzie. Id^ y 

oddam mu psa tego. 
TOM: Ale uwazay . . . (Zatrzymuie Marcina.) 
MAR: Sluchay, icäli miQ b^dziesz zatrzymywaJ, upewniam, ze 

gwaltu zawolam. Wiesz, ze tu sprawa pod domem Leo- 

polda. Wnet on tu wyleci. 
TOM: Ale poczekay . . . ParQ sl6w przynaymniey ci po- 

wiem . . . 
MAR: Dayze mi poköy! Puszczay! 
TOM: Ale parQ slow . . . (Zatrzymuie Marcina.) 
MAR: Gwaitu! gwaltl 

TOM: Milczl milcz bodayby ... (Zatyka mü r^k^ g^bQ.) 
MAR: Gwalt! gwaltl 
TOM: Zmituy si?! (Pada do nög Marcina.) Zgubisz mnie na 

zdrowdu y honorze. Cuchtau? b^dzie nad grzbietem moim 

tryumfowal, ie^li . . . 
MAR : Wstari, czlecze mizemy I Widzisz, ze u nög mwch le- 

zysz. Nie böy si?; ale iak zbladleä przede rnnji! Znayze 

Marcina I Do^c mi tego, zem y ciebie y Leopolda dzi§ 

pokonal. Nie iest tedy — iakes raöwil — <cwiele ztego 

dwöch na gracza iednego». 
TOM: Matoä mi? nie zgubil. 
MAR : Nie böy sIq, synu ! DaruiQ ci cuchtauz. Jam to iarto- 

wal, zeby.4 znal, ze twöy honor y zdrowie bylo w moich 

r^ku. 

Den Rest des vierten Aktes der Plautinischen Komödie 
hat Bohomolec mit Ausnahme des kurzen Monologes dea 
Simon in der achten Szene genau in den Auftritten 4 — 6 
seines dritten Aktes nachgebildet. Statt der achten Szene 
des Plautus, in der Simo in einem Selbstgespräche ein- 
gesteht, daß Peeudolus die Wette gewonnen hat, führt 
Bohomolec ein Gesf^räch zwischen Kleon und dessen 
Freunde Alkander ein, ein Gespräch, das seinem Inhalte 
nach jenem Monologe entspricht und die siebente Szene 



Bohomolec' Verhältnis z. Int.. vorzügl. i'liiulinisrheii Koniödie. Ml 

der Bohomolecschen Komödie hiklet. Die folgende achte 
(und vorletzte) Szene der Komödie ist mit der zweiten Szene 
des fünften Aktes der Plautinischen Komödie identisch. 
Jener Monolog des hetrunkenen Pseudolus, aus dem die 
erste Szene des fünften Aktes bei Phxutus besteht, konnte 
natürlich unberücksichtigt bleiben. Die letzte Szene der 
Bohomolecschen Komödie hat mit der Plautinischen In- 
trige nichts gemein. 

Wir kommen somit zum Resultate, daß von den 
23 Szenen, aus denen die Komödie Bohomolec' besteht, 
16, d. h. ungefähr zwei Drittel, mit genau entsprechen- 
den Szenen aus Plautus' Komödie zusammengestellt wer- 
den können. Diese besteht bekanntlich nach der Zählung 
der Oxfordatisgabe aus 21 Szenen, die über fünf Akte 
verteilt sind. Wie wir gesehen haben, ist die Akteiutei- 
lung bei Bohomolec eine ganz andere, und die fünf Akte 
des lateinischen Dichters schmelzen bei ihm leicht zu 
dreien zusammen. Das geschieht zunächst auf die Weise, 
daß Szenen, die Bohomolec unnötig erscheinen, weg- 
gelassen werden: so haben die zweite Szene des ersten 
Aktes (in der Ballio mit den «lorarii» und «mere- 
trices» auftritt), die vierte desselben Aktes (wo Pseudolus 
einen gleichgültigen Monolog hersagt), weiter der ganze aus 
zwei Szenen bestehende dritte Akt (der ausschließlich zur 
Charakteristik des <hodie natus» dient) und schließlich 
die erste Szene des fünften Aktes (wo Pseudolus betrunken 
über seine List frohlockt) keine Seitenstücke bei Bo- 
homolec. Der erste Akt wie auch der zweite gehen im 
allgemeinen mit den zwei ersten Akten der Plautinischen 
Komödie parallel, Bohomolec schließt aber nicht wie 
Plautus, sondern zieht (mit Auslassung des dritten Plau- 
tinischen Aktes) die Aktgrenze nach der zweiten Szene 
des vierten Plautinischen Aktes. Sein dritter Akt gibt 
den Rest der Handlung des vierten Aktes wieder und 
nimmt als vorletzte Szene die letzte, d. h. zweite Szene 
des fünften Plautinischen Aktes auf. 

Die sieben Szenen endlich, die Bohomolec aus eigener 



US Kapitel II. 

Erfindung hinzugefügt hat, verteilen sich folgendermaßen 
über die drei Akte der Komödie. Die ersten drei Szenen 
des ersten Aktes sind frei erfunden; der zweite Akt ent- 
hält zwei Szenen, nämlich die fünfte und sechste, die 
keine Analogien in der Plautinischen Komödie haben, 
der dritte Akt beginnt und schließt mit selbständig er- 
fundenen Szenen. 

Der Zusammenhang zwischen jenen 16 Szenen, die der 
Handlung der Piaulinischen Komödie entsprechen, und 
jenen 7 Szenen, die hinzugefügt worden sind, ist nur sehr 
lose geknüpft. Dienen jene als dramatischer Stoff, so hat 
Bohomolec gerade in den letzteren versucht, einen Charak- 
ter zu zeichnen, der nicht von Plautus stammt, nämlich 
don Charakter des «mysliwy», d. h. des leidenschaftlichen 
Jägers. Inwieweit ihm das gelungen ist, wird an anderem 
Orte besprochen werden; hier kann ich mich damit be- 
gnügen festzustellen, daß die aus Plautus entlehnte Intrige 
für Bohomolec ebensowenig die Hauptsache gewesen ist, 
wie in den «Przyiaciele stolowi». Diese Feststellung, die 
edch hier nur auf zwei Beispiele (das der «Przyiaciele sto- 
lowie» und das des «Mysliwy») stützen kann, wird im 
weiteren Verlaufe meiner Quellenuntersuchungen den Wert 
einer bedeutsamen, allgemeingültigen Tatsache er- 
werben, die ein besonderes Licht auf den ganzen Prozeß der 
Genesis der Bohomolecschen Komödie wird werfen können. 
Was hat somit Bohomolec seinem lateinischen Meister 
zu verdanken? Das ist die Frage, die sich uns nach der 
Festlegung seiner Abhängigkeit von Plautus vor allen 
Dingen als Schlußfrage aufdrängen muß. Ich habe kon- 
statiert, daß Bohomolec die «Menaechnii» nach seinen 
schulraäßigen Prinzipien umgearbeitet hat, daß die Intrigen 
der «Mostellaria» und des «Trinummus» durch eine 
mehr oder weniger geschickte Kontamination die Hand- 
lung einer Bohomolecschen Komödie ergeben können, daß 
die Intrige des «Pseudolus» dem «Mysliwy» zugrunde ge- 
lebt worden ist, daß schließlich auch ein Detail aus den 
«Captivi» gelegentlich benutzt worden zu sein acheint. 



Bohomolec' Verhältnis z. lat., vorzflpl. IMnulinischen Komödie. 121> 

Was hat nun Bohomolec eigentlich hei PlautUH 
L'osucht? Sicher nur die Intriije. Es ist nämUch kaunn 
üizunehinon. daß Hohoinoiec Plaulus iriren<Iwie ästhetiscli 
hcurteilt hat, wie z. li. IfoUu'rp fs ir<'U\n hat. Ks ist kaum 
aiizunehnitMi. (hiß es mehr als Zufall sein kr>nnte, daß die 
von ihm henutzt»'n «Metiaechnii» von llolberj^ für Keinc.'^ 
der ersten Schauspiele, die wir überhaupt haben», erklärt 
worden sind. d;jß der von ihm verwertete «Pseudolus» 
auch Holherpj als Vorbild für s»Mnen «Diderieh Menschen- 
skrffik» gedient hat, daß Holberg endlich auf der «Mos- 
tellaria», die Bohomolec den Stoff zu seinen «Przyiacielo 
stotowi» gegeben hat, seine «Ahracadabra» aufgebaut hat. 
Dan ist sicher nur An zufälliges Zusammentrr^ffen, das 
nicht als Beweis dafür dienen kann, diiß Bohomolec irgend- 
wie bewußte Auswahl zwischen <len vielen Komr)dien des 
Plautus zu treiTt-n gesucht hat. Bohomolec hatte eigentlich 
in Plautus eine unver.-«iegbare Quelle gefunden, die er in 
weit höherem Grade hätte ausnutzen können. Denn 
Plautus' Komöilien sind fast ausschließlich Komödien der 
Intrige. Wir können sie mit Michaud ^^ «comedies de 
moear.-», «comedies romanesques, melodramatiques» und 
Komödien der Liebesintrige nennen; finden wir aber neben 
diesen Definitionen schließlich eine spezielle «com6die 
de l'intrig*' pure», so ist damit gesagt, daß die Intrige 
ein ganz liervorstechendes Charakteristikon seiner Komö- 
dien überhaupt ist. Andererseits entbehrt die Plauti- 
nische Komöiiie fast gänzlich jeder wirklichen Charakter- 
zeichnung. Nicht den Charakter, eigentlich auch nicht 
Stoffe für seine Komödien, sondern eben die Intrige 
suchte Bohomolec bei Plautus. 

Er kümmerte sich so wenig um alles, was nicht 
rein intrigenhafter Art war, daß er es resolut aus seiner 
Bearbeitung ausschloß. Hatte er aber dann eine passende 
Komödie bei Plautus gefmiden, deren Handlung ohne be- 



*3 G. Ali c h a u d , Histoire de la Comedie Romaine. Flaute 
(Paris 1920), Bd. I, S. 146 ff., 170 ff. 

Stender-Petersen, Die Schulkomödien. H 



130 Kapitel 11. 

sondere Schwierigkeit verpflanzt werden konnte, so 
kümmerte er sich keineswegs hauptsächlich um die ent- 
lehnte Handhing, sondern benutzte sie mit Ausnahme 
der «Blizni^ta» - «Menaechmi», die eine seiner wenigen 
tendenzlosen Komödien ist, nur dazu, um auf ihr als 
dramatischer Grundlage eine bestimmte Tendenz, die 
nichts mit Plautus oder Plautinischeni Geiste zu tun 
hatte, und eine schulmäßige Moral zu basieren. Diese 
♦Seite seiner Arbeit wird andernorts näher zur Sprache 
kommen. Hier können wir jedenfalls sicher feststellen, 
daß Bohomolec' Verhältnis zu Plautus ein rein mecha- 
nisches war. 



\:n 



Kapitel III. 

Bohomolec' Verhältnis zu Moliere. 

Ich stehe nun vor der wichtigen P'^rago, welchen Ein- 
fluß Moliere auf Bohomolec ausgeübt hat. Ob Bohomolec 
wirklich in dem Grade von Molicres Komödie abhängig 
ist, ob wir wirklich hier von einem so bewußten «Molieris- 
mus» unseres jesuitischen Schulkomödiendichters reden 
dürfen, wie man uns immer noch mit Berufung auf 
Kielskis Autorität glauben machen wilP, das möchte ich 
an einer anderen, späteren Stelle meiner ArV)eit zu be- 
leuchten suchen. In diesem Kapitel will ich das äußere 
Verhältnis, in dem Bohomolec zu Moliere steht, unter- 
suchen, das heißt zunächst, die nackten Tatsachen fef-t- 
stellen, aus denen sich später Schlüsse werden ziehen 
lassen, und gerade die herrschende (falsche) Meinung, 
daß mit der Behauptung, Bohomolec sei ein Schüler 
Molicres gewesen, das Phänomen Bohomolec erschöpfend 
erklärt sei, berechtigt mich, wie ich meine, zu einer 
neuen Untersuchung der Frage, was Bohomolec Moliere 
rein quellenmäßig verdankt.* 

^ Vgl. W. F o 1 k i e r s k i s iVrtikel : Moliere en Pologne, in <ier 
Rövuo de litt^rature compaj6e, dirigöc par F. Baldensperger et 
P. Hazard. 2« ann6e (Paris 1922), N». 2. — Vgl. die Fußnote 
auf S. 17. 

* Kielski stellt (a. a. 0., S. 142) folgende Gleichungen auf: 

1. «MQdrkowie» = «Les Femmes savantes». 

2. «Dziedzic chytry» = '(Monsieur de Pourc€augnac». 

3. «Kawalerowie modni» = «Les Precieuses ridicules». 

4. «NatrQty» (soll heißen «NatrQtnicy») = «Les Fächeux». 

5. «Nieroztropny» (soll heißen <<Nieroztropno4c») = 

«L'Etourdi», 

9« 



131 Kapitel III. 

BohomoU^c selbst hat nur in einigen wenigen Fällen 

seine Mulierisehen Quellen verraten. In seinem Vorworte 

zum ersten Bande bekennt er oflen, wie schwer ihm die 

notgezwungene Umgestaltung zweier von den in diesem 

Bande abgedruckten Komödien gefallen sei: 

Ja wyznai^, iz trzymai^c si§ mego zw^czaiu (seil, der 
Kliminicrun«; der Frauenrollen), wiele trudnoSci zazylera w 
przorabianiu dwöch moich komedyi, to lest d r u g i e y 
y trzeciey, ktörych tresc poniewaz calsi prawie na bia- 
logtowach Jegomo§6 Pan Moliöre zasadzit, przetoz tak ie mu- 
sialem latac y kleiö, zebym y komedyi sztiik^ zachowal y 
pici niewie^ciey do nich nie przypuäcil . . . 

Die Komödien, die Bohomolec hier gemeint hat, und die 
somit Umarbeitungen Molierischer Komödien sein müssen, 
sind der «Figlacki polityk teraznieyszey mody» II und 
die «Nieroztropnc'SC swym zamy^lom gzkodz^ca». Außer 
diesen "beiden Komödien bezeichnet Bohomolec nur noch 
eine ausdrücklich als Umarbeitung einer Molierischen 
Komödie, nämlich die «Rada skuteczna», in deren «Ar- 
gument» wir folgende Worte lesen: 

. . . Ta komedya lest z Moliöra «L e m a r i a g e f o r c 6», 

ale ze do niey wchodz^ osoby bialoglowskie, dla tego wiele 

scen w przckladaniu iey odmienilo si^. 

Sonst schweigt Bohomolec über das Verhältnis seiner 
Komödien zu denen Molieres. 

Wir wissen somit von Bohomolec selbst, daß der 
«Figlacki polityk teraznieyszey mody» aus den 
«Fourberies de Scapin» entstanden ist, obgleich das 

6. «Pan do czasu>/ = «Lo Bourgeois gentilhomrae». 

7. «Rada skuleczna» = «Le Mariage forc&h 

Das sind <'niewolnicze przeröbki». Außerdem ist der «Figlacki po- 
lityk» II (S. 144; eine «dose niewolnicza ]>rzer'öbka» der eFour- 
beries 'de Scapin», die auch die Entstehung des «Figlacki polityk» I 
veranlaßt haben sollen. Eine «o<Imiana^> der «Fourberies» soll auch, 
wie wir sahen, der «My.41iwy» (Kielski .sagt «My61iwiec», S. 166) 
sein. Als «tianspozycya» des «Bourgeois gentilhomme» wird der 
•rrazai^cy sifj.) erklärt (S. 149) und der «Paryzanin i>olski» als 
*transpozycya> der <Precieuses ridicules» und der- «Comtesse 
d'Escarbagnas» (S. 152 und 1,53). 



Bohomolec* Verhältnis zu Molinie. 1^3 

«Argument^ jener Komödie dieBO Abhängigkeit nicht 
gleich vermuten läßt. In der Tat ist die Handlung be- 
deutend verändert, denn einerseits ist sie über limt Akto 
verteilt, während sie bei Bohomoler; nur drei Akt<.' un:- 
fnßt, andererseits ist die große Anzahl der auftretenden 
Personen, die wir bei Moliere finden, bei Boh(jmolec stark 
zusammengeschmolzen. Bekanntlich besteht die Intrige 
der einer terenzischen Komödie^ nachgearbeiteten und 
zugleich an den «commedia de]rarte»-Ty])us erinnernden 
Molierischen Komödie darin, dnß zwei junge Herren öi(;li 
während der Abwesenheit ihrer Väter verliebt, bezw. ver- 
heiratet haben, daß der Diener Scapin die heimkehrenden 
Alten um das Geld prellt, das die Söhne benötigen, und 
(laß dann die Wahrheit dennoch an den Tag kommt, 
ohne einen für alle Teile angenehmen Schluß zu ver- 
hindern. Aus den zwei Vätern Argante und Geronte 
machte Bohomolec einen Vater mit dem bezeichnenden 
Namen Lakomski, aus den beiden Söhnen Octave und 
L^andre einen Sohn namens Jan ; Scapin gab er den 
Namen Figlacki und dem Diener Sylvestre den Namen 
Pomocki. So wurden die neun Personen, die bei Molifero 
die Hauptrollen bekleiden (ich reebne den «fourbe» 
Carle nicht mit), durch Reduzierung und Eliminierung 
durch nur vier ersetzt. 

Diese Veränderung war natürlich so tiefgreifend, daß 
sie nicht ohne innere UnWahrscheinlichkeiten durchgeführt 
werden konnte. Wenn es schon wenig wahrscheinlich ist, 
daß es Scapin bei Moliere gelingt, die beiden Alten nach- 
einander zu düpieren, so ist es noch unwahrscheinlicher, 
wenn Figlacki das Kun.'^tstück fertig bringt, denselben 
Alten zweimal, ja sogar dreimal liintereinander zu betrügen, 
ohne daß der Betrug entdeckt wird. Weiter hat Boho- 
molec sich eine psychologische Ungereimtheit zuschulden 
kommen lassen : bei le Väter sind bei Moliere geizig — 
das hat auch Bohomolec durch den Namen seines Alten 



3 Eugene Rigal, Moliere (Paris 1908), Bd. II, S. 232, 23ü. 



134 Kapitel III. 

andeuten wollen; aber nun ist Argante ungleich weich- 
herziger als Geronte (vgl. I, 4), und dieser Zug hat 
Bohomolec als Grundlage für eine ganze Szene gedient; 
dennoch wird dieser weichherzige Vater, der seinen Sohn 
so sehr liebt, mit jenem identifiziert, der sich später 
lange bedenkt, ehe er das Geld zur Freikaufung des Sohnes 
hergibt. Um dergleichen Inkommensurabilitäten hat sich 
der Dichter unserer Schulkomödien nicht viel bekümmert. 
Er wollte die Verwerflichkeit der neumoclischeu Anschau- 
ungen exemplifizieren, er fand bei Moliere eine Intrige, 
deren Held ein spitzbübischer Diener war, er beschloß, 
diese Intrige dem Träger der modernen Anschauungen 
aufs Konto zu schreiben, und daraus ergab sich für ihn 
die Notwendigkeit, die Handlung der Molierischen Komödie 
umzuarbeiten. Handelte Scapin bei Moliere aus uneigen- 
nützigen Motiven, indem er als traditioneller Diener die 
beiden jungen Herren aus der unangenehmen Klemme, 
in die sie geraten waren, zu ziehen hatte, so mußte 
Bohomolec dieses Veihältnis so umwandeln, daß die ganze 
Intrige ah Ausfluß der spitzbübischen Weltanschauung 
des Helden, der nicht mehr Diener sein sollte, dastehen 
konnte. Der Gedanke, die beiden jungen Herren, die 
verliebt sind, in einen zu verwandeln, mochte um so 
näher liegen, als es schwer fallen mußte, das Motiv der 
Liebe zweimal durch ein adäquates Motiv zu ersetzen. 
Wurden die beiden Liebhaber in einen verwandelt, brauchte 
3>ohomolec nur einmal eine solche Substitution vorzu- 
nehmen. Um Scapin -Figlacki in ein bestimmtes Verhält 
nis zu dem jungen Herrn und seinem Vater zu bringen, 
kam Bohomolec auf den relativ glücklichen Gedanken, 
aus dem Diener einen Privatlehrer, einen cguwerner» zu 
machen; dieser Gedanke hat seinen faktischen Ursprung 
vielleicht in der Tatsache, daß Argante selbst bei Moliöre 
den Diener «sage gouvorneur de famille, beau directeur 
de jeunes gens» nennt. 

Die wirklichen Übereinstimmungen zwischen Moliöres 
und Bohomolec' Komödien beginnen eigentlich erst im 



Bohomolec* Verhältnis zu Moliere. 135 

dritten Akte des letzleren. Die ersten zwei Akte haben 
natürlich auch iJire notwendigen Analogien in Molieres 
Komödie, ohne daß hier faktische Kongruenz vorläge. 
Sie entsprechen, dem allgemeinen Gange der Handlung 
nach, dem ersten Akte Molieres. Wenn Jan, der Sohn 
des heimkehrenden Lakoraski, Figlacki mit Entsetzen von 
der Rückkehr seines Vaters erzählt (I. 2), wenn Figlacki 
in der folgenden Szene dem letzteren entgegentritt und 
an sein Vaterherz appelliert (I, 3), wenn er in der dritten 
Szene des folgenden Aktes (II, 3) Pomocki um Beistand 
bittet, so sind das Szenen, die bei Moliere (I, 3 bis 
5) ihre Analogien haben. Dennoch .^^ind sie dem In- 
halte nach selbständig, denn Jan i.^^t von Furcht erfüllt, 
weil er in der Abwesenheit .«eines Vaters Karten ge- 
spielt und verloren hat, Figlacki mildert den Zorn de.s 
Vaters durch eine Schilderung der Fortschritte seines 
Sohnes in den WL^-senschaften, und schließlich w*ill er 
Pomocki benutzen, um dem Alten zu eigenem Vorteil 
Geld abzupressen. — Abgesehen von der ersten Szene 
des ersten Aktes, die zur Charakteristik Figlackis dient 
und von der noch später die Rede sein wird, fügt Boho- 
molec im zweiten Akte (Szene 2) einen Auftritt ein, der 
bei Moliere nur angedeutet ist. Bekanntlich instruiert 
Scapin Octave, wie er seinem Vater entsregentreten solle, 
es kommt aber nicht dazu. Bei Bohomolec dagegen be- 
ginnt der zweite Akt mit einer Begegnung zwi- 
schen Jan und seinem Vater, den jener nach 
Figlackis Anweisung durch seine scheinbaren Kenntnisse 
ins größte Erstaunen setzt: 

JAN (klania sie y zaczyna möwic oracyQ, nie uwazai^c na to, 

ze mu oyciec przory wa y przeszkadza) : Wybiegiszy 

spiesznym galopem na olirnpiczne dziardyny, trabeata 

sidera . . . 
LAK: Nie chc^, nie sluchaml 
JAN: . . . sliczno, choc nieliczne wydawaiy rezony: Phos- 

phore, redde diem! . . . 
LAK: W karty grac, kostero?! 
JAN : . . . Alic stan^wszy in horoscopo pulvinarium, caper in. 



]:;G Kapitel III. 

axnphora iiio kapryzui<\cym odezwal si^ tonem: «Sic vos 
non vobis fertis aratra bovcsl» 
l.AK (miSwi (lo ludzi): A oii, widzc,', coä niezic möwi. Poslu- 
cham. 

.fAN: . . . Y rozwin^wszy niebotyczuc, bo zodialyczne swoie 
vxllus, ztotrt influency^ öwial awantazowal. Et ratio oet, 
bo lak napisal non longus Longinus: «Parcc ncc invidia 
sine ine jiber ii)is in urbom» . . . 

LAK (do ludzi möwi): Co to za milc dzieci^l 

JAN : . . . «ibis in url^em» ... Do wozowTii serca mego, mi- 
loäciwy oyczi', skie^o^vawszy kordyalne kotka karocy re- 
spoktu twego, ty, po oÜmpicznych woiazowawszy graiide- 
cach, zasic^dziesz krzeslem propcnsyi moiey regalizo- 
wany. A bagazc oyczystycb kleynolöw ztozywszy pod 
daszkicm synowskiego affektu, arma virumq;ue canes, 
c-aiies nunquam canescens przez saturnowe wieki in arce 
meritonim. Czego synowskq zyczc\c addykcyj^, impet 
mcgo przywitania t^ kotwic^ utrzymuiQ: «Rumpitur in- 
vidia, nimpantur Ilia Codro». 

LAK: Ach, podporo starosci moiey I Serce mi si? od radosci 
z tych piersi wyrywa, kiedy widzQ w tak krötkim czasie 
taki twoy postQpek w naukach. Juz sig nie gniewam. 
Darui?. Zdarzyto ci si^ pobi^dzic — lufizka to rzccz iest, 
a naybardziey mtodym przyzwoita. A po francuzku, 
stysz?, dobrze iuz umiesz? 

JAN : Oui, aprez diner, Monsieur. Je vous souhaite la bonne 
nuit. 

LAK: Ach, Bog ci zaplac, Mo6ci Panie guwerner, za tak pifjknj^ 
edukacy^. Ja nie mialem tego szczQäcia y tyle iak syn 
moy nie umiem. 

FIG: Albo to tak wielu umie? Ja to opowiadam, Mosci Dobro- 
dzieiu, ze r6wnego dowcipu Europa nie ma iako u syna 
WM. Pana. Pod poczciwosci^ möwiQ, zo zi kvvarlal ieden 
y drugi bf^dzie Jegomo66 pan Jan umial dziewi^ödziesisit 
dziewioc i<jzyk6w. 

LAK (caluif^c syna m6wi): Ach, pociecho moia iedyna! 

JAN: Voulez-vous dormir? Oui, Monsieur. Sans doute. Bon 
jour. Voudrois manger. Vous menez. Monsieur. 

LAK: Chodzze ze nm^, Jasiul Niech si^ z tobr^ po dlugim 
niew'idaniu si(j naciesz^. 

JAN: Notre Pore qni eles aux cienx, Votre nom seit sacrifie. 
Votre regne nous a/lvionne . . . 

LAK: 0, iakze gladko möwi po francuzku I Cale dobry ma 
akcent. Jak si^ zda WM. Panu, Moäci Panie guwemer? 



üohoiiiükc' VerhHilnis zu Moliere. 137 

Flu: Akccnt? rodowity frantuz lepiey m6wi<' iii<- jxtr.ifi lak 

Jegomoäc, 
LAK: Y innie si^ tak zda. B^q obligowany Wasznio^r. Panu 

za Jego fatyg«.\ Idzmy, Jasiu! (Odchodzi.) 

Die Szene ist Bohomoltc nicht übel geglückt. Dennoch 
hat er sich bei der Au-arbeitung eines bei MoHere nur 
flüchtig angedeuteten Motivs niciit von rein artiftlHchen 
Rückeichten leiten lassen. Ihn lockte nicht die sich ihm 
darbietende Gelegenheit, eine komisclie Möglichkeit künst- 
lerisch auszubeuten. Er benutzte die Gelegenheit, einer 
gewissen Er ziehungsmethode einen wohlberechneten 
Hieb zu versetzen. Die Szene ist nichts anderes als eine 
willkommene Waffe pädagogischer Polemik, eine Waffe, 
die Bohomolec gern und oft in seinen Schulkomödien 
anwendet. Das ist ein Zug im allgemeinen Stile seiner 
Komödien, der uns noch eingehender wiril beschäftigen 
können. 

Wie schon bemerkt, finden wir er.st im dritten Akte 
bei Bohomolec" nähere Übereinstimmungen mit Molieres 
Handlung. Und zwar entsprechen die ersten drei Szenen 
desselben (er besteht aus vier Szenen) den Szenen H, 5 
und H, 6 bei Moliere. Die vier Szenen, mit denen der 
zweite Akt bei Moliere beginnt, hat Bohomolec somit 
ganz beiseite gelassen. Das erklärt sich daraus, daß 
Bohomolec mit anderen Voraussetzungen operiert als 
Moliere. Streiten bei Moliere zu Beginn des zweiten Aktes 
die Väter über den Wert ihrer Sohne, hegt Geronte Ver- 
dacht gegen seinen Sohn Leandre, beschuldigt Leandre 
daher Scapin des Verrates und bitten schließlich sowohl 
Leandre wie Octave Scapin um Hilfe (H, 1 — 4), so waren 
das Szenen, die Bohomolec natürlich ohne weiteres weg- 
lassen mußte und konnte; bei Moliere dienten diese Szenen 
zur Motivierung der beiden Bravur.'^zenen il, 5—6 und 
11, 7, in denen Scapin mit und ohne Sylvestres Hilfe 
die beiden Väter zugunsten ihrer Söhne prellt. Bohomolec, 
für den Scapin -Figlacki ein ausgesprochener Spitzbube 
war, der nur an seinen eigenen Vorteil denkt, brauchte 



138 



Kapitel III. 



diese Motivierung nicht. Er sprang direkt in raedias res 
und benutzte die Szene II. 5 — 6 als Zentralszene des 
dritten und die Szene II, 7 als Zentralszene des vierten 
Aktes, wobei beidemal derselbe Alte geprellt wird. 

So entnlehen bei ihm zunächst die drei Szenen 111, 
1 — 8. Er folgt hier recht genau dem Wortlaute der Vor- 
lage, wobei natürlich Pomocki-Sylvestre nicht der Bruder 
der Geliebten des Sohnes ist, sondern vorgibt, der Soldat 
zu sein, an den Jan im Kartenspiele das Geld verloren 
habe, das nun J'jakomski Figlacki hergeben soll. Schließ- 
lich gibt Lakomski genau wie Argante das geforderte Geld: 



Moli^re II, 6: 

ARG : Je me resous ä donner les 

deux Cents pistoles .... 
SCA: Vous n'avez qu'ä me les 

donner 

ARG: Oui; mais j'aurois 6te bien 

aise de voir comme je 

donne raon argent. 
SCA: Est-ce que vous vous de- 

fiez de moi? 
ABG: Non pas, mais . . . 

SCA: Parl)leu, Monsieur, je suis 
un iouil)e, ou je suis hon- 
nfite homme; c'est Tun 
des deux . . . Si je vous 
suis suspect, je ne me 
m6le plus de rien, et vous 
n'avez qu'ü chercher des 
cetle heure, qui accomo- 
dera vos affaires! 

ARG: Tiens donc! 



SCA: Non, Monsieur, ne me con- 
fiez point votre argent. Je 
serai hi« n aise que vous 
vous serviez de qnelque 
autre. 



Bohoraolec III, 3: 

LAK: Co za bieda z tym niez- 
boznym! Oddayze iuz 
Waszmoöö Pan iemu pie- 
ni^dze. A ia choö zdaleka 
b^^ na to patrzaL 



FIG : Cöz to Waszmoöö Pan mi 
nie dowierzaszV 

LAK: Uchoway Boze! Jednak- 
ze . . . . 

FIG: Mo8ci Dobrodzieiu, albo 
miQ Waszmo>4c Pan musz 
za uczciwego czlowicka 
albo za oszusta . . . Jeze- 
lim podeyrzany, nie myöle 
w tQ spraw^ wdawac si^. 
Szukay Waszmoöö Pan so- 
bie wiernieyszegol 

LAK: Ale — uchoway Boze! Ja 
wierz^, Waszmoäd Pan. 
We;^ze Waszmoöö Pan 
pieni^dze y odday temu 
zolnicTZOVvi. 

FIG: Nie, Mo.sci Dobrodzieiu, 
ani s!Q|mysl^ .w to wdawac J 



Bohomolec' Verliältnis zu Mollere. 



n9 



ARG: Mon Dieu, tiens! 

SCA: Non, vous dis-je, ne vous 
tiez point ä moi. Que 
sail-oii si je ne veiix point 
vousaltr:i[)er votre arj^'entV 

ARG: Tieos, le dis-je, ne nie 
fais point contt^st^^r davan- 
tage. Mais son},'e ä bien 
prendre tes süretes avec 
lui! 

SCA: Lais<?ez-moi faire . . .* 



LAK: Ale si? nie trnieway Wasz- 
nioKe l'an ! (ilitiey przyif^c! 

FIG : Nie zycz^ nu wierzyd. Mo«^ 
oszka<^ WiisznioH('" Pana. 
Jesteni oszust. 1 'rzeatr /.(.•- 
Kam ! 

LAK: Ale przepra-szini! Dayniy 
in/, ttnui pok6y! Wez 
VVasziiioHÖ Pan y chciey 
uppokoir te^o tyrana. A 
oblivr proszQ nii odebrar! 
(Odchodzi). 

FIG: Dia Wasztno^c Pana to 
I tylko czynicj. 

Ebenso genau kopiert Bohomolec die Szene mit der Er- 
pressung, die Scapin an Geronte verübt. Bei Bohomolec, 
der diese Szene erst im folgenden, vierten Akte anbringt, 
ipt das Objekt der Erpres.'^sung natürlich wieder derselbe 
Lakomski. Er wiederholt auch be.-tiin'lig die berühmte 
Exklamation: «Czy go choroba wniosia na-t^ galerQl» 
(«Que diable allait-il faire dans cette galere!>). Schließlich 
gibt aber auch er genau wie Geronte die 200 Dukaten, 
die der vermeintliche Seeräuber fordert, her und entläßt 
Figlacki mit einer ganzen Flut von Flüchen und Schimpf- 
wörtern gegen den imaginären Türken: 



Meliere II, 7 

GER: Mais dis ä ce Türe que 

c'est un sc^lerat. 
SCA: Oui. 
GfiR: Un infame. 
SCA: Oui. 
GER: Un hemme sans foi, un 

voleur. 
SCA: Laissez-moi faire. 



GER: Qu'il me tire 500 ecus 
contre toute sorte de droit. 
SCA: Oui. 



Bohomolec IV, 2 

LAK: Powiedz mu, ze on nie- 

crota. 
FIG: Powiem. 
hAK: Ze on oszust, zdrayca. 
FIG: Dobrze. 
LAK: Ze on hultay, iolr, rozboy- 

nik, 
FIG: Tak lest. 

LBK: Ze on nie roa sumnienia. 
FIG: Tak iest. 
LAK: Ze on mi niesiusznie te 

pieniadze wydziera. 
FIG: Tak i'tst. 



* Ich zitiere hier und im folgenden nach D e s p o i s 
Mesnards Ausgabe. 



140 Kapitel III. 



(iER: Que je ne les lui donne 
ni ä la mort ni ä la vie. 

SCA: Fort bien. 

GER: Et que, si janiais je l'at- 
trappc, je saurai me ven- 
ger de lui. 

SCA: Oui. 



LAK: Ze mu tego nie darui^ ani 

w zyciu ani przy ^mierci. 
FUi: Tak iest. 
IjAK: Ze on obligowany iest do 

restitucyi. 
FfG: Tak iest. 
ZiAK: Ze ieHÜ mi nie vvröci lych 

pieni<jdzy, nie b^dzie w 

niebie. 



Schließlich sei hier noch notiert, daß wir in der ab- 
Hchließenden Szene der ganzen Komödie bei Bohomolec 
einen Molierischen Auftritt wiedererkennen, freilich aber 
in ganz anderer Deutung: ich meine Molieres Szene 
111, 2, wo Scapin den alten Geronte in den Sack kriechen 
läßt, um ihn vor angeblichen Feinden zu beschützen, und 
ihn dann selber durchprügelt. Bei Bohomolec, der dieses 
Motiv als effektvollen Abschluß in der dritten Szene des 
fünften Aktes anwendet, ist es nun nicht der alte Lakomski, 
der in den Sack kriechen muß, sondern — Figlackis 
Helfershelfer Pomocki. Dieser fordert nämlich seinen 
Anteil an der Beute, Figlacki möchte aber natürlich alles 
für sich behalten, und um ihn loszuwerden, bildet er 
ihm ein, daß er von Lakomski verfolgt werde, und daß 
die Verfolger ihm schon hart auf den Fersen seien. 
Pomocki kriecht auf Figlackis Bat in den Sack und wird 
von diesem, der Lakomskis Stimme nachahmt, weidlich 
durchgeprügelt, worauf Figlacki sich aus dem Staube 
macht. 

Von den 17 Szenen, aus denen die Komödie bei 
Bohomolec besteht, sind somit nur acht bei Moliere 
vorgesehen. Die übrigen neun haben eine verschiedene 
Rolle im Bohomolecschen Stücke: einige dienen dazu, um 
den Helden, also Figlacki, näher zu charakterisieren oder 
die Tendenz des Stückes geltend zu machen (I, 1, teil- 
weise II, 3), — von ihnen wird noch an anderer Stelle 
die Rede sein. Die übrigen sind dazu bestimmt, den 
Faden zwischen den aus Moliere entlehnten Szenen zu 
knüpfen. Wir haben da die besprochene Szenen 11, 1, 2, 



Bohomolec' Verhilltnis zu Moli6re. 141 

wo Jan seinen Vater nach Figlackis Anweiaung begrüßt, 
wir haben die Szene HI, 4, wo Jan von Fi^hicki sf-inen 
Anteil an der Beute foniert, aber auf 8j>äter vertröntel 
wird, und die Szene IV. 1, wo Poinooki cbenfallH zun» 
Warten veranlaßt wirJ.^ Wir haben sijblirßljcli die Szene 
IV, 3, wo Jan neinem Vater Fiiilackis Lü^'en^e.schicljt'i 
aufdeckt, um zusammen mit ihm auf die Suche nach 
dem doppelten Betrüger zu gehen, und die Szene IV, 4, 
wo Figlacki Sfinem Freunde, der Jan vom Vator fern- 
halten sollte, ihn aber nicht fand, vorspricht, ihn aus der 
<^efahr einer Gefangennahme zu erretten. Die Entwick- 
lung de3 fünften Aktes ist abweichend von Moliere, aber 
nicht ohne Molieres Hilfe durcligeführt: freilich eine Kon- 
Hiktlösung ist das nicht, liegt doch keine eigentliche 
Intrige vor. Es besteht «larin, daß Figlacki und Pomocki 
sich als Soldaten verkleid-n und der erttere den Blinden 
und Halbtauben spielt, Lakomski geht zwar vorbei, er- 
kennt ihn aber nicht. Darauf folgt dann die oben be- 
sprochene Szene, die der Idee nach molierisch ist, in der 
Durchführung aber Bohomolec gehört. So ersetzt der 
polnische Verfasser auf eine höchst einfache Weise die 
recht verwickelte Konfliktlösung Molieres durch einen 
effektvollen Abschluß, der gut mit dem allgemeinen, un- 
komplizierten Handlungsgange harmoniert. Und über- 
blicken wir sie nochmals, so sehen wir, wie sich bei 
Bohomolec eine neue Aktion ergibt, die nur weniges mit 
der Molierischen Intrige gemein hat. War sie bei Moliere 
absolut die Hauptsache, so ist sie im Gegenteil bei Bo- 
homolec etwas ganz Untergeordnetes geworden, bestimmt, 
die «polityka teraznieyszey mody» zu charakterisieren und 
zu illustrieren. Davon sei aber in einem besonderen 
Kapitel die Rede. 



^ Vielleicht eine Reminiszenz aus Regnard. Vgl. «Le Di 
voroe^, II, 2, wo Arlequm von Mezzetin^ dem er bei einer Be- 
trügerei geholfen hat, fordert, daß er ihm seinen Anteil an der 
Boube geben solle, von diesem aber auf später vertröstet wird. 



142 Kapitel III. 

Besonders illustrativ für die Art und Weise, wie 
Bohomolec die Molieriscbe Intrige umgestaltet, ist der 
«Figlacki polityk teraznieyszey mody» vielleicht nicht, kann 
man doch im Grunde genommen nur davon sprechen, daß 
Bohomolec einige einzelne Motive aus der Molierischen 
Komödie in einem wesentlich veränderten Zusammenhange 
benutzt hat. Nur sehr beschränkt liegt hier eine Be- 
arbeitung einer Molierischen Komödie vor, weit eher 
eine Einarbeitung Molierischer Situationen in eine 
Komödie, die zudem — wie die Folge zeigen wird — 
psychologisch originellen Ursprungs ist. Eine wirkliche 
Bearbeitung einer Molierischen Komödie dagegen 
haben wir in der tNieroztropnosc swym zamys- 
lom szkodz^ca», die nichts anderes ist als eine Szpne 
für Szene durchgeführte Wiedergabe des Molierischen 
«Etourdi», in dem die Sklavin Hippolyte einfach durch 
einen Sklaven Hippolitek ersetzt ist, der ein gottbegnadeter 
Sänger ist, und den ein (nicht verliebter, sondern) musik- 
begeisterter Jüngling ebenso brennend zu besitzen wünsclit, 
wie bei Moliere der verliebte Lelie die schöne Sklavin, 
Das Prinzip der Transplantation ist somit hier dasselbe 
wie in der vorhergehenden Komödie. Bohomolec hat sich 
die Arbeit auch bedeutend erleichtert dadurch, daß er die 
beiden alten Pandolfe (Pandolf) und Anselme (Anzelm) 
und ihre beiden Söhne Lelie (Leliusz) und Leandre (Le- 
ander) beibehielt, nicht in je eine Figur zusammen- 
schmelzen ließ. Trufaldin hat auch seinen Namen und 
seine Rolle beibehalten, während Mascarille bei Bohomolec 
Figlacki heißt; der bei Moliere namenlos auftretende 
«courrier» hat aber den aus Terenz stammenden Namen 
Chremes erhalten. Ganz gestrichen sind Celie, Andres, 
«cru Egyptiens, und der «valet» Ergaste. Die Handlung 
geht <na rynku» vor sich, und das Milieu wird durch 
nichts lokalisiert oder gar polonisiert. 

Setzen wir immer voraus, daß, wo bei Moliere von 
der Sklavin Hippolyte die Rede ist, bei Bohomolec dem- 
enteprechend immer vom Sklaven und «spiewaczek» 



Bohomolcc' Veihälliiis zu Moliere. 143 

Hippolitek <resproclien wird, sn haben wir Iblpende Kon- 
gruenz: 

Jni ersten Akt entsj»reclien die Szenen 1 — '> den 
Molierisclien 1, 2, 4 — 7, die Szene 7 der Molierisclien 
Szene 9. Wir konstatieren, daÜ die .sechnte kein Seiten- 
etück bei Moliere hat. Das heriilit darauf, (iaü Bo- 
homolec ein ^lotiv in der dritten (fünften Molierischen) 
Szene a n d e r k gedeutet hat ; bekanntlich preist Mas- 
carille bei Moliere im Gesprach mit Ansei me diesem gegen- 
über seine N^rine; dies konnte nicht in derselben Form 
in einer Schulkomödie wiedergegeben werden, und ßohomo- 
lec ließ einfach seinen Figlacki den Sohn des alten Anzelm 
loben. Ich führe die typische Stelle hier an: 

FIG : Jediii go nazywaU dr^giem . . . 

ANZ: Drj^gicm? Pi«jkna pochwalal 

FIG: . . . drqgiem na podporQ oyczyzny nicprzelamanym. 

ANZ: Rozuniiem. Co tak to dobrze. 

FIG: Drudzy go mianowali oslem ... 

ANZ: Jakto? Syna mcgo — oslem? 

FIG: . . . osJem do dzwigania urz^döw nayci<jz8zych niospra- 

cowanym. 
ANZ: Co to to nie od rzeczy rnöwiH. 
FIG: Inni powiadali, ze on b^zie katem . . . 
ANZ: Kto? Sjn möy ma byc katem? 
FIG: . . . katem nieprzyiaciöl oyczyzny. 
ANZ: Rozumiem. Dobrze tak na nich. 

FIG: Inni nakoniec rokowali, ze on b^dzie chodzil z torb^ ... 
ANZ: Ma cliodzic syn möy z torb^? 
FIG: . . . z torb^ skaxbu oyczyzny naszey, to lest: ze w 

iego r^ku heßs^ pieni^dze. 

In der eingeschobenen sechsten Szene dankt nun Leander 
Figlacki dafür, daß er so schön von ihm gesprochen habe. 
Dieselbe Szene hat dann später noch im vierten Akte 
ein Nachspiel, indem der andere CJreis Pandoll' bestreitet, 
daß Leander ein solcher Musterknabe sei, wie der stolze 
Vater glaube, im Gegenteil, er sei ein Dieb: 

PAN: Waszmosf- Pana syn zlodziey. Fuxfur cum NiilfTire sur- 
tnr.» 

ANZ: Jakto — Zlodziey? 

PAN: Zlodziov. 



144 Kapitel III. 

ANZ: Albo on okradt Wa.szmos6 Pana? 

PAN: Chciai ukr.i.sc ii lYufaldyna spiewaczka. «Cantabit va- 

cuus corain latrone viator.» 
ANZ: Dowiedzicsz mu Waszmosc Pan tego? 
PAN: Dowiod^ faciliimc. 

ANZ: Dobrze. Obaczymy. (Odchodzi z spiiewem.) 
PAN: Wicm ia o wszystkich iego szlukach . . . Niemasz An- 

zelma, Schowat sIq. «Servata valebunt.» 
ANZ (pownica): Y Waszmosc Pan möwisz, ze syn. möy zlo- 

dziey ? 
PAN : Y möwilem y möwi^. «Quod dixi, dixi.» 
ANZ: Dobrze. Kiedy tak . . . (Odchodzi z gniewem.) 
PAN : Poszedh Wiem ia, iak sIq on \v maszki ubierat, chc^o 
ukrasc Hippolitka. «Qui menliri seiet, pejerare con- 
saievit.» 
ANZ (powraca) : Y Waszmosc Pan siq tego wstydzi6 nie b^- 

dziosz ? 
PAN: Nie b^d^, upewniam. Y na to stipulatam manum daJQ. 
ANZ: A kiedy Waszmosc Pan tego nie dowiedziesz, co b^dzie? 
PAN : Deducam. DowiodQ. 
ANZ : jObacz?. (Odchodzi.) 
PAN: Main na to cziorech §wiadköw, ktörzy gotowi na to przy- 

siadz. Dabit se videre. 
ANZ (powraca): Y Waszmosc Pan siQ tego nie zaprzesz? 
PAN: Nie. Non. 

ANZ: Y nie odsl^pisz Waszmosc Pan tego slowa? 
PAN: Nie odst^piQ. «Non est sapientis mutare consilium.» 
ANZ: Jakze? To moy syn zlodziey? 
PAN: Ztodziey. 
ANZ: Dobrze, kiedy tak. B^zie o tym y syn möy wiedzial. 

(Odchodzi.) 
PAN: Bardzo si? ia iego l^kam! «Det illum carnifici!» Ja go 
towem y w oczy mu to powiedziec. «Epistola non eni- 
bescit.>^ (Odchodzi.) 
ANZ (powraca): Jakze? Sym m6y . . . Niemasz go. Uciekl. 
Juz siQ mi^ boi I Ale poydQ za nim. (Odchodzi.) 

Die.^^er Auftritt ist oigeutlich durch nichts motiviert und 
schwebt sozusagen in der Luft. Er steht nur in sehr 
]o.-;em • Zusammenhange mit dem vorhergehenden und 
bleibt insofern olnie Konsequenz, aU Bohomolec erst ganz 
am Schlüsse der Komödie den Zwist der beiden Alten 
zu einem plötzlichen Abschluß bringt, indem Pandolf 
seine Beschuldigung, Leander sei ein Dieb, kurzerhand 



Bohomolec' Veiliältnis zu Moliere. 145 

zurücknimmt. Wio kommt Bohomolec also darauf, dicfe 
Szene in seine Bearbeitung einzuschi«:;ben? Das hier ver- 
wertete Bülinenspiel: Jemand will tich entfernen, kehrt 
aber immer wieder zurück, ist anscheinend nicht vi r 
Moliere beJegt, bei dienern iihor mehrfach nachzuweisen :® 
FO entfernt sich der Diener Lamontapne in den «Facheux» 
([, 2) mehrmals, kehrt aber immer wieder mit irgendeiner 
Frage zurück; so fragt Sganarelle im «Mariage forc^> 
(Szene 4) den Pedanten Pancrace um Hat, dieser wendet 
sich mehrmals zum Gehen, kehrt aber jedesmal wieder; 
so geht Ilorace in der «licole des femmes> (I, 4) mehr 
mals weg, kommt aber jedesmal zurück. Inwieweit nun 
jene freistehende Szene unseres Paters eine selbständig 
durchgeführte Anwendung des Molierischen Mittels ist 
oder aus einer anderen Komödie stammt, in der dieses 
Mittel gleichfalls angewandt war, ist natürlich schwer zu 
ergründen. Wenn wir aber unsere Aufmerksamkeit auf 
die Tatsache richten, daß der Dialog zwischen den beiden 
Alten einerseits ausgezeichnet durchgeführt ist und die 
beiden Gestalten in hohem Grade charakterisiert, daß sich 
bei Moliere auch nicht der geringste Ansatz zu diesem 
Auftritte findet, und daß er andererseits auch bei Bohomolec 
sehr wenig motiviert ist, können wir wohl mit Recht 
vermuten, daß Bohomolec die Szene nicht selbst er- 
funden hat, sondern sie bei irgendeinem anderen Komödien- 
dichter gefunden und wegen ihrer komischen Wirkung 
willkürlich in seine Bearbeitung aufgenommen hat. Die 
Vorlage muß einen pedantischen Alten enthalten haben, 
eine Gestalt, die in der Molierischen Komödie nicht vor- 
kommt, und diese Gestalt hat dann dem ^rolierischen Pan- 
dolfe bei Bohomolec jenen unerwartet pedantischen Charak- 
ter gegeben. Welche fremde Komödie hier die Quelle ge- 
wesen sein kann, weiß ich freilich nicht anzugeben. Die 
Einschiebung ist aber sehr bezeichnend für Bohomolec' 



6 Vgl. J. B e t h g e , Zur Tcclinik Molieres (Zeitschrift für 
französische Sprache und Literatur, Bd. XXI, Berlin 1899), S. 258. 

Stender-Petersen, Die Schulkomödien. 10 



14Ü 



Kapitel III. 



ganze Methode und wird uns noch oft begegnen : e r 
nahm Szenen, die ihm wegen ihrer Komik 
besonders gefielen, aus anderen Komödien 
und schob sie einfach an einem mehr oder 
weniger passenden Platze in seine Bearbei- 
tung ein. Etwas Ähnliches konnte ich schon bei der 
Untersuchung des Verhältnisses zwischen Bohomolec und 
Plautus feststellen, Ähnliches werde ich noch später an- 
führen können. 

Abgesehen von diesen Veränderungen folgt nun Bo- 
homolcc recht genau seiner Vorlage. Mit Auslassung 
der Molierischen Szene II, 8 und der Szene III, 6 sind 
der zweite und dritte Akt vollständige Kopien der ent- 
sprechenden Molierischen ; natürlich kann Figlacki-Scapin 
nicht die Schönheit der Sklavin Hippolyte bezweifeln, 
sondern nur den vermeintlich schönen Gesang des Sklaven 
Hippolitek, und so sagt er denn zu Leander (III, 2): 
«Ktokolwiek glos iego slyszal, kazdy wyznaie, ze y glos 
ma koziowaty y muzyki cale nie umie». Molieres Szene 
III, 9 am , Schlüsse des dritten Aktes fällt bei Bohomolec 
natürlich auch weg. Im vierten Akte ersetzte Bohomolec 
die dritte Szene Molieres durch die oben zitierte neue 
und ließ die letzte Szene (IV, 7) weg, folgte aber sonst 
genau dem Texte Molieres, hin und wieder Verkürzungen 
zulassend. Diese Genauigkeit ist aber so sklavisch, daß 
sich bei ihm direkt Ungereimtheiten ergeben, so in der 
Szene IV, 4 ; bekanntlich wirft Mascarille bei Moliere seinem 
Herrn dessen unvorsichtiges Liebäugeln mit der schönen 
Skla\4n an Trufaldins Tisch vor; obgleich nun ein Sklave 
bei Bohomolec jene Sklavin vertritt, ist das Motiv den- 
noch voll und ganz beibehalten : 
Moliere IV, 4: 1 Bohomolec IV, 4: 

MAS: Bientöt de notre fourbc , FIG: Wyda si§ zape^vne nasza 
on vorra le debris, j pnlityka, kiedy Waszmosc 



si vous continuez des sot- 
tises si grandes. 
LEL: Dois je eternellement oulr 
tes reprimandes? 



Pan tak nieostroznie b^- 
dziesz post^powal. 
LEL: Dia Boga! p6ki mi b^- 
dziesz napomiiial? co si§ 



Bobomolec' Verhältnis zu Moliere. 



117 



masz teraz uskarzac? w 
czyin pobJt^dzilem? 



FIG: W niczym! — Y to nie, 
CO Waszmoi^ö Fan przed 
Trufaliiynem po\vicdzi;i}, 
ze Turcy s^ heretycy y 
maif^ zi Boga xi^zyc? 



Y to nie, ze Waszmoj5c 
Pan, zaponriniaw^zy na 
swöy interes, uslawieznie 
z Hippolitkieni rozmawia- 
les, przez co mo^'leö si^ 
poda(5 w podeyrzeniey 



de quoi le peux tu plain- 

dre? ai-je pas reussi 
en tout ec que j'ai dit de- 

puis . . . 
MAS: Couci, couci: 

temoin les Turcs, par vous 

appelcs li6reliques, 
et que vous assurez, par 

sermcnts aullienti(}ues 
adorer pour leurs dieux 

la lune et le soleil. 
Passe: ce qui me donne 

un depit non pareil, 
c'est qu'ici votie amour 

^trangement s'oublie; 
pres de Celie il est ainsi 

que la bouillie, 
qui par un trop grand feu 

s'enfle, croit jusqu'aux 

bords, 
et de tous les rotes se r6- 

pand au dehors. 
LEL: Pourrait-on se forcer ä 

plus de retenue? 
Je ne Tai presque point 

encore entretenue. 

MAS: k table, oü Trufaldin l'ob- 
lige de se seoir, 
vous n'avez toujours fail 
qu'avoir les yeux sur 
eile. 

Puls, outre tout cela, vous 

faisiez sous la table 
un bruit, un triquetrac de 

pieds insupportable, 
dont Trufaldin, heurte de 

deux coups trop pres- 

sants, 
a puni par deux fois deux 

chiens tres innocents . . . 

Im fünften Akte ist der Anfang und der Schluß etwas 
umgearbeitet und eine bei Moliere nicht vorkommende Szene 

10« 



LEL: Cöz kiedy nie moglem Avv 
trzymaö? 



FIG: Ja si^ dziwui^, ze Trufal- 
dyn nie poznal naszey 
sztuki. Mo^'ly nas dobrze 
wydaö owe mrugania ocza- 
mi na Hippolilka, owe 
<^mieszki, owe szastania 
nogami siedzr^c u slolu 
tak znaczne, ze Trufaldyn, 
rozumieiac, ze ten szelest 
od psöw pochodzi, tak 
niewinnego psa uderzyl, 
az si^ wywröcit . . . 



148 Kapitel III. 

( V, 5) eingefügt. Sonst ist die Übereinstimmung ziemlich 
genau. Bekanntlich setzt Moliere voraus, daß Andres die 
Celle losgekauft hat, und daß Mascarille die beiden unter 
der Maske eines Gastwirtes in das Haus seines Herrn 
lockt, um Celle für Lelie zu entführen (V, 1 — 8). Statt 
dessen muß bei Bohomolec Figlacki (Andres kommt bei 
ihm gar nicht vor) Trufaldyn davon überzeugen, daß er 
am besten daran täte, wenn er den Sklaven in seinem 
(Figlackis) Hause unterbrächte, weil man erwarten dürfte, 
daß Trufaldyns Haus in der Nacht von Räubern über- 
fallen werden würde. Figlacki hat nämlich bei Bohomolec 
das ganze Vertrauen des alten Sklavenverkäufers, dem 
er vorseufzt: 

Ach, wiele winieneni swi^tey pami^ci matce y dobro- 
dzieyce moiey, ktöra mi, gdym byl ieszcze smarkaczem, zawsze 
to w glowQ wbiiala: «Jasiu, strzez sIq obludyl zyi z kazdym 
szczyrze! cudzego nie pragni!» (\'', 1) 

Die Szenen 2—4 entsprechen mit einigen unwesentlichen 
Änderungen den Molierischen Szenen V, 4 — 5: natürlich 
tritt bei Bohomolec statt Andres Trufaldyn auf. Die 
Szene V, 5 ist, wie gesagt, eingeschoben, und zwar ist sie 
eine Folge jener zitierten Szene, wo Pandolf den Vater- 
stolz des Anzelm so empfindlich kränkt; Anzelm stellt 
nämlich seinen Sohn Leander zur Rede, läßt sich aber 
leicht davon überzeugen,- daß Pandolf gelogen habe. Wieder 
wendet Bohomolec Motive an, die durch die Handlung 
keineswegs gefordert sind und zusammenhangslos in der 
Luft schweben bleiben ; können wir annehmen, daß der 
erste Teil der Szene in psychologischem Zusammenhange 
mit der Szene H, 2 in den «Fourberies de Scapin> steht, 
wo gleichfalls ein Vater seinen Sohn zur Rede stellt^ so 
i.^t der weitere Verlauf des Gespräches ohne Analogon bei 
Moliere; Anzelm will nämlich Pandolf fordern, da aber 
der Ausgang eines Duells ebensogut unerwünscht sein 
kann, zieht er es vor, Hippolit zu kaufen und — um 
Pandolf zu ärgern — ihn dessen Sohne Leliusz zu schenken; 
das ist aber sehr gegen Jjeanders Wunsch, und er schlägt 



Bohomolcc' Verhältnis zu Moliere. 149 

daher seinem Vater vor, doch lieber Ilippolit ihm, seinem 
Sohne, zu schenken und so Pandolf klar vor Augen zu 
führen, wie wenig er sich um seine Beschuldigungen 
kümmere. Eine Quelle dieses Motivs, das etwa so um- 
schrieben werden könnte: «Jemand schlägt dem Vater 
vor, einen Sklaven (eine Sklavin) selbst zu kaufen, um 
die Pläne eines anderen zu hintergehen, während das 
eigentliche Motiv das ist, eben diese Pläne zu fördern», 
— eine Quelle des so umschriebenen Motivs kann even- 
tuell bei anderen Dichtern gefunden werden, z. B. bei 
Plautus im «Epidicus», wo der Sklave Epidicus dem 
alten Periphanes rät, die Geliebte des Sohnes diesem vor 
der Nase wegzukaufen: er w^erde sie vorteilhaft einem 
dritten weiterverkaufen; wobei sein Hintergedanke der ist, 
die Sklavin oder Flötenspielerin dem Sohne in die Hände 
zu spielen. Die Übereinstimmung ist freilich nur ganz 
allgemein. Wichtiger aber ist es, daß bei Bohomolec das 
Motiv, der Rat, ganz unbenutzt bleibt. Schon die 
folgenden Szenen, die ziemlich selbständig durchgeführt 
sind, führen eine ganz andere Lösung herbei, die nichts 
anderes als eine Verkürzung der Molierischen ist. Leliusz, 
der schon ganz unglücklich ist über Anzelms Beschluß, 
den Sklaven für seinen Sohn zu erwerben (V, 6), erweist 
sich plötzlich als Bruder des Sklaven (V, 7), und Leander 
muß enttäuscht davonziehen (V, 8). 

Diese Analyse zeigt somit, daß die Molierische Pland- 
lung auffallend treu wiedergegeben ist. Aber war es 
Bohomolec um diese Handlung zu tun? oder hatte er 
andere Motive, diese Komödie zu bearbeiten? Ich ver- 
mute, die letztere Annahme entspricht besser den Inten- 
tionen unseres Paters. Moliere hatte in seiner Komö- 
die, die natürlich vor allen Dingen eine «comedie d'in- 
trigue» war, den Charakter eines jugendlichen Hitzkopfes 
skizziert, der unbewußt sich selber entgegenarbeitet. Ein 
solcher verliebter Hitzkopf konnte bequem in einen über- 
trieben musikbegeisterten Hitzkopf verwandelt werden, 
und die ganze Komödie mit einigen korrigierenden Strichen 



150 Kapitel III. 

zu einem Beweise des Satzes gemacht werden, daß Hitzig- 
keit und Übertreibung immer nur schaden können. Wie 
dieser Satz durchgeführt wird, sei später noch näher be- 
trachtet^, hier begnügen wir uns damit zu konstatieren, daß 
Bohomolec die Intrige von MoUere genommen hat, daß er 
den Affekt der Liebe durch den Affekt der Musikbegeisterung 
ersetzt hat, daß er bei der Wiedergabe der Handlung 
recht nonchalant vorgegangen ist, und daß er die Molierische 
Komödie durch Einschiebung neuer Szenen zu «verbessern» 
gesucht hat. Als Illustration seiner Bearbeitungsweise 
gibt uns somit die «Nieroztropnosc» reiches Material. 
Wieder stellen wir ein ausgeprägt m ech anisches Ver- 
fahren fest. 

Zwischen diesen beiden Typen einer Einarbeitung 
Molierischer Szenen in einen wesentlich aaders aufgefaßten 
Zusammenhang und einerBearbeitung ganzer Molierischer 
Komödien bewegt sich Bohomolec in seinem Verhältnis 
zu Moliere. Immer aber wird der Molierische Text um- 
gedeutet. 

Zum zweiten Typus gehört auch der «Dziedzic 
chytry», der eine Umbildung des «Monsieur de 
Pourceaugnac» ist. Hier haben wir es auch mit einem 
interessanten Versuch einer Polonisierung der Handlung 
zu tun, nicht etwa derart, daß der Ort der Handlung aus- 
drücklich nach Polen verlegt wird, sondern derart, daß ge- 
wisse polnische Verhältnisse statt entsprechender fran- 
zösischer eingeführt werden. Sogar die Namen sind in 
ihrer französischen Form meistenteils beibehalten. Oronte 
heißt Oront, Sbrigani Sbrigani, Eraste — leicht modifiziert 
— Ernest; Nerine wird zu einem guten Freunde Ernests 
und erhält den Namen Anzelm, der Arzt und der Apo- 
theker erscheinen als «felczer^ und «towarzysz felczera» 
und erhalten die Namen Godfrid und Leopold. Der 
limousinische Titelheld der französischen Komödie ist aber 
Schlesier geworden, spricht ein gebrochenes Polnisch, 



Vgl. das Kap. V dieser Abhandlung (S. 323). 



ßohoraolec' Verhältnis zu Moliere. 151 

■vvie etwa ein Deutscher eprechen würde, und heißt Drey- 
nar, ein Name, der wahrscheinlich mit den Worten «drei» 
und «Narr» in Verbindung gesetzt werden muß und dem- 
entsprechend etwa «dreifältiger Narr» zu bedeuten hat.^ 
Julie ist natürlich eliminiert. Bemerkenswert ist es, daß 
Sbrigani trotz der polnischen Umgebung derselbe «subtil 
Napolitain» («subtelny Neapolitanczyk») geblieben ist, 
der er bei Moliere war. 

\^ergleichen wir die polnische Bearbeitung Szene 
für Szene mit der französischen Vorlage, so ergibt sich 
folgendes Resultat. 

Der erste Akt ist mit seinen acht Szenen eine ge- 
naue Nachbildung der acht Szenen des ersten Molierischen 
Aktes (mit Weglassung der abschließenden Ballettszenen): 
die Ärzteszenen sind bedeutend verkürzt, die Bauernszene 
(I, 5) ausgelassen. Im zweiten Akte, dessen sieben Szenen 
den Molierischen Szenen II, 1 — 5 und 11, 8 — 10 entsprechen 
(wobei die beiden Szenen II, 6 — 7 ausgelassen werden 
und die .Szene II, 8 nur insofern der Bohomolecschen 
Szene 11,6 parallel ist, als der «w sukniach podröznych» 
auftretende Anzelm eigentlich die Nerine vertritt), und 
im dritten Akte, dessen sechs Szenen (mit Zusammen- 
ziehung der vierten und fünften Molierischen zu einer 
und mit wesentlicher Veränderung des Schlusses) den 
sieben Szenen Molieres entsprechen, hat Bohomolec infolge 
der Eliminierung Julies eine Veränderung einführen 
müssen, um das komische Motiv von Pourceaugnacs fin- 
gierter Bigamie, die ihn zur Flucht zwingt, und von 
Julies fingierter Flucht mit ihm, die Eraste im kritischen 
Augenblicke zum «Ketter in der Not» macht, ausschließen 
zu können. Statt dessen werden zwei andere Motive 
eingeschoben, die dasselbe erwünschte Resultat zeitigen: 
um erstens dem armen Schlesier den Boden unter den Füßen 
heiß zu machen, erscheinen nicht Lucette und Nerine als 



ö Vgl. den Namen Trissotin («Femmes savantes»), der auch 
«trois (fois) sol» bedeuten soll. 



153 Kapitel III. 

vermeintliche Frauen Pourceaugnacs, sondern Anselra mit 
der Anklage, Dreynar habe ihn auf der Reise räuberisch 
überfallen und seinen Diener erstochen; zweitens: um 
Oront dazu zu bewegen, mit einem Gefühl der Er- 
leichterung Ernest statt des Fremden zu Gnaden auf- 
zunehmen®, braucht sich jener nicht durch die Wieder- 
bringung der quasi geflüchteten Tochter verdient zu 
machen, sondern tut es auf eine neue, aber auch nur 
lose mit der Handlung verbundene Weise (III, 5): Oront 
erzählt uns selbst, wie Ernest ihn eben gegen gedungene 
Räuber verteidigt habe. 

Diese Bearbeitung zeichnet sich durch melirere interes- 
sante Eigentümlichkeiten aus. Zunächst ist hier nämlich 
das Motiv der Liebe zwischen Eraste und Julie durch 
das Motiv eines Erbschaftsverhältnisses ersetzt, 
d. h. Ernest kämpft nicht um die Hand der Tochter 
Oronts, sondern um dessen Geld. Oront hat sich nämlich 
in den Kopf gesetzt, daß er nicht seinen «synowiec'> 
(Bruderssohn), sondern seinen, ihm bisher ganz unbekannten 
«siestrzeniec» (Scbwestersohn) zu seinem Universalerben 
machen müsse, und nun gilt es, die Ausführung dieses 
Gedankens mit allen Mitteln zu verhindern. Wir haben 
somit nichts anderes als das Motiv der Erbschleicherei 
vor uns. Das hat Bohomolec natürlich im Eifer nicht 
bemerkt. Solange Liebe das treibende Motiv jener mora- 
lisch sehr anfechtbaren Intrige ist, die Graste mit Sbriganis 
Hilfe inszeniert, können wir uns einer Wertung der In- 
trige enthalten. Sobald aber Liebe durch Erbschafts- 
angelegenheiten ersetzt wird, erscheinen dieselben Mittel als 
nicht mehr einwandfrei ethisch. Das hat Bohomolec un- 
bewußt dadurch verschleiern wollen, daß er das Zentrum 
unserer Aufmerksamkeit von Pourceaugnac - Dreynar auf 
das Verhältnis zwischen Oront und Ernest hinzulenken 
suchte, — was sich rein äußerlich in der Veränderung 



3 Diese beiden Motive sind das Fundament der Handlung boi 
Moliero. Vgl. Rigal, a. a. 0., Bd. II, S. 178. 



Bohomolec' Verhältnis zu Moli^re. 153 

des Titeln' kundgibt: wir sollen weniger über den töl- 
pischen Erbscliaftsrivalen lacben als in Ernest den 
klugen Erben bewundern, der den starren und ungerechten 
Eigensinn seines Onkels überlistet und dem vermeintlichen 
Rechte zum Siege verhilft. Als €Pater»-Komödie soll 
— wie schon bemerkt — diese Komödie wohl auch zu- 
nächst betrachtet werden. 

Interessant ist weiterhin die Tatsache, daß Dreynar 
ein gebroclienes Polnisch spricht. Pourceaugnac 
spricht bei Moliere dasselbe Pariser Französisch wie die 
übrigen Personen, somit ist Bohomolec in diesem Punkte 
ganz originell. Er läßt seinen Helden aus Breslau stam- 
men, und einige Einzelheiten zeugen dafür, daß die Wahl 
dieser Stadt nicht zufällig ist, sondern daß Bohomolec 
sie selbst gekannt hat, somit also wahrscheinlich die Art, 
wie Schlesier Polnisch radebrechen, an Ort und Stelle 
studiert hat. Ich zitiere als Beispiel die Szene, wo Ernest 
Dreynar als alten Bekannten begrüßt. 

ERN: A to co? Co ia widz^? 0, iakic to dia nmie szczQscie, 
ze niam honor widziec Jegomosci Pana Dreynaral Ktoby 
si^ spodziewal, zebym mial na tym mieyscu oglq,dac tak 
mil;^ osobQ? C6z, pewnie mnie Waszmosc Paii nie \y.:z- 
nat? Y nie przypominasz mi^ ieszcze Waszmosc Pan 
sobie ? 

DRE : Mosel Dobrodzieiu, ia sluga Waspana. 

ERN : Czyz to podobna, zebyni przez te pi^c czyli szesc lat mial 
Avypasc z pami^ci Waszmosc Pana? Y coz? Y ieszcze 
Waszmosc Pan nie poznaiesz naywiemieyszego caley fa- 
milii Dreynaröw przyiaciela? 

DRE: Poznala, poznala, Moszi Dobrozioiu! (do Sbriganiego 
mowi): Waraftich, ia nie wie, kto on icst byl. 

ERN: Niema zadnego Dreynara na Szlaskii, zacz^wszy od tyl- 
kiego az do tylego, z ktörynibym nie mial znaiomosci. 
Kiedym byl w Wroctawiu, zawsze bywatem w kompanii 
z Ichmosc Panami Dreynarami, gdzie prawie codzien 
mialem honor widzenia si^ z Waszmosc Panem. 

DRE: Owszem to dia mego pcrson byl honor. 

ERN: Jakze, y ieszcze Waszmosc Pan nie przypominasz sobie 
mey twarzy? 

DRE : Ja, ja ! przypominal ! (do Sbriganicgo mowi) ; Dal Pan, ia 
go nie zna! 



J54 Kapitel II l. 

ERN: Przypomniy Waszmosc Pan sol'ie, vvieleämy razy z sob^ 

piiali. 
DRE : Ja, ja I praf Ja ! (do Sbriganiego möwi) : Ja go nigdy nie 

wizial ! 
ERN: PamiQtasz Waszmosc Pan, kiedysmy z sobq, w karly 

grywali ? 
DRE: Ja, Moszi Dobrodzieiu, nigdy nie umie grac na karta. 
ERN: Ale ia wiem, ze Waszmosc Pan nie umiesz. Ja to mö- 

wiQ, ze, kicdy ia v/ karty z drugiemi grywalem, to Wasz- 
mosc Pan w ten czas bywale^ vv naszey kompanii. 
DRE: To iest prafda! (do Sbriganiego möwi): Dal Pan, ia nie 

pami^ta! 
ERN: Pami^lasz Waszmosc Pan tego traktiera . . . tego . . . 

Co to cz^sto Waszmos6 Pan u iego bywat . . . Och, 

bodayby go . . . iak sIq on zowie? 
DRE: Traktier? Aha, to iest byl pan Wolfbeder. 
ERN: Tak iest, tak iest! Pan Wolfbeder! Ten to sam! Czy 

raz my u iego z Waszmosc Panem cieszyliämy si^? 

A to mieysce, na ktöre Waszmosc Pan zwykles cho- 

dzic . . . zaraz przyponmQ . . . 
DRE: Gdzie ia byl chodzil na szpacier? 
ERN: Tak iest. 

DRE: To si^ zofie «na Piaski». 
ERN: Tak iest, «na Piaski»! 0, iak tarn wesole mialem go- 

dziny, ciesz^c si^ milc|. z Waszmosc Panem rozmowc^l 

Czy nie zapomnial Waszmosc Pan? 
DRE: Ni, uchofay Boze! ni sapomnial. (Do Sbriganiego möwi) : 

Bodayby ia zdechla, kiedy to pami^tac! 
SBR : Y nie dziw — iuzci to lat pi^c czy szesc temu. 
ERN: Niechze ci^ uscisnQ, mily przyiacielu! Odnowmy dawne 

mile przyiazni naszey zwi^zki! 
SBR: Jakie to szcz^scie Waszmosc Pana, zes tu znalazl ta- 

kiego przyiaciela. 
DRE: Ja, ja! zapefna tak! 
ERN : Möy Dobrodzieiu dayze mi iakf^ wiadomosc o swoiey 

fainilii. 
DRE: . . . Musial Waszmosc Pan dlugo byc na mego kraia? 
ERN: Calo lat d\vie. 
DRE: To Waszmosc Pan musial byc tedy, kiedy ia na wesele 

pan burmeystra zrobil wielka akcyon? 
ERN: Jakze nie! Ja naypierwszy bytem tarn zaproszony. 
DRE: 0, tarn bul pi^kna bankio'.a! 
ERN: Cale pi^kna, darmo to mövvic. 
DRE: Ja lepsza bankieta nie wiziec! 
ERN: Pra^^'da, ze cale po pai'isku. 



Bohomolec' Veihällnis zu Molid*re. 155 

DRC: Jaka tani byla szynkal iaka kiolbas! iak tliLsLa baraua! 

ERN: Co to to prawda. 

DHE: To Waszinosc P;ui iimsial l>yc na nioia tamta akcyon z 

paiiein Butclschwatrz? 
ERN: Jakzo nie! 
DHE : Ün poczela zwada, ale natrafil na mnie, na dobry ka- 

falcr. On rozumial, ze ia icgo l^kad, a ia — fi ! üv'dzic 

on nü pamiQtal ! 
ERN: Oy, co b^dzie to b^dzie! 
DRE: On mi dal kiilaka na pyska, a ia go dobrzc za to iak 

psa zlaiac. 
ERN: Co dobrze to dobrze! 
DRE: On raz na moy gQba swego r«jka polozyc, a ia — slo 

raz iemu powieziec, ze on — glupa, glupa! (I, 4-.) 

Die Szene ist natürlich nach der entsprechenden Molieri- 
schen gebildet, aber dennoch selbständig durchgeführt. 
Die Breslauer Namen, die Ernest und Dreynar nennen, 
sind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erfunden, jeden- 
falls was die Promenade «na Piaski» anbetrifft, heißt docli 
die Oderiusel immer noch die «Sandinsel», und spricht 
doch der Breslauer immer noch vom «Spazieren auf dem 
Sande». Die beiden anderen Namen, die Bohomolec 
nennt, nämlich der Gastwirt Wolfbeder und der Raufer 
Butclschwatrz (wahrscheinlich: Beutelschwarz oder Beutel- 
schwanz) sowie die Erzählung von der Hochzeitsfeier im 
Hause des Herrn Bürgermeisters lauten durchaus nicht 
unwahrscheinlich, wenn sie jetzt auch nicht mehr kontrol- 
lierbar sind. — Amüsant ist auch die Art, wie Bohomolec 
das Polnisch des radebrechenden Breslauers wiedergibt: 
er hat sehr richtig bemerkt, wie ein jeder aus Deutsch- 
land kommende Ausländer die slavischen stimmlosen 
(p, t, k, f, s) mit den stimmhaften Konsonanten (b, d, g, 
w, z) verwechselt, jene statt dieser ausspricht, wie er seh 
statt sc oder szcz setzt und dz zu z vereinfacht, wie er 
schließlich weder Kasus noch Genus noch Numerus noch 
auch den Aspektunterschied oder gar die Flexion des 
Verbums beherrscht. Übrigens hat man schon lange vor 
Bohomolec in dieser falschen Aussprache eine Quelle 
wirkungsvoller Komik gesehen, spielt doch faktisch die 



156 Kapitel III. 

Gestalt des radebrechenden Ausländers («postac sq;Siada- 
cudzoziemca, w niekorzystnem swietle dzieki antagonizmowi 
narodnemu przedstawiona») eine gewisse Rolle in der alt- 
polnischen Intermedienliteratnr, wo auch das Prinzip für 
die Wiedergabe des falsch ausgesprochenen Polnisch das- 
selbe ist wie bei Bohomolec.^^ 

Schließlich sei noch bemerkt, daß Bohomolec sehr 
geschickt einen Ausweg bei der Wiedergabe jener Szene 
fand, Avo Moliere seinen Pourceaugnac als Frau verkleidet 
fliehen läßt: Bohomolec verkleidete ihn als Juden und 
gab ihm einen falschen Judenbart, — somit ein sehr 
«nationaler» Ersatz. Komisch mußte natürlich diese so 
umgearbeitete Szene wirken, wo Dre3mar versichert, er 
sei <zydka-wolynka>, reise nach Wolyh, d. h. «za Szl^ska 
na sama Czecha», und schließlich, des angebundenen 
Judenbartes beraubt, eingestehen muß, daß er der ge- 
suchte Dreynar sei (III, 3 — 4). 

Molieres Komödie «Les Fächeux» ist die Vorlage der 
<Natretnicy>, bei deren Umarbeitung Bohomolec dasselbe 
Prinzip befolgt hat wie in der eben besprochenen Komödie: 
auch hier ist eine Erb Schafts frage das treibende Motiv 
der Handlung, nicht die Verliebtheit des jungen Mannes, 
und dieser wird dementsprechend von den « lästigen > 
Freunden und Besuchern nicht an seinem Rendezvous mit 
der Geliebten gehindert, sondern daran, sich mit dem 
Onkel, der ihn enterben will, zu verständigen. Bohomolec 
hat nun das Schema der Moliereschen Komödie recht ge- 
nau eingehalten, zugleich aber Zusätze gemacht, die sicher 
als polnisch-aktuell aufgefaßt werden sollen, und der 
Komödie einen geschickt erdachten Abschluß gegeben. 
Eraste, der Held der Vorlage, heißt bei BohomolecAlkander, 
der Molieresche Alcandre dagegen, der Eraste bittet, ihm 
als Sekundant beizustehen, fehlt vollständig und damit 
auch die Schlußszene des ersten Aktes bei Moliere (I, 6). 
Ebenso fehlt natürlich auch die Orphise und ihr steter 



'« St. Windakiev.-icz, Tcatr ludowy . . ., S. 181—182. 



Bohomolec' Verhältnis zu Moli6re. 157 

Begleiter (und Alkander -l'^rastes Rival) Alcidor. Der 
Molieresche Lysandre (1,3) nennt sich bei Bohomolec (1,5) 
Dorante, während Molieres Dorante (II, 6) Geront heißt 
(11,6). xVlcippe wiederum (11,2) nennt sich bei Bohomolec 
(11,3) Ormin, der Träger dieses Namens bei Moliere (111,3) 
dagegen erscheint bei Bohomolec (III, 3) als Ernest. Orante 
und Climene mit ihrem Streite über den Wert der Eifer- 
sucht in der Liebe (II, 4) fehlen selbstverständlich bei 
Bohomolec. Filinte, der bei Bohomolec (III, 4) Maron 
heißt, hat seinen Namen einem neu erfundenen oder neu 
eingeführten Typus leihen müssen, den Moliere nicht kennt. 
Schließlich hat der alte Damis bei Bohomolec den Namen 
Pandolf und der Diener Lamontagne den Namen Kliton 
annehmen müssen. Der einzige, der keiner Namensver- 
änderung unterworfen worden ist, ist Caritides (III, 2). 

Bohomolec hat verschiedene neue Typen in die 
Galerie der «Lästigen» aufgenommen. Wir treffen zuerst 
den Dichterling Filinte, zu dem Bohomolec die Idee aus 
dem «Misantrope» erhalten haben kann. Er deklamiert 
eine Ode «Do pewney osoby>: 

«Wleycie wen? w mji glow^, o Kastalskie Cory, 

byni serca skoncentrowac mögt mego blessury! 

Ta, ktöra. bardziey waz^ nad Chinskie bagaze, 

chce serca demoliowac mego awantaze. 

Ach, mdleiQ ! Wybuchaia z mych piersi suspiry ! 

Ochlodzcie me ardory, Tokayskie zefiryl 

Ogloscie awantury me swiatu calemu! 

Ach, iuz serce omdlewa! Egdziez, b^dzie zlemu!» 

Alkander gibt ihm statt jeder Beurteilung eine schallende 
Ohrfeige (1,7). 

Die Charakteristik des passionierten Kartenspielers 

Ormin (II, 3) ist im Vergleich mit dem Moliereschen 

Alcippe (II, 2) um einen bezeichnenden Zug bereichert, 

den Bohomolec sicher aus eigener Erfahrung kannte, 

nämlich den Aberglauben des Spielers: 

Nauczono mie pewiiego do kart sekretu, ze iiietrzeba 
zagl^dac w swoie pien.ia.dze ani ich liczyc pöty az si^ gra 
skohczy. 



158 Kapitel 111. 

Als er dann schließlich sein Geld zählen wollte, hatte er 
alles verspielt. — Lamon, der immer lachende, Anekdoten 
erzählende Kavalier (II, 4), ist eine freie Erfindung Boho- 
molec. Er erzählt seinem Freunde, wie ein Herr eben 
auf der Straße so tief eine aus dem Fenster schauende 
Dame grüßte, daß er dabei in den Straßenschmutz fiel, 
eine Geschichte, die uns unwillkürlich an die bekannte 
Geschichte von Thaies von Milet erinnert, der so eifrig 
die Sterne ausforschte, daß er schließlich in einen Brunnen 
fiel. — Eine neue Figur ist auch Anzelm (11, 7), der 
Typus eines ahnensfolzen Prozeß fanatikers, somit ein echt 
polnischer Tj^pus. Er hat in alten Dokumenten entdeckt, 
daß er <linea directissima» vom mj^thischen Könige Lech 
abstamme, der seinerzeit «jure belli» alle Weichsellande 
«in possessionem> genommen habe, und daß daher ihm, 
seinem Erben, juridisch halb Polen gehöre. — Der Pro- 
jektenmacher Ernest (III, 3) schlägt einen noch grandioseren 
Plan vor als sein Prototyp (Ormin) bei Moliere (111,3)^^^ 
einen Plan, der sich im Zeitalter der Technik bei weitem 
nicht so phantastisch ausnimmt wie zu Bohomolec' Zeit: 
«. , . zeby Polacy od morza Baltyckiego z pod Gdanska 
az do morza Czamego abo przynaymniey do Dniepni kanal 
wielki kazali przekopac. Jaka to bylaby wygoda! iaki profit! 
iaka handlöw kommunikacya I Mogliby daleko blizsz^ drog^; 
Anglicy, Hollenderowie, Szwedzi, Dunczycy przez ten kanal 
swoie towary az do Turek sprowadzac y ztamtad tureckie to- 
wary do swych kraiöw przewozic.» 

Die Einführung dieser mehr oder weniger als national- 
polnisch aufzufassenden Typen hat den Wert der im Sinne 
einer Intrige sehr mageren Komödie bedeutend vergrößert. 
Glücklich ist auch die veränderte Lösung des Kon- 
fliktes, die Bohomolec durchführt, eine Veränderung, die 
durch die Eliminierung des Liebesmotivs von vornherein 
geboten war. Um den Nachstellungen seines «lästigen» 
Xeffen für immer zu entgehen, hat der alte Pandolf be- 

11 Ormins Projekt oder ein ähnliches hat dagegen Samochwal 
im 'Chelpliwiec» — freilich in Frankreich — verwirklicht. Vgl. 
S. 318 dieser Abhandlung. 



Bohomolec' Verhältnis zu Moli^re. 151> 

schlössen (und diesen Bescliluß mit einem Eide bekräftigt), 
daß er niemals den Wunsch erfüllen werde, den sein Neffe 
bei ihrem ersten Zusammentreffen an ilin richten werde. 
Da bittet Alkander, ihn aller Rechte auf seine Güter 
verlustig zu erklären: 

PAN: Wiesz to Waszmosc Pan. ze ia tegoz podchlebstwa boif\c 

si^ iako niaiacy sercc bardzo miQkkic, uczynitem s o - 

1 e n n ci przysi^gc podiug prawa, ze tego zadn;^ miartV 

nie uczyniQ, o co mi^ raöy Pan synowiec teraz b^dzie 

prosih 
ALK: Ach, Mosci Dobrodzieiu . . . 
PAN: Prosz^, milcz . . . Tqz saiuQ przysi^g^, ktör^m pierwiey 

uczynil, y ktöra iuz iest zapisana w ksi^gach, w oczacli 

twoich, Paiiie synowcze, powtarzam y przysiQgam na 

niebo y na ziemi^, ze tego nie uczyni^, o co mi? teraz 

b^dziesz prosil. 
ALK: Zginalem! (Do ludzi): Wiem, co uczyni^I 
PAN: Älöwze teraz, möy kochany syiiowcze, czego tarn chcecic 

ode nmie ? A Waszmosc Pan, Mosci Panie pisarzu, slu- 

chay pilnio, o co miQ Ixjdzie prosiL 
ALK: Lubo nü to zaiem przychodzi, ze moim prozbom skutek 
^ iest zagrodzony, iednakze y z tego si^ cieszQ, ze mogQ 

me chQci przed mym stryiem y dobrodzieieni przelozyc. 

Upadai^c tedy do nög stryiowskich, upraszam . , . 
PAN: Sluchay Waszmosc Pan, Mosci Panie pisarzu I Möv/ze, 

o CO mi^ prosisz, mego serca pociecho? 
ALK: Prosz^ y zaklinam mego stryia y dobrodzieia, abys te 

dobra, ktöre roku przeszlego z Jego iaski obiqlem, kazal 

mi teraz odebrac. 
PAN (zmieszany): co mi? prosisz?' 
ALK : to, abys mi Waszmosc Pan Dobrodziey, kazal swoie 

dobra odebrac. 
PAN (zmieszany) : Prosisz mi?, zebym ci dobra odebral ? 
ALK: Tak a nie inaczey. 
PAN : Ale ia poprzysi^glem nie czynic tego, o co mi^ b^dziesz 

prosil. 
ALK : To Waszmosc Pan, trzymaia.c sIq swey przysi^gi, nie 

odbieray mi tych döbr, o ktörych odebranie y powtörnie 

upraszam . . . 

So geht der Alte selbst in die Falle und muß Alkander 
die Erbschaftsrechte und damit auch das Eigentumsrecht 
auf gewisse Güter zuerkennen. 



160 Kapitel III. 

Durcli diesen Schluß wird auch diese Komödie wie 
der «Dziedzic chytry» zu einer «Pater »-Komödie in weitem 
Sinne: ein Onkel wird für seine Ungerechtigkeit gegen 
den Neffen bestraft, — eine Umformung der Moliereschen 
Komödie, die mit der ausschließlich satirischen Ten- 
denz derselben wenig gemein hat. Der satirische Zug 
ist natürlich nicht zu unterschätzen. Bohomolec hat ihn 
im Gegenteil ausgenutzt_ und das von Moliere gelieferte 
Material vergrößert. Das ändert aber nichts an der Be- 
rechtigung meiner Behauptung, daß Bohomolec' Verhalten 
zu Moliere nicht künstlerisch, sondern mechanisch ist: er 
hatte ein Schema vor sich, das mit einiger Veränderung 
der Intrige eine «Pater» -Komödie abgeben konnte, das die 
Durchführung einer Lehre erlaubte, das keine allgemein- 
menschlichen Charaktere zum Zentralobjekt unserer Auf- 
merksamkeit machte, sondern nur gewissen Zeittypen und 
Gesellschaftstypen Raum gab^ und das war ganz ent- 
scheidend für die Wahl der Vorlage. 

Im «Bourgeois-gentilhomme», der dem «Pan do 
czasu» als Vorlage zugrunde liegt, fand Bohomolec einen 
bestimmten Charakter als Zentralobjekt der komischen 
Intrige, den ewigen Typus des Parvenüs. Als Verfasser 
von « Schulkomödien > konnte Bohomolec sich nicht für 
eine solche Gestalt interessieren: Jourdain war als sozial 
bestimmter allgemein-menschlicher Charakter aufgefaßt; 
er war keineswegs ein von Moliere aus dem Leben ge- 
nommener gesellschaftlicher Typus, sondern war ein zeit- 
loser Charakter, der Charakter eines geistigen Parvenüs; 
wie RigaP^ sehr treffend bemerkt, ist das Objekt der 
Sehnsucht Jourdains zufällig der adlige Schein, — 
es hätte ebensogut der Schein eines Kunstkenners, eines 
Musikverständigen usw. sein können. Das tiefere Motiv, 
das Jourdain als Komödiendichter beherrscht, ist der 
Nachahmungstrieb. Bohomolec konnte den allgemein- 



12 Riga 1, a. a. 0., Bd. II, S. 206. — Vgl. auch Max 
I. Wolff, Moliere (München 1910), S. 521. 



üohomolec' Verhültuis zu Moliere. 101 

mensclilichen Charakter nicht gebrauchen, er suchte einen 
für die Jugend bezeichnenden Fehler, eine sittliclie 
Scliwiiche, ihm mußte Jourdain zu einem moralisch be- 
urteilten Jüngling werden, dessen Eitelkeit nicht darauf 
ausging, nicht darin ihre Befriedigung suchte, einer höheren 
Menschenart zu gleichen, sondern von der Umgebung 
als Vertreter dieser höheren Menschenart selbst betrachlei 
zu werden: sein Motiv war der Betrug. Dadurch unter- 
scheidet er sich ganz wesentlich von Jourdain, der nicht 
betrügen, sondern in naiver Kindlichkeit den *gentil- 
homme» spielen will; der Familienvater Jourdain wollle 
nur den großen Herren ähneln, Bohomolec' junger Aben- 
teurer wollte als großer Herr gelten. 

Diese abweichende Auffassung mußte sich bei Boho- 
molec in bedeutenden Veränderungen äußern. Die 
Molierischen Personen finden wir freilich mit Ausnahme 
der Lucile und Dorimene fast vollzählig bei ihm wieder: 
Nicole ist durch einen männlichen Diener Serwoni ersetzt 
imd Madame Jourdain durch einen Onkel des Helden 
Leopold. Der Held selbst nennt sich Hernar (wahrschein- 
lich «Herr Narr»). Die Lehrer: ein «tancmistrz», ein 
«muzyk», ein «filozof», ein «fechmistrz» sind alle bei- 
behalten. Molieres Cleonte und Dorante haben nicht nur 
neue Namen, sondern eine ganz neue Physiognomie an- 
nehmen müssen: beide sind professionelle Spitzbuben 
(«filutowie») geworden und heißen Furboni und Doreni. 
Getreu dem Prinzipe, das wir Bohomolec besonders deut- 
lich bei der Umarbeitung der «Fourberies de Scapin» 
haben anwenden sehen, nimmt er die Höhepimktsszenen 
der Moliereschen Komödie heraus und stellt sie in einen 
ganz anderen Zusammenhang. So geschieht es denn, daß 
die Übereinstimmungen zwischen der Vorlage und der Be- 
arbeitung, mit der letzten Szene des ersten Aktes beginnend 
(I, 4), eigentlich nur im zweiten und dritten Akte voll- 
ständig sind; sie berühren somit folgende Szenen: Mol. 
H, 1 = Boh. I, 4, Mol. H, 2-5 = Bob. H, 1—4, Mol. 
HI, 1—6 = Bob. HI, 1—7. Der vierte und fünfte sowie 

Stender-Petersen, Die Scbulkomödieu. 11 



162 Kapitel III. 

der Anfang des ersten Aktes sind neu. Sie repräsentieren 
zugleich die eigentliche, von der Moliereschen stark ab- 
weichende Intrige. Worin sie bestellt, erfahren wir gleich 
aus der ersten Szene. 

Doreni erzälilt nämlich Feinem Freunde, mit dem er 
das Abkommen getroffen hat, abwechselnd Herr und Diener 
zu spielen ^^ folgendes von dem bevorstehenden Opfer ihrer 
Betrügereien : 

<Pewny woznica mlody wygral w loteriQ 15000 szkudöw. 
Podzi^kowal za sluzbQ y tu przybywszy szumi pieni^zkami, 
udaie sIq za godnego kawalera y zcby sIq mögt 
niiescic mi^dzy ludzmi zacnemi, naymuie röznych dla siebie 
mctröw. Ja przed nim udalem, zem iest ze Dworu krolewskiego, 
przetoz bardzo iniQ szanuie y przeze miiie spodziewa sie tarn 
wsrubowac . . . Strasznie iest ucieszny ycheipliwy, a 
kto go chwali, teil naywi^kszy iega przyiaciel . . .» 

Statt nun, wie Dorante es Jourdain gegenüber tut, Hernar 
aufzubinden, daß der türkische Sultan ihn durch seinen 
Gesandten zu seinem «mamamouchi» ernennen würde, 
wenn er diesem seine Tochter geben wollte, erzählt Doreni 
ihm eine lange Geschichte von seiner hochadligen Ab- 
stammung von einem «naypierwszy graff hollenderski», 
zugleich «na3^wyzszy wödz w woysku hollenderskim», so- 
gar «krewny samego krola hollenderskiego», von einem 
Streite zwischen jenem Grafen Johan Hernar und dem 
Könige von Holland, seiner Verbannung, dem Kriege 
zwischen Holland und Persien und der drohenden Er- 
oberung Amsterdams durch das persische Heer, schließlich 
davon, daß der König Graf Hernar oder jedenfalls seinen 
Sohn suchen lasse, um ihm das Oberkommando über seine 
Kriegsheere zu übergeben. Hernar glaubt es natürlich, 
und Doreni benutzt die Gelegenheit, um bei ihm eine 
Summe nach der anderen zu «leihen». 

Im vierten und fünften Akt wird nun diese Intrige 
so weitergeführt, daß Hernar wirklich vom holländisch 



13 Vgl. unten S. 234. 



Bohomolec' Verhältnis zu Moliörc. 163 

(d. h. ein litauisch^* sein sollendes Kauderwelsch) 
sprechenden Gesandten ein Patent, das seine Ernennung 
zum «Hetman» des holländischen Heeres enthalten soll, 
empfängt, und nach dem Verschwinden der Spitzbuben 
zu seinem Schrecken entdeckt, daß das «Patent» nichts 
anderes ist als ein Brief, worin Doreni und Furboni ihm 
die ungeschminkte Wahrheit sagen: 
Herniirze stangrccie ! 

Za pienii\dze. za podarunki, za koiiie y za kaiitQ dzi^kuierny. 
AYiecoy iuz ani ich aiii nas nie obaczysz. Pami^tay na tw6y 
stan, a wyzey niz ci przystoi nosa nie zadzie- 
ray. Korimi tobie, nie woyskiem rzadzic. To ci radzi 
Doreni y 
Poset Kröla Hollenderskiego.» 

Hernar muß nach jesuitischem Rezepte mit einem «pater 
peccavi> die Komödie schließen. 

Auch in den «Medrkowie>, die eine Bearbeitung 
der Moliereschen «Femmes savantes» sind, bedient sich 
Bohomolec des Moliereschen Schemas, um gewisse An- 
schauungen zu illustrieren. Mit einer leicht durch- 
führbaren Umgruppierung der handelnden Personen konnte 
er dabei ziemlich genau der Vorlage folgen. Obgleich^ 
Avie schon der männliche Titel zeigt, das Geschlecht der 
Heldinnen der französischen Komödie durch das männliche 
ersetzt ist, bewahrt Bohomolec doch so viel von dem 
erotischen Motiv der Vorlage, daß Klitander auch bei ihm 



1^ Bohomolec hat in seiner Jugend wahrscheinlich Litauisch 
gekonnt, wie die vielen echt-litauischen "Wörter beweisen, die er 
Furboni anwenden läßt. L u c j a n Ma 1 i n o w s k i , j^zyku ko- 
medyj Franciszka Bohomolca (Rozprawy -v^-^-dz. filolog. Akad. Um., 
tom. XXIV, Krakow 1895), S. 5 f., hat nachgewiesen, daß Boho- 
molec zunächst an den zemaitischen Dialekt gedacht hat, da er 
nicht die hochlitauischen Wortfonnen anwendet: z. B. duntis statt 
dantis, donas statt dünos, gen, von düna, szunis statt szü tisw. 
Andererseits sind diese «holländisch»-litauischen Sätze so voll- 
ständig sinnlos, daß die Annahme naheliegt, Bohomolec habe ent- 
weder sein Litauisch nie richtig beherrscht oder gründlich ver- 
gessen. 

11* 



164 Kapitel III. 

verliebt ist und im Pedanten und «Schöngeist» Sawant, 
wie der «savant» Trissotin bei ilmi der Kürze halber heißt, 
einen unliebsamen Rivalen hat. Armande, die ältere 
Tocliter Chrysales, der übrigens Chrvzant heißt, ist sein 
älterer Sohn geworden und hat dementsprechend den 
Namen Ferdynand erhalten, zugleich vertritt er Philaminte, 
die Mutter Armande?. Die zweite Tochter Henriette, die 
Geliebte Clitandre?, figuriert bei Boliomolec nur hinter der 
Szene, und zwar ohne Namen; ihre Rolle wird zum Teil 
Arist (Ariste) übergeben, während ihr Name in maskuliner 
l'^orm dem zweiten, auch «preziösen» Sohne Chryzants, 
Henryk, gegeben wird, der sonst die Molierische Belise 
vertritt. Vadius (resp. Wadius) behält seinen Namen, und 
Marcin ist niemand anders als die «servante de cuisine» 
Martine. Außerdem nennt Bohomolec im Personen- 
verzeichnis den «chiopiec» Jacek. 

Vergleichen wir die Bearbeitung mit der Vorlage, so 
ergibt sich als Resultat, daß die zwei ersten Szenen 
des er.-ten Aktes im wesentlichen mit den Szenen drei 
und vier übereinstimmen (Bob. I, 1 — 2 = Mol. I, 8 — 4), 
daß der zweite Akt mit seinen sechs Szenen genau den 
neun Szenen des Molierischen zweiten entspricht (Boh. 
K, 1 -= Mol. II, 1—2, Boh. II, 2—:') = Mol. II, 8—4, 
Boh. 11, 4 = Mol. II, 5—6, Boh. II, 5 = Mol. II, 7—8, 
Boh. 11,6 = Mol. 11,9), daß der dritte Akt die vier ersten 
Szenen des Molierischen dritten wiedergibt (Boh. 111,1 — 3 
= Mol. III, 1 — 4), der vierte die fünf des Molierischen 
vierten (Boh. IV, 1—5 == Mol. IV, 1—5) und schließlich 
der fünfte alle Szenen des Molierischen fünften (Boh. V, 
1— -4 = Mol. V, 1 — 4). Das bedeutet also, daß mit Aus- 
nahme der Szenen I, 1 — 2 und III, 5 — 6, in denen 
gerade Henriette auftritt, alle Szenen, d. h. die ganze 
Handlung der Moliereschen Komödie, in der Bearbeitung 
Bohomolec' wiedergegeben sind. Nur einmal erlaubt sich 
Bohomolec eine Einschicbung, das ist die Szene 1,3. Nur 
einiral erlaubt er sich eine inhaltliche Substitution, und 
zwar in der Szene II, 4. 



Bohomolec Verhältnis zu Moliere. 105 

Gerade liier finden wir auch den Angelpunkt des 
Interesses, die Idee od^r Tendenz des Bolioniolecschen 
Stückes. Bohomolec hat nämlich Klitander und Feniynand 
als Repräsentanten zweier feindlicher Weltanschauungen 
gegenüberstellen wollen. Bekanntlich verlangt Philaminte 
bei Moliere, daß Martine hinausgeworfen werde, weil sie 
gegen die stilistischen Gesetze Vaugelas' gesündigt hat (IT, 6). 
Bei Bohoinolec ist das Verbrechen ganz anderer Art, Ker- 
dynand rekapituliert es: 

«Möwi on do kucharza : ,Patrz, iak slonce biezy !' Ja mii 
jjowiadam, ze slonce stoi, a ziemia siq obraca, y pokazuit» niu 
röznemi argnmenlami iak na dloni, ze tak iest a nie inaczey. 
On na to wszystko nie uwaiai^c, utrzyinuie, ze ziemia stoi a 
sloric« biezy. Ja, chc^c mu lepiey wbic t^ prawd*^, zaiywam 
argumentu .in ferio' y kiiem go iiderzyvvszy, powiadani, zo tak 
Kopemik pisze. A on co na to? Jak krzyknie : ,liodayby kaci 
wzi^li tego Kopemika!'» 

Wir haben hier denselben Streit wie in Holbergs bekannter 
Komödie «Enismus Montanus».^^ Auch dort versteift sich 
der «gelehrte» Rasmus Berg darauf, Jesper zu beweisen, 
daß die Erde sich bewegt, die Sonne aber still steht («at 
Jorden löber og Solen staar stille», III, 2), ohne jenen 
überzeugen zu können. Wie Rasmus so ist auch Ferdynand 
in jener eingeschobenen Szene stolz über sein Winsen, 
sagt er doch: 

«U mnie iako uczleka \v naukach zanurzo- 
n e g o czas iest baxdzo drogi. Kazdy iego uioment iest dla nmie 
kleynot nieoszacowajiy, z ktörego wyrabiam sobie kron^ slawy 
iiiesmiertelnev.;> 



1'' Es ist hier recht interessant, daß die Lehre von der Be- 
wegung der Erde um die Soime von den Piaristen in Polen ver- 
teidigt wurde, während die Jesuiten an dem Grundsatze festhielten, 
daß die Erde als Welt^entrum fix sei. Noch 1764 schrieb der 
Ordensgeneral den Ordensprovinzen vor, die neue Lehre mit der 
Tradition in Übereinstinunimg zu bringen, so nämlich, «ut cum 
motu respectivo globi terraquei quies ipsius absoluta concilietur>. 
Ferdyimnd, der gelehrte Narr, ist somit Vertreter der neumodischen 
Pianstenlehre, Marcin dagegen, der den gesunden Verstand hat, 
steht auf dem jesuitischen Standpmikte. — Vgl. Zaleski, 
Jezuici w Polsce, Bd. III, 2, S. 1041 f. 



U;6 Kapitel III. 

Er ist der Repräsentant der unpraktischen Schulweisheit 
und ist sehr erstaunt, als es sich herausstellt, daß Kli- 
tander durchaus nicht Literat sein will und nie die Romane 
der Mlle de Scudery, den «Grand Cyrus», die «Clelie», 
la Calprenedes «Avantures de Cleopatre» gelesen hat. Kli- 
tander dagegen ist ihm ahsichtlich als Vertreter der prak- 
tischen Bildung gegenühergestellt, wie etwa der bei Holberg 
nur schwach skizzierte Oflizier. Wie dieser nichts von 
«philos<>phia instrumentalis» wissen will, dagegen die 
meisten lateinischen Verfasser gelesen und Naturrecht und 
Moral studiert hat («Jeg la?ste mest gamle latinske autores 
og studerede paa Naturens Ret og moralske Sager» V,2), eo 
hebt auch Klitander mit Nachdruck hervor, daß er statt 
der neumodischen Romane «xiegi historyczne, polityczne, 
moralne y inne memu stanowi przyzwoite» zu lesen pflege; 
für Philosophie aber, in der Ferdynand ihn gern unter- 
richten will, habe er einfach liicht Muße genug gefunden. 
Inwieweit nun die Idee, die Bohomolec in das Molierische 
Schema hineingeschoben hat, und die in der Gegenüber- 
stellung der Bücherweisheit eines «medrek» mit der ])rak- 
tischen Weisheit eines vernünftigen Kavaliers besteht, 
wirklich von Holberg stammt, ist natürlich eine andere 
Frage, die vielleicht nicht sicher beantwortet werden 
kann. Unmöglich ist es freilich nicht, daß Bohomolec 
auch Holbergs Komödien (in deutscher Übersetzung) ge- 
kannt hat.^^ 

Eine Bildungskomödie wie die vorige ist auch die 
Komödie «Kawalerowie modni», deren Schema auf 
die Molierische Komödie «Les precieuses ridicules» zurück- 
geht. Es ist eben nur das Schema der Molierischen Ko- 
mödie, das wir bei Bohomolec wiederfinden; der gedank- 
liche Zusammenhang ist ein ganz neuartiger. Und ist 
sonst die Verarbeitung des Schemas mit der eigenen Idee 
oder Tendenz eine Aufgabe, der Bohomolec nur selten 
gewachsen ist, so muß und kann man einräumen, daß 



1^ Vgl. S, 277 meiner Abhandlung. 



Bohoinolec' Verhältnis zu Moliere. 107 

Fio in diesem Falle über Erwarten glücklieli ^'t-löst er.-cheint. 
\\'ir können sogar von wirklicher Originalität reilen. Denn 
« Kawalerowie niodi» ist eine polnische Komödie. 

Die handelnden Personen der Molierischen Komölie 
sind alle beibehalten, abgesehen natürlich von dem selbst- 
verständlichen Faktum, daß die weiblichen «precieuses» /.ii 
männlichen Modenarren geworden sind und daher ihr«' 
weiblichen Namen Madeion und Cathos in die männlichen 
Tomasz und Jan verwandelt haben. Ihr Vater resp. 
Onkel Gorgibus nennt sich bei Boliomolec Anzelm, die 
«amants rebutes» la Orange und du Croisy nennen sich 
Kleon und Dorant, ihre beiden Diener Mascarille und 
Jodelet heißen Woyciech und Robert, der Diener Alman- 
Ror und die Magd Marotte — weniger romantisch — 
Filip, der sie beide in einer Person repräsentiert. Schließ- 
lich reiht Buhomolec noch eine Figur an die übernom- 
menen, den «guwerner» der beiden jungen Herren, Mon- 
sieur de Martiniere, eine Gestalt, die, wie wir gleich sehen 
werden, nicht zufällig in die Komödie hineingekommen 
ist, sondern nach Bohomolec' Intention eine sehr zentrale 
Rolle zu S2)ielen hat, zentral mit Hinblick auf die eigent- 
liche Tendenz der polnischen Komödie. 

Die bei Molierc einaktige Komödie hat bei Bohomo- 
lec drei Akte erhalten, und ein Vergleich zwischen der 
Vorlage und der Bearbeitung zeigt uns, daß Boliomolec 
fast jede Szene der ersteren in der letzteren zu benutzen 
gewußt hat. Die fünf Szenen des ersten Aktes geben die 
ersten fünf Molierischen Avieder (Bob. I, 1 — 5 = Mol. 
1 — 5), die Molierischen Szenen 6, 9 und der erste Teil 
der Szene 11 bilden bei Boliomolec die Zentralhandlung 
des zweiten Aktes (Bob. 11,2—4 = Mol. (>, 9, 11), und 
die vier letzten Szenen der Molierischen Komödie sind 
mit der Handlung des dritten Bohomolecschen in der 
Hauptsache identisch (Bob. HI, 2 — 6 = Mol. 13 — 16). 
Ausgelassen sind demnach unbedeutende Szenen wie die 
siebente und achte, Mascarilles Ankunft, und die zehnte, 
in der Marotte Jodelet anmeldet, sowie die Szene des 



IGS Kapitel III. 

improvisierten Balles (10). Wichtiger aber sind die Zu- 
siitze 11,1, 11,5 und 111,1 sowie der Schluß ven 111,5. 
In allen diesen Szenen erscheint die neue Gestalt des 
Monsieur Martin iere, diese Szenen repräsentieren auch das 
Element der Tendenz. 

Worin die Tendenz besteht, wie Bohomolec die Ge- 
stalt des Martiniere charakterisiert hat, diese Frage sei 
einer späteren Klarlegung vorbehalten. Augenblicklich 
können wir uns mit der Feststellung begnügen, daß Bo- 
homolec den Molierischen Text wiederum nicht als drama- 
tischen Stoff betrachtet hat, der neugeformt und aufs neue 
durchdacht werden kann, sondern als ein fertiges 
Schema, in das eine gewisse Tendenz hineingelegt werden 
konnte, als Illustrierungsm aterial für gewisse Sätze, 
die mit jenem Texte inhaltlich, gedanklich nichts zu tun 
haben. Wiederum kam es ihm nicht auf eine Vertiefung 
eines künstlerischen Steifes, eine Neubearbeitung desselben 
an, sondern auf eine mechanische Ausnutzung und Zurecht- 
legung des fertigen Materials. Wenn ihm diese Methode 
in diesem Falle besonders gut gelungen ist, so ist das 
kaum das Resultat verdienstvoller, bewußter Arbeit, son- 
dern weit eher ein glücklicher Zufall. 

Schließlich m.üssen wir noch einen Blick auf die Art 
und Weise werfen, wie Bohomolec Molieres «Le mariage 
force» zu seiner «Rada skuteczna» umgeformt hat. 
Für seine au.sgesprochen schulmäßige Moraltendenz eignete 
sich jene Komödie natürlich kaum. Dennoch hat Boho- 
molec auch hier gewisse spezielle Tendenzen im Auge 
gehabt, und es läßt sich kaum verneinen, daß er vor 
allen Dingen eine «Pater »-Komödie zu schreiben beab- 
sichtigt hat. Die Idee darf etwa so umschrieben werden, 
daß «Alter nicht vor Torheit schützt», besonders wenn 
alte eigensinnige Leute nicht auf den Rat vernünftiger 
Menschen hören, sondern sich bei Scharlatanen und Quasi- 
Gelehrten Rat holen. 

Sganarelle ist von Bohomolec zu Anzelm umgetauft 
worden, Alcantor hat seinen Namen (Alkantor) behalten, 



Bohomolec' Verhältnis zu Moliere. 1G9 

sein Sohn Alcidas nennt sich Dorant, während Dorimene 
und mit ihr Lycidas <i:j\uz ver-^chwunden yind. Ttiilweit-e 
wird Dorimene durch Anzelms Diener, den «sluga Avierin » 
Williehn ersetzt. Die beiden Philo.soplien Miirphurius (Mar- 
furyusz) und Pancrace (Pankracyusz) haben ihre Namen 
behalten. Außerdem treten noch der Cliiromantikcr 
(«chiromancista>) Pandolf und der Astrolof; Lunacki nur', 
dagegen sind die «deux Egyptiennes>, die MoHere vor- 
führt, ausgemerzt. 

Die Kongruenz der Molicrischen Komödie niit 
den Szenen der Bohomolecschen, die aus ihr stammen, 
ist fast wortgetreu. Mit Ausnahme der sechsten 
Szene der Molierischen Komödie, wo die beiden Zigeu- 
nerinnen auftret-n, sind alle übrigen, zuweilen wörtlich^ 
von Bohomolec wiedergegeben, und zwar in derselben 
Reihenfolge wie bei Moliere (Boh. Sz. 1 — 5 und 8 — 11 = 
Mol. Sz. 1 — 5 und 7 — 10). Statt der Dorimene tritt 
natürlich in den Szenen 2 und 8 Wilhelm auf, der in 
beiden Fällen Dorimeoes Worte in dritter Person rekapi- 
tuliert; so sagt er in der zweiten Szene mit einiger Ab- 
weichung vom Originale: 

^<Winszuie sobie, ze takiego miec b^dzie meza, ktöreniu 
stanie na to, zeby dla niey chowat karet^ y dwöch lokaiöw 
osobnycb, ktöry iey b^dzie pieni^dzy na iey pDtrzeby dodawaf, 
ile ona zechce, ktöiy nie b^dzie dla niey zalowal kosztii na 
opery, na komedye, na przecliadzki, na kolacye, na podwie- 
czorki dla iey przyiaciöL» 

«. . . ze miedzy nic^ y Waszmosc Panem zadney nie 
b^dzie klötni, dla czego chce, zebys "Waszmosc Pan iey p.^- 
przysia,gi, ze sIq nie wdawac nie b^dziesz w iey sprawy, a ona 
obiecuie, ze wzaieinnie nie b^dzie si? w to wdawala, ca na- 
lezy do Waszmosc Pana. Przetoz o gospodarstwie nie nie na 
mysiec, "Waszmos-J Fan zas myslec powiniencs, zkrvdbys mögl 
iey pieniedzy na iey zabawki y*rozry\vki dodawac, iakoz y 
tcraz ma posylac do kupcöw po materye bogate na suknie, 
ktöro wraz chee, zeby iey zix)biono, po galpny, kompanki y 
do stroiu naleza.ce rzeczy, a samych kupcöw ma odeslac d> 
Waszmosc Pana, zebys im to wszystko poplacil.» 

Bemerkenswert ist es, daß Bohomolec den Aristote- 
liker Pancrace ohne irgendwie tiefer greifende Verände- 



170 Ka])ilel III. 

riingen in seine Komödie lierübergenommen hat. Die ganze 
Weltanschauung des Jesuitenordens beruhte ja bis in die 
Mitte des 18. Jahrhunderts auf der Aristotelischen Lehr- 
ri^htung. Wie überall, so kämpften auch die polnischen 
Jesuiten Warschaus gegen die Einführung der von den 
l'i.iristeu propagierten Descartesschen Lehren, und zwar am 
h-ftigsten gerade zu Bohomolec' Zeit. Trotzdem sie am 
5. August 1752 auf einer öifentlichen, in der Dominikaner- 
Kirche zu Warschau veranstalteten Disputation über den 
Wert ihrer «philosophia orthodoxa» im Kampfe gegen 
den italienischen Pater Giuseppe Tori eine eklatante Nie- 
derlage erlitten hatten, gaben sie dennoch eigentlich nie 
den Widerstand gegen die neuen < atheistischen» und 
« sektiererischen > Lehren auf.^^ Auch für Bohomolec 
mußte daher der Name Aristoteles heilig sein. Er sucht- 
daher alles, was gegen Aristoteles gerichtet ist, 
aus seiner Bearbeitung auszumerzen. Pancrace 
darf daher nicht die Hinweise seines Prototyps auf Ari- 
stoteles (<ce sont les termes expies d'Aristote dans le cha- 
pitre de la Qualite>, «une proposition condamnee par 
Aristote>) wiederholen, weil er eine lächerliche Figur ist. 
Er wird daher auch nicht von Bohomolec im Personen- 
verzeichnis mit dem Molierischen Epitheton «docteur ari- 
stotelicien> bezeichnet, sondern ausweichend (wenn auch 
faktisch dasselbe besagend) als «filozof perypatetyk> ge- 
kennzeichnet. Die scholastischen Fragen, die der Molieri- 
eche Philosoph Sganarelle vorlegt, behält Bohomolec in- 
dessen bei, und zwar in lateinischer Übersetzung. So 
spricht Pankracyusz von der «forma» als «dispositio ex- 
terna corporum animatorum» und der <i:figura> als «dis- 
positio exterior corporum inanimatorum», fragt Anzelm, 
oh er wissen wollte, inwieweit die Begriffe «substantia:» 
und «accidens» <respectu entis» <termini synonymi» oder 

1' Vgl. die Geschichte des Streites bei St. Zal^ski: Je- 
zuici w Polsce, tom. III, cz. II (Lwöw 1902j, S. 1038 ff., tind 
Smoleriski: Przewrot lumyslowy w Polsce w XVIII. wieku 
(Krakow 189 Ij, S. 4. 



Hohomolec' Verhältnis zu Moli^re. 171 

«termini aequivoci» seien, u. s. w. Bolioniolec, der niitür- 
lich ein Kenner des scholastischen KiiclienlateinH war, 
fügte sogar melirere Fragen hinzu («icsli uiiivt-rHale nianet 
in actuali praedioationeV» — «iesli negationes identifican- 
tur rebus positivis?» — «iesU niaLeria appetit fornias 
nobihores magis quam ignobiles?» u. s. w.) So scheint 
Bolioniolec formell jede Möglichkeit eines Verdachtes, 
er mache die Aristotelische Lehrweise lächerlich, sorgfilltig 
umgangen zu haben, dabei aber doch die in seinem Orden 
herrschende Methode ebenso verurteilt zu haben, wie die 
Widersacher desselben. ^^ 

\\'as die hinzugefügten Szenen angeht, so ist die 
Szene mit Pandolf eine typische Wahrsagerszene. Die 
Idee, sie liier einzuschieben, hat Bohomolec von Moliere 
selbst erhalten, beschließt doch Sganarelle bei diesem, 
«aller trouver ce grand magicien dont tout le monde 
parle tant», ohne daß er diesen Beschluß wirklich aus- 
führt. Bohomolec aber fülirt seinen Anzelm wirklich mit 
einem «Chiromantiker» zusammen. 

ANZ : Ach, Mosci Dobrodzieiu, powiedzzc mi Waszmosc Pan co 
przeszlego, a iesli mi to zgadniesz, Ix^^ Waszmosc 
Pana prosit, zobys mi skutok przyszly mych zamyslöw 
przypowiedziah 
PAX : Bardzo dobrzc ! ProszQ o r§kQ. (Ogh^da mu r^ktj, polym 
möwi): Prosz^ mi i^zyk pokazac. (Przypatruie siQ.) 
Proszp, iiiech z^by widzQ. (Przypatruie si^.j 

Pandolf konstatiert, daß Anzelm Geschenke zu nehmen, 
aber nicht zu geben liebe, guten Appetit habe, ein paar- 
mal krank gewesen sei und 43 Jahre und 5 Monate zu 
leben habe. 

1** Es gab unzweifelhaft Anhänger <jcr sogenamiten <camoenior 
eruditio > unter den Jesuiten. Zu Bohomolec' Zeit war aber der 
Streit ganz l>esonders heiß pntbrannt: Pater Rudzki gab noch 1750 
ein großes Werk heraus piit dem Titel: (Philosophia orthodoxa 
omjiium fere saeculorum consensu, doctissimorum virorum exi- 
stimatione, Ecclesiae auctoritate cum suo principe Aristo- 
t e 1 e celebratissima, qaaestionibus eruditis ac notis sentenliarum 
celebrata. Posnaniae MDCCL». Der Orden verteidigte bis zum 
Schluß seine zwei Autoritäten Aristoteles und Thomas von Aquino. 



112 Kapitel 111. 

ANZ: Dzi^kiiiQ, möy Dobrodzieiu ! Powiedz mi leraz Waszinosc 

Fan, coby to byto, gdybyni sie ozeiiii? 
PAN: Bylbys Paii zonaty. 

AXZ: Prawda. Ale — czy radzisz mi "Waszmosc Fan, zebym 
, si? ia ozenil? Jest tu pewna paiiienka niloda, ktör^, 

chcialbym wzia.c za zon^. Y ona y oyciec iey na to 

zezwala. 
1^\N: Wiele lat iey byc moze? 
A^N'Z: B^dzie kolo lat siedmnasta. 
FAN: Mosppuiie, ia prawde musz^ möwic. 
AXZ : Y owszeni tego ia szukarn. Przeciez dopadieni czleka 

do porady! 
PAN: Foslucliay mi^ Waszmo^c Fan. Ta panieaka ^Vaszn:osc 

Pana nie koclia. 
ANZ: Jak to «nie kocha»? Kocha! Y bardzo kocha! Y zyczy 

isc za nmie ! 
FAN: Z tych z^böw Waszmosc Pana, z tey twarzy y z t;y'ch 

rak poznaiQ, ze ona Waszmosc Pana nie kocha zadniq, 

niiarji y kochac nie moze. 
AXZ: Czcmu nie moze? Oto möwi^, ze y moze y kocha rcnie, 

bo chce isc za mnie, a to dzis koniecznie. 
PAN: UpewTiiam, ze nie kocha. A iesli pokazuie ochote, to 

czyni dla pieni^dzy, nie dla Waszmosc Pana. 
ANZ: Jak to? albo ty pienicidzo lepszo za mnie? Idz sobie 

precz, kiamco! Obiecales mi prawd^ mowic, a klamiesz? 

Widzisz go ! 
FAN: Tak to prawda pospolici'^? uraza. Jani go'öw , . . 
ANZ: Idz, mowi';', nie gaday! 

Die Szene mit dem Astrologen ist im allgemeinen nach 
dem Muster der eben besprochenen gebildet. Lunacki, 
der mit einem himmelwärts gerichteten Fernrohr auf der 
Bühne erscheint, ist zunächst sehr ungehalten über die 
Störung, die ihm Anzelra mit seinem Dazwischenkommen 
verursacht. 

<'Juzem byl nakierov/al tubum na sam ogon Ursae Ma- 
joris. Toraz go nie tak pr^dko znayduifj.» 

Lunacki weiß ebensoviel, wie die damaligen Almanache, 
nämlich : 

<^. . . kiody krew puszczac, kiedy brac lekarstwo, kied\' 
w pole z chartami wyiezdzac . . .», 

;', . . kiedy rady zaci^gac sQdziwycb, kiedy budowar, 
kiedy kupowac, kie^ly przedawac, kiedy dzieci do szköl odda- 
wac, kiedy sie do Dworu y clior^gwi zaci.igac ...» 



Bolioniolec' Verlinllnis zu Molicre. IT)'. 

Um Anzelm sein Schicksal als Ehemann voraussagen zu 

können, mußLlmacki^vissen, unter welcliem Himmelszeiclien 

(«znnk niebieski», was Anzelm als «hinimerolauos Zeichen »> 

versteht) er geboren sei; Anzelm teilt mit, diiü er unter 

einem himmelblauen Zeichen der Schere («pod nozycami») 

als Schneiderssohn am 8. Januar zur Welt gekommen sei 

Daraus deutet ihm Lunacki ein unglückliches Eheleben: 

«Satunius, poni?\vaz zebrawszy essencyonalne gxlnosci 

\vszystkich siedmiu planet, tak cum hyeme praecedenti iako 

cum hycme subsequenti uczynil velocem anni cnrsum, przeloz 

oniinenter calego roku pancm utrzymai si^. Zka.d to idzie, ze 

A\ aszmosc Pan iako w tarnten dzieii feralny urodzony musi.sz 

byc klötnik, zwadliwy, lakomy y co za tym idzie zlodziey. roz- 

boynik/'^ 

Augenscheinlich hat Bohomolec, ah er Molieres «Mariage 
force» "wählte, sich gerade von dem Gesichtspunkt leiten 
lassen, daß das Schema eine günstige Gelegenheit bot, 
der älteren Generation, die durch die iOltern seiner jungen 
Schauspieler unter den Zuschauern vertreten war, zu 
zeigen, wie unrecht die tun, die sich bei ihren Be- 
schlüssen von der Autorität verstockter Gelehrter, Astro- 
logen und Wahrsager leiten lassen, statt auf die Stimme 
der gesunden Vernunft zu hören. Zur Strafe für seinen 
Aberglauben, seinen Eigensinn, seine Dummheit wird der 
alte Anzelm durch den «erfolgreichen Rat» (eben die 
«rada skuteczna») des jungen Dorant gezwungen, die un- 
angenehmen Konsequenzen seines Verhaltens zu ziehen. 
Wir haben in der «Rada skuteczna^ sicher einen 
nur erst angedeuteten Versuch, das geistige 
Bild der alten szlachta-Generation zu zeichnen. 
In seinen «Theaterkomödien» wird Bohomolec das Bikl 
der provinziellen szlachta, die ihr Leben nach Almanachen 
und Kalendern, nach abergläubischen Grundsätzen und 
veralteten Lebensregeln ordnet, mit breitem Pinsel und 
festen Konturen zu zeichnen versuchen. 

Sprechen wir von Molieres Einfluß, so dürfen -^-ir 
nicht bei den direkten Nachbildungen oder Umformungen 



1 74 Kapitel III. 

r^anzer Molierischer Komödien stehen bleiben. Ihre Unter- 
suchung hat uns gezeigt, daß Bohomolec sich im großen 
und ganzen ausgeprägt mechanisch zu seinen Moiie- 
rischen Vorlagen verhielt, d. h. daß ihn nicht der gedank- 
liche Gehalt oder die komische Handlung der gegebenen 
Komödien interessierte, sondern nur das Schema derselben. 
Bot es ihm Gelegenheit, irgendeinen Satz praktisch - 
pädagogischer Art oder eine gewisse Tendenz allgemein- 
moralischen Charakters durch Anwendung und entspre- 
chende Umformung des gegebenen Komödienschemas zu 
illustrieren, so war diese Gelegenheit ganz entscheidend 
für seine jeweilige Wahl. Er suchte die fertige Hand- 
lung bei Moliere. War das aber der Fall, so können wir 
von vornherein überzeugt sein^ daß er auch außer jenen 
komischen Stoffen zugleich komische Motive, komi- 
sche Einzelzüge bei Moliere muß geliehen haben. Diese 
Einzelmotive werden wir mit Erfolg in solchen Komödien 
zu suchen haben und finden, die entweder ganz sell:- 
ständig sind oder auf nicht-Molierischen Quellen beruhen. 
Sie sind sehr zahlreich. 

Aus Molieres «Don Juan» (IV, 3) stammt jene 
Szene (n,2) im «Figlacki kawaler z ksi^zyca», wo Figlacki 
seinen Gläubiger, den pan Towarski, genau ebenso zur 
Türe hinauskomphmentiert wie Don Juan den Monsieur 
Dimanche. 

In den « Blizni(^ta>> fanden wir schon eine aus cMou- 
sicur de Pourceaugnac» (1,8) entlehnte Stelle (V, 3). 
Eine andere Stelle finden wir in dem «Figlacki polityk 
teraznieyszey raody I> (I, 4), wo Figlacki den stadtfrem- 
den pan Towarski ungefähr ebenso empfängt wie Sbrignni 
Pourceaugnac (I, 3): 

FIG: Podobno mam honor witac Jegomosc Pana Towarskiego, 

mego Dobrodzieia ? 
TOW: Jam lest do uslug Waszmosc Pana. 
FIG: Da\vno szukalem tego szczQscia dia siebie, abym mögt 

zabrac znaiomosc z osob^ Waszmosc Pana Dobrodzieia, 

ktorego doskonale przymioty publiczna estymacya dobrzo 

mi opisala. 



I 



Bohomolec' Verhältnis zu Moliere. 175 

TOW : Mosel Dobrodziciu, nie zasluzyleni . . . 

FIG : A luboin ieszcze nie miai hononi poznania Waszmoäc 
Pana Dobrodzieia, iednakze dnia wczorayszego dalein 
wiclkie moy przychylnosci dowody . . . (Worauf er von 
Zarobskis vermeintlichen Cberfallsplänen erzählt) . . . 
Ale upewTiiam. Waszmosc Pana Dobrodzieia, ze gotöw 
iestem y zdroMiem y zyciem bronic honoru Waszmosc 
Pana Dobrodzieia. On (Zarobski) mniem.a, ze traiil na 
takiego czlowieka, ktöry tu w tym miescie nie ma 
przyiaciü}, iako y serca do usmierzenia niepoczciwey 
iego g?by. 

TOW: Co za niezbozny! To on y mnie moze szkodzic? 

FIG: Z tym siQ odkrywa. Ale upewniam, ze gdyby mi zginj\c 
przyszto, to nie odst^pi^ Waszmosc Pana Dobrodzieia. 

TOW : SzczQscie to dla nmie, ze w tym miescie, gdzie nie mani 
zadnego znaiomego, Waszmosc Pana mi nieba nadarzyli. 
Chcieyze, ■\Iosci Dobrodzieiu, iakos zacza.J, miec mi^ w 
TwoiGy protekcyi. 

FIG: Upewniam Waszmosc Pana, ze ia tego Jegomosci poskro- 
mi^. •• 

TOW : Bede sie znat do wdziQCznosci w odsluzeniu tey laski. 

Dieser Dialog wird dann fast wörtlich in der folgenden 

Szene zwischen Figlacki und Zarobski wiederholt. — Aus 

demselben «Monsieur de Pourceaugnac» stammt auch der 

Zug, mit dem Bohomolec recht wirkungsvoll die «Bliz'- 

nieta» abschließt: der Arzt kann sich nicht vorstellen, daß 

er gehen solle, ohne jemand zur Ader gelassen zu haben. 

CYR : ]\Iospanie, a ktöremu z tych Ichmosciöw mam krevv pu?z- 

czac ? 
ADR: Juz nie trzeba zadnemu. 

CYR: Jak to? Y ia nie pusciwszy kiew, mam ztq,d odchodzic ? 
ADR: Juz, möwie, nie trzeba. 
CYR: Ja muszQ choc W^aszmosc Panu ia puscic. 
ADR: Ja nie potrzebuie. 
CYR : Obaczysz Waszmosc Pan, iak ia doskonaJe iq. puszcz?. 

Man vergleiche damit die Szene II, 3 bei Moliere. 

Aus dem «Avare» hat Bohomolec die bekannte Szene 
(II, 1), wo der Diener La Fleche seinem Herrn die Be- 
dingungen für eine geplante Anleihe einzeln vorliest und 
Cleante die einzelnen Paragraphen mit seinem Kommen- 
tar versieht, in den <Cheipliewiec> übernommen. Hier 



176 Kapitel III. 

(ill, 1) liest der junge Held selbst die einzelnen Punkte 
vor und knüpft daran gleich seine Anmerkungen: 

SAM: (Ol)iocui^ j)Ozyczyc pioni^dzy 15 czersvonych zlotycli na 
miosijiC pod tenii kondycyanii : Picrwsza: Kwoty od 
tych 15 czcrwonych zlotycli ma byc mi na miesific za- 
])lacono a 11 1 i c i p a 1 i V e — 3 czorwone zlote.» — Ilola, 
hola! Tak wiele? Ale — cöz robic? Potrzeba tego wy 
ci.iga. Musz«;: na to zezwolic. — «D r u g a kondycya : Ma 
byc dana mi zasLawa warta — 50 czerwonycb zlolych . . .> 

— Szalony! Gdzie ia takiey zastawy dostaii^? Ale c6z 
on daley piszc? — «... Ale ze teraz pieni^dzy gotowycb 
nie mam, przetoz dam w rzeczach tyle, co przedawszy 
mozo uczynic — 15 czerwonycb zlolych. A nayprzöd: 
2 sloly dQbo\\x> duze z nogami to^zonemi fundamenlal 
nomi, ktore ss^ wariC — 3 czerwone zlote.» — Cöz to ma 
znaczyc ? 

LEO: Nie wiem. Ale czytay pan daley. Obaczymy. 

SAM: «Powtöre: Lözko takze dQboAve warte — 1 czerwony 
zloty. Potrzecie: 2 zamki francuzkie do drzwi pod- 
v.'öynych, bardzo pi^kne, z blacharai mosi^znemi, warLe 

— 3 czerwone zlote. P o c z w a r t e : Kon kary, dobry, 
za ktörego przed osmia lat dawano mi — 5 czerwonycb 
zlotycb. Popiq,tc: Wyzel pi^kny, za krörego wzi^c 
mozna — 3 czerwone zlote. To wszystko wolno prze- 
dac y wzi;\c sobie te 15 czerwonycb zlotycli, ktörych te 
rzeczy s^ warte. Mnie zas anticipative zaplacic 
prowizyi od tych pieni^dzy na miesiq-c — 3 czerwone.» 

— Niech zginje z takim pozyczaniem I 

Aus derFelben französischen Quelle stammt ein Dialog 
in der Komödie «Dziwak». Die Stelle, die hier gemeint 
ist, ist jene, wo Harpagon La Fleche scharf ins Ver- 
hör nimmt, was er wohl mit dem Ausdrucke «la peste 
soit de Tavarice et les avaricieux» gemeint habe (1,3). 
Als Anzelm Leopold nach dem Sagenbuch schickt und 
dieser etwas Ähnliches über die «dziwacy» murmelt, will 
aucli Anzelm wis.-^en, was er damit gemeint habe (11,3). 

LEO: Möwilem y möwi^: Bodayby choroba wz!(jla tych dzi- 

waköw ! 
ANZ : kimze ty möwisz ? 
LEO: dziwakacb. 
AN^: Cüz to s^ — dziwacy? 
LKO: Sa bultaie, nie dobrego. 



üohoniolec' Vcrliüllni> zu Moliere. 177 

ANZ: Kogoz lo hiiltaiami nazywasz? 

LKO: Dziwaköw. 

ANZ: Ale kogoz ty przez dziwakow rozurniesz? 

LEO: Dziwakow. 

ANZ: Ale niel Powiedz nii prawd»;: o kiin to inowisz? 

LEO: Cöz to do Waszmosc:- Pana? albo to VVaszmoä<^ Pan rozu- 
rniesz, ze ia o Waszniosc Paim mowi^? 

ANZ: Ale co ia rozuinieni, to rozuinieiu. Ty powiwlz koniecz- 
nie, do kogo to möwisz? 

LEO : ^lowio uo dziwakow*. 

ANZ: Ale ktöz to sa ci dziwacy? 

LEO: Moie böty. 

In derselben Konoödie wendet Bohomolec eine andere 
Szene aus dem «Avare» an, richtiger einen Kinzelzug. 
Wie hier Valere Harpagon immer recht gibt, was dieser 
auch sagen mag (1,5, 111,1), so pflichtet auch Figlacki 
dem «dziwak» Anzelm in allem bei, wenn er auch noch 
so ungerecht gegen seinen Neffen Robert ist (I, 2). 

ANZ: Co? Jeszcze b^dziesz mi gadal? Twoia rzecz milczoc 

przed stTviem! Patrz, panie Figlacki, co za bied.^ main 

z tym synowcem. Ustawicznie chcialby gadac a to przcde 

mna ! 

FIG: Y ia si^ z tego g>rsz^. Powinnosc synowca iesf milczec 

przed stryiem. 
ANZ: Madrze y roztropnie möwi. — Cöz ty nato? Odpowiedz! 

Älilczysz? Czy nie iestze to znak kmabrnosci iego? 
FIG : Naypiewnieyszy znak kmqbmosci milczenie przed stryiem 
. . . Przynaymniey Waszmosc Pan pokloi'i si? stryiowi. 
(Robert klania si^.) 
ANZ: Patrz, iaki to uklon! Otoz — byl w Paryzu a klaniaö 

sie nie umie. 
FIG: Fe! To nie iest uklon paryski. Tarn dla kazdey osoby 
iest inny uklon. Inaczey przyiacielowi, inaczcy matce, 
inaczey oycu y stryiowi inaczey klaniaiq si^. 
ANZ : Oycu y stryiowi ^öw^lo p owinienos klaniac si?. 
FIG : Nie inaczey I To w Paryzu scisle zachowui^. 
ANZ: Slyszysz? A on milczy iak ciel^. Poklonze mi si^ tak, 
iak siQ oycu w Paryzu klaniai^i. 

(Robert mu si^ klania y chce go w r^k^ pocalowac.) 
ANZ (z gniewem möwi): A to co? Cbcial mi? pocalowac? y 

ieszcze za r?k? chwyta? 
PIG: Ach, uchoway Boze, zeby w Paryzu mial s\Tiowiec dot- 
kn^c sie r^ki stryiowskiey ! . . . 

Stender- Petersen, Die Schulkomödien. 12 



178 Kapitel 111. 

Sprechen wir von Molierischen Motiven im «Dziwak», 
so können wir freilich nie sicher sein, daß die betreffenden 
Motive wirklich aus Möllere stammen oder — vorsichtiger 
auj^gedrückt — direkt aus Möllere stammen. Wir kennen 
nämlich leider nicht die eigentliche Quelle des «Dziwak»/* 
und es könnte somit gut möglich sein, daß die Motive, 
die ich hier als Molieiisch bezeichne, schon in der un- 
mittelbaren Quelle vorlagen, in die sie freilich auch aller 
Wahrscheinlichkeit nach aus Molieres Komödien gekommen 
sind. Unter diesem Vorbehalt darf ich wohl auch andere 
Molierische ^lotive im «Dziwak» feststellen. So scheint 
das Gespräch zwischen Anzelm und Figlacki, der das 
Vertrauen des ersteren gewinnen möchte (I, 2), aus lauter 
Molierischen Motiven zusammengestellt zu sein. Wenn 
Anzelm zum Beispiel, als Figlacki behauptet, sein voriger 
Herr sei 135 Jahre alt geworden, ganz erfreut nachrechnet, 
■wieviel Jahre er demnach selbst noch zu leben habe: 
A^'Z: Day go Bogu! Pi^kny wiek! To mnie ieszcze . . . 
zaraz . . . Trzydziesci a dwadziescia, to pi^cdziesiqt, 
a potym pi^tnascie, to uczyni wszystko szescdziesi^t 
pi?c; od Stil trzydziestu y pi^ciu szescdziesi^t pi^c 
odiawszy ucz^mi siedmdziesiq,t. To mnie do tego wieku 
zyc mozna ieszcze lat siwlmdziesi^t 1 
so wissen wir, daß dieses komische Motiv der mühsamen 
Nachzählung des Alters aus dem «Mariage force» 
stammt, w^o freilich nicht der lebenslustige Sganarelle, son- 
dern sein Nachbar Geronimo das Alter desselben berechnet. 
Auch das andere Motiv, durch das Figlacki sich bei 
Anzelm einzuschmeicheln weiß, stammt aus Möllere. Er 
behauptet, daß er nicht bei jungen Herren zu dienen 
liebe, sondern alte vorziehe: 

ANZ: A chcialbys u mnie sluzyc? 

FIG: Z ochot^! Jac mialem iuz kilka sluzb, tylko ze u mlo- 
dych panöw sluzyc nie lubi?. Pospolicie s% plosi, po- 
p^dliwi, dziwacy. iVicmozna .im dogodzic. Zwlaszcza, 
zem ia przywykl do pana starego. 

A?fZ: Wi^c u mnie masz shizb^. 



19 Vgl. S. 301 dieser Abhandlung. 



Bohoniolec' Verhältnis zu Moli6re. 179 

Dieselbe Taktik schlügt, wie bekannt, die Frosine im 
«Avare» Harpagon gegenüber ein. indem sie behauptet 
(II, 5), daß Mariane «a une aversion epouvantable pour 
tous les jeunes gens, et n'a de raniour que pour les 
vieillards». 

Am nächsten steht aber der Taktik unseres Figlackis 
sonst jene Taktik, die Mascaiille im «Etourdi» (IV, 1) 
Trut'aldin gegenüber anwendet. Er erzählt seinem Herrn 
L(''lie, wie er dabei vorging: 

j'ai fait do grands discours 

sur les fourbcs qu'oii voit ici-bas tous les joiii-s; 

que, ix)ur moi, las du monde et de sa vie infame, 

je voulois travailler au salut de mon. äme, 

ä m'eloigiier du trouble et p o u v o i r 1 o n g u c m e n t 

pres de quelque honnete homme etre pai- 

s i b lement; 
quo, s'il le Irouvoit bon, je n'aurois d'autre envie 
que de passer chez lui le reste de nia vie; 
et que memo ä tel poitit il m'avoit su ravir 
que, sans lui dcmaader gages pour le servir, 
je mettrois en ses mains, que je tenois certaines, 
quelque b i e n de mon p e r e et le fruit de mes 

peines . . . 

Die Elemente dieses Monologes kommen nun bei Bo- 
homoloc in dialogischer Form vor: 

ANZ : . . , Ale ze mna. musisz si^ zmowic na lat dwadziescia. 

FIG: Tyni lepiey! 

AXZ : A iakiey chcesz zaplaty ? 

FIG : ZaplatQ zas ? Frzepraszam Waszmosc Pana : i a z a za- 
platy nigdy nie sluzylem. Dose mi za- 
platy, kiedy mie pan kocha y ia pana. 

ANZ: To wiemy sluga! A zka.dze b^dziesz mial odzienie? 

FIG : Mam kawalek wioski oycowskiey, ktöra. w 
arende pusciiem. y mam z niey tyle, ile mi trzeba. A 
nad to nie pragUQ, 

In derselben Komödie möchte Anzelm sich bei Bo- 
homolec einen solchen Erben wählen, der ihm in seinem 
Alter nützlich sein könnte (III, 5): 

ANZ : Trzebaby takiego, ktöryby przy mnie siedziai, mnie kochal 
y mnie od zlych ludzi w potrzebie ratowat. 

12* 



180 Kapitel III. 

Vom selben Gesichtspunkt läßt sich auch Argan im 
«Malade imaginaire» (1,5) bei der Wahl seines 
Schwiegersohnes leiten: 

ARG: Ma raison est, que nie voyant infirme et malade comme 
je suis, je veux mc faire m\ gendre et des allies medecins, 
afin de m'appuyer de bons secours contre ma maladie, 
d'avoir dans ma famille Ics sources des remedes q[ui me 
sont neeessaires . . . 

Weiter treffen wir im «übogi pokorny» ein Detail 

au? Molieres «Avare» (II, 5, SchlußrepUken). Vergebens 

versucht nämlich Sbrigani bei Anzelm Geld zu leihen : 

SBR: . . . Gdyby« mi Waszmosc Fan mögt pozyczyc przynay- 

mniey pi^tnascie czerwonycli zlotych? 
ANZ: Ktos do drzwi kolace. 
SBR: Ja Waszmosc Panu dam oblig. 
ANZ: Ale ktos do drzwi kolace ! 
SBR: Choc dziesi^t czerwonych zlotych! 
ANZ: Trzeba obaezyc, kto lest tarn u drzwi! 
SBR : To przynaymniey pi^c czerwonycli zlotych I ! 
ANZ: Nie dam nie! 

SBR : Bylo dawniey tak mowic I Przymaymniey czasu nie ßtra- 
witbym darmo. 

Im «Figlacki polityk teraznieyszey raody» I gibt es einen 
Diener, der sehr unmotiviert den Namen M^drski («m^dry» 
= «weise», «gelehrt») trägt und ohne Unterlaß lateinische 
Zitate in seine polnische Rede streut. Man hat sofort 
den Verdacht, daß dieser Diener ursprünglich ein Pedant 
gewesen sein muß, und dieser Verdacht bewahrheitet sich, 
indem wir entdecken, daß er ein Doppelgänger des Pe- 
danten Metaphraste aus dem «Depit amoreux» ist. 
Metaphraste tritt bei Moliere mit den Worten auf: «Man- 
datum tuum curo diligenter» (II, 6) und zitiert einen 
Ausspruch aus Jean Despauteres «Rudimentum» : «Tu 
vivendo bonos, scribendo sequere peritos». Genau so 
präsentiert sich M^drski bei Bohomolec (I, 3): 

M^D: Mandatom panskim parierui^. 

FIG: Sluchay .... 

MJ^D: Aures in pedibus pana moiego skladam. 

FIG: Trzeba mi . . . . 

M^D: Prawda. «Necessitas frangit legem.» 



Bohomolec' Verhältnis zu Moliere. 181 

FIG: Shszysz Waszmosc Paii, Mosci l'niiic Pomocki? 

iMJ^t^* Po Incinie möwi sitj «obscurus», y Horacyusz napisal: 

«Dum brevis esse volo, obscurus fio.» 
FIG: Co siQ w frlowie roi ! 
MED: Y teri niezle zycia liidzkiego awantuiy penetrowa}, ktöry 

napisal : 

«Qui sedet in terra non ha})et unde cadal». 
FIG: Ale day poköy teraz tey taciniel Mamy .... 
MKD: Jednakze trzeba uwazac iak lepsi autorovvie pisz^: 

«Tu vivendo bonos, scribendo iniitare peritos». 

Aus derselben Molieriscben Komödie (I, 4) stammt auch 
jene Stelle bei Bohomolec (III, 4), wo der Diener bald 
sagt, daß die bestochenen Soldaten kommen werden, bald, 
daß sie nicht kommen werden, und schließlich, daß 
alles ganz, wie es Figlacki beliebe, geschehen werde; er 
bekennt, daß er sich fürchte, etwas zu sagen, was Figlacki 
möglicherweise nicht gefallen möchte, und wird fortgejagt. 
Schließlich sei noch festgestellt, daß einige Züge im 
«Urazaij^cy si^ nieshisznie o przymöwki» aus Molieres 
«Bourgeois-gentilhomme» stammen. Der Tanzszene 
(II, 1) der letztgenannten Komödie ist deutlich eine ähn- 
liche Szene in der polnischen Komödie (II, 1) nachgebildet, 
w"o Glupski von Byvvalski im Tanzen unterrichtet wird. 
BYAV : . . . Jakze si§ tedy Waszmosc Paii masz klaniac po fran- 
cuzku, ä la Parisiemie? Juzem tego uczyt Waszmosc 
Pana. Nie tak! Tak . . . Idzze teraz AVaszmosc Pan 
ztamta.d. <lo mnie y poklon si?. Pr^dzcyl Teraz moda 
pr^dko chodzic y zywo, zeby möwiono o Waszmosc 
Panu — iak Wlosi powiadai^ — «spiritoso>. Idzzo Wasz- 
mosc pr^dko. Poklon si?! Xi.? tak nogi ! Twarz wesola 
y mila ! Ma foi il est fol [ 
GLU: Cöz to znaczy — ma foi il osL fol>? 
BYW: To, ZG Waszmosc iuz si^ dobrze klaniasz. 
GLU: Y mnie siQ zda, ze niezle. Ale si? ieszcze raz pokloniQ. 

Patrz W^aszmosc Pan, czy dobrze? 
BYW : Wysmienicie ! 
GLU: Xo to iuz dobrze! A naprzyktad przypomn? sobie taniec 

francuzki. 
BY\\ : Y w tym Waszmosc Panu uczyniQ plezir. .Xaypizöd tedy 
pami^tay Waszmosc Pan, ze trzeba nakrzyz taiicowac : 
zta/I tarn a ztamtad tu isc potrzeba. Tancuyze Waszmosc 
Pan! . . . Tak . . , Xogi! pliez ! pliez! Bardzo dobrze 



182 Kapitel III. 

A\aszinosc Pan tancuieszl Jakem hyl \v cuJzycli kraiach, 
iakom honete homme, tak upewniam Waszmoic Pana, 
ze u nas w Paryzu inusialbys Waszmosc Pan za nau- 
czeiiie tego taiica dac 50 luidorow. 

Gleichfalls aus dem «Bourgeois- gentilhomm e » (II, 4) 
stammt jene Stelle in derselben polnischen Komödie, wo 
Bywalski, um die verschiedenen Stilarten, die es gi))t, zu 
exemplifizieren, den lateinischen Satz: «Si fractus illabatur 
orbis, impavidum ferient ruinae» auf drei verschiedene 
Arten übersetzt. Ihm schwebten, als er . jene Stelle 
schrieb, sicher die fünf verschiedenen Formen vor, die 
der Philosoph bei Moliere Jourdain für den Satz: «Belle 
Marquise, vos beaux yeux me fönt mourir d'amour» vor- 
schlägt. Bywalski übersetzt zuerst: 

«Chocby ta sublunarna Olimpii fabryka, aliqao fato bles- 

serowana, upadala, iednak iey ruiny ankiirazonego animiiszu 

non commovcbunt.» 

Dann «sublimiore stylo»: 

<:Cbocby upadaiace Oiimpiczrie skiepienie rozzarzonemi 
w Tyiana hucic ruinarai na pawiment ziemi strzelaio, iednakze 
non commovebit z fundamentöw gabinetu serca odsvaznego.» 

Oder schließlich ^allegorice» : 

<Niech uarmowawszy si§ Olimp zlotoJity ruinami iak clice 
attakiiie citadellQ serca smialego, fortecy iGdiiak dystyngwowa- 
nego kiirazu non expugnaWt.» -*^ 



20 Doch dürfen wir in diesen stilistischen Variationen mehr 
als eine bloße Nachahmung Molieres sehen. Es ist bekannt, daß 
das stilistische «eher^) oder «wenn auch» oder «solange», das wolil 
eben aus dem horazischen Zitat erwachsen ist, im lateinischen, 
senecaisierenden Schuldrama, nicht zum mindesten bei den Je- 
suiten, ein sehr beliebtes Mittel zur Gewinnung eines «Stylus subli- 
mior» war (vgl, darüber Paul Stachel, Seneca und das 
deutsche Renaissancedrama, Berlin 1907 [Palaestra XLVI], S. 47, 
77, 93 usw. passim). Ich meine nun, daß Bohomolec hier 
diesen «sublimen Stil» der alten Schultragödie, der von Bohomolec 
bekämpft wurde, hat ironisieren wollen. Als Beispiel eines pol- 
nisch-jesuitischen «prius — quam» führe ich hier eine Stelle aus 
dem Eutropius des P. Gregorius Cnapius an, dessen Komödien 
(entstanden um die Wende des 16. .Jahrhunderts) im Codex R 380 
der Universitätsbibliothek zu Upsala gesammelt vorliegen: 



Büliomolec' Verijiiltnis zu Moliere. \^'A 

Eine Stelle hus den «Femmes savantes» (V, 2\ 
wo Clirysale seiner Tochter Henriette zeigen will, daß er 
der Plerr im Hause sei, und daß also er über die Wahl 
eines eventuellen Schwiegersohnes zu entscheiden habe, 
hat Bohoniolec deutlich als Muster für den Accessus zum 
«Ubogi hardy» gedient. Hier räsoniert Anzelni ungefähr 
ebenso im Gespräch mit seinem Sohne Leopold über die 
Wahl eines Mannes für seine Tochter (I, 1): 

ANZ: Albo ia powiiiicn sluchac iey serca ? 

LEO: Prawda. 

ANZ: Albo ia nie oyciecV 

LEO: Prawda. 

ANZ: Albo to do niey nalezy obierac dla innie ziQcia? 

LEO: Prawda. 

AXZ: Nioma tcraz tey mody pytac sIq cörek, czy mala, seice 
czy nie. 

LEO: Prawda. 

ANZ: Oyciec Rudolfa byl nioy wieiki przyiaciel. 

LEO: Prawda. 

ANZ: Y sam Rudolf na woynio terazuieyszey wiele dokazy- 
wal y "wiele profitowal. 

LEO: Prawda. 

ANZ: Wszak musi o tym wicdziec twoia si-ostra? 

LEO: Wie. 

ANZ : Kiedy tak, to powinna go kochac ? 

LEO: Prawda. 

Freilich ist der Beschluß des Vaters hier, nicht so wie 
in den «Femmes savantes», den Wünschen des verliebten 
Paares ganz entgegen. Es ist zugleich ein Zeichen für 
Bohomolec' unkünstlerisches Verfahren, daß diese Szene, 
mit der die Komödie bei ihm beginnt, und die uns den 
alten Anzelm als einen eigensinnigen und rücksichtslosen 
Vater präsentiert, mit dem weiteren Verlaufe der Hand- 
lung sehr wenig h.'irmoniert, erweist sich doch Anzelm 



«Sol ante tollet littore Hesperid caput 
Et condet ultra Caspia recedens iuga, 
Yomere Propontis fluida scindetur p r i u s , 
Taurus caiinas atqiie velivolas gerat, 
Quam nostra pateant coelibus templa inipiis 



184 Kapitel III. 

zum Schluß als ein sehr kluger und vernünftiger alter 
Herr, der sogar einer recht feinen Ironie fähig ist. 

Mit den hier oben angeführten, vielleicht nicht ganz 
erschöpfenden Zusammenstellungen glaube ich alles wesent- 
liche Material über Molicre als Bohomolec' Quelle zu- 
sammengetragen zu haben. 

Fassen wir nun die konkreten Resultate unserer 
Untersuchungen zusammen, so können wir zu einem ab- 
schließenden Urteile über Bohomolec' Verhältnis zu Moliere 
gelangen, das uns zugleich das Mittel zu einer richtigeren 
Beurteilung des Charakters der Bohomolecschen Schul- 
komödien überhaupt geben wird. Wir haben nun vor 
allen Dingen zwei Tatsachen gewonnen, die für uns Be- 
deutung haben. 

Wir fragen uns zunächst: wie verhielt sich Bohomolec 
zu ganzen Komödien des französischen Meisters? Wie 
bearbeitete er ihn? 

Die konkreten Daten, die wir oben haben sammeln 
können, berechtigen uns zuallererst zu dem Schlüsse, daß 
der Charakter der Bearbeitung vor allen Dingen durch 
jene Tatsache bedingt war, daß die weiblichen Rollen 
eliminiert w'erden mußten. Das war ein Grundsatz, zu 
dem Bohomolec sich bekannt hatte, dem er auch konse- 
quent treu blieb. In der Tat aber ist Bohomolec' Ver- 
halten den weiblichen Rollen gegenüber kein einheitliches: 
denn die bei Moliere vorkommenden weiblichen Gestalten 
werden entweder ganz eliminiert oder aber durch ent- 
sprechende männliche ersetzt, wobei Bohomolec auch die 
Möglichkeit benutzte, die weiblichen Rollen innerhalb 
derselben Komödie teils zu entfernen, teils durch 
männliche zu ersetzen. Wurde nun die bei Moliere ge- 
gebene weibliche Rolle ganz entfernt, so verschwand damit 
zugleich auch jede Spur eines erotischen Elementes; das- 
selbe war der Fall, wenn die weibliche Rolle vollständig 
von einer männlichen ersetzt wurde. Zuweilen aber — 
und zwar nur selten, denn das war ein gewagtes Unter- 
nehmen — behielt Bohomolec das Motiv der Liebe: dann 



Hohomolec' Verhfiilnis zu Moliere J85 

Avurde zwar die weibliche Gestalt, die CJeliebtc aii.s der 
Handlung au?;^'enierzt, aber doch hinter der Hzone voraus- 
gesetzt und in gewisFcn Szenen indirekt durch eine andere 
Person ersetzt, die statt ihrer auftrat und sj)rach, sonst 
al)er ihre eigene Rolle im Stücko hatte, also keineswegs 
eine reine Ersatzfigur war. War aber das Motiv der Liebe 
eliminiert, so ergab sich für Bohomolec die Frage, welched 
andere Motiv an ihrer Statt angewandt werden sollte, 
denn Bohomolec sah sich genötigt, Motive einzuführen, 
die die Molierische Handlung nicht ganz illusorisch mach- 
ten, ohne sie doch auch immer zur Genüge motivieren 
zu können. Er wählte statt des Affektes der Liebe an- 
dere Affekte und Leidenschaften oder andere Interessen, wie 
verbotene Spielleidenschaft, übertriebene Musik- 
leiden Schaft, Erbschaftsfragen. Auf eine ähn- 
liche Weise sahen wir ihn schon in seinem «Mysliwy» 
die Jagdleidenschaft anwenden. Vielleicht werden 
wir hieraus ganz allgemein die Folgerung ziehen dürfen, 
daß Komödien mit Ersatzaffekten oder Ersatzinteressen 
älter sind als Komödien, in denen das Motiv der Liebe 
zwar beibehalten, aber gewissermaßen hinter die Bühne 
verlegt wird; fiel doch diebe ^Methode sicher bedeutend 
leichter, während die möglichen Ersatzaffekte allmählich 
erschöpft w^erden mußten. Komödien ohne Liebesmotiv 
und ohne Ersatzmotiv, wo die weiblichen Personen ent- 
weder ganz eliminiert oder in männliche verwandelt 
werden konnten, entstanden jedesmal, wenn das Original 
selbst die Liebe nicht ins Zentrum unserer Aufmerk- 
samkeit stellte. 

Ersatzmotive haben w^ir im «Figlacki polityk teraz- 
nieyszey mody», in der «Nieroztropnosc», in den «Natr^t- 
nicy», im «Dziedzic chytry». Von diesen gehören die zwei 
letztgenannten enger zusammen, indem hier Erbschafts- 
interessen an die Stelle der ursprünglichen Liebe treten. 
Im «Figlacki» finden wir statt dessen die Spielleidensciiaft 
als Vertreterin des erotischen Konfliktes. Dassell>e tech- 
nische Mittel wandte Bohomolec in der «Nieroztropnrsc» 



186 Kapitel 111. 

an, wo der Held nicht verliebt, sondern übertrieben muf^ik- 
begeistert ist; eine stumme männliche Person trat hier 
an die Stelle des ursprünglichen Gegenstands der Liebe, 
ein Mangel, dem Bohomolec bei größerer Sorgfalt wohl 
hätte entgehen können. 

Als Ersatzfiguren dagegen traten leicht und unge- 
zwungen für die Molierische Madame Jourdain im «Fan 
do czasu» ein männlicher Verwandter und an Stelle der 
weiblichen Hauptfiguren des Meliere in den «Kawalerowie 
modni» entsprechende männliche «ridicules» ein. Nur in 
zwei Komödien liat Bohomolec das ursprüngliche Motiv 
einer Liebe oder einer Heirat beibehalten, nämhch in der 
«Rada skuteczna» und in den «M^^drkowie» : hier sind die 
weibüchen Rollen zwar auch von der Bühne verbannt, 
aber gewisse männliche Personen treten an ihre Stelle 
und übernehmen bis zu einem gewissen Grade ihre Rollen. 

Bohomolec' Verhalten dem Molierischen Texte gegen- 
über ist nicht in allen Fällen gleichartig. Bald hält er 
eich treu an seine Vorlage, bald erlaubt er sich wichtige 
Disgressionen, Einfügungen, Veränderungen, Umgestal- 
tungen. In der «Nieroztropnosc» folgt er z. B. recht genau 
seiner Vorlage, dem «fitourdi», ebenso in den «Medrkowie» 
den «Femmes savantes». Zuweilen nimmt er sehr be- 
deutende Veränderungen vor, folgt aber in den Teilen, 
die von Moliere stammen, fast wörtlich seiner Vorlage ; 
das ist z. B. der Fall mit der «Rada skuteczna» und den 
«Kawalerowie modni». Zugleicli haben wir aber auch 
Komödien, die sehr stark von ihren Vorlagen ab- 
weichen, und wo wir nur mit xMühe die Molierische 
Handlung wiederzufinden vermögen. Ein bestimmtes 
Prinzip für die Umgestaltung der Molierischen 
Komödien hat Bohomolec sicher nicht gehabt. 
Er folgte einfach jedesmal den Rücksichten, die ihm wichtig 
schienen, oder der Notwendigkeit, die ihn zwang, die 
Handlung umzubrechen, um sie beim Fehlen aller weib- 
lichen Rollen plausibel zu machen, was ihm bei weitem 
nicht immer gelang. Im Gegenteil, von der Flüchtigkeit 



Kohomolec' Verhällnis zu Moliero. 187 

und Oberllächliehkeit, mit der er arbeitete, aber auch 
von der Schwierigkeit der Aufgabe, zeugen oft ganz un- 
zweideutige Sinnlo.^igk-iten in seinen Komödien. 

Daß die Rücksichten, von denen sich Boliomolec 
jedesmal l)ei der Bearbeitung gegebener Moherischer Ko- 
mödien leiten Heß, mehr oder weniger schulpädagogischer, 
moralisieren'ler Art gewesen sind, werden ^vir, da wir 
die Cfrund.^ätze der jesuitischen SchuMramatik kennen, 
leicht a priori erraten können; wie eie sich jede:?mal im 
einzelnen gestalteten, wird im weiteren Verlaufe meiner 
Untersuchungen näher erörtert -werden müssen, ist doch 
das meiner Meinung nach der Schlüssel zum richtigen 
Verständnis der Bohomolecschen Komödien. Hier interes- 
siert uns ii\dessen tine andere Frage, nämlich, welche 
Prinzipien eigentlich die Wahl der zu bearbeitenden 
^lolierischen Komödien bestimmten. 

Wir können uns der Beantwortung der Frage auf 
negativem Wege nähern. Bohomolec hat nicht den 
«cAvare», nicht den «Tartuffe», nicht den *:Misantrope» 
übersetzt, diese Komödien nicht bearbeitet. Freilich: wir 
treöen einige Szenen oder Motive aus dem «Avare» in 
einem anderen Zusammenhange, ferner wird — wenn 
auch ohne Grund — behauptet, daß die Gestalt des 
«Tarluffe» bei Bohonoolec in nicht von Moliere entlehnten 
Komödien auftritt, endlich stanjmt aus dem «Misan- 
trope» einer jener neuen Typen, die Bohomolec in die 
Galerie seiner «Natr^jtnicy» aufgenommen hat. Aber 
das sind entweder nur vage und unbewiesene Behaup- 
tungen oder aber unbedeutende Einzelanleihen. Als 
Ganzes betrachtet haben jene Werke Bohomolec nicht 
zur Bearbeitung gereizt. Und wenn wir auch leicht ein- 
sehen, daß Komödien wie der «Amphitryon» oder «Don 
Juan» wegen ihres «heiklen» Themas aus reinen Schul- 
rücksichten für eine Umarbeitung ungeeignet waren, so 
fragt es sich doch, welche Schulrucksichten gegen eine 
passende Umarbeitung jener drei obengenannten Komödien 
sprechen konnten. Im Gegenteil, man sollte glauben» 



188 Kapitel 111. 

daß Geiz, Heuchelei, Misantbropie moralische Sünden sind, 
oegcn die eine Schul komödie mit Recht hätte auftreiten 
können, und Geiz, Heuchelei, Misanlhropie sind ja gerade 
die Sünden, die in jenen Komödien ihren ewig gültigen 
Ausdruck durch des Meisters Kunst gefunden hatten. Es 
waren das die tiefsten und künstlerisch gediegensten 
Komödien, die Moliere geschrieben hat, Komödien, die fast 
ganz von jedem farcenartigen Element frei waren. Hat 
Bohomolec vielleicht den Wert dieser grandiosen Charakter- 
studien nicht einzusehen vermocht? Ich konstatiere vor- 
läufig bloß, daß Bohomolec Molieres «chefs-d'oeuvres» 
nicbt berücksichtigt hat. 

Was hat er denn dann eigentlich aus dem reichen 
Repertoire des großen Meisters herangezogen? Die Ant- 
wort ist überraschend genug die, daß er konsequent Ko- 
mödien ausgewählt hat, in denen die Intrige auf Kosten 
der Charakterzeichnung betont war, oder Komödien, deren 
Intrige aus dem allgemeinen Zusammenhang ohne be- 
sondere Schwierigkeit herausgelöst w^erden konnte. Wir 
sahen, wie er aus den «Fourberies de Scapin» die Haupt- 
punkte der Handlung herausgriff und umgruppierte, wie 
er die Handlung des «Monsieur de Pourceaugnac», des 
«Bourgeois-gentilhorame>, des «Etourdi» benutzte, wie er 
das Schema der «Fächeux», der «Precieuses ridicules», 
diM- «Femmes savantes» für seine speziellen Zwecke nnzu- 
wenden wußte, wie ihm sogar das Schema des «Mariage 
force» in dieser Beziehung dienen konnte. Wir sahen, 
wie nur solche Handlungen in voller Ausdehnung polnisch 
wiedergegeben wurden, die unmittelbar in der Gestalt, 
wie sie bei Moliere vorlagen, zur Erreichung jener Ziele 
dienstbar gemacht werden konnten, und wie andere 
Handlungen schonungslos umgemodelt und umgebrochen 
wurden, wenn sie sich nicht ohne weiteres den besonderen 
Wünschen des Bearbeiters fügten. Wir haben sympto- 
matische Einschiebungen festgestellt — die eben als Fun- 
dament für die eigenen Ideen und Tendenzen des Bearbei- 
ters zu gelten haben — , ohne vorläufig diese Ideen und 



Bohoino'ec' Veiliällnis zu Moli^re 189 

Tendenzen näher in Augenschein zu nelimen. Wir haben 
weiter den Verdacht aue^gesprochen, daß Jiohoniolcc kein 
ästhetisches Verständnis für Moliere gehabt haben kann, 
und sahen ein Zeugnis dafür in der Pietätlosigkeit, mit 
der Bohomolec jedesmal seine utilitaristischen Grundsätze 
und Gesichtß])unkte durchführte. Keine der hier behan- 
delten acht Komödien ist eine reine Übersetzung der 
Molierischen Originale, und wenn eine solche wegen der 
Notwendigkeit, die Frauenrollen zu eliminieren, von vorn- 
herein unmöglich war, so ist doch die Art und Weise 
der Umarbeitung nicht immer durch diese Regel bedingt, 
sondern oft willkürlich und gewaltsam. Offenbare Sinn- 
losigkeiten, sittlich anfechtbare Motivierungen der Hand- 
lung, psychologische Inkonsequenzen, nicht selten über- 
flüssige Einschiebungen zeugen davon, Avie ungeniert 
Bohomolec an Molieres Werken zerrte und riß, sie flickte 
und ummodelte und in bestimmte Bahnen zwang. Ließ 
er einen Einakter Molieres («Le mariage force») einmal 
Einakter bleiben, so wandelte er ein andermal einen 
solchen («Les precieuses ridicules») kurz und gut zu einem 
Dreiakterum; blieben der «Pourceaugnac», die «Fächeux> 
dreiaktig bei ihm, so fand er es wiederum für gut, die 
«l'ourberies de Scapin», die bei Moliere drei Akte haben, 
in ein fünfaktiges Lustspiel aufgehen zu lassen. So 
haben wir bei Bohomolec statt dreier Fünfakter, dreier 
Dreiakter und zweier Einakter -- vier fünfaktige, drei 
dreiaktige und nur eine einaktige Komödie. 

Interessiert sich somit Bohomolec ausschließlich für 
die Molieriscbe Intrige, so war ihm diese doch bei weitem 
nicht die Hauptsache. Sie hatte bei ihm nur anderen 
Zwecken zu dienen. Hauptsache war für ihn der Satz oder 
die Tendenz, die durch die entlehnten Intrigen veran- 
schaulicht werden sollten. Ohne der folgenden Unter- 
suchung vorgreifen zu wollen, kann ich schon hier die 
Tatsache berühren, daß er aus dem «Eiourdi», dem 
«Bourgeois-gentilhomme» Komödien gemacht hat, die 
gegen individuelle Jugendsünden ankämpfen, dnß 



120 Kapitel 11 1. 

die ÜDiformung der «Fourbories de Scapin» teils gegen 
eine ähnliche Jugendsünde gerichtet ist, teils aber — und 
zwar zusammen mit den umgearbeiteten «Precieuses ridi- 
cules» und «Femmes savantes» — zu jenen Komödien 
gehört, deren Aufgabe es ist, soziale Jugendsünden 
zu verspotten. Dem Inhalt nach gehört zu diesen beiden 
Typen die Komödie «NatrQtnicy>^ die uns sowohl junge 
Menschen mit individuellen Fehlern, wie auch solche mit 
allgemeingesellschaftlichen Fehlern vorführt; der äußeren 
Form nach ist diese Komödie eher eine gegen typische 
Alters Sünden gerichtete Komödie und als solche mit 
dem umgearbeiteten «Monsieur de Pourceaugnac» und 
dem «Mariage force» zusammenzustellen. Moliere fiel es 
natürlich niemals ein, seine Komödien auf eine derartige 
Weise zu klassifizieren, für Bohomolec, den jesuitischen l 
Komödiendichter, war das aber eine Selbstverständlich- 
keit, und so suchte er bei jenem fertige Intrigen, 
die unter einen der obenangedeuteten Gesichtspunkte 
gebracht werden konnten, nicht aber Charaktere, nicht 
jene allgemein menschlichen, von Altersrücksichten na- 
türlich ganz freien, abstrakten Charaktertypen, deren 
erster Schöpfer eben Moliere für uns geworden ist. Das 
Verhältnis zwischen Charakter und moralischer Be- 
deutung der jeweiligen Komödie ist bei dem französischen 
Meister und seinem polnischen Bearbeiter ein diametral 
entgegengesetztes: floß für jenen aus dem komisch 
gezeichneten Charakter eine abstrakte Lehre, so war die 
praktische Moral für diesen die psychologische Entstehungs- 
quelle eines Charakters, und die Art der Lehre war ihm 
bestimmend für die Zeichnung der eventuellen Typen. 
Die Intrige aber, die bei wem auch immer geliehen 
werden konnte, sollte ein Beweis, eine demonstratio sein. 
Und so gewinnen wir auch das rechte Verständnis 
für die zweite Tatsache, die die Untersuchung von 
Bohomolec' Verhältnis zu Moliere ergibt. Suchte Boho- 
molec bei Moliere vornehmlich die komische Intrige, die 
ihm den Darstellungsprozeß erleichtern sollte, so war 



Bohnmolec' Verhailnis zu Moliere. 191 

es klar, daß er bei ihm auch koujisohe Eiiizclzüge, 
komische Einzehnotive Huchon mußte, dnß er sie nelimen 
raußt*^, wo er sie fand. Und er fand sie überall. Er 
fand ßie auch in Charakterkomödien, die er der Um- 
arbeitung nicht wert gefunden hatte, im «Avare», im 
«Tartuffe», im «Mi.santrope», sogar im «Don Junn^. Er 
exzerpierte diese Komödien, er kannte sie ausgezeichnet, 
er wußte immer, wo eine komische Stelle, die in seinen 
Zusammenhang passen konnte, zu finden war, er raubte 
bei Moliere alles, was komisch war, um es bald hier, bald 
da anzuwenden; in dieser Hinsicht war ihm Moliere eine 
schi'-r uner.-chöpfliche Quelle. Bolionjolec verstand die 
Komik Molieres zu werten, wenn er auch nicht seine 
große psychologische und ästhetische Bedeutung zu er- 
fassen vermochte. Er lernte bei ihm nicht, wie man 
Handlungen erfindet, wie man Charaktere schafft, wie man 
Charaktere in ein Milieu hineinstellt. Er lernte bei ihm 
die Kunst der Detailkomik, die Komik der Intrige, den ko- 
mischen Dialog, und so erklärt es sich denn schließlich 
auch, wie es kommt, daß Bohomolec' Komödien, als Ganzes 
betrachtet, unendlich langweilig sind, während einzelne 
Züge, einzelne Situationen, einzelne Repliken und Gespräche 
wirklich komisch sind, wirklich interessieren. 



192 



Kapitel IV. 

Sonstige Quellenverhältnisse bei 
Bohomolec. 

Wie ich schon in den Kapiteln über die Plautinischen 
und Moherischen Quellen der Komödien des Paters Boho- 
molec gehend gemacht habe, hissen sich Bohomolec' 
Quellen nur mit Schwierigkeit im Einzelfalle nachweisen. 
Verhältnismäßig leicht gestaltete sich die Untersuchung, 
solange die Rede von Plautus und Moliere war, denn 
einerseits wird der Forscher ganz automatisch durch den 
Titel der «Bliznieta» zur Vermutung geführt, daß dieser 
und damit vielleicht auch anderen Komödien eine Plautus- 
komödie zugrunde liegt, andererseits sind die Komödien 
eines Moliere so sehr Allgemeingut des Gebildeten, daß 
die Abhängigkeit gewisser Bohomolecscher Komödien von 
Moherischen Vorlagen schon bei der Lektüre als wahr- 
scheinlich erscheint. Anders liegt die Sache, wenn es gilt, 
Quellen zu finden, zu denen keine sichtbare Spur zu leiten 
scheint, wenn vom Forscher das Unmögliche gefordert 
wird : die ganze Komödienliteratur seit Moliere bis zur 
Mitte des 18. Jahrhunderts vor Augen zu haben. Es ist 
das zudem eine Aufgabe, die durch die schon charakte- 
risierte Weise der Entformung der Vorlagen, die Bohomolec 
auszeichnet, erheblich erschwert wird. Wie soll man in 
der Tat die einzelnen Quellen ausfindig machen, wenn 
man gewärtig sein muß, daß hinter jeder männlichen 
Person, die beim Verfasser auftritt, sich ursprünglich 
eine weibliche versteckt, wenn Freundschaftsverhältnisse 



Sonstige Quellcnverhältnisse bei Bohomolec. 193 

Liebesverhältnisse gewesen sein können, wenn Neben- 
persoaen einer eventuellen Vorlage in der Bearbeitung 
zu Hauptpersonen erhoben sein können, wenn handelnde 
Pertonen der Vorlage ganz in der Bearbeitung ausge8chalt*;t 
.sein können, wenn endlich von der Vorlage nur das 
Schema, vielleicht sogar nur die Exposition erhalten 
und eine Schulkomödie eine Kontamination mehrerer 
anderer sein kann? Auch den gründlich.sten Kenner der 
Komödienliteratur Europas im 18. Jahrhundert kann zu- 
weilen nur ein glücklicher Zufall zum Ziele seiner For- 
schungen leiten. 

Wenn ich in diesem Kapitel die «sonstigen», 
d. h. nicht klassischen und nicht- Molierischen Quellenver- 
hältnisse bei Bohomolec zu ergründen suche, weise ich 
von vornherein die Forderung nach Vollständigkeit ab. 
Ich werde zwar Namen und Tatsachen anführen, die 
bisher sehr wenig berücksichtigt worden sind, Tatsachen 
wie die italienische Commedia dell'arte in ihrer heimischen 
und französischen Form, Namen wie Goldoni, Corneille, 
Destouches, de Brueys, Regnard, Lesage, de Barante, do 
Fatouville, Holberg usw., Namen und Tatsachen, die einen 
guten Teil der französischen, italienischen, sogar dänischen 
Komödienliteratur des 18. Jahrhunderts umspannen. Ich 
bin aber nicht imstande, für jede Komödie Bohomolec' 
die Quelle mit Sicherheit anzugeben. Vermutungen und 
Hypothesen sind hier unumgänglich. 

Was verdankt Bohomolec Goldoni^ in dessen Vater 
land er ja mehrere Jahre zugebracht hatte, dessen Komö- 
dien er somit zum Teil kennen mußte? Wie Moliere 



1 Ich benutze die Gelegenheit, um auf folgende, mir bekannten 
polnischen Versionen einiger Goldonischen Stücke zu verweisen: 
aus den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts stanunen drei 
Übersetzungen, die ich in einer Handschrift der Jagellonischen 
Bibliothek zu Krakau (Ms. 250) gefunden habe; es sind das eine 
anonyme Übersetzung der «Vedova scaJtra» («Panna rozumna^»), 
etwas polonisiert, und eine stark polonisierte Übersetzung 
<ler vvMoglie saggia» (;<Zona poczciwa^>), die von einem, gewissen 
Stender-Petersen , Die Schulkomödien. 13 



ly4 Kapitel IV. 

und Plautu3, so verdankt er auch ihm gewisse Handlungen, 
Persouenkonstellationen, Intrigen und Situationen^, die 
er als Material für seine Komödien benutzen konnte. 

Wenn wir die (im Anhange gegebene) Analyse der 
Komödie «Ubogi hardy» näher untersuchen, um der 
eventuellen Quelle auf die Spur zu kommen, fallen uns 
sofort gewisse Einzelheiten in die Augen, die deutlich 
darauf hinweisen, daß die Komödie keine einheitliche 
Schöpfung unseres Verfassers sein kann, sondern freniden 
(oder doch zum Teil fremden) Ursprunges sein muß. Die 
einzelnen Figuren wecken a priori den Verdacht, daß 
sie aus mehreren anderen zusammengeschmolzen sind. 
Vor allen Dingen ist die Gestalt oder — richtiger — die 
Rolle Leopolds eine zwitterhafte: er nimmt sich so 
sehr des Glückes oder Unglückes seiner (natürlich 
nicht auf der Bühne erscheinenden) Schwester und ihres 
Geliebten, der als sein intimer Freund präsentiert wird, 
an, daß man den bestimmten Eindruck erhält, er müsse 
ursprünglich diese Schwester selbst gewesen sein. Dem 
hochmütigen Rudolf, gleichfalls einem Anwärter auf die 
Hand seiner Schwester, und dessen Prahlereien gegenüber 
verhält er sich aber zugleich so demütig und ehrerbietig, 
daß man wiederum zweifelt, ob ein sozial gleichgestellter 
Mann sich eine derartige Behandlung, wie die, die Robert 
ihm zukommen läßt, wirklich so still hinnehmen würde, 
d. h. man fragt sich, ob sich nicht hinter der Maske des 



Tadeusz Lipski, bekanntlich Kastellan in LQCzyca und mehr- 
maligem Deputierten, herstammt. Von demselben stammt eine 
andere in jenes Manuskript aufgenommene Überse zimg einer un- 
bekannten, aber sicher auch italienischen Komödie («Maz pocz- 
ciwy»). Aiißerdem erschien 1779 eine von F. Dsnochowski be- 
sorgte Übersetzung des «L'a\^ocato veneziano» («Mecenas pocz- 
ciwy;)), 1781 eine vcn einem Fräulein Maliszewska verfertigte 
übe'rsetzung des «L'amante militare» («Milosc zolnierska») und 
1785 eine anonyme Übe'rsetzung dos «Burbero benefico» («Dziwak 
dob'roczynny»). 

2 f;iji aus den '<Due gemelli veneziani > entlehntes Mo:iv habe 
ich schon oben S. 101 ff. nachgewiesen. 



II 



Sonslige Quellen Verhältnisse bei Bobomolec. r.»5 

Sohnos irgendeine zweite, Fozial irgendwie untergeordnete 
Person verberge. Einen ähnlichen Kindruck erlmlt man 
von der Rc»lle Wilhelm.«, des alten Hausdieners; ist er 
der Vater eines Mädchens, das — wie Boljomolec will — 
mit der Tochter Anzelms verwechselt wird, oder ist er gar 
ursprünglicli dieses Mädchen selbst? Und wie kommt 
es, daß Anzelm anfänglich als bornierter Greis ersclieint, 
mit dem man (der eigene Sohn) kaum menschlich zu 
verhandeln wagt, später aber als ein kluger, ehrlich 
denkender Herr, der sich eine geistreiche Mystifikation 
mit Rudolf, dem dritten Freier, erlaubt? Ist an dieser 
Inkonsequenz vielleicht jener Umstand schuld, daß Boho- 
molec das Gespräch des Vaters mit dem Sohne willkür- 
lich aus einem anderen Zusammenhange herauslöste (wie 
wir sahen — :ius einer ^lolierischen Komödie) und an 
eine Handlung anklebte, deren Quelle nichts von einem 
solchen rechthaberischen Alten Avußte? Warum heißt 
weiter die Bohomolecsche Komödie «Ubogi hardy^, wenn 
neben dem Titelhelden ein anderer, ebenso scharf (oder 
ebensowenig scharf) gezeichneter komischer Typus auftritt ? 

Mit solchen Fragen muß man in der Tat jedesmal 
an Bohomolec' Komödien herantreten, wenn man bisher 
unbekannte und sich nicht von selbst ergebende Quellen 
ausfindig machen will: man muß mit anderen Worten 
immer damit rechnen, daß man es bei Bohomolec mit 
bis 7Air Unkenntlichkeit umgestalteten Stoffen, mit höchst 
merkwürdigen Umgruppierungen der handelnden Personen 
zu tun hat. 

In diesem Falle erweisen sich alle Fragen leicht ge- 
löst, sobald wir annehmen, daß die eigentliche Quelle 
der Bohomolecschen Komödie Goldonis 1751 erschienene 
dreiaktige Komödie «La Castalda» (resp. «LaGastalda^) ist. 
n kurzen Worten ist der In halt dieser Komödie folgender.^ 

3 Ich zitiere hier und im folgenden nach der Ausgabe «Le 
commedie del Signof Ax-vocato Carlo Goldoni Veneziauo fra 
gli Arcadi Polisseno Fegejo», seconda edizione, Bologna MDCCLIII 
(und folg.), Bd. I ff . 

13* 



196 Kapitel IV. 

(Akt I) Corallina, dio castalda (Haushälterin) des vene- 
zianischen Kaufmannes Pantalone de' Bisognosi, bewirtet Ar- 
lecchino, den hmigingen Diener des stolzen, aber -armen («povero 
e superbo») conte Ottavio (Sz. 1). — Da erscheint dieser und 
jagt den Diener nach Hausf^ (Sz. 2). — Der Corallina klagt 
Ottavio, daß er nun lange auf seine «cioccolata» werde warten 
müssen, und Co"rallina bietet ihm an, ihre Schokolade zu ver- 
suchen (Sz. 3). — Wählend sie das Nötige anordnet, klagt der 
A'rme in einem kurzen Monologe seinen Hunger (Sz. 4). — 
Co"rallina serviert ihm die Schokolade, die er zwar kritisiert, 
aber trinkt. Mit der Zusicherung seiner «Protektion» verläßt 
el" sie (Sz. 5). — Corallina aber macht ihre Reflexionen über 
den armen Kauz (Sz. 6). — Sie spricht mit dem in sie ver- 
liebten Diener Frangiotto über Zukunftspläne betreffs des alten 
Pnintalono (Sz, 7). — Dem Pantalone sucht sie die Hei'rats- 
giillen aais dem Kopfe zu schlagen und offenbart dabei ihre 
Macht über den Alten (Sz. 8). — Pantalone hat aber sein Auge 
aiuf die Haushälterin geworfen (Sz. 9). — Mit der Nichte Ro- 
saura spricht er über ihre eventuelle Verheiratung, wobei der 
von ihr genannte Signor Florindo wegen seiner «poche intrae» 
nicht ganz nach seinem Geschmacke ist (Sz. 10). — Brighella 
meldet die Ankunft seiner Herrin Beatrice «in compagnia 
deirillustrissimo Sior Lelio» a» (Sz. 11). — Pantalone findet, 
daß Lelio ein passender Bräutigam für Rosaura ist (Sz, 12). — 
Corallina meldet zu Pantalones großer Unzufriedenheit einen 
neuen Besucher, Signor Florindo an (Sz. 13). — Zugleich 
meldet Frangiotto einen dritten Besuch an : Ottavio (Sz, 14). — 

(Akt II) Rosaura sagt der Freundin Beatrice, daß sie sich 
nicht um Lelios Verliebtheit kümmere, da sie Florindo liebe 
(Sz. 1). — Als Lelio auftritt, bezeichnet Rosaura sich als «uiia 
vostra umilissima serva», Lelio glaubt, sie sei die Dienerin des 
Hauses, in welchem Glauben er von beiden belassen wird 
(Sz. 2). — Corallina wird von Beatrice unterrichtet, daß sie 
sich für Rosaura ausgeben solle (Sz, 3 — 4). — Lelio macht 
gleich der eintretenden Corallina ein verblümtes Liebesbekennt- 
nis und entweicht vor ihren «dolce spine» (Sz. 5). — Corallina 
fürchtet in Beatrice eine Rivalin um die Liebe des alten Pan- 
talone, da Beatrice auch eine «vedova^ ist, und es kommt zu 
(ünem offenen Streite zwischen beiden (Sz. 6). — Beatrice ist 
empört über die Impertinenz der «castalda» (Sz. 7). — Florindo 
erzählt Rosaura, daß er nunmehr seinen Prozeß gewonnen habe 
und jetzt um ihre Hand anhalten dürfe; sie fordert ihn auf, 
gleich mit ilirera Onkel zu reden (Sz. 8). — Aber Lelio kommt 
ihm zuvor: auf seine zeremoniöse Weise bittet er ihn um die 



Sonstige Quellenvdhältni.sse bei Bohomolec. 197 

Ikmd soinctT Nichte, deren Einwilligiuig er schon erhalten habe», 
aiif eine Mitgift rechne er nicht. Pantalone hat unter solchen 
Umständen ni<-hts einzuwenden (Sz. 9). — Rosaura, die keine 
Almoiig davon hat, daß ilir Onkel Lelio meinen konnte, spricht 
ihm ihre Dankbarkeit dafür aus, daß er sie mit dem Geliebten 
vcrljeiraten wolle (Sz. 10). — Als aber Florindo Ihm auch danken 
will, klärt sich das Mißverständnis auf zu der beiden Liebenden 
peinlichster ('berraschung (Sz. 11). — Corallina kommt da- 
zwischen luid verlangt, mit Pantalone unter vier Augen zvt 
sprecheji (Sz. 12). — Sie fordert ihren Abschied, weim Panta- 
lone sich wirklich wie-der verheiraten will, da läßt er sie ver- 
stehen, daß sie seine Auserkorene sei (Sz. 13). — Corallina fühlt 
sich als HeiTin des Hauses (14). — 

(Akt III) Corallina, die nun ihr Schäfchen im Trockenen 
hat, gibt d'^ni erstaunten F'rajigiotto den Laufpaß (Sz. 1). — • 
Ottavio tritt mit seinem Diener Arlecchino auf, er möchte bei 
Pantalone vq>ranzare», Corallina solle dafür sorgen, daß /da.s 
Mittagessen beschleunigt werde, sie aber will als Herrin des 
Hauses 'den Besuchen des Schmarotzers ein Ende setzen (Sz. 2). 

— Ottavio imd Arlecchino freuen sich auf das opulente Mittags- 
mahl (Sz. 3). — Aber Corallina kommt aus der Küche mit dem 
Bescheide zurück, daß das Essen ganz venmglückt sei, und daß 
sie lieber verschwinden sollten. Ottavio antwortet mit einer 
großartigen Geste: er sendet Arlecchino nach Hause, damit er 
dort ein reiches Mahl arrangiere, und bittet Corallina, Pantalone 
und die ganze Gesellschaft zu ihm einzuladen (Sz. 4). — Ro- 
saura fleht Corallina um ihre Hilfe an, die ihr versprochen wird 
(Sz. 5). — Beatrice nähert sich Pantalone und sucht, ihn gegen 
die «castalda» zu stimmen, um ihm selbst einen Heiratsantrag 
zu machen, Pantalone hört ihr nicht ohne Interesse zu (Sz. 6). 

— Da erscheint Corallina, es entspinnt sich eine amüsante Kon- 
kurrenz zwischen den beiden, die damit schließt, daß Pantalone 
sich endgültig für Corallina entscheidet (Sz. 7). — Lelio trifft 
nun mit der Corallina m Pantalones Gegenwart zusammen, und 
da er sie als dessen Tochter behandelt, löst sich das Quiproquo 
auf (Sz. 8). — Rosaura, ^ie echte, tritt auf, und Lelio, der auf 
die «castalda» keine Ansprüche erheben kann, bittet (Um die 
Hand Rosauras, aber Corallina läßt sich von Piantalone za 
seiner Gemahlin erklären und schlägt in dieser Eigenschaft 
Lelios Freite ab (Sz. 9). — Statt dessen erhält Florindo die 
Hand der Geliebten (Sz. 10). 

Ein vergleichender Blick auf die Analyse der Goldoni- 
schen Komödie und auf die im Anhang gegebene* Reka- 

* Vgl. die Analyse der polnischen Komödie S. 413 ff. im Anhang. 



198 Kapitel IV. 

pitulation der polnischen Komödie überzeugt uns davon, 
daß wir es liier faktisch mit einer Bearbeitung oiler 
— besser — Benutzung der erstgenannten durch Bohü> 
molec zu tun haben. Die Titelheldin, die «castalda» 
Corallina ist natürlich eliminiert, aber ihre, bei Bohomolec 
bedeutend verkürzte Rolle spielt in der pohii^chen Bear- 
beitung der alle Diener Wilhelm resp. seine nicht auf der 
Szene erscheinende Tochter. Pantalone und Anzelm, 
Ottavio und Rudolf, Lelio und Dorant sind miteinander 
identisch, ebenso Florindo und Leander, Arlecchino und 
Johnn. Rosaura erkennen wir im Leopold Avieder, während 
Beatrice ausgeschieden und teilweise durch Leopold ersetzt 
wird, der auch Corallina ein paarmal vertritt. Halten 
wir uns die.-? alles vor Augen, so fällt es uns nicht schwer, 
in der polnischen Komödie eine Bearbeitung der italie- 
nischen zu erkennen. 

Eine Übersetzung des Originals ist sie vor allen Dingen 
nicht. Bohomolec hat eigentlich nur das Kanevas, die all- 
gemeine Situation bei Goldoni genommen, diese Situation 
in gewissen Punkten nach eigenem Gutdünken veriuidert 
und nur die Goldunischcn Szenen wörtlich übernommen, 
die mit dem so veränderten Schema einigermaßen har- 
monierten. Ausgeschieden war das zentrale Motiv der 
Goldonischen Komödie, nämlich Corallinas Kampf um die 
Gunst dos alten Pantalone; ins Zentrum unserer Aufmerk- 
samkeit schob aber Bohomolec die Frage der Verheiratung 
der (bei ihm abwesenden) Uoriaura, der Nichte Pantalones 
resp. der Tochter Anzelms, und den aus der Goldoni- 
schen Komödie entnommenen beiden Freiern Florindo- 
Leander und Lelio-Dorant wurde auch noch der «povero 
e Euperbo» («Ubogi hardy») Ottavio-Rudolf an die Seite 
gestellt und durch den Titel in den Vordergrund des In- 
teresses geschoben. Diese Veränderungen bringen es natürlich 
mit sich, daß de facto nur zwischen den beiden ersten Akten 
eine gewisse Analogie herrscht, die darauf beruht, daß Co- 
rallinas Wünsche und Ziele in Goldonis erstem Akte noch 
nicht den Raum einnehmen, wie in seinen folgenden. 



j 



Sonstige Quellen rerhällnisse hei Bohomolec. 190 

Vergleichen ^Yi^ tue Szenen (Gold. I, 1 — 5, I, 11, 
II, 2—4, III, 2, III, 8 = Boh. 1, 2 ~ 4, 1, 5, 1, 6, II, 3. III, 4), 

die bei unsern Dichtern einander parallel laufen, so können 
wir zuweilen eine wörtliche i'bereinstimnuing fe.>5tstellen. 
Nachdem die Handlung mit einer — wie wir gesellen 
haben — Moliereschen Szene ^ zwischen Vater und Sohn, 
die über die Verheiratung der Tochter des Hauses ver- 
handehi, eröffnet worden ist, wobei der Vater wie Pan- 
talone (1,10), nur niit größerem Nachdrucke, die Ver- 
mählung des Mädchens mit einem Ungeliebten wünscht, 
beginnen mit dem zweiten Auftritte die faktischen Über- 
einstimmungen. Da wie dort erscheint zuerst der Diener 
des hochmütigen Hungerleiders, um einen Bissen für 
seinen hungrigen Magen zu ergattern, da wie dort wird er 
von seinem dazwischenkommenden Herrn nach Hause gejagt : 
G 1 d o n i I, 2 : : B o h o m o 1 e c I, 3 : 

OTT: Presto, va al mio Palazzo i RLD: Idz mi zaraz do Paincu 



a spazzar le camere! 
ARL: Oh, che fumol 

OTT: ComeV 



iiiego! 
LEO: Do Palacu? Ach, iakie 

wialry w ^rlowie! 
RU.i: Jak? 

ARL: -t^on la sente? El bugado. ; LEO: M6\vi^, ze wiatr na glow^ 

I zawiewa. 

Mit denselben Worten klagt dann Rudolf wie der <conte^, 
daß es lange dauern werde, bis sein Morgentrank bereitet 
sein wird. Wir verstehen nunmehr, warum Leopold ihm 
gegenüber so unterwürfig ist: seine Vergangenheit bei 
Goldoni zwingt ihn dazu, dem ursprünglichen italienischen 
Grafen dieselbe Unterwürfigkeit zu zeigen, die Corallina 
als einfacher «castalda> ganz natürlich fallen mußte. 
Bohomolec motiviert nachträglich diesen unerwarteten Zug 
damit, daß der artige Sohn seinen Vater nicht durch 
schrofie Behandlung seines Proteges erzürnen will: 
OTT: . . . S'alza, se ne va, e nii \ RUD: ... Co za bieda! Oto y 
pjanta senza darmi neni- i dzisiay ieszcze mi dotad 



meno la cioccolata. 
COR : La farä ; e ancora presto. 

^ V-l. oben S. 183. 



kawy nie zgotowaL a bez 
kawy zyc- nie mog^. 



3U0 



Kapitel IV. 



OTT: Qucsta 6 Tora^ chio la 
preivJo. La sera non ceno; 
se tardo a prenderla, mi 
si illanguidisce lo stomaco. 

GOR: Se coüianda, che la servo j LEO 
io. la servo subito. 

OTT: Bricrone! Non averä nem- j RUD: 
nieno acceso il fuoco. Non 
sarä a tempo la cioccolata 
nemmeno da qui ad una 
ora . . . 

COR: Via, Signore, che serve; 
se la vuole, la cioccolat- 
tiera ä al fuoco; presto, 
presto si fa. 

OTT: Via; giacche e pronta, la i RUD; 
bererö qui. i 



To ia kaz^ dia Waszmoöc 
Pana daö kawy. 
Teraz ie.^zcze poszedl do 
Patacu. Nim i^ zgoluie . . . 



LEO: Ale na co on nia gotowaö, 
kiedy u mnie iest gotowa? 



Kiedy iest gotowa, to siQ 
mog^ tu iey napic. 

Rudolf prahlt im folgenden auf eine Weise, die Goldoni 

nicht kennt: er behauptet, nur türkischen Kaffee zu trinken, 

sogar sein Pferd werde damit getränkt; Schokolade dagegen 

trinke er nur zweimal täglich, weil sie ihn erhitze. Darauf 

behauptet er wie Ottavio («. . . Quando dico io, che e 

buona, posßono star sicuri, che e tale>), daß er ein Kenner 

von Kaffee sei: 

«2aden na niey (kawie) znaö siq lepiey ^ade mnie nie 
moze. Kiedy ia pochwal^, rausi byc dobra.» 

Wie Ottavio kritisiert er dann den Kaffee, der ihm ge- 
reicht wnrd, obgleich Leopold ihn versichert, daß er von 
der besten Qualität sei; durch ein Wort Leopolds gekränkt, 
verläßt ihn Rudolf mit diesen, von Ottavio stammenden 
stolzen Worten : 

«Trzeba wiedziec, iak godnych ludzi szanowaö y poznad 
lepiey, kto ia ieste m.» 

(Vgl. «Ck)lle persone delLa mia condizione si parla cou 
rispotfo . . . Finalmente son chi sono.») 

Mit Überspringung der letzten Szenen des ersten Aktes 
bei Goldoni hat Bohomolec schon gleich im ersten Akte 
den bei jenem erst 11,2 auftretenden, lächerlichen Dorant- 
Lelio erscheinen lassen. Dieser Goldonischen Gestalt hat 
Bohomolec einige Züge des Molierischen Thomas Diafoirus 



Sonstii,'e QuellenverhJiltnisse hei Bohoinoloc. 201 

verliehen, indem er ilui mit el)enso langen Tinwlen uiid 

mit ähnliclien Pedantenmanieren auf die Bildfliiehe treten 

ließ. Bei Goldoni ist er nur ein corieinale ridioolo», bei 

l-5ohomolec daget^en wird er als al)st)lut dumm, al» 

«bogaty w pienii^dze, ale w rozum ubogi» charakterisiert. 

Der Umstand, der Bohomolec die Idee eiiiL^fgehen haben 

kann, aus dem närrischen Lelio einen Pedanten zu machen 

— welcher Umstand übrigens merkwürdig von seinem 

nicht- «gelehrten» Stande absticht (er ist «kawaler>, nicht 

etwa «gu Werner 5) — , ist wahrscheinlich der gewesen, daß 

Lelio bei Goldoni wirklich in einem preziösen, nicht so 

sohr rhetorischen, als vielmehr poetischen Stile spricht. 

Wenn er ferner bei Bohomolec sagt, er habe zwar die 

Tochter Anzelms nicht selbst gesehen, aber sei von einem 

ausgesandten Spion über ihre Reize unterrichtet worden; 

«Jcszczo nie oczy iiie delineowaly fignry tey damy, iod- 

nakze triangut serca moicgo ina sobie za centruni iey pi^knosO. 

Z oycowskiey pi^knoäci s^dzQ o piQknosci cörki. ,Non proctil 

a proprio J)oma stipite cadunt.* A do tego — sit fas mihi di- 

cere verum — ia pienvey, nim siQ sam reyterowalem w progi 

Waszmosö Pana, posytalem szpiega, ktöry mi ucz^mil relacvQ o 

(loskonalosci tey damy. Inaczey nicrdyhym si(? nie odwazyt 

attakowac iey serca bombami mych affektow, gdybym siQ od 

szpiega mego iiie dowiedzial o situacyi iey wdzi^köw.» 

so ist das nur ein unglücklich gewählter Ersatz für die 
Motivierung, die Goldoni gibt: bei ihm ist Lelio nämlich 
einer jener ewig aufs neue verliebten Charaktere, die den 
Gegenstand ihrer Adoration gar nicht gesehen zu haben 
brauchen («Sente discorrere di una funciulla, sente le lodi, 
che fi lei si danno, e tanto basta, perche s'innamori senza 
vederla>). Dorant wendet bei Bohomolec eine Unzahl 
lateinischer Ausdrücke («in porta desideriorum>, *in hypo- 
thesi conjugali», «concessis praenjissis», <concedenti con^ 
clu3ione> usw.) an, was übrigens auch Lelio bei Goldoni, 
wenigstens an einer Stelle, tut (II, 9). Es ergibt sich von 
selbst, daß jene Szene, wo Dorant erscheint und in Wil- 
helm Anzelm zu sehen glaubt (1,6), aus jener Goldonischen 
Szene (II, 5) entstanden ist, wo Lelio die Corallina al& 



iO:2 Kapitel IV. 

Rosaura ben:riißt. Wenn Dorant dabei folgendermaßen 
seine Liebe erklärt: 

DÖR: Czy wie Waszmosc Pan, co lo iesl — serce? 

WIL: Wiaii. 

DOR : A czv wie Waszmosc Pan, co to iest — milosc? 

WIL: Wiorn. 

DOR: Czv wie Waszmosc Pan, co to iest hik y strzala? 

WIL: Wiom. 

DC>R : Czy wie Waszmosc Pan, co to iest — cataplcLsma? 

WIL: Co tego to nie wiem. 

DOR : Teraz tedy cliciey Waszmosc Pan posluchac ordinem 
grammaticalem zj^dz moich, Milosc do mnie strzelila ^ 
luku swoiego, strzelila y w serce rai^ postrzelila. Na 
tey rany uleczenie potrzebne mi iest cataplasma laski 
Waszmosc Pana Dobrodzieia. 

60 iöt dieses «Kompliment» vielleicht ein vergröberter Nach- 
klang jenes «verblümten» Gespräches zwischen Corallina 
und Lelio, wo der letztere jene mit einer «rosa vermiglia» 
vergleicht, «che mi ha fitta nel cuore una dolce spina». 
Der zweite und dritte Akt des Bohomolecschen Stückes 
i?t im großen und ganzen selbständig durchgeführt. Natür- 
lich können wir auch hier gewisse Analogien zwischen der 
«Castalda» und der Bearbeitung konstatieren — die be- 
treffenden Szenen sind oben genannt — , sie sind aber 
nicht so konkreter Art wie diejenigen zwischen den ersten 
Akten und gelten mehr dem allgemeinen Gange der Hand- 
lung: in beiden Komödien entstehen gewisse Quiproquos 
infolge des von den anderen geschickt benutzten Irrtums 
Dorants, in beiden muß dieser seine Ansprüche zugunsten 
Florindo-Leanders aufgeben; wenn er aber bei Goldoni mit 
B-;atrices PLmd getröstet wird, so muß er bei Bohomolec 
ohne Trost davonziehen. Bei dieser Gelegenheit zeigt er 
<'inen von Lelio abweichenden Charakter, indem er auf die 
Tochter Wilhelms verzichtet, als er erfährt, daß sie keine 
Mitgift mit in die Ehe bringt, während Lelio von solchen 
materiellen Rücksichten ganz frei ist, kümmert er sieh 
doch in seiner Unterhaltung mit Pantalone bezüglich 
seiner Verbindung mit dessen Tochter (11,9) durchaus 
nicht um diese Frage. Bei Bohomolec geht er mit einer 



Sonsti^'e Quelleriverlulltnisse bei BoUomoIec. '202 

Tirade über die Unvenuinit der J.eiitf, die iiui nicht hahun 

wollen, ab: 

«Id^, alo upewiiiain. iz bodziecio tego zalowac-, zc nie 
uniiocie dyst\Tig\vo\vac ludzi mudrych. ,Po3t factum pcnitet 
actum.* Alo to bc^dzie ,post tempus'. ,Sci\) sapiunt Plirygos!*> 

Seinem Prinzipo fi^etreu hat Bohomolec es versucht, 
die Komödie seines italieniselion Meisters, der dersell^en 
mehr den allgemeinen Fond der spezifischen Verhält- 
nisse in einer italienisch-bürgerlichen Villa («la scena si 
rappresenta in una villa di Pantalone, suUa Brenta, 
villeggiatura notissima de' Veneziani») und die Gestalt 
der tüchtigen Haushälterin zugrundegelegt hatte, seinen 
pädagogischen Zielen dienstbar zu machen. Seine Komödie 
ist eine typische «mlodzian»-Komödie geworden, indem er 
einen der episodischen Männert3'pen zu seinem Titelhelden 
wählte. Nun ist die Intrige der italienischen Komödie 
— wenn wir hier überhaupt von einer durchgeführten 
Intrige sprechen dürfen^ — g^o^'"^ Lelio, den närrischen 
Begleiter der siora Beatrice, gerichtet, während der stolze 
«conte» Ottavio, eine echt Goldonische heruntergekommene 
Aristokratengestalt, in noch höherem Grade als Lelio 
Nebenfigur ist. Er hat bei Goldoni eigentlich nichts 
mit der Handlung zu schaffen und erscheint nur zweimal: 
im ersten Akte in den Szenen 2 — 5 und im zweiten Akte 
in den Szenen 2 — 4. Diese mehr als episodische Gestalt 
hat nun Bohomolec zu seinem Hauptcharakter und Titel- 
helden gewählt, und ihr den Namen Rudolf gegeben. Sollte 
aber der verarmte und aristokratische Lebemann und gräf- 
liche Schmarotzer den pädagogischen Forderungen der Je- 
suitenbühne Genüge leisten, so mußte er natürlich in einen 
jugendlichen Charakter verwandelt werden. Wie Bohomolec 
diesen Charakter gebildet hat, werden wir an einer anderen 
Stelle sehen; hier interessiert uns der Gang der Handlung, 
der durch die Hervorhebung Rudolfs notwendigerweise 

•^ C h. Rabany, Carlo Goldoni. Lo theatre et la vio eii 
Italic au XVIIF siecle (Paris-Xaiicy 1896), S. 337, sagt: <cL-in- 
triguo est presque liulle». 



2<>4 • Kapitel IV. 

modifiziert werden miiPte. Diese Modifizierung aber be- 
fteht darin, daß dem stolzen Armen eine Falle g^'graben 
wird, in die er olnie weiteres fällt. Ikthomolec l)enutzt 
djizu das aus der Komödie seiner Zeit zur Genüge bekannte 
Motiv, daß ein corpus delicti den wnliren Charakter oder 
die wahre Lebensweise des Schuldigen v«Trät. In diesem 
Falle ist das corpus delicti eine Tabatiere, die der Diener 
versetzen soll, um den verpfändeten Degen seines Herrn 
zurückzukaufen, die er aber dumm genug ist, bei dem er- 
hofften Schwiegervater seines Herrn versetzen zu wollen, 
wodurch dieser gleich hinter die Wahrheit kommt, die 
der Diener ihm bereitwillig erzählt: 

< Straril wszystko na karty, na zbytki, na piiaiistwo. Ale 
lo wszysrko — pod sckretem! Teraz nie nie ma — pod se- 
krcteni ! — tylko t? par^ sukien, ktörq, nosi na grzbiecie — pod 
sckretem ! — ale y tych ledwie z grzbietu nie zedra kredy- 
toröwie — pod sekretcm!» 

Wenn auch die Durchführung der Komödie im all- 
pcraeinen selbständig ist, so ist es unbezweifelbar, daß 
Bohomolec die Gestalten derselben hauptsächlich aus der 
Goldonischen Komödie her hat, daß sein Ausgangspunkt 
bei Goldoni zu suchen ist, daß der «Anschlag» der ganzen 
Komödie aus dem Goldonischen Stücke stammt. 

Dassell^e Resultat gewinnen wir bei der Untersuchung 
des «Cheipliwiec», wenn wir auch hier von vornherein 
darauf vorbereitet sind, die Goldonischen Gestalten und 
Motive in den verschiedenartigsten Umgruppierungen und 
Transmutationen wiederzufinden. Der bekannte Kenner 
der polnischen Theatergeschichte Windakiewicz' soll seiner- 
zeit eine gewisse Analogie zwischen Bohomolec' Komödie 
und Dancourls «Les Bourgeoises ä la mode» gesehen haben, 
und Kielski hat flüchtig (ohne doch eine «Quelle» an- 
geben zu wollen) auf Destouches «Le Glorieux» hingewiesen, 
den er nur aus Krasickis «0 rymotwörstwiev dem pol- 
nischen Titel nach kannte. Aber weder diese noch jene 
Komödie hat auch nur das geringste mit derBohoraolecschen 

■ Vgl. ^x:'i Kielski, a. a. 0., S. 141. 



Sonstige Quellenverliältiiisse bei Bohomolec. •05 

ZU schaffen. Der einzige Ahnliclikcitsjmrikt ist der, daß 
der Titelheld der Dentouche^schen Koiiiöiiie seine faktische 
Armut durch ein übertrieben hoft'iirtiges Wesen zu ver- 
bergen aucht — also wie Bohomolec' Held ohne Grund 
wichtig tut — , und daß Dancourts Chevalier unter diesem 
falschen Titel eine niedrige Abstammung verbirgt — also 
ebensowenig Clievalier ist wie Bohomolec' Hold; sowohl 
Destouches' wie Dancourts Held werden entlarvt, jener 
vom Vater, dieser von der Mutter. Sonst liegt nicht die 
geringste Ähnlichkeit vor, weder im Detail noch im ganzen 
Gange der Handlung, und ein Beweis für eine littrarische 
Verbindung zwischen der p(^Inischen Komödie und jenen 
französischen kann nicht erbracht werden. Als eigentliche 
Quelle der Bohomolecschen Komödie hat indessen im 
wesentlichen richtig Strusiiiski^ eine Komödie von üoldoni 
hervorgehoben, die ihrerseits die Frucht einer längeren 
literarhistorischen Entwicklung gewesen ist. Der Stoff 
der Komödie ist spanischen Ursprungs und geht auf die 
«Verdad sospechosa» des Juan Ruiz de Alarcön y Mendoza 
zurück, den man^ «den Vater des modernen Charakter- 
lustspiels» nennt. Im Jahie 1643 machte Pierre Corneille 
daraus seinen berühmten «Menteur», ohne den Namen 
des Dichters recht zu kennen; er glaubte eine Komödie 
Lope de Vegas unigparbeitet zu haben. Guld(jni schließlich 
benutzte — wie schon Voltaire bemerkt hat — Corneillefl 
Komödie, die er in Florenz zu sehen Gelegenheit gehabt 
hattc^^, als Vorbild zu seinem «Bugiardo», der 1748 ent- 
Btanden oder aufgeführt worden ist.^^ Und diese Komödie 

8 Strusinski, a. a. 0., S. 257. 

* Bruno Busse, Das Drama (Leipzig-Berlin 1018), Bd.I, S. 95. 

10 Ludwig M a i h a r, Carlo Goldoni auf dem deutschen 
Theater des 18. Jahrhunderts (Montjoije MCMX), S. 85. 

11 C h a r 1 e s R a ba n y , a. a. 0., S. 277 ff., 327. — V i - 
q u i e r s , Parallele de la Verdad Sospechosa d'Alarcon et du 
Menteur de Corneille (Bd. IV, S. 241 ff. der Atisgabe der Werke 
Comeilles von Ch. Marty-Laveaux, 1862), bezweifelte mit Unreclit 
Goldonis Abhängigkeit von Corneille. — Vgl. Hans Aage Pa- 
ludan, Studier over Comeilles Forhold til det spanske Drama 
(Edda, Bd. XVIII, 1922), S. 231. 



206 Kapitel IV. 

ist nun, uie Strnsinski bcliauptct, die Quelle der Boho- 
molecschen. 

Der Inhalt der Goldoni«cbon Komödie ist kurz fol- 
gender: 

(Akt I) : Florindo, der der «amante timido» der Rosaura, 
derToch'er seines Lehrers, ist, befindet sich in Gesellschaft seiies 
Dieners Brighella auf der Terrasse vor dem Hause des «dolbore» 
und läßt eine Serenade zu Rosauras Preis singen, ohne sich zu 
erkennen zu geben, und verschwindet dann (Sz. 1). — Lelio^ 
der eben aus Rom angekommen ist, tritt mit seinem Diener 
Arlecchino in demselben Augenblicke auf, als Rosaura und ihre 
Schwester Beatricc aus dem Hause treten; er sendet Arlecchino 
ins Haus, um zu erfahren, wer die beiden Damen sind (Sz. 2). 

— Er selbst tritt an sie heran, nennt sich «Don Asdrubale 
de' marchesi di Castel d'Oro» aus Neapel, einen Freund ihres 
Vaters, und behauptet, der Dichter, Komponist und Sänger 
der Serenade zu sein, da er eine von ihnen liebe (Sz. 3). — 
Den Diener versichert er, das seien keine «bugie», sondern 
«spiritose invenzioni» (Sz. 4). — Arlecchino versucht Colom- 
bina gegenüber das Grebaren seines Herrn nachzuahmen (Sz. 5). 

— Tags darauf will Florindo Rosaura ein «fornimento di trine 
di seta» senden (Sz. 6). — Ottavio, ein «cavaliere Radovane», 
der Beatrice liebt, möchte von Florindo erfahren, ob dieser eine 
yon den Töchtern liebe, aber dieser antwortet Ausweichend 
(Sz. 7). — Ix^lio, der Ottavio kennt, erzählt diesem, daß beide 
Schwestern in ihn verliebt seien, und daß er die Nacht mit 
ihnen zugebracht habe (Sz. 8). — Arlecchino b3stätigL die 
Angaben seines Herrn, und Lelio bittet Otavio, die Damen n-cht^ 
davon merken zu lassen, daß er von ihrem Al>enteuer wisse 
(Sz. 9). — Arlecchino bittet seinen Heim, ihm immer ein 
/Seichen zu geben, sobald er lügen wolle (Sz. 10). — Als Ro- 
saura maskiert aus dem Hause tritt, versichert er sie, daß er 
sie liebe (Sz. 11). — Als ein Ladenbote ihr Florindos Geschenk 
bringt, sagt Lelio, es sei von ihm (Sz. 12). — Als Rosaura geht, 
bittet Lelio sie, der Beatrice noch nichts v^on seiner Liebes- 
erklärung zu erzählen (Sz. 13). — Arlecchino prahlt wieder vor 
der Colombina, aber erfolglos (Sz. 14). — Lelio erklärt ihm, 
wie man zu schwadronieren halx; (Sz. 15). — Lelios Vater Pan- 
talone und der <'dottore», der Vater der Mädchen, kommen mit; 
einer Gendole aus Mira zurück; Panlalone erwartet seinen Sohn 
(Sz. 16). — Lelio gibt sich ihm nicht zu erkennen (Sz. 18). — 
Als aber Ottavio ihn zu der Ankunft des Sohnes beglück- 
wünscht, wendet Lelio alles ins Spaßhafte; zugleich lügt er, 
daß er mit den Mädchen sich amüsiert habe (Sz. 19). — Ottavio 



Sonstige Quellenverhiiltnisse bei Bohomoler. HO! 

nimmt (k'iu "dolore» jjegonübor sein Wort zurück: er \vu!l»' sich 
nicht mehr mit Beatrice vcrhoiraton, woWi or Lclios B<^haup- 
liingen wiedergibt (Sz. 20). — Der «dotti^re» will das Übel mit der 
Wurzel liorausreißeu (Sz. 21). 

(Akt II): Florindo beruhigt den «dottore»: niemand sei in 
das Haus eingedrungen, Ottavio müsse j^elogen haben (Sz. 1). 

— Rosaura, die mit dem Vater einf aufgeregte Szene gehabt hat, 
ist krank geworden, Coiombina bittet Florindo zu helfen (Sz. 2), 

— "Rosaura ist ohnmächtig, kommt aber wieder zu .sich (Sz. 3). — 
Rosaura will liichls von Lelio wissen, sie erzählt, daß ein 
«marchese» Asdrul^ale isie zur Frau begehre (Sz. 4). — Beatrico 
behauptet, der «marchese» liebe s i e (Sz. 5). — Die Schwestern 
streiten heftig (Sz. 6). — Ottavio wird von beiden und von 
Coiombina der Lügenhaftigkeit bescliuldigt (Sz. 7 — 8). — Ottavio 
erzählt dem Vater, daß Leho ihm die Geschichte von den 
Rendezvous aufgetischt habe; der «dottore» will Lelio nicht mehr 
seine Tochter Rosaura geben (Sz, 9). — Lelio ist ernstlich ver- 
liebt und denkt nicht mehr an seine alte Flamme, die Donna 
Cleonice (Sz. 10). — Als ihm sein Vater eröffnet, daß er ihn 
geni mit einer «ragazza da casa» verheiraten wolle, sucht Lelio 
sich gegen alle HeiratspläJie durch die Erfindung zu versichern, 
daß er schon verheiratet sei, und zwar mit der Tochter eines 
Don Policarpio d'Albacava, den er aber gleich darauf Don Poli- 
carpio Carciofoli nennt (Sz. 11 — 12). — Lelio will unbedingt 
Rosaura heiraten (Sz. 13). — Florindo ist unglücklich, daß Ro- 
saura mit einem «marchese» verheiratet werden soll: er will 
sich "mittels eines anonymen Sonetts zu erkennen geben (Sz. 14). 

— Rosaura findet das Sonelt (Sz. 15). — Aber Lelio kommt' 
dazwischen und erklärt, daß er der Dichter des Sonetts sei ; 
damit es auf ihn passe, sagt er, daß er eigentlich lluggiero 
Pandolfi heiße, und andere Lügen (Sz. 16). — Lelio bittet den 
«dottore» um die Hand Rosauras (Sz. 17). — Da kommt Ottavio 
und demaskiert Lelio, den sie mit Schimpfwörtern regalicren 
(Sz. 18). — Dem Arlecchino lügt Lelio vor, er habe Ottavio im 
Duell getötet (Sz. 19). — Da geht Ottavio vorbei und fordert 
Lelio (Sz. 20). — Lelio ist mit seinen Abenteuern nicht unzu- 
frieden (Sz. 21). 

(Akt III): Brighella hat inzwischen von Arlecchino von den 
Schwindeleien des «marchese» erfahren, was er Florindo wieder- 
erzählt (Sz. 1). — Pantalone will einen Brief an den Signor 
Policarpio senden (Sz. 2). — Ein Briefträger überreicht Pan- 
talone zwei Briefe an dessen Sohn (Sz. 3). — Der eine enthält 
eine Bescheinigung über Lelios «stato libero», die sein Freund 



208 Kapitel IV. 

Masaniello Capozzati ihm sendet (Sz. 4). — Große Auseinander- 
setzun*]: zwischen Vater und Sohn: der zweite Brief ist von einer 
Cieonicc Anselmi, «vostra fodelissima sposa», Lelio verwickelt 
sich mehr und mehr in seinen Lügen, so daß Pantalone ihn 
wülend wogjagt (Sz. 5). — Rosaura erfährt von ihrem Vater, 
daß Ruggiero Pandolfi resp. «marchese» Asdrubale Lelio und 
daß dieser verheiratet sei (Sz. 6). — Ottavio bittet um die 
Hand Beatrices (Sz. 7). — Colombina meldet Lelio (Sz. 8). — 
Li?lio beweist, daß er Junggeselle sei, und beschwatzt den 
«dottore», so daß dieser ihm eventuell seine Rosaura zu geben 
geneigt ist (Sz. 9). — Rosaura hat auch nichts dagegen (Sz. 10). 
— Als Pantalone mit dem Briefe der Cleonice erscheint, be- 
hauptet Lelio, das sei «una trista femmina» und nichts weiter 
(Sz. 11). — Florindo offenbart sich als der Autor der Serenade 
und des Sonetts und gesteht seine geheime Liebe; nun will 
Rosaura nichts von Lelio wissen (Sz. 12). — Arlecchino bringt 
Lelio die Nachricht, daß die «Romana e venuta a Venezia» 
(Sz. 13). — Als Rosaura Lelio die Spitzen zurückgeben will, 
teilt Florindo mit, daß sie von ihm stammen. Lelio will aber 
nie mehr lügen; er wird vom «bargello» auf Forderung der «Ro- 
mana» ins Gefängnis geholt (Sz. 14). 

Die Goldonischen Figuren haben bei Bohomolec alle 
ihre Seitenstücke. Lelio, der «bugiardo>, hat bei 
diesem f^igfmtlich keinen Namen, denn Samochwai, wie 
er ßich hier nennt, ist nichts anderes als ein Appella- 
tivum, das eben «Prahler» bedeutet; sein Vater, der Gol- 
donii«che Pantalone, heißt Anzelra, sein Diener Arlecchino 
Leopold ; den beiden Kavalieren Ottavio und Florindo ent- 
sprechen zum Teil die beiden Freunde Alkander und Dorant, 
die zugleich zum Teil die beiden, sonst eliminierten 
Schwestern Rosaura und Beatrice repräsentieren. Ottavio- 
Alkanders Diener Johan ist aus Goldonis Colombina ent- 
standen. 

Vergleichen wir nun die beiden Analysen, die des 
«Bugiardo» mit der des «Cheipliwiec», so ergibt sich 
wie gewöhnlich zunächst das Resultat, daß Bohomolec sich 
anfänglich möglichst nahe an die Vorlage hält, allmählich 
aber mehr und mehr von ihr abweicht und die ganze 
Handlung so m^odifiziert, daß wiederum von einer eigent- 
lichen Bearbeitung nicht die Rede sein kann, sondern nur 



Sonstige Quellenverhältnisse bei Hohomolec. 209 

davon, daß der Ausgangspunkt der polnischen Komödie 
wirklich in der Vorlage gefunden werden kann. Weiter 
stellen wir fest, daß besonders der lange erste Akt der 
Goldonischen Komödie Bohomolec' «Quelle» gewesen ist 
(Boh. I, 1—2 = Gold. I, 2—3, Boh. I, 3 = Gold. L 5, 
Boh. II, 2—3= Gold. I, 11 — 14, Boh. 111, 3 =Gold.I, 
IG — 18), während wir, was die übrigen Akte anbetriÜ'r, 
nur eine gewisse entfernte Analogie zwischen den Schluß- 
szenen der Bohomolecschen uutl den Schlußszenen der 
Goldonischen Komödie zu konstatieren imstande sind (etwa 
Boh. V, 2 — 4 = Gold. 111,11-14). Der vierte Akt der 
Bohomolecschen Komödie geht durchaus eigene Wege. 

Die Vorgeschichte oder die Antecedentia des polnischen 
Helden, wie sie uns in der Exposition der Komödie mit- 
geteilt werden (I, 1), stimmen aufs beste mit denjenigen 
Lelios überein (1,2). Dieser ist nämlich von seinem Vater, 
dem venezianischen Kaufmanne Pantalone, vor 20 Jahren 
nach Rom zu einem dort ansässigen Onkel in die Kauf- 
mannslehre geschickt worden («sono vent' anni, che manco 
dalla mia cara patria») und ist nun gerade beimgek'hrt. 
Auch Samochwal ist der Sohn eines (Lemberger) Kaufmannes 
Anzelm, der ihn vor 15 Jahren in die Kaufmannslehre 
nach Danzig geschickt, kürzlich aber ihm geschrieben hat: 
«Przyiczdzay zaraz do Warszawy. Tarn alix) nuiie zuay- 
dziosz albo kilka diii zaczekasz, nini nadiad? ze L\vowa.:> 

Weder Lelio noch Samochwal finden aber den Vater in 
Venedig resp. Warschau vor, was um so peinlicher ist, 
als beide verschuldet sind. Diese Abwesenheit wollen nun 
beide benutzen, um Abenteuer zu erleben: während den 
Lelio erst die Gelegenheit dazu verführt, sich für mehr 
auszugeben als er wirklich ist, beschließt Samochwal gleich 
aus eigenem Antriebe: «Ja wole, zeby miQ miano za ka- 
walera niz kupczykal» Die Art und Weise, wie er nun 
seinen Wunsch durchführt, erinnert uns in der äußeren 
Form ganz an Lelios Bravaden vor den beiden fremden 
Damen, an deren Stelle freilich bei Bohomolec die beiden 
Kavaliere Alkander und Dorant, die selbst fremd in der 

Stender-Petersen, Die Schulkomödien. 14 



210 Kapitel IV. 

Stadt sind, zu treten haben. Inhaltlich weicht aber die 
betreffende Szene, die ich der Anschaulichkeit halber hier 
anführen muß, stark von der entsprechenden Goldoni- 
schen ab. 

ALKANDER z DOIIANTEM rozmawiain, nie widz^c SA- 
MOCHWALA y LEOPOLÜA. 

ALK : Na ktöreyze to ulicy ? 

DOR: Na Piwnoy, Wlasnie kolo godziny wtörey do pölnocy. 

ALK: Sam jeden dwunastu? 

DOR : Nie inaczey. Sam temi oczyma cal^ rzecz widzialem, 
Szto dwunastu godnych iakichsci kawaleröw. Spotykai^ 
wlasnie pod moiin oknem iakiegos kawalera, pigkiiie 
uslroionego, y iemu co§ przemawiai^. Ten do broni, tamci 
takze do broni ! Natarli zrazu dose zwawie do niego, 
ale gdy sie tarnten zaczq,! üwiiac, ci Ichmosciowie lubo 
siQ mocno bronili, nakoniec iednak placu mu nie dotrzy- 
mali y poszli w rozsypk^. A öw kawaler bez zadnego 
pomieszania konczyl drogQ przedsiQwzi^t^. 

ALK: Trzeba mu przyznac, ze dobry gracz z niego I Y nie 
wiem, CO godnieyszego w nim podziwienia: czy to, 
zo dwunastu zwyciQzyf, czy to, zo na dwunastu natrzec 
odwazyl si(j? 

DOR: Ale z iak^ przytomnosciJi umysla im stawil si^! Y 
slöwka do iiich nie przemöwil, iakby zadnego w t'yra 
niel)ezpieczenstwa nie -widzial. 

ALK: Y nie moglze Waszmo§6 Pan poznac, co to za ieden? 

DOR: Y ia tez raz pierwszy w Warszawie (ak iako y Waszmosc 
Pan. Z zadnym tu nie mam znaiomosci, A do tego — 
noc do widzenia twarzy iego byla mi przeszkodq.. 

ALK: Radbym ia z takim znaiomo^c y przyiazn zabrall 

DOR : Pewnie ! Y iabym tego sobie zyczyl I 

SAM (zblizai^ic si^ do tych kawaleröw, mowi): Klaniam Wasz- 
mosc Panom unizenie. 

ALK: Wzaiemny uklon oddaiemy. 

SAM: Czy nie przeszkadzam Waszmosc Panom t^ moiq, §mia- 
losc'ia iakiey pilney rozmowy? 

DOR : Bynaymnioy. Rozmawiamy o wxzorayszey nocney po- 
tycce. 

SAM: Pewnie o tev, ktöra byla na Piwney . ulicy ? 

DOR: Tak lest. 

SAM: W nocy? o godzinie wtörey? 

DOR: Tak wlasnio. 

SAM: Co to ieden kawaler mial sprawQ z dwunastu? 



Sonstige Quellcnverhiillnisse bei Bohomolec. 211 

DOR: tey saincy. 

SAM: Waszmosr Paii widzial (q jMtyrzkt,' czyüs o niey slyszal? 

1)011: Widzialcm tcmi oczynia rzecz caK-i. 

SAM: Co siQ zda Waszmosö Panom teti kawaler? 

DOR: Ton kawaler godzien slawy niesmiertelnoy ! 

SAM: Y \Vaszmo6c Fan go nie znasz? . 

DOR: Nie znam, boämy obydwa onegday tu przybyli do Wur- 

szawy. A przedtym nigdysmy tu nie byli y znaiomych 

nie mamy. 
SAM: Mnie si^ zda, ze Waszmosc Panowie znacie go, cho6 nie 

]»ardzo. 
ALK: Zyczylibysniy go jwznar, aU; dr)U\d tego szczQscia nie 

mielismy. 
SA^I: Ja mowi^, ze go Waszmosc Panowie znacie, y on miai 

lionor rozmawiaö z Waszmosc Panami, choö krötko. 
ALK: Prawdziwie nie wiemy. Ale . . . 
DOR: Pewnie? czy nie Waszmoäö Pana to dzielo? 
SAM: Cha cha cha! 
DOR: Juz sie dorozuraiewaniy ! 
SAM: Ja lubo chclpliwosci z natury cierpioc nie mog?, iednakze 

|K)niewaz iuz o tym polowa prawie Warszawy dowiedziaJa 

si?, nie mani przyczyny z tym siQ taic przed Waszmo§6 

Panami. Oni chcieli ze mnie zart sobie uczynic, ale od- 

zartowalem Ichmosciom. 
LEO (bierze pana na stron^ y do ucha mu powiada) : Co Wasz- 
mosc Pan möwisz ? Mysmy calc^ noc spali ! Chyba to 

przez sen? 
SAM (do slugi) : Milcz I Boday ci^ . . . I 

LEO: Ale, Mospanie, ia przysi^dz gotowem, ze to niepravvdal 
SAM: Cicho ! Nie gaday! (Potym powraca si^ do kawalerow y 

möwi) : Tamci Ichmosciowie teraz sIq na ninie gniewai^, 

ale nie slusznie. Prawo przyrodzone kazdemu sobie 

bronic pozwala. 
ALK : To lest rzecz pewna. Raczey na swoi^ plochosc uskarzac 

siQ powinni, ze si? }>ez przyczyny na Waszmosc Pana 

porwali, 
SAM: Ja Waszmosc Panom rzecz cal?^ powiem . . . 

Wenn wir diese Szene mit der entsprechenden Goldonischen 
(I, 3) vergleichen, so finden wir tatsächlich eine ;iuf- 
fallende Analogie, obgleich das Gespräch in beiden Fällen 
ganz verschiedenen Sachen gilt. In beiden Fällen schreibt 
der Held sich selbst Taten zu, die andere Urheber haben, 
in beiden Fällen glauben ihm die Betrogenen ohne wei- 

14* 



!21^J Kapitel IV. 

teros, in beiden Fällen macht der Diener seine Zwischen- 
bemerkungen anläßlich der Lügen seines Herrn, in beiden 
Fällen schließlich nennt dieser sich mit einem falschen 
Namen: Lelio nennt sich Don Asdrubale de' marchesi di 
Castel d'Oro, Samochwal aber «markwis de Kuraz» (Mar- 
quis de Courage). 

Was uns ganz besonders davon überzeugen muß, 
daß Bohomolec Goldonis Komödie vor Augen gehabt 
hat, als er die seinige schrieb, ist das komische Motiv 
der Parallelität zwischen dem Gebaren des Herrn 
und dem des Dieners. Zweimal ahmt Arlecchino bei 
Goldoni seinen Herrn nach (I, 5 und I, 13), zwei- 
mal tut es auch Bohomolec' Leopold (I, 3 und H, 3), 
präsentiert sich jener der Colombina als Don Piccaro di 
Catalogna, so nennt sich dieser, mit einer komischen 
Entstellung des Namens, den Samochwal sich gibt, Marek 
de Furaz. 

Wichtig ist in dieser Beziehung auch der Umstand, 
daß die Szene des Zusammentreffens zwischen Vater und 
Sohn, wobei der letztere leugnet, der Gesuchte zu sein, 
von Bohomolec fast in derselben Form wiederholt wird, 
wie sie bei Goldoni vorkommt. Es ist das die Szene 
I, 18 bei Goldoni: 

FAN: . . . Lustrissimo, la perdona l'ardir, vienla da Naix)li? 

LEL: Si, Signore. 

PAN: A Napoli gh'ho de i Patroni, e de i amici assae, car- 
teggio coli molti Cavalieri, se mai Vusustrissima fasse üii 
de quelli, sarave mia fortuna el poderla servir. 

LEL: lo sono il Conte d'Ancona per servirvi. 

PAN : (Cancarazzo ! Nol xe mio Fio. M'avveva ingannä) . . . 

Ebenso tritt Anzelm an seinen Sohn, der mitten im 

Prahlen ist, mit der direkten Frage heran, ob er es sei: 

ANZ : Przepraszam Waszmosc Panöw, ze si§ odwazam im mow§ 

przerywac. 
SAM: Coz nam powiesz? 
ANZ: Z podobieiistwa, ktöre sIq na twarzy wydaie, zda mi sIq, 

ze Waszmosc Fan Samochwal iestes. 
SAM: Ja Samocbwal? Co gadasz? Co to iest za czlek ten Sa- 
mochwal ? 



Sonstige Quellen Verhältnisse bei Hohoniolcc 213 

ANZ: Jest to kiipczyk z Gdauska ... 

SAM: Mnie Icdy niasz za kupczyka? Slucliayzc ... gdybym 

na Ichriiosciöw nie uwazal . . . Ale smialoäc . . . 
ANZ: Mozc si<; mylQ, ale . . . 
ALK : Idz, niöwi^, a wiedz, ze ten kawaler iest Markis de Kuniz, 

klön' zc Francyi nicdawno tu ])rzyby}. 
ANZ: I'rawda, ze siQ czlck wczleka uda, tylkoz ini s'ni zdaic . . . 
SAM: Idz nü zt^d zaraz, bo ci^ kazQ ... Co to za plocho§61 
AXZ: Przepraszain Waszniosc Panow, omylilem sii;. Jednakze . .. 
.SAM : Idz, muwiQ, zaraz, bo [^ szpad;\ . . . 
ANZ: Przepraszam, Mo§ci Dobrodziciu. (Odchodzi.) 

Wie Lelio bei jeder Gelegenheit beteuert, daß er nicht 
zu lügen wisse, so tut es auch Samochwal, und zwar 
einmal rait denselben Worten wie sein Prototyp: 



Goldoni I, 11: 

LELiO : Guardimi il Cielo, che 
io dica una falsitä; non sono 
capace di alterare in una mi- 
nima paite l;i veritä. Do che 
ho l'uso della ragione, non vi 
e persona, che possa rimpro- 
verarmi di una lepraieia bugia. 



Bohoraolec V, 2 : 
SAMOC.HWAL: Upewniam, zem 
nie iest tego ^'aiunku czlowiek, 
zebym si^ mial w klam.stvvie 
kocbad. Pozwolilbym sobie w 
leb strzelic, gdyl)y mi kto do- 
wiödl cho(^ iednego w raym 
zyciu klamstvva, nawet nieroz- 
j myshiei^G . . . Klanistwo od 
wziQcia rozumu nie postalo v/ 
niych usciech nigdy. 

DaÜ Bohomolec seine Komödie nicht ohne starke 
Beeinflussung seitens des Goldonischen Stückes verfaßt 
liat, dürfte auf Grund des oben Angeführten als fest- 
stehend angesehen werden. Strusinskis Hinweis auf den 
«Bngiardo» ist somit gerechtfertigt. Es fragt sich nun 
aber, ob Bohomolec nur Goldonis und nicht auch Cor- 
neilles Komödie, die Vorlage jener, den «Menteur», vor 
Augen gehabt hat, als er seinen «Chelpliwiec» schrieb. Und 
ich glaube diese Frage auf Grund einiger auffallender Detail- 
analogien in bejahendem Sinne beantworten zu müssen. 
Dafür könnte eventuell die rein äußere Tatsache sprechen, 
daß Corneilles Komödie einige Jahre vor dem Erscheinen 
des Bohomolecschen «Chelpliwiec» (1754) von einem ge- 
wissen Leon Moszynski (einem «starosta Inowroclawski») 
mit dem Titel «Lgarz» ins Polnische übertragen und ver- 



5U Kapitel IV. 

öffentlicht worden war. Wenn nicht in der Original- 
spracho, so doch in dieser Übersetzung mußte die Komödie 
Corneilles Eohomolec bekannt sein. Al)er auch gewisse 
innere Kriterien, gewisse Stellen im «Chelpliwiec» 5=cheinen 
mir sehr stark für die Annahme zu sprechen, daß Boho- 
molec, neben Goldonis auch die Corneillesohe Komödie vor 
sich liegen hatte, als er mit der Abfassung seines Stückes 
beschäftigt war. Diese Stellen, die bei Corneille ihre deut- 
lichen Analogien haben, spielen zwar im großen und 
ganzen eine nur nebensächliche Rolle, dennoch aber 
6i)richt dieses in Verbindung mit der Tatsache, daß 
die betreffenden Stellen nicht bei Goldoni vorkommen, 
besonders stark für meine Hypothese. Ich sehe so- 
mit ganz davon ab, daß auch solche Stellen in der 
französischen Komödie belegt werden können, die sowohl 
bei Goldoni als auch bei Bohomolec vorkommen, in wel- 
chen Fällen ebenso gut Corneille wie Goldoni Bohomolec' 
Quelle gewesen sein kann. 

Im zweiteii Akte trifft bei Bohomolec der Held seme 
neuerworbenen Freunde wieder und setzt nach den ersten 
Begrüßungsworten seine Prahlereien fort, wobei der Aus- 
gangspunkt derselben nicht bei Goldoni, wohl aber bei 
Corneille ^^ zu finden ist: in beiden Fällen ist nämlich von 
einem Konzert die Rede, das die beiden Freunde 
gehört hätten, und als dessen Urheber nun in beiden 
Komödien Dorante-Samochwai sich selber bezeichnet: 

Goru e i Ue 1, 5: Bo h o in o le c II, ii: 

DOR: Mais de quoi parliez-vous? SAM: Czyinze sIq Waszmosc 

Panowie tey nocy zaba 

wiali? 

ALG: On dit qu'on a donn^ mu- ALK: Szukalisrny iiaypizöd pa- 

sique H quelque dame. laciku Waszmosc Pana. 

A potym go nie ziialazl- 

szy, uslyszalismy w iakim- 

sei pabicu muzyk^ j)rzc- 

dziwiif). 

^2 Ich zitiere nach M a r t y - L a v e a u x ' Ausgabe : (Eiivres 
de P. Corneille (Paris 18G2). 



Sonstige Quellen Verhältnisse hei r{r>homo!ec. 



i>15 



DOR: 

ALC: 
DOR: 



DOR : Et la mu.si([ue (eile est 

helle)? 
ALC: As.^ez pour n'on rien cli- 
»hiij^'ner . . . 
Kt vüus no savez point 

colui (jni l'a ilonn6e? 
Vous en rlez ? 

Je ris de vous voir 
ctonne 
Dun divertissenient que 
je me suis donne. 

J'avois pris cinq bateaux . . 
Au Premier violons; en 

l'aulre lutLs et voix; 
Des flüles au troisieme : 

au dernier des hau'.- 

hois. 



SAÄ! : Cha cha rlia! A pi^kna 
liyla niuzykaV 

IKJII: Rardzo doskonala. 

.SAM : Dyly lani bkizypce, wiole, 
liohoieV 

DOR: Hyly.' 

SAM: A tiahy, wallornie? 

DOR : V te hyly. Sloweni prze- 
dziwiia hyhi niuzykal 

SAM : Clia cha ' cha ! Y Wai,z- 
niosd Ranowie nie wiecie, 
czyia to muzyka ? 

DOR: Nie uieni. 

SAM: 3loia Iü wlasna, inoia ! Ja 
si^ w tyin bardzo kocham 
y przyznam sie Waszmost* 
Fanom, ze w tym mnie 
/aden nie przt'sadzi. 
! ALK: A u . koi,'oz ta muzyka 
^rala ? 

SAM: U kogo zaä? U mniel 

Bei Corneille ist die c^anze Zeit die Rede davon, daß dieses 
Musi kiest zu Ehreu einer gewissen Dame, um deren Gunst 
sich der Held beworben haben soll, gegeben worden sei. 
Nach der «collation» habe man getanzt, «apres ce passe- 
temps on dansa. jusqu'au jour». In der hier zitierten 
Bohomolecschen Szene ist von einem solchen Festmotiv 
nicht die Rede, statt dessen erzählt der Held aber schon 
früher, im ersten Akte (Sz. 2) von einer anderen ckolla- 
cya», bei der auch getanzt worden ist, und bei der auch 
eine Dame zugegen gewesen zu sein scheint (Bohomolec 
kann es nicht ganz deutlich sagen), um deren Gunst 
Samochwal sich wahrsclieinlich besonders beworben hat; 
er erzählt seinen Freunden : 

«Mialem vvczora u siebie \v Palacu ochotQ. Bylo to tarn 
dosyc dam y kawalorow pierwszego gatunku, IJawilisi^u mnie 
do wtörey prawie w nacy godziny. Pewnq. z tych dam od- 
wiözleni w swoiey karecie do iey palacu. > 

Wenn er bleich darauf hinzufügt, daß er aus dem Hause 
dieser Dame <jsam ieden do domu incognito» heim- 
gekehrt sei, so ist auch dieses vielleicht eine Reminiszenz 



210 Kapitel IV. 

an jene Szene l)ei Corneille, "vvo Dorante gleichfalls von 
seinen nächtlichen «incognito» -Visiten spricht. 

Eine andere Analogie zwischen einer Corneilleschen 
und einer Bohomolecschen Stelle ist folgende. Dorante 
erzählt bei Corneille (IV, 3) seinem Diener Cliton von 
seinem Zweikampfe mit Alcippe, den er getütet habe, 
und als der Diener, entrüstet darüber, daß sein Herr auch 
ihn belügt, behauptet, daß Alcippe lebe, antwortet ihm 
Dorante, daß er ihn mit einem Geheim mittel wieder 
zum Leben zurückgerufen habe: 

DOR: Alcippe te siirprend, sa guerison t'etonne? 
I/etat oü je le mis etoit fort perilleux; 
mais il est ä present des secrets merveilleux : 
ne t'a-t-on. point parle d'une source de vie 
que noinment iios guerders «poudre de Sympathie)? 

Cliton, j'en sais une 

qiii rapiK^lle sitöt des portes du trepas. 

Als bei Bohomolec Alkander und Dorant ihr Erstaunen 
darüber ausdrücken, daß der Held trotz seiner tollkühnen 
Tapferkeit niemals verwundet worden sei, kann auch 
dieser von einem geheimen «Svmpathiepulver» berichten 

(11,1): 

SAM : Ja siQ przyznam Waszmosc Panom, zem siQ nauczyl 
pewnego sekretu, ktory umiei^c w naywi^kszym gminie 
iiieprzycicjl zginj^c niepodobna. Prawda, ze temu, ktöry 
go ninie nauczyl, dalem 5000 czerwonych zlotych. Ale 
wart on togo, poniewaz tyle razy zycie moie ten sekret 
ratowal. 

Hier sei im Vorljeigehen bemerkt, daß ein ähnliches Motiv 
in der Komödie «Urazai^cy si^ nieslusznie o przymowki» 
vorkommt. Hier ist der Held Namens Glupski von einem, 
gewissen Frantocki arg verprügelt worden, als aber sein 
Diener auf seine Hilferufe herbeieilt, schwindelt ihm 
Glupski vor, daß e r den anderen ä la parisienne im Duell 
.«chlimm zugerichtet habe, ohne ihm doch das Leben zu 
rauben. Nun hat aber der Diener eben den anderen frisch 
und unverletzt gesehen, und es entspinnt sich daher folgen- 
des Gespräch zwischen den beiden (HI, 2): 



Sonstige QuellenverliüUnisse hei Bohomolec. i\l 

CHL: .K*». t\i biegiic du Waszmos»- l'ana, sjxilkalem pana Fr;ui 
tockiogo a zacliicy na iego twarzy ani na gtowie iego 
rany nie witlzialem. 

GLU: Ja si(j teniu sam dziwowalein, zc ]x> tak straszliwyin 
ci<jciu zadncgo nie zostalo znaku. Ale mi si(j przyznal 
zlodzioy, iz nia i n k 1 u z (^ , (IIa ktörcy go zatliie nie 
l)ierze zolazo. Oy. gJyby nie inkliiza, zbioralby po 
/iemi z^by I Jodnakze dobry, zlodzicy, na palasza ! 
Tylko trafil na lepszcgol 

Diese Stelle steht der Corneilleschen sogar noch näher 
als die oben aus dem «Chelpliwiec» zitierte, sie .steht ge- 
wissermaßen als Vermittlerin zwischen dem «Menteur» 
und dem «Chelpliwiec» : bei Corneille hat der Held, der 
das Duell erfindet, das Zaubermittel, mit dem er den 
Gegner wieder herstellt; bei Bohomolec im «Urazai^cy 
sie» hat nicht der Held, der das Duell erfindet, sondern 
der von ihm angeblich besiegte Gegner das Mittel, mit 
dem er sich selbst wieder heilt; im «Chelpliwiec» schließ- 
lich hat der Held, der seine Duelle erfindet, das ^liitel, 
mit dem er sich selber gesund macht, während vom Gegner 
oder von den Gegnern in diesem Zusammenhange gar 
nicht die Rede ist. Jedenfalls ist das hier Vorgebrachte 
ein neuer Beweis dafür, daß Bohomolec auch Corneilles 
Komödie berücksichtigt hat. 

Einen andern Beweis erhalten wir weiterhin durch 
die Tatsache, daß öamochwal wie Dorante unerwartete 
Sprach kenn t n isse besitzt, mit denen er prahlt. Bei 
Corneille lesen wir folgende Stelle (IV, 3): 
CLI: Vous savcz donc l'hebrcu? 

DOR: L'hebreu? Parfaiteinont. 

.l'ai dix langucs, Cliton, ä nion commaiidenient ! 

Etwas sehr Ähnliches sagt auch Samochwal (1, 1): 

SAM: Ja pi^tnascie i^zyköw umicm, a kazdy doskonalc. Ca 
siQ zas tyczy polskicgo i^zyka, ton lepiey nad iniie 
umiem, bo matka moia byla polka rodowita. 

Diese Reihe der Zusammenstellungen sei endlich n.dt 
noch einer letzten Parallele abgeschlossen. Bohomolec' 
Held prahlt folgendermaßen von seinen kriegerischen 
Heldentaten (I, 2): 



21S Kapitel IV. 

SAM: Y po dzis dzien m e i m i (j tarn (auf Miiiorca) wspo- 
minni;\ z honorem. Waszmosc Panov. ie miewacie ga- 
zety paryskie? 

Ebenso behiuiptetDorante als Kriegsmann so berühmt 7A1 sein, 
daß die Zeitungen oft seinen Namen genannt haben (1,3): 
DOR: Et durant ces quatre ans 

il nc s'est fait combats ni Sieges importants, 
nos armes n'ont jamais remporte de victoire, 
Oll ceUe mala n'ait eu Ijonne part ä la gloire: 
et meme la gazette a souvcnt diviilgues . . . 
Moii n o m daiis nos succes s'etoit mis assez haut 
poiir faire qiielcfue bruit sans beaucoup d'injustice. 

Daniit tretcni wir an eine neue Frage heran : welcher 
Art sind die Prahlereien des Bohomolecschen Helden? 
Es erweist sich da zunächst, daß der Samochwat, als 
Charakter betrachtet, dem Corneilleschen Helden näher 
steht als dem Goldonischen, und zwar ist die eben zitierte 
Stelle gerade das entscheidende tertium comparationis. 
Lelio ist nicht bloß lügenhaft, sondern zugleich auch mit 
ausgeprägten Don Juan-Zügen ausgestattet; diese letzteren 
sind auch eigentlich die Quelle seiner Lügen. ^^ Freilich 
ist auch Dorante lÄigner, weil er Don Juan ist, aber außer- 
dem finden wir in der Zeichnung seines Charakters deut- 
lich akzentuierte Züge eines bramarbasierenden Soldaten, 
— davon zeugen z. B. seine Prahlereien mit seinen ver- 
meintlichen Heldentaten in Deutschland, obgleich er 
niemals Soldat gewesen ist, sondern eben erst den Stand 
eines Scholaren verlassen hat. Die Notwendigkeit, die 
teilweise erfundenen galanten Abenteuer des französischen 
oder italienischen Helden durch andere zu ersetzen, seinen 
Erfindungen eine andere Richtung zu geben, hat Bohomolec 
dazu gezwungen, den Charakter des Goldonischen Lügners 
in den eines Prahlers umzubilden. Und nun scheint es 
mir nicht ausgeschlossen, daß es gerade jene Bramarbas- 

1'^ Richard S c h m i d b a u e r , Das Komische bei Grol 
doni (München 1906), S. 67. — Comeilles Dorante steht in dieser 
Beziehung dem Alarconschen Helden Don Garcia, einer Art Fan 
farron- Variation, näher als Groldonis Lelia. Vgl. H. A. Palu- 
dan, a. a. 0., S. 229, Bohomolec' Held nähert sich somit wieder 
dem Urbilde der ganzen Reihe. 



Sonstige Quellen Verhältnisse bei Holinniolcc. :21') 

ziige im Charakter des Corncillpscheii Dorante gewesen 
sind, die ihm die Idee eingaben, diese Seite" in der 
Persönliclikeit des neuen Helden besonders zu betonen. 
Eine Handlung hat die polnische Komödie nicht. 
Das einzige aktive Element derselben besteht darin, daß 
Samochwal seine Freunde zweimal zu sich in sein nicht- 
existierendes Palais einlädt, und daß der Dienen beide- 
mal etwas erfinden muß, um sie davon abzuhalten, der 
Einladung Folge zu leisten. Beidemal wendet dieser eine 
List an, die nicht Bohoraolec' Eigentum zu sein scheint: 
das erste Mal erfindet er die Geschichte von dem bevor- 
stehenden Überfalle auf Samochwals Palais, den die von 
ihm l.)esiegten Kavaliere zu verüben beabsichtigen (f, 4). 
LKO: Ostrzegl miQ iedeii przyiaciel, ze tanici kawalerowie w 
nocy od'niego porc^bani maijv napa§c na niego w palacu 
podczas samey kollacyi. Ma ich byc wi^cey niz dwie- 
scie . . . Juz sIq prawio wszyscy od tcy kollacyi wy- 
möwili, skoro siQ o tym z\vij\zku leg) nioprzyiaciöl 
dowifKlzieli. Ci strasznie sIq zcstroiU: z sfrzolbami, 
pistoletami, muszkietami. Mai^i napasc na palac y 
wszystkich tak domowych iego iako y przyiacidl maiii 
zabiiac. Kto takioy liczbie mozc si? oprzec ? 

Das ist dasselbe Motiv, das auch im «Ubogi pokorny» 
vorkommt, und das ich oben aus einer Poreeschen Komödie 

i-i ^Vcnll Samochwal unter anderem (I, 2) damit prahlt, daß 
er Minorca erobert habe an der Spitze von «pi^c regimentow 
francuzkich naydzielnicyszych», und dann später näher erklärt: 
«bo trzcba o tym wiedziec, zem ia naypierw wpadl na koniu 
do Minorki, gdysmy iey dobywali», trotzdem es eine Seeschlacht 
war, denn sein indisches Roß hätte ihn schwimmend zum 
Schiffe des Königs von England getragen, der vor ihm fliehon 
mußte (III, 2), so ist das deutlich eine Reminiszenz aus der 
Fatouvilleschen Komödie «Arlequin Jason», die wir in der Sam!n- 
lung der Gherardi (Bd. I, S. 176) finden; hier erzählt Arlequin 
gleichfalls von einer Seeschlacht : 

ARL: ... Je detachay qnatrc Fregattes qui monterent teste 
baisseo dans le Fort, & s'en rendiren^ los maistres. Le 
Signal de la l>ataille estant donni'-, 1 a C a v a l e r i e 
comnionra ä escarmoucher. 
T.A REINE: Come la Cavalleria sopra il Marc? 
ARL: Ouy, Madame, c'estoit des Chevaux marins qxie j'avcis 
mis sur les alles ... 



2i>0 Kiipitel ly. 

herzuleiten versucht habe (S. CA)). Das zw-eite Mal (ill, 4) 
orlindet Leopold eine andere Geschichte, um die Gäste 
von dem Hause seines Herrn fernzuhalten, nämlich die 
Fabel von einer plötzlich ausgebrochenen Seuche: 

LEO: Ach, Mospaiiie, inkie nieszez^scie! 

SAM: Co tnkiego? 

LEO: Idz Waszmosc Pan pr^dzey do palacu swego. Obacz, 
CO tarn trupöw lezy! 

SAM: A to iak? 

LEO: Nie tylko dworscy Waszmosc Paiia, ale y goscie, ktörzy 
Pio na obiad ziechnli, mi^dzy temi tnipami znayduia si^. 

SAM: Ale coz to przecie? Möw mi prqdzey, z iakiey to 
przyczyny V 

LEO: Te dywany, ktöre Waszmosc Paiiu z Turek przywie- 
ziono, skorosmy rozpakowali, zaraz ludzie uniierad 
zacz^li y iako muchy popadali. 

ALK: Musiaty byö z apo wi etrz oneV 

LEO: Tak tez inniemaia. 
Wir erkennen hier unschwer ein Motiv, das Bohomolec 
schon in einer anderen Komödie benutzt hat, besser — 
das wir schon in einer anderen Komödie konstatiert 
haben. Bei der Abfassung der «Przj^'aciele stolowi» er- 
setzte, wie bekannt, Bohomolec die Erzählung von den 
«mostella», die der Diener bei Plautus seinem heim- 
kehrenden Herrn auftischt, durch eine Geschichte von 
der plötzlich ausgebrochenen Seuche, ^^ und da die Situation 
im «Chelpliwiec» derjenigen in den «Przyiaciele stolowi» 
auffallend ähnelt, können wir ruhig annehmen, daß das 
Motiv aus dieser Komödie in jene hinübergewandert ist. 

Die «Handlung» schließt damit, daß Samochvval sich 
in seine eigenen Lügen verstrickt und in die Falle geht, 
die die beiden mißtrauisch gewordenen Kavaliere ihm 
absichtlich stellen. 

Dieser Schluß ist in ganz auffallendem Grade iden- 
tisch mit dem Schluß einer anderen Komödie unseres 
Paters, die auch hier behandelt werden muß, weil der 
Held derselben nichts anderes ist als eine Variation des 
Helden des «Bugiardo», des «Menteur», des «Chelpliwiec», 

JS Vgl. oben S. 118 f. 



Sonstiyre Quellenvcrlulllnisse bei Hohomolec. 



2^21 



und weil die f^anze KomixJie in ungefälu- demselben Ver- 
hiiltnis zur Guldonischen und zur Corneillesclien Komödie 
steht wie der «Chelpliwiec». Ich führe hier zum Beweise 
dieser Behauptung zunächst den Schluß heider polnischen 
Komödien an, indem icli vorausschicke, daß der Held 
des «Junak» — denn so heißt der Titel dieser an- 
deren Komödie — genau wie Samochwal einige Kavaliere 
durch seine Lügen in Harnisch gebracht hat, und daß 
er in die von ihnen gestellte Falle geht. 



C h e 1 p 1 i \v i e c : 



ALK: 



SAM: 
ALK 

SAM: 

ALK 

SAM: 



. . . Mam tyle Hinialosci, 

ze tak zatnej^'o kawalera 

mam wyzwac na poiedy- 

nek. 

Na poiedynek? 

Tak iest. Prosz^ y wyzy- 

waui. 

^V'aszmosc Pan chcesz ze 

mna poiedynkowac? 

Nie inaczev. 



to' 



ze mna 



V 



ze 



SAM 
ALK 
SAM 



Jakby 
mnaV 

ALK: Z Waszmosc Paneiii, z 
Waszmosc Paiieml 
Waszmosc Pan ze miifi? 
Ja z Waszmosc Panem I . . 
Dia przyiazni to czyni^ 
"Waszmosc Panu, ze mu 
dai^ czas do uwazenia, 
iakie zl^d dla niego moze 
wyniknac niebezpieezen- 
stwo. 

Dzi^kuig za t^ lask^ iak 
naypokorniey y oznaymui^, 
ze ia nie uwazain na zad- 
ne niebepieczeiistwo , 

gdzie chodzi o möy . . . 
honor. Nie bawmy si^ 
teJy, Czekam ! 

SAM: Ale . . . Tylkoz . . . Przy- 
pomnij . . . Wszak Wasz- 
mosc Pan slyszal^ co ia 
umiem? 

ALK: Jawszystkiegozapominam, 



ALK: 



J u n n k : 

ROB: Przepraszim Waszmosc 
Pana, ze nie mogq tu 
dluzey bawic. Dalem 
pewnemu kawalerowi pa- 
rol, ze mam z nim expery- 
mentowac. Muszq po- 
spieszyc-, bo iuz ta i^'odzina 
przyszla. 

Pizepraszam, ze niepier- 
wey . . . 

Chcesz Waszmosc Pan, 
zebym ia honor slracil, 
niestawiqc si^puiiktuabiie 
na placu? 

Pierwey Waszmosc Pan 
niasz si^ ze mna rozpra- 
wic . . . 

Ja tu nie mogQ sluzyö 
Waszmosc Panu, bom ia 
ieden, a Waszmosc Panow 
dwöch. Sita zlego dwöch 
na iednego. 

KLE: Ja sIq nie mieszam do 
tego poiedynku, tylko si^ 
dziwuit;, ze Waszmosc 
Pan . . . dwöch l^kasz si§. 
Ja si^ l^kam? JaV Ach, 
gdybym miid czas, tobym 
to wnet . . . Nie chc^ wi(j- 
cey möwic. 

Mosvze, CO mialos möwic. 
To mialem möwic, zew net 
dobylbym p liasza y sJuzyl- 
bym Waszmosc Panu. 



DOR 
ROB: 

DOR; 
ROB: 



ROB; 



DOR 
ROB 



i22 



Kapitel IV 



SAM: 



ALK: 



SAM; 

ALK: 



SAM; 



ALK; 
SAM: 



ALK: 

SAM: 
ALK: 



SAM; 
ALK: 
SAM; 



ALK; 
SAM: 
ALK; 



SAM: 
ALK; 



pdy mam Iiouor w pami^j- 

ci. 

Olöz in Waszmo^ö Panu 

przypomn^. Wiesz Wasz- 

mosc Fan, ze ia . . . 

Wiem, wieni, zes Wasz- 

mosc Pan baidzo dzielny 

kawaler 

A przeciez? 

A przeciez mam lyle smia- 
tosci, ze si^ chcQ spotkac 
z Waszmosö Paiiem. Pro- 
sz^ tedy nie bawid. Tu 
na tym mieyscu zelaza 
sprobuiemy! 

Ja znam na AV7lot, czego 
chces-z Waszmo8C Pan. 
Dia lego chcesz ze mn^ 
spotkad f-i^, zebys si^ m6gl 
potym pzczycic, zeö ze 
mn^. takim kawalerem, 
miat spraw^. [kam. 

Prawdii, tego honoru szu» 
Olöz pizepraszam, nie b§- 
dziesz go Waszmosc pan 
mial. 

Ale proszQ mi lego szczq- 
ßcia nie zayrzec. 
Nie b^dzie nie z lego! 
Kiedy prozba tey laski 
ziednac mi nie moze, to 
palasz ziedna. Dobyway 
broni, hultaiu! 
Jakto? 

Oto tak, iak ia dobylem. 
Ale iakoby to mnie Wasz- 
mosc Pan bultaiem nazy- 
wasz V 

Ciebie, ciebie, filucie! 
Co ieszczeV y «filucie»? 
Ciebie, möwi(?, ciebie! 
Dobyway zaraz, bo ia 
zaczynam poiedynek. 
Jakto? 

Oto tak! Zuczynaml (Chee 
go r^bac:-; 



DOP^: WiQC dobyway! 

ROB: Juz rnowi^, ze czasu nie 
mam. 

DOR: Nie na czasie ci zbywa, 
ale na sercu! 

ROB: Mnie na sercu zbywa? 
mnie? MospaniC; pierwey 
zgin^ö potrafi^ niz si§ 
przelQkn^ö kogo. 

DOR: A czegoz Ia r^ka drzy 
Waszmosc Panu? 
j ROB: Przepraszam, nie drzy, 
ale od radosci skacze, ze 
si^ iey podaie plac do 
pokazania tego, co umie. 
Y iuzby si^ ona dawno we 
krwi pienila, gdyby nie 
pewne okolicznosci. 

DOR: Niechze sIq pieni! Dobf^dz- 
I my palaszöw! 

i ROB: A dobyd? 
' DOR: Czekam! 

ROB: Kiedy tak — dobywaymy! 
Ale . . . wszak to ia zapo- 
mnialem, ze lest exkom- 
! munikacya na poiedynkit 

i DOR: Dobrze, ze masz czym 
j pokryc tvvoie tchörzostwo. 

ROB: Dziwna rzecZ; ze u Ichmos- 
ciöwdelikatnosdsumnienia 
lest tchörzostwem. Otöz 
na dowöd, zem nie tchörz, 
we^ Waszmosö Pan dys- 
pens^, zehym mögl z do- 
brym sumnieniem poiedyn- 
kowad, a obaczysz, iak 
delikat nie usluz^ Wasz- 
mosc Panu. 

DOR: Sluchay, schoway si§ z 
temi zartami! Widz^, zes 
tciiörz, y zawsze ci^ b^d^ 
miat za ostatnieKO. 



Sonstige Qiiellenverhä'.tnisse bei Bohomolec. 



4-23 



In beiden Komödien wird hier ilic iiandlun;; durch das 
Dazwit^chenkonimen einer dritten Person iintcri)rochen. Im 
«Chelpliwiec» kommt Alkanders Freund Dorant, im «Junak» 
Dorants Freund Leander, beide mit Polizei. In der erst- 
genannten Komödie kommt zugleich der alte Anzelm, um 
Samochwal nach seinem Sohne auszufragen. 
ANZ: Moöci Dobrodzieiu, sly:;Za- ! LEA: Nie l>au"iny si^ ledy. zol- 



leni, ze Waszmosd Pan 
znaszSamochwala. Chciey- 
mi z iaski swey oznay- 
inic gdzie si§ oii obraca. . . 

SAM : Wiem ia o nim. Powiein 
Waszmosö Pauu, ale se- 
kretnie. i 

ALK: Nie pozwalamy lu zadnych • 

sekretöw. M6w Waszmoßc i LEA 
I'an iawuie, itsü masz co i 



nierze, wzac \v kaydany 

Je^'on.oKcia! 
ROB: Jeszcze y w kaydany? 
LEA: Ale iakzeV Mani taki roz- 

kaz. 

Ale Mosci Dobrodzieiu, 

przynaymniey trochq po- 

czekp.d. 

Radbyrn ns- lym stuzyc, 

ale nie mog^. 



ROB; 



möwic. 

SAM: JesL taki sekrel, klörego j ROB: Ja to dla zarlu tylko y 

wydac nie mog^. ' rozrywki mowilem. 

ALK: Jesli nie mozesz, nie przy- ; KLE: Jakto? Wi^c Waszmosö 



muszamy. ^ohiierze, za- 

raz go okowac! 
SAM: Ale zaraz, zaraz ! Tylko sIq 

rozmöwi^ z Jegomosö Pa- 

nem Anzelmem. 
ANZ: A Waszmosö Pan wiesz 

Dioie imi^. 
SAM: AViem, wiem, ale . . . 
DOR: Ale my siq bawimy. Wez- 

cie go, okuycie! 
SAM: Zaraz, zaraz! Otöz powieni 

W^aszmoscPanomszczerze, 

ze nie ia to z owemi ka- 

walerowrimi poiedynkowa- 

lem. Y na to przysi^gam. 

ALK: Jakto? Alboz to Wasz- 
mosc Pan klamal, gdys 
nam ten poiedvnek opisy- 
wal? 



SAM 



Mosci Panowie. wyznai^ 
szczeize, cokolwiek mö- 



Pan ze mnie zarlowales? 

LEA: . . . Wezcie go zaraz w 
kaydany I 

RFß: Ale Mosel Dobrodzieiu, 
slöwko tylko, sJöwko! 

LEA: Slucliam. 

ROB: Ale Waszmosö Panu tylko- 
samemu powiem, y to pod 
sekretem. 

LEA: Pizepraszam. Ja w tych 
okolicznosciach nie niog^ 
z Waszmcsc Panem ga- 
dac sekretnie, zebym nie 
wpacU w iakie. podeyrzenie. 

ROB: Jc-dnakze . . . 

LEA: Ale darmo! Zohiierze, 
wnet go wzif^c w kaydany f 

ROB: Olöz powiem publicznie y 
przysi^gara na niebo y 
ziemi^, ze nigdy w zyciu 
mym nie poiedynkowalem. 
Cokolwiek mowilem, tom 



±21 



Kapitel IV. 



wilem WaszjHOtir' i'anom 
dia /.artu lylko niöwilem . . . 

ALK : Wi^c wszystko to kiamslwo 
In'lo, cos nam prawil. . .V 

SAM: Wszystko to tylko chlubiac 
si^ inövvileni. Ale daruy- 
cie mi dla Hoga! 

ALK: Poiiievvaz iuz wyziialei^, 
kto iestes, my tez wyzna- 
iemy, ze nam zaden ani 
krenny ani przyiaciel nie 
tylko nie zginal, ale ani 
tez lest raniony. Udali- 
smy Iq rzecz przed loha, 
zebysiny tey prawdy dociek- 
11, klöra sitj teraz wyda- 
Ya. Smieici ani kaydanow 
nie l^kay si^. Do kozy 
iednak pöydziesz y b^- 
«Iziesz si^ tarn wyplacaj 
za te cliluby. ktöremi na^ 
uvvodziles. Wezcie go, 
zolnierze, y zaprowadzcie 
go de kozy. 

SAM : Ach, Mosel Dobrodzieiu . . . 

DOR: Ktaniamy, Mosel Panle 
markizie de Kuraz! 

ALK: Klaniamy, Mosel Panle 
komendaneie austi7acki ! 

ANZ: Klaniam y ia, Mcspanie 
francuzie! 

SAM: Ach, oycze möy y dobro- 
dziey, pizynaymniey Wasz- 
mosc Pan . , . 

ANZ: Nie poznaJes mi^ za oyca, 
nie znam ci§ za syna. 
Dobrze tak na ci^! Nie 
wynos si^ \N7zey, niz ei 
stan pozwala, 

SAM: Nie odst^puy ty mnie przy- 
naymniey, Leopoldzie. 

LEO : Przepraszam, Mospanie, 
Boi^ si§ tani ii^c, gdzie 
Waszmosd Pana prowadz^, 
bo to mieysce zapowie- 



mövvil dla zartu y chluby. 
Jezeli inacxey iesl, boday- 
by initj ... 

LEA: Stöy, stöy! Nie przeklinay 
si§! Wierzymy bez tego, ze 
Waszmosö Pan nie wielki 
kawaler. Ta sama chelpli- 
wosc Waszmosc Pana, 
pizez klörj^ chciales si^ 
udad za kawalera dobrego, 
vvyperswadowala nam, ze 
Waszmosc Pana r^ka nie 
z^'adza s\q z iQzykiem. Im 
kto lepszy kawaler, tyni 
mniey porywczy lest do 
poiedynköw y naymniey 
nich gada. Podiego to 
serca zwyczay zalecac sie- 
bie samego y to sobie 
przypisywac, do czego sIq 
nie poczuwa. 

'Wszak prözna beezka 
szumi, a wiatr iq, obali; 
pelna stoi, choc milczy, 
chociaz si^ nie chwali', 
napisal autor 'Argenldy 
Polskley'. Wledz tedy 
Waszmoöc Pan, ze to 
wszystko, cosmy czynili, 
iest zart, na odkrycie y 
zawstydzenie chelpliwosci 
Waszmosc" Pana ulozony, 
y ei zohiierze s^ zotnierze 
zmysleni. Wi^c zosta- 
wuiemy Waszmosc Pana 
na wolnosci y — klaniamy. 

DOR : Y ia za moie krzywdy sIq 
tym kontentui^ ukara- 
niem. 

KLE: Wez Wäszmosö Pan ten 
kawalek bohaterskiey sza- 
bli y nam za t(j nauczk^ 
b^dz wdziQczen! (Odcho- 
dz^). 

ROB: Frontynie, cosi^ to dzieie? 



Sonsliije Quellcnverhältnisso bei liohomolec. 225 

trzone dywanami tureckie- . FRO: Zazartowali z nos, Mospa- 

mi. ) nie. Dobrze to möwiii, iz 

SAM : Ale nieba\vi:ic . . . '^^hi^znie teil traci sbiA\\\ 

LEO: Dzic^kuiij. Mosci Üobro- kto iey nie-ki>ziiym szuka 

dzieiu. Jam chudy pacho- sposobem'. 

lek, nie — ka waler! 

Eine besondere Beziehung, sei es zur Goldonischen oder 
Corneillesclien Komödie, liegt hier offenbar weder im 
Schlüsse des «Chelpliwiec» noch in dem des «Junak» vor, 
wenn wir auch einräumen müssen, daß das traditionelle 
Motiv, wonach der lügnerische Held sich in seinen eigenen 
Lügen zu verstricken hat, auch dem Schlüsse der franzö- 
sischen und italienischen Komödie zugrunde liegt. Dagegen 
ist die Übereinstimmung zwischen den letzten Szenen der 
beiden Bohomolecschen Komödien ganz auffallend. Die 
beiden Komödien gehören unbedingt zusammen, und ist 
der «Chelpliwiec» auf Grund der obenbezeichneten Quellen 
entstanden, so haben wir natürlich recht zu vermuten, daß 
<liese eine ähnliche Rolle auch bei der Entstehung des 
« Junak > gespielt haben müssen. 

Wir können das auch direkt beweisen. Ich habe 
schon oben Gelegenheit gehabt, eine Stelle aus dem 
«Urazaiqcy si^» anzuführen, wo der Held prahlerisch be- 
hauptet, eben einen Gegner im Duell besiegt zu haben. 
Das geheinmisvolle Mittel, das Immunität gegen Wunden 
zu verleihen vermag, war dort aus einer analogen Stelle 
in der Corneilleschen Komödie genetisch erklärt worden. 
Erfindung eines siegreichen Duells aber finden wir sowohl 
bei Corneille wie auch bei Goldoni wieder. Bei Corneille 
wird der Lügner Dorante von dem Kavaliere Alcippe zum 
Zweikampfe herausgefordert, dem er sich aber zu ent- 
ziehen weiß (III, 1). Darauf erzählt er aber gleich seinem 
Cliton, wie er Alcippe getötet habe (IV, 1): 
DOR: Nous vidons sur le pre l'affaire sans t^moins; 
et le percj^ant ä jour de deux oups d'estocade 
je le mets hors d'etat d'etre jamais malade: 
il tombe dans son sansj. 
CLI: A ce compte il est raort? 

Siender*Petersen, Die Schulkomödien. 15 



'2'2i'y Kapitel IV. 

DOR: Jo le laissai pour tel. 

CLI: Ortes, je plaius soii sort: 

il etoit honnete homme; et le ciel ne deplaie . . . 

Da erscheint Alcippe plötzlich lebend auf der Bühne 
(IV, 2), und Cliton flüstert Dorante ironisch zu: 

Ijes gens que vous tuez se portent assez bien. 

Ebenso fordert bei Goldoni Ottavio den vermeintlichen 
Nebenbuhler Lelio heraus (II, 18): 

Se siete uomo d'onore, ponete mano alla spada. 

Das Duell kommt zwar nicht sofort zustande, aber auch 
Lelio weiß seinem Diener Arlecchino ein Märchen aufzu- 
tischen (II, 19): 

ARL: Sior Padron, cossa feu colla spada alla man? 

LEL: Fui sfidato a duello da Ottavio. 

ARL: Avi combatlü? 

LEL: Ci battemmo tre quarti d'ora. 

ARL: Come ela andada? 

LEL: Cön una stoccala ho passato il nemico da parte aparte. 

ARL: El sarä morto. 

LEL: Senz'altxo. 

ARL: Dov'e il cadavcre? 

L?X: L'hanno portale via. 

Da tritt plötzlich Ottavio auf (11,20): 

ARL (fa degli atti di ammirazione, vedendo Ottavio) . . . : 

Sior Padron, el morto camina (ridendo). 
LEL: La collera mi ha acciecato. Ho ucciso un'altro in vece 

di lui. 

Mit ganz geringen Veränderungen wiederholt sich dieses 
Motiv bei Bohomolec. Der tapfere Kavalier Dorant, der 
Roberts Prahlereien nicht rnohr aushalten kann, fordert 
diesen heraus; nur mit Hilfe schlechter Ausflüchte gelingt 
83 die.=em, dem drohenden Duell zu entgehen (II, 4). Den 
beiden anderen Kavalieren (Kleon und Leander) aber er- 
zäldt er, er habe eben Dorant getötet, während diese ihn 
doch eben lebend und unversehrt haben vorbeigehen sehen 
(11,6): 

LEA: A dawno to nieszcz^6cie spolkalo Doranta? 

ROß: Ledwie pölgodziny b^dzie. 

LEA: Pölgodziny zas? To byc nie moze, bo6my go dopieru- 
tenko zt^d id^cego spotkali. 



Sonstige QiiellenverhäUnisse bei Holiomolcc. 227 

I\()B: Doranta zas? 

KLE: Doranta. Y iani go temi oczami widzal dopiero /ywego 

y zdrowego. 
KU15: Cha cha cha! Nie on to byl, nie! 
LRA: Czyz niy iogo nie znaniy? 
HOB: Ale nie on, zapevMiel 
KLE: Ale co Waszmoäi: Pan möwisz?! 
\U)B : Nie on (o, nie I To iego dusza iiieborarzka, 

ktöni polecam swi^tym modlitwom Waszmos6 ParisUva, 

y sam id^ dawac za iiir^ ialmuzny. Klauiani moirn 

Dobrodzieioin ! (Odchodzi.) 

Zu Anfang des dritten Aktes kommt aber der «tote» 
Dorant auf die Szene, gerade in dem Augenblicke, da 
Kleon mit dem Prahler redet (III, 1): 

KLE : . . . }?o ia Doranta niedawno widzialem zdrowiuten- 

kicgo. 
HOB : JuzoMi möwil, ze to dusza iego byc nuisiala. Ona teraz, 

nieboraczka, tula si? y nawet y mnie si^ pokazala. 

Jam i^ ])rzcpraszal, a ona \vesiclm:\\vszy uciekla ode 

ninie. Tak to dalem si^ iey we znaki, ze si^ nawet po 

smierci mi? l^ka. 
KLE (postrzeglszy Doranta tarn idacego, möwi): Otöz znown 

dusza Doranta tu idzie. 
ROB: Acb, prawdziwie ona. Klaniam Waszniosc Panu! Ja 

umarlych cierpiec nie mogQ 1 
KLE : Zaczekay Waszniosc Pan, moze ma iaki interes. 
P«.UB : Nie niog^, nie mdg^ ! Ja z umarlymi nie chcQ miec 

sprawy. WoIq pöysc y za niq. iatmuzny rozdäwac. 

(Chce odcliodzic. Kleon go ^a r^kg utrzymuie.) 
KLE: Ale zaczekay Waszniosc PanI Trzeba t? «duszQ nie- 
boraczka» ratowac. 
ROB: Dayze mi Waszniosc Pan poköy! 
KLE : Otoz y dUsza Doranta! 

Diese Zusammenstellung macht es somit wahrscheinlich, 
daß Bohomolec bei der Abfassung des <Junak» noch 
unter dem frischen Eindruck der beiden Quellen des 
«Chelpliwiec» stand. Freilich bietet der Charakter des 
«Junak», wie er in dieser Komödie vor uns steht, ganz 
bedeutsame Abweichungen vom «Bugiardo» resp. «Men- 
teur», aber auch das läßt sich genetisch leicht erklären. 
Denn schon der «Chelpliwiec» ist kein lügenhafter Don 

15* 



258 Kapitel IV. 

.Tiinn, wie der Held der beulen Quellen, Pondern zeigt 
deutlich die akzentuierte Tendenz, in den Typus des 
«miles gloriosus» überzugehen, was um so begreiflicher 
ist, als schon der Held des «Menteur» eine ausgesprochene 
Neigung zum Bramarbasieren hat. War aber der «krie- 
gerische» Zug in der Physiognomie des Samochwal nur 
ein Zug unter vielen und verschiedenartigen anderen, so 
lag der Gedanke nicht allzu fern, denselben Typus um 
einen einzigen charakteristischen Kern zu konzentrieren: 
i'in solcher ist hier das militärische Element oder — etwas 
modifiziert — das Duell. 

Können wir somit den «Chclpliwiec», den «Junak», 
den «Ubogi hardy» auf gewisse Goldonische Komödien 
zurückführen, so fragt es sich, ob damit das Goldonische 
resp. überhaupt italienische Element, was die Quellen- 
frage anbetrifft, erschöpft ist. Bohomolec ist ja zu einer 
Zeit in Italien gewesen, da die Commedia dell'arte zwar 
stark verblaßt, aber noch keineswegs ganz verschwunden 
war, da Goldoni eben sein Reformwerk begonnen hatte; 
Bohomolec wird somit sicher selbst die Gelegenheit gehabt 
haben, die beiden Strömungen zu beobachten, ohne viel- 
leicht über die Bedeutung des literarischen Konfliktes zwi- 
schen dem Neuen und dem Alten bewußt im klaren zu 
sein; vielleicht hat Bohomolec auch noch Comraedie al- 
l'improvviso von Goldonis eigener, früherer Komposition 
gesehen; jedenfalls ist es ein Ding der Unmöglichkeit, jetzt 
noch ganz konkret das in Bohomolec* Produktion rein- 
lich herauszuschälen, was einerseits Goldoni, andererseits 
der Commedia dell'arte sein Dasein verdankt. 

So haben wir zum Beispiel die erste Komödie mit 
dem Titel «Figlacki polityk teraznieyszey mody». 
Die Quelle der Handlung, die dieser Komödie zugrunde 
liegt, — wir müssen auch hier wie bei der Besprechung 
des zweiten Teiles die Gestalt des Titelhelden von dtm 
Gange der «Intrige» absondern — ist bisher niclit ent- 
deckt. Sie ist auch mir unbekannt geblieben. Dennoch 
sind gewisse Vermutungen über den wahrscheinlichen Ur- 



Sonstige Quellenverhältiiisse hei Hohomolcr. 229 

Sprung cKr vorliegenden Komödien zulässig uiul niö^ilich. 
Kielski ^*^ hat die Überzeugung ausgesprochen, daÜ aucli 
dieser erste Teil, ähnlich wie der zweite, unter dem Einfluß 
der «Fourheries de Scaj^in» entstanden sei. Bewiiso da- 
für gibt er nicht, und ich lind»} auch, daß diese Behaup- 
tung sehr unwalirsclu'inlifh ist. Slrusinski '" steht meiner 
Meinung nach auf einem Standpunkte, der der vermut- 
lich wahren Sachlage bedeutend näher liegt: er glaubt, 
d.iß Figlacki zugleich italienischen und Molierischen Ur- 
sprungs ist. Doch hat Strusinski dal)ei den Fehler be- 
gangen, die Gestalt des Figlacki — also nicht nur seine 
]v'>lle in der Intrige, sondern auch seinen Charakter und 
seine, von Bohomolec bekämpfte Weltanschauung — aus 
derselben Quelle erklären zu wollen, ohne zu bemerken, 
daß diese Gestalt mit der Rolle des Figlacki in der Ko- 
mödie eigentlich nichts zu tun hat. 

Es sei gleich bemerkt, daß die Szene II 1, 2, wo die 
beiden von Figlacki genasführten Alten, von denen jeder 
glaubt, der andre sei taub, zusammentreffen und feststellen, 
daß sie ein Opfer gemeinster Betrügereien geworden sind, 
einerseits den Höhepunkt der ganzen Komödie darstellt, 
dessentwegen vielleicht die ganze Komödie entstanden ist, 
und um den sich der Rest der Handlung eigentlich grup- 
piert, andrerseits aber ihre Quelle nicht etwa in irgend- 
einer französischen oder italienischen Komödie, sondern 
wnhrscheinlich — und zwar wohl zum ersten und 
einzigen Male — in einer alten polnischen Farce 
oder xVnckdote hat. Schon I^ukasz Görnicki (1527 — 
1603) erzählt in seinem bekannten Werke «Dworzanin 
Polski» (1566) im Kapitel «0 zartachx', wie ein gewisser 
pan Gizycki seinem Gaste, dem Kiakauer Kastellan 
Szydlowski, weisgemacht hatte, daß seine (Gizyckis) 
Frau halbtaub sei, und daß man daher im Gespräch 
mit ihr sehr laut schreien müsse; der Frau aber 



IC Kioiski. n. a. 0., S. 444. 

1' S t r u s i 11 s k i , a. a. 0., S. 248. 



2.'?() Kapitel IV. 

erzählt er .<^enau dasselbe vom pan Szydlowski. Als dann 
die beiden im Hause des pan Gizycki zusammentreffen, 
schreien sie beide, als wenn's ums Leben ginge, so daß 
die ganze Gesellschaft in homerisches Gelächter ausbricht. 
Bei ßohomolec hat diese Anekdote in der obengenannten 
Szeiie folgende Gestalt angentHnmen : 

TOW: Olüz podlug umoAvy idzie y Zarobski. Muszq z lyni 

gluchym krzyczec, iako möwil pan Figlacki. 
ZAR (möwi do siebic na stronie): Owöz ten gtuszec. Trzeba 

z nim wTzcszczec na cat<% glowQ, iak mi möwil pan 

Szczyrccki. 
TOW (hardzo krzyczac möwi) : Kianiam Waszmosc Pami. 
ZAR (lakzo krzyczac möwi): Shigam unizony! 
TOW (krzycz^ic) : Dawno chcialem si^ widziec z Waszmosc 

Panem ! 
ZAR (takze krzyczac): Y ia tego dawno pragnf\lem! 
TOW (krzyczy): Cheialbym wiedziei; przyczyn^ nielaski Wasz- 
mosc Pana? 
ZAR (krzyczy) : Y ia pragnc? tegoz sie dowiedziec ! Tvlko 

Waszmosc Pan nie chciey tak bardzo krzyczec, bom 

ia nie gluchyl 
TOW (krzyczy): Y ia z laski Bozoy mam dobry slncli! 
ZAR (krzyczy): Mnie möwiono, ze Waszmosc Pan nie dosly- 

szysz ? 
TOW (krzyczy): Owszem, to ia o Waszmosc Panii slysza- 

lem ! A ia si? do tego nie poczuwam ! 
ZAZ (möwi ciszey) : A slyszyszze Waszmosc Pan mnie tak 

möwiiicego ? 
TOW (krzyczy) : SlyszQ ! 
ZAR: Ale nie halasuy Waszmosc Pan: ia y cicho möwi<icego 

poslyszQ. 
TOW: Witjc rozmawiamy ciszey. 
ZAR: Przede mn^ möy przyaciel möwil, ze Waszmosc Pan 

masz bardzo t^py slucb, y ze möwi^cemu z Waszmosc 

Panem trzeba bardzo krzyczec? 
TOW: Toz samo ia od mego przyiaciela o Waszmosc Panu 

slyszalem. 
ZAR: Jakie to plotki! Ale chwala Bogii, zesmy ozdrowieli. 

Wi^c cheialbym wiedziec, co Waszmosc Pan masz do 

mnie, ze nawet do tego miasta przyiechawszy, honor 

möy szarjjales, pogrözki na mnie czyniles y zycia mi^ 

l>ozbawic chciales? 
TOW : Rardzoby siq mi uskarzac nalezalo, ze Waszmosc Pan 



Sonstij^e Quellenverhältnisse bt'l liuhouiolec. '2M 

to wszystko, CO nii zadaicsz, sam czyiiiles; nadto na 
padlszy w pi(,'t'dzie3ii\t szabel na niogo przyiaciela, 
ktüry za mnie slowko zarzucil, okrutnie go |X)ri\l)ales ? 
ZAR: Dziwne mi rzeczy Waszmosc Pan möwisz! sobie to 
nalczalo powiadac, ktöry mego przyiaciela, ze si^ za 
mnie iiii^l, wii^cey niz sto szabel zabrawszy, srogiemi 
ranami skaleczyles. A ia upewniam y przysij\dz go 
towem, zem dzis y iedjiey szabli goley nie widzial, 
anini slyszal zadnego za Wasznioäc Panem uyniuiii- 
cego si?. 
TOW : Ale iak si^ Waszmosc Pan mozesz tego zaprzec, kiedy 

ia widzialem go pora.banego, mego przyiaciela? 
Z.Mi: .lani tez widzial pon^banego mego przyiaciela, procz 
ktörego z zadnym o Waszmosc Panu y iedncgo slowka 
nie möwilem. 

TOW: Y ia sie sunmieniem ^wiadcz?, ze pröcz tego porj^ba- 
nego przed zadnym o Waszmosc Panu ani wspomnia- 
lem. 

ZAPi: Jakicyze postury len czlou'ick? 

TOW :Wzrostu iest wysokiego, w:\sik mu si(^ 
niedawno sypac poczal, pod nosem ma dwic 
v.argi, pod wargami broda ieszcze nie za- 
rosta, twarz mila ywesola ... 

ZAR: Dia Boga! tenze to iest, ktory czynit mi relacye o nie- 
lasce \\ aszmosc Pana, y ktorcgos Waszino§c Pan por.i- 
bal ! On mi möwil, ze Waszmosc Pan mnie szkalo- 
Avalos, a on si? za mnie ui:il. za cj potym Waszmo§c 
na niego z gromada, napadles y na mnie przegrazales 
si^. 

TOW : Stowo w slowo toz samo przede mna möwil o Wasz- 
iiiosc Panu ! Y gdym siQ przed nim oswiadczyl, ze 
chcQ sam z Waszmosc Panera rczmöwic, on mi odra- 
dzal, twierdza.c, ze Waszmosc Pan mi cbcesz zabic y 
ze gluchy iestes. 

ZAR : Wszystko co y przede mna möwil, prawie slowa iednego 
nie odmieniwszy, y przydal, ze z Waszmosc Panem 
trzeba glosno bardzo möwic, poniewaz nie doslyszysz. 

TOW : Ach. CO sie dzieie ! Jakze on si? zowie ? 

ZAR: Szczyrecki. 

TOW : A przede mna, si^ nazywal Figlackim. 

ZAR: Podobnieysza rzecz, ze iest Fig'ackim niz Szczyreckim. 

TOW : Ale Waszmosc Pan ieszcze mi iego opisz. 

ZAR : Jest m l o d z i a n r a z n y , w y s m u k l y , p e 1 e n 
kor w et 6 V.', glosu grubego, oka bystrego. 

TOW: Ton to s^-im czlowiek iest, iakbys go Waszmosc Pan od- 



I>3i2 Kapitel IV. 

iualo\s al I Dalom niu nayprzod tabakierkc. a poiym ]K) 

[Ktriibaniu 30 czcnvonych zlotych. , 
/.All: A ia iini dalem zcgarck, a potym na cyrulika 15 czer- 

wonych zlotych. 
TOW : niecnota ! Trzeba go iednak iak sprowadzic, zoljysmy 

si^ razeni obydwa z nim oko w oko obaczyli. 
/AU: Trzeba iednemu z nas skryc si? tu gdzie z boku, bj on 

nas obudwu widz^c nie poydzie. Ale prosz-j do siebie^ 

naradziiny sIq tarn Icpiey. (OdchodZii,.) 

Aber wenn die hier angeführte Szene, die in bezug auf 
Komik das Zentrum der Komödie bildet, auch aus einer 
polnischen Anekdote entstanden ist, so möchte ich dennoch 
die Vermutung aussprechen, daß die Ausformung und Ge- 
staltung der ganzen Intrige und die Auffassung gewisser 
Personen nicht ohne starken Einfluß seitens der italieni- 
schen Commedia dell'arte geblieben ist. Ich lasse mich 
dabei von folgenden Gesichtspunkten leiten. 

Was zunächst die Rolle und die äußere Figur des 
Figlacki angeht, so wird man sofort durch die Ähnlichkeit 
desselben mit dem wohlbekannten Arlecchino veranlaßt, 
ihn — genetisch — mit diesem zu identifizieren. In der 
Tat wird man in der schlanken, beweglichen, fröhlichen, 
scharfäugigen, an Bücklingen und Gebärden nicht sparen- 
den, tänzelnden und kapriolierenden, unter verschiedenen 
Namen auftretenden und sich immer wieder verkleidenden 
Spitzbubengcstalt desselben, wie sie das Gespräch der 
beiden Alten schildert, und wie sie auch sonst in der 
Handlung auftritt, — trotzdem das t^^pische Gewand 
und der charakterisische Bart fehlen — einen direkten 
Nachkommen des italienischen Arlecchino wiedererkennen 
dürfen, — freilich nicht den alten, dummen Einfalts- 
pinsel aus dem unteren Bergamo, den wir aus der 
Frülizeit der Commedia dell'arte kennen, sondern den 
späteren verschmitzten und pfiffigen Arlecchino, wie ihn 
besonders Domenico Biancolelli gegen Schluß des 17. Jahr- 
hunderts umgewandelt hatte. -"^ Und ist Figlacki ein Ar- 

^® Vgl. Oskar Klingler, Die Coiriedie-Italienne in Paris 
(Straßburg 1902j, .S. 137. 



Sonstig« (^uellenverhältnisse bei Boliomolec. :233 

Ic'cchino, so fällt es uns nicht scliwtT, im Pumocki einen 
Brighella oder Pedrolino, in den beiden Kautleuten Zarubski 
und Towarski etwa den «>niercatoro» Pantalone und den 
«dottore» Baloardo wiederzuerkennen. 

Auch die Ilaudlunt^, wie sie in Bohoniolec' Komödie 
vorliegt, dürfte einige Anhaltspunkte für eine Bestim- 
mung der eventuellen Quelle bieten. \\'ir können hier 
verschiedene Wege einschlagen. Wir können zum Beispiel 
unsere Aufmerksamkeit auf Fighickis Betrügereien richten 
und uns fragen, warum d»'nn Figlacki- Arlecchino den 
Zarohöki-dottore mit dem Towarski -Pantalone in Streit 
bringen wilP? Natürlich um Geld zu ergattern, das sagt 
uns schon Bohomolec selbst. Zwar will er es bei Boho- 
niolec für sich selbst ergattern, während seine Molivt; bei 
den Italienern weniger «eigennützig» sind, aber wir wissen 
schon aus unsrer Analyse der anderen, gleichnamigen 
Figlacki-Komödie, daß Bohomolec gern die uneigennützigen 
Zwecke, die in seinen Vorlagen (in diesem Falle den 
«Fourberies de Scapin») dem treuen Diener der jungen 
liorren zugeschrieben Averden, durch eigennützige, auf 
eigene Bereicherung gerichtete Ziele ersetzt. Wir kön- 
nen daher sicher auch hier annehmen, daß Figlacki- 
Arlecchino in seiner hypothetischen Quelle nicht für sich 
selber, sondern für einen jungen Herrn «arbeitete», der 
— wie immer — Geld für irgendeine Liebschaft benötigte, 
weswegen — wie immer — die «vecchi» geschröpft wer- 
den sollten. Der mutmaßliclu^ Lelio oder Ottavio aber 
war natürlich der Sohn eines der beiden Alten, der andre 
Alte aber der Vater einer geliebten Tochter oder vielleicht 
Besitzer einer schönen Sklavin. 

Andrerseits erlauben uns auch Figlackls und Pomockis 
Verbrüderung und ihre diebischen Manipulationen gewisse 
Reflexionen über die Intrige der mutmaßlichen «Quelle», 
Die Idee von Arlecchino und Scapino als Dieben ist näm- 
lich der CommeJia dell'arte keineswegs fremd. Um die 
Miite des 18. Jahrhunderts wurden zum Beispiel im 
Theätre Italien zu Paris zwei italienische «canevaggi» auf- 



i>3i tapitel IV. 

geführt, von denen der eine den Titel « Arlequin et Sca- 
pin voleurs» (1741), der andre, der von Favart herrührte, 
den Titel * Arlequin et Scapin voleurs par amour» (1751) 
trug. Noch älter als diese beiden war die 1717 auf- 
geführte Komödie «[^es voleurs ä la Foire»^®, die davon 
handelte, wie Scapin, «fameux filoux-, mit {«einem Freunde 
Trivelin einen Betrug nach dem anderen beging und 
schließlich mit dem gestohlenen Gute das Weite suchte. 
Wir könnten sogar diese Vermutung, daß Bohomolec die 
letztgenannte Komödie oder jedenfalls in einem anderen 
Zu.-ammenhange ihren Ingreß und Schluß gekannt hat, 
anderweitig erhärten. So beginnt der ßohomolecsche 
«Pan do czasu», der eigentlich eine Bearbeitung des 
Molierischen «Bourgeois-gentilhomme» ist, genau so wie 
die «Voleurs ii la Foire»: wie hier Scapin seinen Freund 
Trivelin dazu auffordert, an einem verlockenden Betrüge, 
den er plant, teilzunehmen, und zu dem Zwecke mit 
diesem die Abmachung trifft, daß er, Scapin, als feiner 
Herr, Trivelin dagegen als sein Diener in entsprechender 
Verkleidung auftreten sollen, so teilt bei Bohomolec, bei 
dem die Exposition neu ist, der eine «filut» Doreni dem 
anderen Furboni seinen Plan mit (1, 1) imd trifft mit ihm 
die Abmachung, daß er, Doreni. den Herrn, und Furboni 
den Diener spielen sollen, und wie bei Bohomolec Hernar 
nicht davon zu überzeugen ist, daß die beiden ihn be- 
trogen haben und längst über alle Berge sind, so sehen 
wir schon in der italienischen Komödie, daß auch dort 
die Betrogenen gar nicht verstehen wollen, daß Scapin und 
Trivelin nichts anderes als Diebe und Betrüger sind und 
längst d.is Weite gesucht haben. ^'^ Was nun den «Fig- 

13 Desboulmiers, Histoire anecdotique et raisonnee du 
Theätre Italien (Paris 1769), Bd. VII, S. 254—255; Bd. I, S. 191 ff. 

2ö Vgl, oben S. 162. — Nachträglich sei hier noch eine Be- 
merkung an einen Passus im «Argumente» zum «Pan "do czasip^ 
geknüpft, der für die genaue Bestimmung der Entstehung dieser 
Komödie Bedeutung haben könnte. Bohomolec sagt dort näm- 
lich gleich im ersten Satze: <^Ta komedya iest ulozona z owey' 
historyiki, ktora sie naszych czasöw we WI^d-- 



Sonstige Quellenverhüllnisse bei Boliomolec. 2:jr> 

hicki p()lityk> angeht, so kann zum Schkili noch darauf 
hingewiesen werden, daß unser Held sclion hei jenem Tri- 
velin hätte lernen können (und vielleicht auch gelernt 
hat), wie man mit falschen oder bestochenen Polizeidienern 
(Sbirren) einen Betrug durciiführen kann: denn auch 
Trivelin hiklet dem alten Tantalon ein, daß man ihn, 
Trivelin, ganz grund- und sinnlos verhaften wolle, wo- 
durch es ihm natürlich wie in unserem Falle glückt, 
den Alten gründlich zu düpieren. 

Wenn wir das hier Gesagte erwägen, werden wir 
jedenfalls zu einem positiven Schlüsse gelangen. Zwar 
werden wir nicht sagen dürfen, Bohoraolec habe seine 
Komödie aus einer ganz bestimmten italienischen Vor- 
lage umgearbeitet — dazu fehlen uns die Beweise. 
Wohl aber werden wir behaupten dürfen, daß in unserem 
Falle ein ncht deutlicher Pjinfluß der Commedia del- 
l'arte vorliegt, ein Einfluß, der es wahrscheinlich macht, 
daß Bohomolec bei der Konzipierung seiner Komödie ent- 
weder an eine bestimmte, improvisierte Komödie mit einer 



s z e c h p r z y t r a f i 1 a-\, worauf er die Geschichte vom Hemar 
kurz wiedererzählt. Bohomolec scheint damit den unbozweifel- 
baren Molierisclien Ursprung seiner Komödie zwar nicht verneinen, 
aber doch verschleiern und als seine eigentliche Quelle eino 
anscheinend allgemein bekannte Geschichte, die einem Kut- 
sch e r ( !) in Italien pass^iert sein soll, l>ezeichnen zu wollen. 
Nun steckt sicher etwas Wahres hinter dieser Notiz. Ich habe 
schon oben (S. 22) darauf hingewiesen, daß die Handlung der 
Komödie nach Neapel verlegt wird; ^Molieres <<bourg."ois) 
wird nicht ganz ohne Grund zu einem Kutscher geworden sein; 
Heniar, ein Aus-änder aus Deutschland oder Holland (sein Name 
ist vrohl dculsch wie der des anderen Ausländers Droynar), hat 
das große Los (15 000 «scudi») in italienischer Münze 
gezogen ; sein Diener und die beiden Spitzbuben haben italie- 
nische (oder italienisch klingende) Namen : Serwoni, Doreiii, 
Furboni; er ist ein miles gloriosus (vgl. S. 316) nach der Art eines 
Spezzafer. Halten wir das mit dem hier oben Gesagten zu- 
sammen, so liegt der Verdaclit nahe, daß Bohomolec mit der 
«bistoryika) eine italienische Komödie, die er sogar in Neapel 
selbst gesehen haben kann, gemeint hat. Vgl. auch oben S. 60 ff. 



üaü Kapitel IV. 

Handlung, deren Spuren noch einigermaßen bei ihm zu 
sehen Find, oder an eine Reihe von solchen Komödien 
gedacht hat, aus denen dann Einzelheiten in seine eigene 
Komödie eingeflossen sind. 

Auch bei der Analyse des «Ubogi pokorny» kom- 
men wir leider nicht über das Gebiet mehr oder weniger 
trefibnder Hypotiiesen hinaus. Verschiedene Eigentüm- 
lichkeiten scheinen mir deutlich darauf hinzuweisen, daß 
wir auch hier keine ganz originale Komödie vor uns haben. 
So spielt die Handlung nach Bohomolec' eigener Notiz 
«w Lonniedy». Ein geographischer Ort, der diesen Namen 
trägt, existiert meines Wissens nicht ; auch verrät die 
Form des Wortes, die trotz des erwarteten Lokativs nicht 
die Endung dieses Kasus hat, daß es eine eigene Bewandt- 
nis mit ihm haben muß, und da wir andrerseits hier 
keinen Druckfehler voraussetzen können — findet sich doch 
dieselbe Ortsbezeichnung in allen anderen Ausgaben der 
Komödie — , so wäre es verlockend anzunehmen, daß wir 
hier in der Form «w Lon-nie-dy» eine willkürliche Um- 
stellung der Ortsangabe «w Lon-dy-nie» («in London») 
zu lesen haben. Damit ist uns aber wiederum nur sehr 
wenig geholfen, denn wie kommt Bohomolec dazu, die- 
sen Ortsnamen, wenn er wirklich London gemeint hat, 
so in mystisches Dunkel zu hüllen? Anzunehmen, daß 
Bohomolec eine zeitgenössische englische Komödie als Vor- 
lage benutzt hat, dazu liegt, meiner Meinung nach, kein 
Grund vor, da wir sonst keine englischen Vorbilder bei 
Bohomolec finden. 

Viel eher können wir vermuten, daß auch der «Ubogi 
pokorny > wie der «Ubogi hardy» italienischen Ursprungs 
ist. Darauf deuten vor allen Dingen die bei französicchen 
Komödiendichtern so seltenen szenischen Verände- 
rungen: der erste Akt geht in dem Hause des jungen, 
sympathischen Verschwenders Kleander vor sich, eben- 
so der dritt^i Akt («Theatrum pokazuie dorn naiety 
Jvleandra»), der dazwischenliegende zweito Akt dagegen 
Ist nacli Anz-lms, dea ei hofften Schwiegervaters Haus 



Sonstige Quellenverliällnisse bei Bohomoleo. 237 

verlegt. Weiterhin treten im zweiten Akte die iKuulrln- 
den Personen als Masken verkleidet iiiif, was gleichfalls 
auf ein italienisches Milieu deuten könnte. Analysieren 
wir die Intrige der Komödie genauer, so fällt ims unter 
anderem eine Inkonsequenz auf, die uns vielleicht den 
Schlüssel zur Auffindung des genetischen Verhältnisses 
geben könnte. Der ganze zweite Akt scheint über- 
flüssig zu sein : denn wozu läßt eigentlich der Dichter 
oder Bearbeiter den Sbrigani den Gang zu Anzelm tun, 
wenn sein Plan, ihn von dem in Aussicht gestellten Be- 
suche abzuhalten, zwar anfänglich zu gelingen scheint, 
dann aber vollständig fehlschlägt? Denn Anzelm er- 
scheint mit der ganzen Gesellschaft dennoch im dritten 
Akte bei Kleander. Der Kern der ganzen Handlung scheint 
mir an den Anfang des ersten Aktes und in den dritten 
Akt verlegt, und lassen wir einmal den zweiten Akt ganz 
außer acht, so ergibt sich uns folgende Handlung: Der 
alte kluge Anzelm läßt durch seinen Diener Johan dem 
zukünftigen Schwiegersohn Kleander seinen heute bevor- 
stehenden Besuch anmelden : 

JOH: . . . Ale bcz wielkich zachodöwl Jego kompania, z 
ktöra tu przyidzio, nie b^zie wi^ksza nad dwudziestu, 
y przed wieczerzji chc^ w maszkach taiicowac . . , 
Dwaiiascie pölmisköw na pierwsze noszenie dose b(;dzie. 
A dnigie z röznych owocöw, ciast &c,» 

In der zweiten Szene des dritten Aktes wiederholt Johan 
(aus Gründen, die wir aus dem eingeschobenen zweiten 
Akte erfahren) diese Selbsteinladung, mit der Zufügung, 
daß zwar nicht der alte Anzelm selbst, wohl aber seine 
Freunde sofort eintreffen werden. Während nun Kleander 
in der größten Verlegenheit schwebt, wie er die wirklich 
hereinströmenden Gäste bewirten solle, hat Anzelm selbst 
ein Abendessen bestellt, das von einem scheinbar betrun 
kenen «garkuchmistrz» und seinen Gehilfen hereingebracht 
wird. Dieser fordert nun von Kleander und seinem 
Diener Sbrigani sofortige Bezahlung, die sie ihm nicht 
leisten können. Es erweist sich dann, daß Anzelm 



23S Kapitel IV. 



I 



sich maskiert unter den Gästen befindet. Er demaskiert 
sich (etwa das csi smasjhera» der Commedia delTarte) 
und läßt Kleander verstehen, daß das ganze Arrangement 
von ihm voranstaltet worden ist, um Kleander vi^egen 
der Verheimlichung seiner wahren Vcrmögensverhällnisse. 
zu bestrafen. Im zweiten Akte, der zwischen der ersten 
und zweiten Selbsteinladung des alten Anzelm liegt, sehen 
wir, wie Sbrigani den bevorstehenden Besuch durch ver- 
schiedene Vorwände (hauptsächlich durch die erfundene 
Geschichte vom vorbereiteten Überfalle auf Kleanders 
Haus, also eine Erfindung, wie wir sie schon im «Chelp- 
liwiec» fanden) abzuwenden sucht. Wir könnten uns 
eventuell denken, daß sich der alte Pantalone der Com- 
media dell'arte hinler Anzelms Gestalt verbirgt, daß sein 
Diener Johan, der Sbrigani immer mißtraut, früher etwa 
Trivellino, Sbrigani selbst vielleicht Arlecchino geheißen | 
hat, und daß der vermeintliche «garkuchmistrz», der un- 
erwartet mit einem vollständigen Abendessen erscheint, 
ursprünglich ein wirklicher gewesen ist, nicht, wie es 
sich hier selir romantisch erweist, der treue Diener de» 
Vaters von Kleander. Eine Diamantina oder Corallina 
hat wohl ursprünglich auch eine Rolle zu spielen gehabt. 
Der entscheidende Punkt der Handlung ist aber der, wo 
Kleander resp. Sbrigani zu ihrer Überraschung vor die 
Notwendigkeit gestellt werden, eine Mahlzeit zu bezahlen, 
die nicht sie bestellt haben, die aber gewissermaßen ein 
Rachemittel des abgewiesenen Anzelm-Pantalone resp. des 
Johan-Trivellino ist. 

Eine vollständig adäquate Quelle für die Handlung 
unserer Komödie aus dem reichen Repertoire der italie- 
nischen Commedia dell'arte vorzubringen, bin ich leider, 
vielleicht aus mangelnder Kenntnis dieses Repertoires, nicht 
imstande. Dagegen kann ich auf ein «soggetto» hinweisen, 
das einige Berührungspunkte mit der oben analysierten 
Intrige hat, und, was sehr wichtig ist, zu den lebens- 
kräftigsten «soggetti^ der Commedia delFarte gehört. Ent- 
standen zur Z'dt des alten Theätre Italien zu Paris 



Sonstige Ouelleiiveihältnisse bei Bohnmolec. ;239 

(16C)2 — 1671), al- I.ocatelli (Trivellino) uikI J^onieniro 
(Arlecchino) die Bülin*' beherrschten, luit es noch gj)äter 
fortleben können und ist etwa 100 Jahre nach Beinnm 
Entstehen von Goldoni benutzt worden, der den «a sog- 
geto» dramatisierten Stoff am 11. Mai 1764 im Thcätre 
Italien zu Paris, freilich nur «avcc peu de succes»**, auf- 
führen ließ. Die Komö He erhielt bei ihm den alten Namen 
«L'inganno vendicato» oder «La dupe vengee». Die Hand- 
lung des ursprünglichen Kanevas besteht darin, daß Pan- 
lalone seinen Diener Trivellino zu seinem Schwiegersohne 
Arlecchino schickt, um ihm mitzuteilen, daß er heute 
abend — um Molands R"kapitulation^^ zu zitieren — 
«suivi de toute ea famille» bei ihm eintreffen werde «pour 
lui den:iander sa soupe». Das paßt Arlecchino selir wenig, 
zwar nicht deshalb, weil er kein Geld hat, sondern weil 
er geizig ist: «(il) s'excuse en disant qu'il est invite ail- 
leurs». Trivellino glaubt ihm ebensowenig wie Johan 
dem Sbrigani bei Bohomolec, und er beschließt, Arlec- 
chino einen Streich zu spielen. Er benutzt die Abwesen- 
heit Arlecchinos und seiner Frau Diamantina und «envoie 
chercher un rötisseur, ordonne un repas magnifique au 
nom du maitre de la maison, et, lorsque Pantalon arrive 
avec sa compagnie, il lui dit qu'Arlequin et sa femme 

Tont Charge de faire les honneur.-^ pour eux. On 

mange beaucoup; on boit encore mieux ti la sante d'Ar^ 
lequin et de sa femme, et l'on se retire». Am nächsten 
Morgen erscheint der «rötisseur», «pour lui demander ea- 
pratique et surtout h payement du repas qu'il a fait ser- 
vir chez lui ä douze francs par tete». Wie sich Arlecchino 
nachher rächt, interessiert uns hier nicht, da für uns das 
wichtigste ist, daß wir im italienischen «scenario» erstens 



-1 D e s bo u 1 m i e r s , Histoire anecdotitpio et raisonnee 
du Theätre Italien . . . (Paris 1769), Bd. VII, S. 312; — Ra- 
bany, a. a. 0., S. 381. — Im «Dictioiinaire des Theätres de 
Paris» (Paris 1756) habe ich das Motiv nicht gefunden. 

" Louis Moland, Moliere et la comedie italienne (Paris 
1867), S. 274 ff. 



t>i(» Kapitel IV. 

dnp einleitende Motiv: daß Pantalonc sich und seine Ge- 
sellschaft hei Arlecchino durch den Diener Trivellino ein- 
laden läßt, aber unter Vorschützung falscher Tatsachen 
von jenem abgewiesen wird, und zweitens das andre Motiv: 
daß in Arlecchinos Haus ein Gastmahl aufgetragen wird, 
das er nicht selbst bestellt hat, wohl aber l)ezahlen muß, 
somit die zwei Motive, auf denen bei Bohomolec die ganze 
Komödie aufgebaut ist, wiederfinden, wenn auch in an- 
derem Zusammenhange. Ich w^age natürlich keineswegs 
zu behaupten, daß wir im « Enganno vendicato» wirklich 
die eventuelle Quelle des «Ubogi pokorny» zu sehen 
haben; zu einer solchen J3ebauptung ist die Analogie bei 
weitem nicht zureichend; was ich bier mit der Anführung 
des Commedia dell'arte-Motivs beabsichtigt habe, ist nur 
das, nachzuweisen, wie einige fundamentale Grundzüge 
des cCJbogi pokorny» mit gewissen «canevaggio»- Zügen 
parallel gehen und einen italienischen Ursprung der 
polnischen Komödie einigermaßen wahrscheinlich machen. 
Damit scheint also die Möglichkeit, sogar die Wahr- 
scheinlichkeit naheliegend, daß auch andere, vermutlich 
auch italienische Motive dazu beigetragen haben, dem 
«Ubogi pokorny» die Form zu geben, die er hat: 
vor allen Dingen möchte ich die Aufmerksamkeit darauf 
lenken, daß Kleander seine Gäste in den Räumen eines 
«kapitan» (Sbrigani rät Kleander, die Gäste «do pokoiow 
kapitana, ktöry w tym domu z nami ma stancye» zu 
führen) empfängt, — vielleicht ein rudimentärer Rest 
einer Vorlage, wo ein Capitano Spezzaferro oder Capitano 
Matamoros eine Rolle zu spielen hatte. Gleichfalls ist es 
nicht unmöglich, daß Anzelm in einer eventuellen Vor- 
lage nichts von dem armen Liebhaber Kleander wissen 
wollte, worauf der Umstand weisen könnle, daß Sbrigani 
nach seiner Rückkunft von dem Alten seinem Herrn, frei- 
lich nur des Scherzes halber, erzählt, daß Anzelm ihm 
verboten habe, sich seiner Tochter zu nähern. Auffällig 
ist es auch, daß Anzelm in Gesellschaft mit den Kava- 
lieren Wilhelm, Robert und Dorant auftritt, ohne daß 



Sonstige QuellenverhiÜtnis'-e hei Bohomolec. 241 

diese bei Bohomolec eine irgendwie bedeutsame Holle zu 
spielen liaben; man fragt sich unwillkürlich bei der Lek- 
türe, ob diese Herren nicht vielleicht früher im (iang der 
Handhmg etwas zu besagen hatten. Der lirief, der zum 
Sclduß verlesen wird: 

«Jcslem oyciec owego hieszcz^Sliwego Klean<lri, kiory 
liyv.a Ti \Vaszmo66 Pana. Jeden z mych przyiaciöj, klör>' Se- 
kretine na iego postQpki uwazal, oznaymil mi, ze zyczy on 
sobic poiiic cörkQ Waszmosc Pana. Jesli on bijdzie w tych 
zamyslach szcze^liwy, uznam go znowu za syna moiego y 
zaponni(^> wszolkie przykrosci, ktorych mif,^ swyrn marnolraw- 
slwcni nabau'iJ, y sam wkrötce przyb^dQ do Waszmosc Pana.\ 

erlaubt uns aucli einige Vermutungen auszusprechen : Kle- 
ander hat einen Vater, wie wir erst zum Schluß erfahren, 
der ihn wegen seines verschwenderischen Lebens enterbt 
hat; war es ursprünglich gar der Vater selbst, der als deus 
ex niachina auftrat, sich für den Bruder Roberts aus- 
gebend und hinter einer Maske seine wahre Per.-^öniichkeit 
verheimlichend, um den verschwenderischen Sohn wegen 
seines falschen Verhaltens zu bestrafen? Dergleichen 
Motive sind in der Geschichte der Komödie nicht unbe- 
kannt; ich brauche bloß an Destouches' «Glorieux» zu 
erinnern, wo auch ein Vater gegen Schluß der Handlung 
erscheint, um seinen Sohn öffentlich zu desavouieren. 

Aber wie dem auch sei, eines ergibt sich ohne Zweifel 
aus dies'^r Diskussion unseres Problems, nämlich, daß der 
«Ubogi pokorny» ebensowenig original ist wie der «Ubogi 
hardy», wenn wir auch, was die eigentliche Quelle 
dieser Komödie angeht, nicht aus dem Bereiche der un- 
bewiesenen . und unbeweisbaren Vermutungen heraus- 
gelangen können. 

Versuchen wir nun die eventuelle Quelle des«Figlacki 
kawaler z ksiezyca» zu ergründen, so führen uns die 
wenigen Anhaltspunkte, die wir haben, wieder auf Goldonis 
Namen zurück, ohne daß wir freilich auch hier aus dem 
Gebiete der Vermutungen zu irgendwie feststehenden, tat- 
:sächlichen Resultaten zu gelangen vermögen. 

Stender-Petersen, Die Schulkomödien. iß 



ti2 Kapital IV. 

Goldoni erzählt uns nämlich in seinen französisch 
geschriebenen «Memoires^^, augenscheinlich in Erinnerung 
an seinen Aufenthalt zu Rimini im Jahre 1741, folgendes: 
«Tout le mojide me demaiidc dos pieces; chacun aitrait 
vouhi en Otre l'acteur principal : ä qui doimor la preference? 
M. Ic conile de Grosberg protegcait particulierement J'Arlequin; 
11 me pria de travai^llcr pour ce personnage, et je le fis avec 
d'autaiit plus de plaisir, que l'acteur etait bon, et que le 
protccteur etait geiiereux. L'Arlequin etait M. Bigottini, boiv 
acteur pour les röles de son emploi, mais surprenant pour 
les metamoq)lioses et pour les transforinations. M. de G»ös- 
berg se souvenait d'une piece de rancienne foire de Paris, in- 
tilulee «A r 1 e q u i n e m p e r e u r d a n s 1 a 1 u n e». II croyait 
que ce sujet aurait pu faire briller soa protege; il n'avait pas 
tort. Je travaillai la ,piece ä ma fantaisie d'apres le 
titre: eile eut beaucoup de succes. Tout le monde fut content, 
et moi aussi.» 

Wir wissen somit bloß, daß Goldoni eine Komödie verfaßt 
hat, deren Titel uns unwillkürlich an die Bohomolecsche 
erinnert. Wir wissen aber nicht einmal, welchen Inhaltes 
diese Komödie gewesen ist, denn sie ist nicht überliefert 
und wird nur selten von den Goldoniforschern genannt.^* 
Uns sind nur einige Anhaltspunkte gegeben, die uns aber 
auch nur weniges zu erschließen gestatten. Goldoni gibt 
nämlich selbst die indirekte Quelle seines Stoffes an: er 
nennt eine gleichnamige Komödie des alten «Foire »-Theaters 
zu Paris. Nun ist tatsächlich im Theätre de la Foire 
S. Germain im Jahre 1712 eine nichtgedruckte Komödie 
mit dem obigen Titel («Arlequin empereur dans la lune») 
gespielt worden, als deren Verfasser Remy und Chaillot 
genannt werden. Was wir von diesen beiden erfahren, 
beschränkt sich darauf, daß «les titres & le detail des 
pieces des Sieurs Chaillot & Remy ne sont plus connus 



23 Memoires de Goldoni pour sen'ir ä l'histoire de sa 
vio . . ., precedes d'une notice . . . par M. Moreau (Paris 1822), 
Bd. I, S. 204—205. 

-* R a b a n y , a. a. 0., nennt sie nicht, dagegen erwähnt sie 
G. Guerzoni, II teatro Italiano nel secolo XVIII (Milano 1876), 
S. 172. 



Sonslipe Quellenverhällnisse bei Roliomoler. 24o 

que leur vie».^'^ Eiiiijre AiifHchlüsso ühor den Inhalt der 
uns interessierenden Komödie erhalten wir jedoch aus dem 
cDictionnaire des Theatres de Paris» *^: 

«Cette pi6ce est pour Je fond la meme qu'i avoit 616 rc- 
presentee par Ics anciens Comedioas Italiens, le 5 Mars ICSI 
& qui est iniprimee tome I du Theätrc Italien de Ghcrardi. 
Los Auteurs forains la jnircnt en couplets, y ajoutörent 
lilusieiirs scencs nou volles & fircnt les chan- 
g c m e n s convenables aus Theätre pour letfucl ils travail- 
loient. Cette pi^co eut un tres grand succes.» 

Dieselbe Quelle*' teilt uns weiterhin mit, daß eine gleich- 
namige Komödie 1729 von den italienischen Schauspielern 
zu Paris aufgeführt worden ist, wobei Angelo Constantini 
als Mezzetin eine Betrügerrolle zu spielen hatte und u. a. 
in einer «scene nocturne» mit Arlequin das Publikum 
begeisterte, daß ferner dieselbe Komödie schon zehn 
Jahre zuvor auf derselben Bühne über die Bretter ging 
und später (1752) in Favarts Bearbeitung ganz durchfiel. 
Ich kann hier noch hinzufügen, daß andere Bearbeitungen 
aus Deutschland bekannt sind: so sollte an König 
Friedrichs II. Hof von seinen französischen Schauspielern 
ein «Arlequin Empereur de la lune» 1743 aufgeführt 
werden-^, so wissen wir von einer Schulbearbeitung des- 
selben Themas, die der Benediktinermönch Heinrich Braun 
1760 in Freising mit dem Titel «Die Reise nach dem 
Mond» aufführen ließ*^; so wissen wir schließlich auch 
noch von einer Aufführung von Ungers «Der ^londkjjiser» 
zu Lauchstädt im Jahre 1791 und später. ^'■' 

2^ (P a r f a i c t), Dictionnaire des theatres de Paris (Paris 
MDCCLVI), Bd. II, S. 70. — Vgl. auch Bd. IV, S. 417. 

26 Dictionnaire, Bd. I, S. 229. 

27 Dictionnaire, Bd. 11, S. 152; Bd. VII, S. 361. 

28 J.-J. Olivier, Les Comediens Fran^ais . . . (Paris 
MCMII), S. 100. 

29 K. V. Reinhardstoettner, Zur Geschichte des Je- 
suitendramas in München (Jahrbuch für Münchener Geschichte, 
3. Jahrg., Bamberg 1889), S. 64. 

30 C. A. H. Burckhardt, Das Repertoire des Weimari- 
schen Theaters (Theatergeschichtliche Forschungen, hrsg. von 
B. Litzmann, Bd. I), Hamburg und Leipzig 1891. 

lo* 



244 Kapitel IV. 

Die Urquelle aller dieser Bearbpitungen ist ohne 
Zweifel jener «Arleqiün Empereur dans la lune», den wir 
in Gherardis bekannter Sammlung ^^ wiederfinden, und 
der — am o. März 1684 zum ersten Male aufgeführt — 
Nolant de Fatouville^^ zum Autor hatte. Die Komödie 
W'ar schon früh auch in Deutschland bekannt geworden, 
enthielt doch der 1696 zu Nürnberg erschienene vierte 
Teil des «Histrio Gallieus Comico-Satyricus sine exemplo» 
auch noch einen «Anhang aus dem Arlequin», der den 
Titel trug: «Der Kaiser im Mond».^^ 

Die Fatouvillesche Komödie hatte seinerzeit in Paris 
großen Erfolg, war sie doch eine scherzhafte Antwort auf 
die vieldiskutierte Frage, ob andere Welten außer der Erde 
bewohnt wären. ^^ Aus den einzelnen französischen Szenen, 
die Gherardi in seiner Sammlung wiedergibt, den ursprüng- 
lichen Verlauf der Handlung genau zu rekonstruieren, ist 
leidrr nicht mehr möglich. Aus den verschiedenen «scene 
de la protase», <scene du desespoir» (die unmittelbar mit 
der vorhergehenden zusammenhängt), «scene de la fiUe de 
chambre», < scene de l'Isabelle et Colombine», die wahr- 
echeinlich den ersten Akt bildeten und im Hause des 
alten dottore spielten, aus den «scene du fermier» und 
€ scene de l'ambassade et du voyage d' Arlequin dans 
l'empire de la lune» (die wahrscheinlich den dritten Akt 



^^ Gherardi, Le theätre italien . . . (Amsterdam 1701), 
Bd. I, S. 113 ff. 

32 Oskar Klingler, Die Com^die-Italienne (Straßburg 
1902), S. 209—210. 

33 A. Ehrhard, Les comedies de Moliere en AUemagne 
(Paris 1888), S. 91, nennt den Titel der Kemödie nicht. Ich 
kenne ihn aus P. Morozovs Arbeit «Oöerki iz istorii russkoj 
dramy» («Zurnal Ministerstva Narodnatjo Prosvf sCenija», Teil CCLVIII, 
Juliheft 1888, S. 86—87). Er zitiert den Titel nach der im Jahre 
1710 zu Nürnberg erschienenen neuen Ausgabe des vierten Bandes. 

3* Vgl. den «Mercure Galant» vom Jahre 1684: «(Gelte co- 
m6die) qni pendant 15 jours cpie l'on l'a joue saus interromption a 
fait icy un fracas qui va audela de tout ce qn'on peut s'en ima- 
giner. Töut Paris y a couru, et ä chaque representation le lieu 
s'est toujours trouve trop petit.» 



Sonstige Quelleuverhältnisse bei Bohomolei*. ;245 

bildeten und aut* der Straße spielten) und ecblioß- 
lich aus der «scene de raputieaire» und der «scene d'Ar- 
lequin en empereur de Li lune», die wieder in einem 
Zimmer stattfanden und den dritten Akt ausmachten ^^ 
erkennen wir nur so viel, daß Arlequin sich zuerst als 
Gesandter des Mondkaisers, darauf als der Mundkaiser 
selbst verkleidet und sich statt der anderen Freier, eines 
<fermier» und eines «apotbicaire», im Hause des docteur 
Balouard alias dottorc Graziano ßaloardo einfindet, um 
aus den astrologischen Vorurteilen und der Leiclitglaubig- 
keit des letzteren Nutzen zu ziehen: sein Plan scheint 
darauf auszugehen, entweder seine Magd Colombine oder 
sogar seine Tochter Isabelle resp. seine Nichte Eularia zu 
heiraten. Drei «Chevaliers du soleil», wahrscheinlich ver- 
kleidete Liebhaber der drei Mcädchen (einer von ihnen 
eventuell Liebhaber der auch heiratsfähigen Magd 
Olivette), zwingen ihn aber zum Schluß, jedenfalls von 
der Lsabelle und der Eularia, auf die sie selbst Ansprüche 
erheben, abzustehen, dagegen erhält er wahrscheinlich seine 
ursprüngliche Geliebte Colombine. 

Nun hat Strusinski, der freilich die anderen Redak- 
tionen des Motivs nicht gekannt oder von der Existenz 
derselben und ihrem gegenseitigen Verhältnisse nichts ge- 
wußt hat, gemeint, daß Bohomolec den Inhalt seiner 
Komödie aus der Fatouvill eschen Komödie geschö})ft habe.^^ 
Das erscheint mir mehr als zweifelhaft. Freilich können 
wir ein gewisses tertium comparationis aufstellen: das sind 
die Erzählungen Arlequins einerseits, des Figlacki anderer- 



3^ Diese Verteilung, die nur vermutlich richtig ist, wird 
übrigens dadurch bestätigt, daß die Dokorationsanwcisungcn, die 
am. Hofe Friedrichs IL der obengenannten Aufführung zugrunde ge- 
logt wurden, und die erhalten sind, eine ähnliche Akteinteilung 
und Lokalisierung der Akte voraussetzen -wie die oben v-on mir 
vermutete. Hier finden wir für den ersten Akt die Notiz «de- 
coration: chambre~>, für den zweiten «decoration: la Ville», für 
den dritten «decoration: la Chambre dont le fond est une Tapis- 
serie peinte» usw. Vgl. Olivier, a. a. 0., S. lOL 

^G Strusinski, a. a. 0., S. 258. 



246 Kapitel IV. 

seits vom Leben im Monde, — ich meine die Tatsache, 
daß Figlacki ebensowohl wie Arlequin sich für einen vom 
Monde auf die Erde herabgestiegenen Kavalier ausgibt und 
eine Schilderung des Mondlebens gibt. Wir finden sogar 
eine wörtliche Übereinstimmung: 



Arlequin em per cur: 

DOC : ... Et cominont vit-on en 

cepays-lii? Y mapge-t'oii 

de meme qu'icy? 

ARL: Ouy &: non . . . Ouy pour 
les vivres — on y mange 
de tout ce que Ton iTiange 
icy. Et non pour la ma- 
niere de manger qui est 
toutc differente de la nö- 
tre . . . 



Bohomolec I, 3: 

LUN: Co . . . iadaij^ ludzie na 
ksiQ/.ycu? Czy takie u 
nich iako y u nas obiady 
y wieczerzy? 

FIG : Fotrawy ich maiq, nieiakiei^ 
podobieiistwo (lo tutey- 
szycb, ale sposöb iedzenia 
daleko lest inszy. 



Dagegen ist die Beschreibung der Art zu essen eine sehr 
von der der «italienischen» Komödie abweichende, freilich 
ebenso phantastische, aber — ich möchte sagen — weniger 
geschin^cklose als bei Fatouville: 
FIG : Tarn nigdy g^bj^ nie iedzt-t. 
LUN: A to iak? 

FIG : Tarn kiedy przyidzie czas pbiadu lub wieczerzy, nics:\ 
jKDtrawy gorace do takiego .pokoiu, ktöry y okna y drzwi 
tak mocno ma opatrzone, zeby exhalacya albo para tych 
potraw ztamt^d. nie wychodzila. Gdy tedy tarn potrawy 
zanios^, ida. wszyscy y w tym pokoiu zabavviaij^ si? lub 
muzyk^ lub kartami lub inn^i gr^ iakq,. Tymczasem para, 
z tych potraw wychodz^ca, wchodzi do nich przez usta, 
przez nos y przez ciala. Y tak gdy w tym pokoiu z 
godzink^ lub wi^cey posiedz^, wychodz^ posileni, lubo 
nie nie iedli . . . Zti^d to idzie, ze tam zadney nie- 
strawnoici nie znaia ... 

Auch Verhältnisse, die in der von uns angenommenen 
Vorlage nicht besprochen werden, macht Figlacki zum 
Gegenstand seiner Schwindeleien: 

LUN: . . . Ale ieszcze mialem siq spyla6: iakie na ksi^zycu 

pieni^dze id^ ? 
FIG: Ve\ tam zadnych pieniQdzy nie znai^t. Dlatego y ia siq 
iemi mocno brzydzQ. 



Sonsti^je (Quellen Verhältnisse hei Bohomolec. 247 

LUi\: A iakiinze sjMDSobcm rzeczy kupui^? 

FIG : Olo tak : pyoetowio tarn s^ naylx)gatsi, nie t a k i a k tu. 
gtizio oni pos|X)Iicio \v iibostwie iimi«'rai;\. Tum a'.bowi'Mii 
za wierszc wszystkiego dostaiti y im kto wjtMoy tyc h 
vvierszöw ma u siebie, tym lest bogatszy . . . 

An (iner anderen Stelle erzählt Ficjlacki Lunacki von 

d^r 'höchst wunderbaren Art, wie man im Monde spricht: 

LUN: Mowmy co o ksi^zycu . . . Chcialbym slyszeci i^zyk 

ludzi ksiQzycowych. 
FUi : Daloko lani inszy sposöb iest möwiciiia iak tu. Tarn 
zadnych slow nio nazywai^, ale spiewaij^c möwi^ — to 
io3t: podniesicnie lub spuszczonie glosu pewnym Sfio- 
sol>em ziiaczy innq co raz a inn;\ mowQ. Z klawiszöw 
tedy y z tonow röziiych trzoba siQ dorozumiewac sensu. 

Wenn somit Figlacki wie Arlequin das Leben im Monde 
schildern, so hört damit doch eine direkte Übereinstim- 
mung auf: was Figlacki zu erzählen weiß, ist ganz etwas 
anderes als das, was Arlequin zum besten gibt, und be- 
sonders interessant ist in diesem Zusammenhange die Tat- 
sache, daß die Zuhörer bei Fatouville immer wieder «C'est 
tout comme icy ! » ausrufen, während bei Bohomolec Figlacki 
immer wieder unterstreicht, daß im Monde alles «nie tak 
iak tu» sei. Aus dem Bereiche der Satire sind die Er- 
zählungen Arlequins ins Bereicli gewöhnlicher Lügen 
hinabgeglitten. 

Inwieweit die Veränderungen, die wir bei einem Ver- 
gleiche zwischen Bohomolec' geschlossener Komödie und 
den losen, von keiner festen Intrige verbundenen Szenen 
Fatouvilles konstatieren, Bohomolec persönlich zuzu- 
schreiben sind — wie Strusiiiski es tut — ist mir sehr 
fraglich. Schon Chaillot und Remy hatten Veränderungen 
eingeführt, in der 1729 aufgeführten Komödie kam eine 
nächtliche Szene zwischen Arlequin und Mezzetin vor, 
Goldoni verfaßte sein «soggetto» auf Grund des Titels und 
— so können wir vermuten — auch auf Grund einer 
allgemeinen Inhaltsangabe des von Chaillot-Remy bear- 
t)eiteten alten Stückes und folgte dabei seiner Phantasie. 
Wenn Bohomolec die italienische Fassung kannte, so 



i24S Kapitel IV. 

kannte er sie wahrscheinlich in der Goldonischen ; 
da uns aber diese Fassung vollständig unbekannt ist, 
können wir auch nicht mit wünschenswerter Genauigkeit 
feststellen, inwiefern die durchgreifenden Veränderungen 
des Stoffes, die wir schon in der eventuellen Vorlage 
Bohomolec' voraussetzen müßten, eben Goldoni zum Ur- 
heber haben. 

Dagegen kann eine Abhängigkeit des polnischen 
Dichters oder Bearbeiters von einer anderen Goldonischen 
Komödie an einem Einzelmotive bewiesen werden. Die 
wesentlichste Veränderung, die wir bei Bohomolec kon- 
statieren können, besteht nämlich darin, daß Figiacki- 
Arlecchino bei Bohomolec als eine Art Tartuffe erscheint, 
was Kielski den Verdacht eingegeben hat, Bohomolec' 
Komödie sei unter dem Einflüsse der bekannten Moliere- 
schen Komödie entstanden. ^^ Eine solche Annahme ist 
schon rein methodisch wenig wahrscheinlich, da eine 
allgemeine Ähnlichkeit ohne konkrete Übereinstimmungen 
nicht als überzeugendes Beweismittel gelten kann, und 
konkrete Übereinstimmungen zwischen dem «Tartuffe» und 
dem «Figlacki ka waler z ksi(^zyca» liegen faktisch nicht 
vor. Wenden wir uns aber zur Goldonischen Komödie 
«L'Adulatore», so finden wir hier nicht nur schon den 
T3"pus des schmeichelnden Intriganten vorgezeichnet, son- 
dern auch Einzelheiten, die Bohomolec nur hier gefunden 
haben kann, Ü^bereinstimmungen, die fast wörtlich sind. 
Ich denke hier vor allen Dingen an den Kampf zwischen 
dem «segretario» Don Sigismondo und dem «decano 
della famiglia bassa» Brighella bei Goldoni und den 
entsprechenden Kampf zwischen dem «podstarosci» Gos- 
podarski und dem «kawaler» Figlacki: die betreffenden 
Szenen sind bei Goldoni die Szenen I, 9 (wo Brighella 
der Donna Luigia erzählt, daß «la persona, che tende alla 
rovina de sta Famf^ja l'e el Sior D. Sigismondo», und daß 
er der Dienerschaft mehrere Monate hindurch den Lohn 



3- K i e 1 s k i , a. a. 0., S. 147. 



Sonstige Quellt nverhältnisse bei Bohomolcc. 24^ 

voronlhalton habe), weiter II, 2 (wo Bri<:h('lla von Don 
Sigisniondo Cleld für die Dienerscliaft fordert und nich 
weigert, persönlich von ihm Geld anzunehiuen), dann 
III, 2 (wo Brighella seinen eigentlichen Herrn, den «go- 
vernatore» Don Sancio, auf Sigismondos Geldunterschleife 
aufmerksam macht), III, 3 (wo Sigismondo, von Don 
Sancio zur Rede gestellt, sofortige Konfrontation mit 
Brighella verlangt) und III, 4 (wo Brighella einräunit, 
Sigismondo habe ihm Geld angeboten, und ohne viel 
Federlesens mit einem «Va via, bugiardo» von Sancio zur 
Türe hinausgeworfen wird); bei Bohomolec entsprechen 
ihnen die Szenen I, 4, II, 3, II, 4, II, 5. Figlackis Be- 
tragen Gospodarski gegenüber ist genau ebenso schmeich- 
lerisch und doppelzüngig wie das Sigismondos Brighella 
gegenüber: wie Figlacki jenem als dem besten Menschen 
und Verwalter auf der Erde zu umschmeicheln sucht, so 
nennt schon Sigismondo den Brighella «decano mio gentilis- 
simo», «caro Brighella mio amatissimo» usw. ; wie jener ihm 
seine «tabakierka» als persönliches Geschenk überreichen 
will, so bietet Sigismondo ihm seine «ßcatola di tai)acco» 
an; wie Figlacki dem Gospodarski sagt, daß Lunacki kein 
Geld habe, er möchte ihm aber gern zu Diensten sein, so 
versucht auch Sigismondo Brighella in die Falle zu locken. 
Vielleicht könnte auch noch ein anderer Zug der Boho- 
molecschen Komödie, daß nämlich Figlacki dem Robert 
hinterlistig zur Flucht rät, jener Goidonischen Szene nach- 
gebildet sein, in der Sigismondo dem conte Ercole dazu rät, 
•die Tochter des Don Sancio zu entführen: beide unterlassen 
es. Auch bei Goldoni schließt die Komödie mit einer 
Entlarvung des Intriganten; während dieser aber von dem 
Koche vergiftet wird und seine Sünden bereut, geschieht 
bei Bohomolec die Entlarvung mittels eines kompromit- 
tierenden Briefes, den der angebliche Mondkavalier an 
seinen Bruder schickt: 

«Mnie wielce serdeczny y kochany Bracie ! moich 
obrotach krötko Ci namieniam, bo si? o nich zupe^iey dowiesz 
od Pana Pomockiego Sc^siada naszego. Posylam Ci teraz przez. 



250 Kai)itel 1\'. 

iiicgo 5000 czenv. zlotych, ktörych polityk^ teraznieyszey mody 
iiabylom. Ja tu mam wiclki kredyt ii Pana Limackiego, a to 
z tey przyczyny, ze dowicKlziawszy siq, iz oii nia ciekawosc 
poznania kogo z ludzi ksiQzycowych, ttcz^milem si? kawalerem 
z ksit^zyca. Jcdnakze ia tu d^ugo bawic nie raogQ, bo syi\ 
iego niebardzo mi sprzyia. Prawda, zcm go z oycem poklö- 
ciK chcac mu kredyt u niego zepsuc, przeciez boi? siq, zeby 
milosc, ktora wielka iest mi^dzy synem y oycem, nie odkryla 
kiedykolwiek moiey polityki. Rcszt^ nieba\vi£|.c ustnie opo'- 
Miein.^> 

Inwieweit dieser Abschluß wie auch überhaupt schon die 
Übereinstimmungen zwischen den « Ad ulatore» -Szenen und 
den entsprechenden Bohomolecschen auf jener Goldonischen 
oder einer anderen italienischen Komödie vom Mondkaiser 
und Mondkavalier beruhen, und wo unter dieser Bedingung 
die^ Quelle zu den «Adulatore» -Szenen gesucht werden 
müßte, wage ich freilich nicht zu entscheiden. 

Ich wage es um so weniger, als ^vir uns erst noch 
die Frage vorlegen müssen, ob nicht etw^a die Bohomolec- 
sche Redaktion des «Iraperatore della luna» -Motivs eine 
freie Kontamination verschiedener Motive sein könnte. Ich 
habe schon oben^^, als von dem jesuitischen Einflüsse auf 
Bohomolecdie Rede war, die Möglichkeit eines umgestalten- 
den Einflusses der Poreeschen «Liberi in deligendo vitae.in- 
stituto coacti» auf den ursprünglichen Stoff des «Figlacki 
kawaler» gestreift. Auch da haben wir schon einen 
«Tartuffe» artigen «adulator» und Intriganten, den schein- 
heiligen Theobulus, der die ganze Macht im Hause des 
leichtgläubigen Themistus an sich gerissen hat; wie Figlacki 
seinem Freunde Pomocki (I, 1) stolz erzählt: 

«Ja tu iestem marszalkjem, koniuszym, sekretarzem, kom- 

missarzem, podskarbim, podczaszym, slowem mowi^ie : teraz 

pan Figlacki iest tu Totumfacki/), 

SO wird auch schon bei Poree gleich im Anfang (Szene 1) 
— dagegen nicht bei Goldoni — vom Intriganten fast 
wörtlich dasselbe behauptet: 

«Patris occupavit animum, illum regit, quo vult, impollit. 
unde vult, deducit, et arbitrio ac prope imperio moderatur suo.» 

38 Vgl. ol)en S. 81. 



Sonstige QuellenvcrliüUnisse bei Bohomolec 251 

Auch Theobiilus sucht (k*n Diener (Diaphunci') durch 
Sclimeicheleien («servorum inininie mahis, rnardmo ßin- 
cerus et vere pelkicitlus») und durch die Vorlialiung des- 
selben Köders, einer <tabacotheca», für pich zu gewinnen. 
Audi dort wird der treue Diener, wie im «Adulatore» 
(<Va via, bugiardo!») und im «Fighicki kawaler» («Prccz 
mi z oczu, klanico!» 11,5), mit einem «Apage sip, homo 
mendax k perjure!» vom erblindeten Herrn weggejagt. 
Isft dagegen Don Sigismondo nur Intrigant, so sind 
Figlacki und Theobulus beide auch noch scheinheilig; 
ruft Theobulus gern aus: «0, quam tarda est virtutem 
sequi humana voluntas! 0, quam flecti nescia, cum illam 
regit victrix et invicta cupiditas!» (Szene 9), so folgt ihm 
Figlacki gern mit scheinheiligen Klagen ü})er die Schlechtig- 
keit der Welt und der Menschen: «Ach, i^zyki ludzkie, 
iezyki!» . . . «Ale czego zlcsc ludzka nie dokaze!» (1,2). 
Ihre Insinuationen wagen weder Figlacki noch Theobulus 
klar und deutlich an die rechte Adresse zu richten: wenn 
Theobulus den Freund des jungen Agathocles bei Themistus 
anschwärzen will, und dieser fragt, ob er den Theophilus 
meine, so versteckt er sich gleich hinter der vielsagenden 
Ausrede: «Aliquis — inquam — quisquis ille est, 
filium tibi a recta retrahit via» (Szene 9); so läßt auch 
Figlacki ein Hintertürchen offen, wenn er den Verwalter 
anschwärzt, und Lunacki klar und deutlich Bescheid 
wissen will: «Ach, co ia powiedzialem! Moze si^ 
myleU (1,3). 

Wenn wir also das hier über die mutmaßliche Ent- 
stehungsart des «Figlacki kawaler z ksi(^zyca» Gesagte zu- 
sammenfassen, können wir zunächst sagen, daß Bohomolec 
die zentrale Idee vom Mondkavalier ohne Zweifel aus der 
italienischen Commedia dell'arte, sei es aus dem Gherardi- 
sehen Auszuge, oder sei es aus der verschollenen 
Goldonischen Bearbeitung, kannte. Dann müssen wir 
aber auch hinzufügen, daß Motive, die wir einerseits aus 
einer anderen Goldonischen, andererseits aus einer jesui- 
tischen Komödie kennen, bestimmenden Einfluß auf die 



252 ' Kapitel iV. 

Formiinp: des so kontaminierten Stoffes geübt haben, 
Molierescher Einfluß läßt sich dagegen nicht feststellen. 

Fast ausschließlich ^italienischer Herkunft, wobei 
Bohomolec nicht nur wie im «Figlacki» die komische Idee 
eines Commedia deH'arte-Stoffes benutzt, sondern auch die 
Form resp. Formlosigkeit einer St^greifkomödio bewußt 
nachgeahmt hat, ist jene Komödie, der Bohomolec den 
Titel cArlekin na swiat urazony» gegeben hat, und 
bei der er ausdrücklich unterstreicht, daß «ta komedya 
na wzor wloskich robiona» sei. 

Dementsprechend erhalten alle }> pendelnden Personen 
Namen, die wir zum Teil aus der italienischen Komödie 
so gut kennen. Der Titelheld hat den Namen Arlecchino 
(Arlequin = Arlekin) belialten, sein Freund und Genosse 
nennt sich Pantalone (Pantalon), was uns übrigens etwas 
wundern muß, da hier keineswegs der alte komische Pan- 
talone der italienischen Komödie vorgeführt wird, sondern 
viel eher ein Pedrolino, jedenfalls ein typischer Zanni; der 
Name Pierrot, den eino der handelnden Personen erhält, 
läßt uns einerseits vermuten, daß Bohomolec an die fran- 
zösierten Italiener gedacht hat, kommt uns aber anderer- 
seits auch etwas unerwartet, da wir uns unter einem Pierrot 
etwas anderes vorzustellen pflegen, als hier unter ihm 
verstanden wird ; hier ist er ein junger Kavalier, der 
etwa hätte Mario oder Lelio oder Ottavio heißen können. 
Den Namen Leander können wir als einen Namen aus 
der Comedie Italienne akzeptieren, ebenso den Dämon, 
während der Jodelet augenscheinlich aus der französischen 
Komödie eingedrungen ist. Der Nan:ie Polion lautet 
gleichfalls etwas ungewöhnlich. Wir haben somit den 
deutlichen P^indruck, daß Bohomolec nicht ganz über die 
wirkliche Nomenklatur der Commedia dell'arte, sei es in 
ihrer italienischen oder Pariser Form, unterrichtet war. 

Die äußere Entwicklung der Handlung besteht darin, 
daß Arlequin, der, erbost über die üble Behandlung, 
die er in Warschau erfahren, in den \Vald geflohen ist, 
um als weiser Eremit zu leben, von einigen jungen Kava- 



Sonstige Quellonveihältnisse hei Hohomolcc. Soii 

lieren nach Warschau ziirückgelockt worden foH. Leander 
erscheint unter anderem ab Gesandter der Stadt mit der 
in ihrem Namen vorgetraprenen Bitte, Arlequin möge sie 
mit seiner Rückkehr beehren: 

LEA : Warszawa po utlalcniu siQ Twoini w gru})cy zostaio za 
lobie, oplakuiac utratQ wielkicgo w Tobie czlowieka, z 
ktorogo nicnmiey sohle zaszczytu iako y uciochy niio- 
wala. Przctoz przozo mnic u nög Twoicli sklada swe 
gora.ce z<idze . . . Chce y uprasza Ciehie o Iq {ask^, 
ahys iey raczyl przyuTociö daun:\ ozdoh^ Twoiin do niey 
iaiiioswietnym przybyciem, 

Arlequin schläft aber die Bitte kurzerhand ah: 

ARL : Niechay sobie przypomiii p:iima Warszawa, iak mi^i przed- 
tym nazywahi: <Arickin glupi! Adekin ])iiak! Adekin 
hultay! Trzeba mu dac sto bizunow!» 

Mir scheint dieser Passus eine wertvolle Andeutung über 
den äußeren Anlnß zur Entstehung der vorliegenden 
Komödie zu enthalten. Leanders Bitte, Arlekin möchte 
nach Warschau zurückkehren, wo man seinen Fortgang 
nicht verschmerzen könne, enthält allem Anscheine nach 
einen aktuellen Kern. Boliomolec' Komödie erschien im 
zweit'-'U Pfände, im Jahre 1756. Nun hatte aber Warschau 
dank der Theaterliebe des Königs August IlL noch kurz 
vorher (bis ungefähr 1750) die Kunst italienischer Schau- 
spieler genießen können: es war das bekanntlich die Truppe 
des Andrea Bertoldi, die wahrscheinlich kurz nach der 
Thronbesteigung des Königs in Venedig engagiert worden 
war, und abwechselnd in Dresden und Warschau, wo der 
König 1748 das frühere Opernhaus zu einem regelrechten 
Theater hatte umbauen lassen, vor dem Hofe Augusts III. 
zu spielen hatte. Unter den Schauspielern zeichneten sich 
besonders aus: Antonio Bertoldi als Arlecchino; der aus 
Wien^^ und besonders aus dem Theater San Luca in Vene- 
■dig^^ bekannte Giovanni Cammillo Ganzaghi, der sonst den 



29 Adolfo Bar toll, Scenari inediti della commedia del- 
Parte (Firenze 1880), S. CXLYIII. 

40 Ders., a. a. 0., S. CLIIL 



20* Kapitel IV. 

dottoro und den neuen T^'pus des Francese Italianato'*^ 
zu spielen hatte, als Tabari-ino"*^; der vielleicht mit dem 
im Teatro San Samuele in Venedig auftretenden Francesco 
CoUinetti"*'^ verwandte oder gar identische Fernando Colli- 
netti als Pantalone; schließlich die zu einer bekannten 
Schauspielerfamilie gehörende berühmte** Primadonna 
Giovanna Casanova, die auch in Rußland auftrat, und die 
wir auch im Teatro San Samuele wiederfinden*^, als 
Rosaura. Warschau kannte somit zu jener Zeit, da Bohomo- 
lec seine Schulkomüdien schrieb, sehr wohl die Kunstart 
der italienischen comici, deren Warschauer Repertoire uns 
aber leider nicht näher bekannt ist. Es erscheint mir 
sehr verlockend, die Entstehung des «Arlekin na swiat 
urazony» mit dem Verschwinden derltaliener in Zusammen- 
hang zu bringen. Boliomolec, der dieselben zwar kaum 
von Warscliau her kannte, in Italien aber sicher die beste 
Gelegenheit gehabt hatte, die Commedia dell'arte näher 
kennen zu lernen, hat nun aller Wahrscheinlichkeit nach 
in der allgemeinen Erinnerung der Warschauer Bürger an 
die italienischen Schauspieler und ihre Bühnenkunst und 
in dem ohne Zweifel oft ausgesproclienen Wunsche, War- 
schau möchte nochmals von ihnen besucht werden, den 
äußeren Anlaß dazu gefunden, eine Nachahmung der all- 
bekannten Commedia dell'arte über die Bretter seiner 
Schulbühne gehen zu lassen. Als willkommenes Motiv 
wird ihm dann die Fiktion, Arlecchino sei vor Warschaus 
Bürgern in die Einöde geflohen, erschienen sein. Nun 
holt Bohomolec ihn durch seine Komödie zurück. 

Wenn wir diese Komödie rein quellenmäßig unter- 
suchen, stellt es sich für den vorsichtigen Forscher sehr bald 

41 Ders., a. a. 0., S. CLXVII. 

42 S t. \V i n d a k i e w i c z , Teatr polski przed powstaniem 
scony narodowej (Krakow 1921), S. 66, zitiert seinen Namen 
Conzachi. 

43 B a r t o 1 i , a. a. 0., S. CLVIII. — Francesco war gerade 
als Pantalone bekannt. Ders., a. a. 0-, S. CLXV. 

44 Ders., a. a. 0., S. CXLVIII. 

45 Ders., a. a. 0., S. CLVIII. . 



Sonstige QuellenverhAltnissc bei Bohomolec. 2o5 

heraus, daß der «Arlekin na swiul urazoiiy» ein Monaik- 
gebilde aus zahlreichen Coniniedia dell'arte- 
Motiven ist und somit schon in seiner Form die hunte 
Traclit des italienischen Hanswurst verrät. Die einzelnen 
Motive herauszuschälen, die bei Bohomolec sehr wenig 
miteinander zu tun haheji, ist hier nun zunächst meine 
Aufgabe. 

Der Titel, den Bohomolec' Komödie trägt, liat eigent- 
lich nur JJerechtigung für die beiden ersten Akte der 
Komödie, wo Arlequin wirklich «na svviat urazony» ist. 
Einer der auftretenden Kavaliere läßt uns wissen, daß 
Arlequin «bardzo si^ na swiat rozgniewal y poprzysii^gl, 
ze siQ do niego nie wröci» (1,1). Arlequin ersclieint so- 
mit als Misanthrop, als weltverachtender Eremit. Das ist 
eine aus der Geschichte der Pariser Commedia dell'arte 
wohlbekannte komische Idee, und Strusiiiski hat mit Recht 
auf jenen «Arlequin Misantrope» verwiesen*^, den wir in 
der Gherardischen Sammlung (Band VI) wiederfinden, und 
der im Dezember 1696 im Hotel de Bourgogne aufgeführt 
wurde. Diese dreiaktige Komödie, die nach Gherardis 
Notiz «(est) mise au Theätre par Monsieur de B***>, ist 
allem Anschein nach von Brugicre de Barante verfaßt 
worden.'*^ Der Verfasser teilt uns in der Vorrede zu der 
1697 erschienenen Separatausgabe seiner Komödie folgendes 
über den Charakter seiner Komödie ^^ mit: 

«On a lie le moins grossierement qu'on a pü plusieurs 
sceiies toutes detachees les unes des autres, et qui n'ont que 
peil ou point de rapport au fond du sujet. II auroit et6 bieu 
aise de meiiager des incidents et de faire une piece pour le 
moins aussi reguliere que la plupart de celles qu'on donne 
aujourd'hui pour tolles. ]\Iais on a negiige un soin qu'il eüt 
ete inuiile de se doiiner.» 

Zuletzt wurde die Komödie im neuen Theätre Iiidien im 
Jahre 1726 aufgeführt. 



*^ S { r u s i n s k i , a. a. 0., S. 253. 

*< Dictionnaire, Bd. VII, S. 378. 

*^ Zitiert von 0. Klingler, a. a. 0., S. 192. 



^56 Kapitel IV. 

So, wie die Komödie mit Auslassung aller rein italie- 
nipchen Szenen bei Gherardi vorliegt, spielt sie «dans un 
bois>. Arlequin lebt hier «parmi des animaux», die er 
als seine besten Freunde betrachtet. Er haßt Paris (I, 1). 
Nun wird er aber fortw.ährend von Personen beunruhigt, 
die entweder aus Paris kommen oder nach Paris zielien, 
und bei ihm, dem bekannten Asketen und Einsiedler, 
Rat suchen: Colombine sucht ihren Geliebten, «un jeune 
prince AUemand» (1,2), der in Wirklichkeit Schauspieler 
ist und Octave heißt, und aus Furcht, Colombine möchte 
ihm ihre Liebe entziehen, wenn sie erfährt, wer und was 
er eigentlich ist, in den Wald geflohen ist (I, 3); der 
Philosoph Disanvray besucht gleichfalls Arlequin und gibt 
ihm ein satirisches Bild der Zustände in Paris (1,4); ein 
docteur kommt auch in den Wald mit seinem Sohne und 
meiner Tochter, die in Paris vorwärts zu kommen hoffen, 
was Arlequin ihnen aus dem Kopfe zu schlagen sucht (I, 5); 
eine «comtesse», die von ihrem Manne aus Paris verbannt 
worden ist und in Gesellschaft eines Anbeters auftritt, hofft 
durch Arlequins Vermittlung wieder nach Paris zu 
gelangen (11,1); ein Greis und seine junge Frau klagen 
Arlequin ihr Leid: sie hätten keine Kinder (II, 6); zwei 
Mädchen aus der Gascogne reisen nach Paris in der Hoff- 
nung, dort eine gute Partie machen zu können (II, 7); 
ein Monsieur de Colafon, «maitre ä danser», führt Arlequin 
seine Kunst vor und raubt ihm dabei seine Börse (11,8); 
eine Madame de l'Architrave möchte im Walde «une ville 
pour les meconten3> erbauen (II, 9); weiter wird er von 
einem anderen «maitre ä danser» Monsieur de la Cabriole 
und einem «maitre ä chanter» Monsieur de Geresol (111,2), 
einem Buchhändler (III, 4), einem Maler (III, 5), einem 
bäurischen Liebespaar (111,8) besucht. Alle diese Besuche 
geben die reichste Gelegenheit zu satirischen Ausfällen 
gegen die bestehenden moralischen und gesellschaftlichen 
Verhältnisse in Paris. Zuguterletzt erweist es sich, daß 
Octave der älteste Sohn des docteur ist; Colombine ver- 
leiht ihm seine Schwindeleien, und er erhält die Erlaub- 



Sonstige Quelleuverhällnisse bei Bohomolec. 257 

nie, sie zu heiraten; mit diesem Au^gan^ije gibt sich auch 
Arlcquin zufrieden, obgleich er anfänglich selbst der 
Colombine nachgestellt hat. 

Es ist von vornherein klar, daß Bohomolec außer 
der Idee von dem misantbropisch gewordenen Arlequin 
nur sehr weniges der Brugiereschen Komödie zu ver- 
danken hat. Der «Arlequin Misantrope» hat Bohomolec 
deutlich nur als Sprungbrett, als Ausgangspunkt gedient. 
Ich führe gleich die wenigen Analogien an, die ich 
aufzufinden vermochte. So ist der Monolog, mit dem 
Arlekin bei Bohomolec auf der Bühne zum erstenmal 
auftritt, deutlich nach jenem Monologe gearbeitet, mit dem 
auch bei Brugiere die Komödie beginnt, wenn die Be- 
trachtungen bei Bohomolec auch nicht so ausführlich sind 
(I, 3). Wie in der Vorlage stellt auch bei Bohomolec der 
Arlekin einen Vergleich an zwischen den Tieren des Waldes 
und den Menschen in der Großstadt und kommt zum 
Resultat, daß die Tiere viel besser sind als die Menschen : 
ARL: Czy slyszalos tu ktörego zwierzQcia albo o nas albo dni- 
gich zle gadair^cego ? A w Warszawie, gdzie ieno pöy- 
dziesz, wsz^dzie uslyszysz szkodÜwe culzemu honorowi 
mowy. Niema tego zebrania, niema tego domii, gdzieby 
cuflzoy slawy nie nicowano. Czy styszales tu ktörego 
zwierzQcia möu-ir^cego : «Arlekin piiak ! Panfalon hultay! 
Trzeba im dac sto bizunöw!» A \v Warszawie wiele to 
razy mowiono? 

Bekannt ist die Stelle im «Arlequin Misantrope» (I, 5), 
wo Scaramouche zu weinen anfängt, aus Furcht, es werde 
ihm, «qui ne fait que de la bagatelle, qui ne syait que 
la bagatelle, k qui ne suis moy-merae qu'une bagatelle», 
schlecht in Paris ergehen, worauf Arlequin ihm in die 
Rede fährt: 

ARL: Tu sgais la bagatelle? 

SCA: Ouy. 

ARL: Tu'fais la bagatelle? 

SCA : Helas ouy. 

ARL: Et tu es la bagatelle? Ab, mon eher, viens que je 
t'embrasse ! Tu es ne pour Paris, tu es ne pour une 
grande fortune! Avec une si belle disposilion, tu peux 

Stender-Petersen, Die Schulkomödieu. 17 



25S Kapitel 1\". 

asj)irtM' a tont. La bagatelle? Ah, mon aniy, si j'avois 
eu IUI noble penchant pour la bagatelle, je ne seix)is pas 
icy, je serois ä Paris dans une fortune 6clatante. 

Eine der Form nach ähnliche Replik finden wir in der 
polnischen Komödie, wo Pierrot, der sich «zywy konter- 
fekt czleka nieszcz^sliwego» nennt, den «zlodziey y zböyca» 
seines Bruders zu suchen vorgibt (I, 4), worauf er von 
Arlekin folgenden Rat erhält: 

ARL: Co? zlodzieia? Do Warszav.-y, do Warszawy, panie kon- 
fekcie, uday sie, iesli szukasz zlodzieiöw y zböycowf 
Tarn sie oiii naybardziey garnq. Tu tyiko ludzie poczciwi 
mieszkai^. • 

Einen gewissen Parallelismus können wir auch darin er- 
kennen, daß Bohomolec' Arlekin ebensowenig vor der 
Macht des Weines stand halten kann, wie der Arlequin 
der Vorlage vor der Macht des Weibes. Der Letztere er- 
klärt gleich zu Anfang der Komödie, daß er ganz beson- 
ders die Weiber hasse: 

ARL: ... Je hais les hommes, je les detesLe, ils sant faux, 
doubles, hipocrites, meprisables. 
Bien entendu, qii'en. ceci, 
La femme est comprise aussi. 
Ouy, si j'en trouvois quelqu'une, je me ferois iin plaisir 
de la traiter comrae eile merite. Je la , . . (II apperpoit 
Colombine.) Hoime ! 
COL: Ah, Monsieur, qne je suis heureuse de trouver une figure 

d'homme dans un lieu oü je ne vois que des Bestes ! 
ARL (ä part) : Figure d'homme ? Elle est toute jolie. Je me 

defie furieusement de moy-mesme. 
COL: Monsieur, ne pourriez-vous point me dire des nouvelles 

de ce qne je cherche? 
ARL (ä part) : Tenons bon. 

COL: II me toume le dos. Que je suis malheureuse! 
ARL (ä part) : La charmante pleureuse ! Que je crains pour 

la Misantropie! 
COL: Monsieur, ne me rebuttez pas, je vous en conjure. 
ARL J^allant & revenant): Non . . . Ce sexe est fait pour 

tromper tout le monde. 
COL: Ah, craignez-vous qnekpie chose d'une malheureuse qui 

implore votre secours? 
ARL: Vous cstes plus ä craindre pour moy que toutes les 
bestes de ces Bois . . . 



Sonstige Quellenverhältnisse bei Bohomolcc. 2j9 

Es dauert auch gar nicht lange und Arlequin läßt eich 
dazu verleiten, der Colombine eine Liebeserklärung zu 
machen und damit ganz aus der Rolle eines weltscheuen 
Kremiten zu fallen. 

Bei Bohomolec, der, seinem Prinzipe getreu, keine 
weibliche Rolle in seiner «Commedia dcll'arte» zuläßt, hat 
statt dessen der Wein eine ebenso unwiderstehlich«' Macht 
auf Arlekin, der seinetwegen bald ganz seine Eremiten- 
rulle vergißt. Sein Freund Pantalon, der von dem listigen 
Pierrot die falsche Neuigkeit erfahren hat, daß man jetzt 
in Warschau gratis Wein trinken könne, versucht als 
erster, Arlekin zum alten Leben umzuwenden. Arlekin 
ist zwar anfangs sehr standhaft, kann aber seinen Wider- 
stand auf die Länge nicht aufrechterhalten. 

FAN: Ale si§ Warszawa teraz . . . 

ARL : Ale Warszawa nie do rzeczy. 

FAN : Ja möwiQ , , . 

ARL: A ia möwi?, ze Warszawa nas nie godna. 

FAN : Ale tcraz Warszawa . . . 

ARL : Al€ y teraz y przedtym Warszawa nie do rzeczy. 

FAN: Ale posluchay przynaymniey ! 

ARL: Ale nie mozesz dobrym sumnieniem chwalic Warszawy! 

FAN: Ale niech powiem przynaymniey . . . 

ARL: Möw co chcesz, Warszawa iednak nie do rzeczy! 

FAN: Ale teraz inaczey . . . 

ARL : Ale inaczey Warszawy nie nazyway iak stolicq Zlego. 

FAN: Teraz w Warszawie dla wszystkich wino . . . 

ARL: Wino? Ach, bracie, na co to wspominasz? Wino? . . . 

Wino? ... Fe! turpia verba! . . . Ale cos mowil? 
FAN: Möwilem, ze w Warszawie wino . . . 
ARL : Acb, bracie, smiesz tak brzydkie slowo wspomLnac ? . . . 

Wino 1 . . . Idz precz ode mnie, pokuso I Wszak wiesz, 

ze wino nie iednego zgubilo? 
FAN : Ale nie wszystkich . . . 
ARL: Fe, fe! Ja y wzraianki cierpiec o winie nie mogQl 

Odst^p! Odstap zaraz ode mnie, kusicielu! 

Aber wie sein Genosse in der Vorlage kann x\rlekin bald 
nicht mehr vom Gedanken an den kostenlosen Wein los- 
kommen. Bohomolec hat die Gelegenheit wahrgenommen, 
den inneren Kampf, der Arlekins Seele von nun au be- 



2f)0 Kapitel IV. 

herrscht, in dem Monologe hervortreten zu lassen, mit 

dem der zweite Akt beginnt: 

ARL: Czy go kaci nadali z lym winem? Trzebaby skasziowa<^, 
czy prawda to, ze tak iest dobre, iak on möwi. Ale . . . 
Ale slawa w co poydzie? Ja swiatem möglem pogardzi6, 
a winem nie mögJem ? Fe ! Pokusa ! Fe ! fa ! fi ! f o ! f u ! 
Nie che?, nie che?, pokuso, nie uwiedziesz mi? ! na 
wiclkiego trafilas czlowieka! Tylko . . . Ale ... A 
ia y zapomnialem I wszakto nii zol;\deczek möy kochany 
strasznie boli.*^ Oy, oy, oyl Jakie rzni?cie! Oy, oy, oy! 
Trzebaby koniecznie wina, inaezey zapewne böl nie 
ustanie. Wszak dla zdrowia wolno. Ale ... Y lo 
pi^knie! Czy ich kaci nadali, ze teraz po moim odeysciu 
w Warszawie zacz?li darmo \vino dawac ! Poki tarn by- 
lem, to: «Kupl day pieni^dze, iesli chcesz wina!» A 
teraz wlasnie na zlosc . . . 

Sobald man ihm Wein anbietet, stürzt er sich auch gierig 
über die Flasche. ^^ Damit ist es aber aus mit seiner 
ganzen Misanthropie: es gelingt Dämon, Arlekin davon 
zu überzeugen, daß sein Verdienst bedeutend größer wäre, 
wenn er, mitten in Warschau und in der Welt lebend, War- 
schau und die Welt verachten könnte (II, 6). Arlekin 
beschließt nach Warschau zurückzukehren, und damit 
schließt auch der Teil der Komödie, der dem ganzen Stücke 
den Namen gegeben hat, und eine vollständig unab- 
hängige Handlung nimmt im dritten Akte ihren Anfang. 
Es steht ohne Zweifel fest, daß die italienisch-fran- 
zösische Komödie des Arlequin", der Misanthrop geworden 
ist und sich mit seinem Diener in die Einöde zurück- 
gezogen hat, letzten Endes mit dem bekannten Motiv von 



4^ Arlekins Magenschmerzen sind ein typischer Commedia 
deH'arte-Zug. «J'ay une cours de venire comme vous s^avez, qui 
ne me permet pas d'etre long-temps en place», sagt er selbst in 
den «Filles errantes» in Gherardis Sammlmig, Bd. III, S. 36. 

^0 Pan(alon hilft ihm dabei, es kommt zu typischen «lazzi», 
indem sie einander die Flasche v^or dem Munde wegreißen und 
den Wein verfluchen, als wäre es ein lebender Mensch (II, 4). 
«Lazzi» mit der Weinflasche kommen bekanntlich häufig in der 
Commedia dell'arte vor; vgl. z. B. die zweite Szene im <'Tombea'Ui 
de Maistre Andre», Gherardis Sammlung, Bd. V, S. 370. 



Sonstige Quellenvcrhältnisse bei Bohomolec. 1201 

Ti m o n , dem M e n p c h e n h a r s e r .1 u y Athen, in 
Verbindung gebracht werden muß. Inwieweit auch der 
«Scaramouche Ermite», von dessen Aufführung im Jahre 
16G4, eine Woche nach der ersten Aufführung von Molieres 
< Tartuffe», uns berichtet wird,^^ ohne daß wir bestin)mte 
Kenntnis vom Inhalte des Stückes, in dem sicli der be- 
rühmte Schöpfer des Scararnuccia Tiberio Fioiilli aus- 
zeichnete, erhalten, mit dem altbekannten Motive vom 
Misanthropen Timon in genetischer Verbindung steht, 
können wir leider nicht mehr feststtdlen. Das hat für 
uns auch nur sekundäre Bedeutung. Dagegen sind wir sehr 
gut über das Verhältnis, in welchem Delisles berühmter 
«Timon le Misantrope» (1722) zu der klassischen Er- 
zählung des Lukian steht, unterrichtet.^^ Diese Komödie 
wurde bekanntUch durch die Aufführung der Italiener 
in Paris berühmt ^^ und zeichnet sich durch die Einführung 
des neuen Motivs von der Bekehrung des Menschenhassers 
durch ein anmutiges Mädchen aus.°* Nun könnten wir 
uns mit Recht fragen, ob nicht Bohomolec bei der Aus- 
arbeitung seiner Komödie gewisse Motive aus dem Delisle- 
Bchen Stücke entlehnt haben kann. In dem letzteren ^^ 
tritt Timon in Begleitung seines Dieners Arlequin auf, 
der seiner Rolle nach ungefähr in demselben Ver- 
hältnis zu Timon steht, wie bei Bohomolec Pantalon zu 
Arlekin. Er wird nämlich von der Eucharis und der 
Aspasie, die Timon und Arlequin vom Eremitenleben ab- 
ziehen wollen, als Werkzeug gegen Timons Hartnäckigkeit 
benutzt. Timon wird schließlich in einen heftigen see- 
lischen Kampf gestürzt, da er ebensowenig den Reizen 



^1 M o 1 a n d , Moli^re et la wmedie italieiiiie (Paris 1867), 
S. 290. 

52 KJ in gier, a. a. Q., S. 47. 

53 Desboulniier, a. a. 0., Bd. II, S. 40. 

5* Wilhelm C r e i z e n a c h , Geschichte des neiieren Dra- 
mas (Halle 1916), Bd. V, Teil II, S. 452. 

55 Ich zitiere nach Desboulmiers Resume (Bd. II, 
S. 40 ff.), da mir Delisles Komödie leider nicht zugänglich ist. 



262 Kapitel IV. 

der Eucliaris Widerstand IciFten kann, wie Arleqnin bei 
Brugiüre denen der Colombine und Arlekin bei Bohomolec 
denen des Weines. Wie dem auch sei, wir haben 
jedenfalls im «Timon le Misantrope» eine regelmäßige 
Intrige, die damit Fchließt, daß Timon zur verach- 
teten Welt zurückkehrt, — ein dramatisches Motiv, 
das in der Brugiereschen Komödie fehlt, bei Bolioraolec 
ftber wiederkehrt. Es muß als durchaus möglich angesehen 
•werden, daß Bohomolec eine ungefähre Kenntnis von der 
Delisleschen Komödie gehabt hat, als er seine eigene schrieb. 
Was nun die Fortsetzung des «Arlekin na swiat ura- 
zonv» betrißt, so hat sie, wie gesagt, nichts mit dem 
Motiv des misanthropischen Arlequin zu tun. Der 
Übergang von dem einen Motiv zum anderen geschieht 
am Schlüsse des zweiten Aktes jnit einigen typischen 
«luoghi topici» der Commedia dell'arte. Im Anschluß an 
Arlekins Beschluß, in die verlassene W^elt zurückzukehren, 
handelt eine Szene von der Berufswahl, denn er will nicht 
mehr Arlekin sein: 

ARL: . . . Ale iuz nie chc^ byc wiQcey Arlekinem. Juz mi 

si^ ten chleb przyiadh Chcialbym w inszym stanie kla- 

niac. 

Man fragt ihn, was er clenn am liebsten sein wollte: 
ARL: . . . Chcialbym byc takim rzemie§nikiem, ktory nayniniey 
ma pracy. 

Man schlägt ihm vor, Schneider («krawiec») zu werden: 

ARL: Krawcem? Fe! Nie che?! Ja siedzenia z natury n'e lu- 

bi^, y krew si? od tego psuie. Co witjksza to rzemioslo 

lest niebczpieczne : möglbym z przypadku paluszek sobie 

igl^ zaklöc. 

Man schlägt ihm der Reihe nach vor Schmied («kowal»), 
Tischler («stolarz») und Fleischer («rzeznik») zu werden. 
Arlekin kritisiert alle diese Berufe. Schließlich findet er 
selbst einen passenden Beruf: 

ARL: .Ta chcialbym by6 panem. To rzemioslo naylepsze: miec 
sobie palacc, shigi, konie, pienia^dze, wino . . . 

Dieser Replikenwechsel, mit dem dem Schauspieler oder 
Verfa.'-Fer die Gelegenheit gegeben wird, verschiedene Be- 



SonsJige Quellenverhriltnisse hei Bohomolec. 203 

rufe einer satirischen Kritik zu unt-^W'-rfen, vorriit deullioli 
seinen Ursprung aus der Comraodia dellarte, in der, wie 
bekannt, die zanni immer die Gelegenheit zu satirischen 
Ausfäll<»n, die in jeden Zusammenhang passen konnten, 
wahrnalimen. Als Beispiel und Beweis möchte icli hit r 
eine »Szene aus Goldonis «La hanca rotta o sia Mercanle 
fallito> anführen, die von Saclikundijren ^'^ als ein typischer 
«luogo topico» betrachtet wird. Truflaldino, Pantalones 
Diener, der gnr nicht so unzufrieden ist, seinem Herrn als 
«mezzano» (Kuppler) in seinen Liebesgeschäften zu dienen, 
trifTt seinen «caro paesan» ßrighella, den Diener des 
Grafen Sdvio (1,2). Dieser rät . ihm, doch lieber einen 
anderen, seinem Ehrgefühl mehr entsprechenden Beruf zu 
wählen : 

RRI: . . . K fo conseggio anca ti de far qualche altro mistior, 
che sia mestier onorato, clove el galant'omo se jwssa 
mantegnir, seiiza pericolo della reputazion. 

TRü: Che mistier poderavo far, senza pericolo dell reputazion? 

BRI: Ghe ne troveremo cento iin mesgio dell'altro. Per eseni- 
• pio l'Orese. 

TRU: Si ben l'orese l'e ua mistier onara'.>. Ma quella como- 
ditä de poder metter el rame in vezze de oro, 1*6 una 
gran tentazion per un galantomo. 

BRI: L'e vero, no ti disi mal. ^le par piü sicuro el spezial. 

TRU: No, camerada, me par che el sia pezo. H;) sentido a 
dir, che i speziaÜ per sparagnar qualche lira nel com- 
prar le Droghe no i varda a rovinar i auialadi, a far 
disonor a i Medici, e par che i sia d'accordo co i Becca- 
morti. 

Brighella schlägt ihm dann noch vor, ein «librer» (Buch- 
händler, oder ein Händler mit einer «botteghetta da n)ar- 
zaretto» zu werden, aber auch dagegen findet Truffaldino 
immer wieder etwas einzuwenden; da geht Brighella gleich- 
sam ein Licht auf: 



56 Ch. Rabany, a. a. 0., S. 62. — Dasselbe Motiv, bloß 
als Monolog behandelt, finden wir im Biancolellischen «Arleqain 
gentilhomme par hazard» wieder. Vgl. ;;Nouvoau Theätre Italien» 
(Anvei-s 1713), S. 17G. 



264 Kapitel IV. 

r>]\\: Vuslu, che te la diga? Ti disi mal de sto mistier de 
inczan, e ho paura, che el te piasa assae piü dei altii. 

TRU : Ccrlo, che a considerarlo bcii, l'e un mistier de p o c a 
f a d i g a. 

Die Analogie ist natürlich augenfällig. Freilich können 
wir nicht entscheiden, inwieweit hier das Motiv unmittel- 
bar aus der Goldonischen Komödie oder aus einer Com- 
media delFarte, die Bohomolec selbst in Italien gesehen 
haben kann, entlehnt ist. 

Mit dem dritten Akte beginnt bei Bohomolec nun 
die neue Handlung. Ihr Zentralpunkt ist Arlekin 
als «Graff de Barba», als fingierter Graf und Ka- 
valier. Diese Handlung verrät auch recht deutlich ihren 
Zusammenhang mit italienischen oder italianisierenden 
Komödienstoffen, und mit Recht dürften wir ihr den 
italienischen Namen «Arlecchino finto conte» geben. Es 
ist ja zur Genüge bekannt, wie beliebt der Kreis von 
^Motiven mit ähnlichem Titel in der Commedia dell'arte 
gewesen ist, wie zahlreich die verschiedenen «soggetti», die 
aus der Idee vom Arlecchino als falschem Grafen, Barone, 
Prinzen, Könige usw. entstanden sind. Wir brauchen bloß 
die von Bartoli aufgezählten Komödien und Titel von 
Komödien durchzumustern, um eine Vorstellung davon 
zu erhalten. 

Wir finden, da einen. «Arlecchino creduto principe», der vor 
1668 entstanden ist, und dem Domenico Biancolelli zugeschrieben 
wird.^7 Er tritt später mit den Namen «Arlecchino finto principe» 
resp. «Arlequin cm prince» in Paris (1716) auf.^^ Von demselben 
iJomenico stammt ein «Arleq^uin gentilhomme par hazard», der im 
<'Nouvcau Theätre Italien» abgedruckt ist^^; die Stoffe sind wenn 
nicht identisch, so doch jedenfalls verwandt gewesen. Im Jahre 



5' Bartoli, a. a. 0., S. XXXVII. — Moland, a. a. 0., 
S. 369. 

^8 Bartoli, a. a. 0., S. XXXIX. — De s bo ul m i c rs , 
Bd. VII, S. 250. — Dictionnaire, Bd. I, S. 222. 

^3 Nouveau Theätre Ilalien, compose par Dominique 
Biancolelli (Anvers 1713). 



Sonstige Quellenverhältiiisse bei bohomolec. 265 

1741 wurde in Paris ein ^cArlecchino principe per caso) <'0 aufge 
fülirt, der aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem später (17-19) auf- 
{ijeführten vArleipiin roy par hazard» ^i verwandt gewesen ist: beide 
jiingen wohl auf das alte italienische «S'^ggetto) vom '^Arlecchino 
re per caso», das 1672 zum erstenmal dramalisiert und aufgeführt 
wurde ^-, zurück. Caldorons «El alcaido de si mismo», wo da» 
Motiv von Oenitos falschem Grafentum schon angewandt war, ist 
später bekanntlich von Corneille im «Jodelet prince ou le geolier 
de soi-meme» (1655) und von Scanron im «Gardien de soi-meme»- 
verarljoitet worden, und jener «Arlecchino cavaliere per accidente», 
den Moland analysiert hat^-^, steht in genetischer Verbindung mit 
den ebengenannten Komödien. In allen diesen Komödien und 
Szenaren ist eines der Grundmotive jenes von dem freiwillig oder 
unfreiwillig falschen Range des Arlecchino. ß* 

Besonders naheliegend aber scheint mir ein Vergleich 
des von Bohomolec angewandten Motivs von Arlekin als 
falschem Grafen n:it jenem Stoße zu sein, der der ano- 
nymen Komödie «Arlequin prince et paysan»,**^ aufgeführt 
im Jahre 1713 auf einem Pariser Foire-Theater, zugrunde 
liegt, — nicht etwa, weil Bohomolec sie unmittelbar ge- 
kannt haben könnte, sondern vielmehr, weil sowohl da» 
ähnliche Grundmotiv wie auch« gewisse Ähnlichkeiten in 



60 Bartoli, a. a. 0., S. XL. — D i c t i o n n a i r e, Bd. l, 
S. 277. — Desboulmiers, Bd. VII, S. 2G7. 

61 Dictionnaire, Bd. I, S. 282. — Desboulmiers^ 
Bd. VII, S. 269. 

62 Bartoli, a. a. 0,, S. XXXVIII. — Moland, a. a. 0.^ 
S. 370, nennt es Arlecchino creato re per Ventura:^. 

63 Moland, a. a. 0., S. 269 ff. — Vgl. M o r o z o v s Aus- 
fühnmgen a. a, 0., Bd. CCLVII, S. 358. 

64 Auch andere «zanni> werden als Helden ähnlicher Szenare 
genannt, z. B. Pulcinella im Szenare ;<Pulcinella finto prencipe»- 
(vgl. C r o c e s Mitteilung im Giornale storico della letteratura Ita- 
liana, Bd. XXXI, S. 458 ff.) oder Truffaldino im Szenare xTruffal- 
dino finto principe?) (vgl. Res Artikel im Giornale storico, 
Bd. LVIII, S. 371, and Ricci, Teatri di Bologna, Bologna 1888^ 
S. 273). In dem bei Bartoli, a. a. 0., S. 179 ff. abgedmckteu 
Szenare «II finto Principe» ist der «lavandaro» Cola Träger der 
Titelrolle. Auch G^ldoni hat einen «Finto principe» (eine komische 
Oper) verfaßt; vgl. Rabany, a. a. 0., S. 398. 

65 De Brueys" ^La Force du sang ou le sot toujoiirs sot» hat 
ein ähnliches Motiv. 



t2«)t> Kapitel IV. 

der äußeren Durchführung stark (infür sprechen, daß 
BohonK)lec nicht selhstiindig bei der Abfassung seiner 
•«italianisieren(len> Komödie vorging. Die im «Dictionnaire» 
der Brüder Parfaict^^ abgedruckte Inhaltswiedergabe jener 
Komödie erlaubt uns, bestimmte Schlüsse zu ziehen. 
Wie Arlequin liier Fürst wird, braucht uns nicht weiter 
zu interessieren: nur soviel sei gesagt, daß sein Vater 
Scaramouche ihn statt des echten Prinzen als Sohn des 
Königs bezeichnet, was den Anlaß zu verschiedenen Ver- 
wickelungen gibt (Akt I). Im zweiten Akte soll nun 
Arlequin als Landesfürst gekrönt werden, was natürlich 
nicht ohne spezifisch Arlequinische «lazzi» abgeht; der 
neue Fürst ernennt seinen alten Freund Pierrot zu seinem 
«Substitut» und, sobald er seiner komischen Rolle gemäß 
den traditionellen Hunger verspürt, auch zu seinem «cui- 
fiinier> ; den «docteur», der ihm augenscheinlich eine fürst- 
liche Lebensweise und die für einen König geziemende, 
rechte Regierungskunst beibringen soll, jagt er weg. Im drit- 
ten Akte wird er von dem Prinzen Ramire zum Duell 
herausgefordert, aber «Arlequin repond qu'il ne peut accepter 
la proposition, parceque la mort d'un Prince apporte trop 
de prejudice ä l'Etat». Als es aber dennoch zum Duell 
kommt, verrät Arlequin seine ganze Feigheit: «Ramire 
impatient arrive; apres beaucoup de lazzi, Arlequin s'en- 
fuit». Das gibt dann Anlaß zur Entlarvung Arlequins. 
Sein Pflegebruder Leandre, der der richtige Prinz ist, er- 
hält statt seiner die Hand der Prinzessin. 

Etwas ganz Analoges haben wir nun bei Bohomolec. 
Arlekin ist Graf geworden und muß daher lernen, sich 
als solcher zu benehmen ; Leander übernimmt die Auf- 
gabe, Arlekin, der im dritten Akte «pi^knie ubrany» auf- 
tritt, die äußeren Formen eines gräflichen Benehmens 
beizubringen, was nicht ohne «lazzi» seitens Arlekins ge- 
schieht: «Leander uczy go chodzic; Arlekin go nasladuie, 
ale potrafic nie moze», eine Szene, die natürlich niclu 



6^ Dictionnaire, Bd. I, S. 27-1—277. 



Sonstige Quellenverliültnisse bei Bohoinolec. 2<)7 

ans Molieres «Le Bourgeois -gentilh<niime> zu Ptainmen 
braucht/'^ Auch un?er Arlekin verspürt sehr V^ald Hunger 
und «kreiert» daher Leander ohn-i weiteres zu seinem 
«kuchmistrz, kucharz, kuchcik» und jagt ihn >Yeg, als 
er ihm langweihg wird. Ich hahe schon oben darauf liin- 
gewiesen, daß gewisse Analogien zwischen du Cerceaus 
«Gregoire» und unserer Komödie vorliegen^** und u. a. 
gerade Arlekins ewigen Hunger als ein gewichtiges tertium 
comparationis angeführt. Ich glaube nun, daß auch der 
«Arlequin prince et paysan» in gewisser Verbindung mit 
den Motiven von dem Bauern, der Fürst geworden i.-t, 
steht. Dieses ist um so eher möglich, al-^ die Italiener in Paris 
das allbekannte Motiv selbst auf ihre Weise in ein Arlcquin- 
Motiv verwandelt haben: ich brauche bloß an Domenico 
Biancolellis, Riccobonis und Romagnesis gemeinsame Be- 
arbeitung mit dem Titel «Arlequin toujours Arlequin»^^ 
zu erinnern, wo wir wiederum einen falschen Fürsten vor 
uns haben. Ein anderes Verbindungsglied ist das Duell, 
zu dem Arlequin gezwungen werden soll, und dem er 
eich unter verschiedenen, mehr oder weniger komiscli 
motivierten Vorwänden zu entziehen sucht. Genau das- 
selbe haben wir auch bei Bohomolec im dritten Akte 
(Szene 4), wo der augenscheinlich als eine Art Capitan 
Spezzafer gedachte Jodelet sich vor Arlekin repräsentiert: 
JOD: Ja, Mosci Dobrodzieiu, y iestem y bylem obronca zycia 
ludzkiego, strach nieprzyiaciöl, zguba zlych ludzi, za- 
bawka kawalerska, ozdoba rycerzow, wzör ludzi wa'e'z- 
nych. 
Als Arlekin ihn ins Gefängnis bringen lassen will, weil 
er als Fechtmeister Menschen morden lehre, fordert Jodelet 
ihn heraus : 



67 Analogien konnten in großer Menge aus <italienischen> 
Komödien angeführt werden. Icli begnüge mich damit, auf den 
schon herangezogenen «Timon le MisantiV)pe» hinzuweisen, wo 
Arlequin tanzen, sinken, fechten lernt. Vgl. Desboulmiers, 
a. a. 0,, Bd. II, S. 64. 

^s Vgl, oben S. 65. 

69 Vgl. meine Schrift : Ett bidrag tili «Jeppe^:-motivets 
historia (Edda. Krisriania 1922), S. 97. 



•6S Kapitel IV. 

T'M^: Slucliayzp! ^'ic musisz ty byc graffem! Podobnieyszy 

ty iestes do Arickina, ale ktozkolwiok iesteä, wiodz," ze 

ci (ey zniewagi nie daniiQ. Przetoz iezeliä graff, wychodz 

ze ninq na poiedynck! 
ARI.: Co? Jeszcze poiedynck? Zapomniales, ze iestem panem? 

Slndzy moi, wezcic go zaraz pod wartQ ! 
r>AM : Ale iak go braö raozemy pod wart^, kiedy on do naszey 

wladzy nie nalezy? 
JOD: Y ieszcze b^dziesz . . .? Dobyway broni, ieslis nie hul- 

tay, iesliä nie Arlekin! 
ARL: Slyszycie, co ta bcstya gada? 
LEA: Slyszymy. Trzeba Waszmosc Panu koniecznie z nim sie 

wybic. Inaczey honoru swego nie powetuiesz. 
ARL : Ja — bic si^ ? ! Kto mi^ przymuai, kicdy nie chcQ ? . . . 

. . . Idz, möwiQ, precz I 
JOD: Nie cbcesz? Tos nie graff, ale Arlekin! 
LEA: Ach, dla Boga, iaka zniewaga! 

ARL (do Leandra): Cöz? y koniecznie trzeba z nim bic siQ? 
LEA : Koniecznie, iesli Waszmosc Panii honor mily. 
ARL: Kiedy inaczey byc nie moze, to sie wybÜQ. Ale schoway 

bron. 
JOD: Jakze? Bez broni bic si^? 
ARL: Bez broni, Pöydziemy z sobci, w czubki. 
JOD: Albo to ia ciura tak siQ bic? 
ARL: A, kiedy nie chcesz, to zgoda. 
JOD: Co? Zgoda? Wtenczas b^dzic zgoda, gdy ci^ trupem 

poloz? I 
ARL: Co za besLya zwawal Ale czy wiesz co? Slucliay! 

Jesu chcesz koniecznie bic siQ ze mnq,, to tak uczynmy: 

Ty mnie dasz piQsciei w gebe, a ia tobie, y bQdzie 

kwila.. 
JOD: Co? 2ebys mial mi? bic po g^bie?! Ty Arlekin, hul- 

tay! Gin, plugavvy tchorzul giii! (üi^^dza sie za Arle- 

kinem z dobyt^ broni^.) 
ARL (u c i e k a i ^ c) : Gwalt ! gwah ! (P o t y m k 1 q k a y p 1 a • 

c z ^ c m 6 w i) : Zmiluy siQ, daruy mi zycie ! Nicdawno 

panem zostalem : chcialbym w tym stanie dhizey za- 

bawic ! 

JOD : Nie z tego nie b^dzie — gii\ ! (Przymicrza mn do 

piersi.) 
ARL: Ach, poczekay! Tylko sJöwko! . . . Czy wiesz oo? 

Kaz mi dac sto bizunow, tylko zycie daruy ! 
LEA: Ach, iaka hanbal 
DAM: Ach, sromota! 



Sonstige Quellcnverhältnisse bei Bohoinolec. !2H9 

AlU.: Tak ! eHanba!>; 'Sroniota!» Alboz lepsza sinier«^ ni/. 

hanba? 
]J!A: Pcwnic, ze lepsza! 

Als «r dann von seinen Dienern wegen seines feigen Ver- 
haltens getadelt wird, findet auch er wie jener französische 
Arlequin ein Argument für seine Furcht vor dem Duelle: 
<. . . WJQkszy lionor zyc njz giiia.(i. Lepsza iest niucha 
zyi;\ca iiiz Alexander Wiclki w grobie . . . Otöz ia cIq 
nauczQ. Probo minorem: Czlck w gniowie nie iest czle- 
kieni ale besfyq, 1)0 \v tey passyi i zapoinina y pr/estaie byc 
czlowiekiem. Czlek zas w boiazni az nadto pami«jta, ze iest 
czlowiekiem, y dla tego, ze pami^ta byc siebic czlowiekiem 
jjodlcglym smierci, slusznie si? obawia. Ergo . . . 

W^enden wir uns nun dem vierten und fünften Akte 
zu, PO finden wir auch hier wieder dasselhe Verhältnis : 
gewisse Commedia deH'arte-Züge, die als solche festgestellt 
werden können, kehren wieder. 

Zunächst hahen wir da eine Audienzszene, die mit 
dem vorhergehenden Motive von Arlequin als falschem 
Fürsten oder, wenn wir uns allgemeiner ausdrücken wol- 
len, mit dem «rusticus rex» -Motive in mehr oder weniger 
direkter Verbindung stehen dürfte. Ein Gesandter vom 
angeblichen Grafen de Socha erscheint mit einer hochtra- 
benden Rede vor Arlekin, dem Grafen de Barba: 

«Zacnosc urodzenia, wysokosc umyslu, bystrosc dowcipu 
y cnot rozmaitych doskonalosc tak zalecily swiatuosobQ Waszey 
Graffowskiey Mosel, ze ich poglotkci zacliQcony wielki g:aft de 
Socha zyczy swöy dorn z domem Waszmosc Pana przez zwia- 
zek pokreAvienstwa ziednoczyc . . . Jakoz z tey przycz\Tiy 
chcc sw^ cörk^, wie'kiemi zalecon^ przymio'.ami Waszey Graf- 
fowskiey Mosci za zon^ ofiarowac.» 
Dieses Motiv von Polions Freierbotschaft dient als Ver- 
bindungsglied zwischen den analysierten Motiven und dem 
nun folgenden von Arlekins erzwungener Vermählung. 
Nun ist aber unser Arlekin zunächst sehr wenig geneigt, 
das Anerbieten anzunehmen, da die Braut ihm nur wenig 
gefällt. Vor allen Dingen will er nichts von einer reichen 
Braut wissen : 

«Oy, wiem, iak wielu m^zöw te bogate zony zgubily, chc^c 
si^ rz^dzic same y m§zöw swoicli iak shig zazyw'ait\c.» 



270 Kapitel IV. 

Auch ihre Bildung, besonders ihre Anlage für Philosophie 
gefällt ihm nicht: 

«Wiesz, zc Icraz ten naylepszy filozof, ktöry naybardziey 

w swym zdajiiu lest uparty, a do tego ia zony filozofki nie 

luluQ ...» 

Auch ihre Schrei! )fertigkeit und Beredsamkeit weckt sein 
Mißtrauen, und nachdem er sich selbst noch mit prah- 
lerischen Worten charakterisiert hat, jagt er den Gesandten 
einfach hinaus: er wolle gar nichts von Heiraten hören. 
Man will ihn zum Schluß zur Heirat zwingen: er wird 
vor die Wahl gestellt, entweder zu sterben oder die Dame 
zu heiraten; er macht immer noch Einwände: sie sei ihm 
zu klein (vergebens sucht man ihm klarzumachen, daß 
nur ihr Bild klein sei, sie selber sei groß), zu häßlich, 
ihre Nase zu komisch, ihre Augen zu spatzenhaft, ihr 
Gesicht atme ein höllisches Feuer und sei voll von 
schwarzen Flecken ; als man ihm erklärt, das seien nur 
Schönheitspflästerchen (tmuszki»), antwortet er ironisch: 
«Jesli ona na twarzy ma tyle much, to musi raiec ich 
daleko wi^cey w glowie ! . . .» 

Der Galgen ist ihm lieber als eine solche Frau: 

ARLEKIN przypatruie siq dlugo (portrötowi), a potym. 
oddaw'szy portret, idzie do LEANDRA y klaniai^c si^ iemu 
möwi : 

Möy dobrodzieiu, zmihiy sIq: kaz mlQ i a k n a y pr^dz ey 
prowadzic na szubienic^I 

Ich habe für diese Lösung der Heiratsfrage kein Analogen 
in der Commedia dell'arte-Literatur gefunden, doch ist 
dieses Motiv sicher Bohomolec von irgendwoher bekannt 
gewesen.'^ 

Mit diesem Motive von Arlequins Zwangsheirat ist 
nun ein andres Motiv verflochten, dem wir den aus der 
Commedia dell'arte her so wohlbekannten'^ Titel «Arlec- 

''0 Es sei hier notiert, daß ein ähnliches Motiv Mickiewicz' 
Ballade «Pani T\vardo\vska)> inigrunde liegt, wa Pan TwaxJowski 
dem Teufel als Bedingung für seine Höllenfahrt seine eigene Frau 
auf ein Jalir abtreten will, wofür sich der Teufel aber bedankt. 

'1 B a r t o 1 i , a. a. 0., S. XXXIX. — Desboulmiers, 
Bd. VIL S. 247. 



S*)nslige Quelfen Verhältnisse })ei Hohomolec. 271 

chino coiulanniito a moite» g-rjben dürfen. Dem Pierrot 
ist nämlich angeblich ein Bru'ior ermordet und geplündert 
worden, und als er Arlekin in gräflichen Kleidern stol- 
zieren sieht, behauptet er, es wären die Kleider Beines 
ermordeten Bruders, Arlekin also dessen Mörder; dieser 
wird nun trotz seiner verzweifelten Fragen: «Co? Jak? 
Kogo? Dokf^dV KtörQdy? Kto? KieJy? Jako?> ins Gefäng- 
nis abgeführt. Damit schließt bei Boliomolec der vierte 
Akt; den fünften müssen wir uns, aller Wahrscheinlich- 
keit nach, in ein Gefängnis verlegt denken, jedenfalls 
macht Bohomolec gleich in der ersten Szene die Anmer- 
kung: «Arlekin w sukniach arlekiüskich pod warti^» Nach- 
dem er anfänglich vergeblich versucht hat, die Fiktion 
aufrecht zu erhalten, daß er nicht Arlekin, sondern «z 
dziadöw, pradziadöw» Graf de Barba heiße, wird er von 
den Kavalieren durch traditionelle Ohrfeigen dazu g-^- 
zwungen zu bek :nncn, claß er gar nicht der sei, für den 
er sich ausgegeben habe, und daß er somit wirklich iler 
schuldige Dieb und Mörder sei. In einer folgenden, auch 
in der Commedia dell'arte so beliebten Gerichtsszene 
(V, 3) wird er zum Strange verurteilt. Auf Polions Für- 
bitte wird aber das Todesurteil dahin gemildert, daß er 
das Leben behalten solle, wenn er die verschmähte Tochter 
des Grafen de Socha heiraten wolle. Vor eine ähnliche 
Wahl zwischen Tod und Heirat wird Arlecchino in dem 
obengenannten Szenaro ''^ «Arlecchino cavaliere per ac- 
cid'^nte» gestellt: Aurelias Bruder ist hier von einem Un- 
bekaimten im Duell gefährlich verwundet worden, und da 
Arlecchino die Kleider des Mörders an hat (er hat sie im 
Walde gefunden), wird er für diesen genommen. Auch 
er kommt ins Gefängnis und bestätigt, daß er der gesuchte 
cavaliere sei. Schließlich wird auch er in einer Gerich ta- 
szene von dem dottore und Pantalone durch Androhung 
einer halten Strafe dazu gezwungen, sich zur Heirat mit 
Aurclia zu bequemen. Freilich sind die äußeren Umstände,. 



72 YiTi. oben S. 265. 



^72 Kapitel IV. 

unter denen dieser Arlecchino im Einvernehmen mit dem 
eigentlich schuldigen Valerio sich für den verfolgten ca- 
valiere ausgibt, andre, freilich liegt hier der große Unter- 
schied vor, daß Arlecchino mit Freuden ja sagt, als ihm 
die Heirat vorgeschlagen wird, während unser Arlekin 
mit Entsetzen den Tod wählt; dennoch meine ich, daß die 
Tatsache, daß Arlecchino sich für einen anderen, und zwar 
einen feinen Kavalier ausgibt, des Mordversuches angeklagt 
und vor die Wahl einer Strafe oder einer Heirat mit 
einer ihm unbekannten Dame gestellt wird, ein über- 
zeugendes tertium comparationis zwischen Bohomolec' 
Szenen und gewissen Arlecchino-Motiven ist. 

Bei Bohomolec schließt die Komödie damit, daß 
Pierrot zurückkommt und mitteilt, daß der wahre Ver- 
brecher gefunden sei;- man entschuldigt sich vor dem 
iirmen Arlekin und fragt ihn — sehr wenig motiviert, 
offenbar um die verschiedenen Elemente der Handlung 
wenigstens äußerlich zu verknüpfen, — ob er wirklich 
nicht nach Warschau zurückkehren wolle. Da antwortet 
Arlekin erbost und nicht ohne treffende Ironie, die ihn 
überhaupt bei Bohomolec auszeichnet: 

«Do Vv'arszawy? Was tylko kilkii tu iest z Warszawy, a 
tylem biedy ucierpial, a cöz z tak wielu? Nie che?! Niech 
zginie Warszawa I Niech zginie swiat ! Nie chcQ I WoIq ia 
na puslyni byc z zwierzQtami niz z takiemi ludzmi 1 Idzcie 
sobie do swoiey Warszawy!» 

Daran knüpft er eine Betrachtung, die den sens moral 

der Komödie ausmacht: 

<:Och, panstwo! Pahstwo napozör iest pi^kne, 
ale- wewn^trz nie do rzeczy! Ma wi^cey bied 
niz u b ö s t w o. Niech tedy ginie panstwo, äwiat, War- 
szawa! Uciekayrny daley od niey! Idzmy gl^biey na pustyniQl» 

Das abschließende Ballett, an dem maskierte Tänzer teil- 
nehmen, 

«(Konczy sIq komedya 
tancem Arlekina z Pantalo- 
nem, do ktörych y in- 
ni w maszkach 
przychodz^)» 



I 



Sonslij,'e Quellenvorhältnissc bei Bohomolec. 273 

ist sicher auch ein der Coinmcdia dolTartc entlehnter 
Zuff.'3 

Man kann darüber streiten, wieweit das Material, das 
ich hier angeführt habe, im einzelnen als faktische 
Quelle der Bohomolecschen Komödien angesehen werden 
darf; es ist ohne Zweifel sicher, daß vieles von dem An- 
geführten nur eine mittelbare Ähnlichkeit und ('berein- 
stimmung beweist. Wenn es sich aber darum handelt, 
eine Coramcdia dell'arte als faktische Quelle für gegebene 
Komödien heranzuziehen, so müssen wir bekanntlich 
immer die Tatsache vor Augen haben, daß wir es hier 
mit Stegreif komödien zu tun haben, von deren In- 
halt und Intrigen verlauf wir niemals eine ganz detaillierte 
Kenntnis erlangen können. Uns fehlt ja immer noch 
eine mehr oder weniger erschöpfende Definition des Be- 
griffes «Commedia dell'arte», und m.ehr als eine allgemeine 
Vorstellung von den Masken, Intrigen und der Spielweise 
besitzen wir nicht. Stehen wir nun aber vor der Auf- 
gabe, festzustellen, was Bohomolec der italienischen und 
Pariser Commedia dell'arte verdanken kann, so sind wir 
natürlich auf mehr oder weniger treffende Vermutungen 
und Kombinationen angewiesen, ohne einen wirklichen, 
sich auf das Detail stützenden Beweis liefern zu können. 
Uns fehlen dazu ganz einfach die speziellen Vorarbeiten. 
So wird es denn verständlich, daß ich im obigen mich 
darauf habe beschränken müssen, die mir als höchst- 
wahrscheinlich erscheinenden Zusammenhänge nur in ge- 
nereller Weise anzudeuten. Ich bin mir bewußt, mit 
Hypothesen gearbeitet zu haben, glaube aber, daß das 
Gesagte dartut, daß der von mir eingeschlagene Weg der 
richtige gewesen ist. 

Was die Commedia dell'arte, sowohl in ihrer genuin- 
italienischen Form, als auch in der französierten Abart 
derselben anbetrifft, so glaube ich berechtigt zu sein, mit 
einer Diskussion über die fragliche Quelle des «Par}— 

'3 So schließt auch der «Arlequiii prince et paysan»: «La 
piece finit par itne danse». Vgl. Dictionnaire, Bd. I, S. 277. 
Stender-Petersen, Die Schulkomödien. 18 



274 Kapitel IV. 

zanin polski» hier einzusetzen. Es scheint mir näm- 
lich nicht ganz ausgeschlossen, daß diese Komödie auch 
auf eine italienische Vorlage zurückgehen könnte. Ich 
habe schon oben Üüchlig die Gelegenheit gehabt zu er- 
wähnen, daß derselbe Giovanni Camillo Ganzaghi, der 
eine Zeitlang in Dresden und in Warschau auftrat, in der 
Geschichte der Commedia dell'arte-Typen eine Rolle ge- 
spielt hat als «introduttore dello spiritoso carattere di 
Francese Italianato, che fui poi da altri comici imitato 
6 seguito». Eine Komödie, in der dicker Typus eine 
Hauptrolle gespielt haben könnte, scheint nicht existiert 
zu haben. Von bedeutend größerem Interesse ist für uns 
jenes Riccobonische Kanevas, das im Jahre 1717 zum 
erstenmale in Paris aufgeführt worden ist, und das den 
Titel «L' Italien Francise» trug. Vom Inhalte erfahren 
wir aus dem gedruckten «sujet» der fünf aktigen Komödie 
folgendes : 

«Lelio, jeune Gentilhomme fort riche, ayant eü occasioii 
de frequenter ä Milan, plusieurs Fran^ois, a pris un goüt ex- 
treme pour toutes les manieres Fran^oises. Cette inclinationj 
s'est tellement fortifiee, qne ce qu'il ne regardoit auparavant 
cpie comme un plaisir fort leger, est devenu en lui une passion 
dominante; il n'a d'autres agrements dans la vie, qne de tacher 
ä imiter cette Nation galante, dont il est l'adorateur perp^tiiel; 
il estime peu tout ce qxii n'a point rapport ä la France, & me- 
prise ce qne l'Italie a de plus charmant. 

Pantalon, pere de Lelio^ ayant intention de le marier, lui 
destine pour epouse une jeune personne tres-belle et de bonne 
condition, nomme Silvia, mais prevenu que les Italiennes sont 
reraplies de mille defauts, & qn'il s'en faut de beaucoup qu'elles 
ayent les graces des Dames Franpoises, il ne veut pas absolu- 
ment entendre parier de ce mariage, par la seUile raison que 
Silvia n'est pas de cette nation, — Flaminia, qui sur ces entre- 
laites arrive ä Milan, chez le Docteur son oncle, pere de Silvia, 
apprend le peu d'estime que Lelio fait des Dames d'Italie, & 
l'extreme pr6vention dans laquelle il est pour les Franpoises; 
eile en est tres choquee, & defondant la cause commune de son 
sexe & de sa patrie, eile se fait prescnter ä Lelio, sous le iiom 
d'ujie Fran9oise, qui vient demeurer pour quelque tcmps chez 
le Docteur; cela donne l'occasion ä Lelio, qui en devient amou- 
reux, de raarquer par de iiouveaux transports l'attache qu'il a 



I 



Sonstige Quellenverhültnisse bei Bohoniolec. 275 

pour les Franroises, dont il exagere aularit le inorile, quil 
aliaisso coliii des Italiennos. ArlcNiiiin, qui dopuis longlemps 
airaoit Violette, entcndant ä tous momcns parier son Maitro des 
Dames Franroises, dans des tennes si pleins de louanges. so 
repent de la promesse qu'il a doniK'O ä cette fille, & prend la 
rcsolution, ä riraitation de Lelio, de n'6pouser qii'ime Franc^oise ; 
Violette au desesp^ir de cette infidelite, & piqiiöo au vif de ses 
MH'pris, implore le secours de Flarainia, qui dans le nioment 
iieme, fait habiller en femme un valet qii'elle a ä son Service, 
»ic l'introduii avec eile eile chez Lölio; Arlequin la croyanfc 
FraiiQoise, fait raillo extravagances pour eile, Cette double 
txomperie est le sujet de cette Cora6die, dont eile fait tout le 
iioDud et le denouement, par le mariage de Lelio avec Fla- 
minia, &c.;> "* 
Man fragt sich ganz unwillkürlich, wenn man diese In- 
haltswiedergabe liest, ob nicht hier die Quelle zu Boho- 
molec' Komödie versteckt sei. Hier wie dort ist der Titel- 
held ein junger Mensch, der mit der Tochter eines guten 
Bürgers oder Freundes des Vaters verheiratet werden soll. 
Hier wie dort zeichnet sich dieser junge Mann durch 
eine extreme und durch nichts gerechtfertigte Vorliebe 
für Frankreich und alles, was aus Frankreich stammt, aus. 
Hier wie dort hat er einen Diener, der sein Gebaren 
nachahmt. Welche Eolle die im Resume nicht genann- 
ten Personen (nämlich ein gewisser Mario, der wahrschein- 
lich an Lelios Statt die Silvia erhält, sein Diener Scara- 
mouche und der Diener des Doktors, Scapin) gespielt 
haben, ist mir natürlich nicht bekannt. Übrigens liegen 
auch bedeutende Unterschiede vor zwischen der Handlung im 
Riccobonischen Stücke und derjenigen in Bohomolec' Ko- 
mödie : vor allen Dingen scheint der Held des ersteren nicht 
als absolut negative Gestalt aufgefaßt zu sein, schließt doch 
die Handlung mit einer für Lelio günstigen Lösung, indem 
er die Hand der Flaminia erobert, nachdem er seinen 
Fehler eingesehen hat; weiterhin hat er sich seine Gallo- 
manie nicht auf einer Reise nach Paris, sondern in seiner 
Vaterstadt angeeignet, was insofern Interesse für uns be- 
sitzt, als Lelio dadurch keineswegs als Importeur einer 



'* Hier zitiert nach Dictionnaire, Bd. III, S. 223 ff. 

18» 



o7<i Kapitel IV. 

schädlichen Weltanschauung, sondern ausschließlich als 
individuelle, zufällige Erscheinung auftritt. Ganz fehlt 
auch hei Bohoniolec das Verkleidungsmotiv, auf dem die 
eigentliche Handlung bei Riccohoni zu beruhen scheint, 
^vorüber uns freilich keine näheren Nachrichten vor- 
liegen. Alles das macht es wahrscheinlich, daß nicht die 
Komödie Riccobonis, sondern die eines anderen Komödien- 
dichters der Bohomolecschen zugrunde liegt. Das ist um 
KO wahrscheinlicher, als wir keine INIitt eilung darüber 
besitzen, ob der «Italien Francise» außerhalb Frankreich.^, 
speziell also in Italien gespielt worden ist, was natürlich 
durchaus nicht ausgeschlossen zu sein braucht. 

Ebenso unsicher ist, ob du Cerceaus Komödie 
«L'Ecole des peres>, deren Handlung in gewissen Einzel- 
punkten eine auffallende Analogie zu der Handlung der 
Bohomolecschen bildet^ wirklich irgendeinen Einfluß auf 
den «Paryzanin polski» ausgeübt hat. ^^ Zunächst sei 
bemerkt, daß natürlich in du Cerceaus Komödie keine 
Rede von Gallomanie sein kann. Die Situation ist hier 
t;ine ähnliche wie in Molieres «L'Ecole des maris», indem 
ein «pere indulgent ä Texces» namens Oronte einem 
«pere plus attentif * namens Ariste gegenübergestellt wird 
und dieser im Gegensatz zu der Molierischen Tendenz recht 
behält. Die Analogien bestehen nun darin, daß Oronte.<^ 
Sohn, demjenigen Starskis ähnlich, «tourne mal, fait des 
dettes chez le traiteur, passe ses nuits dans les cafes» 
usw., daß er die Tociiter eines guten Freundes seines 
Vaters heiraten soll, und daß er endlich, ohne zu wns- 
sen, wen er vor sich hat, seinen zukünftigen Schwie- 
gervater so erzürnt, daß dann keine Rede mehr von einer 
Verbindung zwischen ihm und seiner Tochter sein kann. 
Das letztangeführte Motiv hat natürlich eine ganz auffal- 
lende Ähnlichkeit mit jener Szene im «Paryzanin Polski >/, 
wo Robert, gleichfalls ohne eine Ahnung davon zu haben, 
wen er vor sich hat, seinem Schwiegervater seine ganze 

'5 Leider kenne ich die Komödie nicht direkt, sondern nur 
nach den Mitteilungen, die B o y s s e , a. a. 0., S. 355 f. ^ibt. 



Sonstige Quellenverhältnisse hei Hohoniolec. 277 

Weltanschauung auskramt und seinen Aussichten auf die 
Hand der Eraut ein schniähliches Knde bereitet. Es ist 
somit sehr möglich, daß Bohomolec in gewissem Grade an 
diese Komödie — die er sicher gekannt hat — oder an dir» 
bestimmte Szene gedacht hat, als er seine Komödie schrieb. 
Die eigentliche Quelle dieser Bohomolecschen Ko- 
mödie, deren Vorbild sicher nicht, wie KieUki es tut,"^ bei 
Moliere gesucht werden kann, möchte ich in einer bisher 
ganz unbeachteten Richtung suchen: nämlich bei Hol her g, 
dessen berühmte ijnd, was den Haupttypus betrifft, klas- 
sische Komödie, der «Jean de France», B<^homolec wahr- 
scheinlich bekannt gewesen ist. «Der deutsche Franzose», 
wie der Titel der Komödie in deutscher Übersetzung '^ 
lautete, war bekanntlich in Deutschland seit Gottsched 
sehr gut bekannt und viel gespielt,"^ und für den, der 
weiß, welch eminente Bedeutung Holbergs Komödien, und 
vornehmlich gerade der «Jean de France», für die geschicht- 
liche Entwicklung der Komödie bei den östlichen Nach- 
barn der Polen, den Rassen, um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts gehabt haben, ''^ kann meine Behauptung, Boho- 
molec' Quelle sei bei Holberg zu suchen, grundsätzlich nichts 
Überraschendes bieten. Zudem ist es bekannt, daß der 
deutsche Schauspieler Ackermann mit seiner Frau (Sophie 

'6 Kielski meint (a. a. 0., S. 151 — 155), daß unsere Komörlie 
eine «Transjxjsition» aus den drei Molierischen Komödien «Les Pre- 
cieuses ridicnles», «La Comtesse d'Escarbagnas;> und «Le Bourgpois- 
gentilhomme> darstelle. Die Argumente, die er anführt, sind nicht 
überzeugend. 

'''' Dethardings Übersetzmig in Gottscheds «Deutsclier 
.Schaubühne;) (Leipzig 1741), Bd. II, S. 427 ff. — Ich zitiere im 
folgenden nach der von Carl S. Petersen besorgten Gesamt- 
ausgabe von Ludvig Holbergs 'Samlede Skrifter> (Köbenhavn 
iMCMXVII) und nach Holbergs ;Danske Skue-Plads» vom Jahre 
1731, den «Don Ranudo» nach der Ausgabe vom Jahre 1745. 

'^ Vgl. Carl Roos, Det 18. Aarhundredes tyske 0\'T!rs8et- 
telser av Holbergs Komedier. (Kjobenhavn 1922.) 

'9 Diese Frage habe ich zum Gegenstand einer Untersuchung^ 
gemacht, die im Holberg-Aarbog (Kopenhagen) demnächst er- 
scheinen wird. Vgl. meine Abhandlung (daselbst, Bd. 1920, 
S. 174 ff.): En russisk efterligning av ;<.Jean de France» (1783). 



27S Kapitel IV. 

Charlotte Schröder) im Jahre 1754 bei dem privilegierten 
sächsischen Schauspielleitur Leppert in Warschau auftrat 
und wahrscheinlich auch die Holbergstücke^ die zu seinem 
Repertoire gehörten («Barselstuen», «Jean de France», 
«Jacob von Tvboe», «Den politiske Kandest0ber» u. a.). 
daselbst aufführte. Frau Ackermanns Sohn, der spätere 
«groß':» Schröder, damals ein Knabe, wurde unterdessen 
sogar in der Warschauer Jesuitenschule untergebracht.^^ 
Alles das macht es somit wahrscheinlich, daß Bohomolec 
Holbergs Komödien zunächst durch Vermittelung dieser 
Sf^hauspiclergesell&chaft kennen gelernt hat.^^ Wenn die 
polnische Literaturforschung sich dennoch nicht die Frage 
ü'ijer Holbergs möglichen Einfluß auf Bohomolec' Komö- 
dien vorgelegt hat, so kann sie zum Teil dadurch entschul- 
digt werden, daß von einer Übersetzung Holbergscher 
Komödien weder vor noch auch nach Eröffnung des stän- 
digen Theaters (im Gegensatz zu den zalilreichen russi- 
schen Aufführungen und Übersetzungen) irgendeine Spur 
vorhanden ist.^^ 



ö° Vgl. ß e r t h o 1 (I L i f z m an n , Friedrich Ludwig Schrö- 
der, 1. Teil (Hamburg und Leipzig 1890), S. 70 f. — C a r 1 R o o s , 
a. a. 0.., S. 116 ff., S. 266. 

81 Ich habe neulich im IIolberg-Aarbog (Bd. 1922, S. 202j 
in einem Aufsatz über Aufführungen Holbergscher Komödien in 
den süddeutschen Ordensschulen («Holberg i sydtyske ordcns- 
skoler i det 18. arhundrede») die Vermutung ausgesprochen, 
daß Bohomolec vielleicht auf dem Wege über die deutsclien 
.lesuitenbühnen mit Holbergs Lustspielen bekannt geworden sei. 
Mir scheint nun die Erklärung, die ich hier oben gegeben habe, bei 
weitem plausibler zu sein. Immerhin hat die Tatsache, daß nicht 
nur der polnische Jesuit, sondern zugleich auch deutsche Jesuiten 
auf Holbergs Komödien aufmerksam geworden sind, psychologische 
Bfdeutung, indem sie meiner Zusammenstellung eines Jesuiten 
mit einem dänischen Komödiendichter die beim ersten Blick viel- 
leicht etwas befremdende Wirkung benimmt. 

82 Soweit ich weiß, existiert nur eine, vom Piaristen J(jdrzey 
Paczynski 1774 verfertigte Übersetzung von Holbergs Weltge- 
sfl.ichle mit dem Titel: «Historya powszechna dzieie polityczne 
da>\Tiych y nowych panstvv w sohle zawieruictca. Dia szlachetney 
mlodzi uh>äÄna>'. 



Sonstige Ouellenverhaltnisse bei Hohomolcc. 



:i7'.> 



Mir kommt es mm so vor, als ob mohrcro Komödien 
im Repertoire iinsres Dichters mehr oder weniger deutliche 
Spuren einer Nachwirkung der vorauszusetzenden Bekannt- 
schaft Bohomolec' mit llolbcrgs Komödien aufweisen: wie 
inmier in solchen Fällen, wo es sich um Einzelheiten, die 
aus ihrem Zusammenhange gelöst sind, handelt, kann 
freilich ein wirkliclior Beweis nicht mit voller Evidenz 
geführt werden. Was ich hier anführe, sind somit nur 
Möglichkeiten, die mehr Wahrscheinlichkeit für sich 
haben als andre Möglichkeiten. k>o kommt in der Komödie 
«Chelpliwiec» eine Situation vor, die wie eine Reminiszens 
aus dem «Don Ranudo de C'olibrados» wirkt. Ich zitiere 
beide Stellen nebeneinander: 
Bohomolec: 



. . . SAMOCHWAL tymczasem 
chustki dobywa, y wypada mu 
iiawal chleba grubego z kie- 
szcni. 

ALK (podiawszy teil ciileb möwi): 
Cöz toV Kawat chleba 
wypadt z kieszeni. 

SAM (odbiera mu ten chleb y 
möwi) : Cha cha cha ! Y 
Waszmosö Pan rozumiesz, 
ze to iest chleb? 

ALK: Tak mi si§ zda. 



SAM: Prawda, ze iest podobien- 
stwo do chleba, ale to iest ! 
massn, ziobiona z röznych [ 
ziöl Indyiskich, ktöra ma l 
ten skutek, ze zazyta w j 
wodzie wszystkie a wszyst- ! 
kie choroby leczy. Mnie j 
to ua wyiezdzie Kröl Fran- 
cuzki zu ■\vic4ki dar dal 
iey kawaiek. 



H o 1 b e r ij : 

. . . PEDRO tnukker et j,'am- 
melt Törkl.-ede op af Loramen, 
hvorved folger et turt Stykke 
skimlel Brod, som falder paa Gul- 
vet. 
ISA: Ha ha ha! Der tabte du 

et Stykke af diu Riig»lom 

paa Gulvet. 
PED: Det er et Stykke Choco- 

lade, Madame. 



ISA" (tager det op for ham) : Nej, 
det er jo groft skimlet Brod. 
See, er det Cliocolade? 

PED: Nej, Madame, det er sandt, 
det er ikke Choko'ade; det 
er et Stykke Brod, som 
■ jeg tog med mig for en 
vis Aarsags Skyld : thi hver 
gang jeg skal gaae ^-Erinde 
til Fyrsten af Mendez, 
maa jeg tage et Stykke 
Brod raeg mig for at give 
Port-Hunden, at band ikke 
skal bilde mig. 



i»8() Kapitel IV. 

Bohomolec Motiv scheint mir dem Holbergschen mehr 
7A1 ähneln als der bekannten Stelle (111,2) im Moliorischen 
«M^decin malgre lui», wo ein Stück Käse eine ähnliche 
Rolle spielt. 

Im «Junak» kommen bei der Charakteristik des Helden 
einige Züge vor, für die wir die Quelle vielleicht bei Hol- 
berg im < Jacob von Tyboe» zu suchen haben. Eine deut- 
liche Verwandtschaft verraten z.B. folgende zwei Repliken: 
ROBERT (bei Bohomolec) : Wiedz TVBOE (bei Holberg): . . . Thi 
tedy Waszmosc Paii, Pauie ^ jeg tor sige, nt man skulde 
Kleonie, ze ten caly materac kunne meublere ti Hospitaler 

iest napchany samemi w.isami | med Fruentimmer, som ere cre- 
lych tylko ludzi, ktörych mia- \ peret og har faaet Gullsool over 
lern honor na tarnten swiat min Koldsindighed . . . 

wypraAviö ... ' 

Bohomolec Held konnte ja nicht gut als Don Jur^n auf- 
treten, daher der Unterschied. '"^^ — Wenn Robert weiter 
behauptet, daß er pflege «cale trzody mych nieprzyiaciöl 
gromic y przez ich trupy do domu powracac», und ver- 
spricht, «na pierwszey potyczce tyle nieprzyiaciöl poraz^, 
ze z ich trupöw . . . wielkq görf? usypi^ (1,3, H, 1), so hat 
bekanntlich schon Tyboe erzählt, daß er bei der Belagerung 
von Brabant «som en Skantze om mig af lutter dode 
Kropper» (11,1) gehabt habe, und wie Robert prahlt: 

«Razu iednego nastroilem na twarzy mey tego Marsa, 
ktörego w potyczkach znacznieyszych zwyklem pokazywac, y z 
trefunku, gdym zayrzal av zwierciadlo, samem siQ go przelaikl, 
chociaz tak smialy iestem», 

so versteht anch Jacob von Tyboe ein Gesicht aufzusetzen, 
daß Jesper Oldfux glaubt, er sähe den grimmigsten Eber 
im Walde (V, 8). — Die ganze Erzählung von dem 
«Turczyn, pötkownik pierwszy Janczarski y wielki faworyt 

83 Freilich ist es iiicht ausgeschlossen, daß sowohl P>oho- 
molec wie Holberg aus derselben Quelle geschöpft haben, nämlich 
(was Hans Brix: Holberg og Theätrc Italien, «Edda», Kristiania 
1910, S. 127 ff., nicht bemerkt hat) aus Monlchenays «La Cause des 
femrnes^^ ("scene du harom;') in Gherardis Sanmilung (II, S. 30), 
wo Arlequin («deguise en baron») fast Avörtlich dasselbe sagt wie 
Tyboe. 



I 



Sonstige (JuellenveihäUnisse bei i3ohoiuolec. '281 

Suhana, nazwaiiy Talabandara», mit dem Robert in Kon- 
etantinopel einen blutigen, aber siegreiclien Zusammenstoß 
gehabt haben soll, ist möglicherweise aus einer Stelle 
in Holborgs «Iloinuttcr Ambiti«)n> (III, ö) erwachsen, wo 
der Betrüger Dobre Podojsky etwas xVhnliches von sr-in»'m 
Herrn, dem vermeintlichen Baron, erzählt: 

Doli: . . . Hove<ls(a(lpii udi Hoclcnskal>ot hodcr Consta nlino|>cl, 
og KciseroM, soin nu rcfjieror. hodor Mcphi.stofehis. Dot er 
eil brav Kt.'isor, !!v>'>-'' l'tM '•'• iU.-.. min II.'i.(<^ ''cii. 
JKR: Hvi saa? 

r)()B: Jog vi! nok sigo Hr. .Jeiuiiiinus det, ii\ ib h;iii vil oeiiolde 
dct hos sig selv. Min Herrc liavdc d(Mi Xaado at spise 
on gang lios Kpisercn. Ovcr'Bordet koni hau i Dispyt 
mod den störe Vizir Holophcmos, hvilken Dispyl gik saa 
vit, at min IIoitc udi Hidsighcd gav harn et örefigen saa 
at Keiseren siden den Tid saao ham an med sk<:'<^le 0yen. 
MLW: Men tog den störe Vizir dctte Drefigon saa til Takke? 
DOD : Hvad vilde hangiore? IIvo som kiender min Herre. hinder 
ikke let an med ham. Ilan svor alleene vod sin Talmud, 
som er Iledningemes Ritual, at lian skulde ha^vne det. 
Det or u-endeligt at forta-llf alle do Action?r, min Florr? 
har haft. 

EtwasÄhnliches finden wir in der Bohomolecschen Komödie: 

ROB : ... Co tarn za pi^kna byla scena — trudno wymöwic! 

Dose lego zo caly Konstaiitynopol geb^ otworzywszy teinn 

si? widokowi przypatrzywah Trwala la naszn potyczka 

poltora kwadransu y pi^ö minut . . . 

KLE: A Sultan Turccki nie uia.t siQ za owego i)ö}k.)\vnika. 

swego faworyta? 
ROB: Jakze sie nie uiqll Sluchay Waszmosc Pan! .f\k sie 
dowiodzial Snttan o !ey akcyi. tak zaraz kazai wszystkie 
bramy w Konstantynopolu pozamykar y do moiey stancyi 
mocna warte przystawic ... Ja zrozumiawszy, ze 
mi sie iesc chce, a nie maii\c iak dostac, iak sie rzuce 
z mym palaszem po desperacku mi^dzy puJki Tureckie, 
iak zaraz ludzie iak snopy padac na ziemi^ pocz^ly. A 
ia przez nich tmmifabiym kiokieiu iJ0Stepui;\c pizy- 
szedlem do porlu, wpadlem na moy okrot y z Konstanty- 
nopolem pozegnalem si^ , . . 

Ich bin mir, wie gesagt, vollständig bewußt, daß die hier 
angeführten Analogien nicht als bewiesene Tatsachen an- 
gesehen werden dürfen, denn wir müssen immer damit 



282 Kapitel IV. 

rechnen, daÜ wir es, besonders bei Typen, die den Plautini- 
schen miles gloriosus variieren, mit Gemeinplätzen der 
Komödie zu tun haben können. Da ich aber die oben auf- 
gezählten Züge weder bei Plautus noch in den sonstigen 
nnr zugänglichen Komödien, in denen bramarbasierende 
Soldaten vorgeführt werden, angetroffen habe, glaube ich 
das Recht zu haben, die betreffenden Stellen — sine con- 
sequentia — zusammenzustellen. 

V^on sonstigen Analogien seien hier nur noch einige 
angeführt. Wenn wir im «Janak» (I, 4) folgende Frage 
und Antwort lesen — es handelt sich hier um ein Ge- 
spräch zwischen dem Duellanten Robert und seinem naiven 
Diener — : 

ROB: Zk?td lobie u kata ta filozoila? 

FRO: Ja y nie znam, Mospanie, co to iest «filozofia», ale to 

möwi^, CO rozum hawet prosty poznac y chwalic po- 

winien, 
so dürfen wir vielleicht an einen ähnlichen Repliken Wechsel 
im «Erasmus Montanus» erinnern (IV, 4): 

ERA: . . . Jeg har aldrig tsenkt min Livstid, at der kuride 

ligge slige Ord i en Bondedrengs Mund; thi hvorvel alt 

det, du har talt, er falskt og ugudeligt, saa er det dog 

en u-gemoen Tale for ec«! af din IStand. Siig mig fort, af 

hvem du har lajrt saadan Snak? 
.lAK: Jpg har ikke studeret, Monsor, men Folk siger, at jeg 

har et got Hoved. 

Eine andere Analogie zwischen einer Stelle in den 
«^Medrkowie» und dem «Erasmus» habe ich schon oben^* 
notiert. 

Im «Pan do czasu» (II, 2) kommt eine aus Molieres 
«Bourgeois-gentilhomme» entlehnte Stelle vor, wo der 
Lehrer der Philosophie den Streit zwischen dem Fecht- 
meister, dem Tanzlehrer und dem Musiki nfonnator zu 
schlichten hat, wobei er Seneca zitiert: 

Ach, Mosel Panowie, czy to pi^kna ? Czy przystoyna gnie- 
wowi swemu tyle pozwalac? Wszak ci to «ira est brevis 
furoF/)! Czy czytaliscie Waszmosc Panow'ie kiedy Seneki trak- 
lat «De ira»? 



8* Vgl. ol>en S. 165. 



Sonstige Qnpl!enverh.^ltni<??p bei Hnhomol^r. 283 

B'.'i MolicTt' koiiiini zwar der liimvci-s aui rr^ciicca vor 
(«n'avezYous point lii le rJocto traitc que Seneque a com- 
posc de la colcre?»), aber nicht das Zitat. BohomoIfC 
hätte natürlich selbst in seinem Seneca die Stelle nach- 
schlagen können. Nun lautet aber diese Stelle bei ihm 
folgendermaßen: «Quidam itaque c sapientibus viri iram 
dixerunt brevem insaniam.»^^ Es könnte daher 
möglich sein, daß ßohomolec den Satz nicht direkt aus 
Senecas Schrift, sondern aus Holbergs Komödie «Philosophus 
ndi ogen Indbildning» erhalten hat, wo an einer der 
Molierischen deutlich nachgebildeten Stelle Cosmoligoreus 
Senecas Ausspruch genau wie Bohomolec falsch zitiert: 
«Vrede, siger Seneka, er ikke andet end en stakket Af- 
sindighed. 'Ira est furor brevis*» (II, 3). Tatsächlich 
zitieren beide, wahrscheinlich ohne sich dessen bewußt 
zu sein, Horaz, der in seiner «epistola» (I, 2) an den 
jungen Lollius (Vers 62) schreibt: 

ira furor brevis est: aniinum coge, cfiii, nisi paref, 
Imperat .... 

Nichts kann näher liegen als die Annahme, daß Bohomolec 
Holbergs Komödie gekannt hat. Hat er a])er den «Don 
Ranudo», den «Erasmus Montanus», den «Jacob von Ty- 
boe», die «Honnette Ambition», den «Philosophus udi egen 
Indbildning» gekannt, so konnte er sich auch nicht ganz 
einem tieferen Einflüsse seitens des großen dänischen 
Komödiendichters entziehen, der zu jener Zeit Deutsch- 
land für sein Lustspiel erobert hatte. Er fand ira «Jean 
de France» ein Vorbild, das der Nachahmung, wert war. 
Was nun zunächst die Personenverhältnisse angeht, 
so fällt es uns nicht schwer, sofort eine gewisse Konkordanz 
zwischen den Hauptagierenden des «Paryzanin Polski» und 
denjenigen des «Jean de France» festzustellen. Robert Starski 
ist ein Nachkomme Jeans, sein Vater der des alten Franz, 
Bogacki, der Freund des alten Starski, ist mit dem Bürger 

ö^ L. xViinaei Senecae De ira ad Xovatum, lib. I, cap. I 
(A. Barrieras ed., Turin, Corpus Scriptorum Latinonim Paravianiun, 

Nr. 21). 



2.S4 Kapitel IV. 

Jeroniiuus zu identifizieren. In RoImmIh Bruder und dem 
glücklicheren Freier des Fräulein Bogacka, Wilhelm, er- 
kennen wir gleich auch Antonius wieder, den Liebhaber 
der Jungfrau Elsebet, und wenn wir Leopold als eine Art 
Kopie des Holbergschen Espen (oder Peter nach der deut 
sehen Übersetzung) ansehen, kann Marcin, der Diener deR 
jungen Starski, niemand anders sein als Jeans Diener 
Pierre. Die Frauenrollen (die Jungfrau Elsebet, die alte 
Mutter Magdelone oder Margaretha, die Magd Marthe) sind 
natürlich eliminiert, wae übrigens auch der Hausknecht 
Arv resp. Hans. Trotz der Ausmerzung aller weiblichen 
Rollen hat ßohomolec aber dennoch aus der Vorlage das 
Liebes- oder besser Heiratsmotiv beibehalten: der Boho- 
molecsche Herr Antonius (Wilhelm) liebt wie bei Holberg 
die hier nicht auftretende Jungfrau Elsebet. Dagegen 
fiel die ganze Intrige der Marthe wog: wir sehen keine 
Madame La Flecho bei Bohomolec auftreten, und das be- 
deutet zugleich, daß der eigentliche dramatische Nerv (der 
gewissermaßen schon im «Italien Francise» — vermutlich 
Holbergs Quelle? — vorhanden war) aus dem Stoffe 
herausgeschnitten wurde. 

Die Exposition des polnischen Stückes wird gleich in 
der ersten Szene, die ich hier anführe, gegeben: 

STARSKI y LEOPOLD. 

STA : Leopoldzie ! liey ! Leopoldzie ! A pöki ly u kata spac 
b^dziesz? Ja poiq^c'nic mog?, co si(j ci to stalo? Przed- 
tym nie mialern nad ciebie shigi rzezwieyszego y pihiiey- 
szego, a teraz, iak syn möy z Paryza powrocit, tak dhigo 
sypia«: zaczt^les. 

LEO: Ja dlugo sj'j^iam? Bodayby Turczyn tak dtugo sypial! 
Acli. Mospaiiie, trzeba y dla nas, slug biedaycb, mie6 
Avzgljid iakizkohviek. Nie iestesmy bestye. Y my tcz snu 
potrzelmiemy. 

STA : A ktüz ri spac zabramia ? Miales noc caU — mogles si? 
w^spac. 

LEO: Xoc calci '^ A wszakci lo o Irzeciey z p61nocy ukladiem 
si^l 

STA: Czemuz to? 



SorsUge Qupllenv-^rhriltnisse hei Hohomolec. ?^5 

LLU: lio y ]>iu\ U<»l»ort, syii \>asznio.N. Pana, i» ti/.niüx >j)i.. 

poszedt. 
STA: A czcmuz oii to lak pözno spac idzieV 
LF.O: Toc on teraz, iak z Paryza jx)wröcil, iii<;'iv i)ifrw»\ sj>a6 

nio idzie. U iias kazda noc w ten czas slt; porzyra, '^dy 

siQ koiiczy u Waszmoi^ Pana. 
.STA: Co to za biedal Wielc mi on swiec p^jpali! 
LEO: "Waszmosc Paii swiec bardziey iiiz zdrowia moiego za- 

hiiesz? Shizywszy poczciwio tak dlugo Wasznio^<i Panil, 

doczekalem sig nakoniec pi^taioy wyt;:ody! 
S'! \ : Prawda, masz shisznii przyczyng uskarziir si^. Ja to 

zawsze wyznai?, ze nad ciebie wieraieyszego slugi nie 

mialem. Jednakze y swiec szkoda. Ale coz on u kata 

tak dhigo w noc robi? 
LKO: Robi «le grand monde». 
STA: Co? CO? 
LKO : «Le grand monde.» 
STA: C6z to u kata ten «grand monde;>? 
LEO: «Le grand monde» znaczy to po polsku «6wiat wielki . 
"^TA: On tedy ^wiat wielki robi? Albo mu f^u swiat iest nialy? 

Powiedz mi, co to za robofa? 
LEO : Jest to robota paryska, ktörcy si§ pan Robert w Pa;y/.u 

nauczyh Pytalem si? iego lokaia, Monsieur de Mar- 

tiniere . . , 
STA: Jaki to lokay? Albo on ma innego lokaia proez Mar- 

cina? 
LEO: Ten to sara iest Monsieur de Martinierc. 
STA: Jaki to Marlini^re? Wszak on Marcin! 
LEO : Ach, nie möw Waszmosc Pan «Marcin» I 
STA: Czerau nie mam möwic? 
LEO: On si? za to urazi. Muie, zem go nazwal Marcinem, 

zlaial iak psa starego y na pistolety wyz^'waL 
STA: Ale co möwisz? Wszak on iest Marcin, möy poddany. 

Wzi^lem go z wioski swoiey y da lern Robertowi do 

uslug iadi\cemu do Paryza. 
LEO: Wszystko to prawda, ze on byt Marcinera, ze pod- 
dany . . . Ale si§ w Paryzu nobilitowat y iest teraz 

Monsieur de Martiniere. 
STA: Otüz jjozytek z Paryza! Jakze tedy? C6z to znacKy, 

cos möwit? Chcialbym poznac tQ robot^, ktör^ si? syn 

bawi. 
LEO: Monsieur de Martiniere powiedziai mi, ze de grand 

monde», ktöre iest ustaAvnie w usciech pana Roberta, 

graffa de Starseufeld ... 
STA: Jakiego Ro]:>erta graffa? 



2S6 Kapitel IV. 

LEO: Syna Waszmo^c l^aiia, klöry z Pai-yza pouiöcil. 

STA: Jaklo? nie nazywa siQ on Starski? 

l^EO: Fe! Uclioway Panie! On mowi, ze Starski iest to slowo 
grübe, nicpolilycznc. Przoloz go cicrpiec nie moze. 
Dlalcgo miasto Starski nazywa siQ polityczniey Starsen- 
fold. 

STA: Co ia slyszQ?! Co to za pJocliosc! 

LEO: Möwil ledy Monsieur de MartLniere, ze «le grand monde» 
podlug ich nazywaia si? wielcy ludzie, to iest pauowie. 
2yc tedy jwdhig «le grand monde» iest: zy6 zwyczaiem 
wielkich y zacnych ludzi. Tego zycia iest wiele re^uJ, 
alc kat si? ich napami^la! Tey iednak zapomniec nie 
niog^, zo podlug «le grand monde» nie wolno piervvey 
wieczerzar az o pierwszey godzinie po pölnocy, a spac 
sie nie godzi przed trzoci<'\ zrana. 

STA : Bodayby kat wzial t§ mod?, ktora wywraca porz^dek 
czasu od natury rozlozony. Ale przecie czym si? on w 
nocy bawi ? 

LEO: Mezym. Chodzi po pokoiu, gwizdze, spiewa, nogi co raz 
inaczey stawia . . . Wczora w v\ieczör sen go okruUiie 
morzyl. Möwilem mti, czemu sIq nie ktadnie? Odpowie- 
dzial mi : «Mamli ia dla snu mod^ przestapiö ?» Y nie 
poszedl spac pöty, az przyszla godzina trecia od «le 
grand monde» iemu przepisana. 

STA: Ja nie wiem, co si? z nim dzieie? 

LEO: Wczora, dowicdziawszy siQ, ze Waszmosc Pan o dzie- 
siqtey spa6 poszedles, w takf^ wpadi choler?, ze malo 
nie oszalal, y obröciwszy siQ do mnie, zawolal: «Panie 
brori, zeby to w Payzu wiedziano, ze möy oyciec tak 
wszeänie spaö poszedl! Panie bronl Panie broh!» 

STA: Bo^layby go! . . . Albo to wystQpek iaki? To wstyd, 
zem spac poszedl w ten czas, kiedy mi si? spac chcialo? 

LEO: Siucliay Waszmosc Pan daley. «Gdyby^> — rzecze — 
«wiedziano to w Paryzu, jx)wiedzianoby, ze ia iestera 
synem iakiego podlego grubianal Panie bron! Panie 
bron 1» 

STA: Grubiana? To u niego grubianstwo spac o dziesi^tey? 
Jaki mi polityk! 

Wie Jean ist Robert ein Modenarr, der den Gesetzen des 
Pariser Geschmacks oder der Geschmacklosigkeit blind 
folgt; wie Jean seinen Diener mit einem französischen 
Namen (Pierre) nennt, so tauft auch Robert seinen Martin 
zu einem de Martiniere um; wie jener seinen eigenen Namen 



Sonstige Quellenverhältnisse bei Bohomolec. 287 

«nobilitiert», tut es auch der CJraf von eigener Gnadi-; 
bloß mit dem Unterschiede, daß er einen deutschen Namen 
wählt; wie der dänische Französling selber sagt: «Vi Pa- 
risiens kand ikke va^re lanige paa et Sted». so klagt Leo- 
pold auch über Roberts ewige Beweglichkeit («chodzi ])0 
pokoiu, . . . nogi coraz inaczey stawia»), und wie jen^T 
mit einem «La la la la la> auftritt, so heißt es auch von 
Robert, daß er immer pfeift und singt («gwizdzc, spiewa»).*^ 
Wenn Leopold dann ausführlich von der Lebensweise seines 
jungen Herrn erzählt, so ist dieses Motiv auch schon bei 
Holberg angedeutet, indem Jeronimus dort eine Schilderung 
Jener Lebensweise gibt, die die jungen Kavaliere führen, 
wenn sie wieder heimgekommen sind. 

Die kleinen Züge, aus denen die Charakteristik des 
dänischen Plelden besteht, mehren sich im folgenden- bei 
Bohomolec. Er tritt 1,3 in eigener Person auf «w szlaf- 
roku», welches wahrscheinlich eine Reminiszenz an jen< n 
«rod Kliedes Slaabrok» ist, von dem Arv bei Holberg 
spricht (1,2). Er schildert im Gespräch mit seinem Bruder 
Wilhelm, den er mit einem «Bon jour, mon frere» fran- 
zösisch anredet (vergleiche Jeans Gruß: «Bon matin. mes- 
sieurs», I, 3), sein Leben in Paris: 

ROB: Zebys '»viedzial, iak w Par>'^;'ru z Polakow zarluia . . , 
DIatego ia, tarn l>^(lj^c, wstydzilem sie nazywac Pola- 
kiem, przetoz wzic'\lcm to imiQ niemieckie na siebie: 
Graff de Starseiifeld. Y mialoin ztad wielka n Fraii- 
cuzöw powagQ. W iakiey ze nin.'\ zyl przyiazni Mar- 
quis de Kl ein vi 11 e! A Xi^ze de Petitgrand 
fak mi^ kochal iak brata rodzonego! Ach, zacnyz to byl 
kawaler, darmo to möwic. Jak on mile kichal, ach! Y 
na dowöd swoiey przyiazni nauczyl ninie tegoz kichania. 

AVIL: Powinienes mii Waszmoäc Pan byc za to wdzi^czen. 



^ß Starski klagt z. B. in seinem Gespräch mit Leopold: 
•^sCzy uwazates, iak on na iednem mieyscu nigdy nie ustoi, iako 
CO raz ^naczey swe nogi uklada, iako podczas rozmowy spiewa, 
gwizdze, fechtuie r^k^, a po francuzku y do tych nawet gada, 
ktörzy tego i^zyka nie rozumieia.. Nieszcz^sliwa ta godzina, 
ktörey go z Polskiey wyslaleml» (I, 1.) 



•:v«i Kapil'l IV. 

\\i)ß: Prawda. Y do smicrci loi: go nie z:i]>ünmo. A Marquis de 
Klciiiville tak mile poziowal, ze dainy na to patrz;\c az 
si? rozplywaly. Patrz WasznioAd^Paii: choc byl tak wielki 
möy przyiaciel, przociez zrazu nie chcial nii pokazac sc- 
krctu tcgo poziewania. Potym iednak, gdym niu darowal 
pierscicn dyamentov>y, j)okazal mi l)cz zazdro§ci t? 
sztuk?. Jakoz upewTiiain Waszniosö Pana, ze w caley 
Polszcze nienia zadnego kawalera, ktöryby gladziey za 
mnie lub kichal lub poziewal. Y nikomu tego sekretu 
nie ix)kaz? precz panny Bogackiey — y to w len czas, 
gdy iuz b^dzic Graffowji de StarseJifeld. 

WIL: Mnie Waszmosc Pan ])rzynayniniey naucz. 

ROB: Pardonnez-raoi, nie mog^. Ale ... A ta iwzylura vr 
staniii iak si? podoba? Regardez! 

WIL: Bardzo pi^kna. 

ROB: A to ia sam i^ A\ymysli}em y nauczylem iey Monsieur 
le Comte de B r i n d i s. A on miQ za to nauczyl tego 
gwizdania. Posluchay Waszmo^c Pan ! (Gu'izdze.) A?'co? 

Auch die Technik dieser Repliken ist ganz dem Vorbilde 
der Holbergschen Cliarakterisierungsweise abgelauscht: 
Bohomolec läßt seinen Heiden die Künste vorführen, die 
er in Paris gelernt hat. Ganz ähnlich demonstrierte ja 
schon Jean seinen Eltern seine «bougres de pagrad» und 
«menuets»; sein Lehrer war der Monsieur Blondis, dessen 
Name bei I^ohoraolec oben in veränderter Form wieder- 
kehrte; auch er vermutete, daß niemand seinen «contre- 
temps> nachahmen könnte: 

JEAN: Hvad siunes Madamme om den Contre-temps, som jeg 
laerdfe nylig, forend jeg reiste fra Paris. Den troer jeg 
parrli il-l-o nogen kand giore her i Landet . . . 

Wie kam nun Robert Starski zu seiner Galiomanie? 
Genau wie Hans Frandsen durch seine .Reise nach Paris. 
Bei Holberg trägt einerseits der Vater, andererseits die 
^lutter Jeans die Schuld an seiner unseligen Reise nach 
Paris; Jeronimus, der cRaisouneur» der Komödie, war von 
vornherein dagegen. Bei Bohomolec ist aber umgekehrt 
gerade der Vertreter des letzteren, der alte Bogacki, schuld 
an Roberts ReLse, wie uns Starski gleich am Anfang der 
Komödie erzählt: 



Sonstige Quellen vuiliulliüs^e bei Hulioniülec. i^'J 

STA: Ten tedy kochaiiy Bogacki rzccze mi razu Jednego : 
«Przyiatielu, wicsz, ze mani cörkQ iedynaczk^, wi«*lkicli 
bogactvv dzi(xiziczke. Ty iestest iniienia i)i(,'knogo, al«' pod- 
upadlego. ('Iit\' te<ly dla iiaszey przyiazni to uczynic, 
zeby nie dobra razera y z cörk.i dostaly sio twenm do 
mowi. Rol>ert, twoy svii, wieIce mi sio pcnloba; iego 
za zi^cia obierani. Alo trzoba mu dat'; dobro wycho- 
wanie. Ja moim kosztcm wyölcj go do Wiednia na nauki.» 
Cöz niialem na to odpowiedziec ? l'adlem nm do n6g y 
podzi^kowalem za tak dobre sorce. Krotko ntü\vi;\c poie- 
chal Robort do Wiednia. Tarn gdy pi(;6 lat zabawil, 
pan Bogacki na dnigio piQd; lat wyslal go swoim kosztem 
do Paryza. Teraz zas pisal do niego, zeby tu z Paryza 
powröcil y cörkQ wzijil iego. Robert powröcil, y pan 
Dogacki skoro tu z Rusi przyiedzie, wnet ma sprawic 
wcsele. Co godzina na iego tu przybycio wygla.damy . . . 

Der alte Starski hat allen Grund, mit dem Erfolge der 
Reise unzufrieden zu sein, denn wie Jean de France im 
Laufe von 15 Wochen «har forla^ret femten hundrede 
Rigsdaler i Frankrig^, so hat Robert Starski unter .seinem 
fünfjährigen Aufenthalte in Paris 5000 polnische Dukaten 
verbraucht, bloß um Pariser Manieren und Sentiments zu 
erwerben (III, 5). Holberg läßt von seinem Helden be- 
haupten, daß er «efter Moden har glemt bort sm Kristendom 
indtil Katekismum»; diesen Zug hat Bohomolcc besonders 
herausgegriffen, da er ihm, dem jesuitischen Schulmanne, 
als wichtigster Zug in der schädlichen Geistesfurm der 
polnischen Französliuge erscheinen mußte. Das Problem, 
das ihn interessierte — wenn wir von Problemen reden 
dürfen — , l^estand im Gegensatze zwischen der her- 
gebrachten, altpolnischen Frömmigkeit und dem modernen 
Unglauben der Parisfahrer: 

HOB: Cöz robic, mon frere, kiedy taka nio<la? Kto chce miet 
estymacyQ u ludzi, trzeba si? do niody akkomodowac. 

WIL: Ja zas trzymam, ze pierAviey zyc trzeba podhig wiary 
niz podhig mody. 

Auf diesem Gegensatze ist bei Bohomolec der ganze, sehr 
wenig dramatische Konflikt und die schließliche Konflikt- 
lösung erbaut. Gibt Jean bei Holberg seinen Aussichten 
auf die Hand der Jungfrau Elsebet in Jeronimus' Aug'-^n 

Stender-Peterseo . Die Schulkomödien. 19 



290 Kapitel IV. 

den Todesstoß dadurch, daß er diesen mit Gewalt zur 
Annahme der neuesten Pariser Mode zwingt, so erreicht 
Robert bei Bohomolec dasselbe durch seinen Konflikt 
mit seinem Bruder Wilhelm, der ebenso bereit ist, die 
Ehre seines Vaters zu verteidigen, Avie Monsieur Antonius 
die des alten Jeronimus: 

ROB: Ach, mon frere, iuz masz rozuni; czasby si? ci postrzedz 
a zacz^6 zyc iak iiczciwi zyi^ kawalerowie. Przynay- 
liiniey nie wydaway siQ z tak podlemi sentynientami, bo 
ia tego cierpiec nie möge. Nie dose, ze oyciec nasz 
hai'ibi nas podlemi swemi akcyami , . . 
WIL : JMosci Panie Robercie, na mnie Waszmosc Pan gaday, co 
si? podoba: wszystko zniosQ cierpliwie. Ale honoru oy- 
cowskiego . . . 
ROB : Co ? Za oyca si^ uymuiesz ? Trzymay si^z iego : b^dziesz 
si^ do mnie uciekal w twych potrzebach, ale nie uznam 
ci^ za bratal 
WIL: Wolno — möwi? — mnie y za brata nie uznawac, ale 

oyca mego haiibic nie dopuszcz^l 
ROB: A cöz to ty iestes za ieden, Panie domatorze, ktory 
mnie , . . Ach, zeby mi to kto röwny möwi}, tobym go 
t^ szpad^ na wylot przeszyl. 
WIL : Mam y ia szpad^ a inney zadney nie l^kam siQ ! 
ROB: Co? Idz mi z oczn, haribo, obelgo domu moiego! A 
wara, zebys siQ nie wazyl nigdy mym bratem nazvwac! 
(11, 3.) 

CTleich darauf kommt es zu einem ähnlichen Zusammen- 
stoß zwischen Vater und Sohn, worauf Robert, ohne den 
eben eingetroffenen Rogacki zu erkennen, vor 
diesem seine französische Weltanschauung auskramt, ein 
Zug, der eventuell aus jener oben genannten Komödie 
des Paters du Cerceau stammen dürfte: 

BOG: Klaniam Waszmosc Panu. 

ROB: Votre seniteur, Monsieur. 

BOG: A iest w domu Jegomosc Pan Starski? 

ROB: Ktöz to ten Starski? 

BOG: Kt6? zas? Pan tego domu. 

ROß: Nie wiedziaJem, ze on tak siQ nazywa, bom niedawno 
tu przybyl. Ale on wyszedl gdzies z domu. 

BOG; A SVaszmosc Pana iak mam honor nazywac? 

ROB: Jestem Graff de Starsenfeid, pour vous servir. 



Sonstige Quellenverlüiltnisse bei Bohoinolec. 201 

IjOG (möwi do siebio) : To nie musi byc iiioy Rubt-rl, ciiOJ 

podobiiy do iiiego. (Polyin inuwi): A Wasznioäc Paii 

Polak ieste^? 
UOR : Panlonnez-nioi, iestom cudzozieniiec. Peregryiiui^c zaie- 

chalem tu do Polskiey. 
BOG: Jakzo AVaszmo^^c Panu nasz narud si^ podoba? 
ROB : Jakzo Waszraosc Paa chccsz : czy zebym polilycznie, czy 

tcz prawdziwie na to odpowiedzial ? 
BOG: Jam czlok rzetelny, bardziey lubJQ prawd«;^, fIio<' przykrq, 

niz politykQ podchlebnr\. 
ROB: AViQC tedy odpowiadam rzetebiie, ze grubszego narodu 

nad polski nie widzialem. 
BOG: AV czymze to przecie? 
ROB: Prawie vre vrszystkiem ... 

Aus diesem Gespräche, das ebenso beginnt wie das Zu- 
sammentreffen zwischen Vater und Sohn in Goldonis 
«Bugiardo» und Bohomolec' «Chelpliwiec», erfährt Bogacki, 
mit welchen Anschauungen Robert Starski aus Paris zu- 
rückgekommen ist, und damit ist es Schluß mit der Ver- 
lobung zwischen Robert und der Jungfrau Bogacka. Wir 
erfahren nur andeutungsweise, daß sie und Wilhelm Starski 
einander lieben (I, 3: W^IL: Prawda, ze gdyby ta dama 
nie byla obiecana bratu, miaibym czego zyczj6. Posag iey 
uczynilby roczney intraty na kilka tysi<^cy czerwonych 
zlotych. Ale iey przymioty ieszcze si^ drozsze nad posag; 
II, 2), jedenfalls motiviert Bogacki in der letzten Szene 
der Komödie seine Absage damit, daß seine Tochter . 
. . . dowiedziawszy si^ o "Waszmosc Pana post^pkach y, 
sentymentach, za oOOO czerwonych zlotych w Pars'zu ku- 
pionych, stracila cale serce do Waszmosc Pajia y rzckla mi : 
«Wol^ triipem pasd nagle niz pöyäc za pana 
R b e r t a.» 

Die von mir gesperrten Worte, die nicht die Elsebet 
selber spricht, sondern von ihrem Vater wiedergegeben 
werden, sind deutlich eine Reminiszenz an die Versiche- 
rung, die Elsebet bei Holberg ihrem geliebten Antonius 
gibt, sich eher selbst zu töten, als Jean gutwillig ihre 
Hand zu geben (11, 1 und H, 5). 

19* 



29i2 Kapitel IV. 

Als dramatisches Werk steht natürlich der «Paryzanin 
polski» weit hinter Holbergs «Jean de France» zurück. 
Das läßt sich einerseits dadurch erklären, daß Bohomolec 
die Intrige der Marthe, die der ganzen Handlung bei Hol- 
berg Leben verleiht, hat auslassen müssen, andererseits 
aber auch dadurch, daß er si^h nicht mit der Charakte- 
risierungsweise Holbergs, der seinen Jean wesentlich durch 
äußere Mittel darstellt, und uns nur weniges über seine 
Weltanschauung, die frivol-atheistische Weltanschauung 
eines Parisfahrers, mitteilt, begnügen wollte, sondern es 
sich zur Aufgabe machte, Roberts neu erworbene Irreligio- 
eität und vollständige Grundsatzlosigkeit darzutun. Diese 
Aufgabe vermochte er aber nicht anders zu lösen als durch 
höchst langweilige Diskussionen zwischen den Brüdern oder 
zwischen Robert und Rogacki, Diskussionen, die deutlich 
eine Verteidigung 'des Jesuiten pro domo sua bedeuten. 
Dazu konnte ihm Holberg keine helfende Hand reichen, 
und so erklärt es sich, daß die Komödie wirklich komisch 
ist, solange sie mit den Mitteln Holbergscher Komik ge- 
führt wird, sofort aber zu einem gleichgültigen Diskussions- 
stück wird, wenn Bohomolec die Technik seines Meisters 
verläßt und an Aufgaben herantritt, denen seine eigenen 
Kräfte augenscheinlich nicht gewachsen sind. 

In einer Komödie, die zeitlich wahrscheinlich dem 
«Paryzanin polski» vorausgeht, und die gewöhnlich als 
eine selbständige Komödie des Bohomolec angesehen wird, 
nämlich in dem «Urazai^cy sie niesiusznte o przy- 
möwki», hat unser Verfasser wahrscheinlich auch Jean 
de France als Typus vor Augen gehabt. Wir haben im 
wesentlichen das Recht dazu, anzunehmen, daß diese Komö- 
die mehr oder weniger originellen Ursprungs ist, denn Boho- 
molec versichert uns ausdrücklich selbst — was er sonst 
nie tut — , daß die «Materie» seiner eigenen Erfindung 
entstamme (auch ein indirekter Beweis dafür, daß seine 
übrigen Komödien fremde Quellen haben): 

Gdy po wyprawieniu wyzey polozonych KOMEDYJ (ge- 
meint sind: <(FigIacki polityk teraznieyszey mody», I und II, 



Sonstige Quellenverbältnisse bei Bohomolec. 293 

«Nieroztropiiosc swym zaniysloni szkodz^cav) znalazio sig nie- 
malo takicli, klörzy sobie z nicii przymöwki nieslusznie ukla- 
(lali, podali mi now.-^ yod zadnego, iakomi si? zda, 
])isarza komicznego nie dotkni^ta matery? na 
KOMEDYE nastQpuiac^ . . . 

Der Charakter des ^lißtrauischen, keineswegs eine Er- 
tindung Bohomolec', interessiert uns hier nicht, dagegen 
hat gerade hier ein anderer Charakter aus derselben 
Komödie Interesse für uns, da er ein Reflex des Holberg- 
schen «Jean de France» zu sein scheint, der Charakter 
des Bywalski. Vor allen Dingen benutzte Bohomolec bei 
der Charakteristik des Bywalski einen Zug, den er bei 
Holl)erg finden mußte, und den er nicht bei der Darstellung 
des Robert Starski anwandte: das Mißverhältnis zwischen 
der gallophilen Überzeugungstreue des Helden und der 
kttrzen Dauer seines Aufenthaltes in Paris; wie Jean bloß 
einige Wochen in Paris zugebracht hat, dennoch aber als 
vollständiger Französling zurückkommt, so hat auch 
Bywalski nicht mehr als drei bis vier Monate in Paris 
zugebracht, und ist auch als vollendeter Gallomane heim- 
gekehrt (1,3). Bei Holberg hatte Bohomolec Elsebet seufzen 
hören, daß Jean, der schon immer dumm gewesen sei, nach 
seiner Parisreise nur noch mehr verdummt sei: 

ELS: . . Jeg havde Afskye for bans Person, forend band reisede, 
saasom jeg merckede, at band var en forfaengelig og 
vanskabt Natur, og let künde spaae, at band vilde blive 
reent forstyrret. naar band kom i fremmede Lande . . . 
(11, 1); 

er ließ Frantocki, Bywalskis mehr oder weniger gesund 
raisonnierenden Freund, diesen Seufzer gleich nach der 
ersten Begegnung wiederholen: 

FRA: Mily Boze, möy pan Bywalski byl Irocbe glupi, nim do 

cudzych kraiöw udal siQ, a teraz zda sie. ze 

glupszy powröcil . . . 

Wie Jean hat er in Paris alles «Bemerkenswerte» eifrig 
studiert und glaubt nun, er sei vollkommen «we wszyst- 
kich generalnie sciencyach, ktöre moga condecorare czleka 
bien urodzonego». Diese Kenntnisse hat er aus ver- 



ii9i Kapitel IV. 

schiedenon gelehrten Werken geschöpft, deren Titel er 
selber anführt; es sind das «L' Information pour nettoyer 
les dents», «L'Art de plaire aux Dam es» und «De la ma- 
niore ...» («to lest: 'O sposobie, ktör^^mby mozna twarz 
naturalnie szpetnf^ przez rözne artyficyalne wodki y farby 
poprawic y ozdobic'»), Titel, die nicht unbedingt irgend- 
wo entlehnt zu sein lirauchen.^^ Selbst sagt er von diesen 
Büchern : 

BYW: Pour vous dire la verite, mogQ ich nazwac extraktem 
madrosci, przedystyllowaney w alembiku glöw ma.- 
drych . . . 

Das letztgenannte Buch aber scheint ihm der Gipfelpunkt 

aller Weisheit zu sein: 

BYW: Ta ksiq,zka moze siq nazwac glow?i wszystkich ksi^g, 
ktöre byly, s^ y b^d^ na swieeie . . . 

Sein Kopf ist so von seinen Pariser Eindrücken gespickt, 
daß er seine alten Freunde nicht mehr wiedererkennt. 
Als Frantocki ihn an ihre frühere Freundschaft erinnert, 
antwortet er: 

BYW: Ach, cos mi blysn^lo — przypominam sobie. Pardonnez- 

moi, Monsieur! Mam pami^c paryskierai objektami ain- 

harassowana. , . . 

Paris ist ihm in allen Fragen die höchste Instanz, an 
deren Autorität nicht gezweifelt werden kann. Als Giupski, 
um sein übertriebenes Mißtrauen zu rechtfertigen, erzählt, 
seine Mutter habe ihm geraten, immer auf die Worte 
anderer achtzugeben, fräst Bvwalski ihn hochmütig, ob 
seine Mutter in Paris gewesen sei: 

GLU: Ale mnie moia matka zawsze to w glowf; wbiiala . . . 
BYW: ficoutez! A bylaz matka Waszmosc Pana w Paryzu? 
GLU: Nie byla. 
FJYW: Ja bvlem — mnie tedv Waszmosc Pan wierzi 



8' S trus i n s k i , a. a, 0., S. 253, meint, daß diese Titel 
nur eine Nachbildung jener seien, die der Philosoph Disanvray 
im <<Arlequin Misantrope» nennt: '^Topographie exacte du visage 
d'une femrne ou lArt d'y placer les mouches . . .>, «L'Art d'aimer», 
«Projet d'u?i Dictionnaire de Mincs . . .'>. 



Sonätiife nuelleuverliiillnisse hei Hohomolec. 295 

Wie Jean in Paris alles Dänische zu verachten gelernt hat, 
so hat auch Bywalski die Erfahrung gemacht, daß alles, 
was polnisch ist, der Geringschätzung wert sei: 

BVW : . . . Y to toz do iial)ycia slawy wiele ix>mo?.e, kicdy 
Waszmosc- Paii zacliiey rzeczy nio bfMJziesz chwalil, 
ktora Sit,' w Polszcze rcxizila. Ökoro siQ Waszmosc Pari 
dowiesz, ze albo ksi.-^zka iaka od Polaka wydajia albo 
rzecz iaka od rzeiniesLnika jxilskiego zrobiona, zaraz 14 
gaii, möwinc, ze w Paryzii sii dalcko lepsze. Zt^d 
inni b^da. rozuniieli, ze Waszmosc Paii lepsze rzeczy 
nidziales, y zo umiesz o nich sa.dzi(^. 

Wenn die Komödie, von der hier die Rede ist, mit 
ihrer Figur Bywalskis in einem gewissen Ahhängigkeits- 
verhältnisse zu Holbergs «Jean de France» sieht, so ist 
sie auch sonst nicht ganz selbständig, was die Technik 
der Komik betrifft. Wie ich schon im Kapitel über 
Eohomolec' Verhältnis zu Moliero (S. 181) gezeigt habe, 
stammen einzelne Züge au.>^ Molierescheu Komödien, und 
auch ein Corneillesclies Motiv ist oben (S. 216) notiert worden. 
Eine Handlung gibt es eigentlich nicht, von einer Entleh- 
nung derselben kann somit füglich nicht gut die Rede sein. 
Dagegen ist der komische Schluß augenscheinlich nach 
einem bestimmten Vorbilde gearbeitet, wird er doch auf 
dem bekannten Pathelinmotiv ba=?iert. Natürlich hat Eoho- 
molec nicht die alte Farce gekannt, wohl aber eine moderne 
Bearbeitung derselben, de Brueys' dreiaktige Komödie 
«Pathelin». Hierläßt de Brueys in Übereinstimmung mit 
der Farce den diebischen Schäfer Agnelet seinem Advo- 
katen Pathelin gegenüber genau dasselbe Mittel anwenden, 
das Pathelin ihn selbst gelehrt hat. Dieser hatte ihm n,6 
eingeschärft, wie er sich vor Gericht zu benehmen habe: 
PAT: A toutes interrogations qn'on te fera, soit le Juge, soit 
l'Avocat de ton Maitre, soit moi-meme, ne reponds autre 
chose que ce qua tu entens dire tous les jours ä tes 
betes a laine; tu s^aunis bien parier leur langage, & 
faire le mouton? 
AGX: Cela n'est pas difficile. 

Genau ebenso scbärii Bywalski seinem Klienten Glupski 



2y() , Kapitel IV. 

ein, wie er sich zu verhalten habe, wenn jemand von ihm 
verächtHoh spricht : 

BYAV : . . . Przotoz nigdy AVaszmosc Pan sIüav cudzych do sic- 
bie nie applikuy, bö to przyniesc moze iak^ sercu irry- 
tacya.. 
GLU: Juzci ia to znam, ze to zle. Nieraz mialem zt^d klötnie, 
ambarassy y serca irrytacy^. Frzetoz w oczach Wasz- 
mosc Pana shib uczyrÜQ: zadiiey sobie rzeczy, chocby 
siQ do mnie oczywiscie stosowala, nie nie przypisywac. 

Als aber Pathelin von dem Schäfer Bezahlung verlangt für 
die erfolgreiche Durchführung des Prozesses, wendet dieser 
den Spieß um und führt Pathelin genau so an der Nase, 
wie dieser es ihn gelehrt hat: 

PAT: Oh! ^ä, par mon adresse je t'ai tire dune affaire oü il 
y avoit de quoi te faire pendre: c'est ä toi maintenant 
ä me bien payer, comme tu m'as promis. 

AGN: Bee . . . 

PAT: Oui, tu as fort bien joue ton röle; mais ä present il me 
faut de l'argent: entens-tu? 

AGN: Bee . . . 

PAT: Eh! laisse lä ton bee. II n'est plus cpiestion de cela: il 
n'y a ici que toi & moi, veux-tu me tenir ce que tu m'as 
promis, & me bien payer? 

AGN: Bee . . . 

PAT: Comment, coquin, je serois la dupe d'un mouton vetu? 
Tete-bleu, tu me payeras, ou . . . (III, 3.) 

Ebenso wird auch Bywalski von Glupski um sein Geld 
geprellt : 

GLU: . . . Szcz^sliwey drogi Waszmösc Panu zycz^. Chce 
odeysc.) 

BYW : AVaszmosc Panie, a obielnica ? 

GLU: Jaka? 

BYW: Tak wiele mi Waszmösc Pan obiecales za instrukcya. 

GLU: Do mnie Waszmösc Pan mcjwisz? 

BYW: Tak iest. 

GLU: Waszmösc Pan zartuiesz. Ja sobie tego nie przypisui?, 
boby to moglo sercu memu przyniesc irrytacyji . . . 

BYW : Y nie dasz mi Waszmösc Pan nie ? - 

GLU: Nie dam, nie dam, bo to nie do mnie nalezy dawac co 
Waszmösc Panu. 

BYW: Sluchayze, huUaiu ! 

GLU: Do kojro to Waszmösc Pan möwisz? 



Söiistigo Quellenverliällnisse bei Bohomolec. 297 

BYW: Do cicbic, huUaiul 

GLU : Ja sobie tego nie przypisuic, boby to przynioslo iny- 

tacyr\ sercu memu. 
BYW: WicJz o tyni, zo iestes filutl 
GLU: To nie do ninic. 
BYW: Jestes oszust, nie dobregol ' 

GLU: Y to nie do mnie. 
BYW: Jestes klamca, szall>ioi'z! 
GLU: To nie do mnie! nie do mnio! 
BYW (biie go ni6wi.'\c) : To do cicbie! To do ciebiel Maszl 

Masz 1 
GLU (IvFzyczy): Nie do mniel Nie do mnie! Ja togo sobie nie 

przypisui?! Votum uczynitem! (Ucieka.) 
BYW : Co za niecnota ! Gfupi iak stadlo, a mnie, takiego czleka, 

odrwil! 0, fe, do kata! Nie iest to ä la Parisienne! Nie 

tak maniera francuskal 

Es liegt hier um so näher, einen direkten Einfluß 
seitens der Brueysschen Komödie anzunehmen, als wir 
einen konkreten Beweis dafür zu erbringen vermögen, daß 
Bohomolec de Brueys' Komödien wirklich gekannt hat. 
Eine seiner Komödien ist nämlich nichts anderes als eine 
leichte Umarbeitung des «L'Important», auch «L'Impor- 
tant de la Cour» zitiert. Ich meine den «Statysta 
mniemany». Man ist bisher sehr im unklaren gewesen, 
wo man die Quelle Bohomolec' zu suchen habe,^^ und 
versuchte vergeblich, einen Zusammenhang zwischen dieser 
wenig Moliereschen Komödie und Moliere zu konstruieren. "'^^ 
Ein flüchtiger Vergleich des «Statysta mniemany» mit 
dem «Important» überzeugt uns, daß de Brueys' Komö- 
die die einzige und direkte Quelle der polnischen ist. 
Der falsche Graf de Petiteville heißt im Originale 
Comte de Clincan, sein Onkel Argant ist mit M. de Cor- 
nichon identisch ; Dorant, der Freier, den der falsche Graf 
aus dem Felde schlagen will, hat seinen Namen bei Bo- 
homolec behalten dürfen, sein Vater de Vieusancour mußte 
sich aber in Anzelm umtaufen lassen. Der Diener des 
Grafen la Branche nennt sich bei Bohomolec Martinier. 



88 Kielski, a. a. 0., S. 141. 

^9 S t r u s i li s k i , a. a. 0., S. 258. 



t>98 Kapitel IV. 

Der bei de Brueys namenlose Bankier bleibt auch bei 
Bohomolec namenlos. Die weiblichen Rollen sind teil- 
weise von der Bühne verbannt, — so treffen wir weder 
Mariane, die Geliebte Dorantes, noch ihre Schwester Ninon 
an, — teilweise durch entsprechende männliche Rollen 
ersetzt — so erscheint die Marquise de Brueys' als Erast 
und ihre Zofe Marton als Diener Dromon. 

Zunächst sei als Beweis meiner Behauptung, daß wir 
es hier mit einer leichten Bearbeitung zu tun haben, eine 
zufällig gewählte Parallele aus beiden Komödien angeführt. 
Der alte Onkel Argant (M. de Cornichon), der seit zehn 
Jahren nicht in Paris gewesen ist (Boh.: «dziesiec lat 
iakesmy go w Paryzu nie widzieli» = Brue^^s: «il y a dix 
ans que nou? n'avons pas vu ce bonhomme ä Paris»), 
erscheint plötzlich im Hause des reichen Provinzialen Erast 
(resp. der Marquise), um seinen Neffen zu besuchen. Der 
Diener, auf den er zuerst stößt, will sich zunächst nicht 
zu erkennen geben, da er die Strafe des alten Herrn 
fürchtet, läßt aber schließlich die Maske fallen, als er hört, 
daß seine Tante gestorben sei und ihn zu ihrem Erben 
eingesetzt habe (Boh.; <'ciotka, o ktörey Waszmosc Pan 
mowisz, byla praczka w Newers; imi^ iey bylo Nicole> = 
Brueys: «la tante dont vous me parlez, etait une blan- 
chisseuse de Nevers, qu'on appelloit la grande Nicole»). 
Er erzählt dann, daß sein Herr Graf geworden sei und 
sich mit einer reichen Dame verheiraten wolle: 
D e B r u e y s 1, 2 : j B o h o m o 1 e c I, 1 : 

LA BRANCHE: . . . Les gens ■ MARTINIER: ... Teinz y naya- 
des plus petits, soi-disans bozszy szlachcic w Paryzu 

Geiitilshommes^ sont aujour- | iesttakg-alonowanyiakprzed- 

d'liui plus dores que les Ducs | tym sanii Xi^zeta 



& Pairs du tenips passe .... Jeslesmy teraz w domu nieia- 

■^^ous sornmes ici dans l'ap- kiegos pana Erasta, ktöry 

parteinent d'une -Marquise, tu dla wielkiey sprawy przyie- 

qui est ;i Paris pour un ' chai. Je.^l to czJek prosty, 

grand pioces. G'est une i niebywaly, ale okrutnie bo- 

veuve,unebon!ieProvinciale, i gaty. Ma f:örk^ z wieikitn 

un peu fülle, changeante & ' pooagiein,obiecaria Jegomos- 

glorieuse. Elle a ime fille ' ci -panu Dorantov/i, zacnemu 



Sonstiprc Oiipllenverhaltnisse hei Bohomolec. 



299 



fort belle et" tres-riche, qu'on 
appelle Mariane: on parle 
de la iiiarier av<:;c un Gen- 
'ilhomme noiiime Dorante. 
11s s'aiment fort; mais nion 
Maltre songe ä la croquer 
jjour lui ä cause de sa ri- 

oliesse 

Depuis quelques mois il a 
eiige de sa propre autorite 
la Terre de Clincan en com- 
le. & il est Monsieur le Com- 
te tout court. Pour moi, je 
suis ä l'auberge son Valet 
de Chambre, ä Versailles son 
Secretaire, & ceaiis son 

Efuyer 

Tenez, Monsieur, il y a dans 
ce pays-ci une espece de 
^ens, qui voyant qu'on ne 
leur fait pis l'honneur de 
les elever dans les Charges 
S: dans les emplois de dis- 
tinction, trouvent le moyen 
par leur propre Industrie de 
^e faire valoir eux-memes . . . 
Ils vont k la Cour, chez les 
Prince?, chez les Ministres; 
ils s'iiiiriguent dans les Bu- 
reaux; ils n'y ont pas verita- 
l)lement un grand credit ; mais 
ils trouvent des gens ä qui 
ils persuadent qu'ils en ont 



Kawalerowi. Ale ir.oy pan 
mysli go odsadzio y tarn .sIq 
wsrubowac 



Niedawno on swoi^ wiosktj 
w hrabstwo przerobil — sam 
swi^ wlasnii powag^ — y 
ztad nazywa si«j iuz Giafieui. 
Ja zas w domu iestem stugf^, 
w Wersalu sekretarzem. a 
tu iego koniuszvm 



Oto tak: iest tu piewny rod- 
zay ludzi, ktörzy nie mognc 
siQ wsrubowac do Dworu, 
zeby tarn byli przyi^ci, sami 
przez swoi^ promocya czynia 
siQ ludzmi dv/orskiemi .... 



Bywai^ u Dworu, Panom 
nadskakuiti, wdaia si^ w 
cudze sprawy, choc niepro- 
szeni; y lubo uie maiq tarn 
zachowania wielkiego, przed 
drugiemi iednak udain, iakby 
oni tarn mogli naywi^cey 



beaucoup : 

Wir Laben in diesem Falle eine fast wortgetreue Über- 
setzung der französischen Vorlage, und ebenso verfährt 
Bohomolec auch im weiteren Verlaufe der Komödie. Wenn 
wir aber dennoch nur von einer Umarbeitung, nicht einer 
Übersetzung reden dürfen, so beruht das darauf, daß eine 
ganze Reihe von Szenen dank der konsequenten Elirainie- 
rung einiger Frauenrollen aus der Komödie ausgeschieden 
sind. Zunächst fehlen die Szenen, in denen bei de Brueys die 
kleine Spionin Ninon auftritt (I, 5 — 6, 8 — 9, II, 10 — 11), 



300 - Kapitel IV. 

dann alle die, wo Mariaue selbst auf die Bühne kommt 
(11, 8, IV, 9, V, 4), — wobei die Szene 11, 9, wo Dorante 
Mariane von der bevorstehenden Ankunft seines Vaters 
erzählt, durch eine andere ersetzt ist (11, 7), in der Dorant 
dasselbe Dromon mitteilt, — und vor alle'h Dingen alle 
jene Szenen, in denen das von ^larton herbeigeführte 
Mißverständnis zwischen Mariane und Dorante in die Er- 
scheinung tritt (III, 8 — 16). Außerdem fehlen noch die 
Szenen 11, 2, III, 7, und IV, 7, Szenen, in denen Marton auf- 
tritt, und werden die beiden ersten Szenen der Brueysschen 
Komödie zu einer einzigen zusammengezogen. Bohomolec' 
Komödie ist somit um 23 Szenen ärmer als de Brueys 
Komödie, wobei besonders der dritte Akt (mit 9 fehlenden 
Szenen) stark zu leiden hat. Statt der 11 Szenen des 
ersten Aktes, der 13 des zweiten, der 16 des dritten, 
der 9 des vierten und der 10 des letzten, fünften (= 59 
Szenen) erhalten wir eine kurze Komödie mit je 6 Szenen 
im ersten und dritten, 8 Szenen im zweiten, 7 im vierten 
und 9 im fünften Akte (= 36 Szenen). 

Ganz ohne Mißhelligkeiten gelang Bohomolec diese 
Operation freilich nicht. De Brueys setzt nämlich voraus, 
daß Mariane schon vor ihrer Verlobung mit Dorante gegen 
ihren Willen mit einem anderen verlobt gewesen ist, 
einem gewissen Cleonte, und daß ihre Tante endlich diese 
Verlobung aufgehoben hat. Weiter wird die Marton 
von dem Grafen bestochen, zu seinem Vorteil auf die alte 
Marquise einzuwirken. Sie verspricht es und will die 
nächste Gelegenheit l)enutzen, um zwischen den beiden 
Liebenden Streit zu säen (de Brueys II, 13 = Boh. II, 8). 
Das tut sie auch in der Weise, daß sie den nichtadres- 
sierten Absagebrief Marianes, der Cleonte übergeben werden 
soll, Dorante gibt, als wäre er an ihn gerichtet, wo- 
durch der Bruch zwischen den beiden Liebenden herbei- 
geführt wird. Dieser Bruch fehlt ganz bei Bohomolec, 
ebenso das Motiv vom Briefe; nichtsdestoweniger 
aber läßt Bohomolec die von de Brueys nur zu diesem 
Zwecke vorbereiteten Prämissen, nämlich die Bestechung 



Sonstige Quellenverhältiiisse bei Bohoniolec. 301 

des Dieners, die Existenz eines ganz überflüssigen früheren 
Freiers und den Beschluß des Dieners Dromon, die Lieben- 
den zu entzweien, weiterbestehen, ohne sie irgendwie zu 
verwerten. Auch das wieder ein Zeichen, welche Schwierig- 
keiten die Bearbeitung fremder Originale Bohümolec bot, 
und wie unvorsichtig und nachlässig er dabei verfuhr. 

Wir haben nur noch die Quelle einer einzigen und 
letzten Komödie zu bestimmen, die des «Dziwak». Lei- 
der ist es mir nicht gelungen, eine ganz zufriedenstellende 
Lösung dieser Frage zu finden. Daß die Komödie selb- 
ständig sein könnte, scheint mir ziemlich unwahrschein- 
lich, denn die Handlung verrät deutlich ihren fremden 
Ursprung, vor allen Dingen schimmert die Liebesintrige 
stark durch die von jeder weiblichen Rolle befreite Hand- 
lung hindurch. Äußerst zweifelhaft ist Strusinskis V^ermu- 
tung/^*^ daß Bohomolec sich hier von Molieres «Tartufife» 
habe beinflussen lassen, und auch er selbst meint, daß das 
eine «analogja na pierwszy rzut oka nieco dziwna» sei. 
Wenn Kielski ^^ eine Verwandtschaft mit Marivaux' Ko- 
mödie «Le Legs» andeuten zu können glaubt, so ist es 
nicht einzusehen, wie eine solche Annahme erhärtet wer- 
den könnte. Die Quelle ist bisher nicht gefunden. 

Wir können aber dennoch einen Versuch machen. 
Zuüächst fällt es uns in die Augen, daß die eigentliche 
Handlung sich genau genommen wiederholt. Um seinen 
Herrn, den jungen Robert, den der Onkel Anzelm zu- 
gunsten eines anderen Neffen, den er nie gesehen hat, 
enterben will, in seinen Bestrebungen zu unterstützen, 
verkleidet sich Figlacki im dritten Akte als dieser un- 
bekannte Neffe («przestroiony y siestrzenca udaiqcy>) und 
ruft durch sein Betragen Anzelms Erstaunen, Zorn und 
Schreck hervor. Vor allen Dingen verlangt er, daß der 
Onkel ihm sofort einen Teil seines Erbes ausliefern solle, _ 
da er einen eben gekauften Hund damit bezahlen wolle. 



90 Strusinski, a. a. 0., S. 256. 

91 K i e 1 s k i , a. a. 0., S. 142. 



30-2 Kapitel IV. 

Dann läßt er ihn verstehen, daß er seine Mutter hilflos 
habe sterben lassen. Schließlich fordert er, daß Anzelna 
innerhalb dreier Tage sterben solle, damit er desto schneller 
in den Besitz seines Erbes gelangen könne, und verspricht, 
ihm beim Sterben behilflich zu sein. Er macht sogar 
den Versuch,- ihn gleich ins Jenseits zu befördern, wird 
aber von Robert, der bloß auf diesen Augenblick lauert, 
davongejagt. Man sollte glauben, daß das den alten Anzeim 
genügend von dem guten Charakter des treuen Neffen 
überzeugen müßte, daß Anzeim ihn sofort ohne Wider- 
rede als seinen Universalerben anerkennen würde. Aber 
unsere Erwartung wird getäuscht. Im vierten Akte 
wiederholt sich dasselbe Motiv, bloß in der Form 
etwas verändert. Anzeim hat nämlich beschlossen, Fig- 
lacki zu seinem Erben zu machen. Dieser gebärdet sich 
nun in der zweiten Szene des vierten Aktes genau wie 
im dritten Akte: 

AKZELM, WILHELM (ein Nachbar) y FIGLACKI. 
ANZ: Cöz tarn, kochany Figlasiu? 

FIG: Chcialbym, Mosci Dobrodzieiu, mysl moi^ iedn^ wyiawic, 
tylko si^ obawiam, zebym nie umartwil cokolwiek serca 
laskawego Waszmosc Pana. 
ANZ (do "Wilhelma) : Widzisz, iak mnie kocha? (Pötym do 

Figlackiego) : Möw, kochany Figlasiu, nie böy sIq . . . 
FIG : ^Mosci Dobrodzieiu, naypierwsze starania moie, po ode- 
braney z laski Jego tych döbr dzierzawie, byc powinno o 
dobre gospodarstwo y porz^'dek domowy. 
ANZ (do Wilhelma): Widzisz, iak m^drze poczyna? (Do 
Figlackiego) : Prawda, y ia tego porz^dku iuz dawno za- 
dam, ale nie mialem czleka do tego sposobnego. 
FIG: A ze porza.dek w tym domu byc nie moze, gdzie dwoch 

iest panöw . . . 
ANZ: Rozumnie möwil 

FIG: . . . przetoz upraszam. Waszmosc Pana Dobrodzieia, 
poniewaz iuz mnie tu panem uczyniles, abys si§ nie wa- 
zyl nie wdawac w rz^dy domu moiego! 
WIL: Rozumnie möwi! 

ANZ: Jakto? To mnie zabronisz w mym domu . . . 
FIG: Juz z tego domu Waszmosc Pan wyzujes si^, gdys go 

mnie odst^pih 
WIL: M^drze poczjTial 



Sonstige Quellenverhältniise bei Bohomolec. 303 

ANZ: To piQknic! A ia co b^dQ robil? 

FIG: ZnavclQ ia dla Wasznios«'- Pana zahawke pi^kna. yuczciwa.. 

ANZ: Jakci zabawk^? 

FIG: Wiem ia, zc Waszmos«- Vnn przy starosci ni»' ma.sz sil 
zdoinych do prac ci^zkich, przetoz prosz(?, abys Wasz- 
mosc Pan, darmo czasu nie trawiac, rax^zyl drzec pierze, 
ktörem iiiz kazal nagotowaö. 

ANZ: To ty ninie b^^dziesz TH)boty naznaczal? 

FIG: A iakze? Dobry gospodarz nie powinien nikomujK)zwalac 
pröznowania w swym domii. 

ANZ : Ty mnie pierze drzec rozkazuiesz ? 

FIG : Nie rozkazuie, ale pozwalani z tego dwoyga iedno obrac : 
albo pierze drzec albo z tego domu ustapic. 

WIL: To prawdziwe kochanie! 

ANZ : Dok^id ia mam nstcipic ? 

FIG : Do klasztoru zyczylbym, poniewaz . . . 

ANZ: Ja do klasztoru? Po co? 

FIG: Po CO? Zostaniesz Waszmosc Pan zakonnikiem . . . . 

Przetoz ze Avszelka, pokor^ y niiloscia 

muszQ odwiezc Waszmosc Pana. 

ANZ : Doka.d masz mie odwozic ? 

FIG : Do klasztoru. 

ANZ: Ale wybiy sobie te cbimer\' z glowy. Juz möwie rze- 
telnie, ze ia nie mysle byc zakonnikiem. 

FIG: Poniewaz tedy "Waszmosc Pan ani z pierzem cbcesz sie 
zabawic ani zostac zakonnikiem, przetoz na dowöd moiey 
wdziecznosci y pov\-oInosci icszcze dwie rzeczy Wasz- 
mosc Panu zostawuiQ do obtania. 

ANZ: Jakie? 

FIG: Umrzec iak naypiQdzey albo sie ztq,d wyniesc zaraz! 

ANZ: Ale iak ia mam umierac, kiedy . . . 

FIG: Jesli Waszmosc Pan Dobrodziey czuiesz iaka trudnosc w 
umieraniu tedy ia iako zyczliwy sluga Waszmosc Pana 
"SV tym mu usluz^ y wszelkie trudnosci uprzjitn?. 

ANZ: Ale . . . 

FIG: Ja siQ znam na takich ziölkach, ktöre bez trudnosci w 
momencie smierc przynosza. 

ANZ : Ale uwazay . . . Dayze mi poköy I Juz mowi^ wyraznie, 
rzetelnie, ze ia nie chc^ ! Ani mysl? umierac I 

FIG: Wiec trzeba zt^d wyniesc siQ zaraz I iak naypredzeyl 

ANZ: Ale dok^d. ia siQ wyniose? 

FIG: Y to ieszcze na dowöd moiey powolnosci czyniQ dla 
Waszmosc Pana, ze mu pozwalam obrac sobie mieszkanie, 
gdzie zechcesz : czy to w Europie czy w Szlc^sku czy 
gdzieindziey. Swiat caly niecb shizy . . . (Widzisz Wasz- 



304 Kapitel IV. 

mosc Pan, iakiey iesteni kii nienui hoyno^ci?) . , . Swiat 
caly niech sluzy Waszmosc Panu procz tcgo domu. Co 
w tym domu — wyraznie y rzetelnie mövn^ — Wasz- 
mosc Pan mioszkac nie b^dziesz. 

ANZ: Otöz b<^d?! Obacz?, co mi zrobisz! 

FIG: Prosz^ o r^k?. 

ANZ: Na co? 

FIG: ProszQ — möwi^ — o r^k?. 

ANZ: Ale czego chcesz ode mnie? 

FIG: ProszQ o iQkQ bez cereraonii ! 

ANZ: Ale powiedz mi, na co? 

FIG: Na to, zebym Waszmosc Panu ostalni^ przysluge uczy- 
nil y wyprowadzil z tego domu. 

ANZ: Ale iakto mi^ wyprowadzic z mego domu? 

FIG: Juz to dom nie Waszmosc Pana. 

ANZ: Ale möy od dziadöw, pradziadöw . . . 

FIG: Ach, my czas na ceremoniach trawimy, a tym czasem 
w domu nieporzcidek. Mospanie, albo r^ka albo zyciel 

ANZ: Cöz to znaczy? 

FIG : To znaczy, ze kiedy Waszmosc Pan nie pozwalasz, zebym 
mu shizyi w prowadzeniu, to zaraz tß, szpadj^ na wylot . . . 

ANZ: Stöy, stöyl Id^ zaraz! Bodayby ci§ choroba . . . Bo- 
dayby ci^ sto gor^czek . . . Bodayby . . . 

FIG: Dose tego Wagoslawieiistwa I Precz mi zaraz! 

ANZ: IdQ, id^l Bodayby ... nieba! (Odchodzi.) 

FIG : Juz si§ skonczyly ceremonie. Tak trzeba dziwaköw uczy6 
rozumu. Z niemi im lagodniey czlek post^puie, tym oni 
s^ gorsi! 

Im letzten Akte ist es dann natürlich wieder Robert, der 
als «Retter in der Not» erscheint und dem Figlacki die 
Erburkunden abgejagt zu haben vorgibt. Die Handlung 
scheint sich somit zu wiederholen : der einzige Unterschied 
zwischen dem Konflikt mit dem als Neffe verkleideten 
Figlacki und dem Konflikt mit Figlacki selbst ist der, daß 
Figlacki im letzteren Falle in den Besitz der Papiere kommt, 
wodurch er faktische Macht über Anzelm erhält. Wenn 
dieser nach dem zweiten Konflikt Robert zu seinem Uni- 
versalerben w^ählt, so hätte er es ebensogut gleich nach 
dem ersten tun können, da die äußeren Umstände, 
die dafür sprachen, Robert zu Gnaden anzunehmen, schon 
da genau dieselben waren. Das ganze Motiv mit Fig- 



Sonstige Quellenvcrhällnisse bei Hohomolec. 305 

lacki, dem Diener, als Erben scheint etwas lose an die 
Handlung angefügt, und wenn wir eine Komödie finden 
konnten, die n u r den ersten Zusammenstoß benutzt, so 
könnte der zweite, meiner Meinung nach, als willkürliche 
Verdoppelung einer ursprünglich einfachen Handlung ange- 
sehen w^erden, wobei der Zug der plötzlichen Demaskierung 
des frechen Dieners wirklich durch einen leichten Ein- 
fluß nicht nur seitens des Moliereschen «Tartuffe» erklärt 
werden könnte. Nun fragt es sich, ob die doppelte Hand- 
lung schon in der gesuchten Vorlage vorhanden war, 
oder ob Bohomolec sie selbst durchgeführt hat? 

Ich neige zur letzteren Annahme. Und wenn wir 
uns weiter die Möglichkeit vorFtellen, daß das Erbschafts- 
motiv ein schwacher Ersatz für eine ursprüngliche Liebes- 
intrige ist, so läßt ein kleines Detail in der polnischen 
Komödie uns vermuten, daß Figlacki in der eventuellen 
Vorlage nicht ein Valet, sondern eher eine Soubrette ge- 
wesen ist. Wir vermuten das nicht so sehr aus dem 
Monologe, den Anzelm am Eingange des zv/eiten Aktes hält, 
imd ■ der eine gewisse Verliebtheit des alten «dziwak» 
ahnen lassen könnte: 

ANZ: Zeby tu wszystkich shig swiata calego do kupy kto ze- 
bra^, upewniam, ze poczci^A^szego nad mego Figlasia nie 
znalazlbym, nie ! Y m {^ d r y , bo siq zna na ziölkach, 
zycie przedluzaia.cych, bo umie löine iQzyki &c. Y 
w i € rn y , bo panskiego dobra nie pragnie, swoim 3iQ 
obchodzi. Y niedre gi bo zadney nie chcQ zaplaty. 
Y zyczliwy, bo mnic kocha y z kochania mi 
sluzy. Y zacny, bo ... slowem zacny! Ale to 
fraszka. To s^k, ze mi przypadl do mysli, y ze iednego 
wo wszystkim ze nina lest zdania. Inni siudzy, gdy im. 
CO möwisz, to si^ marszcza, krzywici, burczt'\, ßprzeci- 
wiäia.. A ten zawsze wesoly, to chwali, co ia chwal^, 
to gani, CO ia ganiQ, y to cz^ni z ochotj^, co mi sIq po- 
doba. ]\Iusia} siQ on rodzic pod iednq. ze mnq. gAviazd^i, 

sondern vielmehr, weil Anzelm im dritten Akte, als er be- 
schlossen hat, Figlacki zu seinem Universalerben zu machen, 
Robert auffordert, sich in ein Kloster zurückzuziehen. 
Bohomolec motiviert diese Aufforderung damit, daß er 

Steuder-Peterseu, Die Schulkomödion. 20 



306 Kapitel IV. 

Anzelm befürchten läßt, Robert könnte Figlacki irgendwie 
nachstellen und sich an ihm rächen. Es liegt nahe an- 
zunehmen, daß in der Vorlage der ursprüngliche Anzelm 
(oder wie er geheißen haben mag) nicht seinen Neffen, 
sondern seine Tochter in ein Kloster hat schicken wollen, 
damit sie seiner eventuellen Verbindung mit dem weib- 
lichen Prototype des Figlacki nicht im Wege stände. 

Teilweise könnte vielleicht eine Komödie des fran- 
zösischen Dichters Pierre - Frangois - Godart de B e a u - 
champs als Quelle in Betracht kommen, nämlich die 
1721 im Theätre Italien aufgeführte dreiaktige Prosa- 
komödie «La Soubrette ».^^^ Hier hat der alte docteur eine 
Tochter Silvia, die von Lelio geliebt wird, die er aber mit 
dem ihm gänzlich unbekannten Mario verheiraten möchte. 
Dieses sucht nun die «Soubrette» des docteur, namens 
Colombine, zu verhindern; sie verkleidet sich, gibt sich für 
den unbekannten Mario aus und «affecte quantite de dis- 
cours capables de le degouter, & ajoute qu'il ne prend sa fille 
que pour le bien qu'elle a, & dans l'esperance de se voir 
bientot delivre de son pere & de son beau-pere futur, 
pour pouvoir ensuite manger leurs biens plus ä son aise &c». 
Der docteur ist so über die Unverschämtheit des angeb- 
lichen Freiers empört, daß Lelio sich bloß zu zeigen 
braucht, um von ihm ohne Widerrede die Hand seiner 
Tochter zu erhalten.^ ^ Nun scheinen im französischen Stücke 



92 Vgl. Dictiounaire, Bd. V, S. 219; Desboul- 
miers, Bd. VII, S. 437. — Beauchamps' «Amans reuiiis» ist 
später von Fr. Zablocki übersetzt worden («Kochankovvie ziedno- 
czen'v^, 1779). Vgl. Bernaclti, 2;rödla liiektörj^cb komedyj Za- 
blockiego (Lwöw 1908). 

93 Daß sich der Diener des vom Vater der Geliebten abge- 
wiesenen jungen Mannes als der vom Vater zwar bevorzugte, von 
der Tochter aber gehaßte Rival verkleidet, um in dieser Verklei- 
dung sich dem zukünftigen Schwiegervater verhaßt zu machen, 
wodurch dann der eigentliche Geliebte die Möglichkeit erhält, die 
Hand der Tochter zu gewinnen, ist natürlich ein sehr gewöhn- 
liches Motiv in der französischen Komödie des 18. Jahrhunderts 



Sonstige Quellenverhiiltnisse bei Bohomolec. 307 

sonst noch andere Motive vorzuliegen, die wir bei Bo- 
homolec nicht wiederfinden, und andererseits fehlen in 
jenem die Motive von Figlacld als Erben Beines Herrn 
resp. von der Liebe des Letzteren zur mutmaßlichen 
«Soubrette». Wie es sich also eigentlich mit der Quellen- 
frage des «Dziwak» verhält, wird nicht ganz klar, und 
wir können nur noch supplementär darauf verweisen, daß 
die in der französischen Komödie fehlenden Motive von 
der Umstrickung des Alten durch die intrigante Soubrette 
und von der an die Tochter gerichteten Forderung des 
Vaters, sie möchte ins Kloster gehen, um sein Verhältnis 
mit der Intrigantin nicht zu stören, — d. h. die zwei 
Motive, die wir mit einigem guten Willen und Phantasie 
aus dem «Dziwak» herauszulesen vermögen, — recht häufig 
bei Goldoni (z. B. in der «Donna Vendicativa») vorkommen. 
Damit will ich aber keineswegs behauptet haben, daß ich 
eine Verbindung zwischen der Komödie des Bohomolec und 
irgend einer Goldonischen Komödie postulieren möchte, 
sondern nur, daß das Schema des «Dziwak», wenn wir es 
näher analysieren, einen fremden Ursprung verrät. Wel- 
cher Art dieser gewesen ist, ob irgend eine italienische 
oder ii'gend eine französische Quelle Bohomolec vorgelegen 
haben, sind Fragen, die ich offen lassen muß. 



und stammt wohl zunächst aus Scarrons bekannter Komödie «Jo- 
delet ou le Maitre valet», um da,nn besonders von le Sage im 
<'Crispin rival de son maitre» verwertet zu werden. Freilich 
kommt keine von diesen Komödien als direkte Quelle in Be- 
tracht. Crispins Plan ist zudem der, in der Gestalt des erwar- 
teten Rivalen die Tochter nicht für seinen Herrn, sondern für sich 
selber zu gewinnen. Figlacki arbeitet aber ausschließlich für seinen 
Herrn. Dieser Zug, der eine für ihn im Vergleich mit den anderen 
«Figlacki»-Komödien ganz ungewöhnliche Uneigennützigkeit offen- 
bart, ist ein unzweideutiger Beweis dafür, daß der «Dziwak» erstens 
eine fremde Quelle haben muß, zweitens, daß diese nicht le Sages 
Komödie ist, denn wäre sie es, würde Bohomolec Crispins Schur- 
kerei nicht beschönigt haben. 

20* 



308 Kapitel IV. 

Fassen wir hier nochmals in Kürze zusammen, was 
wir bisher über Bohomolec' Verhältnis zu fremden Quellen 
in Erfahrung gebracht haben. Die Komödien seien hier 
in derselben Reihenfolge angeführt, in der der Dichter 
sie veröffentlicht hat, zu jeder sei die gefundene oder 
mutmaßliche Quelle zugleich angegeben. Wir erhalten so 
folgende Daten. 

1. «Figlacki polityk teraz'nieyszey mody», Teil I: 
gewisse innere Merkmale erlauben uns die Annahme, daß 
die Komödie eine Umformung irgendeines Commediadel- 
l'arte-Motivs ist (vgl. S. 228 ff.). " ' 

2. «Figlacki polityk teraznieyszey mody», Teil II: 
wir haben eine starke Umformung der «Fourberies de 
Scapin> vor uns, mit bedeutender Reduktion der Personeu- 
zahl (vgl. S. 132 ff.). 

3. «NieroztropnoBc swym zamyslom szkodz^ca»: 
diese Komödie ist eine leichte Bearbeitung des «Ktourdi» 
von Moliere mit Zufügung einiger neuen Szenen (vgl. S. 142). 

4. «ürazaii^cy sIq nieslusznie o przymöwki»: 

die Komödie ist selbständig durchgeführt; Anklänge an 
Brueys, Moliere, Corneille und Holberg können festgestellt 
werden (vgl. S. 292 ff.). 

5. «Oyciec nieroztropny» : 

ist eine leichte Bearbeitung von Porees «Pater amore vel 
odio erga liberos excaecatus» (vgl. S. 71 ff.). 

6. «Arlekin na swiat urazony»: 

die Komödie mufa als eine Kontamination verschiedener 
Commedia dell'arte-Motive unter Beibehaltung desCommedia 
deirarte-Stiles betrachtet werden (vgl. S. 252). 

7. «Dziedzic chytry»: 

die Quelle ist Moli^res «Monsieur de Pourceaugnac», wobei 
bedeutende Verändemngen vorgenommen worden sind 
(vgl. S. 150 ff.). 

8. «Natr^tnicy»: 

die Quelle ist Moheres «Les Fächeux», wobei eine Reihe 
neuer Typen in das Schema eingeschaltet ist (rgl. 
S. loGß'.). 



Sonstige Quellenverhältnisse bei Bohomolec. 300 

9. «Pan do czasu»: 

wir haben hier eine starke Umarbeitung von Molieres 
cBourgeois-gentilhomme* (vgl. S. JGOfT.), mit «italienischem» 

Einflulj (vgl. S. 234, Note). 

10. «Filozof panuificy» : 

das ist eine Übersetzung von le Jays «Damocles sive Philo- 
sophus regnans» mit geringfügigen Veränderungen (vgl. 
S. 51- ff.). 

11. «Dziwak»: 

wahrscheinlich eine Bearbeitung einer französischen oder 
italienischen Komödie von der Art der «Soubrette?) des 
Beauchamps (vgl. S. 301 ff.). 

12. «Chelpliwiec»: 

die Quelle ist Goldonis «Bugiardo» und Gorneilles «Men- 
teur», mit starker Veränderung der Situationen (vgl. S. 204 f!".). 

13. «Paryzanin polski»: 

eine relativ selbständige Nachahmung von Holbergs «Jean 
de France»; vielleicht beeinflußt durch die «ßcole des 
peres» du Cerceaus (vgl. S. 273 fr.). 

14. «Figlacki kawaler z ksi^zvca» : 

als Quelle sind gewisse Commedia dell'arte-Motive anzu- 
nehmen, wobei ein Einfluß seitens Goldonis «L'Adula- 
tore» und Porees «Liberi coacti) wahrscheinlich ist (vgl. 
SV^ifff.). 

15. «Rada skuteczna»: 

die Quelle ist Molieres cLe Mariage force» mit Einschiebung 
einiger neuen Szenen (vgl. S. 168 ff.). 

16. «Statysta mniemany»: 

die Quelle ist de Brueys' «Important de Clour» mit leichten 
Veränderungen (vgl. S. 297f!.). 

17. «Medrkowie»: 

die Quelle ist Moheres Komödie «Les Femmes savanles» 
mit einer leichten Umarbeitung der Vorlage (vgl. S. 163 ff.). 

18. «Junak» : 

diese Komödie ist eine Variation des «Chelpliwiec» und so- 
mit von Goldonis « Bugiardo » und Gorneilles «Menteur» be- 
einflußt (vgl. S. 221 ff.). 

19. «Ubogi hardy»: 

die Quelle ist Goldonis «La Castalda*, bei sehr stark ab- 
weichender Intrige (vgl. S. 194 ff.), 



310 Kapitel IV. 

20. «Ubogi pokorny» : 

die Quelle ist wahrscheinlich italienischen Ursprungs, doch 
nicht genau feststellbar (vgl.'B."23^f?.). 

21. «Mysliwy»: 

die Quelle ist Plautus' «Pseudolus» in leichter Bearbeitung 
(vgl. S. HO ff.). 

22. «Bliznieta»: 

die Quelle ist Plautus' «Menaechmi» mit Einschiebung 
eines Motivs aus Goldonis «I due gemelli Veneziani» (vgl. 
S. 91 ff.). 

23. «Klopoty panöw»: 

wir haben hier eine Übersetzung von du Cerceaus «Gre- 
goire ou le Faux duc de Bourgogne» (vgl. S. 57 ff.). 

24. «Przyiaciele stolowi»: 

die Komödie muß als Kontamination zweier Komödien des 
Plautus erklärt werden, nämlich der «Mostellaria» und 
des «Trinuramus» (vgl. S. 105 ff.). 

25. «Kawalerowie modni»: 

diese Komödie ist aus Molieres «Les Precieuses ridicules» 
entstanden, wobei Intrige und Milieu stark polonisiert 
wurden (vgl. JS. 166 ff.). 

Von den 25 Schulkomödien, die Bohomolec geschrieben 
hat, sind somit 8 als Bearbeitungen Molierischer Komödien 
(Nr. 2, 3, 7, 8, 9, 15, 17 und 25), 3 als Bearbeitungen jesu- 
itischer V^orlagen (Nr. 5, 10 und 23), 3 als Bearbeitungen 
Plaulinischer Komödien (Nr. 21, 22 und 24), 3 als Um- 
arbeitungen Goldonischer Komödien (Nr. 12, 18 und 19), 
eine als Nachahmung einer Holbergschen Komödie (Nr. 13), 
eine als Bearbeitung einer Bruej^sschen Komödie (Nr. 16), 
eine als relativ selbständige Komödie (Nr. 4), 4 als wahr- 
scheinlich auf italienische Muster zurückgehende Komödien 
(Nr. 1, 6, 14 und 20) und schließlich eine als Bearbeitung 
einer unbekannten französischen oder italienischen Vor- 
lage (Nr. 11) zu erklären. Und was die einzige selbständige 
Komödie angeht, d.h. den «Urazaiacy si^», den Bohomolec 
selbst ausdrücklich als eine Originalkomödie bezeichnet, 
eo haben wir auch hier konstatieren können, daß sie 
jedenfalls von entlehnten Motiven wimmelt. 



Sonstige Quellenverhaltnisse bei Bohomolec. 311 

Den Schluß, den ^Yir somit nun zu ziehen berechtigt 
sind, werden wir zunächst so zu formulieren haben, daß 
Bohomolec in der Invention der Handlungen und In- 
trigen seiner Schul komödien durchaus unselbständig 
ist. Ganz imponierend ist aber doch der Umkreis seines 
Wissens: die lateinische, die Molierische, die jesuitische 
Komödie, die Komödie des alten und modernen Italiens, 
die französische Komödie des 17. und IS. Jahrhunderts, 
die Komödie Holbergs sind in diesem Umkreis ver- 
treten. Bohomolec hat augenscheinlich studiert, und zwar 
sehr fleißig studiert, um seine Schulkomödien verfassen 
zu können, und hat mit MoUeres berühmtem Ausspruche 
vor Augen skrupellos sein Gut genommen, wo er es fand. 

Aber er hat es nicht wie Möllere veredelt. Im Gegen- 
teil, was schon von seinem Verhältnis zu den Komödien 
Molieres gesagt worden ist, das gilt von seinem Verhältnis 
zum ganzen Kreise seiner Stoffe: er lieh bloß, um 
komische Stoffe zu haben, die ihm für seine pädagogischen 
Ziele nützlich oder nutzbar erschienen oder es bei ge- 
höriger Umformung werden konnten. Er wählte seine 
Stoffe und Vorlagen nicht nach dem Grade ihrer künst- 
lerischen Vollkommenheit oder künstlerischen Vervoll- 
kommnungsfähigkeit, um aus ihnen die höchste Summe 
an künstlerischem Werte zu gewinnen, sondern nahm sie 
fast wahllos, wie sie ihm in die Hände flössen, nahm sie, 
wenn sie zu einer «Jesuitisierung» geeignet erschienen, 
wenn sie als lustiger Beweis seiner moralischen Thesen 
dienen konnten, und wenn sie mit einem dick unter- 
strichenen «quod erat demonstrandum» abgeschlossen wer- 
den konnten. 

Worin dieses «demonstrandum» in den einzelnen 
Fällen bestand, das lehre uns eine besondere Untersuchung 
im nächsten Kapitel. 



312 



Kapitel V. 

Die Tendenz der Schulkomödien. 

Wenn Corneille in seinem «Discours de l'utilite et 
des parties du poeme dramatique» noch behauptete, daß 
«la poesie dramatique a pour seul but le plaisir des spec- 
tateurs» ^, und wenn er in jenem Briefe, den er der «Suite 
du Menteur» vorausschickte^, unterstrich, daß die Komödie 
keine moraHsche oder pädagogische Aufgabe hätte: 

«Pour moi, j'estime extremement ceux qiii melent l'utile 
au delectable, et d'autant plus qu'ils u'y sont pa,s obliges par 
les regles de la poesie; je suis bien aise de dire d'eux avec 
iiotre docteur: 

jOmiie tulit punctum, qui miscuit utile dulci'; 
mais je denie qu'ils faillent contre ces regles, lorsqu'ils n e 1 ' y 
melent p a s . , .» 

wenn weiter Racine gleichfalls meinte, daß «la prlncipale 
regle est de plaire et de toucher, toutes les autres ne sont 
faites que pour parvenir ä cette premiere»'", und wennMoliere 
in der «Critique» behauptete, daß «la grande regle de toutes 
les regles est de plaire». so standen sie alle auf dem 
Standpunkte, daß die Moral einer Komödie eine Neben- 
sache sei, die sich von selbst ergibt, sobald die Komödie 
ihr Ziel erreicht hat: nämlich den Zuschauer zur Ver- 
lachung eines komischen Charakters zu bewegen. Anders 
war die Anschauung der nachmolierischen Komödien- 
dichter: für sie war die Moral schon eines der Ziele. 
die eich der Dichter zu setzen hatte, und bezeichnend 

1 Zitiert von Rigal, a, a. 0., S. 313. 

2 (Euvres de P. Corneille. Nouv. ed. par M. Cb. Marty- 
Laveaux, Tome IV (Paris 1862), S. 281. 

3 Zitiert von Rigal, a. a. 0., S. 313. 



Die Tendenz der Scliulkoraödien. ol3 

für den Gegensatz zwischen der Anschauung eines Cor- 
neille und der des 18. Jahrhunderts ist die Theorie Des- 
touches', die er im Vorwort zum «Glorieux» mit An- 
wendung desselben horazischen Zitats so formuliert: 

<^0n sait qiie j'ai toujours devant Ics youx co grand prin- 
cipe dicte par Horace, 

,Omne tulit punctum, qui miscuit utile diilci', 
i>: que je crois cpio l'Art drainatiqno n'est eslimablo, qu'autant 
qii'il a pour \m\ d'insiruire oii divortissant.) 

Destouches sprach hier einen Satz aus, der in seinem 
Zeitalter zu einem Axiom geworden war. Zugleich aber 
wa]' das keineswegs ein Bekenntnis zur Anschauung, daß 
die Komödie vor allen Dingen eine moralpädagogische 
Aufgabe hatte. Es war das nur eine Forderung, daß die 
Komödie Bedeutung haben, die Zeit widerspiegeln 
und durch das Lachen, daß sie auslöste, mittelbar 
zur Bekämpfung sittlicher und vor allen Dingen gesell- 
schaftlicher Mängel beitragen sollte. Es war das keine 
Sanktionierung der augenfälligen Tendenz, sondern 
die Forderung nach einer höherstrebenden Wahl der 
Komödienstoffe. 

Das Streben danach, auf die Gesellschaft veredelnd 
einzuwirken, war aber immerhin vorhanden, vvar ein 
Grundpfeiler der Lustspieldichtung geworden, und nichts 
konnte der jesuitischen Komödie gelegener kommen. Denn 
für sie war das eine Sanktionierung der Moraltendenz, 
für sie war das die Rechtfertigung dafür, daß sie selbst 
bewußt danach strebte, nicht «miscere utile dulci», sondern 
umgekehrt: «miscere utili dulce». Für sie war das ein 
Sprungbrett zur praktisch befolgten Überzeugung, daß die 
Komik der Lehre zum Siege verhelfen, nicht der Ernst 
der Komik Bedeutung verldhen müsse. Und so wird 
es uns nicht Wunder nehmen, wenn wir auch Bohomcdec 
diese Theorie verwirklichen sehen, vrenn wir sehen, wie 
bei ihm alle Mittel dem belehrenden Ziele dienen, und 
wie das belehrende Ziel alles beherrscht. 



31 i Kapitel V. 

Bohomolec standen mehrere Wege offen für die Er- 
ziclung einer heilsamen und ad majorem Dei gloriam 
dienenden Lehre. Für ihn, den Nichtkünstler und Jesuiten, 
war das, was weltlichen Komödiendichtern der Haupt- 
zweck und das Hauptziel einer Komödie war, nämlich 
die Charakteristik, nur eines von jenen Mitteln. 

Soweit es Bohomolec innerhalb seiner • freiwillig eng 
gezogenen Entfaltungsgrenzen vermochte, hat er eifrig 
danach gestrebt, ins Zentrum der (fast immer entlehnten) 
Handlung einen bestimmten Charakter zu stellen. Und zwar 
vor allen Dingen einen solchen Charakter, der auf die 
zu erziehende Jugend einen möglichst unmittelbaren Be- 
zug hatte oder jedenfalls haben sollte. Nebenbei erlaubte 
er es sich auch, Charaktere vorzuführen, die nicht (oder 
nicht nur) auf die auftretenden jungen Schauspieler, son- 
dern auch auf die im Zuschauersaale versammelte ältere 
Generation bezogen werden konnten und sollten, aus der 
Einsicht heraus, daß auch ihr eine kulturell - moralisch 
erzieherische Lehre zuweilen nicht weniger nützlich sein 
konnte als den Kindern und Jünglingen. Es fragt sich 
somit : welche Charaktere hat Bohomolec zu schaffen ge- 
sucht, wie hat er es versucht, und was hat er mit ihnen 
demonstrieren wollen? 

Folgen wir der von mir oben^ gegebenen Einteilung 
der Schulkomödien in «juvenis»- bezw. «mlodzian»-Kom()- 
dien einerseits und «pater»- bezw. «starzec» -Komödien 
andererseits, so haben wir in der erstgenannten Klasse 
das vom pädagogischen Standpunkte interessanteste Ma- 
terial für unsere Untersuchung. Was schon le Jay mit 
seinem «Damocles» und du Cerceau mit seinem «Gre- 
goire» bewußt erstrebten, nämlich den Gegensatz zwischen 
Sein und Schein zu illustrieren, das hat auch Boho- 
molec als Ziel betrachtet, d. h. er hat auch gesucht, zu 
demonstrieren, wie verwerflich es ist, wenn Jünglinge, 
wie es so oft bei ihrem Mangel an Lebenserfahrung zu 



* Vgl. oben S. 78 ff. 



Die Tendenz der Schulkomödieth 31.') 

gej^chehoii ptlo^'t, den Icnvn Schein auf Kohlen des weniger 
lockenden, aber wahren Seins wählon. Er njaclile aber 
die.se Lehre augenfiilliger, als es vor ihm du Cerceau und 
le Jay getan hatten, indem er es nicht dem Zufall über- 
ließ, die Helden in scheinbar glänzende Lagen zu ver- 
setzen, sondern den Helden selbst als Urheber hinstellte. 
Er machte den philosophischen Satz vom traumhuften 
Charnkter unseres Lebens zu einem praktischen Satz von 
der Hohlheit der Lüge. Er wollte jugendliche Lügner- 
typen Schiffbruch leiden lassen und dementsprechend 
jugendliche Charaktere zeichnen. Die Lüge konnte dann 
die verschiedensten Formen bei ihm erhalten; sie konnte 
einfach als Verheimlichung der Wahrheit auftreten wie 
im «Ubogi pokorny», wo Bohomolec der Versuch, einen 
leichtsinnigen, aber nicht unedlen Jüngling zu zeichnen, 
nicht geglückt ist; sie konnte zu unberechtigten und un- 
wahren Prahlereien werden, die über kurz oder lang ihr 
Sul\jekt zu Falle bringen wie im «Chelpliwiec», wie im 
Junak» ; sie konnte in grenzenloser Eitelkeit bestehen, 
die den Jüngling dazu verleitet, etwas anderes sein zu 
wollen, als er tatsächlich ist, wie im «Pan do czasu»; 
ßie konnte endlich in regelrechten Größenwahn ausarten, 
Vvie wir es im «Ubogi hardy» sehen. 

Nun will ich freilich nicht behaupten, daß Bohomolec 
die bewußte theoretische Anschauung hatte, daß Hand- 
lung und Charakter nicht in unmittelbarem Abhängigkeits- 
verhältnis zueinander zu stehen brauchen. Dagegen gilt 
■es mir als zweifellos, daß er die künstlerische Notwendig- 
keit eines solchen Verhältnisses nicht einsah oder jeden- 
falls übersah. Statt dessen fügte er willkürlich seine 
Gestalten in eine anderweitig entlehnte Handlung ein 
oder modelte sie willkürlich nach Gutdünken um. Die 
ursprüngliche Handlung dagegen wurde nur notdürftig 
an den neuen Charakter angepaßt. So sind Bohomolec* 
Gestalten nur Figuren, die verhältnismäßig lose in 
den Kontext der Komödie eingefügt er- 
scheinen. 



ül<i Kapitel V. 

Was nun die PrahlerU^pen angeht, so bestand die 
Charakteristik ^yesewtlicb darin, daß das Objekt ihrer 
Prahlereien umständlich herausgestrichen wurde; das Sub- 
jekt aber wurde vernachlässigt. 

Sehr illustrativ in dieser Beziehung ist gleich die 
Gestalt des Helden aus dem «Fan do czasu». Ich habe 
schon oben^ die Veränderung, die der Charakter des 
Monsieur Jourdain im Hernar erlitten hat, näher dargelegt. 
Der psycl^.ologißche Kernpunkt der Gestalt ist nicht mehr 
die Natur des geistigen Emporkömmlings, sondern die 
Jugendsünde der Eitelkeit. Nur zufällig ist der Held 
Kutscher, nur zufällig gewinnt er das große Los, nur 
zufällig gerät er in das Garn zweier Betrüger: diese Ele- 
mente, die zur allseitigen psychologischen Bestimmung 
des Helden hätten dienen können, interessieren Bohomolec 
bezeichnend genug nicht. Statt dessen wird kurzerhand 
vorausgesetzt, daß Hernar «strasznie ucieszny y chel- 
pliwyr sei, und das äußere Benehmen Jourdains, seine 
Lehrer usw., das Diplommotiv, alles das, was Bohomolec 
in der Handlung Molieres vorfand, damit in lose Ver- 
bindung gebracht. Sein ganzes Interesse r.chtet Boho- 
molec aber auf den Gegenstand der Prahlereien, der 
<chelpliwo.sc>^ 

Worin konnte nun aber dieser Gegenstand der lächer- 
lichen Prahlsucht bestehen? Das erotische Gebiet war 
a priori ausgeschaltet, und am nächsten lag somit wohl 
das Gebiet der kriegerischen Prahlereien. Um solche 
Prahlereien im Munde des Kutschers einigermaßen wahr- 
gcheinlich zu maclien, verwandelte Bohomolec das Mo- 
lierische Motiv vom «mamamouchl> zur Fabel vom hohen 
Ursprünge Hernars, und machte den Parvenü seiner Vor- 
lage zu einem gewöhnlichen «miles gloriosus», der 
zwar nicht mit wirklichen oder (in der Vergangenheit) 
erfundenen Heldentaten großtun, wohl aber über seine 
künftige Herrlichkeit und Tapferkeit prahlen konnte: 



Vgl. oben S. 160 f. 



Die Teudenz der Schulkoniödlen. 317 

«Uszykowawszy woysko wyid^ 9 a ili na i>lac y \vyzv\ q iia 
oiedynck krola Perskiego. On. do szpady, ia do szpady . . . 
• n do mnie. ia do nieg»>. On zechce mnie pchna/- Ijerccni, a 
I mu odbiwszy szpady, pchng go quartom. ün odbiio mego 
aarta (bo trzeba o tym wiodzie<^, ze on lepski do szpady)... 
Ml — möwi^ — mi odbiie cfiiarfa, a ia go tiercem chop w «ame 
Tce! On hrym o ziemitj! A ia go za \c\i: ,Tus nii, bulUiia!' 
'otyni iak krzykuQ na ^voysko: ,Day ognial' Moio woysko 
irararararamramra ! A harmaty pupupupnpu! A w Persarli 
uz niema y duszy. Ja daley do nich, oni w nogi, ia za niemi, 
:ioie woysko po nich, oni w nogi, alc widzric, ze wyiäc nie 
nogq, broü mi swoi^ o<:ldadza, a ia kazQ ich wszyslkich iak 
aranow powi^izac y wlozywszy na bryk^, przywiozQ i^-^' ^ 'o 
'jwi Hollenderskiemu.» 

Saiiiochwai im «Chelpliwiec» und in noch höherem Grade 
Robert im «Junak» zeichnen sich auch durcli dic-ren 
militärischen Zug aus, bloß mit dem Unterschiede, daß 
sie sich nicht wie Hernar auszuführender, sondern schon 
angeblich ausgeführter Heldentaten rühmen. Zugleich 
sind ihre Prahlereien inhaltlich modifiziert. Saniochwal 
behauptet fi'eilich auch, wie Hernar, daß er ungewöhnlich 
tapfer sei, wobei er sich ungefähr derselben Ausdrücke 
bedient wie jener: 

SAM: Ale czy wiesz, com ia teraz zrobil? IdQ ia sobie y 
zbyv^'szy moich gosci powracam, — alic spotykani czte- 
rech nieznaiomych kawaieröw. Oni sobie idq, y ia idp. 
Oni patrza na mnie, y ia patrzQ na nich. Potym möwin 
do siebte: ,Co to za ieden?' Ja tez mowi^ do siebie: ,Co 
to za cztery?' Oni do szabel, ia do szpady. Tyiko 
cosmy si? zen\-ali, iak pchn^ szpadci, tak ie<Inym pchni?- 
ciera dwöch na wylot przebilem y trzeciego ieszcze 
koncem szpady w r^kQ trafilem. Czwarty widzqc, ze 
zle z Ichmosciami, w nogi. A ia z tryumfem szpadQ do 
pochew schowalem. Ach, zebys widzial, iak sie ludzie 
y damy z okien patrzaia.cy dziwowalil A ia sobie ka- 
pelusz na bakier wlozywszy tu powrocilem. (II, 4.) 

Den Hauptton aber legt Bohoraolec doch nicht auf die mili- 
tärischen Bravaden seines Helden, sondern auf seine 
pohtisch-diplomatischen, «internationalen» Prahlereien, was 
wahrscheinlich durch den Einfluß erklärt werden muß, 
den de Brueys' «Llraportant» auf die Charakteristik des 



318 Kapitel V.- 

Samochwal ausp^eübt bat. So sagt dieser, daß er sehr wichtige 
Verbindungen mit dem Wiener Hofe unterhalte, der ibn 
<<zaprasza do siebie y daie pod körnend^ 20 tysiecy woy- 
ska swoiego na teraznieyszq. woynQ», daß ihn dieses An- 
gebot nicht besonders locke, da er zweimal soviel Ein- 
künfte von seinen Gütern erhalte, als Wien ihm vor- 
Bchlagen könne, er selber liebe aber ein großes Haus zu 
führen («bo lubi^ zyö uczciwie»). Seine Lebensführung, 
die fürstlich ist, wird auch zu einem Gegenstande seiner 
Schwindeleien: er lobt seine Küche, seine zahlreichen 
<ikucharze>) und «kuchmistrze» und gibt eine üppige 
Schilderung j^eines ungewöhnlichen Tischgerätes. Seine 
Bravurszftue ist die vierte Szene des vierten Aktes, ^vo 
er erzählt, wie der Wiener Hof, durch seine lange Ab- 
wesenheit beunruhigt, den einen Kurier nach dem anderen 
schicke, wie er die 500 Meilen von Warschau nach Wien 
in nur drei Tagen zurückzulegen pflege, bedient er sich 
doch der «cugi cesarskie» (freilich seien die deutschen 
Meilen etwas kürzer als die polnischen), wie der Weg von 
W^arschau über Danzig nach Minorca, wo er ja die Schlacht 
gewonnen "habe, nur 200 Meilen lang, von Paris nach 
Minorca aber (freilich «morzem», denn «It^dem» sei e& 
weiter) gar nur 12 Meilen lang sei, wie er einen Kanal 
von Paris bis zur Küste habe graben lassen, wie die 
Pariser Kaufleute zum Danke dafür ihm im Hafen ein 
Monument haben errichten lassen, das ihn selber mit 
Minorca und Paris in jeder Hand darstelle und mit den 
Inschriften «FORTITUDINE» und «CONSILIO» versehen 
Bei, wie schließlich Paris am Flusse Versailles liege, und 
wie das königliche Schloß seinen Namen eben nach diesem, 
Flusse erhalten habe. Als er aber merkt, daß er etwas 
zu eingehend ausgeforscht wird, verabschiedet er eich mit 
den Worten: 

Ale przyznam si^ \Vaszmos6 Paiiom, ze müszQ teraz is<! 
tu niedaleko w pilnym interesie Dwoni Francuzkiego. Obaczymi 
si^ wkxötce. Klaniam WaszmoSc Panom. 

Diesen Charakter finden wir in einer Komödie, derei 



Die Tendenz der Schulkomödien. 310 

Skelett Bohomolec, wie wir sahen, bei Goldoni entlehnt 
hatte. Was Goldonis Komödie an dramatischer Hand- 
lung besaß, das war bei Bohomolec verloren gegangen, 
so daß der Charakter, den er seinen Schülern vorführen 
wollte, natürlich nicht durch Handlung zur Entfaltung 
gelangen konnte. Bohomolec versuchte es, ihn durch 
«Selbstbekenntnisse», d. h. durch eine jede Gelegenheit 
wahrnehmende Anhäufung von Lügen und Erfindungen, 
sei es in Selbstgesprächen oder in Dialogen, anschaulich 
zu machen, ein Zug, der den Grundfehler der Bohomolec- 
schen Technik bedeutet, der aber andrerseits unvermeid- 
lich war bei der mehrfach betonten Eigenart unseres 
Paters, mehr oder weniger selbständig erfaßte Charak- 
tere in eine unselbständig durchgeführte Komüdienhand- 
lung einzuflicken. 

Roberts Prahlereien sind ausschließlich kriegerische 
ßravaden, wenngleich sein ganzer Charakter wie auch 
die ganze Komödie «Junak» nur Variationen des «Chel- 
pliwiec» und des Samochwai sind. Seine Lügen drehen 
sich hauptsächlich um seine angebliche Unbezwingbarkeit 
im Duell (<experymentowanie», w4e der damalige Aus- 
druck lautet). Bohomolec sucht seinen Helden auf die Weise 
zu charakterisieren, daß er ihn einerseits wie Samochwai 
Heldentaten erfinden läßt, andererseits — und vor allen 
Dingen — in Zwiegespräche mit seinem Diener Frontin 
verwickelt. Diese Zwiegespräche sind nichts anderes als 
schulmäßige Disputationen über die problematische Be- 
rechtigung des Duells, und wir können mit Recht ver- 
muten, daß Bohomolec den «Chelpliwiec» nur deswegen 
in seinem «Junak» hat variieren wollen, um einen ge- 
wissen Standpunkt zu verfechten, der dort nicht scharf 
genug zur Geltung gekommen war. 

Im «Ubogi hardy» treffen wir wieder einen Prahler, 
dessen Selbstgefühl schon die Stufe des Größenwahns er- 
reicht hat. Auch er — übrigens ein Charakter, der aus 
einem Goldonischen Grafen und Hungerleider entstanden 
ist — wird von Bohomolec vermittels unfreiwilliger Selbst- 



3-20 Kapilfl V. 

Charakteristik g(.^zeichnet. Seine Bravurszene findet sicli 
im zweiten Akte, wo er um die Hand der Tochter des 
alten Anzehn anhält nnd sich dabei selber in dritter 
Person schildert : 

RUD: Ten kawalcr lest jeden z naypierwszych y — mozna 
prawic — iost picrwszy mi^dzy naypierwszymi tegoPanstwa 
kawalerami. Ten kavvaler na przesziey woynie tyle do,- 
kazywat swoic\ dzielnosci^i, ze swiat, zadziwiony iego 
in^stwem, stawi go na przyklad wiekoin potomnym. Juz 
kilku liistorykuv,' poci si^ nad opisaniem dziel heroicznych 
tego kawalera. Ten ka waler pröcz döbr dziedzicznych 
swoich, l)ardzo obszemych, niezrnieme z sobj^ przywiözl 
do donm z woyny dobyczy. Temu kawalerowi dai^ 
teraz generalnri kommend^ nad v/oyskiem, zapraszai^c 
go usilnie do obozu swego. On nie iest od tego, alo 
boi^c si?, zeby w niebytnosci iego kommissarze döbr 
mu nie zruynowali, chce wzi^sc matzonk^, ktöreyby swe 
dobra iKDruczyl, a sam iechal na woyn?. Vv'iele dam 
godnych nabiia si? y ofianii^ sIq temu kawalerowi. ale 
on, opusciwszy zacnieysze y bogatsze, woli miec cörk^ 
Waszmosc Pana, poniewaz ma do niey serce lepsze 
niz do innych. 

Er setzt dann in der Ich-Form fort: 

RUD: . . . Wi(jc bior(^ cörkQ "Waszmosc Pana, to tylko wy- 
mawiam, zeby nikt o tym nie wiedziat, ze to iest corka 
"VVaszmosc Pana, ktora poymuie. Zaczym y Waszmosc 
Pan siQ z tym nie wydaway. Ja udam przed ludzmi, ze 
to iest graffowna, cudzoziemska dama. Inaczey nie 
uszedlbym censury. Cöz albowiem Öwiat powiedzialby, 
gdyby si? dowiedzial, zem si^ znizyl tak bardzo az do 
cörki Waszmosc Pana? Zaczym trzeba miiczec o iey 
urodzeniu. Egdzie to z lionorem iey samey, gdy i^ h^ds^ 
miec za graffown^. 

Wir sehen, die Elemente, aus denen diese Selbst- 
charakteristik besteht, sind dieselben, die wir schon aus 
dem «Chelpliwiec» (Oberkommando über eine imaginäre 
Armee, zahlreiche nichtexistierende Güter), dem «Junak» 
(militärische Prahlereien), dem «Statysta mniemany» (Be- 
tonung des nichtadligen Standes der Braut) kennen. Dasj 
Neue in dieser Charakteristik ist nur der Ton, in dem] 
die eigenen angeblichen Verdienste vorgetragen werden. 



Die Tendenz der Schulkomödien. 3-Jl 

Alle Prahler werden schließlich entlarvt und ent- 
weder in den Augen der Zuschauer reltung^loa liicherlich 
gemacht oder zur Einkehr und zur Buße gezwungen. 
Darin bestand dann auch die nachdrücklich unterstrichene 
Lehre. Wie Arlekin erkennt, daß man dem schönen 
Scheine nicht nachjagen dürfe, wenn er nicht durch eine 
Realität berechtigt ist, wie Damocles seinen Fehler ein- 
sieht, wie Grzegorz, der Bauernkönig, froh ist, wieder der 
frühere Bauer geworden zu sein, so bekennt auch Hernar: 

Ghipstwo to moie czyniJo: chcialeiii byc panem y w 
biedQ ■w'padtem. Pöki bylem ubogi, p6ty y szczQsli\v\Tn. X 
od tego czasu, iako mi si$ zechciato zyc pK) paiisku, ustawicz- 
nio mialem klopoty, frasunki y utrapienia . . . Czyü Wasz- 
mosc Pan Dobrodziey, co si^ podoba, bylebym ia raögl do 
dawnego stanu y sluzby dawiiieyszey powrücic. 

So wird auch Samochwal schließlich zur Reue gezwungen, 
ßo muß auch Robert einsehen, daß «slusznie ten traci 
slaw^, kto iey nieslusznym szuka sposobem», so muß auch 
Rudolf endlich sich gefallen lassen, die ungeschminkte 
Wahrheit zu hören. 

Eine andere Kategorie in der Galerie der Bohomolec- 
schen «mlodzian» -Typen bilden die jugendlichen Hitz- 
köpfe, die sich von ihren Leidenschaften, Liebhabereien 
oder verkehrten Ideen zu Dummheiten verleiten lassen. 
Solche Typen sind der Kartenspieler Jan aus dem «Fig- 
Licki polityk teraznieyszey mody» II, eine Gestalt, die 
freilich ganz unausgeführt geblieben ist, der Musikfreund 
Leliusz aus der «Nieroztropnosc swym zamyslom szko- 
dz^ca», der leichtgekränkte und immer mißtrauische Dumm- 
kopf Giupski aus dem «Urazaiacy si^ nieslusznie o przy- 
möwki», der unglückliche Jagdfanatiker Robert aus dem 
«Mysliwy», der von falschen Freundschaftsideen erfüllte 
Verseh Wender Robert aus den «Przyiaciele stolowi». Mit 
Ausnahme des Glupski, der der Held der einzigen ver- 
hältnismäßig selbständigen Komödie des Bohomolec ist, gilt 
von ihnen allen, was ich sclion von der zuerst besprochenen 
Kategorie junger Helden gesagt habe: sie sind nach- 

Siender-Peterseo, Die Schulkomödien. 21 



352 Kapitel V. 

triigl i c h in einen fremden Zusammenbang gesetzt worden, 

sind ganz unabhängig von der Handlung charakterisiert. 

Zugleich sind sie nichts anderes als Personifikationen 

gewisser Jugendsün<len oder Jugendfehler. 

Glupski wird sofort am Eingange der Komödie von 

seinem Diener -folgendermaßen porträtiert: 

CHL : Rlöy pan wielki iest klötnik : z kazdego slöwka wnosi 
sobie przymöwki. Chocbys Waszmosc Pan o potopie 
swiata gadal, to on powie, ze ta mowa do niego si$ 
scic\ga y iemu przymawia. 

Die ganze Charakteristik dieses etwas unwahrscheinlichen 
Charakters besteht nun einfach darin, daß immer wieder 
Exempel für dieses Mißtrauen vorgebracht werden. Aus 
so unschuldigen Ausdrücken wie « üpadam do stöp Wasz- 
mosc Pana» oder «Z dziecinnych lat z nim sIq razem 
chowalem» weiß er gewisse unvorteilhafte Andeutungen 
herauszuhören. Kaum hat Frantocki ihn begrüßt und 
dabei zufällig auf ein Spalier gesehen, so kombiniert 
Glupski sofort eine Beleidigung daraus: 

GLU: Spoyrzales na mnie y na szpalery, pFzypominaic-vc mi, 
ze wczoray w tym mieyscu wzi^^lem w g^bQ. ,Upadam 
do nög' znaczy, ze wziawszy w pysk, upadlem pod nogi 
mego nieprzyiaciela ... 

Kaum zitiert Frantocki Horaz' Worte aus der «Ars poe- 

tica:^ (Vers 161 -168)^: 

Inrberbus juvenis tandem custode remoto 

gaudet eqvis canibusqve (et aprici gramine campi), 

cereus in vitium flecti, monitoribus asper 

so glaubt Glupski auch schon gleich, Horaz habe ihn be- 
leidigen wollen und macht sich auf den Weg, um die 
elysischen Gefilde, in denen er sich befinden soll, auf- 
zusuchen und ihn zu zwingen, die beleidigenden Worte 
zurückzunehmen. 



6 Bohomolec zitiert die Stelle ganz falsch : «Imberbis juvenis, 
tandem custodo ( !) remoto, gaudet eqvis canibusqve : cereus in 
Vitium flecti monitoribus asper/>. Ein Druckfehler ist es kaum, 
da die anderen Ausgaben ebenso zitieren. Kaum annehmbar ist 
es auch, daß das falsche Zitat komisch wirken soll. 



Die Tendenz der Schulkomödien. 323 

Konnte Bohomolec hier, d. h. im cUrazai^'^cy si^», 
einer selbständigen Komödie, schalten und walten, wie es 
ihm beliebte, hatte er hier die Möglichkeit, einen Charakter 
so ausgiebig darzustellen, wie er es vermochte, so war die 
Sachlage eine wesentlich andere, wenn es galt, neue 
Charaktere in einen entlehnten Kontext hineinzustellen. 
So wollte er in der «Nieroztropnosc» (cL'Etourdi») die 
übertriebene Musikleidenschaft verspotten, bemerkte aber 
nicht, daß sein musikbegeisterter Jüngling Leliusz zum 
Schluß doch ans Ziel seiner Wünsche gelangt und auf 
diese Weise gewissermaßen recht behält. Der «etourdi» 
der Moliereschen Komödie ist zwar auch bei Bohomolec 
ein solcher («nieroztropny»), ist aber zugleich akzidenziell 
ein «mlodzian zbytecznie w muzyce kochai^cy si^>. Dem- 
entsprechend wird die Liebe, die den französischen Lelie 
an die schöne Sklavin fesselt: 

L£L: Pour moi dans ses discours comme dans son visage 
je vois pour sa naissanco un noble temoignage, 

in ein Gefühl verwandelt, das den musikbegeisterten Jüng- 
ling an den mit einer schönen Stimme begabten Sklaven 
binden kann: 

L£L: Mnie siq zda, ze glosu wdziQCznieyszego na swiecie nie 
znaydzie siq calym. Y sam chtopczynä miluchny tak mi 
serce do siebie przyciqgnql, ze go oderwac nie mogQ. 

(I, 1.) 
Um Leliusz' Musikleidenschaft besser zu veranschaulichen, 
legt Bohomolec Figlacki folgende Worte in den ^lund: 
FIG: Wiesz Waszmosc Pan, ze on (oyciec Waszmosc Pana) 
tey zbyteczney Waszmosc Pana do muzyki ochoty nie 
lubi. U Waszmosc Pana nie wi^cey niema w glowid 
iako spiewanie, tance, menwety, marsze, 
arye, symfonie, a rzeczy mlodemu kawalerowi po 
trzebnieysze — ani w mysli ! (I, !•) 

Aus demselben Grunde erzählt Leliusz dem in Nachdenken 
versunkenen Figlacki (1,4) bald von einigen «symfoniyki», 
die er erhalten habe, bald von jenen «sliczne dwa tanczyki», 
die man ihn lehren wolle, bald von einer «aryika wioska», 
bald davon, daß «iuz mi zrobiono podstawek do owych 

21* 



3i>i Kapitel V. 

zöltych skrzypcöw»: «Jaka teraz wdziQcznosö glosu, zebys 
wiedzial!» An einer Stelle sendet er Figlacki zu seinem 
«metr», um zu erfahren, «czy przepisal mi moie aryiki». 
Auf derartige vereinzelte Striche beschränkt sich die ganze 
Charakteristik des Musikliebhabers, so daß wir schließlich 
durchaus keine abgerundete Gestalt erhalten. 

Etwas besser ist Bohomolec die Gestalt des jungen 
Jagdtanatikers im «Mysliwy» gelungen, was am deutlich- 
sten daraus erhellt, daß gerade die in eine Kontamination 
Plautinischer Komödien willkürlich eingeschobene Gestalt 
des Titelhelden die Forscher bisher an der Feststellung 
der eigentlichen Quelle verhindert hat. Bohomolec begnügt 
sich hier nicht damit, au einzelnen Stellen einzelne 
charakteristische Züge zu interpolieren, sondern erlaubt 
sich, neue Szenen einzuführen, die ausschließlich dem 
Hauptcharakter gewidmet sind. Solche Szenen sind die 
Szenen I, 1—3, II, 5—6, III, 1, 9. Robert wird hier 
vor die Wahl gestellt, entweder auf den erstrebten Jagd- 
hund oder auf eine reiche Erbschaft zu verzichten. Er 
wählt natürlich den Hund und wird vom sterbenden Onkel 
zugunsten seines jüngeren Bruders übergangen. Sein 
geistiges Porträt wird gleich am Anfang der Komödie 
vom Diener Tomasz in einem Monologe folgendermaßen 
entworfen : 

TOM: Mlodemu panu sluzyc y zle y dobrze. Dobrze, bo 
p r i m o mtody bywa hoynieyszy niz stary, s o c u n d o 
mlody wiQcey pozwala wolnosci czlekowi niz stary y 
mniey miewa szkrupulow. 2le zas, bo cokolwiek mu si? 
w gtowie zamarzy czy zlego czy dobrego, trzeba, zeby 
"WTiet bylo. Powiedziec mu : ,Mospanie, to byc nie moze', 
az tu zaraz y ,haltay' y ,chtystek' leci do uszu slugi 
wiernego, a czasem y pi^c palcöw ziawi siQ na g^bie. 
Oto y teraz musz<j takiey rzeczy szukac dla pana moiego, 
ktöra sie na calym swiecie znaJeäc nie moze. Za- 
nurzony w mysliwstwie a nie na nim nie 
znai^icy si<j sJyszal od iakiegos trzpiota, iz straelcy 
taki sekret miewai^, ze skoro w pole wynidsi, wnet sama 
zwierzyna ich spotyka. Tego sekretu zebym si? dovvie- 
dzial, zaklql mi^ na wszystkie przyiazni naszey obo- 



Die Tendenz der SchulkomOdien. 325 

wiiizki. Naiit«» /»' nie aniioi.icy dohrze strzelac, czQsto 
z w y k J i> u d Iowa «'•. Kazal nii na to sckretu szuka^, 
zeby mögt zawsze, gdzie zmiorzy, trafiaö. Obioßleni 
wszystkich lutoyszych slrzclcow, lecz u zadnego z nich 
sekrolu ani uprosir ani kupic nio nioglcni. Mnic sK* zda, 
iz gdyby klo iirnial sokret takowy, nie chodzi6 w \)o\o, 
ale z brykami po zwierzynQ ie/dziö powinionby. 

Vergebens erinnert Tonaasz seinen Herrn daran, welchen 
Schaden ihm seine unvernünftige Jagdh^idenbchaft schon 
ßo oft zugefügt habe, wie er noch unlängst, vom Vater 
«po przywiley na starostwo» geschickt, vorn unglücklichen 
Jagdeifer hingerissen, die rechte Gelegenheit versäumt 
habe: cA tym czasem kto inny to starostwo chwycil». 
Vergebens versucht auch sein Freund Dorant, ihn an 
w^ichtigere Geschäfte zu mahnen, vergebens hält ihm auch 
Alkander, der Freund seines Vaters, die Unvernunft seiner 
Leidenschaft vor. Er denkt nur an den Hund, den Tomasz 
ihm schaffen soll, und als er erfährt, daß der Onke! ihn 
enterbt habe, schenkt er dieser Mitteilung keinen Gedanken, 
hat er doch endlich den Hund, der ihm bei der bevor- 
stehenden Fuchsjagd unschätzbare Dienste leisten wird. 
Dorant zieht aber in einer Schlußreplik die Moral der 
Geschichte, deretwegen die Gestalt des Robert vorgeführt 
worden ist: 

DOR: Y naylepsza rzecz bywa szkodliwa, gdy do niey mainy 
zbyteczne przywi.^zanie. 

Die Methode, die Bohomolec nur ganz vorsichtig in der 
«Nieroztropnosc» angewandt hntte, erscheint im «Mysliwy» 
bewußt durchgeführt, aber ein direkter Zusammenhang 
zwischen der Handlung und dem Charakter ist auch hier 
nicht erreicht. Robert soll der Held der Komödie sein, 
faktisch ist es aber der Diener Tomasz, dessen Rolle 
Bohomolec nicht zu reduzieren vermocht hat. 

Den Versuch, den gewandten Diener möglichst in den 
Hintergrund der Handlung zu schieben, jedenfalls seine 
Rolle wesentlich zu verringern, hat Bohomolec in einer 
anderen, auf Plautus zurückgehenden Komödie unter- 
nommen, den «Przyiaciele stolowi». Auch in dieser 



326 Kapitel V. 

Komödie wollte Bohomolec eine praktisch-moralische Lehre 
geben, und zu diesem Zwecke einen Verschwender zeich- 
nen, der eigentlich von edlen Motiven getrieben, aber von 
schlechten Freunden ins Verderben gezogen wird. Der zu 
illustrierende Satz war etwa der, daß man seine Freunde 
mit großer Vorsicht wählen müsse. Robert sollte nun 
gerade umgekehrt wegen seiner Unvorsichtigkeit und 
falschen Auffassung des Begriffes «Freundschaft» ein Opfer 
schlechter Freunde werden. Wie er die Freundschaft ver- 
steht, wird uns im ersten Akte aufs nachdrücklichste 
mitgeteilt: 

AVIL: Na coz on przecie tyle wydaie pieni^dzy? 

FRO: jSkarb' kupuic. 

WIL: Jaki skarb, u kata? 

?^R0 : Przyiazh z Alkandrem y Klearchem. On möwi, ze 

przyiazn iest skarb naywi^kszy. 
\\'1L : Juzem to dawno postrzegt, ze go ta przyiazn z Alkandrem 
y Klearchem gubi. Ostrzeglem go, ale on bardziey ich 
slucha niz mnie. 
FRO : Oni co chc^ to z nim robi^i. Oni obiady rozporz^dzai^, 
oni wina mu odbieraici y wypiiaia, oni gf> w kai1y ogry- 
wai^, oni codziennie od niego biorjv podarunki, oni na- 
koniec z niego szydzri y zartui;\. (I, 1.) 

Diese Charakteristik wird dann von Robert selbst bei seinem 
ersten Auftreten unterstrichen, als der Diener ihm Vorstel- 
lungen wegen seiner verschwenderischen Lebensweise macht: 
PiOB: Sk^pstwo przez ciebie movvi. Dia przyiaciöl nie trzeba 
zalowac. Wiesz, co napisano ? ,Ktoznalazlprzy- 
iaciela, skarb znalazH' 

Seine kritiklose Freundschaft hat ihm schon empfindliche 
Schulden auf den Hals geladen, und obgleich er, durch 
die Intrigen seiner Freunde überzeugt, daß sein Vater schon 
seit zwei Monaten tot ist, sein eigenes Vermögen zu ver- 
prassen glaubt, wagt er es dennoch nicht, den letzten Schritt 
zu tun, nämlich sein Haus zu verkaufen, bevor er sichere 
Nachrichten vom Tode seines Vaters erhalten hat. So, 
gehorcht er noch der Stimme seines Gewissens. Von einem 
Mitwissen um die Intrige, die Frontin auf den Wunsch! 
der falschen Freunde in die Wege leitet, um den Vater] 



Die Tendenz der Schulkomödien. 327 

vom Betreten des HaiiFea abzulialten, ist von Huberts Seite 
keine Rede. Zwar spielt er die Komödie mit, aln er hört, 
<liiß sein Vater angekommen sei, aber nur, weil seine 
Freunde ihn dazu überreden und ihm verKicbern, daß sie 
yeine Schulden bezahlen werden. Er beprüßt schließlich 
herzlich und ruhig seinen Vater, weil er auf die Freundschaft 
der beiden Zechgenossen baut, und erst ganz am Schluß 
der Komödie entdeckt er die Gemeinheit derselben, als sie 
sich kalt weigern, seine Schulden zu bezahlen. Auch dieser 
Charakter schwebt lose in der lAift, ohne organische Ver- 
bindung mit dem Ganzen; auch hier ist es Bohomolec 
sehr wenig gelungen, einen wirklichen Charakter vorzu- 
führen, auch hier bleibt der Diener, trotz des Versuches, 
seine Rolle einzuschränken, der Hauptheld der Komödie. 

Das Mißverhältnis zwischen Handlung und Charakter 
ist gerade der bezeichnendste Zug an Bohomolec' 
«mlodzian- »Komödien: er halte einerseits in den Ko- 
mödien, die er bei fremden Dichtern vorfand, ein rohes 
Material, andererseits eine bestimmte moralische Tendenz 
oder Lehre, die nicht in jenem Material vorlag, die erst 
in jenes Material hineingearbeitet werden sollte; als Mittel 
zum Zwecke betrachtete er die Typen oder Charaktere, 
durch deren Vermittlung er das lehrhafte Element in den 
gegebenen Stoff hineindeuten wollte. 

Bei weitem weniger sorgfältig ging Bohomolec bei der 
Charakteristik der alten Generation in seinen «starzec»- 
Komödien vor. Zunächst fiel es ihm schwer, solche Stoffe 
zu finden, aus denen sich eine praktische Moral ziehen 
oder in die sie sich hineindeuten ließ. Als Komödien 
dieser Art habe ich schon oben (S. 80 ff.) vorgeschlagen, den 
«Dziedzic chytry», die «NatrQtnicy», den «Dziwak> und 
die «Rada skuteczna», zum Teil auch den «Figlacki ka- 
^aler z ksiezyca> zu betrachten: in allen diesen Komödien 
spielt ein unvernünftiger Onkel resp. (in der letztgenannten 
Komödie) ein Vater eine mehr oder weniger zentrale Rolle, 
Einen wirklichen altpolnischen Typus negativer Art, einen 



328 Kapitel V. 

«Sarmatcn>, hat Bobomolec zwar nicht gezeichnet, wcilil 
aber Ansätze dazu gemacht. Mit Ausnahme des Lunacki 
im «Figlacki kawaler z ksi^zyca», der nur ein leicht- 
gläubiger, aber sonst gutmütiger alter Herr ist, dabei aber 
steif und fest an ein Leben auf dem Monde glaubt, sind 
alle die genannten «starzec» -Typen mit einem gemeinsamen 
Zug ausgestattet, dem der Hartnäckigkeit und des Besser- 
wissens, das keinen Widerspruch verträgt. Sie gehören 
alle mehr oder weniger zur Kategorie der «dziwak» -Typen, 
sind Grillenfänger, Sonderlinge, wunderliche Käuze, 
launische, mürrische, dabei rechthaberische Herren. Den 
Oront im «Dziedzic chytry», den Pandolf in den «NatrQ- 
tnicy» konnte- er in dieser Gestalt unverändert aus den 
Vorlagen herübernehmen, den beiden Anzelm aus der 
«Rada skuteczna» und aus dem «Dziwak» gab er aber 
noch einige Züge, die auf sein eigenes Konto geschrieben 
werden dürfen. Der erstere zeichnet sich nämlich durch 
einen Aberglauben aus, den freilich schon sein Prototyp 
im «Mariage force» besitzt, der aber durch zwei neue 
Szenen mit dem Chiromanten Pandolf bzw. dem Astro- 
logen Lunacki unterstrichen worden ist. Anzelm ist nichts 
anderes als ein Vorläufer des Staruszkiewicz aus der 
«Theaterkomödie» «Malzenstwo z kalendarza», bloß mit 
dem Unterschiede, daß der letztere an den Unsinn glaubt, 
den er aus seinen Almanachen herausliest, während Anzelm 
seinen Aberglauben durch Konsultierung berufsmäßiger 
Sterndeuter zufriedenstellt. Sein Namensvetter aus dem 
cDziwak* ist gleichfalls ein Vorläufer der Staruszkiewicz- 
Typen. Ein alter, reicher «Sarraat», der auf seinen Gütern 
lebt, der so dumm ist, daß er offenbaren Betrug nicht 
sieht, wenn bloß der Betrüger ihm nach dem Munde zu 
schwatzen weiß, glaubt er alles besser zu wissen als andere 
Leute («nie nie umie, ale o kazdey nauce rad s^dzi»); so 
bestreitet er z. B., daß Breslau in Kuropa lif^ge, liegt es 
doch in Schlesien, was ganz was anderes sei; so behauptet 
er, daß das Fundament der Architektur die Geldbeschaffung 
sei, daß Figlacki viel besser französisch und lateinisch 



Die Tendenz der Schulkoniöüen. 329 

.spreche al.s sein Neffo, während jener tatsächlicli ein 
litauisch-russisches Kauderwelsch («Monsieur, Iwan zore 
repu, ar nioki letuwiszkay») oder ein fürchterliches fintein 
zum hesten giht (« Virgavit siqvidem neqvissimus petulantus 
templarum»), und ist davon ül)erzeugt, daß Alexander der 
Große gegen Türken gekämpft und sich in einer Glaskiste 
auf den Boden des Meeres habe senken lassen, um später 
mit Greifen gen Himmel zu fliegen (II, 3). Genau so 
versteift eich später auch Staruszkiewicz auf seine speziellen 
Ideen ül)er den Nutzen resp. Schaden der Fremdeninvasion. 
Wenn Bohomolec dergleichen Komödien auf sein Schul- 
theater brachte, wird er, der Forces «Pater excaecatus» 
kannte und übersetzte, sicher den Gedanken gehabt haben, 
auf die alten Herren im Schulsaale erzieherisch zu wirken. 
Zugleich belehrt uns ein Vergleich zwischen den «mlodzian»- 
Komödien und den hier besprochenen darüber, wie vor- 
sichtig Bohomolec vorging, wenn die Tendenz gegen die 
ältere Generation gerichtet wurde, erlaubte er sich doch 
nur ganz ausnahmsweise die Moral der gegebenen Komödie 
nachdrücklich herauszustreichen. 

Ein Typus für sich in der Reihe der Bohomolecschen 
Gestalten ist der des Figlacki. Dieser Name kommt 
vor allen Dingen in den beiden Komödien mit dem Titel 
«Figlacki polityk teraznieyszey mody», weiter in der 
«Nieroztropnosc swym zamyslom 6zkodzf|ca», im «Dziwak» 
und schließlich im «Figlacki kawaler z ksifjzyca» vor. 
Dennoch dürfen diese verschiedenen Figlacki keineswegs 
als ein einheitlicher oder gar von Komödie zu Komödie 
evolutionierender Typus angesehen werden. In der zweiten 
«Figlacki polityk > -Komödie spielt er die Rolle des 
Moliereschen Scapin, in der «Nieroztro})nosc> ist er mit 
Mascarille identisch, im «Figlacki kawaler» ist sein Ur- 
sprung von dem italienischen Arlecchino (und vom Gol- 
doniscben Don Sigismondo) unbezweifelbar, und im 
«Dziwak» vertritt er vielleicht eine ursprüngliche «Sou- 
brette». In der ersten «Figlacki polityk »-Komödie dürfen 
wir gleichfalls italienischen Ursprung für die Rolle, die 



330 Kapitel V. 

Figlacki in der Handlung zu spielen hat, vermuten. Das 
hat nun Kieiski dazAi verleitet, zu behaupten, daß die 
Figur des Figlacki eine selbständig durchgeführte Poloni- 
«jerung des witzigen «Valet» der französischen Konciödie 
sei^, und Strusiiiski zu der Annahme verlockt, daß die 
f}:anze Gestalt eine originale Entwicklung des italienischen 
Arlecchino mit französischer Stilisierung sei.^ Schon oben 
(S. 228) habe ich Gelegenheit gehabt, zu unterstreichen, 
daß wir zwar das Recht dazu haben, die Rolle des Figlacki, 
die er in den verschiedenen Komödien spielt, mit jener 
Rolle zu vergleichen, die die italienischen Arlecchini und 
französischen Scapins und Mascarilles in den jeweiligen 
Vorlagen spielen, nicht aber immer die geistige Physio- 
gnomie und die Weltanschauung, die in gewissen Komödien 
mit der Gestalt des Figlacki verbunden ist. In der 
«Nieroztropnosc», im «Dziwak» ist Figlacki nur Diener, 
im «Figlacki ka waler» hauptsächlich Arlecchino, auf diese 
Funktion beschränkt sich sein Anteil an der Handlung; 
in den beiden «Figlacki polityk »-Komödien dagegen hat 
er einerseits eine Funktion zu erfüllen, die sich in nichts 
wesentlichem von jener unterscheidet, andererseits aber ist 
er als Charakter aufgefaßt und propagiert eine bestimmte 
Weltanschauung: weder sein Charakter noch seine 
W^el tausch auung stehen in organischem Zusammenhange 
mit seiner Funktion in der komischen Handlung resp. 
Intrige; auch muß der Charakter von der Weltanschauung 
scharf geschieden werden, ist doch jener entlehntes Gut, 
während diese ein rein -polnisches Element bedeutet. 

Der Charakter des Figlacki, wie er uns im «Figlacki 
polityk» I geschildert wird oder sich selber schildert, hat 
nichts Arlecchinisches oder Scapinisches an sich, er ist im 
Gegenteil klassischen Ursprungs, er ist der Charakter des 
Parasiten aus der römischen Komödie, genauer bestimmt 
der Gnatho parasitus aus Terenz' « Eunuch us».^ Aus dessen 

7 Kielski, a. a. 0., S. 148. 

8 Strusiiiski, a. a. 0., S. 249. 
3 Vgl oben S. 90. 



Die Tendenz der Schulkomödien. 331 

Monologe II, 2 ist der ganze Charakter des Figlacki ent- 
standen. Das geistige Bild des letzteren wird folgender- 
maßen von Pomocki skizziert: 

POM : ^.adnego prawie w zyciii s\vi:ito\vvm stanu nioina, ktörcgo 
byni nio doswiadczyl, a nigdzie ini si(^ nio uJai'^ . . , 
Teraz osobliwszym moim szcz^sciem napadlein na czli> 
wieka, ktory przede mnr\ odkryl ieszcze ieden spo- 
s ö b z y c i a c a 1 e m i d o t q d ii i e z n a n y (1). Ten 
Jegomo^c ani sieie ani orze, awszyslko 
m u s i ^ r o d z i . I) 6 b r z a d n y c h n i e m a , a 
porzj^dek ina dobry y worck nicprözny (2). 
Kuchni nio raa, a iada smaczno, Wsz^- 
dzio go kochair\, przyimuiji, chwal^ (3;. 
Nazywa siebie politykiem teraznieyszey mo- 
d y (4). Obiecal miQ niektör>'ch politycznego zycia po- 
winnosci n a u c z y (i (5). 

Figlacki präzisiert dann selbst seine Grundsätze, die ihn 

noch mehr als Parasiten qualifizieren: 

FIG : Nayprzüd z kazdym Waszmosc Pan posto- 
puy w oczy cudnie, a za oczy wolno bQ- 
dzie y obJudnie (6). Kiedy kogo ludzio 
chwala, cliwal y Waszmosc Pan, akogo 
gani^, y Waszmosc Pan gan (7); ato miey 
za cel wszystkich swoich post^pkow, zebys nikomu nit' 
wicrzyh Z kazdym Waszmosc Pan postepuy mile, kaz- 
demu si^ w- czym mozesz przysluguy, podchlcbiay, nad- 
skakuy, a naybardziey temu, u ktorego spodziowasz sie 
swego pozytku. Gdy si^ Waszmosc Pan dowiesz o do- 
brey kuchni y postrzezesz, ze sie z niey mocno kurzy, 
idz z iakc-^ nowinkc-t ciekawa do gospodarza tego domu; 
tylko tak trafiay, zebys tarn przed samym obiadem za- 
wital, a nie odchodz, az obiad wydadzq. (f, 2.) 

Und nun vergleichen wir damit den Monolog des Gnatho^^: 
GNA: Di inmortales, homini homo quid praestat? stulto intelle- 
gen s 
quid interest? hoc adeo ex haere venit in menlem mihi: 
conveni hodie adveniens qpjendam mei loci hinc atque 
ordinis/ 



io Ich zitiere nach der Oxford-Ausgabe (Scriptorum classi- 
i:x>i'um bibliolheca Oxoniensis) : P. Terenti Afri Comoediae. 
Rec. ... Robertus Yel verton Tyrell. Oxmi (MCilll). 



332 



Kapitel V. 



hominom hniul in]mniin, itidcni patria q\ii abligun-icrat 

bona : 
Video sentum squaüdum aegrum, paiinis annisque ob- 

situm. 
,t[uid istuc' inquam ,orriatist '?' /{uoiiiaai miscr quod habui 

perdidi, em 
quo redactus sum. omnes noti me atque amici deserunt.* 
hie ego illum contempsi prae me: .quid homo' inquam 

jignavissume? 
itan parasti te iit spes nulla relicaa in te sit tibi? 
simul consilium cum re amisti? viden me ex eodem or- 

tum loco ? 
qui color, nitor, vestitus, quae habitudost corporis ! 
o m 11 i a h a }) e o n e q u e q u i c q u a in h a b e o ; n i 1 

quem est, n i 1 d e f i t tarnen' (2). 
,at ego infelix neque ridiculus esse neque piagas päti 
possum.' ,quid? tu bis rebus credis fieri? tota erras via, 
olim isti fuit generi quondam quaestus apud saeclum 

prius : 
li o c n o V o m s t a u c u p i u m ; ego a d e o h a n c 

priinus inveni viam (1). 
est genus bominura qui esse primos se 

o m n i u m r e r u m v o 1 u n t 
nee sunt: bos consector; hisce ego non 

paro me ut rideant, 
sed eis ultro adrideo et eorum ingeiiia 

ad m i ro r simul (6). 
quid quid dicunt laudo; id rursum si ne- 

gant, laudo id quoque; 
negat quis: nego; ait: aio; postremo im- 

peravi egomet mibi 
omnia adsentari (7). is quaestus nunc est multo 

uberrimus.' 



dum haec locjuimur, interea loci ad macellum ubi ad- 

venlamus, 
concurrunt laeti mi obviam cuppedinarii omnes, 
eetarii, lanii, coqui, fartores, piscatores, 
(■(uibus et re salva et perdita profueram et prosum saepe: 
salutant, ad cenam vocant, adventum gra- 

tulantur (3). 
ille ubi miser famelicus videt mi esse tantum bonorcin, 
tarn facile victum quaerere: ibi homo coepit me obse- 

crare. 



Die Tendenz der Schulkomudien. 333 

ut sibi liccret discere id de me: soctari 

i u s s i (5), 
si potis est, taniquam philosopliorum habcnt disciplmae 

ex ipsis 
vocabula, ut p a r a s i t i item Gnathonici vocen- 

tur (4). 

Die Ziffern, die ich in den polnischen und lateinischen 
Text gesetzt habe, veranschaulichen aufs deutlichste, wie 
fast alle Elemente, aus denrn Gnathos Monolog besteht, 
bei Bohomol»'C wiederkehren. Wir könnten sogar Pomockis 
Schülerverhältnis zu Figlacki aus jenem Monologe erklären, 
ist doch jener <homo mei loci atque ordinis», den Gnatho 
trifft, und dem er die Prinzipien der neumodischen 
Parasitenkunst beibringt, ebenso ein Schüler Gnathos wie 
Pomocki derjenige Figlackis, ebenso im Leben gescheitert 
wie Pomocki. Wenn Figlacki somit ein polonisierter 
Arlecchino bzw. Scapin oder Mascarille ist, so ist Pomocki 
in noch höherem Grade, seinem Charakter nach, ein 
polonisierter Gnatho und Parasit. 

Xun war aber für Bohomolec in den beiden * Fig- 
lacki polityk» -Komödien weder der Charakter des Figlacki 
noch seine Funktion in der Komödie die Hauptsache: 
Figlacki und die Intrige sollten nur die äußere Form 
geben, dazu geeignet, einen bestimmten gedanklichen 
Inhalt aufzunehmen. Dieser gedankliche Inhalt war eben 
♦ polityka teraz'niejszey mody», ihre Ausformung 
und Bekämpfung, wobei Bohomolec sich wenig darum 
kümmerte, ob auch die Philosophie, die er Figlacki in 
den Mund legt, mit der Rolle übereinstimmt, die er in 
den -Komödien zu spielen hatte, ob sie darin zum ad- 
äquaten Ausdruck gelangt, was Figlacki sich -s^^rnimmt, 
d. h. ob eine künstlerische Einheitlichkeit erzielt wird 
oder nicht. 

Damit gelangen wir zu einem neuen Charakteristikon 
der Bohomolecschen Schulkömödie, das derselben am schärf- 
sten den Stempel der «Jesuitenkomödie» aufdrückt. Dieses 
Charakteristikon besteht in der <disputatio>, die Boho- 



334 Kapitel V. 

ruolcc immer wieder als polemisches Mittel, als didak- 
tische Tendenz- und Propagandaform anwendet, «Kein 
Stück, welches nicht auch direkt Predigten und 'dispu- 
tationes' oder 'altercationes' enthielte», so urteilt der 
Kenner der älteren Jesuitenkomödie Jakob Zeidler,^^ und 
Joseph Ehret ^* nennt sie einfach einen «Kanzeldienst» 
und meint, daß sie «sich .... in sehr vielen Fällen 
in nichts vom Katechismusunterricht und der Predigt 
unterschied». Diesen alten Zug hat auch Bohomolec in 
seiner modernisierten Komödie beibehalten, indem er ge- 
wisse, ihm, dem Mann der Kirche, besonders am Herzen 
liegende aktuelle Probleme von zwei Widersachern mit 
denkbar erschöpfendster Argumentation pro und contra 
in einem Dialoge oder einer «disputatio» allseitig und 
gründlich abhandeln ließ. Solche Disputationen nehmen 
bei ihm gewöhnlich die Form von Frage und Antwort 
an, konnten sich aber zuweilen auch als polemische 
Bekämpfung und Verteidigung gegensätzlicher Standpunkte 
gestalten. Es versteht sich von selbst, daß dabei der 
kirchliche Standpunkt immer den endgültigen Sieg da- 
vonträgt.^^ 

Im «Figlacki polityk» ist das Objekt der verschie- 
denen «disputationes» natürlich die sogenannte «polityka 
teraznieyszey mody». In der ersten «Figlacki polityk »- 

11 Jakob Zeidler, Studien und Beiträge . . ., S. 24, 

12 Joseph Ehret, Das Jesuitenthealer zu Freiburg . . . 
(Freiburg i. B. 1921), S. 49, 36. 

12 Eine Sammlung solcher «disputationes» können wir in 
jenen «Zabawki Oratorskie» wiederfinden, die Bohomolec im Jahre 
1755 herausgegeben hat. Es sind das nichts anderes als Rede- 
übungen seiner Schüler über bestimmte aufgegebene Themata, unter 
anderen auch Themata, die von iBohomolec gleichzeitig und später 
dramatisch behandelt wurden. Wir finden hier z.B. eine Rede «Zay 
przeciw cudzoziemcom \v kraiu» (vgl. «Malzehstwo z kalendarza» 
und «Staruszkiewicz», wo dasselbe Thema abgehandelt wird), eine 
Rede «0 rozkrzewianie nauk», eine andere «Za y przeciw zydom», 
eine vierte «0- honorach»; in einer späteren Ausgabe (1759) finden 
"wir eine von Ign. Choloniewski gehaltene Rede «Przeciw poiedyn- 
kom» (vgl. den «Junak») usw. 



Die Tendenz der Schulkomc'^dien. 33» 

KomüJie linden wir die große Disputationsszene im vier- 
ten Auftritte des dritten Aktn.-j, wo Pomocki den Figlacki 
nm nälieni Bestimmung des Begriffes «polityka terazniey 
szey mody» bittet. 

FIG : . . . taz sama polityka, ktora inio dotad lioncsto 
utrzyinuie y dalsze nioio obroty ki'TOwac bQdzif. 

POM: Dobrze, ze§ mi WaszmoSt Pan namic.nil o polityce. 
Chcialljym teraz icy repul {Kisluchac, a ii.iybanlzicy o 
lyni, iak to sobie ziednac u ludzi i)0\vag(; y dobrc IiüIq? 

FIG : To iest rzecz naytrudnieysza na swiecic, iednakze y togo 
dokazuie polityka teraznieyszey mody. 

POM : Cbcioyze, Dobrodzieiu, ix'z zazdrosci innie tego nauczyö» 
OdshizQ, upewmiam, za lask^. 

FIG : Jabym to ch^tnie dla Waszmosc Pana uczynij, alc Wasz- 
niosc Pan b^dziesz szkriipulizouaj. 

POM : Fe, bynaymniey I Nie taki ia czlek iestem ! 

FIG : Shicbayze Waszmosc Pan : nayprzöd, cbciic u ludzi miec 
jx)\vagQ, nie trzeba siQ z jx)dlemi pospolitowac, bo kto 
z kirn przestaic, takim si^ sam staie. Rozumiesz to Wasz- 
mosc Pan? 

POM: Ilozumiem. 

FIG : Dlatego do kosciola bardzo rzadko trzeba 
chodzic. Zostawmy pospolst wu nabo- 
zenstwo, a naszego stanu ludziom tym 
siQ bawic nie przystoi. 

POM: A mszy swi^tey przynaymniey \ve dni swic^te niewolno 
shichac ? 

FIG : Jesli Waszmosc Pan b^dziesz mial kiedy kompaniji röwn^ 
sobie, mozesz przyisc na mszQ dla zwyczaiu. 

POM: To pi^kna iest regula! 

FIG : Na kazaniu zas ucboway Boze bywac! Wid- 
kie ztf^d wyplywaia na czleka uczciwego censury od ludzi 
naszego stanu. Pospolicie }x)wiem takiego, co na ket- 
zaniach bywa, nazywai^ naboznisiem, lizio- 
brazkiem, prozniakiem. 

POM: Prawda. 

FIG: A dla tego co Waszmosc Pan na kazaniu ciekawego 
uslyszysz? Uslyszysz Waszmosc Pan o smierri. o piekle, 
rzeczach bardzo milych! Zkad potym melancliolia, 
smutek, troskliwosc y boiazh nieiakas serce choc nay- 
odwaznieysze ogami. 

POM : ^Inie siQ zda, ze o tym nayczQsciey nam sluchacby na- 
lezalo, CO nas nieuchronnie czeka. Od sadu zas, od 
smierci, od piekla lub nieba zaden siQ z nas nie uwolni- 



336 Kapitel V. 

FIG: Mospaiiie, iesli Waszmosc Paii z takiemi przede mnij, 
sojitynieiitanü b^dziesz sIq odzywal, to ia y od Waszmosc 
Paiia tak iako od kazaiiia üciekac b^d^ musial. 

rOM: Nie b?d?, nie b^dQ ! Tylkoz to kaznodzieiöw Kosciöl 
J^wi^ty dla ludzi postanowil. 

PIG: Jakbyni ia tego nie wiedzial! Dia ludzi? Pozwalam — 
alo nie dla wszystkichl Dia prostoty to tylko, Mosci 
Panie, dla prostoty s^ kazania, nie zas dla ludzi naszego 
stanu! Cöz bowiem Waszmosc Pan uslyszysz? Oto to 
(möwi tonem kaznodzieia) : ,Jesli zgrzeszysz, iesli obhi- 
dnie zyc b^dziesz, iesli ukrzywdzisz blizniego, b^dziesz 
w pieklel' Pi^kna cerenionia! A przystoiz to uczciwemu 
czlowiekowi slucbac ? 

POM: Zda si^, ze Waszmosc Pan niezle möwisz. 

FIG : A to iak mozna znies6 na kazaniach, ze kaznodzieie z 
nami tak post^puiji iak podstarostowie z cblopami, krzy- 
cz£\c na nas iak na wilköw: ,Nie godzi sIq! Nie godzi 
sIq! B^dziesz karany!' A to co za polityka? Zk^d on 
ma moc innie zakazywac ? Czy to z parobkiem swoim. 
ma sprawQ ? 

POM: Wszystko si? mnie podoba, co Waszmosc Pan möwisz. 

FIG: Mnie Waszmosc Pan wierz, mnie bardziey niz kazno- 
dzieioml Ja wiem, iak z ludzmi trzeba zyc na swiecie! 

POM: Juz t^ regul^ rozumiem. Zda mi sie byc tnidna do 
^v^'konania. A o spowiedziach co Waszmosc Pan mö- 
wisz ? 

FIG : Toz samo co y o kazaniach : dla utrzymania pospolstwa 
w swey powinnosci to postanowienie spowiedzi, nie zas 
dla ludzi uczciwych. 

POM: To sie spowiadac nie trzeba? 

FIG : Dla uaiknienia censury swi^toszköw raz w rok wolno siQ 
spowiadac. Ale si? nie trzeba bardzo przod kaplanem z 
szczeroscia otwierac : namienic rzecz icdnQ y drag^ Izey- 
sz^, a {>otym zakoriczyc möwi^c : ,WiQcey nie pami^tam.* 

POM: Y to nieszjyetna regulka! Wi^cey co? 

FIG : Przed obiadem y po obiedzie nie zegnac si^ ani si^ 
modlic, bo si^ z tego naszego stanu ludzie smiei^. ,Na 
Szatana', möwi^, ,na Szatana odp^dzenie zegnanie si^ 
zachowac !' '^ 

POM: Prawda. A wi^cey? 

FIG : Z duchownemi tez ludzmi pospolitowac 
si^ nie trzeba, gdyz ci nie tylko Waszmosc Panu 
dobrey mysli nie pomagaia, ale tez szkrupulami glowQ 
nabiiai^. 



Die Tendenz der Schulkomödien. 337 

VOM : A iarn to slyszaJ, zv d a \v ii i k a t o I i c y z a w i (,' k s z o 
sobie szcz^scie niieli, kiedy im siQ go* 
dzilo z duchownemi j>rz o s ta wa(!-. Xi^zt^ta, 
knMowie, cesarzowio pierwszc im mioysce dawali. 

FKi : Wiem ia o tyin, alo teraz inszy swiat, insza moda, insze 
ol)yC2:ai(\ 

PUiM: A wiara czy taz sanua? 

FIG : Wszystko teraz iruiczey. 

POM: Jakaz przccie? 

FIG: Oto taka: — (tylko Waszm 's<- l'aii nie szkni] iilizuy!) — 
,Z kalolikanii bt-idz katolik, z kahviiiami kahvin, z lu- 
trami luter y tarn daley.' 

PO]\I: To y z cyganami cygan y z zydami zyd? 

FIG: Fe, chybaby tego pozytek Waszinosc Pana wyciiigal. 

POM: A piekloz za to nie b^dzie? 

FIG: Oho, iuz dawiio piekia niemasz! Nie te teraz czasy, 
Mosci Panie, kiedy siQ pogrozek piekia iQkaiio. Odwaz- 
nieyszy 6wiat teraz niz przedtym. 

PO!M: A dusza w teraznicyszych ludziach czy iest? 

FIG: A iuzci podobno iest. 

POM: Taz dusza czy umiera czy nie umiera? 

FIG: Moze umiera, moze y nie umiera. A do tego, iak Wasz- 
mosc Pan chcesz. Ja przyznam si?, ze ieszcze duszy 
nie widzialem. 

POM: A Pan Bog czy iest? 

FIG: Jak siQ zda Waszmosc Panu? 

POM: ^Liie sie zda, ze iest. 

FIG: A widziales go Waszmosc Pan? 

POM: Widzieli go y widzi-i swiQci. 

FIG: A Waszmosc Pan z temi swiQtemi gadal? 

POM: Sama natura mi? uczy, ze iest Bog y koniecznie byc 
niusi. 

FIG: Waszmosc Pan nie znasz dobrze swoiey natur/ . . . 
Ale daymy poköy tey rozmowie. Waszmosc Pan, widzQ, 
bardziey rniQ w szkrupuly wp^dzisz niz duchowni. Y 
przyidzie do tego, iesli si? Waszmosc Pan z tak ix)dlemi 
sentymenlarai odzywac bodziesz, ze iako od nich uni- 
kam, tak y od Waszmosc Pana unikac b^d? musial. Y 
iuz mam pozytek z Waszmosc Pana szkrupulow, ze mi 
siQ nieco teraz sumnienie mieszac poczQlo. 

In der zweiten Komödie mit dem Titel <Figlacki polityk 
teraznieyszey mod}'» kommt eine ähnliche Szene vor, in 
-der sich zwischen dem Lehrer und seinem Famulus eiire 

Stender-Petersea, Die Schulkomödieu . 22 



338 Kapitel V. 

neue «disputatio» entwickelt, wobei die Fragen über 
Existenz oder Nichtexistenz der Hölle und der Seele, 
über Notwendigkeit oder Überflüssigkeit des Fastens, über 
Mode und Glauben abgehandelt werden (11, 3). Auf diese 
Weise gelingt es Bohomolec ein ganzes philosophisch- 
moralisches System negativer Art zu skizzieren, das mit 
dem Namen «polit3'ka teraznieysze}^ mod_y» bezeichnet wird. 
Religiöser Indifferentismus, sogar Atheismus, zynisches 
Verhalten sittlichen Fragen gegenüber, materialistische 
Weltanschauung, Verachtung der Kirche und des geist- 
lichen Standes, Hochschätzung der Mode, das sind die 
Elemente, aus denen dieses System besteht, ßohomolec 
hat mit seiner «polityka» den jungen Zeitgeist gemeint, 
dessen Symptome sich im damaligen Polen zu mehren 
begannen, hat als Mann des Ordens die Gefährlichkeit 
des aus Frankreich heranrückenden, pietätlosen, skep- 
tischen, rationalistischen Voltaireanismus gleich bei seinem 
ersten Auftreten begriffen und versucht, ihm seine katho- 
lischen Argumente, seine ontologischen Beweise und seine 
«reductiones ad absurdum» entgegenzustellen. 

Daß Bohomolec' Angriff gegen die «polit^'^ka teraz- 
nieyszey mody> wirklich einen wunden Punkt im kultu- 
rellen Leben der polnischen Gesellschaft getroffen und 
somit wirklich eine höchst aktuelle Bedeutung hatte, 
erhellt am besten daraus, daß er in einer seiner folgenden 
Komödien, nämlich dem «Urazai^cy si^ nieslusznie o przy- 
möwki>, gezwungen war, sich gegen die allgemeine Auf- 
fassung, er habe bestimmte Personen gemeint, zu wehren. 
Er wollte eine Gestalt darstellen, die alles auf sich bezieht, 
aus allen Bemerkungen einen persönlichen Angriff heraus- 
deutet, die vergißt, daß der Grundsatz eines wahren Ko- 
mödiendichters und Moralisten jenes Wort des großen 
Humanisten aus Rotterdam ist, das Bohomolec später an 
die Spitze seines fünften Bandes setzte: 

<'Mederi volumus, non mordere, perstringere vitia, non 
famam lacerare.» 

Zugleich ist es bezeichnend, daß eben dieser Repräsentant 



Die Tendenz der Schulkomrullon. 339 

der leichtgekränkten Zuschauer zum Schüler eines T.ehrers 
wird, der im CJ runde genommen nur eine Variation des 
Philosophen Figlacki ist, nämlich Bywal^kis. Bywalski 
ist derselbe Figlacki, bloß daß er in Paris gewesen 
ist, und nun in seinem Vaterlande außer dem Atheigmus 
auch noch französische Manieren und Verachtung aller 
polnischen Sitten, auch der polnischen Sprache lehrt. Ks 
ist sicher, daß Bohomolec mit jenem «o naukach dis- 
kurs», den B3'walski und Frantocki im zweiten Akte mit- 
einander führen, also wieder einer «disputatio», einen 
Hieb gegen die Lehrweise der Piaristen, dieser siegreichen 
Konkurrenten und Widersacher der Jesuiten auf dem Ge- 
biete des Unterrichtsw^esens, hat führen wollen. Bywalski 
ist als Vertreter der modernen, stark französierten Schul- 
methode der Piaristen, Frantocki dagegen als Verteidiger 
der jesuitischen Prinzipien aufzufassen. Das Gespräch 
gilt nämlich der Frage über den Nutzen der lateinischen 
Sprache. Während Bywalski die Anschauung verteidigt, 
daß das Latein nunmehr ganz überflüssig sei, die fran- 
zösische Sprache vor allen Dingen in der Schule berück- 
sichtigt werden müsse und somit auf eine stark karikierte 
Weise für den von dem ordo scholarum piarum einge- 
führten neusprachlichen Unterricht plädiert, stellt sich 
Frantocki auf die Seite des verachteten Lateins, dessen 
Verteidigung er übrigens trotz Bywalskis Dummheit nur 
sehr schwach zu führen vermag. Bywalski behauptet, daß 
dobrze to teraz n nas w Polszcze niektorzy czyni^, ze mlodych 
nie bardzo do taciny forcuia.; dose iey cobolwiek powierzchow- 
nie (iak w Paryzu möwiq.) liznq,c. 
Frantocki behauptet dagegen, nachdem Bywalski noch die 
Vermutung ausgesprochen hat, daß die griechischen und 
lateinischen «oratorowie, poetowie y historycy> sicher fran- 
zösisch konnten, weil man nur weise sein kann, wenn 
man diese Sprache beherrsche, mit einem, vom Standpunkt 
der Polemik aus sehr gefährlichen Eingeständnis, daß 
ten (fraJicuzki) iezyk teraz potrzebiiy, lecz ganiQ tych zdanie, 
ktörzy cat^ m^drosc na nim pokladai^ y maia. tych za glupich, 
CO go nie umieici. 

22* 



340 Kapitel V. 

Bohomoloc führte die Diskussion auf das aktuelle Gebiet 
des Sprachstils über. Zwar nahm Bohomolec von Anfang 
an in dem Streite über den alten, auf den sogenannten 
«Konzepten» und gekünstelten Effekten erbauten Stil und 
in der von Konarski verfochtenen, auf einem natürlichen 
Gedankengange zu basierenden «ars dicendi» einen Stand- 
punkt ein, der nicht mit dem allgemein-jesuitischen, von 
Malczewski ^^ und Grodzicki ^^ eifrig verteidigten Prinzipe 
von der Vortrefflichkeit der bisherigen Beredsamkeit über- 
einstimmte. Zwar hatte auch er schon in seiner «Oratio 
pro lingua polonica» für eine natürliche, klare, unmittel- 
bare Redeweise gekämpft, Kochanowski als Ideal hin- 
gestellt und den sogenannten «Macaronismus» in der er- 
fundenen Gestalt des Pan Makaronski bloßgestellt. Er 
war somit für den modernen Stil gewonnen. Nichtsdesto- 
weniger konnte er sich als Jesuit und Anhänger der latei- 
nischen Unterrichtsmethode nicht mit dem französischen 
Einflüsse zufriedengeben, dem die Piaristen zweifellos alle 
Türen geöffnet hatten. Er machte die Beobachtung, daß 
der Sprachstil dadurch nur aus dem Regen in die Traufe 
gekommen war, denn streute man früher lateinische Worte 
und Phrasen in seine Rede ein, und trugen die Jesuiten 
daran die Hauptschuld, so schienen ihm die Piaristen die 
Urheber des modern gewordenen französischen « Macaronis- 
mus» zu sein. Nicht ohne Grund hatte er seineu Pan 
Makaroüski nach Frankreich reisen lassen, um ihn uns 
als einen vollkommenen Gallomanen zu präsentieren: 

KOC: Zkj^des rodem przyiacielu? 

MAK: Z Polskiey. 

KOC: WiQC iesteä Polak rodowity? 

MAK: Et quidem in ipso meditullio tego paiiatwa prognatus. 

KOC: Czymzcs si^ bawil za zycia? 

MAK: . . . Nayprzöd secundum morem szkoly frequentowalem, 



1* Adam AI a 1 c z e w s k i , Umbra ligalae praecursio ao- 
luLae eloquentiae. Posnaniae MDCCXLVII. 

^^ Faustyn Grodzicki, Theatrum eloquentiae . . . L6^o- 
poli MDCCXLV. — Vgl. Gra.bo w s ki , a. £(,. 0., S. 160 f. 



Die Tendenz der Schulkomödien. Sil 

potyni, wzijiwszy principia roznych sciencyi, do Nioiniec 

y F ra n c y i woiazowaleni. 
KOC: Czo<:ozes sie tani przecio nauczyl? 
AlAK: W wielu rzoczach z lego woiazowania profitowalom : nay 

przöd iQzyka francuzkicgo, potyni laiicowania, 

fechtowania y manezii uczylem si^. 

xVus diesem Grunde verteidiget auch Bywalski, dieser Gegnor 
der lateinischen Schulmethode, den «macaronisierenden* 
Stil, seien doch gerade die «Macaronismen» «perelkic 
iakie, ktöre polszczyznie dodaiq splendoru». Dement- 
sprechend durchmischt er seine Rede mit unzähligen 
französischen Lehnwörtern, z. ß. als er von Glupski Ab- 
schied nehmen will : 

RVW : Z wiclkini mi serca cordoliuni to przychodzi, ze 

b^dac forcowany od pewney awantury, niusz«; 

siQ przez w o i a z s e p a r o k a t'- od \Vasznio§6 Pana. 

GLU: Albo Waszmosc Fan chcesz odiezdzac? 

BYAV : Möy k u z y n e k In przybyl y chce, abym go a k k o m - 

pa n i w a 1. 
GLU: Cöz robic, kiedy inaczey byO nie nioze. 
BYW: Gdybym wiedziaj, ze Waszmosc Pan mozesz awanta- 
z o w a c z mey i n s t r u k c y i , ch^tniehym moic p r y - 
watne affery konsekrowal ad obsequia 
Waszmosc Pana. Ale wldzt^c go iuz doskonale wypcr- 
fekcyonowanego dans la nianiere fran- 
ko i s e nie mam r a c y i tu siq dluzey i m b r o 1 i o - 
wa c. 
GLU: Tnidno mi w tyni Waszmos«!^' Panu przykryr si?. 
BYW :Pour la derniere information ten Wasz- 
mosc Panu m e m o r i a 1 ex i n t i m i s serca mego 
praecordiis ewiscerowany zostawuiQ, abys 
siQ Waszmosc Pan nie urazal, formuit^c sobie przy- 
mowki z lada b a g a t e 1 i , bo ztj\d wiele zlych k o n - 
sekwencyi wytryska. 
GLU: Juz ia sam widzQ y upewniam Waszmosc Pana, ze 

Aviecey tego nie b^d^ czynil. 
Br\V: Daymy to. Gdyby y w samey rzeczy Waszmosc Panu 
przymawiano, ieclnakze maniera francuzka nie 
pozwala tego sobie a p p 1 i k o w a c ... 

Bywalski mischt keineswegs unfreiwillig die lateinisch- 
französischen Ausdrücke in seine Rede, im Gegenteil, er 
tut es, wie aus seiner Behauptung, «Macaronismen» seien 



342 Kapitel V. 

«Spracliperlen», hervorgeht, ganz bewußt, weiß er doch, 
daß er nicht der Einzige ist, der dadurch die pohlische 
Sprache zu verschönern meint. Als Glupski stolz darüber 
tut, daß er den fremden Ausdruck «Je vous assuro» in 
einem pohlischen Briefe angewandt habe, versichert By- 
walski ihn, daß das sehr vernünftig sei: 

nVW : Dolirzc Waszmosc Paii uczynit, bo teraz w iüocIq 
\voszlo niieszac francuszczyznQ z pol- 
s z c z y z n a , iak niektörzy, nie umieicic po francuzku. 
niieszaia. lacin?, clic^c pokazac, zc umieitT, po lacinie . . . 

Bywalski bildet als Zeittypus einen Übergang von 
Figlacki zum polnischen Jean de France, wie er uns in 
der Gestalt des Robert Graff de Starsenf eld alias Starski 
im «Paryzanin polski» entgegentritt. In seiner Figur ist 
die von den Piaristen freiwillig oder unfreiwillig inaugu- 
rierte Gallomanie personifiziert, wie sie zu Bohomolec' 
Zeit als ein Konglomerat von französischen Ideen und 
und Sympathien und atheistisch-materialistischen Welt- 
anschauungssätzen auftrat, mit allen den Fehlern und 
Sünden moralischer und intellektueller Art, die an ihr 
ohne Schwierigkeit von den Anhängern der altpolnischen 
Erziehungs-und Anschauungsweise entdeckt werden konnten. 
Daß die französische Kultur und Bildung wirklich negative 
Resultate ohne Zahl zeitigte, steht fest. «Wiele nauki 
samego j^zyka» — meint Tarnowski^^ — <a wszystkie 
pojecia, caly stan umiejetnosci, smak, wszystko stamtad 
zy wcem wziete, odbilo sie szkodliwie w czasach pözniejszych. 
Zaszczepienie francuzkiego smaku, jego slepe wyznawanie 
i nasladownictwo . . . pryjelo si^ i rozeszlo glöwnie przez 
mtodziez, przesi^^k^ franzuskie mi poJQciarai w szkolach 
pijarskich. Prawdopodobnie poszlo zatem i przeJQcie tych 
filozoticznych pojec francuzkich, ktorych Pijarz}' nie uczyli. 
Byly wiQC zle skutki ...» Die Jesuiten, die deutlich 
Rahen, wie französische Bildung und philosophischer Atheis- 
mus gleichzeitig auftraten, machten die Piaristen, die 

1* S t a n i s } a \s' T a rii o w s k i , Hibtorya literatury polskiej 
(Krakow 1904), Bd. lil, S. 177—178. 



Die Tendenz der Schulkom«^dieii. '.H'^ 

Vertreter der ersteren, zugleich auch tür das Auftreten des 
letzteren verantwortlich.^' Und so wurde die Kulturfrago 
in erster Linie zu einer Erziehungsfrage. Dieser Stand- 
punkt tritt uns mit wünschenswerter Deutlichkeit in jenen 
«dis|)Utatione3» entgegen, die Bohomolec in seinen «Pary- 
zanin polski> aufgenonmion hat. In seinen langen Disputen 
mit seinem Uruder Wilhelm und mit seiuera Schwieger- 
vater in spe betont Robert Starsenfeid nachdrücklich, daß 
die Erzi eh ungs weise der zentrale Kern im ganzen 
Problem sei, indem er der altpolnischen Lebensanschauung 
jener beiden seine moderne französische Denkweise ent- 
gegenstellt: 

PiOl^: Cöz robic, inoii frere, kiedy taka moda? Kto chce mied 

estymacvfv u ludzi, trzeba si^ do mody akkomodowac. 
WIL: Ja zas trzyimun, ze picrwey zyc trzoba ix)dlujj wiary niz 

podlug mody. 
RülJ : Wszakzc y wiara ina swoie mody. 
WIL: Y taka wiara iest wiara modrui. 
ROB: Prawda, ale wiara im modnieysza, tym lopsza. 
WIL: A kloz le mody w wierze wprowadzac powinien ? 
ROB: My! Le graml monde! 
WIL: Wi(2C le grand monde moze odmienic te obrzt-tdki, ktöre 

sa. postaiiowione od Apostolöw y Oycöw Swi^tych ? 
ROB: A czemii nie? Y ktoby si? miat tak dlugo trzymac tey 
starey mody ! Na swiecie rzecz im modnieysza, tym 
lepsza. 
"WIL : Widz>e, braciszku, zc icstes modiiey wiary. 
ROB : Prawda. Y tego sobie winszuic;. C'est mon honneur. Ale 
CO z WaszmosO Pana tom si? mocno dnia onegdayszego 
zgorszyl, kiedysmy byli w kosciele. 
WIL : W czymze przecie ? 

ROB: Ach, iak mi(;j Waszmosc Pan zawstydzil! DrzQ y teraz, 
gdy na to wspomnQ, Takto w Polszcze mlodz 
e d u k w a c ! 
WIL: Ale cöz takiego? 

ROB: Pami^tasz Waszmosc Pan , . , Ach, co za hanba! Ja 
malo ze wstydu nie umarlem! . . , Pami^tasz, möwi^, 
mon freie, kiedy z ksi;\zki publicznie mcdliles siQ iako 
ieden zaczek albo owa babka szpitalna? Ach, co za 
wstyd I 0, iak to wiele zalezy na d obre v edu- 
k a c y il (I, 3.) 

1' Ct r a )) o V. s k i , a. a. 0., S. 163. 



344 Kapitel V. 

Im zweiten Akte setzt Robert seine «disputotio» mit dem 
Bruder fort, wobei wieder vom Nutzen bzw. der Über- 
flüssigkeit des Lateins die Rede ist. 

WIL : . . . mnio dziwno, zo Waszmosc Pan przedtym sain 
iiieraz zarlowale^ z tych mod paryskich, a teraz si^ z. 
nicmi popisuiesz. 

R0I3: Mos])anie, alii tcmpores, alii mores. Wszak tak? Czegoz 
siQ Waszmos(!; Paii smieiesz ? 

AVIL : Pewnie to Jacina par\^ska : ,a!ii tempores' ? 

ROB: Czcmuz to? 

AVIL: Bo ü nas mowiq, tcmpora, nie tempores, 

ROB: Möwiti y tarn, tempora, ale tylko prosci ludzie. Podlug 
^ zas laciny du grand monde mowi si§ tempores. Jakoz 
y gladziey daleko tempores niz tempora. 

WIL : Musial sie; WaszmoSc Pan w lacinie du grand monde 1am 
WT^doskonalic nalezycie. 

ROB: Pour vous dire la verite. w Par\'zn godni hidzie nie 
bardzo kochaia si? w tacinie: Prostym iey ludziom 
ustQpuia. Jakoz y ksiazek tam iacinskich teraz nie wy- 
dai^. Francuszczyzna tam grünt. Y slusznie, 
bo tez trudniey im pisac po lacinie niz po francuzku, y 
■vs-ydawszy ksiazk^ lacinskj^, rzadki ia ktipi do czytania. 
A CO nay^vi^ksza : lacinskie ksi^gi dla daniby siq nie 
zdaly. Tam za§ te ksi^gi naybardziey szacuia, ktöre damy 
naybardziey czytaiq. Przetoz naywi^cey tarn ksiq^g albo 
dla dam albo o darnach wychodzi. 

AVIL: Bardzo chwalebny to zwyczay! 

ROB :Tam wszystkie zwyczaie sa chwalebnc; 
y kto chce miec estymacya, povvinien ich 
na^ lado wac. (II, 3.) 

Fragen Avir nun aber, was des Pudels Kern in dieser 
Polemik gegen die modernen Anschauungen war, so ist 
es interessant' und für Bohomolec als Jesuiten besonders 
bedeutsam zu beobachten, wie es ihm letzten Endes nicht 
so sehr auf die Unterrichtsmethode und das Bildungs- 
problem ankam, als vor allen Dingen auf die Erhaltung 
jener Macht, die der Orden der Jesuiten als Leiter des 
Volkes erworben hatte, auf die soziale und kulturelle 
Stellung des geistlichen Standes, die Wahrung seiner 
Autorität, die mit der Autorität der Kirche identifiziert 
wurde. Der nach Polen (dank der Methode der Piaristen) 



Die Tendenz der SrhulkoiiH^lien. HIT) 

durchsickernde VoltaireHniMuus bedeutete eine direkte Ge- 
fahr für den ordo eocietatis Jesu und untergrub langsam, 
aber nur um so Ficherer seine ganze Maclitstellunp. In 
der dritten cdisputatio», die wir im «l'aryzanin polski» 
vorfinden, hatte ßobomolec es versuclit, in der Person des 
alten Bogacki eine ungeschminkte Verteidigung pro domo 
sua zu führen. Nachdem Robert Starski sich mit größtor 
Verachtung über die Sitte des Fastens ausgesprochen hat, 
entwickelt sich zwischen ihm und Bohomolec' Aiivdk.it 
Bogacki folgender Dialog: 

ÜDG: A coz to Mospanie do godnosci nalezy? Wszakci to przy 
kazania tak boskio iako y kosrielno. röwnie do p^möw iak 
y podlycli ludzi nalez;\. Albo to p:ino\vie nie sa podlesili 
wladzy boskiey y koscielney? U Pana Boga, Mospajiie. 
w rownyni iest szacunku nayprostszy kniiotek z monarcha. 
jiaywyzszym, 
ROB : Pardonnez-moi ! Grodni ludzie wsz^dzie powinni mie«' 

swoi? dyst>Tikcyq! 
BOG: A iakiey Waszmosc Pan iestes religii? 
ROB: Jesteni katolik et quidem dobry. 

BOG : Mnie sie zda, ze nie t y 1 k o h c r e t y k a 1 e y b i - 
surnianin tegoby nie möwih co \Vasznios<: Pan, ^dobry 
katolik», möwisz! 
HOB: Ale co to posty di> wiary iialeza? W Paryzu Xii\Z'^' do 
Petitgraiid, muy wielki przyiaciel, iest dobr^'in eile kato- 
likiem, a przeciez zawsze z miesem iada. 
BOG; Moze mu zdrowie ixjstöw nie pozwala y ma na to 

dyspensQ ? 
ROB: Co zas? dyspcns^? Otöz drugie grubianstwo \v Polszcze 
nieznosnc ! Wi^c ieszczc^ trzeba s i e y d u c h o w n y ni 
klaniac o to, aby niozna bylo iesc, co mi si? pödoba? 
BOG : A do kogoz nalezy \v tyni dyspensowac ? 
ROB : Do kogo ? A czemu ia sam sobie nie mogQ dysjx'nsowaO ? 
Albo to duchowni sn iepsi ode niaie? To! 
Wolaibyni w leb sobie strzelic niz si^ ktoremu z du- 
chowTiych poklonic. Ja nawet na ulicy, gdy kt6rego z 
ducho\Miych hib znaiomego lub krewnego spotkam, to 
wraz nnikam, zeby si? z niin nie witac. Czy moze Ix)- 
wiem co Ixirdziey godnego kawalera szpecic iak z du- 
chownyni przestawanie? Dieu m'en garde! Dieu m'eii 
garde! 
BOG: Co to ma szpecic Waszmosc Pana? Po^iedz mi Wasz- 
mosc Pan, CO to iest duchowTiy? Czy nie iest czlek 



346 Kapitel V. 

taki iako Waszmosc Pan? Czy przez to on ma byc podly 
w oczach Waszmosc Pana, ze si^ Panu Bogu oddal na 
sluzb^? Tylu ich iest tak dobrego iako y Waszmosc Pan 
urodzeiiia! Sil miedzy niemi nasi bracia, krewni, przyia- 
ciele. Äloze ktory y z Waszmosc Pana dzieci lub wnu- 
köw swego czasii do (ego siq stanu udaö. 

ROB: To prawda, iednakze oni — ducliowni ! 

BOG : Tym samyni, ze s^ ducho\Mii, p o w i n n i o d n a s b y 6 
szanowani bardziey nad innych, ponie- 
waz s^ namiestnicy Chrystnsowi; s^ sza- 
farze Lask Jego w Sakramentach nam 
zostav.'ionych; oni nas do cnoty, do pocz- 
ciwosci, do zachowania praw oyczy- 
stych, do posluszenstwa zwierzchnosei 
'pobudzaiq; oni nas nauczairi wiary y w 
n i e y u t r z y m u i a. ; oni nam s 1 u z a. \v z y c i u , 
sluza przy smierci, sluza y po smierci, 
r a t u i 4 c nas s ^^• e m i m o d 1 i t w a m i y o f i a - 
ra m i. 

ROB : Gdyby ten paneg^^^'k slyszeli duchowni, byiiby Wasz- 
mosc Panu Obligo wani. Ale ia upewniam, ze z nimi nie 
chcQ m.iec sprawy ani w zyciu ani przy smierci ani po 
smierci I Milszy mi honor niz te wszystkie ich ushigi! . . . 
Nieszczesliwa ta kompania, \v ktörey si? duchowny czlek 
znayduie: ani si^ tak ^mialo gada, ani si? tak §mialo 
post^puie, iak przystoi na kav/alera, poniowaz nioktörzy 
z duchownych tacy sa. natretnicy, iz gdy postrzegfi iak^ 
akcy^ lub mow^ nie podhig ich gustu, zaraz sie marsz- 
czf\, a drudzy maici t? nawet zuchwalosc, ze czasem 
odwazai^ sIq o to gödnych kawaleröw strofowac! (II, 5.) 

Wir haben hier faktisch, wie Robert ganz richtig bemerkt, 
in Bogackis Rede eine heiße, ijberzeugte Panegyrik d*^s 
geistlichen Standes als Erziehers des polnischen Volkes, 
als seines geistigen und seelischen Leiters. Darin lag 
ihm die vrichtigste Existenzberechtigung desselben; diese 
Stellung im Kulturleben schien ihm untergraben durch 
den neuen Zeitgeist, an dem die Piaristen die Haupt- 
schuld, alle übrigen Lehrer, d. h. alle Privatlehrer, diej 
um die Wende der fünfziger Jahre wie Pilze aus dei 
Erde zu schießen begannen, eine sehr wesentliche Mit- 
schuld trugen. War die wichtigste Seite an diesen 
Kampfe für die jesuitische Schule ein nie deutlich voi 



Die TiMidciiz der Si-hiilkomn-llon. 317 

Bohomolec ausgesprochener Kampf gegen die wacliFcn \e 
Autorität der piaristischen Lclirweise, .so war eine andere, 
vielleiciit noch niciit so aktuelle, aber l)ald immer wich- 
tiger werdende Aufgabe der Kampf gegen die privaten 
Lehrer, die der Schule eine nicht unbedeutende Kon- 
kurrenz zu bereiten begannen. Nicht ohne signifikante 
Bedeutung ist die Tatsache, daß sowohl Figlacki wie auch 
Bywal:?ki als Lehrer auttreten, wenngleich sie den Unter- 
richt noch als mehr oder weniger freiwillige Proj)ag:inda, 
nicht schon als professionelles Amt betrachten. Als pro- 
fessioneller Lehrer tritt bei Bohomolec nur einmal der in 
die Handlung der «Kawalerowie modni» eingeschobene, 
als Typus frei erfundene Monsieur de Martinii're. Daß es 
Bohomolec vor allen Dingen darauf ankam, diesen Privat- 
lehrer als Gegenpol der schulmäßigen Erzieliung aufgefaßt 
zu wissen, geht mit wünschenswerter Klarheit aus der 
Schlußreplik hervor, mit der der alte Anzelm seine beiden 
Junker für immer aus Warschau aufs Land verbannt: 
AXZ: Idzcie mi zaraz do stacyi ! Z zadnym nie poz\vol»j 
wani vvidziec si?. Od\vioz(; do domii, oddamwas do 
szkül, zebyscie siQ tego oduczyli, czo- 
goscie siQ w prywatney edukacyi od gu- 
\\- e r n e r a z t a k i m m y m k o s z t e in n a u c z y 1 i ... 
Xauczylem si^ na starosc, z iakc^ pilnoscii^ takich ludzi 
])ozna\vac, ktör^'^m mlödz w dozor daiorny ! 

Das ist direkt eine Warnung vor den fahrenden Erziehern 
und «Gouverneuren» mit zweifelhaften Antezedentien, die 
Polen und besonders die polnische Provinz heimzusuchen 
begannen, und eine offene Empfehlung der Schule, d. h. 
mit anderen Worten der traditionellen Jesuitenschule. Um 
die Wirksamkeit dieser dunklen Herren zu beleuchten, 
hat Bohomolec mehrere Szenen in die Molierische Vorlage 
(«Les Precieuses ridicules») eingefügt, die einer unmittel- 
baren Charakteristik des Monsieur de Martiniere dienen. 
Er zeigt, wie er dem ahen Anzelm gegenüber den Un- 
schuldigen spielt, den beiden Junkern vom Lande aber 
die Grundsätze des Atheismus, der Gallomanie und der 
Verachtung der pohlischen Nation beibringt. Er zeigt, 



34>S Kapitel V. 

wie er sich als französischer Emigrant iMit romantischer 

Vergangenheit im Hause des «altpohiisch» gesinnten An- 

zelm einzunisten versteht: 

TOM: Monsieur Martiniere byl pienvszey admissyi u pewnego 
Dwoni. Krolewaa Jeymojsc ]iokazy\vala mu respokt wi^k- 
szy niz irmym y sercc bardzo przychylne. Zt^d niena- 
wi§ö, z nienawisci siispicya, z suspicyi urosla klötnia 
ini^dzy pc^\iiym Marqiiisem y Jegomoscifi. Krötko mö- 
wiac do tego przyszlo, ze Jegomosc musial z iym Mar- 
quisem experymentowaö. Posluzylo szczQScie Jegoniosci 
a Marquis na placu zostal bez zycia. To ryccrskie dzielo 
Jegoraoscine przymusiio go do reyterowania si^ ztamta.d 
az do Polskiey. (II, 5.) 

l^nd er entlarvt ihn mit Vergnügen als einen polnischen 
Schwindler, der früher als Stallknecht, dann als Lakai sein. 
Brot verdient hatte, später mit der Garderobe seines Herrn 
und seiner Geldkasse nach Frankreich geflohen war und 
sich jetzt, nach seiner Rückkunft nach Polen, als französi- 
scher Emigrant und Privatgelehrter aufspielt. Im dritten 
Akte derselben Komödie führt uns Bohomolec eine ganze 
Szene vor, die fast wie eine Orgie der Gallomanie anmutet 
und die schädliche Tätigkeit aller französischen Lehrer 
hervorheben soll: 

TOM : Ja przyznam siQ Waszmosc Panom, ze przed cudzoziom- 

cami wstydz^ siQ nazywac Polakiem. 
WOY: Moieeli iestes Waszmosc Pan sentymentöw. 
ROB : Ja cokolwick mialem w sobie krwi polskiey, to wszystko 

kazalem ongi cynilikowi wypuscic tarn do kata! 
JAN: Jakoz w samey rzeczy nie tu dobrego w Polszcze nie 

mamy. Cokohviek tu lest grzecznych kawaleröw, tych 

Avszystkich Francyi wimiismy. My y saini ieszcze nie 

iestesmy doskonali ze wszystkiin, bosray ieszcze nie byli 

w Paryzu. 
WOY: Na to nie pozwalam : y to iest cud, ze Waszmosc 

Panowie, nie skosztowawszy Paryza, tak dobrego gustu 

iestescie. 
ROB: A Waszinosc Panu iak si? Polska podoba? Co Wasz- 

mos6 Pan naprzyklad möwisz o naszey Warszawie? 
MARTINIER : Co Warszawa to moglaby z biedy uysc za wioske 

\\e Francyi. 
Tr»M: Prawda! 



Die Tendenz der Scliulkomödien. 349 

ROB: Dobrze Jegomosö möwi. A lud nasz iak si«; iKKloha? 
MAPtTINIP^Il: Jest nalK)iny. Cz(;sto si? sjiowiada. Zachowuie 

posty. Piekhi si<; boi. 
WuV: Wo Frajicyi \v tym dobrze, ze tain pirkla iiicrna. 
ROB: To prawda! Tamto zy(^- y umiorat ! 
MARTINIFR: Tu w Polszcze tym pieklem y iiaygrzecznieyszego 

kawalera zepsuiii! 
ROB: A dla tycli postöu- nieszcz^6liwych nie niozemy niiec 

nigdy cery tak pif.'kTicy y Iak niifey iak \ve Francyi. 

Ja sam daleko tarn hidiiioyszy bylein. 
T« >M : Dia tych postövs' y nie tak dhigo iak wo Francyi iyiemy. 
JAN: Dia uich y dowcipow tak dobrych nie m'irny. 
\\<>V: Mjiie siQ zda, ze to te posty y spowiedzi s^ naywiqkszH 

y tego przycz^ii.-V, ze ani woyska ani porz^idku 

tu nieiiia, 
TOM: Prawda. 
JAN : To pevTia ! 

WOY : Y seyniy diu tego tu u iias nie docliodz:\. 
MARTINIER: Ja zas powiadam, ze pöki ta zabobonna 

bigoterya trwac w Polszcze b^dzie, pöty 

t e n 11 a r 6 d z s w e g o g r u b i a i'i 3 t w a nie \v y - 

brn i e. 
TOM: A ia raowi^, ze iesli dtuzey te posty y spowiedzi tu 

b^dc^ panowa'S to Poiska zapewue upadniel 

(III, 2.) 

Es zeigt sich deutlich, daß für Bohomolec der Gegensalz 
zwischen der alten Kultur und der neuen, französischen 
Geistesströmung ein Gegensatz zwischen der alten, kritik- 
losen Frömmigkeit und dem neuzeitlichen Atheismus war, 
und daß er mit seinen, in die Schulkomüdien einge- 
schobenen Disputationen für die Autorität der gefährdeten 
Kirche und des Ordens gegen die rationalistische und 
pietätlose Kritik der neuen Menschen anzukämpfen suchte. 
Vom selben Standpunkte aus setzte er seinen Prediger- 
eifer ein im Kampfe gegen einen anderen Ausdruck des 
neuen Geistes, den er im Duell wesen entdeckt zu 
haben glaubte. Nachdem er seinen «Chclpliwiec» im An- 
schluß an die im obigen besprochenen Vorlagen geschrieben 
hatte, schien e.^ ihm angebracht, die ganze Komödie im 
«Junak» zu variieren, bloß um seine kirchlichen Grund- 
sätze zu einem schärfer betonten Ausdruck gelangen zu 



350 Kapitel V. 

lassen, als es ihm im «Cheipliwiec» möglich gewesen war. 
Daß das der eigentliche Anlaß für die Entstehung des 
«Junak^ war (wodurch wieder ein neues Argument für 
meine Behauptung gewonnen ist, daß Bohomolec' Komödien 
psych ologi seh nichts anderes sind, als ein echt jesu- 
itisches Mittel in der Erziehung und Propaganda der kirch- 
lichen Grundsätze), geht vor allen Dingen daraus hervor, 
daß Bohomolec zwei lange «disputationes» in seine an 
Handlung so arme Komödie einfügt, eine in den ersten 
Akt (Sz. 4), eine zweite in den zweiten Akt (Sz. 1), und 
daß die ganze Komödie mit einem kürzeren Gespräch 
zwischen zwei Kavalieren beginnt, worin die ganze gegen 
das Duell gerichtete Tendenz als Leitmotiv der Komödie 
in den Vordergrund gestellt wird. Ich will hier nur einen 
Teil der ersten Disputation zwischen dem jungen Prahler 
Robert und seinem Diener Frontin, der die Interessen der 
Kirche vertritt, anführen, weil ich meine, daß gerade in 
dieser Disputation der alte Charakter der schulmäßigen 
Verfechtung entgegengesetzter Grundsätze mit den Mitteln 
der syllogistischen Kunst gewahrt erscheint, und weil uns 
deutlich von dem einen der Gegner gesagt wird, daß es 
sich hier eben um eine «disputatio» handelt: 

ROB : . . . Ale powiedz mi : czemu poiedynki nie maia byc 
chwalebne ? 

FRO: Juzem möwil, Mospanie, ze tym samym poiedynki nie 
rauszq, byc dobre, poniewaz ich ludzie m^drzy y sta- 
teczni zakazuia., Nadto — czy moze to byc cbwalebne, 
przez CO sIq prawa przestQpuiq,? Wszakci poiedynki s^ 
prawem zakazane, y kto ie chwali, chwali praw prze- 
st^pstwo. 

ROB : Cöz ? Y ia mam na to uwazac, kiedy mi kto glupi co za- 
kaze? 

FRO: Mnie si? zda, Mospanie, ze ci, co prawa pisali, nie mu- 
sieli byc ghipi . . . 

ROB: Ale kiedy ty prostak iestes, to lepiey milcz! 

FRO: Prawda: sludze z panem tak smialo gadac nie nalezy, 
Przepraszam Waszmosc Pana. 

ROB : Ale mnieysza o to — ia pozwalam I Gaday ! J a c h c ^ 
z tob^ racyami certowac y pokazac, ze si§ 
w tym mylisz. Ty möwisz, ze poiedynki s^ 



Die Tendenz der Schulkomödien. 351 

z\ V , i a z a s in ö w i c , z c t a r z c c z z I a 1> y c nie 
ni o z e , k t ö r a h u n o r c z y n i k a nv a 1 e r o w i . Cöz 
na to? 

FRO : Ja na to niowi^, iz to czynic honoru nie moze, 
za CO karzii czaseni y szul)ienicq. Pi^kny to 
honor — prawa przestqpic y stac sip godnym ämierci 
fak haniebney. 

ROB: A czymze ia mam honoru bronic, iezeli nie poiedynkiem ? 

FRO : Waszmosc Pan za swoy honor m^cic si^ sam nie po- 
Avinienes, bo zaden w swoiey sprawie s^dzin. byc nie 
moze. S^ na to Sc^dy. A do tego mnie si^ zda, ze kto 
honoru broni piedynkami, ten wifjcey traci hononi niz 
mu uieto. 

ROB: Jakto?' 

FFlO: Oto tak: czy nie tracilby teil honoru, ktoby zlodzieystweni 
broni t honoru ? 

ROB : To CO innego ! 

FRO : Jak zlodzieystwo iest wystepek pTzeciw sprawiedliwosci, 
tak y poiedynek. Jak za zlodzieystwo czasem karza szu- 
bienicq, tak w niektörych panstwach y za poiedynek. 
A ia möwie, ze poiedynek ieszcze gorszy niz zlodzieystwo. 
Bo ztödziey rzecz taka chce ukrasc, ktöra niozna nad- 
grodzic, poiedynkui^cy zas chce wydrzec rzecz naydroz- 
sza. y nienadgrodzona, to iest : zycie lub zdrowie ! 

ROB: Tyc niezie podtug siebie möv>^i8z. Ale kawalerowi godnie 
urodzonemu bylby vrstyd z tym sie w^'dawac. 

FRO : Y\'iekszy wstyd, ^Mospanie, prawa przestapic y b y c w y - 
klQtym od Koscioia SwiQtego, Bo ia slysza- 
lem, ze za poiedynki iest kla.twa. 

ROB: Day go katu — kla.twa I Y cöz? Da kla.twy mam honor 
utracic ? 

FRO : Prawda, ze honor u AVaszmosc Panöw iest "rzecz wielka, 
ale ia wolalbyni honor niz dusz^ utracic. 

ROB : A kiedy ia si§ potym wyspowiadam? 

FRO : A kiedy ia zgin? w poied\Tiku ? To wtenczas y honor 
möy y dusz^ dyabei wezmie! Niewielki to 
honor dostac siQ dyablu! Nie wiem, iak kto — 
ale ia tego honoru nie chcialbym. 

ROB: Ale ia dufam w tey r^ce, ze nie zginQ. 

FRO : Ja tez nie o Waszmosc Panu möwi?, ale o sobie. 

ROB: Tak möwisz, bo nie znasz, co to iest honor. 

FRO : Prawda, ze nie znam. To wiem iednak, ze bronic honoru 
poiedynkiem, niewielki iest honor. Bo czy ia zgin^ czy 
wygram w poiedynku, zawsze zle na möy honor. Jesli 



35ii Kapitel V. 

zabiie rlnigiego, iiiewielki to honor, kiedy pöyd? w r^ce 
katowskie. A iesli mi§ zabii^, tym gorzey! PiQkny to 
honor dla mnie, ze mi^ zabito y na m i e y s c u p o - 
s w i e c o n y m nie p o o h o \v a n o ! 

Diese «disputatio» über das Duell wesea resp. -Unwesen 
war sicher nicht weniger aktuell als die anderen von 
Bohomolec in seinen Schulkomödien berührten Prinzipien- 
fragen, denn der französische point d'honneur mit seinem 
Duellzwange fiel bei den Polen in fruchtbaren Boden, und 
man braucht bloß zeitgenössische Dokumente, z. B. die 
Memoiren des Königs Stanislaw August ^^, zu lesen, um 
zu erkennen, daß das Duell gerade um die Mitte des 
18. Jahrhunderts auch in Polen florierte. Besonders 
wichtig ist es ^ber für uns auch hier wieder zu sehen^ wie 
der mönchisch-katholisch-jesuitische Standpunkt Bohomo- 
lec' Argumentation beherrscht. 

So dient bei unserem Komödiendichter, der die 
Intrige seiner Komödien als etwas nur Sekundäres ansah, 
das berühmten Vorbildern entlehnt werden durfte, so- 
wohl das Mittel der Charakteristik als auch das der 
traditionellen «disputatio» dem immer wieder deutlich 
her\^ortretenden Zwecke, gewisse moralische, kulturelle oder 
religiöse «Sätze» zu beweisen. Das ganze Arsenal der 
katholischen Vorstellungen : Hölle und Himmel, ewige 
^^erdammnis und Seligkeit, Kirche und Schule, Gott und 
Teufel, Unterwerfung unter die Gesetze der bestehenden 
gesellschaftlichen Ordnung, werden ins Treffen geführt, 
um «ad majorem dei gloriam>, wie wir so oft am Schlüsse 
der Bohomolecschen Komödien oder auf der letzten Seite 
der Komödienbände lesen, die Autorität der alleinselig- 
machenden Kirche und ihrer treusten Dienerin, der Socie- 
tas Jesu, zu befestigen, zu schützen, zu verteidigen. «Du 



i 



18 Die Memoiren des letzten Königs Stanislaw Au^st Ponia- 
towski (Polnische Bibliothek, hrsg. von Guttry, Koscielski II, 1), 
übers, von Powa, Bd. I, S. 196. (Schilderung des nächtlichen 
Duellwesens während der litauischen Tribunal wählen in Wilna 
1755.) 



Die Tendenz der Schulkomödien. 353 

sollst nicht lügen», «du sollst nicht töten», «du sollst 
nicht fremdes Gut und fremde Macht begehren», «du sollst 
deine Eltern und deine Obrigkeit ehren», «du sollst nicht 
dem glitzernden Scheine nachlaufen >, «du sollst dir nicht 
schlechte Freunde wählen», «du sollst nicht deinen Lüsten 
und Liebhabereien frönen», «du sollst dein Land und dein 
Volk nicht verachten», «du sollst nicht prahlen», «du sollst 
nicht abergläubisch sein», «du sollst das irdische Leben hoch- 
halten», «du sollst nicht eitel sein und dir einbilden, duseist 
klüger als die Klugen», vor allen Dingen aber: «du sollst 
Gott und Kirche lieben, schützen und ehren und — den 
Jesuiten, deinen besten Lehrmeistern, willig folgen», natür- 
lich «auf daß es dir wohl gehe und du lange lebest auf 
Erden» — das ist jener Kreis von «Sätzen» und Lehren, 
mit anderen Worten jener Tendenzen, die ßohomolec 
mit seinen Schulkomödien hat veranschaulichen und illu- 
strieren wollen. 

Inwieweit diese «Sätze» fortschrittlicher oder reak- 
tionärer Art waren, brauche ich in dieser Arbeit nicht 
des näheren zu untersuchen, denn ich schreibe nicht die 
Geschichte des polnischen Geistes im 18. Jahrhundert. 
Nur soviel möchte ich zur Beleuchtung des geistigen 
Typus der Bohomolecschen Schulkomödien bemerken, 
daß Bohomolec eine auffallende Zurückhaltung an den 
Tag legt, wenn er mit Repräsentanten der älteren Genera- 
tion, der «altpolnischen Sarmaten», zu tun hat, sich da- 
gegen sehr offen und nachdrücklich ausspricht, wenn es 
gilt, die Fehler der jungen Generation zu geißeln. Ich 
glaube kaum, daß diese Tatsache so zu deuten wäre, als 
wollte er als «laudator temporis acti» auftreten und dem 
Fortschritte Feindschaft erklären. Aus seinen späteren 
«Theaterkomödien» wissen wir ja zur Genüge, daß er 
k:eineswegs besondere Sympathien für die sogenannte 
«cnota staropolska» nährte, verspottete er doch gründlich 
den Typus des Staruszkiewicz (in den Komödien «Malzen- 
stwo z kalendarza» und «Staruszkiewicz»), des Ceremonski 
(im «Ceremoniant»), des Drqgaylo (in den «Czary»), diese 

Stender-Petersen, Die Schulkomödien. 23 



3r)4 KRpilel V. 

Repräsentanten der reaktioniiren Provinzszlaclita mit ihrem 
Fremdenhasse, ihrem Aherglaubcn, ihrem «Macaronismus>, 
die ganze Garde der Trinker aus der fröhlichen Sachsen- 
zeit («Piiacy») und geschworenen Feinde seiner fort- 
schritthcheu Zeitschrift «Monitor» (in der gleichnamigen 
Komödie). Da war er aber einerseits nicht mehr Pro- 
fessor am jesuitischen Gymnasium, andererseits konnte 
er den Ausweg der Anonymität benutzen. Wenn er in 
seinen Schulkomödien dagegen als Verleidiger der mehr 
oder weniger konservativen Unterrichtsmethode seines 
Ordens, als Feind des modernen Rationalismus und der 
französischen Bildung (oder jedenfalls ihrer negativen 
Seiten), als Kritiker der Jugend auftritt, so ist die Er- 
klärung dieses nur scheinbaren Gegensatzes einfach die, 
daß er an die Grundsätze Feines Ordens gebunden war, 
im Interesse dieses Ordens zu sprechen hatte und 
für die Autorität seiner Schule kämpfen mußte. Die 
Anschauungen, die er verfocht, die Methode, nach der 
er seine «kastrierten» Komödien verfaßte, waren die An- 
schauungen des Ordens, die Methode des Ordens. Ob 
sie in allen Stücken auch die seinigen waren, das ist 
eine andere Frage, die nicht ohne weiteres bejahend be- 
antwortet werden kann. Denn Bohomolec war in seiner 
Eigenschaft als Komödienverfasser nicht der freie Dichter^ 
der Persönliches schafft, sondern ein wesentlich unpersön- 
liches Glied der Kongregation, das eine ihm gestellte Auf- 
gabe nach bestem Wissen und Können auszuführen hatte. 
Die.se Aufgabe war aber von vornherein so mit Grund- 
sätzen und Regeln begrenzt, daß ein freies künstlerisches 
Schaffen ausgeschlossen war. Seine Schulkomödien sind 
somit vielleicht nicht so sehr der Anfang der Geschichte 
der polnischen Komödie im modernen Zeitalter, als viel- 
mehr der Schluß der jesuitischen Schuldramatik in Polen. 



355 



Kapitel VI. 

Die literarhistorische Bedeutung 
der Schulkomödien. 

Wenn Bohomolec' Schulkomödien — wie oben 
gezeigt ist — dem Typus und der Tendenz nach nur 
eine (letzte) Adaptation der modernen, klassizistischen 
Komödie an die in der Hauptsache unwandelbaren Prin- 
zipien jesuitischer Schuldramatik bedeuten, kurz bevor 
diese Schuldramatik in Polen mit der Aufhebung des 
Ordens eines natürlichen Todes stirbt, wenn diese Schul- 
kömödien vorzugsweise, wir können sogar sagen, fast 
ausschließlich von pädagogischen Rücksichten beherrscht 
werden, und ein freies poetisches Schaffen in ihnen keines- 
wegs hat zum Ausdruck kommen können, so will icli 
doch damit bei weitem nicht gesagt haben, daß sie keine 
weitere literargeschichtliche Bedeutung für den folgen- 
den Entwickelungsgang der modernen polnischen Komödie 
gehabt hätten. 

Ich möchte im Gegenteil behaupten, daß die literatur- 
geschichtliche Bedeutung eben der Schulkomödien keines- 
wegs unterschätzt werden darf. Ich behaupte, daß eben 
in den Schulkomödien, den bescheidenen Erzeugnissen 
unseres Jesuiten und Pädagogen, die ersten Keime 
zu jener Komödienliteratur stecken, die für das von 
König Stanislaw August Poniatowski gegründete öffentliche 
Theater zu Warschau ein oder einige Jahrzehnte später 
entstand. Ich möchte dabei nicht gerade die Tatsache 
allzu sehr betonen, daß einige von den Schulkomödien 
(der «Junak» und der «Paryzanin polski») auch später 

23» 



356 Kapitel VI. 

noch mehrfacli auf der Bühne des öffentlichen Theaters 
aufgeführt worden zu sein scheinen \ auch nicht jene 
andere Tatsache, daß wir «Schulkomödien» unseres Paters 
in handschriftlichen Sammlungen von Komödien, die viel 
später (1777) noch auf Privatbühnen polnischer Land- 
magnaten aufgeführt wurden, wiederfinden^, woraus wir 
auf ihre Beliebtheit schließen können; ich will mich auch 
nicht — wie verlockend es auch erscheinen mag — 
darauf einlassen, im einzelnen darzutun, wie der «Junak» 
dem «starosta» Stanislaw Mycielski den Anstoß da- 
zu gegeben hat, einen anderen, sogar in zwei Auflagen 
erschienenen dreiaktigen « Junak :^^ zu verfassen; wie Jö- 
zef Bielawskis Komödie «Natr^ci», mit der das Theater 
am 19. November 1765 eröffnet wurde, nicht nur eine 
freie Bearbeitung der Molierischen «Fächeux» ist, son- 
dern auch deutlichen Einfluß seitens der Bohomolecschen 
«Natr^tnicy» verrät, indem auch Bielawski einen Dichter- 
ling und einen adelsstolzen Nachkommen des Königs Lech 
einführt, und dem «Paryzanin polski» einige Gestalten, 
vor allen Dingen den Französling ( «paryzanin >) Sapien- 
czykoweki verdankt; wie Bielawskis zweite Komödie (1766), 
der <Dziwak>, mit ihrem Haupthelden, dem barbarischen 
«Sarmaten» Kokoszeweki, jene Typenart weiter entwickelt, 
die Bohomolec schon in seiner gleichnamigen Schul- 
komödie angedeutet, später in seinen «Theaterkomödien» 
mehrfach aufs neue aufgenommen hatte; wie Krasickis 
Komödie «Lgarz» den von Bohomolec in die polnische 
Komödie eingeführten Typus des prahlerischen Lügners, 
speziell den Samochwai des «Chelpliwiec» und den Robert 
des «Ubogi hardy», in der Gestalt des «pan Erast Zyg- 
munt Ferdynand Maximilian, hrabia na Trzmielnie, Czem- 
brzyczach y Rataiowie &c., &c., &c. > variiert; wie derselbe 



1 Vgl. S. 428 ff. des Anhangs. 

» Vgl. die Noten S. 193 und 369. 

' Die Komödie erschien ohne Verfassernamen (in 2. Aufl.) 
mit dem Titel : «Junak. Komedya we trzech aktach. W Warszawie 
1774. Nakl. Michala Grölla». 



I 



\ 



Die lilerarhislorische Bedeutung der Schulkomödien. 357 

Krasioki in seiner anderen Komödie «Statysta» den Bo- 
homolecschen Projektenmacher aus den «NatrQtnicy» 
wiederholt und den Diener Figlaeki eine Rolle spielen 
läßt, die sein Namensvetter eo oft bei Buhomolec zu 
spielen hat; wie der «sqsiad» Rubasiewicz in Krasickis 
«Krosienka» ein direkter Nachkomme des Bohomolecschen 
Jagdfanalikers in den «NatrQtnicy» ist und Wiatrkowski, 
der eben aus Paris angekommen ist, die Züge eines Boho- 
molecschen Starski mit denen eines Samochwal verbindet; 
wie Leander, der Titelheld der Krasickischen Komödie 
<Solennizant», eigentlich nichts anderes ist als eine wohl 
durchgearbeitete Wiederaufnahme des Bohomolec-chun 
Kleander, des Helden der Komödie «Ubogi pokorny», 
deren Handlung wohl auch die Quelle der Intrige der 
Krasickischen Komödie gewesen ist; wie der Typus des 
intrigierenden Heuchlers Przemyslowski in der Komödie 
«Frant» nicht ohne die Existenz des Figlacki der Schul- 
komödien, vor allen Dingen des «Dziwak> und des «Fig- 
lacki kawaler z ksi^zyca», hat entstehen können; wie so- 
mit gerade Krasicki Bohomolec' Schulkomödien unendlich 
viel zu verdanken hat."* Alles das sind aber doch nur 
stoffliche, motivische Einzelheiten, Entlehnungen von 
einzelnen komischen Figuren, und damit wäre die Be- 
deutung der Bohomolecschen Schulkomödien nur als eine 
rein äußerliche bezeichnet. 

Viel wichtiger scheint mir die Tatsache zu sein, daß 
Bohomolec mit seinen Schulkomödien jenem Komödien- 
typus den Weg geebnet hat, zu dem seine eigenen 
«Theaterkomödien» gehören, zu dem auch die Komödien 
Bielawskis, Czartoryskis und Krasickis gerechnet werden 
müssen. Bevor ich aber die Definition dieses Typus gebe, 
muß ich mich mit einer Theorie des mehrfach genannten 
Kielski auseinandersetzen, der die Frage nach der inneren 
Chronologie der Schulkomödien mit der Frage nach ihrem 

* Marjan Szyjkowski, Dziejc komedji polskiej w za- 
rysie (Krakow 1921), S. 22—23, scheint etwas Ähnliches andeuten 
zu wollen. 



358 Kapitel VI. 

Typus verknüpft und beide Fragen, meiner Meinung nach, 
falsch beantwortet hat.^ Da zudem das Problem der 
Chronologie der Bohomolecschen Schulkomödien zugleich 
auch, in Anbetracht der äußeren Rücksichten, die Bohomo- 
lec immer beachten mußte, zu einem Problem der inneren 
EntAvickelung der Bohomolecschen Absichten wird und 
80 zur Lösung der Frage nach Bohomolec eigenen, unter 
dem Druck jener äußeren Rücksichten aber stark ver- 
kümmerten und fast unkenntlich gewordenen Inten- 
tionen beitragen dürfte, haben wir hier allen Anlaß, 
auf Kielflkis Hypothesen einzugehen. 

Kielski scheint mir von einem falschen Kriterium ausge- 
gangen zu sein, als er seinem Versuche einer zeitlichen Schich- 
timg und Gruppierung der Schulkomödien den leitenden Satz von 
Bohomolec' «Molierismus» zugrunde legte. Anfänglich glaubte er 
einer chronologischen Gruppierung aus dem Wege gehen 
zu dürfen und begnügte sich damit, gewisse typische Schich- 
ten nachzuweisen; da ihm aber Molieres souveräner Einfluß auf 
Bohomolec so gut wie ein Axiom geworden war, mußte jene 
Einteilung eben nach dem jeweiligen Grade des «Molierismus» der 
einzelnen Komödien vorgenommen werden. Kielski glaubte dem- 
entsprechend folgende drei Gruppen konstatieren zu können: 

1, die Gruppe der «sklavischen» Bearbeitungen Molierischer 
Vorbilder («pierwsza warstwa to niewolnicze przerobki 
z Moliera, miejscami przechodzcT,ce w proste tlömaczenia») ; 
zu dieser Gruppe werden gezählt: 

die «Modrkowie», 

der «Dziedzic chytry», 

die «Kawalerowie mcdni», 

die «Natr^tnicy», 

die «Nieroztropno§c», 

der «Fan do czasu» und 

die «Rada skuteczna»; 

2. die Gruppe der selbständigen, aber nicht ohne Molierischen 
f^influß entstandenen Komödien («warstwa druga zawiera 
komedje, gdzie Bohomolec zrywa sIq na samodzielnit 
kreacj^, ci^gle jednak w l^cznoäci z Molierem»); zu 
dieser Gruppe gehören : 

der «Figlacki polityk» I, 
der «Figlacki polityk» II, 

^ Kiel Ski, a. a. 0., S. 140, 156. 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödien. 359 

der «Figlacki kawaler z ksi^zycaj». 

der «Urazaia.cy si^», 

der «Paryzanin polski^ und 

der «Mysliwy»; 

3. die Gnippc der nach wahrscheinhehem anderweitigem Vor- 
bilde entst«indeTien Komödien («do trzeciej liczymy takio, 
gdzie zrodlcni poinyshi nie byl Molior, ale prawdopo- 
dobnie jakis inny autor>); hierher gehören seinor Mei- 
nung nach : 

die <'Blizni^ta», 

die <Przyiaciele stolowi», 

der «Arlekin na §\viat urazony)^, 

die «Kiopoty panow», 

der «Statysta mnjemany», 

der «Junak;>, 

der «Ubogi pokomy \ 

der «Ubogi hardy», 

der «Chelpliwiec» mid 

der «Dziwak». 

Die beiden Komödien, deren jesuitischen Ursprung Bohomolec 
selbst eingeräumt hatte, \^iirden von Kielski nicht in dieser Grup- 
pierung beachtet. 

Wir brauchten nicht viel Worte über diese Einteilung zu 
verlieren, wenn sie bloß als eine Scheidung der Sclmlkomödien 
nach Quellen gemeint gewesen wäre, trotzdem die Q^iellenfrage 
auch nur sehr mangelhaft gelöst erscheint. Nun soll aber diese 
Scheidung resp. Schichtung sicher nach Kielskis Auffassung als 
zeitliche Gruppierung aufgefaßt werden. Er geht dabei von einer 
dem hervorragenden Kenner der Geschichte des Dramas in Polen, 
Pix)f. St. Windakiewicz zugeschriebenen — freilich nur mündlich 
geäußerten — Vermutung aus, Bohomolec hätte seine Wirksam- 
keit als Dichter polnischer Komödien im Anschluß an gewisse 
frühere, einheimische Versuche begonnen, sei aber dann von Mo- 
liere in andere Bahnen gelenkt worden: «Bohomolec mial rozpo- 
cza.c od spöinionych popisöw w guscie dawnieyszego 
teatru polskiego (n. p. «Arlekin na swiat urazony») i Mo- 
Her dopiero z m i e n i i Charakter jego twörczosci». Speziell die 
zitierte Komödie soll eine «typowa arlekinada polska:) gev.-esen 
sein. Kielskis resp. Windakiewicz' Hypothese ist durchaus un- 
haltbar, denn — wie aus meinen Quellenstudien hervorgehen 
muß — von irgendeinem Einflüsse einer älteren, zu Bohomolec' 
Zeit längst verkümmerten, komischen Literatur, sei es der popu- 
lären Intermedien oder der, soWel ich weiß, gänzlich unbe- 



360 Kapitel VI. 

kaiiuleii -polnischen, Harlekinaden», ist bei Bohonaolec nichts zii 
merken; die motivische Berührung einer Szene mit einer alt- 
polnischen Anekdote, die ich oben aufgedeckt habe ^, berechtigt 
uns keineswegs zu dergleichen Schlüssen; der «Arlekin urazony» 
hat sich als ein Konglomerat durchaus nicht-polnischer Ele- 
mente enviesen, und sogar in jenem einzigen Falle, wo wir mit 
einigem Rechte eine Abhängigkeit Bohomolec* von älteren pol- 
nischen Komödien hätten erwarten können, nämlich bei den ';Klo- 
poty panöw», hat sich diese Erwartung als trügerisch erwiesen.' 

Molieres Komödien sollen — nach Kielskis (und Winda- 
kiewicz") Meinung — für Bohomolec ungefähr dieselbe revolu- 
tionierende Bedeutung gehabt haben, die sie bekanntlich viel später 
für Fredro hatten: wäre dem so, so müßten die Komödien, die 
Molieres Einfluß verraten, natürlich jünger sein als die Komödien, 
die keine Spur eines solchen Einflusses verraten. Somit müßte 
die von Kielski als dritte angenommene Gruppe die zeitlich erste 
gewesen sein; zugleich oder etwas später müssen die «sklavischen» 
Übersetzmigen und Bearbeitungen Moliörischer Komödien begonnen 
haben: also wäre die oben als erste angeführte Schicht zeitlich 
die zweite, schließlich hat Bohomolec sich mehr und mehr 
von der Vorlage (Moliere) emanzipiert, d, h. zunächst dieselbe 
polonisiert, dann nach Molieres Muster auch eigene Charaktere zu 
schaffen versucht: somit w^ären die als zweite Schicht zusammen- 
gefaßten Komödien chronologisch die dritte und letzte Gruppe. 
Kielski drückt es auch an einer Stelle mit klaren Worten aus: «Z 
p o c z ^ t k u niewolniczc przeröbki z Moliera lub z innych auto- 
row, p o t e m przeröbki samodzielniejsze, przystosowane do miej- 
scowych warunköw, w k o li c u utwory z charakterem, nakreslo- 
nym wprost z natury.» Man sieht, der springende Punkt für 
Kielski ist immer der Grad der Abliängigkeit tmseres Dichters von 
Moliere. Ist eine Komödie ganz frei von allem Einflüsse Molieres, 
so ist sie eine der ältesten Komödien, zu einer Zeit entstanden, da 
Bohomolec Moliere noch nicht näher gekannt hat; ist eine Ko- 
mödie in ihrer Handlung oder in ihrem Charakter frei nach Mo- 
lieres Exempel verfaßt, so ist sie eine der jüngsten; ist sie Mo- 
liere sklavisch nachgeahmt, so steht sie gerade in der Mitte 
zwischen jenen. 

Sobald wir nun aber mit dem Rechte, das uns meine obigen 
^•ingehenden Untersuchungen zweifellos gel>en, Molieres Einfluß 
auf Bohomolec' Schulkomödien ganz bedeutend reduzieren und 
— um von den anderen Einflüssen gar nicht zu reden — die Be- 



6 Vgl. S. 229. 
' Vgl. S. 58. 



Die literarhistorische Bedeutung der Schullcomödien. 361 

deuluiig dtT jesuitischen Komödienliteralur und der Komödien 
Goldonis her\-x)rheb€n, fällt "Kielskis ganze Tii€orie vom «Mo- 
lierismus) der Schulkomödien und seine chronolojiischc Grufpicrung 
zusammen. Alle fünf Bände enthalten Komödien, die auf Mo- 
lierische Intrigen und Aktionsschemen zurückgehen, und sie irgend- 
wie im Gegensatz zu den übrigen in eine Gruppe zusammen- 
zufassen, dazu fehlt uns jede Berechtigung. 

Nun liegt aber andererseits kein Anlaß vor an- 
zunehmen, daß die Reihenfolge, nach der die einzelnen 
Komödien in den fünf Bänden geordnet sind, zugleich 
auch eine zeitliche Folge wäre: Bohomolec ^vi^d bei der 
Zusammenstellung jedes Bandes sicher mehr als nur die 
fünf in jeden Band aufgenommenen Komödien druckreif 
gehabt oder jedenfalls schon geschrieben haben. Darauf 
deuten auch einige objektiv feststellbare Tatsachen. So 
versprach Bohomolec schon im ersten Bande am Schlüsse 
seines an den Leser gerichteten Vorwortes: 

•Jesli obaczQ, ze te p i e r w i a s t k i prac moich mile 
b^d^ przyi^te, ix)mysl^ od rüg im tych komedyi tomiku.» 

Das bedeutet wohl^ daß, außer den ersten fünf Erzeug- 
nissen seiner Feder, schon Material für einen zweiten 
Band vorhanden war; als er somit 1755 den ersten Band 
herausgab, waren schon Komödien zum nächsten Bande^ 
der aber erst 1756 erschien, fertig. — Etwas ähnliches 
können wir von dem Zeitpunkte, da der dritte Band 
gedruckt wurde, vermuten: am Schlüsse dieses Bandes 
finden wir nämlich folgendes Zitat: 

«Adhuc supersunt multa quae possum locpii 

Et copiosa a b u n d a t rerum varietas. 

Sed » 

Das kann nicht anders gedeutet werden als eine Andeutung,, 
daß schon eine <* copiosa rerum varietas» für den nächsten, 
im Jahre darauf erschienenen Band bereit wäre. Wir 
brauchen somit kaum mit der Reihen folgti der Komödien 
in den fünf Einzelbänden zu rechnen, wenn wir die eigent- 
liehe Chronologie derselben bestimmen wollen. 

Nun scheint mir eine zunächst geringfügige Tatsache 
ein wertvolles Hilfsmittel bei der chronologischen Ord- 



2('d Kapitel VI. 

luing der Komödien abgeben zu können: ich meine die 

Tatsache, daß gewisse Komödien konsequent pohlische 

Namen für die auftretenden Personen aufweisen, während 

wir in den übrigen — und zwar der großen Mehrzahl 

der Komödien — konventionelle Namen französischen, 

italienischen, schließlich sogar deutschen Ursprungs finden. 

Das muß sicher mit der — bewußt erstrebten — Poloni- 

ßierung gewisser Komödien zusammenhängen, und daraus 

ließe sich — in Verbindung mit anderen Beobachtungen 

— recht Entscheidendes auch für die zeitliche Folge der 

Komödien erschließen. 

Durchweg polnische Namen haben wir in den beiden «Fig- 
lacki polityk»-Komödien, im «Figlacki kawaler», im «Urazai^cy siQ», 
im «Oyciec nieroztropny», schließlich auch im «Paryzanin polski». 
Von diesen Komödien gehören sicher der «Figlacki kawaler» und 
dio beiden «Figlacki polityk»-Komödien auch sonst enger zu- 
sammen, denn in allen dreien tritt das Freundespaar Figlacki- 
Pomocki auf. Den Towarski aus dem «Figlacki polityk» I treffen 
wir im ^Figlacki kawaler» wieder, aber schon nicht mehr in Be- 
gleitung Zarobskis. Weiter haben wir die polnischen Namen 
Lakomski (im «Figlacki polityk» II, auch genannt im «Paryzanin 
polski»), Lunacki (im «Figlacki kawaler», auch in der «Rada sku- 
teczna»), Gospodarski (im «Figlacki kawaleD>). Figlacki tritt weiter 
Jioch in der «Nieroztropnosc» und im «Dziwak» inmitten nicht- 
polnischer Namen auf. Im «Urazai^cy si^» dürfen wir im Freundes- 
paar Bywalski-Frantocki das Paar Figlacki-Pomocki wiedererkennen. 
Der hier auftretende Diener M^drski, dem als Gegensatz der Name 
tles Helden Ghipski gegenübersteht, hat seinen Namen deutlich aus 
dem «Oyciec nieroztropny» (wo freilich der Lehrer so heißt); hier 
treffen wir außerdem die polnischen Namen Roztropski, Wier- 
nicki und Synocki (neben den polnischen Vornamen Patrycy, Woy- 
tek, Benedys). Im «Paryzanin polski» bemerken wir noch die 
Namen Starski und Bogacki. 

Während nun der «Oyciec nieroztropny», der «Figlacki po- 
lityk» I und II, der «UrazaiE^cy siQ» (vier Komödien des ersten 
Bandes, die zusammen mit der «Nieroztropnosc» von Bohomolec 
als «pierAviastkiv bezeichnet wurden) und der «Figlacki kawaler» 
nur polnische Namen haben, weisen die anderen schon ge- 
nannten Komödien auch — und zum Teil überwiegend — koa- 
ventionelle Theatemamen oder nicht-polnische Namen auf; das ver- 
bindet sie mit den übrigen, nicht genannten Komödien. Tyjjische 
2famen sind hier der Name Anzelm für die Rolle der alten Väter 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödien. 303 

oder Oiikel oder betrogenen Greise (<(Nieix)ztropnosc^"', «Dziedzic 
chytry», «Natr^tnicy», <Dziwak'>, <;Chel])Iiwiec», «Statysta mnie- 
many», «übogi hardy», «Ubogi pokomy», <Pi-zyiacicle stolowi», «Ka* 
walerowio inodni») neben den Namen Pandolf, Arysl, Chryzant, 
Adrast, weiter der Name Robert (resp. Rudolf) für das Fach der 
jungen Helden («üzi\vak>^ «Paryzanin [»olski*, ^Junak», «Ulx^gi 
pokomy», «My^liwy>^, «Przyiaciele slolowi», «Kawalerowie modni»), 
schließlich der Name Dorajit für junge Kavaliere, die nicht im 
Zentrum der Handlung stehen ('.<Natr^lnicy», «Chelpiiwiec>, «Junak>, 
«übogi hardy;\ «Ubogi pokomy», <^Statysta mniemany», «Kawa- 
lerowie modni>\ «BlizniQta», «Przyiaciele stolowi», cMysliwy»). Dio 
Diener lieißen sehr verscbieden: Sbrigani, B'urboni, Doreni, Ser- 
woni, Frontin, Marcin, Woyciech, Johan, Tomasz, Filip, ohne jeden 
Versuch einer konsequenten Individualisiemng eines bestimmten 
Namens. • 

Ich glaube nun, daß diese verschiedene Namengebung 
mit einer gewissen Verschiedenheit in der Art der Tendenz 
der Schulkomödien in Verbindung gebracht werden kann, 
woraus sich dann eine andere Gruppierung als die KieUki- 
sche ergeben könnte, woraus wir eine eigenartige innere 
Geschichte der Schulkomödien erschließen könnten. 

Es scheint mir zunächst axiomatisch festzustehen, 
daß Bohomolec, der Jesuit, als er ans Werk ging, eich 
vor allen Dingen auf dem ihm am nächsten liegenden 
Gebiete der (französisch-) jesuitischen Schulkomödien- 
literatur hat umsehen müssen. Darauf deutet die von 
mir im ersten Kapitel näher besprochene Kongruenz 
zwischen seinen Stoffen und Zielen und denen der Jesuiten- 
komödien. Als eine der allerersten Komödien muß zweifel- 
los seine in den ersten Band aufgenommene, zu den 
«pierwäastkit gehörige Übersetzung des Poreeschen «Pater 
excaecatus» entstanden sein. An den Anfang seiner Tätig- 
keit muß wohl auch seine Bekanntschaft mit den le Jay- 
schen und du Cerceauschen Komödien verlegt werden; 
doch darf es als fraglich betrachtet werden, inwieweit er 
diese Komödien auch sofort oder vielmehr erst später über- 
setzt hat. Jedenfalls verwandelte er die lateinischen Namen 
des «Pater excaecatus > in entsprechende polnische, während 
er es (wohl vom Stoffe selbst dazu gezwungen) bei den 



^64 Kapitel VI. 

niuleien Koniödien unterließ. Wie dem auch sei, als 
Ausgangspunkt der Scbulkomödien gelten mir die 
^^Jesuitischen». 

Zur nächsten Etappe müssen vor allen Dingen die 
drei Figlacki- Komödien gezählt werden: die beiden 
Komödien «Figlacki polityk» und der — erst später ver- 
öffentlichte — «Figlacki kawaler z ksi^zyca», jene zwei» 
weil sie schon im ersten Bande abgedruckt wurden, diese, 
weil sie das Spitzbubenpaar Figlacki-Pomocki mit jenen 
gemein hat. Mit dem «Oyciec nieroztropny» verbindet 
sie der ganz bewußte Zug der Polonisierung der jeweiligen 
Vorlagen, eine Polonisierung, die hier vor allen Dingen 
in der als aktuell-polnischer Typus aufgefaßten Gestalt 
des Figlacki zum Ausdruck kam. Man hatte hier, wie 
ich nachgewiesen habe, einen in der komischen Handlung 
als Parasit und Spitzbube auftretenden, die Prinzipien des 
allermodernsten französischen Rationalismus und Atheismus 
predigenden Nachkommen des Arlecchino oder Scapin oder 
Don Sigismondo oder endlich des terenzischen Gnatho in 
der Gestalt eines polnischen «esprit fort» vor sich. Die 
Adresse der Ironie, das Objekt der Tendenz war leicht 
erkennbar, und Ironie und Tendenz verfehlten nicht die 
erwünschte Wirkung. 

Wir sind nämlich dazu berechtigt, anzunehmen, daß 
gewisse Kreise, die der französischen Geistesrichtung hul- 
digten, sich nach der Aufführung jener Komödien getroffen 
fühlten, und ihre Erbitterung nahm vermutlich die 
Form eines offenen oder geheimen Protestes gegen die 
Bohomolecsche Karikatur der «moda teraznieysza» und 
ihrer Vertreter in der polnischen Gesellschaft an. Boho- 
molec hat sich gegen die Beschuldigung verteidigen müssen, 
daß er bestimmte Personen oder Kreise im Auge gehabt 
habe, und diese Selbstverteidigung wurde, wie es oft in der 
Geschichte der Komödie zu geschehen pflegte (Moliere, 
Goldoni, Gogol), zu einer neuen Komödie, dem «Urazai^cy 
si^ niesiusznie o przymöwki». Wir wissen das alles aus 
dem Vorworte «Do czytelnika», das Bohoraolec statt des 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödii n. 3t)5 

gewöhnliclien «Argumentes» an die Spitze der Komödie 

setzte : 

«Gdy p o w y p r a w i o n i u wyzey polozonych KOMIüJV.T 
zaialazlo siQ nie nialo takich, ktorzy sobie z nich p r z y - 
m ö w k i nieslusznie ukladali; podali ini nowi^ matervc-i, na 
KOMEDYA nast^puiacji , . .» 

Tatsächlich wiederholte Bohomolec nur in noch schärferer, 
aber verschleierter Form seinen früheren Angriff, indem 
er den Vertreter der grundlos Gekränkten, den dummen, 
aber lernbegierigen Gkipski zu einem Schüler eben des- 
selben Figlacki machte, der die Erbitterung geweckt halte. 
Der Vorsicht halber gab er ihm einen neuen Namen, näm- 
lich Bywalski. Ihm zur Seite stellte er denselben Pomocki, 
den wir aus den angegriffenen Komödien her kennen, gab 
ihm aber den neuen Namen Frantocki. Durch die Be- 
hauptung, die Leichtgekränkten fühlten sich wie Glupski 
ohne Grund gekränkt, schützte er sich gegen neue An- 
griffe; indem er aber diese Leichtgekränkten zu Schülern 
der Propheten der «jetzigen Mode», deren französische 
Richtung noch unterstrichen wurde, machte, gab er tat- 
sächlich seinen Gegnern recht. Aus dieser Kontroverse 
ergibt sich jene aktuelle, kulturgeschichtliche Bedeu- 
tung, die die Schulkomödien auch für breitere Kreise 
erworben hatten. 

Bohomolec mußte freilich einen neuen Weg ein- 
schlagen, auf dem er ungestört seine Wirksamkeit fortsetzen 
konnte. Dazu bestimmte ihn vielleicht auch ein Druck 
«von oben». Jedenfalls ließ er den «Figlacki kawaler», 
dessen eigentlicher Platz schon im ersten Bande war, vor- 
läufig ungedruckt. Er gab weiter die in «Disputationen» 
verfochtene, antimoderne und antifranzösi^che Tendenz auf 
und ging zum Poreeschen Vorbilde moralisierender 
Einstellung zurück, wobei er jede Polonisierung beiseite 
ließ. Diese dritte Etappe war die der eigentlichen 
«Juvenis-» und «Pater»-Komödien, die wohl mit der 
«Nieroztropnosc», einer «miodzian »-Komödie, und dem 
«Dziwak», einer «starzeo-Komödie, begann. Sie können 



306 Kapitel VI. 

nicht weit von jener Gruppe abliegen, da wir hier den 
Namen Figlacki treffen, mit dem aber keineswegs der 
frühere Prophet, sondern einfach eine konventionelle 
Dienergestalt bezeichnet wird. In den später folgenden 
Komödien verschwindet auch dieser Name zugunsten ver- 
schiedener Sbrigani, Frontin, Doreni usw. Ungefähr gleich- 
zeitig entstand wohl auch die «Rada skuteczna», wo wir 
noch den aus dem «Figlacki kawaler» bekannten Namen 
Lunacki finden: auch das war eine cPater»-Komödie. 

Im Anschluß an diese «Pater» -Komödie, deren 
zwar schwache, aber doch unverkennbare, gegen die 
ältere Generation gerichtete Tendenz noch Spuren und 
Nachklänge jener gesellschaftlichen Satire verrät und die 
spätere anti-«sarmatische> Richtung der « Theater komödien» 
vorbereitet, müssen wir uns die übrigen «Pater »-Komödien 
entstanden denken, nämlich die «Natr^tnicy» und den 
«Dziedzic chytry», die zudem noch mit dem «Dziwak» 
den äußeren Zug der die ursprüngliche Liebesintrige er- 
setzenden Erbschaftsintrige gemein haben. 

In rascher Folge werden nun auch die « Ju venia »- 
Komödien entstanden und aufgeführt, erst allmählich aber 
veröffentlicht worden sein. Zugleich mit dem «Dziedzic 
chytry» entstand sicher der «Pan do czasu», haben doch 
in beiden lächerliche Deutsche mit deutschen Namen 
(Hernar, Dreynar) die Hauptrollen. Die Bravaden des 
Hernar erfüllen die folgenden Prahlerkomödien, den «Chel- 
pliwiec», den «Junak», den «Ubo^i hardy». Zugleich läßt 
sich in den Prahlereien dieser drei Komödien der Einfluß 
der Bruyesschen Komödie erkennen, die Bohomolec pol- 
nisch cStatysta mniemany» genannt hat. Als Pendant zum 
«Ubogi hardy» müssen wir uns wohl gleichzeitig den 
<fUbogi pokorny» entstanden denken. 

Wie sich der Diener des <Statysta mniemany» Mar- 
tiniere nennt, so^ tut es auch der' Diener des «Paryzanin 
polski», und in den «Kawalerowie modni» versucht Boho- 
molec sogar diese ihn interessierende Figur eines von der 
neumodischen Kultur beleckten Dieners selbständig in 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödien. 367 

der neuerfundenen GeFtalt des Monsieur de Martiniere 
auszubilden. Diese beiden Komödien stehen im engsten 
Zusammenhang mit den cM(jdrkowie>, die wie jene als 
Bildungskomödie betrachtet werden müssen. In allen dreien 
erhebt Bohomolec seine Stimme wieder stark und laut 
gegen die Afterweisheit der macaronisierenden, nach fran- 
zösischem Muster Schöngeist spielenden, preziösen und 
eitlen Grünschnäbel, gegen die Weltanschauung der «moda 
teraznieysza», der er die kluge praktische Bildung Klitanders, 
der freilich nur blaß ausgefallen ist, in den «M^drkowie» 
entgegenstellt. Diese vierte Etappe oder vierte Gruppe 
greift auf die Ideen der zweiten zurück, und im «Paryzanin 
polski» erlaubt sich Bohomolec, wie es bei dem Stoffe 
auch nicht gut anders möglich war, wieder polnische 
Namen anzuwenden. 

Der fünfte Band der Bohomolecschen Komödien hinkte 
merkwürdigerweise mit starker Verspätung nach und er- 
schien zudem nicht in der Druckerei der Jesuiten, sondern 
in einer privaten Typographie.^ Was der Grund dieser 
Verspätung gewesen sein kann, wissen wir nicht mehr,- 
doch glaube ich, daß uns die Vermutung gestattet ist, daß 
wir es hier mit einer Nachlese zu tun haben, die nach- 
träglich noch in die Welt geschickt wurde. Die «Kawa- 
lerowie modni», die in diesen Band aufgenommen sind, 
haben wir schon oben besprochen; die «Klopoty panöw», 
eine «jesuitische> Komödie, muß gleichzeitig mit den 
anderen Jesuitenkomödien entstanden sein, und da die 
Idee dieses Stückes und einige Motive mit der Idee und 
einigen Motiven des noch nicht behandelten «Arlekin na 
swiat urazony» einerseits, denen des «Filozof panui^cy» 
andererseits nahe verwandt sind, dürfen wir wohl auch 
den « Arlekin > nachträglich in zeitliche Nähe mit dert 
«jesuitischen» Komödien bringen. Nun haben wir im 
fünften Bande noch die drei <plautinischen» Komödien,, 
deren chronologischen Platz wir zu bestimmen haben, und 



Vgl. S. 417 im Anhang. 



368 Kapitel VI. 

zwar glaube ich, daß diese Komödien die Frucht eines 
zusaramenhängenden Plautusstudiums sind und nicht gut 
auseinandergerissen werden können: der «M^'sliwy», eine 
gegen übertriebene Jagdliebhaberei gerichtete Komödie, und 
die «Przyiaciele stolowi», eine gegen übertriebenen Freund- 
schaftskultus gerichtete Komödie, gehören zur selben Art 
wie die teilweise gegen Kartenspiel gerichtete Komödie 
«Figlacki polityk» II, die gegen übertriebene jMusiklieb- 
haberei gerichtete «Nieroztropnosc», die mit Erbschafts- 
üngelegenheiten operierenden «Dziwak», «Natr^tnicy» und 
cDziedzic chytry», und da sie beide ausgesprochene 
^Juvenis »-Komödien sind, werden wir sie wohl mit Recht 
zwischen jenen beiden und diesen dreien ansetzen können. 
Dadurch würde es sich erklären, wie das Motiv von der 
Seuche aus den «Przyiaciele» in den «Cbelpliwiec», der 
früher gedruckt wurde, hinübergewandert ist.^ In un- 
mittelbarer Nähe werden wir die tendenzlosen «Blizni^ta» 
plazieren müssen. Bei einer solchen Anordnung kann auch 
der oben^^ ausgesprochene Grundsatz, nach dem Komödien 
mit beibehaltener Liebesintrige später entstanden sein 
müssen als Komödien mit Ersatzafifekten, durchgeführt 
werden. 

Wenn wir unsere Schulkomödien auf diese Weise 
gruppieren und die vier, freilich nicht reinlich auseinander 
zu scheidenden Etappen einer speziell jesuitischen, einer 
kulturpolemischen, einer moralisierenden und schließlich 
einer gesellschaftlich -satirischen Betrachtungsweise an- 
nehmen, können wir — trotz jener rein äußeren Bande, 
die Bohomolec fesselten, — eine innere Absicht und 
Neigung zur Gesellschaftskritik bei ihm wahrnehmen. Da- 
mit ist für mich auch das Urteil über Bohomolec' angeblichen 
«Molierismus» gefällt und ein neuer Gesichtspunkt für 
die Beurteilung der von Bohomolec ursprünglich gewollten 
und später frei verwirklichten Komödienart gewonnen. 
Moliere ist ihm keine plötzliche Erleuchtung gewesen und 

9 Vgl. oben S. 118 und 220. 
10 Vgl. S. 185. 



Die literarhistorische Bedeutung der Sohulkomftdien. 369 

hat keinen Durchhruch in eeiner Schulkomödienproduktion 
gezeitigt. Er ist ihm, wie Plautus, wie Goldoni, nur eine 
Quelle gewesen, die reicher floß als die ührigen von ihm 
lienutzten, eine Quelle, auf die er im Notfälle immer 
wieder zurückgreifen konnte, wenn er eines komischen 
Stoffes oder eines Schemas bedurfte. Er hat nicht Moliere 
wieder auferstehen lassen wollen und ist an den von ihm ge- 
schaffenen ewig-menschlichen Typen gleichgültig vorbeige- 
gangen. Er hat sich von Gokloni fesseln lassen, von liolberg, 
von der Commedia delTarte, von anderen^ternen geringerer 
Leuchtkraft. Er hat im Rahmen der jesuitischen Schul- 
prinzipien immer wieder darnach gestrebt, auf die Gesell- 
schaft einzuwirken, den Zeitgeist in andere Bahnen zu 
lenken, Bildung-ideale zu formulieren, Schwächen der 
Zeitkultur anzugreifen, wenn auch die Pflicht der rein 
moralisierenden Produktion jenem Streben im Wege stand. 
Wir werden daher auch entschieden die Behauptung 
ablehnen können, die späteren <Theaterkomödien> des 
Expädagogen wären eine weitere Emanation des mutmaß- 
lichen polnischen «Molierismus», von dem man die ganze 
Entwicklung der polnischen Komödie beherrscht glaubt. 
Denn ebensowenig wie die Schulkomödien unseres Paters 
«molieristische» Komödien sind, ebensowenig sind es die 
sogenannten « Theaterk( ^mödien » . 

Zuvörderst sei es hier festgestellt, wie oft Bohomolec 
die technischen Mittel und motivischen Stoff'e, die ihm 
bei der Abfa,«sung der Schulkomödien von selbst er- 
wuchsen, in den «Theaterkomödien» wieder anwendet.^^ 

11 Ich ziehe hier folgende «Theaterkomödien» zum Vergleiche 
heran: 1. «Matzenstwo z kalendarza*, aufgeführt am 

4. März 1766 in Gegenwart des Königs, erschienen kurz darauf 
(vgl. «Wiadomosci Warszawskie», Nr. 19 Suppl. und 23 Suppl. \'X)ra 

5. und 19. März 1766) ; 2. «S t a r u s z k i e w i c z», erschienen im 
August 1766 (vgl. ibid. Nr. 69 Suppl. vom 27/VIIl); 3. «S ta- 
rn szka mtoda», erschienen im September 1766 (vgl. ibid. 
Nr. 77 Suppl. vom 24/IX) ; 4. «C e r e m o n i a n t», erschienen im 
April oder Mai 1767 (vgl. ibid. Nr. 27 Suppl. vom 5/V); 5. «P i i a - 
c y>\ erschienen wahrscheinlich nach jener und vor der folgenden 

Slender- Petersen, Die Schulkomödien. 24 



.?70 Kapitel VI. 

Ich habe im vorigen Kapitel als typisch-jesuitisches Mittel 
die «disputationeß» hervorgehoben, d. h. Dialoge über ein 

Komödie im Jahre 1767 (ich fand diese Komödio, die Kielski 
nicht zTiüän^lirli gewesen ist, in der Bibliothek des Czartoryski- 
Musenms zu Krakau); 6. "Pan dobry>, erschienet im Heibslc 
1767 (v{il. ibid. Nr. 81 vom ll/X); 7. «Monitor», erschienen 
zu gleicher Zeit mit jener (vgl. ibid.); 8. «Czary», erschienen 
1775 (Hiegeb'ison bez\v<'ifelt die Autorschaft Bohomolec', die aber 
von Malinowski, j^zyku komedyj Fr. Bohomolca, S. 29, auf 
Gnmd sprachlicher Be<ihachlun<Tnn bekräftij^'t worden ist; auch rein- 
technische Gründe sprechen dafür). Nach Biej^eleisen (S. 648j soll 
Bohomolec auch eine Komödie mit dem Titel «Nadgroda 
c n o t y \ die im März A]>ril 1767 erschienen sei, geschrieben 
haben; nach Sommen'ogei (Vlil, S. 475) soll diese Komödie schon 
1750 in Warschau gespielt und gleichzeitig herausgejieben worden 
sein: Chmielowski nennt auch den Titel in der Wielka Encyklo- 
jcdja Powszechna; dagegen wird sie weder von Eslreicher noch 
den anderen Forschem genaimt. Mir scheint der sentimentale Titel 
gegen Bohomolec' Autorschaft zu sprechen, und da die Komödie 
verschollen zu sein scheint, ist sie auch von mir nicht berücksich- 
tigt worden. Der «M a rno t ra wc a», der^ im Juni 1766 er 
schienen (vgl, '<Warsz. Wiad.;>, Nr. 50_yoni 21./VI), nur eine Üljer- 
setzung von Destouches' «Le Dissipateur» sein soll (vgl. Estreicher: 
Bibl. Polska, Bd. I, S. 372, Kasinowski in der Vorrede, S. 6, zu 
seiner Ausgabe von Zablockis «ZalK>lxjnnik» in der Serie «Arcydziela 
polskich i obcych pisarzy^^, Brody, Bd. 43 — 44), ist mir leider 
v.'io Kielski (a. a. 0., S. 139j mid Szyjkowski (a. a. 0.) unbekannt 
geblieben, trotz eifrigsten Nachsuchens in Warschaus IJniversitits- 
bibliothek und allen Bibliotheken Krakaus. Einige von den oben- 
genannten Komödien scheinen in Sammelausgaben ersctiienen zu 
sein. Nach Biegeleisen (a. a. 0., S. 648) soll eine solche Ausgabe 
vom Jahre 1767 die Komödien «Staniszka mloda», "Staruszkiewicz», 
«Ceremoniant;> und «Pan dobry^> enthalten haben. Esl reicher nennt 
in seiner BibIiograj»hie zwei Sammelausgalxjn, von denen die eine 
die Komödien «Malzeristwo z kalendarza», «Stamszkiewicz), «Mamo- 
t.rawca>' und «Staruszka mloda», die andere dagegen die Komödien 
«Ceremoniant», «'Piiacy;>, «Pan dobry» und «Monitor-) entlialten soll. 
Schließlich hat Estreicher im «Dziennik Literacki^) vom Jahre 1853 
(Nr. 41, S. 322) eine dritte Sammelausgabe erwähnt, die die Ko- 
mödien «Monitor», «Piiacy/>, «Pan dobry» imd die sonst unbekannte 
Komödie «Wdowa» enthalten haben soll. Keine von diesen Sammel- 
ausgaben habe ich in Warschau oder Krakau finden können und 
kann somit die Angaben nicht kontrollieren. Was speziell die 
«W d o w a^. anbetrifft, die bisher von keinem Forscher analysiert 



I 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkoraßdien, 371 

beetimmtes Problem mit Vorbringung von «für»- und 
«gegen »-Argumenten und Unterstreichung des kirchlich- 
jesuitischen Standpunktes, (tenau dasselbe Mittel finden 
wir nun in den meisten «Theaterknmödien» wieder. Denn 
was ist das lange Gespräch zwischen Pan Staruszkiewicz 
und seiner modern denkenden Schwester, der PaniBywalska, 
im «Malzenstwo z kalendarza» über das Problem der 
Freradeneinwanderung und des polnischen «Indigenats», 
wenn nicht eben eine lehrhafte «disfnitatio» von ähn- 
licher Art, wie wir sie so oft in den Schulkomödien 
tinden? Was ist das charakteristische und sehr wohl- 
gelungene Gespräch zwischen der Madame Demariee und 
dem jungen polnischen Mädchen Anna irn «Staruszkiewicz» 
(Iir,l), wenn nicht auch eine solche «disputatio» ? Und 
die leidenschaftliche Rede des jungen «kapitan» im «Ce- 



worden ist, so ist sie offenbar niemals einzeln erschienen, die 
Sammelausgabe aber, in die sie aufganommen gewesen zu sein 
scheint, muß sicher als verschollen betrachtet werden. Nun hat 
aber ein glücklicher Zufall mir die Komödie in einer zeitgenös- 
sischen Abschrift in die Hände gespielt. Wir finden nämlich im 
cod. ms. 250 der Jagellonischen Bibliothek zu Krakau, dessen ich 
schon oben im Vorbeigehen auf Seite 193 in einer Fußnote Er\säh- 
nuiig getan habe, neben den dort genaimten, Groldonischen Ko- 
mödien und einer Reihe von anderen Übersetzungen, bei denen 
weder Verfasser- noch Über.setzemame genannt werden (Meliere: 
«Le Medecin malgre lui» — «Doktor przymuszony), de Brueys: 
♦L'Avocat Patelin» — «Kommedya Patelüi patron», Marivaux: «Le 
Jeu de l'amour et du hazard» — «Igrzysko milo^ci», Saint Foix : 
«Arlequin dans le S6rail:> — «Arlekin w Saraiu»), sowie zwei pol- 
jiischen Originalkomödien (Czartoryski : «Panna na wydaniu/>, Bie- 
laAvski : «Natreci»), eine Reihe von Bohomolecschen Komödien, näm- 
lich den «Arlekin na swiat urazony>, die «Rada skuteczna», das 
«Malzenstwo z kalendarza;, den «Staruszkiewicz), die «Staruszka 
mtoda» und schließlich die «Wdowa». Die liier auftretenden Per- 
sonen sind die «wdowa» Umizgalska, eine j angverwitwete, uner- 
fahrene Provinzdame, ihr alter ehrlicher Diener Rzetelnicki, ihre 
kluge, verschmitzte «suivante» Obrotnicka, der «Chevalier d'indu- 
strie-) "Wszedobylski, der der Witwe ihr Geld ablauem will, und 
seine Helfershelferin Modnicka, «handlui^ca kometami, koron- 
kami etc.» Einige Züge, die Bohomolec' Verfasserschaft verraten, 
kommen im folgenden gelegentlich zur Sprache. 

24* 



372 Kapitel VI. 

remoniant», der peiner Mutter eine richtigere Auffassung 
des Begriffes «polityka albo obyczaynosö» beibringen will? 
Oder die Reflexionen des Milogost in den «Czary», der 
seinem alten Regimentskameraden nur mit Mühe verständ- 
lich machen kann, daß Ehe ohne Liebe ein Unding sei? 
Oder die Gespräche des Pan Dobrotliwski mit dem Pan 
Hala^nicki über das Verhältnis zwischen dem Gutsherrn 
und seinen Bauern im «Pan dobry»? Oder die Betrach- 
tungen, die Roztropski und Sobrecki in den «Piiacy» über 
den Schaden der Trunksucht anstellen? Alles das sind 
nichts anderes als «disputationes», die uns aus den Schul- 
komödien her so wohlbekannt sind. Aber sie sind zu- 
gleich mehr als das. Sie sind zunächst nicht mehr so 
unkünstlerisch, so unmittelbar dozierend wie in jenen, sie 
sind schon in den Dienst einer allseitigen Charakteristik 
getreten und haben keine so auffällige absolute Bedeutung, 
wie seinerzeit in den Schulkomödien, sondern sollen zur 
ausführlicheren Darstellung gewisser Personen und ihrer 
(jredankenkreise beitragen; sie sind vor allen Dingen jener 
engkirchlichen Tendenz beraubt, die sie in den Schul- 
komödien hatten: wir hören keine Predigten mehr über 
Hölle und .Teufel, über Beichte und Kommunion, über 
Gott und seine Diener, die Priester, denen wir die größte 
Achtung schuldig seien; sie nähern sich stark wirklichen 
Gesprächen. 

Einen augenfälligeren Beweis für jene intime Ver- 
bindung, die zwischen den früheren Schulkomödien und 
den späteren «Theaterkomödien» besteht, vielleicht auch 
einen überzeugenderen Beweis, als den in dem Vorkommen 
von «dieputatio»-Reflexen vorliegenden, können uns die 
motivischen Übereinstimmungen und Zusammenhänge 
zwischen den beiden Komödienarten liefern. Solcher gibt 
es nämlich zahlreiche. 

Staru-?zkiewicz' große Vorliebe für den undankbaren 
Schwindler und Verschwender Marnotrawski im «Maizen- 
Btwo z kalendarza» ist genau nach jener albernen Liebe 
kopiert, die der Anzelm im «Dziwakt für seinen Figlacki 



Die lilerarhistorische Bedeutung dtr Schulkomödien. 373 

nährt. Marnotraw.-ki prahlt wiederum genau so mit seinen 
imaginären Vt-rhindungen bei Hofe wie Pelileville im 
«Statysta mniemany» oder Rudolf im tUbogi hardy», ge- 
nau so mit seinen erfundenen Reichtümern wie Hamochwal 
im tChclpliwiec», verrät sich genau so mit einem unvor- 
sichtigen I^riefe wie Figlacki im «Figlacki ka waler z 
ksi^zyca», wird genau so von einem aus der Fremde 
kommenden Kaufmanne entlarvt wie der freilich ganz un- 
schuldige Dreynar im tPan do czasu», und Stftruszkiewicz 
ist mit seinem Kalenderglauben g^nau so abergläubisch 
wie Anzelm in der «Rada skuteczna« niit seinem (Jlauben 
an die Astrologie. 

Es ist keineswegs ein Zufall, wenn der Chevalier 
de la Corde ^^ im «Staruszkiewicz» sich auch zur Ablenkung 
jedes Verdachtes Marquis de Petiteville nennt, ist er doch 
wesensverwandt mit jenem «Graff» de Petiteville, der im 
«Statysta Djniemany» die Titelrolle hat. Seine Biographie 
aber, die uns im ersten Akte gegeben wird (1,3), siiramt 
ganz mit jener Lebensgeschichte überein, deren Held der 
falsche Monsieur de Martiniere in den «Kawalerowie modni> 
ist: sogar die Geschichte von seinem Duell mit einem 
französischen Fürsten wegen einer Comtesse wird uns hier 
wiederholt. Aber auch mit anderen Helden aus den 
Schulkomödien hat der Chevalier Berührungspunkte, so 
mit dem Figlacki im «Dziwak», wenn er dem alten, eitlen 
iStaruszkiewicz nach Kräften schmeichelt, so mit dem 
Samochwal aus dem «Chelpliwieo, wenn er mit seinen 
augeblichen Verbindungen mit dem Könige von Frankreich 
oder mit seinen imaginären Reichtümern prahlt. Sein treuer 
Freund, Pan Dziwakiewicz, aber ist wieder eine unmittel- 
bare Kopie des Robert de Starsenfeld aus dem «Paryzanin 
polski» und des Bywalski aus dem «Urazaii^cy si^ 
nieslusznie»: wie jener protestiert er gegen das frühe Zu- 



12 Ein Name, der wohl nur zufallig an den Namen des Pro- 
fessors der französischen Sprache am adligen Konvikt zu Warschau, 
M. de la Borde, Bohomolec' Kollege und Ordensbruder, erinnert. 
Vgl. Zat^ski, a. a. 0., Bd. III, 2, S. 1058. 



374 Kapitel VI. 

bettegehen und das frühe Aufstehen als eine Sünde gegen 
die Mode, wie dieser hat er verschiedene Bücher über 
Schönheitspflege zu empfehlen. 

In der «Staruszka mloda> begegnen wir den un8 so 
wohlbekannten Namen Figlacki und Poraocki, aber wir 
erwarten vergebens Figuren zu finden, die in den Schul- 
komödien mit diesen Namen bezeichnet wurden: Pomocki 
ist der treue Freund des Amoroso, Figlacki sein kluger 
Reitknecht, dem die Aufgabe zuteil wird, der Witwe den 
Hof zu machen. Dabei benimmt er sich genau wie der 
verkleidete Diener Woyciech in den «Kawalerowie>. 

In der «Wdowa» ist der Typus des Figlacki zu einem 
«Btarosta» Wsz^dobylski geworden, der wieder wie Samoch« 
wal mit seinen Verbindungen mit dem französischen Hofe, 
der ihm das Oberkommando über seine Reiterei anbiete, 
mit seiner Tapferkeit bei der Eroberung der Landfestung 
Minorca, mit seinen langen Reisen, mit der Abhängigkeit 
der Pforte von seiner Gunst prahlt. Er geht soweit, 
daß er wie Figlacki im «Figlacki kawaler z ksiQzyca» 
erzählt, daß er auf dem Monde gewesen sei, und von den 
Bewohnern des nördlichen Eismeeres ähnliche unwahr- 
scheinliche Geschichten zum besten gibt wie jener von 
den Bewohnern des Mondes. Schließlich entpuppt er sich 
aber als ein Betrüger von derselben Sorte wie Figlacki 
im «Dziwak», und nur mit Mühe und Not werden ihm 
jene Papiere wieder abgenommen, mit denen er (wie jener 
den alten Anzelm) die junge Witwe Umizgalska ins Ver- 
derben stürzen wollte. Schließlich sei noch notiert, daß 
die flinke Zofe Obrotnicka mit denselben Mitteln die 
Freundschaft des alten Dieners Rzetelnicki gewinnt wie 
Figlacki die' seines alten Patrons: durch die Behauptung, 
daß sie junge Kavaliere hasse und ihnen alte Herren vor- 
ziehe. 

Wenn wir den «Ceremoniant» aufmerksam lesen, 
finden wir auch hier wieder Reminiszenzen aus einzelnen 
Schulkomödien: so fragt der abergläubische Ceremonski 
die angeblich besessene Eliza über ihren Gesundheitszustand 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödion. 37") 

2;anz so aus wie der Arzt in den «BIi/ni<^tju und im 
«Dziedzic chytry» seine unfreiwilligen Patienten, wobei er 
wie diest^r alle Symptome einer Kninkhrit reHj). Besessen- 
heit entdeckt. Wie schon Dorant im cUhogi hardy» redet 
er alle Menschen, die er trifft, in hoch-preziösem Tone 
an, und wie Woyciech in den «Kawalcrowie modni» b( 
ginnt er ein hochtrabendes Gespräch mit der einfältigen 
^lutter Anna. 

Im «l'an dobry» finden wir nur wenige Reminis- 
zenzen an die Schulkomödien. Man könnte vielleicht 
geneigt sein, jene Szene, wo die Zofe Agata den alten 
Freier ihres Fräuleins dadurch von seiner lleiratslust zu 
kurieren suclit. daß sie ihm von der Verschwendungs- 
sucht ihrer jungen Herrin vorschwindelt, als eine Reminis- 
zenz an eine ähnliche Szene in der «Rada skuteczna» an- 
zusehen, wo der Diener Wilhelm seinem alten heirats- 
lustigen Herrn von der wirklichen Verschwendungssucht 
<ler jungen Braut erzählt. Doch spricht alle Wahrschein- 
lichkeit dafür, daß Bohomolec auch in diesem Zuge seiner 
<'igentlichen Vorlage gefolgt ist. Dagegen erinnert uns der 
Geizhals Lakomski ohne weiteres an die Schulkomödien- 
personen mit gleichem Natnen, den alten Lakomski in der 
Komödie «Figlacki polityk teraz'nieyszey mody> H, und an 
den freilich nur erwähnten Wucherer Lakomski im «Pary- 
zanin polski» ; er hat aber eigentlich auch nur den Namen 
gemein mit diesen nicht fest charakterisierten Gestalten. 
Wenn er aber, als es sich erweist, doß Elizas Mitgift 
gestohlen worden und sie somit arm geworden sei, sich 
für die ihm zugedachte Ehre bedankt und aus dem Hause 
verschwindet, so ist das natürlich ein Zug, der uns an 
das Betragen des Pedanten Sawant in den «Mf^drkowie» 
stark erinnert. 

In der Komödie «Monitor» finde ich zwar nicht direkt 
Elemente aus den Schulkomödien, aber man könnte 
doch im allgemeinen diese Komödie, mit der Bohomolec 
seine angegriffene Zeitschrift verteidigen wollte, und in der 
er aUe Typen seiner «Theaterkomödien» Revue passieren 



376 Kapitel VI. 

läßt, der Idee nach mit dem «Urazai^cy si^» vergleichen, 
war doch diese Komödie, zwar in anderem Sinne, auch 
eine Selbstverteidigung. In den «Piiacy» und «Czary» 
finden sich keine aus^gesprochenen Reminiszenzen an die 
Schulkomödien. 

Wir sehen: eine ganze Reihe von Einzelzügen ist aus 
den Schulkomödien in die meisten «Theaterkomödien» 
hinübergewandert, einzelne Lieblingsmotive, einzelne Lieb- 
ling?typen, gewisse Repliken und Gespräche und komische 
Ideen. Ohne inneren Zusammenhang =ind die Scbul- 
komödien und die «Theateikomödien» unseres Paters nicht, 
und darin können wir mit Reclit auch die literarhistorische 
Bedeutung der erstgenannten erblicken. Sie sinel Boho- 
molec unbewußt eine Vorbereitung gewesen. Sie haben 
ilim die satiri?che Feder für eine spätere und größere 
Wirksamkeit spitzen helfen. Sie haben ihn dazu an- 
geregt, die Komödienliteratur der Römer, der Italiener, 
der Franzosen, sogar der Dänen zu studieren, und wenn 
dieses Studium auch nicht von Anfang an von einem 
wirklich künstlerischen Verständnis geleitet wurde, so hat 
es dennoch, so eingeengt von utilitaristisch-pädagogisch- 
kirchlichen Rücksichten es auch immer war, den großen 
Nutzen gehabt, daß Bohomolec sich eine gewisse Eigenart 
hat erwerben können, die für den ganzen Charakter seiner 
« Theaterkomödie > ausschlaggebend war und ihn vor dem 
Schicksal bewahrte, als reiner Nachahmer ohne jede Selb- 
etändigkeit auf die erste öffentliche polnische Bühne zu treten. 

Denn Bohomolec, der in seinen Schulkomödien keines- 
wegs das war, was man mit dem Ausdruck «Molierist» zu 
bezeichnen sucht, war auch in seinen «Theaterkomödien* 
durchaus nicht « Molierist i>, sondern (im Rahmen der all- 
gemeinen, theoretischen Vorstellungen seiner Zeit) ein selb- 
ständiger Dichter, der eich von den Forderungen und Be- 
dürfnissen seiner Zeit, seines Volkes, seines Landes, seines 
heimischens Geistesleben zum Schaffen anregen ließ. 

Bohomolec ist nicht «Molierist», weder was die Form 
seiner Komödien anbetrifft, noch auch in bezug auf deren 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödien. 377 

tieferen Charakter. Ich habe im vorhergehenden gezeigt, 
daß nur acht von seinen 25 Schulkoniüdien auf Mo- 
lieresche Sclieniata zurückgehen, d. h. nicht einmal der 
Tierte Teil ihrer Gesamtzahl, daß ein Teil der übrigen 
auf jesuitische, Plautinische, italienieche, ein Teil auf 
Goldonische, ein Teil auf französische, dänische, nur ein 
verschwindender Bruchteil auf eigene Sujets zurückzu- 
führen ist, daß er Molieresche Einzolmotive in Komödien 
nichtmolierischer Abkunft einstreut, aber zugleich ebenso 
mit Einzelzügen, die aus anderen Komödien entlehnt sind, 
verfährt, daß endlich die Periode seiner Schulkomödien kei- 
neswegs in jener von Kielski mit Nachdruck hervorgehobenen 
Weise von Molieres Technik beherrscht wird. Genau so 
verhält es sich auch mit den c Theaterkomödien», und 
Kielski hat ganz vergeblich nachzuweisen versucht, daß 
die «Theaterkomödien» fast ohne Ausnahme in ihrer 
äußeren Form von Moliere inspiriert sind. In der Hand- 
lung des «Malzeiistwo z kalendarza- werden wir vergebens 
nach jenen Spuren des «Bourgeois-gentilhomme» oder des 
«Avare» suchen, die Kielski entdeckt zu haben glaubt, ^^ 
ist das doch eine ganz selbständig erfundene Komödie, 
die das banale Liebesthema des zu vertreibenden Ri- 
valen behandelt, das wir natürlich in allen beliebigen 
Komödien der nachmolierischen Komödienliteratur ohne 
Schwierigkeit wiederfinden. Wir müssen gegen die Be- 
hauptung, der '.<StaruPzkiewicz» wäre eine Komposition 
von Zügen aus dem «Pourceaugnac» und * Tartuffe »,-^* 
Einspruch erheben ; denn auch diese Komödie ist in ihrer 
Handlung so banal-nachmolierisch wie nur möglich. 
Auch die so stark betonte Ähnlichkeit zwischen der «Sta- 
ruska mloda» und der <<Comtesso d'Escarbagnas»^^ wer- 
den wir sehr bezweifeln, und wenn es gilt, eine Quelle 

13 Kiel Ski, a. a. 0., S. 158—159. 

1^ Ibid., a. a. 0., S. 159—160. 

1^ Ibid., a. a. 0., S. 161. — Diese Ansicht, die schon früh 
von A, Belcikowski, Ze studyöw (Warszawa 1886), ausge- 
sprochen wurde, wird von S t r u s i n s k i mit Recht (a. a. 0., 
S. 259—260) bezweifelt. 



378 Kapitel VI.^ 

für die Idee von der koketten Alten zu finden, so werden 
wir unter anderem an Holbergs alte Witwe aus der Ko- 
mödie «Den forvandlede Brudgom»), an Lessings Ohldinn 
aus der «Aten- Jungfer >>, an Goldonis Beatrice aus dem 
«Vero amico», vor allen Dingen aber an Dancourts Ara- 
minte aus dem «Impromptu de garnison» denken, welche 
letztere Komödie eine ganz auffallende Ähnlichkeit in der 
Intrige aufweist. Zweifelhaft wird es uns weiter erscheinen, 
inwieweit Bohomolec wieder an den « Pourceaugnac >> oder 
dessen Schema gedacht hat, als er den «Ceremoniant» 
und die «Czarv» schrieb,^^ und wir werden viel mehr 
Wahrscheinlichkeit in der Vermutung finden, daß beide 
Komödien in ihrer Struktur nicht ohne starken Einfluß 
seitens des «Poete campagnard», einer bekannten Komödie 
Destouches', entstanden sind. Und was schließlich den 
«Pan dobry» und seine angebliche Entstehung aus dem 
Molierischen «Avare» angeht, so werden wir vielleicht 
einen gewissen Einfluß dieser Komödie nicht ganz bestreiten, 
aber zugleich in de Brueys' Komödie «Le Grondeur» die 
eigentliche Vorlage oder das eigentliche Vorbild erbUcken. 
W^ir werden somit im allgemeinen den Grundsatz ver- 
fechten dürfen, daß Bohomolec in seinen «Theaterkomö- 
dien* nicht so sehr Moliere und seiner formellen Technik 
nachgestrebt hat, als vielmehr in sehr ausgesprochenem 
Kontakt mit der nachmolierischen Komödie Frank- 
reichs gestanden hat. 

Eine nähere Untersuchung seiner Technik, der Ele- 
mente, aus denen seine Handlung besteht, und der 
Haupttypon, die in den Komödien auftreten, würde dar- 
tun, wie ganz Bohomolec mit seinen «Theaterkomödien» 
in jenen Bahnen wandelt, die die französische Komödie 
der nachmolieri^'chen Zeit gewiesen hat, würde den Beweis 
liefern können, daß Bohomolec mitten zwischen der Molie- 
rischen Komödie einerseits und der Marivauxschen und 
der von ihr vorbereiteten «Com6die larmoyanto anderer- 



1« Kiel Ski, a. a. 0., S. 156—158. 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödien. 379 

eeits steht. Als Argumente würden uns dabei die aus der 
französischen Komödie der ersten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts her so wohlbekannten stereotypen Szenen zwischen 
dem valet de chambre des verliebten Kavaliern und der 
suivante der Geliebten, die die Handlung jeder Komödie 
eröffnen, jene gefühlvollen und von Edelmut triefenden 
Gespräche zwischen den sich heimlicli Liebenden, denen 
der Wille der Eltern den Weg zum Glücke vertritt, jene 
besonders für Destouches so charakteristische «Porträt- 
kunst», ein direkter Ableger der Labruyereschen «Charak- 
tere», den auch Bohomolec kultiviert, dienen können. 
Vor allen Dingen werden wir in den Chevaliers de la 
Corde, den Herren Marnotrawski, Wsz^dobylski usw., diesen 
Abenteurern ohne Gewissen und Ehre, deren einziges 
Ziel eine reiche Heirat und deren Mittel dazu Betrug und 
Schwindel sind, Nachkommen der bekannten «Chevaliers 
d'industrie» der nachmolierischen Komödie wiedererkennen 
können, wobei uns das ganze Schema dieser Intrigen und 
Handlungen, auf denen die «Theaterkomödien» beruhen, 
mit ihrer Konstellation von Vater : Mutter (resp. Tante), 
Tochter : Liebhaber und Diener : Zofe, mit dem in diese 
Verhältnisse einbrechenden unliebsamen und unsympa- 
thischen Freier (gewöhnlich mit seinem Diener, der die 
Zofe für sich oder die Pläne seines Herrn gewinnen will), 
mit der auf die Vertreibung dieses Freiers oder seine Ent- 
larvung ausgehenden Aktion als ein ganz stereotyp-banales 
Komödieoschemader nachmolierischen Zeit erscheinen wird. 
Aber wenn wir von der Form der Komödien ganz 
absehen und unsere Aufmerksamkeit statt dessen auf 
ihren inneren Gehalt konzentrieren, so kommen wir 
auch hier zu ähnlichen Resultaten, die zugleich mit der 
im obigen gegebenen Charakteristik der Schulkomö- 
dien harmonieren und diese somit bestätigen. Zunächst 
ist dieser Gehalt ausgesprochen nichtmolierisch. Wir 
dürfen wohl Molieres Eigenart (im Gegensatz zur späteren 
Komödienart) darin erblicken, daß seine Komödien einer- 
seits eintypige Komödien sind, deren Handlung darauf 



380 Kapitel VI. 

ausgeht, einen bestimmten menschlichen Typus mit allen 
zu Gebot stehenden Mitteln seiner Kunst darzustellen^ 
andererseits aber, daß dieser menschliche Typus nicht als 
Individuum aufgefaßt ist, sondern als eine generelle Art 
negativer Menschlichkeit, entwickelt aus einem bestimmten 
charakteristischen Zuge derselben, vollständig absolut dar- 
gestellt und durchgeführt, frei von bewußten nationalen, 
kulturellen, sozialen, zeitlichen Akzidenzien in der Charak- 
terführung. Der Umkreis seines Schaffens ist das All- 
gemeinmenschliche in zentralisierter Ausbildung. 
Bohomolec folgt Moliere hierin nicht. Er entfernt sich 
vielleicht am wenigsten von Moliere, was die Eintypigkeit 
der Komödie angeht, — das könnte vor allen Dingen aus 
den Titeln seiner Komödien hervorgehen, die am häufigsten 
eine Zentralfigur für seine Handlungen vorauszusetzen 
scheinen («Staruszkiewicz», «Marnotrawca», «Ceremoniant») 
— aber einerseits werden neben dem Titelhelden ganze 
Reihen von scharf charakterisierten Figuren vorgeführt, 
andererseits verraten auch schon die Titel gewisser Komö- 
dien, daß es dem Dichter nicht in erster Linie auf 
bestimmte Zentraltypen ankommt («Malzenstwo z kaien- 
darza», «Czary»), sondern oft auch direkt darauf, eine 
ganze Reihe von ähnlichen Typen vorzuführen («Piiacy»). 
Was nun aber seine Darstellungsart der menschlichen 
Typen anbetrifft, so fällt es uns leicht zu konstatieren, 
daß von einer absoluten Charakteristik im Molierischen 
Sinne nicht die Rede sein kann. Seine Gestalten, vor 
allem der Typus des «Sarmaten> Staruszkiewicz, der ein- 
fältigen Provinzgans Umizgalska, des Gallomanen Dziwakie- 
wicz, des litauischen Reaktionärs und Hexen Verfolgers usw., 
sind Figuren, die national gedacht sind, die kulturell 
nuanciert sind, die die äußeren Kennzeichen ihres Standes 
und die inneren Merkmale ihrer Zeit ofien zur Schau 
tragen. Das Allgemeinmenschliche ist bei Bohomolec ganz 
in den Hintergrund getreten, der Nachdruck liegt auf der 
aktuellen, gesellschaftlichen Bedeutung der Typen, und statt 
der überzeitlichen, monumentalen Gestalten Molieres sehen 



Die literarhistorische Bedeutung der Schulkomödien. 381 

"^'ir zwar ]e))haft gemalt^, treffend anfgrefaßte und zu- 
weilen außerordentlicli plastisch gezeichnete, aber ver- 
gängliche Z eit bilde r, Gesellschaftsbilder, Kul- 
turbilder aus Warschau, aus der Provinz, aus dem 
fernen Litauen. Gerade darin liegt nun aber auch das 
tertium comparatiunis zwist^hen der Komödie Bohomolec' 
und den Komödien eines Destouches, eines Dancourt, eines 
de Brueys, eines Goldoni. 

Ist dem aber so, ist der bezeichnende Zug der «Theater- 
komödien» ihre sozial-kulturelle, gesellschaftliche Richtung, 
ihre Abneigung gegen absolute Charaktere, ihre Vorliebe für 
zeitlich, geistig, gesellschaftlich, ja sogar national und — 
was noch bezeichnender ist — landschaftlich bestimmte 
Typen, so haben wir hier gerade jenen Faden, der uns 
zn den Schulkoniödien zuriickleitet: denn auch hier war 
die Tendenz, wenn nicht ganz konsequent, so doch jeden- 
falls in den wichtigsten Komödien der ersten und der 
späteren Zeit dominierend, eine vornehmlich sozial-kulturell 
gefärbte. Und so wird es uns nicht wundern, daß Boho- 
molec, als er seine Schul komödien schrieb, so wenig 
Verständnis für Molieres Kunst zeigte, so außerordentlich 
wenig «Molierist» war. 

Und schließlich: wenn Krasicki, dieser gerade als 
Komödiendichter so wenig beachtete Fortsetzer des Bo- 
homolecschen Werkes, wenn auch Bielawski, der Nach- 
ahmer Bohomolec', und Fürst Czartoryski, dieser erste 
polnische Theaterkenner, in ihren Komödien auf dem 
Fundament, das Bohomolec geschaffen, stehen, so werden 
wir mit Recht die Wurzeln dieser Komödienentwicklung, 
die Wurzeln dieser ersten, von Zabiocki, dem großen Versi- 
fikator und — Übersetzer fremder und zweitklassiger Ko- 
mödien, abgebrochenen und erst von Fredro im nächsten 
Jahrhundert (freilich auch nur teilweise) wieder aufge- 
nommenen Entwickelungsperiode der jungen polnischen 
Komödie vor allen Dingen in jenen Komödien erblicken, 
die der Jesuitenprofessor in den Jahren 1755 — 1760 für 
seine Schule und seine Schüler verfaßte. 



382 



Anhang. 

Analyse und Bibliographie der 
Schulkomödien. 

Als der in der Geschichte der polnischen Biblio- 
graphie so verdienstvoll bekannte Bibliothekar der be- 
rühmten Zaluskischen Büchersammlung in Warschau, der 
gelehrte Sachse Jan Daniel Janocki^ (eigentlich Johannes 
Daniel Jänisch) im Jahre 1755 sein «Lexicon derer itzt- 
lebenden Gelehrten in Polen» zu Breslau herausgab, ver- 
säumte er nicht die Gelegenheit, mitzuteilen, daß man im 
kommenden «Brachmonat», d. h. im Juni desselben Jahres 
aus der Feder des Paters Bohomolec eine Sammlung von 
Komödien zu erwarten habe. Der «Kuryer Polski» vom 
9. Juli desselben Jahres (Nr. 103) bestätigt diese Ver- 
mutung, indem er meldet, daß die Komödien erschienen 
seien. Der erste Band der Schulkomödien wird somit 
Ende Juni oder spätestens Anfang Juli 1755 seinen Ein- 
tritt in die Welt gehalten haben. 

Die 508 Seiten (außerdem acht Seiten Vorwort) starke 
Sammlung, die einem gewissen Ignacy Ciecierski mit dem 
Titel «stolnik ziemi Drohickiey»^ einem Bruder des Je- 
suiten, zugleich Gründers des Warschauer Adligen-Konvikts 
Jan Ciecierski, gewidmet war^, erschien mit folgendem, 
vollständigem Titel: 

1 Vgl. u. a. Piotr Chmielowski, Historya literatury 
polskiej . . . Wyd, nowe przygotowal . . . Stanislaw Kossowski. 
Tom I (Lw6w-Warszavv-a 1914), S. 449. 

2 Aus der Dcdikation geht hervor, daß auch Ignacy einen. 
Teil seines väterlichen Erbes zum. Zwecke der Vollendung des 
Kollegiums geopfert hatte. ' 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 383 

K O M E D Y E 

przez 

Xi^dza FRAXCISZKA 

BOHOMOLCA 

Societatis JESU 

napisane 



wWARSZAWIE 

za pozwoleniem Starszych 
w Drukarni JKMci y Rzeczypospolitey 

w Kollegium Soc: JESU 
1755 
Dieser erste Band enthielt folgende fünf Komödien: 1. «Fig- 
lacki polityk terazniey^^zey mody I», 2. «Figlacki polityk 
teraznieyszey mody II», 3. «Nieroztropnosc^ swym zamyslom 
özkodz^ca», 4. « Urazaii^C}'' siq nieslusznie o przymowki» 
und 0. <Oyciec nieroztiopny». 

1. «FIGLACKI POLITYK TERAZNIEYSZEY MODY», 

erster Teil: 

Argument : Towarski y Zamljski, kupcy, nie znai(\c iedeu 
drugiego, klöcili siQ z sobq, przez listy. 
Zdarzylo si?, iz siq obydwa ziechaJi na iar- 
mark do iednego miasta. Figlacki, wiedzcic 
nieco o wzaienmey ich ku sobie niech^ci, 
czyni siQ-ich obydwu przyiacielem y podchleb- 
n4 mow.'i iednego na drugiego baidziey zapa- 
lai^c, szuka. dla siebie zysku. Ale nakoniec 
zdrada odkiyta zasluzonq, bdnosi kar§, 

(Akt I) : Pomocki möchte bei Figlacki, der ein sorgenloses 
Basein führt, in die Schule gehen (Sz. 1). — Figlacki 
verlangt, daß Pomocki ihm als Lohn in einem Vorhaben 
behilflich sein solle, und erzählt ihm von den beiden Kauf- 
leuten (Sz. 2). — Figlackis Diener, M^drski, meldet die 
Ankunft Towarskis (Sz. 3). — Figlacki gewiimt Towarskis 
Vertrauen, indem er ihm von angeblichen Anschlägen 
Zarobskis erzählt (Sz. 4). — Auf dieselbe Weise gewinnt 
er das Vertrauen*" Zarobskis (Sz. 5). — 

(Akt II): Figlacki ist über das Gelingen seines Streiches 
hoch erfreut (Sz. 1). — Er erkundigt sich vergebens bei 



384 Anhang:: Analyse und Biblio^'raphie der Schülkomödien. 

seinem Diener, ob er einen Soldaten kenne, der ihm helfen 
könnte (Sz. 2), — Er läßt sich von Pomocki den Kopf 
verbinden, als sie Towarski kommen sehen (Sz. 3). — 
Diesem erzählt er, er sei eben in einem Zusammenstoße 
mit Zarobskis Leuten verwundet worden, und rät ihm ab, 
mit Zarobski zusammenzutreffen (Sz. 4). — Dasselbe er- 
zählt er gleich darauf Zarobski, dem er gleichfalls abrät, 
mit Towarski zusammenzukommen; beiden sagt er, daß 
der andere taub sei (Sz. 5). — 

(Akt III) : Figlacki rechnet damit, daß die Kaufleute dennoch 
versuchen werden, durch ein Gespräch unter vier Augen 
miteinander ins reine zu kommen, und hat dementspre- 
chend mit ein paar Soldaten eine Abmachung getroffen 
(Sz. 1). — Zarobski und Towarski treffen einander und 
gelangen zur Erkenntnis, daß sie beide von demselben 
Schurken, der sich bald Figlacki, bald Szczyrecki genannt 
hat, genasführt worden sind (Sz. 2). — Figlacki kann 
nicht aus M^drski herauskriegen, ob die Soldaten kommen 
wollen oder nicht (Sz. 3). — Er entwickelt in einem Ge- 
spräch mit Pomocki seine Weltanschauung (Sz. 4j. — 

(Akt IV) : Von den beiden Kaufleuten angehalten, be- ^ 
hauptet Figlacki, er sei ein anderer, sein Name Kukley 
(Sz. 1). — Um sie sicher zu machen, verleugnet er auch 
seinen erstaunten Diener (Sz. 2). — Pomocki behauptet 
gleichfalls, das müsse ein anderer sein, denn er habe 
selbst eben Figlacki hoch zu Roß gesehen (Sz. 3). — Als 
die bestochenen Soldaten erscheinen, um Figlacki zu ver- 
haften, da er vor einer Viertelstunde ein Kind überritten 
habe, tritt Zarobski selbst für ihn ein: es müsse ein an- 
derer gewesen sein, denn dieser habe mindestens eine 
Viertelstunde hier mit ihnen verhandelt (Sz. 4). — Als 

^ dann ein neuer, gleichfalls bestochener Soldat mit der 

Neuigkeit auftritt, der rechte Figlacki, der das Kind über-' 
ritten, sei soeben verhaftet worden, bittet Zarobski ihn um 
Verzeihung, während Towarski seinen Verdacht nicht auE- 

. geben will (Sz, 5). — Nun gesteht Figlacki seinem Diener, 

daß er wirklich Figlacki sei (Sz, 6). — 

(Akt V) : Figlacki will noch mehr aus den Kaufleuten aus- 
pressen (Sz. 1). — Es gelingt ihm, dem Zarobski eine Ent- 
schädigungssumme für die Ausgleichung des Mißverständ- 
nisses abzulocken (Sz. 2). — Um nicht mit Pomocki teilen 
zu müssen, setzt er diesem gegenüber sein Spiel fort, 
indem er vorgibt, ein anderer zu sein (Sz, 3). — Als er 
aber mit Towarski mit größter Frechheit sein Stückchen 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkoniödien. 385 

M'iedcrliolon will, läßt diesor, diT seine Identität festg^ 
stellt hat, den Betrüger verhaft'n (Sz. 4 — 5). — Pomocki 
sieht ein, daß Figlackis Lehren sehr unvorteiÜmit seien 
(Sz. 6.). — 

2. «FIGLACKIPOUTYK TERAZXll^VSZKV MODY^, 
zweiter Teil : 
Ar^ment: Figlacki, uczyniwszy si^ czlowiekien» w nau 
kach bardzo doskonalym, przystae d) La 
komskiego, slaxca bogatego. za giiweinatora do 
iego syna iuz doroslego y wieIce od oyca 
rozpieszczonego, a ^^iedzq'• o zbyteczney oyca 
ku synowi milo§ci, bierze z niey pochop y 
sposobnosc do oszukiAvania starta. 

(Akt I) : Figlacki erzählt seinem alten Freunde Pomocki, 
er sei bei Lakomski Erzieher geworden. (Sz. 1). — Sein. 
Zögling Jan erzählt, sein Vater sei angekommen und habe 
erfahren, daß er Karten gespielt habe ; er fürchtet sich sehr 
tmd eilt weg, als er seinen Vater kommen sieht (Sz. 2). 

— Figlacki versteht aber, den erzürnten Gnis von seiner 
schwachen Seite zu nehmen, und erzählt ihm von den 
großen Fortschritten seines Sohnes in den Wissenschaften 
(Sz. 3). — 

(Akt II) : Figlacki instruiert seinen Zögling, wie er sich 
seinem Vater gegenüber zu verhalten habe (Sz. 1). — Jan 
hält eine quasi-gelehrte Begrüßungsrede an seinen Vater, 
der seinem Solme hochentzückt die Sünden vergibt (Sz. 2). 

— Figlacki bittet seinen Freujnd Pomocki, sich als Soldat 
zu verkleiden, und entwickelt ihm darauf seine modernen 
Ideen (Sz. 3). — 

(Akt III) : Figlacki preßt dem alten Lakomski Geld ab mit 
der Motivierung, daß der Soldat, an den Jan eine größeie 
Summe Geldes verspielt habe, Bezahlung der Schuld for- 
dere. Lakomski will nicht mit der ganzen Summe heraus- 
rücken (Sz. 1). — Da erscheint Pomocki als Soldat und 
droht, dem Alten den Garaus zu. machen, wenn er nicht 
bezahle, worauf er wieder fortgeht (Sz. 2). — Nun hat 
Figlacki leichtes Spiel: Lakomski, der die Szene mit- 
angehört hat, gibt Figlacki den Rest des verlangten Geldes 
(Sz. 3). — Sehr zur Unzeit verlangt Jan, daß Figlacki ihm 
einen Teil des Geldes abgeben solle, wird aber auf später 
vertröstet (Sz. 4). — 

(Akt IV): Auch Pomocki fordert seinen Anteil, wird aber 
gleichfalls auf später vertröstet; vorläufig solle er Jan. 
Stender-Peierien , Die Schulkomödien. 25 



3S6 Anhang: Analyse und Bibliographie der Sclmlkomödien. 

nicht mit dem Vater zusammenkommen lassen (Sz. 1). — 
Figlacki erzählt Lakomski, sein Sohn sei von türkischen 
Seeräubern entführt worden und nur mit Hilfe eines be- 
deutenden Lösegeldes könne er befreit werden; schließ- 
lich rückt Lakomski mit dem Grelde heraus (Sz. 2). — 
Da erscheint Jan vor seinem erstauintcn Vater; um sich 
an Figlacki zu rächen, erzählt Jan seinem Vater alles, 
und sie beschließen, Figlacki zu überführen (Sz. 3). — 
Dieser erfährt von Pomocki, daß Jan nicht zu fanden 
war, und versteht, daß ihnen nun sowohl vom Vater wie 
vom Sohne Gefahr drohe; er verspricht Pomocki, ilin, 
den Mitwisser, aus der Klemme zu retten, wenn er ihm 
helfen wolle, und ihm einen Teil des erpreßten Geldes 
zu geben (Sz. 4). — 

(Akt V) : Sie erscheinen beide als Soldaten verkleidet, und 
Figlacki will den Blinden und Tauben spielen; Pomocki, 
der sein Führer sein soll, äußert Furcht (Sz. 1). — Ob- 
gleich der Vater sehr mißtrauisch ist, gelingt es ihnen 
dermoch, sowohl ihn als den Sohn hinters Licht zu 
führen; sie bleiben unbehelligt (Sz. 2). — Um Pomocki 
loszuwerden, macht Figlacki ihn angst vor vermeint- 
lichen Verfolgern, er läßt ihn in einen Sack kriechen, 
prügelt ihn weidlich durch und verschwindet (Sz. 3). — 

3. «NIEPvOZTPvOPNOSC SWYM ZAMYSLOM SZKO- 
DZACA^: 

Argument: Leiiusz, mlodzian, zbytec2niie w muzyce ko- 
chaiq,cy si?, dowiedziawszy si^, ze Trufaldyn, 
kupiec, przedaie Hippolita, spiewaczka u Tur- 
köw kupionego, wszelkiego starania doklada, 
aby go mögl dostac dla siebie. Ale ze sam 
tego nie mögl dokazac, zaklina stugQ swego 
wiemego Figlackiego, aby mu w tym uslu- 
zyl. Zazywa Figlacki röznych sposoböw do 
wykonania woli panskiey, ale Leiiusz przez 
zbyieczuQ chciwosc y porywczosc swoi^, ch ^c 
czym pr^dzey mied spiewaczka u sie .ie, 
wszyslkie zabiegi Figlacki psuie. Ntkonijc 
pokazuie si^, ze ten spiewaczek byl bratem 
rodzonym Leliusza. 

(Akt I): Leiiusz, Pandolfs Sohn, fürchtet, daß Leander, 
Anzelms Sohn, ihm mit dem Kaufe des Sängers Hippo- 
litek, der Trufaldyn gehört, zuvorkommen könnte, und 
bittet seinen Diener Figlacki, ihm den Sänger auü dia eine 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkoinödien. 387 

oder andere Weise zu schaffen (Sz. 1). — FigLicki nähert 
sich Trufaldyn, erzählt ihm, daß er die Rlte-n Hippolits 
kenne, warnt ihn vor Spitzbuben und bit'et ihn, ihn zu 
dem Sänger zu führen: Leliusz vereitelt durch sein Er- 
scheinen das Gelingen des Planes (Sz. 2). — Figlacki 
spricht Anzelm an, lobt seinen Sohn Leander und lockt 
ihm unversehens Geld aus der Tasche: wieder vereitelt 
Leliusz den Plan (Sz. 3). — Während Figla-ki über einen 
neuen Streich nachdenkt, stört Leliusz ihn durch unnützes 
Dazwischenreden (Sz. 4). — Figlacki benutzt Pandolfs 
Unzufriedenheit mit der übertriebenen Musikleidenschaft 
seines Sohnes und rät ihm, den Hippjlitok seinem Sohne 
vor der Nase wegzukaufen und ihn ihm, Figlacki, zum 
Weiterverkaufe zu überlassen (Sz. 5). — Leander dankt 
Figlacki, weil er ihn seinem Vater so gelobt habe (Sz. 6). 
— Leliusz ist über Figlackis Verhältnis zu seinem Gegner 
unruhig (Sz. 7). — 

(Akt II): Figlacki schlägt Leliusz eine neue List vor, wie 
man Anzelm Geld ablocken könnte (Sz. 1). — Anzelm 
glaubt wirklich, daß Pandolf tot sei, und bietet selbst Geld 
an zur Begrabung desselben (Sz. 2). — Leliusz simuliert 
große Trauer und erhält das Greld, das natürlich zum An- 
kaufe des Sängers bestimmt ist (Sz. 3). — Als Pandolf 
plötzlich auf der Bildfläche erscheint, glaubt Anzelm zu- 
erst ein Gespenst vor sich zu haben, erkennt aber bald, daß 
er betrogen v%'orden ist (Sz. 4). — Er lockt dem nichts- 
alinenden Leliusz das Geld wieder ab (Sz. 5). — Figlacki 
ist über die Unvorsichtigkeit seines Herrn s?hr erbosl und 
weigert sich zunächst, ihm zu helfen, gibt dann aber nach 
(Sz. 6). — Er gewinnt das Vertrauen Leanders, der eben 
das Haus Trufaldyns verläßt — nach abgeschlossenem 
Kaufe, und bietet ihm an, ihm zu dienen: Leander gibt 
ihm einen Rin^^, den er nur Trufaldyn vorzuweisen 
brauche, um Hippolitek zu erhalten (Sz. 7). — Da er- 
scheint der von Leliusz ausgesandte Chremes mit einem 
Briefe von einem gewissen «marchio z j\Ionta'kanu>, der 
der Vater des Sängers zu sein vorgibt und um Nichtaus- 
lieferung desselben bittet (Sz, 8 — 9). — Dadurch hat Le- 
liusz wieder den Plan seines Dieners vereitelt und dieser 
spottet weidlich über den Scharfsinn des Herrn (Sz. lOj. — 

(Akt III): Figlacki hat einen neuen Plan (Sz. 1). — Er 
deutet im Gespräch mit Leander an, daß Hippolitek gar 
nicht so schön sänge; Leander geht wirklich auf den 
Leim (Sz. 2). — Leander und Leliusz geraten in Streit 

25* 



38S Aiihanjr: Analyse uiul HlhlioKraphie iler Schulkoini^dien. 

iilK^r die Sliiuiuc dos iSänjicrs (Sz. 3). — Als Kighicki 
von bcidou zur Rode gestellt wird, versucht er vergebens, 
seinem Herrn deutlich zu machen, daß das eine List sei; 
Loliusz erzählt selbst, daß Figlacki ihm, liCliusz, diene, 
und Lotinder verläßt sie, nachdem er verstuiJen, daß er 
belogen wurde (Sz. 4). — Leliusz rechtfertigt sich vor 
Figlacki und erzählt ihm, I^ander wolle maskiert den Hip 
politek entführen (Sz. 5). — Figlacki beschließt, sich 
diesen Plan zunutze zu machen (Sz. 6). — Aber Leliusz 
unterrichtet Trufaldyn von dem bevors!ehenden maskierten 
Cl)erfalle Leanders (Sz. 7>. — Als dann Figlacki maskiert 
erscheint, verweigert Tnifaldyn ihm den Eintritt (Sz. 8). — 

(Akt IV): Figlacki hat sich in das Vertrauen Trufaldyns 
eingeschlichen und vi»n ihm erfahren, daß ihm vor .lahren 
seine Frau und seine Schwester von Se-^räiibern entfülirt 
worden seien ; Leliusz soll nun den Trufaldyn weismachen, 
daß er ein Türke sei und ihm von seiner Frau und seiner 
Schwester erzählen könne (Sz. 1). — Trotzdem Leliusz 
seine Rolle nur schlecht spielt, glaubt Trufaldyn ihm doch 
und lädt beide in sein Haus ein (Sz. 2). — Anzelm und 
Pandolf geraten in Streit miteinander, weil Pandolf be- 
hauptet, Leander sei nichts wert (Sz. 3). — Figlacki tadelt 
Leliusz wegen seines unvorsichtigen Benehmens (Sz. 4). — 
Tatsächlich hat Trufaldyn Verdacht geschöpft, aber Figlacki 
rettet wenigstens seine Position durch die Behauptung, er 
sei auch von dem vermeintlichen Türken betrogen worden 
(Sz. 5). — Beide schlagen den verblüfften Leliusz, dem 
Figlacki nachher den Zusammenliang erklärt (.Sz. 6). — 

(Akt V) : Figlacki überzeugt Trufaldyn, daß es besser sei, 
den Hippolitek an einen sicheren Ort zu bringen, um ihn 
vor allen Nachstellungen zu schützen (Sz. 1). — Leliusz 
verrät Trufaldyn, daß das Haus, wohin er HippK>litek 
bringen will, ihm gehöre (Sz. 2). — Figlacki will zuerst 
nicht glauben, daß Leliusz ihn verraten habe, aber Tru- 
faldyns Verschwinden belehrt ilm eines Besseren (Sz. 3). 
— Er sjK)tlet über die unverbesserliche «nierozlropnoi&c» 
seines Herrn (Sz. 4). — Leander rät seinem Vater, der 
sich an Pandolf rächen will, den Hippolitek für ihn, 
l-eander. zu kaufen (Sz. 5). — Darüber ist nun Leliusz 
höchst unglücklich (Sz. 6). — Inzwischen hat Pandolf 
sich bei Trufaldyn danach erkundigt, wie eigentlich 
Leander den .Sänger hatte stehlen wollen, und dabei er- 
fahren, daß Hippolitek niemand anders als sein vor Jahren 
verschollener Sohn, also Leliusz' Bruder ist (Sz. 7). — 



Anhang: Ar''ilv-«' und F^iblio^nTiplii^ der Srlailkoniödien. 389 

Das wird von Tand df selbst !<•: i'i l der zug' eich s^Ino 
IJcschuldigungen IxitrcUa Lcdiiir zurücknimmt; dieaer 
verhehlt nicht seine Entläusrhung (Sz. 8). — 

«URAZAIi^CYSlR NI?:SLÜSZN1E O'PRZVMÖWKI.: 
Diese Komödie ist ohne Argument, dagegen mit einem Vor- 
worte "do czytelnika» versehen, worin Rohomolec a. a. 
folgendes über den Inhalt der Komö li^ sagt : 

. . . Wyrazarn w niey mlo^iziana, z Itazdey 
rzeczy przymöwki soLie wnosz-'^cego y 2a nie 
urazaiqcego si^. Ten lubo byl ghipi, prz'^ciez 
chciicy si^ nau' zyc przeslawania z ludzmi sp^j- 
sobem francuzkim, zabra} przyiaiÄ z Ijywal- 
skim, powracai^cym z Francyi, nie nie urniei^- 
cym a wielce chejpjiwym czlowiekiem, od k'6- 
rego lubo öw mlodzian byl cz^slo upominany 
o ten natög, przeciez pöty go nie porzacil, az 
go dobrze obito. 

(Akt I): Frantocki besucht seinen, vor einiger 25eit aus 
Frankreich zurückgekehrten Freund Bywalski, stößt aber 
bei ihm auf den Diener Ghipskis, der ilin vor seinem miß- 
trauischen Herrn warnt (Sz. 1). — Tatsächlich en^'eist 
sich Ghjpski unausstehlich mit seiner eitlen Furcht, man 
wolle ihn unbedingt kränken (Sz. 2). — Bywalski wirft 
Ghipski sein ewiges Mißtrauen vor, will zuerst Fran- 
tocki nicht kennen, erzählt ibm aber dann seine Pariser 
Eindrücke (Sz. 3). — 

(Akt IIj : Bywalski unterrichtet seinen Zögling Glupski im 
Umgang mit Menschen (Sz. 1). — Ghipski erzählt seinem 
Diener die Lehren Bywalskis wieder und übt sich an ihm 
im Umgang mit Menschen (Sz. 2). — Bywalski unterhält 
sich mit Frantocki und legt seine Ansicht über gewisse, 
aktuelle Fragen dar; Ghipski glaubt sich wieder gekiänkt 
(von einem gewissen Horacvusz) und will sich rächen 
(Sz. 3). - 

(Akt III): Ghipski hat seinen Gegner nicht gpfonden, gibt 
aber die Hoffnung nicht auf (Sz. 1). — Er gerät in Streit 
mit Frantocki und wird von diesem geschlagen (Sz. 2). — 
Seinem Diener aber erzählt er, daß er jenen niedergerungen 
habe (Sz. 3). — Bywalski will von Glupski Abschied 
nehmen und ihn um seinen Lohn bitten, wird aber von 
jenem mit Umdrehung seiner eigenen Lehren abgespeist 
(Sz. 4). - 



390 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

ö. tOYCIEC NIEROZTROPNY»: 

Argument: . . . Ten (oycicc nieroztropny) iednego z swych 
synow, bardzo niesworncgo y sobie mniey przy- 
chylnego, zbytecznie kochah Drugiego zas 
pi^lmych obyczaiöw y osobliwszey ku niemu 
milosci mlodzieniaszka tak nienawjdzial, ze 
postanowil byl daleko od siebie go wysla6. 
Lecz polym za namoWc'\ swego brata y pomoc^ 
slugi poznal szlucznym sposobem y synöw ku 
sobie ch^ci y swoi? §Iep^ nieroztropno§c. 

Roztropski trifft seinen jüngeren Neffen Woytek weinend 
an, der ihm erst nach langem Widerstreben erzählt, daß 
des Vaters liebloses Verhalten der Grund seiner Tränen 
sei (Sz. 1). — Der Lehrer M^drski bestätigt, daß der 
Vater seine Söhne ungerecht behandele (Sz. 2). — Ver- 
gebens versucht Roztropski seinen Bruder Patrycy zur Ver- 
nunft zu bringen (Sz. 3). — Er läßt den Diener Wier- 
nicki, der die neuen Mützen für die Söhne seines Herrn 
bringt, die bessere dem ältesten Sohne Benedys, die 
schlechtere aber Woytek geben (Sz. 4). — Roztropski geht 
seiner W^cge, ärgerlich über die Hartnäckigkeit seines Bru- 
ders (Sz, 5). — Patrycy läßt sich von M^drski über die 
Fortschritte seiner Söhne Bericht erstatten und ist über- 
zeugt, daß der Lehrer Benedys bei ihm anschwärzen 
wolle (Sz. 6). — Er verspricht seinem Lioblingssohne, 
den unliebsamen Lehrer zu entlassen (Sz. 7). — Dem 
jüngeren Soline teilt er mit, daß er ihn nach Amerika zu 
schicken beschlossen habe (Sz. 8). — Seinem Diener Wier- 
nicki befiehlt er, alle Vorbereitungen zu seiner bevor- 
stehenden Reise zu treffen (Sz. 9). — Als Roztropski 
nochmals erscheint, um ihm das Ungerechte seiner Hand- 
lungsweise vorzuhalten, erklärt Patrycy kurz und gut, er 
wisse, daß er mit Woytek und dem Lehrer unter einer 
Decke spiele (Sz. 10). — Der Nachbar Synocki erscheint 
und klagt über seinen ungeratenen Sohn, indem er Pa- 
trycy einen Brief gibt, den der Sohn von einem der sei- 
nigen erhalten habe (Sz. 11). — Patrycy liest den Brief in 
Roztropskis Gegenwart und erklärt, der Brief sei sicher 
nicht von Benedys geschrieben, dennoch wolle er eine 
Probe anstellen, um für immer den Verdacht gegen ihn 
zu zerstreuen (Sz. 12). — Patrycy denkt sich einen Plan 
aus (Sz. 13). — Wiernicki flüchtet vor Benedyä, der 
schon glaubt, daß der Vater abgereist sei, ohne Patrycy 
zu sehen, auf die Bühne (Sz. 14). — Woytek klagt in 



Anhang: Analyse und Bibliojrraphie der Schulkomödien. 301 

einem Monologe über die Unjren'clitigkt'it soines Vaters 
(Sz. 15). — Hencdys schlägt ihm vor, mit ihm zusammen 
den abwesenden Vater zu bcstchlen und dann zu flüchten, 
aber Woytek weigert sich (Sz. IG). — Da kommt Wier- 
nicki und berichtet, der Vater sei auf der Reise ver- 
unglückt: Benedys fühlt sich sofort als Herr des Hauses, 
wälirciid Woytek laut klagt (Sz. 17). — Der Lehrer wird 
von Benedys .grob behandelt (Sz. 18). — Wiernicki be- 
müht sicli um den ohnmächtigen Woytek (Sz. 19). — 
Patrycy tritt nun iienor und ist sehr um den Zustand des 
Sohnes besorgt, der allmählich zur Besinnung kommt \md 
kaum seinen Augen trauen will, als er seinen Vater ge- 
sund vor sich sieht (Sz. 20). — Roztropski ist über die 
Sinnesänderung seines Bruders hoc:h erfreut (Sz. 21). — 
Da kommt Benedys mit der Geldkasse seines Vaters, und 
Pafrycy ist von der Schlechtigkoit seines Ältesten nieder- 
geschmettert (Sz. 22). — Woyiek bittet seinen Vater um 
Verzeihung für seinen Bruder (Sz. 23). — Roztr »pski be- 
ruhigt seinen Bruder, und dieser erkennt reuevoll seinen 
Fehler (Sz. 21). — 
Der zweite Band, der 382 Seiteu stark war, erschien ein 
Jahr nach dem Erscheinen des ersten, also im Jahre 
1756, wahrscheinlich Anfang Oktober (nach der Mitteilung 
des »Kuryer Polski» vom 6. Oktober). Die Sammlung 
war einem gewissen Piotr Zaleski unter Aufzählung seiner 
Titel («starosta Suralski, kapitan y general adjutant regi- 
mentu pieszego bulawy W. K.») gewidmet. In welcher 
Verbindung Bohomolec mit diesem Offizier gestanden 
haben kann, ist unbekannt. Ich kann hier bloß anführen, 
daß der Orden der Jesuiten zu seinen moldauischen 
Missionären den Pater Aleksander Zaleski zählte, der 
1756 nach einem fünfjährigen Aufenthalte in Jassy zu- 
rückgekehrt war, um sich erst zehn Jahre wieder später 
nach der Moldau zu begeben. Sicher stand somit der 
Orden zu Bohomolec' Zeit in direkter Beziehung zu 
dem Geschlechte der Zaleski, welches unser Verfasser 
durch seine Dedikation hat ehren wollen. Der zweite 
Band enthielt die Komödien: 1. «Arlekin na swiat ura- 
zony», 2. «Dziedzic chytry», 3. «Natr^tnicy», 4. «Pan do 
czasu», 5. «Filozof panuiacy». Der Titel der ganzen 
Sammlung war mit dem des ersten Bandes gleichlautend. 



39*2 Anhanp : Aualysc und Bibliographie der ScliulkoDiödicn. 

1. <^ARLEKIN NA SWIAT URAZONY»: 

Argiiinenf : Ta konielya . . . wyraza Arlekina, ktöry sprzy- 
krzywszy sobie zarty y obelgi, mu od ludzi 
czyiüone, poszcdl z Panfalonem na pustyni^, 
chci-ic nasladowac owych da\Miych filozoföw, 
ktorzy swiatcm gardzili y od ludzi uciekali. 
Nicklörzy mlodzianie, wiedzfic o tych Arlekina 
zaniyslach y chc^c sobie rozrywkQ uczynic, 
iad^i do Arlekina y röznemi sposobami z pu- 
stymi go wywabiai^. 

(xAkt I) : Pierrot und Dämon, zwei Kavaliere, .sind in der 
AVüste angelangt, um Adekin nach Warschau zu locken, 
Pierrot soll mit Pantalon, Arlekins Freund, reden, während 
Dämon mit den Freunden Leander und Jodelet eine 
List verabreden will (Sz. 1). — Pierrot gibt sich für 
einen Weltflüchtigen aus und erzählt Pantalon, daß man 
jetzt in Warschau gratis zu essen und zu trinken kriege, 
er solle Arlekin zu einem Besuche in Warschau bereden 
(Sz. 2). — Arlekin läßt sich keineswegs von seinem 
Freimde dazu betören (Sz. 3). — Pierrot erzählt Arlekin, 
er suche einen Dieb und Mörder, möchte auch gern in der 
Wüste sich niederlassen; Arlekin will ihn versuchsweise 
als Schüler annehmen (Sz, 4). — Dämon versucht ihn 
mit AV'ein, und Arlekin kostet es große Selbstüberwindung, 
dem A^ersucher Widerstand zu leisten (Sz. 5). — 

(AJct II): Arlekin klagt in einem Monologe über Bauch- 
schmerzen und glaubt, nur Wein könne helfen (Sz. 1). — 
- Arlekin und Pantalon schimpfen um die Wette über die 
Welt (Sz. 2). — Als Dämon mit dem Weine kommt, trinken 
sie beide unter Vorgabe, sie hätten Bauchschmerzen 
(Sz. 3). — Als Pierrot erscheint, ergehen sie sich in 
Schimpfworten über den Wein (Sz. 4). — Leander er- 
scheint als Gesandter der Stadt Warschau mit dem Er- 
suchen, Arlekin möchte doch zurückkehren, dieser schlägt 
die Bitte ab und schickt Leander weg (Sz. 5). — Aber als 
Dämon ihm vorhält, er könne wohl auch in Warschau die 
Welt verachten, sieht Arlekin ein, daß er zurückkehren 
müsse (Sz. 6). — Er erklärt Dämon, Leander und Pan- 
talon, daß er einen anderen Stand wählen möchte, und. 
beschließt, ein Herr zu werden: er nennt sich Graf 
de Barba (Sz. 7). — 

(Akt III) : I^eander lehrt Arlekin die Manieren eines Herrn, 
Arlekin ist hungrig und will sofort essen (Sz. 1). — Er 



1 



Anhraig: Analyse und Bibliopraphie der Srhulkoniödieii. 393 

schlägt Pantalon, als dieser ihn an Diogenes erinnert, und 
ist rasend vor Hunfier (Sz. 2). — In Krwartung des Essens 
hittet man Arlekin, über verscIiiiMlene Fragen sich auszu 
sprechen, doch bald klagt er über Hunger (Sz. 3). — 
Jodelet kommt dazwischen: or piht sich für einen Meister 
de»r IVjhtkiuist aus und erschrtxrkt Arlekin durch seine 
Iwamarbasicreoiden Reden (Sz. 4). — Kr verleidigt seine 
Feigheit vor Dämon und LeaJider und wird rasend vor 
Hunger (Sz. 5). — 

(Akt IV) : Arlekin ist zufrieden, weil er endlich gegessen 
hat, und erklärt Pantalon, er sei nur ein Herr geworden, 
weil die Welt wolle, er solle Arlekin sein (Sz. V. — Kr 
will in Krwartung der Abreise nach Warschau unter 
cinoni Baume schlafen, wird aber von Leander gestört, der 
ihm die Ankunft eines Gesandten des Grafen de Socha 
meldet und ihm die nötigsten Umgangsregeln einschärft 
(Sz. 2). — Arlekin behandelt den Gesandten Polion sehr 
bäuerisch, will von der gelehrten Tochter des Grafen 
de Socha nichts Avissen, spielt sich als großer Herr auf 
und stößt den Gesandten schließlich hinaus (Sz. 3). — Da 
erscheint Pierrot, erkemit die Kleider, die Arlekin anhal, 
als die seines ermordeten Bruders und läßt Arlekin als 
Mörder verhaften und abführen (Sz. 4). — 

(Akt V): Vergeblich versichert Arlekin den Pierrot, daß 
er wirklich ein Graf de Barba sei (Sz. 1). — Vor das 
Gericht Danions, Leanders und Pierrots gestellt, bekennt 
Arlekin, daß er Arlekin sei, und wird zum Tode am 
Galgen verurteilt (Sz. 2). — Pantalon sagt als Zeuge 
aus, daß Arlekin unschuldig sei, nimmt abor sein Zeugnis 
zurück, als man auch ihm mit dem Tode droht (Sz. 3). 
— Polion, der Gesandte des Grafen de Socha, tritt für 
ihn ein, und man beschließt, Arlekin das Leben zu 
schenken, wemi er die Tochter des Grafen heiraten will, 
aber als man ihm ihr Bildnis zeigt, zieht Arlekin vor zu 
sterben (Sz. 4). — Da kommt Pierrot zurück mit der 
Nachricht, der wahre Cbeltä.ter sei gefunden. Und man 
bittet Arlekin um Entschuldigung, er aber hat genug da- 
von, ein Herr zu sein, und will lieber zu seinem früheren 
Stajide zurückkehren (Sz. 5). — 

2. «DZIEDZIC CHYTRY»: 

Argument : Oront, starzec bogaty, rozgniewawszy si^ na 
Ernesta, swego sjTiowca, chce dziedzicem 
swych döbr uczynic Dreynara, siestrzeiica 
swego. Emest z swemi przyiaciölmi röznemi 



39 ^ Anliang; Analyse und Bibliographie tler Schulkomödien. 

szlukanii Dreynara podaie w nionawisc Oron- 
towi y poklociwszy ich z sobq, sam. siQ przy- 
mila slryiowi y zostaie iego dziedzicem. 

(Akt Ii : Kniest klagt über die Hartnäckigkeit seines 
Onkels, der ihm einen unbekannten Verwandten vorziehe, 
aber Anzelni tröstet ihn mit der Versicherang, daß ihr 
gemeinsamer Freimd Sbrigani die Saclio schon irgendwie 
ordnen wird (Sz. 1). — Sbrigani erzählt, welchen ko- 
mischen Eindruck der schlesischc Rival auf ihn gemacht 
habe, worauf Anzelm und Sbrigani einander bekompli- 
mentieren (Sz. 2). — Als Dreynar auftritt, macht sich 
Sbrigani mit ihm bekannt und gewinnt sein Vertrauen 
(Sz. 3). — Ernest stellt sicli, als kenne er Dreynar per- 
sönlich aus Breslau, und dieser läßt sich davon über- 
zeugen (Sz. 4). — Emest verhandelt darauf mit dem 
«felczer) Leopold betreffs eines Kranken, der an Wahn- 
sinn leide (Sz. 5). — Ein zweiter «felczer» Godfrid stellt 
sich vor (Sz. 6). — Ernest liefert den beiden Dreynar aus 
(Sz. 7). — Dreynar will nichts von ihnen wissen, wird 
al^er mit Gewalt von ihnen abgeführt (Sz. 8). — 

(Akt II): Godfrid erzählt Sbrigani, daß Dreynar geflüchtet 
sei, nun wolle er Oront aufsuchen, um ihn vor dem Ver- 
rückten zu warnen (Sz. 1). — Oront ist von den Andeu- 
tungen Crodfrids ü}>er die Krankheit seines endlich einge- 
troffenen Neffen unangenehm berührt und hat alle Mühe, 
sich des dienstbeflissenen Godfrid zu erwehren (Sz. 2). — 
Sbrigani erscheint vor Oront als schlesischer Kaufmann 
verkleidet und gibt vor, ausgesandt zu sein, um das Erbe 
Dreynars mit Beschlag zu belegen (Sz. 3). — Dreynar 
wieder erzählt er, Oront sei tief verschuldet und wolle ihn 
zu seinem Erben einsetzen, um seine Gläubiger später auf 
ihn zu hetzen (Sz. 4). — Die Begegnung zwischen Dreynar 
und Oront ist dementsprechend sehr wenig herzlich (Sz. 5). 
— Als dann Anzelm in Reisekleidern auftritt und Dreynar 
beschuldigt, ihm seinen Ring und sein Geld gestohlen und 
seinen Diener erschlagen zu haben, verläßt Oront entsetzt 
die Szene (Sz. 6). — Sbrigani macht seinerseits Dreynar 
angst und bange und rät ihm, je eher je lieber aus der 
Stadt zu verschwinden (Sz. 1). — 

(Akt III) : Sbrigani berichtet Emest, daß Dreynar als Jud<' 
verkleidet flüchten möchte, und verrät Ernest den wei- 
teren Plan (Sz. 1). — Da erscheint Dreynar in 'der Ver- 
kleidung eines Juden und bittet Sbrigani, ihm bei der 



Anhang: Analyse und Hibliographie der Scluilkoaiödien. 395 

Flucht Ix^hilflich zu si'in (Sz. 2), — Da koMiuH'ii zwei von 
Sbrigani bestochene Soldaten und fragen Dreynar aus, 
wobei sie ihm sein Geld abnehmen wollen (Sz. 3). — 
Als ein gleichfalls bestochener Wachtmeister auf seine 
Hilferufe erscheint, verrät er sich ihm selir bald (Sz. 4). 
— Nachdem Dreynar mit dem Wachtmeister abgezogen 
ist, erzählt Sbri^jani. wie Dreynar Oronte nach dem Leben 
getrachtet halK», und dieser weiß zu berichten, wie in der 
Tat Kniest ihn vor dem überfalle dreier bewaffneter Ix>ute 
verteidigt habe (Sz. 5). — Zum Ix)hne dafür macht Oront 
seinen Neffen nun zu seinem Generalerbon (Sz. ü). — 

«NATRF.TNICY»: 
Ar^Tin^.ent : Alkander, kawaler niludy. przyiochal d) swego 
slTyia, ü ktörego mu v znaczne dobra oho- 
dzilo. Przetoz gdy t;\ spra\v.'\, sporcm mu id^c^, 
byl zalrudniony, rözni mlodzianio, ie^o przyia- 
ciele, nawiedzai£i y niepolrzebnemi nowinkami 
czas caly mu zabierait'\. Alkander, nie chc^c z 
iedncy strony grul innem si^ pokazac, z dru 
giey strony oljawiai^c si^, zeby przez tych na- 
tr«;tnikuw nie poniösl iakiego \v swey sprawie 
uszczerbku, sam z sob.-i biedzi si^, nakoniec ich 
z gniewem zbywa. 
(Akt I): Alkander erzählt seinem Diener Kliton von einem 
lästigen Herrn, der ihn im Theater die ganze Zeit gestört 
habe, und bittet seinen Diener mit dem alten Pandolf zu 
reden, der sich gerade nähert (Sz. 1). — Pandolf klagt 
Kliton über seinen Neffen, der ihn mit der Erbschafts- 
geschichte olme Ende ärgere (Sz. 2i. — Als nun Alkander 
hervortritt, fiieht der Onkel ganz entsetzt (Sz. 3). — Al- 
kander will nun versuchen, durch seine Freunde sicli mit 
dem Onkel in Verbindung zu setzen, nun spielt der Diener 
die Rolle des Lästigen (Sz. 4). — Alkander wird jetzt von 
Dorant aufgehalten, der ihm von einem «menwecik> er- 
zählt, den er unlängst gemacht habe, und ihn über den 
Preis seiner Kleider ausfragt (Sz. 5). — Der ausgesandte 
Kliton kommt zurück und meldet, daß der Onkel in ein 
Haus gegangen sei, die Adresse hat er sich aber nicht ge- 
merkt und wird nochmals ausgeschickt (Sz. 6). — Als 
Alkander gehen will, wird er vom Dichterling Filint aufge- 
halten, der ihm ein Gedicht vorliest und erst durch eine 
Ohrfeige zum Gehen veranlaßt wird (Sz. 7;. — Kliton mel- 
det, daß Alkander von seinen Freunden gesucht wird, 
weiß aber wieder nicht wo (Sz. 8). — 



1 

3% Anhnnp: Analyse und Bibliopraphie der Schulkomödien. 1 

l^Akt Ih: Alkander preist sieHi Kliton gcgonüber glücklich, 
endlich von läslijrcn Fminden frei und verschont zu sein 
(Sz. 1). — PandolT rennt erschreckt weg, als er seiner 
ansichtif wird {Sz. 2). — (Vmin erzählt Alkander sein 
letztes Unglück im Kartonspielt', gehl, kommt aber wieder 
(Sz. 3). — Der lachende Lamon erzählt ihm komische Er- 
lebnisse (Sz. 4\ - Kiiton unterbricht seine Erzählung 
von den Verhandlungen der Freunde mit dem Chikel durch 
lästige Zwischenbemerkungen, Alkander erfährt, daß der 
Onkel versprochen halx?, selbst zu kommen (Sz. 5). — 
iH^r Jäger Geront hält Alkander auf (Sz. 6). — Anzelni, 
der prozeßwütige, löst jenen ab (Sz. 7). — 

(.\kt III): Alkander hö.rt von Klitjn, daß der Onkel gleich 
die Sache abmachen werde, und Alkander will zu seinen 
rreujideii eilen (Sz. 1). — Er v/ird vom gelehrten Aus- 
länder Karitides aufgehalten, der in bittet, ein Memorial 
an die rechte Behörde abzuliefern (Sz. 2). — Emest ent 
wickelt ein weitläufiges Projekt (Sz. 3). — Maron wdl AI 
kaiider unbedingt folgen und ihn verteidigen (Sz. 4). — 
Kliton erzählt nach vielem Drumunddran, daß der Onkel 
mit einem Schreiber gleich ankommen werde (Sz. 5). — 
Pandolf hat ein Gelübde getan, den Wunsch seines Neffen 
niclit zu erfüllen, al>er Alkander ist klug genug, den Onkel 
zu bitten, er möchte ihn enterben, so daß dieser ge- 
zwungen ist, ihn zu seinem Erben zu machen (Sz. 6). - 

4. aPAN DO CZASL%: 

Argument : Ta komedya iest ulozona z owey historyiki, klöra 
si? iiaszych czasow we Wloszech przytrafila. 
Pewny woznica cz^sc zashig swoich dal na lote 
ri^. Posluzylo mu sie szczQ^cie tak dobrze, ze 
pi^tnascie tysi^ty szkudow wygral. Ucieszony 
tym zyskiem, porzuca stan dawnieyszy, iedzie 
do Ncapolu y tam siQ za godnego kawaJera 
udaii^r-, zyie po pansku, tr.ici wygrane pieni^^dze 
y przyszedlszy do dawnego uböstwa, powraca 
do swego rze-Tiiosla. 

(Akt I): Doreni erzählt seinem Freunde, gleichfalls einem 
Spitzbuben, namens Furboni. von einem jungen Fuhrmann 
Homar, der viel CJeld habe, und den man leicht darum 
betrügen könnte (Sz.. 1). — Als Hemar eintritt, be- 
grüßt Dorenj ihn als einen holländischen Grafen und macht 
ihm weis, der König von Holland lasse ihn suchen, um ihn 
zu seinem «fhetman» zu machen (Sz. 2). — Hemar äußert 



Anhang: Analyse und Uihlioi.'rophie der Scliulkomödien. 3^7 

in einem Monoio^f seinen frohen u'id tapferen Seelen 
zustand (Sz. 3). - Kr laßt sicli von seinen I^lirem in <l«^r 
Musik und im Tanzen unterrichten (Sz. 4). — 

(Akt II): Der <cfechtmistrz», der Hvmar im Fechten unter 
richtet, jjcrät mit dein Mu^iklelirer und d'-ni Tanzm.'ister 
in Streit (Sz. 1). — Der Doktor der Philo.^)|)hit' soll den 
Streit schlichten, geräl al)er in eine allgemeine Kcilert'i nüt 
seinen Kolle{;en (Sz. 2>. — Dor Philosoph untprnchtet 
Hernar in den Elementen der l*hiloso|)fii<', der I'h jnftik, 
der Ästhetik, der Stilistik (Sz. 3). — Ileniar hat mit den 
Schneidern zu tun (.Sz. 4). — 

(Akt III): Ileniar will spazieren gehen, u:n s-^ine n^uen 
Kleider bewundern zu lassen (Sz. 1). — Der Diener seines 
Onkels Leopold, Serwoni, lacht den jiuijiien Herrn aus 
(Sz. 2). — Der Onkel schilt seinen Neffen wegen seiner 
neumodischen Kleidung und klagt ül>er seinen Umgang mit 
dem Spitzbuhen Doreni (Sz. 3). — Dieser kommt gerade, 
bringt seine Schulden bei Heniar ins reine, bittet aber 
um weitere 80 Dukaten, die Hemar sofort holen geht 
(Sz. 4). — Inzwischen macht Doreni sich über Leopold 
lustig, indem er ihm Billette zur Komödie anbietet (Sz. 5). 
Hemar gibt ihm das Geld, und Leopold geht (Sz. 6). — 
Doreni erzählt Hemar, daß der Gesandte des Königs von 
Holland jeden Augenblick eintreffen könne, und schlägt 
ihm vor, ihm als Geschenk eine goldene Tabaksdose zu 
überreichen (Sz. 1). — 

(Akt IV) : FurlK)ni, der den holländischen Gesandten spielen 
soll, fürchtet die Folgen des Streiches, aber Doreni will, 
daß Hernar ihnen selbst die Flucht erleichtem soll (Sz. 1). 
— Der Gesandte spricht <hollä!idi.sch^ zu Hemar, der ihm 
die Tabaksdose überreicht, und gibt ihm das Feldherren 
patent, worauf Hemar ihm seinen Wagen zur Verfügung 
stellen läßt (Sz. 2). — Hernar sieht sich im Geiste schon 
als siegreichen Feldherm (Sz. 3). — In seinem Stolze 
stellt er sich, als kenne er seinen Onkel nicht melu- wieder, 
der über den geistigen Zustand seines Neffen sehr besorgt 
ist (Sz. 4). — Hernar will sich nach einem umsehen, der 
ihm den Inlialt des «Patentes» vorlesen könnte (Sz. 5). — 

(Akt V): Hemar will Serwoni nicht glauben, daß Doreni 
mit dem holländischen Ciesandten verschwunden sei, und 
schickt zwei Diener zu ihnen (Sz. 1). — Der Tanzlehrer 
liest ihm das Patent vor, daß nichts anderes als einen 
spöttischen Abscbiedsgruß der Spitzbuben enthält (Sz. 2). 



39S Anhang: Analyse und Biblioijraphie der Schulkomödien. 

— Der (-.fechtniistrz» liest genau dasselbe (Sz. 3). — Der 
Philosoph liest genau dasselbe und erzählt, daß Doreni ein 
bekannter Betrüger sei (Sz. 4). — Die Diener kommen mit 
dem Bescheide zurück, daß die zwei Betrüger gewesen 
seien, worauf alle von Hemar Bezahlung fordern, Hemar 
hat aber keinen Heller (Sz. 5). — Er bittet seinen Onkel, 
ihn aus der Klemme zu retten, dieser stellt sich, als kenn© 
er ihn nicht, und Hemar bereut seine Dummheit und ver- 
spricht, fürderhin nichts anderes sein zu wollen als ein 
einfacher Fuhrmaim (Sz. 6). — 

5. «FILOZOF PANUIi^CY»: 

Argument: Ta komedya . . . urosla z owey slawney hist»- 
rii o Dionizyuszu, krölu Siciliyskim, ktöry wi- 
dz^c iednego z Sikulczyköw chwal^cego stan y 
szczQsci© monarchöw, pozwolil mu y tronu 
swego y wszelkich roskoszy zazywac, ale nad 
tym tronem miecz plytki na cienkiey bardzo 
niteczce zawiesil, tak dalece, ze udawalo sIq 
ov/emu Sikulczykowi, iz lada moment na glowQ 
iego ten miecz upadnie. Przetoz y honory, 
ktöre mu czyniono, y roskoszy wszelkie pozwo- 
lone nie w smak mu byly. 
(Akt I) : König Dionysius unterhält sich mit zwei Höf- 
lingen, Amyntas und Kleobul, die ihm auf seine Frage, 
wüe man über ihn im Reiche rede, erzählen, daß ein 
gewisser Damokles ein dem Könige dediziertes, gegen ihn 
gerichtetes Werk über die Pflicht des Königs, alle glück- 
lich zu machen, verfaßt habe; Dionysius beschließt, Da- 
mokles eine Lehre zu geben, d. h. ilin für eine kurze Zeit 
zum Könige zu machen (Sz. 1). — Der Höfling Philo- 
pater meldet die Ankunft des Damokles (Sz. 2). — Dio- 
nysius fordert den eintretenden Philosophen auf, an seiner 
Statt ZU/ regieren, und läßt diese Veränderung im Reiche 
kundtun (Sz. 3). — Damokles versichert den König, daß 
er seinen Vorschlag nicht aus eigennützigen Gründen, son- 
dern aus prinzipiellen Ursachen angenommen habe (Sz. 4). 

— Als der Höfling Nicetas als Barbier verkleidet erscheint, 
um Damokles den Philosophenbart abzuscheren, weigert 
sich dieser, irgendwelche äußere Zeichen seiner Standes- 
veränderung anzulegen, und verbietet alle Unterwürfigkeits- 
beweise (Sz. 5). — 

(Akt n) : Damokles freut sich, seine Ideen verwirklichen 
zu können (Sz. 1). — Er tut Amyntas kund, daß er nicht 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 391^ 

mit Hilfo der Minister oder des Senats, smlern nur mit 
Hilfe seines Buches zu regieren beabsichtig«; (Sz. 2). — 
Kleobul meldet die Ankunft des Gesan Iten von Karthago 
(Sz. 3). — Dieser, vom Höfling Lamach gespielt, sclilägt 
ewigen Frieden zwischen Sizilien und Karthago und Ein- 
gehung eines Bündnisses gegen Epirus vor, Damokles ver- 
weigert die zweite Bedinguni;, worauf Lamach mit Krieg 
droht (Sz. 4). — Amyntas meldet din Ankunft des epiro- 
tischen Gesandten (Sz. 5). — Der Höfling Nikander spielt 
die Rolle des letzteren und f jrd<!rt Eingehung eines Bünd- 
nisses gegen Karthago, was Damokles gleichfalls ver- 
weigert; da droht auch Nikander mit Krieg (Sz. 6). — Ver- 
geblich sucht Damokles Hilfo in seinem Buche (Sz. 7). — 
Da stürzen Amyntas und Kleobul ins Zimmer und erzählen, 
daß das Volk, empört über das zweideutige Verhalten des 
Königs, sich in hellem Aufruhr befinde; da sieht Damokles 
sich genötigt, seine Ideen von Friede und Entbehrlichkeit 
der Steuern aufzugeben (Sz. 8). — 

(Akt HI) : Damokles sieht sich von einem feindlichen Sol- 
daten verfolgt und leidet Todesangst (Sz. 1). — Er bittet 
Dionysius, der gerade mit seinen Höflingen auftritt, ihn 
von der Königswürde zu befreien, und ihn ziehen zu 
lassen, Dionysius aber bestimmt, daß er der Rache des 
Volkes preisgegeben werden solle (Sz. 2). — Philopater 
meldet die traurige Lage des Reiches, das sich zwischen 
dem Aufruhr des Volkes und dem Angriff der verbündeten 
Epiroten und Karthager befinde (Sz. 3). — Dionysius läßt 
den Feinden einen Friedensschluß anbieten mit der aus- 
drücklichen Bedingung, Damokles solle geköpft werden, 
dieser schwebt in größter Angst (Sz. 4). — Lamach und 
Nikander gehen auf dieses Angebot ein, als aber Damokles 
sie um sein Leben bittet, schlägt Dionysius ihnen vor, Da- 
mokles zur Abscherung des Bartes zu verurteilen, worauf 
diese eingehen (Sz. 5). — Als letzte Gunst wird ihm ge- 
stattet, daß er sich den Bart nicht öffentlich abscheren 
zu lassen braucht (Sz. 6). — 

Nach dem Zeugnisse des «Kuryer Polski» (Nr. 37) 
vom 14. September 1757 muß der diitte Band der Bo- 
homolecschen Komödien ungefähr Anfang September des- 
selben Jahres erschienen sein. Bohomolec widmete diese 
(382 Seiten starke) Sammlung seinem äheren Bruder, dem 
Piotr Tadeusz Bohomolec, der sich «starosta Dworzycki 
y zarnowiecki» nannte und sich damals schon zum «stol- 



400 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

nik» in Witebsk hatte ernennen lassen, einem bei der 
VViteb«kischen Szlachta augenscheinlich sehr beliebten 
Herrn. Der Band, dessen Titel mit dem des ersten und 
zweiten genau übereinstimmt, enthielt wie jene fünf 
Komödien, nämlich: 1. «Dziwak», 2. «Chelpliwiec», 
3. «Paryzanin polgki», 4. «Figlacki ka waler z ksiezyca» 
und 5. «Rada skuteczna». 

1. «DZIWAK»: 

Argument: Anzelm, starzec, min^wszy synowca swego Ro- 

berta, kawalera grzecznego, szuka innych dzie- 

dzicöw, ktörymby swe dobra mogl zapisac. 

Robert, widz^c, ze zadnemi przystugami swego 

stryia, daiwaka, bez pizyczyny na siebie zagnie- 

wanego, nie moze ku sobie naklonic, przez 

sztuki Figlackiego, swego slugi, dokazuie, czego 

dobremi sposobami nie mögt otrzymac. 

(Akt I) : Robert ist über die Hartnäckigkeit seines Onkels, 

der unbedingt einen «siestrzeniec», den er nie gesehen hat, 

statt Roberts zu seinem Erben einsetzen will, empört. Sein 

Diener Figlacki will die Sache für ihn ordnen, und zwar 

will er sich zunächst von Anzelm als Diener engagieren 

lassen (Sz. 1). — Er gewinnt auch x\nzelm ganz für sich 

dadurch, daß er in allem seine Partei ergreift und ihm 

gratis zu dienen verspricht (Sz. 2). — Anzelm macht 

Figlacki gleich mit dem nichtsnutzigen Diener Leopold be- 

kaimt, dem einzigen, der bei ihm fünf Tage ausgehalten 

hat (Sz. 3). — Als der Nachbar Wilhelm Anzelm zu Roberts 

Vorteil umstimmen will, wird Anzelm ärgerlich und läßt 

ihn allein zurück (Sz. 4). — 

(Akt II) : Anzelm drückt in einem Monologe seine Zu- 
friedenheit mit dem neuen Diener aus (Sz. 1). — Figlacki 
schmeichelt dem Alten, spricht aber zugunsten Roberts 
(Sz. 2). — Anzelm examiniert Robert in Figiackis Beisein 
und stellt seine vollkommene Unwissenheit fest (Sz. 3), — 
Robert wird von Figlacki zur Ausdauer ermahnt (Sz. 4). — 
<Sz. 4). - 

(Akt III) : Anzelm erklärt Robert nochmals klar und deut- 
lich, daß er seinen anderen Neffen zum Erben einsetzen 
wolle (Sz. 1). — Figlacki erscheint nun als dieser Neffe 
verkleidet und benimmt sich dem angeblichen Onkel 
j^egenüber herausfordernd und sogar drohend (Sz. 2). — 
Hobert erscheint zur rechten Zeit als Retter in der Not 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 401 

und jagt den vermeintlichen Neffen hinaus, aber Anzelm 
schickt ihn dem f'liohenden nach (Sz. 3 — 4). — Anzelm 
weiß einen Augenblick nicht, wie er sich jetzt verhalten 
soll, da kommt ihm der Gedanke, Figlacki zu seinem 
Erben zu machen (Sz. 5). — Als Wilhelm offen sein Er- 
staunen über diesen neuen Entschluß äußert, weist An- 
zelm ihm die Tür (Sz. G). — Anzelm möchte gern, daß 
Robert Mönch wird, aus Furcht, Robert könne seinem 
lieben Figlacki schaden, aber Robert weigert sich (Sz. 7). 
— Als Figlacki in seiner früheren Gestalt erscheint, führt 
Anzelm ihn ins Nebenzimmer, um ungestört mit ihm vcr 
handeln zu können (Sz. 8). — 

(Akt IV): Anzelm verteidigt seinen Beschluß vor Wilhelm 
damit, daß Figlacki ihm bewiesen habe, daß er mit ihm 
näher verwandt sei als mit Robert (Sz. 1). — Da erscheint 
Figlacki und stellt Anzelm die Alternative, entweder sofort 
zu sterben oder Mönch zu werden, worüber Anzelm sehr 
erstaunt ist (Sz. 2). — Figlacki erzählt dann Robert, wie 
er den Alten behandelt habe (Sz. 3). — 

(Akt V) : Anzelm erzählt dem Diener Leopold, daß Figlacki 
ihn mit gezücktem Degen überfallen habe, er aber von Ro- 
bert gerettet worden sei (Sz. 1). — Robert erbietet sich, 
den Betrüger zu verfolgen und ihm die Erbschaftsverschrei- 
bung abzunehmen, aber Anzelm will ihn nicht der Gefahr 
aussetzen und schickt Leopold, der sich aber weigert, zu 
gehen (Sz. 2). — Da erscheint Figlacki selbst, es kommt 
zu einem Kampf, und Robert verfolgt Figlacki bis hinter die 
Bühne (Sz. 3). — Wilhelm fordert Anzelm auf, den beiden 
zu folgen, um Robert zu helfen, aber Anzelm ist feig und 
will wieder Leopold schicken (Sz. 4). — Da kommt Ro- 
bert mit den Dokumenten zurück und will vom Onkel, 
nach dessen früher ausgesprochenem Wunsche, Abschied 
nehmen, aber dieser macht ihn nun zu seinem Universal- 
erben (Sz. 5).. — 

2. <CHELPL[WIEC>: 

Argument: Samochwal, mlodzian kupieckiego stanu, ale 
wielce chelpliwy, udaie siQ za wielkiego j 
godiiego kawalera y dlugo innych swoi^ chelpli- 
wosciq, w tym rozumieniu utrzymuie. Nakoniec 
temiz samemi sztukami, przez ktöre za wiel- 
kiego czleka udawal siQ, pomieszany y uwik- 
famy, wpada w bied^ y godn^ swey chelpli- 
wosci zapiatQ odbiera. 

Stemier-Petersen, Die öchulkomödien. 29 



402 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

(Akt I): Sajnochwal sollte der Verabredung gertiäß auf 
seiner Heimreise aus Gdansk (Danzig) nach Lwöw (Lem- 
herg) in Warschau auf seinen Vater ^^^^ten, den der Diener 
des ersteren, Leopold, vergebens in ganz Warschau ge- 
sucht hat ; der Sohn, der seinen Vater seit 15 Jahren nicht 
gesehen hat, glaubt, er werde ihn nicht wiedererkennen 
können; mittlerweile beschließt er, der schon viele Schulden 
gemacht hat, einen edlen Kavalier zu spielen (Sz. 1). — 
Als er zwei vorbeigehende, gleichfalls zugereiste Kava- 
liere, Alkander und Dorant, von einem nächtlichen Kampfe 
eines einzelnen gegen zwölf sprechen hört, gibt er sich 
für diesen Helden aus, prahlt laut und lädt die Herren zu 
einem Abendessen in sein Palais an der Mostowa eins 
(Sz. 2). — Der Diener wiederholt die Prahlereien dem 
johan, Alkanders Diener, gegenüber (Sz. 3). — Nun ist 
aber Samochwal, der nicht einmal einen roten Heller be- 
sitzt, stark in der Klemme, und Leopold muß ihn rettea 
(Sz. 4). — Er rät den beiden Fremden ab, von der Ein- 
ladimg Samochwats Gebrauch zu machen, da die von 
jenem Besiegten während des Abendessens sein Palais 
stürmen wollen (Sz. 5). — 

(Akt II): Samochwal beauftragt Leopold, ihm — koste es, 
was es wolle — Geld zu verschaffen (Sz. 1). — Als Alkander 
und Dorant wieder auftreten, beklagt Samochwal, daß sie 
seiner Einladung nicht Folge geleistet haben, und fordert 
sie unter neuen Prahlereien auf, ihn zum Mittage in seinem 
Palais (diesmal auf dem Przedmiescie Ki-akowskie) zu be- 
suchen (Sz. 2). — Wieder versucht Leopold dem Joban 
mit Prahlereien zu imponieren, aber dieser hat nicht die 
Zeit, darauf zu hören (Sz. 3). — Samochwal kehrt zu- 
rück und wird von seinem Diener im Lügen übertroffen; 
dieser muß ihn wieder aus der unangenehmen Lage be- 
freien (Sz. 4). — 

(Akt III): Leopold hat endlich einen Wucherer gefunden, 
der seinem Herrn Geld leihen würde, aber die Bedingungen 
sind ganz unarmehmbar (Sz. 1). — Die beiden Kavaliere 
finden sich ein, um Samochwal zum Mittag zu folgen, 
dieser sendet Leopold aus, um zu erkunden, ob das Essen 
fertig ist; unterdessen ergeht er sich in Prahlereien 
(Sz. 2). — Da nähert sich sein Vater, den er nicht er- 
kennen will, und der ihn auch nicht recht erkennt, sondern 
fragt, ob er der Kaufmannssohn aus Danzig sei ; empört 
weist der Sohn ihn ab (Sz. 3). — Verwirrt durch 
diese Begegnung, widerspricht sich Samochwal in seinen 



Anhang: Analyse uuil Bibliographie der Scliulkomödien. 40^J 

Lügen (Sz. 4). — Looix>ld kommt mit der erfundonen 
Hiobspost, daß sich eine Seuche in Samochwaia Haus ver- 
breitet habe, als man seine neuen türkischen Teppiche aus- 
packle; \'iele Gäste seien tot umgefallen; dio beiden Ka- 
valiere verzichten unter diesen Umständen auf di«? Ein- 
ladung (Sz. 5). — Anzelm erkundigt sich bei Leopold, ob 
er nicht seinen Sohn aus Danzig kenne; Lajpold ahnt, 
wen er vor sich hat, und rät Anz^'lm, seinen Herrn, den 
Marquis, danach zu fragen (Sz. 6). — 

(Akt IV): Alkander und Dorant sind mißtrauisch geworden 
(Sz. 1). — Ihr Diener Johan erzählt, daß kein Mensch in 
der ganzen Stadt etwas von der Seuche oder vom Palais 
des Fremden wisse (Sz. 2). — Sie fragen Leopold aus, 
der so ungeschickt lügt, daß sie keinen Zweifel mehr hegen 
können, daß Samochwal ein Betrüger ist (Sz. 3). — Ohne 
von den Entdeckungen seiner beiden Bekannten etwas zu 
ahnen, prahlt Samochwal genau so ungeniert weiter wie 
früher (Sz. 4). — 

(Akt V): Samochwai klagt über Hunger, und Leopold er- 
zählt ihm, daß ein fremder Herr nach ihm gefragt hat 
(Sz. 1). — Alkander fordert ihn heraus mit der Moti- 
vierung, daß einer von den Kavalieren, die er in jener 
Xacht besiegt habe, sein Freund gewesen sei, dessen Tod 
er nun rächen müsse, Saniochwal sucht sich durch neue 
Lügen aus der peinlichen Lage herauszuwindcn (Sz. 2). — 
Da erscheint Dorant mit Soldaten, um Samochwal als 
Mörder zu. verhaften (Sz. 3). — Zugleich erscheint Anzelm, 
um sich bei Samochwal nach seinem S<'jhne zu erkundigen; 
vor die Möglichkeit einer Verhaftung und Bestrafung ge- 
stellt, nimmt Samochwal allmählich alle seine Lügen zu- 
rück (Sz. 4). — 

«PARYZANIN POLSKI» : 

Argument : Bogacki, mai^c przyiazii z Starskim, umyslil 

sw^ cörk?-iied)TiaczkQ oddac za iego syna Ro- 

berfa, przetoz, chcj\c mu dac dobre wycho- 

wanie, wyslal go swoim kosztem do cudzych 

kraiöw. Zk^d gdy Robert powröcil, Bogacki, wi- 

dzac iego y mowy y uczynki wolnieysze, od- 

rzuca go y za brata iego mlodszego Wilhelma 

cörkQ oddaie. 

(Akt I): Der alte Vater Starski unterhält sich mit dem 

Diener Leopold über seinen eben zurückgekehrten Sohn 

Robert, mit dessen Lebensweise er sehr unzufrieden ist 

26» 



404 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

(j5z 1) — Da kommt der fromme und \sx)hlerzogene 
jüngere Sohn Wilhelm aus der Kirche zurück (Sz. 2). — 
Der eben aufgewachte Robert hat eine längere Diskussion 
mit ihm über verschiedene, besonders religiöse Fragen 
(Sz. 3). — Der Diener Roberts, Marcin, fühlt sich sehi- ge- 
kränkt, als Wilhelm ihn in den Stall schickt, ihm ein 
Pferd zu satteln (Sz. 4). — 

(Akt II) : Marciii drückt Leopold seine Indignation darüber 
aus, daß man ihn mit Pferdesatteln hat beauftragen wollen 
(Sz. 1). — Wilhelm bittet Leopold zu erkunden, ob Herr 
Rogacki schon aus seinen Gütern in Weißrußland («Ru§») 
eingetroffen sei (Sz. 2). — Nach einem neuen Gespräch 
zwischen den Brüdern über ungefähr dieselben Fragen, 
wobei Robert sich respektlos über seinen Vater ausläßt, 
kommt es zu einem Bruche zwischen ihnen (Sz. 3). — Der 
Vater, empört über die Schulden, die Robert beim | 
Wucherer Lakomski gemacht hat, schilt ihn gründlich aus 
(Sz. 4). — Ohne einander wiederzuerkennen, geraten Ro- 
gacki und Robert in ein Gespräch miteinander, das Robert 
von der schlechtesten Seite zeigt (Sz. 5). — Rogacki ist 
sehr unangenehm berührt, als Leopold ihm sagt, der 
Fremde sei Robert gewesen (Sz. 6). — 

(Akt III): Marcin freut sich über die bevorstehende Ver- 
mählung seines Herrn mit der reichen Erbin, denn nun 
wird es ihm möglich gemacht, Wilhelm für die Belei- 
digung zu fordern und seine Pariser Freunde als Sekun- 
danten nach Polen einzuladen (Sz. 1). — Robert ist 
sicher, daß er durch seine Pariser Kunststücke dem wider- 
strebenden Mädchen sehr imponieren werde (Sz. 2). — 
Marcins Befürchtungen, daß die allgemeine Stimmung sich 
gegen Robert gewandt habe, sind nicht imstande, an Ro- 
tierts Selbstvertrauen zu rütteln (Sz. 3). — Starski tritt 
ein und straft ihn für seinen Ungehorsam, indem er ihn 
zu seinem alten Vater aufs Land schickt (Sz. 4). — 
Trotzdem Robert alle seine Künste entwickelt, erklärt 
Logacki ihm in aller Beisein, daß nicht er, sondern seia 
Bruder seine Tochter heiraten werde: Robert ist wie ausr 
den Wolken gefallen (Sz. 5). — 

4. «FIGLACKI KAWALER Z KSIEZYCA»: 

Argument: Lunacki, pan bogaty, uslyszawszy od niektö- 
rych filozofow, ze na ksiQzycu s^ ludzie y tak 
na nim mie^zkai^, iako my na tey ziemi, mial 
wielkjv ciekawo^c poznaö ktörego z Iiidzi ksi^- 



Anhang': An:«ly-e und Iiiljliou'rai»Sie (-fr Schulkomödien. 4Ci5 

zycowycli. Figlacki, dowiedziawszy si^ o tcy 
iego ciekawosci, czviii sii; kawalereni t. ksi^- 
zyca y rOznio Luiiackicijo ludz^c, swego azuka 
pozytku. 

(Akt I): Figlacici erzählt seinem alten Freunde Pomocki, 
wie er sich ins Vertrauoa dos alton Horm Lunacki ein- 
geschlichen habe und jetzt in seinem Hause schalte und 
walte (Sz. 1). — Figlacki, der d.is Verhältnis zwischen 
Vater und Sohn verderben möchte, redet dem jungen Ro- 
bert ein, daß der Vater ihn zwar wirklich hat ruf^n lassen, 
nach einem Gespräch mit seinem alten Verwalter («pod- 
starosci») Gospodarski aber seinen Befehl widerrufen 
habe (Sz. 2). — Dem Alten aber sagt er, daß sein Sohn 
zwar anfangs auf seinen Befehl kommen wollte, aber nach 
einem Gespräch mit dem Venvalter sich geweigert habe; 
er erzählt darauf Lunacki vom Leben im Monde; dieser 
ist über seinen Freund entzückt (Sz. 3). — I>er Verwalter 
klagt über die traurigen Zustände in der Wirtschaft, ver- 
mag aber nicht Lunackis Vertrauen zu Figlacki zu er- 
schüttern (Sz. 4). — 

(Akt II): Figlacki, der auf den Namen seines Herrn bei 
verschiedenen Kauilouten Geldsummen geliehen hat, sieht 
die Notwendigkeit ein, schnellstens zu verduften, und 
bittet Pomocki, das Geld, das er unterschlagen hat, zu 
seinem (Figlackis) Bruder zu bringen (Sz. 1). — Da er- 
scheint gerade der Kaufmann (Towarski), um das Geld 
einzufordern, wird aber von Figlacki auf die liebenswür- 
digste Weise hinauskomplimentiert (Sz. 2). — Gospo- 
darski fordert \x>n Figlacki Geld zur Ablöhnung des Ge- 
sindes. Dieser behauptet, der Herr habe heute kein Geld, 
er könne ihm aber von seinem eigenen anbieten, Gospo- 
darski weigert sich, von ihm G^ld entgegenzunehmen 
(Sz. 3). — Lunacki, der eben Gospodarski getroffen hat, 
fragt Figlacki, warum er der Dienerschaft den Lohn vor- 
enthalten habe; Figlacki ist um eine Ausflucht nicht ver- 
legen und behauptet sogar, daß es nicht wahr sei, daß 
das Gesinde Bezahlung verlangt habe, Lunacki möge ihn 
mit Gospodarski konfrontieren; in Erwartung des letzteren 
erzählt er Lunacki von der «Mondsprache» (Sz. 4). — So- 
bald Gospodarski eintritt, fragt ihn Figlacki, ob er ihm 
nicht ausdrücklich Geld angeboten habe, Gospodarski kann 
es nicht verneinen und wird vom erzürnten Lunacki aus 
dem Hause gewiesen (Sz. 5). — Gospodarski trifft Ro- 
bert, der ihm erzälilt, daß ein Kaufmann mit einer Schuld- 
fordening zu seinem Vater gegangen sei ; beide beschließen. 



406 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

Pomocki über Figlacki auszufragen (Sz. 6). — Als Ro- 
bert Figlacki über die Schuldforderung ausfragt, erzählt 
dieser, daß Lunacki sehr verschwenderisch sei, und schlägt 
Robert vor, er solle zu seinem Onkel reisen, ura durch 
seine Vermittelung seine von der Mutter geerbton Güter 
vor dem Ruin zu bewahren (Sz. 7). — 

(Akt III): Figlacki erklärt Lunacki das Auftauchen des 
unterschriebenen Wochseis damit, daß sein Sohn seinem 
Unterschrift mißbraucht haben müsse, um kummerlos bei 
seinem Onkel leben zu können, jedenfalls sei es seine Ab- 
sicht, zum Onkel zu reisen (Sz. 1). — Gospodarski kommt 
mit der Meldung, daß man soeben einen Menschen in dem 
Augenblick gefangen hat, als er mit einer großen Geldsumme 
verschwinden wollte (Sz. 2). — Figlacki spricht sofort die 
Vermutung aus, daß das dag. Geld sei, welches Robert 
zu seinem Onkel schicken wollte, er wolle nachsehen, 
wie es damit stände (Sz. 3). — Robert wird von seinem 
Vater ironisch ausgefragt, erklärt aber, daß Figlacki ihm 
im Namen des Vaters verboten hätte, vor ihm zu er- 
scheinen, daß er nie auf seinen Namen Geld geliehen 
habe, imd daß er nie zum Onkel zu reisen beabsichtigt 
habe (Sz. 4), — Gospodarski führt den gefangenen Po- 
mocki herein, der sofort gesteht, daß er das Geld von 
seinem Nachbarn Figlacki erhalten habe, um es zu seinem, 
bei den Eltern lebenden Bruder zu schaffen (Sz. 5). — 
Als Figlacki vorgibt, er kenne Pomocki gar nicht, und 
alles sei Erfindung, zeigt Pomocki einen von jenem ge- 
schriebenen Brief, der seine Aussagen bestätigt. Dal 
sieht Lunacki ein, welchen Fehler er begangen hat, als] 
er dem «Mondkavaliep> vertraute (Sz. 6). — 

5. «RADA SKÜTECZNA'^: 

Argument: Anzelm, slarzec bogaty, mai?|C sohle obiecan^ 
w malzeristwo panienk^, radzi siQ o tym ludzi 
röznego gatunku. Nakoniec grozbami do poiQ- 
cia tey panienki iest przymuszony . . . 

Anzelm erzählt seinem Nachbarn Jeronim, daß er sicli 
verheiraten wolle, was der letztere unvernünftig findet, 
besonders, als er hört, daß die Erwählte Tochter des 
«mieszczanin» Alkantor und Schwester des jungen Dorant 
sei (Sz. 1). — Anzelm fragt seinen Diener Wilhelm, ob 
die Braut froh sei, daß sie mit ihm verheiratet werden 
solle, und dieser malt ihm dann die Pläne aus, die die 
verschwenderische Braut hege; Anzelm ist entsetzt 
CSz. 2). — Anzelm sagt seinem Nachbarn Jeronim, daß 



Anhang: Analyse nn»! Bibliographie iler SfhulkomöJien. 407 

das mit der Heirat k'Miioswogs so sicher sei, und erh&lt 
den llat, mit zwei IMiilosophen aus der Nachbarscluiit über 
die Sache ru reden (Sz. 3). —- Er spricht zuerst mit dem 
Peripaleliker Pankracyusz, der ihm keine ordentliche 
Antwort gibt (Sz. 4). — Kbenso wenig b<*konimt er aus 
dem Pyrrhonisten Marfuryusz heraus (Sz. 5). — Posi- 
tiveres sa^t ihm der Chiromant Pandolf, olmo ihm doch 
zu verheimlichen, daß die Braut ihn nicht liebe (Sz. 6;. 

— Der Astrolog Lunacki, den er dann um Rat fragt, 
stellt sein Horoskop, aus dem er schließt, daß Anzelm 
alle möglichen schlechten Kigenschaften besitzt (Sz. 1). 

— Wilhelm erzählt seinem Herrn, daß Uoriraena in dea 
jungen Kavalier Likast verliebt sei, und mit Anzelms 
lialdigem Tode rechne; dieser faßt einen Entschluß und 
läßt Alkantor rufen, dem er mitteilt, daß er sich be- 
dacht habe und aus gewissen Rücksichten nicht mehr 
heiraten wolle; Alkantor läßt scheinbar mit sich reden: 
or wolle sehen, was zu machen sei (Sz. 8 — 9). — I>a er- 
scheint Alkantors Sohn Dorant und zwingt Anzelm mit 
Gewalt, in die Heirat mit Dorimena einzuwilligen (Sz. 10). 

— Dorant berichtet, daß Anzelm seinen Rat akzeptiert 
habe (Sz. 11). — 

Den vierten Band seiner Komödien, der nach der 
Mitteilung des <Kuryer Polski» (Nr. 40) vom 4. Oktober 
1758 zu urteilen wahrscheinlich im September oder spä- 
testens an einem -der ersten Oktobertage des Jahres 1758 
erschienen sein muß, hat Bohomolec mit dem Namen 
eines Witebskischen «podstoli» namens Kazimierz Luskina 
geschmückt; dieser Luskina ist aller Wahrscheinlichkeit 
nach irgendwie mit den beiden Brüdern und Jesuiten 
Jgnacy und Szczepan Luskina verwandt gewesen, die im 
Jahre 1750 in Witebsk ein Seminar für arme Schüler 
am dortigen Kollegium gegründet hatten; Szczepan, ein 
in Frankreich ausgebildeter Astronom, wurde später Bo- 
homolec Mitarbeiter bei seiner journalistischen Wirksam- 
keit.^ Man darf vermuten, daß jene Widmung an Kazi- 
mierz Luskina nicht nur ein Ausdruck persönlicher Hoch- 
achtung des Verfassers, sondern auch der Ausfluß ver- 

3 Vgl. die Mitteilungen bei St. Zal^ski: Jezuici w Polsce 
(Lwöw 1902), t. III, cz. II, S. 662, 1054 und passim. 



408 Anliang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

verwandtechafllichcr oder freundschaftlicher Beziehungen 
zwischen den beiden weißruHsisclien Familien der Luskina 
und ßohomolec IbI. Kazimierz war eicher bei der Szlachta 
gut angeschrieben, denn darauf weiht der Umstand, daß er 
von ihr zum Sejm-Deputierten erwählt worden war. D^r 
vierte Band, von dem hier die Rede ist, glich in der äußeren 
Ausstattung genau den vorhergehenden und enthielt die _ 
Komödien: 1. «Statysta mniemany», 2. «M^drkowie», ^j 
3. «Junak», 4. «Ubogi liardy> und 5. «Ubogi pokorny». 

1. «STATYSTA MNIEMANY*: 

Argument : Pewny miodzian, ktöry sie tu nazy wa de I 
Pelile\ille, L^dqc miemego urodzenia, czyni 
siQ graffem y wiclce wziQtym tak u Dworu, 
iako w Parlamencie, y tym sposobem hidzi 
Erasta, czleka bogatego, lecz prostego. Ale 
nakoniec sztuki iego odkryte przynoszjt mu 
zawstydzenie, 

(Akt I): Martinier, der Diener des vermeintlichen Grafen 
de Petiteville, wird von dem Onkel seines Herrn, dem 
aus der Provinz nach Paris gekommenen Argant, gestellt. 
Er berichtet ihm, daß sein Neffe sich zum Grafen er- 
nannt hat, und bittet ihn, niemandem zu verraten, daß 
er der Onkel desselben ist (Sz. 1). — Er stellt ihn dem 
Dromon, dem Diener des reichen -Erast, als seinen 
Onkel vor, der ihm eine reiche Erbschaft überbracht 
habe (Sz. 2). — Er verspricht Dromon 100 Dukaten, 
wenn er ihm hilft, seinen Herrn mit der Tochter des 
reichen Erast zu verheiraten (Sz. 3). — Dromon erzahlt 
seinem Herrn Erast, daß der Vater des unlängst ver- 
abschiedeten Freiers, der Kleont heißt, über die Wort- 
brüchigkeit Erasts sehr ungehalten sei; dieser hat ihm 
nämlich den von seiner Tochter geliebten Dorant vorge- 
zogen (Sz. 4). — Martinier entschuldigt die Abwesen- 
heit seines Herrn und steckt dem Dromon einen Wechsel 
auf 100 Dukaten zu (Sz. 5). — Dieser sucht Erast in 
seinem Zweifel, ob er statt Doraiils, dem er schon sein 
Wort gegeben, nicht lieber den Grafen, der ihm sehr im- 
poniert, zum Schwiegersohn wählen solle, zu bestärken 
(Sz. 6). — 

(Akt II): Martinier meldet die Ankunft seines Herra 
(Sz. 1). — Dieser erscheint, scheinbar vooi Staatsge- 



Anhang: Analyse uiul Biblio^Tupliie <l«r SchuIk«>mAdien. 4<)'J 

scliäftou üljcrliäuft, imponiert ErasL sehr und versichert 
ihm, daß er seinem Schwiet^ersohne und seinem S<jlmo 
seine Gnaile werde angedoihen lassen, er habe sie übrigens 
schon rk)rants Vater, dorn (iesandten An/.elm, enviesen, 
als er ihm se^inerzoit die Stelle als Ilesid.nit an einem 
italienischen Hofe verschaffte; er geht, weil ein Manjuis 
(de facto ein Gläubiger) auf ilin \varto (Sz. 2). — Krast 
bittet Marlinier, er möchte seinen Herrn doch an das Re- 
giment erinnern, das er seinem Sohne zu verschaffen ver- 
sprochen (Sz. 3). — Der Graf kommt zurück und macht 
einen solchen Kindruck auf Krast, daß or beschließt, die 
Verbindung seiner Tochtej" mit D<jrant aufzuschieben 
(Sz. 4). — Der Graf abeJ" ist sehr besorgt, der Gläubiger 
könne durch sein inopportunes Auftreten seine Pläne 
durch kreuz 011 und will ihn sellHjr aufsuchen (Sz. 5). — 
Dromon fordert Martinier auf, dafür zu sorgen, daß sein 
Hetr schnellsteiLs freie, denn die Verbindung mit Donmt 
soll aufgehoben werden (Sz. 6). — Da erscheint Dorant, 
de'r gehört hat, sein Vater sei aus Italien zurückgekehrt, 
tmd wird von Dromon darauf aufmerksam gemacht, daß 
seine Chancen im Sinken begriffen seien: er eilt sofort 
zvt Erast (Sz. 7). — Anzelm, der Vater, der gleich nach- 
kommt, versteht gleich, daß der vermeintliche Graf dem 
leichtgläubigen Etu'st den Kopf verdreht hat, und will 
seinen Einfluß auf Erast geltend machen; Dromon be- 
schließt, zwischen der Tochter Erasts und Dorant Streit 
zu säen (Sz. 8). — 

(Akt III): Martinier glaubt, daß jeüzt alles gelingen werde, 
wie gewünscht: der Onkel Argant soll nämlich für den 
Grafen bei Erast um die Hand seiner Tochter anhalten 
(Sz. 1). — Da kommt Anzelm von P^rast und wird von 
dem Grafen hochmütig gefragt, ob Erast seinen Besuch 
empfangen könne (Sz. 2). — Ohne zu wissen, wen er 
voT sich hat, erzählt der Graf, e r habe dem Vater des 
Dorant die Stelle als Gesandter in Italien verschafft 
(Sz. 3). — Als er dann durch den dazukommenden Erast 
erfährt, daß Anzelm in eigener Person vor ihm steht, ist er 
frech genug, seine Lügen dennoch aufrechtzuerhalten 
(Sz. 4). — Dromon ruft d.^n Grafen heraus, ein Herr 
wolle mit ihm sprechen; Martinier meint, das sei sicher 
ein Gesandtscliaftssekretär (Sz. 5). — Anzelm warnt Erast 
vof dem Betrüger (Sz. 6). — 

(Akt IV): Der Onkel Argant ist zur Freiio gerüstet, bloß 
kann er sich trotz der Mühe, die Martinier sich gibt, niclit 



410 Anhang: Analyse und Bibliot'raplüe der Schulkomödien. 

darain gewöhnen, von seinem Neffen nicht als Neffen zu 
redeji (Sz. 1). — Er verspricht sich sofort Dromon gegen 
über, der glaubt, Argant freie um Erasts Tochter für 
Martinier, welcher sich ja früher für Argants Neffen aus 
igab (Sz. 2). — Der Graf und Martinier erklären Dromon, 
daß Argant natürlich nur gescherzt habe, worauf er Ar- j 
gaJit zu Erast eintreten läßt (Sz. 3). — Der Graf hat in- ' 
zwischen die Ungeduld seiner Gläubiger beschwichtijgt 
(Sz. 4). — Erast fühlt sich sehr geschmeichelt, daß der 
Graf seine Tochter freien will, und schickt Dromon zum 
Bankier, um die Mitgift zu erheben (Sz. 5). — Der Graf 
Avünscht, daß dio Hochzeit noch heute, und zwar im ge- 
heimen, stattfinden solle, nachher solle die Verbindung 
in alleui Zeitungen Europas kundgegeben werden (Sz. 6). 

— Erast eirklärt nun Dorant, daß dieser keine Hoffnung 
mehr auf die Hand seiner Tochter hegen dürfe (Sz. 7). — 

(Akt V) : Martinier äußert in einem Monologe schlimme 
Ahnungen (Sz. 1). — Dromon erzählt ihm, daß Erast 
gleich vom Bankier mit der Mitgift zurück sein werde 
(Sz. 2). — Erast schwankt wieder zwischen dem Grafen 
und Dorant, aber Dromon weiß ihn zugunsten des Grafen zu 
stimmen (Sz. 3). — Der Graf erscheint, und Erast schickt 
Dromon nach dem Gelde (Sz. 4). — Der Graf will zuerst 
nichts von einer Mitgift wissen, erklärt sich aber dann 
bereit, dieselbe entgegenzunehmen (Sz. 5). — Anzelm 
und Dorant kommen mit dokumentarischen Beweisen, daß 
der vermeintliche Graf nichts getan hat, um Erast 
seinen Prozeß gewinnen zu lassen, auch seinem Sohne 
kein Regiment verschafft hat, wie er behauptete; der 
, Graf versteht es, Erast dennoch sicher zu machen (Sz. 6). 

— Der alte Argant verrät, daß de Petiteville sein Neffe 
ist (Sz. 7). — Der Bankier trägt das Seinige zur Ent- 
larvung des Betrügers bei (Sz. 8). — Da muß der Graf 
verduften, und Dorant wird wieder zu Gnaden aufge- 
nommen (Sz, 9). 

2. «MF,DRKOWIE» : 

Diese Komödie ist ausnahmsweise nicht mit einem Ar- 
gument versehen. 

(Akt I) : Klitander, ein junger «kawaler), ist in die Tochter 
des alten Chryzant verliebt, und Arist, ihr Onkel und 
Bruder des Chryzant, meint, daß ihm zwar von Seiten 
des Vaters keine Hindemisse drohen, wohl aber vxxn 
dessen beiden Söhnen (Sz. 1). — Klitander benutzt daher 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Srhulkomödien. 411 

die Gelegenhoit, mit dorn jüngeren Sohne Henryk /u 
sprechen, dieser glaubt aber, KIit.'m<ler wolle ihm v<»ii 
seiner Bewaindenmg für sein«' Gelchrsamkfit reden (Sz. 2). 

— Der ältere Ferdynand examiniert ihn, wobei verschie- 
dene Anschauungen üL>er Bildung zum Ausdruck kommen, 
und erklärt, daß er nicht auf die Hand seiner Schwester 
rechnen dürfe (Sz. 3). — 

(Akt II): Die beiden Brüder Arist and Cliryzant sprechen 
über Klitander, und Chryzant gibt seinen Wunsch zu er- 
kennen, seine Tochter mit Klitander zu vermählen (Sz. 1). 

— Henryk versichert, daß Klitander g:ir nicht in seine 
Schwester verliebt sei, sondern ihn ob seiner Gelehr- 
samkeit bewundere (Sz. 2). — Chryzant muß das "Wissen 
seines Sohnes bewundern, versichert aber, daß seine 
Söhne im übrigen vor ihm zittern (Sz. 3). — Ferdynand 
zwingt seinen Vater, den Diener Marcin zu entlassen, 
weil er nicht glauben will, daß nicht die Sonne, son- 
dern die Erde sich bewegt (Sz. 4). — Kaum berührt der 
Vater die Heiratsfrage, so hat Ferdynand einen Kandidaten 
in Bereitschaft, den Herrn Sawant (Sz. 5). — Chryzant 
muß sich nun wegen seiner Nachgiebigkeit vor Arist 
rechtfertigen (Sz. 6). — 

(Akt III): Ferdynand, Henryk und der gelehrte Sawant 
halten eine Sitzung ab, wobei Sawant ein «epigramma 
Nimfy chorey na febr^» vorliest (Sz. 1). — Ein anderer 
Pedant namens AVadius tritt auf, die beiden Pedanten 
machen einander Komplimente, geraten aber schließlich 
in Streit, so daß Wadius sich entfernt (Sz. 2). — Die 
Brüder schlagen Sawant vor, sich mit ihrer Schwester 
zu vermählen, worauf er mit Vergnügen eingeht (Sz. 3). — 

(Akt IV) : Die beiden Brüder beschließen, sich dem 
Wunsche des Vaters unbedingt zu widersetzen, und Hen- 
r>'k spricht schlecht von Klitander (Sz. 1). — Sie er- 
klären Klitander, daß sie ihm Herrn Sawant vorgezogen 
hätten (Sz. 2). — Es kommt zu einer prinzipiellen Aus- 
einandersetzung zwischen Klitander und dem dazukom- 
menden Sawant (Sz. 3). — Der Diener Jacek ül)erbringt 
einen Denunziationsbrief \x>n Wadius an die Brüder, der 
jedoch keinen Eindruck auf dieselben macht; Ferdynand 
beschließt, daß Sawant schon heute seine Schwester hei- 
raten, und daß ein Schreiber geholt werden soll (Sz. 4). 

— Klitander klagt Arist und Chryzant seine Not, und Arist 
verspricht, mit Hilfe einer Intrige die Sache zu arran- 
gieren (Sz. 5). — 



4J!2 Anhaut': Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

(Akt V) : Sawant wird wenig durch die Tatsache beirrt, 
daß die Schwester seiner Freunde ihn gar nicht liebt 
(Sz. 1). — Chryzant fühlt sich als Herr des Hauses, 
bittet aber seinen Diener Marcin, ihn gegen seine Söhne 
zu unterstützen (Sz. 2). — Sawant hält in einer ge- 
zierten Ansprache um die Hand des Mädchens an, und 
als Chryzant zweimal nein sagt, wird das als ja ge- 
deutet; zudem drohen seine Söhne, sein Haus zu ver- 
lassen, wenn er nicht seine Einwilligung gäbe, und Chry- 
zant bittet selbst Klitander, von seiner Fordernng abzu- 
stehen (Sz, 3). — Da kommt Arist mit fingierten Briefen, 
laut denen sowohl Chryzant wie Ferdynand ihr Vermögen 
verloren haben, und Sawant steht sofort von seiner Freite 
ab, während der uneigennützige Klitander sein Ziel er- 
reicht, Arist erklärt schließlich, daß die Briefe unecht 
waren (Sz. 4). — . ^ 

3. «JUNAK»: 

Argument: Mlodzian chelpliwy, gdy, nasladuijic Gaskoh- 
czyköw, ustawnie chwali siQ z swych poiedyn- 
köw, wpada w bied^ y wyznaie szczerze, iz 
nigdy w swym zyciu nie poiedynkowal. 

(Akt I): Der Kavalier Leander ist von Roberts ewiger 
Prahlsucht aufs höchste gereizt und will ihn fordern, 
während der andere Kavalier Kleon vorschlägt, lieber 
erst Roberts Diener, den ehrlichen Frontin, auszufragen 
(Sz. 1). — Frontin sagt Kleon sofort der Wahrheit gemäß, 
daß sein Herr keineswegs halb Europa auf der Suche 
nach würdigen Gegnern durchreist habe, und daß er nie 
in ein Duell verwickelt gewesen sei (Sz. 2). — Robert 
erfindet Lügengeschicliten, die seine große Tapferkeit be- 
weisen sollen (Sz. 3). — Zwischen dem Diener und 
seinem Herrn entsteht eine lange Diskussion über die 
Verwerflichkeit resp. Notwendigkeit der Duelle (Sz. 4). — 
(Akt II): Das Gespräch wird fortgesetzt, wobei Robert 
den Wunsch äußert, mit dem berühmten Kavalier Dorant 
die Klingen zu kreuzen (Sz. 1). — Er ist aber nicht 
v.enig erschreckt, als der Diener wirklich Dorant suchen 
geht (Sz. 2). — Dorant erscheint nun selbst, ohne daß Ro- 
bert ahnt, daß er es ist, und Robert erzählt ihm eine 
Räubergeschichte, wie er Dorant besiegt hätte (Sz. 3). — 
r>a kommt Frontin zurück und sagt ihm, daß das der Ge- 
suchte sei; Dorant nennt Robert einen Feigling und gehl 
(Sz. 4). — Nichtsdestoweniger will Robert seinem Diener 



Anhang: Analyse un.l Billiographie der Sohulkomödien. 413 

imponieren (Sz. 5). — Als min LoaJifier und Kleon er- 
scheinen, schwindelt er ihnen vor, wii' er eben I>>rant ge- 
tötet habe; da meinen jene, sie müßten üoranLs Seelo 
begegnet sein (Sz. 6). — 

(Akt III): Kleon deutet an, d.iß Robort sicher einen an- 
deren als Dorant getötet haben müsse; Robert bestreitet 
das, will alx?r das Weite suchen, als Doranls «Seele) auf- 
tritt; Kleon hält ihn fest (Sz. 1). — Dorant fordert ihn, 
er will sich ans der Klemme ziehen (Sz. 2). — Leander 
l>enut7,t eine der Lügengeschichtt^n Roberts, indem er mit- 
teilt, daß der türkische Gesandte seine Auslieferung ver- 
lange (Sz. 3). — Frontin bestätigt, daß sein Herr einen 
türkischen Oberst getötet zu haben behauptet hat, und 
als maii ihm kundtut, daß er von den Türken sicher 
werde erwürgt werden, zieht Rolx^rt nach vielen Kreuz 
und Qnersprüngen vor, zu gestehen, daß er alles erlogen 
halx> (Sz. 4). — 

«UBOÜI HARDY»: 
Diese Komödie ist ohne '<Argumenb in die Sammlung auf- 
genommen. 

(Akt I) : Trotz des schwachen Widerspruches seines Sohne."* 
Leopold hat der alte reiche Anzelm beschlossen, seine 
Tochter mit dem unausstehlich hochmütigen, aber an- 
geblich reichen Kavaliere Rudolf, dem Sohne seines 
Jugendfreundes, zu verheiraten (Sz. 1). — Vom Hunger 
gelrieben bittet Johan, der Diener des Rudolf, Leopold um 
etwas zu essen und bestärkt seine Vermulimg, daß sein 
Herr eigentlich ganz arm sei (Sz. 2). — Rudolf jagt seinen 
Diener nach Hause (Sz. 3). — Er läßt sich von Leopold 
einladen, seinen Kaffee zu versuchen, krilisiert ihn aber 
und verläßt die Szene, scheinbar gekränkt (Sz. 4). — 
Wilhelm, Anzelms alter Diener, meldet Leof>old dio An- 
kunft eines neuen Freiers, des «ka waler > Dorant, und wir 
erfahren bei dieser Gelegenheit, daß Leopold einen Freund 
bat namens Leander, der gleichfalls auf die Hand seiner 
Schwester Ansprüche erhebt, und den Leopold unterstützen 
möchte (Sz. 5). — Ein glückliches Quidproquo hilft ihm da- 
bei. Dorant wendet sich nämlich mit seiner zeremoniösen 
Anrede an den alten Wilhelm, der auch eine Tochter hat, 
im Glauben, Anzelm vor sich zu haben, und Leopold be- 
stimmt Wilhelm dazu, ihn in diesem Glauben zu belassen. 
Wilhelm rät ihm, sich betreffs der Verpflegung seiner 
Pferde an den eintretenden Anzelm zu wenden (Sz. 6). — 



414 Anhang: Analyse und Biblio^'raphie der Schulkomödien. 

An/.elm erhält den denkbar schlechtesten Eindruck von 
dorn gezierten Wesen Dorants, der in ihm den Hofmeister 
sieht, und beschließt, seinem Beschlüsse getreu seine 
Tochter Rudolf zu geben (Sz. 7). — 

(Akt II): Leopold beruhigt seinen Freund Leander, der die 
beiden Rivalen fürchtet, mit der Versicherung, er werde 
seinen Vater schon in der gewünschten Richtung zu leiten 
wissen (t>z. 1). — Er bestärkt zunächst den Alten in dessen 
Antipathie gegen Dorant, indem er andeutet, daß jener 
sich für eine andere Dame interessiere (Sz. 2). — Auch Ru- 
dolf macht einen schlechten Eindruck auf ihn durch seinen 
Hochmut. Er bietet sich als Schwiegersohn an unter der 
Bedingung, daß die eigentliche Herkunft der Tochter ver- 
heimlicht werde, fordert Anzelm auf, das Abendessen, bei 
dem er die näheren Ehebestimmungen zu besprechen 
wünsche, eine Stunde früher als gewöhnlich anzuordnen, 
und entfernt sich (Sz. 3). — Anzelm aber ist sehr über 
den Hochmut seines Proteg^ erstaimt, und Leopold sucht 
ihn umzustimmen (Sz. 4). — Darin wird er durch 
das Dazwischenkommen Johans unterstützt. Er will näm- 
lich bei Anzelm Geld leihen, um den verpfändeten Degen 
seines Herrn einzulösen, und bietet als Garantie die Ta- 
batiere desselben an. Anzelm merkt, daß der angeb- 
liche Reichtum Rudolfs nur Schwindel ist, und beschließt, 
ihn zu strafen. Er nimmt die Tabatiere und gibt Johan das 
nötige Geld (Sz. 5). — Seine Tochter aber will er noch 
vor dem Abendessen mit Leander verloben (Sz. 6). — 
Dorant aber hat inzwischen mit der Tochter Wilhelms ge- 
sprochen und sie ganz nach seinem Geschmacke gefunden; 
die ironische Behauptung Leopolds, er werde kaum eine 
Mitgift mit dem Mädchen erhalten, scheint ihm unwahr- 
scheinlich; sie würde aber, wenn sie sich bewahrheiten 
sollte, ein Hindernis für die Heirat sein (Sz. 7). — 

(Akt III): Leander, der erscheint, um den Ehekontrakt zu 
unterzeichnen, trifft mit Dorant zusammen und ist nicht 
wenig erstaunt, als dieser nach den unumgänglichen Kom- 
plimenten steif und sicher behauptet, e r sei der Aus- 
erkorene (Sz, 1). — Nur mit einiger Mühe gelingt es 
Leopold, seinen Freund von der Grundlosigkeit seiner Be- 
fürchtungen zu überzeugen; er zieht ihn rnit sich fort zur 
Unterschreibimg des Kontraktes (Sz. 2). — Darauf treffen 
Rudolf und Dorant zu.sammen, und beide behaupten, von 
dem Vater des Mädchens die Einwilligung zur Ehe er- 
balten zu haben (Sz. 3). — Erst Wilhelms Dazwischen- 



Allhang: Analyse und BiMio^'raphio der Schulkomödien. 4-1. "> 

kommen löst das Miß Verständnis auf, und Dorant verläßt 
mit oiricr stfjlzon Gesto dif Szene (Sz. 4). — Aljcr gleich 
dirauf wird auch Hiidolf iKJschäint, indem Anzolm ihn sehr 
ironisch wissen läßt, daß der Ehekvmtrakt erstens in soinrp 
Abwesenheit, und zweitens nicht mit ihm, sondern mit 
Leander ahgeschlossen wordeJi sei (Sz. 5). — In einem 
(rcsprächo Tuiter vier Augen erklärt Anzelm dem ver- 
hlüfflen Rudolf, daß sein Hochmut die ürsjirlie seiner Ab- 
weisung sei, und iilM^rreicht ihm seine Tabatiere mit 100 Ihi 
katen als Schmerzensgeld (Sz. C). — Die Komödie schließt 
mit folgender versifiziorter «Moralfoigeruiig» : 

Nie wiem, czy wiQkszey lito^ci czy wzgardy 
Godzion iest czlowüek — ulK)gi a liardy. 

«UBOGI POKORNY>: 

Auch diese Komödie ermangelt wie die vorhergehende 
eines «Arguments»: 

(Akt I): Wir befinden uns bei dem vorannten Kavalier 
Kleander. I> möchte am liebsten seinem zukünftigen 
Sch\\ieger\ater erzählen, daß er von seinem Vater wegen 
seiner verschwenderischen Lebensart «enterbt worden sei 
und nichts halK», aber sein Diener Sbrigani treibt ihm diese 
'<(>rillen;) aus (Sz. 1), — Kleander klagt sich selbst an 
(Sz, 2). — Sbrigani kann kaum den Diener des alten 
Anzclm, dessen Tochter sein Herr heiraten will, zurück- 
halten, Kleander selbst zu suchen; Johan teilt mit, daß 
Anzelm gern höuto bei Kleander mit einer Gesellschaft Vv)n 
unpefShr 20 maskierten Personen zu Abend essen möchte, 
Sbrigani verspricht, daß alles in Ordnung sein werd(^ 
(Sz. 3). — Kleander und Sbrigani sind ratlos, aber Sbri- 
gani will schon etwas ausdenken fSz. 4). — 

(Akt II) : <'Teatrum wyraza dorn ;Vnzelma.^ Johan ver- 
sichert seinem Herrn Anzelm, daß Kleander tief verschuldet 
sei, ohne daß jener es glauben will (Sz. 1). — Da meldet 
Sbrigani, daß alles zum Empfange der Gäste fertig sei; 
übrigens sei er von den Leuten eines gewissen Kleon, der 
der Rival seines Herrn gewesen, aber abgewiesen worden 
sei, überfallen worden und wisse mit Bestimmtheit, daß 
sie Anzelm heute auf dem Wege zu Klea,nder überfallen 
wollten; Anzelm verzichtet unter solchen Umständen auf 
den Besuch bei seinem Schwiegersohne (Sz. 2). — Schein- 
bar vergeblich sucht Johan Anzelm zu überzeugen, daß das 
alles Schwindel sei (Sz. 3). — xVnzelm sagt sich selbst, 
. daß das Lügen sein müssen (Sz. 4). — Johan überbringt 



416 Anhang: Analyse und Biblirgraphie der Schulkomödien. 

ihm einen Brief, den ein Bote von Kleanders Vater ge- 
bracht habe (Sz. 5). — 

(Akt III): «Theatrum wyraza dorn nai^ty Kleandra.» Zu- 
nächst lügt Sbrigani seinem Herrn nach seiner Rückkehr 
was vor über den Erfolg seiner Expedition, sagt ab.?r dann 
die Wahrheit, mit der Kleander keineswegs sehr zufrieden 
ist (Sz. 1). — Da erscheint Johan mit der Hiobspost, daß 
Anzelm z^^'ar verhindert sei zu kommen, seine Gesellschaft 
Nvcrde sich aber dennoch einfinden (Sz. 2). — Sbriganl 
kommt auf die Idee, die Gäste in die Zimmer des Haupt- 
manns zu führen, der im selben Hause logiere (Sz. 3). — 
BokM?rt, Dorant und Wilhelm, Freunde des Anzelm, er- 
scheinen, und Robert teilt mit, daß sein eben in der Stadt 
eingetroffener Bruder mit der übrigen Gesellschaft maskiert 
nachkommen werde. Während Sbrigani die Gäste in die 
inneren Gemächer führt, geht Johan, um auch Anzelm, der 
inkognito bleiben will, zu holen (Sz. 4). — Dorant bleibt zu- 
rück und klagt, daß er einen Katzenjammer hat, Sbrigani 
weist ihm daher ein Nebenzimmer zum Ausruhen an (Sz. 5). 
— Kleander und Sbrigani sind ratlos, woher sie Geld schaffen, 
sollen, und nach mehrfachen, unausführbaren Vorschlägen 
(Dorant zu bestehlen, zu ermorden, das Haus in Brand zu 
stecken usw.) scheint Sbrigani eine Idee gefunden zu haben 
(Sz. 6). — Er bittet Fortuna um Hilfe (Sz. 7). — Als An- 
zelm «w masce udai^cy si^ za brata Roberta» eintritt, ver- 
sucht Sbrigani unter verschiedenen Vorwänden bei ihm 
(Jeld zu leihen, aber vergebens (Sz. 8). — Da erscheint 
plötzlich ein «garkuchmistrz piiany y iego ludzie, nosz^cy 
wazy z potrawami», und Sbrigani läßt sie ruhig im 
Glauben, daß er der Besteller der Waren sei (Sz. 9). — 
Kleander ist sehr erstaunt und aufs neue bekümmert, als 
der Koch sofort Bezahlung verlangt (Sz. 10). — Vor- 
gebens sucht Sbrigani ihm den Mund zu stopfen, als 
Anzelm wieder zurückkommt; er flüstert Kleander zu, er 
solle bei der Maske Geld leihen (Sz. 11). — Das versucht 
er wirklich, ohne eine Ahnung zu haben, daß er Anzelm 
vor sich hat; nun hat aber Sbrigani vorhin den Fehler be- 
gangen, von AnzeLnn schlecht zu sprechen, und Anzelm 
will nun Kleander auf die Probe stellen, indem er 
über sich selbst schlecht spricht, reizt dadurch den 
ehrlichen Kleander zum Zorne und wird von ihm gefordert 
(Sz. 12). — Da kommt die ganze Gesellschaft lachend 
herbei und klärt den verdutzten Kleander über die Mysti- 
fikation auf. Anzelm aber macht Kleander zu seinem 
lieben Schwiegersohn (Sz. 13). — 



Anhang.': Analyse und liil)lio^'ra}>hie der Schulkoniödien. 417 

Erirt zwei Jahre nach P>scheinen des vierten ßandea 
ließ liohoiiiolec den fünft»*n Band seiner Komödien auf 
dem Büchermarkt erscheinen, also im Jahre 17()0 (die 
genaue Jahreszeit i^t uns «liesrnal unbekannt). Während 
die früher erschienenen vier Bände alle der Offizin der 
Jesuiten entstammen, trägt der fünfte Band die Bezeich- 
nung *w Drukarni Rliclera». Lorenz Christoph Mizler 
de Kolof. «königlich polnischer Hofrat und Hofjjiedicus», 
der 1743 als Erzielter des jungen Malachow.-ki nach 
Warschau eingewandert war, war eine jener markanten 
Figuren der geistigen Renaissance, die dem polnischen 
Geistesleben um die Mitte und in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts sein eigenartiges Gepräge gibt, war u. a. 
auch der Gründer einer Typogiaj-hie in Warschau. Was Bo- 
homolec veranlaßt haben kann, diese Komödien niclit in 
in der Druckerei seines Ordens, deren Präfekt er üljrigens 
zwei Jahro später selbst wurde, drucken zu lassen, 
läßt sich jetzt leider nicht mehr feststellen. Sicher ist 
bluß, daß Bohomolec Mizler gut gekannt Mhat. ög- 
lich ist es auch, daß mit diesem Übergänge zu einer 
anderen Druckerei der Umstand in Verbindung steht, 
daß der fünfte Band im Gegensatz zu den früheren erst 
zwei Jahre nach Erscheinen des vierten herausgegeben 
wurde. Bohomolec hat ihn dem «starosta Winnicki y 
Satnicki» Igiiacy z Obör Kolumna Czosnowski und seiner 
Gattin Maryanna, die eine geborene Znluska war und 
zum Geschlechte der am geistigen Aufschwünge Polens so 
tätig mitwirkenden Zaluski gehörte, dediziert: das könnte 
als Motivierung der Widmuni; genügen. Bohomolec teilt die 
literarhistorisch äußerst interes-ante Tatsache mit, daß 
Czoanowski, nach seiner eigenen Mitteilung, übrigens ehe- 
maliger General-Adjutant im Heere des Prinzen Conde, 
Corneilles Tragödien metrisch ins Polnische übersetzt 
hätte.* 



- Diese-s ist dem verdienstvollen Historiker der polnischen 
Tragödie, M a r j a n S z y j k o \v s k i ( xDzie^e nowozylnej trag 'dji 
polskiej», Krakow 1920), entgangen. 

Stendcr-Petersen, Die Schulkomödien. 2T 



418 Anhang: Analyse und Bibliographie der „Scbulkomödien". 

Die Übersetzung, die Bohomolec, nach seinen eigenen 
Worten zu urteilen, in der Handschrift gekannt hat, ist 
nie gedruckt worden. Der Band enthielt die Komödien: 
1. «Mysliwy*, 2. «ßlizni^ta», 3. «Kiopoty panöw», 4. «Przy- 
iaciele stolowi» und 5. «Kawalerowie nicdni». 

1. fiMYSLIWY»: 

Diese Komödie besitzt kein. Argument. 

(Akt I) : Tomasz, der Diener des jungen Jägers Robort, 
ist damit beschäftigt, ein glückbringendes Zaubermiltel, 
das sein Herr ihm herbeizuschaffen befohlen, und das ihm 
das Wild vor die Büchse führen soll, zu — erfinden 
(Sz. 1). — Er erklärt ihm dami auch mehrere, ganz sinn- 
lose Mittel, die Robert zu, befolgen verspricht (Sz. 2). — 
Vergebens ermahnt sein Freund Dorant ihn, dafür zu 
sorgen, daß das Erbe seines im Sterben liegenden Onkels 
ihm zufalle (Sz. 3). — Er ist nur von einem Wunsche be- 
seelt: den vorzüglichen Hund des Geizhalses Leopold in 
seinen Besitz zu bekommen, und Tomasz muß ihm den- 
selben verschaffen (Sz. 4). — Sie versuchen Leopold im 
guten zum Verkaufe des Hundes zu veranlassen, der Hand 
ist aber schon so gut wie verkauft, und Robert kann ihn 
nur erhalten, wenn er kontant bezahlt; das kann er natür- 
lich nicht (Sz. 5). — Kleon, Roberts Vater, beklagt sich 
bei seinem Freunde Alkander über die unglückselige Jagd- 
leidenschaft seines Sohnes, der nun unbedingt Leopolds 
Hund haben will; Tomasz wettet mit Kleon, daß sie von 
dem Vater selbst das nötige Geld erhalten werden, und daß 
es ihm, Tomasz^ gelingen werde, den Leopold zu betrügen 
(Sz. 6). — 

(Akt II) : Tomasz ist bereit, den Leopold hinters Licht zu 
führen (Sz. 1). — Da kommt gerade der Diener des Offi- 
ziers, der den Hund gekauft hat, Grzegorz, um den Rest 
der Kaufsumme zu bezahlen und den Hund abzuholen; 
Tomasz gibt sich für Leopolds Verwalter aus uad eihält 
von Grzegorz den Kontrakt, das Geld will jener nicht ab- 
geben, er geht ins Wirtshaus, um sich bis Leopolds Rück- 
kehr auszuruhen (Sz. 2). — Tomasz ist über den ersten 
Erfolg entzückt (Sz. 3). — Als Roheit mit seinem Freunde 
Dorant erscheint und ihm erzählt, daß sein Vater Leopold 
vor Tomasz gewarnt, und daß dieser mit Kleon gewettet 
hat, daß der Tomasz ihn nicht werde betrügen können, leiht 
Tomasz bei Dorant den Rest der Kaufsumme und erhält 
von ihm die Erlaubnis, seinen Diener Marcin in der In- 



i 



Anhing: Analyse und Bibliographie der Schulkoni^dien. 419 

trige, die er anzetteln will, zu verwenden (Sz. 4). — Ro- 
bert erzählt seinem Diener, daß Sfin Zaubermittd ihm leider 
gar nicht geholfen hat (Sz. 5). — Vergebens ermahnt Al- 
kander den Sohn seines Freundes, doch an das Erlx? zu 
denken (Sz. 6). — Marcin trifft mit Tomasz zusammen 
(Sz. 7). — Von Tomasz instmiert, gibt sich Marciii Leo- 
pold gegenüber für den envarteten Offiziersburs( hen aus 
(Sz. 8). — 

(Akt III) : Dorant ermahnt wieder Robert, zum sterbenden 
Onkel zu gehen, aber Robert denkt nur an seine bevor- 
stehende Fuchsjagd (Sz. 1). — Tomasz erscheint und ist 
über die lange Abwesenheit Marcins unruhig (Sz. 2). — 
Da kommt Marcin mit dem Hunde und neckt Tomasz auf 
verschiedene Weise (Sz. 3). — Als sie verschwunden sind, 
kommt Leopold heraus und äußert sein Vergnügen darüber, 
daß Tomasz ihn nun beim besten Willen nicht wird be- 
trügen können (Sz. 4). — Er verlangt, daß Kleon ihm 
die verlorene Wette bezahlt, aber Kleon meint, noch 
köime Tomasz ihn betrügen (Sz. 5). — Als nun Grzegorz 
erscheint, stellt es sich heraus, daß Tomasz den Alten 
wirklich betrogen hat, und sowohl Kleon wie Grzegorz ver- 
langen ihr Geld (Sz. 6). — Kleon erzählt dem dazukom- 
menden Alkander, daß er seine Wette gegen Leopold ge- 
wonnen, gegen Tomasz aber verloren habe (Sz. 7). — 
Kleon bezahlt ihm wirklich die verlorene Wette, und To- 
masz kann nun den Hund wirklich bezahlen (Sz. 8). — 
Robert ist über den Besitz des Hundes sehr erfreut und 
ganz uninteressiert, als Dorant ihm mitteilt, daß der Onkel 
nun gestorben sei, ohne ihm etwas zu vermachen- 
(Sz. 9). — 

2. «BLIZNI^TA>: 

Argument: Henryk Leliusz, rodem Anglik, mial dwöch 
synöw-blizniJit, Jana y Piotra, tak do siebie po- 
dobnych, iz cz^sto sama matka w ich pozna- 
waniu mylila sIq. Gdy iuz po lat 12 mieli, 
wyiechal oyciec do Konstantvnopola y Piotra 
wzi£il z sob^. Po nieiakim czasie Piotr tam si? 
zabhikn^l y dostal si^ w r^ce iednego Turczyna, 
bawiq^cego sIq przedawaniem niewolniköw. Hen- 
ryk, Strato syna zasmucony, zachorowal ciQzko 
y przed smiercisi swoi^ napisal list do Jana, w 
Anglii zostawionego, aby, skoro do lat zupel- 
nych przyidzi?, starai si? brata znalesc y z nie- 

27* 



4iO Anhanjr: Analyse und Bililiographie der Schulkomödien. 

woli wykupic. Uczynil Jan zado!§c woli oycow- 
skicy y przez szoät lat prozno go szukawszy, 
powraca z Turek morzeni do Anglii y, zaic- 
chawszy do Neaplu, znaydaie tarn nad nadzieiii 
brata zgubionego. 

(Akt I) : Sbrigani, der Dioner des Zwillingsbruders Jan, 
soll diesem eine Wohnung in r\eaj)el suchen; unversehens 
trifft er seinen alten Bekannten, den Galeerenstiäfling Fur- 
boni, und haßt sich von ihm seine Lebensgeschichte er- 
zählen (Sz. 1). — Als sie abgegangen sind, tritt der Parasit 
(<cpochlebca») Robert auf und klagt, daß es ihm immer 
schwieriger werde, gastfreie Menschen aufzutreiben (Sz. 2). 
— Da sieht er Piotr Leliusz aus dem Hause treten und 
schließt sich ihm an (Sz. 3). — Leüusz lädt sich und den 
Parasiten bei Dorant, seinem Freunde, zum Mittagessen 
ein (Sz. 4). — 

(Akt II): Zufällig geht Jan Leliusz an Dorants Haus vor- 
bei, er sendet seinen Diener zum Hafen nach seinen Sachen 
(Sz. 1). — Frontin, Piotrs Diener, glaubt seinen Herrn vor 
sich zu haben, worüber sowohl er wie der verneinende 
Jan sehr erstaunt sind (Sz. 2). — Dorant hält ihn auch 
für Piotr und lädt ihn in sein Haus; obgleich Jan ver- 
sichert, Dorant nicht zu kennen, folgt er dennoch mit 
hinein (Sz. 3). — Furboni kommt auf die Bühne und fragt 
Frontin nach dem Diener des Leliusz und ist geärgert, 
als dieser behauptet, er sei der Gesuchte (Sz. 4). — 

(Akt III): Robert findet sich in Erwartung seines Freundes 
Piotr vor dem Hause Dorants ein (Sz. 1). — Den heraus- 
tretenden Jan nimmt er auch für Piotr, und es entwickelt 
sich ein Gespräch zwischen beiden, aus dem weder der 
eine noch der andere klug wird (Sz. 2). — Auch Frontin 
ist über die Veränderung, die mit seinem Herrn vorge- 
gangen ist, sehr erstaunt und beschließt, de.m Adoptiv- 
vater desselben, dem alten, reichen Adrast, dem ehe- 
maligen Freund des alten Leliusz, Mitteilung davon zu 
machen (Sz. 3). — Da kommt Piotr und versichert, er 
sei noch gar nicht bei Dorant gewesen, im Gegenteil, sei 
gerade auf de;n Wege zu ihm (Sz. 4). — Sbrigani kommt 
nun dazwischen und glaubt, Piotr sei sein Herr Jan, über- 
gibt ihm daher seine aus dem Hafen geholten Sachen, 
die Piotr wirklich entgegennimmt, aber nur um Robert 
•jnit der Auffindung des rechten Besitzers zu beauftragen 
(Sz. 5). — Noch mehr verwundert sich Piotr aber, als 



Anhang: Analyse uml F^ibliofTraphie der Schulkomötlien. 421 

sogar Doraiit bohauptot, er habr schon bt-i ihm zu Mittig 
gespeist; er entfernt sich (Sz. 6). — Zwischen Sbriganl 
\UT(I Fronlin kommt es zu oin«Mii Streite, wer von ihnen 
beiden der Diener des Lcliusz sei, Fruntin si;liläj;t Sbri- 
gani und geht seiner Wogo (Sz. 7). — Als Sbrigaai dann 
dem wieder auftretenden Jan sagt, er lialw ihm ja eben 
die Sachen gegeben, die er dann einem Dritten weiter- 
gegeben hal)e, bekommt er fast wieder Sch!ä'^, jedi-nfalls 
behaupte* t Jan, das sei eine Lüge, und befiehlt ihm, so- 
fort die Sachen zu schaffen, besonders wertvoll für ihn sei 
ein Siegelring (Sz. 8). — 

(Akt IV) : Sbrigani und sein Freund Furboni beratr^ 
schlagen, wie man eigentlich die Sachen bequem zurück- 
schaffen könne (Sz. 1). — Da kommt gerade Roheit, dor 
den Eigentümer des fremden Koffers niciit hut ausfindig 
machen können, sie überfallen ihn und nehmen ihm die 
Sachen ab (Sz. 2 — 3). — Jan, der gerade wi^nler zurück- 
kommt, freut sich, daß er die Sachen wieder hat, ist aber 
nicht "wenig erstaunt, als sowv;hl Sbrigani wie Robert be- 
haupten, er habe den «worek» wirklich selbst dem letz- 
teren gegeben (Sz. 4 — 5). — Robert klagt mm dem her- 
beikommenden Adrast in Jans Beisein, daß sein vermeint- 
licher Adoptivsohn ihn, Robert, anklage, er sei ein 
Dieb, Jan aber, den beide für Piotr nehmen, antwortet 
Adrast sehr grob (Sz. 6). — Der bekümmerte Greis be- 
schließt, den Barbier um Beistand zu bitten (Sz. 7). — 

(Akt V): Robert ist von Adrast gebeten v.orden, den Bader 
zu holen, mit dem er auch erscheint (Sz, 1). — Da kommt 
der nichts Böses ahnende Piotr, der für Jan gehalten 
und vom Arzte daJier genau nach seinem Gesundheits- 
zustände ausgefragt wird (Sz. 2). — Als er sich dem Ver- 
suche des Baders, ihn abzuführen, widersetzt, kommt sein 
eigener Diener Frontin und hilft ihn binden (Sz. 3). — 
Als nun Sbrigani und Furboni dazukommen, glauben sie, 
Sbriganis Herr, Jan, werde gebunden, und befreien ihn 
(Sz. 4). — Piotr ist ihnen für die Befreiung sehr dankbar, 
bestreitet aber aufs entschiedenste, daß er Sbriganis Herr 
sei (Sz. 5). — Schließlich kommt Adrast mit dem Para- 
siten und dem Bader und versucht, Piotr (den vermeint- 
lichen Jan) im guten dazu zu überreden, sich einer Ader- 
lassung zu unterziehen (Sz. 6). — Der Knoten wird end- 
lich dadurch entwirrt, daß Jan auf der Bühne erscheint 
und so mit seinem Bruder zusammentrifft (Sz. 7). — 



492 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

3. «KLOPOTY PANÖW»: 

Argument : Ta koniedya iest na fundamencie owey historyi, 
ki6n\ o ie Inyni z xii\z tt Bu gti.'iskich czytamy. 
Ten pan, widz^c chlopa bez pami^ci piianego, 
spij\cego na ulicy, kazal go zanies6 do sw-egn 
palacu y w szaty naybogatsze ubrac. Gdy sif,' 
chlop przespaJ, czyniono mu wszelkie honory 
y wmowiono w niego, ze on iest xiqz^ Bur- 
gundyi. Z czego xi^zQ y uciechy mial dosyc 
y nauki panowania synovvi dal bardzo m^dre. 

(Akt I) : Der Offizier des Fürsten, Robert, unterhält sich mit 
seinem Diener Marcin u. a. über die Schwierigkeit, mit 
der das Soldatenwerben verbunden ist (Sz. 1). — Er 
klagt dem Freunde des Fürsten, Oront, der ihm rät, die 
Sache nicht so ernst zu nehmen, und andeutet, daß der 
Fürst Filipp und sein Sohn, der Prinz Karl (Graf de Char- 
lerois) in ihren Ajischauungen über das Kriegswesen stark 
voneinander abweichen (Sz. 2). — Da kommt lilarcin zu- 
rück und klagt, er sei gerade dabei gewesen, einen be- 
trunkenen Bauern anzuwerben, als der Fürst erschienen 
sei und ihn ihm vor der Nase weggeschnappt habe (Sz. 3). 
— Der Fürst kommt selbst und erzählt Oront, er habe 
einen betrunkenen Bauern in sein Schloß bringen lassen, 
um ihn als Fürsten zu behandeln (Sz. 4). — Zwischen dem 
Fürsten und dem Prinzen entspimit sich ein langes Ge- 
spräch über den Nutzen resp. die Schädlichkeit der Kriege 
(Sz. 5). — 

(Akt II) : Der Prinz teilt seinem Vater mit, daß alles bereit 
sei zur Ausführung des Spaßes (Sz 1). — Man bringt 
den schlafenden, fürstlich gekleideten Grzegorz auf die 
Szene und weckt ihn (Sz. 2). — Grzegorz erwacht, wun- 
dert sich über seine neuen Kleider, findet aber, daß sie 
ihm gut jAissen (Sz. 3). — Oront überzeugt Grzegorz, daß 
er der Fürst von Burgund ist, und dieser läßt sich das 
gern gefallen (Sz. 4). — Der Fürst und der Prinz be- 
grüßen ihn, und Oront meldet, daß der Gesandte von 
China um eine Audienz bitte (Sz. 5). — Man führt den 
als Gesandter \'Xirkleideten Kleon ein, der sich im Namen 
seines Königs ül>er die Freundschaft des burgundischen 
Fürsten mit dem Könige von Persien, mit dem der Kaiser 
von China Krieg führe, beklagt, und von Grzegorz kurz 
und bündig abgefertigt wird (Sz. 6). — Man macht ihm 
Komplimente ob seiner Staatsweisheit (Sz. 7). — Oront 



Anhanj,': Analyse und Bibliographie der Schulkomfldien. 4i3 

meldet die Deputierten der Provinz an (Sz. H). — Grze- 
gorz hört kaum auf die langen Tiradcfi des Deputiertca 
imd befiehlt ihm, schnellstens zu vorsrhwindon (Sz. 9). 

— Robert trägt ihm den Fall eines gewissen Grzegora 
vor, der desertiert sei, Grzegorz begnadi'^t ihn und ver- 
langt zu essen, nuilä abtr zu<?rst eine Tour durch die 
Stadt machen (Sz. 10). — 

(Akt III): Kleon und der Prinz un^Thalten sich über 
Grzegorz (Sz. 1). — Marcin unlcrricbtt't Grzegurz von 
der schlechten Lage des Staates und bereitet ihn auf 
den Regierungsconseil vor (Sz. 2). — Grzegorz glaubt, 
nun gehe es ans Essen, und wird über seinen Irrtum 
aufgeklärt (Sz. 3). — DLc Sitzung l>cginnt, man macht 
Grzegorz darauf aufmerksam, daß ein Krieg im Anzugo 
sei, er ^vill aber keinen Beschluß fassen, bevor or ge- 
gessen hat (Sz. 4). — Man überreifht ihm Gesuche 
seiner Untertanen, und Grzegorz erfährt, daß er Schätze 
habe (Sz. 5). — Grzegorz bezahlt seine Beamten (Sz. 6). 

— Ein persischer Aslrolog prophezeit Grzegorz alles 
mögliche Böse (Sz. 7). — 

(Akt IV): Grzegorz ist sehr unzufrieden darüber, daß man 
ihn liungeni läßt (Sz. 1). — Der Fürst verspricht, daß 
das Essen gleich fertig sein soll (Sz. 2). — Er macht 
Marcin zum Marquis (Sz. 3). — Robert meldet, daß der 
Staat in Gefahr sei, und bittet Grzegorz, das Kommando 
über seine TiTippen zu übernehmen (Sz. 4). — Der 
chinesische Sendbote fordert Grzegorz zum Zweikampfe 
mit seinem Könige heraus, was Grzegorz natürlich ab- 
schlägt (Sz. 5). — Als man das Essen bringt, rät der Arzt 
ihm ab, davon zu essen (Sz. 6), — Üront überreicht 
ihm einen Brief, aus dem Grzegorz erfährt, daß das 
Essen vergiftet sei (Sz. 7). — Robert enldeckt ihm den 
Mordplan des «szambelan» (Sz. 8), — GrzegiTz Iiat genug 
bekommen vom Fürstendasein (Sz. 9). — Der Fürst gibt 
den Befehl, daß man Grzegorz wieder trunken machen 
und in den früheren Zustand versetzen solle (Sz. 10). — 
Der Prinz sieht ein, daß es schwer ist, ein rechter Fürst 
zu sein (Sz. 11). — 

(Akt T) : ^lan trägt den betrunkenen Grzogorz wieder auf 
die Straße (Sz. 1). — Grzegorz erwacht und erzählt dem 
Nachbarn Toniasz seinen Traum (Sz. 2). — Marcin will 
Grzegorz festnehmen (Sz. 3). — Robert sagt ihm, daß er 
als Deserteur gehängt werden soll (Sz. 4). — Der Fürst 



4-4 Anhang:: Analyse und Bibliograpliie der Schulkomödien. 

begnadigt ihn und nimmt ihn in seinen Dienst auf (Sz. 5). 

— Der Fürst zieht im Gespräch mit seinem Sohne die 
Moral des Schauspiels (Sz. 6). — 

4. fPRZYIACIELE STOLOWI»: 

Die Komödie ist ohne Argument abgedruckt. 

(Akt I) : Der Nachbar Wilhelm des abwesenden Anzelm 
unterhält sich mit dessen Diener Frontin über die ver- 
schwenderische Lebensweise Roberts, des Sohnes des 
Abwesenden, und über dessen traurige ökonomische Ver- 
hältnisse, die ihn zwingen, sein Haus zu verkaufen; um 
dieses zu verhindern, schlägt Frontin Wilhelm vor, Ro- 
bert einen fingierten Brief des Vaters zu senden, mit der 
erfundenen Mitteilung, daß Anzelm im Begriffe stehe, 
nach Hause zurückzukehren (Sz. 1). — Frontin fürchtet 
die Möglichkeit einer baldigen Rückkehr Anzelms (Sz. 2). 

— Rol^rt dagegen ist unbekümmert, er glaubt, sein Vater 
sei tot, baut auf die Freundschaft seiner Zechgenossen 
Klearch und Alkander, die er zu Mittag eingeladen hat 
(Sz. 3). — Robert flüchtet sich vor den beiden Gläu- 
bigem Erast und Dorant (Sz. 4). — Frontin beruhigt 
zuerst den Erast durch eine Lüge (Sz. 5). — Ebenso be- 
ruhigt er Dorant (Sz. 6). — Die Zechgenossen Alkander 
und Klearch verraten uns in einem Zwiegespräch ihren 
niedrigen Charakter (Sz. 7). — Robert aber sieht in ihnen 
treue Freunde (Sz. 8). — 

(Akt II): Frontin kommt mit der Hiobspost, daß Roberts 
Vater unerwartet angekommen sei, und die Kumpanen 
bitten Frontin, den Alten hinzuhalten, bis sie mit dem 
Essen fertig geworden sind (Sz. 1). — Der «filut» Marcin 
ist beauftragt worden, Robert den fingierten Brief seines 
Vaters zu übergeben, worüber er sich in einem Mono- 
loge ausspricht (Sz. 2). — Da kommt Anzelm selbst, 
den Marcin nie gesehen hat, und ist erstaunt, von Marcin 
zu erfahren, daß dieser den alten Anzelm sehr gut aus 
Konstaritinopel her kenne und seinem Sohne einen Brief 
von ihm zu übergeben habe. Marcin seinerseits ist ver- 
blüfft, als der Alte behaT>ptet, Anzelm selbst zu sein 
(Sz. 3). — Der rechtzeitig hinzukommende Frontin er- 
klärt Anzelm, man habe seinen, über den vermeintlichen 
Tod des Vaters sehr betrübten Sohn durch einen fin- 
gierten Brief beruhigen wollen. Zugleich hindert Frontin 
ihn daran, in sein Haus zu treten, da dieses verpestet 
sei; der Sohn sei aufs Land gezogen (Sz. 4 — 5). — Da 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 425^ 

erscheint RolK^rts liaujtt;i!äul>ii!or Rudolf und fordert Be- 
zahlung der Schulden, Frontin aber lügt Anzclni vor, der 
Sohn habe ein neues Haus sehr billig gekauft und einen 
Teil der Kaufsumrno l>oi Rudolf geliolien, das Haus aber 
habe bisher dein Nachbarn Leopold gehört, der jetzt nach- 
träglich den schlechten Handel sehr bereue (Sz. 6), — 
Sobald Leopold selbst erscheint, erzählt Fnjnlin ihm. daß 
Anzelm zurückgekehrt sei und ein neues Haus nach dem 
Muster des seinigen erbauen wolle; Leopold, der in die 
Stadt eilt, gibt die Erlaubnis zur Resichtigimt,' des Hauses, 
und Anzelm ist sehr mit der Wahl seines Sohnes zu- 
frieden (Sz. 7). — 

(Akt III): Alkanderund Klearch, die mit dem Essen fertig 
geworden sind, versichern Robert ihrer Freundschaft, sie 
wenden sich ins Haus zurück, als Anzelm erscheint (Sz. 1). 
Dieser ist mißtrauisch geworden, weil er in der Stidt 
schlechte Gerüchte über die Lebensweise seines Sohnes 
gehört hat (Sz. 2). — Da kommt Kloarchs Diener Jan, 
um seinen Herrn nach Hause zu holen, und verrät, daß 
Robert eben für seine Freunde ein Zechgelage veranstaltet 
habe (Sz. 3). — Leopold versichert Anzelm, daß er nie 
im Sinne gehabt habe, sein Haus zu verkaufen (Sz. 4). — 
Wilhelm eröffnet ihm die ganze Wahrheit (Sz. 5). — 
Anzelm fordert erbittert, daß das Haus geöffnet werden 
solle, Robert tritt heraus und. drückt seine Freude aus 
über das unverhoffte Wiedersehen, wird aber kurz abge- 
fertigt (Sz. 6). — Als nun Erast und Dorant wieder auf 
der Bildfläche erscheinen, glaubt Robert, daß seine Freunde 
ihn iiun aus der unangenehmen Lage befreien werden, irrt 
sich aber sehr; Anzelm fordert die Gläubiger auf, morgen 
wiederzukommen, und führt Robert ins Haus, um ihm 
unter vier Augen den Standpunkt klar zu machen (Sz. 7). — 

5. «KAWALEROWIE MODNI»: 
Die Komödie hat kein Argument. 

(Akt I) : Die Kavaliere Kleon und Dorant sind über den 
Empfang, der ihnen von den beiden zugereisten Junkern 
Tomasz und Jan zuteil wurde, empört, und Dorant schlägt 
vor, ihre Diener als Herren zu verkleiden und zu den 
beiden Dummköpfen zu schicken (Sz. 1). — Anzelm, der 
Vater des einen Jünglings und Onkel des anderen, ist von 
der kühlen Empfehlung der beiden Herren unangenehm 
berührt (Sz. 2). — Sein Diener Filip erzählt ihm, was 
Tomasz und Jan treiben, und ist überzeugt, daß der fran- 



4it> Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

zösische Erzieher Martinier ihnen, den Kopf verdreht 
(Sz. 3). — Anjzelm sagt den jungen Leuten gerade 
heraus, daß ihm der Erzieher selir wenig gefällt (Sz. 4), 

— Tomasz und Jan sind unzufrieden mit der bäuerischen 
Lebensanschauung des Alten und S])rechen die Vermutung 
aus, daß Anzelm gar nicht der rechte Vater Tomasz' ist 
(Sz. 6). — 

(Akt II): Die beiden Junker klagen Martinier, daß Anzelm 
verlange, sie sollten zur Kommunion gehen, und Mar- 
tinier unterrichtet sie, wie sie sich dem entziehen könnten 
i. (Sz. 1). — Filip meldet ihnen die Ankunft eines Kava- 

liers, der im französischen Heere gedient habe (Sz. 2). 

— Woyciech, Dorants Diener, erscheint als Kavalier ver- 
kleidet, prahlt und spricht seine Verachtung aus für alles, 
was polnisch ist (Sz. 3). — Robert, der Diener des 
Kleon, gesellt sich zu ihnen, gleichfalls als Kavalier ver- 
kleidet, Imd prahlt mit Woyciech um die Weite (Sz. 4). 

— Schließlich erscheint auch Martinier, und Tomasz prä- 
sentiert ilm und erzählt seine Geschichte, worauf alle 
fortgehen, um Kaffee zu trinken (Sz. 5). — 

(Akt III): Anzelm unterwirft Martinier einem Verhör über 
seine Erziehungsgrundsätze, wobei Martinier ihm ganz nach 
dem Munde redet (Sz. 1). — Die Gesellschaft findet sichi 
ein, und alle ergehen sich in verächtlichen Reden über 
die Zustände und Sitten in Polen (Sz. 2). — Da er- 
scheinen Dorant und Kleon und schlagen die beiden 
Diener (Sz. 3). — Tomasz und Jan sind erstaunt darüber 
(Sz. 4). — Dorant und Kleon erklären, daß Woyciech und 
Robert ihre Diener seien; dabei wird auch Marlinier von 
Kleon als sein früherer Stallknecht erkannt, der ihn be- 
stohlen habe und darauf verschAMinden sei (Sz. 5). — 
Anzelm al>er beschließt dem Unwesen mit den privaten 
Erziehern ein Ende zu setzen und die beiden Junker in 
eine öffentliche (Jesuit«'n-)Schule zur weiteren Erziehung 
zu geben (Sz. 6). — 

Bevor noch die erste Ausgabe der Komödiensamm- 
lung, die Bomit 5 /^ ö = 2b Komödien enthielt, ab- 
geschlossen war, — genauer: noch vor dem Erscheinen 
ded vierten und fünften Bandes — , wurden die ersten drei 
Bände in einer zweiten und dritten Auflage aufs neue 
herausgegeben. Die zweite Ausgabe erschien 1757 in 
Lublin in drei Bänden mit folgendem Titel: 



Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 447 

K O M K D Y E 

przez Xi^'iza FRANCISZKA 

B O H M L C^ A 

feocietatis JESU 

napisane 



w LUBUNIE 

za pozwoleniem Starszych 

przedrukt)wane 

w Dnikarni JKMCi y Rzeczypospolitey 

w Kollegium S(XJ. J E S U 

Rüku MDCCLVII 

Die dritte Ausgabe erschien im folgenden Jahre, also 
1758 («Roku MDCCLV1II>) in Lwöw, und zwar in der 
Druckerei des königlich privilegierten Typographen Jan 
Szlichtyn. Der Titel der Sammlung war mit dem der 
zweiten Ausgabe in der Hauptsache identisch.^ 

Die vierte Ausgabe der Bohomolecschen Komödien, 
richtiger, die zweite Gesamtausgabe derselben, erschien 
erst viele Jahre nachdem Pater Bohomolec seine päda- 
gogische Wirksamkeit aufgegeben hatte, zu einer Zeit, 
da der Orden der Jesuiten gerade aufgehoben wurde 
(1773). Die Ausgabe erschien in Warschau in den Jahren 
X772 — 1775 (1772: Band I, 1773: Band II und III, 
1774: Band IV, 1775: Band V). war dem bekannten 
Architekten Jakob Fontana (<jpulkownik y budowniczy 
JKMci y Rzeczypospolitey») gewidmet, dessen Verdienste 
Bohomolec in der Wi.imung darlegt, und zu dem er als 
guter Freund des Hofmedikus Jan Crempiiiski, dem 
Gatten einer Prowidencja Fontana, selber in näheren 
persönlichen Beziehungen gestanden haben mag, und ent- 
hielt in derselben Reihenfolge dieselben 25 (nicht wie 
Estreicher in seiner Bibliographie angibt 24) Komödien 



5 Es sei mir bemerkt, daß auf dem Titelblatte der besondere 
Vermerk zu lesen ist: ^<za pozivoleniem autora-. 



4-28 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

der vorhergehenden Sammlungen. Der Titel lautete 
folgendermaßen: 

KOMEDYE 
X. FRANCISKA BOHOMOLCA 

Societatis Jesu 
Znowu przedrukowane 

'Za pozwoleniem Zwierzchnosci 

w Warszawie 

w Drukarni JKMCi y Rzeczypospolitey 

w Kollegium Soc: JESU 

Roku 17 7 2 

Außerdem existiert noch ein Sonderdruck des fünften 
Bandes, der nur die beiden ersten Komödien («Mysliwiec» 
und «BlizniQta») enthält und einen unbedeutend ver- 
änderten Titel trägt. 

Der Vollständigkeit halber seien hier noch zwei, die 
Verbreitung der Bohomolecschen Schulkomödien charak- 
terisierenden Tatsachen genannt. Der im vierten Bande 
abgedruckte «.Junak^ erschien im Jahre 1774 im LXIII. 
Bande der großen Sammlung aller in Warschau öffentlich 
aufgeführten Komödien, die den Titel trägt: «Teatr Polski 
czyli Zbiör komedyi, dramm y tragedyi, z naysiawniey- 
.^zych^ autoröw Francuzkich tiömaczonych y przez aktoröw 
Polskich na Teatrze W^arszawskim granych.»« Dieses 
scheint darauf hinzudeuten, daß der «Junak» auch auf 
dem von Stanislaw August gegründeten Theater vor 1774 
gespielt worden ist. Mizler teilt uns in dem (allgemein 
ihm zugeschriebenen) «Briefe eines Gelehrten aus Wilna 
an einen bekannten Schriftsteller in Warschau, die Pol- 
nischen Schaubühnen betreffend > (Warschau 1775, «ge- 
druckt in der Mitzlerischen Buchdruckerei») mit, daß man 
im Jahre 1 775 «eine polnische Comödie Der Raufer 

^ " Die Komödie ist .hier zusajnmenges teilt mit Zablockis 
"Zotta szlafmyca» .und einer tJbersetzung von Le Brets «Le double 
Extravagance». 



Ai.hant-: Analy,e uiut Bibliograph« .1er S.l.ulkoinfldien. 429 

(Junak). acht mal (und zwar am 1. «IIornunK. 2S. und 
30 .Merz., 22. April. 23. «Julius», 21. und 24. August 
und 30 Noven.bcr) auf den Warschauer ..fr.ntl.chen . 
Theater gespielt habe.' üiegeleisen hat diene Mitteilung 
,uf llohomole,' Komödie bezogen. Inwieweit dieses \ er- 
fahren berechtigt ist, kann ich nicht mit 1 est.mmthe.t 
ausmachen. Mizler kann nänüicl, sehr wohl einen p,.nz 
aad.ren «Junak. geuuint haben, und zwar Stanislaw 
Mv.ielskis 1770 und 1774 in Warschau bei Groll ge- 
druckten, dreiaktigen «Junak., der zwischen jenen beiden 
J„hren, wenn wir der im Vorwort zur zweiten Ausgabe 
vom Herausgeber, der sich hinter den Initialen K C. li. K K. 
versteckt, gegebenen Mitteilung Glauben schenken dürfen, 
jedenfalls im -Korpus Kadetow. auti-elührt worden ist. 
Belcikowski hat seinerzeit in seinem Artikel über Bohomo- 
lec» sogar behaupt-t. daß ßohomolec der Herausgeber 
dieser Komödie gewesen sei, wahrscheinlich dadurch zu 
dieser Annahme verleitet, daß eine undatierte Ausgabe 
der Bohomolecschen «Rozrywki ucieszne y dowcipne., die 
auch Estreicher in der Jagellonischen Bibliothek zu Krakau 
gesehen hat, im VIII. Kapitel einen <zbi6r komedyi w 
Irötkim zebraniu pod tyt. 'Junak' (St. Myc.elsk,ego). 
enthielt. Wie dem auch sei, wir wissen nicht, welche 
von diesen beiden Komödien Mizlcr in seiner -Notiz ge- 
meint haben kann. 

Die andere Tatsache, die für uns hier von In ere-^»e 
sein könnte, ist die, daß auch der .Paryzanin lolski. 
in den 70 er Jahren des 18. Jahrhunderts ütfenthch auf- 
geführt worden zu sein scheint. Jedenfalls ist unsere 
Komödie in den 1779 erschienenen LMI. Band des 
"^'ii^.deisea («Album . . . poswi^cone J. I. Kraszewskiemn», 

S. 635) führt {ehlerhafte D^'^^J^", ßelckowski behauptet 

8 «Pier^vszy sceniczny pisarz*, •41J/^U. üeiciko» i f 

so^ar daß Bohomolec .dyrektor teatru w Korpus.e Kade.ow-. gc- 
weisen sei. Er hat ihn augenscheinlich mit d^"" »--/^t'^^^^^^ 
f-eber der Mycielskischen Komödie ver^vechse!t der übrigens 
CieTiszcski hieß und tatsächlich der I^Uer der Thcaterubungen 
im Kadettenkorps war. 



430 Anhang: Analyse und Bibliographie der Schulkomödien. 

<Teatr Poleki» aufgenommen worden^, was darauf deuten 
dürfte, daß sie ungefähr gleichzeitig auch aufgeführt 
worden ist.^^ 

Vier verschiedene Auflagen, die den Zeitraum 1755 
bis 1775 umfassen, drei verschiedene Druckorte (Warschau, 
Lublin, Lemberg), die davon zeugen, daß die Komödien 
des Paters Bohomolec nicht nur in seiner eigenen Schule 
aufgeführt und gelesen wurden, sind Beweis genug dafür, 
daß sie in weiten Kreisen der polnischen Gesellschaft 
Aufmerksamkeit geweckt hatten. Wie sie von den Zeit- 
genossen gewertet wurden, geht schließlich daraus hervor, 
daß der ausgezeichnete Theaterkenner Fürst Adam Czar- 
toryski sie bei der Nennung der wichtigsten polnischen 
Schöpfungen auf dem Gebiete der dramatischen Kunst im 
Vorworte zu seiner 1771 erschienenen eigenen Komödie 
«Panna na wydaniut (S. 61) nicht mit Stillschweigen über- 
gehen zu können glaubte; er nannte sie «komedye pelne 
szczypek soli Attyckiey». 



^ Sie ist hier mit einer Komödie eines gewissen Tomaszewski 
(1771), einer anderen eines gewissen Marewicz (1787) und einer 
Oper von Metastasio (1780) zusammengestellt. 

1^ Noch im Jahre 1843 wurde diese Komödie von Dilettanten 
im Dorfe Brzezany in Galizien aufgeführt. Vgl. K. W 6 j c i c k i , 
Rys ogölny pismiennictwa polskiego od r. 1750 do 1800 («Dzien- 
nik literacki», 1853, II, Nr. 41). 



(O 



PG Stender-Petersen, Adolf 

7157 Die Schulkomödien des Paters 

B6Z86 Franciszek Bohomolec, S.J, 



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