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Full text of "Die Thiere in der indogermanischen Mythologie"

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Die Thiere 



in der 



indogermanischen Mythologie 



von 



Angele De Gnbernatis, 

Professor des Sanskrit and der vergleichenden Literstur am Instituto di studii 
superior! e di perfezlonamento zu Florenz. 



Aus dem Englischen übersetzt 



M. Hartmann. 



Autoriairte, mit Verbesserungen und Zusätzen versehene 
deutsche Ausgabe. 



Leipzig, 
Verlag von P. W. Grunoi 
1874. 



QoW 






Den Herren 



Miehele Amari and Miehele Coppino 

als ein Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung 



gewidmet 



vom 



Verfasser. 



V o r w o r t. 



Nirht ohne einiges Bangen wage ich, zum ersten Mal in 
meiner Gelehrten lauf bahn vor ein fremdes Publikum zu treten 
und meinen Gedanken in einer fremden Sprache Ausdruck zu 
geben; auch nicht ohne Mißtrauen in meine eigenen Kräfte habe 
ich hier/u einen Gegenstand ausgewählt* der» obzwar durch seine 
Neuheit und Bedeutung äusserst interessant mich einem Erforder- 
niss an Gelehrsamkeit und Speculation und anderen erheblichen 
Schwierigkeiten gegenübergestellt hat, welche mich mehr als ein- 
mal nöthigten, eine Pause zu machen, wie mau es wohl vor einem 
tollkühnen Unternehmen thut. Wenn ich mich nutz dieser meiner 
Befürchtungen und der Vorsicht, welche sie so natürlich eingehen, 
aus anderen Erwägungen zu Schlussfolgerungen» zu Urtbeilen 
hinreissen liess, welche unreif oder ungerechtfertigt erscheinen 
können, so appellire ich von Anfang an au die Güte des Lesers 
und ersuche ihn um nachsichtige Beurtheilung. Der wesentliche 
Mangel dieses Buches liegt unzweifelhaft in seiner Uu Vollständig- 
keit leb weiss nur zu gut, dass mir die Kenntniss von Mythen 
und Legenden zehn oder zwanzig mal so viel Materialien hätte 
bieten können, als ich hier verarbeitet habe, die ich bei mehr 
Masse and Geduld hätte sammeln, prüfen, siebten und ordnen 
kimneu, so dass am Ende — wenn dann überhaupt von einem 

>Iehen die Rede ist — mein bescheidener Oktavband zu einem 
ehrwürdigen Folianten angewachsen sein würde; ferner auch, dass 

ch hätte in vielen Fällen die Anordnung verbessern, Lücken aus- 
i nod einige Hypothesen, die in der Luft zu schweben schei- 
nen, durch bessere Beweisgründe unterstützen können, ja, dass 
sogar vielleicht einige Vermuthungen zweiter Linie durch neues 



fl 



Materia] zu Conjekturen Modifieationen erlitten haben würden. 
Doch die Besorgniss, die immer auf dem Gelehrten lastet, sein 
Leben könne ein Ende erreichen, bevor es ihm vergönnt sei, seinen 
letzten nnd natürlich am zärtlichsten gehegten Plan auszuführen, 
nuthigte mich, unter allen Umständen den Fortschritt meiner Ar- 
beit zu beschleunigen, gleich dem Sohne des fabelhaften Helden, 
der nicht von Jahr zu Jahr, sondern von Tag zu Tag, von Stunde 
zu Stunde wuchs. 

Und wenn dieses anspruchslose Erzeugniss eines italienischen 
Talentes und seiner Forschungen möglicherweise hier und da 
einen erhellenden Lichtstrahl auf ein fast noch ganz unerforschtes 
Gebiet wirft, wird es doch auch oft genug dem Versuch eines 
vorschnellen JUnglings gleich scheinen und deutlich eine Früh- 
reife verrathen. Es war freilich fast unmöglich, sich bei der 
Neuheit des Unternehmens von einer Verleitung auf unbekannte 
Abwege gänzlich freizuhalten und der Versuchung zu widerstehen, 
zuweilen eine übereilte Bemerkung zu machen; doch werde ich 
durch das lebhafte Vertrauen getragen, dass das Buch seinem 
Leser helfen kann, das grosse historische Princip zu verstehen, 
welches die Entwickelung der Thiermythologie beherrscht, von 
ihrer primären Gestaltung an bis auf ihre jüngste Darstellung in 
der Sage, nnd zugleich auch in einer allen Zweifeln ein Ende 
machenden Weise darthun wird, wie noth wendig es ist künftig- 
hin das, was in engerem Sinne Mythologie heisst, mit der Er- 
forschung der ganzen ungeheuren Masse der Volkssage, der 
edirten sowohl wie der nicht edirten, die sich in Gedichten, Le- 
genden, Liedern, Mäbrchen, Sprichwörtern und abergläubischen 
Vorstellungen erhalten hat, zu einem Studium zu verbinden. 

Es ist durchaus nicht wahr, dass die alten mythologischen 
Systeme aufgehört haben zu existiren; sie sind nur auseinander- 
gebogen und umgebildet worden. Nomen est mutatum, numen 
retent-uni. Sein Glanz ist vermindert, weil seine Beziehung auf 
den Himmel und seine himmlische Bedeutung verloren gegangen 
ist, weil es irdischer geworden ist ; trotz alledem ist seine Lebens- 
fähigkeit noch eine enorme. Man möchte fast von den Göttern 
sagen, wie von den Reliquien der Heiligen in der römisch-katho- 
lischen Kirche, je mehr sie getheüt werden, desto mehr verviel- 
fältigen sie sich. Immer und immer noch schmausen sie die Am- 
brosia, die ihnen Unsterblichkeit gab, doch nicht im Himmel 
allein; denn wie sie uns ihre Gaben xu Theil werden lassen, so 
versorgen wir sie tagtäglich mit dem Brode des Lebens; und diese 



- lie Ambrosia, (liest- unsterbliche Nahrung der Götter ißt das 
in welches die Phantasie sie zu hüllen liebt, von 
nmwob dem Gerntttt des Volkes erhaben und 

schrecklich scheinen. Nichts klebl fester ;n> der Erde, keioe 
tlanzc kann sieh weiter ausbreiten, als ein Aberglaube, 
isebaftliehe Wahrheit erfordert Jahre und bisweilen 
Jahrhunderte des Er um in allgemeine Aufnahme zu kom 

men, und ihre Verfechter ziehen es leider! nur zu häufig v<n\ 
ärtyrerthum zu leiden, sieh der verabscheuungHWÜr- 
digen Parole der Papisten zu unterwerfen: „Laudabiliter sc sub- 
doch ein Irrt hum, der auf einem <ieftthl des Hchernaihr- 
n beruht, bedarf nicht des elektrischen Drahtes, um von Her 
zen zu Herzen /.u sacken und in der leichtgläubigen Welt ( 

derball zu wecken, während die schwere Batterie von Ver- 

nunftgrlinden eines ganzen Heeres Rationalisten nicht genügen 

(i, ihn zu vertreiben, wo er sieh testgesetzt. 

Da ated die alten Mythen noch, wenn auch nur in tragmeu- 

Ocstalt exisliren, nämlich in den Volkssagen Europas, 

diese Fragmente, mit einander verknüpft, ein werthvolles 

Material für Vergleichuug mit den alten Formen, denen der Ge- 

der Dichter und Künstler eiue Färbung gegeben bat, die aber 

die Hilfe der lebendigen Sage oft nicht leicht zu erklären 

u. Der alte Mythus giebt uns häufig den Keim vieler noch 

beut umlaufenden Sagen und ebenso lösen diese das Räthscl 

- einer alten Personification von Himmelserscbeinungen. 

Ihre Beziehung auf einander ist eine fast unmittelbare und die 

Naci l Jmstandes ist gerade das Objekt der Wissen 

it, zu der ich hier meinen ersten bescheidenen Beitrag liefere. 

in der Geschichte der indogermanischen Sprachen das 

-krit als der Ausgangspunkt dient, eine Sprache, welche mehr 

als irgend eine andere ihren Grimddiarakter bewahrt hat, so sind 

es in der verwickelten Geschichte der Mythologie die alten ve- 

Texte, und besonderstier Kigveda, aufweiche wir 

Allem als auf den Mittelpunkt zurückgehen müssen, von wel- 

n die Mythologieen anderer indogermanischer Vidker strahlen 

ig ausgehen* Das unzweifelhafte Alter dieser literal i^ 

D*>k '1er spontane Charakter ihrer Lyrik, ihre Priorität vor 

aller epischen und dramatischen Literatur, in welcher dii 

jekundfirer Gestalt auftreten, d. h. in Gesellschaft irdischer 

Helden und überhaupt der Erde näher stehend als dem Himmel; 

lichkeit, dasK diese Texte uns zahlreiche Beispiele des? 



kkfcto* Lebergaage* im HxauekeneJiauAge» ra dem Bilde 
de» Goes» liefern, nit en« Wart, die Gkkiaetti^keU too 
mi Sdiftpfrng da Mvtfl» swiigci ns, die ersten Begriffe 
rndftgemuncfaer Mythologie wf diesen Blattern der Natorpoesie 
1a tncfwa Wie e» jedoch n n verantwortlich wäre 10 sages , daß 
Sanskrit einhake in fleh alle indogennanjichen Spracbgestaltungen, 
m dftrfte die Behaaptrag aicht weniger voreilig sein, daaa in 
den Tedischea Hymnen unsere ganze Mythologie gegeben sei 
Wir sachea in ihnen eben einzig and allein nach alten and 
aatheatiaehet) Arguneatea f an nachweisen zi können, wie ge- 
wisse Banptmvthen vor der Zerstreuung der Indogennanen ge- 
stalte* waren: ist das Gesetz erwiesen, nach welchem sieb diese 
entwickelt haben, so wird e* weiterhin möglieb sein, auch die 
Geschichte derer au reconsrxuiren , die noch bestehen, indem wir 
ans dabei aal" die Analogie stützen und die entsprechenden Ma- 
terialien der verschiedenen Volksliterat aren benutzen, die indische 

-atar selbst mit eingeschlossen, welche der vedischen auf dem 
Fusse folgte, ond in welcher wir zuweilen Sagen und mythische 
Vorstellungen finden, die uns in Stand setzen, mehre dunkle 
Stellen der Veden aufzuklären und zu ergänzen, wie sie uns auch 
nicht selten neue Mythen bieten , deren Spur in den auf uns ge- 

menen Tedischen Hymnen verloren ist. Erwägen wir die 

Dauer der vedischen Periode und die territoriale Ausdehnung, 

lie Nationen, die die vedischen Hymnen sangen, zwei- 

Jahre lang, von dem Fusse des westlichen Himalaya bis 

an die Ufer des Ganges, einnahmen, so können ja die Hymnen, 

welch« wir Überkommen haben — obwohl ihre Zahl im VJigveda 

allem mehr als tausend beträgt — nicht zahlreich genannt wer- 

vielim hr haben wir Grund zu vermutben, dass in dem Dun- 

ki I drs gr*ljen Altertbunis und in dem Wirrwarr der Wanderungen 

auf ewig verloren gegangen sein müssen. Auch 

u ja nicht alle Mythen in Liedform gebracht; viele wurden 
nur in der Familie t'< -rt^rcerbt und gesammelt: daher jene geheime 
Wmsrnsrhatt, die sieh uns theilweis in den Exorcisinen und An- 
rufungen des Atharvaveda offenbart; daher jene abergläubi- 
in Vorstellungen, die .sieh als Familienbräuehe iu den Grihya* 
sutruH linden; daher die Fülle von Sagen , die als Nachträge in 
allen üräliuiainis euthaltcn sind, und das ungeheure Material, das 
in dm Epep, in den puranischeu Erzählungen und von den No- 
\ rllisti ii ^esaiiiiuelt ist* Dadurch nun, dass dieser ganze Reich- 
tlium an mythischen Traditionen in die indische Literatur über- 



It 



gegangen ist, gewinnt dieselbe besondere Wichtigkeit als Mittel 
der Vergleiehung: da aber trotz dieser Ueberfiille an literarischen 
Dokumenten, welche sagenhafte Stoffe behandeln, viele Mythen 

lieb aus dem Bewusstsein und dem Gedächtnis» des indischen 
Volke« geschwunden sind, ohne eine literarische Spur zu hinter- 
lassen, so müssen wir bekennen, das» Indien, obzwar in der Ge- 
schichte der Mythologie, wie der indogermanischen Spraehent- 
wieklnng das an Elementen reichste Gebiet, und darum der 

fzbare Ausgangs- und Endpunkt jeder Vergleiehung, dennoch 
nicht als der einzige concentrische Typus fUr alle Vergleichung 
dienen kann. 

In manchen Beziehungen ist die griechische Mythologie, in 
anderen die slavisehe, skandinavische und deutsche weitaus evi- 
ter ( sie entwickeln das mythische Motiv (das Grundprincip), 
das sie mit Indien gemeinschaftlich besitzen, weit ausfiilirlic-' 
in einigen Fallen — wie schon bezüglich der Sprachen erwähnt 
wurde — fehlt das indische Element im Mythus absolut, wäh- 
rend das europäische eine ausserordentliche Lebensfähigkeit und 
Expausinuskiaft entwickelt. Es genügt hier, zu erwähnen, dass 
sieh in Europa ein vollständiges Epos vom Fuchs ausbildete, wall- 
end die indische Hage, welche lieber bei der Schlauheit der 

inge verweilt, jenem Tbiere eine untergeordnete Stellung 
Allerdings kommt hier auch die zoologische Geographie 
in Betracht, um die augenfällige Unterbrechung in der Reihe der 
Vergleicbungen zp erklären , indem sie zeigt, wie es unmöglich 
war , dass in den indischen Sagen der Fuchs, ein Thier, das in 
fegenden weit weniger bekannt ist, ißt vollkommenste 
ins weiblicher Schlauheit werden sollte; während andrerseits 
aus demselben Grunde dßr Elephant, der Riesenaffe, die Riesen- 
turtcltaube, die eine so wichtige Stelle in der brahmanischeu 
jie einnehmen, kaum in den mythischen Legeöden Euro- 
pas einen Platz finden konnten, da sie in diesen weit weniger 
annt sind und darum weniger geeignet waren, Träger des 
alten oder selbst des modificirtcu mythischen Bildes zu sein* Doch 

»td die verschiedenen Thiergestalten hir und da aus g 
graphischen Gründen für einander eingetreten sind, ist doch das 

lUphe Motiv, amf welchem sie basiren, immer und überall 

dasselbe* So führten die verschiedenen Charakteranlagen, die 

verschiedenen Bedürfnisse und Tendenzen der Völker, aus denen 

unsere Race bestellt, Umstände, welche Verschiedenheit der Woha- 

und <J^s Klimas bedingten, unter Anderem zu dem Resul- 



tat, das» was an einem Orte geliebt und erwünscht war, an 
einem anderes gefürchtet nud verabscheut werden mussie, und 

vice versa; dass ein Gegenstand an einem Orte eine göttliebe 
Gestalt annehmen masete, während er an einein aude en als da 
nioiiiseh betrachtet wurde; doch die gemeinsame Basis aller die- 
ser verschiedenen mythischen Gestaltungen ist tue Beobachtung 
derselben HinimcIserscheinLingcn. Ausserdem wurde ein My: 
der anter einem Volke fast vergessen war, von einem anderen, 

Limiten in lebhafter Erinnerung gewahrt und immer grosserer 
Fülle des Gedankens und Formvollendung zugeführt. Diese 
sehiedenheit entsprang theilweis aus dem grösseren oder geringeren 
Eindruck, welchen die Beobachtung der Hirnmelserselteinungen 
auf «las Gcmiith hervorbrachten, thcils aus den verschiedenen 
(physischen, socialen and anderen) Lagen, denen sie, in Folge 
ihrer Wohnsitze, unterworfen waren; doch können wir inmitten 
der ungeheuren Vermannigfaltig ung in den Formen, die jeder 
ciu/clnc Mythus erlitt, unmet ohne viele Schwierigkeit die Einheit 
ihres Ursprungs verfolgen und nachweisen. 

Indem ich daran gehe, in drei Büchern die Geschichte der 
mythologischen Tliiere zu sehreihen , halte ich es nicht für not- 
wendig > noch besonders das ursprüngliche Terrain des Mythus 
en; denn obwohl das erste IJuch seinem Titel nach die 
Landthiere, das zweite die Thiere der Lütt, das dritte die Wasser- 
thicre behandelt, so giebt es doch nur ein einziges, allgemeines 
Gebiet, auf welchem alle Thiere der urunfänglichen Mythologie 
erstehen, und nur eine grosse Bühne, auf welcher sie ihre respec- 
tiveu Rollen abspielen. Dies Gebiet ist immer der Himmel, wah- 
rend die Zeit, innerhalb deren die mythische Aktion vor sieh geht, 
vielen Variationen unterworfen ist bald ist es der Tag von 
zwölf, bald der von vierundzwanzig Stunden, bald sind es die 
drei Nachtwachen; einmal ist es der Moudmouat von siebenund- 
zwanzig Tagen, ein ander Mal der Sonuenmonat um dreissig; 
bisweilen das Jahr von zwi'df Sonueuinonaten, und dann wieder 
das von dreizehn Mondmonatem Das mythologische Drama spielt 
sieh im Himmel ab; doch der Himmel ist entweder hell oder er 
ist finster; erhellt kann er sein von der Sonne oder dem Monde, 
verdunkelt durch die Finstcrniss der Nacht oder durch die Ver- 
dichtung seiner Dämpfe zu Wolken. Weiter: der klare Himmel 
nimmt zuweilen die Gestalt eines Müchsees an; diese milchige 
aJtung lasst die Vorstellung von einer Kuh entstehen, und 
daher werden die glänzendsten Gestaltungen deB Himmels oft als 



XI 

Herden dargestellt. Der Gott, der den Regen fallen läset, der 
aus dem höchsten Himmel die Erde befruchtet, erscheint bald als 
Widder, bald als Stier; der Blitz, der wie ein beschwingter Pfeil 
daherfliegt, wird bald als ein Vogel, bald als ein geflügeltes Rons 
dargestellt; und so nehmen all die beweglichen Himmelscr- 
scheinungeu, eine nach der andern, die Gestalten von Thieren an, 
indem sie schliesslich bald der Held selbst, bald das Thier wer- 
den, welches dem Helden dienstbar ist, und ohne welches er nicht 
die geringste Übernatürliche Kraft besitzen würde. In einei 
buddhistischen Legende befindet sich eine Stanze, welche Bi 
„Auch die Thiere erinnern sich an früher geleistete Dienste und 
verlassen nicht, wenn man sie drum bittet, ja die Thiere wissen, 
was geschehen ist,*' l Andrerseits nahm der bewölkte oder der 
düstere Himmel in den Mythen die Gestalt bald einer Höhle oder 
Grnbe, bald eines Stalles, bald eines Baumes, eines WaldeB, eiues 
Felsens, eines Berges, eines Oceans an; und die sprachliche Ana- 
lyse zeigt wie natürlich solche Uuppelbedentungcn sind; hatten 
diese einmal Wurzel geschlagen, so war nichts natürlicher, als 
dass die Holde mit Wölfen, der Stall mit Schafen, Kühen und 
Pferden, der Baum mit Vögeln, der Wald mit Roth wild und wil- 
den Ebern, der Felsen mit Drachen, die über Quellen and Schätze 
Wache halten , der Berg mit Schlangen , der Ocean mit Fischen 
und Meernngeheuern bevölkert wurde. In einer Stanze eines ve- 
diseben Hymnus an die Götter Itidra und Agni, einer höchst 
kunstvollen und eleganten Composition, singt der Dichter, wie 
die beiden Götter nebeneinander um einen gemeinsamen Sieg 
fochten, dessen Preis die verschiedenen Namen: Kühe, Wa 
Länder, Licht, Dämmerungen führt * Der vedisehe Dichter gieht 
uns in dieser einzigen Stanze ein ganzes mythisenes Drama' 

Die Volkssage Indiens, selbst die jüngste, hat das Verständ- 
nis* des geheimen Sinnes des Mythus bewahrt, den zu erlassen 
gelehrte Inder vielleicht unfähig gewesen wären, Im letzten 
Buche des Ram ay a na, in welchem viele Volkslegeudcn zusam- 
mengestellt sind, die sich auf den als Roma iukaruirten Vishnu 
beziehen, nimmt das Ungeheuer Havana dieselbe Mannigfaltigkeit 
der Gestaltungen an, wie der dunkle Himmel der Veden, ausgr.- 
nomroen die des Tigers, welche die vedischen Texte noch nicht 
ausdrücklich erwähnen, welche jedoch höchst wahrscheinlich im- 



Yneedotn Pälica I, Kasavähini p, Öl (Leipzig 1845). 
•Big*. VI, 60, 2. 



Ml 

plirite in dem hautig vorkommenden Epitheton ; wildes Thier 
(inriga liegt, mit welchem sie das dämonische Ungeheuer bezeich- 
nen. Das Rämäyana sagt, l das» das Ungeheuer mit zehn Ge- 
sichtern in den Gestalten eines Tigers, eines wilden Eber», einer 
Wolke, eines Herges, eines Sees, eines Baumes, und in seiner 
eigentlichen dämonischen Gestalt gesehen wurde. Au einer an- 
dern Stelle* wird uns erzählt , wie bei dem Auftreten Kävanas 
die bestürzten Gutter sieh in Thiere verwandeln — Indra wird 
ein Pfau, Yama eine Krähe, Kuvcra ein Chamäleon, Varuna ein 
Schwan — und so der Wuth des Feindes entrinnen. Wir werden 
sehen, dass jede dieser Verwandlungen nichts weniger als eine 
zufällige Laune, sondern den verschiedenen Göttern natürlich und 
fast noth wendig war, so dass wir in dieser grossen mythischen 
Scene in Wirklichkeit nur das Phantasiebild eines grossartigeu 
Simnenunterganges haben. Das Thier ist der Schatten, welcher 
dem Helden folgt: es ist seine äussere Erscheinungsform; es ist 
sein Schutz. Als Räma sich auf den Weg nach dem Himmel 
macht, folgen ihm die Bären, die Allen uud alle anderen Thiere, 
die unter seiner Butmassigkeit stehen; 3 als Räma in den heiligen 
Wellen der Sarayü seine göttliche Vishnu -Gestalt wieder an* 
nimmt, erhalten auch die Leiber der Thiere in jenen Wassern 
göttliche, herrliche Formen. 1 In mehren slavischen Volksmü In- 
dien rrr besonders russischen — ist nicht sobald der Held von 
den Thieren, welche die Raubthiere jagen, von seiner Meute 
(ahöta ) getrennt, als der Zauber gebrochen ist und er dem Unge- 
heuer leicht zum Opfer fällt. Das Thier wird mit dem Helden 
in solcher Weise identHicirt, dass man oft sagen kann, es sei der 
Held selbst; und die Volksmährchen der Slaven, welche mehr als 
andere den Charakter primitiver Einfachheit bewahrt haben, 
dürften in Ermangelung eines Heldengedichtes auf diese Weise 
die Materialien für ein ganzes Thierepos suppliren. 

Kein Wunder also, dass ich nächst den indischen den sla- 
vischen Sagen den Hauptplatz zuwies: die Sprache» die Pbau- 

. der (Haube, die ganze Lebensweise des slavisehon Bauern 
sind noch ursprunglich und patriarchalisch; man möchte fast 
schwören, sie hätten die dreitausend Jahre hindurch keine Ver- 



* Rftinäy. VII» 15. 
-' Kuuay. VII, |& 

u i v VII, 114. 
■ EUmäy Vll, 115. 



tin 



ändcntug erlitten. Ich weiss nicht, ob eft immer so bleiben Wird, 
angesichts und trotz der Invasion der westlichen Civilisation auf 
slawischem Boden; doch die Nation ist jedenfalls eine der zähe- 
steil unter den bestehenden, welche bis zu dieser Stünde ihre 
ganze ursprüngliche Herbheit und frühe poetische Natur bewahrt, 
und rttar sogar, während sie im Begriff steht, sich fremde Ele- 
mente anzueignen. Die Verbindung, in welche die Slaven, nur 
notgedrungen, mit tatarischen Stämmen traten, störte in keiner 
Weise die Einförmigkeit ihrer ursprünglichen Sitten, noch alterirte 
sie ihre alten abergläubischen Vorstellungen. Höchstens nannte 
der slavische Bauer die schwarzen Ungeheuer, deren Kämpfe mit 
den Helden in den bei den Slaven besonders beliebten Mährchen 
ein Hanptelement bilden, Tataren oder Türken, wie ja auch in 
den epischen Gedichten der Perser die Türken die Personifica- 
tionen der bösen Geister sind, und die Saracenen oder Türken 
(die ort mit einander verwechselt werden) in französischen Ge- 
dichten des Mittelalters und den Volksmährchen Griechenlands, 
Neapels und Spaniens die Rolle der schwarzen Dämonen spielen. 
Von demselben eifersüchtigen Itacengeist getrieben, verwandelt 
nicht gelten die Volksliteratur der Türken und Tataren die Götter 
und Helden der Arier in böse Geister und schreckliche Ge- 
spenster; in ganz ähnlicher Weise brachte während der brahma- 
nisehen Periode der Kastenhass die Schwarzen (krishnas), die 
Feinde Indras (des Kriegsgottes der vedischen Periode) zu hohen 
Würden und bekleidete sie mit den Attributen von Gottheiten. 
ja, in dieter Zeit wurde der Typus derselben, Krishna selbst, im 
Gegensatz zu Indra ein hochgeehrter Gott, während dieser jetzt 
Sehtet und als ein Dämon verfolgt ward. Auch der sogenannte 
christliche — im Grunde heidnische - Glaube hat seine schwär 
zeu and rothen Teufel; die schwarzen tragen, im Gegensatz zu 
deh rotben, bisweilen den Namen und gemessen die Ehren der 
Göttlichkeit. Doch ward gewöhnlicher der rothe Teufel als ein 
GWH der schwarze als ein Dämon dargestellt, und der schwarze 
Mann, der Türke, def Tatar, der Zigeuner der russischen Volks- 
mährcben, der Kohlenbrenner, der Romagnuolo (d; h. der Holz- 
hauer) und der Saracerie italienischer Legenden sind lauter Va- 
riationen des Kfishrta oder des schwarzen Ungeheuers aus dem 
grauen Alterthutb der Veden. 

E« kann als eine unumstössliche und unbestreitbare Thatsache 

estellt werden, dass die Einfälle der Tataren in Mitteleuropa 

gegen Ende des Mittelalters die slavische Sage nicht nur nicht alte* 






ririen, »ondem sie vielmehr wieder frisch belebten; nod der Ta- 
tar, welcher selbst ein grosser Mährchenerzähler war, vermehrte 
noch den Geschmack des slawischen Bauern am Mährchen, brachte 
auch keine Veränderung in den Mährchen desselben, geschweige 
denn in dem Charakter des Volkes, dem diese angehörten, her- 
vor. Ausserdem unterscheiden sich die Volksmährchen der Ta- 
taren nicht so tiefgreifend von denen der lndogermanen, dass sie 
denselben Etwa« wie neues Blut einflössen oder in irgend einer 
Weise ihre Wesenheit, ihre eigentlichste Natur afficiren konnten; 
im Gegenthcil, die tatarischen Mährchen sind ja selbst arisch, 
oder doch wenigstens indisch , ausgenommen geringe Modifica- 
tioncn in unbedeutenden Einzelheiten, wie dieselben durch den 
tatarischen Charakter bedingt sind. 

Nach den ausgezeichneten Arbeiten deutscher Gelehrten, 
welche in einem halben Jahrhundert durch die Veröffentlichung 
ihrer Forschungen auf dem Gebiete der skandinavischen und der 
deutschen Sage schon eine vollständige Literatur über diesen 
Gegenstand geschaffen haben , ist es unnöthig, über die hohe 
Wichtigkeit der Sagenbildung bei diesen Völkern viele Worte zu 
machen. Die Mythen, die legenden, die Ammenmährchen, die 
Lieder, Sprichwörter und Volksbräuche der skandinavo-genna- 
nisrlien iiat-e haben ein ganzes Heer gewissenhafter Beobachter 
uud liebevoller Erklärer gefunden, welche kaum einen Fuss breit 
dieses weiten und interessanten Sagengebietes unerforscht Hessen. 

Doch giebt es einen ganzen Schacht mythischer Schätze, der, 
wegen unserer eigenen Sorglosigkeit, bisher ganz unbearbeitet 
geblieben ist: es ist dies der Sagenschatz, der, in beträchtlicher 
Tiefe und von grossem Umfange, noch aus dem classischen Bo- 
den Italiens auszugraben ist. Erst während der letzten wenigen 
Jahre haben ein, zwei Forscher die Eiistenz dieses Schatzes be. 
merkt und Notiz davon genommen; meine Sorge soll es deshalb 
sein, bei diesen vergleichenden Studien den Leser, so weit als 
möglich, auf ein Weniges von dem unbekannten und ungeschrie- 
benen Theile unserer Volkssage aufmerksam zu machen. Das 
Resultat meiner Untersuchungen wird vielleicht den Beweis lie- 
fern, dass trotz des Glanzes unserer christlichen Kunst und des 
Rufes unserer Civilisation die Basis des italienischen Glaubens 
ins jetzt heidnisch geblieben ist, so dass diejenigen unter unseren 
Hausfrauen, welche am eifrigsten in der Aufmerksamkeit auf die 
grossen kirchlichen Spektakel und in der Beobachtung des Ri- 
tuals sind, im Grunde die eifersüchtigsten Wäcbterinnen teuf- 



XV 



lischer abergläubischer Vorstellungen und heidnischer Fabeln sind, 

idings herrscht im Toscanischcn eine Tendenz, die alten Gc 
schiehteu mit den land von Scherzen Boccaccios aufzuputzen und, 
iewohnheit dieses Schriftstellers war, die alten Sagen 
auf modernen Scenen spielen zu lassen, sie in moderne Garni- 
turen zu stecken, und ihre Handlung von modernen Charaki 

tthren zu lassen; doch ist diese Tendenz nnr ein paar Erzäh- 
lern eigen, ändert auch keineswegs die Basis des alten und a 1 1 - 

«einen Mlihreljens, sondern lässt sie intakt Wenn also in 
Italien trotz der skeptischen Civilisation der Römer, trotz unauf- 
hörlichen Eindringens Fremder, trotz des Alpes, der in Gestalt 
der römisch -katholischen Kirche auf ihm lastete, ein so grosser 
Theil alter Sagen bewahrt worden ist, und zwar lebenskräftig be- 
wahrt worden ist, so ist es unmöglich, den exceptionellen Charakter 
dieser Sage zu verkennen: ihren Charakter als den einer Gabe un- 
seres Blutes und als der Race eigen, von der wir abstammen, mit 
der wir durch die lebendige Erinnerung an Worte verkettet sind, 
welche lebendige Bilder geworden sind, und an Bilder, welche 

•he Gestalten und abergläubische Vorstellungen geworden sind. 

Unter diesen Bildern oder Figuren sind die von Thieren, 
anter diesen Glaubensvorstellungen sind die, welche sich auf 
Thierc beziehen, die lebendigsten und dauerndsten. Die materiell- 
sten und sinnlichsten Gestalten der primitiven Mythologie sind 
anter uns fast intakt bewahrt; der Arier ist gegen die Himmels- 

liemungen gleichgiltig geworden und hat seinQ ganze Auf- 
merksamkeit der Erde zugewandt , die er mit denselben Gott- 
heiten bevölkert , die er früher im Himmel verehrte. Wie er es 
genügend findet, vor den Idolen niederzuknien, welche den Gott 
darstellen, der auf die Erde gekommen ist, so verleiht er den 
Thieren dei Erde dieselben magischen Eigenschatten, die er einst 
den Thieren des Himmele zuschrieb; trotz alledem kann er jedoch 
zuweilen nicht umhin, die Existenz zweier verschiedener Personen 
in einem Thiere zu erkennen — die wirkliche und bleibende, die 
er ans der Erfahrung kennt, und die erdichtete und überlieferte, 
von der seine Ahnen ihm erzählt haben. Dieser erdichtete Cha- 
rakter des überlieferten Glaubeos würde von dem unwissenden 

einen Volke leicht erkannt werden, wenn es nur darauf 
achten wollte, wie dieselben Eigenschaften und Kräfte oft Thieren 

verschiedensten Art beigelegt, und wie dieselben Heilkräfte 
ttoünterschiedlich für in einer unbegrenzten Anzahl von Thieren 
Gxidtirend gehalten werden. Die unendlichen Widersprüche, welche 



xvt 

in dem System, das sich das Volk von der animalischen Mediciii 
zurechtgelegt bat, enthalten sind, können tuir einzig und allein 
dadurch erklärt werden, dass man sie auf die äusserst verUnder- 
hinmilische Zoologie zurückführt, wo die Metamorphosen der 
Thiere fafct beständig auf einander folgen, und wo wir mit ßlitzcs- 
srhnelle z. B, von dem Bilde defc Pferflfes auf das des Vogels, 
von dfcm Bilde des Wolfes auf dag der Schlange übergehen, nach 
ftMt unmittelbaren physischen nud moralischen Analogien, die 
nur auf einen kleinen Theü der Gewohnheiten oder des Baues 
der Thiere, die sieh in der Mythologie finden, anwendbar sind, 
welche aber genügen, eine neue Spielart des Mythtis und ver- 

dene Glanbensmeimingen zu bilden, wahrend sicherlich keine 
einzig^ Analogie hinreichen würde, um einen classifieireiiden 
Naturforscher zti veranlassen, Thiere von verschiedener Organi- 
sation, auch b6i einigen zufälligen Ärmlichkeiten, io dieselbe 
Kiasäe, tifl&f auch nur dieselbe Ordnung zu verweisen. 

Dem vedischen Dichter ist efc genug;, zrt wissen, dasö däö 
Pferd (a^va) öigeritlich „der Schnelle" bedeutet, um efe, in den 
Himmel versetzt, die Gestalt eio&ö achöbgcflllgteltcfi (öuparna), 
eincö Vogels, eines Falken ($yenä) anriehmen zu lassen. Dem 
veäiscltöfj Dichter weckt die Vorstellung eined reissenden Wolfeö 
(vrikä), eineö falschen, gefrassigen Diebeö, der Beute davonträgt 
und in seine dunkle Hohle scVlfepßt, riebst verschiedenen arideren 
poetischen Bildern das eitler Schlange (ähi), fälsfeh, dunkel, gt- 
irässig nnd gierig. Doch was in der Phantasie def Dichter na- 
türlich ist, kann vor der EealitÜt der Dinge und vor der Natur- 
wissenschaft nicht Stand halten; so wurde, was in dfcr vedischen 
Poesie ein glückliches Bild 13t, in tinserm Volksglauben ein Vor* 
artheil, ein Aberglanbe, ein verhängnissvoller Irrthum. 

Bevor jedoch solche Vomrtheile so allgemein und tief dem 
Gemtith des Volkes eingepflanzt werden konnten, musste der erste 
Eindruck, der von den Mythen hervorgebracht wurde, ein ausser- 
ordentlich lebendiger gewesen sein. Wir finden noch sporadische 
Züge eines solchen Eindruckes in manchen Schäferfämilien; doch 
um dieselben recht in verstehn, kenne ich keine bessere Methode, 
alä ein gewecktes Kind in das Freie, unter das Himmelfegewölbe 
za führen und mit ihm einen schOnen Sonnenuntergang oder das 
e Grauen deö Tages zu beobachten. Die Kinder von Heute 
worden die Erfahrungen der Alten — d. h. unsferer Ahnen in der 
Jugend der Menschheit — wiederholen, und werden uns in Stand 
setzen, gewisse Täuschungen, die dem Verstände, ja sogar der 



XVII 



Phai'" - gelehrten und skeptischen modernen Menschen un- 

lieb scheinen, zu verstehn. Ich für mein Thoil, Dm aoelj vid- 
die Eiufachheit unserer Ahnen zu reatfeiren, muss erwüh 

eitlen «In lebhaftesten Eindrucke, die jemals auf mich 
acht wurden, empfing, ah ich, ein kaum vierjähriges Kind, 
in den Himna Meine Familie lebte in einer abgelegenen 

•nd des Piemonteeischen ; die Landschaft, in der wir wohnten, 
mit lleiilekraut bedeckt und hafte grosse Aehnlichkeit mit 
r russischen Steppe; an einem Ilerbstabcnd, die Nacht zog 
D heran, seigte mir einer meiner älteren Brüder über einem 
fernen Berge eine schwarze Wolke von einer brichst sonderbaren 
Gestalt, mit den Worten: „Schau* mal da! das ist ein hungriger 
Wolf, der hinter den Schafen benennt" Ich weiss nicht, ob 
mein Bruder damals nur wiederholte, was er von den Dorfbe- 
wohnern gehört hatte, oder ob sieh diese himmlische Scene in 
igenen Phantasie gebildet hatte; doch ich erinnere mich 
sehr wohl, das» er mich so vollständig von der Existenz dieses 
u- jagenden Wolfes Überzeugte, class ich, in der JJesorgniss, 
er könne in Ermangelung der Schafe mich packen, sofort Fersen- 
geld zahlte und ins Haus stürzte. Der gütige Leser wird diese 
personliche Bemerkung verzeihen. Ich mache dieselbe nur, um 
zu erklären, wie die Gläubigkeit, die wir immer bei Kindern 
finden, ans einen Begriff von der Gläubigkeit der Nationen in 
ihrer Kindheit geben kann. Als der Glaube rein war, als 
Wissenschaft noch nicht existirte, müssen solche Illusionen be- 
idig Begeisterung oder Furcht in der Brust unserer gemiith- 
vollen Ahnen erweckt haben, welche mit ihren Viehherden in der 
freien Luft lebten und mit Erde und Himmel in beständigem 
Verhältnis*, in fortwährender Gemeinschaft standen- Wir ge- 
schäftigen Städtebewohner, von tausend socialen Fesseln ge- 
bunden, vou tausend Sorgen des öffentlichen und privaten Lebens 
gedrückt, gemessen nie das reine Glück, unsere Augen »um Him- 
mel au erheben, es sei denn, um zu scheu, was ttir Wetter 
den wird ; das ist freilich nicht genug, um uns zum Verständnis» 
dm grossen und verwickelten Epos, das sich am Himmel abspielt, 
t\\ befähigen. 

Indem ich die einzelnen Biographien der mythologischen 
Thiere beginne, rufe ich nur eine, allerdings ungewohnte Muse 
an, mir beizustehen und mich zu inspiriren — die heilige Offen- 
der Kindheit; ich werde wieder zu meiner Amme gehen und 
«Je tun MUhrchen bitten; ich werde wieder anfangen, vmi 

B 



tfeflügelteo Reimern, von sprechenden Vögeln, von spinnenden 
Mim EU träumen; ich werde Alles für möglich und natürlich 
halten: dann werde ich in das Freie hinausgebn, um von Neuem 
den Himmel zu beobachten; ich werde meine kleine Cordelia und 
ihre Gespielinnen mit mir nehmen, und sie in ihrer eigenen Weise 
die mannigfaltigen und wechselnden Erscheinungen des Himmels 
erklären lassen- Habe ich so meine erste Eingebung you der 
jungfräulichen Kindheit erhalten, so werde ich in meinem Innern 
ihre Unschuld um Verzeihung bitten, wenn in das Paradies ihrer 
Träume die unreine Botfbeft des Satans dringt; und wenn 
ich, nachdem ich mich von ihren poetischen und edlen Em 
drücken und ihren idealen Vorstellungen habe erfüllen lassen, 
genöthigt bin, zurückzukehren und unter das Vieh hinabzusteigen, 
um seine sinnlichen Instinkte herauszusuchen, um in dem Staube 
unsere geliebten Gottheiten vermummt oder gefallen wiederzu- 
finden, dann müssen meine Kleinen weit von mir fortgehen; 
meine Worte, unvermeidlich kühn, würden Gift für ihr Herz sein; 
oder aber ich würde sie bitten, sieh in das Heiligthura ihrer glück- 
lichen Unschuld zu flüchten; ich würde nur das eine Wort zu 
ihnen sagen — Mysterium! 
Florenz, September 1872. 

Angelo De Gubematis 



Vorwort des Verfassers zu der deutschen Bearbeitung. 



Als ich die Feder ergriff, um die erste Seite meiner Mytho- 
logischen Zoologie, wie ich selbst sie betitelte, oder Zoo- 
logischen Mytholgie (Zoological Mythology), wie sie mein 
verehrter englischer Verleger zu betiteln vorschlug, zu schreiben, 
erwartete ich nichts weniger, als mein Buch in die Sprache tiber- 
petzt zu sehen, welche für künftige Zeiten die privilegirte Ge- 
k'hrtensprache geworden ist Wenn Italien meine Mutter gewesen 
ist, so betrachte ich Deutschland als meine beste Amme. Jeder 
Mensch hat, wie der Held der Sage, in seinem Leben gute Feen, 
die ihn beschützen. Auch ich traf auf meinem beschwerlichen 
und oft unwegsamen Pfade dureb's Leben solche Feen , die mir 



m 



in dem dunklen Walde von Ferne ein kleines Licht zeigten, das 
«ich i, je näher ich kam. die meinen Math vor dem 

Sinken bewabrl haben. Eine dieser wunderbaren Beschützerinnen 
war mir Deutschland. Sobald ich seine Sprache verstand, befand 
ich mich in einer neuen Welt, voll poetischer Reize, grossartig, 
glänzend* Es sog zuerst meinen wissbegierigen Geist durch den 
Reiz seiner Volkslieder und Volkssagen an; es Hess mich, zu 
meiner grossen Ueherraschung, die Iliade in den Nibelungen 
wiederfinden, in viel höherem Masse als in den lateinischen und 
irulunischeu Epen, welche Nachahmungen jeuer sein wollten; es 
tiosste mir eine noch grossere Liebe, eine noch grössere Begeiste- 
rung flir das Ideale durch jene wunderbaren Gestalten ein, welche 
»eine Dichter ift ihren Werken geschaffen. An dem Tage, an 
welchem mein Schicksal mir erlaubte, seine wissenschaftliche 

ndschaft zu gemessen, fühlte ich meine Kräfte sich ver- 
peln; meine geistigen Fähigkeiten entwickelten sich erst jetzt, 
nachdem sie den sicheren Führer gefunden hatten, der ihre wil- 
den Bewegungen und Bestrebungen leitete, 

has Gute, was der Leser in diesem Buche wird finden 
können, welches ich Dank der wohlwollenden Empfehlung des 
berühmten Gelehrten, Hrn. Geh. Hnfrath Prof. Dr. Fleischen den 
Bemühungen des Hrn. Hartmann und dem Vertrauen eines ge- 
schätzten Verlegers dem deutschen Publikum vorzulegen die Ehre 
habe, muss als das Erzeugnis« eines Geistes betrachtet werden, 
welcher, obwohl di* Originalität seiner Regungen durchaus wah- 
rend, der wissenschaftlichen Methode treu geblieben ist, welche 
seit den Arbeiten von Adalbert Kuhn und Max Müller in Deutsch- 
land hei mythologischen Forschungen in Auwendung gebracht 
wird; sollte der Leser in meinem Werke einige Verirrungen zu 
beklagen haben, so bitte ich ihn, nicht die Schuld der ver- 

den Mythologie aufzubürden, in deren Dienste ich meine 
beschwerliche Reise durch die mythologische Tliierwelt unter- 
nommen habe, sondern der Unmöglichkeit, dass ein einzelner 
Forscher auf einem so weiten Felde, wo es fast noch keinen ge- 
bahnten Weg gieht, nicht zuweilen Holzwege für Hanptstrassen 
nimmt, Uebrigens habe ich oft die Erde verlassen und mich in 
höhere Bögionen hinaufgeschwungen, um meine Welt von oben 
zu betrachten; nur auf diese Weise glaubte ich zu jener allge- 
meinen Auffassung meines Gegenstandes durchdringen zu können, 
im Einzelnen den richtigen Weg leicht finden lässt 
Mir scheint die beste Grundlage der Poesie die Wissenschaft, 



afctr aocfc der teste Begleiter der Wissenschaft die Poesie zu seiu, 
die ikr als Vorläufer, als Fackel dient Mein höchstes Streben 
alt Schriftsteller i*t. in die V baft und Wissenschaft 

hi die Kunst to bringen; vereint scheinen mir die beiden mäch- 
tig; getrennt W fm c bbU sie nur eine unvollkommene Sprache und 
baben nur den halben Werth. Die Schwierigkeit besteht darin, 
«e ia Einklang zu bringen, und wenn mein Buch an Schwächen 
l eid et , »o stecken sie ganz gewiss da, wo Poesie und Gelehrsam- 
keit» statt zu einer harmonischen Einheit zu verschmelzen, jede 
auf eigene Kosten arbeitet, für sieh, ohne die andere zu unter» 

Ich ergreife diese Gelegenheit, um den höchst i onipetenten 
Kritikern zu danken, welche die Güte geliaht haben, mein Werk 
einer gründlichen Prüfung zu unterziehen und mich zur Fort- 
setzung meilirr Forschungen zu ermutfaigen; ich führe an in Eng- 
land die Hiirni George Cox, den Verfasser der Mythology 
of the Avian Nations und W. K. s. Halston, dem wir zwei 
ansehnliche Hunde liber die russischen Volkslieder und Volks- 
märchen verdanken, welche während und nach dem Drucke der 
englischen Ausgabe meines Ruches erschienen; in Holland Hrn. 
Prot. Tichle; in Beigten Hrn. Prof. Liebrecht ; in Frankreich Hrn. 
Kniest Renan, der nur die Ehre erwies, mein Hueh dem Institut 
fortulegen, lim. Fr. Itundry, der es im „Tcnips" empfahl, Hrn. 
;aigne, der es in der „Revue Critique 1 ' einer eingehenden He 
Iprtobang mntenog, Hrn. Prof. Michel Rreal, der es zu einer 
Ueberaetnmg iafl I ran/ «epfohlj 1 und Hrn. P. Regnaud, 

jangen bdlaaietea, <ler diese Uebersetzung unternommen 
in Russland Urn. Prot, AL Wcsselofaki; in Italien Hrn. Prof. 
G .1, Ascoli und Hrn. Prot. P. Mantegazza. 

Fast alle die Herren, welche mein Buch kritisiren, machen, 
indem sie es empfehlen, eisige Reserven; die Herren Prof. Lieb- 
reeht, Bergaigae, Wt ssrlotski und Asenli haben mir die Verbes- 
serungen angezeigt, die in einer neuen Ausgabe des Werkes an- 
zubringen wären. Ich möchte diesen Gelehrten hier meine leb- 
hafteste und aufrichtigste Erkenntlichkeit aussprechen, ftlr die 
Hilfe, die sie mir zur Vervollkommnung dieser Ausgabe geleistet 
haben. Wäre die Welt an einem Tage und von Einem geschaffen, 
/.weiile, ob sie so schön sein würde, wie wir sie jetzt an- 
men. Es hat des Zusammenwirkens aller Jahrhunderte und 



1 DiuBcLbu wird detnutfehöt bti C, P. Laurie) in Paris enscheiiioD. 



Xtl 

aller Elemente bedurft, damit sie ein tagt vollkommenes Werk 
konnte. Ebenso würde es beteten, von jeder neuen 
I zu viel verlangen, wollte man sie unfehlbar; der 
Mythus von der Minerva, die gepanzert dem Haupte Jupiters ent- 
springt, ist eine moralische Allegorie, welche uns nur das Ideal 
der Hellenen darstellt; sie gründet sich durchaus nicht, wie fast 
alle anderen Mythen, auf die Beobachtung einer Erscheinung der 
Natur. Ich habe in meinem Buche aus meinem Kopfe gezogen, 
was ich konnte; wie ich jedoch das Vertrauen habe, für die 
Wehen nicht mit der Geburt einer ridiculus mus belohnt zu wer- 
den, so bin ich auch weit von der Einbildung entfernt, etwas 
Unsterblichem das Leben gegeben zn haben. Ich habe meinen 

ueidenen Beitrag zu einem schweren Werke beigesteuert; ich 
hatte auf meinem Wege zuweilen Glück; ich hoffe, ihn ein klein 
Wenig von den Hemmnissen gesäubert zu haben, auf die ich 
tüess, und lebe der Zuversicht, dass andere, besser vorbereitete 
und geduldigere Forscher als ich mir Dank wissen werden, ihnen, 
sei es auch nur ein wenig, die Forschung erleichtert zu haben, 
selbst wenn die Folge wäre, dass ich fast alle meine Angaben 
corrigirt sehen miisste. Wenn es nie ungenaue Erdkarten ge- 
geben hätte, wir würden gewiss jetzt nicht uns über vollkommene 
freuen und sie bewundern können; die Arbeit des Kartographen 
ist immer leichter, wenn ein erster skizzirter Plan vorliegt, der 
die Formen und den allgemeinen Charakter einer fast unbe- 
kannten Gegend in der Hauptsache giebt. Diesen Plan habe ich 
zn geben versucht; mtige mir dieses Wagniss vorziehen werden. 
Ohne die Fehler, welche das ein wenig abenteuerliche Genie des 

>toph Columbus beging, würde es nie den Erfolg, den Ruhm, 
den positiven und beharrlichen Geist Amerigo Vespuccis gegeben 
haben. Jede unbekannte Welt ist für den Mann der Wissenschaft 

America, das ungeheure Ueberiaßcliungen für ihn in petto 
hat. America setzt uns, drei Jahrhunderte nach seiner Ent- 
deckung noch immer in Staunen; welche Wunder wird also na- 
nnten Geiste noch eine Wissenschaft vorführen, die 
gestern cr*t geboren ist! Wie alles Neue, das Yenviiudcruni; n- 
i«pt, findet auch sie uattirlieh Ungläubige und PcrsiÜeurs, welche 
sie durch Witzeln, durch geistreichdndes Spottein ausser Credit 
bringen wollen. Mögen sie lachen, die Lacher! wir wollen ar- 
beiten, den Schleier zu zerreissen, der uns die Geschichte unserer 
Kindheit verbirgt; das Licht der Wahrheit wird, muss endlich 
durchdringen! und wenn alle Welt von der Schönheit und Grösse 



des Schauspiels ergriffen Bein wird, dann wird man sich vielleicht 
mir einiger Erkenntlichkeit der Begeisterung der ersten Glaub 
erinnern, welche es vorgeahnt und proklamirt hatten, Fttr den 
Augenblick steigen wir in unser Observatorium; unsere ganze 
Freude ist, den Himmel zu fragen und Notizen zu sammeln» Ich 
vertraue der Nachsicht der deutschen Leser die ersten von mir 
geaanmultcu au; kannten, sie jetzt am Durchlaufen derselben 
dasselbe Vergnügen finden, wie ich daran, sie zu Papier zu bringen I 
Florenz, August 18*3 

Angelo De Gubernatis. 



Vorwort zur deutschen Ueberselzung. 



Die weite Verbreitung und das allgemeine Interesse, welches 
in neuerer und neuester Zeit die vergleichende Mythologie in 
Deutschland gefunden hat, lasst es gerechtfertigt erscheinen, wenn 
l nferzeiehneter auf Veranlassung der Verlagsbuchhandlung dem 
Publikum ein Werk in deutschem Gewände bietet, welches eines 
der interessantesten Probleme dieser Wissenschaft, die Rolle, 
che die Thiere in derselben spielen, in der gründlichsten und 
umfassendsten Weise, man kann sagen erschöpfend behandelt. 

Der Verfasser, Angelo De Gubernatis, geb. zu Turin 1840, hat 
auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen und Literaturen, 

nil des Sanskrit, die umfassendsten und gründlichsten Stu- 
dien gemacht; die Früchte dieser Studien liegen in zahlreichen 

ken vor, von denen wir hier nur eine Uebersetzung der ersten 

tizig Hymnen des Rigveda mit Anmerkungen , la vita ed i 
iniracoli del dio Indra nel Rigveda, ein EsBay Über die vedisehen 
Quellen des Epos, die Rivista Orientale, eine indische Encyklo- 
pildie, eine vergleichende Geschichte der Hochzeitsgebräuche, eine 

[eichende Geschichte der Bestattungsgebränche namhaft ma- 
ohen 9 Während sich die von ihm redigirte Rivista Contemporane;i 
einer weiten Verbreitung erfreut; andrerseits ist er als Dichter — 
Dramen von ihm wurden mit grossem Erfolge in Turin gegeben 

vor Allen befähigt gewesen, in das Walten des poetisch s< 
fenden Vnlksgeistes einzudringen und den feinen Fäden, welche 



XXIII 



last durch die gesamnite indogermanische Sagenwelt hin- 
ben, zu folgen. Gerade bei der Behandlung eines sol- 
chen itniKs der Bearbeitende die Fähigkeit besitzen, «lie 
innersten leitenden Gedanken zu erfassen und nach ihnen das 
Material zn ordnen und zu siebten. Der Verlasser besitzt diese 
Fähigkeit in hohem Grade und vereinigt sie mit einer Kenntnis» 
der einschlägigen Literatur, mit einer Gewandtheit, in deren Her* 

ichnng und Verwendung, wie sie das gewöhnliehe Mass weit 
übersteigt. 

»nders zu erwähnen durfte noch sein, dass vieles bis jetzt 
noch Unbekannte oder doch Unedirte in die Untersuchung ge- 

n worden ist. Der Verfasser hat alle Notizen, die das ve- 
Utertbum über die Thiere liefert, gesammelt und erklärt; 
bat ferner zum ersten Male mehre Mythen Indiens bekannt 
gemacht, über hundert russische Volksmährchen herangezogen, 
etwa dreissig unedirte italienische Mährchen benutzt, und hat 
endlich mit grosser Genauigkeit die sich durch die ganze indo- 
germanische Welt hindurchziehenden Volkssagen von den zwei 
Brüdern, den drei Brüdern, den zwei Schwestern, den drei 
Schwertern, Cendrillon, der Prinzessin, welche lacht, von dem 
Blinden und dem Lahmen, und etwa vierzig andere in ihrer Ent- 
wicklung und mythischen Bedeutung aufgezeigt. Doch hat 
der Verfasser, nachdem er im Anfange seines Werkes sein Sy- 
stem sowohl theoretisch ganz klar aufgestellt, als es auch an 
Beispielen durchgeführt hat, späterhin mit Andeutungen und Ver- 
weisungen begnügt, es dem Leser grösstenteils selbst überlas- 
send, dieses System auf den einzelnen Fall anzuwenden. Wer 
des VertVs Ansichten theilt, wird dies mit Leichtigkeit thun 
können; wer nicht, wird ihm Dank wissen, dass er dadurch Kaum 
für die Ansammlung des umfangreichsten Materials gewonnen hat. 

Die Aufgabe, die englische Vorlage deutsch wiederzugeben, 
wurde durch zwei Umstünde erschwert; einmal ist dieselbe aus 
dem italienischen Originalmanuscript des Verfassers von nicht 
immer glücklicher Hand übersetzt; zahlreiche Missverständnisse 
Brauten berichtigt werden; dazu kommt die Uncorrektbeit des 
englischen Druckes, welcher durch Fehler arg entstellt ist; zwei- 
tens aber brachte es der Stoff selbst mit sich, dass aus der 
Uebersctzung oft eine Neubearbeitung werden niusste. Die deut- 

m Quellen, welche der Vf. benutzt hat, sind fast überall nach- 
gesehen, und ihre Worte an gehöriger Stelle eingetragen worden, 

das bei einer Vergleich ung des Avesta in der Spiegeischen 




■hen und kalmückischen Mährchen 
> liHtnischen Mahrchen nach Kreuizwald-Lowe und 
äu<1« ke, welche der Verl' in deutscher Ostalr beoutxt 

hat, leicht ersichtlich sein wird Dazu kam noch, dass die 
Vger p^etellte Frist eine verhaltnisBmassig kurze war I 
Mies geschehen, was gatehqh ett konnte, HD den Text in 
angedeuteten Hoziehung und in den Citaten zu einem möglichst 
eorrekten Mi machen. 

Es bedarf als selbstverständlich kaum einer Erwähnung, 
dass die Rezensionen, besonders die höchst schätzenswerthe aas 
der Fetler de» Hrn. Prot. Liehreeht in der Academy (vom 14. 
Juni I873)j in der deutschen Bearbeitung verwerthet worden. -sind* 
Leider kam mir die L.'sefic Kec. erst nach dem Druck der ersten 
D zu lu siebt; doch wird ein Nachtrag das in denselben 
nach ihr zu Berichtigende enthalten. 

Sn dürfte Mi wold das gelehrte Publikum aus diesem Werke 

e Nachweise und Belehrungen schöpfen und zu denen, welche 

fUr Ihre spei icllen Studien liier reiches Material finden, werdeu wir 

die Mythulogen und Archäologen von Fach, sondern 

auch die Sprachforscher und vor Allem die Culturhistoriker xn 

iahen — alB aucti ein grösseres Publikum des IntereB- 

en und Lerneuswerthen viel finden. 

Leipr.ig, October 1873. 

Martin Hartmann, 



Erster Thcil. 

Die Lau d t li 1 e r e. 



KAPITEL l. 
Di«? Kuh und «ler Stier. 

§ 1. Die Kuh und der Stier in tleu ved lachen Hymucn. 

Wir befinden uns auf dein weiten Tafellande Inuerasiens; 
gigantische Berge entsenden auf allen Seiten tausend Strome: 
seine ungeheuren Weiden und Wälder durchziehen wandernde 
Hirleiistiimme ; der gopati, der Hirt uder Herr der Ktibe, ist 
König; der, welcher die meisten Herden besitzt, am mächtigsten. 
tählung beginnt mit einem lieblichen Ilirtenid) IL 

Hie Zahl der Kühe zu mehren, sie milehreich und fruchtbar 
zu machen, sie gut zu halten, ist der Traum, das Ideal des alten 
T*. Der Stier, der Befruchter, ist der Typus aller männlichen 
Vollkommenheiten und das Symbol der königlichen Macht. 

Es ist natürlich, dass die beiden hervorragendsten Thier- 
gestalten iu dem mythischen Himmel die Kuh und der Stier sein 
antasten. 

Die Kuh ist die willige, liebende, treue, segensreiche Vor- 
Behang des Hirten. 

Der schlimmste Feind des Ariers ist demnach der, welcher 
die Kuh entführt; sein bester, edelster Freund, wer sie den Händen 
des « zu entreissen vermag. 

-elbe Gedanke wird nun auf den Himmel Übertrafen: im 
Himmel existirt eine wohlthätige, segenspendende Macht, \\< 

Kuh heisst, uud ein wohlthätiger Befruchter dieser Macht, 

l 



Der feuchte Mond, die feuchte Morgenröthe, die Gewitter 

\ das ganze Himnu .be, welche» den belebenden und 

erfrischendes spendet, alle weiden mit besonderer Vorliebe 

alfi die woldtbatige Kuli der FtUie dl lt. Der Herr «I 

viclgegtaltigen Himtnebkufa, «Irr sie i jert; sie fracbtbai 

milchend macht, die Frühlings- oder Morgensonne, die r» 
uoe (oder Mond K tritt oft als ein Stier auf. 

Ihn all das; gm za verstellen, müssteu wir, so gut wie mög- 
lich, auf die Epoche zurückgehen, in der solche Vorstellungen von 
n konnten; da jedoch die Phantasie, wenn 
reien Laut lassen wollten, uns leicht zn rein imagt- 

D Vorstellungen; zn einem System a priori verleiten konnte, so 
WOrdon wir sie als gefährlich und irreführend hei diesen Vor- 

reuohangen ganz aoflaohlieaeen and uns mit der allen! 
anspruchsloseren Aufgabe h< die Zeugnisse der Dichter, 

be hei der Schöpfung der in Rede stehenden Mythologie seihet 
mitihatig waren, zu Bammeln. 

I*'li beabsichtige nicht, von den vedischen Mythen et\v;i 
sagen, was nicht dein einen oder andern Hymnus des 
\eiht entlehnt ware, sondern nur die Glieder der Kette ZU ordnen 
und zusainmenzuseMicssen, wie sie ganz bestimmt in der Vorstel- 
lung des alten ariechen Volke« bestanden und welche der B i g v e d a , 
das Werk zahlreicher Dichter and mehrer Jahrhunderte, uns als 
ein fortlaufendes nnd kunstvolles Qanse bietet Ich werde mich 
in das Thal von Kaeinvr oder au die Ufer des Sindhu, unter 
diesen Himmel, an den Fuss dieser Berge, unter diese Ströme 

sen, aber in dem Himmel nach dem in den Hymnen Gefunde- 
nen suchen, nicht in den Hymnen nach dem , was ich in dem 
Himmel zu sehen glaube. Ich werde meine Heise mit einer zu 
vcrlassigcn Karte antreten, und diese mit allem mir zu Gebote 
stehenden Fleisse befragen, um keinen der Vortheile unbenutzt zu 
lassen , welche eine an überraschenden Entdeckungen so reiche 
Fahrt« au bieten rarmag. Die Anmerkungen werden demgei 
alle, oder doch fast alle, aus Worten meines Führers bestehen, so 

9 der gelehrte Leser jede einzelne Behauptung leicht selbst 
prUfen kann. Was die häutigen Haltepunkte betrifft, die wir auf 
dem Wege zu machen haben werden, so bitte ich den Leser, sie 
nicht irgend welcher Willkürlichkeit meinerseits, sondern den 
unvermeidlichen Begegnissen einer Sasse zuzuschreiben, die man 
Schritt iltr Schritt in einer ziemlieh unbekannten Gegend und mit 
Hilfe eines Führers macht, wo East Alles m linden ist, wo 



in einem reichen Magazin, leichter den Weg verliert 
ihn wiederfindet. 

Der ungeheure Himmelsraum, welcher die Erde überwölbt, 
fllbrt, als die ewige Vorratskammer von Licht und Regen, als 
cht, welche das Gras und also auch die Thiere, die es 
Igst, in der vediseheu Literatur den Namen 
Aditi, oder die unbegrenzte, unerschöpfliche , die Ambrosiaqnelle 
a nab his). So weit haben wir noch keine Personi- 
wir auch noch keinen Mythus haben. Annita ist 
eiiif;i rerbliebe, und dient nur zur poetischen Dar 

Iniig des Regens, dee Thau», der Lichtwelle. Aber das Uner- 
iptliche bekommt bald die specielle Bedeutung: das, was ohne 
Autl- -molken werden kann, also auch: eine himmlische 

Kuli, die wir nicht beleidigen dürfen, die unverletzt bleiben muss. * 
Indern so der Himmel als eine unbegrenzte Kuh dargestellt wurde. 
iteo uatürlich seine hauptsächlichsten und auffallendsten Er- 
rungen ihrerseits Kinder der Kuh oder selbst Kühe oder 
re, und der Befruchter der grossen Mutter auch Stier genannt 
werden. So lesen wir, dass der Wind (Viiyu oder Rudra) 
der himmlischen Kuh die Winde, welche im 
ii beulen (Maruts und Kudras), hervorgehen Hess, die des 
halb Kinder der Kuh hei« IIa nun diese grosse himmlische 

Kuh die stürmischen lärmenden Winde hervorbringt, stellt sie nicht 
allein das ruhige, heitere, glänzende Firmament, sondern auch die 
wolkige und finstere Erzeugerin von Stürmen dar. Diese grosse K 

eure Wolke, welche das ganze Himmelsgewölbe ein- 
lüde entfesselt, ist eine braune, dunkle, scheckige 
(pfifft i) Kuh, und so heissen auch die Winde oder Maruts, 
ihre Sohne, die Kinder der Schecke. Ans der Einheit wurde so 
eine Mehrheit; die Wolkensöhne, die Winde, sind 21 ; die Töchter, 
die Wolken Belbst, Schecken (prienis) genannt, sind auch drei- 
mal drei und sieben sind bei den Ariern heilt-»' 
Zahlen, und 21 ist nur ein Product dieser beiden bedeutungs- 
vollen Zahlen, durch welche häufig die Macht eines Gottes oder 
eine« Ungeheuers symbolisch dargestellt wird. Wenn also p r i c; n i , 
ckte Kuh, die Mutter der Maruts, der Winde, und der 



1 M:i £»m an litirii vadhiabt*: Rigv. VIII, !»<>, 15, 

liti „mäta rudranäm", die M 

ounol v KlgV. VIII, 90, 1:') — Tubhymii (Dir, id) \ 

f null gabardugl Qui donate Hgaoayo maruto vaksli 

I 

1 * 



■ ken fprie.nis), der Wolken, ist, sn können wir die Wolken 
die Schwestern der Winde nennen. Wir linden oft drei oder fi< 
Schwestern j drei oder sieben Brüder in den Erzählungen. Das» 
die /ah] 2j im ltigveda seihst eine Beziehung auf die Drei invol- 
ffrt, ^relit ganz evident daraus hervor, dasa ein Hymnus von den 
drei mal sieben gefleckten Ktlheu spricht, welche dem Gott den 
göttlichen Trank bringen, während in einem anderen von den 
Schecken (ohne nähere Angabe der Zahl) die Rede ist, die ihm 
drei Seen ZU trinken geben. x Augenscheinlich erfüllen hier die 
drei oder sieben oder einundzwanzig SelnvesterkUhe, die dem 
Qott der Östlichen Himmelssphäre ihre eigene nährende Milch 
BpendeOj und bei deren Nahrung die Winde, jetzt unverwundbar 
geworden, anwachsen," die frommen Pflichten gütiger Schutz- 
geister. 

Wenn aber die Winde Söhne einer Kuh, und die Kühe ihre 
Ernährerinnen sind, 00 müssen die Maruts selbst nothwendig als 
Stiere dargestellt werden. Wirklich wird auch Vayu, ihr Vater, 
von Stieren getragen , d. h. von den Winden selbst, die schnell, 
wie die Sonnenstrahlen beweglich, sehr stark und nicht zu bändi- 
gen sind; 3 die Stärke des Windes wird mit der des Stiers oder 
Bären verglichen; l die Winde, so stark wie Stiere, überwältigen 
und unterwerfen die dunklen Wolken. : " Hier werden also die 
Wolken nicht mehr als die nährenden Kühe, sondern unter ileni 
düsteren Hilde von Ungeheuern dargestellt, Die Maruts, welche 
im Storm heulen, sind so schnell wie der Blitz und umgeben eich 
mit Blitzen. Deshalb werden sie auch Ihrer glänzenden Gewänder 
wegen gepriesen; und darum heisst es auch, dass die rothlichen 



1 Imfti tu in dra |>ru;miyu gferitJXI] duhita äciratn ; ttigv. VlII,'.!., IS» — 
Trif ftim&i aupta dheoavo duduhre sntyarn ä^irurn pflrvyo vyomani ; V 
IX, 70, 1. — TfS^I suiiiuM jirirnayo duduhre v»gnnu madhu; Ijtigv. VIII, 
7, lo — Uamay, \ t 48 orach eiami die Manila ebenfalls in der Sie- 
benzald. 

■ I'm raiisji goshv aghnyath krdam yac eliardho marutam gftmbbe 
rasasya vävrtdhe; Kigv, I. 37, 5. 

• lme ye le hu väyo bahvogaao T ntar nadi te pntiiyanty ukshauo 
tnabi vrüdhanta ukshanah dbanvuü cid ye anäyavn £irfy, cid agirati- 
kasab aüryasyeva racniayo duroiyaiitavo ha&tayor duriiiy.iutavali | Jvi; 
135 

1 Hiksho na vo marutab cjinivän amo dudliro gäur iva bluinayu^; 
Rigv.V, 56,3. 

h ym hnao noksfaano T ti ebkandanti i'arvarib; Kivg. V, 52, 3. 



00 Edelsteinen glänzen, wie manche Stiere von Sternen. ' 
als Bezwinger der Wolken und als die, die stlir- 

h ihre Reihen durchbrechen — sind diese Winde, diese 

re die besten Freunde, die mächtigsten Helfer »ssen 

brüllenden Stiers; des Donner- und Regengottes; der Sonne, 

he Wolken und Dunkel verscheucht; des höchsten Gottes der 
Veden, Indra, des Freundes von Licht und Ambrosia, der Sonne 
und schöne« Wetter bringt und uns wohlthätigen Thau wie be- 
fruchtenden Regen sendet, Gleich seinen Genossen, den Winden, 
wird Indra — die Sonne (und das glänzende Firmament), welche, 
im Dunkel verborgen, die Finsterniss zu verscheuchen strebt, und 
den donnernden und blitzenden Wolken verdeckt, sie in 
Regen aufzulösen sucht — als ein mächtiger Stier, der Stier der 
-teilt, als ein unbesiegbarer Sohn der Kuh, welcher 

die Mamta brüllt. -' 

Aber um zum Stier zu werden, RH wachsen, die Kraft zu 
entwickeln, welche zur Todtung der Schlange erforderlich ist, muss 

i trinken; und er trinkt den Soma, 8 das Wasser der Stärke, 
„Trink' und wachse i/ 4< sagt ein Dichter zu ihm, indem er die 
symbolische Libation des Opferkelchs darbringt, der ein Typus 
bald des Himtnelsbechers , bald des Himmelsgewölbes, bald der 
Wolke, bald der Sonne oder des Mondes ist Durch die gl 
Nahrung der himmlischen Kuh erlangt Indra eine Schnelligkeit, 
welche der des Pferdes gleichkommt; 5 er isst und trinkt auf ein 
Mal so viel, dass er plötzlich seine Reife erlangt. Die Götter 

u ihm dreihundert Ochsen zu essen und drei Seen Ambrosia* 



' Tv:im, r&iaii arunäir yäai; Täittiriya Yagurvcda I, 3, 14. — 
ir vy änagre kc cid usra iva stribhih; Rigv. I, 87, 1. 

1 VYisha vrisbabhih; Rigv. I, 100, 4. — Grisbtth aaafiva sthavirath 
lavagam anädhrishyam vrishabham tum ram indram; Rigv. IV, 18, 10. — 
Sa matarä oa dadricana uariyo nänadad eti marutain iva svauah; Rigv. 

.shavainano 'vrinita somam; Rigv I, 32, 3 — Fitum nu stosham 

roalio dbarmänam tavisbim yasya trito (Trita ist, wie wir sehen werden, 

liter ego des Indra) vy ogaaä vritram viparvam ardayat; Rigv I, 

• Tiba vardhaava; Rigv, III, 36, 3. 

1 Indro madhu aambbritam uariyayam padvad viveda ^aphavan iiauic 
gob; Ri£ '\ 6. 

4 Tri yar öhata m ab is ban am agho mas tri aaransi maghava 6öm* 
yapab karsm na yi\ve ahvanta devii bbarnm indräva yad ab im £tgfc 



zw trinken, damit er das Scblangeniiogeheaer zu Utättn im Stande 
Hei. Der BflDger und Durst der Helden steht immer zu dem 
Wunder, das sie zu verrichten berufen sind, im Verhältnis, und 

;ilb stellen die Hymnen des Ri#\vtla und des Atharvaveda 
die Wolke oft als eine ungeheure, weitbauebige Tonne (k a b a n d h a ) 
dar, welche too dein göttlichen Stiere getragen wird. i 

Aber wann und wie entfaltet der Held-Stier seine ausserge- 
wühnliche Stärke? Der furchtbare Stier brüllt und zeigt seine 
Kraft , indem er seine Homer wetzt; 2 er, der glänzende, mit 
gpitzen Hörnern, kann (Jana aliein alle Völker niederreunen. 3 Was 
sind aber die Hörner des Stieres ludra, des Donnergot 
Augenscheinlich die Donnerkeile; Indra soll in der That die 
Donnerkeile wetzen, wie ein Stier seine Homer; 4 der Donnerkeil 
hulras soll tausemlspitzi^ sein; ' ludra heisst der Stier mit tau- 
send Iliu-nern, der :111s den Meere 11 aufsteigt (oder aus dem dun- 
keln Ocean als Donner entsendende oder als strahlende Sonne, 
indem die Donnerkeile als Strahlen der Sonnenscheine gedacht 
werden). Zuweilen heisst der Donnerkeil Jmlras selbst ein Stier 7 
und wird von seinen geliebten glänzenden Kilben 8 gewetzt, und 
dient bald dazu, die Kühe der Finstenriss zu entreissen, bald 
von dem Ungeheuer der Fiusterniss, das sie einhüllt, zu betreien, * 
kild endlich, das Ungeheuer von Wolken und Dunkelheit selbst 
zu vernichten. Ausserdem nimmt Indra ? dieser ausserordentlich 
mächtige, gehörnte Stier, welcher seine Homer wetzt, um sie in 



1 VaBoh kabandbaronshabho btbharti; Atharvav. IX, 4, g, 

1 Ruvati bhimo vri&habhaa taviahyaya fringe qSq&do harini vieak- 
.-hiinah; Rigv. IX, 70, 7. 

a Yaa tigmavnngo vriahabho na bhima eknb kri&htie, dyavayati pra 
vi^väh; Rigv. VII, 19, 1. — Idarii uamo vrisliabhnya svaräge satya- 
c,u*hmäy& tavaso 'v:\ci; Rigv. 1, 51, 1:"». 

1 ri»;ite vagram tegaac na vaüsagah; Rigv. l r 66, t. 

1 Abhy cnarii vagra äyasah aahaarabbriBhtir ayatärcano; Rigv. I, 
80, IS. 

* Sahattfi&üSgo vriahabho yah samudrad udac*arat; Rigv, VII, 55,7. 
1 Vi kigment vriahabbena puro *bhet; Rigv, I, 33, 13. 

1 IViya indriisya dhenavo vngmth hiuvanti säyakath vaavilj; Rigv. I, 
84, 10. ll 19, Dia Wurzel m Ij*_<Ii utit eigentlich ausdehnen, auasiehea; 
hier acheiut „den Arm Indraa ausdehnen' 4 zu bedeuten: ihn verlängern, 
ihn ao dünn wie einen Faden machen, ihn Bchärfen, wetzen, BpitsOD (ital« 
affiiare); die Kühe, welche apitzen (ital. affüanti), sind eine Modification 
der Kühe, die spinnen (ital. filanti). 

* In ram vrishabbav cakra indro uir gyotiahÄ tamaao ga 
adukahal; Rigv. 1, 33, 10. 



ner KU Ktossen, auch als das Feuer, welches Uli 
rt ihm] aus den Wolken und dem Dunkel Liehtstrahlen 
in liisst, den Namen Agni an, und hat alö solcher zwei 
icr Htfrner, drei Füsse, gieben Hände, feurige Zahne und 
Flügel; er wird von dem Winde getragen und bläst. 1 

So finden wir also bimmliBche Kühe, die himmlische 
mähren, und bimmliBche Stiere und Kühe, die ihre 
ner zu einem Kampfe, der im Himmel gefochten wird, ver- 
wenden. 

Versetzen wir uns auf das Schlachtfeld und besuehen wir die 
feindlichen Lager! Auf der einen Seite linden wir die 
ie (und zuweilen den Mond), den Stier der Stiere Indra, mit 
den Winden, Maruts, den glänzenden und lulillenden Stieren; auf 
der andern ein vielgestaltig Ungeheuer, in derGettaM von Wulfen, 
n, wilden Ebern, Eulen, Mausen und dergleichen mehr, 
Auf Seiten lud ras sind Kühe, die ihm helfen; das Ungeheuer hat 
auch Kühe, und zwar entweder solche, die es dem Indra entrissen 
hat und nun in dunklen Höhlen oder Festungen einkerkert um! 
tackt, oder solche, mit denen e» als seinen eigenen Weibern 
Liebesspiel pflegt. In dem einen Falle betrachten die Kühe den 
Indra als ihren Freund und Befreier; in dem andern sind 
letbal Ungeheuer und Feinde ludras, der sie bekämpft. Mit 
einem Wort, die Wolken werden ein Mal als Freunde der regen* 
spendenden Sonne betrachtet, welche sie von dem Ungeheuer, das 
den Hegen zurückhält, befreit, und andrerseits aln von der Sonne 
ils die, welche sie feindlich umringen und zu ver- 
nichten streben. Suchen wir in dem Kigveda nach Beweisen für 
n Doppelkampf! 

Um mit der ersten Phase des Conflicts zu beginnen, wo 
<gt Indra im Himmel seine berühmtesten Schlachten? 
Die Wolken nehmen gewöhnlieh die Gestalt von Bergen an, 
wie auch in der Sprache der Veden die Worte adri und par- 



e rakshase vinikahe; Rigv. V, 2, 9. — Catv&H ';rmgä 
truyo aaya p;\dä dve «;trahc sapta hnstfi&o aaya; Big! IV, 58, 8. — Tapur- 

i yüthe na a Ali van ava vüti vurmgah ab hi 

vragjintt aksln raguh sthätuv, (Saratbftm bhayate patatrinah; 

Rigr. I, 58, 5. In dieser Strophe bezeichnet jedoch Vansagah wahr- 

i irieluiehr den Hengst als den Stier, wie wir auch in der zweiten 

len selben Agni mit einem glänzenden Pferde verglichen finden 

(atyo na prishthmn pruabitaaya rocate,. 



vata die Begriffe: Stein, Berg und Wolke ausdrücken. 1 Da die 
Wolke mit einem Stein, IVlsen oder Berge verglichen wurde, ho 
war es natürlich, erstens, sieb unter den Felsen oder Ber 
Höhlen vorzustellen, die als Kerker fön Kiiheii mit Stallen ver- 
glichen werden konnten;' 2 zweitens, den Begriff des Felsen auf 
den der Citadellc (ital. rocca), Festung, Burg zu übertragen; 
drittens von dem .Begriff de* unbeweglichen Berges auf den de» 
Baumes überzusehen, der sieh nicht fortbewegen kann, wenn er 
sieh auch erhebt und ausbreitet, und von dem Waldbanme auf den 
fettigen nild ehrwürdigen Ilain, 

Daher kämpft der Stier, oder der Gott Indra, oder die Sonne 
des Donners, Blitzes und Regens, bald in einer Holde, bald nimmt 
er eine Festung mit Sturm, bald zieht er die Kuh aus dem Walde 
hervor oder bindet sie von dem Baume los, und vernichtet den 
rakshas, das Ungeheuer, das sie gefesselt hatte. 

Uic vedische Poesie preist besonders den Zug Indras gegen 
die Bflhk «'der den Berg, in welchem das Ungeheuer (das ver- 

dene Namen führt, und zwar besonders folgende: Vala, 
Vritni. Tushna, Feind, Schwarzer, Dieb, Sehlange, Wolf, wilder 
Eber) die Herden der himmlischen Helden verbirgt oder ab- 
schlachtet* 

Der schwarze Stier brüllt ; ebenso auch der Donnerkeil, d. h. 
der Donner folgt dem Blitz, wie die Kuh ihrem Kalbe. 3 Die 
Marutßtiere ersteigen den Felsen und bringen bald durch ihre 



1 Adri und parva ta bedeuten eigentlich Berg, in den Veden aber 
oft: Wolke; unter ander m auch: Baum; aga (eigentlich das, was sieb ni« M 
fortbewegt ) bedeutet gleicherweise Borg und Baum Daher vielleicht das 
iiische Sprichwort: Lc montague stanno forme, tu a gti uomini s'in- 
eontiam», l»erge stehen still, aber Menschen begegnen sichj daher <i«t 
AiiNiuf Hamas im Il'uniiyana II, 1*22, dass sich eher der Himalaya be- 
wegen als er zum VerrÜther werden würde; daher die Versicherung, die 
Macbeth,, nach der berühmten Hexenprophezeiuug, geben kann: „That will 
never he; who can impress the forest; hid the tree unfix hie earth-bound 
root?'* (Shftkfp. Mach IV, 1). Nichlsdcstoweui^-r, bewegl sich der Wald 
nil hi selten in den Mythen, wo die Raum-Wolken wandern , und wo sie 
hinkommeu. Alles mit Schrecken erfüllen t wo HeldeQ und Ungeheuer oft 
mit den entwurzelten Bäumen eines ganzen Waldes kämpfen. Vgl. 
Rainäy. III t 3, 5 und iu unserm Werk die Kapp, über das Pferd, den 
Bären und den Allen. 

1 Vragam gaeha gostliünam; Tuittir. Ya'gur, I, 1,9; vgl. £atapa- 
thabrülnaana 1 . 2, 3, 4. 

* Krishno nouäv.t vriehabhuh; Kigv. 1, 79, 2 — Vacreva vidyun 
mimati vatsarh na mala sishakti; Kigv. I, 38, 8, 




trengungen deu helltöneuden Felsblock zu Falle; 1 

I zersplittern sie nut der eisernen Schneide ihres Wagens den 

der von dei n geliebte, tapfere Held bewegl den 

; ; Indra hört die Kühe: mit Hilfe der Wind-Stiere findet er 

die Kühe in der Höhle; mit einer steinernen Wade vers» 

ß Grotte; er lies und verfolgt die 

Diebe; die Stiere brüllen; die Kühe achliessen sieh ihnen an; 
Indra befruchtet die Herde; er und seine Gemahlin sind zufrieden 
tind vergnügt. 4 

diesem fabelhaften Hergänge kommen hauptsächlich drei 
Momente in Betracht: ersten* die Bemühung, den Stein zu heben; 
zweitens der Kampf mit «lern Ungeheuer, das die KUhe entfuhrt 
bat; drittens die Befreiung der Gefangenen. Es ist ein voll- 
ständiges Epos. 

Die zweite Art der lleldenthaten Indras in dem Wolken- 
mel ist die, welche die Zerstörung der himmlischen Festungen, 
der neunzig, neunundneunzig oder hundert Städte (^anibaras, 
welche die Weiber der Dämonen wareu , zum Gegenstande hat. 
Von diesem Unternehmen erhielt Indra den Beinamen puram- 
dara (gewöhnlich als Städtczerstorer erklärt) y obwohl er dabei 
einen sehr wichtigen Wäflengetährtcu hatte, nämlich Agni, 
d* h. Feuer, wobei man natürlich an die Zerstörung durch 
Feuer denkt [das Licht verscheucht die Finsterniss). 



1 Acmänam cht svaryam parvatam girim pra eyavayanti yamabliih; 

4, 

1 Pavya ratbanam adrim bhindanly ogasa; Rigv V, 52, 9. Pavi 

'Igemeinen Her eiserne Thei), der eiserne Beschlag (eines Pfeil «»s, 

• Lause); hier scheint cb der eiserne Reifen der Wagenrader zu sein, 

irr den Berg stürmen und ihn zerbrechen, wie auch wirklich der Dunner 

lie Vorstellung eines rasselnden, Verwüstung anrichtenden Wagens 

•reckt 

/üh karmanyah sudakaho yuktagrava gay ate devakämah; Rigv 
Ul 4, 9. 

Ayaih crinve adha gayanu Uta ghnann ayam Uta pra krinute yudhA 

[V, 17, 10. — Vilu cid Arugutnubhir guhä cid indra valmihhih 

aviudn uariya anu; Rigv. I, 6 T 5. — Tviirh vnlasya gutnato 'pävar aririvo 

bilaro; Rip'. 1, 11, [>. — Vi gobhir adrim fürayat; Rigv. I, 7, ü — 

prati yanti dhcnavah; Rigv. IX, 69, 4. — Yad ni 
vrish&bno roravili ao auyasmin yüthe ni dadhati retah; Rigv. Ill, 65, 17 
rillt aaui u patnyämadah; Rigv, I, 8?, 6. 
Uli puro dasapatnir adhünutam eakam ekena kann;*: 
?igv. III t Vagurv, I, 1, 14 Vgl das Kap. über die 

Schlange. 



In einem Hymnus an Indra kommen zum Schlug die Goiter 
mit ihren schneidigen Aexten, hauen die Wälder ah und vcr- 
brennen die Ungeheuer, welche die Milch in den Eutern der Kühe 
zurückhalten. l Der bewölkte finstere Xachthimmcl gestaltet 
in der Phantasie hier zu einem grossen Walde, welcher von 
Rakshasas oder Ungeheuern bewohnt wird, die ihn unfruchtbar 
machen, d, h. die es der grossen himmlischen Kuh unmöglich 
nmclien, Milch zu geben. Die Kuh T welche Honig giebt, die 
Ambrosia-Kuh der Veden, wird so durch einen Wald ersetzt, 
Welcher den Honig, die Götterspeise Ambrosia, verbirgt. Und 
obwohl die vedisehen Hymnen bei dieser Vorstellung von dem 
trüben VVolkenhimmel nicht stellen bleiben , sondern gewöhnlich 
Heber die Dunkelheit der Nacht als einen dlistern Wald dar- 
stellen, so ist doch die oben aus den Veden angeführte Stelle der 
Benebtung wertb, weil sie beweist, dass wenigstens zur Zeit der 
Veden ein Mythus existirt hat, der sieh später in der Tbierfabcl 
sehr erweiterte. 2 

Bd diesem dreifachen Kampfe Indras bemerken wir noch 
einen sonderbaren Zug. Der donnernde Indra bewältigt seine 
Feinde mit Bogen lind Pfeilen; dieselbe Wolke, welche donnert, 
brüllt und deshalb eine Kuh genannt wird, wird, als Pfeile 
N l.leudcrnd, zum Bogen: daher haben wir den Knb-Bogen, mit 
welchem Indra den eiserneu Stein, den Donnerkeil schleudert ; 
auch die Sehne dieses brüllenden Bogens heisst selbst eine Kok ; 
dieser Sehne entseli wirren die geflügelten Pfeile, die Donnerkeil»', 
welche mcnseiienfressende Vogel heissen ; wenn sie angeflogen 
kommen, zittert die ganze Welt* Wir werden auf diesen 
danken weiter unten zurückkommen. 

Bis jetzt haben wir die Kuh-Wolke als ein Opler des L 
heuers (das Indra besiegt) kennen gelernt. Nicht selten finden 
wir jedoch die Wolke seihst oder die Finsternis«, d. h. «lie Kuh, 
die Feetang oder den Wald, als ein Ungeheuer durgestellt Ein 
vedischer Hymnus berichtet uns, das ungeheuer Vala hätte die 



1 Dcvasa iiyan [mrncvmr abibhran vana vric&uilo ßbhi vidbhir ayan 
ni Budrvam dadhato vakahanäöu yatra kripifim aim tad dahauti; {tig?, X. 
28, 8. 

* Vgl das Kap. über den Bären und den Affrn, 

• Vfikahe-vrikshQ niyata miraayad gaua tato vayah pra palan puni- 
sh adah vi^vain bhuvannin hbuyate; Rigv* X, 27, 22. — Tvam ayasam 
prati varlayo gor divo n^tnana-ui; Qtigf, I, 121, 9. 



II 

alt einer Kuh; 1 ein anderer stellt die Wolke als die Kuh 
dar, welche die I r bildet, und die bald einen, bald vier, 

;. neun Fliase hat und den obersten llinmiel mit Genchrci Bi 
Mllt;* nach einem dritten endlich schleudert die Sonne ihre gfd- 
e Seheibe nach der gefleckten Kuh; 3 die Entführten, welche 
von dem Schlangeminireheucr bewacht werden, die Gewässer, die 
Ktihe sind Weiber der Dämonen geworden; 1 und sie müssen bös- 
artig sein, da ein Diehter die bösen Geister, die Däninnen, mit 
Wunsche verflucht, does sie das Gift dieser Klihe trinken 
..' n, b Wir sahen schon, dass die Festungen Weiber ron Di 
monen und diese die Besitzer der Wälder sind.'- 

In dem bewölkten und donnernden Himmel entfaltet der 
kriegerische Held seine grttsste Kraft ; aber es ist nicht zu leugnen, 
die ineisten und sinnigsten Mythen die Beziehungen zwischen 
dem Nachthimniel (bald dunkel, feucht, schrecklich, bald von dem 
ittbroeischen Mondlieht umflossen und mit Sternen besät) und den 
beiden glühenden Himmeln — die beiden glänzenden Dämrne- 
Morgens und Abends (des Frühlings und Unifies) — 
rtelien. Wir haben liier die. allgemeine Erscheinung, dass 
Lieht und Finsternis* in Streit verwickelt sind; auch hier wieder 
ist Indra (die Sonne) in einer Wolke verborgen, um das Licht vor 
reiten, um die Strome der Jugend und des Lichts, die Keirli- 
ner, die Kühe von dem Ungeheuer der Finsternis* zu be- 
freien; aber der Held erreicht sein Ziel erst nach langen, Bebt 
irvoüen Wanderungen; den Ausschlag geben Schlachten, in 
iien oft eine Heldin die Hauptrolle spielt, ausgenommen die 
t zahlreichen, aber recht beachtcnnwcrtheu Fälle, in welchen 
die Wolken, Orkane, Stürme von Blitzen und Donnerkeilen, mit 



1 Brihaspatir govapusbo valasya nir maggänaih na parvano Rabbani; 
Rigv x. 68, 9. 

1 Gaurir mimaya salihini takehaty okapadi dvipndi *A «'utuabpadi — 
abhräpadi navapadi babhüvnahi sabaäräkühara. parniue vyoniauj Rigv. I, 
104* 41 

i.ih panuhe gavi sura$ dakruüi hirahyayam ny airayat; Rigv, 
Kergaigne übersetzt: ,,it n lance* le clisquc du aoleil* 4 ; seine 
EHklin tier von mir gegebenen vorzuziehen. 

ahigopa ntisbthau niruddha upah panitieva gävah; 
Rigv. I, 32, iL 

1 VUhatii h [übantu; Rigv. X, 87, 18, — Diese Stelle 

kann man jedoch auch so fasaen : „Die Dämonen der Kühe mögen da» 
I rinken I u 
* #igv, III, 18, f». X, 27, 



12 



deffl ] ndc der Naclit (oder des Winters) zusammenfallen und 
Indra, die Sonne, die Wolken (oder das Dunkel des Winters i 
durchbricht, das nächtliche Dunkel zerstreut und die Morgen- 
dümmenwg (oder den Frühling dem Himmel wiederbringt. In 
solchen Fällen ist Indra nicht blos der grösste unter den I 
teni, sondern zeigt sich auch als den epischsten nnter den Hel- 
den ; die beiden Himmel, der dunkle und der bewölkte, mit i! 
Ungeheuers, und die beiden Sonnen, die donnernde und die strah- 
lende, mit ihren Bundesgenossen, werden zusammengeworfen, 
und dann erhalt der Mythus seinen ganzen poetischen Zauber. 
Die feierlichsten Momente der grossen Nationalepen der Arier, 
des Rämäyana, des Mahäbhfirata, des Königsbuches, wie auch der 
Ilias 7 des liolandsliedes und der Nibelungen beruhen gerade auf 
diesem Zusammenfallen der beiden Sonncnaetionen — der 
derwerfung de» finsteren Ungeheuers und der Befreiung und 
Wiedererweckung der Morgendämmerung (.oder des Frühlings). 
Nach einer schon angeführten Stelle des lfigvcda 1 selbst lassen 
auch wirklich die Wolken — die drei mal sieben gerleckten 
Kühe — durch ihre Milch an einem Gott (in dem wir aus einer 
ähnlichen Stelle* Indra, die Sonne, erkennen) im ostlichen Himmel 
fpürve vyomani). d h. gegen Morgen und bisweilen in der 
Frühlingszeit, riete der Erscheinungen zu Tage treten, welche 
denen der Morgcnrothe entsprechen. Die Prignis oder Schecken 
sind ohne Zweifel die Wolken, wie die Maruts, die Söhne der 
Prirni, die Winde sind, welche in der Sturmwolke heulen und 
blitzen. Deshalb muss man den Wolkenhimoicl auf den Morgen 
verlegen. Dann wird man die Prie,nis , welche den Sonnengott 
Indra in der östlichen Himmelssphärc ernähren, und die sieben 
Aügirasen, die sieben Sonnenstrahlen, die sieben Weisen, welche 
am Morgen Hymnen singen, verstehen. Der Gesang dieser fabel- 
haften Weism kann, meines Eraelitens. nichts anderes sein, 
als das Krachen der Donnerkeile, die man, wie wir sehen, als 
Strahlen der Sonnenscheine dachte, Anspielungen auf Indra als 
den, der am Morgen donnert, sind in den vedischen Hymnen so 
häutig, dass diese kurze Abschweifung entschuldbar ist. von der 
iet) nur zu bald zu meinem eigentlichen Thema, der speciellcn 
Behandlung der mythischen Thiere, zurückkehren muss, weil wir 
einen weiten Weg zurückzulegen haben. 



1 Big*. IX, 7o. i 

* VllI, 6, 19 t Vgl. die Kap. über das Pferd und den Kuckuk, 



13 

vh die dan/eiule Nacht hat ihre Kühe; die Sterne, welche 
-oime mit ihren Strahlen in die Hue lit BOlllSgt; 1 ihr Aufent- 
haltsort muss dem der Sonnenkühe benachbart sein; sie heissen 
die vielliornigen. - Ihr Wohnort scheint mir der Beachtung werth 
zu sein : es sind die himmlischen Hiiuser, welche sieh bewegen, die 
verzauberten Hütten und Paläste, welche erscheinen, um wieder 
verschwinden, nnd in den Vulksniährehen der Arier so häufige 
staltungen erfahren. 

Der Mond ist gewöhnlich ein männliches Wesen; denn seine 
'bulichsten Namen: Caudra, Inchi und Soma Bind männlichen 
»ts; da aber soma Ambrosia bedeutet, so kam der 
Mond, als Spender von Ambrosia, schon früh dazu, als milchge- 
bende Kuh betrachtet ?a\ werden; und wirklich hat Am Worl 
(Kuli) im Sanskrit neben verschiedenen .andern Bedeutungen auch 
von „Mond*'. l>er Mond, Soma, welcher den Xaehthimtne! 
Ht t und die Regensonne, Indra, welcher zur Nacht- oder Win- 
**it das Morgen- oder Frilhlingslicht vorbereitet, werden als 
stellt ; ein junges Mädchen, der Abend oder Herbst 
(Dämmerung), welches zur Nacht- oder Winterszeit Wasser 
schilpten geht, tiudet in dem Brunnen den ambrosischen Mond 
und bringt ihn zu Indra, welcher den Soma lieht. Die Worte 
des vediseheu Hymnus lauten folgenderxnaeoen: ,,Das junge Mail- 
i stieg zum Wasser hinab, land den Mond in dem Brunnen 
mcl sagte: 'Jcli will Dich zu Indra bringen, ich will Dieb zu 



1 Vi mQtnibhi^ sasrige tfirya gab; Kigv. V 1 1 1, 3ti, 1, 

tter Vishnu und *tndra) vastuny uemasi gain&dhy&i 

yatra gavo bi :ih; Kigv. 1, 154, 6. Hier bilden alio Stern« 

Kiihe zusammen viele Homer; vielleicht wurde aber jeder Sinn 

Kuh) an und für sich ab tri n horn ig gedacht; denn die Sterne, wie 

ien nur einen Lichtstrahl. Das kann man t meine« Erueh- 

aus dem Namen EJtRC£in£ft (Einhornig) schlierten, welchen in der 

ren indischen Mythologie eine ganze Reibe von Manen führten, all 

deren oberste Wohnungen, als deren reine te Erscheinungsform die Sterin* 

Ich bitte indessen den Leser, die Sterne zu beachten, 

vntlcht Kühe sind, nnd mit den Rinnen, den Schulten der Verstorbenen, 

.. iuug stehen. Denn die vedischen Hymnen geben una noch eine 

andere höchst interessante Andeutung, nämlich dass der Gott der {facht, 

Varwn*, Alles sieht, weil er mit Spionen odi-r spacas {den Sternen) Omge- 

Die Spione Varunas tilhren uns einerseits auf das Gotteguuge des 

n Volksglauben* in Italien und ermöglichen um andererseits 

das VeratliuduiBs des Volksmahrchens, im welchem bald die Kuh, bald die 

Ziege die Rolle eines Spions spielt. 



14 

i/nkra bringen! Fluthc, o Mond, und tiralitllle ludra"" 1 Moud 
mid Ambrosia liegen beide in dem Worte Indn, wie Soma; da- 
ist auch Indra, der Somatrinker [jar excellenee : Mimapafama ■. 
der beste Freund und I ben oder liegen* 

mondes, und so drangen uns die Sonne und der Moud (wie auch 
Indra und Vislinui das ]:ild zweier Freunde, zweier Brüder 
(ludu und India}, und zwar ZwÜliflgsbräder, der beiden Aerius 
auf; ebenso nicht Bellen die beiden Dämmerungen, der Morgen 
lind Abend, der Frühling und Herbst, von denen jedoch crstcre 
betenden mil (kr reihen Sonne, die am Morgen ? resp. Frühling, 
leint, in Verbindung gebracht werden, letztere mit dem bleichen 
Mmiil«, der sirli am Abend zeigt, reap, im Herbst, als specieller 
Beherrscher der kalten Jahreszeit. Indra und Sorna (lud im 
in:iin weiden häufiger als zwei Stiere dargestellt, welche zusam- 
men das Ungeheuer bezwingen (rakshohan a u), die in Finsier- 
leheuden Ungeheuer mit Feuer vertilgen. a Das Wort 
viishanau bedeutet eigenttieh die Beiden , welche ausströmen 
lassen oder befruchten. Hier bedeutet es die beiden Stiere; aller- 
dings werden, da das Wort vrisliau neben Stier uoeh He 
bedeutet, die beiden Hengste, Indra und Soma, durch einen im 
lürliehen Uebergft&g bald zu zwei Pferden oder Heitern nragfr 

den beiden Aevius. Daher linden wir im Volksiimbi 
heben der jungen Prinzessin den Helden, der bald die Kühe auf 
die Weide führt, bald ids Stallknecht die Pferde wartet. D 
bringen wir nielit litt Voraus Vergleielningen , welche erst weiter 
unten ihren Plats haben! Nachdem wir nur uoeh bemerkt haben« 
d;iss wir im Kigveda den Mond entweder als Stier oder als Kuh 
dargestellt linden (als Inda, Soma, Oaudra ist er immer das 
erstere ; Während die Femiuintorm B&kfi mehr die Vorstellung 
einer Kuh weckt, wollen wir den Stier Indra in seiner Beziehung 
zu der Kuh Aurora (reap. FrlihliugJ bei rächten. 

Fünf Stiere stehen in der Mitte des Himmels und jagen den 
Wolf, welcher die Wasser durchstreicht, fort; 3 der glänzende 



1 K ; aväyati lom&m npi irntAvtdtf wtara bhamnty nbmvUl 

iinli'iya Hiiiiüväi tvä Q&krfya sumiv iyendo pari srava; 

III. 90, 1. & 
* Jndruaoina tapataih rnksha nbgattuh iiy arpuyatmh vriülianil I 
vridhah; (Mg*- VII. 104, 1 — Die folgenden Strophen föhren 
genatand weiter aus» 

thur mahn divah. — Te sedbaati patbq 
Vfiktuu taraui !'»M; KJgv. I f lUo, 10. 11. 



Vasava bindet die Kuh, welche an den Füssen gefeftett 
i*t, los. J 

Wie ist nan diese Knh entstanden V 

i^t von den Künstlern der Gutter , den drei Kibhu- 
Rrthiern, geschaffen, die sie aus einer Kuhhaut herausziehen, 4 b. 
sie bilden eine Kuli, und bedecken sie, um ihr Leben zu geben, 
mit dem Felle einer todten Kuh. * Das ist so zu verstehen, class 
Kuh Aurora 8 am Abend stirbt; die Kibhus, die dr^faebe 
Sonne Indra, d. b. die Sonne in den drei Nachtwachen, richten 
»er Kuh zu, indem der eine Uibhu der todten Kuh das 
Fell abzieht, ein /.weiter es während der Nacht zurecht macht, 
der dritte Hibhn am frühen Morgen die neue Kuh, die 
ni, damit schmückt. Das heisst: Indra zieht in drei ver- 
len Momenten dem Mädchen, das er liebt, das aber wäh- 
rend der Nacht hässlieh geworden war, die Haut ab und stellt 
il am Morgen wieder her* 4 Die drei 'Ijibhus lassen 
sich, um i Lebten«, um bö leichter mit dem dreifachen India, 

Indr . . der die Weit mit drei Schritten durclnuisst, iden- 

tifictren, als sie ebenfalls, wie Indra, Stiere genannt werden; 5 
Indra nicht selten ein Falke betest ; so werden auch sie aln 
ebnet; n endlich verrichten sie zuweilen dieselben Wun- 
der wie Indra, Diese Identificirung der Kiblm-Stiere, \ou denen 
wir hier als Schöpfern der Knh Aurora sprechen (eis ist das die- 
anfnichtbare Kuh des schlafenden Helden Qayu, welche die 
die beiden Uciter des Zwielichts, durch die llibhus ver- 



1 Va^ * yatii » ! it padi s hit Am arnmWatä yagnträh; Kigv. IV, 

■ Taktban dhenum sabardugtuim ; Rigv. I, 4 iO T 3. — Nie. «'.mmin 
.(« dhitiblnli; Kigv. I, Hi7, 7. JV, 86, 4, 

1 U« itßreod€ und unnütze Wiederholungen zu vermeiden, muas ich 
iken, dan die Mythen von Morgen und Abend oh auf Frühling 
Herbat, die von der Nacht auf den Winter übertragen md> 
4 ih, »ante Kiiiy« limit ist in »Jen Kap. übvv den Wolf, die 

San und den wilden Eber (q v.) ausführlicher dargestellt. 

* Ray im ribhavah Barvuviratu ü takflbaia vrialiHno mandasuuuli; Kigv. 

* Kajim ribh eayah; Kigv + IV, 3ß, 8. - Hier haben wir 

i in Beziehung mit den Vögein, da die von den Kihlm. ? 

j Allem in Kühen bestehen (Ye gomantioi 

fifjavan! dhattha v ami man tarn purukshuui to agrepfi 

ne dhatta ye cn rätlih grmauti; ftigv. IV, 8^ IOJ 



16 

jflngtoDj wieder fruchtbar maelitoo). 1 mit dem Stier «»der Helden 
Indra scheint uiir von de ten Wichtigkeit zu sein, da sie 

uns £u Vielem, was ein Lebenselement der arischen Sagen ist, 
den Schlüssel bietet 

Die Kihlius sind also drei Brüder. Sie sind dabei, die- 
len zu bereiten, welche den Göttern zum Trinken dienen sollen. 
Jeder hat eine Sehale in der Hand. Der älteste Bruder fordert die 
andern heraus, zwei Schalen aus einer zu machen; der zweite 
masst sich an, drei aus einer zu machen; der jüngste Bruder 
gebt noch weiter und wettet, eine Schale zu vervierfachen. Sein 
ist der Sieg und der gröwte Hiinmelsarbeiter, der Vulkan der 
Veden, TVashtar, loht ihre kunstvolle Arbeit. * Der jüngste unter 
den drei Brüdern ist als.» auHi der geschickteste. In dein 
veda Baden wir alle drei Brüder Snkarma, d. h. Verfertiger s< 
ner Arbeiten, genannt; und obgleich es mir von einem, der 
eigentlich den Namen Kiblin oder Hibukahä führt ? he 
er diene dem Gott Indra als Arbeiter (daher auch die Benennung 
lübukshu* Kibhvau oder Kibhva für Indra selbst), so stehen doch 
die beiden andern Brüder, Vaga und Vibhvan, der eine in 
Diensten aller Götter, der andere in denen Varuna», des Gottes 
der Nacht. :: Es konnte natürlich scheinen, in liibhu, dem Günst- 
ling Indra. den -eseliicktesten der drei Brüder zu scheu, der, 
wie wir sehen, auch <ler jüngste ist; da wir jedoch aus der Keihen- 
folge, in welcher die Hymnen die drei Brüder aulzählen, niebte 
schliessen können — sie folgen : \ä-a, Ribhuksha, Vibhvan; Vi 
Vibhvan, Ribbo/ oder: Kibhu, Vibhvan, Va^a — und da wir 
auch alle Uibhits mit dem gemeinsamen Namen V4^% Vaga seilet 
mit Indra, und Indra wieder in seiner dreifachen Gestalt als 
Ribhu, Vibhvan und Vaga angerufen finden,* so bleibt es unge- 



1 Vitynve riu nasatyä caeibblr gaauraye staryam pipyatbur gäm; 
Kigv. J, 110, 1 I garantt yuva^jÄ täkrinotana; Bigv. I, 10L 7, — 

Die biblisch« Euahluug von der unfruchtbaren altflii Sara, die nacli 4w 
Erscheinung der Kugel im Hause Abrahams fruchtbar wird, klingt neckisch 
au diese vedhiehe Erzählung an. 

1 Gyeshtha aha tiamaaä dva kareti kaniyun triu krinaviimety aha 
kanishtba alia caturas kareti tvaahta ribhavas tat panayad vaeo vah; 
£igy. IV, 33, 5* 

1 V&go devänäm adljavat sukarmendrAsya ribhukslia varunasya vibhvä, 
gig* IV, 33, 9, 

* Te vft£o vibhvan ribhur indravantHh; Kigv. lV t 33, 3. 

* Kibbur vibhva vaga indro no achemaiii yagntih ratnadheyujKi 
Rigv. IV, 34, L - Pibata vagä ribhavo; Kigv, IV, 34, 1 



IT 

wiss, welche der eigentliche Name des jüngsten Braders war. 

Dagegen scheint festzustehen, class Jndra mit den llibhus (lndra- 

vant ffltificiren, dass der dritte Bruder der geschickteste ist 

and das« die drei Brüder den Herren des Himmels als Arbeiter 

dienen Hier stoeaen wir auf ein interessantes Moment. In zwei 

Hymnen des Bigveda erscheint als einziger Schützer der Kibbus 

Indra seihst oder die Sonne (Savitar) unter dem Namen Agobya 

(d. h. der sich nicht verbergen kann). Während der zwölf Tage 

(der xwftlf Nachtstunden oder der zwölf Monate), in welchen sie 

-ste sind, segnen sie, wahrend sie schlafen, das Land 

in jeder Weise: sie machen die Felder fruchtbar, die Ströme 

wasserreich und erfrischen das Gras des Feldes. 1 Dabei dürfen 

wir jedoch nicht vergessen, dass sie die wohltbatigen Sühne Sud 

)i a n vans, des trefflieben Bogenschützen, und selbst solche sind, 

ttanten des grossen himmlischen Bogenschützen, des 

lernden und regnenden Indra; dass also ibr »Schlaf nur ein 

Tropus Mi ihre verborgene Existenz in Finstemiss und uävht 

Gewölk 

Der Eigveda führt jedoch die drei Brüder noch unter anderen 

und besonders unter einem sehr merkwürdigen Hilde, 

Der dritte Bruder wird nämlich Trita, der Dritte, genannt, und 

als solcher auch mit Indra identificirt So sind zum Beispiel die 

Erscheinungen Indras am Himmel drei an Zahl: Abends, Nachts 

und Morgen; das Ross Tritas, das er von Yama erhalten, 

aid Yama Belbst, bald der Sohn Aditis (die wir schon als die 

Kuh, reep. männlich als den Sohn der Kuirkenncn gelernt haben), 

dieses Ross kann Trita allein bändigen, Indra aHein 

reiten; es ist Ambrosiafeueht mid hut drei Verwandte im 

Himmel , drei in den Wassern, drei im Ocean;* d. li. der eine 

una. der älteste Bruder; der zweite der Sohn der 

Kuh oder der //weite Bruder, der letzte Trita selbst oder der 

-te Bruder. Dieser Trita wird klug genannt; er entspricht 

also dem dritten Bruder, der vier Becher aus einem macht, Wie 



■ ilyi'm yad ftgobyftfy&tithya nmaun rihhuvtdi sasiinUili 

tun auayaiitn aitidhlui dli;inv liti^htlinnn oshadliir uimtmni 

- Vgl. Ri k v I, 161, tI-13. 

* Yatn«*na dattnri* trita enam äyunag indra onam prathamo adliy 

atiuli' 163, 2. — Abi yamn asy ttdityo arvann asi trito 

guhyena ud 6 omen a saumyä vi] biu te trini divi hand- 

banüni trim ta ähur divt batidhauatii trini apsu triny autah samudre; 

2 




kann er also trotzdem zuweilen al< eintültig geschildert 

Die 5pmctl€ gicbt uns hier die Erklärung Band. Em 

krii bedeutet nämlici bftla bowoM Kind ;«ls einfältig; der 
dritte Bruder erscheint als einfältig, weil er, zumal bei sc; 
Erscheinen, ein Kind tat, — und doch sehen wir ihu 

Kind beständig Wunderdinge verrichten und B< 

[•natürlichen Weisheit geben. 1 So ist uns die Bedeutung de» 
Mythus erschlossen. Der älteste Bruder. Fama, die sterbende 
Sonne, ist trotz all seiner Weisheit und seiner Erfahrung unfti 
aus eigner Kraft die geraubte oder verirrte Prinzessin zu eut- 
deeken und wiederzugewinnen; der Sohn der Knh Aditi, d. h. 
Aditya, die Sonne in der Mitternacht oder der Mond, giebt oft 
den Beweis, dam er stark genug ist, daB Dunkel und die Wolken 
beliehen und die Verzauberung zu I wfthnlid 

kber die dritte, die Morgeusoime, India in seiner dritten 
bfalt, Vislinu, der seinen dritten Schritt n der dritte Bn 

Trita, der den u gewinnen und die ganze Mor 

vou dem Ungeheuer der Nacht zu befreien scheint Das 
mit Allee gam klar zu seilt 

Trita trinkt wie India das Wasser der Stärke und i 

-iit das Ungeheuer in Stücke; a der Sieg dos jungen Hei 
muss von Ihn in derselben Weise, wie von lud, 

i und et ebeinuugefonn , errungen werdet». 

Iidem aber Trita oder rr Altana das Ungeheuer der W. 

Itet hat. fürchte! it er seihst ihn versehlii 

kttni er den Ungeheuer den Kopf abgehauen, haben 

li i in die W gedrückt ' Die Sonne hat 

er, welches die Wasaerquelle verschlussen hielt, besiegt — 



1 Zu 

I buhl, stark, bei 

I oft im i. rinil im \ 

bot» dio Kül' 
gronfen o hüH ^riiij 

|iat|*in mv;i Mi in 1,1, 
Tfti 

garta M< imubcthau 

1 : ' kr uU 

il G*iflg< i i Klingen Mythus bezüglich Indian 

i u 



sie hat die Wasser entfesselt, hat aber Reibst die Wolken nicht 

bat die Prinzessin, die Dämmerung, 
Ite, v<m dem finstern Ungeheuer befreit, I 
-elbst noch nicht blicken. Wer sind denn nun die 
Feinde, die den jungen Helden in den Brunnen, in das Meei 

eo haben? Wie wir sahen, bat Trita zwei Brüder; sie Bind 
es, welche in einem Anfalle von Eifersucht wegen seiner Ge- 
mahlin , der und der Reicht hftnier, die sie ihm ans dem 
lie der Finstermas mitbringt, ihren Bruder in dem Brunnen 
* schlössen halten. Diese ganze Erzählung finden wir in 
: n, aber buchst beredten Vedaverse. Der kluge Tritt! 
ruft aus dem Brunnen um Hilfe I rebh ati); ■ und die beiden Keiler 
mmernng, die A^rins, kommen, den Rufenden (rebhu), 
der von deu Wassern bedeckt und umwogt ist, zu befreien. 1 In 
in andern Hymnus scheint der Retter Brihaspati, der Herr 
Andacht, zu sein, »1er auf den Ruf Tritas zu den Göttern 
au» Kleinem Ürosses macht, 3 d. h. dem jungen Helden einen 
ans dem Brunnen zu entkommen und sieh in voller 
e 7.u zeigen, 

in in den vedischen Hymnen Trita, der dritte, gesehick- 
nnd beste Bruder, von Am beiden anderen verfolgt wird, s«> 
sant, die Form zn beobachten, welche dieser .Mythus 
in iler Volkasage der Hindus angenommen hat: „Drei Brüder, 
Ekat:i id. h. «Irr ersteh Dyita (d. b. der zweite) und Trita 
der dritte) reisten in einer Wüste; von Durst gequält, kamen 
i eine in Brunnen, aus welchem der jüngste, Trita, Wasser 
■Ite und es den älteren gab. Zum Lohne warfen sie ihn 
in den Brunnen, um seinen Anthcil für sich zu verwenden, be- 
deckten den Rand mit einem Wageurade und Hessen ihn darin, 
l Noth Hellte er zu den Göttern, ihn zu befreien und 
tun durch ihre Gnade," 4 



1 Trita» tad vedtiptyah sa g&mttvftya rchhnti; Kigv. I, lflö, 9. — 
ist »wächst Leib es verwandt schaff, dann Verwandteeltftfl im 
All^< Kebha oder der Hufer, als Held dargestellt, ist Niemand 

anders uU dieser Trita üntya. 

* U ivritara sitam adbhyah; Rigv. I, 112, 6. 

1 Trita h kflpc 'vahito devao havata ütaye ta <va bnhasnatih 

knnvaiiu jinbtirsnud uru; Rigv. I, 105, 17. 

4 Mit i, « itiri bei Wilson, Iti g vo d a-Samfaitu vol. I, — 

il ich Wilson eitirt habe, glaubten guwistic englische Kritiker, welche 

Mythologie; feindlich gegenüberstehen, dieae so inter- 

2* 



haben wir die drei Brüder, deren jüngster Trita ist, in 
nahe Verwandtschaft mit den drei Uilihns gebracht , und sowohl 
die enteren als die letzteren in eine eben *n nahe Beziehung zu 
den drei Erscheinungsformen ludras. Wir habeu m 
die Ribhus die Kuh geschaffen haben 

q| Kävyä« der von Indra beschützte begierige Weise, ein 
andrer Name für den Sonnenhelden des Morgens, die Kühe 
sieh her; 1 und Indra selbst ist «Irr einzige Herr der Kühe, der einzige 
wirkliche hinitidisi he Hirt: oder vielmehr, er ist es, der die 
Sonne und die Aurora erzeugt, 3 oder, wie es in einem andern 
Hymnus heisst , der die Pferde und die Sonne und die Knh der 
Fülle giebt. ■ 

Hier ist also die Aurora deutlich die Kuh der Fülle; sie ist 
ferner die milchgebende und glänzende Kuh, in der sich alle An- 
muth and Lieblichkeit findet, ' endlich lind usrä und ushä zwei 
Worte, zwei Benennungen, welche ohne Unterschied Aurora und 
Kuh als die rothe oder glänzende bedeuten. Die Identität der 
Aurora mit der Kuh in dem mythischen Himmel der Vedeu ist 
also eine Uewissheit. 

Kin andrer Name, welchen die milchgebeude Kuh im Kigreda 
ausser dem gewöhnlichen annimmt, ist Sita, welche Indra 

auch, wie die Aurora, vom Himmel herabsteigen lässt, und welche 
v.in dem Sonnengott Püshan, 15 dem Ernährer, dem Befrachter, 
der in einem Hymnus mit einein kampflustigen Büffel v< 
wird, 7 gemolken werte! ttUM Dieser Indra, der Beschützer 
Freund Sita», bereitet also Vishnu, der, als Räma, sein W 



rasante Erzählung sei schon erklärt worden und der Verf. habe p 
weiter gethan, All etwftl Augenomm* tu-s reproducirt ; infolge dossen haben 
sie meine Erklärung gebilligt 1><t Verf. wendet sieh nun an die, Welche 
si«b eroitlich mil solchen Studien befmuen, in dor Huftnung, ihre Uupar- 

hkeii werde ihm, wenn anders diese Entdeckung überhaupt Wwaa 
\ vy , bei hat, data Verdienst derselben merkeiinen,) 

1 A ga ägad nyMiirt kfivyah sadä; Rigv. I, 88, 5. 

* Patir gaväin ahhavud eka indrub; Rigv. Ill, Ül, 4. 

^ana süryani uahi'iaain; Rigv III, BS, 

* Sasünätyäü uta suryaxh sasitneudrah sasana purubhogusatn gam; 
Rigv, III, 34, 9. 

* Mahi gyotir nibitarh vakshanäsu ütnfi pHkvuin earali bibhrati gaub 
ith eväduoa aambhritarn usriyfiviun; Rigv, III t 90, 14. 
n Indralji bilüin ni grihnüJu tlfn pushätui yaehatii sa nah payasvati 

duluitn uttaranj-uttararii samam; Rigv. IV, fi7, 7, 
Hridha n»tyw na; Rigv 1, 138, 2. 



21 

beschützt, vor* Und gerade die Ribhus sind wie die Schtfpfer, so 
aueh die Schützer der Kuh. > 

er Itidrn, dessen spezielles Geschäft es ist, zu blitzen, zu 
donnern, das Ungeheuer der Finsternis« zu bekämpfen und das 
Liebt vorzubereiten, figririrt in der Vorstellung des Volkes ge- 
wöhnlich als die Sonne, unter den drei Namen: Sürya, Rita 
nnd Sav i tar. 

In Bezug auf die Morgenröthe ist die Sonne bald Vater, 
: Gatte, bald Sohn, bald Bruder, Als gleichzeitig mit der 
Morgenröthe von Indra gezeugt, ist sie Bruder; als der Morgen* 
folgend und sie umfassend, ist «ie Gatte; als einfach nach 
der Morgenröthe erseheinend, ist sie Sohn; und als die Kuh oder 
die Aurora vor sieb her sendend . ist sie Vater. Alle vier 
Beziehungen der Sonne zu der Aurora werden im Iligvcda 
erwähnt. 

In einem Hymnus betest es, das« der reine Glanz, mit wel- 
Aurora die Schatten der Nacht verjagt, der Milch einer 
Kuh gleiche* - d, h, das weissliche Licht des Tagesanbruchs gebt 
im östlichen Himmel dein rosigen Liebt der Aurora voran. Die 
Aurora ist die Kuh-Amme und die Mutter der alten Sonne; bei 
dein Schall des Hymnus zum Preise der Morgendämmerung er- 
wachen die beiden Reiter des Zwielichts, die Aerius. 3 Zwei 
Kilbe — [d, h. <he beiden Dämmerungen, Abends und Morgens, 
verwandt mit den beiden Reitern, dem Abend- und Morgen-Reiter. 
die wir auch am Morgen zusammen finden, und zwar den einen 
weiss, den andern roth, den einen in Verbindung mit dem Tages- 
anbrach r den andern mit der Aurora 3 und die deshalb zuweilen 

den beiden Morgendämmerungen identiticirt werden können, 

nMmlich der weissen (alba) oder Tagesanbruch, und der rotlien 

reap, von einem andern Gesichtspunkt aus betrachtet, 

der Uooddlmmentng und der Soimetidämmermagj — lassen der 



' Tat saihvatiain ribhuvo gäm arakahan yat eaiavatsaai ribbavo mä 
•pifrvau; Rigv, IV, 33* 4. 

* UshA ßä r&uiir aninäir apornute mahn gyotiahS ^.ucata goarnasä; 
1 tl t 34, 

• Dhenub prainanya kamyara duhäoaniub putra^ csirati dakshintiyalj- 
i djoUniih vftbati ^ubbray&moibaaaV Storno acinar ngignh*, Rii^v. Ill, 
68, 1. 






Sonne Mileli zntropfcn , im Himmel 1 Die Morgenrüthe tat die 
Mutier der Kühe. 8 

Wie die Sonne naht, feiern sie die himmlischen Kühe, welche 
wandeln, ohne von Staub bedeoki m werdet); mit Liedern, 3 Die 
rotben Strahlen ihr Hoehsonne fliegen und treffen die Sonnen- 
kithe. l Die sieben weisen Afigirasen die sieben Sonnen- 
strahlen, oder auch sonst der Angiras, die siebeustrahlige Sonne, 
wie ein anderer Hymnus sagt) feiern in ihren Gesängen die 
Ktihherden, welche der auf dent Bergesgipfel erfleheinenden Aurora 
ehoren« 1 Werfen wir nun noch einen genaueren Blick auf 
«las, was von der Aurora gesagt wird , die mit den Kühen auf 
dem Berge erscheint. Es ist die Sonne, welche die AFigirasen in 
Stand setzt, den Berg zu spalten, mit den Kühen zu brüllen und 
sieh mit dem Glanz der Aurora zu umgeben. 7 Die Aurora, die 
Tochter des Himmels, die glänzende, erscheint; gleichzeitig ent- 
sendet die Sonne die Kühe. * Die Aurora wird von rothen glän- 
zenden Kühen gefahren, wahrend die Sonne, der kämpfende 
ßogenschütz , die Feinde todtet. •' I)ie Aurora erbriebt das Gc- 
fangniss der Kühe; diese jubeln der Aurora zu, 10 welche nun 
aus der Finsteruiss hervortritt, wie Kühe aus ihrem Stall. 11 Wie 
der Sonnenhehl, Indra, der Wächter oder Hirt von Pferden und 
Kühen ist, 1 ' so wird die Aurora im Higvcda oft als arvfivatf 
und gomati, d* h. als die an Pferden und Kühen reiche und 



1 Ritüya dhenii pnrame duhäte; Rigv. IV, 23, [Q. 
1 Gavüm mite; Rigv, V, 1". fc 

* Arenavas tuga ft aadma» dhenavab avaranti ti uparatati suryam; 
Rigv. I, 151, 5. 

* Ud ajmptann aruna bbanavo vrithä avayugo arushir gft ayukabata; 
Rigv I, 92, 5. 

1 Feol navagve angirc da^agve saptaaye revati revaddsha; Rigv. IV, 
51, I. — Die Sonn«' a oll auch von sieben aeboucn Pferden geaogen werden. 
Rigv, I, 50, 9. — Vgl daa folgende Kap. 

* Ta usbo adrilinO gotrü gaväm angiraao grinnnti; Ri^v. VI, *>. 

I Rituiüdrim vy asan bhidantab earn angiraao navanta gobbib nmam 
naral.i pari ahadann uehäaam; Rigv. IV, 3, IL 

* Praty a adarqy ftyaty uchanti dubita divab — Ud usriyah arigatc 
euryah »a&; Rigv, VII. 81, 1. ± 

9 Vabanti aim Brugia« nu;aut© gfivah eubbagam urviyä pratbanam 
apegate gteo aateva <;atruii b $igV. VI, 64, 3. 

ibilkmi dadad usriyanam pratt gava uahaaam vavacanta; 
Rigv. VII, 75, 7. 

II öövo na vragaih vy uaha flv ul ' *amah; Rigv. I, 92, 4. 
11 Yo ayvCinaüi yo gavath gopafib; Rigv, I, 101; 4, 



ihnen begleitete sen, Die Aurora hält die Herde def 

zusammen und begleitet sie immer. 1 

lind wir von «lern Hirtenheldcn zu «1er llirtcuhcldin auf 
cm Berge gekommen. Die Hirtin Aurora entschleiert ihren 
per im Osten und folgt drin Pfade der S.mne.-' welche uns 
m IÜitbsel als ein wunderbarer Kuhhirt dargestellt 
wird: „Ich habe «inen Hirten gesehen, deer niemals seinen Pum 
aid den Boden netzte und doch kam und ging: auf den Pfaden. 
11 im i der, dieselbe and doch verschiedene Strassen wandelnd, «wi- 
chen den Welten rundum geht." y Die Sonne wandelt im Act 
jnd und wetzt nie einen Fubs nieder; denn sie hat keinen; und sie 
wandert dieselbe, und doch verschiedene Strassen am Himmel, 
d. h. glänzende am Tage, finstere bei Nacht Die Pointe des 
liegt in dem inneren Widerspruch, und das schone Mad 
ist der Preis, der für den, welcher es durch seine Thaten 
gesetzt ist. Ein ähnliches lüithsel wird im Kigvedn dem 
Mil-ra. der Sonne, liiiil Varnna, de,r Nacht, anfj Es 

i rolgenderm Der erste von denen, die zu Fusse geben 

(padvatinam , kommt ohne FUß&e (ap&d)"; und die beiden 
: Helden werden gefragt: „Wer von Euch Heiden hat es 
enrathen?" 4 Der dieses Rätbsel l<>st, ist jedenfalls Mitra , die 
\urora erkennt, das Mädchen, welches kommt 
mit Gebrauch der Fusse, obgleich es keine zu haben scheint ; denn 
ruf aal einem Wagen, dessen Räder Küsse zu sein schei- 
nnd welcher derselbe glänzende, schnelle Wagen ist. : > der 
den Ribhus den beiden Aevins i bald als zwei Greise, die von 
den wieder verjüngt werden, bald einfach als xwei schöne 

Jünglinge dargestellt) geschenkt wurde; diesen Wagen besteigt 
sie mit Hilfe der Acrins, und die Tochter der Bonne ist b 
Wettrennen die erste, welche, unter dem enthusiastischen Beifall 



gavain arunänam anikam; Rigv, I, 124, 11. — Eshn gubhir 
: Rigv*. V, 80, 3. 
* Aviahkr uvam purastat ritaaya pant hum anv eti; Rigv. V, 

J Aj> pnm ftnipadyamänam ä ca parA ea patliiMiir r-arantarii 

<n*u ana ä varivarti [bhuvancahv antah; Big* X» 

in. 

kaa tnii vntn eiketa; Rigv. I, 159, 8, 
Eatham ye tjakrub sttrritam; Rigv. IV, 83, M — Takshan uh ifl 
mam sukharii rath am; Rigv. 1» 20, 3. 



24 



der Götter, das. Ziel erreicht, ' Zuweilen stellen die Hymnen an 
die Aurora diesen grossen Wagen all der östlichen Aurora 
hörig dar, die hundert Wagen lenkt, und die der Reihe nach 
den unsterblicheo Göttern in den Wagen an ihre Seite hilft. - 
Die Aurora wird als die erste von denen, die jeden Ta^ am Bftfc 
liehen Himmel erscheinen, als die erste, welche den Tagesanbruch 

ib, 1 natunremäss als eine der schnellsten unter denen, die 
während der Naelii Gast« Aw SnnncnfHrsten sind, dargestellt und 
hinterliisst bei ihrem Fluge nach oben keine Fussspuren, sbe 
wenig wie ihre Kühe, welche nicht von Staub bedeckt werden, 
eine Eigenschalt, die im indischen Glauben die Götter vnn den 
Sterbliehen unterscheidet; denn die erstereu wandeln im Himmel, 
die letzteren auf Erden. Das Wort a pad (pad und pad a 
sind synonym) kann auch wirklich nicht nnr die bezeichnen, die 
keine Fttsae hat, sondern auch die, die keine Fussspuren (d. h* 
das, was das Mass des Fusses bat) binterltost, oder ferner, die 
keine Schuhe anhat; diese hat die Morgenrotlie nämlich offenbar 
verloren, denn der Prinz Mitra findet, als er dem schönen jungen 
Mädchen folgt, einen Pantoffel, der ihre Fussspur, das Mass ihres 
Fusses, zeAgtf und zwar eines so kleinen Fusses, wie ihn kein 
ander Weib hat, eines fast uneriiiidliehen , fast nnbemerkbaren 
Fusses, der uns wieder zu, der Vorstellung von der, die gar keine 
Füsse hat, zurückführt Die Erzählung von dem verlorenen Pan- 
toffel und dein Prinzen, der dem Fuss üaehsp ttrt, der ihn eigent- 

tragen sollte, der Mittelpunkt, um den sich das Volksmähr- 
eben von Cinderella dreht, scheint mir ganz und gar auf der 
doppelten Bedeutung von a pad zu beruhen, d. h. die keine Fl 
bat oder doch nicht was das Mass des Fusses hat, d, i. entweder 
die Fussspur oder den Pantoffel; oft, wie in der Geschichte von 
Cinderella, kann überdies der Prinz die Flüchtige nicht einholen, 
weil ein Wagen sie davontragt 

Das Wort apäd, das wir bis hieb er auf die Heldin ange- 
wendet gefunden haben, erlitt aber auch auf den Helden Anwen- 



1 Yuvo ruthaiii duhita aüryasya aaha criyü misatyuvrinita ; Iyi^v. I, 
117, 13, — A vam rat hfl in duliitü röryuja kun$hmcvutishlliad arvaf.i gaymiij 
vieve devä anv aiuaoyanta hridhhih; Rigv. I, 1 IG, 17- 

1 Yuktva ratham D|>a devftfl lyatana; Kigv, I, 161, 7, — Prithü latho 
dakahiuüyä ayogy äiuam doväso amrit&ao asthuh; Rigv. 1, 123, 1 

Kigv. f, 18, S. — Cataih rathebbib Bubhago»hä iyaiii vi 
ibhi luiimishüu; {ttg*< I, IS, 7 
* Gänaty ahiiah pratbamasya; Bigv. I, 123, 9. 



dang f and gab einem andern Vulksmahrchen da« Leben, d« 

he Elemente uns der Kigveda bietet. Wir haben schon 
die Bonne als an i pad y am una, d, h. als die, die nie ibren 
- zur Erde setzt, gesehen; leicht kam man dazu, sie als eine 
Sonne ohne Flissr oder als einen lahmen Helden zu denken und 
darzustellen , oder als einen lahmen Helden, der wahrend der 
Nacht durch die Bosheit der Hexe, des Abcnddtuikel«, noch er- 
dete. In einem Hymnus sind der Blinde und der Lahme 
Biebt ein, sondern zwei Wesen , welche Indra gnädig leitet; 1 in 
einem andern ist es eine Person, Namens Par&Vfig, welche die 
beiden Arving, die beiden Freunde der Dämmerung, in Stand 
B, zu gehen und m sehen.- Der Lahme, der sehen kann. 
I dem Blinden, der gehen kann, den Weg, oder der Lahme 
t den Blinden; Indra, die verborgene Sonne, leitet den Blin- 
den und den Lahmen; oder, der Bünde und der Lahme, im 
Walde verirrt, helfen einander; am Morgen machen die Agvins, 
die beiden Reiter und Freunde der Aurora, mit dem Wasser der 
kraft und der Stärke (iL h, nachdem P&ravrigj der blinde 
Lahme, die verborgene Quelle der jungen Miidehen der Dämme- 
rang entdeckt hat, 3 mit der Ambrosia der Aurora, mit der Aurora 
seitat) den Blinden sehend und den Lahmen gehend } d. h. sie 
wieder in die obere Luftschicht hinaus, jetzt zur glän- 
zenden Sonne umgestaltet, die sich auf ihre himmlische Reise 
macht. Oben wnrde bemerkt, daBS der Held durch die Bosheit 
und Zauberkunst der A bend- Aurora blind und lahm wird. Diese 
war auch nicht ungegründet; denn der vediache 
Hymnus, in welchem Indra den Blinden und den Lahmen, d. h. 
der die Sonne, in der dunkeln, langsam wrslrcichen* 
Nacht leitet, ist ganz derselbe Hymnus, in welchem seine 
heldiKehe und mannhafte That, die Vernichtung der Tochter dew 
Himmels gepriesen wird. Die Sonne Indra rächt sich am Mor- 



* Ann dva gahilu tiayo 'nähern cronmh da vritrahan; Rigv IV, 80j VX 
oor uabiih*, Rigv, IV, 52, 2. — Panivrigam prnndhaui 
crotuiih eakehasa etave krilhah; Rigv. 1, 112, 8. — Ich verlasse hier die 
lljrpof-hfdi*, die leb vor sieben Jahren in dem kleinen Buche i t ,La vita 
cd i miracoli del dio Indra nel Rigveda" pp, 98 und 24 auf- 
»teilte, und nach welcher der Held Paravrig der BlitzBtruhl nur dem Wob 
unkel lit, wühl in dem Minden Lahmen die Sonne in dem 

nkel der N ~p. dea Wintert; erblicke. 

1 Sa vi d van a pa go ham knutnäm ft vir bhavann udatfehthat paravrik 
prali v f unah el bud vy as&g acathta; Rigv. II, 15 f 7. 



?6 

gen an der .Mi.ru« ra -Aurora fttr das ihm eon der schönen 
treulosen Abend-Aurora angetba&e Unrecht 

Demi die Aurora besitzt outer andern Gaben del 

Zauberei; als die [Jibbüe die Kali Morgen -Aurora schufen, i>' 
nie ihr das Pell dm Kuh UmimI Aurora über/ alten sie 

Proteuseigenscbaften ( Vieva rü pft), und daraufhin wird 
Aurora selbst auch lb\e oder Zauberin I M ä y i u i ) genannt» ■ 
Diene Aurora, diese Amazone, diene vedische Med«.«, welche ihren 
oder Bruder, den Konneulielden , verrutlieriseh in einen 
feurigen Ofen st&sat und ihn so blind und lahm macht, wird am 
pgen für das Verbrechen am Abend bestraft. Der Held 

überwindet ihre Bezauberung und vernichtet sie. Der 
vedische Hymnus singt: „Eine mannhafte und heldische Thal 
Du vollbracht, o Indral denn ein ruheil stiftendes Weib, die 
Techter des Himmels hast Du gezüchtigt! Die wachsende Tochter 

Himmels, die Aurora, o Indra . hast Du vernichtet! von 
in Sttteke /.ertrünmierteu Wagen stürzte die Aurora, zitternd, weil 
der Stier sie geschlagen!" 1 Hier erscheint das mythische Thier 
Wieder auf derselben Stufe mit den Helden, und an die Stelle 
Hildes von dem Hehlen und der Heldin wird das von der Kuli 
und dem S|; 

Die Bonne und die Aurora suchen sieh also nicht immer nur 
auf, noch wird die Rolle immer 

der Anroil gespielt \neh die Sonne erscheint ihrer>< 

olgeria Bin vedischer Hymnus rüth der Aurora, ihr Gev> 
Dicht in weit ausauspionen, damit die Sonne nicht, wie i 
l»er in feindlieber Absiebt, leuer anlege und sie verbrenne* 1 Ein 
andrer Hymnus erzählt uu<* das« der Schone d< 
der Brüder der 8 ein Liebhaber. ' — Die Aurora 

llieht vor der Sonne, ihrem Prüder, aus Scham, und ihr Br 



•Kigv 

* F.t»*l |fced uta tadra «fakaHha paafr train ym«l 
cturhmiATi: luhit:u!im Uiviih rf! gbi dohifsiniiti n 

ushitsrtin itidra sum pinnk aposliA nu«A»h »*rat in 
mhm bihhyvk*h\ m yat ? im gigaathad vnsha — U 

1 Dil AHM Indraa toilfti dir Kuh« crot baho; 

jtie 

* Vy tiohii ituhitar divo mm cimm Utttttbi *p*b net UK fetenrtia yathA 
ripiuh upati »uro anfisla; |tigi V. ?&, 9 — Vgl d*& Kapitel, da* v«>n 

;m>c bai 

* ßbadrv Miadnivi sacamaiia Agtt svasaram giro abhy eü posät; 



verfolgt sie, von einem thierisehen Triebe getrieben. svhliesslieh 
zeigt uns ein dritter Hymnus den vcdi*ehen Vulkan, den Hrob- 
ued der Gotter, die Sonne Tvasbtar ? auch ilio allgcstaltige 
SavitS Vi<;varüpas) genannt, als Vater der Sarauyü 
(ein andrer Name ftlr Aurora), selbst aUgeataittg wie ibi Vater 
(und, wie die Kuli, der dreifachen Verwandlung unter den Mihi 
den Tvashtars, d. h. der drei Kibhus, unterzogen), der sich 
u einem andern Wesen Hinschafft, namlieh der Sonne 
Vivas van t, um die Aurora heirathen zu kennen. Saranyu, die 
xnßillig bemerkt, das« Yivasvaut ihr Vater, nur in anderer 
Btalt, ist, gehallt ein ihr ganz ähnlichen Weib und entflieht auf 
igen, der von selbst fliegt, und den sie frtiher von ihrem 
Vater zum I k erhalten hatte, und nun verwandelt sieh 

Vivasvant, um sie einzuholen, in ein Pferd* l 

Zuweilen aber sind an der Entfremdung zwischen der Sonne 
und der Aurora, dem jungen Ehepaar, nicht persönliche Antipa- 
thieen schuld, sondern der Beschhiss des Fatnms, der durch die 
Rünke von Ungeheuern wirkt. Die beiden Schonen sind im 
Glttnde durch die Rande gegenseitiger Liebe geeint; denn bald 
befreit die Sonne die Aurora, bald umgekehrt; und wir haben 
en, wie die Aurora aus ihren Kühen der Sonne ambro- 
he Milch zntropfen üeea, und wie die Sonne die Kühe der 
Aurora befreite. In einem Hymnus steigt das göttliche Mädchen, 
die Aurora, im Osten herauf, mit keckem Blick, lächelnd, ihren 
Husen entblitesend, gliinzend, dem C^ottc zu, welcher sich dar- 
bringt, und anders noch welcher sieh opfert -, das bedeutet, Q im 
$epa, der Sonne, zu, welcher sie in drei Versen eines andern 
Hymnus a anfleht. Das wohlbekannte Mäbrchcn im Aitareya- 
Bräbmana werde ich kurz mittheilen. Die Aurora hat auch 
da« Verdienst, mit ihrem reinen und reinigenden Glanz die Thore 
trn Höhle geöffnet, die Feinde, die Schatten der Nacht, 
und die in dem Dunkel verborgenen Schatze an 's 
Lieh ht zu haben (hier haben wir wieder die Medea, aber 

diesmal in einer gütigen Gestalt); sie weckt die Schläfer und 



1 Vgl Rigv. X. 17 und Max Müller, lecture« on the science of i 

Deutsche Ausgabe, i'. Bd. p 446—549. Vgl «las Kapitel 
rrf, wo Saranyö wieder hIh 8tute vorkommt 
1 Kanjcva tai Lttiän (arepaaü IäiivA cü$adanä ; Rigv l,l k Jl 6 '. 

vHtii tyakshaoi&ntin twriisinnyiiroiiiiu yuvatih pura 
Higv. I, 123, 10. 



Alles, was Leben bat, zur Thätigkcit, also unter den kündigen 
lifern auch ihren Sühn ♦ «lie Sonne, den ein Hymnus als am 
Busen der nächtlichen Finsterniss in tiefen Schlaf versunken dar- 
stellt; Bie ist der Heiland der Sterblichen, ! " d. h. sir ht schützt 
die Sterblieben vor dem Tode und erweckt sie wieder; sie sieht 
Alle« und weiss Alles vorher 2 Die Krweckerin ist auch die Kr- 
wachte, die Krhellerin auch die Erhellte oder die WeA*e; und die 
Erhellte oder Glänzende ist auch die Schöne. Erst schwach and 
dflsterblickend, ist sie durch die Gnade Indraa und der A< 
geheilt and wieder zu Stärke und Helle gelangt. 3 Dunkel aber 
war sie zuerst deshalb, weil ihre Mutter, die Nacht, die Sehwarze 
ist; sie, die Weisse, ist von der Sehwarzen geboren,- 1 

Während der Nacht war das junge Mädchen blind; es erhält 
seine Sehkraft durch die Gnade eines Weisen wieder, der sich, 
von Indra beschulst, eine andere Erscheinungsform Indras, in 
dasselbe verliebt hat Wie wir oben gesehen, sind es die Acvins, 
die mit der Aurora auch der Sonne die Sehkraft wiedergeben; 
hier ist es die Sonne» welche die Aurora sehend macht, ihr Glanz 
verleiht; und sie T die erst blinde, dann sehende, wird die Schütze- 
rin der Blinden und die Erhalterin des Gesichtes, 5 wie die big* 
Lucia, die jungfräuliche Märtyrerin in der christlichen Mythob 
Physische Wahrheit und mythische Erzählung befinden sich in 
vollständiger Uebereinstimmung. 

Die Nacht ist bald die Mutter» bald die Schwester der Mor- 
genrttthe; aber die düstere Nacht ist zuweilen ihre Stiefmutter, 
zuweilen ihre Halbschwester Es giebt ein Rätbscl, welches die 



1 Y\ m vragaaya famaso dvaruehflMtir avrafi dhucayah pävakih; 
Rigv. IV, &!, 2. — Apa dvesho badhamftuft tairftnsy uwha divo dubitl 

ibftgat; Rigv. V, 80, 5. — Spurhft vasuni tamasApagulbA Avish 
krinvanty ushaso vibbatih; Rigv. I, 123, 6 — Saaato bodhayanti; Rigv. l t 
124, 4. — Vicvsm givam (Sarasc bodhayanti; Rigv. 1, 92, 9. — Martyaträ-, 
Rigv. I, 198) 3. 

* Vicvftni devi bhuvanäbhicBksbya ; Rigv. I f 92, 6. — Pragunati; 
Rigv. I, t24, 3. 

3 lieber Ghosha, geheilt von den Av-vins (Rigv. I, 117,7), und ApÄla. 
geheilt von Indra (Rigv. VIII, 80), siehe Genaueres in dem Kap. über 
das Schwein, 

* (Jukra kriöhnÄd aganishta cvilWi; Rigv. I, UM, 9. 

% Yasyäoakshä duhitü £|tftffl kaa tath vidvän abhi manyäte andhäm 
kutaro uieoim prati tarn uiudate ya im vahate ya im vä vareyät ; I 
27, 11, — Vritraeya kanlnika 'ai Caksbu&hpft asi; Täittir. Yagurv. 
I, 2» 1 



gg 



i /ende Nacht und die Aurora als zwei verschieden schone 
eiche zusammen wandeln, von denen aber die eine gebt, 
rührend die andere kommt 1 In einem andern Hymnus heisst es 
von ihnen: „Die herrlich geschmückte naht T die weisse Aurora 
k<. mint, die schwarze bereitet f'Hr sie die Wohnung. Wenn die 
due Unsterbliche die andere getroffen, so erscheinen die beiden 
abwechselnd am Himmel Einer und ewig ist der Pfad der bei- 
den Schwestern; sie wandeln ihn, eiuc hinter der andern, geleitet 
von den Göttern; sie treffen nicht zusammen und stehen nie still — 
beiden guten Ernährerinnen, Nacht und Aurora, einig im 
rsehieden an Gestalt" * Diese beiden, deren Farben 
In, nähren ein und dasselbe Kind (die Sonne). s Die 
$aeht ist jedoch wirkliche Schwester der Aurora nur als mond- 
helle Nacht, als finstre Nacht dagegen nur Halbschwester. Diese , 
r schickt in einem Hymnus die Aurora weit fort, weil 
sie glänzt, urn von ihrem Gatten gesehen zu werden; 4 und ihre 
Halbschwester, die Nacht, muss ihren Platz der alteren oder besse- 
ren Schwester einräumen,*" da das Wort li yes lit ha nicht nur 
.Weitesten, sondern auch den Besten bezeichnet Wir haben 
» gesehen, das* die Aurora »uerat erscheint; als solche und 
welche am Abend der Naeht vorhergeht (die Abend- 
Aar< orene, die Älteste, erfahrenste, beste; 

rend sie uns, von einem andern Gesichtspunkte aus, als die 
wird, und in diesem Falte als jüngere Schwester 
der Nacht 10 ;endfttnmening) dargestellt wird. Die Dim* 

tnerungen oder Auroren erhalten den Beinamen Arbeiterinnen, ■ 
ganz wie die gute Schwester, im Verhältnis zu der schlechten, 
immer die arbeitsame ist, die eine wunderbare Arbeit macht, nam 
lieh das rosige Gewand spinnt oder webt. Aber die Auroren sind 
nicht nur die Arbeiterinnen, sie sind auch die Reinen, Reinigeo- 



inyad ety abhy anyad pti viahurüpe aliani sai» carete; Kigv. I, 

1 Ku »»ty&g&d arüig u krhhnä sadanäny aeyfih sanii- 

dyävft vuuiarh <Sarata fori inane Batnftno adhvl avaaror 
aniiulni f;im fcnylnyti carato dc»vat;iahte na methete na tusthaluh ivmeke 
nals I 1 1 üpe ; Kigv. 1 , 11 % 2, 

* Naktoähft^dvarnam ömcmyäne dhfipatycte y^-uni ekaiii sami^i; Kigv I, 

,i\\ divo all tan abodhy apa avasäram eanutar yuyofi praininati 
ifafiftS vi hlniti; Rigv* I, 9'J^ lf, 
nsyftt yonira ärftik; Rigv. 1, 124, 8. 



den und Säubernden; ' hieraus kann man verstehen, wie ei der 
jüngsten Schwester unter Andern) obliegen konnte, das B 
Während def Nacht zu reinigen und zu säubern und alles Unreine 
daraus zu entfernen, wobei sie zuweilen von einer guten I 
zuweilen, in der späteren Ausbildung de& Mythus, von der Jung- 
frau Maria, die, allem Anscheine nach, der Mond ist, in 
stutzt wird. 

Eine besondere Kigcuachaft der jüngeren Sc ist, dass 

sie ihre Heize nur den Blicken ihres Gatten enthüllt. Das Weib 
Aurora ofleubart sich dem Auge seines Gemahls; * in ihrem Glänze 
mit den Strahlen der Sonne vereinig richtet sie wie ein Weib 
die Wohnung der Sonne zu. ■ Sehr glänzend, wie eiu Weib, das 
von der Mutter geschmUckt, enthüllt sie ihren Leib; 5 wie i 
Badende, welche Bick zeigt, entschleiert die Leuchtende ihren 
Körper; 11 ftie schmückt sich wie eine Tänzerin; entblösst, wie eine 
Kuh, ihre Brust; 7 sie entfaltet ihre glänzenden Gewänder; 1 all* 
glänzend, schonen Antlitzes, lacht sie; ! ' und er, der die Aurora, 
die schone Prinzessin, welche erst, während der Nacht, nicht .lachte, 
zum Lachen gebracht hat, heirathet sie: die Sonne heiratliet die 
Aurora. 

Die himmlische Hochzeit findet Statt und die Feierlichkeit 
wird mit minutiöser Genauigkeit im 86sten Hymnus des |0. 
Buches der Kigveda geschildert. Aber die Ehe der beiden 
Himmlischen wird immer nur unter Bedingungen geechloesea , 

Bedingungen werden immer angenommen und nachher 
gessen; bald bricht der Galle durch Verlassen seines Weihes das 
gegebene Versprechen, bald umgekehrt. Eine dieser zeitweiliges 



1 faftaya^ pftvaklb; Kigv. IV, f»l, &• 

■ Yi dakih&ifl vibbftti; Rigv. L, i>2, n. 

* Yalaiu;iiiu rac^nibhih BÜryaaya; Kig v - 1* J ~ : *» 1-- — Vyu» 
ibhih aüryasya; Kigv. I, 1*2 3 

* Bitaiya yoehft u» misftti ilh/nmi.; Kigv. h Wft 9. 

* SusjimiLmi iiintviinriabtcvayuKliiiviä tauvarii krmtishe (Jrice kam; H 

, n. 

* Eabl yublini na tauvo .vidiinorclhv« va anfttl dricuye ßQ aslhat ; $igl 

7 Adhi pecäiiai vapate oritur ivapornute vaksha uarei ilinin; 

Kigv !, 9 

* tihadra vaatra tanvate; Kigv. 1, 134, 4. 

1 Bm*yat€ vildiiti taipratikri ; 1> i k x ' * 1* ^'A ( >- lieber die Bedeutung 
dieaea Lachens fgL noch das in § 5 über den Kukuk, die Kuh und 
lacht, Bemerkte and du Kap. über die Fische. 



;;! 

ben Manu und Frau wird im Rigveda durch 
[er Dämmerung D rv a ei und ihrem 
ahl Purära v a (ein Name der Sonne) dargestellt Urvari 
ü sicli selbst: „Ich bin angelangt wie die erste 
Auroren ; u| dannii' verlädst LVvaeJ plötzlich ihren Gatten Purlira va. 
]i ili neu getroffenes liebe rein kommen 1) rieht, 
.den writer unten in diesem Kapitel Genaueres über du 
kommen erfahren. Ausserdem tröstet sie ihn, nachdem 
Ihm vor ihrer Trennung einen Sühn geschenkt, damit, dass 
erlaubt, zu kommen und sie im Himmel wiederzufinden^ 
damit T dass sie der Sonne die Unsterblichkeit verleiht, 
\m Morgen geht die Aurora vor der 
Rönne her; diese folgt ihr zu dicht und sie verseh windet hinter- 
aber einen Sohn, d. i. die neue Sonne. Am Abend geht 
irora der Sonne voran; diese folgt ihr wiederum und 
sie \ aieb bald in einen Wald, bald in das Meer, Dieselbe 

eine Scheidung von Mann und Frau, eine Trennung 
von wester, die Flucht einer Schwester vor ihrem 

oder auch einer Tochter vor ihrem Vater, bietet sich Wg* 
lieh (und jährlich] zweimal am Himmel Bisweilen nimmt eine 
ebener der nächtlichen Dunkelheit die Stelle 
der glänzenden Braut oder der Aurora neben der Sonne ein; und 
in Falle wird die Annua, die schone Braut, in einen 
elockt, um getödtet oder in dasMcer geworfen zu werden, 
ocli immer entrinnt Bisweilen schleudert 
acht Bruder und Schwester, Mutter und Sohn, Sonne 
und zugleich in die Meereswogen, denen sie beide ent- 

kommen, inn am Morgen wiederzuerscheinen. 

All diese wechselnden Gestaltungen einer mythischen Dar- 
den selbst wieder Sagen, wie wir das noch klarer im 
hen werden, wenn uns das Studium der verschiede- 
nen Thierc, die dabei in Betracht kommen, Gelegenheit dazu 
wird. Vorläufig bcsehliessen wir hier unsere Aufzählung 
in den Hymnen des Rigveda irgendwie auf 
•r und die Kuli bezieht, und Überlassen dem Leser 
dafür, wie natürlich der Ucbergang von dem E 
eu Helden-Prinzen uud von der Kuh zu dem schönen 
«heu Prinzessin, der tapfern Heldin, der w 
Denn I wir in den mythischen Hymnen des 



iyeva; Itigv. X, 9 



tligreda wenige mekr ab Andeutungen, als Abrisse der vielen 
Volkstalbrtben baten, anf die wir ant bexagrn, 8a stud dieselben 
lahlreirfc und so deutlich, date et mir fast unmöglich 
scheint, sie xn verkennen. L*m das xa beweisen r wird es jedoch 
«ein, weiterhin xa sägen, welcbe Gestalt die mythologischen 
Ideen and Figuren bezüglich der Thiere, die in den redigebea 
Hymnen verstreut sind, in den Sagen der Hindu« angenommen 
haben. 



Die Verehrung des Stiert nnd der Rah in Indien 
die bezuglichen brshmani«chen Legenden. 

Ganz wie die v. eit der Viehzucht filr dag nrapi 

liehe Hirtenlebeu der Arier die Neigung de« arischen Geistes er- 
klärt, die wandelnden Liimmelserscheinungen %u erfassen, di» 
erst als lebende re und Kilbe betrachtet wurden. 

so liess die Heiligung dieser TUere, weiche den himmlischen Br* 

und deu Göttern bdg na tU t und mit ihnen identlfi 
wurden, sehr natürlicher Weise die abergläubische Verehrung 
ind der Kuh entstehen] welche allen arischen Stäinu 
aber durch Vermittlang der Bi&hmanen-Pri« 
den Hindus eigen ist* 

Ks ist ein« beaobtenawerthe Thatsaehe, dasa diu \\ 

sba, vrishabha und fifth abb a , welche den S 
Befruchtet beaeiebnen, u\\ Sanskrit oft fllr den Besten, Kisten, den 
Fürsten gebraucht wurden. Daher ist der ßtier, d. b. der b 
Befrachter, in Indien «las heiligste Symbol der königlichen Würde, 
Aus diesem Grunde hut der pballiacbe and zerstörende Gott, dor 

igliebe 1 i \ a, welcher G oka r na (eigentlich Kuhohr) bewo 
zum Rcitthier und zum Sinnbild einen brähmanischen Stier, d. h. 
einen Stier mit einem Bticker auf dem Rücken, das Attribut | 
dig inaudin) wird Qi?a seltol gegeben, sofern er als <1 
phalli ens der Qott der Freude und des (»liukes ist. 1 

Noch mehr Ehre wird der Kuli erwiesen (wie die ved 
Dämmerung unschuldig oder aostriHiicb, anavadya ? ), deren 



1 IcJi muBS jedoch bemerken, daa competent« Autoritäl 
die phallische Verehrung Qfcm uls aus dem Glauben der eingeborenen 
Stamme dravidisuher Riice hervorgegangen batrtcbt«n, 

-v 1 1 



33 

als Verbrechen galt * Ein interessantes 
Kapitel des A i tan/ ya- brntimaii a, - Über <lns Opfer von 'fine- 
st dem Menschen das Pferd das höchste 
i war. w< len Gittern dargebracht wurde; wie sp 

Knli die Stelle des Pterdes, das Schaf die der Kuh, die Katze 
fes einnahm, und endlich vegetabilische Prodncte die 
rerdrängten — Abänderungen, um die Götter beim Opfer 
m betrogen, die vielleicht zur besseren Erklärung des Betraget dienen, 
!i Opfer, im Volksmiihrchen, ininier der Dumme ist; hier ist 
«ler I Ibst der Betragene, und der Betrüger der, welcher 

r einem heiligen Vorwande, statt der edelsten und geschätz- 
u Thiere gewöhnliche und wertlosere und endlich offenbar 
rtblose Vegetabilieu darbringt. In den Gesetzbüchern der 
Hirn! flfen wir dieselbe betrügerische Aertausdimig von 

Thiereu unter gesetzlichem Vorwande an. w W«r eine Kuh fcödtöt/' 
sagt das Gesetzbuch des Ynünavalkya, a „mnss einen Monat Busse 
tlmti, das parieagavya uh h- die fltnf guten Erzeugnisse der 
Kuh, die, nach Manu, 1 in Milch, Quark, Butter, Urin und 
Dünger bestehen) trinken, in einem Stall schlafen und den Kühen 
auch muss er eine andere Kuh darbringen. 14 80 wird, 
nael wer einen Papagei tödtet, durch Darbringung 

s zweijährigen Kalbes gereinigt; wer einen Kranich getödtet, 
in dreijähriges Kall»; für einen getödteten Esel, Katze 
«♦der Schaf giebt man einen Stier, während man sich von der 
l eines Elcphnnten durch fünf schwarze Stiere (nila- 
) reinigen muss. Man darf sieh über das Vorkommen 
Schriften (welche an den Vertrag zwischen Jacob und 
erinnern) in den Gesetzbüchern der Hindus nicht wundern, 
wenn in den Vedea selbst ein Dichter Jedem, der dazu geneigt 
ist, einen seiner indras, d. h. den Regengott, den Befruchter, für 



pc, sed cumprimia anno 1785 in Malabari* ad Humen 

pto celcbri Ambalapuahe proximum, extra oppiduei Callureata in süvula, 

»entetitia regie Travancoridis Rama Vanner, quraque viroB arbori appeuaos 

iuod, coutra regni leges et religiott.il pmescripta , volun- 

v ncfäin oeeideri nt ; Sy a 1 e tu ti B r a h m u nicum, illuatr Kr. 

a. S. Bartbotoma« o , Koma*», 1795. — Vgl, Mioava-Dbar- 

m*v*atra, XI, <>O t und Yiigiiavalkya- Pharmacist ra, ill, 234. 

" II, L, ». 

* Paiidagavyam piban goghno masam atftft aamyatah goshtreeayo go 
mi gopradinena gndhyati; Dharm, III, 263- 

Dharm. XI, 166. 

* Ibid, III, 271 

a 



q Kflhc /iiiii Verkauf anbietet. ' Ein anderer interessai 

»Irs Y:iMiuvalky I ttiifl, «lass diejenigen rein 

lum, welch« inn der klihe oder der Hrälmiancn willen vom Blitz 

iin Kampf erschlagen sind, Die Kuh war oft der Gegen- 
stand, um welchen Helden in» Himmel fochten; der Brähtnane 
wHnschte, der Gegenstand des Kampfes von Helden auf Erden 
zu »ein. 

Wir entnehmen den Hausregeln tGrihynsut rani) T mit wel- 
cher Verehrung der Stier und die Kuh als die Symbole der Fidle 
in einer Familie behandelt wurden. In A^va lay anas 11 

hi ■ finden wir das Stiertoll neben dem Hausherde ausgebret- 
(et, «Ins Weib darani sitzend und den Mann, indem er die Gattin 
dinarmt, ausrufend: „Miigc der Herr aller Wesen uns Kinder 
schenken!": Worte, die dem vedischen Hochzcitshyniuus entlehnt 
Bind. 4 Wir haben oben gesehen, wie die Kibhns aus dem Fell 

r todten Kuh eine neue und schöne schufen, oder mit andern 
Worten, >\ ie sie aus dem Abendduukcl, das sie in der Nacht aus- 
spannten, die Morgendämmerung gestalteten Mieses Kuhfell 

it auch im Volksglauben eiue wichtige Rolle; eine ausser- 
ordentliche Geschmeidigkeit, die Fähigkeit endloser Dehnbarkeit 
wird ihm xugeschrieheu, nnd aus diesem Grunde wird es als ein 
Symbol der Fruchtbarkeit angenommen, auf welches das W 

setien muss, um Mutter m werden, i >as Kuhfell gocaruiau i 
ist im Mahabharata % das Gewand des Gottes Vishnu ; und das 
gocaruiau, in Riemen gescln e dann mit einander verban- 

den wurden, diente früher in Indien dazu, den Umfang i 
Grundstücks tu messen ; ,: daher weckte das Kuhfell die Yoratel- 
rt von Unendlichkeit. Weiter nuten wir es 

den Mähreben des Westens ausserordentlich oft verwendet 
finden; ja, wir finden es schon in den Hymnen der redis'hen 
Epoche angewandt, um einen Leichnam an bedecken, wobei das 



1 Ka iroao» dafabluT nuUDfudnuu krini*» ittir»abfri> , Kigv. I 

• Dh»rm UI t ST 

byaiätra» I. - Uvbrttfea brmcfcte dir Siti«; b 

k-crnlivit cm r HrirmTh d<» Kr*h«.w» Kib* sa ^b^n; U& n J. 71 
f«*t Kfaig ln s * -*tb* bc« dt* ll<<bt*nt sein«* $*kmf I &fi^ 

V nx\x prrn^an gftnftyatii pr*$*pnt>b ; R» r U 

• tWarmaf*sano M X! 1 12» 

i Bothbttffi m Kolk, Sanskrit WCttcrb s t. ^uratu. 







Feoer angerufeu wird, e« nicht to vermehren, last als ob <l;is 
Kuldell die Kraft besäßse* den Todten wiedemicrwccken. ' 

ar als Symbol dor Fruchtbarkeit auch Gefährtin 

der ! Ibrend der Schv cbaft. A^valiya^a - erzählt, 

wie im dritten Honal der Gatte seiner Fra^i von der sauren HUch 

Kuh zu trinken geben mussfe und darin zwei 

Bühnen und ein Gerstenkorn; der Mann muaste dann sein Weib 

drei Mal Fragen: „Wan trinket Du?* 4 nnd sie drei Mal antworten: 

„Männliche Nachkommenschaft.*' Im vierten Monat niusste sieh 

die [ i AQval&yana wieder auf das Btterfell setzen n 

am Opferfeuer, wobei sie wieder den Gott Praunpati, den 

Herrn aller Weiten, anriefen; der Mond, als himmlischer Stier 

und Kuh, wurde eingeladen, bei der Gebort gegenwärtig zu sein; 1 

und wahrem! der vedischen Epoche war ein Stier die Gabe, welche 

ftlr den Priester genügte, Im vedischen Altcrthum lies« man 

r Stiere nocli Kühe ohne besonderes Augnriun], das wir auch 

tu Ai valftv;ina< * llaimrcgcln tiberkommen haben, auf die Weide 

11 ; die K Uten Milch und Honig geben, für das Waehs- 

und die Kraft dessen, der sir beaa&s, Hier haben wir wie- 

der die Kühe Dicht allein als die irobltbätigen, sosdem auch als 

Ken, welche dem [leiden oder der Heldin, die sie rar 

Weide fiihren, helfen. 

r obgleich das Erblicken schöner KUhc bei Tage ein 
glückliches Vorzeichen ist r ist ihre Erscheinung im Tranm ein 
böftCft Omen; denn in diesem Falle sind es natürlich die schwär 
aen Kühe, die Schatten tier Nacht, oder die dunklen Wasser des 
ttichen Oceans. Bereits im Kigveda kommt die Dämmerung 
oder die glänzende Kuh, den vorerwähnten Sonnenheklen, Trita 
i Schlaf zu erlösen, den er unter den Kühen & 



by**, \\ 

i I, i;i. — I>i»r Commentator Näriirui n ron Stm/l 

Ira A^'Yid. cilirt, erklärt, wie die zwei Höhnen und 
da* Genteukoru dcrrrli ihre Gestall die männlichen SSengitngtitlieUe bc- 

• (Jribyas I, 14 

* (rribyas. 11, 10. — Dw betlfge Antonius (Pntron dar I hi<n 

deich ans war der Gott fctudra, der Wind, «lern man, wenn das 

von eiti'T Krankheit betroffen wurde, in der Mitte eines Gehiget von 
Kuben opfern mns*te. — Vgl dasselbe Grihyai. IV, H. 

« «ln<liv »|üi\ im duhitar iliv:ib tritaya tad 

lao vji lila v i»b suütayo va ütaynlj; Kigv 
VIII, 47, U 

3* 



der Nacht schläft, Aevaläyana nun riith uns, wenn wir 
ItfVsen Traum haben, die Sonne anzuflehen, das Naben des Mor- 
gen! zn beschleunigen, oder noch lieber den fiinfzeiligcn Hymnus 
an die Dämmerung herzusagen, auf den wir schon ltezu^ 
nommon haben und welcher mit den Worten beginnt : „Und gleich 
einem btaen Traum unter den Kühen". Hier ist «lie Vorstellung 
noch nicht eine ganz abergläubische; und wir wissen, was mit 
den Kühen, die uns im nächtlichen Schlaf umgehen, gemeini 
wenn uns der Rath gegeben wird» die Sonne nnd die Dämmerung 
anzurufen, SU kommen und uns von ihnen eh befreien. 

Eine (wahrscheinlich Bebwarze) Kuh, oft eine schwarze Zi 
wurde zuweilen auch bei den Leichenfeierlicbkeiteu der Hindus 
geopfert, wie um zu prophezeien, dass wie die schwarze Kuh, die 
Nacht, die milchigen Feuchtigkeiten der Aurora hervorbringt 
der, welcher das Reich der Finsterniss durehwandelt hat, in der 
Lichtwelt wieder auferstehen wird. Wir haben schon die schwärze 
Nacht als die Mutter der weissen und glänzenden Aurora ge- 
sehen. Ich bespreche unten noch einen andern vedischen Passus, 
in welchem ein Dichter offen seine Verwunderung ausspricht, 
warum die Kühe Indras, die schwarzen sowohl wie die hellen (die 
schwarzen Wolken sowohl wie die weissen und rotben), beide 
weisse Milch geben sollen. ' Sogar das nächtlich düstere Reich 
Yamas, des Todesgottes, hat seine Klihe mit schwarzer Farbe, 
die jedoch nichtsdestoweniger Milch geben; und so kommt die 
schwarze Kuh der Leichenopfer dazu, als Symbol der Ai 
stehimg zu gelten. 

In gleicher Weise ist das viaticum oder der Vorrath roo 
Speise, den man dem Todtea auf die Reise mit giebt, ein Sym- 
bol seiner Auferstehung. Da die Reise als eine kurze betrachtet 
wird, so ist der Speisevorrath, welcher ihn auf seiner Fahrt nach 
dem Todtenreiche ernähren soll, ein beschränkter, und jeder todte 
Held führt ihn bei sieh, gewöhnlich nicht so sehr zur eigenen 
Verwendung, als um sich den Eintritt in das Todtcnreici 
sichern. Aus diesem Grunde wird sogar in Agvaläyauas Haus- 
regeln anempfohlen, dem Todten das höchste Symbol der Kraft, 
die Nieren des bei dem Leichenopfer getödteten Tbieres (oder, in 
Ermangelung eines Opferthicres, wenigstens zwei Reis- oder 



1 Payati kiiahtiuau ruead rohimaliu; lügv. I, t52, 9. — Vgl. Kigv. I, 



37 



Mebll-v neben), in die Hände zu legen, 1 damit er sie den beiden 

erf, dee Jangen tier Hündin Karamu, in den Bachen 

ass sie den Abgeschiedenen unverletzt in da» Todtcn- 

eitigehen lassen; und hier finden wir das Ungeheuer der 

en, in dessen Haus der Held, nach Bestehiiug vieler 

diren, eintrilt, indem er auf den Rath einer gütigen Fee oder 

tm alten Mannes den beiden Hunden, welche die Pforte 

achen, etwas giebt, was ihren Hunger beschwichtigt. Aus einer 

interessanten Stelle in dein Veda, einem Leichen-Hymnus, lasst 

»ich das, was man einem Todten gab, eigentlich 

sin sollte : „Die Reiskorner (dieselben erinnern an die 

ige kntjä bei den Russen) sind eine Kuh geworden, der Sesam 

ist ihr Kalb geworden; und sie sollen in Yanias Reich Deinen 

öptiiehen Unterhalt bilden." 

vom Lcicbcnbegängniss Zurückgekehrten müssen den 

ttlus des Prianus, ein Feuer, die Excreraente einer Kuh, ein 

'»rn, ein Sesamkorn und Wasser berühren— lauter Sym- 

der Fruchtbarkeit, welche die Berührung eines Leichnams 

vielleicht vernichtet haben konnte. 

vc'liselien Hymnen haben uns die hauptsächlichen mythi- 

■ -Stallungen und Verrichtungen der Kuh und des Stiers 

wir haben auch gesehen, wie die brähmaniseberi Ge- 

ticber die Verehrung flieser Thiere sanetionirt haben und wie 

die Familientradition der Hindus sie bewahrt bat 

wollen jetzt aus dem Aitar eya-brähmana ersehen, wie 

die ßrähmanen selbst, nnd zwar die der Zeit unmittelbar nach 

den Veden angehangen, den Kuhmythus interpretirten. 

Wir haben im vedischen Himmel, wie er rieh in den Hymnen 
Rigvcda wiederspiegelt, drei Kühe unterschieden: die Wolken- 
kuh, die Mondkub und die Auroraküh. Diese drei Kühe, beson- 
ders die erste und dritte, werden auch iui Aitareya-brähmana 
genau von einander geschieden* 

erzählt uns, wie die go pri(,ni, die gefleckte oder 
«checkige Kuh des Rigveda, angerufen werden muss, das Land 
fruchtbar zu machen ■ (oder dass man einen Hymnus an die 
Wolke singen muss, sic möge die Weiden und Felder mit Regen 
befruchten i, und wie oian dem Vi<;vakarman (dem Alles Wir- 
welcber in tlen Gott Indra verwandelt wird, als er den 






38 

Dämon Vritra, 1 «las Ungeheuer, dafl den Begen iu der Wolke 
ziiriiekhält, tttdtet, einen Stier opfern muss. 

Es zeigt ans den Vollmond, Räkä, verbunden mit der 
Aurora, als eine Quelle der Fülle ; ^ und ebenso die Aurora mit 
der Kuh. 3 Auslührlieh erzählt es, dasa die charakteristische Gc- 
stall der Aurora die mtheKuli ist, weil sie mit den rotheu Kühen 

' Nachdem die Götter die Kühe in der Höhle entdeckt 
haben, Minen sie die Höhle bei der dritten Libation des Morgens; ' 
zugleich mit den Kühen treten auch die Götter, die adityas, 
heraus; daher ist adi t van am ayaiiam T das Hervorkommen 
der Gutter, gleichbedeutend mit gav&Bi ayanant, dem der 
Kühe. Die Kühe treten heraus, wenn sie ihre Horner haben, und 
schmücken sieh. 

Die Aurora ist eine Kuh mit glänzenden und goldenen H<>r 
nero. Wenn die Kuh Anrora hervorkommt, bringt Alle«, was 
von ihren Hörnern füllt. Glück. Daher werden im Mahabharata' 
die von Matafiga, einem heiligen Einsiedler, empfangenen Wohl* 
thaten mit den Segnungen des gav&m ay ana verglichen Um diese 

leieluing, ohne Bezugnahme auf die Veden, zu verstehen, 
mnss mau sich die heutigen Gebräuche Indiens verge, 
wadigen, wo es bei der Feier des neuen Sonnenjahred oder der 
Geburt des Birtengottes Krishna (der wahrend der Nacht schwän 
ist, aber am Morgen unter den Kühen der Dämmerung oder un- 
ter den Kubanerinnen glänzend wird) 8 Brauch ist, gegen Kude 
des December den Brahmanen Kühe zu geben, Geschenke von 
Kühen und Kälbern auszuwechseln, einander mit Milch zu be- 



1 lurfro viti vrtlrtiiii hntvsi vit;\ 'akaxmftbH&Val ; IV, S, \tt m 
1 IU, % 37. " 

* Ushasc rfarurii y<> h.Ot .« rflkü so i i v;i tnhhtup gave nuiim ya giiil 

i (der Neumond) so era £agatij IM? ^ Kfc 

1 Aljlntd nt^hü rur O pjH-tir ilyusli:isH rU|i;iin I, ±\ IN — liuMiilui iin.ni 

uülia ügi<» Hdhuviil tustnad uamwyagatayaw urunini ivaeva prabhatyusl 
riipatn ; IV, 8, 9. 

s Ait.-brahin. Vi, 4, 24. 

« Ait,-bräbm. IV, 3, 17, 

T HI, 8080. 

* Die Apotheose Krishna s ist ein Factum, welches dor brahmaajachm 
Periode angehört. KrMina ist der populärste der Götter diäter Epoche, 
und es ist höchst wulitäihriiittchf dass die eingeborenen Schwarzen Iodieikfl 
bedeutend zu dex VolksihiimIiehk*'it des Cultua des schwarz bei* 

igen haben , beinahe wie in Afrika die äthiopische Jungfrau i 
betet wurde. 






Milchkuh zu schmücken, sic mit Bluinen 

re ROracr /.u vergolden oder bunt zubcnialcn. 

mit Blumen, Früchten und kleinen Kuchen zu überladen und sie 

»lanu von dem Horte mit Pauken und Trompeten wegzujagen, so 

dos* kl nut Ungestüm davontlieht. Die Kuh verliert 

der Flocht ihren Schmuck, und da er für einen segenbringen- 

ilt, wird er von den Gläubigen sorgfältig aufgelesen 

und ab heilige Reliquie aufbewahrt ' 

Im Aitarcya bralmiuna -' ist die Sonne von den Kühen gebo- 
ist sie der Sohn der Kuh Aurora; als die Mutter der 
elbe natürlich mit ihrer Milch; daher beisst es 
die Götter Mitra und Varuna, vermittelst der 
inneoeo Milch, aas dem Trank der Götter das berauschende 
lehes die langzungige Hexe ( 'Dirghagthvi) bincin- 
»itseo hatte Diese geronnene Milch ist dasselbe Milchmeer, 
tu welchem Geaundkräuter sind und welches die Götter im Kama 
yana, Mähabh&rata und den Puranas schütteln, um Ambrosia zu 
Iten; von dem Meere and den Kräutern ist schon in einem 
i Hymnus die Rede. 4 Aber im Himmel, wo die ambro- 
[ilcb und die Gesundkräuter hervorgebracht werden, giebt 
r und Dämonen; und die Milch, welche das eine Mal der 
ein anderes Mal Ambrosia ist, befindet sieh bald in der 
Wolke, bald im Monde (auch Oshadhipati, Herr der Kräuter 
taut), bald rings um die Dämmerung. Hannmant, wcleher 
im Kamayana das Heilkraut suchen gebt, um die Seelen der 
balbtodten Helden ku beleben, sucht es bald zwischen dem Berge 
ijabha) uud dem himmlischen Berge Käiläsa, bald 
i dem Berge Luuus (Candra) uud dem Berge „Becher" 
(Dr und der Berg, auf welchem das von Hauuuiaut ge- 

suchte Kraut wächst, beisst selbst Kraut (oshadhi) oder der, 



e Kri slinagati ütibtaiii i, Berlin, 1868; 
' | ii r; M nj f pur Bug^uc Buraottf, Paria 1H2H; The II i ri*l ooa Y 

1, Vul. I. 

■ IV, 3, 20. 

' I, 8> 

* Mahinam pnyo 'sy oshadhb Am r«b;ih; Taittir. Yajjurv, I, 1, 10.— 
Öl »agarmh aarve mnthnitnah Rahitfi vay:im uauilushadhih sa- 
tthtpya da tatantntirii; VgL Kuhn, die 

vbauuft de* Fcuirs uud des Göttertranks, Berlin 1859. 



40 



welcher mit Wohlgcriiehen erfreut ( 'i I and Im in Id I n a), 
synonym gebrauchte Worte, l lirr wird »las milchige, ambrosische 
uiHJ heilende Naßs aln nicht von einer Kuh, BOod&ni von einem 

ttt hervorgebracht angesehen. Die Gatter und Dämonen 
Streiten im Himmel um dm Besitz, diese« Krautes, wie um die 
Ambrosia; der einzige Unterschied ist, dasB die Götter beide 
messen, ohne sie zu verderben, wahrend die Dämonen sie beim 
Trinken vergiften, 4. h. sie breiten Dunkel über das Lieht, sie 
bewegen sieh in der Fiusterniss, in den dfisteru Wassern, in dem 
schwarzen Nasa, das aus dem Kraut selbst heraustliesst, welches 
durch die Berührung mit ihnen vergifte! wird, umher, so das» tue 

darum das GM einsaugen. Andrerseits sind die Gandhar- 
vas,* ein amphibienartige» Geschlecht, in welchem eiu Mal die 
Natur der Götter, ein ander Mal die Däuinneuuatur prädominirt 
und das bald ihr die Götter, bald tlir die Dämonen Partei nimmt, 
cm lach Wächter, welche, wie gegen Diebe, Wache halten und die 
Wohlgcritche und Heilkräuter, die ihnen selbst eignen, wie die 
gesunden oder ambrosischen Wasser, die Ambrosia, die ihreu 
Weibern, den Nymphen angehört, bewachen. Sie sind, mit einem 
Wort, die frühesten Repräsentanten des geniessenden und eifer- 
süchtigen Eigcnthnmcrs. Wir haben schon im Uigvcda die 
monisehen Ungeheuer einander anrufen hören, das Gift der himm- 
lischen Kühe zu saugen; und wir haben gesehen, dafö das Aita- 
reya-brabmana eine Hexe beschuldigt, die göttliche Ambrosia 
giftet zu haben; wir haben ferner beobachtet, das» ein vedil 
Hymnus schon die ambrosische Milch und das Heilkraut verbin- 
det und class in der hrähmanischen KoSQlogonie die Milch und 
das Kraut, von dem sie kommt, zusammen erscheinen, wel 
Kraut wohlthätig oder verderblich ist, je nachdem es die Götter 
oder die Dämonen geniessenf nach all dem ist das interessante 
Hindu-Sprichwort leicht verständlich: „Das Q btden Kühen 

die Milch, die Milch den Schlangen das Gift". 1 Wirklich ist es 

1 Der G and Ei am a da na wird besonders ?on <lm Gandharva» be- 
wacht, riii Wort, das uub gandha, WoblgOruch, und arva, einer, der 

i ht (dann das Pferd), von der Wrz. arv (Erwoiterutig von riv.) zu- 
sammengesetzt zu »ein scheint; demgemäsä würden sie alio die nein, welche 
in den Wohlgeriichcn gehen, wie die von ihnen geliebten and 
Nymphen die aind, welche in den Wassern gehen (apsarasas). Vgl, das 
Kap. über den EseL 

y. vj, m 

thiingk, Indische Sprüche, 122, Tlicil I. (2. Aufl. Petersburg 
WTO.) — Vgl Mah ii um I, 1143 1146, 



41 

Milch der hammeningskuh und der Mondkuli. welche die 
u der Pinsterniss, die dämonischen Schatten der Nacht, 
vernichtet 

i ist der Gedanke des Ilcilkrautes in ein anderes, den 
manischen Volksinährchen sehr geläufiges Bild eiugeklei- 
welches sich sogar in den vedisebea Hymnen findet. Die 
Knh bringt die Sonne und den Mond hervor; die Kreisgestalt, 
die Scheibe der Sonne und des Mondes, ruft wechselweise die 
eines Hi; inea Edelsteines und einer Perle her 

tind Savitar, die Sonne, der, welcher den Saft giebt und 
enger, wird in einem vedischen Hymnus als der ange- 
führt, welcher unsterblichen Saft hat, welcher die Perle giebt ' 
I>ie Feuchtigkeit der Kuh ist auf das Kraut, von diesem auf die 
Perle flbergegangen; und die Natürlichkeit dieser Gestalt ist im 
r modernen Vorstellungsart ganz adäquat, denn wenn wir die 
lichkeit und den Werth eines Diamanten oder eines andern 
Kdeisteines hervorheben wollen, so sagen wir: es ist ein Steiu 
reinstem Wasser. Sogar der Perlcnmnnd und die Peilen 
sonne haben, von ihren ambrosischen Feuchtigkeiten, ein sein 
Wasser. Inj Rämayana- sehen wir, im Augenblick der Erzeu- 
gung von Ambrosia aus dem brausenden Milehiueere, neben dem 
Gesundkraut den Edelstein Käustubha, denselben, den wir 
apHter auf der Brust des Sonnen- oder Mondgottes Vishnu linden 
and der zuweilen sein Nabel ist; weshalb auch Visiiun itn Ma 
< : mit dem Namen ratnan&bha, d. h., dereine Perle 
als Nabel hat, augeredet wird, wie die Sonne in ähnlicher Weise 
mit dem Namen Maniyriüga, d. h. einer, der Burner von 
Perlen bat ' Im Kamfiyana ' erscheinen das glänzende Kraut und 
Sonnenscheibe zusammen auf dem Gipfel des Berges Qatftdba- 
mädana; er riecht es nicht eher als bis der Sonnenheld Laksh- 
v«m den eisernen Fesseln befreit sich vom Boden er- 
d. h kaum hat die Sonne ihre Scheibe gebildet und einem 
himmlischen Edelstein gleich zu glänzen begonnen, als der Soa- 



1 Abhi ty«iii «tcvmn Mvitärara tniyoh kaviknituni anf&mi ^ilyuäHvasam 
; TAitt. Yagurv. I, 2, 6, 

1 XIII, 7061 
* H 

iihyn t&B). 60 'pneyut paratnäushadliim dri&htvfl dotpAto- 

alyakar&nwi Qubhuni* — Vi<;aIyo nimgafy ^ighrauiudalitfliihaii 



en die Vngthtner mähmd der 
«tegmdi anfttrigt Aaf d<m Bcigu j gipfe l drück* nne 

rUma mil einem BergmetaU, flat an Farbe der jagen Sonne 
bt, 1 ein Bunmerndea Mai «f die Stirnt der Dauern« 

c am tie wiedererkennen zn können, «L h. er «etat »ich 
auf dir Stirn der Aamra oder hämmern og Ak dk Pome Rani* 

I&Bimernng Sita getrennt wird, schickt er ihr zar V 
(lerer kernt ang, ak eto Symbol «einer Scheibe, «einen eigenen 
r in de» berfibaiten Ringe, den König Dnsbtuanta 
der «elMmen rakantalii, der Tochter der Nymphe, gicbt ? nnd 
an welchem allein die t tifcnfem Brant von dem jongno und ver- 
geMÜcben Kflolg wiedererkannt werden kann, wiedereraek 

«cbickl ilnnb lhimm»ant als Zeichen der \\ nnag 

ilcit Bimmernden an Kama zurück, den er ihr eines 

Tage« an einem la Plätzchen zwischen den nor ihuen 

allein bekannten Derben anf die Stirn gedrückt bat. Dieser v 

nnngaring, dieee »che I'crlc kehrt in den Mindu- 

Mtthrchca ofl wieder. Es mögen liier die beiden bertlhmti 
ßeUpiele wenigen. 

Aurora, welche die Pcdf besitzt, wird die an Perleu Reiche* 
■elbat zu einer Pertenqttelle; die Perle ist aber, wie wir oben 
hen, nicht btoa die Bonne, sondern auch der Mond. Der 
Mond in! «Irr In-nnd der Aurora; er tröstet sie am Abend unter 
ihren Verfolgungen; er überhäuft sie während der Nacht mit 
ßesehenken, begleitet und leitet sie und hilft ihr den Gatten 
Baden. 

Im U;uuAy;nia finde ich den Mond häufig als eine gütige 

Pee, irelche der Dämmerung Sita zu Hilfe kommt; denn ab 
antkara (Brbeller der Nackt) nimmt der Mond eine freund- 
liche Gestalt an. Wir baten schon bemerkt, dasa der Mond in 
Indien gewöhnlich ein männliches Wesen ist; aber als Vollmond 
und Nentnond erhält er, sogar in den Vedcn, eine weibliche Be- 
nennung. In einen* vedischen Hymnus wird R&k&, der Voll- 
mond, aufgefordert, mit einer unzerbrechlichen Xatlel zn nähen. 1 
Hier haben wir den Mond als eine wunderbare Arbeiterin perso- 



1 Sa nighriahän^ulim ttao (Ihuute man»bvil & fiP r » lu ^akara til 
pMfn>:t laiafo rucir tftlftrkimirt&vBr^ena tonn sji giridhitunt latoto 

»hthe na aavumdhivi uu Ibbaval; Kumüy. II, U>5* 

l/tdadattl itaJaywti ukthyam; 



43 

irt, eine goldtingrige, gate Fee; und als Bolchc fituleri wir file 
im I ria wieder, in der Gestalt Her alten Aiiasuya, welche 

dunkel gewordene Bttfi (denn Sita ist, wiö da« vedischeMäd- 
ährend der Naelit oder des Winters, wenn sie verbeugen 
'inster und hässKeh) im Walde mil einer göttlichen Salbe 
lieht, ihr ein Blumengewinde, verschiedene Schmucksachen und 
hone Gewänder giebt, die Immer rein Bind (<L h. niebt 
den Beden streifen, wie die Kühe der rauschen Dämmerung, die 
nicht mit Staub bedecken) und an Farbe der jungen Senne 
ichen; 1 iu all dem erscheint die Fee Mond als während der 
Nacht für die Aurora arbeitend, ihre glänzenden Gewänder 
ihtmachcnd die beiden Gewänder, deren eines Bit den 
Abend, deren anderes für den Morgen ist, das erste, sil- 
bern, das Mondgewand, das zweite , golden, da» Sonnen 
n't damit sir ihrem Gemahl R&nta oder der Sonne 
Vishnn gefalle, weleher erfreu! ist, sie so geschmückt zu sehen. 
h in der Svayamprabhfi treuen wir den Mond als eine 
ivelche von den» goldenen Paläste ans, den sie für ihre 
nudln Ueniä die Goldene] bewahrt, einen Mount lang llanu 
mant nnd »eine Genossen, die beim Suchen nach der Dämmerung 
den Weg verloren haben, in der grossen Höhle leitet Um 
aas dieser Höhle herauszukommen, ist es noth wendig, die Augen 
zu sehliessen, um nicht ihren Eingang zu sehen; alle Genossen 
Ilaiiuinunis sind heraus; nur Tara, der wie der Mund glänzt, 1 
i lit zurückzukehren. Der Mond Lädst sieh auch iu den giiti- 
Feen T r i g a t ä , S u r a m a und S a r a in a w iedererkenuen, 
welche der Sita anzeigen, dass ihr Gatte bald kommen und Sie 
ihn bald sehen wird. Die erste träumt, als die Ankunft Hamas 
naht, dag» die Ungeheuer, in gelbem Gewände, in einem See von 
Kuhmilch spielen; 3 wie Suraina der Sita das Nahen Hamas ver- 
kündet, glänzt Sita in eigener Schönheit, wie die anbrechende 
LHin 1 endlieh verkündet auch Saramä (die mit SuramS 

liseh zu sein scheint), welche Sita ihre Zwiliingsscliwcster 



1 Tat:ih QttbbtlZl ;i t}ii-iininluis;itihiili}i;iiii g:il nklain t vasrayugmii gftdfl 

oiaJath in irtgaifc da vibhüabanftui ea praaanuaeeta gngrihe tu 

naii may. Ill, 5. 

1 Ha tri ü y. IV» 50-5;i 

* Rl la vastraih krtdaiito gomaye hrade; Rüuuiy. V, 

ha di|>yuiiiäiiuiii svayä lakbliin\ i ;in 'liy;.ii.aLitp.if ikiuiiva; 
Rani) 



(sahodarä) nennt, die in die Unterwelt eindringende, wie 
M<md Proserpina, der Sita Ihre nahende Befreiung durch Kama. l 
\\ ";is die Trigätä betrifft, so erkennt man unschwer in ihr (feil 
Mond, wenn mad sich erinnert, dass Trigatä ein häufig vorkoni- 
meuder Name für die Abendsonne, den aufsteigenden Mond, QlVft; 
ist, welcher mit dein Mond als Diadem dargestellt wird, weshalb 
er auch den Namen Candraciula führt. Suramä halte ich fiir 
eine nicht mythische, sondern rein orthographische und nngenauere 
Variation von Sarami, auf deren Verwandtschaft mit dem Monde 
wir in dem Kapitel über den mythischen Hnnd näher eingehen 
werden. 

So haben wir eine Mond-Fee. Aber wir linden den Mond 
an andern Stellen im Känuyana mit seinem gewöhnlichen nninn- 
Üchen Namen bezeichnet. 1) ad Im in n k ha, der Hüter des Honig- 
waldes, in welchem die die Slt& begleitenden Helden sich er 
göteen, soll von Gott Lnnus gezeugt sein. ■ Und der Mond, wel- 
cher dem Haiiumant bei seinem Suchen nach Sita beisteht, soll 
wie ein weisser Stier mit einem spitzen, vollen Horn glän/> 
wobei wir auf den Mond als ein gehörntes Thief und auf die 
cornucopia zurückkommen. Ferner linden wir dasselbe Mondhora 
wieder in der Stadt Crifigavera, wo erst der SonnenBcld Kama, 
dann sein Bruder Bharata, gastlich aufgenommen werden, als die 
Smine von Gtaha, dem König der schwarzen Nishadas, der auch 
die Farbe einer schwarzen Wolke bat, 1 verfinstert wird, und 
Kama und Bbarata nehmen am Morgen von Guha t der immer in 
den Wäldern wandeln soll, * Abschied. 

Es erübrigt, noch klarere Beweise beizubringen, das.- 
Hämayana Kama die Sonne, und Sita die Dämmerung oder 
Aarora ist 

Ohne in Ansehlag sfl bringen, dass Räma die populärste Per- 
Bonification Visbnus und Visbmi oft der Sonnenheld ist (obwohl 
er auch nicht selten mit dem Monde identificirt wird), wollen wir 



' Sainartha gat»nam gantumapiva tvaih rinatalain — AciratiumiksbyaÄe 
Mite; H:im iy VI, 9. 10. 

imyjih ^omatma^ih ; Rumay. VI t 6, 

ö Sitiih kakudväuiva tikshna^ringo raraga dandrah paripümayringah; 
H ;.m ,y. V U. - Vgl. V, 20. 

1 Babliatl naähtaprabhah auryo mgaui dftbbyavartata; Hamaj, U, 92, 

* Niahädai-ägo gwh*h aaiiiliimtmdKtidyavarnah \ K.iiiiv. IJ, 48. 

• Sadu vanagoear&ti i Küuuiy. II, ' 



45 

sehen, wie Rama sieb im Uamayana inauifestirt und was er tlmt, 
um seine Snunennatur zu documentireu. 

Da« beste Mittel, das zu beweisen, int, meiues Erachten*, zu 

u, wie Rama dieselben Wunder als Indra verrichtet. Käuia 
giebt, v\ie Indra, schon in der Jugend ausserordentliche Bew 
seiner Stärke; Kama führt, wie Indra, seine griisftteti Thaien ans, 
während er selbst verborgen ist, besiegt, wie ludra, das ( | 

und geniesst die Gesellschaft seines Weibes. 
has grosse Epos von Kama beginnt erst, als er in die Wjllder 

- wie Indra in die Wolken und Schatten. Indra bat die 
Winde (AJarnte) zum Heistand; Kama hat seine bedeutendste Mille 
as llanunmnt, dem Sohne des Windes (Mürulatruuga); J llanu- 
tnant ergötzt sieh mit den Ungeheuern, wie der Wind mit den 
Bogenschützen wölken des tausendäiigigen indra;- und Kama soll 
auf Hauuinants Röcken sitzen, wie Indra auf dem Klephanten 
Airavata. Der Elephant mit seinem Kiissel wird in der 

manischen Tradition nicht selten an die Stelle des gehörnten 
Stieres der Veden gesetzt. 8 Doch erscheint der Stier India in 
dem Stiere Käma wieder, und die Affen, welche Rama beistehen, 

ii wenigstens den iScbwauz der vedisehen Kühe behalten, WO- 

her ihr Gattungsname goläfigulA« (die Kuhseliwüirze haben).' 

mit welchem Rama die Ungeheuer fiehicsst, ist aus 

m Horn gemacht, woher sein Käme Ta rngad han va t {der 
mit dem Morn schiesst J; llama empfängt den Schauer der feiud- 

n Pfeile, wie ein Stier auf seine Horner den reichlichen 

Mei i selbst nennt Kama und seinen Bruder 

La In si nh arsh abhau, 7 oder den Löwen und den Stier, 

Läufig in der Mythologie in Anbetracht ihrer gleichen 

ke verbunden werden; daher der Schrecken des Löwen, als 

den Stier brüllen hört im ersten Buche des Pancatantra, 



1 B v, i. 

1 ättbjui akshadhanoshmadbliia toyadniriva murutal?; Bimfty. V. 40. 

73, Im RAmayana selbst wird Rama, von Kummer Über* 
willigt. I Stier (V, 34), bald mit einem Elephauteu, der von 

i Löwen g< quält wird, verglichen (V, Ü7). 
VI, 105. 
mAy. VI, 10«. 

* ruradaui atbülapriBhatam cringäbbyam govriiho yaihft; Ramäy. 

Ill u 

* K .28. — Das Ungeheuer Kabaudha redet hier beide mit 
den Namen Vrishabhaakandhuu ao, d. h die, welche StiersehuLteni 
haben. Rümny. III, 74. 



und all den zahlreichen orientalischen und occidentalischen He- 
arbeitaegen dieses Bocbea, Indra hat seine Kämpfe in» bewölk- 
ten, regnerischen und düsteren Bimmel; dieser ist auch der Kampf 
plalz Irinas Die Namen iKt Ungeheuer des Ruiuayana, wU 
•/. II Vi d y n g g i v a (der von I »onnerkeilen lebt r i I d a r i 

(die Donnerkeile im Magen hat), Indragit (der Indra durch 
Zauberkünste besiegt), Meg ha nada ( Donuerwolke) * und andere, 
zeigen uns die Natur des Kampfes. Auf dem Kampfplätze Irinas 
ist der hilfreiche Held bald ein Stur (fißbabha), bald eiu Kuh- 
auge (gaväksha), bald gavaya (boa gavaeus) und \Y 
mit ähnlichen Namen, die uns an die vedisrhen Gottheiten mahnen. 
India sehlägt den himmlischen Ocean mit Blitzen; Kama, ein 
indischer Xerxcw, züchtigt die See mit brennenden Meilen. * 
Indra setzt im Kigvcda über das Meer und kommt über neun- 
undueunzig Ströme; Kama überschreitet deu Ocean auf einer 
Brücke von Bergen, welche llanuinant, der Sohn des Windes, 
außerordentlich geschickt trägt j die Winde tragen die Wölken, 
die wir in der Sprache der \ eden als Berge dargestellt gesehen 
haben. Und dass hier von Wolken, nicht von wirklichen Bergen 
die Rede ist, sehliessen wir aus der Beobachtung, das« wahrend 
die Thierarmee R&xnaa die Brücke über den Ocean schlägt oder 
die Winde die Wolken in den Himmel tragen, die Sonne die 
müden Arten- Arbeiter nicht brennen kann, weil Wedken aufstei- 
gen und sir bedecken, Regen fällt und der Wind bittat 1 Der 
Plata, wo sieh dießer Kampf des Epos abspielt, ist augenschein- 
lich derselbe wie der des mythischen Kampfes ludras. Und im 
Rainuyana linden wir alter Orten die Aehnliehkeit der Kämpfen- 
den mit den schwarzen, den brüllenden, vom Winde getragenen 
Wolken. Der Wald, den Kama durchschneidet, wird mit einer 
Wotkengruppc verglichen. 1 Der Name Nachtwanderer (ra 
nifara T den im Rämayana häutig das Ungeheuer führt , mit 
welchem R&ma kämpft, weist deutlich darauf hm, dass bei Nacht 
gekämpft wird. Wenn wir lesen, dass die Hexe Qflrpanak 
im Winter kommt, um Rania zu verführen, während er im Walde 



1 Kii.nuy. VII, 36-38. 
1 Rftmay. V. l>3. 

'ir nmtu im tupet sürynh kathaii&dv&tinrAnapi abhrta 
i r;ivrlt jiinLIiiih prAvavarshti i 
civo vnvi'Ui ; Kutntty. V, 
1 I 111, 71 



47 

und dag Ungeheuer K umbhukarna naeh gechsmonafliohein 

Schlaf erwacht, wie eine Regenwolke, welche gegen Ende des 

imers (tap Ante) sich erhebt^ 1 so beweist dieser Umstand, 

das» das Epoa vnn Kama, ausser dciu näeht liehen Kampfe der 

SniHj :> das Dunkel, auch den -rossen jährlichen Kampf 

der Sonne im Winter zur Befreiung des Frühlings nmfasst. 

rail und immer handelt es sich uni einen Kampt der Sonne 

gegen das Ungeheuer der Finsteruiss. Kama Bdgt, gains am An- 

Gedichtes j zu seinem Bruder Laksiimana: „siehe, o 

Lak&htuana, M&riöa ist mit seinen Begleitern hierher gekommen, 

donnerähnlich lärmend, umd mit ihm der nächtliche Wanderer 

Su). ihn; Dö sollst sie, einer Masse finstrer Wolken gleich, in 

einem Nu von mir /erstreut sehen, wie Wolken vom Winde". ! 

Hier finden wir faal den ganzen Kampf Indras, 

Aelmliehe Schlachten in den Wolken linden sieh in mehren 
anderen Episoden des Rainayana. Der Pfeil Hamas tritTfc das 
Ungeheuer Khar a (das KseM'n-cheuer) , wie einen grossen 
Baren der Donnerkeil Indras. ■ Helden und Ungeheuer kämpfen 
mit Steinen und FelsstUekeu von dem grossen Berge und stürzen 
Bergen gleich auf die Erde herunter. Das Ungeheuer K;ivana 
mit dein Zauber des Windes und Sturmes. ' Helden 
und Ungeheuer kämpfen mit Baumstämmen aus dem grossen 
Walde; ja, diese selbst werden Ungeheuer, betheiligen gich am 
ecken ihre wunderbaren Anne aus und verschlingen 
Helden in ihren Höhlen. Und hier kommen wir zu der in- 
teressanten Erzählung von K a b a n d h a , in welcher wir die 
pfenden Wälder und Baume wie das vom göttlichen Stier 
ne Fass der Veden wiederfinden. Die Üannvas oder 
nouen erseheinen im Mahabhärata ß auch in der Gestalt von 
öden Fässern. Im Rämäyana heiesl der oberste der Däninnen 
amaj Kabandha (Fass und Rumpf), wird mit 
irzcn Donnerwolke verglichen und als ein ungeheurer 



mly. Ill, 23 

" R fun Ay- VI, 37 

1 }*»cya lakahmniui nuiricMih Tjnihii^aniBamaflvananj sapadfiniigamu* 
yii*it*u» flubuhuiii da ni^a&tr&m utsivadya mayü u&cya niI:mcumteiiyo]»;i- 
lawin kv» lilenämbudaviva; Ramay. 1, 33, 

' £ vininnukto vagrastamvAropfiri ; Ram.iy. III, 

ya vipularii vatttdurdinasathkuläui; Rüinuy, Hl, 73, 
lakaiidhüa kavandlmkriti cksdaryanftb nadaato bl 
itaxtti ama <l ii. i\ i* M bh. IH SiMj. 



48 

Rltnpf mit einem grossen gelben Auge und einem furchtbaren 
Alles verschlingenden Munde in der Brost dargestellt, ; Das 
ebener kubaudha zieht mit seinen langen Armen die beiden 
Brüder Kama und Laks Immun an sich (diese werden im 
hu vanu öfters itiit den beiden A-^vins, die sich in Allem einan- 
der gleichen, verglichen), B&ma und Lakshmana, d. h. die A<;~ 
«lif Morgen- und Abend-, die Frühlings- und llerbst-Sonnc, 
die beides Dämmerungen, welche au einer Stelle des R&m&yana 
die beiden Ohren Rämas heissen, bauen dem Ungeheuer Kabaudha 
die beiden langen Anne ab, worauf der Rumpf, unfähig, sich 
l&nger m halten, KU Boden stürzt Das gefallene LJngetbtUn er- 
zählt dann den beiden Brüdern, data es einst ein schöner G\ 
war; tlass aber ludra durch einen Much eines Tages Kopf uud 
Schenkel ihm in den Leib drückte; nachdem seine Arme von deu 
beiden Brüdern xerrissen sind, wird das Ungethllm von dem auf 
ihm lastenden Fluche erlöst, nimmt wieder die Gestalt eines glän- 
zenden Dämonen an und steigt in lichtem Glänze himmelwi 
liier haben wir die allglänzende Sonne, in der Wolke einge 
Schlüssen; sie ist das gelbe Auge, derbrennende Mund Kabaudbas 
und bildet zusammen mit der Wolke ein grässliches Ungehei. 
der Held kommt, ihre Ungehenergestalt zu vernichten, und sie 
dankt ihm; denn so wird sie der herrliche Gott, das glänzende 
Wesen, der schöne Prinz, der sie vorher war. Kama, der Kabandha 
von der Gestalt eines Ungeheuers beiVeit, indem er ihm die 
Arme abhaut, ist die Sonne Räma, welche aus dem flüstern 
Walde heraustritt und den Bimmel im Osten und Westeu erhellt. 
Kama als Befreier Kab.mdhas ist einfach die Sonne, die sich von 
dem Dunkel und deu Wolken, die sie umgeben, befreit Auch 
haben in der That die meisten Mythen ihren Ursprung in der 
Mannigfaltigkeit der Namen, welche dieselbe Himmele uung 

fUbrt. Jede Benennung wächst zu einer getrennten Persönlich- 
keit an und die verschiedenen Persönlichkeiten kämpfen mit ein- 



1 At Im tatra mahnghorarii vikritarii tain mahueehrayaiii vtvriddhama- 
cirogrivHih kabandhaniudare inukham roniah birnieUaih tiksunAirrnabngirirni- 
vorclivitam nilameghanibfoarh gborat h ineghaötimitaatsvanuni mahnt» 
biftgena vipuleiiuyatcnuca ekenorasi dJrghttm Dayanenatidatciba; 
II [ T 74. — Das eine gelbliche Auge Kabaudhas erinnert uns an Vi 
mit einem gelblichen Auge (ekapiugheksliaua), wahrend ihm das 
anden* Auge von der Göttin Parvati ausgebrannt worden ist. &ä m « y 

vii, ia 

* l, 49; II, 7 et passim, 






ander So wir«! der Hold, welcher Rieb selber beiVeit, zum Bc- 
Helden, wird als eine von dem Helden verschiedene 
• nliclikeit betrachtet; die rn^clieuer-Gestalf, welche den Hel- 
den einhüllt, ist ofl der auf ihm selbst lastende Fluch; der Held, 

welcher diese Un tail zu tödten kommt f ist sein Wohl- 

Diese Anschauung von dem Ungeheuer, das dem Helden, 
f, dankt, stimmt mit dem itbcreiu, was wir hei 
andern Gelegenheiten im Ramayana finden, wie bei 
Hirsche Marica,- der von Kama getodtet in lieht<-ni 
er zum Himmel au feteigt; bei dem Meemiigeheuer, 
Ihuiuruant vernichtet, und dem er seine ursprüngliche Gestalt, 
die einer bimmliscbeu Nymphe, wiedersieht; bei der alten ^avari, 
die nach dem Anblick R&mafl sich dem Feuertode preisgieht und 
jung und schon himmelan steigt (das in den Veden hantig vor- 
kommende junge Mädchen, die Dämmerung, die, während der 
Nacht hässlicb, von India, der ihre hässliehe Haut abzieht, am 
Morgen ihre Schönheit wieder erhält), einer episodischen Variation 
de« späteren Schicksals der Sita selbst, die, in der Gewalt des 
;na hässlich, ihre Schönheit durch den Feuertod 
wiedererlangt, durch welchen sie ihrem Gemahl Kama ihre Un- 
schuld beweist und wieder als junges Miidcbeu glänzt, gleich der 
jungen Sonne, geschmückt mit brennendem Golde und ein rot lies 
ind tragend ; :l und als Kama naht (wie die junge Dämme- 
rung, als sie ihren Gatten sieht), gleicht sie dem ersten Licht 
(Prabba), der Gattin der Sonne, 1 Diese Sita, die Tochter des 
s Erzeugers', welchen das TaiMiriya Brahman a 
oder die Sonne nennt, scheint mir niemand anders als 
die Dämmerung, die Tochter ties Lichtes, Indras, des Gottes der 
tu sein. Diese stellen auch wirklich zuweilen Süryä, die 
Tochter der Sonne, als die Geliebte des Mondes (welcher dann 



• Vgl. das Ka|>. über den Wolf. - In der fünften Erzählung dftfl 
i der als Vishnu verkleidete Weber, dass er nicht Mittel 
i wolle, weil Bio, von ihm getödfcet, gerades Wcga zum 
ud aufsteigen würden* 
f III, 4e 

1 Tn q tuptnkäne'an&buushil'uiii raktambaradhinun 

VI, J03. — Ueber das Gewand Sita* lesen wir an einer 

■, da«s es glänzt» „wie das Licht der Sonne auf dem Gipfel 

Des Berges** (Söryaprabh re tasyah käushey amuttamaih ; IV f 58). 

ber <1k8 RamAyaua, Berlin 1870, p, ». 

..erc. 4 



50 



ein männliches Wesen ist) dar; Wer aber finden wir ilfl Liehes- 
paare die Dämmerung und die Sonne, die schone Heldin and den 
glänzenden Sonnenheldcn , während der Mond gewöhnlich der 
Bruder oder die mitleidige Schwester des Helden und der Hel- 
din ist, der gute Alte, die in die Zukunft schauende Fee, die gute 
Alte, die sie in ihren Unternehmungen unterstützt; obwohl wir 
auch die Dämmerung als .Schwester und Helferin der Sonne fin- 
den. Die buddhistische Tradition der Raum Legende, wie sie 
von Weber * erlüutert wird, stellt Sita als die Schwester der beiden 
Brllder ltania und Lakshmana dar, die in eine zwölfjährige Ver- 
bannung gehen, um den Verfolgungen ihrer grausamen Stief- 
tn utter (die Kai key i des Ramäyaua ist ein wirres Bild VüB 
ihr) zu entrinnen, ebenso wie die Dämmerung der Veden mit den 
Acvins in Verbindung steht; und dieselbe Tradition läset den 
Kama schliesslich am Ende seiner Verbannung seine eigene 
Btbwester Sita heirathen, wie die Sonne die Dämmerung. Dass 
Sita nicht von einem Weibe gehören, sondern aus dem Boden er- 
standen ist als ein Mädchen von himmlischer Schönheit, zur Be- 
lohnung fltr oie Tapferkeit bestimmt, - schliesst nicht nur nicht 
ihre Verwandtschaft mit der Dämmerung aus, sondern bestätig! 
sie sogar; denn wir haben die Dämmerung von dem Berge auf- 
steigen sehen als Tochter des Lichts und der Sonne, welche de 
junge Sonne zur Braut gewinnt als Lahn für ihre Geschicklich- 
keit als Bogenschütz gegen die Ungeheuer der Dunkelheit; und 
wir haben gesehen, dass die Dämmerung nur ihren vorbeetinunten 
Gatten heirathet, ihr vorbestimmter Gattö aber derjei 
welcher die grössten Wunderthaten verrichtet, ihr den verlorenen 
Schmuck wiedergiebt und ihr am meisten ähnelt. Sahen wir 
doch eben die alt« 1 I . avari und die häusliche Sita sich beim \u 
blick der Sonne Kama im Feuer von jedem menschlichen Unge- 
mach befreien und noch einmal schön und glücklich werden! 

Freilich ist die Eintracht zwischen dem mythischen Khepaare 
nicht dauernder und stichhaltiger als sie es bei irdischen zu sein 
pflegt. Kama ist sehr zu Misstrauen geneigt. In sein Reich 
Ayodhya zurückgekehrt, tiberlasst er sich Grübeleien, was seine 
Uuterthanen zu der Wiedcriiahuic seiner Gattin sagen mögen, 
nachdem sie in den Händen des Ungeheuers gewesen (sie waren 



1 Vgl. Weber, Ucber das Kai tiMiyaii a, Berlin 1870, p. 1. 
1 Viryaeulku da me kanyu divyanipif gunAnvit ,i bhütal&dutthi 



:>1 

bei dem ersten Feueropfer Situ« nicht zugegen); Räma tbeilt sei- 
nen Argwohn der B!t4 mit und tadelt den bösen Leumund der 
Bürger, der ihn wachgerufen hat; sie unterwirft sieh zum zweiten 
Mal der Läuterung durch Feuer, aber von seinem unablässigen 
Mi&tniiieh beleidigt, flieht sie ihren Gatten und zieht auf einem 
pa ii n a r neu Lichtwagen wieder unter 

die [ RS einfach Folgendes zu bedeuten scheint: die Därnme- 

FYühling, heirathet die Sonne am Morgen, oder sie 
bleibt dei 11 Tag resp. Sommer in seinem Reich, und geht 

»m Abend resp. im Herbst in die Schatten der Nacht resp. des 
Wintere ein), » Ein Misstranen des flatten veranlasst sein Weib, 
ihn zu verlassen. 

haben wir im ßigveda UrvacJ, die erste der Dätnrae- 
vor der Sonne Pur fir a ras fliehen sehen. Im Soma- 
i* verliert der König Porüravas seine 1-rvacj, weil er im 
Himmel hat verlauten lassen, dass sie bei ihm war; in Kalid 

Dia V i kram or vac, i erhält der König Piin'travas von Indra 
für die Hilfe beim Kampf Urvae/i zur Gemahlin und verspricht, 
lltr Geburt eines Kindes bei ihr zu bleiben; der König wirft 
bald nach der lleirath mit Urvar] seine Blicke auf eine andere 
Nymphe Udukav.-m (die Feuchte). Urvaei rlielit entrüstet; sie 
will sieh in einen Wahl verbergen und wird in ein Reptil ver- 
wandelt. In der brähmanischen Tradition des Ya£urveda f 
letzt von Max Müller in seinen 'Oxford Essays' nntgetheilt , ver- 
PurflTavas Urvaei aus den Augen, weil er sich vor ihr ohne 
»einen k< a Schmuck oder gar nackt hat sehen lassen. 

Wir finden noch eine andere ähnliche Erziihlung im Mahäbhu- 
rar.i. Dei weise and glänzende Cantanu gebt an den Ufern 
der Gaftga auf die Jagd und verliebt sieb in eine schöne Nymphe, 
die er dort findet Die Nymphe erhört sein Bitten und willigt 
bei ihm zu bleiben, unter der Bedingung, dass er nie etwas 
zu ihr sage, was sie auch thun oder anstiften möge; 
der l auf die verbängnissvolle Bedingung ein. 

n glücklich zusammen; denn der König giebt der Nymphe 
in allen Stacken nach. Im Laufe der Zeit werden ihnen aHit 
boren; die Nymphe hat bereits sieben in den Fluss ge- 
worfen und der töni eieb innerlich bekümmert, wagt nicht, 



IL 104. 105. 
» K. i 111, 17. 



ihr etwas zu sagen; aber ata sie im BegrifTlst, denieteten hinein- 
zuwerfen, besehe der König, es nicht zu thun und t 
wer sie ist Die Nymphe bekennt» dass sie die Gang 
peieonificlrl ist und daas die acht Kinder ihrer Liehe menschliche 

IVrsnnitieationen dei acht göttlichen Y;lsiin sind» welche, in die 
>rfen, von dein Fluch der Menschengestalt erlöst 
werden. Der einzige Vasu, walober lieber unter den Menseben 
bleiben will, ist Dyäu (der Himmel) in der Gest&li dos Eunuchen 
Bhishma, den Omtann nicht in das Wasser werfen lassen wollte. 
Dieser Fluch trifft die Vasus, weil sie den reuigen Apus die Kuh 
der Fttllc geraubt haben. Wir werden einen Mäbrc wd- 

cher diesem von (Jini aim analog ist, in mehren europäischen 
Volksinährchcn linden, nur mit dem Unterschiede, dass hier ge 
wohnlich der Gatte seine neugierige Genossin verlas t. 
indische Sage liefert uns jedoch auch ein Beispiel vun dem Gatten, 
der sein Weib verlässt, in dein weisen (iaratkaru, der die Scbw< 
des Sehlaugeukünigs unter der Bedingung heirathet, dass si< 

as KU seiner Unzufriedenheit that 1 Eines Tages sei 
Weise; der Abend kommt heran; er sollte aufgeweckt wer 
um sein Abendgebet zu verrichten; wenn er es nicht thut, so tluit 
er nicht seine Pflicht und sie würde Unrecht thun, wenn sie ihn 
nicht warnte. Weckt sie ihn aber, so wird er in Zorn gerat 
Was soll sie thun? sie wählt das letztere; der Weise erw 
wird zornig und verlas nachdem sie ihm einen 

geschenkt. P 

Das Glühen des Himmels am Morgen und Abend weckte die 
Vorstellung bald eines glänzenden HoehzeitsfesteB , bald eines 
Feuers- In diesem Feuer wird bisweilen die Hexe, welche das 
Heldenpaar verfolgt, verbrannt, bisweilen werden Held und Hel- 
din selbst darin geopfert. Das Opfer der (Javari und Sita, die 
von der Sonne betreit werden, entspricht ganz dem des <Junah- 
Qepo, der im Rigvcda von der Dämmerung erlöst wird. Die 
schichte von Puuahyepa ist schon von R, Roth 1 * und Max Müller * 
aus dem aitareya-brahinana übersetzt und so allgemein zugänglich 
gemacht w T orden. Ich verweise den Leser auf diese Ueber- 



1 'Apnyanca na kart&vyatri krite däinam tyagüinyaluiin/ * 
kam-, Mbk. 1, 1871, 

* Mbh. I, 1870-1911. 

1 ludiuche Studien I, pp. 457— 4t>l It, pp. 111—12«. 
iätory of aucient Sanskrit Literature. 




lisehe (Jebersetznng, »lie Sff. H 
beo hat. leh werde daher bier 
nur einen kurzen Abrisfl davon geben, mit einigen gelegentlichen 
anf diesen Gejp bezlIgUchen BemerkmigG 

.i£ llarieeamlni hat keine Söhne; der Gott Varrma. der 
Re<lecker, der Düstere, Keuchte, der König der Wasser, 1 üdthigt 
rsprechen ab, was ihm geboren werde, ihm zu opfern. 
Der ßrspricht's; ein Kind wird geboren und der Kothe 

ujiit V;irnii;i fordert es; der Vater bittet ihn, m 
warten, bis das Kind die Zähne verloren hat; dann bis seine 
ersten Zähne allen sind; dann bis es im Stande ist, eine 

ttug zu tragen- Augenscheinlich will der Vater warten, bis 
n Reibst stark genug ist, sieh gegen seinen Verfolger 
ina zu vertheidigen, Varnna fordert darauf dringender und 
Uariceandra tiieilt selbst seinem 8ohne mit, dass er geopfert \\c\- 
iuttsse, Hobita nimmt seinen Bogen und Hiebt in die Wäl* 
<>n der Jagd lebt. Dieser erste Theil der Erzähluug 
mz den zahlreichen europäischen Volksiuäbrehen, in 
u bald der Teufel, bald das Wasserungeheuer r bald die 
Schlange von einem Vater den Sohn fordert, der ihm eben ohne 
>oren worden ist. Der zweite Theil der Erzäh- 
lung von Quuaheepa zeigt uns den Helden im Walde; er hat sei- 
nen Bogen mitgenommen, und wie im Ramayana Räma, derkanm 
in den Wald eingetreten, gleich zu jagen beginnt, wird Rohita 
Jfiger ond jagt die sechs Jahre lang, die er sieh im Walde auf- 
hält. Jagd ist jedoch erfolglos; er streicht herum auf der 
tch Jemandem» der statt seiner dem Varuna zum Opfer 
; endlieh findet er den Brähmanen Agigarta, welcher 
rilligt, seinen zweiten Sohn Qnnahgepa tlir hundert Kühe zu 
du. Der erste, der dem Vater, und der dritte, der der Mutter 
udera lieb ist, können nicht geopfert werden; so wird der 
dem Varuna, dem flüstern Gott der Nacht, überlassen, 
der, wie Yama, alle Wesen mit seinen Fesseln bindet Wir haben 



1 Varan*, der Gott der Nacht, hat wie dieac eine Doppelgestalt: bald 
lit er dan Meer, bald das leuchtende Milchmeer ohne Mond. Er 

wird ab da* letztere im 7 Bucht* des Ramayana (canto 27) dargestellt, 
in welchem der Sonneoheld, nachdem er die himmlische Stadt Vartmos be- 

Kuh findet (pay ah ksharantam eatatam tatra 
gaiii e* dndarea a»l.r>, von wo <ler weisastrahlerel Mond aufsteigt T von Wo 
a«cli ien (yata^eaudrah prabbavati eitaravmih — 

utpammn ludha * 




54 

schon beobachtet, wie der mittlere Sohn d der himmli* 

Kuh Aditi int, die versteckte Sonne, die Sonne wahrend der Dun- 
kelheit der Nacht oder mit andern Worten, dir WO Yarunas 
Fesseln gebundene — und es int sein eigener Vater, der ihn mit 
diesen Fesseln bindet Seine Opferung beginnt mb Abend, v 
rend der Nacht ruft er alle Götter an. Endlich gewährt ihm 
Indra, von seinem Preise geschmeichelt , einen goldenes Wi 
auf welchem Quuahrepa unter Preisgesängen an die Ac/Vins und 
mit Hilfe der Diinimerun:: , von Vanuias Fesseln erlöst, befreit 
wird. Diese Fesseln Varnnas, die das Opfer halten, welches vom 
ucn Vater hingegeben wird, helfen uns zum Verstiinduiss des 
zweiten Tbeils der europäischen Yolkssage von dem Sohne, 
gegen seinen Willen vom Vater dem Dämon geopfert wird; denn 
runalnjcpa nimmt gegen Ende der europäischen Erzählung die 
QcffeM runs Pferdes, Varuna die eines Dämons an, und 
sein Varnnas sind der Zaum des Pferdes, den der fcbtiriofate \ 
zugleich mit dem als Pferd gestalteten Sohne dem Dämon ver- 
kauft; 1 die schöne Tochter des Dämons (die Weisse, welche, wie 
gewöhnlich, aus dem schwarzen Ungeheuer hervorkommt), bei 
den iu ein Pferd verwandelten Jüngling; wie in der vedischen 
Erzählung von i^unaheepa, ist augenscheinlich die Dämm 
junge Mädchen, welches betreit. 8 Varuna heisst im Kam;.;, 
der Gott, welcher einen Strich in Händen hat (pae^ahus 
seine Wohnung befindet sieh auf dem Berge Asta. wo die Sonne 
untergeht und der unantastbar ist, weil er brennt, in einem i 
beuren Palast, dem Werke Virvakarmans, mit hundert Zimmern, 
um Nymphen bevölkerten Been und goldenen Bäumen. 3 Offen- 
bar ist Vnniiia hier nicht eine verschiedene Ei'&eheiuunirsiorm, 
sondern nur ein anderer Name des Gottes Yama, dos p.irin oder 
mit einem Stricke versehenen, des FesselerB mi* denn 

wir halten die zauberische Entfaltung goldenen Glanzes 
Abendhimmel uieht sowohl filr das Werk der Sonne selbst, als 
lür hervorgebracht von dein tinstern Gort, der auf dem Iterge 
thront, den Sonnenhelden einschließt und überrumpelt, und ihn m 



1 Vgl. das Kap. über das PfVnl. 

* Im Jtämäy ann (1, &ty ist der BcfreHf 1 ludra, der auch im Aita- 
reya fiel für QunabQopH Unit* 

" Tei: madah »ad a — Prisada^atOframbädham ninnifam 

karuianä ^obhitam padmUribhiv<Sa käiu : aimi\c£a mabadrotntüh nilayal.i i 
haatasya vunmasya mahätuianak ; Rämäy. IV, 43. 



55 

l>l>t, HariQcandra nod Agigarta, Bobita und Qw 
s Erachtena \ ergeh iedeue Namen für nicht 
bios dieselbe Himmel rfnung, sondern sogar dieselbe my- 

nlielikeit. Harieeandra wird in den Erzählungen alfi 
ti Sohn Rohita, der Rothe, ist sein alter 
sein Nachfolger Qunalj^epa. Harigcandra ferner, welcher 
Varana seinen Sohn zu opfern verspricht, scheint sieh, wenn 
haupt, nur wenig von Agigarta zu unterscheiden, der den sei- 
lt zum Opfer verkauft. l Das Uämayana 2 giebt uns für den- 
selben unnatürlichen Vater 8 einen dritten Namen in Viev.nnitra, 
Beinen eigenen Bahnen verlangt, sich statt (^'unahgepas, 
i seinem Schute steht, zu opfern, und sie hei ihrer Wei 
og verflucht 
Die Variation derselben Krziihlung, welche wir im llarivaih 

Uehereinstimmungen und fügt eine neue und 

iie hinzu. Vigvämitraa Weib besehliesst W 

Annuth ihren mittleren Sohn 1'iir hundert Kühe zu verkaufen 

halt ihn daraufbin mit einem Strick gefesselt» wie einen 

her Grossvater Kuhitas, Uariecandras Vater, Trie,afiku, 

i durch die Wälder und befreit diesen Sohn Viyvamitra*, 

dctfti : lie er fortan beschützt und erhält. Die Thaten 

ifikus, welcher Vasishta um die Erlaubnise bittet, bei lebeu- 

n Leibe in den Himmel zu Bteigen, und der durch Vicvämitras 

Gnade statt dessen die Gunst erlangt, einem Sternbild gleich in 



1 I)cr Ver£ bat vermehr, diesen Mythus in ciuem italienischen Dr&J&a 
(enthalten tu Drami Ittdiani", Florenz 1872) darzustellen, welches 

oder 'li mg. Der Verf. hat den Mythus 

Ken voti dem reichen Bruder (Harieeandra) und dem armen 
Brie! Ausgehungerte) in Beziehung gesetzt; in Angaria 

hat er Ferner d Form des Typus gefunden, auf welchem Shakespeare 

d großartigen Kaufmann von Venedig aufgebaut hat. Die Grausam- 
keit Shy locks erklärt sich theil weise aus der Rache gegen die Küuber der 
Tochter; so macht auch Agigarta in meinem Drama den reichen tlaric,- 
eundra xutn armen Manne, um seinen Sohn zu rächen, der geopfert wer- 
den sollte. 
, 64. 
1 Die puranische Kra&hlung liefert ein Beispiel von einem andern Vater 
her Art in Hiranyakacipu, der seinen Sohn Prahlada verfolgt, ihn auf 
verschiedene Arten zu tödten versucht und endlieh in das Meer schleudert $ 
preist Vishnu und wird befreit. — Vgl r Vishnu Parana, übatzt. 
ii I, 17—20. London 1864. 
1 Kap Sil, 



der Luft sehwebend zu bleiben, werden attcfa seinem Boljöe Ha- 
mdra zugeschrieben; so können wir, ohne Widersprach fürch- 
ten zu müssen, behaupten, dass wie I rirailkti nur ein andrer 
Name fllr seinen Sobn Hari(dandra, so Harircandra Hur ein solcher 
für seinen Sohn Rohita ist, und das« also der Trh;afiku des Hari- 
vanea mit dem Rohita des Aitareya identisch ist, jedoch mit dem 
Unterschiede, dass Trhjaoku den zum Opfer bestimmten Sohn 
kauft, um ihn zu befreien, während ihn Robita kauft, um sich 
selbst zu befreien« Aber die ersten hundert Kühe, die er von 
Tricanku erhalten, sind für Vievämitra nicht genug, und die Beule 
bei seinen Jagden im Walde reicht nicht aus, die Familie KU 
halten, ein Umstand, der ganz eben so schwer auf ihm lastet, als 
wenn es seigene Familie wäre; er bcscblicsst min, um Vir>ämhra, 
dessen Sohn, und wir können wohl noch hinzufügen, sich selbst 
zu retten, das schöne und sehr hoch geschätzte Weib Vasishta« 
(die sehr Glänzende) zu opfern. Ich habe gesagt: das Weib Ya- 
sishtas, aber der Harivarie,a sagt ganz genau: es war die Kuh 
Vasishta«, welche getödtet wurde; wir wissen jedoch aus den» 
Ramayana, ■ dass diese Kuh Vasishtas, diese kämadliuk oder kä- 
inadhenu, welche nach Belieben alles Gewünschte giebt, diese Knh 
der Fülle, von Vasishta, unter dem Namen Qabal 
eigen Weib gehalten wird Vievamitia ist lüstern nach ihr; er 
verlangt sie von Vasishta und bietet hundert Kühe t\ir sie, genau 
der Preis, den er im Harivanra von TricaDkn für seinen eigenen 
Sohn erhalt. Vasishta antwortet, dass er sie nicht für hundert, 
noch für tausend, ja sogar nicht für hunderttausend Kühe geben 
werde; denn Cabala ist sein Edelstein, sein Schatz, sein Alles, 
sein Leben* 2 Vie/vuniitra entführt sie; sie kehrt zu den Tu 
Vasisbtas zurück und brüllt; ihr Brüllen ruft Armeen hervor, die 
ihrem eigenen Körper entspringen; die hundert Söhne Vievärnitraa 
werden von ihnen zn Asche verbrannt. Diese Armeen, die aus 
Visishtas Kuh herauskommen, erinnern uns wieder an die vedisehe 
Kuh, aus der beschwingte Pfeile oder Vögel hervorkommen, vor 
denen die Feinde mit Entsetzen erfüllt werden. Vasishta ist eine 
Erscheinungsform ludras; seine Kuh ist hier die Regenwolke. 
Vicvaniitra, welcher dein Vasishta die Kuh zu entreissen strebt, 
nimmt in den indischen Sagen oft ungeheuerliche Gestalten an und 



1 I T 54—56. 

* Etadeva hi roe ratnametadeva hi me dhanam etadva hl sarvaevain 
etadtiva hi £fvitatn; Rämay. 1. c. 



57 

ist immer bösartig, tüekisdf und rachsüchtig. Seine von Va- 

a zu Asche verbrannten hundert Söhne mahnen uns. von 

tspnnkte aus, an die b DD dort Städte Qainbaras, die 

von ludra zerstört werden, und die hundert bösen Dbritarashtris 

ft; dalier auch sein Name Viqvämi t ra, der auch 

„der Feind Aller" (vi eva- a in it rat hedenten kann und so mit 

»einem fast dämonischen Charakter gut stimmen würde. 

Diese Erzählung von Vasishtas Kuh, deren Verwandtschaft 

. e von Qunah^epa nicht zu bezweifeln ist, fuhrt uns 

auf die Tbiergeatalten von Helden und Heldinnen zurück, von 

denen wir ausgingen. In der Erzählung von Vasishta spielt die 

Knhwotke, die Kuh eabalä oder die Gefleckte, im Epos die Rolle 

Kuh Aditi, der pri^ui (Schecke), mit der wir schon in den 
vedisdien Hymnen vertraut wurden. Diese Kuh ist gegen den 
Gott oder den Helden oder den weisen Vasishta gütig, wie es die 
prignl gegen den Gott Indra ist. Wir haben aber im Uigvcda 
selbst die Wolke als die Feindin des Uoücs gefunden und als 
eine weibliche Erscheinungsform des Ungeheuers, als seine 

vester dar- (stellt gesehen. Diese Schwester versucht gewöhn- 
lieh den Gott zu verführen mit dem Verspreche», das Ungeheuer 
ihren Bruder ihm in die Hände zu liefern und sie hat zuweilen 
Erfolg, wie die Hexe Hidirnha im Mahabharata , welche ihren 

ler, das Ungeheuer Hidimba, dem Helden Bhima iiberlie 

lie dafür heirathet. Andrerseits haben die Versuche (Jürpa- 
nakhas. drr Schwester des Ungeheuers Ravana, keinen Erlbig; 
sieb selbst nernd, sucht sie die Zuneigung des Helden 

Kama zu gewinnen; als sie aber von ihm und Lakahmana ver- 
lacht wird, cut teilt sie sich, stösst Wehrufe aus gleich einer 
Ike in der Regenzeit 1 und wiegelt ihren Bruder auf, Kama zu 

.chten. 

Dasselbe Wolkenungeheuer findet sich auch im Rämäyana 
nnter dem Namen Dundnbhi in der Gestalt eines furchtbaren Büf- 
fels mit spitzen Hörnern. a Der Ullffel wird, als wildes Thier, oft 
zur Darstellung des bösen Principe gewählt, ebenso wie der Stier, 
der Mebrer der Rinderherden, zum Bilde des guten benutzt wird. 



I vividhän tiadan yathd prfivrishi teyudah; Riiinay DI, 24. 

* Dk üpamtikhi bhayav&hah: RA may. IV\B, 

- W. d (IV, ftt) Im -isat der BüiTrl der* Bruder Dnodiibldi und soll 

d>* S iead Schlangen (balaiii nftgasahasrasya dharayau) oder 

is Wort n&ga bedeutel beide») besitzen, 



W brüllende BülVcl, daher uucli »ein Name Pundubbi 
klopft mit seinen beiden Hörnern an das Thor der Höhle ■ des 
Sohne« Indras (Bft&aa), den AffeokSniga, Bai in faeat jedoeb 
Dundubbi bei den Hörnern, wirft ihn zu Boden und lödtet ihn. 

Diindu ist aueh ein Name, der dem Vater Krishna«, dem 
Sili warzen, beigelegt wird, welcher im Higveda noch ein Damon 
ist und erst später der <;..tt der Kühe und Kuhhirten, ein p> 
vinda oder Hirt y.tti' /^ox»Jv wird. * lndra, sein Feind in den 
\ Vden, wurde, als er au« dem Himmel gefallen war, einer der 
volkstümlichsten Gatter, ja zuweilen die v»»lksthUmliehste Form 
der Gottheit. Im Mababliärata zum Beispiel ist er last der de us 
ex machina in iWn Kämpfen zwischen den Pämjavas und den 
Dburtaräshtras und bietet viele Analogien mit dem Z 
lliade, sofern lndra nur in den Episoden eine Rolle spielt, wobei 
der Begcaapeadet und Dghmnb aft fiber dew /ami, watcher 

das lieht vorbereitet und schlendert., vergessen wird. Doch Indras 1 all 

iint schon in den Veden selbst. Im Yagnrveda erscheint 
Vievarupa, der Holm Tvashtars, welchen India tödtet , als nicht« 
Geringeres denn als der purohita oder Hohepriester der Götter 
und Sohn einer Toehter der Asnras; er hat drei Kopfe, von ti< 
einer Ambrosia, der zweite den gefetigen Trank» der dritte Speis© 
einnimmt. lndra haut dem Yie,varüpa die drei Köpfe ab aas 
Rache an den einen, welcher seine Ambrosia triukt; er wird des- 
halb angeklagt» einen Brahojaneu getödtel zu haben und als ein 

manieide verschrien. 3 Im A i t areya-brähmana ' wird die 
Schuld Indras in dieser Beziehung bestätigt; aueh die Kausbi- 
taki-Upanisbad spielt darauf an. Im siebenten Buch des 
Kaiiniyana wird sogar das vielgestaltige Ungeheuer Uävaua als 
ein grosser BUsser dargestellt, den Brahman mit höchster Gnade 



1 yringabhyämälikhati darpat taddväram; Rämäy. IV, 9, — Vgl. diu 
beiden Kapp, aber das Pferd und dun AH« n. 

* Ich halte wich bei diesem brähmuni^chin Gott nicht länger auf, da 
die Erzählung von ihm |efft verbreitet ist. Vgl. übritfens für die Ver^ 
wandt schart Krishna« mit den Kühen, deti Kuhhirten und der Kuhmagd 
das ganze 5. Buch des Vishnu Pur ana, übers, von H Wilson, und 
Gayadevas Gitagoviiida ed, Lassou, Bonn 1836, 

* Vi<;varupo vai tväshtroh purohito devanäm asit svasriyo 'sui 
taayatrini cirebäny aaant — Indras tasya vagram adaya cirsbäny aoMbinad 
yat sntnapänain — Hrahuia-hatyain uj>a pihnat — Tarn bhülany abhy 
akro^an bra hin ah a nn iti; Täittiriya Samhita, ed. Wober II, 5, 1—6. 



erfüllt; im sechsten Buche schlägt llanumant, der Sohn des Win 
dea, dem liävanidischcn Ungeheuer Triciras (dem Dreik^»pli 
die drei Köpfe ab, wie einst Iittlra dem Ungeheuer Vritra, dem 
Sohne Tvaahtars; l und er sehlägt alle drei Köpfe zugleich ab 
isamas f wie der Held der europäischen Volksmährchen mit 
einem Schlage die drei Köpft der Schlange des Zauberers ab- 
bauen muss; sonst ist er machtlos and zu Nichts fähig, lhis Vn 
gehener» wie der Held, seheint eine besondere Beziehung zu der 
Zahl drei zu haben: dalier die drei Kopfe des Triciras wie auch 
die drei Brüder von Lanka — Kavana, der älteste Bruder, weleher 
regiert; Kumbhakarua, der zweite Bruder, welcher schlaft; Vihhis- 
hana. der dritte, uro den sieh die beiden Anderen nicht kümmern, 
der aber allein gerecht lind gut ist, und der aliein die Gabe der 
Unsterblichkeit erhält. - Wir haben hier augenscheinlich die drei 
wüschen Brüder wieder; die beiden ältesten in Damoncn^estalt, 
D als Freund des göttlichen Helden, welcher dore.li den 
über das Ungeheuer Havana das Reich Lanka ge- 
nt Was die Brüder Ränia und Lakshmana, wie die Brüder 
Baiin und Sugriva betrifft, so gehören sie in die Geschichte TOS 
den Zwillingen, auf welche im nächsten Kapitel näher QSttgt rangen 
werden wird, obwohl Hamuuunt, der Sohn des Windes, ihnen in 
Kollc des starken Bruders Beistand leistet. 

Die drei interessanten Hctdcuhrüder treten noch hervorragen- 
der im Mahabharata auf, wo Yon den Pandavas, den fünf Brü- 
dern, drei auf einer Seite stehen, niitiilich Yudhishthira, Sohn des 
i ama, der weise Bruder; Bhima (der Schreckliche) oder 
codara (Wolfsbauch), Sohn des Väyu (des Windes), der starke 
Bmd andere Form Hanumants, mit welchem zusammen er 

auch im Mahabharata auf dem Berge Gandhamäduna findet); 
ond Altana (der Glänzende), der Sohn Indras, <]vi geschickte, 
vtche Bruder, der die Braut heimfuhrt. L>er erste 
Broder giebi den besten Rath; der zweite beweist die grossto 
ke; der dritte erobert die Braut und fuhrt sie heim. Es sind 
genau die drei vedisehen Rib ha -Brüder, Ekata, Dvita und Trita, 
k-n Beziehungen zu einander und mit denselben Naturen; 



< i-y-'i khimgena mnha^iränei kapih satnas Imh öukunhilnu 
fcrndtihati tada hni»uii,aihs tvaabtrattuagAayeva yiränsi ^ukmli; 

Eamuy. VII. 

VII, 10. 



nur ist die Erzählung erweitert» 1 Was ihre andern Brüder, 

andern Mutter geborene Zwillinge, Nakula und Sahadr\a, 
betrifft, so sind sie Snlme der Aerius und wiederholen itu Mahab- 
luirata schwach die Thateu der himmlischen Zwillinge, Bhhoa 
oder Vrikodara, der zweite Bruder, wird als der stärkste be- 
trachtet i bnlavatam ereshtha), weil er unmittelbar nach »einer 
Geburt, d. b. als kaum die Mutter von ihm entbunden ist < 
der Manu der Veden) den Felsen zerbricht, auf den er lallt, die 
Fesseln, sobald er mit ihnen gebunden, zerrcisst (wie Hauumaitt, 
als er der Gefangene Rävanas wird), sciue Brüder während der 
Nacht trügt (wie Haunmant Rätna trägt), als er aus dem auf \n- 
ttlosen Duryodhana brennenden Hanse (d h. von dem 
glühenden Abendhimmel) Hiebt, uud weil er im Schlangemvirhe, in 
weiche« Duryodhana ibn stürzt (d. h. der Na< a Wasser der 

Stärke trinkt. Eine Sehlange, die Khinia zu nützen wttttftoht, sagt zu 
Vasuki, dem Sehlangenkönig* „Lass ihm so viel Stärke verliehen wer- 
den, als er aus dem Brunnen, in ieni die Kraft von tausend Schlau 
Hegt, trinken kann/ 1 ■ Ultima trinkt auf einen Zug den ganzen Brunnen 
aus und mit ähnlicher Fertigkeit schlurft er der Reihe nach 
Brunnen ein, ;i Her Krstgebnrene der Pändavas ist seinem Vater 
Yama, dem Gott der Gerechtigkeit, Dhannar&ga, theuer und h< 

selbst Dliarniaräga; nls er sich anschickt, zum Himmel auf- 
zusteigen, folgt ihm der Gott Yama in Gestalt eines Hundes: 
durch seine Schlauheit im Rifthsel rathen rettet er seinen Bruder 
Bhima vor dem Schlangcukönige. Der dritte Bruder, Arguna, der 
Solu ludras, ist der Benjamin des höchsten Gottes der Veden. 
Indra empfängt ihn mit Festlichkeiten im Himmel, wohin Arguna 
gekommen, um ihn zu treftcu. Arminia ist ein untrüglicher Bogcn- 
schütz, wie Indra; wie dieser nimmt er mehre Mal den Kalibern 
Feinden die Kühe wieder ab; und wie Indra erobert er seine 
Braut; er ist tiuter dem Beistande aller Himmlist hen geboten; er 
ist unbesiegbar (agaya); er ist der beste Sohn (varah putra>; 4 er 



1 Mbh, I, 4990. — Vgl. auch die drei phänischen und Sonnenbriider 
iUv Erzählung von ^unskcepa. 

* I, 4775. 

* Bai am ntYgasaliaBrasya yasmin künde pratUhfhittttn yävatp 

*yam lavad as nun pradiyatum — ekoeehvüsattahib knmhuu danah; Mbh» 
l, 2)030. 50H2. — Kino älinlkbe Erzählung findet sich wieder im dritten 
Uueh des Mahabharata, unter der Gestalt eh 1 chdringliehea Wal- 

ti welchem der dchlangeokoaÜg Bhitna eiuöchliesst. 

* Müh J t 4777. 



m den drei Brüdern bat Mitleid mit seinem Herren Drona 
d befreit ihn von einem Soetingehetzer, ' 
Aber noch eine andere Einzelheit zeigt die bkell 

n drei Pandava-Unidern und den drei Brüdern des 
la; nämlich ihre Wohnung, die im Palaete des König 

D ist, im vierten Buche des Mabäbhärata, Sie sind, wie 

a, ans dem Keiehe verwiesen und fliehen ?or def Verfolgung 

ihm Peiode bald in die Wähler, bald, wie die Uibhus, als Arbci- 

rerkleidet in den Palast Viratas, dem thi nwarl Segen 

aller Art bringt 

Wir tretVen diese drei Bruder in einer Episode des et! 
B des Mabäbhärata wieder in den drei Schülern Dbaumv 
Dar erste Schiller, Üpamanyn, führt Beines Lehrers Kühe auf die 
Weide und weigert sieh aus peinlicher Rücksicht auf n 

iers Interesse, nicht allein ihre Milch , sondern sogar den 
Bcfaaum ihres Mundes zu trinken und fastet, bis er, dem Hunger 
abe, ein Blatt der arkapatrl (eigentlich Sonneublattj 
ariatolochia Lndica) kaut, als er plötzlich blind wird. Er 
i und lallt iu einen Brunnen; er singt eine Hymne an 
ins und sie kommen sofort, ihn an befreien, Der zw 
Bruder, Udd&laka, legt sieh wie ein Wehr, um den Laut der 
wer aufzuhalten. Der dritte Bruder ist V r eda, er, der sieht 
und u Schüler Utanka selbst die Gestalt eines Helden 

tafika wird, wie der vedisehe Trita und der Pan ; 
von India beschützt. Er wird von dem Weibe seines 
Lehrers gesandt, um König Päushyas Gemahlin die Ohrringe ab- 
zunehmeu. Er macht sieh auf, triff! auf dem Wege einen riesigen 
und einen Reiter, der ihm befiehlt, die Excremente des She- 
ll essen, wenn er Erfolg haben will, und spült sich, nachdem 
than, den Mund aus. Er stellt sieh darauf König Päußhya 
nut unterrichtet ihn von seiner Botschalt; der König be» 
net ihm die Ohrringe, aber warnt ihn vor Taksbaka, dem Schlangen- 
iget Utailka sagt, dass er sieh nicht vor ihm fürchtet und 
bricht mit den Ohrringen auf; als er sie aber am Ufer niederlegt, 
um zu baden, kommt Taksbaka in der Gestalt eines nackten 
Bettlers, rcisst sie schnell an sieh und läuft mit ihnen davon. 
ka verfolgt ihn; Taksbaka nimmt aber seine Seh hingen Ge- 
stalt an, bohrt sieb in die Erde, and verschwindet darunter; 



' Mbh. I, 5300— 5304. 



tJtafika versucht länge sn folgen, kann »bet in das f 

nicht eindringen, welche« lern rediseben Felsen entspricht, unter 
dem (Ins I ageheaer seine Beute halt, indra sieht, wie er sich 
♦ ■blich abmüht und sendet seine Watte, damit sie dem Utafska 
helle; diese Waffe oder Keule dringt ein und ötfnet die Holde. ■ 
Diese Keule, diese WalVe Indnis ist augenscheinlich der Donner- 
keil, * Utafika steigt In das an unendlichen Wundern reiche 
angenreich hinab. Indra erscheint an seiner Seite wieder in 
iWv Gestalt eines Pferdes 1 und nßtbigl den König Takshaka, die 
Uhrringe zurückzugeben ; dann besteigt Utafika das Roas, um 
Schneller zu seines Heisters Gemahlin zurückzukommen; ei er- 
Dihrt, dass der anf dem Wege von ihm gesehene Reiter kein An- 
derer als Indra selbst, sein Ross der Gott des Feuers. Agni, der 
Stier tndras [er der Klephant Airavnta, die Excremente 

Btierea die Ambrosia waren, welche ihn im Schlangenreiche 
erblieh machte» In einer andern Episode desselben ersten 
Buches des Mahahhärata 4 finden wir Indra wiederum mit der 
Suche nach den Ohrringen beschäftigt, & h. nach dem ausseror- 
dentlich fleischigen Theil, der vom Ohr Karnas, des Kindes der 
ae, herabhängt, das gleich nach seiner Geburt auf den Wassern 
verlassen worden war. Wir sahen oben, wie die beiden Agvins 
im llanüvana auch als die beiden Ohren Vishnu Hamas darge- 
stelli werden (wie Sonne und Mmid seine Augen sein sollen); 
daher scheinen mir diese mythischen Ohrringe, begehrt und be- 
izt von Indra, nichts anderes als die beiden Arvina zn sein, 
die beiden glanzenden Dämmerungen (in Verbindung mit der 



1 Tarn kticjuimiuamindrn j. regraiii preHhwyatntisA - 

hrnhmsiretsya lAfrfl yv.im ktirushveli - atha vftgrum dnndaküshthamaimprfL- 
. Jainadiirayat; AI b tu I, 194 — 795. 

1 In cinci Bnfthhrog der tibetischen Buddhisten, mitgetheilt von Prot, 
iner interessanten Abhandlung, Ucber Indras Donner- 
keil (Patent. 1H18), iiiiden wir zwe» tapfere Heiden, die auf dem l 

hraküta (Geierupitze) m Gegenwart ihr- h Aleiatero sieh mühen, den 
vagra >d. h in Form eine« Keils, den Hebel, den Donnerkeil 

i lieben, al bena, Va^rapani bringt allein , deu 

va£ra mit der rechten Hand zu beben. Raum erprobt in ähnlicher Weise 
»eine Starke im Ifrimaynoa, indem er einen Bogen, den vor ihm Niemand 
hat bewegen können, aufhebt und in Stücke bricht 

1 Vgl. das folg. Kap. 

* I, 2772-27 



>nne und dem Monde), an denen Indra und noch mehr als er 
die Aurora, sein Weil», so viel (Jefallen findet l 

Im Commentar ßuddhagnahas zu dem buddhistischen Dhamnia- 
pada finden wir wieder die drei Brüder; die beiden ältesten wer- 
den dargestellt als fliehend vor der Verfolgung ihrer grausamen 
Stiefmutter; der dritte Bruder, Sflriya CSurya, die Sonne) ^eht sie 

i holen. Der älteste riith oder befiehlt, der zweite leiht seine 
Hilfe, der jüngste ficht, Der /.weite und dritte Bruder fallen in 
einen Brunnen, in die Gewalt eines Ungeheuers; der eratgeborue 

I sie durch seine Erfahrung, wie im Mahabluiratu Yudhish- 
thira durch seine Schlauheit im Kütliselrathen den zweiten Bruder 
. den Fesseln des SohlaügetlüDgebeaerfl befreit. 

Diese Art, den Helden durch Vorlegung einer Krage oder 
einealüiihsels zu befreien, ist in den indischen Erzählungen »ehr ge- 

ulieh. Sogar im Pan<5at antra J befreit sich ein Brahutunc, 
der in die Gewalt eines ihm auf die Schultern springenden Wald- 
ungeheuere geriUh, durch die Frage, warum seine Fltose so weich 
od. Das Ungeheuer bekennt, das» es wegen eines Gelübdes 

t die Erde mit seinen Füssen bertthren darf. Der Bralmianc 

del sieh dann zu einem heiligen Teiche; das Ungeheuer 
nr Huscht, ein Bad zu nehmen und der Brahmane wirft es hinein; 
das Ungeheuer befiehlt ihm, dazubleiben, bis es gebadet und 
»eiii» ;igt hat. Der Brahmane benutzt diese Gelegen- 

heit, um zu entwischen, wohl wissend, dass das Ungeheuer ihn 

I einholen kann, weil es seine Füsse nicht auf die Erde setzen 
darf. Es ist die gewöhnliche Verwendbarkeit, Schwachheit oder 

»llkorninenheit des Hehlen reap, des Ungeheuers an den Füssen, 
and nenn von einem Thiere die Rede ist, am Schwänze. 3 

Das Mah&bh&rata hat uns die drei vedisehen Brüder gezeigt, 
too denen der jüngste in den Brunnen gefallen ist; es bietet 
uns auch tu der Hexe (asnri) <Jarmislitha, Vrishaparvaus des Da- 



1 An den von den geraubten Ohrringen schlieft sieh fast 

r, sogar in dell VolksmährcheTi , die Geschichte von dem Pferde im, 
II auf dii' Acviu« bezieht, wie die vom Stier auf 
In den \m\ Lblungen erbäh Krishna von ;.• die 

uge Aditis (di« hon als Kuh kennen», während er die Prinzessin 

au* dem Naraka befreit — Vgl Viobnu Par A na V, 21*. 
17. 
1 Vgl. die Kapp, über den Wolf, den Fuchs und die Schlange, wie 
uut'li die frühere Erörterung über die vediachen Ruthsei, wo die »Suuuc 
na genannt wird. 



64 

lonenk&nige Fochter und tier Nymphe 1 Qnkras 'I 

die sieh die Eigenschaft I ml ras als dee Etegenspendeti an- 

st, * die beiden »breitenden Schwestern des Veda, die gute mid 
die bOsc. Im liäinäyaiiu - wird die Hexe Gurpanakha, welche 
Kama verführt, um Sltas Meile an seiner Seite einzunehmen, mit 

uishtha, welche Nahusha verführte, verglichen. Im Mnhähhä- 
rata verkleidet sich </:iriji islil li;» als Devayani, welche sie in einen 
Brunnen wirft, Vavjii. 3obn &5&ig Nahushas, geht auf die Jagd; 
da er dürstet, macht et bei dem Brennen Halt; ans dessen Grunde 

/t ein junges Mädchen berauf, gleich einer Feuerdamme. ; 
Der Prinz nimmt sie an der rechten Hand und zieht sie herauf; 
weil nun bei der lleirath die Braut an der rechten Hand ge&opt- 
iiHu wird ! soll der Prinz Yayäfi die Devayani heiratheu. Sobald 

jedoch sein Weib ist, sucht Qannislit Q Gatten zu ver- 

führen, mit dem sie sich verbindet. Zwei Söhne werden rot) 
Devayani geboren, Yadu und Tnrvaeii, Indra und Vishnu ähnlich 
feine neue Erscheinungsform der Zwillinge, der beiden Acvins); 
drei werden von ramiishtlm geboren, Duhyu, Auu und Puru; und 
auch hier ist der dritte Bruder der berühmteste und t 
Auf diese Weise hingt die Episode mit der eigentlichen Erzäh- 
lung des Mahabharata zusammen; ein und derselbe allgemeine 
Mythus zerfallt in unendlich viele »Sondererzählangcu. Wie die 

Älogie der Giijter und Helden unbegrenzt ist, finden wir hier 
eine anbegrenzte Zahl von Gestalten, die derselbe Mythus an- 
nimmt, und von Namen desselben Helden* Jeder lag gab im 
Himmel einem neuen Helden und einem neuen Ungeheuer das 
Leben, die einander vernichten, um spater wieder in mehr oder 

iger herrlicher Gestalt wiederanfzulcbcn, je nach ihren mehr 
oder weniger glücklichen Namen. 

Aus demselben Grunde erkennen die Sahne immer ihre Väter 
wieder, ohne sie auch nur einmal gesehen oder von ihnen gehört 
n haben: sie erkennen sieh selbst in ihren Vätern wieder. So 
setzen die Söhne Qakuntalas und Urvaqis ihre Mutter in Stand, 
den verlornen Gatten, und ihren Vater, sein Weib wiederzufinden. 
So Wendet sieh in der Episode von Devayani und CarmishthA die 

re, als sie zu erfahren wünscht, wer der Vater der drei I 



1 Abam galaiii virnum'ämi prtigünäm hitaknmyaya; Mbh. 1, 3317. 
* III, 83. M. 

1 Dadar^a rikgü tarn tatra kanyumu£in<;ikliamivji; Mldt. I, 3294. 
■ Mbh. I, 8579-8394. 



Alien so ähnlich« Qarmtehth&s sei as diese und gie 

sagen es ihr sogleicl 

Dieses Fehltritt» halber tti verdammt, DOOi jung, alt 

jui werden. Kr ersticht nun die beides ältesten der drei Söhne, 
die ihm QarmishtM geschenkt, das Alter ihres Vaters auf sieh zu 
igern sieh; jedoch der dritte Sohn Puru willigt aus 
Ehrfurehl vor seinem Vater ein, an seiner Statt alt sc w< 
und ihiu seine Jugend zu überlassen. Nach tausend Jahren giebt 
ayati, des Lebens müde, seinem »Sohne Puru die Jugend 
zurück T tlbcrgiebt ihm, obgleich er der jüngste Ist, das 

weil er der einzige von dcu Dreien war, der den \ 
liehen Willen ehrte, und verstttsst die beiden ältesten Bruder. ' 

Zuweilen wirtl jedoch der blinde alte Vater von Beinen Söhnen 
ganz verlassen. So wird der alte Dtrghatama (von der wc 

von Geburt au blind, \on seinem Weibe und seinen 

ii'D der Nahrung beraubt und ins Wasser geworfen, * aber 

ein heroischer Koni^ rettet ihn, damit er für ihn seinem Weibe 

Wir haben in Dirghatama und Yayäti König Lear 

im Embryo, 

In derselben Erzählung von Dir^rhatania finden wir eine Ver- 
wechslung von Weibern. Königin SudeehnA sehickt, statt selbst 
su gehen, ihre Dienerin, ihre Müchechwester, Dirghatama zur Um- 
armung. a In der schlauen Sudeshna haben wir eine alte Varia- 
viui Königin Herta. 

Vflch sonst kommen häufig Blinde in den indischen Erzühluugcn 
vor. Ich fiibrc hier nur Andhaka (den Blinden) und Vrishiii 
den Lahmen) 4 an, die im Harivan<;a f ' als die bei- 
Söhne Madris erseheinen. Wir wissen jedoch aus dem tfa- 
bäWntrata, dass die beiden Stttme MAdrffl eine menschliche Incar- 
nation der himmlischen Zwillinge, der Ac,vins sind; und hier 
kommen wir wieder auf den blinden Lahmen des Veda zurück, 
den Sonnenheldcn in sciuer Zwillingsgestalt» die beiden von Indra 
beschützten und die Dämmerung begleitenden Agvtns. 



• Mbit, i 1645. 
1 Mhk I, 411*3-4211. 
■ Mbh, l t 4211-4216. 

* Wir worden in dorn Kap. itbor dns Laitim und diu Ziege; die tabine 
Znjge finden. 



G6 

Das PatUatantra 1 stellt (len Blinden und den FJurkli. 
in Vereinigung mit der drcibrüHtigen Prinzessin dar (d. h. der 
dreifachen Schwester, der Aurora am Abend, in der Nacht nnd am 
Morgen, indem die Brust der Nacht die mangelhafte, nngestalte 
ernährt t welche der Morien wegfegt). Der Bucklige leitet dm 
Blinden mit einem Stabe; ile beide hoirathe-n die dreibrttstige 
Prinzessin. Der Blinde erhält durch den Dunst des Gifte« einer 
schwarzen Schlange, das in Milch gekocht ist (das Dunkel der 
Nacht resp. des Winters vermischt mit der Helligkeit des Mond- 
lichtes und Tagesanbruchs resp, des Schnees) die Sehkraft wie- 
der; dann nimmt er ; ein kräftig gebauter Mann, den Bnckligen 
bei den Beinen und schlügt seinen Buckel gegen die dritte, über- 
flüssige Brust der Prinzessin. Beide treten in die respectiveu 
Körper zurllck; 3 so helfen und heilem einander der Blinde, dor 
Krüppel nnd die dreibrlißtigc Prinzessin; die beiden Arviiis und 
die Aurora (oder der FrlUilingl erscheinen wieder zusammen in 
Schönheit, Die Aevins und die Aurora treten auch zusammen 
aus den migehenergCBtalten Schatten der Nacht heraus; die 
vins streiten um die Aurora, die erlöste Braut, um welche auch 
die Brüder streiten, wie wir bald und im nächsten Kapitel sehen 
werden. 

Die Sonne und die Aurora fliehen vor einander; dieses Schau- 
spiel ist von der Phantasie des Volkes verschiedenartig dargestellt 
worden; mit am gewöhnlichsten int das Bild eines schönen Mäd- 
chens, das durch rascheren Lauf dem Prinzen entwischt. Dies 
ßegebniss, das schon im Bi^veda beschrieben wird, kommt wieder 
im Mali äbh a rata vor 4 in der Erzählung von dem Liebesverhält- 
nis« der jungfräulichen Tapatl, der Tochter der Sonne (der glän- 
zenden und brennenden Aurora, und auch des Sommers, glühend 
wie üahanäj, mit dem König ttamvarana, dem BärensofaM 



1 V, 12. 

f Da» Wort badhira bedeutet hier den Buckligen, Verkrüppelten, 
nicht den Tauben (von der W. badh oder vadli, verwunden, schneiden); 
»ehr erklärlich , class hier der Name von des blinden Mannes Gefährten 
iMaiitharaka, eigentlich der Langsame, ist. Die krumme und die langsame 
Linie entsprechen sieb; und der Gekrümmte, der nicht aufrecht stehen 
kann, kann eben so wohl der Bucklige sein als der Krüppel, der Lahme, 
— Vgl. das Kap. über die Schildkröte. 

1 Ueber die Geschichte von dem Buckligen, der den Bünden verräth, 
in demselben Volksmähreben, vgl, das nächste Kap. 

1 1, 6527, 



fi7 

frikshaputra, eine Art Indra), Der König Samvarana kommt mil 

»Ige zu Pferde bei »lern Berge an, um zu jagen, er 

binder »ein Pferd au und beginnt die Jagd, als er auf dem Berge 

das schone Mädchen, die Tochter der Sonne erblickt, die, mit 

Zierrat hen bedeckt, sonnengleich glänzt; er erklärt ihr seine 

Liebe und wünscht, sie sieh zu eigen zu machen; sie antwortet 

ccine Silbe, sondern flieht und verschwindet, wie der Blitz iu den 

1 der Kimig kann sie nicht einholen, weil sein Pferd 

während der Jagd vor Hunger und Durst umgekommen, er sucht 

geblich den Wald durch; da er sie nicht sieht, wirft er sich 

8 zu B*»den. Wie er so liegt, erscheint das schöne Mad* 

eben wieder, naht ihm und weckt ihn ; er spricht ihr wieder von 

und sie antwortet, er mltsse ihren Vater, die Sonne, fragen; 

rfauti verscli winder sie, immer noch ganz unschuldig, schnell nach 

oben (firdhvam). Der König fällt in Ohnmacht; seiu Minister 

bespritzt ihn mit dein Wasser der Gesundheit und bringt ihn zum 

lsstsein, er aber weigert sich, den Berg zu verlassen, ent- 

seine Jagdgenossen und erwartet die Ankunft des grossen 

purohtta Vasishtha, durch dessen Vermittlung er die Sonne um 

ihre Tochter Tapati als Gemahlin bittet; die Sonne willigt ein 

und Vasishtha fuhrt dem Samvarana, zum dritten Male, das schöne 

•hen als rechtmässige Gattin zu. Die Beiden leben glücklich 

mnien auf dem Berge ihrer Liebe; so lange aber König 

varana mit Tapati auf diesem Berge weilt, fällt kein Regen 

auf die Erde, weshalb der König, aus Liebe zu seinen Unter- 

Ivanen, in seinen Palast zurückkehrt; Jndra ergiesst nun den 

cn und beginnt wieder tue Erde zu befruchten. * 

sagten vorhin, dass Vasishtha selbst es regnen Hesse 
labhyavarshata). Die Erwähnung Vasishthas erinnert uns 
an die besonders Regen gebende, wolkige und binare Function 
seiner Kub Kädmadhenu, deren wunderbare Erzeugnisse wiederum 
im Mabäbhärata geschildert werden. 3 Ausser Milch und Am- 
ia liefert sie Kräuter uud Edelsteine, auf welche, als einan- 
der analoge Erzeugnisse in der Mythologie, wir schon Bezug ge- 
nommen haben. 

Die Kuh Vasishthas wird, ausser ihrem Schwanz, wegen 



■äaminiva däbhre^ba tatnievanfraradhiyata; Mbh. I t tf557. 
1 TasminnripjiiK^tr.iüle pravisbte nagaram puaah pravavaröha 8 ab tu- 



r*kfrb*b ^aayAni ganayauprabhuh; Mbh. I, 6629. 6630. 
t, 6651-6772. 



5* 



ihrer Brüste, ihrer Hörner und BOgar ihrer in einer 
genden Ohren gepriesen, woher ilir Nfttne g« iiknkar 

ttlinfonn gewöhnlich auf den E»cl angewandt wird 
im Mabähhärata ist auch der weise Vievwniiira nach dieser wuo* 
derbaren Kuh lüstern; die Kuh brüllt und tröpfelt Feuer ans 
Ihrem Schwänze; ihrem Leibe enteproB&ene Armee die 

Grftdhia. Yicvamitra rächt sich dann auf andere Art 
an den Söhnen Vasishlhas; BO z. B. isst er sie kannibalischer 
Weise. i 

Vasishlha kann die ihm dadurch verursachte Pein nicht er- 
tragen: er versucht sieh von dem Gipfel dea Berges Ifern äu 
stürzen, aber er lallt, ohne sich zu verletzen; er stürzt sieh in das 

r, aber ohne sieh zu verbrennen; endlich springt er in 
Mi*!', ohne jedoch zu ertrinken. Diese drei Wunder werden jeden 
Tag von dein Sonnenhelden verrichtet, der sich 
in den finstere Ocean der Nacht stürzt, nachdem er durch den 
brennenden Abendbimmel hindurch gegangen. 

Vasishtba erlöst schliesslich mit Hilfe bezauberten Wa* 
das Ungeheuer Vicvnniitra von seinem Fluche; and der letztere 
ist nicht so bald von dein Dämon, der ihn besage, befreit, als er 
wiederum beginnt, den Wald mit seinem Glänze zu erhellen, wie 
die Sonne eine Dännmernugswolkc erhellt. Die Freundschaft, Feind- 
schaft und Rivalität zwischen Vasishlha und Vicvämitra scheinen 
nur eine Version derer zwischen den A^vins zu sein, die wir 
eiell im nächsten Kapitel schildern werden. 

Indessen, wird der Leser denken, es ist hohe Zeit, diesen 
Theil unsrer Arbeit über die mythische Kuh Indiens zu schlieft 
Wir hatten leicht noch viel weitläufiger sein können, hätte - 
unserer Absicht gelegen, alle Sagen und Erzählungen, in denen 
die Kuh eiue mehr oder minder bedeutende Rolfe spielt, Glied 
für Glied in eine Kette zusamnieiizusclilieösen. Es ist jedoch 



' Wir Buben in dem vorigen Parage [*hen, wie der Gott Varans das 
Opfer Her Sonne rmmheena verlangt; in Fernen hui Mitbm theil weise 
den Chsimkter des indischen Varan* an gen om inen, d, h. speoiell der Bomte 
in dem Augenblicke, wo nie Sieb in die Nacht stürzt und verbirgt, l»cr 
Indische Mitra ist die Sonne am Tage im GegenaaUe zu Varuna, den 
Herren der Nacht, Vat-un* verschlingt alle Abend Mitra, Mitra ersetzt 
nnd folgt alle Morgen dem Varun«. In Persien «hid die beiden 
einen susatniiieiigefaMen, der sehr dem indischen Cim ähnelt Wie W 
runa die Sterne als Spione hatte, s*> mn-h Mithra im Avesta Wie Varuna 
öieh mit Yatna deekt, ao Mithra mit lau*. 



bee*cr, Ball zu machen, wenn wir nicht durch weitere Waiulc- 

Ziel unseres \\ erkes ans dem Auge ver- 

ik und uns nicht in die Gefahr begeben wollen, von den auf 

Thicre bc n Erzithltragen zu solchen, die lieh aufMensehen 

Heu; ausserdem glauben wir den Hauptsatz 

a Kapiti Igcnd bewiesen und gezeigt zu haben, wie die 

llauptmytlien der Veden in den späteren indischen Sagen nicht nur 

ehalten, sondern Bogar weiter entwickelt sind. Bs ist ja nicht 

re Schuld, wenn wir von Kühen so oft KU Prinzessinnen ? von 
Stieren zn Prinzen übergehen; der Mythus selbst involvirt und in- 
Itüngen. I »aller finden wir den Stier Indra, 
der die Kttbö erobert, in einen Eroberer und Verführer von Wei- 
bern verwandelt; den Stier Wind, der Indra bei der Eroberung 

Kühe unterstützt, in den Schänder von hundert Jungfrauen ; ' 
wir lesen von dem Stier und Gott Kudra, als Gatten Limas, der 
hundert Jahre unaufhörlich Befriedigungen der Sinnlichkeit ergeben 
ist; dass der Solin des stures oder des Windes, Uanurnant 

der von Krait und Starke verrichtet um eines schonen Weibes 

willen, und als Belohnung seines Eifers von Konig Bharata hun 

dort lausend Kühe, sechssehn Weiber und hundert Dienerinnen - 

alt. Was hätte ü&numant mit so vielen Weibern und Mädchen 

than können, wenn er einfach ein Stier wäre? oder was hätte er 

so rieten KUhen tlitiu ktinuen, wenn er ein Affe gew 
wäre? Diese Widerspräche sind es, welche die Mythologie von 
der Bebaar zahlreicher alter Pedanten als eine eitle Wissenschaft 
haben verdammt werden lassen; während gerade sie im 
theil es sind, die sie in unsern Augen zu dem Range einer niäch- 
n erheben. Der, welcher uns die Zuge Hanu- 
raants Überliefert hat, erzählt uns auch sorgfältig, wie er das Ver- 
mögen hatte, seine Gestalt beliebig zu verandern; und diese 
Fähigkeit, die dieser Personification einer Uiinnudserselieinung bei- 
gelegt wird, ist die Fracht einer der naivsten aber richtigsten 
Beobachtungen i\v\- jungfräulichen und grossartigen Natur, 



t bändelt Töchter König Kuc:uiablias und der Nymphe Ghrititö, 
eht, uns an »li« mythische Kuh erinnernd. — 

Vgl. H 

1 Vgl. Vifgil, Acneis l t <i.">-7fi, wo Juno dem Aeolua die Nymuhe 



Der Stier und die Kub 
iura ti is c heu 



in der iranischen und 

- 



Wenn wir uns von Indien westwärts wenden, finden wir anf 
der einen Seite die iranischen, auf der andern die turaniseben 
Sagen. Wir können uns nicht auf europäisches Gebiet beg« 
ohne wenigstens den allgemeinen Charakter einer jeden von bei- 
den anzugeben. 

In der persischen Kosmogonie ist der Stier igaus aevo 
dato) eins der ersten unter den geschaffenen Wesen j er ist so 
alt wie die Elemente. Es ist überdies wohlbekannt, welch hohe 
Bedeutung unter den Persern dem Stier bei den Mysterien de« 
Sonnengottes Mithra beigelegt wurde, der als ein schöner Jung- 
ling, in der Linken die Hörner eines Stiers, in der Hechten das 
Opfermesser, dargestellt wird. Mithra, der den Stier opfert, ist 
genau der Sonuenheld, der sich selbst am Abend opfert. Wirk- 
lich versieht in der persischen Tradition Mithra, wie der Vama 
der Hindus, das Amt eines Gottes der Tod ten und hat alssoji 
wie Yama, eine Ungeheuergestalt, findet sich auch im Yat;na 
mit tausend Ohren und zehntausend Augen dargestellt. 

Wie in Indien, wird auch in Persien der Urin der Kuh bei 
Reinigungsccremonieen angewandt, während deren er getrunken 
wird. ' Wir haben schon in der Geschichte von Utafika gesehen, 
wie die Excremente des Stieres, von denen sich Utailka nährte, 
Ambrosia selbst waren; und es ist in der That Allep wohlthätig, 
was von der Kuh der Fttlle (dem Monde, der Wolke und der 
Aurora) und von dem göttlichen Stier (dem Monde und der Sonne) 
gegeben wird. Der mythische Glaube war naturalistisch, wenn 
auch nicht nach unserni Geschmack, sobald wir auf der Deutung 
nach dem Buchstaben bestehen. 

Und gerade in der persischen Tradition selbst besteht schon 
eine Unterscheidung zwischen gewöhnlichen Stieren oder Ochsen 
und geheiligten oder bevorrechteten. Diese Unterscheidung zeigt 
sich in der Erzählung von Gcmshid, dessen Stiere alle von dem 
Teufel verschlungen wurden, so lange sie durch keine Zaubcr- 
bräuche beschützt waren; während dieser auf nimmer Wiederscliu 
verschwand, als ihm ein rother Ochse in altem, d. b. starkem, 
mit Knoblauch und Kaute (wegen ihrer Kraft bei Beschwörungen 



1 Anquetil du Perron, Zcndaveata, II, p. 645 



71 



in Weinessig gekocht, gegeben wurde. 1 Die 

scbeinlich die fabelhafte Pllanze, die nach dem 

(i lanbeu der Zcml-Tradition dem See V <"> ti r u * K ash a entsprungen 

iii- tvelßbem Ahum Mazda de Wolken zieht, aus welchem 

alle- aer sich ableitet und welcher dem Milchsee der indi- 

idition entspricht, in welchem die Ambrosia - (schüttelt wird. 

So erinnert uns die T ran ere ypr esse Kishniars (von Zara- 

thnstra mit einem Zweite von dem Baume des Paradieses 

pflanzt)! unter der mehr als zweitausend Ktihc und Schafe weiden 

aen, und deren unzählige Vogel die Luft verfinstern, das 

Liebt der Sonne verdunkeln, an den himmlischen Wald der Ve- 

den, in welchem der Hirten - Held und der Jäger- lleld um her- 

, unil sieh verirren. 

Die Vorstellung des Trauerbaumes ruft in uns die des persi- 

ii Herges Arezüra oder Demävend wach, wo die Dämonen 

zn-ammenkamen , um Höses zu planen und wo das Thor der 

Hölle war. s 

Das Zendwort aema, welches Stein und Hinnuel bedeutet, 
bietet uns in dieser doppelten Bedeutung den Schlüssel zu der 
Erklärung des Mythus. Sofern dieser Stein scliwarz ist, ist er 
Wo böser Vorbedeutung; sofern er glänzt, ist er ein Edelstein oder 
I den Edelstein (den Mond oder die Sonne); deshalb ist auch 
nach dem Minokhired der Himmel aus Edelstein gemacht. 

-teht dem Berge der Dämonen (wo die Sonne untergeht) 
in der persischen Tradition der glänzende Berg gegenüber, aus 
welchem die Helden und Könige geboren werden (oder von wel- 
chem Sonne und Mond aufgeben), weil Haoma (der Soma der 
Hindus), der ambrosische, goldene, Heil bringende Gott, der ihnen 
die gottliche Nahrung bringt, dort geboren ist und weil der hei- 



• Misit itaque Deus justissimus citissime Augelum Behuaan quasi esset 
ftnntis (jubeudo) : Ito et boveiu rubrum aeeipiens maetato in nomine Dei 
m dat; cumque coquito in aceto veteri, et cave accurate fa- 
cia«, allio ac ruta t superadditis; et in nomine Dei e* olla effuudito; deinde 
coram eo adpooe ut comedat. Cumque portiuneulain pauis in II lud friasset, 
Diabolus alle maledictus inde autugit, abiit, evanuit et disparuit, nee deinde 
ilium aliquiB postea vidit; Sadder p, 94. — Die russischen Bauern gtau- 
Haus teufe), der damavoi, in den Stall dringt, der wäh- 
rend d<-r Nacht auf Pferde und Ochsen springt und sie schwitzen und 
dürr werden lässt. — Vgl über den Damavoi auch Kaiston, songs of 
tbe Russian people, London 1872 pp, 119—199. 

11 Vgl Spiegel, Ävesta vol. II. Einl. XJ1 sq. 

1 VgL Spiegel, A vest a vol U, 21. Aouj. a. 



lige Vogel, der auf diesem Berge wohnt, sie mit Ambmsia nährt, 
weshalb der Ya^na 1 Haniua auffordert, auf dem Wegeder \ 

zu wachs« li, 

In eiuer ziemlich dunklen Stelle der Gätbä Ahunaivati. 
du durch das Hau deh csh gesichert ist , beklagt sieh die Seele 
des Stiers (oder der Kuh, jenachdeiu), der durch den Hosen 
ncs Körpers beraubt ist, gegen den höchsten Schöpfer, cUu 
ohne Schutz gegen die Angriffe seiner feinde sei und dass er 
keinen unbezwingbaren Beschirmer habe* Ahura Mazda seheint 
ihm nur geistige Hilfe angedeiben lassen zu wollen ; aber der 
stier erklärt skli fortwährend fiir unbefriedigt, Iris Zaratbtu 

Vertbeidiger, nachgiebl und er wirksame Ouadengaben, in 
deren Besitz sieh allein Ahura Mazda befindet, empfängt J Za- 
rathustra selbst ist auch auf einem Berge geboren; 8 wahrend sein 
Sohn fJaosliyaur;, der Hetreier, aus dein Wasser herauskommt. 

Eine heilige Kuh oder wenigstens eine Hündin, welche die 
Kühe bewacht (p&fuv&iti) scheint neben einer guten Fee im 
Veudidad selbst' die FtHireriu der Seelen Über die von Ahura 
Mazda geschaffene Brücke Cinvat in das Reich der Seligen zu 
sein. Die Kuh, als Führerin der im Keiebe des Tode« verirrten 
und auf die Brücke gestellten Seelen 5 ist wahrscheinlich der 
Mond; die Hündin iauch der Mondi erinnert uns an die Saramä 
der Hindus, die Hündin, welche den Helden beisteht, die sieh im 

(liehen Walde oder der fiustern Höhle verirrt haben. 1 * In 
demselben Kapitel legen wir naeh Schilderungen der Brücke das 
Lob der guten (Junku, die viele Au-en besitzt (gleich dem brali- 
manischen indra, als Weib verkleidet, mit tausend Augen, und 
nach dem Abenteuer von Ahalyä mit tausend Uterus* — der in 



' X, IL 

* XXIX, 

J Aveal a ?©L II [». VIII. 

1 XIX, H9- 101. Spiegel übersetzt: „Mit dem Hunde, mit Entschei- 
dung, mit Vieh, mit Stärke, mit Tugend, diese bringt die Seelen der l\Vi- 
nen über den H&raberexaiti bin Weg: über die Brücke Chitivitt bringt sie 
das Heer der himmlischen Yazatas * 

4 Von Kühen und Kälbern als Leicheagabe wint in dem Khorda 
A vest a (LI, 15, Spiegels Uebers.) gesprochen 

fi Ein Hund tröstet den Stier, weicher bei dem persischen Leichen- 
Opfer geentert wird, ein Hund leistet gewöhnlich den sterbenden Personeu 
Beistand, wie um sie su versichern, dase der Hund Sirius am Himmel oder 

Mond sie in dii v ^ . n fuhren * forde, 



Nacht verstaute Gott, der durch tausend Sterne auf ilie Welt 
int, eine Krachein ungrforä das ansehenden Varuna ; muh 
ka lesen wir \<ui dem glänzenden Veretragbna (der dem \ n- 
trab »rieht, eigentlich der Vernichtet des Alles bedeckenden 

Dunkels; nud nach ihm von dein glänzenden Sterne Tistar, der 
als ein Stier mit goldenen Nägeln ' erscheint, was wiederum sich 
ittf den Mond beziehen muss, da die (lahs, weiche, nach Auque- 
til, es a liier des rohes potir lea justes dans le eiel", 

jj den KUheu and Madonnen in unsern Volksmäurclieii , \ou 
der Fee oder wenigstens von den Sternen, die ihre Krone bilden, 
nicht »ehr verschieden sein können. Das K h o r d a A v e & t a 
it jen Hymnen zum Preise Mithras die vollkommene 
Freundschaft, welche zwischen der Sonne und dem Monde herrscht, 
und besingt den Mond unmittelbar nach dem SonnengOtte Mitlira 
und den glänzenden Tistar unmittelbar nach dein Monde, dessen 
hl von dein Sternbild Tistrya aasgehen sott 
Wir können so die liedeutung von Geusurva (Seele des Stie- 
re» oder der Kuh) errathen, dessen Seele nicht Mos, sondern 
auch Korper im Ya$ua* angerufen wird. Die Geusurva er- 
scheint im Yaijna selbst 3 als die Beschützerin des vierzehnten 
Tages des Monats oder des Vollmondes, als eine volle Kuh bc- 
tcL Und wenn es im Khorda Avcsta * licisst, dass man 
una uieht opfern darf, weon die Daevas oder Dämonen 
Uebelthaten ausüben, so scheint mir das deutlich genug dar- 
auf hinzuweisen, dass das Opfer bei zunehmendem, nicht bei ab* 
nehmend, in Monde stattfinden sollte. So besitzt Ash a Vahista, 



auch den Tis try a „mit gebunden Augen'* im Khordn Avesta 
sei p, 9) und das ganze Tistar Yast im Khorda AvcHtaXMV, 
tar der Mond ist, ao würde Ti st r ja scheinen, uui dieselben PHieh- 
ten wie die gute Fee zu erfüllen — d. lu den verirrten Helden vermittelst 
ihrer guten Augen, ihrer trt-Üiirheu Sehkraft und ihres Glsnzes den \\ U tg 
zu zeigen. Die Kuh Vtmishthas bei den Hindus, welche alles Gute giebt 
les Wolken ^egeu Vicvämitra kämpft, wurde bis weih u diu 
orhüllle Mond zu sein Bcheinen; so können wir den 
CWakter des Sternes Tistrya als Regenspenden erklären; derselbe reg- 
nämlich, nach dem B undehesh, zekn Tage und zehn Nächte, und 
▼**n»» Ungeheuer von Dürre, die der Dämon Agro-mainyu er- 

■eh*uVu hatte. 
* XXXIX, l 
1 XVII, 

p. 149, - Vgl die drei Litaneien für Leib und 
»i des». Bandes p. 



der uns an den Vasishtha der Hindns und »eine Wunderkuh erin- 
nert, die Macht, Krankheit, Nordwinde, kurz, Uebel aller Art 
wegzubeschwören, l nur wenn Agrn-maiuyus ohne Hilfe erscheint. 

Wir haben in der Legende von Utaüka gesehen, wie der 
.Mingling, als er auf dem We^e ist, um die Ohrringe der Königin 
zu nehmen, einen Stier trifft, von dessen Exerementen er als von 
Ambrosia isst; dass dieser Ambrosia- Stier neben Indra steht, wie 
Indru und Soma zusammen angerufen werden; und wir bemerk- 
ten, das* aus diesem mythischen Glauben die abergläubische Sitte 
der Hindus hervorging, sich durch die Excremente einer Kuh zu 
reinigen, hiesr Gtofftihnheit ging nach Persien über, und das 
Khorda A vesta- hat die Formel, die von dem Glaubigen n 
citirt werden muss, während er in seinen Händen deu Urin eines 
Ochsen oder einer Kuh hält, um sein Gesieht damit zu waschen: 
— „Gebrochen j gebrochen sei der Satan Ahriman, dessen ihm 
dein und Thun verHucht ist Sein Handeln und sein Thun möge 
nicht (zu uns) gelangen. Die dreiunddreissig Amshaspands 
(die unsterblichen Heiligen, welche den dreiunddreissig vedisehen 
DOMS entsprechen! und Orwazd seien siegreich und rein." Es 
kämt) diese heilbringende Formel wurde zum ersten Male von 
Yima angewendet, als er Ahriman berührt hatte, um durch List 
den Takhtno Urupa, den der Dämon verschluckt, aus seinem 
Körper zu befreien, und in Folge dessen einen Ausschlag auf der 
Hand bekam« Schliesslich ist es interessant, das» der Mond im 
Zend unter Andcrni auch gaodithra heisst, d. h. der, welcher 
den Stiersamen besitzt, danach dem Huudehesh der Same des 
Untiers in den Mond überging, welcher ihn reinigte und mit Ihm 
andere Thiere (pouru c, a red ho) zeugte. 

Was die Aurora betriflt, so scheint es unzweifelhaft, dass sie 
im alten Persian durch die Ardvi (Jura Anahita, die erhabene, die 
starke, die unschuldige oder reine (nach der Interpretation Spie- 
gels) dargestellt wurde; sie fahrt auch auf einem Wagen, der 
von vier weissen, von ihr selbst gelenkten Rossen gezogen wird; 
sie hat einen Schleier f eine Krone und Armbänder von Gold, 
schone Ohrringe (die vedischen Ac,vins), ein Gewand von Biberfell 
und vorstehende Urliste; sie ist schön und ein gutes junges Mäd- 
chen, das Männer und Weiber beschützt Sie wird oft im Khorda 
Avesta, gleich der vedischen Aurora, angerufen, die Uümoneu 



1 K lj m da A vest a, Spiegels Leber» Einl X. 
1 Spiegels Uebera. p. 4. 



711 tj \\ und den Helden, welche mit ihnen kämpfen, bei- 

Ibst hat die Stärke von tausend Miiunern und ist 

wunderbare Heldin, gleich der vedisehen Amazone, mit «1er 

Indra kämpfte; ihr Leib ist mit einem Gürtel umschlungen. Die 

irecheiuliclikeit dieser Vergleichung wird fast zur Gewißheit, 

Li mau einen Hymnus des Khorda Avesta, 1 aueli nur in 

der D6berdef2ütag Spiegels liest, der doch vielleicht eine kleine 

■derung angebracht hätte, hatte er in der Ardvi £nra Anähita 

rtttlie erkannt, in diesem Hymnus fliegt der Biegn 

und mächtige Thraetaona in der Gestalt eines Vogels drei Tage 

und drei Nächte lang, was uns an den flüchtigen Indra des Rig- 

veda erinnert, der nach seinem Siege durch die Ströme watet; 

am Ende der dritten Nacht kommt er bei der Aurora au und er- 

t die Ardvi Qüra Anähita (d. i., wie es uns scheint, die Mw- 

genrnthe selbst, erhaben, mächtig und unschuldig), ihm zu Hilfe 

xu kummen, damit er die Wasser durchschreiten und in seiner 

ihnungden Hoden betreten könne. Darauf ersrheint Ardvi Qüra 

Anähita in der Gestalt eines sehunen, starken und glänzenden 

iis, mit einem goldnen Diadem und goldnen Schuhen 

das Vast XXI, 19) an den Füssen (das ist vielleicht ein 

iwacbercr Schatten von Cinderellas Schuhen); das 

MHdcben nimmt ihn bei dem einen Arm (der Vogel ist, 

nt. ein Held geworden) und giebt ihm Gesundheit 

und Stärke zurück ; diese Gewissheit wächst noch, wenn ebenso 

wir die vedlsehe Aurora die erste von den Ankommenden ist und 

mit ihrem Wagen das Wettrennen gewinnt, die so genannte 



1 „Dieser opferte der frühere Vifra-naväza, als ihn aufrief der sieg- 
.% starke Thraetaona t in der Gest&lt eines Vogels, eines Kahrkac*. 
Dieeer flog dort währeud dreier Nächte hin zu seiner eigenen Wohnung, 
nicht abwärts, nicht abwärts gelangte er genährt, Er ging hervor gegen 
die Morgenröthe der dritten Nacht, der starken, beim Zerrliesaen der 
Morgenröthe nnd betete scur Ardvi £ura, der fleckenlosen; Ardvi rüra, 
le mir schnell zu Hülfe, bringe nun mir Beistand, ich will 
iüaend Opfer mit Haoma und Fleisch versehene) gereinigte, woM aus- 
ge*c igen hin zu dem Wasser Kagha, wenn ich lebend hinkomme 

r von Ahura geschaffenen Erde, hin zu meiner Wohnung. Es lief 
herb* i Ardvi Qüra, die fleckenlose, in Gestalt eines sekunen Mädchens, 
rlnm sehr kräftigen, wohlgewachscnen T aufgeschürzteu, reinen, mit glän- 
rendem Gesichte, edlen, unten am Fusse mit Schuhen bekleidet, mit go I ei- 
nem Diadem auf dem Scheitel. Diese ergrifl ihn am Arme t bald war das, 
Lange dauerte es, dass er hinstrebte kräftig zur von Ahura geschaf- 
fenen Erde, gesund, so unverletzt als wie vorher, zu seiner eignen Woh- 
nung;*' Kb or da Avesta, Spiegels Uebers, pp. 51. 52. 



Ardhvi (um AnAhita im Klinrda Aveata als die, ,,wd 

Aon Wa^en tiilirt", • erscheint; es wird auch empfohlen, ihr 
I a^esanhrueli, woi Sonnenaufgang! Opfer zu bringen. * Wir 
haben in den Veden die Aurora und die Sonne Katlisd ausgeben 
und innen Bdhn; der Sunucnheld der Hindus befreit sieh von dem 
Ungeheuer durch Aufheben und Losen unlösbarer Jiathsel; iu der- 
selben Weise bittet der Held Yagto Fryananamn im Aveata 
(Kh. Av. p. f>4) die Ardvi Q&fl Aniihita, ihm bei der Losung TOB 
tieunundnetin/ag liäthsdu %n hellen, damit er sieh von dem l 
beuer Akhtya befreien könne, 

Oasn kommt , dass Ardvi QÜra An&bita gleich der \ 
Aurora eine Spenderin von Kühen und Pferden ist und dass ihr 
diese Thiere von den Gläubigen dargebracht werden. I he Aurora 
selbst wird bei der AttfinrfwDg im sechsten Gebete des Khorda 
A vest a ebenfalls „erhaben" genannt und als die mit schnellen 
glänzenden Kosscu begabte gepriesen. 3 Der Umstand, das» wir 
die Anahiia von vier weissen ßoeaen gesogen linden, gleich 
Sonnen Mitlira, Jitoflt vollends keinen Zweifel an dieser Idem 
Und wenn die Aurora im A vest a nicht völlig als Kuh darge- 
stellt ist, so seliliesseu wir aus der Verehrung Mithras, der von 
dem eisten Strahl des Tageslichtes bis Mitlag verehrt wurde, daas 
sie so aufgeiasst wurde. Mithra erhalt oft das Epitheton . 
sitzer weiten Weidelandes**; die Morgeusoune ist also eiu Mirten- 
gOtt, und wenn das, su siod wir gezwungen, uns die persische 
Aurora auch, wenn nicht als eine Kuli, so doch wenigstens ÜB 
eine Kuhliirliu zu denken. 

Aber Millira ist nicht ein Gott rein idyllischer Thaten, er ist 
auch eiu Held; das Vendidad 4 preist ihn als den „Siegr* 



1 Spiegeln liebere, p. 45. 

7 Spiegel sagt (Kh. Av> p. 55); „Vorn Aufgang der Sonue bis Tages- 
aiihrucu", was er in Aura. * erklärt: „Vom Sonnenaufgang bi 
nacht" ; das ist unseres BarAChtena ebenso wenig stichhaltig als der damns 

geoe Schluas, dass das Opfer „den ganzen Tag hindurch" venu 
werden aollte. Zarathustm würde nicht nöthig gehabt haben, die Q< 
uaeh der genauen ÜpiWseit zu fragen , wenn sie ihm härte so allgemein 
autwort« »i wollen, \\ u/u am Mittag, bei hellem Suimeuöcheiu beten» dass 
die Dunkelheit verscheucht werden möge? — Wenn irgend ein** Zwei- 
deutigkeit vorliegt» so kann sie meines Erachteus nur in der «iendich häu- 
figen Verwechslung der jungfräulichen Aurora und der Fee Mond 
bestehen. 

;;L Khorda Ave&ta, Spiegels Uebers. pp. 7. iS7. 

• XIX, 52 



77 

fiten der Siegreichen". Die Reute seine* Siemes , den er wesent- 
lich «einen unmittelbaren Vorgängern Veretraghna | \ i rftrahan) 
und Qraogha verdankt. ' müssen die Ktilie der Aurora gen 

ne welche seine ungeheuren Weideländer keinen Nutzen 
fftr ihn gehabt haben würden. Und wirklich betagtes, da88 Mithra 
Herdenbesitzer in den Stand setze, ihre verirrten Rinder wieder- 
zufinden. * 

ET Mitlira ist nicht der einzige hervorragende Held des 
i Ausser ihm spielt darin der obengenannte Veretraghna, 

im Erscheinungsformen zweiter und dritter Kl 
btige Rolfe. Raid ist dieser Veretraghna , welcher zahl- 
n /u dein Indra der Yeden bietet, der den Vritra 
Indra ein Held, bald ein Pferd, bald ein Vogel, bald 
der, bald ein wilder Eber, und bald ein Stier. a Wie der 
Stier Indra im ßigveda dein Trita, Trfiitana und Kavya Ueana 4 
hilft im Avcsta der Stier Veretraghna, der an der 
r eines Thrita* theilnimmt, welcher reich, gliinzend und stark 
Indra Krankheiten mit Hilfe des Hüters der Metalle heilt 
die gewöhnliehe Beziehung zwischen dein Helden und der Zau- 
bernerle), dem Thraetaona, der die Sehlange Dahaka (Azln ha 
und den Helden Kava Ue.a tödtet; von letzterem ist Kava 
Uaorrava nicht eine andere Erscheinungsform, sondern nur ein 
anderer Name. Der Thrita und Thraetaona dcB Zend sind be- 
sanders interessant, weil sie uns, wenn auch nur unbestimmt, an 
tischen Mythus von den drei Krtidern erinnern. Nur nennt 
das A vest a Thrita und Thraetaona als zwei verschiedene § 

Helden; es setzt Thraetaona an die zweite Stelle unter den 
drei Brüdern; und wie im Mahftbharata der zweite Bruder, der 
starke lihinia, in (i a per fallt, während der dritte Bruder, 

Ar£una, Andere durch seine Tapferkeit von dem Seeun^eheuer 



r gt das Kapitel über den Bahn. 

* Vgl. K hör da Avcsta, Spiegels Uebers. Einl. XXV und das ganse 
wichtige Mihr Yast oder Sammlung von Hymnen zu Ehren Mithras, 
Khurd» Av. XXVL 

1 Vgl. Kh Av. b, Sp, Ein! XXXUI und das Bahrain Yast ibid. 

Dort sagt er von sich selbst: „An Stärke bin ich der Stärkste 

lt. f. w." W- »hi until» briset es, dass Stärke dem Stiere (oder der Kuh) 

* In einem fly maus nennt* sich sogar India sei bit l\-aiiii mil IJitizu- 

kavi; Ahaxh kavirueana; Kigv, IV, 28, 1 
XXI, M. 



7R 

<n ist es im A vest a Thraetaona, tier aus den \\:\ 
hervorkommt , odev welcher der Sohn Athvyas (Aptyas) U 
Jeder kam dßö Punkt sehen, wo »ich die beiden Heldeubriider 
berühren, ja identisch sind. Bhiraa ist es, der aus den 

uskonimt, und Arminia, der itun heraushilft, d, b. der seine, 
eigene Btftrke entwickelt, welche in ühitua dargestellt ist; s< 
das Subjeri und seine specielle Lcbcnsüusscrung, die das Object 
wurde, in eine Person verschmolzen. Sie werden miteinander ver- 
wechselt, sofern Thraetaona, der Sahn des, der im Wasser wohnt, 
oder der den Wassern entsteigt und den Dämon tödtet, identisch 
mit Thrita, dem dritten, sein muss, welcher die Kraft besitzt, dä- 
monische Krankheiten zu heilen. Thraetaona, der Schlangen- 
tOdler, und Thrita, welcher die Ucbelthäter vernichtet, linden sieb, 
mit etwas anderem Acusscrn, in demselben Hcldenabentcuer wie- 
der. Kaum ein Augenblick vergebt zwischen der Zeit, als der 
Held ein Opfer war, und dem Triumph Vcretraglmas, Thractao- 
uas oder Thrilas, des Helden, bei seiner eigenen Befreiung. 

Im Vac na 1 linden wir drei Männer, welche durch ihre 
Frömmigkeit die Gunst des Gottes Ilaoma (Soma, Mondgott, 
Mond, guter Zauberer, gute Fee) gewinnen. Der erste isi 
vaghuo, der zweite Athvya und der dritte Tbrita, wodurch wir 
auf den Schluss geführt werden, dass Vivaghao der älteste, Athvya 
der zweite und Thrita der jüngste Bruder ist. Wegen 
Frömmigkeit bekommen sie Söhne; der Sohn Vivaghäos ist Yima 
(der veclische Vama), der weise, der glückliche, der himmlische; 
der Sohn Athvyas ist Thraetaona, der Kämpfer, der das Unge- 
heuer vernichtet; der dritte, Thrita, der nützlichste genannt, 
zwei Söhne, Urväkshya und Kerecacj>a , die uns an die A^vins 
erinnern. Athvyas Sohn und Thrita werden iu eine Person, 
Thraetaona oder Thrita, zusammengeworfen; diese bildet 
Urväkshya und Kcrec i ac ; pa, wie der vedische Indra mit den bei- 
den Acvins, ein neues Triumvirat Die Geschichten von den drei 
und den zwei Brüdern scheinen sogar im Mythus schon In ein- 
ander verwebt zu sein, wie sie es sieher später im Mährchen sind. 
Den drei Brüdern entsprechen übrigens im A vest a die drei 
Schwestern, die drei Töchter Zarathustras und Hvövis: Freni, 
Thriti and Pouriit : ic,ta, * Die erste scheint dem Yama, die zweite 



• Kap. IX. 

■ Vgl Farvardio Yaet hp Khorda Avesta XXIX, 30 (139) bei 
SpiegeL 



79 

dm Aptya nnil Keinem Sohne Thraetaona (oder Thrita), die 
ilritte, die glänsewte, sekttne (ah Anronu itao beteten bc1i< 
Heiterbrüdern , Urvakwliya und Kereraepn. (den Aerius i zu ettt- 
gpre» 

Der S'ninenhel«! beireit sich aus »einen Bedrängnissen und 
niphirt über «eine Feinde, nicht sowohl durch Waffengewalt 
ate dtireli wine angeborene Stärke und Kühnheit. Diese ausser- 
gewttlnilielie Krall, mit der er sieh tummelt, von (lerer fortge- 
tragen wird, und die ihn unwiderstehlich macht, Ist der Wind, 
der im Areata von dem Helden unter dem Namen Hainan ange- 
rufen wird. Der Wind ist nach dein Avestu nirht allein der 

«liste der Schnellen, sondern aneh der Stärkste der Starken 
iwie die Maruts, Ifanumani oder Bhima, Winde oder Sohne de» 
Winde» bei den Hindus). Im Areata kämpft er T sichert den 
Helden den Sieg und ist Weiltern und Mädchen lieb. (Kbeuso 
t eine Neigung flir Hantimant, und HiditnM giebt unter 
allen Pändavas dem Bhima den Vorzug.) Uchrigen* rufen im 
A vest a MUdehen den Wind an, um einen Manu m bekommen. * 

Ein Hymens des Rigveda preist jedoch eine Art von Streit 

ehen den Marnt-Winden und dem Gotte Indra, der aus Eifer- 
8ncbt entstanden ist und aus dem Indra siegreich hervorgeht. In- 



1 Vgl Khorda Avesta bei 8p. Einl XXXIV und das Kam Yaul 

LXJÜ, 40. Die 57. Strophe icheint ein durchaus vediseber Hymnus an 

MaruU su sein; der Wind wird als der Stärkste der Starken, der 

8chtn-ll.-tt' der Schnellen, mit Wallen und goldnen Zierruthen, goldenem 

Kade und goldenem Wagen gepriesen; »eine goldenen Schuhe unit Giirtel 

xetgen ausserdem seine Sympathie und Verwandtschaft mit der Ardvi (^ura 

Ana hi tu, die in der Gestalt Auroras in der 56, Strophe aiUj wird, 

Weiber liehen die Starken, die Kühnen, selbst die Gewaltsamen; die 

de sind die Starken, Kühnen, Heftigen; llanuruant, der Affe oder der 

Bar, der Sobn des Windes» liebt die Weiber und wird von ihnen geliebt, 

Xu dieser mythologischen Vorstellung hat wohl auch das sehr natürliche 

Wortspiel mit: rakshas „das weiberrauhende Ungeheuer" (weshalb man 

in Indien eine Ehe aus Zwang eine Ehe Dach Art der Rakshas* nannte) 

und r i k s h a (ursus), „der, welcher presst 44 , beigetragen. Der Wind ist ein sehr 

reter Geselle, der überall hingeht, Alles besuchen, Alles sehen, Alles 

• •'heimnisse junger Mädchen überraschen kann; das ist es 

aneh, warum Pan eat. I, 5 der verliebte Weber bedauert, dass in das 

Francngrmgch . ausgenommen der Wind, Niemand eindringen kann (ka- 

ny Äntati pore v:\yurh muktva mänyasya praveco sti); das ist es, warum in 

Erzählung sein Freund, der Zimmermann (eigentlich rathakara, 

Wagenbauer) einen Vogel aus dem Hols des Baumes vayuga (eigentlich: 

laohn) fabrizirt, auf welchem der Weber, als Vistmu verkleid« 
das Zimmer seiner geliebten l'rintes&iu eindringt. 



teressant ist es T in der persischen Tradition ■ dieselbe Eifer 
zwischen dem Winde (vata) und dem Sohne Thritas, dem Heide 
Kcrccäcpa, zu linden. Kiu btteer < Seist belügt den Wind, das» 
kenvihpa sich damit brüste, ihm an Kraft Überlegen zu sein. 
Du nml beginnt der Wind in ho furchtbarer Weise zu heulen und 
zu rasen, dufte Nichts ihm Widerstand leisten kann und die 
stärksten Bäume zerspalten oder entwurzelt werden, bis Kerec.ac.pa 
kommt und ihn demasaen in seine Arme preset, daas er auflio- 
ren muss. Dieser iatereesaBte Mythus ist ein Bild des lauten 
Pens der Hehlen und Ungeheuer in Fecnimihrchen, mit welchen 
endlich kurzer T etiiaeht wird, ftbnlioh wie in der persi- 

schen Erzählung; das fuhrt uns auch auf die Vcmiuthung, dass 
Thraetaona die Schlaufe Dahaka nur dadurch besiegte, dass er 
sir an den dämonischen Berg Deni.ivend band.- Diese Art dm 
Feind durch Minden zu besiegen, kommt ziemlich oft in den per- 
sischen Erzählungen und im Avesta selbst 3 vor, nnd wird auch 
in deu Traditionen der Hindus erwähnt. Die Pfeile, welche die 
Ungeheuer anf die Hehlen des liamnvana schleudern, fesseln 
dieselben; der flott Yania und der Gott Varuna binden ihre 
Qpfer; der erste sehntet die Fesseln fest zusammen (d. b. die 
Abendsonne verkürzt ihre Strahlen); der zweite bindet und um- 
hüllt mit Dunkel, was Yania eingeschnürt. Der Sonnenstrahl, 
der sich verkürzt, der Schatten, der heraufzieht, sind Bilder des 
lleldeiiumstriekers; während der sich verlängernde Sonnenstrahl, 
der Donnerkeil, welcher alle Himmel durehmisst, deu Helden dar- 
stellt, welcher das Ungeheuer uinfasst, fest zusammenpresst und 
erwürgt. 

Der Bogen Mithras ist ans tausend Bogen gemacht, aus den 
zähen Sehnen einer Kuh wohlgefertigt; diese Bogen schleudern 
im Avesta auch tausend Pfeile, die mit Qeierfedern befiedert 
sind. 4 Das führt uns wieder auf den vedischen Mythus von den 
Vögeln, die aus der Kuh kommen, zurück. 



1 Vgl Kborria Avesta p. LXIX. 

* Vgl. ib p. LXl 

* Denn Vcrethra^hna, der von Ahitra geschaffene, hält die Hände 
riiek der furchtbaren Kampfeswille», der verbündeten Länder und der 
nutkratrftgetideo Menschen; er umhüllt il»r Gesicht, verhüllt ihre Ohren* 
nicht laut ii ihre Fasse ausschreiten, nicht sind sie mächtig; Khorda 
Avesta XXX, 03 bei 8p. 

* Vgl. das Mihr Yast, Kh. Av. XXVI, 128. 1% 



Da - tet win! , so wetzt diese 

ier preist d* 
B8 Bogen« Mithras, & h. die Hnrner der Kub, w< ! 
Wafln 1 oder die Donnerkeile. 

ten Brüdern bangt mehr mittlem 
iig von dem Pferde als mit dem von der Kuh oder dem 
Ochsen KUMamrnen, Aber sofern sie uns die beiden Brüder als 
den einen arm und den andern reich darstellt, wird der Reich- 
thnm dureh dm Ochsen syinbniisirt. Wenn ieli mich nicht irre, 
den pich jedoch im A vest h hintereinander zwei Helden ge- 
rieten «die ich deshalb Mir Brüder ha lebe ihren Ursprung 
dieser Eizähluof der eine heisst Qriraokhsau oder 
d«r t httnen Ochsen hat , der andere Keregaokhsan 
non magern Ochsen hat)« Da das Avesta auf diesen Gegen* 
ftnd nicht genauer eingeht, so wage ich nicht, darauf zu be- 
d; kann jedoch nicht umbin zu bemerken. da** k san 
rei Brüdern der tapferere war, wie auch ron den 
den Brüdern Urrakaha (ein Wort, das wohl den LWsitzer 
ü Pferdes bezeichnet, and mit Urv&^.pa synonym ist*) und 
Gpa <der mit dem dürren Pferde) der zweite der ruhm- 
Hr; wir auch in den rosaischen \ 'olkstuährcheu 
den dritten Bruder, obgleich er für einen Schwachkopf gelullten, 
Andern tet wird, und den schlechtesten Gaul im 
Stalle reitet, nachher als den glücklichsten Helden finden werden. 
<;ama rächt seinen Bruder Urväksha an llitama, als dessen 
"edentuug »Spiegel 3 „das gebundene Pferd" angiebt» das aber 
ftfciHMü gut mit „der, welcher das gebundene Pferd hält" wieder- 
hen werden kann; das würde uns wieder auf die Erzählung 
? °ö dem Zaum und dem Held-Pferde zurückführen , welches der 
l^Hirion an sich selbst gebunden festhält, wie wir schon oben bei 
" er I og von dem Opfer des von der Aurora beiVeiten Qtt* 
epa bemerkt haben. 

ob wir die Aurora oder den Mond in der 
^nannten Ashi Vaguhi des Avesta wiedererkennen dürfen, der 



Erl 






^hcir \rdvi Qfira Anäbita), welche auf dem hohen 



mt, reich glänzend, goldängig, wohlthätig, der 

bderin von Vieh, Nachkommenschaft und Wohlstand, we! 



1 Vgl, das Mihr Yast, Kh Av. XXVI, 12& 129. 

ik»hn hoiant auch Her Versammelnde; Kh. Av XI, 3 bl 
• Kh 



82 

die Dämonen vernichtet, Wagen lenkt, und im Aahi Yast 1 von 
dem Sohne des Feuchten, Tbractaona, ft] D wird, damit sie 

ihm dag dreiköpfige Schlangenungeheucr Dahäka besiegen helfe. 
Da nun Thraetaona , der an Bieg und an Ochsen * Reiche, eine 
wohlbekannte Erscheinungsform des Sonuenhelden Mitbra ist, 8i> 
ist es interessant zu sehen, wie die Heldin, die sogenannte Asbi 
Vaguhi (die Aurora oder der Mond, wie die drei Worte Ardvi 
Qüra Anähita einfache Namen der Aurora sind), die denselben 
obersten Gott zum Vater hat, drei lirüder besitzt, von denen der 
erste ^raosha, der fromme, der zweite Kasbnu, der starke, der 
dritte Mithra, der siegreiche ist. 

Sie wird übrigens selbst als von Feinden zu Pferde verfolgt 
dargestellt; und bald ist es ein Stier, bald ein Schaf, bald ein 
Kind, zuw T eilen eine Jungfrau, welche sie vor ihren Verfolgern ver- 
birgt. Ungewiss, wohin sie «ich wenden, ob sie zum Himmel auf- 
steigen, oder in die Erde kriechen soll, wendet sie sich an Ahnra 
Mazda, der antwortet, dass sie keins von beidcu thun, sondern 
sich in die Mitte der Wohnung eines schoben Ktfnige begeben 
BOlle. 1 Wie kann man in ihr den Mond oder die Aurora verken- 
nen, die dem Pfade der Sonne, ihres Gatten folgt, die auf dem 
Gipfel der hohen Berge erscheint V 

Andere Umstände von gleichem mythologischen Interesse 
dürften sich wohl im A vest a finden lassen, das in Anbetracht 
der Ungewißheit der Uebersetzung der Originaltexte bisher mei- 
nes Erachtens von den Mythologistcn zu sehr vernachlässigt wor- 
den ist. Obwohl Anquetil, Burnouf, Benfey, Spiegel, llaug, Kos- 
sowiez und Alle, die ihre Talente und Kenntnisse auf die Inter- 
pretation der Zendtexte verwandt haben, in den dunkleren Stellen 
auseinandergehen, bleiben doch noch viele, deren Interpretation 
zuverlässig ist und in denen die gelehrten Uebersetzer überein- 
stimmen, welche interessante mythologische Daten bieten und uns 
in jedem Falle aus dem A vest a einen Embryo von Mythologie 



1 Kh. Av. XXXIII bei Sp. 

■ Mögest du reich an Kindern sein wie (der Sohn) des AthvyänHchm 
(Clanes); Kb, A v. XL, 4 bei Sp 

■ Soll ich zum Himmel aufsteigen, soll ich in die Erde kriechen V h 
auf entgegnete Ahura Mazda: Sccöne Ashi, vom Seil -ehafteiic! 
Steige nicht zum Himmel auf, krieche nicht in die Erde; gehe da hiebet 
in die Mitte der Wohnung eines schönen Königs; Kh. Av. XXXIII, 69 
bei 8p — Vgl. XXXIV, 3 sq., wo der schöne Genial! der ach« 

und ieS& reich» Land gepm-ueu werden. 



83 



extraliiren In ie ein Embryo von Grammatik schon 

daraus eitrahirt worden ist Die kurzen Bemerkungen, welche 
ich eben Über den Mythus van der Kali und dein Stier im Avesta 
gemacht habe, seheinen mir vollständig m genügen, um den dar- 
aas i )i Benins« zu rechtfertigen, dass die Kuh und der 
dieselben Gestalten annahmen, dieselben Mythen und Glau- 
benssätze erzeugten in Persien wie in Indien, wiewohl in einer 
ach wucheren und unbestimmteren Gestalt, 

Sonnenheld Pcrsiens tritt im Kostüm der historischen 
Erzählung wieder im Cyras (Evqöq) des Hcrodot und Ktesias auf; 
der erstere schildert uns das Kind, das von seinen Eltern an 
fc, gerettet und (wie der Karaa der Hindus, das Kind *Wv 
.e, und Krishna) unter den Hirten auterzogen wird, w 

erordentliche Proben seiner Tapferkeit ablegt; der 
letztere zeigt uns den jungen Helden, der seine Braut Ainytis, die 
Tochter des Astyages, erringt. 

Endlich erscheint derselbe Held in mehren glänzenden und 
herrlichen Gestalten im Sh ah name. 

Wie im Rigveda Trita oder TriUtana, im Avesta Thrae- 
Uona (welchem Thrita entspricht) die grosse That vollbringen, 
das Ungeheuer, und sppcieller die Schlange zu todten, so ist Fe- 
ridun, das persische Synonym für Thraetona (nach dem laut* 
liehen Uebergange desselben in Phreduna), in der späteren persi- 
schen Sage der Held, welcher bei dem Kampfe gegen das Unge- 
heuer am meisten hervortritt. Ich werde mich bei den Thatcn 
Feriduns und seiner mythischen Bedeutung nach der gelehrten 
Abhandlung R. Roths darüber (Zeitachr. der Deutsehen Morgen- 
ländischen Ges. Bd. II p. 216 ff.) und der hochverdienten Abband- 
M. I'rrals über den Mythus von Hercules und Cacus nicht 
ndern mich damit begnügen, aus der Erzählung von 
idnn die Episode seines Alters anzufahren, welche uns au den 
-chen Mythus von den drei Brüdern erinuert. 
Der König Feridun hat 'drei Söhne, Seim, Tür und 

Im, Tflr und Er sind auch die Söhne Thraetaonas); er 
I die Welt in drei Theile und giebt den Westen dem erst- 
geborenen, den Norden dein zweiten, während er Iran für den 
jüngsten aar! Ut Die beiden ältesten sind eifersüchtig und 

fnen dem Vater ihre Absicht, ihm den Krieg zu erklären, 
wenn er nicht den jüngeren Bruder [reg aus dem Palaste ver- 
atäs&L Feridun erwiedert ihre gottlosen Drohnngen mit stolzen 
Vorwürfen und warnt unterdessen den jungen Ireg vor der Gefahr, 

6* 



in der er sich befindet. Der Jüngling schläft vor, er wolle b< 
zn seinen Brüdern gehen, nm sie zum Frieden zu et 
Vater will ihn nicht gehen lassen , willigt aber doch endlich ein 
M ihm einen Brief an die Weiden Brüder mit, worin er 
ihn als seinen liebsten Sohn ihrer Obhut empfiehlt In^ langt 
bei der Wohnung seiner Brüder sin; ihre Soldaten sehen ihn und 
können ihre Au^en nicht TOB ihm abwenden , als ob sie in ihm 

schon ihren Herren erkennten. Da rath Seim, der Tür. 

dem zweiten, dem starken, Imj 7-0 tödten. Tür stürzt sieb auf 
den wehrlosen Irei> und durchbohrt seine Brust mit einem Uulehe. 
liv: wird später v-m dem Sehne seiner Tochter (welche nach 
lern 'lode von einem Mädchen, das er schwanger znrüek^e 
l&geen hatte, geboren ist), dein Helden Minuoebr, welol 
und Tür todtet, geliebt 

Der Held, welcher auf BlinneVlir folgt, ist Sal, der Sota 
Sams, der mit weissen Ilaaren geboren und deshalb von seinem 
Vater aul dem Berge Alburs ausgesetzt worden ist wo Ihn jedocl 
der Vogel Simnrg ernährt und rettet. Bai beweist seine Weis- 
heit vor Minueehr dadurch, dass er sechs astronomische Rätliscl 
welche ihm König Minueehr anfgiebt. Der König läse! ihn 
in Festgewiindcr kleiden; nm aneh seine Stärke zu erproben, for- 
dert er ihn auf, mit den Reitern ein Turnier zu rennen; Sal ist 
siegreich, und erhält ein anderes Bhreugewand nnil unzählige 
königliche Geschenke, worauf er Rndabe, die Tochter des Königs 
Mihrab heirathet. 

Sal zeichnet sieh, wie Minutfehr, bei seinen Kriegen gegen 
die widerspenstigen Tnrunicr, die Drachen und die ungeheuer 
ans, bei denen er als »einen llaupthclfer den mächtigen Helden 
Rüstern bei sieh hat, dessen Waffe eine mit einem Sticrk* 
versehene oder eine gebonite Keule ist (der Held isl der Stier, 
die Donnerkeile sind seine Hörner), und dessen Koss so stark 
dass es ganz allein mit einem Löwen kämpft und ihn besiegt, 
wahrend Küstern schläft. Der Held selbst tmltct einen Draw 
and eine in ein schönen Weib verwandelte Zauberin, die 
ihre Ungestalt wieder annimmt, sobald der Held den Namen 
Ewigen ausspricht. Er donnert gleich einer Wolke, ist finster 
und schildert sich selbst als „die Donnerwolke, die Blitzeskeule 



1 Die Stierkopfk^ulc in der Rechten idhwingendi Behack, Helden- 
agrn von Firdusi lX t W. - Vgl- V, & 



Er bindet den Helden Aulad tmd nöthigt ihn, zu 
eutde«-kui. wo die Dämonen den König Kawus gefangen halten» 
her in ihrem Reiche der Fiustcrniss blind geworden ist 
I dann Rusteiu, dass zur Wiedererlangung der 
Sebkiaft st ine Augen mit drei Tropfen Bluts von dem erschlage- 
nen I »anion Setid gesalbt werden «nässen, worauf Rüstern aus- 
liebt, um den Dämon zu tödtcu. Die Diinionen können nur bei 
Tage besiegt werden; wenn es bell ist, schlafen sie und dann 
kOnnen sie unschädlich gemacht werden, sagt Aulad zu Küstern; 
deshalb beginnt Rüstern sein Unternehmen nicht eher, als bis die 
ne am Mittagshimmel steht;- dann donnert, und blitzt er auf 
die Dämonen los. Gleich einer Sonne zieht er gegen den Berg 
• e Zweifel, gegen Sonnenuntergangs wo der Dämon SeJid sitzt und 
,,k«>rnmt an einen hollerigleichen Schlund*', aus welchem der eben 
Slaf erwachte Setid in Gestalt eines schwarzen Kiesen 
hervorspringt. Der Kiese, einem Ungeheuern Uerge gleich, 
yfflchwin^t einen Felshloek, wie ein Mühlstein gross, Und stürzt, 
irr Ranch, auf Küstern los". Rustcm schlägt das Unge- 
heuer auf die Kusse und haut einen davon ab; der lahme Riese 
»etat den Kampf fort, bis Küstern endlich mit ihm ringt, ihn in 
die Luft hebt, dann ihn mehre Male zu Boden schlendert und ihn 
so todtet. Er wirft den Leichnam Sefids in die Berghöhle, wäh- 
rend «ein Blut die Erde tränkt und dem Fürsten Kawus seine 
Sehkraft und seinen Glanz wiedergiebt. Der Mythus ist schön 
und fttftdruoksYOli Wie aus der schwarzen, giftigen Schlange 
weitse, gesunde Milch kommt, so giebt das von dem schwarzen 
le Blut dem erblindeten Prinzen die Sehkraft 
imua ist hier als das Blut des vom Sonnen- 
iVd<i deuteten nächtlichen Ungeheuers dargestellt. 

Wir richten an den freundlichen Leser die Bitte, die per- 

»e Vergleichnng des vom Dämon geschleuderten Felsen mit 

m Mühlsteine zu beachten, da sie ftlr die Erklärung eiues 

9 von Bedeutung ist, welcher noch jetzt im Occident 

■A. nämlich dass der Teufel unter den Mühlstein geht, um 

< n Absichten auszuführen. Der Steiu oder Berg, der 

von den Wassern gebrochen wurde, wurde natürlicher Weise mit 



1 Behack ifc IV, 5, 5 

eo) pflegeo um Mittagszeit zur Ruhe »ich m 
iigri le sir zu besiegen. tfc — Nicht eher schreitet Ru^tem 

zu : lit: Sonn* 1 hoch erhoben hat; Scback ib, IV, 5, 7. 



86 

einem von dem Wasser getriebenen Mühlsteine verglichen; die 
Dämonen bewohnen dies schluchteureiche Gebirge, um die Wasser 
zu bewaofaen; so ziehen der Teufel, der I>«>sl\ die Kobolde Mühlen 
als ihre Wohnungen vor. 

Rüstern ficht im Seh ah na ine viele siegreiche Sehlachten 
gegen den Turanier Afrasiab und andere dämonische Wesen, im 
Dienste verschiedene* Heldenkönig«, noch dazu mit epischen Be- 
gebnissen, die fast alle gleichartig sind. Jedoch sein Kampf ge 
seinen Huhn Sohrab hat einen Völlig anderen Charakter. 

fem geht auf die Jagd. Im Walde berauben ihu tür- 
kische Banditen seines unschätzbaren Rosses, während er schläft; 
er bricht dann, einsam und traurig, nach der Stadt Semengam 
auf, indem er der Spur seines Pferdes folgt. Als er aus dem 
Walde auftaucht, bemerken der König von Semengam und seine 
Höflinge die Erscheinung als ob es die Sonne wäre, die durch 
Morgenwolken brich! ' Der König empfängt Küstern sehr gast- 
freundlich , und wie um das Mass seiner Freundschaft voll zu 
machen, schickt er bei Nacht seine ausserordentlich schöne Toch- 
ter Telimirue in Rusfems Schlafzimmer Der Held und die Schöne 
trennen sich am Morgen; Rüstern lässt, bevor er scheidet, eine 
Perle der Wiedererkennung zurück Wenn ihrer Liebe eine Tocb- 
elioren wird. BO Boll sir dieselbe als Amulet im Haar, wenn 

3ohn, so soll er sie an seinem Anne tragen und er wird ein 
unbesiegbarer Beld werden. Nach neun Monaten schenkt Teh- 
miine dem Sohrab das Leben; im Alter von einem Monat scheint 

in Jahr alt, mit drei Jahren spielt er mit Watten, mit flinfen 

er einen Löwenmath und niit zehn besiegt er alle seine 

und fragt seine Kutter nach seinem Vater, mit der 

Drohung, sie zu tödteil, wenn sie es ihm nicht gage Kaum er 

limb, da*B er Rastern* Sojin ist, als ihn das Verlangen 

■ilt, König von Iran zu werden und Kawus vom Throne zu 
en; er beginnt Keine Verfolgung der iranischen Helden mit 
der EtStttrmung des Schlosses (dee weissen Murgenhim- 

melftj der alba), das von einer schönen krb n Prinzessin, 

Gurdaferid, die des iranischeu Kriegern lieb ist, vertheidigt wird, 
ab erobert und zerstört da« weisse Sehloss, aber im Augen* 
blicke des Triumphes verschwindet die kriegerische Jungfrau. Der 
alte Held Rüstern zieht nun gegen seinen eigenen Sohn Sohrab; 



1 UVa Rüstern V ist es nicht Die Sonne, die durch Morgenwolken 

■M? Schack, Heldene. v, Fird. VI : 



letztere wirft ihn nieder, aber Ullstein seinerseits verwundet 

ihn tödtlieh. In dem auf dem Berge niedergeschlagenen alten 

tem ist unschwer {lie untergehende Sonne zu erkennen; in 

vou Rüstern verwundet« ib ebenfalls die Sonne, wel 

stirbt; und wirklich biete! die sterbende Sonne eine andere Er- 

»inung als die neue Sonne, welche am Himmel aufgeht und 

triumphirt: diene beiden Erscheinungen konnten den Gedanken 

m Kampfee zwischen der alten und der jungen Sonne, bei 

hem beide geopfert werden, entstehen lassen. In der That, 

Rüstern fuhb rab tödtlieh verwundet, das* ersieh selbst 

viindet; er verflucht seine Thal und schickt sofort nach einem 

heilenden Balsam; doch mittlerweile stirbt Sohrab. Der Ein, 

welcher die junge Sonne vernichten konnte 3 war die alte Sonne; 

ue wird alt und stirbt; Rustctn allein konnte Sol 
tOdtea. Mit dem Tode Sohrabs wird auch der Ruhm Unsterns 
verdunkelt; er zieht sieh in die Einsamkeit zurück und die be- 
deutendste Periode seines epischen Lebens erreicht ihr Ende, 
Darnach erscheint er nur in episorli eben Kämpfen oder Unter- 
•utragen wieder; wie z. B. als er an .Tnran Feuer anlegt, 
worin er Bannmant, dem Verbrennet* Lailkas gleicht; fernes bei 
ler Befreiung des jungen Helden Bisben, der von des Turaniern 
nommen und eingekerkert worden war; bei der 
Todtang des mächtigen und widerspenstigen Turaniers Afrasiab; 
nnd bei seinem eigenen Tode durch einen Hinterhalt, der von 
jnngen Nebenbuhlern des alten Löwen gelegt ist, der noch im 
ie an seinen Feinden Rache nimmt 

idr im Palaste des Kawna (des SohfltelingB Rustems) 
ein grossartiges Drama ab, Sijavusb, dem Sohne 
awns', wird von der Königin Mutter Sudabe, die in Liebe 
zu ihm entbrennt, nachgestellt, Der Jüngling verachtet diese 
Liebe, worauf sie ihn bei König Kawna als ihren Verführer an- 
klagt. Als der Vater die Verteidigung seines Sohnes zum Be- 
reise seiner Unschuld hört, kann er der Königin keinen < Hauben 
n; und sie sinnt auf ein anderes Mittel, den jungen Sija- 
zn vernichten. Sie complottirt mit einer Sklavin, einer 
wberin, und beredet sie, zwei kleine giftige Ungeheuer zu 
: haften, die sie offen als die Kinder Sijavushs proklamirt. Sija- 
onterwirft sich zum Beweise seiner Unschuld willig der 
er stürzt sieh auf seinem Rappen, nachdem er noch 
seinen zitternden Vater umarmt, in die Flammen, Rosa und Rei- 
ter kommen unversehrt aus dem ungeheuren Brande unter dem 



88 

Beifall aller Zuschauer heraus. Der König giebt min Befehl, die 
unnatürliche Königin za erwürben; aber n ßyayrob schrei- 

Gunsten ein, «od Sudabe darf leben bleiben; 
jedoch fort» den jungen Prinzen zu verfolgen, bi« bei drin Tode 

vushs Rüstern, der ihn als «einen eigenen Sohn oder als 
anderes Selbst beweint, ihn zuerst durch Tfldfcung Sudabea r 
derentwegen Sigavnsh gentitbigf geweiien war, sich naeh Taran 
zu begeben, und dünn dadurch; daes er Tnran bekriegt, wo Sija- 
viish nach einem Bei» bewegton Lehen in die Gewalt scineö 
Schwiegervaters Afrnsiah gefallen und getüdtet worden war. 

h;is Weib Sijavushs, mit Namen Ferengfe, wird während 
ihrer Schwangerschaft von pjran gastfreundlich aufgenommen und 
giebt dem Beiden Kai Kbotru das Leben; kaum igt er geboren, ab 
er den Hirten dea Berges anvertraut wird. Sobald er rieben Jahr alt 
ist, ist seine Lieblingsbeschäftigung f den Bogen zu spannen; mit 
zehn Jahren kämpft er gegen wilde Eber, Bären» Löwen und Ti- 
ger einzig mit seinem Sehafcrstabe. Als At rasiah den jungen 
Hirten sieht, fragt er ihn naeh seinen Schafen and den fried- 
lichen Beschäftigungen der Hirten; der Knabe erzählt ihm zur 
Erwiederung Geschichten von scharfzahnigen Löwen und andern 
wilden Thieren, vor denen er sieh nicht fürchtet Sobald er das 
ManiHsalhr erreicht hat, flicht er aus Turan , von den Turaniern 
verfolgt; er gelangt an das Ufer eines Flusses, wo der Fuhrmann 
unerfüllbare Bedingungen für die Ueberfahrt stellt ; worauf er, wie 
Feriduu, unversehrt auf seinem Ross die Ruth durchechnc 
(es ist die Sonne, welche, ohne sich zu benetzen, den trüben und 
düsteren Ocean durcheilt); 1 endlich in Iran angelangt, wird er 

der künftige König festlich begrüBBt Seine Regierung be- 
ginnt; er weist verschiedenen Helden verschiedene Arbeiten an; 
unter denselben befinde! sich auch sein Bruder Firud, der ran 
einer andere Mutter stammt und von ilem ein einziges Kopfbaat 
mehr Kraft besitzen soll als viele Krieger fein Strahl de 

die Dunkelheit zu durchbrechen). Eine» Abends jedoch 
bei Sonnenuntergang wird Pirud in seinem »Schlosse auf dem B< 
von einer Sehaar von Feinden umringt und getüdtet, nachdem 
er sein Pferd verloren und seine Mutter Cerire geträumt hat, das» 
ein Feuer Berg um! Sehloss verzehrt habe. Seine Mutter Cerire 



1 hip«« That scheint dem Fährmann selbst übernatürlich zu sen 
dase Arbeit, ftfenschen kann man sie Dicht 

tick, Episch« Dich i a n gen des Fird. LH, 



89 



Abend Bt Oral sich mil ihren Dienerinnen in tfis 

Flammen und hi tritt aneh. Kai Klmsni beweint den Verlust sei- 
nes Bruders Fimd die ganze Nacht hindurch, binder Halm kräht, 
als der Morgen kommt, beschließet er, ihn zu rächen; 

Darnach vergeht Kai Khosrns Leben unter Kämpfen, dir von 

ii Helden gegen die Turancr geführt werden. Erst _ 

das Bude seiner Tage wird er ein reumüthiger König; er vvill 

nicht linger Beine l nterthanen kämpfen lassen und seine einzige 

lg ist Helen: er nimmt TOD seinem Volke und 

seine hin friedlich Abschied, steigt auf einen I 

und verschwindet in einem Sturme, ohne eine Spur zurtlck- 

znlassem In ähnlicher Weise verschwinden die Hel'ten Ynilhishthira, 

HS und Romulus (um nicht von dem biblischen Moses, noch 

liger von Christus zu sprechen; Vergleich ungen solcher Art, 

Nebeueiuanderetellüngen indogermanischer um! semitisch« 

worden ein zu umfangreiches Material bieten. Liiugneii Läsststeb 

aber nicht, dass die Erzählungen von der Schlange, von Noah, 

von Abraham and seinem wiedergewonnenen Weibe, von Abraham 

seinem Sohne Isaac, von Joseph und seinen hindern, von 

ia, von Job and anderen späteren biblischen Helden, durch 

ihre mythische oder astronomische Bedeutung zahlreiche Aualo- 

gieen mit den indogermanischen Legenden bieten); in ähnlicher 

Webe wird die ulte Sonne, müde am Himmel zu herrsehen und 

ihr Leben lang zn kämpfen, jeden Abend auf den Bergesgipfch 

unsichtbar 

Da» Schah name enthält ausser den kurz mitgetheüteü 
zahlreiche andere Erzählungen; eine der beaehtenswerthesttm ist 
sonder Zweifel die von Isfeudiar, welcher mit seinem l>ruder 
Bisbutem auszieht, seine beiden Schwestern zu befreien, die von 
dem tun» Konige Ardebasp in einer Veite gefangen gehal- 

ten werden. Die sielten Abenteuer Isfendiars, d. Ii- »ein Zusam- 
mentreten mit dem Wolf, »lein Löwen, dem Drachen, der i 
;h verschönt, aber nicht sobald mit dem bezaubi 
Halsband Isfendiars [der Sonnenscheibe j gebunden ist, als sie 
ier alt und ljiis*?Iich wird), dem Ricsenvogel, dem Sturm und 
dem Strom, welche Gefahren er sämmtlicli Biegreich überwindet, 
sind in analoger Form Reproductionen der Bieben Abenteuer 
Bisto 

Endlich wurde die an ausserordentlichen Abenteuern reiche 
-kunder oder Iskender (der Name Alexanders des 
^sen) hi» tflthümlich in Persien und kam ohne Zw 



90 



von da mit allen ihren Reizcirnach Europa. Die Kühnheit, das 
Glück, der Rühm and die Macht des grossen Eroberers waren die 
firunde, warum sich um seinen Namen so viele wunderbare Ge- 
schichten rankten , welche ohne epische Einheit, zerstreut, durch 
dir Welt schweiften. Um einen ruhmreichen und unvergess- 

n Helden aufzustellen, worden die Heldenthaten vieler anony- 
mer oder tust vergessener zusammengeschweißt. Das persische 
Iskendername Nizämis gebt, wie sein Name besagt ganz auf 
die Verherrlichung der Thaten des macedomschen Helden, deren 
berühmteste die Befreiung der von den Russen gefangenen Prin- 
zessin Nnibübe und die Fahrt nach der Quelle des Lebens und 
der Unsterblichkeit sind, die jedoch Iskandcr nicht finden kann, 

Persien kam dieselbe Erzählung spater mit neuen Einklei- 
dungen nach Aegyptcn, Armenien und Griechenland, von wo aus 
sn 1 sieb im Mittelalter über fast das ganze westliehe Europa ver- 
breitete. ' 

Als einer Brücke zwischen den Traditionen der Hindus and 
Perser und andererseits der Türken oder Tartaren, werden wir 
una dreier Werke bedienen: der türkischen Uebersetzung des 
To ti- Name, 8 das selbst eine Uebersetzung und theilweis eine 
Paraphrase der Q ti k a Sa p t at 1 der Hindus, tl h, der 70 Ge- 
schichten von dem Papagei ist; der mongolischen Mähreben von 
Siddhi-kür und der mongolischen Geschichte von Ardsbi- 
1 1 r cU li i K 1j a n , • von denen das erste eine Paraphrase der 
Vetäla- Pa nea v i nrati der Hindus, d. h. der ftlnlundz wanzig 
von dem Vetala (einer Art Dämon), und das zweite eine solche 
des Vikrama-raritra (Abenteuer des Vikramädityai der Hindus ist. 

Wir sahen im A i t a r 6 y a - B r a h m a u a den Vater , der sei- 
nen Sohn zu opfern bereit ist und im Mahähhärata den Sohn, 
welcher seine Jugend hingiebt, damit sein Vater lebe, Im Tuti- 
Name 4 rüstet sich der treue Merdi G&nb&fej sein Weib und seine 
Sohne, naehlier auch sich selbst zu opfern, um das Leben des 
Königs zu verlängern; aber als er so seine Ergebenheit und 
Treue bewiesen, wird er von Gott zurückgehalten, das grausame 



1 Vtfl, Spiegel, Die Alexandersage bei den Orientalen« 
Leipi. IHM t und Zacher, Pseu do caüist henes, Forschungen zur 
Kritik und Geschichte der ältesten Aufzeichnungen der 
Alextunlcrsag«*, Malle 1867, 

* Georg Kosens UeberaetzunK, Leipx. ßrovkhaus 1858. 2 Bde. 
1 Beruhard Jülgs Uebersetzung, Innsbruck 1867. I 

• 1,6. 







vom KOiiige zahllose Wohl- 



in der I ite vim dem Goldschmied und dem Tischler 

bat das Tuti-Namc* die beiden Brttder oder Freunde, von 

n der eine schlecht, reich und habgierig ist, während der au- 

um das ihm geschuldete Geld betrogen wird, weil er, ol>- 

i in Wirklichkeit verständig, für einen Dummkopf gehalten 

wird. Der Tischler rächt sich an dem Goldschmied durch eine 

die wir in der Ersählang von dem Bären geschildert finden 

den, und gewinnt kraft seiner Verschlagenheit das Geld wie« 

welche* ihm sein Bruder oder Freund weggenommen ha de. 

In der interessanten Erzählung von Merhnnia . ' lesen wir ron 

Frau» die von ihrem Schwager, der sir verführen will, vn 
ird. Um ihre Weigerung zu strafen, laust er sie iu der 
Abwesenheit seine» Bruders steinigen; da eie unschuldig 

! sie (Jntt vom Tode; von einem Beduinen beherbergt, wird 

ron dessen scbensslicbem Sklaven versucht; zurückgewiesen 
klagt er sie als an dem Tode des kleinen Sohnes des Beduinen 

Idig an, den er seihst getödtet; das schone Weib flieht, sie 
men zum Tode verurt heilten Jüngling, der sie seinerseits 

ihren will, Darauf schifft sie in; auf der See verlieben 

flieh alle Seelente itl sie und wünschen sie zu besitzen; sie ruft 
den Qott an. welcher Pharao ertrinken Hess und Noah aus dem 
Wa»ter rettete. Die Wogen beginnen zu stürmen; ein Blitz fährt 
nieder und brennt alle Insassen des Schilfs mit Ausnahme des 
sehunen Weibes zu Asche; sie landet heil und gesund am Ufer 
lie Aurora, die aus dem tinstern Ooe&n der Nacht auf- 
steigt; die sie verfolgenden Ungeheuer werden von den Blitzen 
und Sonnenstrahlen zu Asche gebrannt); dann Buchtet sie sich in 
in welchem sie die Unglücklichen pllcgt, die Lahmen 
heilt, und die Blinden sehend macht Unter den letzteren beliu- 

tiefa ihr Verfolger, der Hinder ihres Gatten; sie verzeiht ihm 
bt ihm sein Angenlicht wieder; ebenso heilt sie alle ihre 
übrigen Verfolger. Es ist kaum nötbig, den Leser daran zu eria- 
nern, wir diese orientalische Erzählung, die sich ans dem Mythus 
von der verfolgten und befreienden Anrora entwickelte, den wir 
in den vedischen Hymnen kennen gelernt haben, in uhbtiti 






westlichen Volksmährcbcn wiedererseheint, deren hervorragendste 

talten Crcscentia and ßeiooveva sind. 

Die Aurora tritt aus dein Unstern Ocean heraus und wird von 
dar Sonne geheirathet; diese himmlische Hochamt HesB das Volks« 

n-hen * von dem Könige entstehen, welcher die Gegenwart 
des Meeres mit seinen Perlen bei seiner Hochzeit wünscht; die 
Perlen der bräutlichen Aurora werden für aus dem Meere der 
Nacht kommend geholten. Das Meer sendet ale Hochzeitsgabe 
dem Könige „ein Schmuckkästlein voll Edelgestein — eine Lade 
mit Kleidern, kostbar und fein — ein Ross, das dahin wie der 
Morgenwind fährt und Gold, eine Kiste voll, prtlfsteinbe- 

brt". — 

Die weise Aurora figurirt wieder in der Geschichte \«m der 

streichen Königstochter",- welche vermittelst eines Räthsels 
die Räuber entdeckt, die wahrend der Nacht die ftlr den König 
bestimmten kostbaren Edelsteine gestohlen haben, 

Die Aurora verleiht der erblindeten Sonne Glanz und 
kraft. Die Geschichte TOD der dreibrustigen Prinzessin, die, wiih- 
pend sie auf die Vergiftung des blinden Mannes sinnt, am unge- 
stört die Neigungen ihres jungen schonen Liebhabers gemessen 
zu können, Reue fühlt, weich wird und ihm das Augenlicht wie- 
dergiebt* erscheint in ziemlich unvollständiger Gestalt im Tuti- 
Narae 3 wieder. 

Das Mädchen, das an ein Scheusal von Mann verheirathet 
ist, drin BS entflieht, nm einem schönen jungen Liebhaber zu fol- 
gen» welcher es, am Ufer eines Flusses angelangt, seiner Reich- 
tbUnier beraubt, es nackend verlässt und t\u( das andere Ufer Über- 
setzt, worauf es sich in sein Schicksal ergiebt und zu seinem 
mahl, dem Ungeheuer , zurückzukehren beschul teilt die 

Abend-Aurora dar, die vor dem Ungeheuer der Nacht flieht, um 
ihrem Liebhaber, der Sonne, zu folgen, welche am Morgen, nach- 
dem sie sich mit ihrem Glänze geschmückt, sie am Ufer del 
Unstern Oceans zurticklüsst und davoneilt, so dass die Aurora 
genöthigt ist, am Abend sich wieder mit ihrem Gemahl, dem Un- 
geheuer, zu vereinigen. Es ist überdies als flir den vorliegenden 



1 TutiName I, 13, 
1 Tuti-Name I f 14. 
ika«ki VI. 23 
» II 
* II, 16, 



— Vgl Afana&sieff, Narodttija ruekiji 



Kai) wichtig, interessant, den Ausdruck zu beae Heb 

(irr mil dem schönen Weibe etitflieht, bedient, nm 
steine Furcht rot Kutdeckun^ auszudrücken. Er sagt: 

ifel wird der Gemahl sie aufsuchen lassen und fti auf 

den Hörnern des Ochsen (des Mondesi, er würde mich ausfindig 
machen". Die Geschichte von zwei jungen Leuten, die auf einem 
Btier fliehen und FOD dem Ungeheuer verfolgt werden, taueht in 
dem russischen Volksmährcheii wieder auf. Mit den Hörnern des 
res meint der Jüngling die hervorragendste und am meisten 
in die Allgen fallende Situation. 

Ferner ist es die Aurora, die von dein schönen Mädchen ' 
dargestellt wird, das Vater, Mutter und Bruder, ohne von einan- 
der zu wissen, mit drei Jünglingen verschiedenen Berufs verlobt 
haben. Die drei jungen Manner streiten um sie, dock che der 

it entschieden, stirbt das Mädchen. Die drei gehen dann, ihr 
b zu besuchen; einer zieht den Leichnam heraus, der tweite 
findet, dass noch Leben darin ist und der dritte schlaft sie mit 
einem Knittel und richtet sie lebend auf, worauf der Streit wieder 
mmen wird. Sie flieht und zieht sieh in ein lebendiges 
Grab, ein Kloster, zurück In der volksthttttüichsten Gestalt 
»er Erzählung tlieilen sie die drei Ue>ellen oder Bruder, welche 
nm die Braut kämpfen; die Aurora wird, sobald die Sonne, iln 
wahrer Liebhaber und rechtmässiger Bewerber, erscheint, in Stücke 
-zerri- 

Aus dem Dunkel ersteht Licht, aus dem Alten Juri 
Tod Leben; aus dem Staube eines Todtensehädels wird ein wun- 
derbares Kind geboren, das falsche Perlen von echten, Ehrlose 
von Ehrenhaften ■ zu unterscheiden weiss (die Morgensonne kann 
«wischen Lieht und Finsternis» unterscheiden;,' der weise Knabe 
Sonne) ist der Bruder des weisen Mädchens (der 
jungen Aurora). Das Fleisch eines getodteten Brahiuanen ver- 
wandelt sich iu einer andern Erzählung des Tu ti- Name in 
Id.* 

Wir haben gesehen, dass die Aurora und die Sonne Mutter 
und Sohn, Bruder und Schwester, Liebender und Geliebte sind. 
Die Sonne stirbt am Abend eines schmählichen Jodes, wird ge- 

it und an einem ßalgen aufgehängt, und weiht mit sieh &i 



• l -mi Kamt li 
1 n, 

• IX, 



M 



ihre Mutter oder Geliebte dem Tode. Alt und volksthümlieb 
die Erzählung, welche von dein Kaubcrssohnr spricht, der, aU. 
sein Leben am Halben enden soll, 1 seiuer Mutter, die ihm das 
beben gegeben und ihn unter Schmerzen aufgezogen hat, die Nase 
abbcisst. Im Tut i- Name- isi es der junge Verführer (und 
Räuber dazu), der wegen seines Ehebrüche zum Tode verurtbeilt, 
noch einmal vor seinem Tode die Geliebte zu sehen und zu küssen 
wünscht und seine Hache, als sie es thut r durch eine ähnliche 
Beleidigung befriedigt Beachtenswert!) ist, wie selbst in dem 
Volkötnährehen der Hindus die Erzählung von dem Ehebrecher 
mit der von einem Diebe zusammengeworfen ist; der Ehebrecher 
wird schliesslich ins Wasser geworfen (die Sonne und die Abend* 
Aurora fallen in den tiustern Ocean der Nacht). 

In der Qicbsten Erzählung ist es der böse Mann, welcher, 
auf einer Reise mit seiner reichen Frau, um den Wohnort zu 
wechseln, sie ihrer Habe beraubt und sie dann in einen Brunnen 
wirft, um ihre Juwelen und Kleider in Besitz zu nehmen. Dieser 
Reichthum dauert jedoch nicht lange; er verarmt und gehl betteln 
bis er sein Weib wiederfindet, das durch göttliche Hilfe aus dem 
Brunnen gerettet und aufs Neue mit Kleidern und Juwelen gleichen 
Werthes versehen worden war. Der Gatte bringt einige Zeit bei 
seinem Weibe zu und tritt dann wieder mit ihr eine Reise an; 
er kommt wieder an den bewussten Brunnen und wirft sie wie 
vorher hinein, um allein die ihr abgenommenen Kostbarkeiten 
zu gemessen. (Die Bodentong der Mythe ist klar; es ist die Sonne, 
Welche die glänzende Aurora in das finstere \\ asser der Nacht wirft. ) 

Ein König verliebt sich in die schöne Mahrüsa; 8 »eine Rath* 

r ballen ihn mit Gewalt von der Beliebten ab, worauf er in 
Einsamkeit sieh abhärmt und stirbt. Das schöne Mädeben vereint 
sieh ihm im Grabe (Romeo und Julie, die Abend-Aurora und die 
Sonne sterben zusammci 

Die Erzählung von den drei Brüdern, den Rihhus, begegnet 
uns im Tu ti -Name * wieder, mit einzelnen andern, die wir schon 



1 Diese Erzählung war in Italien Bchon im 15. Jahrhundert sehr be- 
kannt; lie wurdfl dem Philosophen unrl Gelehrten Pontano von m 
Mutler erzählt, wie ich aus seiner Biographie ersehe, die vor zv/A Jahren 
»aiiseverino-Marche) herausgegeben hat Noch Ueut er- 
zahlt mau He im Piemontesischen. 

* II, 31. 

1 n, 25. 

♦ If, H. 



95 

t 

kennen. Der erste Bruder ist der weise, der »weile ist ein Ver- 
fertiget von Talismanen (unter Anderm kann er ein Pferd machen, 
das in einem Tage so weit läuft, als anderein dreissig); der dritte 
nnd jüngste Bruder ist der unübertreffliche Bogenschütze. Die drei 
»eben aus, um nach dem schönen Mädchen zu suchen, das bei 
Nacht aus dem Hause seines Vaters geflohen ist. Der erste Bru- 
der entdeckt durch seine Weisheit, dass das Mädchen von den 
Feen auf einen Inselbcrg, zu dem Menschen nicht gelangen kön- 
nen, entführt worden ist. Der zweite schafft ein wunderbares 
Thier, um Über die dazwischenliegenden Gewässer zu setzen 

istophorns oder Bhima). Bei dem Inselberge angekommen, 
kämpft der dritte und jüngste Bruder mit dem Dämonen, dem 
Herren der Feen, besiegt ihn und beireit das schone Mädchen, 
das darauf seinem Vater zurückgebracht wird. Dann entsteht 

scheu den drei Brüdern der gewöhnliche Streit, welcher die 
Braut besitzen soll. 

In den Veden linden wir den Himmel und den Mond als 

D Becher dargestellt. Von dem kleinen Becher der Fülle 
(dem Monde) kommt man leicht zu dem wunderbaren kleinen 
Töpfehen (dem Monde), in welchem die gutherzige aber arme 
Hausmutter der IVirulavas im Mahabhürata noch Uebcrfiuss 
an Vegetabilien findet, nachdem ihre Mittel der QaettreandtebaA 

den als Bettler verkleideten Krishna erschöpft sind — zudem 

üs dem man Alles nehmen kann, was man wünscht. 

Im Tutt -Name 1 findet ein Holzbauer zehn Zauberer um einen 

Krug, aas dem sie Speise und Trank, soviel sie nur begehren, 

herausnehmen; sie essen und unterhalten sich vortrefflich; der 

»bauer gefällt ihnen und sie geben ihm auf seine Bitte den 
Krug* Er lädt einst seine Freunde zu einem Festmahl in seinem 
Hause ein; da er sich vor Freude nicht zu lassen weiss, setzt er 
das Gef&ss auf den Kopf und beginnt zu tanzen. Das Töpfchen 
fallt zur Erde und bricht in Stücke; sein Glück hat ein Ende 
il Geschichte von Perrette, dem Milchmädchen). 

Eine Variation des kleinen Bechers ist der bölzerue Napf 

um den sich zwei Brüder (die beiden Aerius) streiten, 

in der Geschichte des Königs von China,* und aus dem man alle 

>en und Getränke nehmen kann, die man nur begehrt, wie 
wir auch in derselben Geschichte Zauberschuhe finden, die uns 



■ 11 



N 



id Augenblick dahin hrm< r 



- 
Mhrt uns auf «lie flüchtige Aurora der (faden tsnrl 
schnellste Im WVulanf, und aof die Volkii ioderetta, 

die \ Priusen erst eingeholt uüd wie - 

i! Pantoffel verloren hat Nebei 
und den Za Überschuhen Boden wir iu den Volksmkhrcben den 
Uten kleinen Beutel, der nie leer wir lodere For« de« 

der Fülle) und ein Schwert, da*, ans «i 
in einer Wüste ein« 4 schöne, reiche and -unit er- 

stehen litsst, weiche jedoch verschwindet, sobald das Scbwert 
der in die Scheid kt wird inenstrahl ist das ge- 

sogene Schwert, dae die glänzende stadi der reichen Aurora er 

stellen liis-t; kann» verschwindet der Sonnenstrahl oder kaum 
da* Schwert eingieetecki, aLs die wunderbare Stadt sich in Nichts 
auflöst , Der Kost der Kr/Jihlung ist ebenfalls interessant, weil 
er auf drei Männer die wohlbekannte Fabel von deu Thi- 
die um die Heute kämpfen, anwendet (wie die drei Brüder in 

wiedergefundene schöne Mädchen känjpteu). Die T 
können sie nickt in gleiche Tbeile theilen; sie appelliren an da 

9 Mannes, der grade vorbeigebt; er thcilt sie s<> 
class die Ihn noch spater immer dankbar sind und ii 

jeder Gefahr beistehen. Die Erzählung des Tuti-Naroe streif 
an diese (ösfaltung der Mytlic, verliisst sie jedoch bald um «'1110 
anderen beliebtexen willen, nämlich der von dem Dritten, welcher 
zu zwei Streitenden kommt und die Beute für sieh nimmt. Der 
junge Abenteurer versuebt dem Streite der beiden Brüder über 
die TbeilUDg der Börse, des Naples, des Schwertes und der wun- 
derbaren Schuhe ein Ende zu machen: er zieht die Schuhe selbst 
an und fliegt mit deu drei andern bestrittenen Gegenständen da- 
von übe beiden Aevins, Dämmerungen, streiten um den Mond und 
auch um die Aurora, wie wir deutlicher im nächsten Kapitel 

D werden; die Sonne macht ihrem Streite ein Knde, indem 
selbst sie heiratbetl 

Wir sind schon bekannt mit den ltibhus der Veden, die aus 
einem Becher vier machen. Wahrscheinlich von dies« lung 

f die von den vier Brüdern ab lim Tuti-Nanie * ), welche 
dort, wo die aal ihre Turbane gebetteten Siegel hinfallen, vier 
Minen linden, der eine eine Kupfermine, der zweite eine Silber- 
mine, der dritte eine Goldmine (auch hier ist wieder der drit 



' 11, i#. 



07 

ider der begünstigte), der vierte nur eine Eisenmine, Das 

ie-jtcel scheint die Sonne selbst zusein, (lit- vi« i Minen beziebunga- 

le der Kupferbimmel am Abend, der silberhinnuel in der 

tondnaobt, der von der Morgenröthe goldig« Morgcnhimmel, und 

*r Eisenhimmcl des Tages, der graue oder azurblaue. Das 

(itet im Sanskrit sowohl azurblau wie schwarz, 

mi*l n azurn und schwarz liegt grau, die Eisen fay 

Von den drei Brüdern ist oft der erfahrenste, der die Käthsel 
it , der älteste; und iu der Erzählung des Tuti-Name 1 er- 
lärt der älteste der drei Brüder, warum alte Leute weisse Haare 
iben, damit, dass diese Weisse ein Symbol der Klarheit ihrer 
Leu sei, 
60 wir jetzt zu den kalmükisehen und mongolischen 
Mungen des Siddlii-kür über, deren Ursprung', wie wir oben 
»agt auch bei den Hindus zu suchen ist 

In tier ersten Erzählung haben sich die drei Brüder, indem 

sie erat drei Paare bilden, in sechs aufgelltet. Die Nachtzeit wird 

in sechs, in sieben (sechs plus einem ausserordentlichen, 

erst eboreneu), in neun (drei mal drei), in zwölf (drei mal 

de getheüt Daher finden wir neben dem Ungeheuer mit 

is, sieben, neun oder zwölf Köpfen bald drei, bald sechs, 

eo, neun, zwölf Hcldenbrüdcr, Der letzte Kopf (oder die Lata 

i, drei oder vier Köpfe) des Ungeheuers, der entscheidende, 

■t ito schwersten und gefährlichsten abzuhauen; der letzte Bru- 

ler ihn abschlägt und Biegt In der ersten kal- 

taflkifteben Er/ülduug des Siddhi-kür trennen sich sechs Brüder 

wo die Mündungen mehrer Flüsse sieb vereiui- 

iroii hieraus an einem andern Flussanne hinauf, 

Unterhalt zu suchen. Her erste kommt um; der zweite 

vermittelst seiner Weisheit (er hat Tbeil an der Weisheit 

ut dem er eine Gruppe bildet) den Ort, wo der Ver- 

rahen ist; der dritte, der starke, zertrümmert dm 

!t verborgen ist; der vierte erweckt 

frieder zum Leben durch einen Beiltrank, wie Bhima, der 

«arki- Hehl des Malntbhurata, wiederanfersteht, als er «las \\ 

Stärke trinkt: der fünfte Hruder fertig! einen 
ler sechste mit allerlei Karheu bestreicht. Iu 
t der erste, fliegt zu seiner Braut, entführt 
in den Wundervogel mit einsteigen lasst, und kehrt 






98 



m 8< labrten zurück. Als diese das reizend schftne Weib 

'glühen sie von heftigem Verlangen aaeh ihr; jeder van 
ihnen beansprucht sie; sie streiten hin und her und können nicht 
tius werden. Schliesslich tödten sie die arme, unter dem Rufe 
„hau tu, hau zu!" mit dem Messer Si an ilir abschneidend, 

indem alle sie nehmen wollen. Wir kennen schon die mytbi 
Bedeutung dieser Ersäbluug. 

Die dritte und vierte kalmükischc Kivählnng führen dentlieh 
den Stier und die Kuh ein. In der driften verbindet sich ein 
Kann, der nicht* als eine einzige Kuh besitzt, selbst mit ihr, um 

u befruchten. Aus dieser Vereinigung geht ein Wesen her- 
vor, mit dem Leibe eines Mensehen, dem Kopie eines Rindet, da- 
bei langgochwiinzt. Der Stiel Mensch (Minotauros) geht iu 
Wahl, wo ei nacheinander drei Menschen findet — einen ft 
farbigen, einen grüufarbigen und einen weissüvrbigeu — die sieh 
ihm anschliessen. Der Stier-Mensch überwindet die Bezauberung 
einer zwergartigen Hexe; seine drei Gefährten lassen ihn an 
einem BeUe in eine Tiefe hinab, aul deren Grunde die Leiche 
der Hexe unter Gold und Edelsteinen liegt. Als er ihnen «lie 

tee hinaufgereicht hat, lassen sie ihn in der Felseukluft 
zurück; er entkommt jedoch und trifft ein reizendes Mädchen, 
das aus eiller Quelle Wasser geholt; indem sie dabin wandelt, 
sieht er mit Verwunderung, wie unter jedem ihrer Tritte im 
eine Blume nach der andern hervoraprosat Ihr folgend, gel 
er in den Götterhimmel, nnterottttal die Götter in ihrem Kämpft 

11 die Schnmnu (Dämonen) und stirbt bei diesem InUrneh- 
raen, Dieee Enähhrng, indischen Ursprungs, in welcher der £ 
und die Kuh die Steile dee Helden und des Mädchens einneh- 
men, seheint mir zu den nmfai m \ ergleichuugen zu be- 
chtigen. 

Wir haben schon die wohltbätigen Eigenschaften des Kuh- 
misis geaebn. Jn der vierten Erzählung findet sich unter den E\- 

eiiten einer Kuli «1er Lchcnstalisnian des Chaues, ein k 
in, den die Tochter des Königs verloren; mar 
rita iu »terquitinio. Die Perle ist das Secret der Kuh. 
Die Mond-Kuh und die Aurora- Kuh sind reich an Perlen 
sind selbst Perlen, gleich der Sonne; die Sonne kommt aus der 
Aurora, die Perle aus der Kuh. 

Gegenstand der siebenten Erzählung sind die drei Schwert 
welche täglich abwechselnd die Büffel auf der Weide hüten. Die 
älteste ß r schlaft eines Tages beim Hüten ein und ein 



99 

Bflffel verläuft .sich. Als sie ihn Buchen geht, kommt sie an ein 
verzaubertes Sehloss, voller Gold und Edelstein ; doch ist Niemand 
daselbst; nur ein grosser, weisser Vogel sitzt unfeinem kostbaren 

iL Dieser will sie den Büffel finden lassen, wenn sie seine 
Frau werden will Sie geht darauf nicht ein, sondern kehrt zu- 
rück Dasselbe geschiebt mit der mittleren Tochter- Die jüngste 

hter willigt ein, ihn zu heirathen. Gelegentlich stellt es sieb 
heraus, dass der Vogel ein schöner Kitter ist (eine Form Lohen- 
grins). Da nie jedoch auf den Rath einer lle\e das Vogelhaus 
verbrennt, verliert sie ihn und kann ihn nicht wiedergewinnen, 
bis sie ein neues Vogelhaus gebaut hat. Wir werden die Sonne 
in den yedischen Hymnen als Vogel sehen; die Aurora ist das 
aus Flammen gemachte Bauer dieses göttlichen Vogels. Als das 
Vogelhaus am Morgen verbrannt wird, trennen sich die Aurora 
und die Sonne ; sie treffen sieh am Abend wieder, als das Bauer 
wiederhergestellt ist. 

Ein andrer schöner Mythus von analoger Bedeutung tindet 

sich in der achten Erzählung wieder. Ein HolzkUnstler und ein 

Maler sind einander feindlich gesinnt; der Maler macht den Ko- 

E-lanben, dasa sein (des Königs) verstorbener Vater ihn (den 

'ii sieh in den Himmel beseliiedcn und ihm ein Sehreiben 

an I Sohn (den regierenden Clun i mitgegeben habe. In 

Schreiben steht: „Sende unseren Holzkünstler herauf, um 

mir einen Klostertempel hier zu errichten. Die Art und Weise 

heraufzukommen, weiss der Maler." Der König befiehlt dem llolz- 

ktlnstler, sich nach dem Götterreiche aufzumachen. Der Maler 

ict als den Weg hinaufzukommen einen Scheiterhaufen, 

auf dem er den Holzkünstler verbrennen will. Dieser weiss 

jedoch geschickt ans der AfTaire zu ziehen; er verbirgt sich einen 

Monat lang; dann geht er zum Chan, sagt, er sei im (o>l- 

terreiche gewesen und präsentirt einen Brief des Verstorbenen, 

mit dem Befehle, den Maler hioaufznschieken, um den Kloster 

pel «n malen. Heraufkommen" solle er nur nach der vorigen 

Weise. Der Koni- dringt auf die Befolgung des Befehls und der 

M;i kr kommt elend um. Die Bforgensonne taucht 

isnnd mis den Flammen der Morgen-Aurora aut; die 

Abendsonne passirt dieselben Flammen und stirbt. 

Die zehi hlnng bietet uns den Mythus von den beiden 

Brüdern, dem reichen habsüchtigen und bösen und dem armen 

lidhaften Die Erzählung endet analog der von dem sterben* 

1* 



den Ehebrecher, der, wie wir im Tuti-Nanic sahen, seiner Her- 
rin die Nase abbeisst. 

Die eilfte Erzählung ist eine Variation «1er von dem Liehen 
«Im oder Gatten, welcher sein Weib verläest "der tödtet, nachdem 
8 seiner Reicbtliümer beraubt: aber statt des Wassern»- 

11 wir hier das Sandmeer, die Sandwnsie, LB welcher da» 
junge Mädchen, in eine Kiste eingeschlossen, vergraben wir 
derselben Kiste, die in andern Volksmährcheu aut der OberflÄcl 
- umhertreibt ' Sie wird jedoch von einem junge 
Prinzen gefunden und fortgcnonimco, und statt ihrer ein Tiger in 
den Kasten gesteckt; der unwürdige Gatte wird, als er die Kioto 
fortnehmen will, von demselben Bemmen. Hie unfruchtbare Nacht 
igt eine weite Wüste, ein Wasser-, ein Sandmeer; der Sonnen 
prinz befreit die Aurora aus dem Wasser, dem Brunnen oder der 
Wüsten höhle; der Tiger tödtet das Gatten-Ungeheuer. 

In der zwölften Erzählung stiehlt ein Dieb dem Chan seine 
Lebenstalieman ; er wirft den Edelstein zu Boden und die Folg 
davon ist, dasa dem Fürsten die Nase so heftig blutet, dal 
stirbt. Die Nase ist der hervorragendste, sichtbarste und glän- 
zendste Tbeil des Gesichtes; sie ist der Edelstein des Sonnen* 
flirsteu. Die Sonne füllt in der Nacht auf den Berg; «1er Edel- 
stein lallt auf die Erde; dem Plinsen blutet die Nase; er hat 
seine Nase auf die Erde geslosseii und sie Watet Der Sonncn- 
prinz stirbt und der Abendhimmel färbt sich roth, blutig roth: 
(lii Bonne, die am Abend ihr Blut verliert, stirbt (geht unterj. 

Den dreizehn kalmükiachen Erzählungen folgen zehn mon- 
golische; im Ganzen dreiundzwanzig, von denen jedoch die sechs- 
zelinlc verloren ist 

Die vierzehnte erzählt uns von dem reichen und habsüchtigen 
Manne, dessen armer Bruder in der Verzweiflung in den Wald 
geht, um sich das Leben zu nehmen; unbemerkt belnusehl er dort 
die Dftkinis (Geister) und setzt sieh iu Besitz eines diesen gehö- 
ii Hammers und Sackes; schlägt man mit dem Hammer auf 
den Sack, so kommt Alles, was man wünscht, aus dessen Innerem 
zum Vorschein, So w T ird der arme Bruder reich und wird von 
dem andern beneidet, ihr in der Hoffnung, dasselbe Glück zu 
haben, an dieselbe Stelle geht, da er sich jedi-eh nicht verlorst 
von den Kobolden gesehen wird, die ihn für den halten, welch« 



• Vgf auch das Kapitel über das Schwein, wo wir die Mythen uml 
Lcgrnden, die »ich auf Verkleidungen beziehen, auBeinAudcr&etzf'n WBffdsa. 



nid ihm neun Knoten in dieselbe knüpfen. Auf diesen 
ielleichl der italienische Ausdruck: „restart 
ine palmi di naso" (mit ein oder zv 
xurib ) zurückführen; d b. ausgelacht werden und zwar 

mil der Geberdc, von welcher Verspottung begleitet und die 
den Verspät 1 richtet wird, indem m;m eine oder beide llande 

an di i-t)»it/.e setzt l her arme, jetzt reiche Kinder besucht 

den Unglücklichen mit der Knotennase und bringt mit seinem 
Hammer dir Knoten fort. Kr hat schon acht weggebracht and 
nur einer bleibt ihm!,, als er auf Ansuchen seiner Schwägerin ab- 
ihm nämlich den Hammer, um den neunten 
i losen; sie schwingt den Hammer nach seinem 
iiiirt aber, da sie den Massstab nicht kennt, il 
Manne die Stirn eutzwei, so dass er stirbt. 

In der siebzehnten mongolischen Erzählung besitzen ein alter 
Mann und eine alte Iran neun Kühe. Da der Alte ein Liebhaber 
so pflegt er alle Kälber, sobald sie zur Welt ge- 
kommen sind, zu schlachten und zu verzehren; die Alte aber 
iur von Milch und Butter zu nähren. Als der Alte 
alle I , »Unkt er, eine Kuh mehr oder weniger wird 

meinen Wohlstand meht beeinträchtigen; so argnmenttrend ver- 
zehrt er alle Kühe bis auf eine, die er aus Rücksicht auf die 
Iren aufspart. Kineo Tages aber, als die Alte 
e ist, kann er der Versuchung nicht widerstehen 
schlachtet die letzte Kuh. Jene kommt zurück, wird lmse und 
ihn, «vorauf er ihr ein Euter der Kuh nachwirft Die 
Frau hebt dasselbe in dankbarem Andenken au die geliebte Milch 
und Balter auf, unit auf den Berg und schlägt dort mit 

d den Fels, an welchem es haften bleibt; als sie 
daran melkt Milch heraus und sie gewinnt Butter in reich* 

Kinsti „Mein Alter köunte vielleicht 

liuii irlH ihm einen Schlauch mit Butter durch 

erade damit beschäftigt ist, Asche zu e 

it erkennt der Alte die Liebe seines Wei- 
be* u i*Qn Fussspureu im Schnee während 



iucb die ital« Et tare uno pel naso (Jemanden an 

lein msu'hcti , waa man Lust bat; 
bo ein Zeichen von Dummheit sein; irgl, fi 
riu«* N 



102 

it zu folgen. Er kommt auf den B bt das Kuh- 

eater, isst es und nimmt die Butter mit fort Die Alte wai 
umher, bis sie zu einem Rudel Hirschkühe kommt, die frei weiden 
und sich, statt zu fliehen, melken lassen. Wieder denkt sie au 
ihren Mann und wirft Ilirsehbutter durch den 1. ig. Der 

Alte folgt ihr im Schnee, findet sie bei den Hirschkühen und 
tttdtet dieselben in seiner Leidenschaft für Fleisch. Die Alte fährt 
fort, umhcrzuwandcrn und itOeet dies Mal auf eine Höhle von 
wilden 1 liieren, die von einem Hasen bewacht wird. Der B 
schlitzt sie vor den wilden Thieren; sir tasst nun den Entschhiss, 
ihrem Mann einen Wildschlägel zu bringen und wirft ihn durch 
den Ranchfang hinab, wahrend er wie früher mit einem Löffel 
die Asche in Portionen cintheilt. Er folgt ihr und kommt zu der 
Höhle der wilden Thiere, die Beide zerreissen. 

Die achtzehnte mongolische Erzählung ist zu indecent, als 
dass sie hier eine Stelle finden kmiutc; es möge die Bemerkung 

■ igen, dass wir in ihr eine komische Variation der Amazone 
hallen und daes liefe dieses Mnnuwril» Sßrya (die Sonne) — l>a 
gatur (dem das russische bagatir oder Held entspricht ) nennt 

In der zwanzigsten Erzählung linden wir ein Kalb und ein 
Lnwenjunges, von einer Lftwin mit derselben Milch aufgezoj:> 
Als sie gross geworden sind, begiebt sich der Lowe in einen Wald, 
das Kalb aber auf die Sonnenseite eines Be 
sieh als gute Freunde und Brüder und trinken aus demselben 
Wasser. Dieses gute Einvernehmen wird jedoch durch ihren treu- 

D Onkel, den Fuchs, gestört, welcher dem Löwen einredet, 
der stier beabsichtige, ihn zu tödtea und auch bemerkt, di 
wenn der Stier am nächsten Morgen den Boden mit seineu Hör- 
nern aufwühlt und laut brüllt, dies das Zeichen sei, dass er im 
Begriff stehe, seine Absicht auszuführen; er erzählt daraal i 
Stier, der Löwe hege die gleiche Absiebt gegen ihn. Als die bei- 
den Brüder, Stier und Löwe, am Morgen zu demselben W» 
gehen, nähern sie sich einander mit MisstTauen, gerathen in Streit 
und todten einander, während der Fuchs allein den VortbeU hat. 

G Gestalt der Geschichte von den beiden Dämmerung 
Aerius) werden wir im nächsten Kapitel noch näher be 
leuchten. 

Der Anfang der einundzwanzigsten mougolb Erzählung 



1 Vgl auch die Kopp. Aber den Löwen an.J den I 



103 

bietet im** eine neu • Analogie zu der Fabel von Perrette, 1 Artin 1 
n einen Klumpen Schafwolle; sie pflegen Rath und 
uns der Wollti einen Rock zn~ niailun nnd dir den 
k einen Esel zu kaufen und ihren Jangen darauf zu setzen. 
„Und wenn wir doch einmal kaufen/ 4 ' sagt die Frau, „so muss 
im genommen werden; wenn von ihr ein Junges zur 
Welt gebracht wird, so werden es ihrer zwei/' Der kleine Ban 
Rehreit gleich, werde ein kleiner Langohr geboren, so wolle er 
darauf reiten, worauf seine Mutter antwortet: „Du wirst den 
Rdeken des jungen Esels zerbrechen;" sie hegleitet diese W< 
mit der Bewegung eines Stockes und Beblägt dein Kinde den 
il ein, so dass rs stirbt; damit haben auch die schönen Pläne 
der armen Eltern ein Ende. 

In der (etsten Geschichte des Siddhi-kur, die sich an die 

Kabeln von den dankbaren Tbieren, den Verkleidungen und 

der lachenden Prinzessin anschlichst, gebraucht ein Mann dir 

Bttrner seines todten Büffels, am die Wurzeln, ?on denen er sieh 

in der Verbannung nährt, auszugraben. 

Auch die Geschichte von A rdsb i- Bor dsli i enthält mehre 
interessante Erzählungen. 

beginnt damit, dass die Kinder, die des Königs Kühe 
hüten, von dem Gipfel eines Bügeln aus einen allgemeinen Wett- 
lauf anzustellen pflegen Der Erste, welcher an das Ziel kommt, 
wird für diesm Tag von seinen Gefährten wie ein König geehrt 
Bad benimmt sieh und spricht Recht an dem Platze, wo der \\ 

n findet, wie ein wirklicher König; ja, er entscheidet wie 

Gerichtshof letzter Instanz über Fälle, die von dem grossen 

ig des Landes nicht recht geprüft worden sind. Er entlarvt 

und überführt Rauher und falsche Zeugen, die von dem König als 

baldig losgesprochen worden sind, und schickt einen Boten 

an deti König, indem er ihm empfiehlt, in Zukunft bei seinen 

□ vorsichtiger zu sein oder aber auf seine königliche 

Würde zu verzichten. Der grosse König wundert sich über die 

^ordentliche Klugheit des Königs der Kinder nnd sehreibt 

seinen übernatürlichen Scharfsinn dem magischen Eiufhtss Abs 

n, wo die Kinder, die die Kühe hüten, spielen. Beieiner 

andern Gelegenheit entdeckt der König der Kinder durch seine 

Lauheit einen bösen Dämon in Jemandem, den der König für 



ichte von Perrette den interessanten Aufsatz 
II. Müllers in dir Contemporary He view. lB7ü. 



den rechtmässigen Sohn »ein«» Ministers gebalten hatte. Die Knt 
deckang geschieht vermittelst einer Aufforderung an d« 
wirklichen Sohn und sein dämonisches Pendant, anf dt 
einen kleinen Knie zu kriechen. Der wirkliehe Sohn kann 
niel : ler dafür gehaltene verkleinert sich and gebt in den 

Krii_ Q, worauf der Kinderk ifuung sofort mit 

m Diamanten versiegelt und dem grossen K*> 

uen neuen \ n kommen Iflsst. Der ^: 

König besucht daran! die Kinder, und als mau die ihnen 
uigaspic) Ihtthe umgrübt, k^mmt ans dein i 

ei» goldener -in; anf dei -tute 

«teilen 3 ife eine befestigt der Mond tu 

n Phasen I. Der grosse K isl den Thron in seinen 

Palast bringen und versucht, ihn zu !>• die Holafignreq 

halten ihn znrtiek und eine toe ihnen erzählt ihm, das« das eins 
der Thron de* Gottes lodra and *jäter des Königs Vikram&dityi 
war. Iter grosse König verneint neb ehrerbietig und eine 
Poppen begfnni die Oc so lüe h t e VJknmldityaj in entblei 

Die O ee eh ichte Vikramädityas, welche die Puppe er/Jihlt. 
zurück auf ein kluges Kind, welches die Gattin des Königs Ol 
dhan.i geboren, nachdem sie einen Bfd aus in Ktlhöl gekochter 
und in einer Purzellanvase mit Wasser verdünnter Erde (<i< 
Bodensatz eine Dieneriu isst) g€ge*s< Der jnnire Vikra- 

lernt alle Kunst lernen die Kanal in stehlen, 

weh von den i Kiiuhcrn beigebracht wird, wie 

auch jede Art ron Betrug in Ibndel und Wandel; durch Betrag 
gehinkt er in den Besitz eines bezauberten Edelsteines, der in (tat 
rechten Hüfte einen Leiehnas ine« Knaben, der du 

Fähigkeit hosit/f , die Sprache der Wolfe zu verstellen und siel 
Sohn der Wölfe nennt, in Wirklichkeit aber an der Laudstrass 

'im» Mädchen geboren ist, welches den Hodensatz des 
geg» rir; diese« Kind mrd nun vol meiner Mutter gtsi 

liih! wird, obwohl z% dt, im Laufe der Zeit sehr s. 

Vikramaditya ttidtet später den König der Dämonen im Kampfe) 
wobei es beachtenswert!) ist, das« so viel uene Dämonen zm 
Kampfe erstehen, als Stücke sind, in die der Held den I' 
haut, bis sich der Held seinerseits vervielfacht und jedem Daw 
einen aus ihm entstandenen Löwen J here teilt Yiki. 

ditya besteigt einen Thron, auf dem die, die vor ihm da 
«essen, Alle nach einer vierundzwanzigstündigen Ri um- 

gekommen waren, weil sie antcrlasacn hatten, während der Nacht 






tburenbrii erfüllt mit seinen 

die heili litund entrinnt dem Tode* 

In derselben Erzählung, wetebe mis an die Hibhttfl und die 
nid die Kuh erinnert, arbeiten vier jm Her, 

mi andern, an demselben Stück Holz; einer gieW ihm 
einer Krau; der -/.weite trägt gelb« 
^r dritte verleiht * l i • die der weiblichen Gesteh eig 

sind, und dor vierte haucht der Fii^ur Leben ein; dann 
h um sie. Der Kall wird vor deu König gebracht; 
r spricht «ich dahin aus: „Derjenige, der die Figur zu- 
tat der Vater; der die Farbe aufgetragen ist die 
charakteristischen Zllge hinzugefügt hat, ist der 
d; der Ihr «las Lehm einhauchte, wie sollte der nicht 
W Miiun nein?" So werden aus den Vier hrei. Indem die eitlen 
in Paar bilden. 

e Erzühlnng von der Fran, die ihren Mann 1 ■**■ den 

in nimmt und ihn in einen Brunnen stösst, sveil sie eine nie 

f leicht ein Echo ihrer eignen, hört, die sie 

'; als sie nun jene liebliche Stimme ailfsacht, sieht sie 

ken und Hals mit. Wunden und Beulen bedeckten 

lieh vernelinieu lässt, und beklagt ihren 

In der Thiermytbologie entspricht die Kabel 

ler, beim Anblich eigenen Schattens, das 

1 fallen lässt, dieser Erzählung, die* wir jedoch 

wegen ihrer Verwandtschaft mit den ähnlichen Krziih- 

n von der Krau, die ihren Mann todtet und von dein Mann, 

iltet, indem ins Wasser wirft, und die 

Hymnen unbestimmt angedeutet sind, anfuhren. 

Erzählung, die in der Geschichte von Ardshi 

ist, zeigt uns andrerseits ein zu getiül 

Sonnensc issen, die 

erden darf. Die Tochter bittet einst 

am fünfzehnten des Monats (bei Vollmond) 

rieh in der Stadt un m dürfen; es wird ge- 

befiehlt jedoch Allen, an diesem Tage zu Haus 

alle Thlireu und Fenster zu schlicssen ; Todes- 

: dieses Gebotes. (Acholic i 

a der britischen Erzählung von Godiva, der Gräfin von 

aus dem eilften Jahrhundert vor.) Ein Minister. Ssaran 

»eine Neugierde nicht bezwingen und 

Sillier aus; das Mädchen lädt ihn durch 



106 

ben ein, zu ihr zu kommen; das Weib des 

rs deutet ihm die Zeichen und drängt Ihn, dem schonen HU 

nachzugehen, indem sie ihm beim Abs ine Perle der 

Wi. dererkennung giebt. Sonnenschein und Mond treffen sieh 

l einen] Baume und bringen die Nacht bis zum Sonnenauf- 

- in Ltebeüplel hin. Eine der mit der Bewachung der Prin- 
zessin betrauten Personen entdeckt diese Intrigue» wirft Heide ins 

tngniss und dennnsirt sie dem Konig; das Weib des Ministers 
in wird vermittelst der Perle in Kenntuiss gesetzt . 
Manu in Geiaht ist; sie trifft ihn, verkleidet und verwandelt ihn. 
und bring! eine Eidesformel heij mit welcher Sonnenschein schwort, 
das- rs Hn Ungeheuer war. welches sie umarmt hat; da dies dem 
KOnige und seinen Höflingen unmöglich seheint, so werden der 
Minister Ssaru und Sonnenschein freigesprochen. (Die Aurora 
die Sonne ist während der Nacht verborgen und Niemand 
lieht sie, Niemand darf sie sehn; der Gott Lunus zeigt sich; 
er weilt Während der (facht bei der Sonne oder der Aurora, die 
Niemand während der Nu n kann ; der Gott Lunus verwandelt 

sieh darauf, so. dass er unkenntlich, unsichtbar wird; der Schül- 
dige schleicht sich davon und entrinnt; es scheint also unmög- 
lich, dass der Gott Lunus, der nicht mehr zu sehen ist. bei dem 
Licht der Sonne gewesen sei; nachdem ihre Liebe ein Ende er- 
reicht, die Bnblen getrennt sind, glaubt man nicht mehr au ihre 
Schuld, ihre Unschuld wird anerkannt und die Sittlichkeit der 
Mythe sich selbst überlassen.) 

Da jedoch die kalmUkischen und mongolischen Erzählungen 
von Siddlii-kur und die Geschichte A rdshi - B ordshi s nur 
Paraphrasen von indischen Malirchen sind, so dürften sie allein 
i\u Abstammung der mundliehen turko-tiunischen Tradition im 

entliehen Sinne von den ThierfabeJn der arischen Mytbol 
nicht hinreichend beweisen. Wir müssen uns also wohl oder 
in andern liegenden nach Beweisen für ihreu Einliuss umsehen. 
Bine turauisebc Erzählung aus dem Süden Sibiriens ' ver- 
schweigst mehre mythische Stoffe, mit denen wir schon bekannt 

rorden Bind, miteinander. 
Anw alte Leute haben drei Söhne; die drei Söhne gehen 
:\i\\ den Berg träumen; die beiden ältesten träumen von Rc 
thllrnerii, der dritte träumt, daes seine Eltern magere Karneole 



• Kadlott, P roben d er Vo Iks literat ur der tii rkUchen Stä ratne 

i 9 i b i r i e o a. 



107 



seine Brüder zwei hungrige Wttlfie sind, die ins Gebirge da- 
laufen, während zu seiner rechten Seite die Sonne, zu seiner 
Buken der Mond, und auf seine Stirn der Morgenste int 

Der Vater befiehlt den Brtldern, ihn zu tödten; sie wagen es 
nicht; sie vertreiben ihn nur aas dein Hause und tödten statt 
t einen Hund, dessen Blut sie ihrem Vater bringen , welcher 
\v das seines Sohnes hält und ihnen seine Zufriedenheit aus- 
spricht Der Jüngling sehweift umher, his er an eine Hütte 
kommt, wo ein blinder und lahmer Alter und eine blinde Alte 
aus ciuer goldenen Schüssel essen, die sieb t sobald sie leer ist, 
selbst mit neuem Fleisch tüllt (del Mond 1 . Der hungrige 
Bursche hatte sich, wählend die Alten auf dem Bette lagen, etwas 

diesem Fleü lommen, doch der Alte bemerkt, als 

etwas gegessen,, das« Jentand mit den Zähnen in das Essen ge- 
fahren ist; mit einer Angel, die er um sich schwingt, faasl er 
den Jüngling heim RocfcscboeBCj der um sein Leben bitte! mit der 
Sicherung, er wolle das Auge der Augenlosen und der I uss 
des t'ussloseo sein. Das gelallt den Alten und sie adoptiren ihn 
tatt; er macht sieh einen Bogen und einen Holzpfeil 
und gebt auf die Jagd nach Wild an ihrem Unterhalt. Der Alte 
leiht ihm sein eisengraues Boes, das erst einen 'lag alt ist, be- 
fiehlt ihm aber, nicht auf dem Wege nach Sonnenuntergang zu 
au reiten, sondern nach Sonnenaufgang hin; der J tingling wundert 
warum er nicht nach Sonnenuntergang reiten solle; „viel- 
io Vieh, sein Geld, seine Leute werden dort sein," denkt 
Ist ungehorsam und reitet bei Nacht Was das Pferd dann 
d wir im nächsten Kapitel sehn. Der Jttn g lin g be- 
ipft und besiegt den Dämon, indem er seine Oberlippe an den 
Himmel, die Unterlippe an die Erde befestigt; der überwundene 
:<>n räth ihm: „Mein Banchfett nehmend, gürte es Dir nun In 
Innern wird ein silberner Kasten sein, in diesem ein 
goldener, in diesem wieder ein silberner; den silbernen Kasten 
nimm; wirf ihn in den Milchsee." Aus dem aufgeschlitzten Bauche 
de» I ers kommen unzählbare Thicre, Menschen, Geld nnd 

Bfl heraus. Ein Theil der Leute spricht: „Was für ein etiler 
Mensch hat uns von der schwarzen Nacht befreit? Was für ein 
Mensch hat uns den hellen Tag gezeigt?*' In dein innersten 
ten findet der Jüngling ein zusaoimengeknotetes weisses Tuch, 
das er in die Tasche stickt. Aus dem Kasten kommt viel Geld, 
Volk und Leute nimmt der Jüngling. Alle Sachen, alles Geld 
mt er. Das weisse Vieh treibt er vorsieh her und kehrt heim. 



108 

Zu Hanse schlafen der Alte und die Alte. Der Jüngling macht 
da» weisse Tuch auf und findet darin die Augen der Uten EU je 
zweien eingebunden ; er BOtsI rfe ihnen ein; ilunii selfel er sieh mil 
gekreuzten Beines zur Seit»» dee Feuers und raucht Tabak. Jeut 
stellen die Alten auf mit sehr hellen, sehr Betauen Augen, und 
umarmen den Jüngling. Der Alte verleiht ihm darauf die Fähig- 
keit, lieh in eine» Fuchs, einen Wnlf ; einen Löwen, einen Geier 
und andere Thiergestaltcn ganz nach Belieben zu verwandeln. 
Der Jüngling geht, um zu freien, nach tier Residenz des Für 
Ai-Kan, dieser verspricht dem «eine Tochter zu geben, der 
den, bei einem Ausritt vergessenen, goldenen Handschuh bringt. 
In der QeetaH eines Geiers macht sich der Jüngling auf, ihn zu 
holen ; er gewinnt die Tochter des Ai-Kan, welche den Handschuh 
hat uud zu ihm sagt: „Du bist mein Mann/* Nach verschiedenen 
andern Verwandlungen, in deren einer die beiden mageren Kameele 
wiedererscheinen, d. h. seine beiden Eltern, nimmt er sich 
schliesslich noch eine andere Frau, die Tochter des Kün-Kan und 
lebt bald bei der einen, bald bei der andern, welcher er das 
Fleisch seines eigenen mörderischen Vaters zu essen giebt. lieca- 
pitnliren wir die Momente dieser höchst siguilicanten Erzählung: — 
1, Die Vorbedeutung, der Traum auf dem Berge; 2. Die drei Brüder, 
von denen zwei den dritten, zum Glück bestimmten tödten wollen; 
li Der Lahme und der Blinde im Walde; 4- Die Jagd des Helden; 
ft, Der Kampf mit dem Ungeheuer der Nacht; 6. Die Schätze, 
geistige und materielle, welche aus dem Ungeheuer herauskommen 
7, Das Virli in Verbindung mit dem Milchsee; 8. Der Ucbergang 
des Helden von dem Milchsee an den Kamin, von der Alba zu 
der Aurora, von dem wcisslichen Himmel zu dem rothlichen; 
\l Das Erwachen der Schläfer und die Wiederherstellung des 8fr 
liebte bei dem Blinden, während er am Feuer sitzt, während sich 
die Sonne mit der Aurora vereinigt; 10. Die Verwandlung de 
Helden selbst; IL Erlanguni; der iiraut durch Lesehaffnng de 
goldenen Handschuhe j t& Seine Heirath mit zwei Frauen 
Seine Backe an dem ihn verfolgenden Vater. Die Erzählung 
an sieh ein episches Gedicht und wir können nur bedauern, dass 
ihr die altaischen Mälircbencrzahler keine kunstvollere Gest 



• Prof Behiefntr (bei Kadi oft, Proben etc. Vorwort p. XII) hat 
dieser Stelle lehon eine von Ahlqoisl in Keinem Versuch einer Moksha 
<J wi n »Bellen Grammatik (p 97) reröfleütlichteä Erzählung ver- 
heil 



100 
er *ic ii en Radloficheii 

Kiiit* andere interessante taranisehe Erz&btang in derselben 
itilnng, die n rureu des ursprünglichen Mythus an eich 

ion der Erzählung iron dem Helden, welcher 
ihm von seinem Schi ater aufgegebene Käthsel lört und 

■ib gewinnt. Bin Vater hat drei Sühne; der er 
ein Wolf ihre Kuh gefressen hat; er s; 
each und tin>: fdie Aurora vernichtet die Nacht). Wir 

8«, wie der dritte Bruder das kluge Kind 
• las Geheimnis«; Küthscl zu lösen, 
uter der drei Brüder denkt daran, für seinen altes. 
Weih herzuschaffen. „Auf die Freite ging er, zum 
Brautvater kam er, der Brautvater sagte: '.Mit Pel/ komme nicht! 

Pelz komm' auch nicht! wenn Du ho kommst, werde 
(Dir) meine Tochter geben'" Der Sohn näht an Morgen 

trn Netz; der Alte zieht diesen Pel« an und der Braut- 

wi is» nicht; hat jeuer einen Pelz oder hat er keinen. Der 

vater giebt ihm noch ein Rätbsel auf: „Den Weg betritt 

weich' nicht ab! ohne Pferd komm 1 nicht, mit 

m Pferd komm' auch nicht! Wenn Du so kommet, werde ich 

n." Der Sohn lost das Uathsel und der 

t zum Brautvater, indem er auf dem Rande des Weges 

il und einen Stock zum Pferde macht und darauf reitet Da 

der Brautvater die Tochter. 

einer 1 giebt eine finnische Variation derselben Erzählung. 

nig stellt einem Häuslerknabcn die Aufgabe, zur 

zu kommen „weder bei Tage noch bei Nacht, weder auf 

och am Rande des Weges, weder zu Boss noch zu 

*n»> weder bekleidet noch nackt, weder innerhalb noch ausser- 

Knabe macht sich eine Decke aus einem Ziegenfell, 

ein Boden eineB Grabens, an einem Fuss ein 

eine Bürste, und dies in der Horgendfimme- 

, and uf die Thür der Vorhalle, das eine Bein nach 

und die Weisheit unsrer Väter; Schürt- 
Wttrd Icklichkeit im Losen astronomischer 

Jetzt haben die Rätbsel eine andre Gestalt 






110 

nonmion ; es sind ZNge der Diplomatie , Liebcshiernglyphen, 
etliisehe Prägen, metapbywaebe Nebehien, die wir, die Männer 
des Fortschritts, losen müssen; aber tu der Abneigm« rZö- 

riK'ksMicn au Si liarlshm gegen die Kinder der Erzählungen anzu- 
erkennen, mochten wir aus gern selbst überreden, dass die neuen 
EUM I als die alten. 

Hei den Tediscben lüithseln, welche sich die Aurora und die 
Bonne einander aufgeben, haben wir gegeben, wie sie am Morgen 
durch die Hochzeit des Bailors und der Ratherin gelost wurden, 
Bo lösen auch in den beiden eben angeführten Räthselu der 
drs alten Mannes und das Kind das Räthsel am Morgen. Was 
daa Sieb, die Bürste and den Graben betrifft, so sind sie mythische 
■fining von grossem Interesse und augenfälliger Hedeutung- 
Der nächtliche Himmel ist der grosse Graben; den Nachtbimmel 
SU legen, müssen wir eine Bl aben; das gute Koru wahrend 

der Nacht von dem schlechten zu sondern, wie die grausame 
Stiefmutter befiehlt, miissen wir ein Sieb haben; das Kind Sonne 
langt in der Diiiiiinening auf dem Buden des Grabens au 
Thorseh welle des königlichen Palastes an und bietet der ju 
traulichen Aurora (der vedischen Reinigeriu oder Putzerin) die 
Bürste und das Sieb an. Die Sonne ist beim Zwielicht weder 
drin noch draussen. In der zweiten Bchottiachen Geschiebte Camp- 
bells befiehlt der Riese dem Helden unter Anderm, in einem Tage 
die sieben Jahre lang nicht gereinigten Stalle zu reinigen 'He- 
rakles und Angias). 

Doch bleiben wir bei unsrem Gegenstande; der Weg ist weit! 

Bitte mongolische Sage, die in der mongolischen 
Chrestomathie von Popow 1 enthalten ist, spricht von einem 
Knaben, der ohne Sattel auf dem schwarzen Ochsen reitet. 

Wir sahen oben die Kuh, welche der Wolf frisst: in < 
andern altaisehen Erzählung finden wir eine Alte, die ihre sieben 
azur (dunkel) farbigen kiilie sieben Wölfen preisgiebt, damit die 
letzteren das Kind Kau Plidai verschonen, welches sie an dem 
Passe eines Brunnens gefunden hatte; mittlerweile ist das Kind, 
das zweihundert Hasen verzehrt hat,- stark geworden und zer- 
bricht seine eiserne Wiege (der eiserne Nachthimmel ist die Wiege 
der jungen Sonne); aus den Hörnern von sechs Steinböc 



• Kasan 188*1, S, 19, angeführt von Scbiefher in dem Vorwort zu Rad- 
bfti Proben etc p XII. 

1 Vgl libLi die Bedeutung diese* Mythus das K«p, über den Uu«eu 



Ill 



Jüngling einen Dogen; aus dem Fell eines riesi- 
Ulstern Wölke) mac lit er eine Seime i'iir den 
dm Hindus go d. h Kuh, 
v\ «»Ike am Bimmel und als ob sie aus dem Fell einer 
, er reitet auf dem azurnen Kalbe (dem 
ten Kalbe, welches andere Aufmerksamkeit auf den schwär* 
n zurlicklenkt und in □ liisst, das riesige Thier 

me Kui << zwingt und zäiinit es; er kommt dann 

ein Skhneefeld, auf welchem < v in beiseer schwarzer Wind weht 
rieben Wölfe linder; er binde! aie seinem Kalbe 
:inz und schleift sie auf der Erde, bis sie sterben, 
tzt seine Jagd auf wilde Thiere fort; er tödtet die 
:i und fetten; dit: gelben und magern tftflfll ei frei. „Der 
geht hinaus an <1< arzen Heeres Mitte, an des 

s Flusse baut er ein schwarzes Seh loss. Die Alte 
ihn aufg und das blaue (i. e. dunkelfarbige | Kalb 

dort hinein' 1 Darauf vertauscht der junge Kan Plidäi 
«a Kalb mit einem Pferde. Wir werden im nächsten Kapitel 
cn. was er mit seinem Pferde macht; es gentige hier die Bc- 
fkiuig, ilass e h den schwarzen Stier trifft, den Herrn 

des schwarzen Stiers flüchtet sieh in einen 
in der Mitte des Regenbogens (in dem Volksglauben 
Regenbogen eine Rrücke, ein Pfad, über den 
r Sterblichen schritten); der jnnge Kan Püd&i durch* 
sir mit seinen Pfeilen, Er erobert das weisse Vieh, tttdtet 
da* 1 Kula und kehrt, dessen Weib und Tochter 

mitnehmend, heim; sieben Tage lang ist Schmausen und Trinken 
tönende im Hause Kan Plidais. Jedoch wird nicht 
Tochter und das Weib Kara Kulas gelieirathel 1 
Kau egentheil sterblich in Tainan Üektt, des Him- 

mels Kiml, verliebt [duhitar divas oder Tochter des Himmels ist 
Ichcn gewöhnlich die Aurora in dm vedisehen Hymnen 
ftlhrt y itnrl steigt, nrn sie zu holen und sie zu Beinern Weibe zu 
machen, m d< n Himmel auf (es ist die dritte Stufe Vislinus; 

es ih dritte Bruder, die Sonne der dritten Na» :. 

weh uber «las Hustcrc Ungeheuer davonträgt). Um 

mels würdig zu werden, hat Kan Pttdäi i 
er zu tödteu, Asche auf das Siegesfeld zu streuen imd 
eihen, die dn 
.inblauei zu nehmen und sie drei HlL 

to In zu nehmen und ihm das Kraut dt 



112 



birge zu essen zu geben, den Wallfmch in blauen Meere 
Mdtefl (tauter verschiedene Gestaltungen eines und desselben 

mythischen Kampfes) i; und schliesslich auf dem Bergesgiufel mit 
dem goldhaarigen Ungeheuer A minima zu spielen. Kr bekommt 
darauf' die Braut und kehrt mit ihr in sei« eigen Land zurück 
er jagt, Kriege fuhrt und alle seiue Feinde besiegt, bis er alt 
wird; dann verlädst er Alle, ausgenommen seine alte Lebensge- 
fährtin (die alte Sonne und die alte Aurora trefleu sieh am Abend 
wieder). 

liier haben wir augenscheinlich die richtige Thiermytbologie. 

In der verwickelten Erzählung von Ai-Kan haben wir in dein 
Hinder Altyn A yak, welcher in einem goldenen Kasten schläft 
und erwacht, um Ai-Kan zu helfen, eine Figur, welche wenn Med 
nicht identisch ist, doch Aehulichkcit hat mit der des schlafenden 
Kumbliakarna (Musehelobr) im Ramayana, der erwacht, um B|r 
van a zu helfen. Wir haben den berauschenden Trank, der dein 
Helden Kraft giebt, welcher drei Mal vom Tode erweckt winl, 
da» letzte Mal nachdem er von Hunden gefressen norden ist; «lie 
Widfe, welche Sary-Kan oder den schönhaarigen Fürsten m 
lebHugen; den Helden (die Boom), welcher die ihm von den bei 
den Brüdern (den Aerius) gegebene Frau die Aurora) schl 
Hund und Kater in Freundsehalt; den goldenen Napf, in welchem 
der schlafende Bruder Ai-Kans eingeschlossen ist und weh 
ins Meer fällt; die dankbaren Thiere, welche nach dem Napf 
suchen, der sich im Hagen eines Fisches findet ;»uk dem Wall- 
ftsftfa des nächtlichen Oceans kommt der Edelstein heraus); und 
das daraus folgende Erwachen des schlafenden Altyu Ayak. 

Das Folgende ist aus einer altaiselicn Sage in der Badloff- 
sehen Sammlung 1 ; - Ein Chan schickt sein Heer aus, um ein 
Volk jenseits des Meeres zu bekriegen, Sie kommen an ein un- 
absehbares blaues Meer; jenseits desselben steht ein hoher, kahler 
Stein; sie setzen über und linden» das« der Felsen ein kleines 
Madehen ist. Ideses ist die Beherrscherin des jenseits des \l 
gelegenen Landes. Ihre l'ntorthaueu wollen sich auf einen Krieg 
nicht einlassen; sie schickt die über das Heer gekommenen Feindfl 
fort, indem sie ihnen Gold, Sillier, sehftne Seide, goldene NU 
schone Pfeifen, wie auch die eine Vorderhälfte ihres Pelzes giebt. 

■ kehren zum Chan znrlick, welcher die eine vordere Pelz- 
ballte den Schneidern giebt, um zu erfahren, für wie viel Men 



1 Theü I, Ucbcraetiung p. IM ft. 



eine vordere Pclzhälfte reicht für acht Menschen 
in. In dickem wunderbaren Pelze, in dem zauberhaften Mädchen 
i*l i die über das Meer fahren, haben wir ganz 

unverkennbar den Schleier der jungfräulichen Aurora der Veden, 
ror tier Sonne, ihrem Gemahl, ihren linsen eutblösst, und das 
r über welches der Sonnen-Kämpfer fährt und aus welchem 
er auftaucht, um zu der Aurora zu kommen — haben wir ferner 

unverkennbar das goldene Fliese, Jason, ftfedea, di 
uauten der hellenischen Sage, 

In der finnischen Mythologie der Kalevala k haben wir eben 
mt dem Berge „die gute und reine Wirthin, die I ehe" ; 

durch die goldenen Fenster ihrer Hure werden „die Genermnen, 
(fitdpretti Spenderinnen" erblickt ; in dieser finnischen Dar- 
'ung haben wir jedoch meines trachte nß nicht das heldische 
Mädchen Aurora zu erkennen, sondern den Mond, Diana die JU 
r^rin das germanische „Hell jäger"), die auch auf dem Bei 
i erseheint . von den Steinen des nächtlichen Waldes muge- 
in welchem sieh die wilden Vögel linden, die sir deshalb auf 
Helden verschwenden kann. 

Die Finnen verehren einen Donnergott, vereinigt mit den 
Wölken, welcher ab Schwert den Donnerkeil hat und ükko 

t, den Vater Vaiuämöinens- des tapfern und weisen Heiden, 

ö*f schon im Muttexieibe spricht, schon als Kind Wtmderthaten 

ad Somit' ALnid und Sterne schafft. 

I)ieses tieldenkind begegnet una wieder in ihrem „kleinen 

Miikk ies| t welcher, obwohl gleich dem indischen 

I er 

<u nur eine Spanne lang, dennoch eine Knpferrlistung t 
,UHl eine Kx\ mil einem ellenlangen Knpfersobafl handhabt Die 
* xl 8 r grosser als der Mann, der damit eine Eiche nieder* 






welche his dahin kein menschliches Wesen zu fällen ver- 



BQQbte Der Sonnenheld ist klein: aber sein Strahl, sein Donner- 



en Kl eine i Heu , Petersb 

Uie d^isUcbe Ueberaetsung der Ivalevala von Behlefnter, II<J 

(Kl Sehr, | »en Ukko mit dem 

bunden. Ich möchte mit Vorbehalt an die firnu* 
r die Frage richten, ob, da Ukko eine fumitche I 

nannten und wie tier von India 
in Indra reprodueirt i-i , in der vedi- 
Sage K A v y » U c, a u .i oder sogar l ' ^ a u I K 
ko tiichl einig© Verwaudtaehafl mit «lern Na 
u Helden haben 1 



keil, »eine Waffe, seine Hand verlängern Rieb, dehnen sieh so 
ans, wie es der Zwerg-hcld wünschen kann, um den Feind, 
»•her hier den wohlbekannten Anblick eines Buumstaniir 
eines dunklen Waldes bietet, zu vernichten. Der Bote 
deshalb eine Liehlingsligur In der Volkssage. Und der Umstand, 
dass Viüimim'inen, all und wahrhaft, in der Kalevala 1 vermit- 
telst des kleinen Gottes die wunderbare Eiche fällt, zeigt uns, 
dass dieser kleine Gott eine neue und jüngere Gestalt, ein jlinire 
rer und siegreicher Bruder, oder eine Sclbstenienerung des Bet 
denkindes Vninäinttincn igt, welcher sein eintägiges Leben gelebt 
bat Has tapfere Sminenkind des Morgens ist der erfahrene 
Sonnengreis des Abends geworden, da aber diese alte Sonne niebt 
stark gci; den Eichbaum zu fallen, der Sonne und M 

mit seinen Zweigen verdunkelt, so ist sie genttihigt. wiede 
Kind zu werden, um die erforderliche Stärke zu entwickeln; sie 
braucht einen jüngeren Bruder, einen Held oder „kleinen Gott", 
um sie von den bogen Schatten des Waldes der Nacht zu befreien. 
Zu dem Ende werden auch die Sonne und der Mond ai 
den Wald EU erhellen, und ebenso auch der grosse Bär (der D 
lere Bruder) (in der Kalevala ist unter den drei Helden d 
Bir llmarincn derjenige, weicher die grosste Stärke zeigt nnd 

her die Jungfrau zur Braut gewinnt) — damit er durch seine 
Stärke den Baum entwurzele. Aber den Baum entwurzeln ist 
Alles, was Bären thun können, während Vätnäroftinen ilm umge- 
hauen zu sehen wünscht; und SO wird dieses Unternehmen den 
Zwerg-Gotte anvertraut. So finden wir, ohne ausdrückt I 
Nennung ihrer Namen, die drei Brüder in der durchaus mytholo- 
gischen Epopöe der Finnen beschrieben. 

Dem Zwerge zur Seite, erhebt sich kraft des Gegensatzes in 
der rinnischen Mythologie die Idee eines Biesen, eines Titanen, 
der sieh damit belustigt, Felsen und Berge aufzuheben und zu 
schlendern. Die Wolke, das Ungeheuer der Dunkelheit, wird als 
ein Berg dargestellt; das Ungeheuer, das diese Gegend bewohnt. 
bedient sich wieder beim Kampfe dieses Berges selbst als W 
Der Wolkenberg bewegt sich; ein Riesenungeheuer I ihn; 

iU'Y zweite Bruder, der starke, der Sohn der Kuh. der Bä 
hui ihm, schüttelt, schleppt und wirft ihn wie eine Waffe. 

tischen Kämpfe müssen in dem Zeitalter, in welchem die 



1 Väiü&mföneti , nlt und wahrhaft, könnt 1 durch ihn die Kuh» | 
fe, Kl Sri.: p 



Zahl der Mythen eoncipirt und geschaffen wurde, um so ftj 
lieber erseht" als das Zeitalter kennen, welches «lie 

Archäologen die Steinzeit nennen. Ihe Sonne, als Zw- 
nichtc! die weite Wolke, die weite Finsterniss, die als ein Riese 
angesehen wird. 

h nic-lit immer wird im Himmel gekämpft; auch Kühe 
berTRebt; aogar die wilden Thiere des tinsi« m Waldes werden 
Mahn» nnd halten an fusik tüllt die Seele mit Frieder 

(Üblen s*i werden sogar die kriegerischen ßandbarrafl des indi- 
schen Olymp in geschickte Musiker umgewandelt, welche die 
utelsbewohner zur Bewunderung hmrefesen. Der Gesang der 
und verfuhrt den Reifenden; die Lyra des Orpheus 
zieht Berge, Biinme und Thiere hinter sieh her; die Harte 
nämrmiens in der Kalevala lasst den Wolf seine Grausamkeit, 
den Büren seine Wildheit, tkn Fisch seine Kälte vergessen. Und 
xwar \s merz, welcher zuerst Betätig • ■iugiebt; die i 

des Dichters Vulmiki hatte ihren Ursprung in dem Leid, 
das er fühlte, als ei einen seines ßettbrtea beraubte« Vogel sah. 
Orpheus (die thraeisehe Sonne) singt und spielt aus Kummer, 
als die Sehlange (der Behatten der Nacht) Beine süsse Braut 
Knrydk-e orgenrothe) in die finetern Gegenden geworfen hat 

nnd errt Mitleid der Dämonen; auch die Harfe Vi 

in Kind der Sorge ] 

ler Kinnen enthält ausserdem mehre andere mit 

arischen Sage verwandte Mythen; — so z. B. die Wiedercr- 

weckung des Helden; die Eroberung des Madeheus durch Beweis 

▼fm llcldenmtiili; die heroisch gewonnene und dann in Stücke 

hnittene Braut; den Becher der Fülle oder das Füllhorn 

Idenc Wiege; das wunderbare Schill, in dem der 

Reld Über das Meer führt; die drei Schwestern , von denen eijM 

sehwarzc, eine weisse und eine rotbe Milch giebt (die Nacht, die 

Alba odei Hemd nnd die Aurora); das undurchdringliche Hemd, 

dfcr Zauberer, der Kinder von Hold und Silber macht, und ander*? 

ordnete? Wichtigkeit;* aber säiumtlieh Argumente Ulf 



Harlr, nur aus Kummer illen; 

; -i das Klimmholz iu verdanken; »in 
(Jin** »die Miili iil iruielil di« Wirbel; Ivantdlptar, 

Im ). 211, 

1 Rum dennilH» i*t di?f mythische Uraprung dta anum, btfeea 1 

h rieben w £u, KI Schi | J da* 

chdderung, 



11B 

«lie Behauptung, das* die tnranische und ehe Race, iu 

ihren benachbarten Wohnsitzen, ursprüii- nander viel 

lieber waren , als sie es jetzt I der Verschiedenheit 

der Sprache, theils wegen der verschiedenen Stufen der Civilis* 
lion scheinen. 

Ich habe den finnischen Sanipo soeben als Hecher der Fülle 
oder «ornueopia genannt; er giebt in der That wanderbare Fülle 
Jedem, der ihn besitzt und wohin er immer fallt Er ist gebildet ans 
der Feder eines Seh wanes oder einer Ente (der Schwan und die 
Knte werden, wie sieh zeigen wird, in du mit einander 

verwechselt und die Kur«- ist, wie die Henne, ein Symbol dar 
Fülle), einem WotteniBekehen, einem fietreidekoni und e 
Sjiindelsplitter, offenbar lauter Symbolen der Fülle; und er wird 
proee, dass er von einem hunderthürnigen Ochsen fortgeschafft 
den tnus* wobei wir au die Burner der spiuueuden Kuh er- 
innert werden). Der Ochse trägt Uebertiuss auf seinen Bora 
81 spendet Ueberflnss von seinen Hörnern. Das Füllhorn liegt 
meiner Meinung Qficb unverkennbar implieite in diesen mythischen 
Daten- 

Dasselbe Verhältniss der Mythen, das wir zwischen dem fin- 
nischen Epos und den verschiedenen arischen Sagenkreisen ge 
lundeu haben, lasst sich auch zwischen den letzteren und den 
ehstnischen Volksmähreheu wahrnehmen. In der Sammlung von 
Friedr. Kreutzwald ' finden wir zahlreiche Beweis«- für di 
Weehselverliiiltniss. 

In der ersten Krzahlang treten in einer Waldhütte 
Sehwestera auf, von denen die jüngste die schönste ist Die alt» 
Hexe, ihre Stiefmutter, lüsst ihnen keinen Augenblick Kühe; sondern 
Tag für Tag müssen sie am Spinnrocken sitzen und Guldfla 
zu Barn spinnen. Das fertige Garn verwahrt die Alte in einer 
geheimen Kammer. Im Sommer entfernt sieh einst die Alle, 
nachdem sie den Madeheu öespinnst auf sechs Tage ausgetheilt 
hat. Wahrend ihrer Abwesenheit findet ein junger Prinz, der 
im Walde verirrt hat. seinen Weg zu der Hütte und verlieb! 



trägt die unverkennbaren Züge der Originalität f dock «*iud die .Mythen, 
mit' welche ri« 7,<>i i<ckp'ht. den Indogerinanen bekannt; wie z. IV der H$* 
Big, welcher Gift wird. 

1 Ehstniachc Mührclieu. aufgezeichnet von Friedr. Kreufswuld, aun dem 

bersetst von F. Lnwe, mit Anm vi .d R 

;si;<> 



in dip j! Sehwcstcr; tii<* Beiden öffnen sich im Angcsichie 

de« Monde» ihr Herz und fuhren süsse Gespräche bcini Glanz der 

Unterdes* wird von Seiten des Königs Alles aufgeboten. 

um den verirrten Sohn zu finden; der Wald wird nach allen Sei- 

•lurchsueht nod der Prinz endlieh am dritten Tage gefunden. 
Ehe er scheidet gelobt er der Jüngsten heimlich. dass er in km 
j&er Zeit wiederkommen und dann, sei es im Guten oder mit Ge- 
walt sie mit sich nehmen und zu «einer Gemahliu machen wolle, 
Bald darauf kehrt die Alte zurück, findet, dass die Jüngste ihre 
Arbeit schlecht gemacht bat, flucht und droht, dem Jüngling den 
Hals xu brechen, wenn er wiederkommen sollte. Das Mädchen 
ist unglücklich . Früh am Morgen, als Alles noch schlaft, verlässt 
sie heimlich das Hans. Zum Glück hatte sie als Kind von de? 
<i : < Vogelsprache gelernt. Sie sieht in der Nähe auf einein 

tenwipfel einen Raben; sie ruft: „Lieber Lichtvogel. 

klügster des Vogelgeechlechts ! willst Du mir zu Hilfe kommen?'* 

gel bejaht und das Mädchen schickt ihn als Boten an den 

K^nigssohn« nm ihn zu warneu und ihn zu bitten, nicht mehr zu- 

rücken kommen wegen der grässlicben Drohungen der Mutter; der 

e lässt ihr durch den Raben Zeit und Ort eines Zusammen- 
treffens angeben ; sie treffen sich in der neunten Nacht nach der 

■■bredung zwischen dem zweiten und dritten Hahnenschrei unter 
einem Baum und beim Frühroth fliehen sie. Die alte Hexe schickt 
ein Hexenknäuel von neunerlei Arten gemischter Hexenkräuter 

er ihnen her, das sie unter Flüchen, Verwünschungen und 
Zauberspr lieben mit dem Winde davon ziehen lässt. Dieses 

uknäucl trifft das Pferd des Prinzen, der eben auf einer 
schmalen Brücke Über einen tiefen und breiten Strom reitet 
Das Ross bäumt und die Jungfrau gleitet vom Sattel herab jäh- 
lings in den Fluss. Der Prinz verfallt ans Gram in eine schwere 
Krankheit. Durch das Essen eines mit Zauberkräutern ang« 
mar! wreinefleischkuchens lernt der Prinz die Vogelsnrache. 

Er schickt zwei Schwalben als Boten an den alten Zauberer in 

land, um Bescheid von ihm zu holen, wie es wold möglich 
wäre, eine in eine Teichrose verwandelte Jungfrau wieder zu 
einem Menschenbilde zu machen; als eine solche schaukelt näm 
lieh die Jungfrau auf der Wasserfläche, da wo sie hineingefallen 
Ein Adler bringt ihm vom Zauberer in Finnland folgenden 
Bese Gebet an das Ufer des Flusses, werfet eure Kleider 

ab und euch den Körper über und über mit Schlamm 

Aus dem Manu ein Krebs'. 1 Geht dann, als Krebs, 



118 



fa die Tiefe dee Flusses, l<>si die Wurzeln de« 3töctetoekena und 
: euch an ein Zweiglein to Wurzel au; tniU dann mit den 
in fort, his ilir in tier Nahe eines Steinet an das Ufer komi 
Beim Steine müsst ihr die Worte ausstoßen: € Aus to Teichm 
die JüugfraQ, aus dem Krebs der Mann!'" Eine Krähe ernn 
den JiDgUngi dem Käthe des Zauberers zu folgen. Er geht 
den Flosa; Teie singt wie gewöhn) ich seinen Klupgeeaog; 

to Jüngling thtit nach der Vorschrift des Zauberers; Alles 
lingt; Beide kommen glücklich an« Ufer, aber - Da 

kniiiint eine prächtige, Bechaspftmtige Kutsche mit allem Noti u 
angefahren. Prächtig geschmückt fahren sie grades Weg« zur 
Stadt und vor die Kirchenthlir. Naeh sofortiger Trauung wir 
seehswodieiitHehrs llnrlizcitsiest in Saus mid Brau 
' t. Die Alte wird vergiftet, die Schwerem aus ihrer Ge- 
fangenschaft erlöst, da« Hexeuhaus ia Brand j 
Katze, iu welche eine llelfersbelferin der Alten bei dem Rfl 
der drei Mädchen, dreier Prinzessinnen, von dieser verwandelt 
ist | vielleicht nur eine andere Erscheinungsform der Alten Bell 
wird ins Feuer geworfen. In der heimliehen Kammer des I 

werden fünfzig Fuder Goldgarn gefunden j die unter di 
Schwestern vertheilt werden. 

I it to dritten eliNtnischcü Erzählung briugi eine Frau, (Joldinufter 
^einrissen, nach zehnjähriger Unfruchtbarkeit durch Anwendung de 
dir von einem Zwerg«- \nrrsehriel>enen -Mittel, Drillinge zur Weil 
welche drei weltberühmte Männer werden. Der erste Bruder 
Schai lauge (der weise Bruder), der zweite, Flinkhand, 
einen geßchickten Arm (der starke liruder , der dritte ist Schnell- 
fuss (die Schnelligkeit ist eine charakteristische Eigenschaft de 
dritten Bruders, Arguiui, im Mahabhärata). 

Bitte Variation to beschichte Iren der jüngsten Sehweit 
und der von dem Zwerge ist die von dem Mcbeujiilirigcn Mäc 

Li. dem klugen Mädchen (der Aurora), in dem vierten el 
scheii Mnlireheu, das von der Stiefmutter verfolgt wird nnd cir 
sieh in dem verzauberten Walde (der Nacht) verirrt. Dort glauli 
im Himmel; tu einem Hause aus GliU und Edelsteiue 
wird sie von einer scbttßgekleideten Fran (den* selionh« h 
Momle) aufgenomiueu. Das Mädchen bittet die goldene Fn 
die Herde hüten zu dürfen, gleich der Kuhmagd Aurora. In 
lekiebte V00 A rds hi -Bords hi haben wir die klage Pnp| 
i'u. DU .Madchens, da* Mttdc 

llnlzbekleidung , begegne! uns Riedel in dem chstuischeu 



119 



«•in Z\ lit DämUofa aui Befehl der schönen Frau ein 

Ibbild von dem Mädchen, eine Poppe aus Lehm, drei Strticnlin 

ner schw; und einem Tropfen von dem Blute 

Mädchens. Diese Puppe wird dann in einen Holzkorb gelegt ; 
den nächsten Morgen ist sie ein vollständiges Ebenbild des Mild- 
ird mit dessen Kleidern bekleidet und statt seiner zu der 
schickt, der sie als Prügelklotz dient. Aus 
Waldbaum oder Holzkorb Nacht, mit dem Saft der sc.li war- 
um Sehlange Nacht und dem Blut des Mädchens Abend-Aurora 
t daa Mädchen Morgen- Aurora, die kluge, sprechende Pappe, 
rifa Puppe, die die Rathse! rath. Dae Mink heu, das aus dem 
Walde kommt, wird als eine hölzerne Puppe dargestellt; häufiger 
ist die Puppe der Mond, die weise Fee, die aus «hin Walde 
mi In derselben Erzählung haben wir das Zaubcrstäheheu, 
mit welchem der Zw einem Granitbloek einen goldenen 

Halm hervorzaubert, bei dessen erstem Kraben aus selbigem 
t gedeckter Tisch, bei dessen zweitem Krähen 
und Schüsseln mit Speisen herausspringen und wie der 
Wmd zum Esstisch Siegen« Die Gesobiebte endet mit der 
- heu Heirath zwischen dem schönen Madeheuund einem 
KfltrigasohUj der von der Jagd zurückkehrt (oder der Sonne» 
die aus dem Walde der Nacht herauskommt und als von wilden 
riallen betrachtet wird). 
In dem sechsten chstuischen Mährcheu findet das arme Mad 
eine Frau in weissen Kleidern (den Mond), mit Gold ge- 
lickt, die auf eiuem Steine an einer Quelle sitzt. Diese ktiu- 
ihr au, dass bald ein Mann um sie freien werde, so arm 
wie I i ," sagt die gute Pathe Fee - denn in den 

n winl die Pathe Fee als gut, wie die Stiefmutter ak 
lit „mach dir deshalb keine Surge! ich will euch 
k bringen uud euch forthelfen.** Sie n- iint sieh selbst „die 
erbeberrscherin", die heimliche Gemahlin des alte 
Sohnes des Win und sie richtet die Verbrecher, die \<o 

ihren l;i< bl gebracht werden (Proserpina oder Persephone). 

In dem siebenten Mährcheu geht ein neunjähriger Knabe 
«Irttte Sobu zweier armen Leute, aus, um Kuhhirt zu werden; 
Herr behandelt ihn gut, aber seine Herrin giebt ihm mehr 
als Hrod. Eines Tages hat der junge Kuhhirt das In 
Kuh zu verlieren; er sucht den ganzen Wahl nach 
durch, doch vergebens. Er kehrt etwas nach Snnncnnutcr- 
mi beim, l>as spähende Auge dvr Herrin ent 



eine Kuli fehlt; sie flen Knaben M 

barmherzig und schickt ihn fort» die Knh zu midien , mit (If 
Drohung, Um fcodl zu schlagen, wenn er ohne wie heimkomme 

durchstreift den Wahl die ganze Nacht, als aber d 
sich am andern Morgen aus dein Scboeee der Morg erh<j 

heu bat, ist sein Entsehluss gefasst. von Hause fortzubleiben und 
nicht zu seiner Verfolgend zurückzukehren (die junge Mor 
sonne Hiebt vor der alten, Itosen Nacht b Am Abend findet der 
Knabe einen alten Zwerg (den Mund), der ihm folgenden Rath 
gtebt: „Wenn morgen die Sonne aufgebt, so merke dir genas die 

Stelle, WO sie emporstieg. In dieser EÜobtüOg nmsst du wandern, 
sh dass dir die Sonne jeden Morgen ins Gesieht und jeden Abend 
in den Nacken seheint. Deine Kraft wird yon Tage zu Tage 

been. Nach sieben Jahren wird ein mächtiger Berg vor dir 
stehen, der so hoch ist, dass sein Gipfel bis an die Wolken reicht 
[»ort wird dein künftiges Glück blühen. (Wie kann man bess 
den Lauf des Sunnenheldeii oder der Sonne in der Nacht be. 
nen? Der [leid, um auf die Morgensonne zu zu gehen, mus 
nothwendig die Abendsonne hinter sich haben.) Nimm meinen 
Brodsack und mein Fassehen, du wirst darin taglich so viel Sp 
und Trank finden, als du bedarfst. Aber hüte dich davor, jemals 
ein Krümchen I»rod oder ein Tropfehen vom Trank unnütz zu 
vergeuden, sonst könnte deine Nahruugsquelle leicht versiegen. 
Einem hungrigen Vogel nod einem durstigen Thierc darfst du 
reichlich geben: Gott sieht es gern, wenn ein Geschöpf den« 
dem Gutes thut. Auf dem Grunde des Brodsacks wirst du ein 
zusammengerolltes Klettenblatt linden; das musst du sehr sorg 

g in Acht nehmen. Wenn du auf deinem Wege an einen 
Muss »Hier einen See kommst« BO breite «las Kletteubhitt auf dem 
Wasser aus, es wird sich sofort in einen Nachen verwandeln und 
dich über die Flut kragen. | Dieses Klettenblatt ist eine i 
Erscheinungsform des Bechere.) — Wir wissen, wie die Hindu 
Ihren GoM als auf einem Lotoeblatt in der Mitte der \Y: 
schwimmend betrachteten, und wie Padmaga von der Lotosblut 
oder der Wasserrose, die sich während der Nacht schli« 
boren einer der Namen BriLhmane war; hier haben wir del 
oiler Helden» der sich in der Klume einschliessl. aie 

auskommt. In den Kapiteln über die Schlange und den 1 
werden wir wieder »eben, wie der Gott sich zuweilen in 

cuergestall in dieee Blume, die Hose, einschliefst, in Folg 
luclieSj w>fl dem er durch ein sc' ideben I 



12t 



woriieii koII. Wir sahen, wie das ehstnisehe Madehen. (Ins durch 
den Fluch der Alton ins Wasser gestürzt wurde, in eine Wasser- 
nuß «Hier Lotosblume verwandelt und von dein jungen Prinzen 
wurde. Der ehstnisehe Knabe komtnt an einen kleinen 
ßr wirft das Blatt hinein, und es wird ein Zauberboot das 
i an das andere Ufer bringt. Mittlerweile ist er gross und 
ftrtc geworden« Am Faste des Beige*, den er endlich erreicht, 

h sieht er eine Schlange, eine Krbte und einen Adler, alle drei von 
i-cehenren Dimensionen, hinter ihnen her jagt ein Mann auf 
wrarzes Pferde, das mit Wimlcsschnellc fliegt, als ob es 
Flügel an deo Füssen hätte. Dieser Mann ersehlägt Schlau 
nd Kröte, ties Adlers aber kann er steht habhaft werden. Dann 
nimmt er den jungen Mauu in sein Haus auf, und weist ihm als 
nine Arbeit an, dafür zu sorgen, dass die in einem Felsenkeller 
Mgekettetcn bösen Hunde sieh nicht unterhalb der Thttr niit den 
Pfoten hcrausgraben, was das Ende der Well herbeiführen würde 
tt die Hunde ein Loch ausgraben, muss von einem aus mäeh- 
-eu Felsbloeken autgethlirmteii Berge immer wieder ein neuer 
Stein bingewälzt werden Diese Steine aber werden auf einer mit 
aar Ochsen bespannten Fuhre fortgeschafft, auf welche sie, 
mit hinein Zauberstabe berührt, von selbst rollen. Schliesslich 
t sieh jedoch der Jüngling nach Gesellschaft anderer Menschern 
It auf des Adlers Rath seinem Herren das windsehnelle Boss, 
■lit sich mit seinem Ersparten auf demselben auf und davon, 
'feit ein Weib und lebt glücklich und zufrieden. 

In dem aehten ehstniseben Mä lirchen ist ebenfalls der dritte 

Brid^i» der schlaue, „Sehlaukopf" bekommt bei dem Tode 

ra nichts von dem Erbe, mindern wird von den beiden 

u Brüdern noch überdies mit höhnischen Worten zur Tbtir 

worfen Allein und bettelarm macht er sich auf die 

durch die Welt, sein Glück zu Buchen. Er Iriffit 

tinges Weib, das klüglich weint, weil sie ihr Mann alle Tage 

gt; sie kann nämlich nicht die von ihm in räthselbafter Weine 

* äderten Hinge beschaffen. Der JUugling löst der Frau (dem 

k das Rüthsel und erhält dafür von ihr zum Danke Vor- 

^ tilr die Keise. Darauf gelit er in die KöuigBstadt. Dort 

'"* der König eis Sommerfest veranstalten; Niemand will aber 

des Festes Übernehmen, weil bei früheren Festen 

dieselbe vernichtet und so den Hersteller um den 

Sehlaukopf erbietet sieh, die Vorbereitungen 

treuen Am Morgen des eisten Festtages er- 



seheint ein kleiner alter Mann (der Zaub der dem 

bittet, die Festspeisen and das Getränk schmecken zu dl 
Schlaukopf verlangt ein Pfand von dem Alten, dass kein Seltadf 
• niste he, wenn er ilm #lie Speisen kosten las*«- und lan^ 

er den schunen goldenen Ring. d>u er an» Kingfinger der Uokc 
Band des Alten gesellen hat Den Zauberer stachelt die Lüstern- 
heit SO sehr, dass er endlich seinen Ring (in dem die Zu« 
kraft steckt) zum Pfände gieht. Schlaukopf laset den nun obo- 
mächtigen Alten binden, verspottet ihn und lässt ihn endJieh noch 
von sieben starken Männern mit tüchtigen Knütteln verarbc: 
Von ihren harten Srhlitiren reisst der Strick, au dem das Maun- 
iugl war, es füllt herunter und verschwindet uulvr ti 
Knie. Schlaukopf folgt ihm; denn er besitzt ja den Zaubcrrin, 
(Dieter ist der gewöhnliche Diskus, Laase oder Zügel, w< 
sieh bald in den Händen des Helden, bald in denen des In 

ers befindet) Schlaukopf kommt auf seinem uuterirdi- 
Gange in eine Kammer, in welcher er den wohlbekannten Alten 
mir drei jungen Mädchen sitzen sieht. Als sieh der Hai 
sebtafen gelebt hat, befreundet er sich mit den Mädchen., blei 
die Nacht bei ihnen und erfährt durch sie, das* der Alte u 
zwei ganz besondere Dinge besitze, ein berühmtes Schwert 
eine Gerte vom Bbereeehenbaum (eine Zaubermthe). Er stiehlt 
dieselben und indem er mit der inerte über das Meer eine Br 
schlägt, kehrt er in die IvWigsstadi zurück. Dort finde* er jede 
Alles ganz anders als ei gehofft hatte. Seines Bediiukens war 
nicht länger als zwei Nächte in der uufenrdisrhen Behausung d 
Alten gewesen; jetzt zeigt sich aber, dass .jede Nacht Jahivsläu 
gehabt hat ' Während dieser Zeit sind seine beiden Brüder 
die Dienste des Königs getreten, der eine als Kuts- her, der a 
dere als Kammerdiener; beide sind reiche Leute, denn sie ha 
den Lohn bekommen, den Schlaukoni fur die Herstellung d 
festes erhalten sollte Sehlaukopf sieht sich jetzt nach ein 
neuen Dienste um: der königliche Koch nimmt ihn als Küche 
jungen im und er muss alle Tage den Braten am Spies 
Im Yirata-Parva des Mahabhärala ist es der sweiti 
der, ihr sich als Koch verkleidet, um gute Samen und nal 
halte Speisen für den Konig, dessen Gast er ist, zu bereiten; d< 



1 Da« i»i die Erscheinung, «lit iu der Wme 
nmeutsttbemi uuii am Ncujabretage eintritt, an welchem wir aus cinein Ja 
in anderes treten; in einer Nacht werden wir ein Jahr iüier 



123 



i kleidet sich als Brabmane, als weiser Batbge 

A er bei M nolle, giebt vor, ein 

Mir eine Drau e lit und lelirt im 

m Taug, Musik und i Söhnen 

r Stallknecht, der andere Kuhhirt,) Seine Bru- 

n ihn wegen dii sringea Ilaudtlüeruug und da 

bat, er habe in der Unterwelt (Jause und Enten 

Icneui und silbernem Gefieder gesehen, so bitten sie den 

ihren jüngsten Bruder doch hinschicken, dl 

men Vögel herbringe. Er l<»st diese Aufgabe mit 

Lirrs und i »ringt die Vögel in einem Sack ans 

>, der die Tbiere so fest halt, dasa keines hciaus 

In demselben Sack bringt Schlaukopf bei einer zw. 

die ihm der König befohlen und sil- 

\t aus der Unterwelt Als Belohnung verl; 
König nur, dass er seine Tochter, die Prinzessin, 
ids heimlich hinter die Tblir schicke, um zu hören, was seine 
reinaader sprechen. Diese hört, wie die Beiden über- 
mutineer ob diafter Weise prahlen, die Liebesgunst der 

in bis zum L'eberdruss geuosseu äu haben« Roth 
an und Zorn erzäbll sie dem Vater das Gehörte und dii 

«iden hinrichten, während er Schlaukopf zu seinem 
Balhgeber ernennt Als cm feindliches Heer ins Land lallt, 
* hlaukupi mit seinem aus der Unterwelt geholten 
r und wird Schwiegersohn des Koni 
Da» neunte ehstuisebe Mährehen führt uns den t ,Douner 
aoh i tele an den Teufel verkauft, unter der 

lulling, dass der Letztere ihm sieben Jahre dient. Die be- 
laßt abgelaufen; der Donnersohn will ihm ent- 
minen und b Gelegenheit, die Biet zufällig bietet. Des 
Ü sieht ein* r&e Wolke, das Anzeichen eines nahenden 
•ohw ej fürchtet sieb, kriecht unter einen «Stein und 
• den Donnersohn, i Ilsehaft zu leisten» Dieser willig! 
ie der Teufel aus Furcht bei jeder Erschütterung 
u «be Uhren drückt und die Augen test zukneift; 
zitternden Glieder und i'i kann 
l dem Donne; 
nis, sondern ihm 
hu \<>H 

'lern l>oi 



nehme (dieses ml zugleich ein musikalisches Instrumenta Dt 
Donner Werkzeug wird auch glücklich entwendet und vom Teuft 
in der Halle in eiserner Kammer hinter sieben >tii \ er 

-i I liissm Natürlich bricht llher die Welt in Folge dessen eine 
grosse Dürre herein, in der Allen hinwelkt: der Donner 
reut den dein Teufel geleisteten Dienst ; er findet Mittel mid V 
dem alten Wolkcnvater Botschaft zu schicken , wo sein Donner 
gerftth festgehalten wird, Der Donnerer verwandelt rieh in einen 
Knaben und verdingt sieh hei einem Fischer als Somiuerarbeitcr. 
wed er weiss, tlass der Teufel häutig au den See kommt, um 

he zu stehlen. Er überrascht ihn heim Diebstahl und mit 
Hilfe eines Zauberen fängt er ihn , worauf der Fischer nnd der 
Knabe den Bursehen gründlich durchprügeln, bis er ein hohes 

tgeld zu zahlen verspricht , welches abzuholen Fischer und 
Knabe mit ihm in die Hölle gehu. Im lh'dlenhofe werden sie herr 
lieh aufgenommen und ihnen ein prächtiges Fest bereitet. Der 
Knabe, sagt eines Morgens heimlich zum Fischer: „Wenn Dn 
heute wieder bewirthet und geehrt wirst, so bitte Dir ans, i 
man das Instrument bringe, welches in der Eisenkammer hinter 
Heben SeMOtsern liegt/' Der Teufel zeigt sieh willig, holt dm 
Instrument, bringt aber, als er darauf zu spielen anfangt, durch 
aus nichts Besseres heraus als das Geschrei einer Katze oder da 
iii ijuieke eines Ferkels, Der Fischer sagt lachend: „Mein Ht 
terknabe wurde es besser machen/' Der Teufel glaubt es n. 
In h nicht und giebt lachend dem Knaben den „Dudelsack". Als 
dieser die Röhre an den Mund setzt, erbeben die Wände de 
Holle, der Teufel und sein Gesinde fallen ohnmächtig hin und 
hegen wie todl da. Der Knabe verwandelt sich wieder in den 
dien Vater Donnerer und tritt eilig die Heimkehr in den Himmel 
am Fr blast das honticrinstrumeot und die Kegenpforten tlmn 
sich auf, die dürre Erde zu tränken Die Beschreibung des 
wiltcra, die in vielen vedischen Hymnen vorkommt ist der N 

es interessanten Mythus Der Trommel- oder Pauken-Donner 

W ein gewObnUebe* Bild in der indischen Poesie und die Qi 

dliarvas, die musikalischen Krieger des indischen Olymp, haben 

l.ein anderes Instrument als den Donner, Die Muschel der kric 

perUeben Päudavas im Mahabhärata und das berühmte Re 

• (das sich von dem goldenen Horn Odins herleitet) sind 

e Kenriuisccuzen des Donners. Orpheus» der in der Holle 

Im Lew spielt und die Thiere zähmt, ist eine hellere und voll 

kuminuerc Erscheinungstorni dieses ehstnischen Doimergoi 



in der FI lt. Ks ist anefa beaehtenswerth, 

Stimmung ini f (Irin I In ■?en-l)udelsaek in cloni zehn 

u, das eine Variation des vorhergehenden 
gen Knaben verwandelte Gott ein kleiner 
»der Kuhhirt genannt wird — ein anderes interest. 

ie Identität mit Orpheus vollständig sichert ' 1 >ie 

ation desselben himmlischen musikalischen 

Instrumenta. Die Zauberflöte, der Dudelsack oder die Wunder 

pieife, kommt wieder vor m dem dreinndzwanzigttten ebstni *< 

Mülirehen. in welchem der gute Tiidu vermittelst derselben und 

inberkraft Reichtbümer erlangt. l>ie Zaiiherliarfc Gunnars 

ld;t wirkt dieselben Wunder. 

\ das Zwergnngehener eil Lieblingsthema der 

- auch oft in der indischen und germa- 

ferner in der fränkisch-lateinischen Kartssage erscheint 

te Mahrehen fllhrl ans drei Zwergbrttder rar, die sieh 

Hin das von ihrem Vater [unterlassene Erbe Streitern bestehen i] in 

m Wunderhut, der den Träger Alles sehen lüsst, während er 

Beliehen sichtbar oder unsichtbar sein kann (dieser 

ans menschlichen NSgelscbnitaeln gefertigt); 7 in einem 

astschuben, die den Besitzer in einem Augenblick brini 

: will (wir dürten nicht vergessen, dass Cinderella, ab-stc 

Pantoffel verliert , von dem prinzliehen Bräutigam eingeholt 

nd in en k t vor dessen Schlägen Alles schwinden 

r isi noch mächtiger als der Donnerkeil (es ist der 

ucrkeil seihst i Die drei Brüder bleiben dabei, dass di 

-enstande. wenn sie wirklich von Nutzen sein sollen, 

■ reu müssen; doch wer soll dieses Vorrecht gemessen? 



I In einem ^cl> i Volkslieds ist die Jungfrau ßundela, welche 

Harfe »['»elf, und für ihr Spiel vom Konig verlangt, 0; 

ferin — Vgl Schwedische Volkslied Pf 
it< itbcolJ , Leipzig, Broclthaus l 

* Vgl '■■nis von I Löwe bu di le in seiner Lh 

mg d< tswaldschei 18 I iythua tat, 

ih verstehe 1 leicht zu erklären: am Abend verliert 
vc, der lield, veri» Nä^el; die«! 

auf und macht daraus einen Huf 
icht oder die Wolken), de j«?r aieht OUUC 

ii Augen 



136 



Ein Mann kommt dazn, tun den Streit tn schlichten nud thnt so. 
als ob er der Zauberkraft dieser drei Din r will sie 

selbst erst probircn Die drei Simpel geben sie ihm. Der Mann 
nimmt sie ihnen tort und die drei Zwerge haben Müsse, Hber die 
Wahrheit des Sprich Wortes nachzudenken: „Duobus litigantibt 
tcrtius gaudet", oder wenigstens iiber die in diesem Falle gebe 

Variation: „Trihns litigantibus qtiartns gaudet.'* 

In dem dreizehnten ehstnischen Mii Indien wird die Aas 
nahmestellung des dritten Binden erklärt, indem nns ereal 
wird, er sei der Sohn eines Kb'nigs, aber drei Tage naeb de 
fichurt von einer Hexe mit einem Rauernsohne vertauscht wor- 
den. Der Letztere stirbt in dem Palaste aeftnfi im ersten Monate, 
withrend der Konigssolm in der Hütte aufwachst, und in jeder 
Handlung seine königliche Abstammung erweist, besonders aber 
seinem vermeintlichen Vater immer gehorsam ist. Hier habe 
wir die Erzählung von dem Helden, der auf den Bergen at 
Betet wird» unmittelbar mit der von dem dritten Bruder verbun- 
den. Dieter dritte Bruder, der sich allein gegen den Vater ehr 
furch Isvoll benimmt und allein drei Nächte bei seinein Gral 
wacht erlöst auch die Prinzessin, «lie auf einem hohen Glasberg 
sü heu Jahre und sieben Tag \ivn hat, wollt r er sie zur 

ltdin erhält. Wir haben den Aurora- Wecker in den vedi- 
sehen Hymnen gesehn — die Sonne und die Aurora wecken ein- 
ander: die Sonne sendet die Annua fort; die Aurora zieht die 
Sonne heraus. Der Mythus erzeugt sich jeden Tag von Neuem» 
und bezeichnet in seiner Gesammtheit eine tägliche Lichterscliei- 
nung am Himmel. In nordischen Gegenden, wo der Gegensatz 
zwischen Winter und Frühling gross und deshalb der von dem 
Aufhören der Vegetation im Herbst hervorgebrachte Eindruck 
mehr irappirt, nahm die Erde auch die Gestalt eiuer todtc 
jungen Prinzessin an; aber du ein allwissender Zauberer gesa^ 
hat: ,,Die Jungfrau ist nicht todt, sondern nur müde", so legt <i 
Befreiung bestimmte dritte Bruder seine armen Kleider ab 
kleidet sich erst in Eisenfarbe, dann in Süheriarhe, endlich in 
Goldfarbe, und reitet auf seinem Goldpferde den Berg von GlftS 

Eis hinan, von welchem «f den schönen Frühling bringt. Ik-r 
Bimmel, im Herbete grau, im Winter sehneeweiss, im Frühling 
golden, entspricht dem grauen AbcndhimmeL dem silbernen Nacht 
himmel und dem goldenen Morgeuhiiuinel. 
Jahres ; der 



rung 



sprüngliehc Myl 






tert; die letzte Stunde des Tagen weckt die Aurora: dei letzt 



hre» weckt den Frühling. Die Anwendung 
Mytbtu vom Tage aal das Jahr ist höchst cinia 
Im vierzehnten Mäbrohen verirrt sieh der Konig des G*)d- 
lau dem von wilden Thiereu bewohnten Walde und kann 

llefa nicht herausfinden. Ein Fremder (ohne Zweifel der Teufel) 
Ibrt ihu heraus, nachdem der König; ihm zum Eigcnthum vor 
p rocken, was ihm zuerst entgegenkommen wird. 1 Das Erste. 
Ihn an der Pforte entgegei kommt, ist die Amme mit dem 
Königlichen Säugling, der dem Vater die Aermehen eutg* 

kt. Der König liisst sein Kind, einen schmucken Knaben, 
n die Tochter eine« lauern vertauschen. Der KODIgSfiobo 
*'Uch*t am Herde armer Leute auf, w:ilu end der Teufel das kleine 
rnmädcbcn holt Der Prinz wachst zum Jüngling heran und 
r erfahrt, wie er gerettet ist, besehliesst W, das arme Kind 
fcu befreien* Er legt heimlich die Tracht eines Bauernknei 

t einen Sack Erbsen au! die Schulter und geht in jenen 

Wald, wo gC | D Vater sieh vor achtzehn Jahren verirrt hatte Er 

sich ebenfalls und der Fremde erscheint auch ihm, mit 

eten, ihm den rechte* Weg zu zeigen, wenn er ihm 

1 ' Erbsen in dem Sacke geben wolle, welche fiieh der Prinz nach 

tussage von seinem Wirth ausgebeten hat, um sie den 

I<kIt tu Miner vergangene Nacht gestorbenen Tante vor- 

ii. Diese Hülsenfrucht bei Leichenceremonicn geht auf 

ahen Brauch zurück. Die vedisehen Ceremonial*' er 

OD in Verbindung mit lA'iehcnfcierliehkcitcn ; und 

! ! ii brachte der Todte Vegetabilien mit zur Hölle. 

in paBHiren zu dtirfen, sei es als Reisevorrath. Im I r u • 

I noch am zweiten November (Allerseeleuta- 

eine grosse Verthcilung von Sebmiukbohnen an die 

veranstalten, die lür die Seien der Abgeschiedenen 

Vegetabilien. Erbsen, Wieken und Sehnnnkbohnen sind 

bole «1er Fülle, und auf diesen Glauben lassen sieh auch dir 

adogermaniBchen Mähreben beziehen, in denen Bohnen 

hi werden, du* sich ein Topfe vermehren, oder Erbsen, die 

zum Himmel wachsen und an deren Stengel der Held zum 






^ U| utic1 klettert Die Vegetabilien, die zur Einführung in das 
bs erforderlich sind, und die Erbsen, vermitielnt 



hiebe» nicht an JephtaV Doch ibt t?s in der bib lis 
i Teufel, dem du* griisslichc Opfer 






ren tier Held in den Himmel gelangt, sind Variatim, r|~ 

hen mythischen Themas. In der indischen Sage habet) wir ausser 

den Brlwen oder Sehmiiikbohnen den Kürbis* als Symbol der 
Fülle, der «ich unendlich vermehrt oder zum Himmel aufsteigt. 
Iimk Weib <!e* Melden Sa biert einen Kllrbiss, ana den 

Bpltter seebaigteoeend Söhne herauskommen. Die Sohminkbohne, 

e Erbse, die Wicke, die gewöhnliche Hohne und der Kürbis* 
sind auch Symbole der Fortpflanzung, nicht allein wegen der 
Leichtigkeit, mit der sie sieh mehren sondern auch wegen ihrer 

stalt. Wir haben in den vediseheu iVremonialen gesehen, 
welche Organe durch die beiden Bohnen dl lit werden; wir 

werden im Kapitel Über den Esel seilen, wie die Namen» welche 
die Gesebleehtstheile führen, auch zur Bezeichnung von Narren 
verwandt werden. Nun ist es beachtenswerth. daaa las Sanskrit- 
wnrt in As ha (oder Schminkbohnc) auch den Närrischen, Dummen 
bezeichnet, ebenso wie im Pieniuntesisehen eio bon horame Bohne 
genannt wird. So bedeutet auch der Kürbiss, der Fruchtbarkeit 
bezeichnet, im Italienischen Dummheit. Was die Bohnen betritt!, 
sn habe ich schon in meinem Werke über die Hochzeitsgebrän« :-i- 
auf ihre symbolische Bedeutung aufmerksam gemacht und die 
russische und piemontesisehe Sitte angeführt, eine schwarze und 
eine weisse Bohne in den Kuchen, den man am Epiphanu 

* . EU sleeken, deren eine das Männliche, während die andere 
das Weibliche bezeichnet» eine den König und die andere die 
Königin. Die Beiden, welche die Bohnen finden, küssen sich mit 
frohen Vorahnungen, Da alle diese Vegetabilien gewöhnlich den 
Mond personiticiren, der, wie wir wissen, als ein Spender der Fülle 
betrachtet wird und der mit seiner I iocs sich drebei 

Balles gut durch die sich drehende Erbse dargestellt werden kann, 
n müssen wir die Lösung der Hanptmytken, die sich auf \ 
labdien beziehen, in dieser Person iü cation Buchen. — Der junge 
Prinz des ehstnischen Mahrclien* tritt in die Dienst« rem* 

den, in der Absicht, das Mädchen zu erlösen, das ihn befreit und 
aehtiehn Jahre lang seine Steile bei diesem eingenommen hat. 
Kr folgt ihm also, lüsst aber je Q&cb zehn und fünfzehn Schritten 
immer eine Erbse aus dem Sack auf den Boden fallen» um den 
zurück zu linden. Kr wird einen sonderbaren und wilden 
unterirdischen Weg geführt, wo Grabesstille herrscht — es 
auch wirklich das Keich des Todes . wo die Vogel und andere 
Thierr einen Laut von sich geben zu wollen scheinen, ohne 
jedoch etwafl hörbar wird, und wo da« \ ihne zu raus- 



Bkigfc hie Amgri schnürt dem Köuigssolmc das Herz zu in dieser 
unheimlichen stillen Welt. Ans dem Reiche des Schweigens ge- 
pn sie in das des betäubenden Orrüusrlies. Der Prinz glaubt 
das Dröhnen einer Sagemühle zu hören, in der ein paar Dutzend 
<n arbeiten, der Wirth aber sagt: „Die alte f.Jrossinutter schläft 
schon, sip schnarcht/'* Endlich kommen sie zu dem Hofe des 
IHrthe«, wo er das schöne Mädchen findet, jedoch die Anweisung 
erliiUt, uie zu sprechen, Im Stalle tindet er ein weisses Pferd und 
eine schwarze Kuh mit einem weissköpfigen Kalbe. Er erhält 
Jen Befehl, diese Kuh zu melken, bis kein Tropfen Buch mein 
Euter zurückbleibt ; das würde ihm jedoch ohne das Mädchen 
rieht möglich gewesen sein, auf dessen Kath er der Kuh droht. 
di«^ Zitzen mit einer glühenden Zange zusammenzukneifen, falls 
•fa sieh nicht völlig ansmelken lasst, Ein ander Mal soll er das 
Kalb auf die Weide führen; nur durch einen seidenen Zauber- 
ten, den ihm das Mädchen giebt und dessen eines Ende er an 
ü*»m Unke Vorderbein des Kalbes, dessen anderes Ende er an 
* kleine Zehe seines linken Fusses bindet, kann er das Durcli- 
ben des Kalbes verhüten und es am Abend wieder in den Stall 
fahien, — Der kleine Finger ist, obwohl der kleinste, tier am meisten 
Vorrichtete unter den ftinfen. Er weiss Alles; und im Piemou- 
hen pflegen die Mutter, wenn sie ihren Kindern glauben 
machen wollen, dass sie in Verbindung mit einem geheinmisfi- 
l leu Späher stehen, der Alles, was sie thun, sieht, dieselben 
111 » t den Worten einzuschüchtern: „Mein kleiner Finger sagt .mir 
\l * * Schliesslich beschliessen die beiden jungen Leute zu 

'*lien, nachdem er dem weissköpfigen Kalbe den Schadet ge- 
H^^ltcn hat; aus seinem Gehirn fällt ein rotbee Zanberknäulehcn 
' ,C5 »**n8 f das wie eine kleine Sonne leuchtet. Er wickelt es behut- 
:iI u in ein Tuch, aus welchem jedoch das Mädchen einen kleinen 
il wieder heraus wickelt, damit es gleich einer Laterne ihren 
I erhelle, sie fliehn, indem der Jüngling an den ausgestreuten 
g wieder erkennt. Der Alte seh ick 1 böse Geister 
Jvuer den Entflohenen her. Mittelst des Zauberknihilchens (odei 
1 lelfiteinfl), das dreimal in der Hand umgedreht wird mit einem 
**Mibersprueh , verwandeln sich diese erst in ein Bächlein und 
i, dann in einen wilden Rosenstrauch und eine Ulilthe 
**ian. zuletzt in ein Lüftchen und ein Müeklein, so dass sie den 
Im; endlich kommen sie an den grossen Stein, 
den Eingang zu der unterirdischen Welt bedeckt; auch er 
dem Knäulehen weichen und — sie sind auf der Erde, 



130 

icttet! Da« rothe RüÄuJcbefl verschafft ihnen königliche Gewänder, 
in denen sie sieb aller Welt zeige«. Sie heirathen sich und der 
Prinz nimmt den Platz seines nnterdess verstorbenen Vaters ein. 

Ich halte vh kaum für notliwemlig, dem Leser den Sinn d 
lichthellen mythischen Krzählung zn erklären. Die schwarze Kuh, 
dir das Kalb mit dem weissen oder glänzenden Kopie hervor- 
bringt, ist eine vedische Antithese, die wir schon gesehen haben; ' 
die Kuh (Nacht) bringt das Kalb (den Mond) hervor Der Prinz 
nimmt das kleine rothe Knäuel aus dem Kalbe; durch diese» 
KniiiH'l wird das Mädchen aus den Reichen der Finsterniss be- 
freit Das kleine Knäuel rückt den Stein ibrt; die Sonne und 
die Aurora kommen zusammen aus dem llerge heraus, nachdem 
sie zusammen im Reiche der Schatten gewandelt sind; die Sonne 
MMl die Aurora. Diese Erzählung vereinigt mit einander, und 
zwar in richtiger Reihenfolge, mehre Mythen analogen Charakters, 
die selbst kündig entstanden sind. 

Die drei nächsten Mäbrchen schildern andere Fahrten des 
Soimenheldeu zum Himmel oder in der Hülle und finden einen 
Ahschluss von derselben Bedeutung. In dem achtzehnten Mähr- 
oben rinden wir den verzauberten Ring, Salomos Ring 1 ' gebeil 



1 Eine ähnliche Antithese findet sieh in einem ungarischen «Sprich- 
wort, das mir mein gelehrter Freund Graf Geza Kuun f zugleich mit an- 
dern Notizen über abergläubische Vorstellungen, die mit den Tbiereu zu- 
sammenhangen, bei den Ungarn, mitgethcilt hat Diese* Sprichwort lautet: 
.»Sogar eine schwnrze Kuh giebt weisse Mi Mi." Die schwarze Kuli kommt 
mich in zwei andern ungarischen Sprichwörtern tor, von denen das eine: 

„Die schwarze Kuh ist ihm nicht auf die Fersen getreten" l Mfet, daas 

Jemanden kein Unglück betroffen hat; es ist die gewöhnliche verwundbare 
Ferse, die Achillesferse, für welche zuweilen, wie wir in den Kapp 
den Fuchs uud die Schlange sehen werden, der Schwanz oder das äusserst e 
llintertheil eintritt Das andere Sprichwort lautet: „Im Dunkeln sind alle 
Kühe schwarz 14 , Bobeint aber keine mythische Bedeutung zu haben. 

* Ueber die Sage von Salonio hat soeben ein junger russischer Ge- 
Trof, Alei» Weseelofski ein beach t ens we rth es Werk unter 
Titel Slavianskiy* skaazauiyoi o Salomouie i Kitnvras> 
siapadniva legendi o Morolfie i Merliuie Petersburg 18Tr") ver- 

t lieht Per Verf. untersucht zuerst die Gestalt der Sage in den 
tischen dann tu den slnvischcn, lalmudischen, altpensiseben , muhamtneda- 
f SC hen Quellen, indem er zugleich die Bedeutung ge- 
lier Haresieen klar darlegt: er gebt sodann au* die 
Uhrhunderts bekannte Sage von Bai 
t as ein« deren griechischen Ursprung er uach weist, indem er das 
■ 



den tier junge Held suchen geht; als er ihn findet, der 
tlttllenjinufimu abnimmt und sich an den Finget iteekt* erlang! 
er |> solche Stärke, dass er einen Felsen mit einem Faust - 

schlai; itj Splitter schlagen kann. Das kleine, eben beschriebene 
rotte Kniiuel den Mührchens. welches den Felsen aufhebt, und 
ctoer Ring, welcher den Stein zersplittert, stellen dasselbe Objert 
des Mythus dar, niunlieh die Sonne, den Sonnenball, die Sonnen* 
schci 

dnundzwanzigste Mährchen zeigt uns den herzhaften 
Helden, der ein Schloss von Dämonen befreit und so einen Schatz 
gewinnt; Reichtimm ist die Belohnung der Tapferkeit. 

Das zwanzigste ehstnische Äüihrclien ist eine Variation der 
ausserordentlich volksthllmlieben Erzählung von Blaubart, der sein«' 
Weiber umbringt Dos ehstoische Gattenungekcuer hat bereits 
eilf getttdtet und ist eben im Begriff, es mit der zwölften eben 

KU machen, um sie für den Besuch des heimlichen, ge 
sein ausdrückliches Verbot mit dem goldenen Schlüssel (vielleicht 
dem Monde) geöffneten Zimmers zu bestrafen, als ein Jltugliug, 
der früher Oänsejunge war, der Freund ihrer Kindheit» sie bfr 
freit. Aus dem Gegenstände selbst und den in diesem Mührchen 
angewandten Ausdrücken lomncn wir den Ursprung des scfarvrk- 
licheu charivari bei den Hochzeiten der Wiüwer oder Wittwen 
entdecken Dieser wilde Brauch soll nicht nur die Begierde des 
«ider der Alten, die zum zweiten Male heirathet, verspotten, son- 
dern auch das Mädchen, welches den einen, oder den Jüngling 

tier die andere heirathet, vor der Möglichkeit eines ähnlichen 
wie es den ersten Mann reap. Frau betroffen, warnen. 
Wenn also das Weib apatiglini (die ihren Mann nicht Utätet) 
dem vedischen Qatten angepriesen wird, so müssen wir das so 
versteheu, dass die p a t i ^ h n i oder Mörderin ihres Gatten) eine 
Uittwe ist, die, als des Monies verdächtig, Niemand hetrathen 
darf. Deshalb musste sich, um sich von diesem Argwohn zu be- 



Wahacheinlicblceit er auch sprach Wissenschaft lieb begründet Im iwi 

I" heile, feines Werkes bespricht der Verf. den oecidentalischeu Moralf 

Muriolfus) nach den Arbeiten von Kemble, und stellt ihn einerseits mit 

dem Etnliei zusammen, wahrend er andrerseits die Beziehung 

zwiichim Markoiis und Merkur eröffnet Das sieb" ato Kap. ist dem Merita 

ihte und leUte beschäftigt sieh mit der indischen Dftktüi 

Eine deutsehe oder englische Uebenetsung 

•udon des Petersburger Professors ware höchst wüh- 

ertli 



182 



u, ein ehrbares Weib bei den Hindus fwie Gudrun in der 
Bddn) naeb dein Tode ihres Gatten in das Feuer stürzen: die 
IbeidrOtbe stirbt Meli dem Tode der Sonne ebenfalls. 

In dem zweiundzwanzigsten Mährchen haben wir uoeli eiu- 
iiui] den Mythus von dem Kbnigssofone, der als Hirteuknabe aul- 
tat. Eine nichtswürdige alte Hexe stiehlt auf Veranlassung 
der Stiefmutter das Kind aus dem Palast und bringt es in ein 
einsames Waldgehoft, wo es autgezogen wird, Dann kommt der 
IViuz in den Dienst eines ßauerwirthes als Hüterknabe. Einst 
trifft er einen alten Mann, der den Knaben und seine Herde be- 
ll achtend sagt; „Du Hellenist mir nicht zum Hllterknaben geboren 
M sein/ 4 Der Knabe enviedert, er wisse wohl, dass er zum 
Herrscher geboren sei und hier vorerst das Geschäft des Herrschen» 
erlerne: „Geht es mit den ViertUsslern gut, so versuche ieb wei- 
terhin mein Geschäft auch wohl mit den Zweifüsslern." Der 
SrhHler ist also ein kleiner Konig; ein guter Schäfer wird ein 
guter König werden. Ein andres Mal verlangt eine vorbeifahrende 
f.'l/r deutsche Frau ein Körbchen mit frisehgepflüekten Krdbeereu 
von ihm. Als sie ihm mit Gewalt genommen werden rollen, 
wehrt er sich wacker. Zur Strafe wird er in den Dienst ei 
sehr hosen Bauerwirthin als Hüterknabe gethau, die ihn sehr 
•ohleeht behandelt Aus Rache sperrt er ein Dutzend Wolfe ÜB 
eine Hohle, wo er ihnen alle Tage ein Thier von seiner Herde 
vorwirft; der Wirthin aber antwortet er immer auf die Frage 
nach dein fehlenden; „Die Wulfe haben's zerrissen!'* Schliesslich 
Lisst er das böse Weib selbst von den Wölfen zerreiben, die es 
mit Haut und Haaren verschlingen, so dass nichts weiter übrig 
tritt bt y als Zunge und Her/, (die Sonne); diese beiden taugen 
nicht einmal den wilden Bestien, weil sie zu giltig sind. Acht- 
zehn Jahr alt tritt der Prinz bei einem Gärtner in Dienst, in 
blühende schöne Tochter er sich grenzenlos verliebt. 
Kr wird vou seiuem königlichen Vater wiedergefunden; di* 
will ihm jedoch nicht erlauben, die Gärtnerstochter zu heirathen, 
sondern haut den Verl obungs ring der Beiden mit dem Schwerte 
ui wei Stücke. Nur wenn die beiden Hallten des Ringes zur 
rechten Zeit von selbst >o in einander schmelzen, dass kein Auge 
Stelle entdecken kann, wo der Ring durchgehauen war, will 
er glauben, daaa G«W rf« Rb einander geschaffen bat. - In einem 
ben Häbrobeo gielrf das schöne Mädchen dem dritten 
Bruder ihr Halsband, Da» junge Paar verliert einander; ihr 
Wiederfinden und Wiedererkennen findet Statt, als die beiden 



\x 

Theile des Halsbandes sieh mit einander vereinigen. Der Brauch 

Tranrings hat einen mythischen Ursprung. Die Sonnen- und 
zuweilen auch die Mondscheibe ist der Ring, welcher das hiiuni- 
lisch e Ehepaar eint. — Als sich nach verschiedenen Abenteuern 

beiden jungen Leute des chstnisehen Malirehens die beiden 
Haltten ihres Ringes vereinigen, hat ihr Mißgeschick ein Ende, 
sie heirathen sieh und leben glücklich, während die grausame 

mutter, die mittlerweile verwittwet ist, aus dem Reiche ver- 

en wird. 

Das letzte ehstnisefae Miihreben erzählt von der ausserordent- 
lichen Geburt eines schönen Prinzen und einer schönen Prinzessin 
an demselben Tage. Die Prinzessin wird in einem Vogelei gc- 

en, wir ein Kleinod an dem Busen der Königin ruhend; sie 

zuerst die Q estalt einer lebendigen Puppe und später erst, 
nachdem sie einige Zeit in dem warmen Wollkorbe gelegen hat, 
wird ein wirkliches Mädchen aus ihr. Während diese Verände- 
rung mit ihr vorgeht, giebt die Königin noch einem schönen Kna- 
ben das Leben. Die beiden Kinder werden als Zwillinge be- 
ilud zusammen getauft Zu der Taufe der Kinder kommt 
als Pathin in einer prächtigen sechsspännigen Kutsche ein junges 
Weib in rosenrothen goldgestickten Gewandern, das gleich der 

lie glänzt und das, als es den Schleier lallen lässt, gleich der 

neu Helena, die Beistehenden mit Bewunderung und Staunen 
erfüllt. Die Mutter stirbt bald und hinterläßt das Glückskörb- 
cheu mit den Eierschalen ihrer Tochter. Vermittelst des kleinen 

tcrkörbcheus und durch Aussprechen einiger Zauberworte 

das Madchen Alles finden, was es sucht oder begehrt. Der 

Priuz, ihr vermeintlicher Zwillingsbrader, und das Mädchen hei- 

ratben sich schliesslich, nachdem sie erfahren, dass sie, obwohl 

Beide königlicher Abkunft, doch Kinder verschiedener Väter sind; 

kleine GHlekskorbchen aber versehwindet auf geheininissvolle 
We 



§ 4. Der 8 tier und rlie Kuh in der blavischcu 8ftg4. 

Nachdem wir bisher einen allgemeinen Abriss der Grenzen 
zwischen der turanischen und slavischen Sage gegeben haben, ist 
c» jetzt Zeit, an das Studium der slavisehen Sage selbst zu gehen, 
so n mit dem Mythus von dem Stier und der Kuh zu 

than hau 



Die russischen Bauern und Hirten pflegen SB behaupten 
das Wetter schon wird, wenn sich eine mibe Kuh an die Spitze 
der Heerde stellt, dass es aher regnen oder schlechtes Wetter 
werden wird, wenn die erste Kuh, welche am Abend in den Stall 
Äurüekkebrt , eine schwarze ist Wir wissen bereits, was die 
schwarte und die rothe Kuli in der Sprache der Veden bedeuten. 
Die Morgen- und Abend-Aurora, d. h, die redhen Kühe, ver- 
sprechen schönes Wetter; die Wolke (oder schwarze Kuh) aeigt 
misses Wetter an. Im Piemontcsisehen pflegt man bei einer schonen 
Abendrothe zu sagen: 

,,Kosso d» »era, 
Buon tempo tu »p<< 
(Bei Abend rotli liottt man auf schönes Wetter.) 

Verfolgen wir jetzt die russische Sage bezllglieh der Kuh 
und des Stieres in zwei der vielen nnsehiitzbaren Sammlungen 
von Yolksmiilirehen, die schon in Kussland gedruckt worden sind, 
wie auch in den berühmten Kriloftscbcn Fabeln. ] 

Wir werden mit den Mährehen und Fabeln beginnen, in 
denen die Kuh oder der Stier ausdrttcklich erwähnt wird. Sie 
zeigen uns den Stier, welcher den Helden und die Heldin beschützt, 
den Stier, welcher den Helden bereichert, den Stier, der verkauft 



1 Miese letzt ereu sind auch iiib Kuglischc übersetzt und erläutert wor- 
den von \X . R. S. BalttOüi M. A. Wahrend des Drucken der englischen 
i Im- meiner Mythologie Hess Herr Ralston in London bei Ullis und 

n ein höehbl interessante« Werk erscheinen, anter dem Titel : The 
Bong« of the Russian pi' op to as illustrative of Slavonic inytbc 
und Russian social life. Das Uanze ist, in sechs Kapitel gelheilt; Kap. 1 ist 
eine zugleich populär gehaltene und instructive Einleitung; Kap. 2 wendet 
sieh zu der sluvischcn Mythologie; Kap 3 handelt von den mythischen und 
rituellen Gesängen \ Kap. 4 von den Hochzeitsliedern; Kap. 5» von dm 
Todlengesaogen ; Kap. *> beschäftigt sich mit der Hexerei und Maj 
Rußland Das Naroduija Skaski sabrauuäja selskimi uciteliauii, iedaate 
A. A- Erlenwcin (Moskwa 1868) und das umfangreichere. N, ApI 
Nar odnija rusk i j a skaski, lad. 2 (Moskwa I860, I8tii.) sind noch nicht 
in andere europäische Sprachen übersetzt worden. Diese beiden Werke 
enthalten vielleicht nur den fünften Tbeil der Materialien, deren Samm- 
lung aufmerksame russische Beobachter in den ungeheuren Landers tri eben, 
welche die Russen tnne haben, iu diesem Jahrhundert besorgt haben. Da 
jedoch unter allen Sammlungen dio Afanassiefiscbe die wichtigste ist, so 
babe ich dem europäischen Publikum mit der Mitteilung des werth vollen 
Inhaltes derselben einen Dienst zu erweisen geglaubt. 






wird, den dankbaren Stier, den Stier, der sich opfert, den ver- 
folgten Stier, den dämonischen Stier; die Kuh, welche spinnt, die 
wohlthütige Kuh, den Solin der Kuh, die Vögel, welche aus der Kult 
hervorkommen, das KuhfelK das ein Seil wird, an dem man zum 
Himmel hinaufklettert» die vertauschte Kuli, die dämonische Kuh. 
*lte Kuhhörner, Hier haben wir also auch wieder die Doppel- 
gestalt der vedisehen Kuh: die dunkelfarbige (Wolke und Finster- 

, gewöhnlich uugeheuerartig, und die glänzende (Mond und 
Aurora), gewöhnlich göttlich und wohlthlitig. 

Ein specie! les Characteristicum des Stiers und der Kuh ist 
ihre Fähigkeit zu trinken* Wir sahen schon, wie viel der Stier 
Indra (die Sonne in der Wolke oder in der Nacht) trinken 
konnte. In dem dritten Mährclien des ersten Buches bei Alanas- 
fährt die Hexe, welche das gute Mädchen verfolgt, als dieses 
ein Tuch ausbreitet und so einen Strom entstehen lässt, damit die 
Hexe sie nicht einholen könne, den Stier vorwärts, damit er den 
Strom austrinke (eine Form des indischen Agastya, welcher im 
Mali a ' das Meer ausschlürft). Doch weigert sich der Stier, 

der den Strom wohl trocken legen könnte, es zu thun, weil er 
dem guten Mädchen zur Dankbarkeit verpflichet ist Das Wasser, 
aus dem dieser Stier, resp. Kuh, welcher der Hexe gehört, trinkt, 
bat die Eigentümlichkeit, den Menschen, der davon trinkt, in 
ein Kalb zu verwandeln; 1 ja sogar aus der Klaue des Stieres 
zu trinken gentigt schon, ihn in ein Kalb zu verwandeln, 3 Das 
, welches aus der Klaue des dämonischen Stieres hervor- 
kommt, ist das Oegentbeil von dem Wasser der Hippokrene, das 
aus den Hufen des göttlichen Pferdes der Griechen, des Pegasos, 
Hiesst 

Im zweiten Buche bei Afanassieff findet sich ein Mährclien, 

lies von der Vertausehung der Tbiere in ganz denselben 

Ige wie im Aita reya-b rahm an a spricht, d, h. dass 

tür Gold ein Pferd, llir das Pferd eine Kuh, für die Kuli eine 

ge oder ein Schaf eingetauscht wird. Der russische Bauer 

mit seinem unglücklichen Tauschgeschäft weiter: er verhan- 
delt das Schaf für rin junges Ferkel, das Ferkel für eine Sana, 

Oans für eine Ente, die Ente fitr einen kleinen Stock, mit 
i er einige Kinder spielen sieht ; er nimmt den Stock für seine 



1 111 

1 AI 



l.;ii 



Fran mit nach Hause und sic schlägt ihn damit. In dem gwBHteii 
Mührehen des fünften Buches bei AfanassieiV verhandelt auch ein 
alter Mann zuerst die goldenen Strümpfe und silbernen Strumpf- 
bänder, die er im Himmel vom liehen Gott bekommen, für ein 
Pferd, das Pferd filr einen Stier, den Stier für ein Lamm; zuletzt 
handelt er eine kleine Nadel ein, die er verliert. Im zweiten 
Mährchen des sechsten Buches wird dasselbe närrische Verfahren 
dem dritten Bruder, dem dummen, (welcher in vier anderen rus- 
sischen Variationen derselben Erzählung; der schlaue ist) beigelegt; 
er hat nämlich erfahren, dass im Himmel die Kühe billig «in 
-ielit Beine Kuli für eine Fliege, «einen Ochsen für eine l'leni 
fliege und steigt zum Himmel auf. 

Doch sind im Allgemeinen der Stier und die Kuh der Anfa: 
des Gllickcs flir i\ie Helden der Volksmahrehen. 

In dem zwehindfunfzigsteu Mährehen des fünften Buches h 
der dritte Bruder, der wahrbeitliebeude Narr, der Gluck hal 
als einziges Erbe von Beinen Vater einen Stier; er geht, ihn zu 
verkaufen und kommt hei einem alten dürren Baume vorbei, der 
knarrt; er denkt, der Baum will seinen Stier kaufen, giebt ihn, 
und verspricht, nach dem Gelde wiederzukommen. Als er wieder 
kommt, ist der Stier fort; er fordert sein Geld, und als er kein 
Antwort bekommt, schickt er sich au, den Baum mit seiner A 
niederzuhauen, wobei ein Schatz, den einige Räuber im Baume 
verborgen hatten, zum Vorschein kommt; 1 tier Mann nimmt ihn 
und trägt ihn nach Hause. In einer Variation dieses Mährcheni 
in der E rlenwci nsch cn Sammlung,- versucht der dritte 
des Müllers seinen Stier zu melken, da er sieht, wie der zwei 
Bruder die Kuli melkt; als er die Erfahrung macht, dass seine 
Anstrengungen vergeblich sind, so beachlieBSt er, ein so ausser- 
ordentlich nutzloses Thier zu verkaufen. 

In dem vierunddreisstgsten Mährehen des fünften Buch 
treffen wir wieder die beiden Brüder, einen reich und kniekeri, 
den andern arm; der arme borgt sieh von einem Nachbar zw 
stiere und wird von der Armuth (gore) zu einem Siein geführt, 
unter welchem er eine mit Gold gelullte Höhle findet. Der arme 



in 

ne 



tw*s AeholicheB findet «ich M&hon in rflen Aetopischcn Fabcfn 
de! Furia, Florenz IÖ09); der Mum betel tu einem bolsurncu Götterbild 

ihn reich mach« n ; die StütUe antwortet nicht ; 
zerbricht sie und Gold kommt zum Vorsehe in. 
icboutca Mährchen. 




i und er/äMl, als er herauskommt, 
dad rinnen noch viel ^ehl 

eu; *In expauper vcrscbliesst den Eingang mit 
nie und kehrt heim, ' 

siitr und die KuL bringen jedoch Dicht allein dem Hcl 
Reichtbüraer, sondern helfen ihm auch in Gefahren* In dem 
ilftcn Mahrchen bei Erlen wein 4 will Iwan Tzarewie oder der 
'rinz Johann — der Name des Lieblin^slielden der slavischen 
er ist der dritte Bruder, der stärkste» der das meiste 
. der klügste, nachdem er der närrischste 
— vor der Sehlange fliehen, weiss aber nicht wie 
id setzt sieh weinend auf einen Baumstamm* Der Hase kommt, 
in davonzutragen, wird aber von der Schlange getodtet; der 
unit , wird aber ebenfalls getodtet. Schliesslich kommt 
und trügt ihn fort. Als Iwan bei seiner Wohnung an- 
hat sich der Ochse in zwei Tlieile getheüt; ein Thcil muss 
Wter die heiligen Bilder gestellt werden, welche eine Ecke i 
lachen Häusern zieren, der andere Thcil anter 
ii muss dann schart 'spähen , bis zwei Hunde und 
Ban' n i ihm auf der Jagd dienen und 

wollen. 

In dem giebennndftwanzigeten Mährchen des fünften Buches 

werden Iwan Tzarewie und die schöne Helene von einem nnge- 

i) Härm mit eisernen Borsten verfolgt; sie Hieben auf einem 

n Monde) und Iwan reitet, auf Rath des Stieres, mit 

toto nach der Seite, von welcher der verfolgende Bär 

mlieli kommen wird, damit dieser sie nicht tiberrasche. 

4h Iwan den Bären kommen sieht, wendet sich der Stier um 

i ihm die Augen ans; der blinde Bär folgt ihnen nach, 

die auf dem Rücken des Stieres Fliehenden über 

row, in welchem der Bar ertrinkt. Iwan und Helene 

\r\ der Stier befiehlt ihnen, ihn zu zerschneiden und 

ine Knochen aufzubewahren und sie zusammen- 

n ; aus den so behandelten Knochen ersteht ein Zwerg, 

eines Fingernagels, doch mit einem ellenlangen 

i hilft Iwan die Milch einer Wölfin, einer Bärin und 

finden, Ins er von dem brennenden Vogel, des« 

•:r stehleu wollt« hlnckl wird. (Der Bär scheint hier 



h AJ »11 V. lie 

and Afan. Ill» ttl 



I :■, 



ein nächtliches Ungeheuer en mIei^ der Stier ist das 1> 
Sonne in der Nacht, der Mond; der Stier-Mond wird geopfert; 
darauf erscheint eine kleine Sonne mit langen Strahlen, der Zu 
mit dein langen Barte, ein alter ego Iwans , der sein Leben in 
dein Brande des Phoenix oder der Abend-Aurora endet.) Iwan ist 
vom Tode bedroht, als der Zwei- stirbt, doch wird iliiu in diesem 
kritischen Augenblick von den wilden Thieren geholfen, die er 
gezähmt und gefüttert hatte und die ihn aus der Gefahr befreien. 
Diese wurden ihm nämlich nach dem Tode des Stieres, seines 
Befreiers gegeben, von welchem Beitot sie, als er in Stücke 
schnitten wurde, geboren wurden (die wilden Thierc des Walde» 
der Nacht werden geboren, sobald die Abendsonne geopfert 

Dasselbe Thema, etwas variirt, begegnet uns wieder in dem 
folgenden, achtundzwanzigsten Mährchen; nur dass an die Stelle 
von Iwan und Helene Iwan und Marie, die Sonne und die 
Aurora der Christen, getreten sind. Neben der Wohnung Iwans 
und Karies erhebt sieh ein Seheiterhaufen, auf welchem sich der 
Stier opfert. Die Knochen des Stiers werden in drei Furchen 
gesät; die erste Furche trägt ein Pferd, die zweite einen Ilnnd, 
anl der dritten wächst ein Apfelbaum. Iwan steigt aut das Pferd, 
der Hund folgt ihm; er jagt junge Wölfe und Bären, die er 
später zähmt und abrichtet, die Schlange zu tödten, welche seineu 
Hund in einer Hohle eingeschlossen und seine Schwester entführt 
hat; er erzwingt eich den Eingang zu dem Orte, wo sein Hund 
verborgen ist, dadurch das« er den Riegel der Thür mit drei 
kleinen Zweigen des Apfelbaumes schlägt; der Riegel bricht in 
Stacke, die Thtir springt auf, der Hund ist befreit; der Hund, 
der Wolf und der junge Bär würgen dann die Schlange und 
Iwan befreit Prinzessin Marie. 

Im sechsten Buche (54. Mährchen) erhält Jung Marie, 
die verfolgt wird, wunderbare Hilfe von einer Kuh. Ein altes 
Weib hat drei leibliche Töchter (eine einäugige, eine zweiäi 
und eine dreiängigej und eine Stieftochter, Namens Marie; ihre 

neu drei Tochter thuu nichts und essen viel; die Stiefta 
muss schwer arbeiten und bekommt nur wenig zu essen. Die 
Stiefmutter giebt ihr fünf Pfund Wolle, die sie in einer ein/ 
Nacht, während sie die Kuh auf die Weide ftihrt, spinnen, weben 
und bleichen soll. Das Mädchen geht zur Weide, umarmt ihre 
Schecke, lehnt das Kopfchen an ihren Nacken und beweint ihr 
traurig Loos. Da sagt die Kuh: „Schönes Kind, kriech in eins 
von meinen Ohren nnd komm zum andern wieder heraus, so 



In «In italienischen Version «1 ihr- 

u h mil ihren Hörnern Mir das gute Mädchen, 
wähl die Alte uder die Madonna kämmt Ich schon 

n haben, dass ich in dieser guten Alten, Fee oder Ma- 
i den Mond wiederfinde, her Mond wird, wie die Sonne, 
lit der Aurora, und besonders der Abend-Aurora, 
welche er begleitet, der .Mond ist die Wirthin, die Fah- 

rerin, ilie Schttteertn des Seiden and der Heldin des Abends, 
welche sieh in der N i irren und verfolgt werden; naeli der 

-id-Aurora erscheint der 'fond, game ebenso wie die 

ron der glänzenden Sonne abgelöst wird. Wir 
die vedisebe Aurora den Namen Reinigerin, Schmll- 
ekerin flllhrt; von dieser Bezeichnung zu dem Bilde der Kärntnerin 
unliekerin des Kopfes der alten Madonna ist der IV 

n, d. h. nach der Aurora kommt der Mond hervor, 

glänzend nnd rein, am schonen und heiteren Himmel; und darum 

fallen Perlen von dem Kopfe der Madonna; doeh als andrerseits 

itfne Mädchen, die Aurora, kommt, als die Stiefmutter 

tgenen Töchter zu der Alten au! die Weide schickt, 

frtllt es Uugezicfcr von dem Haupte der alten Fee oder 

Madonna, sofern der Mond sich unter den Behatten der wölk 

nnd seh waizen Nacht nicht in Beinern Glänze zeigen kann. Die 

maische Erzählung zeigt uns, wie die gütige Kuh des guten 

s, welche dasselbe liebkost und ihm Wohlthaten erweist, 

nnd die Madonna oder gute Alte der italienischen Sage, die fttf 

das sorgliche Kämmen ihres Haares dankbar ist, identisch sind. 

In dem fÖnfunddreissigsten Mährchen des fünften Buches dag« 

lie Kuh in dämonischer Gestalt erscheint, und der Held Iwan. 

unmt aus einem Prinzen ein Kuhhirt zu werden, sie unter 

den sie dazu aufhebt, küssen innss, treffen wir 

alte Il< m ihn weissen Brllsten des schönen Mäd- 

w&hrend dag letztere das Ungeziefer auf ihrem Kopfe 

in der Hexe wie in der Kuh, welche so ungebührlich 

wanz aufbebt, können wir die finstere Nacht wieder 

nc Erklärung, die durch den Umstand als durchaus 



lung in lung: Novel lim 

di Calci mi ia, Torino I860. leb kenne auch nur 

i> nur weuitf abw< 
II, 27 kämint dii Prinzessin um 

welcher schlafen gellt 



I IM 

btig bewiesen wird, dass der Held-Hirt Katoma, d< Drückte, 

der Hchncllttissigc , schliesslich der unverschämten Kuh da* Fell 
abzieht (die Morgensonne, der Hirt der glänzenden Kühe, zieht 
der schwar/farbenen Kuh der finsteren Nacht da« Fell ab). Doch 
kehren wir El der vierundfiinfzigsteu Erzählung zartick. - Als 
die Stiefmutter sieht, dass das Mädchen Alles, was ihm an 
tragen ist, fertig gemacht hat, schupft sie Verdacht, dass ihr Je- 
mand hilft, und schickt die nächste Nacht ihre erste Tochter, die 
nur ein Auge hat, die Stieftochter, die rar Weide geht, KU beob- 
achten. Jung Marie sagt zu ihr: „Auge, schlaf!" und sofort 
schliift Ihre Stiefschwester ein, so dass die Kuh ihr, ohne das* Je 
uiand es bemerkt, helfen kann. Die zweite Nacht wird die /weite 
Tochter, die zweiäugige , mitgeschickt; Marie sagt zweimal zu 
ihr: ,,Auge, schlaf!" und Alles geht wie vorher. Die dritte Nacht 
geht die dreitägige Schwester mit; Marie vergisst das dritte 
Auge und sagt our zweimal: „Auge, schlaf!* 1 und so sieht denn 
die dritte Schwester mit dem Auge, das sie offen behalten, l was 
die Kuh mit Marie thut, und erzählt am Morgen Alles ihrer 
Mutter , die befiehlt, dass die Kuh getödtet wird* Marie warnt 
die Kuh, und die Kuh nimmt ihr das Versprechen ab, kein Fleisch 
von ihr zu essen, die Knochen zu nehmen, im Garten zu säen 
and sie zu begiessen. Das Mädchen thut es; nie, so hungrig sie 
auch sein mag, i&st sie von dem Fleisch; sie sucht nur dk 
Knochen zusammen. Aus den im Garten gesäten Knochen er- 
wächst ein wunderbarer Apfelbaum, mit goldenen Blättern und 
silbernen Zweigen, welche die drei Tochter der Stiefmutter stechen 
und verwunden, Während sie dagegen dem schönen Mädchen 
Aepfel geben, welche dasselbe dem reichen jungen Herrn, der 
es zur Frau nimmt, anbieten kann. In dem folgenden flinfund- 
fünfzigsten Mährchen, das nur eine Variation des vorhergehenden 
ist, heisst das Mädchen Marie und ihr Gatte Iwan Tzarewie; wenn 
Marie auf die Weide geht und wenn sie zurückkehrt, pflegt sie 
TOT dem rechten Fasse der Kuh nicderzuknieeiL Als die getödtete 
Kuh in der Gestalt eines Baumes wieder auflebt, wimmelt 
er von Vögeln, welche für Könige und Bauern in gleicher 
Weise singen und die aussen Früchte auf Marien» Teller fallen 
Inesen, 

Die Aepfel, die Hörner wachsen lasBeii, und die, welche jung 
und schön machen, deren in dem sechs unddreissigsten Mährchen 



1 Vgl, das Kapitel über die Ziege. 



141 



ten Ruche» und wieder im letzten Ruche der Afanas- 
iiimiluiig Erwähnung geschieht , wie sie auch in 
arideren europäischen Variationen desselben Themas wiederkehren, 
hingen meines Erachten« mit dem Mythus von dem Abend- und 
Morien himmel und der Mondnacht in der Gestalt eines Apfel- 
nies zusammen. In dem fünfzehnten Mtfhreheu der Erlen- 
hen Sammlung kommt der dritte Bruder, der unver- 
meidliche Iwan, KU eineni Apfelbaum, welcher rotlie Aepfel hat, 
Hiid iggt vier von ihnen, worauf auf seinem Kopfe vier Uttrner 
waolj«en und zwar von solcher Höhe, dass er nicht in den Wald 
gehen kann; er gabt SU einem Apfelbaum, der weisse Früchte 
*gt, und die vier Horner verschwinden. Der Sonnenheld nähert 
Kek am Abend dem Baume mit den rothen Aepfeln, der Abend- 
Aurora, und sofort wird er entstellt; Horner wachsen auf seinem 
topfBj er verliert sich in dem Schatten der Nacht; beim Moud- 
und der alba nähert er sieh dem Baume mit den weissen 
Aepfeln, verliert seine Htfrncr und wird wieder jung und schön,) 
In dem sieben uiidfunfzigsten Miihrchen des sechsten Ruehes 
Afanassieft wird Iwan Tzarcwie mit den Aepfeln, welche dein, 
ic igst, die Jugend wiedergeben, von der Schwester der Sonne 
küebeokt, KU deren Wohnung er in folgender Weise emporge- 
n wird: Iwan (die Sonne) hat zur Schwester (ohne Zweifel 
Halbschwester ) eine Schlangen*! lexe (Nacht), die bereits seinen 
Bf und seine Mutter verschlungen hat (die Sonne und die Abend- 
Anrorgj welche die Nacht erschaffen und von ihr vernichtet wer- 
Hi'\r verfolgt den kleinen Bruder Iwan und will ihn 
BB; er Hiebt und sie holt ihn in der Nahe der Wohnung 
Schwester der Sonne (der Aurora, der wirklichen Schwester 
Itm$) ein. Die Hexe macht Iwan den Vorschlag, sich zusani- 
anf der Wage zu wiegen, Iwan nimmt den Vorschlag an» 
Wflr auf die Hexe auf die eine Wagschale, Iwan auf die andere 
-t; sobald jedoch die Hexe ihren Fuss auf die Wagsehale 
überwiegt sie Iwan so beträchtlich, dass dieser zum Himmel, 
^ Cr Wohnung der Schwester der Sonne, enipoigeschleudcrt wird, 
Wü er bewillkommnet und gastlieh aufgenommen wird. 

Mythus, dessen Bedeutung ganz klar ist. Iwan ist die 

ie Aurora seine Schwester; am Morgen ziehen sich die 

hatten der Nacht nahe der Wohnung der Aurora, d, h. im Osten, 

' and die Sonne steigt zum Himmel auf; das ist die my- 

be Wage. So wiegt auch in der christlichen Mythe St. Mi- 

die. welche sei) wer wiegen, sinken in die 



142 

Hölle hinunter, die, welche leicht befunden werden, steif 
iiiuinilisehen Paradiese auf.) 

Durch Vermittlung der Schwester der Sonne rettet sieh Iwan 
vm- der Hexe. In einem anderen Mälircheu bei A fanassi et l 

\1 i IHsst derselbe Iwan, durch Vcrmittelung der Schwester des 
Helden Nikanore, die Ktlhe, denen er uaelieilt ♦ goldene llürner 
nml Schwänze, so wie Flanken von Sternen haben; später tttdtel 
er mit Hilfe des Helden Nikanore in Person (der Sonne, d. h. 
seiner seif ist) die Seh lange. 

Wir sahen schon den wolkigen und Unstern Himmel in den 
vedischen Gedichten bald als eine Rehwarze Kuh, bald als einen 
Stall voll Stieren «ml Kühen dargestellt Der schwarze Stier resp. 
Kuh der Nacht wird als dämonisch betrachtet. In einem Mähr- 
ehen bei Afanassieff (V, 60) linden wir den Teufel in Gestalt 
eines Stieres, welcher brüllt und mit seinen Hörnern die Erde 
:i nt wühlt, indem er einen llochzeitszug anhält. Aus einem Stier 
verwandelt er sieh in einen Büren, dann in einen Hasen, e 
in eine Krähe, um der üeirath Hindernisse in den Weg zu h 
bis j|m, als er sieh in seiner Teufelsgestalt zeigt, ein Kriegsheld 
blendet, während er trinkt. Eine Variation dieses Kriegsheldeu 
ist der dritte Sohn des Bauern (V, 9), welcher so stark i 
er mit einem Fingerscfanippclien den Stier und den Büren todt 
hinfallen macht und darauf mit einem Ruck ihnen das Fell ab- 
zieht. Derselbe Held vertnietliet sich bei einem Kaufmann, dem 
er zwei Jahre lang fitr die Erlaubnis« dienen will, ihm nach Ab- 
lauf der Dienstzeit einen Nasenstüber und einen Kuift npplicireu 
zu dürfen. Der Kaufmaun denkt, er wird die Dienste des Man- 
nes Umsonst geniessen, bezahlt sie aber mit seinem Leben. Der 
Kaufmann spielt in Volksmärchen selten eine gute Holle. — Er 
und der Knicker sind synonym - der Knicker ist das Unge- 
heuer, welches Sehätze verborgen hält; und deshalb werden, wie 
wir schon aus den vedischen Hymnen seihst sahen, die Feinde 
dei Götter, die Ungeheuer, welche die Schätze rauben und ver- 
Stecken, als panis oder Kauf leute, Betrüger, Räuber oder Knicker 
dargestellt. Die Gangbarkeit dieser Bezeichnung als eines Schimpf- 
wortes muss zum Tlieil in dem UebelwoUen seinen Grund haben, 
mit welchem die priesterlichen Opferer der letzten vedischen Pe- 
riode die Kau Heute betrachteten, in denen sie nur eine Bande 
von I ii sahen, weil sie in Folge ihres Wanderlebens ihnen 

Weder Kühe noch Stiere tür Opfer zu geben hatten, 
ihr ganzes Vermögen bei sich trugen und den befruchtendem 



143 



pgen des Hotten Indra zur Vermehrung ihrer Hab« nicht he- 
il big-ten. 

Der himmlische Stier tritt ans der Nacht oder den nächtlichen 
Sfü Hen hervor, entweder, wie wir sahen, um dem Helden zu hellen, 
inn geopfert zu werden, am vor Verfolgung zu fliehen, oder weil 
»11 einem schlauen Diebe gestohlen worden i^t. 
In einer der Kriloffschcn Fabeln schickt Gott eiue sclireck- 
Senche unter die Thiere, an welcher sie in grosser Anzahl 
jen. Sie geratheti darüber so in Schrecken , dass sie ihre 
»Vofcnungen verlassen und ziellos hin und her wandern. Der Woli 
nicht lauger das Schaf ; der Fuchs lässt die Hühner in Kühe. 
I urteltauben hören auf, sich verliebt anzugirrciL Da hüll 
neu Rath der Thiers und ermahnt sie alle, ihre Suit 
bu beichten. Der schlaue Fuchs versucht, den Löwen-Richter 
beruhigen, indem er ihm versichert, obwohl er einige Schale 
'bleu, habe er damit doch kein Unrecht begangen, und so 
ig! er seine Räubereien; dasselbe thut auch der Bär, der 
j, der Wolf und alle die bösesten unter den Thieren. Darauf 
tomim auch der einfältige Stier und bekennt, er habe dem Pric- 
ein «renig Heu gestohlen. Diese« Verbrechen erscheint bo 
itowttrdig, dass der Rath der Thiere decretirt der Stier müsse 
Opfer dargebracht werden. J 

Bisweilen verlässt dagegen der Stier, sei es weil er die 

wklechte Behandlung von Seiten seines Herrn nicht ertragen kann, 

*b e« um nicht getttdtet oder von dem dummen Sohne, welcher 

I braucht, um zu heiratben, verkauft zu werden, eine Gefahr, 

de? er eine düstere Vorahnung hat, mit anderen Thieren den 

baut eine H litte oder isba und schliesst sich in derselben 

Er bat das Lamm, die Gans, den Hahn oder sonst andere 

'' Thiere bei sich. Der Fuchs geht vorbei, hört den Hahn 

■Aken und ruft schnell seine Freunde, den Bären und den Woli', zu 

Der Bär öffnet die Thttr und der Fuchs macht sich hinein; 

aber bearbeitet ihn mit den Hörnern, das Lamm driii 

^ *0i der Seite und der Hahn hackt ihm die Augen aus; so 

:d sie dem unwillkommenen Eindringling den Garaus. Der 

deraus Neugierde, zusehen was vorgeht, hineingeht, hat 

i1ä * s ' J, und der Bär, der der letzte ist, kommt allein 

Lafontaine, Kablea VII, l, wird d**r i pfert. 

*Afnu IV, 20—22. tu einem litauiichcn Liede, welchem die UoiK- 
* »In VV'olfVa schildert, erscheint der Slier ills HoIäIiuiht, Unland, 
■'fc'iflr« soi Gescb, tJor Dichtung und Sago III, 1h. 



144 

mit Müh" und Noth und nach mancherlei argen Misshandhh 
mit heiler Haut davon, lu einer anderen Variation desselben 
MflbrcbeDfl stirbt der Bär aus Furcht; der dumme Solm nimmt 
sein Fell und macht es zu Grid ; darauf kehren der Stier und 
seine Geführten, nachdem so die Gefahr, verkauft zu werden, 
glücklich vorüber ist, heim. Der Kampf zwischen den /ahmen 
und den wilden Tbicren, aus welchem die ersteren siegreich 
rorgehen, ist eine thierbildliehe Darstellung des Stege«, dei. 
die Helden (die Sonne und die Aurora) über die Ungeheuer der 
l'insterniss davontragen. 

Das Mährohen von dem Helden-Diebe ist gewöhnlich mit der 
Entführung von seines Herrn Pferde verbunden; doch nicht selten 
wird der Held, wie das Ungeheuer, ein Rtnber von KU heu und 
Och&en. 

Der Dieb Iwan (Afarj. V, 6) wird aufgefordert, seinem 
Herrn einen schwarzen Stier oder Ochsen sen stehlen, welcher 
an den Pflog gespannt ist; wenn es ihm gelingt, so soll er hun- 
dert Hübet bekommen; wenn nicht, hundert Schläge, Im den 
Diebstahl ausfuhren zu können, wendet Iwan folgendes Mittel 
an: er nimmt einen Hahn, rupft ihn und steckt ihn lebendig unter 
eine Erdscholle. Die Ackersleute kommen mit den Ochsen; 
rend sie pflügen, fahrt der Hahn auf; sie verlassen den Pflug, 
um ihm nachzurennen , worauf Iwan erscheint, der sich hinter 
einem Strauche versteckt hatte. Er schneidet einem Ochsen den 
Bchw&nz ab} steckt ihn einem andern Ochsen ins Maul und macht 
sich dann mit dem schwarzen Ochsen tort. Die Ackers!« 
halten den Hahn nicht einholen können , kommen zurück und 
schliessen daraus, dass statt dreier Thiere nur noch zwei da sind, 
dass ein Ochse den schwarzen Ochsen gefressen hat und nui: 
auch anfängt, den Schwanz des anderen, scheckigen Ochsen zu 
verzehren. Bei A fan. V, 21 stiehlt der Zwerg- Knabe den« 
Priester einen Ochsen und isst seine Kaldanncn. ! 

Von der Kuh wird der Held geboren; unter einer verfaulter 
Kuh, die in einen Graben (eine ErsehcinungsIVo/m des nächtlichen 
Oceans geworfen ist, liegt Iwan Tzarewic; ein Vogel nimmt das 
Wasser tort und Iwan Tzarewic (die neue Sonne) kommt 
lu einem andercu Mahreben bei Alan as sie ff isst die l 
Heldin, die GeßUnrtin des Wolfe», als der Wolf abwesend ist. *\u 



1 Vjjl. tins Kap ül>!T den Wolf. 
i Alan V, 4L 



14ft 



de des Kalbes* ihres gemeinsamen Eigenthums (das sie 

i Kuhhirten eingetauscht hatten fllr einen Kuchen, der mit 

ihrem Kxerementen besudelt war, wie ja gewöhnlich die Excre- 

mentc der Anfang von Reiebthttmern sind); sie stopft dann d;is 

K;tlb oder die Kuh mit Stroh und Sperlingen aus und macht sich 

davon. Der Wolf kommt zurück, wundert sich* dass die Kuh 

raufet so viel Stroh gefressen haben, das« es herauskommt, und 

l*t da» Stroh heraus. Die Vogel fliegen davon, das Kalb ßilll 

BDI und der Wolf Hiebt erschreckt, 1 Mit diesen beiden Mythen 

m^BB zwei andere zusammen; die von dem Sohn der Kuh und 

Ate von der Himmelfahrt verm ludst des Kuhfells. 

l)er Ki5nig hat keine Sohne; er fängt einen Hecht, welchen 

die Kiu Irin abwuscht, und giebt das schmutzige Wasser der Kuh 

M trinken. Den Fisch über geben sie dem schwarzen Mädchen 

r Königin zu tragen. Das schwarze Mädchen isst auf dem 

Wege ein Btftek davon unJ die Königin isst das Uebrige. Nach 

Ablauf von nen Monaten geben die Kuh, das Mädchen und die 

K&Qjgjo jede einem Sohne das Leben. Die drei Sohne gleichen 

Lander vollständig; doch der Sohn der Kuh, der Held Sturm, 

18 t der stärkste von den drei Brüdern und verrichtet die sclnvie- 

n 5Men Thaten, In einer andern Version desselben Mährehens 

A fan as sie ff V ? 54 J giebt statt der Kuh die Hündin dem 

stärksten der drei Brüder das Leben, - In dem neunzehnten 

Mlbrchen bei Erlen wein tinden wir statt der Kuh und der 

"Uudin die Stute; der stärkste Bruder ist hier der Sohn des 

ichvrarzen Mädchens, der Bargräuber oder Held Sturm (Burya- 

■kg-atir,. In dem dritten Mährchen bei Erlen wein erscheint 

Jirau Tzarewie als der Sohn des schwarzen Mädchens. Da in 

^Ireiekeu andern russischen Mährehen Iwan Tzarewic, ge- 

wrt knlich der dritte Bruder, nicht aHein als der schlaueste. 

andern auch als der stärkste der drei Brüder erscheint, 

sind wir veranlasst, in den drei Brüdern, dem Sohne des 

c ^vvar/cn Madchens, dem Sohne der Kuh und dem Sohne der 

***iigiu, welche abwechselnd dieselben Heldenttiateu verrichten* 

V]%1 Li n<! dieselbe Sonnengestalt zu tinden, deren Mutter f Nacht, 

I als eine Königin, bald als eine Kuh (wir sahen ja eben 

lvv ^o Tzarewtf ans der verfaulten Kuh entstehen ), bald als eine 

1 Afau. IV, 1 — In einer andern Version desselben Mythus uul 
JT^Jie wir schon in den vedischen Hymnen angespielt finden, kommt n dk 
<-rde. 
dif Kann, über den Fiseh und den Aal r 

Uvteniilk. Mo TUtr«. ^j 



schwarze Sklavin dargestellt wird (die Neger -Waschfrau, die 
Sarazenin italienischer Httrcben [Holda]; der gereiuigte Fisch, 
welchen das schwarze Mädchen trägt, ist vielleicht ein Bindeglied 
zwischen der Vorstellung der rassischen Sage und der des ita- 
lienischen Mährchens). 

In dem zweiten Mährchen des fünften Buches bei A tau as - 
iieff steigt der dritte Bruder, der sehlaue, vermittelst der Felle 
Heiner Kühe und Ochsen, welche er in Riemen schneidet, zum 
Himmel auf; so denkt in einer Variation desselben Mahrchens 
der dritte Bruder sich an dem Kulitell, welches in Riemen ge- 
schnitten und an die Eudeu des Himmels befestigt ist, herabzu- 
lassen, als er auf dem Wege bemerkt, dass der Riemen nicht 
lang genug ist. Einige Bauern dreschen Getreide und das Häck- 
sel erhebt sich hoch in die Luft; er versucht aus dem Häcker- 
liug ein Seil zu machen, doch der Strick reisst und er füllt auf 
die Erde. Diese glückliche Erklimmung des Himmels, der ein 
höchst unglückliches Herabkommen folgt, wird oft mit sonder- 
baren Einzelheiten in russischen Volksmärchen erzählt vvnzu ein 
merkwürdiges Wortspiel in der Sprache nicht wenig beigetragen 
haben mag; ,, Wer aufsteigt, steigt nicht herab* V d. h, wenn Je- 
mand etwas that, so kaun er nicht zu gleicher Zeit das Ge| 
theil thun. Diese buchst einfache Wahrheit wurde später modi- 
Hcirt, indem man die Zeiten veränderte: „Wer hat hinaufsteigen 
können, wird nicht wieder herunterkommen können". Das ist 
nur theilweise wahr und bedeutet, dass wir im Traum zwar nur 
eine« dünnen Fadens bedürfen ,. um hoch zu steigen, dass aber 
der Fall ein heftiger ist, wenn wir aus der Traumwelt wieder 
in die der Wirklichkeit herabsteigen wollen; wir kommen mit 
bleiernen Schwingen unten an, mit den Atembeschwerden , die 
uns im Traume bedrücken, wenn wir aus einer Höhe mit pein- 
licher Langsamkeit herabzufallen glauben. Und wie wir am Ende 
des Tranmes, nach dem Fall vom Himmel, lebendig erwachen 



1 Vgl Adaini Olearii Persi anwehe Reisebesehreibung p. 36*2 (in der 
Ausgabe vom ItiÖü): „Von dem Berg Kilissim berichten die Perst 
mit ihm eine solche Beschaffenheit hatte: Wer hiuaufgienge^ kähme nicht 
wieder herunter; Schach Abas hätte einsten mit Verhc issung grossen Geldes 
einen hinaufgesehicket , der hätte zwar oben ein Feuer angezündt, dass 
man sehen können« er wäre hin auft kommen, wäre aber mit seinem Hunde, 
welchen er bey sieh gehabt, nicht wieder herunl ergangen." [Olearius 
bemerkt richtig, dass sieh diese Fabel aus dem türkischen Sprichwort: 
Kim gedir gel m is („Wer hingehet, kornut nicht herunter**) entwickelt i 



U1 

auch die Erzählung von «lern Melden, der vom Himmel 
nicht, class er fcodt ist, sondern nur, dass seine Tritumc todt 
sind. Cr ist nur unglücklich, als er zum zweiten Male das Herab- 
komnieu mit grosserer Wucht versucht 

Während Raison netneuts solcher Art wohl zur Verbreitung 
der Mythen beigetragen haben, ist doch ihre lUlduug meines 
Erachten» viel mehr aus lebendiger Naturanschauung als aus 
Verstandestbatigkeit hervorgegangen, und wie die Bilder der My- 
thologie fast alle himmlische sind, so sehe ich immer und Überall 
in dem dritten Bruder oder dem Alten anderer Versionen dieses 
Mährcheus, welcher zum Himmel aufsteigt and vermittelst des 
Kub felis wieder herabkommt, die Sonne, Der Alte, der in den 
Umiinel steigt, nachdem die Kuh gestorben ist, tliut es auch ver- 
mittelst einer Pflanze von Todesvorbedeutnng, die in wunderbare? 
Weise aufwächst. 

Ein alter Mann und eine alte Frau haben eine Tochter; sie 
Bohnen und iiisst eine davon auf die Erde falten; eine PHanze 
| der Mond) wächst auf, die bis an den Himmel reicht. Der Alte 
klettert hinauf und kommt wieder zurttek. Er versucht sein 
Weib in einem Sacke mit iiinau teilnehmen, doch kann er die Last 
t erhalten, lässt sie fallen und die Frau stirbt. ■ 
Neben der Wohnung eines alten Mannes wächst Kohl, der 
iu gleicher Weise bis zum Himmel aufsebiesst. Der Alte klettert 
hinauf, macht ein Loch iu den Himmel und isst und trinkt sieh 
vulL Er kommt dann zurück und erzählt Alles seiner Frau; sie 
wünscht auch, hinaufzukommen; als sie auf halbem Wege sind, 
lässt der Alte den Sack fallen, die Alte stirbt und der Manu be 
ttet sie, indem er den Fuchs als Leichenbitter bestellt.- 
Andere Versionen desselben Mährchens bieten uns statt dtf 
Kuhfells, des Kohls und der Bohnenstange, die Erhsenutiunzc, ja 
sogar die Eiche, die bis zum Himmel aufwächst, * 



• A fan, IV t Ü — In der sehr hekannten englischen Erzählung von 
Jack und der Bohnenstange wird der Kiese durch den Fall vom Him- 
mel getödtet, als Jack die Bohnenstange unten absehneidet. 

3 Af an. IV, 7, — Vgl. das Kapital über den Fuchs. 

• A fan. Vi 12 und VI, 2. — Vgl die Kapp« über die Ziege, den Fuchs» 
'»Volf und die Ente, wo steh andere Episoden dieser Erzählung wi. »dtf 

u. — Bei A fan. V, 12 steigt der Alte zum Himmel auf, um 
anzurufen, ihn für die Erbsen zu entschädigen, die er von der Spitze der 
lanze abgenommen hat; Gott giebt ihm dafür Strümpfe von lioJd 
mid n .Silber. 

m 



146 

Von der Trauerpttanze — eiueni Symbol zugleich der 1 
und der Auterstehung, wie wir schon bemerkten — , au welcher 
der Held zum Himmel anfeteigt, wo er Reichthum und Uebertluss 
an Speisen findet, war der Ucbergang zu der Erbse, die sich 
rumi umdreht, sieh kugelt, und von welcher der Held Dreh*] 
eben (der Sohn des Erbsenkonigs) geboren wird, 8ehr natürlich . 

In dem zweiten Mährchen des dritten Buches bei Afauas- 
sief l erscheint Dreh-Erbschen als der dritte der Brüder, als der 
jllugete Bruder, der seine Schwester und seine beiden Bruder von 
dein Ungeheuer befreit. Doch binden ihu die undankbaren Brü- 
der (vielleicht lüstern nach dem Mädchen, das hier ScIhm 
heiast, virtuell aber mit der betreiten und von den drei Brüdern 
umstrittenen Braut zahlreicher indo-germaniseher Mabreheu iden- 
tisch ist) an eine Eiche und gehen allein nach Hause, Dreh- 
Kibsrlteu entwurzelt die ganze Eiche nnd geht davon. Er tödtH 
darauf drei Schlaugeniingelouer und deren Schlangenweiber. 

In dem dreissigsten Mahrehen des zweiten Buches wird <li 
Kampf gegen die Schlangen, männliche wie weibliche, dem In an 
zugeschrieben. Er zieht mit seinen Brüdern gegen die zw. dt 
küptige Schlange und tttdtot mit seinem eisernen Stocke QMD 
Kiipfe allein, die drei übrigen mit Hilfe seiner beiden Bri 
Darauf verfolgt die Scblangenmutter mit ihren drei Trichtern die 
drei Brlider und besonders Iwan. Sie liisst dieselben ein 
Kissen auf der Erde finden; Iwan, der eine List vermutlich 
schlägt erst auf das Kissen, aus welchem darauf Blut hervorquillt 
in der Erzählung von Dreh-Erbschen wendet der Held die 
fahr dadurch ab, dass er das Zeichen des Kreuzes mir seinem 
Schwerte macht, als Blut herauskommt), We Schlange versucht 
sie dann durch einen Apfelbaum mit goldenen und silberneu 
Aepfelu. Die Brüder wollen einige abpflücken; Iwan jedoch 
schlagt erst den Baum und Blut tiiesst heraus» Sie kommen dann 
zu einem schönen Brunnen; die Brlider wollen daraus trinken; 
Iwan schlügt den Brunnen und wieder fiiesst Blut. Das Ki- 
der Apfelbaum und der Brunnen waren die drei Tochter der 
Seil lange. Darauf stürzt sich die Schlange, welche die Brüder 
nicht hat tauschen können, auf Iwan; dieser entschlüpft mit seinen 
Brüdern iu eine Schmiede, die mit zwölf Eisenthilrcu vn 
ist; die Schlange leckt an den Thliren, um *i<'h einen Eiu^ 



V t l «neb V, £i 



14!» 

zu erzwingen, unci ihre Zunge wird von rothglüheuden Zangen 
fdeu Sonnenstrahlen) gepackt. 

In dem vierten Mährehen bei Erlen wein begegnen uns die 
drei Brüder wieder mit interessanten mythischen Namen. Eine 
Frau bringt drei Söhne zur Welt; einen am Abend, der deshalb 

rnik oder der Abendliche lieisst; den zweiten um Mitternacht, 
der Polunoenik oder der Mitternächtige genannt wird; den dritten 
bei der Morgenröthe, der den Namen Svetazor oder der Hell- 
sehende führt Die drei Brüder sind binnen vier Stunden erwachsen. 
Der tapferste von ihnen ist Svetazor, der letzte. Seine Starke zu 
erproben, geht er zu dem Grobschmied und fordert eine Eisenkeule, 
die zwölf Pnd (480 Pfund) wiegt; er schleudert sie in die Lnft 
und langt sie mit der dachen Hand auf, wobei die Keule zer- 
bricht Kr lässt sieh eine zwanzig Pnd (800 Pfund) schwere 
bringen ; wirft sie in die Höhe und Hingt sie mit einem Knie auf, 

zerbricht ebenfalls. Endlich nimmt er eine dreissig Pnd 
i 1200 Pfund) schwere, wirft sie in die Hohe und Bogt sie mit 
Heiner Stirn auf; sie biegt sieh, aber bricht nicht, Svetazor macht 
sie wieder gerade und nimmt sie mit, als er mit seinen beiden 
itrtldern die drei Tochter des Tzaren befreien geht, welche von 
drei Zauberern in die drei Schlösser von Kupfer, Silber und Gold 
entführt worden sind, Svetazor trinkt das Wasser der Stärke, 
empfingt von der ersten Prinzessin ein kupfernes Ei, von der 
«weiten ein silbernes, von der dritten ein goldenes und befreit 
die drei Prinzessinnen. Als die beiden Brüder sehen, dass die 
dritte Prinzessin schöner als die beiden andern ist, denken sie, 
der jüngste Bruder will sie für sieh behalten, und weifen ihn ins 
Wasser. Svetazor streift in der Unterwelt umher und befreit die 

iter eines anderen Tzaren, indem er ein Ungeheuer tödtel 
und unter einem Felsen begräbt. Ein Soldat rühmt sich vor dem 
Tzaren, diese Hcldcntliat vollbracht zu haben. Svetazor (ordert 
den Kriegsmann auf, seine Starke und somit die Wahrheit seiner 
Behauptung dadurch zu erweisen, dass er den Felsen aufhebt. 
Fr bringt es nicht fertig und Svetazor gewinnt bei dieser Kraft- 
probe, worauf der Soldat auf Befehl des Tzaren hingerichtet wird. 
Darnach wird Svetazor von einer Krähe, der er das Leben gerettet 
bat, ui die Welt des Lebens geführt unter der Bedingung, dass 
er ihr auf dem Wege etwas zu essen giebt. Svetazor muss 
Mihliesalich die Krähe mit seinem eigenen 1 Irische füttern, kommt 
and munter mit seinem ganzen Fleische in der 
Oberwelt an, wo er mit dem kupferneu, silbernen und goldenen 






150 






FJ die Schlosser, die aus diesen Metallen bestehen, entstellen lasgt; 
in dienen finden sieb der Ring, der Pantoffel und das Kleid, welche 
die drei Prinzessinnen von ihren Liebhabern gefordert hatten, in- 
dem sie bei dieser Gelegenheit ihren verlorenen Sevtazor wieder 
zusehen bauten« Darauf beginnt Svetazör die Terrasse dee gol- 
denen Schlosses auszufegen. Die dritte Prinzessin drückt das 
Verlangen aus, ihn ram Gatten zu haben. Die Hochzeit wird ge- 
leiert, Svetazdr verzeiht seinen beiden alteren Brüdern und giebt 
ihnen die beiden älteren Schwestern «einer Braut <l)ie Kupfer- 
j»rinzessiu ist die Abend-Aurora, die Silberprinzessin ißt der Silbcr- 
niond und die (loldprinzessin ist die Morgen-Aurora, mit der sich 
Svctazör, der hellsehende , der glänzende, die Sonne, vermähl I 

In dem sechsten Mährcheu des ersten Buches wird dieselbe 
Unternehmung von dem drittes Bruder, Iwan, ausge fuhrt, Dtt 

heuer, welches die drei Schwestern entführt, ist ein Wtt 
ungeheuer, eine Fischotter. Von seinen Brüdern in der Unterwelt 
verlassen, wird Iwan von einem grossen Sturme überrascht 
erbannt sich einiger junger Vögelehen, welche sich baden, und 
steckt sie unter seinen Kork, worauf die dankbare Mutter der 
Vogel ihn auf die Oberwelt zurückbringt, in dem fünfzehnten 
Mährchen bei Erlen wein ist der dritte Bruder der schlaue, 
welcher durch eine List und vermittelst seiner Börse, die sich 
von selbst füllt, seinen beiden Brüdern die Schnupftabak» 
stiehlt, aus welcher so viele Armeen hervorkommen, als gewünscht 
werden, und den Rock, welcher den, der ihn trägt, unsichtbar 
macht. (Beides Darstellungen der Wolke oder der Nacht, ans 
welcher Reichthümer, Sonnenstrahlen, Donnerkeile und Waffen 
hervorgehen und welche den Helden verbirgt, d. h, ihu unsicht- 
bar macht) In dem vicruudfUnfzigsten Mähreben des fünften 
Buches bei Afauassieff ist Iwan, der Held, der von seinen 
BlUdern geopfert wird, der starke, der, welcher die drei Prinzes- 
sinnen befreit, die drei Ringe besitzt, und sie dem Goldschmied 
giebt, von dem sie gefertigt wurden, der sie aber nicht machen 
kann, woran er erkannt wird. 

Iwan Tzarewic wurde, sofern er von einer Kuh geboren 
war, nothwendig als ein Stier dargestellt; der Stier zeigt ei 
Thcil seiner Kraft im Trinken; Iwan Tzarewic trinkt auf einen 
Schluck ganze Fässer Wein von wunderbarer Stärke, In dieser 
Fähigkeit gleicht er Indra, dem grossen Sonialrinker, und dem 
Trinker Bhima, dem zweiten Pändava- Bruder. 

Der dritte Bruder ist bald Prinz Iwan (Iwan Tzarewic, Iwau 






van Kralievic), bald der dumme Iwan (hvan dm 
Iwan der klei rr (Iwan Dnraciokh Doch machte wie schon 

der Narr gewöhnlich sein Glttck, entweder weil das 
Himmelreich drum gehört, die 1, oder weil die 

Dummheit Iwans nur eine vorgebliehe ist, oder auch weil der 
wird. In einem Mährchen, das bei A la n a s s i e ff * 
niitgctheilt ist, ist der Narr auch faul und führt den Namen Emil 
Emil wird mit einem Fans geschickt, Wasser zn holen 
t nur auf das Versprechen seiner Schwester, dass er zur 
in Paar rotin In bekommen soll. — Von diet 

Wunsche des Heldenknabei) und des Hcldenmädcbcns ist in vielen 
dern ; und unter anderen auch in einem, noch unveröffent- 
lichten piemontesischen die Rede, In dem siebzehnten Mahn 
fünften Bncbee bei A fan a »sie ff- tödtet die Schwester il 
Bruder, Klein Hans, um selbst seine rotlicn Erdbeeren (wie in dem 
cn Mährchen) und seine rothen Sehnhoben zu besitzen. 
seinem Grabe wächst ein schönes Rohr; ein llirl maclit sich 
eine Fl&te daraas, welche, an die Lippen gesetzt, folgende Klage 
hören lässt: 

„Lieber, lieber« kleiner Bcbäfer, spiele ; 
nicht mein Hens! 
t) Schwesterchen, das mich verrathen 

Uui die rothen Üeerlein, um die rutheu Schuldem!" 

Als die Schwester die Flöte an die Lippen setzt, sagt diese 

„kleiner Schäfer" — „Schwesterleio, Du hast mich rer 

itttben!" s und so wird ihr Verbrechen entdeckt Diese kleinen 

ind einlach eine Variation der Pantufleln, welche 

der flttchtigen Aurora verloren und von der Sonne wieder- 

inden werden und die Beide zu tragen wtlnschen. (Ich 

t diesen Mythus den Ursprung des europäischen 



• V, 56- — Vgl. auch VI, 22 — Vgl die Contce et Provorbch 

ii Armagn&u par Blade (Paris 1867), wo 
uud Faule wieder unter dem Namen Joan Lou Pigre vol* 

iüi. 

* Vgl. auch u Afau. VI, 85 

itze, grai 
mavö serdienku' vkrail 

vonni cebotkj 
iber den Pfau 



Brauchs zurllek, dfttit junge Madcl D Neujahr den 

werfen, uni SO <>b sic sieh im nächsten .Jahre verlieirath* 

werden und mit wem. 1 ) Der Pantoffel, welchen das Müdchc 
Klein Marie (Masha, die Marion pieniontcsißcher nnd l'ranz 
Äscher Mährchen\ verliert und der von dem Prinzen gefundc 
wird, kommt auch in den russischen Mahrchen vor. In dem 
divissigsten des sechsten Buches bei AtanasHiel'i probirt 
Klein Maries ältere Schwerter den Sehuh an; er i$t n klein; 
(In Fnss will nicht hineingebn. Klein Marie» Stiefmutter befiehlt 
ihrer Tochter, die großse Zehe abzuschneiden, die nicht hinein 
will; der Schub sitzt und die Boten de» Prinzen nehmeu die 
älteste Schwester mit; doch zwei Tauben fliegen ihnen uaeh und 
rufen: „Blut auf ihrem Fuss! Blut aut ihrem Fuss'/* (wieder 
eine Anspielung auf die rotfaen Schuhe; das Blut giebt ihnen hier 
<he<e Farbe.) Die Täuschung wird entdeckt und die fttfc 

v ester zurückgeschickt; der Prinz lagst seine wahre und vor 
bestimmte Braut, Klein Marie, holen, (Es ist dies die gewöhn- 
Vertauschung von Weihern, über die ich in meinem „Essay Über 
die vergleichende Geschichte der Hocbaeitagebrftuehe" einige Be- 
merkungen gemacht habe und zu deren volkstümlichsten Bei- 
spielen die Geschichte von der Königin Rerta-' geWft) Dk m 
BUCbe Klein Marie ist, wie Cinderella, zuerst von hässlichem 
Acussern. und dann schön. In dem russischen MahMien wird 
das Mädchen schön dadurch, dass es auf den Ofen steigt. Bttl 
kommt heraus, schon in ihrer Unschuld, durch das Feuer wan 
delnd; die Morgen-Aurora erscheint mir schon, wenn sie durch 
die Flammen des östlichen Himmels geht, Der Ofen ttlhrt uns 
wirder auf die unterbrochene Rraahlung von dem närrischen und 
faulen Emil (oder Iwan) zurück. — In Folge des Versprechens 



1 Am Epipbaniasfcste, dais auch «in Fest für Mann und Frau ißt, 
bringt die gute Fee gewöhnlich dem Kinde, dem Manne und der Frau 
nun Stiefel oder Strumpf voll Geschenken. Dieser Hochzeitsstiefcl bc« 
ket uns wieder in der englischen Sitte, einen Schab hinter ein uetiver- 
miihlle* Paar zu werfeu. Eine andere Bedeutung wurde im Volksglauben 
ften Pantoffeln beigelegt, die weggeworfen werden. Statt die Schabe 
Heldin zu sein, welche, abgelegt, den vorbcatimniten Gemahl anzi 
leiten, werden sie auch als die alten Schuhe betrachtet, welche der Ten 
„unicklässt, ala er Hiebt (sein Schwanz, der tiefe verrät i 

* In der Bertasage handelt es sich ebenfalls um eine Uuvollk 
heit des Fusses; aber hier hat Berta selbst den grossen Fuss, nicht 
Nebenbuhlerin 



Hit or mil (tern I in Brunnen, W. 

hi dem Brunnen fängt er einen Hecht, der ihn bittet, 
üinidir Freiheil ssn schenken, und ihm dafür verspricht, ihn glüek- 

zu machen, In seiner Faulheit hat Emil in diesem Au- 
Uiekfi mir den Wunsch, bei der Fortsehafl'ung ü\ 
*ültei zu werden; der dankbare Hecht bringt das Wunder zu 
Stande, dass das mit Wasser gefüllte Fass von selbst geht. (Ich 
' J *be schon versucht, diesen Mythus zu erklären: die Wolke wird 
ten vedischen Hymnen als ein Fass dargestellt ; sie bewegt 
von selbst; das I sgleiehcn; der Held bleibt, so lai 

i Wolke eingeschlossen ist, närrisch , das Fas* des Nar- 
jclit ron sell>sf j Etna wird dar u-kt, Hob m hauen; 

'taok den» dankbaren Hechte genügt es ihm, seine Axt 
chicken, die das Holz von seihst abhaut; dieses schichtet 
ttf dem Wagen aul, welcher, ohne von irgend wem i m 

lit, indem er Alles, was ihm i ti den We^r 
K,l «nmt, idcdi versuchen, seinen Lauf aufzuhalten 

um einer Eiche sieh von dem Wagen toaltal und wie 

k die Strasse fegt (lauter sonderbare Variationen dfifl 

'clndeu Waldes resp, Wolke). Der Tzar liisst ihn an den 

laden und verspricht ihm, da er seine schwache Seite, die 

»Orliebe für Sachen von rother Farbe kennt, ein mthes Kleid, 

Hut Mini rothe Stiefeln. Als des Tzaren Boten k<mi- 

llc o. sieh Kmil T wie sein alter ego Iwan Durak (der Nan 

Ofen; da er jede Anstrengung scheut, so erhält er vom Hechte 

vorn Ofen selbst an den Hof Acs Tzaren getragen zu 

v,, *Heii Des Tzaren Tochter verliebt sich in ihn; der Tzar 

■Hc junge Paar ui einem Fasse ein (dem gewöhnlichen 

das in Gestalt einer kleinen Kiste in andern F*r- 

MBltmge n vorkommt, eine Variation des hölzernen Rockes) und 

ins Meer. Emil, der im Fasse betrunken geworden, 

«lie Prinzessin weckt ihn und bittet ihn, sie zu retten: 

•ludst des Hechtes kommt das FaSfl an eine schöne Insel, 

l aufbricht; Emil wird schön, reich und glücklich mit der 

i\ Prinzessin in einem schonen Palaste <Die Aurora und die 

Jen mit einander in den Ocean der Nacht 

klielien Insel d< B landen, WQ 

i in all ihrem Glänze wiedererscheineu.) Finer der 

"*k*i irren ist iW\\ d;iss er den W r eiu aus 

Inf die Erde auslaufen läset, als er allein zu Hanse 

in dem russischen Mäbreben Iiisst Iwan das 



i;>4 



iiicr in dein offenen Fasse gähreii (Imira macht mit seinem Blilse 

ein Loch iu das Wolkcii-l^a-ss und der Regen tliesst heran«. l ) 

Der Narr Iwan hat Glück durch die Lebenden, aber ebenso 
auch durch die Todtcn. Dafür, das« er drei Näehte an dem 
Grabe seines Vaters gewacht hat, segnet ihn dessen Schatten nnd 
sein Glück fängt an;- doch da die Todten Glück bringen (ein 
Glaube, der jedenfalls immer von den Erben reicher Leute fest- 
gehalten worden ist), so speeutirt der dritte Bruder auf den 
Leichnam seiner eigenen Mutter, Wir wissen nicht, ob er das 
aus reiner Dummheit oder mit einer \ ersteckten und weitgehenden 
Absicht tliut, die sich allerdings aus der Leichtigkeit schli« 
liisst, mit der er die Holle des Narren mit der eines sehlauen 
Känkesebmieds vertauscht (der erste Brutus der Volkssage h In 
dem siebzehnten Mahrcbcn bei Kr leu we in bewacht er, nachdem 
er durch den Verkauf seines Ochsen an den Bau in und d< 
rmliauen einen Sehatz an sieh gebracht, sein Geld beständig und 
schläft darauf. Seine Brüder wissen das und bese hl i essen ihn 
zu tttdten. Gerade diese Nacht aber betraut der dritte, närrische 
Bruder seine Mutter mit der Bewachung des Schatzes; die Brü- 
der kommen und tödten aus Versehen ihre Mutter gtatt seiner. 
Er droht, sie der Gerechtigkeit zu überliefern; sie bestechen ihn 
mit hundert Rubeln, Stillschweigen zu bewahren. Darauf nimmt 
der dritte Bruder den Leichnam seiner Mutter und legt ihn mitten 
auf die Landstrasse, damit ihn ein Kaufmann mit seinem Wagen 
überfahre; das geschieht auch und er beschuldigt den Kaufmann 
des Mordes, bis der letztere ihm noch hundert Rubel gieht, damit 
er es nicht weitersage. Er kommt dann bei Nacht mit dem 
Leichnam seiner Mutter in ein Dorf und stellt ihn gegen die 
Thur eines Bauernhauses; dann klopft er ans Fenster; der Bauer 
iiünct die Thür; der Körper lallt zu Boden und der Bauer tritt 
darauf, worauf der sogenannte dumme Sohn laut schreit, jener 
habe seine Mutter getodtet, und sich nur durch hundert Kübel 
beschwichtigen tilgst Darauf tödten die beiden alteren Brüder, 
welche es höchst praktisch linden, mit Leichnamen zu speeuliren 
und sein Gliek zu machen, ihre Weiber und gehen mit deren 
Leichnamen in die Stadt, werden aber sofort festgenommen and 
in sichern Gewahrsam gebracht 

Das Gesetz des Atavismus gilt bei der Fortpflanzung der 



I A tan. V, 1 uik! das Ka|u liber den Stoich. 
» Vgl A tan. II, /f. 11, Ä IV, 47. V, 37. 



fJcI«:len mythischer Krzählungen nicht mittler wie tili einfache 
inliwche Sterbliche. Von einem dämmen Vater wird ein kln 
Nif i «i gezeugt, welcher wieder einen dummen Sohn hat. Ich kann 
niir bis jetzt diese wunderbare Erscheinung der Naturgeschichte 
nidi t erklären; ihr Auftreten in der Mythologie ist jedoch un- 
ch '^^'er zu verstehen. Dem glänzenden Tage folgt die finstere 
Im a In und dieser wieder der glänzende Tag; au!" Sommer folgt 
hinter und auf Winter Sonmier; auf weiss schwarz und auf 
ch x%™rz weiss; auf heiss kalt und auf kalt heiss. 

So ist denn auch in Legenden der Sohn gewöhnlich eintällig, 
wm* is die Mutter verständig ist — und umgekehrt. ■ 

In den» fünften Mährchen des sechsten Buches bei A fan as - 

t kommt ein Soldat in das Hans einer Frau, während ihr 

"1 » ii auf Reisen ist, und macht sie glauben, dass er soeben aus 

'ter* Holle zurückgekehrt sei, wo er ihren Sühn damit beschäftigt 

en habe, die Störche attl die Weide zu fuhren, denselben 

aaoli in grossem Geldmangel angetroffen habe; der Soldat crzählL 

K ^ci im BegriH, in die Hölle zurückzukehren, und würde Bich 

glÄc^klicb schätzen, Alles mitzunehmen, was die Frau ihrem Sohne 

thicken wollte. Die Leichtgläubige giebt ihm etwas Geld, mit 

'^'t tt Auftrage, es schleunigst in die Hölle zu bringen und ihrem 

armen Kinde zu geben. Der Soldat verschwindet und kurz 

ml kommt der Sohn nach Hause; die Mutter ist höchlich r 

nt über sein Erscheinen und erzählt ihm, wie sie getäuscht 

den ist; er wird ärgerlich untl verläset das Haus wieder mit 

iwur, nie wieder zu kommen, bis er Jemanden findet, der 

i närrischer ist als seine Mutter. Er ist ein schlauer Dieb; 

*r Mtieblt einer Datue, während ihr Gemahl abwesend ist, ein 

N "hwein sammt seinen kleinen Ferkeln und bringt sie in sicheren 

Gewahrsam; der Mann kommt heim, vernimmt, was vorgefallen 

und verfolgt den Dieb mit Pferd und Wagen* Der Räuber 

ihn kommen, kauert sich auf die Erde, nimmt seinen Hut 

aDl tißil thut so, als ob er damit einen Vogel bedecke, der ihm 

eatfectyttpferj wolle. Der Mann kommt und fragt ihn, ob er den 

bn; der letztere antwortet, er habe ihn wohl gesehn, 

" et sei aber schon eine gute Strecke voraus, und der Strassen, 

au * denen er einzuholen sei, seien viele und verschlungene. Der 



ölte ibt iu Fnuikruich sprichwörtlich geworden, wo tin 
h Pierre Gringoie eine saüriiche Komödie: Le jeu de Mitf 

lie Mere Hütte tlie katholische Koche ist. 



im; 

Mann hit let den Räuber, dem Flüchtigen nachzujagen ; jener 
nimmt erst Anstand, weil er unter seinem Hute einen Falken 
habe, der seinem Herrn dreihundert Hube! koste und entwischet 
könne. Her Mann verspricht nun, Acht zu geben und, falls de 
Falke entfliegen sollte, die dreihundert Rubel zu bezahlen. Der 
Dieb traut seinem Versprechen nicht und verlangt die dreihundert 
Hubcl als Caution; er erhält sie auch und macht sich mit fan 
Wagen, den Pferden und den drei hundert Rubeln auf und damn. 
Der Genast Wirte wartet bis zum Abend, indem er den Hut wohl 
in Acht nimmt; schliesslich aber verliert er die Geduld, hum 
sehen, was denn eigentlich unter dem Hute steckt, und findet 
nicht» als — einen Beweis seiner eignen Dummheit. l 

Iwan (Hans), und noch öfter Vaniusha (Häuschen, der Gi 
vannino italienischer Mahrehen), zeichnet sich nicht allein durch 
seine Diebsstreiche, sondern auch durch seinen Muth aus. Uni 
die Rolle eiltet Diebes spielen zu konneu, wie sie Hänschen 
allen indogermanischen Mährcheu spielt, ist nicht allein Gescbic 
lichkcit, sondern auch Muth erforderlich; daher erlangt er, wie- 
der Ritter Bayard, den Ruf eines Ritters ohne Furcht und Tadel. 
Der Held Iwan ist bald ein Konigssohn, bald der Sohn eines 
Kaufmannes, bald der eines Bauern; die Kaufleute wünschten 
nicht minder lla die Bauern, sich den volkstümlichsten Helden 
der SagO anzueignen. In dem seehsundvierzigsteu Mährchen des 
Pflntten Buches können weder die Schatten der Nacht noch Bri- 
gMteu noch der Tod den Helden in Furcht setzen; er eol 
sieh jedoch und stirbt, indem er ins Wasser fallt, als der kleine 
jcrsli (der Barsch) auf seinen Magen springt , während er 
seinem Fischerbote eingeschlafen ißt. In dem loscanisclicn Main- 
eben 1 stirbt der furchtlose Hehl Giovauninn, nachdem er Gefahren 
aller Art getrotzt, an dem Schrecken, den ihm der Anblick s« 
eigenen Schattens einjagt. Ebenso ergreift im Ijigveda de 
Gott India nach der TiUltung der Schlange Ahi die Flucht, 



1 liiiic ähnliche Geachichtc, die ieh jedoch in Aq bet im c bl ihrer iude- 
ectitva Kinzclheiten in meiner Sammlung der Novelline di Santo sn 
fano di Calcinaia nicht piiblieireu kannte, wird auf dm Hii._ 
Btglltf b i Florenz Oflifclft, wie Klldh, mit einigen Aetldcritlftgeil, HB P« 

te»! neben. — Vgl. eine russische Version derselben Erzählung in dem Ka- 
pitel über die Henne. 

* Novellioe di Santo Stefano di C 



tu eigenen Schatten oder, wahrscheinlich. A 
ine« r Feindes. 1 

Folgende Helden siud ebenfalls Variationen den Prinzen I? 
des Kuhsohnes, des P.ärensolines, des Kaufnuinussolni 
d« erstens der kleine Alexis Pajiovir, der Baby 

ist bekannt, dass die russischen Priester niebl 
ien sind), welelier Tugaria, den Sohn dtfr 
chlange. durch flehet tudtet, d. h. dadurch, dass er zu der 
-ttes betet, der schwarzen Wölke zu befehlen, Regeu- 
f>fen auf des Ungeheuers Flügel lallen zu lassen» worauf 
ir Schlange, wie der vedische Ahi, als Indra den StrütMO 
bahnt, sofort zu Boden fallt; zweitem Hnldak, Bo 
siebenjährige Knabe, der es fertig bringt, dem 
t zu speien — (ich habe schon iu der Vorrede 
bemerkt,, das« der Türkenherrseher in der slavisehen Sage, 

hen, der Repräsentant des Teufels ist; der Dämon 
der Held naht, Menscbenlleisrh in indischen, Hnisten- 
n iu orientalischen Erzählungen, 3 und Russenfleiseh in rns- 
u Mäbreben) der aber später des Sultans Gefangener 

il er der dritten Tochter des letzteren mit einem Stern 
seiner Ferse erscheint, oder seine Ferse zeigt (welche der 
Theil sowohl des Helden wie dvs Ungeheure if 
(bitten* Basil Bes-ciastnoi, der auf Relehl seines Schwiegerva 
h da* Sehlangenreielj geht, um ein Geschenk von ihm zu erhalten, 
Qteucrn, die denen des jungen Plavacek in böhmischen 
i ähnlich sind, als er die drei goldenen Haare 
.da (des Ansehenden, der vediscücu Sound Vigvavedn) 
ill;' viertens der dritte Bruder, welcher für zwei Sitcfce 



riai Ka pitel über die Fiaehe, 
1 A fa». VI. 59, V M versteht er dagegen traeker zu k£mf»feti 
' In England riecht das Ungeheuer das Blut eines Engländer«, wfa in 
ilen in J :u'k the Gl ant -Kill er: 

fo futin 

11 the blood of an Englishman ! 
, or be he dead, 
I II g 9 % to make my broad. 1 ' 

fo fuuj, 
leh i ieebe englisch Hint ! 
i ari t*r todt, 

m$k\ §eine rinoehon 1 m machen mein BrodJ 

Ca |i olli d'nro d«*l Nonno Sutntto, liuiogna 



Fliegen und Mücken, die et n bat. Elites Vieh eintau- 

Derselbe Held führt auch den Namen Klein Thoraas Berennikof 
auf einem Auge blind, tfrltet er eine Armee von Fliegen und 
rühmt »ich, eine Armee von Helden getndtet zu habeu ; er gewinnt 
so unverdienter Weise den Ruf ein Held zu sein und ist glück- 
lich, eine Gelegenheit xu haben, seine Tapferkeit zu beweis 
durch die TOdtaog eines Schlangcnungehciiers, das aus Tollkühn- 
beil beide Augen scbliesst, als es sieht» dass Thomas nur eins 
bat; darauf vernichtet er ein Heer Chinesen mit einem Baum 
.stamme, der von seinem unbezähmbaren Pferde entwurzelt ist, 
welches ein wirklicher Held an den Baum gebunden hatte;* fünf- 
tens der schlaue Schuft, Klein Thomas (Thomka; die Quacksalber 
im l'ieiuontcsischeu pflegen den Namen Tommasino dem kleine 
Teufel zu geben, welchen sie au> einer Phiole beschwören), dt 
durch Verkleidungen den Priester betrugt und bestiehlt; 9 sechs 
tens der dritte Bruder, welcher sich von der Hexe nicht zc 
Schlafen bringen lässt (wie wir oben die dritte Schwester sähe 
die eins ihrer drei Augeu offen behalt ) ; ' siebentens der berdebti*. 
Küuber, Klinika, ' welcher vermittelst einer Pauke (in indischen 
Mährchen einer Trompete seine Complicen, die Räuber, erschrecl 
ihnen ihr Geld nimmt und dann einem Herrn sein Pferd, seil 
Schumi kkiistcheu und sogar seine Frau stiehlt; achtens der Ko- 
Bfck, welcher das Mädchen ans den Mammen rettet und sie in 
sein goldenes Haus bringt; auch sind noch zwei andere Mädchen 
da iwohl verstanden, die eine im Silberhauae und die andere im 
Kapferhanae); von diesen drei Mädchen erhält der Kosak 
Hemd, das ihn unverwundbar macht, ein Schwert, welches di 
wunderbarsten Wirkungen beim Abschlachten von Menschen hat, 
und eine Biirae, die, wenn man sie schüttelt, Geld ausseh littet \ 



• A fan. U, 7. 

■ Afan, V,1I. 

* A fan, V> 7. 8. 

• A fan, IV, 40. 
1 V, 8. Er lenwein 7. 

* Erlen we in b. — in dem ersten Mahrchen bt'i Ei leuwein im 
der Jüngstgeborene, Häuschen (Vauiusha), streitenden Bauern durch List 
erat einen wunderbaren Bogen weg, dann einen Hut, der den 'i i 
sichtbar macht, und endlich einen Zauhcrumntel, der von selbst fliegt Er 
verspricht n&mlich, sie gleich zu vert heilen, und iüsat »ich tür diesen 1 

je hundert Rubel im Voraus bezahlen; er witlt dann diu Gegensl 
weit fürt und sagt, da** d< i aii baben solle, der sie findt n kann; Alle 



•nntens der berühmte Hin Muronrictz (Elias von Mnrnm\ uni 
welches sich, wie um Svetazur und Svyatogor (heiliger Be 
Dofaryala Nikitie und die Helden Wladimirs ein ganzes rusBis 
Heldengedicht dreht. J 

Andere Variationen desselben Helden sind der Sohn des 

Kaufmann!*, der dem Teufel zur Erhebung übergeben wird und 

diesem Künste aller Art lernt; der Knabe Hasil, der die 

Sprache der Vögel versteht und seine Eltern sich dienstbar macht; ' 

ttefr Kaufmann oder Bauernsohn,' welcher ein Vermögen erwirbt, 

weil er guten Rath dem Gelde vorzieht; der tugendhafte Arbeite" 

mann, der für seine Arbeit nur drei Kopeken erhalt, durch deren 

Verwendung auf gute Werke er jedoch schliesslich in Stand ge- 

I wird, die Tochter des Königs, oder die Prinzessin, welche 

uk'lit lachte, zu heirathen. 4 

Die Erzählung von dem Helden Iwan hat noch andere inte- 
ressante Gestaltungen, welche den schönen vedischen Mythus von 
ton beiden Agvius wiedersjtiegcln, die den Unglücklichen in ihr 
• udes Wagenschiri aufnehmen, Bei Atanassieff (VI, 27) 
wird der dritte Bruder für närrisch gehalten und von seinen 
Eltern schlecht behandelt, die ihn schlecht kleiden und nähre». 
Dfcf König erlässt einen Aufruf, wer immer ein fliegendes Schiff 
(■tthen könne, solle seine Tochter zur Frau bekommen. Die 
Hotter schickt ihre drei Söhne ans, das uotbwendige Zaobermittd 
* ü suchen; dem dritten Sohne giebt sie nur etwas »Schwarzbrnd 
Qn( J Witter, während die beiden ältesten mit schönem Weissbrod 
1r "' etwas Branntwein versehen ausziehen. Der Narr triff) auf 
■fem Wege einen armen alten Manu, gritsst ihn nuil beginnt seine 
** r g"e Mahlzeit mit ihm zu theileu; der Alte verwandelt sein 
r arzbrod in Weissbrod und sein Wasser in Branntwein, und 



ll - kl ~» ; « ullein findet. (So verbirgt Arguna im AI ah ab hä rata MUM 
'"'^^rbareu Waßen in einem Baumstämme, in welchem er allein sie finden 

Vgl, Schiefner, Zur russischen Heldensage, Peterab. LB6f« In 
Ralston (The Songs of the Russian people) angefü h 1 1 en 
ichen Volkagedichte wird der Held Svyatugor foigendernntaacn 
f kommt ein Held, grösser als die hohen WältU-r, deren 
iii igen Wolken reicht, auf seinen Schultern einen kry* 
tragend/' 
1 Afan Vi, 4L 
l V, M Brlenw 16, 



160 

rätli ihm dann, in den Wald zu gehen, das Zeichen de* Kreuze 
an den ersten Baum n machen, den er finde, und ihn mit f* 
\\t zu schlagen; dann sich auf den Boden zu werfen und li 
zu bleiben, bin er erwache; er werde ein Schiff fertig vor sie 
lehn: „Setze Dieb hinein/ 4 tilgte der Alk- hinzu, „und fliege, w< 
hin Dein Befehl Dich treibt, und auf dem We^c nimm so Viele 
zu Dir, als I*u trifft," 1 Dieses Gefährt ist überreich beladen mit 
Speise und Trank; der junge Mann nimmt mehre dflrl'tige Bettle 
auf, und zwar nimmt er nur arme Leute, keinen einzigen Reichen* 
Doch diese Armen beweisen später dein Helden ihre Dankbar- 
keit und stehen ihm in andern Abenteuern bei, die der Tzar ihi 
auferlegt, um auf diese Weise einen Schwiegersohn so plebejische 
IfrsprungR los zu werden» Eine dieser neuen Aufgaben bestell 
darin, dass er zwölf Ochsen essen und auf einen Zug vierzig Fas 
Wein austrinken soll; dabei helfen ihm Essen (Abiedalo) und 
Trinken (Apivtilo), denen er in seinem Wagen-Schiffe Unterhalt 
gegeben hatte und welche statt seiner essen und trinken. : * End- 
Uefa kommt er, um die junge Prinzessin zu freien und sie zu bei- 
rathen. (Der Held Sonne wird in den Wagen der A^vnis aufge- 
nommen, welche er in Her Gefahr angerufen hat, gerettet und 
heirathet die Aurora,) 

In einer Variation dieser Erzählung wird ein fünfzehnjährig! 
Prinz, der von seinen Eltern verloren worden ist, vermittelst eine 
Kiithsels wiedergefunden, welches sie aufgeben und welche 
allein täten kann. * In den vediseheu Hymnen ist es bald die 
Aurora, das schöne Madeheu, welches den Helden Sonne rettet, 
und bald der Held Sonne, welcher das schöne Mädchen, die 
Aurora, befreit. In dem einundvierzigsten Mnbrehcn des sechsten 
Buches bei Afanassieft stellt sieh ein kleines siebenjähriges 



r C^ndis v ntevd, i leti kuda nadofono: da po daroghie iabit:ii k 
vshtkovo vstriednavo. 

1 Na karablie niet m adnavü juina, a vsio cornie lud). 

3 Vgl, A f ii n. V, 98« — Eis kommt in der Gestalt eines alten Manne 
ilikb siedende Bad *u verstu-hen , in welche* der König de* Meeren ihm 
jungen Helden werfen lassen will; als Eis das Bad versucht hat, £**hf dt- 
junge Held hinein, ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen, - Die Trink 
probe kehrt in grandioser Gestalt in Siiorria Edda (Gylfag 4fi) wieder 

Kampfe iwieehen Utgardloki und Thor» den fteehei 
abweichenden Gestaltung der indischen Erzählung von Agaetya, der du 
bie^r trocken legt 

* Afan. V, 42 



161 

leben [aemilietk:i i dein Tzaren vor, der dasselbe heirathen 
il**ss, sofem es das aufgegebene Kathsel löst, indem ee auf einem 

Qranrn reitend ankommt (dem ThJere, welches den Mond dar 

-lltl, mit einer Wachtel an die Hand gebunden. l Auch sie 

wie die Aurora, Alles, auch sie beschützt den Annen gegen 

^n Reichen, den Unschuldigen treten den Schuldigen. Der 

ilwis ist eine Erscheinungsform dieses Kindes. Allwis 

der allwissende Mann der Edda, welcher alle Prägen, tue ihm 

vim dem (rotte Thor vorgelegt werden, beantwortet, um de 

zu bekommen; als er mit der Beantwortung dieser drei 
sen i bricht der Tag an und die Sonue scheint* 

ae Mädchen von sieben Jahren (die Auroral führt 

auf die wunderbare Puppe (gewöhnlich den Moud) zurück. 

Ks eind drei Puppen (der hölzerne Schrein von Marion d'boscb 

dir hölzerne kleine Marie der piemontesischen Erzählung,, dei 

re Wald dev Nacht, der Baum, welcher die glänzenden Schatze 

4er Abend- Aurora birgt; eint andere Variation desselben Mythus 

in Iteztig auf die Sonne), welche die drei glänzenden Gewänder 

der les Mondes und der Sonne verbergen, die dem schTi- 

W Mädchen, der Tochter ilvs Priesters gehören (einer Variation 

»eben Vurora, dnhitar divas, oder Tochter des Himmels), 

und die drei Poppen, welche das gehObe Madchen in Stand 

a, unter die Erde zu verschwinden und so den Verfolgungen 

s Vaters und Verführers (in andern Versionen ihres Bruders) 

und welche mil ihr hinabgehen, ah alte Weiber an- 

s'en, und in einen Wald eintreten, wo sieh neben einer Eiche 

- einer Prinzessin befindet, die einen jungen und schonen 

hat * In oiner Variation dieses Mährcliens : ' wird das Mad- 

nicht vom Vater verfolgt, sondern von der bekannten grau 

* a i"cii sn< imutter, für welche sie den Weizen von der Gerste 

rn und am Brunnen Wasser holeo muss (gleich dem vedischeu 

ben Apalä); sie geht drei Mal glänzend gekleidet zur Kirche 

6 die Stelle des Hallsaales anderer Mährchen vertritt), wo sie 

Mal von einem schönen Prinzen gesehn wird; zwei Mal folgt 



»lie Kapp, >ik>er den Hasen und di« Wachtel 
8 und 11 
* Afau Vi, 20, — Vgl. I, 3 und II, 31, vv*j wir den Prinzen fipdi n 

Mädtsbeu. da* ihm d.eut, schlägt, wi.< in 

Ani»cheu Mihrchan von «lein höbernen Giebel (der Puppe), der 

Sammlung Novell ine di Stu Stefano U i (I*U- 

*Ui, 41t Thto«, 1 } 



162 

LT ihr und zwei Mal verschwindet sie T das dritte Mal hat der 
Prinz Gummi (in ändert] Kttltofefin !V<ti auf den Boden ge- 
ben; die fluchtige verliert in Folge dessen ihren gold« 
P&Qtoffel, den der Prinz aufhebt nud allen Mädchen anprobirtj 

r seine Braut findet In einem andern Mährchen, l in wel- 
chem die Verwandtschaft der Aurora mit den beiden A^vins in 
wunderbarer Klarheit zu Tage tritt, - webt das von der Stief- 
mutter verfolgte Mädchen vermittelst seiner redenden Zauberpuppr 
(4 h. de« Mondes, der vedisehen Rftki, sehr klein, aber sehr 
klut;, in dem hölzernen Gewände, in dem Walde der Nacht, eiift- 
geschlossenj ein so feines Gewand, dass es sich wie ein Faden 
durch ein Nadelöhr ziehen lässt (ganz wie des Madchens Fi 
sehr klein sind, sind es ancb die Hände der Puppe), I>a> 
Wunderkleid wird dem Tzami gebracht, aber Niemand findet 
sieh, der daraus ein Hemd dir den Tzaren nähen könnte. H Nur 
das Madehen bringt es vermittelst der Puppe zu Stande; der 
Tzar wünscht das Mädchcu, das ehi ausserordentliche Ge- 

schicklichkeit besitzt, zu sehen und geht es suchen; er ist erstaunt 
Aber ihre Schönkeit und lieirathet sie. Im Bigveda webt die 
Aurora ein Kleid llir ihren Gemahl, die Sonne. 

Dasselbe Mädchen {die Auroras das wir hier nur als ein 
gutes, schönes, kluges und gewandtes Bildchen finden, erscheint 
in anderen Mährchen bei A t anassi eff als eine Heldcnjungfraii 
wieder. Im siebenten Mahrchen des ersten Buches verkleide! sie 
sich als Mann und hat den Tzar drei Mal zum Besten. Im vier 
zehnten Mährchen demselben Buches besiegt und bindet sie unter 
dein Namen „Anariattfl die Schöne*' die Schlange und entdeckt 
das Geheimnis*, wie dieselbe getödtet werden kann. Uuter dem 
Namen Helena oder Klein- Helene ist sie die Schätzerin ihres 
kleinen Bruders Ivanusca | Hänsehen)' und seine Fahrerin durch 
die Welt; als der Knabe durch die Bezaiiberung einer Hexe iu 
ein Lamm oder Böekclicn verwandelt wird im einem 
tischen Mährchen im Piemontesimchen werden die sieben Möl 
die Brüder des nmthigeu Mädchens, in sieben Schweine verwan- 
delt), empfiehlt sie ihn der Sorge des Prinzen, ihres Gemahl*, 
damit sie das Ten felswerk der Hexe zerstören könne Dasselbe 



1 IV, 44. 

3 Vgl. das nüctiBte Kapitel 
* Vgl. du* Kapitel über die Spinn« 
.in, H, 29 und IV 



163 

r» Im die hochweise Basilia (Vasiliea 

die dem jungen Hehlen zu Hilfe eilt, weil or ihr 
lütte da» Gewand, stöhlen, während si< 

nieder zustellt. Aus Dankbarkeit dafür verri- 
Mr ihn die Arbeiten die ihm ih'v König ilcr Wfi 
auferlegt hat, und heirathet ihn g b nach mancherlei 

erscheint noch einmal als das königliche 
leben \'\ zar-dievitza i, das drei Mal mit seinen Schiften übet 
Iah reu kommt, um den geliebten Iwan wegzubolc 
nm\ !me zu den Heldenmadeben auch die Tochter des 

unundzwanzigsten Mährchen de« fünften Buches, 
das ich \i: folgen lasse, Ka war einmal ein König, der 

konnte kein Madeheu finden, das seinen Ansprüchen au Schön- 
.«distal: md seinen ßeaebmack befri Atta 

kommt er von der Jagd zurück Hier Sonnenheld tritii 
raut, immer, wenn er von der Jagd in * i • - 1 ■ » 
l zurückkehrt) ; da trifft, er eine Sehatcrstoeliter, 
de auf die Weide treibt, SO BOfathi, dass man 
•hen vergeblich in der ganzen Welt suchen würde. Er 
iebt »ich in sie und verspricht ihr, sie zu seiner Fnu 
lach« r unter der Bedingung, dass sie niemals etwas ihm 

liebiges sagen wolle, was er auch immer tbue; das arme ver- 
e Kind willigt ein. die Hochzeit wird gefeiert und das Paar 
ein Jabr lang glücklich zusammen. Bin Knabe wird ihnen 
»reo; dl sagt der König wild zu ihr, der Knabe in; 
Ifcet werden, damit es nie heimsen möge, der Thronerbe sei der 
rin, Das arme Weib ergiebt sich in ihr Looa 
den Worten: „Der Wille des König« geschehe." Ein zweites 
rgeht und eine Tochter wird geboren. Der König h 

terben, da sie nie eine Prinzessin werden 

sondern immer ein ßauermädchen bleiben würde, Die 

Mutter cb zum andern Mal unter ih-n Willeil 

jedoch Sohn und Tochter nicht dem Scharf - 

liefert, sondern zu seiner Schwester bringt, damit sie 

iahen, welche ihrem königlichen Stande 

n ; die Kleinen, Prinz und Prinze 

and, gut und glücklich heran. Da »teilt der 

ru letzten Male auf die Probe Ersehnt 



U 1 



164 



in ilen Kleidern eine? & nach Hause, indem er [tu 

teben giebt, dass sie lange genug bei ihm gelebt babe. Dann 
ihll er ihr /urliekzu kehren, die Zimmer herzurichten und der 
neuen Braut aufzu warten, «lie er an ihre Stelle setzen will; die 
Sebaferstochter gehorcht, ohne zu murren. Die neue Braut kommt 
an und mau setzt sieh zur Tafel; man isst, triukt und ist In- 
die Schiiferstoehter ninss Alles sehen und hören und doch sebwei 
ggod dienen; endlieh tragt sie der König: „Nun, ist meine Braut 
nicht Schönt womnf du unglückliche Weib mit Übermensch! ielier 
Anstrengung antwortet: „Wenn sie Dir schon seheint, sn scheint 
sie es mir noch mein, Da mit der König im höchsten Glück ans: 
„Kleide Dich wieder in Deine königlichen Gewänder und b 
Dieb au meine Seite; Du bist mein Weib und sollst es ewig 
bleiben, mein einziges Weib; diese meine vorgebliehe Bran: 
Deine Tochter und dieser schöne Jüngling Dein Sohn!" Die n 
Heldin hat tue letzte Prüfung ihrer Tugend bestanden und triump 

Aber mit der Tugend der Sagenheldiu ist's nicht immer Bti 
weit her. Oft wird die gute Frau, Schwester oder Jungfrau durch 
Berührung mit der schlechten verdorben. Wir sahen schon r 
die schöne Aurora, das mitleidige und wohlthätige Mädchen 
den vedischen Hymnen selbst die Debelthliterin wird, welche der 
Indru stürzt nnd vernichtet Die Amazonen der Griechen, 
die schonen mid stolzen 1 fehlen weiber, werden auch verfolgt, br- 
kämpft und besiegt von den griechischen Helden. Die russischen 
Enslhlnngen liefern aueli zahlreiche Beispiele von der Leichtig- 

riiit der der tiute in den Dämon, der Held in das Ungefa* 
«lie schöne Heldin in die (nichtige und unlieilstiftende Zauberin 
ausartet. 

Die gute Schwester Helene, diese sorgsame WSchtertn 
Binders Hans, wird schliesslich, als sie eine Leidenschaft für das 
isHt, die treulose Verfolgerin dieses Bruders, (Die 
Abend- Aurora wird als eine Freundin des Ungeheuers der Nacht 
dargestellt, welche mit demselben gegen ihren Bruder, die Sonne, 
conspirirt; uud jeder, der den sinisteru Anblick beachtet, welchen 
oft der rothüehe Abendhinimel bietet, wird diese Erdichtung 
natürlich finden. Ich habe oben gesagt, dass ein niemontesiscues 
Sprichwort bei einem rot hen Abend schönes Wetter für den 
folgenden Tag prophezeit; ebenso ist aber im Piemontesiseben 
anch ilvr Glaube weit verbreitet, dass das Abeudroth Blut be- 
deutet und dass seine blutige Krabe Krieg verkündet. Ge 
bedeutet es Krieg, aber einen mythischen — den Krieg, in 



165 

T Held be! seinem Kampfe gegen das Ungeheuer unter- 
lieg! und Blut veigicsst Und zwar ist's ein Weih, das den Hei- 
uichtet. Ein Pendant zu der bibttaeben Delilah findet sich 
iu allen indogermanisch« n Volkssagen, die redische Aurora, die 
rester Rivanai im Kam äy a na, die Schwester Hidimbäa im 
Mahäbhärata, die hellenische Dejanira, Ariadne, Medea, die 
Amazonen, Helena, die riaviache Helena, Anna das Sabincrweib, 
die seandinavisehen Walkiries, Frcva, Iduu, Brunhilt, Gudrun, die 
Krimhilt — Alle sind Krs«dieiDnngsformeii einer und 
selben Heldin. bald im Lichte einer Heiligen, bald in dem 
betrachtet, 
In dem russischen Mährehen hei Afanassietl V, 27 kommt 
<l.is flüchtige Geschwisterpaar, Iwan Tzarewic und Helene dir 
'Tordentüeh schöne (Prekrayna , iu ein Rauberhaus, naelidem 
*ie der Stier von dem Bären gerettet hat Ihr Stier wird 7.1t 
einem Zwerge, tödtet alle Räuber nnd schliefst ihre Leichname 
mem Zimmer ein, das er Helenen zu betreten verbietet; diese 
beachtet das Verbot nicht, gebt hinein, sieht den Kopf den 
Räuberhatiptmanus nnd verliebt sich in ihn; vermittelst des 
Lebenswassers erweckt sie ihn vom Tode nnd verschwort Bich 
mit ihm, ihren Bruder Iwan zu vernichten, indem sie von ihm 
die Ausführung von Thaten fordert, bei denen der Tod unver- 
meidlich scheint; sie heliehlt ihm nämlich, die Milch einer Wölfin, 
dann die einer Bärin, endlich die einer Löwin zu bringen. Iwan 
verrichtet alle diese Thaten mit Hilfe seines Zwerges. Wir sahen 
in, wie Weisses ans Schwarzem kommt; die Milch der Wölfin, 
Bärin und Löwin ist die alba In na oder der weisse Morgen 
icl, der von dem Sonnenheldcn wiedergebracht wird, Iwan 
wird dann aufgewandt, die Eier des brennenden Vagelfl (Sah* 
ptitza) zu holen. Iwan geht mit seinem Zwerge (d b. dem Monde, 
oder er macht sich selbst zum Zwerge, mit andern Worten, er 
macht sich unsichtbar); der Vogel wird wllthend und verschluckt 
den Zwerg (d b. der rotte Abendhimmel, der brennende Vogel 
oder Phönix, verzehrt den Mond oder die Sonne mit seinen 
Klammen* 1 ) Iwan kommt zu seiner Schwester ohne die Eier 

ihn im Bade zu verbrennen. Mit 
und Löwenjungen zerreisst Iwan 
Wöllin, Bärin, Löwin, <L h. der 



zurück, worauf sie droht, 
Hilfe der Wolf-, Bären- 
(auch Iwan der Sohn der 



, Wölfin, Bärin, Löwin „Nacht" geborene) den Rauher 



ihr, don Geier uud dim Falkou 



186 

und bindet seine Scbwa Le die vedisohe Kult an i 

Baum (die Aurora verliert rieh fast immer in einen Baum 

D&ratsl wünscht [wan eine Heldin zu beiratben 
(Zwei Mythen sind hier in dem Mfthrcben vereinigt, die 
und denselben Himmelserscboinung ihren Training babei 
dieselbe, in verschiedenen fast mmittelbar aufeinanderfolgenden 
Augenblicken beobachtet, Kttetfach erscheint Die Morgens« 
kommt und sebttgt ihre Schwester, die Aurora, in dir TI 
treib! Bie in den Wald der Naeht zurück und bindet sie an den 
Baum; die Horgenspptie gebt unversehrt durch die Mammen 
hindurch (Wie der Sit'rit der Nibelungen), besiegt und unter' 
wirft die Aurora, macht sir sich m eigen und hei rat Kr 

apft zuerst mit ihr und sticht sie gittokliob mit seiner I 
vom Pferde. K« wste Nach! d. b. als der Ibend kos 
umarmt und drUekt Hie ihn so fest und mit solcher Gewalt an 
.sieh, dass er sieh nieht loswinden kann (die Abend-Aurora um- 
hüllt und umsehliisst die Sin berühmte Hoch« 
gürtel, der Gürtel tier Stiiii Gottes Thor, das Hemd den 
Nessus). Schliesslich jedoch gegen Morgen Biegt Iwan und > 

Sifrit in den Nibelungen «las Heldenmädcben nieder (die 
Ucrgensonne wie ludra wirft die Aurora nieder), Er denkt 
• lann, seine Schwester Helene zu befreien, weicht in BanDl 

gebunden ist, um sie mit sich zu nehmen; doch sie drückt, ttl 
dem Verwände ihm die Haare zu kämmen, eine« Todtea SSabn 
ihm in den Kopf Iwan ist nahe daran, /u sterben* Hiei 

tint der ursprüngliche Mythus von de und Anrora ata 

Bruder und Schwester wieder, und der erst in /weiter L 
ude von Haan und Trau wird vergessen. l>as Löw< 

int herbei und siebt den Zahn ! der Lowe ist daran, 

zu sterben, uls der junge Biir herzuläuft und ihn wiedei 
siebt. Kr kommt aueh dem Tode nahe; da kommt der F 
der gegen Kode des ÜÄhrcbens die Rolle aufnimmt 
^\vv Mitte der jta >li gespielt i in indü 

chen der Schakal an stelle des Fac wird), wirft, da 

uier ist, des I odtCO Zahl 

il h der Bonnenheld, welcher durch die tritt 

{ten heran», die ihn wahrend der 
Helene wird an di anz eines l'ierd« 

lbs! ) und R 

am I rliert sich di( 

Zählung von Iwans treulose 



167 



tung mir klarer als gewöhnlich zu sein sei 

h in am Stallungen in russischen Mahrelieu Wie- 

[wati nut seiner Schwester auf dn Bebe nach dem Reiche 

alle Leute sterben l d, li. nach der K lebt ihm eine 

lad», durch dessen Schütteln eine Brücke über einen Strom 

nst diese Brücke die Milcbstrasse, die 

ui den Seelen eingeschlagen werden 

rii altpersischen Glauben und nach der Lehre dee Neu- 

•nikers Porphyrins, wie aneh im deutschen Glauben V) 

mit der Anweisung seine Schwester es nie sehen zu Ja 

ttelt. Iwan langt mit seiner Schwester im Reiche 

kommen an «inen Strom, an dessen jen 

Ufer eine Schlange ist, welche die Fähigkeit besitzt, sieh 

iu einen schönen Jüngling zu verwandeln; Iwans Behweetec vn- 

ihn, nimmt, von ihm verleitet, unter dem Yorwandc. 

schmntzige Wäsche zu waschen, das Zaubertuoh fort und 

eine Brücke entsteht, auf welcher die Schlange über 

i luss kommt untl sich mit dem Mädchen verschwört, in der 

icht, Iwans Untergang herbeizuführen, sie verlangen vw 

Iwan die stellende Milch, welche er bringt; sodann das Mehl 

hinter zwölf Thüren liegt. Iwan geht mit seinen Kanb 

bin, nimmt das Mehl und bringt es fort, «loch seine Thicre 

ben eingeschlossen; seine Kraft nimmt ab und die Schlange 

prahlend, dass sie ihn nicht länger zu fürchten habe, schickt sieh 

Iwau bittet, auf Kath einer Krähe, um 

und hält so lange hin, bis seine Thicre die zwnh Thorc 

nagt haben, ihm zu Hilfe kommen und die Schlange /er 

Die Knochen der Schlange werden im Feuer verbrannt, 

he in die vier Winde verstreut und die Schwester an 

teüipfeilcr gebunden (an dm Felsen oder Berg, auf wel 

dann, wenn die Sonne anist 

Iwan stellt etwas Heu und einen Faiuer Wasser neben 

!i und zu trinken hat, und auch einen 

Eimer, um ihn mit ihren Thränen zu füllen; wenn sie das 

inken und « ; 
füllt hat so soll das ein Zeichen sein, dass ihr I 
will auch Iwan ihr vergeben Mittlen' 
Reich, Wh nicht* als I ram 



168 



»wtflfköpfige Schlange alle Leute umbringt der gewöhnlich 

Naehihimmcl, wo bald der Held Sonne, bald die Heldin Aurora 
wich opfert) und des König« Tochter das luiehste Opfer ist. Iwan 
haut, mit Hilfe seiner Meute, die Sehlange in Stlicke und geht 
dann, auf den Knicen der Königstochter zu schlafen. Wahrend 
lit gegen Morgen ein Wassert räp*r vorbei, haut ihm 
den Kopf ah und stellt sieh dem König als den Retter der Prin- 
zessin vor, die er zum Weibe verlangt. Die Kaubthiere kommen, 
entdecken die Krähe auf Iwans Leichnam und schicken sieh an, 
sie zu verzehren, als die Krähe um ihr Leben bittet; sie willigen 
ein und verlangen dafür, sie solle nach dem Wasser des Lei 
und Todes suchen, durch welches Iwan wiedererweekt wird; der 
Betrog de« Wasserträgers wird enthüllt und hvan heirathet dk 
Prinzessin, die er von dem Ungeheuer erlöst hatte. Dann gehl 
er zu seiner Schwester und findet, dass sie das lien gegeben, 
das W&fi8er getrunken und den halben Eimer mit Thränen ge- 
füllt hat. Er verzeiht ihr und nimmt sie mit sich. 

In einem andern Mii Indien ' linden wir statt der treuloset 
Schwester die treulose Mutter (wahrscheinlich Stiefmi: reicht 

um mit einem Dämon Liebe pflegen zu können, Krankheit & 
und von Iwan das Herz erst des dreiköpfigen, dann d< 
kOpfigen, endlich des zwölf köpfigeu Ungeheuers verlangt, Iwan 
erfüllt ihre Forderungen. Er wird dann in ein beisiefl l>ad gc 
schickt» um ihn zu schwächen, Iwan geht und ihm wird von 
dem Ungeheuer der Kopf abgehauen Doch seine beider 
rufen Iwan wieder ins Leben, indem sie seinen Körper mit einer 
Wurzel reiben; der dämonische Liebhaber von Iwans Mutter 
stirbt, sobald der Held wieder auflebt In den beiden Söhnen 
Iwans erkennen wir den Mythus von den beiden Aerius wieder, 
den himmlischen Aerzten, welche den Soiineuhclden wieder zum 
Leben erwecken. 

In einem andern Mäbrcfaen ■ wird Iwan Karolievic (des Kö- 
nigs Sohn) von seinem eigenen Weibe mit dem Tode bedroht ; 
diese fingirt Krankheit, verlangt, wie gewöhnlich, die Milch einer 
W r olKu, einer Bärin und einer Löwin und dann den bezauberten 
Staub (Gold- oder Mchlstaubj, welcher uuter des Teufels Mühle 
hinter zwölf Touren liegt. Iwan kommt heraus, aber seine Thiere 
bleiheu drin. Er kehrt zurück und findet sein Weib bei der 



' A tun \ 

■ VL 51, 




>obn der Schlang tu Todeslred . er 

ifrei Mai; ' l ti Anhören wird die Schlange nied 

imkI «lie f relclte di ^freien, 

wiödi kommen beraus und zerrcissen die Schlau 

b das treulose Weib zu Tode gebracht 
Iwans trenlo b kommt wieder in dem fttnftmddreh 

rchen de« fünften Buches vor, unter dem Namen Anna 
-ehr Schöne Sir hat Iwan 

Willeu geheiratbet, weil sie ein \^ m aafgc 

licht lösen konute; sie liebt ihn nicht und verlangt, um 
ausserordentlichen Beweis seiner Tap 
- hei diesem ist Iwan durch Hilfe Beines Beschütz 
i, so dass Anna in seine Ilande fallt, I> 
send, dass Iwans Starke nicht in ihm selbst, sondern in 

Einern ft weiss sie Iwan kq bewegen, diesen fort- 

dem sie ihn Pttsse beraub! hat. Anna 

kt dann Iwan mit den Kühen auf die Weide. Der lahme 

Kalwna findet im W r alde einen blinden Mann, der ebenfalls seine 

Blindheit Anna verdankt; sie werden Freunde, verbinden sich 

ü ein schönes Mädchen, damit es ihre Schwester 
foch tim- Hexe kommt und lässl sieh von dem Mädchen das 
cd men, während sie an seiner Brust saugt (wir miis 
daran erinnern, dass in der indischen Erzählung das Mäd- 
; Brüste hat oder an der Brust unvollkommen ist, ebenso 
das ni ladchen durch das Bangen an Seil 

'■ nis ' t), l>;e> arme Mädchen wird dürr und bäßslieh, bin 

'' lita Hexe hei ihrer Uebclthal von den beiden Helden über 
u ihnen wie von einem steinernen Berge tiberfallen und 
tnmcngedrüekt wird, dass sie um Gnade schreit. Daraul' 
solle Urnen zeigen, wo sieh der Brunnen 
■** Lebens und der Heilung befindet. Die Alte ittbrt sie in einen 



u 



In dem Miüirchen VI. 5*2 wird Iwan durnn, duss er wunder! 



spielt, von der Prinzessin, die er von dem Unge- 
r-erkannt* 
el 
u Blinden und den Lahmen in folgendein Epigramm 

caoeo graditur pede claudue* utrotjue; 
unit ab ülterutro. 

sum que ruinibtrnt, 
L'accu lumiuu pro pedibus 






170 

dichten Wald Und «eigt ihnen einen Braunen. Sie werfen erat 
einen trocknen Zweig hinein, der aofort Few nie drohen, 

die alte Hexe zu todlcu, und zwinge« nie, sie an einen an 
Brunnen zn führen, in den rie wieder ein dlrree K* j is werfen 
grünt! Dann reiht der eine seine Allgen, der andere seine I 
mit dem Wasser und beide werden wieder gesund und Stark 
werfen die Hexe in den Feuerbrnnuen. Kulmna gebt, ate Seluilcr 
verkleidet, den Helden Iwan von der dümooisoben Kuh zn be- 
freien, welche ihren Schwani aufhebt, und gietri ihm seine Stärke 
und seinen Glanz wieder. Ks int wieder der ved reche M) 
von den beiden Ayvins, die sieb mit der Aurora vereinigen, die 
den Blinden und den Lahmen, d. b. sieb selbst, beilen und 
vielgestaltigen Son neu beiden retten 

Schliesslich treffen wir das blinde Madeben, das wir in den 
redi&eben Myomen gefunden haben, in der raseieeben Sage 
der, 1 Eine Dienerin niimiit ihrer jungfräulichen Herrin, -In 
vermittelst eines Krautes zum Schlafen gebracht hat, di( 
aiiK und hei rath et den König an ihrer Statt Die Jungfrau er- 
waehi und Imrt, aber »teilt nicht ; ein alter Schäfer nimmt sie in 
srin Haus auf; wahrend der Nacht naht sie. obwohl blind. 
Krone für den Tzaren und schickt den Alten an den Hof, 
für ein Auge zu verkauten (die« ist eine Variation von Königin 
Herta im Walde), Die Dienerin, die jetzt Königin geworden i*t. 
kann der Schönheit der Krone uieht widerstchn, nimmt I 
den Augen der Jungfrau aus ihrer Tasche und giebt es 
Alten. Das *M;idehen Steht mit der Morgeuröthe auf, wascht ihr 
Auge in ihrem eigenen Speichel (d. b. dem Thau. Im IN 
nfechen glauben tlie Bauern, dass Jeder, der am Jobannto 
vor Sonnenaufgang sein Gesicht im Than wäscht, das ganze ioi- 
gende Jahr keine Krankheit bekommen wird), steckt es in die 
Augenhöhle und rieht Sie näht dann eine andere Krone und 
gewinnt in derselben Weise das andere Auge bei der 
Mnrgenrnthe wieder. Da erfahrt die Dienerin-Königin, das- 
lebt, und lässt sie von gemiethclcu Mördern in Stücke hauen. We 
die Jungfrau begraben liegt, ersteht ein Garten und ein 1\ 
zeigt sieb. Der Knabe gebt in den Palast und rennt biutei 
Königin her, wobei er solchen Spektakel macht, das* sie sie: 
nothigt sieht, um ihn zum Schweigen zu bringen, ihm das Hen 
der Jungfrau zu geben, welches sie v en hatte. 



.in. V, 3a 



171 



r k f ruhig u»d veuut davon; «loi Kftnig folgt ihm und 

findet sieb ror der wiedererstandenen Jungfrau. Kr beiratbel 

die Dienerin aber wird geblendet, an die Sehuanze von 

Minden und so zerrissen. Wie riie deutsche fienoveva 

( iJie in« . akuntala wird das russische Weih von dein 

ualil vermittelst eines Knaben wiedererkannt. Dieser ist die 

!« r*ge Sonne, welche dfe alte in Stand setzt, wiedergeboren /.n 

den, wicderxuerstelm und noefa einmal jung zu sein; er iil der 

Solan, der in den indischen Erzählungen seinem Vater das Ad 

lu wiedergebt cmd dadnrcl) natürlicherweise ihm da« Mittel 
aa die Hand giehr, sein Weib wiederzuerkennen, das er ver- 
BMn «»der Verstössen oder verloren hatte, je nach den vcrseliic- 

doiirn Gestaltungen; welehe der himmlische Mythus von der tren- 
ne ng von Mann und Frau angenommen. 

Ich würde diese Vergleichtmg gern auf dem Gebie! der mehr 
dirli wohnenden Blavigchen Völkerschaften weiterführen, 1 doch 

k»>Hn e« nicht meine Absicht sein» diesen bescheidenen Hand 
onrtcb eine vollständige Sammlung der hierher gehörigen Erzäli- 
hiii^cn in eine Bibliothek zu verwandeln; auch ist dies für im i 

nicht notbwendig, da ich dadurch doeh dem, was ich 

h»»!< auielt, um zu beweisen, wie die Thierniytho logic in 

k t- slavischen Sage dieselbe ist, die sie im indischen Alterthum 

keine grossere Beweiflkrafl geben wurde. Ich bin speeiell 

it die raasieehen Sagen deshalb genauer eingegangen, weil sie 

ler l r nkenniuiss der die schon und döfl Studirens 

il werth Ist, nur wenig bekannt und bei den fortlegenden 

gen \<»n der höchsten Wichtigkeit sind, Täusche ich 

ttcl nicht ganz übe ich bis zn diesem Punkte hier von 

aUeu wesentlicheren Erzählungen, die sieh in der östlichen indo- 

-Hunnischen Well im Ansehlnss an den Mythus von der Kuh 

flod dem Stier entwickelt haben, Rechenschaft gegeben zu haben; 

h nach Westen wendend, kann ich wohl wagen, schneller 

eu, da wir uns auf einem uns schon vertrauten Gebiete 



Dauere Untersuchungen über die tdavibehr -Sjige anstellen 
Lniiij sich mit Nutz« n unter aiideietj in fVgeudcn Werken Rotte er- 
wink, Mythologie der Sliivji; Hämisch, S 1 . a vi »eh e 
! ulnißche M ah t cln'ii; Schleicher, Litt 
u; Weniig, W e 6t s lavischer M ährchenschats; 
Ksppej i>ii Gesänge der Serben; ( hodzku, Con t es deePayi 
pf de» I" r< sa, I tn Ca pell i do ro del Ni>noo Sal 

uiiü (tin Mtfhrckcn ; Mi\ a kicvic. Canti Popular! Illiriti. 



172 

befinden. Eh Bebtet) mir ftir eine genaue imag tu 

glich notb wendig, den Charakter der orientally 
tixiren und genau feaU&Btellen, damit ck dem, der sich mit di 
Stitdicü befaost, leicht ist, die unzähligen Sagen und Erzählen 
zu classificiren, welche schon im westlichen Europa gesammelt 
und in, zwar von einander verschiedenen, doch verhftltnissnrä 
leicht zugänglichen Sprachen veröffentlicht worden sind. 1st ei 
nur geglückt, dem Leser im Verständnis* dor hervorragenderen 
Quellen der Sagen und ihrer wahrscheinlichsten Bedeutungen 
eröffnen, bo werde ich mit mehr Mutb und grosserem Vertraue 
an die folgenden Untersuchungen gehen 



I > i i Sil e i und die Kuh iu m a u o - » k h u d i u u v i s c l> <- u 

und fränkiäch-eelt ische u Bilge 

Die gennano-skandinaviselie» und IVänkiseh-eclti sehen S; 
werden hier unier eine Rubrik gebracht, da sie, besonders in 
Mittelalter, in enger und tortlautender Beziehung zu einai 
standen. 

In beiden Sagenkreisen begegnen wir häufig dem vedisi 
stier, der aus dem Meere kommt, und dem Stier f welcher das 
Mädchen entttibrt. Der Stier, der aus dem Meere kommt, finde! 
sieh iu irischen und in deutschen Legenden. Nach einer deut- 
schen Sage, von der verschiedene Variationen existiren, erhielt 
ein Kuhhirt täglich sein Mittagessen und jeden Sonntag ein 
neu Bemde von einem bunten Stier, der aus dem See herauf) 
Ein Stier zeugt am Meeresui'er mit der schlafenden den 

Etaig Meroveus, den ersten der Merovinger; vielleicht dcsbiilh 
linden wir einen goldenen Stierkopt auf dem Grabe König Chi! 
derichs dargestellt. Karl Simrock - land eine ähnliche Erzählung 



' Kuhn und Schwartz, Norddeutsche Sagen .Mahrchen im 
Gebräuche, p 250 f. u. 501- 

9 Handbuch der deutlichen Mythologie, mit Eih6C 
nordischen, 2. Aufl. n AM — Wir lesen auch bei Eginhard (Vit« 
Magni), ,,<^uocumjue eundum erat, earpento i b*t f , quod bubus juneti« et 
bubuleo rustico more agetite trahebatur^ De» Stier ! de* 

Fortpflanzung, du Mann, der den Stier Fürchtet, ist ein dumme» 

i lieber Eunuch. So beißet es in einer Lit Remise, ann. 1397 {bei Du 
Gange); M Le auppliaut lui diät, Eudet T vou« avex un torcau qui parte l« 



r::< 

in Spanien. Der Stier, welcher das Mädchen trägt, dem wir 
d iu den rassischen Mährohen begegnet sind, erscheint wieder 
in dem Hoi ten Mährehen ' von Käthe Holzninnfel 

l^üsnit), welche mit der Macht des Wunsches begabt ist 

der Fahrt Gylfes in Snorris Edda rinden wir, dass die 

KiiIj Audhimila, die Kuh der Fülle, die Krzeugerin des höchsten 

skandinavischen Gottes, Odins, ist, wie die des höchsten redischen 

Die Kuh Audhumla nährt mit ihrer Milch Ymir, 

ersten der Riesen. Sie leckt den Sal/ber- ron Eis ulen 

ehRtnischen Eisberg, die zwölf Spiegel der russischen Prinz* 

•♦eiche der junge Held Iwan hindurchdringt, um sie zu 

sen). Aus dem Eise, welches die Kuh geleckt hat, kommt erst 

Maar dann tier Kopf, dann der ganze Körper des Helden 

^"i'i hervor. (Die Sonne erbebt sieh gans allmählich von dem 

m der Kuh-Aumra angesogen, erwärmt, und 

einige wenige Strahlen, dann ihre Scheibe und dann 

■öh selbst in all ihrem Slam und ihrer Macht; und was die 

Botue täglich tlint , thut sie in grosserem Masssrahe einmal des 

indem sie aus dem Eise des Winters durch die lauen 

L'Mte des Frühlings wieder aufsteigt.) Von Bnri, der schon bei 

zitier Gebort stark ist, wird Bttr gesengt, dem Bestla, die Tochter 

Rieaen Bölthorn, drei Söhne, Odin, Wili und We schenkt 

(Ü« gewöhnlichen drei Brüder der Sage), welche den drei Söhnen 

dfcfc HannttS in der deutschen Sage, Ingnis, lstio und Iraiinius. 

neu. Der schwedische König Eiste in hat eine grosse Ehi 

M tor der Kuh Siliilia und pHegt sie mit in die Schlacht zu 

:ieu. damit sie durch ihr Brüllen die Feinde ersehrecke, (Das 

Julien der Kühe spielt in den Kämpfen des redlichen Helden 

&dra eine wichtige Rolle. Im Paula t antra jagt, wie wir toe- 

n »erl Brüllen des Stieres den Löwen in Schrecken«) Der 

he Konig Oegwaldr wird überall von einer heiligen 

Kuh begleitet, deren Milch er rriukt und mit welcher er begraben 

n wünscht. Im Bigveda befrachtet, wie wir sahen, der 

Indra die Kuh, und der Donnerkeil des Gottes, der die 

Wolke durchdringt, nimmt die Gestalt eines Phallus an. Später 



tt tu- Ofleiit uler aux champs puur luy ; lequel Endet luy respond i- 
i tu fjom Jehannoi Johan beieai eine Frau, quae marito fidom 

Abart der mongoli \ a Bagatur). 

r Co*. Mythology of Ihr Aryan NationB, 1 p. 4.'ts, bei l*< 
von Zeus und der Europa 



174 

rde all rai Symbol des Ruthen-Phall 
Kiitlif dee Mailings paUfa genommen, mi* welcher die Kuh 
geblagen wurde, inn sie fruchtbar SB machen; eine solche Zauber- 
ruthe ist his heutigen Tages in Deutschland im Schwange, wo in 
vielen Gegenden die Sitte herrscht, die Kuh zn sehlagen, in de 
ftlaubcu, das werde sie fruchtbar machen. ' 

Mit dem Kopf des seböuaten der Gelten de« Kiesen Hyi 
an Beinen Angel gebt in Stoorrui Id da der Gott Thor die uiu 
lieure Schlange von Midgard ans der Tiefe des Meeres tincli 
and tttdtet Bie auf dem Meeresgestade. (So setzt in K/imayan; 
Hauumant auf das gegenüberliegende Ufer des Sees über, indem 
er den Körper des Seouugeheuers überschreitet, das er bei 
macht; so tiidtet Indra die Sehlange Abi auf dem Berge.) 

Der skandinavische Held hat also auch Beziehungen zu Ktibc 
obwohl sein Leben weit mehr einen kriegerischen als einen länd- 
lichen Charakter trägt; er klag! deshalb Loki an und schmäht 
ihn dabei ; dass er acht Winter unter der Eide mit dem Melken 
der Kühe, wie ein Weib, beschäftigt, zugebracht habe. (Es ist 
bekannt, dass das skr. d u h i t a r (i. & Tochter j bedeutet : die, welcb 
melkt,} Statt Kühe zu melken, verzehrt der skandinavische Held 
Stiere. Wir finden mehr als einmal in den Edden die Helden 
mit Braten von Ochsen beßehal'tigi. Atli, der Gemahl Gudruns, 
rllhmt sich t mehre Ochsen getödtel und sie mit ihr verzehrt 
haben. Gudrun, die skandinavische Medea, giebt Atli die Her 
seiner beiden Söhne zu essen . mit der Versiehe rung, es seie 
Kälberherzen. Der Gott Thor, als die Göttin Freya verkleide 
trinkt drei Fässer Meth und isst einen ganzen Stier, als er an 
bricht, um seinen wunderbaren Hammer wiederzugewinnen. 
Stier- oder Kuh horn spendet ferner nicht allein dem Helden Metll, 
noch auch dient 68 blofl dazu, seine Freunde zu Hilfe zu rufen 
und den Feind niederzuwerfen; es bildet auch den Bogen 
Helden, der demgemäß in der Vilkina Saga* auch den Namen 

Horn bogen führt und als solcher dem grämten Helden, Thidrek 



1 Vgl, Kulm, Die JKTKbkuiilt des Feuers and ties Gö|t4 
trankt, p. 1*1 e*i4> — Vgl. Dn Cange, Glossarium med, et 
i i ii s. v, Aeamiizuiv: Quicunqun acauiiisaverit vuccatn ?el boveta, sJ 

LCoa fccerit damnum casu fortail issatur, ci 

fat ipaum bovein v &nm*tatur causa nuptiuruin; Fori 

- :i<- Jocobi L Hegi* Arag fol IG; and ebenfalls Im Du Catige 
aaatrem ladende baanfoi torqtterc in usu fait, ita ei tu bove 

* VN Uiiuiin, Die deutsche Beldeniag 



175 

ler Ditrirli beisteht and der Vater des berühmten Helden Sigurd 

Itfri fried) ist Schliesslich werden die Hnrner nls eine 

*<» bedeutende Waffe des Stiers und der Kuh betrachtet, data ein 

leich slavisches, deutsches und Halb Sprichwort sagt: 

•»Kiuer bösen Kuh giebt flott kurze Hörner*' < damit sie kein In 

' »I anrieht**, oder vielmehr, weil sie dieselben abnutzt ; der 

K Uli die Horner abhauen» bedeutet in einem deutschen Sprichwort: 

due Schwierigkeit überwinden; und den Stier nder die Kuh bei 

Hörnern packen, bedeutet, sie entwaffnen [durch rasche» und 

RUthiges Vorgehn einen Feind oder eine Gefahr Überwinden |. ' 

In deni grönländischen Gedieht auf Atli in Sninnnds Edda 

«a^-t Hngni, dass, wenn Binder gctodlct werden, viel Blut gesehn 

d, und dass, wenn Jemand von Adlern träumt, Ochsen nicht 

lern sind. In Snorria Edda verhindert ein Adler auf dem Gipfel 

ibÄ Baumes, unter welchem Odin, Loki und Hönir einen Ocbeeii 

n wollen, dass das Fleisch gekocht wird, bis die Helden 

Ufein willigen, ihm einen Theil davon N geben, her Adler 

jedoch nicht weniger als die beiden Lenden und die beiden 

'hultcrn des Ochsen davon. Der Adler bat in der Edda den- 

L 'H>en dämonischen Charakter, wie er in andern Sagen der Krähe, 

dein Trauerstoreh und dem Geier beigelegt wird: er sucht nach 

wenn man ahm von Adlern träumt so ist das ein Wink, 

'las« ein Ochse in der "Nähe ist, ebenso wie es heisat, dass die 

Anwesenheit eines Geiers da« Zeichen der Nahe einer Leiche ist. 

Knie deutsche Sage- läast eine Schlacht beginnen, „sobald 

rothe Kuh Über eine gewisse Brücke geführt let.' Wir er- 

ru an das russische Mährchen von dem Müdehen, das ver 

ies Zaubertuehes seines Bruders eine Brücke über den 

in schlügt, welche das Schlangen ungeheuer in der GestaU 

Jünglings Überschreitet , um sie zu nehmen; wie 

der Bruder in dem Kampfe gegen das Ungeheuer, zu «lern ei 

Zungen wird, geopfert wird, da dieses ihn durch List entwaffnet, 

der Kampf zwischen dem Helden und dein Ungeheuer 

ut. als die Jungfrau, die Brücke überschreitend, den Helden, 

bruder t, der in dem ungleichen Streite lallt und 

*''in Hin igst. Ich habe schon bemerkt, dass im Ynlks- 

glaubfn die blutige Abendsonne eine Vorbedeutung von Krieg 



' Vgt in dem Kapitel über die Ziege und den ßnek Meli 
iigbti liürtur 



176 

lit null <lass die rotbe Knh der deutschen 
als diesen Bimmel darstellt. Was die Hrlicke betrifft, so scheint 
eine interessante Bemerkung bei Kuhn und Schwarte l «lie \ or 
motbnng tu bestätigen, die ich bei Gelegenheit des «lavisehen 
Mäbrchena andeutete, d. h dass sie die Milchstraße darstellt; 

i lieser Bemerkung, in welcher die Identität der Brücke der 
rnthni Kuh, die den Beginn einer Sehlacht bestimmt, und der 
skandinavischen himmlischen Bil'rttst statuirt wird wie diese 
wühl auch zwischen ihr und der persischen Brücke Oinvant anzu- 
nehmen ist), ersehe ich aucli T dass im Friesischen die Milchstrasse 
kau nat (Kuh-pfad) heisst. Das beisei ! es ist anzunebm 
die rotbc Abendkuh während der Nacht die Milehstrassc entlang 
geht indem sie ihre Milch darüber spritzt, woher vielleicht das 
deutsche Sprichwort kommt: „Rotbe Kühe geben auch wo 
Mileh" 2 — gleich dem andern, das wir schon in Indi» 
und gebe sahen und das wir in der tnraniscben Bage vvieder 
trafen, das ferner als deutsches, slavisches und italienisches 
Sprichwort existirt: Auch eine schwarze Kuh giebt weisse Milch 

(Der Ursprung dieser .Sprich worter kann einfach aus der Beob- 
achtung gewöhnlicher schwarzer Kühe abgeleitet werden, wel 

>ee Milch geben; nichts natürlicher als das Erstaunen der 
primitiven Menschen über einen solchen Kontrast! Doch scheint 
es mir nicht unmöglich, dass das>elbe Sprichwort auf den Him- 
mel angewandt worden ist, wenn nicht sogar im Himmel 
Ursprung zu suchen ist; die schwarze Nacht bringt die Alba oder 

iee Morgendämmerung und, können wir hinzufügen, den 
Silhcrmmnl und die Milchstrasse her 

Da meines Eraelitens das Mädchen, welches in den slaviscben 
Mahrchen die Brücke überschreitet, ganz unzweifelhaft identj 
mit der rot hon Kuh ist. welche das Gleiche in der deutschen 8 
thut, und wenn ich m-it der ldentiticirung des Mädchens, das mit 
dem Bruder nach dem Todten reich reist, mit der Abend-An 
und der untergehenden Sonne nicht einen MissgrirT gethan habe, 



1 Diese Brücke wird keine andere stin, als die himmlische Bi 
leren er hütet, eine Vermuthutig, die noch »in Wahrscheinlichkeit 
wenn man den friesischen Namen der Milehstrasse „Kaupat, der Kuli ( 
hinzu nimmt; denn MilchatrftftM und Regenbogen berühren einander 
nahe; 'lieser ret die Tages brücke zwischen Göttern und Mens« 
nächtliche. Kuhn und Schwartz h, a. 0, 
B Wander, Deutsches Sprichwörter-Le Leipi ttf 

4 ib».J 



iiiiere deutsche Sprich werter 

die man als in der allgemein europäischen 9 
gründet ansehen kann und die BämmtUch einen 
btferrigt erscheinen lassen. K& sind folgende: 
toblcn ist, verwahrt man den Stall - Wer 
Kuh verloren und den Schwans zurllck erhält, hat nicht viel. 
;il nicht«. Die Kuli konnte mit dem Schwänze biß 
an den lliiurnel reichen, wenn er nur lang genug wäre. ■ — Die 
Kuh heim Schwanz lassen. — Die schwarze Kuh hat ihn gedrückt 
ine Knh kann keinen Hasen erlauten. — Die Kuh überläuft 
i Basen. — Nicht alle, die Hörner blasen, jagen Hasen. — 
QU die Kühe lachen. — Wie eine blinde Kuh eine Erbse rin- 
nen sollt' man in einer alten Kuhhaut herumfahren. — 
Kuhmagd spinnen, wird man wenig Garn gewinnen, — 
Mau würde eher einer Kuh spinnen lehren.** * — Vgl. auch das 
aluranz. Sprichwort: „( Jne vacke ue ßeeit que lui vault sa queue 
j use] ues eile Ta perdue". — 

\V( ;nn man alle diese deutschen Sprichwörter in Erwägung 
meines Eraehteus unschwer in ihuen eine Erinnerung 
an die alten Mythen, mit denen wir schon vertraut sind, zu er- 
Wenn wir bedenken, dass fast jedes Sprichwort vielerlei 
ja sogar oft in sein gerades Gegentkeil umge- 
ben ist. und da wir in diesen Spielarten die uranfänglicbe 
nier grossen Anzahl sonderbarer Sprichwörter ver- 
ii können, so kann die Behauptung nicht übereilt erscheinen, 
daas bes schichte im Allgemeinen ihren Ursprung in einem 

ins hat. Gar nicht zu sprechen von dem klar zu Tage lie- 
land, dass dasselbe Spriehwort auf verschiedene 
re angewandt wird, und zwar nicht allein von verschiedenen 
<rn, sondern in der mündlichen Ucberlieterung desselben 
Volkes, verweise ich den Leser auf das, was ich in der Vorrede 
zu diesem Kaude Über den Gegensatz, den Widerspruch, der in 
verschiedenen abergläubischen Vorstellungen liegt, bemerkt habe. 
ier Widerspruch, kann auch der zwischen vielen Sprich- 
erklärt und gehoben werden, wenn man sie auf das 
Mythologie zurückfuhrt, auf welchem eine unbegreif- 



^•herzriithael: »»Wie viel Kuhsehwäuze 
in den Himmel reichen? — Einer, weon 
:r Uii£ gftuag m 

t U, l(W6— 169Ö, 

19 



178 



liehe Anzahl von Mythen aus Widersprüchen, Gegensätzen ent- 
steht und nur aus ihnen entstehen kann, d. h. aus den contrasti- 
renden Ücstaltungen, to welchen sieh Himmclserscheinungen dem- 
selben Beobachter, geschweige verschiedenen, zeigen. Die ver- 
gleichende Geschichte mythischer Sprichwörter soll noch geschrie- 
ben werden; vielleiel B augenblicklich noch nicht möglich, 
sie zugleich umfassend und streng wissenschaftlich zu behandeln. 
Vor^' <!ium der Einzelheiten ist für das Verständnis« 
eines Sprichworts wie eiuer Volkssitte, eines Aberglaubens, einer 
Legende oder eines Mythus durchaus erforderlich, und dieses Stu- 
dium erfordert Zeit und Mühe; denn eine unifassende, genaue, 
bis ins Einzelnste gehende Erklärung eines Sprichworts kann die 
Entwicklung einer ganzen epischen Geschichte iuvolvireu. Ich 
will mir hier nicht anmassen, das Räthsel der oben eitirtcu 
deutsehen Sprichwörter zu lösen, sondern nur andeuten, Wel< 
mir der Weg zu sein scheint, um ihrer wahrscheinlichsten Lösung 
sich zu uähern* Bei dem Studium eines Sprichworts ist es not- 
wendig, grosses Gewicht auf die Betonung zu legen. Von den 
verschiedenen Betonungen, mit welchen ein altes Sprichwort ur- 
sprunglich gesprochen und später wiederholt wurde, als es von 
Zunge zu Zunge ging, von Volk zu Volk wanderte, hängt ein 
grosser Theil der Bedeutung* Veränderung gerade bei den inter- 
essantesten der Sprichwörter ab, welche wir als ein Erbth.il 
arischer Ueberlieferung überkommen haben* Ein Sprichwort 
zum Beispiel anfänglich eine einfache Ac der einfache Aus- 
druck eines natürlichen mythischen Bildes ; im Lauf der Zeit blieb 
der Ausdruck, der Mythus wurde vergessen, so schien sich 
Ausdruck auf etwas Fremdes, Sonderbares zu beliehen und wurde 
als eine zweifelnde Frage ausgesprochen; bald wurde ei 
Ableugnung von etwas Unuiögliebem benutzt und wurde ein Mittel 
der Satire. So köunen viele Sprichwörter, die satirisch geworden 
sind, ursprünglich nichts mehr und nicht« weniger als mythische 
Aussagen gewesen sein. 

„Den Stall verwahren, wenn die Kuh gestohlen ist. 4 * In Eng- 
land haben wir in dem Sprichwort statt der Kuh ein Mädchen: 
„Wenn Deine Tochter gestohlen ist, scbliesse das Pfeffert 
(Peppergate, Name einte kleinen Thores «1er Stadt Chester, wet 
ches zu schliessen der Bürgermeister befohlen haben soll, als 
seine Tochter entführt war). Das Sprichwort dient jetzt dazu, 
sich Über die lustig zu machen, welche ihr Eigcuthuui in 
Obacht nehmen wollen, uae > ihnen gestohlen ist; doch 



179 



hatte es vielleicht nicht immer dieselbe Bedeutung. Wir sind 
11 durch die indische Sage mit dem Helden bekannt, welcher 
:ie Mädchen aus dem fteftingnisH befreit» und Bähen, wie 
sie, kaum frei, von ungerechten Brüdern oder Genossen fortge- 
führt wird, nachdem diese den rechtmässigen Eigcntbümer der 
Kuh oder i\e* Mädchens in die Höhle gesperrt, aus welcher sie 
herauakam; wie die räuberischen Brüder das Thor des »Stalte oder 
der Hohle schlössen, nachdem sie das Mädchen entführt Der 
gefangene, in nächtliches Dunkel cingeschlosseae Held nahm in 
der Mythologie oft die Gestalt eines Narren an. Von der Vor* 
Stellung des Schliessens der Slallthür hinter dem Helden durch 
die Räuber seiner Kuh, scheint mir der Uebergang zu dem Helden, 
der sich in der Höhle verliert, der närrisch wird, zu dem Bauern, 
der die Stallthiir sebliesst, als die Kuh gestohlen ist, oder zu dem 
Bürgermeister von Chester» der, in der Stadt eingeschlossen, das 
Pfefferthor Bcbliesst, durch welches das Mädchen entführt wurde, 
natürlich, 

„Wer eine Kuh verloren und den Schwanz zurück erhält, hat 
nicht viel, aber mehr als nichts." Dies Sprichwort scheint mir 
ebenfalls einen mythischen Sinn und Ursprung zu haben. Ich 
habe schon bemerkt, dass der Schwanz, die Ferse, die Fiissc, 
<i h. die unteren und hinteren Extremitäten, das mythische Thier 
verrathen; wir werden uns davon noch fester überzeugen, wenn 
wir zu der Untersuchung der Sageu gelangen, die sich auf den 
Wolf, den Fuchs und die Schlange beziehen. Die Fussstapfe ist 
es, die in särumtlichen europäischen Sagen das schöne Mädchen 
bei seiner Flucht verräth; als der Itäubcr Cacus dem Hercules 
die Ochsen stiehlt, sncht der Held, um sie wiederzugewinnen, 
i ihren Fossspuren. Doch damit diese nicht erkannt würden, 
bat der schlaue Dieb die Ochsen, statt beim Kopf, beim Schwanz 
genommen 1 und sie rückwärts gehen lassen. Daher bedeutet: 
„am Schwänze fassen" den falschen Weg einhalten und wird 
ebensowohl auf den Esel wie auf die Kuh angewandt In 
Deutschland erzahlt man, dass einst eine Kuh in eine Grube fiel, 
aas der keiner von den Umstehenden sie zu befreien wagte. Der 
Bauer, dem die Kuh gehörte, kam herbei und fasste sie, nach 
den Einen, furchtlos bei den Hörnern, während er sie, nach An- 



1 Liviiiü 1: Quia si agendo armen tum in speluncam compulisset, ipaa 
tu dominum eo tk'duelura erant, aversos boves eiiinium 
ijae pulcliritudiu«* oaudia in apeluncain traxit. 

12? 



deren, am Schwänze herauszerrte ; daraus erklärt sieh dag Doppel 
Sprichwort: bei den Hörnern fassen, d. b. von der rechten 
etwas anfassen, und am Schwänze fassen, oder, wie wir aa 
etwas am falschen Ende anfassen. Aber der Bauer konnte seine 
Kuh nur entweder bei den Hörnern packen oder am Schw 
je nachdem sie g€ lallen war; war sie mit dem Kopf zuerst gß 
fallen , so konnte W our am Schwänze herausgezogen werden; 
war sie dagegen mit dem Schwanz vorne hineingefallen f 
konnte BT sie nur herausholen, indem er ihre Horner juckte. Dk 
Kuh -Aurora wird von dem Wolf, Bären, wilden Eber ode 
Schlange: Nacht überrascht, bei den Schultern gepackt und ver- 
Schlünden (aus diesem Grunde empfiehlt in dem russischen Mähr- 
eben der Stier dem von seiner Schwester begleiteten flüchtigen 
Helden, sein Gesicht nach der Richtung gewandt zu halteu, aus 
welcher man das verfolgende Ungeheuer erwarten kann). Das Un- 
geheuer (die Dunkelheit oder die Wolke) greitt die Kuh am Schwanz 
und verschlingt sie oder zerrt sie in seine Bohle. Diese Kuh, die 
der Held aus der Höhle befreien will, kann er nur dann bei den 
Hörnern packen, wenn er auf demselben Wege in die Höhle ein- 
dringt, auf welchem die Kuh hineinkam, d. h. durch den Rachen 
des Ungeheuere; doch wie <J;is Ungeheuer den Helden von hinten 
zu überraschen sucht, so verwundet auch er es oft von hinten, 
bill es beim Schwanz und zieh! es §o aus der Höhle, Grube oder 
dem Schlamme heraus - seine gefallene Kuh. In einer indischen 
Kabel im zweiten Jlucb des Paucatantra haben wir die Er- 
zählung von einem Schakal, der, um ein Geltletchen seines Weit 
sta befriedigen, dem Stiere ganze Jahre lang iolgt, in der Hof 
nung, dass dessen herabhängende Teslikeln eines oder des 
dem Tages abfallen. In einem Witz des Poggius und bei Les- 
siug l linden wir denselben Gegenstand besprochen; eine Variation 
davon giebt das deutsche Sprichwort: „Wenn auch der Kuh- 



1 Püggiua, Facetiae, Krakau 1599, angeführt von Benfey in 
Einleitung zu Beinern l'ane at antra p. 8^8: „Quia testiculi mei quadr 
gintii UUKM p«'p«uderaiit CM^nru similes et nunquuni ceciderant/* — Lessir 
(XI, 488 ilt r Luchmiiiiu-Multzahiisclii'ii Ausg ) „De vulpe quadam asini te 
tioulofl manducaudi cupida/' — Bei Aldrovaudi, De Quadrupcdibu 
biBuleis I (Bologna l»J42) lvsen wir , P Membrum tauri in uecto inaeera- 
t um ei i 1 1 it ii in, splendidaui, teHe secto, tacit faciem; Kasis ait, genital« 

i rubrt uridum trituni et aurei pouderc propinatum mulicri, fasridtDii 
Htrariü quiduni reoentiorea« ut iu viris Venerea» exci 
Uuri meinlijuui oefc lis huju* iacultntibua «dm 



181 

RUH er doch nicht ab.* 1 ' In «lcr Hoffnung 
laranf reimt der Wolf oder der Fache hinter dem Schwanz der 
Kuh oder d< a her. Folgender komische Zug eines piemon- 

ch in meiner Kindheit hörte, klingt 
lebhaft in mir nach: ein Knabe, der die Schweine auf die 
de trieb, schnitt ihnen die Schwänze ab, steckte 8ie in den 
Morast und machte sich mit den Thieren davon. Als der Bc- 
r der Schweine ihre Schwänze sah, musste er denken, das» 
:n dem Schlamme veraunken wären. Er zerrt an den 
wänzen, die ihm in den Händen bleiben, während er die Kin- 
der nicht herausfischen kann. In einem russischen Mährchen bei 
A f a na gg i e f f ■ lesen wir, dass der sehlaue Klein-Thomas (Thomka, 
Pomka) den Priester um sein Pferd (in andern Versionen um 
«einen Esel) betrögt, indem er dessen Schwanz abschneidet und 
ihn in den Schlamm eines Morastes steckt. Er macht den Prie- 
ihcn, dass sein Pferd in den Morast gefallen ist; der 
rcissen, thut einen gewaltigen Ruck und 
ttlrlich, den Schwanz in der Hand, auf den Rücken; Tom 
redet ihm ein , dass er den Schwanz selbst abgerissen hat, und 
r&th ihm, zufrieden zu sein, dass er wenigstens noch so viel von 
dem en Thiere wieder bat In dem siebenundfunfzigsten 

1 cn bei Campbell 8 versucht ein Priester ein er- 
bendes Schaf aus dem Wasser herauszuziehen, doch mir der 
Schwanz kommt heraus, und der Erzähler fügt hinzu: „Wenn der 
vanz nicht herausgekommen wäre, so würde die Geschichte 
linger sein." So hat der Besitzer der Kuh, deren Schwanz der 
Dieb als einen Trogt zurückgelassen bat» in Wirklichkeit nur 
loch auch dieses Wenige ist Etwas; denn gerade so wie 
der Schuh, dm das flüchtige Mädchen zurücklägst, obwohl nur 
11 Werth, den Helden in Stand setzt, sie zu recogno- 
aciren, so hat in dem Schwanz seiner Kuh der Besitzer etwas in 
Händen, um unit auf die Suche zu machen und sein ver- 

* Eigenthum wiederzufinden; entweder weil der Schwanz 
eine« Thieres gleichsam sein Schatten ist und dazu dient, es 

ie der Schuh das Mädchen verräth, indem er die 
Fumgpur zei r aber weil schwanzlose Kühe offenbar ge- 

stohlene sind. (In dem Mythus von Cacus, in welchem Hercules 



n«ir< or- Lexicon. 
Kühler im Orient und Ücei<i 



den gestohlenen Ochsen dnreh die Fnssspurcn auf die Spu 
kommt, und C&eui sie an den Schwingen rieht, sind vielleicb 
der mythische Schuh und der verlorene Schwanz vereinigt. Es 
ist möglich, dass die Oehsenschwänze dem Cacus in den Händen 
blieben, als er sie in die Höhle mg, und dass sie, von dem Diebe 
fortgeworfen und von Hercules gefunden, ihm als Führer zum 
Wiederfinden seiner Ochsen gedient haben. Es ist auch möglich, 
dasB der von Hercules verfolgte Cacus nicht Zeit hatte, die Ochsen 
ganz hineinzutreiben T .so dass ihre Schwänze noch herausragten 
und sie verriethen. Bezüglich der römischen Cacus-Sage sind 
das eben nur Hypothesen und ich habe sie deshalb in Parenthese 
geschlossen; was aber da» oben erwähnte russische Mährcheu be- 
trifft, so finden wir den Pferdeschwanz vom Diebe abgeschnitten, 
and da wir in dem Kapitel über den Fuchs den Fuchs kennen 
lernen werden, der sieh dadurch verräth, dass er den Schwanz 
nicht einzieht, woher auch das Sprichwort kommt: „cauda de 
vulpe testatnr", sind die beiden oben beigebrachten Vennut hunpri 
allen Spuren nach nicht so unglaublich. Bei Pausanias 1 befreit 
sich der Held Anstonienes, der in eine tiefe Cisterne geworfen 
worden ist, auf wunderbare Weise vermittelst eines Adlers, nach- 
ein Fuchs einen Weg gebahnt hat Der Fuchsschwanz hat 
so zauberhafte Anziehungskraft, dass nach der Yolks&age 



dem 
eine 



der Hahn bei seiner Bewegung herabfallt, unfähig dem Zaut 
Widerstand zu leisten. Nach dem Volksglauben ist der Schwan 
(wie Nase und Mund) der glänzendste Theil des korpers eine 
Tbieres. Der grosse Arte Hannmaut verbrennt mit seinem feurigen 
Schwanz Lanka (ebenso wie die brennenden Fuchsschwänze des 
biblischen Sirason die Erntefclder der Philister verbrennen). Das 
graue oder schwarze Pferd der Mythologie (welches das weisse 
oder rnthe Sonnenross verschlungen hat) sprüht Feuer aus seinem 
Monde oder vom Schwänze. Da dieses schwarze Pferd die Nacht 
ist, so stellen die Feuer sprühenden Nüstern und Schwanz den 
glänzenden Abend- und Morgenhimmel dar; wenn also der Schwanz 
seines Pferdes (das ebenso wie der Stier und die Kuh vom Diebe 
gestohlen igt*) dem mythischen Helden in der Hand bleibt, so 
genügt dieser Licht ausströmende Schwanz, ihm die Auffindung 



1 IV, 15, 

1 Daher wird das oben erwähnte Sprichwort : „wenn die Kuh ge- 
stohlen ißt, verwahrt man den Stall" auch bo angeführt, daas da« Pferd an 
die Stelle der Kuh gesetzt wird. 



183 

äe« ganzen Thieres zu ermöglichen, d. h. der Sonnenneld kommt 
ans seinen] \ heraus (Hannmani kommt aus den hinteren 

Theilen des Meerun^hee Zwerg: aus des Wolfes Rücken 

heraus 1 ), der Stier Sonne findet seine Kuh Aurora, der Prinz 
die Prinzessin Aurora, der Bauer seinen Esel oder seine 
Kuh. Hercules seineu Ochsen wieder; das weisse Ross kommt 
IM dem Schwanz des schwarzen Rosses heraus, von welchem es 
verzehrt worden war, und steigt dann vermittelst des Schwanzes 
zum Himmel auf; : der weisse Stier kommt aus dem schwarzen, 
die weisse oder rothe Kuh aus der schwarzen; der Schwanz 
kommt aus dem Körper; der Held aus dem Sack oder dem Ver- 
i;, in das er eingesperrt resp. eingenäht war. Der Sack spielt 
Überhaupt in der du dem verborgenen oder verfolgten Hel- 

den eine grosse Rolle; dieser Sack ißt die Nacht oder die Wolke 
oder der Winter; der im Sack eingeschlossene und in den See gc- 

ileld ist die Sonne. Dieser Held und die in einer Kiste 

einem Fass eingeschlossene (auch, im Mythus von Pasiphae, 

HÜ einem Kuh Cell bedeckte) und den Wogen liberlassene Heldin 

sind mit einander gleichbedeutend, und ebenso sind es die im 

BrnmteH| in der Höhle, den Ställen und sogar in der Kuh einge- 

en Helden Sofern der Sack, in welchen nach dem oben 
angeführten Sprichwort der sündige Held eingenitht werden soll, 
das Fell eiuer alten Kuh oder einer schwarzen Kuh (der Nacht) 
ist. kommen die Eier des Vogels Abend, wenn sich diese schwarze 



I. da» Kap. über den Wolf, wo .der Zwerg durch den Rachen in 

; hinein- und um Schwänze wieder herauskommt 

* In einem russischen Mährchen (Afan. VI, 2) kommt, als der alte 

ins drin Himmel in eineu Sumpf (den See Nacht) 

Ente (der Mond oder die Aurora) und macht auf seinem Kopf 

ihr Nest, in welches sie ein Et legt; der Bauer packt ihren Schwans; die 

zappelt und zieht den Bauer aus dem Sumpf (die Sonne aus der 

t), und der Bauer fliegt summt der Ente und ihrem Ei in sein Haus 

luruek (den Himmel, von dem er herabgefallen). — In einer Variation 

iben Erzählung bei Afan, (beicle Erzählungen gehen aut die von 

;rück) fällt der Alte vom Himmel in den Sumpf. Ein Fuchs 

,^e auf seinen Kopf. Ein Wolf kommt, die jungen 

der Bauer packt seinen Schwanz; der Wolf reisst ihn 

Ruck heraus, beim zweiten lässt er seineu Schwanz in der Hand 

de» Bauern. Der Schwanz des Wolfes Nacht ist die Morgen-Aurora. — 

In dl von Klcin-Drch-Erbse (Afan. III, 2) kriecht der junge 

lifM in du* Pferd, nachdem er ihm sein (schwarzes) Fell abgenommen und 

es beim Schw&i it hat, d. h. es wird das glänzende Pferd der Sonne. 






Kuh auf dieselben setzt, 11m *w auszubrüten, zu Schaden; davon 
leite ich das deutsche Sprichwort ab: „Wenn sich eine Kuh anf 
die Eier legt, so erwarte keine Hühner/* l Und als man beob- 
achtete, wie die Nacht die Sonne überwältigt und sie den Blicken 
der Menschen entzieht, fand da« andere Sprichwort seine Ent- 
stehung: lf Di6 schwarze Kuh Iiat ihn bewältigt.** J Die schwarte 
Kuh unterdrückt nicht allem den Helden, sondern schließet ihn 
auch, wie der Wolf, in ihr eigenes Fell,. 3 ihren eigenen Sack ein, 
d. 1l verschlingt Um — den Sack füllen ist dasselbe wie den 
Körper fUlIen, ebenso: den Sack leereu dasselbe wie den Körper 
leeren. In dem piemontesischeu Mährehen von dem Zwergkinde 
(dem norwegischen Schmierbock ), welches der Wolf in den Sack 
einsperrt, 4 kommt der Zwerg ans dem Sack heraus, während der 
Wolf seinen Körper entleert, Von zwei russischen Mährchen bei 
Afanassieff, auf die wir in dem Kapitel über den Wolf näher 
eingehen werden, zeigt uns tlas eine den Wolf, der den Bauer 
in einen Sack steckt, und das andere den Wolf, der den Zw - 
Helden in seinen Korper steckt; beide, Bauer wie Zwerg, retten 
sich. Die beiden Variationen gingen von der Vergleiehung aas, 
die sich zwischen dem Körper und einem Sack bot, welche also 
in der Sprache des Mythus identisch sind. Das Fell des schwar- 
zen Stieres, der schwarzen Kuh, des schwarzen oder grauen 
Pferdes oder Wolfes und der Sack, der den Helden oder den 
Teufel umhüllt, spielen in der indogermanischen Volkssage eine 



I 



1 In dem russischen Mährehen vom dummen und faulen Emil, der 
Glück hat, wird der Held in ein Fast mit der Heldin eingeschlossen und 
in den Bee geworfen: die Sonne und die Aurora, zu G«'fafgeiien gemsieht 
und zusammen eingeschlossen, durcheilen miteinander de« See Naeht. 

* Wander, Deutsches 8pr ichworter-Lexico n. 

1 In dem russischen Mährchen bei Afau V, Itä todtet der Jleld du 
Bohtangenungeheaer, indem er mit ihm um nein eigenes Fi 11 spielt, Für 
tini Fall, daäs er verlieren sollte, hat er sich mit sieben OchsOufeUcn und 
eisernen Klanen versehen* 1 lieben Mal; jedes Mal glaubt das 

■ •heuer ihn in dir Gewalt zu haben, doch immer macht ihm der Held 
weiss» dass das OchsenteU sein eigenes Bei, Schliesslich verliert die Sehlange 
und der Held zieht, ihr wirklieh mit seinen eisernen Klaut n das Fell ab, 
worauf sie stirbt. l)-m Ungeheuer den Sack oder das Fell «, das 

Fell des SchlangeDUngeheuen, der Ziege, des Schweins, des Frosches etc. 
verbrennen, den Zaubermantel oder die ZaubcrLuppe in welche der 
Held gehüllt ist, verbrennen beisst dasselbe, wie: das Ungf heoci 

1 Siehe das Kapitel über den Wolf» 




Roue. 1 Aus dem Sack des LcirhenstorchcB (der Nacht) 
OtnmeQ in einem russischen Mahnten '-' *wd junge Helden (die 
ms), die Ueberwiuder ihrer Feinde, heraus, welche das Tisch- 
tuch der Fülle (Aurora) ausbreiten, und ein Pferd, das Sold fallen 
ll (die Sonne), Der in dem Sack oder dem Kuhfell einge- 
schlossene and in das Wasser geworfene Held entrinnt dem Schiff- 
■h iu eben der Weise wie jene Seefahrer des Chinesischen 

I Meeres, die Benjamin von Tudela in .seinen Reisen beschrieben 
tut, und welche, wie er sagt, bei einem Schill brach sicli dadurch 
im. dass sie sich mit dem ganzen Fell einer Kuh oder eine« 
ten bedeckten; denn die Adler hielten sie für wirkliehe Tbiere, 
ftih men sie in ihre Klauen und brachten sie ans Land. Das 
iff mit dem Btifl'elfell findet sich in Volksmährchen wieder. 
fo ist dies offenbar eine Erinnerung an die mythische Abstain- 
toang (von welcher vielleicht spater die Idee der Tortur a 
leitet wurde, wie in dem berühmten Stier des Phalaris, in welchem 
to ein Symbol des Wassergottes sehen, wie in dein Stierlcll, 
m Welches der Tetrarch Acaraidea, von Mernnon besiegt, eingenäht 
*urde f a und wie im Mittelalter nach den Chroniken der grau- 
same Herzog von Sjuilati», Emma, den Präfecten Kaiser Sigis* 
m onds, Paulus Chnporus, in ein Ocliscnfell einnähen licRs , um 
*^h dafür zu rächen, dass ihn jener ans Verachtung mit Brüllen 
*^ ein Ochse begrtttri hatte). Ebenso verhält es sich mit dem 
^'tigehen Helden Brian, * dem vorgeblichen Narren, der auf die 
^Ojmheit der als weise renommirten Leute spekulirt. Als einer 
WB diesen sogenannten Weisen, den er betrogen, vorsehlägt, ihn 
einem Sack ins Wasser zu werfen , llisst er durch einen 
tfcigen Einfall einen Andern seinen Platz einnehmen, wnlnvnd 
bst mit einer ganzen Heerde Rindvieh an das Ufer zurtick- 
U| nmt. In den übrigen celtischen, slavischeu, deutschen und 
'lettischen Variationen dieser Erzählung fängt das Gltick des 
blieben Narren damit an, dass er einige Münzen in das Fell 
^iüer Indien Kuh steckt und es dann zn einem sehr hohen Preise 
^kaaft, indem er es fur eine Börse ausgiebt, die, so oft sie ge- 



Sage vgl. Si mroi'k, II a 11 d Ij u e h dor d e u I 8 c h c o 

4 Afii.i ll, 17. 

uii'lis mautus pi'lle juvinci ; Ovid, Ibi«. 

Uebcr T. P. C a im p be 1 V a 3h m in I u ti g g ä I i » ch»:r 
HLkrthen m. Orient und Occident.— Vgl. Nr. 30 dt*r Novel line 
"' San Stefano d i Calci na i a. 



schüttelt wird, Geld gtebt, während er nach einer andern Vor 
mittetat einer leichten Täuschung Jemandem einrede! , 
oder Pferd gebe Sold und Silber, und viel Geld datüt bekommt 
Mit der Kuh hangen »seh die beiden Hörner zusammen, dureh 
deren Blasen er seine Frau, die steh todt stellt, in's Leben zur 
ruft; diese Börne? weiss er seinen Bindern oder Gefährten so an- 
zupreisen, dasn sie, die sieh selbst für ungeheuer schlau ba 
und vermittelst der Hörner mit Leichen zu spekuliren denken, l 
sie ihm theuer abkauten und anlangen die Leute todtzüfi« 
wodurch sie sieh selbst ins Unglück stUrzeu. Ich habe. oben ge- 
s der Sack, in welchen der Held gemeiniglich gesperrt 
wird, mit der Kiste identisch ist, in welche die Heldin gewöhn- 
lich wegen ihrer Schönheit eingeschlossen wird, d. h. in welcher 
die schöne Heldin ihren Glanz verbirgt oder in welcher die r 
Kuh, die Abend- Aurora, mit der Sonne sieh verliert. Der Inhalt 
des vierzehnten schottischen Mittirchens bei Campbell ist i 

mder: - Ein König, dessen erste Qemahfin (die Morgen- 
Aurora) gestorben ist, beschliesst das Weib zu heirathen, dem 
die Kleider der verstorbenen Königin gut sitzen, findet aber k 
Einzige, die sie tragen könnte, ausser seiner eigenen Toehter 
(der Abend-Aurora . Sie iBsst sieh von ihrem Vater goldene und 
silberne Gewander und Scholle geben 'd. h, sie erhalt von ihrem 
Vater, der Sonne, den Glanz der Morgen-Aurora); sie seh) 
sich mit diesen in eine Kiste und lässt sich ins Meer werten. 
Die Kiste treibt auf den Wogen umher und kommt schliesslich 
ans Ufer; das schöne Mädchen tritt in den Dienst eines jui 
Königs; sie zeigt sich mit ihren glänzenden Kleidern in der 
Kirche; der junge König, der in dieser schönen Prinzessin seine 
Dienerin nicht wiedererkennt, verliebt sich in sie nud eilt 
nach; sie flieht und verliert ihren goldenen Schuh; der König 
findet ihn und probirt ihn, um sie zu entdecken, jedem Mädchen- 
fuss an; Viele schneiden sieh die Zehen ab, damit der Schuh 
passe, doch ein Vogel macht den Betrug offenbar; der jnnge 
König heirathet das schöne Mädchen, das aus der Holzkiste 
kommen ist. Hier haben wir nicht allein die Heldin wieder, die 
entschlüpft, sondern auch die wandelnde Heldin; diese Heldin isr 
die Aurora nnd die Aurora ist oft eine Kuh. Eine andere schnelle 
Kuh rennt im Sprichwort vor dem Hasen (dem springenden 
MondeJ her, in der Fabel von der Ameise und der Heuschrt 



1 Köhler ft. a 




187 

n die eratere die Wolke oder die Nacht, odor Indra oder 

der Wolke der Nacht, oder «lie Knie, ' die letztere, 

ide, den Mond darstellt; die Ameise überholt die 

L-hrecke im Wettlauf, nicht weil sie sich schneller vorwärts 

bewegt, sondern weil die beiden Lanier imfhwendig einander 

m und deshalb der eine an dem andern vorbei mnss. 

englische KiDdcrreim: „Hey! diddle, diddle, the cat and the 

jumped over the moon" geht auf den Mythos 

iter Kuh zurück, die über den Hasen springt Als später 

die I uog der Hinimelscrschcinuugen vernachlässigt wurde 

und mau vergas«, das« die rennende Ameiße oder Kuh die Wolke 

°*Ier die Sonne oder die Aurora oder die Erde, und der sprin- 

lc Hase oder die Heusehrecke den Mond bedeutete, sah man 

einen gewöhnlichen Wettlauf zwischen Kuh und Hasen 

Ameise und Heuschrecke auf irdischem Boden; von dem 

aythus von den beiden Thieren, die einander im Himmel treffen 

und au einander vorbeigehen, wurden nach den verschiedenen 

akteren der Nationen oder Zeitperioden zwei Sprichwörter 

abgeleitet — eins, welches das langsame und unbesonnene Thier 

das sich anmasst, das schnelle im Wettlanf zu über- 

n, ood ein anderes, welches als Ueweis für die Wahrheit des 

s dient: „Tardc sed tute", wofür man italienisch sagt : „Chi 

piano va sano et va lontano" (Wer langsam gebt, geht wohl 

OQtl kommt weit). Das erste Sprichwort hat zum Vater iai 

Sttecfiiäche : „den Hasen mit einem Ochsen jagen", italienisch: 

üar la lepre col carro" (den Hasen mit einem Karren jagen); a 

* bezieht sieh auf Mittel, die zu dem Zweck, den man mit ihnen 

Wichen will, in keinem Verhältniss stehen. Wenn der Hase 

^d die Kuh einander treffen, unterdrückt die letztere den Hasen, 



der Bildung diese« Mythus von der Kuh, die über den Mond 

kann materiell die Beobachtung einer Mondtiii4i> .getragen 

selchet «lie Kuh Erde (im Sanskrit bedeutet go sowohl Erde 

den Mund oder den Hasen geht, Oder aber: die 

Nacht, als eine schwarze Kuh, geht sehr häufig über den 

*U»r ü oder Mond 

russischem Aberglauben bedeutet ein Hase, der zwischen den 

JQdcn. ] gcns, in welchem ein junges Ehepaar sitzt, hiudurchläuft, 

GJrund: der Haae ist der Mond; der Mond ist dex 

heb; wenn er Hindernisse in den Weg legt, kann 

folglich wurden in ludien Hochzeiten bei 



m 

wenn sic genöthigt ist, iflti aufzuhalten; wie wir oben sahen, das* 
sie die Vogeleier zerdrückt, statt sie auszubrüten. Die Vorstellung 
TOB dem O.hsen, der den Hasen jagt, entstand ganz natürlich 
aus der Vorstellung von dem Ochsen oder der Kuh, die den 
Hasen überholt HU diesen Sprichwörtern lässt sich vielleicht 
folgendes deutsche zusammenstellen: „Nicht Alle, die Horner 
biases, jagen Hasen", das seine Spitze gegen die Leute kehrt, 
welche auf leichtem Weg0, wie durch das Blasen eines Homes, 
ein schwieriges Unternehmen, wie das Jagen eines Hasen, aus- 
fuhren zn kennen glauben; ebenso wie man in Deutschland sagt, 
dass nicht alle Donnerwolken Hegen geben, und: ,,die Kah muss 
mehr als brüllen, um viel Milch zu haben" oder: „die Kuh, die 
viel brüllt, giebt nicht die meiste Milch." In der That: eine 
Kuh, die viel brüllt, ist nicht gesund, noeh auch kann sie wäh- 
rend des Brülletis fressen und Milch geben; so kann der, der sich 
mit dem Blasen des Homs quält, nicht zugleich hinter dem Hasen 
herrennen, wie das italienische Sprichwort sagt: .,11 can che ab- 
baia non morde" („die Hunde, die bellen, beissen nicht"), aus 
dem einfachen Grunde, weil er, während er den Mund öffnet, um 
zu bellen, nicht beissen kann. Andrerseits ist die Henne, welche 
gaekert, die, welche Eier legt, weil das Gackern mit dem Munde 
der Operation des Eierlegens durchaus nicht im Wege steht; es 
liegt hier keine Collision der Pflichten vor. 

Das deutsche Sprichwort „Wie eine blinde Kuh eine Erbse 
findet" wird jetzt zur Bezeichnung einer Unmöglichkeit ange- 
wendet; und doch findet in dem Mythus die blinde Kuh (oder die 
Nacht) wirklich die Erbse oder Bohne (den Mond), welche in 
jeder Hinsicht identisch sind. Die Nacht ist den Todten geweiht; 
für die Todten sind essbare Vegetabilien — Bohnen, Wicken, Erbsen 
und Kohl — lunarischc Symbole der Auferstehung und Fülle» In 
drin neunten Mährchen des vierten Buches bei Afanassieff 
isst die Tochter des alten Mannes und der alten Frau Bohnen* 
eine Bohne fällt auf die Erde und wächst zum Himmel auf; an 
dieser 1 Johne klettert der Alte (die Sonne) zum Himmel hinauf 
und sieht Alles. In den zahlreichen Mahrchen, in welchen der 
junge Held eine Kuh oder ein Kuhfell verkauft, finden wir 
immer einen Topf voll Bohnen, von denen er den Leuten glauben 
macht, dass sie sich selbst kochen können, während er su- 
gekocht und sie dann mit Asche (der Finsternis») bedeckt Ul 
das Feuer gestellt hat; dieser Topf ist der Mond. Pi< 
von dem Topf, welcher der Hausmutter gebort, im 



189 



r 



rata, und welchen der Gott KrisHina, den sie gastfreundlich 

[genommen, wieder mit Bohnen füllt, und von dein Herrn, der 

nner noch unedirtcn picinoutesißchen Legende, als armer 

alter Mann verkleidet, Kieselsteine in den Kassel der frommen 

Wittwe wirft, die, kaum hin eingeworfen, Bohnen w eitlen, invol- 

i denselben Mythus. Ebenso, glaube ich, ist ganz offenbar 

Bohne mit der Frucht der Früchte gemeint, welche nach dem 

Mab ab ha rata der dankbare Mann als Entgelt für die kleine 

arze Kuh (k ri ahiiadhennkäj erhalt, die er dem Priester 

licn. * In dem englischen heenuiithrchen: „Jack und die 

Bohnenstange" tauscht Jack iür seine Kuh einige Bohnen ein; 

seine Mutter (die blinde Kuh) streut die Bühnen aus; eine schlägt 

Wurzel und wachst bis zum Himmel auf. I Vermittelst der 

schwarzen, der blinden oder Trauerkuh, der Kuh Aurora, die 

wahrend der Nacht schwarz oder blind wird, findet der Held die 

Bahne oder Erbse der Fülle (den Mond), vermittelst deren er am 

D wieder sehend und reich wird. 

Wir sahen statt eines schwarzen KubfelLs eiuen Sack zur Be- 

Hg der Nacht verwandt; in ähnlicher Weise haben wir 

dieses Kuhfells [das der Held verkaufen geht), wie auch 

Erbse oder Bohne, den Topt — der arme Held tindet den Mond. 

Ito» slaviscbe Mahrehen von dem Töpfer, der reich wird, und das 

v(\u dem Bruder, den man für dumm hält, der aber seinen Topf, 

lB welchem die Bohnen ohne Feuer kochen, um einen hohen Preis 

Nriuufi, sind Variationen desselben Themas. In einem rassischen 

Mabrcheii bei Afanasaieff 3 nimmt der Krug die Stelle des 

Ifpfea ein, der seinen Besitzer reich macht Der arme Bruder 

»jeht ihn aus dem Wasser; aus dem zerbrochenen Kruge kommt 

e iüe Ente ^ welche den einen Tag goldene, den andern silberne 

gt — die Sonne und der Mond (am Morgen brütet die 

Aurora den goldenen Tag aus, am Abend die silberne Nacht). 

1 PhaUuam phalam aenoti tadä dattvä; Alahäbh. III, 13, 423. 

utaehen Sage von König Volk mar (bei Minirock a. a, O. p. 
ii wir die Erbsen in der Asche, In der siebenten der Contei 
Wet *cilliMjx von Porebat haben wir den Topf, in welchem der Kohl 
üd und aus dem Geld und Uepphühncr herauskommen. In der 
i Contes Merv. sieht der neugierige Junge eis 
Ulme und möchte gern hinaufklettere; doch er finde! kein Ende; 
c r Bjiatii reicht bis nahe an den Himmel. Auf dem Wipfel der Ulme 
aus welchem eiu schönes Mädchen mit herrlichen 
ml horauakomnil 
»LI 



190 

Wir haben noch die Sprichwörter von der lachenden nnd der 
spinnenden Kuh zu erklären. Die lachende Aurora (nachdem sie 
während der Nacht die Prinzessin gespielt hat, die nie laebt) und 
«lie spinnende Aurora (verwandt mit dem Mond, der Kuh, die mit 
ihren Hörnern spinnt) sind uns schon bekannt. Die Aurora lacht 
;nn Morgen im Himmel heim Anblick ihres Gemahls; so lacht in 
einer zahlreichen Reihe von slaviscken, deutschen und italienisc 
Mährehen die Prinzessin, die nie lacht, als sie ihren ihr vorher- 
bestimmten Sattel) lieht 1 Das Sprichwort von der Kuh, die 
lacht, hängt mit dem von der Kuh, die spricht, zusammen; viel- 
leicht deshalb bringen Stiere und Kühe (und andere Thiere), die 
sprechen und mit einander Höflichkeiten austauschen, in einem 
ganzen Cyclns von indogermanischen Mährchen, welche buchst 
gelehrt von Benfey im Orient und Occident unter dem Titel: 
„Ein Mähreben von den Tliierspraehen" besprochen worden sind, 
immer den Mann» der sie versteht und indiscreter Weise ihre 
Unterhaltung belauscht, zum Lachen. Als jedoch der Mann aus- 
geplaudert, was die Stiere oder KUhe (oder anderen Thiere) zu 
einander gesagt haben, stürzt er sich selbst ins Verderben: die 
Sprache und das innere Leben der Thiere dürfen nicht aller Welt 
mitgetheilt werden; sind sie überall bekannt, so ist das eiu 
schlimmes Vorzeichen. Was die Prinzessin des russischen Mähr- 
ehens zum Lachen bringt, ist der Anblick der Höflichkeit, welche 
die Thiere, als ob sie Menschen wären, dem aus dem Sumpfe ge- 
zogenen Manne erweisen; was den Mann, der die Thiersprache 
versteht, lachen macht, ist der Anblick ihres Verhaltens zu einan- 
der und ihrer Unterredung, die genau so sind wie bei Menschen 
unter ähnlichen Verhältnissen. Dieses Ueheirnniss verrathen heisst 



1 In dam Mühreheu bei Afau, VI, 58 fällt der ehrsame Handwerka- 
mariD, nh m seine Augen auf die Prinzessin, die nie lacht, heften will, in 
BUSl n Sumpf; der Fisch, der Käfer und die Maus reinigen ihn wieder, aus 
Dankbarkeit; darauf lacht die Prinzessin zum ersten Mal und bei- 
den ehrsamen Arbeifsunann. In der fünfundzwanzigsten der Novelline 
dt Sau S tef aiio -findet sich etwas Analog« s; doch reicht daß nicht hin, 
die Prinzessin zum Lachen zu bringen; die Adler, die Alles, was sie be* 
rühren, nach sich ziehen, sind es, die das Wunder vollbringen, der Tochter 
der Königin ein Lachen abzugewinnen. In der dritten Erzählung 
Pent jvtncrune lacht die Prinzessin, als sie Pervonto von dem Bündel 
Holz fortgetragen sieht, statt dass er es trägt. Die russischen Mährchen 
von den Enten, die den Helden retten, bei Aran. VI, 17—19, und dein 
treulosen Weibe und seinem Liebhaber, die zusammengebunden werden, 
sind Variationen der Adler des toscauischen Mährchens. 



cli den Tod wünschen. Kein Mensch darf wissen, was <ter Stirr 
eimlich zur Kuh, was Sol zu seiner Gebieterin gesägt, was der 
tollig der Königin ins Ohr geflüstert hat Wer die Geheimnisse 
der Venu* verletzt, ist des Hnehverratbs schuldig and verdient 
sstrafe oder bringt wenigstens Unglück auf sein eigen 
Haupt Webe der Heldin, wenn der in einem TliicrfeU verborgene 
Held wegen einer kleineu Indiscretion, oder weil sie zu ihrem 
Schwestern geplaudert, sich nackt in seiner Menschengestalt zeigt; 
rerKert ihn und ihre Trennung ist unvermeidlich. 
Wir sind schon mit. der W*dkenkuh und dem Wolken* 
bekannt; die Wolke donnert, der Stier brüllt und spricht. Die 
lisch gnn devapatöl, gnä d e vi t 1 }, die Gottin- 
KU oder göttlichen und wissenden Weiber, die Fee-Göttinnen 
I Frauen mit ihren Vorahnungen, die Frauen, die mehr als der 
Teufel wissen ), sind auch prophetische Kühe; diese Kühe sprechen 
io ihrem Charakter als Feen mit menschlicher Stimme, und 
ebeuati die Wolkeustiere. Daher konnten die Homer einen Ochsen, 
nime sprach, als ein Augnrinm betrachten. 
Mab hat behauptet, dass es ein unglückliches Omen war, doch 
laa ein [rrthom. Nach Livius setzte unter dem Consulate des 
Co- Domitins und L, Quintius ein Ochse Rom in Schrecken durch 
Worte: Cave tibi, Koma. Diese Worte scheinen eine 
fchßmine Bedeutung zu haben, sind jedoch in Wirklichkeit nichts 
* e ü< in freundschaftlicher Rath oder eine Mahnung, die 

will ids: Achte aui deine Ländlichen Beschäftigungen, 
'ii ! der Donner hat sich hören lassen, der den Sommer ver- 
kündet. Wenn wir in dem fünften Buche von Pliuius' Ilistoria 
ural is lesen, dass sich der römische Senat, wenn man er- 
■«fj dass ein Ochse mit menschlicher Stimme gesprochen hatte, 
"freiem Himmel — sub dio — zu versammeln pflegte, so 
^'t* ich in dieser Anspielung und in dieser Handlungsweise des 
Samt» nur den Ausdruck des Gedankens, dass das Hören des 
P°ooere (<L h. des Ochsen, der spricht) ein Zeichen des Sommers 
iid wir aufs Land gehen und unter freiem Himmel schlafen 
Wenn endlich nach Fusebius ein Ochse sagte, dass bei 
(der bekanntlich an den Iden des März stalt- 
h. im Beginn des Frühlings) mehr Getreidchalme als 
i würden, so sehe ich auch darin eine ganz augen- 
Uüg des nahenden Sommers, in welchem Ken 



' Kig ■ 4 ;i , G\ h <^> 8, 



m 

sehen oder Schnitter gewiss nie zu zahlreich und Bogar rar sind, 
wenn die Ernte grüffl ist, her Ochse mit der Men^eheustin 
der die nahe Ankunft des Sommers kund macht, entspricht 
Kukuk. dessen [Jolle in der Sagenwelt wir ein eigenei Kupiiel 
widmen werden. Vor der Hand fuhren wir, um unsere Ideuti- 
fieining zu »tUizen, hier den tot sprichwörtlich gewordenen Vers 
Theocrits an: Weiber wissen Alles, selbst wie Zeus die Hera 
beiratbete (oder was der König der KOnigin ins Ohr Bagte). Zeus, 
in einen Kukuk verwandelt, flog auf den Berg und Heel sich auf 
dtii Schoflfl der Hera nieder, welche ihn, nui ihn vor der Kälte 
icbrjtaen, mit ihrem Gewände bedeckte. Der Kukuk, odn 
Zeus, verseh windet bald nachdem er gesprochen, d. In die Sommer- 
liche der Sonne verkündet hat. Nach Johauni zeigt sieh der 
Kukuk, der im Miirz erscheint, nicht mehr; so büsst der Ochse, 
bald nachdem er gesprochen und die Liebe des Zeus verrathen 
oder bald nachdem die Wolke gedonnert hat, der Uchse. der die 
geheime Liebe der Sonne in dem mit Wolken bedeckten Himmel 
oder die vertraulichen Gespräche und den verstohlenen Liebes- 
weehsel der Thiere enthüllt, diese seiue Indiscretion mit dem 
Tode. Wie die Anrora in den vedischeu Hymnen durch ein V 
eben dargestellt wird, das nicht lacht und nur lächelt, als es den 
Gatten sieht, 1 so wird der Blitz, der die Wolken zerreisst nud 
dem Donner vorhergeht, mit dem Lachen eines Ochsen oder einer 
Kuh oder auch des Mannes, der ihre Liebe gesehu, verglichen. 
80 lange als der Himmel nur blitzt oder blos lächelt,* giefa 
kein [Jngittck. Niemand kann bis dahin wissen, warum der Ochse 
oder die Kuh, der Held oder die Heldin, oder die dritte Persou, 
welche zusieht, lacht; doch als der Held oder die Heldin spricht 
und den Gedanken oder das Sonderbare, was sie oder ihn zum 



1 lu den Nibelungen grüsst KrimhiJt, ,,diu nie gruozte ranken" 
zum Otiten MhI den jungen Sffrit, den lieg reichen und vorbeeiimmten Hel- 
den, nud als sie ihn grüsst, „do erzunde »ich sin varwr lk 

1 Du Cange s. v. Ab ocellus: Auetor Sptcil. Dnemonolat, nat« 
quo dam est reo vaeenrnin cuatode, quod ,, colore« et statu rarn vac ear um »in- 
guluriuin apeeialiter discerneret", qua faculiate, „quam daenionum ministe* 
rio habuerat", suscejih» eniitirmationis sacrauieuto privatum est. Der blinde 
Held, welcher sieht, welcher seine Kühe von einander unterscheidet , ist 
die Sonne in der Wolke. Kaum hat er die Firmelung (eine zweite T 
erhalten, als er aufhört, seine Kühe zu sehen, aus dem einfachen (»runde, 
weil die Wolken in Hegen aufgelöst sind oder weil er selbst sein Geheim 
niss verrathen hat. 



I, verriitb, ist der Tod die Strafe der Indiscretion; 

die I wird sogleich in Regen aufgelöst Auch wird 

meiii' der Wolke, die blitzt (mit Unterscheidung 

zwischen dem Blitz und drin Donnerkeil), mit der lächelnden Ktih 

oder dem Ochsen <>drr dem Manu, der die Sprache der Thiere 

tebt und, als er ihre Vertraulichkeiten sieht, lacht, nicht ge- 

Schemen, wenn wir bedenken, dass unsere Sprache 

netaphoriscben Ausdrücke: ein Freudonstrahl, ein Blitz der 

Freu hrt hat, um ein Lächeln zu bezeichnen, von welchem 

wir lagen : es erglänzt, leuchtet oder blitzt Blitz ist das Lächeln 

Mond und Aurora sind das Lächeln der Nacht, der 

lachende Fisch und die lachende Prinzessin. In dem neunten 

d des dritten Buches bei Afanaasieff treffen wir einen 

h, der dem Beschauer ins Gesicht lach! die Wolke, die blitzt, 

ttd auch der Mond, der aus dem Ocean der Nacht hervorkommt) 

und ftir welclten um dieser wunderbaren Eigenheit willen der 

Mann (die Sonne in der Wolke oder iu der Nacht) von 

Atom D Herrn eine ausserordentlich hohe Summe, ja sogar 

ganzen Keichthum erhält — d. L der arme Mann tritt an 

stelle des reichen Herrn; die glänzende Sonne nimmt den 

P'ats der in der Wolke oder in der Dunkelheit versteckten Soune 

In einen» indischen Mährchen (Soma de v a 1, 5) lacht ein 

i, als er iu des Königs Zimmer als Weiber verkleidete Man- 

öbt Im Tnti-Namc (II, 21) lachen die Fische, als 

üe Prodi r Bahlerin sehn. Damit hingt auch die La- 

ainesohe Fabel: „Le Kieur et les Poissons" (VllI, 6) zusam- 

ln der Sage von Merlin lacht der Zauberer ebenfalls, weil 

d ** Weib Julius Caesar:-; mit zwölf als Weiber verkleideten 

n lebt und weil sich dieser selbst von Grisandole, eineT als 

** T Prinzessin, hat langen lassen. 1 

Der Fisch ist ein Symbol des Phallus (im neapolitani 

lekt ist peace , Fisch, der Phallus selbst, im Sanskrit hat der 

4l ^i)C8gott unter Anderm den Namen makaradbvaga, d. h. der 

Fisch zum Emblem hat). Der Fisch, welcher lacht, weil er 

:>eiiu verbotenen Licbesgenuss gewesen, ist der 

is selbst in gandio Veneris. Der Donnerkeil ludras ist 

Phallus, der die Wolke bricht Bei Ovid 2 haben wir Jupiter, 



handlang 



Mriliu von Liebrecht und Benfey im 



13 



194 

der dem Numa in Kiithseln die Mittel steigt, den Donnerkeil zu 
bilden ; 

„Caede caput, dixit, cui rex, Parebirou«, inquit, 

(Wdvudu est hortis eruta cepa meis. 
AdrJidit hie, lle-miniö: Summe«, nit tile, eapillos« 

Poyfulat file uuimum: cui Nunm, Piscis, ait. 
Rieit; et His, inquit, i'aeito rneu tela procures, 

O vir colloquio uon ubigende ineo/ 1 

Der Scherz mit dem Aprilfisch (le poisson d'Avril), mit dein 
sieh so viele unsrer Damen so geistreich aiuüsiren, bat eine etwas 
unrticliige phänische Bedeutung. J Die Fische des Zodiakus Bind 
Zwillinge, ein männlicher und ein weiblicher, die zusammen- 
gebunden sind; sie sind von Eros (Amor) und Aphrodite (Venus) 
geboren. Im Adiparva des Mahäbliarala lesen wir von einem 

b, der den Samen eines Mannes verschlingt, und von einem 
Mädchen, das, als es ihn gegessen, ein Kiud zur Welt bringt. 
Derselbe Mythus | kommt anch in den Volksmährchen des 
Westens vor. 

Noch bleibt die Kuh, welche spinnt, zu erklären. Wir sahen 
schon, dass die Kuh mit Ihren Hörnern für das Mädchen spinnt; 
diese Kuh ist gewöhnlich der Mond, welcher während der Nacht 
Gold und Silber spinnt. Der Aurora wird von ihrer Stiefmutter, 
der Nacht, befohlen, sowohl die Kuh (den Mond) zu weiden 
zu spinnen. Passt die Kuhmagd auf ihre Kuh auf und behütet 
sie dieselbe wohl, so wird sie nur wenig spinnen können; daher 
bat das deutsche Sprichwort recht, das sagt: soll die Kuhmagd 
spinnen, wird man wenig Garn gewinnen. Die gute Kuhhüteriu 
zieht es vor, ihre Kuh gut in Acht zu nehmen, und erweist ihr 
jede Aufmerksamkeit, damit sie eine gute Weide finde; darauf 
steckt die dankbare Kuh (der Mond) Gold und Silber auf ihre 
Hörner, um für das Mädchen zu spinnen. 2 Am Morgen erscheint 
das Madchen auf dem Berge mit dem Gold- und Silbergarn, mit 
den goldenen und silbernen Gewandern, die ihm die gute Fee 



1 Vgl das Kapitel über die Fische; dort wird auch die Sitte, am 
fc&g 'dies Veneris) Fische zu essen, erklärt. 

1 lu der ersten der Novell in ;.!fano di Calctnaia 

sagt die Kuhmagd zu ihrer Kuh: „Kuh, meine Kuli, spinn' mit De 
Mund und drehe mit Deines Hörnern; ich will Dir ein Bündel griinc 
eehtinncl i 






er die gute Knl i n. l Und als die Alio die Kuh todtet, 

nimmt das Mädchen ihre Knochen und sät sie in dem Garten; 
statt der Kuli, wächst aber ein Apfelbaum mit goldenen und 
silbernen Aepfeln, von denen das Mädchen einen einem jnn 
PH fixen anbietet und so zu einem Mann kommt, während böse 

^er von dem Apfelbaum gesehlagen werden oder sieb durch 
Bärner entstellt finden. Dieses Apfclniährchcn ist eine Variation 
von dem Stern, der auf dem Berge auf die Stirn des guten fcfäd- 

s fallt, und von den Hörnern oder dem Eselsschwanz, die der 
schlechten Schwerter, welche die Kuh .schlecht behandelt oder der 
Mad<-nna den Kopf sehleeh! t-gek&mml hat, auf der Stirn wach- 
Das Mährcheu von dem guten Mädchen und dem bösen, dein 

nen und dem haaslichen, schliesst damit, dass die hässliehc 
und linse den Platz der schönen und guten auf dem Lager ihres 
Oemahte einnehmen will , gerade wie in anderen Mlihrehen eine 
schwar/e Wasserfrau die schöne Prinzessin verdrängen will; die- 

^ehluss fllhrt uns auf die interessante Erzählung von der 
spinnenden Berta ode» Königin Herta, wie sie genannt wird, 

In der deutschen Mythologie haben wir die glänzende Bereite, 

he spinut, im Gegensatz zu der iinsteren and wilden Holda 
am Brunnen (dem Waaaerweibe der Feenmährchen). Die erstere 
«cheiut (ausser dem Monde als einer weissen Frau, in seiner 
Glanzzeit, der silbernen Nacht) die Aurora, der Frühling oder die 

/.ende Gestalt des Himmels zu seiu; die letztere (ausser dem 
Monde in seiner Unstern Periode, Proserpina oder Persephone in 
der Hölle die schwarze Nacht, der Winter, die alte Hexe. 2 Der- 
selbe Name wird den mannigfaltigen Erscheinungen des finsteren 
Himmels gegeben, ganz so wie verschiedene Erscheinungen des 
glänzenden Himmels einen entgegengesetzten Namen fuhren. So 
liegen in der Erzählung von Berta oder Berchta Mythen, die sich 
anf Sonne und Mond, auf Jahr und Tag bezichen. 



Das Mädchen »pinnt für seine Stiefmutter; die Fee giebt dem Müd- 
ben glänzende Gewänder; das Mädchen webt Gewänder für Beinen Ge- 
mahl: das sind lauter EÜnaelheiten, die in Eins verschmolzen werden. In 
den Nibelungen fertigen die Jungfrauen Gewänder von Gold und 
Perlen für d«u jungen Helden Sifrit 

Frau Holle wird jedea Jahr am Epipfaaniastage in Thü- 

fugen verbraunt, an welchem Tage (oder vielleicht besser: in der 

bteunaebt oder Bcrtaa Macht, der vorhergehenden Nacht) die gute 

tie böse vertreibt Auch in Knglaud wird die Hexe am Epiphaniaa- 

verbrannt. — nuberg v. Düringsfeld, Das festliche Jahr 

13* 



106 



Berta spinnt, wie die Kub der Feenmährcben, Silber nnd 
Gold. Somit bedeutet der italienische Ausdruck: die Zeit, wo 
Berta spann, ist vorbei, l dass das goldene Zeitalter, die Zeit, in 
der Gold in Uebcrtliiss zu haben war, vorbei ist. Und statt die- 
fies Ausdruckes bedient man sieh 10 Italien auch uneh einee 
dem, um ein Ereigniss zu bezeichnen, das in selir alte Zeit, 
eine weit vor Menschengedenken liegende Zeit fällt, nämlich : «u 
Zeiten des König* Pipin. Da Königin Herta da« Weib Pipins 
war, so stimmt natürlich die Zeit dieses Königs mit der fabel- 
haften Aera seiner Gemahlin Ltberciu, welche letztere vielmehr die 
Mutter des Sagenhelden Karls des Grossen, der nach Tarpins 
Chronik lange Küsse hatte, und seines alter ego Orlando, als 
des historischen Königs Karls des Grossen war (eine neue und 
glänzende mittelalterliche Erscheinungsform der Zwillingshebl 

Berta hat einen grossen Fuss, wie die Göttin Freya, die 
deutsche Venus, welche Schwauenfllsse bat. Dieser Pubs 

ist es, der sie von andern Weibern unterscheidet und ihren 
mahl in Stand setzt, sie wiederzuerkennen, ebenso wie es der 
Fuss oder die Fnssspur ist ("die Soiine folgt dem von der Aurora 
eingeschlagenen Wege), welche die flüchtige Jungfrau verräth, 
nämlich die Aurora mit dem ungeheuren Wagen (dem ungeli 
breiten Wagen, der, wenn er über den Hasen gebt, ihn zerdrücken 
kann. Frau Slcmpe und Frau Trempe und die grossfüssige 
Berta sind dieselbe Person) — ungeheuer, weil sie eine wette 
Strecke am Himmel einnimmt, wenn sie erscheint. Auf dem 
Wagen stehend, scheint sie keine FUsse zu haben oder nur einen 
sehr kleinen, einen unmerklichen Fuss; doch der Wagen, auf dem 
sie steht und welcher Ifaren Fuss darstellt, ist um so grösser; 
wenn wir also den Wagen ausser Spiel lassen nnd annehmen, 
dass sie zu Fasse geht, so passt der in dem Mythus von Freya 
und der Bertasage ihr gcgv\> bwanen-, Gänse- oder Enten- 

fuss ganz vortretflieh zu ihr, sofern sie beim Gehen viel Raum 
einnimmt. Und wenn wir sehen, dass der Fuss (die Mythen 
sprechen fast immer nur von einem Fuss; sogar der Teufel ist 
lahm oder hat nur einen Iiiski und der Schwans eines Tin 
in der Mythologie oft für cinande t werden, so können wir 

elm, wie in einem russischen Mährchen * der Held, der in 



1 Im von 1. 9 lesen wir: „Paaeaie lo tiempo che Berta filava; 

mii banao ftpiertc l'uuocchie li gattille, 
• A fan. VI, 2, 



197 

einen Morast gefallen ist, *iHt selbst befreien konnte, indem er 
sich an den Schwanz einer Ente anklammerte* Da diese Ente 
die Anrora ist und einen weiten, sich ausbreitenden Schwanz, 
wie einen grossen Fuss hat, so kann sich der Sonnenheld oder 
die Sonne , indem er sieb an ihr festhält, leicht aus dem Sumpf 

it erheben. Es giebt ein deutsches Mährehen, 1 in welchem 
die weisse Frau oder Derta in eine Ente verwandelt wird. In 
einer andern deutschen Sage - haben wir statt der schwanfttssigen 
Berta die Jungfrau Maria (welche, als Jungfrau, die jungfräuliche 
Aurora darstellt» Immer rein, selbst nachdem sie der Sonne das 
Leben gegeben hat, gleich derKunti des Mahäbharata, welche 
den Karna zur Welt bringt, das Kind der Sonne, und doch noch 
eine Jungfrau ist Andrerseits personificirt sie gewöhnlich als 
gute alte Frau, als Madonna in den Legenden den Ätond) t die in 
der Gestalt eines Schwanes kommt, den jungen- Helden, den sie 

hütet, aus der Gefangenschaft der Ungläubigen (Saracenen 
oder Türken, hier der schwarzen Dämonen oder der Dunkelheit 
der Nacht) zu befreien und zu Wasser wie zu Lande zu entführen 
(die Aurora befreit die Sonne ans der Nacht). 3 Dieselbe glän- 
zende Berta nimmt auch in der deutschen Volkssage die Gestalt 
der heiligen Lucia an, d. h. der Heiligen, welche, als sie geblendet 
worden, die Patronin der Sehkraft wurde. Von der blinden oder 



1 Vgl, Simrock, a. a, O. p. 409 und die neunte der Novel Hoc di Sto 
Stefano di Calcinaia, in welcher das als altes Weib verkleidete Mün- 
chen fon den Gänsen entdeckt wird, als sie das Gewand eines alten Wei- 
bes ablegt. 

1 Simrock, a. a. 0. p, 410. 

1 Auch Wuotan rettet den jungen Helden, den er beschützt, auf einem 
Mantel; — es ist das der fliegende Teppich, Mantel, Hut oder Kappe, 
welche den Träger unsichtbar macht und um welche die drei Brüder 
stritten, die auch als ein Tischtuch, das sieh selbst ausbreitet, dargestellt 
wurde* So findet der arme Mann, der sein Kuhfcll verkaufen geht, den 
Topf der Fülle und des Reich Ihuins. Der Streit um das Tischtuch ist 
Ibe wie der um den Reiehthum, um die schöne Prinzessin, welche 
spater gethcilt oder auch von einem Vogel oder einer vierten Person, die 
den L&wenantbeil nimmt, entführt wird. Wir dürfen nicht die Fabel von 
den Thie die den Hirsch unter eich theiten wollen, vuu dem 

deT Lowe Alles nimmt, weil er Lowe heisst. In den Nibelungen 

tea .Schübling und Nibelung mit einander um die Theilung eines 
Schatze»; sie bitten Sifrit ihn *u theüen; Sifrit löst die Frage, indem er 
tie beide todtet und sich den Schutz selbst nimmt, wie auch die Kappe, 
1 Träger unsichtbar macht (Tarnkappe). 



198 

schwarze« Kuh Nacht wird die glänzende Kuh Morgen geboren, die 
Aurora, welche selbst Alles sieht and uns Alles *ehen lässt. Aus 
ölben Grunde, uns welchem die Kuh oder Ente, Berta, der 
en Lueia geweiht ist, deren Gestalt sie annimmt, ist der 
Stier (die Sonne) dem hlgcn, Lukas geweiht, dessen i j;alb 

in Chariton hei London mit einer llornmesse oder Ausstellung 
von, gewöhnlich geschmückten und parfütnirten Hörnern gefeiert 
wird. 

In der oben angeführten indischen Erzählung des Malui- 
b hü rat a will die Königin picht bei dem alten blinden Mann 
schlafen, sondern schickt ihre Dienerin. In den Reali di 
I i.tncia wird Konig Piphi von seinen Baronen aufgefordert, 
ein Weib tax nehmen, als er „schon hoch in Jahren ist'* (er ist 
eine Erscheinungsform des hlgen. Joseph). Die Barone suchen 
nach einem Weibe und finden in Ungarn Herta, die Tochter Kö- 
nig Philipps, „die schönste und schlauste KittcrfhuV' oder Berta 
mit dem grossen Fuss auf einem schönen und stattlieben Ross, 
das die Strasse dabersprengt , während sie immer lacht. Berta 
hat eine Magd Namens Elisabeth, die ihr in Allem, ausge- 
nommen deu Füssen, gleicht. König Pipin vermählt sich mit 
ihr; als jedoch Berta sieht, dass er so unansehnlich ist, wird sie 
traurig, „als ob sie vor seiueni Alter gewarnt wäre." Als der 
Abend herankommt, legt sie ihre königlichen Gewänder ab und 
Elisabeth an, damit diese ihren Plata einnehme und bei dem 
König schlafe. 1 Daher die italienischen Sprichwörter: Dar la 



1 Der Roman vnn Berta in den Refill di Fronet a stimmt in m 
Fortgange mit den Volksmührehen analogen Charakters über ein; da« 
falsche Weib läsBt «ich wirklieb von König Pipin betratben und schickt 
Berta zur Ermordung in den Wald; die gedungenen Mörder haben Mit- 
leid mit ihr und lassen ihr das Leben. In dem Waldfl au einen Baum 
gebunden (gleich der vedis«.-l«en Kuli), wird Berta von einem Jäger ge- 
funden; aus Dankbarkeit arbeitet sie (spinnt und webt ohne Zweifel), da- 
mit der Jager ihre Arbeit in Paria um einen hohen Preis verkaufe. Unter- 
dessen träumen ihr Täter und Ihre Mutter f dass Bie von Büren und Wolfen 
Umgeben ist, welche sie zu verschlingen droben, und dass, al des- 

halb iu das Wasser attiraen will, ein Fischer sie rettet (im Traum hat das 
Wasser die Stelle des Waiden und der Ftscbi uom* 

König Pipin gebt in Hm Wald, findet sie, erkennt sie wieder osd 
heiratbet sie, während Elisabeth lebendig <\ wird. Dir drang 

der Weiber kommt au« h in einer reizenden Form (mit i 
Episode von der in den Brunnen geworfenen Schönen) in der awblftej 

Ltea Mcrveillenx Porchata (Paris 1863) vor. 



rta u (die Berta geben) und „Pigliar la Berta 4 * die Berta greifen), 

o der Bedeutung: verspotten mid verspottet werden* Doch sagt 

man auch Statt des ersteren: ,,Dar la madrc d'Orlandn" 

Mutter Orlandos geben). Die Reali di Franc ia bericbtcn uns, 

iss König Pipin von Elisabeth zwei böse Bastarde, Laufroi und 

idcrigi, von Bcrta Karl den Grossen und eine andere Berta, die 

Mutter Orlandos hatte; jedoch steht das italienische Sprichwort 

Ler mythischen Wahrheit vielleicht naher, wenn es in Pipins Weib 

elhst die Mutter Orlandos erkennt, so dass Karl der Grosse und 

rhindo Brüder sind ; und wirklich verrichten sie auch mehre Tbaten, 

Welche in der Sage von den beiden Brüdern erwähnt werden. In der 

nannten Chronik Turpins ' sagt Karl der Grosse, als Orlando 

rbt, dass Orlando sein rechter Arm war und er nichts weiter 

der Erde ohne ihn zu suchen hat; doch lebt er lange genug, 

Tod Orlandos zu rächen, und nach dieser Rache erreicht das 

Heldenleben Karls des Grossen mit einem Mal sein Ende. In dem 

Chanson de Roland fühlt Karl der Grosse ebenfalls nach 

dem Tode seines Helden, den er rächt, die Last des Lebens, 

weint und rauft seinen Bart, unfähig, diese Einsamkeit zu ertragen; 

• loci) im Chanson, wie in den Reali di Francia erscheint 

Iando deutlich als der Neffe Karl» des Grossen, d, h. als der 
seiner Schwester Berta. (Wie die vedische Aurora bald die 
Mutter, bald die Schwester der Sonne und der A^vins war, so 
Tiann Berta mythisch Mutter oder Schwester Karls des Grossen 
und dabei doch immer die Mutter Orlandos sein). 
Es würde eine endlose Arbeit sein, alle deutsehen, skandi- 
navischen und celtischen Sagen zu Bammeln, welche auf eine oder 
Idie andere Weise mit dem Mythus von der Kuh und dem Stier 
in Verbindung stchn. Die auf dieses Thema bezügliche Literatur 
zählt nicht nach Hunderten, sondern nach Tausenden von Bünden, 
denen einige, wie z* B. das Nibelungenlied und die Ge- 
dichte von der Tafelrunde, an sich schon fast die gesammte, 
»o unendlich mannigfaltige Welt der Feenmährchcn im Reime 
uuiachliessen. Ich muss mich also auf die Andeutung der allge- 
meineren Züge beschranken und es fleissigeren Forschern über- 
lassen, die Vergleiehungspunkte im Einzelnen und Genaueren auf- 






1 Hill la Vie de Cb arlemagnc et de Roland par Jean 

Albin, Paris 1865, vorher da« Chan* 
• on de RoUnd Tberouldes. - Vgl. die Ilistoire Po<*tiqne de Char* 
lent ague, par (Jiu>tuu Paris, 




^^^^^^m 



200 

zustellen. Ich schätze mich, ich wiederhole m, glücklich, wenn 
meine kurzen Bemerkungen deutlich genu^ gefunden werden, nm 
Andern die Mühe zu sparen, den Aufzug des Gewebes aufzu- 
stellen, dessen Einsehlag die Yergleicbungen bilden. 

Aus dem bisher Gesagten dürften zwei wesentliche Einzel- 
punkte sich al« klar herausgestellt liaben: — erstens, dass die 
Verehrung des Stieres und der Kuh weit verbreitet war, sogar 
bei nordischen Nationen; 1 zweitens, dass der mythische Stier 
und die mythische Kuh leicht in Held und Heldin umgestaltet 
wurden. 

Der beilige Charakter, welcher der Kuh und dem Stier bei- 
gelegt wurde, wird ferner zur Evidenz erwiesen durch ein skan- 
dinavisches Lied, in welchem bei Gelegenheit der Hochzeit der 
Tliiere (zwischen Raben und Kranich) das Kalb (vielleicht der 
Stier) als Priester erscheint und einen schönen Text liest. * Als 
ein Symbol der Zeugungs kraft ist der Stier am besten geeignet, 
die Neuvermählten einzuweihu; so fuhrt im Atharvaveda der 
Priester die Unerfahrenen durch Formeln ad hoc in die My- 
sterien der Venus ein; so besassen im mittelalterlichen Indien die 
Brahmanen das jus primae noctis, und so finden wir in dem 
Ritual des mittelalterlichen Frankreichs noch Bezeichnungen dOB 
Priesters als pronubus. Der schöne Text, den das Kalb oder 
der Stier in dem skandinavischen Liede hersagt, muss derselbe 
sein, welehen, nach dem von Villemarqu£ erwähnten Ceremonial, 
der Priester, während er sie mit Weihrauch bestreute, den Neu- 
vermählten sedentes vel jacentes in lectulo suo hersagte; 3 
so ist es in einer lateinischen Beispielsammlung (vennnthKch 
einem englischen Mönche des 12. Jahrhundert ver£)> als der \ 



1 Liebrecht bemerkt in «einer Recension in der Academy zu dieser 
Stelle: Gubernatis' proof of this, which is mostly theoretical, has 
received trfriking conti rmat ion from facts given In llolmboe'e Treatise 
„Offl Civaiame i Europa' 1 (in Vid. Selskabets Forhandlinger for 1866, 
pp. 188- 820, Christiania). 

1 Unland, Schriften zur Geschichte dcrDichtnng und Sage 
111, 77. 

* „Seigneur, benissez cc lit et eeux qui s f y trouvent \ benissez ces eher« 
enfants; eomme vous avez bc J ni Tobie et Sara; daignez Icb be'nir ainsi, 
Seigneur, afin qu'en votre nom ils vivent et viei Hissen t et multiplient, 
par le Christ noire Seigneur. — Ainsi BoLt-iL" Villeuiarque\ Bartat 
Breiz, Chants Po pul air es de la Bretagne, sixieme ed. Paris 1867 
p, 4 



201 

^eatorben, der Och*c, welcher das Evangelium ließt 1 Ausser 
hei Hochzeiten und Leichenbegängnissen erscheint der »Stier end- 
lich «neb, wie im indischen Ceremonial, bei der Schwangerschaft 
j-amelle iast, während eie Gargantua in ihrem Scboosse tragt, 
eine ausserordentliche Menge Kaidaunen von Maslochsen.* Als 
sie die Wehen fühlt, tröstet ßie ilir Gatte mit einem BanernRprich- 
wort von Poitou: „Laissez faire eux quatre beniz de devant/' und 
sie schenkt dann Gargantua das Leben, der aus ihrem linken 
Ohre kommt, ebenso wie wir in den slavisehen Mälircheu die 
Helden ans den Obren des Pferdes kommen sahen (oder des Esels 
Nacht; der glänzende Sonnenheld kommt aus den Ohren des 
Esels oder des grauen oder schwarzen Pferdes; die Zwillings- 
reiter kommen aus den beiden Ohren). Rabelais tragt, um diese 
ausserordentliche Geburt zu erklären: „Minerve ne naquit-ellc pa8 
da cerveau par Taut-eille de Jupiter? 4 ' Kaum ist Gargantua ge- 
boren, als er mit lautem Geschrei etwas zu trinken verlangt. Um 
ihm Milch zu geben, werden 17913 Kühe gebracht, da die Brüste 
seiner Mutter nicht genügen, obgleich sie, so oft er saugt, „qua- 
lone cents deux pipes neuf potöes de laict" giebt Dies ist dar 
Riese der Volkssage, den die gigantische Phantasie Rabelais' mit 
grellen Farben gemalt hat, um ihn zur Zielscheibe einer Unge- 
heuern Satire zu machen. Es ist eine erweiterte und humoristische 
Wiedergabe des volkstümlichen Superlativ 3 in literarischer Form, 



1 Unland a. a. 0. p, 81. — In dem französischen Roman Kenard 
wird dagegen b«i dem nahenden Tode des Fuchses das Evangelium von 
dem Pferde gelesen. Auch in deutschen Sitten erscheint der Stier ale ein 
Trsuerthier. Wenn der an den Leichenwagen gespannte Gerne indestier 
im Zuge stillsteht und zuriieksehaut t so stirbt bald wieder eins der Ge- 
meinde. Nach einem Volksglauben sprechen die Stiere und andere Stall- 
ihiere mit einander in der Christnacht. Eine Sage erzählt, dass sich ein 
Bauer Weihnachten um Mitternacht in den Futterbarren legte, um iu er- 
fahren, ob in dieser hl. Stunde die Stallte i ere mit einander reden, vernahm, 
da» die beiden Stiere sieh besprachen, wie bald sie ihn zu Grabe ziehen 
mfhwten. und im Schreck darüber starb. Es ist das die gewöhnliche Indis- 
cretion und ihre Strafe, — Vgl Rochholz, Deutscher Glaube und 
Branch, Berlin 1867, I, 164 und Menzel, Die vorchristliche Un- 
sterblichkeit sichre, Leipzig 1870. — Wir haben die sprechenden 
Och»cu ferner in Pbädrus* Fabel von dem Hirsch, der sich iu den Stall 
(föchtet (] der Herr „ille qui oculos centum habet 4 * genannt wird, 

v Kll ngea seze muiz, deux bussars et six tu pins; Rabelais, 

GargADtuu 1, 4, 

1 Vgl. Porchat, Contei Merveilleux, Paris 1863. 



202 

essen mythischer Charakter »ich in «lern Fluch enthüllt, den 
ihm mtfishandelte alte Zwergfee ge^en ihn schleudert: ,,Kine 
irt, um ihre Arbeit zu verrichten, cilf ganze Monde; 

diesmal soll jeder Mond die Arbeit einer Snune verzehren/* 
Damil wird das aufsteigende und absteigende Lehen des Sonnen- 
beides angedeutet. Superlativ soll bestandig kleiner werden, bis 

einl, als <>h er nunc danin wäre, vollständig zu verschwinden ; 
seem selben Augenblick hat der Fluch ein Ende und 
er wuchst aus einem Zwerge wieder in den Armen seiner Braut 
y.u einem Riesen an. l Sc werden die Tage in einem fort kürzer 
und kürzer bis zur Wintersonneu wende, bis Weihnachten. Xu 
Weihnachten wird die Sonne wiedergeboren, die Tage werden 
tier Zwerg wird gross; die Sonne wird durch eine zwei- 
fache, doch analoge [deenaaaoetatioi] einmal jeden Tag und ein- 
mal jedes Jahr aus einem Kiesen ein Zwerg und aus einem Zwerg 
ein Kiese. 

Und die Zwerge der Sage kennen und enthüllen das mythische 
Wie und Warum ihrer Umgestaltungen, da sie, obwohl Zwerge 
und verborgen, Alles sehen und erfahren. Von dem wissenden 
Zwerge Allwis, seinem alter ego in Miniaturausgabe, erfahrt 
der mächtige Thor in der Edda die Namen der Sonne, des 
Mondes, der Wolken und der Winde Der Mond bei- 
Allwis, wenn er in dem Kciehe der Hölle ist (in dem Reiche des 
Todes, in der Unterwelt, wenn er Proserpina ist), ein Rad, das 
voraneilt , er seiteint dann unter den Zwergen (d. h. in der glän- 
zenden Nacht, in welcher die Sonne sich verbirgt; er wird 
iin-i< htbarer Zwerg). Die Sonne unter den Zwergen (d- h. w T enu 
sie ein Zwerg ist) spielt mit Dwalin (dem mythischen Hirsch, 
wahrscheinlich dem gehörnten Mond); unter den Riesen (d. b. 
wenn sie in der Aurora wieder zum Riesen wird) ist sie ein 



1 Rei Porchnt wird Superlativ, wahrend er ein Zwerg ist. in eil 
Klre! n; er ist eine männliche Erscheinungsform de» 

hölzernen Mädchen«, der weisen Puppe, der Sonne, die in einen Ifaunv 
i, in dem Banne Macht, in der düötern oder YV interuacht rar* 
on ist voll von Uebeimnigaen , die der kleine Sonnenheld aus tk ti 
rk überrascht. Der Held in der Holle oder der, welcher vom Teufel 
mögen alle Art wm Schlechtigkeit lernt, ist eine Venation dieser viel- 
n Idee, Per Kwerg Pore hat s, der aus dem Kleiderschrank 
nf, Htinitüt vollständig zu dem Volksglauben, der den Mann im Walde 
auf einem Baumstumpf geboren werden lässt, von welchem der Ohristbaum 
lebhafte Kemiuisceus ist. 



203 

nder Brand; unter den Göttern (den Äsen) i^t sie das Licht 
der Welt, Die V erlebtet uns Zweig Allwis w das 

1 der Wind«, die Starke der Winde, der Beim (oder Hut 
oder Kappe), welcher seinen Träger unsichtbar macht. Der Wind 
ist ferner der Wanderer, der Länncr, der Weiner, der Brüller, 
der Pfeifer (Niemand kann dem Rufen oder dem Pfeifen des Hel- 
den der Peenmäbrclp stehn; das Brüllen des Stieres macht 
den Löwen in seiner Höhle zittern). In dieser gelehrten Lection 
rmaniseb-skandinavische Mythologie, die uns Zwei-- Allwis 
giebt, haben wir eine fernere Rechtfertigung für unsere Annahme 
mgfl von der natürlichen Himiuclsersehcinung zu ihrer 
tonificirnng als Thier und zu der Perßonificining des Tbieres als 
iscb: Allwis, der Alles wusste, hat uns das Geheimniss enthüllt 



g. 6. Der Stirr und die Kuli in dar griechischen und 
römischen Sage. 

Wanden wir uns nach Süden, um auf griechischem und rö- 
mischem Boden die mythischen und sagenhaften Gestaltangen des 
s and der Kuh aufzusuchen, so linden wir die Masse sebäte- 
barsten Materials, das hier in Betracht kommt, statt gemindert, 
ins Ungeheuerliehe angewachsen. Ganz zu schweigen von den 
reichen literarischen Traditionen Italiens, des südlichen Frank- 
reichs und Spaniens im Mittelalter (die nordfrauzosisehen sind oft 
nor ein Echo der celtischen uud deutschen), ganz zu schweigen 
ferner von den bedeutungsvollen Traditionen römischer Historiker 
und Dichter selbst, von den abergläubischen Vorstellungen und 
:cheu, wie von den noch bestehenden Legenden auf dem halb- 
katholischen, halbheidnischen Boden Italiens, welche sfimmtHch 
mit den frühesten mythischen Vorstollue schwängert sind, 

(iuden wir uns hier dem kolossalen und glänzenden Gebäude 
griechischer Poesie oder Mythologie selbst gegenüber; denn was 
die Grftsse und wirkliehe Originalität der griechischen Poesie 
I eben ihre Mythologie; sie ist es, welche jedes Kunst- 
werk des griechischen Genius mit dem Hauche der Göttlichkeit 
und ihm deren Stempel aufdrückt Der Dichter und 
r stehen fast immer in genauer Wechselbeziehung zu 
ten und darum nehmen sie oft einen so göttlichen, 
rem eingegebenen Aasdruck an. Es ware mithin 
eine küi uassung meinerseits, wollte ich versuchen, auf 



204 

einigen Seiton die Seele, den Inhalt dieser unendlichen Uytbol 
im Extract darzustellen» Ich bin zudem so glücklich, von der 
Verpflichtung eines solchen Unternehmens mich fllr entbunden 
erachten zu können, indem ich den Leser auf die gelehrten ein- 
leitenden Werke Max Müllers und George Coxs über die grie- 
chischen Mythen in ihrem Verbältniss zu den andern Mythologien 
verweisen kann. Es ist gewiss möglich, gegen die Erklärungen 
specieller Mythen, die von diesen beiden hervorragenden Gelehrten 
gegeben sind, Einwurfe zu erheben, wie es ohne Zweifel das 
Schicksal vieler der von mir aufgestellten sein würde, wollte ich 
mich aal Erörterungen im Einzelnen einlassen und hätten meine 
Arbeiten das Glück, einige Beachtung zu gemessen. Da ich mir 
mit der Hoffnung schmeichle, dass ich trotz gelegentlicher Ab- 
schweifungen, in die ich mich für ein paar Minuten vom \\ 
ab verloren, die grosse Strasse einhalte, welche allein zu der 
Lösung der grossen Fragen der vergleichenden Mythologie führt, 
so erkenne ich mit Dank die Arbeiten Max Müllers und Coxs 
über griechische Mythologie, die schätzenswert!) e Abhandlung 
Michael Breals über römische Mythologie, das unsterbliche Werk 
Adalbert Kuhns über den indogermanischen Mythus von Feuer 
und Wasser und einige andere nützliche Leuchtfeuer an, die ihre 
Lichtstrahlen klar und ungetrübt durch die Wüste werfen und 
<Km wißbegierigen Schiffer aut dem mare magnum der Mythen 
als treue Wegweiser dienen. Und weil das, was hier noch zu 
tbun ist, unermesslich ist im Vergleich zu dem Wenigen, was gut 
gethau ist, so werde ich das, was von meinen gelehrten Vor- 
gängern (auf welche sätnmtlicb ich vertrauensvoll meine Leser 
verweise) bewiesen worden ist, als ausgemacht ansehn und mit 
meinen eigenen Untersuchungen vorgehen, w T obei ich mich jedoch 
durchaus auf das zoologische Gebiet beschränke, um nicht ausser 
allem Verhältnis* die Frenzen dieses einleitenden Kapitels zu 
überschreiten, welches an und für sich schon droht den Kaum zu 
beschränken, den meine übrigen Untersuchungen in Anspruch 
nehmen. 

„Bos quoque Formosa est*' sagt Ovid im ersten Buche der 
Metamorphosen, als die Tochter des luaehns von Japiter in 
eine glänzende Kuh verwandelt wird. Der Stier Zeus des Non- 
DU8 ist auch schön, als er auf dem Meere schwimmt, indem er die 
schöne Europa tragt, Ihre Brüder wundern sich, warum Ochsen ge- 
lüstet, Weiber zu heiratlien; wir jedoch werden das gar nicht wunder- 
bar lindcu, wenn wir bemerken, ilass Lo und Europa üoppelga 






205 

rinnen eines und desselben Thieres ftind, oder wenigsten« das 

ind Europa beide die Geätalt einer Kuh annahmen - die eine als 

ler Mond im Besonderen, ' die andere, die weitsebauende Tochter 

feie] der weitgtänzenden, * als ebenfalls der Mond oder 

als die Anrora. Im ersten Falle ißt es die Heldin, die eine Kub 

wird; im /weiten ist es der Hehl, der siel] in der Gestalt eines 

Stieres zeigt.- 1 Diene Oestaltung-en sind jedoch nur zeitweilig und 

nicht in der Natur begründet, ebenso wie auch in den vediselien 

Hymnen die Darstellung der Aurora, de» Mondes und der Sonne 

als Kuh und Stier nur eine vorübergehende ist. Die Kuli und 

senden ihr Kalb vor sie!» her; die Sonne, der Mond und 

Aurora haben vor sieh oder hinter sieh die Dämmerung. 

Jupiter und Minerva habgi den geflügelten Mereur zum Boten; 

und so konnte Ovid singen:* 

ifM&CtatQf vucca Minerva* 1 , 
Atipi'di vitulus, Ugrui tibi, ramme deorum.* 

Die Fmcht der Ehe los und Europas mit Zeus hat eine 

henernatur, wie die uniieilstiftenden Töchter des Danaus, 

ihrer \ 'erbrechen, in der Holle verdammt sind, 

iiitf Yarn zu fidlen (die Wulkel, das immer leer bleibt 

teek zu dem Becher, der im skandinavischen Mythus 

*fe leer wird); wie ferner Minoe, der das Labyrinth bauen liess, 

^r Richter der Unterwelt , der den Minotauroe mit Flutter ver- 

heuerlielie Stier von Marathon, den zuerst Hera- 



exvrv Smlexrov, EustatillS 

1 Vgl. Pott, Studien zur griechischen Mythologie, Leipzig 
und Cox a. a, O. 

nysiaka L 45 ff.; III, 306 ff, 

IV, 754. 

1 lu England ist, wie schon bemerkt, der Stier oder Ochse dem hlgen. 

*k*a geweiht, in Kussland den tf ritigen Froh und Layer. In Sieilien ist 

-iischof von Taranto, Patron der Ochsen. (Die Notizen über 

uitachen Volksglauben in Bezug auf Thiere verdanke ich meinem 

Freunde < Pitre.) In Toecaua und andern Provinzen Italiens 

■föd Och(*rn und Pferde dem Schutzn des big. Antonius befohlen, des 

^Mcn Patrons der Hausthiere. Auf dem Lande herrschte in Toscana 

i ruar Ochsen und Pferde an die Kirehthür zu führen, 

um nie segnen zu lassen. Jetzt wird, um Störung zu vonneiden, nur ein 

uiing gebracht, welches dann den Thieren zu fressen 

• u wird, um sie vor Schaden zu bewahren. Am Palmsonntag wird, 

1 fernzuhalten, von den toscanischen Bauern Wachholder in 

ban. 



■vang, späti r Theseus tödtete, ist nur eine spatere Erse 
^fortn des Minotauros;, den Sohn seines Weibes und 
Unstern und feuchten schwarzen Stieres Poseidon* Selbst Kad~ 
ums, der Bruder Europas, nimmt ein schlimmes Ende. Er steigt 
in Gestalt einer Schlange in das Reich des Todes hinab. Aas 
Gutem wird Buses geboren und aus Bösem Gutes, aus Schönem 
llnssliehes und ans EUtssliohem SchBnes, aus Licht Finsterniss und 

Finsterniss Licht, aus Tag Nacht und aus Nacht Tag , 
Hitze Killte und aus Kälte Hitze. Jeden Tag und jedes Jahr 
der einfitaxnige Gegensatz; die Schlange beisst sich 
immer wieder in den Schwanz, Bin tarentiuischcr Vers des Ar- 
nobiue drückt recht gUtcUich diese himmlischen Wechsel!»- 
hangen aus: 

„ Inurua dnn ■ tiuit et tatiruin *ir AQ 

lesen wir in dem Roman Heliodorfl Acthiopica), dass die 
schwarze Königin Aethiopiens einem weissen Sohne das 1, 

gehenkte, d. b. die schwarze Nacht gebiehrt den ff Mond 

and die weisse Morgendämmerung. Weisse Stiere werden dem 
LS (Dyaus, dem Glänzenden \ schwarze seinem Bruder Poseidon 
geopfert, ja sogar ganz schwarze, l nach dem homerischen Aus- 
druck. 

Poseidon ist bei Ilesiod (The t) der älteste Binder; 

bei Homer (II. XV, 187) ist er im Gegeutheil der jüngste. Beide 
haben Recht; es ist die Frage nach dem Ei und der Henne; 
ist zu. tsi geboren, Finsterniss oder Liebt? Der Sohn Posel- 
-, der Cyclop l'olyphoni, wird von Odyei blendet ÖS 

Poseidon den feuchten, wolkigen oder Nachthimmel darstellt, so 
scheint sein einäugiger Sohn dieser Himmel selbst mit dem Solar— 
stern, dem Auge des Himmels, inmitten der Finsterniss oder der 
Wolken zu sein (der Mund des Fasses), Als Odysseus seinen 
Sohn blendet, Wicht sich Poseidon dadurch, dass er Odysseus 
verdammt, auf den Wassern umherzuirren | d. h. verloren in dem 

in oder den Wolken der Nacht). Insofern ferner 2 
lieh der Glänzende, oft ron Bomer als so schwarz wie die Wol- 
ken und als Woikensammler 2 dargestellt wird, wird er dem Posei- 
dem pn und wirklich ist 



1 7Wp0j nauftilnrii der Udyasco; der Comui i$& ifcc 

hwarx geuaunt weJ ■ ■ u** Wägers haben. 

* a Kill, 147, IS 







auch in den ältesten hellenischen Mythen Poseidon wesentlich die 
Erscheinungsform des Zeus als Regengebers. Ais Poseidou, in der 
Gestalt eines Stieres, Pasiphae, die Tochter der Sonne und der 
Gemahlin des Minos, verltthrt, erscheint er in weisser Farbe, nur 
dftss er zwischen den Hörnern einen schwarzen FIek hat l Wenn 
dieser Fleck auch klein ist, so genügt er «Joch seine finstere Natuc 
zu verrathen. So ersteht Aehelous, der von Herakles in Schlangen* 
gestalt besiegt ist, wieder in der Gestalt eines kainpfwlitf 
Stieres, dem Herakles ein Horn abbricht, 2 welches er den Aetu- 
liern giebt, die davon Fruchtbarkeit empfangen (das Wnssci 
Aehelous befmehtet das von ihm durchschnittene Land; der Wol- 
kendrache hielt das Wasser zurück; Herakles vernichtet den 
Drachen, d. b. die Finsternis», und dieser erscheint dann wieder 
hl Stiergestalt; als ihm die Homer gebrochen sind, ist Fracht- 
barkeit nnd Fülle die Folge). Dieses Ungeheuer erseheint wieder 
In den beiden bösen und schrecklichen Stieren des König« 

kupfernen Füssen (rctvQU x^^otzoÖb), w r elehe duuhelrothe 
Flammen und Rauch atlmien und gegen den Helden Jason in 
der Höhle vorgehen; ebenso wie der AJfenkÖnig im Uamäyana. 

dämonischen Stier besiegt, welcher mit seinen Hörnern kämpft, 
indem er die Homer selbst packt und ihn niederwirft; dasselbe 
thut Jason bei Apollouios. 5 Denselben Stier reitet auch der 
je Ampelos, der dem Dionysos theuer ist (welcher ebenfalls 
«lie Natur eine« Stiers hat, toupogwofö aber eines glänzenden), 
Ampelos liisst sich von der todbringenden Ate {Sw߀a^p6^og ' './n t 
Bberreden, diesen Stiel zu besteigen und wird von ihm auf einen 
Fels. , go dass sein Schädel zerbrochen wird, weil 

ir voll Stola gegen den gehörnten Mond war, ihn, der die 
treibt und, beleidigt, eine Bremse schickt, die den Ochsen toll 
macht; Der Stier Dionysos will den jungen Bruder Ampelos 
rächen, indem er seine Hörner dem bösen und männennordenden 



.natu» tenui media inter cornua nigro 
Una fuit labes; caetera laetis erant 

Ovidius, He arte nniandi, 
Di od or liebt Mammon die jungfräuliche Amalthea, welche ein 
lial, das dem eines Oehaen gleicht. Die Zi«ge und die Kuh nnd in 
• n dem Monde und den Wolken identisch; deshalb finden 
wir auch beide in Verbindung mit. dem Apfelbaum, einer vegetabilischen 
, und mit dem Füllhorn, da beide Seher nnd Späher und-Leiter siud. 
matiou desselben Moudmythua. 
. rgooaut III t 410, 1277, 



208 

Stier in den Leib fittest * In diesem Mythus werden der schwarze 
der Nacht und der Moudstier zusammengeworfen; beide 
verrichten eine hose That. 

Aus dem Ocean der Nacht kommt das Haupt des Sonnen - 
und Mondstieres herauf, und darum heisst bei Kurijüdes 1 der 
Okeanos der Stierköpfige (jav(mx(>avog) ; oder auch das Haupt de* 
Sonncnstieres ragt in den nächtlichen Wald hinein, resp das des 
Mundstierea aus demselben heraus. Diese Erscheinung erzeugte 
mähre [luetische Bilder, I>er Stier wird von den Ungeheuern der 
Nacht verschlungen; daher klagt in den Sieben gegen The- 
ben des Aeschylus (42) der Bote die sieben Verzchrer der Stiere, 

if mit ihren Händen das Blut der Stiere berühren, der Gott- 
losigkeit an; daher Hieben in der Listen äsopischen Fabel die 
Hunde entsetzt vor dein Bauer, welcher in seiner Gefrässi^keit 
(wie der Alte des unmodischen Mährcbeus, der all seine Kühe 
Mnt)j nachdem er Schale und Ziegeo verschlungen, sich anschickt, 
sogar die „arbeitenden Ochsen" zn verzehren. 3 Der Stierkopf 
oder sogar der Stier selbst oder die Milchkuh dürfen zwar nicht 

ssen, jedoch geopfert werden; ja, der sie darbringt, ist glück- 
lich (ausser wenn die Gottheit Helio^abalus heisst, welcher das 
\ au roh o| iura ais eine ihm zukommende Huldigung empfängt, 
ohne den frommen Spendern irgend etwas dafür zu verleiben.*) 

i Valerius Maximus 6 sollte die Weltherrschaft nach einem 
Orakel aus der Zeit des Servius Tullius der Nation gehören, 
welche der Diana des Aventinus eine gewisse wunderbare Koh, 
die einem Sabiner gehörte, opfern wttrde (die Aurora oder der 
Mond, aus deren Opfer die Sonne am Morgen hervorkommt). Der 
Sabiner schickt sich au, sie zu opfern, doch ein römischer Priester 
nimmt sie ihm durch List, während jener gesandt wird, sich in 
drm nahgclegenen Wasser zu reinigen. Es ist das eine zoolo- 
gische Gestaltung des episch-mythischen Raubes der Sabinerinnen, 



1 Nonnos, Dionya, XI, 113 ff. 

> Orest 1380. 

1 'JSfyefrpirovü ßoas. — Im zwölften Bache seiner Thierg esc bleute 
achretbt Aelian: „Wenn ein Phrygier einen arbeitenden Ochsen tüdtel, so 
büsst er es mit dem Lebi*n/' Und Varro, üe Ke Rustika: h Bcm KKBDJ 
Imumium in rustieo opere et Cereris minister. Ab boc antiqui iU manu» 
sbetineri voluerunt ut capite sanxerint si qoia occidisaeU 

• Scriptt. Hist. Aug., Lampridius in Tita Ileliogabali. 

I Vli, 3 



uder Werthstttekes des Im 81 

Ovid 1 »teilt »ich derselbe Mythus mil einer Varia 
a ein: 



pit«, moustmiu mirabile, taw 

Parcarum monitu Styx violenta trium 
Viscera qui tauri fiammis addenda dedisset. 

Sow erat, aeternos v in cere posse Deos. 
linmolat hunc Hriarcus facta ex adainante leei 

Et jam jam flam mir, exta daturas erat. 
Jupiter ali ti bus rap«:- re imperat. Attulit ill] 

Milvus; et mentis venit in astra sins,' 4 

werden in den folgenden Kapiteln auf diesen Mythus 

* ut ~ti Das Ungeheuer wird erst getodtet. als Bein 

verschlossen hält, fortgenommen ist Bisweilen hält 

1 «liiKselbe nicht im eigenen Körper, sondern in einer Ente (der 

tWa) eingeschlossen, welche aus einem Hasen (dem am Morgen 

n Monde) hervorkommt. - Als diese Ente geötrnet wird, 

l,u <-ii*t eich ein goldenes Ei (die Sonne). Als das Ei auf den 

eo oder dein Ungeheuer an den Kopf geworfen wird, stirbt 

• letztere. Die goldene Ente, aus welcher das Herz des Un- 

elidier*, die Sonne, hervorkommt, ist identisch mit der Kuh, 

Lamm gebiehrt (die Nacht schenkt der Aurora, d 

Sonnenlamm das Leben). Der Historiker FL JosephiiB führt 

: 'it Wundern, welche der Zerstörung des jernsaleinischeu 

[)cls vorhergingen, ein ähnliches an, welches tuitten im Teni- 

sclbst geschah, als man eine Kuh zur Opferung dorthin ge- 

Diesea Wuuderzciehen begiebt sich noch jeden Mnr- 

vthischen Himmel nud war eine der menschlichen 

* * Pachtung schon im fernsten Alterthum, in welchem sie sprich - 

Ä *""tüch wurde, vertraute Erscheinung; doch wie so oft, wurde 

lf * Sprichwort, das eimu augenfälligen Mythus ausdrückte, als 

verloren ging, zur Bezeichnung einer Uumttg- 

ndt; so lesen wir denn in der zweiten Satire 
luv 






• Fasti 111, N i 

m r den llasen 



14 



licet 

li bos edt 

Bei griechischen und rötnfa briftstellern 1 finden wii 

fige Beispiele von dein Opfer eine- kurz vor «lern 

des Helden, von dem es angeordnet war, wobei es als 
glückliches Vorzeichen tralt, wenn die Ki le, nnd 

Bond Herz oder die Leber fehlten. Nachdem wir 

Beobacbl macht haben dasa des Ungeheuers Hen 

nnenbetd "der die Sonne selbst ist, kennen wir leicfal 

iien f wie dieses Herz beim Opfer eine« Stieres Fehl 
wenn der Held Beinein Ende naht. In dem am Abend - 
mythischen Stier ist das Her/ des Hehlen nicht zu finden 

gebener bat Beine Eingeweide gefressen, nach denen da 
der Sage nach besondere lüstern 

Doch der Stier lüsst sich nicht immer geduldig 
flieht oft, um nicht getttdtel eh werden. Wir haben in den ro 

eben Mahrchen gesehn, wie der Stier, den sein Eigeiitbtime 
/n tödteu beabsichtigt, in den Wald Hiebt 9 sammt dem I 
(der Stier und das Lamm sind Kwei äquivalente Erscheini 
formen des Sonnenhelden am Abend und am Morgen) and 
ändern Haussieren. Das Sprichwort Tbeocrita der Stil 

gebt in den Wald wa kann seinen Ursprung nirgend andere 
als in den beiden analogen Mythen von dem Monde, welcher dm 

den Wald der Nacht wandelt, und der Sonne, welch« 
selbigem Walde verbirgt, als sie die Vorbereitungen »um 
»t; die Sonne in der Nacht wird der Mond 

Wir sagten, dass oft der Stier, weil er beim Opfer ohne 
standen wird, dem Helden Unheil pr< 
Sonnenstier des Abends ist kraftlos, er hat keine Heide 
weide. Doch nachdem er im Walde auf fi 

seine Kräfte im Kampfe mit den Wölfen der Nacht 
durch sein Brüllen (in der Finsternis*, in der Donuerwolki 
Tliiere mit Sehrecken erfüllt hat, wird der Stiel 
und zn seiner Morgenwobnnng geflthrt, voller Glanz, 



1 i 
Iwi Livi« 

i 

I 




erter 

Stier» der gegen Morgen geopfert wird, aus dem Walde, 
i in Stiel der Nacht kommt das Herz, die Leber, die Lein 
t. die Sonne, der Held Sonne heraus; und der irdische Held, 
Jer sein Opfer beobachtet, betrachtet es at« ein gute« Vorzeichen. 
In diesem Sinne können wir folgende Krzsihlung des Ammiamts 
MuieelUnns aulfassen: „Deeinnis (taorus) diffractiß vineulis, lap- 
fius aegre reduetus est, et maetatu» ominosa signa monstravit/' ' 
Während dir Sonnenstier im Walde verborgen ist, ist er schwarz, 
oft d h« in allen mondhellen Nächten) räumt er dem Monde 
den Platz und erscheint in Gestalt eines weissen Stieres retfp. 
Kuh t welcher den in der Finstemifis verirrten Helden leitet. 
La heissi der König der Tauroi (oder Stiere) in Euripides' 
Iphigenia in Tauria, weil er Flügel an den Füssen hat. 
Die Kuh lo flieht ohne Rast und Kuli in Aeschylus' Promt- 
r if en e Kitripides f sagt, dass sie die Könige der Kadnuieer gebahr. 
Hier finden wir also noch einmal die innige Beziehung zwischen lo 
Baropa, der Schwester des Kadmua, die schon oben bemerkt 
*Wtle. Kaduuis, Europas Bruder, vereinigt sich mit lo. Doch lo ist 
Kuh, und wir finden eine Kuli, eine wandernde Kuh, mit einem 
ICD Fleck in der Gestalt eines Vollmondes (den Mond selbst 
lo, in der Sage von Kadnius in iiüntien nach Fausaui: 
ist die gute Fee resp. der gute Alte, welche den Helden in den 
i&mährchen den Weg zeigt; es ist die Kuh, die dem von der 
matter verfolgten Mädchen beisteht, die Puppe, welche für 
jungfräuliche Aurora spinnt, näht und webt. Denn gerade 
sahen, dass das hölzerne Mädchen die Aurora selbst 
eiche am Morgen aus dem Walde der Nacht herauskommt 
*tu Abend wieder dahin zurückkehrt, ' was die Mythen TOD 
^rva^j UD1 | Daphne klärlieh zeigen, so kommt in ganz gleicher 
"Gi$e der Mond aus dem nächtlichen Walde und kehrt wieder 



l um geatarum XXIL Vgl, die Episode von dein Üehseu, 

lL «?r sich iu den Morast oder Sumpf tallt j ii lüsbt, in den verschiedenen 

* r mooeu ! Buches des Paiicatautni. — Diu Astrologen »teilten 

J** Gehirn untei den Schutss des Mondes und das Herz unter Aon der 

ort», La I una Milano 1871. 

«r<>; Pinie n 

1 Bplotia, 

1 In einem unedirteu piemonteßiacbeu Mährchen, welche« i*ht w«-it vei- 
liunt dan von Häubern entlütirtt* Müdehen deren Hau den 
M veri in einem Baumstamm, 

14* 



dorthin zurück, indem er sich ans eutain Baum 
wieder aus der Kuli in einen Baum, ein hölzernes Müde; 
eine Puppe verwandelt Einige auf die Aurora bezügliche M\ 
Bind auch auf den Mond anwendbar in Anbetracht der Aehulieh- 
keit tlitJöur üinimdfiftrechfcüuingcii (der und der M< 

stier wechseln ebenfalls miteinander), da sie beide aus dem 
nächtlichen Düster kommen, beide tbauige Feuchtigkeiten tropfen 
lassen und beide der Sonne nacheilen, indem die Aurora die 
Befreierin am Morgen, der Mond die Schätzerin, Fiihreriu, Wirthiu 
und wohlberathende Fee ist, die ihr (der Sonne) das Gebein 
lehrt, wie die hinterlistigen Anschläge des Ungeheuers abzuwehren 
sind. Herakles setzt über da- Meer auf dem Nacken der Mond* 
kub; doch statt der Kuh finden wir in dem mythischen Himmel 
des Herakles auch den goldenen Becher, der identisch mit ihr 

Aus der Mondkuh kommt das Horn der Fülle; von dem 
Füllhorn ist der Uebergatig zu dem Becher leicht. Es heisst, 
daBü Herakles, als er sich den Ochsen des Gcryon, dem Westen f 
näherte, sich von den Sonnenstrahlen gebrannt fühlte und Pfeile 
nach der Sonne schoss (ebenso wie Indra im kigveda ein Rad 
des Wagens Suryas, der Sonne, zerbricht'i. Die Sonne bewundert 
den Muth und die Kraft des Helden und leiht ihm ihren gol- 
denen Becher, auf welchem Herakles über das Meer setzt. Nach 
dieser That stellt Herakles der Sonne wieder den Becher zu und 
findet die Ochsen. 

Der Stier des russischen Mährchens, welcher den Helden und 
die Heldin trägt, erscheint in anderer Gestalt wieder, wenn sein 
Hau pn heil (bald die Eingeweide, bald die Knochen, bald die 
Asche) aufbewahrt wird* Die Kuh, welche dein Mädchen bei- 
steht, wird, wie wir schon sahen, ein Apfelbaum und hilft ihr 
auch in dieser Gestalt wieder. Wir finden denselben Mv 
etwafl umgestaltet in Griechenland. Bei Coelius lesen wir in der 
VOH Aldrovandi ' angeführten Stelle: „Cum rustiei quidam Her 
i uli Alexieaco bovem essent immolaturi isque rupto fune profu 
gisset (der zum Opfer bestimmte Stier flicht in den Wald der 

nee esset qnnd sacriüe aretur . malum arreptum suppo 
qnatttOl ramis crurum \iee. deinde additis alterte duobus 

utiiii loco, bovem utcunique fuisse imitatofi id'jue ridiculuin 
simulacrum pro vietima sacritieasse Herculi.*' Dieser Bericht 



1 1><- guHdrupedibue bitulcii L 



d ihn abc dos Julius Pollux, 1 dass der Apfelbaum 

H< M wurde, bestätigt Eier Moml nafnm wegen 

er kreisförmigen ausser der Gestali einer Erbse, eines 

und eine« Kohlkopfes auch die eines goldenen Apfels 
Di n Honig Bttthftlt, so stellt der siissr Apfel treffend den 
Beben Mond dar. Ferner wurde, ebenso wie wir die Erbse, 

kdie SO Boden fiel , einen Baum werden und zum Himmel auf- 
hen , der Apfel ein Apfelbaum, der Baum mit got 
denen Aepfdn, dt in dem Garten der Hesperideu im Westen 

let. 
[hv Mond ualnn ferner ausser der Gestalt einer gehörnten 
Kuli im arischen Volksglauben auch die einer Torte, eines Kuchens 
au, sei es in Anbetracht seiner Kreisgcstalt, sei es des arnbro- 
aiieben Hontgfl wegen, den mau als Inhalt des Mondes vermutlicte 
»•u de« Tliaues oder Regen», den er auf der Erde verbreitet 
Der Kuchen hat in der slavischcn Sage dieselbe Bedeutung wie 
«lie Brtoe, Föhne oder der Kohl. Der JStier reap, die Kuh des Narren, 
der lür eine Erbse verhandelt wird, ißt vielleicht identisch mit der 
Abendsonne oder Abend-Aurora, die während der Nacht für den 
d verkauf! wird oder sonst mit dem Monde zusammentrifft. 

kmererbse oder Bohne, die Hülsenfrucht, welche als Vor 
rath für die Reise in das Reich der Todtcn dient und welche 
dem Helden Reichthuiu bringt, ist vielleicht nur der Mond, den 
•Irr Soonenbefd -während der Nacht auf dem Wege rinde! und 
den er für sein kuhfeil eintauscht. Als der Held diese Erbse 
beutet, ist er jeder Art von Glück sicher und kann zu dem glän- 
zenden Himmel aufsteigen, so wie auch aus der (lüstern Hölle, 
eiche das Ungeheuer Ihn gezogen hat, entrinnen. Eine ahn- 
liebe Kraft wird dem Kucken beigelegt! den wir in indogerma- 
nischen Bestattnngsgebraueheii an Stelle der Hülsenfrucht finden. 
Bienach kOnnen wir verstehen, was uns Plutarch in dein 
ii des Lucullus über die Oyziceni erzählt, von denen er be- 
richtet, sie hätten in der Bedningniss einer Belagerung der Pro- 
ierpina (dem Monde in der Hölle) eine Kuh von schwarzem Teig 
ebraelit, da sie keine von Fleisch aufbringen konnten; er 
EUj das» das Opfer der Göttin genehm war. So lesen 
unddreiasigsten äsopischen Fabel von einem Ktiip 
der den Göttern verspricht, im Falle seiner Heilung hundert 
Ocboeu zu opfern; als er geheilt ist, macht er, da er nicht him- 



ibulttt l t hei Aldrovaudi. 



214 



ou von Bleiect besitzt, solche aus Teig uud ve 
>uf dem Herde. Doch waren nach Aoeop d 

nicht zufrieden and suchten ihm einen Streich zu spielen, 
ihnen jedoch Dicht gelang! da der schlaue Mann ihre J/ist zu 
seinem Vörtheil ausbeutete; denn der Sonnenbeld in der N 
stellt sieb nur so, als oh er ein Dummkopf wäre, der er in Wirk 
lichkeit nicht ist. 

Doch am auf die Mondkuü zurückzukonimcu : wii nn 
der Vollständigkeit halber die Erklärung eines anderen 
thus hinzufügen, nämlich de« von den als reinigend beta 
taten Kxcreincnten der Kuh Der Mond, wie die An ftdel 

Ambrosia; er wird als eine Kuh betraeht Urin dieser Kub 

i^t Ambrosia oder heÜigeB Wasser; WW dieses Was#6f trinkt, 
reim-! sieh, wie die Ambrosia, welche von den» Moudstrahl und 
der Aurora regnet, die Pfade des Himmels reinigt, säubert nod 
hell macht dirghaya eakshaseh welche die Schatten 
Nacht verdunkeln und hüben. Dieselbe Kraft wird fem 
Kalidünger beigelegt, eine Vorstellung, die ebenfalls von der I 
abgeleitet und auf den Mond ebenso wie auf di 
übertragen wird. Diese beiden Klüie werden als die Erde durch 
ihre ambrosischen Excrement e fruchtbar machend aufgefi 
diese Kxerrmcntc, sowohl die des Mondes wie die der Aurora, 
glttnzend sind, so werden sie als reinigend betrachtet Die Asche 
dieser Kühe (welche ihre Freundin, die Heldin, bewahrt) 
blosse Asche, sondern goldenes Pulver 
goldene Kuchen erscheint in dem goldenen Mehl oder P 

ler, welches die Hexe in russischen Mahrclien von dem Helden 
verlangt), das, mit Excrementen vermischt, dem schlauen uud 
i.uibrnsrbeii Helden Glück bringt. Die Asche der geopfi 
trächtigen Kuh (4 h. der Kuh, die nach der Geburt eines Kalbe« 
stubt) wurde von den Römern in dem Tempel der V 
Religions wegen nebst llohneustengelu (die dazu die 

reide beeilte Erde fett zu macheu) als ein Mittel der Suhiuuig 
aufbewahrt, Ovid l erwähnt diesen Brauch : 

«turque Aurora, Palilia po> 
ruhtia, hi fuvet alma l J 
Aluiti Palftt, lattM paMtoii »acia ra?. 

in BtipulaKMie fatal 
Saepc tüli plann i'tibrua casta 



1 Faah 1\ 



einer tinti >wohl ab Symbol der Anfer 

littel «to i Reiai Was die Excrement« 

unit, das sogenannte 
in i I lefle u rs zu bereiten, das von mehren Pharm 

wird. ' 
ru den Mulms von Heraktee erwähnt, in weh 
;, nachdem er auf dem goldenen Becher über das Mm 
. die Ochsen am Gestade findet. Diese Ochsen werden bei 
in dem Mythus von König Augias, als dem Kinde der 
Die Sonne, sagt Theocrit, verlieh Ihrem 
iober an Herden als alle übrigen Mens 
Alle diese Herden sind gesund und vermehren 
uzen, indem sie immer besser werden. Unter den Stie- 
ren dreihundert weisse Beine (gleieh der Alba des Mor- 
ändert sind rotll (gleich den Sonnenstrahlen i und 
ii gekrümmte Hörner. Diese Stiere sind zur Wiedererceug 

«er ihnen sind noch iwlAt, die der Sonne geweiht 

sind, iiud welche gleich Schwänen glänzen. Einer von ihnen bfl 

.m ßrttsse überlegen und heisst ein Stern oder 

(on ider Glanzende, ein Epitheton des Helios, der Sonne in 

des Lenkers des Soonen Wagens, welcher nach 

Vollendung il&ufes unfähig ist, die Pferde zu zügeln 

und mif dem Wagen in daß Wasser stürzt, damit die brennenden 

Rosse nicht die Welt entzünden. Statt der Soiiueuochsen, die 

Wagen ziehen und am Abend iu den nächtlichen Sumpf 

öden wir in diesem Mythus den Wagen von Pferden ge- 

N Wellen begraben werden, doch Phaeton, der sehr 

und herrliche Ochse, wie er von Theocrit dargestellt 

, rechtfertigt unsere I dentin' ei rung der beiden mythischen 

von dem Ochsen und dein Pferde, welche in das V 

ig. Der Stier Phaeton des Theocrit sieht Herakles, stürzt 

in für einen Löwen hält, aal ihn und versucht tint 

Hörnern zu verwunden. Du Sonne, als ein gold 

haarig«! Held, isi ei starker Löwe (Herakles, i); als 

Held ist sie ein sehr starker Stier; in der Wolke 

n brüllen und toben sie. Die beiden Bilder von dem 

und dem Sonnenstier sind bald in Uebereinstimmung, 

in X>\ ind Kampf miteinander- lni K a m a y a n a 






ix \ di M Medien, 



lbrtta . ... „is Sttet niw n 



■■■■ wsgS ***■ ?&£ *'sr535r*« 1 £ 

c t ; c r (v«^ cU , r v lU lit liud ,.w» r'aVtcl *.ik verdict, 

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»»»toe*, *»J mal \.e». \ nxcs una- 



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SSW-* ^ - 

nttr»» dtt *' 



217 

lorucr Apollo ttir einen bestimmten Preis die Herddfl König 
union* auf dem Berge Ha mul wird Bin denselben hetrt>p:eu- 
Kbenso führt Hermes die Herden des König Adnietus auf die 
de; er treibt rie in tue Nähe der Herden Apollos, dem er huB- 
rlert lud zwölf Kühe stiehlt, indem er die Hunde am Bellen 

bindert wie Herakles, als er Gcrynna Ochsen eutttthrtV Dieser 
Ilcrn lotl Mercur, der Gott <lcr Kauflente, dieser Hand- 

ler und RH über ist identisch mit dem seh lauen und verschmitzten 
Dieb der Mahrehen. Welcher Pferde, Zugochsen, Kisten und Ohr- 
ringe dem Konige entwendet; er ist der Diebsheld; aber ein 
Schatten unterscheidet ihn von tlem räuberischen Ungeheuer oder 
dem dämonischen Pani der Veden ; der Held, der sich verbirgt, 
und das Ungeheuer, da* Dinge versteckt — beide than eine 
diebische Handlung Als Hermes die dem Sonnengott, der Sonne, 
'►bleuen Herden forttreibt, tragt er auch Sorge, Bauinzwcigc 
n an die Schwänze zu binden, welche den Weg fegen und 
■lie Spur der entführten Stiere und Kiihe verwischen sollen. 
lÄfer Battos Spielt den Spion, obwohl ihm Hermes als 
eine weisse Kuh versprochen hat Hermes 
fruit ihn, indem ei sieh verkleidet und ihm einen Stier und eine 
"Kuh verspricht, wenn er redet, Battos plaudert und Herme* ver- 
handelt ihn zur Strafe in eitlen Stein ; 

„Vert it 
In durum nuioem qui nunc quoque diciiur index" 1 

-er ßott Meronr, der (lern Apollo die Stiere stiehlt (wie 
kle.^ die Ochsen des Geryon entführt), ißt die göttliche ßi 
sUlt des Diebes. Seine dämonische Gestalt ist Cacus, der 

m wie der vedische Vritra der Sohn Tvashtars isi , 
•lei retiei speit; ein Kiese, der sich in Finsternis« hüllt, bei Ver- 
jü; dreiköpfig (gleich dem vedischen Ungeheuer) bei Proben; * 
der im A ventilier Walde eine mit Menschenknochen gefüllte Höhle 
bewohnt (gleich dem Ungeheuer der Feenmäbrchen) ; der donnert 
itiammas ore sonante vomit), der mit Felsen und KauniMtanmicii 
kämpft, bei Ovid B (gleich den Helden in der iudischeu, slavisr 

in und homerischen Sage); der dem Herakles die Kühe 
II und ihre Fussspurcn verbirgt, indem er sie rückwärts in 



« Uvid, U iL Vi»i, 

* Pt*t ti.s qui ilabat ora souoa 

• Fmti I, 



die Hohle zieht, bei Livius, welcher uns muh erzählt, A 
Kuhc in der Hohle hrlillen. indem sie nach den Stieren verlange 

denen sie getrennt sind (wie in den vedischen Hymnen» 
Der Held hört rie, findet die Höhle, stürzt mil grossen) Getös den 

>cn um, den i'tiiii' Paar zusammengejochte Ochsen kaum hatten 
ron der Melle rücket können (gleich den Maruts, die den Fe 
Eerbroehen, gleich Indra, der die Klippe zertrümmert und öffi 
und tödtet mit seiner drei knotigen i trinodis) Keule das Ustgehener, 

Etttf er die Kühe helreit. Der Soimenhcld, der am Abend 
Ochsen oder Kühe fortfuhrt oder der sie am Morgen aus dein 
Stall stiehlt, ist ein sehlauer Räuber, der verdienstlich gehandelt 
hat und zur Belohnung die Prinzessin Aurura heiratliet; da« 
wolkige oder düstere Ungeheuer, welches die Souncnklihe stiehlt, 
nm sie in der Hohle einzuschließen, aus welcher es dann Kaue 
nwl Feuer schnaubt, ist ein abscheulicher Verbrecher, i 
liehe Dieb stiehlt fast ans Beheiz, sei es am seine Geschick] 
keil zu zeigen, sei es um seine Tapferkeit zu erweisen; der da 
■tonische Dieb stiehlt, weil das so iu seinem boshaften Charakter 
liegt, nnd aus den» Triebe, das Gestohlene zu verschlingen, wie 
es der fabelhafte Wann des Flusses ludu (des vediseben Siudbu 
oder himmlischen Oceans) thut, der die durstigen Ochsen, die zur 
'Franke kommen, in den Abgrund zieht und verschlingt* * 

Das Ungeheuer der Wolken, das pfeift und donnert, schreck! 
nur; andererseits ist der Gott, der iu der Wolke pfeift und don- 
nert, der himmlische Musicus par excellence; sein Instrument, der 
Donner, überrascht uus clinch seine Wunder 1 ' und macht Steine 
und Pflanzen zittern, d.h. setzt sie in Bewegung, zumal die himm- 
lischen (d. h. Wolkcnbergc uud Wolkcubäume); es zieht die wil- 
den Tbiere (des himmlischen Waldes, hinter sich her. zähmt und 
beawingl sie. Der brüllende Stier schreckt sogar dem L< 
Wir lesen darum auch bei Nountis, J dass Dionysus dem Ac; 
der beim Wettstreit in Gesang und Spiel obgestegl bat, einen 
Stier als Preis debt, wahrend er einen rauhen Ziegenbock rin- 
den in Bereitschaft hält, der verliert; auf Gruud dessen linden 
wir in alten Mailänder Kirchen auf den Säulenkapitalen K 



1 ».Angedonnert" haben faut alte iudogerinuniftclicti .Sprachen für t ,üfc 
raieht und erschreckt", [So auch semitt Diall; vgl arab hn 

■ Diony*. XIX, 58, 



219 

ils auf der Leier spicleod dargestellt ' Es im eine 
ttion des Mythus von dem Esel und der Leier, welcher die- 
selbe Bedeutung hat Aus demselben Grunde linden öich der 
und der Esel zusammen dargestellt, weil sie brüllen und 
N wir christliche Corybauten) au der Wiege des neugebo- 
renen Gottes, um durch ihr Geschrei «eine Geburt vor dem alten 
Könige oder der Gottbeil, welche entthront werden soll, zu yer- 
folgen. i Die Muschel Hhinias, das Elephantenhurn Orlandos, 
<U« Hifthorn taurca, mit welchen Armeen dirigirt wurden, leiteten 
ihren Charakter und ihren Namen von dem mythischen Stier, dem 
Donnergott ab. Die Stirn tue des Stieres wird bei Euripides mit 
der des Zeus verglichen ; J die Musik, welche den Helden gelallt, 
gewiss nicht der Sang der Casta diva; es ist das Schreien 
Esels, * das Brüllen des Löwen, «las Brüllen des Stieres, dci 
m$ Himmel die erste Rolle spielt, und uns so lauge beschäftigt 
tu _ weil der oberste Gott nach der Entführung Europas seine 
talt annahm. Auf Erden entkleidete sieh Zeus seiner gott 
Beb en Gestalt, und in der gewöhnlieh gewühlten heldischen Er- 
lmiugaform eines Stieres steigt er himmelwärts: 



„Lituiibu* tactlt ätabat |in€ curuibus ulli» 
Jupiter inquii (ieuto de bove veraus rmi 
TiiuruB init coelum. ul 



So kehren wir nach langer Wanderfahrt auf dem Gebiet der 

^T« z\x dem vediseben Stier Iudra zurllck, von dem wir aus- 

g*£?T fingen sind, und BQ seiner weiblichen Erschemmigstoriu, welche, 

turt" Kenachennatnr begabt, eine Kuh wurde und als Kuh eine 

t.Jiche Gestalt annahm: — 

„Quae bof Ol homtUO, ix boVV hui« Dia."** 



* Vgl. M&rtig&y, >l ictiuii uairc des au l iq uite» ehret i i ihm :t , 

* Üci Phaedrut* bind, wie wir heben bemurktvu 1 Ociis und E*d untor 

tout 
1 at fttmi -Jto* j ti i p p o ly t 1200 — J 229, 

1 Vgl, da* Kapitel über deu EööL 
>Uvid t Kaeti V, 6i5. 
Ml V 






KAPITEL IL 

Das Prerd. 

)er Mythus vom Pferfl« ist vielleicht nicht >■<* reich an 
wir der von dem Stier mir! dor Kuh, doch keinesfalls weni^ 
interessant. Wie der Reiter der schönste Typus des Helden 
St) ist in der Mythologie das Ross, das ihn trägt, das edelste 
Thicr. 

Wir bemerkten schon , dass sich der beste der drei Brüder, 
der dritte, der siegreiche, die Morgcnsunne, in der Sage TOT A 
beiden andern durch seine Schnelligkeit auszeichnete, und da 
die Morgendämmerung oder Morien -An mra, dir dritte Seh west 
die gute, die beste von den dreien, diejenige ist, welche Im Wetl- 
lauf gewinnt. Iv ist natürlich, dass das Lieblingsthier des Helden 
feto ftOBB sein inuöste. Die heklen indischen Dioseuren, d. h. die 
A-;\ins, die beiden Reiter hörten ihren Namen von agva, dem 
Herde, als dem schnellen, ab' und sie sind höchst wahrschein- 
lich mir den beiden sehöuhaarigen , liebenswürdigen, glänzenden 
und feurigen Kennern Indras xiiul Savitars (der Sonne) identic! 
und geeignet und würdig, Helden zu tragen ', identisch mit ■(< 

en lmlras, welche aufs Wort aich sriiirrcn ? gemahnt sir 
Samen ausspritzend, den Gurt füllend (d. Ii. wohlgcnahr 
den Augen gleich der Sonne, von den Ribhns gemacht, 6 welel 
wie die Kuh aus einer Kuh, su anch das Pferd aus einem Pferc 
machten. 7 sehwar/, mit weissen Füssen, den Wagen mit dem 
denen Joche ziehend, die Dinge enthüllend ; fl den beiden 
tummelnden, sich sehr tummelnden,* den taumelnden. 



1 \).i \\>il afya hat <Ji.-n« |h.- Bedetfttnig, 

* Yiingantv asya kamya liari vipakäha»a ratio ©Olli dbftahgflggtaht 
Rigv. 1 6, 2 

1 Vadoyugau; Rigv. I, 7, 2 

1 Yuk^hvfi hi kecinä hau vrlshah.i kakahyapra ; Uip 

' Sui;ir;tk^hHrinh; Rigv. I, 141, ! 

* Indmya vacoyuga t»takshui uiunasä hari ; Rigv I, "2 1 
' Saudhau Vü im ar.vad n<;vaiu atakshata; Rigv, 1, 161, 7. 
" Vi gtuiun rhyuvüh ^itipädo akhyan ratham luranyapräugaih va 

5, 

* Indn» vafikü vafikutaiadhi hshthati; Rigv. 1, 51 t IL 



1 eleu schOncn, durah welche 

edaukeuschoell dahinfliegt;* welche Indra 

u lag die Sonne ziehen: welche die beiden 

sind; 1 welche Fett (Ambrosia) Triiuielnd 

ludra. den berausch - 

welche den Himmel erleuchten, mir niahueu von ill 

aues, 7 den seebszig Mal gezäumten (eigentlich sechs mal 
zwei mal fünf);, 1 den wohlthütigen, geflügelten, unermüdlichen, 
deu entschlossenen Vernichte™ (der Feinde). y Das Aitai- 
' ana sagt ans, als es die Qöttöf ebarakterisirt, das» i 
der Beirath von Soma und Suryä von Mauleseln und die 
en Kühen (oder Stieren) gezogen wird, data da- 
u lndra von Pferden und die A<;vins von Eseln gezogen wer- 
den; die Arvins gewinnen den Preis, iu Im Mahäbhärata ' ' finden 
wir einen andern wichtigen Umstund, nämlich dass die Acrin> 

■:elll werden, und zwar Tvaslitris, der 

ars (der Sonne ) , welche die Gestalt einer Stute au- 

uahm. Demnach hoben wir hier die Söhne der Stute, welche Pferde 

nnd Maulesel nein können, jenaebdem sieh die Stute mit einem 

»der einem Esel verband. Hier haben wir also bereits ci 

Beweis Cur die Identität der Hehlen, der Aerius , mil 

en Pferden oder Eseln, welche sie ziehen. Der 

jveda kennt das Wort a v v a t a r a , Maulesel, n<>eh nicht, zeigt 

udh liei Dai stellang der bald von Pferden und bald von 



1 Vukshvii madacyutn bari; Kigv. I f 81, 3. 

maaaao g&viyan rathab sva«;vah; Kigv. I, 117, 8, 

• A tvä yftdfemtU barito Da süryaui aha viyveva aüryain; Kigv, 1, 

• Hari suryaaya kelü; Kigv. U, 13 

1 Ghritarrutau» lYaram Mvanhtftm; Kigv, II, 1J, 7, 

• Pra je dvita diva riiiganty aiah ausamtiirisbtuso vrisbabliHKya nifu-ab; 
v. Ill, 48 

ii may ü rarem ahbib; Kigv, III, 45, 1. 
pantfa- panda valiant i; Kigv, III, 56, 18. 

r daüsannbbib; Kigv VII. ♦;:>, 1 
eu auch riravatpaui ; l»igv, I, 3, I, 

ladhüvattiWiih präg&nuno youim 
runaimsbn agimadbävattaötDäduihajyA- 
gaiuy*maninuirMv:i< va prabhäfyuHhnsorüpamavvaratKeiiendru ugiuiadbavat' 
tftNnAtaa \ * - > ...:_(...,»,.. upabdimankabatraeya rupauiaiodro bj Ba gadarbha* 

rupadb&rmi asdyata mabübbäga bu 



Eseln gezogenen Arviris <len zwischen beiden Thiergattuogen lie- 
den Charakter tie* Tbieree, welches wirklieb die Agvt&i siel 

eines dunkelgraueii, nur an seineu Vordcrtheileu weissen Wesens. 
Die Naeht ist der Maulesel) welcher die Agvinß oder die Dann. 
u zieht , ebenso wie sie in dem nbenangeführten Aitar« 
Igtti, das leuer mler Licht, zieht oder erweckt. In der lliade ' 



wird von Mauleseln gesprochen als von Thieren, welche geeigneter 
als Ochsen sind, den Ptlutf zu ziehen. 

eh, 





Des Helden Ross ist, wie der Held selbst, Anfangs hlsaUell 
nrisHgestalt und untauglich, stellt sich aber schliesslich als s< 
gUugeod, heldisch und siegreich heraus. 

Dafl mythische Pferd der Ungarn, das Ross Tatos oder 1 
lo hat bei der Geburt ein hassliches Ausseht], ist verkrüppelt und 
ilb sagt man im Ungarischen: „der Tatos kommt aus 
einem verkrüppelten Pferde". Es kommt jedoch immer mit Zähnen 
zur Welt, * wenn auch Beine Kinnladen bisweilen mangeln; es 
bricht aus einem fünfeckigen schwarzen Ei an einem Aschermitt- 
woch hervor, nachdem es der Held sieben Sommer und sieben 
Winter anter seinem Ann getragen. Im Nfabäbh&ratA ■ folgt das 
ersterseljatleue Ross U<Vailiri av:i T der König der Pferde (und darum 
das Pferd Indrafi), welches Bo schnell wie ein Gedanke ist, dem 
Pfade der Sonne und ist glänzend weiss, hat jedoch einen 
schwarzen Schwanz, der durch die Magie der Schlangen, 
welche ihn mit schwarzen Haaren bedeckt haben, dies, 
erhalten hat. Es ist dies walirselieiulicli der schwarze Esels- od 
Pferdcsehwanz, welcher der hasslichen oder bösen Schw. 
den europäischen VolksmiihrcLicn von den beiden Schwesb 
de? Stirn wächst. ' Es uinss fem -h bemerkt werden, das« d 



• 1 i x, ra. 

* Nach den gütigen Mitrheilungen Dr. Giuseppe Ferntro's, des fange 

mlcra der Volkslieder und Vulkamährcben von Monferrafco, üt 
diesem Lande herrschenden Thki glauben, herrscht dort der Abrrglaui. 

die Zähne eines Pferdes, wenn sie einem Kindt- um diu Utth* £. 
werden, das Abwerfen der Zähne bewirken und dass das I 
beiden Schneidezahne eines Pferdes jedes Uebel wegzaubert, 

' Mbh.I, luitf-1237, 

1 Vgl. die Jer toscauischen Novelline di San Stefano di 

CalcieaiSi — tun vorhergehenden Kaprtel sahen wir, wie die Ai |»i< 

. gewissen Apfelbaumes dem, der von ihnen isst, Hörnei 
lassen In einem noch niehr publicirteo italienischen Mährcheu beb 
♦hif pfelba-omes den Fejgeubaura und anstatt de 



ava«, da es eigentlich den mit erhobenen Ol 
bedeutet, besser nxü den Esel als au! das Pferd |»; 



um aus Osimo Lermftuenj 

it Brüder, die nicht eben viel Lust zu arbeiten hatten, gingen in die 
i Glück zu suchen. Auf dem Manche von der Nacht über- 
»Tas« i unter freien» ein, Eine Fee kommt in Gestalt 

m alten Weibes heran und bietet sich ihnen zur Frau an. 
ich und < -ie wollten weiter nichts 

<i, um sich einen vergnügten Tag machen zu köl 
ortet; „Sagt mir, wonach ihr verlangt, und ihr sollt es haben/* 
die immer voll Gold ist; der zweite um 
Pfeile, durch deren Blasen sofort ein ganzes Heer tapferer K;i 
* f « rt wird; der dritte um einen Mantel, der seinen 

befriedigt ihre Wünsche und ver 

dann in Flamim-u. gleich dem Teufel. Der älteste Bruder, 

gehl mir meiner Börse nach Portugal, wo er spielt und verheil. 

ich immer Das kommt der Königin-Wittwe EU Ohren. 

remden zu sehen wünscht in der Hoffnung, »ich in den Be- 

** « eimnisses zu setzen; sie stellt Bich in ihn verliebt und di v 

turnt; doch nie hat schon vor demselben sein Ver- 

woimen und lässt ihn, nachdem sie ihm die Börse abgenon 

Stephau kehrt iu seinen Brüdern zurück, erzählt ihnen hen> 

sich au der Königin zu rächen, und verleitet 

welche Armeen ins Dasein ruft. Die Königin 

im und behauptet, lie hatte his zum letzten Augenblick 

u am Hochzeitstage tet, versichert auch, er sei ohne iht 

*ht worden. Stephan giebt nach und die Pfeife geht aus 

der Königin ober. Er wird wi< iseht umi 

zweimal so stark als vorher Wieder nimmt er seine Zuflucht zu 

ort sie, ihm den Zaubermantel zu leihen, nil 

: das Verlorene wiedergewinnen wolle; er erhalt ihn, aber 

der Königin tauschen. Aller Habe beraubt, 

r verzweifeil umher, ein Bettler, in der Mitte des Januar sieht er 

Feigen bedeckten Baum; nach ihnen lüstern, i**t ei 

ge, 'In er verschluckt, wuchst ihm ein Stückchen 
*<j dick wie l, an Kr geht weiter, in noch gms 

n, über von geringerer Grösse findet 
Schwanz verschwindet. Von dieser Entdeckung höchst 
I er ein Körbchen mit den ersten Feigen und kommt als 
verkleidet in den Palast der Königin vou Portugal. Alle L 

rische Früchte im Jauuar. Die Königin 

ii, doch sofort wachsen an ihrem Hinter- 

ich nuu als Arzt und heilt viele Leute 

ICD i er zwingt sie, ihm 

* Wq b» t Beicht« ie ihm sagen, wo die 

eich wie«l 
n Spannen Schwai giebl ri< l> 



Htm wie der Held dei Voljjuolibrehe 
Kami wird, tin Ksel ißt, ist j*i 

rittene Hiier, ehe es ein echtes und edles Pf« 
wird, gewöhnlich eine wertbloee Mahre oder ein dunkelfarbig 
i We Sonne reite! am Anfang der N in bcBwi 

ifanl 

am Morgen dagegen ein weisses und glänzendes i J ien(, 
einen schwarzen Schwanz hat; oder aber das schwarze Pferd 
Nacht hat einen weissen Kopf oder weisse Beine oder 
theile, nebst goldenen Ohren und einem Nacken aus Edelsteine 
Das ungeheuerliche trojanische Pferd des Epeios, eine 
welche das Pferd der Mythologie darstellt, hat bei Tryphiodor < 
Egyptier* ebenfalls eine goldene Mähne, rothe Augen und 
berne Zahne. 

In dem dreizehnten ehstnischen Mährcheu bei Krentzv 
kommt der dritte Bruder drei Mal die Prinzessin von dem Ik 
von Glas (oder Eis), wo sie schlaft, zu erlösen. Das e 
bat er bronzefarbene Kleidung und sitzt auf einem bronzelarbcu 
Pferde; das zweite Mal int seine und des Pferdes Farbe silbern 
das dritte Mal kommt er in goldener Rüstung auf goldfari 
Pferde. 

In einem noch nicht publicirten piernoutesisclicn Mahn ii 
wird der junge Prinz, dessen geliebte Prinzessin über das 
entführt worden ist, von einem Adler, den er mit seinem 
Fleische füttert, über die Wogen getrageu. Jenseits d»-- 
angelangt, bort er, dass die Prinzessin bestimmt ist, das \ 
Helden zu werden, der drei Mal im Wettlauf siegt; das ei 



reich und glück lieh wieder zu seinen Brüdern. in 

müssen einige Glieder fehlen; es ist wahrscheinlich, dass die Foc dw 

der warnte, Ihr lieheimniss irgend Jemandem zu verrat hen i' 

ruehmung i«t jedoch mit viel mehr \Vahrscheinlichkei 
Bruder ausgeführt worden, der in Fecnniährchcii immer die H 
Schlaukopfes spielt, als von dem erstgeborenen, welche] 
köpf rep] - Polydorus spricht in seiner Übt A- 

d» ij chwanz at 

Catit. 

equi hat ainjH- 

ei r< qui id fa« 

ilati, 

liranyakariiuui luauigrivaui u 
IfiMMf 65 - 






(fcWta rr m schwartet Kleidan-: «of 
itertc Mai in Wet» »of einem weissen Pferde, das dritte Mal h 
IUI auf ralbcm Pfenle. Jedes Mal ricgl <* ■"** «**M demnach 
die sehtVoe Prime» n mr Gemahlin. 

t «las erste Pferd des Heiden immer dunkelfarbig, gleich 
feil Russell, gteiek Plains Pferden, welche, an die Danke I- 
grwftfciit, torn Lieht erschreckt werden ; l es wird dann das 
£raae Pferd der Riesin, das rrane Plerd, welches den todteii 
gnnl wittert, in der Edda Der Pegaana selbst, der i*pOs V.tjto; 
des Aratna, wird „halb rollender geboren, ein Aus- 

druck, der mich an den eqnns di midi us* des Mittelalter» 
innert, mit welchem der Maulesel gemeitit ist Vergesset) 
% dasa der eqnns heaiionus, welcher die weiten Steppen H 
and die nördlichen (irenten Gnzaratesf bewohnt ^el* 

ajrtifjt t welche «eh besonders durch die LSn^e und »Schlankheit 
Lieine auszeichnet Der indische Aruna. der Wagenle 
,e »oder gar der Bruder der Sonne selbst, sofern er der 
'•arada*, des Sonnen vogels ist , saD mit eiueru uiivollknm- 
rper geboren sein. 4 er kann nur zum Titeil clanzeml 
sein Das schwarte Pferd dagegen hat lieh 

böse und dämonische Natur; e* entspricht dem schwn 
trze Farbe seihst ist, umli dem ^otkftaberglas 
ator. ;> Jedes Pferd hat nach Mr 
• bei dei Stück schwarzes Fleisch auf den 

i das von den Grieben iritonar+s genannt wird: „La quale 
■e molto sospr li juaieticii. u Meisin 

fü^t noch hinzu, dass die Mutter sich weigert, das 



ioaga solitoa caligin« pa&ei 
Temiit orbid eqaosj pressis hae&eru liipnti» 

note, rarsasqno voren dum 
In dttOl pugnant temono reTSlti 

Cta De raptu Prosor |M i».i( II, 193 

1 Flu 

1 „Equiib Dimidius, Mulus, in chart, tan. 1886 in Atoat Diplom, mim 
Jar, Gforai p I tu Gange, i, \ . lv(tius. 

171. 
* (juclli eavalli ehe iona dt; pUa morello hü famto <i»« humon* doI 
l*ero che e piu caldo hnraore et sicco che non e K. sangue h aal qo&flo 
tinv v\ pelü 1 tre libri dells natura 
**lli et del di medicar 1c loro im da 

*Httfo AgOHtiuo Oulnmbra; Pro logo i», Viuegia, 1547, 

IS 






226 

Fallen saugen ra lassen, so lange es dieses Stück Fleisch 
den Lippen trag», und Manche sagen, daw die Mutter • 
ißst Im ersten Kapitel erwähnten wir den russischen daoiai 
den Dimon, welcher während der Nacht auf Kiihe, Ochsen tti 
Pferde Springt und sie schwitzen macht Dieser Aberglaube wurde 
in Italien Beben "n 16, Jahrhundert von Meister AgOftÜliO k- 
kämpft, 1 und darauf lasst sich mit der höchsten Wahrscheinlich 
ken die, noch von vielen Stallknechten beobachtete, Sitte zurück 
führen, während der Nacht im Stall eine brennende Lampe 
lasscn. Der Teufel fürchtet sich bekanntlich vor dem Liebt (Agni 

st rakshohan, Ungeheuer tödtend i und sein schwarzes Rosa 
^leirherwcise. Es bedeutet deshalb nach zwei griechische 

sen 8 Unglück, wenn man von schwauen Pferden büin 
während dagegen von weissen Pferden träunicu Glück hedeut 
In det nunuauaisclien Sage von dem Priester Walchelm zeL 
diesem in den ersten Tagen des Januar 1091 ein schvv 
und ttihrt ihn in Versuchung auf seinen Rücken 
kaum Imt er es gethan, als es mit ihm nach der Hölle sprengt 
Die Todten reiten nach dem Volksglauben ebenfalls oft 

raraen oder dämonischen Pferden 

Bin sehr bekanntes russisches Mahrchen in Versen, das Ka 
n i o k G a r b u n o k oder Klein B u e k e l • P 1 e r d c h e n von .1 er 
hull", laugt folgendermassen an: Ein alter Mann hat dre 
von denen der jüngste, wie gewöhnlich, Iwan Dnräk oder I 



1 DrYoiinoffi ei r mend are quelli li quill ±*e poaeeti 

impere cbe releiic dire obe quelle tut beetie che portano li crinl 

rotte et atreaate; et con loro poco cognosciincntu dieoiv 

ei ckiama&M oavalU Agostino a. «. 

Prologe 10, rgl Rnlatüti, Thi oft! 

Buaeian People p, 120, 139. 

1 1 7 ' 

/tjt« 
Im Totcaniecbea In deutet daa Träumen von fl q Pferden 

keifen, ohne Zweifel kann dieses tiiegeude ßoss nur 
r.dnt iti s Somuuhelden g urüok gehen 

!. Mensel, Di Unat er bliebt 

Leipi 

* DU Ungarn nennen die Toritenbahiv 
• VouYtüedei Btelien den Fabruiaun der Todi. qo, £U l'u-r 

dar; in «ler s ilt es ala eine Ted. 

ii des Abends ein i Strasse 

bar trird »Ja, Deutach« i ßl au Ij - u nd I 



Der alte Mann findet jeden Morgen sein Kornfeld 
rügtet; er wünscht den Zerstörer ausfindig zu machen und 
sten Suhl* die erste Nacht auf die Lauer, Dieser 
bat jedoch zu viel getrunken und schläft ein, ebenso der zw< 

in der näobftten Nacht. In der dritten Nacht ist Iwan an 

Reihe; er schläft nicht ein. Lfm Mitternacht sieht er eine 

teuerscliuaubende State daherkommen. Er bindet sie an einen 

Strick, springt auf sie, packt sie bei der Mulme und bezwingt 

versprich! die Stute, um loszukommen, Iwan eines von 

ihren Jungen zu geben, und führt ihn in den Stall, wo sich ihre drei 

Jungen befinden. Sie gieht Iwan ein kleines buckliges Pferdchen mit 

en I Ihren i den indischen Ueeaihexava ), welches fliegt Vermittelst 

s buckligen Pferdchens soll Iwan sein Glück macheu; als er 

itflihrt, folgen ihm die Stute und die beiden anderen Füllen 

Iwans beide Brüder stehlen die Stute und die beiden Fällen und 

n, sie dem Sultan zu verkaufen. Iwan tritt wieder mit ihnen 

zusammen und die drei lirtlder stehen als Stallknechte in Diensten 

im Sultans; einige Zeit darauf rettet sich Iwan durch sein Pferd 

eben vor dem Ertrinken. 

In dem dritten russischen Mahrchen bei Erlen wein wird 
der Stute des Tzaren, die das Waaser getrunken hatte, in welchem 
ein gewisser Fisch (in dem neunzehnten Mährclien ein Recht) ge- 
jewaschen war, ein Hengst geboren, zu derselben Zeit als des 
Tzaren Tochter uud ihre Magd zwei [leiden Iwan Tzarevir und 

i Dievic - d.h. Hans des Tzaren und Haas des Mädchen 
das Leben schenken, Repräsentanten der Aerius Iwan Tzarei ie 
reitet auf dem Hengst. Im neunzehnten Mährchen heisst der Sohn 
der Stute Demetrius des Tzareu (Dmitri TzarevicO, mit Identi fi- 
ng des Helden und des Pferdes. In dem fünften Erlen 
weinsehen Mährchen geht ein Kosak in den Wald, wo er in 
die Hände des Feindes fällt, der ihn in Stücke zu hauen, in einen 
i zu stecken und au sein Pferd zn binden befiehlt Das Pferd 
Sprengt davon und bringt ihn in das Haus von Silber und Gold, 
ro ei wieder ins Lehen gerufen wird. Während der folgenden 
I ziehen ihn ein alter Mann und eine alte Frau, deren I 
r, um ihn zu wecken* an dem Kreuz, das er um den Hals hat, 
lind er wird so in ein Pferd von Gold und Silber verwandelt. 
ii Abend wird das Pferd auf Befehl des Tzaren getödtet und 
(gleich dem Stier uud der Kuh ) ein Apfelbaum mit goldenen 
silbernen Früchten. Der Apfelbaum wird abgehauen und 
vird Ute. Die goldene Ente ist identisch mit dem 



nen Pferde oder mit dein wiederu weckten Helden, 
MniLrensonne. Der Sack und das Pferd, welche de Micke 

meneO Helden tragen, stellen 'lie Reifte der Sonne in dein 
Dunkel der Nacht dar oder die Reise des grauen Pfmlcs. dee un- 
vollkommenen Pferdes, des Bastard IM oder des Esels. 

In den russischen Mähreheii wird ferner zwischen dem grauen 
nnd dem schwarzen Pferde ein Unterschied gemacht ; das gTaue 
Pferd leistet dem Helden in der Nacht sehr wirksame Hilfe, dai 
schwarze dagegen ist der Künder des Todes. Als im nennten 
Erlenw einsehen Mährcheu Iwans, des Kaufmann 
Pferd auf die Suche nach den Pferden der Prinzessin von jew 
des Meeres geht, erwartet es Iwan am Gestade. Wenn er graue 
Pferde hervorkommen sehe, so solle dies das Zeichen sein, daN 
sein eigenes Ross lebt; erscheinen dagegen Beb* 
Mil er seliliessen, dass sein eigenes todt ist Gran ist di 
der Trauen Schwarz die des Todei 

Bei Afanassieff finden wir neue interessant** Data. Iwan 
der Dumme lauert wahrend der Nacht dem Pferde auf, das seines 
Vaters Erntefelder verwüstet und es gelingt ihm, dasselbe mit 
Ruthen von einem Lindenbauui zu binden, nachdem es Tabak ge- 
rochen. Darauf erwirbt es roter Beistand der Schweiftet 
Helden Nikanore die Fähigkeit, die Schwänze von Kühen und 
Pferden, wenn es hinter ihnen herrennt. in Gold, wie ihre Hörner 
Oder Mähnen und ihre Flanken in Sterne zu verwandeln. Kanu 
es ein besseres Bild als dies von dem nächtlichen Sternenhimmel 
geben, dessen goldener Schwanz der rothe Abend und dessen, 
ebenfalls goldene, Vordertheile die Morgen-Aurora sindV ' 

In einem andern Mahrchen ■ haben wir Iwan deu Sohn der 
Hündin an Stelle Iwans des Sohnes der Stute, jedoch in der» 
Rolle. Iwan der Hündin wird, nachdem er die drei Priuzessi 
aus dem tiefen Brunnen befreit hat, selbst hineingeworfen. H:is 
schwarze Pferd kommt i hu zu befreien, vermag es aber nicht; 
das graue Pferd kommt, vermag es aber ebensowenig; das rothe 
Pferd kommt und ihm gelingt es, den Helden herauszuziehen Dflfl 
frane Pferd stellt die schwarze Nacht, das graue die sich all 
mählich erhellende Nacht, das rothe den rosigen Morgen dar, 
welcher den Sounenbeldcn, die Sonue befreit. 

Der dritte Bruder besteigt ein wunderbares Pferd und ge- 



1 Afan, V, 37. 
1 Alan. V, 54. 



EU dem bronzenen Schloss, dann zu dem silbernen, 

i zu dem goldenen, l Es ist «lies eine Abart desselben 

ig und stellt in ähnlicher Weise die Snnuenfabrt vom Abend 

gen dar Die nächste mythische Sage spielt jedoch wahr- 

vielmehr auf die drei Tage der Wintersonnenwende au, 

e die Sonne zur Rückkehr nimmt. Der Held, Theodor, findet ein 

geworfenes Pferd, das die Wolfe ihm zugetrieben haben; er 

es drei Dämmerungen lang im Thau weiden i gleich dem nn- 

scheu Tu tos der sich von goldenem Hafer auf einem Silber 

felde nüliri, d. b. der während der Silbernacbt oder auch wahrend 

iler weissen Dämmerung oder des schneeigen Winters die tbauigen 

Keuchtigkeiten des Frühlings oder der Morgen- Aurora einsaugt), 

ersten Tag wird das junge Pferd so hoch wie eiu halber 

:en zweiten hoher als eiu Baum, den dritten Tag ist 66 

so hoch wie der Himmel und trägt den Helden Theodor und 

Weib Anastasia auf seinem Rucken, 

Iwan Durak wacht drei Nächte am Grabe seines Vaters, - 
Vater verkündet ihm, wenn ei in einer Zeit der Noth mit 
n ileldennfifif ein Zeichen geben werde, so werde ein wunder- 
bares graues Pferd erscheinen, ihm zu helfen, dessen Augen Flammen 
Hprtiben und dessen Nüstern Damp!' schnauben. Iwan tliut es und das 
B8 erseheint ; er geht zu seinem rechten Ohr hinein und kommt zum 
linken wieder heraus. Vermittelst dieses Pferdes gelingt es Iwan, 
drei Mal das hoch oben an den Mauern des Palastes autgehängte 
Bild der Tochter des Tzareu herabzuholen und er erhält so die 
schöne Prinzessin zur Gemahlin. 

KNach einer andern Variation dieses Mährchens -* geht Iwan, 
ler dritte und närrische Bruder, mit dem wertlosesten Gaul aus 
Stalle unter freien Himmel und ruft das graue Pferd mit 
autem Schrei herbei, er geht zu einem Ohr in dasselbe hinein 
und kommt zum andern wieder heraus. Zwei junge Reiter (die 
Arvina) erscheinen ihm und lassen eiu Pferd mit goldener Mähne 
und Schwanz erstehen; auf diesem Pferde gelingt es Iwan, die 
ter des Tzarcn durch zwölf Spiegel (de© Eisberg des ehst- 
chen Mäbrcbens» hindurch zu küssen, welche damit seine Ge- 
mahlin wird. Hier linden wir also das hässliehe Pferd, das von 
eu Heitern schön gemacht wird, welche durch die beiden 



U 6. 

• jb. 0, lTj. — v*l in, &. iv 

run. fl t 28. 



230 

Ohres «Ick grauen Pferdes, aus denen sie kommen j dargec 
werden. Diese heilten Reiter geben dem Helden ein bessere« 
Wohl verstanden: ihr eigen Schlachtrufs (d.h. das Sonncn- 
wnrde aus einem hüsslichen «»der eaelartigen während der 
Nacht ein schönes und edles, so müssen wir auch indem KttlL 
der Dioskuren wahrscheinlich einen Renner erkennen, der. 
eineni Esel in ein Ileldenross verwandelt ist. 

I Visweilen haben wir jedueh statt dee Pferdes nur seinen SLopC 

Stiefmutter verfolgt des alten Mannes Tochter; fc die Verfolgte 
findet den Kopf einer Stute, welcher sie ersucht, ihn zu bedecken; 
scliln Ldt er lie ein, zum rechten Ohr hineinzukriechen und 

zum linken wieder herauszukommen Als sie das gHlmiu ist sie 
ein aussei ordentlich schönes Madekii, Die Stiefmutter sendet die 

no Tochter, um dasselbe Yersrhonerungsniittel zu probireu; 
doch diese behandelt den Kopf der Stute schlecht und wird von 
iiim verschlungen. 

Bine ganz besonders deutliche Anspielung* auf die Aeuns liegt 
in der 4L Erzählung des fünften Buches bei Afanassi 
welche mir eine vnllgiltige Bestätigung der gegebenen Deutungen 
zu sein scheint, Als Basilika, das von der Stiefmutter veil- 
liidehen, sieh dem Hause der alten llcxe (htta-jegfl nähert, sieht 
sie einen schwarzen Reiter auf das Thor desselben loesproi 
ganz schwarz gekleidet , auf einem Rappen , der unter die Erde 
verschwindet, worauf die Nacht hereinbricht 1 Als der Tag zu 
erscheinen beginnt, sieht Basilika einen weissen Reiter vor 
gOJtt weise gekleidet» aul einem Schimmel mit weisser Schabracke. 
Mm Jungfrau geht weiter; als die Sonne aufzugehen anfängt, sieht 



• Hl IV, ll — Ju «lern 91. Brie Dwei Radien Mafareheu «Hangt der 
.iiiiic Bruder Keichthuiri vermittelet dt* Kopf Mute, während da- 

hkIic Bruder unn wird Bei At I kriechl dci X 

knubr. der grosse Kraft beeitst, in du Oh d Pferde 

fen, worauf sie gans von allein ihre Arbeit verrichten, und der alte Vater 
Job zur Ruhe setzen kann. — In dem sechsten kalmiik: 
Mahroben bringt der Kopf d< a Pferdes, vom Bau» 

ilnnn und Glück denjenigen, weleber ihn fallen läwit und der einen 
ii Becher darunter finde! die* isl eine Erscheinung 

dem Pferdekopf kommt, trie wir weiter un tea finden wei 
i russische Texl scheint mir &u wichtig füi di« 
tlythen als dasa er hier nicht eil Ute: „ 1 edict *j 

nil' ttom kanie, pad*kukrfl k 

kak äkvv.bz ssemlin pravalilsia; naatahi no4 M 



einen rotheu Reiter, ganz rotb gekleidet, auf einem Fuels. 1 

ller Mythus bedarf keines Commentary; doch wird uns derselbe 

obendrein in dem Mälireheu selbst vun der Hexe gegeben, 

utu die Neugierde Basilicas zu befriedigen, ihr enthüllt» 

der schwarze Reiter die dunkle Nacht tnoe tiümuaja), der 

weisse Reiter den bellen Tag (dien jasmin und der rothe R< 

die kleine rothe Sonne (siolnishko krasuojci darstellt 

\<iti der slavischeu BOT asiatischen Sagte -zurückkehrend treffen 
wir dieselben Mythen 

Beginnen wir mit dein dämonischen Pferde oder dem Pferde 
ilanmiL Schon der Rigveda kennt ihn; das Ungehemr Yätu- 
tihaua nährt sich bald von MenseheuÖeisch (gleich dem Bucephalus 
Ah-xandcraage), bald von Plerdeiteisch und bald von Kuhmilrh. 
Wie wir sagten, es ist wahrscheinlich, dass der Brauch, eine bun 
uende Lampe in den St&Hen zu halten, eine Art Bann gegen den 
Däoiou i^t t der Uigveda erzählt auch wirklich, das« Agni ( d. 
b. Üauimeudes Feuer) solchen Ungeheuern die Köpfe abschlug. ' 
h noch mehr: Der Uigveda liefert uns in demselben Hymnus 
Beweis für eine andere ldentificirung. Wir sahen im von 
Kapitel, wie Rebha, der Rufer, der dritte Bruder ist, den seine 
neidischen nnd treulosen Brüder in den Brunnen warfen; und 
wir sahen oben, wie Iwan, welcher ebenfalls der dritte Bruder rat; 
mit helltönender stimme das graue Ross anruft, das ihm helfen 
ull und wie derselbe Iwan der einzige ist, welcher das Pferde 
< heuer entdeckt, das die Saat oder die Ernte seines Vaters 
In demselben vedisclieu Hymnus, wo Agnis Flamme 
dem Ungeheuer, das die Pferde quält, die Köpfe abschlägt, wird 
Agni (d. h. Feuer) angerufen, damit der Held Rebha das Unge- 
heuer sehen kann, das mit seinen Hufen Verwüstung anrichtet. 



• Idiot and i dra^zit Vdrug *kacVt iniino lejrf vtmdnik sum bieloi, 
«divt v bielotn, k*»u pod nim bieloi, i sbruja na kwnie bidlaja; na dvarn ; 
atalo MMvtctiit. Idiot ana dahin* T kak skadet drugoi vsudnik; öam krae- 
' v kraauom i na kratmom kam**; btuto vshödit solntze. 
1 V ih paurusheyena kraviehi »amankte yu aovyaiui pa^mdk y;iiudliauah 
in kshirain ague tea hit in girehtoi baruaapi vftyd 
Vgl. den Drachen, der die Pferde quälbt, im Tuti-Num 
n II. |i 9 

rne eukahuh prati dhehi rebhe ^apharugain yeua pac^yasi yX\i\- 
ßigv X, s7, 12, — Der von Vishnu getödtetti DlfnoQ Hay« 
Pferdehals) und Jlayaeiras (d. h. Pferdvkopf)t Utta< oin ;i " 

y IV, 43. 44, geben immer auf den vediseheu 



Etftbbi und BhugjFU sind zwei Namen (leg Helden, welcher in den 
Brumien füllt, im Kigveda. Wir gaben vorhin in dem rmtflobe 

Miihrehen, Jan» Iwan, der dritte Bruder, welcher iu den Brunne 
rorfea wird, von dem rot hen Pferde betreit wird, Die A^viu 
befreien im ltigveda Bhugyu ans dem See vermitte 
gelter Rosse* ' Hier ist da^ graue und unvollkommene Pferd der 

i ein rothes geworden. In demselben vedischeo Hyimius wird 
Rebha, der von deu Wassern tiberwältigte, mit »einem eigenen 
Pferde tdeutüicirt (Iwan ist der Sohn der Hündin oder der Kuli 
odtr der Stute), indem er mit einem von Bösen versterktein ffi 
verglichen wird. ■ 

Wir nahen oben in dem ruaaiachen Mührchen wie die bei 

r, welche aus dem Ohr des grauen Pferdes heniuskommen, 
dem närriachen Iwan, der ein häusliches und werthlowe« Pferd 

einen prächtigen Zelter geben, mit welchem dieser all die 



a^va-ytifudbaoa zurück. Wir bind schon mit dem Dämuo bekannt, weich 
während dej Nacht die Pferde schwitzen und dürr werden Ufert- d h 

MSimlkm macht. In der römischen Sage wmdcu Custui und Polin 
nachdem an den Rfaern in der Schlucht hui Uten« Etegiltoj bnifinftiirt 
im Hmbroaischm lacus Juturuae gesehen (Ovid, Fasti, I), wo sie ih 
Pfe'den den Schw« i<s mit dem Wasser dieses Sees abwuschen, weichet 
in der Nähe des Tempels der Vesta befand. Darauf ip -tulay au 

m deu Veracu: 

\nd washed their honen in the well 
That spring« by Vesta's fatie." 

- Battle of the Lake Kegilluö, 6 ( X 
\ht* llcilwasaer der Dioskureu uder Söhne des Glänzenden, würde hier die 
Stulle dea hei Nacht in den Slid ten angezündeten Feuers einnehmen, 
iiueh des vedischen Agni, dci das Pfcrduiigeheuer tödtet. Mein Freund 
Giuseppe Pitre schreibt mir» dass man in Sicilieu auf den Rücken ghi 
Maulesels oder Pferde«, wenn es in einen neuen Stall gehen so! 
Salz streut (eine Form der ehrtet liehen Tauf»;}, damit die Feeu es uich< 
labia mecnen könneu. — Der Kfillnroe, das Hcldeupferd der Dioskureu» 

ieDeienl mit dem Wurte se Jl Mfr Lihin und krumm, verwandt; bevor das 
Bounennferd ein Heide uro»» wird, ist es bucklig, lahm, mager und häav 
der lahuic Held, dab lahme Pferd tEacl oder Maulesel), der lahme Teuft 

inen mir drei pen umbrae des Sonnenhelden oder der Sonne i 
Dunkelheit tu sein. 

1 Vibhir uhathui rigrebhir avväih; RigV. 1, 117. 14 - VgL VJl 

na gulhuiu aevJQl dorerair riihim na 
v, l, tl7 ( 1 — Die Actis« iber da« Meer auf 

Jndii, dieser Wagen soll die Sonne aar Decke 
- milium BUT) 'ligv. E, 47, 9. 



m ein Recht ant die Band 
Icilicu, B* ist merkwürdig, wie f*enau der 

stimmt. „Die 
then ilcni + der ein schlechten Pferd hatte, zu seinem ew 
; berrliehetft , glänzendes gegeben! 14 in einem andern 
lynji (ott A^ui Reinem Verehrer einen fromm 

iei und gebt ruhmreichen Sohn, welcher B 

Ich besiegt, and ein schnelles, siegreiche* und anbeswingba 

Wir sahen ferner, wie Iwan, der populärste Typus de* rus- 

n Beiden, immer drei Versuche zu machen* bat, bevor er sein 

dem wanderbaren Roeee, das et von den beiden 

ern erhalt vollbringt. Der Rigvecta, welcher die be- 

mtew mj Sehritte Vishnus. der einen gra 

hat (bribac des weitschreitenden < urnkrama) l 

-Imus, der mit drei Sehritten den ganzen Hiniruelsranm 

ItUtthmiast, fi verräth in einem andern Hymnus das Geleimniss, 

ic Vishnu dieses göttliche Unternehmen vollbriugen konnte, in- 

er tagt, dasK e er mit der Stärke Indras diese drei 

itte machte, von den beiden schönbaarigen Pferden lud ras 

. wurde' d. h, das8 die beiden A^vins ihm das schnelle und 

* a rke Rosa liehen, welches ihn zum Siege tragen sollte). Die 

entsprechen also den drei Stationen Iwanw, 

Wettiiiufon des jungen Helden, um die schöne Prinzes 

gewinnen. Vishnu erscheint auch im Kümäyana 7 inmitten 



Vai: dadathuh cvotaui avvam aghä^vilya vav v "d il »Vastij 

Lamaln tuvibrahmanaui at t am am aturtnib 
***** patrain ü »atpatiiö i&a&ha yo yudlui 

: i.rhu-hyadamgi'täram uparagitani ; Kigv, V , 

I 
*, 4, 
* Yiihiior iju kam viryaiii pra vocam yah pärlliiv.ini vimani 
•nkaMjav- tdb&afham vn-aki ;im;»na* fudhorvigiiyah; I 

ikiam li ii tu haryatä hari va- 
•^»tih v vn] ich bus I 

los Bcrifryschcn Glotiai 
• nch tl.in Petersburger Wörterbuch würde ni ül »ersetzen 
Del Lc»ci kann äßwiachci 
, das W Mythus wird dadurch nicht hcriilut 






a von flüssiger JJuttcr, alle v anziehend, io 

kopfes« Der Held pnd das Sonnen- cm! dross 

sind identisch 

ludra wird aufgefordert sein rechtes und sein linkes (Pferd J 

mtnenxusehirreu, sieh berauscht seinem lieben Weibe 
nabn. l Vermittelst des vod den beiden Reitern empfangenen 
Pferdei erlangt der russische lwau sein Weib; im edl 

wurden die beiden Ac, v ins selbst durch ihren reisseud schnellen 
W.i-h) Betten der Tochter der Sonne.* Die Pferde der Sonne 
werden 80 vollständig mit dem von ihnen gezogeneu Wagen iden- 
tificirt, dass sie von ihui abhängig, mit ihm vereint, ja sogar 
ihm geboren genannt werden. 3 Die Aerius lassen deshalb ver- 
mittelst des Pferde« das Weib bald von dein Smueubcbi 
alten Cyävana, der wieder jung gemacht ist (Tithon), * bald 
der Bonne gefunden werden, bald finden sie sie selbst tvielb 
den Wigeo gleich Pferden ziehend). Auch Kama, der im 
nft] «Is Befreier Sitäs dargestellt wird, wird mit dem 

Soiiuenrosse, mit der auf dem Berge geborenen Sonne verglichen. 

Wir haben in den russischen Mährchen gesehu, wie der Kopf 
dieselbe Zauberkraft besitzt als das wunderbare 
Pferd selbst, das die beiden Heiter dem Helden Iwan geben. 
stellt in dem vedischeu Mythus und in der entsprechenden b 
manischen Tradition der Pferdekopf Dadbyaiic in direkter Be- 
10 dem Mythus von den Aerius. Der weise Dadh 

i sich ergeben gegen die Aevms, denen er, obwohl er \\ 
dass er die Enthüllung, die er macht, mit seinem Kopfe bezahlen 
muss, inmheilt, was er über die Ambrosia oder die Madhuvidyi 
weiss. Die Agvins schenken ihm für den verwirkten einen Pf< 
köpf (seineu eigenen), welcher Heldenwnuder verrichtet. Mit den 
Knochen des Dadbyaiic oder mit dem Kopf des Pferdes Dadhyane 
(<L h. der in Butter oder Ambrosia geht , welcher in dem ambro 

eu See <>ryanävat aufgefischt ist (der Kopf des Pferdes 



1 YuktOl Bti natu daksbina Uta aavyah catukratu tetta gäyatD up* 
priyüw maudauo ydhy tadilMO yoga; Higv J t BS, 

1 Tad M abu v. ovaui yt/ua pati bhavathah suryAyah*, 

; 6. Im folgenden II v atrophe I, wir.! rom 

it;thl TeehttM etat ftoom bald Kuh genannt; Tum vam r 

int sasngntiih goh — Tab buryfim v 
pty dj lc i _ v l, 
i Ki n L 116, 



Butter), ' zerstört Indni die neuuundneuu- 
leindliehen Ungeheuer (wie Simeon «lie Philister mil Her 
lekinolado). - Dieser Tausch scheint den Sagen, welche auf 
dem Mythus von den Ae;vins beruhen, geweiusam zu sein, d. Fl 
den Sagen von den beiden HcklenlirUdeni uder Heldengefahrten, 
Im I " in i - Name '■' werden die Köpfe des Fürst eu und des Brah 
rnanen, die einander aussei ordentlich ähnlich Bind, abgeschnitten 
und dann wieder angesetzt; doch kommt durch ein Verseilen der 
Kopf des einen auf den Körper des andern, su dass die Frau des 
Prinzen in Verlegenheit geriith, mit welchem von beiden sie zu 
than hat. Diese Vertansehung des Gatten i welche der Ver- 
tauBclnmg des Weibes in der im ersten Kapitel erwähnten Bert* 
bt) ist in der Sage von den beiden Brüdern sehr 
häufig und endet oft mit dem Bruch des zwischen ihnen herr- 
ndcD vollkommenen Einverständnisses. Die beiden Brüder 
ate GeselJen, die sich um die Frau streiten, sind eine Abart der 
Sagt vod den drei Brüdern, die nach Befreiung der schönen 
Prinzessin dieselbe unter sich thcileu wollen. 

Der R ig ve da scheint noch nicht deutlich die beiden Aevms 
in Kneiuigkeit darzustellen — sie sind gewöhnlich bei guten 
Handlungen vereint; da Wir jedoch den Blinden und den Lahmen 
der Vcden, welche durch die Gnade Indras oder der Aivm> selbst 
geheilt werden, schon kennen; da wir wissen, dass die Aevins 
ich von Dadhyaiic, der einen Pferdekopf hat, zu 
lubraia führen oder sich zeigen lassen, wo dieselbe ist, 
rscheinlich um sieh selbst Gesundheit und Stärke zu Ver- 
den; da in der neunten Strophe des llTten Hymnus des 
n Buches des Rigveda das wunderbare Pferd der Aqvius, 
welches das Schlangcnungeheticr tödtet (ahihan), nur eins ist ; 
da wir wissen, dass die Aerius rennen, um die Braut tlir sich 



' Der See Brühmant>. den Jlauumaut tin K u may VI, 5ct besucht, hal 
Gestalt einer Pferdesebuuuze (hayäuana)* 

u stabhir vritrftny apratishkutah £agh&na uavatii t 
r, l, 84, 13 H. I, 117, 4 ^J; vgl, den entsprechenden Commeutar Suya- 
Die Knochen des iJeldenpferdea besitzen gleiche Kraft wie das 
Pferd sei bat ■ so bähen wir im vorigen Kapitel, wie d«t geopferte 

rneuter Kraft wieder ersteht, ata seine Knochen aufbe- 
wahrt weiden. — Vgl. über diesen Gegenstand die interessante» und reich 
j! besonderer Beziehung auf den europtUttihfefl N - 
ben bei Eochhols, Deutscher Glaube uud Brauch, [, 21&-4I59 
1 U *J4 «p i 






innen, and da wir den Umstand 
dass \u dem Mährehen von dem Lahmen und dem Blinden di 
gelb ein Weih auf deu Schauplatz der Handlung trit 

kuder Leids anzuthun suchen; da wir ferner wissen, 
den beiden griechischen Brüdern, den Hioskurcn, nur einem 

bd son den Göttern tlie Onsterblicbkeil verliehen wurde; 
es uns endlich bekannt i^t, das* von deu beiden Brüdern nor de 
der wahre Held ist, welcher vermittelst sei 
über das Ungeheuer davon so ist es klar, das« wen 

Stich im Kigveda poeh nicht deu Mythus von den beide 
Brüdern in Zwietracht linden, wir «loch wenigstens in der Ai 
brosia und in der von ihnen gewonnenen Braut den Keim de 
angegebenen Mythus haben ; denn aus der Vorstellung von dem 
bevorrechteten Bruder tnnsste sich «ehr natürlich die des neidi 
seben herausbilden. 

In Hesiods Theo go nie haben wir die beiden Brüder Chi 
titOf und PegagOS, welche der von Poseidon gescRwäugertcn Mi 
dusa (der Abend-Aurora) entspringen , nachdem Perseus ihr de 
Kopf abgehauen hat. Pegasos, der jüngere Bruder, wird da» 
Betdenross. Bei Besiod selbst und in deu Metamorphosen 
Ovtds trägt er den Donner und die Donnerkeile des Zeus. Der 
Held Bellerophontes reitet ihn und besiegt mit seiner Hilfe die 
Chimäre und die Amazonen; er wird das Pferd der Aurora, 
Pferd der Musen, das ambrosische Boss Das Ungeheuer Clnniäxa 

eint in Hesiods Tbeogonieals die Tochter Typhao 
der Echidna , der ungeheuerlichen Tochter Chrysaors. Deshl 
haben wir in dem Con liier , in welchem Bellerophontes mit de 

imüre liegt, eine Form des Kampfes, welcher zwischen de 
Zwillingspferden Pegasos und Ghiysäor, dem göttlichen und de 
dämonischen, geführt wird, 

In dem analogen Mythus von den griechischen Dioskaren 
den Söhnen des Glänzenden d. b. des Zeus, ganz wie dir 
disebeu Aevins die Bohne des glänzenden Himmels sind; * Zen 
wird mit den Dioskuren, wie Indra mit den Aevins in Verbindnng 
gebracht) finden wir wieder die Zwillinge, welche kämpfen, um 
♦ in Weib wiederzugewinnen, das ihnen entführt worden ist, d. 
ihre eigene Schwester Helena. Einer von den beiden Brüdern b 
sterblich, der andere unsterblich; der letztere mit seinem 
liehen Bruder in der Hölle geht durch die Nacht. Die Dopf 



Divo nttpütii; Rigv. 1, 182, 1 



as* 



ilt der Sonne, die am Abend sich in die Nacht versenkt timl 

br verliert, welche letztere bald schwarz, bald vom Mond* 

belli i^t. and die am Morgen in glänzender Gefit&U h'Tvorkummt, 

bat den Mythus von den beiden Brüdern bereichert. Der eine 

clben, der rotbe Reiter, steht in besonderer Beziehung zu der 

Mmgensonnc; der andere hängt innig mit dein Silbennondc, dem 

Reiter, zusammen, und wenn der letztere fehlt, mit der 

unterirdischen Dunkelheit. 

Die beiden Brüder können ohne Schwierigkeit aufgefasst 

<len als um den Besitz der Braut streitend, wenn sie dieselbe 

hen sich haben, da die Aerius, als Moudlicht und Sonne 

befrachtet wirklich die Aurora zwischen sieh nehmen. Der oben 

* «geführte vedische Hymnus zeigt uns, wie beide Ay,vins, aul 

lotu schnell rennenden Wagen anlangend, die Gatten Süryas. der 

^ochter der Soune, wurden, Doch gerade diese Süryä muss sich 

ia dem vedisebeu Hoehzeitsbyinuus mit einem Gatten begnügen, 

welolier Soma heisst, so dass die Acvius nur den Platz von Braut- 

ltiljt*ern einnehmen können. Die Aevins würden also von der 

*|'***lizeit der Surya als Hauptpersonen ausgeschlossen erscheinen, 

M | e vviirden nichts weiter als Beisteher sein; und wirklich spielen 

«Luch in den vedischen Hymnen oft diese Rolle, indem sie bald 

ler -Kraut den Gatten zu finden verhellen, bald den Gatten sein 

*-"*■* wiedergewinnen lassen. Wir wissen bereits» dass durch 

Verraittelung Cyavami, die alte Sonne (ein vediseber Tithonus), 

wurde und im Stande war, die Aurora zu heiratheu; 

rvt wissen, dass sie dem Vandana (eigentlich: Gesicht) die Seh 

r Äf x gaben, dass sie deu Blinden sehend, 1 den Lahmen gehend 

acuten um i n0CD manche andere Werke der Barmherzigkeit 

^"^ichteten, welche jedoch viel rahmvoller gewesen wären, wenn 

' * J ' landluugeu nicht in Wirklichkeit immer auf eine 

°hlthat gegen sie selbst als Blinde* Lahme oder Ertrunkene 

Ten Ls ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass w f enn sie 

" ,u Helden eine Braut geben, sie sieh dieselbe bald als Moud- 

ll *l als Sonnenhelden seihet aneignen. Wenn wir also lesen, 

* die als Brautführer bei der Hochzeit der Sürya und 



dea 



< n sind, so sind wir sehr geneigt zu denken, das> 



1 Qieaein Falle hinter dem Soma einer der beiden Acvins steckt 



in upaetbe «mryarii na dasrä tarn hu i ksluyun 
uiihe rukmaiii na dar^ttam nikbütaiu uü üpathur nyvina vnndwtüya ; 






in !n«Ar» iq4 






jv. 






im Sir tcda oft ziwaumien bean 
eben nor 

ni mir am ko jErUtub- 
de» in einem m 

. dessen Röcken mit II 
and schnell ist, ' und 
Ngerafe» werde u, «leu der i 
iptMgUadÜfcb entdeckt and fortjagt.' 

ill aas die Tochter <k 
t.t dar als verliebt in 8 

fc. Treci last ajfl 

ia ßlr ihn ^ 

gebt dieser En uea 

?»>£ der Aurora ron ihrem 
Hater 
m m besonderer Beziehung zu d 

riutaua* mi: 
attl die Aurora* weiche am U>. 
mm ibaW äre« Vater, bald ii 
i weitj&rn Rt 

oder dem öübergott Lmius iu die 
mülf sebew YVtska in N i r uk t% 4 
m Tage und der Nacht, v bald i 
katiitktrt »crdco. 
» die A<;vin* die Tochter 
t» data* fteide xu Gatten 
mm sah* raitehvn und 






ma «it Ko ir 
m* mfWgct «at laira. - 
* XI ahri f«a 

la finden wir 
n nahm Nalt un. 
K urteil 



Son . 






m ihnen ferfl der 

Hoehzeitahymnu« von nur ein ten Söryte, 

uta, spricht, mil welchem, wie bemerkt, ^ üska einen der 
dentiticirt. Wir lesen bei Pausanias unter griechischen 
o, dass die Braut, wenn sie in das Haus des Bräuti- 

de, einen Wagen zii besteigen und sich in die Mitte 

■Iben zu setzen pflegte, den Bräutigam auf «1er einen, ihren 

(-wandten auf der andern Seite als Brautführer. Die 

jung des einen der beiden Brüder vor dem andern weckt 

irlich die Idee eines Streites zwischen ihnen; nichtsd* 

wie gesagt, der Kigveda, der uns doch Bchon 
Mythus von dem v«»u seinen Verwandten in dem Brunnen 
dritten Bruder bietet nichts von einem offenen Kampfe 
ii den beiden Brüdern 

offenbar indische Variation dieses Mythus liegt in de? 
Ibekanntcn Episode des Mabäbhärata vor, welche die 
Abel tndas und Upasundas erzählt, zweier unzertrennlicher 

ler, die in Liebe und Eintracht mit einander lebten, indem 
jeder dem Willen des andern unterordnete und die ihr 
n lang sich gegenseitig nichts misslieb 
Die Gfttter werden neidisch auf ihre Vortreiflichkeit, wtiu- 
prtifen und schicken eine Nymphe von bezaubernder 
ie zu verführen. Jeder der beiden Brüder verlaugt 
iiirem Anblick den ausschliesslichen Besitz der göttlichen Jung- 
frau und sie kämpfen um dieselbe. Sie streiten go lange uud so 
verzweifelt, dasa sie beide sterben. Die Gutter, welche auf die 
i liebkeit der beiden Brüder Sunda und Upasnnda neidisch 
d dieselben wie die, welche aus Neid auf das Gute, das 
his Jedermann thun, sie als himmlische (Judras behandeln 
unter dem Verwände, dass sie sich durch ihre Berührung mit 
Menschen verunreinigen, und sich weigern, sie als unrein zu den 
rn snsulsssei 

In den Zwilliugsbrltdern Nakata und Sahadeva, den Söhnen 
vius selbst wieder auf, werden h< 
dem Ausdruck des ersten Boches des Mahäbbä- 
ne, Nakola, ist vielleicht der wirkliche A- 
.»diet. Xaknla ist der Name, welcher dem 



thelites Cjavfti 

und i ii M.i h.l..i 

i | [ 



240 

viverra n|] no tu» igeben wurde dem roi der 

Schlangen, welcher uns aal 'las Pferd \hihan (Schlangentftdter) 

zurückführt , wir (Ins Pferd 4er Aevitis, oder vielleicht vielmehr 
eines der Acvins, im Kigveda genannt wird. Von den be 
DtaeeUIttfl ist ferner auch nur einer speeiell der Reiter; der 
andere ist der Tapfere im Kampf* l Der sterbliche Bruder, der 
Wefefaer in der Hölle in bleiben und gegen die Ungeheuer der 
Naelit KU kämpfen hat. ist Castor der Reiter Pollux dag* 
der starkarmige, ist der unsterbliche, die Tagessonne, der welcher 
den von seinem Bruder in der Naelit erfochten' sich an 

Nutze macht, bei welchem nächtlichen Kampfe die Gandharvas 
(dit Pferde, weiche in den Wnhlgcruchen wandeln | auch auf 
KriegerosBen reiten, heldischen, unverwundbaren, göttlichen, ausser- 
entlich schnellen, welche nach Belieben die Farbe andern — 
die Gandharvas. deren Starke während der Nacht wuchst, wie 
einer von ihnen lui Mahäbliarata den Arminia belehrt, als er 
ihm Gandharvisehe Wissenschaft mittheilt, - 

Im Ramuyana werden die beiden Brüder Kama und hak 
ibma^ii mit den Arvms verglichen * der Sonne und dem Monde, 
als einander ähnlieh, und ihre gegenseitige Liebe erinnert uns au 
die der Aerius. " Kama und Laksbmana leben immer in Frieden 
mit einander; hier ist jedoch eine Stelle, die als Verbindn 
glied /wischen dem Mythus von den beiden freundliehen und dein 
m dm beiden feindlichen Brüdern dienen könnte: als Kanu« 
allein im Walde tausende von Ungeheuern bekämpft bleibt Lak- 
slimana mit Sita in einer Höhle verborgen. 

Doch zeigt uns das Rämäyana selbst die beiden Brüder 
in nlleneni Kample in der »Sage von den beiden Brüdern Bäliu 
und Sagriva, den Kindern der Sonne, schön w f ie die beiden Arviris. 
ho vollständig einander gleich, dass es unmöglich ist, sie von 
einander zu unterscheiden und dass Kama, als er dem Sugrlva zu 
Gefallen den Bäliu tödten will, nicht weiss, welchen er schlagen 
voll, bis Sugriva sich einen Kranz aufs Haupt setzt, als Zeichen 
der Wicdererkenuung, * Einst waren Bahn und Sugriva ü 



1 M'& v I» *♦ Ü wünschen auch die Anrufer Indras 
ugffacucr Mttfiiitihatytty& und Arvat.i mil der kraust und zu Pfold 
kämpfen. 

J Mbh I, »>4H4- 6304 
i Kam ay I, W II, 7 
• IV, VI 



m 

eunde, doch um eines Weibes willen wurden sie Todfeinde, 
klagt, Bälin, sein älterer Bruder, habe ihn «eines Weibes 
Kama beraubt; 1 doch ist es nicht gewiss, ob nicht vielmehr Sa- 
ft Bälin* Weib gestohlen. Bälin scheint speciell die Abendsonne 
darzustellen; das Rämäyana 8 sagt von ihm t während die Sonne 
nicht am Bimmel stehe (d. b, in der Nacht), gehe er ohne zu er- 
mudeu vnn dem westlichen nach dem östlichen Ocean ; damit wird 
die vermuthete Fahrt der Sonne in dem Ocean der Nacht, in der 
Hohle oder der Dunkelheit geschildert. Als Bälin in der Höhte 
wird er von seinem Bruder Sugriva verrathen. Als die beiden 
Brüder, Baiin und Sugriva, noch gute Freunde sind, ziehen sie zu- 
sammen aus, dem Ungeheuer Mayavin nachzujagen (dem Bruder 
Daodubhis, welcher im Rämäyana* selbst» in der Gestalt eines 
dämonischen Büffels gegen Bälin nahe dem Eingang der Höhte 
kämpft). Der Mond gebt auf, um ihnen den Weg zu zeigen. 
Da» Ungeheuer entkommt in die Höfale, in welche Bai in ihm nach- 
eilend eindringt, während Sugriva draussen bleibt und seine Rück- 
n artet. Nach geraumer Zeit sieht Sugriva Blut aus der 
ie Messen (in analogen Sagen ist es statt Blut ein Schatz; 
F auch eine Prinzessin oder schöne Jungfrau tritt heraus in 
glänzenden Gewändern), Das ist das Blut des von Bälin ge* 
vten Ungeheuere; doch Sugriva hält es für das seines 
Bruders Bälin. Er kehrt heim, erklärt, indem er öffentlich seinen 
Kummer zeigt, das» Bälin todt ist und lässt sich au seiner Statt 
die Königskrone aufsetzen (vielleicht auch mit der Krone das 
Weib eines Bruders geniessend). Mittlerweile versucht Baiin, 
nachdem er das Ungeheuer Mäyävin gettfdtet, aus der Höhle zu 
kommen, findet jedoch den Zugang verschlossen. Als den Urheber 
dieser abscheulichen Handlung vermnthet er seinen Bruder Sugriva; 
nach gewaltigen Anstrengungen gelingt es ihm, eine OeÖnung zu 
finden; er kommt heraus, kehrt heim in den Palast und vertreibt 
rfva daran», den er auch später immer verfolgt. ■ Sogar Afigada, 
08 Sohn, beschuldigt eines Tages Sugriva, gegen den er aufge- 
bracht iat, einil Keinen Bruder Bälin in der Holde eingeschlossen 
zu haben, um sich in den Besitz seines Weibes zu setzen. 

Im Areata scheint mir der Name und der Mythus von KerecTigpa 



I IV, 7. 17. 
■ 1\ 

• IV 

• Itamilj-. H 



L6 



vod besonderem Interesse zw sein. Dem Zeudwort kereragpa 
icht sanskritisches krigä^ya (der Name eines krieger 
hi und Helden), d. h. der mit dem magern Pferde. Der Ue 
Kererarpa hat im Avesta einen Bruder Namens Urväksha 
Wort, das vielleicht gleich urväepa ist; das zugegeben, wiiide 
urvaksha den mit dem fetten oder grossen Pferde bedeuten. 1 .) 

Wir bemerkten schon, dass der vedisehe wie der slaviscl 
II cid sein Glück mit einem hässlichen und schlechten Pferde 
ginnt; so ist auch der Held Kere^ufpa von den beiden Brüde 

Xend-Mythus der gnte, heldische und wahrhaft ruhmvolle. 
Doch wird in einer der Sagen von Kereeac,pa gesagt, dass der- 
selbe voll Ungeduld das Teuer geschlagen habe, weil es auf 
seinen Wunsch nicht schnell genug herbeikam. Für diese Sünde 
ist er von den späteren Färsen in die Hölle gewiesen worden f 
(die Abendsonne, welche in die unterirdische Nacht hinabsteigt); 
der Mythus von Kern aepa und Urväkshya ist augenscheinlich 
eine persische Gestaltung des Mythus von den Dioskuren, welche, 
uio mir scheint, noch einmal in den beiden Zendbrüdern Gm 
und Acpjivaodha (der mit dem Pferde kämpft wiedererscheinen. 

In dem Epos Firdusis scheinen mir die beiden Brüder Piran 
and Eilsem, die zusammen gegen die Turauier kämpfen und von 
denen der entere und ältere den letzteren und jüngeren aus den 
Gefahren betreit, welchen er unter den Feinden ausgesetzt ist 

lerverkörpcrungen desselben Mythus zu sein» 

Wir finden den wolkigen oder finsteren Nachthimmel im Hig- 
vcda uud im Avesta als syjman oder Berg von Stein dargestellt 
Ais die Abendsonne auf den Berg ftillt, wird dieser zu Stein und 

a n/e Himmel nimmt die Farbe dieses Berges an. Als der 
Held des Volksmährchens das Ungeheuer verfolgt, verbirgt sie 
letzteres unter einem Felsen: der Held hebt den Felsen auf und 
stei-l in die Hohle hinab« d. h, verbirgt sich selbst in dem Ber| 
i oder verwandelt sich in Stein, und wenn er ein PferA 
i dieses dieselbe Umgestaltung, 

In der Frzühlung von der Merbnma, die gesteinigt wird (de 



1 l>i«i perfiiftobe Held erhält oft den Namen nach »einem Pterde ode 
d; daher Namen wie Ivere^pa, ViMft^pa, Al -^*fp, 

* Vgl, Spiegel Aveata II, 1± — In den serbischen Mahrcb< . 

*in«r von zwei Brüdern, mit allen leinen Leuten in Stein 
na dw andere kommt, ihn /u befreien und wiederum 



erlorem a), im Tuti-Name 1 bal 

iu Damon besessenen Bruder, welcher das Weib 

rflihrt, während dieser auf Reisen ist. In der 

»Li nelben Tuti-Name* nimmt der 

ganz die Gestalt des abwesenden Gattes an 

sen Weib zu verführen. Das sind zwei 

des Mythus von den Aq\ 

ilniliekiscbe Mährchen (indischen Ursprungs) 
kennbar eine Reproduction des Mythus von den Aerius. 
die mythischen Namen. Der König, Kuu-snan^ 
gleich dem vedischen da tmd dem 

dem Allseher); bat von zwei Muttern zwei 
hein" (im Jahre des Tibers geboren; vielleicht 
Juli, im Sommer, anter dem Sonneneinflusa) and 
Die zweite Frau liebt ihren Stielsohn Sonnenschein 
ihn; doch die beiden Brüder sind einander 
und als Sonnenschein (gleich Kama) flieht, begleite! 
in (wie Lakshroana dem Ruma, wie die wc 
mne im Walde der Nacht folgt). Auf 
kradschein verschmachtend nieder; Sonueuschein geht, 
fllr ihn zu suchen; doch unterdessen stirbt Mond- 
Lsehein kommt zurück and geriith bei dem An- 
Bruders in Verzweiflung; ein Eremit hat jedoch 
} ruft Mondschein wieder ins Leben und nimmt 
ier nelbst an Kimlesstatt an. Nahe seiner Woll- 
en li' o die Drachen «las Wasser zurückhalte^ 
alljährlieh ein Jüngling aus dem Tigerjahr i 
Es kommt heraus, dass Sonnenschein diese 
wird fortgeführt vor den König dieses 
er des Königs verliebt sieh in ihn und bit 
icht den Drachen vorzuwerfen. Der König ist 
ue Tochter und lässt sie sammt Sonnenschein in 
n, wo die Drachen sind. 4 Das junge Paar bricht 

Abart dieses Mythus in dem K*|>itt:l üb« 
^age vou der Tzareuto« ho t 

n befiehlt, wie wn 



lii« 






in so rührendes gegenseitiges Bemitleiden aus, dass die Drachen 

Ihrt worden und Sonnenschein mit seiner jungen Prinz* 
frei it lassen. Befreit finden sie Mondschein, der auch 

G«tt< i Smnen Prinzessin wird, indem die beiden Brüder, 

gleich den vedischen Ayvius, unzertrennlich sind. Die drei Per- 
il (weisse Dämmerung oder Mondschein, Aurora und Sonne) 
kehren zusammen in ihr Geburtsland zurück, wo Sonnenscheins 
Nacht), als sie sie ankommen sieht ror Schreck stirbt, 
liier hat die Sage ihren ganzeu mythischen Glanz. 

Im srrhszehnk'n mongolischen Mährchen dagegen hat die 
Freundschaft der beiden Gesellen keinen Bestand wegen der 
Treulosigkeit den einen: auf der Keise im Walde tödtet «1er Sohn 
des Minister- den Konigssohii. 

In der Geschichte von Ardshi Bords hi sind die beiden 
Manner, von denen man nicht weiss, welcher der wirkliche S 
des Ministers ist, einander in allen Dingen, in Gestalt, Knrpcr 

baffen bei t, Ansog und Pferden so ähnlich, dass sie nicht von 
einander unterschieden werden können; deshalb streiten sie sich 
um den Besitz aller Dinge, auch des Weibes und der Söhne. Einer 

(ein andern durch Zauberkunst gleich gemacht; er ist der 
>nlm eines trillions; der wunderbare Kinderkönig bringt das 

niiuiss au den Tag, ■ 

Dieee Vertauschung von Hatten oder Helden durch diimo- 
nischc Zauberkraft kommt oft in europäischen Feenmührchen vor, 

die Vertauschnng von Weibern. Der Dttmofl ist bald ein 
Wassernder, bald ein P, bald ein Holzhauer, bald 

Kohlenbrenner, bald eiu Zigeuner, bald ein Saraeeue, und bald der 
leutel m propria persona. 

Die rnssiM-hen Feenuiiihrcheu zeigen uns beide Gestaltn 
der beiden Brüder oder Gesellen d. b, die Beiden, welche Freunde 
bleiben usque ad mortem, und den von seinem treulosen Gesellen 
Vorn 

ige von den beiden Freunden tritt in einem A fan as - 
nefibeben Mährehen als Tbieriegende auf. has Pferd befreit das 

I eines seiner Herren von dem Büren , worauf diese es aus 
Dankbarkeit besser futtern . während sie es vorher vor Hunger 
Lisi lu! , u. Das Pferd (die Sonne denkt im 

Glüol leiten im Unglück, die K , die 

man auch Hunger leiden lasst, und giebt ihr einen Tbeil von 






245 

was es Reihst von seinen Herren erhalten. Die letzteren 
und behandeln das Pferd wieder Bühlecht, welche» 
darauf den Beschluss fasst, sich selbst zn tndtcu, damit die 
Katze es verzehren kann; diese kann es jedoch nicht Über sich 
pewinnen, ihren Freund, das Pferd aufzufressen, f muss also auch 
sterben. 

Die beiden Brüder, bei Afanassieff, * von denen der eine den 
Kopf und der andere das Herz einer Ente gegessen hat und 
welehe deshalb vom Schicksal bestimmt sind, der eine Konig zu 
Wtal und der andere Gold zu speien, Hieben vor ihrer treulosen 
Murter (wahrscheinlich Stiefmutter', von welcher sie in ihres Va- 
ters Abwesenheit verfolgt werden. Sie treffen einen Kuhhirten, 

*eine Kühe auf die Weide treibt und werden gastfreundlich 
von ihm aufgenommen. Dann ihre Reise fortsetzend , kommen 

m einen Kreuzweg, an welchem eine Säule mit folgender 
Inschrift steht: „Wer rechts (nach Osten) geht, wird König werden; 
wer links geht (nach Weiten, in das Reich Knveras, der Wi 
liehen Sonne, des Gottes des Reiehthums; wenn die Sonne im 
Osten aufsteigt, geht der Mond im Westen unter), wird reich 
werden." 3 Einer geht rechts, und kommt in ein Land, wo er 
erfahrt, dass der alte König gestorben ist (die alte Sonne) und 
da«* ihm in der Kirche die letzten Ehren erwiesen werden. Ein 
Erlaas besagt, dass der, dessen Licht von selbst leuchtet, der 
oene Tzar sein soll 1 — Der vedischo Gott besitzt ebenfalls die 
unterscheidende Eigenschaft dieses wunderbaren Lichtes, mimlieh 
die, von selbst zu leuchten, sich von selbst anznzttnden, d. b. er 
ist svabbäna. — Das Licht unsres jungen Helden also, der zum 
Könige bestimmt ist, zündet sich von selbst an und er wird so* 
fort als der neue König ausgerufen. Die Tochter des alten 

lig« «lie Aurora) heirathet ihn, indem sie in ihm ihren vorbe* 
stimmten Gatten erkennt und macht mit ihrem goldenen Ringe 
tder Sonnenscheibe) ein Zeichen auf seine Stirn (wie Rama es 
Nachdem der junge Mann (die Sonne) einige Zeit 

seiner Braut (der Aurora) geweilt hat, wünscht er nach der 



1 Wir werden in Bälde den Hnaru (den Mond) finden, der die Stute 
rcnjchtingt 
53. 
f Vgl Annlogien zu diesem Kreuzweg« und dieser lätchrlfl bei Köhtai 
den Awarischen Texter p. IV. 

* U kiivö preside svieda atinw saboi sagaritftia, tot tzar bud 



hinzugehen, nach welcher sieh sein Uni de odt bat 

di h. DÄOh links, nach Westen). Er durcheilt lange Zeit ver- 
schiedene LSuder (<L h. die Sonne beschreibt den ganzen Hinv 
netebogen^ der sich über der Erde wölbt) nnd findet schliesslich 
lim westlichen Himmel, zum Untergang der Sonne hin) seinen 
Bruder, der in grossem Wohlstand lebt In seinen Gemächern 
thürmen »ich ganze Rergc Gold; wenn er ausspuckt* ist Alles 
Gold; es hat gar keinen Platz mehr, Alles unterzubringen 1 (der 
Abcndhimmcl ist eine Goldmasse). Die beiden Brüder ziehen 
dann zusammen aus, um ihren armen alten Vater (die Sonne wäh- 
rend der Nacht) zu finden. Der jüngere Bruder geht sich eine 
Braut suchen (wahrscheinlich den silbernen Mond , und die böse 
Mntter (die Stiefmutter, Nacht) wird verlassen. Auch hier 1 
die Sage einen ganz mythischen Charakter. In den beiden 
Brüdern erblicken wir bald Dämmerung und Sonne, bald die 
beiden Dämmerungen, bald die Frühlings- und Herbstlich ter, bald 
die Sonne und den Mond, doch immer die Acvins, immer zwei 
Gottheiten, zw T ei himmlische Wesen, die eng mit den Erscheinungen 
des Mond- uud Sonnenlichtes zusammenhangen. 

Hier möge mir die Bemerkung verstattet sein, dass id 
für genügend für meinen Zweck halte. Sagen, die einen gemein- 
samen Ursprung verrathen, zusammenfassend darzustellen; alle 

alogischen Elemente der Sagen zu erklaren, übersteigt meine 
Krätte und liegt auch ausserhalb des Zieles, das ich mir gesteckt 
Ich wähle nur Deutungen aus, die ich für der Wahrheit möglichst 
nahe kommend halte, Allerdings sind die in der Mythologie ver- 
körperten Objecto so beweglich, so vielgestaltig dasfl sie leicht 
sich in eitel Dunst, in ein Nichts anflogen, greift man sie mit 
rauhen Händen an, geht man ihnen zu scharf zu Leibe. Gerade 
in dieser Beweglichkeit, in dieser rngewissheit liegt aber ihr 

hthnm. Erschienen Sonne und Mond immer am selben Orte, 
es würde keine Mythen geben! Die Mythen, aus welchen die 
grösBtc Anzahl Sagen hervorgegangen ist, sind die, welche auf 
den schwankendsten Erscheinungen des Himmels beruhen. 3 Der 



1 TzelijjJ kuri zniohi v anbarah nusipani ; <5to ni pluniVt on, to v 
lotcm; dievat »fekndi! 

jikt^ kann nicht besser ausgesprochen als es R. 

r Abhandlung über die Sage von ^una^ep»* (Indische 
dien, Bd. 1) gelben bat, dessen Worl neu Plata fioden u 

Deutung der indischm Sagengescliicbte sucht noch die Reg 
welchen Bie das überlieferte verworrene Material bebandru soll. Eine und 



?47 

tug von den Arvins liisst rieh Dtchl du ich malhenmrisehe 
ßweisfflhrungen analytiach zerlegeil und zwar gerade auf Grand 
der l 'nhesiimnitlieit, welche in dem Dämmerlicht, dem er seine 
BatifebDüg verdankt, liegt Diese beständige Aufeinanderfolge 
«on SrliaUeu, penumbrae und Ohiirnbsciirs, von der icfawfl 
Dunkelheit bie zum Silbermond, vom Silbermond bis zum grauen 
Zwielicht de» Morgens ? welches allmählich in die Dämmerung 
zerfliegst, von der Dämmerung bis zur Morgenröthe, von der 
Morgenröthe bis zur Sonne; dieselben Veränderungen, nur in 
ii in gekehrter Reihenfolge, am Abend von der untergehenden Scanne 
Ufl zum röthlichen und bluttarbigen Himmel oder der Abendrot lie, 
von der Abendröthe bis zu der grauen Dämmerung f von der 
grauen Dämmerung bis zum Bübeimcrada, von dem Silbermonde 
but zur tiefdflfltena Nacht — dieser beständige Wechsel von Farben, 
die aufeinander stossen , sieh vereinigen und ineinander llber- 
gehen, Hess die Vorstellung vou himmlischen Gesellen, Freunden 
r Verwandten erstehen, welche bald vereint, bald getrennt 
:, bald Bieh einander liehen, zuBammeDWJindeln und einträclitiir 
lieb hinter einander hergehen, bald kamrifentbrannl auf einander 
stürzen, einander ausplündern, verrathen oder vernichten, welche 
bald anziehen, bald angezogen werden, bald die Verführer, NM 
dir Verführten, bald die Betrüger, bald die Betrogenen, bald die 
Opfer, bald die Opferer sind. Wo Familie ist, ist Liebe: daher 
ne exemplarischen Brüder, Gatten, Weiber, Sohne, Töchter, 
Väter und Mütter, die alle voll Zärtlichkeit sind: das ißt die 
Bildseite der Medaille; wo Verwandte sind, giebt es aber atteh 
Streit, Briiderkampfe aus verliebter Eifersucht oder aus Neid ;ml 
pichthum, böse Schwiegermütter, Stiefmütter und Schwägerinnen, 
tyrannische Väter, treulose Weiber: dal ist die Kehrseite. Dieser 
Gegensatz der Gefühle ist schon beim Menschen schwer pay 
logisch zu erklären; um wie viel mehr, wenn er in einem my- 
thischen Bilde analysirt werden soll, das in einem schnell auf- 



Ibe Sage wird vielleicht in zehn verachiedeneu Büchern in iebnfacbei 

Form erzählt. Glaubt man einen festen Punkt gefunden zu hüben, auf 

welchen nach einem Berichte die Spitze der Erzählung guaatnmeuläin . 

atreben andere Berichte wieder nach ganz anderem Ziele und treiben den« 

festen Kern der Sage fassen will, nit h loa im Kreise 

herum- Die Widersprüche, mir welchen ein Sammler und Ordner grie- 

Heldensagen cn kämpf eu bat» sind lauter Einklang und Klarheit 

zu dem wirreu Knäuel, in welchen die VVillkühr indischer 

Po«* D UeberKeferungen ihrer Vorseit zusammengeballt bat.** 



leuchtenden Blitze der Phantasie eine Thiergestalt annimmt, uro 
sogleich wieder zu verschwinden? Deshalb müssen wir un 
manchen Mythen mit einer ganz allgemeinen Erklärung begin, 
wenigstens so lange als sich noch nicht neue und positive Daten 
herausstellen , auf welche es möglich sein wird, wie auf einen 
soliden Unterbau, die wahre Natur der mythologischen Ein/el 
heiten zu basiren. So lange diese Daten fehlen, können wir dem 
Leser nur Wahrscheinlichkeiten, keine Regeln bieten. Was die 
vediseheu Ae,vins bctrittt, so steht so viel fest: sie finden sich in 
Verein mit ihrem Weibe, der Aurora, nachdem sie durch die Ge- 
fahren der Nacht hindurchgegangen sind oder nachdem sie die 
von ihnen beschützten Helden — d. b, ihre eigenen Gestaltungen als 
Helden — in Stand gesetzt haben, durch dieselben bindur- 
gehn; Bie sind zwei glänzende Reiterbruder und werden sp» 
in den ersten Morgenstunden angerufen. Die Deutung des My 
thus in dieser vedischen Gestalt dürfte kaum zweifelhaft seiu* 
Der weisse Mond und die Sonne nehmen die Aurora zwischen 
sich» (L h. beirathen sie; oder auch: sie geben dieselbe dem Soma 
(mit welchem der eine der Acyins, das weisse Licht oder Zwie- 
licht, in besonderer Verwandtschaft steht) zur Ehe und spielen 
selbst nur die Rolle von Brautführern. Die Aurora, am Morgen 
wie am Abend zwischen der Sonne und dem Monde stehend, ver- 
sehwindet Man mochte glauben, dass die Dämmerung und die 
Sonne sie zusammen zu gleicher Zeit dem König oder Gott Soma 
oder Luuuh, für welchen die Tochter der Sonne Zuneigung flihlt, 
darbringen. Man mochte ferner glauben , dass sie specicll mit 
dein Zwielicht, das in besonderer Verwandtschaft mit Soma steht, 
vereint war, indem man beobachtet, wie am Morgen die Aurora 
numittetbar auf das Zwielicht folgt ♦ und verschwindet, als sich 
die Sonne zeigt, d. h. wieder mit dem Zwielicht zusammentrifft 
und die Sonne verlässt, und wie sie sich am Abend, als die 
Sonne sich verbirgt oder als ihr Gatte abwesend ist, wieder mit 
dem Zwielicht verbindet, mit dem sie wieder flieht und ver- 
schwindet, um am Morgen mit ihm von Neuem zu erscheinen. 
Weiter: die Abwesenheit der Sonne während der Nacht bes< 
tigte die Phantasie des Volkes nach mancherlei Seiten. Wie sehr 
auch die Erscheinung des Himmels mit Rücksieht auf den my- 
thischen Helden negativ ist — d. h. sofern der Held oder Gott 
sich vor den Blicken verbirgt - sucht ihn die Volksphantasie 
gerade desto mehr mit positiven Eigenschaften zu bekleiden und 
seine Grösse zu erhöhen. Die grösste von allen Gottheiten ist 



lie, welche sich am wenigsten blicken lässt; — möchten nur die 
sehen Platten diese mythologische Wahrheit verstehen! Indra 
und Zeus sind gross, wenn sie sieb in der donnernden und 
blitzenden Wolke befinden. Die Sonne wird ein Held T als sie 
iu der Dunkelheit der Nacht und in der Wolke verliert. 
Allerdings wird gerade hier die Erklärung mythischer Einzelheiten 
bedentend schwieriger, weil die Mythen jetzt nicht rein auf einer 
äusseren himmlischen Erscheinung oder bildlichen Darstellung 
beruhen, sondern meist nur auf einein subjektiven Apercu, einer 
individuellen Hypothese; und während das alte Bild, sofern es 
eine auf das einzelne Individuum gar nicht bezügliche Objectivi- 
tät in sieh trägt, immer wieder mit der neuen Beobachtung der 

■ Himmelserscheinnngen, welche es hervorbrachten , in EÜflUMg 
rächt werden kann, ist die subjective Auflassung, als rein in- 
dividuelle Phantasie, verloren gegangen. Die Klarlegung ist des- 
halb nur in den wesentlichen Theilen, in den HauptzUgcn müg- 
licb. Wenn man die Sonne im nächtlichen Himmel versehwinden 
sah, so erschien dieser Himmel in den verschiedenen Gestaltungen 
eine» Meeres, eines Berges, eines Waldes, einer Höhle oder eine** 

PgefrKt&igfn Ungeheuers, das den Helden verschlungen. Hat 
aber die Sonne nur zufällig verirrt oder ist sie von der Aurora 
ßßd ihrem Dämmerungs-Liebhaber in schändlichem Verein in die 
Nacht gestürzt worden, damit sie in ihrer Liebe ungestörter sind? 
Das ist ein Dilemma, dessen zwei Lösungen eine zwiefache Reihe 
von Sagen begründen, — von dem Bruder, der vom Bruder 
ratlien ißt, und vom Helden, der seinen] in die Gewalt der Unge- 
heuer geratbenen unglücklichen Bruder zu Hilfe eilt. Die Tages- 
zeit, welche die Franzosen so ausdrucksvoll mit entre chien 
et lonp bezeichnen, ist die grosse epische Stunde des Fuchses, 
welcher an der Natur des Hausthieres Hund und des Raubfhieres 
Wolf theilnimmt. Es ist die Stunde des \ erraths, der Treulosig- 
keit, der Zweifel und der mythischen UnbeKtimmtbeiten. Wer 
kann sagen, ob die Aurora durch einen Unfall, der ihrem Gatten 
der Sonne zugestossen, zur Wittwe geworden oder ob sie selbst 
ihn verrathen? — ob Bie eine keusche und treue Genoveva oder 
eine treulose und üppige Helena gewesen ? Gerade diese mythi- 
schen Zweifel sind es, welche das Glück und den Reiz der Sag« 
ausmachen, wie sie die Verzweiflung der Mythologistcn sind* Was 
kann ferner die Sonne than, wenn sie sieb in der Nacht befindet? 
Je nach den verschiedenen Gestalten, welche die Nacht annimmt, 
sind die Handlungen des in sie verlorenen, in ihr verirrten 



250 



Boonenbelden modificirt nnd diese Modification©!] lassen sich 

mg der Einbildungskral 
zuweilen können di6 Beziehungen '/wischen dem Helden und 
«einen Gesellen oder Brlidern in der Weit der Todten nur <1 

leehe Träume erfasst werden, Wenn man die Sonne am 
Abend in die dunkle Nacht ein tre te t! nnd am Morgen heil und 
gesund ana ihr heraustreten f*icbt T nachdem sie die Dunkelheit 

■ -lienelit hat, liegt es sehr nahe zu denken, dass sie die Nacht 
hindurch lediglich darauf bedacht war, das Ungeheuer zu todten. 
Die Action des Ilauptlieklen bew innerhalb ge^v 

Grenzen und ist darum offen BQ Tage liegend; ebenso klar is 
auch die Beziehung, wenn die Aurora als von demselben Schick 
«al wie ihr Gatte oder Bruder, die Sonne , hetrorYen dargestell 
•rird. Sie steigen zusammen in die Nacht hinab, welche sie un- 
rfebtbtr macht und tauchen glücklich wieder zusammen aus 
ihr i 

Der Mythus wird reicher, wenn sich die Aurora einem Neben- 
buhler ihres Gemahls in die Arme wirft, weil der Charakter 
dieses Nebenbuhlers mannigfaltig ist. Bald ist er ein schöner 
JUngling, welcher dem rechtmässigen Gatten gleicht, sei es a^ 
das Zwielicht oder als Lumis; bald ist er ein wirkliches dämo- 
nisches Ungeheuer, der Dämon selbst, die schwarze Nacht Im 
Verhältnis zu der Mannigfaltigkeit der Gestaltungen nnd Be- 
ziehungen, welche des Helden Nebenbuhler annimmt, wird der 
Mythus verwickelter und seine Deutung schwieriger; daher auch 
die Mährelienerziihler oft ihre Erzählung mit den Worten ztt 
unterbrechen pflegen: „Jetzt wollen wir den und den Helden 
lassen und anf den oder jenen andern zurückkommen.** Diese 
Unterbrechungen der Erzählung haben ihren mythologischen Grund. 
Wir kennen zum Beispiel verstehen, wie die Aurora oder Tochter 
de* Sonne aufgefasst wurde als in einem Augenblick weiblicher 
Schwäche sich in den Mond verliebend , den sie auf der andern 
- Himmels sieht, und verlangend , ihm als Braut zuge- 
führt sn werden. Wir können verstehen, wie Luuus, den Liebes- 
glanz der Aurora am andern Ende des Himmels erwiedernd, 

einen musste, sie an sich tax ziehen und sie verführen zu wolle 
Wir können auch verstehn. wie bald der Mond, bald die Sonn 

Aurora eu verfuhren und ihrem reelitmüss mahl zu 

entfuhren scheint. In diesen Füllen ist die Treulosigkeit de 
Helden er Heldin augenfällig; a n di 

Klarleguug oder den Beweis dieser Deutung zu weit zu treik 



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kämpft; doch ist es zu seiner eigenen Befreiung. In den frühe- 
«ten Epochen der Sage int er närrisch, krank, trunken, un^lUck- 
lich und versteinert; man kann von ihm nur sprechen nach d 
was sieb äußerlich an ihm zeigt. Das Wolkeufass bewegt sich; 

»1 daw FriMs voll Wasser, das sieh dem Helden zu Gefallen 
von selbst bewegt; es lHsst Regen auf die Erde tropfen: der 
Damme Utari den Wein ans dem Fasse laufen; der Wolkenwald 
ich; ein Raumstamm haltet sich an das vom Helden ge- 
rittene Pferd und vernichtet seine Feinde — d. b. die Wolke oder 
Dunkelheit verschwindet und der Ueld tritt siegreich hervor. Die 
Rollo, die von dem Sonnenhelden in der Nacht oder in der Wolke 
gespielt wird, scheint mir deshalb fast immer ziemlieh sicher 
erklärbar, doch nur so lange, als er allein ist oder doch nur 
einen Gesellen hat; wenn der eine Held sich in drei oder (tinf 
oder sechs verwandelt, die einander begleiten, oder wenn er mit 
andern mythischen Personen von einer der seinigen verwandten 
Natur zusammentrifft und in Verein mit ihnen spricht und han- 
delt, so verwirrt die Sage den Mythus, zu dessen Erklärung wir 
dann oft genöthigt sind, die Bedeutung des Wortes zusammen 
auf die Bezeichnung bald einer ganzen Nacht bald eines ganzen 
Jahres auszudehnen. Wenn wir z, B. in der Sage zwölf alte 
Manner um das Feuer herum finden, so wissen wir, dass das 
Feuer die Sonne ist, um welche sich die zwölf Monate am Him- 
mel im Laufe eines Jahres drehen. Hier ist also zusammen 
erweitert zur Bezeichnung der Periode eines Jahres und der gan- 
zen Weite des Himmels. 

Ich habe mich zu dieser langen, doch Bicher nicht UbertlÜÄ- 
»igen Abschweifung verleiten lassen, am das nissische Mährchen 
von den beiden Brüdern zu erklären, von denen es heisst, da» 

/usammeugehu, der eine nach rechts, der andere nach links. 
Wie man auch immer die A^vins auffassen mag, als Zwielicht 
und Sonne, als Frühling und Herbst oder als Sonne and Mond, 
es ist unmöglich zu begreifen, wie sie in derselben Richtung mar* 

reo können; die Wege, welche sie einschlagen, müssen doch 
getrennt sein. Die Sonne und die Abenddämmerung gehen nicht 
in entgegengesetzten Richtungen vor; wohl aber nehmen die 
Morgen- und die Abendsonne entgegengesetzte Stellungen ein, 
jedoch nicht zu gleicher Zeit; die Sonne und der Mond bewegen 
*ich zu gleicher Zeit am Himmel, jedoch nicht gemetnsebar 
und auf demselben Pfade, wie zwei Reisegesellen, Es ist 
nothwe&dig, anzunehmen, dass die Reise der beiden Brüder ent- 



253 

weder is «dene Perioden fallt, wenn sie auch iu derselben 

Nacht oder an demselben Tage stattfinden mag, oder aber sie 
nimmt ihren Ausgangspunkt von verschiedenen Orten, obwohl 
immer am Himmel; am Abend sieht man den Mond sich rem 

11 nach Westeu bewegen, während die verborgene Sonne von 

sten nach Osten zieht; wenn die Sonne im Osten angekommen, 

gebt der Mond im Westeu unten Die ostliche Sonne hat with- 

rend der Tageszeit die Tendenz, ihren Bruder sut finden, der nach 

iten gegangen ist, und als sie anlaugt, sieht sie neben ihrem 

Bruder aueh dessen ungeheure Sehätze. Daran knüpft sieh die 

andere Version des Mythus von den A^vins: der arme und der 

reiche Bruder. Das ist wahrscheinlich die müde, durstige und 

hungrige Sonne, welche während des Tages all ihren lteiehtbnm 

Uen bat und nun bei ihrem reichen Bruder, dem sie ihre 

Diente anbietet, gastliche Aufnahme sucht; der letztere jagt sie 

und der arme Bruder wandert allein, ärmer und trauriger 
denn bevor umher, in den Wald, wo er sein Ulttek findet, indem 
;utz ausgrubt, der ihn zum reichen Mann macht, wäh- 
rend sein reicher Bruder im Westen arm wird. Die Geschichte 
▼on dem Schatz in Verbindung mit den beiden Brüdern und dem 
schlauen Diebe war den Griechen in der Erzählung von Agamedes 
und Trophonios (bei Pansanias 1 ) bekannt, welche den Schatz 

Königs Hürieus stahlen, wofür der eine von den beiden 
Brüdern mit seinem Kopte büssen sollte. 

Wollte ich die Erzählung von den beiden Brüdern iu ihren 
westlichen Versionen verfolgen, so konnte ich einen ganzen Band 



1 IX,, 37, 3 t — Ich bemerk'-, dass dieselbe List, deren sich die beiden 

BrGder zur Entwendung Kitze* bedienten, auch in einem noch nicht 

publtcirten Feenmührchen aus dem Pieotoatesigehen von dein unerfahrenen 

Kiiuber angewandt wird, welcher es schliesslich sehr geschickt tnfXngt, 

Bicker die Brode äub dem Ofen in stehlen Der juemoutesische, Dieb 

macht run Offthung von aussen und trägt so das lirod davon. Derselbe 

L>irb stiehlt darauf dem Köuig sein Pferd Zuerst lernt er sein Handwerk 

.herhauptmann. Dieser schickt ihn das erste Mal aus, am 

ifJBufanern und heilest ihn. auf sie springen. Der 

l»t diesen Anweisungen buchstäblich; er wirft die kei 

Milden zu Boden und springt danu auf ihnen herum» beraubt sie aber 

nicht Das /.weite Mal sagt ihm der Hauptmann , er solle den Reisenden 

die quattnni (Name einer sehr kleinen Münze, mit welchem auch Geld im 

ebnet wird) abnehmen. Der junge Dieb nimmt nur die 

(jualtnni und lasst den Heisenden ihre Dollars und Napoleons. Schliess- 

ij coinine il faut. 



254 

über diesen Gegenstand füllen, der allerdings wirklich solches 
Interesse bietet, dass sich ein Gelehrter» wenn er ihm mit Ab 
BriJthlnng von den drei Brüdern verbindet, an seine Bearbeituiij 
nicht ohne Nutzen machen wurde» Dech um den Bericht ttber 
das Pferd wieder aufzunehmen, so muss ich mich hier darauf be- 
schranken, mir eine andere interessante Varietät dieser Sage zw 
erwähnen, die sich in der siebenten Erzählung des Pentame- 
rone bietet l 

Es waren einmal zwei Brüder Namens Cienzo und Meo (Viu- 
cenzu und Meo; AU sie geboren wurden, kamen auch zwe 
verzauberte Pferde und zwei verzauberte Hunde zur Welt, Cienz 
wandert umher, tun mu Qlttok zu suchen; er kommt an einen Ort, 
wo ein Drache mit sieben Köpfen ist, aus dessen Gewalt eine schöne 
Prinzessin befreit werden muss. So lange er nicht alle Köpfe 
abbaut, geht der 1 Mache und reibt sich an einem Kraut, das die 
Kraft besitzt, den Körper wieder mit dem abgehauenen K 
zu verbinden. Cienzo haut säinmtliclie Köpfe ab, „pe gratia de 
I<> sole L lurch Gnade des Löwen Bonne d. h. als die 

Sonne im Zeichen des Löwen ist ? welcher dem Tiger de« oben- 
erwü hüten indo-turanißchen Mahrchens entspricht oder 
Sonnen held seme ganze Kraft besitzt; der Löwe und der Tiger 
sind in der indischen Symbolik als Heldentypen gleichbedeutend 
und sind deshalb im Thierkreise identisch). Cienzo heirathet 
von ihm befreite schöne Prinzessin, doch eine Fee, welche 
gegenüberliegenden Hause wohnt, bestrickt ihn durch ihre Sdiöi 

zieht ihn an sich cmd fesselt ihn mit ihren Haaren. Mittler- 
weile erfährt Meo durch vorher verabredete Zeichen, dass sein 
Bruder Cienzo in flciahr ist und kommt in das Haus, in welchem 
des letzteren Weib lebt , von seinem verzauberten Pferde and 
Hunde begleitet. Die Frau hält ihn für Cienzo (die Erzählung 
von den Menechmi, den beiden Brüdern, welche einander in Allein 
ähnlich sind, wurde ohne Zweifel von dem griechischen Dichter 



1 Vgl. im aelben Pen tame rone die neunte Ertäblung dea 
Buches 3 Nr. ltf der Nov eil ine di Sau Stefano di Calci naia; Nr 38 
der sicilianiacheii Miihrcheu von Gonsenbach; Nr 60 und 85 von Gril 
K indet Q&d llausmährehen; Xr 10 von Kuhn und Schwartz'* Mäh 
ehe it; Nr, BN der grii rhi^ehrii Uährotan In Huhn, Kriech i seht? uj 
A I ha im t* ibc he Mähr eben; die vierte drr von Campbeil 
und Oeeidi'iit mitgeth» liiteo j das rrst«- Buch det l*unr at a j» ■ 
rl>» uda V, 12; die Sagen von Nala und Pushknrn 
i. a IX I, 141. 142. [81. feil. ^B3 u ;> 



und Plautus der Volkssage entlehnt), empfäi 

h uud oimmt tha anf ihr Lager; Aach der treue Bruder 

It, um sic nicht zu berühren, das ßetttueh zwischen i 

no Schwägerin zu umarmen. — So legt Sifirit, 
■ idinavisches alter ego Sigurd ein Schwert 
h und Brünhilt, die vorbestimmte Braut des Königs, 
um sie nicht zu berühren, wenn sie an seiner Seite liegt; und 
ab Bniuhilt sich auf den Scheiterhaufen stUrzt, legt sie ebenfalls 
ein Schwert zwischen sich und Sigurds Leichnam. ' Bei Königs- 
odei zuzeiten galt im Mittelalter ein ähnlicher Brauch. 

In dem piemo&tesiftcbetij bergamesisehen und venezianischen Volks- 
Uede lern Pilger, der aus Rom kommt, ist der Pilger von 

dem Weibe nur durch ein Bündel »Stroh getrennt — Gegen Mor- 
it auch Meo die schöne Fee in dem Hause auf der andern 
der 81 er vermuthet, dass Cienzo in ihre Netze 

fallen ist uud geht ihn befreien. Er liisst sie von seinem ver- 
zauberten Hunde verschlingen und befreit .seinen Bruder, den er 
an« dem Schlafe weckt Cienxo erfährt, dass Meo bei seinem 
Uten und haut ihm den Kopi ab; doch als er um 
t, wie Meo das Betttuch getheilt hatte, bereut er seine 
ting, nie .e Zuflucht zu Jem Kraut, au welchem sich 

rieb, wenn einer von seinen Kopten ihm abgehauen 
war uud befestigt auf diese Weise wieder Meoe Kopf an .seinen 
per. 

Der Haupthelfer jedoch specieil des einen von den beiden 
Brüden, dritten in dem Mahreben von den drei Brüdern, 

-ein Pferd 

t Held auf das Diebsbandwerk legt, ist seine 
glorreichste Thai die Entwendung des königliehen Pferdes. 

Als der junge Held von dem Teufel erzogen worden ist, ge- 

ihm, in Gestalt eines Pferdes demselben zu entkommen. 

Als der Sonuenhcld kämpft, liegt seine Hauptstärke in seinem 

«ler Held stirbt, wird auch sein Pferd geopfert. 



1 Im Peiitamerone I, 9 ihut der Sohn der Königin ein Gl 
mil dem Weil Zwillingabrudera: „Mese la spata arrancata Co mint* 

■U' o ed a Fenizia." 

iaunulaugtsii von Femu-o, B Wulf, 

.i.e di San Stefano dt C 






Die Sonne ist zu gleicher Zeit ein Held tind eiu Wl 
iat „der Schnelle*', a^va, ein Wort, dag die beiden bfi 

indeo Kigcnsehaftcn ebensowohl des Helden wie des Sonucn- 
rosses urofasst; der Held stirbt, der Held wird verbrannt: da« 
Pferd wird ebenfalls geopfert; der Held tritt au» dem Stall 
heraus; ebenso da« Pferd; der HeJd entführt das Pferd. Der H< iil 
-Hilüpft dem Dämon: das Pferd rettet den fliehenden Helden; 
der Held stürmt im Kampfe Yor: das Pferd ist es, das ihn an- 
dringen lägst 

Erläutern wir jetzt au einigen Beispielen diese vier auf den 
Mythus von dem Pferde bezüglichen Umstände. 

Im Mab ab ha rata 1 erscheint der Gott Indra in Gestalt 
bald eine» Reiters, bald eines Pferdes. Auf solch einem Helden* 
ross flieht ferner der junge Utaöka vor dem Könige der Schlangen, 
nachdem er jenem die gestohlenen Ohrringe der Königin wieder 
abgenommen hat. In dieser Sage lie^t eine Iioziebung auf mehre 
Mythen : auf den von dem Helden in der Unterwelt, auf den too 
dem Heldendieb und auf die Sage von dem Pferde, das den 
flüchtigen Helden rettet, identisch mit dem Helden, der das Pferd 
brtfllbTt. 

In dem Vishnu Purana- haben wir Kapila, eine Form 
Vislimis oder des Sonncnhelden (sofern er eine rtfth liehe Farbe 
hat oder auch der Abendsonne), welcher da« zum agvaned 
d. 1l zum Opfer bestimmte Ross entführt. (Mit andern Wor 
das Sonnenpferd, das zum Opfer bestimmte Pferd entkomm 
ebenso wie wir im vorhergehenden Kapitel den Stier in »I 
der entweichen sahen.) Im RAmäyaija 8 wird dagegen 
zum Opfer bestimmte Pferd von einer Schlange entflÜn 
das Ungeheuer der Nacht raubt die Alu vährend 

wcstlichcu Himmel das Feuer zu ihrer Opferung bereitet wi 
Die Söhne Saganis (die Wolken des himmlischen Oceans 

Wort saga r a Meer bedeutet) machen 
Ger indem sie nach dem ihnen entführten 1 

Sie finden es bei dem Gott Vishnu oder Kapila (hier die 
das Sonnenpferd selbst, das in das wolkige Meer der 
Itlhrt ist); da sie ihn für den Räuber halten, 
ihn ein; Kapila (oder das Bonnenpferd 



7 N. 

> IV, 4. 



irr mit Strahlen versehene, die 
onne), dagegen befreit das Pferd aus dem 
W»l Abend wird es auf den Opferplntz zurückgeführt, 

wf • n Estrich, nachdem es die Heise um die Welt ge- 

wir im vorhergehenden Kapitel Raben, daß« 
-\k der Stier berührt oder geschlagen wird als ein 
ron Fruchtbarkeit and Klille, so berührt im Raniä- 
Käiualvä das Pferd [einen Sengst), um fruchtbar zu sein, 
ne zu haben wünscht (pu trakamyayä), und der 
lie Königin riechen den Duft des verbraunten Mar- 
cs des Pferdes als ein Zaubermittel, das ihnen die 
s gleichen Wunsch« chaffen soll.- Auf alle 

wir immer das Mührchen auf den Mythus von dem 
rar /m n, welches, gerade als es geopfert wird, 

t befruchtet, 00 dass es am Morgen wieder in einer 
uen und junget» Gestalt sich erbeben kann. Und wir können 
u t dass das Pferd des aevamedha ein mythisches 
!a der agvamedha ursprünglich eine himmlische Cere- 
^^tsie war; denn wir lesen im Kigveda, wie das zum Opfer 
imintc schnelle Heldenross von den Göttern geboren war 
»nd wie der Vasava es mit dem Glänze der Sonne geschmückt 
on vor Kurzem, wie im ltigveda selbst es bald 
ins Hind, bald Agni, welcher das Heldenross dem vorbe- 
inten Jüngling ^iebt. Agni ferner, der dem Helden ein Pferd 
löst bald ein schönes rotbes Ross und bald ein vor- 
iridhnu, 4 ein Wort, das ebensowohl den Räuber als 
er (als Raubvogel) bezeichnet Der Dieb spielt sogar in 



■ In den westlichen Mab w statt des Markes oder Fettee dea 

in und ihrer Dienerin 

in das Leben grabt, aus weldj^u 

> asser, in welchem der Fisch gewaschen ist, der 

<iu trinkeu gegeben wird, von welcher der 9 

j Hündin geboren wird. Ieh habe schon versucht, die 

a mit dem Phallus »u ' dass die Konigin, die 

Hündin den Frech isst und davon schwanger wird, 

Dass die Königin Pfcrdemark oder 

lj dieselbe Bedeutung zu ha 

pravakshyiimo vidathe viryfini; ttigv, I, 
\asuvo nir alashta; KigT. 1, 163, 2. 

v. r, 7o.' ii. 

17 






den vedischen Mythen eine Hauptrolle. In dem Kriege zwiscb 
den Dämonen und den Gottern, welcher im ersten Buche de 
M a h I b h | rata geschildert wird , herrscht fortwährend Streit 
zwischen den beiden Parteien, welche sich als die schlauste bei 
«ler Entwendung des die Ambrosia enthaltenden Bechers bewähren 
wird. Und der Pferdekopf, welcher nach der indischen Kosmo- 
gonie genau bei der Hervorbringung der Ambrosia mit dem my- 
thischen Edelstein geboren ist, die Nerdeköpfc von Dadhyaiic 
und Vishnu, die sich in der Ambrosia finden [deren Mund (Vada- 
vamukha) man passiren itiufs, um in die Hölle einzutreten p wo 
man das Geschrei und Geheul der Gequälten, welche das Wasser 
bewohnen, hört 1 ], zeigen uns, wie schon im Mythus das Mähr- 
chen von der Entwendung der Ohrringe { Aqvinsj oder des Edel- 
steins der Königin (der Sonne) oder des Schatzes mit der Ent- 
wendung des Pferdes (der Sonne selbst) vereinigt gewesen sein 
muss, wie es wirklich auch vereinigt zu sein seheint in der oben- 
angeführten Sage von Utailka, in welcher Utafika auf dem gött- 
lichen Pferde Hiebt, als er aus der Hülle die Ohrringe der Kö- 
nigin entführt, die ein anderer sehlauer Dieb, der König der 
Schlangen, wieder seinerseits ihm gestohlen hatte. (Herodot 
schon kauute die Erzählung von dem schlauen Diebe, der des 
Königs Schatz raubt und des Königs Tochter zur Gemahlin er 
hält; er bezieht sie auf den König von Aegypten, Rampsinit.J 
Als in der Fabel der Hirsch in den Wald Hiebt, verrathen 
ihn seine hohen Hörner; als der Stier tiieht, fürchtet er, dass 
seine Hörner die Flüchtigen verrathen; sogar die Mähne des 
Sonnenhelden nimmt den Namen von Hörnern an. Der vedisehe 
Hymnus , der das zum Opfer bestimmte Pferd schildert, stellt es 
als goldene Horner tragend und mit Füssen, so schnell wie der 
Gedanke (gleich dem Hirsch) versehen dar, dessen Uörner (oder 
dessen Mähne, gleich den Haaren des biblischen Absalom, der in 
der Sage des mittelalterlichen Europa uuter analoger Gestalt 
wieder auflebt) sich nach allen Seiten ausbreiten und in den 
Bäumen des Waldes verfangen. ■ Hier haben wir also das schnell* 



: 



1 Vikro^atäm uado bhüfunAm saliläukasam cruyate bhric&ma 
vi^atam vBclftvanmkliatn ; Rämi'iy. IV, 40, — Aurva, welcher in 
einea Pferdekopfes das Wasser des Meeres verschlackt und Flammen speit, 
ist eine Variation desselben Sounenmythus; Mbh. 1, 6H02 fiL 

1 üiranyacrifigo' yo asya püdä manogavä; Kigv. I, 1<>3, 9, — Tava 

gani vishthitä puruträranyeshu ^arbhuranü caranü; ib, 11. — Wir 

finden den Hirsch in Verwandtschaft mit dem Pferde, als seinen stärkeren 



keren 



Thier, dessen Mahne und Horner sich in die Bäume 
Iü- Ein an Hymnus bietet uns den Hehlen 

der sich fan Meer verliert, aber einen Baum umarmt und 
wird. 1 In Volksmährchen rettet sich 
er Held oft auf einem Baame, sei es weil die Diebe oder der 
ir ihn dann nicht sehen können oder weil er so im Stande ist, 
Horizont zu Rehen; der Baum bringt ihm Giftete, bald weil 
er etwas tröpfeln läast oder ein Geräuseh macht 
Diebe erschreckt, bald weil er die Kuhhirten tauseht, deren 
er selbst in Besitz zu nehmen wünscht; er erseheint nämlich 
auf dem einen Baum und bald auf einem andern; die Kub- 
en an sich Über seine Identität zu streiten; die einen 
i dieselbe Person, die anderen erklären das für 
-eben deshalb eiligst zurück, ntu beim m 
tannic naebzusebn und lassen das Vieh unbewacht, worauf der 
lcldemlieb vom Baume herabsteigt und es forttreibt (ho bei 
>fanas8ieff; der Feind der Räuber ist gewöhnlich selbst ein 
meserordentlieli BCblaner Dieb; KereQ&Qpa war nicht weniger ein 
veraebmiuter Dieb als Mereur, der Gott der Diebe, welcher den 
etrug Anderer entdeckt, weil er selbst ein so vollendeter Betrüger 
In dem neunzehnten mongolischen Mähreben (indischen 
rungs) besteigt der junge Held, nachdem er sieh seiner 
m Grabe des Vaters entledigt, sein stolzes Ross, 
m er einen Baumzweig ergreift. Der Baum wird entwurzelt 
und mit ihm inassacriren das Pferd und der Held die Armee des 
(essen Tochter der Held zu heiratheu wltnscht. In dem 
eben Mährcheu, * das die Abenteuer von Klein Thomas 



er, bin der Mensch sich dem Pferde auf den Kücken setzt, in 
lHa Paljil bei Hotäm, Epiat, 1, LO: 

: vu» cquum pugna melior coumiunibus herbis 
bat, donee minor In certamine longo 
linploravit Opea hominis frenumque reeepit; 

m victor violens djsceasit ab hoste, 
Item dorao t non frenuui depulit ore." 
»riisthe na vriuvate hari Hamatsu catravah; liigv. I t G 

i Vgl, ein Analogon des falschen Helden auch in der 
lung des P&dcaUntra: Der Weber als Viahnu. An Stell 

der die Chinesen tödtet, haben wir in dem 
uf dem hölzernen Vogel Garuda, welcher 
labuu gebalten wird und im Lager der Feinde 



IV 






nnikoff, dem auf einem Auge blinden, erzählt, prahlt der 
miles gloriosius, Klein Tom, nachdem er ein lleer Fliegen 

kltaiy mit dorn lleldcnmuth, den er bei Hiüderwwftiflg einer 
ganzen Armee leichter Kavallerie gezeigt habe. Er trifft zwei 
wirkliche Hdlden, Elias von Murom und Alexin Pä] 
des Priesters^, welche, als sie ihn seine Thatcn berichten hören, 
ihn sofort als ihreu älteren Bruder annehmen und ehren. Die 
Tapferkeit der Drei wird bald auf die Probe gestellt ; Elias und 
Alexin Bäigm eich als wirkliche Melden; schliesslich kommt auch 
an Klein Tom die Reibe, Zeugniss von seinem Muthe abzu- 
legen; er todtet einen feindlichen Helden mit geschloss« 
Augen und versucht dann, dessen Pferd zu reiten, kann aber 
nicht. Es ist eines Helden Ross und kann nur von einem Hel- 
den geritten worden. Endlich bindet er dafl Pferd an eine Eid 
und klettert auf den Baum, um von ihm aus auf den Rücken 
des Pferdes zu springen. Das Pferd fühlt die Last des Reiters 
und schlägt so gewaltig aus, dass es den ganzen Baum aus den 
Wurzeln reisst und ihn hinter sieh her zerrt, indem es Tom mitten 
in die chinesische Armee hineinträgt. Die Chinesen werden von 
der Eiche erschlagen und von dem wltthendcn Sehlaehtrosse mit 
den Füssen getreten ; die welche nicht getüdtet worden, werden 
in die Flocht geschlagen, (Das mythische Ilolzpferd, das sich 
SO verhkngnissvoll fllr die Trojaner erwies, scheint eine mythische 
Abart dieses Pferdes mit dem für die Chinesen angniss- 

voüen Baume zu sein.) Der Kaiser von China erklärt, er wolle 
nie wieder mit einem Helden von der Stärke Klein Tom's k 
führen. Darauf giebt der König der Preussen, ein Feiud der 
Chinesen, aus Dankbarkeit und als Belohnung für Beine Tapfer- 
keit Tom seine eigene Tochter zur Gemahlin. Es ist merkwür- 
dig, dass im Laufe der Erzählung Alexin einmal zu Elias die 
Bemerkung macht, dass das Pferd, welches Klein Tom von Hau« 
mitgebracht hatte, keine der charakteristischen Eigenschaften eines 
Heldenpferdcs zeigt. Alexin, als der Sohn des Priesters, ist der 
weise Held; Elias, der starke, weleber von seinem neuen Col- 
leges Klein Tom, eine hohe Meinung gefasst hatte, antwortet 
ganz ernsthaft, dass die Stärke eines Helden in ihm selbst und 
nicht in seinem Pferde liege. Die Entwickelnng der Geschichte 
zeigt uns allerdings, dass Alexin Recht hatte; ohne das stolze 
des getödteteu Helden würde Tom nicht die Chinesen zer- 
streut haben. 



261 



lesen wir i;i einem veiiiscbcn Hymnu.*, ■ dass Indra, wenn 
er rieb von seinen beiden Pferden trennt, einem schwachen und 
malten Sterbliehen gleich wird, dagegen erstarkt, wenn er sie 
anschirrt. Die Feinde können in den Schlachten nicht dem An* 
griffe der beiden schünfarbigen BoRi <1es Gottes Indra wider- 
stchn;- und nfobl allein d;is; auch nur ein Theil des göttlichen 
Pferdes genügt bisweilen, dem Ueldengotle den Sieg zu sichern. 
Ein änderet Hymnas 1 ringt: „Emes Pferdes Schwanz warst Du 

da, o Indra!" d. h. eh India das Schlangenungcheuer beeil 
Mit dem Köpft dee Pferdes Dadhyane vernichtet ludra Keine 
Feinde. J Auf das Pferd der Alwins, welches das Schlaugenunge- 
heuer t&dfet, ist schon Bezug genommen worden. Das Sonnen* 
pferd Dadbikrä, icliMitisch mit Dadhyaiil, in einem andern Hym- 
nus des liigveda, 5 wird als ein schneller Falke, glänzend, an- 
stünneod, seine Feinde gleich einem lleldeniürsten vernichtend, 
gleich dem Winde eilend gepriesen. Seine Feinde zittern r ge- 
schreckt von ihm wie von dem donnernden Himmel; es kämpft 

egen tausend Feinde — unbesiegbar, furchtbar und glänzend. 

Bildlieb heisst eB von den Pferden des Gottes Agni, dass sie die 
Feinde mit ihren Vordcrfiisscu besiegen* e 

AleAögada mit dem Ungeheuer Narantaka im Kam ay ana 7 
kämpfen will, schlägt er mit seiner Faust dessen grossem und 
»chnellfttssigem Pferd«' den Kopf ftb; mit dem zweiten Sehlage, 
den er gegen die Brust des Ungeheure führt, tüdtet er dasselbe. 
In den sieben Abenteuern Rustems bei Firdusi kämpft des 
Helden Pferd gegen das Ungeheuer uud treibt es fort, während 
er »chlätr 



1 Apa yor indrah päpaga ü marto na cacrauiüno bibbivüu 9. üb he yad 
ytrjruge taviflhivao; Kigv. X, 105, 3. 

1 Iasya saihsthe na vrinvate hart saraatsu catravah; Rigv. I, 5, 4, 

» Aevyo väro abhavas tad indra; Kigv. I, 32, 12; der indische Com- 
mentator bemerkt, dass Indra die Feinde fortjagte, wie der Schwanz eine» 
Pferdes die Insekten Abschüttelt, welche sich darauf setzen, was sich um 
so mehr von dem Schwänze de« Pferdes Indraa denken lässt, als er mit 
Milch, Butter, Honig und Ambrosia bedeckt ist. 

4 Kigv. a a, O. und I, 84, 13. 14. Auch Agni wird als ein geschwänz- 
tes Pferd verehrt (varavantam aevam) Iiigv, I, 27, 1. 

1 Kigipyaih eye nam p rush i taps um A cum carkrityam aryo nripatiih na 
turnt» — vutam iva dhragantam — uta eroftsya tanyator iva dyor rfghayato 
abhi> yadti sahnbnuu abhi Blum ayodhid durvartuh smä bha- 

Rigv. IV, 38, 2. 8. 8. 
i vakrätnontali prap&d&ir atniträn; Kigv. Vi, 75, 7, 



262 



Vom Bucephalus, dem Pferde, welches Alexander der Gr 
allein bändigen konnte — es hatte seinen Namen davon, da 
es, wie man vermuthen muss, auf dein Kopie Erhöhungen hatte, 
die den Hörnern eines Stieres glichen (wir sahen vorhin, wie von 
der Mähne des Sonncnpfcrdes als von Hörnern die Rede war in 
den vedischen Hymnen) — heisst es, dass es mehre Mal Alexan- 
der in der Schlacht rettete und dass es, obwohl bei einem Ge- 
fecht in Indien in den Hauken und am Kopie tiidtlieh verwundet, 
noch genug Kraft besass, um mit ausscrordent lieher Schnelligkeit 
zu Hieben und seinen Herren zu retten, und dann starb. Plinius 
sagt, indem er den Philare üb anfuhrt, dass der Krieger, der den 
Antioehns ersehlagen hatte, dessen Pferd zu reiten versuchte, doch 
dass ihn letzteres zu Boden warf, so dass er ums Leben kam, 

Vom Pegasus, dem geflügelten Ross, dass den Helden Bclle- 
tüphon Über das Wasser trug und durch welches der Held seine 
glorreichen Siege errang, wissen wir, dass die Kriegsgöttin Pal- 
las sein Bild auf ihrem Helm trug* 

Sueton sehreibt von dem Pferde Cäsars, dass es fast mensch- 
liche Füssc mit Zehen hatte („pedibus prope humanis et in mo- 
dum digitorum uugulis tissis"), woraus die aruspices dem grossen 
Römer die Weltherrschaft prophezeiten ; dieses Pferd wollte, gleich 
dem Bucephalus und jedem Ileldenrenner, keinen andern Reiter 
tragen als seineu Herren — den grossen Eroberer* 

Das Pferd Paiardo bei Ariost bekämpft die Feinde mit 
seinen Füssen. Der Ilippogryph Ariosts hat ferner die Besonder- 
heit, gleich dem Pegasus geflügelt zu sein und in der Luft in 
gehen wie der Tatos der Ungarn* Der Name Falke, welchen 
das Pferd des deutschen und skandinavischen Helden Dietrich 
oder Thidrek (Theodoricus) führt, lässt uns glauben, dass es 
ebenfalls geflügelt war. 

In der Edda erhalt Skirner von Frey ein Pferd, das seinen 
Reiter durch Nebel (Wasser) und Flammen trägt und das Schwert, 
das von selbst schlägt, wenn sein Träger ein Held ist. Das 
Pferd Sigurds oder Sifrits zeigt dieselbe Fähigkeit, den Helden 
unverletzt durch die Flammen zu tragen* Das geschieht am 
Morgen, wenn die Sonne heil und gesund aus den Flammen der 
Aurora auftaucht; am Abend dagegen, wenn die Sonne sich in 
den Flammen der Aurora verliert oder wenn der Sonnenheld stirbt, 
wird sein Pferd ebenfalls, wie das Pferd Haiders in der Edda. 
auf dem Scheiterhaufen verb raunt oder geopfert; die Auferstehung 
des todten Pferdes und des todten Helden finden zu gleicher 



263 

Zeit Statt, Der Pferdekopf, der aus dem Fenster hervorragt, wie 
er sich auf alt hen Gräbern dargestellt findet and in 

deutschen Bräuchen bewahrt igt, * ist für den Menschen ein Sym- 
bol der Auferstehung. Der Kopf Vishnus, Ua'aihexavas n iid Da- 
dbyancs in der indischen Sage haben dieselbe Bedeutung. Wer 
in diesen Kopf eingeht, findet Tod and Hölle; wer herauskommt, 
ersteht wieder zu neuem Leben. Der fromme christliehe Glaube 
an die Auferstehung, welche kommen soll, und die zahlreichen 
mittelalterlichen europäischen Legenden von todten Helden oder 
Jungfrauen, welche friedererweckt sind, haben ihren Ursprung 
and Grund in der Beobachtung der jährlichen und täglichen 
Auferstehung der Sonne, 

In dem achtunddreissigsten Mäbrchen des fünften Buches 
bei Afanassieff erhält der junge Prinz von einem verzauberten 
Vogel ein Schlachtross und einen Apfel von der Faille der Sonne 
zum Geschenk. (Der Jüngling giebt den goldenen Apfel einer 
schönen Prinzessin dafür, dass er die Nacht hat bei ihr bleiben 
dürfen; man merke hier wieder auf die Verwandtschaft des Pferdes 
und des Apfels, und wahrscheinlich des Pferdes und des Stieres, 
der Sonne und des Mondes.) In andern russischen Mährchen ist 
da» Ross des Helden, Iwan Tzarewid, zuerst mit zwölf eisernen 
Ketten unter der Erde angebunden ; als Iwan es reitet, zerrcisst 
es sie sämmtlieh. ■ Das Pferd, welches Iwan der Dieb, wie er- 
zählt wird, seinem Herrn entführt, 3 ist in drei sechsfach ver- 
riegelten Thoren eingeschlossen ; wenn er es stiehlt, soll er 200 
Rubel zur Belohnung erhalten; wenn nicht, sollen 200 Bastouadeu 
seine Strafe sein. Iwan zieht sich Kleider von seinem Herrn 
an und befiehlt, dessen Stimme nachahmend, den Stallknechten, 
ihm sein Lieblingspferd zu bringen. Diese lassen sieh täuschen, 
gehorcheu und so führt Iwan das Pferd davon. Schliesslich muss 
in einem dritten russischen Mähreheu 4 Iwan Tzarcwic eines 
Helden Pferd bei Gelegenheit seiner Hochzeit mit der schönen, 
aber bösen Anna reiten. Er nimmt seine Zuflucht zu seinem 
er Katoma, der den Beinamen Eichenhut tührt ^hier finden 
den Helden wieder in Beziehung mit dem Baum und dem 
Pferde), und der von dem Grobschmied ein Heldenpterd anfertigen 



1 Vgl Simrock, Handbuch der deutschen Mythologie p. 376. 

• Afau. 11, 24. 
■ Ib, V 

* Ib. V, 3fc 






liisst; zwtilt" jftngfl ftrobschrmedc (die zwölf Standen ik 
oder auch die zwölf Mnuate »Irs Jabrefi) ziehen zwölj Hiegel an 
(üben EW&I Tlmre und führen ein verzaubertes, mit bwöII eiserner: 
Ketten gebundenes Pferd heraus. Kaum ist der Lebrer auf tk 
Rücken gestiegen, uh* es höher fliegt denn der Wald, d 
steht und niedriger als die Wolke, die »ich Im Der Lehret 

bändigt es, indem er eich mit der einen Hand an seine Mähne 
klammert, mit der andern aber cb hintereinander mit vier Stüeken 
einer verzauberten eisernen Säule zwischen die Ohren schli 
Das Pferd bittet darauf mit menschlicher Stimme um Bein Leben; 
die Fähigkeit zu spreehen ist nämlich aha, unterscheidendes Attri- 
but des Heldenpterdes eine Fähigkeit, deren es sich oft bedient, 
wie Kustems Pferd z, B., um den Helden vor den ihn umringen- 
den Gefahren zu warnen und ihm guten Uath zu ertheilen; bis 
weilen dagegen, wenn es sieh in der Gewalt des Ungeheuers be- 
findet, spielt es die Rolle eines Spion* BÄch den Handlung« 
des Helden und hinterbringt dieselben dem Ungeheuers ■ es ver 
apricht auch, dem Lehrer den Willen zu tliuiL Katoma, der da 
Pferd Hunderleiscb nennt, befiehlt ihm , noch den niiehsten Tag 
zu bleiben, welcher zur Hochzeit bestimm! ist, und wenn der 
Bräutigam Iwan es reiten werde, so zu thun, als ob es von einer 
schweren Last gedruckt würde. 

In dem siebenten ehstnisehen Malirehen stiehlt der juu^ 
Held dem Herrn (dem Teufel oder dem schwarzen Un^eluuet 
Nacht), in dessen Diensten er stellt, das wiudsehuellc Rots; er 
reitet in der Richtung, wo die Boane untergeht, muss jedoch das 
Pferd au einer eisernen Kette festbinden (es ist das der Strick 
Yamas oder Varan as, des nächtlichen Bedeckers oder Binder 
welcher den vedischen Beide» (.'iinah^cpa, die Smme, den 
der goldenen Ruthe, bindet)» damit es nicht davon- und wiede 
zurücklaufen kann. Dieses Moment ist hoehst interessai: 



1 Povishe liessu static* avo, poni*ze ab lake hadirldavo. 

1 So heisst es z. B, im Feotamcrooo 1H, 7, wo der Kini 
SchoM Utrfd Corvetto schickt, das Pferd des Ogre zu stehlen, der lehn 
Meilen von Schottland entfernt lebt: „Haveva st' lluoreo no üe.JlUaiö 
cavallo, che pareva falto co lo penniello e tra le autre bellizzc no h 
cava manco la parola/' Als Corvetto das Pferd entführt, ruft es au 
Terta ca Corvetto me ne porta." — Vgl. auch das Pen tun HI, 

— Nicht allein das Pferd, sondern auch der Wagen hat die ** 
Sprache: Ramay, VU, 44 spricht der Wagen Pusbpaka zu Ivuma 
sagt ihm, er sei allein würdig, ihn su lenken. 






lentil] Mythus noch deutlicher m, 



m aah, das* die Sonne iiuj Abend nicht zurlickk* 

, class das Sonnenrose von dem Helden selbst, der 
[en worden sei. 
Id i Volksmährchen haben wir znwcilen statt 

de« Bel« inem Herrn das Pferd entfuhrt, den Bei 

i ein Herrn in Gestalt 
bei Heiner Flucht von dir Tochter denselben mit* 
re oder Dämons Tochter oder der sei 
uigfrau (Welche später schön und gliinzend wird). Im um- 
/olkgglaubeu nimmt die jüngste von den Töchtern der 
I iexe (die Aurora) ofl die Gestalt des lleldcnrosses Tatos an. 

I atoe, als dor Held, i lie mil d 

auf die Stirn schläft; dann trügt sie ihn, in ein Pferd nul- 
ltet, in die 1, litte. In dem russischen Mahn «'lit der 
le« Kaufmanns zu einem weisen Zauberer in die Lehre. 
«Jer ihm jede Art \on Wissen beibringt unter Auderm auch ihm 
a die Schafe sagen, wenn sie blöken, die Vögel, wenn 
ti, und dir Pferde, wenn sie wiehern. Endlich kehrt der 
jn atltt, nachdem er allerhand Possen gelernt, heim und 
II sich seihst in ein Pferd, damit ihn sein Vater auf dem 
Markte n und Gehl gewinnen könne; doch warnt er 
er, den Zügel nicht aus der Hand zu lassen, damit er 
uiebt wieder in die Bitode des Zauberers falle. Der Vater ver- 
grast es und verkauft Pferd und Zöge! zusammen, * Der Zau- 
tigt das Pferd mit einem Ringe an eine Eiebe; die 
adiwar/,«' Jungfrau (dievki cornavke), die Schwester des Teufels, 
■m Pferde Hirse und Wassernieth; dadurch gewinnt das 
lg, die Kette, welche es an den Baum fesselt, zu 
p und läuft davon Der Teufel folgt ihm; das Pferd wird 
Fisch uud aus dem Fisch ein King; des Königs Tochter kauft 
iiing und steckt ihn an den Fiuger; während des Tages ist 
eq King (die Sonnenschcibc ) und wahrend der Nacht ein 
Jüngling, der das Lager der Königstochter theilt (die 
Mond verborgen in der Dunkelheit der Nacht L 
Eines Ta i die Prinzessin den King zu Boden fallen und 
erbricht in tausend Stücke die Abendsonne, die auf den Berg 



Vgl, auch V f 22 uud Nr 36 von den Novell, no 
C a I c i u a i a. 
Kap 1 p, 



266 



fällt); darauf wird der Teufel eiti Hahn, um die Stücke des zer- 
brochenen Ringes aufzupicken; doch ein kleines Stückchen fallt 
unter den Fuss der Prinzessin und wird in einen Falken ver- 
wandelt, der den Hahn erwürgt und verschlingt. 

In dem Zügel, welcher diesen Helden, der ein Pferd wird, 
fesselt, glaube ich den Lasso wiedererkennen in dürfen, mit wel- 
chem Varuna im Aitarcya Brahman a den ^unah^epa ge- 
fesselt hält. Im Rigveda 1 haben wir Sürya, die Sonne, als 
Säuvagvya oder Sohn Svagvyas d. h. dessen, der schöne Pferde 
hat; doch da wir neben Svacvya auch Svagva finden (d- L der 
ein sehtincs Pferd hat), so könnte die Sonne selbst dieses Pferd 
zu sein scheinen. Die Sage erzählt, dass Sva^va, der keine 
Kinder hatte, die Sonne ersuchte, ihm welche zu geben und d 
mj< Sonne ihm zn Gefallen selbst von ilim geboren wurde. Svai; 
der ein schönes Pferd und keine Söhne hat, ist vielleicht id 
tisch mit dem alten Mann, der durch Verkauf des Pferdes sein' 
Sohn verloren hat; als die Sonne wiederkehrt, kommt auch sei 
Sohn zurück, In den vedischen Ausdrücken: ohue Pferd, ge 
boren ohne Zügel, die Sonne (als ein Renner 2 ), dürfte der 
Held als der bezeichnet sein, welcher noch nicht dieses Pferd 
oder diesen Zügel hat, ohne welchen er machtlos ist; denn d 
Held wird fast immer auch zugleich als Reiter gedacht. 

Dem Reiterbeldcn ist sein Pferd sein Alles; bisweilen ist 
jedoch auch störrisch; dann straft es der Held. Wir machten 
schon auf den bekannten griechischen Mythus von Pbaeton auf- 
merksam, der mit Ross und Wagen in das Wasser stürzte, weil 
die Pferde die Erde in Brand zu setzen drohten. Das ereignet 
sich jeden Tag gegen Abend, weuu die Sonne untergeht; der 
ganze Himmel geht hinab; da wird die Sonne in den Ocean der 
Nacht geworfen; der Lauf der Sonnenrosse ist unterbrochen und 
die Räder des Wagens rollen nicht länger, Eine Ähnliche Kata- 
strophe wiederholt sich am Johannistage, in der Sommersonnen 
wende, in welcher die Sonne stehen bleibt und zurückzugehen 
anfangt, weshalb die Tage von da bis Weihnachten immer kürzer 
werden. 

In Deutschland 3 herrscht ein merkwürdiger Volksglauben, 



: 

en 



1 I, 61, 15, 

* Ads^vo güto anabbivnr arvä; Rigv, L, 152, 5. 
1 Vgl. Menzel» Die vorchristliche Unsterblichkeit a-L« 
I, p. 29. 






2K7 



demzufolge der Jäger, tier am Johannistage einen Seil lies in die 
Sonne that, dadurch ein Freischlitz wird, d, h. der fortan nie 
mehr fehlschiesst Auch glaubt das Volk, ein Jager, der den 
frevelnden Sehaas in die Sonne gethan, sei dafür verdammt wur- 
den, ewig jagen zu müssen. — In der Nacht wie auch in der 
Periode, während welcher der Glanz der Sonne abnimmt und 
zwar besonders im Herbst, ist der düstere Wald Himmel angefüllt 
mit allen Arten von wilden Tiiieren; die Sonne tritt in diesen 
Wald ein, wird Mond und jagt darin die wilden Thiere die 
ganze Nacht resp. Jahr, d, h. bis sie wiedergeboren wird. Im 
Kigvcda, wo wir Schwesterstoten an den Sonnenwagen ge- 
schirrt sahen, ' treibt Indra, seinem Lieblinge Eta$a zu Gefallen, 
nachdem er die Ambrosia getrunken, die Wolken, welche biutcr- 
gefallen waren, vor die fliegenden Sonnenrosse,- d. h. er warnt 
den von Pferden gezogenen Sounenhelden, sei es durch die Wolke 
im Gewitter, sei es durch die Dunkelheit der Nacht, weiterzugehn; 
und er sehlägt sogar die Räder des Sonnenwagens selbst, um 
seinem einen Weltenbrand drohenden Laufe Einhalt zti thnn. Von 
diesen vedischen Daten ist der Uebergang zu dem Phaeton dar 
Griechen, der wegen der Pferde in die Wasser stürzt, leicht. 
Der um seiner Pferde willen getodtete Held ist häutig Gegenstand 
der Mythologie und der griechische Name Hippolytos geht auf 
diese Todesart zurück. Hippolytos, der Sohn des Theseus r wird 
anf der Flucht vor seinem Vater, der ihn des Incests mit seiner 
Stiefmutter Phaedra ftlr schuldig halt, aus dem zertrümmerten 
Wagen geschleudert, als die Wagenpferde dem Meere nahen und 
vor Meerungeheuern scheuen. Es ist das eine Variation der Sage 
von dem von seiner Stiefmutter verfolgten jungen Helden, der in 
das Meer geworfen wird, jedoch mit dem beach tenswerthen Zu- 
satz, dass seine Pferde selbst die Ursache seines Todes sind. Die 
christliche Legende vom heiligen Hippolytus hat sich diesen be- 
sonderen Zug angeeignet, indem sie den heiligen Märtyrer, der 
unter den Kaisern Decius und Valerian PrUfect war, als von 
Pferden zerrissen darstellt* Der Dichter Prudentius führt die 
Erzählung in folgenden beiden sonderbaren Distichen aus, in 
welchen über St. Hippolytus von Seiten des rümiBchen Richters 
die Todesstrafe verhängt wird: 



1 Sapta svasärah suvitaya gflryam vabanti harito rathe; Rigv. VII, 
€6, 15. 

1 Adha kratvü maghavan üibhyath devü anu Yi^ve adaduh aomapeyam 
tat ttiryasya lmntah patantih puraJi satir upurä etaye kuh ; K i g v, V» 29, 5. 



„Itlfl supmata rc«b' .-<\ quin, intuit 

Dicitur? affirmant dicier Hippolytum. 

->it liippolytua; quatiat turbetque jugalea 
Intereatque fcris di lace rat us equis." 

M'enlc, welche den Helden in das Wasser 
dieselben, «reiche ihn retten, indem sie ihn über die Tiefe tri 
all sie den Wftgen oder das Schiff auf dein Meere au das 
sieben. Die Arvins tlmn das Gleiche im Rigveda, wo sie 

1 sieh als andere Helden auf ihrem Wagen, der mit einer 
Sein Hellen wird, * aus den Wogen retten. Held und Pfcr 

haben Immer dasselbe Schicksal. 

Wenn der Held naht oder wenn dem Helden ein glückliches 
Ereignis« zustossen soll, wiehert sein Pferd vor Freude. 

Im Wigveda- wiehert bei der Ankunft des Gottes India 
das Pferd, brüllt die Kuh, wie ein Bote zwischen Himmel und 
Eide. Das Wiehern dieses Pferdes und das Brüllen dieser Kul; 
sind das Donnern der Sonne in der Wolke. Durch dieses Wie 
hern oder Brüllen werden die Menschen benachrichtigt, dass 
Heldengott Indra im Himmel seine Schlachten beginnt. Ein au 
derer Hymnus, der die beiden Pferde Indras swei Strahlen der 
iryasya ketü) nennt, feiert sie als wiehernd und Am- 
brosia ausspritzend, 3 d. h. die Sonne lässt Regen ans den Wol- 

t allen; wenn sie sich am Morgeu im Osten zeigt, wiehert 
ihr Plerd und lässt Thau auf die Erde tropfen. 

Herodot und nach ihm Opnian und Valerius Maximus er- 
zählen die mythische Geschichte von Darius Hystaspis, der un- 
vorhergesehener Weise znr Herrschaft gelaugte, weil er seine Col- 
li dem Beschlüsse überredete, dassderdie Krone enipfan 
sollte, dessen Pferd zuerst beim Anblick der Sonne wiehern würde, 

ird berichtet , dass Darius, als er an Ort und Stelle kam, 

Pferd eine Stute wittern Hess.* Wiehern ist das Lachen des 



1 V Mail oatiitaiuyatam paraya g&ntave, jodgitfafttn avvtoa rathatn; 

* Kraudad aevu nayatiKino rurud gsur autar düto na rodasi ikrad vuk 

* («hritaveutiah svrirniu asvarabtam; (t»gv. II, 11 

* iqpei gi'uitalrm partem de*it«atii manum , cam ad ton 
n veututn MMi naribii» equi admovit, quo odore irritatus ante i 

humilum odidit, auditoijuo M na rclu|ui &üiuuuml* poteatatU i-mtmuo eqt 
ddapti caudidati» ut mos eel Penarum* huuii prutfraü* corponbua Da 



269 



Pferde«, Wir Rahen im vorigen Kapitel, wie der Stier spricht 

und der Fisch lacht beim Anblick ties Coitus; und so lu< 

in der Erzählung" von Darius, das Pferd, das wegen der 

wiehert. im ant' dan Pferd te Mythologie zurüekzu- 

knrnmeo, bo wiehert dag Sounenpferd in der Donnerwolke, welche 

r, wie eine Kub ; schwängert und der Beuget wie eine 

Stute, und zwar wiehert eß beim Anblick der Aurora, die bald 

als die Leukerin von hundert Wagen erscheint 1 (eine runde 

Zahl, wie die hunderttausend Pferde, welche in einem anderen 

Hymnus ' der Gott Indra lenkt; eine Liehlingszahl, wie die Sieben, 

welche auf dieselben Sonnenpferde. Sonnenstrahlen und Aflgift 

Anwendung findet*) — weshalb ßie sich mit der Aphrodite Ilip 

l der Grieclien vergleichen lässt — , bald auch als eine 

wirkliche Stute. Die Sonne ist bald eine Lenkerin von Pferden, 

b§U selbst ein Pferd , ebenso ist die Aurora bald eine Amazone, 

bald eine Lenkerin von Wagen, bald aevavati und bald eine 

Stute. Wenn die Sonne sich der Aurora, oder das Pferd der 

liert, wiehert dasselbe. Wir wissen, wie die Aerius sieh 

Mime der Gemahlin der Sonne, Saranyü, der Tochter Tvash- 

betraebteten, weiche sich mit der Sonne in Gestalt einer 

State vereinigte. Mag diese Saranyii die Wolke oder die Aurora 

wir haben in ihr auf alle Fälle eine Stute zu sehen, welche 

die Sonne* der Sonneuheld oder Sonnenhengst begattet» um die 

Zwiliingshelden zu zeugen, die aus diesem Grunde auch die beiden 

ic der Stute heissen, * Wir sahen schon im vorigen Kapitel 

einen Helden und eine Heldin, die aus Eiern ansgebrtüet werden; 

den Dioskuren wissen wir, dass sie ans dein Ei der Leda 

entsprangen, und das Stulenei ist das Thema eines Mahrchens 

in der Ukermark. 5 Griechische Schriftsteller haben mehre 



tvgrm aaiularunt; Valer. Max. Mem. VII; llcrodot III* 07. Herodot 
nimmt auch auf eine andere Veraion dieser Anekdote Bezug, und fügt 
:j, das» es beim ersten Tngcsgranen blitzt und dnnnert.-. 

in, ratbänüui; Kigv. I, 48, 3, — (Jataih rathebhih aubhft 
iy»fi lushan; I, 4s, 7. 

1 Upa tmani dadhnuo dhury Ayunt niihasiüni e,AtHni vitgrabahuh; R i ^ v. 
■■K #. 
1 V IV, 3, 11; IV, 13, 3. 

' e t e r e b u rg e r Wörterbuch a. v. a q v i n. 
1 Kuhn und »Schwartz p. 33U t — Der sprichwörtliche Ausdruck im 
Engluschcn : „a murk's nest", mit welchem man jetzt ein« Unmöglichkeit 
bezeichnet, ging wahrscheinlich ursprünglich auf eiueu wirklichen Mythus 
«öffick. 



270 

Falle von geschlechtlicher Vermiftchang zwischen Miinr 
Stuten und zwischen Hengsten und Weibern überlief 
sprechenden Geburten von Uugeheuergeatalt Nun, so unnatürlich 
solche Geburten uns erscheinen, befinden sie sich in der Mytho- 
logie in vollständiger Harmonie mit der Natur, Im vorigen Ka- 
pitel sahen wir die Kuh, die Über den Hasen springt, und erklärtet] 
diese Erscheinung durch die Wolke oder Dunkelheit, die den 
Mond bedeckt und auch durch die Erde, die bei Mondfinster- 
nissen den Mond verdunkelt. Bei Herodot und Valerius Maximus 
wirft zur Zeit des Xerxes eine Stute einen Hasen, und wir müssen 
hier den Hasen als den Mond auffassen, der aus der Dunkelheit 
«Kirr den Wolken heraustritt; wenn wir ferner lesen, dass der 
Hase die Stute erstickte, so müssen wir das so verstehen, dass 
er den Mond bedeutet als die Dunkelheit oder die Wolken 
streuend (vielleicht auch die Bonne oder die Abend- Aurora). Wir 
müssen in dieser Weise zu dem Mythus unsere Zuflucht nehmen, 
um die Beispiele von Parturitionen ohne Coitus zu begreifen, die 
sich in einigen indischen Sagen finden und auf Helden ange- 
wendet werden, ebenso wie auch die sonderbaren Erörterungen 
Jen Alten, von Aristoteles, Varro, Plinius, Columella, Solium 
uud Augustinus bis herunter auf Albertus Magnus und Aldro- 
vandi über Stuten, und xwar besonders spanische und portugie- 
sische Stuten, welche vom Winde geschwängert sind (bei OppiüS ' 
die mit. den windigen Füssen genannt) und von denen auch im 
Pen tamer one* mit weniger Decenz in Beziehung auf den 
Mythus von dem von dem Baume gefallenen Mädchen die 
Rede ist. 



• Kyneg. I. 284. 

1 II, & „Allecordatose d'haver 'ntiso na vota da certo etodiant« 
le cavalle de Spagna se'mpreiianö co lo viento; 1 ' und die Geschichte spricht 
weiter von dem Erstaunen des Ogre, welcher beim Anblick eines schone« 
Müdeheus in seinem Garten „penaaie che lo shiavro de lo pideto, havease 
'ngravedato quarche arvolo, e ne fosse sciuta stu penta eriatura; pcrxo 
abbraeeiatala co gran'ammore , decette, figtia mia, parte de sto euorpo. 

to de !o spireto mio t e chi me l* bavesse ditto mai t - .lot«- 

hu v esse dato forma a »sa be IIa (acc< Ulf ernst- 

buii : , .1 n faetura res iücredibilis est in Uispaniu 

Lintia ad Octanum \n M regione, ubi eat oppidui - «-• ■•«,•• 

ro, quae dam e vcoto eoneipUmt equac. tit bic irom 

appellant, ted ex his equu 



Auch da» Pferd Ariost's hat eine Ähnliche Natur: 



„Quest o 4 il doetrier Che fu dc\V Argali* 
Uhe di fiamina e di veuto em QOuoettO 
E senza fieno e biada si nutria 
Do V aria pur a e Rabican fu detto. 4i 

has Pferd CioIIes in einem toscanisehen Sprichwort nährt sich 
auch nnr von Wind. 

Das Pferd des Dardanos, des Sohns des Zeus» war auch nach 
der Sage vom Winde geboren, was uns auf die vedischeu Maruts, 
deren Wagen Pferde zu Flügeln haben, und auf den vo lucer 
cnrriis des horaziseben Diespiter zurückführt. 1 Im Sanskritist 
druck vfitä^va, Windpferd, sehr gebräuchlich zur He- 
ilung eines sehr schnellfüssigen Pferdes. 

Kaum ist das Pferd Uccaihgrava geboren, als es auch 
schon wiehert; gleich ihm lacht im M aha bhärata der Held 
Avvatlhaman, der Sohn Dronas (eigentlich: der, welcher in seinem 

le Stärke hat, was dasselbe ist wie „Heldenpferd"); sobald 
er geboren ist. 

Ferner, wie das Pferd durch Wiehern seine Freude über das 
Glück seines Reiters bezeigt, so ist es nicht nur traurig, sondern 
vergicsst auch wirklich Thränen, wenn ihn Unglück troffen soll. 

Als Rävana im Rani Ay an a in seinem Wagen erscheint, um 
den Entscheidungskampf mit Kama auszufechten, vergiessen Beine 
Renner Thränen * — ein unglückliches Vorzeichen. Ravana ist 
das Ungeheuer des Dunkels und der Wolken; als die Wolke sich 
zu zertheüen beginnt, fallen Regentropfen, d, h. die Pferde des 
:ehcuers weinen. Die verrätherische Schwester, welche mit dem 

eheuer gegen ihren Bruder verbündet ist in russischen Mäbr- 
cheu, wird von ihrem Bruder, der das Ungeheuer tödtet, dazu 
verurtheilt, einen ganzen Eimer mit ihren Thränen zu füllen. 3 



1 Rathebhir acvaparnfti),i; Rigv. L, 88, 1. — Uoraz, Darm. I T 14; 
„Namque Diespiter, 
Igni coruaco nubila dividen» 
Plerumque per purum tonautes 
Egit equos, volueremque currum." 
t*ya mumucurvagiimb; Ri'unüy. VI, 75. 
1 In den Menden italienischen Mähreken uiuaa der fur eine 

Inili»' kfte Held reejj. Heldin, bevor er Verzeihung erlangt, 

neben }*r. \e Schuhe abnutzen und sieben Flaschen mit Thränen 



Diese Tlufinen sind ebenfalls ein sagen 1 mbnl de 

lebe? tallt, als der Sonttenheld die Wuike 
Sueton schreibt im Leben Cäsars, d. dem 

weihten und danu nach dem Ueberschreiten de* Rubicon 
in Freiheit gesetzten Pferde sich hartnäckig»! w 
sen und reichliche Thranen vergossen. 1 Eh ist darauf EIS achten, 
diese Erzählung von den weinenden i'terdeu mit dem leher 
schreiten des V tes Rubicon in Verbindung gebracht ist 

* Stromes, den noch kein Geograph mit Sic bat eon- 

iren können, wahrscheinlich weil die darauf bezügliche 
Zählung eine Kabel mythischen Ursprungs ist Wir wie 

. mythische Vorstellungen dazu neigen, eme menschliche 
statt anzunehmen und besonders incliniren, sieh um grosse bi 
rieche P( GS SO gruppiren — CyriW, Alexander, lio 

lue, Cäsar, Augustus, Vespasian, Attila, Theodorieb uud Karl der 
nid 1. «weise dafür; und vielleicht wird ein Tag kommen, 
an welchem Napoleon L oder Garibaldi tür manche Volks^ 
jetzt unbestimmt und unstät nmherirrt, einen neuen Gli< 
manu abgeben). So heisst es auch, dass Cäsars Pferd selbst 
Tage lang vor dem Tode des Helden Thriiuen vergoss. In der 
lliade ' weinen die Rosse Achills über den Tod di -Jus, 

den Uektor von seinem \\ Igen in den iStaub gl in den 

Paraleipoiueua des (Juintus Smyrnaeus J w einen die H 
illa bitterlich über den Tod ihres Helden. Es LbI das 
Variation der Bag* \ou den Pferden, welche den Sonuenheldeu 
in die \\ den Ucean der Nacht oder die Wolken hinab- 

und der von den Rossen Poseidons. Die Nobel, w< 
menuntergang am Abend die Luft schwü und die 

Isse bei Tag und bei Nacht, wie auch die im Herbst^ 
lassen Thrüneu zur Erde lallen oder weinen Über den (nahet) Tod 
dos Seimenlielden. 

Der Morgcntbau dagegen, der als Schaum aus 
äonnenpferdefl kommt oder aus seinem Uuf als Ambrosia 

i , ist mit jeder Art Heilung spendenden Eiutluases 
geschwängert. 



eoitfu 

> 1 






rd and der Stier der Mythologie siud \as- 

Dureb eine v — die in 

ii einer von den Sprüchen ist, welch 
um das Zungenband zu lösen — , die sich auf die beiden 
ausspritzenden oder befruchtenden Rosse Indraa Ik 

(Wortspiel mit der Wurzel varsh oder vrish, welche zu- 
u und befruchten bedeutet, ' und mit dem Buch- 
en r, der fast in jedem Wort d< wrkommt Nicht 
allein die Pferde indras spritzen aus nml befruchten; dieselbe 
afl wird auch dem von ihnen u Wagen l»< 

icni, dass das Pferd der An ins das Schlangen* 
r tftdtet und dass der Pferdekopf Dadhyanc (der in 
oder in der zerlassenen Butter wandelt, und der sieh in 
m Milchsee befindet) die Feinde Indras vernichtet Bin ve- 
Hyinuus singt, dass mit dem Schaum der Wasser Indra 
ilangenumgeheuer den Kopf abschlägt. • Im Toseani* 
er Keieiihusten der Pferde- oder Eselsbusten, ' und man 
glaubt, dass die Kinder davon geheilt werden, wenn man ihnen 
den Schaum von dem Maule eines Pferdes zu trinken giebt 
sie aas dem Wasser trinken lässt, aus welchem ein Pferd ge- 
trunken hat Dieses Heilverfahren beruht auf dem Grtradsi 
h i m i I i a si m il ib u s , indem der Schaum gegen jenen convulsi- 
on angewandt wird, welcher, wie alle Couvulsh 
Schaum m den Mnud bringt. Allerdings wird der 
an diese Wundermedicin etwas erschüttert, wenn wir 
lesen, dass derselbe Schaum auch eiu sehr wirksames Mittel 
gegen Obrenselimerzen ist, Plinius, ßextus Empirieus und Mar- 
eellux bei Aldrovandi ' empfehlen ebenfalls die saliva eines Pfer- 
des als ein Mittel gegen Husten, besonders bei Schwindsucht 



h vardhatu dyäur vrishu vrishabhyäin , 
vriaha vrisharathah sueipru vriebakrato vrwl) 
blutrc dblh; {Ügv. V tin Picniuntcsiflchen giebt es ein liesell- 

H*pjül, das in der Beschreibung der Geschenke, die man der I 
udec bq denkt, besteht, bei w uzigea 

hi Wort m r bringt, bat das 

reo 

te ratha utu te vriahanfi bar!; Ki^v. VMi, 

ira indrod avartayah; Higv, V11I. 14, 13* 
helfet au tun de hustet) und darum glaubt man ai, 

dem wenn man die Kinder da Mund 






274 

Patienten, mit dem Bemerken, dass die kranke Person in dr 
Tagen geheilt ist, das Pferd aber stirbt , ein Aherglai 
seinen Ursprung in dem mythischen Pferde gehabt haben m 
welches von Ambrosia lebt, aber seine Krilita verliert und stirbt, 
als ihm sein Speichel, Schaum, Ambrosia oder Than genommen 
ist. Es ist bekannt, dass die Acvins neben ihrem ( r als 

zende Keiter auch als Menschenfreunde ausserordentlich 
schickte Aerzte waren; das konnte aucli uieht anders sein; batten 
sie doch den Kopf Dadbyarids in ihrer Gewalt, welcher sieh in 
der Ambrosia befindet d. h. dessen Schaum Ai Die 

Dioskurcn erscheinen ebenfalls häufig in cm d als 

unerwartete und wunderbare Befreier. Mit diesem mythischen 
Glauben von dem Pferde, das Ambrosia hen? t, hängt 

die Verwandlung der Ocyrhoc in eine Stute zusammen, weil 

'sagt, dass Aesculap durch die Arzneikunde die Menschen 
vom Tode erretten würde, wie sie Ovid im zweiten Buche der 
Metamorphosen geschildert hat Aesculap wurde bekannt- 
lieh bei Quellen verebrt, deren Wasser man für heilkräftig I 
und wurde von dem Sonnengott Apollo beschützt; die tu 
Aerzte, die Söhne des Asclepios oder Aesculapius, scheinen nicht« 
weiter als eine Sondergestaltung der Dioskurcn 

Doch das Sonnenpferd bringt nicht allein mit seinem Munde 
Ambrosia hervor. 

Es hat grosse Kraft in seinen Hufen (weshalb Isidor und 
andere Etymologen des Mittelalters den Kamen e a ball us davon 
ableiteten, „quod unguis terrarn cavat" •) uud bedient sich im 
Mythus und in der Sage derselben nicht nur zum Kam] 
die Feinde, sondern auch um die Erde aufzureissen und ambro- 
sische Quellen daraus hervorsprudeln zu lassen. Bis* pritSt 
Ambrosia ans dem Hufe des Pferdes & raus, Im l: 
veda- belaßt es, die Pferde Agnifi hätten Hände (d. h. Hufeu au 
den Vnrderlnssen | , welche ausspritzen; und das Pferd , 
die Arvins dem von ihnen beschützten Heide a geben (d. 
Souuenheldeu, der Morgensonne), füllt mit seinem starken Hufe 

lert Krüge mit berauschendem Nass. :t Ich habe 
hier die berühmte Quelle des Pferdes oder Uippoh 



1 Da range, Gloaa. 

1 *<;vMyu 









275 









eiche Bellerophons Pegaeua ans der Erde hervorsprudeln lies», 
Indem er mit BeiueiB Huf das Erdreich aufbrach (deshalb auch 
Ihffw zeiiarmt). Iu der römischen Sage wurde der 

Pfcrdehuf an einem Ort nah dem Lacus Regillus verehrt, wo der 
e nach diu Dioskuren erschienen waren. * In einem russischen 

chen * geriitli lläiischcu (Ivanuslika), als er einen Pfcrdehuf 
ftiebt ^ in grosse Versuchung, daraus zu trinken , doch widcrriüh 
ihm seine Sc Dieselbe Versuchung tritt wieder an ihn 

heran beim Anblick eines Stierbufes und später dem eines Bockes, 
Zuletzt kann er sich nicht mehr halten, er trinkt aus dem Bocks- 
huf und wird selbst in einen Bock verwandelt. Iu der Spur 
eine« Pferdcliufes liititt in andern Mährchcu die Ameise Gefahr 
zu ertrinken; von einem Menschen gerettet, beweist sie sich im- 
mer dankbar gegen denselben. 3 

Mehre Mythen, die wir in dem vorigen Kapitel schon als auf 
den Stier bezüglich angefahrt haben, kommen wieder in Ver- 
bindung mit dem Pferde vor, wie z. ß. die Vögel, welche aus 
dem Pfadi kommen; der Held, welcher dem Pferde das Fell ab* 
zieht, indem er es am Sehwanze packt, um einen Sack davon zu 
machen; das schnelle Ross des Adraatns, welches hinter der 
Schildkröte benennt (ein griechisches Sprichwort); 4 das Moudpfcrd 
und das Sonnenpferd, Dieser Wechsel zwischen Mond und Sonne 
und zwischen Stier und Pferd ist glücklich angedeutet worden 
von dem römischen Dichter Fulgentius; 

„Jam Phoebus disjungit equos, jam Cynthia jung it, 
Qua&que soror tiquit, f rater pedc temperat iradaa; 






1 M Oue ßpot on the margin of Lake Regillus was for many ages re* 
garded with superstitious awe. A mark, resembling in shape a horse's 
hoof, was discernible in the volcanic rock; and this mark was believed to 
Lave been made by one of the celestial chargers." — Macaulay, Battle 
of the Lake Regillus, Vorrede. 
ifan. IV, 45. 
e Milch von weissen Stuten, die nach Olaus Magnus (I, 24) jähr- 
lich von dem Gothcnküuig am 28. August ZU Ehren der Götter, welche 
rosscr Gier aufnahmen, auf die Erde gegossen wurde, dürfte eine 
Ankündigung der drohenden llerbstrcgengüsse sein; das Pferd verliert 
•eine ambrosische Feuchtigkeit und sein Ende steht vor der Thor. 

isch-römische Sprichwort: „Equua me portal, alit rex,** 

dürft«* ebenfalls einen mythischen Ursprung haben und auf die mythische 

hlnng von dem verratheu en Blinden zurückgehen, der den verschla- 

n Krüppel oder Lahmen trägt, welcher letztere sich oft nur lahm stellt, 

tun tetnem Q ü o flca ein paar Beiner Streiche zu spielen. 

18« 







276 

Tum no* stellato coclum ctrcumlita ]> 
Cocrula rorigenis pigrcacere juaaerat Alis 
Astr niteuB diademate luna bicornis 

Uullamin bijugie eonseendcrat aequora tauris/ 

Die Götter hatten oft eine Neigung sich in Pferde zu ver- 
wandeln; ja sogar, das Opfer d. b. der Tod des Gottes wird 
durch den Tod des Pferdes dargestellt Jedermann weis«, daas 
i-r und Helden ein Vergnügen daran fanden, sich als gute 
Heiter, oder wenigstem als gute Wagenlenker zu zeigen. Deshalb 
dürfte es schwierig sein, zu sagen, welchem Gott speciell das 
Pferd geweiht ist. Die vedischen A$vins, die vedisrbe Aurora, 
welche beim Wcttlauf in ihrem Wagen siegt, Agni, Savitar, Indra, 

reich und glänzend durch ihre Rosse , der 
die ' ' ula /f\Hpr} } die Untoäd/iEia [/ifyt>din n die Dioskuren, Mars, 
4jK>Uo, Zeus, Pluto und der deutsche Wnotan (gleich seinem 
alter ego, St Zaebaeus) zeigen sich nie anders als zu Pferde; 
daher war das Pferd natürlich ihnen Allen geweiht. Da im 
christlichen Glauben die unzähligen Götter der Alten unzählige 
Heilige geworden sind (wenn sie nicht so unglücklich waren, in 
Teufel umzusehlagen), so wird nun das Pferd in seinem Stall den 
Dtse mehrer Heiligen anempfohlen, von dem obsenren stei- 
len St. Aloi au bis zu dem weniger bescheidenen russischen 
St Froh und St, Laver, welche das Pferd sowohl wie auch den 
Maulesel und den Esel unter ihren speciellen Schutz nehmen, 
ganz zu schweigen von den berühmten Reitern St Georg, St 
Michael, St Jakob, St, Maurieius, St, Stephan, St. Vladimir und 
8t Martin, die ganz besonders von Kriegslcuten verehrt nnd 
welchen zu Ehren die Hauptritterorden Europas gegründet wur- 
den. Wie jedoch Religionen von einem Gesichtspunkt aus K 
katuren von Mythologieen sind, so ist nun ein Unterschied zwischen 
den mythischen alten Gottheiten and den neuen legendenhaften, 
rn die ersteren zuweilen freimüthig die Darbringung des 
Thieres in efßgie annehmen, wie wir im vorigen Kapitel zu be 
merken Gelegenheit hatten, wahrend die letzteren nnd ihre Stell- 
vertreter auf Erden nicht ganz so einfach sind, sondern ihre 
enmen nie in Ruhe lasscu, bis sie den vollen Worth ihrer 
Gnaii use haar mid ohne Discout erhalten haben Im Lieben 

des St Gallus lesen wir, dass zu Zeiten König Pipins (wir wis- 
!, was mit diesen Zeiten gemeint ist) ein gewisser Willi 
mar bei einet Krankheit im Falle seiner Heilung der Kirche des 
alius ein Pferd zu schenken versprach. Als er seine Gesund- 



277 



licit wiedererlangt, vcrgass er das gegebene Versprechen* Als er 
nun eines Tages vor der Kirche des Heiligen vorüberritt, postirte 
sieb sein Pferd vor die KirchthUre und war auf keine Weise von 
Stolle zu bringen, bis Willimar schliesslich die Absicht aus- 
sprach sein Gelübde zu erfüllen. In dem Leben des St, Martin 
ist eine bei weitem kistigere Variation derselben Anekdote. Nach- 
dem König Clod wig Christ geworden, verspricht er, als er gegen 
die Wcstgnthcri kämpft, dem St, Martin Kein Pferd, wenn er ihm 
den Sieg verleiht Später bedauert jedoch Clodwig gezwungen 
zu sein, sieb seines guten Htreitrosses zn berauben und bietet 
dem Ileiligen 100 Goldstücke als Entschädigung, wenn er ihm 
das Pferd lasse. St. Martin fordert das Doppelte und der Handel 
kommt zu Stande; doch da noch etwas häretisches Blut in Clod- 
wigs Adern Hiebst, so kann er sich nicht enthalten, ein Witzwort 
gegen den Heiligen loszulassen: „Martintis, quantum video, auxi- 
liator est facilis, sed mercator difficilis!" 1 



1 Die Fabel bei Phaedrus (IV, 24} von der Rettung des Dichters 
Siinoaide» durch die Dioskuren ist sehr bekannt; die Götter strafen diu 
Goizbals, der sieh weigert, die versprochene Belob uung zu geben, nicht um 
ihrer seibat, sondern um des dem von ihnen geliebten Dichter augethauen 
ehta willen. Es ist beachtenswert h, dasa wie uns die römische Sage 
die Pferde der Dioskuren als schwitzend darstellt, ao Phaedrus die Dies- 
koren selbst schildert als: 

„Sparsi pulvere 
Sudore muito difflueutes corpore/ 1 






KAPITEL 111. 
Der Egel. 

Der Esel hat, in Europa wenigstens, das Missgeschick gehabt, 
unter einem UngUicksstern geboren zu sein, ein Umstand, der 
den Griechen und Hörnern auf Keclmung zu sehreiben ist, welche 
<ht Laune hatten, ihn als eine Art Don Quixote unter den Thiere 
zu bebandeln. Sein ganz besonderes Privilegium, Schlüge zu 
kommen, hat mit seiner unzweifelhaft grossen und unbestreitbare 
Berühmtheit immer zugenommen. Der arme Esel hat auf Erden 
sehr theuer bezahlen müssen, und bezahlt beständig immer theurer, 
den Flug, weleben ihn die Phantasie der frühesten Zeitalter 
menschlichen Geistes im Himmel nehmen Hess. Möchte dieses 
Kapitel — wenn keine andere Wirkung — doch zum Mindesten 
die haben, dass dem armen, Ubclbcleunidcteu Thiere ein Paar von 
den Schlägen erspart werden, die man ihm zu appliciren gewohnt 

uls ob man dadurch der satirischen Laune unseres Geschlechtes 
Luft machen wollte, und ad exhilarandam eaveam. 

Der Keim zu dem Huf des Esels als eines dummen und 
muthwilligen Thieres, den er in Griechenland und Italien erlaubte 
und der sich dann Über alle Theile Europas verbreitete, li 
sich schon in den alten Mythen der Inder finden. Allerdings hat 
A. Weber 1 Hrn, Wagener gegenüber nachgewiesen, dass die 
Vorstellung von dem dummen und eingebildeten Esel, wie 
sie immer in den Fabeln des Paridatantra linden, in Indien er 
von den Griechen verbreitet wurde und im indischen Glauben 
wie in indischer Literatur nicht eigentlich von Haus aus liegt. 

In Indien war der Esel nicht ein besonderer Gegenstand des 
Gelächters, und zwar vielleicht aus dem einfachen Grunde, weU 

wieutalisehen Speeiea des genus asininum weit schöner und 
edler sind als die oceideutalisehcn. Der Esel des Orients ist ge* 
meiniglich feurig, lebhaft und schuellftissig, - wie er im Occident 



1 Ueber den Zusammenhang indischer Fabeln mit gri« 
chi liehen, eine kritische Abhandlung von A. Weber, Berlin. 
10 f. 20. 

f Wenn sieh unter den semitischen Völkern bei den Arabern »ehe 
in iiuliii Zeit der Esel als der Typus der Dummheit findet [\g\. die 



279 



gewöhnlich langsam und träge, ohne wirkliche Energie, doch sehr 
sinnlich ist Denn wenn auch der Westen (und besonders das 
südliche Europa) eine besondere Eselart besitzt, welche uns an 
den asinus nnilt in umm ns des Varro erinnert (wie ja auch der 
Orient, obgleich nur ausnahmsweise, tiefersfehende Arten hat), so 
besteht doch die Hauptmasse der Esel in Europa aus Thieren von 
niedrigem Typus und heruntergekommener Erscheinung und gegen 
diese sind unsere Scherze und unsere Schläge gerichtet* Es ist 
das der sprichwörtliche Eselstritt nach dem Gefallenen; dor arme 
Paria des Westens muss die Ehren, welche seinen glorrekhru 
mythischen Vorfahren des Ostens erwiesen wurden, thener be- 
zahlen. Wir meinen, dass der Esel, von dessen Heldenthaten wir 
berichten bin'en, derselbe ist als der, welcher jetzt demllthigst den 
Packesel spielen muss; und da wir ihn nicht mehr als hochher- 
ziger Handlungen fähig ansehn, so vermuthen wir, dass er (un- 
glückliches Thier!) sich all diese alten Ruhmesthatcn aus einem 
Eigendünkel anmasst, weshalb es keine Schmach giebt, die wir 
uns nicht berufen fühlen, ihm anzuthun. Gelang es doch sogar 
dem Christenthum nicht, ihn von der Verfolgung zu befreien, — dem 
Cbristenthum , welches die Sonne der Völker, den Erlöser der 
Welt zwischen den beiden musikalischen Thieren, dem Ochsen 
und dem Esel (die verhüten sollten, dass sein Schreien gehört 
würde) geboren werden lässt, den Esel als den Retter des Gottes- 
kindes vor seinen Verfolgern wHhrend der Nacht, wie auch als 
das von Christus bei seinem letzten Einzüge in Jerusalem gerit- 
tene Thier darstellt und ihn so mit mehr als einem heiligen Titel 
belegt, der ihm bei den Frommen hätte etwas mehr Achtung 
verschaffen sollen» Unglücklicherweise wurde derselbe berühmte 
mittelalterliche Kirclicngesang, welcher in Frankreich am 14. Ja- 
nuar zu Ehren des reichgeschmückten Esels am Altar gesungen 



kannte Koraustelle, in welcher die Juden „Esel, welche Bücher tragen* ' 
n r Mini Wunders S. 31 v, 18, wo es heisst; „fürwahr! das 
widerw&fti u iat das Geschrei dee Esels" 4 , zu welcher Steile 

ßeidawi (ed. Fl. II p. 114 1. 21) bemerkt, dasa der Esel ein Sinnbild sei 
\lles, was su tadeln ißt , ganz besonders aber sein Schreien; deshalb 
nenne man ihn auch oft nicht mit seinem gewöhnlichen, etwas anrüchigen, 
Namen, sondern man sage umschreibend: f , Langohr"), so dürfte noch die 
Frage sei^ ob nicht diese Aüschauang vom Esel auch zu den Arabern 
erst durch Vertnittelung anderer, nichtorieutaliBcher Volker gelangt ist — 
Die Vermuthung Pictetft, Origines l t p. 3&5 dürfte sachlich und sprachlich 
kaum haltbar A. d. Uebers. 







m die Flucht nach 


Tpten zu feiern, in 


irdreht Efl kann uieht ohne eine gewisse lustige Ausgelastet 


licit abgegangen sein, wenn Priester und Volk nach Sehluss der 


lle^se um Tage des Eselfestes drei Mal „Hinham" riefen. ' Eben- 


sowenig Ehrfurcht bezeigten ihm die Einwohner von Enipoli, wenn 


ihn am achten Tage nach dem Feste Corpus Domini — 


d. h. nahe der Sommersonnenwende — unter dem Juchzen der 


Menge in der Luft fliegen Hessen, wie auch die Deutschen, wi 


in Westphalen den Esel zu 


einem Symbol des einfältigen 


Thomas machten, welcher der 


letzte von den Aposteln war, der 


an die Auferstehung glaubte. 


Die Westphalen hatten die Sitte, 


den Knaben, der am St Thomas-Tage zuletzt in die Schule kam, 


„Esel Thomas" zu nennen (v 


ric er in Holland ,Juilak" heisst). * 
Cangc, Gloss. Met I. L. : 


1 Der Hymnus lautet bei Du 


„Orientta partibua 


Velox Madianeos. 


Ailwiitavit Ashiua, 


llez. Sire Asnea, &c. 


PulcBGX et fortkaimui. 




ränii aptissimus, 


„Auruin de Arabia, 


lie», Sire Asnes, ear ctiafltei. 


Thus et myrrh inn de Sab a 


Beile bouehe rechignez, 


Tulit in cceleaia 


Vods aurez du fora assez 


Virtus Asinaria. 


Et de l*avoinc a plantez. 


lies, Sire Asues, &c 


1 pedibua 


„Dum 1 rah it. vehicula 


Ni»i feilet baculus 


Malta cum a arc inula, 


Et cum in dunibua 


HU us maiidibula, 


I nil rif aculcua. 


Dura tent pabul.a 


, Sire Aanes, &c. 


Hcz, Sire A sues, &c. 


„Hie in cotlibuH Sichern. 


„Cum aristia hordeum 


Jam uutrituB sub Ruben, 


Comedit et carduum; 


Transiit per Joi «iunem, 


Triticum a palea 


Sulüt in Hutbleem. 


Scgregat in area. 


Hei, Sire Asnes, «&c. 


Hez, Sire Asnea, i 


„Ecce magnia auribua 


„Amen, dieas, Asinc, 


Subjugahs films 


(11 ic genufl tur^-^-^ 


A sin us egregius 


Jam aatur de graminc: 


Aainorum dominus. 


Amen« amen itera 


Sire Aanes, i 


Aspernare vet era* 




Hez val bez va! bez va! 1 


fn vineit hinnulos, 


ßialz, Sire Asne, car al 


Damas et capreoloa, 


Belle bouchc iieB. u 


8uper dromedarios 




* Vgl Heinsberg von Dürtngsfeld, Das festliche Jahr, 



1 den jL* *** *• 
fc vol fen , : 0< *P««kl der ? e * ,rc hc 




physische Verfall des Eselfl trat gleichzeitig one 
«einem moralischen ein. 

Obwohl jedoch erst in Griechenland und Rom der arme EaeL 
seiues Ranges im Thierrcirhe vollständig entsetzt wurde, war 
doch die erste Stufe seiues Falles schon in seiner alten ueia_ 

lleimatli ausgesprochen, Beweisen wir das. 

bot im IJigreda erscheint der Esel unter 2wei vergehie— 

u Gestalten — eiuer göttlichen and einer därnonis« 
7,u denen sich vielleicht eine dritte mittlere oder gaudharvischc 
hinzufügen lässt. 

Im Rigvcda hat der Esel die Namen gardabha und ra 
sabha, im Sanskrit auch die: khara, cakrivant, eirame 
li in und bnleya. 

Es ist wichtig, wie jede dieser Bezeichnungen dazu i 
der Zweideutigkeit anheimzufallen; und Doppelsinn in Wortei 
spielt eine grosse Rolle bei Bildung von Mythen und Vorstellungen 
des Volksglaubens. Beginnen wir mit den Bezeichnungen jün£ 
sten Datums. 

Bäleya kann den Kindischen bedeuten (von liäla== Kic 
und dumm 1 ), wie auch den Dämonischen (von halis; 
wirklich ist auch bäleya ausser ein Name für den Esel, auc 
Name eines Danions). 

Ci ram eh in ist der Esel als longe in Ingen fl (eine Eige 
schaft, die auf den Esel, noch mehr aber auf die Regenwoll 
Anwendung finden kann). 

ikrivaut bedeutet den T der mit Rudern, mit rund« 
Gegenständen oder Tcstikeln versehen ist (ein Epitheton, «1 
gleicherweise auf den Esel wie seiuen Phallus anwendbar 

Khara bedeutet den. der schreit, wie auch den hitzig' i*"^u 
(und kharu, das dieselbe Bedeutung haben sollte, bedeutet na-— - 
dem Petersburger Wörterbuch: dumm und Pferd; vielleicht an — - 
Esel). 

sabha kommt von der doppeldeutigen Wurzel ras, \ * 
welcher rasa= Flüssigkeit, Saft, Wasser, Geschmack, Same 
rasa = Lärm, lärmendes Geräusch. 

Gardabha kommt von der Wurzel gard,* er 






1 Dieselbe Analogie bietet sich in dem Sanskrit- Wort urbhat <* 
welche« „klein a und „einfältig" bcdeulet. 

* Vgl. die Wurzel gad, von «1er wir vielleicht eine im 
ZuiüclM'ijf ublm neben dem bekannten gardabha und gan\*^ 

li.irba oder gauduarva ableitcu könnten. 



i; doch glaube ich hi dem Worte gardabha die Bedeu- 
tung ba oder gandharva wiedererkennen zu 
dlirfeu und vioe vorsa. Der g&rdabhfl erklärt mir, wie der 
gandharva als Musiker aufgefaßst werden konnte, und der 
ga nd Larva (ein Wort, das mir, um es noch einmal zu 8ii 

dba + arva zusammengesetzt scheint, von d< 
letztere sich aus einem vorauszusetzenden riva entwickelt hat, 1 
und welches bedeutet; der in der Salbe wandelt, der in dem 
■Igerucb geht) hilft mir das Sprichwort: „Asiuus in unguent«,- 
and die entsprechenden Sagen verstebn. Das doppeldeutige V 

ab ha scheint in seinen beiden Bedeutungen den lautUmenden 
gardahba mit dem gandharba, der WohlgcrUche liebt, oder 
dem gandharvo apea (gandharva in dem Wasser) des 
«Inn Wächter der ambrosischen Pflanze, 3 zu ver- 
einigen, Der mythische Esel und der vedisehe gaudharva 
m dieselben Eigenschaften und dieselben Triebe. Die pm« 
/.um Beispiel werden imAitareya Br. als Liebhaber von 
Bibern dargestellt, * und zwar so verliebt in dieselben, das* 
um ihretwillen der Ambrosia (oder des Soma) berauben 
fco, und es ist auch aus der Geschichte von l rvan bekannt, 
rsUcbtig sie auf ihre Nymphen, die Apsarasen oder die, 
welche auf dem Wasser (den Wolken) schwimmen, sind, und aus 
«ler Erzählung von Hannmaut im Riiüjayana, wie gierig *' e a, d" 
Heilkräuter und ileilwasser sind. 8 Der mythische und sagen- 
Esel hat ebentalls ein Faible für schöne Mädchen ; es ist 
ttnuöthig den Grund dieses Volksglaubens anzugeben. (1 Wenn 



1 Vgl. »rvan mit den Wurzeln arv, arb, arp, i/iph, riph, riv, 

, 5. 
1 Om itthA padam usya rakahati; Higv. IX H3, 4. 

.■uidharrah; I, 

tiutt des F.) hat hiemit aehoii diMi 
xglichen, welcher uru-Kjulia den Baum hott 

:ht. Kuhn und Weber haben ferner 
iu, welcher den k rua verwandet, mil 

mi, welcher deu Reiebthani zu vernichten strebt, identi- 
gandb&rva als ein angeheuerartiget and dlmonkchej 
uen. 

eOft, ([uos libidiuifl sc foodae voluptatis causa coluisse 
«en [ue iuipi- iL Bcriptoribas notatur, qualis olim Ones 

raudus Marei Verotrasinus, qualis et ah 
|uo« matroniä iu duliciiü fuisse seimu«, Undo illud atque 



in Odysseus vermittelst einer Salbe einen Eeelskopf zu 
geben wünscht, so finden wir eine Anspielung auf die Liebe de» 
Esels Und des schonen Weibes. Wenn der Lucius des Apuleius. 
als er sich in einen Vogel zu verwandeln versucht (ein anderer 
von den Namen, mit welchen der Phallus bezeichnet wird), statt 
dessen, durch <lie Salbe der Frau ein Esel wird, so ist der Esel 
ein anderer Name Üir den phänischen Vogel. Und wie der 
dische Esel sich am rasa ergötzt (Feuchtigkeit, W asser, Sper 
die beiden Worte nisa und rasa, die von einer gemeinsamea 
Wurzel herstammen, sind leichl miteinander zu verwechseln), 
ferner tier mythische Esel, als er die Ambrosia der rosig 

pen-Aurora findet, noeti einmal die glänzende junge Sonne 
wird, so wird auch der Esel des Apuleius wieder zum Lucius 
oder dem glänzenden und schönen Jüngling, der er vorher war,, 
sobald er eine Gelegenheit hat, Rosen za fressen; er wird 
Liebe zu einem Weibe ein Esel und gewinnt bei der rosig 
Aurora seinen Glanz wieder. Während der Nacht bleibt der Held, 
der Bezauberung einer schönen Fee unterworfen, ein Esel; und 
in der Gestalt eines Esels and unter einer Eselshaut treibt er die 
priapeischen Mysterien, woher der Ausdruck in den Fröschen des 
Aristophanes: £Üw$ Syw ptffinjgfo", dieselben Mysterien, wie 
Phallagia oder Periphallia Roms. In dem christlichen Mythus 
dieses Mysterium die Flucht des neugeborenen göttlichen Kindes 
nach Aegypten ; l in dem Perrault'schen Mährchen ist es das 
schone Mädchen, die Abend-Anrora, die von ihrem Vater, der sie 
verfuhren will, verfolgte Jungfrau, welche sich während der Nacht 
mit einer Eselshaut vermummt.- Das schöne Mädchen überträgt 



alium bipedem sibi quacrit asellum, ejus nempe membri causa, quad in 
asino clava a Nicandro dicitur; Laue Asiui, Lugd. ßatavorutn, ex offi- 
cina Elzeviriana, p. 194. 

1 Auf diese Flucht nach Aegypten auf dem Eael lässt sich die pie* 
im mtraische Sitte unter Kindern in der Mitte der Fastenzeit — d. h. nah 
am St. Josephs-Feste — zurückfuhren ( ihren Gespielen bald eine Säge, 
bald einen Teufefekopf, bald einen Eselskopf anzuhängen und dabei die 

te zu sprechen: „L'asu eariä che gnüu lu sa 4 * (der Esel sitzt fest und 
Niemand weiss es). Ferner scheint es mir, dass sieh auf die christliche 
Sage von Joseph und dem Jesuskinde, die von dem Esel getragen werden, 
die bekannte europäische Fabel von dem alten Manne» dem Knaben und 
dem Esel zurückführen lässt, deren zahlreiche Variationen in dem Artikel 
asinus vulgi von Bcntey (im Orient und Occident) nachgelesen 
werden können. 

1 Prof. Benfey sagt in seiner gelehrten Einleitung zum Pauca* 



285 

rnpathren auf dejj lv< I ( wel 
I>ie Früchte solcher I haltnisse — zwischen einem 

Esel «ml einem M der «lern jungen Helden und einer 

sind taureu und die Eni- 

, bald ein schönes Mädchen, bald der Schrecken der Kinder, 
he mit Kselsfiissen dargestellt wird, weil ihre Min 
in und ihr Vater Aristoxencs in diese Eselin verliebt war. 
Abend-Aurora, bald die unter) bald 

beide, welche, unter der Wolke der Nacht oder im Witt- 
als mit einer Eselshaut bedeckt dargestellt werden, Kulm 
age, an Identität grenzende Verwandtschaft /.wi 

den griechischen Kentauren n;n 
reten uns entgegen in Verbindung mit dem 
rauschenden Trank; doch der Kentauros ist wesentlich ein Hip- 
►auros oder besser : ein Onokenta n r o s l oder Kentaur- 



antra ; m sich die Voiiuuiniiiuu^ tnil »iin m Eselafell auch m 

ndet. 
1 „Addo :!n -ne in libru <!<■ öateurl* et prodigiia haue 

u quam hippo kentau ri eeee crcdebain, ips< qw>) Apu- 

poll in ini (iriquit) in aqua in •-■.,., 

*fxlia veru caballum aivc equöm Sic fttjam BH -uioriuc tiudi«. 

t*mlicn* a*öe i ino sine crinibiift, promiasai auten barbaa babi atea 

ea i plane ad Onocent au roa pert ine re videtur, quo* AeManm 

.'In los r<i de Onocentauro htm 

i Uoniiui ure cl prouiiaaa barb a Bimilcm eue, itntd • t üolltl 

j mammas diataatei tatnquam malierii ex 
mmeros, brachia, <1 : iraannm figurata habere; dor- 

, oateriores ped» j a, aäino peraimilca et quemadm 

e T iinuin veotrem leviter exalbeacere : duplicoiD 
ei manu» prat*stare; nam celeritate ubi sit opus cae mauua pruccui- 
quo fit, ut uon caetcrorutn quadmp> 
peretur. Ac ubi rursua habet oecesae vel eibum capere vel aliud 
«am tollere, qtü ante pedes erant inanus efäcimitur, tumqtie uon gra- 
te quiescit : Animal eat gravi animi aeerbitate; nam si 
ta Servitut em, libertatis disiderio ab omni eibo abhorret, 
m consciseit, licet pullua adbuc fuerit. Baefl do K)n 

ire testatur Cratea, ex Myaio Per^amo profectus ) M 
Aid. . he Quadruped» bus, L [n an Satyrn 

tdert werden, (inden wir ähnliche Wesen: 
J&ui' -solum* Iudoruni rnontibua (i muta dicitur n 

nal, tunj quadi »te currens, hi 

nisi acnes aut aegri uon capiutiMtr." Offenbar bezieht 
auch den ( >ran«j I taten 
ill von dem Allen sieb uiciri 



Dtr F»bcl too Amor and Psyche bei A pi i Ictus Kt 

mit der Erzählung von dem Eael voUfitä&dig 
indischen Fabel von Purtiravaa und l r 
mit der Erzählung von deu Gandtuuraa, Bb€ 
***a iftoet Psjekc and UrvacJ sind also mythische Schwestern. 
Qfatl uma Kuhn s Beweis fllr die Identität des gandharva 
ami Us» KetiUtnros zu» so scheint die Identität des gardabha mit 
tilNB ^uwliiarba, und des Esels mit dem gandharva eine natür- 
lich* Fo^re. Der Mythus von dem Kentauros, sei es Hippoken- 
laoro* oütr Oookeutnnros , entspricht nicht minder als der 
£■* wa dem gandharva vollständig dem von dem Esel. Der 
ÜUtaiHinrn liebt deu Wein und die Weiber; er spielt auf dem 
tarrai <k* I in Verein mit Satyrn. Nymphen oder Bae- 

llünrinnrn die Leier, er lehrt auf dein Berge Pelion den beiden 
%kttm Musik, 1 Heilkunde und die Walmsagekunst, lauter 
TWcueiK welche mit leichten Modificationen in den indischen 
►ii deu i;audbarvas und in der Fabel vom Esel, wie wir 
spater nachweisen werden , wiederkehren. — Doch um auf" den 
i Mythus zurückzukommen: ebenso wie der gandharva 



mm werde®, sogar der indische gandharva als 

tu i. V IV, 37, 11, the gaodbarvas, a class of gods, wfcp 

d gs and monkeys, but as assuming a hand 

LÖections of earthly females, are implored to de» 

Ing practice, and not to interfere with mortals, as 

ol then own, the Apsarases;" Muir, Sanskrit Teile V, 

Wir haben den Atieu-gandharvn «ud den Krieger-gaudharra 10 

üy innen, den Krieger- AüYn Im Hu may ana und den 

Esel in griechischen Mythen. 

.. iueh N"ii dem Esel, der tarnt, was uns an die gaudharvas 

himmlische Musiker und Täuzer erinnert, welche 

lehren, wie getanzt wird. Vielleicht bettet auch nicht 

i dot Vertaner von Vorschriften für Tänser und Mimiker Kric.ac.va: 

»odeutet den, der ein mageres Pferd besitzt, resp. dieses 

heu dem mageren Pferde, dem Maulesel und dem Esel ist 

t; noch auch dürfen wif den Umstand übersehen, 

■mdharva Kficanil wiedererkannt wird als der, welcher mager 

«1, was uns zurückführt auf das Ungeheuer, weld mar 

l&sst, das hässlirhe Pferd, das Pferdungeheuer, weh: lies die 

Felder zerstört, indem es sie vertrocknen 

• lölma, dem Zerstörer des Heichthume, gl 

In dem obenerwähnten Laus asiui sagt 

Portissü Pegasura fuisse asiuuua;" in diesem Sehe 

VMhrhcit 



287 



Doppelnatur bat und rich ein Mal in es Halb- 

anderes Mal in der eines llalbdamonet) . i hat 

Isel Indiens bald eine göttliche, ba 
Der gaudharva ist der Wächter von Reichthuoi 
: sofern er dieselben gegen den dämonieeben Räuber ver- 

vu] den Sterblieben bewahrt und sir outer die From 
mtbeilt, erscheint er in einet wohith&tigen und göttli« 
gofern er an Dtfttbrt und sie gleich einem 

it, gleicht er dem fabelhaften ungeheuer, 
das Brunnen ni wacht, dem Dämon, Avr die \\ . 

venu halt, den Dieben, welche Schätze zusammen 

dem Teufel, dem Herr tteiebthums. Ans demselben 

ir bereits in der indil age den wohltbätigen 

irtiges Pendant, Die Sonne (bisweilen anch 

Mond) in d^v Wolke und der Dunkelheil der Nacht ist iden- 

mit dem Schatze in der Höhle, dem .Schatze in der Hölle 

und dem Helden resp. der Heldin in dem düsteren Walde; und 

e Höhle and Hölle nimmt zuweilen die Gestalt eines E 

r einfach eines Esels an. Das was aus der Wolke und 

dem Dunkel hervorkommt, kommt auch aus dem Esel heraus; die 

ist die Sonne oder der Held resp. die Heldin oder 

die KeichtliUuier, welche er verbirgt Die Aqvius linden sich oft 

in Verbindung mit dem werthlosen Pferde, welches später 

der Ambrosia selbst, welche es hervorbringt, schiin wird; 
,-andharvas, eine mehr nächtliche und wolkige Erscheinung* 
wenn ich so sagen darf, des Sonnen- oder Moudhelden ; 
u iu naher lieziehung zu dem Esel, ihrem alter ego ? wel- 
cher twiger Jugend ^eniesst. Die Agvius selbst, 
die beide« Reiter, welche dem alten Cyavana die Jugend gegeben 
haben , ritten auf Eseln, bevor sie auf Pferden ritteu. Der My* 
Üm# irvas und der von den Aerius, der Mythus 
▼an dem Pferde uud der vom Esel, hängen eng zusammen; aus 
dem gandbarva kommt der agvin, aus dem mythischen Esel 
das error. Das ist zoologisch unnatürlich, mythologisch 

>nne kommt bald aus den grauen Schatten 

-aid ans der grauen Wolke. 

redischen Hymnen beschenkeu uns mit mehren interes- 

in Esel, 

Der Esel der Aevius ist schnell; die Frommen bitten die A9- 

ug # als ansein 1: sie von ihm zum Opfer geführt 



2S0 

werden.' In einem andern Hymnus sind , n wei, 

■nich ihre Esel zwH an Zahl (i gvinoh). End 

( uns die zweite Strophe des 11(3. Hymnus eine / 
bezeichnende Einzelheit, uHmlich den Esel, welcher h 
reichen Schlachtfelde Yamas lausende besiegt (oder in dem dI 
liehen Kampfe, toi «lern Kampfe in der lbdlc, in welchen 
Esel als ein wirklicher Kämpfer erscheint verbunden mit lv 
thlltnern und kämpfend um KeiehtbUmer), mu\ welcher von star- 
ken, schnellen Schwingen unterstützt wird (womit uns der Esel, 
der fliegt, gezeigt wird). 7 

Der Kigvedfl stellt noch den Esel lud ras als sclmellfüssig 
dar. ] Doch in demselben Hymnus sehen wir schon die 1 
der Medaille, d. h, die schnellen, welche den verspotten, der 1 
schnell ist. die Pferde, welche sieh vor den Esel drängen. * 
Sonuenheld setzt gegen Morgen das Pferd au Stelle des Esels, 
oder erscheint mit Pferden, indem er den oder die Esel zurück- 
Isisst. Wir haben im vorigen Kapitel gehört, wie beim himm- 
lischen Wettlauf der vedischen Gotter die Esel die Siegespalme 
gewannen; doch diese Anstrengung ging über ihre Kräfte. Das 
Aitareya Brahmana belehrt uns, dass sie durch dieselbe ihre 
Schnelligkeit verloren und Zugthiere wurden, des Honigs bers 
doch in ihrem Samen noch grosse Kraft wahrend; so dass der 
männliche Esel sich in zwei Arten fortpflanzen kann : in Maul- 
eseln durch Begattung mit einer Stute, und in Eseln durch eine 
Eselin. ft Hier wird also der Esel schon als ein Thier 
wesentlich phallischer Natur betrachtet, eine Auffassung, die ftod 
durch das von Weber erwähnte Gebot (Käty. \, 1, 13) besl 
wird: „Wi-r sein Keuschheitsgelübde gebrochen hat, opfert einen 



1 KadA yogü vägino rasabhasya yena yagriaib nasatyojK 
1, 34, 9. 

2 Vilupatmabhir ftciihemabbir v;i devfcD&m 
r&sabbo nasatya sabaöram agä yamaaya pradbi ya, 

■ Yatn'i rathasya bribato nidhanarh Timodanam viigino rasabhwsya; 
frtgt. Hi 

r|£ilfclin v;i/'iDä häsayanli na gardabbam puro acvftti ni 

fcigv. in, 53, w 

* Gardaf I udjj^jvyatamnvviuaväri uda- 

vo dugdbadnhah earvr«l 
;idhto rt'tBHaalvasya viryarii niiharatäoi InstuaUa dvircU 
AjI. Hr. IV, 9, 9.' 



I/' 1 Dei opfern, mm Ibe bedeuten wie 

in und tttdten, y und zwar apeciell den Pbathw;ancb 
and oecidenlaliache Bitte, Ehebrecher zur Bl 
auf i sei herumzuführen, bal dieselbe Bedeutung; der H 

Hebe M »Ti\r« i bei dieser Strafe ist jedoch der Eael, welcher Spott 
ami Misshaudliiug jeder Art ausgesetzt int. Ebenso pflegte ein 
der unter dem Pantoffel seiner Frau stand und sich v»>n 
in mehren piemonte&iaehen Dürfern nool 
11 zur Schande aal einen Esel omhergefubrt zu wer- 
ein Mann, der sich von seiner Frau beherrschen litsst und 
Dicht zwingen kann, verdient, durch einen Esel geztichiigl 
zu werden; er i*t kein Kann und sein Esel, das Symbol seiner 
muss deshalb die Strafe leiden, weil er sich unfii 
igt hat, seine ehelichen Rechte zu behaupten. Der Ehebrecher 
atii dem Beel und der einfältige Ehemann auf detn Esel erleiden 
raten in Gestalt dessen, was den Phallus reprüsentirt (d. h. deH 
Esel»): der eine wird gegci&selt, weil er hat zu viel thun wollen, 
indere, w< il er nicht hat genng thun können. Deshalb 
vv w rde die verurtlieilte Person in Bolchen Füllen gezwungen, ant 
sd zu reiten, das Gesicht dein Sehwanze des Tliieres zu 
andres Bild, das Doch deutlicher pballi&ch ist; daher 
rwh der Natne der Strafe: *a8ini caudum in manu teuere/' 3 



Usher den Zusammenhang indischer Fabel« mit 
p, 10 f. 
go, ijujiiit, AseHe, fac.iam ut non ealeitres Dec te hordeo alam, sed 
utieiam et sitfs gravi onerabo pondere; per aeatus inda* 
nt eibnm pot ins quam lasciviain cogites" Ilieronymus, 
^ J St, Pauli du b schrieb: „Sit fortin auima wortificans asi- 

b.* — Im Italien ist mau auch vulgär: Ü mio asiuo für 

i i a 

• A, c. i, rn. t,, — poena bod mttlcta, quae reis irrogari solehat, ut 
11 igitur ex decreto Nepesiiii populi ann. 1134. — lis et maxime mantis, 
'** at mis vapnlabant mulirribiis; quod eo uBque insaniac« deventum erat, 
*»i mnritue nufugisBel , proxiroior vicinus cam ipse poenam lucre tene- 
ts« audi vi. Du Gange, welcher auch 
» *' piele von einer solchen Ziichtiguug giebt. — Im TuU-Name 

; 35i beklagt sich Jemand bei einem frommen Weisen, dass er 

i Bael rerloren, und bittet ihn, denselben für ihn wiederzufinden; 
Lt ^»t «reiet ihm einen Manu, der alt geworden ist, ohne Liebe zu kennen; 
iih.lt, ist ein Dummkopf, — Es ist ein beaehtenswerther 
"***«*a&4 f da»* obwohl gewöhnlich als ein sehr lüsternes Thier 

"^^chtut zuweilen verspottet wird, als unfähig, zu beffuehten; den Grand 
bl Aldrovandl (!>«« Qu udt upcdihus I) folgende rmassen an; 

19 



290 

Was das andere Sprichwort betrißt, welches sagt: „Wem der Esel 
>rt, der halt ihn am Schwanz" e<> wird es erklärt durch die 
Erzählung von einem Bauer,, der seinen Esel aus einem Sumpf 
zog, indem er ihn am Schwänze packte; doch aach diese Erzäb- 
lang scheint eine phallische Bedeutung zu haben. 

Der Esel wird also seiner hohen Stellung als schnell füssiger 
Renner schon im Rigveda selbst entsetzt. Im Kigvetla auch, 
wo doch der Esel als ein Kämpfer beschrieben wurde, der fllr 
die Götter ficht, finden w T ir ihn in der dämonischen Gestalt eines 
unangenehmen Simmers, welcher die Verehrer des Gottes Indra 
erschreckt; der letztere wird deshalb von dem Dichter ersucht, 
den Esel zu tödten, der mit schrecklicher Stimme singt. 1 Hier 
erscheint der Esel schon als ein wirkliches Ungeheuer, welche« 
sogar das Schwert des Fürsten der himmlischen Helden selbst, der 
sich zum Kampfe gegen ihn rüstet, zu kosten würdig ist Der Esel 
ist deshalb schon im weissen Yagurveda den Ungeheuern gewei 



Qurimvis modo libidue maxime pruriat, ob verendi tarnen enormitatem. qu» 
supra modura praeditus eat, ad generandum admodum scgnem ease com- 
partum est, aicuti et homines qui simili genitalis productione confipicui 
sunt, uuod m emifisiooe per earn longitudinem semen trausmeans hebetelur 
et frigidius fiat. Testaturque Aelianus inter causus cur Aegyptii asino« 
ödere, et banc quoque aecedere putari, quod enm populi praedieti omnes 
foecundos animantea cotant, asinus miuime foecundans nulla* in honor« 
ait. — Der Missbrauch der sinnlichen Vergnügungen führt zur Impotenz; 
das impotente Tbier wird ebenfalls lächerlieb gemacht, als ob es seine 
Fähigkeit durch eigene* Verschulden, d. h. durch Missbrauch, verloren 
hatte. 

1 Sam. indra, gardabliam mrinn nuvantam pitpayiimny»; Kigv. 1. 2H, f». 

* Angeführt von Weber, lieber den Zusammenhang indischer 
Fabeln mit griechischen, wo der brüllende Esel ebenfalls als von 
dem allgestaltigen Ungeheuer geboren erscheinen kounte: „Entsteht, nach 
r XU, 7, 1. ft„ nebet Kos* und Maultltier, au* dem Ruhm (yacas, was 
jedoch vielleicht auch hier nur einfach Glanz bedeutet), welcher dem Öhr 
des gel od te ten Vicvarüpa Tvüahtra entfloss, worin der Bezug aut 
lautes Geschrei wohl nicht zu verkennen ist." (p. 11) — Wir sahen schon 
in den Kap. I angeführten russischen MKhrcheo, wie die beiden K 
welche den Helden beschützen, aus den Ohren des grauen Pferde« heraus* 
kommen und wie der Held selbst, zum einem Ohre hineingehend und zum 
anderen wieder herauskommend, ein 1 leiden ross findet. Hierin können 
wir vielleicht eine Anspielung auf den langohrigeu Esel entdecken, ebenso 
wie in der Benennung acrutkarna oder „das Ohr, welches hört, - die dem 
ludra gegeben wird (Rigv. I, 10, 9), der lan^ohn'ge Indra möglicherweise 
eine Erscheinungsform des langohrigeu Mi das oder des langohrigeu 
Esels ist. 



ft u a l ist die Langsamkeit des Esels schon sprich- 
icli Der bescheidene Bbarata entschuldigt sich, dass er 
in Kinder Kama in der Kegieriuigskunat nicht gleich 
a wie der Esel nicht wie das Pferd renne, oder 
audere Vögel nicht wie der Geier fliegen könnten. Der my- 
isr . rseheiut ferner in diesem Epos - unter einer dämo- 

nischen und höllischen Gestalt: Bharata träumt? er sehe seinen 
todten Vater Dararatha, wie er in blutfarbigen Gewändern auf 
DD von Eseln gezogenen Wagen in das Keich der Trauer 
Weh Sndeu getragen werde; und wer im Traum auf einem esel- 
bespaunten Wagen fahrt, dem stellt der Tod bevor. A Khara, eiu 
Wori, irelebeflj wie wir bereits wissen, den Esel bezeichnet, ist 
auch der Name eines jüngeren Bruders des grossen Ungeheuers 
Rtvtga. Havana selbst wird auf einem mit Gold und Edelsteinen 
bmückten Wagen von Eseln gezogen. J>iese Esel haben das 
lit der Pir;uVi - Ungeheuer, 4 d. h. Gesichter von Papageien, 
Hauumant uns später belehrt, als er von den Ungeheuern 
icht, die er in Lanka gesehen, und von denen er auch sagt, 
im sie so schell seien wie der Gedanke. : ' Wir wissen, dass 
die Renner Ravanaa Esel waren, und deshalb sind die Esel mit 
Pirara-desichtern und die Pferde der Ungeheuer mit den Pa- 
igesichtern identisch. Das Ungeheuer Pi^äca hat also das 
eines Papageis. Wie kommt es, class der Papagei in 
als ein heiliger Vogel gehalten wird? Mir scheint, der 
Doppelsinn in der Sprache hatte etwas mit der Bildung dieses 
■wderbaren mythologischen Bildes zu tliun, Das Wort pi$ä6a 
imt, wie pi<;auga (d. h. goldfarben und roth) von der Wur- 
sebmücken, wovon auch das vedische Femininum pig, 
und das vedisclie Neutrum pega, farbiges Gewebe. 
i-Escl, welche den Wagen voll Gold ziehen, sind des- 
^elbst, wenigstens im Gesicht, an den Vorderindien, goldene 
Efiel, oder goldroth, wie die Sonne; wirklich linden wir Khara 
Brennenden) als Eigennamen eines Begleiters der Sonne 
öud kharaugn oder kharara^mili, den von brennendem Strahl, 



1 tiatiiii khara tva^vaaya supamiayeva pakshiuib anägaotum ua $akto 
rai rtgyam tava malnpate. 
may. II, 71 
Weber, a. a. 0. p 10. 
liy. 111. 38. 48 
Ib. V, l* 

19» 




als Sanskritnamen der Sonne. Kharaketu, der eiueu brenn« 

lij] bat, ist auch der Name eines Ungeheuers im li 
Wir sehen alsu bereits den goldenen Esel und das btflliscbi 
geheuer mit der Sonne identificirt, und so kommen wir der: 
gehener mit dem Papageiengesicht sehr nahe. Im vorigen Ka 
pitel beobachteten wir, wie das Sonneuross am M< 
erscheint zuerst an seinen Vordertheilcn, — bald an den I» 
bald im Gesicht , bald an der Mähne, welche golden genannt 
wird; 68 ist nur der Kopf des Pferde«, der sich in der : 
befindet; von Dadhyaic nehmen wir nur den Kopf in Verbindung 
mit der Ambrosia wahr. So wird von dem nächtlichen 
ditoionischen Esel, dem Dämon selbst, dem pi(ftca (die | 
heissen ileisehfresscnd *) nur das Gesicht . gesell n , ebenso wie wd 
den picaais und den Pferden, die den Ungeheuern gehören, nur 
der Kopf der eines Papageis ist. Doch wie können die goldene 
Farbe des Esels pf(&6a und die grttne Farbe des Papageis zu- 
sammenhängen ? Der Doppelsinn liegt wahrscheinlich in 
Worten hari und liarit, welche beide im Indischen sowohl 
wie gelb bedeuten. Hans und hari bezeichnen die Sonne nwl 
den Mond als gelb; harayaa und haritas sind die Pferd* 
Statte; hari sind die beiden Pferde Indras und der A 
denen wir auch wissen, dass sie gewöhnlicher aui Eseln rillen. 
Wir gelangen so zu hellfarbigen Eseln, zu den Eseln, di 
sind, wenigstens an ihren Vordcrthcilcn, d. h. in der Mo 
dämmerung, wenn nach seinem nächtlichen Laufe der Sonnen- 
reiter auf dem Punkte steht, an seinem goldenen östlichen 
stimmungsorte anzulangen, weshalb der Eselskopf, welch« 
göttlichen Reiter trägt, durch ihn erhellt wird. Jedo< 
hari ausser den Sonnenbclden als gelb auch den Pa] 
grfln; deswegen wurde der Esel oder Dämon mit golder 
mit dem Esel oder Ungeheuer mit dem grünen Kopf 
Papagcienkojif verwechselt Wir werden in den Kapiteln 
von den Vögeln handeln, sehen, wie der Vogel oft an 
des Pferdes trat in dem Amte, die Gottheit oder den Hcldei 
tragen. 

Um die Besprechung des mythischen Esels der Inder 
schliessen: es ist gewiss, dass er im Himmel existirt- 
wiss, dass er im Himmel fliegt, dass er im Himmel kämpft g 



' VI, 74. 

* K.'uy"iJ*h pigaeüh; Atharviv Vlll. 2 , 12. 



: r Feinde im Himmel dareli 
f, dass er mit einem Worte ein 
heroisches Thier war. Es ist ferner 
unter einei andei nicht allein 

Helden niederwiri in sie auch in die Hölle bringt, den 

i dient und in Verbindung mit den Schätzen 
ird; ebenso Fanden wir im vorigen Kapitel 
[leiden, welcher in Gestalt eines Pferdes ans dem 
h entflieht. Gicht ferner der Leser, wie ieh 
Identification des mythischen Esels mit dem gand- 
»eu wir den Esel als Tänzer, als Musiker, den 
liebt und den Esel in der wohlriechenden 
I dem b< enden Getränk, dem soma, welcher die 

der dionysischen Mysterien einnimmt, bei denen 
he Esel eine leierliehe Rolle spielte, 
hi den Fabeln des Pancatautra ist der Esel theilweis 
n Typus luodellirt, theil weise bewahrt er 
heu Charakter, Das vierte Buch zeigt uns den 
imal vom Schakal zum Löwen gelockt wird, indem 
rotere ihn glauben macht, dass eine schöne Eselin in Liebes- 
arre. Her Esel ist raisstrauisch «nd zeigt Furcht, 
gelin, auf welchem der listige Schakal 
Qtttebt, überwindet seine Zaghaftigkeit. Er ist jedoch sehlau 
ot sich her zu schicken, wird beim Anblick 
■ erriit here i des Schakals gewahr und flieht mit 
it, dass der Löwe ihn nicht einholen kann. 
uen neuen Angriff und überzeugt den Esel, 
that, die schöne Eselin zu verlassen, als 
an war, ihre Guust zu gemessen; indem er so seines 
en rührt, versichert er ihm ferner, die Eselin 
a Wasser stürzen, wenn sie ihn 
„Omnia viueit auior;" <lcr Esel geht 
[nd dies Mal erhascht und zerreisst ihn der Löwe, der 

a und Gebete verrichtet hat, an 

L Mittlerweile hat jedoch der 

akal «las Her/, und die Ohren des Esels gefressen und redet 

Thier halle weder da« eine noch 

- dumm q wäre an den 

m er einmal entwischt. 

durch diese Erklärung. 

Mischung von Schnelligkeit, 



204 

Bad Dummheit, welche letztere durch die Lüsternheit 
tat. Nun, es ist wohl möglich, dass der Verfasser des 
PȊc*tautra darch seine Bekanntschaft mit dein sehen 

Ks*l veranlasst worden ist, dem Esel eine Eigenschaft beizul 
die iu Fabeln indischen Ursprungs sonst gemeiniglich der Alle 
tagib&t; doch ist dies nicht unumgänglich noth wendig, um ilie 
Kabel, von der wir soeben einen kurzen Auszug gaben, n 
■ 

Andrerseits ist im vierten Buche des Fand at antra die 
Fabel von dein Esel im Tigerfell — eine unwesentliche Varia 
dot Ksels in der Löwenhaut — , wie Prof. Weher schon bewiesen, 
aus der äsopischen Fabel entlehnt. Eine andere Fabel im t'iiniten 

welche uns von dem Esel erzählt, der, ganz niirrisel 
Musik, l darauf bestand zu singen, so entdeckt und zum Skia 
nacht wurde, seheint ebenfalls griechischen Ursprungs zu win, 

ti obwohl die Abfassung dieser beiden indischen Fabel: 
literarischer Form ihren Ursprung in der Kenntniss der griechi- 
schen Literatur hatte, so lässt sieh doch der ursprüngliche 
thus von dem Esel - Ltiwen (hari, das Pferd Indras, bedr 
auch „Löwc u ) und der von dem Escl-Musiker (als gandharva and 
gardabha) bis auf die vedisehen Schriften zurückverfolgen. 

In dem zendischen Ya«;na* finde ich einen neuen Bei 
welcher mir sehr triftig scheint, für die von mir aufgestellte Iden- 
tification des Esels und des gandharva. Ich habe schon den 
gandharva erwähnt, welcher über den Soma in der Mitte der 
Wasser wacht, und ich bemerkte, wie der gandharva kri^äauder 
Vcden und der zeudisehe kerecani, der über den hotn im Vouru 
Kasha wacht, identisch sind. Doch wird dasselbe An«: 
Yaf na von einem dreibeinigen Esel verrichtet d. h. einem lah- 
men Esel (oder dem Sonnenpferde, welches während der Nach! 
lahm geworden ist» ebenso wie der Sonnenheld lahm wird, 
einem lahmen Teufel), welcher mit seinem i die bösen 

Wesen vertreibt und das Wasser rein hält. 

Im ersten der sieben Abenteuer Knstems iu Firdusis Schah* 



1 Vgl. auch Tut i -Name II p. 218 „Vom Esel, der zur hrte/ 

uud II p 149 „Der Esel in der Löwenhaut. 

1 XL1,2& - Vgl Kborda Avesta, Spiegels Ein I ei tu Dg p, Ll\ 
„Dort ist der dreibeinige EseL der in der Mitte de* Sees steht und tni 
seinem Geschrei die bösen Wesen vertreibt und alles Wasser, da* nut un 
reinen Wesen und Dingen in Berührung kommt, sogleich reinig' 



! 



295 

fame gebt der hungernde Rtistciu mit seinem tapfern Helden- 
ro«sc auf die Jagd nach wilden Eseln, Die Esel fliehen, doch 
Heldeu Pferd ist schneller als sie und überholt sie; Rustem 
fangt einen mit einem Lasso und kocht ihn, die Knochen fort- 
werfend. Dann geht er schlafen (dann bezeichnet in den My- 
then bisweilen den Zwischenraum eines ganzen Tages oder eines 
ganzen Jahres. — Der Held thut fast dasselbe bei seinem zweiten 
Abenteuer und in dem Abschnitt von Bohr Ab.). Wahrend Rusteni 
lieint ein Lowenungeheuer, um den Helden zu über- 
fallen; doch das Heldenross wirft den Löwen nieder und reisst 
ihn in Stücke mit seinen Hufen und Zahnen. Dieser Kampf zwi- 
schen dem Pferde des schlafenden Hehlen und dem Lowenunge- 
heuer ist eine epische Gestalt der Fabel, welche die Tfaiere dar- 
stellt als im Walde geschreckt durch das Schreien des Esels, und 
der Fabel von dem Löwen selbst, welcher durch des Esels Tritt 
gctodtet wird. Wahrscheinlich gaben die Knochen des todten 
Esels, auf bewahrt, Rustema Ross heroische Kraft 

In den mongolischen Mährchen, deren indischen Ursprung 
wir bei einer früheren Gelegenheit angedeutet haben, finden wir 

Izwei andere auf den Esel bezügliche Sagen. Im achtzehnten 
Mährchen belädt ein närrischer Mann seinen Esel mit Reis und 
macht sich auf die Reise, um denselben zu verkaufen; er verbirgt 
seinen Esel in einer Höhle; einige Kaufleute kommen mit ihren 
Gütern vorbei, und der Narr giebt vermittelst einer Trompete 
einen so lauten Ton von sich, dass die Kaufleute in dem Glauben, 
ea seien Räuber in der Höhle versteckt, davonlaufen und ihre 
Gtiter in dem Besitz des Esels zurücklassen. Hier sind der Esel 
und der Narr schon identificirt. Die Trompete und das Blasen 
de» Narren entsprechen dem Schreien des Esels, von dem wir 
bald andere Wunder berichtet finden werden, Der Sinn des My- 
thus ist folgender: Der Sonnenheld in der Nacht oder in der Wolke 
oder im Winter wird dumm, er wird ein Esel ; die Wolke don- 
nert und der Donner der Wolke lässt die Vorstellung bald von 
dem Schreien nnd bald von dem flatus des Esels (oder des Nar- 
ren\ bald von einer Trompete, ' und bald von einer Pauke eut- 
tcheu. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Wort dundubhi, 
reiches eigentlich Kesselpauke oder Pauke bedeutet, auch der 



Danteleser sind mit der Trompete dew Teufels Malacoda bekannt, 
ber derselbe Gebrauch gemacht wird t den im mongolischen Mähr- 
en c-n der Narr von ihr macht, 



Nanu* eine« Ungebein 

des Weihes eitel 

der Pauke ist to Eselshaut gemacht; das ist ein Gr 

mehr, warum, da die donnernde Wolke sehr natürlich mit ei 

Pauke verglichen wurde, auch der Donner bald als ein flatus o 

bald als ein flatus ventris des himmlischen Esels oder des 

rischeu Helden, der ihn begleitete, betrachtet werden musute. 

In dem zweiundzwauzigsten mongolischen Mährchen habcu 
wir eine, theils weniger vollständige theils reichhaltigere Vei 
der Fabel von dem pbrygisoben König Midas. Ein König, der 
goldene Eselsohren hat, bisst jede Nacht seinen Kopf mit 
denen Kämmen von jungen Leuten kämmen, welche darnach 
fort getödtet werden (dem Esel den Kopf kämmen ist nng» 
dasselbe, wie ihn wast hen: docl er auch gekämmt wiru\ 

die Ohren lassen sich nicht fortbringen). Mines Tages erhllh 
m den höchsten Khrenstellen bestimmter Jüngling, bevor er 
König den Kopf kämmen geht, von Keiner Mutter eiuen Kuchen, 
der aas ihrer eigenen Milch und Mehl zubereitet ist. !>• 
ling bietet den Kuchen dem Könige an, dem er gut schmeckt 
n ml der dem Jüngling das Leben schenkt unter der Bedingung« 
das» er keinem Menschen, auch seiner Mutter nicht» das grosse 
Geheimniss ausplaudert, nämlich was fltr Ohren der K 
Der Jüngling verspricht, Stillschweigen zu bewahre 
auch wirklich die grttssten Anstrengungen, das Vei 
halten; doch das macht ihn ernstlich krank, so krank, das« er 
fUhlt, er muss platzen, wenn er das Geheimniss nicht ausplani 
kann. Seine Mutter rath ihm nun. sein Herz zu erleiH 
dem er es in einen Spalt der Erde oder ei 
Der Jüngling betolgt den Kath; er trete Feld, rindet 

das Loch eines Eichhörnchens und haucht ganz leine im 
J user König bat Eaehotmen r" doch Thtere haben V und 

können sprechen ; auch giebt es Menschen, die ihre Sprache ver- 
steh«. Das Geheim i von Einem sum Andern, \>\* ctei 
nig hint, dass der Jtfngliog es verratheu bat Bf droht, ihm da» 
Leben zu nehmen, wird jedoch milder gestimmt, als er von ihm 

hrt 7 wie Alles gekommen ist, und verzeiht ihn 
MMidcru macht ihn sogar ZU seinem ersten \ 

liehen Jünglings erste Handlang ist, da 

Gestalt von Eselsohren erfindet, so dass der Kim 

verbergen kann; als die I 

aran so viel Gefallen .»nehme:. 



ictit litnger utithig, in Verborgenheit und bestand? 
relit vor Entdeckung zu lebe«, sondern befindet sich 
ifhl gUtekKch bis au sein Ende. 

tdetn wir so die vol kst b ii nilirhst en a- n Sagen vom 

r ihren Haupt^esiehtspunkten betrachtet haben, wollen 
inmentnssende Darstellung der europäischen 
n und dabei wenn möglich noch kürzer verfahren, 
ls der Leser, der, wie wir hoffen, jetzt den Schlüssel 
Lttfl hat, sieh leicht selbst wird das Verstäüdniss zahl- 
r analoger Einzelheiten der griechisch-römischen Sage er- 
inen. Ich spreche nur von der griechisch-römischen 
il ihr Mythus von dem Esel unter slavischen und dent- 
il, bei denen der Esel, wenn Überhaupt, nur wenig 
Ut ist, keine besondere, unabhängige Entwicklung durch 
lacht hat. In slavischen Ländern wird die Rolle des Esels ge- 
dieh von Iwan dem Dummen oder Emil dem Faulen, auch 
von dem Karen oiler Wolfj wie in Indien oft von dorn Aften be- 
hauptet; 1 Esel, Bar, Wolf und Affe stellen als mythische Thiere 
Erscheinungen dar. 
innen wir mit der Erzählung von Midas, 
KdM erscheint bei Herodot nicht nur als König von Phry- 
sondern auch als Stammvater der Phrygier. In Ciceros 
perirrt sich der trunkene Satyr BUSH ursprünglich 
andere Erscheinungsform desselben Midas, da die Satyrn 
D , der Lehrer des Dionysus, in den Rosengarten 
dida«, vor den er geführt wird und von welchem er wohl- 
aufgenommen und gepflegt, dann aber mit Ehren dem U<>tt 
EBrtlckgesandi wird; aus Dankbarkeit verleiht dieser dem Midas 
, Alles, was er berührt, in Gold zu verwandeln, ja sogar 
Rise, «lie <t essen will und das Wasser, in dem er badet, 
ahrscheinlich complicirter Natur. Midas sollte, 
ie d( in Gold verwandeln, was er gegessen hat, d. h. 

Speise und -tränk in goldene K\ereincutc; er sollte 

goldenen Kornähren befruchten, d. h. im Himmel, die Sounen- 



ler (nach GeUius) beklagt sich ein Ehemann über die 

nbill, die ihm von aeiner Frau an^ethan wird, indem er das Sprichwort 

< I unter den Affen," Die Affen sind wegen ihrer 

ckannt; der Esel, welcher den Phallus repräsen- 

ttdet eich oft in der Lage eines impotenten und schwachen Ehe- 



strahlen. Cicero selbst führt uns auf die Vermuthung, dass 
Mythus von Midas in Beziehung steht zu den Kornähren, wen 
er in seinem ersten Buehe de divinatione sagt, das» die 
Ameisen dem Midas, als er noch ein Kind war, Weizeukorner in 
den Mund trugen; diese sind Symbole der Fülle und der Frucht- 
barkeit, die durchaus auf den mythischen Esel anwendbar sind. 
Denn obwohl der gemeine Esel nicht ein privilegbter Befrachter 
ist, ist doch der mythische Esel als regengebende Wolke oder 
eiraniehin der beste Befrachter der Felder. Die Sonne oder das 
Gold oder der Schatz kommt ans der Esel-Finsteruiss (am Mor- 
gen' oder der Esel-Wolke (im Frühling). Der Esel Lucius wird, 
nachdem er die Rosen des Morgens oder des Ostens gegessen, 
wieder Lucius der Glänzende (die Sonne), Deshalb verwandelt 
dtar Esel Midas, der sich an Rosen delectirt, ebenfalls Alles in 
Gold, was er isst, so wie auch den Than oder die ambrosische 
Quelle, in der er badet; das Rosige wird das Goldene; dir 
Sonne kommt hervor aus der Berührung des Esels Nacht mit der 
Aurora* 

Auch Servius erzählt uns in seinem Oommeutar zum sechsten 
Bliebe der Aeneis von den Centauren: v jn tinribiis aiabalant". 
wie der indische ^andhurva in den Wohlgerüchen. Diese Wohl- 
gerliche sind Regen und Than. Der mit Brod * und Blumen ge- 
schmückte Esel bei dem rt »mischen Vestacultus, der an den Dienst 
inerte, welcher der (Jöttiu eines Tages durch das Schreien 
I im s Beeil geleistet wurde, das sie aus dem Schlaf erweckte» 
als Jemand sie zu entehren versuchte, 1st eine andere Abart des 
Mythe« ron der Aurora, welche aus der Nacht erwacht, golden 
reich an goldenem Haler und goldenem Weizen. Der Esel 
wird geopfert, weil er vielleicht selbst es gewesen war, der es 
darauf abireselin hatte, die Yesta ihrer Jungfräulichkeit zu be- 
rauben; da er sieh jedoch, wie oft in den Fabeln, dnreh sein 
Schreien verriith. so erwacht Vcsta und straft ihn dadurch, dass 
sie ifin als Opfer darbringt. In einer Variation derselben 
yJihlung im ersten Buche von Ovids Fasti, wo wir statt der 
enplie Lothis im Schlaf haben, verliert ebenfalls der 



• Lampsucus huic soll so Uta est inaetare Priapo. 
Aptu mW Hammia iodicis eita dauuis. 
Quem tu diva meicor de pane monilibus ornas ; 
Cetsat opus; vacuae eonticuere molae. 

Üvidius, Fasti. 



,, f , , „/ ij ' ther odor i u - »*il or J, ^'"ohreo 

:C7- ~ 

r-S--- ^ tt 



300 

Etiodit et domini quale« aspexerit aurea 

16 refert parva terracque immurmurat hauatae, 
Indiei unique suae vocia tellure regeata 
Obruit it H4'ivjbibua tacitus diseedit opertia, 
Creber arundinibua tremulis ibi surgere lue us 
Coepit et ut primum pleno maturuit anno 
Prodidit agricuhwn: lern jam motu« ab Austro 
Ubruta verba refert dominique eoarguit aurea.* 41 



Dieselben Griechen, welche den Esel zum Gegenstand des 
Spottes und Gelächters machten, machten den phrygiseben KOnig 
Midas mit den Eselsohren zum Thema ihrer Satire, Es ist das 
eine einzelnstehende Erscheinungsform des Kampfes zw isehetH 
Griechen und Phrygieru oder Trojanern* Apollo ist der Feind 
der Trojaner, wie er der Feind des plirygiscken Könige Midas 
ist. Die Trojaner und Troja werden durch den Esel, die 
Griechen, welche die trojanische Burg mit Sturm nehmen und 
siegen, durch das Pferd repriisentirt; die Sonne verscheucht 
die Nacht; der Held tödtet den Centaur; das Pferd tiber- 
windet den Esel die Griechen die Trojaner; und jeder kann sehen, 
wie der Umstand, dass die Griechen ihre Feinde in Kleinasien 
im Esel personitieirten, dem Rufe des armen Langohr geschadet 
liahen muss. Die bitterste und schneidigste Satire ist immer die, 
welche man gegen seine eigenen Feinde richtet; und der Esel 
hatte unglücklicher Weise einst die Ehre, den Pbrygier, den tradi- 
tionellen Feind des Griechen darzustellen. Der Esel trug die 
Kosten dieses heldischen Kampfes, ebenso wie er im Mittelalter 
von den Einwohnern Padnas nitentlich aufgespießt! wurde, weil 
er das Unglück gehabt hatte, das heilige Tliier auf dem Wappcn- 
sehilde der Stadt Vicenza zu sein, mit der die Paduaner in Un- 
irieden lebten. 

Im selben eilften Buche Ovids, in welchem die Verwandlung 
der Menechenohren des Midas in Eselsohren geschildert ist, wer- 
den die neuen Ohren merkwürdiger Weise weisslieh genannt, wie 
sie m dem mongolischen Malirchen golden heissen. Dies I 
noch mehr die Deutung des Mythos dahin, dass der Esel das 
Sutinenross während der Nacht ist Der Kopf und der Schwanz 
der Nacht, als ein Tliier gefasst, sind bald die weisslicheu i 



1 Ovidius, Mot am. XI, 180 fi. 

* Nach dem Auualeo v o u Padua, citirt von Bernardino Scardeoue, 
bei Aldrovondi, De Quadrupcdibua I, 



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302 

ier uud Quellen Arkadiens, Der göttlich' Wachtel 
i in der bimmligcben Wolke nimmt im arkadischen Walde 
alt des Pan, des Gottes der Schäfer an, welcher 
den Honig Wache hält Der gandharva, weleher im indisc 

ip mit den Apsarasen tanzte und it in (UcstaLt des 

Päh uach Arkadien herniedergestiegen, um mit den Nymphen zu 

tanzen und zu eiligen. 1 Pan, weleher allein in den düsteren 

eht, Pan, welcher die Furcht verjagt, eriimeit uns in 

erbindung mit der EiziblttUg vom Esel einerseits an den 

rlinius erwähnten Aberglauben, dass eine Eselshaut auf Kiu- 

die Furcht von ihnen verscheucht * (ebenso wie man 

in der sieüisehen Proviuz Girgenti glaubt, dass Schabe ana WoICb- 

ttlL Kindern gen, sie beim Kampfe muthig und glttckKch 

hen) und andrerseits an dafl — noch nicht veh'ifieutlichte — 

pjctnonteftiBcbe Mäbreben von dem herzhaften Giovannino, wcl« her 

iiolohnnng für seinen Muth, allein in die Hülle zu gehen, einen 

mitbringt, der Gold (allen läset 3 So verwandelte auch der 



I Ihr Leser kennt die Sage von der von Pan I Nymphe 

ii x, welche in ein Rohr oder Ried verwände! I wurde, aus dem sich 

Flöte machte. Wir finden in der ungarischen Sage das Blatt 

Uolires in Verbindung mit dem Eael. Es lässt sich auf den BtsUtorp 

Bahn eine merkwürdige Auszackung beachten, die eine merkwiir 

Aehnlichkeit mit dem Zeichen von drei Zahnen hat. J> 

sonderbare Zeichen zu erklären erzählt das ungarische Volk, der Eael 

i rlftsers habe einst nach dem Blatt eines Rohrs gebissen, 

da Christ HB in Eile war, das Jilalt nicht essen können, und 

H gekommen, dass die drei Zähne als Zeichen des Bisses 

.-k blieben. Von jener Zeit an erinnert jedes Rohrblatt daran. Von 

den beiden Linien, welche sieh an den beiden Flanken des Esels hiimb 

n, Nagt min in Ungarn, sie seien von dem Blute unseres Erlösers 

verursacht* In Irland herrscht der Volksglaube, dass diese Linien als eine 

lärinnerung an Christus, der einmal den Esel schlug, geblieben Pfad 

dlti Kapitel über den Pfau und den Aal, wo wir den Held und die 
Ihldin wieder in Schilfrohr verwandelt finden werden 

■ Das Herz oder den Muth verlieren wird im Italienischen vulgär 

kt durch: „Qui mi casca Casino' 4 (hier fällt mein Esel). Dieser 

Irtick int jedoch vielleicht griechischen Ursprungs-, das Wortspiel BH> 

I den gleichlautenden Redensarten: „«V &Wt/ M und ,/t.i« mv 1 ' ist he- 

liaiinl , durch dieses wurde „vom Esel fallen 44 uud „den Muth verlieren 4 ' 

9 In Autignano bei Livorno hörte ich ein Mähreben von einer M 
ijummen Sohn, Namens Pipettu hat. Dieser bittet die M 

HU »» Quattnno (ein kleines Geldstück), um eine Wicke und später 

Hohne y.n kaufen, weil dieae hober wächst ; er hat sie und sie 






ipasiao die Excremente Beines Pferdes in Gold, 

is unite. ' 
Üei erschreckt als er in den Kampf geht, alle 

Waldes durch sein Schreien; so überwältigt Pan %( 
de durch seine schreckliche Stimme, und nach Herodot- 
Athener in der Heldenachlacht bei Marathon durch 
btige Stimme des Gottes Pan unterstützt. Wie wir end- 
lieh Apollo als den RivaleE Pans und den Feind des phrygischcu 
Midas, des vorbestimuitcn Isrls, ebenso wie auch der Trojaner 
heu. so Baden wir in der eilften der pythiseben Oden Pindars 
«den Helden Perseus unter den Hypcr { Esel essend, * Die 

ion schlingt den Esel Nacht, wie wir den Sonnen 

eldeu Rustem im Schali-Name thuu sahen, als er die wilden 
£«el i 

Doch wir müssen uns nach mehr mythischen Personen um 
5*eheo, welche mit dem Esel Midas in Arkadien, als dem Lande 
cles Pan und der Esel, in Verbindung stehen* Der Esel Midas 
rd als ein reicher Stammvater von Geschlechtern angesehen 
nd fi'n den ersten Phrygier gehalten. Wiudischmann hat schon 



£ 






Ivino wunderbare Höhe. Er klettert an der Bohnenstange 
of und kommt an die Pforten de« Paradieses, welche ihm >a* 
**er<J«-u ; doch St Peter schickt ihn zurück; er findet darauf den Ein- 
ng zur Hölle , welche er zu besuchen wünscht. Der Teufel zeigt 
tu Alles, was zu sehen ist; dann spielen SIC Beide Kurten und Pipette 

elen. Der Teufel fürchtet, dass Pipetln die 

. u wird, und läset ihn mit dem Sack abziehen, giebt ihm auch 

och einen Esel, der Gold fallen läast ; er steigt zum Himmel auf und 

tu'roiacht de» hlgeu Petrus den Sack Seelen. Die Geschichte endet 

mit der gewöhnlichen Vertauschung der Esel in dem Gasthause, wo IV 

petta bei «einer Herabkuoft von der Bohneoati uft. 

• Es wird hinzugefügt , dass als Titus seinem Vater diese Habsucht 
vorwarf, Vespasian ihn an dem Golde, für welches der Pferdedttng 
kauft worden war, Herben liess und ihn fragte, ob es schlecht rieche. — 
In dem p&OOgoliacben Mahrchen sahen wir den Dummen t der mit sei 
Mitgeht und ihn in einer Hühle verbirgt, nachher eine Kara warn 
Heuten beraubt. — Tzetzes I, 128 erwähnt ein Dorf in Phrygien t mit 
Nam- bewohnt von Räubern und dem 

Midas gell meint auch, dass Midas den ßeinameu: «der Lang- 

XI r 51. 
ins Liberalts (luden wir eine lange Erzählung, aus 
ich nur den 1 r den Hyj 



:m 



fan den Beispielen Yamas, Yinias, Manns, Miuos' und Badaman- 
tbya 1 ) die Verbindung zwischen denj reichen Stammvater v«>n 
idechtern und dem reiclien König «ider Richter der Hülle be- 
merkt Midas, dem reichen König, Midas dem Stammvater und 
Midas dem Richter entspricht der Esel, dessen Exkremente G 
sind* der Esel als Richter und Prophet, der arkadische und pro- 
phetische Pan. Die Arkadier betrachteten rieh nicht nur als avion— 
ihvtg, sondern auch als ■jr(xxjth t rof. :i Iter als der Mond. Doch werdet ^ 
sie auch in dem Lichte von Bewohnern einer höllischen Gegen« ■ 
gesehen. In Arkadien lag der See Stymphalus, dessen dann» 
nisebe Vögel von Herakles erschlagen wurden ; in einer wildem 
Felskluft war die Quelle des Styx, des Haupthüllenstromes, be= 
welchem die Hollenhewobner der Griechen zu schwören ptief: 
Griechische und römische Schriftsteller pflegten von dem Esc^ 
(und dem Maulesel) zu erzählen , dass er eine besondere AI 
ucigung gegen das Wasser des Styx als giftig hatte. l>h 
Aberglaube auf den Mythus zurückgeführt scheint zu bedeute 
dass der Sonnen held, wenn er dieses Wasser — das Wasser i 
finsteren oder wolkigen Oceans - trinkt, eiu dunkler Esel \\ i 
{Wir finden in russischen Mahrchen den Helden, der in eine 
Stier, eiu Pferd oder einen Ziegenbock verwandelt wird, wen 
er Wasser trinkt, aus welchem ein dämonischer Stier, Hen, 
oder Bock vorher getrunken hat). Aelian schreibt im zehnte? 
Buche über die Thiere, als er von den gehörnten Eseln Scvtlner 
spricht, dass sie in ihren Hörnern das Wasser des Styx hielte - 
Eine ähnliche Erzählung wird von Philostratus im dritten Bud 
seiner romanhaften Biographie des Apnllonius gegeben , wo ^ 
von den lUbolhaften gehörnten Eseln in Indien spricht. ,,M» 
sagt," so schreibt er, „dass in dem Marschlande bei dem ineüft 
Flusse Hyphasis viele wilde Esel zu linden sind, und dass die ■ 
wilden Thiere auf ihrem Kopfe ein Horn haben, mit welchem ^ 
gleich Stieren tapicr fechten" (es scheint das eine Reminia 
an das indische Rhinoceros zu sein); „und dass die Inder a 
diesen Hörnern Trinkbecher machen, indem sir \ersichera, di»« 
die, welche aus diesen Bechern trinken, den ganzen Tag lit» 
von jeglicher Krankheit frei sind; verwundet fühlen sie l 
Schmerzen; sie geben unbeschadet durchs Feuer, noch auch ka~- 
ihnen, wenn sie daraus getrunken haben, irgend ein Gift et*w^ 
anhaben. ' Sie sagen, dass solche Becher nur Königen gehtfi — 



M * 



1 In dem merkwürdigen Buche Lit us Aslni (gedruckt su i 



Kttuig das Thiei jaget d 
d erzfihlt, das* Ajmllonius (der Ueld des Romans) dieses Thier 
Natur mit »Staunen tot hatte. Dem 

Dan , ob er an das, was gewöhnlich von der 

kraft des Be« If würde, glaube, antwortete er: 

iben, wenn ich erfahre, dass der König in 
Lande unsterblich ist'. u Und ohne Zweifel wurde es Apol- 
haben, v I unmöglich für ihn geW< 

dass der König, welcher sieh diesem wunderbaren 
bedient, die unsterblich ist, der allein es vorbe- 

halten ist, den Eöel des nächtlichen Waldes zu todten, den Esel, 
Ihren Hörnern gleichen, dessen Ohren von Gold Bind. 
Das Horn des seythischen Esels, das voll stygisehen Wassers 
Hum <1 i, das, als Beobet gebraucht, den daraus 

Gesund licit und Glück verleiht (nicht zu sprechen von 
Iskinnbacken , der Wasser fliessen lässt), erinnert 
hi iell an d bus von dem Füllhorn und den von 4er 

>S f welchem die boeksftissigeti Satyrn und Fanne in be* 

• snderer Verbindung stehn. Aus diesem Grunde findet sich anch 
d«-v Esel in Verbindung mit Pan; aus diesem Grunde ferner reitet 
. m Esel und erseheint in der Erzählung von Midas 
Rosengarten; die mythischen Kentauren oder Onoken 
tmren, < ; r, Faun, Esel und Bock sind Bezeichnungen mit 

Wir sahen, einige Seiten bevor, den drei- 
1 des Zend; im folgenden Kapitel werden wir ffie 
1:1 ■ * J finden, 

der Esel von Silen geritten wurde, 1 so war er das dem 

»ich folg« nerkung: „8i quia graviter a seorpione 

* «. id in aurem insusurrel asino, ex tempore curetur." — Elliot (Races 
Provinces of In diu 1, 260) erwähnt ebenfalls d 
: mbeii und bemerkt dazu: „In Indien glaubt man, dass 
ion gebi in folgender Weise gebeilt 

-n kann: Ein junges männliches Büffelkalb wird ausgesucht, und 
ein reineres Thier, und in sein Ohr wird fol- 
iie wahrscheinlich gar keinen Sinn hat, 
mir ganz schwache Sparen von Sinn darin ent- 
- Wenn da* g Tührt ist, kommt die dazu 

Gebissenen zurück und ist sicher, ihn vollständig 
len, (Nach Lieb recht in der Academy.) 
1 ,;i ..- senior turpi Bequitur Silenus aaello 

innitus tempora Bertis 
lucunt orgy a myst 

Heneca, Uedipas. 

L 2ü 






3Uü 



ÄaTi 



,-»i>^ 



Hk"* £*U* *fft*^. **■*■! Send, * ^ 









(trinkt r jeden Tag wieder jung und schon. Aus diesem Grunde 
ii eb zu wiederholen» diese Jugend als eine besondere 
schalt des Esela gepriesen; aus diesem Grunde schreiben 
üii der Eselsmilch eine bedeutende kosmetische Wirkung xu. * 

Der mythische Esel scheint jeden Tag zu sterben, sofern er 
jeden Tag von Neuem geboren und wieder jung wird, daher das 
grid }m iehwort nicht von dem Tode des Esels im Singular, 

kUtii \im den Todeu spricht u,"jm Am>f9D$"), 

Das italienische Sprichwort von dem Esel, welcher WeiD 
I und Wasser trinkt, spielt wahrscheinlich auf den Esel an t 
welcher das Wasser der Jugend trügt und dann, als er durstig 
ist, ans der Quelle trinkt in der Prometheus- »er Wein des 

griechischen und römischen Mythus entspricht dem berauschenden 
Trank' oder Soma, an welchem sich lndra im Rigveda so er- 
L Der Esel trägt den trunkenen Silen auf seinem Rücken* 

Die Sonne, welche in der Wolke mit einer Eselshaut bedeckt 
ist, trägt den Regen, woher das griechische Sprichwort: „Der 
Esel wird beregnet** C'Ovog vgtcu), und der Volksglaube, dass, wenn 
sich die Uhren des Esels oder eines Satyrn (d. b. des Esels selbst) 
hewegen. das ein Anzeichen von Regenwetter (oder Thau) ist 
Wenn die "onne aus den Schatten der Nacht heraustritt, so trinkt 
die Milch oder die weisse Feuchtigkeit des frühen Morgen- 
himmels, dieselbe schaumige weisse Feuchtigkeit, welche die Ge- 
hirn der Aphrodite verursachte, dasselbe Nass, aus welchem bei 
»der Liebe des Dionysos (oder des Pan, eines Satyr oder des Esels 
Bdbst) und der Aphrodite der Satyr gezeugt wurde — Priapus, 
dessen phallische Liebe durch den Esel entdeckt wird. Der Sa- 
tyr dient als ein Bindeglied zwischen dem Mythus von dem Esel 
iitol u dem Bock. Auf Grund dessen (d. h. auf Grund 

nahen Verwandtschaft zwischeu dem mythischen Esel und 
mythischen Bock) haben zwei alte griechische und lateinische 
rter - nämlich: sieb um den Schatten eines Esels 




ijuid et candori iu nmlieruw cute existimatur. Poppaea 

onotii (faronifl i «»cum per omnia tränen* foetus 

im Bülin totum corpua illo lacte macerabat, extendi rjuoque 

AMi-uv, Aul diese Gewohnheit spielt Juvenal in der 6. 

,,Alqu( j illo lacte fovetur 
Propter quod secura comites educit aaellas 
Exul hyperbureum si diinittetur ad axitn, u 

20* 







: (C ) und: sieb „de lana caprirja" streit 
— i! Bedeutung: ßich um eine Bagatelle streiten (welche 

jedoch im Mythus, wo das Fell der Ziege oder des Ksels sich 

D in ein goldenes Flie>« verwandelt, keine Kleinigkeit 
was um wo wahrscheinlicher ist, als die Griechen uns noch ein 
anderes Sprichwort Überliefert haben, in welchem der Mann, der 
zu ernten erwartet, wo er nicht gesät hat, ausgelacht wird als 
einer, der beim Esel nach Wolle sucht (ovol Tt&mg ( 

der der den Esel scheert {„t6v ovw /nun^). Wir sahen 
in dem Mythus von Midas den König, dessen Ohren beim Käm- 
men seine Eselsnatur verrathen. Das piemontesisehe Mährehen 
dem Mädchen, auf dessen Stirn ein Horn oder ein Esels- 
Schwanz wächst, weil es die gute Fee schlecht gekämmt hat, steht 
mit dieser Erzählung von dem Kämmen des langohrigen Jlidas 
in Verbindung. Der gekämmte Esel und der geschor* 
entsprechen einander; der gekämmte Esel hat goldene Ohren, 
tso wie im Mährchen Gold und Edelsteine von dem Köpft 
der guten Fee fallen, welche von dem guten Mädcli imml 

wird. Auf diesen mythischen Glauben litest sieh meines Eraehtens 
der Ursprung <k* mittelalterlichen Brauch« in der römische» 
Kirche znrückfilhreii, welcher noch zur Zeit Gregor des VII. be- 
stand und nach welchem bei Bflfetttffehefi Ovationen für den Papst 
ein Esel, der Geld auf dem Kopfe trug, vor ihn gebracht wurde. l 

>«'hatten verräth den Esel,* nicht minder als seine 
Ohren, seine Nase und sein Sehveieu, Der Schatten des Esels 
und seine Nase rinden sich mit einander verbunden in der Er- 
ziihlung von dem goldenen Esel bei Apuleius, welche, nach- 
dem berichtet ist, wie der Esel Beinen Kopf zum Fenster hinaus* 
steckt und dadurch seinen Flenn, den Obsthändler oder Gärtner 
(den Freund der Wohlgerüche, „i^iiidhamr'', asinus in unguento, 
omg h> /nW" wrräth, folgen denn assen seh li esst: „All der unglück- 

nur wiedergefunden und vor die Behörde gestellt Ut, 
um die Geldstrafe zn bezahlen, führen sie ihn in ein öffentliches 
Getangniss und hören nicht auf, sich, wie tier Esel Lucius sagt F 



1 „Finitia laudibus surgit quidam archipreabiter, retro se asceudit aai- 
nam praepamtum a curia; quidam cubicularius tenet in capite aaini bftoi- 
lein cum XX solidia detiariorum u etc. Du Cange, glosa. M. et I. L. «, ▼, 
Cornoiuanoia, — Wir tiadeu auch bei Du Can^e, dass eia Soldat im 
Mittelalter „caput asiui pro magnitudine capitis et eougerie cupiltorum'* 
geuumit wurde. 

* Pontatueronc III. Nacht „hwloo de l'oini 



n tiber mein Gesicht lustig HI machen", woher fcfl Volks 

Sprichwort vom Gesicht und ^clj^lton ties Esels f„de prospect« et 
umbra asim") kam 4 *. Der Etel, welder seinen Herrn, den Obst- 
händler oder Gärtner, durch sein Gesicht verrütlL ist eine Al>art 
dee Esels» welcher im Walde mit der Löwenhaut bekleidet l (wie 
Herakles, der in einer Löwenhaut in die Hölle geht), sich durch 
«ein Schreien verräth» und des Esels, welcher durch sein Schreien 
den Priapue entdeckt, Priapus den Gärtner, welcher sich in 
Qgxten (der volva) ersetzt, gleich dem Ogre 2 des Pentamerone, 
der in seinem Garten ein schönes Mädchen vorfindet. 

Der Esel kann weder seine Stimme noch seinen flatus unter- 
drücken; wir sahen etwas Aehnüehes schon in der Erzählung 

Midaa, wo der. der den Esel kämmt, fühlt, dass er platzen 
m, wenn er sich nicht deB Geheimnisses von dem Esel ent- 
ledigen darf. "Diogenes Laertius erzithlt. dass als die Felder von 
Agrigent von bösen Winden verwfletet wurden, welche die A ehren 
vernichteten, der Philosoph Bttipedoeta Eselsfelle nehmen, Säcke 
aus ihnen machen und diese auf die Gipfel der Httgel und Berge 
tragen liess, um die Winde zu verjagen. Aelian, der ein Geräusch 
mit einem andern verwechselt» räth, dem Esel einen Stein an 
den Schwanz zu befestigen, wenn man ihn vom Schreien Mirttck- 
balten wolle. Diese alte griechische Fabel ist bis heutigen Tages 
in Italien sehr voIksthUmlich nnd der Erzähler pflegt sie mit 



1 Pent am. II, 1 haben wir eine Variation der andern äsopischen 
Fabel von dem Löwen, der sich vor dem Esel furchtet Die alte Hexe 
sieht, um eich von dein LSwotl zu befreien, den Petrosinella hat entstehen 
i aas en, einem Esel das Fell ab und macht es sich um; der Löwe, dereinen 
wirklichen Esel zu sehen glaubt, rennt davon. — In dem dreizehnten der 
sici lisch en Mährchen, welche von Frau Laura Gonzenbaeh gesammelt sind 
(erschienen in Leipzig bei Brockhaus), streiten der Esel und der Löwe um 

Heute; der junge Held theilt sie, iud m er dem Esel das Heu giebt, 
welches der Löwe im Munde bat und dem Löwen die Knoflh«n 1 die der 
Üset im Munde hat. Doch stellt hier wahncheinJich to Löwe den Hund 
dar, nach dem griechischen Sprichwort: ,,ÄYii &<W ra «#''{«** wtp r« o«n*ee*, 
um etwa* auf verkehrte Weise f» ethanes su bezeichnen, 

* Ebenfalls im Pentamerone füttert auf der Insel der Ogren eine 
alte Ogrin eine Anzahl Esel, welche nachher an das Ufer eines Flusses 

agen und die Schwäne atossen und schlagen \ hier ist der Esel dämo« 
aisch, wie im Uamäyana; die Schwäne sind, wie wir sehen werden, eine 
Eroel inn der glänzenden Ayvins — In der obseönen Literatur 

sind die men tu I a als Gärtner und die vulva als Garten zwei hautig vor- 
kommende Bilder; vgl unter Anden» da» italienisch \ La Menta. 



einem Anstrich von Wirklichkeit aufzuputzen» al* ob aäe erst 
gestern und unter Bekannten passtrt v, 

In den italtenis« wenn der FLsel auf 

Berge schreit, ein Schwanz auf dl i der häuslichen 

Tochter der Stiefmütter; der dritte Hahnen*' 
zum Tode des Ungeheuer«; der dritte Icfl E*eb 

kündigt den Tod des Narren an. 
schwindet der E*el und der Narr verschwind 
falls* Das Schreien des Esels kann im Himmel 

en; nachdem der r 
donnert bat, kommt de; auf die Erde nieder, IW 

Regen auf, zerstreut sich nnd stirbt; der dunkle Esel kann i 
in dem glänzenden Himmel bleiben» er kann norden wölk 
feuchten oder düsteren Himmel der Hölle bewohnen- Die 
Weise, wie der Narr des Mührchens dem Tode i 
versucht, gleich! der, auf welche man nach Aelian den Esel vom 
Schreien zurückhielt. In einem Mährehen ans Araagitac* r 
Joan Ion Pec hinter einem Manne her, den er fllr weise halt nnd 
fragt ihn, wann er sterben werde; de 
Ion Pec, mouriras an troisiemo pet de tonn timf 

es zweimal; der Narr versucht das dritte Mal zu verhindern; 
„Cop sec s'en angonc cerca un pan (einen Pfahl) h 
et l'enfouncfe das nn märtet dena lou cu de l'a*e. Me» Ti 
s'enflec taut, e basconc tant gran effort, que loo pan Bourtis 
conmo no balo e tnec lnu p raube »loan Ion I 

Bei Hero dot werden die Scythen als die 

schreien und die IIuDde bellen zwischen den Zelten des Darin 

Schreien des Esels, der Donner der Wolke, ist ein Or. 
der Eael t der schreit, ist ein Richter nnd 



1 Vgl die erste der Novelline di San Stefai aia. 

m welcher wir auch den ftir 

Esel Gold fall» 
Holzbirnen todtschlagt; den Sohn de« armen Mann ■%m\\ 

belustigt, den Esel, an einen Kinnen gebund> 
ihn dann LIMIT, d<rn Bat 

Mo nut gl 

id von Kusalari 

celaeht hat ichtt brii 



1 Con tri r ' 
gnac, par J> V. Bind-" 



bekannt; der Teufel könnt jede 1 Art von 

; der Esel in der Hülle nimmt an seiner 
Kenntnis* Theil, Der Esel Nicon Sagt bei Pin tare b (vita An- 

tn8 seinen Sieg in der Schlacht bei Actinia von 
la^re^en erscheint in der Biographie Alexanders von demselben 
Her ein Esel, weleher mit einem Tritt einen den Mace- 
i grossen Löwen tödtet, dem grospen Eroberer 
im Lichte einer ßehleehten Vorbedeutung Die untergehende 
Abendsonne, der alte Löwe, wird am Abend von dem Esel Nacht 
Itet; am M eu verkündet der Esel Nacht dem 

enhelden, welcher wieder glänzend und weise wird, 
k. Der Esel kann alle Dinge vorhersahen, weil er Alles 
weiss Alles, weil er Alles hurt und er hört Alles, weil 
ordentlich lange Ohren hat; der Esel des Apnleins 
sich selbst: „Rcereabar qtzod auribus praeditus n: 
longule etiam dissita sentiebam/' Und dieser Esel, weleher aus 
der Entfernung hört, erinnert ans wieder an den dritten Bruder, 
der bald ein Narr ist und bald nur (iir einen solchen gehalten 
1; an deu andalosißchen Oidin-Oidon, hijo del buen oidoT 
i] Verwandten d n erwähnten vedischen Indra .'irnii- 

\), des zweiten cuento Caballeros, ' welcher Alles bort, was 
ten Tiefen der HtHle geschieht m> Lucifer sitzt, gc- 
ad mit langen Ohren,- Der Hehl, welcher mit Lucifer 
denkt nur daran, ihm die Ohren abzuschneiden; 
! ohne obren ist nicht länger ein J>ol; die Ohren des m; 
sind seine Lebensorgane, sein Charakteristikum. E 
der Ohren setze dem mythischen Esel üttroer auf nnd wir haben 
mythischen Bock; nimm die llörner fort und — wir haben 
bald das verachtete Schaf, bald das Schwein des Mythos: darauf 
wollen wir in den beiden folgenden Kapiteln näher eingehen. 



1 Cuento s y Poesiaa Populäres Anda luces, colleciouado« par 
Tertian tp*>g» Brockhaus ISßfj. 

* „Wald tint Ohren, Feld hat G sagt ein deutsches Sprichwort 

uim, 1); die Zweige der Büt «ncn nnd 

nit Hörn pro verglichen, Der HpM, 'ler sich im Walde verliert, 

He hinabsteigt, die Sonne, welche In die Nacht sinkt — 
dasselbe! Mau kann wohl über die Mythologen witxelu, mau 
aber keiursfal« hescr Tliütaaehe leugnen, an w 

cm« lythen auschliesat. 






KAPITEL IV. 
Bas Schar, der Widder niid die Ziege. 

Wenn die Jungfrau Aurora am Morgen ihre glänzend 
aus dem Stall führt, so finden sich unter derselben 
mer, weisse Btickehcn und glänzende Schafe; am Abend führt 
dieselbe Aurora die Lämmer, Bückeheu und Schafe zur Horde 
zurück. Bei der Morgendämmerung ist diene ganze Herde * 
nach und nach werden ihre Flieste golden : de* q der 

goldene Himmel des Ostens (resp. des Westens) bildet diese weisse 
und goldene Herde; die Sonnenstrahlen sind die Ilirsse. Damm 
ist die Sonne, welche vor dieser Herde herschrei ^bst bald 

ihr junger Schäfer-König und bald das Lamm, der Widder 
der Book. Wenn die Sonne in das Reich der Nacht eint. 
der Bock oder das Lamm zur Hürde zurück und wird dunkel- 
farbig; die von der Nacht oder der Wolke ve> onne 
ist ein dunkelfarbiger Widder. Bock oder Ziege. In der Nacht, 
sagt das Sprichwort» sind alle Kühe schwarz; dasselbe lässt sieb 
von den Ziegen sagen, ausgenommen den Fall, du 
glänzend und allsehcnd, au» dem nächtlichen Dunkel in der 
Gestalt des Mondes hervortritt. Wir müssen also das Schaf oder 
die Ziege unter einem dreifachen Gesichtspunkt betrachten 
wichtigsten nnd interessantesten ist die Erscheinung d« 
welche von der Dunkelheit oder der Wolke verschieb 
Wolke hat dabei oft eine dämonische Gestalt, wie die des I 
oder des Helden in der Hölle; zweitens ist ausv 
weissgrauen, später goldenen Morgenhimmel, resp. dem gob. 
und dann erst weissgrauen Abendhimmel, « 
deshalb gewöhnlich eine göttlicl cke* 
ist; an dritter Stelle kommt der Mond in Beti 

Die reichsten Mythen bezici 
oder den Schatten der Nacht eil 

Ike oder Finster 
tegi Die bewegliche Dunk 
der ein» 

Seite kamen leicht dazu, al 
stellt zu werden, Im 1 



der Vcilen, bedeutet aga, das eigentlich so viol wie: stnsscnd. 
Fragend (agens) ist, dann auch Bock; der Ziegenbock 
•t mit den Ilürncrn; die Sonne in der Wolke etösst mit ihren 
Strahlen, bis sie den Stall fiflnet und ihre Hörner herauskommen. ' 
Der Widder heisst m e s h a oder meh, d. b, der Ausspritzer, 
mingens (gleich dem Esel eiramehin\ was dein megha, der 
Hubes mingens, entspricht. Ferner: wie wir im ßrieebif 

1 Ziege, aty ig, Ziegenfell Aegi«) haben, so wird im Sans- 

tkrit von aga.Zie^e, agina, Ziegenfell, gebildet, und von mesha, 
Widder, mesha „das Fliese des Schafes, und was daraus gemacht 
ist;" das Petersburger Wörterbuch vergleicht damit rassisch 
mieb (litt ha irisch maiszas), pell is, saecns. 

Sehen wir nun zunächst, wie sich diese einfachen Bilder in 
eiern indischen Mythus entwickelten, 

Indra, der Regen- und Donnergott, wird in der ersten Strophe 
eines vedigclien Hymnus als ein sehr gepriesener, heldischer Wid- 
der dargestellt; 3 in der zweiten Strophe als der eine, welcher 
ambrosischen Honig ausströmen Ynmt (madacyutaml; in der 
dritten Strophe als den Stall oder die Hürde der Kühe den Aöpi- 



» l Das Petersburger Wörterbuch sieht in dem Bock a£a den „behenden 
(agiüs)". fVgfl. Pietel, les origines I, p, 3G5 sq. „aga, Fanimiil agile." , 
Erläuterung derselben Analogien im griechischen Mythus wird es dienlich 

• die Worte Brejils zu wiederholen, „Le verbe grec itaoo t qui sig- 

ftifie (Te'tancer, a fait d'une part le subsfantif ttlf, chevre (a cause de la 
nature bondissante de Tanimal) et de F autre lea mots voTfltlf, uatai 
tem pete (wie mir scheint, das was schüttelt, was sich bewegen oder zit- 
tern macht, sofern ich dabei bleibe, dass ag'a nicht sowohl den Beweg- 
ii t dei der rennt, bedeutet, als vielmehr den, der stösst T schiebt, in 
t^nng versetzt). De la une nouvelle scrie d' images et de fables ou la 
che** 18 role principal. LVgide avant d'etre un bouclier fail m 

pean de chevre, e^tait le eiVl au moment de Forage; Jupiter aigiochos e^tait 
le dieu qui envoie la tempete; plus tard on traduisit le dien qui porte F<S- 
gioV Homere semble se souvenir de la premiere signification, quand il 
us montre au seul mouvement du bouclier le temnerre qui delate * Flda 

Iqui se couvre de images et les hominis frappes de terreur." Ralston ver- 
gleicht treffend das russische ablakagragonniki ("Wnlkenzwinger) mit 
Zeus p*fi Tri*. Rigv, I, 10, 8 wird in ahnlicher Weise zu 

ftidra gesagt: geshah svarvatir apah ssm gü usmabhyam dhunuhi. 
2 H&geo die Pinnologen beobachten, ob es nicht möglieli, ihr AYju, 
ihres Indra, der battarojen hallitsia, der Hrrr dlfr 
enlanimer heisst t hieherzuzieben, — Vgl. Castrcn, Kleinere 
riften, Petersb, 1862 p. 230, 
* Mesham purnhütam; Ki^v. 1. M, 1. — Tad indro arthaih cetati 
briia vrishnir egati ; Rigv. 1, 10, 2. 



flier b»ben « ^ jU<>r<U AJ ^ 

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I die K:tf/,c »lie Bundcs^cnossin des Lammes gegen den Wolf; das 
auf den WoH los, wührend die Katze ihn 
kratzt, his Bllt fliewt In noch einer andern Version erseheint 
auch der Book neben dem Lamm; die Katze flieht Birkenrinde 
Bin die Hörner des linkes und befiehlt dem Lamm, sieh daran zu 
reihen, um Feuer zu entzünden; Funken sprühen, die Katze holt 
Ben und die drei Gesellen wärmen sich. Da kommen Wölfe her- 
bei; die Katze aber jagt sie davon, indem sie ihnen den Rock 
als Vogelscheuche hinstellt und sie ferner durch bedeutungsvolle 
Andeutungen von der Kraft, die in dem Barte des Bockes liege» 
in Schrecken setzt. Schliesslich haben wir in den russischen 
Mähreben zwei werkwürdige Variationen der Fabel von der Ziege, 
den Zicklein und dem Wolf. l Die Ziege ist nahe daran, Junge 
zu werfen unter einem Apfelbaum. (Wir sahen in Kapitel I den 
Apfelbaum, dessen Früchte dem, der sie geniesst, Horner wach- 
sen lassen. Es ist bekannt, dass im Griechischen ttijlov Ziege 
and Apfel bedeutet, wie dem indischen Mascnlinum petvas, 
Widder, im Neutrum p et vam, Ambrosia, entspricht Der my- 
thische Apfelbaum ist ambrosisch, gleich dem Füllhorn der Ziege 
thologie; und ich glaube auch hier auf slavischem Gebiete 
selbst eine Aualogie zwischen den russischen Wörtern oblaka, 
Wolke, Plur. ablaka, die Wolken, und iablony, Apfelbaum, 
Phm jiblogna, die Apfelbäume, jablok, der Apfel, finden zu 
dürfen.) Der Apfelbaum rüth der Ziege, sich an einen andern 

»Platz zu begeben, da die Aepfel leicht auf ihre neugeborenen 
Zicklein fallen und sie IQdten könnten. Die Ziege geht darauf 
nnter einen gleich schattigen Wallnussbaum, um ihre Jungen zu 
werfen; doch auch der Wallnussbaum räth ihr fortzugehen, da 
die Nüsse leicht fallen und ihren Kleinen ernstlich Schaden thun 
könnten ; * nun geht die Ziege zu einem verlassenen Zelte im 

rFcll genommen hatte (d, h, die Wolle). Die Lämmer erscheinen am Mor- 
gen und am Abend mit glänzender Wolle; wahrend der Nacht werden sie 
-choren. 
• A fan. IT, 4. IV, 17. 

1 Dir Wallnuflsbaum findet sich in Verbindung mit der Ziege auch 

bei Afanassicff II, 1 In der Fabel von den Angeklagten, welche die 

sieh ab and auf Andere wälzen. Der Huhn und die Henne 

a*rom«*ln mit einander Nüsse; der Hahn wirft eine und tritt die Henn<- 

Ohr; die Hernie weint; ein Bojar fragt sie nach dem Grunde; die 

leuit' D Ihihn an, der Hahn den Wallnussbaum, der Wallnuss- 

die Ziege, die Ziege den Schäfer, der Schäfer die Hausfrau, die 



'MP 



Walde (eine andere I rfbna der Wolke der 

die Jungen ausgekommen sind, maobl lie alte Zie^c davo 

um Futter zn holen, nachdem sie den Kleineu ei 

keine Seele in das Zelt zu lassen (die Fabel ist im 

bekannt, doch die alavischen Variationen sind besondere inter 

sant). Der Wolf kommt und sagt das Losungswort wie die Zic 

nm die Zicklein zum Oeffbea zu verleiten; diese merken je 

ftB der rauhen Stimme, das? es nicht ihre Hatte 

weigern den Einlas. Der Wolf geht darauf zum Gr< 

und lässt sich eine Stimme machen, welche der der Z 

sehten Zicklein öffnen und der Wolf friest sie allesamt 
auf. aiisirriiommen das klein sie, welches sich nnter dem Ofci 
birgt fdas Lieblin^plätzchcn, an dem der kleine elariscbe lieh 
der dritte Bruder, der d «Itete Narr, der nachher »ctmn nc 

weise wird, gewöhnlich kauert). Die Ziegre kommt zurück ut 
erfahrt von dem Zicklein, das dem Tode entronnen, was ^eaehehe 
i*t. Sie sinnt auf Rache und ladet ihren Freund und Gevatter 
Fuchs nebst dem Wolf zum Mahl ein; der Wolf hat keinen Ar 
wohn und kommt mit dem Fuchs an. Nach der Haldzeit forde 
die Ziege, nm ihre Gäste zu unterhalten, dieselben auf, »ich 
mit zu belustigen, ober eine Oeffhung, welche im Fußboden 
macht ist, zu springen; die Ziege springt zuerst, dann aprifl 
der Fnchs und dann der Wolf; letzterer fifllt aber hinnnt* 
glühende Asche und wird zu Tode gebrannt, gleich der Hexe 
einigen andern Mährchen, wie die Nacht von der llorgen-A« 



Hausfrau das Schwein, dn* f den Bei 

über diesen hinaus geht es nicht. — Id einem andern Scber* tu Ve 
der darauf berechnet ist, das Gedächtniss zu stahlen und die Zunge 
schmeidigzu machen, bei A fan, IV, IG. finden wir die Ziege in Verbindung 
mit Haselnüssen. Der Ziegenbock fangt an sich zu beklagen« da*» 
Ziege mit den Haselnüssen nicht zurückkommt (met kaaii s ariebami 

ck schickt dm Wolf aus. um ii SU holen; dann schickt 

den Bären naob dem Wolf, den Menschen nach dem Baren, den Eic 
nach dem Menschen, die All ru> :etn 

las Feuer nach d< tstein, das Wave 

Unreal nach dem Wa*s<r; daranf adbiekl »dfbraut 

Waeeer. das Wasaer das Fetter, das Feuer L. 

em«r 1 und I! 

•chieaat au! den Bären, der Bar kiimpM 

<*#r, und hier kommt die Siege mi 
knaam • an rhu 






Winter vod dem FrUhling verbrannt wird; die Ziege singt 
Heg Te Denm «Sudesnoi parnin) zu Ehren des 
Wolfes, Die andere russische Version fügt einige neue und merk- 
UotaiJs hinzu. Die Ziege geht Futter suchen und Inest 
lie Zicklein allein zu Haus; sie schliessen die Thllr hinter ihr zu. 
Sie kommt zurück und sagt: „Oeffnet, meine Sohne, meine kleinen 
rehen; eure Mutter ist da; sie bringt etwas Milch, ein halbes 
Gläschen Milch, ein halbes Horn frischen Käse, ein halbes Hfirn- 
hdles Wasser (das Füllhorn)/' 1 Die Zicklein tfftnen soiort. 
Den zweiten Tag geht die Ziege wieder aus; der Wolf, der die 
Worte gehört, versucht sie ebenfalls den Zicklein vorzusingen; 
diese merken jedoch , dass es nicht die Stimme der Mutter ist 
und öffnen nicht. Den nächsten Tag ahmt der Wolf auch die 
Stimme der Mutter nach; die Zicklein öffnen uud alle worden 
aufgefressen, ausgenommen eines, das sieh im Ofen verbirgt und 
nachher der Mutterziege das Vorgefallene erzählt. Di» 1 Ziege 
rächt sich folgcndcrmasscn: Sie geht mit dem Wolf iu den Wald 
und kommt au einen Graben, wo einige Arbeiter Halergrütze ge- 
kocht und das Feuer brennen gelassen hatten. Die Ziege fordert 
»Wolf heraus, über den Graben gq springen; der Wolf ver- 
sucht es und fällt hinein; da* heuer macht seinen Bauch platzen; 
aus demselben springen die Zicklein heraus und laufen zu ihrer 
.Mutter. 
Ein anderes Mährchen - leistet uns noch mehr Hilfe für die 
Deutung des Mythus; es führt uns nämlich darauf, in der Ziege 
nnd ihren Jungen die gehörnte oder mit Stnihlen versehene Sonne 
zu sehen, wie sie glänzend aus der Wolke oder dem Dunkel oder 
dem Ocean »1er Nacht hervortritt, und in dem Wolf oder dem 
Volfsfell, das aufplatzt resp. verbrennt und ans dem die Zicklein 
leranskummcii, den dunklen, wolkigen, feuchten NachtliiuimcJ. 
Wolfs baben wir eine Hexe, statt der Ziege eine Frau 
[ü der Zicklein den jungen Vaniushka (Manschen); die 

1 Ah vi, dietuski, 
Moi batiiuki 
Atapritesaia 
Atainkniteasin; 
Vasha mat priihU 
Malaka prinieala 
Polni baka* malakii, 
Potni rag*t tvarag:t 
INiIni kopitsi vadiUi, 



:+i «ine vom Grobscbmied gefertigte Stimme ; wel< 
w* n>o Vnaiushku.s oder Thcre&hicbas Mutter gleicht ami 
ihn so an sieh* Thercshiclia sagt, class er ursprünglich 
nipt' war, den seiue kinderlosen Eltern inj Walde au 
hMea» natu Hause genommen und in einer Wiege gewiegt hal 
■u* er iceboren wurde. ' 

Ungeheuer Wolf oder Hexe, welches die Fähigkeit ho* 
imme der Ziege nachzuahmen '* und eine besondere 
für Schafe und Ziegen hegt — und zwar eine so grosse, 
die Hexe Liho (eigentlich Uebel) einige in ihrem Hause hält 
diejenigen, welche an Morgen herauskommen (aus dem 
dunklen Bimmel) und welche am Abend zurückkehren (in den 
iluiikK u Himmel) als ihr besondere! Eigenthnm betrachtet wer- 
den ; — verwandelt ott den Helden (die Abendsonue) in ein B 



1 Vgl eine Stelle in der finnischen Kalevala (Schiefhers I 
setzung p. 181), WO ein unglückliches Mädchen wünscht, nicht geboren zu 
<ni und folgende Ausdrücke gebraucht: „Hütte*! Du lieber, arme Mutter, 
Hattest Du, die mich getragen! Bittet! 1 >u, die Milch gespendet, Thcure. 
die Du mich gesl&Uget, Einen Holzklotz eingewickelt, Einen kleinen 
gewaschen* Statt zu waschen Deine Tochter, Statt zu wickeln Deine Tbenre 
Zu der Sorgen grosser Fülle, Zu der bittern Herzcnsstuninung!** W'U 
n hier ein Echo der weitverbreiteten Sitte, die ver- 

brenen oder ersehnten Kindes durch einen Holzklotz oder einen Stein zu 
ii, vgl. Tylor, Early History of Man kind, 2 ed. p. \UK Dar- 
aus laest sieb vielleicht die indische Vorstellung erklären, nach «relebei 
alte Kinder aim einem kreisrunden Kürbis kommen {Kochholz, Glaube 
und Brauen J, 135) und d*s watlachisehe Mahn hm v u Trandiafiru (Schott. 
Nr, 28), weicher am Tage ein Mensch und bei Nacht ein Kürbis« ist, 

1 Hei A f a n. II, 32 hat eine solche Stimme Wirkung 

des Esels; sie erschreckt alle andern Thiere, Jedoch hier ist nai 
einex Ziege, welche geschoren worden ist, die Hede — d. h. der / 
welche ihre H t plauzende Wolle verloren hat, der donnernden 

a wölke. — Narodnija iuszn oruakija HU id russische 

Volksmährcben; herausgegeben von Rudccnko, Ki 
schreckt die Ziege mit ihrer Stimme suerst don Fuchs und dann den Wolf, 
bis sie selbst von der Stimme des Hahns erschreckt wird, 
sonne, welche im Uahn pcrsomilcirt ist, vernichtet die Ziege Nad 

1 Alan, III, 15, — Sie schickt dieselben auf die Weide; ein 
Grobachmied, der in ihrer Gewalt iat, schlägt folgenden Weg ein, ei< 
befreien: Er zieht, seinen Pelz verkehrt an, stellt sich wie ein Sc 
lässt sich mit den andern Schafen auftreiben, um so der 
wischen: Die junge Sonne tritt am Morgen heraus, wie ein Schäfer H*M 
until den Schafen. So befreit sich Odysseus aus der Höhle des Pol vi 
mit seinen Genossen, indem er sich unter »1er Uerde verbirgt 
je 1 1 ■ ut 



819 

eben (in die Finsterniss oder Wolke der Nacht). NatUlirch; da 
das dunkle und wolkige Ungeheuer oft als ein Wolf dargestellt 
wird, so ist leicht zu verstehen, dass es wünscht, Alles möge in 
ein Lamm oder Zicklein verwandelt werden, um dasselbe ver- 
zehren zu kouneu. Doch das mythische Lamm oder Zicklein, der 
junge Sonuenhcld, entrinnt gewöhnlich den Klauen «los Wolfes, 
den Händen der Hexe oder der Dunkelheit, den Wassern, oder 
der Wolke Nacht. 

Ein vedischer Hymnus preist den starken Pftshan, der einen 

genbock zum Pferde hat Coder der ein Ziegen-Pferd ist) und 
der Liebhaber seiner Schwester lieisst. Vielleicht enthalten diese 
Worte den Keim des russischen Mälirchens von Klein Hans, dem 
Bruder von Klein Helene, der durch Zauberkünste in ein Zick- 
lein verwandelt wird. Ich bemerkte schon in Kapitel I, wie He- 
welche am Anfang der Erzählung Zuneigung für ihren Bru- 

Hans zeigt, ihn am Ende verräth. Der vedische Hymnus 
scheint die Vorstellung zu enthalten, dass der Bruder Pushan des- 
halb in einen Ziegenbock verwandelt worden ist (die Sonne, 
welche in die Wolke oder Dunkelheit der Nacht eingeht), weil er 

e Schwester geliebt hat. In einem andern vedischen Hym- 
nus haben wir die Schwerter Samt, welche ihren Bruder Yama 

iihrt. In europäischen Feenmäbrehen liebt die Schwester 
ihren Bruder, welcher durch die Zauberkunst einer Hexe bald in 
ein Ferkel bald in ein Bockehen verwandelt wird. Bei A fa- 
ll assieff IV, 4b wird Ivanushka ein Zicklein, nachdem er aus 

m Ziegcnlml getrunken, Bei Afauassicff IL 20 wandern 

uslika und Klein Helene, die Kinder eines Tzaren, allein durch 
die Welt. Ivanushka will trinken, wo Kühe, Pferde, Schafe und 
Schweine fressen und trinken ; seine Schwester Helene räth ihm, 
es nicht zn thun, wenn er nicht in ein Kalb, ein Füllen, ein Lamm 

r ein Ferkelchen verwandelt werden wolle; doch schliesslich 

wird Haus vum hurst überwältigt, er trinkt gegen den Rath seiner 

er da, wo Ziegen trinken und wird ein Zicklein. Ein 

IV,ar heirathet die Schwester und erweist dem Böckehen 

ehe Ehre; doch eine Hexe wirft die junge Königin in das 
Meer iPhrixos und Helle; in andern europäischen Mahrehen in 

u Brunnen; und bemächtigt sich ihres Platzes, indem sie das 
Volk glauben macht, dass sie Helene sei, das Zicklein aber be- 
za todten. Dieses rennt au das Ufer und ruft seine 
iter um Hilfe, welche aus der Tiefe des Meeres antwortet, 

könne nicht« tlmu. Der junge Tzar, welchem die ganze 



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Das Lamm, der Hock und das Schaf sind Lieblingsgestalteu 
der Hexe. In dem europäischen Mübrclien macht die Hexe den 
glauben, dass die schöne Prinzessin, «eine junge Gemahlin, 
«führend Beiner Abwesenheit nicht wirkliehe Sühne, sondern Pup- 
pen zur Welt gebracht hat. In dem siebenten Miihrchen des 
dritten Buches bei A fan as bi elf schenkt die junge Königin 
rend der Abwesenheit des Königs zwei Söhnen das Leben, 
D einer den Mund auf seiner Stirn, deren zweiter im Genick 
einen Stern bat (die Arvins-. Die böse Schwester der jungen 
Königin vergräbt die Kinder. Da, wo sie liegen, spriesst ein 
goldener und ein silberner Sproaa hervor. Ein Schaf nährt sich 



öffentlichten Mährchen enthalten, das ich von einer gewissen Marianna 
Nesti aus Fueecchio im Toscanischen hörte: 

Es war einmal eine Königin, die hatte einen Sohn, welcher im Alter 
vom tieben Jahren behext wurde, so daas er beständig im Bett liegen 
inuaste, als ob er des Lebens beraubt wiire. Nur um Mitternacht ging er 
aus dem Hau», um um an Uhr, bedeckt mit Blut, zurückzukehren und sich 
wie todt in's Bett zu werfen. Eine Frau hatte regelmässig zu wachen, um 
iliui um Mitternacht und um ein Uhr die Thür zu öffnen; doch keine 
bitte vor Entsetzen länger als eine Nacht im Dienst aushalten können. 
In dl Stadt lebte eine alte Frau mit drei Töchtern; die beiden 

Ältesten versuchten, den vorgeschriebenen Dienst zu thum wurden jedoch 
▼on »1er Furcht Überwältigt; die jüngste war inuthiger und harrte aus. In 
der ersten Nacht um zwölf Uhr erhebt der Todte einen Arm; sie eilt und 
erbebt ihm den andern: er versucht aufzustehen; sie hilft ihm, aus dem 
Bett tu koaunefo Um ein Uhr kehrt er blutbedeckt zurück und die Jung- 
frau fragt, wer ihn in solche Lage versetzt habe; er antwortet nichts, 
aottdern sinkt wie eine Leiche aufs Bett. Die zweite Nacht folgt sie ihm 
und sieht ihn in eine unterirdische Hülxle eintreten; er gelangt an den 
Fuat einer Treppeurlueht. wirft seinen Mantel ab und bleibt so nackt» wie 
er geboren war, ein schöner Jüngling von achtzehn Jahren. Auf der 
Spitze der Treppe rufen zwei grosse Hexen: „Hier ist erl Komm, Lieb- 
chen!" Er steigt hinauf und wird von den Hexen eine Stunde lang ge- 
achUgeu, bis Blut tliesst, indem er die ganse Zeit Gnadenrufe ausstösst. 
Um ein Uhr lassen sie ihn gehen; er steigt die Treppe hinab, nimmt 
n Mantel und kommt todt nach Hause. Die dritte Nacht folgt ihm 
die Dienerin wieder, nimmt den von ihm an der untersten Treppenstufe 
ii Mantel und presst ihn eng zusammen; die Hexen kreischen. 
Der Jüugliug kommt oben an; doch als die Hexen versuchen ihn zu 
pchlagen, können sie den Stock nicht erheben. Das Mädchen bemerkt 
da*. *ln> fester zusammen und beisst ihn; die 

üblen sich selbst gebissen; darauf läuft das Mädchen in den Pa- 
Imat, lasst ein grosses Feuer anmachen und wirft den Mantel hinein; als 
er verbrannt ist, *t, ■ beideu Hexen, ihre Bezauberuug ist vernichtet 

und licirathet seine B 

81 



von diesen Pflanzen und wirft 

eine auf der Stirn deu Mood, da icken einen Sl 

haben. Die den fv 

heirathet hat, befiehlt sie in Sttleke zu reissen and ihre E 

weide auf die Strasse zu «reifen« Die rechtmässige, 

nigin aber lässt sie kochen, isst sie und schenkt 

ihren zwei Söhnen das Leben, welche kühn und stark au« 

und welche, vom Kön gt, ihm die Geschichte ihres Urspi .. 

erzählen; ihre Mutter wird wieder anerkannt, nnd des 

Gemahlin, die böse Schwester, wird vom Leben zum Tode 

gebracht. ■ 

Die Hexe ist bisweilen selbst (als eine Wolf-Wolke oder v 
Dunkelheit) eine Verschlingerin von jungen, glänzenden Zick 
oder Lämmern, wie der Sehruierbock in dem norwegis 
Mährchen. Die Hexe trägt Schmierbock drei Mal in ein* 

n ; das erste und zweite Mal entrinnt Schmierbock, indem er 

ein Loch in den Sack macht; doch das dritte Mal bringt ihn die 

:e glücklich in ihr Hans, wo sie steh daran macht, ihn zu 

verspeisen. Her schlaue Schmierbock schmuggelt j ier Hexe 

ne Tochter an seine Stelle und klettert in den Kamin, wo er 

verbirgt i eine Variation des Ofens, des Ortes, an dem 

Ier junge russische Held verbir. 
in dem toscanischen Mährchen der närrische Pimpi im I 
versteckt). Von diesem sicheren Platzeheu aus verlacht er die 
Hexe, die alle Anstrengungen macht, ihn wiederzufau, ^virft 

i Stein den Kamin hinunter und tödtof sie, worauf er hinab- 
ehatzhäu<er ausplündert und all ihr Gold davonträgt 
Hur heissl der junge Held ein Bock; in dem Kapifc 
Wolf werden wir linden, dass die Hexe den norwegischen M 
IS wirklich deu Namen Wolt ttlbrt. Diese beiden Daten 
randigen den Mythus; der Wolf, welcher den kleinen Helden 
will, und die Hexe, welche d ie Lamm so 

werden ergänzt durch die Fabel, 
ffoll lit, wie er am Flüsschen das Lamm verzehrt, cä be- 

et das im mythischen Himmel das wolkige und 
geheuer, das die Sonne vers« 



1 In M ü«t* 

su tm 






Wir sahen oben die Hexe, welche die Stimme der Mutter des 
deinen Helden nachahmt, um ihn verzehren zu können, und den 
r die Stimme der Ziege cöpirt und die Zicklein auf- 
- 1j der Wolf thut mehr als dass er bloss die Stimme der 
annimmt; er nimmt bisweilen auch ihre Gestalt an* 
Im Rämäyana 1 ist Agarmiklii, die Zäegeugesicbtige, der 
Name einer Hexe, welche Sita in Stücke gerissen zu sehen wUnseht 
In A von Ilvala und Yüh'ipi, - den beiden Zauberbrüdern, 

welche sich verschwuren, den Brahmanen Schaden zuzufügen, 
verwandelt sich V&t&pi in einen Hammel und Uteri sich bei den 
eichencercuionien von den Brahmanen opfern. Diese, nichts 
bnend, essen sein Fleisch; da ruft Ilvala seinem Bruder zu: 
v Kotnm heraus, Vätäpi!" und sein Bruder V&tfipi kommt aus den 
eibern der Brahmanen heraus , sie zerlleisi *hend t bis der Bisbi 
Igastya allein den ganzen Vätäpi verzehrt und Ilvala zu Asche 
erbrennt. Das Rani ay an a erklärt uns selbst, warum bei diesen 
>piem von einem Hammel, und nicht von einem Widder die Rede 
als schichte von Ahalya erzählt wird* Es betest dort, 

%ss der Gott lndra eines Tages durch den Fluch den rishi Gau- 
ftma, mit dessen Weibe Ahalya er Ehebruch getrieben hatte, ver- 
dünnt war, seine Testikeln zu verlieren. Die Götter, zum Mit- 
cid I . nahmen die Teßtikelu eines Widders und gaben 

ble lndra, der deshalb Meshända genannt wurde; auf Grund des- 
i das R a m a yana, nähreu Rieh die Pitars bei den Leicben- 
opferii vnn Hammeln und nicht von Widdern. Diese Sage ist offen- 
nr brahmanisehen Ursprungs. Den Brahmanen lag daran, den Gott 
& Krieger, lndra, in Missereditzn bringen; da sie ihn in den Veden 
nesha, Widder, genannt fanden, SO erdachten sie die Geschichte 
L>n deu Testikeln des Widders, ebenso wie sie die Benennung 
Indras als Sahasräksba (d. h. der mit tausend Augen) boshafter 
Weise mit derselben Scandalgeschichte von der Verführung Aha- 
lyas in Verbindung brachten, und das Epitheton oruaus zu einem 
»t anrüchigen, den mit tausend Bauchen, herabstimmten, 
liilieh mit einer Verwechslung, welche aus dem Gleich- 
lang «wischen den Worten sahasradh ära, der Bonne ials 
od Sterne, tausend Strahlen habend), oder sahasra n<; a , 
idsahasradüra, das eine ganz andere Bedeutung hat, entstand. 



■ v 



21* 



In dem wichtigen 116. Hymnus des ersten Buches des R 
veda iast Kigrä^va (d. h. jdas rothe Pferd oder der Held 
rotben Pferdes) hundert Hammel, die der Wtitfia gehören (im 

luden Hymnus hundert und einen); sein Vater blendet ihn 
deswegen; doch die beiden wunderbaren Acrzte, die A<;vina, 
geben ihm seine beiden Augen wieder. l Offenbar ist hier der 
Vater des Sonnenbeldcn das dttstere Ungeheuer der Nacht selbst; 
die Sonne wird am Abend die Verschlingerin der Hammel, wi 
aus der Wölfin herauskommen oder welche der Wölfin gehören; 
aus diesem Grunde wird sie, als der Abend naht, von dem Weit 
ungeheuer geblendet. Das rothe Pferd Kigrägva oder der Held 
des rothen Pferdes, welcher die Hammel der Wölfin isst, gewahrt 
weiteren Aufsclihiss über den Sübnbock, welcher im K ig veda 
selbst statt des Pferdes geopfert wird» Es wird uns in einem 
Hymnus berichtet, dass beim Opfern des Pferdes der allgesta! 
Bock (ago vievartipah) dein Pferde voranging;- und das Aita- 
reya Brahman a spricht, woes diesen Tausch von T liieren 
erörtert, ebenfalls von dem Bock als dem letzten zum Opfer le 
stimmten Thier. Auch in den russischen Mährehen hat A 
die Kosten der von dem Menschen verübten Dummheiten oder 
Schurkenstreiche zu tragen und wird geopferte Dieser geopferte 
Ziegenbock scheint identisch zu sein mit dem Esel, welcher in 
der berühmten Lafontainesehen Fabel die Strafe für alle Thiere 
leidet (aus dem Esel wird in den Händen des russischen Fabel- 



1 Catain rneebän vrikye cakshadanam rigrüe. vain tarn pitündhath eakiiru 
tasma akshi naeatya vieaksha »dhattam dnsrä bhisbagäv anarvan; Kigv. 
l> IIb*, IG. — Vgl, 117, 18. — Hr. Bergaigne bemerkt in seiner Anzeige 
meines Werke» in der Revue crilique (1873 Nr. 14) su der obigen Ueber- 
setzung dieser Stelle: , ^'explication du datif vrikye «Jans ce passage 
semble impossible dans la traduction..,; le sens est, comme Tindi^ue ie 
dictiuunaire de Petersbourg: ,qui a tutf pour la louve.,.' ou ,qui a oflert eu 
noun it me a la louve*." Wenn ich meine Uebersetzung aufgeben müsstc«, 
so würde ich di< zweite der von Hrn. Bergaigne vorgeschlagenen vorzn 
In diesem Falle würde Rigrucva von seinem Vater getödtet, wie Sohrab 
von seinem Vater Rustem getödtet wird, wegen seiner Beziehungen su den 
Dämonen 

■ Esha chägah puro acrena vagina; Rigv, I f 162. 

* Vgl Ata«. V. 7, wo der Schurke die Ziege für seine Hchw» 
ausgiebt und sie tüdten lässt, um dem Mörder durch Drohung der An- 
klage eine hohe Entschädigungssumme abtuzwingen, um ISO einen. 
Ziegenbock der Kopf abgehauen wird, um die Ermordung eine 
ihm dummen dritten Bruder zu verheimlichen. — 






Krilnff, der doiiKolbcn als ein in Rusßland fast ganz. 
bekannte** Thier nicht einiiilucii konnte» ein Stir-r ; wir wissen 

;ts, class der Esel die Sonne in der Wolke oder die Sonne 
in der Dunkelheit darstellt , und wir sagten auch, das« in der 
der Esel und der Narr zusammen sterben. Die Ziege stirbt 
in dem rassischen Mährchen, um den Narren zu befreien, welcher 
nach ihrem Tode nicht länger ein Narr ist, da seine Narrheit mit 
ihr gestorben. ■ Das Volksmäbrcben bietet uns noch einen andern 
Beweis für die Identität des mythischen Esels und der mythischen 
Ziege, Wir sahen auch oben > bei dem norwegischen Mährchen, 

die Here einen Schatz besitzt, welcher von dem Schmierbock 
entführt wird, der sie ttidtet; der Zauberer oder der Teufel igt 
immer reich. Der Esel, den der Teufel dem Kleinen Hans giebt, 
lässt Gold fallen: der Esel personificirt den Teufel. Doch bat 
der Teufel, wie wir bemerkten, eine Vorliebe, sich in einem Wid- 
der, einem Lamm, oder einem Bock zu verkörpern. Ich erinnere 
mich noch aus meiner Knabeuzeit der Puppeu, welche jeden Tag 
iu dem kleinen Holztheater auf der Piazza Castello in Turin 
Volki*vorstelIungen improvisirten; das schliesslidie Schicksal der 
Persönlichkeit, welche den Tyrannen darstellte, war gewöhnlich, 
öiiter den Schlägen Harlekins zu sterben oder von dem Teufel 
io Gestalt eines blökenden Lammes in die Hölle geschleppt zu 
werden, welches Lamm ausdrücklich deshalb auf die Bühne kam, 
um ihn mit fortzuschleppen; wie schlugen bei seinem Ver- 
sehwinden die Herzen der Zuschauer, denen der Puppenspiel 
direkter einen lehrreichen Sermon hielt!* In dem einundzwanzig* 

1 Die Ziege wird auch im achten der von Laura Gon&enbach gesam- 
melten sicilianischen Mährchen geopfert, um die Tugendhaftigkeit eines treuen 
Bauern in hl Das Weiheines Ministers, der auf den Bauer Veritk 

( Wahrheit'} eifersüchtig ist, welcher eine Ziege, ein Lamm, einen Widder 
und einen Hammel des Königs iu bewachen hat, beredet diesen zu dem 
Glauben, dass ihr Leben verwirkt ist und nur durch das Opfer des Harn* 
mels erkauft werden kann. Der Bauer giebt halb aus Liebe, halb aus 
Mitleid nach und willigt in das Opfer. Der Minister hofft, dass der Bauer 
•einen Fehltritt verbergen werde, wird jedoch in seiner Erwartung getäuscht, 
da derselbe im Gegentheil ein Freimüthiges Bekenntniss ablegt, und infolge 
dessen dem König nur noch lieber wird, 

* Der Teufel bietet seine bösen Dienste auch an im Be Her de 
Koche fort, bei Bonnafoux, Legendes et C royances Supers ti* 

*es Conserves dans le de*partement de la Creme, Gueret 
p, 17. — In einer Badetischen Sage, mitgetbeüt von Simrock (oben- 
genanntes Werk p. 260; vgl. auch ebenda p. 501), erscheint der Teufel mil 
Bock «Rissen 






von mir veröffentlichten toscanischen Mäbrehen giebt 
nicht der Teufel, sondern der kleine Alte, Gert, dem dritten 
Bruder statt de- nlicl'cn Esels ein faulendes Schaf, das 

jedoch die 1 afl hat, LouifdOTfl fallen zu lassen. Dieses 

faulende oder fenehto oder dumpfige Schaf stellt noch besser die 
feuchte, neblige Nacht und den feuchten Winter dar. 

In dem Volksmärchen macht sieh die Ziege, als sie im 
Walde ist, du besonderes Vergnügen daraus, die Augen der 
Linie mit ihren Hörnern zu verwunden: davon ist wahrschein- 
lich der Name de* Reptils a£akava abzuleiten, mit welchem im 
I» i-veda 1 beschwöre]] wird als dnrdrie.ika oder dem Augenlicht 
schadend, und ebenso der Name agaku, den eine Augenkrad 
bei dem indischen Arzte Surruta führt. Wir dürfen jedoch i 
den Zusammenhang zwischen der Vorstellung einer Haut und der 
einer Ziege vergessen, so dass die agaka einfach das dtlnnc 
Häufchen bezeichnen kann, welches bißweilen die Pupille über- 
zieht und Blindheit zur Folge hat. Dieses H:\utchen hat sich 
auch auf das Auge des Sonnenhelden gelegt und blendet ihn. 
Wir werden in dem Kapitel über die Kröte, welche in den My- 

d sehr oft die Wolke und die feuchte Nacht darstellt, sehen, ^ j, 
dass die Kröte ■ die Blindheit nur durch das Gift verursacht, ^ 4 
welches sie der Sage nach ausschwitzt, gleich dem Reptil ^V i 
agakäva. 

Doch wie der Held in der Hölle Alles erfahrt und sieht, soäz^o 
hat die Ziege, welche Andere der Sehkraft beraubt, selbst di^»-* 

jenthümlichkeit, Alles zu sehen; das ist der Falb weil di^^ 
Ziege als die in der Wolke oder der finsteren Nacht eingeschlos — ^s- 

e Sonne, die Geheimnisse der Hölle sieht, und auch weil sie«- ^^ 
als der gehörnte Mond oder der Sternenhimmel, d u d cE^"*^ 

Himmels ist. Wir beobachteten schon im ersten Kapitel, wie daöfc-^ 3 * 
wunderbare Mädchen von sieben Jahren, um das Rätbsel, da»-** 8 
der Tzar aufgegeben, zu lösen, auf einem Hasen kommt, welche* ^^ C1 
in der Mythologie den Mond darstellt. In einer Variation diese« ^^ 
Miilirchcns bei Afanassieff 3 kommt der königliche Knab^* 11 * 



4. 



'VII, 50, l. — In den Classical Dictionary of Natural 
History of Audouin, Bourdon etc. (erste italienisch' 
Venedig, Tasso 1831) lesen wir: „Goat, species of ophidian reptiles, indi- 
genous in Congo, and also in Bengal; as yet unclassified by zoo!« _ 
and tthich, it is said, throw from afar a kind of saliva causing blindness.*^ 

* Vgl die laceita coruuta des Pentainerone, 

1 71, 42 






tt auf einem Hasen, auf einem Bock, und wird von seinem 

r wiedererkannt; der Bock scheint hier T in seiner Eigenschaft 
ills Boss des verlorenen Helden, den Mond darzustellen, wie es 
der Hase that. 

Wir sprachen schon von Indra sabasräksha, iL b. dem tausend- 
Rttgigen; indische Maler gtcllen ihn mit diesen tausend Augen 
dar, d. b. als einen azurblauen* mit Sternen besäten Himmel. 
Indra als die nächtliche Sonne verbirgt «ich, verwandelt, in dem 
Sternenhimmel; die Sterne sind seine Augen. Der hundertäugige 
oder allseheude (jntroniqc) Argus, der als Wächter über die Kühe 

»ms gesetzt ist, ist das griechische A equivalent dieser 
stalt Indras. In Kapitel I sahen wir auch in dem nissischen 
Feenmäbrchen die Tochter der Hexe, welche drei Augen hat und 
mit ihrem dritten Auge die Kuh ansspionirt, welche dem guten 
Müdchen hilft. In dem zweiten Mährehen des sechsten Bu< 
bei Afanassieff sieht der Bauer, als er an der Erbsenpflanze 
in den Himmel geklettert ist und in ein Zimmer kommt, in wel- 
chem Gänse, Schweine und Pasteten gekocht werden , einen 
Ziegenbock als Wächter; er entdeckt an demselben nur sechs 
Augen, da der Bock das siebente Auge auf dem Rtteken 
der Bauer bringt die sechs Augen zrjtn Schlafen; doch der Bock 
rieht mit dem siebenten, dass der Bauer iflft und trinkt, so viel 
er kann, und setzt den Herrn davon in Kenntnis«. In einer an- 
dern Variation des Miihrchena bei Afanassieff 1 findet der 
alte Mann im Himmel ein kleines Haus, welches abwechselnd von 
zwölf Ziegen bewacht wird, von denen eine ein Auge, eine 
andere zwei, die dritte drei Augen hat, und so fort bis zu zwölf. 
Der Alle sagt zu einer nach der andern : „Ein Auge, zwei Augen, 
drei Augen n, s. w., schlaft!" Am zwölften Tage versieht er sieh 

sagt statt „zwölf Augen" „eilf"; die Ziege mit zwölf Augen 
sieht und verrätb ihn. 

Dieses spähende Ziegenauge hängt vielleicht zusammen mit 
dem Sternbild der Ziege und der beiden Böckchen, Columella 
schreibt, dass die Bockehen im Himmel erscheinen gegen Ende 
des September, wenn der West-, zuweilen der Südwind weht und 
ReL r en bringt. Nach Servius ist die Ziege, die sich mit den 
beiden Zicklein in dem Sternbild des Wassermanns befindet, die- 
selbe Ziege, welche die Amme des Zeus war; er sagt, dass sie 
im October mit dem Zeichen des Skorpion erscheint. Ovid in der 



1 IV, 7. 



Ar» amandi und dcnj itm-hc der Triatia, wie Vir^il 

im neunten Buch der Aeneis 1 fei* die Ziege and 

die Zicklein des Himmels als Hegcnhringer. lloraz nennl in der 
siebenten Ode dee dritten Buche« das /.u-gengestii 

.llle not bis artu» ad Uric um 
Post insHna capme sidera, frigidae 
Nocte» non sine multia 
Insomnia lachrymis agit," 

Wir sahen schon Indra als einen Widder oder als ein« 
wölke; und der Bock mit nnr einem Fnss (ekapfid 
der, welcher nur einen Bocksiuss hat, der den Hinunel Htlitzt, 
der blitzt und donnert, ■ ist eine Erscheinungsform dean« 
Regeugottes Indra, welcher den Himmel in der 
Jahreszeit trägt Wir sahen die Agvins mit zwei Zieg« 
Hörnern verglichen; jeder also hatte, so seheint es, nur ein H«>rn, 
nur einen Ziegcnfuss daraus Laset sich vielleicht da» ekapfid 
agah erklären); daher einerseits da« Füllhorn, andererseits die 
lahme Ziege, 5 Die Nymphe Galatbea (die milchige, d 
Faun (oder einen Bocksflissigen) liebt, scheint eine grieclu- 

altung des Liebesverhäli raldaa und der Ziege mit 

Quasimodo zu sein. Die Ziege liebt den, welcher Bo hat; 

der Sonnenheld (reep, Heldin i in der Nacht hat Bocksfäsac 
ist ein Satyr, ein Faun, ein Bock, ein Esel: er ist tni&sgcstalt 



1 Diner opus, tunc tnstis hiems, tunc pleiades »od taut 
Tunc et in aeqQorea mergitur haedua aqua, 
Saepe ego nimbosis dubiue jaetabar ab hardis. 
Naacitur Oleneae sigoum pluriule capeltae 

Ovid 
Quantus ab oeeaau veniene phmalibufi haedte 
-berat imber humum. 

VlrgiL 

• Patlrari tanyatur ekapad agt» diro dbarta; Rigv X. 6M3. - 
den ag% ekapad, welch- irbudhuya ui ita angerufen 
Rij:* nun VUbnua im Harivanra; der 
Leaer erinnert «icb auci jeufüsiigen Geich I llerodota» 

• Wh finden die lahme Ztege reap. Ziegenbock aneh in de? Böge **a 
Tbor D »ebt ibnim die Felle ab und nimmt 
ibre Knochen, um iie nach Beheben winder Lebendig mad 

rtktalb, der Sobs de» Bauern, bei dem er wobn 

knoeben eines der Hocke, um ibu *u trrkauten; daker uC ein 

Tbor» anatet labte matogea Sagen die KottMn bei Sin 






!umm, doch er interessirt die gute Fee, welche in Gestalt 
iutT Ziege i als der Mond and die Milchstrasse. ihn in der Nacht 
itct und, wie die Dämmerung (die weisse Aurora) am Morien, 
n rettet und glücklich macht In der deutschen Sage wird der 
armen Prinzessin , welche mit ihrem Sohne im Walde verfolgt 
wird, bald von einer Ziege, bald von einer Hirschkuh beigestanden, 
welche dem Kinde Milch giebt; durch dieses Thier, welches als 
Führer dient, findet der Prinz seine verlorene Braut wieder. Diese 
wegseigende Ziege oder Hirschkuh, die Amme des Ileldcnkindcs, 
welche Servius in dem Sternbild der Ziege wiedererkannte (mit 
Beziehung auf Zeus, der wesentlich regnerisch ist, wie der vedische 
Indra selbst die Wolken zu Ammen hatte), musB gemeiniglich 
den Mond dargestellt haben. Doch gerade die Milchstrasse des 
Himmels (die ^eclenbrücke) ist die Milch, die aus der Ziege des 
Himmels fliesst; der weisse Morgenliimmel ist ebenfalls die Milch 
dieser selben Ziege. Der gehörnte Mond, ] die Müehstrasse und 
ie weisse Dämmerung werden in Gestalt einer wohltätigen 
ege dargestellt, welche dem Helden und der Heldin im Walde, 
der Dunkelheit beisteht; wiihrend dagegen die in der Wolke, 
Dnnkclbcit oder dem nächtlichen Sternenhimmel eingeschlos- 
c Sonne (mit den ins:ma caprae sidera) bald ein guter und 
'eiser Ziegenbock oder Widder ist, voll guten Ratlies, gleich 
em Widder, welcher im Tnti-Name s dem Kaiser von Indien mit 

finem Rath zur Seite steht, bald ein bösartiges Ungeheuer, ein 
monischeft Wesen» Sofern die Ziege Licht nnd Milch spendet, 
sie göttlich ; sofern sie die Schönheit des jungen Helden resp, 
leldin verdeckt und ihnen feindlieh gegenübersteht, kann sie als 
ämonisch betrachtet werden. 

Der Zusammenhang zwischen der Ziege und der Milchstrasse 
mt sich auch aus dem Namen St. Jacobs Strasse beweisen, den 
s gemeine Volk der galaxia oder galatbea oder Milchstrasse 
bt;* nnd es ist interessant, dass es, wie Baron Heinsberg 4 be- 
in mehren Gegenden Böhmens Sitte ist, am Jacobstage 
en Ziegenbock aus dem Fenster zu werfen und sein Blut 
fzubewahren, weil dasselbe ein wirksamer Schutz gegen ver- 



' In einem russischen Liede beiBßt es: „Mond! Mond! goldene Hon n r! 
1 II p. 236 ff. 

* Vgl. Du Gange, s. v. galaxia: „Lacteus circulus, qui vulgo dicitur 

S. JttCO» 

• Du festliche Jahr, 2te Ausg. p> 216. 



330 

scliiedene Krankheiten, z. B. Rlutspucken, sein soll. In de 
m i d i Mat e r in M e d i c a von Professor Targioni-'l 
wir tomer, dn^ Blut des Ziegenbocks unter keir 

geringeren Namen als mann 8 Dei bekannt war nnd für bee 
dera wirksam gegefl RückenquetsclHin^en, Seitenstechen nnd 
Stein gehalten wurde. Allerding« glaubte man, die Steinkrankh 
Bei heilbar durch den Stein capra (Ziege), der sieh der Sfl 
naeh im Leibe einiger indischer Zietren fund Tar<jioni~Tozz 
beschreibt seihst die Ziegensteine ganz ernsthaft folgei 
„Diese Steine sind auf ihrer Obertiiicln lieh dunkelgliinzeii 

wenn man sie mit den Hunden reibt und erhitzt, BO ri< 
naeh Moschus. Diesem Stein (dem Rezoar-Stein *) sehr 
analcptiseJie und alexipharmisebe Kräfte zu, w* m 8tai 

D, die Wirkungen des Giftes zu paralysireu und 
steckenden Krankheiten zu schützen, die Pest nicht ansgenom 
ferner dm Patienten zu retten, indem sie eine kräftige und 
same Transpiration verursachten. Deshalb wurden diese Sfc 
theuer verkauft. Dieselben Kräfte werden denen, die aiob im 
Westen finden, zugesehrieben, doch in viel geri' 
Wenn «ich die himmlische Ziege in Regen oder Thau 

w T enn Feuchtigkeit aus der Zie ke , der B< 

Wolke, der Stein-Wolke kommt, BO sind diese Feuehtigkei 
heilbringend. Wenn St. ,lnrol>, der mit der Ziege und den 
verbunden ist, seinen Stiefel ausschüttet, wie die Leute im 
moutesiseben sagen, so wird der Nebel, welcher an solchen T; 
füllt, von den Bauern als ein wahrt i betrachtet, was 

auch wirklich für das Laud und speciell für die Weinberge 
In einer Fabel des Babrius droht der Weinstock, 
ter von der Ziege abgefressen werden, derselben damit, daai 
trotzdem Wein geben werde und dasfi, wenn der Wein be* 
sei (d, h, bei den Dionysischen Mysterien) die Ziege den 
geopfert werden werde. Andrerseits war es im Mittelalter Brai 
im Frühling oder am Ostertage das Agnus Dei in e 

rn: „Mos erat, nt ex cereo Pascliali, qui 
eeptis preeibus sacratus fuerat , partieul 
pulo die Domini' Albas pi tn <1 

<utur, unde siiffituin in aedibus igroa 



* Fr 

* Ueber diesen Steiu rgl ein Kauze« Kapitel b« Audi, 
Quadropcdibut L 



KhiisiiK daemon um prsj&MgiBB ant coutra 
falgura ac tonitrna.* 4 M Am Hexensabbat, kiees es tu Deutschland, 
verbrennen die Hexen einen Rock und theilen sich in seine 
A*cin 

Die schlaue Ziege ist eine Zwischenform zwischen der guten 
weisen Fee und der Hexe, die in jeder Art Bosheit zu Hauße ist. 
Ebenso wie der Held, zuerst dumm.» vom Teufel Arglist lernt, um 
sie nachher gegen den Teufel selbst anzuwenden, lässt sich voraus 
setzen, dass der Held, in seiner ZiegcngestaH , von den Unge- 
lienern all jene Schlauheit gelernt hat, durch die er sieb nachher 
auszeichnet. Der vedische Widder, Indra, bedient sich ebenfalls 
der Zauberei gegen die Zanbererungchener. 

Im zweiten ehstnischeu MSihrchen lesen wir, dass der 
Srlilangenkiinig Goldschllsselchen mit Himmelszicgenmilch hat; 
gelingt es Jemandem, ein Stückchen Brod in diese Milch zu 
tunken und den eingetunkten Bissen in den Mund zu stecken, so 
kann er alles Geheime schauen, was unter der Decke der Nacht 
geschieht, ohne dass die Mensehen Kunde davon haben. 

In dem mittelalterlichen französischen Gedicht von Ysen- 
grin 3 täuscht die Ziege den Wolf in ähnlicher Weise, wie der 
Bauer im ersten der AtanaseieffVchen Miihrchen den Bären, und 
wie in italienischen Mährchen derselbe Bauer den Teufel betrügt 
Die Ziege zeigt eine fuchsartige Sehlauheit, indem sie die Halme 
des Getreides für sich behalt, dem Wolfe aber die Wurzel Ifißsl 
Daher in meinen Augen der Ursprung der piemontesicrefaen sprich- 
wörtlichen Redensart: „La crava a l'ä niangii la fftja" (die Ziege 

das Blatt), und sogar das einfache „Mange* la Rjja* das Blatt 



1 Vgl. Du Gange, a. v. Agnus Dei, wo wir auch die Verse findru, 
mit denen Urban V» die Schenkung eines Agnus Dei an Johannes Palaeo- 
logus begleitete. — Im Oktober feiern die Thüringer das Wettrennen nach 
dem Widder, welcher, wenn er eingeholt ißt, auf einen grossen Stein ge- 
legt und geschlachtet wird. Ueber das Laufen nach dem Widder vgl. 
auch Villemarque\ Chants populaires de la Bret ague — In einem 
Volkslied?, in welchem England in E n g e 1 1 n n d verwandelt ist, erscheint 
Maria, die Amme Gottes, mit dem weissen Lamme: 

„Die Himmeisthüre wird aufgehen; 
Maria Gottes Amme 
Kommt mit dem weissen Lamme. u 
1 Menzel» Die vorchristliche Unsterbiiehkeitslehre. 
1 Prüf. Era, Texa hat eine mittelalterliche italienische Version dieses 
Gedichtes mit Anmerkungen herausgegeben. 



QMt)j in icr Hcdeutung: schlau sein. 1 Ich b5rte von einem 
/u AotigBJM Livorno) das Mäbrcheu 

welche jeden Tag einen Knaben schickte, um 
die f die Weide EU tllliren, mit dem Befehl, Acht zu 

gehen, dast sie tliclit ioefc «las Getreide nicht anrühren 

solle. Als die Ziege zurückkommt, tragt die Hexe: 

v Capra, tnia Capra AI ergo IIa. 
Come ae 1 beu »atolla?" 
(Ziege, meine Zirgc Mergolla, 
Bist Du ganz sali 

Worauf die Ziege antwortet: 



„Son aatolhi e eavalrnU, 
Tutto il giornn digiuimta." 
(Ich bin sä It und bin geritten wurden*, 
Ich habe den gansen Tag getatetj 

Darauf wird der Knabe von der Hexe lodt gemacht* So gebt es 
zwölf Knaben, bis der dreizehnte, schlauer als die andern, mit 
der Ziege schon that nnd ihr das Getreide m fressen giöbt; 
darauf antwortet die Ziege auf die Frage der Hexe: 

,,Son beu satolla e govern ata, 

Tutto il giorno m'ha pasturata." 
(Ich bin ganz aatt und bin gut gebalten worden; 
Er hat mir den ganzen Tag zu fressen gegeben.) 

Der Knabe wird gut behandelt. 

Des Teufels Schützling überlistet immer seinen Meister; dii 
Ziege narrt den Wolf zu seinem Verderben. Wir sahen das scho 
in dem russischen Mülirchen und es bestätigt sich in der 
von Ysengrin. Die Bauern von Piemont nnd Sicilien habend 
aus diesem Grunde so viel Respect vor der Ziege, das« sie die-^ 
Selbe flir segenbringend für das Hans halten, bei welchem gl» 
gehalten wird ; und wenn sie zufällig einmal bösartig ist, so wir J 




■Vgl die vorerwähnte Fabel des Babrius, in welcher sich der 
WYinstock Über den Bock beklagt, dr«r seine Blätter abfrisst — In dem 
machen Sprit! > la capra ed 1 cavoli* 1 wird die Z 

ler alö Blattfreaserin beset ebne) Die H latter des Spot ipfoli heilen 

nach norwegischem Glauben kranke Ziegen, von denen der Gott Tb 
sogen wird — Vgl Kuhn, Die Her ab k <L F. il d. G, — 












I 



dem Teufel selbst in die Schuhe geschoben, der, wie sie 
glauben, boshafter Weise Btttti v*m ihr genommen hat. Vor 

jen Jahren hatte ein Ziegenhirt de» Val di Forniazza in der 

la im PievMutwiflCbea iwöi Ziegen, die er für b flOWOH roo 
einem bösen leiste hielt; sie Heien niitnlich imam von der Herde 
fort und verirrten sich, damit sie, wie er dachte, der böse Geist 
endlich in einen Abgrund stürzen konnte. Eines Tages waren 
die beiden Ziegen fort; der Hirt sucht eine Weile nach ihnen, 
doch vergeblich; er geht und macht der Maria von Einsiedleu 
ein Gelübde- Der Zufall fltgt es, das* in dem Augenblick, als er 
von seiner frommen Pilgerfahrt heimkehrt, auch »eine beiden 
Ziegen an die Thür des Hauses kommen; man erklart nun sofort 
in Formazsa den Vorfall für ein Wunder uud er gilt als solches 
in jener Gegend bis heutigen Tages, * 

Im vorigen Kapitel sahen wir den Esel in zwei Gestalten 
dargestellt, mit Bezug auf seine FortpHanzungsfabigkeit, d. h. 
bald als einen glühenden, unersättlichen und kraftvollen Itefrucbtcr, 
bald als einen lächerlichen und impotenten Schwächling, Wir 
sahen ferner den Esel in enger Verbindung mit deo bocksfüssigen 
Satyrn. l>ie Ducke und Widder haben ebenfalls einen zwei- 
fachen und in innenn Widersprach stehenden Rnf. Wir wissen 
I Ik, dass der Gott Thor, der Gott der Skandinavier, welcher in 
der Wolke donnert, von Böcken gezogen wird i.das Schiff Thors 
und üymirs, die Wolke, heisst in der Edda ein schwimmender 
Widder oder Bock, ebenso wie der vedi&che Indra als ein Wid- 
der dargestellt wird; der Gott Püshan ist ebenfalls Beschützer 
der Herden und trügt den Schäferstab als seine Walte; sein 
Wagen wird von Ziegen gezogen und eine Ziege wird ihm 
geopfert; der Gott Pfishan war der beste Führer, den man auf 
einer Reise anrufen konnte); er ist ferner der Schützer der 
Ehen. Die skandinavische Mythologie scheint also den Bock 
wesentlich als den Befrachter, als eine Regenwolke zu betrachten. 
In der indischen Mythologie der bralinianischen Periode verliert 
dagegen der Gott Indra seine göttliche Macht, wird dumm und 
obscur und verschwindet in der Widiurp stalt. Auf einer seiner 
Passeggiate nel Canavese beobachtete kürzlich A, Berto- 
lotti in Muraglio einen sonderbaren Brauch, der von den jungen 
Leuten der Gegend gepflegt wird, wenn eine projective Ueirath 



1 Nach einem Bericht meine« Freundes Valentino (janera, eine« tiner- 
Ipeusldgers und beliebten Dramatikers. 






nicht zu Stande kommt; sie laufen zu dem Hause der Braut 
verlangen ungestüm, sie solle ihnen ihre i>eu, worauf 

sie vor des Bräutigams Haus ziehen und rufen: „Vcnte a sarrar 
quist uiotogn" [komm und schliess diese Hammel ein). I 
stellt der Hammel den Ehemann, das Schaf die Frau vor. Hei 
Du Cange wird der Name Ziege (caper) gegeben dem „iosuav ifl 
odor in pueris cum ad virilitatein acoedunt" 1 Bei A pul ei us 

t ungemessene Lüsternheit „cohircinatnv Aelian hat 

der Bock Lust zur Begattung schon wenn er sieben Tage alt ist 
(nach Columella im siebenten Monate). 

Doch ebenso wie der Esel das dumme Dulderthier ist, ist 
der Widder das dumme, ruhige. Der Bock, heisst es, ist ein 
gleichmütiger Mann, der seine Ziegen mit andern Böcken ver- 
kehren lässt ? ohne eine Spur vou Eifersucht zu zeigen; daher un- 
sere Ausdrucke „gehörnte Ziege** und einlach „gehörnt", um den 
Ehemann eines treulosen Weibes zu bezeichnen, d. h. eines 
Weibes, das ihm llürner aufsetzt, wie sie der Bock trägt, und 
das italienische Sprichwort: „E meglio esser geloso ehe beeco" 
(es ist besser eifersüchtig als ein Bock zu sein). Dieser Ruf 
-teht jedoch allem dem entgegen, was von der Lüstern- 
heit desselben bekannt und geschrieben ist, Im (icgentheil, 
Aristoteles sagt ausdrücklich, dass swei Böcke, die mit ei&andei 
in Eintracht auf der Weide gelebt haben, zur Brunstzeit heftig 
mit einander kämpfen. Ferner Ist der Vers Pindars bekannt, in 
welchem er Böcke sogar Weiber begatten lasst, Es heisst auch, 
dass Hermes, oder Zeaa, die Gestalt eines Bockes annahm, um 
sich mit Fenelope zu vereinigen, eine Vereinigung, dereu Fr 
der grosse, boeksfüssige Satyr Pan war; dass Herakles (als Esel 
in seinem Löwenfell) mit einem Bock in phänischer Kraft wett- 
eiferte (bei Atliemieus verbindet er sich mit fünfzig Jungfrauen 
in Zeit von sieben Nächten); dass (bei Aelian) ein i 
Book den Ziegeuhirtcn Oathis mit dem Tode bestraftet 

seiner Ziege einen Incest verübt hatte. Nichtsdestoweo 
uannten schon die (»riechen ein unmoralisches, ehebreel 
Weib w wir Italiener capra. Columella giebt u 



1 Darauf spielt das Epigramm des Martial au: 

„Tarn male Thais ölet, quam nou fullouiß avari 

Tecta vet us media, öed modo fraeta via. 
Nou ab amore roeeos hircus," etc. 



335 

ScklCLssel des Rathsels, indem er bemerkt, das» der Bock durch 
den Missbraueh der Venus, die er zu trüb brauchte (wie der 
Esel), schon vor seinem sechsten Jahre impotent wurde, so dass 
er nicht aus GleichgiitigkeJt, sondern nur, weil er nicht anders 
kann, dem untreuen Treiben seiner Ziegen ruhig zusieht. Da- 
her die Auwendung von bircosus bei Plautus auf einen alten 
Mann. 

Die griechische Sage ist es, welche mehr als eine andere 
den Mythus von der Ziege und dem Schafe in allen ihren Kr* 
scheinungsforiiien — dämonischer, göttlicher und der dazwischen 
liegenden — zu einer grosseren Ausdehnung entwickelt hat. 

Das goldene Fliess oder das Fliess des Schafes oder Wid- 
ders, welches von Phrixus, dem Sohne der Nephele (Wolke), und 
Helle l nach Colchis gebracht wurden war; Jupiter Amnion (im 
fünften Buche von UviiTs M e t a m o r p h o s e tt) , welcher aus 
Furcht vor den Riesen (wie .-ich in letzten Buche des Rämä 
yana die Gölter, von den Ungeheuern erschreckt, in verschiedene 
Tbiere verwandeln) sich in Lybicn in Gestalt eines gehörnten 
Widders verbirgt; der Altar Apollos auf der Insel Delos, der mit 
RfcligeB Hörnern vci sehen war; die wolligen Felle, tu welchen 
nach Strabo (im zehnten Buch) die Iberier Gold sammelten, wo- 
her nach der Meinung des griechischen Geographen die Fabel 
von dem goldenen Fliess entstanden ist; das goldene Lamm, das 
von Atreus gehalten wurde, welches den Thyestes auf den Thron 
bringen sollte, und der Name des Aegis thus, der eine Frucht des 



1 Mit diesem Mythus von dem Bruder Pbmus und «einer Schwester 
Helle, welche mit dem Schat über das Meer durch die Luft fliegen, hängt 
dad rassische Miibrchen von Iwun und Helene zusammen, das oben erwähnt 
wurde; Iwan wird in ein kleines Zicklein oder Lamm Verwandelt In der 

nisehen Variation dieses Mahr ebene wird die Schwester Ton der Hexe 
in das Meer geworfen. — Während Bruder und Schwester auf dem gol- 
denen Widdrr über den Hellespont setzen, fällt Helle in das Meer. Wir 
erfahren von Apollouius, im zweiten Buche der Argonaut,, dass das 
Fliess des Schafes erst Gold wurde, als es bei seiuer Ankunft in Colehis 
geopfert und au einer Eiche aufgehängt wurde, Der Wolkenwidder wird 
erst am MoTgen- und am Abendhimmel golden, — Das giäuzende Fliess laset 
sich vielleicht in der Braut des Rigveda wiedererkennen, welche, auf dio 
Ersählungen von Kakshivaut Bezug nehmend, sagt: „Jeden Tag werde ich 
sein (eigentlich: bin ich) gleich dem kleinen wolligen Schaf der g&ndbaris 
(snrraham aami romacii gatulhfin- ikA), 4 ' Kigv. I, 1*26, 7. Wie hier 

etymologische Analogie, so liegt vielleicht muh eine mythische zwi- 

: den gaudharis und den gaudhurv&s vor. 



lucestee des Thyest mit »einer eigenen Tochter war; Pan 
Uocksjijsgen, der Sohn des Bockes Zeus oder Hermes), welche 
im fünften Buche der Saturnalia dee Macrobhis den Mon«) 
licht und »eine (d h. der Selene) Liebesgunst genieset durch 
Schal mit weisser, aber rauher und grober Wolle; Endymion, 
nach dem Commentator Servius die Liebe der Luna durch 
ordentlich weisse Schafe gewinnt; Neptun, welcher in 
eines Widders, im sechsten Buche der Metamorphosen, die 
Jungfrau Bisaltis verführt; die »Satyrn, die Faune mit Bock 
in welche die Götter sich verwandeln, um Nymphen oder irdische 
Mädchen zu verführen, wie z. B. wiederum Jupiter in demselben 
Buche der Metamorphosen: 

„Satyri celatus imagine pu Ichram 
Jupiter implevit gemino Nycteida foetti; 4 * 



Hermes, der xqtofpoQog, der Widder tragende (d. h. der einen 
der trägt, welcher das Land von der Pest befreit , eiue Form 
St. Jacobs); die beiden vorbestimmten Schafe, welche Epimeu 
um die Seuche ans Athen zu vertreiben, nach Diogenes Laertius 
in der siebenundzwanzigsten Olympiade opfert; die meckernden 
Ziegen, welche König Priamus (in den Fragmenten des Kanin«; 
opfert, um das durch böse Träume gedrohte Unheil zu 
scheuchen; das schwarze Schaf, welches dem Pluto, der Pr 
pina, den Furien und allen unterirdischen Gottheiten geopfert 
wird; da* Lamm, der Widder uud der Bock, welche den Parzen 
geopfert werden in dem sibylünischen Verse: 



„Cum tiox atra premit terram, teetuaque latet Hol;" 



das weisse Lamm, welches dem Hercules, dem Mars, dem Ju- 
piter, dem Neptun, dem Bacchus, dem Pan, dem Apollo (d. b. 
wenn die Sonne scheint', der Ceres (der Göttin der bellfarbige 
Kornähren l, der Venus, den Göttern und Göttinnen, seinen göt 
liehen Erscheinungsformen geopfert wird 'similia siuiilibus) ; uu 
noch mehre andere mythische Begriffe (nicht zu spre< Q der 

sehr volkstümlichen Sage von der Ziege Amalthea, wel 
Zeus mit ihrer Milch nährte und von demselben ftir diesen i 
unter die Sterne versetzt wurde, unter dem Namen JtS ovqwI 
oder himmlische Ziege, nachdem er ihr ein Horn fcbgftQQiaiMi 
um aus Dankbarkeit den beiden Nymphen, welche ihn beschul 



ten, aus 
; ' all iliea sprich! hochal bcrcd; 
i rang, welche * 1 i * ^ Ziege um! «1. 

n Altertlium genossen, wodurch sie 

liscbcn und legendarise n dieser Nationen mil 

p Kpisodcn bereicherten, und welche ihnen bald als den 

bald als de imons, bald 

Hitteldi ie z. ll der m Theil 

<lc. 

Ebenso mythische Herd vom Abend bis zum Mor 

Ibare I'f tl — schwarz, grata und weiss oder roth 

der nivtliis Gold l und goldene 

auch die Stiege und das Schaf des My; 
r Nacht oder in der Wolke dunkelfarbig siud, Gold 
ii und li Idene Htfrner, welche Ambrosia ausströmen, 

haben las Kiill. i ist immer der- 

mal wasserreichen, dem nacht- 
ii nml finsteren Himmel, mit seinen beiden düsteren bilia- 
ren, oder aber von dem glänzenden himm- 
achl oder die Wolke (oder die 
Winterszeit \ durcheilt, verkleidet in der Gestalt verschiedener 
eigenem Antriebe, bald durch gottliehen Fluch 
Zauberkraft gezwnnj 
Im dritten Buche der Aristotelischen Thiergeccbiohte lesen wir 
n Flusse I'sikros in Tbracien, dass weisse Schafe, w r enn 
ihm trinken, schwarze Lämmer werfen» dass es in Antan* 
drit Seht, deren einer die Schafe schwarz, dl 

, und dans der Fluss Xanlhus oder Ska- 
man oder golden) macht, Dieser Glaube 
Jvirt die drei Verwandlungen des himmlischen Helden in die 
cke oder Widder von verschiedener Natur, von denen die 
Bedi Die letzte Umwandlung lenkt unsere Aufmerksamkeit 



„haedorum mater formosa duorum* 4 und singt, 
da»r> tu Baum zerbrach, wel- 

■ ■ — 
ntibus herbiß 
ad Jovia ora hilil 

• d J< Millg — 

nulriciä iuu 

IUÜC l[UO<|l 

33 



338 

auf dies Schaf mit. goldener Wolle, das goldene Lamm und das 
Agnus Dei, das Symbol von Glück, Macht nnd Reichthum. 
Reichthum an Schafen wurde noch mehr als Reichthum an Kühen 
das Symbol für Reichthum überhaupt. Das Horn goss jede Art 
von Schätzen auf die Erde aus und auf der Erde selbst wurde 
das pecus — pecunia. 



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Das Schwein sowohl wie auoh dor wilde Eber ist eine au- 
ere der vielen Gestalten, welche die Sonne, als mythischer Held, 
sn oft in der Dunkelheit der Nacht oder der Wolken annimmt, 
and zwar zuweilen , mn sieh vor ihren Verfolgern zu verlier: 
zuweilen um sie zu vernichten, manchmal aber auch infolge eines 
örtlichen oder dämonischen Fluches, Diese Gestalt ist zuweilen 
ine finstere und dämonische Vermummung des Helden, weshalb 
as Gedieht von dem Kiesen weihe Hyndla in der Edda das 
Seh wein ein llcldent liier nennt; oft jedoch birgt sie den Damon 
selbst. Wenn der Sonüenlield in das Keieh des Abends eintritt, 
erechwindet die Gestalt des schönen Jttnglings oder glänzenden 
rinzen, die er vorher hatte; doch er selbst stirbt gewöhnlich 
sondern kleidet sieh nur in eine andere, hässlicbere, 
eine ungeheuerliche Gestelt Der schwarze Stier, das schwarze 
tut Roes, du bucklige Pferd, der Esel und die Ziege 
— alle sind Formen derselben Verkleidung, mit der wir schon 
bekannt sind. Der taüBendbfcaebige Indra T der seine Testikeln 
erloren hat, Arguna, der sieh als Eunuch verkleidet, Indra, 
ishmi, Zeus, Achilles, Odin, Thor, Hclgi und viele andere my- 
thische Helden, die sieh als Weiber verkleiden, ferner die zahl- 
ichen schönen Heldinnen, welche sich in Mythus und Sage als 
Miiimer verkleiden — Alle sind alte Gestalten, unter denen 
ebergang entweder der Sonne oder der Abend-Anrora in 
ie Kinstcrniss, Wolke, den Ocean, Wald, die Höhle oder Hölle 
achi und Winter dargestellt wurde. Der gelähmte, geblendete, 
ertrunkene, oder in einem Walde begrabene Held 
wird verständlich, wenn man ihn auf die »Sonne bezieht, welche 
den Bergesrand hinabstürzt, welche «ich in der Dunkelheit 
erliert, welche von den Händen des Dunkels gefesselt wird, 
welche in den Oecau Nacht hinabtaucht, oder welche sich vor 
sn Blicket) in dem nächtlichen Walde verbirgt. Die Icueh- 
und erleuchtende Sonne geht, wenn sie in der dunklen 
i aufhört zu scheinen, der Sehkraft verlustig, ebenso aber 
inch der Geisteskraft — sie wird dumm Der schöne Sonnen* 




mit Beginn der Nacl 
der starke, rothe, gesunde Sonneaheld, der bli 

und schwarz wird, wird krank. W D Italien, 

HO wir die Sonne ihren hellen Sehein verlieren und erbici 

! Die Sonne ist krank. 

Im I IT, Hymnus des ersten Baches des I^igreda heilen 
die Agrine die aussätzige Tochter Kakahivanta, Gboshd, welc 
gattenlns hi ihres Vaters Hause altert, uud finden einen G 
Eft* sir; dit n die Aurora au* dein Dunkel A 

• •lit und lieiruthen sir. 1 

Im achtzigsten Hymnus des achten Buches des Ui^ved 
ki«br< derselbe Mythus mit Beziehung aai ludra und vollständi; 
wieder. Wir bemerkten schon im ersten Bncbe ä< ved 

das Mädchen Apälä, das FOD dem Berge her um \V 

zu holen, den Soma aus «lern Brunnen berauftiebt (die Ambrosia 

r auch den Mund, woher, n ie mir scheint, der Ur&pnmg 
italienischen Sprichw oit.es: ,,Pesearc, or mostrare la Ittoa t 

>'*, den Mond im Brunnen Bachen oder , was dai 

oorrumpirl wurde zur Beneftftnitng Jemandes, der Unwahres o 
Uniu erzählt), und briugt ihn zu ludra, dem 

hanuten Trinker von Ambrosia (die hier mit dem Monde od 
Soma indentificirt ist). India, mit dem Mädchen zufrieden, willigt 
ein, so hässlieh und mijBgoetalt sie ist, ilher die drei himmlischen 
Kinen, d. h. Über seines Vaters Kopf, ihre weite Brust nnd 
ihren Busen hinwegzuschreiten.' In der letzten Strophe des er- 
wähnten Hymnus macht ludra ein glänzendes Kleid, eine Sonne 
haut, ittr Apala, welche dreimal gereinigt worden ist, durch d 
Rad, durch den \Y Ibal und durch die Deichsel von In- 

dras Wa-em 3 Und derselbe Mythus kehrt noch einmal deui 
lielier und vollständiger in einer Sage der Brihadd» va t a wi 
drr ApAlft ersnelit ludra, den sie liebt, ihr eine schöne und voll- 
kommene fehlerlose, tadellose) Haut zu geben. Als Indm ih: 
stimme hört, schreitet er über sie mit Rad, Wagen und Defohl 
mit dreimali. Irengang nimmt er ihr die hiissliehe Haut ab; 

[ft erscheint darauf in einer schönen. Au der so abgestre 




1 VgL Theil IJ> Kap 

* I i vtahtapu tüuujdra vi rohuya ^ira» tatasyorvarüra 

ma upod&ro. 

be rathasya khc 'nasah khe vugasjra a[tälam indm 

tikrinoh siiryatvacaTru 






Haut waren Rnretci) ($atyakft); "1k j ii hafte sio ame rauhe Anssen- 
, nuten war nie wie die limit einer Eidechse. 1 Die Borgten 
oder Stacheln auf der Haut Apalas wecken natürlicherweise die 
des I-els p des Stachelschweines, des wilden Ebers 
und des borstigen Schweines, Die Aurora glänzt, wie der ve- 
disehe Ilymuns singi, nur beim Anblicke ihres Gemahls; so wird 
Apalu mit der hässlichen oder Schweiushant und Ghoshä, das 
aussätzige Mädchen, glänzend und gesund durch die Gnade ihres 
Gratten. So erscheint Cinderella oder die, welche ein aschfarbenes 
(gleich dem Naehthimmel) dunkclfarbenes Kleid anhat (in 
russischen Mahrchen heisst Cinderella Ceriuishka, d. i. kleine 
Schwarze, wie auch : kleine Schmntzige), nur dann ausserordent- 
lich schftn, wenn sie sieb im Ballsaal des Prinzen oder in der 
Kirche oder im Kerzenglanz oder in der Nähe des Prinzen be- 
findet: die Aurora ist nur dann schön, wenn die Sonne nahe ist 
In dem aebtundzwanzigsteu Mäbrchen des sechsten Bnches 
bei Afanassieff bedeckt sich das vom eigenen Vater verfolgte 
Madeben, das dieser heiratheu will, weil er sie ebenso schön 
findet als ihre Mutter (die Abend-Aurora ist so schön, wie die 
Morgen-Aurora», mit einer Schweinshaut, die sie erst ablegt, als 
sie sich mit dem jungen Prinzen vermählt. a In einem anderen 



1 Sulomätn aoavadyängim kuru main cakra sutvadam 
Tasy&s fad vacanam crulrfi pritaa tena purandarah 
Ratbachidnn i tfeffl indrah ruluttasya yugasya <5a 
Prakshipya nigca.karflha tria tat&h sä sutvaca 'bbavafc 
Taayäm tvaci vyapetayum sarvasyäih ^atyako *bhavat 
Uttara tv abhavad godha krikalucaa tvag uttama. 
Godhä scheint zu bedeuten: „der die Gestalt einca Haares hat" (go 
bit unter anderen Bed< utungen auch die von: Haar). Ala Thier erkennen 
die Wörtexbb. auch in godha eine groaae EidcdiBenart Doch vielleicht 
konneu wir es auch mit Kröte oder Frosch übersetzen; wir würden dann 
auch die Fabel von dem Frosch verstehen, welcher dem Ochsen gleichen 
will. Ich bemerke ferner, um ein Beispiel von der Leichtigkeit zu geben, 
mit welcher wir von dem Ochsen auf den Frosch und von dem Frosch auf 
Kidecbse kommen können, wie in dem russischen Mährchen bei Afa- 
nassieff LI, 23 eine schöne Prinzessin in einem Frosch verborgen ist; 
IQ toscanischen, piemoutesischen und siclliantBchen Mährchen ist es statt 
des Frosche« eine KrÖte In den Mührehen des Pcntamerone ist die 
tine lac er t ft cornuta (eine gehörnte Eidechse). Auch GhöBhä 
hat im Sanskrit noch den anderen Namen karkutaejingi, gehörnter Krebs, 
In andern Version«ii ist der junge Prinz ein Bock oder ein Drache. 

1 Zu dem verfolgten Mädchen in Verbindung mit dem Schweine vgl 
such rentameroue 111, 10, 



KtlilrnssisHieii Mahrchen l babcn wir .statt dessen einen K«> 
roIid , den sein Vater verfolgt und der sein v&J 
einem Rock aus ttchweinshaut verlassen muss. In einem noch 
nicht publicirten Montfen-atensischen Mährchen, dessen Hittbethmg 

der Güte des Herrn Dr. Ferraro verdanke, # wird «las vun 
Heiner Stiefmutter verfolgte Mädchen daza vcrurtbeilt, in einer 
Nacht eine u nenn ess liehe Anzahl von Acpfeln zu essen; vermit- 
telst zweier Schweinsborsten ruft sie eine ganze Legion Ferkel 
herbei, welche die Aepfel statt Ihrer verzehren. 

Waw die Deicheel von Indras Wagen in dem unteren Busen 
Apalas betrifft, so schein! sie mir eine phallische Bedeutung es 
haben. Indra kann Aß$M dadurch, das* er sie heirathete, ge- 
heilt haben» wie die Agvins durch einen Gatten die ai 
Ghosht heilten! welche in Ihres Vaters Hanse all wurde. In der 

iten Erzählung des Pcntamcronc heirathet der König von 
Roocaforte eine alte Frau, in, dem Wahne, es sei eine junge. Er 
wirft sie zum Fensler hinaus, doch sie wird in ihrem Fall v<m 
einem Baum aufgehalten, an welchem sie hängen bleibt; die 
Feen kommen vorbei, machen sie wieder jnng, wie auch sc 
Und reich, und binden ihr Haar mit einem goldenen Baude auf* 
Die bejahrte Schwester der alten Frau, welche wieder jung 
worden ist (die Nacht), geht zum Barbier, in der Hoffnung, das- 
selbe Resultat einfach dadurch zu erreichen, dass sie sich das Fell 
abziehen Hast, und wird lebendig geschunden. * Nach italieni- 
schem Glauben ist das Schwein dem hlgen Antonius geweiht, 
dieser aber wird auch als der Beschützer von Ehen gefeiert, 
gleich dem skandinavischen Freyr, dem das Schwein geweiht ist. 

Die Gelahrten des Odysseus, von der buhlerischen Zauberin 

e durch giftige Kräuter in nutlälhige Schweine verwandelt, 
sind nur auf Befriedigung ihrer sinnliehen Triebe bedacht; darum 
t lloraz in der zweiten Epistel des ersten Buches: 

-eiium vucis, et Circes pooula nosti, 

i cum soeiis stultns cupiduuque bibiss« 
Sub domina ineretriee fuisset üirpis et es cor« 
Vixisset cants inuuuudu», vel arnica luto aus," 



• A fan. V, 3& 

* Zu dem Mythus von den Widen Schwestern, Nacht und Aurora» 
dam schwarten Mädchen und dem, welch« eich in schwane« graue oder 
Aschfarhci kleidet, vergleiche auch Pentamerone 11, %. 






wein ist als cinoR der lüsternsten Thierc der Venus ge- 
uis diesem Grunde werden nach den Lehren der Pytha- 
liier lüsterne Menschen in Schweine verwandelt and wird auf 
en Menschen, der jeder Art von Begierde ergeben ist, die Re- 
chnung „Schwein* angewandt. Bei Varro l lesen wir: — 
npriarnm initio antiqni reges ae sublimes viri in Hetrnria in 
njnik'tione nuptial! nova imp tact ■ novns maritns primum porcum 
molant; prisci qnoque Latini et etiam Graeci in Italia idem 
cisse videntur; nam ct nostrae muliercs, maximae nntrices na- 
qua femioae sunt, hi virgiuibus appellant porcum et 
/otQovj aignificantcs esse dignum insigni nuptiarunx" Die 
eichsel Indras, die über den upodara (oder unteren Busen) Apä- 
s fährt, wird durch diese Stelle bei Varro illnstrirt 

Was den wilden Eber betrifft, so ist sein Charakter gewöhn- 

i dämonisch; doch der Grund, weshalb die indischen Götter 

t dieser Gestalt bekleidet wurden, liegt zum grössten Theilo in 

fachlichem Doppelsinn. Das Wort vishnu bedeutet: „der, der 

rchdrin^t;" wegen seiner scharfen Hauer heisst in einem ve- 

Bchen Hymnus ■ der wilde Eher vishnu oder der Durchdringen 

wahrscheinlich ganz analoger Weise wird dann in einem an- 

rn Hymnus Rudra, der Vater der Maruts, der Winde, als ein 

behaarter, schrecklicher, himmlischer wilder Eber 3 ange- 

en , wahrend die Maruts selbst angerufen werden, wenn die 

onnerkeile in der Gestalt von wilden Ebern erscheinen, welche 

is den eisernen Zähnen und goldenen Rädern heransrennen, 4 

In getragen von dem Wagen der Maruts, der Winde, von 

neu es auch heisst, sie hätten Zungen von Feuer und Augen 

eich der Sonne. 5 Vishnu selbst bringt im Eigveda auf An- 



ke Rc Rustica II, 4. 
HgT. 1,61,7. 

)ivo varäham nrusham kapardmam tvesham rüpaih namasu ni bvaya- 
Uc\ Kigv. I, 114, 5 f 

Pacjan hiranyaeakrün ayodaüsbtrün vidhävato varähan; Kigv. I, 

Agni£ihvä tnanavah stirac'akanBsa; Rigv. I, 89, 7. — In der Edda 

der Wagen Frcyrs von einem Eber gezogen. Der Kopf des mythi- 

v eines ist glänzend. In dem achtundzwanzigsten Mährchen des 

citen Buches bei Afanassicff erhält Iwan Durrfk von den beiden 

ngen Helden, welche ihm in wunderbarer Weise erscheinen, drei Won* 

rgaheii. d. h. das Schwein mit goldenen Borsten, den Bock mit goldenen 

rneru uud Schwanz und das Pferd mit Mahne und Schwans Ton Gold. 



344 

trieb Indras hundert <><1is<ij, die es QrQtze und den 

niehtendcn wilden Eber. 1 Deshalb liebt Indni selbst di< 
eines wilden Ebers, welcher im A vest a sein alter ego 
Veretra-hna tritt in derselben Gestalt u£ Wir wissen, dass 
Sonne (bisweilen der Mond) in Gestalt eines Widders ode 
Bockes gegen die Wolke oder die Dunkelheit driingt and - 
bis er sie mit seinen goldenen B (teelibobrt; bo entwickelt 

auch Yislmii, der Durchdringet) mit seinen scharfen goldenen 
Hauern (Donnerkeilen, Mondhönaern und Sonnenstrahlen) in 
Etnsternitt und der Wolke so grosse Starke, dass er beide durch 
bricht und glänzend und siegreich heraustritt Nach den j-ur;i 
niseheu Traditionen zog Vislmn in Geßtall eines wilden Ebers 
seiner dritten Inkarnation, als er den DUnmn Hiranyaks: 
den mit dam goldenen Auge) trultete, die Erde aus den Wassern 
(oder aus dem Ocean der feuchten und finsteren Naehi des Win- 
Nach dem Ha may a na* nahm Indra die Gestalt eines 
wilden Ebers unmittelbar nach seiner Geburt an. 

Mit dem arkadischen wilden Eber von dem Berge Eryman- 
tbos ist der Leser vertraut Herakles tndteie ihn bei seiner drit- 
ten Arbeit, ebenso wie Vishnu bei der dritten seiner Inkarua- 



1 Vicvet h\ viühiiur äbhanul urokramas fveshitalp ^atam malii 

iii varthmn indra emuöham; Rigv. VIII, 66^ 1<>. — In 
Thebuis des Statins (V, 487) ist ebenfalls Tydeus in den Balg e 
den Ebers gekleidet : 

I i rribiles contra setis ae deute reeurvo 
Tydea per latos humerus umbire laboruut 
Exuviae, Calydonis ho 
f Nach andern Fabeln stritten sich die drei Personen der Dreieinig 
keit einst, welchem der Vorrang gebühre. Brahman, der von der E 
des Lotus, WO it 8H88, Nichts im l sah, hielt sieh für d*w Erst 

allrd Erschaffenen. Er btieg in den Stamm de& Lotus hinab, und als 
endlich N nm fand, fragte er ihn, wer er rare. »Ich bii 

dir Erstgeborene/' entgegnete Visbnu ; Brahmüu bestritt ihm diesen Tit 
und wagte sogar, sieh au ihm zu vergreifen. Doch während des Kampf' 
warf sieh Mahadeva Cyiva) zwischen sie mit dem H\u Jeh bin ca, 
■»erat geboren ist. Trots alledem will ich den als mir überlegen ane 
kennen, der im Stande ist, die Spitse meines Hauptes, oder die 
meines Fusses au sehen. Vishnu (als verborgener oder mit 

ad) verwandelte sieh in einen wilden Eber, bohrte 1 sieh durch die 
und drang in das Reich der Hölle ein, wo er die FüW MabM 
Dfi Leti i ^rüsste ihn b> ,kehr als den Erstgeborenen der 

l ; lmuruouf, Linde Frnucaise, 
1 II, 119. 



345 

an ein wilder Eber wurde; Orid besehreibt ihn sehr schon im 
tshten Buche der Metamorphosen: 

nine ol igno micant oculi, riget horrida eomx, 
Li letac deQflii similes htistiltbuä bormit 
StanUjut» feint vallum, velut altu bastilia setae, 

railOO lato» stridors per armos 
Spmita fluit, dtMifra aoquantur deiitibus Jntli«, 
Fulrnen ab ore vunit, frondea afflatibua ardent, 11 

Der wilde Eber des Meleager ist eine Spielart gerade dieses ün- 
geheuer«; es ist also nicht ohne Grund, dass, als Herakles in 
das Reich der Hölle geht, alle Schatten vor ihm fliehen, ausge- 
nommen die des Meleager und der Medusa. Meleager and He- 
rakles gleichen einander, werden mit einander identificirt; was 
die Medusa betrillt, so dürfen wir nicht vergessen, dass das 
Haupt der Uorgoue auf der Aegis des Zeus dargestellt war, dass 
Gorge» einer von deu Namen ist, welche die Pallas führte, und 
das» die Gorgoncn, und speeieil die Medusa, mit dem Garten der 
Hesperiden in Zusammenhang stehen, iu welchem die goldenen 
Vepfel wachsen. 

In dem einundaechszigsten Hymnus des ersten Buches des 
Kigveda ttidtet der Gott, nachdem er gut gegessen und ge- 
trunken, mit der dem himmlischen Grobscbmied Tvashtar gestoh- 
lenen Waffe das wilde Eber-Ungeheuer, welches das, was für die 
Götter bestimmt ist, stiehlt 1 Im nennundneunzigsten Hymnus 
des zehnten Buches des Rigveda todtet Trita (der dritte Bruder) 
durch die Stärke, die er von lndra erhalten t das wilde Eber- 
Ungeheuer,* Im Taittiriya Brähraana finden wir eine an- 
sehr interessante Stelle. Der wilde Eber hält Wache Über 
MI Sehatz der Dämonen, welcher in sieben Bergen eingeschlossen 
ist. Indra öffnet mit dem heiligen Kraut glücklieh die sieben 
Uerge, tödtet den wilden Eber und entdeckt in der Folge den 
Sehatz. 3 In dem fUnfundfunizigsten Hymnus des siebenten Buches 



1 Asyed u matuh savaueshu eadyo mabah pitum papivan e*arv aunä 
«aiushtlyad vithmih pai'atam eahiyäm vidhyad varnbnih tiro adrim aala; 

1 Aayu tri to nv ogasik vridliAno vipa r&rah&Q ayoagrayü hau; ß 

• Varahoyam varnamoshah saptanum girinfrm parastad vittam vedyam 

^mrUnäm vibharti, sa darbhapiiigfilatn (pirigalain?) uddhritya , sopta girin 
va tarn ahannili, schon angeführt von Wilson, Bigv. Sauh. I, 164. 

— Vgl Tbeil II, Kap. VII, 



tu) 



HlÄ iCIlCIABGD Sltl 



Bead ond der Frischling in t aciuigkeit ' finden «ich * 
der isopisebca Fabel 

Im Mahibb&rata' nhnntt Palotoan die Gestalt eines 
den Ebers an, um das Weib Bbrigna m entfuhren; sie sei ■ 

täk dem Cyaraaa das Lebern, der aar Raebe für m 
Matter den wilden Eber sn Asche verbrennt In den toscatiiacben 
Volksmkbteben tftdtet der dumme Pimpi das Sei idem er 

es mit der Zange, die er im Feuer rolkglthend gern; 

M und quilt In dem ne n n t e n der to* Fran L Garnen ' 
gesammelten sictlianiscben Mlhrehen Hast Zafarana, inden 

weinebomtea ui labende Ascb* wirft, den alten 

Primen, ihren Gemahl, wieder jang «nd aebfto werden; ea ist im- 
mer derselbe durchsichtige Mythus triatfen Ali). 
langt in dem ersten ebstmatbca Mlhrebca der Priui durch 
Essen eines Seh wrincficisebkucbcitt a die fa&igkeit, die Sprache 
der Vägei in verstehen; der Held eignet sieb Arglist an* wenn 
er sie noeb nicht besitzt ; er wild sekha, wenn er rarber dämm 
war; wir finden deshalb auch in einem Mlbteben bei Afai 

len Wolf, der soent rem Hunde, dun m der Ziege, 
endlieb vtm dem Schwein betrogen wild, weiches ihn beinahe 
MnkL Der Wolf will die Jungen des Schwein* fressen: die 
eewebt ihn, unter einer Brücke sn warten, wo kein Warner ist, 
wthrcad ea reibst, wie es rm sp ri cht , mittlerweile die jungen 
Ferkel waaeben geht; der Wolf wartet, und das Sehnt 
das Wasser lanten sn lassen, weiches, ab ce anter die Brücke 
kommt, das Uten des Wollen in Gefthr bringt. Dnber der von 
*etc* erwähnte Gbabc. dam das äehwmn es mi: dem Wntf 
askr wnM aatnimmt» and die i n fc | tmhtniin gri e ch i s c hen Fabeln. 
Diene Sehlaaheit ermcht den hlihn» Sind im IgeL Die Araber 
pAegea sn sagen: J*r Kämpe < 
Halb den Hahne* die SptrknJt der Ifc 
daa r ngtatem des wtUne Ebers, die Ve 
nIvc nmmnsM nsa ^nsa^ ms 



VWT 






tion des Hunde« und da« Temperament des Naguire." ' Ein den 

Arelnloehos beigelegter Vers sagt: 

woraus das Sprichwort wurde: „Ein Possenst reich des Igels hat 
mehr zu sagen als viele des Fuchses." In dem Aitareya 
Brahman a * heisst es von dein Igel, er sei aus der Kralle des 
rilliberischen Falken geboren. In den äsopischen Fabeln kommt 
Wolf Ell einem Igel und gratulirt «ich zu diesem Glück ; doch 
tier irf ee ab. Der Wolf schmeichelt ihm und ersucht 

ihn, seine Waffen abzulegen, doch jener antwortet, in der Gefahr 
Kampfes sei es unklug, das zu thun. Daher der verbreitete 
Glaube, dass der Wolf sich vor dem Igel fürchte; daher »las 
Spriehwort: JE* ist wehr leicht, den tgd zu finden, aber sehr 
schwer, ihn zu fassen." In einer Fabel des Abstemius erscheint 
der l^el als Feind nicht nur des Wolfes, sondern auch der 
Schlange; er spicsst die Viper, die sich in seine Hohle gefluchtet 
hit. Diese bittet ihn, hinauszugehn, er aber antwortet: „Lass 
den hinausgehu, der nicht bleiben kann." Der Igel sieht so ans, 
wie ein kleiner wilder Eber; als Feind des Wolfes und der 
e scheint er mir den Zwerg Vishnu und den wilden Eher 
Vishnu, den Vertilger der Ungeheuer, in sieh zu vereinigen; beide 
nehmen, so viel wir wissen, fast immer in der indischen Mytho- 
logie die Gestalt eines Wolfes oder einer Schlange an. Und so 
ferne Vishnu, wie Indra, ein donnernder und regengebender Gott 
ist, in seinem Charakter als Sonne in der Wolke oder nächt- 
licher und herbstlicher Mond, wird auch der Igel für einen Vor- 
boten von Wind und Regen gehalten. Wenn man von einem 
"wilden Eber träumt, so ist das 3 ein Zeichen von Sturm und 
engüssen. Hierauf geht auch die Fabel von den Schweinen 
2urück ; welche das Schiff der Seeräuber, von denen sie gestohlen 
»ind, «um Sinken bringen. 4 Dieser Mythus stellt ganz augen- 
fällig die Wolken -Schweine dar* 

Das Stachelschwein scheint ein Mittelding zwischen dem Igel 



1 Jtauiiiaa, La Vie Arabe XV (p. 579). Zu naguir bemerkt Daumaa: 
d du Khoraatan, tcllemetit robuste, que sa saute* ue peut etro 
n i par lt*B fatiguea, ni par les privatjous 

* III, 8, K. 

idor bei Aldrovandi, De (juadrup, Digit. Viv. II. 

* Erwähnt von Aeliau und Püuiua. 



34ft 



und dem wilden Eher so B< in. N:u-h (fern Volksglauben äst die 

be eines tods, Itweinea, auf den K 

vortreftlirhcs Mittel g» j gcn Kahlheit and Ausfallen der II 
Und ebenso wie es schwer ist, dem Stachelschwein die Stacheln 
abzunehmen, so „utuutur mulieres ad discriminandns capillos, 
ut illos eonservent illaesos, acnleis pothis hystrieuni qaam aeubns." 
Diese Iiemerkung Aldrovaudis ist insofern besonders interessant, 
als sie uns das Verständnis» eines nicht ungewöhnlichen 
Standes in russischen Mahrehen erschliesst. Der Held und Ate 
Heldin, welche vor dem sie verfolgenden Ungeheuer Hieben, 
haben von einem guten Zauberer oder einer guten Fe 
Kamm zum Geschenk erhalten t der die Eigenschaft hat, auf die 
Erde geworfen, ein dichtes Dickicht oder einen undurchdringlichen 
Wald entstellen zu lassen, weicher den Laut" des Verfolgers auf- 
hält, ! Es ist das eine Remiuiscenz an das Stachelschwein mit 
den dichten Stacheln, an den borstigen wilden Eber, an die fin- 
stere Nacht oder Wolke selbst, an den gehörnten Mond, welcher 
den flüchtigen Sonncuhclden und -heldin vor dem Wicke des Ver- 
folgers verbirgt 

Trotz alledem spielen das Schwein und der wilde Eber in 
der indogermanischen Sage gewöhnlich die Rolle des Sünden- 
bocks und des Esels sou ft're-douleur. Im Pan eat antra werden 
Ohren und Herz des vom Löwen zerrissenen Esels gefressen. Bei 
Babrius ist an die Stelle des leichtgläubigen Esels der Hirsch ge- 
treten (der oft in den Mythen eine Variation des närrischen Hel- 
den ist). In den Gesta Roman orum* verliert der wilde Eber 
durch seine Einfaltigkeit erst ein Ohr» dann das andere, dann 
seinen Schwanz; zu guter Letzt wird er getödtet, und sein Herz 
vom Koch verspeist In Deutsehland ist es, wie früher in Eng- 
land, Brauch, am Weihnachtstage einen geschmückten Eberkopf 
bei Tisch zu servimi, ohne Zweifel als ein Symbol des finsteren 

<• heuere Winter, welches bei der Wintersonnenwende get« 
worden ist, nach der die Tage immer länger nnd heller werden. 



1 A fan, \\ 

1 LXXXIII, bei Benfey in seiner Einleitung »um Pan eaf antra, — 

Fabel ist dar dreutigBteii dos Avimius entnommen, wo der wilde Eber 

beiden (Ihren verliert und dann verspeist wird; doch der Koch {der 

in dt u seh laue» Helden darstellt) hat sein Hers genommen, am 

es su ossen; — 

,.Sed «HU ^üasumpti dominus cor quaereret Apri 
luipatieus, fertur (cor) rapuUse coqum" 



in Deutschland 
n Sehweinstall schlafen, in der Hoff- 
rarnn bedeutet Glhvk. Die a« 

ihweinei geboren; auch 

tier Erlöser wurde in einein Stall geboren; nur war es statt des 

(der allerdings im Mythus theil weise mit 

deut ist), welcher ihn Urne bat Aus diesem Sro 
nimmt der Teufel im deutsehen Aberglauben oft die Gestalt 
Eber-Ungeheuere an, das der Bold tttdtet 1 Der wilde 

wird als eiu aversier ( Diinion ) auch in dem Roman voü 

in le Loh era in* beschrieben — 

n lo 'i-'iii Foi - tta ti gm uta tm 

Mult tu bttrdis qui 

Der Verfasser der Loci Communes sagt, class Ferqu- 

«laud, von einem wilden Eber getödtet 

Her berichten uns, dass sein Tod durch 

Well rerars&oht war; doch wir wissen seimu, wie im My- 

Ijiis Wolf und wilder Eber bisweilen gleiebwerthig mit einander 

itnu sieh in einen wilden Eber verwandelte, 

lul das Schwein dem skandinavischen Mars heilig war, so war 

►mischen und griechischen Mars heilig und 

all eines wilden Eber- Ungeheuers 

um lian von der Venus geliebten jungen Adonis zu tödteu, 

uder Heiliger so voltkommen, dass er nicht einmal 

bitritt begehen, wie auch kein Dämon so 
lieht wenigstens ein Mal Gutes thun sollte. Die 
in die Rollen, ßci Senilis wird 
ahn eines wilden Ebers die Rinde von dem Baum 
all, in welchem Myrrha, nach dem Incest mit ihrem Vater 
er, sich eingeschlossen hat (wir sahen, im 
welcher mit einem Kraut das Ver- 
eiden Ebers öffnet, am ihn zu tödten). Wir haben 



„up er signified! diubolum; Parias M. 8. Hitur. 

:«us eat do ßiiva'. 41 VgL auch 

Schriften zur Geschichte der Dichtung uud Sage, IN, 






liier Wiederum den blute lachen \ 

dem Holzkleide, den Wald, den durd 

den Ebers, der den Wald der Nacht durchbricht, und den jm 

Helden in stand setzt, herauszutreten, den i 

ans Eifersucht tödtet Auch in dem alt -.||cji. 

glauben tödtet der wilde Eber die Sonne. 

Hoble schläft, und ihre Pferde grasen. Zu beachten ist fr 

der Doppekbarakter des Hauen des nächtlichen lu» 

rs; am Margen ist es ein h tender Hauer, der 

Sonnenhelden in Stand setzt, geboren zu werden; am Abend 
iu tndverbreiteuder; der wilde Eber ist acht 

nud die Finsterniss wird von dem weissen Zahn des 
ten wilden Ebers gespalten* Der Ulnare wilde Eh 

rt, wird am Morgeu getttdtet, bei der 11 
Smueidiclden. Der Zahn dieses todten wildej 
verursacht am Abend den Tod d< 

<»dcr verwandelt sie auch iu wilde Thiere. In Volksnmlm 
druckt die Hexe, welche vor de wölk« dem Helden, resp, 

der Heldin» den Kopf kämmen t ihm oder ihr bald eine lange 
Nadel, bald eines todten Mannes Zahn in den Kopf und bei: 

EM) des Lebens oder doch der menschlichen 
das eine Keminiseenz an den Faugzabn des wolkigen, niieht- 
liehen oder winterlichen wilden Ebers, w 

: wandelt oder sie zu eu brin| 

Für die Darstellung der in Schlaf versnnkci i ndsonne 

i uns in dem Mythus von Adonis ein sonderbar 
zciinouieni. Es ist bekannt, das« die Docti»reu dem eine 

inlicb der des Mohns, 
ssant, bei Nicandros Colophonios (angeführt 
Aldrovandi) tu lesen, dass Adonis von denk 

n wurde, nachdem er Lattich gegessen. Ihvcu- ihn- 

gordischer Dichter, nennt den Lattich: Eni 
if bringt, der dumm und impotent mac 
Lattich gegessen hat, wird deshalb der \ lunarea 

wilden Eber genommen, da er Eunuch und uußtbig ist 
Sonnenheld schüft in der Nacht ein und wird eii 
indisebeu Arguna, wenn er verbürgen 
Mond. 






hl 



KAPITEL VI. 
Der Hund. 

Der Mythus vom Hunde ist einer von denen, deren Deutung 
mehr Zartheit, mehr Sorgfalt erfordert. Wie der gemeine Hund 
auf der Schwelte des Hauses seinen Platz hat, so beiludet sich 
der mythische Hund gewöhnlich am Thor des Himmeln, Morgens 
und Abends, in Verbindung mit den beiden Aevins. Es war eine 
flüchtige lliminelserscheiniing von der Dauer nur eines Augen* 
Micks, welcher dem Mythus von dem llnnde in «einen Haupt- 

ii eine entscheidende Gestalt gab. Ist dieser Augenblick 
vorbei, so ändert der Mythus seine Natur. Ich habe schon auf 

(den französischen Ausdruck: „entre einen et loup" als Be» 
nung des Zwielichtes hingewiesen j ■ der lluud geht nur um einen 
Augenblick dem Abendzwielicht vorher und folgt dem des Mor- 
gens auch nur um einen Augenblick: er ist mit einem Wort dan 
Zwielicht in seinem hellsten Augenblick. Sofern er au den 
rren der Nacht Wache hält, ist er gewöhnlich ein verderbliches, 
In »1 Haches und furchtbares Thier; sofern er die Pforten des Tag*! 
Httet, wird er gewöhnlich als ein günstiges, segensreiches dm 

eilt; und wie wir sahen, dass von den beiden Aevins einer zu 
lern Monde, der andere m der Sonne in besonderer Beziehung 
ist von den beiden Hunden der Mythologie der eine spe- 
ziell lunar, der andere speciell solar. Zwischen diesen beiden 
landen linden wir die Hündin, ihre Mutter, welche, wenn ich 
üieb nicht ganz irre, bald den wandernden Mond des Himmels, 
«Jen leitenden Mond, der den Pfad des Helden und der Heldin 
erleuchtet, bald den Donnerkeil, der die Wolke zerreisst und das 
"Versteck der Kühe oder der Wasser Öffnet, darstellt. Wir haben 
«lso so weit drei mythische Hunde. Der eine, drohende, wird 

v; WilheliuuB ttrito sagt in einem lateinischen Verse, den 
X)\i Uauge giebl 

„Tempore quo neque nox neque lux ued utruinque videtur;' 1 
xiiid epgter j 

„Iaterque canem distare luuumque. u 
iSftch Plinius und Solutus macht der Schatten der ilyane den Hund stumm; 
*1 h. die eracheuchl das Zwielicht; der Muud erbleicht 



von «It in Smuenhelden am Abend an don wet 
Himmels gefunden; der zw« ht ihm bei im v 

der Nacht, wo er jagt, leitet ihn hei Gefahren and *eig1 ita 
Schlupfwinkel seiner Feinde, w&brend er In der Wolke ode 
1 ''insternisK ist; der dritte, am Morgen, ist ruhig und wird v< 
dem Helden gefunden, als er aus dem finsteren Reiche nach dem 
östlichen Bimmel hin herauskommt 

Verfolgen wir jetzt kurz diese drei Gestalten in der indischen 
Mythologie, leb sagte, dass die mythische Hündin mir zuweilen 
den Mond, zuweilen den Donnerkeil darznstcllon scheint. In 
Indien wird diese Hündin Saramn genannt , eigentlich: die, rli< 

t, die rennt oder tliesst. Wir sind gewohnt, von dem 1(: 
zn sagen, dass er den Mond anhellt, womit das Volksspriehwort 
Kauher in Verbindung bringt. Der Hund, der den Mond atihellt, l 
M vielleicht derselbe Hund, der bellt, um die Nähe von Kimbern 
anzuzeigen. Im HKS. Hymnus des zehnten I inches des Kigveda 
haben wir eine dramatische Scene zwischen den Geizhälsen oder 

>en (den Funis} und der Hündin »Saramä, der Botin ludras, 
welche nach ihren Schätzen verlangte Um zu ihnen zu gelangen, 
durchschneidet sie die Wasser der Raftfl (eines I iussrs der EJnl 
Weh); der Schatz, welcher in dem Bei rgen ist, 

aus Kuben, Pferden und mannigfaltigen Seichthtfmern; die Pa 
ffHnschcn, dass Saramn als ihre Schwerter bei ihnen bleibe m 
den (Jenuss der Ktlhe mit ihnen theile ; Snrarna antwortet, 
könne ihre Bruderschaft nicht anerkennen, da sie schon 
Schwester Indras und der schrecklichen Afigirascn sei. 3 In den 
zweiundscehszigsten Hymnus des ersten i inches entdeckt 
I Hindin Saramä die Kilbe, welche iu dem Felsen verborgen 
und einplanet /tun Entgelt von Indra nud den Angirascn Nah 
rung für ihren Sprössling; darauf schreien die Menschen und di< 
Kühe brüllen. * Nach der Sonne zu gehend, anf dem Pfade dt 1 



1 Der Hund war der Jägerin Diana heilig, die wir als den Mond kc 
neu; daher du lie Sprichwort: „Delia nota eanibus," 

2 indrasya dütir iahita carämi maha ielianti panayo uidliiu vab 
1 KasAyä atararn payanai; Str. 2. — Ayaiä nidhih sai ■ 

^obhir avvebhir vasubhir nyriabtali; Str. 7. — Svasäram M kririav» 
puiiar ga apa to gavam subhage bhagaraa} Str. 9. — Nultam veda I 
HO ivaaritva&i indro vidur aiigi rasas cagboriih; Str. 
1 Indrasyaugiraaam ceahtäu vidat saramä taoayftya dl hasoa 

bliiiiuv) adlifll vidad gaty sam usriyabhir varaeauu 



Dime, findet «lie KUhe. ' AI* Indra den Berg aufspaltet, 

j hergehend, zuerst die \Yas«er - Nach- 

e sie 
We erste fuhrt shnell, Daohdem die Rotte der 

us den Liirrn gehört hatte. 3 Dieser Lärm 
mc i er auf i die tosenden Ströme 

brüllenden Kühe (garas) beziehen. Sofern 

muh dip YY, entdeckt, durch die 

Dunkelheit der Naebt bricht, scheint sie der Mond, sofern sie durch 

ke bricht, scheint sie der Donnerkeil zu sein. Das Ge- 

diescr Doppeldeutigkeit liegt in der Wurzel sar. Im 

d wir die Saramä, die johmäht, für die 

Diebe und Ungeheuer zu gelten; im Ray am a na ! 

A 'eil» eineB der Ungeheuer» und zwar gerade des Uru- 

mS , nimmt aber statt die Partei 

iers, die Riimas und Situs ; des geraubten Weihes, 

bähen schon mehre Mal den Mond als eine wohlthätige Kuh, 

oder als die Madonna gesehn. Sararaä | wovon 

■* gütige rakshasi, wie schon 

'*<*inerkt, nur eine ungenaue Schreibart ist ■■), die Trösterin Sitas, 

»rophetisch ihre nahende Befreiung durch diren Gatten 

erscheint mir in dem Lichte einer anderen I 

Mondes. Aus diesem Grunde preist Sitfr Saramft 

Zwillingsschwester von sich (sahodarä), gütig uud fähig 

i Himmel zu durchmessen und einzudringen in die feuchten 

der Unterwelt irasatala r /; die gütige Schwester Sttftfl 

l| ^i leuchtendes Wesen sein; sie ist die gute 

ttl wester, welche das vom blutschänderischen Vater verfolgte 

Mährehens (bei A tan. in der unter- 
It linder, wo sie getröstet und bei ihrer Macht aus 



1 Kit: udat — Ritagyn jiathü samara vidud güh; 

vir bhuval saramA pürvynih te; 

[jftfhwlj jtui v > aiii sadlnyak 
uvaui pi at \m m t] gat; 

28 






der w ewn . M&&M v Wim «v 1 - 1 ffl 

V „Uf- **" „»,1 ■ ,. M WV . M,. V- 

«TAT* ?; 

II» — H 






ider unterschieden; bald nur einer von 
reehtmässigere, unter dem Nameu Säranieya, dessen 
Identität mit dem griechischen Hermes oder llermeias schon von 
Ad, Kulm erwiesen ist. Saratnä in Verbindung mit den Panis, 
den Kauf tonten oder Dieben, und Saraniä als die göttliche Botin 
>t uns den Schlüssel zu der Sage von Mcrcur, dein Gott der 
Diebe und Kaufleute, und dem Holen «1er Götter; 

In einem vn.lisehen Hymnus finden wir mit grosser Deutlich* 

die beiden Hunde besehrieben, welche die Pforten der Hölle, 

die Wohnung des Ungeheuers oder das Reich der Todten be- 

fEfl wird dort ttir einen Abgeschiedenen gebetet: „Es 
ge ihm vergönnt sein, sicher zwischen den beiden Hunden 
durchzukommen, den Söhnen der Saramä, den vieiiiugigen, 
gefleckten, die den rechten Pfad einhalten, und zu den gütigen 
Alanen zu gelangen" (denn es giebt auch böse oder Dunridatras)? 
e Hunde heissen „die sehr stolzen Wächter, welche den Weg 
wachen t die Menschen beobachten, wette NUstern haben, lang- 
ckig, und sehr stark sind, die Boten Yamas;" sie werden an- 
fen, „dass si d den Anblick der Sonne geniessen lassen 

Efi ein glückliches Leben geben/' 1 Doch der Higveda selbst 
gl uns schon die beiden Söhne der Hlindin Sarainä als «Sie 
e abwechselnd blicken nacheinander), welche ludra 
blafen bringen muss.- Einer jedoch von den beiden 
una wird besonders angerufen und gefürchtet, der 
imejra par excellence. Der vedische Hymnus spricht von 
utö^ als dem, der zurückkehrt punahsara] und stellt ihn dar als 
], mit rötblichen Zahnen, welche scheinen gleich Speeren, 
ein sehr starken Zahnfleische" und ficht ihn an, zu schlafen 
nr den Räuber oder den Dieb anzubellen, nicht aber die 

1 Ati drava Binuney&u abaliUi Badhunä p\ 

it *uvidatran iipehi — Yuu te i;vaüuu yama raksbitäniu calurak- 
■*• pnthirakahi urieakshasau — Urünaüav aautripfi udutnbaläu yaüiasya 
i ^iiutu anu — Tav asmabhyarii dfi^aye läryaya puoar dütam 
l,r » aiiy dratn; Rigv. X, 14, 10 — L2. 

untbfidric.au; Bigv, I, ^!», 3. — Daß Petent), Wfc 
abwechselnd sichtbar.'" 
1 Yad argtl datab pi<;ungu ya&iaee viva bhrogauta rieh« 

! a srakveahu bapeato m shu svapa; Btenarfa rAya sinuney« tankaraib 
»|j*ara ttotrin Ludraiya rÄyaei kim afltnaa diicliuiittyafte ui ahn ivap*; 



leidenschaftlich verliebt in ihren Sohn; als Entgelt flir ihre Ent- 
deckung der Kühe Indras verlangt ei« 1 Nahrung rtlr iLir^ 
welche Nahrang der Commentator als die Milch der befreiten 
Kühe erklärt; die ersten Strahlen der Morgeusomie und die 
let/ten Strahlen der Abendsonne trinken die Milch der Diimmcniu. 
oder des silbergrauen Zwielichts. Im Ma hub li »rata * verdacht 
die Hündin Saramä den Konig Uanamegaya, weil seine drei 
Brüder, ala sie das Opfer vollzogen, den Hand Särameya, der 
ebenfalls dorthin gegangen war, misshaudelten und peitschten, 
obgleich er die für die Götter bestimmte Gabe weder mit seiner 
Zunge berührt noch verlangende Blicke darauf geworfen hatte 
{wie, in liegensatze dazu, der weisse Hund that, welcher beim 
Opfer des Atheners Dioraos an einem Orte bei Athen einen Theil 
des Opfers stahl, wovon jener Ort den Namen Kuvooaqyts er- 
hielt ).* Dieselbe Sage kommt mit einer leichten Modification im 
sit heuten Buche des ßamäyana* wieder vor. Roma schickt 
seinen Bruder Lakshraana, zu sehen, ob es irgendwo im lleicbe 
Streit in schlichten giebt; Lakshmana kehrt zurück und berichtet, 
Überall herrsche Frieden. Käma sendet ihn wieder; er sieht einen 
Huud, der an der Schwelle des Palastes aufrecht steht und bellt 
Her Nam dieses Hundes ist Sarameya, Kama lässt ihn in den 
Palast eintreten* Der Hund klagt, das* er ungerechter Weise 
Wl einem Brahmanen Schläge bekommen babe* Der Brahmane 
wird gcrnfen, erscheint, bekennt seine Schuld uud erwartet seine 
Strafe* Der Hund Sarameya schlägt vor, der Brahmane solle zur 
Strafe ein Weib nehmen (die gewöhnliche sprich wörtliche Satire 

l die Weiber) und Haupt einer Familie werden, au dem- 
selben Orte, wo er seihst dieses Schicksal leiden tnusste, bevor 
er die Gestalt eines Hundes annahm. Damach erinnert 
der Hund Sarameya seiner Jrülieren Daseinsgestalten und kehrt 
nach Benares, von wo er gekommen war, zurück, um Bosse 
zu thun. 

Deshalb sind der Hund und der Kerberos auch Gestalten, 
in welche der Held ties Mythus übergeht. Der indische und der 
pytbagoraische Glaube» beide lehren, dass die metempsyc 
Mittel der Sühnung \<\; der Flach der beleidigten it ist 

bald ein Kacheakt bald eine Züchtigung für einen Irrt dum, den 



p. 1*7, 24. 



Field odor einer seiner Verwandte* begangen, und der den 
Zorn der Gottheit hervorgerufen hat, ■ 

Bisweilen nimmt die Gottheit selbst die Gestalt eines Hundes 
an, um die Tugend des Helden auf die Probe zu stellen, wie im 
letzten Bache de» Mali ab h a rata, wo der Gott Yama ein Hund 
wird und dem Yudhisbtbira (dem Sohne Yamasl folgt, welcher 

mit solcher Zuneigung betrachtet, das» er, aufgefordert in den 
fagen der Götter zu steigen, sich weigert, eß in thun, wenn nieht 

treuer Hund die Erlaubnis erhält, ihn zu begleiten. 

Bisweilen jedoch ist die Gestalt eines Hundes oder einer 
lündin (da der Uebergang von Yama, dem Gott der Hölle in 
der Gestalt eines Hundes, zu dem Hund-Dämon leicht ist) eine 
wirkliehe und speciüscbe Erscheinungsform eines Dämons. Der 
Itigveda spricht von den Hund-Dämonen, die den Intim quälen 
wollen, welcher ersucht wirf, das Ungehener in Gestalt einer 
Eule, einer Fledermaus» eines Hundes, eines Wolfes, eines grossen 
<ls, eines Geiers zu tftdten;' es werden die A^vins angerufen, 
auf jeder Seite die bellenden Hunde zu vernichten; 3 die Freunde 
werden gebeten, den laugznngigen und habgierigen Hund (in der 
alten italienischen Chronik Giov. Morellis werden Geizhälse Cani 
del danaro, Geldhunde, genannt) zu vernichten, wie die Bhrigua 
las Ungeheuer Makha gehaltet haben. ' Und das Fell der rothen 
Hündin ist eine andere Ungeheuer-Gestalt, in welche ßich jeden 
b>r^ die Aurora am Morgenhimmel) in dem '23. mongo- 

lischen Mährehen das schöne Mädchen kleidet, welches in der 
iewalt des Dracbenfürsten ist; sie ist jedoch (als Mond) ein 
schönes Mädchen nur bei Nacht; gegen den Tag hin wird sie 
eine rothe Hündin (der Mond überläset der Aurora seinen Platz); 
der Jüngling, der sie geheirathet hat, will die Haut dieser Httn- 

beint es von Heeuba, der Gattin den Pnuuuia, nachdem aie 
grausen Kammer als Weib erlitten, bei Üvid, 

„Perdidit infclix hominis post omnia formam 
Externasque novo latratu terruit auras.' 1 
lueh im Breviarium Roman um wird Gott bei den Todtenolficieu ge- 
en seiner Diener nicht den wilden Thieren zu überliefern 
M tradaa best na et 

* Eta u rye patayanti ^vayätuva indram dipsanti dipsavo 'dübhyam — 
Jlukayatum ^mjulukay&rnih gaht cvayatuin nta kokaytttum suparnavätum 

idht pra inrtna rukaha indra-, Rigv, VII, K*4, SO. 22. 

1 (Jaiiibhuyatatn abhito räyatah; Rigv l, 182, 4. 

• A pH cränain cnathishtanu sakbayo dirgha^ibvyum — Apa <;viinatn 
rfidaasuui bat* makhaiii na bbriguvah-, Ki b 'v IX, 101, l 13. 



■ 



in verbrennen, doch dai Mädchen yerscbwimtel 
die Aurora ein, und sie verschwindet mil dem Monde. Wir haben 
n Mythus schon kennen gelernt. 
Im achtzehnten Hymnus des vierten Buches de 
scheint mir die dreizehnte Strophe eine interessante Einzelheit zu 
enthalten. Ein Frommer klagt folgendermassen : „In meinem Elend 
hatte ich die Eingeweide des Hundes gekocht ; ich fand unter den 
Göttern keinen Truster; ich sah mein Weib unfruchtbar; der F.ilkc 
brachte mir Honig" 1 , Hier finden wir den Hund in Verbindung 
mit einem Vogel 2 * Im llUifuDdzwaiiKigsten Miihrchen des vierten 
Buches bei Afanassion* finden wir den Specht, der seinem 
Freunde, dem Hunde, Speise und Trank bringt und ihn i 
seinem Tode räeht. Im einundvierzigsten Mährchen des vierten 
Buches wird der Hund von der alten Hexe getödtet, weil er die 
Knochen ihrer bOeen Tochter, dk von dem Kopfe einer Stute ver- 
schlungen ist, in einem Saek trägt. Im zwanzigsten Mührehcii 
des fünften Bliebe* haben \sir den Hund in der Eigenschaft eines 
Boten, dessen sieh das schöne Mlidelien bedient, welche* die 
Schlange geheirathet hat; er bringt ihrem Vater einen Brief, den 

sie gesehrieben hat, wie auch seine Antwort darauf, In der Le 

gende von St Peter dient der Hund als Bote zwischen Petrus uniKLjBd 
dem Zauberer Simon ; in der Legende vom hlgen Roeco bring* 
der Hund des Herren dem Heiligen, der verlassen und kranfe~=Ä 
unter einem Baume liegt, Hrwl. Der Name der Amme des Gytvm 
ist JöW, a weghalb Cyrus vielleicht, wie Asclepios, mit HundemücV k 
genährt worden int. Ich bemerkte schon, daes die Kr/Jihlung vo«r -o 
dem Hunde mit dem Mythus von den At/vins, oder, was dasselbe «m i 1 



m 



1 Avartyä can a äntruni pece na deveshu vivide uiHrditurain apacyaai 
gay am amahiyamaoäm adha me gyeno madhv ü gabhara; ßigv. IV, l^ 
13. Der Vogel, der Honig tfenbar eine pbalHsche Be- 

deutung, wie auch daa Innere (die Eingeweide), der Tbeil der innerh&V 
bald des Hundes, bald dee Fisches und bald des Esels ist (welche 
Symbole des Phallus Bind), von den Weibern der Feeiirnührcheu als ei 
Uclikatesse verlangt, gleichbedeutend mit dem vom Vogel gebri 
mad h u sein rutiss 

1 In der fünften Erzählung des vierton Buches des Pen tame ron: 
thut der Vogel dasselbe, was ein Hund in der dritten Erzählung des drittel 
ßuehea thut; der Vogel bringt ein Messer, der Hund bringt einen Ku 
und die gefangene Prinzessin kann mit diesem Measer uu<i K. 
Loch in das Gefängnis* machen und liefe bclreien. 

* He rod. I, 110; dieser Name i«t eine Uebersetzung des mediae!^ 
£na*tä' ir;v yay wiva naliovot 



MB 









von tlriu Pferde zusammenhängt; Pferd und Hund 
Verden als Renner betrachtet: das Pferd trägt den Helden, und 
der Hund bringt gewöhnlich den Freunden des Helden Nach- 
richten von diesem, wie es im Kigveda 1 die Hlhidin Saraniä, 
die Botin der Götter, thut. Der Held, der die Gestalt eines Pfer- 
des annimmt, warnt seinen Vater, als dieser ihn dem Teufel ver- 



kauft, dem Kiiuler nicht den Zügel zu überlassen. Im zweiund- 



I zwanzigsten Mährchen des fünften Buches bei A fanassieff ver- 
wandelt sich der junge Mann in einen Hund und lässt seinen 
7ate? ihn an einen grossen Herren verkaufen, in den sich der 
Teufel verkleidet hat, gieht ihm aber den Rath, die Halfter nicht 
aus der Hand zu geben. s Der Herr kauft den Hund für zwei- 
hundert Rubel, besteht jedoch darauf, auch die Halfter mit zu 
kommen, und nennt den Alten einen Dieb, als dieser sich wei- 
gert, sie ihm einzuhändigen, Der Alte gieht nach, und der Hund 
geräth so in die Gewalt des Teufels. Doch Mf dem Wege kommt 
def Mond, der den SonnenheidüD rettet» vorbei; der 
Herr schickt den Hund auf die Jagd nach demselben und verliert 
ihn aus den Augen; der Hund nimmt wieder die Gestalt eines 

■ Helden an und vereinigt sich mit seinem Vater, In demselben 
Mährehen verwandelt sieh der junge Mann ein zweites Mal in 
einen Vogel (wir werden in Theil IT, Kapitel X die A^vins als 
wane und Tauben sehen), und ein drittes Mal in ein Pferd. 
Im achtundzwanzigsteu Mährchen des fünften Buches werden ein 
Pferd, ein Hund und ein Apfelbaum vom todteu Stier geboren, 
welcher Iwan und Marie beschützt, die in dem Walde vor dem 
iären fliehen. Auf dem Pferde reitend und von dein Hunde be- 
tet geht Iwan auf die Jagd, Den ersten Tag Hingt er ein 
Volfjunges und bringt es nach Hause; den zweiten 
greift er einen jungen Hären; den dritten Tag geht er wieder 
jagen, vergisst aber den Hund; da entführt die sechsköpfige 
lange, in Gestalt eines schönen Jünglinge, seine Schwester, 
legt den Hund unter Schloss und Riegel und wirft den Schlüssel 
den See. Iwan kommt heim, bricht aul den Rath einer Fee 



1 Im Pentamerone I, T bringt du- verzauberte Hündin der Prin- 
zen] n Nachrichten von dem jungen Helden. 

* Im siebenten ehstnischeu Mahrehen halt der Mann mit dem schwär- 

Pferde drei Hunde fest augekettet; wenn auch nur einer dieser Hunde 

!e, bo ware es nicht möglich, die anderen feet zu halten. In 

der Edda bält Thrymer, der Fürst dei Riesen, die grauen Hunde mit 

goldenen Ketten gebunden 



einen Ztreig von dem Apfelbaum and - lamit den Ri< 

der Thür T welch« den Hund einschliesst; der Hund wird so in 
Freiheit gesetzt und Iwan litest Hund, Wolf und Bären auf die 
Sehlange los, welche von ihnen in Stück' i n wird, nnd ge- 

winnt seine Schwester wieder. Im fünfzigsten Mährehen des 
fünften Buches zerreisst der Hund eines kriegerischen Helden den 
Teufel, der zuerst in Gestalt eines Stiere«, dann in der e 
Bären erscheint, um die Hochzeit de« Helden, die stattfinden soll, 
zu verhindern. Im zweiundfünfzigsteu Mahrchen des sechsten 
Buches zerreissen die Hunde, welche Iwan Tzarevie von zwei 
Q erhalten hat, zusammen mit einem jungen Wolfe, Bären und 
LOffeil das Schlangenungeheuer in .Stücke. Die baden Hunde 
(Uhren uns auf den Mythus von den Aevins zurück. In dem drei- 
nudfttnfzigsten Mährchen des sechsten Buches haut das Ungeheuer 
dem Iwan den Kopf ab. Iwan hat zwei Sohne, welche sieh selbst 
fttr von einem Hunde abstammend halten; sie bitten ihre M> 
gehen und ihren Vater wieder auferw ecken zu dürfen. Ein alter 
Mann giebt ihnen eine Wurzel, welche, an Iwans Körper geri 
ihn wieder ins Leben zurückrufen soll; sie nehmen sie und 
wenden sie in der angegebenen Weise, Iwan wird wieder aufer- 
weckt und das Ungeheuer stirbt. Endlich erfahren wir in dein mrm 
vierundfUnfzigsten Mäbrchen des fünften Buches bei A fan as- — 
si eff, wie die Söhne des Hundes geboren werden; die Art nnd^ jI 

Weise ihrer Geburt ist analog der in dem vedischen Hymnus er -r- 

wähnten. Ein König, welcher keine Söhne hat, hat einen Fisel* *" ll 
mit goldenen Flossfcderu; er lässt ihn kochen und der KtfnigiaOD 
zu essen geben. Das Innere den Fisches der Phallus} wird ftem 
Hündin vorgeworfen, die Knochen werden von der Köchin benagt - 

Fleisch aber isst die Königin. Der Hündin, der Köchin un< 
der Königin wird zu gleicher Zeit ein Sohn geboren. Alle dre 
Söhne werden Iwan genannt und als drei Brüder betrachtet; doclC i 
der stärkste (der die schwierigste That vollbringt) ist Iwan, 
Sohn der Hündin, welcher in das Reich der Ungeheuer hinabgeh j 
(wie von den beiden Dioakureu einer in die Hölle hinabsteig 
gleich den beiden Trauerhunden, gelblich uud weiss, des Avesü 
welche den vedischen Sarameyau vollständig entspree 



• „Einen gelblichen Hund mvt vier Augen oder einen weissen n 
gtibea Ol« »didad VIII, 41 (bei Spi- Und Auquetil aebi * 

<l«»t bei ifaf Beschreibung dos ßaraschaon no «rhal [«igendt^^* 

Hand folgeademAMCfti ,,Le Mobed preud lu bdioi. aaeud», mliM^ 



361 






i werden jansaer den drei Ileldenbrttdern 
Jenpf'erde vou deu drei Stuten geboren, welche das Wn 
getrunken haben, in weichein der Fisch vor den» Kocben ge- 
waschen war; in anderen cun>päis< hen Versionen und in den 
russischen Mfthroheo selbst haben wir also zuweilen statt des 
Sohnes der Hündin den 8ohn der Stute (oder der Kuli). Die 
beiden Affini sind bald zwei Pferde, bald zwei Hunde, bald ein 
Hnnd und ein Pferd (bald ein Stier und ein Lowe.) l Iwan Tzarevid, 
den das Pferd und der Hund aus der Gefahr retten, ist identisch 
mit dem vedisdien Helden, der Sonne; den die A<;vins ans vielen 
Gefahren retten. 

In den russischen Mährchen, wie auch in den italienischen, 
setzt die Hexe an die Stelle eines, zweier oder dreier Söhne des 
Prinzen, welche Sterne auf der Stirn haben und von der Prinzessin 
in Abwesenheit ihres Gemahls geboren worden sind, eine, zwei 
oder drei Puppen» In diesen selben Mälirclien wird der verfolgten 
Prinzessin die Hand abgehauen. Im dreizehnten Mahrehen des 
dritten Buches bei A fanasaieff ■ beschuldigt die zauberische 
BfhwMgttia die Schwester ihres Gatten in dessen Gegenwart er- 
dichteter Verbrechen. Der Bruder haut ihr die Hand ftb; sie 
wandert in den Wald und kommt erst nach Verlauf mehrerer 
Jahre wieder heraus; ein junger Kaufmann verliebt sich in sic and 
lieirathet sie. Wahrend der Abwesenheit ihres Gemahls schenkt 
*ic einem Kinde das Leben, dessen Kiirper ganz von Gold ist 



dan» lea Keischs et attache la euillere de fer au neuvieme uocud. L'impur 
«ntrt» uusfli dans les Keischs. On y atnene tin ehieu ; et si e'eafc una femnie 
qO£ Ton purirle, comme ell« doit et re nue t e'est aussi une fetnme qui tient 
le chie». L'impur ayant la main droite sur ea tete et la gauche Bur le 

n, passe auccessivemeni sur lea six premieres pierres et s*y lave avec 
'urine qui lui doune le Mobcd." — I in Kfltyüy. Sü. wird ganz ernstlich 
M Frage erörtert, ob ein Hund, deu man am Vierzehnten des Monats 

&n sah, das aus religiöser Busse that. — Vgl, Muir, Sanskrit Texts 
I, 365 

1 Hund und Pferd tödten das Rehkuh Ungeheuer mit Bissen und 
Schlagen und befreien die beiden Helden brüder im Pentamerone I, 9» 

1 VgL auch das sechste des dritten Buches, — Pent a merone 111, <J 
baut sich die Schwester selbst die Hände ab, in welche sich ihr Bruder, 
tier aie beiratheo will, verliebt hat — Vgl. die Mittelalterlichen Le- 
genden yoii Santa Uli?*, mit Anmerkungen begleitet von Prof. Ales- 
t&ndro d'Ancooa, Pisa 1863, und die Figlia del Re di Dacia, erklärt 
Prof. A lese. We*selofaki, Pisa, 1&66; ausserdem noch das einund- 
igftfl der Grimmschen Mähreheu. 




und welchen die Bilder «lor Sterne, de 
bedecken, Seine Kltern schreiben an ihren 8 

rieht mitzutheilen ; doch die Scb wägerin-Hexe un1< 
den Brief (wie im Mythus von Bell' 
anderen unter, welcher, im Qi i dazu, die Gi 

geheuers, halb Hund, halb Bär, ankündigt. Der Mann Bebreibt 
zurück, man Brächte warten, bis er zurückgekehrt sei, um mil 
en den Neugeborenen zu sehen. Auch diesen Brief 

r die Hexe auf und vertauscht ihn mit eiueni and< 
welchem er befiehlt, sein junges Weib fortzuschicken. Die ji 
Frau int, ohne Hände, mit ihrem Knaben umher. Dieser fallt in 
einen Brunnen; Sie weiotj ein alter Maun With ihr, ihre Arm- 
stümpfe in den Brunnen zn werten; sie gehorcht und erlaugt ihre 
Hände, wie auch ihren Knaben wieder Sie find* uahl, 

und kaum hat sie das Kind seinen Blieken enthüllt, al- 
Zimmer mit hellem Glanz erfüllt ist (asviatil 

In einem serbischen Mahrchen l lässt der \ Mäd- 

chens, dem von der Hexe, ihrer Schwiegermutter, die Hunde ftl 
hauen worden sind, durch die Asche dreier verbrannter Haare 
von dem Sehwanze des schwarzen Hengstes und der weisses Stute 
den Mädchen goldene Hände an den Armen wachsen. Der Apfel- 
bäum mit goldenen Zweigen, den wir schon erwähnt haben , ist 
identisch mit diesem Mädchen, das aus dem Walde ((»der aus der 
Holzkiste) kommt, mit goldenen Händen. Von den Zw. 
der Uebergaug zu den goldenen Händen, zu dem scb<lnhaar> 

. der ans dem Baumstämme kommt, leicht. - 
eines Jünglings als eines Baumzweiges ist dl 
poetisch geworden, der die Herzogin von Gloster von den si( 
Söhnen Eduards sagen I 

„Edward's seven sons, whereof thyself art 

Were a» seven phials of bis sacred blo< 

Or seven fair branches springing from oue ro 

In indischen Mythen wird dem Savitar, nachdem ihn die 
Hand abgehauen ist, eine von Gold gegeben, weshalb er gici 



1 Vgl. meine kleine \ i liier i* dl Kala U 

• Hiebard 






Bezeichnung Iliranyahasta (d- h. der Onldli:indii;e) erfreut. Doch 
im J Mi. und 117. Hymnus des ersten Buches finden wir eine Doch 
interessantere Angabe. Der Zweig ist die Hand des Baumes; der 
Zweig ist der Sohn, der sich von dem mütterlichen Baumstamm 
losmacht; der goldene Sohn ist identisch mit dem goldenen Zweige, 
der goldenen Hand des Baumes. Die Mutter, die eine goldene 
Hund erbtttj ist identisch mit der Mutter» welche Hiranyahasta, 
Gold band j zum Sohn hat. Der vedische Hymnus sagt, dass die 
A< vins iioldhand als Sohn der Vadhrirnati gaben. 1 Das Wmt 
vadhrirnati ist doppelsinnig. Das Petersburger Wörterbuch 
erklärt nur: „einen unvermögenden Gatten habend", doch der 
eigentliche Sinn des Wortes ist: „die, die etwas Abgeschnit- 
tenes hat\ d h. die den verstümmelten Arm hat, wie im Feen- 
ni;i1irchcn r aus welchem Grunde ihr eine goldene Hand gegeben 
wird AI* das Weib eines Eunuchen erhalt also die ved< 
Frau von den Af vins einen Sohn mit einer goldenen Hand ; da 
»ie einen unvollkommenen Arm hat, so empfängt sie nur eine 
iene Hand, wie im 116. Hymnus des ersten Buches dieselben 
ins der Vicjialä das abgerissene Bein durch ein ehernes er- 
Her iUgveda enthält also schon den Keim des höchst 
Yolksthllmliehen Themas von dem Mann reap, von der Frau ohne 
Hand, ganz so wie wir in ihm schon den Embryo Bfl den Sagen von 
dem lahmen Mann, dem blinden Mann, resp. Frau, von der häss- 
licbea und verkleideten Frau gefunden haben. 

Doch kehren wir aum Hunde zurück. Neben seiner Behen- 
digkeit im Laufen :i spielt auch seine Starke im Mythus eine her 

1 Crutaih tae chäaiir iva vadbrimat yä hiranyahastaiu aevinav adaüam; 
-Rigv. I, llt>, 13. — Hiranyahastum ac.vina raranä putr&m narfc vadhrimatyä 
udattam ; I, 117, 24. — Der Hund in Verbindung mit einer MeuscJienhund 
'wird erwähnt bei Sueton. Vesp, 5; dieser Kaiser betrachtete es als ein 
ipites Omen, dass einst ein Hund die Hand eines Mannes in den Speise- 
saal brachte. 

1 Sadyo ^anghäm äyasim viqmluyai dhane hite sartave praty adhat- 
tam; 

* Vielleicht aus diesem Grunde geben die Ungarn ihren Hunden die 
Kamen von Flüssen, als tüchtigen Rennern; doch führt man als Grund 
davon auch den Aberglauben an , dass ein Hund , der den Namen eines 
Flusses oder eines Wassere überhaupt trügt, nie toll wird, besonders weun 
es ein weisser Hund rat ; die Ungarn betrachten nämlich den rotbea und 
den aehwarzen oder gefleckten Hund als Teafelsgestalten - Im Toftcairi- 
aehen muss ein einem Chü-1 nmeuHchen ausgerissener Zahn sorgfältig 

T werden, damit ihn die Hunde nicht finden und fressen; hier sind 
Hund und Teufel einander gleich gemacht. 







vorragende Rolle. Der Krrberos acigt eine fl 
Starke heim Zcrrcissen seiner Feinde. In den n 
eben i*f der Hund die Starke des Helden und ist mit dem V 
dem Haren und dem Löwen vergi iftet In Volksmäbrc 

finden sieb bald furchtbare Löwen und bald schreckliche Hunde 
al» Wächter an den Thoren der Wohnung des Ungeheuers. Her 
Mönch von £t, Gallen sagt bei Du Gange, dass die ,,cai 
manici" go behend und wild sind, dass sie allein genügen, 1 i 
nnd Löwen zu jagen; dieselbe Fabel wird bei Du Gange wi 
von den Hunden Albaniens erzählt, welche so gross und wild 
„ut tauros premant et leones peritnant" Der ungeheure KeH 
band, der auf der linken Seite des Einganges rfl 
gemalt war, nahe am Zimmer des ThUrliüters; der Sprach e 
canem; die Bussttbungen, die in Griechenland und Rom ai 
wurden, zur Zeit der Canicnla oder des funis Sirius um die 
Uebcl zu beschwören, die er mit der Sonnenhitze bringt, in Ver- 
bindung mit dem sol leo und dem entsprechenden Fest de« 
Hundetödtcns (toQtij xtoKxpfong), ferner die bellenden Fluudc. 
an den Düften der Scylla erscheinen, * — alle sind Remmiscenzen 
des mythischen Höllenhundes. Der Hund als Ilaustbier wnrde 
mit dem wilden Thier zusammengeworfen, welches gewöhnlich 
das Ungeheuer darstellte. Der Hund ist im Zwielicht kaum rom 
Wolf n unterscheiden. Bei Du Cange lesen wir, das* es im 
Mittelalter Brauch war, bald beim Hunde, bald beim Wolfe zu 
schwören 3 In der Gegend um Arezzo, im Toacanischen, her. 



1 Daher die Namen „Cauaria Hospilia" und „ Porta Catularia l \ wo 
II und geopfert wurde, um die Furie der U&mcula zu beschwichtigen; da- 
her auch der Vera Ovids: 

„Pro cane sidereo canis hie imrponitur arat'*- 

Mjylla wäscht ihre Hüften in einer Quellt, deren Wasser die Zaub<- 
behext hat, worauf sich Handeungeheuer an ihrem Leibe cioiUdleo ; 
daher sagt Ovidr 

,,Seylla vonit mediaque tenus descenderat alvo, 
Cum sua feedari latrantibus iuguina moostrift 
Aßpicit, ac primo nun credena corpon» illaa 
£»80 hlu partes refugitque abütqifl timetque 
Ora proterva canu 

• Ha. ipival ab Joinville na forderm 

Inter Imp 

quam sie euai ill autre chose. Car tla fii> 



36f> 



der Glaube, das«, wenn eine Woltiu wirft, «ich unter ihren Jungen 
immer ein Hand befindet, der, am Leben gelassen, alle Wolfe 
tten würde, Doeli die Wölfin weiss das, und kaum hat sie 
den Uund bemerkt, als sie ihn ertrankt, wenn sie die Wolle zur 
Tranke führt. In eiuer Fabel des Absteniius frisst ein Schäfer- 
hund jeden Tag eines von den Schalen, statt über die Herde zu 
Der Schäfer tiUltet ihn, indem er sagt, dass er den Wolf, 
einen erklärten Feind, dem Hunde, einem falschen Freunde vor- 
Diese Unsicherheit, diese Confusion von Hnnd und Wolf 
erklärt die Doppelnatur des Hundes; zum Beweis für diese will 
ich hier zwei noch nicht veriitteutlichte italienische Mährcheu mit- 
theilen; das erste, das ich aus dein Munde einer Bauerfrau aus 
Fncecchio habe, zeigt die Hündin als Spion des Ungeheuers; das 
/.weite wurde vor ein paar Jahren von einem piemontesischen 
Banditen einer Bauerfrau erzählt, welche ihm Gastfreundschaft 
erwiesen hatte, in Capellanuova bei Cavour im Piemontesischen. 
Die erste Geschichte heisst: Der König der Mörder, und 
lautet folgendennassen : 

Es war einmal eine Wittwe mit drei Töchtern, die arbeiteten 
als Näherinneu Sie sitzen auf einer Terrasse, — dn kommt ein 
schuuer Herr vorbei und hciratiiet die älteste, er nimmt sie zu 
sich auf sein Seh loss mitten im Walde, nach dem er ihr gesagt, 
dass er das Haupt der Raubmörder sei. Er giebt ihr eine kleine, 
jnnge Hündin und sagt: „Das soll Deine Gespielin sein; wenn 
Du sie gut behandelst, so ist es, als ob Du mich gut behandelt 
Kr zeigt ihr im Sehloas alle Zimmer und giebt ihr alle ScbittSBelj 
jedoch in zwei Zimmer, die er ihr bezeichnet, darf sie nicht ein- 
treten; thnt sie es, so wird es ihr srhlcchi ersehn. Der Räuber- 
hauptmann bleibt einen Tag zu Hanse; dann bleibt er drei Tage 
aus. Wahrend seiner Abwesenheit m i sahn n del t sie das Hündchen 
und giebt ihm fast gar nichts zu essen ; auch wird sie von der 
Neugierde Überwältigt und geht sehen, was in den beiden Zim- 
mern ist, indem ihr das Hündchen folgt. Da sieht sie in dem 
mim Zimmer Kopfe von Erschlagenen, in dem anderen Zungen» 
Obren und dergleichen aufgehängt. Dieser Anblick erfüllt sie mit 
Entsetzen. !><t Iianditenhanptmann kehrt heim und fragt die 
Hündin, ob sie gut behandelt worden sei; sie giebt Zeichen, dass 



uo chien entre noa gena et eui, et d^eoupereut tout le chieo k leura ea 
ples, diaums que ninsy fusaenMla d<*coupez s'ils failloient Fun a l'autns." — 
Du Cauge deu Ausdruck „cerebrare canem," 






das Gegentheil der Fall war, und berichtet ihrem Herrn, 
sein Weib in den verbotenen Zimmern war. Er haut ihr den koj 
ab und bolt sieh die zweite Schwester, die er SB BWÜ lockt durcli 
die Einladung, sein Weib zu besuchen. Xie erleidet dassell 
Geschick. Darauf holt er die dritte Schwester und sagt ihr, we 
er ist; sie antwortet: „Es ist besser so; nun werde ich mich nicht 
mehr vor Dieben fürchten." Sie giebt dem Hündchen gut zo 

tt, Hebkost es und macht sich bei ihm beliebt; der Mörder- 
konig ist zufrieden und die Hündin führt ein glückliches Leben. 
Nach einem Monat geht sie, während er aus igt und das Hündchen 
im Gttrten umherläuft, in die beiden Zimmer, findet ihre Sehwt- 
und gelit in die andern Zimmer, wo Salben sind, mit denen sich abge- 
schnittene Glieder wieder befestigen lassen und solche, durch w 
mau dicTodten wieder zum Leben bringen kann, Sic erweck' 
ihre Schwestern vom Tode, versteckt sie in zwei grossen 
die mit Luftlöchern versehen sind, und bittet ihren Mann T di 
beo ihrer Mutter zum Geschenk zu bringen, indem sie ihn warnt, 
nicht in die Kessel hineinzuschauen; thue er es doeh, so würde 

m seilen. Er nimmt die Kessel, und als er versucht, hinein- 

neu, hört er, wie er gewarnt ist, nicht eine Stimme, sondern 
zwei, die von innen flüstern: „Mein Liebehen, ich seh' b 
ehrocken übergiebt er schleunigst der Mutter die beiden K 
Mittlerweile hat sein Weib die Hündin in siedendem Qel getödtat; 

bringt idle todteu Männer und Weiber zum Leben, uni 
denen auch Carlino, Sohn eines Königs von Frankreich sich be- 
findet, der sie heirathet — Der Mörderkönig bemerkt bei seiner 
Heimkehr den Yerrath und gelobt Rache; ergebt nach Paris, 
dort eine goldene Säule anfertigen, in welcher ein Mann verboi 
sein kann, ohne dasB die geringste Oeftnung sichtbar ist, und be- 
sticht ein altes Weil) aus dem Palast, auf das Kopfkissen de 
Prinzen ein Blatt Papier zu legen, das ihn and alle Beine Diene 
in tiefsten Schlaf versenken soll, sobald er darauf liegt Stell 
selbst BcUieest er in die Siiule ein und läBSt sie vor den Pfl 
bringen; die Königin wünscht, sie zu besitzen, und besteht daran T, 

ii Füssen ihres Bettes zu haben. Die Nacht kommt heran; 
der Prinz legt seinen Kopf auf das Blatt, und er wie seine Dil 
fallen sofort in tiefen Schlaf. Der Mürder springt aus der Sftuk 
droht, der Prinzessin den Tod zu geben, und geht in die Ktl 

n Kupferkessel mit Oel zu füllen, um sir darn den. 

Unterdess ruft sie ihren Gatten, ihr zu helfen, doeh vei 
sie zieht die Glocke, doch Niemand hört; dor tönig der M 



3(37 



zurück und zieht sie aus dem Bette; sie packt den Kopf 

iPriuzcn und zieht ihn so von dem Papier fort; der Prinz 
und Beine Diener erwachen , und der Zauberer wird lebendig 
verbrannt 
- zweite Mährchen beisst: Der Zauberer mit den sie- 
lt e n K <> p fen, und wurde mir von der ßauerlrau folgeudermassen 
ihlt: 
Ein alter Mann und eine alte Frau hatten zwei Kinder, 
Giacomo und Carolina, Giacoino hütet drei Schafe- Ein Jäger 
kommt vorbei und verlangt dieselben ; Giacomo giebt sie bin und 
erhält dafür drei Hunde, Drossel-Eisen, Schnell-wie-der-Wiud und 
I*in-Uberall; ausserdem noch eine Pfeife. Der Vater weigert sich, 
Giacomo wieder in sein Haus aufzunehmen; dieser zieht mit sei- 
nen drei Hunden "fort; der erste bringt Brod, der zweite Fleisch- 
u, der dritte Wein. Kr kommt zu dem Palast eines Zauberers 
uud wird gut aufgenommen. Als er seine Schwester bringt, ver- 
liebt sich der Zauberer in dieselbe und will sie heiratheu; doch 
zsAi diesem Ende muss der Bruder durch Entfernung seiner Hunde 
geschwächt worden. Seine bchwester stellt sich krank und ver- 
Xaugt von ihrem Bruder Mehl; der Müller verlaugt einen Hund 
*ür cUi Mehl, und Giacomo giebt ihn aus Liebe zu seiner 
^-hIi wester hin; in ähnlicher Weise werden ihm die beiden andern 
Hunde abgeschmeichelt Der Zauberer will nun Giacomo erdros- 
^seln, doch dieser blast in seine Pfeife uud die Hunde erseheinen, 
i^im den Zauberer und die Schwester zu todten. Iiiacomo geht 
ftsff den drei Hunden weiter und kommt in eine Stadt, in welcher 
^Crosse Trauer herrscht, weil die Tochter des Königs von dem 
«aiebenköpfigen Zauberer verschlungen werden soll. Giacomo 
* odtet vermittelst der drei Hunde das Ungeheuer j die dankbare 
i_*riüzessin legt den Saum ihres Kleides um Drossel- Eisens Hals 
■ tod verspricht, Giacomo in heiratheu. Der Letztere, der in Trauer 
*- nu seine Schwester ist, bittet sich ein Jahr und einen Tag Warte- 
^fceit aus; doch bevor er fortgeht, schneidet er dem Zauberer die 
^^ieben Zungen aus und nimmt sie mit sich. Das Mädchen kehrt 
i 11 den Palast zurück. Der Essenkehrer zwingt sie, ihn als den 
* ietreier anzuerkennen; der König, ihr Vater, willigt darein, dass 
^r sie nCiratbel , jedoch die Prinzessin bedingt sich ein Jahr und 
«^inen Tag Wartezeit aus. Nach Ablauf dieses Termins kehrt 
« li&COmo heim und hört, dass die Prinzessin sich verbeirathen soll. 
Rc schickt Drossel-Eisen, den Essenkehrer (den schwanen Mann, 
nen, den Türken, den Zigeuner, das Ungeheuer) mit 



kern Schwänze zu schlagen, damit sein Halsband bemerkt 
Verde; dann stellt er sich selbst als den wirklichen Befreier der 
Prinzessin dar und verlangt, dase die Kopfe des Zauberers ge- 
bracht werden; da die Zungen fehlen, wird die List entdeckt. 
Das junge Paar wird vernnihit, der Kamiufcger über verbrannt. 
In der Umgehend von Florenz glaubt man, dass der Wolf 
wie auch der Iluud, wenn man von ihnen träumt, ein Vorzeicbeu 
vou Krankheit oder Tod Bind (wie bei Terenz I, besondere wenn 
man den Hund im Traume hinter Einem herlauten sieht oder sich 
von ihm verfolgt glaubt. Bei Horaz (Ad Oalathcam M bedeutet 
e* Uoglflck, wenn mau eine trächtige Hündin trifft: 

Juipios parrae reeiaentis omen 
Ducat et praegnana canU.'' 

In Sicilien wird St. Veit gebeten, die Hunde an der Kette 
zu halten: 

„Santa Vitu, Santa Vitu, 
lo tri voli vi lu dien s 
Va\ ehiatnativi a lu caoi 
Ca mi voll inuazic&ri. 4 ' 

lind wenn mau deu Hund anbindet, sagt man : 

..Suutu Vitu, 

lieddu i i pul i tu, 

Aüglti dl rira 

E di ferru filatu; 

Pi lu riuouiu di Maria 

Ligu st u fiini 

Ch* aju avanti a mia." 

Und wenn man den Huud loslüsst, wagt man dal 

„Ferraati, cani 

Ca t' aju tigatu."* 

In Italien und Russland bedeutet es Unglück uud Tod, wenn* 
der Hund wie ein Wolf heult, d. h. den Wolf spielt. Es wird* * ' 
auch erzählt, * d&Sfl nach dem Blindniss zwischen Cäaar, Lepidnfl 

uud Antonius Hunde wie Wolle heulten. 



• farm. Ill, 27, 1. 2. 

1 Bibliol eca della Tradizioni Fopolari Sicilian* 

II, canto 811. 
1 Bei Richardus Dinothus (nach Aldrovan <) 






in man ii n von einem Hunde wird, wild 

id in Wein mit 
&r weht; dieser W.in wird dem 

Mam worden ii rinken gegeben. 1 Bei M 

ich andrerseits, Wunde dctreh den Bias eine» 

i Hundes geheilt wird, wenn man sie mit Wolfshaut bedeckt 

l»er Hund i ttel döff ZUehtigOllg. Unsere italienischen 

rten: „inenare il cane per laia" (den Hund um die 

nid : t ,diire il cane a nienarc" den Hund zum 

inführ« t sind wahrscheinlich eine Reniiniseeuz an die 

<ie des Hnndetragenfl im mittelalterlichen Deutsch- 

welche einem vornehm ireeber auferlegt wurde und 

zuweilen seiner Hioriehtang voraus- Die Strafe der Zer- 

durch Bunde, welche mehr als* einmal auf den Befehl 

von Tyrannen in Amdührnn^ gebracht wurden ist, bat ihr Proto- 

fyp in drin bekannten Mythus von Rerberas und den rächenden 

Hunden der Holle, So wird Peirithooe, der Persephone dem 

höllischen König der Molosser zu entführen versucht, von dem 

rikerbero« in Stücke »errissen. Euripides wurde nach 



I H rifle mein- :<e. 

Qu Ad ruft. Di p V i v. I] 
4 Du Can m ferre. IV r .Schimpf, der mit dieser H 

i war, bat vielleicht "ine phalliscbe Bedeutung; der Hund und 
hallus erscheinen In Verbindung mit einander in einer noch nicht 

• San Stefano di Calcium;* 
t wird, and welche versichert, dass da» Weib nicht au» 

lern aus einem Hunde entstanden ist. Adam war 

r Band trug eine seiner Kippen davon; Adam rann hinter 

r, um sie wiederzubekommen, brachte jedoch Nichts zurück 

ids des Hunde ff, der ihm in der Hand blieb. — Der Schwan« des 

Pferde« oder Ferkels, der den Bauern in der. Hand bleibt in andern 

i Sagen, kann fiel leicht ausserdem dass er als der sichtbarste 

ne oder gefallene Thier wieder- 
noch eine Bedeutung haben, welche der des Schwanzes von 
LtUms Hund analog ist — Ich hotle, der Leser wird mir diese häufigen 
»ie langen auf indeeente Bilder verzeihen; doch ich bin genöthigt, au! 
Epoche zurückzugehen, in welcher der Idealismus noch in dr-r Wiege 
während das physische Lehen noch in der ganzen Fülle Miner Kraft 

ler vorzüglich von Dingen von mehr 

nen tieferen und bleibenderen Eindruck machten. 

use mit der Erzeugung des vediachen 

wnrr II las Männliche und das Weibliche 

und hochpoetische Mythus von 

igleichungcn verdankt 

24 






der Volkssage im Walde von den i\ Bunden 

laoe serfleisobt Von Domitian wird erzählt, dass er 
deuter, der ihm bei einer freie, 

voraus^ \U\ fragte, ob er denn seine eigene 

kenne; jener antwortete, ei werde von Händen verschlungen wer- 
den (Tod durch llnnde wird auch in einer Erzählung: des l 
tameronc prophezeit»; Domitian befahl, um das Orakel ; 
zu machen, ihn zu tttdien und zu verbrennen; doch der V 
blies die Flammen aus, die Bunde kamen herbei and verscblai 
den Leichnam, BoIeslfcUS II, König von Polen, wird in der Lc 
gende vom hlgen Stanislaus von seinen eigenen Bonden asf 
einer Wanderung im Walde zerrissen, w den II< 

tödten befohlen hatte. Das vedische 

hund Sirius des Soanenhimmels, und der Hund Kerberot der 
nächtlichen Holle Bpeien Flammen; sie züchtigen die Welt mit 
verderblichen Flammen; und die heidn alle 

Listen, Beten and Beschwören, um sieh vor ihn 
Einflüssen zu bewahren, boch dieser Hund ist unsterblich, 

[mehr er zeugt Nachkommen und erfüll! die Menschen 
Neuem mit Schrecken in einer mehr unmittelbaren und irdischen 

-•■alt in der christlichen Welt Es wird eraihl 
Gebort des lügen Dominicas, dee berüchtigten Erfinders der 
Torturen der hlgen Inquisition meines wahrhaft satanischen 
eilen, seine Mutter während ihrer Schwangerschaft trütimic 

einen Hund, der einen die Welt in Flammen W 
Feuerbrand tmg. St Dominicas machte den Traum seiner Mutter 
zur Wahrheit : er wurde dieser brandstiftende Hund, und ist a 
uui allen Bildern von ihm dieser Hund mit dem Feuerbrand 
ihm. Christus ist der erweiterte, gereinigte und idealisirte 
meihenfi; Bt Dominicas, d* bleobterte, verkleinerte 

fanatisirte Ungeheuer Vulkan im christlichen Olymp, Der Hand. 

im i en Alterthum den unterirdischen (ö 

wurde in der christlichen Mythologie der Schützling d 
mens, lies Brandstifters, und des St. Rocco, des H 
die Pestkranken beschützt, I>i< Vul- 

kans (Voloanalia) fielen in den Monat Ai. 
katholische Kirche feiert im selben Monat die beiden Heiligen 
Hunde des Feuers und der Dominicas und 



KAPITEL VII 

Dil- K:it/<\ das Wiesel, die Mau*, der Maulwurf, die Schnecke, das 
Ichneumon, to Skorpion, die Ameise, (He Grille und die Heuschrecke. 

Ich ier tinter einer Rubrik mehre Thiere des My- 

ebe zwar in Wirklichkeit sehr verschiedener Natur sind, 
loch in der Mythologie zu einer Klasse gehören. 

Es sind stehlende und ji rhiere, und sie werden des- 

halb sehr passend in die Donkelheit der Nacht verlegt (nakta- 
im Sanskrit ein Beiwort sowohl der Katze wie des 
in den nächtlichen Wald, in Verbindung bald mit der 
Jägerin Di i dot guten Foe Mund, bald mit der bässlichen 

; bald erscheinen sie als die Beschützer und Helfer, bald 
als die Verfolg Heiden, 

Es dürfte luYt die Etymologie einiger indischer Worter bei- 
ibriji in, welche auch Mir deu Loner von Interesse sein 

rfard M a rgi ra, die Katze, bedeutet eigentlich: die sieh putzende 
iehen wir auf den Mythus zurück, so wissen wir schon, dass eine 
lev Bftoptfoi o der Bexe ist, dasa ihre Stieftochter ihr das 

laar kämmt oder auch das Getreide reinigt wahrend der Nacht, 
gute Fee* die Madonna, während sie sich ebeni 
Haar kämmen läset, Edelsteine umherstreut, spinnt und »las 
uigt fllr das mite Mädchen. Die Hexe der Nacht 
Evrin^ lädehen Anrora, den glänf enden Weisen des Abends 

ler seh\. preii der Nacht zu sondern; der Mond niit 

m SUberglauze verscheucht die Schatten der Nacht, Der 
der Nacht, die weisse Katze ist der 
Aranyamargäre ►der Waldkatze ist der Name der wilden 
Catze, mit welcher auch der Luchs identificirt wird. Als weisse 
Latze, als der Mond, beschützt sie unschuldige Wesen; als eine 
inte Katze, als die schwarze Nacht, verfolgt sie dieselben 
ein schlauer Jäger; überdies ist das Wort mar^ ; 
icht mit märgära, eigentlich bedein 

ler der Spur, dem märga, folgt, oder auch: 
mri^a (als m, absein; der Weg ist der 

des Landes, wie der Rand der weisse oder 
Der Jäger kann der sein, der auf 
24» 



372 

dein Rande oder auf Her Spur prellt, oder auch: der, der jagt and 
den mriga oder das Waldthier tndtet. Der Mond -rerin 

Diana) heisst im Sanskrit auch mrigarä^a oder Kftnig der 
Waldthiere, un<l so wie König« pHegen, beschuzt er zuweilen 
seine Unterthanen . bisweilen verzehrt er sie. Die Mond - Katze 
verzehrt die grauen Mäuse der Nacht. 

Na kvil a ist der Name, den im Sanskrit das Ichneumon, der 
Feind der Mäuse, Skorpionen und Schlangen führt Das Wort 
m lieint von der Wurzel nae, uak — necare abzuleiten zu sein, 
so das« nakula der Yeniirhtor ulei nächtlichen Mäuse) zu 
seiu scheint. 

Die Maus, mush, mos ha, mfishaka, ist der Dieb, der m 
b'äuber; daher auch der Name Ratte fa rapiendn). 

Die indischen Namen der Ameise sind v a iura nud vamri > 
(neben ßipüaka)« Vamri hangt zusammen mit vapa, vapr.r , » 
vapri, Anieisenlocli, und mit dem durch Metathesis entstandenen mtm^cu 
valraika (d. h. Ameisen gehörig), was dasselbe bedeutet. Doe^a 
lateinische formica vereinigt die beiden Formen vamri undt^ ,d 
valmika. Die Wurzeln Bind vap, in der Bedeutung von hiu— ä> 
streuen, hinwerfen, und vam, an oder ausbrechen, wie das-= -äs 

die Ameisen tlmn, wenn sie die kleinen Erdhligel errichten. 

Im M n ha b harai a heisst. aurh das Srblangenloch valmika -»^ 
hieraus lässt »ich die Fabel io dem dritten Buche des PaüücsL*a- 
tantra erklären, in welcher wir eine Schlange haben, die gegem* =sn 
Ameisen kämpft. Sie todtet viele von ihnen, doch ihre Zahl ia^^tst 
so unermeaslich, dass sie zuletzt unterliegen muss. So kämpft auc^^^b 
in dem mythischen Himmel der Veden Indra in Gestalteines vamr - :»a 
oder einer Ameise siegreich gegen das alte Ungeheuer, das de^^su 
Himmel bestürmt. ■ Ja, noch mehr, im Paricatant ra stechen un^c^nd 
beissen die Ameisen die Schlange und tödten sie; so giebt Indt^ -nt 
(der, wie wir schon sagten, in der Wolke oder der Nacht eine Ameis* ^Sse 
ist) den Ameisen die habsüchtige Schlange, denSobn des Agru, d-Äi-iic 
er aus ihrem Versteck zieht. 8 Schliesslich bietet uns der RigvedÄT^l l 
noch eine andere sonderbare Einzelheit. Die beiden Ac, vir -Ä" fa* 
kommen dem Vamra (oder Indra in seiner Ameisengestalt, d. - ^ 



1 Vriddhasya &i raidhato dyfcm inakHhatah stav&no vatnro vi gaghiL^-^ 
Ļm<lihal^i Rigv. I, 61, 9 

1 Vamribhih putram agruvo adanath nivecAnäd dbariva a gabhartl £ 
Rigv IV, 11», 9, — Eine Variation ist der Igel, der die Viper top 
lasten der Höhle zwingt (Kap. V). 









er A i! i i LIilfe, während er trinkt (ramram vipipänam) 

■ iiir kleine Erdhttgel auf, indem sie in den Boi 

[>ie Wurzel \ a p, wel liai 

*üe Bedeutung: schneiden, und vielleicht: ein Loch machen. 

>as < hat das Concave zur Voraussetzung, und ram ist 

rwaodl (wie eom&ue mit r /»o Sl svapna und 

sopor. India, als Ameise, ist der Verwumier, der Keissei der 

Er lässt ihrer Höhle kommen, oder speit sie 

an« (eruetat); die beiden etymologischen Begriffe finden sieh im 
Myt 1er. Die Wallen, mit denen indra die Sehlfl 

•let , siu<l unzweifelhaft bald die Sonnenstrahlen , bald die 

Donnerkeile. India in der Wolke trinkt den Soma, Die A« 
trinkt, and während sie trinkt, kommen ihr die Afvins in Hufe; 
dem Zweifel ist die kmeiae, wenn sie trinkt, in Gefahr zu 

ertrinken Und das litlirf uns auf die Geechlohte von den dank- 
I hiereu, in welcher der junge Held eine Ameise findet, «lie 
nahe am Ertrinken 

Im viennidzwanzig&ten der von nur reröflentKehten tt 

n Feenmärchen sieht der Sohn des Schäfers, als er auf 

< guteu Rath den er erhalten, Jedem, den er trifft, Gute 

(liuu beschliesst , auf dem Wege einen Ameisenliilirel , der nahe 

arau ist, vom W >rt /u werden; bj maehl also einen 

Wall darum und W die \meiseu, 1 diese ihrerseits zahlen 

Jd zurück, l^v König des Landes verlaugt von dem 

en Mann dafür, dass er seine Tochter zur Ehe erhalt, d 

tte verschiedenen Arten Getreide auf einem Kornboden von 

sondere; da marsch irt Kaptain Pormioola mit seiner 

Arm« i und besorgt das Geschäft, In andern Version»- n 

Mährrhens haben wir statt der Eindämmung das Blatt, 

das der Beld nntei die Ameise li aus dem Wa 

in der Fussspnr eines Pferdes hcraussehwiinmcn kann , was uns 

Lol' ichtniss ruft, auf welchem die indische 

Gottheit im liwimml. Dieses Wasser, in welchem die 

ertrinkt, ward später in die sprichwörtliche Imeiscn- 



welulip ein [IIa 

P KuMtpttl «HCl Kuh stabj 
ikiki iie Jutlm Hi nhn€ Khnei 

Variation dicaur lelbeo Ameisen — 

utrij miri üIm *o wü li 



rerändert, welche bald da/n dienl 
mld, auf Indra, die mytbinc 
und Regen- Feuchtig keil darstellt In dem 
siciliaaisohen Mfthrcben l>ei Fraa Gouzenbach erhält der K> 

l>pe, der deü hungrigen Ameisen Brodkrutm 
vod den» K«»wg derselbcu ein Auieisenei zum Geschenk, damit er 

desselben in der Koth bediene Als er leise wt 

will, um in den Pal umtdrim 

Ameiscnei auf die Eide lallen zu lassen und dab€ 
„Ich bin ein Chrisi and wert - dann fii 

sieb geht. In demselben Mähre lieu verschaff 

ife, um die Sehlange durch deren Geruch anzuziehen ant 
ans ihrem Schlupfwinkel liervorzuloekeu. Hier k< 

cheinlich wieder traf da« ie Thema von (o 

eher die Sehlange herauslockt, um sie den Ameisen 
In der achten Erzählung des vierten Buche« one 

zeigt die Ameise dem Mädchen Cianna, welche« die Mattel 
Zeit suchen geht, den dritten Theil des W 
ihres Hauses werde Cianna eine Schlange, die 
Schwanz beisst, finden (da« bekannte Symbol des «vklis 
Vages oder Jahres und der Zeit im Alterthun llc dam 

Mutter der Zeit fragen, auf welche Weise die Ameisen hm 
Jahre leben können. Die Mutter der Zeit antWOJ die 

Ameisen würden dann hundert Jahre leben, wem, 
lassen können, insofern als „quanno la formica vo morire, motte 
l'ascelle" (d. h. die Flügel). Die A i guten Rat 

dankbar, zeigt Cianna und ihren Hrüdern die Stelle unter 
Erde, wo die Diebe ihren Schatz niedergelegt babei 
erinnern auch an «lie Erzählung von den Ameisen, welche Ger 
fcbroer iu den Mund des ktf u Kindes Midas legen t um 

n künftigen fteichthum anzu: Bei Herodcrl i III s aod 

bei Tzet/j.-s finde ich die sonderbare Bemerkung, dl 

' Fa conto e« no II* maneavu lo litt*» de I* Pen Mm 

1 Bib 1 in u IatorikonXlI, 404. — In der Ep ist. Pretb. Job * u du 

h uotrira y 
u« catuioruro, h&bcntca VII , 

raatur &ub terra t?l 
— ijuucrunl v\ 

Quin 

arum, 4 * 



isen giebt, d rind, and wt 

in ihrei ; die Weizenkomei 

inld. Der Morgen- nnd der Abendbimmel werden 
goldenen Kornböden verglichen; die Ameisen sondern 
r&hrend «Irr Nacht, indem sir es vmi Wetten naefa 
i allein Unreinen säubern, oder den Him 
mel ii nSehtlii batten reinigen. Die Arbeit, welche 

von der Hexe dem Mädobeu Abend-Aurora ani 
wird, wird in einer Naehl von dm schwarzen Vtneisen Ars 
hlhirumel macht, Bi>wcüeu triff! das Mildchen QEOf 

die gate Irr (deu Mond), welche ihr zu Hufe kommt; 
i, welchem die Ameisen beistehen, begegnet der Mond 
Madonna. Doch der Mond betest aueli der Springer oder HUpler, 
btliche ; 'lie Finsternis, die Wolke und dir 

dunkelfarbige Erde (bei Mondfinsternisaen) sind zw gleicher Zeit 
! nüd schwarze Imeisen, welche über den Mond i 

dem Monde gebn; und deshalb liei-sl es in der Isabel, dass 
mi Wettlauf die Eidechse besiegte Die Eide* 
$ar, ab ha, wird uns als eiu unvorsichtiges Thier in 

n des ersten und virilen Buchs des Pa n e fl l a n I r a 
enteilt. Die grüne Heuschrecke oder Eidechse springt; der 
Mond springt. leb bemerkte schon in dem Kapitel 
den Esel, wie die Worte bari und harit sowohl grttu als 
»ö, und aueli gelb bedeuten; im /weiten Gesänge des sechsten 
Huchcs des R üuiüva n a liuisst es von dem Affen (Jarabba, er 
ohne den ISerg Candra oder das Mondgebirge; ^'arabha 
also als der Mond.) Eidechse und Heuschrecke springen 
(vgl. Kapitel VIII); daher ist die Ameise nicht nur mit der 
\ sondern auch mit der Heuschrecke in Verbindung: die 
Bezeichnung c, ;i r a b b a bedeutet sowohl Heuschrecke 
im Sanskrit am akari genannt) als Eidechse In einem 

Uontferratensiseben Volkslieder, die von Herrn Ferraro ge- 
rl , babeu wir die Hochzeit der Heuschrecke und der 
die Elster, die Matu Ortolan, <lie Krähe und der 

(ink bringen zur Hochzeit ein wenig gehacktes Stroh, ein 
k:ise und Wein. In den von Giuseppe Tigri ver- 
Volksliedern linde ich das Wort grille 
itung von Liebhaber gebranebt. Im {ta- 
tet grillo auch Laune, Capi Bonden ver 
\l *m! i cn gri I lo nennt man 



einen närrischen ArzU ■ Ferner mus* die Heuschrecke 
par e x c. e 1 1 c D o e sein. In Italien pflegen wir am Schluss i 
RJUhsels, das wir aufgeben, noch hinzuzufügen: „indovinala, 
grilln dieser Ausdruck ^elit vielleicht am 

abaren Narren de» Volk ems zurück, der 

iuimer weine zeigt Die in der Wolke und dem Dunkel der 
i Bingeaohhweoe Bonne ist gewöhnlich der Dumme, doch sie 
Ist zugleich auch der Narr, der im Reiche der Todteu Alle« sieht, 
hört and lernt; und auch der Nbrnd, als Heuschrecke oder 

echse personificirt, ist ebenfalls der >eheinbare Narr, der Alle« 
weiss, sieht, versteh! uud lehrt; nach dem Month 1 werden Pto- 
gMfltiea gestellt; daher können dem grillenhaften Monde oder der 
himmlischen Grille Käthsel aufgegeben werden. Im Italien is 
lind die Redansarten: »aver la luna'* und „avere il grillo" gleich- 

eutend: einen nervösen Anfall, den Spleen haben. Ich finde 
auch die Hochzeit von Ameise und Heuschrecke in einem »ehr 
volksthuinlirlieu, bis jetzt noch njeht publicirten toscanLss 
Liede. Die Ameise fragt das Heimeilen, ob es sie heirathen will; 
wenn nicht, so nßge es sich um seine eigenen Angelegenheiten 
kümmern, iL h. sie allem lassen. Dann beginnt die Erzählung. 
Das Heimchen gehl in ein Flachsfeld; die Ameise bittet um einen 
Faden, um selbst Schürzen und Hemden zur Hochzeit zu machen; 
darauf sagt das Heimehen, es wolle sie heirathen. Das Heimchen 
gebt in ein Wickenfehl; die Ameise bittet um zehn Wicken, nm 
vier davon in einer Schmorpfanne zu kochen, und sechs auf den 
üratspiess zu stecken, für das llnchzcitsniahl. Nach der Hoch 
Kdil treibt das Heimchen das Geschäft eines Obsthändlers, dann 
das eines Gastwirthes; doch macht es so schlechte Gesch. 
das« es erst seine eigenen weiten Hosen versetzen muss, und 
dann bankrott wird und leine Frau, die Ameise, schläft; zuletzt 
stirbt es im Elend. Da wird die Ameise ohnmächtig, sie wirft 
sich aufs llctt und schlägt vor Kummer ihre Brust mit ihrer 

• • (wie Ameisen thun, wenn sie sterben;.- Die Hochzeit der 
schwarzen Ameise, der Finsternis» der Nacht, mit dem Munde, 



1 Der historische U dieaei Ausdruck» wird in üolog- 

m zwölften Jahrhunderts, Namens Urillo gesucht, — 

Tun* o tario itell 1 p o To ig i do i \ ,grj 1 1 

* I Hrs Lie ircn Hm m ich in 

Man 8tcfam« rli t'aleinaia b< i Floren u üörte, Unite u talg^nder* 

in tut» ■" 



377 

ni Heimchen, findet am Abend statt; das Heim- 
d stirbt , der Mond erblusst, und die schwarze Ameise, diu 
Nacbt, \ erschwindet ebenfalls. Im Pan eat antra werden die 
cchsen durch Feuer vernichtet- In dein sogenannten Briete 
Alexandere des Grossen an Olympias ' linde ich die Ameisen 
durch Feuer verscheucht als sie versuchen, Pferde und Helden in 
Silier Entfernung zu halten. Diese außergewöhnlichen Ameisen 



„Grille, iniu grillt», 

Sc tu vuoi DMglif^ dillu; 
S< tu n* la, vuoi, 
Abbada a' fatti tuoi. 

Tiiifillulifak-i ft 

Linfillulilala, 

„Povero grillo, 'n uq campo cii Iroo, 
La fonnieucciu gne nv elm-ac mi fiiö. 
li'uii filo boIo, fcOM in vuoi tu rare V 
Glrtanbj e i-amicic; ini vuo* inarilare 
Difteti to grillo ; — Ti pigliero io, 
La toitjiiruccia: - Son eonteiita auch 1 io 
TiufiUul ., &c. 

„Povero grillo, '» un cau>pu di ceci; 

La luimit imcki gne m: ehirac dicei 

l*i dJL'ci soli, cosa dc vuoi Lu tare? 

Quattro di ütiifa, 8 wei li vuu* girarc. 

TinfiiluL, &c 

„Povtiro grillo facr.a Torlulano 
L'andava a spasmo col lavancllu io manu; 
Povero grillo, andava a IVuU-dera, 
Con 1c vilaiiüie peeava la mi&cria. 
Tiufiilul., &c. 

„Povero grillo, l'andiede a Montcbom, 
Dal Ja midcria L'flDptguA i t-ulzoni; 
Povero grillo facea IWe a Colle, 
L*ando £&liitO e Uastono la moglie 
TinfiüuL, &c. 

„La fortnicüccia ando alia feata a il Fortu, 
Ebbe la nova che il auo grilln era morlo 
La formieuccia, quando Mppe la nofflt 

aaco in terra, Blatte Hvenuta im oia 
La i'orwicueeiu m butto hu il ktto, 
Con le calcagua »i batteva i\ petto. 
Tinfillul.,«' vv 
1 Vgl Zacher, l'Bcudo-Calliiittieiie*, Hall« 1867 



rufen uns die Ittnopx Pferdeai 

Riss Die Ameisen, die ' 

ilon Helden rod dim Sonnenn lebe denselben du 

; die schwarzen Ameisen der Nacht werden durol 
des Morgens versehend 
i Tsetses l die indischen Ameisen 

Plinius im eilfteu ßi er II. N 

du Farbe von Katzen und die Gi ptischer Wöl 

wenn Solinns berichtet, dass sir die Gestalt eine« 
mit Lnweniüsseu hätten , mit welchen letztereu sic Gold aus- 

Aeltan nennt sie . W;i< Golden" iw %i 

hx%t< tageoscheinli gen sich die Ameisen In* 

I iuer dämonischen ungeheuerlieli Mehr alte 

Schriftsteller haben über diese indischen Arne 
Beredet, EHrabo, Philoetratua und Luoian, Ich will hier, als für 
unser Thema interessant, nur erwähnen, dass h Lneian 

Bold hei Nacht ausgraben, und dass nach Plinius die Arne! 
in» Winter Gold ausscharren (Nacht und Winter sin<l 
ihoJogie ofl gleichbedeutend), „Di. Inder jedoch stehlen 
rend des Soumiers, in welcher Zeit die Ameisen wegen der Di 
in ihren unterirdischen Schlupfwinkeln verborgen bleiben 
den Geruch herbeigelockt, rennen sie jedoch zuweilen heraus 
schneiden oft die luder in Stücke, obwohl diese auf sehr arhnellen 
Kamelen fliehen; so wild und goldgierig sind sie" 1 Di 
Anieisenungehencr, mit Lowcnklaueu, das Plii 

r nahe an den njytlr sehen schv 
l»i<>n der Wolken und der Nacht, den 

bald eil kleiner \*>^el (iyattika cJlki riald 

Ichneumon i kusluimbii:il r kleine 

goldene, vielleicht die junge 

man. ntKoh mit dem muhtet, «i 

schhickeud oder fortnehmend, wie Krüge da« Wasser «of- 

die Sonnenstrahl- euen die DtlüSte d 

der Wolke oder der Fiusferniss ein. Hier 

erscheint das lehnen i 

dt-s ns viel niehr denn al iriud; es benimmt 

ihm das Gift, d. b* es befreit die K 

is, aus den Dünsten, welche sie umhüllen 1 






370 



Denn «nskrit nakula. In der SWttlffcea Lrzähluug 

U u Buches des Paricatantra weihen wir es als den er- 
klarten Feind der schwarzen Schlange, welche es in ihrer Höhle 
IBdtet Doeh sofern das Wiesel-Ichneumon gütige Thiere beisst, 
muss es sich selbst fOfl dem Gifte befreien, das es infolge dessen 
eingesogen hat Deshalb wird Beben im Atbarvaveda des 
Heilkrautes Erwähnung gclhan, mit welchem sich der Makula feB 

(ist dies anofa del Nanu des eiinii der beiden Söhne der Acvins 
im M a h ä b h A r a t a | von dem Biss giftiger Thiere, d. h. Schlau; 
Skorpionen und Mäuseungeheuer, seiner Feinde, heilt Dan Wiesel 
(mustela), welch' 1 « sich nur wenig von dem Ichneumon unter- 
biet, ist im Mythus fast mit ihm identisch. Eh kämpft* wie 
Aristoteles im nennten Buche seiner Thiergesehiehte berichtet, 
I .'benfalls gegen Schlangen, nachdem es das berühmte; Kraut 
„Laufe 1 m Geruch den Schlangen unerträglich sein 

solL Wie uns aber sein lateinischer Name besagt; ist es nicht 
weniger geschickt als Mausejitger Der Leser ist ohne Zweifel 
mit der äsopischen Fabel von dem Wiesel vertraut, welches den 
Menschen um seine Freiheit bittet für den ihm durch Ausrottung 
tier Ratten geleisteten Dienst, und ebenso mit der des Pbaedrus 
von dem alten Wiesel, welches im Mehltrog Mause taugt, indem 
es sich in dem Mehl zusammenrollt, so dass die Mäuse es für 
ne feste Masse halten und getrost herankommen. Der Parasit 
des Plautus rechnet auf ein gutes Mittagessen für sich, weil er 
einem Wiesel begegnet ist, das eine ganze Maus mit Ausnahme 
der Füsse fortschleppte (anspiele hodie optumo exivi foras; mus- 
raurem abstulit praeter pedes); 1 da jedoch das gehoiTtc 
Alittagesscn sich nicht einstellen will, so erklärt er das Vorzeichen 

Clr falsch and nennt das Wiesel einen Unglüekspropheten, da es 
n einem und demselben Tage zehn Mal seinen Platz ändert, 
Nachdem neunten Bliebe von Ovids Metamorphosen wurde 
die Jungfrau Galanthis von der Göttin Lucina (dem Monde) in 
in Wiesel verwandelt, weil sie eine Lüge erzählt hatte, indem 
»ie die Geburt des Herakles verkündigte, bevor sie stattgefunden: 

M StretJuita$ antiqua timnet, üue turga eolorem 
Amiaerc suuui, forma est diversu priori; 
Quae, quia ruendaci parie&tAIB juverat ore, 
B paril u 

L>cr Volksaberglaube, welcher das Wiesel sein Junges durch den 



Mum! Im it, hatte wahrseheini ten Urspi 

Fabel. Monde kommen unzeiti 

itms ' vergleicht bäee Weiber mit Wieseln, Der 
läppernde Galantbis in ein Wiesel ven 
Bcheinl h sein mit dein weissen Monde, der i 

erwandelt wird, dem Monde, «1er den ni 
liehen Himmel erforscht nnd alle seine Geheimnis* leckt 

Ameisen. Minne., Maulwürfe (wie Schlang ibenj im 

rn verborgen nnd ballen an 
i Das Ichneumon, dan Wiesel uud die 
Katze kommen gewöhnlich nun ihren Verateeken heran« und 
jagen Jeden» der verborgen i*j , indem den Vei 

> f was sie könne sind sowohl 

.iiif andere Diebe Jagd 
Der Untergang von dem lateinischen m 
kritischen Katze m u ibak .» rfi 1 1 oder m ü b h i k i u t ak ri t 
' leicht 

Im Pantatantra wird die K >br (dadhikarya), 

it den reiche »ich Stellt, als Wreoe 

Verbrechen, an rt, ale Richter einen Sl 

webl»« ten dem Sperling, kapp 

Der Letztere 
n&mlich wahrend de Sperlings in dessen Be- 

seiu Domini :ti!lgeftcblagttu. Bi mg*, 

h taub stellt und die beiden streitenden Par 
SBSbt, naher zu kommen, nm ihre Argumente «einen Ohren m 
vertrauen« der Ha*e nod der Spei m (Hauben 

und nähern »ich; da macht die Katze einen Satz und verschlingt 
Im liitopadeca 4 haben wir statt d* 
■ caradgava, den der Tod ereilt weil er der Karte Gast- 
freundschaft erwiesen hat, äderen Abstammung er wed 
deren Charakter er kann itakulaoi * I tla nie ■ 

haben wir statt der Katze den Luc: dam 



>jfcM»; Bergt, «bthol I) 
oicrnm umi To*k*»rr gfenhea, iLmb wn* prte 
tu hm« an cid «cblbücr Dieb ru *rio 
ict dm 



Affen bewachte Haus des Löwen zu besitzen wünscht; er erschreckt 
den Lfiwen und schlägt ihn in die Flucht. Im A n va ri -Suhaili l 
tiuden wir start der Katze «»der lies Luchses den Leopard. Im 
Mahäbha ra t a : finden wir die Fabel von der husst'erti|reu 
Katze wieder. Pie Katze (liisst durch die Kaateiung, die sie au 
den Ufern des Ganges übt, den Vögeln Vertrauen ein, die sicli 
um ßie versammeln, um sie zu ehren. Nach einiger Zeit ahmen 
die Mäuse das Beispiel der Vogel nach und stellen sich unter 
den Schutz der Katze, dass dieselbe sie vertheidige. Die Katze 
macht gich aus ihnen jeden Tag ihre Mahlzeit, indem sie eine 
oder zwei veranlasst, sie an den Strom zu begleiten, und wird 
ausserordentlich dick und fett, während der Mäuse immer weniger 
werden* Da beschließet eine weise Maus, eines Tages der Katze, 
wenn sie zum Strom geht, zn folgen; die Katze verzehrt Beide: 
die Maus, die sie begleitet, und die Spionin. Darauf entdecken 
die Mäuse den Witz und räumen schleunigst den gefil lirlichen 
Ort. Die büssende Katze ist schon im Gesetzbuche des Manu 
sprichwörtlich» 3 In Reineke Fuchs von Gtttbc 4 geht der 
Kater auf den bösen Rath des Fuchses in das Haus des Pfaffen 
auf Diebstahl; als Alle über ihn herfielen, — 



metnineriiit priomm et mens perdat quad oeuli vi den» desieriut, ita nostrae 
es necessitudinis peuitus oblitus;' 1 öq schreibt, St. HieronyniuB an Chrisog. 

I*- So heisst es vom Luchs bei Aelian* dasB er seinen Urin mit Sand be- 
r (gleich der Katze), so das« die Menschen ihn nicht finden können; 
d Tagen bildet »ich aus diesem Urin der kostbare Stein Lyn- 
ourion. Die Katze, weiche bei Nacht sieht, der Luchs, der durch undurch- 
sichtige Körper hindurchsieht , die Fabel von Lynceus, der nach Plimus 
sin einem Tage den ersten und den .letzten Mond im Sternbild© des \V id- 
lers bkht und der Luchs, welcher nach Apollonius durch die Erde hin- 
lurch sah, was in der Holte vorging, rufen uns den Mond ins Gedächtnis*, 
lip walte und allsehende Fee des Himmels, nnd den unterirdischen Mond. 

1 Angeführt von Benfey in der Einleitung zum Pan da tan tra. 

1 V t 5421— 544.N. 

1 „Let no man, apprised ot this law, present even water to a priest 

rfifl act* like ;l eat;" IV t M>2 (Uebersetzung von Jones), und Graves' 

bamney Han gh ton, ed. Pereival Madras lNtJÜ — In einem russi* 

it* it Mährchen, welches Aianassieff in seinen Bemerkungen zum 

-»einer Sammlung anführt, «teilt sieb der Kater Eustachi" 

JJüüsci odci M9och , »in die Maus zu fressen, wenn sie vorbeikommt 

b^tnerkl irird, dsss der Kater tu fett für einen Bässe r ist, entgegnet 

nur, weil er <1mh der Erhaltung siiuiM Gesundheit schuldig sei, 

III. 147 



362 

er win In 
Zwischen dir Schenkel des Pfaffen und bis» und kratz- 

Der Rom au du Renard ! lüsst das Weib des Priester», 
als dieser durch den Kater verstümmelt ist, ausrufen : 

„C'en est fait de uos amours! 
Je suis vcuve saus recoura!** 

lu demselben Roman 16968 wir, als der Kater Tibert, der 
unite des Königs Lion in Mautpertms, wo der Fuchs hen 
ankommt: 

„Tibert lui presenta la patte; 

£1 fait le saint, ü fait la chatte ! 
litli a bon chat, bon rat! Renard aussi le ti\j 
U sVntend a dorer see paroles de mi« I ! 

Si Tun est saint, 1'autre est hennite; 

Si Tun est chatte, I' autre est mite/ 4 

Iu einem uoeh nicht veröffentlichten toskanischen Mührchen, 
da» ich ans dein Munde der Baiierfrau Uliva Sehr! babe, Üi 
mir in Antignano hei Livorno erzählte, tindeu wir den Fuchs, der 
die Maus in den Laden eines Metzgers einlädt, der kür/lieh ein 
Ferkel geschlachtet tat Hie Maus verspricht, das Holz zu nagen, 
bis das Loch gross genug ist, <iass der Fuchs hindurehschlupl'eu 
kann; der Fuchs isst so lange, als er noch durch das Loch wieder 
zurück kann, und macht sich dann davon; die Maus aher mi 
sich so, dass das Loch für sie zu klein ist; die Katze kommt and 
i'risst sie auf. 

Im vierunddreissigsten Miturchen des zweiten Buches bei 
Aiauassicif kommt die Katze wieder, wie in Indien, iu Ver- 
bindung mit dem Sperling vor, doch nicht, um ihn zu verehren 
im Uegentheil, sie sind gute Freunde und betreieu zweimal 
jungen Helden von der Hexe. Das ist eine Erscheinungsform der - 
A^vins. Im siebenundsechszigsteD Mährchen des sechsten Buches 
kehren die beiden ÄQvins in o'er Gestalt eines Hundes und i 
Katze wieder (bald in Feindschaft miteinander, wie es ja aucl 
oft die beiden mythischen Brüder sind, bald Freunde auf Leben 
und Tod). Ein junger Mann kauft für hundert Rubel einen Uuna 
mit Häugeohren", und flu ein weiteres Hundert eine Katze mü 



er 



Uebersetxung von (Jh. Potvin, PariB und Brüssel ' 



einem gold« iwanz; 1 beide pflegt er gut. Mit ferneren 

hundert Rubeln erwirbt er den Ring einer todten Prinzessin, aus 
welchem dreissig Knaben und hnudertnndsiebzig Helden, die alle 
lirbe Wunder verrichten, auf Wunsch des Besitzers heraus- 
kommen können. I Kirch diese Wunderdinge wird es dem jungen 
Mann m die Tochter des Königs zu freien; da jedoch die 

Letztere ihn vernichten will, macht sie ihn betrunken, stiehlt ihm 
den Ring und entflieht in ein sehr weit entferntes Reich, Der 
Tzar Uissi den Jüngling ins Geiangniss werten; der Hund uud 
die Katze gehen den verlorenen Ring wiederfinden. Als sie über 
den Strom setzen müssen, schwimmt der Hund und trägt die 
Katze aui seinem Rücken (der Blinde und der Lahme, St. Christo- 
phorus und Christus). Sie gelangen an den Ort, wo die Priu- 
zessin lebt, und treten in ihre Wohnung. Sie vermietfoen sich bei 
dem Koch und der Hausmagd; die Katze jagt, ihrem natürlichen 
Jiistinet folgend, eine Maus, worauf diese um ihr Leben bittet und 
x'ersprichL der Katze den Riugzu bringen Üie Prinzessin schläft 
*3uit dem Ringe im Munde; die Maus steckt ihren Schwanz in 
i liren Mund; die Prinzessin spuckt aus, der Ring kommt dabei 
Ij c;raus und wird von dem Hunde und der Katze genommen, welche 
g i <3u jungen Mann befreien und die flüchtige Tzarentochter zwingen, 
io ihre Heimath zurückzukehren. 

In dem folgenden Mährchen bei Afanassieff machen die 

iden altern Schwestern, als die jüngste dem Iwan Tzarevic drei 

ne schenkt, aus Neid den Prinzen glauben, d&at sie eine 

Kl atze, einen Hund and ein gewöhnliches Kiud zur Welt gebracht 

bal)e Die drei wirklichen Söhne werden entführt; die Prinzessin 

1 i"d geblendet und mit dem untergeschobenen Kinde in ein 

*" *»8 eingeschlossen, welches in die See geworfen wird. Das Fass, 

^°tHüit jedoch ans Ufer und öffnet sich; 2 der untergeschobene 

^"ti wäscht sofort die Augen der Prinzessin mit heissem Wasser 

**ici H j e gewinnt die Sehkraft wieder, worauf sie ihre drei glänzen- 

e ** Söhne wiederfindet, welche Alles, was ihnen nahe ist r mit 

^^^Oj Glänze erhellen, und sieh wieder mit ihrem Gatten vereinigt. 

* 

._ * Vgl. A fan. V t 32, wo ein tugendhafter Arbeiter einr Katze für eine 

^l^fckc kauft, den einzigen Lohn, den er sieh für seine Arbeit auabe- 

* n hatte; dieselbe Katze kauft der König Fur drei Schifie. Mit einer 

k ^*rn Kopeke, die er für eine andere Arbeit erhalten , befreit der Ar- 

1 *-er die Tochter dee Königs und betrat he t sie 

1 Vgl. Analogs in Kap. I, /, ß. Emil, den faulen und dummen Jungen, 
^ die blinde Frau, die ibl Gesieht wiedererlangt. 



In einer nissischen Variation diese« Mahre:.- 

Söhne von der Hexe in drei Tauben verwandelt; d 

mit dem tmti 

fluchtet sich auf ein Eiland, wo auf eine: 

eine weise Katze Balladen sintrt und (. ortäbll Die 

drei Tauben verwandeln sieh in schone Jttfigtinge, deren I 

zam Knie von Silber, deren lernst von Gold, 
Mond gteieti, und deren Seiten ton Sternen sind, nnd gewinn 
ihren Vater \m\ Mutter wieder. 

Nach der grieobiftoben 1 ifen die und 

der Mond die Tbiere; die Sonne schuf * 

Katze. Im fünften Buche von Ovids Metamorphosen uimi 
Diana, als die Götter vor den Riesen Hieben, die Gestalt i 
Katze an. i In Bleuten ist die Katze der heiligen Martin he 
und man nimmt auf sie grosse Rücksicht, nm die 
nicht zu reizen: wer eine Katae tttdtet, soll sieben Jahre lang 
Unglück haben. In dem alten deutschen Glauben wird di 
Freya von zwei Katzen ^nw artig: sind Katze ur 

Maas der 8t. Gertrude heilig. Im sweiundsechsz Mkbrche 

des sechsten Buches bei Afanassieff haben wir die plappernde 
Katze, welche der Held Baldak im Gebiete des feindlichen 
tans (d. b, in der winterlichen Nacht > tödten muss. Im achte 
Mahrchen des vierten Buches des Pen tamer one finden wir 
auch eine Katze, welche die Rolle eines Spions des Ogie apielt: 
in der zehnten Erzählung des Fentamerone und u prtc 

der Novelline di San Stefano di Ca leinaia dag< 
hüllt die Katze dem Prinzen die Verl Hexe. [ 

undz wanzigsten Mährchen de A f a n as s i e i t 

■eint der Kater Katotici als der Gemahl der Fllcbsio, welche 
ihn für einen Bürgermeis iebt. \ 

den Wolf nnd den Baren/- indem der n i i*u tu 



1 Hue quoque terrigeoam vemss© Typhoon n&rrat. 
Et »e mentttii rapero« eelam figm 
,l)uxqu< iixit, ,fit Jvpii 

Nunc quoque fcrmfttui ui Al 

lh'\ 

Fei* ioro? PftfrOtbl, nivpA 8stonilft «MM, 

ÜrmrinecKaft mit dem Ltunn 



I in: daw de Thiei 

uchs tan iibrend si 

Im dritte» Miilireben des zweiten Btn 
nil dem Halm, 
; ihren Kameraden drei Mal von 
b&, welcher mit ihm davon geraunt tat; da« dritte Mal 
it nur den Halm, sondern trisHt auch 

it die Katze Solsn Cato* (dieser Nanu 

aus dem Doppelsinn zwischen den Worten catus und cato abzu- 
haben wir neben e h a t noch chat on, 
den Halm zwei Mal ans der Gewalt des Fuch 
doch das dritte Mal verzehrt der Furhs den armen Vogel. In 
hen Variation tödtet die Katze die füuf kleinen 
*e nnd dann den Facht selbst, nachdem sie Folgende* 

J>i< K :iut ili reu Füssen 

lu rot h eti Stiefeln*, 
Sie töjgt »in Sohvwrt an oV: s.iti , 
n Btaek an dor Hüfte; 

ö '•' 

In einer andern Variation gehen Kafz** und Lamm, den 

Hahn aus d« n befreien Der letztere hat 

sieben Töehier. Die Katze und das Lamm locken sie durch 

18 und todten sie, eine nach der anderen, indem sie 

Hirn verwunden: darauf todten sie den Fuchs selbst 

und den Hahn In «Um Roman vom Fuchs ist dir 

id bindet den 1 Galgen. 

Im dritten Mährchen des ersten Buche» lehrt die Katze dem 

ernten Mädchen, zu Dank verpflichtet ist, weil dl 

zu ei>»en gegeben hat, wie sie entttirbeu kanu , und 

Iiot kot im DAg 

ih, 

•' 

H< p* rub it, 

i 



2b 






giebt ihr das übliche Tuch, we u Bodei 

Btrom erscheinen lässt , and den üblichen Kamm, w< 
gleicher Weise einen undurchdringlichen Wald \ 
entstehen lässt, welche dem Mädchen nacheilt, tin 
schlingen. 

Wir saheu schon den vedischen Mond, welcher da 
seitsgewand mit einem Faden mihi, der Dicht reibst. It» den 

sriien Mährchen bemerkten wir echon, wie die kleine Poppe, 
um das gate Mädchen zu verpflichten, ein Hemde ftti 
macht, das sc* fein ist, das» Niemand ein gleiches herstellen I 
In dem berühmten Mühreben der geistreichen Madai 
La Chatte Bin «lessen literarische Redai 

jüngeren Datums ist, dessen wesentlicher rfter Inhal! 

durchaus alt igt, trotz prewissn Modil m im E 

welche es im Laufe der Tradition hat erleiden müssen) hl 

ise Katze Blanehette, schwarz verseil I- Iche da 

zauberte Bebloss bewohnt, auf einem Aden reitet, spricht und 
jungen Prinzen, der auf einem hölzernen Pferde dem Wald* 
Nacht) reitet, in einer Eichel den schönsten kleinen Hund g 
der jemals auf der Welt existirte, damit er ihn / 
liehen Vater bringe — einen kleinen Hund, „plus beau qi 
canicule" (offenbar die Sonne selbst, welche aus dem gold 
Ki, resp« der Kitdiel herauskommt }, der durch einen Ki 
geht (die Sonneneeheibe), und dann ein wanderbar ertea 

Kleid, welches so dünn ist, dass es durch das Oe 
Nadel geht, und in einem Hirsen körn ein obwohl 

BS die Länge von ,,quatre cents attnes'* hat (das Nadeltthr, 
Eichel, das Hirsenkorn und der Ring sind gleichbedeutende Dar- 
stell angsformen der Sonnenscheibe \ Diese wunderbare K 
wird schliesslich selbst ein schönes Madchen, „qui parut 
le soleil qui a ete qnelque temps enveloppe dans ane uue; ses 
cheveux blonds etaient epars sie ls tombfcieol 

grosses boncles jusqu -ut ceinte • 

^;i n>be dune legfere gaze blanche, doublce de tattetas oonleui 
rose." Die weisse Katze der Nacht, dei 
Morgen teile der rosigen Aurora ein. 

Meinungen, welche einander folgen, scIk 
desselben We u. Die weisse I 

ein p gen zu sein, in weJ 



welcher, in eine Kurze ver 
iiH bittet, diese in ein Weib zu verwandeln, V« 

lirt ihm; der JUngling beiratbet jene; doch als die Braut 

Bett ist (d. h. in der Nacht, als die Abend-Aurora med" 

! Platz dem Monde überlädst, oder als sie mit den grauen 

• ler Nacht zusammentrifft), kommt eine Maus vorbei, und 

lie Frau, welche noch Etwas von ihrer Katzennatur behalten hat, 

cunt ihr Hl 

Wenn die Sonne in die Nacht eintritt, tiudet sie im Stern« n 
r 1 ein bezaubertes Schloß», in welchem entweder gar kein 
zu tinden ist, oder in dem sich nur die Mond* 
Catze uroherbewegt Daher, meines Eraehtens, der Ursprung des 
Luftdruckes, mit dem wir in Italien ein leeres Haus bezeicht 

e gab nicht einmal eine 

Die Katze wird als Schutzgeist des Hauses betrachtet 

wberte Scbloss ist immer entweder auf dem Gipfel eines 

in einem dunklen Walde gelegen (gleich dem Monde). 

tobloss ist die Wohnung entweder einer guten Fee oder 

ines guten Zauberers oder einer Hexe oder eines Schlangen- 

-118 oder wen Katzen, Der Besuch des Hau 

ift das Thema eines Mahrehens, das ich mit geringen 
' u im Piemontesischen und im Toskauisehen erzählen 
I 
Wir haben bis hieher nur die glänzende oder weisse Katze 
hen, den Mond und das Zwielicht, und zwar gewöhnlich als 
gütig und segensreich. Doch wenn die Nacht mondlos ist , 
haben wir nur die schwarze Katze in dem dichten Dunkel. 
iese sc. Katze nimmt dann einen dämonischen Charakh 



Itatuftchen erzählte es mir die oben erwähnte Uliva Selvi 
niMeii! BtPC Bdtttl ine Anzahl Kinder und kein Geld; 

olle nur auf den Gipfel des Bergea gehen; dort 
i hlosae viele verzauberte Katzen fin 
:noaen geben. Die Frau geht und ein Kätzchen lasst sie 

18 Feuer an, wäscht die Schüsseln i holt 
Vum*» die Betten und bäckt Brod für die Katzen; endlieh komm! 

der Katzen* der mit eiuer Krone auf dem Haupte da- 
i Der grosse Kater zieht die golden 
i beruft die Katseu. Kr erfahrt, dans die Frau 
Schürze mit Goldstücken (rusponi) 
Ik-u. ler armen Frau gebt ebenfalls die Katzen 

. ffiiaehuii doch, und kommt ganz zerkratzt, und 

tabeodfg ii nach I! iek. 

26« 



Im Itontfeiral glaub! ddi <i!c Katzen 

r'ebrnar auf den Dächern herumlaufen, nicht wirklich« 
sind! Boadem Hexen, die man todtgebit 
Gründe werden schwarze Katzen von den Wie^. 
ferngehalten. Dereelbe Aberglaube herrscht rn Deutschland. l 
ToekaniBehen glaubt man , dags wenn Jemand sterben *<►!), der 
Teufel an seinen Bett ra ßestall irgend eine« Thierea mit 
nähme des Lammes, doch mit Vorliebe in dw eines Bo> 

sb Rahm t Benne <><l<v einer Katze rar] Im 

dentBeben Aberglauben verkündet die schwarte die 

einem Kranken auf das Bett setzt, seinen nabenden I 'od; 
wird gie anl einem Grabe gesehen, so bedeute! dl 
geschiedene in der Gewalt des Teufels ist. Träumt Jemand 
der Christnaeht von einer schwarzen K;<< 

ben einer beunruhigenden Krankheit während d 
Jahres Aldiwand] erzähh von Cardano. d 

auf dem Sterbebette lag, rteter Weise eine Kfl ihn 

erschien, einen lauten Schrei ifl und verschwand. Der* 

Aldroyandi erzählt uns von einer K 

Brust zerkratzte; diese erkannte in ihr ein übernatürliches V 
nnd starb nach Verlauf weniger Ta#e. In Ungarn glaubt ma 
«Im s die Kai unlieb von dem Alter v- 

zu dem von zwolt eine Hexe wird und dass Hexen auf Km 
besonders schwarzen, reiten; ferner glaubt man, daas man in 
Fell der Katze einen Einschnitt in Gestalt eines Kreuzes mm 
muss, will man sie von der Hexe befreien. Die Sprichwort] 
,, Katze im Sack" enthält wahrscheinlich eine Anspielung 
Teufel. In der zehnten Erzählung des Pentamerone sagt der 
König von I rte, der ein schönee 

glaubte, als er tindet, dass er eine garstig 

!«t » gebeiratbet bat: „Quest«» b peo aee role a c'ni ae 
la gatta dinto 1<> gaeco." In Sieilien bedeutet da« Mi.i 
Katze, wenn der Kosmkranz für die Seelen^ rd, eir 

Wieb it. Als in Macbeth die Hexen iL \ubc 



1 Rochhoiz, 1 > (Mi ' ind Brauch l, ' 

1 Ib. — I nif flcunrlbru Gimitom *.i 

1 Ell TV 

Pfote h id h 






len Kinn- vs\r Hexe tail den 






.Thrir« the brinded * at h:<s! 



In d tttechen • «I«'" Prof. Rocbbobs aufgezeichnet 

i Rwei Ratzen, die miteinander kämpfen, rtir einen 

Kranken eine Todes ig. Diese beiden Katzen sind 

wahrscheinlich eine andere Form de» im PiemonteaUeben und im 

Toskanischen üblichen Kinderspiel« , welche« das „Seelenspiel" 

it, und in welchem sieb der Teufel und die Engel um die 

streiten. Von den beiden Katzen ist die eine wahrschein 

. die andere bösartig. Eine irische Sage erzählt an» 

Ton einem Kampfe si K.üzcn, die : amtlich einander 

Schwänze vernichten, (Eine ähnliche Sage existirt 

im Piemontesischen, doch wird sie dort, wenn ich Hiebt irre, 

n [In Deutschland spricht man wohl von den 

bekannten iwei Löwen die «ich einander his auf die Schwänze 

Zwei Katzen, die am eine Maus kämpfen und gie 

Bi entschlüpfen lassen, werden auch in der indischen Sage 

Itot l 

Im 105. Hymnus deB ersten Buches des ttigveda und im 
L de» zehnten Buches sagt ein Dichter zu indra: „Der Gedanke 
Bt mich, der ich dich preisse, wie Mäuse ihre Schwänze 
lern sie daran nagen*."- Doch nach einer andern 



und diu ungarische .Sprichwort, da«** die Katze im Wasser nicht stirbt, 
leicht beicet e« aus diesem Oruude, das« in einem feuchten Herbst die 
nur weni^ werth ist („Die Katie im Herbst und die Frau in 
Frühling sind nicht viel wert}»*' LugarischeH Sprichwort.) 

b Indes 11, - r i7l 
y adauti inudhyah Biotaraxfa o ratakrato; Rigv I, 
Corn uientator erklärt ^iynä bald durch sutrftni t Faden. 
bald U'ukt er die 8 tmkeit des* Lesers auf die »Sage von den fi 

n eiche an ihren Schwänzen lecken, nachdem wie dieselben in eis > 

er anderen schmackhaften Substanz getaucht 
kann vy adauti nur bedeuten: sie zerreissen durch 
vie wir kurz v o Gedanken haben, der durch öeissen 

<mj wilden Thiere zerreisst (ma vyanj 
fAAti kiaiu mi den Krag um Speitevorrmlb 

It »taint an 

m d^*n Sühn. 






Erklärung ist nicht von ,, Schwänzen 1 *, sondern von 
Kode; in diesem Falle würden die Mäuse, we 

*6D, auf die Fabel von der Maus zuruckgehn, weh 
Elcphanten, bald den Löwen aus dem Netze befi 
deren hohes, bis zu den Veden hinaufreichendes Alt« 

sten Kapitel zu erweisen suchen werde. 

Die zwölfte Erzählung des dritten Buches des Pa Dtra 

von grossem mythologischen Interesse. Aus d< 
ig Falken Üüehtet sich eine Maus (in einer andern in disc 
.Sage, vor zwei Katzen, die sich um sie streiten) in di< 
eines Büssers, als er im Strome badet. Der Büsser verwai 
sie in ein schönes Madchen und will dieses mit der Sonne 
heirathen; das Mädchen weigert sich — jene ist zn heiss. Der 
Büsser will sie darauf mit der Wolke verheirathen , diu 

Soune Überwindet; das Mädchen erklärt, die sei ihr zu dn 
und kalt. Er sehlägt dann vor, sie dem Winde zu geb 
eher die Wolke überwindet (im weissen Yagurveda 
Maus dem Gott Rudra, dem Winde, weieber in der Wolke heult 
und blitzt, heilig); das Mädchen schlägt wieder ab — er ist EQ 
veränderlich. Der Büsser kommt nun auf den Gedanken, sie 
deu Berg freien, gegen den der Wind nichts ausrichten kann; 
doch sie sagt, er sei zu hart, und schliesslich fragt der Bii 
ob sie Willens wäre, ihre Neigung der Maus zu Bebenken 
allein ein Loch in den Berg machen könne; das Mädchen tad 
diesem letzten Vorschlage zufrieden und wird wie 
weibliche Maus verwandelt, um die männliche Maus heir«' 

neu In diesem schönen Mythus (welcher eine Variation 
anderen, schon erwähnten, von dem Katzen-Mädchen ist, »' 
verwandelt seinen Trieb, Mäuse zu jagen, bewahrt wird 
ganze Umwälzung der vierundzwanzig Stunden des T 
stellt. Die Maus Nacht erseheint zuerst.; das Zwielicht wit! 
zu seiner Beute machen ; die Nacht wird die Aurora; die Sonne 
bietet sieh ihr zum Gatten; die Sonne wird von der Wolke 
drrkr . und die Wolke vom Winde tortgetrieben, u.iulerwmi 
seheint die Abend Aurora, das Mädchen, auf dem Berge; 
■ml wieder, und mit ihr wird da 
in sir über). Der Hitopadega eu 

lart desselben Mythus. Die 

ind wird mern weisen Mai 

in eine K; wandelt; 

neu Hund, ü in einen 



:w t 



>rden ten zu töi 

ibre Gedanken and verwandelt sie wieder in 

at», liirr finden wir denselben Kreislauf <l 
chen B stellt. Die Aufeinander 

irursacbt bisweilen in den Mythen Ver- 
hingen. 
Das bekannte Sprichwort fOn dem Berge, der die Maus 

lit auf den in der Erzählung de- Pancatantra enthaltenen 
us zurück. Wir wissen schon, das« der Sonnenheld am 
m1 mit dem Sonnenpferde in den Berg eingebt und Stein 
. und dasa der ganze Himmel die Farbe dieses Berges an- 
dern Berge kommen die Mäuse der Nacht, die 
Schatten der Nacht beraos, welche vmi der Katze Mond und der 
e Zwielicht verjagt werden; die Diebsgelüste der Mäuse 
ilten sich in der Nacht. Im deutschen Aberglauben nehmen 
lie Seelen der Abgeschiedenen die Gestalt von Mäusen au, und 
renn das Haupt eines Hauses stirbt, so heisst es, dass sogar die 
e das Haus verlassen. ' Im Allgemeinen wird jedes Ersebei* 
ron Mausen als ein unglückliches Vorzeichen angesehn; & 
balb wurde die unheilvolle «irrt rude als von Mäusen umringt 
lit In Macbeth droht die erste Hexe, als sie den Kaut' 
mann, der nach Aleppo segelt, verfolgen und Schiffbruch leiden 
lassen will, um sieb an seiner Frau zu rächen, welche ihr ein 
paar Kastanien verweigert hatte, sie wolle gleich einer Vi 
f)hne Schwanz werden. In der Historia Sarmatiac 
Aldrovandi) werden die Oheime des Königs Popelus IL, welche er 
■ ab Complice im Geheimen ermordet und in den 

wirft, Mäuse und beissen den König und die Königin zu 
ilbe T<»d soll die Strafe des Mieeislaus, Sohnes des 
lerzogs Konrad von Polen gewesen sein, weil er sich unrechter 



ten, heiast den Seeleo ein Zeichen geben, um von 
tbffeholl zu werden; ebenso wie der Rattenfänger zu Käftmela die 

it, auf dereu Ton alle Mäuse und Kinder mit ihm 

Jeheu, der sich hinter ihnen zuschließt. Mause sind 

lee auf der Jagd entschlafenen Könige Guntram kommt 

uem Munde hervor, um so in eii 

Bild wieder zui Der goetbe'Bcbe Faust ich den Tanz 

Icheu am Bloeksbei^ ' eo; 

, Jii'iui mitten im Ge.= nag 

ihr ana dem Mund« 
Q laufe 6 und Brauch, 1, 15& 167. 



igenthum von Wittweu und Waise« angeeignet ha 
mul UHU Otto, Erzbischofs von Mainz, weil er während 6b» 
Bttfigertnotil deo Kornboden verbrannt hatte* 
Köm den ersten Bürgerkrieg vorbedeutet haben, indem sie das 
Gold im Tümpel benagten; und es' wurde ferner behauptet, eiue^ 
Maus hätte in einer Falle fünf männliche Man rieu^ 

von dem n sie zwei verschlungen. Andere Wunder f in deneezi 
Mäuse eine Rolle spielen, werden als in Horn geschehen berichtet _ 

Ehr atis den Zeiten Catos, welcher sie zur Zielscheibe seine 
Witzes inachte. Jemandem, der ihm erzählte, wie die Mäuse di- 
Stiefel benagt hätten, antwortete er, das wäre kein Wunder 
wohl würde es ein solches gewesen sein, wenn die Stiefel (calig 
die Mäuse gefressen hätten. 

Die Maus ist in der Fabel zuweilen in Verbindung mit dei 
Elephanten und dem Löwen, welche sie bisweilen verhöhn 
mißhandelt (wie im Tu ti- Name 1 ), und bisweilen unteratttt 
und aus ihren Fesseln befreit. Die Bedeutung des Mythus 
klar: Der Elephant und der Löwe stellen hier die Bonne in (L ^^r 
Dunkelheit dar; am Abend springt die Maus der Nacht auf o^Ä. :Äe 
Ihm den Heldenthiere, welche dann alt oder sehwach sind; a^ ^n 
Morgen wird die Sonne aus den Fesseln der Nacht befreit. u~m^ » 8 
es wird vermuthei , dass es die Maus war, welche die Seile z«^-~ ■* 
nagt und den Elephanten, wie im Paneatantra, reap* a « 
Löwteu, wie in der äsopischen Fabel, in Freiheit gesetzt hat. ^/W^ i r 
sahen oben den Doppelsinn, den das vedisehe Wort yhjua biet^^ 5 *** 
welches ganz ebenso gut durch „Faden", als durch „Scbwatm *z&>' 
Kbersetzt werden kann. Es ist möglieh, das» der Schwant cM~^&* 
nächtlichen Ratte am Abend den alten Sonnenlöwen in seine 
schiedenen Falten wie in ein kleines Netz einhüllt, eiuwiek*^~ 
Am Morien ragt sich die Ratte der Nacht den Schwanz ab, d_ 
zernagt die Fäden des Netzes, welches den Löwen einhüllt, cf*- pr 
sieh so befreit .sieht 

Der indische Gott Gane^a. der Gott der Dichtkunst, Ber^^^" 
sarnkeit und Weisheit, wird dargestellt mit einem Elephantenkc^ Z 



und mit seinem Fusse eine Maus zermalmend. So wurde bei 
Griechen Apollo Smintheus, so genannt, weil er die Mause 
schössen, welche dem Krinos, dem Priester des Apollo selbst, 
Sjiriscvorrath tltr das Jahr gestohlen hatten, mit einer M;i 
seinem Fusse dargestellt. Wie die heilige Jungfrau die Schla 



L p. I 



rV/A der hci<! mneugtdt seineu 

Wenn die Katze Tort fei, kill] Mäuse; dieses Sprichwort 

nicht allein auf de? Erde «>lle Richtigkeit, sondern gilt 

auch iTlr das, was im Himmel vorgebt: die Schatten der K: 
i der Mond tort ist. 
Im fünfzehnten Mährchen des fünften Buches hei Afanassieff 
i die Hexe-Stieini utter ihren alten Mann, seine Tochter in den 
\\ aid zu fuhren, damit sie in einer einsamen Hütte spinne. 
Mädchen findet dort eine kleine Maus 1 uud giebt ihr etwa 

In der Nacht kommt der Bär uud will mit dem Mädchen 
Blindekuh spielen (englisch; blind-manVbutf, italienisch: RiOC 

ft, blinde Fliege; die&ee B6bf volkstümliche Spiel hat offenbar 

myi nd Bedeutung; jeden Abend belustigt sich 

die Bonne am Himmel mit Blindckuhapiel ; sie blendet sich und 

dt blind in die Nacht hinein, wo sie ihre vorbestiiumte Braut 

mler ihr veilurenes Weib, die Aurora, wiederfinden mussj. Die* 

MaitB naht sieh dem Mädchen und flüstert ihr ins Ohr: 

ilchen, fürchte Dich nicht; «age zu ihm: ,Lass uns spielen*; 

dann lösche das Fener ans und verbirg Dich unter den Stein; ich 

de rennen und die kleinen Glocken läuten." (Mäuse scheinen 

besondere Vorliebe für Glockentou zu haben. Bekannt ist 

die Fabel von den Mäusen, welche beschliessen. der Katze eine 

Le umzuhängen, um sieh von ihr zu befreien; jedoch keine 

wag 1 hwierige und gefährliche Unternehmen auszuführen. -> 

Her Bär glaubt, hinter dem Mädchen her zu rennen, rennt aber 

in Wirklichkeit der Maus nach, die er nicht fangen kann. Der 

Bär mattet sich vüllig ab, und das Mädchen beglückwünschend 

sagt er zu ihr: r Du bist meine Herrin, Miidcheu, im Blindeknh- 

fjiöl; morgen früh werde ich Dir eine Herde Pferde und einen 



1 Diu Mau*, läuft, kommt auch in der deutschen 

heilig«' Gertrud) der kiainiaehe Bau 
Uertrudenbüchiein ab; zwei Mäuslein 
i flachaiiniwuudenen Spindel; eiue Spinnerin sitzt am Spiuu- 
len Faden hinauf. Weder am 2St . Gertru 
uoch in d< i Zwölften, wo di If von M 

spönnen werden; 1 ' Kochholz, Deutscher Glaube und 

: 168. 

Vgl Oeaterley *" P bimpf und Ernat c M und zu 

'i u th 7, Iü6 Dil schottische Erzählung von t\ 

ten Belt the Cat, ist allbekannt. 



nie Mo 
:, £ tn , hen :i» ,Urt " .. ii;n hilft. l "' V i A 

sä 

>* - -ssTÄ 



und ist empört; sie bricht den Bund und erklärt dem 
perhng den Krieg. Der Letztere versammelt alle Vogel der 
oft, and die Mans alle Thiere des Landes; eine blutige Schlacht 
ginnt — In einer anderen russischen Version dieses Mahrchcns 
t es die Maus, welche den Vertrag bricht. Sie sammeln zu- 
miuen Vorrath für den Winter, doch als sie gegen Ende des 
miners damit fast fertig Bind, treibt die Maus den Sperling aus 
d dieser geht zum König der Vögel, ßich zu beklagen. Der 
tfnig der Vögel besucht den König der Thiere und legt die 
läge des Sperlings vor; der König der Thiere ruft darauf die 
aus, sich zu rechtfertigen, welche mit solcher Schlauheit und 
solcher Deuiuth ihre Sache ttihrt, dass sie schliesslich den Ilerr- 
hcr zu der Ueberzeugung bringt, der Sperling habe Unrecht 
>arauf erklären sich die beiden Könige den Krieg und lassen 
ich in einen furchtbaren Kampf ein, der mit schrecklichem Blut- 
vergießen auf beiden Seiten geführt wird und mit der Vcrwun- 
ung des Königs der Vögel endet, (Die nächtliche oder winter- 
che Maus vertreibt den Sonnenvogel des Abends oder da 
erbstes.) 

In der dem Homer zugeschriebenen Batrachomyomaebia 
>rahlt der Mäusekönig Psicharpax (Bröseldieb), der dritte Sohn 
es Troxart es (Brodnager), gegenüber dem Physignathos (Pausback), 
era König der Frösche, damit, dass er den Menseben nicht 
rclitc, dem er im Schlafe die Fingerspitze abgebissen habe; da 
egen hat er den Falken (der im indischen Mährchen die Maus 
os dem Schnabel fallen Hess) und die Katze zu Feinden. Der 
roscb, der die Maus bewirtheu will, lädt sie ein, sich auf seinen 
Ueken zu setzen und so in seine küuiglichc Wobustätte tragen 
lassen; zuerst macht der Maus der Ritt Spans, doch als der 
Frosch sie das eiskalte Wasser fühlen lässt, da vergeht ihr der 
oth ; schliesslich beim Anblick einer Sehlange vergisst der 
»Yosch seinen Reiter und rennt davon, indem er die Maus 
jer Hals über Kopf in das Wasser wirft, damit sie der Schlange 
r Beute falle. Sie erinnert sich, bevor sie das Leben aus- 
geht, noch daran , dass die Götter ein rächendes Auge haben, 
id droht den Fröschen mit der Rache der Mäusearniee. Man 
östet zum Kriege. Die Mäuse machen sich gute Stiefel aus 
linciihchalen ; sie überziehen ihre Kürasse von Wasserlinsen mit 
em Fell einer geschundenen Katze; ihr Schild ist der Mittel- 
opf der Lampen (hixywv *ö fuaofKpakov, d. h. wohl; ein St&ck 
ner kleinen Lampe aus terracotta, und zwar genauer, der untere 



nnd mittlere Thcil I ; zur Lanze haben sie eine Nad 
llclin cine bTfl Wttter sehen dem 

Pallas hat nitmlicb ihre Ungcneigtbcit ftrfcll 
-en zu helfen, weil sie das Oel aus den Lump 
haben, welehe ihr 20 Ehren brannten, nnd weil sie ihr Pep 
zernagt; ebenso gleichmütig ist sie n\ 

ciiisl aufgeweckt haben, ab tide aus dem 

Kampfe zurückgekehrt, rubel wollte- In der Sehlaoht geh 
her; schon will sie eine unglückliche Wendung für die 
nehmen, als Zeus sich ihrer erbarmt und anfängt, zu Mit 
seine Donnerkeile zu schleudern. Da die Mäuse sich dad] 
nicht sehrecken lasser taken die GH 

Welche die Mäuse in den Schwanz, die Ilände und die Küsse 
Geissen, und sie so zur Flucht zwingen. Es i*t das unzwi 
die Darstellung eines mythischen Rampfes. Die Frösche sind, 
wie wir sehen werden, die Wolken; die Nacht trifft die Wolke 
die Maus kämpft mit dem Frosch, Zeus, der Donnergott donnert 
und blitzt, um dem Streit ein Ende zu machen, zuletzt erscheint 
der retrograde Krebs; die Kämpfenden, Frosche und Mäuse, 
seh winden natürlich. 

Die Maus wird nie anders aufgcfaast als in Verbindung 
der nächtlichen Dunkelheit, und daher auch mit weiterer Ausdeh- 
nung des Mythus in Verbindung mil der Dunkelheit des Wini 
aus welcher in der Folge Licht und Reichthtimer hervorkam i 
In Sieilien glaubt man, dass wenn ein Zahn, der einem Kinde 
ausgenommen ist, In einem Loch versteckt wird, d ihn 

tortnimmt und ein Geldstück für das Kind zur Belohnung br 
Die Maus ist dunkelfarbig, doch ihre Zähne und 
siud weiss und glänzend* Die Maus Hiranyaka (die g 
im Pari rat antra ist das rothe Eichhörnchen, das iu einer Üao- 
len Fabel auf die Frage dcB Fuchses, warum es ahne 

wetzt, wenn es nichts zu esseu hat, antwortet, es time das» nm 
imnn ine Feinde gerüstet zu sein. In der Edda n 

ichen auf den Baum Yggdrasil und bringt <h 
und Nidhttgg in Zwietracht 

Der Maulwurf und die Schnecke haben diceelb< 
«lie graue Maus. Das indische Wort Äkhli oder Maal 
wurf (es ist sehnt» Im Kigveda 



' Al&y\ '■> 







reiches die Erde aufwirfi und unterirdiscl 
t ist auch wirklich der geschickteste Grab und 

warze Farbe und angebliche Blindheit befinden sich in 
vollkommener I 'elirrci »stimm im- mit dem Trauereharaakter, der 
ihm in der Mythologie zugeschrieben ist In einer Fabel 
Laurentius beklagt sich der Esel zum Maulwurf, dass er keine 
Hoiii und der Afte, dass er einen kurzen Schwanz habe; 

der Maulwurf antworte! ihnen: 

ltd potestis haue meam 
NUeram Inttiecite itetn haec conquevi 

ien Mythus wurde Pbineus ein Maulwurf, 
weil er auf den Rath seiner zweiten Frau, Idaia. seine benlm 
Söhn der ersten Frau, Cleopatra, hatte blenden las 

veil er die geheimen Gedanken des Zeus enthUlli 

Bei Du Gange finde ich, dass es im Mittelalter Brauei 
die Kinder war, sich am Weihnachtsabend mit Standen zu 
sammeln, um deren Enden Stroh gewiekelt war, das sie an 

, und dann in den Gärten beruniznziehn, schreiend 
„Taupes oft mulcts 

D je voim hrulerai la barbe «*r Iks m*.*' 

nden einen ähnlichen Ruf in der siebenten Erzählung <bv- 
■iten Buches des Pentani erone, Das gcböne Mädchen gebt 
marnzze suchen, und droht der Hcbneeke, ibr von ihrer Mutter 
Homer absehneiden zu lassen: 

„lese«, ietee, coro* 
Ca dj am mat a te scorn a, 
Te scorn a 'ncoppa Taatreco 
Che fa lo figlio niascolo ll 

Jm Piemontesiseben pflegen die Kinder zu singen, wenn sie 
Hol! die Schnecke die Horner heraussteckt; 

„LümaBsa, Lüniassora. 

I ira fora i to coro 

Daas no, ' i vad dal be 

E H j< 

id ent Fl leva soma, .»kinou tfd 





Kinder erschrecken dk ke mit der Ni 

ihre Mutter komme, die BOtnor derselben mit einem I 

„Nesci I J co rim ch 'a mamma veui 
E t' adduma tu eannileri." 

lm 11 riith mao der weissen Schnecke (la marinella) 

kleinen iKirner herauszustecken , wenn sie sich vor si 
uml n bewahren wolle: 

„Cbiocciiola marinella. 
Tira i'uori le tue Cornelia 
E se tu non le tirerai 
Calci e pugni tu buscherai.* 

Im I nskanischen glaubt man ferner, daas im Mona! April 
ch mit deT Schlange liebt, und deshalb giftig ist: 
her singt man : 

ujCfai vuot presto uiorire 
Mangi la chioceiola d" aprile.** 1 

Die Schnecke des VnlkyuWrglaubcns ist diimnnifcch ; daher w * i ni 
in Deutschland TOB den Kindern auch mit den» Namen ^/cr 
heiligen Gertrude geruien: 

?1 Kuckuck, kuckuck Gerderut 
k dine vor Horas heruf " * 



1 Dieses daas oo des Piemontesisehen bedeutet „weuu nu: 
nl»iir deutschen I'rbprungs. Der pieiuontesische Dialekt Hat auob ^^ 
itivr FiimlpartikeJ der deutscheu Sprache entlehnt, — In Deutschi** 
die Kinder 

„SehneckhuB, peckhüs, 
Stak din ver horiier rüt t 
Susi schmit ick di in'fl graven 
Da treten di de raven.* l 

Kuhn und SehwarU, N. d. S. M. n. G. p. ib3- 
a Als bei Rabeluis I. 38 Gargantua fünf Pilger in 
hit verspeist bat, bleibt noch einer unter einem Luttichhiatt verborg* 0, 
Beta Vater sagt zu ihm: „Je crois que e'est la une come de litna>s5^* 5I,, 
i»»' le mangel point, PourquoyV diät Gargantua, ilt eont bona ton* 

ntoys." 

* BfllltfOck, Handbuch der detttichen Mythologie» 2. ^ 









KAPITEL VIII. 
Der lhi*e, «las Kaninchen, das Hermelin und der Biber. 

Der mythische Hase ist unzweifelhaft der Mond Im Sanskrit 

leutet das Wort Qaga eigentlich: der Springende, ebenso 

: der Hase, das Kaninehen und die Flecke am Monde, welche 

Vorstellung eines Hasen wecken. Daher die Namen des 

ades: «ja^in, der mit Hasen versehene, und ga(;adbara, 

i gab h rit, der den Hasen tragende. In der ersten Erzählung 

dritten Buches des Pail cat antra wohnen die Hasen an 

K liste des Sees Candrasara oder Mondsee; und ihr König, 

rayadatta (der unheilvolle Gott, der Gott des Todes) hat die 

»udscheibe zum Palast Als der Hase mit dem König der 

i?j>hanten spricht, der die Hasen zertritt ebenso wie wir das 

der Knh sahen in Kapitel I > spricht er im Namen des Mon- 

Der Hase macht die Elephanten glauben, dass der Mond 

erlich auf sie ist, weil sie die Hasen mit ihren Füssen zer- 

en ; darauf verlangt der Elephant den Mond zu sehen und der 

führt ihn zn deni Mondsee, wo er ihm den Mond im Was* 

zeigt. Der Elephant, der sich dem Monde nähern und ihn 

Verzeihung bitten will, steckt seinen Rüssel ins Wasser, 

elches dadurch bewegt wird, so dasa der Widerschein des 

oudes getrübt ond tausendfach vervielfältigt wird Der Hase 

äet dem Elephanten ein, dass der Mond noch zorniger ist, weil 

das Wasser getrübt; darauf bittet «1er König der Elephanten 

Verzeihung und geht mit seineu Unterthanen weit weg; von 

•in Tage au leben die Hasen rnfaig au den Ufern des Mond- 

und werden nicht mehr von den Klurnptltssen ihrer kolos- 

*n Genossen zermalmt. Der Mond regiert die Nacht -und rhu 

Sonne regiert den Tag (und den Sommer). Der 

! d ist kalt, die Sonne heiss. Der Sonnen-Elepbant , -Löwe 

r i;eht am Abend hinab, um am Strome, am See tat 

itlichen Mondes zu trinken; der Hase warnt den Elephanten: 

er nicht ablasse, wenn er noch weiter die Hasen an den 

des Sees niedertrete, so werde der Mond seine kalten 

uldcn zurückziehen, so dass die Elephanten vor Durst und 

»kommen, Die andere Erzählung des Pancatantra 



H 



eine Variation des Mythus, den wir in Kapitel VI (vom Hund« 
von dem Nasen, der den hl a, welch« 

ihn verzehren will, ins Verderben führt, indem er ihn sieh i 
einen Brunnen stürzen Hast Dieser Mythus, welcher dem 
der Maus als der Feindin bald dee Elephanten, bald des L« an, 

bald des Falken analog ist, ist schon iu den vediseheu Hymne»* en 
sehr klar angedeutet. Im aehtnndzwanzigsten Hymnus de «-in- 

ten Huehes des Kigveda, in welchem der Fuchs den westlichem M ^ 
si den kranken Löwen I) besuchen kommt, in welchem tnr i_| lu 
Löwen haben, der in die Schlinge lallt* (und den die Mi iwjim 
Im \bcnd missbandelt, am Horden aber «lurch Z der i ^m- ü)B 

luden Seile befreit; im grieobfochaa Sprichwort ist es rn^ der 
Hase* der den Löwen in das goldene Netz zieht: .,£Axtt lay^^m^tag 

qq wvoivo) jigozio", ebenso wie »t ihn im Pancat antra . in 
den lirunnen lockt), und in welchem tta Hase das westKoha LÄ : n- 
geheuer verschlingt 1 * (eine Variation der griechischen Sage vboij 
dem Hasen, den eine Stute geworfen hat, und der sofort dar — au/ 
>eine Mutter verschlingt» in diesem Hymnus finden wir c kn 
Keim mehrer Thierfabeln desselben Cyclus Da» niedere TL »er 

egt das höhere: um dieses eigentümliche Moment dreht ^ioh 
der gauze Mythus; aus diesem Grunde auch lallt der Hund o* *ler 

ikal (canis aureus) den wilden Eber an, 1 und das Kalb üt^ > 
windet den Shei Der Hase begegnet uns wieder als der spri I 
wörtliche Feind das Löwen (daher das lateinische Spriehw«^»ri: 
„Mortuo leoni lepores insultaut M oder saltant; der Mond spri aig* 
auf die sterbende Sonnet im letzten Buche des RämäyaU*' 

der grosse Konig der Affen, ßäliu, den König der Ungehe* 1 
Ruvana, betrachtet, wie ein Lowe einen Hasen oder wie * l 
Yn-el Garuda die Schlange. (i 

Bei Aesop finden wir den Hasen T welcher Heim : •* 

den sterbenden Adler; auslacht, weil der Jäger ihn mit einem *' ,nt 
Adlerfcdern geschmückten Pfeil getroffen hat. In einer am 1 * 
äsopischen Fabel nicht sich das Kaninchen an dem Adler ^^" ' 
«her seine Jungen gefressen hat, dadurch, das» es den B^^^ iplu 



1 Lopacah sinbaiu pratyaücam atsah; #igv X, 2s 
1 Avaruddhah pari pad am na sinhah; X, fc" 
1 £ae,ah kehuram pratyuncam gagara; 

# Kroehtä varahaib nir atakta kakahut; X, 38, 4. 

* Vatao vrisbabbam yöcuvfiDah ; X, 88. ,.. 

inba^ ea^ainivätakshya garudo vi blinganKunmui: I 



401 



rzelt und umwirft, auf welchem der Adler sein Nest bat, 
die jungen Adler getödtet werden* 

Im siebzehnten mongolischen Malireben ist der Hase der 
ehter der Hohle der wilden Thiere (oder der Mond, der mri- 
^a und AViuIitcr des Waldes Nacht). 1 In dem einundzwan- 
len mongoltoobg] Miihrchen geht der Hase mit dem Lamm 
die Reise, am Fünfzehnten des Monats, als der Mond heraus- 
»mt, und vcrtlieidigt das Lamm gegen den Wolf der Nacht, 
eben letzteren er dureh die Nachrieht in Schrecken setzt, er 
vom Gotte Indra ein Schreiben erhalten, in welchem ihm 
ein Hasen ) befohlen werde, dem Indra tausend Wolfsfelle zu 
ngen. 

In einer buddhistischen Legende wird der Hase von Indra 

löi Mond verwandelt, weil er ihm freiwillig sein Fleisch zu 

^eben hatte, als er, in einen Pilger verkleidet, um iirod 

Der Hase, der ihm nichts weiter bieten konnte, legte sich 

r» Pener, damit Indra seinen Hunger beschwichtigen könnte, 8 

Im A vest a finden wir das Hermelin als den König der 

ere und den Biber als das heilige und unverletzliche Tbier, 

dessen Pell die reine Ardvirura bekleidet ist (weiss und 

ern wie die weisse Dämmerung, rosig und golden wie die 

>ra; wenn nicht Ardri^fira, deren Diadem aus hundert Sternen 

acht ist, auch erklärt werden muss als den Mond bezeich- 

d, welcher bald silbern, bald schön golden ist). Ferner: dass 

r Biber den Mond (die keusche Diana) darstellt, befindet sieh 

vollständiger Uebereinstimmung mit dem Rufe, den er als 

much (castor a east ran do mi Volksaberglanbcn geniesst; 

iher die Worte Cieeros Über die Biber, a und die Verse des 

iveual 



plmttottu casta™ qui sc 
Eunuchutn ipse faeit cupieus evadere damnum 
Teatk-ulomm, ndeo medicatnm intelliget uugueu."* 






1 V^L Seite IUI £ 

* Vgl. M lino ires sur Icb C'ontrees Uricutales, traduit« du 

ki Hiouen Thsang, et dii Chinoia par St. Julien, I, 

* Redimnnt ea parte corporis, propter quam mnxime expetuntur; Pro 

\o iScauro, Es heiset, dasa der Biber, wenn er von Jägern Ter- 
r t wird, seine Testikeln seihst abreiast, als den werthvolUten Tltell, 
B ^ntwegen er gejagt wird, da der Volksglaube den Testikeln des Bibers 
*«1 erbare Heilkräfte beilegte. 

»liertwti., die Tttlorr. 26 



■ 



102 

^ei Aldrovandi andrerseits erzählt Philostrntus. da- Trau 

en Mal fehlgeboren hatte. ■ (■ sm Kinde 

das Leben schenkte, als ihr Mann anenra Weise einen 

Hase einem Busen zog, Obwohl der Mond die 

furchtsame und keusche Göttin (oder Eunuch) ist, ißt er doch, als 
regengebend, die taeeundatrix und berühmt da über di 
borten wachend und sie beschlitzend; deshalb hatten die Wehen 
einen glücklichen Ausgang, wenn der Mond-Hase uder Lucina 
Beistand leistete; deshalb auch wurden in Indien Ehen nur au 
den viu/i'liii Tagen geschlossen, wahrend deren der Mond zu- 
nahm. Der mythische Hase und der Mond werden be&tam: 
ideatificirt, Anw diesem Grunde giebt bciPausanias die MundL- 
göttin den Verbannten, die einen geeigneten Platz zur Gl _— - 

adt suchen, den Rath, sie in einem Myrtenhain zu baneM^» 9 
in welchen sie einen Hasen Hieben scheu würden. Der Mond i s^ \ 
<ler Wächter des. Himmels, d, h. er schläft mit offnen Augen; ^ir^ x 
thut auch der Hase, wodurch der somnos leporinus sprier Vi 
wörtlich wurde* Im neunten ehstnischen Malirchen heisst es v<* 
dem Donnergott: „gewöhnlich schläft er wie der Hase mit ofteik ^^n 
Augen". ludra, der den Hasen in den Mond verwandelt, I eri 
schon erwähnt worden; Indra wird in tier Gestillt des g&haarika^ba 
dn dee tausendäugigen Gottes ein Eunuch; die tausend Ai». 
werden eines, der milloculua wird ein mo-nocalua, wenn «J.c*r 
Mond am Abendliiminel glänzt; daher sprechen wir bald von ileü 
hundert Augen des Argus, bald einfach von dem Argusauge, ti-^«u 
Auge Gottes. 

In eiuem Blavischen Mahrehen ' lacht tier Hase über * 
Bärenjungen und spuckt sie an; der Bär rennt hinter dem lia.*^^ü 
her und wird auf der Jagd in ein dichtes Gebüsch gelockt. ***** 
r gefangen wird. Da der Löwe in Russland unbekannt 
wird der Biir für ihn eingesetzt; der russische Hase lockt *3 

i» in die Falle, wie der indische und griechische den Löv^^ u 
hineinfallen ütsst. Dieser Hase, welcher dem Sonnenhelden o»*-* L ; 1 
dem Nmncnthier des Abends ein Leides anthut, ist identisch ^ 
dem» welcher im fünfzigsten Mnhrehen des fünften Buches 
I lanassieff und in der russischen Volkssage dem Hochze^ \ 
wagen begegnet und für die Braut und den Bräutigam UngL ^ 1 
bedeutet. Der Mond -Hase, die keusche Beschützerin der ü ^-" 



1 Angeführt von A tan. 
faf ruaiiichen Mühreh. 



in den Bemerkungen zu dem ersten Bi 



ndv 







imd Geburten, die Wohltäterin von Jedermann, darf nicht dem 
-neu; stellt sie sieb der Hochzeit entgegen (vielleicht 
am Abend und im Herbst) oder wird der Hase von dem Wagen 
zertreten oder überholt .wie das Sprichwort sagt), so ist das eio 
iHfifl Vorzeichen, nicht allein fUr das junge Paar, sondern für 
Jedermann; Sonnen- sowohl wie Mondfinsternisse wurden im 
Vniksmabreheu immer als ungllickbedeutend betrachtet, lu rus- 
sischen Volksmähreben finden wir häufig den Hasen nut er einem 
Baum, oder auf einem Felsen in der Mitte des Sees erwähnt, wo 
eine Ente ist, welche ein Ei enthält; dieses Ei (die Sonucnscheibe) 
ist ;m einen kostbaren Stein gebunden; wenn es dem jungen 
Helden in die Hände fällt, stirbt das Ungeheuer und er kann die 
junge Prinzessin heirathen. * Das siebenjährige Mädchen, welches 
auf einem Hasen reitet und so durch die That das ihr von dem 
heirathslustigen Tzaren ausgegebene Räthsel [Ost, ist eine Spielart 
(iieses Mythus, Mit Hilfe des Mondes kommen die Sonne und 
die Abend-Aurora in dem Lande des Morgens an, finden einander 
und heirathen sich; der Moud ist die Vermittlerin der mythischen 
haeit; der Hase, welcher diese Vermittlerin darstellt, darf also 
ihneu nicht nur nicht BJefa entgegenstellen, sondern muss ihnen 
sogar mit Rath und That helfen; am Abend trennt der Mond die 
Sonne von der Aurora; am Morgen vereinigt er sie wieder. 



Afan. I 



1'ITEL IX, 
IH« UttiIo|Ms tier Hirsch, dio Hirschkuh mid «Ho &*xcH<* a 

l>cr Hirsch stellt die glänzenden Gestalten dar, weltitu 
wolkigen oder nftobtltcben Walde erscheinen; das sind nun I 

and Donnerkeile, bald die Wolke selbst, wele der- 

seih. i, bald der Mond in dem Dunkel der N*c1 

e Hirsch ist bet immer entweder _ 
auch gefleckt; wenn arz ist, ist er von diabolischer Natur 

und stell' uzen Naehthimmel dar Bisweilen ist <i 

zeude Hiiach eine 70m Dämon des Waldes zur 
Helden urnene Gestalt. 

lii^veda stellt uns die Maruts oder V, 
den Wolken blitzen und donnern, als von Antilopen gesogen dar, 

uts „sind geboren von selbst glänzend, mit A 
mit Lanzen, unter Donnergepolter und Hlitzcszurken'*. • 
rrt mit einem rothen Joch die Antilopen. 8 U 
Us geht von selbst und bat ei 
Pferde." ' l >ie Pferde der M.unt>. von denen ivir schon wissen, 
Ionen sind, beissen geflügelt* 
haben. s Die Antilopen der Mnruts 
Doch werden die Maruts nicht alleii 
tragen auch anf den Schultern Antüopenfelk 

• loch dem Helden zu bei wickeln ihu d 

e Gazelle and der Hirs. mlich in Verlegen I:. 



bksftSbhir mhtihhilp sAlum Aiigtbiiih - Wuita 

«Y*bk.Uuiv 7, *. 

r afugdbvmjn prmsbt'tr t*h*ti roi 
* Sj* lit 5vA*nt pfUhidscro Juri gwty 

:inin*dbhir mmruUh rrark 
fvn*it; I 

r ht«nr»|i*nihlnh 
hfee MiinicU* priibniir arakstu 

hm den 1 
Ian Mr KUiduag in todies vgl, die l*n^r and lehn 












tiren. Dieses mythische Thema ist in zahlreichen iudi- 
Legenden weiter ausgeführt. 
In der ersten Scene von Kalidäsas (Jakuntala leitet eine 
jeflecktc (krishnasära) Gazelle den König Dushyanta irre. 
Im M ah ab ha rat a * verfolgt König Pariksbit eine Gazelle 
and verwundet sie (wie der Gott Qiva eines Tages die Opfer- 
■iie verwundete); er folgt darauf ihrer Spur, verliert sie je- 
an« den Augen, da sie den Pfad des Himmels in ihrer ur- 
sprünglichen (d, b. himmlischen) Gestalt eingeschlagen hat. In- 
dem der König sie wiederzufinden bemüht ist, zieht er eich den 
Tod zu. 

In demselben Mahäbhärata* stirbt König Pandu indem 

nblick, als er sich mit seinem Weibe Madri vereinigt, weil 

auf der Jagd eine männliche Gazelle in dem 

Augenblicke durchbohrt hatte» als sie die Vereinigung mit ihrem 

bchen gemessen wollte. 

Im V i s h n u - P u r a n a J verliert König Bharata , welcher 
weinen Thron verlassen, um sich ganz der Busse hinzugeben, den 
Lohn seines ascetisehen Lebens, indem er eine leidenschaftliche 
Liebe zu einem lieh fasst. 

Im Rämayana 4 wird Marina, der von einem Diimon be- 
sessen ist, auf Befehl Ruvanas, des Königs der Ungeheuer, ein 
goldeuer silbergetieekter Hirsch, der vier mit Perlen geschmückte 
Hörner und eine Zunge so roth als die Sonne hat, und verleitet 
Kama, ihn zu verfolgen, um sein silberfleckiges Fell zu bekommen, 
auf welchem sich niederzulegen und zu ruhn, Sita den Wunsch 
I hat. So gelingt es dem Hirsch (hier ein Aeqnivalent 
des Hasen), Kama von Sita zu trennen- Er stösst dann einen 
Klageruf aus, die Stimme Kaiuas nachahmend, um dadurch dessen 
Bruder Laksh Diana zu verleiten, diesem zu Hilfe zu kommen und 
Sita allein zu lassen, damit Rävana sie dann ungestraft entfuhren 
könne. Lakshmana verliest sie nur unwillig, weil er daraus, 
»lags der Hirsch wie das Sternbild des Hirschkopfes (oder Ga- 
aellenknptes, Mrit'aeiras) glänzt, Verdacht schöpft, es sei eine 
Erscheinungsform des Marien, der, als Hirsch, Schon viele andere 
»ten, die ihn gejagt, ins Verderben gestürzt bat Der Mond 



1 I ! 

>sn ft; l, 4ÖÖ6 
1 II, Kl {übers, von \\ tl 
• ]1I T 40. 40. 4!>, 



408 

hat im Sanskrit ausser dem Namen Qaqadhara (der den Hase 
trägt) auch den: Mrigadhara, oder: der die Gazelle (resp. de 
Hirsch) trägt. Dor Sonnenheld verliert sich im Walde Nacht, als 
er die Gazelle Mond verfolgt. Eine dämonische Gazelle scheint 
nr im Bigveda aufzutreten, wo Indra mit einem Ungeheuer 
Mriga kämpft und es tüdtet. In der deutschen Sage giebl 
zahlreiche Legenden, in denen der Held, der den Hirsch jagt, den 
Tod erleidet oder in die Hölle geschleppt wird. l 

Wie der Mond ein Hirsch oder eine Gazelle ist nod nach 
der Sonne kommt, so wurde bisweilen auch die Vorstellung 
wonnen ; dass der Sonuenheld (resp, Heldin) in einen Hirse 
(oder eine Hindin) verwandelt wurde. 

Im Tuti-Name* geht ein König auf die Jagd, tödtet eine 
Antilope, verläest seinen Körper und begiebt sich in den der An- 
tilope. Diese mythische DraUeidtmg lässt sich doppelt verstehen. 
Die Abendsonne Spiegel! ihre Strahlen im Ocean der Nacht; der 
Sonnenhirsch sieht seine Hörner in der Quelle oder dem See der 
Nacht wiedergespiegelt und bewundert sie. An dieser Quelle sit7t 
eine Bchtine und bezaubernde Sirene, der Mond. Diese Quelle kB 
die Wohnung des Mondes; sie verlockt deo Heldenhirsch, des 
in der Quelle bewundert, und vernichtet ihn, oder aber der Hirseli 
zieht den Helden zu der Quelle, wo er ihn den Tod erleiden 
lässt. 3 Der Hirsch der Fabel wird, nachdem er sich in der 
Quelle bewundert, von den Hunden zerrissen, welche ihn im 
Walde einholen, weil seine Ilörner sich in den Zweigen verfangen; 
die Sonnenstrahlen werden von den Zweigen des nächtlichen 
\V:ildes verhüllt. Aktaeon, der in einen Hirsch verwandelt und 
von den Hunden zerrissen wird, weil er Artemis den Mond) 
nackend im Bade gesehen hat, ist eine Spielart derselben Fabel. 
Bei Stesichorus (angeführt von Paoaaniaa legt Artemis dem 
Aktaeon ein Hirsch feil um und hetzt die Hunde, ihn zu verschlingen, 
damit er nicht den Mond heirathen könne. Sonne und Mond 
sind Breder und Schwester; der Bruder erleidet den Tod, 
er seine Schwester verführen will. Ein litauisches Lied schilder 



1 Simrock, a. ft. 0. p 854. 

* U, p, 2&a 

1 Oft führt tier Hi rech our zu einer schönen Frau am Bruxmei 
ist aber tier Unterwelt verwandt niui die Verbindung mit ihr an die Be 
dingung geknüpft, dass die ungleiche Natur de« Verbun ht 

den Tag gezogen werde. Simrock a, a. 0. p. 35Gj vgl» ebenda da» ga 
Kapitel 102; Sonneneber und Sonnenhirsch. 






Eld Mena» (den Indischen Manu) als den untreuen Gatten 
der Sonne (welche weiblich ist), der in Aushrine (die vedise.be 
lie Morgen-Aurora) verliebt ist. Der Sott Perkims tödtet 
den Mond, o nunc zu rächen, In einem serbischen Lied* 

macht der Blond seiner Herrin oder Gemahlin, der Morgen-Aurora, 
Vorwürfe über ihre Abwesenheit Die Aurora antwortet, dass sie 
auf den Höhen von Belgrad; d. h< der weissen und glänzenden 
It, im Himmel, auf den stolzen Bergen urnbergewandert ist 

Der König des Tut i -Name, der die Tracht einer Antilope 
annimmt, seheint eine Spielart des Sonnenhelden im Augenblick 

Nahens der Nacht, oder des Esels in der Löwenhaut zu sein. 

no jedoch der indische Mond Mrigarüga, König der wilden 
Thiere, ebensogut wie der Lowe ist, sofern der Mond der Sonne, 
ein mriga dem andern, ein Löwe dem andern, oder ein Hirsch 
dem andern folgt, erseheint der Sonueuheld oder die Sonnenheldin, 
wenn sie in die Nacht eintreten, in der Gestalt eines glänzenden 
Hirsche, reap, Hindu], nieht mehr als die Sonne, sondern als der 
Mond, welcher, obwohl glänzend, in die Höhle eindringt, mit Da* 
monen in Beziehung steht und selbst dämonisch ist. 

Artemis (der Mond] wird als eine jagende Göttin dargestellt, 
wie sie mit der Linken eine Antilope zwischen den Hörnern ver- 
wundet. Dieser Göttin wird auch das Verdienst zugesehrieben, 
die Hirsche ohne Hilfe von Hunden eingeholt zu haben, vielleicht 
weil sie bisweilen lelbsi ein Hund ist, indem sie den Sounenhirsch 
des Abends überrascht. Die vier Hirsehe der Artemis hängen 
meines Erachtens mit den vier Hirschen, die um den Baum Ygg- 
drasil! wohnen, in der Edda zusammen. Der Hirsch Eikthyrner, 
der die Blätter des Baumes Lerad isst und dadurch all sein Was- 
ser hcraustliessen liisst, scheint andrerseits auf die Sonne zurück- 
sfaen, wie sie untertaucht und ihre Strahlen in der AVolke ver- 
liert (auf den Snnncubirseh wird auch in der Edda angespielt.) 

Artemis, welche eine Hindin an Stelle der zu opfernden 
Iphigenie setzt, scheint auf die Mnmlhindin als an die Stelle der 
Abend-Aurora tretend hinzuweisen. Wir erkennen den Mond auch 
in der Hindin, welche nach Aelian und Diodor, Telephus, den 
Sohn des Herakles (Herakles holt bei seiner vierten Arbeit deu 
Hirsch mit goldenen Hörnern ein) nährte, der auf Befehl seines 
Grossvaters im Walde ausgesetzt worden war; ebenso wie in der, 

be nach Justin im Walde ihre Milch dem Neflen des Königs 

(artessier, and später nach den Vitae Sanctorum dem 
verwundeten Aegidius, dem Waldeinsiedlcr, zu trinken gab. Es 



giebt zahlreiche mittelalterliehe Legenden, welche Reproductioneti 
hievon Bind und von dem jungen Helden erzählen, der im Walde 
verlassen und bald von einer Ziege* bald von einer Hindin 
nährt wird, derselben, die später dem königliehen Vater bei der 
Wicderauffindnng seines Sohnes, oder dem prinzHclicn Gci; 
zur Entdeckung der verlassenen Prinzessin, seiner Braut, alß 
Wegweiser dient. Wahrscheinlich eine derartige Reminiscenz au 
die Nahrung spendende Hindin des Mythus war die Ursache, 

, wie ich bei Du Gange * lese, silberne Bilder von Hirsehen 
an alten christlichen Taufsteinen angebracht wurden. 

Unter den Bräuchen der ersten Christen, die von St. Augustin, 
St. Maxim us von Turin und anderen Kirchenvätern verdammt 
werden, war der, sich am ersten Januar als Hindin oder als 
altes Weib zu verkleiden, Das alte Weib und die Hindin stellen 
hier ganz augenscheinlieh die Hexe oder das hässliebe Weib 
Winter dar; und insofern der Winter, wie die Nacht, unter dem 
Einiiuss des Mondes steht, war die Verkleidung als Hindin 
andere Art, den Mond darzustellen. Wenn der Mond oder die 
Sonne scheint, ist die Hindin glänzend und gewöhnlich günstig, 
ist die wilde Ziege wohltkätig (die wilde Ziege, die Hirschkuh 
und der Hirsch sind in den Mythen identisch; dasselbe Wort, 
mriga, dient in Indien zur Bezeichnung der Sternbilder der Ga- 
zelle und des Steinbocks oder der wilden Ziege), und verjagt die 
Wolle von dem schlafenden Helden im Walde - Wenn der Him- 
mel dunkel ist, ist die Hindiu aus einer glänzenden eine schwarze 
geworden, und ist als solche ein höchst unglückliches Omen; zu- 
weilen, in der Mitle der Nacht oder des Winters, verschwindet 
die schöne glänzende Hindin, resp« Mond oder Sonne, und das 
schwarze Ungeheuer Nacht oder Winter bleibt allein zurück. In 
der neunten Erzählung des Pentamerone verwandelt sich der 
Huoreo (rakghas oder Ungeheuer in eine schone Hindin, um den 
jungen Canneloro anzulocken, der sie verfolgt, in der Hoffnung, 
sie zu erjagen. Doch sie zieht ihn in die Mitte des Waldes 
Winters), wo sie so viel Schnee fallen lässt, „che pareva che lo 
cielo cadesse" (die weisse Hindin, iu welche die Hexe das schöne 
Mädchen verwandelt, in dem Mahrelieu von Madame d'Aulnoy, 



•• i iittei baptitUeriuniiii ornamegtit nun smnel oecur- 
runt, quo u<i L»::jjtiämum, qüomodo eervua ad font es aquaruixi, Mitnmo desi* 
derio perveuiruduni esse monatraretur. 1 ' Du Gange, b* Df* 

• Vgl, l.nrhut Conte» Merveilleux, Xlll. 






**i^ 



409 

dürfte dieselbe Bedentang haben); darauf wird die Hindin wieder 
ein Ungeheuer, um den Helden zu verschlingen. Die Periode, in 
welcher der Mond verborgen oder im Abnehmen ist, in welcher 
die Nacht dunkel ist, wurde von den alten Indern als eine Un- 
glückszeit betrachtet, während die Zeit des Vollmondes oder we- 
nigstens des zunehmenden Mondes für eine günstige galt. Aehn- 
liche Vorstellungen herrschen in verschiedenen Gegenden noch 
heut unter dem Landvolke. In einer rutenischen Erzählung, 
veröffentlicht von Novosielski, bittet der Abendstern (litauisch: 
vakerinne; slavisch: vecernitza, die Abend- Aurora) seinen 
Freund Lunus (der Mond ist im Slavischen und im Sanskrit 
männlich), ein wenig mit dem Aufgehn zu warten, damit sie zu- 
sammen aufgehn können, und setzt hinzu: „Wir werden gemein- 
schaftlich Himmel und Erde erleuchten; die Thiere werden auf 
den Feldern froh sein und der Wanderer wird uns auf seinem 
Wege segnen." 



410 



KAPITEL X. 
Der E lepliant. 

Die ganze mythische Geschichte des Elephauten ist aut In* 
dien beschränkt. Die Stärke seines Rüssels und seiner Hauer, 
seine außerordentliche Grösse, die Leichtigkeit, mit welcher er 
schwere Lasten trägt, seine grosse Fruchtbarkeit, alles dies 
zu seiner mythischen Bedeutung hei und zu seinem Rufe als eine* 
grossen Verwilsters des himmlischen dunklen oder wolkigen Wal- 
lt eines Atlas, eines Weltenträgers , und des Rose 
Regengottes. 

Der Elephant hat sogar im vedischen Himmel eine Stelle» 

Die Marals, von Antilopen gezogen, werden mit wilden El«- 
phanten verglichen, welche Wälder niedertreten; 1 die BfllWf 
der- Antilopen, die Hauer des wilden Ebers, der Rüssel nod die 
Hauer des Elephauten sind gleichbedeutend f und werden in flfl 
Sonnenstrahlen, in Blitzen und Donnerkeilen gesehn. Der Rq 
nnd Donnergott Indra wird mit eiuem wilden Elephauten 
glichen, der seine Kraft auslässt * — mit einem wilden 

Ulfen, der in der Brunstzeit sich bestäudig in einer fiel 
Aufregung befindet f Der Gott Agni wird angerufen, bervm/n* 
kommen, gleich einem furchtbaren König auf einem Elephauteu. 1 

Der Elephant stell! gewöhnlich die Sonne dar, wie sie 
in der Wolke oder der Dunkelheit cinsehliesst oder aus ihr hei\ 
kommt, Lichtstrahlen oder Blitzstrahlen hervorschiessend (die mau 
auch für verursacht hielt durch die Reibung an der Achse des 
Bades des Sonnenwagens \ Die Sonne besucht in den vier Jahres- 
zeiten die vier Viertel der Erde, Osten und Westen, Süden und 
Norden; daher vielleicht die indische Vorstellung von vier Ele- 
phauten, welche die vier Ecken tier Erde tragen, 5 Indra, der 
Regengott, reitet auf einem ungeheuren Elepbanten, Airavata oder 



1 Mrigu iva hastinah khadatha vana yad ärunishu tavishir »yugdhvam; 
ifigv. I f " 64, 7, 

: Mrigo ua hasti I i h;(rnU; Kigv, [V, I6 t 14. 

uä wrigo na varaniifc purutrü carathaih du 
4 \ thi rigfll .,,!. .ivi'«u ihliona ; Rigv. IV. 

■ Etantl; 



iravana, Her Wolke oder Dunkelheit selbst, mit Ihren glänzenden 
Eruptionen; airavata (neotr. und airavati sind auch Benennungen 
des Blitzen Der Elephant Airavana oder Airavata ist einer von 
den ersten Sprtfsslingen des Himmels, gezeugt von der Erregung 

rs himmlischen Oceans. 
Er spielt eine hervorragende Rolle in den Kämpfen Indras 
gegen die Ungeheuer; daher tragt Rävana, der Ungelieucrknnig 
Lanka, noch die Narben der Wunden, die er von dem Ele- 
plianten Airavata erhalten hat, in dem Kriege zwischen den 
OiUtern und den Dämonen, * obwohl dieser selbe Ravana prahlt, 
eines Tages Indra überwältigt zu haben, welcher aut dem Ele- 
mten Airavana ritt 2 
Doch nicht immer bewahrte der mythische Elephant den Cha- 
rakter eines Tbieres, das von den Gittern geliebt wird; nachdem 
andere Thiere zu besonderer Gunst gelangt waren, seifte er sich 
zuweilen von der Seite des Ungeheuers. Di« Sonne verbirgt sich 
in der Wolke, in dem wolkigen oder nächtlichen Berge, in dem 
in der Nacht, im Herbst oder im sehneeigen Winter, Dabor 
haben wir den weissen Elephanten (Dhavala), den bösartigen 
Morder weiser Man nor rishis, der Sonnenstrahlen); der Wind, der 
Vater llannmants, in Gestalt eines Affen, zerreisst ihn mit seinen 
Klanen und reiset ihm die Hauer aus; der Elephant fällt einem 
Berge gleich 3 (der Berg von Schnee, oder die weisse Wolke, lr>st 
sieh auf; dieser weisse Elephant und der weisse Berg, oder Dha- 
fftlagiri, sind identisch; leicht entstand ein Wortspiel mit p 
Elephant, und naga, Berg und Baum; das Wort e ring in , eigent- 

ich: gehörnt, bedeutet Bannt, Berg und Elephant; der Wind 
rieht durch, zerstreut die Wolke und treibt die Schueelawitien 
orwärts). So heisst es, dass der Arie SftBP&dttH eines Tai 
iegreich über den Elephanten Airavata war. 4 Der nördliche 
Pfad des Mondes heisst auch airavatapatbäj 

Wir sahen schon den Elephanten, der an den Ufern des 

lomlsees die Hasen mit seinen Füssen niedertritt und mit seinem 

ssel das Wasser dieses Sees trübt. Im Raniäyana : ' betrachte! 

Bharata als ein unglückliches Vonteichen, data er von einem 



K:i tuay in, 9& 

* III, 47 
V. 8. 

vi, a 



niie taucht in den Ocean d< 
■••nglisse. 

Der Elephant bei oder in dem Wai 
bedeutend mit der Schildkröte, die an den 

der in der Tiefe des Meeres wohnt. In der 
Ko.m ist es bald der Elephant und bald die Schild! 

welche die Welt trügt. Aus diesem Grunde hem 
Wettstreit zwischen diesen beiden mythischen Ti 

Deshalb wird der Adler, der König der \ 
Vogel Garnda, der Sonnenvogel, dargestellt als ein V 
Feind bald der Schlange, bald des Elephanten 
ebenso du eine wie das andere; Airavata ist Buch d 
eines Beklau and bald der Schildkröte. Im 

mäyana 1 irüp;t der Vogel Ganida einen Elephant 
Schildkröte in die Lüfte (die entsprechenden westlichen Fabeln 
sind augenscheinlich indischen Ursprungs), um sie zu verzehret. 
Dieselbe Erzählung wird im M a h a b h a r a t o ■ 
zwei Brüder mit einander über die Tbeilmag ihr« 
jeder verflocht den andern, nnd so wird der eil 
Elephant, der andere eine colo* D al* 

solche ihren Kampf in einem See erbittert fort, b, isebe 

Vogel Garuda (die neue Sonne) beide packt m. -im 

eines Berges trägt. 

In der fünfzehnten Erzählung des ersten Buches des Pa 
t antra finden wir Vögel ab Feinde des Elephanten da 
wegen der Verwüstungen, die er anrichtet; tier Vogel, di 
und der Pro» -n den Elephanten ins Verderben; die Fl 

setzt sich in eines von seinen Ohren; der Vogel hackt ihm die 
Augen aus und blendet ihn; der Frosch quakt am 
tiefen Tümpels; der Elephant, von Durst getrieben, kommt 
denselben und ertrinkt. 

Der vedische Elephant bat I er 

dem ibenden Indra zusammen hängt; als jedoeb Jndra fiel, 

nni Brahman, Vishnu uud Oiva den Platz zu rann uuek 

sein Elephant dem Schicksal, eine Heute d< 
Vogels Ganida zu werden. In der obenangefnhrb 
F:t ui a tau t ra zieht sich der Elephant die Rache den 



er einen I» wurzelt hat, auf dem sich das > 

ineu Eiern befand, welche letztere natürlich 
i rat a von dern Vogel 
Oarn.la, der den Elephanten in die Luft trägt p bietet mehre an- 
analoge und interessante Einzelheiten. Der Vogel Oai 
mit dem Elephanten und der Schildkröte davon; auf dem 
r sich, ermüdet, auf dem ungeheuren Ast eines Hau- 
ler; die Last ist zu schwer und der Ast bricht. Au dic- 
Asfa Q, mit den Köpfen nach unten, /irr Strafe mehre 

rennten, aus den Haaren Brahmans geboren; der V 
nimmt den ganzen Ast, Rammt den kleinen Eremiten in 
label und tragi sie hinauf in die Lüfte, bis es ihnen ge- 
cut kommen. Diese Zwerg-Einsiedler auf dem Zweige 
QQ8 an die Ameisen erinnern) hatten eines Tages Indra 
apa Pragäpati will ein Opfer bringen, um einen 
alten, und befiehlt den Göttern, ihn mit Holz zu ver- 
n lndra, gleich den vier Elephanten, welche die Welt 
•n, nimmt auf seine Schultern einen ganzen Berg Holz, Mit 
dieser Last beladen, trifft er auf dem Wege die Zwerg-Einsiedler, 
ein Blatt in einem Karren ziehen, und in Gefahr sind, in 
rn Tümpel, von der Grösse der Klaue einer Kuh zu ertrinken. 
aen zu Hilfe zu kommen, lacht Indra und geht vorbei; 
nsiedler, darüber empört, bitten um die Geburt eines 
ttdta; deshalb wurde der Indra der Vögel geboren, der 
das Ross Vishnus, welches natürlicherweise mit 
Indras, dem Elephanten, im Kampfe tief 



414 



KAPITEL XI. 
Der Affe und der BJlr. 

leb stelle hier unter einem Rubrum zwei Thierc voo seil 

verschiedener Natur und Race zusammen, die jedoch iu Folg 
einige* derh ins Auge lallenden Aehnlichkcitcn, zu denen wohl 
Zweideutigkeiten und Wortspiele kaineu, im indischen Hjl 
mit einander eng vi rsihwistert sind. Ich spreche speeiell vtm 
imliscbeu Mythus, weil der Affe, der in Indien so gewöhnlich ^ 
vielen der indogermanischen Nationen in ihren zerstreut liegende 
Wohnsitzen lange Zeit unbekannt war, so dass, wenn *ie rieUi 
eine dunkle Erinnerung au ihn aus dem Theile Asiens, wo die 
arische Mythologie ihren Ursprung hat» bewahrt hatten, 
doch bald vergassen, als sie das Thier selbst, das die nrspntn 
liehe mythische Gestalt in der Vorstellung geweckt I 
mehr vur Au-eu hatten, Da sie jedoch zähe an der Siibstau 
des Mythus festhielten, so setzten sie nach und nach an die Stelle 
des ursprünglichen mythischen Thieres, Affe geheisBen, im Stideü 
den Esel, im Norden oft den Baren. Sogar in Indien tindeu wi T 
bereits Allen und Bären mit einander verbunden. Eine rötUi 
Farbe des Fells, Mangel an Symmetrie und Plumpheit in 
Formen, Stärke im Umarmen mit den Vorderpfoten, die 
keit zu klettern, der kurze Schwanz, Sinnlichkeit, Anlage zu 
sik und Tanz — alles das sind charakteristische Eigeuscba 
die sowohl bei Bären als bei Affen angetroffen werden und L**~* 
ihnen mehr oder weniger hervortreten, 

Im Ru may an a heissl der weise Gämbavant, der 
des Zuges gegen Lanka, bald König der Bären (jiksbapl 
t h i v a), ' bald grosser Arte (m a li I k a pi i. ■ 

Das Wort hari bedeutet schön, golden, rothlieh, Sonne tu 
Affe; das Wort kapi (wahrscheinlich: dei 
deutet Affe und Sonne. Im Sanskrit heisst der vidyut 
Donnerkeil, der rothliche Donnerkeil, auch kapila, von 



1 Ramöy. IV, ua. 



bn Indras, bat zum Abxeii 

einen Affen; dalier sein Name Kapuiirv.iji 

Prof. k; mt auch an. dass das Wort rikslia, 

nnd .on der Wurzel arc, in der Bedeutung scheinen, 

.-uleiten ist (arka ist die Sonne), wegen der roth- 

lichen Farbe des Bärenfells« 1 Doch lädst net rikslia (wie 

ursus nnd oWa>c auch von ral das Ungeheuer, ableiten 

[leicht als ein Zurliekhaltcr, ein constrictor, arctor), so dass 

nie diese Benennung den Uebergangspunki von der Vor- 

tlicnen Bären zu der des Bären-Ungeheuer» liefert. 

Sigveda werden die Maruts als die mächtigsten Heiter 

Incli Mldert; doch schon ein Hymnus zeigt nie in dem 

te von Nebenbuhlern Indras. Der Gott Vishnu ist im Rig- 

I i\ ^e\s<»bnlieb eine dem Indra sympathische Gestalt; nur in 

Hymnen erscheint er bereits als sein Antagonist. Int 

Kapitel sprachen wir von dem vishuuitisehen Vogel, 

dem Winde, dem Vater Ilannmants, und einem Affen, als 

Feiuden des Elepbanten Indras. In der Sage des indischen Epos 

na, in R&ma personifieirt, die Affen zu Verbündeten. I>ie 

am meis uzende nnd blitzende Erscheinungsform des (ioties 

st sehr versebieden von seinen geheimen uud mysteriösen «Jestal- 

ingen. Vishnu, die Sonne, die Sonnenstrahlen, der Mond nnd 

lie blitzen, sind ein Heer von goldeneu Affen, welches 

n das Ungeheuer kämpfen soll Aus demselben Grunde hat 

ier Affe im Gegensatz dazu im Rigveda eine Ungeheuergestalt; 

was diabolisch war, wird im Laufe der Zeit göttlich und — 

•ersa. Im secbsuudachtzigsten Hymnus des zehnten Büohei dea 

Lotnmt Vishnu, in Kapi (Affe) oder Vrishäkapi (Arte. 

ausspritzt, regengebender Affe) personiticirt, die von ludra 



i den Zusammenhang zwischen den sieben riksbas (riBbayaa, wei* 
neu) der luder und den septemtrionea, i 
«bexi ier Bärin Arkturus) und den arktischen Gegenden 

saute Abhandlung von Prof. Max Aliilier in der zw 
Vorlesungen*'. — Die Bieben rishis sind identisch mit den 
irasen, den sieben haris, und den Maruta, deren sieben aind 
. «1 h einundzwanzig). In den Maruts, wie in 

q. Sogar das Weib des Königs der Ungeheuer 
blich, der Stern. So scheint zwischen dem Atieu 
i dasselbe Verhältuiss zu be^tehn» wie zwischen dem B 
rguinent Rir die Identität <! 



»»^ 



416 

geliebten Opfergaben zu vernichten, Indra, der \ 

at ihm den Kopf ab, & er gegen ein 
Nachsieht üben will. 1 Dieser Arte ist wahr> 
gebende, röthlicbe, von dem Winde getrag 
welche Indra mit Beifiett Donnerkeil durchbohrt, obwohl d 
selben von den Winden oder Maruts getragenen Kits- nnd i 
nerwolken (d. h. die Maruts selbst j im Kigvcda gewöhnlich als 
der höchsten Gottheit beistehend gedacht werden. Als / 
Vishnu und Indra und zwischen den Marnts nnd liui 
Differenz entstanden war, nahmen die Maruts für Vislrau Pi 
und wurden Affen wie Vishnu, — das Wort hari, ein Li 
name Vislmus (bald Mond, bald Sonne), bedeutet j 
„Affe" Vishnu umgiebt sich mit schönen rtftblichen oder gold* 
Affen, oder mit haris (Sonneustrahlen oder blitzenden und 
nernden Wolken ) , ebenso wie der vedisebe Indra von haris ge- 
zogen wurde, Kama kapiratha ist einfach eine Ink: 
Visnus, welcher sich die Hechte Indras mit Gewalt anmalst; di< 
Letztere hatte nämlich, wie wir sahen, Vishnu seine ha 
damit jener seine drei berühmten Schritte machen könne. < I 
bar vergass Vishnu, die Schbnkaarigeu seinem Freunde wi( 
zuzustellen; daher geht von diesem Augenblicke an die Märke 
Indras fast ganz auf Vishnu über, der in Gestalt Hamas, von den 
haris oder rothhaarigen, d. h. von den Affen untersl urcb 

das Dekhan (eine von Affen dicht bevölkert 
eilt, zu der Eroberung der Insel Lanka, Dai M aha bh A rata 
belehrt uns, dass Affen und Pferde Hari zur Mutter bfl Die 

glänzenden Maruts bilden die Armee Indras, die rotbhaari 
Affen und Bären die Hamas, und die mythische und son» 
Natur der Affen und Bären des Rätaäyaua offeubarr 
Male, Der König der Affen ist ein Sonnengott. Der ali 
war Bälin benannt und war der Sohn Indras (Qakraafinn). Sein 
junger Bruder Sugriva, der nach Belieben seine Sei 
dert (kamanipa), der sieb mit Hilfe Vishh sam 

seinen Thron aneignete, soll ein wirkliches Kind der >«mne sein 
(bhaskarasyaurasah putrahsüryauandanuh). ° Hier ist 
klar, dass der vedische Antagonismus zu 



1 Priya Uehtimi mti kapir vy&ktfi vy adüdmihat £iro öv a*i 
na eugaoi dushki t. btrarufa rtyr&tmtd lad 

1 Ul, 



r tbierisehen, und zwar ganz und gar äffischen Gestalt re* 
>rodiicirt fei Dor alte Zeus tuuss dem neuen, der Mond der 
»one, die Abendsonne der Morgensonue, die Wintersonne der 
üngssonne Platz machen; die junge Sonne verräth und über« 
impelt die alte. Wir sahen schon, dass die Erzählung von den 
ii Brlidern, Bälin und Sugriva, eine von den Formen 
welche der Mythus von den Aerius annimmt. Räma» 
reicher verrätheriseher Weise den alten König der Affen, Bälin, 
tädtet, ist das Aequivalent Yishnus, der seineu Vorgänger, Indra, 
Throne stllrzt; und Sugriva, der neue Kfinig der Affen, 
it Indra, als er die geraubte Sita zu finden verspricht, ebenso 
rie Vishnu in einer seiner Inkarnationen die verlorenen Vedas 
uedertindet, Audi noch andere Andeutungen von einem Gegen* 
»atz zwischen Indra und den Affen, welche Räma beistehen, giebt 
es im Rämäyana. ' Dem grossen Affen llannmant, von goldrother 
"arbe (hemapiiigala), hat Iudra mit seinem Donnerkeil den Kinn- 
icken zerschmettert, und ihn auf einen Berg fallen lassen, weil 
r, noch ein Kind, sieh von einem Berge in die Luft warf, um 
ien Lauf der Sonne aufzuhalten , deren Strahlen ihm nichts au- 
baben konnten. - 

Die ganze Sage von dem Affen Uanumant stellt die Sonne 

dar, welche in die Wolke der Dunkelheit eintritt und aus ihr 

heraustritt. Sein Vater soll bald der Wind, bald der Elephant 

der Affen * (kapikungara), bald keyarin, die langhaarige Sonne, 

die Sonne mit einer Mahne, die Lbwcu-Sonne sein (daher sein 

Name ke^arinah putra ). Von diesem Gesichtspunkte aus scheint 

Hanutnant der Bruder Sugrivas zu sein, welcher ebenfalls der 

>l»rö8sliog der Sonne ist, der starke Bruder in der Sage von den 

beiden Brüdern verbanden mit der von den drei; d. h. wir durften 

bald die Brüder Bälin, Hanuimiut und Sugriva haben, bald die: 

na, Uanumant und Lakshmana. Per starke Bruder steht 

sehen den beiden anderen; die Sonne in der Wolke, in der 

Dankelheil oder im Winter iet zwischen die Abend- und die 

Morgcnsoutic gestellt, oder zwischen die sterbende Hcrbstsomie 

und die juuge Frtihlingssonne. 

Uanumant fliegt; die Kraft dazu liegt in seinen Seiten und 
seiuen Hüften, die ihm als FlUgel dienen. Uanumant steigt auf 



• IV 

>. vii, 3a 




«7 



418 



den Gipfel des Berges Mahendra. um sieh in die Lutr v.\, 
indem er den Berg druckt (ein walirr 
dass das Wasser aus ihm hervorsprudelt; als er sich Im 
werden die Bäume des Berg-Waldes mit ihren Würzein 
rissen Und folgen ihm in seinem Laute, wie er die Luft durcli 
schneidet (liier treffen wir noch einmal den mythischen Wald, 
mythischen Baum, der sieh von selbst bewegt gleich einer Wolke). 
Der Wind in seinen SchuHerktthlen brüllt wie eine Wolke igiimit 
iva gargati und der Schatten, den er in der Luft wirf! 
einer Wolkenlinie (niegharfigiva väyupntnmugämini) ; l er zieh 
die Wolken nach sich.- So werden alle epischen Aften de 
R k m 8 y a n a im zwanzigsten Gesänge des ersten Buche« 
Ausdrucken gescliüdert, welche die höchste Aehnliehkeit mit dene 
haben, die in den vedischen Hymnen für die Maruts verwand 
sind; schnell wie der ungestüme Wind (v:> ihre 

Gestalt nach Belieben ändernd (kämarüpinas), Ger- 
Wolken machend, wie der Donner tonend, kämpfend, I» 
schleudernd, grosse entwurzelte Bäume schüttelnd, mit Klauen uu 
Zähnen bewaffnet, die Berge schüttelnd, Bäume entwurzelnd, 
tiefen Wasser aufrührend, die Erde mit ihren Annen zermali 
sich in die Lüfte erhebend, die Wolken zum Fallen brinf 
So kommt Baiin, der König der Affeu, aus der Höhle, wie 
Sonne aus der Wolke (toyadädiva bhäskara). 3 

lu derselben Weise wie wir die haris oder Rosse Indras, dl 

lliarvus und den mythischen Esel in Verbindung mit de 

heilkräftigen Wassern, mit den Heilkräutern und den V 

rüchen sahen, sind es im Ram äy an a die Affen, welche di< 



nifty. V, 4. V, 5. 

, 55. 

• Kamuy, IV t 12. V, & — Der Aüo auf dem Meere ist auch m ein 
ii Fabel zu finden, nvn Gegenstand etwa- 

Hin Atle, der wahrend eines Sturmes von einem Schilf gespült worden 
und unter dem Vorgebirge von Attica auf den stürmischen 
geschleudert wird, wird von einem Delphin luv einen Menschen grhalic 
und» Seit hu l ung fur das G 

der Affe zu gehören präsumirt, von deuiäelbeu auf d. 

ragen. Bevor er jedoch festen Grund fassen kann n de 

Delphin, ob er ein Athener ist; der Aftc ant 

Abstammung; der Delphin fragt ihn weif Piraeus kenr 

hält das für d 

p Freunde; der D. : t&ssi, 

ir led er ii dien 



fcuter und heilkräftigen Wurzeln de» Berges, d. h, des Wölken- 
des oder des Berges der Wohlgerücbe tragen, 
Die Wolke, in welcher die Banne Ilanumant durch die Luft 
eilt , wirft einen Schatten auf das Meer ; ein Meernngeheuer be- 
lerkl denselben nod zieht durch ilin Hanumant an sieh. (Wir 
sahen schon den furchtlosen Helden, der von seinem eigenen 
Schatten irre geleitet wird.) Hanumant ist käniarüpa, wie Sug- 
nv;i und wie alle anderen Affen, seine Gesellen. Als er sieht, 
dass das Ungeheuer ihn verschlucken will, dehnt er seine 
Gestalt ganz masslos aus; das Ungethlim nimmt dieselben gi- 
gantischen Proportionen an; als es das tlmt, wird Ilanumant (er 
wiederholt das W under seines Typus Hari oder des Zwerges 
Vishnu) so klein wie ein Daumen, macht sich in den grossen 
Leib des Ungeheuers hinein und kommt auf der anderen Seite 
wieder heraus. Hanumant setzt seinen Flug über den Ocean 
fort, um auf die Insel Lailka zu gelangen. Der Ocean hat Mitleid 
mit ihm und erbebt, ihm zu hellen, den Berg Hiranyanabha, d. h. 
den mit dem goldenen Nabel, den Berg, aus welchem die Sonne 
hervorkommt; wirklich sagt Hanumant, 1 dass er den Berg mit 
seinem Schwänze traf und ihm die Spitze abbrach, welche gleich 
der Sonne glänzte, um «ich darauf auszuruhen. Hanumant nimmt 
dann seinen Flug wieder auf und findet ein neues llinderniss in 
dem Meerungehener Siuhikä (der Mutter Rähu's, des DämonB, der 
Sonne und Mond packt und dadurch die Verfinsterung derselben 
bewirkt). Sie zieht ebenfalls den Schatten Hanumauts an sich; 
dieser nimmt wieder zu der früheren Kriegslist seine Zuflucht, 
wird klein und macht sieh in ihren Leib hinein; doch kaum ist 
er darin, so wachst er zum riesigen Klumpen an, schwillt heraus, 
zerreisst sie, tödtet sie und macht sieh davon, ein Streich, der 
ihm die Huldigung der Vogel einbringt, welche fernerhin unge- 
straft den Ocean werden kreuzen können. 2 Als Hanumant in 
Lanka anlangt, wird er, um Sita bei dem Mondschein suchen und 
finden zu können, so klein wie eine Katze (vrishadari^apramana.)