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Full text of "Die tirolische Weisthuemer"

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BIBLIOTHEK 

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DIE TIRlll.lSCIll'.N 

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4 



Im Verlage 

Yon Wilhelm Braumüller, k. k. Hof- und Universitätsbuclihändler in Wien, 

sind erschionou: 



Weisthümer, österreichische, goaammolt von der kaiscrl. Akademie 

der Wisscaschaften, I.— IV., V. 1., VI. u. VII. Band. gr. 8. 1870 — 

1888. 53/. 50 kr. — 107 M. 

I n li a 1 1 : 

I. Band: Die salzburgischen Taidinge, herausgegeben von Ilcinr. 
Siegel und Carl Tomaschek. 1870. G /. — 12 M. 

11. — IV. Band: Die tirolischen Weiathümer, herausjrejjeben von I. V. Zin- 
gorle und K. Th. von Inama-Sternegg. I. — III. Thcil: Unterinn- 
thal. — Oberinnthal. — Vinstgau. 1875— 188ü. 16/. — 32 J/. 

V.Bandes I. Hälfte: Die tirolischen Weisthümer, IV. Theil: Burg- 
grafenamt und Ktschland. I. Hälfte. (Bogen 1—35.) 1888. 

7 /. _ u ^r 

(Die II. Hälfte, welcher aach ein Glossar zn den hiermit abgosclilosseucn tirolischen 
WeisthAmern beigegeben wird. erscUt^int im Octubor ld.S8.) 

VI. Band: Steierische und kärntnorische Taidinge, herausgegeben 
von Ferdinand Bischoff und Anton SchOnbach. 18S1. 

9 ß, 50 kr. — 19 Af. 

VII. Band: Niedcrösterroichische Woisthiliner, herausgegeben von 

Gustav Winter. I. Theil: Das Viertel unter dem Wienerwaldo. 

Mit einem Anhango westungarischer Weisthümer. 188ü. 15 .//. — 30 Af, 



Wiener Beiträge zur deutschen und englischen Philologie. Hcr- 
aiLsgogebcu von R. Keinzcl, J. Minor, J. Schipper. IL Die 
ältesten Passionsapiele in Tirol. Von J. E. Wackerneil. gr.8. 
1887. 2/. 50 kr. — 5 M. 

Die vorstehende Schrift führt uns zurück in die Zeiten des letzten 
Kitters, mitten unter die aufblühende Bürgerschaft von Sturzing und Hnll, 
wo Tischler und Schlosser — damals noch Leute von kunstmässiger Fertig- 
keit — am Feierabend dcis Schurzfell mit dem Kotliurn vertauschten, um 
unter der Leitung des Schulmeisters das grössto Chri.stendrama, die Passion 
des Erlösers, zu spielen. Die Auffülirungon fandon noch in der Kirche statt, 
<»bwohl (ieistlichkoit und Adel ^ich bereits zurüirkgozogon hatten; nur ein 
Herr Linhart kommt einmal vor, und zwar als Darsteller des Judas. Mit 
allen /nriistun^ei^ und (iebrnuchen macht uns Wackernoll auf Grund der 
Malier Kjiitbiicher genau bekannt; wir erfahren sogar, wie die Larve des 
Teufall auai^ebessert, dio Lanze des Longinns versilbert und das Leibgewand 
Chriiiti fQr dio Geissolnng roth angestrichen wurde. Sein Hauptaugenmerk 
aber hat er natürlich der literar- historischen Durchforschung der Texte ge- 
widmet. In Scharfsinn igst(»r Weise schält er sowohl dio Verderbni.sse der 
Schreiber als die Zuthaten der Interpolatoren aus und zeigt, dass dio ältesten 
tirotischen l*assion«.'«])iole insg(^«iamnir auf ein (verlorenes) Ursj>iel zurück- 
gehen, welches ebenfalls in Doutschtirtd entstanden sein muss. Der Dichter 
des.selben arbeitete mit bühnengerechter Zielsicherheit, erhob sich oft zu dra- 
matischem Schwuns:e und hielt sich durchaus würdig, während dio Einschiebsel 
je später, desto gröber sind. 



Klopp, Oniio. Der Fall des Hauses Stuart und die Succession 

des Hauses Hannover in Orossbritannicn und Irland im ZusammcMi- 

Langc der ouropilisclion Angelegenlicitcn von 1000 — 1711. 14 Bände. 

S-r. 8. 1870—1HSS. 10 jC. — 140 J/. 



V^233A 



BIBLIOTHEK 

DER 

FREIEN WALDORF-SCHÜLE 



Husgesdiieden 
i:elitecbiUiothek 






OESTERREICUISCHE 



WEI8THÜMER 



GESAMMELT VON 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER 
W I S S E N S C II A F T E N 



f(:nfteu band 
DIE TIROLISCHEN WEISTHÜMER 



IV. THEIL 

KK3TE HÄLFTE 



WIEN 1888 

WILHELM B R A U M Ü L L E R 

K. K. HOF- UNI) ITNIVRK8ITÄTS-BU* HHÄNDLER. 



DIE TFROIJSCHEN 



WEISTHÜMER 



IM AÜPTRAÜE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER 
WISSENSCHAFTEN 



IIEKAUSGEGEIJEN VON 



IGNAZ V. ZIJSTGERLE und JOSEF EGGER 



IV. THEIL: BURGflRAFENAMT UND ET8CHLAN1) 

ERSTE HÄIiFTE 



WIEN 1888 

WILHELM BRAU MÜLLER 

K. K. HOF- UNI) UMVERSlTATH-nUrnnÄNDLER. 



I^IS55S' 






Mriii-k von A«li»ll' llol/|i:iiiM-ri, 
k k. Hof- uml Univer«ilAtji-Buihilrui-ker lo Wi«n 



1. Schloss Tirol.*) 



Staäh.'Areh^' MaaOma. XIII, 8S2. GMehsHUgt Pajntrhd. 4. 18 Sl. — J. B. Schöpf verveitt in 
ttinem ^^Tirolitchen Idiotikon*' (Innsbrutk 1S66) oft auf diese Ordnung, die er nadi einer heueren 
Hamdsehriß, die $ieh in der KtoHerhibliothek der Frantiäkaner in Boten (Sign. X) befand (EwU. tum 
Idiotikon S, XIV) henOitU. Nach einer gütigen Mittheilung des um untere Sammluna hochverdienten 
Herrn Philipp Neeb tn Bozen ik diese Handschrift spurlos verechwunden. 

Die ordnuDg des fürstlichen schloss T3rTol burkfrider und bnrger, auch der 
höf und brandschierer, darzu der paumwalde, auch gejaide, vischnutzung 

und TOgteien. 1505. 

Vermerkt die gerecht] gkaitn auch dienst, so zu^'dem fürstlichen 
schloss Tyrol der burgkfrider, auch robatfuer und hofdienst, darzu der 5 



*) Unter dem Burggrafenamt veräteht man. heutxutage und verstand man 
schon 9eU mehreren Jahrhunderten den Bezirk des EUehlhale»^ der von dem 
SehnaUer- bis zum Vüpianerbach reicht ^ mÜ Einechlues der beiden grossen Seüen- 
ihäler Passeier und ÜUen und der Höhen von Motten, (Archiv f. Geschichte 
ttfui AUerthumskumde Tirols^ S. 11; Ordnung des Schlosses Tirols S. 8, 12) In 
dieser Ausdehnung umfasste er das Landgericlä, Meran, f^ie Gerichte Passeiery Vorst^ 
Siein unter Lebefd^ergy Niederlana, Tisens und Mayenburg, Ulten^ Schenna, Gargazon, 
MoUen^ Jenesien und Burgstall; der tiroUsche Chronist Burglechner rechnet aber 
oMuh noch das Gericht Neuhaus oder Terlan und das Gericht Jenesien dazu 
(TiroUT Adler 3, 4, lib, 2J, Nach der gegenwärtigen EintheUung entfällt der grössere 
TheU des Bitrggrafenamtes auf die Bezirkshauptmannschaft Meran, der kleinere 
auf die von Bozen; die zwei Gerichtsbezirke Meran und Lana gehören demselben 
ganx, der von Bozen nur zum geringsten Theile an. Doch fand die Bildung dieses 
Landesibezirkes nicht in früher Zeit statt. Denn weit entfernt, im frühen Mittel- 
alter eine politische Einheit zu bilden, ist derselbe vielmehr zwischen zwei Reichen 
getheili: zuerst zwischen dem Langobardenreiche und Bajmoarien (Mittheihingen des 
Instituts für österr. Geschichtsforschung 2, 367) und dann zwischen dem Königreich 
Italien und Deutschland (Forschungen zur deutschen Geschichte 16, 159), Erst im 
11. Jahrhundert erfolgte die Vereinigung des ganzen Gebietes des nachmaligen 
Burggrafenamtes in einer Hand, Bekanntich belehnte Kaiser Konrad 11. den 
Bischof Udalrich 1, mit den Graftschaften Trient, Bozen und Vintschgau und ver- 
lieh ihm zugleich die Würde und Rechte von Markgrafen und Herzogen (Bonelli, 
Notizie ist. er. 2, 369, 371, J, Durig, Beiträge zur Geschichte Tirols, Ferdinan- 
deums -Zeitschrift 3, 9, 9 ff, Dass auch das die Verleihung der Grafschaften 
Bozen und Vintschgau betreffende Document seinem wesentlichen Inhalte nach echt 
ist, beweist die ganze folgende Geschichte.) Doch selbst jetzt blieb noch eine Zeit 
lang, wie es scheint, das Gebiet von der Passer bis zum Schnalserbach von dem 
südlichen bis zum Vüpianerbach getrennt; wahrscheinlich verliehen die Bischöfe 
das eine mit Vintschgau an die Grafefn von Tirol und das andere mit der Graf- 
schaft Bozen an die Grafen von Kppan, Frühestens Ende des 11, Jahrhunderts 

OMtorr. W^itthftiiier Y. 1 



2 ScMoss Tirol 

paumbwald, auch gejaide und vigchens halben gehörig, und von alters 
untzher löblichen herkumen, auch durch die hauptleut und burckgrafen 
bisher hantgehabt, und durch die Ton Tyrol, auch durch die nach be- 
meltn vorstmaister, waidleut, Jäger und geschworne vischer auf bevelch 
5 Rom : kay : Mt : etc. bei geshwornem aide Tor dem wolgebornen herrn 
Leonharten herrn. zu Vclls, lanthaubtman an der Etsch und burggrafen zu 
Tyrol, herrn Gaudentzen Wotschen , land Verweser , ritter Hansen Händl 



oder anfangs dea 12. ist auch ein Theil der örafachoft Bozen an die Grafen von 
Tirol gekommen; vielleicht geschah es in Folge der um die Mitte de* 12. Jahr- 
hunderts ztoischen beiden Oraf engeschlechtem herrschenden Fehde, durch tcelche 
die Macht der Eppaner gebrochen wurde (Sammler 5, 29 f). Jedenfalls waren dit 
Grafen von Tirol im letzten Viertel des 12, Jahrhunderts im Besitze eine* Theiles 
der Grafschaft Bozen {Durig 12f,J, Damit toar die Grundlage für die Bildung 
des Burggrafenamtes gegeben; aber es lässt sich aus Mangel an Quellen nicht ver- 
folgen, wie und warum diesdbe erfolgte. 

Der Name eines Burggrafen von Tirol erscheint zuerst im Jahre 1233, der 
des Burggrafenamtes im Jahre 1310; aber bis in das letzte Viertel des 13. Jahr- 
hunderts erscheint der Burggraf von Tirol nicht bedeutender als andere Burggrafen 
und vereinte, wie es scheint, mit dem Amte eines Wächters der Burg nur das eines 
Verwalters der Burgeinkünfte; auch erstreckte sich damals sein Amtsbezirk kaum 
über das Gebiet des späteren Landgerichts Meran oder es reichte höchstens vom 
Schnalserbach bis zur Valsauer und dem Gargazonerbach (Ferdin.-Zeitschr. 3, 14, 
10); die richterlichd Thätigkeit übten die Grafen vonTirol wenigstens in der ersten 
Hälfte des 13. Jahrhunderts regelmässig noch selbst (Ferdin.-Zeiischr. 3, 14, 21. 25). 
Doch je mehr deinen Macht und Gebiet sich vergrösserte , je häufiger dieselben ab- 
wesend waren, desto ößer bedurften sie der Stellvertreter, und da lag es wohl »ehr 
nahe, in der Gegend der Burg Tirol den Burggrafen zum Stellvertreter zu machen. 
Thatsache ist es, dass die Würde der Burggrafen gegen Ende des 13, und anfangs 
des 14. Jahrhunderts sichtlich steigt , und das hängt doch sicherlich mit der Ver- 
mehmng ihrer Amtsbefugnisse zusammen. Zwei Urkunden des Markgrafen Ludung 
von Brandenburg aus dem Jahre 1346 zeigen den damaligen Burggrafen Petermann 
von Schenna im Besitze der vollen richterlichen Gewalt über polizeüiehe und über 
Malefizsachen, und sein Avitsbezirk dehtUe sich sicherlich nicht blas über das nach- 
malige Landgericht Meran, dcts Burggrofenamt im engeren Sinne, sondern über 
alle obgenannte Gerichte, die das Burggrafenamt im weiteren Sinne bilden, au» 
(Archiv für GeschicIUe und AUerthumskunde Tirols 2, 10 f.; Huber, Geschichte der 
Verein, Tirol» mit Oe»terreich, Reg, n. 97). Petermann von Schenna und »ehon 
die ihm unmifidbar vorausgehenden Burggrafen: VoTkmaur von Burgstall, H. von 
Annenberg, Konrad von Arbevg, Uhich von Cord u, A. sind hervorragende Adelige. 

Während der Regierung des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und der 
nächstfolgenden Fürsten stieg das Ansehen der Burggrafen noch mehr, und »ie 
wurden bei d&r häufigen Abwesenheit derselben so sehr von den allgemeinen Lande»- 
angelegenheiten oder von der Verwaltung des Bezirkes in Anspruch genommen, das» 
»ie häufig von ihrem Amtssitze abwesend waren. Darum bedurften sie immer Öfter 
eines Stellvertreters und so entstand im weiteren Verlaufe des 14. Jahrhundert» 
die Stelle eine» Landrichters von Meran, der anstatt des Burggrafen zu Meran für 
das Burggrafenamt Recht sprach (Chronik von Meran, Urk. Nr. 3, 11, 13, 14, 
34, 30). Des Burggrafen Gerichtsbarkeit schränkte sich auf die adelige Civil" 
gerichtsbar keit ein. Zur Zeit de» Herzog» Sigmund wurde aber die» Amt zuer»t . 
vorübergehend und dann für immer mit der Würde eine» Hauptmann» an der 
Et»ch vereint, der dafiir die Verjjfiichtung übernahm, regelmässig auf Tirol zu 
residiren und zu Meran auf Verlangen ein adeliges Gericht zu halten (Bibliotheca 
tirol. D, 11/}.^, III, 216). Im 11, Jahrhundert verlor sieh der Titel eines Burg- 
grafen von Tirol und der Landeshauptviann residirte fortan zuerst zu Bozen und 
dann zu Innsbruck ; der Name des Burggrafenamte» hol »ich aber al» der eine» 
Ädmini»trativbezirke» bi» in un»ere Tage erhalten. 



Schlot» Tirol 3 

von Ooltrain , Hansen TJblhorn , kellner zu Tyrol, Niclas Dalhacker, Ter- 
waltcr des lantgeriohts an Mcran, Sij^munden Singoltinger , Hansen 
Behaim , Hansen Fassaier und Wolfgangen Scekirchcr, alle burger des 
rals an Heran, am montag nach dem sonntag Cantate anno etc. funfzehen- 
hnudert und fünften jare geöffnet und bekannt haben. 5 

• 
Ordnung der burgkfrider. 

ErstlJchn, so sein alle Tyroler als purgkfrider schuldig in allen sorg- 
feltigen kriegsleuffen , so lang die weren , das fürstlich schloss Tyrol tag 
und nacht bei den thorn und allen wehern und all ander weg und not- 
tarften, darzue mit der wach im gschloss, auch bei den kreidfeurn mit 10 
der macht oder geringen anzal, wie nott ist, in iren costen zu bewaren 
schuldig, darzue ainem lanthaubtman und burggrafen, in andern der 
obrigkaiten eehaftn, so si zue dem schloss oder mit ainem haubtman in 
eehsd'tn mit zulauffen ermant werden, nach irem höchstn vermugen bei- 
stant thuen, und sich gehorsamlich als purgfrider zue haltn schuldig, auch 15 
weg und steeg machen unlz an die Kestnbruggen. Eegeraelte Tyroler sollen 
auch alle jar ainem haubtman ainen gedüngten acker, den pfarrer auf 
Tyrol von sechs stär laut anzaigen soll, jürlichen paweu, praachen, aus- 
ziechen und in das gschloss füern, entgegen soll man den paurn praachern 
und auch dem viech im tag, aber den ruebenfuern allain zu abent essen 20 
und trinken geben. 

Ordnung der acht höf, genant die Burger. 

Weiter so sollen dio acht höf, Claus von Purg, Kofier, Schneeweiß, 
Thumstainer, Schattmair , Walcknor, Muttner und Farmer den weg von 
der Kestnbruggen für das schloss hindurch untzt aiif Hochnstain ennhalb 25 
Thumstain, so mit ainem creutz vcrzaichnct ist, machen, auch den prunnen 
in das schloss den rörporer und zimmerlcutcn zu legen, auch winter und 
Summer zu machen, bewaren zu helfen schuldig sein. 

Verer sollen die drei burger, als Claus, Kotler und Schneeweiß, den 
weg and hof im schloss an dem heiligen abcnt, und so oft nott, zu räumen 30 
und zu keeren, auch die schintl auf die tächer zue tragen , darzue auf 
alle fuTsten von Österreich jartag und kirch weihe, auch kreutzwochen in 
dem schloss, auch der kirchen und im sutter zu aller notturft gewertig sein, 
auch auf die tisch warten, und im wimmadt sollen si allen wein im sutter 
in die fasser tragen helfen. Entgegen gibt man inen ir Unterhaltung mit 35 
speiss und trank, wie von alter horkumen ist. 

Es sollen auch alle purgkfrider ainem haubtman und burggrafen in 
allen dingen und sachen ausserhalb der malafiz, wie all ander purgfrider 
im land, iren herrn und niemant andern gerichtbar erscheinen. Was aber 
malafiz-handlungen furfallen, die sollen durch ainen lantrichtcr gstrafft 40 
und inen dieselben uberantwurt werden. 

Eegemelte purckfrider, die sollen auch in allen raison und steuern 
auf ire freihaiten, wie all ander purckfrider im land, iuhalt Kü. Mt. etc. 
und gemainer lantsorndung und Satzung mit genaden gehalten und ge- 
hatitghabt werden. 45 



4 Sehlots Tirol 

Vermerkt die hoffierer und prantachierer, so alle notturft zn dem 
fürstlichen schloes T3rrol zue füeren schuldig sein, und si selhs bei geschwor- 
nem aide angeben haben, und ain ieder , so im der tag durch den bräbst 
verkundt wird, bei der peen v ü perner zu füern schuldig ist. 

5 Algunder, Gratscher, Plärscher and Rablander hoffierer. 

Grätsch : Huebhof an der Lan, Hueberhof, Kirchhof. 
Algunt: Hofer am Pach, Albiauhof, hof an der Platten, Marätschhof. 
Plärsch: Paumbgarthof, Ruebein-hueben und Schnals-hueben, ieder 
ain halbfuer, bringt ain gantze hoffuer, Wydnhof, mair zu Sant Ulrich. 
10 Rablant: Weghof auf BÄblant. 

Suma obberuerter hoffüerer XII. 

Ober- und Undermayser hoffierer. 

Untermays : Passwirthof, Veldhof, Weyerhof, Rymhof an der gassen, 
Gruebhof, Köstnpaumbhof, mair am Ort, Schafferhof, Poschnhof. 
15 Obermays : mair am Waal, Walderhof, Griesserhof, Oberdorfmaister- 

hof, Planditscherhof. 

Summa hoffierer XIIII. 

Dise obberuerte XXVI. höf sein schuldig, alle notturft auf das 
schloss Tyrol, ausgenumen den wein, so ausserhalb des lantgerichts wechst, 
20 zu füeren schuldig sein, si sollen auch alle rotfuem furdern helfen. 

Prantschierer. 

Kains: Praitterhof, Tschauphof, Stöckerhof, Schweigglhof, Gaaser- 
hof, Hutterhof; sein gantz prantschirer. 

Prantschierer. 

25 Ryffian : Fiererhof, Talhof, ieder ain gantze prantschir. — Bester- 

hof, Tschauphof, ieder ain halbe, thuet ain ganz prantschier. — Remp- 
hof zwai drittl, Hilbanhof ain drittl, thuen baid ain gantze. 

Tyrol : Nesighof soll alle notturft, als ain gantzer hoffüerer schul- 
dig sein. 

30 Summa XI gantze prantschirer. 

Prantschierer. 

Undermais: Stegerhof, Grumbshof. 

Labers: Saleman, Etschmanhof, Poliingerhof, Haldenhof, 1 gantz 
fuer. — Bede Ladstotter ieder ain halben, thuet ain gantze prantschier. 
35 Summa VII prantschirer. 

Dise obberuerte XVIII. prantschirer sein allain holz auf das schloss 
zu füeren schuldig. 

Es ist auch zu wissen, das alle gantze hoffierer, die rotfüerer zu 
unterhalten auch schuldig sein, alles inhalt der verschrei bung, darumben 
40 bei denen von Mais verbanden. 

Verer so sein vor alter mer hoffierer gwesen bede mair von Tschirlon, 
gibt ieder dem bräbst ab Zennberg alle jar XVI ^, der dorfmaister von 



8ehlo08 Tirol. 5 

Latums und Vilierer, ieder VIII AT, das Rainguet auf der Töli , auch der 
zollner an der Toll gibt ieder IUI ^ järlich. Bringt auf ain jar V maro 
VI €/, Davon ist bräbst und der pott von Mais schuldig, alle hoffuem 
wissen zue lassen, und nach dem ain bräbst vor von ainem gantzen hof ain 
halben gülden, und von ainem prantschirer XV kreutzer järlich für sein 5 
müe geben ist. Das ist man in hinfüron nicht mer zu geben schuldig. 

Der gejaid halben volgt hernach. 

Vermerckt die gejaid zu dem fürstlichen gschloss Tyrol gehörent 
und durch die edlen vesten Sigmundn Crafftn, auch Joachim Edenberger, 
bald als alt weilent erzhörzog Sigmundn und ietzt kays. Mt. etc. vorst- 10 
maister und waidleut, desgleichen die alten Jäger, als Cristan Jäger, Hanns 
Prunster ab Tyrol, Hanns Waydman auf Awer, Hainrich, Vilg, Ulrich 
und Sigmunden Jäger bei geschwornem aide angeben und zue dem schloss 
Tyrol bei allen hauptleuten gejagt und gebaut gehabt worden sein. 

Gejaid in Fasseir. 15 

Item in der Kalben, was innerhab Linspach glegen ist, hat niemant 
darinn zu jagen, dann allain ain lanthaubtman, und vom Linspach hin- 
auf in der gmain Egg, und in den grat nach in Kalbnspitz, demselben 
nach biß inn Rotnspitz und geet hin hinter Langgrueb biß auf wasserfal, 
darnach hin in Solchen-tritt, aus dem Solchcn-trit auf inn Nefierspitz, 20 
das Egg ab im Armen-man, zaigt sich hindurch zum creutzen untern 
wald, in Felders glegen, von dem Crcutzen-perg geet ain pach herab, 
innerhalben desselben pach hat niemant zu jagen, dann ain lanthaubtman, 
und geet von demselben pach an die kirch, und von der kirch dem grat 
ein ob Lazins biß in Wilden-spitz, und get vom Wilden-spitz hinüber 25 
Eißjoch nutz an die Klain-weiß, von derselben Weiß biß ans Zill im pach, 
nach dem pach aus und aus biß in Nasareit, und in disem obberuertem 
gezirck volgen alle nachberuerte gejaid, das gejaid im Vells, das gejaid im 
Nasier und auf Valsrädt, das gejaid am Ernspitz, das gejaid am Oberen- 
perg, das gejaid an der Hochen-weiß, daf gejaid an der Bot, am Stöoklperg 30 
glegen, mitsambt Sacken -Wandt, und der waltsee, das gejaid an der 
Valtan und Fertinger Bot, darnach das gejaid im Sprautz die Awerer auch 
zu jagen haben laut ires lechenbriefs, item im Valumbs und zue See und 
Valtleiß hat ain haubtman zu jagen. 

Die gejaid auf Tyrol. 36 

Item das gejaid auf Vellaw, das gejaid Nasared, das gejaid ennhalb 
Nasareitpach, genant Kodöck, und im Lafeis hin in Matzay-joch hin an 
Stock unter der Grä im Schnatzperg, mer am Schnätz- und Sunnenperg. 

Die gejaid in Castelbeller gericht. 

Das gejaid zu Sois und in Schnals, das gejaid in Kufenperg, darinn 40 
hat niemand zu jagen, dann der paur, der darin sitzt, darinn soll er ains 



6 Schlots Tirol. 

haubtmans jüger und hunden underhaltung geben, und darin hilflich sein 
laut seines lehenbriefe; das gejaid im Yenndt hat ain haubtman auch zue 
jagen, und im gejaidn zwischen Nasarciter pach und Schnalser pach, auch 
gen Sunnenperg haben die von Annaberg und Marätscher laut irer lehen- 
5 brief auch zu jagen gerechtigkait. 

Es sein auch dem fürstlichen schloss Tyrol die gejaid im gericht 
Castlbel laut ainer hofurtl, des transumbt verhanden ist, vorbehalten. 

In allen gejaidon des gcrichts Schönna soll und mag ain ieder haubt- 
man des gambs jaid, auch reißgejaid der haasen und fuchs jagen. Es haben 
10 auch die haubtleut solich gejaid für und für gejagt und hantgehabt. 

Beißgejaid und federspil. 

Item ain haubtman und burggraf zu Tyrol hat in den obberuertn 
gejaidn, auch paumwäldn allen, darzue in dem ganzen lantgericht Meran, 
auch pfan tschafter und pfieger der gericht Stain und Lebenberg, auch 

16 Burgstal und Meltn, das federspil zu fachen, und die roiß-gejaid mitsambt 
dem federspilpret zu bejagen und fachen, und im lantgericht Meran hat 
sunst niemand das federspil zu fachen, noch das reißgejaid zu bejagen, 
oder das fcderwilpret, als die haslhüenor zu fachen, ausgenummen etlich 
edl allain in iren burgfriden laut irer fürstlichen brief. 

20 Wer ainen peern im lantgericht Meran feilt, der ist schuldig den 

rechten prancken, so am hindern glidt abgeledigt werden soll, auf das 
schloss Tyrol bei der peen fünfzig pfunt perner also rauch zu antwurten 
schuldig sein. 

Vermerkt die paumwäldc, so zu dem fürstlichen schloss Tyrol gehörig 
26 gebraucht und gehandgehabt worden sein. 

Der paumwald, so ob dem schloss Tyrol ligt und geet ob dem ge- 
mainen holzweg von Sant Fetter hindurch gegen Grataoher pach , und 
her disshalben durch ain risen auf unzt an die mäder und derselben zue- 
gehörung, und under den modern herdurch zwischen Mutsch und Farmer 
30 untz an das Lindau und Xöstngrabeu , und diser paumbwald wirdet zu 
notturft der weg und steeg zu dem schloss am maisten gebraucht. 

Mer ain paumbwald, so hinder Christlegg am Soldunawpach auf der 
Nördcr hinder Sant Lienhart ligt und ain gross holzwerch innen hat. 

Mer ain paumbwald in Passayr, genannt der Grafeiser wald, so 
36 ennhalb der Pässer gegen der sag überleut, darin guet schintln , auch 
saghölzer steen, und zu notturft des schloss braucht werden mag und ander 
ansechenlich holzwerch innhat. 

Verer so ist das gericht Schlanders järlich auf Tyrol umb sant 
Jörgen tag schuldig zu antwurten sechs fueder rorholz und sechs fueder 
40 pruggholz , auch zwelf ror und zwelf pruggholz , und fünf fueder raif in 
das arabt fuern, und das holz auf Tyrol antwurten, und die drei burger 
sein schuldig, solich holz järlich in iren costen zu fördern und richtig 
machen, so gibt man in aus dem ambt ain pfunt zerung, und so si an haim 
kumen, im sutter wein und brot, und zu Schlanders werden si vom gericht 



ScMost TiroL ^ 

der zeruDg underhalten, und welcher sein holtzwerch nit antwurt, was 
costen dann darüber geet, ist derselb zu bezaln schuldig. So sein die drei 
burger schuldig, järlich drei purden, ieden purden ungevärlich von drei- 
hundert staben vellerpant, das ain jar in Algunt, das ander zu Grätsch 
[zu] machn schuldig, entgegen gibt [man] iedem ain maß wein und umb 6 
3 kreutzer brot und 3 kreutzer käs darzu, und die rotfuerer antwurten 
solich pant alsdann in das kellenambt. 

Ordnung und gerechtigkait des wassers und yischens, auch des zuigs 

halben. 

Zuwissen, das die nach geende Ordnung des wassers alzeit bei allen 10 
haubtieutn und burggraven zu Tyrol gehant-gehabt und durch alle vischer, 
das auch die vischer gegenwirtigen geschwornen hofvischer, als Michel, 
flchefvischer, Cristan, Augustin, Hanns Rörl, Marx, Sigmunt Tipp, Andre 
vischer, Hans Jäger, Lienhart und Fetter vischer, von sechzig jarn .untz 
her und all ander vischer solich Ordnung bei allen haubtleuten untz her lö 
gehalten, bei geschwornem aid bekendt haben. 

Welcher gestalt und auf welchen wassern ain haubtman und burggrave 
zu Tyrol durch seine schef- *) und tischvischer zu visohen gerechtigkait 

haben. 

Erstlichen soll und mag ain ieder haubtman und burggraf in namen 20 
des landfiirsten mit seinen schefvischern auf der Et^ch an baiden orten 
hinab untz an den Keichnpächl und ennhalb untz an Terlaner pruggen 
und hinaus untz an den obern altn steeg, do die Passer in die Etsch geet, 
mit der segen, reust, ^) garn, vachern, rachnetz und allen zeug vischn. Des- 
gleichen sollen und mugen auch ains haubtmans tischvischer auf beden 25 
orten der Passer mit rachnetz und andern klainen netzn untz an den 
Soltnus pach, darzue in allen gerichten des burggrafambts, auch auf allen 
wassern und wildpachen, auch graben und giessen, so auf baiden ortn, 
aus dem alle obrigkait dem landfiirsten der ende in allen gerichtn, als 
burggraven zuesteet, on menigclichs Verhinderung, inhalt der freihalten, 30 
auch kuntschaftn und altem herkumen , darzue auf der £t«ch von der 
Toll untz gen Glurns, doch allain mit der ruetn vischen und krebsen; aber 
von Märlinger pruggen untz an altn steeg, als die Passer in die Etsch 
geet, als dann Märlinger pruggen vor und von alter daselbs gestanden 
ist, soll niemant mit kainem zeug, allain aines haubtmans tischvischer, on 35 
erlaubnus zu vischen haben. 

Hinlassung des schefs. 

Sover aber ain haubtman die schefvischer nit in seiner spoisung und 
bsoldung behaltn und dos schef nit selbs fuern wolte, so mag er das schef 
ainem oder zwaien umb zins, wie si das nach gnaden ertragen mag, ver- 40 

*) gscheft hs. ^) runst hs. 



g 8ehlo9» 2Vo2. 

lassen. Dieselben sollen das wasser der Etsch mit dem sohef in obgemeltn 
gezirk von der Passer untz an den Rauchen-puchel, und ennhalb untz an 
Terlaner pmggen aus dem Rauchpuchler hof, auf das hofschef , inhali 
der kuntschaftn gewidmet ist, brauchn und Tischen. 

5 Annemung der andern zinsvischer, und wie weit si zu vischen haben. 

Ain ieder haubtman mag zinsvischer, so vil ime glegen, annemen. die- 
selben zinsvischer haben zu vi sehen mit den muschgatan, waaten und peern, 
auch vachern [von] Märlinger pruggen, untz^) an den Thirzen giessen, 
under dem Vorstlan , aber mit der ruetn und schauppl mugen si vischen 
10 untz an das gerioht Terlan, so Vilpianer pach schaidt, herdishalb und 
ennhalbs, so weit das burggrafambt untz an Terlaner gericht geet, untz an 
die Fasser und nach der Fasser untz geen Zennberg. 

Ordnung der vischer zins halben. 

Ain ieder schef vischer soll ainem haubtman von dem schef alle 
15 Wochen so vil pfunt visch welsch gewicht, wie si sich desselben in anne- 
mung des schefs mit seinen gnaden vertragen, lebendig zinsen und ain 
ieder zinsvischer soll iede wochen zwai pfunt visch zinseu und alle jar die 
quottember Keminiscere raitung beschechen. £s soll auch ain ieder vischer 
alzeit, [mit] edl und weisvischen, wo er die haben mag, und nit ander 
20 schlecht visch, alle wochen seine zins lebendig antwurtn. 

Doch sollen nur 49 wochen für ain jar, der weichennachtn , ostern 
und pfingstfeiertagn halben, gerait, und ob ain vischer etlich wochen 
schwach und ligerhaftig war, das er das wasser nit besuechen möcht und 
sich bewartlich erfunden, oder aber ainer aus seiner eehaftn ain zeit mit 
25 erlaubnus hinweg zuge, so vil zins sollen ime aus gnaden abgezogen 
werden , welcher aber von wasser an erlaubnus weg geet , den soll auch 
kain herr noch niemant ander wider ainem haubtman auf haltn noch an- 
nemou, sonder die straff aines haubtmans antwurten und umb Übertretung 
seines gelübts mitsambt allen vorfalln zinsen gestrafft werden. 

30 Welcher gestalt die vischer alle visch, emaln kainer durch si verkauft 

wirdet, anzaigen und überantwurten sollen. 

£s sollen auch weder schef-, zins- noch grienvischer kaine visch 
weder vor noch in der statt, haimblich oder offenlich, bei der peen XXV 
pfunt perner und verlierung derselben visch, so oft ain vischer darwider 

35 handln wurde, niemant verkaufen, noch in ander weg zuest eilen, sonder 
ain ieder vischer soll alle seine visch lebendig und tod, was ainer lebendig 
nit bringen möcht, an den brunnen darin von ainem haubtman an Meran 
angezaigt wirdet, bei seinen pflichtn bringen, und des herrn lanthaubtman 
verordnete vischer an Meran dieselben visch zu besichtigen an verziechen, 

40 emaln er kainen verkaufft, anzaigen und kainen visch verhaltn. Derselb 



') untz] und h». 



Sehlots Tirol, 9 

TischmaiBter boU alsdann die gewondlichn zins von guetn edlen Tischen 
davon, wie von alter herkomen ist, empfangen und auf die spän schneiden, 
und so yil er anstat aines herrn landhau ptmans und burggrafen zu Tyrol 
zu ainer ieden zeit verer visch über die zins notturftig ist, soll und mag 
er nnverhindert der vischer und menigclichs ain iedes pfunt visoh welsch 5 
gwicht umb vier kreutzer annemen und empfachen, und dem riohter ent- 
gegen bezalung thuen. Die übrigen visch mag alsdann ain ieder visoher 
Terer seiner notturft nach andern verkaufen. Die vischer sollen auch alle 
Tisch, so vil in der hitz halben rauglich ist, lebendig an den prunnen 
bringen. 10 

Welche vischer aber ire zins auf Tyrol aus bevelch lebendig ant- 
wurten würden, denselben soll ain pecher wein und ain hofprot pesserung 
m werden. 



Des zuigs halben. 

Es soll kain vischer kainen verpottn zeug , als die schefvischer ire 15 
segen und reust, **) auch rachnetz, aber die zinsvischer nit über drei klafter 
lang, das er allain ziechen mag, und aines landshaubtmans schefvischer 
an den segen zigen nicht vergriffen werde, und allain im laich, wie 
hernach volgt, und sunst zu kainer zeit im jar solich rachnetz, wie von 
alter, brauchen sollen, die zinsvischer vurggen, auch muschgitan, waaten, 20 
tanppl und peern, doch das die nach dem maass des hofmodls gestrickt 
sein, füem, dartzue niemant ander untz an die Efes kain ^) andern zeug 
bei der peen fünfzig pfunt perner und verlierung des zeugs, der nit nach 
dem hofgestrickt sei, haben noch prauchen. 

Der grafling halben. 25 

Kainen gräfl soll niemand bei der peen fünfzig pfunt perner fachen. 
£s soll auch ain vischer dem andern in die korb sehen und [ob] er verpottn 
visch funde, bei seinen pflichtn anzaigen, und welcher visoh mit dem 
köpf oder schwänz nit für die hend für geen mag, soll für ainen grafl 
erkennt sein. 30 

Der fächer halben. 

All ssinsvischer haben und mugen miteinander ain vach im asohnlaich 
slahen, und dasselb vach soll der ausserist stecken ain pcrgklafter weit 
vom land in das wasser, und nicht darüber, bei der peen X & perner, 
gschlagen werden; aber gegen dem herbst mag ain ieder zinsvischer im 35 
ferchenlaich ain fach und nit mer, und die schefvischer, so ver ain 
ianthaubtman die schef umb zins verlasst, zwaifach verfachen, also und 
der gstalt, das all scheef- und zinsvisher an sant Bartholomeus tag umb 
aindlif uhr bei einander sein und dos loss mit dem wirfl werfen, und 
welcher die meistn äugen wirft, der soll das erst vach zu verfachen haben. 40 
AIbo soll alsdann das loss der maisten äugen umb die andern vach für und 



*) rangt hi, ^) haim Iis. 



10 8ehIo9» Tk-oL 

für untz auf das letst vach geworfen werden, und ainer nach dem andern 
darauf sein vach, un verhindert der andern, verfachem, doch kain vischer 
dem andern zu nachent , also das alweg ain segenzeug entzwisohen sein 
mag, auch kainer dem andern seine stecken ziechen, noch reuschn heben. 
5 Doch sollen die zinsvischer für den Sinienkofl hinab oder ob Märlinger 
pruggen hinauf kain vach schlahen, auch kain vischer sein geschleignen 
vach ändern; ob aber das wasser ainen vischer sein vach weg gstossen 
wurde , so soll und mag er ain ander vach derselben ende ungevarlich 
und nit an frembde ort geshlagen. 

10 Es mugen auch die segenvischer ain vach im aschen- und forohen- 

laich ob dem Sinienkofl schlagen und under dem Sinienkofl. auch aines, ob 
aber ain haubtman für sein tafl selbs mer vacher hinab untz an das gericht 
Neuhaus, so er das scheef selb fuert, oder durch andere seine tischvischer 
darzue von Märlinger pruggen hinauf untz an den altn steeg, so ober der 

15 Fasser gegen Märling geet, darzue auf der Fasser untz an den Saltnaus- 
pach an baidn ortn schlagen lassen will, steet zu seinem willen, aber nie- 
mant anderer soll der ende kain vach ausser aines haubtmans und burggrafen 
vergunstung schlagen. 

Es sollen auch die vom Vorst auf irer seitn von dem altn Märlinger 

20 steeg, darunter die Fasser in die Etsch fleust, untz an die streng des 
Wassers nit über zwai vacher, und die grienvischor herdishalber auch nit 
mer dan zwai vacher in den laichen, wie dan solichs durch den land- 
fürstnschef- und zinsvischer gepflegon wirdet, darzue nach dem mass inhalt 
der Ordnung schlagen, damit der fluss des wassers in der enge offen ge- 

25 halten, und die visch ircn gang in das Vintschgaw auch haben mugen. 

Der laich, auch bruch und verzug halben im vörchen- und aschenlaich, 

Sollen alle zinsvischer alle laich getreulich mit ainander vischen und 
kainer den andern bevortailn, sondern welcher ainen laich oder bruch 
findet, soll er solichs den andern vischern anzaigen, doch soll derselb den 

30 Vorzug mit dem rachnetz haben. Wann [er] aber nicht dabei wäre und 
absaumig erscheinen würd, soll man vercr auf denselben nit warten, sonder 
mugen dan die andern, so es zeit ist, wol ziechen, doch sollen die rachnez 
durch der vischer im vcrchenlaich nit lenger dann von sant Gallen tag 
untz auf sant Martins tag, und in dem aschenlaich von liechtmessen, als 

35 von dem ersten tag februarii, untz auf den ersten tag martii und nit lenger 
bei verlierung des zeugs , auch der peen XXV //, damit das wasser an 
vischen im laich vil ed gelegt, brauchen, aber kainen andern der edlleut- 
vischer soll kain laich ausserhalb der herrschaft zu Tyrol vischer wider 
alt herkomen zu vischen bei der peen XXV & gestattet werden. 

40 Der gfrillen und grundin reuschen. 

Ain icder hof- oder zinsvischer mag an sant Flasien t^ig zwainzig 
pf rillen- und grundln-reuschen, doch ain ieder vischer auf ainen fürt nur 
ain reuschen legen, damit die andern auch legen mugn. P^s soll auch ain 
ieder vischer dem andern seine muntstain, so er vor glegt hat, un verruckt 



Schlots Tirol, H 

bleiben lassen, und mugen wol neben ainander, aber kainer under zwainzig 
schritten vor dem andern legen. Solche reuschen soUn auch untz auf ostem 
und nit mer, noch lenger zeit ligen, und alsdann ieden yisher ain tag in 
der Wochen, als am freitag, aber in der kreutz- und pfingstwochen zwen 
tag, untz wider auf sant Blasien tag beruertn scheef- und zinsvischern mit 6 
dem tauppl oder pfrillpeern, und nit lenger oder mer, damit die grundl 
und pfrillen nit ausgeödet werden, bei verlierung der zeug und peen V €/ 
pemer, zu vischen vergunt sein. 

Ructtn-vischer. 

Und wann ain ruettn-vischer auf ainem weg, da ain segenzug ist, 10 
Tischt und ainen Tisch findet oder sich meld, so soll der segen-vischer ain 
zeit mit den zug verhaltu, ob aber ain ruettn-vischer ain visch oder zween 
auf ainem stant gfangen hete, so mag der segenvischer unverhindert wol 
zieohen. 

Bewarung des segenvischer zeug. 15 

£s soll auch niemant den segenvischer stain noch holz in ire zeug 
werfen oder inen ire zeug oder scheef, bei Vermeidung des Schadens und 
der peen L & pemer, bedachtlich oder frävenlich nicht verwüestn. 

Ordnung des tolbenvischens. 

Alle vischer sollen am aftermittichen, so die sunn an Marlinger thum 20 
scheint, als die Fasser in die Etsch rinnt, bei ainander sein und mit ainander 
zu tolben anfachen, und welcher am gang der innerist ist, derselb soll den 
andern gang der ausserist sein, also ainer nach dem andern abwexeln, und 
soll ain ieder zu mittentag was er gefangen hat auf die thaupl aufschuttn 
und an ainander , damit nit haberling tolben, bei der peen 1 ^ pemer, 25 
gfangen werden, schauen. 

Eegemelte vischer sollen auch also untz auf ostem miteinander tolben, 
und nach ostern das ganz jar in der wochen ainen tag, als am pfinztag, 
und nit mer tag, allain in der creuz- und pfingstwochen zween tag, doch 
alweg mit ainander und nicht getailt, damit si ainem haubtman die zins, 30 
wo si nit weissvisch haben mechtn, geben mugen, bei der peen V ^ pemer. 
Welcher aber am pfinztag mit den andern nit tolbt, den soll man kainen 
tag in der wochen darfür ze tolben gstatten. 

Abkerung der giessen. 

Es soll niemant kainen giessen, bei der peen L //y abkern, und 35 
welcher vischer das war nimbt, soll er bei seiner pliichtn dieselben ainem 
haubtman offenbam. 

Der eishaggen halben. 

Wo die zinsvischer ain eishaggen in obberüerten irem gezirk haben, 
das soll kainer allain, sonder si samentlich mit einander brechen und die 40 



12 8ehla$9 TiroL 

TiBch treulich tailn, aber under dem VorstleiD sollen si dem hofTischer kaia 
eingrif mit den eishaggen thaen. 

Der herrn und edelleut vischer halben. 

Welche vom adl von dem fürstn auf Etsch in dem burggrafambt zu 
6 vischen gereohtigkait haben, und ainem lanthaubtman furbracht werde, 
die solln und mugn auf der Etsch durch ire aigne gedingte vischer von 
haus aus gebrauchn. Dieselben ire vischer sollen auch angezaigter Ord- 
nung, wie der herrn zinsvischer, in allen artigglen bei der straff der auf- 
gesezten penfäll , damit die Ordnung auf dem wasser gleich gehalten und 
10 derohalben kain zerrittung der vischer halben fiirfall, zu notturft irer 
herrn ta£ gebrauchen und vischen, aber kainer vacher schlagen, noch 
kaines laichs, auch kainer segen, reust- ^) noch rachnetz wider alt her- 
kumen gebrauchen. 

Doch soll niemant edl oder ander das hochwasscr der Etsch, aus 
15 dem die obrigkait das wasser der ende zu verlassen hat, und allain dem 
landfürsten zu dem fürstlichen schloss Tyrol zugehört, wider alt herkumen 
kainen vischer umb zins verlassen oder ainigerlai obrigkaiten, bei der straff"" 
und ungnad zu vermeiden sich gebrauchn, sonder von haus aus ire vischer " 
inhalt obbeschribner Ordnung, welche zu vischen gereohtigkait haben, auf 
20 iren tisch in irer speis und besoldung vischen lassen. 

Es soll auch kain herr edl oder ander von der TöU untz an Terlaner 
gericht, so weit das burggrafamt an baidn ortu ist, kain schef bei verlierung 
des Zeugs, auch kays. Mjt. et. straf zu vermeiden, brauchen. 

Es sollen auch dieselben hem und edl, irer vischer ainem under» 
25 haubtman oder ainem schefvischer, damit si erkannt und inhalt der Ord- 
nung zu vischen wissen, bericht empfachen und verpffichtn anzaigt werden. 

Grien-vischer halben. 

Planner hof im Algunt als grien-vischer, mag er von der altn Mar- 
linger pruggn, als die Passer darunter in die Etsch rint, untz hinauf an 
30 die sträng des wassers vischen, davon soll er ainem haubtman alle jar auf 
das schloss Tyrol under ainist Zinsen und antwurtn zwainzig pfunt welsch 
gewicht edl lebendig visch, vörchon und aschn. Er soll auch obberüerte 
Ordnung bei aufgesetzten peenfall halten. 

Niemand fremden zu vischen gstattn. 

35 Es soll alle jar zu pfingsten und Martini, so die zwen jarmarkt sein 

beruefft, darzue zu Länna an der höche unser Frawen tag, auch zu liecht- 
messen durch offen mandat aines lanthauptmans, damit sich niemant mit 
kainerlai zeug auf den wassern, wer des von alter nit gerech tig[kait] hat, 
an ^) erlaubnus aines lanthaubtmans zu vischen, noch den landsfürsten in 



^) mnst hs, "^ ain h*. 



Sehlot» Tirol. 13 

ire gejaide des reiss- und gambsgejaide mit pursohen, jagen oder in ander 
weg zuegreiffen, bei der peen L // pemer, wie von alter verpotten werden. 
Eegemelte yischer sollen auch ainem haubtman in ander weg auf 
erforderung als yerpfl.ichte diener gehorsam und gwertig sein, auch nie- 
mant, wer des nit gerechtigkait , zu vischen gestattn , sonder dieselben 5 
aonemen, oder in glubt sich auf Tyrol zu stellen verfassen. Si sollen auch 
an erlaubnus aines haubtmans bei iren pflichten niemant andern vischen 
noch gemainen man kainen zeug stricken noch verkauffen, damit inen zu 
visoho nie nrsach geben werde. 

Welcher gstalt alle vischer dise obangezaigt-o Ordnung xn haltn sich 10 

verpfliohtn solln. 

Dise obangezaigte Ordnung in allen und ieden artiggln on abpruch 
211 haltn und darwider nicht zu handln, solln alle schef- und zinsvischer bei 
Iren eren und treuen an aidstat anloben und, wo nott ist, vcrpurgen. 

Und sover auch die andern der edlleut vischer wider dise obberüerte 16 
Ordnung handln wurden, mit gleichem peenfall durch ainen lanthaubtman 
Xind burgrafen gestrafft werden. 

Welcher gestalt Ordnung besichtigung des wassers der Etsch, auch der 
Tacher und verpotn zeug, auch sohef halben untz an den Effes bescheohen 

solle. 20 

Ain ieder schefvischer soll mitsambt ainem ieden haubt- oder waid- 
man ob Tyrol alle jar umb liechtmessen, ainmaln der aschnlaich angeet, 
und, wo not ist, am herbst umb sant Michels tag, ainmaln der forchen- 
laich angeet, untz an Efes, samentlich oder sonderlich, mit dem hofschef 
faren, den hofmodl darzue ain offen mandat von ainem lanthaubtman, 25 
wie von alter, mit fiieren und in allen gerichten alle vacher und zeug, wer 
die friert, durch die obrigkaiten, auch vischer bei iren pÜichten angezaigt, 
und darauf aigenlich besichtn und erkunden und darzue niemant ver- 
schonen noch ausschlüessen, und welches vach vom laut untz an den in- 
dristen stecken über ain perckklafter weit in das wasser gschlagn ist, derselb 30 
vach sollen si zuwissen (sie!), und der das ungwondlich vach gschlagen, damit 
der Wasserstrom offen gehaltn, umb XV' ^ gstrafft werden. Welche sogen, 
reustnetz, vachnetz, auch waaten, tolbentauppl oder peem nicht nach 
dem mass des hofmodls gestrickt und gefunden werden , denselben zeug 
solln si, damit kain grafling noch haberling-tolbm gfangn werden, &n 35 
gnad nemen. Gleichermass soll soliches untz auf die TöU auf bedn selten, 
darzue in dem Vinshgaw durch auf bei obbemelter peen gehalten werden. 

Es soll auch kainem kain scheef, der des von alter her nit in gebrauch ist, 
an kainem ort zue füern, noch niemant andern, der des nit gerechtigkait 
noch verschreibung hat, mit kainem zeug in trieben noch in andern 40 
Zeiten zu vischen gstattn, und welche also ungehorsam gefunden wurden, 
dem soll der zeug genumen und umb L ^ pemer Inhalt der alten 
fürstlichen briefn und mandatn gestrafft, und ainem lanthaubtman bei iren 
pflichten aigentlichen anzaigen und den genumen zeug überantwurten. 



14 Sehlos» Tirol. 

Si sollen auch von Sigmundfikron nach dem Eysack untz an di 
hoch clausn gleiohermass, damit der wasserstrom beder wasser offen gehalti 
und der visch seinen freien gang haben müge , Ordnung haltn und de 
Rauchpuchlerhof zu Terlan soll von seinem hof das schef und zeug ii 
5 seinem kostn vom Nefes untz an Synienkoff ainem haubtman wider ant 
wurten oder drei gülden für das schef bezaln. Obberüerte verordnete mugi 
auch am hinabfaren dieselbe zeit durch ab und herauf mit iren segi 
vischn, und ain ieder vischer in alle gerichtn sein schuldig dem hofvischer di 
zeug anzuzaigen, damit er seinen zeug nit verfüere, oder im den zeug zu 
10 behalten schuldig sein, auch, wo not ist, mit irem zeug fürzusetzen, um 
was also von peen und falln an gelt einzogn, soll inen halb zu hilf ire; 
underhaltung und umb merern fLeiss willen erfolgen und ainem haubtmai 
aus gnaden zugstelt werden , was sie auch von vischen auf und ab fachen 
getreulich miteinander thailn. 

15 Keiffen-zins halben. 

Von den reiffen gefeilt auf Tyrol von iedem sam, er kumb von 
Qartsee oder andern orten auss dem Welschlant, es sein carplein, hausen 
vörohin, höchten, lageindle oder ander visch, lebendig oder todt, IIA 
welsch gwicht, und von iedem vass hausen nach grosse desselben, als voi 

20 ieder urn, so in das vass geet, 11^ visch geben. 

Mer von aller spetzerei so die Walchen bringen auf den markti 
am Xäs-suntag oder zu andern zeitn im jar, so oft si vail haben , sollei 
si von aller spetzerei, saffran, confect, Treysee-pulver, darzue von gappem 
weinpeern und mandl den reif geben nach glegenhait ainer anzal der war 

25 Und der ratsknecht soll ainem underhaubtman die reiffen bei seinei 

pflichtn empfachen und antwurten. 

Die vogteizins und eerung, kaszins von der cost-vogtei zu Munster. 

Das gotshaus des frawenclosters in dem Munsterthal sein jarlicl 
auf Tyrol, als obristn costvogt, inhalt ainer alten versohreibung zu ant 
30 wurten schuldig zwen sämb käs, wie si die im gotshaus machen thuen, an 
lantgwicht 2 centn 50 pfunt. 

Stro-vogtei. 

Alle pfarrer auf Tyrol, Sant Petter, Algundt, Partschins, Natturns 
Schönna, Mayss, Läna imd Märliugen, ist ieder alle jar ain fueder stro 

35 ainem haubtman auf Tyrol zu antwurtn schuldig, entgegen sol iren fuer 
leutn durch ainen haubtman ain pfunt perner verert, auch ain pecher weil 
und ain hofprot geben werden. Welcher pfarrer aber ir stro nit fderei 
mugen, so mag ain haubtman sollich stro untz an Meran selbs ladei 
und füem, alsdann durch die hoffierer gar auf Tyrol füern lassen, so is 

40 man den pfarrers knechtn das pfunt perner, noch wein und prot zu gebei 
nicht schuldig. 



Sehlois TiroL Kloster Tegenuee L IL 15 



VederBpil. 

Ain ieder ertzbischof zu Saltzburg ist jarlioh auf das schloss Tyrol 
nren gnet spärber, dargegen der pott ain pfunt pemer drinokgelt emphaohe, 
zu antwnrten »huldig. 

Ain ieder abbt zu Sani Marienperg ist alle jar ain gueten habich 5 
auf Tyrol , entgegen die potten ain pfunt perner drinkgelt empfachen, zu 
miwurtn schuldig. Wo aber solliches nit geschäche, soll er ainem haubt- 
man und burggrafen ainen ochsen zu antwurten oder bezaln schuldig sein. 

Rathgelt. 

Item ain rath an Meran ist jürlich ainem haubtman auf Tyrol auf 10 
Georgi zu antwurten schuldig zwelf gülden reinisch. 



2. Kloster Tegeimsee*) 



I. 

JitiAi-Archiv in Münehen. TegtmHt 161. Reguter Athe$ijt, PapUrhandMdiriß de* 16. Jahrh., fol. 8 b. 

Item in dem laut an der Etsch , auch in dem Intale ist lantgewon- 
l^it, so man ein guet oder Weingarten verkauft und in frömde hant kumbt, 
Mi das der gruntherr des selbigen gucts oder Weingarten mit kaufen will 
^^ monatsfrist, [so gibt man aufschid und] ^) abschid oder anstand und ab- 15 
>^nd; so man fast streng will sein, macht aufzug als vil, als des selbigen 
S^ets oder Weingarten ain jarzins war. Aber man soll albeg gnaden begern 
und nemen, vorauss die geistlichen oder die klöster. ^) Ist aber das ein 
^uf geschieht auf widerlosung etlicher jar, so sol man mit aufschid und 
abechid geben und nemen verziehen , pis das disselbiges jar verschinen. 20 
Ist aber , das sollich gueter oder Weingarten komeu in ander hent durch 
Erbschaft oder freundschaft, gibt man aber nichts. 

n. 

BeUha- Archiv in Münehen. Tegemtet 163. Register Athen» ^ 15 Seiten, Pergament, fol 40. 

In dem pirg ist gewonhait, so man ein guet oder Weingarten [oder] 
^smad verkauft und aus der erbschaft kumbt, ist sach das der gruntherr 
^^ selben guets den kauf an sich nemen wil , so muess man das zugeben 25 
^d nächner geben dan andern leuten ains <t( perner. Wil aber der zins- 
berr an sich nit nemen nach anpictung in monatafrist in dem land oder in 

*) VergJ, Tirol. Weisthümer /, 6—8. A. Jäger, Geschichte dei' lundst, Vev 
futung TiroU /, 346 ff, 

') Nr, 166^ Papierhandschrift fol. 50 schiebt hier ein: so mag der pan- 
OMn seine paarecht ainem andern verkaufen, ducb erlichon personen nit utrique (?) 
und dann von solcliem kauf gibt man aufzug und abzug oder. 

^ Secundum jura veterum laudemium est quinquagesima pars vel pocius 
13 pars. 



16 Kloster Tegenuee IL Stift Weihetuiephan. 

jarefl frist au88[er]halb des landefl, so mag dan der pauman seine paurecht 
ainem andern wol verkaufen, doch ausgenomen etlichen personen und 
steten nit, als geistlichen, kirchen, rittem, edlen, aigen, mächtigen lenten 
oder sogetanen personen nit, durch welliche beswarung den zinshenan 
5 entspringen möcht, und solicher kauf geschieht, so gibt man aufzog und 
abzng oder anstand und abstand, wil man streng sein. 



3. Stift Weihenstephan.*) 

Reicht-Arehiv in MäncTun. Weihetutephan FlacUalioru» t38t. Ptrgameni'Codex, 62 Bl. 4^, Nr. O. 

Die gesazt aines iedent stift. 

liem ain iedleich herrschaft sol irem hindersäss drei tag vor zwiaseti. 
tun, wenn si abstiften wellend, und geschach des nicht, so mag der hinder- 
10 süss die stift wol verziechen auf ain zeit, als im dann recht ist. 

Item darnach fragt der, deni die stift enpholchen ist von der heir^ 
Schaft, den mayr, ob er der stift verjeche , und ob er sein gnugen habe, 
da[s] ist an dem volke. 

Item darnach sol der mayr vergwissen umb alles daz, das die herr' 
15 Schaft zu im zu sprechen von des guts wegen und nicht von andrer sadi 
wegen. 

Item, swer in der stift pörg wirt für den mayr, der do abzeucht, der 
mag nicht ledig werden, pis die herrschaft gänzlich bezalt ist irer vor- 
derung aller von des guts wegen. 
20 Item 80 frag, ob er gar gedient hab, und als oft er ain stuck be- 

nennet, des er der mayr seiner herrschaft nit genug hat getan noch ge- 
geben, es sei klein oder gross, so ist der mayr zu püzzen von iedem stuck 
72 Pfenning. 

Item so frag den mayr , ob er ain gut oder mer bestanden hab an 
25 seiner herrschaft wort und wissen und der herrschaft ir guet nicht auf- 
geben het, so ist die puzz von icdem gut 5 pfunt und 60 pfenning. 

Item frag den mayr , ob er das gut von rain zu rain gepauen hab, 
als er desselbigen schuldig ist, und biet er ichts lassen ligen, es wer klain 
oder gross, so ist die puzz 5 // 60 pfening. 
30 Item darnach spricht [man] dem mayr zu , ob er den mist gedüngt 

und gefürt hab nach der herrschaft gut und äoker, und nit anderswo; 
wann biet der mayr sein mist auf ander äcker getungt, so gieng die herr- 
schaft mit der sichel hinnach und wer darumb die puzz 72 pfenning. 

Item frag den mayr, ob er sein höu und stro ab seinen guet, das 
35 darauf gwagchsen sei, verkauft hab, damit er der herrschaft gut geödet 
hab, und ob er den chornsam gespart hab auf dazselb gut , so ist die puzz 
72 pfenning. 

Item darnach spricht man dem mayr zu, ob er seiner herrschaft 
veldor, äcker oder wismat oder äcker (sie!) nicht zu gärten hab gemacht 



♦) Da9 Ktofiter WeikenHephan hafte BeaUswngen sumeUt hei Bozen, aber 
awh im Inn- und Wippt hale und einige im PuHerthale. A. Jäger, Genehichte der 
latuUt, Verfassung Tirols t, 347 ß\ 



Stift Weiherutephan. Naturm, 17 

der hemchaft wissen nnd haissen oder chaine mark hab gemacht, daz 
an wiemat und an dem veld, so ist die pnzz 72 pfenning. 

Item darnach frag, ob er icht mben oder wicken hab gesät auf die 
it oder sunst mer, dann recht ist, da mit seiner herrschaft gut ergait 
ir geödet wirt. Hat er daz uberfaren, so ist die puzz 72 pfenning. 6 

Item so frag den mayr, ob er der herrschaft ires holzes icht verkauft 
) oder mer verzert hab, dann daz gut bedarf, kn der herrschaft wissen 
d haissen, so ist die puzz 5 ^ 60 pfenning. « 

Item der richter oder die herrschaft haist die nachpauren , die pei 
r stift sind, die zeiner pesohaun von vleizziger gepet wegen auf ir gwissen 10 
d frummikeit, eszaun und panzaun, und habend die ding gepreohen oder 
geng, da sullen die selben umb erkennen, wes er darumb schuldig ist 
r herrschaft und selbigen gut oder der dar auf siezt. 

Item marchpaum und smerpaum habend ir besunder recht, wann 
Q ainem smerpaum nider ze schlachen ist die puzz, dem selben sein hant 15 
f dem stock abschlachen oder 60 pfening und 5 €1 pfening, desgleichen 
Ton marchpaum. 

Item darnach fragt man den mayr, ob er seiner herrschaft holz, 
ker oder wismat-velds nichts hab aus ligen lassen und daz selb an sein 
rrschaft nicht pracht hab, da mit die herschaft daz ir rerantwurten süUe, 20 
ist die puzz 60 und 5 U pfeninge. 

Item darnach haist man das berioht vor den nachgepauren nemen. 

Item darnach frag den mayr, was auf dem gut beleiben suUe der 
TBchaft, daz ist also winterpau mitsambt den schauben und stro, und 
i nied und nagel berürt, aussgenomen den schweinpachem unterm dach, 25 
I was des die herrschaft ausläg, so ist die puzz 60 und 5 äf , als oft er 
selb überfiir und was iber sumer darauf pleiben suUe. 

Item, swas sich die herrschaft gutz yersach und auch fund auf dem 
ngen gut des selbigen tags, des mag sich die herrschaft wol unterwinden 
pfenden, umb als vil der mayr der herrschaft schuldig ist von irs 30 
8 wegen. 

4. Naturns*J 

Ptrgamenihds. Fol. 9 El., m Otmtmdtarchivt tu Ifaiums. 

Dorfpuech der gemainschaft Naturns gehörig. 

Vermerkt die dorfrecht zue Natums, als si Zandl, der mair von 
1118, der Lechner ab Pirchach, sein aidn, Cunradt der Drächsl ab 



*) THeter Ort ist zweifelsohne sehr alt und wohl schon zu Römerzeiten Ije- 
tend gewesen f da er an der Strasse durch Vintschgau und nahe der Grenze 
1 Rhätien und dem Trienter Gebiet lag. Der Name lässt hier eine Nachtruhe 
V Station vermuthen. Die Strasse durch Vintschgau war auch im Mittelalter 
l besucht y doch der Name Natums taucht [erat im Jahre 1178 in der Form 
ütumes auf und heisst schon vicus, nicht mehr villa fOosunn 47 j Eichhorn, 
isc. Cur,, Codex 61); aber bald darauf erscheint er auch in den Formen Nitur- 
, Naturnes (Ooswin 167, Font. rer. austr. 6, 86 J und Natums {Oosunn 177) 
l in der Folge regelmässig in letzterer. Arpo vo7i Cles, der hier und von der 

OMtorr. Weisthflmer. V. 2 



18 Natums. 

Pitscholl, Rotundt yon Tsohirlon, Albreoht der ander ab Padleyt, Cunradt 
Pircher ab Schnatz, Jaundl Gandlecher, Märkl aus Competaoh, Chuntz, mair 
Ton Mos, der herschaft aidschweren zue Naturns, mit den hernach ge- 
schriben erberen leuden, darzue von gerichts wegen geschaffen, nämlich 
6 herr Thomas von NatumSi herr Ott Reiohlinger, Hainrich, mair von 
Valreir, Niclas Petterschmelher, Kicias Grueber von Tschirlonn, Cunradt 
8tillauer, Ulrich Mosman, der hundert jar alt ist, Fritz Holzner, und mit 
andern altsessen erberen leuten in und auß der pfarre erfaren und außfundig 
gemacht haben, darumb si auch ire recht thuen wellen vor der herschaft, 

10 vor dem gerichte oder wo des not beschit. 

Des ersten habent si mit alter kuntschaft erfam und außfundig ge- 
macht, das die aidschweren zue Naturns nicht anders suUen ruegen, dann 
umb den diebstall, fliessunde wunden und ungewundns kom, heutt auß 
der paiss, plutigs gewant und umb meßgewant, wer das hingeb oder 

15 inneme, und umb prant oder wer den andern freyelich in sein haus laufft, 
oder wer ^) sich der gemaine underzug, es war an holz oder waide; wer 
darumb geruegt wurd, der kumbt umb funfzigk pfunt auf genade, und ob 
man ain plawe mit drucken straichen und wer den andern plueten machet 
on gewaffende haut, das sein fünf pfunt auf gnade, und was der andern 

20 Sache sei, da soll ainer vom andern das recht nemen. 

Und die aidschweren sullen nindert änderst ruegen , dann in ^) 
elicher taidung ain warhait für ain warhat, ain leumadt für ain leumadt 
und nach sagunden dingen, und sullen auch in elicher taidung dem rechten 
nach Tolgen biß genn Algundt. 

25 Der, wer in elicher taidung geruegt wurd, es sei zu Natums , zu 

Partschins oder in Algundt, will sich der selbe entreden vor dem rechten, 
der solt [das] thunn in den nächsten dreien tagen in elicher taiding; mag 
er sich dan entreden, des soll er geniessen, mag ers nit thoin, des soll er 
engelten. 

30 So hätt sich auch erfunden, ob ain aidschwer kumbt umb ain pann, 

der ist umb fünfzig pfunt, so soll er geben fünf pfunt, der soll er ledig sein. 



l^öU Hi Mals aiugedehnte Besitstungen hat, lebte noch im Jahre 1188 nach römi- 
schem Gesetze {Font, rer, austr, 5, 77. Bonneüij Notiz istor. erit. 2, 495). Dcts 
Kloster Mainenherg halte zu Natum» schon früh Besitzungen (Eichhorn, Cod. 56) 
und das Stift Ti^ient erwarb die des genannten Arpo. König Heinrich übertrug 
der von ihm gegründeten Karthause Schnals das Patronatsrecht über die Pfarr- 
kirche in Natums, sowie die Kirche selbst mit allen ihren Nutzen und Rechten 
(Eichhorn, Cod. 98). Diese Pfarre reicht in sehr frühe Zeiten zurück. Gegen Ende 
des 13. Jahrhunderts erscheint auch bereits innerhalb des Dorfbezirkes ein Adels- 
geschlecht, der Herren von Naturns, das durch zwei Jahrhunderte blüht; Schtoeiker 
von Naturns hatte viele eigene Leute in Tirol, die er im Jahre 1300 beschreiben 
liess (Burglechner 2, 2, 981). Nach deren Aussterben folgten sich im Besitze des 
Schlosses Hochnatums die Adelsfamilien Tschötsch, Maretsch, Vds, Tschötsch, 
Fieger, Mohr und Goldegg (Staffier 2, 674). Es hatten aber auch die Landes- 
fürsten bia in die teuere Zeit im der Gemeinde Naturns Besitzungen. 

Anfangs zu Churrhätien und Vintschgau gehörig, war Naturns seit dem 
13. Jahrhundert stets ein Bestandtheil des Burggrafenamtes und dann des Land- 
gerichts Meran. Zur Gemeinde Naturns gehört schon seit alten Zeiten das am rechten 
Etsehufer gelegene Dörfchen Tsehirland (Tschirlon, Tschirlanum), nicht aber Plans 
und Tarantsberg (Domsberg), 

*) wer doppelt. >) im hs. 



Natum». 19 

Item, wenn man raisen boU, damite habent die aidsohweren nicht 
[ze] schafiPen. Und was steure man soll anlegen, das suUen die aidsohweren 
thunn in der gemainschaft zerung. 

Und was steure man anlegt, es sei von raisen oder ander sache wegen, 
damite habent si nioht tsohaffen ze geben, es sei dann ain gemaine lantsteur, 5 
die suUen si helfen gelten. 

Darnach hat sich erfunden, das niemant kain frembds vich außer- 
halb dem gerichte und den pfarren soll innemen, und wer das tet, der soll 
Ton idem haubt umb fünf pfunt verfallen sein, zwai tail der gemainschaft, 
den dritt tail dem gerichte, und wer roß oder vich innimbt, es sei klain 10 
oder groß , der solls in mitten mertzen innemmen bis auf mitten maien, 
und wers lenger da auf der waide hytt, so oft man das daselbs findt, als 
oft soll mans pfenden umb sechs zwaintzger. Das haus von Tamtsperg, 
auoh Flauser und Hui her mugent auf ire waide nemen, wie vill si wellen t, 
dan si habent kain gemainschaft an holz oder waide mit den Naturnsern 15 
und habent auch kain recht über die Etsch , das soll man in hinüber 
schlagen on schaden , gett aber Naturnser vich über die Etsch', es sei gen 
Tamtsperg, gegen Hulb oder Plans, das sullen si auch herüber schlahen 
on schaden. 

Item umb die wege an die risn gen mos und Schädlen hat sich er- 20 
fnnden, das Algundner und Partschinser sullen unten aufher farn, wer 
aber hiehin farn will, es sein Naturnser, Hulber, Piauser oder Gattrauner, 
die sullen ain o£fnen weg haben zwischen dem hause und stadl zue Groben, 
an wellicher risn si wellen. 

Umb die march des holz zwischen den Greben und Piausern hat sich 25 
erfunden, das des Grebners march gett von wegschaid-eck bis an Vallschain, 
und nit hinauf übern mülweg, noch herüber, und was des andern holzs ist, 
das gehört den Flausern zue etc. 

Umb das panholz ist erfunden : als oft ainer ain fueder holz daraus 
schlecht und gibts auß der pfarr, der veryallet und kumbt umb zechen 30 
pfunt, und laßet ers in der pfarre , so kumbt er umb fünf pfunt, und umb 
ein purde holz aus der pfarre umb zwai pfunt, in der pfarre ain pfunt, und 
Ton der selben mult gefallet der gemainschaft zwai tail und dem gerichte 
der dritt tail. 

So hatt sich umb den Vallkayrpach erfunden , das der seinen runst 35 
soll haben zwischen Gruebhof und weilund herrn Perchtolds ab dem ^) 
püchlwisen, und was daselbs hinab nit rinnen möcht, das soll durch den 
Sack rinnen. 

Item umb den pofl zu Tschirlan hatt sich erfunden, soll man friden 
hintz auf sant Michels tag, und solt der Grueber darauf haben £er ochsen ^0 
und der Vorster zwen ochsen, und die perkleute auf den Piaatzen, die weil 
si pauen, soll ietweders nachts die ochsen auf dem pofl. haben huntz an 
morgen, und nit lenger, und wan die herren von Naturns ire pfärt auf den 
pofl schlachent, so soll auch iedwederr mair von Tschirlann ain veltpfert 
mit ainem füll auf den pofl. schlahen , und wer wisen auf dem pofiL hatt, ^5 
der solt auch recht darauf haben, und sullen die herren von Naturns und 



') dem h*, doppelt, 

2* 



20 Nahtrru. 

ander leute ire ochsen auf denselben pofl sohlachen,. als sis von alter 
gethon haben t. 

Dann umb den Eirchpach hatt sich erfanden , wan die herie zue 
Natums des abends an die pmck gett, so sullen die pergkleute den Kirch- 
6 pach die nacht haben bis an morgen, und wann die hert des morgens an 
die prucken gett, so soll das wasser herniden sein, und welicher pergkman 
den Xirchpach die nacht gechert hat und in des morgens nit herab schlueg 
und welichen dan die rot zuegehoret, der solt seinen knecht auf den perg 
schicken, und bei welichen pauman [man] das wasser findt, der soll umb 

10 fünf pfunt verfallen sein, zwai tail der gemainschaft und der dritt tail dem 
gerichte, und der pot solt pfenden umb ain pfunt für sein lonn und er sol 
denen seinen schaden gelten, dem die rot zuegehort. 

Und dieselben recht sullen die pergkleut hinwider haben gegen den 
lantleuten, als oben geschriben stett, und das soll also gehalten werden, 

15 die weil der Eirchpach in rodn gett, zwischen sant Jörgen und sant Veids 
tag, nit lenger gett er in rodn. 

Item baide maire zu Tschirlonn sullen ir vich an den Sunnenperg^} 
treiben bis an Marstheinpach. 

Wer zue Natums wein schenken will, der soll iederman in und auß 

20 dem hause recht Meraner maß geben, und soll den wein geben als an Heran 
allzeit, wie die laufe seint. Welicher aber Wurmser oder haubtwein 
schenken wolt, der solls tun nach erber leut ratt zue Naturns , die darzue 
bschaffen werden, und wers überfur und den wein änderst schenket , der 
kumbt als oft umb funfzigk pfunt, und wo ainer Meraner maß nit gebe, 

25 als oft sol er fünf pfund verfallen sein. Der selben pene sullen gefallen 
auf zwai tail der gemainschaft, der drit tail [dem] gerichte , und welliohe 
man darzue geschaffen seint, die sollen vollen gewalt haben, den wein zu 
schätzen und anzegießen, und wer in das weren wolt , der kumbt als oft 
umb fünf pfunt, und die gastgeben mugent irn gesten übern tisch geben, 

30 wie si wellen. 

Item umb die höfe auf den Plätzen ob Tschirlonn hatt sich erfunden, 
das die waide ausserhalb der zainen allemenigkleich gemain seint, so gett 
ain gemainer weg und ain troyen ob Grueb und zwischen Bebe hinauf^ 
da die laimgrueb gewesen ist ob Grueb. 

35 Item ain gemainer weg soll gen durch die Englaede hinder dem 

velde, gehaißen der rain unter Tarnsperg, an die rissen Tarnsperg und an 
die rissen zu Lintach und an die rissen zue Huelbe, und den selben weg 
soll menicklich farn, wer sein bedarf, über den gemainen weg, an welicher 
rissen er farn welle. 

40 So ist auch daselbs geöffnet ain gemaine landstrass, gett von Hulber 

weg hinter des mösner haus ^) auf hin durch die wisen und äcker bis auf 
Schön wis. 

£s ist auch geöffent, das ain gemainer weg soll gen von Huelber 

risen zwischen baiden wisen, die Sack genant, zur Hulb gelegen. Den 

45 selben weg sullen Hulber machen und die, den solliche wisen zue gehörent* 



*) Sumenperg ha, ^) haus doppelt. 



NaHtnu. 21 

mag man den weg faren, wol und guef , mooht man in nit faren , so solt 
man faren über weliche wisen man will, doch das iederman on schaden sein. 

Item Hnelber sullen den wall machen vom Pletzen , gehaißen zue 
Koohin, biß an die Etsoh. 

Und den wall zue Tamsperg sullen Plaußer und Hulber machen. 5 

Und das waßer soll gemain auf der hersohaft guet. 

Item Ton wegen der waide im Sack halt man erfunden, das die 
pergkleute irer wisen daselbs hueten sullen, und ob vich darinnen gienge, 
das sei niemant pfenden, noch instellen. 

So hat sich auch erfanden, das die gemaine zue Naturns ain ge- 10 
mains holz habent von Vallstailpach bis an Vallmatzanpaoh zwischen 
Pischoler lapnus und dem Linthof. 

Item, was feichten oder lerchen außerhalbs zauns der dreir höfe Vall- 
steil, Pircheben und Prandach stett, die sint gemain. 

Item das holz und waide ob PitschoU , da etwenn ein alb gewesen 15 
ist, auch gemain allen Naturnsem. 

Es hatt sich erfunden, das der Vorsthoff kain wasserrecht hat weder 
im prunnen noch im paoh. 

Ober-FuUer zue Tschirlon soll ain saltner setzen, und wan man den 
wall zu Tschirlon machet, so soll er allen den gepieten, so daraus wäßern, 20 
den wall helfen ze machen, und der Füller solt des ersten wäßern und 
darnach die andern. 

Item so hatt sich erfunden, das Tablantler kaine recht haben mit irem 
Tioh f&r Lärcbeck , si habent auch kaine recht über die Gandris mit holz. 

Item der ober Laimhof und der schmidin haus in Conpetsch sullen 25 
pergkrecht haben. 

Es hat sich auch erfunden , das ain gemainer offener weg soll gen 
für den püchl zue Ifaturns und denselben weg soll iderman farn mit 
protzen und wagen, ber des bedarf, und man baten kainen gewert. 

Item so hatt sich erfunden, das der prunnen aus dem Kirpach winter 30 
und sumer nacht und tag ewiklich für die kirch zue Naturns rinnen solt, 
und auß denselben prunnen hatt niemant kain recht, den das er der kirchen 
warten soll, und das haus auf dem Tum mag sein malwaßer in dem ge- 
mainen runst darauß nemmen, und die bei der kirchen gesessen sint. 

Es hatt sich erfunden, das der enge weg unterm püchl offen soll 35 
sein allermenigkliohen, wer des bedarf. 

* Ittem es hatt sich auch erfunden , wer mair im Anger zue Naturns 
ist, der soll von des selben hofs wegen dorfreoht zue Naturns fueren und 
solt der gemainschaft daselbs ainen stier und einen pern halten ewigk- 
lichen, und ob er die gemaine daran säumet, so soll er in iren schaden 40 
gelten, wie in zwen erber piderman schätzen. Den selben stier undn pern 
soll niemant pfenden, und wo si des nachts oder des abends hin kument, 
da soll man si instellen und halten. 

Item der selbe mair soll ehalten setzen mit der herren und der 
maire ratt. 45 

Und umb die mult und der eehalten Ion soll er pfenten menigklich, 
und wer ime die pfant weret, er sei edl oder unedl, als oft ers thuet, so 
oft kumbt er den selben mair umb fünf pfunt. 



22 Naium». 

Itiem, wann man die holzprugken oder den Etschwall machen will , 
das solt man am snntag vor der kirchen berueffen, und so man die glookeim 
leidt zum dritten mall, und so soll aus ieden haus ein redlich mensch da 
sein, das woll arbaiten mag, auch die herren und maire mit iren ochsen im. 
5 walle sein, als von alter her kumen ist, und wellicher mit den ochsen 
saumbt, der kumbt umb ain pfunt, und die andern umb drei kr. — Die 
selbe mult gehört der gemainsdiaft zue. 

Den Schorninigwall sollen alle die, so äcker oder wisen darunter 
habent, machen bei der obgeschriben mult, und was von der mult gefalle, 

10 das solt die gemainschaft an die kirch und an die prucken, oder wozue 
maus darf, anlegen. 

Ittem von den rindern oder schwein, noch roßn soll der mair kain 
kost noch lonn geben. 

Ittem der Länpach soll in rodn gen , wie von alter her kumen ist, 

16 und den po£L auf dem ^) Länpach soll man auch in die mult legen und 
finden, wie von alter her kumen ist. 

Ittem umb die landstraß hatt sich erfunden, das die, so den nidera 
zoll zue Naturns innement, sollen die straß versorgen von Velbnau auf 
dem mos biß an die panprugken. 

20 Ittem so hat sich erfunden, das ein gemainer jochwall zwischen 

Lächsnstain und herrn Ottn des Reichlingers Weingarten ist ; so ist auch 
ain gemainer offner jochwal zwischen dem haus am Ort im nidemdem 
dorf und der Geyrin hof, der die herrschaft angehört, und der selbe wall 
soll alzeit offen sein, und wan ein grosser gwalt kumbt von wassers wegen, 

26 was dan der ober jochwall nit tragen mag, das solt durch den untern joch- 
wall rinnen, und wer das weret, der kumbt als oft umb fünfzig pfunt, 
und den obern jochwall sollen t alle die helfen machen, die heuser oder 
äcker darunder habent. 

Ittem so ist ain offner wall bei des Tarants maure und für sein tor 

30 der läne nach ab biß in untern jochwall. Den selben wall soll die gemain- . 
Schaft machen. 

Ittem so hatt sich auch erfunden , das ein gemainer flucht weg an 
den perg gett durch den gätter zue Oberform für die patstub zu den an- 
dern fluchtwegen umb und umb an dem perg. 

35 Vorsteende der gemainschaft Natturns und Tschyrlon dorfs-ordnung 

habe den achten deccmbris sechzehcn hundert sibenundachtzig , als unser 
lieben Frauen empfongknustag, in dem beim dorfmair daselbs befindenden 
archiy aus dem dorftrichele, als gemainer behaltnus, (warzue beihanden 
aines anwalts ain, it«m beim dorfmair ain, und dem obermair zuTschyr- 

'10 Ion auch ain , also drei schlißl ligend und verbanden seind,) in beisein 
herrn Ferdinanden Stricklers und herrn Balthasarn Praitenpergers, beeden 
des raths an Meran, auf begern erhebt, und nit allein dises also von 
ambtswegen attestieren wollen, sondern auch mithin ain volgents hieyon 
gemacht« abschrift von ambtswegen vidimiert. Actum ut supra. Sebastian 

46 Pranter, statt- und lantrichter allda an Meran. 



^) auff anff dem /'«. 



ParUchiru L 23 



5. Partschins*) 



I. 

hakUrtiarchiv zu Jnnahruck: Ferdinandeum Nr. 458 ad CLctum dd. Heran 8. Juni 1565, Ah»chri/l 
krkand*. grou 4. (A). — Eine Ahsrhri/t, 1815 verferUgi von Jo$. Kuen Papierhands. 4. SO Bl. 
Vidurnuardikte zu Parttchins (BJ. Zwei andere gleichlatUrndt Abachri/kn au» der zweiten Hälfte 

dieses Jahrhundert» (C). 

Da man zalt nach aneers Herrn Jesu Christi gehurt ^tausent jar» 
uhundtert jar, darnach in dem ain *) und sihenzigisten jare * des sun- 
I zu mitter vasten, do ich Motheis Mantelhoner ^) von Partschins, dorf- 
ster daselben, zu dorfreoht sas an der gassen zu Partschins *nach alter 
'onhait, * da fragt ich die gmainschaft über alles,^) was der herrschaft 
it war und was ains dorfmaisters recht wäre. ^) Des berieten si sich ^) 
gmainschaft mit einander. Do si sich beraten heten, da was ülreich 
Stainer von Qatraun ^Ton der gmainschaft wegen redner und auch 
seinen wegen * ®) und öffnet des ersten der herrschaft recht und sprach: 



*) Parttchina reicht^ tote schon der Name (prcUaccinu) andeutet (Steub, zur 
tiaehen Ethnologie 120), in römische Zeit zurück. Die Römer errichteten in 
en Nähe eine ZolUtation^ da hier die Grenze zwischen Rhätien und dem Oe- 

vcn Trient war, und auch durch das ganze Mittelalter und bis tief in unsere 

herein (1829) bestand noch eine solche auf der Toll (telonium), (Mommsen, 
HUB inscripi. 3, 707). Dass in dieser Oegend eine römische Niederlassung be- 
den, setzen die daselbst au/gefundenen Denkmale und Münzen, namentlich die 

Qraf Benedict Oiovanelli beschriebene ara Dianae, ausser allem Zweifel. Im 
eltüter erscheint der Name zum ersten Mal in der Form Perzins im Jahre 1087 
ffter 2, 670), dunn im Jahre 1228 und zwar ganz in der jetzigen Form (Bonelli, 
zie 3, 187); die später in churischen Urkunden vorkommenden Formen Part- 

(1283), Perschines (1298) sind wohl verdorbene (Mohr, Cod. dipl. 2, 18. 104), 
so Partzindes in Ooswins Chronik (p. 83). Gegen Ende des 13, Jahrhunderts 
\eint ein Burggraf von Partschins und ein Edelgeschlecht dieses Namens gab 
whl schon in der ersten Hälfte desselben (Bibl. tirol. D, 1102. n. 42). Das- 
! blühte bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, spaltete sieh aber wahrscheinlich 
wehrere Zweige, Zu des Chronisten Burgfechners Zeiten gab es in der Gemeinde 
Ischins drei Adelsansitze: den Spaurer Thwm, den Thurm zu MinteUbon und 
Freisitz Stachelburg (Burglechner 2, 2, 1022; 3, 4, 1044); die erstem beiden 
ken wohl ins Mittelalter zurück; der Stachelburg wurde im Jahre 1576 dieser 
le als Ädelssitz verliehen (ib. 3, 1, 602) und das damcuih benannte Adeln- 
blecht 1660 in den Freiherm- und 1689 in den Grafenstand erhoben. Der 
Isansitz Toll war schon 1470 in die Hände des Landesfürsten übergegangen 

Zollamt geworden (Staffier 2, 670 f). Die Pfarre von Partschins kommt ur- 
ilich zuerst im Jahre 1264 vor^ erfreut sich aber wohl eines viel höheren Alters, 
lieser Gemeinde hatte bis 1380 das Bisthum Regensburg ausser dem Patronate 
Pfarre grosse Besitzungen, worauf dieselben durch Kauf an Salzburg über- 
fen, bei dem sie bis zur Säcularisierung des Stiftes bli^en (Der deutsche An- 

372), Das Bisthum Cur und das Stift Marienberg besassen hier gleichfalls 
JT, besonders unter der Toll {Goswin 51, 164. Mohr, Cod, diplom, 1, 189 subtus 
es um 1160). 

*) eintausend dreiliundert und in dem B. * — * 1371 C. 

^ Matheus Montelwohner B. Mantlboner C. ♦ — * fehlt C. 

') über alles fehlt C. *) was der herrschaft und eines dorfm. r. w. B C. 

*) sich fehlt C. * — * als Sprecher auserlesen C, *) seinetwegen B. 



24 Part9ehki9 L 

der herrschaft recht ist diebstall, pluetigeu hant, umb urbaro, umb ^ güld 
und was an die aide ^ gel , und bei derselben Öffnung was bei ^ von ge- 
schäfts wegen des vesten und strengen ritters herm Ulrichen ^^) Magnus, 
burgraff zu Tirol, Fridereich von Gereut'*) und Passeyr, Nidas, statt- 

5 Schreiber an Meran, Friz von Santgrueb, der herrsohaft bräbst. ^^) Demach 
Öffnet derselb ülreich Stainer und sprach, wann ain *^) burggraff oder ain ^^) 
richter sitzet zu elichen täding *^) zu Partschins, so soll ain *^ dorfmaister 
mit der gemainschaft^ baide lantleut und perckleut, *^) zu Partschins zu- 
sammen geen und sollen erfarn, was zu riegen sei , was si dann billichen 

10 dunkt '^ zu riegen, *das soll ain gemainer fronpot riegen,* für pas *^) soll 
man die gmainschaft nichtes mehr benötten^^) weder mit aidsohweren noch 
mit andern sachen. 

Item darnach öffnet derselb Ulrich ains dorfmaisters recht zu Part- 
schins und sprach , das ain ieglicher dorfmaister zu Partschins die reeht 

15 hab, das das wasser ob den mülen *und unter den mülen* sein seie'^) 
yon ^^) mittem merzen bis auf sant Georgen 2^) tag, und das er möge das 
selb wasser in der selben zeit geben, wem er wolle. 

Item darnach öffnet er, das die gmainschaft zu Partschins die reoht 
hab in der herrschaft genaden, ^^) das niemant in der pfarr soll kain 

20 fremdes ^^) vich innemen auf ir ^^) gras, wen das kumbt und wer das tat, 

der soll der herrschaft verfallen sein von iedem haubt umb ^^ fünfzig ^^ 

pfunt perner und ainem dorfmaister von 2®) iedem haubt fünf pfunt pemer. 

Item darnach ^^) öffnet^') derselb obgenant Ulrich umb das holz und 

sprach, wellicher ab der gmain holz verkauft aus der pfarr zu Partschins^ 

25 der ist verfallen ainem dorfmaister fünf pfunt pemer, und wer holx 
schlecht, das in die mult gelegt ist, der kumbt von großem holz von iedem 
stam umb fünf pfunt perner ainem dorfmaister, und von iedem fueder 
klains holz ain pfunt pemer ainem dorfmaister und von ainer bürden 
* umb 32) drei und zwainzig kr. * *) 

30 Item darnach ^^) öffnet er umb die müUen und sprach, das niemant, 

der in der pfarr zu Partschins gesessen ist zu perg oder zu lande, sol aus 
der pfarr malen, und wer das überfuer, den eol ain dorfmaister phenten 
umb fünf pfunt pemer. 



'') pluetiger handl, urbar, gilt (7, and umb gilt B» ^) aide (schwyr) gilt C 
9) bei fehlt Ä »O) herr A, Ulrich BC, Mangus C, Mags A. 

1«) Greith C. •») probst (7. »3) ainer AB. »*) ain fehlt BC. 

1^) tadang C, ^^) ain] der BC. ^^ lantleaten und bergleuten B. 

»8) gedünkt C. * — * fehU C. «) pas] das C, ^) beschweren C, 

* — * fehlt C. 2') seie] sein, doch durchstrichen A. 

M) von fehU C. '») ©regori (7, Jörgen B. «*) genaue C. 

25) fremdes fehlt C. »«) ire C. ") joLmh fehlt BC. m) fünf C, 

W) auch von BC. >0) dernach fehlt BC. »») eröffnet C. 

* — * drei kreizer C. '') umb fehlt B. 

*) C folgt: Item darnach öffnet er aber des holz wegen und sprach: wer 
holz aus seinen besunderen hofmarch, dns soll er nit hin geben an seines grnnd- 
herrn willen and soll auch ainem dorfmaister darum ain wartzeichen bringen 
von seinem herrn, und wer das selb überfier, den soll ain dorfmaister pfenden 
nmb fünf pfand perner. 

33) darnach] »o BC. 



Pari9MM L 25 

Item nnd wenn ain perkman oder ainer^^), [derj ausserhalb des dorfes 
gesessen ist, bringt zu der mülen ain wagen kom *oder ain sack oder 
zween mit koren*, und hat dan ainer auf der mül, der im dorf gesessen 
ist, er sei edl oder unedl, ain marohstar, das soll er aus malen. War sein 
aber mer, dan ain marchstar, so soll er das koren und das mel ab der mül 5 
nemen und soll den äussern man lassen '^) aufschütten, und wer das nicht 
entet, ^^ den soll ain dorfmaister pessem. 3^) 

*Item mer, ob ain mülner ainem sein koren verlur oder ver- 
wiestet, der sol es im gelten nach ains dorfmaisters rat. * 

Item darnach so öffnet er umb daA vich , das die perkleut '^) an- 10 
gehört j das soll herab geen bis in die Etsch zu drenken ^^) und soll 
wider auf gen, das es desselben abendes zu stalle kume , es wer dann, das 
groß ungewitter oder groß sehne kern, so sol das vich herniden ^^) gen pis 
an den andern oder an den dritten tag und bis si es wider haim treiben 
mugent. ^^) 15 

Item so öffnet er umb alber und velber, wer dem andern in sein 
fürhaupt und in sein alber oder yelber stieß, * es wären alber und velber,* 
der soll es pessem ainem dorfmaister ^^) nach der nachpam rat. 

Item, wer sich überfiiere in den marchstainen , an ^^) den wälen 
und ^^) an waid, der soll ainem dorfmaister bessern ^^) nach der nacht- 20 
pam rat. * 

Item darnach öffnet er umb arbaiter, die in der pfarr zu Partsohins 
gesessen sint, die sollen sich lassen sechen suntags zu kirchen ; bedarf ir 
iemant mer ^^) in der pfar^, dem sollen si umb seinen Ion arbaiten, bedarf 
ir niemant , so mügen si arbaiten , wem si wollen , und wer des nicht 25 
entet, ''^) den soll ain dorfmaister pfenten umb fünf pfunt perner. 

Item do sprach Ulrich Stainer, do er das geöffnet hett : ^^) • ir harren 
red ich zu tu, das soll mir zue kainem schaden kumen*. 

Do nam mir Ulrich Stainer den stab aus der haut und fragt die 
* gmainschaft* von der stamen wegen *®) ab Valetsch des Taranz *^) pauman, 30 
was recht war, das er gelaupet ^^) hett auf der gemaine? * Do sprachen si 
die gemainschaft und ertailten aus die stamen ^^) und die gmainschaft. 
Do ward ainem dorfmaister von iedem stam ^') drei kreuzer.* 



^) ainer fehü A. * — * fehlt C. ") lasseo fihU C. 

^) anntet A, thät B, thut (7. '^ bessern oder strafen BC. 

* _ ♦ fehlt a S8) den bergleiten C. ") trinken BC. 
*0) herunten C, *i) mögen BC, * — * fehU C, 

43^ bessern oder zu ersten peen geben a. d, BC, *^) und an Ä, 

**) und fehU A. ^^) den soll ein d. bessern oder strafen nach B C. 

*) Hier folgt C: Item wer wal hat dnrch des andern feld , der soll sein 
wall machen, das niemand kain schaden tne. Tuet er das nicht, so soll es ain 
dorfmaister bessern oder strafen nach der nachbam rat. 

<«) mer fehlt C. *'^) anntet Ä, thät BC. 

*^ gesagt hSt B, do er das geöffnet hett fehlt C, 

* — * gemeinschaft wegen des enzbanmen, was recht wäre. Da sprach 
die gemeinschaft und ertheilte das wort ainen dorfmeister von iedem stam drei 
kreiser C, 

4^ von der stamen wegen] von des Stainers weg^n AB. 
^ Lorenz B, ^i) gelopet B. ^^) auch der Stainer B. 
^ stains A. 



26 Partschin» L IL 

Item des sind gezeugen Prändl und Nicole von FartsohiDS and 
Fetter Mäntag, Hainz Mitt«rhofer, Cuenz an der Gassen, Cristan an der 
Laigassen, Eaenz Winkler, Cristoff Glaz, Fetter auf dem Fach, Cristan 
der Zechenter, UUe Fairle, Nikle Waizer, Hainrich Gander, Told Fogner, 
5 Cuenz Gauls, 8imon Leiter, Albrecht im Stämpfl, Jacob Heniglein, Caens ^) 
mair von Frucke, **), Feter von Frugg, Gerolt im Moß, **) Ulle *') Frankle, 
Thomas auf der Hueben, Herman, Volkleins ^^) aidem, Hainz Thomasen 
Diemer *®) von Naturns etc. ^^) 

Der hauptbrief, davon diese absohrift gemacht worden, liegt in aagrar 
10 verwahrt. 

Item so eröffnet er Ulrich Stainer, dass es allwegen recht sei , daas 
die spatwiesen, so ein gras tragen, den letzten mai sollen befreit sein, als- 
dann um Jacobi darauf angeschlagen und aufthan werden, welche wiesen 
aber um Lorenzi nächst darauf ganz leer werden sollen, und der dies nicht 
15 thuet, der soll von einer tagmad um 30 kr. gestraft, und einem dorfmeister 
in die peen verfallen sein. 

II. 

Copit in QoUfr. Primister» Urkunden- Sammiun^ Bihl. tirol. D. 614 p. 231, 4. Bl. ^ im FMtmandtttm 

XU Imuhrudc (A), abgedruckt mieh einer Original-Urkunde im SkiUhalterei-ÄrdUvtf dU aber niekt 

geJUnden wird, in ^Beiträge zur OeachichU von Tirol und Vorarlherg. IH. B. InmXtrudt J897J^ 

S. 141—145 (BJ. — Darnach ein Auszug in J. arimm» Wtisthümtr HL S. 738. 

Dorfrechte von Fartschins. 1380. 

Daz sind die pauläut, die da gesagt habent auf ir aid und habent 
auch darumb gesworn vor herrn Hainrich von Fridung, ze den zeiten purg- 

20 graff zu Tyrol, umb ir dorfrecht. 

Item am ersten Hisman von Häupbühel, item Haintz auz dem 
Weidach, item Ulrich der mair von Bablat, item Haintz, Hismans sun 
auz dem Weg, item Fritz Frunner ab . . ., item Haintz Chreph ab Tyrol 
der weinzirel,* ^) item Haintz underm weg ab, item Haintz Chöffle von 

25 Gun traun, item Haintz des Choches sun da^) selben, item Simon der 
Leiter, item Hainrich Wazzerfalier, item Albrecht im Stampf, item Ulrich 
von Tablat , item Hartman ab Stäben , item Jäkel der Geräuter , item 
Nykel auz Vertigen, item Haintz Rus, item Cristan Huber, item Gerolt 
im Mos, item £gen Nasereyder, item der Huber von Farsohines, item 

30 Ferchtold Ebner, item Ulrich Fotiger, item Feter Sprenger, item Jäkel 
der Chöohel, item Egen Vischer, item der Frunster ab Tablat, item Albrecht 
Farbelf (?), item Ulrich Maurer von Farsohines, item Ulrich Fair, item 
Feter Smellcr, item Thomas der Huber von Guntraun, item Christel sein 
aidem, item Tomas ab dem Stain, ^) item Ch. Winkler. 

35 Item die obgeschriben laut habent erfunden umb ir dorf recht ze 

Farschines: 

M) chienz C. ») Frugger BC. ") Maß BC. »"O Ule BC. 
**) Volklins BC, *®) Diemer] die nun Ay Diener (7. 
^ C hat den Schliu»: Dies ist die abschrift des ersten dorfpychels von 
jähr 1371. Das folgende fehlt in A, C. 

1) weinzinel AB, >) da fehU A, 3) Rain B, 



ParUchina 11, 27 

Item am ersteD, daz der mülbacb anz der Gud traun mit vollem ge- 
walt gen sol, als er von alter gangen ist, in der beschaidenhait, daz miilen 
und stampf genge sullen sein. Waz aber darüber oberhalb dez dorfes 
wazzers ist, da sol iederman auz wäzzern sein ohoren naoh seiner notdurft 
&n geyärd, und schullent'*) darumb dehainen dorfmaister noch niemant 5 
gepunden sein, nicht dayon ze geben. Und ob si darumb indert stösig 
wurden von dez wazzers wegen, da sol si ain dorfmaister umb verrichten 
nach dorfleichen rechten an gevärd. Und underhalb der mülen und der 
stampf und des dorfes , da mügent alle die, die da hüben habent , alle ir 
ächker wazzem auz dem egenanten pach an gevärd , auch &n alle irung 10 
ains dorfmaisters und mänichleichen. Den ander laut, die dar under ächker 
habenty die mügent und schullent auz dem obgenanten pach auch wazzern 
in sämleicher weis, daz ez der dorfmaister iedem man tailen schulle nach 
seiner notdurft an gevärd. Und ob daz war, daz ainem dorfmaister von 
der tailung wegen des wazzers ichtz geschankt ^) würd , daz mag er wol 15 
mit eren einnemen, und doch nicht von rechtz wegen und sol auch dar- 
umb niemant nöten. 

Item ze der andern sag ^) ist pei gewesen über die, die vor geschriben 
Stent am ersten, 

Item N. ab Underwant, der Hismanin aidem, item die zwen Ulrich 20 
ab der Platten, item Fritz auz der Ammais-aw, item Gh. sein prüder, der 
Purster, item der Ulrich Egger, item Haintz der Lögeder, item der 
ober Ebner. 

Item sol auch nicht nemen chain holtz an dez dorfmaisters rat 
und der pesten. 25 

Item darnach habent si erfunden aber auf ir aid, daz ain iedleicher 
dorfmaister sol sitzen alle jar zwirund ^) ze dorfrecht, ze sant Georgen tag 
drei tag und ze sand Gallen tag zwen tag. Dez hat er nicht getan , dez sei 
wir ze schaden und ze chrieg chomen. 

Item so habent si erfunden umb daz holz, daz die gemainschaft die 30 
mnlt wol gewalt haben ze legen hoch oder nider nach dez dorfmaisters rat, 
und die mult ist der gemainschaft, und sol auch chainem, der in daz dorf- 
reeht gehört, chain holz nicht wern nach seiner notdurft an gevärd. Vil 
aber iemant in daz holz fräfelleichen, den sol ain dorfmaister pessem nach 
sibner der pesten und der eltisten rat. Ez mag auch ain dorfmaister ainem 35 
iedleichem, der in daz dorfrecht gehört, zwen stäm oder drei an gevärd, 
und nicht mer [geben]. Ez sol auch ain dorfmaister holzpürgen setzen mit 
der gemainschaft rat und die sullen auch pfenden nach der alten mult, als 
sich dan erfint vor dem dorfrecht. 

Item ez sol auch chain dorfmaister chain pen nicht nemen über ain 40 
phunt pemer, darunder wol und darüber nicht. 

Item ez hat auch chain dorfmaister chain gewalt ze richten umb 
frävel noch unzucht, wie die genant sint, daz gehört an daz gericht 
an Heran. 

Item ez sol auch chain dorfmaister chain schergen nicht setzen an 45 
der Huber und der gemainschaft wille und wort. 



«) sint AB, '^) geschaut AB, «) saz B. ^ zwiennd B, 



28 ParUekhu IL 

Item alle ander »ach sol sich erfinden, waz daz ist oder wie daz 
genant ist, vor dorfleichen rechten. 

Item und ain dorfmaister sol auch treiben sein ros und sein ochsen 
nach dorfleichen rechten, als ez von alter her chomen ist. 
5 Wen ain richter den aitsbnren gebeut, daz herschaft nicht an get, 

wer ir dan bedarf, so sullen si & Aminen wirt ziehen und da ezzen und 
trinchken irnotdurft; wer dan i icht hat, der sohol si von dem wirt 
letig und los machen. "> 

Si habent auch geoffent um lefitz und umb frävel, daz sich er- 

10 fände mit gewizzen von dem Schi' ^ch oben her bis an Chastelbeller 

pruohk, und von der selben prucir8f8*Bi8 an Epininger pruchk , seien die 

laut, wes si wellen, man oder weib, welches herrn si seien , das bo[1] in 

dem gericht beleiben. 

Die aitsberen haben auch erfunden , was für chumpt von unzaoht 
15 hegen , das in dem gericht geschache , ein igleicher aitsbere in seiner 
teohenei, als ez in für bracht wirt, ain wörhait für ein wörhait, ain 
leumutt für ain leumutt. 

Man hat auch erfunden, wan frömde leut in ain dorf chomen, die 
nicht gehauset sint, die holz slachent, das schol der richter verbieten, und 
20 ob imant holz, der da ge[sejzzen ist, der sein herberg paubn und pessäm 
wolt, der sol ohains nicht slachen, man erlaub ims dann. 

Mer habent si erfunden, wenn ain richter in dem anger ze Sohantzan 
zu gericht sitzet, umb welcherlai sach das ist, das der richter da gepent, 
so Süllen die phärt in dem anger gen, ez sei gemäet oder nicht. 
25 Item alle panchkhart sint der herschaft, sei vater oder muetter, 

welches hern si sein. 

Wassär vnd gejäge ist gemain. 

Man hat auch erfunden, ben ^) ainer angeohlagt wirt umb frävel in 

disem gericht, sein, welches hern si sein, so sole er sich vor tisem stabe 

30 verantburten ; hat er recht, er genies sein, hat er unrecht, er entgelt sein. 

Man hat auch erfunden, wer freiges urbar erbet, der schol mit den 
ureigen dienen oder er verbeg sich des urbars. 

Item man hat auch erfunden, wer ainen uberläuffet in seinem 
trüp£stall ^) mit gebaffnöter hant, der ist dem gericht vervallen 50 €t, 
35 Item man hat auch erfunden, wer ainem gefärleichen *®) seinen 

marchstain aus rieht und aus ' ^) zeret, der ist chomen umb 50 &. 

Item man hatt auch erfunden , wer ainen bei der nacht vindet mit 
seinem viche in einer wise oder in seinem pau, der ist chomen umb 50 &, 

Item vindet ainer ainen pei dem tag mit seinem viche in seinem pau, 
40 der ist chomen umb 5 iS. 

Wer ainen vindet pei der nacht bei gerochem fewer in seinem haus, 
der ist vervallen leib und guet auf gen ad. 

Wer ainen bei der nacht in seinem haus überläuft mit gewappenter 
hant, der ist vervallen dem gericht leib und p:uet auf genad. 
45 Item man schol verbieten kuglein in den dörfern, pei 50 & pernw. 



>) ban B. ») träpstalt A, trUptstalt B, i^ gefrächleichen AB. 
^*) aus] uns B, 



^sg 



ParUehiM IL UL 29 

Item man hat erfanden, wer ainem sein holz hinfüert ab der lasstat, 
der ist komen umb 50 €f. 

Item, wer ainem sein holzmäroh ausstecht und sein march darauf 
stecht, der ist komen umb 50 &. 

Item, wer ainem sein viche merchket und sich sein maitzet, der ist 5 
ehomen von dem marche umb bO if, mi von dem viche-haupt umb 50 ü. 

Man hat auch erfunden, wei ri^i nem über sein urbar fräfleichen 
Tert an seinem willen zu der zeit, '- er es unpilleich tuet, so man urbar 
freiget, der ist ehomen umb 50 ^. ->^ ••( 

Item man hat auch erfundc * ' >ainen gemainen hirten siecht, der 10 
ist ehomen, als oft ein freige feursiai lu der selbigen paurschaft, als oft ^^) 
ist er ehomen umb 5 iS; siecht man in aber, das man in waizzelt, so ist 
er ehomen, als oft ein freige feurstat, umb 50 &. 

Man hat auch erfunden, wer ainem gemerchkenten enspaum in den 
Wäldern ab siecht, der ist meiner herrschaft Tervallen auf genad leib 15 
und guet. 

Auch ist ze wizzen, ob icht irrung in disem obgenanten gericht auf- 
stund, welcherlai haut das wer, das daz gericht mangl hiet, es her umb 
malefitz oder der herschaft recht oder umb ander gerichtes nottdurft, das 
8<diuln die gesbom 'erfinden, als von alter her ehomen ist, und mügen auch 20 
zu in nemen meins hern freige laut und auch mer ander erberg laut, die 
meins hern aigen sint, da mit daz das gericht bei seinen alten rechten 
beleih und land und laut dester pas besorget werdt. 

Man hat auch erfunden, wer frömde künt in hat, der schol si nicht 
Terheiraten kn der nächsten freunt will und gunst, und wer das uberfert, 25 
der ist der herschaft vervallen leib und guet auf genad. 

III. 

I. I^rgaimef^rkunde mit SigiU im Oemeindearchivt tu Partsehin: Sign. Nr. 2 (A). — IL Ptrgümtnt- 

handBdtrißwmJ. 1698. Fbl. 7 Bl. m Oemtindtarchivt. Sign. Nr. K (B). DU ConfirmaUon Bl. lb-8:*i 

Diete Handsdiriß enihäU die Bestätigung Erikerzog Ferdinand» vom. J. 1667 und Kaiaer Rudo{fa II. 

«<m J. 1698. — III. Ähsehri/t vom J. 1816. 8. ParUehin» I. Handt. B. (C). 

Confirmation der Waldungen und Wasser. 1407. 

Wir Eriderich von gots gnadn hertzog ze Osterreich, ze Steyr, ze 
Kemden und ze Xrain, graf ze Tyrol etc. tuen kunt, daz für uns komen 

12) oft] ist AB, 

•) In Ha. B. Bl. 5«. 

Wir Friderich von gotes genaden Herzog zu Osterreich, zu Steyr, zu 
Kärnten and zu Crain, grafe zu Tirol etc., embieten unserm lieben getrewen 
ainem iegelichen unserm barg|2^rafen auf Tyrol und andern unsern richtern und 
ambtleuten, gegenwürtigen und künftigen, den diser brief fürkhumbt, unser gnad 
und alles guets. Uns ist fürkhumen, wie etlich leut im Burggrafambt daselbs 
und sonder im gericht Partschins mit der gmain holtz, wasser, traidt und ander 
ding niessen, und wellen aber nicht mit inen leiden in raisen, steurn und andern 
diensten , als von alter herkhumen ist, das doch nit bilHch noch muglich 
ist, empfelhen wir euch und wellen ernstlichen, das ir mit allen leuten ge- 
mainiclich, niemant außgenomeu, es sein gewonschaft oder ander leut in dem 
Burggrafambt fiberal, und sonder zu Partschins, zu Natums und zu Allgundt, 
schaffet und si darzue haltet und nötet, ietzund und hinnach, wellich mit der 



g^ainschaft waid, holts, waßer, Stege, wege und ander ding niessen, das ancli 
die mit inen leiden in raison, sten/n und allen andern diensten, wie die von alter 
herkhumen ist, es sei umb vergangnen steum, die angelegt ist, oder umb khanftig. 
die noch angelegt wurden, oder aber sonder inen gepietet, das si khain gemain- 
Schaft mit inen nützen noch nießen, das ist genzlichen unser ernstliche mainung. 
Geben zu Baden im Ergaw am sambstag vor sant Johanns zu sunwenden anno 
domini millesimo quadringentesimo undecimo. 

») merer BC, ^ Catraun BC. ') verfall C. <) geschworen BC. 
^) herkhumen B, •) da] das C, ^ stunde ß, sejrnd B, 8) \f b, 
») Catraun B. »o) kumen B. >») genge C. »') t*. *. /. sollen BC, 
»5) tt. #. /. on BC, ") iemand B, »*) hindertstößig C, 
*•) wurden B. *'') umb verrichten] unterrichten C. **) stampfen B. 
") ob B, W) menigelichen B, »») dann BC, «) sollicher B. 
») daz fehU BC, 24) Öffnung BC, ^) zwaimal B, 7.yvey C, 
») Georgen B C, ^t) dann B, ») jemand C, 
)0) frevenlich B, sträflichen C, ^^) ältesten C, 



30 PartMchHU III. 

der merar ^) tail der lenten ze Fartschins und ze Cantrnn ^) und gaben uns 
zue erkennen, wie gross irrsal ^) und gepreohen lange zeit her under in 
gewesen wdr von der dorfreoht wegen daselbs, dieselben ire dorfrecht si 
uns auch da furlegten und laiten ain kun tschaft, daz bei funftzig mannen 
6 vor Zeiten* darumb gesworen ^) hetten, daz ire dorfrecht also Ton alter her 
komen^) w^ren, als si da®) für uns prachten, die wir auch hie in disem 
brief aigenlich haben gemerkt, und stuend^) ire^) offnung also: Des ersten, 
daz der mülbach auß der Guntraun ^) mit vollem gewalt geen sol, als er 
von alter her gangen *^) ist, in der beschaidenhait, daz mülen und stampf 

10 genge ^*) sein suUen, ^^) was aber darüber oberthalb des dorfs wassers ist, 
da sol iederman aus wessern sein körn nach seiner notdnrft &ne ^^) geverd, 
und sind darüber kainem dorfmaister, noch nieman ^*) davon niohtz ge- 
punden ze geben, und ob si darumb von des wassers wegen iendert stöfisig'^) 
wurden t, '®) da sol si ain dorfmaister umb verrichten *^) nach dörflichen 

15 rechten dne geverd, und underhalb der mülen, der stempfen ^^) und des 
dorfs mügen alle , die da hueben haben , alle ir äkcher wessern anss dem 
e **) genanten pach, auch ane alle irrung ains dorfmaisters und meniclichs^^) 
äne geverd, denn ^^) umb ander leut, die darunder äkcher haben, die sollen 
und mügen auss dem obgenannten pach auch wessern in semlicher ^^) weis, 

20 daz ^^) das der dorfmaister iedermann tailen sol nach seiner notdurft &ne 
geverd. 

Es sol auch nieman kain holtz nemen kne des dorfmaisters und der 
pesten rat ane geverd. 

Aber stuend ire gesworne offnunge, ^*) daz ain ieder dorfmaister sol 

25 alle jar zwir ^^) sitzen zue dorfreoht , zue sant Jörgen ^®) t-ag drei tag und 
zue sant Gallen tag zwen tag. 

Denn^^) umb das holtz, das die gemainschaft die mult wol gewalt hab 
ze legen hoch oder nider nach des dorfmaisters rat, und die mult ist der 
gemainschaft. 

30 Es sol auch der dorfmaister kainem , der in das dorfrecht gehört, 

kain holtz nicht weren nach seiner notdurft ane geverd. Wolt aber ieman^^) 
in das holtz frevellichen ^^) vallen , den sol ain dorfmaister pessern nach 
siben der pesten und der eltisten ^^) rat. 



ParUehim III. 31 

Es mag auch ain dorfmaister ainem ieglichem , der in das dorfrecht 
iÖTi, zwen stemm oder drei ^^) ane geverd erlauben ze schlahen ^^), und 
ht mer. 

Es sol auch ain dorfmaister holtzbürgen setzen mit der gemainschaft 
. Die sullen auch pfenden nach der alten mult, als sich denn^^) er- 5 
det Tor dem dorf recht. Es sol auch dhain ^*) dorfmaister kain pen nicht 
men über ain pfunt perner, darunder wol, und ^^) darüber nicht. 

Es hat auch kain dorfmaister kain gewalt ze richten umb frevel, ^^) 
ch Unzucht, wie die genant sint, ^^) das gehört an das geriht an Meran. 

£e sol der dorfmaister kainen schergen setzen äne der peeten und 10 
r ^^ gemainschaft willen und wort. 

Er ^^) sol auch ane der gemainschaft und der pesten willen und wort 
n saltner setzen. ^^) 

Auch sol ain dorfmaister seinen^*) ross auss schlahen nach dörf- 
lem rechten, als es yon alt«r herkomen ist. *^ 15 

Es sol auch der dorfmaister seine ochsen treiben und hüten in den 

em *^) wisen drei tag ze brächet **) und drei tag ze pawen, und nicht 

r *^)y vor noch *^) nach , und sullen auch die pergleut und lantleut all 

ainung"^^) und ain ding sein in allen stukchen, als von alter her- 

len ^*) ist. 20 

Alle andere sach sol sich erfinden, was das ist oder wie das genandt 

Tor dörflichen rechten nach *^) alter gewonhait. Und da ^®) si also 

dorfrecht mit geswomer ^^) kuntschaft für uns legtend, ^^) da hatten si 

.diemüeticlich, daz wir in soliche ire recht , als von alter her komen 

•, *^) geruechten ^*) ze bestetten. *^) 26 

Also haben wir betrachtet, daz solich gepresten ^^) notdurftig sein 
furkomen, ^^) wan davon nachmalen künftig scheden, ^^) krieg und 
üung under in möchten aufersteen, und haben in ^^) alle vorgeschriben 
kel, als si die mit gesworner kuntschaft für uns getragen ^^) haben, 
tett^') und bestetten ^^) auch wissentlich mit dem brief, was wir in 30 
3) recht daran bestetten sullen oder mügen, in solicher mass, daz die- 
sen dorfrecht hinfür under in gehalten werden, als vor geschriben stat^^) 
l als die von alter her sint ^^) komen, ^^) getriwlich und ane geverd ^^) 
urkund ditz briefs. Geben an Meran an eritag •^^) nach dem suntag ^^) 
aimodogeniti nach Christi gepurt in dem viertzehenhundertestem ^^) 36 
. dem sibenden jare. ^*) 



*') oder drei atämm larchen. ^^) schlagen BC. '5) dann BC, 

**) kain BC. ^s) ^md] aber B. '«) umb khainen frevel B. 

^T) «eint Ä ») der] ander B. 3») es C, *0) gesetzt werden C. 

*») seine BC. «) ist fehU B. *3) innern BC 

**) zu brachen B, prachet C. **) mer fehlt B. *•) noch] und B. 

*') all einig und C *^) herkhumen B. *^) nach] und C. 

^) da] das B. **) geschwomer BC. *') legent B, legten C. 

**) khumen were 7i, wer] wir C. **) geruheten C ^^) bestatten C. 

*•) gebrechen B. *'') fiirkhumen B. ^^) schaden C. *^) inen B, 

W) tragen B. «i) bestetet B, bestattet C. •») bestatten C. 

•3) ze] von B. ß<) steet B, stehet C. ^^) seynd C 

•*) herkhumen sein B. •'') und ungeferlich B, 

••) erichtag B, erchtag C. *®) sontag BC 

''^) vierzeheohunderisten Bf vierzehenhundertisten C. ''') jare fehlt B. 



32 ParUchim IV. 



IV. 



DU Ahtekrift wurdt gemacht am Anlau eintr 1556 behängenden Proeett-Sadu tmd liegt {m k. t. 
ßlattfcoZfereiarcAtoe tu Innsbruck. Ferdinandeum Nr. 458. 8. xu Part»ehin§ I (A), die Ab»ehriß vom 

J. 1815 (B). 

Glaubwiertige abschrift aus dem dorfpüchl gemainer dörf- 
licher recht der pfarr Partschins. 

Als man zalt nach Cristi gehurt tausent vierhundert in dem ain und 
dreissigisten jar an sand Agatha tag bei her Hain reichen Jordan, pfarrer^ 
5 zu Partschins, in dem widern. 

Da was der alt Hans auf der Toll als ein dorfmaister und fragt die 
eltisten in Partechinser pfarr die alten dorfrecht von wasser, waid, holtz, 
yich. Da meldet und öfnat, ^) etlich gedachten xxx jar, ^) etlich xl, etlich 
Iv jar, ^ etlich Ix jar, ^) etlich über Ix jar, und was Jost Gatraun und 

10 Hans Farmer^) und Jacob Mairin Vertigen, Ulrich Zimerman, Jacob im 

Weg, Hans Platzer, Hainz ^) Saltner, Hans Perz, *) Ulrich an der Lugas.^) 

Am ersten soll der mülpach mit vollem gwalt gen durch das dorf 

winter und sumer, das mül und stampf wol mügen gen ^), und wer in ab- 

kert bei dem tag, der ist verfallen ainem dorfmaister ain pen 1 H pemer 

15 und bei der nacht v & perner, das ist derdacht ^) die v it perner von des- 
wegen, ob ein feur aufkem in der nacht, das man mit dem wasser wol 
weren möcht, die sint halb ains dorfmaisters und halb der gemain, und 
ist der mülpach ains dorfmaisters von mittem märzn bis auf den freitag 
vor sant Jörgen tag, und unter dem dorf, und wer das haben will, der 

20 soll dem dorfmaister davon thuen ain erung, und wer das nam &n ains 
dorfmaisters willen, der ist als teur ain pen verfallen, als die erung ist 
von dem wasser, oder das der dorfmaister ainem gelassen biet auf ain 
wis, und das ims ain anderer nem, ^^) den soll der dorfmaister auch als 
theur pfenten, als die erung ist von dem wasser, ausgenomen, ob es ainer 

25 bedorft ^^) in körn oder waiz, so mags ainer wol nemen ain furch wasser 
und geit ^^) nicht davon. 

Item, und am taufsamztag, da ist der mülpach von feierzeit biß auf 
der kindlein tag, da man ^^) gesungen hat in den osterfeirtagen, der Gandt- 
rauner ^*) und sollen doch das mall wasser lassen gen durch das dorf. 

30 Item und an der kindlen tag ^^) soll man machen den perkwal und 

sol ein guete furch wasser außhin ^^) gen den ganzen sumer, wer sein be- 
darf; und weren abkeret, ainer dem andern, der ist ain pen verfallen 
dem dorfmaister iij k., und wer im dorf sitzt, er hab darunder oder nicht, 
so soll er doch ainsten darin ^^) geen im jar und helfen machen, und wern 

35 ausir ^^) hat, der sollen besorgen, das nicmant schadhaft davon werde, und 
wer in hat an der nacht, der soll in abschlachen, i^) es war dan, das in der 
mair in Vertigen wolt haben, der sollen nemen, so der schat gen Gerolt- 



1) pfarrherr B, ») öffneten B, 3) jar fehlt B. *) Farmbeer B. 

*) Heinrich B. «) Perz und U. B. 7) Luggaß B. ») gehn mögen Z?. 

9) erdacht B. to) n^hm B. i') bedarf B. ") giebt B. 
*') kindtentag so man B. ") Oatranner B. '*) kindteutag B. 
»«) außen B. ") darein B. i«) außen B. "; abschlagen B. 



ParUchin» IV. 33 

&Udn ist, und sollen auch der mair in Vertigen^^) aften des^^) besorgen, 
und wer das nicht thut, das iemant bei der nacht schad geschäch, der ist 
dem dorfmaister veiiallen 1 ^ peruer und bei dem tag iij k. und dem an- 
dern seinen schaden abzulegen. 

Item der Töllpach soll mantags und erchtags der zwai tail gen auf 5 
Partschinser yeld, und ^^) der drittail gen Plärs, und die andern tag der 
zwai tail gen Piärs und der drittail auf Partschinser yeld , und soll man 
allpot das mallwasser lassen geen auf baiden weidaoh , und wer darunter 
liat bgent, ^^) die sollen helfen machen, und wem füert, der sollen besorgen, 
Qod wer das alles nit thut, als vorgeschrieben stet, der ist dem dorfmaister 10 
verfallen iij k. 

Item darnach der Tauffeupach soll geen von mittem merzen bis auf 
saut Martins tag beschaideulich, es war dann, das als kalt wurd, das man 
nit weg mocht haben von eis , so soll man abkheren, und drei tag vor 
weionechten soll man herkheren zu den pachen beschaideulich, ob ain feur 15 
anfkem, das maus hab, und wers abkliert in den dreien tagen vor wein- 
neohten, der ist verfallen dem dorfmaister iij k., und wers in der kelt 
abkhert oder herwider kheret , das die wog eissig wurden, der ist auch 
iij k. verfallen. 

Item nach dem mülpach, so vacht man Pevalpach 2^) und ^^) darnach 20 
der Freipach und dernach ^^) der Dreypach und dernach der Kesslpach, und 
die päch soll man all ungeverlich auskheren , das ainer hob als der ander, 
und was überteur war, das ist der Gantrauner, '^') und wan ainer dem 
andern sein rodt ^^) abkhert bei der nacht in den pächen allen, der ist dem 
dorfmaister verfallen 1 & perner, bei dem tag vi k. , und was wisen 25 
ligent, die nit rod ^^) bieten, die sol man mit den raiden ^^) wäßern. 

Item, und wer ob dem dorf hat zu wässern, der soll bei dem tag 
weasern und nicht bei der nacht, das es ^^) den leuten nicht in die heuser 
gee, und wer das nit thut, der ist dem dorfmaister iij k. verfallen, und obs 
ainem schaden thut, dem soll er auch sein schaden ablegen. 30 

Item, wo weeg oder wäll geen auf das veld, da soll iegileicher für sein 
flirhaupt ain fart räumen im jar, und wer da wässert, der soll den räumen 
und den wälen nach geen und versorgen , das niemant kain schaden thüe, 
und wer das nicht thut , der ist iij k* verfallen und einem sein schaden 
ablegen ^*) nach der ^^) naohtpern rat, ließ er das wasser iemant zu schaden. 35 

Item und soll kain perkman das klain vich nicht treiben herab auf 
die wisen, es sei dann am lengas oder am herbst, das ain .sollichs wetter 
kem, das si nicht aus möchten am perg, so sollen si es drei tag herab dreiben 
ain gang abbin an die Etsch, den andern wider aufbin. Dawider ist recht, 
ob das krieg im laut war, so soll man die pfarr auch lassen ir vich hinauf 40 
dreiben zu in auf die perg. 

Item, und wen man ain wassarer sezt, das soll ain dorfmaister thuen 
auf der gassen mit der gmain will , und soll ain wassarer wesseren enge- 



») in Vertigen fehlt B. «') offens B, 22) und fefUt A. ") liegen B. 
2*) ualpach A, Perfahlbach B. 25) „„d fehlt B. 

M) und dernach fehU B, ") Gatrauner B. 29) raid B. 29) roden B. 
*0 es fthU A. »1) abzulegen B, 32) der fehlt B. 
OMterr. Weiithftmer V. 3 



34 Partschmt IV, F. 

verlieh aim als dem andern, und soll die erst raid im mülpaoh ausgen zu 
dem mittentag, und soll der wässarer die wüeren allpot vorhin auf haben 
gericht, wenn ainem die raid ^') kumbt, und wenn der wässarer die wisen 
gewässert hat und gewält hat, so soll der wässarer den lassen wissen, des 
ö die wis ist, das ers nem. 3*) So soll dan derselb dem wässarer ungeverlich 
von iedem manmat ain marent geben und sollen die wässarer der wisen 
hüeten, ^*) und wen si ain haupt vich funden in den engern, inner und 
ausser der pfarr, die sollen die wässarer vertrinken, bei dem tag 1 k., die 
nacht iij k., ausser laut der tag iij k., '^^ die nacht vi k. 

10 Item und ^') soll den nägsten freitag nach sant Georgen tag das 

Wasser in die Pradmaun ^^) auch gen ongeverlich, ist es so vill wasser da 
über den mülpach. 

Item und ^^) sollen die gründ der Etsch am Nöderperg ir vich nicht 
waiden über die Etsch, die nit wisen haben auf Fartschinser wisen. 

15 Item, es sollen auch die Gatrauner und Pruckher nicht waiden über 

dem Mörgetanger ^^^) in den äussern und innem engern ob der lantstrass 
und unter der lantstrass, darumb das die Fartschinser auch auf ir anger 
nicht treiben zue Gatraun , und soll der ober Weidacher nicht waiden auf 
Fartschinser wisen, darumb das er niemant in seinen wisen und acker 

20 nicht lat waiden. "**) 

Item, wann zeit ist zu meen in den äussern oder innern engern , so 
soll der dorfmaister und gemain mit einander ainig werden an der gassen, 
auf welchen tag man soll anfachen in den äussern engern am ersten , acht 
tag vor den innem engern, damit ainer dem andern nit schaden thue und 

25 die wasserrod '*^) den nachpaurn nit furgee , und welcher das bricht , den 
sol der dorfmaister und nachpom phenten umb ain €1 perner. 

Item, und wenn man den pofel auf thuet den ochsen, da soll kain 
roß bei gen an der gemainschaft willen. Es soll auch kain stier bei den 
ochsen geen, der nicht zeucht. ^^ 

30 Item es soll auch kain gehailter stier gen bei den küen. 

Item das klain vich, schaff und gais, soll an den pergen waiden. ^^) 



V. 

Atu der Handtdififl von 1815 «. Partadiint I, HandUhrifl B. 

Actum am Freitag nach der heiligen drei Eünigen tag anno fünfzedhen^' 

hundert und in sechs- und vierzigisten. ' ''• 

Durch dorfmeister Fangrazen an der Stiegen und die ganze gmail||4 
35 Partschins [ist] diese Ordnung fürgenommen, für gut und nütxlioh 
und erkennt worden, zu abstellung etlich fürgefallener beeehi 
Weichermassen sich männiglich hinfüran halten soll, wie heraaoh 

'') rod B, *<) räum B. ^^) der wisen hüeten] oder wiesenhii 
^) außerland za ersten, ans der pfarr den tag drei krenser B, 
57) und] es B, ^^) Praintmaun B. ^ und es B, *^ IfSig' 
*J) laßt hüten oder waiden B. *») waßerrod B, *>) niidil 
^^) bergen gehn nnd waidnen B. 




Pmiächiiu V. VI, 35 

Anfanglichen erkennt und beschlossen, dass wofer iemands in der 
p&rr Partschins haus oder herbrig zu verlassen hat , soll ein ieder ein 
penon einnehmen mit vorwissen und bewilligung eines dorfmeisters, der- 
selb besteher soll ein person zu ihm aufnehmen mügen, doch auch mit 
wissen und zuegeben dorfmeisters, und dass derselb besteher und ingehausen 5 
der gmain nit gefährlich oder schädlich seien. 

Und welcher kein wiesen oder acker bes tuend , sondern allein her- 
brig bestandsweiss innhät , der soll kein viech auf der gmain zu waiden 
baben, welcher ein haus bestuend und ein inngehausen einnehme, so soll 
er ihn selbs behilzen. 10 

Zum andern, dass ieder sesshofier mann in der pfarr Partschins 
seine tagwerker im holz oder walde selbs speisen und belohnen soll, wie 
sichs gebührt. 

Zum dritten , dass ieder hausgesessene ein inngehausen oder ein 
ehevolk zu beherbrigen annehmen soll und mög , allweg mit eines dorf- 13 
meisters wissen und willen. 

Zum vierten, dass kein inngehaus laubholz schlagen soll, er soll gar 
kein holz verkaufen, aber zu seiner notdurft ist ieden zugelassen , peen 
schlaifholz zu schlagen, ziemlicher weis. 

Und welcher ingehausen oder hinlasser selbs vorberührte fürgenom- 20 
mene Ordnung übertreten und nit halten würde, soll der hinlasser für 
sich selbs und seine inngehausen nach erkanntnuss eines dorfmeisters, an- 
statt der gmain, gestraft werden. 

Und am sonntag sollen die tagwerker auf der gass kummen , ob ein 
pfarrsmann ihr noth sein wurd, sollen sie vor männiglichen in der gmain 
arbeiten. Actum ut supra. 25 

Es ist auch beschlossen, wann iemand in der gmain ein inngehausen 
oder einwohner einlaset ohne vergonstigung dorfmeisters und der meisten 
in dorf, so soll derselb verwirkt haben geld zechen gülden , und da aber 
einer eingenommen würdet, so soll derselbe auch in der gmainschaft zu 
handen des dorfmeisters zu ein aufzug- und einkaufgeld erlegen neun 30 
gülden, doch möcht gleichwohl auf bitt was wenigs moderirt werden. 

VI. 

Nach einer Abschrift des hoehw. Herrn Aloi» Zingerh, Frühtnesttrt in Parttchint, 

Aufgerichte alte alpen -Ordnung in der Zihler und Muter alpen der 

gemeinde Partschins und Rablant. 

Am ersten sol ain dorfmeister ainen alpmeister mit wissen und 
willen ainer ehrsamen gemein sötzen, aber in albög am aufahrts-tag, 35 
und will die gemein ainen birgen haben, mögen sie den auch dingen. 
Damach soll er alpmeister ehehalten dingen zur notturft in bede alpen, 
und wann er die bestimbt hat, soll er es an ainen dorfmeister gelangen 
lassen, der sol es der gemain anbringen , auf das die selbe auch darum 
wisse, und so iemand ainen zu verpössern wais, der mag es wohl thun. 40 

Damach sol ain albmeister und albbirg die albe mit seyr, und was 
die notturft ist und erforderen mag, [versöchen]. 



36 ParUcMfu Vt. 

Dan, wan die zeit komt, das man in die alpen auf fahren sol, sol 
ain jeder ainem alpenmaiBter fein zahl der küe angeben, was er zu reoht 
hinein zu thuen hat, und ieder zu seiner angelegten zahl nit mehr dingen, 
denn ain oder zwei küe, doch so fern es die alpen ertragt. 
5 Es solle auch keiner seine kue sparen von ainem jähr zum andern, 

damit die zahl nit überstölt wirt, und ob ainer über die zwei gedingtea 
küe zusambt seiner gerechtikeit mer auf die alpen tet, sol er von ieder 
kue umb das kopfgeld verfallen sein per 12 kr. 

Der aber kuerechten zu gerathen hat, der soll es ainen alpeaver- 
10 Wanten verlassen, aber keinen außer der pfarr zu verkaufen oder zu ver- 
lassen macht haben. 

Item, so man willens ist, in die alpen zu fahren, soll ein albmeister 

und alpbirg zuvor auf gehen, die alpen-wög und stög, und was die not- 

turft ist, besichtigen, und was manglet daselben verbessern mit der ge- 

15 main rath, auch so man auf fahren wil, sol dorfmeister, albmeister und 

birg vierzöchen tag zuvor auf gehn, die waid besichtigen und besöhen. 

Und so man auf fahrt , sol man aines tags auf fahren und niemant 
auf den andern und triten tag verziehen , auch solle der albmeister den 
zäun zum allerersten auf thuon und niemant anderer auf thuen. 
20 Item auch, so man mössen will, solle albmeister und birg des abends 

vor auf gehen , und des morgends abmessen getreulich und ungefährlich, 
dem armen wie dem reichen, wie von alters her gebreichig gewösen. 

Albmeister und albpirg sollen sambt zwei albverwanten vor dem 
vieheintrieb (vor den haimfahren) vor dem mösstag zu morgends und 
26 auf den abent (fLeisig) friwisen acht göben, damit den armen wie den 
reichen beschehe die recht gebühre. 

Alpmeister solle mit zwei albverwanten bei den kaggatter die kue 
einem ieden abzöhlen und den albverwanten halt hernach vor der möss 
raitung geben. 
30 Auch sol ain ieder, so man auf fahrt, mit ihm bringen von vier küe 

acht brot, fleisch, preimehl und anders nach seinen gueten treyen, — 
und was yber bleibt, sol es der senn den alpmeister zu der alpverwandten 
nutzen zuestöUen. 

Ain ieder, der ein kue aufzutreiben hat, der soll sie an der möß- 
35 nacht auf treiben und keinen verzug darmit thuen; welche kue aber frei 
[und] lödig wurde, die sol mit den ersten auf getriben werden, und welcher 
aber das nicht tete, den sol man sein vieh alles abtreiben. 

Wan aber das kalb den ersten auftrib vier wochen alt ist, sol die kue 
mit auf getriben werden, und nicht erst zu der möss, und welche kue mit 
40 den stier geht, die sol man den driten tag nach der möss noch nachmelchcn 
und mössen. 

Auch wan man mössen will, so solle vorhin versucht werden, damit 
hernach niemant kein nachtl hab, und iedes sol sein miedt den albmeister 
an zeigen und die mclter yber sich stürzen. 
45 Auch sol keiner sein milch selbsten zumössen und angeben bei ver- 

liehrung seines gschafts. 

Als die ersten sol man mössen unter das kreitz, die miteltcn miten 
an das kreitz, und die lösten ober den kreitz. 



Parttehhu VI. 37 

Ferner, der fuinf löfel vol hat oder dryber, dem sol man so viel zu 
kaufen geben, das der napfen ganz wirt, der aber unter finf löfel hat, der 
ist schuldig, dieselbe zu verkaufen, und sol ihme umb ein löfl geben werden 
3 kreizer. 

Ittem, wer das mahl gibt, der sol der gseinerin oder tragerin geben 5 
einbrot, auf 10 personen 30, das ist auf ain persohn drei brot, guet ge- 
digDes fleisch, zwei ein halb pfunt, wer das gedigne fleisch nicht zu geben 
hat, [sol] dafyr drei ein halb pfunt griens fleisch geben. 

Ittera saltz yyr ein mahl drei fuetermassel , und was daran erspart 

wirt, sol der senn bei seiner trey dem albmeister fleissig zuestöllen und 10 

den verwanten verraiten. Die löste raid aber zwei massei. Im mehl aber 

soll geben werden ein gehäuftes fuetermassel, so fern kein eignes geschir 

in der alpen vorhanden ist , in gerstprei soll man geben ain trinkel oder 

ein halbes kommassel. 

Belangent schmer und inslet sol alpmeister der notturft nach her- 15 
geben und alsdan in seiner alpenraitung eintragen. 

Was aber freitag und samstag und fasttag anbetrifft, sol iedcr gebihr- 
Hohes geniegen geben, wan's nit geschieht, soll es der senn den albmeister 
anzeigen und die straf zu den kopfgelt gelögt und verraitet werden. 

Von wögen des renkaß ist beschlossen worden , das der senn umb 20 
die renn selbst schaugen mueß, damit an selber ainiger mangel nicht be- 
schicht, auf seinen eigenen kosten, auch der kaß fleissig getauch (geteucht) 
und gesalzen und gehailt werde, 

und so ain flrsatzliche Verwahrlosung geschach, sol es dem senn an 
seiner besoldung aufgehalten werden. 25 

Die rv. schwein betröfent ist gemacht worden : von drei küe ein 
Schwein , und so er sölbst nicht volig drei küe hat , mag er sie von ainen 
anderen dingen, oder seine einem anderen lassen. 

Welcher aber umb ain oder mehr kue weniger küe hete, und von 
ainen andern nicht gedingt, sol er von ainer kue mangel trenkgelt geben 30 
48 kr. und solches dem albmeister erlögen in abtailung in Zill. So es nicht 
beschach, sol der albmeister in der selben abthailung flr ieder kue mangel 
ain kaß auf seinen mahl zu nemen befuegt sein, und tomahl-facken sol 
keiner gestatten werden. 

Es sol auch keiner kein schwein in die alb thuen, ohne vorwissen 35 
und willen des albmeister treiben, bei der pen 12 kr in das kopfgelt. Auch 
ein ieder, der schwein in der alpen tuet, sol sie nach notturft ringen, 
damit die waiden nicht zergraben, und den knechten böttgwant hinauf 
geben [werden]]. Wie alpenmeister und birg ihre schwein hinauf thon von 
alters her, solle noch beschähen, als ieder zwei. Die sollen der besoldung 40 
frei sein. 

Ittem, wo der senn die hirten hinfahren haißt waiden, sollen sie das 
thuen treilich und ungefährlich, dem armen wie dem reichen, und keinen 
Ungunst brauchen bei der pen ihres lohns. £s sol auch der senn haben 
zwei guete fueßeißen, ainen gueten schaft (stöken); ab ein wötter aus- 45 
kernt, das not were, den vieh zue zu laufen , sie sollen kästen zuespören 
und den vioh mit andern knechten zulaufen und zu hilf komen, wo sie 
waren ^ok die arbeit. 



38 P^rischim VI. 

Ittem, wan söhne kombt, soll der alpenmaister und birg eilends dem 
rieh zue hilf komen. 

Vemer, ab ein kue in der alpen umbkam, sollen sie die knecht ihr 

die haut abzieohen und der, des die kue ist, sol den knecht umb haut 

5 geben, so er sie verlangt und haben will, 12 xr., und ab ain knecht ainen 

nachbar ain kue oder sein yich verhinlöst und zu grünt gehn laßt, so soll 

er es ihm bezahlen nach böster erkantnus der naohbaren. 

Auch ob ein kue in der alb entlief, so soll der senn dem albpirg an- 
zaigen, und der albpirg dem, so die kue ist, zu wissen machen. Kälbert 
10 sie in der alb, sol [der], des die kue ist, drei kreitzer den obhirten zier 
lohn geben, und ob er die kue herab nimbt, so soll er sie vier wochen 
daheim behalten, und alsobalden darauf widerumben hinauf treiben, so 
vem die albfart nicht aus war. 

Der alpenmaister und albpirg sollen ihr mahl nemen den ersten tag, 

15 wan man in Zihl fahrt, und den andern tag die albpoten. Es solle 

aber solches dem dorfmeister angezaigt werden, damit er ihnen ein alben- 

verwandten mit gibt, auf das [das] melchen kein bedenken abgibt. Speisen 

sollen sie selbst. 

Mehr sol ain albpirg ainem ieden , der das mahl gibt , zu rechter 
^^ zeit zu wißen machen, damit er das hinauf schicke. 

Ittem, welche kue an s. Lorenzen tag nit drei löfel milch gibt , die 
ist in die pfentung verfallen 6 kr. 

Der senn sol all das geschäft auf den spann aufschneiden , sowohl 
das saure als das sicsse, und das frische schmalz auf alle tag fleissig 
25 wögen und dem albmeister, so oft er kombt, raitung geben. 

Ittem an hörbst, wan das vieh von [der alpen] geht, nach dem selben 
sol der senn drei tag oben auf der alpen verbleiben , die kaas und ziger 
zu verbieten, wie vor alters her gebreiohig gewöst, her komen und recht 
ist, wie auch an hörbst, so man das vich abtreibt, so iemant zu klagen 
^^ hat, solle ihme der alpenmeister ain votrecht auf sein begehren und kosten 
in Nassereidt ersötzen, als wie vor alters herkommen und albsgebreichig 
ist. Und wan die albfahrt fir ist, sol der albmeister ab der Muth dem alb- 
maister in Zihl umb sein gethanen außgaben reohnung geben. 

Ittem, so iemant ander leits oder fremdes vich ans andern pfarren 
35 und gemeinen in Fartschinser alpen waiden tet und wolt, und so man das 
begreift, das sol man pfenten, und so mans nicht ablesen will, sol und 
mögen es die albpoten abstechen. 

Also sol alle Ordnung und recht gehalten werden , wie es in dieser 
albordnung von ainem puncten zum andern ausfiehrlich ausweist und in 
•*^ sich begreift. 

Der senn ist schuldig das gschäft, das in Ginkel gemacht wirt, hin- 
auf und herab auf sein besoldung, wie vor alters, her zu tragen. 

Widerum ist dem senn auferladen worden , das er in allem seinen 
hosten und möglichisten fleis habe , insonderheit mit den vich , das selbes 
45 fein zeitig auf die waid kombt und kein hinlässigkeit gefiert werde. 



ParUchim VI. Älgund I. 39 

Die hirten sollen guete achtung haben , das kein klain vich auf die 
kuewaiden kombt oder waidet, und auf die wog und stög soeben, das selbe 
nicht abkomen. 

Anch wan ein knecht, der gedingt ist, in die alpen kombt, deren 
solle keiner ohne mörklicber Ursache herab gehn oder ausstehen bei ver- 5 
liemng seines lohns. 

Und sollen alle die albpothen dem senn, als dem alpenmaister und 
pirgen in dem gemainen dienst gehorsam sein. 

Es wirdet hiemit dem senn ernstlich auferladen vermög ausgegangner 
lantsfirstlichen gnedigst. befelchen kein verdechtiges volch, wie auch 10 
joger und anderes aufzuhalten. 

Ferners wirt dem senn und kössler bei verlierung ihres lohns auf- 
getragen, die rv. schwein alle tag dreimahl fleissig zu trenken. 



6. Algund.*) 



I. 

Papierhands. vom J. 1648. Fol. Bl. 14, im Genuindearchive tu Älgwtd. Si^n. Nr. 59. **) 

Instruction, was ain ieder getreuer dorfmaister in Allgunt anstat ainer 
ersamen gemainschaft in ain und anderm mit rat aines ersamen ausschusses, 1^ 



*) Algund kommt ala Ortschaft zuerst um das Jahr 1000 unter dem Namen 
Alagumna vor (Resch, Ännal, Sab, 2, 663Jj dann 1164^ wo von einem loats Algundy 
1178y wo von einem vicus Älieunde und vicus Plaires, 1219 und 1249, wo von den 
viüis Plttirs und Algunde die Rede geht (Qoswin 38, 41, 164), Steuh hält den 
Namen ßlr rhätisch (Zur Bhätischen Ethnologie 121). Die jetzigen Algunder sind 
jedoch ebenso sicher wie die Partschinser wesentlich deutscher Abstammung, Die 
Leute von Plars (de villa dicta Plewrs) befreite König Heinrich im Jahre 1311 
um allen Diensten, Ehren und Forderungen, welche die Burggrafen rechtmässig 
tonst zu fordern hatten (SchÖnachs Urk,- Samml.), Ein Adelsgeschlecht von Algund 
wird schon vor der MUte des 12, Jahrhunderts (1140) und dann wieder im 14, 
Jahrhundert erwähnt (Burglechner 2, 2, 698), aber von einem adeligen Ansitz ist 
keine Spur zu finden* Um so reicher dagegen war hier die Kirche begütert. Das 
Paironat der Pfarrkirche besass in älterer Zeit der Bischof von Cur, der wohl 
auch sonst noch Oüter hatte; im Jahre 1217 aber übertrug Bischof Arnold die 
Pfarre dem Brixner Bischof Konrad von Bodank, dessen Nachfolger sie schon im 
folgenden Jahre seinem Chorcapitel überliess (Der deutsche Antheil 346). Brixen 
erhielt in dieser Gegend schon im 10. Jahrhundert Besitzungen und vermehrte die- 
selben noch in der Folge (Sinnacher 2, 90. 169; 3, 617), Das Bisthum Cur und 
Stift Marienberg waren gleichfalls begütert (Mohr, Cod. diplom. 2, 102. 104; 
1, 208), Weit bedeutender aber waren die Besitzungen, welche das Kloster der 
Dominikanerinnen zu Maria- Steinach an sich brachte; dasselbe besass bei seiner 
Auflösung im Jahre 1782 ein Vermögen von 179,706 Oulden, icovon ein beträcht- 
UeJier Theil auf Oebäude, Oüter und Gülten in Algund entfiel (Der deutsche An- 
theü 365), Ein nicht unerhebliches Veitiiögen (36,000 Gulden) erwarb auch das 
ehemalige in der Pfarre Algund, aber im Gerichte Vorst gelegene Kloster der 
Hieronimitaner auf St. Josefsberg, das bloss von 1696 — 1786 bestand (ib. 364 f.). 

**) S, Bl, 1: Diese Instruction ist ainm'al durch Adamen Ladurner, der- 
weilen Albioner aldo, aufgesezt und hernach durch ainen ersamen ausschnss und 
gemainschaft rativiciert worden. Anno 1648. 



4D Älgund I. 

ordinöriter und sonnt, nach und nach zu verrichten schuldig und sein 

pflicht ob sich tragt, wie hernach volgt. 

Erstens so würdet aniezt , doch unbenomen des gfertiglen dorf- 
puechs, *) so alle jar das algemaine dorfrecht den ersten tag mai oder 

^ negsten sontag darauf zu Albion an die ryn erhalten , da sizt mau also 
dann zu offenem dorfrecht, so fürderlichen zu beschehen, hierzue alle 
hausgesessene zu erscheinen schuldig sein ; es solle auch der abtretende 
dorfmaister sein gewohnlichen Urlaub nemen, so man an erholten Georgi 
oder Marcus tag zu thuen pflegt; er soll auch dreimal vor kürchgassen 

10 durch den grichtsdiener drei son- oder feiertag, wie es sich an best und 
taugenlichsten schickt, das dorf recht an bemelten tag und ort zu erhalten 
beruefen lassen, ingleichen hat er den pfarrmessner zu bevelchen, dass er 
an erhaltenden dorfrechtstag drei zaichen mit der grossen glogen loit, also 
10, 11 und 12 uhr, da aber solliches beschechen sei, hat selbiger dest- 

lö wegen die gezeugen ainer ersamen gmainschaft, wie vor alters, fürzu- 
stellen, wann dann sollichos beschechen, hat es sein richtigs. 

Zum andern list man alspalten das dorfpuech meni geliehen zur nach- 
richtung ab, so oflFenlich boschioht ; hienach rueft man durch mitl ableaung 
des creuzpichls alle hausgesessne , ob dieselben verbanden oder nit, so 

20 durch ainen grichtsdiener beschicht, sein. 

Britens ist ainmüeti geliehen bratschlagt worden, dass alle diejenigen, 
so nit hierzue erschinen oder selbigen beigewohnt, den solle alsodann ain 
dorfmaister wegen der ungehorsamb alspalten umb dreissig kreuzer ab- 
straffen, id est 30 kr. 

26 Viertens soll ain alter dorfmaister, do es nit an vor beschechen, in 

selbiger tegnei, da er ausgeth, unterreden, der noch nach ime in die 
wähl neben den vorigen zween genomen werden solle , daselbs ain 
umfrag ergeen lassen und alspalten selbiger ersamen gmain benambsen, 
alsdann sol ain dorfmaister, welioher aus disen dreien tegnaien vorge- 

30 schlagen, vorderist und nach gestalt und beschaffenheit der zeitleif und jar, 
welicher unter disen zu errichtung bemelts dorfmaisterambt zum taugen- 
lichsten sein möchte, von ort und feurstat, wie alzeit breichig gwest, die 
ordenliche unfrag ergehen zu lassen, doch in alweg, dass die stimen nit 
aus ungleichen, misgonst, neid oder particulär nutz bescheche, sondern 

35 dem algemainen wesen zum besten gereich und angesechen werde. 

Fünftens, da es etwa zu zeiten ir zwen mit stimben gleich sein 
möchten, sollen selbige das los ziehen, doch zu albeg sol der elter vor- 
ziechen ; der es alsdann entlichen bekombt, den solle alspalten ain alter 
dorfmaister, wie an vor breichig, auf ain jarlang ainer ersamen gmain- 

10 Schaft in ain und andern Verrichtungen zu getreuen vorsteer und dorf- 
maister zu sein verpflichten. 

Sechstens hat der neue dorfmaister alspalten die sechs oder siben 
steuortreiber oder tegneier auf billiches anzaigen der negstvorgewesten, 
wie es sonst den steurregistern noch get, hierinnen niemant verschont 



*) Da» Dorfbuchj obwohl e» noch Mitte dieses Jahrhunderts verlesen umrde, 
konnte nicht erlangt werden. 



Algund I. 41 

werden solle, mit fleissiger eintreibung der ordinüri, und zum fal etwo 
extra fallen möchten, einlangende steuren, und sonst was in gemainen zu 
wiBsenmachungen vorhero observierlich gehalten worden, solliches alles 
mit bestem fleiss und Schuldigkeit zu verrichten schuldig sein , den dorf- 
maistem die gehorsamb zu leisten , ieder das gebüerende anloben zu 5 
erstaten. 

Siebenden, da es änderst die zeit ertragt, selbigen tag oder negst 
darauf hat ain dorfmaister aus ioder tegnei und vorderist, so er zum taugen- 
lichiBlen dafür oder zue halt, seinem ausschuss beschreiben. Dieselben, sovil 
deren sein, die sollen alsdann auf sein dorfmaistcrs vor- und anpringen 10 
ieder zu dero probosition sein bösls guetachten in ain sowohl, als andern 
pnncten, es tröffe dieselbige tegnei an oder nit, nichts destoweniger den 
allgemainen nutz und frommen erdeiter gmainschaft und der gottliebenden 
warheit und justitia nach zu thuen schuldig, auf dass den arbnen (sie), als 
den reichen die gebür ervolge, schaffen helfen, entgegen, so vil miglich, 15 
alle nachtl und schaden abwenden. 

Dieselben sollen auch ir dorfmaister auf dessen anbegern iedes mal 
die gebürend gehorsamb laisten , auch (ausser> gottsgewalt oder hecher 
herm gscheft) über ain stunt nit außbleiben. Der es, so oft das besohicht, 
nit laist, der sol alle mal umb dreissig kreuzer unablässlich gestraft werden, 20 
beinebens auch der etwa ain *) ghaim oder mer vertraute sachen aus- 
schwäzen oder sonst ungleich oder hüderisch [sich] erzaigen wurde, der sol 
alsbalden hievon aus than werden, weliches alles ain dorfmaister des zu 
halten das an loben zu erstaten haben. Id est 30 kr. 

Achtens würdet ain dorfrecht durch ainen dorfmaister vermitls 25 
deren, so hierzue stimben zu göben haben , volgender umbfrag ain wein- 
messer gegen zween gnuegsam stellender porgen und haltender in- 
Btruction , doch niemals änderst , als auf seine ehrlich und schuldig wohl- 
verhaltung in anflog, ab und einzüechen, abgiessen und Etschwahl, alles 
kraft ob angezogner instruction gemess nach verhalt, vermig selbiger neben 30 
und sambt seinen porgen den dorfmaister solliches getreulichen nachzu- 
gleben das anloben zu erstatten. 

Neintens so würdet auch an erhaltenden dorfrecht auf anhaltung 
selbigen, der hierzue zum taugenlichisten vorhanden, ain grichtsdiener, so 
denselben dienst versechen kau, doch das derselb, wie von alters, ainem 35 
leden dorfmaister alda, anstat ersamer gmain, es sei bei tag oder nacht, 
alle gebürende ghorsamb in zuwissenmachung, wähl, pfantungen des mahl- 
wassers, item bemelten auch alten dorfmaister, da die noch hinsterstellige 
•teuren zu treiben hüten, vor ausschuss und gmain ohne weiteren ausser 
seiner ordinari besoldung zu verrichten und wissen zu lassen schuldig, wie 40 
auch dem anwald die gebürende ghorsamb zu laisten schuldig, nicht 
weniger und vorderist würdet selbiger auch erinnert, das er dem herm 
kolenambtsbeamten, wie auch h. h. stat- und lantrichter, wie von alters, 
die gebürende gehorsamb zu laisten, soUichcs zu verrechnen, dem dorf- 
maister das anlob zu erstaten. 45 



1) ain ftkU. 



42 Al^nd I. 

ZehenteD, so hat ain dorfmaister sich mit der gmainschaft zu unter- 
reden, ob man selbigs jar ain mult holz, in wellichen panwald das were^ 
schlagen wolle oder nit, da es zu beschechen, alspalten umb ainen gueten 
holzmaister zu sechen, alsdann neben den und zween nachpem, wie oder 
5 wo, halb oder ain ganze zu schlagen rätlich befunden würdet, alsdan mit 
selbigen vorausschuss ain ordenliche gedingnus zu machen , und zwai 
spanzetlen aufrichten, drei zil-löst auf die werung. 

Ailften, da sonst was fürkomen mochte, es sei in suplicationen oder 
anderwerts, so vil es die zeit ertragt, kan ain dorfmaister mit wissen 
10 ersamer gmain und ausschuss selbigen tag oder negst darauf die gebür 
fürnemen. 

Zwölften und löstens so gibt ain Albianer den dorfmaister selbdriter 
ain marent, hiernüben hat er am scti Georgen tag den Tehlpach zu 
geniessen. 

15 Weitere Verrichtungen. 

Dreizehenden hat ain dorfmaister 10 oder 11 tag nach Georgi das 
vich ab die wisen zu treiben und ain pfarmessner langes -Zeiten wegen 
reifes zeitlich zu leiten. Item ieder zeit, da sich ainiche wetters gfor yer- 
mörken laßt, zeitlich wetter leiten, auch sonst ieder zeit gebürlicher weis 

20 zu leiten. 

Vierzehenden hat ain dorfmaister guet achtung zu geben, das die 
vier mojen-freitag diser gmainschaft gfeirt werden, da es für rätlich ghalten 
würdet, selb vierter pfenten zu geen. 

Fünfzehenden hat ain dorfmaister sich aller eheist bei ainem steur- 

25 einnemer alhir zu erkontigen, wie die Georgi-steur ainfach, oder wo etwo 
durch lobliche lantsohaft oder engern ausschuss etc. von ihr frl. dht. ain 
hilf-steur mit zutreiben verwilligt haben möchte. Darauf er alspalten des 
dem ausschuss zu referieren und die steurregist^r hinnach ausschreiben 
kan, und den steurtreibern selbige durch den grichtsdiener alspalt über- 

30 schicken, dadurch iemands auf mermaliges ersuchen und beschechener 
bruefung ain oder ander parthei abseimbig erscheinen wurde, sol ain dorf- 
maister sambt dem anwalt und vier von ausschuss auf geben fingerzaig 
neben abtrag des billich uncostes selbige partheien alsdann ausschäzen. 

Sechzehenden, so sol man auch lassen geen von dem Thölpach durch 

35 Plärsch herab unzt geen Albian an die rinnen mall- und drinkwasser. Wer 
das abkert oder aufhueb, als manigs mall das beschäch, als oft soll er umb 
ain pfunt perner straff verfallen sein kraft gf ortigten dorfpuechs, iezt aber 
durch ursach, des doch gott gnedig verbieten welle, ain feursgfahr ent- 
steen mechte, solliches mahl- und drinkwasser abkehrt, der oder dieselben 

40 sollen fürders, so oft des beschecb, umb dreissig kreuzer unnachlässlichen 
abgestra£ft werden; so [sol] ain dorfmaister oder sein nachhieter ieder zeit mit 
böstem ileiss nachhieten, auf dass disfalls ain icher bewerter mangl nit er- 
scheint; wann das beschicht, so hat ain dorfmaister hiefür järlioh auf- 
zuheben vier yhrn wasser-most, als bei Albioner aine, bei Marötscher aine, 

46 bei bede Plater aine, bei Wild und Hennbl (?) aine , das ist vier yhrn 
straff, wie oben alle mal 30 kr. 



Alsund L 43 

Sibenzehenden, es solle auch kainer den andern, es seie an welichem 
wasserwahl das welle, sein raid nit abkern oder nemen/ sondern ain ieden 
sein raid, so lang es ime gebiert, umbgeirrt geen lassen, bei straff, so oft 
es beschiht, aber 30 kr. 

Aohtzehenden, es solle ain ieder grichtsdiener bei seiner pflicht auf- 5 
seohen haben , auf das der Grofpach alle unser lieben Frauen, item alle 
feattag, corporis Christi, alle sambstag nach drei uhr frei und aufrecht 
gmainen runst gee, auch obige tag abents vor drei nit ankert werde, 
sondern auf runst ; wer aber dis überfuer , der oder dieselben sollen alle 
mal, und so oft dis beschieht, iimb ain gülden gelt gstrafft werden ; die 10 
gehem die zwai tail der kürohen und drei aim pfarrherrn zu, dahin dann 
ain dorfmaister und kürchprobst ainen gricht8[diener] anzuhalten, das er 
aolliches getreulich verriebt und dabei iemanden verschon. Id est 1 fl. 

Neinzehenden hat ain dorfmaister achtung auf die lantstrassen und 
milpach zu geben, ob man selbige lenzes- oder hörbstzeiten disen schul- 15 
digen zirgrueb, als von Velmau unzt an die Viohschaid, in gebürender er 
und beschit erhalten werde, auch sommer- und andere zeit der milpach 
nit in die Strassen zu schaden gee, sowol die daselbsten bei der lantstrassen 
KU wässern haben, ihr schuldigs aufsechen haben, auf das es nit in bemelter 
Strassen gee, hierauf der grichtsdiner sein guets aufsechen haben solle, zu 20 
wellioher zeit man das bschit bösser haben kann, fiirnemen solle. 

Zwanzigisten, wegen aines multholz ist vor einkomen, da man aber 
kaine schlagen tat, so solle nichts destoweniger, es werde ain entlichs wald- 
bschau oder nit, auf das wenigist doch langes- und hörbtszeiten ain dorf- 
maister selbander die panwälder besichtigen, ob nit was ungleiches hier- 25 
innen befunden würdet, es sei an lärch-, feiohten-, stangen- oder andern 
holz. Do er dergleichen straich befindet, die sollen alsdan zu der gmain 
zogen und alsdan nach verbillichung aines ausschusses oder, wo not, da es 
80 grob gschlagen worden war, an das ghörig ort glangen zu lassen. 

21. Da iemande lörgotzu poren gedacht, sol ain dorfmaister selbigen 30 
umb sein schein zu weisen anbegern, sol in alsdann durch ausschuss, da es 
sein kan, erlaubt beschaid geben werden, doch alzeit umb die gebür. 

22. Es sol ain dorfmaister am sontag vor corporis Cristi bruefen 
lassen, das man alle die dören und standen umb die gassen herumb fLeissig 
abmaoh. Der es nit verriebt, sol gstraift werden. 35 

Des gleichen an sontag vor st. Ulrichs tag hat ain dorfmaister durch 
den gerichtsdiener bruefen zu lassen, das man in gitern, so walen, ober 
Plärscb in gassen die dorn und standen iieissig abmach, zu besichitigen, da 
es nit besohech, die straf fürzunemcn. Da hat ain dorfmaister selbander ain 
gebürende zörung einzulegen. 40 

23. £s soll ain dorfmaister offenlich vor kürchgassen bruefen lassen, 
das iemande ohne sein und aines ersamen ausschuss vorwissen und will 
ainich inwohner wenigsten nit an- oder aufneme, noch weniger einziechen 
lasa bei straff. 

Es sol sich auch kain tagwerchcr somerzeit one sein dorfmaisters ^5 
vorwissen nit mit arbeit andern orten begeben , er habe dann erlaubnus, 
oder man werde im weib und kind hienach schicken. 



44 Älgtmd I. 

Es 8ol auch ain ieder, da er craft vorghaltner Instruction auf- 
genomen worden ist, sein gebiir und geschapfts einkaufgelt alspalt dem 
dorfmaister par erlegen, wie auch die, so arbaiten oder claine bestent 
dingen, auch sich bei dorfmaister anmelten und etwas einkaufgelt , so vil 
5 inen durch ausschuss gsteiert würdet, ingleichen erlegen, weliches ain 
ieder dorfmaister, was in sein ambt falt, der gmainschaft verraite. Damit 
soll er alsdann , wo es am allernotwendigisten sein würdet , die weg und 
gassen pflastern und verbössern. 

24. Es sollen auch die handwerchsleit in diser gmain vor andern 
10 ausser der gmain umb die gebürende bsoltung zu arbaiten schuldig sein. 

25. An sanct Jacobis tag pflegt man die fünf saltnor alda, als bei 
8t. Erharti, Völmau, Laussenberg, Greiz- und Miter-Plärsch deren hueten 
zu ersezen, doch in albeg ledige und unverdächtige, sondern, so vil miglich, 
taugenliche personen, so durch die anwesenden herren und huetsverwanten 

15 durch aines dorfmaisters ordenlicher volgender unfrag die stimben, doch 
das si zur herrschaften und gemainen nuzen albeg beschechen solle, 
ergeen. Da ir zween gleiche stimben heten, so sollen selbige zwai das los 
ziechen. Man soll auch ainen über vier oder fünf jar nit hierzue befriden, 
auf das man in der gmainschaft etwa desto bösser dienstknecht haben mige. 

20 Es solle alsdann ain dorfmaister den fünf erdeiten saltnern oder iemand 
von seinentwegen etliche notwendige puncten, wie sie sich in der huet zu 
verhalten haben, vorhalten, vorderist und in albeg auf rechter wolver- 
haltung ainsmal alda zuesprechen und mit vorbehält, was inen das saltner- 
puech in höh. kellenambt aufladet, verpflichten. 

25 Dieselben sollen auch durchgeend ainen ieden, so in seiner huet 

gieter hat, umb die kost ansuechen und gleichlichen einnemen, und von 
kainem deswegen etwa das gelt fordern. Wer aber inen die schuldige kost 
oder gebürende bsoltung nit geben wolte , sol er es [dem] dorfmaister bei 
Zeiten anmelden, der sol alsdan mit rat des ausschuss im die gebür ver- 

30 ordnen. Sie sollen auch in aller pfantung die gebürende mai erbrauch, wie 
auch die nachhut unzt Martini fleissig, wie von alters, verrichten. 

26. So würdet järlich an negsten mitwoch nach Jacobi durch die 
laut gerichtlich obrigkait an Meran auf der gass oder ainen stall die ehe- 
haft dätung erhalten , hierzu alle hausgesessne und inwohner zu er- 

35 scheinen schuldig, dabei iedermenigelich auf alt und neue bevelch guets 
aufmerken zu haben hat, vorderist der waltungen, unzeitig heiraten, che- 
halten, gottslästern, herrnlosen ^) gsintl, item steuerwesens, was durch das 
gericht proboniert würdet, sich alspalten mit dem ausschuss hierüber zu 
bratschl^en und der notdurft nach beantwurten. Des hat ain dorfmaister 

40 selber, siben oder acht neben der obrigkait, in pfarrwidumb ain marent. 
Nach tractierung derselben verehrt man daselben in die kuchl ain gülden 
oder maist ain daller. 

27. Da ain oder anderen ain rev. vich, es were bei tag oder nacht, 
von hier oder frembten orten, in güetern zu schaden gcen thät, sol es mit 

45 den pfantungen kraft dorfpuech noch fürders auch damit ghalten werden. 



^ herlossnen h». 



Algund 1. 45 

28. £a Bol ain ieder dorfmaiRter vor dem wein beschau und sonst zu 
Seiten die fünf saltner, wie sich dieselben in deren iedes huet mit irer 
Terriohtang verhalten , inen getreulich zu sein zuespreohen , sich nit vol 
atnfen oder die husten begeben , inen die zörung einziechen , selb vier 
snechen. 5 

29. Es sol ain ieder dorfmaister ieden als hörbst-, sowolen länges- 
xeiten durch den grichtsdiener , alzeit. acht tag vor dem auftreiben, o£fen- 
lichen bmcffen zu lassen , das iemande kain unfrisches rev. vich herzue 
bringe, noch weniger aufkere , dabei auch kaine gschnitne stier nit mit 
dem kievieh auf treib, alles bei straff, hievor sich menigelich vor schaden 10 
zu hüten wisse. 

30. Es soll auch auf di 8er Etschwiseu, dannan die blaimb bsuecht 
würdet, iemande kain poÜ maien , wer aber sich dessen untersteen wolte, 
den sol dorfmaist«r sambt dreien nachpern alspalten aussetzen. Es solle 
dtbei auch in hörbst vor den zehn tegeu oder baiderseits ver willigen weder 15 
taf seinen, noch andern [ono] deren wissen wenigist nit aufkern. 

Item es solle iemande weder langes-, noch hörbstzeiten keine rev. 
QDgerungene seh wein nit fürtroiben, dia alles bei straff, so ain dorfmaister 
zn bruefen lassen hat. Der aber nit firkern thet, sol nichts desto weniger 
zu kosten und bsolten schuldig sein , da aines oder merer erschlagen, 20 
damit bezahlt. 

31. An erhaltenden Stainacher kirchtag hat dorfmaister und ausschuss 
mit denen , so würtschaft daselbs halten wolden , aiivor gediugnus zu 
machen. Es sol auch zum fal, do es begcrt würdet, die abwexlung er- 
Tolgen und vor allen den unserigen , doch in albeg sollen selbige ain vor- 25 
gatimbmirt« kuchlgelt ersamer gmainschaft geben, auf das man an montag 
mit inen weiter nit zu streiten hat, so dorfmaister der gmain gegen 
ipecication zu verraiten waiss. 

32. Hat sich ain dorfmaister bei ainem h. steuereinnemer abermalig, 
wie die andern eteur andern ort anzulögen und zu treiben, zu erkundigen, 30 
darauf solliches dem ausschuss zu referiren , anzulegen , auszuschreiben 
und, wie anvor einkomen, einzulangen. 

33. A.n st. Martins tag, wau er nit an ainen sambstag falt, kert man 
den milpach, so durch ainen grichtsdiener bi*ueft würdet, das ain ieder 
sein firhabt fleissig räumen sol, auch milier und schmid , da si was zu 35 
machen haben, sich befürdern, das es aber da, so wol Georgia bescheche, hat 
ain dorfmaister neben zwai nachpern selbigs, ob es beschech oder nit, zu 
besichtigen , widerigen falls die notturft zu verordnen , da es an wasser 
ermangelt seie, die milier und schmit auch, notfal inserirt, alda und 
Gratflch herein zu kern schuldig. Es sol auch das walrecht zu Beithof an 40 
der Polten, wie von alters, erhalten werden. Da ain regenwetter anfalt, 
sol ain Peithofer sein milwasser oder iemande von seinetwegen alspalten 
den halben tail abkern. 

34. Solle in der fasten ain dorfmaister ain prunnenmaister, wie an- 
vor, verordnen. Der sol alspalten beste rehr, so er haben kau, bestellen, 45 
femer pom und zu rechter zeit zu legen verordnen und den prunnen- 
maister zu baiden Zeiten selbigs zu verrichten verpflichten, auf das disfalls 

in gietem nit schaden bescheche. 



46 Älgund I. 

35. Es 8ol auoh zeitlich ain dorfmaister ain oder zween nach gstalt 
der saohen Etschwal-baumaister verordnen, so des werk firderlich fir- 
genomen werden solle; die nit ir schuldigkait im schicken und steuren 
geben teten , denen sol man von disem kain wässerwasser selbs jar nit 

5 zulassen. 

Es haben die inserierten järlichen auf zol Thell auf ghorsambs 
suppliciern den 11. Juli 4 4. J. von löblicher o. o. camer zum fang von 
200 f. das intresse gnedigst aufzuheben verwilligt, so richtig auch noch 
geben würdet. Id est 10 ii. 

10 36. Ungever mitten in märz würdet järlich der blaimbbsuech , auch 

grenz- und marchbesichtung, und was weiters dabei für- und einkombt, 
zwischen gmainer stat Meran und Algunt, so ain burgermaister dem dorf- 
maister drei oder vier tag zuvor durch den ratsdiener andeiten lasst, 
morgent um sechsuhr zu Strasser steg man zusammen kombt ; was da ain 

15 tail gegen den andern zu klagen oder anzubringen hat, kann es baiderseits 
beschechen, es sei umb wasser-gebei, waid oder anderes, mag man sein 
abred nemen, und was fürkombt verzaichnen. 

Nach sollichcr Verrichtung hat ain dorfmaister mit seinen nachpern, 
wenigisten siben zusambt dem kürchprobsten , den glogenthurn , item 

20 kürchdachungen gegen beisein aines geerten pfarrherrn und messner aldo 
hosten fleisses zu besichtigen, wo not, ain maister zimmerman die etwa 
vorhandene mengl, da deren weren, den kürchprobsten selbige zu vor- 
kommung aines grössern Schadens fürzunehmen anbevolchen, so ain dorf- 
maister ainem pfarrherrn und messner zeitlich andeiten solle. 

25 37. Zum schoffzälen lasst ain burgermaister ainen dorfmaister vor 

wissen, die chomen zehn tag nach Gederaute, haben die Schnalser mit 404 
(ausser den rauch lempem) unzt zehn tag nach Georgi die waidnei alda 
und nit lenger, straffen, da sie es über kern, sollen gleich abtailt sein. 

38. Es sol alten gebrauch nach ain ieder dorfmaister an sant Georgen 

30 oder Marcus tag zu Albion an der rynn von torgglstain Urlaub nemben, 
item das dorfrecht drei sontag oder feirtag nach ainander an das ghörig 
ort zu erhalten brueffen lassen und am erhaltenden dorfreohtstag den 
pfarrmessner drei zaichen mit der grossen glogen, als 10, 11 und 12 uhr, 
zu leiten anbevelchen. 

85 39. An sanot Marcus tag, wan er nit an ain sambstag falt, kert man 

den milpach ab, hat ieder sein schuldigkait zu räumen, massen es anvor 
an fordern ab und einkern, so iedesmal ain grichtsdiener sonst zu thuen 
schuldig, notfal menigelichen massen es vor einkomen, so ain grichtsdiener 
zu brueffen hat. 

40 40. Do auf ain jar das dorfmaisterambt komen mechte, da ain [an]- 

walt ist, zusamen in ainer tegnei weren, so soll zu merern vorsechen und 
ungleichen nachgedenken der ain t^il dorfdruchschlissl ainem in denen 
andern tegeneien hierzue taugenlichen nachpern übergeben und zugestellt 
werden. 

45 41. Es sol alzeit zu eröffnung der verhantnen dorfdruchen, wo nit 

vier, doch wenigistens drei angescssne personen mit und bei sein. 

42. Ain ieder dorfmaister solle alles das, es sei ordinäriter oder 
sonst fürkomen mechte, durch ainen grichtsdiener vor offnen kürchgassen 



Algund L IL 47 

schaffen und brueffen lasseD, doch iederzeit mit rat aines ersamen ausschussj 
forderist was neu einkomen mechte. 

43. Es sol auch ain ieder dorfmaister ainen ersamen aussohuse anstat 
der gmainsohaft vor außgang [der] jarszeit raituDg zu halten schuldig sein. 

44. Es soll ain ieder dorfmaister die zörungen, wie die sein, mit 5 
geringisten unoosten einziechen. Schliesslichen deme in ain und andern 
erbarlich, aufrecht und redlichen nachzukomen hat es ain ganze gmain- 
Schaft nach errolgter ablesung an offen dorfrecht, solliches fleissig zu halten 
für guet zu sein angsechen und dabei iren willen und ja geben. Beschechen 
den ersten tag mai nach Cristi geburt 1648. 10 

Ordinäri and andere g wisse außgaben. 

45. Gibt ain gmainschaft alda ainem dorfmaister in Partschins 
wegen prauchung der Sanct Helena pruggen järlich gegen schein ordi- 
nariter 4 fl. 

46. Gibt man ainem pfarrmessner alda wegen merern gleite wegen ^^ 
järlich ordinäri gegen schein 4 f.. 

47. Gibt man ainem dorfmaister auf Eablant oder Säring-prugs- 
ensem, wie es zu erhöben von zeit zu zeit, doch järlich wegen prauchung 
derselben und gebenden schein 5 fl. 

48. Gibt ain dorfmaister ainem weiomesser umb widerfierung aines ^^ 
wagen faeder langer holz, so er selbs zu erkaufen, fuerlohn järlich 30 xr. 

49. Gibt ain gmainschaft ainem gerichtsdiener von ersten mai unzt 
widerumben ersten mai ain ganzes jar iedes quartal 6 fl., id est 24 f.., 
and hörberig frei, iezt hiefiir ain jar lang 5 f.. und ain fueder prennholz. 

50. Die straffen ausser des Grafpachs und Ungleh oder groben ^^ 
holzstreich und sonst, was etwa der herrschaft ghörig, ghörn die zwai tail 
ainem dorfmaister und der dritte tail der gmainschaft zu verraiten zue. 

Und da es ain dorfmaister zu thuen unterlassen wolt oder thet, 
solle ain ausschuss ain dorfmaister abstrafen. 



II. 

Papierht. vom J. 1686. Otom/oUo 1 Bl. im Otmtindearehivt tu Älgitnd. Sign. Nr. 80. 

Bedingsbrief zwischen ainem dorfmaister anstatt ainer ersamen gmain in 30 

Allgunt und ainem fronpotten daselbs etc. 

[Kund] sei gethan menigcklichen hie mit disem offnem gedings[brief] 

auch mit dato, der ersam Peter de Michelle, auf dem Neu- 

wierthof in Mülpacher tegnei Algunder pfarr und lantgeriohts Meran 
setahaft, als derzeit gesetzter dorfmaister der gantzen gemain daselbs, 35 
sambt gegen wtirtigem beisei u aines ersamen ausschuß, als deren ersamen 
und erbam Gaspam 01er, Hannsen Greil, beed im dorf Allgunt, Hannsen 
Hofer, genannt Albianer, in Mitterplärs, Martin Zaysolt, genannt Rabeiner, 
Caspar Grell, genannt Torggler, bed in Oberplärs, Georg Öbner, genannt 
Hilber, Christoff Parth unterm Päm und Laren tz Goldinger, paumann 40 



48 Al^nd II. 

auf dem Wardthof, all drei in Mülpacher tegnei Allgunter pfarr und 
mergedachts lantgericht« Meran gesessen. 

In namen und anstatt', auch aus bevelch derselben gantzen gemaind 
und nachperschaft, zu desto stattlicher erhaltung aines ordenlichen gerichts- 
6 dieners daselbs in Allgunt mit dem erbarn beschaiden Hannsen Awer, als 
ietzigen gerichtsdiener, dise ausfüerung" und geding, wie und welcher ge- 
stalt er und ain konftiger gerichtsdiener in Allgunt sich zu halten, ent- 
gegen für besoldungen aufzuheben und zu empfahen wisse, fürgenomen, 
gedingt und beschlossen, als: 

10 Nemblichen und erstens solle ain iegcklicher fronpoth oder gerichts- 

diener ainem dorfmaister in Allgunt iederzeit gehorsam sein, und was er 
in namen der gemain zu verrichten und zu handeln hat oder haben würdet, 
was Sachen das wäre, — aber doch nit, was gerichtliche handlungen oder 
fürforderungen antreffe, — und ime gerichtsdiener hierinnen, es sei in 

15 der gmain zu verrichten, hin und wider zu verschicken, oder sonst wissen 
zu lassen, bevölchen und gepraucht wurde, das soll der fronpoth iedertzeit 
vleissig und willig, und nit in trunkenhait, wie dann zuvor ettliche mal 
beschehen, verrichten. 

Dagegen soll ime von der gemain wegen alle jar zwelf stär körn 
20 Meraner i*oggnmaß unter zwai mal, als auf Martini iedes jars den halben 
thail, und den andern halben thail zu außgang des jars, als auf den ersten 
maientag, als ordenlichen bedingte besoldung in gueter werung gegeben 
und zuegestelt werden , sonst solle ime weiter von der gmain wegen kain 
andere besoldung ervolgen. 

25 Zum andern soll ain ieder fronpoth alda in Algundt ainem lant- 

richter an Meran, wann er malefitzige personen unterbanden und mit den- 
selben zu handien hat, oder er fronpoth selbst solche leut wisse, und was 
sonst die regierungen antreffen thuet, wann es der lantrichter begert, wie 
von alter herkomen , gehorsam laisten und sich dessen nit zu ver- 

30 widern haben. 

Im fahl aber ain lantrichter den fronpotten in andern seinen sachen 
und geschäften zu gebrauchen het und haben wollt, darumben solle er 
fronpoth sein besoldung bei ime lantrichter zu crsuechen und zu erwarten 
haben, wie von alter herkomen. 

35 Fürs dritt, und nachdem vorheer ain fronpott in Allgunt von den für- 

forderungen ain geringe besoldung, und entgegen weit darumben [zu] laufen 
und zu geen gehabt, damit sich aber im selben fahl ain fronpoth weiter 
nit zu bcclagen , sonder sich dest leichter bei der gmain aufenthalten 
künne, derowegen ist diese ausfüerung und pesserung darinnen fürgenomen 

40 und erschöpft worden, das dem fronpotten hinfüran von ainer ieden persqn 
oberhalb der Thell, was in Allgunder pfarr ist, und ainer dieselb herab 
zu erfordern begeert, acht kreutzer, item von ainer person auf Feilau 
sechs kreutzer, und in der pfarr Allgunt, Plärsch und daselbs herumb, als 
haupgesessne in gemain , zwen kreutzer gegeben werden solle. Aber von 

45 ainer frembden oder ledigen person, so ainiche fürforderung begeert, in 
der pfarr, soll er haben drei kreutzer, und wann sich kuntschaften oder 
rechtfltäg zuetrüegen und begaben und iemant zu ervordern begeert wurde, 



Algund IL IIL 49 

soll ime gerichtudiener abermals von ieder person drei kreutzer besoldung 
gegeben werden. 

Item zum vierten ist bedingt, wann sich im jar ainioher todtfahl, es 
wäre alsdann inventieruDg, entrichtung, thailung oder dergleichen, zue- 
tragen , das ain lantrichter von Meran oder ain anwalt , wer dann ob 5 
KoUicher handlung sitze und aines fronpotten, leut dartzue zu ervordern, 
bedürftig sein wurde, so soll ime ^erichtsdiener für ieden tag taggelt 
gegeben werden zwelf kreutzer und das mal, oder aber, wann er nit isst, 
für das mal zwelf kreutzer und nit mer. 

Beschliesslichen und wann dann der ietzig oder ain konftiger ge- 10 
riehtsfronpoth in Allgunt nimmer bleiben oder ine ain gemain oder ain 
dorfmaister anstatt derselben selbF waigern wollt oder .wurde, solle solcher 
derselb waigerent dem andern thail ainhalb jar vor außgang der jarzeit, 
ils vor dem dorfrechten zu Martini, öffentlich aufsagen, und alsdann der 
gerichtspoth nach demselben sanct Martina tag hinumb unzt wiederumb 15 
auf den ersten maientag, als zu dem dorfrechten, zu dienen schuldig sein. 

Es wäre dann sach, das er sich in der gmain dermassen, als mit 
Bchwätzn , polder- oder häderei , mit ungehorsambkait gegen den dorf- 
maister und der gmain, auch mit trunkenhait, wie dann vorhin beschehen, 
ontanglich verhalten thät, solle alsdann der dienst alle tag aus und 20 
ib sein. 

Deme obgeschribner massen zu gleben und nachzekomen , hat 
Tilemennter Hanns Awer als gerichtsdiener zu genüegen angenomen und 
das dem ietzigen dorfmaister zuegesagt und versprochn, getreulich und 
ongeferde. 2ö 

Des zu warem urkunt so seint solcher Ordnung, auch geding und 
pacts zwei gleichlautende aus einander gschnittne und ainer hantschrift 
verfertigte spanzettlen aufgericht und iedem thail, als aine dem dorfmaister 
in namen der gmain , und die ander dem fronpotten zuegestellt worden. 
Beschehen am dritten tag monat.s augusti nach Christi unser» herrn und 30 
seligmachers gepurt im fünfzehcnhundcrt und sechsundachtzigisten jare. 



III. 

Papierhs. rom J. //W7. Fol., 5 Bl. im Gtmtindtarchict tu Algrmd. 

Bedingslibell zwischen dem dorfmaister zu Algunt und ainem veltsaltner 

dasei bs. 

Zu wissen sei gethan menigklichcn mit disem offnen gedingsbrief, 
das anheut dato der ersara Martin Aster, genannt Dorner, in Allgundt 35 
lantgerichts Meran seßhaft, als derzeit durch ain ersame gemain allhie ge- 
letzter dorfmaister in namen und anstatt , auch aus bevelch derselben ge- 
maind tegneien und nachperschaften , als in fünf hueten betreffent, zu 
beiiirdrang merer und pessers derselben verhoffenden nutz, fromens und 
verhüetung Schadens und erhaltung guetter nachperschaft, aines orden- 40 
liehen veltsaltner» in Allgunt mit dem Jacob Rechten, in merbesagtem 
Allgant und landgerichts Meran wonhaft, als ietzigen dise ausfüerung und 
Oesterr. Wcistbftmer V. 4 



50 Algund IIL 

beding , wie und welcher gstalt sich er und ain künftiger Teltsaltner in 
denen vorbeschribnen fünf hueten zu halten und entgegen sein ordinari 
besoldung, auch von iedem rind pfenterlon aus zu heben und zu empfachen 
haben wisse, furgenomen, bedingt und beschlossen. Dem ist also : 
6 Nämblichen und erstens solle ain iedlicher yelUaltner ainem dorf- 

maister und nachperschaft in Allgunt gehorsam sein, iren nutz befürdern, 
schaden warnen und wenden und sich in zeit seiner huet verhalten , wie 
sich ainem getreuen diener gebürt und sich nit lang an ainem ort ver- 
halten, auch so die hirten, es sei küe, ochsen, stier, kälber oder schwein, 

10 ein oder austreiben, so soll er mit und nachgeen, sein guet aufsehen haben, 
darmit das vioh nit zu schaden gehe. Und so er ain vich in güetem, als 
in seinen hueten befinden thät, soll er dasselbig pfenten nach inhaltund 
vermiig des dorfpuechs, als nämblichen , so ainer ain lucken eröffnet und 
das vich hinein ließ, so soll die 6tra£f von iedem haubt, es sei was für vich 

15 es well, dreissig kreutzer sein, und so aber er saltner ain vich in den 
güetem, so etwo durch sich selbst oder durch verwarlosung der hirten 
hinein kumen wäre, und der schaden nit also groß befunden wurde, so 
soll die straff von iedem haubt zwelf kreutzer sein. Wann aber der schaden 
so groß wäre, soll der saltner schuldig sein, ainem dorfmaister solliches 

20 anzuzaigen, und alsdann durch den dorfmaister und nachpern den schaden 
besichtigen, und der Schuldner, dem das vich zuegehörig gwest, dem an- 
klagenden , in dessen güeter der schaden beschechen, solchen schaden ab- 
tragen und bezalen, und noch dartzue gestrafft werden, abermals nach 
ausweisung vermelts dorfpuechs. Und ob merbedachter saltner gaisvich, 

25 welches dann bei den reben ain schedlichs vioh ist, in den weingüetern 
befindt, und dasselbe vich schaden darinnen begangen hette, so solle er 
auch dasselbig pfenten, und im die pfantung verfallen sein, als erstens 
sollichem vich die zend einschlagen, und dreißig kreutzer von iedem 
haubt das pfantgelt sein soll. 

30 Zum andern , so soll ain veltsaltner auch ieder zeit sein vleißig auf- 

sechen haben auf das obs, auch zeun und weingar tholtz, desgleichen ladt- 
und pantpeltzer und andern fruchtpämen. So er dann ain oder mer 
personen, die holz oder anders weck trüegen, in ainichen güetern beträtte 
oder befunde, so soll er macht haben, dieselben personen, iedes umb sechs 

S5 kreutzer, zu pfenten und inen das entfrembt guet zu nemen. 

Fürs dritt soll auch ain ieder veltsaltner fleißig sein aufsehen haben 
auf pöse , verwegne leut, als gartknecht , zigeiner und ander dergleichen 
verdächtliche personen, dieselben, sovil ime müglichen, aus der gmain 
treiben, und so es die noth eraischen wurde, sollen zu verhüetung merrers 

40 Schadens dorfmaister und nachpern beistant zu erweisen schuldig sein. 

Zum vierten im fahl auch mergedachter veltsaltner ain lucken oder 
gatter offen befindt, solle er dieselben vleissig zuemachen und bewaren. 
Desgleichen, so er saltner befunde, das der mülpach oder anders wasser, 
es sei auf der lantstrassn oder anderer orten, zu schaden rinnen thät, soll 

45 er schuldig sein, solliches ainem dorfmaister anzuzaigen, darmit hierinnen 
zu verhüetung grössers Schadens wendung bescheche. 

Zum fünften, ob auch ainer dem andern, er sei inn oder ausserhalb 
der gmain, zu ungebürenden Zeiten über die wisen oder äcker in seinen 



Al^nd 121. Tirol, 51 

bueten fahrn thät, dardarch schaden beBchäche, und er yeltsaUncr den* 
selben beträtte, so soll er macht haben, ine umb zwelf kreutzer zu pfenten. 

Verrer und zum sechsten ist auch beredt, was er veltj»altner erpfendt 
ausserhalb der Strassen oder pfantungen , das so gross war , das der dorf- 
maister sambt nachpem den schaden besichtigen und abstraffen müesten, 5 
des dann ain yeltsaltner iederzeit ainem dorfmaister schuldig anzuzaigen, 
80 sollen dise straffen und pfantungen alle der gemain zuegehörig sein, 
welliche straffen und pfantungen nach inhalt und vermüg des dorfpuechs 
abgehandlet werden. 

Zum sibenden soll auch ain ieder veltsaltner in die huet ansteen, 10 
w bald die wimmetsaltner ire hueten aushaben, und da? jar hinumb bis 
Jaoobi y untz dieselben wimmetssaltner widerumben anstehen , daselbst 
solle auf ain jar solliche huet aus und ab sein. Doch solle er veltsaltner 
sonderlich an Stainacher kirchtag zu verhüetung Schadens sein guet auf- 
sehen haben. 15 

Zum achten und beschliesslichen so gelobt , zuesagt und verspricht 
ain ieder dorfmaister für sich und in namen der ersamen nachperschaft, 
ainem yeltsaltner für sein ordinari besoldung zu hernach beschribnen zill 
und fristen zu erlegen und zu bezalen benäntlichen sechsundzwaintzig 
gülden reinischf als erstens auf ainen ieden sanct Georgen tag dreizehen 20 
golden, und auf negst darnach körnenden sanct Andrees tag als zu gantzer 
und völliger bezallung dreizehen gülden obsteender weerung. 

Deme obbeschribner massen zu gleben und nachzekomen hat viler- 
nennter Jacob Kecht zu genüegen angenomen und das vest und statt zu 
lialten dem ietzigen dorfmaister zuegesagt und versprochen, alles getreu- 25 
liehen und ongeverde. 

Des zu warem urkunt so seint solcher Ordnung, bedingnuß und pacts 
twai gleichlautende, auseinander geschnittne und ainer hantschrift ver- 
fertigte spanzettln aufgericht und iedem thail, als aine dem dorfmaister 
in namen der nachperschaft, und die ander dem veltsaltner zuegestelt 30 
worden. Bescheohen am sibenzechenden tag monats novembris im fünf- 
sechenhundert sibenundachtzigisten jare. 



7. Tirol*) 

PtrgamenthancUehriß vom J. 1462, /ol., 8 Bl. im Gemeinde-Archive tu Tirol. 

Dörfliche recht und altes herkomen der gemainschaft zu Tirol, 
durch die nachgeschriben erbern leut verneut in der jarzall 
Cristi des herren tausent vierhundert und im zwai und scch- 35 

zigisten jar. 

Item am ersten ist erfunden durch darnach geschriben erbern leut 
ludDachpaum, daz man unserm gnädigen herren von Osterreich etc. seiner 



•) Der Name Tirol reicht in die 7'ömische Zeit zurück. Nach der Notitia 
iÜgmUUtm (ed. O. 8eek. Berol, 1876 p. 200) stand zu Terioli» die dritte itali^elie 
Legion unter einem Prä/ecten, sowie eine Cohorte Barbaren unter einem Tribun 

4* 



] 



52 Tirol 

gnaden sloss Tirol suUe warten mit wachten, wegmachen und andern, als 
von alter herkomen und in unserm gnadbrief begriffen ist. Darzu sich ain 



in Gajmiton, um die nach den Donaugegenden abgehenden PromanUieferungen zu 
überwachen, CMommsen, Corpus inscriptionum 3, 707.) Der Ort war hart an der 
Grenze von Rhätien und dem Gebiet vofi Trienty doch noch in letzterem. Nach dem 
vierten Jahrhundert wird derselbe aber nicht mehr erwähnt bis im J, 114 t ( La- 
durner ^ Albert III . von Tirol in Ferdin, Zeifschr, 3, 14, 6); doch gehören die im 
südlichen Flügel des Schlosses noch jetzt vorßndlichen Details wohl schon dem 
11. Jahrhundert an. (Mittheilungen der k. Je, Central- Commission 13, XXXVIII). 
Bei der Gründung von Neustift waren die Grafen Albert und Perchtold als Zeugen 
anwesend {Font, rei; austr, 34, 2). Ein paar Decennien später, im J. 1163, wird 
schon eines Chunradus praefecius urbis de Tyrolis Erwähnung gethan (Mohr, Cod. 
diplom, 1, 196) und nach zwei weitem Decennien abermals (Gostoin, 67). Gleich- 
zeilig kommen noch andere Ministerialen von Tirol vor (ibidem)' im 13. Jahrhun- 
derte ist aber nur mehr von einem Schlosse Tirol die Rede (Mohr, Cod. diplom. 

1, 344). Uebrigens darf man bei dem Namen urbs nicht allemal an eine Stadt 
denken, denn um dieselbe Zeit (1217) wird auch einer urbs St. Michaelis gedacht 
(Chronik von Fiecht 242); es ist damit voohl nur die Festigkeit und der grosse 
Umfang des Schlosses angedeutet. Im 13. Jahrhunderte war das Schloss Tirol der 
regelmässige Aufenthaltsort der Grafen von Tirol und Tirol- Görz; im 14. Jahrhundert 
hingegen residierten dieselben häufißy namentlich König Heinrich von Böhmen ^ auf 
dem Schlosse Zenoberg oder in der Stadt Meran. Der Ort Tirol führt im Anfange 
des 14. Jahrhunderts den Namen villa oder Dorf (Gosvin 129, 210, 213). 

Von den ötterreichischen Herzogen nahm nur Leopold HL noch einen etwas 
längeren Avfenthalt auf dem Schlosse Tirol; fortan hielten sich daselbst die 
Landesfürsten nur vorüf^ergehend auf. Das Schloss war nur mehr der regelmässige 
Aufenthaltsort des Burggrafen von Tirol, der übrigens auch ein Schloss in Meran 
(Ortenstein) hatte, und der ihm untergebenen Beamten, wie des Kellners und 
Probstes von Tirol. In der Folge, wenn nicht schon früher, kamen auch diese 
Aemter fort, das des Profjstes nach Zenoberg (Der deutsche Antheil des Bisthums 
Trient, 1, 265) und des Kellners nach Meran. Seitdem die Würde des Burggrafen 
mit der Würde eines Hauptmannes an der Etsch vereint worden, residierte auch 
der Burggraf immer seltener zu Tirol, bis er im 16. Jahrhundert seinen Wohnsitz 
nacli Bozen verlegte. Seit dem 14, Jahrhundert verschwinden auch die Edlen von 
Tirol und das Schloss Tirol gieng seinem Verfalle entgegen. M, Burglechner sagt 
von ihm bereits, es sei schlecht gebaut und sehr „abgekommen*^ (Tirol. Adler 3, 4, 
1044), und der zu dessen Untersuchung um die Mitte des 17, Jahrhunderts abge- 
schickte Ilofkammerrath Maximilian von Ingram klagt ^ wie infolge der FerriocÄ- 
lässigung der Bedachung seit 40 Jahren ein Stück nach dem andern zerfallen 
(Der deutsche Antheil 266; Bibl, tirol. D. n. 978, II), Aber trotz seines Verfalles 
blieb das Schloss hei den Tirolern noch immer in hohem Ansehen und lange dachten 
sich die Tiroler an seinen Besitz die Herrschaft über Tirol geknüpft. Gross war 
daher die Trauer bei allen Patrioten, als die baierische Regierung dasselbe im 
Versteigerungswege veräusserte (1808). Die Stadt Meran löste es sogar zurück und 
machte es bei Tirols Wiederkehr unter Oesterreich dem Kaiser Franz I. zum Geschenke 
(1810), Die neuere Zeit hat ihm einige der nöthigsten Restaurationen gebracht, aber 
es steht nur mehr der geringste Theil des einst so grossartigen Schlosses (Staffier, 

2, 677 f.). 

Ausser dem Schlosse Tirol liegen in der Gemeinde gleichen Namens noch 
die Schlösser Brunnenburg ^ Dürnntein und Atier; doch haben nur die Herren des 
letztgenannten mit der Gemeinde in engerem Verbände gestanden. Die Herren von 
Auei-, welche im J. 1217 als Ministerialen des Grafen Albert III. von Tirol er- 
scheinen, blieben mit geringem Unterbrechungen im Besitze vom Schlosse Auer , bis 
es im J. 1477 Heimlich von Auer an den Ritler Christoph Botsch verkaufte. Bald 
nach dem Aussterben der Botsch bekamen es die nachmals in den Grafenstand 
erhobenen Stachelburg als Lehen, und als dei'en männliche Linie im J. 180,9 er- 
losch^ gieng es als freies Kigenthum auf die weifjliche Descendenz über (Staffier 
2, 683; Burglechner 3, 1, 32). 



Tirol 53 

ieder dorfmaister zu Tirol schicken sol , wann er des ermant wirt , dem- 
selben nach ze komen getreulich und ungerarlich. 

Wie man dorfliche recht besetzen sol. 

Item fio ist von alter herkamen, das alle jar, als bisher beschehen, 
am kässuntag und nu durch merer muss auf sant Peters tag der stuolfeir 5 
gestreckt ist, dorf liehe recht besetzt sullen werden, dabei allbeg ain prast 
zu Tirol anstat unser gnädigen herschaft etc., ain pharrer daselbs zu Tirol 
oder sein anwalt, die von Aur oder ir anwalt und die nachperschaft sein 
Süllen, und daselbs ain dorfmaister desselben vergangen jars an der gewon- 
liohen etat nider sitzen und alle sachen bei im gehandlet, es sei umb saltner, 10 
waler, wassrer, herter, swainer und alle andre sachen, so die gemain 
bemren, vollendet und iederman desselben un klaghaft behalten werden 
stille, als von alter herkomen ist; und wann daz beschehen ist, so sol der 
dorfmaister aufsten und den stab von im in die hent ains pharrers zu Tirol 
oder seins anwalts uberantwurten , als daz auch von alter herkumen ist, 15 
und alsdann so sol sich ain pharrer oder sein anwalt sich mit der nach- 
perschaft und den von Aur underreden und er an der nachperschaft , daz 
sich derselb dorfmaister also gehalten hat, daz er fürer zu pitten sei, mag 
man in dann erbitten, noch ain jar zu beleiben, dabei sol es besteen; 
mocht daz aber nicht gesein , so soll er hindan tretten und zwen aus der 20 
nachperschaft, die darzu durch den pharrer, die von Aur und die nach- 
persdiaft geschiden werden, mit im und sol aus den nach der vreien wal 
ainer genomen werden , und welcher dann genomen wirt, der sol dasselb jar 
4n widerred dorfmaister beleiben und soll dann geloben und versprechen 
ainem pharrer bei trenn an aides stat, meim gnadigen herm von Oster- 25 
reich etc., ainem pharrer zu Tirol, den von Aur und der nachperschaft 
treu und gewartig ze sein und si bei im dorf liehen rechten und allem alten 
herkumen zu halten getreulich und ungevarlich; und wo im daz zu swer 
wurde, sullen ain pharrer, die von Aur und die nachperschaft im beistant 
beweisen, wie sich geburn wirdet, ungevarlich und alsdann so sol ain 30 
pharrer dem bestatten dorfmaister den stab wider antwurten. 

Item alsdann so sol ain dorfmaister am ersten bestellen ainen waler, 
der das wasser füre , und der sol das wasser dann furn und versorgen von 
aim sant Peters tag vorgemelt hintz auf den andern. 

•Item, und ob daz wasser oder der wall abbrech und der waller daz 35 
allain nicht vermocht zu machen und zu versorgen , so sol er die Hasler 
wissen lassen sovil, und er der darzu bedarf; dieselben sullen im gehor- 
sam sein zu helfen^ und welher des nit tette und widerspännig darinn 
wer, denselben sol ain dorfmaister phenden umb drei kreuzer, als von 
alter herkumen ist. 



Sämmtliche Bauern von Tirol waren Burgfridner vom Schioase Tirol und 
hatten aÜ6 Rechte und Pflichten der Burgfridner des Landes^ une die folgende Ord- 
nung zeigt. Die Pfarre von Tirol erfreut sich eines hohen Alters^ wie ein im J, 1226 
twitehen Cur und Trient geschlossener Vertrag schUessen lässt (Hnrmayr^ Sämmtl. 
Werke, 2, UrJc-Nr. XX). 



54 TiroL 

Ob aber der pruch des wassere so gross wer, das der durch die 
Hasler allain nicht gewendt mocht werden, so sol der waller das an ain 
dorfmaister bringen ; derselb sol aus der gemain darzu schaffen sovil, und 
der notdurft ist, damit solichs gewendet und widerbracht werde. 

5 Wie den von Aur das wasser zu irm gslos gen sol. 

Item es ist von alter herkumen , das ain ieder waller schuldig ist, 
aus dem gemainen wal ein malwasser den von Aur zu irm sloss als yil, so 
durch ain lun in ain trog zuge, keren sol, und davon sullen die von 
nider Aur ir trinkwasser nemen und die uberteur mögen die von Aur zu 

tO irm sloss brauchen und kern zu irer notdurft ; wer aber darüber an willen 
und wissen des wallers mer wasser dar kert, der sol vervallen sein zu 
ainer penn, bei dem tag sechs kreuzer und bei der nacht ain phunt perner. 
Das sol alsdann der waller dem dorfmaister zu wissen tuon. Derselb sol 
dann darum phenden. Ob aber wer, das durch vergunnen des wallers oder 

15 sunst ungevarlich, so das wasser müssig gieng, mer wasser, dann dem sloss 
Aur zugchert, hinab kert wurde, so sol die uberteur des wassers den drein 
höfen unter Aur zu statten kumen an irrung und intrag der von Aur und 
sullen das zu ir notdurft brauchen. 

Der waller Ion. 

20 Item so ist man schuldig, ainem iedem waller seinen Ion zu geben. 

Daz ist, ain ieder, der ain tag wasser hat , zwen kreuzer Ion , von ainem 

halben tag wasser ain kreuzer Ion, und der nicht hat, dann ain mallwasser, 

der ist auch schuldig ain gl. Ion. 

Item so ist von alter herkumen , das ain waller pfligt alle jar zu 
25 weichnachten in veirtagn brot zu samenen ; so ist man im schuldig, prot 

zu geben, ieder nach seinen statten und nach dem, und er das wasser neußt, 

also daz er unbegabt nit beleibe. 

Item der waler hat auch ain viertail wasser von der gemain zu ainer 

wessrung, dabei sol er gehalten werden. 

30 Wie man das wasser tailn und fürn sol. 

Item darnach ist von alter herkumen, das ain ieder dorfmaister alle 
jar zwen wässrer, ain obern und ain undern, bestellen sol, solche, die darzu 
taugenlich sein und wissen, das wasser zu tailn^ und sol dann der ober 
wässrer das wasser tailen also , das albeg in den undern wal oder rod ain 

35 mallwasssr mer kert und gangen werde, dann in die obern rod, angesehn, 
ob prunst oder ander schaden, do got lang vor sei , sich im dorf erhübe, 
das dises dcste mer gewcnt mug werden, und ob nu der under wässrer solch 
wasser und umb sovil mer, als oben stet, des tags nicht funde, so sol er 
das an den dorfmaister bringen; derselb sol dann den obern wässrer darum 

40 suchen und begagnen, und ob der wässrer das gevarlich verhielt und 
nicht gen ließ, so sol in der dorfmaister phenden um drei kreuzer ; ob aber 
ainer, der das wasser und die rod hat, solich malwaaser gevarlich verhielt 



Tirol. 55 

und daz nicht dar kert, als oben stet, denselben sol der dorfmaist^r 
phenden und pennen vom tag umb sex gl. und von der nacht umb ain 
phnnt pemer. 

Item dasselb mallwasser sol gen und gelangen vom dorf hinab gen 
liitter-anger und die mair der dreier hof, genant die Gwarter, sullen ir 5 
Wasser albeg an der scheph zu irer notdurft vinden und nemen ; ob in aber 
daz gevarlich genomen und abkert wurde , wo si dann das vinden , haben 
li den gewalt, das si mitsambt dem dorfmaister den , der in das also ab- 
kert, phenden sullen und mügen, bei dem tag umb drei kreuzer und bei der 
nacht umb sex gl. 10 

Item die wässrer sind schuldig und gepunden, dem waller den wal 
helfen zu machen , wann si emphinden, das si am wasser abgang haben, 
und sullen von stund zum waler laufen und mit im den bruch des wals 
sueohen, und was si mitsambt dem waler in zwain oder drein stunden 
wenden und machen mügen, das sullen si tuon und sullen darinn ain dorf- 15 
maister und die nachperschaft unbekumert lassen ; wenn aber daz durch 
si nit beschehen mag, so sol es sten auf den dorfmaister, als oben stet. 

Item die wässrer sullen gepunden sein, am morgen fruo, desgleich zu 
der nacht an und ab zu geen zu dem wasser, als ander tagwercher, und ob 
das nit beschech, gelangt daz an ain dorfmaister, der sol in das under- 20 
sagen und darumb straffen. 

Wie ainem pharrer zu Tirol sein malwasser geen sol. 

Item es sol dem pharrer auf Tirol ain mallwasser in sein widm gen 
ungeengt, als von alter herkumen ist. Es sulle auch ain pharrer zu Tirol 
mid die von Aur ir rod des wassers haben und sol in die volgen , als oft 25 
die an si kumbt, als von alter herkumen ist. 

Gesetzter Ion der wässrer. 

Item das gesatzt des Ion der wässrer ist dem obern wässrer von 
iedem tag wasser vier kreuzer und sein kost , von dem halben tag zwen 
gl. und vom viertail ain gl. Item dem undern wässrer vom tag fünf kreuzer, 30 
Tom halben tag dritthalben gl., vom viertail sex vierer, ain pemer und 
sein kost. 

Wie man den wal machen sol. 

Item von des wals wegen zu machen ist von alter herkumen, das, 
als oft des notdurft ist zu machen und man sein ainig wirt , ain pharrer 35 
zu Tirol und die von Aur, oder wer das gsloss Aur inn hat, auf denselben 
tag schuldig sein, zu geben der gemainschaft ieder drei patzeiden wein, ain 
käs , der vier gl. wol wert sei und [der] person ain brot, und sind nicht 
schuldig, fiirder ain wal in der gemain zu machen ; doentgegen sol der 
pharrer haben zu vorrod baide roden ain tag und ain nacht, als pald der 40 
wal heraus kumt. 

Item desgleichen sullen die von Aur haben zu vorrod die obere rod 
ain tag und ain nacht, als pald der wal heraus kumbt. 



56 Tirol, 

Item die wässrer eullen die gemaine rod nach der vorrod halten und 
iedem volgen lassen und antworten, als das von alter herkamen ist. 

Wie man das nachwasser halten sol. 

Item, wan ain gemainer man wässret, so gehert das nachwasser oder 
5 die gruntsaphen in den nächsten wal und sol das niemant darah keren ; 
wer das uhervert, der sol darum vom dorfmaister umb drei gl. gephendt 
werden. Item ain ieder, der so wässret, lat er das nachwasser in die 
gemain weg gen, also daz der weg dadurch gewuost wirt, so sol ain dorf- 
maister mit im schaffen, den weg wider zu machen; tat er des nit, so sol 
10 ain dorfmaister ain oder zwen gewinnen und den weg machen lassen und sol 
alsdann denselben umb sovil, und das gestet, phenden, damit in ir Ion ausge- 
rieht und bezalt werde, auch ob das wasser iemand zu schaden gieng in 
sein haus, keller, agker oder Weingarten, wirt das klagt, denselben schaden 
abzutreigen , das sol sten bei erkantnus ains dorfmaisters und der nachpaurn. 

15 Von den saltner wegen. 

Item von der saltner wegen ist erfunden und von alter herkumen: 
wenn den dorfmaister auf den obgeschribnen tag bestät ist, als oben stet, 
so sol er vorsehen in der nachperschaft , wen die rod der saltrei das 
künftig jar antreflf. Dieselben suUen sich dann selber melden. Darauf 

20 sol ain dorfmaister in die huet bevelhen, wie si die halten sullen, und als- 
dann nach solchem bevelhen sullen si dem dorfmaister geloben an stab bei 
im trenn an gesworn aids stat, dem nach zu kumen und die huot«n von 
aim sant Peters tag auf den andern versorgen , als holz , pant , gras und 
hintz auf sant Laurenzen tag; wo si des nicht täten, beschäch darüber 

"^^ iemand schaden, den sullen si widerkern und abtragen. Item auf sant 
Laurenzen tag sullen sich dieselben zwen saltner, so die rod antrifft, für den 
präbst, den pharrer, die von Aur und für die gemain ieder selbdritten 
stellen. Darauf sullen si sich in der gemain underredon und daraus nemen, 
wer dann dazu nutz und guot bcdunkt zu sein. Denselben erweiten sol 

30 dann ain dorfmaister für halten, wie si die huet halten und hüten sullen, 
dem armen als dem reichen , bei .der huet zu beleiben tag und nacht und 
in denselben hueten die zeun und weg zu machen und zu versorgen. Dar- 
auf sullen si dann auch ainem dorfmaister an stab geloben bei irn trenn 
an geswornen aids stat, dem nach zu kumen, und ob si des nicht täten und 

35 das gevarlich uberfürn, so sullen si iren Ion vervallen sein. 

Item denselben zwain saltnern, so die huet antrift, sol man irn Ion 
des weins im wimmat geben, lauters und dicks^ aus allen den stucken, so in 
die huet gehören, es sein ackor oder wisen, von vier mangraben ain saltrei- 
patzeiden, als von alter herkumen ist. 

40 Item den vier knechten sol man ir kost geben, als von alter her- 

kumen ist. 

Item, es ist von alter herkumen, das auf den obgeschriben sant Peters 
tag, so die zwen saltner bestät werden , dieselben zwen der gemain geben 
Buln ieder für sex gl. wein, und dem dorfmaister ieder v gl. 



Tirol. 57 

Item die saltner sullen vleissigklichen sohaun und darob sein , damit 
daz Weingarten, äcker und wissen in den hueten vom vich vor schaden be- 
wart werden, und ob daz yich zu schaden gienge, so sullen und mugen die 
saltner und ain ieder, der vich an schaden vindet , phenden und das yich 
dem dorfmaister haim treiben und sol dann der dorfmaister von iedem 5 
haubt drei gl. nemen, und sol der schaden durch den dorfmaister und nach- 
paarn beschaut und dem, dem der beschicht, nach derselben erkantnus wider- 
kert werden, getreulich und ungevarlich und als von alter herkumen ist. 

Item die saltner sullen sich gegen den leuten in den hueten also 
halten : kumbt iemant, der zu schaden gen wolte, das sullen si understen 10 
und denselben davon weisen , wolt sich aber derselb oder mer darinn 
fiÄTenlichen halten und in gwalt beweisen oder mit gwalt in die hueten 
prechen, desselben gwalts si sich sullen wem nach irm vermügen , als 
von alter herkumen ist. 

Ob aber die saltner von fraun oder mannen , arm oder reich , umb 15 
ain weinper begrüßt und gebetten werden , das sullen si nicht versagen, 
ungevarlich sich darinn zu halten. 

It«m es sol albeg verpotten sein, in die hueten das vich zu hüten bei 
der pen, als von alter herkumen ist. 

Von der albm wegen. 20 

Item von der albm wegen ist von alter herkumen , das auf den tag, 
80 der albmaister raitung tuet, das ist vierzehen tag vor ungevarlich, ee 
man ab der albm treibt, auf denselben tag, so nu raitung beschehen ist, 
weit die nachperschaft mit aim pharrer und den von Aur ain oder mer 
zu dem alten albmaister, und aus denselben hat der von Aur mitsambt 25 
dem pharrer und der nachpaurn rat und willen ain zu nemen und zu alb- 
maister zu bestatten , ob man den alten nicht erbitten mag, und welcher 
dann genomen wirdt, der sol dasselb jar albmaister sein. Er sol auch dem 
von Aur an stat des pharrers und der nachperschaft geloben bei hant- 
gebenden trewen , dieselben albm zu versehen und den von Aur , den 30 
pharrer und die nachperschaft im besten darinn zu bewarn, als von alter 
herkumen ist. 

Item derselb albmeister sol dann bestellen ain sennen oder sennin, 
ain kessler, zwen hirten zun küen und ain zun gaissen umb ain sold, so 
er am nächsten bekumen mag. 35 

Item umb sant Veits tag, vor oder nach ungevarlich, so man in die 
albm treiben wil, sol der albpürg acht oder vierzehen tag vor den von 
Aur ermanen , damit er sich fursech umb ain halbe urn essich , die er 
dann alle jar schuldig ist, in die albn- und die gemain seur zu geben. 

Item, es sol auch der von Aur den pharrer und die nachpaurn mit 40 
ainem stier oder pharren versorgen und den mit gemainer hert in die albn 
treiben lassen, damit si versorgt sein. 

Item, so man hinein kumbt zu der messnacht, so sol der albmaister 
das albnrecht besetzen nach aller notdurft, und als von alter herkumen ist. 

Item mer ist der von Aur schuldig, ain oder mer kesseln in die albn 45 
zu kaufen, dadurch die gemain versorgt sei. 



58 Tirol 

Item, 60 8ol auch der von Aur halbe geschirr, so die gemainsohaft do 
bedarf, es sei zu pinten oder zu kaufen, bezallen. 

Item, es sol auch der von Aur halbs hirtenlon, sennerlon, keeslerlon, 
und was auf die ehalten get und gerait wirt, ausrichten. 

5 Der von Aur albmrecht. 

Item doentgegen sullen den von Aur volgen und zusten mit käsen, 
ziger und smalz zwelf suntag, was do wirt, .und dasselb sol er in seinei 
speis auch mit salz und renn versorgen, als er des vermaint zu geniesseo 
und als von alter herkumen ist. 
10 Item, und ob di xij suntäg mit dem vich auf der alben nicht vollfurl 

wurden, also daz das vich so lang auf der albm nicht stund, so soll im dei 
abgang derselben xij suntäg erstatt werden und an abgang ervolgen nacli 
erkantnus der nachperschaft, darzu er dann auch die speis geben sol, all 
oben stat. 

15 Von der albm pänn wegen. 

Item von der albpänn wegen ist von alter herkumen , wie sich di< 
am albrechten ervinden, die sullen dem von Aur zusten sovil, und voi 
alter herkumen ist, als ob ainer erkannt wurde, das er unrecht getau hat 
derselb ist vervallen dem herrn alles, so er in der albn hat, und ieden 

20 haus in der gemainsohaft der, die dann vich hinein treiben, fünf phnn 

perner, ausgenomen was in malleütz rürt , das sol der herrschaft zusteu 

Item auch ist von alter herkumen, das ain ieder albenpürg die albu- 

nutz, als käs, ziger und smalz, wol aufhalten mag, dieselben von dannei 

nicht lassen zu füren , nur allain die hirten sein vor irs solds ausgerichf 

25 oder inn sei darum ain benügen beschehen. 

Ains albpürgen sold. 

Item, es hat ain albpiirg zu sold für sein müe auß ze nemeu ain tag 
kas, smalz und ziger, und denselben tag sol er nemen und daz aufheben im 
mittel des summers und sol das in seiner speis versorgen. 

30 Ains dorfmaisters recht. 

Item am ersten sol ain ieder saltner aim dorfmaister geben sex gL 
als oben stet. 

Item die hirten sullen aim dorfmaister sein vich , kue und swein, 
hüeten, und ist in nicht schuldig, weder kost noch Ion davon zu geben. 
35 Item, so hat ain dorfmaister ain tag wasser, als oft die rod umbget, 

den mag er selbs brauchen oder verkaufen der nachperschaft nach seinem 
gevallen. 

Item von kannelln zu machen alle jar und das gelt ein ze treiben 
hat ain dorfmaister ain phunt perner, und die uberteur gehört dem 
40 pharrer, dem von Aur und der nachperschaft. 



TiroL 59 

Item 80 hat ain dorfmaister alle jar vi gl. rom mairhof am Anger 
darum, das er weder zu wegen noch zu wallen get. 

Item 80 hat ain dorfmaister von aim manmad wisen, das nicht mösig 
ist, ain gl., und das mösig ist, von zwain tagmaden ain kreutzer. 

Item so stet auoh aim dorfmaister zue, als oft vich zu schaden funden 5 
Qod darum gephendt wirt, von ainer gais, die reben abbeißt, neun gl., von 
ainem swein, das reben abbeißt, sex gl., von klein ochsen und kelbern 
ieds drei gl., und ain ros gibt sechs gl., ain schaff drei gl. und außhalb der 
Weingarten ist gemainer pann iij gl., aber ain ros in der gemain bei dem 
tag sex kreutzer und bei der nacht ain phunt perner, vorbehalten albeg 10 
dem, der den schaden nimbt, im denselben abzutragen nach erkantnus ains 
dorfmaisters und der naohperschaft, als von alter herkumen ist. 

Item es sol auch niembt im selbs sein schaden am vich rechen, 
sunder es sol steen bei aim dorfmaister und der nachperschaft, als oben stet. 

Item mer hat ain dorfmaister für sein müe, so er gepeutet zu walen, 15 
zu wegen oder zu ander notdurft, den, so darzu gehören, außzenemen vier 
knecht, derselben im ieder schuldig ist zu geben neun gl. oder dreu tag- 
werch und stet die wal bei ainem dorfmaister. 

Item ain ieder dorfmaister sol der herrschaft ir grasgelt eintreiben 
zu Buf&an, zu Euens, von den von Aichach und auf Tirol ; davon antwurt 20 
er aim kellner fünf phunt, die uberteur gehört dem dorfmaister zuo, und 
was unter dem rosweg ist, das gibt grasgelt, das ober nicht. 



Von gemainem holz. 

Item als holz, das der gemain und in die mult zugehört und in 
fridpan gelegt wirdt, als von sanct Görgen tag hintz auf sant Michels tag, 25 
das sol also darinn beleiben, und wer darüber holz sohlecht, derselb ist des 
geslagen holz vervallen und darzu die nachgeschriben penn. Item von 
ainer lerchen von iedem stam fünf phunt. Item von ainer feuchten ain 
phunt, von ainer puchen drei kreuzer, von ainer pirchen iij gl., von ainer 
erl iij gl. Dieselben pen gehorn aim pharrer, dem von Aur und der nach- 30 
perschaft zu , ausgenomen heslein holz ist albeg frei zu slaohen ; doch so 
hat ain dorfmaister gewalt zu erlauben ainem nachpaurn zu seiner ehaft 
drei päm allerlei holz ungevarlich. 

Item ain pharrer und die von Aur haben das zuvor , das si vor der 
ganzen gemain, wann man des holzslahens ains wirdt und wann man in 35 
der verr holz siecht, mit vier knechten wol holz slachen mugen zu ir not- 
durft, darum das si zu dem weg zu machen wein, käs und prot geben, als 
oben stet; siecht man aber in der nächent, so sol derselben iedem, des- 
geleichen ainem dorfmaister sein tail ausgezaigt werden , als von alter 
herkumen ist. 40 

Von der hierten Ion wegen. 

Item gemaine hierten, haben si vatter und mueter oder ander freunt, 
daselbs suUen si ir ligerstat und wonung haben , ob si wellen , und sullen 
in nit schuldig sein weder kost noch Ion zu geben ; sind si aber frömd, so 



.60 TiroL 

sullen si umb ir ligerstat und wonung bei frömden trachten, und wo si die 
haben, derselb sol in auch weder kost noch 16n nicht sohaldig sein za geben. 

Item denselben hirten ist iederman schuldig, zu geben, als oft die rod 
an in kumbt, zu zwain maln ir malkost, als von alter herkumen ist , und 
6 darzu mit zutragen für drei vierer fleisch , wann man das geben sol und 
gehaben mag, aber zu Zeiten, wann man fleisch nicht phligt zu brauchen 
oder wann ain widerman daz fleisch nit gehaben mag, so sol man in baiden 
geben für drei vierer käs und darzu iedem dreu gemaine hausprot 
ungevarlich. 
10 Item zu Ion von ainer kue , die man furtreibt und get den ganzen 

Summer, drei kreutzer, die nicht in die albm get, von halbem summer 
zwen gl., die auf die albm get. 

Item, der do gar nicht fürtreibt, gibt halben Ion und ganze kost. 

Item von ainem swein von ganzem furkern zwen kreuzer, kauft crs 
15 aber zu phingsten, so gibt er ain gl. und ganze kost, als oft die rod an 
in kumbt. 

Item, welche sweinfackl kumen vor weichnachten, davon ist man 
schuldig ganzen Ion und ganze kost, was aber nachkumbt, davon ist man 
schuldig ain gl. 
20 Item, wer ain kalbel fürsiecht, sol davon geben ain gl. Ion. 

Item es sol ain pharrer ain stier und ain sweinpem der gemain- 
sohaft halten ; davon gibt er weder kost noch Ion und nimbt darum den 
klain zehenden, und sind frei, wo si gend. 

Der ungehorsamen pann. 

25 Item, als oft ain dorfmaister zu dorflichen rechten oder andern 

ehaften gepeut, welcher dann nicht kumbt, der ist vervallen zu pen dem 
dorfmaister und der nachperschaft sex gl., irrt in aber herrn gebot , gots 
gwalt oder ehaft not und vindet sich das, so ist er nicht schuldig. 

Wer zwai gütter innhat. 

30 Item es ist von alter herkumen, welcher der ist, der zwai gütter 

innhat und neußt in der gemainschaft zu baiden güttern wunn, waid und 
anders, derselb sol auch von baiden güttern der gemainschaft schuldig sein 
ze tun, als von alter herkumen ist. 

Weinmesser. 

35 Item es sol durch ain pharrer oder sein anwalt, den von Aur, ain 

bräbst zu Tirol und durch die nachperschaft ain gemain weinmesser erweit 
und bestatt werden. Derselb weinmesser sol das gesworn mass an Meran 
nemen. £r sol auch sein uren und patzeiden haben und dabei messen, als 
von alter herkumen ist. 



Tirol Kumt, gl 



Anleiten und ander. 

Item anlaiten und andre ding, so hierinn nicht begriffen sind, sullen 
fiirgenomen und allzeit gehalten werden, als von alter herkumen ist, un- 
gerarlich. 

Item dise obgeschribene gesatzt sind durch den erwirdigen herrn 5 
Benedicten Wegmacher, zu den Zeiten pharrer zu Tirol und des durch- 
leuchtigen hochgebornen fursten und herrn herrn Sigmunden, herzogen zu 
Osterreich und graven zu Tirol etc., unsers gnedigen herrn obristen ambt- 
man und chamermaister, verlossen und geschaffen, als nach altem herkumen 
für ze nemen, und durch die nachgeschriben erbern leut in gagenburticheit 10 
des nachgeschriben notarien in ain zu bringen, die dann also in der ob- 
geschriben jarzall des zwaiundsechzigisten darüber gesessen und mit 
willen , gunst und wissen der ganzen nachperschaft zu Tirol also für- . 
genomen haben, wie oben stet. Mit namen am ersten der fursichtig, weis 
Andre Kalmünzer, burger an Meran und richter auf Melten, Lienhart 15 
Prünster, dorfmaister auf Tirol, Jörg Häckl, Cunrad Snitzer, Hans 
ßewpach, Ulrich Pinter, Hainrich TöUinger, Hans Viechtell und Hans 
Mesner zu TiroU, und darnach in der jarzall des herrn tausent vierhundert 
und im dreuundsechzigisten des nächsten tags nach dem newen jar im 
widm an Meran vor dem obgenanten hern Benedictus pharrer etc. und der 20 
nachperschaft zu Tirol ingagenburtikeit des fursichtigen, weisen Sigmunden 
Wallmer, zu den Zeiten kellner zu Tirol, und des bemelten Andren Kal- 
münzer, Hansen burgermaister, genant Erlau, und mer erber leut als ge- 
zeugen durch den nachgeschriben uotarium offenlichen von artikel zu 
artikel, von wort zu wort gelesen, geöffnet, verkündt und protestiert. 25 



8. Kiiens.*) 

Papitrhandschriß. 17. Jh., Fol., 7 Bl.^ die »ich auf dem Tschaupenhofe in Kutnt btfindtt. 

Dorfpuech der gemainde Kains 1534. 

Item vermerkt, das die erbar nachperschaft auf Kains, an sanct 
Sebastianes und Fabianes tag in funfzehenhundert und in fier und treisigsten 



*) Den Namen Kaina hält Dr. L. Sleiib für rhätuch (Zur Rh&tiachen Eth- 
nologie 121), er dürfte aher wohl eher romanisch »ein. JedenfalU läaat aich vor 
deni 8, Jahrhundert in der Gegend de» heutigen Doifes Kaina j im Volkamunde 
Kuens genannt^ keine Ortschaft nachweisen. Der heil. Corhinian, der im Jahre 717 
auf die Gelände von Camina (wohl die richtigere Leaeart als Canina) kam^ fand 
aie zwar reich an Wald (Birken und Erlen)^ aher noch wenig ciUtiviert und ohne 
menschliche Niedeilaaaung, Auf »ein Anauchen kaufte der Herzog Grimoald von 
Baiem^ zu dem eben damals diene Gegend gehörte^ die vorhandenen Aecker, Wieaen 
und Weingärten^ aowie den dazu gehörigen Wald und einen Theil der Alpen^ und 
machte sie dei' Kirche des heil. Corhinian zu Freiaing zum Geschenke. Bald darauf 
erbaute sich der Heilige daseihat eine Zelle und ein Kirchlein {MeicheUteck, Hiator. 
Frising, /, 12ff.y Mon. Germ, hiator. SS. XXI V, 319. 1). Daa war der Anfang un- 
serea Dörfleina Kains. In der Folge wurde aJter die Freiainger Kirche dieses 



62 Kuent. 

jar beschechen, ainhelligclich und willkirglich zusamen kumen seie und 
ein erbar Ordnung betracht und firgenomen Ton wegen irer törflichen 
recht, auch in beisein des erwirdigen herrn Sebastian Schneider, derzeit 
pfarher bei Sanct Peter neben dem haubtschloß Tierol und pfarer auf 
5 Kains, wie und si die von alters her von irn öltern gehört und si solliche 
artickl, wie hernach vermelt wirt, in ain dorfpuech und libel zu schreiben 
angeben und solliches si, ire kinder und nachkomen stat, vest und unge- 
prochen halten [wellen]. Wellicher ainen oder mer artickl dan ibertreten ^) 
wirt, der soll nach Inhalt des artiggls darumben gestraft werden , wie 

10 hernach volgt. 

Anfenklichen ist da betracht, wie und [wanj man ainen dorfmaister 
sezen soll. Derselbige soll gesezt werden albeg gewerlichen an der rechten 
fasnacht, wie von alter herkomen ist. Und wan ain dorfmaister gesezt 
wirt oder ist, so soll er erstlichen fragen, was ainer erbaren nachtper- 

15 Schaft mainung sei von wegen des pfarsstiers, den die den zechent ein- 
nemben [stöllen] mießen. 

Und dieselben, die den stier stöllen müessen, die sollen der gemain- 
schaft ainen stier stöllen, der gannikl und nit zu schwär sei, damit ein 
gemainschaft des stiers halben versorgt seie. 

20 Item, wellicher den stier dann prauchen wüU zu seinen kieen , er 

sei unten oder oben auf Eains, so soll er ainen guoten puschen hey mit 
im pringen, das der stier ain nottorf zum essen hab ; wo aber der stier 
säum lg war und er in nit weiter betörf, so ist er nit schuldig, hey zu 



Besitze» von gewalUhäligen örossen beraubt y König Heinrich 1. jedoch verschaffte 
ihr Cheines nebst Meiea und Chorze» wieder (Mon, Germ, hist. Dipl, 1, 63), und 
der voll/reie Äribo schenkte ihr um das Jahr 1020 eine Hofstätte in loco nuncu- 
palo Kiehna. Um das J, 1150 übergab dann der Bischof EUenhard ersteres dem 
von ihm gegründeten Chorhermstift St. Ändrä in Freising zum Eigenthum (Der 
deutsehe Äntheil 310) ; 1291 wurde die neuerbaute oder wenigstens erneuerte und 
vergrösserte Kirche geweiht und im J. 1312 gieng deren Patronat auf das genannte 
Stift d^nitiv Ober, Im Jahre der Sempacher Schlacht (1386) vereinbarten die 
beiden Gemeinden Kuens und Tirol sich wegen eines nefien Wassencahles und 1448 
wurden die allen Marksteine zwischen denselben bekräftigt; 1495 mussten sich die 
Leute von Kuens veipflichten, zu der Brücke an der alten Landstrasse, welche 
durch ihr Gebiet nach Passeier und über den Jaufen führte, drei Ensbäume und 
halbe Dielhöher tu liefern^ und wie die von Aichach und gemeinsam mit diesen den 
Weg zu beiden Seiten des Baches zu nuichen. Viel wichtiger aber als diese Fer- 
einbarungen war der Vertrag ^ welcher nach längerem Streite zwischen ihnen und 
ihrer Herrschaft im J. 1676 zu Stande kam. Dadurch erhielten die Kainser, die 
bisher noch immer in strengem Pacht- und Lehenverhältnisse zu ihrer Herrschaft 
gestanden waren, ihre Baurechte gleich den übrigen Bewohnern Deutschtirols gegen 
benannte, d. h. für immer festgesetzte Grundzinse und Laudemien auf ewige Zeiten 
(Ortsgeschichte von Kuens in: Tirol, Bothe 184t Nr, 24 — 35), Einige Decennien 
früher (1534) hatten die Leute von Kuens ihre Gemeindeordnung in Gegenwart 
ihres Pfarrers in ein Libell geschrieben. Das Collegiatslift behauptete seine Grunde 
rechte, mit Ausnahme der Zehenten , die es schon früher an Private verkaufte, bis 
zur Säcularisation im J. 1803^ wo sie noch auf den Capitdlswert von 9852 Gulden 
veranschlagt wurden (Fevd, Bild, XLIV, i. 11), Die bairische Regierung trat die 
Güter an den Fürsten Thurn und Taxis in Regensburg für das Postwesen in 
Deutschland ab und die GrundaJtVösung verwischte die Utste Sptir vom Erbe des 
heil, Corbinian (Der deuUche Antheil 310 f.). 

') artickhl wellichc dan ainer übertr. hs. 



Kuen9. 63 

pringen, und die weil ainer den stier zu seinem fiech prauchen ist, derselb 
soll den stier in seiner war und wart halten, die weil er nit haimb an 
seine stat geantbort wirt. 

Item weiter, wan das vioh anwegs ausgett an die waid, so ist man 
nit schuldig, dem stier hey zu geben, und wo der bemelte stier ybersprung 5 
und zu schaden gieng, so soll man in nit liederlichen pfenten , sondern 
man soll in also guetlichen ausdreiben und den hirten hilf lieh sein darzue. 
Auch soll ain nachperschaft sambt ainem dorfmaister den hirten gar 
eraestlichen in solliches einpünden, das si fleissig auf den stier und andern 
TJch schauen , das es kainem zu schaden gee , und wann ain vich zu 10 
schaden gieng, so soll der, dem's zu schaden gangen ist, solliches dem 
dorfmaister klagen, und der dorfmaister soll alsdann ein nachpern oder 
zween zu im nemen und den schaden beschauen, auch die zeun, dadurch 
das vich driber trungen oder ybersprungen war, und so der schad beschaugt 
ist, und was alsdann dieselbigen nachtpern sambt dem dorfmaister machen, 15 
was der, des [das] vich [istj, so am schaden gefunden worden ist, dem der 
schad geschechen ist, dafir bezallen soll, solt er's also darbei verpleiben 
lassen. Es soll auch kainer solliches vich, so zu schaden get, kainen zorn 
daran begeen und das nüt gröblichen mißhandlet!, und die mult gehört 
ainem dorfmaister zue, von ainem ieden rint^) drei kreizer. 20 

Item weiter, wan ein roß zu schaden gieng bei dem tag , so ist es 
verfallen umb 6 xr, und bei der nacht umb ain & perner, und der schad soll 
anch dermassen beschaut werden, wie von des andern vich wegen. Des- 
gleichen, wan ain gaiß zu schaden gieng bei tag oder nacht, solt's der- 
massen pfendt werden, wie ein roß. 25 

Item, es soll auch kain nachtpaur kain schweün nit außlassen auf 
die waid, er solt's vorhin ringen, damit es nüt [wüelen] thue und vor 
Allerheiligen-tag soll's man nit außlassen , und an Eässuntag soll man's 
wider einpieten, doch ein dorfmaister mag soUiches albeg thuen mit rat 
ainer nachtperschaft, ob's frieer oder später fueg hab firzukeren. 30 

Item weiter soll man kaine geschnitne oxen oder stier auf die waid 
keren, damit nit schad dardurch bescheche; wer das ybertrit, der wirt 
gar hart darumben gestrafft werden. 

Item weiter, wo ainer absaumig wer in denen fronen werken ') und 
in ain dorfmaister pfendt, so soll der Gasser und Wünkler mitgien und 35 
die pfant helfen tragen , wo der dorfmaister hingeth , darumb si das 
seldnerwasser nießen. 

Item, es [soll] auch kain nachtpaur kain holz in der gemaine mult- 
helzer schlagen an eines dorfmaisters wissen und willen ; wo das ainer oder 
mer yberträt, so soll sollicher gepfendt werden, als oft [er] ain stock 40 
sohlecht, als oft umb fünf €i perner, die darauf gelegt ist worden und von 
alter herkomen. 

Item weiter soll auch kainer kain holz schlagen oder läppen an 
aines dorfmaisters wissen und willen und ainer nachperschaft, oder er wirt 
gestraft umb fünf pfunt perner. 45 



*) yendt ht. 

•) fronen durchstrichen und darüber geschrieben : gemain hs. 



64 Kuerut. 

Item, 80 ist von alter herkomeD, wo das dorfmaisterambt aim in 

sein hof geei, und derselbe nit tauglich oder geschickt wer zu ainem dorf- 

maister , so soll derselbe ain nachtperschaft biten , das si ime ainer 

helfen biten, der ainer nachtperschaft gefellig sei, und derselbig soll e; 

5 dan sein. 

Item weiter 80 ist auch gemacht, wenn ain dorfmaister ain hcrr- 

Rchaftfiteuer eintreiben soll , so soll es steen bei ainer nachtperschaft , wen 

man im zu Ion soll geben; wan er aber kain herrschaftsteuer eintreibt, sc 

ist Ton alter herkomen, das man im schuldig ist, ainen gülden zu geber 

10 von der gemain. 

Item weiter so ist auch gm acht, wan das dorfmaisterambt zu den 
Braiter an Braiterhof anfacht, so soll es nach der gassc herauf gien, an- 
fänkliohen an den Stöckerhof, an den Gehilberhof und von dem Gehilber 
hof an den Geschweigglhof , von dem Geschweigglhof an den Gaßhof , unc 
15 von dem Gaßhof hinumb an den Hüterhof, wider herab an den Mairho: 
und von dem Mairhof an den Tschau ppen hof. 

Item weiter so ist auch ain Ordnung gemacht von wegen des wasser- 
wals, wie und [wan] man den fueren und halten soll. 

Item anfanklichen soll man den wall anfachen machen und ver- 

20 sorgen ungeferlich in drei wochen oder fierzehen tagen vor sanct Jörgei 
tag, und soll ain dorfmaister gien mitsambt dem waller und mit ötlichei 
nachtpern und den wall vorhin beschauen, wo er etbas mangl hab , um 
wan man an wall will gien, so soll ain ieklicher nachtper ain guetei 
knecht schicken , der ain gueter graber sei , oder aber er soll selber gien 

25 und wan der wall gemacht ist und die rod her get, so soll si ainfert durcl 
den perg ab und ab gien , und auf die nacht ist si dann des dorfmaisters 
und darnach so get si das aine jar an zu dem Mutlecher und get hinabwers 
gen dem Praiterhof und darnach von dem Praiterhof wider hinaufwers 
biß zu oberist, und so soll der dorfmaister die nachtperschaft zu einandei 

30 pieten und den alten waller haissen hindan treten und sich mit der nacht- 
perschaft unterreden, ob in der alte waller wider gefellig sei oder nit; isl 
er in gefellig, das sei, [wer] dasselbig nit, so mögen si ainen andern be* 
stöllen, und wellichen die gemain annimbt, derselbige waller solt dem 
dorfmaister anstat der gemain anloben, den wall treulichen und fleissiglich 

35 [zu] versorgen, den armen und reichen, von infank des wals biß hinab in 
Finelpach, da er seinen außgang hat. 

Item, wann der wall gemacht ist und das wallrecht nüt gleich 
gesezt möcht werden , das ain nötigerer handl firfiel, es war herrschaft 
halben oder andern eehaft not, so soll der dorfmaister dem waller piten, 
40 das er derweil derzu schaue, darmit kain schad bescheche, biß das wall- 
recht beschlossen wirt. 

Item weiter demach, wenn der waller gesezt ist, so soll er dann 
schauen zu denabkeren, ob die versorgt seien oder nit, und wau die ab- 
keren nit vei-sorgt wären , so soll er zu dem dorfmaister gien , das er im 
45 ain knecht oder zween zustölle , damit die abkeren gemacht werden, und 
der waller soll ain ruggkorb und ain muelter mittragen, damit er ötbas 
mit im tragen möge, was not sein wirt. 



Kuens, 65 

Item mer ist gemacht, wo' etwas am wall hinprach ^) und der waller 
solliches allain machen möcht von morgens frie biß auf neine, soll ers zu 
machen schuldig sein; so aber der pruch so groß war und es der waller 
in obbestimbter zeit nit traut zu machen, so soll er von stunt an zu ainem 
dorfmaister gien und im solliches anzaigen , wie viel er knecht mueß 5 
haben, damit die arbeit gemacht werde. 

Item weiter, so soll der waller schauen zu den gantnern und kanellen, 
ob die etbas mangl haben , und da ^) mangel daran war , so soll er eilents 
heraus gien und die negsten nachtpern piten , so viel er ir dann darzue 
betarf, und dieselben sollen im dann gehorsam sein, damit sich nit weiter lo 
sehad einreist, und soll dann das wasser herkeren, dem armen als dem 
Teichen, und niemant mit gab noch gunst. Es soll niemant hinein gien, 
das Wasser selbst herauß zu kerren , sonder er sols dem waller sagen und 
biten, das ers ime herauß kere. Und der waller hat von dem sumer zwai 
tagmat wisen von der gemain zu genießen, die soll er auch versorgen, 15 
damit nit etbaß schaden derein bescheche, und im winter gibt man im auch 
znhilf von aim ieden hof fünf kreizer, dann nur der Praiterhof gibt nur 
allain drei kreizer, damit der waller weder winter noch somer dervon stee, 
^nder das ganze jar solliches versorge. 

Item weiter so ist von alter herkomen, das ain waller soll das wasser '20 
alle samstag umb feirzeit abkeren und am sonntag umb feirzeit wider an- 
kerren ; desgleichen soll er auch das wasser karfrei tag zu morgens frue 
sambten tag abkerren und zu dem mitentag wider herauß kerren, des- 
gleichen soll ers auch am aufertag, an des heiligen pluets tag und an dem 
hochen unser Frauen tag der himelfert, und an disen gemelten tagen soll 25 
ers albeg umb feierzeit zwischen zwaien und dreien wider herauß kerren. 

Item weiter, ob ain pruch beschäch an dem wall und der darnach 
wider gemacht wirt , und das wasser wider herauß get, so soll es dan ^) 
albeg der dorfmaister wider annemen, wo es der, an dem die [rod] ist ge- 
wesen, nit haben wolt. 30 

Item weiter so ist auch gemacht worden, der, an wem die rod ist, 
er sei, wer er wöll, der soll albeg ain guet wall wasser durch ab lassen 
gien bei tag und nacht, und wellicher solliches nit thät, der soll darumben 
gestraft werden umb fünf pfunt perner. Desgleichen soll kain uachtpaur 
«eine weiber oder diernen in den tragwall vor sunnenauf[gang] nit lassen 35 
waschen. Es soll auch niemants kain unsaubei-s geschlenz ^) oder prunz- 
kachl derein schitten bei der obbemelten pen fünf pfunt perner. 

Item weiter soll kainer kain mal wasser auß dem tragwall zu seinem 
haus fieren an wissen aines dorfmaisters und ainer nachtperschaft ; wellicher 
das ibertritt, der soll darumben gestraft werden umb fünf /? perner. 40 

Item so ist gemacht, das ain ieklicher vor seinem fürhaubt den 
wasserwall soll pauen , damit der wall sein freien runst mög haben , und 
wo der wall durch die wisen gieng, die sollen auch rechtschaffen gemacht 
Werden, damit das wasser allenthalben seinen berueten fürgank haben mög. 



3) binpracht hs. *) da] der hn. ^) dan] der hs, 
*) geschlemez ha. 

Oesterr. Weistli&mer V. 



66 Kuerui, 

Item, wo röessen seien, da soll i&an das wasser ainfert einkeren, 

daß die röessen voll werden; darnach soll mans wasser wider abkerren, 

daß das wasser auß . den ' röessen nii weiter und wider in wall kume; 

wellicher solliches ibertritt, der soll auch umb fünf pfunt perner gestraft 

5 werden. 

Item weiter so soll ain ieder, der die wasserrod hat, und die zeit 
seiner wasserrod auß ist, soll ers wider auf den wall sauber wider daraui 
kerren und fleissig zuemachen zu rechter zeit und weil, damit es dem, 
ders Yon ime nimbt, auch zu nutz und wollfart erspriessen möge; un^ 

10 wann es ainer die nacht hat, so soll ers dem andern mitsambt dem tag 
zu morgens fürkeren, und wann es ainer den tag hat, so soll ers zwischen 
zwaien und dreien fleissiglich, wie ob stet, fürkeren, und wann er dat 
nit thät, so soll maA im in die wisen gien und wasen aushauen im gras, 
hey oder gramadt, und genueg fiirlegen und die platen in die wisei 

15 werfen. 

Item weiter soll ain ieder dorfmaister dreimall im jar im perg dei 
wal machen zu gien schuldig sein sambt etlichen nachtpaum und den wal 
beschauen , ob er gehalten werd , nach dem ein nott ist , und als oft aii 
pruch beschicht, so soll der dorfmaister selbst hinein gien und die arbeitei 

20 anordnen, damit etbas gearbait werde , und der waller solt solliches mi 
ileiß anzaigen, wo es am notigsten zu machen sein wirt. 

Item weiter ist gemacht, wo das wasser in winter in acht ode] 
fierzechen tagen vor großer kälte und gefrüst nit herauß möcht komei 
oder gien, so soll man den waller dennocht nicht darinnen reden, aber w< 

25 es lenger außblibe, so soll es sten bei ainer ganzen nachtperschaft , wie 
und si dan in rat fünden. 

Item weiter vermörkt ain erbare Ordnung, so ain erbare nacht- 
perschaft auf Eains ainhelligklichen mit einander betracht und gemacht 
haben, von wegen des Hechts, so vor dem hochwirdigen sacrement daselbst 

:S0 in sanct Morizen gottshaus leichten soll, so ist von alter gewössen, das 
ain ieklicher nachtper in der pfarr Eains von ainem ieden kalb, das ime 
zu nuz kumen ist, hat dem gots[haus] sollen geben ain trinchen schmalz. 
Nun aber hat sich ain erbare nachtperschaft ains andern beschlossen und 
betracht und firgenomen, wie si sich hinfüro des schmalz halben halten 

.')5 wollen, und auf ain ieden hof und guet ainen jär liehen pfenigzins auf 
die gieter gelögt, und ain ieder dann järlich, was ainem auf sein guet zu 
dem liecht sanct Morizen kirchen gelögt worden ist, an alle widerred 
raicheu und geben solle, und das in ebigkait stat und Test zu halten, und 
Tolgt iezt, was auf ain iede feuerstat gelögt worden ist. 

40 Anfenklichen solt geben der Praiterhof viiij xr. ij fierer, dernach 

der Tschauppenhof 10 xr., dernach der Stöckerhof solt geben TÜj xr. iij 
fierer, dernach der mairhof solt geben 1 phunt perner, dernach der Hilber- 
hof solt geben XTJ xr., dernach der Schweigglhof solt geben x xr., dernach 
der Gasserhof solt geben 1 phunt perner, dernach der Hüterhof solt geben 

45 xvij xr., dernach der Pillinghof solt geben viij xr., dernach der Wünkl- 
hof solt geben iiij xr., dernach der Ungerichthof solt geben TÜj xr., dar- 
nach der Luitpranthof solt geben 1 // perner, dernach der Greiterhof solt 
geben 1 // perner, dernach der Mitlecherhof solt geben x xr., dernach der 



Kuerut. Riffian. 67 

Leroherhof auf Gefeiß yiij xr. FatemuB des pfenigzins thuet zusameu 
nH 9 xr. 

Item es ist auch gemacht und hetraoht worden , ob 8aoh war, das 
ainem gnefte» ]Mobt|Mkiiren durch gottes gewalt ein wasserrunnt hohes ge- 
biters halben besoHäoh oder ainen gar hinrunne, so soll es steen zu ainer 5 
enamen nachtperBohafi, wie es mit den selbigen, so den schaden genomen 
haben, hinfiro mit inen gehalten werden soll. 

Und solliches alles ist yorangezaigter nachtperschaft und herren 
p&rrers ernstlicher will und mainnngy wes das dorf puech vermag, stät 
[imd] Test in ebigkait zn halten. 10 



9. Riffian*) 

Papierhandsehri/l 16. Jahrh. Fol., SO Bl. im Beritze dea Bauern J. ZipperU in Thal ztt Ri/Iian. 

Hernach volgt der gmain zu Küffian dorfbuech, so im 1589 aufgericht 

worden. 

Nachdem und dieweil die gmain zu Rüffian etlich vil jar her kain 
dorfbnch nit gehabt, daraus man bericht und nachperliche Ordnung, 
inmassen wie in andern dergleichen gmainen, het nemen mügen, aus 15 
lolichem mangl ist in berüerter gmain vil Unordnung in ainem und an- 
derm, mit verhackung des holzschlagens, auch sonsten in andern gmainen 
dörflichen rechten und nachperliche obligen eingerissen und noch von tag 
zn tag einreissen wellen, welches in die leng der ganzen gmain zu grossen 
nnd mererm abprnch, schaden und nachteil geraicht und kumen war , zu 20 
abstellnng solcher Unordnung ain ersame gmain samentlichen , als man 
dorfrecht gehalten auf der gassen altem prauch nach, an sant Jörgen tag 
dies regierenden fünfzehenhundert ney nundach tzigisten jars, sich mitain- 
ander ainhöllig veraint und beratschlagt, von gmain nuz und gueter Ord- 
nung wegen widerumben ain dorfpuech aufzurichten für guet angesehen, 25 



*) Der Name Rifjian ut wohl romanisch und stammt von Rußanumy d. A. 
Tpnraediwm Mufianum, ein Landgut des Rvfus. Im Mittelalter kommt derselbe zuerst 
twi da» Jahr 1116 und im Jahre 1149 in der Form Ruffian (Rufian) vor (Resch^ 
Aetas millen, 126, Mon. Boic, 7, 50); beiläufig im erstgenannten Jahre schenkte 
der Edelmann Udalrieh von Elsendorf dem Kloster Benedictbeuern Weingüter zu 
Mais und Riffian^ im letztern ein gewisser Johann Buzinna von Rufian einen 
Weinberg zu Flatiües. Dieselbe Namensform erscheint noch im Anfange des 14. Jahr- 
hnderta. Im Jahre 1181 schenkte Graf Heinrich von Tirol dem Kloster Wesso- 
^ftfi daselbst einen Weinbei-g (Mon. Boic, 7, >^65J. Riffian gehörte von jeher 
^wi engem VerwaUungs- und Gerichtsbezirk des Burggrafen von Tirol und des 
J^taidrickUrs von Meran^ nie zum Gerichte in Passeir, hatte aber schon im An- 
fange des 14. Jahrhunderts seinen eigenen Probst (Schönachs Urkundensammlung), 
in larehlieher Beziehung gehörte Riffian zur Pfarre Tirol, bis der Pfarrer Volkmar 
»«I Auersberg im Jahre 1380 der Kirche von Riffian eine Art Curatie-Recht ver- 
lieh (Der deutsche Antheil 207). B^ide Klöster verloren ihren Besitz wohl erst 
^ Zeit der Säculaiisiemng , da Benedictbeuern damals noch 10.320 Gulden, 
^usolfTunn 14.496 Gulden seines Vermögens im Gerichtsbezirke Meran hafte 
(Ferd. Bibl. XIAV, i. 11). 



68 Riffian, 

und deswegen dem Melchior Zorn auf dem unter Sennguet , derzeit dor 
maister, alsdann vier nachpem aus der gmain zu ainem ausschuss zuegebe 
und verordent worden, als die ersamen und erbem Conrat Hämele, Mori 
Tschau p, Cristan Prändl, genant Taler, und Sebolt Prandthueber, all Yi< 
5 zu bemelten Kiffian lantgerichts Meran sesshaft, die sollen in namen ain< 
ganzen ersamen gmain macht und gwalt haben, alle artiggl des dorfpuecl 
fürzunemen, zu handien und in ain Ordnung unter die feder zu bringe; 
Dessen sich bemalt« dorf maister und aussohuss gegen der gmain bewillig 
hernachyolgents dorfpuech für banden zu nemen, und alberait allen roü; 
10 liehen fleis für und anwenden wellen, damit der gmain nuz befürdert ur 
in das werk gebracht werde. Wie und wasmassen solches dorfbuech b 
schriben ist, wiert man unterschidlichen hernach zu vernemen haben. 

Wie man ainen dorfmaister setzen und bestatten soll. 

1. Item, es ist von alter herkumen und im prauch gewest, ui 
15 noch darbei bleiben soll, das ain ersame gmain und nachperschaft auf d< 

gassen am rechten fasnacht, das ist am erchtag, zusamen komen solle 
alda ain dorfmaister verordent und bestät wierdet. Derselbig soll macl 
und gwalt haben, berüerter gmain obligen, was im jar fürfallen mech 
und sonderlichen, was in disem dorfbuech unterschidlichen einkomen ui 

20 vermelt wierdet, mit allem fleiss nachsetzen, kain für den andern, sond 
gleiche Ordnung haben und halten, der gmain nuz und fromen zu fürder: 
schaden warnen und wenden, was ime müglichen und er pillicher we 
befuegt ist. Herentgegen soll ain ersame gmain sament und sonderliche 
ieden dorfmaister, was ime von ambtswegen beschwärliohen zu vei 

25 richten fürfiel , gueten beistant , auch hilf liehen zu sein , im fal der nc 
guete gehorsam thuen und laisten, damit alle guete dörfliche recht un 
nachperliche Ordnung iederzeit erhalten werde. 

Wie man die dorfrecht besitzen und halten soll. 

2. Es ist von alter herkumen, das man im jar drei angesezte dor 
30 recht halt, das erster am rechten fasnacht, das ist am erchtag, alda se: 

man ainen andern dorfmaister, was dann not ist zu handien, das and( 
an sant Jörgen des heiligen ritters tag, von wogen der albmen, zeyn un 
anders gehandelt wierdet, das drit an sant Lorenzen des heiligen marterei 
tag, als man die saltuer sezt und ordent, wie von alter preichig. 

85 Zu erstgemelten drei dorfrechten soll ain ganze gmain samentlichei 

ohne alle zuwissenthüeung, ungepotner umb zwölf uhr im tag auf di 
gassen erscheinen , welcher ausser gotsgwalt und begrünter herrn g( 
schüft nit erscheint, zu der straf geben zwölf kreuzer, die soll ain iede 
dorfmaister von dem ungehorsamen einlangen und der gmain verraitei 

40 Irrt ainem gotsgwalt und herrngschäft, ist er kain straf schuldig. 

Es ist von alter preichig, was am rechten fasnachttag, als das erst« 
dorfrecht, nit verriebt kan werden, das ain dorfmaister am küssunta 
negst darnach diejenig<'n nachpern , so er antreffen möcht , auf die gas«^e 



Äy^a». 69 

wissen lasse, von wegen reverender schwein und anders zu verrichten, 
im fal es die glegenhait gibt , von stundan nach dem gotsdienst verricht 
werden. 

Wie sich ain absteender gegen dem angeenden dorfmaister verhalten sol. 

3. Wan die gmain am vorgemelten fasnachttag auf die gassen zu- 5 
tarnen kamen sein, so soll der negst gewest dorfmaister sein arabt vor 
der gmain samentlichen aufgeben und Urlaub nemen, den dorfstab sambt 
und neben den schlissl zu der gmain truhen ainem angeenden dorfmaister 

ZQ seinen banden zuestellen und überantwurten , was absteender dorf- 
maister in seinem vergangen jar und dorfmaisterambt zu verrichten 10 
schuldig gewest, es sei mit eintreibung der zwen raissteuer termin und 
anders, soll er noch dem negst angeenden dorfmaister ohne nachtl und 
schaden zu verrichten schuldig sein. 

Dorfmaister raitungen halber. 

4. Insonderhait ist durch den ausschuss hinfiiran zu halten be- 15 
schlössen worden, das ain ieder dorfmaiater von dem andern in beisein drei 
oder fünf von der gmain und nachperschaft, doch mit wenigstem uacosten, 
raitung an und aufnemen soll, und was ain verraiter dorfmaister dem viertl 
und gmain schuldig verbleibt, soll der ander, so raitung aufnimbt, in sein 
empfang nemen , damit nicht hinterstellig bleib , dessen der gmain zu 20 
nachtl, inmassen wie zuvor beschehen ist, kumen mecht. Welcher dorf- 
maister ehe, und zuvor sein jar ans ist, die raitung von dem negsten , der 
Tor ime gewest ist, nit begert oder verhinlässt, [soll] zur straff geben ain 
gülden, im fal sich ainer der raitung verwidern und gevärlicher weis ver- 
ziehen wolte, soll er von wegen seiner ungehorsam den gülden straf an des 25 
andern statt zu bezalen schuldig sein. Der raitung than hat und im viertl 
nnd gmain schuldig verbleibt, mag er denselben ohne als mitl darumben 
ersnechen und treiben befuegt sein , allain es wöU ainer dem andern , der 
gmain one nacht], aus gueten willen stillstant erweisen , gleich als, wan 
man ainem dorfmaister hinaus schuldig blib, inmassen, wie gemelt, er- 30 
barlich bezalt werden. 

Gerichtsdiener halben. 

5. Item es ist von alter herkoraen , sovor ain gmain den gerichts- 
diener in dienst nit mer haben, sonder mit ursach ime zu waigern betten, 
oder aber er im dienst nit mer verbleiben wolte , soll er der gmain am 35 
rechten fasnachttag auf der gassen , desgleichen die gmain ime hinwider- 
umben aufsagen, alsdann an sant Jörgen tag negst darnach sein abtrit 
thuen, damit sich ain gmain in der weil urab ain andern zu verseohen 
haben , sonst ime kaine urlaub nit geben , vil weniger von ime gerichts- 
diener kain aufsagung, es werden dann die Ursachen der gmain und ge- 40 
nchtsdiener albegen ainem kellnambtsverwalter zu Tirol und ainem lant- 
richter an Meran zuvor anzaigt, kainem thail nit gestatt werden. 



70 Ri/M»' 



Weinmösser. 



6. Von alter ist herkomen und hinfüran auch dabei bleiben soll. 
das ain ieder gerichtsdiener zu Kiffian das weinmeBserambt neben dem 
andern dienst fleissig auswarten und verrichten soll mit gerechter und 

5 geschworner mass meniglichen in der gmain oder auswendig, wer seil 
begert, inmassen wie er geschworn hat, dem reichen als dem armen, den 
armen als dem reichen wilfärig erscheinen als oft, als es die not erfordert 
Mit seiner besoldung soll es mit dem weinmesser gehalten werden , wi( 
von alter herkomen ist. £s soll auch kain gemainsman ime weinmössei 

10 in solchem nit eingreiffen, all ain es erfordert die not, das er nit anhaimbs 
sondern in andern gerichts- und herrngeschäften sein müest, soll kainen 
verspört sein. 

Gemaine hlirten. 

7. Dieweil die gmain, als inder und ausser dorfer, zwen bestelt« 
1«^ hurten järiichen haben müessen zu allerlai irem vich, die sollen nacl 

gelegenhait iedes längs und jars nach Verordnung aines dorfmaisters zi 
hieten schuldig sein, unzt man geen albm fart , und ainem ieden hürtei 
insonders alle tag mit geben zwai zimliche hausbrot, und inen beden mit 
einander umb drei fierer käs oder die drei fierer darfür; welcher nur dre 

20 tag sein vich für kert, der ist dem hirten vom melchvich speis und loi 
schuldig, aber von den schwein- und andern galtvich durchaus von ainen 
haubt ain kreizer belonung und kain speis. Die hirten sollen ir besoldun] 
sei bs einlangen ; weil ir huet wert, sollen si dem dorfmaister gehorsan 
sein, im fal der not die gmain von haus zu haus auf die gassen wissen z\ 

*25 lassen, sollen si hirten dassclb zu verrichten schuldig sein. Si sollen aucl 
iedem dorfmaister sein vich , nicht ausgenomcn , one speis und Ion z\ 
hieten schuldig sein. Entgegen sollen si ir ligerstat bei iedem dorfmaiste: 
die zeit ires hieiens ohne besoldung haben , auch mit dem vich guettei 
fleiss haben, nicht mit stain werfen, vil weniger mit groben schlögei 

30 die waiden besuechon, wie von alter herkomen ist. 

Ausschuss zu verordnen. 

8. Item ain ausschuss hat für guet angesehen, und in andern gmainei 
auch preiehig, umb deren ursach willen, dass ain ganze gmain samentlichei 
im jar desto weniger behelliget wierdet, das man hinfüran am fasnacht 

;{;-, tag, wan ain dorfmaister absteet und wideruraben ain anderer gesezt [wirt] 
dem angeenden dorfmaister iedesmal drei von der gmain verordent un< 
zu ausschuss zuegeben sollen werden; die sollen macht und gwalt haben 
mit rath aines dorfmaisters, was im jar anstat der gmain fürfallen möcht 
was müglichen ist, und sich der gebür nach thuen last, in namen de: 

(0 gmain [zu] verrichten und abhandeln, inmassen solches ain gmain seih 
thät; wasmassen aber solcher ausschuss gleichlichen herumb geen soll, is 
erfunden, dass es auf den güetern nach Ordnung iedes jars insonders ver 
ändert und gelegt soll werden, damit gleicher last gehalten wiert. 



m/fian, 71 



Feesening der weg und stög. 

9. Auf aines dorfmaisters zuwissenthnen , wan es die not erfordert, 
es sei an weg und stegen, [soll] ain ieder gmainsman er selbs erscheinen 
oder ainen nuzpem knecht schicken , damit solche groaine arbait desto 
frnehtparlicher verricht kint werden, und gleiche Ordnung zu halten, wan 5 
aber ainen oder mar gotsgwalt und herrngesohäft nit verhindert und nit 
eneheini oder niemant schickt, zu der straf geben zwölf kreizer , gleichs- 
&1b in allen gmainen arbaiten, inmassen wie vermelt ist, verstanden 
▼erden. 

Pfentung des vichs. 10 

10. Wovor den hiirten durch farlässigkait und unlleiss ain haubt 
oder mer, sei was es wöl, in die gueter zu schaden giengen, an röben und 
suDsten schaden beschäch, sollen die hiirten von ainer gaiß neyn kreuzer, 
Ton ainem schwein sex kreuzer, khiie, oxen, kelber , schaf und anderm 
Ton iedem haubt drei kreuzer, von ainem ross bei dem tag sex kreuzer, 15 
aod bei der nacht zwölf kreuzer zu lesen schuldig sein , und den schaden 
Torbehalten , nach erkantnus des dorfmaisters und nachpern besieht und 
besohant werden, aber sünsten ausser den güetern auf den wisen gmaine 
pfimtnng von iedem haubt drei kreuzer. Es soll auch kainer den schaden 
am vich nit rechnen mit schlagen oder werfen. 20 

Ingehäusen. 

11. Nachdem für guet und nuzper angesehen worden, dass ain 
gmain mit frembden, übrigen, vergebnen volk nit zu vil überlofen werde, 
roll kainer kain ingehäusen, ledig oder beheyrat, ohne vorwissen aines 
dorfmaisters, auch neben ainer urkunt, wasmassen dieselben an andern -ö 
orten abgeschiden, nit an- oder einnemen zu herberg. Es soll auch kainer 
»einen ingehäusen thail und gmain in holz oder sunsten nit lassen , vil 
weniger erlauben, allain sein hofherr erlaub ainem in seinem aignen für- 
holz. Welcher das frävenlich übertrat , soll der hofherr zur straf geben 
ain gülden. Es soll kain ingehäus auf der gmain, auf den sänten oder für- «^0 
hölzern weder alber, felber oder anders, so ain schad sein möcht, nit ab- 
hacken, gleichsfals bei der straf ain gülden. [Es sol] kain ingehäus, allain 

es hab ainer ain bstant, verzinst oder versteurt denselben, in wassergüssen, 
zu vor und ehr die gmain austhailt haben, holz zu klauben sich gänzlichen 
enthalten, bei der straf zwölf kreuzer, nach austailung der gmain ist inen ^^ 
erlaubt, hinzutragen. 

Feursnot. 

12. Dieweil durch unfleiss und hinlässiger weis oftmals durch feurs- 
not grosser schaden entspringt, zu merer fürkuraung solcher gfar ist dess- 
wegen geordent und für guet erfunden worden, dass ain ieder angesessner 40 
und ingehäusen gueten fleiss mit dem feur und liecht zu halten. Es soll 
ain ieder dorfmaister ain oder zween nachpern zu irae nemcn und zwaimal 

im jar von haus zu haus herumb geen, kemich, pachofen und kuchen be- 
aichtigen, als nämlichen zu Jacobi und Liechtmessen, im fal grosse 



72 Ttiffiain, 

unsauberuDg mit ruess und anderm oofleiss befunden wurde, ain pfant auss- 
zutragen macht haben, und umb zwölf kreuzer versezt werden, damit sicli 
meniglichen desto fleissiger vor feursgefarligkait zu verbieten wisse. 

Gerichtsdiener berueffung. 

5 13. Ain iedcr dorfmaister soll dem gerichtsdiener järlichen anbe- 

velchen, das er innamen der gmain am negsten suntag oder feierta^ 
vor sanct Fetters stuelfeir am längs nach dem gotsdienst vor der kürchei 
vermüg des dorfbuechs berüeffen soll, dass ain ieder seine lucken vor vnc 
neben iedes zuegehörigen giietern fleissig zuemachen thüe, damit siel 
10 ieder vor den schaden des vichs zu bewaren hab und wisse. Er soll aucl 
berüeffcn , dass ain ieder reverender seine schwein einhält , damit die sa 
nit beschädigt und ainer dem andern nit schaden gfarlicher weis zuefiege 
bei der straf zwölf kreizer , allain es well ainer seine schwein auf sein« 
güeter aincm andern on schaden geen lassen, sol niemant gespört werden 

^^ Von anlaitungen. 

14. £s ist durch den ausschuss erfunden worden, welcher gmains 
man an seinen güetern, es sei an ackern, wisen, Weingarten, gärten un< 
in ander weg, wie das sein mecht, mit marchen und coherenzen beschwär 
oder übertrengt wurde, der soll sich auf der gassen vor der gmain an 
20 kässuntag oder sunst an ainem dorfrecht im jar, ob es die not erfordert 
vernemen lassen, soll ainem ieden durch den dorfmaister und etliche nach 
porn beistant und güetige anlaitung, auch mit abmessung der schnue 
nach gestalt des handls erfolgt werden. 

Von zwai oder mer feurstötn. 

25 15. Item ain ieder angesessner man in der gmain, der zwai ode 

mer feurstöt, auch güeter inhaben und selbs pauen, der ist von ieden 
nach gcstaltsam der sachen und von alter hcrkumen in allen gmainei 
obligen zu entgelten schuldig, gleichsfals der gebürnachzugeniiessen haben 

Kaissteur zu treiben. 

HO 1 6, Von alter her ist preichig gowest nnd noch bei solcher Ordnung zi 

bleiben, weil in der p^main Riffian vier tögneien begriffen sein, järlichei 
zwcn stourtermin, als Jörg! und Andreei, verfallen, soll ieder dorfmaiste: 
bomelte bede termin selbs treiben, als Zeunberg, Vieri und Pfelders, vol 
gents inner und ausser dorfer, auch Vernuer drei tögneien, wie es nacl 

^«'> den güetern herumb jj:eet, zu treiben schuldig sein, dem dorfmaister zue 
stellen, der soll es alsdann ieden termin dem herrn steureinnemer an Merai 
überantwurten und innamen der gmain von iedem termin ain quittun; 
begcrn, die soll jedesmal fleissig in die gmain truhen gelegt werden. 

Feirabent halber. 

40 17. Es ist durch ain ersamen ausschuss dazumal für guet geach 

und angesehen worden, von güeter christlicher Ordnung willen, auch aine 



Rifßan, 73 

dem andern guet exempl yorzutragen und sich ain ieder vor dem lasier 
der böten ergemuss zu verhieten haben , damit der allmechtig gietig gott 
dardaroh desto mer gelobt, geehrt und gepreist werden möcht, und uns 
Torgefarliohkaiten, als missratung der fricht, wassergüss und andere strafen 
ganz YÜtterlichen , auch gnedig verhüeten und bewaren welle, das man 5 
hinfüran ain ganze gmain samentlichen , durchauss reich und arm , an 
ainem ieden sambstag durch das ganze jar umb zwai oder doch umb dreu 
nhr bei der straf zwölf kreuzer feirabent zu lassen , desgleichen unser 
Frauen yest und zwölfpotentäg fleissig feirn und gleichlich Ordnung mit 
einander halten. 10 

Verhaltung der saltner. 

18. Dieweil in der gmain Biffian von alter her preichig gewest und 
noch ist, dass man am dorfrecht saut Lorenzen tag vor der gmain zwen 
saltner verordent und sezt , sollen si alspalt si dazumal dem dorfmaister 
am dorfstab, nachmals ainem kellnambtsverwalter zu Tirol oder deren 15 
gegenschreiber das glübd than und angelobt haben, allen müglichen fleiss 
für- und anwenden , der nachperschaft sament und iedem insonders nuz 

za fördern und schaden wenden, die pannweg und gätter versorgen, damit 
die verschlossen und verzeint werden. Es soll kainer von seiner huet nit 
abtreten, allain auss eehafter not halber; so ver das sein miest, soll er die 20 
huet seinem gsellen bevelchen , damit gfdrlicher weis nicht verhinläst 
werde. So ver ain saltner bei nacht oder tag ohne begrünte ursach von 
der huet gieng oder sunst aus der huet was enttragen wurde, und im grünt 
befände, soll in allen rechten steen, sunst sollen sich *) die saltner in aller 
massen und gestalt verhalten , wie das saltnerpuech im fürstlichen kelln- 25 
ambt an Heran vermag und aussweist. 

Saltner vichpfentung. 

19. Item alspald der saltner dienst und huet angeet, soll man in 
pannwegen die oxen an ainer tschungl oder pant hüeten , was aber ain 
saltner inderhalben aines zauns befindt bei dem tag, von iedem haubt, als 30 
reverender schwein, gaiss und ross, sex kreuzer, von küeen, oxen und 
Bchaf drei kreuzer, bei der nacht von iedem haubt, als gaiss, schwein und 
roes zwölf kreuzer, von küeen, oxen und sohaf sex kreuzer pfendt werden, 

wenn] von frembdem durchtreibenden vich schaden beschäch, von iedem 
laubt drei kreuzer, doch der schaden, dem er beschechen ist, nach gestalt 35 
erstatt werden. 

Verhaltung der gmain gegen den saltnern. 

20. Es soll kainer seine ehehalten oder ingehäusen in die güeter, 
wan die gaben gottes , als wein , ops und anders herzue reiffen thuet, 
frävenlicher weis zu geen nit gestatten , allain si geen auss bevelch ires 40 
paum und hof herrn der arbait nach. Im fal si schon der arbait nach geen 
müessen, sollen si sich verhalten, was sich gebürt, nit unbescheidenlich. 

1) si h». 



74 Riffian. 

Wo ver si sich grob verhielten, sollen si die saltner pfenten inmassen, wie 
andere dergleichen frembd personen. Welcher in der gmain schädliche 
hunt het, [der soll si] auf der saltner begem und wamang anlegen, des- 
gleichen bei den heisem das gefigl einspörn , damit nit schaden beschech 
5 und verbiet werde. Ainem als wol als dem andern, der in solchem wider- 
spenig erscheint und über der saltner erster , ander oder drite wamun^ 
nit gehorsam laisten wolte , soll am saltner macht haben , dieselben er- 
schiessen und erschlagen, doch seinen ehren unschädlich. 

Albmfarten. 

10 21. Item es ist von alter herkomen und derbei zu bleiben für guet an- 

gesehen worden , welche in der gmain ganze , halbe , oder viertlhöf selb 
oder bstantweiss inhaben, und in beden albmen, Laimgrueb und Vals 
vich aufzukern haben , mag ain ieder sein aigen vich unverhindert auf 
kern, aber kainer soll ohne vorwissen und bewilligung «aines dorfmaistert 

15 oder albmpürgen sich untersieen , frembd vich einzunemen , bei der straf 
der solches uberfier, ain gülden. Welcher in der gmain frembd vich ein 
nemen wolte und demselben ain dorfmaister oder albmpürg vergunt un( 
nach gstalt der sachen zuelast, soll er der straf entlassen sein, und in disei 
baiden albmen, gleichlichen in der gmain nach anzal iedes vichs zu ge 

20 nüessen, gleichfals zu entgelten haben. 

Aufkerung auf die gmain waidn. 

22. Durch ain aussohuss ist gehandlt und beschlossen worden , dasi 
hinfüran kainer in der gmain, sei welcher es well, damit gleiche Ordnung 
erhalten werde und nit ainer mer fortl suech als der ander, kain unzaitig 

25 vich, es sei was es wöll , auch kain ungeringte schwein nicht auf die 
gmain aufker oder fürtreibe , welcher solches auf eines dorfmaisters War- 
nung ungehorsam erschin, [soll] zue straf geben ain gülden. 

Aufkerung auf Pruggwis. 

23. Es ist von alter herkomen und noch im prauch bleiben soll, 
30 dass ain gmain samentlichen mit irem vich auf Pruggwiss hinter Riffian 

ir pluembsuech und waid haben, aber kainer für den andern vor sanct 
Michaels tag nit auf kern, und ain dorfmaister widerumben acht tag voi 
sanct Jörgen tag abpieten lassen [soll], welcher das aufkern, desgleichen 
das abfarn gfdrlicher weis uberfier, der soll durch den dorfmaister nacb 
35 gstalt der sachen pfent werden. 

Auffarung in die albm Laimgrueb. 

24. Item ist durch ain ausschuss und gmain samentlichen ent- 
schlossen worden, welcher gmainsman in bemelte albm Laimgrueb scir 
vich aufkert, soll von iedem haubt durchaiiss schuldig sein, zu gebet 

40 zöchen kreuzer, von ainem auswendigen von iedem haubt zwölf kreuzer 



Riffian, 75 

TOD ainem rose in der gmain zwölf kreuzer und von den auswendigen 
rossen von ledern zwai pfunt , und von ainem fil zwölf kreizer. Des soll 
aio ieder hirt in der albm, wie obsteet, von denselben einlangen, dem 
albmpürgen zuestellen , alsdann der almpürg ainem dorfmaister verraiten. 

Wassergüsa aus dem perg. 5 

25. Nach dem von alter preichig, das [von] ain[er] gmain zu Biffian 
järlichen bei drei personen auss der gmain verordent werden, da wasser- 
giissen von den gächlingen anfallenden wöttern herab auss dem perg 
kamen mechten, dieselben sollen mit guetem fleiss zu den rünsten und 
wälen ob dem dorf hin und wider sehen, damit kain schad entstee und die 10 
gmain ohne cleg seie , doch ausser gotsgwalt. Wover augenscheinliche 
farlässigkait erschin, und ainem oder mer schaden entsprung, sollen si nach 
gestalt und augenschein des Schadens zu erstatten schuldig sein. Si sollen 
auch sament und ieder insonders mit laitung und raumung bemelte wasser- 
rÜQst und wäl iederzeit in gucten würden haben und halten. 15 

Fannwälder, so der gmain zu Eiffian zuegehörig, die sein hernach diser 
zeit mit iren anstossenden coherenzen beschriben. 

26. Erstens ain pannwald , an Saltauspach stossend , unten hinauf 
in des Ebners rain , alsdann unten herauss auf die sänten unzt an die 
Pässer biss an Yaltmaunpach. 20 

Zum andern ain stuck pannholz, in den Prunnen gelegen , stosst 
morgenhalben an des Mairs in Tschenn und an des Lufers fiirhölzer, mitten- 
tag an des Qsalers läbinuss, abenthalben an des Hubers läbtnuss und 
mittemacht an das Weythal genant. 

Zum driten ain pannholz, im Sattl gelegen, stosst morgenhalb an 25 
des Mairs in Tschenn und Cuenrat Hämeles läbtnuss, mittentag an Tschenn- 
pach, abenthalben biss an den Lindernsteig und gegen mitternacht biss 
an das Haberegg, und vom Haberegg biss an die Weiss want, und von der 
Weissen Want nach Schlengs in den Genelgröben unzt an des Fuechers, 
Genelers und Widmairs läbtnuss, aber ausserhalben erstgemelter coherenzen 30 
belangent der gmain ier sprüch unvergriffen und unbenummen. 

Zum vierten ain stuck pannholz, in Vals gelegen, stosst morgenhalben 
daran der gmain Vals-weg , mittentag an das Weissegg , abenthalben an 
des Zaissolten läbtnuss, darzwischen creiz und march sein, und gegen 
mitternacht an des Hans Fierers und Cristan Talers läbtnussen. 35 

Zum fünften ain stuck pannholz im obern Valtmaun, stosst morgen- 
halben an des Loypranten auf Kuens läbtnus, mittentag an Valtmaun- 
pach, abenthalben an des Zaissolten läbtnuss, auf PÜaum genant, mitter- 
nacht aber an des Loypranten läbtnuss. 

Zum sextep und beschluss ain stuck pannholz, auf Plaz genannt, 40 
stosst morgenhalben an deren von Riffian zeyn nöben iren güetern, mitten- 
tag an Valtmaunpach, so den holzschlag und pluembsuech zwischen der 
gmain Kiffian und der gmain auf Kuens abtaiU, die Kuenser herüber kain 



76 Riffian, 

gerech tigkait, gleichsfals die von Kiffian hinüber kain gerech tigkait nil 
haben, ansserhalben der drei gmains verwonten auf Kuens, die mit uns in 
der gmain verwont sein, abent und mitternacht auf den Scheibenpichl und 
an des Mairs auf Euens läbtnuss, nach dem Egg hinauf unzt in die 
5 Hochlän und an des Loypranten läbtnuss, auch an der gmain furholzer. 

Nachdem Yorbemelte sechs stuck pannhölzer, wie die anstöss unc 
coherenzen aussweisen und mit sich bringen , in fridpann gelegt und hin- 
füran befreit worden, niemant nicht darinnen klain oder gross holz zv 
schlagen, weder mit läbtnussen noch ausschnaiten , allain was zu unter- 

10 schidlichen jarn in gmainer mult geschlagen wirt, darinnen ieder gmains- 
man , der wenigist als der maist , doch iedes gebür zu genüessen haben 
sollen, bei hernachgesetzter straf. Welcher das frävenlich iiberfier, es wäi 
ainer in der gmain, oder auswendige, niemant ausgenomen, [soll] erstens bei 
verlierung des geschlagenen holz verfallen sein, als dann von ainem lärcb 

15 ain gülden, von ainer feichten zwölf kreizer, von ainer puechen drei 
kreizer, von ainer pürchen drei kreizer , von ainer erl drei kreizer, die 
ain dorfmaister von dem widerwärtigen einlangen soll, und der gmain 
verraiten. Es soll auch kainem angesessnen, bentantsleuten, ingehäusen, 
auch vil weniger den hurten nit gestat werden , in bemeltcn pannhölzern 

20 mit feur oder waffen, wie die sein mechten, nicht prennen oder schödigen, 
nicht vergebenlich niderhacken, auf solche pannhölzer ain dorfmaistei 
nachfrag und aufsehen haben soll, welcher mit schädlicher Verschwendung, 
wie erst gemelt, befunden wurde, zue straff geben dreissig kreizer, und sein 
vorbeschribne pannwäldcr von gemaines nuz wegen , auch zu merei 

25 erziglung und waxung allerlai holz und Vorrat im fritpann befreidt in- 
massen, wie gemelt worden. 

Gcmaine wälder. 

27. Item ain ganze gmain zu Riffian haben samentlichen mit ein- 
ander zu geniessen genant die Puechleiten im Mitteregg, zwischen Gfeiss 

30 und Vernuer ligent, doch das ain ieder gmainsman oder die bstant«güetei 
verzinsen sich in solcher gmain beschaidenlich verhalten, der notturft nach 
schlaipfpäm, deixln, laiterpäm, ain ax, oder anders ainer für den andern 
bedürftig sein möcht, in bemelter gmain zu schlagen, damit in dem nit 
überfluss beschech, sonder gleiche und gcbürliche Ordnung darinnen ver- 

35 halten, darauf ain ieder dorfmaister guet aufsehen haben soll. 

28. Volgents den graainen wald , [der] hinter Vernuer hinauf ligt, 
die gmain Riffian , Vernuer und Gfeiser samentlichen mit einander zu 
genüessen haben, wie von alter herkomen ist, darbei es hinfüran auch 
bleiben soll, doch der Vernuerer iror fürhölzer und läbtnussen vorbehalten 

40 und unvergrifFen. Welcher thail, es wären die zu Riffian, Vernuer un(i 
Gfeiser, durch angestossnc, ingehäusen und andere porsonen, in bemelten 
graainen wald sich ungebürlichen verhielte, das der gmain zu nachthail 
und schaden kumen möcht und im augenschein befunden wurde, [soll] zui 
straf verfallen sein ain gülden, aber aines ieden haus notturft, es sei mit 

45 schlaipf- und laiterpäm, deixl, ax und anders, der gebür nach kainem 
gewert sein. Darauf abermal ain dorfmabter oder ain ieder gmainsman 



Rifßan. 77 

ir acht und aufsehen haben sollen, damit gleichfalls in obgemelten gmainen 
wald nicht vergebenlich verechwendt, sonder kainer für den andern be- 
furtlt werde, und gleiche Ordnung haben und halten. 

Holzkauf ab dem perg. 

29. Es haben sich der ausschuss sambt und in gegenwärtigen beisein 5 
der erbarn Hans Zaissolt, iezt Ghreiter, Michael Pürcher, iezt Obrist, und 
Veit Prändl, iezt Pruner, alle drei auf Vernuer, anstat und innamen irer 
mitverwonten auf bemelten Vernuer und Gfeiss mit einander verainigt 
und beschlossen dergestalt, wo ver si Vernuerer und Gfeiser, es war wein- 
gartholz, schintlen oder anders machen weiten oder wurden zu gmainem 10 
kauf, sollen si solches holz, der zu verkaufen het, zuvor ainem dorfmaister 

zu Biffian anstat der gmain umb gebürlichen pfening keuf liehen anpieten, ' 
wo Ter ainer oder mer in der gmain verbanden , die solches holz, nicht 
ausgenomen , bedürftig warn , sollen si Vernuerer und Gfeiser dasselbig 
umb die bezalung , wie sich gebürt und recht ist , vor auswendigen inen 16 
keuf liehen ervolgen lassen ; im fall aber die gmain zu Eiffian , doch ainer 
für den andern, von inen Vernuerern und Gfeisern nicht keuflichen an- 
nemen wolten, mügen si alsdann ir gemacht holz andern geben, wem und 
si wellen. Solches hinfüran zu halten , haben sich gemelte Vernuerer und 
Gfeiser obbeschribner massen eingelassen und bewilligt. 20 

Des farwegs zum Obristen. 

30. Es ist von alter herkumen und noch hinfüran darbei bleiben 
soll, dass die gmain Eiffian den alten farweg, [der] vom haus zum Obristen 
durchs mad hinauf geet , zu genüessen haben , doch nit änderst, als von 
Galli ünzt Jorgi gerechtigkait zu faren , aber von Jorgi ünzt wider Galli 25 
nur bethsweis zu faren, inmassen, wie dann zwai spanzätln zwischen der 
gmain und Michl Pürcher, iezt Obrist, bemelts wegs halber aufgericht 
worden. 

Verwarung der gmain truchen. 

31. Durch den ausschuss hinfüran zu halten furgenomen , dass die 30 
truchen , darinnen der gmain briefliche gerechtigkaiten sambt dem dorf- 
pnech ligen , albegen bei unser Frauen kürchen alda zu Riffian im sagran 
verbleiben soll , aber den schlissl darzue sambt des dorf buechs abschrift 
mag ain ieder dorfmaister beihanden haben , und ainer dem andern über- 
antwurten. Es soll kain dorfmaister vom dorfpuech, vil weniger von der- 35 
selben abschrift, durch si selbs oder iemant andern nicht davon abschreiben 
lassen oder verändern , damit in solcher dörflicher Ordnung nit zwispalt 
und unainigkait erscheine. 

Hierauf ist vorbeschribnes dorfpuech sambt derselben incorporierten 
unterschidlichen artiggl mit vorwissen und bewilligung des edlen vesten 40 
Symon Juda Heirling zu Seisenegg, Fl. Dht. erzherzog Ferdinanden zu 
Österreich etc. kellnambtsverwalter zu Tirol, an derselben järlichen und 
ewigen zinsen , freihaiten , rechten , herrlichkaiten und einkomen ganz 
un vergriffen und on schaden, desgleichen des vesten fürnemen Wolfgangen 



78 Eiffian. Vah und VaUmar. 

Seidemao, derzeit statt- und lantrichter an Meran, und derselben nach- 
komen, Torbehalten nachmals auf abhörung und guetheissen ainer ganzen 
ersamen gmain und nachperschaft aufgericht und bestät worden, der- 
gestalt, das sich gemelte gmain samentlichen bewilligt und eingelassen für 
5 si und ire nachkomen , es sei hierinnen beschriben oder nit , aller gueten 
dorf liehen Ordnung gehorsam zu thuen , entgegen soll der ungehorsamen 
nit verschont werden, alles, wes sich gebürt und recht ist. 



10. Albordnung in Vals und Valtmar*) 

Ptrgamenthandsclnifl rom J. IftSG, 4., Bf. 10, im Gemeindearehive zu Ri/fian. 

Eingang. 

Eunt und zu wissen sei gethan allermenigclich mit dem offen libell: 

10 Als sich dann lange zeit her spän, zwitraoht und misshöUigung gehalten 
haben zwischen N. und N. der gemainschaft zu Bifdan, so nit perk- oder 
kesslherm sint, als chlagenden und beschwärenden an ainem, und der- 
selben perk- und kesslherrn beeder alben in Valls und Valtmar als ant- 
wurtern am andern thail, etlicher articl und missbreuch halben , der sich 

15 berüerte gemain gegen und wider gedachte perk- und kesslherm, davon si 
hoch bevortlt und überlengt wären, bechlagt und beschwärt, als nämblich 
von wegen setzung der albpürgen und desselben ambts , item des vortls 
der befridung der Lenwaid in Valls, so die perk- und kesslherrn mit irem 
vih etlich tag vor der gemain zu niessen im gebrauch gewesen sein , item 

20 der ungeraden oder übrigen halben oder ganzen drinken milch , so an der 
messnacht gefallen , wie oder wem die verkauft und gegeben sollen oder 
mügen werden , item besichtung der kesslstuck am tailtag, auch den stier- 
oder potenkäs, gleckhkopfs und steurn halben samt andern beschwärten 
articln mer, so im handl bekriegt und angefochten worden sint, und was 

25 in das alles berüert, darumben dann die parteien in grosse schwäre recht- 
fertigung und unchostung gegen einander gewachsen, und sonderlich auch 
von erster rechtfertigung , so in appelation in der römischen künigclichen 
majestat chamergericht zu Innsprugg erledigt, aus geachter ursach der 
überchlag oder anderen vermüetlichen bewegclichkeiten des handls 

30 derselben zeit geschwebt, in die haubtsach der bekriegten uud beschwärten 
articln nichts gericht, sonder der gemaint und iren prochuratorn als chla- 
genden ain vorbehält gegeben worden , vermainen si , dass die alb- oder 
perkherren in ainen oder mer stucken ir alb- oder perkrecht miss- 
brauchten, mügen sie dieselben darumben fürneraen , wie recht ist, alles 

35 merers Inhalts derselben künigclichen chamerurtl. 



*) Die ohgenannten beiden Almen liegen auf den Höhen weMch von dem 
Dörfchen Riffian und gehörten grötHentheiU den d(uelb*t ansässigen Bauern j ein 
erheblicher Antheil jedoch auch den Bauern von Kuens, unter denen drei {Luit- 
prand^ Hilber und Mair) Bergherm' Rechte hatten. Um 1232 wurde ein Proness 
wegen dieser Almen vor dem Landrichter m Meran grfUhrt, 



Vals und VtiUmar, 79 

Nam^n der kläger in der Stubersprocurei begriffen. 

So hat in chraft solches vorgehertes vorbehält« der erber Choni-at 
Staber zu Biffian für sich selbs von wegen des Stuber-hofs und als pro- 
corator etlicher seiner mitverwanten , so aus der gmain zu im gestanden 
sein und ime die handlung weiter zu üeben und rechtfertigen volkomen 5 
gewalt geben haben, als mit namen Jörgen am Egk, Chasparn Pirpämer, 
Locbassen Osaler, anstat seines Gsalerhofs und des guets zu Hof, beede zu 
Biffian gelegen, Hannsen Nägele und der Dorothea Händelin, die iede 
für sich selbs, und Gabrieln Lärchers, auf Gfeis in Riffianer pharr sesshaft, 
als gerhaben weilands ürban Gebls auf Vemuer, auch in Biffianer pfarr, 10 
und Barbara, seiner hausfrauen seligen , drewer eelich verlassner kinder, 
zwei mit namen Christan, und der drit Hanns, alles inhalt desselben sein 
Stubers gwaltsbrief derhalben im handl eingelegt und gebraucht, unter des 
foisichtigen , weisen Hannsen Sprangglers, damals lantrichters an Meran, 
fürgedrucktem insigl, seines datums der pete des insigls auf zweien tagen, 15 
als pfinztag des heiligen fronleichnams und sontag negst darnach, beschliess- 
lieh aofgericht, alles in der jarzahl nach Christi geburt fünfzehenhundert 
and im zwaiunddreissigisten jar , die berüerten perk- und kesslherrn vor 
dem lantgeii^ichtsstab an Meran umb die angezaigten spänigen und be- 
Bchwärten articln als angezogne misspreuch widerumben mit recht für- 20 
genomen und bechlagt und allda gegen den perk- und kesslherrn auf ir 
chlag und beschwärde urtl und recht mit vorbehält der schaden erlangt, 
welicher urtl sich aber die perk- und kesslherrn beschwärt und umb merer 
erleateruDg in der hochernennten römischen kinigclichen majestat etc. 
chamergericht appeliert. Ehe si aber dieselb appelation volfüert, sintdie 25 
Parteien für haubtsach und schaden, sovil bis auf dieselb zeit im span ge- 
wesen, über ergangen urtl durch sonder personen , so sjch der sachen zu 
gaet angenomen, güetlichen gericht und vertragen worden, inhalt des- 
selben aufgerichten Vertrags. Die weil aber über iez angezaigte ergangen 
urtl und vertrag zwischen den parteien weiter spen und stoss fürgefallen, 80 
daraus sich ain neue rechtfertigung erzinden wellen , haben die parteien 
fiirsorg getragen , das solich und dergleichen spän imer und unaufhörlich 
weren möchten , also , wo ains erlegt , ain anders aufsteen , dardurch sie 
also nimermer zu beständiger rue und friden, noch ab der unchostung 
komen wurden, und deshalben für ganz guet und fruchtper angesehen und 35 
bedacht, sich selbs unter einander, als die irer selbs alben gebreuch und 
recht der ende, und was mengl und gebrechlichait darunter schweben, 
mar, dann iemant ander, bericht und wissen truegen, auch derselben an- 
einander allerfüeglichist und pillichist puess, einsehuug und wendung, 
veder sonst von iemant frembden und unverwanten, noch auch mit urtl 40 
und recht, wo es fürter darzue komen solte, aller und ieder articln halben 
zu beschehen müglich wäre , thuen künten, sollten und möchten , in ain 
entliche freuntliche vergleidiung zu geben und einzulassen, und derhalben 
anangesehen vorergangner urtln uud vertrag , der si sich hiemit , als für 
chassiert, tot und ab, frei entschlagen und begeben, ain neue, ewige uyd 45 
imer werende Ordnung, recht und erfindung der berüerten alben, w^e es 
hinfuron aller und ieder stuck und artiggl halben (iedem tail zu seinem 



80 VoU und VaUmar, 

rechten und billikaiten leidlich und erträglich) gehalten werden soll, fiir- 
zunemen, zu betrachten und zu beschliessen, dero alsdann all tail und der 
alben verwonte sollen schuldig sein, freuntlich und nachperlich zu geleben 
und nachzukomeu, damit die wider geüebt rechtfertigung abgestelt, meret 
5 und weiter Widerwillen, unfreuntschaft, chost und schaden, dero bed tail 
vorher in ge werten span und rechtfertigung vil und überflissig genomen, 
sambt andern unrat verhüet und dise ganz gemain zu Riffian in gneter, 
fridsamer ainigkait, freuntschaft und nachperschaft erhalten werde. Dar- 
auf hat ie ain tail aus der gegonpartei zu sprüch- und tädingsleuten erwölt 
10 die jenen, so im gefallig und der sachen taugenlich angesehen gwesen, und 
also ain gwaltigen ausschuss gemacht, wie hernach Yolgt. 

Sprüch und tadingsleute. 

Anfengklich haben die perk- und kesslherrn aus des Ghonraten 
Stubers und seiner mitverwanten in seiner procurei begriffen , als dei 

15 handls chlagenden und üebenden partei, erkiest zwen man, als dann Chonrai 
Stuber selbs und Jörgen ab Egk, an ainem tail, entgegen hat der iezt* 
gemelt Ghonrat Stuber für sich und als ain procurator sambt seinen mit- 
verwanten erwölt aus den perk- und kesslherrn drei personen, mit namei 
Ohristan Rester zu Riffian , Michaeln Leuprant auf Kuens und Luchasei 

20 Pürcher, auf den Senesihof auf Tyrol sesshaft, und nachdem noch ain 
partei , als die drit vorhanden, nämblich die jenen, so auch gemainaleut, 
und nit perk- oder kesslherrn, und doch in des Stubers procurei mit gwalt- 
geben nit begriffen, sonder bisher in jüngster rechtfertigung stillgestanden 
und kainem tail anhengig gewesen sein, hernach im beschluss mit nameD 

25 nachlengs begriffen, aus denen haben auch die perk- und kesslherrn ge- 
nomen und erkoiren vier personen, mit namen Thoman Imthal, vonwegen 
des guets im Inner-Tschenn , Hanns Schuester im Gässl , Lorenzen Lufei 
und Oswalden Tripacher, all zu Riffian gesessen. Dise als ausgeschossne, 
erküeste und verordente mitler und tadinger haben auf bewilligen und gwall 

30 geben der dreier haubtparteien gemain igclichen all sachen der schwebenden 
mengl und beschwärungen , so ain tail gegen dem andren gehabt oder zu 
haben vermaint, und noch künftigclichen gewinnen heten mügen (dac 
alles man so vil imer müglich zufürkomen genaigt), zum höchsten unc 
treulichisten erwegen und darauf kainem tail, ime selbs zu verdächt liehen: 

35 vortl, sonder allen tailen zu iren gleichen billichen rechten und mit- 
niessungen , so vil ieder partei , dero diser ende pillichen haben soll unc 
mag, disen nachvolgenden entlichen, freuntlichen und unwiderrueflioher 
Spruch und vertrag, wie es nun hinfür zu ewigen zeiten mit allen dinger 
und gebreuchen in berüerten alben soll gehalten werden , deme dann al' 

40 tail der alben-verwanten fürohin allzeit dermasaen zu gleben und nach- 
zukomen schuldig sein soUn, fürgenomen, abgeredt und beschlossen. Den 
ist also : 

Anfang des Spruchs. 

Erstlichen. Von wegen der stilistenden aus der gemain, als der driter 
45 partei, dieweil si bisher dem Stuber und denen, so im gwalt geben, ah 



VaU und VaUmar. gl 

chlagenden iai), so die handlung gefochten, nit angehangen , sonder still- 
gestanden, und damit si aber nach dem recht, so Stuber für sich und sein 
mithellende partei mit urtl und Vertrags weis wider die perkherrn erlangt, 
imd sonderlich des nachvolgenden entlichen Vertrags als neuen gesezten 
albeo-rechtens , sovil inen dann als gmainen mannen darinnen gebürt, 5 
tailhaftig, fähig und darinnen cingeleibt, auch aus ainer ertailten oder 
gespaltnen ain unverschiden liehe gemain , wie si erstlichen gewesen. und 
billichen bleiben sollen , gemacht werde , so ist dem Stuber fdr sich und 
den jenen, so im gwaltsam und procurei geben, gesprochen. 

Ein- oder zuekaufung der stillsteer zu den haubtchlägem in diser Ordnung. 10 

Benünntlichen zehen mark perner, so ime die stillsteenden zu hilf 
und ergezlichait der scheden, so ime Stuber als procurator bisher im handl 
auferloffen, geben und zu zwaien fristen, als auf negstkonftigcn sanct 
iohans des gotstaufers tag zwai mark, und auf Stainacher kürchtag um 
Oalli zu voller werung acht mark bezalen sollen. Darnach ist der albm 16 
halben diso nachvolgende Ordnung und ausfüerung beschehen. 

Gmaine niessung der lenwaid in Valls. 

Anfengclich soll die früd- oder lenwaid , so vorher die perk- oder 
keaelherrn etlich tag, wann si dann ire perk- oder kesslrecht nemen 
wellen, vor der gemain gehebt, des sich aber die von der gemain zum 20 
höchsten beschwärt haben, gar ab sein und hinfüran den perk- und kessl- 
herm sambt der ganzen gemain unverschidenlich miteinander zu nüessen 
znesteen , doch sollen sich die albpürgen mit der gemain järlichen vorhin 
onterreden und beraten , auf was taugenlichiste zeit man die waid soll 
besuechen und hinein faren , damit sich kain tail gegen dem andern ge- 25 
ferlichs vortl und füreilens hab zu beschwären; dann vonwegen der perk- 
und kesslherrn tag, irer perk- und kesslrecht , so si zu nemen haben in 
Valls, darinnen sich dann die von der gemain gegen inen ires vorgephlegnen 
lind hergebrachten brauchs, grosses unleidlichs vortls und tibernutz be- 
cklagt haben, damit sollen sis hinfiir also halten : 30 

Nemung und eintailung der perk- und kesslherrn tag in Valls. 

Anfengklich nach der zuemessung der milch, wann die erst rod halb 
berumb kombt, sollen die perk- und kesslherrn anfahen und nemen zwen 
tag, den ersten die kesslherrn, den andern die perkherrn. 

Damach zu der andern rod , wann die auf halbs kumbt , sollen die 35 
perkherrn allain abermalen nemen drei tag. Darnach zu der driten rod, 
wann die auf halbs kombt, sollen die perk- und kesslherrn abermals nemen 
drei tag , nämlichen den ainen die jjerkherrn , den andern die kesslherrn 
und den driten die pcrk-kesselherrn und die gemain alles gleichlich mit- 
einander messen. 40 

Perkrecht in Valtmar. 

Dann vonwegen der perkherrn in Valtmar. Die haben sechs tag 
perkrecht. Die sollen si anfahen zu nemen von stund an die negsten tag 

UMlerr.^WeiBthamer Y. 6 



82 Valf und Valimar, 

liaoh der messnacht und alle Bechs nach einander nemen unter ainist, aber 
den sechsten tag sollen si fallen lassen, derselb soll komen in die perkherrn 
und gemainden, mit einander zu nießen; wie die pergkherren in der albm 
Valls den ainen tag auch fallen und in gleiche nüessung komen haben 
5 lassen. Wo aber sach war, das otwo ainer aus der gmain in mitlt der rod 
käme und zwen tag hete oder anderhalben , so sollen die perk- und kessl- 
herrn mit iren tagen stillsteen und sovil mitleiden haben , damit derselb 
aus ier gemain mit seinen tagen gar fürkomb, desgleichen soll den perk- 
und kesslherm, wann es sich also begibt, auch herwider beschehen, 
10 ongeverde. 

Albpürgen-täg. 

Item zum andern der albenpürgen halben. Die sollen ire tag nemen 
auf beden ehesten ains tags und zu der andern rod , wann es inen fucgt. 

Weiter so ist gesprochen, das ain albpürg soll nemen zehen trinken 
15 milch für den leckkopf zu seiner nüessung. Darentgegen soll ain albpürf; 
hinein in die alb antwurten auf iedlichen chasten' vier stär salz, bringt 
acht stär salz, und das sollich salz zu der messnacht dinncn sei. 

Was ain albpürg zu thuen schuldig ist und im entgegen zu verraiten 

gebürt. 

20 £s sollen auch dieselben acht stär salz zwen aus den perkherrn und 

zwen ans der gmain beschauen, ob si dermassen da seien oder nit, und das 
prot soll auch ain ieder albpürg vor der messnacht hinein bringen. Für 
dasselb prot mag er der gemain nachmalen in raitung legen ie für zwai 
prot drei fuerer, und nicht mer, und was er renn vor der messnacht, des- 

25 gleichen essich, Hecht und öl hinein gibt, das soll im auch zu ver- 
raiten steen. 

Albmpürgambt umbgeen. 

Es soll auch ain ieder albpürg hinein in die alb geben ain muess- 
pfann, ain grosse malschüssl , ain grosse milchschissl , sechs oder siben 

30 löffl, und soll nun hinfür dos albmpürg-ambt umbgeen ainer von den 
perkherrn und ainer von der gemain gesezt werden. Ob sich aber begab, 
das das pürgenambt auf ainen füel unter den perkherrn oder der gmain, 
der nit taugenlich oder vormüglich darzue war, der soll ainen andern 
erbiten, der es für ine und darzue taugenlich sei, oder sich selbs darumben 

35 verpürgen und guet machen. 

Schwein halben. 

Zum driien ist gesprochen , das ain iedolichs guet inn oder ausser 
Rifßan, welches tail und gmain in baiden albm hat, ain schwein in die 
alben mag thuen, auf welche er will, aber nit mer. Es mügen auch die 
40 perkherrn in Valtmur faren mit iren Schweinen in dieselb alb; welcher 
aber nit milch in Valtmur hot, der mag kain schwein hinointhuen aus 
ursach, das mer arbait auf Valls geet, dann auf Valtmar, und soliches 
alles wol ertragen mag , darumben mag er ain schwein hinein thuen , er 
hab milch innen oder nit. 



I 



VaU find Vaiimar, 83 



Welcher kain milch hat in VaU«. 

Welcher auch kain milch hat in Valla , der soll kain tail haben in 
dem geschäft, ausgenomen den gemainen tag, so die pcrkherrn fallen lassen, 
darinnen soll ain ieden, der zu weg und steg geet in Eiffianer gmain, sein 
tail unbenomen sein. 5 

Ergötz lichkait von den besignen küeen der gest. 

Zum vierten ist gesprochen, ob sach wäre, das ainem äußern oder 
gast ain kuee oder mer besige vor sanct Lorenzen tag, so soll er von ieder 
kaee geben drei kreuzer , das soll den perkherrn und gmain miteinander 
zuesteen. 10 

Gmaine nüessung des erlegten gelts am tailtag sambt dem gelt von prenten 

kueen und dem gmainen tag. 

Zum fünften ist gesprochen, das die perkherrn am tailtag ain gülden 
sollen erlegen. 

Derselb gülden mitsambt dem gelt von den prennten küen der 15 
frembden gest, auch den obberierten gmainen tag, so die perkherrn haben 
fallen lassen , soll alles den perkherrn und der gemain miteinander zu 
niefisen zuesteen. 

Steur zu erpauung der käsern. 

Zum sechsten gesprochen, ob sach war, das die käsern in Valls ver- 20 
läuten, verrunnen, verprunnen oder sonst von alter zerfüelen, die ain oder 
si beed, soll ain ieder ganzer perkherr voraus erlegen ain gülden und ain 
halber perkherr ain halben gülden, die käsern damit widerumb zu er- 
pauen. Wo aber solich gelt zu auferpauung der käsern nit erklecken 
möcht, alsdann sollen die perkherrn und gmainde in gleichen ausgeben 25 
und arbait steen, unzt der pau verbracht ist und die käsern gmacht sint. 

Es soll auch ain ieder ganzer perkherr alle jar, so man gen albm 
faren will, hinein geben zwo decken , zwai lailach , und ain halber perk- 
herr ain deck und ain lailach. 

Was die perkherrn zu thuen schuldig sein. 30 

Item mer sollen die perkherrn schuldig sein, so man in die alb will 
faren, ain ganzer hinein zu schicken zwen knecht und ain halber ain 
knecht, die weg und steg, auch was an der käsern oder sonst not wäre, 
nicht ausgenomen, zu machen und zu bessern. Wo das aber nit erklöcken 
möcht, alsdann sollen die perkherrn und gmain mit einander helfen zu 35 
geleichem tail. 

Fiirnemen ain neue käser zu pauen in Valls. 

Item, nachdeme aber ain ersame nachperschaft, die perkherrn und 
gmain mit einander rätig worden und des willens sint, in der alb Valls 
noch ain käser zu pauen hin hinter pass, [ist] demnach gesprochen, das zu 40 
demselben paue im anfang ain ganzer perkherr geben soll ain gülden, ain 

6» 



84 ^o/« und VaUmat. 

halber perkherr ain halben gülden, und darnach hin füran nicht mar sovil 
zu geben schuldig sein auf die ewigkait; dann allain, was die alten küsern be- 
trifft, dabei soll es bleiben, wie davon geschriben steet, und volgent«, wo 
etwa ') gotsgwalt über die neue käser gieng, wie das war, nicht aus- 
ö geDomen, das sollen darnach die perkherrn und gmain unyerschiden liehen 
und zu gleichem tail darlegen, mit einander pauen und machen. 

Poten in die alben zu bstellen. 

Zum sibenden ist gesprochen, das die perkherrn auf ValLs und Valt- 
mar ain ganzer ain poten, und zwen halb perkherrn auch ain poten in die 
10 alb bestellen, und dieselben poten sollen si allweg zu sanct Jörgen tag den 
pergkherrn und der gemain anzaigen, ob er inen gefellig sei oder oit, und 
ob inen ainer nit gfellig wäre, so sollen si sich weiter versehen umb andere 
poten, die den perkherrn und der gmain gfellig und der sachen taugen - 
lieh seien. 

15 Stier in die alben. 

Mer ist beredt, das die albpürgen auf Valls alle jar zu gneter friieer 
zeit trachten sollen umb zwen stier, und der albpürg auf Valtmar auch 
umb ainen, und ob aber die albpürgen in Valls kainen stier möchten an- 
körnen , alsdann sollen die pergkherrn schuldig sein, ainmal zwen stier 
20 zu stellen, und die bclonung soll darnach über die gmain und pergkherrn 
mit einander geen. 

Dem yich abgeth, wie ers ersuechen soll. 

Zum achten ist gesprochen, ob sich begab, das ainem ain yich umb- 

käme, in welcher alb es sei, es wäre kuee oder gaiß, und derselbig, dem 

25 das abgangen yich zuegehert hete, die poten darumben wolt ersuechen, so 

soll ers thueu auf der albm an den tailtag; wo es aber daselbs nit möcht 

ausgoen, so soll es volgents zu Riffiau an der gasseu austragen werden. 

Kessl zu flicken oder von neuen zu machen, un^ was die perkherrn an 
das, so vorsteth, mer in die albm zu geben schuldig sein. 

30 Zum neunten, vonwegen der kessln in der alben, ob sich begab, das 

was davon zerpräch oder sunst flickens und besserns not wurde, das sollen 
die albpürgen den kesslherrn anzaigen. Die sollen alsdan schuldig sein, 
dieselben kessln flicken und bessern oder, wo man sein nit enpern möchte 
und es die notturft erfordert, ain neuen machen zu lassen, alles auf ir 

35 chostung. Si die kesslherrn sollen auch hinein in die alb geben zwo hagken, 
ain schlegl, ain peihl, ain ruggkorb, holz zu tragen, und ain panzerfleck, 
das gschirr zu waschen. 

Vergleichung der abfart der schwein. 

Zum Zehen ten ist gesprochen von wegen der schwein , welcher tail 
40 das ain jar frueor abfert mit den Schweinen, der soll und mag dann das 
ander jar dester lenger in der alben bleiben auf das lest. 

^) etwas lu. 



VaU und Valtmar, 85 



Albgelt von geston. 

Zum ainlfton ist gesprochen von wegen der gest, so in die albm 
faren, das der icder von aim ieden drinken milch ain fierer albgelt geben 
[soll]. Das soll ain albpürg von inen einziehen am tailtag und der gmain 
verraiten , wo sich schwär gepeu in der alb zuetruegen , solches zu ainer 5 
hilf und zue puess herzunemen und zu gebrauchen. 

Anzuzaigen, wie vil ain ieder vich in die alben ihnen welle. 

Zum zwelften, so soll ain ieder in der gmain ainem albpürgen an- 
zaigen und sich melden an sanct Jörgen tag , so man die albpürgen und 
poten eezt und bestät , wie vil er vich in die alb ihnen wöll ungefarlich, H) 
es seien küee oder gaiß , und welcher gaiß hat , die soll er mit sambt den 
küeen hinein ihnen, es war dann sach, das die gaiß nit gangkl oder sauber 
wären, so soll mans aim nit gestaien hinein zu ihnen, oder wo si dinnen 
wären, widerumb heraus kert werden. 

Diser Ordnung, als den ausgedruckien albroch ten, sollen all tail der l^) 
ganzen gemainRif&an mit allen iren miiverwonien, es seien perk- und kessl- 
herrn oder gmainsleui, iezi und nunhinfür ewigclich in allen vorgeschribnen 
gedingen, puncten und artiggln schuldig sein, zu gleben und nach ze 
komen , als si dann zu allen tailen mit guetem gefallen darein bewilligt 
und hienach volgeni darumben gelobt und zuegesagi haben. 20 

Ain ariicl aines sondern fürgfallnen spans zwischen der chläger und 

siillsieer, so aber nachmalen erledigt. 

Als aber über disen haubispruch weiter spän und irrungen furge- 
fallen zwischen oftgemelts Chuenraien Stubers fir sich selbs und als pro- 
curator seiner pariei, in seiner procurei begriffen, an ainen, und der '^•'> 
Stillsteenden, so zu der geübten rechtfertigung nit gwalt geben, sonder 
sich ausser derselben enthalten haben, dabei die perk- und kesslherrn auch 
gegenwürtig und zum ihail gemainer güeter halben verwont gewesen sein, 
am andern ihail, vonwegen aines ausstanis, so etlich aus berüerten still- 
steen an den zehen marken gesprochens gelt, mit denen si sich der erlangten 30 
recht sambt dem vorgeschriben haubispruch der konftigen, iezi angeenden 
albordnung gegen dem Stuber und seiner pariei ihailhaftig und einleibig 
gemacht, noch unbezalt schuldig sint und bisher unangesehen, das si hie- 
vor den angezaigten haubiverirag angenomen, nit erlegt haben, darumben 
dann die parieien heut nachvolgendem entlichen dato vor hernach ge- 35 
meltem lantrichter und seinen beisitzern in verher erschinen und solches 
ires nebenspans mit disem weitern güetigen spruch veraint und vertragen 
worden sein, also, das die, so iren ihail in der bewilligten und gesprochnen 
summa gegen dem Stuber und seiner pariei der procurei verwont, nit bezalt 
haben, dieselb noch Ihnen sollen zwischen hinnen und künftig Lorenti, 40 
bei verlierung der recht, so si in den alben haben, und darzue bei der pocn, 
iedem fünf pfunt poruer, wellicher das nit hielt, gegen der herrschaft 
zu verfallen, dann die chostung , so des vordem tags sambt der belonung 
derselben fürforderung aufergangen ist, sollen die ungehorsamen, so bißher 



86 Vals und Valtmar, 

saumbig gewesen und disen irrtumb geurBacht haben , den andern und 
menigclichen on schaden entrichten. 

Chostung halber. 

Aber die heutig auferloffen chostung sambt dem fdrforderlon heutige 
5 tags sollen all drei parteien, ieder für sein person selbs, bozalen und die 
chostung über den herrn lantrichter und seine beisitzer, anheut der sachec 
ergangen, auch all drei parteien gleich miteinander bezalen. Rednerloc 
soll ieder thail für sich selbs entheben und damit diss nebenspans entlicb 
gericht und veraint sein. 

10 Und das aber alles das, so vorgeschriben steet, nun hinfür ewigclich 

und iedezeit besonder yest und unzerprochen gehalten , deme gelebt und 
nachgegangen, und darwider nicht widerwärtigs fürgenomen oder ge- 
handelt werde, so haben all parteien und der alben verwonte, hievor und 
zum thail hernach bemelt, mit wolbedachtem muet darein consendiert 

15 und bewilligt, baide als den haubtvcrtrag sambt den spruch des hernach 
erledigten spanns, und was in das alles berüert, alles zu freuntlichem und 
entlichem mitl und entschid, auch angeender künftiger nachperlichn und 
fridlichen Ordnung der albm gebrauchs und rechtens angenomen und zu 
stäter ewiger bevestigung dem fürsichtigen, weisen Hannsen Pignater, 

20 derzeit römischer künigclicher majestat etc. unsers allergnedigisten herrn 
lantrichter an Heran, Ton gerichts und obrigkait wegen zuegsagt, gelobt 
und versprochen, ine auch sonders vleiß umb sein iusigl peten und sich 
gegen dem allem bei iren ehren und trewen mit mund und band verpunden, 
hierwider nit zu reden, noch zu thucn, sonder vorgeschribncr massen yest 

25 und stät zu halten und darauf zu allen thailen diss vertrage, als angeendci 
albordnung und Satzung, umb iren pfening verschriben und bsiglt bcgert, 
und sint das die parteien , so der albm und disem vertrag verwont sini, 
den angenomen und zuegesagt haben. 

Namens der stillsteenden gmaind, so sich mit den andern chlägorn vergleicht 
30 und diser Ordnung tailhaftig gemacht haben. 

Erstlichen vorgemelter Chonradt Stuber für sich selbs und als pro- 
curator deren , so ime im anfang der geüebten rechtfertigung gewaltsam 
geben haben und in seiner procurci auch hievor im eingaug mit namen 
begriffen sint, siben pcrsoneu und acht güeter, und die übrig gemaind, sc 

35 ainmal im handl stillgestanden und kainem tail anhengig gewesen , abei 
iezt durch disen vertrag dem egeduchtcn Stuber und seinen gewaltgebern 
gleich zuegclassen und cingeleibt sein , als hinfür ain unverschidcnlichc 
partei und gmaind, mit namen Lorenz Lufer vonwcgen des guets zu Luf, 
Steffan Oberläncr von wogen des Vloiß-hofs im Außtrunk und ains andero 

40 güetls, im Offenhaus genannt, Thoman Vender am Jäger-guet, Adam 
Gränstainer aus Passeyr vonwegen des kellerguets zu lliffian, Jörg Kisnei 
für sich anstat des Risner guets, und als gerhab weilent Hannsen Talers 
Schwester, Anich vonwcgen desselben hofs zum Taller, Fridrich Widmaii 
anstat des Widmairs-hofs auf Vernuer, Christi Scharff vonwegen des guets 



Vals und Valtmar, 87 

am Regenpogen , Hanns Pfauser im gässl , Christan Hochegger auf dem 
Hochegghof, Burgkhart Funper yonwegen des Schmid-guets auf der 
gassen, Haiss im Ober- Aichach , Oswalt Tripacher am Schneider-guet, 
Ul. Pürcher yonwegen des Meusl-guets auf der gassen im äussern dorf, 
Jochum Eempp vonwegen des guets auf der Län, Thoman Paur im tall von- 5 
wegen des mairhofs im Inner-Tschenn, Sigmunt Mair in Ausser-Tschenn, 
Hanns auf der Torggl im gässl desselben guets halben, Luchas Gsaler yon- 
wegen des Gsaler guets und des guets zu Hof, Hanns Furgger, Christi 
Schneider im guet am prunnen , mergemelter Ghonrat Stuber vonwegen 
des Vogler-guets, Sigmunt Schlecht aus Passeir ald gerhab Chaspar Kerers 10 
kinder von wegen des Flas-guets, item Gertraut, ain verlassne witib 
Stöfl Vleisers seligen , vonwegen des guets im gässl , mer dise all mit an- 
genomen gwalt Martin Hirrners auf Tirol , als gerhaben Christi Hinder- 
sennen zwaier kinder vonwegen desselben guets Hinder-senn, und Christls 
auf Prantach vonwegen des Gramalt-heusls zu Eiffian, Lorenz Greuter auf 16 
Euens vonwegen aines guets Zwischen -he usern zu Riffian, ist selb zugegen 
gwesen, mitsambt Michaeln Tschaupen vonwegen des Locher-guets. Dise 
all alfi stillsteer, aber hinfür mitsambt dem Stuber und seinen gewalt- 
gebem ain unverschidenliche partei und gemaind an ainem , und darnach 
die perk- und kesslherrn , erstlich der alben Valls mit namen , wie her- 20 
nach volgt. 

Hienach volgen die perk- und kesslherrn der albm Valls. 

Lucas Pürcher auf Tyrol vonwegen des Nesing-hofs daselbs, so er 
sizt und inhat, ain ganzer perkherr und ain kesslherr, Peter Fleiser zu 
KiMan ain ganzer perkherr und anstat des Wezl-güetls, so man nennt im 25 
Arschloch, ain halber perkherr, Thoman Füchsl vom Merzen-guet ain 
halber perkherr , und die kesslrecht gehören desselben guets gruntherren, 
den Füegem von Schwatz, zue. Item Christan Rester ain halber perkherr 
und ain kesslherr, Michael Tschaupp vonwegen des Tschauppen-hofs ain 
halber perkherr und ain kesslherr, Michael Leuprant auf Euens desselben 30 
guets halben ain halber perkherr und ain kesslherr, Michael Hülber auf 
Kuens von seinem guet ain halber pergkherr und kain kesslherr, Hanns 
Kayr auf Euens ain halber pergkherr und kain kesslherr , Jörg Stocker 
auf Euens ain halber perkherr und ain kesslherr, Chaspar Eerer ain 
kesslherr und kain perkherr in Valls, Jochum Rempp vom Remppen-guet 35 
ain kesslherr, Christan Hochegger anstat seiner kinder vom Tolden-güetl, 
ain kesslherr, Thomann Veuder zu Riffian vom Greut-guet daselbs ain 
halber perkherr und ain kesslherr, Hanns Preidler vom Preidlerguet im 
gässl zu Riffian ain halber perkherr und ain kesslherr, Thoman Paur im 
Tal zu Riffian von denselben guet ain kesslherr in Valls, Jörg auf der 40 
Platen von demselben guet ain halber perkherr und ain kesslherr, Christi 
Fierer zu Riffian vom Fiererhof ain kesslherr, dise all mit iren gerechtig- 
kaiten in Valls. 

Pcrkherrn in Valtmar. 

Dann perkherrn in Valtmar sint mit namen : Chaspar Eerer zu 45 
Riffian ain ganzer, Thoman Paur im Tal ain ganzer, Christi Fierer auch 



88 Passeier. 

ain ganzer , Chaspar Funggeneller aus Passeir , der den vierten thail der 
perkrecht , so etwo im Remppen-hof gehört , im kauft hat und sich der- 
selben anmaßt, der aber persondlich nit gegenwürtig gewesen , sich aucli 
niemants gwalts annemen wellen. 

5 Kesslherrn in Valtmar. 

Item kesslherrn daselbs in Valtmar sint mit namen: Lucas Gsaler 
umb den vierten thail und der Talhof zu Eiffian , durch Hannsen Taler 
seligen verlassen, so iezt ainem kind zuegehert, darüber Georg Bisner 
gerhab ist, umb die drei thail. Dise vorgemelte perk- und' kesslherrn 

10 beeder alben Valls und Valtmdr, des handls am andern thail. 

Hierauf zu waren urkunt und bevestigung, auch entlicher vil- 
fertigung dis Vertrags und aller vorgeschribnen handlung, so sind diser 
vertrag und albrech tsbrief zween in gleichem laut libellsweis aufgericht, 
an der iedes der vorgenannt Hanns Pignater, als diser zeit lantrichter an 

15 Heran, auf anloben, pit und beger erzelter personen und parteien und 
von gerichtsobrigkait wegen sein aigen insigl (doch ime, sein erben und 
insigl on schaden) hat tuen hengen , und iedem thail , als den perkherrn 
und der gemaind, ains überantwurt und zuegostelt. Gezeugen aller par- 
teien entlichen anlobens, zuesagens und der pete umb das insigl, auch 

20 güetig sprüch und tadingsleut des nebenspans vonwegen bezalung der ge- 
sprochnen suma gelts, damit sich die stillsteenden gegen dem Stubor und 
seiner partei aller gebürenden recht in der albn tailhaftig gemacht haben, 
sint gewesen die fürsichtigen, erbem und weisen: Ulrich Scheuz, Hanns 
Frashauser, Hanns Pölzl, Bernhart Roeskopf, all dos rat«, und Valtin Moll, 

25 burger an Meran. Der haubtvertrag der angeenden albordnung ist durch 
die vermelten ausschuss aus allen parteien betracbt, abgeredt und be- 
schlossen am sambstag nach dem heiligen auffarttag Christi, aber nachmals 
durch anloben und pete des insigls entlich bevestent unt aufgericht am 
sambstag nach sanct Ulrichs tag, des heiligen bischofs. Alles nach 

•^0 CJhristi unsers hailmachers geburde fünfzehenhundert und im sechsund- 
dreissigisten jar. 



//. Passeier.*) 
I. 

Innthr. St<jUth.' Archiv : Amhrfutr Adeii. Abachriß vom Jahre JßSO. 

Wir Margaret, von gottes genaden, marggrafin zu Brandenburg, 
herzogin ze Payrn und in Khürenton, gräfin ze Tyrol und ze Görz etc. 



*) Da* Thal Pasteier gehörte zur Zeit der Bömerherrschafl zur Provinz 
Rhätien und war ohne Zweifel schon damain ziemlich stark bevölkert; wahrschein- 
lich bestand bereits ein berühmter Saumweg über den Jaufen. Auf eine stärkere 
romanische Bevölkerung weist auch die alte Eintheilnng in vier Probsteien^ und der 
Name einer derselben: Waleheny die gerade die innerste und entlegenste ist. Die 
romanisierte Thalbevölkerung scheint jedoch während der Völkerwanderung grössten- 



Passeitr. 89 

bekennen offenlich mit discm brief für uns, unser erben und nachkomen, 
das für uns [und] unsern rat komen sind gemainiglich unser arm leut aus 



theÜ9 vernichtet worden zu »ein, denn die gegenwärtigen Bewohner de» Thale» tragen 
durchau» deutschen Typus und erinnern durch ihren kräftigen Körperbau »ehr an 
die Beschreibungen^ welche die alten Schriftsteller von den Gothen machen. Zur 
Zeil der Langobarden- und Bajuwarenherrschaft bildete Passeier wohl einen Be- 
itandtheü der Grafschaft Bozen; unter den Karolingern aber und sächsischen 
Kaisem v>ar wohl die Passer die Grenze zwischen Vintschgau und deni Gau Nori- 
thoL (Archiv f. österr, Gesch. XXI I, 286; Font. XXXI, 28). Als in den Jahren 
1027 und 1028 Kontad II. den Bischof von Trient mit den drei Grafschaften 
Trienty Bozen und Vintschgau belehnte, kam es ganz zu letzterer, da die Grenze 
nun längs des Gargazoner Baches lief (Boneüi, Notiz ist. er. 2, 37 L Sinnacher 2, 
365), Aber im Jahre 1078 erscheint wieder die Passer als Grenze zweier Graf- 
schaften, In diesem Jahre taucht der Name Passer zuerst auf und es heisst pagtis 
Passyr, wobei unter Gau nur das einen abgeschlossenen Bezirk bildende Thal 
gemeint ist (Sinnacher 2, 680). Mit dem Wachsthume der Macht der Grafen von 
Tirol und dem Sturze der Eppaner verschwindet jedoch diese Scheidung neuerdings 
und aU an die Stelle der allen Gliederung eine neue tritt, erscheint Passeier als 
ein geschlossener Bezirk. Um 1116 wird zum ersten Mal das Passeierlhal genannt 
(in eadem vciUe Passyra Goswin 71). 

War aber auch ganz Passeier unter die Grafen von Tirol gekommen, so 
hehieUen doch die Weifen hier wie im ganzen Bnrggrafenamte bedeutenden Besitz 
bis um die Mitte des 13, Jahrhunderts und erst im Jahre 1266 verzichtete KoU" 
radin von Schwaben, der letzte Staufer, zu Gunsten seiner Mutter auf seine Güter 
daselbst (Sehatzarchiv Beperf. 5, 442). Um dieselbe Zeit (1263) wird der erste 
Zollner von Passeier, dreissig Jahre später (1296) der erste Richter erwähnt 
(Schönachs Urkundensammlung. Mon Boic, 10, 65). Im Jahre 1282 ertheilte Mein- 
hard den Leuten von Passeier für Wein, Salz und andere Nothdurft, die sie kaufen 
oder verkaufen, Zollfreiheil am Zoll von dem Lueg und Passeier, Das Gericht 
war damals landesfürstlich und die Richter ufechseÜen häufig, selbst jährlich. Im 
Jahre 1334 vermachte König Heinrich das Gericht seiner Tochter Adelheid (Huber, 
Vereinigung Tirols mit Oestei'reich, Regest. 39) und am 23. Januar 1363 ver- 
pfändete es deren Schwester Margarethe Maultasch um 300 M. B. dem BercJUold 
tun Passeier (ih, 288), aber in demselben Jahre bestätigte sie auch die altherge- 
brachten Freiheiten und Gticohnheiten des Thaies. 

Das Geschlecht der Herren von Passeier, das auf dem später Jaufenburg 
genannten Schlosse hauste, taucfU zuerst unter König Heinrich auf und gewann 
unter dessen Tochter schon grosse Bedeutung. Albrecht III. gab den Leuten von 
Passeier eine Handfeste und sein Neffe Tjeopold IV. bestätigte und erweiterte die- 
tdbe im Jahre 1396 auf Bitten des Hillebrand und Hans von Passeier, die damals 
von ihm das Gericht hatten (Lichnowsky 5 n. 72). AU um das Jahr 1418 dies 
AdelsgeschUcht ausstarb, ging das Gericht und Schloss Passeier auf Christof Fuchs 
von Fuehsberg ütter, der sich mit Barbara von Passeier, obgenannten HiUebrands 
Tochter, vermählt hatte (Burglechner, Tirol, Adler 3, 279). 

Die Fuchs v<m Fuchsberg kommen zuerst um die Mitte des 13. Jahrhunderts 
als ein im Gerichte AUenburg wohnendes AdeUgeschlecht vor und erlangten auch 
im Verlaufe des 14, Jahrhunderts grössere Wichtigkeit, Noch mehr stieg diese in 
den beiden folgenden Jahrhunderten, Im 17. Jahrhundert wurde dasselbe sogar 
vom Kaiser Rudolf II, (1603) in den Freiheim-, und vom Kaiser Ferdinand II, 
(1634) in den Grafenstand erhoben (Mayrhofer, Genealogien), Das Gericht Pas- 
feier blieb seine Pfandschaft bis zum Jahre 1745; der Pfandschillig betrug seit 
dem Jahre 1479 12.760 fl. und ward am 24. Mai 1692 für nnablöslich erklärt, 
bis der Familie ein anderes Pfand gesetzt würde (Bibl. tirol. 828, II), 

Auf die Grafen von Fuchs folgte Hieran. Freiherr*^ von Battaglia, aber 
Mchon im Jahre 1762 erwarben sich die Gei'ichtsleute, die eben bei Unterdrückung 
de» Maiser Aufstandes einen glänzenden Beweis ihrer treuen Anhänglichkeit an das 
österreichische Herrscherhaus gegeben hatten, infolge kaiserlicher Entschliessung vom 
18, November das Gericht gegen ErUig des Pfandschillings von 30.600 fl, (Staffier, 



90 Patseier, 

unsemi gericht in Passeyr mit samt unserm getreuen Ferchtolden au& 
Posseyr, unserm rieh ter dasei bs, und haben uns mit gueter kuntschaft und 
gewissen da geweist ire rechten und gewonhaiteu, die si von alter von dei 
herrschaft zu Tyrol herbracht haben und der si noch in nüzlicher gewei 



Tirol %md Vorarlberg 2, 700), So trcU der aeltsame, aber in Tirol mehmuds vor- 
kommende Fall etn, da»» die OerichUunterthanen zugleich OerichUherren voaren 
und da»» von ihnen bestellte Beamte da» Gericht verwalteten. Die Pa»»eierer blieben 
Öericht»herren, bi» die baieri»che Regiening im Jahre 1810 alte PatrimonialgerichU 
aufhob. Mit der Verordnung vom 31, Augu»t dea»elben Jahre» wurde Pa»»eier xtcm 
Landgerichte dritter Cla^»e mit dem Oericht»»itze in St. Leonhard erklärt (KgL 
Baier. Verordnung»- Blatt, 18 10^ S. 924), Nach der Rückkehr der ö»terreichi»chen 
Herr»chafi wurde e» bei der Gericht»organi»cUion vom 1, Mai 1817 zum lAind- 
gerichte zweiter Claa»e erhoben; »ein gegenwärtiger Bezirksrichter »teht gleichfailt 
in der zweiten Gehaltstvft, 

Die von Meinhard IL den Pa»»eierern verliehene Zollbefreiung be»tätigten 
»ein Sohn Otto, Herzog von Kärnten (1308)^ und de»»en Bruder, König Heinrich 
von Böhmen (1327); alle ihre If\eiheiten, Rechte und Gewohnheiten au»»er den Her- 
zogen Albrecht II L und Leopold IV. (1396) noch Herzog Friedrich IV., Erzherzog 
Sigmund und König Maximilian I. (1496), in dessen Bestätigungsbrief noch aus- 
drücklich die Freiheit, ein eigene» Wappen und Fähnlein zu fuhren, erwähnt wird 
(Stalth.- Archiv: Amhr, Acten II, 36), Das Wappen war ein Tiroler Adler und 
Affe in einem weissen Felde, Auch die folgenden Regenten und selbst Josef II, er- 
theilten solche Confirmationen, doch entzog ihnen dieser ihre alte Zollfreiheit (Der 
deutsche Antheil 614 Anm.). 

Das Gericht in Passeier war bis in die neueste Zeit nur Civügericht, das 
abwechselnd zu St. Martin und St. Leonhard tagte; die Griminalgerichtsbarkeit 
übte der Burggraf von Tirol und später dessen Stellvertreter, der Landrichter in 
Meran. Der Adel des Thaies und die Schildleute unterstanden demselben jedoch 
nicht, sondern letztere gehörten zuerst zum Gerichtsstande und VerwcUtungsbexirk 
des Burggrafen und dann zu denen des Landeshauptmanns in Bozen; sie stimmten 
auch im Landtage mit der Curie des Adels und behaupteten diesen Platz selbst 
noch avf dem offenen Landtage vom Jahre 1790, Der Schildhöfe gab es zwölf und 
ihre Namen hiessen: Saltaus, Obersaltaus (Hauppold), Weingart (Ghanstein), Er- 
bian (1478: Urhian), Kalm (Kaibauer) ^ Gereut, Buchenegg, Steinhaus, Bamkirch, 
Endhof (Happerg), Wiedersicht und Gamion (1485: Camian). Alle diese Höfe 
liegen in dem südlichen Theile von Passeier und zeichnen sich dergestalt durch 
ihre angenehme Lage, (h'össe und Fruchtbarkeit vor anderen Höfen aus, dass ihre 
ehemaligen Besitzer die wohlhabensten Leute im Thale gewesen sein müssen (BibL 
tirol, D, n. 1142, II, 38), Die meisten waren im 16. Jahrhundert bereits in den 
Händen von Bauern, die sie als Afterlehen von Adeligen erhielten, während diese 
damit vom Landesfürsten belehnt wwden, Ihre bevorrechtete Stellung und ihr Name 
ist jedoch noch nie genügend erklärt worden; aber weil in der Nachbarschaft der 
alten Residenz der Landesfürsten, so waren ihre Inhaber wahrscheinlich als eine 
Art Leibgarde zu deren persönlichem Schutze bestimmt und haben vermuthlich zu 
den Zeilen König Heinrichs dieses Vorrecht erlangt. Dass ihre bevorrechtete Stellung 
mit dem Waffenhandwetke zusammenhing, zeigt die ihnen gebührende Freiheit, 
selbst in der Kirche und bei den Gerichtsversammlungen Waffen zu tragen, Schild- 
hofbesitzer erscheinen in frühester Zeit öfters als Richter in Passeier, Von ihren 
Vorrechten behaupteten die Schildleute nur das Jagd- und liHschereirecht bis in 
unser Jahrhundert; die Ausnahme von den^ Passeierer Gerichte entzog ihnen 
Josef II. mit der Verordnung vom Jahre 1788 (ibid.). 

Die kirchlichen Besitzungen waren im Thale Passeier nicht unbedetUend. Im 
Jahre 1078 schenkte Kaiser Heinr-ich dem Bisehofe Altwin von Brixen die Güter, 
die der Herzog Weif daselbst besessen (Sinnacher Beitr, 2, 680); am 21. December 
1210 verlieh Kaiser Friedrich II, dem Deutschorden das Paironatsrecht über die 
Kirche von St. Leonhard (Boehmei^s Regesta imperii, herausg. v, J. Ficker, n. 1076). 
Dem Stifte Marienberg schenkte Graf Arnold wm MareU etti Landgut zu St. Martin 



PatMier. 91 

hintz auf heutigen tag gesessen sein und auch des guet brief Ton unsern 
vordem gehabt haben, die in von gottes gwalt yerfalien sein, und paten 
uns, das wür in die vorgenanten recht und gewonhait bestäten und ver- 
newten mit unsem gnaden und briefen. 

Nu haben wir ir flissig pet erhört und auch angesehen ir getrewen 5 
dienst, die si uns lange zeit her getan haben t und noch fürbass thuen 
sollen und migen in künftigen Zeiten, tind haben in all ire recht und 
gewonhait verlihen und beetätt und verleihen und bestäten in auch mit 
disem briefe mit der beschaiden, das ir ieglicher besunder oder si alle mit- 
einander die nach geschriben recht besizen, niessen und inne haben suUen 10 
mit allen den rechten, eren, freihalten und nuzen ze holz und ze velde, 
mit waid und mit wasser, als si das mit alter gewonhait herbracht haben t, 
an unser und meniglichs irrung und hinternusse. 

Zu dem ersten suUen si mit iren rossen von der Pässer an hintz an 
den Eysach überall auf der Artlunge enhalb und hiedishalb der Etsch ze 15 
baiden seiten halten von der zeit, das man das vich aus siecht, hintz auf 
der Kindlein tag in den pfingstveiertagen, so suUen die pfärt wider haim 
geen, aber ochsen^ küe und sohaf, die sullen auf der eegenanten waid be- 
leiben untz auf sant Veits tag. 

Auch sullen si die recht und gnad haben, das man kainen aus Passeyr, 20 
armen oder reichen, in Trientner oder in Churer bistum nicht verlegen 
soll noch mag von dem Efeys hintz gen dem langen creuze und hinten an 
den Jaufen, und um die vorgeschriben genade und recht sullen si uns und 
unsern erben und nachkumen unser cammerwein oder wiltprät füeren, als 
es mit alter gewonhait herkomen ist, on alles geverde, und doch nicht 26 
verrer, dann in unser herrschaft ze Tyrol. War aber ain ding, das wir 
selber, unser erben und nachkomen ze velde lägen, so sullen si unser 
camer wein fueron und der pflegen und hiieten, und die nägsten bei uns 
sein als unser nägste chamerer. 

Si suUen auch die vorgeschriben recht handeln und wandeln und zu 30 
irem fmm wenden und keren, als si das mit alter gewonhait herbracht 
habent, und davon gepieten wür allen unsern burchgraven, ambtleuten, 
pflegern, richtern und allen andern, die iezund sind oder noch furbass 
künftig werden, das si die vorgenanten unser leit, arm und reich, gemainig- 
leich bei den obgenanten unsern genaden und iren rechten und gewon- 35 
haiten halten, schirmen und fristen und nicht gestatten, dos si fürbas 
iemand daran eng, irre, hinder oder beschwär in kain weis, vestiglich bei 
unsem hulden. Mit urkunt dits briefs, der geben ist auf Tyrol an samstag 
nach sanct Philippen und sanct Jacobs tage, do man zalt nach Cristi ge- 
purde dreuzehenhuudert jar, darnach in dem dreu und sechzigisten jare. 4U 

Wir Mainhart zu Tyrol und ze Görz, vogt der gottsheiser Aglay, 
Tricnt und Brichsen, verjechen mit gezeugnus diser geschrift und erklären 



mit mehreren Gütern und Hechten ^ »owie wahrsc/ieinlich auch die Kirche dasellmi 
CGonoin, Chronik 36, 47, 71, 78); Bischof Heinrich von Chur fügte 1259 hinzu das 
PatronaUrecht über die Pfarre St, Martin (Der deutsche Antheil 640, Sinnacher 
Beiträge 3, 520), Aussertirolische Stifter und Klöster hatten in Passeier nie, wie 
ea »eheint, erheUicfiere Besitzungen. 



92 Passeier, 

allen si ansehende: Alsdann ieglich lout, wonend im talPasseyr, bei unsern 
eitern mit Iren getrewen diensten die besunder gnade erlangt haben, das si 
weder von wein noch salz noch ander geprauchung, die si zu iren hensern 
um iren gcprauch zugfürt haben, oder järlichn nuz oder ander geprauchung, 
5 so in notturft ist, weiten verkaufen, kain zoll an der maut von Passeyr- 
bezalend und geben, und das an den zollen von dem Lueg und Passeyr mit- 
vier rossen ain fueder wein Bozner mass zu tragen durch strenghait 6e&~- 
Jaufenporgs und irer ross unvermiglichait nicht genug thun mochten, da^c 
finf ross allain ain fueder wein gerait werden, das ist das von in oder it" 

10 ieglichen von finf geladen rossen nicht mer, dann von ainem fueder wein. 
gefall und an dem zoll bezalt wurde, 

Haben wir angeschen derselben leut getrewe dienste und andacht, si 
in derselben gnad gelais zu behalten, wellend und festiglich gepietond allen 
zolnern, die sind oder worden in Passeyr und am Lueg, das si von wein, 

15 salz und dosgeleichen, welches si in ire heuser fürten, oder järlichn nuz ') 
korens oder ander gebrauch verkaufen weiten, hinfir gar kainen zoll in 
Passeyr von denselben intreiben, und das si von finf rossen, als vorge- 
schriben ist, nicht mer, dann von ainem fueder wein Bozner mass gefeilt, 
an den zellen am Lug und Passeyr firnemen und geturen aufzwingen. Das 

*iO aber den benanten leuten, als vorgeschriben, stät beleihe und unverkert, 
haben wir in disen offen brief geschaffen ze geben, mit unsers anhangenden 
insigels befestigung bekreftigt. Geben in unser bürg T^-rol in dem jar de^ 
herrn tauscnt zwaihundert zwaiundachtzigisten des newenten ingeenden 
homung des zehenden geding zaichen. 

1496, Innshruck. 
-•"> Frauen abend nativitatis. 

K. Max I. bestätigt der Gemeinde des Gerichts Passeir, deren ehr- 
bare Botschaften vor ihm erschienen, alle Privilegien, Freiheiten, Rechte 
u. alten löblichen Gewohnheiten, wie sie ihnen König Heinrich von Böh- 
men, Markgräfin Margarete zu Brandenburg, die Herzoge Leopold (IV.), 
;j() Albrecht (HL), Friedrich (IV.) u. der Erzherzog Sigmund v. Oesterreich, 
vorliehen u. bestätigt haben, sowie auch ir Wappen u. Fähnlein (der Adler 
Tyrols und ein Auf in seiner varb in einem weissen veld, wie si dann das 
von alter löblichen herbracht haben). SlattTu- Archiv: Ämbr^-Acten //, 36, 

IL 

Btitrilgt zur OescMchte, Statittik etc. S, 1S4. Cop. Areli. Otnip. 

35 Daz siut die abschrift von dem gericht Passeyr und von 

satzprieffen. 

In dem gericht Passeyr. 

Item, ez ist zu wizzon, daz wir das gericht her haben pracht mit 
guter gewonhait, und wie ez ander richter an uns pracht haben seit meiner 
i<> frawen Zeiten der marchtgraffin. 

1) jürlichcn nuz] durch Jäf nur. 



Paateiet, 93 

Item dez ersten umb die gewonlcich zins, die si sulient zinsen iu 
dew graschaft auf Tyrol. 

Item dez ersten suUent si zinsen acht tag oder viertzechen auf daz 
langest nach sand Marteins tag, und wa in ain richtcr hin gepeut oder die 
präbst in dem gericht Passeyr, und wen si dez nicht eutaeten, so hat ain 5 
xnchter oder die präbst den gewait, zu phicndon umb die zins nach den 
>iertzechen tagen, welcher dar under weer under in allen, der da nicht 
möcht gehaben ain schaff von ehafter not, der sol dafür geben i pfunt. 

Item, und welcher nicht ain mutt futer mocht gehaben, als vor ge- 
schriben steet, der sol auch dafür geben i /^, 10 

Item, und welcher nicht ain frön swein möcht gehaben, der sol 
dafür geben iiii & perner. 

Item, und weicher nicht ain swinnen flaisch möcht gehaben, der sol 
dafür geben iiii gross. 

Item, und welcher nicht ain kitz oder ain lamp möcht gehaben, der 15 
sol für ir igleichs geben iiii gross. 

Item, und ze welchen zil si die obgenanten zins nicht richtent, so 
hat ain präbst den gewalt, daz er den fronboten zu im sol nemen und sol 
phfenten umb die vorgenanten zins auf dem gut und sol die verkaufen in 
dem gericht Passeyr, ez sei farendeu hab oder erbrecht, und weer daz, daz '20 
er nicht so vil fände, so sol er in haizzen still sten hüutz als lange, daz er 
den zins auz rieht, als meins herren geltpuch sagt. 

Item, ez ist mer zu wizzen von den gütern daselbens in dem gericht 
Passeyr, ez seien höffer oder lechen, ist daz sich ain leib verchert oder ver- 
wexelt wirt oder von tode wegen, so sol er dingen nach genaden von dem '25 
richter und sol die gut pezzern und nicht pössern. 

Item, ez ist mer ze wizzen, daz ain richter gepieten mag armen und 
reichen. Die selben mügen under in derweilen mit des richters will und 
wort, welcher aller nützleichst sei, zu vorsprechen der herschaft und dem 
richter, armen und reichen. Daz mag ain richter gepieten pei i /^, 30 

So mag auch ain richter derweilen zwen fronpoten, ainen zu Sand 
Lienhart und ainen zu Sand Martcin, daz mag er auch gepieten bei i //, 
und mag auch ain richter sitzen zu Sand Martein oder zu Sand Lienhart 
zu gericht, welcher halb er will, da er aller maist erber leut mag gehaben, 
und mag auch ain richter verpieten in dem gericht, wa er sitzet zu gericht, 35 
daz man die weil chain wein mag geschenken. 

Item, ez mag auch ain richter verpieten, daz niemant mit gewapenter 
haut an dem rechten sei, die weil der richter sitzt, daz er die weil die 
Waffen von im tue hintz als lange, daz der richter auf steet. 

Item, es mag auch ain richter gepieten in dem gericht allen den, die 40 
da gehofft seint, zu dem rechten, und auch ob iemant chain gastrecht wolt 
haben, oder umb Unzucht, da mag ain richter alwegen darzu pieten pei 
ainer peen. 

Item, und sulient auch alle die aidswerren, die in dem gericht sitzen, 
für pringen und rügen zu allen vier eleich tading. 45 

Item, und mag auch ain richter alle die weider, die in dem gericht 
eint, in pan legen mit etleicher der pesteu, die in dem gericht sitzen, nach 
derselben rat darumb, ob gotz gewalt auz chäm, daz man möcht zimerholtz 



94 Pasteier. 

finden, und mag auch mer darumb verpieten, ob ain herschaft chalch wol"' 
prennen in Passeyr, daz man auch holz darzu möcht gehaben, und ma^ 
auch mer gepieten darumb, ob dhain federspill in den weidern weer, da^ 
man dem selben nicht zu nachen schlug, pei ainer pen von igleichcKz: 
5 stamb 5 //. 

Item, und mag auch ain richter gepieten in dem gericht, daz nieman 
chain patzeid wein sol schenken über viii gr. 

Item, und mag ain richter gepieten in dem gericht, daz ieder maK= 
sol geben rechte mazze, es sei pei dem steer oder pei der eilen oder wein 
10 mazze oder welcherlai maz datz sei. 

Item, ez ist auch die gewonhait, die an uns chomen ist, waz trift- - 
holz auf dem wozzer auz dem gericht geet, ez sei chlain oder grozze, d.s 
sol ain richter da von nemen hundeil holz auf gnade. 

Item, ez ist auch deu gewonhait, die an uns chomen ist, daz niemand 
15 vischen und jagen sol, er sei armer oder reicher, in dem gericht an ainf 
richters will und wort, auzgenomen peren und wölf und fuches udJ 
chlain vögel. 

Item, ez ist auch an uns chomen, daz niemant tragen sol spiez und 
lang pulian-mezzer pei ainer pen. 
20 Item sol auch niemant chain schidspruch tun in dem gericht an dez 

richters will und wort, daz ain gericht an gehört. 

Item, ez mag auch ain richter der herschaft zins verpieten oder 
phfenton oder peen, zu wem er will, in dem gericht. 

Item, und welcher aus dem gericht wolt ziechen an ains richters 
25 will und wort, daz mag ain richter auch verpieten, hintz daz ieden man 
recht widerfar und im geschech. 

Item, und mag ain richter gepieten in dem gericht armen und reichen, 
wa dhain schedleich man oder diep, der an dem holz gieng, daz man im 
nach luff und sez, [und in] fieng auf recht. 
30 Item, ez mag auch ain richter gepieten in dem gericht allen zu sieg 

und zu weg und zu prukken, wenn sein not geschieht, da mag in alwegen 
ain richter zu gepieten, die darzu gehören. 

Item, ez mag ain richter gepieten den schiltheren, die zu rosse dienen 
zu notigen rechten und auch zu raisen der herschaft, also ist ez von alter 
35 in guter gewonhait herchomen. 

Item, und mainent si die selben schiltheren, in sol chain richter nicht 
gepieten umb chainerlai sach an meinen herren oder seinen gewaltigen 
hauptman^ damit weer mein herr sein gericht nider geleit und möcht 
auch niemant gericht worden, und ob volg und frag prächt, daz er ain 
40 gezeug weer oder ain gewizzen, dez weiten si nicht entün, ez schaff dan 
mein herr oder seiner gewaltiger hauptman. 

III. 

Eine Ab»ehrift au» neturrr Zrtt dt» Donmmle» r. J. JS96 bf findet »irh in drr SOtl. tirot. /). n. 90fi, 

4G4-fi9,' ein Stück davon JK n. //«, //, 88. 

Wier Albrecht, von gottes genaden herzog zu Oesterreich, zu Ka- 
renden, zu Steyr und zu Khrain, herr auf der Windischen march und zu 



Pa»»eier. 95 

Portenau, graf zu Habspurg, zu Tyroll, zu Pfiert und zu Khynburg, mar- 
^raf zu Purgau und lantgraf im Elsasse, bekennen für uns und unsern 
vettern und erben, das für uns komen seint unser getreu Hainrich ab dem 
Thum und Hanns der Stuchß von Purcheneckh aus Passeyr, und batten 
uns fleisigklich, anstat unserer leut und der ganzen gemain in Passeyr, 5 
das wier in geruechten zu verleichen und zu bestatten die naohgesohribne 
x-echt und gewonhait unsers thals daselbs in Passeyr, wan weilant Hanns 
^on Starhenberg, Ruedolf von Enngz, Hainrich der Kholber auf Tyroll, 
Jacob der Popp von Meringe, Hanns Tallocher und Hanns der lanthaupt- 
man an Meran, von des hochgebornen fürsten, unsers lieben bruders 10 
herzog Leupoldts, seliger gedaohtnus, und Gottfryd Müllner, burggraf auf 
Tyroll, geschefts wegen, von sechsunddreisigen erbarn mannen aus dem 
egenanten thal zu Passeyr aus unserm burggrafenamt zu Tyroll und von 
Meran darumb hetten kundschaft und gewissen aufgenomen und verhört. 
ALbo, daß si alle gemainigklich und ir iegklicher insonder vor in offenlioh 15 
hetten gekert gen gott und den heiligen aid geschworen, daz die egenanten 
unsern leut und das thal in Passeyr dieselben recht und gewonhait also 
von alter hetten gehabt und herbracht, und wan die egenanten potten 
Hainrich ab den Thurn und der Stuchß uns die selben kuntschaft habent 
versiglt gezaigt, haben wier angesechen ir ernstlich und gerechte pit, 20 
und haben unser egenanten leut und der ganzen gemain in Passeyr die 
selben ire nachgeschriben recht und gewonhaiten von genaden verliehen, 
vemenrt und bestatt, verleihen, verneuern und bestatten in auch die 
wissentlich mit dem briefe, was wier in des daran zu recht verleihen, ver- 
neuom und bestatten sollen und mügen, also daz si und ire erben und 25 
nachkomen die in fürpasser ewiglich haben und dapei ganzlichen beleiben 
sollen an meniglichs irrung und hinternuss, doch uns und unser vettern 
und erben unschedlich an allen unsern rechten, die wier in demselben 
unserm thal haben, und die uns die selben leut auf Tyrol in unser burg- 
grafenambt daselbs, auf Sant Zeneberg, an Meran oder wo hin gepunden 30 
seind, zu dienen, und sein ditz die recht und gewonhaiten. 

Des ersten gehören alle malefiz in unser burggraf enambt zu Tyrol, 
und wer die verschuldt, den soll ain richter in Passeyr vachen und in 
unser egenant burggrafenambt zu Tyrol antwurten. 

Item würt ainer daselbs in Passeyr zu ainest zu todt erschlagen in 35 
unserm gericht daselbs in Passeyr, den soll ain richter antwurten in unser 
egenant burgrafenambt, und wer den totschlag getan hat, oder iemant 
dapei gewest sei, der daran schuld hat, so sein ains richter recht nicht 
mer dan fünfzig pfunt perner, doch auf genad, und das ybrig, leib und 
gnet, sei uns auf Tyrol gefallen. 40 

Item, wer ain pogende wunden schlecht, der sei unsern gericht 
daselbs verfallen fünfzig pfunt perner auf genad, und von ainer pluet- 
mnstigen wunden fünf pfunt perner, und von ainer ploydn ains schlechten 
pains auf gnad. 

Item, es soll auch kain richter in Passeyr niemand vachen, der im ge- 45 
riebt daselbs gesessen ist und der aigen rauch hat, weder umb zins, weder 
nmb penn, noch umb ander sachen, ausgenomen malefiz, dan das ain richter 
alzeit darumb mag und soll pfenten und verkauffen, als lands und thals 



96 Paaseier, 

gcwonhait ist; es fint dan ainer nit so vil im haus noch hof, so mag ein 
richter den wol bei im haissen bleiben, unzt er im gewisshait thuety was 
er im schuldig ist. 

Item, war auch, daz dhaiu krieg oder stoss zwischen den nachtpanm 

5 wäre oder beschehe, um wellicherlei sach daz wäre, darumb mügen si sich mit 

ainander berichten, inen und dem gericht one schaden, die sach war dan 

vor mit versprechen für das recht komen; aber umb unzucht allain sollen 

die leut dem gericht bessern nach genaden, als sitlich und gewondlich ist. 

Item sollen auch die aidschwerer zu den vier eelich tading bei ein- 

10 ander sein, wan man zu gericht sitzt, und zu in nemen unser prabst in 
Passeyr, und die selben prabst sollen auch zu in nemen drei oder vier 
erbar man, und die egenanten aidschwerer sollen dann ruegen viererlei 
Sachen, daz ist mort, brant, diebstall und markstain, und si das gcthan 
haben, so soll man dan schreiben ain warhait für ain warhait, ain sagmer 

15 für ain sagmer, nach [der] rath, die dapei sein, und kain ander sach soll [man] 

nicht ruegen, dann umb allerlei sach soll man das recht nemen und geben. 

£s soll auch kain richter die aidschwerer nicht fürbringen zu 

ruegen^ kainerlai sachcn, dan was in selber gut wissen ist, und wer sein 

recht thuet für ain sagmär, darumb er geruegt wurt, derselb [sol] darumb 

20 fürpasser ledig und loß sein. 

Item, daz unser thalleut daselbst in Passeyr alzeit messer hetten 
getragen, und sein inen nie verpoten, auch mügen sie spiess tragen in dem 
gericht, in ohn schaden, ausgenomen zu kirchen und zu gassen, und an 
dem rechten mag die ain richter woU verpieten bei ainer pen des spiesses, 

25 den auch ain richter genemen mag, und anders nicht. 

Item was kainem talman daselbs kainerlai gejaid, noch vischen nie 
verpoten, wan sich manigcr damit pessert, und daz er uns dester pas mag 
gezinsen und gedienen mag. 

Item, wellich holzmair ain trift holz durch den Vartsshail aus dem 

30 gericht treibt, der soll dem gericht gepunden sein, zu ainer ehrung davon 
zu geben ainhundert gemain holz, darumb daz in das gericht schirm, nach 
alter gewonhait; und welchem man in seinen wäldem holz schlecht yber 
seinen willen, darumb sol man den pessern, des der wald ist, und kain 
richter soll nicht erlauben, iemant in seinen waldem an seinen willen zu 

35 schlagen, doch unverzigen, was vor dem gerichte gefiel, ob man iemant 
in seinem wald an seinem willen schlueg. 

Item, wellich holzmair ain triftholz treibt aus dem gericht, so sein 
ire alte herkomen und recht, daz ain ieglich talman holz ausgeschlachen 
mag, was er bedarf, es sei schintlholz, sagholz, steckenholz oder prennholz, 

40 und soll das dem holzmair fürderlich bezalen, wie es vier erbar nacht- 
pauren schätzen; gefiel es aber dem kaufer nicht, so soll er ims für sein 
hacken und zu seinem holz wieder antwurten, und ieder thail soll es gegen 
dem gericht unentgolten sein. 

Item, wan ain holzmair mit ainer trift ab dem wassor kombt, ängo- 

45 värde, und daz darnach über vierzehen tag ain guß mit holz kam, oder 
wie das wasser nach derselben zeit holz herbringt, das mag ain ieglicher, 
der dazu behoft und belechnet ist, auf dem seinen oder auf der gemain wol 
aufheben, im vor dem gericht un schaden. 



Ptuaeier. 9t 

Item, wan sich ain leib veränderty so mag ain ieglicher, reich oder 
arm, der in demselben gericht ist gesessen, und der recht darzae hat, 
ainen hof von dem richter dingen und empfahen mit finf pfund perner, 
Qfid ain lechen mit drithalben pfunt perner, und nicht mer. Ob auch unser 
leut daselbs iren zins angevärd nicht möchten gehaben, es war getraid, 5 
wein, rinder, schaff, schultern, kitz oder lemper, daz dan ain richter von 
in dafür gelt nemen soll, als es in unserm urbarpuech auf TyroU ge- 
schriben ist. 

Item es soll auch ain iedlicher unser brabst in Passeyr oder sein pot 
von unsern leuten daselbs unsern zins alzeit drei stund vorvordem, ee 10 
er si umb unsern dienst pfendt. [Wan] in der brabstei auch ain aidschwer 
abget, so sollen unser leut, die darin gehören, unserm gericht in Passeyr 
ainen andern aidschwerer inner vierzehen tagen wider an sein stat geben, 
der unserm gericht, armen und reichen, nutz und guet sei. Wan man auch 
unser pannpniggen in Passeyr macht, wellicher dann nicht darpei war, 15 
der darzue gehört, den mag ain probst umb ain pfunt perner, und nicht 
mer, woll pfenten, des die gemainschaft vertrinken mag, und das ist von 
dem gericht unvergolten. 

Es soll auch ain iegklicher unser richter alle elich tading beruffen 
und darzue gebieten zu komen, pei ainer pen iiinf pfund perner, und nicht 20 
mer, doch auf genad, [wen] aber gotts gewalt oder ehaft not irret, der pen 
nnentgolten sein. Man soll auch allezeit zu Sant Martin zu gericht sitzen 
und underhalben, nicht ausgenomen, zu den vier elich tading. So soll man 
zu gericht sitzen an den stetten, als von alter herkomen ist, und kain 
unser thalman soll dem andern, der auch in dem gericht ist gesessen, zu 25 
dem gericht daselbs nicht verpieten, denn iederman soll gegen dem andern 
recht suechen und nemen, als das billich ist. Ob auch ain richter unseren 
leuten daselbs zu schwär oder zu streng war, andei-s dan von alters her- 
komen, Sitten und geweudlich ist gewesen, so mügen die gemain unser 
leut daselbs in Passeyr der merer thail, arm und reich, uns umb ainen 30 
andern richter pitten, der ain thalman ist, und der unsern leuten darzue 
guet und nutz ist. 

Und wan man zu Sanct Marlin zu gericht sizt, so sollen die richter 
und gemain von dem gericht aufstehen, so die sunnen schattent, und der 
schat geht über das haus am holz, unverzigen auch ander recht und ge- 35 
wonhait, dieselben unsern leute in Passeyr von alterher haben gehabt 
und herbracht. Und des zu urkunt, so geben wier denselben unsern leuten 
gemainigclich in Passeyr disen brief versigelt mit unsern grossen fürstlichen 
anhangenden insigel, der geben ist an sant Peters tag in vincula nach 
Christs geburt dreizehenhundert und fünfundneunzigisten jar. 40 

IV. 

Herzog Lenpolt gegebnen deren gemainigclich in Puseyr freihaitsbrief. 1396. 

Wier Leupoldt, von gotes genaden herzog zu Osterreich, zu Steir, zu 
Kernten, zu Krain und grafe zu Tyrol etc. thuen kunt, als wir von der 
Ordnung wegen unser lande, so wir und unser lieber brueder herzog Wil- 
helm nach unsers lieben herrn und vetern herzog Albrecht seligen tode, 45 

OMterr. Weisthftmer V. 7 



98 Paueier. 

yber ain worden sein, alle redliche sachen und freihait, darumb man unF 
uoBer vorvordern brief zaigt, in den landen nnser Verwesung und aus- 
richtung von newen dingen beBtäten, also komen fiir uns unser getrewe 
unser talleit gemainigclich in Passeyr, edl und unedl, und prachten füi 
5 uns ain prief, den in der eegenant unser veter seliger geben häte, unc 
paten, das wir in denselben brief zu bestäten geruehten. Darin aber unsei 
getreuen lieben Hilpranden und Hanns aus Passeyr, die dasselb gerich" 
von unsern wegen inhaben, etwas redten, wie in demselben brief etlick 
stuck nicht geleitert werent, als wir und auch si des noiturftig wern, de 
10 haben wir unser räth und auch ander erbar leit über den selben bri&^ 
gesezt, und die habent ain stuck nach dem andern geleitert, und auch 
etlich stuck, der wir notturftig sein, darzue gesezt, als es von wort zi. 
wort hernach geschriben steet: 

Des ersten gehörend all malefiz in unser burggrafenambt zu Tyrol 
15 und wer die verschuldt, den solle ain richter in Passeyr vahen und ix 
unser egenant burggrafenambt antwurten. 

Item, wirdet ainer zu tot erschlagen in unserm gericht daselbs in 
Passeyr, den suU ein richter antwurten in unser egenant burggrafenambt, 
und wer den totschlag gethan hat oder ob iemant dabei gewesen war, der 

20 daran schult hat, so sein ains richters recht nicht mer, dann fünfzig 
pfunt perner, doch auf gnad, und yberig, leib und guet, sei uns auf Tyrol 
verfallen. 

Item, wer ain pogent wunten schlecht, der sei unserm gericht da- 
selbs verfallen fünfzig pfunt perner auf gnad, und von ainer pluetrinstigen 

25 wunten fünfundzwainzig pfunt perner auf gnad, und von ainer plewad 
ains schlechten paines auf gnad. 

Item, es soll auch dhain richter in Passeyr niemant vahen, der in 
dem gericht daselbs ist gesessen, und der aigen rauch hat, weder umb zins, 
pan, noch ander sach, außgenomen malefiz, dem das ain richter darumb 
SO alzeit soll pfenten und verkaufen, als des landes und tals gewonhait ist. 
Es fint dan ainer nit sovil in haus, noch in hof, so mag ain richter den wol 
haisen bei im bleiben, unzt das er im gewißhait thue, was er ime umb 
pann oder umb zins schuldig ist. 

Item, war auch, daz dhain krieg oder stoss zwischen den nachpaurn 

35 wäre oder beschehe, umb welicherlai sach das wäre, darumb mügen si sich 

mit einander verrichten, in und dem gericht on schaden, die sach war dan 

vor mit Versprechung für das recht komen; aber umb Unzucht allain sollen 

die leit dem gericht pessern nach gnaden, als sitlich und gewonlich ist. 

Item, es sollen auch die aidschweren zu den vier elichen täding bei 
40 einander sein, wann man zu gericht sitzet, und zu in nemen unser bräbst 
in Passeyr, und die selben bräbst sollen auch zu in nemen drei oder vier 
erber man, und die vier genanten aidschweren sollen den ruegen vierlerlai 
sach, das ist mort, prant, diebstall und marchstain, und wenn si das 
gethan haben, so soll man dann schreiben ain warhait für ain warhait, 
45 und ain sagmer für ain sagmer, nach der rat, die dabei seint, und dhain 
ander sach soll man nicht ruegen, dann umb aller sach soll man das recht 
nemen und geben. 



Pa»9eier. QQ 

Es soll auch dhain richter die aidschweren nicht furbriDgen selber 
zu rnegen kainerlai sacb, den was im selber bewusst ist, und wer sein 
recht thuet für ain sagmer, darumb er gerueget, der soll darumb für bass 
ledig und loß werden. 

Item, all tballeit mügen in Passeyr seh wert, messer und spiess tragen 5 
über Telt und über gassen, obn allein zu kürchen und zu dem rechten; die 
mag er in da wol verpieten bei ainer penn der wer, die ain genomen mag 
werden, und nicht anders, ausgenomen der edlen und schiltleit, den ist 
daran nicht verboten. 

Item, ain richter mag den wiltpann und die vischnez verbieten, aus- 10 
genomen der edlen und schiltleit, die mugen jagen und vischen zu ihrer 
notturft in ir heiser und ander nichts, und welicher talman sonst vischen 
oder jagen welle, der soll das thuen mit ains richters willen, solliche gejaid 
und vischen, als von alter herkomen ist; doch mag ain iegclicher talman 
pern, wölf, fuchs, dann hasen, schnehiener, orhienei* und klain vogel wol 16 
vahen gegen dem gericht ohn schaden. 

Item, wellicher holzmair ain trift holz durch den Partscheil aus 
dem gericht treibt, der sol gebunten sein, ainhundert gemains holz zu 
ainer erung davon zu geben, darumb das in das gericht schirm, nach alter 
gewonhait, und wellichem man in seinen wald ohn seinem willen holz 20 
schlecht, darumb soll [man] den pessern, des der wald ist, und kain richter 
soll nichts nit erlauben, iemant in seinen walden an seinen willen ze 
schlagen, doch unverzigen, was vor dem rechten fiel, ob iemant in seinem 
wak ohn seinem willen schlug. 

Item, wellicher holzmair ain trift holz treibt aus dem gericht, so 26 
sein jetzo alte recht, das ain iegclicher talman holz außgeschlagen mag, 
was er des bedarf, es sei schintlholz, sagholz, stöckenholz oder prennholz, 
und soll das dem holzmair fürderlicheu bezalln, wie es vier erbar nachpern 
schätzen; gefiel es aber dem kaufer nicht, so soll er ims für sein hacken 
und zu seinem holz widerumb antwurten, und ieder thail soll des gegen 30 
dem gericht unentgolten sein und bleiben. 

Item, wenn ain holzmair mit ainer trift holz ab dem wasser kumbt, 
ongeverde, und das denn darnach über vierzehn tag ain guß mit holz kam, 
oder wie das wasser nach der selben zeit holz bringt, das mag ain ieg- 
clicher, der dazu gehöfet oder gelehnt ist, auf dem sein oder auf der gemain 35 
wol aufnemen, im gen dem gericht an schaden. 

Item, wenn das ist, daz ain pauman abgeet und erben last, die sind 
nicht gebunten, die höf zu empfahen ; war daz ain hof verkauft oder ver- 
wechselt wirt, so soll man ain ganzen hof mit fünf pfunden und ain halben 
hof mit drithalb pfunden empfahen nach des Burggrafenambts rechten 40 
und gewonhait zu Tyrol. — Ob auch unser leut daselbs iren zins onge- 
verde nicht mechten gehaben, es war getraid, seh wein oder rinder, schaff, 
schultern, fueter, kitz oder leraper, das dann ain richter von in dafür 
gelt nemen soll, als es in unserm urbarbuch geschriben ist, auf Tyrol. 

Item, es soll auch ain iegclicher unser bräbst in Passeyr oder sein 45 
poth von unsern leuten daselbs unsern zins pfenten. 

Item, so hab ain richter gcwalt, der gcmainschaft zu ainander zu 
bieten, zu erwälen fürsprechen und fronpoten, ausgenomen der schiltleut, 

7* 



100 Pcateier, 

die uns zu dienst komen; wellich dann darzue erweit werden zu fronpoten 
und Yorspreohern, den hat ain richter bei fünfzig pfänden zu gebieten. 

Item, ain richter mag gebieten manigclichen, die darzue gehorent^ 
ob in dem gericht pruggen, weg oder steg abgiengen, die zu widerbringen ^ 
5 als oft des notturft beschicht, bei ainer pen ain pfunt pemer. 

Es soll auch ain iegclicher richter alle eelich täding beruefen und 
darzue gebieten zu komen bei ainer pen fünf pfunt perner, und nicht mer^ 
doch auf gnad ; wellich aber eehaft not irret, der soll der egenanten pen. 
unentgolten sein. 

10 Item, man soll auch zu gericht sitzen zu Sant Martin oder zu Sant^ 

Lienhart, wo allermaist erber leit gesessen seint, als das von alter her— 
komen ist, unser talman soll dem andern, der auch in dem gericht gesessen, 
ist, dasselb nit verbieten, dann iederman geen dem andern recht suechen. 
und nemen, als das pillich ist; und wann man zu Sant Martin zu gericht 

15 sitzet, so soll der richter und die gmain von dem gericht aufsteen, so die 
sun schätnet, und der schat geet über das haus in dem holz, es war dann 
daz ain sach in klag käme, der soll demnach gelandet werden, als das 
recht bringet. 

Item, so mag ain richter meni geliehen zu allen rechten gebieten, aus- 

20 genomen der edlen und schildleut, die seint der geboth uicht gebunden, si 
thuen es dann gern oder von pete wegen, es war dann daz ain zeugschaft 
an si gezogen wurde, so mag in ain richter zu den rechten gebieten, zu 
sagen ir kuntschaften, das den leuten gericht werde. 

Item, so mag ain richter mit der gmain der pesten und mit der 

25 merern menig wissen und willen alle gemaine wäld verbannen und der 
richter soll auch niemant daraus erlauben zu schlagen ohn der gmain 
willen, noch die gmain ohn des richters willen; aber seint iecht wälder, 
die zu liöfen gehören, die mügeu die pauleit wohl ni essen, ongeverde, aus- 
genomen, ob vederspill in denselben wäldern stüenden, den sollen si nicht 

30 zu nachen schlagen, noch in kain weg vertreiben. 

Item, so mag ain richter mit der pösten rath und wissen die wein 
anschlagen, zu schenken, und auch ainen aufsatz thuen, damit und dem leit- 
geben und der gmain ain gleichs beschehe nach [der] jar leuf, ongeverde. 
Item, ain richter soll und mag die rechten maß und wag bei pen 

36 gebieten ze geben, als von alter herkomen ist.*) 

Item, ain iegclich, der unklagbar ist, mocht aus dem gericht woU 
ziehen, ohn ains willen, der richter ist, und ohn hinderung; ist er aber 
vor dem gericht beclagt, so beschäh zwischen baiden thailen, was recht ist, 
ee das aintweder thail aus dem gericht ziehe. 

40 Item, so mag ain richter gemainigclichen, edlen und unedlen, ge- 

biethen, wann ain flüchtiger, schädlicher man in dem gericht vermeltet 
würdet, dem selben nachzustellen und zu des gerichts banden helfen 
zu bringen, wann sein notturft ist, ongeverde, ausgenomen ander recht 
und gewonhait, dieselben unser leit in Passeyr von alter haben gehabt 

45 und herbracht. Und wann all vorgeschriben sach nach unser räth und 



*) D. 908, 468 folgt: Item, ain richter soll mnb der herrschaft zins von 
m&nniglichen verwaren, aber umb den gericht peen geschech, was recht sei. 



Pa9»eier. ' lOJ 

ander erbar leit also geleitert ist, so mainen wir auch, das es fiirbas von 
uns, nnsem brüedem, vättem und erben dabei bleibe ohne mänigcliohs 
irmng und hindemus, und haben auch darumb zwen gleich brief geschafft, 
den eegenandten unsern talleuten gemainigclich in Passeyr ainen , und 
den Torgenanten unsern richtem, Hansen und Hildpranten aus Passeyr, 6 
auch ainen ongeverde. Mit urkunt dits briefs, geben zu Ynnsprugg an 
mitwochen nach sant Ulrichs tag nach Christi geburde dreizehenhundert 
jar, und darnach in dem sechsundneunzigisten jar. 

V. 

Btiträge zur Geschichte, StatMOc etc. v. Tirol u. Vorarlb. 3, 136 (n. XXVI), aus: Bibl. tirol. D. n. 

614, 227 (Abschrift v. G. Primisser a. d. Arch. Oen.) 

Ain ordnungszedel über die aus Fasseir und der schilthof. 10 

V 

Hie sint vermerkt die ervindung über die stosse zwischen Passeyrern. 

Primo, ob si nicht gezinsen möchten, als vermerkt ist, so sullen und 
ttiügen si geben für ain schaf xii kreuzer ainem richter, oder wenn wir 
das zu unsern banden nemen, so wellen wir nemen, [was] wir wellen. 

Item für ain lamp iiij gr^. Item, welcher das fueter nicht gehaben 15 
tuöchte an geverde, der sol das gelten, als man es an Meran auf dem platz 
^ie zeit geit. Item fiir ain swein iiij pf. Item für ain schultern iiij g^. 
Item für ain kitze iiij g^ an die air, awr mit den aim vi g^ Item, wenn 
clas ist, das ain pauman abget und erben lat, die erben sint nicht gepunden 
^ie höf ze emphahen, awr wer, das ain hof verkauft oder verwechselt 20 
^rt, so sol man ainen gantzen hof mit fünf phunden, ainen halben hof 
mit iij pf. emphahen nach des purgrafampts rehten und gewonhaiten. Item 
80 hat ain richter gewalt, der gemainschaft zu einander ze gebieten, ze 
erwelen vorsprechen und fronpoten, ausgenomen der schiltleut und sölicher 
lent, die der herschaft ze dienst kumen. Dann die darzu erweit werden 25 
zu vorsprechen und fronpoten, den hat der richter bei fünfzig phunden 
ze gebieten. Auch sol ain richter ze gericht sitzen ze Sant Martein und ze 
Sant Lienhart, als von alter gewonhait und recht ist. Und wen ain richter 
sitzen wil, so mag er verpieten, das niemant mit verpotner wer und ge- 
wappender band ze gerichte sitze, an geverde. 30 

Item, so mag ain richter menikleich zu allen rehten gepieten, aus- 
genomen der schiltleut, die sein des gepots nicht gepunden, si tun es dann 
gern, oder von pete wegen, es were dann, das dhain zeugschaft an si ge- 
zogen wurde, so mag in der richter zu dem rechten gebieten, ze sagen ir 
knntschaft, das den leuten gerichtet werde. 35 

Item, so mag ain richter auch wol mit der pesten und der mer ge- 
mainde wille und wissen alle gemain weider verpannen, und er richter 
sol auch niemant daraus nichts erlauben ze schlahen an der gemainde 
wille, noch die gemaine an des richters willen. Awr sint icht weide, die 
zu höfen gehörn, die mügen die pauleut wol niessen an geverde, ausge- 40 
nommen, ob vederspil in denselben weiden stünde, den sullen si nicht ze 
nahen schlahen, noch die in dhainer weise vertreiben. 



102 Patttier, 

Item, 80 foag ain richter mit der pesten rat und wissen die wein an- 
sohlahen, ze schenken, und ainen au&atz tun, damit und dem leitgeben. 
und der gemain ain geleichs bescheche, nach der jar laufe an geverde. 

Item, ain richter so! und mag die rechten mas und wage bei peen. 
6 gepieten ze geben, als von alter herkumen ist. 

Item, von dem holtztreiben sol niemt nichts gepunden sein ze geben, 
in Passeyr, dn was er auf Tirol geben sol, als von alter herkumen ist. Weir 
es aber von alter herkumen und sich das funt mit kuntschaft, daz mam. 
darumb ^) sie ausnemen soll, so suUen si es auch beschaidenleich nemen. 
10 Item, der richter mag den wildpan und vischwaid verpieten, als voiä. 

alter herkumen ist, ausgenomen, das ain iegleich schiltman mit vederspiX 
gepaissen und mit dem angel vischen und mit winden hetzen mag. Aucti. 
mag menikleich pern, wolf, füchs und den weissen hasen, snehüner, das 
orhun yahen und auch klain vögeln. 
16 Item, so mugen alle erber gesessen leut swert, messer und spiesse 

getragen über yeld und ze gassen, an alain ze kirchen, zu dem rechten 
an die schranne, als vor begriffen ist. 

Item, so mügen die gesessen leut menikleich mit einander berichten 
umb gült und ander zusprüche, die für reht mit yorsprechen nicht kumen 
20 sint, kn des richters gegenwart, ausgenomen umb unzuht, die mag man 
auch richten, ze behalten dem gericht seiner rehten. 

Item, ain richter sol umb der herrschaft zins vor menikleichen ver- 
yarn, awr umb des gerichts penn beschehe, was recht sei. 

Item, ain igleicher, der unklagper ist, mag aus dem gerichte wol 
25 ziehen an des richters wille und hindrung. Ist er awr vor dem richter be- 
klagt, 90 beschehe zwischen paiden tailn, was recht sei, ee das aintwedrer 
aus dem gericht ziehe. 

Itera, so mag ain richter menikleichen, edeln und unedeln, gebieten, 
wenn ain flüchtiger schedleicher man in dem gericht vermellt wurde, 
30 demselben nachzustellen und zu fies gerichtes hant helfen ze bringen. 

Item, ain richter mag gebieten menikleichen, die darzu gehörnt, ob 
in dem gerichte weg oder ateg abgiengen, die ze widerpringen, als oft sein 
dürft beschicht. 

Itera, der richter sol den achiltleuten nicht gebieten ze raisen, es sei 
85 dann, das der herschaft oder ires huubtmans oder des burgrafen brief oder 
ander merklich botschaft da zegegen sei. 

*) (larnmbj daz und. 



Mtenna, }03 



12. Schenna.*) 



I. 

Carla origiataUs in Arth. Oeniponl. AUchrift in der Bfbl. tirol. D. n. 616, 19. 

1423. 

Bericht über die Schennaner Freiheiten. 

Durohleuchtiger hochgeborner fürst, gnediger lieber herr. Die ganz 
nain, reich und arm, auf dem perg Schennan tut ewer fürstlich gnad ze 6 



*) D<u kleine Gericht Schenna war im Südotten vom Landgerichte Meran 
Motten und »ties» im Norden an da» Gerieht Pataeier^ im Osten an Samthai; 
le Örenxe lief von der Ifinger- hit zur Prenner- Spitze über den Qehirgtkamm, 

letzterer hi* zum Dorfe Saltaus in leichtgetchioungenem Bogen über den toett- 
m Abhang dieser Kette^ dann bi* zum Eivfliut de» Kain»er Bache» in die 
titr läng» dieser, darauf in schräger Richtung in» Naiflhal und durch die»e» 
xum Ißnger. Die» Gericht gehört zu den jüng»ten Geric?itsbezirken, denn in 

ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhundert» i»t e» noch nicht von dem Burg- 
fenamt auageachieden und einem eigenen Civilrichter unter»tellt (die» geht au» 
ireren Urkunden König Heinrich» von Böhmen hervor). Die Ausscheidung ge- 
ih sehr wahrscheinlich erst von Ludwig dem Brandenburger und zwar tu 
ntten de» Petermann von Schenna, der um die Mitte de» 14, Jahrhundert» al» 

reichste und mächtigste Adelige des Landes erscheint, dem noch mehrere Ge- 
itahezirke und seit 1346 auch das Burggrafenamt anvertraut waren (Burg- 
in«r 2, 3y 1126). Dieser mächtige Adelsherr erwarb auch insbesondere im Gericht 
enna viele Güter und Leute und baute zuerst auf dem Hügel ober dem Dorfe 

SchlosSf nachdem er denselben für »ein alte» Burg»tall von »einen Vettern Bein- 
^ht und Werner von Schenna eingetauscht hatte; am 2. März 1346 verlieh ihm 
rkgraf Ludwig von Brandenburg da» ^gesezze, das da geheizzen ist der puhel** 
rechtem Lehen und ertheilte ihm die Erlaubni»», dasselbe zu bauen (Durig, 
fest. d. Markgraf Ludwig, Mscript). Margaretha Maultasch übertrug ihm bei 
'leihung de» obgenannten Gerichtes sogar noch die MaUfizgerichtsbarkeU, (Stock 
• Galgen), die bisher wohl noch das Burggrafenamt geübt hatte (A. Huber, 
fcÄ. d. Verein. Tirol» mit Oesterreich, ürk. n. 291. Burglechner 2, 3, 1127), 
:h dieser Zweig der Gerichtsbarkeit wurde schon 1370 wieder dem Burggrafen- 
e zurückgestellt, wenn auch da» Sgmbol dereelben, die Galgen»äule, noch bi» 
3 auf dem Sehennaer Berg stehen blieb (Der deutsche Antheü 417 Anm. e); 
an war es blos Civilgericht und ein Bestandtheil des Landgerichte» Meran 
zu seinem Ende. 

In eine viel frühere Zeit, al» da» Gericht Schenna, reichen die Edeln von 
*nna zurück; ncieh Burglechner lebten bereit» im Jahre 1209 Babo, Conradu» 

Heinrich von Schenna, Doch mit obgenanntem Petermann von Schenna er- 
hte da» Geschlecht schon sein Ende und dessen ausgedehnte Besitzungen fielen 
Is an die Herzoge Albrecht und Leopold zurück, theil» gingen »ie auf »eine 
nahlin Crietina und die Männer »einer Töchter, Han» von Siarkenberg, den 
fiahl der Adelheid von Schenna, Friedrich von Greifenatein, den ereten Gem{üil 

Barbara von Schenna und auf Cri»tof von Lichten»tein, deren zweiten Gatten, 
' (Lichn. 4. Bd., Nrn. 909, 968, 969, 2143). Die Burg Schenna mit den 
ten und Gütern der Herrechaft Schenna, da» Mal^zgericht auegenommen, er- 
' 1370 Adelheiden» Gemahl (Schatzarchiv-Repert. 1, 50); die noch ältere Burg 
fen, welche »ich gleichfall» im Gerichte befindet, kauften Han» von Starkenberg 

Friedrieh von Greifenetein ihrem Schwager Konrad MüUer ab ttnd dann 



104 Sehenrni, 

wizzen von unser alten recht wegen, so es dann von alter herkomen is= 
bei hern Peterman von Schennan, hern Hansen und hem Sigmunden vc 
Starchonberg, als noch erber leut sind, die des gedeukeut und bei hunde 
jare alt sind, das es also ist herkomen, als hernach geschriben stet, und }> 
6 der meidung und olfnung sind auch gewesen Herman Wirtel von Rubeii 
die zeit stathalter des burggraffampts auf Tirol, Niklas Jordan Keiner z 
Tirol, Albrecht Plochinger, Christan Schneeberger, Peter Rauscher un 
Jacobi Noder und ander erber leut. 



ftrwarh «ie der er»fere durch Verzicht de» zweiten zu vollem Eigenthnm (Burg 
lechner 2, 5, 1197). AJ» aber die Enkeln de» Hawt von Starkenberg y Ulrich unc 
Friedrich von Starkenberg, nach dem FaUe des Heinrich von Rottenfjurg dii 
reichsten und mächtigsten Adeligen im Lande, mit Herzog Friedrich IV, in Strei 
gerietheny entriss er ihnen aVs Besitzungen und darunter am Fa^tnacJitstag dei 
Jahres 1426 auch die Feste Schenna (Burglechner 3, 2, 58 5) y die er dann ai 
Gerijcig von Rottenstein verpfändete (Lichnowsky 5. Bd., N. 3114). Nach »einen 
Tode jedoch belehnte sein Sohn Sigmund 1446 mit Feste und Gericht Schentu 
einen Star kenb erger y nämlich den Wilhelm von Starkenberg, einen Sohn des ohge 
nannten Ulrichy von dem dieselben zuerst tdeder an Gerwik von Rottenstein zurück 
fielen und dann an Veronica Starkenberg und ihren Genial Bernhard Gradne 
kamen (Schatzarchiv-Repert. 2, 100. 105. Burglechner 2, 3, 1200). Kaiser Maxi 
milian I. verpfändete 1496 Schloss und Gericht Schenna um 8000 fl. und 1750 Du 
caten an Paul von Lichtenstein, Freihemi zu Castelcoi-ny und gestattete ihm unte 
zwei Malen 4000 fl. an der Feste zu verbauen. Dieser reiche und mächtige Edel 
herr gah dem Schlosse Schenna die grosse stattliche Gestalt und Christof Philipp 
von Lichtenstein erlangte von Erzherzog Ferdinand 1526 die Befugniss, Titel um 
Wappen der Herrschaft Schenna anzunehmen. Bei der Familie Lichtenstein ver 
blieb Schenna bis zum Hintritte des Grafen Thomas im Jahre 1752, worauf das 
selbe (1753) mit Civil- und Criminalgerichtsbarkeit und dem Pfarrpatronate, abe 
unter Vorbehalt der hohen Regalien, den Grafen Beftoni von Brescia um 64.000 f 
als Mannslehen verliehen wurde (Bibl. tirol. 1195. IL Staffier 2, 694 f.). Dies 
verkauften 1812 Schenna an Ant. von Goldrainer; als aber der Genannte « 
folgenden Jahre das Lehen in allodes Eigenthnm vemcandeln liess, wurde Kirchen 
patronat und GeHchtsbarkeit vom Schlosse getrennt. Die Goldrainer verkaufte 
1838 das Schloss Schenna an Jak. Hinterwalder aus Innsbruck und dieser 184* 
an den Erzherzog Johann, von dem es sich auf den gegenwärtigen Eigenthümei 
den Grafen von Meran, vererbte. Das Gericht wurde hei der Organisimng m 
Jahre 1806 dem Ixindgerichte Meran zugetheilt (Kgl. baier. Reg.-Blatt 180 
S. 456) und ist seit 1813 definitiv in daftsell>e aufgegangen. 

In eine viel frühere Zeit als das Gericht und die Edlen von Schenna geh 
zweifelsohne das Dorf und die Pfarre ScJtenna zm-ück. Dass der Name von de 
gcdlischen Senonen herrühre, ist allerdings mehr als eine kühne Hypothese; doc 
gab es da wohl schon zu Römerzeiten Ansiedlungen, wie man aus dem Fund va 
Römermünzen schliessen möchte. Jedenfalls bestand die Pfarre Schenna, die h\ 
gegen Ende des 12. Jahrhunderts auch den Bezirk der heutigen Pfarre St. Leor, 
hard in Passeier umfasste (Goswin 48, 72, 126. Der deutsche Antkeil 420), scho 
sehr fi-üh ; doch der Name des Dorfes kommt meines Wissens nicht vor 1199 un 
zwar in der Form Sccnnon vor (Mon. Boic. 7, 50)y die bald darauf in die noc 
jetzt gebräuchliche von Schenyta übergeht. Die Gemeinde Schenna alter hat. sie 
wohl erst zugleich mit dem Gerichte gebildety während sie früher mit Mais vereii 
war. Fremde Herrschaften scheinen in dieser Gemeinde nicht vorgekommen zu seil 
seihst nicht Besitzungen von auswärtigen Klöstern und Kirchen. Zur Zeit Herzo 
Friedrichs IV. zählte man zu Obemdorf 12 und auf Zell 112 Eigenleute (Burr, 
lediner 3y 4, 1057 )y und 1460 hatte das Gericht Schenna nach Angabe des do 
maligen Pflegers 123 wehrhafte Männery während man im ganzen Stadt- und Lano 
^erichte Meran nur ungefähr 765 zählte (Schatzarchiv-R^. 4y 35). 



Scherma. 1()5 

Von ersten ist es also herkomen von ains präbsts wegen, das die 
herschaft sol ain präbst setzen auf Schennan, doch mit der gemain will 
und wort, der der herschafft und der gemain nutz sei von wegen des wein- 
messens und auch von der prugken wegen an Meran, dem sol die herschaft 
kost und Ion geben. 5 

Item, so ist es von alter herkomen, das alle welder und alle gemain 
in dem gericht auf Schennan sollen frei sein. 

Item, es ist auch herkomen, das die gesworn auf Schennan suUen 
alle saoh rügen in elich teding alle jar, als man dann in dem purggraffampt 
tnt, ain warhait für ain warhait, ain hören sagen für ain hören sagen. 10 

Item, auch sind alte recht und ist herkomen, das man kain gesessen 
man in dem gericht auf Schennan nicht vahen sol, es sei dann, das die 
rach in malefici trefif. 

Item, wer die sind, die kitz oder lemper zinsent, und der nicht ge- 
haben möchten, die selben geben für ain kitz und xxx aier vi krentzer, 15 
oder für ain lamp, item für ain kappaun iii gr., item für ain schulter 
Ti gr., item für ain stadolhenn ii gr., item für ain schnitthun i gr., item 
für ain mutt futer i & pr. Das alles ist also von alter herkomen. 

Item, auch ist es von alter herkomen, wenn dem laut not an gieng, es 
sei mit raisen oder mit steuren, wie man dann in der pfarr ze Mais anlegt, 20 
des solle die gemain von Schennan ain dritten tail als vil tun, wann es 
etwenn ain gericht ist gewesen. 

Edler fürst, gnediger lieber, also pittet ewer fürstlich gnad die ganz 
gemain, reich und arm, auf Schennan, das ewer gnad uns besteten well und 
halten bei alten rechten und freihalten, als ander gericht in dem purggraf- 25 
ampt haben, und als wir gehabt haben mitsampt Maisern, ee die vesti 
Schennan gepaut wart, das uns das beste tet werd mit ewern fürstlichen 
briefen. 

Gnediger herr, auch hat sich gefugt bei den von Starkenberg, daz 
M uns verpoten haben, daz unser kain er ab Schennan weder vich, smaltz, 30 
käs, kom, noch kainen nutzen verkaufen sol, er müzz das vor zu dem haus 
anf Schennan bringen, ob man des bedurf oder nicht; des wir alle von 
wicher newerung wegen ain grozz beshwerung haben und gehabt haben, 
^nd haben ewere gnaden das vor oft bei den von Starkenberg kleglich 
geklagt, das uns ewer gnaden versprochen hat ze wenden, das nicht be- 35 
*chehen ist, und werden noch darumb von ewer gnaden pfloger, als vor, 
darumb bekumert. Das klagen wir ewre fürstlich gnaden, und anders . 
Dicht, und ruffen ewer fürstlich gnad an, ir wellet uns das nach ewrn ver- 
haissen wenden, und daz wir beleiben bei solhen rechten, als ander in 
ewer gnaden purkgrafambt und die ausserhalb in ewrn gerichten sitzen. 40 



106 Schenna, 



II. 

N<ieh einer Ah§chriß dee Ju»Unian Ladurner. 

1509. 

Dorfrecht und Saltnerei der GemeiDde Sohönna. 

Saltnerei, dorf recht und ehafft auf Schönna etc. 

5 Anno millesimo quingentesimo dodo an sand Joannes des gotzfauf« 

endhaubtung tage, in gegen wurtigkeit Jörgen Tausen, richters aufSchöni 
und der hernach geschriben sind hie aufgeschriben und gemerkt c 
saltnerei, dorfrecht und eehaft, als zu allen dorfrechten angezaigt u 
gemelt soi werden. 

10 • Zu sand Peters tag. 

Am ersten zum kässonntag ist das am selben sonntag abgenomm< 
und ist auf sand Peters tag gelegt, so sol ain dorfmaister fürbieten dem 
die in die dorf lichen recht gehörn zue rechter zeit vor am abend, wo 
ainen nit dahaim funde, sol er ime drei stain auf das trischschubl leg« 

16 damit sol im geboten sein. Und welcher ain maritschen ( 

hat, darauf die dorflichen recht geen, so ist der dorfmaister nit wei 
schuldig zu geen, dann zu der maritschen, daselbs soll er die drei sti 
legen, damit sol im geboten sein. Und welcher, so in die dorflichen rec 
gehörn, an sand Peters tag zu den dorfrechten nit kombt, der ist Terfall 

20 umb drei kreutzer in das dörflich recht. Ob aber der dorfmaister üb< 
saech und im nit pot, so sol der dorfmaister dieselben drei kreuts 
geben. Und wann ain saltner nit kam, der ist verfallen umb sechs kreutz 
Und wo der dorfmaister selbs auch nicht da war, ist auch schuldig sec 
kreutzer. Ausgenomen, welchen irt gotzgewalt eehafft n 

25 der war 

Also wann das setzt ist, und die urtail 

da ist, die obgesch urtail sol gen, so m 

Darnach wirt ainem ieden auf sein aid zuegesprochen, wie weit < 
riglzeun geend, und wann das beschehen ist, so setzt man new saltr 

30 und dorfmaister, die auf das jar saltner und dorfmaister sein sollen. 

Darnach wird vermeldet, wie ferrer die riglzeun gend und wie w 
darin die saltner bieten sollen. 

Vom wassern. 

Ob aber mangl an wasser war, so sollen die Tschifoner ain pflugsn 
35 nemen, die ungevarlich ain .... gfurt seie, die sollen sie zu wal lege 
weder ze vöst, noch ze anlag, und was da' durch geet, sollen si sich l 
ndgen lassen. 

Item, wo ainer ze wassern hat, er sei ob hausern, hofsteten, wei 
garten, ägker, wisen, oder wie das genennt ist, so soll er aufsehen halx 



Sehenna, 107 

wo er ob ainem ligt, mit dem stugk, das er wSssern will, 0OI en dem 
mdem nit za nahent keren, bei ainer eggen bradt anfhören, damit scha- 
den farkomen werde, also das ainer dem andern mit solchem wässern nit 
schaden Ihn; wo aber ainer über solich weiter schaden thät, ist die peen 
der herrschaffc fünf und zwainzig pfand pemer. 5 

Item, wo ainer dem andern das wasser in seiner roet abkert, so 
mag er dem wasser nachgeen, und wo er das findet, darauf es kert sei, 
80I er ainen wasen ausreissen, und sol ine mitten von ainander schneiden, 
nnd sol das halb theil im loch ligen lassen, und das ander halb theil 
zu dem dorfmaister tragen, und das zaigen, damit soll er geweist haben: 10 
ut die peen in die dörflichen recht y & perner. 

und wo sich ainer solichen pfand widert, vermaint, das er unbillich 
pfent sei, so soll ain dorfmaister ain dorfilich recht darum besetzen; was 
daselb in die dorflichen rechte erkennet wurdet, dem sol nachgegangen 
werden. 15 

Item, wo ainer über den andern zu wässern mit seiner rot zu führen 
bat, so soll, des die wier ist, nur drei ga offen lassen. • 

Wann ainer [sein] zeit gewassert hat, so soll er das wasser keren 
auf die gemainen runst, damit so nit in die gemain wege gee. 

Laurenti. 20 

Item am sand Laurenzen tag wird aber dorfrecht besessen und ge- 
melt, alles das vor an sand Peters tag und sand Jörgen tag auf das ganz 
Jahr gemelt ist, es sei umb saltner-, dorfmeister oder ander penn halben, 
nnd allenthalben. Daselbs sollen fürgestellt werden die vier saltner, ob sie 
der herrschaft und der gmain gefallen oder nit. Und si nu der herrschaft- 25 
nnd der gmain gefallen, so nimt die herrschaft die wal am ersten, und 
darnach der pfarrer mit seinen nachbauern. Der saltner, so in Than hüttet, 
80II all sontag zwei weinbeer in widen bringen, da soll im der pfarrer all 
sontag das mal geben. 

Und sollen die saltner an sand Laurenzen tag ansteen, und alle tag 30 
ainer hueten, huntz auf sand Eatherein kirchweich auf Hafiing. Die an- 
dern sollen dieweil das hutholz machen, und sollen die hutp&m schlagen 
in der herrschaft panwald, und sollen die vier hütten zu dem vorge- 
i&elten sand Katherein kirchweich bereit sein, darnach sollen die yier 
»Itner alle vier hüten. 36 

Item, ain ieder saltner sol der herrschaft anloben an geschwomer 
aidfitatt, trewlich zu hütten dem armen als dem reichen. 

Item, es sol sich keiner selbs speissen, sonder angedingt sein. Ob sich 
gib, das ainer nit ainen knecht zu saltner fünde ze dingen, und selbs 
möflst hueten, und so es ist zu pauzeit, mag er wol heim geen, und seinen 40 
tarn ans&en, aber nit pflüg haben, sonst all weg bei der hut sein. — Des- 
gleichen wann ainer auf ainer alben zu schafl^en biet, so soll er geen, nnd 
B^in traid abtreiben und sein vich darnach ainem andern bevelchen, und 
^der zu der hAt geen, dieselb weil, und er also in der albea ist, sollen 
die andern saltner an seiner statt hütten und zuesehen. 46 



108 Sehemia. 

Item, wan man ainem saltner zu essen tragt^ sol bei tag beschehen, 

ßol er dem boten ain weinper geben, das sol er bei der hiitten essen, und 

nit haim tragen, und die geschirr am haimgeen sol der bot alle offen und 

un verdeckt tragen. 
5 Und wann ains in ain weingart geon will, zu welcher notdurft das 

sei, nicht ausgenommen, sol er dem saltner dreimal rufen. Ob solichs nit 

beschaech, und der saltner ain funde, so mag er ain person wol pfenden. 
Ob ains in ain Weingarten gieng, und weinber äss, sitzend odei 

steend, und der saltner kam darzu, sol ers mit werten strafen, sonst nichts 
10 thun; ob aber ains weinber gefasst biet mit ir ze tragen, so soll er dasselli 

zu gericht^n banden nehmen, oder mit anderm gewalt erobrigen, und wc 

ain saltner in solcher mainung schaden tat, oder leiblos machet, sol dei 

saltner der herrschaft darumb nicht schuldig sein und gen meniglich un- 

entgolten. 
15 Ob ainer ainen hund biet, der weinper äss, und saltner wird de 

inn, sol ers dem sagen, des der hund ist, damit er zu ihm halt; findt e: 

ihn über sollichs weiter in dem Weingarten, mag er ainen spiess dareii 
' stossen, und niemand nicht darumb schuldig sein. 

Ob ainem saltner ain feldpferd oder ander vich in die hut kkm 
20 das ledig k&m, sol er zu dem dorfmaister treiben. Ob das aber ain geraisi; 

pferd war, so soll ers auf die Strassen keren, und geen lassen, und ihr 

nichts tun. 

Ob ain person kem, die nit weingart biet, und b&t umb ain weinpei 

sol er ain mal ain weinper geben. 
25 Ob ainer ain schwanger frauen biet, oder ain kranke persoi 

in dem haus, und mangel biet an wein, und begeret ain um oder etwa 

klains ze wimraeo, das sol ihm vergönnt werden. 

Ob aber derselb weingart biet, die halben wein g&ben ze zins, s 

soll man die herrschaft darumb begrussen, die sol ims auch erlauben ode 
30 vergönnen. Darzue soll all weg der saltner genommen werden, der 8( 

sehen, wie vil des weins werd. 

Saltner lohn. 

Item, es sol ain ieglicher von allen stugken, die von alter saltnen 

geben haben, es sei itzt wisen oder ägker, und wie die von alter gebe 

35 haben, albei von zwaien mangraben ain geschworne pazeiden wein; wc 

dawider w&r, sol saltncr den dorfmaister anruffen, der sol ihme sein lo 

geben, es w&r dann das so vil nit gewachsen war. 

III. 

Papierhs. 17. Jh. ■#". 37 BI. OtmtindearcJiiv in Schenna. 

1591. 

40 Dorfpüechl. 

An sanct Bartholämeus des h. apostls tag nach der geburt Chris 
Jesu, unsers ainigen heillants, in ßnfzöohenhundert ainundneinzigisten jafa 



Schenna, 109 

ist durch den firnemben, weissen Casparn Täber, der zelten richtern zu 
Schenna, und durch die hernach beschribnen nachpaurn, mit nambeu 
Hansen Pföstl, letzt Domer, Görgen Kruslburger, genaat Mayr am Ort, 
Vältin Purkhart auf dem Garten guet, Martin Tschitten auf dem Perlguet, 
Hansen Kuen auf dem Stöfferguet und Gregori Unterlocher, all in obern 5 
und untern dorf auf Schenna sösshaft, als die auch von wögen ihrer haben- 
den albanrechten ins dorfrecht gehören und darinnen verwant sein, mit 
Torwiasen und auf beschöchne verliebung und begehren maistentails ihrer 
mitverwanten das alt dorfbiechl auf all drei dorfrecht in allen articklen 
jbersöchen, und in denen etwas zu bössern oder zu eadern die not erfor- 10 
dert, es beriere saltnerei, riglzein, dorfmaister, wasserroden, wimbathuet 
und andere ehehaft, so zu dem bestimbten dorfrechten st. Peters, st. Geor- 
gen und st. Lorenzen tag angezaigt und vermelt wirdet, geendert, pössert 
nnd Terneyert in massen und gestalt, wie hernach folgt : 

Erstens zum dorfrechten auf sanct Peters tag. 15 

Daselbs soll ain dorfmaister auch sonst zu nachfolgenden dorfrechten 
all den jenen, so in den dorf liehen recht gehören, zu rechter weil und zeit 
iedes mals an abend zuvor nach Ordnung firpieten, also der dorfmaister 
ainen nit anhuembs funde, soll er ihne drei stain auf das trischibl *) lögen, 
damit soll alnem ieden also, wöllich nicht anhaimb were, gebotten sein 20 
zum dorfrechten. Auch wer oder wöllich ain maritschen hat, so ins dorf- 
lecht gehört, daselbs mag ain dorfmaister auch drei stain lögen, damit soll 
der maritschen oder ihren verspröcher auch gebotten sein; wer oder 
völliche aber, so ins dorf lieh recht gehören, yber solliche firpat zum dorf- 
lechten auf st. Peters, st. Georgen oder st. Lorenzen tag nit erscheinen, 25 
der ieder soll hinfiran in das dorf recht verfallen sein zwölf kreizer; wo 
aber ain dorfmaister ainem nicht put, so ist ain dorfmaister sollicher zwölf 
kreizer verfallen. Und so aber ain dorfmaister oder saltner selbs nit er- 
fichinen, der ieder ist firtershin zur straff ins dorf recht verfallen umb acht- 
«öchen kreizer, doch ausgenomben diejenigen, so verhintert gottes gewalt, 30 
l^errn geschäft und ehehaft not, die sollen diser buess lödig sein, und soll 
zu ieden dorfrechten von man zwölf personen, und [wan] das recht besözt 
ist, durch ain dorfmaister oder auf sein bitt durch ain richter die urtl 
abgefragt werden. 

lieber iedes jähr am sanct Peters tag sollen neye dorfmaister und 35 
wltner gesözt werden, und wann solliches beschöchen, so soll alsdann ver- 
ittelt werden, wie weit die riglzein gehen, wo und wie weit die saltner 
lüeten sollen. 

Eiglzein. 

An ersten höben sich die riglzein an hinter Kothall an der Nasseix 40 
und daselbs sollen die gais von kässonntag unzt auf sanct Gallen tag nit 
oiehr gehen yber die Nassen. 



>) riBchibl fu. 



110 Schenna, 

Darnach gehet der riglzaun von der Nassen hinter des Bothtallers 
zein hinzt an das pächl oder groben, so von der schlosspniggen hinab* 
kombt, demselbigen pächl nach auf unter die Fchlosspruggen auf den weg, 
dem weg nach bis an das Mihlguet zu der alten saag in Schnuggenbach, 
6 daselbs dem steig nach auf bis zum Krebiss, vom Krebiss dem weg nach 
gen Sanct Georgen, Ton Sanct Georgen aus durch Feir dem steig nach, 
der in Vernaun get, von dem steig hinab Marchbichl, daselbs darnach ab 
in das pächl, so hinter der herrschaft Weingarten hinab get, den ietzt Georg 
Vernauner inhat, hinzt auf Rofeiss, zwischen Kofeiss und Rofeiss ko£L bifi 

10 auf den steig, der yber Kofeiss get, hinzt auf den weg, der auf das Hass- 
lach get, da sich die gericht tailen, auf den Hasslach nimbt sich ain steig 
get hinab dem Schi Icher, iezt genannt zum Seizen, und von selben steif 
hin zum Hartmann, ietzt genannt zu Peckstain, mitten durch den hert 
von Hartmann oder Peckstain dem steig nach zu dem creiz auf der platten 

15 da sich die gericht oder rigl tailen, und von dem creiz hinab an das land 
und unten nach dem land herein wider an vorbemelt Nassen. 

Item das dorfrecht auf sanct Georgen tag 

soll mit dem firpat gehalten werden inmassen, als vorsteet. 

An disem tag mögen die milier anfachen das wasser zu nemben all 

20 wögen zu nachtfl, wann man ave Maria leitet, und die nacht prauchen bi 
gegen den tag, alsdann mögens die rodleit wider nemben, wan man avi 
Maria leitet. 

Item, die herrschaft mag das wasser nemben auf dem obem wähl 
wann die sonn auf Aur herab kombt, und prauchen, bis der schattei 

26 wider auf denselben wähl kombt, und soll all wögen den driten tail des 
selben wassers nemben und die zwei tail herab hinzt auf Tschivoner wah 
geen lassen, die sollen auch den driten tail daselbs nemben; wo aber mang 
an wasser wäre, so sollen die Tschivoner ain pliuegsnaben, die ungeforlici 
ain jähr gebraucht sei, nemben und die in wähl lögen, nicht zu resch, nocl 

30 zu anlag, und was dardurch geet, sollen sich die Tschivoner begniegei 
lassen, und was aldan herab gegen Fornach get, das soll die herrschai 
und das dorf gleich tailen, doch soUs in den dorfwahl gen. 

Es sollen auch die milier das wasser auf dem dorfwahl nit gar ab 
kern, sondern ain guet mahlwasser gehn lassen, ob, das gott icder zeit vei 

35 hieten woU, ain prunst auskämb, damit nit an wasser mangl sei. 

Item, wan die herrschaft das wasser zu Fornach auf dem ober 
wähl braucht, so soll der unter wähl stillstehn, und wan si das wasser au 
dem untern wähl prauchen, so soll der obere wähl stillstehn und all wöge 
der aine wähl feiern. 

40 Item ferer, wer oder wöllich, es sei ob heisser, hofstätteu, wein 

garten, acker, wisen oder wie die gieter genant sein, zu wässern hat, sol 
derselbe aufsöchen, damit er das wasser den unter in ligondcn bei aine 
ögathen prait abkere,^) damit iemands kain^) schad beschöche; wo abe 
ainer yber solliches dem andern weiter schaden tete, ist er bei der herrschaf 

45 30 /y perner 

^) ackher /««. ^) kainen hs. 



Sehenna, 1X1 

Wann ainer dem andern sein wasser in seiner rodt abkert, der mag 
n wasser nachgen und daselbs, darauf das wasser kert ist, soll er ain 
Asen außraissen und den miten von einander schneiden, und das halb 
[ in loch ligen lassen, das andere halb tail dem dorfmaister zuetragen 
i zaigen; damit soll er geweist haben. Darauf ist die straff im dorfreoht 5 

X & perner. 

Wo sich ainer aber sollicher pfand ver widert, vermaint, un pillich 
fendt zu sein, so soll ain dorfmaister darumb ain dorf liches recht be- 
en, was daselbs im dorflichen recht erkennt wirdet, dem soll nach- 
igen werden. 10 

Auch wo ainer yber des andern gieter zu wässern hat mit seiner 
t zu fahren, so soll der, dem die wis ist, nur drei panzaun *) offen 
«n. 

Und wann ainer sein zeit gewässert hat, so soll er das wasser auf 
gemainen rinst keren, und derselben gemainen rinst ist ainer fir dem 16 
terprairer herab, die andern fir den Hillperger. 

Item, das Seeferwasser soll man auch auf die gemaine rinst laiten, 
nit dasselbe ni.t in die gemaine weg gee, derselben runst ist aine en- 
ib des Mosttrogers, yber die gass, in das Nunemaiers paumgarten, daselbs 
in Valreisspach; der andere runst ist hintern Perl und Torggler hinab 20 
m Eckart in Kabustweg und dem weg nach hinab hinzt auf den steig, 
r auf Perggan get, von steig in Volreisspach ; der drite runst ist der beim 
uigerloch dem weg nach hinzt auf die gassen, darnach durch die Rat- 
leiden hinab gen Puzach auf den weg, so man auf Meran geth, darnach 
ischen des Pfostls und des Dossers gieter, der thallnaig nach in 26 
ienenthall. 

£s sollen auch die saltner drei panzein machen, ain zu Pämbling, 
n andern hintern Eckart in Eabuat, den driten hinter den Dorner, die 
llen die negsten drei tag nach sanct Georgen tag gemacht sein. 

Und ob sich begab, das ainer dardurch fier und nit wider zuemachet, 30 
d schad dardurch bescböche, ist die peen der dorf liehen recht 

V it perner. 

Wo aber ain saltner die zein in den bestimbten dreien tagen nit 
ichet, ist die peen in die dörflichen recht Y Ü perner; 

d werth von st. Georgen tag hinzt auf das schnit. 36 

Wasser-roden 

8t. Georgen tag anfachende. 

Das erste, am st. Georgentag, höbt der Obernatter an und hots den 
izen tag, und den andern tag, hinzt die sonn auf Aur herab kombt. 

Den andern tag habens der Torggler und Perl, ieder ain halben tag. 40 

Den driten tag hat der Mosttrager und der Ausserleitter miteinander. 

Den vierten tag habens der Pföstl den halben tag, das Felchenguet 
r stund, Kämpft zwai stund und Unterlocher zwai stund. 



*) Pantzann hs. 



112 Sehenfia, 

Den finften i^ habens der Stässer den halben tag, den andern 
halben tag habens der Nunomair und Kämpfl mit einander. 

Den söchflten tag habens Eckhart und Benoyer mit einander. 

Den sibenden tag hat der Taiss die wasserrod bis auf nein nhr vor- 
5 mittag, Tolgents hats dm Untcrplaz, genannt das Veitschnesterguet, bis 
auf mittag oder ainlif uhr, darnach nimbts das Oberplazguet von ainliff 
hinzt auf ain nhr, darnach hats der Dorner bis auf die nacht. 

Den achten tag so hat der Unterlocher die rod den halben tag, dar- 
nach der Stöfer zwai stund, Walchenhof von wögen des driten twls 
10 Göldingguet zwei stund, und der Dorner als ieziger inhaber der zwai tail 
berierts Göldinguets vier stund lang. 

Den neinten tag hat« der Mair am Ort den halben tag, den andern 
halben tag habens das Postguet und Hungerlocher gleichlich mit einander. 

Den zöchenten tag habens der Unternatter und der Unterprairer 
15 den halben tag mit einander, den andern halben tag hats das Pfbstlguet. 

Den ainliften tag hats der Walchenhof bis auf feierzeit, die ybrige 
weil hats denselben tag der Mair am Ort. 

Den zwölften tag hat Pämbgartenguet den. halben tag, darnach der 
Beßmair und Unterprairer den andern halben tag mit einander. 
20 Den dreizöchenden tag haben ain pfarrhorr, auch Winckl- und Kofi- 

guet mit einander den halben tag, den andern halben tag hats der Mayr 
am Ort. 

Den vierzöohenden tag hat der Pföstl den halben tag, und der DosseK 
den andern halben tag. 
25 Den finfzöchenden tag haben der Loth und Torggler die rod z 

gen i essen. 

Alsdann fachen sich die wasserroden am Obernatterhof wider — 
umben an. 

Belangende die sambstagnachtroden, die haben Torggler, Penaye«" 
30 und das Oberployguet mit einander zu gebrauchen. 

Löstlichen die sontagnachtroden haben der Torggler und Unter ^ 
prayrer mit einander zu genicssen. 

Dorfrechten auf sanct Lorenzen tag 

mit dem firbot und anfrag der urtl, als an vorberierton dorfrechten ba^ 
35 griffen und gesözt worden. 

Saltner-sazung. 

Daselbs sollen vier saltner, ob sie der herrschaft und gmain gefalleiif 
firgestölt werden. Darunter nimbt erstens die herrschaft die wähl, damacl^ 
der pfarrer sambt seinen nachpauren in Tschann, der drit auf Miterplat 
40 und Verlag, und der vierte soll ausgeschossen werden. 

Dise drei saltner sollen am sanct Lorenzen tag anstehn und alle tag 

der aine bieten, was ainem iedcn saltner zu bieten zuesteht, die andern 

sollen dieselb weil das hittholz machen und schlagen in der herrschaft 

panwald, und ain ieder saltner soll schlagen vier hittpämb, zwai pamb zu 

45 der laiter, vier raffen und zwai tragpämblein, und ain ieder naohper, so 



Sehenna. X13 

dasselbe jähr die hueten haben, sollen den saltnern das stro zu den hüten 
goben, und denselben drei hüten zu st. Catharinä kirchweioh auf Häff ling 
förtig und berait sein. Darnach sollen alle drei saltner fieissig bieten. 

Ain ieder saltner soll der herrschaft anloben an geschwomen eid- 
statt, ainem ieden, den armben als den reichen, auch den reichen als den 6 
armen, treylichen und fleissig zu bieten. 

£s sollen sich auch kaine saUner selbs peiten, noch andingen, son- 
dern der ihne firstölt. 

Ob es sich auch begöb, dass ain hausgesössner kainen knecht zu 
saltner zu dingen funde, sondern selbst bieten mioste, derselbe mag zu 10 
pauzeit wohl seinen saamen ausänn, aber nicht pflueg höben, sondern 
allwög bei der huet sein; desgleichen, wann ainer auf ainer alben zu 
schaffen hat, so mag er sein traid oder albennutzung abtailen, aber sein 
Tich ainem andern befelchen und ^verziglichen sich wider zu der huet 
schicken, aber dieselbe zeit, so er in die alben ist, sollen die andern saltner 15 
dieweil an seiner statt zuesöchen und bieten. 

Item, wann man ainen saltner zu össen zuetragt, das soll beim tag 
beschöchen, und der saltner mag den potten ain weinber göben, das soll 
ei bei der hütten essen und nicht huembtragen, und der pot soll die ge- 
Khir am haimbgehn alle frei und offen und unverdöckt tragen. 20 

Item der saltner, so in den Tschann bietet, hat alle sontag das mahl 
in widen, dorgögen soll er dem pfarrer zwai weinber bringen. 

Die riglzein. 

Anfenklichen höben sich die riglzein den saltnern zu bieten an in 
^ilreisspach zum Klobenstain und dem staig nach hinaus, so man auf den 25 
Qayen geth, hinzt auf Kornplat und dorn ach yber Komplat und Anger 
liinzt auf den steig, der geth hinzt zum stinkenden prunnen auf dasGries- 
^ärtl gen Miterplat, dem weg nach zum Ausserlei tter, von bemeltem 
bitter dem steig nach yber die platten zu dem creiz in Vilreisspach hin- 
Äßf hinzt auf des XJnternatters acker, da der steig auf Pergan geth. 30 

Die andere huet in Grabenplat durch den weg, der bei dem hof- 
Äcker hinab geth auf der strass, und der Strassen nach in Klobenstain, 
gehört den auf Pergan zu bieten. 

Die drite huet am steig geen Kornplat, da man hinab kombt yber 
Rann auf ain wis am Hambrach, da ligt ain grosser stain, ain pirch 35 
^abei, von selben stain yber Verdorten hinab den steig nach hinab auf die 
Bafeiss yber den weg, dernach ab auf das Haesloch, von dem Hassloch, 
^m Schilcher ietzt genannt, hinzt Seitzen, ob den Seitzen hinumb genn 
feckstain miten durch den hert, von hert hinzt an den steig, der ab 
Sehenna an Meran geth, und das sein die äussern zwei hueten. 40 

Diese zwai hueten tailen sich von einander und höben sich an am 
Griesswärtl, und gehen den steig nach hinab hinter den päd gen Ecken- 
keller der stross noch. 

Darauff ist zu wissen, wan ains in ain Weingarten gieng und weinper 
sizent oder stehend ässe, und der saltner also ainen funde, soll er anders 46 
nicht misshandlen, dann allain mit werten straffen und gen lassen; sofern 

OMterr. Weittbftinor Y. 8 



114 Scherma, 

aber ain person weinper mit ihme zu tragen gefiasst hat, so soll er Bollich 
person dammben , wie in lantgericht Meran gebreichig und recht ist, 
pfenden. Ob sich aber zuweilen personen sollicher pfandung verwidern 
oder zu gögenwöhr stöUen wollten, so solt ain saltner solliche person, ob er 
6 mag, mit oder an gewalt zu gerichts banden fieren und bringen, damit die 
zu ihrer gebirlichen straff gebracht werde, und wofern ain saltner ain 
person, die sich zur gögenwöhr stöUet, ain leibsschaden zuefieget oder gar 
entleibet, so soll der saltner darumben gögen der herrschaft desshalben 
lödig und auch sonst gögen meniglichen frei und unentgolten sein; doch 

10 soll ieden saltner damöbeu auferladen sein, hierinnen gögen iedermenig- 
liehen leichtsinniger weis oder an genuegsamb rödlicher Ursachen mit 
schödigen oder totschlögen allenfahls kain gefahr zu gebrauchen oder an- 
zumassen bei gebirender straff. 

Item, wann ainer ainen bunt bot, der schaden in weinber tot, so 

15 sols der saltner demselben, des der bunt ist, anzaigen, damit er sollichen 
bunt äne schaden halt, und wan ain saltner ain sollichen schödlichen hunt 
daryber in ain Weingarten findt, mag er den erlögen oder erschlagen, er 
sol darumben gögen meniglichen unentgolten sein. 

und ob ainem saltner ain veltpfert oder anders vich in die huet 

20 kämb, so soll er es ainmal denselben zu haus treiben; wanns aber mehr 
beschöche, das soll er zu dem dorfmaister treiben; obs aber ain geraissigs 
pfert war, soll ers auch ainem dorfmaister zuefieren, damits in Verwahrung 
gehalten und erfragt mag werden, und das pfand darvon begehrn. 

Auch ob ain person kämb, die nit weingart bot, und pöt umb ain 

26 weinper, dem soll er ainmal ains göben. 

Ob auch ain schwangere frau oder ain kranke person in sein haus 
mangl höt am wein und begehrt vor andern ain yhm oder etwas claines 
zu wimben, das soll ihme, wie von alters her, vergohnt werden. 

Und wann ain person, zu verstehn tagwercher oder ehehalten, in 

30 ain Weingarten herein gen will zu was arbeiten oder notdurften, das sei 
nichts ausgenomben, so soll die person dem saltner drei schrai thain oder 
rneffen; wo aber das nit beschöche, mag ain saltner die person, so ers 
dai^ber in ain Weingarten funde, wohl pfenden. 

Ob aber ainer weingart höt, die der herrschaft halben wein göben, 

36 soll er die herrschaft auch darumben begriessen; die sol ihms auch ver- 
gohnen, doch soll allwögen ain saltner darzue genomben werden. 

Saltnerlohn. 

Item, es soll ain ieglicher von allen stucken, die von alter saltnerei 

göben haben, es sei iozt wisen oder acker, allwögen von zwaien man- 

40 graben ain geschworne pazaiden most göben; wer dawider war, soll saltner 

den dorfmaister anrueffen, der soll ihme sein lohn göben, es wäre denn, 

das so vi 11 nit gewachsen wäre. 

Actum auf Schennä am sanct Qeörgen tag in finfzöohenhundert 
zwaiundneinzigisten jähr. 
46 Alda wart, wie von alters herkomben und breichlichen, dorfrecht 

von den drei däohneien zum tail Tsohivon, Ober- und Unterdorf gehalten. 



Schenna. 116 

und durch die nachbarschaft mit gnediger bewilligung des wohlgebornen 
herrn herm Johann Jacoben graffens zu Liechtenstain, freiherrens zuCastl- 
kom und Bungglstain, herrn zu Schenna und erblandhofmaister in Elsass, 
als der ende gerichtsherr zu bemelten Schenna, in rat einhellig befunden 
worden, das man ainen veldsaltner firtershin auf ain stäts annemben und 5 
sözen [soll] zum nutz ainer ersamben nachparschaft, damit die lieben fricht auf 
dem veld, in gärten und gietern, iedem das seinig, mögliches fleiss bewart 
werden, auch zu verhietung doraus entstehender schaden, zank und Wider- 
willen, zu erhaltung gueter ainigkait und nachparschaft, wöUicher veld- 
saltner iedem seine gieter, zein und fricht bieten und bewahren soll, und 10 
hierin niemands, reich oder armb, verschonen, und waren durch bemelte 
nachparschaft, auch auf guet befinden mehr wolgemelts herrn grafens zu 
Liechtenstain etc. (doch in allwög der herrschaft und seiner gnaden recht 
und gerechtigkaiten unvergriffen und ohne schaden) solliche nachfolgende 
articklen und puncten gemacht und beschlossen worden also: 16 

Anfenglichen und erstens soll ain veldsaltner bei dem ünterstain- 

pacher hinauf bis gen Volquinth, von Volquinth hinauf zum Farmber, von 

Parmber gen St. Georgen, unter des Oberloohers gieter biß auf Marchpichl, 

darvon hin bis auf die Rofeiß, von der Rofeiß hindurch biß auf der Latsog 

gen Bothai, von Kothai hinten auf zu der herrschaft gieter und ober und 20 

anter Thurn genn, und so er saltner in gemörkt auszaigungen und gieter 

ain ross, es sei jung oder alt, bei tag oder nacht, funde, so soll ers dann 

in den gewöhnlichen pfantstall treiben, soll ihme davon saltnerlohn oder 

pfantgelt göben werden zwölf kreizer. 

Item von ainem rintfich, gross oder ciain, soll pfantgelt sein söchs 26 
kreizer, das gaißfich soll iedes habt, so er saltner aines in gietem befund, 
^timb söchs kreizer pfenden. 

Mer von ainem habt schaaf oder schwein drei kreizer. 

Und so ain veldsaltner ain vich, es sei gross oder ciain, oder wie das 
genannt werden möchte, pfendet und dasselbige in pfantstall getriben hat, 30 
«0 soll er saltner alsdann von stund an demselbigen, dem das vich zue- 
gehört, zu wissen machen und sagen, und so er saltner ihme es gesagt und 
er innerhalben ain tag und nacht nit das lösset, soll er saltner dasselbig als- 
dann ainem dorfmaister zuetreiben, davon soll ain dorfmaister ime saltner 
sein pfantgelt zuest öl len und geben. Derselbig solle soUichs gelt dem dorf- 36 
maister widerumben zuestöllen und durch die obrigkait gestrafft werden. 

Wo es sich aber begäbe, das ainem oder dem andern durch aines 
vich schaden beschöchen wäre, kombe und sich dessen bei ainem dorf- 
maister beklagte, so soll er dorfmaister nach rat gueter leit mit demselben, 
dem das vich zuegchörig, verhandlen, das er dorne, so der schaden wider- 40 
fahren, denselben abtrage und bezale. Wo aber die giete bei ihme nit statt 
haben möchte, so soll er durch die gerichtliche obrigkait gestrafft werden. 

Item, so ain veldsaltner ain person, es seie man oder weibs, in den 
gietem, dahin sie von ihren herrn oder paurn nit geschickt wurden, an 
ainem schaden, es seie mit holztragen auß den zeinen, läppen, graussen, 46 
grassen, oder in obsrauben befunde, so soll er saltner iede person umb 
söchs kreizer pfenden, und wann solliche person öfter dann ainmal an ainem 

8» 



115 Schenna. 

schaden befanden wurde, dieselbig person soll durch die obrigkait abge- 
strafft werden. 

Es soll auch ain veldsaltner, wann er in der huet herumbgeth, die 
dornen nach band ab dem weg hacken und raumben, item, so er ain lucken 
5 offen oder zerp rochen söhet, so soll er dieselbe bössern und zuemachen, da- 
mit niemands geferlicher weis schaden beschöch. 

Und wann sich ainer oder aine in der nachparschaft gögen den 
saltner mit werten oder werken, so er ihme ain yich pfendet, widerspänig 
und trutzig erzaigte und ihme schmachröden zuefiegte, so soll dieselbig 

10 person durch die obrigkait abgestrafft werden, doch soll sich der saltner 
in allwög bescheidentlich halten und niemants zum zorn ursach göben. 

Ain veldsaltner soll sein huet anfachen am st. Georgen tag bis auf 
st. Lorenzen tag. Von st. Lorenzen tag mag er den gemainen tagwerchen 
nachgen bis auf st. Gallen tag, darnach soll er widerumben anstehn und 

15 bieten bis wider auf st. Georgen tag. Davon soll ihme zu ainem lohn und 
fir die speis gegöben werden dreissig gülden, wöUiche dreissig gülden er 
nach laut ainer zötl von drei techneien, als Tschivon, Ober- und Unterdorf 
selbst zu treiben und einzulangen haben solle. Zu sollichen dreissig gülden 
hat auch ain saltner das pfantgelt, wöUiches er bekomt. Damit beschlossen 

20 im dorfrecht am st. Georgen tag anno zwaiundneinzigisten jähr. 

Actum am sanct Lorentzen tag 

des 1638 jahrs, ist durch die nachfolgenden herrn und benachtperten ain- 
höllig gerödt und entlich beschlossen worden, dass firtershin an st. Lo- 
rentzen tag nit mer vier saltner, sondern drei saltner firgestölt werden 

25 sollen, doch sollicher gestalten, da und zum fahl unter den dreien ainer 
oder der andere der hcrrschaft oder den nachtparn nit annemblich war, 
das derselbig, deren firgestölt hat, schuldig und obligiert sein soll, ainen 
tauglichen saltner firzustöUen, der alsdann der herrschaft und denen nacht- 
parn gefollig und annemblich ist. 

30 Ist durch nachstende herrn und nachtbarn also hinfiran beschlossen 

worden : 

Erstens der ehrwirdig geistlich wohlgelehrte herr magister Johannes 
Schmizer, pfarrer alhier, der edl vöst herr Willheiben Botenbuecher, pfiäger 
der herrschaft Schenna, anstatt und in namen der herrn graffen zuLiechten- 

36 stain etc., als gerichtsherrn alda, der ehrnvöst, weis Martin Trenk walder, 
richter und ge rieh tsschrei her alhie, Abrahamb Pföstl, Dorner, Andre 
Kellner, Hörman Kruslburger, Mayr am Ort, Caspar an der Gassen, Paul 
Messer, Partlme Dorner, Täber, Hanns Pruner, Mosttrager, Veit Inerhofer, 
Unterplatzpaur, Hanns Schmidhamber, Falch, Hanns Tschitt, Tauss, Stöffan 

40 Flarer, Hanns Flarer, Walch, Adam Mader, Egghardt, Hanns Mitterhofer, 
unter wirt, Bartlme Stuber, Penazer, und Antoni Torggler, Unternatter. 

WöUiche nacheinander saltner firzustöUen schuldig sein allwögen 3: 
Im 1638. der Stäffer ain, Dorner ain und Tauss ain. 
Im 1639. Thanner und Ghtssguet. 

46 Im 1640. Göldingguet ain, Moritschen ain, und Mayr an Ort ain. 

Im 1641. Patnau ain, Walch ain and Mössenstier ain. 



Seherma, 117 

Im 1642. Nöckerle ain, Winckl- und Eofigieter ain, und Dosser- 
gieter ain. 

Im 1643. ünterlooher ain, schloss Schenna ain und Obematter ain. 

Im 1644. Torggler ain, Obernatter von Valquints wögen ain, und 
Oberflarer ain. 5 

Im 1645. ünterflarer ain, Georg Vel ain, und Gärtner von anwalts- 
wögen ain. 

Im 1646. Penazer ain, Falch ain, und Mosttrager ain. 

Im 1647. Perl ain, Gärtner ain, und Kämpfi ain. 

Im 1648. PfÖstl ain, Torggler ain, und Egghart ain. 10 

Im 1649. Ausserleiter ain, Oberplatz ain, und XJnterplatz ain. 

Wölliche personen der herrschaft Gayen den wähl auf den äussern 
zu machen schuldig sein. 

Erstens die dorffer, so roden haben, doch aussgenomben die hoffierer 
nit, unzt genn Sautlan, und von Sautlan unzt in Sohnuggenwisen den 15 
wähl machen, die so tag und nacht roden haben, mit namben Pichlhof, 
Rotenhof, Pruniaunhof, Krebissbof, Mosthof, Mostträgerhof, und Gueterhof. 

Und als oft der benante wähl zerbricht after st. Georgen tag hinzt 
auf Partolomei, miessen sie den wähl machen, wan man sie darzue 
wissen laßt. 20 

Auf den innem Gayen auf den obern wähl, daselbst muess ain ieg- 
lieber maier die ersten zwai kändlen haben und lögen, darnach der Val- 
quinthof drei kändlen haben, und was der hinteristen sein, hinter dem 
Talquinthof, da soll die herrschaft machen und lögen. 

Wölliche an sollichem hofwahl seine allain zu lögen nit verriebt 25 
liaben, wie die w asser clagt, soll der frombpoth am erchtag zu morgens 
umb 7 uhr zwei erfordern. 

Item wölliche personen zum dorfrechten schuldig sein zu erscheinen, 
als am st. Peters tag in langes und hernach: 

Ausserleiter, Egghardt, Tauss, Unterplatz, Oberplatz, Dorner, Tanner, 80 
Stösser, Benazer, Locher, Nater, Gassguet, Krebis von der Maritschen, 
Walch, Göldingguet, Mayr, Möstenstier, unterwirth, Kaitnau, Klingenföls, 
schloss, Dosser, Pfdstl, Kämpft, Mosttrager, Falch, Gärtner, Torggler, Perl, 
Obernater, Wel bei St. Georgen, Flarer von Unter- und Oberflar. 

Bisse hÖf und gieter miessen den saltner haben, und iedes jähr vier 35 
firstöUen, darunter aber ainer ausgelossen wird, also dass nur drei gesözt 
werden an st. Lorenzen tag. 

Wölliche saltner haben miessen, und wie es angefangen ist worden, 
also gehet es nach und nach und höbt, sich widerumben an, wie folgt: 

1593. Erstens der Stässer ain saltner, Dornerguet ain. Tanner ain, 40 
Taus ain. 

1594. Unternater ain, Gassguet ain, Maritschen ain, Gölding- 
guet ain. 

1595. Kaitnau ain, Walch ain, Mayr an Ort ain, Möstenstier ain. 

1596. Nöckerle ain, Winkl- und Koflguet ain, Dosser ain. Unter- 46 
locher ain. 

1597. Schloss Schenna von den almbrecht ain, Torggler ain, Ober- 
nater ain, mer von Valquint wögen ain. 



113 Schenna. 

1598. Flarer von beeden alm benrechten, von Unter- und Oberflar 
zwai, Vell bei St. Georgen aio, Gärtner von anwalt almbreoht ain. 

1599. Penaz ain, Falchenguet ain, Mosttrager ain, Perl ain. 

1600. Gärtner ain, Eämpfl. ain, Pföstl ain, Torggler ain. 

5 1601. Egghart ain, Ausserleitter ain, Unterplatz ain, Oberplatz ain. 

Pruggengeechworne. 

Erstens Flarer,Wel bei St. Georgen und Gärtner von an walts albenrecht. 

2. Falch, Mosstrager und Benaz. 

3. Perl, Gärtner von Kiendlgietl, und Kämpfl. 
10 4. Pföstl, Torggler und Oberplazguet. 

5. Domer, Unterplatzguet und Tauss. 

6. Stäffer, Tanner und Gassguet. 

7. Krebis von der Maritschen, Gatnau und Walchenhof. 

8. Mayr von Möstenstier und von mayrhof, auch Winkl- und 
16 Koflguet. 

9. Nöckerle, Goldingguet und Dosser. 

Dorfmaisterambt belangent, 

so sich am st. Peterstag anfachet und geet auch, wie volgt. 

1593. Erstens der Flarer von Unter- und Oberflar von beiden alben- 
20 rechten allain. 

1594. Wel bei St. Georgen, Kiendlgietl, der Gärtner von anwalts 
albenrecht wögen. 

1595. Penaz und das Falchenguet. 

1596. Mosstrager und Perl. 
26 1597. Gärtner und Kämpfi. 

1598. Pföstl und Torggler. 

1599. Egghart und Ausserleiter. 

1600. Taus und Dorner. 

1601. Unterplatz und Oberplatz. 
30 1602. Stäffer und Taner. 

1603. Unteruater und Passerguet. 

1604. Krebiss von der Maritschen und Walchenguet. 

1605. Mayr von Möstenstier und Kaitnau. 

1 606. Mayr an Ort und Winkl- und Koflgieter. 
36 1607. Nöckerle und Dosser. 

1608. Torggler und Unterlocher. 

1609. Obernater von *Valquint. 

Ord nung, 

nach welcher die gieter die aaltner zu setzen haben:*) 
40 1820. Loth, Mayer am Ort, Peuatzor. 

1821. Walch, Prairer, Feßmaier. 

•) Neue Schrift» 



Schenna. Niedermais, Hagnach, Leibers und Freienberg, 119 

1822. Oberwirt, Dosser und unter wir t. 

1823. Taber Jos., schlossbaumann Mooser. 

1824. Taber Hans, Torggler, Joh. Flarer. 

1825. Martin Flarer, Unterprairer, Wel zu St. Georgen. 

1826. Mosttrager, Penatzer, Oberhassler anstatt Falk. 5 

1827. Kämpfl, Dorner, Thurner. 

1828. Oberwirth, Pföstl, Torggler. 

1829. Ausserleiter, Oberplatzbauer, Walch, 

1830. Tauss, Stasser, Dorner. 

1831. Fessmaier, Hilpurger, Ausserrothaler. 10 



13. Niedermais, Hagnach, Labers und Fräenberg.*) 

I. 

Papierhd$. 17. Jh. Folio. Iß Bl. im Gerne indrarrhivt zu Untermaut. Verglichm wurde die Abschrift 
die Ora/ Anton von Brandt» von tiner Copic des Prof. Dt, Albert Jäger nahm (B.). 

Dorfpuech. 

1. Es ist hiemit vermerkt, das ein ersame nachperschaft zu Nider- 
inais und Hagnach und Freienberg haben ein ausschuß gemacht von wegen 



*) Wenn auch die Inschrift des unter dem Nameii ara Dianae bekannten 
römischen Aitarsteines, welche eine statio Majensis erwähnt, nicht auf einen Ort in 
Tirol, sondern auf Maienfeld in der Schweiz sich bezieJU (Mommsen, Corpus insc, 
5, 543), so reicht der Name doch wohl in die Römerzeit zurück, da es zu den 
Zeiten des hl, Corbinian (720 — 7 SO) bereits eine urbs Majensis, civitas Majensis 
gab (Arno, vita S, Corbiniani cc. 18, 20, 29, 31, 35, 38, 40), 

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass dieser Ort nach Zerstörung des 
Nachbarortes Tirol, welcher zu Römerzeiteii auch eine Stadt gewesen zu sein scheint, 
aufgeblüht ist. Jedenfalls ergibt sich aus den Stellen in Aribos Vita Corbiniani, 
wo Mais genannt wird, dass es sich an beiden Passervfern ausdehnte, selbst St, Va- 
lentin noch einschloss und von Mauern umgeben war, und vielleicht sind die noch 
jetzt in Ober- und Untei-mais vorhandenen Römerthürme Reste desselben. Die An- 
nahme, Mais sei durch Muren verschüttet worden, hat für den Theil am linken 
Passerufer nichts Unwahrscheinliches. Dieselbe würde die Thatsache einfach er- 
klären, dass seit dem Ende des 8. Jahrhunderts eine urbs Majensis nicht mehr 
vorkommt und im Jahre 857 ein Ort Mairania auftaucht (Eichhorn, Episc, Cur., 
Cod. prob, 19, Nr. XII), Der Name, welcher auch Maisamie (Font, rer, austr. Dipl. 
36, 52) heisst und offenbar von Mais abstammt, spricht dafür, dass er den noch 
erhaltenen Theil von Mais bezeichnet, welcher nun als ein selbständiger, aber un- 
bedeutender Ort (locus) erscheint, und ebenso die erste Stelle, wo vHeder ein Oi't Mais 
erwähnt wird, nämlich die schon früher genannte Urkunde K, Heinrichs I, vom Jahre 
931, in der Meies den kleinen Orten Chorzes et Cheines gleichgestellt ist. Es war 
also dies neue Mais ein neu auflebender Ort, dei' aus den etwa noch vorhandenen 
Trümmern des alten am linken Passeruf er erwuchs. Doch muss er rasch zugenommen 
haben, den schon vor 1095 stossen wir auf die Unterscheidung in Ober- und Unter- 
niais und auf die Benennung villa (in superiori villa Maiis : Mohr, Cod, dipl. 1, 146. 
Mon, Boic, 10, 27)', vicus wird Mais bereits im Jahre 1178 in einer Bulle Pahst 
Alexanders III, genannt und Graf Albert III. spricht 1213 von einer universitas 
de Mays (Goswin 47. 72). Ausser den angeführten Namensformen kommen um 
diese Zeit noch Magies, Majas und Mayes vor. Eine der ältesten Gemeinden^ 



]20 Niedemuut, Hagnaeh, Labert und Frekmherg. 

des alten dorfpuechs, so darinnen zu pessern sei oder zu mindren, anch 
ain posten auf den andren, wie hernach volgt, auf gmain anlangen, dar- 
nach zu bestäten, wie von aller her, bei der hernach bestimbten peen ohn 
nachlaß zu pfenten. 
6 2. Item, am ersten sol ain dorfmaister an sant Peters tag zu . Unser 

lieben Frauen" auf den freithof lassen zu dem dorfrechten beruefen, ob er 
sitzen mocht; mocht er aber nit sitzen von ehaft wegen, so soll er aber 
sitzen acht tag darnach und soll allermenniglich, der unter seinem stab 
ist, ungepoten da sein, und wer da nicht also da wer, der ist vervallen 
10 umb ain pfunt perner zu peen der gemain, den nit ehaft not irret. 

3. Item, so dann ein dorfmaister gesessen ist zu dem dorflichen 
rechten, so soll er allererst sein frag haben mit seinen nachpaurn gemainigc- 
lich, ob weg und steg also geng und fertig seien, damit laut und leut ver- 
sorgt seien, oder ob etwas daran zu pessern wer untz auf die Eametz, als 

15 verr sein stab geet, und nit verrer, und wann man ainen erfure und hat 
lassen wissen, und nit kumbt zu rechter zeit, ist die peen achzehen kreizer, 
und ain tagwerch, so ainer schicken soll, so man in laßt wissen, und nit 
kombt, ist die peen ain pfunt perner. 

4. Item, darnach soll ain dorfmaister veltsaltner setzen mit der 
20 gmain will und hilf, der der gmain nutz und gut sei. Der selbig soll bieten 



gehörte Mais damals zum unmittelbaren Bezirke der Burg Tirol und ist stets ^n 
Bestandtheil des Burggrafenamtes und des Landgerichtes Meran gebli^euj doch 
tourde sie ttpäter um das einst mit ihm vereinte Gebiet von Schenna verkleinert 
und schliesslich in zwei Oemeindebezirke: Ober- und üntermaisj getrennt. 

Die Fruchtbarkeit der Gegend und die günstige Lage in der Nähe des 
Schlosses Tirol und der Stadt Meran gab der Gemeinde Mais schon früh erhöhte 
Bedeutung; sie war darum bereits am Anfange des 13. Jahrhunderts der Schau- 
pUUz wichtiger Ereignisse und der Sitz hervorragender Adeliger. So finden, wir 
1190 einen Marquardus (Mon. Bote. 8, 471), 1210 einen Bertoldus (ib, /, 280), 
1215 die Gebrüder Albero und Marquardus (Goswin 45), 1226 einen Adalbert 
von Mais (Cod. Wang. in Font. Dipl. 5, SS 9) erwähnt. In der Folge wurden in 
der Gemeinde Mais die Adelsansitze so zahlreich, wie kaum in einer andern Tirols, 
Burglechner (c. 1630) zählt im Revier Ober- und Untermaiit folgende Schlösser 
und befreite Häuser auf: Labers ^ Rametz, Rultein, Knillenberg, Reichenbach, 
Greifen, Rottenstein , Pflanzenstein , Winkel, Rosenstein , Mauren, Ti'autmansdorf, 
Fragsburg, Kaizenstein, Ober- und ünterthierg arten ; ausserdem wohnten theils 
schon damals, theils später Adelsfamilien auf nachstehenden Ansitzen: Suppenthum, 
Köstbamhof, Haus am Burger- Gut, Rundeck, Neuhäusl und Weidmann, Tschen- 
gelserhof, Erlacher-Gut, Gärtner- Gut, Feidererhof Burg Neuberg und St. Va- 
lentin. Doch nicht blos der Adel, auch Kleister und Kirchen waren in diesen Ge- 
meinden reich begütert. Da hatten Besitzungen ausser den Bischöfen von Freising 
die von Brixen (Sinnacher 3, 261) und Trient (Alherti^ Annali 156), dann die 
baier ischen Stifter: AUenmünster (Ferdin. ürk. J. 1281), Benedictbeuern f Poschen- 
hof), Ettal (Piiuenauerhof) und PoUingen rPollingerhof) (Ferd. BihL XLIV, i. 12 
Msc. Mon. Boic. /, 223. 228. II. 403. X, 27 u. a. a. O.j, Au und Hej-ren-Chiemsee 
(Mon. Boic. I, 228. II, 303), Kloster Schuls in Grauhünden (Mohr, Cod, dipl. 
1, 146) und die tirolischen Ahteien Marienherg (ib. 208) und Stams (Staffier 2, 
643) (Vergl. A. Jäger ^ Gesch. d. landst, Verfassung Tirols S. 330 ff.). So lag 
früher der grösste Theil von Grund und Boden in diesen Gemeinden in den 
Händen des Adels und der Geistlichkeit und im Jahre 1427 gab es in denselben 
noch 168 Leibeigene (Burglechner 3, 4, 1044). Wegen der Amoesenheü so vieler 
Adeliger fingen die Gemeindeacten immer mit den Worten an: y,Der Adel und die 
Gemeinde von Ober- und Untermais*' (Ferd, Bibl, L h. XIV, I). 



NiedermaUy Hagnacfi, Leibers und Freienherg, 121 

Ton ainem sant Peters tag auf den andern ungeverlich. So ist ainem velt- 
saltner zu Ion gemacht von ainem tagmad wisen, * was ausser stuok sein, 
und von ainem stär laut acker ausser sein, so nit in höfn ingleibt sein, * 
ain kreizer und von ainem hof ain stär körn, ain halber hof ain halb stär, 
ain lehen ain viertl, ain söltguet ') ain halb viertl; wellich acker und 6 
wisen haben, die soUens geben, und sonst kaine; welcher aber dem saltner 
sein Ion nit wollt geben, so mag ain dorfmaister den darumb^) pfenten zu 
ainer peen finf pfunt pemer, halbs der gemain und halbs dem dorfmaister,') 
damit sol ain veltsaltner gueten fleiß haben und mit dem vich und den 
zeunen und auch in auen. 10 

5. Item, dann von wegen der hirtschaft ist gemacht worden, dass 
hinfiran alle jähr zween pürgen gesetzt werden, ainer zu den khüen und 
ainer zu den schweinen, der den hirten wunn und waid zaigen soll und 
die hirten bestellen, die der gmain nutz und guet seint, und wo die hirten 
anstent mit der speis, da sollen si ligen für und für und sollen die herter 15 
alle tag zwo kaas essen und mitzutragen iegklichem hirten zwai hausprod, 
und baiden khuehirten umb drei üerer kaas oder drei fierer dafir, und gibt 
inen von ainer kue zween kreitzer, si geen in die albm oder nit, und von 
ainem kalbele ain kreitzer und kain kost, und die stier, die unter zwai 
jaren sint, gibt auch ain kreitzer und kain kost, und sollen der küee 20 
hüeten [hunz] auf sant Andrees t£ig. 

6. Item, dann von wegen des schweinhirten, der s^U bieten unz auf 
sant Gallen tag und auch speisen und ainem mit zutragen zwai hausprot 
Und umb zween fierer kaas oder ziger oder zween fierer, und welcher kein 
Schwein firkert, der geit ganz speis und halben lohn, und welche schwein 25 
Vor weinachten werden, gibt ganze speis und ganzen lohn, und was nach 
'Weinachten wer, das gibt auch ganze kost und halben lohn, was man 
firkert. 

7. Item, man sol dem dorfmaister sein vich an kost und Ion hieten, 
yne von alter her; darumb soll ain dorfmaister ainen schweinperen halten, 30 
wie das piechl vermag und der pfarrstier gehalten werd. 

8. Item, es soll ain dorfmaister gebieten, die weg zu räumen und 
zu schnaiten acht tag vor dem Auffarttag oder darnach ungevärlich, und 
weichers nit thuet, ist die peen ain pfunt perner. 

9. Item, es soll auch niemant keinen herter beschedigen oder 85 
schlagen, es wer dann sach, daß ain hirt aim muetwilliglich dazu ursach 
gebe, so soll es doch an ainen dorfmaister gelangen und an ainen pirgen ; 
welcher aber ainen hirten oder si alle drei frevenlich schlueg und sich 
warlich erfund, ist die peen finf pfunt, halbs dem dorfmaister, halbs der 
gmain. 40 

10. Item, darnach soll ain pfarrer oder seine pauleut im widen ainen 
pfarrstier stellen, damit die gmain versorgt sei, und soll den yber^) jar 



♦ - * fehlt B. 
^) yeldgnt JB. ') darmit A. 

') B. bemerkt: herrscbaft ist an allen Stellen von späterer Hand ausge- 
strichen und dafür Dorfmaister gesetzt. 

•) yber durehsti-ichen und darüber geschrieben: in vierten Ä. 



122 NtedennaiSf Hagn<ich^ Lahera und Freienberg. 

halten. Wenn der stier mit ainer reitenden kue in ains gwalt kam, der 
soll in behalten mit essen, ankeren mit seinem rieh; verwarloset aber 
ainer den stier, das sich erfunt mit Wahrheit, der miest den stier gelten; 
bo ^) aber der stier etbo ainem schaden thät, der sol in beschaidenlichen 
5 darvon treiben und nit schedingen. 

11. Item, es soll ain dorfmaister bcruefen zu sant Feters tag, daß 
ain iegclicher seine lucken vermach, damit niemant schaden gesohech, 
und ^) umb sant Gertrauten tag sol ain dorfmaister mit etlichen nachpaurn 
geen, die lucken zu beschauen, und welcher ain wagenlucken hat, die nit 

10 vermacht ist, die peen ain pfunt perner, und ain fueßlucken drei kreitzer 
iberall im dorf. 

12. Item, es soll ain dorfmaister acht tag vor sant Gerdrautn tag 
lassen beruefen, das iedermann sein schusswahl mach, sovil der sint, uns 
an den wag wähl, wo ainer stuck hat. Dan vonwegen des dorfwahls, der 

15 bis gen dorfmaister geet, sol iegclicher vor seinem haus und stuck machen, 
und soll der unterist den obern lassen wissen, und weichers nit thuet, ist 
die peen drei kreitzer, und wan der unter den obern nit last wissen, ist 
die peen ain pfunt perner, desgleichen zu sant Gallen tag auch die drei 
schusswahl zu machen. £s seind drei schusswahl durch das dorf, die sollen 

20 iren aufgang haben, ainer zwischen Mair am Ort stuck und Stambser 
weingart und der ander zu dem Gruebhof, und der drit schusswahl zwi- 
schen dem Dorfhof und des Suppan turn. 

13. Item, es soll ain dorfmaister den tragwahl yber Lazag lassen 
machen zu sant Gertrauten tag oder drei tag zuvor oder nach. Da sollen 

25 dan die schusswahl gemacht sein und soll darnach helfen die ganz gmain, 
welliche des Tragwahls geniesscn, und guet volk schicken, und nit klaine 
pueben, zu gueter zeit, so man die gross gloggen leit, und welcher da nit 
kumbt, ist die peen ain pfunt. 

14. Item, darnach etwas zu machen were im jar, ausgenomen gotts- 
30 gwalt, das sollen die tain, die rod heton ; wann aber durch gottsgwalt ge- 
schieht, so soll es die ganz gmain helfen machen. 

15. Item, an sant Georgen tag oder acht tag darvor soll man den 
milpach machen, und sollen darin geen alle wasserroden zu machen, an 
dem Hamezpach anfachen und machen unz an Pichlhof, so man die gross 

35 gloggen leiten thuet; wellicher da nit kumbt zu ainer stunt, ist die peen 
sechs kreitzer. 

16. Item, darnach soll menigelich im dorf helfen machen am püechl 
hin unz an die Passer, so man die gloggen leiten thuet; wer also nicht 
kumbt in ainor stunt, ist die vorgenannt peen sechs kreitzer. 

40 17. Item, es soll auch hinfiran mit dem potl also gehalten werden, 

das man mestvich soll einkern, es wern oxen oder küo, die man schlagen 
wil, oder klaine junge kelber, und sonst kain lebvich; welcher aber lebvich 
firkern thet, küe oder oxen, ist die peen sechs kreitzer. Es wer dann sach, 
dass ainer ain ross biet geraent bis auf mitentag, der maga aufkeren, bis 

45 der hirt das vich eintreibt. Welcher aber ain ross aufkert tag und nacht, 
ist die peen zwei pfunt. 



») ob B. «) und fehlt A, 



Niedermaia, Hagnach, Labera und Freienberg, J23 

18. Item mer, ob ainer dem andern in seiner au ainen alber oder 
felber abhacket, der da grien wer, ist die peon finf pfunt perner, und ain 
turrer paumb ain pfunt, das drittail dem dorfmaister und die zwai tail der 
gmainschaft. 

19. Item, 68 soll auch niemants in den gmainen auen holz, noch 5 
felber nit schlagen, das nit sein ist, desgleichen in allen panauen und pan- 
wälder, 80 in der mult ist, an erlaubnus aines dorfmaisters und der gmain; 
welcher aber darüber schlueg, ist die peen von ainem ieglichen stock, der 

da grien ist, er sei klain oder gross, finf pfunt, und was türr ist, fir ain 
stock ain pfunt; aber was umbfelt, soll dem dorfmaister zusten, wie von 10 
alter her, und die peen die zwai tail der gmain und der drit tail dem 
dorfmaister. 

20. Item, es soll auch niemants kain gaiss hietn auf wisn oder in 
anen, darin man an felbern schaden thuet, bei ainer pen von ieglichen 
haabt drei kreitzer. 15 

21. Item, es sollen auch die Burgstaller in dem Sinigperg nit bieten, 
soweit unser tail und gmain ist, wo sie aber darin wollten bieten, mag 
man sie darumben pfenten, von ainem icden haubt sechs kreitzer, halbs der 
gmain und halbs dem dorfmaister. 

22. Item, dann vonwegen, wo ainer wassert in ainen weg und den 20 
verwuestet und nit macht, desgleichen ainer dem andern schaden thät mit 
muetwillen in ainem weingart oder ackor oder wisen, ist die peen finf 
pfunt perner, halbs dem dorfmaister und halbs der gmain, und dem seine 
scheden widerkeren nach rat gueter nachpaurn und aines dorfmaisters. 

23. Item, es soll auch ein dorfmaister der gmain gewertig und ge- 26 
horsamb sein in der gmain und iren frommen firdern und iren schaden 
wenden, bei seiner pfl.icht; wo ers aber nit thain wolt und sich warlichen 
exfant, ist die peen von ainer ieglichen feurstat im dorf ain pfunt perner. 

24. Item, desgleichen soll im ain ieder, der unter seinem stab sizt, 
gehorsamb sein in dem, so er im gepeut, bei der peen ain pfunt perner. 30 

25. Item, es ist auch unser alte recht und herkomen, dass Nider- und 
Ober-Maiser mit ainander waidn und alle gmain, wie von alter her, aus- 
genomen, das die von Obermais nit über den Tragwahl bieten in den 
gassen; welicher tail aber das nit hielt und wurd also begriffen, ist die 
peen von ainem ieglichen haubt drei kreitzer, als oft ainer es thuet, was 35 
aber innerhalb des zauns begriffen wirt, ist die peen sechs kreitzer, von 
ainer gaiss ain pfunt perner. 

26. Item, es soll auch ain ieglicher guete knecht in die multen 
schicken, oder zu gemainer arbeit zu rechter zeit, so man die gros gloggen 
leit, ungeverlich ain stunt darnach, und sich ainem dorfmaister oder seinem 40 
Verweser anzaigen, damit niomant beschwert werde; ob ainer oder mer 
wolten weckschliefen oder pueben oder dirnen schicken thät, soll im kain 
tagwerch nit gestatnet und darzu pfentet umb sechs kreitzer werden. 

27. Item, man soll auch sezn alle jar kämichbeschauer, wie von 
alter her, und wellicher seine kemich nit kert, ist die peen zwölf kreitzer. 46 

28. Item, es soll auch kainer kain ingehausen oinnemen, er sei 
dann mit ehelichem heirat beschlossen, und nit ein guetn leimen hat, und 
inen anzaig, dass si weder tail noch gmain nit sollen gniessen im holz 



J24 NiedermaU, Hiignach, Lahert und Freienberg. 

und noch in wunn und in waid und kain vich auf die gmain kern, dam 
ain ganze gmain beschwert mocht werden, bei der peen finf pfunt peme 
halbs dem dorfmaister und halbs der gmain. 

29. Item, es soll auch [kainer] kain velerholz klauben, wan ai 
5 gottsgwalt herkam mit holz, der nit steur noch rais gibt, bei dor peei 

wie obstet, es wer dan sach, das» ainer ain bestant annemb, der mag w( 
niessen alle gmain, wunn und waid und holz, als zu seinem guet gebirt, abe 
weiter nit. 

30. Item, es soll auch niemants kainen zwiflacker verlassen ^n aine 
10 dorfmaisters wissen, und ainer ain zwiflacker verlassen thuet, so soll e 

im sein wasserrod darzu lassen, dass nit ainer dem andern sein wasse 
abker, bei der peen fünf pfunt, halbs dem dorfmaister und halbs der gmain 

31. Item, man soll die roden einmachen acht tag nach sant Oer 
trauten tag, alsbald man den Tragwahl gemacht hat, oder wan es not wil 

15 sein, und soll des morgens das nemen, so man den tag erst erkent, un( 
soll es haben, bis der schaten der sunnen über den Tragwahl get. Darnad 
nemens da, die nachtroden haben, und welcher dem andern sein wassei 
rod abkert, ist die peen finf pfunt perner, halbs dem dorfmaister und halb 
der gmain, und dem veldsaltner drei kreitzer, der in darumb pfent hal 

20 und dem seinen schaden abtragen, dem er das wasser hat genomen, nacl 
rat« ain es dorfmaisters und gueter nachpaurn. 

32. Item, weiter ist gmacht worden, wo mangl zu dem Tragwah 
were an wasser durch gottsgwalt, so soll ainer mit dem andern gleichlid 
mitleiden tragen, dass nit ainer allain das wasser hab und der ander nicht 

25 bei obgemelter pen. 

33. Item, darnach ist gemacht worden, dass alle peen, die gefallen 
dem dorfmaister den driten tail soll zusteen, und nit weiter. 

34. Item, acht tag vor oder nach sant Lorenzen tag soll ain dorfmaiste 
sizen und mäniglich entgegen sein ungepoten, und soll saltner sezen un 

30 soll an dem voristen anfachen und ie ainen nach dem andern sezen, un 
si alle gesezt sein. Darnach sollen die saUner all dem dorfmaister an de: 
stab loben anstat der herrschaft und im vei*sprechen und geloben bei seinei 
gueten treuen, an aines geschwornen aids stat, dass sie menigelich onge 
verlieh treulich hietn, ainem als dem andern. £s soll auch niemant in aine 

35 saltners huet geen, der ruef im dan vor dreimal. Wo das wer, dass aii 
armes mensch oder ain schwangre frau oder raisiger gsöll ainen saltner um' 
ain wein per pet, das soll er im nit versagen, er soll ep aber ungeverlicl 
nemen, nit aus dem negsten Weingarten, er soll es nemen hin und her. 

* Item, es sollen auch die saltner gemainigclichen an ainande 
40 zaichen geben, ob ainem echte not gescheh oder im iemant gewalt wol 

thain, dass im die andern mit dem zaichen zu hilf komen. Wolt abe 
iemant dem saltner gwalt thain, so migen sie in fahen. Das sollen sie thaii 
und sollen in dem dorfmaister antbürten; wolt er sich aber nit lassei 
fahen, so migen si in zu todt schlagen, mag es anders nit gesein, und sollei 
45 [in] in die luckon legen und sollen des gen der herrschaft unentgoltei 
und ledig und los sein. 

* Von hier an fehlt die Zählung. 



Niedemutis, H(ignachf Labers und Freienherg. 125 

Item, es soll auch kain saltner weder nacht noch tag von seiner huet 
treten; es were dann, dass er von not wegen ze schaffen hiet, so soll er 
sein negsten gesöllen die huet empfelchen, unzt er wider kumen mag. 

Item, es sollent auch die saltner die pannweg versorgen mit den 
gätem, dass si beschlossen seind bei der nacht; war aber, [dass] ainer von 5 
gschäft wegen durch ain gartenweg gieng, wer er ain solcher, dass [sij im 
ZQge trauen mechten, sollen si in lassen geen; wo aber nit, sollen si in aus 
der huet weisen, bis er daraus kamt. 

Item, es mügen die saltner die ochsen in pannwegen pfenten um 
sechs kreitzer; wann si aber innerhalb des zauns, so mügen si die pfenten 10 
um ain pfunt; und ain gaiss im weg migen si pfenten auch umb 6 kr., 
innerhalb des zauns umb ain pfunt, und auch die schwein haben dieselben 
recht, aber ander vich, als ross, küe, schaf drei kreitzer im weg, aber 
innerhalb dem zäun sechs kreitzer, doch alle ding auf gnad ungeverlich. 

Item, wer aber, das aim ain vich von der hert in die weg geloffen 15 
kern oder sonst ansprach ungeverlich, und man dem zu stundan nachkam 
und des suechet, des sollen die saltner helfen auftreiben und zu weg bringen 
an schaden. 

Item, wo ainer schädlichen bunt biet, den sollen die saltner anlegen, 
des der bunt ist; wolt er in aber nit anlegen, so sollten sie in einstechen 20 
oder schiessen, damit menigelichen kain schad gescheh von den bunten. 
Item, so man die saltuer gesezt hat, so soll iedermann seine hiener 
Tenorgen, das si dem andern nit schaden thuen in iren Weingarten und 
gietem, oder ain saltner mag sie derwerfen. 

Item, wo ain saltner wer, der yberwisen wurd mit der Wahrheit, 25 
er frevenlich ungetreulich biete oder ainem etwas empfremdet aus der 
huet, der stuent in allen rechten, als in des rechten, als der ainen freven- 
lich in sein huet brach. 

Item, alsbalt die saltner aufgesezt seind worden, soll firbas niemand 
paiasn noch jagen in den ^) viglen mit bunten noch vederspil, ausgenomen 30 
unser rechte herrschaft. 

Item, wann [man] aber ain mastvich die lantstrass trib und ain vich 
durch ainen zäun einpräch, ob das iemant schaden thet, der soll das gelten, 
des das vich wer, dem der schaden geschehen war, und von ainem haubt 
drei kreitzer zu peen, der gemain und dem dorfmaister auf gnaden. 35 

Vermerket die wasserroden, so aus dem Tragwahl, der über die 
Lazag geet, und wellicher raiden daraus hat, und sollen albeg acht roden 
heraus geen Mais geen, und die neunt auf die Lazag, wo anders so vil 
Wasser verbanden ist, treulich und ongeverde, und kainer dem andern sein 
wasserrod abkeren bei der peen, wies dorfpuech vermag. 40 

Item, am ersten hat ain wis ain furch wasser am sontag, genant der 
Snpperanger, so dem Santner auf Vrügenstein zuegehert, den ganzen tag, 
bis der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 

Item Georg Moritz hat ain furch wasser am suntag den ganzen tag, 
hinx die sunnen über den Trag wähl geet. 45 



*) in den doppelt. 



126 NiedermaiSf Hagnach^ Lahera und Freienberg, 

Item Mayr am Ort hat ain furch wasser am sontag den ganzen tag 
zu seinen gietern. 

Item Pollinger hof hat ain furch wasser am sontag den ganzen tag. 

Item, 80 hat man Benedict Schmid zu Untermais ain furch wasser 
5 zu kaufen geben am sontag morgens, hunz die sunnen am Gnimbspichl 
aufgeet, darnach nimts Thoman Zötl, hunz die sunnen yber den Trag- 
wahl geet. 

Item, so hat man dem Jos. Kefler ain furch wasser zu kaufen [geben] 
am sontag morgens zum obern fürt, hunz die sunnen am Gnimbspichl auf- 
10 geet, darnach nimts Mayrhofer zu Hagnach, hunz die sunnen über den 
Tragwahl geet. 

Item, so hat Hanns Volkircher von Bartlmee Nägele ain furch wasser 

zu seinem gietl zu Hagnach erkauft, und hebt sich an am sontag morgens, 

weret, hunz die sunnen am Grumbspichl aufgeet, darnach so hat das gietl 

16 zum Turner zu Hagnach, so dem Mitlpreger auf Hätiing zuegehert, die- 

selbige furch wasser, hunz die sunnen über den Tragwahl geet. 

Item Martin Grueber hat kauft ain furch wasser, am sontag den 
halben tag von morgens hinz auf mittag. 

Am montag. 

20 Item das Burgerguet zu Hagnach hat ain furch wasser vormittag. 

Item das 8chaifauenguet hat ain furch wasser auch vormittag. 
It«m Mayr am Wahl ob Sant Georgen hat ain furch wasser vojc 
mitentag. 

Item der Dorfmaisterhof zu Obermais hat ain furch wasser voY 
25 mitentag auf dem Gstäff l. 

Item, so hat des Preglers guet zu TJntermais zwo firch wasse^ 
vormittag. 

Item, so hat der widumb zu Mais ain furch wasser den ganzen ta^* 
hinz der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 
30 Item, so hat das spital in Moran ain furch wasser vormittag. 

Item der Gasswirthof hat drei viertl wasser nach mitentag, hun^ 
der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 

Item der Welthof hat drei furch wasser nach mitentag. 
Item die Län hat ain furch wasser nach mitentag, bei der vor- 
36 bemelten zeit. 

Am erchtag. 

Itera, 80 hat der Pergerhof von Kauzerguet, zinst den herrn [von] 
Stambs, ain furch wasser den ganzen tag, hunz der schaten der sunnen 
über Tragwahl get. 
40 Item, so hat das Kuglwegerguet zu Hagnach ain furch wasser den 

ganzen tag, wie andere mer. 

Item, so hat der Mairhof zu TJntermais zwo firch wasser allen [tag], 
hunz der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 

Item, so hat ain acker auf Jobst, den Ulrich Scheyz, Schneider in 
45 Meran, inne hat, ain furch wasser allen tag. 



NiedermaUj Hagnach, Lahert wnd Freienherg, 127 

Item, 80 hat das Widersguet an der gassen ain furch wasser vor- 
mittag, und darnach so hat Weyer zu Hagnach ain furch wasser, nach 
mitentag des Stampser guet auf der Torggl. 

Item, 80 hat Wolfgang Pachmayr zu Hagnach ain furch wasser den 
ganzen tag, hunz der schaten der sonnen über den Tragwahl geet. 5 

Item, so hat ain acker auf Jobst, den ünterladstäier innen hat, ain 
furch wa88er den ganzen tag, wie Pachmayr. 

Am mitwochen. 

Item, so hat der Unterpichlhof in dem Schallhof zwo firch wasser 
den ganzen tag, hunz der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 10 

Item, so hat Mayr am Ort zwo firch wasser den ganzen tag. 

Item, so hat Matheu am Pichl vom Järgershof zwo ürch wasser den 
ganzen tag. 

Item, 80 hat der Gruebhof zu Untermais zwo firch wasser den 
ganzen tag, hunz der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 15 

Item, es hat der Aichner auf Romez ain furch wasser halben tag, 
aber er soll si yber die Lazag her kern. 

Am pfinsttag. 

Item, 80 hat der Dorfmaisterhof zu Untermais und Eestenpämerhof 
halben Tragwahl mit ainander, wie von alter her. " 20 

Item, so hat der Schafferhof und der Etschmannhof und Schneweger- 
lehen und des Kuenzpecken acker auf dem Praiten halben Tragwahl den 
ganzen tag, hunz der schaten der sunnen yber den Tragwahl geet. 

Am freitag. 

Item der widumb zu Mais und gieter drei firch wasser den ganzen 25 
tag, hunz der schaten der sunnen yber den Tragwahl geet. 

Item, der Mayr zu Hagnach hat ain furch wasser den ganzen tag, 
hunz der schaten der sunnen über den Tragwahl geet. 

Item, so hat der Poschenhof zu Untermais ain furch wasser den 
ganzen tag. 30 

Item, so hat der Riglhofer hof ain furch wasser allen tag. 

Item, so hat ain acker auf Jobst, so iez Pässlpecken erben innen hat, 
ain furch wasser allen tag. 

Item der Schaffer hat kauft ain furch wasser von mitentag, und dar- 
nach hat Bartlmee Beindl auch ain furch wasser kauft nach mitentag, 35 
hunz der schaten der sunnen yber den Tragwahl geet. 

Am sambstag. 

Item, 80 hat der Franz zu Maur in seinem hof ain furch wasser den 
ganzeQ tag, hunz der schaten der sunnen yber den Tragwahl geet. 

Item, so hat das spital zu dem Nüdermauerguet ain furch wasser 40 
den ganzen tag. 



128 NiedermatMj Hognach^ Labers und Freienberg. 

Item, 80 hat das Tämerleguet, genant Täschler, ain furch wasser den 
ganzen tag. 

Item, 80 hat der Pfiesl zu der Oeden, der klosterfrauen im Stainach 
acker, ain furch wasser den ganzen tag, hunz der schaten der sunnen yber 
5 den Tragwahl geet. 

Item, 80 hat Ferchtes guet am pach zu Niedermais ain furch wasser 
den ganzen tag, hunz der schaten der sunnen yber den Tragwahl geet. 

Item, so hat der Häberlehof ain furch wasser den ganzen tag. 

Item, so hat der Leiterhof zu üntermais ain furch wasser den 
10 ganzen tag. 

Item, so hat Benedicten Mämiger erben ain furch wasser hunz auf 
mitentag auf ain acker bei des Ffiesl torgl. 

Item, so hat Matheu am Pichl und Andree Spatauf kauft ain furch 
wasser mit ainandern nach mitentag, hunz der schaten der sunnen yber 
15 den Trag wähl geet. 

Vermerkt die nachtroden, so aus dem Tragwahl gend, wie her- 
nach TOlgt. 

Item, am ersten suntag hat des pfarrers '^) guet den halben Tragwahl 
die ganze nacht. 
20 Item, SO hat der Oberweindl zu seinen gietern halben Tragwahl die 

ganze nacht. 

Montag nacht. 

Item, so hat die haiden, so Veldkirohers erben zugehört, den ganzeca. 
Tragwahl allain die ganze nacht. 

25 Am erchtag nacht. 

Item, so hat die haiden vom Poldhof zu Punsch halben Tragwahl 
die ganze nacht. 

Item, so hat der ünterweindl zu Hagnach halben Tragwahl vor 
miternacht. 
30 It^m, so hat ain stuck, genant im Tulckger, zu Hagnach gelegen, 

80 iezt Lienhart Zimmermann innen hat, und Sant Georgen kap pellen- wis 
bei der kirchen haben den halben Trag wähl nach miternacht. 

Mitwochen nacht. 

Item der Plantitschhof hat ain furch wasser die ganz nacht in der 
36 Schiair. 

Item, so hat der Griesser und Ruedlin von Tornach ain furch wasser 
die ganze nacht. 

Item, so hat des Veldkirchers erben guet zu Hagnach zwo furch 
wasser die ganze nacht. 
40 Item, so hat der Weyer zu Hagnach zu seinem hof vier firch wasser 

die ganz nacht. 

^ pfars. ht. 



NiedemuM, Hagnaeh^ Labert vnd Freienberg. J29 

Davon hat Augustin Schnaitperger dem Sigmund Amestär ain guet 
ze kaufen geben. 

Am pfinstag nacht. 

Item, 80 hat der Soha£Perhof auf die egart vier firch wasser die 
ganze nacht. 5 

Item, 80 hat des Zwinkner pau ain furch wasser die ganze nacht. 

Item, 80 hat Mayrhofer zu Hagnach ain furch wasser die ganze nacht. 

Item, 80 hat Polinger ain furch wasser die ganze nacht. 

Item der Rüedinger hat ain furch wasser auf ain wis zu Hagnach 
die nacht am pfinstag nacht. 10 

Am fr ei tag nacht. 

Item, so hat der Schweintreiberhof zu Hagnach zwo fircb wasser 
die ganz nacht. 

Item, so hat der Mayr in Schiair, so iez Läpisch innen hat, zwo firch 
wasser die ganz nacht. 15 

Item der Burgerhof hat zwo furch wasser die ganz nacht. 

Item das Nägelepau hat ain furch wasser die ganz nacht, hat innen 
Wolfgang Pachmayr. 

Item, so hat das Schlairerguet ain furch wasser die ganz nacht. 

Sambstagnacht. 20 

Item der ünterdorfmaisterhof hat zwo fiirch wasser die ganz nacht. 

Item das Widrelsguet, genannt Ställele, hat ain furch wasser die 
ganze nacht. 

Item das Tämerleguet an der gassen hat ain furch wasser die ganz 
Dacht. 26 

Item das güetl am Pach, so Hanns! Pinter innen hat, hat ain furch 
Wasser die ganz nacht. 

Item Sennhofers guet hat ain furch wasser die ganz nacht. 

Item Peter Wengers erben, iez Balthaser Henn, hat ain furch wasser 
die ganz nacht. 30 

Item Augustin Schnaitperger hat ain furch wasser zum Weindlguet 
die ganz nacht. 

II. 

Papier?u. 18. Jahrh. Fol., 40 Bl. im Gtmtindtarehivt tu Mais. 

1683. 

Herr Leopolt, von gottes genaden erwälter remischer kaiser, zu allen 
Zeiten mehrer des reichs, in Germanien, zu Hungarn, Pehaimb, Dalmatien, 36 
Croatien und Sclavonien könig, erzherzog zu Oesterreich, herzog zu Bur- 
gnnt, Steir, Kärnten, Crain und Würtenberg, graf zu Tyrol und Görz etc., 
bekennen hiemit öffentlich mit disem brief und thuen [kundj meniglich 
OmUn. Weiithftmw. Y. 9 



130 Niedermaisj Hoffnach^ Lahera und Freienberg. 

Demnach uns N. N. adl und gmain Ober- Untermais, Hagnae 
Läbers und Freyenberg, lantgerichts Meran, allergehorsambist zu ye: 
nemben geben, dass sie zwar mit ainer alten gemainsordnung, wie es i 
allen gemainsfirfallenheiten zu halten, vorgesechen, zumalen aber diesell 
5 in etwelchen punkten unlauter, auch umb willen Veränderung der sei 
hero langverflossnen zeit an villen unterschidlichen articlen manglhai 
welches in diser gemainschaft grosse confusiones, zwitraoht und verhint^ 
rung des gemainen nutzens causiert, derowögen die hegste notturft erforde: 
dass obgemelte alte gemainsordnung zu erhaltung gueter policei, frid un 

10 ainigkait, befürderung des gemainen nutzens und also allen wesen zui 
pesten corrigiert, das unlautere declariert, und das vermanglete beisets 
werde, gestaltens dann anfangs allain durch den erküsten ausschuss vo 
adl und gemain beschechen, volgends von allen und ieden zusamben \h 
ruefifnen gemainsintressenten placidiert und guetgehaissen worden, un 

15 dahere alleruntertenigisten gepeten, solche ney corrigiert und verpessert 
gemainsordnung nit allein durchgeends allergnädigist zu confirmieren, soi 
dem auch ainen ieden gemainsinteressenten oder nidem standspersonei 
welche sowol in loco, als anderwerdig sich befinden, niemand hiervon aui 
geschlossen, bei ainer gewissen benannten straff zu gepieten, dass sie disc 

20 gemainsordnung von artiol zu articl genauist, unverwaigerlich platzfinden 
exception oder ausfl.ucht, nach zu gleben schuldig. 

Dass wir solches ihr allergehorsambistes peten allergnädigist ange 
sechn und hierauf gedachte dorfsordnung confinniert und bestättigt habei 
wie hernach von wort zu wort geschriben steht: 

25 Und soll erstens jährlich [an] sanct Feter stuelfeirtag, so in neiei 

calender den zwaiundzwainzigisten februari fallt, oder an negsten sonnta 
darauf zu unser lieben Frauen in Untermais durch den veldsaltner i 
Obermais offenlich beruefen werden, dass am negsten sontag hemac 
solcher berue£Pung beim dorfmaister, oder aber, wann es beim dorfmaist< 

30 nit beschicht, beim wirt an der gassen daselbst oder andern orten, wi< 
dan von denen meristen noch im ausschuss befindenden, so ain dorfmaistc 
zu befragen hat, belieblichen seie, und dahin adl und gemain Obermaii 
so ganze und halbe höft, item lechen- und söldgieter oder gemainsgerechtig 
keit haben, zu erscheinen, und dem dorfrecht gebirend bei- und abzc 

35 warten schuldig und verpunden [sein]; welcher aber, niemand ausg« 
nomben, ohne ehehaft oder erhebliche ursach oder iemande destwege 
erthailenden gewalt aussbleiben, [der] oder dieselben [sollen] andurch p€ 
ain gülden geltstraff der gemaind verfallen sein und solche peen vo 
ainen dorfmaister daselbs in Ober[mais] in unterbleibung gietiger bezah 

40 lung, wo noth, mitist der pfandung eingefordert, verrechnet, auch dami 
man Wissenschaft haben kenne, welche ungehorsamb aussbleiben mechtec 
alle dorfrecht ain steirregister, darinnen die ganzen, halben höf, itei 
lechen- und söldgieter begriffen, und solche ungehorsamben notiert werde 
sollen, zu welchem Obermaiser dorfreoht, und solchen bei- und abzuwartei 

45 weilen es sonsten ain unabgethailte gemain, N. adl und gemaind Untei 
mais zween oder drei, Läbers auch sween oder drei darzue abzuordne: 
haben sollen. 



Niedermaity Bagnach, Lahers und Freienherg, 131 

Fir das andere solle an negsten sontag nach erhaltnen Obermaiser 
dorfrecht auch in Untermais am sontag zuvor auf unser lieben Frauen 
freithof zu Mais durch den veldsaltner daselbs dorfrecht beruefft, und 
solches beim dorfmaister zu Untermais oder in ainem Wirtshaus daselbs, 
wohin es dann ain unter disen wirten zu halten denen meristen in aus- 5 
schuss befindenden, welche ain dorfmaister zuvor zu befragen, belieblich 
sein mochte, wie vorbeschriben, angestelt werden, auch ain ieder, so in 
üntermais, Hagnach und Freiberg ganze, halbe höf, lechen- oder söldgieter 
innen oder gemainsgerechtigkait hat, zu erscheinen und dorn dorfrecht 
in der weis, wie in Obermais, gebirend bei- und abzuwarten schuldig und 10 
verpunden; welcher aber, niemand ausgenomben, ohne ehehaft oder erhöb- 
liche Ursachen ausbleiben und durch gewalt nit erscheinen wurde, der 
oder dieselben, gleich wie in Obermais, per ain gülden geltfitraflF der ge- 
main verfallen sein und solche peen von ainem dorfmaister in Untermais 
eingefordert, oder, da es vonneten, durch pfand erhöbt und verrechnet, 16 
anch damit man Wissenschaft haben mege, welche ungehorsaihb ausbleiben, 
alle dorfrecht, gleichfalls ain halben hof, item lechen- und söltgieter be- 
griffen seint, ordentlich abgelesen, und solche ungehorsambe notiert werden 
sollen, zu selbigen bei- und abzuwarten, weilen es sonsten vorgemelter- 
mawen ain unabgethailte gemaind N. adl und gemaine Obermais und 20 
Läbers zween oder drei darzue zu ordnen haben sollen. 

Drittens, so oft unter der jahrszeit auf begebende firfallenheit N. adl 
und gemaind Untermais, Hagnach und Freyenberg, ieder oder beder aus- 
schuss, oder dero ieder oder beder abgesonderten gemain dorfmaister, wie 
^ etwa firfallenheit oder gelegen hei t begeben mechte, zusamben beruo£Pen 26 
wurde, sollen solche, wie bei ersten und andern puncten bereits angedeit 
worden, bei solcher peen des ainen gülden zu erscheinen schuldig sein, 
und ohne ehehafte ursach oder gebende gewalt nit ausbleiben, und solle 
^ie anstalt des ausschuss jederzeit gewexlt, dergestalt, [das aine mal in 
Obermais,] das andermal in Untermais gehalten werden. 30 

Viertens, damit bei denen ersitzenden dorfrechten die dorfrecht be- 
ordert werden, solle ieder dorfmaister iedes orts allzeit anvor auf taug- 
liche ausschuss und solche herrn und nachpem gedenken, so den ge- 
mainen nutzen zu befirdern bequemblichisten sein, selbig N. adl und 
gemain benambsen und darauf anfragen, ob selbe durch ihne dorfmaister 36 
benanien herrn und nachparn, N. adl und gemain, für tauglich achten, 
oder was selbe fir herrn und nachtpam in ausschuss erwehlen wurden, 
von N. adl und gemain erwarten, volgents solche ain ausschuss erweite 
protocol Heren lassen und solle den gemainen nutzen zum pesten kainer 
ohne ehehafte ursach, welche die andern herrn und nachtpaurn des aus- 40 
Schusses zu erwegen haben, sich in ausschuss gebrauchen zu lassen ver- 
waigern, in alweg aber der alte ausschuss wegen zum besten habend in- 
formation nit leicht geändert werden, es were dann sach, dass ain oder 
der andere sich in die sechs jähr oder mehr im ausschuss aufgehalten und 
derowegen herauszukommen stark verlangte, sonderlich solle [man] alte 45 
ainem ausschuss erhalten, damit, wan ainer oder mehr erweit worden, dise 
neuerwälte von ihnen alten geherter massen informiert und unterrichtung 

empfangen und gehaben kennen. 

9* 



132 NUdermaity Hagnach, Lahers und Freienberg, 

Fünftens solle der ausschuss in Ober- und Untermais, auch incor- 
porierten gemainen, in all der genanden antre£Penden firfallenheiten, weu 
es dan berieren mechte, nichts davon ausgenomben, N. adl und gemain zv 
beschitzen, zu vertretten und deren nutzen zu befirdem, zu versprechen 
5 und zu defendieren vollen gewalt und macht haben; iedooh, ob ain sach 
entspringen mechte, daran der gemain sehr vill daran gelegen und hoch- 
wichtig were, solle der ausschuss die gemaind berueffen lassen, welche 
auch bei ieder hievor aufgelegter straff zu erscheinen hat, und nach adl 
und gemaind guetachten, liberation und resolution handien. 

10 Sechstens solle auch der jährlich erwälte und confiermierte ausschuss 

Ober- und Untermais, auch einverleibter yberigen gemain, den yber alle 
gemains- und der gemain angeherige oder berierende sachen, nichts davon 
ausgenomen, macht haben, gegen denen, welche sowohl in der gemain 
ganze, halb höf, item lechen- oder seldgieter, als auch wider die in- 

15 wohner oder ingeheissen, so keine gieter oder gemainsgerechtigkeit haben, 
und aber die 'gemainbeschwornen oder [andere] anfechten mecht-en, zu de- 
libieren, zu remidieren, auch sogar nach guetbefinden die in der gemain 
überlestige personen, wer sie auch sein mechten, niemand ausgenomben, 
ab- und fortzuschaffen, sonderlich wider die, so auf der Latzög,* bei dei 

20 Passer, Etsch und Sinich wassergebeien zu der gemain arwait durch den 
veldsaltner aintwäders von haus zu haus gesuecht oder vor dem kirchtunx 
zu Mais alter gewonheit nach berueffen werden, oder da derentwögen mii 
der gloggen das zaichen gegeben wirdet, und nit erscheineten und gepirend« 
proticion laisteten, dass sowol derotwo befindend hinterstand einzulangen 

25 als auch was firters beschicht, so yber ain, zwai, mehrist dreimalig« 
berueffung nit verriebt, oder mit gelt, als für ain fuer des tags aii 
gülden und ain knecht achtzechen kreizer, bezalt worden wer oder wurde 
derentwögen die pfandung zu erhöben und damit weiters zu verfallet 
sein solle. 

30 Zum si beuten sollen auch hemachbeschribne strittigkaiten, so sieb 

in solchen gemainden zuetragen tätten, als wegen der weg, Strassen, steeg 
und steig, item ausmärkung der coherenzen, zwischen welcher märkuog 
der güeter auf ieden thail ain oder anderhalben, also auf beiderseits zwai 
oder drei werkschuech weit oder die prete gelassen werden solle, ingleichen 

35 wan ainer den andern mit markung, sötzung der paumb zu weit oder 
sonst in marchung ybernommen bette oder ybermänen wurde oder sollte, 
nit weniger, wan ainer kost- oder nuss- [?] oder an derschid liehe paumb, 
welche specie den Weingärten, weingieter oder fruewisen die morgen- oder 
mittagsonne nemen, und also zaemachet und, wie erst verstanden, zu scha- 

40 den des andern hette oder pflanzt, sodann auch in wasserkehrn oder 
wasserlaiten, oder abkehren, oder abnemung der wasserroden mit tro- 
worten, straichen oder werken beschweren wurde, auf was weis es sich 
dann hierin eraignen und zuetragen mechte, zu erhaltung gueter nacht- 
parschaft und abschneitung der den uncösten vormerbedeiter ausschuss, 

45 in soweit hierin falls die Ordnung yberschriten worden, gietig ausgefiert 
und die gebir vorgekert, gleich die daraus etwo auch entsteende iojuriklag 
in unterbleibung gietiger verraitlung gleichwol der ordinäri obrigkeit vor- 
behalten und offen gelassen werden, welcher ainsmals verliebter vermitlung 



Niedermaitj Hagnachf Labert und Freienberg, X33 

sie naohzukomben und in allweg zu parieren ieder gemainsinteressent 
hierin falls schuldig [und] verpunden sein solle. 

Achtens, weilen jene, so sich zu beschützung der ganzen gemain, 
aach pflanz- und befirderung des gemainen nutzens in ausschuss gebrauchen 
lassen miessen, hierdurch das irig verabsaumben, hingegen die andere haus- 5 
gesessne bei irer arbeit, Verrichtung oder geschaft verbleiben migen, und 
nicht desto weniger *) dorfmaister und solche ausschussverwonte ieheweils 
TOQ thails gemainsinteressenten mit grob- und unbeschaidenheit umbillioh 
an . . , sollen solche frevenlich gemainsinteressenten und andere, so sich 
in diser incorporierten gemainschaft befinden, auch obverstandene len (?) 10 
manier gebrauchen wurden, iederzeit durch den verordneten comissarium, 
warvon hinnach etc. und weilen schliesslichen C. S. weiter anregung 
beschicht, [wie] gezimbt, vernomen, auch nach befindend beschaffenheit 
und erwegung der sachen mit ainer straff belegt und in unterbleibung 
gietiger abrichtung selbe durch die pfandung erhebt werden. 15 

Zum neinten soll ain ieder dorfmaister bei erhaltenden dorfrechten 
umb- und anfragen, ob weg und steg recht gericht und also geng und 
förtig, damit ieder dariber sicher gehn, fahren, handien und wandlen 
mege, und also land und leit versorget sein, oder aber ob etwas daran zu 
peaaem seie, und haben N. adl und gmaind üntermais, Hagnach und 20 
Freyenberg die landstrassen, und von der spitalpruggen an durch die 
gassen unzt am negsten ort am Rametzpach, und von dannen N. adl und 
gemain Obermais und Läbers die landstrassen bis hinab am Ferstier zu 
Bargstall , die Sinichpruggen und Sinichsteig aber bede gemainen ge- 
mainden miteinander auf gleichen entgelt zu machen, zu verpauen, zu 26 
erhalten und zu versorgen, auch wan beruefen oder mit der gloggen das 
zaichen gegeben wurde oder wan dem veldsaltner die zuwisseumachung 
beschächete, dass man die reparierung der weg und Strassen thuen solle, 
und aber ain oder der andere [nit] zurecht kome, oder taugenliche schicken 
tätte, der oder dieselben sollen iedesmals, so oft das beschicht, umb acht- 30 
zechen kreizer fir ainen knecht und noch darzue ain tagwerch verrichten, 
und also auch solche fueren zu gebirender zeit nit folgeten, doppelt dieselbe 
zu vollziehen, gestrafft werden. 

Volgends soll ain dorfmaister als in Obermais N. adl und gemain 
wegen ersetzung der ämbter an- und umbfragen, und, wie vorgeschriben, 35 
nach erwölten ausschuss, wie von alters herkomen, setzen ain albenpurg 
und paumaister an der Etsch und Latzag, nachgeends ainen aufsecher der 
gemainwaltung, kemichbeschauer, hirte, pirgen, weinmesser, rosshirt, kie- 
hieter, schweinhieter, schmirber und veldsaltner, deren ieden soll sein 
schuldige Verrichtung mit ernst erinnert und vorgehalten, auch, wo von- 40 
neten, ain instruction gegeben werden, und, wo ainer oder der ander in 
seiner dienstsverrichtung anstünde, derselbe solle sich bei dem dorfmaister 
anmelden, sein befelch nachkomen und hierinnen nichts vernachlassen bei 
straff, so ainer am ausschuss nach gelegenheit und umbstend der sach, 
auch verwirkung schepfen, und neben dem dorfmaister mitist der pfandung 45 
einzulangen und er dorfmaister zu vernehmen hat, und in albeg, wan ain 

>) ht. weiger. 



134 Niedermais ^ Hagncuih, Labert und Freienberg. 

dorfmaister wegen erzelt bedienten anstünde, solle er es an aussohuss ge— 
langen lassen, hieriber von selben bevelch erwarten und deme nachkom* 
men, auch bei straff, nachtl und schaden, so der ausschuss zu erkennen, 
und in unterbleibung gietiger bezahlung durch pfant zu erheben, hierinnen 
5 nichts unterlassen oder verwahrlosen. 

Nichts weniger, zum zechenden, solle bei dem dorfreoht inüntermais 
der dorfmaister daselbs wegen ersetzung der ämbter N. adl und gemain 
umbfragen und alten herkomen nach, wan der ausschuss erwölt worden, 
setzen erstens weinmesser, folgents ain paumaister obern Tragwahl, auch 

10 denselben ainen steuertreiber, paumaister an der Etsch, sodann schwein- 
herter, kiehirten, pirgen, als ainen in den dorf und den andern in Hagnach, 
schliesslichen ainen walhirten und schmirber, und hat der paumaister am 
ober Tragwal jerlichen umb allerheilig den Interessenten umb seine empfang 
und ausgaben raitung zu halten. 

16 Ainliftens sollen die dorfmaister bei solchen alle jar haltenden dorf- 

rechten ire dorfmaister-raitungen, dero empfach, rais- und gemaine steiern, 
auch andere richtig einkomen, wie selbe in dieser Ordnung benent werden, 
entgegen ihren fir die gemain volbrachte ausgaben eingeben, daryber als- 
dann alter gewohnheit nach N. adl und gemain oder der ausschuss gewiss 

20 taugliche und unparteische bestelle, selbe zu ersuchen und darnach di^ 
einreden zu verfassen, selbst inner negsten vierzehen tagen von der ein — 
gebung an denen dorfmaistern behendigen, die gleichfalls inner vierzehe 
tagen ire Verantwortung dem ausschuss widerumben zuestellen. Aisdan 
solle inner acht tag ain raitung benent und miglichist«r fleiss, selb in d^ ^ 

25 giete zu vermitlen, angewenlet werden, wan aber die Vermittlung dis^ 
dorfmaister-ambtsraitung wider verhoffen nit verfang haben sollte, di * 
raitungen vor der auswirkenden comission der ordinäri gerichtlichen or& 
nung nach firgenomben und erleitert werden. 

Zum zwölften, und weilen denn alters her yeblichen, dass ain metzge»:^ 

80 wirt, allerlei handtagwercher und kromer, wie auch andere personen, »^ 
sich in disen adelichen und ersamben gemainden niderzulassen willen^^ 
darumben subplicieren miessen, und selbe supplication ain dorfmaister ain - 
zugeben haben, und alsdan iederzeit vom ausschuss aufgeuomben werden 
oder abgewisen werden, also solle es noch dar bei verbleiben, dergestalten, 

35 dass die aufgenombene von ainen dorfmaister mit vorwissen der obrigkeit 
verpflichtet werden sollen und der ausschuss auch bemechtiget sein, solche 
aufgenommene nach gueter befindenheit wider aus der gemain zu schaffen, 
auch jenige, so selbe in iren heissern dariber aufhalten wurden, umb 
zechen gülden abzustraffen. 

40 Dreizechendens sollen die rais- oder landschaftsteiern, auch die ge- 

maine steier und anlagen, wie die beschöchen, von denen, so solche ein- 
treiben und einfordern, in ain register mit iedeu absonderlichen auswurf 
und nit unter die landschaft- oder raissteiern einkomben oder vermischt 
werden, und kein anderer weiter steurtreibor geordnet, hingegen aber soll 

45 derentwegen denen steurtreibor geordnet, in Ober- und Untormais von der 
gemainde extraanlagen der zechende pfenig zur besoldung einzubehalten 
geschöpft sein. In Freien berg aber hat es bei denen Rteurlreibern geben 
[bei] der gewonlicb belohnung zu verbleiben. 



NiedermaiSf Hagnach, Laber» und Freienberg. X35 

Zum yierzechenden sollen [von] vorigen ausschuss noch die steor- 
ood anlagregister iedee orts von zween in ausschuss erweiten, so halt die- 
selben ausgeschriben, auf vervolgente zuetragung ohne ainichen Verzug 
unterschriben werden und ausserdessen niemand schuldig sein, ainiche 
8t«ir oder anlag zu bezahlen. £s solle auch ain trüchele mit dreien schlissl, 5 
darinnen die geschriften zu legen, gemacht, darzue ain sicherliches ort, 
wohin es N. adl und gemain oder dero ausschuss iederweilen vor guet 
erachtet, erwellet und nach disposition des ausschusses der aine schlissl 
ainem hem von adl im ausschuss, der ander ainem dorfmaister und der 
drite ainem von der gemain im ausschuss behendiget werden. 10 

Zum finfzechenden solle nach erfolgtem dorfrecht iedes jahrs vor 
denen aus ainen deputierten ausschuss geordnete allerhand tagwercher, 
innwohner und jene, so zum dorfrecht nit zu erscheinen haben, auf ain 
gwis bestimbten tag, welcher an ainen sonn- oder feirtag bei unser lieben 
Frauen kirchen zu Mais öffentlich zu beruefen, bei stra£P achtzechen 15 
Icreizer, wohin sie als in dorfmaister- oder wirtsbehausung bescheiden 
werden, zu erscheinen schuldig sein, damit was ainer oder der andere 
seinem verhalten nach verschuldet haben mechte, gebirend unterwisen oder 
nach geetaltsambe der sachen und nach eingenombner genuegsamber In- 
formation und anhörung durch den ausschuss gezimbent abgestra£Pt und 20 
also guete, nutzbarliche Ordnung gehalten werden, gestalten auch gegen 
denen wirt, handwerchern und cramern iederzeit die landsordnung beob- 
achtet und zu [ge] wissen [zeiten] in jar, und so oft es vonnetten, die hand- 
elnd tagwercher in iren herbigen visitiert,^) auch hierzue aigne deputiert 
werden, und dorfmaister und ausschuss sich ausser der gemain in sum- 25 
tnerszeiten, und da die arbeit zum genetigsten ist, insonderheit aber zu- 
wider abgangnen allergnedige befelch, in den [a]catholischen orten auf 
mad oder andere arbeit nit begeben, und falls ain hantierer, cramer und 
tagwercher oder inwohner straffpar zu sein befunden wurde, ain iede 
parthei vorhero genuegsamb verhert, alsdann das verprechen wol erwogen 30 
und von ausschuss die straff nach beschaffenheit angeleget, und in nit 
tüenander gietigen abfiehrung ^) auch selbe von dorfmaister durch pfan- 
dung empfahen und verraitet werden, inmassen auch auf ain oder des 
andern Widersetzlichkeit die statt- und landgerichtliohe obrigkeit an Heran, 
oder albo selbe und in welchen gericht sie betretten werden mochten, das 35 
prohibitur^) zu erthailen. 

Sechzehenten s, weilen tailes band- und tagwercher ire kinder lieber 
haimbs behalten und dem petl nachgehn, als in ehrlichen orten dienen 
lassen, wordurch nichts guetes ervolget, als solle auf dergleichen sonderbar 
achtung geben werden und mitl ankert werden, dass ain iedes, so dienen 40 
kann, darzue mit ernst getriben, und sie den gehorsamb nit laisten wurden, 
nach beschaffnen dingen aus der gemainschaft geschaffen werden. 

Zum sibenzechenden, nachdeme auch die erfahrenheit gibt, wider 
gueter polizeien und tirolische landsordnung des 36. titls 6. puechs, die 
verehrten ehehalten, knecht und diern, ungeacht sie auf gewisse zeit ver- 46 



2) Vitie ht. ') absichrung ha, *) brachind ha. 



136 NiedermaUy Hagnach, Laberg und Freienberg. 

dingt, ohne gennegsambe ursach aus den dienst tretten, als solle hieiinne 
in allen punct^n allegierten landsgesatzen nachgelebt, nach gestaltsamb 
der Bachen solche ehehalten mit ainer 8tra£P angesechen und wider sie yei 
fahrt werden. 

5 Zum achtzechenden solle auch keiner, wer der sei, ainich frembc 

personen, wie auch keinen ledigen knecht oder ledige diern ohne vorwisse 
und erlaubnuss des ausschusses ainiche kammer beziechen und aldort sie 
aufhalten [laßen], welcher aber darwider dergleichen aufnemben uo 
herbrig geben tette, iedesmals durch den ausschuss mit ainer straff nac 

10 gestaltesamben der Sachen belegt und von dorfmaister durch pfandun 
erhöbt und verraitet werden. 

Neinzechendens solle wegen der petler den abgangnen gnedigen r^ 
mentsbeyeloh und 4. titl 7. puechs t. l. o. mit ernst fleissig nachgelel 
werden. 

15 Zwainzigistens, weilen auch beraits beschlossen worden, dass i 

jeniger Waldung, die Naif genant, von welcher die gemainden prenn-, au( 
tails weingartholz haben und sich yersechen kennen, ain weg gemacb 
und also sollte disfalls aller beitrag yon allen denen, so es geniessen wolle 
auch beschechen, selbe notiert und jenige, auch niemands ausgenomen, 

20 bierinnen nichts entgelten wollten, auch nichts zu geniessen haben, sondei 
daryon ausgeschlossen sein, inmassen wan solcher weg wandlpar gemac 
wurde, yon ausschuss ain gezimbende gemainswaldordnung yerfasst, publ 
eiert und derselben gemess nachgelebt werden solle. 

Ainundzwanzigistens solle jeniges stierälbl in der Naif reparie 

25 und besuecht, auch die anstossenden waldungscoherenzen järliohen n 
etlichen alt und jungen gemainsinteressenten zu bequember zeit zue koo 
tigen wissen yisitiert werden. 

Zweiundzwainzigistens, zumalen oft beschlossen, dass [man] allaini< 
jeniges yich, so ain ieder auf seine gieter gewintert, auf die weidnei fier« 

30 kann, hingegen alles andere abgeboten worden, also sollte keiner ohne yo 
wissen und bewilligung des ausschusses, niemand, wer der ist, [ausgenome 
ainiches yich, als was er, wie gehört, auf seinem guet gewintert, auf d 
weidnei kehren, nit weniger disfalls [kainj frembdes yich annemben, ui 
wer daryber betretten wurde, solle iedes mals gepfendt und von ied' 

35 stuck zween gülden zur peen verfallen, daryon gemaind der ain und d 
ander dem dorfmaister geherig sein, hierumben dann gepfendt und solch 
von dem dorfmaister verraitet werden. 

Dreiundzwainzigiston solle ainen ieden dorfmaister, gott behiete ui 
in contagionszeit provisores sanitatis und provision von ausschuss gest< 

40 und in der anlag ausgeschossne mannschaft benennt werden, welche f 
alsdann denen anwälden firstellen, [die] der gemainsmilitia sold ^) [un 
aufpot, wan es die zeit zuelasst, mit rat des ausschusses ordnen sollen, ^ 
nit diese gepir von selbsten firnemben, sodann die einquartierungen gleic 
falls mit wissen des ausschusses volziehen und ohne vorwissen des au 

45 Schusses, ausser was die absieht anbetrifft und was das dorfpuech ; 
thuen bevilcht, nichts vornemben, die kriegs- und andern dergleich 

») soll h9. 



Niedermaisy Hetgiiachf Laber» und Freienberg, 137 

foeren nach migliohister gleichheit austhailen und anstellen und alle jenige, 
welche an erfolgter berueffung nit gehorsamben wurden, mit allem erfor- 
derlichen ernst darzue anhalten, entgegen ihnen das fuerlohn, da es sonsten 
Ton anderen nit abgefiert wurde, von der gemain bezalt werden solle. 

Item, so wirtet dem dorfmaister aufgebunden, zu rechter weil und 5 
zeit den ausschuss, so oft es von netten, durch die veldsaltner zusamen 
bemeffen zu lassen, auch vorderist selbst darzue erscheinen und ohne er- 
hebliche ursach, bei drei taller beraits verliebt und bedingter straff, nit 
ausbleiben, und alzeit jeniges, was ain ausschuss, dabei ieder dorfmaister 
auch ain stimb und guetachten zu geben hat, wie es bisher beschechen, 10 
ainhellig oder per maiora schliessen wirdet, mit dem ausschuss vollziechen 
helfen; in alain ringschätzigen sachen aber megen sie dorfmaister das alles 
nach inhalt diser Ordnung mit beiziechung [der] herren aus dem ausschuss 
wol volzieohen, sonsten aber alles auf des ausschusses und dorfmaisters 
disposition stehen. 15 

Item, da die dorfmaister ihre raitungen bei erhaltenden dorfrechten, 
wie hievor beim 11. punote begriffen, nit eingeben wurden, solle selber 
entzwischen dieser zeit unzt eingebung gedachter raitung die firfallende 
gemaine ausgaben ainstmalen abfieren, und bei der gemain so lang keinen 
gesuech haben, bis getachte ire raitungen dem ausschuss behendiget worden. 20 
Auf das gesuech werden keine (sie!), wie sich der rest erhalten mechte, und 
infalls aber denen dorfmaistern, ainem oder dem andern, ain rest erschine, 
iK)lle der ausschuss unverzigenliche anstalt richten, dass firderlichen bezalt 
werde, damit sie nit ursach haben, wofer die verfiegung und notwendige 
anlag nit bescheohete , den ausschuss darumben zu belangen , entgegen 25 
bleiben der gemain umb der dorfmaister rest ihre dorfmaister höf, darauf 
dis ambt gelegen und noch ligt, vor allen verhaft und verpfendt. 

Vierundzwainzigisten zu den wasser- und andern gepeien, welche 
der ganze ausschuss anzustellen hat, sollen zwar die dorfmaister allainig 
ihre fleissige spection haben, wan es aber von neten, ihnen jerlichen zwen 30 
oder drei verstendige zu besichtigung solcher gepei von dem ausschuss zue- 
geaignet und alle erfindende mengl dem völligen ausschuss vorgetragen 
und durch denselben remediert werden. 

Fünfundzwainzigisten, denen dorfmaistern sollen ire regalien und 
andere gerechtigkeiten, wie von alters her gebreichig gewest, sovil diser 35 
Ordnung nit zuwider, oder aber dieselbe in sich mitbegriff, noch hinfiron 
verbleiben, doch dass sie auch hingegen ihre Schuldigkeit fleissig ver- 
richten sollen. 

Sechsundzwainzigisten, wer ohne wissen der gemain oder dorf- 
maisters oder ausschuss auf der gemain oder Strassen ainen puncten oder 40 
mehr heryberziechete , oder die stecken auf der graain weg stossete, 
wardurch die durchfahrt mit heyfuehren oder dergleichen verhindert, 
Solls widerumben weckthuen. 

Sibenundzwainzigisten solle niemand das gras auf der gemain, 
weilen es zu waiden geherig, abmahnen, bei straff von ieder kröb 24 kr. 45 
und von ainen korb voll 30 kr., so oft er betretten wirdet, daraus der 
gemain der halbe, der andere halbe tail dem dorfmaister [und] veltsaltner 
miteinander gebirig sein solle. 



138 Niedermais, Hoffnach, Labers und Freienberg. 

Achtundzwainzigisten solle ohne consens aines ausschuBses niemaiK 

80 kein gemains recht hat, ainiches vich, was das sei, in der gemain z 

halten, weniger auf die waid zu keren, bei straff, so der ausschuss nac 

beschaffen hei t der sachen zu schepfen und durch pfandung einfordern z 

6 lassen, befuegt sein solle. 

Neunundzwainzigisten, welches reverender vich, was es ist, nit f 
den gemainen hirten gekehrt oder getrieben wirdet und zu schaden gehe 
solle durch den veldsaltner iedes orts gepfendt werden, als bei tag ain o 
per nein kreizer, ain kue per 4 xr., ain gais per 18 xr. und ain schaf p< 

10 6 xr. und die nacht toblt, sowie davon der halbe tail der gemain und ds 
übrige ainem veltsaltner gehörig, und noch darzue, deme das vich zm 
stendig, schuldig sein solle, die zörung des vichs, wan es in pfandsta 
kombt, abzustatten, zu bezahlen, vorbehältlichen des jenen Schadens, de 
das vich im guet solchen getan hatte, umb den schaden des vichs gege 

15 der person, so es gehört, zuesagen, welchen schaden der ausschuss, od« 
wer derendwegen deputiert werden mechte, zu taxieren, auch so estimiertc 
schaden, wo not, durch pfandung einzubringen und zu erheben hat. 

Zum dreissigisten sollen nit allain die rc. schwein sowol im frielin 
als in herbst ausser der herd herurabgehen zu lassen genzlichen verpotte 

20 sein, sondern auch wie im negst achtundzwainzigisten puncten begriffei 
ausser es wurde von dem hirten vernachlässet, so er zu bezahlen schuldij 
auf dero betrettung des tags schuldig von ainen per 12 l. und zu nach 
vierundzwainzig 1., so oft es beschicht, gepfendt werden, und solle nich 
destoweniger jenigen, so der schaden beschechen, umb denselben wegc 

25 des Schweins, umb den, wem es gehörig, bei dem dorfmaister oder au 
schuss sich [zu] beklagen bevorstehen, welche inner guetbefindenheit de 
selben abgestattet werden solle, und wan die schwein durch öffentlich g» 
breichige berueffung genzlichen fir voglfrei abgepoten werden, so gemeini] 
liehen beschechen kann im frieling, vor man es vorkert, und im herbs 

30 alda man sie nit mehr bietet, so mag ime, [der] dergleichen schwein tettc 
wurde, nit allain mindisten daraus nichts entstehen, sondern solle noc 
darzue der, deme die schwein angeherig, selbe von deme, so sie gefell 
umb die schwein sich vergleichen, oder da es nit beschähete, hierumbe 
ain ausspruch von dem dorfmaister getan werden, und es der, deme di 

35 schwein gehörig, bei dem ausspruch nit bleiben lassen wolte, selbig« 
schwein jenen, so es gefeilt worden, zuestendig sein solle. 

Ainunddreissigisten, wan frembds vich, als von andern gerichtei 
in dise gemain oder poden komen und betretten wurde, solle es gleicl 
falls durch den veltsaltner des orts mit zueziehuug aines oder zwei taj 
40 weroher, die negsten, so er haben kann, die sich bei straff 24 xr. dem vel 
saltner beizuspringen nit vermeiden sollen, (nach laut vorgeschrit^e 
27. puncten) gepfendt und die tagwercher, so pfenden helfen, von denei 
so das vich gehörig, das tagwerch, als ieden 18 kr., mit ablösung des viel 
zugleich alsobalden bezalt werden. 

45 Zweiunddreissigisten ain ieder, so ain vich, was es fir ains sei 

wolle, fir die hert treibt, soll dem hirten, wie gebreichig, speis und loh 
geben, solang selbiger hirt bieten tuet, und wan gleich das vich in d; 



Niedermaisy Hagnach, Laher» und Freienherg. 139 

albea geton oder nach der alben nit mer firgetriben wird, ist man dennoch 
dem hirten yellige speis und lohn schuldig, det^swegen die hirten [uud] 
birgen ir fleissiges aufsechen haben sollen ; im fall sich aber ainer hierinnen 
widersetzen wurde, solle der ausschuss oder dorfmaist^r von der Ordnung 
oit weichen, sondern deme, der wider die gepür handlt, nach gestalt der 6 
Sachen geziembend, es seie mit verpietung der weidnei, oder in anderweg 
abstraffen. Und sollen die dorfmaister, als in üntermais ain peerfaoken, so 
genaegsamb taugenlichen, in Obermais selbiger dorfmaister auch ainen 
genuegsamben pfarrstier zu halten, auch der dorfmaister in Obermais den 
kae- und schweinhirten die gezimbende ligerstatt in zeit des hietens zu 10 
geben haben. 

Dreiunddreissigisten, belangend den pfarrstier, so herr pfarrer zu 
halten hat, solle dermallen iederseits gerechtigkeit unvergriffen und bis 
auf weiter erkandnuss in suspenso gelassen, und der Prader in Obermais 
solle ainen tauglichen perfack halten, derentwegen er Prader ain wisl und 15 
gärtl von der gemain gen i esst. 

Vierunddreissigisten, weilen die gemain Wisen-alben auch ieden 
gemainsinteressenten zu besuechen frei steet, als solle solche alben von 
ganzer gemaind, sie werde von allen besuechet oder nicht, erhalten und 
desentiert (?), auch die kääser, kessl und alle zuegehör gepessert und er- 20 
halten werden; wan aber yber des kesslers hüeten und dienerlohn, auch 
Erhaltung des vichs mehrers ergehet, solle selbiger costen proportionabiliter 
auf die milch gelegt und eingelangt werden, darzue allemal zeitlich vor 
der albeufahrt die poten oder bediente den interesseuten, ob sie denen an- 
nembliohen, firgestellt und nach deren schluss selbe angenomben oder ab- 25 
dankt und andere eingestellt, so dann die reitung des albmcostens nit erst 
in der alben, sonder zumaist gehalten und der uncosten volgents angelegt 
werden, damit sich ain ieder darnach zu richten waiß, und solle von denen, 
80 ir re. vich in der albm haben, zweu taugliche järlich deputiert werden, 
das albmgeschäft, so vil miglich, der gleichheit nach aus[zu]tailen. 30 

Fünfunddreissigisten sollen durch die verordnete kemichbeschauer 
die kemich iedes orts, keines ausgenomben, alle vier quatember besichtiget 
werden, und der, so die kemichbeschauer nit besichtigen lassen will oder 
68 ihnen verwert, nach guetbefindenheit des ausschusses gebürlich abge- 
ßtrafft und zu Versorgung von konftiger prunst, so gott iederzeit durch 35 
seine grosse barmlierzigkeit gnediglichen verbieten wolle, etwelche feyr- 
laitern und wasserkibl, so bei ieden dorfmaister fleissig behalten, gericht, 
und jährlich aigne personen, selbige beizubringen und wider an sein ort 
zu liefern, bestellt und hierinnen nach guetachten des ausschuss ain Ord- 
nung gemacht werden solle. 40 

Sechsunddreissigisten, und weilen den 29. december a. c. 1537 zwi- 
schen dem hocliwirdigen herrn Pulagio, übten und prelaten, und N. des 
ganzen convents des lobl. gottshauss zu Starabs aiues, dann N. adl und 
gemain Ober- und Untermais und incorperierten gmain andersthails vor 
herrn Jacoben von Brandeis, als von der röm. kais. mjt. etc. etc. Ferdi- 45 
nandi, von wolgetachten herrn abbt und prelaten, auch lobl. convent er- 
worbnen comissario, ain vertrag ürgangen, sonderlichen, wasmassen sich 



140 Niedermai», Hoffnach, Laber» und Freienberg. 

ain herr abbt und prelat mit Erstellung aines herm pfarren und hem 
gesellpriester zu Mais zu verhalten, nit weniger in einnembung des tauf 
gelts der kinder, item was von ybertrag und raichung des hochwirdigei 
sacraments und begräbnuss iederlioher personen ainen herm pfarrer ode; 
5 gesöllpriester, wie auch messner geben werden solle, als wirdet selbigei 
alda dergestalten eingefiert, dass es bei allen dessen puncten zu verbleibet 
und [in] nachgelebt werden solle. 

Inmassen und in erinnerung, sibenunddreissigistens, alten herkommei 
nach die kirchengieter zu Mais [nach] sag, wissen und willen einer ganzei 

10 gemain und ausschuss, auch selber gottshäuser, massen sie dahin ge 
pfarrt, regiert und zugleich die messner dergestalt an und aufgenombei 
werden. 

Achtunddreissigistens solle kainer kainen prunn yber den gemainei 
weg ohne vorwissen und consens des ausschusses firen, sondern, da es be 

15 schechen were und [ainer] nit desswegen freiheit und gerechtigkeit hette 

solle der ausschuss macht haben, die rehr selbs hinwegk thuen zu lassen 

Neinunddreissi gistens solle genzlichen und bei drei gülden straff, s* 

es beschicht, verpoten sein, ausser es habe ainer gerechtigkeit, das wasse 

yber den weg in sein guet Sommerszeiten zu leiten, oder alte, von der ge 

20 main ihme zuegelassne gewohnhoiten zu ainem prunnen oder vichtrenl 
oder das wasser in sein guet iederzeit zu fieren hete, weilen man hierdurcl 
weder fahren, noch gehen kann, sonderlich in winter die gassen mit ei 
angefillt werden. 

Vierzigisten, zumahlen die milier ieweils die wahler mit yberflissige 

25 wasser einkeren, wordurch nit allein die runst ausreissen und die Strasse 
verterbt, sonderlichen auch Winterszeiten geesteig, weg und st-eg mit ei 
yberfiUt werden, dass man weder gchn noch fahren mag, als solle es ihne 
milier gleichfals bei straff sechs gülden, so oft es beschicht, verpoten seic 
das wasser, wie gehert, also einzukeren. 

30 Ainundvierzigisten, in beobachtung die schmirber oder weinmessei 

auch andere particolarn zu Mais die ankomende frembde handlsfuehrleit 
ehe und zuvor die weinmesser allenthalben abgeben oder verwendt worden 
[inj andern orten und gerichten fiehren und desswegen oft von ausswendigei 
bestochen [werden], als sollen selbe personen, welche geherter massen dii 

35 ankommende weinhandls- und fuehrleit, vor die wein allenthalben in Mai 
abgefieret und verwendt werden, weiter in frembde ort und gerichte: 
fiehren oder anleitung geben, durch den ausschuss nach befunt deren umb 
stenden mit gezimbender straf angesechen und, da vonnetten, aus der ge 
main gcschafi'en werden. 

40 Ingleichen soll es, zum zweiundvierzigisten, gegen denen, so di( 

handlsleit umbs rev. vich, weilen dergleichen in der gemain zu bekomen 
anderstwo hinfieren, wie oben im negsten puncten begriffen, gehaltci 
werden. 

Dreiundvierzigisten solle kainen frembden, so nit in diser gemaii 

45 wissentlich seie , oder seinen hausen zuegelassen werden , dessen weil 
alhero in Mais einzulegen, bei straff von ieder yhren zwen gülden, so wo 
von deme, der es herbringt, als auch welcher selbe bei ihme einlegen lasst 
so oft es beschicht, einfordern. 



Nitdermatt, Hagnaeh, Laber» und Freienberg» ^41 

Vierundvierzigisten, alle frucht- und andere paumb, latt- und pant- 
feller, welche auf der gemain stehen und erzigit werden, umb derent- 
wegen iemande kain consens von der gemain oder ausschusa oder Rondere 
brief oder gerechtigkeit hat, sollen der gemain geheren und nach der dis- 
position des ausschusses genossen und hingeben werden. 6 

Fünfundvierzigisten, es solle kainer ohne wissen und consens aines 
dorfmaisters in gemainen Waldungen, auen, oder auf der gemain kainen 
stamen, wie klain er sei, schlagen oder abhauen, auch kain stock, er were 
dann ganz abdort, aussreiten, bei straff von ieden stamb und stock per 
ain gülden, were der stamben mer als 24 kr. wert, solle die straff, nach 10 
gestalt der dinge angesechen, bei dem ausschuss stehen, und selbe, da not, 
auch durch pfandung erhebt werden. 

Sechsundyierzigisten , ingleichen solle genzlichen verpoten sein, 
kleine stämblein oder mer in perg oder auen oder sonst auf der gemain, 
so zu ziglen tauglich, zu maneillen oder garten oder stififlreisser, noch zu 16 
verbrennen, abzuhauen oder abzumachen, bei straff für iedes dergleichen 
Btambl sechs kreizer. 

Sieben undvierzigisten, nit weniger solle in die örter, albo in perg, 
auen und gemainen, wie erst gemelt, das holz geschlagen werden kann, 
rindvich, weniger gaiss, schaf oder anders vich hinwaidet oder getrieben 20 
▼erden, an vor nit das neue stämbl holz so gross worden, dass solches vich 
kain schaden mer thuen kan, bei straff auf iedes stuck vich, so oft es be- 
tretten wirdet, per dreissig kreizer. 

Acbtundvierzigisten gleichfalls solle niemand, wer der seie, nit in 
perg, auen oder auf der gemain kain stambl, so zum zigl tauglich, zur streb 25 
Wken, noch etwo die andern paumb dergestalt stimblen, dass ihnen hier- 
durch schaden gescheche, bei straff von ieden stämbl 1 2, und andern be- 
»chedigten paumben per 30, und so oft es beschicht. 

Weiter, an neunundvierzigisten, wegen des steurtreibers in Unter- 
niais und Hagnach, wie es von jähr zu jähr umbgehet, und auf welche 30 
gieter die steiren einzulangen fallt, und von selben getriben werden 
miessen , breits durch zettliche commission-erkantnuss die entschaidung 
geschechen [und] gemacht worden, als soll es darbei zu verbleiben haben. 

Ingleichen ist es, zum finfzigisten, auch schon bewusst, wie lange 
zeit bero in Obermais, auch Labers und Freienberg das steirtreiben von 35 
jähr zu jähr herumbgehet, und von welchen gietern oder dem inhabern die 
steuren getriben und eingelangt werden, darbei es eben sein bewenden 
haben solle. 

Betreffende, ainundfinfzigisten, das wasserpaumaisterambt auf der 
Latzag und bei der £t«ch, item das paumaister-eintreiberamt, auch deren 40 
Maisser obern wähl, solle es bei der aufgerichten Ordnung, alter gewonheit 
nach, gehalten werden, und auf welche gieter es von jähr zu jähr fallet, 
herumbgehen und dabei sein bewenden haben. 

Am zwaiundfunfzigislen, wasmassen die wasserroden in Obermais 
vom Bametzpach her, und von welchen gietern iedes wievil und zu 45 
welcher zeit solche roden genossen werden, derohalben hat ieder sein ge- 
rechtigkeit oder lang hergebrachte gewohnheit oder possesion oder ver- 
leichung oder brief, dabei es zu bewenden, und solle keiner dem andern, 



142 NiedermaMf Hagnach^ Laher» und Freienherg» Vorat, 

wie hievor beim sibenden puncto diser Ordnung berait« angedeit worden, 
sonderlichen die milier, als welche denen interessenten zu schaden ihrer 
roden wider billichheit und recht zuweilen abkert haben, hierinnen nit 
beschweren oder zuwider allegierten sibenden puncten handien. 
5 Zum dreiundfunfzigisten, belangend die wasserroden in Untermais, 

solle es disfall nach inhalt der wasserregister, wie von alters observierlich 
worden, und die gieter und wisen von zeit zu zeit zu geniessen fallet, 
annoch zu verbleiben haben. 

Und solle, zum vierundfünfzigisten, auch alles andere, was in diser 

10 gemaind, so ain ganze gemainschaft beriert oder von darein dependenz 
hat und ziechet, sich weiters von jähr zu jähr zuetragen mochte, welches 
da in diser Ordnung nit begriffen, iederzeit nach befindenheit der umsten- 
den auf des ausschusses disposition zu mindern oder zu verpessern be- 
stehen, und selbiger nach erheischender, guetbefindender nottwendigkeit 

15 alle gemainsversechung zu thuen und firzunemben haben solle. 

Und weilen schliesslichen villeicht ain oder anderer interessent von 
adl und gemaind iezt und konftig dise Ordnung und pfäntliche erhebung 
zue dispotiern und zweifelhaft zu machen sich underfangen mecht, also 
und damit diser Ordnung umb so vil unverweigerlicher nachgelebt und 

20 nun die renitenten durch obrigkeitliche mitl darzue angehalten werden. 
solle zu disem ende in loco ein commissarius, welchen die gemaind odei 
der außchuß ainem hochlöblichen o. ö. gchaimben rath gehorsamlichec 
jährlichen vorzuschlagen, verordnet und deme voUmechtiger gewalt ertaili 
werden, sonderlich in iis casibus, alwo periculum in mora obhanden, zi: 

25 verhietung grösserer schaden und ybler consequenzen wider die saumb- 
sellige ratione contingentis, und sonsten auf anrueffen der parteien sum- 
marit[er], executive et quidem stilo cammerali zu verfahren, wideriget: 
falls, casu quo aus des comraispari erwisner verziglichkeit ainicher schadeK 
ex culpa unius ^) entstünde, derselbe solchen coraraoni causa zu ersetzet: 

30 schuldig und verpunden sein solle. (Gewöhnliche SchlusrformeL) Besohecher 
zu Insprugg den sechzechenden juli anno 1683. 

(Die Bestätigung erfolgte den 30, August 1683.) 



14. Vornt.*) 

Au» dem Fahfhurger Archiv mUgrOttiH von ITe.rm Anton Grafen von BrantUt. 

Ehafttädingfl Prottocol im Gericht Vorst. 

Actum schloß Voret den 28. S^'^»" 1692. 

Vor ihro excell. dem hoch- und wolgebornen herrn herrn Franz 
36 Adam des h. rem. reichs grafen und herr von Brandiß, freiherr zu Leon- 



^) Min« A». 

*) Das Schlo»fi Vornt wurde vernnifhlirh in der ernten Hälfte des /o*. Jahr- 
hundert» erbaut ( Sehatzarchiv -Repert. 6', 876); im Jahre 1242 begegnen wir bereit» 



Vor»L 143 

bürg, Vorat und Fahlburg, erbsilber-camerer in Tirol, der röm. kays. 
majestät o. ö. gehaimb rath und camerer, herr der herrschaft Mayen bürg 
und Tisens. 

Zumahlen ein unumbgenkliche notturft erschinen, daß in dem ge- 
rieht Vorst, gleichwie in andern gerichtem gebreichig, jerlichen ain ehehaft 5 
tädigung vorgenomben, und daselbsten von all deme, was zu guetem den 

berichte erforderlich, abgeredt und statuiert werde, als ist mit sollich an- 

heint der anfang gemacht. 



emetn Meinhard, 1256 und t269 einem Wolfer von Vorat (Neue ZeiUchriß de* 
J^erdinandeunu 12, 161. Tirol. Arch. U 348 n. 89). Die Edlen von Vorat waren 
in der zweiten Hälfte de» 13. Jahrhunderts angesehene, mächtige Herren, wie Franz^ 
Arnold, Gottachalk und Meinhard von Vorst, da sie viele Güter und Eigenleute 
besaasen (Tirol Archiv 1 Reg. nn. 128, 133, 136, 143, 172). Doch einen selbst- 
9tändigen Bezirk bildete damals Vorst noch nicht; dieser entstand erst unter der 
R^ierung K. Heinrichs von Böhmen, der wahrscheinlich zu Gunsten seines ruUür- 
liehen Bruders, Albrechts von Camian (in Passeier), die zur Burg gehörigen Güter 
und Leftte von der Landessteuer befreite und im Jahre 1321 demselben einen Lehen- 
brief um alle Güter und Renten des Burggeaässes zu Vorst sammt den anderen 
Gerechtigkeiten ertheüte (Lichn. 6. Bd. n. 896. Schatz-Arch. Rep. 1, 13). Albreeht 
von Vorat und Camian vermachte ersteres mit Bewilligung K. Heinrichs seiner 
Geoiahlin Floridiana, genannt Siguna von Schiandersberg (Tirol. Arch. 2, 404 n. 
448. 3, 372 n. 655), und da diese in zweiter Ehe Wilhelm IV. von Enn heiratete, 
*o wurde derselbe (1338) mit dem »Schlosse Vorst belehnt (ib. 3, 376 n. 578, 
Slajfler 2, 770), Zu seineri Gunsten schuf Mkgf. Ludtoig von Brandenburg das 
(Bericht Vorat, indem er ihn und seine Gemahlin von allem GericlUazwang auaaer- 
^oUt seines ßlrstlichen Hofgerichtes befreite (Tirol. Archiv 3, 382 n. 626). Das 
"ftic Gericht blieb aber immer sehr klein und umfasste nur 12 — 15 Gehöfte f es 
S^h'örte dazu die Fischerei auf der Etsch vom Töllbach bis Sigmundskron (Wolken- 
'^n, Chronik 14. Buch. Bnrglechner 3, 4, 1045). In Malffizsachen stand es 
^nter Meran. Für Wilhelms gleichnamigen Sohn empfingen sein Vormund Rudolf 
*o»i Ems und dessen Gemalin Wandelhurg von Aschau im Jahre 1353 die Be- 
^fhnung. Nach dem Tode Wilhelms V. von Enn in der Sempacher Schlacht (1386) 
ßil Vorst an Barbara von Schenna und ihren ztceiten Gemahl Christof von Lichten- 
'tein, im Jahre 1407 belehnte Herzog Friedrich IV, Osanna, Witwe Sigmunds 
^^ Starkenberg, nebst ihren beiden Söhnen Ulrich und Wilhelm mit der Feste Vorst 
^nd bestätigte K. Heinrichs Steuerbefreiung der dazugehörigen Leute und Güter 
(Uchnowsky 5. Bd. nn. 894, 895), nachdem sie sich mit Oefferlin von Lichten- 
ftein über die Verlassenschaft der Barbara von Schenna verglichen. Doch Herzog 
Friedrich Hess um Lichtmess 1422 den Starkenbergem Vorst durch seinen Burg- 
ffrafen mit Gewalt entreissen und das Gericht fortan durch seine Pfleger verwalten, 
Oasselbe that auch sein Sohn Sigmund (Burglechner 3, 2, 713 f.), bis er im Jahre 
1470 Vorst an Burkhard von Brandis um 400 M, Br. zu Lehen gab. Georg von 
Brandts verkaufte 1493 Vorst an Wolfhard Fuchs, der es von K. Maximilian zu 
Lehen erhielt und mit seiner Bewilligung Netifuclisherg nannte. Aber schon im Jahre 
1519 kaufte es Sigmund von Brandis zurück und gab ihm wieder den cUten Namen 
(Burglechner tb. 714). Von da an ist es in der Familie Brandis bis in unser Jahr- 
hundert geblieben. Die baierische Regierung theilte dieses Gericht 1806 dem Land- 
gerichte Meran zu und incorporierte es 1810 dem neuen Landgerichte Lana (Kgl. 
Bair. Reg.-Blatt 1806 S. 456j. Nach Tirols Wiederkehr unter Oesterreichs Herr- 
Schaft bildete es mit den ztcei anderen Brandis'schen Gerichten (Stein unter Leben- 
berg mit Niederlana und Tisens) das Patrimonialgericht Lana, das, nach Verzicht der 
Grafen von Brandis auf ihre dynastischen Rechte, 1831 in das k. k. Landgericht 
Lana umgewandelt wurde. Das Schloss Vorst hatte sich Graf Josef von Brandis 
1814 zum bodenzinspflichtigen Eigenlhume umgestalten lassen (Staffier 2, 747. 771). 



144 ^ör«^ 

Und erstens der woledle herr Johann von Rosenberg den nnde: 
thonen vbr einen richter und gerichtschreiber vorgestellt, und laut al 
gebender Instruction hierzue verpflJcht worden. 

Das dorfmaisterambt falt deme und seine 

6 naohkumbenden hiemit anbevolchen wirdet, firohin bei ieder erhaltende 
ehehaft tädung ein ordenlich specificierte raitung, es seie sowol in steuei 
oder andern die gemain concernierenden einnamb oder außgab halber, eii 
zugeben, und dabei der einreden und des schluß zu erwarten. 

Nit weniger solt auch alles das, was das notwendige wasser- od< 
10 ander der gemein obligende gebey beriehrent, vorgebracht und darylx 
entschlossen werden. 

So selten auch die jenige dag, welliche die Inwohner wider d 
gemain, oder die gemain wider dieselbe vor- und anzubringen, mit dis« 
gelegenheit gemelt und entschiden, sonsten aber die partheien nicht m* 
15 angehört werden. 

Zum 2. solt niemande auß[er] des schloß paumann und mill[er], d 
nicht die gemain recht oder andere concession hat, vich aufzutreiben befue 
sein, sonderlichen die rev. schwein und sonderlich die gaiß, daß keine 
keine wegen abedung der wälder und gemain zu halten erlaubt sein; so! 
20 sich aber unter disen ain oder ander finten, der wegen erhaltung sein 
gar klainen kind ain oder auf wenigist 2 gaiß zu halten unentperlich vo 
neten hat, der solte sich darumb bei den richter und dorfmaister a 
melden, welliche nach beschaffenheit der Sachen zu statuieren wiss« 
werden; wellicher aber sich soUichs in die sondermärch oder wider se 
25 erlaubnus auf die gemain aufzutreiben unterfangen wurde, den solte da 
selbige vich in den pfantstall verspärt, und solang aufbehalten werde 
bis er nach gerichtlich erkantnus den schaden ersäze. 

So solte auch ieden, denn nit ausser auf seinen aigenthumb, sovil 
der gemainen waid nit schädlich, lat- oder stoßpant zu pflanzen genzlich« 
30 verpoten sein. 

3. Die belohnung der tagwerch wirdet auf jenig formb eingeric 
mutatis mutandis, wie es in dem gericht Mayenburg gebreichig. So sc 
auch kein tagwercher, wann er von ainem hausgesessnen unterthon zi 
arbeit umb eben den lohn und sollich ervolgende bezallung, den er ande 

35 wertig haben kann, bestölt wirdt, solt in den gericht, bei straff der au 
Schaffung in dem gericht, vor andern zu arbeiten schuldig sein. 

4. Bezieht man sich auf die ervolgende gerichtsordnung wegen d< 
hant- und tagwercher und irer Ordnung. 

5. Die zu irem aigenen gebrauch die wasserwähl iber die gemaii 
40 lantstrassen fieren, solten selbe auch ohne ainichen nachtail derselben lan 

Strassen zue unterhalten schuldig sein, bei straff des Schadens nach g 
richtlicher erkantnus. 

6. Den wirt und mäzger belangent, solt es, wie in der gerich 
Mayen burgischen Ordnung, gehalten werden. 

45 7. Es solt keiner ohne vorwissen des richters einen ingeheißen eil 

nembcn. 

8. Wann gemaine arbeiten oder andere Zusammenkünften vorfalle 
solt ieder der außbleibenden von iedesmal seines ungehorsambes uo: 



Vorst. Marling. 145 

einen reichnthaller gestrafft y^erden, ausser der, die diser gecnain arbeit 
umb ain gewisses abkumen. 

9. Der saagmeister, pinter, wie auch alle andern hantwercher sollen 
sich bei straff [an] der oben angezochenen gericht«ordnung halten. 

Zumahlen auch yorkumbt, das vil aufwendige tagwercher und 5 
andere leit tu holz auß der gemain und aigenthumbswäldern vertragen, 
als sein die unterthonen berechtigt, inen soUiches holz, iedoch ohne alle 
anderwertige gewalttat, abzulegen, und sich irer nämen zu erkundigen, 
velliche beim erhaltenden unzucht-recht der richter Ton Iren obrigkeiten 
zu requirieren und abzustraffen wissen wirdet. 10 

Schließlichen, weilen auch Torkumbt, das etlich unterthonen mit 
seiberung der camin gar nachleßlich, worauß sonderlichen, wo mehr heiser 
bei einand steen, feursgefahr und schaden entspringen kunten, als ist be- 
schlossen worden, das iedes jar zwei caminbeschauger bestelt werden, 
welche da gewalt haben selten, so oft es si nolh zu sein erfinden wirdet, 15 
<}eQ camin zu besichtigen und den erscheinenden unfleiß und mangl der 
Obrigkeit anzudeiten, und weilen solliches ambt jerlichen Ton haus zu 
lians geen mueß, als wirdet dises 1692. jar der anfang bei dem Pendlguet 
Qod dem negst daran ligenden schmidhaus gemacht, und wie es aber hin- 
"ran gehalten werden soll, wirdet auß der anhaint gemachten Ordnung 20 
^^d austhailung zu ersechen sein. 



15. Marling.^) 

PapUrhdg. 16. Jlid. Fol. 10 Bl. im Oemeindearchive, Siffti. Nr. 3. 

Marlinger pfarr dorfpuech. 

Vermerkt der gerichtsleut in Marlinger pfarr und gerichte zum Stain 
unter Lebenberg dorfpuech mit desselben inhaltenden artigkln irer alten 
leblichen herkomen, freihalten und gepreuchen. 25 



*) Dom Dorf Marling lag in dem ehemaligen Gericht Stein unter l,ehenherg 

^ in älterer Zeit auch Marlinger und später Gericht Oherlana genannt umrde, 

^fftn e» umfasste au»»er Marling noch die Orte Oherlana und Tachermi und wurde 

^Pn dem Landgerichte Meran und den Gerichten Vorst, ülten, Niederlana und 

"i^en» umaehlo9»en. Eh war ein sogenanntes Schubgericht und als solches in der 

^^iminaljustiz dem Landgerichte Mnran untergeordnet. Die Art der Entstehung 

**e#e» Oerichtsspr engeis und die Ursachen derselben sind nicht bekannt, doch fällt 

T^^tere sicherlich noch in das 13. Jahrhundert; denn schon im Anfange des 14. Jahr- 

^^ nderts ist von einem Amte „ze Memingen" die Rede (Schönaehs Urkundensammlung ^ 

f^^crpt.) und 1311 begegnen wir bereits einem Gerichte, 1326 einem Richter von Mar- 

***^, nämlich Berchtold von Ragonia (Schönachs Urkundensammlung). Doch ist es sehr 

^^^fallerul, dass weder damals noch in den folgenden Jahrzehnten ein im Gerichte 

^"^^shafies AdelsgeschlecJU im Besitze dieses Amtes erscheint, obwohl es nachu>eisbar 

^^on um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Adelsgeschlecht in Marling gab, das 

2^Ä nach dem Orte benannte. So werden 1164 ein Conrat, Heribott und Ortolf de 

^^minga (Goswin 39), 1209 ein Rudolf ts de Meminga (ib. 71), 1266 ein Ben- 

"^<n« de M^mingen (Bibl, tirol. D. n. 1102. n. 66) genannt. Es ist dasselbe Ge- 

*'*^ blecht, das sich seit der zweiten Ilälfte des 13. Jahrhunderts auch ,.von Lehen- 

Oesterr. Weistb&mer Y. 10 



146 Marling, 

Erstlichen der gotzdienst und feirungen halben, auch was die creaz 

geng und geistlichkait berüert, ist also fiirgenomen , das alle sanntag 

zwelfpottentag und all andere hochzeitliche fest, so pei dem pann gepotten 

Orden lieh gefeirt werden, und albeg am abent darvor sol zue unser liebet 

5 Frawen pharrkirch zu Mariingen, auch zu Sant Felix und zu Sant Niclauf 



berg'* (eigentlich Lowenberg) nennt und aehlie$alieh ganz diesen Namen annimmt 
weil es »einen Sitz von dem Dorfs in die genannte Burg verlegte, die ee wokl zt 
Zeiten der Meinharde gebaut haben mag (Mayrhofen, Oenealogienj 3, Bd.), Da 
gegen schlugen die Bubeiner in der vielleicht etwas später erbauten darunter liegen 
den Feste Stein ihre Wohnung auf, und daher die Benennung des Gerichtes ^Steit 
unter Lebenberg*. Ausser diesen beiden Burgen, von denen Stein um 1600 schm 
ein Steinhaufen war, Lebenberg aber noch jetzt besteht, kam in MarUng etn Adds 
sitz, namens Frauenhofen, vor ( Wolkenstein, Chronik, 14. Buch). Das GeeMMh 
Lebenberg starb im Anfange des 15. Jahrhunderts (1421) bereits aus tmd baJU 
darauf (1450) gelangte die Burg als Lehen in die Hände der nachhin in dei 
Qrafenstand erhobenen Fuchs, die sie bis zu ihrem ErVöschen in diesem Jahr 
hunderte besassen und zuletzt in AUod verwandelten; hierauf wurde dieselbe m 
Nichtadelige verkauß (Staffier 2, 767 f.). 

Von den angeblich aus Florenz stammenden Bubein oder Bagonia kam di 
Feste Stein mit dem Gerichte an die LandesfUrsten , indem Simon von Hubein 
Bichter zu Marling und Lana, dieselben 1382 dem Herzog Leopold IlL um 1000 fi 
verkaufte. Herzog Leopold IV. vergab sie 1395 als Provision an Hans Piaseenher 
und 1402 als Pfand ßir 1166 M. Br. an Friedrich Hauensteiner (Schatz- Areh, 
Bep. 2, 76. 413. 519), sein Bruder Friedrich IV. im Jahre 1422 pachtweise fu 
jährliche 20 M. Br. Pachtschilling an Konrad Hertenfelder (Lichnowsky, 6. Bd 
n. 2070); dessen Sohn Erzherzog Sigmund verschrieb Feste und Gericht 1449 deti 
Bernhard Gradner und dessen Hausfrau Veroniea von Starkenberg, die jedoe* 
vemiuthlich nie in deren Besitz gelangten (Staffier 2, 768). Kaiser Max verpf&n 
dete dieselben 1507 dem Georg Botsch und Kaiser Budolf II. im Jahre 159. 
dem Anton von Brandis für 18.000 fl. und unter Vorbehalt aller obrigkeitliche 
Begalien, als: Bergwerke, Hoch- und Schwarzwild^ geistliche und weltliche Ziehen 
Schäften, Steuern u. A. (Bibl. tirol. D. n. 828. IL 11). Im Jahre 1657 erscheint da 
Gericht als Pfand der Graf GerardfscJien Erben (Bibl. tirol. D. n. 992. V.), um di 
Mitte des 18. Jahrhunderts geniessen es um den Pfandschilling von 16.000 fl. di 
Freiherren von Hausmann (ib. 828. IL). Von diesen löste es die Begierung ein 
aber nur, um es 1789 als freies Eigenthum im Versteigerungswege zu veräussem 
wobei es Johann Graf Brandis um 21.000 fl. kaufte (Stafler 2, 769). Die weitereri 
Schicksale hatte es mit Niederlana und Vorst gemein. 

Der Ort und die Pfarre Marling sind jedenfalls sehr alt, wenn sieh auch 
der Name nicht Ober das 12. Jahrhundert verfolgen lässt, wo er in den früher 
angefahrten Formen erscheint (auch Fontes rer. austr. V, 55. 83. 100, 199. 217). 
Aber er tritt schon gleich bedeutend auf, heisst 1226 ein vieus (in vico Memiga: 
Gosvjin 175) und ist der Sitz eines einflussreichen Adelsgeschlechtes; im Jahre 1456 
sendet die Gemeinde unter I^enberg schon zu>ei Vertreter in den Landtag (Schatz- 
Arch. Bep. 4, 32). Doch waren auch die herrschaftlichen Besitzungen zahlreich ^ 
zu den Schlössern Stein und Lebenberg gehörten ansehnliche Güter (Schatz- Arch. 
Bep. Ij 567. 2, 29. 464. Man. Boic. 8, 129. Lichnov)sky, 7. Bd. n. 1506 b und 
a. a. O.) und ausserdem hatten Kirchen und Klöster deren vide. So besass bis in 
unser Jahrhundert das Kloster Bottenbuch deti Schreiberhof und^ das sogenannt* 
Bottenbucliergul zu Tscherms, den Hof in Schiesseben und noch eine Beihe einzelne» 
Weingärten, Aecker und Wiesen, das Kloster Tegemsee ein paar Wiesen (Ferd, 
BibL XLIV. i. 12. Mscrpt.); das Kloster Weingarten hatte im 15. Jalirhunderi 
Leute und Güter in diesem Gerichte (Lichnowsky, 5. Bd. n, 3214), das Klostet 
Altenmünster im 13. Jahrhundert Besitzungen in Tscherms (Ferdin. Urk. J. 1281) 
Wessobrunn im 12. Jahrhundert einen Hof zu Oberlana (Mon. Boic. 7, 366). Zw» 
Zeit Herzog Friedrichs IV. u)ohnten im Gerichte Stein, zu Lana und am „ Gruess** 
noch 340 Eigenleute (Burglechner 3, 4, 1045 y^. 



Marlmg. 147 

tu Tschermbs sswischen ain und zwaien uro ungeyerliohen die sorgke 
oder nrglogg geleut werden, und darnach zwischen zwaien und dreien um, 
80 man feirabent lentet, sei iederman von seiner arbait yeirabent lassen 
und nber die dreu niemants mer arbaiten, aosgenomen der arbaiten, so an 
feirabent und feirtagen beschehen muess und nit vermitten bleiben werden 6 
nag. Und dammb sollen in ieder terzen zwen oder drei aufseher und 
phenter järlichen in den eehaften tadingen gesezt werden ; die sollen bei 
hantgelobten trewen an aidstat dem richter anloben, ir auüsehen zu 
haben, und niemants zu verschonen, sonder wer also in arbait betretten 
'Würdet, der soll gephennt werden, iede person umb sein tagwerch, und 10 
^wo ainer mit wägen fert, Ton iedem haubt sechs kreuzer. Sollich gelt soll 
unser lieben Frawen pharrkirchen die zwen thail zuesteen, und der dritte 
t;liail dem phenter für sein müe ervolgen. Und wellicher sich der phan- 
i^-^ong mit gwalt weret, oder wo der phenter geyerlichen verabseimig wäre, 
die sollen all umb zwaifache peen gestrafil werden, darzue dann ain aid- 15 
^ichwörer in ieder terzen, oder wo not sein wolt, ain richter angeruefft 
^^erden soll, sollichem gestracks nach ze gen. Hierin das wimat, wie von 
c^lter herkumen ist, ausgenomen. 

Es sollen auch all andere feirtäg und die drei sant Steffans achtent 
^i^nd alle sant Steffanstag fleissiglich gefeirt werden. Und soll niemants, 20 
-wann in ainer andern pharr werchtag war, darin zu arbaiten oder in das 
X^^ gceiiy Alles bei yorgeschribner peen. 

Man soll auch an den dreien sant Steffans achtenden gen Sant 
Steffan auf Leben berg mit den creuzen geen. Es sollen auch all aqdre 
^ufgesezte creuzgenge, wie von alter herkomen, gehalten und volbracht 25 
"^rerden. 

£s soll auch ain wetterkreuz auf Sant Villgenjoch, wie dann Ton 
^Iter auch gwesen, gesezt werden, darzue man alle jar an sant Yillgen 
tiag mit dem creuz und priest cm geon soll und für die hohe wetter das 
leblich peth Tolbringen. 30 

Es sollen auch alle jar vier lobämbter für das ungewitter gesungen 
Xeerden, ains in der pharkirchen, das ander zu Sant Niclaus zue Tschermbs, 
^as drit zu Sant Felix und das viert zu Sant Steffan auf Lebenberg. Die 
tollen albeg ain gmain unter ainander sämblen und bezalen. 

Es soll auch, so oft man im jar mit dem kreuz geet, es sei verr oder 35 
:^ahent, aus iedem haus und von iedem guet ain verstendige, vernünftige, 
Xind am maisten, wer es gehaben mag, ain mansperson mit geen. Darumb 
^oU ain pharrer in ieder terzen ainen aidschwörer haben, die sollen bei 
iren trewen an aidstat aufsechen, wer in sellichem seumig sei. Und wel- 
licher, es sei dan, das ainen gotzgwalt, hermgepot, eehaft not oder ander 40 
:^edlich Ursachen irm, mit dem creuz nit geet oder schickt, den soll der- 
4bige aidschwerer unser lieben Frauen pfarrkirchen zu Märlingen, ist 
in der nahent, umb ain wag wachs phenten, und wen man über nacht 
«US sein muess, umb zwai wagen, und geen Triendt umb dreu phunt 
;|pemer. Und soll der aidschwerer von sollicher phantung albeg drei kreizer 45 
liaben, die auch über den, so gephendt würdet, gen sollen. Und wellicher 
9ich der phantung mit gwalt weret, desgleichen, wo der priester und aid- 

1A* 



148 MarUng, 

schwerer solliches ge darliehen verabsäumet, die sollen all umb zwifach 
peen gestrafft werden. 

Es sollen auch dieselben aidschwerer die leut ab dem freithof, die 
weil man den gotzdienst hat, treiben, damit der gotzdienst nicht vei 
5 hindert werde. 

Dann, wie sich die gemainschaft gegen ainem pharrer und den ge 
sellpriestern, und si der pharrer und gesellpriestern herwiderumben, aud 
ain thail gegen dem andern sich halten sollen, ist ain brief darumb vei 
banden. Dem soll allzeit nachgangen werden, treulich und ongeverde. De 

10 gesellpriestern ist man die weinsamblung nit schuldig, dan wer es ine: 
gern geben thuet. 

Und nachdem ain ieder herr zu Lebenberg über die pharrkirche: 
und ander gotzheuser in Märlinger pharr vogt ist, soll ain kirohbrobel 
paumaister oder ain naohtpaurschaft anstat der kirchnen ausserhalbei 

15 aines Togtes und pharrers rath, wissen und willen nicht treffenlichs handlei 
weder mit pawen, kauffen oder verkauffen. 

Und wann man ainen messner zu Märlingen aufnimbt, so soll e 
purgschaft thuen und aller ornath etc. und anders, was ime zu gwal 
geben wirt, sollen drei gleichlautent inventarienzetln darumb aufgericfa 

20 werden, die ain soll ain vogt, die ander ain pharrer und die dritt ai; 
kirchbräbst anstat der nachpaurschaft haben. 

Des fronpotten und weinmessers halben ist fürgenomcn : alsdann aii 
ieder fronpot weinmesser ist, so soll er die gemainschaft und kauiFleu 
halten bei altem herkomen und gewandlichen Ion. Und als er zu Märlingei 

25 ainen hat, der an seiner stat weinmesser ist, und in der mittem terz aud 
ainen, soll ime der zu Märlingen järlichen davon zinsen vierthalb phun 
pemer, von dem in der mittem terz dreiunddrei ssig kreizer. Darupnb sol 
er inen albeg das geschworn Mcraner mass antwurten. Dann des fron 
pottenambts halben soll man ime geben, was herniden ist zu phenten, ver 

30 legen und verpieten, er sei frembt, gesessent oder ledig, all weg dre 
kreizer. Was es aber auf den obern perkhöfen und güetcrn, als zum Holtz- 
mair und was darob ist, zum Egkarter oder Müllner auf Fizol und wat 
darob ist, von ainem gesessen pharrsman vier kreizer, von ainem frembdec 
und ledigen sechs kreizer. Item zu erfordern oder zu pieten herwider von 

35 ainem gesessenen pharrsmann ain kreizer, von ainem äussern oder ledigen 
zwen kreizer und am perg von dem gesessnen pharrsman zwen kreizer, 
von ainem äussern oder ledigen vier kreuzer. Und von der phantfailfüerung 
ist sein Ion, wie von alter her, von aim tag sechs kreuzer, von ainem ge- 
frümbten recht ist sein besoldung 1 ^, zu behalten, was er der herrschaft 

40 weiter zu thuen ist. 

Der saltner halben ist ain saltnerpuechl darumben verbanden, dar- 
innen der saltner halben darliehen begriffen, demselben soll also nach- 
gangen werden. 

Märlinger pruggen und gemainer arbait halben. Item die perghöi 

45 und güeter, mit namen Oberhof mit seiner zuebehörung und andern güetem, 
dan Windegk, Mitterhof, Hansenhof, Lass, Egghof, Valätsch und Milthal 
scint schuldig zu der pruggen zu schlachen und hunzt an die ladstat zu 
fiiern pfal und jöcher, so vil und wie oft man der bedarf. Das Holtzmayr- 



Marling. J49 

gnet ist schuldig, die sporlatten, auch als oft und wie vil man der bedarf, 
an die ladstat zu pringen und zu aniwurten. Dann die andern perkhöf 
and güeier, mit namen Eof 1er am perg, Weinreich daselbs, Mulner auf 
Pizol, Egkhof, Obertafl, XJntertafL und Aiohguei seint schuldig, die widen 
26 machen und zue der pruggen, wie oft und so vil man der bedarf, zu 5 
bringen. Der Hofer am perg soll den schlegl alweg darzue geben, damit 
seint darnach die obbenanten perghöf und güeter aller anderer gemainer 
arbait an bemelter pruggen ledig. 

Und, ob sich begeben und zuetragen möcht oder würde, das die ob- 
beschribnen pergleut solliches, wie gemelt, nit zu rechter zeit pringen 10 
wurden und inen solliches doch zu rechter zeit anzaigt worden war, auch 
darduroh ainicherlai schaden beschähe, sollichen schaden soll man bei 
denen ersuechen und darum ben ir leib, hab und güeter umb haubtsach 
nnd schaden angreifen. 

Item all andre arbaiten, darlegen und robaten, es sei geen wald, an 15 
die pruggen, an das wasser oder anders wohin, muess die ander ganz ge- 
main der pharr zu Märlingen machen und robotten, yon iedem guet mit 
wägen und gemeen, auch tagwerchem. Und so der aidschwörer oder sein 
anaager, die dann kain guet übersehen oder ausschliessen sollen, ainem an 
die gmain arbait pieten, und wellicher das verabsaumbt, der soll, als oft 20 
das beschicht, der gmain ain peen yerfallen, als von ainem tagwerch ain 
phunt perner und von ainem wagen oder gemeen xviii kr., sein, und nicht 
deater minder soll er es hemachmalen bei angezaigter peen erstatten, 
luerin ausgenomen, ob ainen an sollicher arbait redlich und bewartlich 
^uaaohen gehindert hetten. 25 

Dann der ensenfuer halben ist befunden: nachdem vor zelten heer 
etwo preichig gewesen und hinfüran dabei bleiben soll, als oft man die 
enaen füem soll und mues, das dann ain ieder hof ain phunt perner und 
Ain iedes seldguet, als die drembler, acht kreuzer steur unverzogonlich dar- 
zue geben sollen, damit man dieselben ensen zu füern verliennen mug. 30 
Dammb dann die aidschwörer zu seiner zeit auch raitung thuen sollen, 
l^nd welliche nachtpern die ensen selbe füem wollten, denen soll es umb 
&iii zimblichen phenning vor ainem frembden gelassen werden. Der- 
gleichen, wellicher söldner die obbemelten acht kreizer steur nit geben, 
sonder selbs darzue schicken und geen wolte, der mag es auch thuen. 35 

Und ob ainer solich holz und zeug, zu der prugken und gemainer 
arbait gehörig, on willen und wissen aines paumaisters oder der gemain 
binfuert oder daran hackt und verderbt, der soll das der gemain zwifach 
erstatten und der herrschaft darum b nach gestalt des handls ain peen ver- 
fallen sein. 40 

Der gemainen schmidten halben ist fürgenomen : nachdeme die vor- 
malen zu Gayen gewesen ist, soll hinfüran auch da sein, an allain es ver- 
willig ain ganze nachtpaurschaft oder der merer thail darin, anderstwo 
ZQ sein. Und soll albegen derselben schmidten zue, man arbait da oder 
nit, ain malwasser aus dem Gayenpach zuegeen und das niemant abkern, 45 
bei der peen ain phunt perner, der gmain verfallen, es sei mit wässern 
oder in ander wege, wie denn das von alter her auch gewesen ist, wie sich 
aach die nach tperschaft gegen dem gmainen schmidt und schmidthof zu 



150 Marling. 

Tsohermbs und si herwider und ain thail gegen dem andern doh halten 
sollen. 

Von jaufen schlahen ist förgenomen, das nun hinfiiran in den ge- 
mainen Wäldern, als auf Flatzers, auf Sant Vilgenjoch und in andern 

5 Wäldern, der gemain zuegehörig, kain hof ains jars nit über fünfzig Stangen, 
und ain seldguet nit über fünfundzwainzig stangen schlahen soll. Es soll 
auoh kain stangen geschlagen werden, si gee dann in gfier, damit die Wäl- 
der nicht zue unnüz ausgeeedt werden. Wellicher das uberfiier, soll von 
iedem stam drei kreizer peen der gemain Terrallen sein und die stangen 

10 sollen der gemain auch zuesteen. 

Der ingehausen halben ist fürgenomen, das kainer kaine ingehausen, 
der herrschaft oder gemainschaft sohedlich und an der unee sitzend, nit 
innemen, noch behausen soll. Es soll auch kain ingehausen Tischen, wedei 
in trüeb oder sonst, bei der peen fünf phunt perner, der herrschaft ver- 

15 fallen, die der, so den ingehausen einnimbt, ausrichten soll. Darumb sieb 
ain ieder, der ingehausen haltet, gegen inen yersehen soll. 

Es soll auch niemant dem andern seine zeun zerprechen, weder hin 
farn oder verprennen, bei yorgeschribner peen. Und wellicher nit gemain« 
arbait thuet, der soll mit der gemain kain holz, noch waid, weder zu< 

20 perg oder am laut, niessen. 

Der erl und pelzer halben ist fürgenomen, das niemants kain 
erlen, auch pelzer, pant- und latfelber abhawen oder stimblen soll, weda 
zu zeunen, noch anderm. Welcher das überfüer, soll von ainem iede: 
stam der herrschaft fünf phunt perner verfallen sein. 

25 Der larch halben am perg ist fürgenomen, das niemant kainen larok 

in der gemain soll abschlahen. Weiher das überfüer, soll von iedem stac 
ain phunt perner peen der gemain verfallen sein und das holz der gmai 
auch zue steen. Wellicher sich aber sollicher peen gegen der gemain wider 
wollt, der soll alsdann durch die herrschaft von iedem stam umb füo 

30 phunt perner gestrafft werden. Wo aber ainem aus not, als von prunst 
ungewitter oder ander merklicher eehaft not, ze pawen notturft wäre, dej 
soll ainen aidschwörer darumb begriessen, der ime dann zwen, drei odei 
vier stämb ungeverlichen nach gestalt der sachen und ausserhalben dei 
gemain, nit mer zu erlauben gwalt haben. 

35 Des feurs halben ist fürgenomen, das ain ieder aidschwörer alle 

quattember ain mal mitsambt zwen oder drei nachtpern, die er zu sich 
erfordern soll, die ime auch mit ime zu geen gehorsam sein sollen, die 
kemich, feur- und prantstatten in allen heusern zu besuchten. Und wo si 
gevärligkait befunden, sol er aidschwerer mit denen, so an demselben ort 

-10 hausen, anstat der herrschaft, bei der pen leib und guet versohafifen, solichs 
in dreien tagen unge verlieh zu wenden. Und wellicher solichs nit thuen 
würde, die sollen von der herrschaft darumb gestrafft werden. Und wo 
auch durch verwarlosung, hinlässigkait oder schult aines feur aufkam und 
dardurch andern leuten au leib oder guet schad beschähe, darumb soll man 

-15 des, so schuldig an sollichem war, leib und guet ersuechen. Man soll auch 
feurhaggen und laitern darzue zuerichten und dieselben, als zueMärlingen, 
Päslen und zu Tschermbs, an fuegsamen orten haben, und wann und so 
verr feur auf kombt, des got in allweg verhüeten welle, soll menigclich, sc 



Marling, 151 

darzue taugeolichen ist, mit laitern, feurhaggen und schäffern zue eilen. 
Es sollen auch die pinter und ander leut schaffer und geschir herfur geben 
nod darzue leihen. Und wellichem an selichem geschir oder schäffer zer- 
brochen oder verloren würde, sol die obrigkait darob sein, damit denen 
seliches durch die, so an sollicher prunst schult haben, bezalt werde. 6 

Der gemain wisen und ströb halben ist fürgenomen, das alle jar in 
eehaften täding in gemainen rat derhalben davon geredt werden soll, und 
was dann der merer rat oder thail erkennt und ausspricht, wie es des- 
halben das jar hinaus gehalten werden soll, bei demselben solle man also 
bleiben und nachkomen. 10 

Und soll auch niemants aus denselben wisnen acker machen; welcher 
das thuen würd, dem sollen die zeun davon gerissen, auch darin gehüet 
Qod nicht destminder von der herrschaft darumb gestrafft werden. 

Der gaiss halben ist fürgenomen, das niemants kaine gaiss herab in 
die awen oder wisen zu waiden geen lassen soll, bei der pen ain phunt 15 
penier von iedem habt, verfallen der gmain. 

Der tagwercher halben ist fürgenomen, das man von sant Michels 
tag hunzt auf sant Feters tag seiner stuolfeirung kainen über zwen 
kreuzer zu taglain zu geben schuldig sei, ausgenomen, es sei gen wald, 
profen legen oder ander schwäre arbait, deshalben mag sich ain ieder mit 20 
dem andern vertragen, wie er stat findt. Und so ain pannfeirabent ist, 
welcher dem tagwercher ganzen lain gibt, ist [man] ime die suppen am feirtag 
darnach zu geben nit schuldig. Gibt er ime aber halbs tagwerch, so soll 
er ime die suppen an demselben pannfeirt^ darnach geben, vorbehalten, 
welcher thail dem andern mer oder minder, dann hierin begriffen ist, mit 25 
Metern willen gibt oder nachlassen thuet, doch solls disem gesezt und 
Ordnung &n schaden sein. 

Der gemainen risen halben: item auf die Appholterris soll man 
kain holz vom wald füeren. Was aber darauf geschlagen wirt, mag man 
darauf treiben, und soll alweg am dritten tag nach sant Georgen tag ge- 30 
niumbt sein. Und als oft man darauf schlecht, soll si in drei tagen ge- 
ranmbt werden. Wo aber das nit beschäh, mag ain herrschaft, und wer 
darunter hat, sollich holz hinfüern on menigclichs entgeltnuss. 

Item die Liechtriss, Laynris, Facheiris, Fraytris und Thalris, auf 
die darf man wol vom wald füem, aber mit dem abräumen soll es gehalten 35 
Werden, wie mit der Appholterris. 

Dann mit den andern risen soll es auch, wie von alter herkomen, 
gehalten werden. 

Der zwaier hirtschaften halben ist fürgenomen, das Märlinger hert 
hunzt am mülpach allenthalben zu waiden hab, und über den pach auf 40 
der gmain und Neuwisen, so ver si die mugen erraichen, aber auf kaine 
andere wisnen nit; desgleichen Tschermbser hert über den mülpach heer- 
nider auf den gemainen wisnen und auf der gemain, so ver si die erraichen 
mugen, aber auf kaine andere wisnen nit. Welcher herter *) aber das über- 
fuer, mag darumb gephent werden und damit gefarn, wie von alter her- 45 
komen und recht ist. 

1) hert hs. 



152 MarUng, 

Vorbehalten auch Tschermbser hart alweg am dritten tage auf die 
pannau ze farn und zu waiden, wie von alter herkomen. 

Und wellicher ain stechents (cor. stoesent«) vich hat, der soll ime 

die hörner absagen, damit es gevärlichen kainen schaden thuen müg. 

5 Welcher das nit thät und beschäch dardurch ainicherlai schaden, den soll 

derselb bezalen und der gemain, so oft das beschicht, ain phunt pemer 

peen 2) verfallen sein. 

Item alle die, so in den hirtschaften seint und für die hert nit 
treiben, sollen nicht destminder von allem iren vich die gemainen herter 
10 speisen, wie andre, aber des Ions seint si enthoben. 

Item es sollen die sonder-hirten kain vich vor der gemainen hert in 
kain wisen treiben, aber darnach wol. Wo si das gevärlichen überfüem, 
mag iedes haubt umb ain phunt perner der gern ain gephent werden. 

Es sollen auch die wisen allenthalben in ganzer pharr und gemain, 
15 wie von alter herkomen ist, befreit werden. 

Item es soll auch die gemain in ieder herrschaft järlichen, so man 
die herter aufnimbt, den hertern alle mängl fürhalton, damit, wo si etwas 
überfiiern, vernachlässeten oder versaumbten, solliches gegen inen wisset^ 
zu ersuchen. 
20 Vorbehalten auch der gemainschaft und aidschwörern in ieder ters ^ 

als dorfmaistern irer dorflichen recht und gepreuch, was sie ausserhalbe^ac: 
der herrschaft und aines richters in dörflichen Sachen ze handeln gwaL 
haben, und von alter herkomen ist. 

Der ruegat halben soll ain ieder aidschwörer in eehaften täding b^^ 
2ö seinem aid der herrschaft mit rat ruegen, ain warhait für ain warhait, aL ^ 
sagmär für ain sagmär, wie von alter herkomen. 

Der zwaier herrschaftcn halben, item dem gerichtshaus Stain unte^x 
Leben berg und dem schloss Leben berg sollen ire herrlichkaiten, alt hesr- 
komen, Privilegien und geroch tigkai ton hiemit vorbehalten und unvex*- 
30 griffen sein. 

* Berueffung an der eehaft täding. 

1. Erstlichon, das kainer dem andern sein weib, kint oder eehalten 
entfüer, bei der peen leib und guet. 

2. Es soll auch kainer den andern an (sie!) knecht entweren, bei 
35 der peen LH &. 

3. Es soll auch kainer dem andern kainen marchstain verkern, bei 
der peen LH ^. 

4. Es soll auch niemant kainen ungewondlich weg geen , bei der 
peen V €1, 

40 5. Das auch niemant kain ungewondlich wer, als wurfpfeil, pleikugl 

oder ander unzimlich wehren trage, bei der peen LH €1 , 

6. Das auch niemant kain feur austrage in wäldern oder awen, pei 
der peen LH & , 



^) peen »päter hinzugefügt. 

') D(u Folgende ut von anderer Band geschrieben. 



Marling. Oberlana. 153 

7. Es soll auch niemant dem andern unrecht wag und mass geben, 
bei der peen XXV Äf. 

8. Das niemant, zuvor die vischer, so si vischen, kain gräfl, so er 
das faohty nit behalt, sonder widerumben in das wasser werf. Wellicher 
aber damit betretten wirt, soll gestrafft werden umb LH €(f. 5 

9. Es soll auch niemant kain rothwilt jagen, schiessen oder be- 
schädigen, bei der peen LH &, 

1 0. Das niemant kainen raut prenn, der ainem oder mer zu nachtail 
oder schaden komen möcht, bei der peen LH €f. 

11. Das man alle gemaine risen halt, wie das dorfpuech vermag, 10 
bei der peen XXV &. 

12. Das auch kainer kainen taglöner oder arbaiter änderst, dann 
TOD alter herkomen ist, staiger oder belonung thue, weder handwercher 
oder ander, niemant ausgenomen, damit ander personen dardurch nit be- 
schwärt werden, bei der peen V &, 15 

13. Es soll auch niemant kainen behausen noch beherbrigou, die an 
der unehe sizen, bei der peen XX V ^. 

14. Das auch ain ieder halt alles, das im dorfpuech geschriben steet, 
bei ainer ieden peen, darinnen begriffen. 



16. Oberlana.*) 

^•* rfm äUeren NUder-iMnaer Dorfbucht. Ahachriß vom J. 1712. MUgetheiU von Herrn Anton 

Qraf von Brandts. 

Das ist der brief der dörflichen recht der gmain zu Ober-Länna. 20 

Item, es ist zu wissen, das also von alter her ist kommen, wie das 
iQ&D auf heutigen tag, an sanct Georgen, des ritters und martcrers, tag. 



*) Das kleine, kaum eine Stunde lange und eine halbe breite Gericht Nieder- 
^^na grewUe an die Gerichtsbezirke von Marling, UUen und Tisens, an das Land- 
9^ht Meran und an den Etschflass; es war aber so mit dem Nachbargerichte 
Marling oder Oberlana, das im allgemeinen wohl nur bis zur VeUschauer reicJUe, 
^er auch Theile jenseits derselben umfasste, verwickelt, dass eine nähere Um- 
Khrtibung der Grenzen schwer möglich ist (M. Sitticus von Wolkenstein, Tyrol. 
Chronik 14. Bch. fol. 139). Seine Entstehung fallt aller Wahrscheinlichkeit nach 
rä die Zeit Meinhards IL Die Herren von Lanaburg, Ministerialen der Grafen 
^ion Eppan, hatten nämlich von den Grafen von Flavon, die auch im Etschlande 
gittert toaren, das Schloss Lanaburg durch Kauf zum Eigenthum erworben. Doch 
Meinhard II., der keinen unabhängigen Adel im Lande dulden wollte, zwang sie, 
die Burgen Lanaburg und Brandis von ihm zu Lehen zu nehmen (1295) und 
fimiso die Vogtei über die Pfarre Niederlana und Ober die Gemeinde (Brandis, 
GeteL der Landeshauptl. 24 ff., And. Zybock, Urk. 4, 1182. Abschrift im FerdA- 
nandeum). Bei dieser Gelegenheit wohl gewährte er ihnen als Entschädigung die 
niedere Gerichtsbarkeit über obigen Bezirk, womit noch das Recht, den Wein- und Korn- 
^ehenten in Ober- und Niederlana zu erheben, zwölf Knechte für zweitägigen Dienst 
von der Gemeinde zu verlangen und die Vieh-, Fisch- und Krebsweide im Saggen 
tu gemessen, verbunden war. In wichtigeren Fällen blieb aber dieser Gerichtsbezirk 
den Gerichte von Marling oder Stein unter Lebenberg einverleU)t, dessen Richter 
ffuf dem Stabe an der gewöhnlichen Dingatätte vor der Kirche von St. Peter 



154 Oherlana, 

ain dorfmaister erwelen und setzen solle nach rath der TÖgt * und d 
ganzen gemainschaft za Ober-Länna. 



Oeriehf hielt (Ant. Of. v, Brandts, Studien über die Verfasnmgfgetchiehte d 
Gemeinde Lana. Ferdinandeums ZeiUchr. 3, 18, 161). Data 1328 dieaee Verhä 
ntM »chon bestand, bezeugt ein Ocnnpromias zwischen Schumkhart von Brandi» «i 
Ulrich van Lanaburg, (Burglechner^ Tirol, Adler 2, 2, 686), Im Jahre 1427 beleki 
Herzog Friedrich mit der leeren Tcuche Leo Brandisser und seinen Bruder « 
der Feste Brandis, einem TheUe der Feste Lanaburg, dem Gerichte Niederlof 
der Fischweide auf der Etsch und 30 Mark auf ihren Gütern (Liehnowsky 6. L 
n. 2644) und im Jahre 1451 gab Herzog Sigmund dem Cyprian von Lanetbv 
seinen Theil an der Feste Lanaburg und an dem Gerichte Lana nthst der Vog 
über den Widum daselbst, der Krebsweide im Saggen und der Fischweide auf a 
Etsch gleich andern Edeüeuten zu Lehen, Somit war damals Schlossund Gerieh 
barkeil getheilt. Doch es wurden nicht allein diese Theile gegen Ende des 16, Jai 
hunderte vereint, sondern auch das Gericht Stein unter Lebenberg von den Hert 
von Brandis eru)orben. Fortan erscfieint das Gericht Niederlana im engsten Vi 
bände mit diesem, gleich dem Gerichte Vor st, und alle drei werden seÜtst als < 
Gericht oder eine Herrschaft aufgefaast. In dieser Eigenschaft verblieb der C 
riehtsbezirk, bis ihn die baierische Regierung im Jahre 1806 dem Landgerichte Mer 
zutheUte (Kdnigl Baier. Reg.-BlaU 1806, 8, 456), Als dieselbe 1809 alle Fat 
monial- Gerichtsbarkeiten aufhob, und 1810 eine neue Gerichtseintheilung »ehi 
kam Niederlana zum neuerrichteten Landgerichte Lana (Staffier 2, 747J, 1 
beiden Festen liess Josef Graf v, Brandis 1814 in Allod verwandeln, das Gerit 
stellte aher die Familie bald nach dessen Wiederhellung der Regierung zurück u 
diese nahm es 1831 in landesfürstliche Verwaltung, 

Dass die im Jahre 1513 in den Freiherm- und 1654 in den Grafensta 
erhobenen Herren von Brandis nicht aus der Schweiz eingewandert sind, sondt 
von einer tirolischen MinisteriaZenfamilie abstammen, ist ausser Zweifeln Ge$ 
die Identität mit der gleichnamigen Schweizer AdelsfamiUe spricht schon die Vt 
sehiedenheit der Wappen und die noch grössere Verschiedenheit in ihrer E 
Wicklung. Zu einer Zeit, wo die schweizerische Familie als mächtige Freihem^ami 
erscheint, ragt die tirolische nicht bloss durch nichts Über die andern Adelsfamili 
des Landes hervor, die aus den Ministerialengeschlechtem erumchsen, eonde 
steht den bedeutendsten an Mcusht und Bedeutung bis zum Schlüsse des MiUelaUi 
u)eit nac?i. Ursprünglich sich nach der Burg Lanaburg nennend, hat erst nach d 
Erbauung der zweiten Burg Brandis und der Erbtheilung vom Jahre 1236 a 
ujichtigere Zweig den Namen von dieser gefuhrt (Wolkenstein, Chronik 14, Buch 12. 
Die zuerst erwähnten Dienstmannen von Lanaburg sind wohl ein gewisser B 
tholdus de Leunon und Brunsberg, den das Salbuch des Klosters Weingarten zt 
Jahre 1082 nennt, dann die in einer Urkunde von Witten als Stiftsvögte genanni 
Duringus, Albertus, Hüdeprandus und Heinrich von Leunan (Burglechner 2, 2, 90 
Waren aber auch die Lanaburger und Brandis die älteste AdelsfamiHe im Geria 
Niederlana, so blieben sie doch nicht die einzige; als der eine Zweig, der den Nam 
^von Lanaburg"^ beibehielt, ausstarb, kamen die von Greissing in den Besitz des Schlos, 
Ixmaburg und nannten sich darnach; spätestens im 16, Jahrhundert erlangten < 
Goldegg, Helmstorfer und Hausmann Ansitze in diesem Gerichte, erst in neuet 
Zeit entstanden die Ansitze Rosengarten und Zurglburg, Doch scheiterten die V 
suche der Goldegger und Helmstorfer nach Gleichstellung mit den Brandissem u 
alle diese Ansitze mussten, trotz ihrer Erhebung zu Eddsitzen, mit der Gemein 
halten (Wolkenstein, 14. Buch, 120, Ferd, ZeiUchr, 3, 18, 167 f), „Das Wesen * 
Vogteirechtes (der Herren von Brandis) bestand darin, Vorgeher der Gemeinde 
sein, vyie sich die alten Urkunden ausdrücken, in ihren Versammlungen den V 
sitz zu fuhren, ihr in (dien unchtigen Angelegenheilen an die Hand zu gehen , 
in ihren Rechten zu wahren und zu schützen, und demnach auch ihr in Rech 



>) Der Herren von Braunsberg, welche dort die niedere Gerichtsbari 
ausübten. 



Oberlana. 155 

Und wenn also der dorfmaister gesezt ist, so soll er die wähl anheben 
XQ machen nach rath, und soll die anheben zu machen zu Sanct Agaten 
angefehrd am Zerwal, und dann sein schuldig zu machen alle, die äoker und 
irisen, oder yich für den hirten haben zu schlagen. Die sollen auch 
solliohes yolk dahin schicken, die guet tagwerch mügen ihnen, auch wer 6 
der ist, der aigen fuehr hat und mit der gaz und krueg in mühlpach geet, 
aod die nit äcker noch wismaden haben, die sein schuldig in das gemain 
werch [an] dem mühlpach und in den troien [zu geen], als oft es noth 
thuet, und wer der war, der den ersten tag nit kam, der soll den andern 
tag selb kommen, damit das er die gemain werk erfüll. Kam er dann zu 10 
Diitten tag, da soll er kommen selbander, damit er sein ganzes tagwerch 
verbring. Wer aber das nit thät, der ist der gemain verfallen von alnem 
ganzen tag sechs kreuzer, von ainem halben tag drei kreuzer ohn gnad. 
Und wer der ist, den der dorfmaister peut, von der gmain standen oder 
schrägen zu fiehren, wer der war, der das nit thät, der ist der gemain 15 
Terfallen ain pfunt perner. Auch wer der ist, der nit kam, wann man 
dreu geschieht gemacht hat, so mag ihm ain dorfmaister Urlaub geben [sie!] 
und darnach, wenn ain gemaines werch verbracht wirdet, so soll ain 
dorfmaister die ganze gmain samblen, ob dem gmain werch genueg be- 
whechen sei oder nit, und so ain dem rechten runst manglet, der ist der 20 
gmain verfallen 12 kr. Und wem das wasser schaden het thon, dem soll 
maos abtragen. 

Auch wer der ist, der die gemain yberfüer, es sei in holz oder ströb, 
den soll man phenten umb fumf pfunt perner , es war dann , ob ainer 
^ne Varel biet, der möcht nemen zwai pirdel ströb ungevehr, und 35 
nit mehr. 

Auch soll ain dorfmaister samblen nachbaurn, als maist er mag, die 
oxen haben, an pfingsttag abent und die weg in velt [beschauen], ob iemant 



*inUm zu helfen und rie darin zu vertreten** (ibidem 16S), An kirchlichen Be- 
f^tztmgen fehlte ea im Gerichte Lana gleichfalls nicht. D<uelb»t war in früherer 
Zeit der HaupUitx der AmUleute des Klosters Weingarten mit dessen Keller anU^ 
ftDhst und Richter f diese Besitzungen fielen aber später an das Kloster Slams. 
(Der deutsche Antheil 739 f.). Ausserdem hatte zu Lana das Stift Tegemsee zwei 
Bofe f Haugengut und Ortgut) (Ferd, ZeiUchr. 5, 18, 172 f.) und das Kloster 
ttotleiiiuch den Kehen- oder Thönighof zu Mitterlana (Ferd. Bibl. XLIV. t. 12). 
Die Pfarre Lana umrde später dem deutschen Orden einverleibt und diese Ein- 
toieibung von den Landesfürsten bestätigt, was einen endlosen Streit mit den 
Herren wm Brandis hervorrief. Diese Pfarre zählte um 1600 über 1400 Com- 
t^unieanten und Niederlana bei 50 Feuerstätten (Wolkenstein 14, Bch, 121), 

Die Pfarre und Ortschaft Lana sind ohne Zweifel sehr alt. Im Nekro- 
kgium des Stiftes Weingarten wird schon zum Jahre 990 der viUa Levnon ge- 
dacht und 1082 der obgenannte Bertholdus de Leunon genannt (Der deutsche An- 
Ihal 739 f. JJormat/ry Sämmtliche Werke /, 252 f.). Im Jahre 1140 erscheint 
der Nanu in der Form Leunan, 1209 Leonan, aber fast gleichzeitig schon auch 
Lana (Burglechner 2, 2j 888). Die älteste Urkunde, in welcher der Gemeinde 
Lana Erwähnung geschieht, gehört dem Jahre 1242 an, wo ein Dorfmagister ge- 
nannt wird (Ferd, Zeitschr. 3, 18, 163), 1271 erscheint eine comunitas de Leunan 
ä Teseni (FonL rer. austr. 5, 401), Die Theilung des Ortes in Ober-, Mitter- 
und Niederlana erscheint zum ersten Male in einer Urkunde vom Jahre 1304 
(L, Sehonaeh's Urkundensammlung), Eine Erklärung des Namens ist in jüngster 
Zeit nicht versucht worden, ohne Zweifel ist er aber romanischen Ursprungs, 



156 Oherlana. 

geschniten oder gras gemänt hiet, und soll auch darzue nemen den yeli 
saltner, und als oft ainer ain purd geschniten biet, yon ainer purd ai 
pfunt perner. 

Es soll auch ain dorfmaister darob sein, das kain ungwärenlicl 

5 Tich in das Telt geet, und mit gewissen poten, als von alter berkomen is 

und soll si bieten an painden, und [wenn] des vergeet an aossgeende 

feirtagen, so mags ain dorfmaister wider aufschlagen mit rath d< 

nacbpaurn. 

Item am vierten tag nach Georgi soll der weg zu dem Zochen vei 
10 schlagen sein, und den soll verschlagen das ain jähr der Zoch und dt 
ander jähr der Treibgasser. 

Item den weg, der da geet gegen der Hitten, soll Tersoblagen öi 
Ainichguet. 

Item den weg , der da geet unter dem Scballerguet, genannt d< 
15 Höllweg, soll verschlagen das Scballerguet. Und wer dann veltsaltner ic 
der soll riglstauden firstossen allemal. 

Item, wer dann die drei pannzein aufbricht an aines dorfmaiste: 
will, der ist der gemain verfallen umb finf pfunt perner. 

Auch, wer der ist, der icht zu klagen bat, es sei an laut oder wi 
20 in der gemain gehört, und bringts fir ain richter, und nit an ainen dor 
maister, der ist der gmain verfallen ain gülden an gnad. 

Auch ist zu wissen, dos ain richter auf dem Stain in dörfliche 
rechten nicht zu schaffen hat yber die Valtscbaur, an allain, was im d< 
stab geit. 
25 Auch wann das ist, das man die pannau aufthuet, und wer vor dei 

tag vorgemänt biet, ehe und man die pannau auf biet thon, als oft ai 
segnes, als oft ain pfunt perner, und aus aller pfantung, die du gescbicl 
in der gmain, der ist das viertail aines dorfmaisters und das ander ma 
ain gmain vertrinken. 
30 Auch das guet untern wähl soll versorgen die prugg bei dem Teni| 

hof, das iederman damit versorgt sei. Darumben ist er vertragen de 
gmainen werchs. Ob er aber das nit thät, so mag ihm die gmain absagei 

Item die prugg vor dem Frugger soll versorgen das guet zum päd 
haus und darzue den wähl von dem Waltmann bis auf die traigaßen, dam: 
35 die gmain versorgt ist. Damit ist er des gmainen werchs vertragen. Wo c 
aber das nit thät, so mags ihm die gemain abschlagen. 

Item, wer der ist, der verschniten stier hat und yber ain jabr is 
der soll ihn nit zu der bert keren, und ob er das nit hieU, so soll ma 
ihn pfenten umb ain pfunt perner, als oft ers thuet. 
40 Item, wer ungeschniten stier bat und yber das jähr ist, die soll c 

nit zu den oxen scblacben. Wolt er des nit ab sein, soll man ihn auc 
pfenten umb ain pfunt peruer. 

Item mehr, so geit der Hueber am Grieß zechen paceiden wein dei 
dorfmaister. So ist er vertragen des gemainen werchs. 
45 Mehr gibt das Lorenzenguet dem dorfmaister zechen paceiden weil 

ist auch des gemainen werchs vertragen. 

Auch gibt das Pfefferlechen-guet zechen paceiden wein, ist auch d< 
gemainen werchs vertragen. 



Oberlana. 157 

Item CB sein auch aines jehrlichen dorfmaisters recht, das er drei 
ybentreich nimbt zu sant Georgen tag; die sein des gemainen werchs ver- 
tragen, die drei tag. 

Auch mehr seint aines dorfmaisters recht, das ain dorfmaister an 
rath nicht handien [soll], und was ihm dann geraten wirdt, dem soll man 5 
nachkommen. 

Auch soll ain ieder dorfmaister hirten setzen, als oft sein noth be- 
Schicht, mit rath der nachberschaft, als maister er ir gehaben mag, und 
wann er an ain dorfrecht peut, 8o[ll] er zwaien oder dreien zu erlauben, 
ODgevärde. Wer ihme dann nit gehorsam war, der ist verfallen ain pfunt 10 
pemer. 

Auch, wann er an die gassen peut, so soll er das abents darvor 
bieten zu rechter zeit, als von alter her ist kommen. 

Auch soll ain ieder dorfmaister beiten. Wann er zum andern mahl 
nicht kam, so mag ihn ain gemain pfenten umb ain pfunt perner. Wäre 15 
dann, ob iemants kam, der arbait begehrt, da soll er leiten empieten. Wer nit 
kam, dem der dorfmaister peut, den mag man pfenten umb ain pfunt pemer. 

Auch, wer die gemain yberfüer an anlait, es sei in auen oder pelzer- 
stoesen, oder mit yberpauen, der ist verfallen finf pfunt perner. 

Auch soll ain dorfmaister vier mal des jahrs den mihlpach be- 20 
schauen, und wer dann den mihlpach verunseibert, der kindswintlen oder 
todte vich darein wurf, der ist der gmain verfallen finf pfunt pemer. Und 
I wer den mihlpach angreift ^) an aines dorfmaisters will, der ist verfallen 
finf pfunt pemer. 

Wer der ist, der holz aus ülten treibt, der soll es treiben mit aines 25 
dorfmaisters will der gemain an allen schaden. 

Auch, wann man den pannwahl auf sanct Georgen tag hinaus kert 
auf die pannau, soll ihn niemant abkeren an aines dorfmaisters will, finf 
pfunt pemer, an allain ain herrschaft, doch soll er frei gien auf den 
jungem unser Frauen tag. 30 

Auch, wer der ist, der wässert und nicht wieder abkert auf den 
rechten wal, der soll pfentet werden ain pfunt pemer. 

Und wenn man gemain aufthuet, so nimbt er [dorfmaister] voraus 
Tier faeder holz, vier fueder sträb. 

Auch soll ain dorfmaister setzen mit ainem gemainen willen zween 35 
nmbsager, ainen einhalbs mihlpachs und ainen herdishalb des mihlpachs, 
^s von alter her ist kummen. Dieselbig zween umbbieter sollen pieten an 
die gassen und wo das noth ist. Darumben sollen si dem dorfmaister ge- 
horsamen sein. Ob ain umbsager das nit thät, als ihm bevolchen wudet, 
dieselbigen schaden soll ain umbsager erben. 40 

Darumben seint der umbsager recht, das si des gemainen werchs ver- 
tragen sein, und aus der gemain haben die umbsager ain fueder holz und 
ain fueder sträb voraus der gemain. 

Item es soll auch ain dorfmaister am kässonntag an die gaß pieten 
nnd soll dann firbringen, ob er hirten [habe] oder nit, und da setzen und 45 
entsetzen nach rath der gemain. 



*) angreift] handt reicht h». 



158 Oberlana, Niederlana, 

Anch ist zu wissen, wenn man sieht drei s^^esen zu Gargazan ai 

dem mos, so soll der dorfmaister die gemain wissen laßen, und wer dan 

mahn will in der gemain, der mag das ihnen, als wir thail und gemai 

mit ihnen haben, es sei zu perg oder zu laut. 

5 Auch wUr, wenn ain hiert aim dorfmaister klagt, er mög seim 

lohns nit bekommen in der gemain, gibt er dem dorfmaister 3 xr. od( 

ain stuck fleisch, so soll er ihme seines lohns gehelfen oder pfant antworte] 

Auch soll man dem hirten das vioh auf die treibgassen antworte] 

Schwein und küe; so aber der hirt hin war, so soll man ihm das yich an 

10 Worten fir den stab. Wer das nit thät, des war der hirt ohn allen sohadei 

ob das vich schaden thät. War aber, das es dem hirten geantwurt war f 

den Stab, so soll ers auf die treibgassen antworten. Da soll mans Ton ihn 

enipfachen, und wenn das vich zu schaden etwann gieng, wann es fir de 

Stab geantwortet wirdet, dieselbigen schaden, die soll der hirt aMragei 

15 als Ton alter her kommen ist. 

Item, ob ain hirt ain vich yermueiwilligt, das ain laid beschöcli 
oder verlohren wurde, das soll der hirt bezallen. 

Item Ton wegen der mezger oder wiert, die da vich auf die gemai 
kern weiten, die sollen die gmain nit yberschlagen, dann was sie zu ihre 
20 heisern bedirftig sein, und sollen ihr vich nach der hert keren und [nil 
vor oder besonder. 

Die mezger sollen nit mehr vich auf die gemain schlagen, dann wa 
si in der gemainschaft fleisch vertreiben, und kain frembdes vioh ode 
auch kain flrkauf [auf] die gemain schlagen, damit die gemain kain bc 
25 schwärung [laid], und das keren, wie von alter her komen. 



17. Niederlana. 

Nach einer Ahschriß. de* Herrn Anton Oraf von Brandts, der beißigt: Im Brandiser Archiv befind 
nch drei Concepte oder Copien aut dem Ende dt» 15. tmd Anfang de* 16. Jahrhundert», beina 
ganz gleichlautend, nur steht in den beiden älteren idaU „horren von Prandis* stet» «wir Prandessei 

Copei der dörflichen recht zue Niderläna. 

Hie ist ze merken, was di alten recht seint und von alter herkum< 

ist, und sein zwischen den Prandessem als vögt und gemain ze Niderlän 

Item von erst sollen die Prandesser als vögt mit zwölf knecht 

30 man, wenn die gmain ströb aufthuet, und solln pei liechten tag an- ui 

abgen und sollen ain tag vor der gemain mäen. 

Item aber sind zwo holzmolten; wann die gemain dieselbigen ai 
thuet, so solln die Prandesser als vögt ain freien tag haben, vor mit zwi 
knechten holz ze schlachen, die aine ist untern Puncken, ') die ander 
35 dem Pungken, und wann man di moltn auf will thuen, es sei di strei- od 

1) ^Veratändlieher wät-e aUerding», wenn t» hie»»^ .prucken«, aber an eif 
canstant ^ederhoUen Schreibfehler ^^i bex dr^ Copv^ und in jeder 'an viJ^sTel 
dach kaum zu denken, daher ^cohl etn jetzt verschoUener Eigenname.'^ A o\ 
V<m Brandi», 



Niederiana. 159 

holnaoltn, so soln die vÖgt ietweder ain knecht darzn schicken, ist das, 
der dorfmaister pigert, und auf denselben tag, so man die molten aufthuet, 
und die vögt man oder holz schlachen, so sol die gemain umb veierabent- 
zeit da sein und solle anmerken, wo si des morgens anschlaohen wellen, 
es sei mad oder holz schlachen, doch den vögten an im rechten &n schaden. 5 

Item darumb die Frandesser als vögt der gemain schuldig und ver- 
pnnden seint, alle jar zu sant Jörgen tag ainen dorfmaister ze setzen mit- 
sambt der gemain; war aber, das die TÖgt nicht da wem, als war ich (sie!), 
oder mochten sein, so sol doch er anwalt da sein, und wo man der gemain 
eng oder irrung thuen wold, das wider recht war, so sollen die Frandesser 10 
als TÖgt ir Torgeer sein, es war vor der herschaft oder ander iemant, ze 
pehalten diser gemain ze Niderläna alle herrlikait und recht, die dann 
der alt prief, den die Oberlänner inn habent, der diser gemain Niderläna 
als wof laut, als der obern gemain, und den dann die herunter gemain 
auch gezalt haben und die recht haben, als die obern, die si da haben. 15 

Item darnach, so der dorfmaister gesezt wirt, was seine recht sein 
and was er der gemain herwider pfLichtig ist. Von erst so get sein vich 
dasselb jar yir an kost und an Ion, und hat di recht, das er soll man vier 
fueder sträb mit den Prandessem, und wann man die holzmolten aufthuet, 
tt sei die obern Puncken oder die untern Fucken, so soll er auch vier 20 
fueder schlachen mit den Prandessem als vögt. 

Item dawiderumb soll der dorfmaister die gemain versorgen mit 
hirten und veltsaltnem, mit weg, mit wälen, und wie es dann von alter 
herkamen ist, und wann dann war, das ainer in der gemain etwas über- 
^er, wie das ybervarn war, so soll in der dorfmaister, wie dorf recht, 25 
wenden, und was dann zu rechten erkant wirt, darnach soll er in pfenten, 
und wann er dann gepfent hat, so ist der drittail nutz sein, die zwen tail 
<Jer gemain zu vertrinken. 

Item darnach aftermaln nach sant Gorgen tag, so sint all weg und 
wäl in molten gleich, als ander wisen, ausgenumen die zwen weg, die in 30 
das mos geent. 

Item des umbsager recht sint, das er alli jar ain fueder ströb und 
sin &eder holz nimbt und schlecht. Darumb soll er ainem dorfmaister 
gehorsam sein, was er von der gemain wegen mit im schafft, und soll der 
gemain zesamen pieten und umb sagen, als oft sein not peschicht, und 35 
dapei und damit sein. 

Item, wann das war, das ainer zu dem dorfrechten nit kam und den 
dorfmaister nicht gegrießet und sein willen nit biet, den soll er pfenden 
Qmb ain pfunt auf gen ad. 

Auch ist von alter her kumen, ob ainem etwas an ainem dach not- 40 
tnrft geschäch ze machen, so mag er wol ain fueder dachlaten schlachen 
in der gemain oder was er darzue pidarf, und nicht mer, und sol das &n 
des doHmaisters wissen nit thuen. 

Auch wer in der gemain gesessen ist, der soll kain holz nicht 
schlachen zu verkaufen in Petschol und im perg, dan was er in sein haus 45 
pedarfy dann es war, das im ain stär salz mangelt in sein haus, so mag er 
wol ain fueder holz darauf fieren an Heran umb das salz. 



160 Niederlana. ÜUm, 

Item, wann man die ntröb auf ihuet, so soll niemant mer mä 
drei tagn, dann sein recht. 

Item die ströb zum Kalch, wann man die auf thuet, ao soll a 
nicht mer man, dann ain fiieder, ist das es im not peschicht, und auf '. 
5 verkaufen nicht, und wann er das verzört bat und mer not peschicht, 
er mer ains man, vindt ers, und ob ainer nicht vir biet, so soll er 
zum prunen pei Eglse und mag man zwo purden oder drei und mag 
hin haim tragen, und wann er die verzert hat, so mag er mer gen zu 
turft und mag man zwo purden oder drei man und haim tragen. 
10 Item allerlai holz mag ainer sohlacben und fieren in der gemain, 

er es vindt, auagenumen grien yeler und grien erl. 

Item, wer ain panzaun macht an ains dorfmaisters wissen und 
wäl nicht versorgt in dem rechten runst, den mag der dorfmaister pfen« 
Auch wer den pach unsaubert, es sei oben oder unten, den soll der d 
15 maister pfenden umb fünf pfunt. 



IS. aten*) 



A. iVry.-C'rt. «W. Immtprmfß, 15. MitrHi /SM. m Brtitx dt» Hrrm Grm/m Omrmtd 9<m Trmf 
Imnthrmfk. — ff. f'^pirrharnJafk. FkU. i4 KL r. J. /^«7. im Rnitst dt* Hrrm limfen (hwmld 
rmpp m Imm^rmek, ,AV$ckrifl des TertrafT' and »b^^kids iwiKk^n htm Jacob Tnfy«i 
Bf$ei« «»d l'^rbrnr^ «od ab pkaadt5>inlaWrs dtrr kerrsckAfl Ultea ain« «ad N. den «i 
tka»«Q «»d rMrk-ktel««te« daselV» and^^ratkaiU.* Arr «Tertnfr «■<! al«eki«d* «tdU F>>1. 9h — 

Vertrag und Abschied. 
I.Juli 1521. 

Zu Wimen« nachdem sich irrung und spän halten zwischen den ed 
ge^ti^ngen, vesten herm herm Georgen« herm Carlen rittem und Jaco 



*) Dm» Tkmi llUm vmr TWtif'eiHfkme »cktm zm der Römer Zeiten hewt 
wie MM mm «Um wenigem iimmmi^eken H^fnmaken «tAImmm «mm, « 
ttmrk; der jiSii<n Tkeil dm tkmlem irar w»rA Ahm mmd Wmtdfehiei. AI» em 
tirnrndtkeil dem Simdi^e^ietes fv« TriemS pehihie es tmk dit»ewk sm lUUiem, Mii 
Zm mmmem*tmrae de» K^m^erreicke» mmd der Eimfemmdermmf der Germmmen v 
dm» Tkml »iirter ftmuifrf; et lm»»t »ick jfdoek fiock mieks baiimemU 
ok die m dm»»eihe nmwetmdermden Germ^men Lmmf^mrdem^ Gmien 
Bmjmtrmren ^leweeem. Jtdem/mU» i»i » mc^er »eAr ^trakr^eAeimiem^ dm»» Clien 
eim Hif»tmmi:.\ei: de» llfrzv^Mom» Triem: y^'^ftn« w( «W stMui ya«r det»en Sc, 
M> ^Mei:: k^. Et vf:er^umA micM V^v pfi: Jtn /'iL%e»tert Zeiiem im kirrkl 
mm^ den* mtc^^f^ iv<« T^-iemC /V^ den^^.'Ae Am^'lei: ie» f&Ue.i««M TrienS 't 
»ei: der HkiiJkmtme CJmiritA» i wui der ü^/mrkm/^ Triemt fj27 
im weiiCieAef. l^mem ieCeAmiem^ «ri* <w »-k*w.\ dit lüti-^ft mm THaif eeJicm 
dm» mick^if^ i:e»cik:eK^: Jer G^sitm nw tf^^H mtk jUr fteCe wmi dem», 3 
f *::«. Vjm d»e»eim nee'^xtcAen GeeMeekst rver^ m uV r^ofir^ f :*•"?< dt» 12. w 
imrnier^ m( F-Mri-^K IL »im ÄäpkiwW *K i«w-i« ViViw- krÄ G^fem 
llsem d» ir:i»m> w /:>*' w t^v#«w«c lVv«i*« v«^ ifarW»'^/ cS': ö^ o 
r',>me t:SJ^. ie l'iSemi*^ i* l'lSiem^ *m F^, «^ .„m-, I\ >:. x^v 5.\>. 
de r::imi» M K/MtfCo. AVäs mA^- ^^^*- -'- -•*^- ^i*«»«*.^»«. :V«^^/W ''rwvdl 



Ulten. 161 

gebrädern den Trappen, als Inhabern der herrsohaft in Ulten, an ainem 
und den unterthanen und gerichtsleuten gemainigclioh daselbs in Ulten 



BeiehtUhen (Zeitschrift de» Ferdinandeums 5, 14^ 128). Die Pfarrkirche wm 
Uäen kommt schon um d<u Jahr 1082 oder wenigstens nicht viel später vor (Der 
deuUche Antheü 768). 

Der bald darauf gestorbene Oraf AWrecht, sein Schwiegersohn Meinhard /., 
c2afm Meinhard IL und dessen ältere Söhne Hessen das Thal durch von ihnen be- 
ttelUe Rielüer und Pröbste verwalten; König Heinrich hingegen verpfändete zuerst 
(1311) dem Konrad von Aufensteiny seinem Marschall in Kärnten, das Gericht 
Ulten um 5000 Mark Bemer und später (1332) itberliess er es seinem natürlichen 
Sohne Heinrich, der den Namen des Ende des 13, Jahrhunderts ausgestorbenen 
hmerisehen Graf engeschlechtes Eschenloh annahm und entweder auf die alte Öurg 
ÜUen übertrug oder sich eine neue mit diesem Namen erbaute (Archiv f Gesch. 
n. ÄUerthumsk. Tirols 3, 209 ff. Gütige MiUheilg. d. Hm. L. Schönach). Bald nach 
dem Tode Heinrichs von Eschenloh empfahl Markgraf Ludwig von Brandenburg 
dit Feste und das Gericht Ulten mit 100 M. B. Burghut und dem Stabe des 
Gerichtes dem Wilhelm Bombrecht^ dann dem Egno von Schlanders (Freiberg, 
Ludwig der Brandenburger. Abhandlungen der kgl. baierischen Akademie. 2. Bd. 
/. Abth. 173), Herzog Rudolf IV. von Oesterreich gab das Schloss in Ulten dem 
Vogte Ulrich von Matsch, Hauptmann a. d, Etsch, nahm es ihm aber noch in dem- 
KÜhen Jahre und verlieh es an Hanns den Lasperger (Gostcin 149. 217', Der 
deutsche Antheil 767). Rudolf und dann sein Bruder Leopold IIL schlugen wieder- 
holt diesem ihren Kammermeister, dann Marschall Pfandsummen auf die Herrschaft 
Ulten^ die auf dessen Sohn Rudolf und Kunigunde Laspergerin Übergiengen, von 
der iie Hanns von Neidecky Hauptmann zu Stüchsenstein im Jahre 1419 ablöste 
(Liehnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg 4. Bd. Reg. n. 681, 960, 1304; 5. Bd. 
^^9' n. 1887). Von ihm kam die Herrschaft Ulten an die Starkenberger. Im 
^^>eitem Verlaufe des 16. Jahrhundert erscheinen Ulrich Fulhin (1429), Heinrich 
Liechtensteiner (1444), Georg von Montani (1465), Leo Brandis (1466) und Paul 
^urf (1474) als Pfleger von Ulten (Schatz- Ar chiv-Rep.), welch Letzterem sie Erz- 
"•^nog Sigmund für seine Dienste im Burgundischen Kriege verlieh (Burglechner, 
1^1. Adler 2, 1158). 

Kaiser Maximilian L überliess am 9. Februar 1492 die Herrschaft Ulten den 
^Uem Jakob und Georg von Trapp um die Pfandsumme von 1 6.000 ß., wogegen 
**^(ttifIvano in Valsugan Vei-zicht leisteten. Bei dieser seit 1604 in den Freiherrn- 
**wi %tit 1669 in den Grafenstand erhobenen Adelsfamilie, die nach dem Aussterben 
dff Vögte v, Matsch deren Erbe antrat und seit 1594 auch im Besitze der Pfand- 
^aft des Gerichtes Mals und Glums erscheint^ verblieb das Thal bis in unser 
^(ihrhundert. (Burglechner, Tirol. Adler 3, 4. 1052; Bib. tirol. D. 828, IL) 

Dieses grosse Gericht war zu den -Zeiten des Herzogs Friedrich IV. und Ei'z- 
'^^rzogs Sigmund in acht Werche eingetheilt und zählte im Jahre 1427 noch 214 Leib- 
^ene (Burglechner ib. 3, 4, 1052; Liehnowsky 7. Reg. n. 1175), Im Anfange des 
11» Jahrhunderts war es bereits stark bevölkert (1800 Communicanten, also eine 
^eoolkenmg von etwa 2200 Seelen) und icegen seiner schönen Waldungen und 
^äden und seiner blühenden Viehzucht berühmt; es stellte bei der Meisterung 60 Mann 
(M. Sittieus V. Wolkenstein Chronik 14. Buch 136 Mscpt. im Ferdinandeum). Die 
^afen von Eppan und Ulten und Heinrich Graf von Eschenloh hatten auch die 
ÄoÄe Gerichtsbarkeit im Thale; in der Folge musste jedoch der Richter in Ulten 
toic der in Passeir die Verbrecher ins Landgericht Meran abliefern / in Ulten 
^ar blas mehr ein Schubgericht (Sammler 1, 259). 

Nachdem das Gericht unter baierischer Hei'rschoft zuerst dem Landgerichte 
Heran urUer geordnet, dann aufgehoben worden war^ lebte es im Jahre 1817 ncuih 
der Wiederkehr der österr. Herrschaft wieder auf; doch schon im Jahre 1829 
tagten es die Grafen von Trajjp heim und am lt. Januar 1831 gieng es in landes- 
fwsÜiche Verwaltung über. (Staffier 2, 747.) Seitdem bildet es einen BestancUheil 
de» Landgeinchtes, dann Bezirksamtes und nun Bezirksgerichtes von Lana und der 
Betkkihauptmannschafl Meran. 

OMierr. Weistbflmer. V. 11 



162 ^«w- 

am andern thail yon wegen zins, dienst, robat, auch etlicher gebreucb 
gerech tigkaiten und freihaiten und was darinn berüert; darumb die par 
teien für der römischen kaiserlichen majestät und unsers allergnedigistei 
herrn und landsfürsten Statthalter und regenten zu Innsprugg zu verhö 
5 vertagt, die auch sollich irrungen und besch wärungen, klag und antwor 
schriftlichen gehört und darauf diesen abschid zu ainem gütlichen unc 
entlichen vertrag fürgenomen und geben haben. 

Erstlichen von wegen des castenmass soll dem keller zu Tyrol be- 
volchen werden, dass nach baiden körn- und fueter-stärn, wie er die im 

10 kellerambt ambtshalben praucht, so geschworns Meraner mass ist, zwai 
stär, ainen zu körn und waitzen, den andern zu fueter und gersten und 
sovil grösser hat lassen machen, das das castenmass, wie vor steet, darein 
gangen und man fürterhin darnach aussgemessen und allen traid nach 
seinem mass gestrichen genomen, dieselbigen stär sollen auch verzaichnet 

15 werden, damit sich die herrschaft und gerichtsleut derselbigen gebrauchen 
und hinfüro darnach halten mügen. Und als sich die zinsleut den getraid- 
zins vom sonntag Invocavit unzt auf Georgi, inmassen dann von alter her- 
komen ist, zu bringen beschwüren, sollen si dieselben getraid-zins nun 
fürpasser hin von erichtag vor Galli unzt auf sambstag nach Andre ain iedes 

20 jar und drei tag in der wochen, als erichtag, pfinztag und sambstag, wo 
daran dhain gebotner feirtag ist, auf das sohloss Fraunsperg füern, und 
wellicher seinen traid-zins dermassen nit gibt, dem sol er durch die herr- 
schaft, wie der am plaz an Meran derselben zeit ongeverde geng ist, zu gelt 
angeschlagen, aber für das castenmass ie auf ain stain zwen kreuzer, als 

25 dann von alter auch herkomen ist, gegeben werden und mag die herrschaft 
nach verscheinung obgeschribuer zeit umb bezalung irer pfening und traid- 
zins, wie sich gebürt, gegen den underthanon wol gefarn. 

Zum andern von wegen der haselhüener, das die underthanen ver- 

mainen, dieselben zu fahen ; dieweil aber das haslhuen an mitl fürstlicher 

30 obrigkait zuegehörig, si auch vom fürsten kain freihait zu zeigen haben, so 

sollen si sol lieh haselhüener hinfüro weiter nit fahen, sonder die selben 

sollen der obrigkait vorbehalten sein. 

Zum dritten, als die underthanen vermainen, an iedem osterabent nach 
mittag in allen pächen im goricht Ulten gewalt haben zu vischen, dieweil 

35 si aber darumben kain freihait oder anders haben, auch solchs von alter 
her dermassen nie gebraucht ist, so sollen die bemelten underthanen solches 
vischens zu obbemelter und anderer zeit hinfüro auch absteen und sich des- 
selben weiter kains wegs mor gebrauchen, sondern der obrigkait hierinnen 
auch vorbehalten, und si des angezaigten vischeus dermassen müessig steon, 

40 so soll inen dargegen durch das ganz jar die graben hason zu fahen er- 
laubt sein. 

Zum vierten von wegen des gedingH und erzbriester-gelts; die weil 
dann dassclb vormals albeg on irrung und aiuich waigerung durch die under- 
thanen in Ulten geraicht und bezalt worden ist, so sollen si dasselb hin- 
45 furo, wie solchs der gebrauch und von alters her komen ist, dem inhaber 
der herrschaft Ulten laut des urbarpuechs onc alle waigerung raichen und 
bezalen. 



Ulten. 163 

Zum funfteD, betreffend den auf- und abzug etc., dieweil dann in boI- 
chem in den negst gehalten lanttagen Ordnung fürgenomen ist, wie es ge- 
lialten werden soll, und deshalb abschid gegeben, bei dem selben soll es hin- 
fiiro auch beleiben und nach laut und vermügen des bemelten abschids 
gehalten werden. 5 

Zum sechsten, von wegen des tausch der güeter, soll ain ieder, so der- 
massen ainen tausch thuet, dem innhaber der herrschaft ülten oder seinem 
phleger solchen tausch anzeigen und ime die paurecht aufgeben und als- 
dann von neuem widerumb emphaheuund sich deshalben mit ime vertragen. 

Zum sibenden, des vich- und holzzol halben in Ulten, dieweil dann 10 
derselb vormals alweg und ie durch die, so vich über joch auf das Welsch 
getriben oder schaf auf den alben in Ulten gesümert, an alle waigerung ge- 
geben ist, desgleichen auch die holzmair, so holztriften auf der Valtschaur 
hinauss an den gries getriben, al wegen das zehende holz zu zol gegeben 
haben, so sollen si den selben laut urbars hinfüran auch dermassen raichen 15 
und geben, und die underthauen in Ulten sollen von den Walhen oder an- 
dern, so dermassen vich über joch von inen kauffen, den zoll emphahen, der 
herrschaft antworten oder aber ir den kaufer, eemalen er mit dem erkauften 
vich aus dem gericht verruckt, bei demselben, umb den zoll zu vervolgen 
wisse, anzaigen. Desgleichen soll es mit dem raifzol durch die pünter, wie 20 
von alter her, gehalten werden. 

Dann von wegen der gerichtsleut zu Castlpfunt, dieweil dieselben 
vermainen, obbemelten zol nit zu geben, demnach sollen die innhaber der 
bemelten herrschaft ülten mit dem von Thun deshalben handien und sich, 
wie es gehalten werden soll, vergleichen. 25 

Zum achten, sosollen die bemelten underthauen dhain wiltpret, hennen, 
Yögl, air oder anders dergleichen niemants frembder zu kaufen geben. 
Sonder dasselb zuvor für das schloss tragen und dem pfleger umb ainen 
zimblichen pfenning zu kaufen anpieten, und was er zu seiner notturft 
bedarf, ime dasselb verfolgen zu lassen; was er aber nit bedarf, dasselb 30 
mügen si nachmals in ander weg irem gefallen nach verkaufen. 

Zum neunten, von wegen der handlungen, so inzicht und malefitz be- 
treffend, darin sich die bemelten underthauen understeen sollen, dieselben 
on wissen und willen des pflegers in Ulten haimblich hin zu legen und zu 
vertragen, die weil dann solliches der obrigkait zu nachtail, abbruch und 35 
Terklainung raicht, auch das übl dardurch ungestraft beleibt, demnach sollen 
si die obbemelten underthauen solcher inzicht und malefizigen handlungen 
weiter dermassen zu vertragen oder hinzulegen kains wegs understeen, son- 
der die selben für den pfleger weisen, im solliches anzaigen, der alsdann 
gegen denselben sachern nach laut irer Verhandlung mit straff oder in ander 40 
weg, wie sich gebürt, handien soll. Aber was ciain sachen sein, die nit in- 
zicht oder malefiz berüern, dieselben mügen die gedachten underthauen 
hinlegen und vertragen, doch alweg der herrschaft, (so si solch händl und 
vertrag, wie si die finden und bei den parteien abgestelt haben, gründlich 
anzaigen sollen), an iren herrligkaiten und gerechtigkaiten unvergriffen und 45 
onschedlich. 

Zum zehenden, als sich die underthauen widern sollen, ainem pfLeger 
auf sein anrüeffen und begern hilf lieh und beistendig zu sein, die ungehor- 

11* 



164 UUm, 

samenumb ir Verhandlung zu rechtlicher straff vengklichen anzunemenetc. 
darinn sollen si die bemelten underthanen auf des pflegers anrüeffen und 
begern nach inhalt und ausweisung der neuen landsordnung der fürstlichen 
grafschaft Tirol gehorsamlich halten und erzaigen und, was dieselb vermag, 
5 demselben ain genügen thuen. 

Zum aindliften , nachdem die geschwomen in maleüzigen sachen 
rüegen, und gleicher weis den gebrauch [in] criminalibus, wie in civilibus, das 
si dreier im werch rath haben, ob die sach zu rüegen sei oder nit, und so 
sich aber dieselben drei aus etlichen Ursachen der sachen entschlagen, so 

10 geen alsdann die geschwornen zu andern daselbst, auch rath zu suecheo, 
dadurch dann der täter warnung empfacht, flichtig wiert oder gar austrit, 
deshalben das übl nit gestrafft wirdt, demnach so sollen die bemelten ge- 
schwornen in angezaigten sachen obbemelter massen nit mehr rüegen oder 
rath haben, sondern dem pfleger in ülten sollich handlungen alwegen an- 

15 zaigen, damit der täter dermassen nit gewarnet werde, und sollen alsdann 
die geschwornen nach rath des pffegers hierinnen handien, doch entgegen 
der pfleger gegen denselben tütern, so dermassen gerüegt, wo die gefangen 
wurden, an rat der geschwornen mit peinlicher frag oder in ander weg nicht 
fürnemen oder handien. 

20 Zum zwölften, von wegen der todfäl, das von ainem ieden pauman 

bemelter herrschaft Ulten dem innhaber oder pfleger derselben nach seinem 
tot das pest rind an ains, so er hat, geben werden soll ; die weil dann sol- 
liches ain alter gebrauch und ie und ie dermassen gegeben worden ist, so 
sollen die bemelten underthanen solches hinfüro an alle waigerung, wo es 

26 der massen zu fallen kumbt, nochmals geben und sich darinn kainer neue- 
rung gebrauchen oder fürnemen. Und ob also ainer mit tod abgieng und 
erben hinder ime verliess, die aber nit zu iren vogtparn jam komen und 
mit gerhaben versechen weren, so sollen dieselben gerhaben die gerechtig- 
kait, wie obbemelt ist, anstat der erben dem innhaber der herrschaft Ulten 

30 bezahlen und dem pfleger ainen aus den erben, wo der mer sein, dem die 
besitzung pillich zuegehÖrt, der vor andern darzue taugenlich ist, zu pauman 
ernennen, denselben hinfüron für einen paumann zu erkennen und umb 
seine zinse und gerechtigkaiten bei ime zu verfolgen wisse. Wo aber ainer 
mit tod abgieng und gar kainen erben hinter sein verliess, so soll der in- 

36 haber bemelter herrschaft die bemelt gerechtigkait bei seinem verlassen 
hof oder anderen güetern haben und, wie sich gebürt, ersuechen, damit der 
herrschaft hierinnen nichts entzogen werde. 

Zum drei zehenden und leisten, als die bemelten underthanen begern, 
so si den järlichen zins auf das schloss Praunsperg dem pfleger überant- 

40 wurten, das er inen essen und trinken, desgleichen dem vich fueter und 
hei geben Folle etc., dieweil aber solchs nie der gebrauch, auch von alter her 
dermassen nit gegeben worden ist, soll inen der innhaber oder pfleger 
solches hinfüro auch nit geben und ganz kain nouerung hierinnen für- 
nemen oder gebrauchen, sonder es, wie von alter her komen ist, hallen. 

45 Sollichem vertrag sollen bald tail also geleben und nachkomen; wo aber 
ain oder der ander tail des beschwert zu sein vermaint, so sollen si zu baiden 
tailen durch ire volmechtig gwalthaber auf erichtag vor sanct Bartoloraes, 
des hailigen zwelfpoten, tag schierist künftig vor gemelten Statthaltern und 



Ulten. TUcM, 165 

regent^n za Innsprugg gegen ainander ersoheinen; die werden »i verrer 
mit irer notturft yerhöm und alsdann güetlich oder rechtlich entschaiden 
und inen der tag hiemit genuegsamb yerkindt sein. Des zu urknnd ist 
diser abschid den partheien under der oft gemelten römischen kaiserlichen 
mayestat secret gegeben. Beschehen zu Innsprugg am ersten tag des 
monats julii nach Christi unsers lieben herrn geburde 1521. jare. 



19. mens*) 

Papierhds. 18 Jhd. Fol. 10 Blatt im Gemeindtarchivt zit TUena ») 

1364. 

Tisner Gemeindebrief. 

Ich Sigmunt Hall von Thuemvalthaimb zu Mayenburg und ge- 
richtsherr zu Tisens, der rechten doctor, bekenn von obrigkeit wegen 



*) Da» Gericht Tuen» und Mayenburg »ties» an die Gerichte Neuhau» 
CatitelfondOf Ulten, Niederlana und Stein unter Lebenberg und wurde durch den 
Et»ch»trom von dem kleinen Gerichte Gargazon getrennt. Sein Ursprung ist nicht 
nehr nachwei»har'j uHr wi»»en nur^ da»» die Fe»tt Mayenburg^ mit der da»»elbe 
ipäter verbunden erscheint ^ einst den Grafen von Eppan und Ulten gehörte und 
nach deren Au»»terben als trientinisches Lehen an den Grafen Albert IIL von 
Tirol fiel (Burglechner 5, /, 367). Dass der Bischof und diese Grafen in dieser 
Oegend Rechte und Güter hesasaen^ bezeugt unter andei^ die von erstereni an 
Hkchrere Mannen au» Tisens ertheilte Erlaubnis zum Baue eines Schlosses auf der 
Anhöhe von Casaz^ der Feste Zwingenbtirg und die an diese Erlaubnis geknüpften 
Beschränkungen (Font, rer, austr. 5, 125). Doch wie die Vogtei über die Pfarre 
Visen» den Herren von Mayenburg »chon früh zustand (Tirol, Archiv, 2, 416 
n. 638), so mag wohl auch das Gericht denselben gehört hohen, bis Markgraf 
Ludwig von Brandenburg im Jahr 1350 dasselbe an die aus Baiem ins Land 
gezogenen Ritter Beringer, Diepold und Georg Häl verlieh (Schatz, Arch. Rep, 
U 27, Burglechner 2, 2, 818), deren Abkömmlinge sich nach dem Aussterben der 
Mayenburger gegen Ende des 15, Jahrhundeits auch „Uäl zu Mayenburg*^ nannten 
(ib, Rep. 1, 592). Die Jläl hatten das GemcJU bis zum Jahre 1570 inne, wo es Sig- 
mund Häl dem Jakob Römer verkaufte (Burglechner 3, 4, 1048). Auf den frei- 
vjüligen Verzicht des Lucas und Adam von Römer empfing 1502 Christof Lidl die 
Feste Mayenburg mit dem Gerichte Tisens. Dessen Nachkommen verkauften aber 
dasselbe schon 1648 an GrafenVeitBeno von Brandis um 17. 000 fl. (Staffier 2, 756). 
Seitdem erscheint Feste und Go'icht als landesfürstliches Pfand der Grafen von 
BrandiSf gemeinsam mit Vorst für den Pfandschilling von 16.000 fi. (Bihl. tiol. D, 
828, IL) Wie Stein unter Lehenberg ivar auch Tisens ein Gericht ohne peinliche 
Gerichtsbarkeit, die dem Landgericht Meran zustand. (Sammler 1, 259.) Im 
Jahre 1806 wurde es mit den nördlichen Nachbargerichfen ein Bestandtheil des 
Landgerichtes Meran, (vgl. Baier. Reg. Bl. 1806 S. 456) und 1810 wurde es 
dem Landgerichte Lana einverleibt, verlor aber in Folge der baierischen Abtretungs- 
urkunde vom 23. Juni 1810 die dem Oberetsch- Departement zugetheitte Gemeinde 
Sirmien. Nach der Wiederherstellung der Patrimonialgerichte ging das von Tisens 
schon 1831 in landesfürstliche [Verwaltung als Bestandtheil des Landgerichtes 

*) Die Abschrift ist der Pergamenthandschrift in dem PHssaner Gemains- 
Triehele gleichlautend befunden worden, was Josef Stickhler, Gerichtsschreiber zu 
Tisen» (1740), ämtlich bestätigte. 



166 Tisen», 

und thue kunt menigclichen an disem brief, das anheut dato vor mir, als 
gerichtsherrn, erschinen seint die erbarn : Hans Frisch zu Prissan, im ge 
rieht Tisens wonhaft, anstatt und als dorfmaister ainer ersamen gmair 
und nachtparschaft daselbs zu Prissan, sambt etlichen seinen nachtperc 
5 an ainem, und Jacob Stickhler, zu Tisens seßhaft, auch als dorfmaister ainer 
ganzen ersamen gmain zu Tisens, auch mitsambt und in gegenwart etlicher 
seiner nachtpern, anders thails. Daselbst zaiget der obgemelt dorfmaister 
zu Prissan an, wie die Tisner ain alten pergameen brief, so den Martiggl, 
Basan und Grämaldperg anbetreffen thiit, und baiden dörfern, als Tisner 

10 und Prissaner, miteinander zuegehörig wäre, beihendig heten, mit beger, 
mit der Tisner dorfmaister zu verschaffen, das er sollichen brief zu hörn 
und zu vernemben fir- und auflegete , und als aber derselbe auf mein 
verschaffen verlesen und verhert worden, gab ich inen disen abschid. 
Dieweil inhalt desselben briefs kainen thail nit zuestüende, das ainer oder 

15 der ander sollichen brief beihanden haben solle, so wolt ich demnach von 
Obrigkeit wegen disen brief zu mein banden nemen, und dene baiden 
dörfern zu iren rechten behalten. Darauf bogerten baide dorfmaister 
samt iren nachtpern an mich, als gerichtsherrn, inen, als ieden thail in- 
sonderheit, von disem brief glaubwirdige abschrift unter mein insigl, wie 

20 sich gebirt, verfertiget mitzuthailen, welliches ir begern ich billich zu sein 
angesechen und nit abschlagen wellen, und laut derselb pergameen brief 
von wort zu werten also, wie hernach Voigt. 



Lana über^ zu dem sein Bezirk noch jetzt gehört; das Schloss Mayenhurg aber 
erwarben die Grafen von Brandts 1814 zum Eigeftühum und verkauften es dann 
einem Bauer (Staffier 2, 747. 776). Von den andern 6 Schlössern und Edelsi/zeny 
die in diesem Gerichte sich finden: als Kalzenzung, Wehrburg, Zwingenburg, im 
Holz, Greinegg und Fahlburg (Bnrglechner 2, 2, Wolkenstein 14, Bch.) haben die 
ersten zwei berühmten Geschlechtem zum Ansitz gedient, die auch auf Gericht und 
Gemeinden einen bedeutenden Einfluss genommen. 

Die Ffarre und die Ortschaft Isisens zählen ohne Zweifel zu den ältesten Tirols, 
Als die Franken 590 über den Sulz- und Nonsberg ins Etschland vordrangen, 
zerstörten sie unter ander. i Castellen im Gebiete von Trient auch eine Feste, Namens 
Tesana, und nach der ganzen Richtung, die nach der Erzählung des Paulus Dia- 
conus (lib, 3, 31) dieser Zug genommen, bezweifelte man lange nicht, dass damit 
unser Tisens gemeint, doch jüngst sprachen sich zwei Forscher gegen diese Ansicht 
aus. (Script, rer. Langob. et Ital. HO f. A. Huber, Beiträge zur älteren Geschichte 
Oesterreichs in den Mittheilungen des Instituts für ästen: Geschichtsforschung 2, 
368 f.). Tirol. Bot. 1882 Ext. Beil. n. 177. Wenn dieser Ort dann nicht mehr 
bis zum Jahre 1194 (Font. rer. austr, 5, 125) ertvähnt wird, so könnte darati 
wohl der Umstand schuld sein, dass in dieser Gegend keine oder wenigstens nicht 
bedeutendere Besitzungen älterei' Klöster vorkommen. Von den tirolischen Orden 
erlangte der Deutsche daselbst Güter; ein Pfarrer von Tisens wird zum erstenmal 
1242 (Bonnelli, Notiz. 3, 346) ausdrücklich genannt; sicherlich reicht aber die 
Pfarre nicht bloss ins 13. Jahrhundert zurück, wie aus obericähnter Urkunde zu 
schliessen ist, sondern in eine noch viel frühere Zeit. 

Die Ortschaft Völlan, welche zu dem Gerichte Tisens aber zur Pfarre Lana 
gehört, scheint ihrem Namen nach, der wohl auch romanisch, gleichfalls alt zu 
sein; doch ist derselbe bisher in altem Urkunden nicht za finden gewesen; für die 
ältesten Stiftungsgüter der dortigen Curatiekirche werden die aus den Jahren 1580 
und 1583 angesehen; Burglechnet' kennt die St. Severinkirche von Völlan bereits 
und gedenkt ihrer Zugehörigkeit zur Pfarre Lana (ih, 3, 4, 1048). 



TUens. 167 

Es ist zu wissen, das ain krieg und ain anstoß gewesen ist zwischen 
der edl leit auf Tieens und der zwaier dörfer Tisens und Prissan und von 
der gmain wegen des holz Marti ggl und von Grämald wegen des holz 
and von der Pässan wegen des holz. Des wurden sie mitainander yber- 
ain, das si solten nemen sechs piderman, zween edlmann und zween mann 5 
aus den dorf zu Tisens und zween mann aus den dorf zu Prissan, da 
solt es fir die sechs komen, all ir stöss und handlung, und sollen auch 
verhören, wie es von alter herkomen ist, und wie es die sechs schicken 
und handleten, da soll es firpass bleiben. Da namen si des ersten herrn 
Bartlmee den Vinckhlehen auf Kazenzungen und herrn Ulrich Werburg, 10 
und haben genomen auss den dorf zu Tisens Ulrich den Prenleder und 
Ulrich auf den Marth. So haben si zu Prissan aus den dorf Canrat den 
Stauder und den Erbein. Also sasaen die obgeschribnen sechs zu ainander 
und verhörten alle kunlschaft und recht, wie es von alter herkomen 
wart. Da si alle recht verhört beten, da hueben si an und machten das 15 
ausfindig : 

Das holz in Martiggl soll ligon in ainer post, unzt das sein not ist, 
das mans auf soll thuen mit der gmainschaft willen und wort, als oben 
geschriben steet. Darzue haben si erfunden, das man alzeit ain edlman 
daryber soll sezen zu ainen pfleger, also ist es vormallen auch herkomen. 20 

Auch haben si mer erfunden, wie sein ain pfleger firpaß bieten soll 
und auch niemant in dem holz lassen schlagen. Wer ain paum nider 
schlieg, den mindesten als den maisten, und war es ain zweig nur ainer 
clafter lang, wer das nider schlieg, edl oder unedl, der kumbt alzeit von 
ieden stamb umb finf pfunt, und wer ain grienen ast nider zert, ain pfunt. 25 

[War], das ain sautreiber hinein trib, den mag ain pfleger wol pfenten, 
iedliches haubt umb ain kreizer, ohn des pflegers will. 

So mag ain pfleger wol erlauben, ob er will, acht tag, der es hiroben 
Verkaufen will, auf dem perg. Die obgoschribne peen gehört ainem pfleger 
besonder an, der da pfleger ist. 30 

Auch hat der pfleger das recht, das er alle jar ain zimbliohe aichen 
tiimbt, wer der pfleger ist, zu weichnechten, und soll auch geben unser 
brauen zu liechtmessen ain zimbliche aichen, das man kerzen damit mache, 
alle jar. 

Und soll auch in den widen zu weichnechten, das man die stuben 35 
mit wärm, ain dürre aichen geben, ob er si der pfarrer feilet, wer sein 
begert, das der sich in den widen wärmet nach der metten. Edl und 
unedl aber soll der pfleger geben mit der zwaier dorfmaister rath auf 
weg und auf steg in dem gericht auf Tisens, wenn sein notturft ist, 
und die öst, die sein von demselben stamen der dorfmaister; war aber, das 40 
ainer oder zween verprunnen, so mag der pfleger wol geben ainem zwai 
seulen oder drei, und die öst sollen der dorfmaister sein zu Tisens und 
Prissan. 

Ob ain zechen aichen nider fielen oder zwelfe, die mag der wol 
nemben; was stäm guet wären, die soll er lassen ligen zu den wegen, und 45 
was also ainlicher aichen niderfielen, wenn ir mer niderfielen, als oben ge- 
schriben steet, die sol man thaileu denen, die zu derselben post gehören, 
und die gueten stämb sol man alzeit Inssen ligen zu den wegen. Das 



168 Visen», 

laub und was ab den panmben feilt, das sollen die niessen, die zu der pos 
gehören. 

Mer haben si erfunden, das si zu Tisens aus den dorf Ire schweii 
nicht sollen bieten vor St. Antonien herab; so sollen auch Prissaner nichi 

5 bieten fir St. Antonien hinauf auch ire schwein, und das gemerk geei 
von St. Antonien hiniber bei dem hochen kofl, da soll man ain kreiz 
machen in ainen stain ; zwischen den gemerk sollen si bieten alles ir rieb 
yberall ohn geverd, und die edlen sollen bieten irs vichs yberall. Wenn 
sein notturft ist, bis das man das holz wirdt dürfen, so soll der pfleger 

10 und die zween dorfmaister vier zu inen nemen aus den zwaien dörfem 
und ain edlmann, und sollens treilich tailen, iederman nach sein statten, 
nach iren rat. 

So soll auch der pfleger in ieden dorf ain saltner haben, die da im 
helfen aufwarten, das man aus dem holz nicht tragen soll, und wen (sie] 

15 sovil dürri öst, was ab den päumen feit. 

So haben wier mer ausfindig gemacht umb das pannholz Gramald 
das es auch in einer post soll ligen den edlen und beeden dörfem Tisen.« 
und Frissan, und wenn man sein darf, so soll maus auf thuen mit dei 
gmainschaft willen und wort, als oben geschriben steet. 

20 Mer haben wier erfunden, wer daweil dinnen schlueg, der wer kumbei 

umb ain post. Wer ain fueder fiert mit ainem wagen, der wer kumbei 
umb finf pfunt; wer den schab schlieg, der wer komen von iedem schal 
umb drei kreizer. Wellicher edlman pfleger ist dem Martickl, der sol 
auch pfleger sein des Gramald des holz, mitsamt der zwaier dorfmaistei 

25 Tisens und Prissan, oder wer dorfmaister ist. Wer das also yberfier voi 
des holz Gramald wegen, da soll der pfleger, oder wer pfleger ist, oder wei 
dorfmaister ist in den zwaien dörfern, umb pfenten, und die peen die sol 
man vertrinken mit den edlen und mit der gmain, die zu der post gehören 
als oben geschriben steet. Wenn man das panholz auf thuet, wenn seil 

30 notturft ist mit der edlen willen und mit der gmain, die darzue gehörn 
das soll mau treilich thailen, als vil ain höfer schlecht. 

So soll ain dorfmaister umb ain man mer schlagen, und als vil aii 
dorfmaister schlecht, und als vil sol ain ieder edlmann auch schlachen 
als vil ain höfer schlecht, als vil sollen zween halbhöfer schlachen ; als vi 

35 ain halbhöfer schlecht, als vil sollen zween saltner schlachen. 

Ehe das man das hplz auf thuet, so sol man yberain werden, wi< 
man das auf soll thuen, das ieden sein gleicher thail werd, als oben ge- 
schriben steet, und die edlen und die dorfmaister sollen ain tag vor schla 
chen, ob si wollen, wie es angelait wirdt, und die waid sollen si all rai 

40 ainander niessen, die in derselben post sein. 

Aber haben wier erfunden von der Bassan wec:en, dasselb soll aucl 
ligen in ainor molten des dorfs Prissan und der odl leit, die da umb sitzen 
das seint die auf Kazenzungen undWcrburg, und die V'all- und Greinnecl 
und Parthauig und sonst, was edlleit sitzen in dem dorf ze Prissan, unc 

45 die sechs höf, die da ligen unter Werburg und ob Werburg, die gehöri 
auch in alle molten, auch wer darin schlüeg, edl oder unedl, der wä: 
verfallen umb ain post, ain fueder finf pfunt, ain schab drei kreizer, wai 
ausgenomen dachwid und pesen, ainer in sein haus, und jochwid un( 



TUen», 1 69 

^treiser, dieselben das mag man daraus nemen ohngeverd, der sein darf, 
der in derselben molten ist. 

Her haben si erfunden, das der rechten herrn ainer da zu Werburg 
alweg soll zuesechen, damit es bleib bei alter gwohnheit, und sollen dem 
Teltsaltner entpfelchen, das der auch zueseche, was der säch tragen, heraus 5 
fieren oder tragen, das soll er melden dem herrn, der da zuesecher ist, und 
dem dorfmaister ; also ist es herkomen mit alter gwohnheit, das es der 
laltner soll thuen. 

Mer haben si erfunden, wer in der Bassan schlieg, edl oder unedl, 
auf ain fueder finf pfunt, ain schab drei kreizer, und soll die post halbe 10 
»ein der herrn von Werburg und des dorfmaisters zu Prissan, und die 
ander halbe post die soll sein der, die in derselben post seint; die sollen si 
mit ainander vertrinken, und sollen auch das holz aufthuen, wenn sein 
notturft ist, das treulich thaileu mit ainander, die in derselben molten seint, 
ohngeverd. 15 

Mer haben wir erfunden, das die herrn von Werburg und die herrn 
von Eazenzungen albeg der pruggen pfleger sollen sein da zu Prissan; 
wenn die nit guet wäre, so sollens den zween dorfmaistern zuesprechen 
zu Tisens und Prissan, damit das die pruggen bleibe in gueter pflicht, 
damit das iederman versorgt sei. Ob si desselben nicht tätten, wo die ob- 20 
geachribnen herrn von den zwaien heisern, wo die pruggen zu nicht wäre, 
da sollen sis abwerfen, damit das niemand schadhaft wurd, damit das si 
darzue reden, das diefirpaß alzeit schleinigklicher gemacht werd ; wo es den 
zwaien dorfmaistern zu schwär wäre, da selten si inen beholfen sein. 
Also ist es von alter herkomen. Und soll auch die gmainschaft nicht 25 
handlen ohn der edl leit rath, es war mit dem dorfrechten oder sonst. 

Mer haben wir erfunden, das nun firpaß der Martiggl und Gramald, 

und auch Bassan alweg in post und in molten bleiben sollen nun firpaß, 

und wenn man ains unter denen dreien auf thät, so soll maus in der jars- 

frist wider legen in die post, also ist es von alter herkomen. Also haben 30 

wir das ausfindig gemacht, was oben geschriben steet, als uns die edlen 

und die zwai obgeschribnen dörfer darzue gepeten haben, wann wir haben 

alle alte recht gehört. Also haben wir das ausfindig gemacht, das es firpaß 

also bleiben soll, damit das es firpaß gehalten werde, und den brief soll 

stattig ain edlmann behalten, der in derselben molten ist^ als oben ge- 35 

schriben steet. Wederes dorf des briefs ain abschrift begert, dem soll 

mans geben. Also haben wir das ausfindig gemacht, was oben geschriben 

steet, das das nun firpaß behalten sei, das mindist, als das malst, beipen finf 

mark, wer das präch oder nicht hielt. Da sol die pen gefallen halbe 

unser Frauen zu Tisens, und halbe zu Sanct Antonigen, da sollen die 40 

kirchpröbst sein. Wer das yberfier, dem soll der pfieger und der ander 

thail den kirchbrobsten darinnen beholfen sein. Ob die penn geviel aber 

nicht, so soll doch die täding und diser sprach alzeit bei kraft und bei 

macht bleiben, als oben geschriben steet. Also haben die edlen und die 

zwai dörfer Tisens und Prissan alle gepeten, als oben geschriben steet, 46 

Herrn Bartlmee den Vinckhen, das zu ainer urkunt der warheit und be- 

Btätigung aller obgeschribnen sach, das er sein insigl an disen brief hat 

gehengt, im und sein erben ohne schaden. Des seint gezeugen Uelrich der 



1 70 Ti$ena. Mayenhurg, 

Stainman, Nicl. Schär, Bortlein ob der wisen, Thold von ChafFrild, Hain^ 
der redermacher, Ulrich von Carnol und der Riepl der Oxenpichler, 
diener herrn Bartlmee des Vinckhen. Das ist geschechen, da man zeit nach 
Christus geburt dreizechenhundert jähr und in vierundsechzigisten jähr, 
5 an sanct Oswalts tag. Und so aber ich obgemelter Sigmunt Hall, doctor 
etc., dise abschrift gegen den rechten original- oder haubtbriefe, wellicher 
dan an pergamen, schrift und insigl ganz unversert oder unvermailigi 
ist, gar aigentlich mit allen vleiß collationiert, ybersöchen, yberlesen und 
also gleichlautend befunden, so hab ich darauf hin zu beglaubwirdigung 

10 diser abschrift von obrigkeit wegen mein aigen angebom insigl, doch mir, 
mein erben und insigl ohne schaden, öffentlich hieran thuen hengen und 
iedem dorfmaister aine also verfertiget zuegestelt. Geschechen zu Tisens 
am sanct Sebastians des heiligen marterers tag nach Christi, unsers lieben 
herrn und seeligmachers , geburde im finfzechenhundert achtundvier- 

15 zigisten jähr. 



20. Mayenburg. 

Nach einer Abachriß aiut dem Anfange des 17. Jahrh., die »ich im Fahlburger Archiv befindet ^ mit- 

gethcilt von Herrn Anton Oraf von Brandia. 

(1315.) 

20 Vermerkt die abschrift des alten urbars-puech auf Mayenburg, das 

in allen ehaftädigungen zu Tisens fürtragen und verlesen wirdet. 

Item bei herrn Diepolten dem Hallen seint vermerkt die hie nach- 
beschribnen recht in ehaftädigung, da man zölt hat MIIIC. und in den 
XV. jähr, seint gemelt umb kalch, daß den niemant soll prennen auf der 
25 gmain, den man auß dem gericht geben will, auch kain holz auß der 
gmain nicht darzu nemen, bei der alten post zu behalten, wer auf den 
seinen prent. 

Item schlais-holz soll ligen ain jähr und ain monat sicher, bei der 
peen das fueder V &, perner, nach der zeit soll es gmain sein. 
30 Auch soll niemant füehm aus der gmain über 5 holzer, bei der ob- 

geschribnen peen. 

Item, wer den andern ain plock an die sag fiohrt, und wirdet ver- 
botten, soll es die weil stil ligen, unzt es außkombt; die peen, wer da» 
thuet, V & perner. 
35 Item, stocken, taufen, röder-holz soll niemant auß dem gericht fiehrn, 

noch göben; wer das thuet, die pen IV // perner, zu behalten, was ainer 
auf dem seinen nimbt. 

Item Puechor, Syrmiäuer seint nicht umb das holz in der post. 
Item umb den weg in dem thal, soll alles gericht helfen machen, 
40 auch soUn die aidschwörer darbei sein, außgenomen Platzerer. 

Auch sollen die aidschwörer gwalt haben, die leut auf allen weg 
zu machen zwingen, zu arbaitcn, mit pfenten und mit schlögeh, ongeverd, 
und wer sich von ihnen wört, der ist völlig zwirfeltig peen ohne gnad. 



Mayenhurg. J71 

Item, wer die wälder anzindet oder die gmain prent, die peen VII it 
perner ohne gnad. 

Item, waltholz soll sicher, alle weil es in dem walt ligt. 

Item, wer plöckor schlägt und nicht gehuebt ist, und hilft auch nit 
«teeg und weg machen, der soll das holz verlorn haben und gmain sein; 5 
wer das den andern übertrügt, die peen V Äf perner. 

Item, wer hiener oder hasen scheußt, die peen IV <fi perner 
ohne gnad. 

Item, wer wein schenkt, der soll die geschworn maß haben, als von 
alter recht ist. 10 

Item, die leitgeben sollen kainen aufsein gwant porgen, noch ab- 
ziechen, was ihme der gürtl umbfacht, die peen V (t( perner. 

Item, was Platzer holz schlagen auf Mayenburg, das soll alwegen 
sicher ligen; wer das hin fieri, die peen V <U perner. 

Item die mair in den mairhöfen, die den herrn von Weingarten an- 15 
gehern, sollen im gericht recht geben und nomen umb alle sach, an umb 
urbar, das die höf antrifft, wan si die gmain. 

Mehr umb lötter und freihart, die den leuten in ihre heuser geent 
über ihren willen, die die leut umb gab nötten wollen, da soll ain nach- 
paur dem andern zutretten und dem andern helfen, bei der peen V ^ 20 
perner, und geschieht es nott, hant anzulegen, vachen oder schlagen, gegen 
den gericht ohne schaden. 

Die miliner sollen rechte mueß nemen. 

Item umb weg, die verrunst werden, wirdet der dorfmaister ge- 
potten von dem gericht, der soll es auch den andern dorfmaistern also 25 
biethen, und ieden menschen bei ainem // perner, den ersten dorfmaistern 
iiigl. und die andern Viüi gehörend die aidschwörer, [die] darbei sein sollen. 

Item, die gehäger räumen soll ieder vor seinen gehert, bei der peen 
V it perner. 

Item, wer ainen außdingt oder sich aines andern guets underwindet, 30 
die recht peen L €1 perner ohne gnad. ' 

Item, die wisen zu Nals sollen Tisner, als von alter herkomen ist, 
mähen, rehn und auf nemen und auf das haus Mayenburg fiehrn, so vil 
und man heul und wein bedarf auf dem haus. 

Item der pfarrer auf Tiseus gibt alle jähr jährlich xxx star roggen 35 
und xxx star gersten vogtei. 

Item auch Tisner sollen haben drei aidschwörer, die sollen sarablen 
und geben jahrlichen dreihundert mut fuetter und finfundneunzig hiener, 
vierundzwainzig hundert air, und x mark kuchensteur und neun pennen 
rueben, und sollen die air gefallen halbe zu ostern und halbe zu sanct 40 
Martins tag, zu behalten abgangs. 

Item auch sollen Tisner geben alles zimerholz, was man des bedarf 
auf dem haus Mayenburg. 

Notta, abgang der drei aidschwörer. 

Item abgang den aidschwörorn in Tisner dritl 42 mutt und 2 kleine 45 
stÄr TOgtfatter, summa der pfenning 52 <tty minder iii zehn(?), als wei- 



172 Mayenhurg, Vollan, 

lant ain pächter die aidschwörer yerraitt hat. Anno domini etc. ek. 

Lxxxxiii jähre. 

Grissaner dritl 14 mut vogtfutter, an pfenning 6 &, 
Narauner dritl 19 mut vogtfutter, pfenning gilt 6 perner, minder 
5 2 gl., dann auf &t. Galli 16 cappen, und auch kraut Jetten, letsten und 

abschneiden. 

Gerichtsdienst auf Mayenhurg. 

Item feurholz, das sollen Gereutter und Gallner schlagen über jähr, 
wan man des bedarf, und auch zu weg treiben. 
10 Item tagwerchen, ackern, pauen, misten, körn schneiden und 

tröschen, was umb das haus Mayenhurg gelegen ist, sollen Gereutter und 
Gallner thuen, der höf seint xxv, die das thuen sollen. 

Item, kom pauen, mist auffieren und kom auf das haus fiehrn, was 

zu dem haus gehört, auch das feurholz auf Mayenhurg fiehrn sollen sechs 

15 höf auf Völlan zu thuen, dergleichen die stocken in dem Ladpach nemen 

und auf das haus fiehrn, auch sollen si füroxen geben von Grieß herauf. 

Item auch soll iedor hof auf Platzers jährlich geben zu st. Jacobs 

tag XV und pachholz, was man des bedarf, auch die techer auf Mayen- 

burg decken, wenn si der aidschwörer wissen lasst, und sollen auch darzu 

20 göben sechshundert zaunstecken. 

(Folgt das namentliche Verzeichniß der von den einzelnen Höfen 
zu verabreichenden Giebigkciten an Bohnen, Hafer, Eier, Kraut, Tag- 
werken etc.) 



21. Vö 



PapierhdM. aus dem Ende de» 17. JidirhunderU im Fahlburgcr Archiv, vUt^eiheill von Herrn Anton 

tlraf von Briindi». 

Völlaner Gemeindebrief. 

1473. 

25 Ich Hans Friesinger, gesessen von Märling und die zeit richter zum 

Stain unter Lewenberg, anstat und mit vollen gwalt des edl gestrengen 
ritter herrn ChristophcMi Botsch von Zwineburg und gerichtsherr des er- 
melton gerichts zum Stain, meines herrn, bekenne und thuen kunt aller- 
monigclich mit disem offen briefo, daß zu mir komben sint die erbarn 

30 weisen Daniel Roch, gesessen auf Völlan zu l/iiner pfarr, der fir sich und 
als die zeit dorfmaister anstatt der ganzen gmaiu auf Völlan, Ulrich Pla- 
teider, Ulrich Taubenhamer, Martin Hofor, Xiigele, Ulrich Oberlechner, 
Hainrich Lochmann, Hans Vollgor und Niclaus Meixner, die all auch als 
nachpern, und gesessen auf Völlan, und gaben mir zu bekennen, wie si 

35 etwas zwispal wären von wegen iren dörflichen rechten, daß si die nicht 
geschriftlich beten, und die eltisten etlich mit tott abgangen wären, und 
etlich aus der gemainschaft gezogen wären, darumb ire notturft were, von 



Völlan. 1 73 

denselbigen eltisten, so auss der geroain gezogen wären, umb dieselben 
dörflichen recht kun tschaft zu nemben, und rueffen mich darauf an, durch 
göttliches rechten willen, daß ich ihnen dieselbigen hienach geschribnen 
knntschaften aufneme, verhöre, und unter gericht-insigl verschribner geben 
wolte, ihnen das £r sich selbs und anstat der ganzen gmain auf Völlan, 5 
stalt darauf fir mir und die hernachsohribnen gezeuigen die erbam und 
weisen Hans Majr auf der mihi, Hansen Khirchtaller und Heinrichen 
Runggegler, die all drei gesessen und wesentlich zu Länna und zu Länner 
pfarr, von der nachgeschribnen sachen wegen, den allen und ieden, insonder- 
heit sprach ich obgemelter richter von gerichts wegen zu, ain Wahrheit 10 
ze sagen, wes sich dan die bemelter gmainschaft umb kuntschaften an si 
zugen und das nicht ließen weder durch lieb, laid, mit gab, freintschaft, 
feinUchaft, durch aigens nuz willen, noch durch kainer andern geferlich 
sadi willen, so sich iemant erdenken kunt oder mechte, sondern als si ire 
recht zu got und zu den heiligen darumb thuen wellend und gott darumb 15 
am jüngsten tag verantworten wellend. Darauf haben die obgemelten 
Hans Majr und Hans Khirchtaller, auch Heinrich Runggegler alle drei 
ainhelligclich gesagt und bekeut, inen seie war, kunt und wol wissentlich, 
daß ain alter man ab Gäll, genant Göber, vermeldet die dörflichen recht 
auf Völlan, wie man die von alter her gehalten hat, und seit her ge- 20 
Wesen sein. 

Am ersten, wann ainem nachparn vich zu schaden gieng oder schaden 
tat, es sei in Weingärten, äcker, wisen oder gärten, das der nachpaur den 
schaden nit meint ze ligen lassen, so soll er zu ainem dorfmaister gehen, 
Tind derselbig dorfmaister ellich nachperen, als vil er will oder gehaben 25 
mag, zu im nemben solle und den schaden beschauen und schäzen, und 
wie das dann der dorfmaister und die nachparn mit im richten und be- 
! schäzen, dabei soll es bleiben. 

I Mer, wann ainer den andern yberfuer in sein märchen, marchstain 

oder sonst yber gemerch, und dariber farn war, der soll aber zu dem dorf- 30 
maister geen und umb anlaitung anruefen. Da solle der dorfmaister die 
gmain darzue pieten lassen und baiden thailen ain anlait verkinden; wer 
<iaDn seines grundherrn darzue beger, der soll den wissen lassen; wie das 
dann der dorfmaister mit der gmain rieht und macht, dabei soll es bleiben, 
Vorbehalten meiner gnedigen herrechaft irer gerechtigkeit, ob die icht da 35 
haben gölte, und wellen zu der anlait gepoten wirt und nit kam, der soll 
nmb drei kreizer gepfendt werden. Wellich tail dann der anlaitung nicht 
nach möcht kemen, der soll vor dem dorfmaister drei tag ab wissen lassen, 
«0 gee im kein schad darauf; ob er das nit thät, wellicher thail dan der 
anlaitung nicht nach kam, der soll aussrichten und bezahlen alle die 40 
whäden, so daryber gangen seint auf den tag. 

Mer, wan zu Zeiten kumbt, dass das mad aufgethan wirdt, oder wo 
man anfacht zu mänen hieniden zu Lünen, so soll er dorfmaister allen 
den gepieten, die gieter bei den wegen haben, dass dieselben die weg vor 
iren gietern räumen, bei ainen pfunt perner peen, in acht tagen. Wel- 45 
lieber dasselbige yberfuer, dass klag yber ihn kam, der soll umb das pfunt 
perner gestraft werden, und gebirt dieselbige peen der drite thail dem 
dorfmaister, und die zwai thail der gmain. Und wann man die gmain 



174 Vöüan, 

weg herab am Gries machen soll, so soll die gemain an der gassen zusambe 
komen und an der Flaten anfachen zu machen herab an Gries, und wan 
si herab geen Obermößl kemen, so sollen die Mößler, die ober- und d( 
unter Mößler, Maußlocher, Runggegler, der vorder und der hinter, d( 
5 Wäldele und der Pichler herab helfen machen unzt an Gries, und de 
andern weg an, und den andern weg auf Gäll sollen si anfachen mache 
zu dem Nägelein und hinauf machen auf Gäll. Ob aber der weg so va 
abgangen war, das Völlner den ains tags nicht gemachen mechten, so solle 
si den weg vor beschauen, und drei tag vor, als man machen wirdet, d 

10 gemain zu Oberlänen wissen lassen, das sie den weg helfen machen, ui 
mit wie vil sie helfen sollen. Und den weg geen Rößen solle man anfach( 
machen zu Kobaldt, und wann man die hoffueren wolle auf Mayenbur 
so sollen die, so dieselben weg versorgen sollen, dieses thuen, damit d 
hoffurer nicht abgeng werden. Dann umb den weg geen Kofelen, soll 

15 alle VöUaner helfen machen, ausgenomben Gällner nit. 

Mer von des holz wegen. Ain perg, genant der Molperg, wann mi 
den auftuen welle, so solle das holz, das auf Mayenburg gehört, zu st. Ms 
tins tag albeg bereit sein, und mag man den perg nach sanct Martins t 
auftuen, wan si wellen. So solle ain dorfmaister vor mit drei oder vi 

20 nachparen hinauf geen und das holz beschauen. Seie holz, dass das schlc 
Mayenburg kein mangl hab, so mag man das ganze holz ausgeben; • 
aber mangl an dem holz war, so soll nur halbes holz ausgeben werde 
und sei das ganze holz, ainem dorfmaister drei fueder voraus, und aine 
umbsager auch drei fueder voraus, und darnach iedem höfer zwelf fuede 

25 iedem halbhöfer sechs fueder und ainem söldner drei fueder, und solle d 
perg o£fen sein unzt auf st. Görgen, und die raumung drei tag vor od 
nach ungevärlich. Wer sich die weil saumbt und sein holz nicht an a 
ort oder heim biet, der hab den schaden und solle keiner lenger in xii 
ligen lassen, dann drei tag. Ob er das lenger ligen Hess, kam dann d 

30 richter-holz darunter, so ist demselben sein holz verlorn. Und wellich 
mer schlacht, dann sein holz, es sei pirchen, aichcn, puechcn oder ande 
die weil der perg offen ist, so soll er von iedem fueder der [gmain] verfall 
sein ain pfunt perner. Und nach st. Georgen tag, wenn der perg zue i 
so soll die peen von iedem fueder sein finf pfunt perner, und soll allw 

3Ö von ainem dorfmaister und drei oder vier nachperen, die er zu ihm nim 
beschaut werden. Aber lärchen-, tannen-, feichten- und aspenholz s 
offen und gmain sein, das ganz jar zu schlachen. Und ob ain dorfmais 
der punct ainen oder mer yberfuer, der soll der gemain darumb verfall 
sein finf pfunt perner auf gnad, als oft das bescheche. Und wann ( 

40 dorfmaister zu der gmain oder zu der gmain arbeit pietet, wellicher da 
nicht kumbt, unzt umb sunn-auf, so soll er umb die peen drei kreii 
verfallen sein. Ob er darnach kam, so soll er dannocht die peen verfall 
sein. Und gebiert dem dorfmaister zu ybersechen zween knecht und d« 
umbsager ain knecht, und wann man ainen pfenten wolle, so soll c 

45 dorfmaister der ganzen gmain darzue picten, und wellicher nit kam u 
nit gieng, der soll auch die peen drei kreizer verfallen sein. Und, w 
man ainen pfenten well und fir sein haus kam, well derselbig der gmi 
und [dem] dorfmaister wein, kääs und prot fir die peen der drei krei: 



röUan. MöUen. 175 

geben, so soll man das von ihm nemen ; wolt er das nit thuen, so mag man 
die pfant vertrinken) in wellichem gericht si wellen, es sei im gericht zum 
Stain oder in gericht Maycnburg. Und gedenkt der benant Kirchtaller des 
io dermassen ab dreissig Jahren uugeverlich) so gedenken die benanten 
Hans Mayr und Heinrich Huuggegl, ieder ob vierzig jaren ungeverlich, und 5 
das den gemelten firgestelton gezeuigen allen dreien, Hansen Kirchtaller, 
Hansen Mayr und Heinreichen Runggegler sollich ir vorgeschriben sagen 
und bekanntnus war, kunt und wol wissentlich seie. Darumben so haben 
si die all drei bestät, als recht ist, doch zu behalten all ander steg und weg, 
auch, ob mer punct warn, die zu den dörflichen rechten gehörten, das solle 10 
in disen kuntschaften unabgesch lagen sein, und den piten gezeuigen an 
Iren glimpfen und aid unvergriffen, und haben darauf die bemelten ge- 
zeuigen ir ieder in sunderheit darumb ain gestabten aid zu gott und den 
heiligen geschworn mit aufgereckten fingern. Mit urkunt des briefs, den 
ich obgemelter richter von gerichts wegen und anstat des bemelten meines 16 
herm den obgemelten dorfmaister und uachpern anstat der ganzen gmain 
auf Völlan darumb gib versiglt mit meinen aigneu anhangenden insigl, das 
ich daran angehengt hab, doch mir und mein erben on allen schaden. Des 
obgeschriben bekennen und schwörn seiut zeuigen die erbarn weisen Philipp 
von Stetner, Prändtl, Hans Weigandt und Niclaus Franpoth, die all in 20 
Länener pfarr gesessen, und mer erbare leit. Beschechen zu Lännen, als man 
zeit nach Christi geburt im vierzechenhundert und darnach in dem drei und 
sibenzigisten jar. 



22. Malten.*) 

Papierhandschr. Or. 4. v, J. 1736, im Besitze des Um. Phü. Nub in Bozen. 

I. 

Satzung des gerichts Melten. 

Wir Ferdinand, von gottes gnaden erzherzog zu Österreich, herzog zu 25 
Burgunt, Brabant, Steyr, Kärnten, Crain, Lizenburg und Wirtenberg, first 

*) Der kleine Gerichtshezirk Mölien^ der mit der gleichnamigen Gemeinde 
tick deckte, wurde von dem Landgerichte Meran^ den Gerichten Neuhaus^ Jene- 
*«i, Wangen und Sarnthal, sowie von den kleinen Gerichtsbezirken Burgstall und 
Gargazonj Flaaa und Campidd umschlossen. Der avf demselben Bergrücken ge- 
legene Bezirk von Flaas und Campidel gehörte bis zum Jahre 1272 dazu und da» 
dfenfalU daselbst liegende Gericht Jenesien^ sowie Burgstally bildete später in der 
Segel mit ihm, da deren Inhaber meist die Besitzei- des Schlosses Greifenstein 
toaren, die Herrschaft Greifenstein (Burglechner .?, 4, 1059). Obwohl in ältester 
Zeit mit den andern genannten Gerichten zur Grafschaft NorUhal (Hormayr, Bei' 
träge 2, 20) und dann zur Grafschaft Bozen gehöi-ig., erscheint Malten doch mU 
BurgstcUl und Gargazon im Anfange des 16. Jahrhunderts als Bestandtheil des 
Bwggrafenamtes (Brandis Landes -Hauptleute 445), So naheliegend die Vereini- 
gung einiger dieser Gerichte in der Hand der Herren von Greifenstein ist, so sehr 
fiUU die Entstehung solch kleiner Bezirke auf zu dei' wohl nur die Politik der 
Grafen von Tirol, den Bischöfen von Trient und den Grafen von Eppan Stück 
Stück listig abzugewinnen, ehe sie es sich recht versahen, den Schlüssel bietet. 



176 MöUen. 

zu Schwaben, margray dos h. römischen reichs zu Burgau, gefirster gi 
zu Haabspurg, Tyrol, Pfirt, Kiburg und Gerz, lantgri^e in Elsass, h« 



Einst im Besitze des gcmzen Bergrückena bis zum Qargazoner- oder Ascfderhi 
und zur Ifinger-SpUze, über den sie ala Qrofen von Bozen, auch die Orq/»chaj 
rechte übten, mtusten die Eppaner, bald nach dem Verluste der Grafschafi, 
Jahre 118t auch das Schloss Qreifenstein, von dem, ein Zweig sich nannte, an c 
Bischof Salomo von Trient verkaufen (Cod, Wang n. 14 in Font. rer. austr. 5 B 
und nach kurzer Zeit sahen sie sich nicht nur um alle Jurisdictionsrechte, sondern at 
um alle Eigenthumsrechte in dieser Gegend gebracht, aber fast ebenso auch die Bisch 
von Trient. Denn da letztere die Grafen von Tirol mit einem Theil der Grafschi 
Bozen belehnten, so gaben sie diesen hiedurch Veranlcusung, ihre Macht auf Kost 
des Bisthums immer weiter auszubreiten. Hdben sie vielleicht den Bezirk Mol 
sofort von den Bischöfen bekommen, so war bereits Albert III. auch schon im J 
sitze des Gerichts Jenesien (Bibl. tirol. D. n, 1331 f. 90 Ms.) und Meinhctrd 
wusste Greifenstein von den Herren von Greifenstein, die die Bischöfe von Tri 
damit belehnt hatten (J. RÖggel, das Schloss Greifenstein und dessen Besitzer 
„Beiträge zur Geschichte etc. von Tirol und Voralberg** 4, 245) zu erwerben (B\ 
tirol. D. n. 227 f. 5. 6.) und ausserdem noch viele andere Besitzungen in den 
nannten Gerichten. Trotz aller Anstrengungen konnten die Bischöfe die Herrsch 
Greifenstein nicht m^hr in ihre Hände bringen und bald gerieth auch ilire Lehe 
hoheit immer mehr in Vei'gessenheit. Infolge dieser stückweisen Erwerbung w 
löste sich die Gastaldie Greifenstein (Codex Wangianus in Font, 5, 607), die c 
ganzen Bergrücken umfasst haben mag, zunächst in die zwei Betirke Motten a 
Jenesien auf, im engen Anschlüsse an die beiden alten Pfarren gleichen Namt 
und einen dritten Bezirk schuf Meinhard II., indem er den Leuten von F^aas v 
Campidel einen eigenen Richter, selbst für Mal^sachen, gewährte (S. Seite 18 
Das kleine Gericht Burgstall ist wohl dem mächtigen Volkmar von Burgstall 
Gefallen von Mölten abgelöst worden, da es zu seiner Zeit, in der ersten Hälfte • 
14, Jahrhunderts, zuerst auftaucht und im engsten Zusammenhange mit der glei 
riaviigen Burg erscheint (Tirol. Arch. 2, 139 f.). Ganz dunklen Ursprungs ist < 
nur aus zwölf Höfen und einem Lehen bestehende Gericht Gargazon, das seit d 
Anfange des 17. Jahrhunderts dem Kellenamte von Meran einverleibt erscJu 
(Burglechner 3, 4, 1060). 

Im späteren Mittelalter lag das Gericht Mölten in sehr verschiedenen Hand 
So besassen es, bald als Pflege, bald als Pfand im 14. Jahrhundert nacheinam 
Heinrich von Schenna (Schönachs Urkunden), Volkmar von Burgstall (Tirol. Arch 
139 f), Gehhard Kamer (Freiberg, Ludw. d. Brdbgr. 169), Margaretha MauUasch, Fi 
drich von Greifenstein und Rudolf Lassberger (A. Huber, Vereinigung Nrn. 129. 2 
338. Schatzarch. Rep. 2, 62. 62; Lichnowsky 6. Bd., n. 2272b), im 16. Jahrhunä 
Hans Graf von Luj)fen, Leonhard von Weineck, Martin Nidegger, Hans Kr 
und Berth. Kassier (Schatz- Ar chivs-Bepertorium 2, 120. 594. 607. 620; 5, 
1190. 1191.). War früher Mölten meist nur mit Burgstall verbunden, so verei 
Kassier damit St. Jenesien und Schloss Greifenstein um den Pfandschilling von 84 Oi 
und ebenso im Anfange des 16. Jahrhunderts Hans Fieger von Melans, Nicoh 
von Trautmannsdorf um den Pfandschilling von 9000 fl. (ib. 2, 321. Burglechner 
1276; 3, 1, 230). Diese Vereinigung dauerte wahrscheinlich durch den weit* 
Verlauf des 16. Jahrhunderts, wo sie als Pflege des Ihm. Blasius Khuen v, Bela 
Christof Maminger und Ulrich Ilohenhauser erscheinen (Wolkensteins Chro' 
14. Bell. f. 168), und durch die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts fort, bis It 
Wilhelm Ilohenhausers Söhne Uriel und Ehrenreich Schloss und Herrschaft Greif 
stein als Mannslehen erwarben (Staffier 2, 939). Nachdem aber diese ihre He 
Hchaft getheilty gieng Uriels Antheif, die Gerichte Mölten und Jenesien mit < 
Hälfte des Schlosses, durch Kauf zuerst an die Gei'ardi von Castello und da\ 
am 26. Juli 1667 um 7300 fl., an Graf Joh. Vom. Wolkenstein über^ währt 
Khrenreichs Antheil die Grafen v. Spaur 1704 ankauften (Staffier ib. Bibl, tii 
V. n. 992, V. Ms.). Wie die Spaur Burgstall, so behaupteten die Wolkenst 
Mölten und Jenesien bis in unser Jahrhundert. Durch die baierische Verordni 
vom 21. Nov, 1806 kamen letztere zum Landgerichte Bozen, Burgstall zu Met 



MSlten. 177 

auf der Windisch march, zu Portenau und Salis, bekenne öffentlichen mit 
disen brief und thue kunt allermenigelichen, das uns unsere getreue lieben N., 
die gemain und unterthanen des geriohts Melten aus ihren Statuten- und 
ordnung-piechl, so sie und ihre voreitern von villen jähren her gehabt, 
etliche die firnembste heraus gezogene articl firgebracht, von wort zu wort 5 
also lautend. 

Kunt und zu wissen sei gethann allermenigelichen die Statuten und 
das gesatz des gerichts auf Melten. 
Ittem an ersten die coherenzen. 

Ittem es stesst gegen morgend an den Arkenkofl, daran sein gehauen 10 
Tier Greiz, die schaiden die vier gericht Sarenthein, Sanct Jenesien, Flas 
und Melten, aus dem Arkenkofel in Larcher zein, und in Niterjocher zein, 
in Oberjoch zein, und darnach durchs Hollerthall der Strassen in Lueg, und 
darnach der Strassen nach auf die hech und Erfahren ab gehen Praitwis, 
da ins creiz, und was geschieht auf den oberwagenschlag, das gehert gehen 1^ 
Melten, auf den untern gehen Flas, und dernach von Praitwis dem pach 
nach unter den Aignen, da leit ain creitz, und dernach dem pach nach 
gehen Lannermihl, und die stunt in Meltner gericht, von der mihi an An- 
gerer gatter, von dem gatter ob den Weegmann in der Pis, da leit ain creitz, 
und darnach durch den Tasackh-hof an den inner Saitenhof und demach 20 



(Staffier 2, 617. 840. 939. Kgl. Baier. Regierungahl. 1806 S. 456). Im Jahre IStO 
vmrden evHere mit Gargazon sogar zum Königreich Italien geschlagen und die 
QmehUgrenze von Mollen zugleich die Reichsgrenze des Königreiches Italien gegen 
doi baierische Deutschtirol (Tirol u. d. baier. Regierg. 301 ff. J. Bald nach der 
Rückkehr Tirols unter österr. Herrschaft ^ im Jahre 1817^ übernahm die Oerichts- 
^rkeit in Jenesien und Mölten die Staatsverwaltung und vereinte diese Bezirke mit 
«few Landgerichte Kameid (Staffier 2, 907. Prov. Geaetzsammlg. Jahrg. 1817 S. 213Jy 
die QericlUsorganisatum vom 29. Nov. 1849 mit dem Bezirksgericht Bozen (LG, 
BL Jahrg. 1850 S. 28). 

Ausser Greifenstein und Burgstall gab es in den genannten Gerichtsbezirken 
im SchlosSf aber die alten Herren dieser Burgen besassen auch sehr grossen 
Grundbesitz in deren Umgebung. Die Grafen von Eppan nannten xcohl die meisten 
Bofß einst ihr Eigenthum und ihre Nachfolger, die Herren und Ritter von (h'eifen- 
^UÄn, waren daselbst gleichfalls reich begütert. (Beiträge 4, 245. 185. Bibl. tirol. 
D. n. 1331, 91. Tirol. Ärch. Reg. Nrn. 17. 69. 109. 202). Vier Höfe in einem 
BeeieTf genant zu Goldegg, besassen die Freisassen von Goldegg, die ähnliche Frei- 
heiten genossen wie die Schildherren von Passeier , denn sie unterstanden ebenfalls 
den Stabe des Landeshauptmannes, wie der Adel an der Etsch und erschienen auf 
den Landtage in der Curie des Adels. Die Höfe hiessen zum Mayr, Meissfier, 
Faigle und Schaller. Ueber den Ursprung dieser Sonderstellung liegt noch tieferes 
Dunkel als über den der Schildhöfe (Burglechner 3, 4, 1061. Sammler 1, 261 ff.). 
Durch Graf Arnold von Greifenstein kam auch das Kloster Au (GriesJ bei Bozen 
tu erhehlichem Besitz in den Gerichten und Pfarren Mölten und Jenesien (Boneüi, 
Notiz, istor. crit, 2, 489; 3y 191). Gleichfalls nicht unbedeutend war der Besitz aus- 
iBortiger Klöster. Diessen hatte im 13. Jahrhundert Besitzungen in Jenesien (Mon. 
Bote. 8, 131), Weihenstephan ein Landgut zu Mölten (ib. 9, 374), St, Afra zu Augs- 
burg Güter in Mölten, Jenesien und Flaas (Ferd. Bibl. XLIV. i. 12. Ms.). Der 
gamaeBerg war schon sehr früh angebaut; der Name Mölten kommt bereits im Jahre 928 
m den Formen Meltina (Hormayr Beytr. 2, 20) und Malentin (1142. 45 Urkbch. 
f.d. St. Neustiß Nr. 21. Resch. Aetas millen. 177 i), später in der Form Maletum 
(Tir. Areh, Reg. N. 69) vor. Die Pfarren St. Jenesien und Mölten gehören ohne 
Skoeifd 9a den SUesten Gebirgspfarren im Lande, erstere fand ich zuerst 1208 
(Cod. Wangianus 162), letztere 1242 (AlheHi, Annali 117) erwähnt. 

Owterr. Webthümer V. 12 



178 MSUm. 

gehen Mitewald an die zein, und den zein nach gehen Winierlen in gatter, ni 
das sein panzein, und die soll man zu pfingisten beschauen, und wellich< 
die zein nit gemacht hiet, so solle imme der riohter gepieten, es in dreic 
tag machen, macht er in aber nit, so soll er dem richter zu St. Jenesie 

6 verfallen die peen 6 pfunt und soll darnach den zäun machen, von gatt« 
gehen Stäben in die zein und auf den obern Tschaufen miten durch de 
pachoffen, und darnach umb ain guet, genant Unterweg, paut der Noble 
dient in das gericht Melten, und darnach ins Buderthall, aus dem Fete 
thall in Bibnach, und darnach zwischen Laga und Spugl dem kofl nacl 

10 da leit ain creitz, und dem steig nach durch ain guet, genant Spitzögg, un 
gehert aufa Neuhaus, und darnach gehen ober Laga, und dem steig nac 
in die clam gehen Waldungen, und aus der clam dem kofel nach in die Wei 
want, und darnach gehen Planatsch, miten durch Trog, aus dem Trog i 
Lagaul und in die wasserfahl, und dem perg nach in die tief Laun, a 

16 man ab der Eal hinab gehet, und demach dem perg nach in Frait-Aichad 
da leit ain creiz, und dabei ain gerechte haut, und darnach in Krellenthui 
und dem paoh nach in Aschl zu der sag, und die sag stehet in Meltner g« 
rieht, und dernach dem pach ncujh, der da gehet von Geplatsch, und da 
nach, da man get aus dem Arztmas, da leit ain creitz, und darnach d« 

20 leith nach in die eben, da leit auch ain creitz, und darnach unter st. Vilgc 
prunn in die Hilb, und der Strassen nach von sanct Vilgen prunn, da le 
ain groser stain, darauf ain creitz, unter der Strassen hin in das Grüc 
Thallel, aus dem Grüen Thall in ain creitz, leit zu Miteregg, und demac 
in den schreienden prunen, aus dem prunen in die kässer, ausser d< 

25 kässer dem sam nach, als man die stickl hinauf gehet, Nisstenstein, m 
darnach in der Valcknau ob den weeg, da leit ain creitz, aus dem creitz : 
Arzpichl und in Satelpüchel, da leit ain creiz, da man ob dem Creizjo^ 
hinabgehet, und darnach in Korkofl, aus den kofel in wald, und dem sa 
nach gehen Staneck, da man ins tarf geen Sarnthein sieht, und dema< 

30 dem sam nach ob den Haulthall, und dernach aber dem sam nach umb de 
albl, genant das alpl, und das dingen die Peyer von Meltnem, und dernai 
wider in den Arkenkofel, als man angefangen hat. 

Ehehafttäding soll zwaimal in jähr in gericht Melten gehalten werde 
als die erste ungever in miten mayen, alda sollen die ambt wider ersö 

35 werden, und wofer ain richter in ambt nit gelassen oder bleiben wurd, i 
sollen die gemain des geriohts drei verstendige man aus ihrem mitl, i 
disem ambt tauglichen persohnen ausschiessen und firstellen, darunter a 
pfleger oder sein Verwalter die wähl zu nemben und denselben zu b 
aidigen macht und gwalt haben solle. Wofer aber ainer unter ihnen d( 

40 gemainsleiten verbanden wer, der dises ambt firstendig sein möcht, ab 
von den gerichtsleiten in die wähl nit genomben noch gestelt wurde, i 
solle ain pfleger oder pflegsverwalter unverhintert menigeliches, una 
gesöchen, das er in die wähl nit einkomben ist, nicht destoweniger dei 
selben zum richter zu verordnen und zu bestettnen macht und gwalt habe 

45 und die ander ehehafttädung ungever umb Martini, wie es ainem pfleg 
oder seinem Verwalter iedesmahl fuegsamb und von alter herkomben ii 
Es soll auch allweg den negsten tag nach gehaltner ehehafttäding d 
unzuchtrecht benent sein. 



AföUen. 179 

Ittem zu sanot Georgen tag gepiet man, das ain ieder sein wein- und 
feltgätter und lucken aufmache, bei pen finf pfant auf gnaden, und 
welchen nit macht, und was schaden darduroh geschäoh, den soll er zahlen, 
und ist die peen finf pfiint verfallen, auf gnaden. 

Ittem zu der ersten ehehafttäding, so gepiet man bei der peen finf 5 
pfont, das ieder man recht weeg und steg gehen und fahren, und rechte 
WBBserlaitang [machen soll], und soll man bieten khie mit khien, oxen mit 
ozen, und ros, wo si hin geheren, und [soll] iederman sein zein und lucken 
vermachen und gatter anhengen, als von alter herkomben ist. 

Ittem, es soll auch iedermann, wer im gericht gesessen oder wohn- 10 
haft sei in saldheisem oder sonst, helfen pruggen, weeg und steeg machen, 
80 es noth sei, und niehemand gefreit sein, bei der peen finf pfunt auf 
gnaden, dardurch unsern gnedigen herm nicht abgehe an seinen zohlen. 

Ittem in ehehafttäding verpietet man allen äussern leiten den Aschl- 
wald und alle gemain bei ainer peen 25 pfunt. 16 

Ittem, welliche äusseren leit recht haben zu waiden auf die gemainen 
in dem gericht, die sollen kein grasvich innemben, damit das gericht nit 
yberlegt werde, bei ainer peen 25 pfant, und soll iederman waiden, wie 
▼on alter herkomben ist, ain gerichtsmann bei ainer peen 5 pfunt, und ain 
äusserer bei ainer peen 25 pfunt, auf gnaden. 20 

Ittem, es solle auch der richter auf Melten und der richter auf Jene- 
sien ihren geschwomen zu inen nemben, so sie die panzein beschauen wellen 
miteinander, und welcher sein zäun nit gemcujht het, so soll man ihme 
gepieten, wie vorstehet, und solt kain Jenesier vich stallen. Er soll an 
enten drei händ widerkeren feer von zäun, als ainer mit aim roshammer 26 
weifen mag. 

Hernach volgt, wie sich ain pfarrer zu Melten mit Verrichtung der 

gottsdienst und andern halten solle. 

Ittem, ain iegelicher pfarrer soll haben ainen unterherrn und ain 
schaeller, und der schneller soll im holtz hacken und kochen, und ob ain 30 
biief kam von gerichts wegen, was erlich Sachen seien, die soll ain unter- 
hett lesen. 

Ittem, ain pfarrer solle sonntag und alle unser Frauen teg, und alle 
2wölfpoten tag haben ain frombs ambt, und nit umb lohn, und der unter- 
herr ain mess, und man soll zue greifen, so die sunn am thurn aufgehet, 35 
niid darnach umbgehen mit dem weichprunen, und so ain grosses mentsch 
stirbt, so soll das erste ambt gehen in das seelgerait, das ist 18 xr. 

Ittem ain ambt ist ') der lohu 6 xr., und ain gesprochen mess 3 xr. 

£s soll auch kein priester im wirthshaus ligen nach ave Maria zeit. 

Ittem, wann man aus der pfarr gehet mit dem creitz, so soll man 40 
dem priester geben 3 xr. und dem mesner 1. 

Ittem, ain mentschen in der pfarr zu bewahren mit dem heiligen 
öhl und mit dem heiligen sacrament, so soll ainer dem priester geben 1 xr., 



1) ain ambt ainen pfunt mann ist A«. 

12* 



180 Motten, 

die weil er unter dem tach ist, und ist, das er sich geniest, so ist man denz 

priester nicht mer schuldig. Stirbt er aber, so solle er ihme geben 4 xr. 

Ittem, ain mösner soll mit dem priester gehen, als oft man mit dena 

sacrament ausgehet, und hat zu lohn von ainem grossen mentsoh zweo 

6 kreizer,- von ainem clainen ainen kreizer. 

Ittem, wann englische kirchweih bei ainer cappellen ist, so ist mao 
dem priester schuldig drei kreizer oder das mahl. 

Ittem, ain iegelicher pfarrer soll geben ain mösner an weinachttag, 
am ostertag, am pfingstag, auch an den vier unser Frauen tagen das mahl 

10 und drei kreizer, und alle zwölfpoten tag das mahl und ain kreizer. 

Ittem, es soll auch kain pfarrer kain unterherrn dingen, noch Urlaub 
geben ohne des richters, kirchprobst und der naohpem wissen und willen, 
und kainen minich oder welschen priester aufnemben, sondern nur teitsche 
priester. 

16 Ittem, so ain pfarrer aufziecht, so soll man ihm die schliseel nit ant- 

worten, noch aufsperren, bis er verspricht, die pfarr bei alten pfarrlichen 
rechten zu halten. 

Ittem, der pfarrer ist schuldig, ainem unterherrn alle tag drei drink 
wein und sein pfrient, und zu der märend ain käs und prot und ain dronk 

80 wein, ungever. 

Und darauf gehorsamblichen gepeten, das wir, als iezt regierender 
herr und lantsfirst diser unser firstlichen grafschaft Tyrol, ihnen solliche 
obangezochene articl, aus ihren Statuten, und Ordnungen gezogen, zu con- 
firmieren und zu bestetten geruchten. ^) Also haben wir angesöchen solcli 

25 ihr der gemain und unter thanen des gerichts Melten zimbliche pit, und 
ihnen darauf obeingefierte articl in allem ihren Inhalt und begriff, so- 
vil sie deren unzther in riebiger possession gewest und noch seien, doch 
auf unser gnedigistes wolgefallen und widerrue£fen gnedigst confirmieret 
und bestettigen ihnen die auch aus landfirstlicher macht wissentlich in 

30 kraft dis briefs, was wir von recht und billichkeit weegen thuen künden, 
doch uns und menigelichs rechten unvergri£fen, und gepieten darauf allen 
und ieden nachgesözten obrigkeiten, unterthanen und getreyen, geistlichen 
und weltlichen, was wirden, stants oder wesens die sein, vestigelich mit 
disem brief und wellen, das ir gedachte gemaine und unterthanen des ge- 

35 richts Melten bei diser unserer confirmation und bestettigung beriebige- 
liehen bleiben lasset, auch dabei hanthabet, schüzet, schirmet und hier- 
wider zu beschweren nit bestattet, in keinen weeg, alles bei Vermeidung 
unserer Ungnaden und straff. Das mainen wir ernstlich mit urkunt dis 
briefs, verfertigt mit unseru anhangenden insigl. Geben in unserer statt Yhn- 

40 sprugg, den andern tag des monats augusti nach Christi, unsers lieben 
herrn und seeligmachers, geburde im 1581 Jahr. 



2) gerichten h*. 



MoUen. 181 

IL 

Ptrganuniurkund* v. J. 1742, im BentMe dea Hm. Phü. Nub in Boten. 

Ehehafttädings-uril im gericht Melten. 

Ich Caspar Paris Domini kus, des heiligen Römischen reichs graf von 
Wolckenstain und Trostburg, freiherr zu Neuhaus, herr zu Sigmunts-Cron, 
gerichtsherr deren herrschaften Gufidaun, Greifenstain, Jenesien und Melten, 5 
der zu Ungarn und Böhaimb königelichen mayt. erzherzogin von Österreich 
6tc etc. würcklioh gehaimber rath, lantshauptmann an der Etsch und 
bürggraf, wie auch erblant obrist stallmaister und firschneider in Tyrol, 
Urkunde von gerichtsherrschaft weegen, das im gericht Melten yon altersher 
iehe und allweegen gebreichig gewest, yon zwo zu zwo jähren, iederzeit un- 10 
geyer miten in may, zu der gerichtsherrschaft gefallen und gelegenheit, die 
ehehafttäding, und den tag darauf das unzuchtrecht, wie auch an- 
dere strafpare unternembungen verabzuhalten und zu untersuechen, und 
solle dise ehehafttäding iedes mahl drei sunn- oder feirtag nacheinander 
zuvor durch dem gerichtsdiener auf der gewohnlichen schronnen offent- 15 
liehen berueffen werden. Nach beschechner berue£fung ist ain ieder haus- 
gesessner in disem gericht Melten zu ieder ehehafttäding zu beruefter stunt, 
ausser gottsgwalt, zu erscheinen schuldig; wellicher aber ausserhalb gotts- 
gwalt zu der ehehafttäding nit erscheinete oder aber zu spat koramete, 
das das urtl vorbei were, so ist ein sollicher der gerichtsherrschaft finf pfunt 20 
pemer gelt in der straff verfallen. Bei sothaner ehehafttäding ist auch ge- 
preichig, das man die ämbter widerumben ersöze. 

Als erstens, wann ain richter nit mer in den ambt verpleiben wolte, 
oder aber ihme die gerichtsherrschaft oder gerichtsunterthanen waigerte, 
80 ist yon alters gepreichig, das ain ersambes gericht drei angesessene 25 
taugliche personen im gericht ausschiessen und vorschlagen solle, die- 
selben drei der gerichtsherrschaft anzaigen. Alsdann hat sie gerichts- 
herrschaft die wähl, ainen aus bemelten drei zu erwellen und zu ver- 
pflichten; desgleichen auch ain gerichts anwalt, wann er nit lenger in 
glibd verpleiben wolte, oder aber von der gerichtsherrschaft gewaigert 50 
wurde, so soll auch ain anderer mit dem glibd durch der gerichtsherrschaft 
bei ersagter ehehafttäding bestetiget werden, wie auch drei geschworne, als 
einer im dritl Melten, der andere im dritl Verschneidt und der drite im dritl 
Sohlaneidt, so die steur treiben, auch andere beschwernussen des gerichts 
halber, wie von alters herkomben ist, und hernach weitere meidung be- 35 
sdhicht, verrichten miessen. Dise werden allwegen bei der ehehafttäding 
durch der gerichtsherrschaft verpflichtet, und gehet vorbeschribenes ge- 
schworene ambt in alle drei dritl von einen hof zu dem anderen, wie von 
alters observierlichen, herum b. Sothanen ambt« halber ist keiner befreiet, 
allein der im richterambtJ) ^^ 

Ittem gerichts-, procurator- und kirchprobstambt bei der pfarr stehet, 
wann es zur selbigen zeit auf die gieter falt, dieweil sie in diesen beschwer- 



^) allein der im richter ambt durchstrichen und dafür: ^ein anwald** 
am Rande. 



182 Motten, 

liehen ämbtem sein, sonst mnes es ain ieder Inhaber aines hofs ain jahrlan 
verrichten. Wann dises urtl abgelesen worden, ist von alters gewöhnlicher 
das die drei geschwome mit ihren nachparen in unterredt gehen und sie 
befragen, in Sonderheit bei denen wirthen, ob etwan Unzucht vorbeigange 

5 weren. Was dann firkombt, solle sodann der gerichtsherrschaft durch b< 
melte geschwome bei straff unverhalten aufgeschriben und angezei{ 
werden, auf das dise zur empfintlich wolverdienten straf gezochen, dt 
fromb von dem pösen beschüzt und beschirmet, und ain guete manszud 
im gericht erhalten werden mag. 

10 Gerichts-redner sollen auch iederzeit zwen im gericht bei der eh 

hafttäding, soferen die alten nit mer in glibd verpleiben, oder aber d 
Obrigkeit dieselben waigerte, beglibt werden. Diese sein schuldig, an 
und reichen, wer sie begert, ihrem pesten verstaut nach beistant zu leiste 
Von ainer gerichtshandlung ist man von ain tag ihme, der sie prauchc 

15 12 bl. sambt dem mahl, und von ainer gemain firforderung 4 bl. an besc 
düng zu geben schuldig. Im fall ain ersambes gericht wider ainen pfai 
herrn, richter oder gerichtsschreiber, auch ansessigen der thail und g 
main halben dag zu fieren hete, ist von alters rechtens, das man sollic! 
beschwernussen bei der ehehafttäding abstelle, und die unterthanen l 

20 altem herkomben manuteniere und beschüze. 

Der Aschlwalt solle auch allen auswendigen, ausser disem gericl 
in firwehrender ehehafttäding, holz darein zu hacken bei straff 5 ff. g( 
verpoten sein. 

Es solle auch acht tag nach hl. Georgen tag ieder seine lucken u 

25 gätter, auch zein aufmachen und verfesten, das keinen durch hinleßigk< 
schaden beschioht, bei straff 1 ff. gelt; sofern aber ain schaden erfolget 
derselbige, dessen re. vich den schaden gethan, ein solchen dem beschädigt 
thail abzutragen schuldig sein solle. 

So weiters solle jährlichen ain richter^) zu Melten und richtei 

30 auf Jenesien miten in mai, ieder mit sein geschwomen sich zun panzc 
verlegen, besieht und beschau einnemben, ob dieselben gezeint seint ui 
woferen sie nit guet befunden wurden, so solle der richter 2) auf Jenesi 
mit den nobleren, welche ein zäun zu machen von alters schuldig, bei c 
straff 1 ff. verschaffen, das dieselben in dennegsten drei tegen hernach denza 

35 machen, auf dasihrrev. vich nit heriber gehen mag auf derMeltner gema 
£s ist auch im gericht ain ieder schuldig, weeg, steig, wasser, wassi 
laitung zu erhalten, gehen und fahren zu lassen, wie von altersher { 
breiehig gewest. 

Es solle auch ain ieder nachpar mit der rev. vichaufkerung si 

40 verhalten, wie von alters herkomben, die oxen mit oxen, kiee mit k 
bieten, und die pfert, wo sie hinkheren, waiden zu lassen, und wellicl 
ain oder mer rint drei tag bei aim gemainen hirten aufkert, der 
schuldig, davon das vellige hieterlohn zu geben, und wirdet auch menif 
lieh im gericht, ausgenomben den steyr-procuratorn, bei 1 ff. geltstraff v« 

45 pothen, ainich grosses vich nit einzunemben, und den Flasern, so mit ^ 
Meltner zu waiden haben, ist es ebenfalls bei 5 ff. gelt pen abgepoten word< 

2) richter gelugt und anwald darüber geschrieben. 



mum, 183 

Entlichen ist von alters observierlichen, das man umb Martini das 
pettkoren auf Schlaneidt ausgemessen hat, wie nit weniger zu Melten und 
Verschneidt, iedooh zu der obrigkeit gelegenheit. Bemaltes pettkoren solle 
bei dem alten maas, das dritl genant, welches allzeit der gerichtsdiener in 
sein verwahr hat, und drei dritl ain Bozner komstar sein, kom und fueter 5 
auBgemessen werden, und sollen zwai dritl koren, und zwai dritl fueter ain 
pettkoren genent werden; welcher aber ain plufi schuldig, ist von alters 
her gepreichig, das der gerichtsdiener aus des paurn sack oder geschür, 
darin er das fueter hat, so vil herausnembe, was er mit beeden bänden er- 
heben mag, das solle ain plufi sein. Und wann solches pettkorn bei dem 10 
dritl ainmahl gemessen ist, so hat der gerichtsdiener an allen drei orten, 
als Melten, Yerschneidt und Schlaneidt, ain aufgehäuftes star kom zu er- 
heben, das ihrige aber solle alsdann auch bei dem Bozner korenstar, körn 
und fueter, gemessen werden, und wievil ain solliches austragt, ist ain 
ieder geschworner schuldig, dasselbige auf den herrschaftcasten gehen 15 
Bozen der gerichtsherrschaft hinab zu fieren und solle alldorten widerum- 
ben bei dem Bozner star ausgemessen werden. Davon ist die gerichtsherr- 
schaft obligiert, den geschwornen sambt den pferten ein gepirliches essen 
und drunk zu geben. Solliches pettkorns halber ist ain richter,^) solang 
er in ambt stehet, wie auch die geschworenen , von dem guet, warauf das 20 
geschworen ambt haft, nit weniger, wann ainer ain hof kauft, oder zwen 
mitainander im gericht höf tauschen, desselben jahrs von bemelten gietern 
befreiet. 

Es seint auch im gericht etwelche höf, so ohne deme kein pettkorn 
abznraichen verpunden sein. Das gericht Melten ist auch der gerichts- 25 
herrschaft jährlichen 49 star fueter, so man die Stellung nennt, zu ent- 
richten, und sodann die drei geschworene schuldig, besagtes fueter ieder in 
seinem dritl ein zu treiben und auf den herrschaftcasten ze Bozen zu 
fieren ; hingegen hat die gerichtsherrschaft iedem geschwornen sonderbahr 
24 xr. gelt davon zu geben. Es ist auch des pettkorn und Stellung halber 30 
ieder nachpar, der ain pettkorn oder Stellung gibt, verobligiert, den ge- 
schwornen von aim pettkorn 7 fierer, und von aim star stallung 1 kreizer 
&r fuerlohn zu geben, oder aber darvor sein pfert, das getraid hinunter 
ze Bozen zu fieren, herzuleichen etc. 

Ohne geverde, des zu wahren urkunt hab ich von gerichtsherr- 
schaft wegen mein grefL. angebohrnes greßeres signeth negst unterzochner 35 
hantfichrift, doch in all ander weg unpraejudicierlichen gemaint, hiefir- 
stellen nnd darmit gegenwirtiges ehehafttädings-urtl corroboriern lassen. 
So beschechen in Bozen, den sechsten tag monats mai, im sibenzechen- 
hundert zwaiundvierzigisten jähr. 

Paris graf Wolckenstein. ^q 

Sigel darauf. 



') richter getilgt, anwald darüber gesetzt ha. 



184 Flaaa und Campidell, 



23. Flaas und Campidell.*) 

I. 

Nach einer Ahtchrift de» Herrn Forttmeirtera Ph. Nuh und dt* Herrn Ludw. Sehönaeh. 

1304. 

Wir Otto, von gotts gnaden herzog ze Cernden und graf zu Tirol 
und ze Görcz, der kirchen Aglei, Triendt und Brichsen YOgt, bekennen mit 

5 disem gagenwurtigen brief, daz wir gesehen und gehört haben weilant 
unsers lieben vaters brief, die also lauten: 

Chund sei getan allermenigklich, den diser brief furkumpt, daz wir 
Mainhart, graf ze Tirol und ze Görcz, ettelich leut der pharr Meilen, be- 
nantlich in Valas und Campedell gesessen, mit der besundern gnaden haben 

10 für gesehen, das si von allen gehorsamen, di sie bisher zu unserm richter 
auf Melten oder zu andern gehabt haben, nach gewonhait ander leut, die 
in demselben ampt siezen, also daz si hinfiir frei und ausgezogen sein 
sullen. Daz ist als vil gesprochen, daz dhain ander an uns von denselben 
leuten dhainerlai dienst nicht gevodern noch heischen, noch über sie dhain 

15 gericht thuen tun, nur allein den wir mit irmratund willen von malefica 
wegen zu strafen oder darczu, daz ainer dem andern die rechtigkait und 
recht tue, darüber ordnen oder schaffen. Dieselben leut darumb, das in 
dieselb gnad stet und vest beleiben sull, so sullen si uns an irrung schuldig 
sein, zu bezalen und geben jerleich auf sanct Marteins tag fünf und zwein- 

20 zig phunt, auf weinahten zwen mutt haber Bozner maß und zehen kicz 
auf s. Jörgen tag. Waz auch klainer sach auszurichten, mugen si in selben 
ein richter erwelen, der sie darczu fuglich dunkcht und vor demselben 
daz recht nemen und geben. Es stet auch zu unserm wolgefallen, wie 
lang wir in die verliehen gnad wellen halten, doch wan wir in die gnad 

25 nicht haben wollen oder widerrufen, daz si dann in dhainerlei weis schuldig 
noch pflichtich sein zu der benannten bezalung. Wir wellen auch, das waid, 
wisen, walder und alles andere, daz andere leute aus der pfarr mit ein- 



*) Das QeHcht Flaas und CampuhU bestand nur in einem wilden rau^n 
Seitenthal des Samthaies mit 24 FeuerstUtien und einem Kirchlein zu St, Fabian 
und Sebastian, das in Mollen eingep/arrt war. Den Freiheitsbrief der Flaaser und 
Campideller vom Jahre 1272 bestätigten ausser Hei-zog Otto noch Herzog Frie- 
drich IV. (Heran am 28. März 14t])^ Herzog Sigmund (Bozen am 12. Mai 1451J, 
König Maximilian (Innsbruck: am 2>H. Juni 1492)^ Erzherzog Ferdinand I. (1, Dee. 
UV23J, Kaiaer Rudolf II. (17. April 1500), Erzherzog Ferdinand Karl (26. Nov. 
1646)^ Erzherzog Sigmund Franz {am 26. Nov, 1664)^ Kaiser Leopold I. (21. Mai 
1668). Im 16. Jahrhundert erscheint das Gericht Flaas und Campidell im Be^ 
sitze der Herren von Niederthor und als dieses Geschlecht mit Georg von Niderthor 
(1610) ausstarb, ging en durch dessen Tochter Margareth, Gemahlin Joh. Jakobs 
von Khuen-Brlatig, auf die Khuen erbnoeise über (Ph. Neebs Manuscript. Burg- 
lechner S, 4, 1068); anfangs des 10. Jahrhunderts sehen wir ex in den Händen 
der Herren von Pfeifersberg (Sammler /, 258) und nun ist es dem städtisch dele- 
girten Bezirksgericht Bozen einverleibt. 



Flaaa und Campidell. 185 

ander gemeinichlioh nießen, das sol in auch gexnaind sein, als vorher. 
Das ist bescheen und geben pei Gries in der jarzall des herrn tausend zwai- 
hundert und zwai und siebenzigk jar im achten tag zum eingehenden 
maieO) an dem fünfzehenden zaichen der indiction. Darumb von solcher 
gedachtnuB, so haben wir unser insigel an disen brief haisen hengen. Wir 5 
wellen auch nachfolgend dem fuspfad unser lieben vaters von bestattnus 
wegen aller obgeschribner sach, so haben wir in geben unser offenen brief 
mit chraft unsers insigel geyestent. Geben auf der Testen Tyrol in der 
jarzal unsers herrn tausend dreihundert und vier jar an dem sechsten tag 
des eingeenden homung, [dem] andern zaichen der indiction. 10 

II. 

Nach einer Abschrift des Herrn Forttmeiiter* Ph. Neeb. 

1402. 

Es ist zu wissen um die klag und yordrung und ansprach, die ietzund 
lange zeit gewesen sind zwischen der gemeinschaft zu Terlan an einem 
teil und zwischen der gemeinschaft Flaßer und Campideller an andern teil 15 
von wegen der gewaltsteuer, so die unser gnädig herrschaft yon Oesterreich 
anf dieselb gemeinschaft und gericht zum Neuenhause auflegen ist. Wann 
dieselb gemeinschaft von Terlan und des gerichts yom Neuenhause mainten 
Qnd sprachen, daß die obgenante gemeinschaft Flaßer und Campideller 
mit in die gewaltsteuer richten und bezalen selten, und als durchlaucht 20 
hochgeb. fürst herzog Leopold, herz, yon Oesterreich, auf dieselbig gericht 
zu dem Neuenhause hundert ducaten aufgelegt hat für einen hörwagen, 
der dieselben zu Neuenhaus zehen ducaten auf die genanten Flaßer und 
Campideller gelegt haben, der sich die ehegenannten Flaßer und Campideller 
entsetzten nit auszurichten yon wegen yiel guter brief und handyesten, 25 
die sie yon herzog Meinhard sei. hätten, und danoch yon ieglichen fürsten 
des lands bestattussen darauf, daß sie aller dienst und Steuer frei sein 
sollten, wann sie in das gericht zum Neuenhause nie gehört hietten. Umb 
dieselben stoß und irrsal hat der durchlaucht. herzog Leopold etc. mit 
sein brief darüber geschaffen die hernach geschriben erbern leut, und der- 30 
selbe brief laut also: 

Wir Leopold, yon gottes gnaden herzog zu Oesterreich etc., graf zu 
Tirol etc. entbieten unsem lieben getreuen Nicolaus Vintler unser gnad 
tnid alles gute. Von der stözz wegen, die da sind zwischen unsem ge- 
treuen den leuten yon dem Neuenhause einhalben und den leuten in Flaß 35 
anderhalben, empfelen wir dir ernstlich, daß du beiden theilen tag für 
dich bescheidest und unser lieb, getreuen CristofL den Fux und Ludwig 
den Sparenberger, Cristian Gotfrid, unsern kellner auf Tirol, und Jacoben 
den Haller, richter zu Bozen, zu dir nemest, sie einzell gegen einander yer- 
liÖrest und dein fleiß und ernst mitsamt den yieren dazu thuest, ob ir ^0 
sie freundlich überein bringen mögt; mögt aber das nicht sein, daß ir sie 
dann zu beiden seiten mit den rechten yon einander entscheidet, und war, 
das obgenannter einer mit dem tod abgieng oder sonst zu dem tag nit 
kommen möchte, daß du dan einen andern an desselben statt nembte und 



186 Flaat und Campideü. Neuhaua. 

der sach ein förderlich end und austrag gehst und magst, als dann vor- 
geschrieben steht. Geben zu Brixen am mittwoch vor invocayit in der 
vasten suh ann. dom. 1402. 

Nachdem uns der obgenante fürst mit seinem brief geschaffen hat, 
5 als hin ich obgenanter Nicola Yintler und mitsamt mir die, die auch der 
fürst dazu geschaffen hat, an disen heutigen tag darüber gesessen und 
haben aigentlich yerhört beider theil fürgab und antwort und all ihr 
recht, auch brachten die Neuhauser für, wie die Flaßer und Campideller 
Torher mit in gewaltsteuer hatten ausgericht. Da wir alles gehört hätten, 

10 da mochten wir sie mit der minn nit berichten und haben daraus erkennt: 
Als die Flaßer und Campideller gut brief und urkund von der herrschaft 
hätten, daß dieselben Flaßer und Campideller und all ihr nachkommen 
von den Neuhausern und von allen ihren nachkommen von der gewalt- 
steuer ewiglich ledig und los sein sollen, und die Neuhauser sollen auf die 

15 Flaßer und Campideller nachmalen nit mehr legen ze behalten. Doch wie 
der Flaßer brief lautend, was sie auf das Neuhaus dienen sollen järlich, das 
soll bei kraft bleiben, bis auf der herrschaft widerrufen, doch in der 
geding : Wann die herrschaft von Tirol gewaltsteuer auf das Land legt, so 
mag die heiTschaft auf das gericht in Flaß und Campidell sonderlich 

20 auflegen, oder sie mag das laßen, also doch, daß die herrschaft das gerioht 
zu dem Neuenhaus bedenken und erkennen soll, daß ihm desto gütlich 
geschehe. Do das beschah, da baten sie, in sollt das verschriben werden 
unter unsern insigeln; also geben wir ehegenannt Sprecher alle fünf in 
disen brief versigelten mit unsern aigen anhangenden insigeln, uns und 

25 unsern erben ohne schaden. 

Des sind gezeugen : Hans Niderhauser, Michael Pitmer, Hans Haßler, 
Johannes in der Wengergasse, Engele Schidman, alle vier noder und 
bürger zu Bozen. Und ist beschehen zu Bozen des nächsten montags vor 
letare des sontags in der vasten in der jarzal tausend vierhundert 

30 und in dem andern jähr. 

Die 5 Siegeln hängen. 

24. Neuhaus.*) 

Beiträge zur Ge«eJiichte, StatUtik de. von Tirol und Vorarlberg 8, 106 ff. %. IX. 

Ez ist ze merchen, daz herr Ulreich von Corde, purchgraf ze Tyroli 
herr Wem her von Tablat, herr Hainrich von Schennan sint chomen in 



*) Da» Gericht Neuhaus^ auch Terlan genannt (J. LadumeTf Schlots Maul' 
tcuch oder Neuhaua in Tirol. Ärch. 2, 41 — 66)j welches in allerer Zeit zum 
Burggrafenamt£, später zum Etschviertel gehörte, erstreckte sich zu beiden Seiten 
der Etsch vom Dorfe Vüpian bis nahe zum Dorfe MorUzing und grenzte an die 
Gerichte BurgstaU (Gargazon) und Tisens^ Motten^ St. Jenesien, Gries und AUen- 
burg; es umschloss im Anfange des 17. Jahrhunderts t Pfarrkirelu, 5 Kirehm^ 
II Schlösser und andere Adelsansitze und 13 Dörfer und Weiler (Burglechner 5, 4, 
1061 f. Wolkenstein Chronik 14, 100) und war zugleich für Flaas und Oampiddl 
MaUfizfjericht. Von den Schlössern waren schon um 1600 die drei ober Andrian gele- 
genen Burgen: Festenstein, Wolfsthurm und Sichelburg, von denen eine mit der in äl' 
lerer Zeil oft genannten Burg Andrian identisch sein muss, bereits zerfallen und ebenao 



Neuhaut, 187 

mpt ze dem Newnhaose, von meine herm gescbäftes wegen, des edeln 
k Heinrichs etc. etc., als die läute meine herren darumb gepeten 



her Neuhatu auf dem gegenUberttekenden Berge »ich erhebende Hel/enburg; 
tdem hiessen Neuhau» bei Terlariy die Hauptburg und der Sitz de» Gerichte», 
»herg und Schwanburg ober Nal»; unter den vier EdeUitxen befand »ich a%»eh 
Namen» Siebeneich, Der Be»tand die»e» öerie?U»begirke» lä»»t »ich erat für 
nfang de» 14. Jahrhundert» mit Sicherheit nachweieen^ doch wird »ehon in 
'»ten Hälfte de» IS. öfter» eine pertinentia novae domu» erwähnt^ wie 1236 
k 4, 1187 in Ferd. Bibl. V. f 1), VieUeicht »chon Albert IIL von Tirol, 
'all» aber Meinhard II. hat ihn ge»chaffen und hier einen eigenen Richter 
tf während in früherer Zeit die Grafen »db»t hier Gericht hielten. 

Der Bezirk war für die Grafen von Tirol, al» äu»»er»ter Vorpoeten und 
iHon»ba»i» ihrer Macht gegen die der Eppaner auf Greifenetein und gegen 
rer Leheneherren, der Biechofe von Trient in Bozen, von äu»»er»ter Wich- 
! und »o erbauten »ie »ich hier, wahr»cheinlich gegen den Willen der letztem, 
Joppeü}urg, wie e» »cheint, von beeonderer FeeÜgkeit, von der der eine Theil 
auf dem FeUen »tand und in den Ruinen de» Sehlo»»e» Maulta»eh noch er* 

i»t, der andere gerade darunter in der Ebene, nun »purlo» verechwunden, 
• mu»» von bedeutendem Umfange und von einer Mauer umgehen geweeen 
ienn in Urkunden König Heinrich» werden Ghrundetücke und Häueer genannt, 
merhtdb der Mauer lagen, und i»t von einer obem und einer untern Pforte, 
e gegen Grie» gelegen, die Rede (SchTinaeh» Urkunden- Sammlung, Tirol, 

2, 49. 61). Die»elbe hie»» Neuhau» und gab dem ganzen Gerichte den Na- 
bald, wahrecheinlich in den Kämpfen Herzog Meinhart» II. mit den Bieehöfen 
'rient, ward aber jedenfall» die obere Burg, wenn nicht auch die Befeetigungen 
r Klauee zer»tört und jene wurde er»t nach einem Menechenalter von dem 
Hgen Richter zu Neuhau» Chrietan au» Serentin wieder herge»teUt, 

Dem ebengenannten Richter, dem ersten, de»»en Name »ich erhalten, üAerlie»» 
ömig Heinrich die Feste Neuhait» al» Pfand- Burglehen und »päter bekam er 
die Gerichtebarkeit. Nach dem Tode Heinrich» verpfändeten Margaretha 
hr Gemahl Neuhau» zuerst an Heinrich von Ännenberg, dann an Engelmar 
illander» um 400 Mk, B. (Burgleehner 2, 1305) und »chlie»»lieh an den 
ligen Richter Gebhard von Chamer, die Herzoge Albrecht und Leopold (1366) 
tdolf von Em», von dem e» mit ihrer Einwilligung Konrad von Freundeberg 
5 (ib. 2, 900. 942. Huber Vereinigung Reg. Nrn. 437. 462), Dieeer gab 
n Joachim von Vilander» zu Pfand und »chon im Jahre darauf (1372) er- 
t Oewald Mülser von Clamm im Besitze von Neuhau» (Tirol. Arch. Reg, Nr, 
Herzog Leopold III. vereetzte e» dann, nachdem e» wieder frei geworden, 
nMld von Niderthor von Bozen und von ihm ging die Pfandechaft auf »eine 
-, Sigmund und Veit^ über, denen Herzog Friedrich IV, im Jahre 1417 Feete 
Bericht Neuhau» mit allen Nutzen, Gülten, Bueten, Fällen und ZugehÖr zu 
»lehen gab. In deren Familie verblieb Neuhau» bi» zu ihrem Au»»terben im 

1559 (Burgleehner 2, 999; 3, 4, 1062). Noch in demeelben Jahre erhielt 
Mannelehen Hofmeieter und Geheimrath Han» Trauteon, Freiherr von 
ken»tein und Schrofenetein, der e» 1561 pachtweiee an den Ritter Jakob von 
berg tu Schwanburg um den jährlichen Paehtechilling von 800 fL überlie»», 

1666 ganz »eine Pfandechaft wurde (v. Mayrhofen, Genealogie Niderthor), 
deesen Tode zwangen ungünetige Vermögen»verhlUtni»»e »einen Sohn Karl, e» 
ihre 1585 um den Pfandechilling von 2000 ß. an den Freiherm Joeef von 
metein-Troetburg zu verkaufen, in deesen Familie e» ununterbrochen bi» zum 

1733 verbUeb (Bibl, tiroL D. n, 828, IL, 13. Staffier 2, 929), Im letzt- 
nten Jahre trat dieee Familie da» Gericht und Schloe» Neuhau» an die .FVei- 

(»päter Grafen) von Tannenberg ab und dieee blieben im Genu»»e der 
^^haft bi» in un»er Jahrhundert (Sammler 1, 258, Staffier 2, 929), Am 
'oveniber 1806 wurde e» dem Landgericht Bozen ineorporirt (Kgl, Baier, 
3L 1806 S. 456) und theilte im Jahre 1810 de»»en Sehiek»al; bei der Ge- 
trgaini»atum vom 1, Mai 1817 wurde e» jedoch wieder al» ein voükomsnen 
\ndiger Besnrk con»tituirt (Prov. Ge»etx»ammlung Jahrgang 1817 8, 217), doch 



Igg Neuhau». 

heten, ire gepresten ze hörenne und meinem herren ze sagenne, wer die 
weren, die meinem herren ze diensten sezzen in dem gerioht ze dem 



nur auf kürzt Zeit, denn schon im Jahre 1827 sagte der Dynast die GeriehUbarkeU 
heim und nun wurde Neuhaus mit dem neuen Landgericht Kameid vereinigt 
(Staffier 2, 908), bei dem es bis zur Qerichtsorganisation f>om 29, November 1849 
verblieb, in Folge deren es dem Bezirksgerichte Bozen zugetheilt lourde (L, G.'BL 
1850 S. 28.J 

Dass der Adel in diesem, Gerichte sehr begütert war, zeigen die vielen 
Schlösser, unter denen ausser dem Qerichtsschlosse besonders (ÄndrianJ Payersherg 
und Schwanburg als Ansitze eines mächtigen Adelsgeschlechtes hervorragten. Nicht 
so bedeutend waren die kirchlichen Besitzungen, doch waren mehrere baierische 
Stifter und Klöster, als Steingaden und Wessobrunn (Mon, Boic, 6, 492, 499, 
607, 610; 7, 366), Benedictbeuem (Stainlhof zu Terlan), Fölling, SehefUam, 
Münster (Puitenhof zu Nals) [Ferd. Bibl. XLIV. c. 12] und St. Mang zu Füssen 
(Ferd. Bibl. XLIV. c. 11) begütert. Die Güter der Stifter von Steingaden und 
Wessobrunn lagen zu Siebeneich. Sehr ansehnlich müssen die landesfürstliehen 
Besitzungen in diesem Gerichte einst gewesen sein, denn es hatte schon zu Mein- 
hards IL Zeit einen eigenen Kellner (TiroL Arch. Reg. Nrn. 214, 215). 

Der Ort Terlan ist bekanntlich sehr alt, er kommt schon in der Urkunde 
des vornehmen Bomanen Quartinus vom Jahre 827 in der Form Taurane vor 
(Cod. diplom. Austro-Frsing. in Font. 31, 15), dann in einer Urkunde des Erz- 
bischofs Adalbert I. von Salzburg aua dem Jahre 923 in der Form Torilanmn 
(Hormayr Beylr. 2, 20). Im 13. und 14. Jahrhundert, ja selbst bis ins 18. Jahr- 
hundert herein, erscheint aber als Bezeichnung des Gerichtes fast immer der Name 
Neuhaus. 

Das Viertl an der Etsch umfasste, wenigstens im Anfange des 16. Jahr* 
hunderts, das Stadt- und Landgericht Qries und Bozen, die Gerichte Terlan, 
Jenesien, Samthein, Hocheppan, Altenburg, Kaltem, Laimburg, Curtatsch, Neumetz, 
Königsberg, Salum, Segonzano, GrumeU, Markt- und Landgericht Enn- und Ckddif, 
die Gerichte Altreu und Castell (Brandis Landeshauptleute 446) und fiel also 
grösstentheils mit der jetzigen Bezirkshauptmannschaft Bozen zusammen. Nicht zu 
letzterer gehören die ehemaligen Gerichtsgebiete Neumetz, Segonzano, Orumeis, 
Altreu und Castell, während sie sich andererseits noch über die einstigen brixnerisehen 
Gerichte: Tiers, Latzfons, Ve.rdings, Klausen und Veltums, dann die landesfürstr 
liehen: Wangen, Stein auf dem Ritten, Vilanders, Deutschnofen, Steineck und 
Wdschnofen, Völs, Castelrutt, Wolketistein und Gufidaun erstreckt. Die letztge- 
nannte Gerichtergruppe bildete mit dem Stadt- und LandgericfUe Slerzing und den 
pusterthalischen Gerichten Rodeneck und Taufers dcts Viertel am Eisack (Brandis 
Landesh. 445). Heutzutage machen die frühem Bezirke: Rodeneck, das Stadt- und 
Landgericht Sterzing, Hofgericht Neustift und die ehemals zum Fürstenthum Brixen 
gehörigen Gerichte: Sams, Pfeffersberg, (Hofgericht) Brixen, Salern, Lüsen, Albeins 
und Untervintel die Bezirkshauptmannschafi Brixen aus. Nach der ungefähr 100 Jahre 
giltigen KreiseintheÜung fielen die Bezirkshauptmannschaflen Bozen und Meran in den 
Kreis Bozen, die Bezirkshauptmannschaft Brixen in den Kreis Lorenzen-Bruneck. 

Wie der Bezirk des Burggrafenamtes, bildete auch der des Viertels an der 
Etsch in der ältesten Zeit kein einheitliches Gebiet, vielmehr gehörte die ganze 
Strecke am rechten Elschufer und wahrscheinlich auch die am linken Ufer vom 
Avisiobache bis in die Nähe der Stadt Bozen zum Territorium von Trient und 
damit bis 951 zu Valien und dann zu den Herzogthümem Baiem und Kärnten, 
der übrige Theil zum Herzoglhume Baiem und d^mit zum Königreich Deutschland 
(A. Huber Beit7'äge zur altern Geschichte Oesterreichs in den „Mittheilungen des 
Instituts^ 2, 307 ff). Auch seit der Verleihung der Grafschaften Bozen und Trient 
an die Bischöfe von Trient im Jahre 1027 entstand das Viertel an der Etsch noch 
lange nicht, denn die vermuthlich damals neu geschaffene Grafschaft Bozen, deren 
Geriet früher zu Norithal gehört hatte (Sinnacher 2, 9t. Hormayr Beiträge 2, 20), 
reichte wohl vom Tinne- und Breibache im Eisackgebiete bis zum Gargazonerbaehe 
oder (wahrscheinlicher) bis zur Passer, erstreckte sich aber, wie es scheint, auch 
am linken Etschufer nicht viel über Boten hinaus und noch u?eniger wohl je über 



Neuhau». 189 

Newnhaase von seinen läuten und auch von seiner dienstleute läuten und 
auch Ton allen andern läuten. Da ist pei gewesen, do die altsezzen gesagt 



doi rechte Elschv/er (A. Huber j Die Entstehung der weltlichen Territorien der 
HoehMtifter Trient und Brixen. Wien, 1882, Die hier niedergelegte Ansieht über 
die Entstehung und Zugehörigkeit der Grafschaß Bozen findet weitere Bekräfti- 
gwng in dem Schiedssprüche K. Rudolfs L vom 21. Juli 1276 und dem Commis- 
wnsbriefe Fabst Nicolaus IV. vom 9, Juli 1290 Bibl, tiroL D. n, 1331 Nrn. 48, 
90 M»e,, sowie in den Doeumenten Font. rer. austr, D. 31, 16. 17. 113; Sinnaeher 
2, 170 Böhmer Äctap. 838). Das rechte Etschufer blieb auch forthin ein Bestandlheü 
der (Grafschaft Trient, nur dass die Bischöfe von Trient ziemlich früh, wie es scheint, 
den Strich vom Nocebache bis Vorst bei Meran an die Herren des Schlosses Eppan 
verliehen und so die Grafschaft Eppan sich bildete. Erst als die Bischöfe von Trient die 
Grafschaft Eppan stückweise an die Grafen von Eppan verliehen und den Grafen von 
Tirol den Mitbesitz der Grafschaft Bozen gewährten, war den letztem die Mög- 
lichkeit geboten, durch geschickte Benützung der Verlegenheiten und Bedrängnisse 
der Bisehöfe und der Grafen von Eppan, namentlich des Bischofs Egno von 
Eppan und seiner nächsten Nachfolger, die frühem Besitzer aus beiden Graf- 
schaften zu verdrängen. Wenn aber auch schon Meinhard II. die Bischöfe ganz 
aus dem deutschen Etschlnnde hinausgeworfen hatte, so wurden doch in den fol- 
genden Zeiten ein paar Bezirke, wie die Gerichte zu Bozen, zu TVamtn und zu 
Metz (Boneüi Notiz, 3, 222) den Bischöfen zurückgestellt und andere, wie Kaltem, 
Uieben noch längere Zeit ein Gegenstand des Streites. Diese Verhältnisse consoli- 
Orten »ich erst im Laufe des 15. Jahrhunderts, wo Erzherzog Sigmund noch das 
bischöfliche Gericht in Bozen erwarb (Brandis Landesh. 255) und die bischöfliche 
Gerichtsbarkeit im deutschen Etschlande auf die im Markte Tramin beschränkt 
wurde. Tramin verblieb allerdings noch bis 1777 ein bischöfliches Gericht und 
mehrere andere Schlösser und Gerichtsbarkeiten bekannten die Grafen als Lehen 
TrientSj aber diese Lehensabhängigkeit gerieth immer mehr in Vergessenheit und 
die einzige Ausnahme hinderte nicht die Entstehung des Viertels an der Etsch, die 
wir also in das 15. Jarhundert verlegen müssen. 

In dieselbe Zeit fällt die Ausbildung des Viertels am Eisack. Dtu Gebiet 
desselben lag in älterer Zeit, mit Ausnahme von Taufers, ganz in dem Gau Notilhal, 
der ja von der Melach und dem Ziller im Norden bis über Bozen und bis zum 
Gargasumer oder Aschlerbache, vielleicht sogar bis zur Passer und Etsch im Süden 
reichte und im Osten in Weitenthal und Enneherg an das Pusterthal stiess, 
(Sinnaeher 2, 102 ff.). Als aber König Konrad II. im Jahre 1027 der Kirche 
von Brixen diesen Comitat übergab, da machte er im Süden die Grenze des Bis- 
thums am Tinne- und Breibache auch zur Grenze der Grafschaß und bald theilten 
die neuen Herren dieselbe in mehrere Theile, indem sie einen Theil davon in 
eigenen Händen behielten, mit den übrigen aber verschiedene Familien belehnten. 
So erseheinen ziemlich sicher schon gegen die Mitte des 12. Jahrhunderts die Grafen 
von Tirol im Besitze von Grafschaftsrechten im Eisackthale und ein Menschenalter 
später lassen sich die Andechser aU Grafen im Innthaigebiete zwischen Melach 
und Ziüer nachweisen (Huber, Die Entstehung etc. 18 ff.). Wie im Etschlande, so 
vmssten auch in Norithal die erstem nach dem Aussterben der letztem alle andern 
Famüien, namentlich auch wieder die Eppaner, durch List und Gewalt zu ver- 
drängen und die Bischöfe von Brixen auf wenige Gerichte zu beschränken. Doch 
gelangte hier der Kampf mit den Bischöfen schon im wesentlichen mit dem Ende 
des 13. Jahrhunderts zum Abschlüsse, als auch der Gewinn trientnerischen und 
eppanschen Besitzungen und Gerichtsbarkeiten in Samthai und auf dem Rittener 
und Vilanderer Berge bewerkstelligt war. Aber bis diese Errungenschaften voll' 
ständig gesichert und auch gegen den seit der Mute des 15. Jahrhunderts gerade 
hier mächtig emporstrebenden Adel behauptet, bis die Theile der Grafschaft Öozen 
und die gewonnenen Gerichte im Norithal zu einem neuen Bezirk verschmolzen 
waren, brauchte es doch ein paar hundert Jahre. Das schliessliche Ergebniss war, 
dass die Bisehöfe von Brixen nur die obgenannten Gerichte noch be?uiupteten, die 
Geriete und Schlösser Taufers, Bodeneck, Gufidaun, Trostburg, Prössels, Aichach 



190 Neuhau9. 

habent, herr Sweykert von Prandez, herr Rämprecht von Pajrsperch, 
herr Wemher von Ochsenpühel, herr Haintzel Yinche von Chatzenznnge, 



und Strcasherg, aber als bischöfliche Lehen an die Grafen von THrol fielen (Skmachar 
6, 226 f.) und diese Lehenshoheit immer melir sehwand. 

In die letzten beiden Jahrhunderte des Mittelalters fallt auch die Entstehung 
der Hauptmannschafl an der Etsch, deren Competenz im Laufe des 15, und 
amfangs des 16, Jahrhunderts über das ganze Gebiet der Grafschaft Tirol südlieh 
vom Centralkamm der Alpen mit Ausnahme des Pusterthaies und in hesehränk- 
terem Ma^se selbst ilAer die beiden Fürstenthümer TVient und Brixen sieh er^ 
weiterte und so zur Landeshauptmannschaft wurde. (P, J. Ladurner, Die 
Landeshauptleute in Tirol. Archiv 2, 1 — 40), Die Würde, von der diese den 
Ausgang nimmt, taucht zuerst in der Regierungszeit der Söhne Meinhards ILf des 
Prinzen Johann von Böhmen und des Markgrafen Ludung von Brandenburg <Muf; 
da erscheinen in den Urkunden und bei dem Chronisten Goswin von Marienberg 
wiederholt die Ausdrücke: vicedominus^ provisor terrae und capitaneus terrae; sie 
bezeichnen den Stellvertreter der Landesfürsten^ den Verwalter des Landes, dessen 
Einsetzung ihre öftere Abwesenheit nöthig machte. Als solcher hat er nicht bloss 
die militärische, financielle und administrative Leitung des Landes, sondern steht 
auch an der Spitze des Hofgerichtes, und spricht gleich dem Landerfürsten den- 
jenigen Recht, die von den gewöhnlichen Gerichten eximirt sind; zugleich ist er 
wohl auch Landrichter von Gries-Bozen, ein Amt, das unr noch in der zweiten 
Hälfte des 13, Jahrhunderts, wo noch Adel, Ministerialen, Bürger und Bauern in 
allen Sachen vor einem gemeinsamen Richter Recht nehmen, den Burggrafen von 
Tirol in Stellvertretung des Landesfürsten Üben sehen (Bibl. tiroL D. n. 227, 
32 Ms,) Eine so ausgedehnte Gewalt verliehen die Herzoge von Oesterreieh jedoch 
an keinen ihrer Diener mehr, obwohl auch die ersten Grafen THrols aus diesem 
Hause in der Regel abxcesend waren, Sie schlössen nicht bloss von den AnUs^ 
befugnissen ihrer Stellvertreter die wichtigsten, die Verleihung von Lehen aus, 
sondern theilten, toie es scheint, wenigstens zeitweise, das Land in drei, in vielen 
Stücken einander beigeordnete Verwaltungsgebiete, das des Hauptmannes im IwühaU 
mit seinem Sitze in Hall (Huber, Vereinigung Nm, 387, 389, 407, 408), das des 
Burggrafen von Tirol und das des Hauptmannes an der Etsch. Da indessen die 
Zahl der Eocemptionen von den Landesgerichten sich wohl stark vermehrt Aatfe, so 
konnten an den beiden Orten, die inmitten der zahlreichsten Adelsansitze lagen, zu 
Meran'Tirol und Bozen- Gries, wo auch die Mittelpunkte für die Landgerichte 
waren, um so leichter sich die „Hof rechte'^, zwei später zu einem vereinte AdelS' 
gerichte in Civilsachen unter dem Vorsitz des Hauptmannes an der Etsch, ent- 
unckeln. Die Hauptmannschaft im Innthale ging jedoch bald wieder ein und ward 
um so überflüssiger, als mit Friedrich IV. die Landesfürsten ihre dauernde Residenz 
zu Innsbruck aufschlugen. Die Burggrafen von Tirol hingegen wurden Indd völlig 
von den Hauptleuten an der Etsch überflügelt, denn diese Würde gelangte gegen 
Ende des 14, Jahrhunderts in die Hände der mächtigsten Adelsfamilien und Vure 
Inhaber waren die Führer des gesammten Adels. Da deren Besitzungen iÜter das 
ganze Eisack- und Etschthal reichten, so lag die Erweiterung ihrer Macht Über 
diese Gebiete sehr nahe, besonders über die österreichischen im nördlichen Eisach- 
gdfiet und im Vintschgau, die zu Folge ihrer Lage sich an das Innthal nicht gut 
anschlössen. Es war nur ein weiterer Schritt in dieser Richtung, wenn cUtnn unter 
Erzherzog Sigismund die Würde eines Hauptmannes an der Etsch mit der des 
Burggrafen vereint wurde; nachdem die landesfürstliche Macht sich siegreich über 
die des Adels eihoben und dessen Widerstand für immer gebrochen, hatte eine 
solche Vereinigung nichts Bedenkliches mehr. 

Dieser Kampf zwischen dem Landesfürsten und dem Adel wirkte aber auch 
nocl^ in anderer Weise auf die Stellung des Hauptmannes an der Etsch ein; war 
er bis zum Schlüsse des 14. Jahrhunderts nur Stellvertreter des Fürsten, so wurde 
er in der Folge dadurch, dass er im genannten Kampfe an der Spitze des Adels 
stand oder in dem Streite zwischen dem Herzog und einzelnen Adeligen als Führer 
des übrigen Adels und der andern Stände vermittelnd außrat, dauernd zum Haf^te 
seines Standes und der gesammten Landschaft und wum Vertreter von deren In- 



Neuhau». 191 

herr Wilhalm von der Prukk ze Furmian, herr Berohtolt von Lawnen- 
bnrch, herr Erhart und herr Otte von Andrian, Eppe ab Tysens, der Gey- 
tiger, herr Philippe von Praunsperch. 

So sint daz die leut in dem ampt ze dem Newnhaus, die daz gesagt 
habent auf iren ait, daz ist Heinrich von Putzan, der alte Chofler von 5 
Patsan, mayer Tolde von Nalles, der Huber, Fritze der Zant, der Ganler 
und der alte mesner von Nalles, Hiltprant von Fulpian, Meinhart von 
Flanetz, Fritz von Gereut, der Hohenrainer, Gerolt von Terlan, der Chofler 
YonBomBin, Chunrat der Grüner, Ulle der schustervonGlantzan, mayrUl- 
riech von Muntigel, der Holtzmann von Muntigel, mayr Manie, der EEar- 10 
nasch, der Garverlorn, der Pherseich, Ulreich der mayr von Gämd, Egen 
der mayr, Gemober von Andrian, Fritz an dem Pühel von Muntigel, 
Albrecht von Bobatsch, des Harnasch prüder, Chunrat, der alte mesner 
TOD Terlan. 

Daz ist, daz si des ersten habent geseit, daz auf den wisen enunt 15 
der Etsch niemant hüten sol, weder ochsen, rinder, noch ros, wan meins 
herm von Tyrol ochsen und sechs rinder zu den schiltchnechten, und dem 
hofmeister zwen ochsen, und eins ohelners und eins purchgraven ochsen 
nnd phert, die weil er lebt, und die selben sullent gen in den Sakken und 
8wa si wellen, &n auf meins herm des chuniges wisen nicht. 20 

Es sullent auch drei saltner sein, die diu hut in dem Sakken und 
auch underthalben habent. 

Meins herren, des chuniges, phärt gen enhalben und dishalben der 
Etsch, wa si wellen, untz an den Eysak; si sullent auch in dem Sakken 
gen, wa si wellen. 25 

Ez sullent auf der Artlunge sein zwen saltner, die meins herren 
wisen hüten, und anderer laut enunt des Griezzes und hie dishalb. Die 
saltner enunt der Etsch und hie dishalb, die sullent meins herren saltner 
sein von Tyrol, die ein chelner setzet, und sullent gen in meines herren 
fride, der sol si beschirmen und sein chelner. 30 



teretten gegenüber dem Landetfüriten, In dieser Eigensehaß erachemt er schon 
deutlich nach dem Beschlüsse der Stände vom Jahre 1443, Dagegen bildete sieh 
Jur die Finanzgeschäfte ein eigenes Amt, das des Amtmannes y seit Sigmund f,Obristen 
Amtmannes^ an der Etsch (Brandis Landesh. 240) und die Stelle eines Land- 
richters wm Boxen-Ories war schon im Laufe des 14. Jahrhunderts, gleich jener 
wm Merasif auf einen eigenen Beamten datiemd übergegangen. Die bezeichnete 
DoppeUialur, die eigentlich einen Widerspruch in sich volvierte, verblieb der Landes- 
haiptmannschofl bis ins 18. Jahrhundert i doch Überwog immer die Verpflichtung 
gegenüber dem Landesfursten und so kam es, dass der Landeshauptmann sowohl 
als VertDoUer Südtirols wie als Präsident der Hofrechte in Abhängigkeit von den 
Innsbrueker Behörden gerieth, und dass in Maria Theresid's Zeit diese Würde mit 
der Oouvemeurswürde vereint wurde. Das Erstarken der landesfürstlichen Macht 
hatte sieh Übrigens schon in der Unterordnung des Adels im Pusterthal, wie im 
Inn- und Wippthal, unter die Innsbrucker Regierung, die für ihn die Stelle der 
Landeshauptmannschaft vertrat, in entschiedenster Weise ausgesprochen (Burglechner 
2, 426), Die Selbständigkeit, deren sich die Landeshauptmannschaft nach der 
Wiederherstellung der von Kaiser Joief IL gestürzten ständischen Verfassung (1 796) 
Us mm abermaligen Stwz derselben (1808) erfreute, kehrte auch mit Oesterreichs 
Herrschaft bis in die neueste Zeit nicht uneder; erst die gegenwärtig gUtige Verfassung 
hol beide Würden wieder getrennt und ihre Wirkungskreise strenger gesondert, 
(VergL A. Jäger, Oesehichte der landet. Verf. Tirols 2, 28 f. 400 ff,) 



192 Neuhau*. 

Ez sullent eins ohelners phärd gen auf der Artlunge, swa sie wellen, 
und seiner undertanen, der frumen, die einem amptmanne wartend. 

So sullent Fassayrer phärd gen auf der Artlunge von sand Qeorien 
tag untz auf phingsten, swa si wellent, wan auf meins herren wisen von 
6 Tyrol niht. 

Ez sullent auch ohain andre phärd da niht gen, wan auf der gemaine, 
da mach man auf hüten phärde, rinder und swaz man wil. 

Ez sullent auch meines herren häwpräust ze iedem häw nemen auf 
den obern wisen zwen schöber und auf der Artlunge zwen schöber, und 
10 nicht mer. 

So sol man geben iedem schergen ze iedem häw ainen sohober auf 
der Artlunge in wisen. 

So sol man geben einem Schreiber, der eins amtmannes schreiber 
ist, auf den obern wisen einen schober und auf der Artlunge einen 
16 schober. 

So sint daz, die diu prukke machen sullent datz dem Newnhause. 
Tysner sullent geben allez daz grozze holtz, daz man bedarf darzu, trämen 
und jöcher und stekken, als oft meins herren amptman sieht, daz sein 
not ist. 
20 So sullent Meltner geben allez daz dilleholtz, daz man darzu bedarf, 

als oft sein not ist. 

So sol daz ampt ze dem Newnhause plew machen und pinten und 
pezzern, als oft sein not ist, und sullent daz tun alle laut gemainleich pei 
sogetaner pen, als man in danne auf setzet. 
25 Ez sullent auch Tysner und Meltner und Newenhauser chainen wein 

niht zollen, den sie in irem gericht zeren wellen oder in iren häusem, 
darumb daz si deu prugge machent. 

Ez sol auch mein herre holtz nemen gen Griez und gen dem Newn- 
hause, und swaz er sein hin bedarf, under Greifenstain auz dem perge 
30 nemen, wan er meinem herren an gehört gen dem Newnhause, seit Greifen- 
stain nider geworfen wart. 

Man sol auch meinem herren holtz nemen auz dem perg ze Andrian, 
als oft man sein bedarf gen Griez und gen dem Newnhause, wan er auch 
meins herren ist und gehört gen dem Newnhause, seit daz Andrian nider 
36 geworfen wart. 

Ez hat mein herr einen perch, haizzet der Fuchwalt auf Melten, da 
sol mein herre holtz auz nemen, wanne er sein bedarf, und sullent daz 
Meltner füren und machen gen dem Newnhause, und leit der perg ze 
Versnayt datz Sant Georien. 

40 Ein perch haizzet Grunin, da sol mein herre auch holtz auz nemen, 

swenne er sein bedarf gen dem Newnhause. 

Ez sullent auch Tysner helfen zu meins herren häw mit läuten und 
mit wägen. 

Ez sullent auch Eppaner meins herren zinswein allen füren hintz 

46 dem Newnhause in den cheler. Si sullent auch fiiren staine zu dem chalch, 

so sein mein herre nicht geraten wil, zu dem Newnhause, und den selben 

chalch und ander füre, der mein herre nicht geraten wil und ze not bedarf. 



NeuhoH», 193 

Ez hat auch mein herre den gewalt, daz er sendet anf Melten vier 
ochsen auf den waid ainist in dem jare. 

So sint daz pauläut, die meinem herren dienen suUent und die ochsen 
auf Iren hoven habent von hertzog Meinhart, die er geben darauf hat, und 
sullent ie zwen ochsen xxx phunde wert sein. 5 

Item Chobolts hof ze Staueis sol dienen mit einem wagen. 

— der andere hof da selben sol dienen mit einem wagen. 

— der Tumhof mit einem wagen. 

— Albrechts hof ze Sels mit einem wagen, und sol lazzen ein halbez 
jauch achker ze chraut. ^ 10 

— mayr Minigen hof auch also. 

— mayr Mänleins hof auch also. 

— des Chelerchnechtes hof auch also. 

— der mayrhof ze Terlan mit einem wagen und sol lazzen ein halbez 
jauch achker ze chraut. 15 

— Nikiaus hof ze Terlaü auch also. 

— Weiz und Swartzes hof auch also. 

— Tatans hof auch also. 

— der hof in der Maur auch also. 

— der hof ze Hohenrain auch also. 20 
Item so sol der mayr von Muntigel dienen mit einem wagen. 

— mayr Ulreich mit einem wagen. 

— der Holtzmann mit einem wagen. 

So sint daz die andern läute, die mit wägen sullent dienen, si sein 
meins herren oder andern herren laut: 25 

Item der Bobätschhof mit einem wagen. 

— der Lehner mit einem wagen. 

— der Garverlom mit einem wagen. 

— Marke von Geräut mit einem wagen. 

— Naters hof mit einem wagen. 30 

— Malusch mit einem wagen. 

— Fritz mit einem wagen. 

— der hof in dem Haslach. 

Und die wägen sullent füren und dienen, als oft man ir bedarf, ze 
holtz, ze häw, ze stainen, ze chalch und ze allen deu, und man ir bedarf, 35 
den heiligen tak ze weihennacht nicht versitzen, ob sein not ist. 

Daz sint die läute zu Fulpian, die mit wägen sullent dienen und ze 
chraut sullent lazzen ie der man ein halbez jauch achker. 

Item der Weizze mit einem wagen und ein halbez jauch achker ze 
chraut. 

— der Müterhof auch also. 40 

— der Hiliprandes hof also. 

— mayr Nikiaus also. 

— der Geräuter also. 

— der Gander also. 

So dienent die mit wägen und lazzen ze chraut: der Flanch ze 45 
Fulpian ob dem pach. Meinhart von Flanetz, der ander hof ze Flanetz. 
Oesterr. Weifthümer. Y. 13 



194 NeuhoH». 

Daz sint die läute, die meinem herren dienen snllent mit tagwe 
in dem ampt ze dem Newnhause ze häw, ze holtz und ze sweu in 
bedarf) den weihennachttak nicht ze yersitzen, ob sein not ist. 
Itein ze Fulpian des Weizzen haus. 
5 — des Churtzen haus. 

— Pemharts haus an der Rinnen. 

— Staudenfuchs und zwai seithaus, sint Chuntzleins von dem S 
ligent an dem Griez. 

— Aber ein haus Chuntzleins von Stadel ob der gazzen. 
10 — mayr Niki seithaus. 

— des Planchen seithaus. 

Daz sint die läute in dem perge. 

Item dem (!) herrn von Wildeben. 

— der Waltfoger. 

15 — der Tschirkler Arnolt und Simeon von Lugay, Adam da s 

Podemchäs. 

— Purcharts haus ze Geräut. 

— Wernharts haus. 

— der Geyger. 
20 — der Grünner. 

— Hetzentoldes Grasser haus, daz under im gelegen ist. 

— der Chrein. 

— Jäkel der Tyel. 

— Fritze ze Terlan. 

25 — Ulreich der Däwinel. 

— der hinchende Tolde. 

— Johan. 

— die Mayrin in Torkel. 

— Märchleins haus. 
30 — Pänschlinner. 

— Wernherren. 

— Erntätzlin. 

— Garverlorn. 

— Zuchentzapfen. 

35 — daz haus, da Hatschrät inne ist. 

— Engelmar der Pietz. 

— Gerunch. 

— frau Eyte von Staueis. 

— der Stainer. 

40 — dcu alte Staulerinne. 

— Walcher und Norellc. 

Daz sint die laut von Rumsoin ob dem perge: 

Item Eberle von Chräutz. 

— der Durraher. 
45 — der Paumriser. 

— der Ekker in Glanye ze Steivels. 

— der Underchofler. 



Nefthaun. J95 

— der Mayr von Rumsein. 

— Tolde ze Glantzan. 

— Ulreich der schuster. 
— - der Riser, der Sanger. 

— - Pontschen Geräut. 5 

— der hof auf dem Pühel. 

— Mayr Ulreichs haus da selbes. 

— Mayr Ulreichs gut ze Geräut. 

Daz sint die läute ze Nalles, die mit wägen dienen sullen in daz 
)t ze dem Newnhause, als oft man ir bedarf, ze holtze, ze häw, ze 10 
Qe, ze chalch, und ze sweu man ir bedarf, den weihennachttak nicht 
rersitzen, ob sein not ist, [mit] wägen. Noch ledige läute: Item 
nrich von Putzan. Der ober Putzaner. DerChofler. Der Ganstreinor. Der 
imann. Der Huber. DerLeyse. Der in dem Mayrhof. Der in der Hülbe. 
Hover. Der Mulner. Der Engenpaumer. Der mitter Mayer von Sand 15 
ilien. Der nider Mayer da selben. Der Ganler. Mayer Tolde. Aber der 
jenpaumer und Fritze der Zant. 

Daz sint die hove zu Nalles, die meinem herren halbez jauch achker 

ent lazzen ligen ze chraute, ie der hof ein halbez jauch. Item Mayer Tolde 

halbez jauch. Der Huber ein halbez jauch. Der hof in der Hülben 20 

halbez jauch. Der Engenpaumer ze Sand Vigilien ein halbez jauch. 

müter Mayer da selbes ein halbez jauch. Der hof ze den Stadeln ein 

3ez jauch. 

Daz sint die laut und die häuser ze Nalles, die mit tagwerch dienen 
ent, als oft man ir bedarf und ze wen man ir bedarf, ze häw, ze holtz, 25 
weihennachttak nicht ze versitzen, ob sein not ist. Item des Ga- 
shärs haus. Des Hülbars haus. In der Mül. Des phaffen haus von 
nan. Des Druseis haus. Poltzleins haus. Haintzen haus ab Syrmian. 
shtoldes haus ab Syrmian. Mayr Tolden haus, daz under der Hüben 

Des Chrophes haus an der gazzen. Der Egenin haus. Ulreichs des 30 
ises haus. Chuntzleins des schusters haus. Des Hubers haus auf der 
'^n. Des Hubers haus ab dem Cheler. Daz haus in dem obem Loche, 
haus auf demStaync. Mayr Tolden haus. Des Gauls haus. Des Zandes 
3, daz zu der müle gehört. UUeins haus in dem garten. 

Daz sint die läute zu Andrian und auf Gäude und auf Pradonye, die 35 
wägen und mit tagwerchen dienen sullent, als oft man ir bedarf, ze 
, ze holtze, ze stainen, ze chalche, den weihennachttak nicht ze ver- 
inne, ob sein not ist. 

Item der Schorn dient mit einem wagen. Item der Sträwn mit 
m wagen, 40 

Dieledigen läutsintdaz. Ze Gizzubel des Sprengen gut. Carnober 
stans haus. Geyseln haus, daz frau Mächtilt inne was. Sprengen haus, 
gnt underm perge. Sweiker der Egerder. Mayr Tolden haus. La- 
gers haus. Des Chraphen haus. Herren Dietmars haus underm perg. 
jyders haus, daz Sand Vigilien angehört, auf Pradonye. Daz gut ze 45 
ärs. Fritzen haus. Elbegast haus. Der Praunwiser. Daz gut an dem 
en. Der Leitgeb. Der Zigel. Der Cherer. Der Roter. Der Chofler. 
r Ülr eich auf Gäud. Der Egener. 

13* 



196 Wangen. 

Und swer meinem herren dient mit sweinen, der sol ein sweinmntex* 
lazzen auf dem gute. 

Daz habent die altsezzen laut geseit auf iren ait, daz daz meins 
herren gesetzes hofrecht sei, als ez von hertzog Mänharts zelten \%t 
6 gewesen. 



25. Wangen?^) 



A. Papitrhd». au» dfm Anfangt des 16. Jahrk. 4^, 16 Bl. (von Bl. 14 an Notiaen von P. Jtutinian 
Ladurner) im Nachlasse de*»elh«n. — B. Eine Abschrift des P. Justinian Ladurner ohne Ang<U>e 

der Vorlage. 

1338. 

Das sint die recht und die gesetzt des gerichts zu Wangen, die bestät 
sint von frauen Ofmeyn, der edlen herzogin in Kärnthen und gräfin zu 



*) Da« kleine Gericht Wangen war am, Südvoestabhange de» EiUnerge b irget 
gelegen und reichte vom Talferfluate hia auf die Höhe; e» grenzte vn Norden an 
die Gerichte Samthai und Vilander», im Osten an Stein auf dem Ritten^ tm 
Westen an St, Jenesien und im Süden an das Landgericht Bozen-Grie». Die Ent- 
stehung dieses Gerichtes^ das in ältester Zeit zu Norithcd und dann vjohl sw 
Grafschaft Bozen gehörte, hängt vermuthlich mit der Ansiedlung de» Freiherrn- 
geschlechtes Wanga zusammen, das wahrscheinlich au» Graubünden oder der 
übrigen Schweiz stammt, (Just, Ladurner, Die Edlen von Wanga in Tirifl. 
Arch. 2, 209 — 76). Ihre Einwanderung in diese Gegend scheint eben m die Zeit w 
faUen, wo die Eppaner durch die Tiroler Grafen verdrängt wurden, und »o Uegt 
die Vermuthung nahe, dass die Bischöfe von Trient in ihnen ein Gegengeufieht g^tm 
diese suchten; daher gewährten sie ihnen die Gerichtsbarkeit in dem erwoi4>enen 
Gebiete. Ihr ältester Ansitz war wohl das im Anfange de» 17. Jahrhundertt 
schon völlig zerfallene Burgstall St. Johanneskofl oder Wangen, auf einem Fdseir 
vor Sprung nahe dem St, Johannes- Kirchlein (Wolkenstein, Chronik 14, 171. 184). 
Im Jahre 1209 wurden dann die Brüder Adalbero und Berthold von Wanga mit 
der Anhölie und dem dabei befindlichen Meierhofe zu Langeck von Bischof Frie- 
di-ich V. Wanga belehnt und erhielten die Erlaubnis», daselbst ein Schlos» zu honen 
(Cod. Wang. 181), das im Jahre 1215 wirklich gebaut wurde und in älterer Zeit 
Wanga- Bellermonf, später aber im Volksmunde Schloss Langeck hiess. Dieser Haupt' 
»itz' der Freiherren von Wanga wurde aber kein engerer Bestandtheil de» Gerichtet 
Wangen, sondern erhielt seinen eigenen Burgfrieden (Wolkenstein 14, 184; Stc^fUr 

2, 1072); das Gericht erscheint am Anfange de^ 14. Jahrhunderts schon mit den 
am äussersten Süduyestende desselben gelegenen Schlosse Ried verbunden (Ltuiumer 
270), dessen znerst im Jahre 1237 Encähnung geschieht (Wolkenstein 14, 184) 
und das nach Zerstöining des andern Hauptsitzes der Wanga, des 1237 erbauten 
Schlosses Rnnkehtein, gleichfalls ein Hauptaufenthalt der Familie geworden (TiroL 
Arch. t, 292 f.). Nach dem Ausstei-ben der Freiherren von Wanga wurde Runktl- 
stein vom mächtigen Ritter Gottschalk Knoger wieder erbaut, doch erscheinen von 
nun an die Schlösser und das Gericht gewöhnlich in verschiedenen Händen. 

Albero HI. von Wanga, der letzte seines Stammes, verkaufte 1307 das 
Gericht Wangen mit dem Gerichtssilze Ried an Euphemia, Gemahlin des Herzogt 
Otto von Tirol- Görz. Von den Inhabern des Gerichtes im weitem Verlauf de* 
14. Jahrhunderts, nach Euphemias Tode, sind nur Heinrich Mayr (1349), Konrad 
Schinlin von Kaltem (1350), Ekard von Ried und dessen Söhne und Hans von 
Starkenberg (1381) bekannt (Brandis, Landesh. 69. Burglechner 3, 4, 1067; 

3, 52n. Staffier 2, 1075). In der Mitte des 15. Jahrhunderte lag das Gericht 
einige Zeit in den Händen dei' Golde^ger, So belehnt Herzog Sigmund (1449) 
Christof Goldegger mit der Feste Ried, dem Gei-ichle Wangen, der Feste Raven- 
stein und einem Hofe zu Crispian, die von seinem Vater Alphart dem Goldegger 



Wangen. 197 

Tirol und zu Görz, und aufgesazt sint, da tod Oristi geburde vergangen 
waren tausent und dreuhunderi jar, darnach in dem achiunddreissigisten jar. 

Wie die aitschwören das gericht bei alten rechten halten 8t)llen. 

Zum ersten öffnent si, das die aitschwören geschworen haben, das si 
alle die recht und gesezt, als si dann *) bei denen von Wangen ^) gewesen 5 
siot, das si das gericht dabei ^) halten sollen, und mein frau wil si dabei 
lassen bleiben. 

Wie man die recht mern oder mindern *) soll. 

Damach öffnent si, das die aitschwören die gesezt und die recht, wo 
inen die zu schwär oder ze ringe wären, nach meiner frawen und des 10 
richters rat ringem und höchren und pessern mügen. 

Wie der richter sitzen und nit dingen soll. 

Item, so öffnent'^) si, das der richter sol sitzen als ain gemainer richter 
dem armen und dem reichen und soll niemant strafen umb sein urtail und 



an ihn ge/aüen, und dann 1454 mit denselben Lehen des ersteiii Kinder (Lich- 
wnosky, 7. Bd. Reg. Nrn. 1472 c und 1926b). Im Jahre 1470 belehnte Erzherzog 
Sigmund damit Leonhard von Weineck ( Schatz- Arch.-Rep. /, 08. 282. 283. 348. 
588J und Adam von Weineck verkaufte Gericht Wangen mit Schloss Ried 1502 
an Paul von Lichtenstein (ib. /, 1167)^ der es schon 1506 dem Bartholomeus von 
Fh-wuan kaufsweise überliess, daher Neußrmian genannt. Georg Freiherr von 
ftrmian verkaufte dann 1539 das Gericht Wangen mit allen Herrlichkeiten^ Fischwaid 
ttnd Wasaerrechty Federspidy Jagd und Wildbann an die jüngere Familie von 
Wangettf die wahrscheinlich von einer Meraner Bürgerfamilie stammt. Bei dieser 
verblieb es, bis die Gebrüder Jakob, Christof und Ulrich von Wangen 1602 das- 
tdhe an den Freiherm Marx Sitticus von WoÜcenstein- Trostburg verkauften (Staffier 
2, 1076. Wolkenstein 14, 181), nachdem es noch vorher Erzherzog Ferdinand zu 
Gunsten des Hilbrand von Wangen, der ihm einen grossen Acker bei Meran über- 
liess^ zu einem Allod gemacht (Burglechner 3, 4, 1067). Die Wolkensteiner be- 
Udten dasselbe über 200 Jahre; erst 1806 verkauften sie dasselbe an die Witwe 
^on Menz. In demselben Jahre incorporierte es die baierutche Regierung dem 
Landgerichte Bozen (Kgl. baier. Reg.-Bl. 1806 S. 455) und im Jahre 1816 die 
'talienisehe dem Tribunal- und Friedensgerichte zu Bozen (Staffier 2, 1055). 
Bei der Organisation vom 1. Mai 1817 überliess dei' obgenaunten Tochter: Anna 
Hm Menz die Jurisdiction der Staatsverwaltung und Wangen wurde detn neuen Land- 
Bericht Kameid zugetheilt (Prov. Gesetzsammlung Jahrg. 1817 S. 213), 1828 afjer 
lern Landgerichte Stein auf dem Ritten einverleibt (Staffier 2, 1055) und dann 
bleich diesem mit dem Bezirksgerichte von Bozen vereint. (L.-G.-Bl. Jahrg. 1850, 
?. 28). 

Die Bewohner von Wangen nermt Wolkenstein ein armes, aber trotziges und 
törrisches Volk, welches mit den Rittnem und Vilandern das Meiste gemein habe. 
Chronik 14, 171). Dass sie ihre Rechte zu wahren wussten, zeigt ihre Beschwerde 
yoni Jahre 1683 gegen ihren Gerichtsherrn Hildebrand von Wanyen, worin sie 
klagten, dass er dem jeweiligen Richter nicht erlaube, die Briefe zu siegeln, tvie es 
•die» Herkommen und in andern Gerichten gebräuchlich sei (Mittheil. Ph. Neebs). 
Ihre Armuth erklärt sich aus dem reichen Besitz der Herren. Auswärtige und ein- 
heimische Stifter waren im Gerichte, wie es scheint, mit Ausnahme des deutschen 
Ordenshauses nicht begütert. Letzterem schenkte Albero von Wangen 1299 die 
Pfarre Wangen, die somit gleichfalls eine der altem im Lande ist (Ferdinand. 
Zeitschrift 3, 10, 52. 158). Die Gemeinde fiel mit dem Gerichte zusammen und ist 
m die drei Viertel, früher Malgreien: Oberinn, Wangen und Burgfrieden Wangen 
gttehieden. (Staffier 2, 1071). 

1) dann fehlt B. ') bei dem Wangen B. ^) gericht behalten sollen B. 
*) mindern] ringen B. *) öffnet B. So auch A. B. im 1. und 2. §. 



198 Wangen, 

soll nichts nemen, nur das ihm das recht geit, und diewoil, und er sitzt als 
aio richter, so soll er umb kain sachen geen hof dingen. 

Der geschworn recht in eelich täding. 

Darnach so ist der aitschwören recht, das in der richter die drei ta^ 
5 in eelich täding die kost sol geben, und der erste pan sol ir sein, und 
alweg durch das jar sol der zehente pan ir sein und sollen auch hinder 
fünf und zwainzig pfunden kaine pan geben, nur was darüber tuet. ^) Si 
sollen nit versprochen sein, noch an kainen rath geen, si sollen an dem 
rechten sitzen und des gerichts und lands recht besorgen und bedenken drei 
10 tag in eelich täding, und der scherg sol kain fürgepot von in nemen. 

Von der schergen Ion zu fürgepieten.*') 

Der scherg soll männigklichen für gebieten, dem armen als dem 
reichen, und soll das niemant verziechen und soll von den, die in dem 
gericht gesessen sind, ainen zwainziger nemen oder ain phant,^) und wer 
15 in ainem andern gericht gesessen ist, von dem soll er ^) nemen drei zwain- 
ziger, von den, die in dem ^^) dritten gericht gesessen sint, sechs zwainziger, 
daryber als der man im ^^) gedingen mag. 

Von ruegen^2) in eelich täding. 

Die drei tag soll mcnigklcichen ^^) eelich täding aitschwören sein **) 
20 und den aitschwören ruegen alles, das in geschechen ist oder was si wissen, 
das ruegbar sei, und was si in den *^) dreien tagen nit ruegen, das sollen si 
fürpaß nit ruegen, noch die aitschwören darumb straffen, das si es nit ge- 
ruegt haben. Man soll es in auch kunt thuen an dem ersten tag in eelich 
täding, das si es wissen zu ruegen. ^^ 

25 Von frävel, painschrot und fliessendo wunden. 

Des gerichts recht ist ain schlechter pan drcissig Schilling, ain frävel 
an zween und fünfzig Schilling, ain flicssende wund fünf und zwainzig 
pfunt, ain painschrot fünfzig pfunt. 

Nachtschad, unrechte weg und überzeyn. 

30 Nachtschad in seinem pau oder mad willigkleichen, wurd er sein 

üborwart, *') fünf und zwainzig pfunt, unrechte weg fünf pfunt, der zaun- 
rink '^) drei zwainziger, der steck drei zwainziger, der ranke '®) sechs 
zwainziger. 

Von pauhölzcrn. 

3^ Piinholz meiner friiuen wall, Wanger wall, fünfzig pfunt, Gruebcn 

fünf pfunt, 2^) und ist von petwcgen in den pan gelogt worden und gehört 



•') trift 11 •) fürpietcn 11 ">) pfnndt li. O) von dem nhlt B. 

•") die dem dr. B. '«) man mit ihm B, >^) rigen A. *»3) miinniglicli /*'. 

") ae'm fehlt B. t^) den frhU B. »f) rigen ^1. i"^) uberwest /;. 

'*') zaunrink] zwainzig //. >9) r»nke] prugge B. 

^") Orueben fünf pfunt fehlf Ä. 



Wangen. 199 

in die höfe der Gruenwalt, fünf und zwainzig pfunt, und ist auch von pet- 
wegen in den pan gelegt, und gehört in die höfe, und alles holz, das man 
io den pan legt, soll man legen in den pan bei fünf pfänden, und in iedes 
mannes zinsguet den stam bei ainen pfunt. 

Geding wider des geriohts recht. 5 

Wer ain geding auf sich machet, das man seine pfant aus dem gericht 
trage, ^*) ehe das man es in dem gericht Wangen ^2) fajl hat, der ist kom- 
men umb fünf und zwainzig pfunt pemer,^^) und hin wider ain on des ge- 
richts will und wort auch fünf und zwainzig pfunt. 

Wer aim haimlichen bei der nacht in sein haus geet. 10 

So ist recht, wer ainem manne bei der nacht haimlichen in sein haus 
oder in seinen gwolt ^*) geet, so soll in der man, in des haus er gangen 
ist, drei malen 2^) fragen, wer er sei; will er alsdann nit antworten, so soll 
er in geobrigen, ob er mag, und wie er in mag geobrigen. Das sol im gegen 
dem gericht, noch gegen der herrschaft nicht schaden. ^^ 

Wohin stock und part gehört. 

Wer in dem gericht zu Wangen stok und part yerdienet, den sol man 
dem gericht im Särnthein antworten. Das recht hat mein frau die herzogin 
in Särnthein gelegt. 

Wer ain aid anschreit. 20 

Wann man ^6) zu Wangen den aid anschreit, so soll man gleich '^ 
auf sein und sollen Rittner und Wanger an aide ^^) sein, und geraicht unzt 
an die Rot Want, und wer des überhebt wurd, das er es frevenlichen ver- 
sitzet, der soll dem gericht ^^) fünf pfunt pemer ^^) geben. 

Wer ainen aus seinem haus Tordert. 26 

Wer ainen aus seinem haus vordert unbeschaidenlichen,^') der ist 
kommen umb fünf pfant perner.^^) 

Wer ainem mit gewaffneter haut in sein haus lauft. 

Wer dem anderen in sein haus lauft mit gewaffenter haut und nit 
schaden thuet, fünf phunt, und herwider aus auch fünf phunt, und wer 30 
schaden thuet, nach dem schaden soll er püeßen. Si sollen auch aller her- 
wete ^^) übrig sein. 

Von schwort und messer zucken. 
Item Schwert und messer zucken ist die peen fünf phunt. 



2') traidt B. ") Wangen fehlt Ä ") perner fehlt B. 

2*) oder in seinen gwolt fehlt B. 25) (j^eu stimdt B, 

») den aid auf Wangen ausschreidt B. ^t) man gleich] menniglichen B, 

W) ain aid B. 29) gericht] richter B. ^^) pfunt fehU A, pemer fehlt B. 

'*) unbeschaideu il. ^2) perner /cA/^Ä "j herrnherte B. 



200 Wangen. 

Vom pleuen. 
Item ain pleuen fünf phunt. 

Von armbrust spannen. 

Item, wer ain armbrust frävenlichen spannt, ist fünf phunt, er leg 
5 ain pfeil auf oder nit, scheust er aber, darnach er schaden thuet, darnach 
püeß er. 

*Von rauffen. 

Item, wan zween in zoren raufiPen mit einander, ist der pan von 
icgclichem yinger fünf phunt. 

10 Vom stainwerfen. 

Item, wann ainer in zoren ain stain aufhebt, ist der pan fünf und 
zwaintzig phunt, wurf er aber, darnach er schaden thuet, darnach püeße er. 

Von verpotnen scheltworten.* 

Item Terbotne Scheltwort, am ersten, wann ainer ain haist ain pöseim 
15 krotten sun, der ist komen umb fünfzig phunt, das ander, wann ainer 
ain haist ain pesen merhen sun, ist auch kommen umb fünfzig phunt. 

Von lugpan. 

Item ain lugpan ist fünfzig phunt der herschaft, und den er angelogea 
hat, dem ist er auch vellig fünfzig phunt. 

20 Wer unrecht verhlagt. 

Item, wer ainen zu unrecht verklagt ausserhalben des gerichts, isl 
der pan fünf und zwainzig phunt. 

Wer ain frau verleymbt. 

Item, ob ainer ains frumen maus kint, muem oder diern mit wort^c 
25 verleymbt, ^^) der ist kommen umb fünfzig phunt, hat er ir nit, so schlacli 
man im ain haut darfür ab. 

Wer aim sein kint oder diern schmächt. 

Item, ob ainer aim sein kint, muem oder diern schmächt und si be- 
schlief, und biet si nit pei iren eren, der ist komen umb fünfzig phun^ 
30 oder umb die haut, hat er der fünfzig phunt nit. 

Wer dem andern unterdinget. 
Item, wer dem anderen unterdinget, ist der pan fünfzig phunt. 

Von zwier verkaufen. 

Item, wer ain ding zwier verkauft, der ist komen umb fünf und 
35 zwainzig phunt. 



^~* fehlt B, 3*) verlegt Ä. B. 



Wangen. 201 

Von übermäen und pauen. 

Item, wer den andern frävenlichen *überpaut oder übermät, der ist 
Telligdeichen* fünf phunt. 

Von wein schätzen. 

Item, was ainem wein wächst, es sei im gericht oder ausserhalben 5 
des gerichts, den soll man nit schätzen, aber was kaufwein sein, die soll 
man schätzen ; schankt er aber nach sant Martins tag ungeschazt, so ist 
er velligklich fünf und zwainzig phunt, ausgenomen ain gast oder sunst in 
nöthen mag ainer drei oder vier maß geben kn schaden gegen dem gericht. 

Item, wann ain wein geschazt wurt und jener will in darumb nit 10 
schenken und schlecht in zue, denselben wein soll er in^^) nit^ß) schenken; 
wer aber, ob er in nachmalen schankt, so mag sich das gericht des weins 
unterwinden. 

An kirchtagen nit schätzen. 
Item, an kirchtagen soll man ungeschazt schenken. 15 

Von muesnaph und weinmaß. 

Item, in eelich täding soll man alle maß phächten, es sein muesnaph 
oder weinmaß. Der muesnaph soll sein, das ir vier und zwainzig ain stär 
sein. Die muesnaph und weinmaß, die dann gerecht sein, *die sollen ge- 
recht sein* mit des gerichts mark, und welhes weinmaß zu klain ist, dem 20 
soll man ain schniz ins marck thuen, und wer darnach dapei gab, der war 
kamen umb fünf und zwainzig phunt. 

Leikauf recht. ^^ 

Item der leikaufn^^) recht: ain ieglicher leikauf ^^) hat die recht, das 
df weist mit seinem aid umb fünf pfunt, das übrig soll er weisen mit leiten. 25 

Wie leikaufen*®) auf phant nit geben sollen. 

Item kain leikauf^*) soll niemant nicht geben auf ungewunten 
^orn und auf bluetige phant, überfuer er es aber, so ist er kommen umb 
fiinf phunt. 

Wie der leikauf *2) phenten soll. 30 

Item, ob ainer aim leikaufen *^) schuldig wer und wollt es im nit 
geben, so mag in der wirt darumb phenten oder abziechen, und ob sich 
jener wert, schlecht in der wiert, das soll im gegen dem gericht an schaden 
^in, doch ungeverlichen. 

35 



* — * übermähet oder überpauet, der ist völlig von jeglichen B, 

») in fehlt B. ^) nit mehr seh. B. *—* fehU A. 3^ leigeben recht B. 

38) ligeben B, »») leigeb B. **>) leitgeben B, *>) leitgeb Ä 

") leitgebe B, ") leutgeben B. 



202 Wangen. 

Von den verpottnen kirohtagen zu Oberyne.**^) 

Der riohter soll den kirchtag zu Oberyne lassen yerpieten pei der 
peen .1.^^) phunt und wert der verpoten kirchtag piß an den pach und an 
des nidern Hofer gattcr. 

6 Von den verpottnen kirchtagen zu Sant Vilgen. ^'') 

Item der richter soll den kirchtag zu SantVigilien lassen verpieten 
auch bei :1:^^) phunt und geraicht die verpietung auf die wegschaid von 
dem Leierer hinz ^^) auf den hof. 

Die weg zu machen. 

10 Item, wann man gepeut auf, die weg zu machen, das soll man thuen, 

iegklicher hof bei ainem phunt dem gericht,^^) und die andern, die dasein, 
die mugen alle die yertrinken, ^') die nit da sein, iegklichen umb ain phunt 
und nit höher. 

Von mauern und zeun auf des obern ^^) gehört. 

15 Item, wann ^^) zween gehörd an ainander haben ligen, da ist von 

alter herkumen, das der ober maur ^*) und zein auf das sein sezen ^^) soll 
an geverde; ^^) und wa^') si nider geen, soll er si dem unteren an schaden 
wider auf machen an geverde. 

Wann ainer dem andern nit anbehabt. 

20 Item, wann ainer auf den andern klagt vor dem rechten, enprist ^^^ 

im jener, es sei mit seinem aid oder an seinen aid, ^^) doch das nit kunt— 
Schaft darüber®^) wurt gehört, da ist ietweder tail dem gericht nicht 
schuldig. 

Von dem graben hasen und rcbhuen.*»*) 

25 Item, den graben hasen und rebhuen ^^) soll der richter lassen verpieten 

pei der peen fünf und zwainzig phunt. 

Von phantung. 

Item, wann ainer dem andern schuldig ist und hat pürgen darumb, 
und wann sein zil^'-^) aus ist, so mag er das erfodern an dem selbscholn ; ^') 

30 rieht er in nit aus, so soll er geen zu den pürgen und phening und phant 
erforderen, so soll im der pürg die phant antworten, es sei von im oder 
vom selbscholn,^^) und soll im die phant gegen derschranne tragen zu aim 
wiert. Da soll es sich rechtvertigen vierzechen tag; ob es nit rechtvertig 
war, darnach auf ain^^) suntag soll er die phant dem fronpoten antworten 

35 und der fronpot soll si fail füren drei suntag an ainander; verkauft er die 
phant zu Wangen, so soll er hinwider geon; so soll man im umb halbs gelt 
phant antworten ; die soll er da ^^) aber verkaufen ; darnach soll man im 

*5) Obcrihn B. *6) 1] fünfzig B. *') VipiUien B. *«) fünfzig B. 

<^) Lcyrcr und Imnz B. ^'^) ^^^^ gericht] denen B. *') verdnikhen B, 

=»') andern B. ^3) Item, wann] wo B. ^) raair B. **) sein /Mt B. 

^) an grundt Ä. ^') und wa] wann B, ^^) enget B. 

^9) oder An seinen aid fehlt B W) darumb B. 6«) rebbuener B, 62) ^oit B. 

«3) Schuldner B, e*) gelb Schuldner B. ") auf ain] an B. «^ß) dann B. 



Wangen. 203 

phant antworten umb haubtguot und umb schaden. Die phant mag er alle 

drei auf alnen tag verkaufen, und die phant soll weder ^^) riohtcr noch 

richters knecht, noch der pharrer, noch sein hausvolk nit kaufen. Werden 

8i nit verkauft und soint die phant nit sechs guldin ®^) wert, so soll er si 

jenem widergeben und im haissen geben ain phant, das sechs guldin wert 6 

sei. Damit soll er fahren ^'*) in Sernthein, an dem selben phant soll im an 

seinem haubtguet nicht an abgeen, und wann er herwider kumbt,'®) so 

soll im jener phant geben umb haubtguet und umb schaden. Wer aber, das 

er im si nit geben wolt, so soll er den richter anruefen, das er im kneoht 

leich und den fronpotten, ''') dem fronpoten soll er sein Ion geben drei guldin lo 

und soll dem richter verfallen sein von dem phant wern fünf phunt, und 

dieselben benuegen phant soll man wider ins Sernthein füren, und ob es 

teur verkauft wurd, dann haubtguet und schaden ist, die übertheur soll 

man jenem wider pieten. Will er es nit nehmen, so soll er es im gericht 

an ain gemain man legen. 15 

Fronpottenlon und phant verkaufen. 

Item, wann ain fronpot phant verkauft, so ist sein Ion vom phunt « 
zween fe.'^) 

Von phantung. 

Item, wann ainer vor aim rechten auf ainen umb gult ^^) klagt und 20 
jener will im pürgen setzen zu vierzehen tagen, so soll es jener aufnemen ; 
thuet er es aber nit und beklagt in darüber, so ist der selb klager dem ge- 
richt völlig '*) achtzehen guldin. Ist aber, das er den selben pürgen auf- 
nimbt, so soll in der selb pürg und selbschol aufrichten oder aber benuege 
phant *antwurten. Dieselben benuegen phant* soll er auf ain suntag 26 
hie vail haben; werden sie nit verkauft, so gefar damit, als oben ge- 
schriben stat. 

Von gastrechten. 

Item, wann'*) ain gast herkam umb gult und man wolt in nit zalen, 
so soll er den richter anruefen umb ain recht; kam er daher am montag 30 
oder in der wochen, wann es wiir, so soll im der richter auf den nagst 
kumenten'^^) suntag darnach ain recht besezen mit dreien geschwornen 
oder mer; mag in jener nit bezalen, mag er da sein guet gehaben oder be- 
greifen. Das soll er in dem gericht zu Wangen vail fuern drei tag; mag 
er es in den dreien tagen nit verkaufen, so soll er es treiben, war '') er 35 
will; war aber, das er es in dem gericht nit vail hiet und trib si sunsten 
hin, so wer er dem gericht vellig fünf und zwainzig phunt. 

Wann klager und antwurter komen sollen. 

Item mer ist von alter herkumcn, das klager und antwurter zu 
mittem tag pei ainander sollen sein vor dem rechten ; kumbt aber der 40 

*^) weder] der li. ^^) guldin] khreiizer />*. ^^) fahren fehfl A. 

'0) aufkhomt IJ. '^') den fronpoten /cA/^ B. "^0 fe] fierer B. ^^) geldt B. 

''*) vellig fe/ilt A, pfundt B. *—* fehlt B. ^^) wann] ob B, 

'*») Qcchst khouftigen />. "") war] wo B. 



204 Wangen. 

klager für und der antwurter nit entgegen ist, und dem antwurter wurt 
gerueft, so ist der antwurter kumen umb ain phunt dem gericht; kumpt 
er darnach, *da8 der ander tail gericht werden mag, so bleibt es bei dem 
phunt; wer aber, das er nicht kumb*, das dem andern taiP^) gericht mag 
5 werden, so ist das vorder phunt ab und ist ain peen verfallen an zween 
und fünfzig Schilling dem gericht. 

Wann man vom rechten'*) soll auf steen. 

Item auch ist von alter herkumen, wann der schatte kumbt an des 

Heußleins haus, und was klag nit in urtail kumen ist, die mag man after 

10 des verantwurten oder nit, und ist im geen dem gericht an alle^^ schaden. 

Vom pan der gewissen. 

Item, auch ist von alter herkumen, das ain ieglicher gewissen, ab 

vil man der für recht stelt und in der riohter zuespricht, hat das gericht 

von ieglichem gewissen an zween und fünfzig Schilling; war aber, das der 

15 gewissen so vil wären, das die peen über .1.^') phunt traf, so ist das überig 

« ab und ist aftermalen die peen fünfzig phunt. 

Vom stain^^) werfen oder anlassen. 

Item, wer stain warf**) oder anließ frävenleichen auf des anderen 
gehört, der ist komen umb an zween und fünfzig Schilling. 

20 Von dem wagenweg. 

Item von alter ist ain offner wagenweg von der stiegt"*) aus dem 
Reinswalt hiuz zu Sant Johanns auf dem Stain. 

Von rugung. 

Item, was in dem gericht zu Wangen geruget ist, das soll ain riohter 
25 treiben in jars frist; * treibt er es nit ein in jars frist,* so sein die, die 
gerügt sein, ®^) von dem gericht ledig und loß. 

Gesessne man nit vahen soll 

It«m, auch ist von alter herkumen, das man in dem gericht zu 
Wangen kain gesessnen man nit vachen soll, dann umb malefiz allain. 

30 Gesessne man nit verlegen soU.^^) 

Item, man mag kain gesessen man nit verlegen in dem gericht ^^) 
zue Wangen, der dem gericht gehorsam ist. 

Von der hertschaft zu Oberyne. 

Item, auch ist von aller herkumen, das ain gemaine hirtschaft ist 
35 zu Oberyne, für den soll iederman sein vich treiben, und wer des nit 

*— * fehlt A. *^) dem andern taill jenen B, ^«) von den rechten B. 
80) alle fehU B. 8.) j i f^^^. ß 82) »tain fthli A, ^^) wirft H. 
8*) stieg] Bag B, ♦-* fthU B. ^) sein fehU B. ^) soll fthU B. 
8") gericht fefUl A, 



Wangen. 205 

thnet, der soll sein vich nach miiem tag nicht auf der gmain hüeten und 
solltauf sein zinsgüetem hüeten; war aber, das er nach miten tag auf der 
gemain hüetet, den soll der richter darumb pfenten umb ain peen fünf phunt. 

Wer vich in seinem mad oder ez yindet. 

Item, wer vich in seinem mad ^^) und ez findet, so soll er jenem phen- 5 
ten; kumpter mitim nit ab, so soll und mag jener das phant für den richter 
in den rink werfen. So ist jener, der gephent ist, komen umb fünf phunt. 

Wann ainer dem anderen mit yich schaden thuet. 

Item, wann ainer dem andern schaden thuet mit seinem yich im 
mad, kom, pau oder^^) Weingarten, so soll er den andern besenden mit 10 
erbem leuten, das er den schaden schäzen laß; die soll er darzue pitten,^^) 
der den schaden gethan hat. 

Wan die redner und geschworn zum rechten komen sollen. 

Item auch ist von alter herkumen, das die redner mitsambt den^^) 
geschwornen zu mitem tag zu Wangen sollen sein pei der schranne, und 15 
welher redner da nit war, des man begeret, und das gericht darumb nider 
lag, der ist kumen umb ain fräyel an zween und fünfzig Schilling. 

Redner Ion. 

Item, auch ist der gewondlioh Ion den rednern im gericht drei guldin;^^ 
hat sie jener nit, so geh er im ain phant, das drei guldin ^^) wert sei. 20 

Redner Ion an Sprüchen. 

Auch ist gewondlichen, das man ainem redner soll geben auf ain 
Spruch sechs guldin. ^^) 

Wann ain^^) frau auß irem haus haimlich tregt. 

Item, wann ain frau mer aus irem haus haimlich trieg, dann als^^) 25 
drei stär kom, wer ir das behulf, der ist kumen umb fünf phunt. 

Wann ain knecht ain wiert liegen hies. 

Item, wann ain lediger knecht ain wiert liegen hies, der ist gegen 
dem gericht kumen umb fünf phunt. 

Mesners Ion. 30 

Item, so ist gewondlichen, das man aim mesner zue Sant Peter geit 
legclicher hof, was ir unter dem walt sein, ain viertl kom, und von Oberyne 
von iegclichem hof ain guldin, *von ainem alten menschen auszuleuten* ain 
^uldin,®^) von kindern drei vierer, und wann der pharrer mit unserm 
herm ausgieng über den Emerspach^') oder über den walt, wann dann 35 



, seiner waid B. ^^) oder] und B. ^^) bietben B. 

»♦) mitsambt den] und B. »2) guldin] phunt B. »») phnndt B. 

M) wan man ain B, 9») als] aber A. *— * fehlt B. ^) Schilling B, 

97) Ernepach B. 



206 Wangen. 

der mesner mit im geet, so soll im der, dahin man^®) geet, ain Schilling ^^) 
geben oder käß und brot darfiir. 

(Folgt die Bestätigung der Freiheiten der Grafschaft Tyrol durch Herzog 
Sigmund im Jahre 1461 und alsdann:) 

Item am suntag Jubilate, sant Jörgen tag, nach Christi gebnrt im 
tausent vierhundert und in des ainundneunzigisten jars ist eelich täding 
zu Wangen gehalten, daselbs in beiwesen des edlen und vesten Adam 
Weinegger, *^^) gerichtsherr daselbs, Sigmund Zwicknauers, ^^*) pfllegers in 

10 Ried, und ganzer nachperschaft des bemeldten gerichts mit zeitigen rat 
betracht und furgenommen, das nun hinfiir, so eelich täding notturftig 
ist zu beruefen, soll man die drei vierzehen tag vor, darnach, so derselben 
zeit yierzchcn tag vergangen sint, alsdann mar beruefen; darnach aber 
über vierzehen tag inmassen, wie von alter für und für hinzher beschechen 

15 ist, an allain das eelich täding nun hinfüran kainen suntag besessen, 

sunder die am montag darnach gehalten wurd und bei dem pan und altem 

herkumen beleih und verzogen werd drei tag nach einander, wo des not ist. 

Mer so ist vormals, auch iezt betracht und fürgenommen worden, 

das die geschworen und ^^2) aidschweren die ruegat^^*^) nun füran*^"*) mügen 

20 lassen aufschreiben, und die selb schrift in eelich täding, so der richten 
sizt, soll ofFenlichen verlesen und gehört werden, darauf der rieht er den 
geschworen zuesprech , ob si also mer oder minder ingedenk waren, 
dann die geschrift inhalt, das selb zu meren oder mindern, und so also 
durch die gesohwornen die ruegat an ir stat komen ist, sol die gehalten 

25 und im rechten angenommen werden, als ob si ofFonlich von wort zu 
wort angegeben bieten, und darauf beschechen, ^^•^) was recht und von alter 
herkomen ist. 

Solich obgesohriben erfindungen und fürnemen haben die obge- 
nanten Adam von Weinegg als gerichtsherr und pfleger und die gemain 

30 gerichtfileut zuegesagt, hinfür also zu halten und nachgeen, auch in die 
Statut *^°) zu schreiben begert und verwilligt. 

Vermerkt ain gemain *^') fürnemen und betrachtung in eelich täding 
am suntag vor Fabian und Sebastian des vierundachzigisten jars durch 
richter und geschwom die zeit und die ganz gemain des gerichts Wangen in 

35 beiwesen ^"^) Sigmundt Zwickhaucr,^^^) burger zu Bozen, als pfleger im 
Ried, an stat und mit gewaltsamb des edlen und^'^) vesten Adam von 
Weinegk, als gerichtsherrn daselbs, fürgonomen und^*^) betracht. 

Item des ersten, als vormals io und ie unzther die recht in bc- 
meltem gericht Wangen an dem suntag gehalten und gesessen sint, da- 

40 durch vil red der unpilligkait halben beschehen ist, ist gar zu lob und 
eren fürgenomen, das hinfür das^*^^ ab sein soll, und wann die notturft 
eraischt, das recht und gericht soll gehalten werden, so soll der richter 



98) man fehlt D. »9) guldin B. Joo) von Weiiicgkh 13. 
"J») Zwieckhoffers D. »02) und fehlt B. '03) riegat A. 
»•^<) füran] liinführo B. 'O») wcsten Ä. 'OG) gtütb thuot B. 
"'7) fremain/cAZ/ D. ««s) boisein B. ^^ Zwickhofers B. "<>) mA fehlt B. 
1*1) nirgenommen, erfundten und B. i*^) fürhin solliches ab B. 



Wangen. 207 

auf ainen snntag vor der kirchen an der gewondlichen gedingstat das 
fecht lassen beruefen und verkinden, wer zu schaffen hab, das der wissen 
We fürzupieten, und alle, die als geschwom, redner und ander pei 
der'*3) gewondlichen peen, wie von alter herkommen ist, auf den nägsten 
^hinztag darnach zu fruer gueter tag zeit vor mitem tagkomben, desgleichen 5 
^lager und antwurter zu mittem tag auf das langst da sein pei der peen, 
p'ie von alter herkomen ist und gewesen. 

Und als die gemain besch wärung hat gehabt von wegen, das man 
Ue die zu dem rechten erfordert hat, ist erfunden und fürgenommen, das 
er lichter mit seinen goschwornen und redner über schlechte geltschult, un- 10 
ucht, ^ '^) überpauen und mäen, auch ander schlechte sach dergleioh wol 
ichten mag, ^^^) und wo er in sollichen sachen selb wenten ist, das 
ej. 116^ genug sei, doch unter selb sibenter nit; was aber treffenlich sachen 
raren, als umb urbar, aigen, inzicht, * *') die treu und er beruerten, und 
ergleichen soll der richter zusambt den geschwornen und rednern vier 15 
der fünf vernünftig des gerichta zu im lassen erfordern, die dann bei der 
»een fünf phunt perner schuldig sein sollen, zu kommen, nidersizen*) und 
aa gericht helfen zu volfüeren ^*^) getreulich und on ge verde. Desgleichen 
u dem ersten rechten nach ehelich täding soll man der ganzen gemain 
»eruefen, die zu dem rechton gebieten, wie von alter ist beschechen; so 20 
iber ain sach in malefiz berühren tat, das soll mit ganzer gemain 
jericht und verdingt werden, wie von alter ist herkommen und behalten 
vorden. 

Item von wegen der phantung und gichtigen geltschult ist fürge- 
lommen worden, wo ainor dem anderen ain schulte gichtig ist, so er 25 
les nicht lenger peiten will oder mag, soll er**^) den richter umb er- 
aubnuß und umb den fronpotten anruefen, und so im der vergundt ist, 
nag er darnach mit dem fronpotten zu im gehen und phenten umb sein 
(chult auf beniegige phant, dieselben phant darnach gegen die schrannen 
n den gericht getriben oder getragen und zu ainem würt oder ainem 30 
mderen gemainen man gestellt und gelegt werden sollen, und da vier- 
sechen tag still ligen, und so der, der da schuldig ist, die phant in der zeit 
oit gelest hiet, so dann der fronpot darnach ersuecht wird, soll er die 
phant hie im gericht auf ainen tag failfüeren, es werden die phant ver- 
kauft oder nicht, dannoch sollen sie drei tag nach dem still ligen, und ob 35 
in denselben drei tagen der, ^^^) des die phant sind, komt und die schult 
mitsambt des fronbotten Ion gibt, sollen im seine phant darnach ohn 
widerred ledig sein; wo aber das nit beschöch zu ausgang der dreien 
tag, darnach soll der fronpot die phant in Särnthein fuhren oder treiben, 
die da verkaufen, wie recht und von alter her ist kommen. 40 

Dann von wegen der herrschaft pan umb zins und lidlon, das soll 
mit der phantung gehalten werden, wie lants recht ist. Dann von des 



113) xmd ander peen der gewondlichen A, 

11*) geschnldt Ä, geldtschaldt vil znicht B. 

115) dergleichen wohl der richter mag B, 

i'ö) wenden wohl richten mag ist, das der B, ^'"^ inzucht A. 

*) Das Folgende fehlt in hs. A. ''8) verfiihcren B, 

«««) soll er] oder will Ä «o) die Jia. 



208 Wangen, 

fronbotten Ion von der phaniung, dem soll man von den phenten in ob- 
geschribner maß folgen sein alten Ion, wie von alter herkomen ist, und 
so er die phant will fail führen in gericht, so soll er dem, so gephendt ist, 
vor austragen und von demselben austragen soll der fronbot ainen chreuzer 
5 haben; auch ob der fronbot die phant in Särnthein müest treiben, frieren^ 
oder tragen, soll im von dem weg zu Ion auf den phanten folgen unA 
zuesteen drei Schilling und darnach von dem pfunt pemer, wie von altec 
gehalten und herkommen ist, 1 1 vierer. 

Und was aus den phanten wirt gelest in obgeschribner maß, von 

10 dem soll der fronbot des ersten sein Ion haben, von dem anderen un£ 
übertheur soll der gelter, so phant begert hat, so wirdt das gelt, so aus 
den phanten gelest ist, bezalet werden; wo aber das nicht raiohet, sei der 
selb umb das, so im nicht zalt ist, aber in obgeschribner maiS angreifena 
phenten und gevarn in obgeschribner maß, wie recht ist. Wo aber diM 

15 gelt, so aus den phanten gelest, [merj dann der schult und der Schuldner wes 
dann soll die übertheur dem, der gephent ist, zuesteen und folgen. Wol^ 
aber derselb das gelt nicht annemen, solU^^) dieselbig übertheur an am 
gemain man durch den fronpotten gelegt werden hunzt auf ains phlege^s 
und des gerichts weitere erkantnus, oder wie von alt^r ist gewesen. 

20 * Vermerkt, wie das gericht zu Wangen die weg machen soll, & 

man darauf gepeut, und welcher nit kumbt und mach an dem ende, s^ 
hernach geschriben steet, der ist die peen verfallen ain phunt pemer, 
darumb in die vertrinken mügen, die da gemacht haben nach dem gebot, 
und ob man in darumb verklagt, so ist der herrschaft auch die peen ain 

25 phunt pemer gefallen. 

Item, die Wanger, Leyrer, Alber und baide Plazhöf, oder '^^) Häusel 
und das Höfel ^^^) etwann gehaissen zu zeiten, und mairhof, die sollen 
machen und anheben am plaz und machen hin durch Richtertal auf Sani 
Vilgen-egkh,'^*) und soll derSchaffauer ^^5) ^m^ je,. Güllerhof *^^) in thun, 

30 als von alter her ist kumen, damit man dester baß faren und geen müg. 
Item Liebharter, Gril, Murer, *27j Praiteben, Aschpach, Schenegk, 
Gagers, nider Partlegk, die sollen machen herab an Wanger pach hinz in 
Emerspach zu dem hoohen sieg. 

Item Mägkner hofsoll machen von hochen steg hinz an das Müssental. 

35 Item der Eirschner, Tallman und Midier, Paschler, die sollen machen 

aus dem Müssental hinz auf den Schweinkofl. 

Item die Lomstaller höf und das Wiertl und der Nackhof sollen 
machen ob dem Schweinkofl. hinz auf die Langeck. 

Item ober Partellegk, Gang und Gerolt sollen machen den obern 

40 weg für den Gangen hinz in Emerspach. 



'21) 80U] si /w. 

*) Am Schbui»e der //*. Ä. Bl. 15 und tß ist dem Folgende von J%ut. La- 
durners Hand eingetragen: „Abschrift der nntertlianen zu Wangen, welche die 
weg zu machen schuldig «ein. Aus den Statuten, so si gerichtaleut auf pergamen 
geschriben pei band haben geschriben." Wir bezeichnen diese Äbschriß mit C. 

'22) oder] der C. '23) hüffel C, '24) ackher C. '25) Schaffaun C. 

'2«) Gellerhof C, '27) Gril, Murer] Geilmurer Ä 



Wangen. 209 

Item der Pangartnor, Egger und ^^^) A ichner sollen machen von 
Egger '^^) Überher hinz an des Mägkners peen. 

Item, so der hoch steg in Emerspach nidergeet, so sollen alle die 
böf, so under dem wald sein, kaiuen ausgenomen, den steg wider helfen 
machen. 6 

Item, ob der Langegk sollen die Süller alle den weg machen an das 
krasser in Eied und darnach über das wasser under dem '*^") Rungglstain. 

Item, so ain steg^^^) hingeet, so soll ain gerichtsherr im Eied das 
liolz zu dem steg bestellen und sail leihen und speis geben denselben, die 
selben steg legen mitsambt aines phlegers hilf. 10 

Item [so], ain steeg hingeet von wasserfluß und rint für Maretsch, so 
soll der gerichtsherr den steg wider herauf verlon zu füeren, als verr man 
faren mag, und darnach sail leihen und speis geben in maß, wie vor. 

Item rint der steg nit für Maretsch, so sollen si in herauf ziehen, 
und der gerichtsherr die fuer nit schuldig sein, und um solliche arbait, so 15 
die Süller thun müessen, so soll ain gerichtsherr den Füllern, so es in 
not sei, ain recht besetzen in Kied oder auf dem Gamol mit dem richter 
und den geschwornen von Wangen, wie von alter her ist kumen. 



Nach einer Abschrift des Jtttt. Ladurner. Ha. A. Bl. 14. 

Vermerkt am suntag Letare des fünfzeheuhundertisten und dritten 
jars haben sich die richter und geschwornen in gegen wurtigkait des 20 
phlegers und an wald anstat der herschaft veraint und angesehen, wann 
und wie oft in dem gericht Wangen beschehe, das hinfür frävel und Un- 
zucht begangen werden, wie und von wem das wäre, die bedürfen die ge- 
schworen nit mer ruegen, aber bemelter pfleger der herrschaft wol macht 
haben, und so hinfür unzucht und frävel firfallen, ^^'^) von stund an, 25 
wen er wil, sein unzucht recht ze halten anruefen und nit mer schuldig 
sein, damit zu verziehen, hinz elich recht gehalten wirt, als bisher be- 
schehen ist. 

Actum am suntag vor Katherina anno 1516 jar hab ich Wolfgang 
Fürst elich täding zu Wangen gehalten. Item durch Wolfgang Fürsten 30 
als phleger, auch richter und geschworn ist fürgenomen des Grien-walds 
halben : 

Wer holz darin schlecht zu verkaufen, der sol gestraft werden. 
Wan der mer schlieg, als im erlaubt war, der sol gestraft werden, aber 
sunst mag ain ieder gesessne in seins haus notturfr zimlich holz schlagen. 35 

Item weiter ist fürgenomen, das der walt sol in pan gelegt werden, 
ieder stamm bei der peen 25 // perner. 

Item zum driten der sag halben, das ain sagmaister den gerichts- 
leuten vor menigklich sol schneiden ; wan er den gerichtsleuten nicht zu 
schneiden hat, so mag er vj paum schlagen alle jar [und] zu seinem nutz 40 
prauchen. 



1«) Eckher C. '2») egk her B. »O) Uüd dem C. "') steig B. 
1») halten ha, 
Owterr. Weitthftiner V. 14 



210 Stein auf dem RiUen, 

Zum vierten, wenn ^^^) nachpaurn mäder hinlaßen, welche ^^) 
solche mäder besteen, sollen in der gmain [sein]. Si sollen auch kain 
schlaipfen schlagen. Wo man ainen betrit, den mag man pfenden und 
stratfen. 



26. Stall auf dem Ritten.*) 

Nach einer Ahaehriß de* P. Jtutinian Ladurner. Verglichen wurde Max Sit. Freiherr v. WoOetm- 
»tein, Tirolische Chronik, 14. Buch, fol. 262-^2. (FKräinandeuma-Bibliothek I. g. 6.) Abtekri/t 

au* dem Anfange de* 17. Jdhrh. Folio (B). 

I. 

5 1. Item am ersten, so ist zu merken, das ain ieglicher pfleger oder- 

richter ehehaft täding haben soll alle jar ain fart und soll die beraeffec» 



133^ wenn] wölcher hs. ^'*) welche] wo die h», 

*) Dca ansehnliche Gericht Stein avf dem Milien breilele »ich über den 
Oatahhang des Rittener Gebirges aus und halte im Westen den Gebirgskamntj im 
Osten den Eisack und im Norden den Rothwander Bach zu natürlichen Grenzen; 
es wurde umschlossen von dem Landgerichte Bozen und von den Gerichten Wangen, 
Vilanders, Castelmtt und Cameid; jenseits des Eisack im Gerichte Oattelnäl 
gehörte noch der Burgfrieden Trostburg mit neun Höfen zeilweise dcuni. Dieses Gerichts' 
gebiet lag in ältester Zeit im Gau Norilhal, kam aber 1027 mit den Grafschaften 
Vinschgau und Bozen unter den Trientner Krummstab und wurde nun mit Wangen ein 
Bestandtheil der Grafschaft Bozen, Dass Trient bereits im 11. Jahrhundert hier 
BeHfzungen hatte, bezeugt ein Act des Bischofs Heinrich von Trienl w»n Jahre 
1075 (oder 107SJ, toomit er dem Äbte Wiüiram von Ebersberg ausser Weingütern 
bei Bozen in foreste aua Ritanensi vinitoribus sancti Sebastiani pascua et cesuram 
lignorum ad aedißcandas areas et vineas colenda^ übergibt (BoneUi 5, 160). Doch 
überliessen später die Bischöfe diesen Wald, wie die Grafschafisrechte, den 
Grafen von Eppan; erst Bischof Salomo gewann den erstem zugleich mit dem 
Schlosse Greifenstein wieder zurück (Cod. Wang, 41), und um, dieselbe Zeit mag 
auch die gräfliche Gewalt wieder an das Stift gekommen sein. Wie SchZoss und 
Bezirk Greifenstein, verliehen nun die Bischöfe auch den Bezirk Ritten als Gastaldie 
an minder mächtige Adelsfamilien ; so im Jahre 1238 an den Ulrich von Haselberg 
(Hornmi/r, Gesch. Tirols 2, 333). Allein im Kampfe mit Meinhard II. ging, 
gleich Greifenstein, auch Stein avf dem Rillen verloren; Meinhard umsste nicht 
nur die Besitzungen der Eppaner, sondern auch die der Freiherren von Wanga 
grösstentheils an sich zu bringen und so in dem Gerichte festen Fuss zu fassen. 
Die widerstrebenden bischöflichen Ministerialengeschlechter, die hier wopnten, wie 
die Zwingenstein (Bild, tirol. D. n. 1331, 90), wurden gleich den Freiherren von 
Wanga ilbei wältigt und bezwungen. AUe Bemühungen der Bischöfe, das Verlorene 
zurück zu gewinnen, waren umsonst; zwar entschied Kaiser Rudolf in seinem 
Spruche vom 21. Juli 1276 bezüglich der beiden Gerichte Ritten und Vüanders, 
es sollten passende ortskundige Männer die gegenseitigen Rechtsansprüche unter- 
suchen; dass ober die Kirche von Trient in Folge dessen nichts zurück erhielt, 
geht aus dem päpstlichen Commissionsbrief vom 9. Jtdi 1290 hervor, worin die 
Berge Ritten und Vilanders als von Meinhard II. dem Stifte Trient entrissene 
Gebiete aufgeführt iverden. (Bihl tirol. D. n. 1331, 171). 

Im Laufe des 14. Jahrhunderts wechseln die Inhaber des Gei'ichtes Rillen 
häufig. Erscheint anfangs ein gewisser Christan da als Richter f Cfrkundenbuch des 
Stiftes Xeustift in Font. rer. austr. Dipl. 34, 198), so verschreibt es König Heinrich 
der Witwe seines Bruders Otto, Herzogin Euphemia von Tirol- Görz (Brandis Landesh. 
28), und Markgraf Ludwig versetzt es zuerst (1347) Engelmar von Vilanders (Tirol, 



Stein av/ dem RiUen, 211 

UaseD mit baiden fronpoten und auf baiden freithoffen zu Lengemoß und 
zu Underynne^) zu dreien vierzehen tagen. Wann dan die drei yierzehen 



1) Unterihne A. 



Ärch, i, 138)f dann den Herzogen Konrad und Friedrich von Tech (1352, 1354) 
•nd endlieh Hertog Alhrecht IL von Oeaterreieh, der die Feste Stein auf dem 
Baten dem WUheJm Mäsaenhausen, Marschall in Baiem, anvertraute, (Huber, 
Vereinig. Reg. Nm, 148. 149. 159. 174. 175. 206). Im Jahre 1363 gibt ne in 
gleicher Eigenschaft Herzog Rudolf dem Konrad von Freiberg ^ von dem sie mit Erlaub- 
nis* der Herzoge Alhrecht und Leopold Petermann von Schenna löst (Huber, Vereinig. Reg. 
Nm, 260, 422). Im Jahre 1393 erseheint Leonhard Schenk von Metz als Hauptmann 
auf dem RiUen (Wolkenstein 14, 262, ürkundenbuch des Stiftes Neustift in Font, 
ver. austr. Dipl. 34, 431). Gegen Ende des 14. oder anfangs des 15. Jahrhunderts 
-mues dasselbe ein Pfand des Friedrich von Flednitz gewesen sein (Staffier 2, 
1063 f.). Dieser rasche Wechsel der Pfleger und Inhaber von Ritten dauerte auch 
noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts fort. Im Jahre 1409 versetzte 
der Landeshauptmann Heinrich von Rottenburg die Feste Stein sammt dem Ge- 
richte an die Gebrüder Nicolaus und Franz Vintler und an Leopold Vintler (Wol- 
kenstein 14, 262); nach der Rücklosung gab sie Herzog Friedrich IV. als Pflege 
4Mn Jenewein von Weineck (1417), Hans den Velsecker (1420) und Heinrieh 
S^ness (Wolkenstein 14, 262; Lic/mowsky 5. Bd. Reg. Nm. 1957, 2180, 2429) 
und schlug die Morgengabe seiner Gemahlin darauf. Allein schon nach wenigen 
Jahren verpfändete er Ritten wieder, nämlich an die Gebrüder Anton und Sigmund 
von T^ttffi, fUr 6000 fl. und nun blieb das Gericht in den Händen der Thun bis 
1561, wo Hans Trautson, Erbmarschall in Tirol, die Feste Stein und das Gericht 
mU Bewilligung des Kaisers Ferdinand L um 7500 fl. von Victor von Thun 
abemahm (Staffier 2, 1064; Lichnowskg 5. Bd. Reg. Nr. 2765). Im Anfange des 
17, Jahrhunderts hatte die Feste Stein auf dem Ritten pfandweise Karl Markgraf 
von Burgau inne (Staffier 2, 1064) und nach dessen Tode bekam sie pflegweise 
Engdhard Dietrich Freiherr zu Wolkenstein (Burglechner 3, 4, 1175). Darauf 
wurde Ritten an Anton Freiherrn von Girardi, Vicekanzler, um 15.000 fl. ver- 
pfändet und ging auf seine Erben über, nur wurde 1705 der Pfandschilling auf 
19.350 fl. erhöht (Pfaundler, Genealogietu Bibl. tiroL D. n. 828, II. und 992, 
V. Ms.). Von dieser Familie kam die Pfandschaft vermuthlich auf die Grafen 
von Troyer, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitze derselben waren 
(BibL tirol. D. n. 1076, VII.). Im Jahre 1778 wurde Stein aamnU GericIU dem 
deutschen Ritterorden pfandweise überlassen (Staffier 2, 1064), bei dem es bis in 
unser Jahrhundert verblieb (Sammler 1, 259). Die bairische Regierung incorpo- 
ririe die* Gericht dem Landgericht Bozen (Kgl. bair. Reg.-Bl. 1806 S. 456) und 
die italienische, als in Folge -des Tractates vom 28. Februar 1810 und des Com- 
missiontprotokoües vom 7. Juni 1810 dasselbe mit Ausnahme der Fraction Gisman 
an das Etschdepartement fiel, mit dem Tribunal- und Friedensgei-ichte von Bozen. 
Nach Tirols Rückkehr unter Oesterreich ward es dem Orden nicht mehr zurück- 
gestellt, sondern bei der Organisation vom 1. Mai 1817 in unmittelbare landes- 
fursUiehe Verwaltung genommen und Klobenstein der Sitz des Gerichtes (Prov. 
Gesetzsammlung, Jahrg. 1817 S. 213). In Folge der Oerichtsorganisalion vom 
Jahre 1849 wurde Ritten dem Bezirksgerichte Bozen zugetheill. (Landesgesetzblatt 
1850 8. 28). 

Der Rittener Berg war zweifelsohne schon zu Römerzeifen zum Theil cul- 
tiviri und edle Geitnanen erwarben hier ebenfalls früh Besitz (Cod. Austro-Frising. 
Hl Font. rer. austr. Dipl. 31, 13. 20. 21). Im spätem Mittelalter wohnten hier 
mehrere Edelgeschlechter ; ausser der Burg Stein, die immer Gerichtssitz bis zu 
deren Anfall an den deutschen Orden blieb, ausser der schon ei'wähnten Burg 
Zwingensiein, wo einst die im 14. und 15. Jahrhundert nickt unbedeutenden Zvoin- 
gentteiner hausten^ und ausser dem Deutsch-Ordenssitze Tunegg zu Klobenstein gab 
et noch die Ansitze: Fabenberg, Spamegg und Sparrenberg, den Ansitz der aus 
Kärnten gekommenen Sparrenberger; im Anfange des 17. Jahrhunderts lagen 



212 Stein auf dem Ritten. 

tag aus seiD, so soll er si haben, als dan von alter herkommen ist; 

es wer dan, das in icht^) irret, so mag er es schieben zu vierzehen tagen 

ongeverde, damit si doch für sich gee und an ir stat komb,^) und auf den 

tag, so er die ehehaft täding haben will, so soll er, lassen berueflFen auf 

5 baiden freithöfifen die ehehaft täding, als auf ainen endtag, als von alter 

herkomen ist, den geschwornen bei der peen fünf pfunt, *und sonst aller- 

, menigclichen, wo rauch aufgeet, bei der peen fünf pfunt*. Auf denselben 

tag soll der richter nidersizen und soll bei im haben die geschwornen und 

baide fronpoten und soll abzölen, ob er die geschworen gar hab, und ob 

10 dann unter den zwölfen ainer oder mehr abgeet, da soll er al wegen als [vil] 



2) nicht A, B. 3) khomen .4. *— * fehlt Ä. 



letztere allerdings alle schon in Schutt und Staub (Burglechner 2, 1175, J412; Sj 
4, 1176. Wolkenstein 14^ 250). Daßir hatten aber zu Klobenstein und Oberbozen 
die Adels- und vornehmen Bürgersfamilien von Bozen sich bereits Scmmeransitze 
erbaut f wo sie die heisse Jahreszeit zu verbringen pflegten (Wolkenstein 14y 250). 
Noch weit .bedeutender waren aber auf dem Ritten die kirchlichen Besitzungen. 
Die Bischöfe von Trient besassen da im Jaltre 1300 nicht weniger als 41 Hofe 
(Alherti Annali 200), die sich noch durch das Vermächtniss der Gräfin Sophia 
von Mosburgy geborne von Wanga, vermehrten (Bibl. tirol. D. n. 613^ 96 Ms.): 
der deutsche Orden erlangte auf dem Rittener Berge das Spital zu Lengmoos (1211 
Cod. Wang, 219), erbaute hier das zweite Ordenshaus in Tirol (vor 1227 ; Ladurner j 
Urkundl. Beiträge z. Gesch. d. deutsch. Ord. inFerd. Zeitschr, 5, 10, 16, 28) und 
machte noch andere Erwerbungen. Ebenso war da^ Kloster Neustifl bei Brixen an 
manchen Punkten des Rittener Berges begütert: zu Stein, Svjfian, Gisman unda. a. 0. 
(Urkundenbuch des Stifter Neustift 46, 206, 272); die villa Lenginstein (1177) 
cum ecclesia sanite Ottilie war ganz sein Eigenthun (ib. 46). Unbedeutend 
müssen die Besitzungen auswärtiger Stifter und Klöster gewesen sein; ich fand nur 
das Bisthum Freising und die Stifter Rott und Frauenchiemsee und diese nur 
wenig begütert (Resch, Aetas mitten. 101; Ferd.-Bibl. XLIV. i. 11). 

Zur frühen Bevölkerung des Rittener Berges trug ohne Zweifel viel der 
Umstand bei, dass im Mittelalter die Strasse von Bozen nach Brixen über den- 
selben führte. In dem früherrn MitteluUer lief allerdings, wie es scheint, diese 
Strasse nicht über den obern Theil des Berges, sondei-n erst bei Steg aus dem 
Eisackfhale aufsteigend, ging sie wahrscheinlich beim Schlosse Stein vorbei und 
von da direct nach Lengstein und Kollmann (A. Jäger, Gesch. der lanUständ. 
Verfassung 1, 703 ff.); aber wohl schon um die Mute des 14. Jahrhunderts (Brandis, 
Landesh. 69), jedenfalls um die Mitte des 15. Jahrhunderts (Lichnowsky 7. Bd., 
Reg. Nr. 1473h), wurde eine Wagenstrasse über den Ritten gebaut, welche von 
Rentsch und dem Bache Riveluun aufstieg nctch Unterinn und von da nach Süffian, 
Lengstein und Kollmann sich zog f Wolkenstein 14, 250). Von dem regen Verkehr 
auf diesen Strassen zeigen die vielen Heerfahrten deutscher Kaisei', Könige und 
Fürsten (E. Oelmann, Die Alpenpässe im Mittelalter im Jahrbuch f. Schweiz. Ge- 
schichte, 3. und 4. Bd.; J. V. Zingerle, Reiser echnuugen Wolfgers von Ellenhrechts- 
kirchen 53) ^ und die Verleihung des Marktrechtes an das Stift Neustiß für Leng- 
stein durch Kaiser Friedrich I. im Jahre 1177 (Urkundenbuch S. 48). Am Anfange 
dts 17. Jahrhunderts zählte die Pfarre Lengmoos über 1000 und die von Unterinn 
bei 900 Communicunten. Auf diese zwei Pfanen war vo7i jeher die Bevölkerung 
des Gerichtes vei'theilt und beide sind sehr alt; ebenso wohl die weitere Gliederung 
der einen (Lengmoos) in 6, der andern (Unterinn) in S Malgreien oder später 
Viertel, dtren Mittelpunkte Kirchlein bilden ( Wolkenstein 14, 252). Die^e kirc/diche 
Gliederung wurde zugleich auch eine politische, wie ja letztere in der Regel aus der 
erstem entsprungen sein mag, nur dass dies nicht immer so klar hervortritt, wie 
hier. Diese Viertel, t<w eines vermehrt, bestehen noch zur Stunde und bildeten von 
jeher eine Gemeinde, so dass also früher Gericht und Gemeinde zusammenfielen. 



Stein auf dem Riften. 213 

dient an ir stat sezen, damit die zwölf erstatt wurden, und soll dannoch 
len fronpoten zuesprechen, wie sie die ehehaft täding in gebot herge- 
iht haben, und als es von alier herkomen ist. So dann des der ehehaft 
Dg mit gebot genueg beschechen sei, so soll der richter aufsteen und 

an sein stat sezen und soll zu im nemen die geschwornen und •'' 
1 mit einander in sanct Lucien kirchen und sich da mit einander 
erreden und zu rede werden, was wandelbar sei, des ersten umb ain 
iter, darnach under den geschworn und Versprechern, darnach an 
ipoten und failtragern. Doch solt zu ersten erweit werden ain richter, 

da paurecht und mit wohnung in dem gericht am Ritten ist, darnach lo 
geschworn, und ob icht mangel wer an Versprechern, fronpoten und 
failtragern und nach dem, und si aus dem rathe komen sein, soll der 
ter offen und an ir aller stat der gemainschaft, was in dem rath er- 
ien ist, und auf wem der mehrer thail der gmainschaft des erfindens 

raths bleibt, dabei soll es hinfiir bleiben, und soll dan der richter, 15 
den erweit wird, schwören zu got und den heiligen, ain getreuer richter 
«in der herrschaft, darnach armen und reichen getreulichen und on 
jrde. Und ob der geschworn, Versprechern oder fronpoten und failtrager 
elt wären, die sollen auch ir recht thuen gegen got und den heiligen, 
oben geschriben steet. Welche aber des nit gehorsam wollen sein, den 20 
man es gebieten bei der peen fünfzig pfant, und weliche man auf den 
zu Under- Ynne nicht gehaben mecht, den soll man gebieten bei der 
sschribenen peen auf das recht gegen Klobenstain. * Welche man zu 
>enstain nit gehaben mecht,* den soll man bei der obgeschribnen peen 
eten geen Lengenstain auf den driten tag und selbs allen dem genueg 25 
huen darzue, und er erwölt ist, als oben ge«chriben steet. Und sollen 
1 die drei tag, die da haißen die^) ehehaft täding, ain tag sein in 
eher maß, was in ainem tag an sein stat nit komb, das kom an sein 

an dem anderen tag, und was an dem anderen tag an sein stat nit 
len wer, das soll vollbracht werden an dem dritten tag zu Lengenstain, 30 
dann in ehehaft täding von aller herkomen ist. Auch ist von alter 
commen, das richter, geschworn, verspröcher und fronpoten und fail- 
er, und die da wierten körn geben und die da der geschworn recht 
3D, in ehehaft täding pflichtig sein sollen, sich zu verantworten, wer 
in mit dem rechten zu spröchen hat, und sollen darinnen irer recht 35 
it geniessen, aber im lantgericht haben si die recht, das si sich nit 
antworten, dan an driten rechten, er wöll es denn gern thuen. 

2. Der pann von verfahung in elich täding. 

Item, wer in ehehaft täding verfangen wird zum rechten, ist der 
d von dem verfahen fünf pfunt perner, und darnach die klag ist, 40 
lach die pueß. 

3. Wie das steen soll, das in ehehaft täding nit außkombt. 

Item ist auch in ehehaft täding von alter herkomen, das an den 
sn rechten in ehehaft täding kunttag sollen sein umb die klag, so für- 



*— ♦ fehU Ä. *) die fehU B. 



214 Stein avf dem BUten, 

komen seint, und was klagen in den drei vierzeohen tagen, die ehehaft 
täding genant sein, und darinnen mit dem rechten nit anßkombt, es wert 
geschoben mit urthail oder nit, das soll hinfür steen im lantgericht. Auch 
ist vom alter herkomen, das ain iegelicher phleger, der icht^) ehehaft täding 
5 hat, die drei tag, ieglichen tag, den geschwomen, verspröchern und fron- 
poten, failtragern ain mal geben soll. 

4. Was recht die geschwomen haben. 

Item auch haben die geschwomen, verspröcher, fronpoten, ftiiltrager, 
und die da wiert-korn geben und die der geschwomen recht haben, die 
10 haben die recht, wann si ain peen yellig werden, fünf pfunt oder darunter, 
die sollen si weder pflegem noch richtem, noch niemant schuldig sein zu 
geben, und auch welliche geschwom oder verspröcher kuchensteur auf den 
Stain sollen geben, denselben iegclichen soll ain pfunt abgehen alle jar an 
seinem thail der kuchensteur. 

15 5. Redner Ion. 

Item, so ist der redner gesezter Ion, als es dann von alter herkomen 
ist, vor der schrannen drei kr., und von ainem hofgeding, wann das an- 
geben wirdet, ain pfunt perner. 

6. Fronpoten Ion. 

20 Item, so ist der fronpoten Ion ain gülden von ledigen leuten, die 

in dem gericht wohnend, von ainer person für zu gebieten, und auch 
die nachgeschriben gericht: Villanderer, Wanger, Semer, Sanct Nesery 
(Jenesien) und baide gericht zu Bozen, dieselbigen sollen auch nur geben 
zu fürgebot von der person ain kr.,^) sonsten die gerichtsleut auf dem 

25 Ritten sollen geben wein und körn, als es dann vom alter herkomen ist, 
item ain gast ist schuldig zu geben von ieder person drei kr. für potlon. 

7. Schreiber Ion. 

Item Schreiber Ion von ainem brief, den er list an offen rechten 

oder an ainem spruch, ist der Ion iii kr. und von ainer hofurtheii zu 

30 schreiben 13 kr.,') von ainem fürpan-brief drei pfunt perner, von ainem 

achtbrief vier pfunt perner, item von ainer gemein steur 5 pfunt an 

Under-Ünner^) thail und fünf pfunt perner am lengeren thail. 

8. Fronpoten von steurlon. 

Item den fronpoten, wann das ist, das si ain gemainc steur samblen, 
35 soll ir Ion sein nach dem, und die geschwomen erfinden, die der steur 

5) iflt Ä. B. «) kr.] gülden durchstrichen A. ^ a 18 kr. B, 
®) UDdterihner A. 



Stein auf dem Ritten. 215 

anleger sein, und nach dem, und die steur groß oder klain ist, getreulich 
und ongeyerlichen. 

9. Siglgelt oder erung. 

Item, 80 ist von alter herkomen, das ain iegclicher pfleger und Statt- 
halter des gerichts am Ritten schuldig ist, was urthailspruch und recht ••> 
bringt von gerichts wegen, das er das versiglen soll, und wer der ist, der 
der versiglten brief oder urthail bedarf, der ist schuldig den pflegern 
oder richtern aine erung zu geben von dem siglen, von ainem achtbrief 
ain ducaten, von ainem fürpanbrief zu versiglen ain pfunt, von ainer hof- 
urthail ain pfunt, von gemainen urtlen zu erung zwo hennen oder als vil 10 
ongeverde. 

10. Korn maß. 

Item auch soll ain iegclicher kornman geben bei dem gepfächten 
und gebrendten kornmaß, bei der peen fünf pfunt perner. 

11. Meßnapf. 15 

Item auch sollen die müllner die geschwornen gepfächten meßnapf 
haben und geben, bei der peen 5 pfunt perner. 

12. Panhölzer. 

Item, wann das ist, das die panhölzer, die von alter panhölzer gewesen 
seind, in ehehaft berueft werden, die sollen auch in den pan gelegt 20 
werden, bei der peen fünf pfunt perner. 

13. Weinmaß. 

Item soll ain iegclicher weinmaß geben, die gepfächt uhrn und pa- 
zeiden, bei der peen fünf pfunt perner. 

14. Verbotne wild. 25 

Item, so ist von alter herkomen, das der grabe has und das röphuen 
und die wachtel drei verbotne wild sein, iegliches besonder, bei der peen 
fünf pfunt, zu behalten den güeteren ire recht, die dann gejaides von alter 
gehabt haben. 

15. Von redneren. 30 

Item, es soll auch auf dem Ritten kainer kain anderen redner nemen, 
dann die geschwornen redner, und wer das überfuer, der ist komen gegen 
dem gericht umb fünf pfunt perner. 

16. Von der leitgeben recht. 

Item, es sollen die leitgeben auf dem Ritten nach sant Martins tag 35 
nit schenken ungeschäzt, bei ainer peen fünf pfunt perner, und soll den 



216 Stein auf dem RiUen. 

nechsten sontag nach sant Martins tag berueft werden bei derselbige 
peen, als es dann von alter herkomen ist, und soll auch ain iegliche 
leitgeb in seiner malgrei die schäzer darzue pieten, das si im den wei 
Bchäzen, als si dann von gerichts wegen darzue geben seind, und solle 

5 das thuen getreulich und ongeverd, bei den aiden, so si zu dem rechte 
geschwom haben; und wann ain faß aus ist, so soll kain wirt kain andei 
aufthuen, man schäz im in dann, bei der obgeschribnen peen. Auch solle 
die leitgeben wein geben bei den gepfächten gerichtsmassen, und die d 
geprennt oder mit gerichtsmarken gemerkt sein, bei der obgeschribene 

10 peen, und bei den massen, die ungemerkt ührn oder unrecht sein, und a 
oft es die leitgeben überfahren, als oft si die peen vellig, zu behalten de 
offnen gastheusern ihrer freiheit und recht. 

17. Von spiln. 

Item, auch ist von alter herkomen auf dem Ritten, ob das war, dt 
16 ainer mit dem andern spilt mit würflen und auf borg, dasselbe spil so 
weder kraft noch macht nicht haben, weder auf bürgen noch auf pfan 
noch auf insazung, noch wellicherlei geding das war, des auf borg gese; 
war, in aller der mass, als ob es nit beschechen war, und sein die spilc 
komen gegen dem gericht umb fünf und zwainzig pfunt perner, und auc 
20 der wiert oder frau, die das spil gestatten, auch umb fünf und zwainzi 
pfunt, dann allein als vil ainer®) porgschaft hat, das verspil oder thr 
ainer, wie er müg.^^) 

18. Wie das lantge rieht gehalten soll werden. 

Item, auch ist von alter herkomen, das kain lantgericht gehaltc 
26 soll werden vierzehen tag vor und nach weichnachten, vierzehen tag v( 
und nach ostern und vierzechen tag vor und nach pfingsten, und wao 
dann zu anderen Zeiten lantgericht berueft^') wird auf baiden freithöfc 
mit baiden fronpoten, das soll alles sein auf mittichen und auf pfinztaj 
wer dann, das unser Frauen oder zwölfpoten tag oder abent komen auf d< 
30 vorgenanten tag ainen, darauf das gericht gepoten ist, so ist von alt 
herkomen, das auf derselbigen tag komen kain gericht nit soll sein. 

19. Von schaden nach dem landsrechten. 

Item, wenn zween thail im recht gegen ainander st^en, es sei : 

lantgericht oder in Unzucht, und wellicher thail der sachen mit urtha 

86 und mit dem rechten unterleit, derselbig ist dem anderen thail pflicht: 

zu widerkern am ersten ^'^) redner Ion, darnach fronpoten und failtragc 

Ion und auch Schreiber Ion und siglgelt. 

20. Schaden zu erforderen. 

Item war auch, das ainer zu dem andern zuespruch mainet zu habe 
40 um wellicherlai schaden das wäre, erfordert ersi nit inner jursfrist mit recl 



•) vil und aioer B. ^^) mag A, ^^) berueft] gehalten A. 
") erstlichen A, 



Stein auf dem Ruten. 21 7 

und mit urthail, so soll der hiDfiiron von ime ledig sein, erfordert er si 
aber, so bescheche, was recht sei. 

21. Ob ain pfleger ain bei urthail nit halten wolt. 

Item war auch, ob ainem urthail und recht gefiel in dem gericht 
auf dem Ritten, und in der pfleger oder richter bei derselben urthail nit 5 
halten wolt, so sollen die geschwornen den pfl.eger und richter ♦unter- 
weisen, damit es bei behalten urthail bleib; wolt aber ain pfleger oder 
richter * dem also nit nachkomen, als oben geschriben steet, so sollen die 
geschwornen und verspröcher nicht pflichtig sein, zu kainem rechten zu 
geen hunz also lang, das der behalten urthail genueg beschicht. 10 

22. Von leuten an das recht zu sezen. 

Item war auch, das zween im recht gegen ainander stuenden und 
iedweder thail bider leut brächt auf das recht ausserhalben des gerichts 
am '5) Ritten, so mag der richter iedweden thail drei sezen, und nit mer; 
wäre aber, ob der aine thail brächt und der andere nit, so soll man doch 16 
denselben thail sein obgenante zal sezen getreulichen und on geverde. 

23. Das kain frau gewalt hat. 

Item auch mag kain frau ohn ires ehemanns willen und wort nit 
Terkomem noch anwerden über drei kreuzer, und ob si mehr verthät oder 
Terkomert, das soll weder kraft noch macht nit haben. 20 

24. Wie die gericht ainander verlegen mügen. 

Item, es ist von alter herkomcn, das die hernach geschribnen gericht 
solliche recht von alter gehabt haben also, ob das war, das ainer in den 
gerichten zu Bozen gesessen war und solt ainem gelten, der auf dem Ritten 
war gesessen, der soll oder'^) mag in nicht verlegen noch aufheben sein 26 
gnet, er soll es suechen mit dem rechten ain thail dem anderen an denen 
stetten, da er dann gesessen ist; desgleichen soll kain Bozner kain Rittner 
nit verlegen, desgleichen die gerichtsleut auf Villanders und die von 
Wangen, die aus Serntein und die ab Sanct Genesien perg. 

25. Peen von verlegen. 30 

Item, war aber, das ainer den anderen verleget ausserhalb der ob- 
geachribnen gericht und wellicher desselbigen verlegens unrecht hat, der- 
wlbige ist völlig der herrschaft achtzehen kr. 

26. Wie urthail und geding gefüert sollen werden. 

Item, war auch, das zween gegen ainander in recht treten und zu 35 
ainander klagten, und das aintweder thail derselbigen sach urthail dinget 



♦ * 



fehlt A., in B. am Rande. ^^) am fehlt A. **) oder] noch B. 



218 ^^n O'^f «'em /2tMen. 

in UDsers genädigen herren hof an Meran, als dann von alter herkomec 
ist, so solider richter pflichtig sein, inen ain tag zu verkünden on gevärde, unc 
auf denselbigen tag soll er im schafifen drei gemain gedinkin aus der 
geschwomen, die bei der urthail gesessen seind ; wolten dieselbigen von pe 
5 wegen komen, da bleibs bei; war des selbigen aber nit, so soll man in voi 
gerichts wegen darzue pieten bei ainer peen fünf und zwainzig pfunt au 
denselbigen tag. So soll der, der urthail gedinget hat, den gerichtfichreibei 
mit im bringen und sein redner, ob er will, und soll die urthail also er 
fordern; geit im nun der antwortend die urthail, die^^) er gedinget hat 

10 dieselben urthail soll er fiiem von dem tag, und si besiglt wurd, in vier 
zehen tagen hin und her wider, ist der verhörer bei dem laut; war abei 
das nicht, in drei vierzehen tagen oder darnach, und es zu hof geschobei 
wurd ; war aber, das der, der urthail gedingt hat, dem also nicht nachkän 
in jarsfrist unerfordert, als ob geschriben steet, so solle derselbige pflichti{ 

15 sein, der behalten urthail, die umb dicselbige clag gefallen ist, nachjehen 
und soll auch nach dem baiden thail das gericht bei der behalten urthai 
halten; war aber, das im der ander die urthail nicht fertiget, als dan rech 
ist, und darinnen geverliche saumung weren, das sich also erfund mi 
warheit, so soll derselbige, der die urthail dem anderen geben soll, nach 

20 jehen dem anderen thail seiner gegenurthail. 

27. Von schaden von hofgeding. 

Item, wann ain hofgeding gefuert wurd, als dann oben geschribe 
steet, und wellicher thail der klag niderleit, derselbig ist pflichtig dei 
anderen thail, der die klag ob ist gelegen, zu geben zehen pfunt perne 
25 für alle schaden des hofgedings. 

28. Von urthail, so ains an unrecht stet zug. 

Item, ob das war, das ainem ain urthail gefiel in den gericht auf 

Ritten, und wolt die aus dem gericht anziehen und nicht fiieren an unsc 

gnädige herrschaft mit soUichen geding, als dann von alter herkomen is 

30 derselbig ist völlig der herrschaft fünfzig pfunt perner, und soll dannocl 

die urthail an die statt komen, als von alter herkomen ist. 

29. Auf der gemain mäder. '^) 

Item, war auch, ob ainer in dem gericht auf dem Ritten auf d< 

gemain mäder [mätj vor sanct Bartlmees tag, derselbige ist vellig der her 

35 Schaft fünf pfunt und das hei; war aber, das im es ain pfleger oder he: 

Schaft erlaubt oder ain richter, so soll derselbige der gmainschaft verfalle 

sein fünf pfunt perner und das hei. 

30. Von unterdingen. 

Item, werden andern unterdingt, es sei panrechtoder wellicherlai di 
40 sei, das der ander entwert wurd on recht an sein willen, der solt mit ainei 

»») die] der B, »«) m&d A, 



Stein auf dem Bäten. 219 

rechten wider in sein gewer gesezt werden, und der den andern unter- 
dingt *^ hat, ist vellig der herrschaft fünfzig pfunt *und fünfzig pfunt* 
[dem], den er unterdingt *^) hat. 

31. Von peen auf grünt und poden. 

Item, ob das war, das mit urthail auf grünt und auf poden gelegt 5 
wnrd ain tag, es war kuntschaft gehört oder nit, davon ist die peen fünf 
pfant der herrschaft von dem thail, der der klag unterleit. 

32. Von peen, so kuntschaft verhört wirt. 

Item, war auch, das ainer gegen dem andern ain recht frieret und 
wurde darumb kuntschaft verhört, es wären leut oder versiglt brief, und 10 
wellicher der sach niderleit, derselbig ist vellig der herrschaft fünf pfunt; 
ward aber kain kuntschaft nit verhört, so ist die peen der herrschaft 
achtzehen kr. 

33. Von nachtschäden. 

Item, wer dem andern nachtschadet,'®) des sich mit^®) warheit 15 
fiadet und geweist wird, derselbig ist vellig fünf und zwainzig pfunt dem, 
dem der schaden beschechen ist. 

34. Wer dem andern vich ab der gmain wert. 

Item, wer dem andern vich ab der gmain wert frävenlichen, der ist 
vellig dem gericht fünf pfunt [und fünf pfuntj dem, dem der schaden 20 
beschechen ist. 

35. Von marchstain auszugraben. 

Item, wer ainen marchstain frävenlichen ausbricht oder grabt, der 
i«t vellig dem gericht fünf und zwainzig pfunt perner, und fünf und 
zwainzig pfunt, dem er schaden gethan hat, und soll mit gewissen den 25 
marchstain an sein stat sezen, iedwedem theil on geverde. 

36. Wasserrünst keren. 

Item, wer auf den andern kert ain wasserrünst, und des von alter 
nicht recht biet, derselbig ist veilig der herrschaft fünf und zwainzig 
pfunt und dem fünf und zwainzig, darauf er den wasserrünst gekeret hat. 30 

37. Von übermäen, laben und pauen. 

Item, wer den andern übermäet willigclich und desgleichen über- 
pauet oder überläbt, die peen ist von ieglichem besonder dem gericht fünf 
pfunt und fünf pfunt, dem das übermäen beschechen ist. 



^"^ Dntertringt B, * — * fehlt A. '*») iinderdriugt A, untertringt B^ 
»») nachschadet A, B. 20) mit] nit A, B, 



220 Stein auf dem Ruten, 

38. Von untergraben. 

Item, wenn ainer den andern untergrueb mit willen, es wären mauren 
oder rain, davon ist die peen fünf und zwainzig pfunt und zwainzig 
pfunt, dem der schad beschechen ist, und im den schaden widerkeren. 

5 39. Das die fiirch an ainander fallen. 

Item, wo zwai untermarch seind zwischen zwaier höf und güeter, 
und von alter die furch mit dem pflueg an ainander gefallen seind, und 
wer den rain zwischen ir baider untermarch setzt, damit die march an ain- 
ander nit fallen, als von alter herkomen ist, und wer also die rain marchet 
10 und überfüer, der ist vellig dem gericht fünf pfunt und fünf pfunt, dem 
der schaden beschechen ist, und nachdem soll er pauen, als von alter her- 
komen ist. 

40. Wer den todt verdient hat in malefiz. 

Item, wann ain todtschlag beschicht, und der begriffen würd mit 
15 wahrer that, ist leib oder guet, oder aber, ob sonsten ainer den todt ver- 
dient hat, der soll gestraft werden, als in dan mit urthail und mit dem 
rechten erkennt würde; der züchtiger soll die leste urthail darumb 
sprechen, was er darumb leiden soll. 

41. Wer die ehe jäch auf aines tochter. 

20 Item, war auch, das ainer die ehe jäch auf aines bidermans tochter, 

der gesessen war in dem gericht auf dem Ritten, und tat das on willen 
vatter und mueter oder andere irer negsten freund, derselbig ist vellig 
der herrschaft fünfzig pfunt und die haut. 

42. Von gichtigen. 

25 Item, war auch, ob ain pfleger oder richter ainen in gefenknus 

hüeten und den gichtigen wollte, den soll der pfleger oder richter den 
mehreren thail der geschwornen bei haben und nach irem rat thuen und 
versehen. 

43. Von pueßreden. 

30 Item, es sein auch alles das pueßreden, damit ains den anderen 

mißhandelt, das dem andern an sein leib, leben oder ehr rüert, als ob er 
Sprech zu dem andern: ,du bist ain dieb, ain rauber, ain mörder, ain 
közer oder ain schalk*, das dem andern thail an sein leben oder ehr rüert. 
Ob er es zu im weiset, und spricht auch zu im darauf, er well es zu im 

35 weisen, weist er das zu im, als recht ist, da bescheoh umb, was im urthail 
und das recht bringt in malefiz. Weiset er es aber nit, als er sich erboten 
hat, so soll der ander leiden umb dieaelbig inzicht, was im urthail in dem 



Stein a^f dem Ritten, 221 

malefiz-rechten bringt. Redt aber ainer zu dem andern die obgeschribnen 
wort, und rett nit, das er es zu im weisen well, das sein nur Scheltwort. 

44. Wie man kainen gesessen man fahen soll on allain umb unzncht. 

Item auch ist von alter herkomen in dem gericht auf dem Ritten, 
das kain pfleger, richter oder stathalter des gerichts kain gesessen man 5 
soll fahen on allain, es sei dan umb malefiz. 

45.- Wie ain richter ain gefangen aus soll geben. 

Item, ob ain lediger knecht in dem gericht auf dem Ritten wäre, 
den ain pfleger oder richter fieng umb sach, die nit in malefiz treffen, hat 
derselbige dann gewisshait zu ainem rechten, das soll ain pfleger oder 10 
richter von im aufnemen und ausgeben zu ainem rechten und nicht auf 
den Stain fiieren. 

46. Wann ainer abträt. 

Item, wäre auch, ob ainer aus dem gericht am Ritten abträt und 
nicht recht geben noch nemen wolt, umb wellicherlai sachen das war, 15 
<]e8selbigen hab mag sich das gericht yerfahen zu gerichts banden und die 
in stiller gewer ligen lassen und nicht minder machen. Kombt jener in 
^rei vierzehen tagen, der das abtreten gethan hat, und kombt dem rechten 
nach also in dem gericht auf dem Ritten, und was im das urthail geit, 
dabei soll es bleiben. Kam er aber nit, als oben geschriben steet, so soll 20 
nnd mag das gericht mit urthail und mit dem rechten das guet in gerichts 
gewalt nemen. 

47. Fridprechen. 

Item, wer ain frid bricht, begreift in ain gericht, darumb soll er 
gestraft werden mit ainem rechten. 25 

48. Von painschrot. 

Item, wan ainer ainen wundet, das er painschrot ist, der ist der 
herrschaft vellig fünfzig pfunt und dem fünfzig pfunt, dem er schaden 
gethan hat. 

49. Von erpleuen. 30 

Item, wer den andren erpleut, also das er nit bluetrünstig wurd, 
der ist vellig der herrschaft fünf pfunt, und fünf pfunt, dem er den schaden 
gethan hat. 

50. Von züken. 

Item, wer schwert oder messer zukt, und kombt on schaden wider 35 
in die schaid, der ist der herrschaft vellig fünf pfunt perner. 

^^) auf dem gericht A. 



222 Siein auf dem Ritlen. 

51. [Wer] armbrust spant. 

Item, wer ain armbrust spant und ain pfeil auflegt, wurd 
schaden wider entladen, so ist er der Herrschaft vellig fünf pfunt; s* 
er aber nach dem, und er schaden thuet, darnach püeß er. 

5 52. [Wer] stain aufhebt. 

Item, wer ain stain aufhebt, er werf oder nit, der ist der her 
vellig fünf pfunt; trifft er aber, darnach und er schaden thuet, d; 
püeß er. 

53. Wer des nachts ainem in sein haus lauft. 

10 Item, wer dem anderen mit gewapneter haut frävenlichen la 

sein haus bei der nacht und herauskombt one schaden, der ist yel 
Herrschaft fünf und zwainzig pfunt; thuet er aber schaden, darna 
schaden thuet, darnach püeß er, und dem fünf und zwainzig pfunt 
er den frävl bei der nacht gethan hat in seinem haus. 

15 54. Wer ainem bei dem tag in sein haus lauft. 

Item, wer dem anderen frävenlichen bei dem tag in sein hau 
mit werhafter band, der ist vellig dem gericht fünf pfunt, und dei 
pfunt, dem er frävenlichen in sein haus gangen ist. 

55. Unzucht verfarn. 

20 Item, war auch, das zween oder mer ain unzucht oder fri 

giengen, wie das genant war, und si das gericht mit versprechen u 
urthail darumb nit fordert in jahrs frist, nach dem sollen die obge 
baide thail von dem gericht ledig und los sein, und soll auch ain ihi 
anderen desgleichen auch nicht pflichtig sein zu widerkern, ausgei 

25 was in malefiz trift, das mag sich nit verfarn. 

56. Von frid gebieten. 

Item, wann ain frid geboten wird, der soll weren ain jar; ^ 
bericht, da bleib es bei, es sei mit recht oder unrecht ;'^^) wurd es a 
bericht, so soll man mit fronpoten den frid lengern. 

30 57. Dem von ehehalten enttragen wurd. 

Item, ob das war, das ain piderman in dem gericht auf dem ^•*) 
ehehalten biet, die im etwas enttruegen, doch sollich ehehalteu, 
sinn oder jar nicht bieten oder von aiufalt besclieche, ongeverd, ko 



^^) ohne recht B. ") auf dem] am ß. 



Stein auf dem Ritten. 223 

dem wider zu banden , dem es gewesen ist, das soll im gegen dem gericht 
and gegen menigclichen on allen schaden sein. 

58. Von pfantungen aus dem pfantstall zu nemen. 

Item, wer der war, das ain pfant aus dem pfantstall oder aber aus 
dem pfantladen frävenlicben näm dn des willen, der die pfantung getban 5 
hat, der ist yellig dem geriobt fünf und zwainzig pfunt, und dem fünf und 
zwainzig pfunt, dem er die pfantung abgezogen bat. 

59. Gastrecbt. 

Item, wann aucb ain gast den ricbter auf dem Ritten umb ain^^) 
gastrecbt anrueft, so soll der ricbter pflicbtig sein, ime ainen recbtstag zu 10 
verkünden, gegen dem er die klag füeren will, nacb dreien tagen, und 
derselb, [der] das recbt wurbt, der soll darzue bitten die gescbwornen also, 
das das recbt besezt müg werden. Es mag aucb ain ricbter ain gastrecbt 
besezen mit dreien gescbwornen an die redner, mag er aber mer baben, 
das ist guet. Aucb soll iegclicb geist sein gelter zu baus und zu bof wissen 15 
lassen, vorebe das er den ricbter umb recbt anrueft. 

60. Wie ain berr umb seine zins pfenten soll. 

Item, wann das aucb ist, das ain berr seinen pauman in dem geriebt 
an dem Bitten pfenten will umb seine zins, das mag er tbuen mit seinen 
knecbten oder mit seinen lonleuten ab sein selbs gelt, oder ob er geb dem 20 
failtrager ain kreuzer. Denselben kreuzer soll der pauman pflicbtig sein 
zu widergeben dem zinsberrn. Ist es in der mallgrei zu Under-Ünne, so 
soll die pfantung gestellt werden in den widen, und soll da drei tag fail 
gefuert werden; ob es der paumann nit löset oder der berr nit verkaufen 
möcbt, so mag er die pfant an die stat bringen, das er es verkaufen mag 25 
amb sein zins nacb den dreien tagen. Ist es dann in der mallgrei zu 
Süffein, ^^) so sollen die pfant gestelt werden zu dem Rösslein und soll 
aucb ain berr mit der pfantung gefahren, als oben gescbriben steet. War 
es dann enbalb des Finsterpacbs, so sollen die pfant gestelt werden geen 
Längenstein an ain offnen wiert, und soll damit gefahren [werden], als 30 
oben gescbriben stet. 

61. Wie man sonst mit pfantung gefarn soll. 

Item, wann sonsten ainer dem andren zu gelten bleibt, darumb zil 
Vergangen sein, bat er darumb pürgen, so soll er pflicbtig sein, die gelt- 
schulden an den selbstbolden zu erfordern, pfant oder pfenning. Thuet im 35 
dann der selbstbold genueg, das soll er von im aufnemen nach des gerichts 
recht. Wäre aber, das er im weder pfenning noch pfant antwurten wolt, 
»0 mag er zu seinen pürgen '^^) geen und pfant fordern. Geit er im pfant. 



2*) ain fehn A, ^^) am Rande Siffiaii B. 26) pürgern A. B. 



224 ^teM» ö»/ ''«»» BiUen. 

das ist wol und guet; thuet er das nicht, so mag er dem failtrager seinen 
gewohnlichen Ion geben und ine schicken zu seinen pürgen.^') Will dao 
der pürg zu dem selbstholden geen, so soll der failtrager oder der pürg, 
der der'^^) ist, pflichtig sein, mit im zue geen zu dem selbstholden, pfant 
ö anzugreifen. Antwurtet man im pfant und wären die zil vor jarsfrist ver- 
gangen oder über jar gestanden, so soll pflichtig sein, dem die geltschalt 
zuegehört, die pfant zu ainem gmainen wiert zu legen oder zu ainem 
andern fromen man und die rechtfertigen vierzehen tag; nach den vier- 
zehen tagen mag er sie wol verkaufen. Ist es in der mallgrei zu Unter- 

10 Ünne, so mag er den ersten tag ain pfant verkaufen und nit mer, den 
andern tag mag er verkaufen pfant, als vil er will oder er gehaben mag, 
hunz auf volle werung seines haubtguets und der schaden, als es von alter 
herkomen ist. Dieselbig pfantung soll gestylt werden in den widen zu 
Unter-Ünne, und soll auf dem pfantstain zu Unter-Ünne verkauft werden 

15 und drei tag da failgefüeret werden. Mag man sie verkaufen, das si wol 
und guet; möcht man si aber nit verkaufen in den dreien tagen, so mag 
si der, der die pfant fail füert, geen Bozen fiieren und si dem lantrichter 
antwurten ; der soll dan in der mallgrei damit gefaren, als von alter her- 
komen ist. War es dann in der mallgrei zu Süffian, so sollen die pfant 

20 gesteh werden zu dem Rößlein und die rechtfertigen, als vor geschriben 
steet. Wan dan die pfant gerechtfertiget werden, so sollen die dem fail- 
trager geantwurt werden, und soll der failtrager die pfant zu dem Lengon- 
moß zu singenzeit bringen und darauf ruefen. Mag es verkauft werden, das 
ist wol und guet; war desselbigen nit, so soll der failtrager die pfant geen 

2ö Süffiau auf den pfantstain bringen und darauf ruefen. Mügen si da verkauft 
werden in dreien tagen, das ist wol und guet; war aber das nit, so mag**) 
er si dem failtrager geen Lengenstain antwurten, der soll auch drei tag da 
fail haben. Mag man si da nit verkaufen, so soll man si geen Clausen füeren, 
und soll zu Clausen damit thuen, als von alter herkomen ist. Auch wer da 

30 pfendet enhalb des Finsterpachs, da soll man dieselbigen pfant zu Lengen- 
stain an ain gemain wiert legen ; dieselben pfant soll der failtrager da failfüeren 
drei tag. Mag er si in den drei tagen verkaufen, das ist wol und guet, war 
desselbigen aber nit, so soll si der failtrager geen Clausen füeren und damit 
gefaren, als dann von alter herkomen ist. *Von den pfanten soll dem fail- 

35 träger sein Ion werden in ieglicher mallgrei, als von alter herkomen ist,* 
und was essende pfant wären, was die verzörn, das soll ain wiert, und auch 
was ain failtrager und ain person zu im verzörten, auf den pfanten haben, 
doch solliche zörung ongeverd. War aber, ob man pfant weret auf 
recht, das soll sich mit dem rechten lösen, und was ain recht bringt, dabei 

40 soll es bleiben. Wer dann zu unrecht pfendet, der ist dem gericht komen 
umb fünf pfunt. Wer dann pfant zu unrecht weret, der ist vellig der 
herrschaft fünf pfunt. Wäre auch, das ainer ain pfendet und schiket ander 
leut, wann den failtragern, dem ist man weder Ion, noch zörung schuldig 
zu geben. 



") pürgern A. B, 28) ein der fehlt B. W) mag] soll B. 
* — * fehlt A. In B. um Rande. 



Stein auf dem SUten. 225 



IL 

tpitrhd*. vom J. t76G. Fol. im Geriehtäarchiv zu Kloherutein. Ehehafts-tidignnij^ und schlnssurtl 
zn bericht der herrschaft zum Stain auf dem Ritten auf die jähr 1767 - 1768. 

Schlu88-urtl. 

1. Wie die ehehafts-tädigung solle gehalten werden. 

Erstens solle die ehehafts-tädigung zween tag erhalten werden, und 
8 hefelch der hochgnüdigen gerichtsherrsohaft und firdershin auf denen 
rchtägen oder gassen zu Lengmoos und Unteryhnn am ersten zu drei 5 
erzechen tagen, nach demselben zu zwo vierzechen tagen, darnach zu ain 
erzechen tag, alsdann zu acht, folgents auf einen unverzochenen entstag 
meffen werden, als am ersten tag gehen Unteryhn, den andern aber 
hen Klobenstain. Darzue soll man pieten die zwölf geschwome recht- 
recher und vier geschwome rödner, auch die zwo gerichts-gwalthaber 10 
if alle zween tag zu gebihrend zeit zu erscheinen bei straff 25 pfunt 
rner, und von denen gesössenen, wo rauch aufgehet, sollen firdershin, 
e herdishalben des Puechpachs zu Unteryhnn hausen, ausser das viertl 
ißmann und Gebräckh, alle insgesambt gehen Unteryhnn, und dann, 
eiche zwischen Fuechpach und Eothwanter pach hausen, sambt dem 1^ 
ertl Gismann und Gebräckh; gehen Klobenstain, ieder bei unnachleß- 
sher straff finf pfunt perner, erscheinen. Allda abermahls, was an dem 
n ort firgenomben worden, dem andern tag widerumben verlesen 
erden solle, damit wer ein beßeres darzue zu rathen wisse, ein solches 
tuen möge; welcher aber alle zween tag erscheinen will, dem soll es un- ^^ 
»rwöhrter sein. Solliche berueffung ist für genuegsamb erkennet worden 
id solle hinfiran in disem gericht die ehehafts-tädigung gehalten werden 
)g8t nach ostem, anfangs mai, und selber zeit herumb nicht irrend, ob es 
hon in pfingsten-ferien kombete, alwo die feldarbeit nicht gar genötig ist. 

2. Vorschlag zum richterlichen ambt, auch Verpflichtung der neuen 25 

ämbter. 

Nachdeme die hochgnädige gerichtsherrsohaft etc. und obrigkeit etc. 
ach conformität Vertrags de anno 1691 dem gericht zween erbahre und 
agesössene gerichtsmänner, wan selbe schon mit kainer Wappensfreiheit 
egabet, iedoch zu solchen ambt tauglichen und gemäß sint, zum richt^r- 30 
mbt zu der wähl zu nemben und firzuschlagen, ihre nicht wüdrig sein, 
iilassen hat, und wann ain richter vorgeschlagen und durch ainen gericht 
rwöhlet wirdet, so soll dem neuen richter durch herrn pflegsverwalter und 
1 namben der gnädigen gerichtsherrsohaft und in beisein des alten rieh- 
srs der gerichtsherrschaftliche staab alsobalt yberantwortet werden, den 35 
Isdann erwöhlten neuen richter darmit zu bestättigen und zu regieren 
1 pfficht verfassen, nachmahlen derselbe richter die geschwome recht- 
precher und redner, so durch das gericht vorgenomben und verordnet, 
eetätten; welche oder welcher geschwornen reohtsprecher und redner 
ber auf den ersten tag der erhaltenen ehehafts-tädigung nicht bestattet 40 

Oetterr. Weisthümer V. 15 



226 Stein auf dem Bitten, 

wurden, sollen dieselbe oder derselbe auf den andern tag darnach bestettet 
werden. Zum fal aber ihrer suechenden ausflucht halben es auch nicht be- 
schechen künte, soll sie der richter darnach, sobalt es sein kann, auf ihren 
aignen Unkosten in beisein dreier geschwornen bestatten, und was also in 
5 ybrigen auf den ersten oder andern tag oder hernach fir geschworne recht- 
sprecher und redner bestattet werden sollen, das alles soll so vil kraft 
haben, als ob es den ersten tag in erhaltener ehehafts-tädigung beschechen 
und vollzochen worden were, und soll der erst und andere tag als vil sein 
und gelten, als ain tag. Doch soll ain ieder, es seie richter oder recht- 

10 Sprecher und redner, der in solcher ehehafts-tädigung außgewexlet wirdet, 
so lang und vil in seinen ambt verbleiben und gegenwertig sein, biß sein 
ablediger bestattet ist; darbei auch vorgenomben, daß hinfiran bei allen 
ehehafts-tädigungen zween die ältisten malefiz-geschworne, als auf ieden 
thail ainer außgewexlet, ledig gelassen, und [an] ihrer statt zwai andere 

15 taugliche vorgenomben und bestattet werden sollen. 

3. Richters gehorsamb gegen der gerichtsherrschaft etc. 

Der richter solle gegen der gerichtsherrschaft gewertig und gehor- 
samb sein, hinentgegen die herrschaft und das gericht den richter, wie es 
gebihret und von alters herkomben ist, bei aller billichkeit hanthaben, 
20 schüzen und schirmen, ihme auch hölflich, rätlich und beistendig sein. 

4. Daß der richter firderlich und gebihrendes gericht halte, auch auf den 

gewicht und mäßerei obsicht haben solle. 

Weiters solle der richter gleichfals firderliches gericht, auf ieder 
männigcliches anrueffen und es notdirftig ist, denen armen wie denen 
25 reichen, und denen reichen wie denen armen fiehren, halten und darob 
sein, daß gleiche waag und maaß in dem gericht gehalten werde, nicht- 
weniger ain richter sambt etwölchen geschwornen rechtsprechern nach 
inhalt des vorgegangenen Vergleichs alle mäßerei, beforderist die weinyhm 
und gewichter, alle jähr abpfächten lassen und selbe visitieren. 

30 6. Abstellung der morgensuppen, dann das tanzen zu hochzeiten und 

spilleit betreffende. 

Disfals solle es bei denen abgegangenen lantsfirstlichen mandaten 
und polizei-ordnung zu verbleiben haben und darauf gehalten werden, 
und ist beschlossen worden, daß auf zuekonftige zwo jähr bei denen hoch- 
35 Zeiten somberszeiton biß gegen nein, und Winterszeiten biß gegen siben 
uhr abends das tanzen und spilleit-halten erlaubt seie, hinentgegen aber 
alle andern royen, dann winkltänze und sogenante klöcklwürst ausshaltcn 
hiemit eingepotcn und abgestellet zu verbleiben haben solle, bei straff, 
wie hinnach, im 42. puncten enthalten stehet. 

40 6. Erhaltung der weg und steg. 

Der weg und steg halben ist vorgenomben, daß hinfiran die gerichts- 
gwalthaber in gericht guet mittl ürnemben und einsechen tuen sollen, 



Stein auf dem RiUen. 227 

imit die weg allenthalben in disem gerioht Ritten in gueten würden und 
aachparen stant erhalten werden ; in welcher malgrei aber die weg so gar 
rrissen und zerprochen, daß dieselbe die wegmacher in ainem tag nicht 
ichen könten, so sollen sie die nachpaum wissen lassen, die alsobalden 
m weg zu machen zu erscheinen schuldig sein. Welcher aber hierzue 5 
iht erscheint, sondern ohne beweglichen ursach außbleibete, der- oder die- 
ben sollen ain ieder insonderhait umb 30 xr. unn achläßlichen gestraffet 
d solche straff alsdann dem gericht zueständig, durch dessen gerichts- 
>curatorn eingetriben und zur besseren erpauung derselben weg wide- 
mben applicieret werden. Auch soll man die recht gemainen weg, so 10 
Q altershero billich in brauch gewest, fahren und kainer oder ieman da 
m andern yber seine gieter fahren; der es aber yebet und schaden thuet, 
r soll dem, so die gieter gehörig, den schaden abtragen, darumben auch 
e Obrigkeit und die ybertretter in vorbehält sein sollen. 

7. Daß keiner dem andern holz entfiehren solle. 15 

Der stamb holz halber ist vorgenomen, wann ainer dem andern der- 
eichen holz, es seie klein oder groß, ohne sein yorwissen und willen, wie 
Q zeit hero beschechen, in seinen aigentumb und gietern, die seind nachend 
er weit, in disen oder andern anstossenden gerichten entlegen, entfiehret 
dershin, der soll dem, deme der stamb gehörig, so ain fueder in der große 20 
t, 5 fl. gelt geben und von ainem größern stamb, also von zwo fueder, 
I ieder 10 fl. zu bonificieren schuldig sein, und der obrigkeit etc. die 
äff gegen ihne zu ersuechen bevorstehen; darbei aber alldieweilen auf 
rgleichen that mitist vilen gezeugen schwerlich zu komben ist, wie es in 
ahrung gebracht werden konnte, soll in disen fal durch ainen ainzigen 25 
sengen, als ainen erbahren mann, wann selber gezeug ain leibliches 
ament zu praestieren getrauet, genuegsambe prob sein, oder wann der- 
ige, deme das holz zuegehörig ist, selbs zur that komben, und die prob 
tlst denen gezeugen nicht hette, soll ainer disfals den vorgebenden 
Iter das aid inhalt 34. titl 2. puechs tyrolischer lantordnung abzu- 30 
:en befueget, und deme gemeß der andere sein bekennen oder laugen mit 
m aid zu bestettigen schuldig sein; so nun darwider ein gewisse ent- 
^mbdung dargethann wurde, hingegen aber der, deme ee entfrembdet 
»rden, ihm ain mehrers holz entfrembdet zu sein erweiset, auf wellichcn 
folg derjenige, welcher thail entfrembdung, wie gehört, gethann, dem 35 
dem entfrembten thail auch die gebühr zu ersezen schuldig sein. 

8. Verpot des gemeinen holz und der rotfuehren. 

Zumahlen auf ratification der hohen herrschaft etc. die ainsmahlen 
ßgethailte gemainsbewaldung von wohlgemelten hohen wesen vorleng- 
jns verwilliget und confirmieret worden, als solle derselben nachzukomben 40 
innigclichen auferlegt sein, weilen denn man aine zeithero ersechen 
iessen, sonderheitlich auf Lengmoser seit her, daß die gemainswaldungen 
srklichen ruinieret und rotfuehren durch verschiedene tagwerch und 
dem das zuegefiehret wirdet, dergleichen aber abzustellen, wirdet der 

lö» 



228 -S^tetn auf dem Ritten, 

schluss gemacht, daß ain iedwederer auf seinen ausgethailten stuck fleißige 
obsicht tragen und der ybertretter sambt und neben demjenigen, welchem 
dergleichen holz zuegefiehret wirdet, auch die oxen darzue herlcicht, und 
also onmitlpar abgestraffet werden solle, und zwar nach laut der val- 
5 dungordnung. 

9. Besueohung der wunn und waid. 

Die wunn und waid soll man vor sanct Georg! und nach sanct Mi- 
chaeli tag halten und besuechen, wie von alters herkomben ist. 

Und obwohlen vorhero eine zeit lang etwelche parteien, so mit 
10 keiner gemains-gerechtigkeit vorgesechen, zu steym beleget worden, ent- 
gegen ihnen auch der genuß der gemains-waiden ainsmahlen erlaabi 
gewest, so ist aus gewisser Ursachen solche steyr widerumben caßiert, dar- 
gegen auch solchen parteien auf die gemain zu waiden, noch anderwärts 
ain holz, ströb und klaubnus zu nemben genzlichen verpoten und zwar bei 
lö der straff. 

10. Nit yber die mark zu mahnen, sambt der straf, welcher gar kein 

gerechtigkait darzue hat. 

Des Haiderpergs halben solle keiner nit mehr yber die märker 
mahnen, als was er berechtiget, darmit dardurch die waiden dem vich nit 

20 entzochen und geedet werden. Da aber ainer oder mehr, der gar kein ge- 
rechtigkeit hette, hierwider betretten wurde, dem oder denen selben solle 
nit allein das heu durch das gericht hingefiehret, sondern noch darzue 
umb 10 fl. gestraffet werden, darumben der richter, forderist aber die 
alpenmaister ihr besseres aufsechen zu haben, aus welcher straff ain thail 

25 der herrschaft und ain thail dem gericht und der drite thail dem anzeiger 
zu erfolgen haben solle. 

Und weilen nicht minder geklaget worden, daß zu der högsten 
alpenszeit unterschidliche oxen in der Gißmanncr Schonn- und Haiderperg 
getrieben worden, also solle durch die alpenmaister genuegsambe vorse- 

30 chung beschechen, und nach ihrer befundenen nothwendigkeit die ge- 

richtsdiener hinauf schicken mit den befelchen und instruction, wie denen 

alpenmaistern dato mindlichen vorgetragen und dessen erinnert worden. 

Ingleichen soll ain ieder, der gras ausschneidet in Haiderperg, iedes- 

mahl, wann er betretten wirdet, umb 1 ü. gestraffet und davon die drite 

35 gebihr dem anzaiger erfolget werden. 

11. Das holz aus dem Haiderperg belangent. 

Disfals ist mäunigclichon bekant, was masscn das gericht sich in 
holzmangl befinde, entgegen der Haiderperg mit anwurf und jungen holz- 
pruet dergestalten sich erzeiget, dass widerumben ain holz erziglet werden 
40 kennte, zuwider dem thails unterthannen discm holzgewäx mit deme 
solchen schaden zuefiegen, weilen sie zu zaunrangen und schlaifen die 
stämblen, so etwo auf das mehriste zwo klafter lang, abhacken und auf 
ain fueder in die etlich und zwainzig stämb abfiehren, welches kein son- 



Stein auf dem Ritten, 229 

lerbarer behelf, sondern allain edung und Schädigung nach sich ziechet, 
st demenach das waxende holz und ströb in Haiderperg, es sei klein 
der groß, auf zwo jähr weiters in den pann gestellet worden, dergestalten, 
rann einer auf einer abfiehrung betretten wurde, derselbe, ist es ein an- 
esössener, von ainem stamb 1 fl.. 30 kr., und ain ungesössener 3 11. straff 5 
u bezahlen schuldig sein solle; doch der reisten halben kann sich ain 
der der notdurft nach bedienen und dero gebrauchen. Aus obiger straff 
)lle ain dritl der herrschafft, ain dritl dem gericht, und ain dritl dem 
Qsager gehörig sein. Mithin ist beschlossen worden, wann ainer dem 
ädern sein gemachte reistenholz entziechen thete, auch dieses probieret 10 
Tirde, soll selber dem, so er holz entfiehret, 1 ff. 30 kr. zu ersözen und 
a bezahlen schuldig sein, der gerichtsherrschaft aber die straf vorbehalten 
leiben. 

12. Haltung der handlungen, sommer- und Winterszeiten betreffende. 

Ain richter solle die handlungen inhalt neu confirmierter tyroli- 15 
iher lands-ordnung zur gebihrenden zeit, als in sommer zu morgents umb 
ben uhr und zu Winterszeiten umb acht uhr anzusözen und zu halten, 
ach selbs darzue zu erscheinen, und damit Sommerszeiten biß fünf uhr, 
nd Winterszeiten biß vier uhr abents, und lengers nit, zue zu warten, 
>ndern, wann solche zeit verflossen, von gericht aufzustehen, darzue dann 20 
ach die parteien zeitlich zu erscheinen, andernfals aber solch ungehor- 
imbe den Unkosten abzutragen schuldig sein. Insonderheit ist beschlossen 
erden, wann zu giete und gerichtlichen handlungen die anstalt per acht 
hr durch obrigkeit etc. angestellet und aber zuwider solcher anstalt 
lagend oder beklagter thail vormittag nicht erscheinete, alsdann der ab- 25 
iamige dem andern thail alle und iede billiche Unkosten ersezen, auch 
kr. straff geben, und verner, wann klagend oder beklagter thail weder 
or, noch nachmittag auch nit erscheinete, auf welchen erfolg der absäum- 
ige thail 1 fl. straff der herrschaft gleich, wie bißhero observieret 
Orden, verfallen sein, damit dann auch die handlung ihren f ortgang 30 
aben möge. 

13. Die laimb- und santgrueben widerumben einzufillen. 

Da auch ainer oder mehr zu seiner hausnotdurft auf der gemain 
limb und sant nemben oder graben thet, der soll es ohne obrigkeitlicher 
'laubnus zu thuen nicht befueget sein; der es aber mit erlaubnus thuet, 35 
)11 alsdann die gruben mit stain oder erd widerumben anfiUen und auß- 
Leichen, damit derohalben bei tag oder nacht kein schaden bescheche und 
ie gemain widerumben in gueten stant kombet, alles bei 10 fl. unnach- 
ßlicher straff, darauß der herrschaft ain halber thail und der andere 
eilbe thail dem gericht zueständig sein solle. Ebenfals soll man kein 40 
ilchgrueben auf der gemain [zu graben] ohne obrigkeitlicher erlaubnus 
3i obiger straff nicht befuegt sein. 



230 -^^«'» ««'/ ^^» Ritten. 

14. Verpoth des vich-firkaufs und kein frembdes vich einznnemben, es 
seie klein oder groß, darauf saltner und viertlmaister aufsechen zu tragen. 

Solle niemand, er seie wer er wolle, so nüt paureoht in gerioht innen 
hat, ainiches vich auf der alpen oder gemain nit treiben, und die, so ge- 

5 rechtigkeit haben, kein frembdes, klein oder grosses vich inner oder ausser 
gericht aufnemben, und die gemain mit vioh zu yberladen, bei straff und 
abschaifung des vichs, iedesmahl 6 fl., darauß in allen halbes der herrschaft 
und halbs dem gerioht zueständig sein solle, dessentwegen denen drei salt^ 
nern in ihren pflichten nebenbei aufgetragen worden, sich bei den per- 

10 sonen, so vich auf den alpen keren, wemb solches gehörig, alles Weisses zu 
erkundigen, und da sich, wie vorgemelt, was wüdriges befunde, solches der 
gerichtsobrigkeit bei entsezung ihres dienstes unaufhältlich anzuzaigen und 
kunt zu machen. Dabei verers vorgenohmen, obwohlcn, wie männigolich 
bewust, ain durer, manglparer heuperg, und das yich bereits nit erhalten 

15 werden möge, daß ohngeacht dessen thails unterthann, bevorab ledige 
paursknecht, hantwercher und dergleichen sich firsezlich unterstehen, vich 
und schaaf auf zu kaufen, auch sogar thails unter dem schein, als ob es 
ihr aigen were, einzunembcn, warmit ihre negste nebenpaurn, die steurpar 
seint, beschweret werden, deme aber vorzukomben geordnet wirdet, daß 

20 hinfirders den unangesössenen hantierern, tagwerchern, dienstpoten und 
auch angesessenen, er seie, wer er wolle, der vichfirkauf, es seie klein oder 
groß, ohne außnamb [verpoten] und auch ainiches frembdes vich bei der 
straff nit mehr einzunemben befuegt sein solle, ihr vich, oxen und stier, was 
geschnitten, sovil ieder zur arbeit nit braucht, zur zeit in den alpen auf- 

25 trüb, daselbsten aufzukeren und zu waiden, keineswegs aber zu behalten, 
darauf die viertlmaister ihr fleissiges aufsechen haben sollen ; welcher aber 
darwider betreten wirdet, der soll als die unangesessene per fünfzig pfunt 
perner und die angesessene nach erkantnus des herrn richters und ge- 
schwornen unnachleßlich gestraffet werden, darnach sich ain ieder zu 

30 richten und vor schaden zu hüten weiß. 

15. Aufkerung der ross. 

Die unangesesseno in gericht sowohl, als auch die herren personen, 
so ausser goricht sein und alhier gioter haben, sollen ihre ross aus ge-' 
melten Ursachen der manglparu waiden auf lengstens sanct Veits tag au^ 

35 die alpen treiben, und anhaimb wenigst nicht gestattet, minder ain rev^ 
stueten aufzukern verlaubet werden oder sein, sondern ist hiemit verpoten-- 
Es soll auch ainem iedcn angesessenen nicht, als was er von seinen gieteri^- 
außwintern kann, aufzukeren erlaubet sein, und der hierwider handlet^ 
würde, solle nach erkantnus des richters und geschwornen gobihrenderT 

•40 maßen abgestraffet werden. 

16. An festtagen unter währenden gottsdiensten kein geworb treiben, un^ 
wann das gemaine allerseelen-allmosen ausgethailet werden solle. 

Laut der polizei-orduung wirdet denen wirten, kramern, pöckeii 
und andern dergleichen personen an sonn- oder feirtagen, auch andern- 



Stein auf dem RiUen, 231 

potenen tagen, unter denen gottsdiensten wein, prot and anderes feil zu 
iben und zu verkaufen bei verlierung der haab genzlichen verpoten, und 
s zuvor am allerheiligentag gefolgie gemaine almosen außthailen solle 
nfirders, auf daß man allerseits dem gottsdienst beiwohnen möge, — so 
nsten bevorab bei denen armen unterlassen worden, — den tag darnach, 5 
3 am allerseelentag gehalten werden, und ist auf ybertrettung bei 25 pfunt 
mer straff. 

L Die gemaine weg mit stain und wasser, wie auch mit fahren nit zu 

schädigen. 

£s soll niemant, wer der seie, gefehrlicher weis ainen stain ab seinen lo 
ettem außraiden, [noch, wo er] schaden bringet, fiehren; wo aber ainer oder 
ehr zu besserung der weg stain darein tragen oder fiehren wolte, der solt 
mit rath des herrn richters thuen; ingleiehen auch niemande ainichen 
asserrunst von seinen gietern aus denen gewohnlichen wasserrünsten 
)er die gemainen weg, anderen zum nachtheil, zu errichten, und da an- 15 
urch ainem andern schaden erfolgen wurde, solle solcher schaden dem 
schädigten nach gebihr erstattet werden. 

Negstdeme ist ain und andern orts zu ersechen komben, daß man 
k und dorten muetwilliger weis yber die gemain fahre, und andurch 
r waidung schaden zuegefieget wirdet, also solle man hinfirders die con- 20 
ryierung der waid verschonen und bei denen wegen bleiben. 

). Die pann Wälder und markstainen zu besuechen, so der gerichtsgwalt- 

haber zu thuen gehalten. 

Die gerichtsgwalthaber sollen hinfirders jährlichen und ohngefehr 
monath mai mit beiziehung nothwendiger gehilfen die pannwälder, 25 
^sgleichen die märker auf den alpen besuechen und besichtigen, ob nit 
was widriges erfolget, auf welcher befindenheit es ainem richter, da es 
»nnöthen, dem herrn püöger und ausschuß referieren, auf daß möglichi- 
sns Wendung vorgenomben werden möge. 



19. Verpot des gemainen mads auf der alpen. 



30 



Niemande, er seie wer er wolle, soll weder auf die alpen oder ge- 
ainen etwas abzumahnen oder darvon zu vergeben gestattet werden; 
r es aber thet, soll umb finfundzwainzig pfunt pemer, halbs der herr- 
haft und halbs dem goricht, verfallen [und] gestraffet werden, auch das 
tu oder gras dem anzaiger völlig zuegehörig sein. 35 

). Der ingeheissen, ledig und unangesössenen personen verpot, an 

keinen ort alhier holz abzuhacken. 

Ebenfals kein lediger oder auch ingeheisen, der nit in gericht ge- 
5sen, weder in Haiderperg, als denen gemainswäldern oder andern orten 
aiches lerchens oder anderes holz nit abschlagen, oder hin weck fiehren 40 
Ue, bei der straff ünfundzwainzig pfunt pemer, doch fir ihme die 



232 ^^^ ^"Z ^^^^ Ritten. 

nothwendige behilzung, reisten, ist erlaubet worden, desgleichen wirdet 
ainem ieden anangesessenen verpoten, daß er in Haiderperg kein ströb zu 
machen sich anmaße, bei obiger straff. 

21. Die gerichUgwalthaber betreffende. 

5 Dann sollen die gerichtsgwalthaber auf zwo jähr verpflichtet 

werden, und nit allein umb die steyrn, sondern allen andern gerichtsanß- 
gaben vor herrn richter und etwelch geschwornen alsobalden und negst 
aufgehaltener ehehaftstädigung ordentliche raittung zu halten schuldig sein. 

22. Die hantwercher besoldung. 

10 Nachdeme die hantwercher alhier sich unterfangen, ain zeithcro in 

ihren hantierungen von selbsten zuwider der polizei-ordnung aufschlag 
und staigcrungen vorzunemben, warmit der paur und gemaine mann 
höchlichen beschweret wird, sollichem nach ist beschlossen worden, daß 
firohin nachstehende hantwercher mit mach- und abgebung der waren 

15 volgendes raiten und ihnen auch nicht mehrer geben oder darfir bezalt 
werden solle. 

Hothgärber. 

Als anfangs denen rothgärbem fir arbeitung ainer oxenhaut 30 xr., 
fir ainer stierhaut 24 xr. und von ainer kuehaut 20 xr., von äinem kalbl- 
20 feil 6 xr. und dan von ainem schaaffell 4 xr. Si sollen aber von denen 
neuen heuten weiters nicht nemben, als allein was ihnen gebihret und 
billich gehört, den sohwaif und die hörn, wann aber darwider klag eia- 
kombet, die gärber iedesmahl, so oft das beschicht, umb 3 fl. gestraffot 
werden. 

25 Schuechmachor. 

Denen schuechmachern von iedem par schuech, große oder klein, so 
sie ainem gerichtsmann [machen], 2 xr., welcher paursmann aber fir ihne 
selbs sein schuech zwomahl abzunähnen begehret, sollen sie umb obbemelten 
lohn zu thuen verpunden sein und mehrers nit darfir begehren, und weilen 
30 ain zeithero sich geeisseret, [daß] die schuechmacher sich verwildern, aur 
die stern zu arbeiten, als solle auf dergleichen von ain oder andern erzei- 
genden Widerspenstigkeit der ungehorsamb nach der obrigkeitlichen er- 
kantnus das erstemahl an gelt gestrafft, das andermahl aber gar aus dent 
gerioht Ritten geschaffet werden. 

35 Stricker. 

Denen Strickern solle von ainer klafter stricken hinfiran in de*- 
paurn speis 3 xr. und fir das flicken von zwo staissen 1 xr. und fir ainer 
tschunggl 10 xr., aber mehr nit bezahlet werden, dieselben aber ainichea- 
scheib- oder anderes leder in wenig[8t]en hinwöck zu nemben nit befuegt sein. 

40 Wollschlager. 

Item ain wollschlager von ain pfunt woU in des paurn speis 1 xr. 
und in des woUschlagers speis 2 xr. 



Stein auf dem Ritten. 233 

Krauts taisser. 
Ainem krautstaisser vor ainen schaff kraut 3 üerer. 

Mezger. 

Denen mezgern wirdet wegen des rintfleisches kein tax gegeben, 
weilen kein rintermezger verbanden, das junge fleisch aber sollen die 5 
vordem viertlen per 3 xr. und das pfunt von denen hintern viertlen 3'/2 xr. 
abgegeben, auch vorhero das gericht verseohen, und nit anderwert« zu 
verfiehren erlaubt, sondern in erfolgender ybertrettung hin weck zu nemben 
frei sein, gestraunes fleisch das pfunt per 3 xr. und das pfunt gaiß- oder 
pockfleisch 2 xr 3 fierer. 10 

Schmid. 

Denen schmiden flr ain grosses par oxen neu zu beschlagen sambt 
^enen neglen 1 fl. 12 xr., von ainem par mittern ain gülden sechs kreizer, 
"^on ainem kleinen par 1 fl., dann von ainem gemainen pfert von neuem 
^schlagen sambt denen neglen 36 xr. Item von ainem par oxen auf alte 15 
®'8eü sambt denen neglen darzue hergöben, auch zueschnaiten 18 xr. 
'^erers ain wagensaan zu schären, fir ein pfunt neues eisen, so sie darzue 
^^%en, neben der arbeit 9 xr., ain neue raadschünn zu beschlagen, wie 
^^ch die neuen aufzuzieten, von ainem 5 xr. sambt denen neglen, darzue 
^l>er die negl nit zu klein zu machen bei straff, zu ain par reder die pixen 20 
^»id ring, welche aber nicht zu klein gemacht werden, sondern die ge- 
^iihrende greße und sterke haben sollen, 48 xr., flr ain pfunt eisen, so auf 
Me pergeisen geleget wird, 9 xr. und 100 axennegl per 12 xr. 

Und zumahlen die in disem gericht inwohnende sohmidmaistern des 
x^hmidihantwerchs bereits wissend obgemelten puncten nicht nachgelebet 25 
• n haben, als solle flrdershin zu des ganzen gerichts ain zeithero eitich- 
^nden nuzen allen nachkombenden schmidhantwerchsleiten, zugleich auch 
^rambern bereits versechen, wie von alters herkomben ist, und das ty- 
^olÜBche lantsgsaz, auch die seithero vilföltig ergangenen hochherrschaft- 
ichen wesens befelch zuelassen und zu handln erlaubt sein. 30 

Barbierer. 

Denen barbierern flr das köpflen ainer person 6 xr., haar abschneiden 

Und barbieren, fir beedes 3 xr. Beriehrende die peinprüch, gliederein- 

^ichten und dergleichen wunden und andern schaden, soll er nach gestalt 

der Sachen gebihrend und leidentliches begehren thuen und solle der bar- 35 

t)ierer bei diser vorgeschribenen Ordnung und besoldung ohne aufschlag 

verbleiben, und mit diser weitern auflag in gericht sowohlen denen armen, 

als denen reichen jederzeit, wann es vonnöten und begert wirdet, in seinem 

dienst treulichen und gewertig sein, auf daß man [zu] klagen nit be- 

ursachet wird. ^^ 

Maurer und zimmerleit. 

Item aim maister des maurerhantwerchs, wie zugleich denen zim- 
merleiten, sowohl in sommer, das ist zu Georgi unzt auf Michaeli, [als in 



234 SUin wf dem RiUen, 

Winterszeit] in des paurn speis solle geraitet werden von ainem tag 10 xr., 
ainem knecht 7 xr. und ainem pueben 5 xr., in ihrer speis aber ainen 
maister 20 xr., ainem knecbt 18 xr. und ainem pueben 16 xr. 

Schneider. 

5 Denen schneidern in des paurn speis 8 xr., ainem gsell 5 xr. und 

ainem lehrjung 2 xr. 

Weber. 

Denen webern in des paurn speis zu wirken von ainer eilen härbens 
tuech 2 xr., rupfens 6 fierer, von härben gewäggleten 2 xr., ain eilen 
10 walchlooden 1 xr., aber fir ainer eilen härbens tuech, so in des meistere 
speis, 3 xr. zwai fierer, fir ain eilen rupfens 9 fierer, ungewäggleten, auch 
ain eilen kittUooden 9 fierer, dargegen das tuech in gebihrender praite, wie 
von alters hero gebreichig, als ain und ain viertl eilen wirken. 

Tagwercher. 

15 Denen tagwerchern alhier solle, in erwägung des getraidsgangs, 

ain tag gegeben werden, als in sommer in des paurn speis 6 xr., in winter 
4 xr., ainem weib in langes von jätten und grambenschittlen ins paurn 
speis 3 xr., in sommer von rechnen und schneiden 4 xr., doch vorbehalten 
konftiger zeit laufenden wertschaften, dargegen sie tagwercher schuldig 

20 sein, denen gerichtsbenachparten vor andern, und sonderheitlich Sommers- 
zeiten, unzt solang der schnitt und maad wehret, zu arbeiten, und andern 
zu dienen ihnen verpotten, und weilen verers sich thails unterstanden, in 
sommer, als genetigisten veitarbeit, andern zu arbeiten, ja sogar umb der 
arbeit zu entgehen, da und dort das almosen zu samblen, diejenige aber, 

25 so etlichen zu arbeiten verlangen, gar aus dem ge rieht zu merklichem 
nachstant zu herren- und paursleiten zu gehen und arbeit ausser gericht 
zu suechen, dargegen Winterszeiten sich alhier in gericht aufhalten, und 
denen angesessenen beschwerlich obligen, so ihnen keineswegs gebihret, 
als sollen selbe, da dergleichen betreten wurden, nit allein aus dem gericht 

30 geschaffen, sondern noch darzue mit ernstlicher straff angesechen werden, 
darauf diejenigen, so dergleichen hörbringen zu verlassen haben, fioissiges 
aufsechen tragen sollen. 

Es sollen auch hierunter die hantwercher, keiner außgenomben, 
welche vorstehend ain und andern puncten ybertretten wurden, ieder per 

35 1 fl.. 30 xr., daraus der herrschaft halbes und halbs dem gericht, zur straff 
verfallen sein. 

23. Keinen ingeheissen von frembden orten ohne verwilligung der Obrig- 
keit nit einnemben, worauf die viertlmaister aufsechen zu tragen obligieret. 

Verers ist beschlossen worden, zum fall iemande, er seie, wer er 

40 wolle, in seinen aigentumblichen oder zuegeheisen aus andern gerichten 

her fremde personen zu ingehcisen aufnemben wolte, der oder dieselben 

sollen firdershin allwegen mit vorwissen der gnedigen gerichtÄherrschaft, 

da sie in loco, andernfals dero nachgesezten obrigkeit und nogsten ange- 



Stein auf dem Ritten. 235 

»essenen nachpanm, und nichts aigens gwalts thuen, damit das gerichi 
ait mit unnützen liederlichen gesindel, auch ain nachpaur den andern 
[liernach beschwere, darob die viertlmaister ihr fleissiges aufsechen zu 
lalten; welcher hierwider gefehrlichen was handien wurde, soll umb 10 fl.. 
n der straff verfallen sein, darauß die 5 fl.. dem viertlmaister und die 5 
indem 5 fl. halbs der herrschaft und halbs dem gericht zuestendig sein, 
lud der ingeheis ain tag und nacht in gehorsamb verbleiben, und volgents 
ilsobalden aus der hörbrig geschaffen werden, und so die viertlmaister 
lierinnen nachleßig befunden wurden, sollen dieselben iedesmahl umb finf 
and zwainzig pfunt perner straff verfallen sein, massen disfalls denen viertl- 10 
maistern die nachdrucksambe auflag beschechen und die ongehorsambe 
ahne weiters gestraffet werden solle. 

24. Die Verheiratung unter denen jungen und untauglichen leiten und 

ehehalten abzustellen. 

Nachdeme vil knecht und diernen von frembden orten alhero in dises 15 
gericht komben und darunter mehristcn thails [sich] gleich ain oder zwai 
jähre in diensten aufhalten, darnach sich stracks aneinander hengen, also 
daß in ganzen gericht schier kein mannparer lediger knerht zu finden, 
damit aber dissentwegen besscrung und einsechung bosch'jhet, sollen die 
frembde knecht und diernen, so sich ohne wissen und willen weltlicher 20 
Obrigkeit alhier zusamben verheiraten, und alsdann im gericht nieder- 
lassen wurden oder wolten, von obrigkeits wegen oneracht, wann ain 
frembdling schon ain Weibsperson geheiratet, so ain gerichtskint ist, alles 
ernst auß dem gericht geschaffen werden, umb so mehr, als von hochlöb- 
licher 0. Ö*° regierung etc. untern 12**° jänner anno 1702 und durch 25 
andern mehr auch unlengst eingeloffenen gnedigen mandaten de dato 
29*" mai 1749 anbefolchen worden, keinen heirat, wann nit beede 
200 fl.. zusamben bringen, zu gestatten, oder da iehe solcher heirat wegen 
der geistlichen obrigkeit nit zu verwöhren wäre, das ehevolk aus dem 
gericht zu schaffen, sodann von der gerichtsherrschaft nit aufgenomben 30 
werden solle, und zumahlen verwichene jähr etwelche dergleichen* leut 
sich verheiratet und noch de facto in gericht [sich] aufhalten, also hat 
herr richterzuinquirieren, wie vil und wer dise seint, volgents dise neben 
jenigen ledig und frembden mentschen, so sich ohne erlaubnus alda in 
gericht zu hucken begeben, ohne weiterer entschuldigung aus dem gericht 35 
zu schaffen. 

25. Daß die gedingten ehehalten auf eingenomener ahr in diensten zu 

rechter zeit eintretten sollen. 

Weilen thails gedingte ehehalten, knecht und diernen, so vermessen t- 
liche ahr auf die dienst aufnemben, selbe unzt auf liechtmessen inen be- 40 
halten, volgents und anstatt des diensts antretten sie die ahr widerumben 
zurugg zu geben, dardurch vilmahls die paurn und payrinen ybel verfiehret 
und angesezet werden, also ist verers beschlossen, daß welcher ehehalt 
einmahl ein ahr einnimbet und gedinget wird, der oder dieselben sollen 
vermieg und inhalt 36 titul. 6ten puechs tyrollischer lants-ordnung 45 
schuldig und verpunden sein, in diensten einzutretten und auf das lengst 



236 S^n ««/ <^«n Ä»«««. 

drei tag nach liechtmessen und nit allererst yber acht oder zechen tagen 
darnach, wie bishero beschechen, eintretten und vor der zeit keineswegs 
ausstehen, und seind gleich knecht oder diernen, die hierwider handlen 
sollen, so oft es beschicht, 3 tag und nacht in gefangnus gefiehret werden, 
5 und solle dem- oder denenselben verursachenden klägern der Unkosten 
erstattet und guet gemacht werden, und der paur dem knecht, da derselbe, 
wie es oft beschicht, sommers-, als andern zeiten, an werchtagen nit ar- 
beitet, sondern herumb schlenzot, von iedem ausbleibenden tag 18 xr. an 
lidlohn abzuziechen berechtiget sein. 

10 26. Yerähr- und verdingung der ehehalten nach Jacob! betröffend. 

Obzwar kraft Jetstern schlußurtls eingerathen gewesen, vor sanct 
Mathias tag in herbst die ehehalten nicht dingen oder verähren zu dörfen, 
in erwägung aber hierinfalls viele strittigkeiten erhoben, also in hoffnung, 
aine dem gemainwesen diensambere Ordnung eingefiehret zu werden, ist 

15 der untern 18ten february anno 1763 bei einer steyrraitung resolvierte 
beschluß hiemit kraft diß bestens reassumieret und respective neuerlich 
wirklichen beschlossen worden, daß nemblichen auf zuekonftige zwai jähr 
die ding- und verährung der ehehalten iedes jähr am sanct Jacobi tag den 
anfang nemben, volgents von solchem tag an die zeit hindurch nach iedes 

20 gefallen sollte beschechen können, iedoch mit diser verpündnus, wann das 
ehehalt die ahr wirklich empfangen, selbes auch schuldig sein solle, ohne 
weiters bei dem gedingten paur oder peyrin zu liechtmessen darauf in 
diensten einzustehen, und also ein gleiches auch paur und peyrin das ge- 
dingte ehehalt in diensten anzunemben schuldig, und folgsamb die etwo 

25 von iemande andern hinnach beschechene ehehaltens ding- und verährung 
ipso facto null und nichtig sein solle. 

Wann aber ain dienstperson unter der jahrszeit ohne erheblichen 
ursach aus dem dienst tretten und bei einem andern nachpaurn oder unt«r- 
thannen in discm gericht in diensten gehen wurde, so soll der annember 

30 derselben umb 3 fl.. gestraflfet werden. Es solle auch sowohlen dem dinger, 
als annember der ahr auf keine weis gestattet werden, nachdeme derselbe 
das ehehalt mit anfang Jacob i-tag gedinget oder verährt hat, die ahr wi- 
derumb zurugg fordern oder geben zu können, sondern es solle bei der 
beschechnen bedingnus und verährung unwiderueflichen bei peden thailen 

35 vest und stoet sein verbleiben haben, bei der in 25. puncten vorgesechenen 
straff. 

Und damit deme von männiglichen genau nachgelebet werde, soll 
solcher puncten alle jähr 2mahl, als zu Georgi und Mathias tag, öffent- 
lichen publicieret werden. 

40 27. Ohne obrigkeitlicher verwilligung auf der gomain nicht zu pauen, 

auch kein ert aufzuwerfen. 

Es solle auch hinfirders kainem gestattet werden, auf der gemain 

ohne vorwissen und erlaubnus der herrschaft und des gerichts weder 

heiser noch anderes zu pauen, nach inhalt und vermig 4. puech, 4. titl, 

45 tyroUischer lants-ordnung, darumben auch kainem zuegegöben wirdet, auf 



Stein auf dem RiUen. 237 

der gemain ainiche erd aufzuwerfen und in seinen gietern abzufiehren 
oder abzutragen, aber stain, laimb und sant, damit man pauen solle und 
mueß und zu demselbigen nothwendig ist, soll hierinnen vorbehalten sein; 
welcher aber das freventlich ybertretten wirdet, der soll, so oft es beschicht, 
nach erkantnus des richters und geschwornen gestraffet werden. 5 

28. Straff der zain-abeder. 

Zugleich sollen die zein-abeder, wann die betretten wurden, iedes- 
mahl ain tag und nacht mit wasser und prot in der gefangnus bleiben und 
gestellet werden und noch darzue auf die betrettung allmahlen per 1 fl. 
gestraffet werden, davon solle der halbe thail der herrschaft und der andere 10 
halbe thail deme, welchem der schaden beschicht, gehörig sein, und kann 
die schädig- oder edung der Wichtigkeit nach [umb] mehrers gestraffet 
werden. 

29. Das krank und rittige vich alsobalden ab die alpen zu thuen. 

Sovern ain ox oder rint auf der alpen rittig [wird] oder sonsten er- 15 
kranket, sollen die saltner demjenigen, so das rint zuegehörig^ von stunt 
an gewisse pottschaft thuen. Derselbe soll es alsobald bei der straf finf 
und zwaiuzig pfunt perner, warvon der halbe thail der herrschaft und 
der andere halbe thail dem gericht zuekomben solle, hin weck und haimb 
zu treiben schuldigsein. Auch so auf der alpen vich umb- und todt ab- 20 
gienge, solle man solliches vergraben, und da iemande dem umbgangenen 
vich die haut abziechen wurde, solle ihme dieselbe fir das vergraben er- 
folgen und frei gelassen [werden]. 

30. Besoldung der gefeilten schödlichen thiere. 

Von vellung der schödlichen thier, als pern und wölf, solle von 25 
gericht gegeben werden, als von ainem alten pern 4 fl., fir ainen jungen 
2 ff., fir ainen jungen lux 1 ff., dann fir ainen alten lux 2 ff., dann fir 
ainen alten wolf 4 ff. und von ainem jungen 2 ff., zudeme auch die köpf 
und heut widerumben erfolgen, von dem pern aber die 4 prazen der gnä- 
digen gerichtsherrschaft zu lassen, entgegen aber die samblung im gericht 30 
eingestellet sein. 

31. Gaiß und gens, auch ungerungene schwein auf die gemain nit auf- 

zukeren. 

Weiters ist beschlossen worden, daß weder ain angesössener noch 
iinangesössener, von dato der publication an yber drei wochen, ainiche 35 
gaiß, gens und ungerungene schwein auf der gemain nicht mehr aufzu- 
keren anmassen, sondern sich dessen bemiessigen solle, in anderfall aber, 
dergleichen nach verlaufung der zeit betretten werden, solle selbiges ver- 
fallen sein, und dabei iedem innhaber. erlaubet wird, die gaiß, da selbe 
sowohlen auch auf seiner zuegethailten gemainsgerechtigkait zu schaden 40 
giengen, nach gefallen ohne habender gefahr nider zu schiessen, und zum 



238 St^^ auf dem Bitten. 

fall, disen puncten inwendig bestimbter drei wochen nit naohgelebet 
wurde, werden die geriohtsdiener bei verlnst ihrer dienst hiemit befelchet, 
die gaiß und gens nider zu schießen und an dem ort der gemain Ligen 
zu lassen, mit vorbehält der verworkten straff. 

ö 32. Denen gesohwornen rednern solle die besoldung von gerichtsdiener 

bestellet werden. 

Der gesohwornen rednern halben ist geordnet, wellicher ainen zur 
handlung zu gebrauchen von nöthen hette, der aolle ihme redner die be- 
soldung, infall der redner in giete nit zu beröden wäre, beim gerichtsdiener 

10 zuvor zueschicken, und darzue ordentlich ürpieten lassen, ausser dessen er 
zu parieren nit schuldig sein, damit, weilen die gedingstätt sehr weit ent- 
legen, daß vergeblichen umbraisen und uncosten aufwenden vermieden 
bleiben möge. In ybrigem soll es bei der beistender besoldung und refun- 
dierung deren thalben dem tyroUischen lants-gesaz: 12. titl. 2. pueohs 

15 gemeß gehalten und demselben stracks nachgelebet, auch dar wider nicht 
gehandlet werden ; yberdeß solle keine partei einichen frembden beistant 
ausser der verpflichten ohne erlaubnus der obrigkeit zur advocatur und 
beistantslaistung herzunemben nit befuegt sein, sondern umb verwilligung 
dessen bei der obrigkeit zuvor anhalten und in dessen Unterlassung die- 

20 selben nit zuelassen, sondern abgewisen werden. 

33. Des gerichtsdieners auflag. 

Von wegen dergerichtsdienern.auf Lengmos- und Unteryhn er Seiten ist 
vorgenomen, daß sie alle Unzucht und ungelegenheit, schwören, flucchen und 
dergleichen unehrliche sachen, so [sie] dieselben hören, alsobald der obrig- 

25 keit anzaigon und niemande verschonen sollen, bei entsetzung ihres dienst^. 
Wegen ihrer besoldung mehrers nit, als was die leiste aufgerichte Ordnung 
vermag, begehrn, und auch niemande darwider beschweren, auch die an- 
befelchende anrueffungen der parteien stracks nach der befelchung fleissig 
und in solcher maß ausrichten, darmit daran kein mangl erscheinet, bei 

30 vorgemelter straff und mit abtragung des unkostens, so sie wegen un- 
rechten citieren verursachet und darwider ergehen möchte; sie gerichts- 
diener aber sollen auch firdershin keines wegs ihrem aigenen gefallen 
nach von der gemain holz abzufiehren befuegt und berechtiget sein, sondern 
ihnen solches gleichfalls verpoten. 

35 Und gleichwie die aldasige zwo gerichtsdiener Lengmos- und Unter- 

yhner sciten bereits schon vor etliche jähr zu yberreiten bestellet worden, 
als ist ihnen am dato der befelch und auf trag beschechen, daß selbe schul- 
dig sein sollen, alle wochen beede miteinander, die ainte wochen zwai tag 
Lengmoser seiten, und die andere wochen auch zwai tag Unter [yhnerjseiten, 

40 oder alternatim die ganze refier des gerichts Ritten zu durchgehen, die betret- 
tende pettler, so frembd, ohne weiters abzuschaffen und aus dem gericht zu be- 
gleiten, oder wann dise oder auch andere, so nit zum pettlen begriffen, 
iedoch frembd und verdächtig seind, der pfleg-gerichts-obrigkeit zuezu- 
fiehren, und von dorten aus, was darmit zu thuen, den weitem befelch 

45 abzuwarten. Eine gleiche beschaffenheit solle es auch beihaben, wann sie 



Stein auf dem, RitUn. 239 

ichtsdiener in gerichtsdienerlichen ambtsverrichtungen begriffen und 
tireod dessen oder sonsten pettler- oder verdächtige personen zu gesiebt 
ngen wurden, wie oben gemelt, zu verfahren, und zwar bei verlust der 
irreiter besoldung, so ihnen gerichtsdienern am dato unter äugen ange- 
idt worden. 5 

34. Die alhiesige jahrsmärkt nit abkomben zu lassen. 

Ain riohter solle ernstlichen darob sein, daß die zwo jahrsmärkt, so 
gericht ainen am sanct Mathias tag zu Klobenstein, und den andern 
sanct Michaels tag zu Unteryhn zu halten von altershero die gerech- 
seit hat, durch die gerichtsunterthannen mit ihrem grossen and ciainen 10 
b mehrers, als ain zeithero beschechen, besuecht und darzue getrieben 
:den, und sollen die markt dem sonntag iedesmahl zuvor vor beede 
thöfen zu Lengmoos und Unteryhnn durch die gerichtsdiener auf des 
iters anbefelchen un vergessen tlichen berueffen werden, damit zwo 
rsmarkt nit gar aus der gwähr und gewohnheit oder gar abkomben, 15 
dem bei denen alten freiheiten und guet wissen erhalten und ver- 
iben können. 

35. Richter solle steurfrei sein. 

Der richter solle der steur und alpen, wie von alters herkomben, 
i gehalten werden. 20 

Die alpenmaister sollen die alten alpensgerechtigkeiten in obacht 

ziechen und halten. 

Obwohlen ein ersambes gericht alhier von wegen verhietung der 
lain und darauf abschlagung des holzes, auch ybertrieb und dergleichen 
hero ainen waldmaister mit schweren Unkosten gehalten, so ist doch 25 
umben ihrer nachleßigkeit halber wenig gefruchtet worden, derent- 
len und damit desto beßer möge vorgepogen werden, hiemit angeordnet 
rd, daß hinfiran, von ainer ehehaftstädigung zur andern, auf ieder pfarr 
wohlverständiger ernsthafter gerichtsmann, der umb die gerechtigkeit 
' der gemain, sonderheitlichen die mark- und pluembbesueohung des 30 
hs auf der alpen, guete Wissenschaft hat, zum alpenmaister firgenomen 
1 in gebreichiger pflicht gezochen werde. Dieselben sollen, alldie- 
ilen das vich auf die alpen ist, alle wochen ainmahlen, ainer umb den 
dem, hinauf zu der Böth gehen, und zum ab- und auftrieb des vichs, 
oft es im jähr beschicht, beede sich oben befinden, die saltner dahin mit 35 
em ernst halten, damit sie zu rechter zeit auf- und abtreiben, und die 
ihten märker suechen, und die gewohnliche zeit, wie im gericht von 
ershero recht hat, mit dem vich verharren, die von Oberyhnn und Gisman 
»n] ohnbefuegtcn ybertrieb und ausezung der in paan gethannen waiden, 
sh in ganzen gericht, der die waid auf die alpen und herunter mit ein- 40 
aoibung groß und klainen vichtrieb beschweren thue, abhalten und ab- 
laffen, auch die schaafherden, wie von alters, halten und aine besondere 
rtschaft nit gestatten, weniger zuelassen. Ebenfalls sollen beede alpen- 



240 Stein auf dem ßiUen, 

maisier ihr fleissiges aufsechen haben, damit in Haiderperg die gemainen 
oxenwaiden, auch ßulznerriesen und Sohienlander, auch Gismaner perg^ 
durch iemandes vich, küen, schaaf und dergleichen außgeezzet oder dahin 
getrieben, gebietet, und sonderlichen thails oxen von der gemain alpenhert 
5 nicht zu fruehe herunter in Haiderperg getrieben und gewaidet werden; 
welcher darwider betretten wurde, solle allegierten puncten nach, als 
von ainem rint 45 xr., und von ainem höpt 6 xr. gestraffet werden, auch 
in allem andern mit zeinen, reistprent aushacken, und was ansonsten auf 
der alpen vonnethen, des gerichts besten nuzen und fromben beordern, 

10 schaden und nachtheil zu wenden voUmechtigen gwalt haben, sich auch 
bei solch fimembenden besserungen selbst iederzcit befinden, desgleichen 
auch in Haiderperg auf die märker acht haben, damit ieder auf dem sei- 
nigen verbleibe und dem gericht kein ungebührendes eingreifen bescheche, 
also in summa in allem guete obsicht zu halten; insonderheit aber sollen si 

15 sich in sommer und zu der zeit, wann das gericht Ritten auf Villanderer 
hert, verfiegen, und da ein rittiges vioh befunden oder was anderes vor- 
fallen wurde, es alsobalden ainem richter anzaigen, damit ehest möglichiste 
einsech- und Wendung volgen möge. 

Wie nicht wenniger ist aigenthumblichen beschlossen worden, daß 

20 ieder, so zu ainer gemainen berueffung wegen zeinung, raistenprent aus- 
hacken, und was ansonsten auf der alpen vorfallet, nit erscheinet, 18 xr. 
fir ein tagwercher, in seinem namben solliches zu verrichten, zu geben 
schuldig, und solche niterscheinung ieder viertlmaistere, deme es be- 
riehret, dem herrn richter anzuzeigen bündig seie, auf daß die gebihr 

25 neben gczimbender abstraffung vorgenomben und abgeforderet werden mag. 

Sovilen es aber die almbhuetschafts saltnern anbetrifft, hat man 

denenselben auf zuekonftige zwai jähr das mänen auf denen lagern anheint 

dato eingepoten und abgestellet, entgegen aber zuegesagt, fir solchen heu 

aus dem gerichtssäckl iedem maister 6 ff., und also beeden miteinander 

30 12 ff. jährlich gegen wohlverhalten in parem gelt als ain extralohn be- 
zallen zu lassen. 

37. Die oxen nach verrichter arbeit widerumben auf die alpen zu treiben. 

Wann aber ainer in sommer zu Zeiten seiner notdurft nach die oxen 
ab der alpen nimbet, soll er schuldig sein, solche nach verriohter arbeit 
35 zur gemainen huetschaft alsobalden widerumben zu kehren, und weder 
wennig oder vil tag haimlich und absonderlicher weis nit anderer orteu^ 
aufzutreiben, und welcher darwider handlet, soll nach crkantnus de^ 
richters und geschwornen abgestraffet werden. 

38. ümb aine schult, was nur 20 ff. und darunter ist, soll nicht gepfendet 
40 werden. 

Weilers ist vorgenomben und beschlossen worden, daß keinem, wex* 
umb schuld, die nur 20 ff. und was darunter ist, klagt, kein pfantung 
oder formblicher schätz -procoss, dardurch vorhero vil greßore Unkosten 
und vergöbliche schaden aufgewendet worden, durch den richter ge- 



Stein auf dem RiUen, 241 

et oder vergönnt werden solle, sondern da ainer gegen dem andern 
;leichen anzuspreohen hette, deme ordentlichen iirfordern lassen, und 
iie schult bei dem beklagten richtig und bekäntlich, soll der richter 
bald demselben gelter auf die bestimbte zeit die zallung zu leisten 
i ernsts auferladen, und wann derselbe Schuldner die zallung zu ersterer 5 
chafPnng nit vollziecht, alsdann stracks ohne ainich vorgehender pfan- 
^ordnung auf anrueffen vernem begehren ohne alles gericht oder 
itliches procedieren, urtlen oder erkennen alsobalden durch den richter 
etlichen geschwomen die ordentlich lantsgebreichige ausschäzung 
landen genomben'und exequieret werden. 10 

39. Ereuzgäng-ordnung. 

Verers hat man beobachtet und vorgenomben, demnach ain zeit hero 
wreuzgängen nit allain im gericht, sondern vilmehr ausser gericht vil 
ehorsamb beschechen und Unordnung firgangen, zu firkombung beßerer 
oei und forcht gottes aber ist beschlossen worden, daß zwai erbahre 15 
chtsmänner, als auf ieden thail ainer, auf alle kreuzgäng in- und 
terhalb des gerichts zu ordentlich bevollmächtigten gwalthaber durch 
richter verordnet und bestettet werden, dise schuldig sein, wo nit 
le, doch ainer gewiß bei iedem kreuzgang zu erscheinen und allen 
kombenen gwalt haben, alle anordnung zu thuen, desgleichen ihr 20 
isige aufsieht zu haben, inmassen iedem ain ordentliche verzeichnus 
: liste aller feurstätt und heiser behendiget werden solle, damit von 
sm ieden haus wenigisten ains gehe und geschickt werde, und so die 
ehorsambe außbleiben und nit schicken, sollen allmahlen umb ain pfant 
: gestraffet werden, desgleichen, wann die gwalthaber nit fleissig auf 25 
nngehorsambe achtung geben, und selbe der obrigkeit nit iedesmahl 
aigen, ebenfahls mit angemerkter straff angesechen werden. 

40. Der geistlichen und vorsinger besoldung. 

Von kreuzgängen außer gericht. 

Es sollen auch dise zwo jähr die kreuzgäng gegen Terlan und Eppan 30 
h in zween tagen verrichtet werden, wie von alters herkomben ist, 
t>ei solcher kreuzgäng halber dem geistlichen und vorsinger volgende 
negsambe besoldung bestimbet werden, nemblichen herm pfarrer zu 
igmoos per Villanders 1 fl.., dem herrn pfarrer zu Unteryhnn per Terlan 

ainem tag 1 fl., gehen Wangen und Oberyhnn auch 1 fl., doch ausser 35 
i pfert, so ihme absonderlichen zu geben; ainem vorsinger von ainem 
ausser dem gericht, vermig vergleich und gehaltenem ausschuß- Schluß 

jähr 1738, einschließlichen der zehrung 36 xr. und ainem ieden 
Sner bei denen zuekirchen, von denen kreuz gehen, ausser gericht 9 xr., 
lern gericht aber und nechneren kreuzgängen allein 3 xr. Weiters ist be- ^q 
ossen worden, daß iedem herrn pfarrer die lesend heilige möß bezallet 
1 in dem wirtshaus sonderbahr aine gemaine herm-mahlzeit verschafft 
'den solle. 

3Mterr. Weisthttmer V. 16 



242 Siein auf dem RiUen. 

Zumahlen in dem gericht öftern vorkombet, daß die herrn pfarrs- 
Verwalter zu LengmoB und TJnteryhnn umb willen sanmbselUger ab 
fiehrung ihrer Terdienstnnssen sich beklaget, hingegen die unterthannei 
vorbringen, sie werden zuwider der ordentlichen stoll im raiten yber 
5 nomben, dahero und damit disen klagen a[bjgethann werde, wirdet her 
pfLeger etc. ersuechet und der herr richter befelchet, beredten herrn pfarrs 
Verwalter alsobalden zu der bezahlung zu verhelfen, iedoch die unter 
thannen zuwider der geistlichen stoll nit beschweren zu lassen, massei 
zu disem ende und männigelichs nachricht dem herrn richter und allei 
10 drei gedingstötten als: TJnteryhnn, Elobenstain und Lengstain, abschrif 
von vorgedachter geistlicher stoll zueges teilet, volgents derselben genz 
liehen nachgelebet und allen handlung- und raitungen derselben gemeO 
die aussatz und paßierung auch nicht mehr oder minder beschechen solle 

41. Die mihler betreffende. 

15 Nachdeme nun die gemain dises gerichts Ritten mit denen mihlen 

und mühlen dargegen rechtlichen erkennet und firgenomben, daß de; 
richter alsobald nach seinem antritt die mihler, so umbs muesmehl mahlen 
zu der ty rollischen lants- und darinnen begriffenen mihler- Ordnung an 
halten und darumben ernstlichen auferladen solle, daß die mihler siol 

20 derselben gemeß halten und niemande darwider beschweren sollen, beide; 
in ermelter Ordnung bestimbten straff und nach abtrag der bemelten per 
sonen erlittenen schaden; auf daß aber deme beßere obacht folge, soll) 
auch ain richter, wo möglich, zu der herrschaft mehrem nuzen mit ver 
megung aines herrn pflegers oder dessen vertretters in jähr hinumb mi 

25 etwelchen gerichts-geschwornen visitieren und sechen, obe deme al» 
jiachgelebot werde, damit alsdann die gebihr vorgenomben werden möge 

42. Von wirt und gastgeb, auch spillem. 

Es soll auch der richter denen wirten in gericht alles ernstes auf 
erladen und verpieten, niemande an heiligen sonn- und feirtägen vor voll 

30 endung der heiligen gottsdiensten und bei nächtlicher weil das ganze jah; 
hindurch yber gebihrender zeit kein wein auszugeben, sondern denei 
ledigen dienstknechten das unnütze spillen yber die gebihr auf ain bi 
zwai und auf das hegste drei kreizer nicht zuelassen noch gestatten; äi 
aber hierinnen eine ybertrettung beschicht, soll sowohl der wirt als die 

35 jenigen, so es thuen, innhalt der policei-ordnung und der in iedem wirts 
haus affigierten obrigkeitlichen wirts-ordnung, datiert ersten juni ann< 
1749: Nemblichen der wirt auf betrettenden fall und mißhandlung einer 
oder mehrern punctens allmahlen per 5 speci es- thaller, macht 10 fl.., unc 
die excedierende spiller mit hinwecknembung des spillgelts ernstlicher 

40 gestraffet werden, dabei man verers ainhöllig obigen schluß mit diseo 
weitern anhang erhoUct, daß die spiller und auch das tanzen yber ave- 
Maria-leiten abents in wirts- oder andern heusern nit solle geduldet wer- 
den, sondern wirt, spiller und tanzer auf betretten ohne weiters, wie gemelt, 
gestraffet werden, massen herr pfleger ersuechet wird, daß deme nachge- 



Stein auf dem RiUen. 243 

lebet werde, aufsechen tragen zu lassen, und den betretenen, auch wirt 
mit wirklicher straiBf zu belegen, wie nicht minder auch denen gerichtsdie- 
oem auferladen werden, wann sie ainiche spiller betreten, so höcher als 
umb Yorgemeltes quantum, nemblichen ain, zwai oder auf das högste 3 xr., 
Spillen, denen spillem das gelt hinweck zu nemben und obrigkeitlichen 5 
befelch zu erwarten, was mit solchen geltern zu thuen seie. 

43. Schaaf-ordnung. 

Deshalben ist schon unterm 10 ten jenner anno 1757 vermig son- 
derbaren protokols resolvieret und determieret worden, daß ainen steur- 
paren unterthann, wellicher terminlichen 1 fl. steur gibt, und so fort unzt 10 
einschluß 6 fl. steur-anlag gemaint, mehrer nicht, als zween rev. schaaf, 
darunter die sauglämper nicht zu verstehen, auf denen gemainswaiden auf 
zu keren zuegelassen seie, mit dem expressen anhang, infall sich wider 
verhoffen iemande darwider sezen und ein mehrers, als dessen zuelassender 
betreff, aufkeren wurde, volgents diser excedierende thail fir ieden meh- 15 
rem schaaf 1 fl. straff in continenti zu bezahlen schuldig sein oder dä- 
mmen exequieret werden solle, dahero, damit sich niemande der Unwissen- 
heit halben nit entschuldigen kann, als solle solche Ordnung die nächst 
nacheinander volgende zwei sonntäg zu Lengmoos und zu Unteryhnn 
oflFentlichen publicieret, volgents nach so verflossener zeit Unteryhnner 20 
Seiten von dem ieztweiligen herrn richter, und Lengmoser sei ten von dem 
gewösten herrn richter, nebst von ieden orts zueziechung zwoer oder dreier 
&Ti88cbu8s-verwonten, item gerichtschrei berei, gerichtsdiener von haus zu 
haus die Visitation eben sowohlen vorgenomben, als die straff von denen 
u«t excedierenden, wie oben gemelt, fir ieden schaaf per 1 fl. ohne weiters in 25 
c^ contingenti exequieret, darumben das protocoU formieret und die straff 
dem gemain gerichts-söckl eingeworfen werden. 

Ingleichen wirdet die letst abgefaßte gaiß-ordnung mit deme hiemit 
Weiters ratifioieret, daß bei vornembender schaafordnungs-visitation eine 
iz:: gleiche gaiß-visitation und execution in maß, wie negst oben erwehnung 30 
[1 I beschechen, zu erfolgen haben solle. 

üi In dem ybrigen wirdet einem ied wedern steurparen unterthann frei 

:r:| gelassen, das ihme zuegestandene quantum schaaf auf denen gemains- 
bej Waiden im gericht Ritten herumb frei und ungehindert waiden und bieten 
d\ zu lassen. 35 

\zt' Hinentgegen ist allen unsteurparen unterthannen und absonder* 

r^i Uchen denen dienstknechten schaaf zu halten und auf der gemain zu waiden 
hiemit bei straff verpoten. 

44. Daß ainige gemainsgerechtigkeit nit verwilliget werden solle. 

Es ist einhöllig beschlossen worden, daß niemande, er seie, wer er 40 
Wolle, welcher bishero kein gemainsgerechtigkeit gehabt, solchem auch 
ürdershin keine bewilliget werden solle, doch der gnädigen gerichtsherr- 
schaft und dero jura unvergriffen. 

16* 



244 Stein auf dem Ritten, 

45. Die peoken betroffen de. 

Zumahlen in denen vorigen schluß-urtlen ainiche Ordnung nit zn 
erfinden, wie und welcherstalten die pecken in gericht Ritten mit abpacb- 
und verkaufung waiz- und roggen-prots, iedes nach seinem gewicht, zn 
5 verhalten haben solten, derenthalben bis anhero Unordnung gewestand 
mehrfältige beschwernussen, besonders von gemainem mann, vorkomben, 
hat man dahero zu deren abhelfung ainiche pecken- Ordnung, wie es aa 
andern anrainenden stett und gerichtern disfals observieret wird, auch in 
solchen formb verfasset und kraft solchen angeordnet, in was fir ainen 

10 gewicht das abgepachene prot, nach maaO man den waizen und roggen 
jährlichen zu erhandlen und zu erkauffen pflegt, sich verhalten könne, 
auf welcher Ordnung dann sich bezochen und denen peokenmaistem kraft 
dis aufgetragen wirdet, derselben durohgehents getreulichen nachzukomben, 
zu welchem ende iedem peckenmaister ain Ordnung bestellet und in der 

15 pfister aufgeschlagen, auch ain solches von zwo und zwo jähren neuer- 
lichen erhoUet werden solle. 

46. Wie es mit heraußleesung der schultbrief, quittungen und dergleichen 
instrumenten bei der gerichtschrei berei gehalten werden solle. 

So verers ist bekant, daß bei disortiger gerichtschreiberei die schuld- 
20 brief, ybergaben und quittungen und dergleichen instrumenter vorhero 
ieder thail umb seinen pfenning habe außlesen und der quittier- oder 
Schuldbrief abgebende thail nur das verfachgelt bezahlen mieOen ; darmit 
aber hierunter die billigkeit firohin besser observieret werde, hat man 
unterm 7. mal anno 1742 oinhöllig beschlossen, daß firohin allwegs der 
25 quittierend und schuldbrief abgebende thail, id est allmahlen derjenige, so 
das gelt einnimbet und zu banden empfacht, das schreib- und siglg^lt^ 
der andere thail aber, deme das instrument gebihret, nur verfachgelt zu 
erlegen haben solte. 

47. Wie es mit Schliessung der raitungen zu halten. 

30 Indeme die geschworne gerichtsredner firgebracht, wasmassen eine 

zeithero die gerhab-, curatorei- und an weisschaf tsver pfl.ichtun gen, wie zu- 
gleich dessen raitungs-aufnemb- und Schliessung, wann schon dise in 
großen werken und von einer importanz bestanden, nichts destominder 
bei einer ersessenen anstalt vorgenomben worden, ohne daß sie gerichts- 

35 redner in nebenerwegung, wann [er] bei ainer anstalt mehrer werker vorzn- 
nemben pfleget, und sie dardurch gebrauchet werden, genuegsamb beweilet, 
angemerkte raitungswerker sambt beilagen betten bedachti?amb durch- 
sechen und die erforderliche mängl und bedenken einem löblichen judicio 
eröffnen und vorlegen können, deswillen zum Öftcrn denen parteien 

40 nachtheil und schaden erfolget, von dahero zu dessen Wendung und 
besserer beibeholtung ohne das vorgesechene rechts-ordnung hiemit resol- 
viert und beschlossen worden, daß hinfiran nur bei kleinen und vor 
sich selbst richtigen werkeren die verpflicht-, auch raitungs-aufnemb- und 



Sfein auf dem Ritten, 245 

shlieOung unter ainistens vorgenomben, bei greOern werkeren aber nur 
Dsmahlen die Verpflichtung beschechen könne, sodann dem neuen 
lichtfi-aufnember von dem raitgeber die neu von der gerichtschreiberei 
»teile raitung mit allen seinen certificationen und beilagen zu formie- 
tng dessen etwo habenden erinnerungen obrigkeitlichen communicieret 5 
id y bertragen gelassen, auch genuegsambe zeit anberaumbet und vol- 
^nts das raitwerk bei ainer weitern anstalt behörig vorgenomben und 
ostieret werden solle. 

48. Am sanct Gallen tag solle gefeiret werden. 

In bedenkung, schon ainiche jähr hero die gössen *) und anderes 10 
hödliches ungeziffer die äcker und wisfrüchten sehr hart hergenomben 
id nambhaft zu grünt gerichtet, wie auch in weingewäx verschüdene 
hödligkeiten verursachet, von dahero, umb von gott dem allerhögsten, 
iner hochwirdigisten muett^r und allen heiligen, besonders dem heiligen 
alli, umb zeitlicher abwendung solcher schödligkeiten zu erpitten, istbe- 15 
blossen worden, daß am tag des heiligen Galli vormittag im ganzen ge- 
cht Kitten alle jähr hinfiran neuerlichen gefeiret, mit meßhören und 
iten diser heilige Gallitag andechtigclichen verehret, nachmittag aber 
idemmben, gleichwie an einen anderen werchtag, gearbeitet werden 
>one, solle und mege. 20 

49. Ainen waldaufsecher zu bestellen. 

Obzwar ain allergnädigist tyroUisch lantsfirstliche herrschaft die 
imain holzausthailung in disortigem gericht Kitten mit dem gnedigen 
)felch verwilliget und gestattet, daß die gemainsgründ und poden zur 
)lzcultur gebracht und das holz, auch klain pruet vermehret werden solle, 25 
imahlen aber laider de facto all widriger erfolg, besonders in Lengmoser 
iten, zu erfinden, alwo fast alles gemaines holz ausgehacket und grünt 
ad poden abgeedet worden, dergestalten, daß der gröste holz- und streb- 
angl schon zur ieztigen zeit obwalte, in hoJBfnung nun auf hinfiran dem 
)mainsamben wesen gedeulichen nutzen zu verschaffen, ist am dato be- 30 
blossen worden, daß ohne anstaut von dem herrn richter ain anstendig 
nd tauglicher gemainaufsecher bestellet werde, welcher schuldig sein 
lle, auf den gemainsholz und dessen widerrechtlichen entfiehr- und ent- 
embdung genaues aufsechen zu tragen und den widrigen befund zu ieder 
dt dem pflegambt getreulichen anzuzaigen, der auch schuldig, wider den 35 
ccedierenden thail, er sei wer er wolle, ohne unterschied mit der gebih- 
tnden bestraffung zu verfahren, volgents andurch bessere polizei-ordnung, 
s es bishero beschechen, ohne weiters beizubehalten und einzufiehren; 
18 sallarium ihme ^) waldhieter alljährlichen zu bestimben, wirdet vor 
smahlen dem ieztigen herrn richter kraft dis yberlassen und anhaimb 40 
stellet. 



>) grossen h», 

') sallarium solle ihme hs. 



246 ^S^^ ^^f ^^^ RiUen. 

50. Die pnpillen bei Schließung deren raitungen und in ander we| 

mit denen zehrungen nicht zu beschweren betreffende. 

In dem weitem hat das richterliche ambt in denen geriohtsgeding- 
statten, besonders bei aufnemb- und Schliessung der pupillar-gerhabschaft- 
5 raitungen in laidiger erfahrenheit bringen miessen, daß nicht an dem tag, 
da derlei pupillar-gerhab- und anwaisschaft-raitungen aufgenomben und ad- 
justieret werden, Ton denen raitaufnembend und ablegenden thailem, wie 
auch beistendern zusambt denen mittagsmahlzeiten auch hienach yber- 
grosse nachzechen, sondern wohl auch sogar Yorhero unter unterschidlich 

10 vorgewendeten protext bei denen wirten zehrungen eingebracht und ge- 
nossen, ein volgsamb andurch die gerhab- und anweisschaft-pupillen und 
principalen mit besagten zehrungsaufwendungen ybermessig hergenomben 
und beschwert worden seint, upd obzwar das richterliche ambt die aus* 
Stellung der ybermößigen zehrungen vorgenomen, so hat sich aber der 

15 wirt und gastgeb dessen nicht mehr zu regressieren gewust, weilen sich 
mehrerlei parteien bei genuß der zehrungen interessiert befunden, von 
dahero zu abstöllung sollicher pupillar- und anwaisschafts-beschwerden 
und Schädigungen dato resolvieret und beschlossen worden ist, daß allig- 
deich derlei aufgewendet« und vorkombende ybermässige zehrungen nach 

20 gstaltsambe der sich erheissenden umständen von seilen des gerichtfi ohne 
weiters abgestellet und iede partei, so solche genossen, dem wirt und gast- 
geb ex propriis zu bezallen und zu entgelten schuldig sein, mithin die 
principalschaft von allen dergleichen, auch all andern sich ereignenden 
beschwerden und schödigungen allmöglichist hantgehabt und verschonnet 

25 werden sollen, also daß die billigkeit zu observieren der obrigkeit anhaimb 
gestelt zu verbleiben hat, umb so merers, als verschiedene umbstände 
sich iezuweilen ergeben, daß einige specificierliche determination nicht 
wohl platz finden könne. 

51. Daß disem schlußurtl in allem und iedem vestigclich nachgelebet 
30 werde. 

Das gericht thuet sich dahin vertresten und versechen, daß herr 
richter sein fleissiges aufisechen haben werde, daß all und ieden puncten, 
so in disartigen schlussurtl begriffen, in sonderhait aber daß gemeß 
9 et 1 1 der puncten, die wunn und waiden, iederweilen fleissig, wie ge- 
35 meldet, wie auch des holzes abschlags halber in dem Haiderperg in ganzem 
gericht rechte poUicei-ordnung gehalten werde. 

52.*) Es ist auch erkennet worden, daß dises statuierte schlußurtl 
firdershin ain jähr zwai mahl, dem andern oder dritten sonntag nach der 
ehehafts-tädigung zu Lengmos, dann den driten sonntag zu Unteryhnn 
40 und das dritte mahl zum halben jähr, auch soll allmahlen acht tag zuvor 
durch die gerichtsdiener zur männigclichs nachricht, damit sie sich der- 
selben Inhalt zu verhalten wissen, und der erscheinung halben thuender 



*) Nach dem Register lautet der im Contexte fehlende Titel: „Die publi- 
cation des schlussartls betreffend." 



Stein auf dem RUten. Vüanders. 247 

benieffang öffentlichen verlesen werden, und sollen die unterthannen bei 
itraff sich darzue verfliegen und dieselbige von anfang biß zum schluß mit 
;onderbahrer aufmerksambkeit anzuhören schuldig sein, und welcher ain 
»der mehrer puncten dises schlusßurtls zuwider handien wurde, der soll, 
ineracht er dises schlußurtl nit angehöret, dieselbe straff hinnach zu be- 5 
allen schuldig sein. 

Schliesslichen wirdet erkennet, daß ain richter alles ernsts darob 
ein solle, auch vest und steets in allem fleissig halte, darmit disem 
chlußurtl in allen und ieden puncten durchaus nachgelebet und schuldiger 
ollzug geleistet werde. 10 

53. Der gnädigen gerichtsherrschaft verpoth. 

Dann so lasst die gnädige gerichtsherrschaft disorts berueffen und 
:epiethen, weilen deroselben velligen reis und waidenei zuegehörig, also 
aß in solcher herrschaft forstmaister, noch seine knecht oder anderer 
^eder mit pirsten noch richten in dem wennigisten nicht berechtiget, als 15 
olle der hieryber betrettende, er seie wer er wolle, die pirsten und rich- 
ong genomben, zum gehorsamb gebracht und alle findende stand und 
ichtsteller aufgehöbet, auch ohne der gnädigen gerichtsherrschaft vor- 
rissen oder licenz iemande ainiche pixen oder waidenei nicht gestattet, 
tem die aufnembende reisjäger nit allein gebihrender massen beaidiget, 20 
andern auch alsdann der lantsfirstlichen herrschaft forstmaister und 
oecht, welliche der negste an der haut ist, zur Wissenschaft firgestellet, 
nd alles federwild, und was darunter begriffen, der gerichtsherrschaft auf 
ero begehren, doch gegen gebihrender Zahlung zuegetragen werden, was 
3lbe aber nit bedarf, gleich wolen auf seiner bezahlung behalten möge, 25 
lies bei vier thaller unnachleßlicher straff von iedem ybertretter. 

(Folgt das Register, d. h. nummermtaeise Verzeichnis aller einzelneri 
^itel dieses Schlussurtheiles.) 



27. Vüanders.*) 



. PtrgamenthtU. Fol. 10 Bl. aus dem letzten Viertel de» 15. Jahrh. im Ferdinandtum sign. XXXI. b. 3. 
. Papierhds. Fol. 25 Bl. am der 2. Hälfte des 16. Jahrh. im Ferdinandeum sign. XXXI. b. 3. 

C. Eine Abschrift des J. Ladurner von ungenannter Vorlage. 

Das sint die recht und gaset z des pergs und des gerichts auf Vilan- 
ers, ^) als wie die geschworen und ander erbär leut gedenken und gehört 
aben von den alten unsern 2) vordem, als es in offnung her komen ist. 



*) Das Gericht Vüanders reichte von dem Eiaackflusse bis zu den Hochkämmen 
n Westen und zum Tanzbach einer-y von dem Bothwander- bis zum Tinnebach ander- 
eiis, hatte also durchaus natürliche Grenzen und wttrde von den Gerichten Castelrutt 
nd Oufidaun im Oaten^ von Samthein im Westen, Latzfons, Verdings und Clausen im 
Jorden und Stein auf dem Ritten im Süden begrenzt. Die Entstehung dieses 



1) auf Vilanders] Mölten, Särnthall, Ritten und Villanders C, 

2) von den alten und von ansern C, 



248 Vüandert, 

Des ersten, da herzog Meinhart das lant zwang und den streit gesigt 
wider graf Ulreichen aus Ulten und das haus Zwingenstain auf dem Biten 



Gerichtsbezirkes ist ganz der des vorigen ähnlich. In ältester Zeit zum Gau Norithd 
gehörig, dann zur Grafschaft Bozen gekommen und mit dieser von den Bischofen 
von Trient den Grafen von Eppan- Greifenslein als Ltehen überlassen^ (Sirmacher 
3, 43. Urkundenhuch für das Stift Neustift 32)^ wird es^ nachdem dieses Ge- 
schlecht daraus gewichen und atisgestorben^ von Herzog Meinhard IL, u>akrsehein- 
lieh gleichzeitig mit Ritten, dem Bischöfe von Trient entrissen und trotz aller Bemü- 
hungen desselben nicht mehr zurückgestellt (Bibl. tirol. D. n. 1331, 89. 171). • Als der 
erste Richter erscheint im Jahre 1315 Heinrich von Vilanders (Burglechner 2, 1295). 
In der Folge wurde die Herrschaft Vilanders wiederholt als Pfand an verschiedene 
Edle des Landes übei-lassen, so im 14. Jahrhundert von Margaretha MauUasch 
an Ekehard von Vilanders, von Herzog Rudolf an Berchtold von Gußdaun 
(Huber Vereinig. Reg. Nrn. 77. 295) und von Herzog Leopold an dessen Sohn 
Georg von Gufidaun; im 15, Jahrhundert besass sie 1438 Kaspar von Gufidaun 
und im 16. verlieh sie König Ferdinand 1. 1551 an Hans Freiherm von Trautson. 
Erzherzog Ferdinand wies seine Söhne erster Ehe Cardinal Andreas und Karl 
Markgraf von Burgau mit ihrem Dqmtat auf dieselbe (Egger Gesch. Tirols 2, 26 1)^ 
und nach des letztem Tode im Jahre 1619 kam sie al^ Pflege an Engelbert Die- 
trich von Wolkenstein (Burglechner 3, 4, 1175). In der Folge wurde Vüandert 
ein Pfand (13.000 fl.) der WolkensUiner von Trostburg. (Bibl. tirol. B. n, 828, 
II. 992, V.) und blieb als solches bis in unser Jahrhundert in ihren Händen. Die 
baierische Regierung ordnete das Patrimonialgericht zuerst dem Landgericläe 
CUausen unter (Kgl. Baier. Reg.-Bl. 1806 S. 456), dann, nach Aufhebung der 
• Patrimonialgerichte, incorporierte sie dasselbe dem Landgerichte Clausen vollständig 
(Staffier 2, 945). Nach der Rückkehr Tirols unter Oesterreich erstand in Folg« 
der Gerichtsorganisation vom Jahre 1817 das Patrimonialgericht Vilanders mit 
dem Sitze in der Frag auf kurze Zeit wieder (Prov. Gesetzsammlung Jahrg. 1817 
S. 209), bis es im Jahre 1826 in landesfürstliche Verwaltung überging und neuer- 
dings Clausen einverleibt wurde. Daran änderte auch die Gerichlsorganisafion 
vom 29. November 1849 und die folgenden nichts. (Landesgesetzblatt 1850 S. 29.) 
Das landesfürstliche Zollhaus am Kollmann erhielt in der Neuzeit oder vielleicht 
schon im letzten Jahrhundert des Mittelalters einen eigenen Burgfrieden, der in 
diesem Jahrhundert das Schicksal mit der Herrschaft Vilanders Iheilte (Burg- 
lechner 3, 4, 1178. Staffier 2, 945.) 

Die Herren von Vilanders gehören zu den ältesten tirolischen Adelsfamilien. (Vgl. 
Der Geschichtsfreund 1867 S. 97jff.) Ist auch der in der Stiftungsurkunde des Stiftes 
Sonnenburg erscheinende Zeuge Chuno de Filandres (Sinnacher 2, 252. 258. 382) 
sicherlich erst später hinzugefügt, so lassen sich doch schon in der zuzeiten Hälfte des 12. 
Jahrhunderts mehrere Herren von Vilanders, wahrscheinlich Ministerialen der Grafen 
von Ejipan, nachweisen, wie Ascuinus v. Viüandris (1151), Marchwardus de Villandres 
(1159), Martin de VilandrU(1160), Ruodolfus de Vilanders (1162), Ascomo de Vilan- 
ders (1163) u. a. (Urkundenhuch des Stiftes Neustift Nrn. 40. 73. 80. u. s.f. Cod. 
Wangianus p. 35). Trotzdem ist in der Herrschaft Vilanders merkwürdigerweise nie 
ein hervorragendes Schloss gestanden ; die in der Folge sehr mächtige und zahlreiche 
Adelsfamilie der Herren von Vilanders, welche mit demselben den gleichen Namen 
führte, scheint, so lange sie noch ausschliesslich im Gerichte weilte, nur unbedeutendere 
Ansitze zu Gravetsch, Vilanders und Pardell gehabt zu haben; da sie später in 
andern Gerichten ihre Hauptsitze aufschlug und in drei Stollen, in die Herren von 
Vilanders, zu Pardell oder Wolkenstein und von Vilaiulers zu Doss, genannt die 
Flaschen, sich gespalten hatte, erlangte sie auch für die Herrschaft Vilanders nie die 
Bedeutung wie andere Adehfamilien für die Bezirke, wo sie ihre Stammsitze hatten; 
ihre Stammessitze kamen sogar ziemlich früh in die Hände anderer Adehfamilien, 
wie der zu Pardell in den Besitz der Freiherren von Madruzzo, der zu Gravetsch 
in den der Leopolden, und sind nun Bauernhäuser. Die Edelsitze, welche in 
älterer und neuerer Zeit in dem Weiler „an der Frag** sich bildeten: Rechegg, 
Glatsch und Ansheim sowie das unfern gelegene ältere Babenstein haben nie eine 



Vüanders, 249 

^ewan, da was er herr über alles lant, da satzt er sein rät nider,*^) ritter 
md knecht, die erfunden landsrecht, wie er das lant vestent, und erfunden, 
las die vier gerioht: Vilanders und der Kiten, Sämtein ^) und Melten, ain 
id solten sein und solten an ^) einander geholfen sein, als ir gesetz gegen 
inander stent, und süllen in den selben vier geriohten in iedem gericht 5 
weliff geschworn sein. Die selben schullent schwern, der herrschaft von 
*yrol getrew und gewär ze sein an alles gevär, und armen und reichen 
es rechten ^) geholfen sein und dem richter, dem gaistlichen und dem 
weltlichen, geharsam ^) ze sein an alles gevär ^), und ob in dem gericht 
nder den z weifen ainer abgieng, weihen denn die andern geschworn zu 10 
D erwelent, dem sol es der richter gepieten pei leib und pei guet, «ind 
chullen der geschworn sechs sein enhalb der Kassarig und sechs hie dis- 
lalben, und schol zwir im jar eleich täding sein, vierzehen tag nach sand 
larteins tag und vierzehen tag nach pfingsten, und mag der richter alweg 
D lantrechten wol sitzen ze vierzehen tagen, wenn er wil, ausgenomen ze 16 
ir eichnachten, ze ostern und ze püngsten, und sol zu den selben Zeiten ^) 
D dem rechten nicht sitzen in vierzehen tagen vor oder hinnach, '^) und 
ol auch der richtar ze den vier unser Frawen tagen und an der zwelif- 
K>ten tag, noch abent ze dem rechten nicht sitzen, ^^) ausgenumen umb 
.ufgent schaden, *der ain schad ist um ain gast, der ander schad ist, 20 
fann ainer den richter anrueft um ains pfants wegen, das auf dem pfaht- 
aden leit, der dritt schad,* da ^^) ainer seinew ^^) pfant für den anderen • 
etzt auf ain losung, das des der ander nicht tuet oder das er im sein pfant 
'erspricht ze losen auf ain losung, es sei urbar oder aigen oder was das 
st, davon nicht aus ze nemen. *"*) Der vierd schad ist, wa Weingärten un- 25 



3) seinen rath wieder C. *) Särnthall C. *) an fehU C, ^) rechts C. 
'') gehorsamb B. C. ^) geverdt C, ^) derselben zeit C 
'ö) vor und nach C. ") sitzen aber a. C. * — * fehlt in A. B. 
1^) da] wann C. ^^) sein C. ^*) aus zemen A. ist nichts ausgenomen C, 



rbssert Bedeutung erlangt. Dagegen war der kirchliche Besitz im Gerichte VilaU" 
ler* erheblich. Vor allem begütert war darin da* nahe Stift SUhen-Brixen, nc^ 
fienilich an den beiden Havptorten Vilanders und Parbian (Sinnacher 2y 85. 165. 
WO, 523. 524. 528; 5, 43. 66. 274. 351), gei-inge scheint Trients Besitz ge- 
oesen zu sein (Bonndli Notizie 2, 364. Sinnacher 5, 273). Von den Stiftern 
Pirols erlangte Neustift in der Herrschaft viele GiUery schon bei der Stiftung und 
toch mehr in der ersten Zeil seines Bestandes^ Graf Arnold von Greifenstein und 
eine Gemahlin Adelheid schenkten ihm selbst die Silberminen zu VÜanders (Ur- 
'cundenbuch pp, 4. 10. 19. 27. 32. u. s,f.); von den auswärtigen Stiftern hatte das 
Histhum Freising ausgedehnteres Eigenthum, namentlich zu Parbian (Cod, Austro, 
Fris. /, 52. 60). Wegen dieses kirchlichen Besitzes werden die Hauptorte des 
jterichteSf die freilich nur aus einigen Häusern bestehenden Ortschaften Parbian 
md Vilanders, verhältnissmässig friih genannt; ersterer Name erscheint zuerst um 
las Jahr 1000 in der Form Parpian; letzterer sicher zuerst zur Zeit des Bischofs 
iltwin von Brixen als villa Filandres (Sinnacher 2, 640); doch Uust sich der 
Bestand derPfarreVilandei's nicht viel über 1200 zurück j und der der Curatie Parbian 
}ar nur bis ins letzte Viertel des 14. Jahrhunderts nachweisen (Neeb und Atz, Der 
ieutsche Antheil des Bisthums Trient 51. 61). Wie das Rittener Gericht, fiel 
weh das Vilanderer mit der Gemeinde zusammen, deren ünterabtheilungen erhielten 
iber nicht den Namen Viertel, sondern heissen noch Malgreien, (Staffier 2, 977), 



250 Vüanders. 

gewimet oder ungesohniten ligent oder ain akcher ^^) oder ain hof unge- 
arbait. Umb die selben vier schaden schol ain richter sitzen, und wen 
das an gSt, den schol der richter drei tag lassen vor wissen und scbol 
auch schaiSen, das in der selben weil kain gevärlicher *^) schad nicht darauf 
5 ge in eleichen tädingen, und umb malefici, da hat der richter den ersten 
tag den geschworen ze gepieten pei funfzigk pf unten perner, und die an- 
dern tag ^') pei fünf pfunten perner, und umb anlait und umb aufgende'^) 
schaden auch pei fünf pfunten perner, oder umb ainen gast auch pei fünf 
pfant perner, und sol man auch die geschworen ze haus und ze hoff lassen 

10 wissen, und ob das war, das ir ainen oder mer icht irrt, es war gotzgewalt 
oder herren pot ^^) oder ehaft not, das schol in unschedleich sein, und 
schol mit den anderen doch gericht werden, und schullen pei dem richter 
sitzen und schullen iedem mann ^^) des rechten beholfen sein, und ob 
iemant hintz den gesworen in eleichen tädingen^^) icht ze klagen hiet, 

15 dem sint si nicht gepunten ze antwurten, und ze anderen rechten schullen 
si den läuten das recht tuen, als ander laut; auch schallen die gesworen 
kainen schlechten pan nicht geben, noch kain fuetrung,^^ noch chainen 
grafen-pfennig, und ob der geschworn ainer ^^) frävelt, so ist er die ersten 
zween ^^) tag komen iedes tags ^^) um acht Schilling, und ob er an dem 

20 dritten tag nicht da war, so ist er komen, als ain ander gerichtsman. 

Wa wirt in haus ist, der schol den ersten tag in eleichen tädingen ^^) 
bei dem rechten sein ungepoten pei fünf pfunt perner, und die anderen 
zwen ^^) tag nach dem, als 2^) er ze schaffen hat. 

Frauen und ledigen läuten schol man gepieten in eleichen ^^) täding. 

26 Wenn man gericht peut^o) umb malefiz,^') da sol ain iegleioh wirt pei 

sein, ausgenumen, ob in an dem selben gericht oder in eleichen ^^) tädiog 
icht irrät, es war gotsgewalt oder herren pot ^^) oder ehaft not, das sol im 
unschedleich sein. 

Wer den stab des gerichts auf^*) Vilanders von der herschaft 

30 wegen von Tyrol inn hat, wil der selb nicht sitzen oder mag nicht sitzen 
an dem rechten, so mag er an seiner ^^) stat wol ainen richter setzen, und 
der selb sol ainen aid sweren, das er arm und reich pei iren rechten 
behalt, als der herschaft von Tyrol und des gerichts auf Vilanders recht 
ist, und ob er des icht überfüer mit webärten^®) Sachen, so mag die gemain 

35 darnach für ainen herren gen und mag im das ze wissen tuen.^^) So schol 
der herre der gemainschaft ^^ ainen anderen richter setzen, damit si pei 
iren alten rechten beleiben, und schol der richter der gemainschaft pes- 
sern,^^) als recht ist; war aber, deis des der herre nicht tat, der das gericht 
inn het, so mag es die gemainschaft wol für die herschaft tragen. ^^) 



'*) acker ungeschnitteo oder ain hof C. Auch B. hat: acker ungeschni- 
tendt, aber ungeschnitendt ist durchstrichen, *C) gevärlicher fehlt C. 

^^ andern zwai tag C. *^) aufgewendte C. 'ö) gebot C. ^^) iederman C. 

21) ehlich täding C. ") fwotrung A. fütterung C. 23) khainer C, 

2*) zwai C. 25) ieden üig C. =6) täding B. ehlich thäding C. 

27) zwai C, 28) als] und C. dem und als B. 23) ehelich C. 

30) gebeuth C. »i) in maleficii A, B. »2) ehehaft C. ^) gebot C. 

^) auch fehlt C. ^^) sein C. 3«) bewarten B. bewerdten C. ^7) thain ß. 

^) gemaind C. ^ö) das beßern C. 

«oj gemainschaft fürbaß wol tragen für die herscbaft C. 



Vikmdert, 251 

Ob ain franpot***) der gemainschaft nicht geviel, so mag ^2) die ge- 
mainschaft den selben franpoten absetzen ^^) und sol der richter mit der 
gemainschaft willen ainen anderen setzen, und der selb sol der gemain- 
schaft ainen aid swern, das er armen und reichen gehorsam, treu **) und 
gewär**) sei. ö 

Wer chirichherre *^) ist ze der pfarr auf Vilanders, wil er ainen 
vicari setzen, den sol er setzen mit der gemain willen und wort, und ob 
der Ticari der gemain nicht gcvicl, so sol er ainen anderen setzen,'*^ und 
sol ainen mesner setzen mit der gemain willen und wort, und ob der selb 
mesner der gemain nicht geviel, so sol er auch ainen anderen setzen, der 10 
der gemain gevall an gevär.^^) 

*Ks schol ain pfarrer oder vicarii selb dritter priester sein, zwen 
gesellen und er darzue, so haben t erbär laut meß in cappelen ^^) gestift 
und jartag, das er selb yierder briester ist, und schullen paid gesellen 
choren und wein in selben sammen und sol drittail opfer all zeit ir sein 15 
lind das heilig öl, und wenn ain leich chumbt, die nicht peichten mag, 
das sol drei kraitzer geben, und was alter stathafter laut sterbent, die 
snllen geben siben pfenning Meraner münz an gevär,^^) vom sibenten und 
vom dreiskisten ^^) sol man geben ain pfunt von ainem ambt und von 
ainer meß sechs kreutzer.* 20 

Tod wider tod, läm wider läm, ob es der selb nicht ze pesseren hat*^) 
nach seinen schulden, ausgenumen, ob sich ainer wem miiest notwer seines 
leibs, der ist dem gericht nit gepunten. 

Ain pleuat oder ain pluetrunst, der den schaden emphacht, dem sol 
man pessern mit fünf pfunt perner und dem gericht auch mit fünf pfunten. 25 

Ain fliessundeu *3) wunten, die man waitzlen oder heften ^*) mueß, 
der den schaden emphacht, dem sol man pesseren mit fünf und zwainzigk 
pfunt perner, und dem gericht auch als ^*) vil. 

Was painschrotig ist, wer ^^) den schaden emphacht, den sol man 
pessern mit funfzick pfunt perner und dem gericht auch mit als ^^ vil. 30 

Wer ainen pheil oder ainen spieß scheust, ^^) der sol das pesseren, 
gen dem *•) er scheust, ^o) mit fünf und zwainzigk pfunt perner und dem 
gericht auch als^*) vil; trift er aber, so sol ers anders nicht pesseren, denn 
nach dem, als ^^) er schaden tan ^^) hat. 



*^) Immer froupot B. C. *^) mag] hat C. *^) abzasezen C 
**) gethren C. *^) Immer gewar B. ♦*) kirchher B, kirchhem C. 
*'^ 8. mit der gemaind willen und wort C. 
*^ an gewär Ä. an geför B. ohn alles geverdt C. 

* — * Dieter Paragraph steht in C am Ende: Es soll ain pfarrherr selbs 
dritt seine zween gesellen, darnach haben ehrbar leut möß in denen capellen 
gestift mid jahrtag, das er selbst vierder priester ist, und sollen beide gesellen 
samblen körn und wein in denselben und soll das drittail opfer ir sein und das 
heilig öl. Wan ain leich komt, das nicht beichten mag, das soll drei kreuzer 
geben, imd was alter staathafter leut sterben, sieben pfenning geben gewohn- 
licher münz im lant. Von den sibenten, SOten soll man geben von ain ambt 
ain pfunt etc. 

*ö) capellen B. ^^ münz an gefar B. *^) umb dreissigisten B, 

*2) biet B, C. ") fliessende B. C. ^) höften oder waizlen C, 

w) als] so a *«) wer] der C. »^ als] so C. ^) ain pf. schiesset o. C. 

»») gen] mit C, ««) schiesst C. «») als] so C, «2) tAa/ehU C. ") gethan C. 



252 Vilander9. 

Wer ainen stain auf zuckt in Unzuchten, der sol das passeren mit 
zehen pfunten perner, halb dem,®^) dem er den schrick ^^) angewint,^^) 
und halb dem gericht; wirft®-') er aber, darnach, als er dann trift, darnach 
sol er denn ®^) pesseren und anders nit. 
5 Wer Schwert oder messer zeucht oder ®^) zuckt in Unzuchten, der 

sol das pesseren mit fünf pfunten '^) perner, halbe dem, gegen dem ers 
tuet, und halbe dem gericht, darnach er denn schaden tuet, darnach pesser 
[ers] '*) und anders nicht. 

TJnverzigen, von wem sich die ewerch anhebent, da sol umb be- 

10 schehen mit dem recht, ^^) was recht ist in allen Unzuchten, wer das 
eberich '3) tuet, der schols pesseren. 

Wer den anderen in Unzuchten aus seinem haus vordert oder im '^) 
in sein haus über sein drischubel ^^) laufft, der schol das pessern mit zehen 
marken perner, halb, dem es geschieht,'*^) und halb dem gericht. 

15 Auch sol der richter chainen gesessen man in dem gericht nicht 

nöten noch vachen an recht, an umb malefitz allain. 

Wa ain lediger knecht in dem gericht etzwas '^ verschult, das nicht 
in malefitz trift, tuet der gewishait zu dem rechten, *das sol man von im 
aufnemen ; tuet er das nicht,* so mag man in wol ze vanchnuss ^^) pringen. 

20 Wa leut in unfrid mit einander Icbent und ze schaffen habent, da 

schol der richter ainen friden zwischen in '^) machen, und weder ^®) tail 
nicht friden geben wolt, so sol er dem selben * *) von gerichts wegen ge- 
pieten, das er an recht ^'^) mit dem anderen nicht zu schaiSen hab, und 
weder ®3) tail das nicht aufnemen wolt, den mag der richter wol ze vanch- 

25 nuss ®^) pringen auf recht. 

Was ^^) ain man zehen jar und tag in nutz und gwer hat, da sol in 
das gericht pei halten nach landes recht. 

Was ^*^) ain man oder ain *') fraw in gwer hat, da sol man si an 
recht nicht von treiben. 

30 Auch sol den anderen niemant underdingen ^^) von seinen pau- 

rechten, und wer den anderen underdingt,^^) so sol der klagunt®^) zu dem 
richter gen und sol im das ze wissen tuen; so sol in der richter wider in 
nutz und in gwer setzen, und wer das unterdingen ^*) tan ^^) hat, der sol 
das pesseren, als recht ist; tat des der richter nicht, so mag der klagund ^^) 

35. das haus anzünten und mag mit seinen freunten vor dem haus warten; 
wa ain mensch heraus wil, das mugen si töten und wider in das feur 
werfen, und schullen darumb dem gericht noch niemant ®^) nicht pessern. 



**) dem] gegen den C. ^^j schricken C. ^®) abgewinndt /i. 

67) wurtf B, warft C. ^^) denu fehlt C. 69) zeucht oder fthlt C. 

'i''^) pfuiidt C, ^') pesser ers] soll er pessern C. 

•2) mit dem recht fehlt B. ^S) ehewerk C. '^^) im fehlt C. 

"5) thürschwöll C, ^6) beschicht C. '7) etwas C. "— * fthlt C. 

78) zue gefankhnu(^ D. zu fenkhnuß C '^^) ain fried unter ihnen C. 

8^') weder] welicher A. B. si) denselben tail gebieten v. g. w. (7. 

82) au recht] unrecht C. 83) weder] welher B. 84) gefanknuss B. C. 

85) wa ^. -Ö. 86) Wa B. 87) »in fehlt C. 

88) underdringeu B, unterdringen C. 89) unterdringt B, untertringt C. 

W) khlagend C. »>) underdringeu B, unterding C, ") gethan C. 

^) cUgeode C. ^*) noch niemant] oder iemanta C. 



Vaander9. 253 

Auch 8ol kain herre kain gewer nicht sein umb kain paarecht, er 
ib si denn kauft von den erben ^^) oder er hab si gefreit mit dem gericht. 

Wer dem andern werait ^^*) gelt leicht, da schol man kainen gewern 
cht umb stellen, noch um unzucht auch nicht. 

Wa zwen ain klag vor den rechten habent und der ain tail in lau- 5 
n ^') stet, 80 wirt dem anderen tail ain urtail ^^) gesprochen, er nem sein 
ugen oder treib ^^) in selb dritter von seinem laugen oder drei an in; 
mbt er sein laugen, so ist es ^^^) sleohter pan; wolt er in aber von seinem 
agen treiben und mocht des nicht tuen, so ist er komen umb funfzehen 
ünt perner; treibt er in aber von seinem laugen, als recht ist, so ist der 10 
ider tail komen umb funfzehen pfunt perner, und weder ^^*) tail *^2) da- 
tier ist gelegen, *^3) der sol das pessem mit funfzehen pfunten ^^*) perner 
jntt gericht. *^^) 

Wa dann ^^^) ain zeugschaft ist umb aigen oder umb urbar vor ge- 
cht, das ain man selb dritt erzeugen sol, da priugt die haut gen dem ge- 15 
cht fünf pfunt perner, ob er schwert, wirt aber nicht geschworn, so ist 
} ain schlechter pan. 

Wa gewissen vor dem *^') rechten oder in Sprüchen sagent, da ist 
B8 gerichts recht anders nicht, dann *^^) ain schlechter pan, si schwem*'^^) 
ier nicht. 20 

Wa zwen ainen stoss habent von ainer anlait wegen und den richter 
ittend, das er leut auf die anlait schick, den ^ ^®) darumb chunt sei, das 
3l der richter tuen; lassen si sich dann an paiden tailen genügen*'*) nach 
er erbern leut sag, so ist iegleichs**^) recht noch**^) gerichts recht nicht 
a; war aber,****) das ain offen anlait mit dem rechten gesprochen wurd, 25 
a sol der richter den gesworn zue pieten, **^) und an wen sich paid tail 
iehent**^) im gericht, den sol der richter darzue pieten **^) und sol er 
nd franpot auch dapei sein und schol der richter im und anderen erberen 
mten ain mal da haissen beraiten an gevär, **^) und weder *'^) tail der 
nlait unrecht hat, der ist verfallen umb zehen mark,*^^) halbs dem, dem 30 
r unrecht tan hat, und halbs dem gericht, und schol der richter das mal 
alba *^*) bezalen und der ander, der vervallen ist, auch *^2) halbs mal. 

Wer den anderen überpaut oder übermät oder überschneidet oder 
berlaept, *2^) chümbt der ander tail zu im '^^) und spricht: ,wes hastu 
lieh gezigen?* spricht denn der ander zu im: , lieber nachpawer,*^^) hau 35 
ßh dich *2^) indert überfaren, da nim erber leut zue, das wil ich dir pes- 
eren nach irem rat an gericht und an gerichts poten;' wolt aber der kla- 



^) den rechten erben C ^) berait B, C. 

^"^ tail] khlag C, — C. liest immer langnen. '^) nrtail] wähl C. 
99) oder er tr. C. ^o») es ain s. C, lO') welher Ä lO'-«) tail fehlt B. 
103) gelegen] khomen C, '°*) pfundt C. ^^^) gegen dem g. C. 
106) dann fehlt C. »o^) denen C. '<») dann] als C. 
IM) si haben geschworen C. ^^^) denen C. '**) benüegen C 
*'') iegleichs] es C. "^j noch des g. C ^'*) war daz aber B, 
11*) gebieten C. i^^) wen sie sich ziehen an baiden tailen in dem g. C. 
1") gebieten C, ^'^j gewär A, gefar B. an geverdt C 
»>«) welicher A. B. «o) „. perner C, "i) r. halbs mal b. C. 
*2') der es vermeldt auch C, *^3) yberlapt Ä überlaubet C. 
»2«) zu im fehlt B, i25) nachper C. i«) dich] dir A, 



254 Vilandert. 

gunt *2^) das ^^®) also nicht aufnemeD, so ist der ander tail von '^•) im und 
von dem gericht ain ledig man; war aber das, ^^^) das der, der daran ^^0 
unrecht hiet, des also ^^^) nit tat und das er das *3^) für recht präoht, so 
ist er ^3^) komen umb zehen mark pemer,^^^) halbs, dem er unrecht tan 
5 hat,'3ö) und halbs dem gericht. 

Wa ainer dem anderen ainen marichstain *3') ausstößt, *'^) so schol 
er nach dem senten, dem er den stain *^®) hat ausgestossen, und schol die 
grueben ^^^) offen lassen, ^^*) und schol den selben stain setzen an die stat, 
da er vor gestauten ist; tuet er das also, so ist er weder dem gericht noch 

10 niemant davon nit gepunten ; ***^) tat er aber des nicht also^*^) und wolt in 
mit gevär ^^*) überpauen und das es für recht kam, so ist er vervallen 
umb zehen mark perner,^*^) halbe, dem er unrecht tan hat, und halbe i"*^ 
dem gericht. 

Auch sol ainer dem anderen ^*'^) seinen rain noch sein mauern nicht 

15 untergraben mit gevärd ^^®) anders, dann er ***^) es von alter in gewer her- 
pracht hat; als verr das ainer sitzen sol auf dem zeilstain, und sol ain 
taumeilen ^^^) in der haut haben und sol darüber ain pleiwag ^*i) lassen 
gen, und als verr die selbe pleiwag geraichet, da ist der rain des obern; 
wer das übervert, da schol geschehen umb,!*^) was ^*^) lands recht ist. 

20 Wa **•*) prief mit dem rechten gesprochen werden t, die der richter" 

versigelen sol, die schullen wider für die geschworen chomen, e das si^ 
versigelt werdent; wes ^^^) dann die gesworn gedenkent, da schol es pei^ 
bleiben. 

Was für panbrief sind '*®) oder da man ainen in nutz und in 1^7^ 

25 gwer setzt, das der richter mit seinem insigel bestaten schol, da sol man. 
im von iedem brief * geben drew pfunt perner ze erung, und was brief*^ 
mit urtail oder von gewissenschaft **^) zue get, da schol man i*®) im von. 
iegleichem ain pfunt perner geben zu erung, das er si versigelt. 

Was erbär leut unter ainander werichtent,^^^) das nicht verchlagt 

80 wirt, da hat der richter cbain recht nit. 

Dem franpoten schullen weinleut wein geben, und *®*) kornleut 
körn *^^) geben, iederman nach seinen trewen, darumb das er in gehorsam 
sei, und wa sein ^^3) ledig leut beturfent ze fürpot,!^"*) die schallen im 
von ieder vart ain zwainzkär *®^) geben. 



127) klagent B, C, ^») dieses C. "») tail darumb von C. 
»»0) ob aber das war C. "^) daran] da C. "2) also fehU C, 
»33) das fehü C. ^^) so ist er] der ist C. »35) perner fehlt C. 
136) tan hat] gethan C. "7) markhstein V. »38) ausstoßet C. 
139) den stain] ihn C. »*«) grueb C. '*i) lassen] halten C. 
**2) oder noch iemandt anderen davon nit gebunden C. 
1^3) er dies aber also nicht C. i**) gefar Ä geverde C, 
1*5) perner fehlt C. ^*^) Beidemal halb« C i*"^ ainem der ander B. 
"») gevärden C, "9) dann er] als er dann C. »*«) dfiumel C. 
151) pleibwag B, i") umb fehlt C. i") was fehlt A. »54) wa A. B. 
»55) was C. 156) seien C. i*') und in] oder C. *— * fehlt C. 
158) gewissenheit C, 15») man im fehlt. B. »^^) verrichtend B. 
»6«) und fehlt A. B. '62) korngarben B. kornleut ihnen geben garben C. 
i<^3) und wa sein fehlt C, '**) leut wo die seind betürfend zu fürbotten C. 
165) ain kreuzer durchstrichen und darüber zwainzkär gesetzt B, zwain- 
«iger C. 



Vifanders, 255 

Wer dem andern gichtig stet oder wem franpot phent, da sol er 
ht mer auf zern,*^^) dann drei krentzer,**') und wer nicht gichtig stet, 
sol er nicht pfenten, wer im darüber pfant wert, darumb sol ge- 
ehen, *®^) was landsrecht ist. 

Was pfant franpot auf Vilanders verkaufen sol, die schol er ver- 5 
fen, wenn man von der mess get, an der gassen, und wer die pfant 
n wil, der schol si des selben ^^^) tags lösen pei tagsliecht und sol auch 
selben phant vinden in der zwaier häuser ainem auf Vilanders an *^®) 
gassen. 

Wenn auf ^'^^) Vilanders recht ist, so^'^) sol man ze Perbian kain 10 
Dt verkaufen, und wenn das ist, das man pfant da verkaufen wil, die 
A man vor der mess beruefen, und wenn der schatten chtimbt auf den 
•enstein, so schol man die pfant verkaufen, und ob man die pfant nicht 
i>8t, so sint si ze nachtliecht läuten verlorn. 

Es schol auch kain frömder her auf ains ^'3) anderen guet ^^^) nicht 15 
nten noch nötten verrer, denn sein zins ist.^'*) 

Auch sind vier offneu *'®) gaslhäuser in dem gericht auf *^') Vilan- 
3, die die recht habent, das man in chainen wein nicht schätzen sol, und 
ullen chainen weinpan ^^^) geben und die selben schullen auch stätig- 
ichen *'^) fueter und häw '^^) haben, damit si ainen gast wol behalten 20 
gen angevär. Si schullen auch rechts mass geben, und mag ir ainer mit 
lem aid nicht mer behaben,*^*) wann fünf pfunt pemer und hinüber 
. leuten oder mit priefen oder mit spänen. Die selben gasthäuser, das 
Stainaoh ains,*^^) Ober Pardal das ander, *^*) Chuntzen haus von Per- 
Q hinter der kirchen das dritt. Matheisen haus,^^^) genant auf dem 25 
la ze Perbian, das vierd. 

Ander leitgeben mügen mit irem aid nicht ^®^) mer behaben, dann 
pfunt, und sol man in auch den wein schätzen, wie teur sie schenken 
ullen, und schullen auch rechts Glausnar ^^^) maß geben, und welcher 
umb nicht wereden^^') mag, der sol ze iegkleichen eleichem ^®^) täding 30 
en weinpan geben, und welicher mit webärten ^®^) sachen sein rechts 
ß nicht gab, und das er darumb beschriren wurd, der ist dem gericht 
fzigk pfunt perner vervallen. 

Auch sol der richtär niemant nötten an recht, dn allein, wer dem 
lem gelten sol und des er im ^^^) dn laugen stet, da sol der richtär 35 
ipoten zue leichen. 

Was in Unzucht trifl und jar *^^) und tag stet, da ^•2) ist ain ieg- 
iher ^^^) ain ledig man umb, es war denn, das ainer aus dem gericht 
ih, da sol dannoch umb geschechen, weis recht ist. 



**) darauf soll er nicht mer z. C. ^^"^ zwainziger C. ^*®) beschehen C. 

ö9) desselbigen B. C. "«) an] auf B. "') zu C »«) go fehlt C. 

'^) khains C, ^'^*) a. harren guet C. 

'^*) ist fehlt A. In B. pringt, doch getilgt und ist dafür gesetzt, bringt (7. 

76) offne B. C, i^^) auf fehlt C. i'^») s. auch k. w. nit geben C, 

70) statigs C. ^90) hei B. heu C. '81) und niht mer behalten B, 

®') ains fehlt C. '*^) das ander Oberpardell, das ander Ch. C. 

w) haus felUt C. '85) a. und nicht Ä >86j Clausner B, C. 

87) bereden ß. C. i»») ehelich C. 'M) bewarten Ä C. ^^) im fehlt C. 

«') und das j. C. »92) da] das A. B, i93) ieder C. 



256 VOanden. 

Ob ain erbar man ain vederspil füert, der ains huens *^) bedurft, 
da 8ol er ainer frawen ainen zwainzkar '^^) nmb geben, woli si im es 
nicht geben, *^^ so mag ers im wol »elb nomen. 

Paid höf ^^) an der gassen haben die recht, das ir *^^) iegkleicber*^^) 
6 schlecht fünf fueder ^^^) im panholz alle jar, darumb das si ir stnben ze 
weinachl^n warm halten von der gemain wegen, und ob ain gast chumbt 
in der selben höf ainen mit ainem pfiird,^^^) der mag im selb wol beschai- 
denleich ain haew ^^^) nemen, das si darumb nicht reden schallen, und 
darumb hat ir iegkleioher '-*"') ain mad auf Akkay.^^-*) 

10 Wer auf dem hof ze Chaliohgrueb ^^^) sitzt, der sol stätigkleich den 

steg über die Bossarg versargen ^^^) und darumb hat er järleich fünf fader 
holz aus dem panholz. 

Wer den maierhof ze Umbels ^o?) und die hueben ^^^) ze Glatxen 
und die hueben zu Markadretsch ^®®) und den 2'®) hof ze Peier und den^*®) 

15 hof in Vall ze Perbian ^^*) und den 2*®) hof ze Metran ^^^) ze Perbian^") 
[innhat], die mügent alles gejagt wol treiben, wer daselbs wirt ist. Das 
sol in niemant verpieten, und ob ir ainer ^^^j vieng, so sol er dem richtei 
ze weichnachten ^^^) ainen hasen schenken. 

Auch hat der pfarrer und der richter und die gesworen und der 

20 mesnär und franpot dreu mal in dem gericht, das ain ze SpervaP*^) z© 
Perbian, das ander ze Sauders, das drit ze Sand Johanns. 

*Es ist zu wissen, das ain irrung ist gewesen an den phanten i'O- 
dem gericht Vilanders, da haben sich zu ainander gefuegt die gesworl»^ 
allsambt und haben da ain Ordnung gemacht, das iederman widerfar, wa^ 

25 recht sei, also wenn ainer ain phenten wil, so sol er im vorhin sagen ' 
Geit er im pfant an gericht und an gerichts pot, das aol er nemen; wil ef 
im aber phant versprechen, [das] sol er aufnemen vor ainem frumen manj 
ob er des nicht tuen wolt, so mag er den franpoten nemen und mag in 
phenten, und ob der wirt nicht dahaim war, so sol er in zum ersten und 

30 zum andern mal nicht phenten, aber zum dritten mal mag er in wol 
phenten, er sei dahaim oder nicht. Werden die phant genomen, so sullen 
si vierzchen tag still ligen. Wären es aber paurecht, so sullen si zu drei 
vierzehen tagen still ligen, und er sol kainer paurecht nicht antwurten, 
die weil er andre phant hat, in der zwaier heuser, ains an der gassen, des 

35 gleichen zu Perbian, auch in der zwaier heuser, ains zum Fruauff an der 
gassen oder an der Klarn; sint es aber phant umb gearnten Ion, umb ge- 
lihen gelt oder ainen gast oder essen te phant oder umb aufgent schaden, 
und also sol er die phant drei tag fail fürn und rechtvertigen. Nach dem 



^^*) hünss Ä. hunds B. zins C. ^'^) zwainzhor B. zwainziger C, 

^^) si aber nit ains geben C. *®') Paid höf] Erhard und Martin O, 

»08) ir fehlt C. »99) ieglicher B, C. ^oo) fueder holz C. 

20') in selbenhof an mit seinem pferdt C. 202) ^ey B. heu C, 

203) ieglich B. ieglicher C. 204) Ackhay B. AUhei C. 

20*) Kalchgrueb B. zu Kalchgrueben auf den hof sizt C. 

200) Rossarg versorgen B, den steg besorgen über d. Rossarg C. 

20T) Der Mayrhofer zu ü. C. 208) i,neb C. 2ü9) Marpadretsch B. 

2»o) den] der C. 2») Parbion C. 212) Matraut C, 213) ir ainer] er C 

2»*) weihennahten Ä 2»*) Spermalt A. ze Sperral fehlt C. 



Vüanders. 257 

g er den richter anruefeD, das er im darzue schätsoher schaff. Das sol 
' richter thuen, und wenn die phant geschätzt werden, so snllen si 
rzehen tag stil ligen ; wäm es aber paurecht, so snllen si drei vierzehen 
Stil ligen; wurden die phant nicht gelöst, so sol er mit den phanten 
n, als mit dem sein und als von alter her ist komen. Die phant sallen 5 
l gefürt werden, als man von der meß geht, auf Yilanders und auch zu 
rbian, und vor ist es zu Perbian anders gewesen. Das haben die gesworn 
1 ettliche aus der gemain abgenumen durch minner schaden willen, und 
oft aim der franpot zu haus und hof wirt gefüert, davon sol er haben 
ikreutzer; war aber das ainer das ander phant selber pringt zu rechter 10 
t [zue] der meß, so sol der franpot nicht da haben, des [gleijchen umb 
dritt phant auch; sol aber der franpot darnach gen, so soll er sein Ion 
)eD, als vor stet; raeft ers, so sol er von ainem pfunt ain fierer haben 
1 auf ain phunt sol er nicht mer verzeren, dan drei kreutzer.* 

Wer dem anderen gelten sol nach dem landsrecht und darumb man 15 
jnten mueß, der sol die phant vierzehen tag rechtvertigen an gast- 2*^) 
t oder umb ain beschaiden guet in dreien tagen. 

Wer dem anderen in widerred ist umb gült,^^'^) da sol man das 
bt umb suechen. 

Das gehört des gerichts auf Vilanders get an die Eoten-want und 20 
den wal an der alben und auf des Mayrs mül ab Beinswald und an 
reiner mülpach und an die Tynn gen Gernstein.'-'^^) 

Auch habent die*-*^^) Ritnär chain recht auf ^20) der alben von ^2*) 
Inders, als der brief laut, den das gericht hat von künig Hainrich.^^^) 

Clausner und Vilandrär ist ain aid, das si an einander helfen schul- 26 
^3J Vilandrär schullen Clausnaren '^^*) helfen ^25) ^xnzt ^26) an den 
erpach und Clausner Vilandrären 227) ^n^t an die Eoten-want, und wes 
indrär228) bedurfent in ir häu8er,229) da230^ schullent si ze Clausen 
it von zollen, und was Vilandrär ze Clausen ze klagen habent mit dem 
iten, da sol in ir franpot an Ion für pieten, also 231) sol in Vilandrär 30 
ipot auch also tuen hinwider. 

Ze mül und ze stampf sol iedes manns guet sicher sein, und wer 
i anderen da icht enphrömbdet mit bewärten232) sachen, der ist komen 
b funfzik phunt perner, halbe, dem er den 233^ schaden tan hat, 234^ 
1 halbe dem gericht. 35 

Ze päd und ze prunst und wa leich 235) sind, da schullen recht frei- 
; sein, und sol auch iedes maus guet sicher sein, und wer das präch 
be warten sachen, den schol man pessem, als freiung recht ist, auch 
; ze kirchen die selben recht. 



♦-* fehU C, in B. sieht es am Ende, 2ie) gast] gestellt C. 2i7) gelt B, 
2'8) Garastain B. 2i9) die fehlt B. 22«) recht nit auf C. "») von] auf Ä 

222) C, hat den Beisatz: als prait, als ein wisbaum lang ist, nnd anver- 
iD herrscbaft Oesterreich, die mag uns nemmen und geben. 

223) des sie einander beholfen sollen sein C. 

224) Clansnern B. Clauseneren C. 225) helfen] beholfen sein C, 

22«) hinzt B. 227) Villanderer u, ö. C. 228) ViUanderer C. 22«) hau» C. 
230) da] das Ä, B. 231) also] und C. 232) immer bewarter B. 
233) den fehU C, 23«) tan bat] gethan C, 235) leichen. 
Oesterr. Weisthfimer V. 17 



258 Vüanderf. 

Wer dem aDdem mit bewärten Sachen willichleich schaden tuet pei 
der nacht, der ist komen umb zehen mark, halbe, dem er den ^^^) schaden 
tan hat, nnd halbe dem gericht. 

Wer dem andern stecken ans seinem Weingarten tregt pei dem tag^^ 

5 mit gevärd, als oft er ainen ^^^) anstregt, als oft ist er chomen nmb ain 

phnnt pemer, halbe, dem er den schaden tan hat, und halb dem gericht. 

Wenn ain knecht seinem herren etwas anstregt und das er darauf 

zeren wil an ainem leitgeben, da sei der leitgeb nicht mer auf geben dann 

umb drei kreutzer, und was er mer ^'^) darauf geit, das ist dem unsched- 

10 leich, des das phant ist, und was ainer entregt und versetzt, ^^O) was das 

ist, das sol ainer lösen mit dreien kreutzem. 

Was ain ainung^^^) ist in dem gericht, von welicherlai sach wegen 
das ist, wes ^^^) der merär tail über ain wirt,^^^) des hat die gemainschaft 
gewalt, auf oder ab ze nemen, und bei welicher pen es yerpunten ^44^ ^^t, 
15 da hat der richter gewalt, umb ze nöten. 

* Wer ain mül in der Eossarig ^*^) hat oder ain mül wil setzen in 
seinem gehörd, der sol järleich zwai hüener geben zu dem mal ze Sauden.* 

Der mülpach, der aus künig Herodes se get, der ist ain panmülpach, 
den sol niemant mit gevär ^*^) abcheren, an allain an veir-^*'')abent-naohten 
20 so mag in ainer wol auf sein wisen cheren, und sol in auch des morgenfl 
ze hanchrat ^'*^) wider ancheren. 

Und wer den pach mit bewärten Sachen ab chert, der ist dem gericht 
umb funfzik pfunt ^*^) vervallen. 

Auch sol niemant dem anderen sein ochsen ^^^) menen ^^') an der 
25 alben, es war denn, das ainem sein ochsen ^^^) bestunden an ainer not, so 
mag ainer ainen ochsen ^^^) oder zwen wol nemen und mag die beschai- 
denleich menen,^^^) untz^^^) das er fürpas chümbt, an alles gevär, ^ß*) und 
sol si dann hinwider ^^^) cheren,^*') da er si genumen hat. War aber, das 
ainer dem anderen sein ochsen ^^^) mit gevär ment, mit bewärten sa- 
80 chen,25ö) ^er selb ist vorvallen umb funfzick pfunt, 2^^) halb dem, des die 
ochsen^®*) sint, und halb dem gericht. 

Wer raispfärd hat in dem gericht, die sol niemant aus den nidern 
wisen treiben untz auf sand Steffans kirichweich, ^und nach sand Steffans 
kirichweich* so schuUen si gen an den nidern pergen untz ^^^) auf sand 
85 Yeitz tag, darnach so schuUen si gen an den obern pergen. Auch sol die 
selben pfard niemant reiten mit gevär, ^^^) noch eisen abprechen. Wer das 
mit bewärten saohen übervertj^®**) der ist chomen umb funfzick pfunt per- 
ner, halb dem, des ^^^) das pfard ist,^^^) und ^^^) halb dem gericht. 



M«) den fehlt II C. 237) t. und mit B. C. "8) ainen steckhen C. 

239) was der leitgeb aber mer d. geb C. 240) versczt o. verträgt C, 

2*0 ainigor C. 242) ^es] des C. 243) wurdt B, 244) verbotten C, 

♦— * fehlt a 245) Rasarig Ä 246) geverden C. 247) veir] vier C. 

2*&) hanenkhradt C. 24») pf. peraer C. 250) ochschen A. 

2*») nemen Ä ncmmen C. 252) ogachen Ä, B. 253) nemmen C. 

254) huntz C. 255) gefar Ä geverdt C, 25«) herwider C. 

2*0 eh. an die stat, da C. 268) ogschen A. 

259) nehmete mit geverdten und mit b. s. C. 260) pf. perner C, 

2öt) ogschen A. *— * fehlt A, B, 262) huntz C, 263) geverdton C. 

2««) überfüer C. 2W) des fMt C, MC) igt] gehört C. 267) und fehlt i. B. 



VÜanders. 259 

Ausgenomen,^*^) ob ainem leibsnot geschäch^^®) in dem gericht, der 
g derselben pförd ains reiten und sol es auch darnach hinwider^^^) ant- 
rten an die stat, da ers genumen hat, dn geyär.^^^) Das sol im unsched- 
h sein. 

Wa wasserrünst sint und ohellwaßer,^'^) die von alter her gangen 2^3) 5 
:, die sol niemant ab ehern und die sohullen auch noch flirpas gen, als 
'on alter herkomen.^'^) ist, und pei der pen, als es von ^'ß) alter her- 
men ist. 

Auch sol niemant dem andern unrecht weg varn, noch gen mit 
är,^^^) es sei denn, das er die rechten weg nicht gehaben milg mit be- 10 
rten Sachen, und wer das überfiier, der ist komen umb zehen pfunt 
Der, halbe dem, der schaden^^^) geschehen^^^) ist, und halb dem gericht. 

Es sol auch chain herre sein pauman hooher pfenten, noch noten, 
in sein zins gezeucht; umb ander sach sol er das recht suechen, als 
[er leut. 15 

Wer hab in dem gericht verlegt auf recht, ist, das er nicht ain ge- 
len^^^) man ist in dem gericht, so sol er gewishait tuen, ob ers ze un- 
ht verlegt hab, das er ze dem ^^^) rechten darumb herwider ste, und 
sol er auch mit dem recht ^^^) austragen in drein vierzehen tagen, ob 
ht in der selben zeit ist. War aber, das nicht recht war, so sol er es 20 
; dem^^^) rechten anders verlegen; ^^^ tat er des nicht, so ist die hab 
pas ledig und los. 

Ob das war, das ain herr seinen pauman zig, er war nicht guet 
iman, so sol der richtär ^^*) der geschwom und ander pauleut darzue 
ioken, die suUen pei iren treun erfinden, ob der hof geabsaumpt ^^^) 26 
oder nicht.*) 

Auch schuUent die chüe nach sand Steffans chirichweich^^^) gen an 
obern pergen unzt^^^) auf sand Veitz tag, und nach sand Veitz tag 
ichol man die chüe hüeten auf der gemain und nicht auf den mädem, 
i wa man die chüe nachmaln vint auf den mädem, da phent man ain 30 
e umb ain pfunt pemer und das galt um drei kreutzer.^®^) 

Auch sol ain mülner nemen von iedem stär,^®®) wem er melt,^®®) 
an muesnaph, der vierundzwainzick^^^) an ain stär gent oder von 
rundzwainzick ^^^) stär körn ains. Ist aber, das der mülnär ^^^) den 
^n kost geit und liecht und das er ainen peutel dar leicht, so nimbt er 85 
. iedem stär als vil grüschen als kom. War aber, das der mülnär^®^) 



J68) Unverzigen C, ^69) beschäch C *''ö) sol es darnach wider a. C. 

'71) gefar B. ohn alles geverdt C. ^'^^) khehlwasser. 

273) her hergaugen B. '^i) her gangen C, ^is) aig es] auch C 

^«) gefar B. on geverdte C. ^^t) gchad B. '^9) beschechen C, 

"*) angesessner C. ^80) ^u denen C. ^^) denen rechten C» 

»2) den a 283) verkhlagen C. ^4) rfchter B. C. 

285) geasawmpt A, gesaumbt C. 

*) In C, folgt : Ob ainer in dem gericht gefangen wurde von dem gericht 
r von anderen lenten, den sol man nicht aus dem gericht füeren oder man 
I dann recht darum ergan. 

»6) kirchweich B. C, ^7) hunzt C. »88) zwainziger C. 

»») Immer star B, »»o) maldt B. mahlt C. ">) der dreißig vur ain C. 

2»J) dreissig C, ^ immei' müUer C. 

17» 



260 Vilanden. 

ohost und lieoht geil nnd selb ^^^) päatelt an der leut müe und arbait, so 
Bchol der mülner nemen von ledern stär chom ainen naph chom und 
ainen naph mel und ainen naph grüschen. 

Wer dem anderen schaden tuet mit seinem viech an gevär,'^^) da 

5 Bol man den schaden schätzen mit nachtpauren,^^^) und wie si den schaden 

schätzen, damit sol man dem widerchem, dem der schad ^^^) geschehen 

ist. War aber,2®®) das er das viech gestalt hiet,^»®) so sol er^^) dem yiech''^*) 

chain laid tuen, und wes das viech ist, der sol chomen und ^^^) sol das 

viech ausnemen mit seinen nachpauren,^^^) und was die ervindent, das 

10 schol er im pessern; wolt der, dem der schad geschehen ist, das'^) nicht 

aufnemen, so mag der, der den schaden tan hat, dem andern tail ain pfant 

slahen in sein übertür ^^^) und mag sein viech mit im treiben, nnd sol man 

dem andern sein schaden dannoch beschauen, 3^^) als vor gesohriben stet. 

Tat er aber des nicht und das er das viech fräveleich wolt hintreiben und 

15 tribs,^^^) so ist er komen umb funfzick pfunt perner, halb dem der schad 

geschehen ^^^) ist, und halbe dem gerioht, und darnach, als er schaden tan 

hat, darnach sol er pesseren. 

Was fiir gericht kumbt, da schullen alweg ze dem minsten ^^) drei 
gesworn pei sein und für ir müe, die si über jar habent, wie funfzick pfnnt 
20 perner gevallent, da ist das drittail der gesworn, und was man ver* 
velet ''®) mit dem ^*^) rechten, das ist alles nach gnaden.^ *^) 

Auch ist ze wissen, ob chain stoß für die gesworn komme, ^*') der 
nicht geschriben stet, und da si umb ervinden sullent, da mugent si wol 
ander erbär leut ze in ^^^) nemen und mugent darumb ervinden, was si 
26 pilleich^^^) und recht dunkt. 

Auch^^^) sol der richt^^r an dem rechten fragen die gesworn und 
ander erbär leut in dem gericht und sol auch ausserleut^i*^) nicht mer 
fragen, denn drei man. 

Wer da klagt umb urbar oder umb aigen oder umb gult, es sei 

30 wenig oder vil, das über funfuodzwainzig pfaot perner trift,^*^) ob im 

ain urtail nicht gevelt, der er sich beschwärt dünkt, der mag er wol 

dingen an meins herren gnad gen 3*^) Tyrol, o das die urtail über den 

dritten chumpt. 

Es ist auch mer ze wissen, ob das war, ob ^^^) wir an perges rechten 

35 icht vergessen haben ze schreiben oder wir ze vil oder ze wenig geschriben 

bieten, das sol unserr gnädigen herschaft von Österreich und der '^ ^) ge- 

mainschaft auf Vilanders unschedleich sein, und was dann landsrecht ist 



29*) selbst a 205) on gevordt C. 2%) nachpern B. 297) schaden C. 

2»8) WÄr aber fehH C. 2W) gestalt biet] stellet C. 

30^) 80 sol er] der sol C. ^oi) vich on geverdt C. 

3*2) und soll der, dem das vich ist, hingehen und C. ^03) nachpern C. 

30*) d&BfehU A. 305) oberthür C. 

306) und sol doch seinen schaden bescbanen C 307) fräfentlich hintribe C. 

308) schaden beschechen C. 309) wenigsten B. 3'0) verfallet C. 

3»») denen C\ 3i2) auf gnad C. 3i3) chamb Ä 3i4) in fehü C, 

3»5) was billeich sei u. r. d. C, 3i6) Auch] Es Ä 

3") sol ausserhalb dem gericht nit m. C. 3t8) trift] ist C. 3!9) gen fehU C. 

"0) ob] das a 321) „nd fehH A. B. 



Vilanders. 261 

der hersohaft ze 322) Tyrol, und wie das puech auf Tyrol laut, darnach sol 
geschehen, 323) ^ag piHeich und landsrecht ist. 

*0b ainer in dem gericht gevangen wirt von dem gericht oder von 
mdem leuten, den sol man nicht aus dem gericht füern oder man laß das 
echt darumb ergen.* 5 

**Pei allen vorgeschriben puncten sol der richter arm und reich 
•ei halten.** 

Was vor geschriben stet, das habent fürgeben die zwelif geswom 
uf Vilanders : Abel von Pofrad, Niklas 324) Kolman, Hans Neunhauser, 
lainreich Tscheltner,325) Michel von Valban, Michel Mayr auf der Län, 10 
lainz von Aichach, Erhart Eisensteck, Nickel 3^«) von Tiswalt, Jäkel 32?) 
'on Sauders, Engel 328) yon Wernher, Christan Marder. 329) Oswald von 
kmd Valtein, Ghunz von Sauders sind auch pei der fürgab gewesen. 330) 

Wann ainem sein phärd erligt, der mag es wol in ainen anger ziehen 
und an dem zügel haben und lassen essen; nimbt er im den satel ab und 15 
nimbt das pis aus, mag man in wol pfenten und sust 33 1) nicht. 

Wa ain gemainer weg ist und das ainem ain mauer darauf get, so 
sol er den weg wider räumen und den weg wider offen machen; tat er 
des nicht, so sol ers pessem dem gericht mit fünf pfunt 332) perner. 

In den wisen im Auchten, da sol niemant iun halten von sand 20 
Jörgen tag untz auf sand Michels tag pei der pen, ain chue ain pfunt, das 
g&lt drei kreutzer. 

Ob ainem ain chnecht oder ain maid fin schuld aus seinem dienst 
?et, 80 ist in der herr kain lan 333) nicht schuldig. 

Ob ainer ainem knecht oder ainer maid unverschult urlaub gibt, so 25 
lol er in iren lan 333) ganz geben. 

Meßgwant, pluetigeu 334) pfant, ungewuntes 335) chorn, haut aus 
lem aschen, da sol niemant auf leihen noch geben. 

Chain frau hat nicht gewalt an irs maus willen weder ze versetzen, 
och ze versprechen, denn umb drei kreutzer. 336) 30 

Wann zween ins panholz farent, da mag der drit wol an allen 
ihaden nach in varen. Die ersten zween sollens pessem ir ieglicher dem 
Bricht mit fünfzig pfund peen. 

Wer umb berait gelt kauft und nicht bezalt, der soll das pessem 
aoh der geschworen rat. 35 

Wer Wirten vichkorn geit, der thuet kain recht in eelichen tadingen 
iemant. 

Wer ainem vom rechten nimbt und nicht genueg thuet, der ist umb 
:ehen mark perner peen, halb dem, den er vom rechten genumben hat, 
lud halb dem gericht, ob der klagend wider fürkumbt. 40 



3W) von C. 3") sol dannabt alles beschechen C. ♦-* Steht in C. früher. 
5. 259, Anm. *»-** Steht in 0. avi Schlüsse. 32^) Niggl C, 3J5) Tschelnar B. 
3") Niggl C. 327) Jacob C. 328) Enkh C. 329) Morader C, 

330) Nun folgt C: Es soll aiii pfarrherr selb» dritt etc. (S. 251, 11) und 
^ravf: Pei allen vorgeschriben puncten (S. 26*/, 6) mit dem Beisatze : anno domini 
lonagesimo sexto. Jiiemit schliesst C. öh. 

331) sonst B. 332) pfunt feUt A, 333) Ion B. 334) pluetige B. 
J35) nngewnndtens B. 336) j)as Folgende nur in B, 



262 Vilander», 

Wo Öd höfe seind, die sollen sicher sein zue weihenachien un^ 
sunnewenten.3^') 

Vermerkt die feurstet auf Vilanders zae Sand Stefans malgrei. 

Item Rabenstainer, Trakhenlederer, Farwekher, Schadleyter, Under- 
5 trenner, Obertrenner, ünder Fisnakh, Ober Pisnakh, Rainer, Am Ekher, 
Peter Gassner, Hainrich Gassen, Winkhel, Thuemer, Stainaoher, Gosst, 
Minkelheus (?), Valban, Valster, ünder Marzon, Ober Marzon, Dosser; 
Flasch, Khdber, Dilhoff, Pifrad, Khrein, Pärnl. Summa 28 feurstet an 
die seltheuser. 

IQ Sand Valteins malgrei. 

Cornpach, Strass, Schnygl, In der Aw, Ghuenz an der Frag, Vagi an 
der Frag, Wardinger, Under Tanetscher, Ober Tanetsoher, Niclas von Sand 
Valtein, Liendl von Sand Valtein, Sturm, Grann, Hinderhauser, Oberpenn, 
IJnderpenn, Euezagl, Alt Troger, Platner, Jung Troger, Prant, Mnaner, 
15 Rumpener, Sand Johanns, Fuchsperg, Laderhoff, Ruepel von Glaz, Alex 
von Glaz, Tamphausser, Mair von Gravetsch, Kaiserhoff, Gasts, Penner, 
Gungneider (Funtneider ?), Flattner, Die Ez, Framer, Fhund, Voss, Lind, 
Ehanater, Schnetzel, Eeisenhoff, Malsitsch, Galsitsch, Mair an der Lan, 
Neinhauser. Summa 45 feurstet. 

20 Sand Mauritzen malgrei zue Sauders. 

Ealchgrueb, Strass, Harb, Aichner, Fiatner, Elainstainer, Eisen- 
steckh, Oberkofel, ünderkofel, Schrat, Jauren (?), Frann, Hueber, Andre 
von Sauders, Winkhler, Speenäler, Ehast, Caspar, Stager, Sagmaister, 
Schuester, Az, Tosler, Lipp hinder Zauss, Erhart, Im Fach, Peyrer, 
25 Schweikhor, Lienhart Schneider in Fals (?), Ulreich Schneider (?) im 
Frey, Riest, Mair von Plan, Ehainz, Pez, Oswald, Firchner, Tafayer, 
Frakhfidrer, Schaffer, Grent, Speeng, OberfLar, Underflar, Nadrenetech, 
Grueb, Morr, Rumpadritsch. Summa 47 feurstet. 

Sand Jacobs malgrei zue Perbian. 

30 ündercomplunger, Obercomplunger, Zum Gleyran, Spekh, Starzer, 

Helber, Altney, Ulman, ünderschint, Oberschint, Wolauff, Walch, Corst- 
ner, Eün, Easlt, Zum Zeren, Nedl, Under Aichach, Vall, Oberpalber, 
Underpalber, Wernher, Trogler, Veithauer, Hoff, Marad, Flar, Mutter 
Summa 45 feuerstet an die kamer] ing. 



^3*^ Nun fohjt: Es ist zo wissen, das ain irrung ist. (S, 256, 22 f.) 



Samtkein. 263 



28. Sarnthein.*) 

^pierhd». im Oemeiiide- Archiv zu Samthein au* der zweiten Hälße des 17. Jahrhunderts. OrossfoUo 
^l Bl. und 2 Bl. spätere Zusätze. Verglichen umrde die OericJUsordnung vom Jahre 1744. Papierhds. 

Folio 86 Bl. aus demseiben Archive. 

Ordnung der gerichtsherrschaft Samthein. 

Vermerkt ir gerichtsleit und menigelichen die ratschleg und ord- 
oangy 80 zu nuz und wolfart der ganzen gerichtsherrschaft Sämthein 



*) Da» Gericht Samthein hatte nach allen Seiten natürliche Grenzen^ im 
Süden den Marter- und Tanzbach und im Osten, Westen und Norden die Oebirgs- 
häm.me, es war von den Qerichtshezirken Jenesien, Flaas, Mölten, Schenna, Passeir, 
Stennng, Salem, Latzfons, Vilanders und Wangen umgeben. Die Entstehung dieses 
Geriehtsbezirkes liegt im Dunklen, doch erklärt sich dieselbe, uHe die des ganz 
ihnlieh umgrenzten Gerichtes Passeir, hinlänglich aus der ncUUrlichen Gestaltung 
le* Thaies. In ältester Zeit gehörte Samthai wohl zmn Gau NorithaJ, weniger 
sicher tat aber dessen Zugehörigkeit zur Grafschaft Bozen, Dann müsste jener Graf 
wn Samthein, nach dessen Tode Goswin die Grafen von Tirol sich der Grafschaft 
temächtigen lässt (Chronik 51, Anm. 2), ein Eppaner gewesen sein, und dies fände 
Sekräftigung in dem Umstände, dass die zuerst genannten Dienstmannen aus 
Sämthein immer in der Umgebung von Eppanem und qppanischen Ministerialen 
rreeheinen (Mon, Boic. 2, 339; 8, 415. 426. 494; 10, 34, Urkundenbuch für 
iae Stift Neustift Nr, 100), Dagegen spricht aber der Umstand, dass dies Gerieht 
vm 13. Jahrhundert ah brixnerisches Lehen erscheint, Bischof Bruno belehnt am 
9. Dee. 1273 Meinhard II. mit dem Schlosse Samtein und den brixnerischen Besitzungen 
tn Pens (Bibl, tirol D, n. 966, I, 35, Sinnacher 4, 477), Es ist allerdings in 
dieser Urkunde vom Gericht nicht ausdrücklich die Bede; da aJber das Schloss 
Samtein identisch ist mit dem später oft genannten Beineck und an letzteres der 
Gerichtsbezirk geknüpft ist, so darf dies wohl auch schon für die damalige Zeit 
angenommen werden. Der erste Bichter wird ausdrücklich genannt m Jahre 1284, 
wo ein Geroldus judex in Sarentena im Palast zu Gries als Zeuge erscheint 
(Bibl. tirol, D, n, 227, 26). Im 14., 15. und 16, Jahrhundert sehen wir das 
Gericht in den Händen verschiedener JFamilien, bald als Pfand, bald als Pflege. 
So üben im 14. Jahrhundert daselbst nach einander die Gerichtsbarkeit Engelmar 
von Vilanders (1337), Heinrich von Vilanders (1349), Herzog Konrad von Teck 
(1352), Konrad von Frauenberg (1354), Herzog Friedrich von Teck (1354), 
Petermann von Schenna (1363), Michael von Turenbach aus Oesterreich (1374), 
Wilhelm von Nordheim (1378), Veit Flednitz (1378), Heinrich von Bottenburg 
(1394) [Wolkenstein, Chronik 14, 167 f. Staffier 2, 1087. Huber, Vereinigung 
Beg. 148. 149. 159/. In dem Briefe, mit welchem Herzog Budolf IV. das Gericht 
dem Petermann von Schenna überlässt (1364), heisst dasselbe eine Grafschaft 
(Lichnowskg, 4. Bd. Beg, -Nr. 617) und Michael von Turenbach wird Hauptmann 
genannt. Peter von Schenna verwaltete es durch einen Hauptmann und Amtmann 
(Tirol, Arch, Beg,'Nr. 975). 

War das Gericht Samthein im 14. Jahrhundert meist verpfändet, so blieb 
dasselbe, wie es scheint, im 15. bis zum Jahre 1475 Pflege und als Pfleger und 
Hauptleute erscheinen Franz Vintler (1404), Hans Goldegger (1421), Christof 
AdeUhofer (1431), Georg Metmer (1433, 1439), Konrad VinÜer (1449), Hans 
von Nordheim (1465), Bernhard Fuchs (1467), Wemher Fuchs (1463), Arnold 
von Niederthar (1466. 1472), Dieser erhielt das Gericht im Jahre 1476 als Pfand 
und ihm folgten als Pfandinhaber des „ Gerichtes und Amtes Semthein* Paul von 
Liehtenstein (1482) und Cyprian von Nordheim, genannt der Sernteiner (1496) 
f Wolkenstein, Chronik 14, 168, Stadler 2, 1087. Lichnowsky, 7. Bd. Beg, -Nr. 



264 Samthein, 

durch die gerichtlich obrigkhait, sowol iD gegenwirtigen beisein der ge- 
richtsgeschwornen alda in bemelteD SärDtein in negst gehaltner ehehafl- 



1470dJ. Im Jahre 1410 wird das Gericht in einer Vertchreiöung Friedrieh» lY, 
für seine Gemahlin Anna von Braunschweig zuerst Herrschaft genannt (Ueh- 
nowsky, 5, Bd, Reg.-Nm, 1127. 1130), Dem Adelshof er gab derselbe die „Fette 
Rainegk und das Gericht und Amt Sarnlein^ bestandweise gegen Entrichtung von 
1000 Ducaten und Vorbehalt der „Vell ynd penn, es sein todyell oder ander", tUe 
über 50 Pf B, betreffen^ die er ebenfalls abliefern soll (Lichnowsky^ 5. Bd. 
Reg.' Nr. 3057). 

Im 16. Jahrhundert war Samthein^ meist als Pfands in den Händen de» 
Veit Anich (1501)^ Cgprian von Semtein (1508), Hans von Semtein und der Sohne 
des Hans von Nordheim: Hans und Cyprian^ des Peter von Molart (1551) und «etnei 
Sohnes Luduoig von Molart. Letzterer überliess mit Einwilligung des Erzheraogt 
Maocimüian die Herrschaft Cyprian Freiherm von Thwiy und Johann Siffmund 
Graf von Thun verkaufte dieselbe 1635 an David Wagner asts Augsburg j 
der 1605 mit dem Prädicate ^von und zu Rottenbwch*^ geadelt worden und ebenso 
die allodialen Edelsitze Kellerburg und Kramelstein^ die später der Lehensherr- 
Schaft incorporiert lourden. (Staffier 2y 1088). Seine beiden Söhne Ludwig und 
David erhielten vom Erzherzog Ferdinand Karl 1650 den Freihermstand mit der 
ErlaubnisSy das Wappen des erloschenen Geschlechtes der Samtein von Nordheim 
zu fuhren; der nämliche David und seines Bruders Kinder erlangten 1681 den 
Graf enstand und die Erlauhniss sich Grafen von „Sarnthein** zu nennen (Mayrhofer, 
Genealogien). Der PfandschiUing betrug zuerst 43.214 fl. (1654), dann 47,7 14 fl. 
(Bibl. tirol. D, 992, F, 2. ib. 828, IL) Die Grafen von Samthein behisUen die 
Herrschaft bis in dies Jahrhundert. Im Jahre 1806 schlug die baierische Regie' 
rung Samthein zum Landgericht Bozen (Kgl. Baier. Reg.-Bl. 1806 S. 456). Bei 
der Zerstückelung des Landes im Jahre 1810 blieb zwar das Gericht baierisck, 
aber die Ortschaft Niederwangen wurde Italien zugewiesen. Dafür bekam Sam- 
thein den vom Rittener Gerichtsbezirke ahgeschnUtenen GemeindeantheU Gismann, 
(Staffier 2y 1077. Tirol unUr der baierischen Regierung 301 Anm. 19). Nieder- 
Wangen blieb auch bei der Organisierung vom 1, Mai 1817 bei Samthein und die 
seit dem baierischen Edicie vom 14. November 1809 abgeschaffte Patrimonialherr' 
Schaft lebte wieder auf (Prov. Gesetzges. Jahrg. 1817 S. 2 17). Doch wurde 1823 
die Theilgemeinde Gismann dem Gerichte Stein auf dem Ritten zurückgestellt und 
1838 ward Samthein in Folge Heimsagung der Gerichtsbarkeit seitens der Dynasten 
ein landesfürsüiches Landgericht (Staffier 2, 1077). In der letzten Zeit war nicht 
mehr Reineck, sondern KeJhurg Gerichtssitz, (Prov. Gesetzsammlung Jahrg. 1817 
S. 217), Bei der Gerichtsorganisation vom 29. November 1849 verblieb Samthai 
das eigene Gericht, als Bezirksgericht (L.-G.-Bl. 1850 S. 29.) 

Wie einen Gerichtsbezirk, so bildete Samthai auch von den ältesten Zeiten 
bis in die Gegenwart einen Gemeindebezirk, der, früher in Malgreien getheilt, nun in 
3 Abtheilungen zerfällt und 26 Ortschaften mit 223 Häusern und 3815 Bewohnern zählt. 
Das Thal war ohne Zweifel schon zu Römerzeiten bewohnt, doch ob die von Plinius 
(hist. nat. 3, 24) genannten Sarunetes wirklich in Samthai ihre Wohnsitze hatten, ist sehr 
zu bezweifeln. Jedenfalls wurde die romanische Bevölkerung von den einwandernden 
Germanen stark decimiertj wenn nicht gar beina/ie ausgerottet, denn die jetzigen 
Namen der Ortschaften sind grösstentheils deutsch. Dass diese Einwanderer 
Gothen gewesen, dafür spricht nicht nur ihre grosse, untersetzte Gestalt, sondern 
auch ihre Einwanderungssage und ihre alte durch Vocalreichthum und Vocalfülle 
an das Gothische erinnernde Sprache, und als echte Germanen lassen sie viele 
Sitten und Gebräuche, ihr Sinn und Charakter erkennen. Ein Beweis für die 
frühe Cidtivierung des Thaies sind die alten Pfairen desselben, zu Sarnthein und 
Pens. Der Name Samthein erscheint zuerst iii den Gründungsurkunden für die 
Stifter Neustift (1142) u. St. Michael (1145), wo ein Adalbertus de Sarentin (Bon- 
nelli, Notiz. 2, 392) erwähnt wird, der wohl identisch ist mit dem Albertus de 
Sarentine in den Afonumentis Boicis (2, 339); der erste Pfarrer von Samthein 
wird 1211 als Zeuge genannt (Cod. Wang, 229). Ein Pfarrer von Pens kommt 
zumr erst im Jahre 1307 vor, aber das hohe Alter der noch stehenden Kirche 



Samihein, 265 

täding dits regiereDden 1658. jars abermahlen von neyen durchsecheD, 
firgenomen, auch beschlossen und widerumbeii ratificiert und beste tiget 
worden, als folgt : 

Erstlich, das maeniglich weder an den sontegen, noch andern feir- 
tagen und festen, so man den gotsdienst zu halten pflegt und Verrichtung 5 
deaselben, ehe und das die predig und das hochambt fir ist, niemant vor 
der kirchen, auf den freithöfen oder blözen stehen oder umb spazieren, 
noch in *den wirtsheisern oder andern orten zöchen, noch ainiche han- 
tiemng mit failhaben, kauffen und yerkauifen zu treiben nit anmassen, 
noch gestattet werden solle; welliche aber solliches ybertröten, darauf dan 10 
die obrigkhait vleissiges aufsehen bestellen und halten lassen wirdet, der 
oder dieselben personen sollen alsdan der obrigkhait vermig tyrolischer 
policey-ordnung* erstlich um 30 kr., da es zum andern mahl ybertretten 



* — * Diese Stelle umrdey da sie in dieser Gerichtsordnung in Folge von 
Äbreissen fehUj aus der vom Jahre 1744 ergänzt^ es stimmt das in beiden Ord- 
nungen Unbeschädigte ganz zusammen. 



uni die frühe Erwähnung des Ortes lassen auf eine noch früJiere EnlstehungsxeU 
sehUessen, Nach Burglechner zählte das Thal zu seiner Zeit zwei Dörfer: Samthein 
mU etwa 40 Feuerstätten und Nordheim, dann die Ortschaften: Pens, Beinswald, 
Aberstüekl und Dumholz mit weit zerstreuten Häusern, (Burglechner 3, 4, 1069), 

Die Abgeschiedenheit des Thaies und die schwere Zugänglichkeit desselben 
heim Mangel einer bequemem Thalstrasse bis in unsere Zeit erklären die Eigen- 
artigkeit der Samthaler und haben ihnen einen grösseren Best von urgermanischer 
FMheil und urgermanischen Freiheitssinnes erhalten, als bei den meisten Bewoh' 
nem Tirols der Fall ist. 

Schon verhältnissmässig früh treffen wir Adelige in Samthai, ausser obgC' 
nannten Adelhertus noch Ootschalcus de Sarentin (1142), Ekkehard parvus de 
Sarentin et frater ijus Chadelhous et frater eorum Werenhart (1163), Sivridus, 
miles de Sarentin (1166) ti. a., der erstgenannte ein Dienstmann (miles) des Burg- 
grafen Beginbert von Sähen, die nächsten drei und wohl auch die folgendin 
Dienstmannen der Eppaner; allein in späterer Zeit treten nur zwei einheimische 
GesehUehter hervor, die von Nordheim und von Stötten, letzteres angeblich eine 
Burg bei Beineck, und von diesen sind die Herren von Stötten (Burglechner 2, 1206) 
nie tmd die von Nordheim erst gegen Ende des 15, Jahrhunderts, namentlich mit 
dem obgenannten CypHan von Nordheim, dem letzten seines Stammes (f 1524), 
zu grösserer Bedeutung gelangt, Ihre Sitze sind früh vei'schumnden und ausser 
dem Hauptsehlosse Samtein, das seit dem 14, Jahrhunderte gewöhnlich und zuletzt 
immer Beineck heitst^ haben nur noch die beiden Nordheim* sehen Edelsitze Keller^ 
bürg und Kranzelstein bis in die neuere Zeit sich erhalten. Der beständige 
Wechsel in der Gerichtspflege verhinderte die Entwickelung eines mächtigen Dy- 
nastengeschlechtes. Unter den kirchlichen Besitzungen waren die oberwähnten des 
Stiftes Brixen wohl die bedeutendsten; dem Stift Neustift schenkte der Bitter 
David von Samtein ein Landgut zu Bennis (Pent) und ausserdem besass es noch 
Hüben und Zehenten im Thale (Sinnacher 3, 349. 549, 580, Urkundenbuch für 
das Stift Neustift Nr. 111); auswärtige Stifter und Klöster scheinen hier nichts 
besessen zu haben. Die grosse Selbständigkeit der Bewohner dieses Thaies be- 
weisen auch ihre früh (1276!) ausgebildeten und sehr entwickelten Statuten (Neeb 
und Atz, Der deutsche Antheil des Bisthums Trient 1881 S. WO), die nun leider 
nicht mehr aufzufinden sind', auch spricht dafür die bedeutende Stellung, die das 
Gerieht im Jahre 1416 zur Zeit, des Kampfes zwischen den Herzogen Friedrich IV, 
und Ernst von Oesterreich einnahm, und die wohl damit zusammenhängende Er- 
scheinung, dass es schon in der ältesten erhaltenen Landschafts- Matrikel erscheint 
(Brandis, Landesh, 181, 269). 



266 Samthein 

wnrde, umb 1 fl., nnd zum 3^ mahl mit gefengnns aines tags und nachts 
in schlossthum Reinegg mit geringer speis zu erhalten; wo aber ainer 
oder mehr beharlichen und frefenlichen darwider handien wurden, der 
oder dieselben sollen alsdan auch ferer nach gelegenheit aines ieden ver- 
Ö breohens, andern zu ainem exempel, höcher gestrafft werden, und zu deme, 
welche also der geriohtsdiener betritet, ihme fir sein besoldung auch also 
bald ain iede persohn sonderbar 1 pfunt perner zu bezallen verfallen sein, 
damit er desswegen desto embsigers aufsechen habe. Es solle auch das 
prantwein-schenken, bovorab sontags und feirtags, vor endung des gotes- 

10 diensts und predig genzlichen yerpoten sein, und wer daryber auch durch 
den geriohtsdiener befunden wirdet, ime der prantwein, auch alles obs 
und dergleichen, so er, ehe das hochambt sontags und feirtags gar fir ist, 
fail habend antrifft, genzlichen haimbfallen und zu sich [zu] nemen macht 
haben; doch denjenigen, so sontags oder feirtags irer geschäft halber ausser 

15 gerichts weiten, den sol ir gebirliche zerung, ob die gleich bei den wirten 
vor endung des gotsdiensts boschäche, unverwisen sein. Verer belangende 
die creizgeng, damit die zu gotes lob und ehr mit andacht verriebt werden, 
so soll zu ainem ieden creizgang alhie, si sein in oder ausser gerichts zu 
verbringen, wie von alter geordnet, wan die zuvor auf der canzel verkindt 

20 worden, auss ainem ieden haus in der pfarr Särnthein ain verstendige 
person, und nit kindor, oder andere unzichtige und leichtfertige leit ge- 
schickt werden, oder ain ieder hausvater sol sei bs geen, und die pfarrmenig 
sich bei der pfarrkirchen alhie zusamen versamblen, auch das creiz durch 
die pfarrmenig albegen ainhellig widerumben haimb belaitet werden. 

25 Welliche aber hieryber widerspänig oder absaumbig und ungehorsam be- 
funden wurden, soll ain ieder hausvater, so oft ers yberfart, der pfarr- 
kirchen alhie 18 kr. gelts oder ain pfunt wax zu straff zu bezallen 
schuldig sein ; und zu wirklichem abhalten der Ordnung soll zu ainem ieden 
creizgang der kirchprobst mitgeen oder iemant andern taugenlichen, so 

30 mitgeet, von seinetwegen bevclch geben, auf diejenigen, so gehorsamb sein, 
acht zu haben, das man wissen meg, wer ungehorsam anspliben, von denen 
dann der kirchprobst die straff einziechen, und da sie es gietig nit her- 
geben wurden, darumben fir obrigkhait wenden lassen, durch verschaffen 
der obrigkhait einzulangen und dieselben straffen der kirchcn alsdann zu 

35 verraiten. Da aber der kirchprobst farlässig erschien und ain oder mer 
wissentliche verfallen straffen nit einlangen wurde, die selbigen aussteen- 
digen straffen soll der kirchprobst selbs zu bezallen, auch, so oft er kirch- 
probst ain creizgang versaumbt oder iemants andern von seinetwögen nit 
bevelch gibt, sol der kirchprobst sträfflichen sein der kirchen, so oft ers 

40 ybertritt, per 1 fl. 

Item es soll sich auch niemant in dem laster des gotslesterens und 
ffuechens, das dann der schwärlichistenybl aines ist, befinden noch mörken 
lassen, bei der peen und straff der gefenknus in schloss Hainegg in thurn 
nach disscm verpröchen nach laut merer ausgangnen erzfirstlichen bevelch 

45 und mandat. 

*Darzue ist auch noch weiter beschlossen, des zu der ehr gotes gelangt, 
wann an festtägen, es seien bestimbte opfertäg von alter gewesen oder nit, 
die obrigkhait zu opfern geen wirdt, das alssdann darauf alspalden die 



Samthein. 267 

geriohtsgesohworneD, naohmallen die andern eltisten und fimembsten, 
Tolgents all geriohtsleit, man- nnd Weibspersonen, wölliche sich bei dem 
gotfidienst befinden, nachvolgen, ir opfer verrichten nnd daran nit saumb- 
sälig oder varlässig, wie ain zeit her beschechen, erscheinen sollen, bei 
der straff ^/2 pfunt wax, so ofts ain ieder ybertrit.* 6 

Zum andern so sollen alle grosse spill in ganzen gerioht in den 
wirtflheisem und auf den spillpläzen genzlichen aufgebebt und yerpoten 
sein, das hinfiran kain wirt, noch kain hausgesössner in sein haus kain 
gross spill soll gestaten, auch sonst an haimblichen orten und spillpläzen nit 
zuegelassen, doch hierinnen wol ain kurzweil gebraucht werden. 10 

Zum driten, und wiowol anvor den wirten zu mermallen auferlegt 
worden, wie und wellicher massen si sich verhalten sollen, so befindt man 
aber, das deme wenig nachgelebt werdet, derwögen so soll nochmallen 
den Wirten alhie im gericht alles ernstes verpoten sein, das si kainem gast 
somberszeiten after 9 uhr, und Winterszeiten yber 8 uhr zu nachts nit 15 
essen oder trinken geben, noch lenger sizen lassen, bei der peen 2 fl., so 
ofts ain wirt y bertritt. Und ob sich aber ain gast zu sollichen unzeiten 
zu gehen durch den wirt nit abweisen lassen wollte, der soll zum ersten 
mal umb 1 fl., zum andern mal umb 2 fl. und zum driten mal hocher 
nach erkantnus der geschwornen gestrafft werden ; in fall man aber von 20 
obrigkhait und gerichtswögen zu handien hete oder das ain ehrlicher gast 
ausser gerichts zu nachts in das gericht zu ainen wirt einkert, so mag ime 
ain wirt auf sein begern wol sein notturft essen und trinken geben. Die 
wirt sollen auch niemant sontags, noch ander feirtäg, weil der gotsdienst 
gehalten wirt und nit gar fir ist, weder essen oder trinken geben bei der 25 
peen 2 ff., aussgenomen diejenigen, so sontags oder feirtags irer geschäft 
halben ausser gericht geen weiten, den mag ain wirt sein essen und trinken 
wol raichen und ervolgen lassen. ^Und nachdem sich die wirt anmassen 
und wollen, niemants, weder armen noch raichen, auch kranken personen 
oder kindlpeterin, zu weilen kain wein auss dem hauss von dem zapfen 30 
geben, derohalben firgenomen, das die wirt schuldig sein sollen, zu fir- 
fallender noth zu ieder zeit ainem ieden auf sein begern gegen parer be- 
zalung wein von zapfen aus dem haus zu geben; doch ist der yberlLuss 
dem kaufer und wirt, wan ers gestat, iedesmals bei der peen 1 ff. gelts 
verpoten; so oft er das gebot ybertreten thuet oder da ers zum öfter- 35 
mallen firsetzlich widerfuer, [soll] im die wirthschaft auf ain Zeitlang abge- 
stelt werden nach erkantnus der obrigkhait.* 

Zum vierten firgenomen, das die personen, so sich der firkeif und 
crämerei gebrauchen, auch die nachpern, gerichtsleit, wirt, mezger und 
andere in aller haab ainen gerechten gewondlichen, mit dem gerichtsmark 40 
gemerkten ellenstab, auch aine rechte wag, star und yhrn Bozner mass, 
alles gerecht und abpfächtig, und kain ander gewicht, wag, oder mass 
haben, noch gebrauchen sollen. 



* — * Die»e Stelle fehlt in der Ordnung von 1744; dcigegen steht dort die 
Bemerkungy dtua der Kirchprobst die Viertelmeister bei Kreuzgängen cUs SteUver' 
treter anstellen kann, was hier nur am Rande steht, 

* — * Diese Stelle ist in der Ordnung von 1744 weggelassen und hier im 
Origimüe durchstrichen. 



268 Samthein. 

Zum finfien, so soll ain ieder geriohtsman, so traid zu verkauffen 
hat, den jenigen gerichtsleiten und unterthonen auf ir begeem umb gebir- 
liehe pare bezallung keiflichen ervolgen lassen und dasselb nit vorhalten 
oder yerlaugnen, bei der peen 2 fl. 

5 Zum sechsten sol auch ain ieder, so schmalz zu verkauffen hat, das- 

selbig den hieigen personen und gerichtsleiten umb pare bezallung noch 
billicher, nehner und rechter, als wie man solliches zu Bozen an den 
ordenlichen schmalzwagen gibt und geben wirt, keiflichen ervolgen lassen 
und dasselbe kainesweegs ausser gerichts verfiern oder verkaufen. Doch 

10 mag ain sollicher nach gelegenhait der sachen käs und ziger auch darzue 
geben, und ain ieder, so schmalz kauifen will, solliches umb gebirlichen 
pfening daneben anzunemen schuldig sein. Wellicher aber yber dis gebott 
schmalz aus dem gericht verkaufen und verfieren, den hieigen gerichts- 
leiten versagen und inen gegen parer bezallung nit erfolgen lassen wurde, 

15 derselbig soll zum ersten mal per 5 fl.., zum andern mal per 10 fl. und 
zum driten mal per 20 fl. unablässlich gestrafft werden. 

Zum sibenten, nach dem auch die wirt, noch iemant anderer in der 
gemain, der grämplcr und grämplerin firkauf halben, wöder hennen, 
hiener, air oder dergleichen nicht bekomen mügen, sonder durch si mit 

20 iren grämpln alles vorhin verärt, bestell und abkauft, auch ausser gerichts 
vertragen und verhandelt wirt, das ainer gemain, bevorab den wirten 
und kranken leiten, hochbeschwärlich ist, derohalben firgenomen, wo ain 
grämpler oder grämplerin betreten, die hennen, hiener, air und dergleichen 
ausser gerichts vertragen wurde, dessen ain alhieiger beturftig wäre, das 

25 alsdann die wirt und ain ieder alhieiger sein notturft daraus, doch gegen 
gebirlicher bezallung in wert, wie es die grämpler und grämplerinen 
selbs erkauft, zu begern und zu nemen macht haben sollen ; aber der herr- 
schaft grämplerin, was dieselbe von herrsch aft wegen aus dem gericht zu 
tragen haben, daran soll inen kain eintrag oder verhinternus beschechen, 

30 aber in albegcn soll man sich zuvor bei der gerichtsherrschaft erzaigen 
und anmelden, was si tragen. £s sollen auch die gerieh tsleit und ange- 
sessnen ainem ieden unterthonnen auf sein begern solliche obvermelte 
hausnotturften vor dem grämpler und grämplerin gegen gebirliche be- 
zallung ervolgen ze lassen schuldig sein und sollichen firkauf und aigen- 

35 nuzungen krämplern kaines wegs firschub geben. 

*Verer ist der kräxentrager halben firgenomen und beschlossen 
worden, das denselben ausser gericht grämpler oder grämplerin, die, wölche 
von dem gericht aufgenomen worden sein, denen gleichwolen das salz 
tragen zu winters Zeiten, da die veltarbait nit gar genetig sein wirdet, 

40 auch zumallen si solches treiben wellen, sich zuvor bei der obrigkhait umb 
deren erlaubnus anmelden sollen, das ybrig genzlichen abgelegt und ver- 
poten sein; inmasscn dann der gerichtsdiener sein vleissiges aufsechen 
haben, und da er yber diesen verpot und ablegung ain oder mor betreten 
wurde, er befuegt sein solle, jeniges, was si tragen, zu ime zu nemben, auf 

45 das und damit dies firders abgestelt werde.* 

*— * Fehlt in der Ordnung vom Jahre 1744. 



Samthein, 269 

Sodann auch nicht weniger firkombt, das die hirien und dergleichen 
puebn nntersteen, dem federwilpret die air in der pruet auszuheben, auch 
gar zu derselben zeit zu fachen und zu schiessen, ist erkant worden, das 
ain iedwederer paur und hausvater sein guet und fleissiges aufsechen haben 
solle, damit dis firders nit mer besoheche; da und zum fal aber ain oder 6 
der ander seinen eehalten das weiter gestatet und ybersicht, der oder die- 
selb soll von der obrigkkait gestrafft, auch zugleich der ybertröter, welcher 
in ob gehörter zeit beretes wilpret facht, scheusst oder die air ausnimbt, 
etlich tag nach dessen verprechen in der gefenknus erhalten werden. 

Vemers ist notwendig und rätlichen, auch vorderst zu des gericht 10 
nuzen angesechen worden, das, weilen man ain zeit hero gar heifig auf 
den pach holz gehackt, hinfirder ain soUiches beschlossen, nemblich ain 
jar nit mer, als ainer hacke, doch das die trift, so si nacher Bozen fiern, 
bei 2000 clafter und nit vil daryber seie; da aber ainer ain solliches nit 
hete, kunt gleich wollen ain anderer, bis selbige zuetrifft, mithacken, aber 15 
andern noch mer soll es genzlichen abgestelt, und alweilen dem, der sich 
bei der obrigkhait zum ersten angemelt und die vergonstigung haben, 
erlaubt [sein]. 

Zum achten solle auch allen miessig geenden personen, auch fremb- 
den, petlern und petlerinen, jungen und alten, zugleich iezt durchstrei- 20 
ohenden Soldaten, sonderlichen denjenigen, die sich mit diensten und ar- 
beiten emöhren migen und des almuesen nit wirdig sein, si sein bekant 
oder ausswendige, in gericht alhie nicht mitgethailt, noch ainicher unter- 
schlaipf nit gelassen werden, damit vil böse thaten und handlungen, so 
durch die miessig geenden personen und petler geüebt werden, verbiet und 25 
die gerichtsleit und unterthanen soUiches besch war liebes yberfallens ent- 
laden sein, si auch die armen dürftigen, im gericht alhie vorhanden, desto 
pesser erhalten megen; ist derwögen firgenomen worden also, das hinfiran 
ain ieder viertlmaister im gericht alhie nun mer seinen tragenden glibd 
und ambt mer, besser und vleissiger, als anvor beschechen, nachdenk und 30 
verriebt, damit das gericht mit sollichen miessig geenden personen, als ob 
bemelt, nit sogar yberladen werde; so solle hierauf ain ieder viertlmaister, 
kainen ausgenomen, das ganz jar imerdar und sunderlichen quattemberlichen 
und an selbigen frei tag in seiner malgreid sollicher obbemelter personen 
halben zu visitiern und beschauen und dieselben, da si ir befunden, als- 85 
palt zur obrigkhait zu bringen und hernach durch den gerichtsdiener aus 
diesem gericht hinausgelait werden solle; da aber sich ain solliche person 
auf solches verschaffen wider den viertlmaister setzen wolte, so solle der 
viertlmaister seine negste nachperen zu hilf nemen und solliche personen 
mit gewalt zu gericht zu bringen schuldig sein. 40 

Zum neinten ist firgenomen worden, wer fir obrigkhait alhie durch 
den gerichtsfronpoten ordenlichen ohne ain i che aufgesezte peen ervordert 
wirt und daryber ungehorsamb ausbleibt und umb ainiches firpot nit gibt, 
der soll ungeacht, ob er gleicli, als obsteet, bei der peen nit ervordert 
wurde, nicht desto weniger der obrigkhait sträflichen sein, das erst« mal 45 
umb 1 ff., zum andern mal um 2 ff., und zum driten mal mit gefenknus. 
Wo aber ainem in ffrvorderungen ain benante peen aufgesezt wurde, es 
sei mer oder weniger, solls auch hierbei verbleiben und soll hierinnen 



270 Samthein, 

oiemaDt kain auszug fristen noch freien, allein die verhinierung wer aus 
gotes gewalt oder so beweglichen Ursachen beschechen, das der obrigkhait 
für rechtmässige entschuld igung anzunemen ist. 

Item, wan hinfiran die partheien, si seien in oder ausser gerichts, die 
5 obrigkhait umb tagsazung anrueffen, und aber si die partheien nit auf die 
angesezt stund oder gar nit erscheinen, das alsdann denjenigen, so von 
gerichts wegen dabei berueft sein, welche nur ain stund lang auf die par- 
theien zu warten schuldig sein, für die versäum bnus gegeben und durch 
obrigkhait von den partheien eingelangt und ender kain verere tagsazung 

10 ernent werden solle, nemblichen die malzeit oder ieder darfür 12 zr., wöl- 
lichen Unkosten alsdann die ungehorsamben partheien abtragen und der 
obrigkhait ung widert erlegen sollen. 

*Zum zöchenden, der redner besoldung halben ist beschlossen, das 
ainem vormunt von gemainen verhorn oder firvorderungen, so in ainer 

15 klainen zeit ains tags verriebt werden migen, 4 xr., aber sonsten von 
handlungen, die sich auf ainen halben oder ganzen tag erströcken, die be- 
lohnung in kraft tyrolischer lantsordnung, als 1 pfunt perner, zu lohn 
sambt irer gebürlichen underhaltung ervolgen solle. Es soll auch ain 
ieder redner den partheien, wann und so ofts an si begeert wirdet, zu 

20 geen schuldig sein und das gar nit abschlagen oder verwaigern, auch dist- 
wegen nit ursach geben, inen fürpieten zu lassen, bei der peen 1 fl.., das 
ander mal 2 fl. und das dritmal gefenknus. 

Zum aindleften sol kain kämerler oder andere kain prant oder 
gereit auf der gmain nit schlagen ohne vorwissen und willen der obrigkhait 

25 und derselben nachperschaft, bei der peen 2 fl. So soll auch kain sämer 
oder anderer, der nit angesessen ist, auch nit thail und gemain hat, kain 
ro8s weder bei tag oder nacht nit aufkern, weder auf der Schörgau, Yrscher- 
waid, Ealchwalt, noch kain andre gemain. Welche sämer oder andere 
aber solliches ybertreten, die sollen dem gebrauch nach von stund an ge- 

30 pfendt und noch darzue durch die obrigkhait per 2 fl. gestrafft werden. 
Es solle auch niemants, wer der were, sich des holzschlagens an denjenigen 
orten, da etwann länprich oder andere schaden zu besorgen sein, nit be- 
fleissen, sonder soll ime solliches nit gestat werden. Es solle auch niemant 
ainichen prant oder waid raumben zu der zeit, da es lang an einander 

35 trucken gewest, dadurch dann die wälder oder anders mit feurschäden 
verderbt und verlezt werden, sonder zu der zeit, da es feicht und nass, 
auch da solliche schaden nit zu besorgen sein, angezint und geprant 
werden; darauf dann die gesezten viertlmaister iederzeit guet acht und 
aufsöchen haben sollen. 

40 Ittem, es solle auch kain kämerler, oder der nit thail und gemain hat, 

yber ain gaiß nit fürkern, auch niemant in seinen gründen kain lab 
darzue abstraffen, noch vil weniger die gaiß in iemants grünt zu waiden 
treiben, bei der peen 30 xr. 

Und nachdem sich auch vil frembdcs gesindl lediges stands, gleich wol 

45 mit diensten, in dieses thal begibt, und alsdann verheirathen und sich mit 
tagwerchen wollen aufenthalten, weilen aber der hiesigen inwohner yber- 



* Dieser zehnte AbscUz fehlt in der Ordnung vom Jahre 1 744. 



Samthein, 271 

flissig vil, so sollen die frembden, wo sich hinfiran dergleichen beheira- 
tungen znetragen, sambt iren weibern gestraokt aussgeschafifen werden. 
Darzne solle ain ieder hausgesessner ainichen frembden mann- oder Weibs- 
personen, der nit von der obrigkhait ordenlichen schein hat, vermig 
voriger Ordnung nit underschlaipf geben oder aufhalten, bei der peen 10 fl. 5 

Ain ieder angesessner soll mit ladung der hochzeit-personen bei der 
tyrolischen polyceiordnung verbleiben; aber die gar geringes vermigen 
haben, sollen ausser irer negsten freund, auch vater und mueter auf baiden 
thailen nit yber 12 personen laden. Wo das ybertreten wurde, der soll 
nach gelegenheit gestrafft werden. 10 

Alle hantwerchsleit, sonderlichen was maister sein, die man die 
merer weil mer in wirtsheisern, auf den spilplätzen und am miessiggang, als 
bei der arbeit findet, und weib und kind haben und sich hertiglich neren, 
sowohl auch alle hantwerchsgsellen und knecht, so in der maistem arbeit 
sein und das irig so pesslich und leichtfertig verschwenden, sollen sich 15 
des werchtags sonderlichen weder in wirtsheisern oder in iren heisern 
oder andern orten mit zechen kaines wegs aufhalten. Darzue solle inen 
das Spillen und der miessiggang der werchtag gänzlichen abgestelt sein, 
sondern solle ain ieder seiner arbeit mit guetem vleiss zuewarten, damit 
er sich, auch sein weib, kinder und gesindl desto leichter mag ernehren. 20 
Der ybertreter solle iedesmals, wo der in erfahrung gebracht, zween tag 
und nacht im thum mit ringer speis zu straff erhalten oder nach gelegen- 
heit aines ieden vermigens am guet gestrafft werden. 

Es ist auch für nottürftig firgenomen worden, das in gericht, als 
alhie in dorf Särnthein, am Astveld, in Aberstickl, in Penns, Durnholz 25 
und Beinswald und andern iedes ort, iederzeit ain beglibter nachweger 
bestelt und iedem von gericht ain wag mitsambt ainer firgeschribnen Ord- 
nung, in was tax das getraid järlichen ungever kauft und verkauft, 
geben werden ; dem pecken das prot, so er hin und wider zu verkauffen 
ausschickt, auch in seinem hauss nachzuwegen, das es sein gebirlichcs ge- 30 
wicht hab, auch recht gepachen werde und guet prot sei ; wo sich das zu 
ring oder sonsten vorthailig befende, dem pecken das prot nemen, solliches 
der obrigkhait zuetragcn, solls armen leiten austhailen und der peck 
nach gelegenheit gestrafft werden. Doch werd in albegen die obrigkhait 
hierinnen auch ir vleissige achtung mit dem wegen haben. 35 

£s sollen auch die nachweger, sonderlichen der, so in dorf bestelt, 
beim mezger auf sein fleisch auss wegen guet achtung geben, darzue den 
hiesigen und frembden cramern, so alhier ins gericht komen und ire 
waren nach dem gewicht oder der eilen verkauffen, inen ire wagen und 
eilen, dabei si auswegen und messen, mit guetem vleiss abpfächten und 40 
ir aufsöchen und frag halten, was ieder fir gewicht und war hat. 
Wer sich des gegen den nachweger wolt wiedersezen, soll alspald der 
obrigkhait anzaigt werden. 

Es sollen auch die nachweger ir guet aufmörken haben, wer von 
pecken oder milinern das meel kauft, das es nit hecher, als wie der gmain 45 
tax ist, kauft und verkauft werde; wover durch si ain aufischlag beschech, 
dardurch der obrigkhait anzaigt und die verkauffer gestrafft werden. 



272 Samthem. 

Alle liederliche und leichtfertige personen, so die nacht auf der 

gassen umbziechen und alle Unzucht mit werfen, schlagen und mit juzen, 

schreien, royen, singen und fluechen anfachen, die sollen, so oft si yber 

9 uhr betreten, ieder 7 tag und nacht mit dem thum oder sonsten nach 

5 gelegenhait ires yersprechens gestrafft werden. 

Zum zwelften, dieweil man sich gleichwol aigens gwalts und unbe- 
fuegter weis angemaßt, das schwarz- und rott-wild nider zu schiesaen und 
zu yällen, die weilen aber solches schiessen oder yällen der allergenedig- 
sten landsfirstlichen herschaft inhalt deswegen ausgangnen und orden- 

10 lieh publicierten beyelch nit zuegelassen noch bewilligen wollen, ist fir- 
genomen worden, das sich niemant alhie im gericht bei Vermeidung 
hochlantfirstlicher ungnad und straff dessen anmassen solle; darauf dann 
menigelichen und sonderlichen die geordneten viertlmaister ir guet spech 
und aufsechen halten sollen, und so si, wer der were, ainen oder mar 

15 betreten, der sich solliches wilt schiessen und yällen anmassen wurde, 
sollen si den oder dieselben der obrigkhait anzaigen oder in fal zu ge- 
fenknus, damit si der gebir nach gestrafft werden, bringen. 

Zum dreizehenten, so sollen auch die nachpern kain unfrisch yich, 
es sei klain oder gross, auf den markt oder andern orten, da es unfrisch 

20 ist, nit kauffen, noch vil weniger durch unfrisch ort treiben. Desgleichen 
so sollen auch die nachpern und gerichtsleit niomant kain unfrisch vich, 
oder da es etwo kurzlich darvor in seinem stall unfrisch gewest war, mit 
nichte geben, sonder das zuvor anzaigen. £s solle auch kain nachper kain 
unfrisch vich oder aus unfrischen orten nit auf der albn thail und gemain 

25 kern, noch einnemen, bei der straff 10 ff., auch mit vorbehält der sprich, 
deme ainicher schaden volgen wurde, bei sollichen zu ersuechen. 

Zum vierzechenten, so solle den Walchen und andern hiemit ver- 
poten sein, das pech zu klauben alhie in gericht, es sei in wäldem oder 
anderstwo, dann darnach am holz grosser schaden beschicht. Wellicher 
30 aber daryber weiter betreten werdt, soll 3 tag in gefenknus gehalten und 
irae darzue das pech genomen werden. Darauf soll meniglichen in gericht 
guete achtung haben. 

Zum funfzehenten, das hinfirder in Yrscher kainer, es sei, wer er 

wöll, kain holz oder streb nit abhack oder mache, ausser der gerichts- 

35 obrigkhait und nachtperschaft der dorfer erlaubnus, damit länprich verbiet 

und wider etwas erwaxt werden mige, bei der straff nach dessen ver- 

prechen. 

Zum sechzehenten ist firgenomen und beratschlagt worden, das 
kaine ^) personen, es sei wer es wolle, wcib oder mann, angesessen oder 

40 nit, pueben oder ander, den rossen, si sein auf der waid oder anderstwo, 
kainem den schwaif nit abschneiden oder ausziechen; wellicher aber das 
thuet und mit warheit befunden wird, der soll das ross alspalt par zu be- 
zallen schuldig sein und zu ainer straff und andern zu aincm exempl, sich 
wissen zu bieten, das kainer kain ross also verletze, umb 10 ff. oder 1 4 tag 

45 in gefenknus mit wasser und brot underhalten und sträflichen sein. 



*) das kaine] welliche AH, 



Samthein, 273 

* Zum sibenzehenden, obwol zuvor zum schnit frembde schmid mit 
segnesen und sichlen, auch sümer mit salz herkomen, so untersteen sich 
andere inen dieselben alspald abzukauffen und volgents in fürkauf darauf 
zu schlagen, also das si zu irem nuz und zum nachtel des gerichU Särn- 
ihein unterthonen handien. Dero wegen, wellicher hieryber verer der- 5 
gleichen fürkauf gebraucht, der soll das erste mal umb 2 fl.., das ander 
mal umb 4 fl. und zum driten mal mit gefenknus gestrafft werden. Wann 
si aber ire waren in 2 tagen nit möchten verkauften, als dann soll menig- 
lichen zu kauft'on vergönnt sein; doch das die personen, so es auf den 
fürkauf kauffen, widerumben den hieigen gericht^leiten ainen sack salz 10 
um secha kreizer hecher und nit daryber umb pare bezalung ervolgen 
lassen sollen bei ob aufersezter straft". 

Zum achtzehenden, nachdeme sich der firkauff^er halben ein zeithero 
yberheifiger vorthail befonden, also das sich die ledigen und dienstknecht, 
tagwercher und andere ausser gericht begeben und vich auf den ftrkauf 15 
kauffen, hereinbringen und den hieigen gerichtsleiten, die es inen ab- 
kauffen, dermassen so grossen und hochen aufschlag darauf machen, auch 
dardurch die unfrischigkait mit sollichem ftrkauf under dem vich alher 
ins gericht bringen, woUiches alles dem gericht zum hechsten schaden und 
nachthail gevolgt und firderhin nit weiter zuezusechen oder zue gestaten 20 
ist, derowegen firgenomen und beschlossen worden, das der ftrkauf den 
ledigen dienstleiten und tagwerchern hiemit genzlichen abgelegt und ver- 
pot^n sein solle. Wan aber ain angesessner gerichtsmann, der selbsten die 
wunn und waid hat, vich betirftig und dasselb ausser gerichts zu kauffen 
geen wolte, und, wie gemelt, auf seiner selbs zuegeherigen wunn und 25 
waid halten will, demselben solle es, aber nit von unfrischen orten her, 
vergont sein. Es solle auch sollicher angesessner geriohtsleit söhn, wer 
die hat, zuegelassen sein, vich, aber allain alda im gericht, und anderstwo 
nit, anfzukauffen, wann solliches ire väter, wie ob steet, auf irer selbst 
habenden wunn und waid halten wellen. Aber ausser dieses solle sich 30 
meniglichen im gericht des ftrkaufs bei der straff, als von iedem rind 
10 fl., laut der lantsordnung bemiessigen. Darzue sollen auch die gerichts- 
leit, welliche auf die alben oder ire aigne thail und gemain von dergleichen, 
wie erzält, ftrkauffern vich einnemen wurden, iedesmals von ainem rind 
per 1 fl. gestrafft werden, auch zum fal ain oder dem andern ain vich 35 
durch unfrischigkait umbgangen, so soll dasselbig alspalden eingegraben 
werden, auch bei der straft" 1 fl. 

Zum neinzehenden, so solle den frembden kramern, kaineausgenomen, 
hiemit genzlichen und gar verpoten sein, im gericht zu hausieren oder 
alda ausser der kirchtag fail zu haben, dann den gerichtsleiten, die weil si -10 
zu kirchtagen, auch alle feirtag das ganz jar bei den kramern in dorf 
solliche kramerei zu kauffen bekomeii migen und das hausieren gar unnot 
ist. Wellicher frembder kramor aber sich disem gepot zuwider anmasst 
und mit der kramb alda in gericht von haus zu haus geet oder ausser der 
kirchtag fail haben wurde, darumben die geordneten viertlmaister ir auf- ^5 



* Dieser Absatz fehlt in der Ordnuny vom Jahre 1744. 
Oesterr. Weistkümcr V. 18 



274 Samthein. 

«röchen haben und alsdann der obrigkhait anzuzaigen schuldig sein. 
Derselb hausierende kramer soll zum ersten mal umb 25 pfiint pemer 
gestrafft werden; und sollen auch wissen, das der gerichtsdiener in disera 
fal auch sein vleissigs aufsöchen haben wirt. 
5 Zum zwainzigisten, weilen die erfahrung alda im gericht nur gar 

zu wahr, das den gerichtsleiten mit entfrembdung allerlei eisenzeugs ain 
zeithero nit geringer schaden beschechen, das darauf nit allain allen 
schmiden und schlossern, nit weniger auch den paursleiten selbs, bei straif 
5 fl., und so ofts beschicht, auferladen seie, weder von hiesigen oder 

10 frembden haut- und tagwerchern, auch knechten und pueben oder andern 
verdächtigen personen dergleichen nicht, allain von den paursleiten selbst 
zu erhandeln, und zum fal aber von dergleichen verdächtigen personen 
ainem oder andern etwas antragen wurde, solliches alspalden der obrig- 
khait anzuzaigen schuldig sein, auf das alsdann die gebür gegen dergleichen 

15 personen firgenomen werden kan, bei obsteender straff. 

Es ist auch fürgenomen wegen der schisslträxler, so sich bisher 
understanden, das schenist zürmen und ander holzwerk zum schisslen- 
machen an den negsten orten, wo si es bekomen, niderzuschlagen, dardurch 
in allerlei weg schaden und ausedung beschechen, welliohes inen mit 

20 nichten lenger zu gestaten, sondern menigliohen abgestelt und hiemit ver- 
poten. Wann si aber schi sslholz niderschlagen wollen, so sollen si es 
thuen an den weitisten und ungleglichsten orten im gericht, wo man das 
holzwerch sonsten nit kan plochweis zu land oder an die ladstat bringen. 
Darauf sollen wald- und viortlmaister ir vleissiges aufsöchen haben, wo 

25 ain schisslträxler darybcr betreten wirdet, der obrigkhait anzaigen. Als- 
dann soll der verprecher mit ringer speis in thurn Reinegg, nach gelegen- 
hait des holzschlagens, gefenklichen erhalten werden. 

Zum ainundzwainzigisten, das hinfiran [kainer], er sei, wer der 
wöll, ainiches triftholz auf dem wasser ausser bewilligung der obrigkhait 

30 und gerichtsausschuss nit hacken lassen solle bei der straff sonderlichen 
der neulich abgangnen erzfirst liehen mandata. 

Ordnung der weg und Strassen. 

Zum zwaiundzwainzigisten, so ist zu erhaltung der weg und Strassen 
alhie im gericht fii'genomen worden, wann ainem nachpern in seinen hof- 

35 marken, es sei, wo es wolle, mauern niderfielen in den weg, der solle es 
selbs wideruraben aufmachen und ime nieniant.s helfen. Es solle auch ain 
ieder gesessner gerichtsman für sein hofnuirken weg und steg machen und 
in gueten wirden halten, wie von alter herkonien ist, bei der pen f) ll. 
sambt abtrag alles unkostens, so auf die beschau geen möchte, wo ainiche 

40 auf des beschwärten thail oder von obrigkhait wegen erhalten wurde; ob 
auch iemaut durch Holliche pauvällig weg und pruggen ain schaden be- 
schäche, das sollen diejenigen, so denselben weg und pruggen zu machen 
schuldig und vernachlässt haben, abzutragen schuldig sein. Dann in 
Wäldern und auf der gemain sollen die nachpern alle mit ainander zu 

45 machen und die weg zu bessern schuldig sein, wie von alter herkonien, 
als Voigt : 



Samthein, 275 

Nemlichen die nachpersohaft in der Tick von des Viechters pilt bis 
hinab zum weg, der geen Wangen geot; 

die nachpern in Steet von des Viechters pilt herein bis auf sanct 
Ciprians pruggen; 

die Riedler, als Fahrer, Schmitner, Ahorner, Trater, Stueffer von ö 
des Pernholzers in fang bis zu des Stofners stadl. 

Item der Morgensteter, Taller, Riedler und Pichler sein schuldig, 
den weg zu machen von iren heisern durch den wald auch bis zu des 
Stofners stadl; 

mer der Kräfter, Palgstainer, Praitwiser, Proz, Plosswiser, Wackher 10 
und Rainer von des Plosswisers länner zu oberist herab bis auf die länn ; 
und Plazman soll von Plazhof mit den Steetern auch herein bis auf sanct 
Cyprians pruggen helfen machen ; 

item die nachperschaft in Northaimb von der gassen, die zum Mayr 
an die wis geet, bis an den weg, der von Winterl zum Timpfler geet. 15 

Mer die nachperschaft Genter- und Agratsperg, auch die Trien- 
pacher sein schuldig, den weg bis auf Rainswalder pach. Gerims-pruggen, 
Underperg und Gasteig soll disen nachperschaften helfen den weg machen, 
und dagegen auf Reinswald befreit sein; 

die nachperschaft Weissen- und Kalmstainer von des Gerims pruggen 20 
bis zum Grämben ; 

die Tumholzer von Grämben bis auf Schalderer jooh ; 

mer die Reinswalder von des Risen pruggen bis auf das Laz- 
fasser joch. 

In Penns, als die nachperschaft zu Weissenpach von Rabenstain bis 25 
geen Weissenpach, 

aber die Ausserpennser von dem Weissenpach bis an den Widenpach; 

item die Innerpennser von Widenpach bis auf Pennser joch; was 
aber sonsten von joch hinab zu bessern fürfalt und von nethen ist, das soll 
von der steur aussgericht werden, wie von alter. 30 

Item die Mulser und Tässacher sollen schuldig sein, den weg von 
Rabenstain bis auf den Velderpach zu machen. 

Die Aberstickler sollen den weg von Velderpach bis an des Grafen 
am wasser pruggen zu machen [schuldig sein], doch sind hierinnen ausge- 
schlossen, als: der Mayr, Egger, Ribenstainer, Wintläner, Gossman und 35 
Pauman; dieselben den weg machen von der gemain lantstrassen, die in 
Penns geet, bis auf Wisenstain; 

item Össenperg, Gepräck und Kändlen von des Grafen an wasser 
pruggen bis zum Winkler geen Fueasperg. 

Die Ottenpachar sollen den weg machen von der pruggen am Otten- 40 
pach bis auf das Kreizjoch zum pild, darinnen die Gierner nicht schuldig 
sein sollen, und die nachtperschaft auf Giern solle inen den weg selbs 
machen und erhalten; 

Runk und Auen von der saag am Stierpach bis zum Rosakopf auf 
Auener alben, darinnen der Rohrer aussgeschlossen und wirt zu den 45 
Puzern geordnet. 

Ittennackher und Puzer sollen den weg machen von Hamblspach 
bis auf den Rosskopf auf Puzer alben. 

18* 



270 Samthein. 

Marterthaller und Salnperger sollen ir weg oder steig von des Prauu 
pruggen bis an den pach, der dis gericht schaidt, macheu. 

Die Wintläner sollen auch den weg zu machen schuldig sein vou 
SefFner bis an des Nerderers au. 
5 Das dorf Särnthein, das soll schuldig sein, den weg zu machen vou 

sanct Cyprians pruggen bis zu der gassen, die zum Mayr an der wiseu geet. 
Es ist aucht beredt, wölliche personen die pruggen, aine oder mer, 
zu pessem, zu machen, ensen und ander holz darzue zu geben schuldig 
sein, damit so solle es noch, wie von alter her, gehalten werden. 

10 Damit aber die weg an allen orten, wie ob steot, desto tauglicher, 

auch ohne underlass gepessert und gemacht werden, so sollen alwegen in 
ieder malgreid und nachperschaft viertelmaister firgenomen und verordnet 
werden. Die sollen schuldig und verpunden sein, die nachpern in ieder 
malgreid oder nachperschaft alle jar, oder als ofts die notturft ervordert, 

15 wissen zu lassen, das die nachpern alle den weg, sovil irer in der malgreid 
oder den nachperschaften angezaigt ist und auch ainen ieden in seinen 
hofmark gebirt, als vleissig und guet machen, pessern und räumen thueu. 
Item die verordneten viertlmaister sollen auch in all andern ehe- 
haften und notturften gewärtig sein und alles das thuen, so ain viertl- 

20 maister schuldig ist, und soll ainer zwai jar nacheinander viertlmaister 
sein, und nachmal so mag ain ieder zu der obrigkait komen, andere 
nachpern zu viertlmaistern anzaigen. Die sollen volgents an irer stat 
wider geordnet werden. Wellicher nachper aber auf des viertlmaisters 
wissen-lassen zu wegmachen nit erscheint und nit gehorsamb laist, der 

25 oder dieselben sollen sträflichen sein umb 2 pfunt perner, und nit desto- 
weniger den weg, so vil durch den viertlmaister und derselben nachpern 
aussgesteckt wirt, zu machen schuldig sein. Desgleichen, wellicher viertl- 
maister fiir sich selbs in seinem ambt absauraig ist und nit wissen lassl, 
der soll gestraft't werden umb 1 fl.^) 

30 Ordnung der haut-, tagwercher und tagwercherin auf das 

1668. jar. 

Zimmerleit. 

Ainem maister in seiner speis 20 kr. 

aineni knecht 18 kr. 

aö in des paurn speis ainem maister 10 kr. 

ainem knecht JS kr. 



') Voigt zu iiienigelicli8 wissen zu voriHüiuMi, was ain pt'arrme.ssner alda 
fir HvUm Verrichtung kraft der bestnllung zu begern hat, als: von leiten ainer 
verstorbenen jjrossen person *J kr. ; 

desgleiclien von ainem ieden vifrile-leiten 9 kr.; 

von ainem kindseliidung^-leiten li kr. 

Von ainer hoelizeit huII er zu heijern halx'U^kr. ; da man inie aber zum 
mahl hidet, soll er die (» kr. nit zu bef^ern haben, und aber zum mahl nit geen, 
allain man la(br ime. 

V(ui kindtaulen ist er nichts zu bejrorn befuej^t, sowolcii vM)n jartä^^eii 
stdl er nichts zu btgern haben. So soll man inie auch kain tt»ttenmahl aus/u- 



SanUhein. 277 

Maurer. 

Im sommer ainem maister in seiner spei» 20 kr. 

ainom knecht 18 kr. 

ainem pueben IB kr. 

in des paurn speis ainem maister 9 kr. ö 

ainem knecht 7 kr. 

ainem pueben G kr. 

Aber im winter albegen 2 kr. weniger. 

Schneider. 

In der gerichtsleit speis ainom maister 10 kr. 10 

ainem knecht 8 kr. 

ainem pueben r» kr. 

Schuster. 

Solle inen, wie von alter, fir 2 par schuech zu machen in des paurn 
speis 3 kr. geben werden. 15 

Aber wegen des schwaifledora solle es auch, wie zuvor, in des paurn 
wähl stcen, dasselb inen schustern zu lassen oder darfür von ainer oxenhaut 
10 kr., von ainer stier- und kuehaut 8 kr. zu geben. 

In dem ybrigen, was sie verkauiFen, und mit dem flicken sollen si 
sich auch wie von alter und der beschaidenhait nach verhalten. 20 

Strickenmacher. 

In des paurn speis alles nach der klafter, für iede 2 kr., und für die 
Scheiben von ainem grossen oxen 12 kr., von ainem mitern, stier- oder 
kuehaut 10 kr.; und soll wegen der Scheiben in des paurn wähl steen. 

Und mit dem flick werch sollen si sich wie von alter verhalten und 25 
niemant besch wären. 

Gärber-bosoldung. 

Von ainer wolgearbeiteten grossen oxenhaut 20 kr. 

von ainer kuehaut 16 kr. 

von ainer stierhaut 10 kr. 30 

von ainer pockhaut, gaiss- und kalbfell 5 kr. 

von ainem schaaffell 4 kr. 

von ainem kizfell 1 kr. ^) 

halten schnldig sein, noch er dcHsentvvegen etwas nach haus . zu trappen berech- 
tiget sein. Die getraidsainblung solle er, wie von alters, mit heschaidenheit zu 
suechen bcfuegt sein, aber die armuetei verschont werden. Fir körzen-machen 
solle ime, wie von alters, belohnt werden. (Von späterer Hand.) 

^) Hier steht am Rande von anderer Hand : Bei der ohehafttädiug anno 
1710 ist die gärberordnung dahin reformiert worden, warbei die gärber, welliche 
dahero bemefen worden, als Franz Schien und Veit Kugler, so dato alhero 
citiert worden, durchgeend verbleiben sollen, als ncmblich solle bezalt werden : 

von ainer wolgearbeiteten grossen oxenhaut 24 kr. 

von ainer kuehaut 20 kr. 

von ainer stierhaut 20 kr 

von ainer pockhaut, gaisa- und kalbfell 5 kr. 

von ainem schaaffell 4 kr. 

von ainem kizfell 1 kr. 



278 Samthein. 



Schmidt. 



Ain rosseisen [dez] grössern und dorgleichen, das ains pfiint wigt, wann si 

kain abpruch haben 10 kr., 

wann si aber abpruch haben, für ains kr. 

5 Für wägnessen, schäm, radschin, eisengätor, ring in die g wölber, 

kegl, ponter, schleidern und dergleichen grobe neue arbeiten soll nach 
dem lantge wicht ge wegen und für iedes pfunt 9 kr. gerait werden. 

Fir die arbeit. 

Ain par wagen- oder prozen-röder fir ain schin neu aufzuschlagen sambt 
10 den negeln, so acht aufgeschlagen werden, so die schraid darzue her- 
geben sollen 6 kr. 

und für ain altes 4 kr. 

Für äxen, spän, pixen, ring zu redorn und dergleichen, so auch 

gewogen werden soll, fir iedes pfunt 10 kr. 

15 Ain neue grosse guete schrothack 30 kr. 

der kienern 28 kr. 

ain grosse schleglhack 34 kr. 

ain mitere 30 kr. 

Für ain schraithack zu stächlen 1 8 kr. 

20 Für ain peil zu stächlen 10 kr. 

Für ain hack oder peil zu stempfen 6 kr. 

Und den ybrigen zeug, so in diser Ordnung in specie nit begriffen, 
sollen si bei der straff disem absatz gleich halten und die gerichtsleit 
wider die gebir nit beschwären. 

25 Rödormacher. 

Von ain par wagen- und prozon-röder von nuspäraen, ilmen 

und dergleichen gueten holz 1 fl. 24 kr. 

Von lärchen- und pirchenholz für ain par 54 kr. 

In den ybrigen sollen si sich boschaidenlich und wie von alter mit 
30 dem raiten verhalten und auf begern den gcrichtsloiton in derselben speis 
unverwaigerlichen arbaiteu umb das taglohn, wie von den zimerleiten be- 
st imbt worden. 

Weber. 

In des paurn speis von aincr eilen härben tuoch prail ... 8 fieror. 

36 Von aincr eilen rupfen tuech und loden 1 kr. 

In irer speis von zwai eilen härben tuech 5 kr. 

Von zwai eilen rupfen tuech und loden 3 kr. 

Darzue si wöber schuldig sein sollen, die kemp der praite wide- 
ruraben, wie von alter, zu gebrauchen und sich der neuen schmallen 
40 kempen, wie ain zeithero beschechen, genzlichea zu bemiessigen bei auf- 
gesezter straff. 



Samlhein. 279 

Ingeheisen, tagwercher und tagwürcherin. 

Im sonu*r ain man uin tag G kr. 

lin weib JJ kr. 

Im wintor ain man 4 kr. 

ün woib 2 kr. 5 

Strodecker. 
in des paurn speis ain tag i» kr. 

Es sollen auch die hant- und tagwercher icdermenigelichen umb 
)bbo8timbten lohn, doch auch gegen gewisser und parer bezallung, zu ar- 
)aiten schuldig sein, und da aiuer die arbait versagen und denselben tag lO 
eiern oder sich in wirtsheisern aufhalten wurd, der soll von der obrig- 
:hait darumben gestrafft, und da er Öfter betreten wurd, ime im gericht 
:u wohnen nit gestat, auch derjenig, so inen ain merers, als dise Ordnung 
:uelasst, wie sich gebirt, gestrafft werden. 

Item es soll auch hinfirder iemant zu inwohner, es sei ain alhiesiger 15 
>der frembder, alhie in gericht Särnthein nit eingenomen werden, er er- 
saige sich dann sambt deme, der ime herbig oder heisliche wohnung geben 
yil, zuvor bei der obrigkhait, damit dieselb wisse, den oder dieselben auf 
lise und die gerichtsordnung in die pfiicht zu nemen, und die frerabden, 
velliche also hinfirder aufgenomen wurden, soll ieder einkaufgelt 5 fl. 20 
jcben, davon die 2 fl. der herrschaft und die andern 3 fl.. dem gericht 
Tvolgen sollen; und ob iemant hierwider handien wurde, der soll durch 
)brigkhait darumben gestrafft werden. 

Die inwohner und kämorler aber sollen auch in der notwendigen 
irbait, sonderlichen raad und schnit, ohne vorwissen, erlaubnuss und be- 25 
villigung der obrigkhait sich nit aus den gericht an frembden orten zu 
irbaiten begeben, sonder zu ieder zeit dem gericht, da si änderst darinnen 
:u wohnen begern, beiwohnen und arbaiten. Da aber ainer oder mer 
laryber in eifarung ybertretend gebracht wurde, der oder dieselben sollen 
ilspald der obrigkhait angezaigt, volgents nach gestalt des Verbrechens 30 
nit dem gefenknus gestrafft oder gar aus dem gericht geschaffen werden. 
Oann soll auch den ledigen knechten und diernen, so nit mer zu dienen, 
ondern sich mit tagwerchen aufzuhalten vermainen, dasselb hinfiran nit 
ner gestatet, sonder dieselben und der inen herbrig gibt, darumben ge- 
straft werden. 35 

Und diser, sowolen der gerichtsordnung sollen alle hant- und tag- 
»vercher und tagwercherin getreulich und erbarlichen gleben und niemant 
iarwider beschweren noch ybernemen bei abermallen straff. 

Der dienstleit besoldung. 

Ain wolerfahrnen pauknecht, dem soll sein solt dergestalt geraicht 40 
«werden, als von ainem ganzen jar in gelt 12 fl.., 5 par re. schuech, ain 
liärbens und ain rupfens hemat und ain par lederene hantschuch. 

Ain ander knecht in gelt 9 fl., 4 par re. schuech, hemater und 
hantsohuech dem obigen gleich. 



280 Samthein. 

Ainem mitern oxcnpueben gelt 6 fl., 3 par re. schuech, ain par 
hantschuech und in hemater den obern gleich. 

Diernen. 

Ainer vich- oder haussdiorn, so hauslich, gelt 4 fl.., ain rupfen kitl 
5 oder darfür ain homat, 4 par re. schuech und ain par läterling. 

Ainer mitern diern gelt 3 fl. und das ybrig den obern gleich. 
Es soll kain paur oder peyrin kain ehehalt vor wcichnechten, bei 
der straff 5 fl., nit dingen. 

Und als ain zeither sich zu mermallen zuegetragen, das die ehehalten, 
10 knecht und diernen, ohne bewegliche und genuegsame Ursachen und son- 
derlichen zu der maistcn arbait aus den diensten steen, davon dann ma- 
nicher seiner güeter nit erarbaiten kann, also zu schaden volgt und bei- 
nebens, das maniche solliche ehehalten aufwiglen und darzue anraizung 
geben, darinnen sich solliche ehohalten desto ender so liederlichen von 
15 irem an andern dienst einzusteen begeben: zu abstellung dessen ist firge- 
nomen, wellichor oder welleche chehalten ohne bewilligung ires herrn oder 
paurn ohne genuegsame Ursachen vor gebirender zeit aus den diensten 
goen, desgleichen, wer oder welliche si darzue verhezt und solliche per- 
sonen ohne wissen dessen, von derae si austreten sein, an- oder aufnimbt, 
20 deren iedes soll gestraff't werden per 10 fl.') 

Darnach, welcher paur und haussgosessner in seinem haus bei nächt- 
licher weil aines andern knecht betrit, derselbe haussgesessne soll schuldig 
sein, solliches alspalden dem knecht zu ainer straft* und andern zum cxempl 
der obrigkhait anzumelden; welliche aber dasselb verschwaigen und den- 
25 noch! in erfahrung bracht wurde, der solle gleicher gestalt gestrafft werden. 
Deme auch nachzukomen und darwidcr nit zu thuen, sollen si der 
obrigkhait mit miint und banden das glibd erstaten. 

Es .«olle auch dise Ordnung oflenlicheu publiciert und iedem haus- 
halter im gericht, der es begcrte, zu seiner desto pessern erinnerung, 
30 wissen und nachrichtung ain abschrift umb gebirenden pfenning davon 
gegeben werden. 

Letstlichen, so sollet ihr gerichtsleit und menigelichen, der hie im 
gericht wesentlich ist, dise hievor beschribne und iezt verlesne Ordnung 
treulich, vest und stiit halten, und wider dieselb in ainem oder mer puncten 
35 nit handien noch thuen. Wellicher aber ain oder mer artiggcl yberfahren 
und nit halten wurde, der wirt unublässliclien gestraft't und sein hierinnen 
gar nit mor verschuint werden. Darnach so waiß sich menigelichen zu 
richten, auch vor nachtl und schaden zu bieten. 

Dise vorsteeude gerichtsordnung, wöllichc vor vilen jarn aufgoricht, 
40 die daryber von den pfantinhabern bomelter herrschaft Sjirntbein: herrn 
von Malürth, freiherren, item herrcn grafen zu Thun, verer herrn Daviten 
Wagner zu Ilotenpurch, daun liorrn herrn Ludwigen Wagnor, frei- und 
gerichtsherrn zu Särntluin, welliche solliche selbston gelesen, für nuz ge- 
halten und dabei zu verbleiben gepoten, ratiflciort und bestetigt worden. 



*) Späterer Ziuatz: 10 pfunt pcmcr. 



SarrUhem. 281 

Nachträge. 

So ist bei der erhaltnen chaftdüdung anno 1650 vor abtrolung der 
ilten gcrichtsgeschwornen ainhelliglichen beschlossen worden, das firhin 
uf ain steets aus vilcn wichtigen Ursachen das missbereichige kleckleu 
anz bei unausbleiblicher straff solle abgestöllt und verpoten sein. •'» 

t Aber ist bei der anno 1G72 am 20. und 21. juni erhaltner ehaft- 
äding für guet angesechen und beschlossen worden, das diejenigen, welche 
rembde uneheliche junge kinder in die kost und zucht alher ins gericht 
ärnthoin aufnemen, solches alzeit lengston vier wochen nach der einne- 
lung der obrigkhait anzaigen und von derselben vernemen sollen, wie 10 
mg man solches kind alda im gericht behalten liesse bei straff nach er- 
antnus.*) 

Bei der ehohaftäding anno 1692 ist den graains-interessicrten im 
orfer perg auf erladen worden, aldort umb besserer pflanzung willen der 
isher ruinierten bewaldung kein junges holz, so imder einen röhr gros, 15 
bzuhacken, bei straf 1 fl. von icdem stämbl ; gestalten auch die gmain- 
jhaft hiesig forstknocht bestelt, auf derlei sich etwo erzeigenden missteter 
ucte obacht zu haben und solliche der obrigkhait anzuzeigen. 

t Demnach bei der anno 1709 in gericht Särnthein erhaltnen ehehaf- 
idungen von der obrigkhait und gesambten gcrichtsgeschwornen alda 20 
nder andern beschlossen worden, das diejenigen hausgescssne under- 
[lanen, welliche ir notwendiges rint- oder ander kleines vich, wie das 
amen hat, keines ausgenomen, selbs oder durch ire aigne hausleit nit, 
andern durch firkeiffer oder andere dergleichen gemeinen nuz schedliche 
jhächor einhandlen lassen wollen, sich vorleiffig darumben iederzeit bei 25 
er pfleg-gerichtsobrigkhait, in der pfarr Pens aber bei aldortigen gerichts- 
nwalt umb die erlaubnus anmelden sollen, damit man wisse, hierinfals 
u erlauben oder zu verbieten, was billich und recht ist; widrigenfals aber 
lle diejenigen, so hierwider hau dien, sowol kauffor als verkauffer, nach 
lut der tyrolischen lants- und särntheinischen gerichts-ordnung als fir- 30 
auffer abgestrafft und keinem firkauffer oder dergleichen personen, wel- 
iche ausser irer haussnotdurft fir andere vich aufkauffen, die ausflucht, als 
^ären sie hierzue mit oder ohne gegebnen kauffgclt von iemande darzue 
estelt und angesuecht worden, keineswegs [zu] schuz oder zu statten 
omen solle, als wirdet dises geboth und verpoth zu menigelichs wissen 35 
nd gehorsamen nachgleben hiemit offenlich publiciert. 

Bei der ehehaftüdung anno 1713 ist allen und iedem, so sich bei einer 
ochzeit einfinden, verpotten worden, sich zu verhietung viler daraus ent- 
tantnen schaden ganz keinen geschosses, bei Vermeidung unaussblei blicher 
traf, zu gebrauchen. 40 

Hingegen haben sich die proitigamb bei der gerichtsobrigkhait anzu- 
aelden, auf was weis [von] ander aigens bestehen bei denen hochzeiten 
inige freudenschuss zu thuen erlaubt sein solle. 



*) Die mit f bezeichneten BeschliUse stehen in der Ordnung vom Jahre 1744 
w Texte, das Ueberige fehlt dort. 



282 SanUfiein. Pens. 

Weilen man aber seither missfcllig erfahrn, das sollichem verbotl 
vil mer augenscheinlich widerströbt, als dem nachgelebt werde, als wirdet 
hiemit solliches nochweils widerholt mit disem anhang, das bei vernerer 
ybertretung fir ieden schuss ain gülden unausbleiblich straf erlegt werden 
5 soll, doch mit vorbehält, wie beraits vor einkomen, das sich die prautper- 
sonen bei der obrikhait des schiessens halber vorhero anmelden. Keinen 
wirdet inen solchem nach durch aigens ordenlich bestellte ainige freiden- 
schuss thuen zu lassen nicht versaget werden. 

In der anno 1714 alhier erhaltneu ehafttäding ist von der obrig- 

10 khait und gesambten gerichtsgeschwornen unter andern beschlossen wor- 
den, das firdershin in kainem hiesigen markt und zwar in negstkuuf- 
tigen Säruer kirchtagmarkt erstmals ainiges vich, wie solches imer namen 
habe, mag in gassen oder plaz nicht fail zu haben angestellt, sondern 
solches auf den Gries oder jenseits der Ciprians-prugg zu verkauffen gefiert 

15 werden; so sich aber ainer diser Verordnung zuwider unterfangen wollte, 
in erstbesagten plaz oder gassen ainiges vich failzustellen, dem sollte nach 
ainmalliger ermanung die pfendung desselben unausplei blich widerfaren 
und dis zwar alda wegen schon vil forhero daraus entstandenen inco- 
moditetn. 

20 t ^^^^ 20. juni anno 1719 bei erhaltner ehehafttädung ist vorge- 

tragen worden, wasraassen einige der dorfsinwohner in Auener und Ober- 
Rungener perg dergestalten holz abhacken und hinweck tragen, so nicht 
mer zu gedulten, so merers, als selbe anmit sonders excedieren und dis- 
fallige nachpaurschaft disortiges pergholz von selbs betirftig und sie dorfer 

25 hierunter kein recht, als solle inen dorfern, wer die seint, gebotten sein, 
firders in obigen Auener und Ober-Rungener perg, ausser etwan einigen 
guot willigen wenigen klaubholz, ein anderes oder mererers holz, wie es 
namen hat, bei straff nicht mer abzuhacken und hinweck zu räumen. 



20. Pem. 

Pergamenthds. in 8^, 5 Bl. vom Jahre 1665 im Widum zu Peiu. 

Ehehaftdädingbiechel, die Inner- und Ausserpenscr betreflfend. 

30 Zu wissen, dass die nachperschaft in Inner- und Ausserpens ain ge- 

wisse Ordnung und statuten-biechl, so man jerlich bei der chehafttäding 
abgelesen, gehabt haben, wie sich die nachpersleit verhalten sollen, sol- 
leches biechl aber ist in dem grossen gewässer durch die am ueinzehenden 
july anno sechzehenhundert dreiundsechzig angeloffne Talfer mit hinreis- 

35 sung des damalligen anwalts V altin Stueffers haus, in der Grueben genant, 
verfiert und verlorn worden, bei welcher ji:rossen wasserergießung dem 
ganzen gericht Särnthein auf die fünfzig tausent taller an hingefierten 
heiser, städl, werksteton und mihlen, iberschiten und gar verfierten wiesen 
und ackern geschehen, welches zur ewig gedeuhtnus alda angemelt wirdet. 

40 Und zumallen die nachpersleit der Inner- und Ausserpenser sich 

aller in vorbedeiten biechl eingefierten puncten noch gueter massen er- 



P^na, 283 

oocrt, als haben si selbe bei der chehafidäding anno sechzehenhundert 
ünfundsechzig in schrift verfaßt, wie folgt: 

Vermörkt, ihr gerichtsleit und menigelich die ratschlag und ord- 
ung, so zu nuz und wolfart der nachperschaft Inner- und Ausserpens 
urch die gerichtlich obrigkeit der herrschaft Särnthein, sowoUen in 5 
,'genwirt des anwalds in bcdeitem Pens und der gerichtsgeschwornen 
dort in gehaltner ehehaftdUding anno sechzehenhundert fünfundsechzig 
3U neuem fürgenomen und beschlossen. 

Erstens soll ain ieder nachpcr rechte wag und maß geben. 

Zum andern soll ain ieder die raumhaufen, die man von Buellern 10 
ert, auf die ganen, und nit auf die gmain eschpämer fiern. 

Zum dritten soll ain ieder nachper fiir seine güeter weg und steg 
•halten. 

Zum vierten soll kain nachper kain yberhengigs roß aufkhern, es 
i auf die eschpämer oder auf die gmain albeu, und nach sanct Veits tag 15 
tll kainer kain roß auf das gmain eschpam khern, sondern in sein selbes 
ietern waiden. 

Zum fünften soll kainer, der nit thail und gmain hat, fürkauf 
eiben. 

Zum sechsten soll sich kainer anmaßen, der nit recht hat, schifsholz 20 
ler plöcher zu schlagn. 

Zum sibenden soll sich kainer anmaßen, vor sanct Veits tag scliaaf 
1 kauften oder einzunemen. 

Zum achten soll sich kain nachper anmaßen, in den panwäldern 
)lz zu schlagen, es sei in Jowald oder in Weißenpachperg, darmit ain 25 
der, der zu geen hat, desto sicher[er] geen mag. 

Zum neinten soll sich kainer anmaßen, ainige ungebürliche wörn zu 
agen, weder zu kirchen, noch gaßen, es sei pleikuglen, wurfseil, tengl- 
imer, stilet, terzerol oder dergleichen waffen, bei straff. 

Elftens (sie!), so sollet ihr nachpersleit der Inner- und Ausserpenser, 30 
ad der alda wesenlich ist, dise hinvor beschriben und iezt verlesne ord- 
ang treulich, vest und stät halten. und wider dieselb in ainem oder mer 
incten nit handien, noch thuen. Welcher aber ain oder mer artiggl yber- 
hrn und nit halten würde, der wirdt unnachläßlichen gestrafft und seiner 
lerinnen gar nit verschont werden. Darnach so wais sich menigelichen 35 
1 richten, auch vor nachtl und schaden zu bieten. 

Daß aber disos unser entlicher will und mainung sei, haben wür 
86 Ordnung und statuten-biechl unserer vorgesezten gerichts-obrigkeit, 
?m edlen und hochgelerten herrn Georgen Sölder, beider rechten doctori 
id pfleger der herrschaft Särnthein etc., fürgetragen mit gehorsamer 40 
tt, das er zu dessen bekreftigung sein adelichs insigl hieran hengen wolle, 
aßen bescheheu bei der ehehaftdäding anno sechzehenhundert fünfund- 
(chzig. 



284 AUenhurg. 



30. Allenburg.*) 

Afmchii/t des V. Justinian Ladttnttr im Besitze des Innshruckei FrancuskaHfr-Ho*piz^. 

Fürgenommen Gerichts -Ordnung des Gerichts Altenburg a. 1570. 

Wir Ferdinand, von gottes gnaden erzherzog zu Osterreich, herzog zu 
Burgundj, Brabant, Steyr, Kärnten, Chrain, Luxemburg und zu Württem- 



*) Das Gericht AUenhurg stiean gegen Nord und Nordost an das Gericht 
Neuhaus und gegen Osten an das Landgericht Bozen, von dein es der Elschsirom 
achiedy gegen Süd an das Gericht Kaltem und gegen West an das GericJU Castel- 
fondo auf dem Nonsherg'^ es war somit ungefähr eine deutsche Meile lang und. 
ebenso breit. (Wolkenstein^ Chronik 14. Buch f. 08). I)a>iselbe umfasste im 
ersten Viertel des 11. Jahrhunderts 1 Pfarre und 9 ZukircheUy 20 Schlösser oder 
befreite Häuser und 7 Dorfei' oder Weilery nämlich St. Pauls^ St. Michael^ Girlan, 
Schröckbühel, Montiggl, Frongart und Perdonig (Burglechner, Tir. Adler, c?, 4, 1082. 
Wolkenstein ibid. f. 08 — 71 J. Altenburg zeichnete sich wegen seiner herrlichen La^t 
und seines milden Klimas schon früh durch Weinbau aus, hatte aber am Anfang 
des 17. Jahrhunderts auch noch ansehnliche Waldungen^ besonders von Eichen, 
die jedoch den Bedarf an Weingartholz nicht deckten. Die Reize seiner Lage und 
seine Fruchtbarkeit machten dies Gericht zum Lieblingsorf des Adels und der Geid- 
lichkeit^ daher die zahlreichen Burgen, die vielen geistlichen Besitzungen und die 
reiche Pfarrei S. Pauls die wohl an Einkommen alle andern im Lande übertraf und die 
Begrübnissstätten der berühmtesten Adelsgeschlechter in sich schloss. Daneben konnte 
ein selbständiger Bauernstand lange nicht aufkommen. Im Jahre 1455 weiss der 
Richter Ulrich Wälzt bloss 200 wehrhafte Männer anzugeben und meint, dtus sein 
Gericht, da darin so viel armes Volk, kaum mehr als 25 auf 8 Tage zu stellen 
und erhalten vei'möge. Die ansässige Bevölkerung icar im Anfange des 17. Jahr- 
hunder/s schon durchweg deutsch, die Arbeitet' hingegen Nonsberger, wie heutzutage 
vielfach. Altenburg war seit alten Zeiten ein vollständiges Gericht mit Civil- und 
Criminaljustiz und umfasste in Bezug auf Malefizwesen auch den Burtffrieden 
Sigmundskron und später das Gericht liochejipan. (Wolkenstein, 14. Buch 68 — 10. 
Statt h. Arch. Schalzarch. Jjadc 12{t). Die Gemeinde, welche mit dem Gericht sich 
deckte, irurde in Rigel eingefheilt (ibid. Seh. A. Rep. 2, 1703). 

Wie das Gebiet dieses Gerichtsbezirkes in Römei'zeit zum Stadtgebiet von 
Trient und dann in dtr Zeit der I^angobardenlierrschaft zum Herzogthum Trient, 
so gehörte es in späterer Zeit zur Grafschajt Trient und kam mit dieser 
unter die Herrschaft der Bischöfe von Trient. Als diese jedoch einzelne Theil^ 
derselben an hervorragende Adelsgeschlechter verliehen, da bildete sich die Graf- 
schaft Eppan, die im Jahre 1185 zuerst erwähnt wird. (Cod. Wang. S, 62). So 
wurde der Bezirk Eppan ein Theil von dieser Grafschaft, die wohl das ganze 
Gebiet von Kronmez bis Vorst vmfasst haben mag. Abei' schon früh theilten di^ 
Bischöfe dieselbe in drei Thcile und ihrem Bei'ipiele folgten, wie es scheint, die 
Grafen von Eppan, indem sie die ihnen im obgenannten Jahre verliehene Hälfte 
der Grafschaft stückweise an einzelne Minisferialengeschl echter zur Verwaltung 
überliessen. So entstanden verniufhlich die >q)äteni Gerichtsbezirke von Stein unter 
T^benberg, Ulten, Tisens, Horheppan, Altenburg, Kaltem, Laimburg, Tramin, 
Cur tatsch und Kronmez. 

Wie sonst in der Regel, so knüpfte sich auch hier die Bildung der kleinen 
Gerichtsber.irke an die Entstehung der Burgen und so wurde das Schloss Altenbur^ 
der Mittelpunkt von dem gleichnamigen Gerichtsbezirke und die daselbst ansässigen 
Ministerialen, die die Schenken der Grafen von F.ppan waren, erhielten die Ver- 
waltung desselben, doch trennten hievon, wie es scheint, die Grafen voii Eppan 
ihren alten Stammsitz Hocheppan mit dem näclist liegenden Gebiete und das wurzle 
wohl der Anlas» der Entstehung des kleinen Gerichtsbezirkes Hocheppan und seiner 



Ällenhurg, 285 

t>tTg etc. fürst zu Schwaben, fiiarggrave des heiligen Römischen reich» 
iu Burgaw, gefursteter graf zu Habspurg, Tyrol, Pfürd, Kyburg und zu 



)ohni GericfiUharkeif, Dans auch die Burg Formicar nich loslöate und ihren 
'iyeneii allerdingit nur einen Hof um/a»9enden Burgfrieden hekanij mag ebenso 
fehr in ihrem hohen Alter und in ihrer schon frühe grossen Bedeutung als in ihrer 
cichtigen Lage am Uebergange über deri Etschfluss begründet »ein. Die Trennung 
ier Jurisdictionsbezirke Hocheppan und Altenburg muss sich schon vor dem Jahre 
1228 vollzogen haben, da bereit» damals von einer jurisdictio castri veteris de loco 
Ejnani die Bede ist, wobei wohl nur an das Schloss ^Altenbnrg*^ gedacht werden 
kann; den deutschen Namen fand ich zum erstenmal im Jahre 1276 (Bibl. tiroL 
D. n. 1331 f 91). 

Nach dem Aussterben der weltlichen Mitglieder des Hauses Eppan, um die 
Mitte de.» 13. Jahrhunderts, bemächtigten »ich die Grafen von Tirol-Görz de» Ge- 
richte» Altenburg. Diese gaben es nicht mehr heraus, obwohl Graf Ulrich von 
Utten dtuselbe in »einem Testamente vom Jahre 1241 »einem Vetter Graf Egno, 
Bi»chof von Binxen und Trient, vermacht hatte, und König Budolf von Hab»- 
^furg entschied am 21. Jidi 1276, das» ihnen der Bischof Altenburg zu Lehen 
feben »olle. Meinhard IL Hess es wahrscheinlich von den Heiden von Altenburg 
TerwaÜen, die jedoch gegen Ende des 13. oder Anfang» de» 14. Jahrhundert» 
*rlo»chen. (Bonelli Monum. 80. Hoi-magr. Beytr. 2, 167). Die Nachfolger Mein- 
hard» IL verpfändeten Altenburg an die Herren von VeUenberg, die Grafen von 
Thier»tain und Witlin Schrankpämer (Burglechner 3, 4, 1082). Von letzterem 
Osten es Wilhelm Genäusch und »eine Frau und von diesem dessen Bruder Hans 
tnd »eine Frau Anna um 550 M. Br, im Jahre 1353 (Oberbaier. Arch. 8, 137). 
Sei den Genäuschen blieb es Ins zum Schlüsse des 14. Jahrhunderts. (Innsbr. 
Statth.-Arch. Äbtheil. Schatzarch, Nr. 1849). Von Wilhelm Genäuschen löste es 
Herzog Wilhelm um 800 M. Br, zurück (Schatzarch. Rep. 2, 438) und er oder 
finer »einer Brüder verlieh es dann an Heinrich von Schlander»berg, einen An- 
hänger Heinrich» von Rottenburg. Als Herzog FHedrich IV. gegen diesen den 
Kampf aufnahm, entri»» Konrad Hertenf eider, sein Burggraf von Tirol, dem 
Schliindenberger die Feste Altenburg. (Brandis, Tirol unter Herzog Friedlich 
61. 315). Nun zog der Hensog Schlos» und Gericht an »ich und bestellte lande»- 
für»tliehe Richter, wie Chri»tofel von Fuchs, erkannte aber doch im Jahre 1424 
noch ausdrücklich die Lehensoberhoheit Trients an (ibid. 505). Herzog Sigmund 
lie»» e» anfangs auch durch landesfürstliche Pfleger, v)ie Ulrich Wähl, verwalten 
(Wolkenstein, Chronik 14. Buch f. 72. Innsbr. Statth.-Arch. Schatzarch. Nr. 2573; 
Lade 129), verpfändete es dann aber an die Fuchs und zicar im Jahre 1469 
Bommt Passeir um 5360 M. lir. und 180 Dncaten an die Ritter Hilprand und 
Thoman Fuchs von Fuchsberg, um es jedoch tcieder 1479 gegen andere Güter 
auszutauschen und 1482 an Josef UeJterrainer zu versetzen. König Max I. überlie»» 
1497 Altenburg abermal» den Fuchsen, deren ^Stammburg innerhalb »einer Grenzen 
lag, nämlich an Jakob Fuchs von Fuchsberg als Pflege und Pfandschaft zugleich. 
(lnn»br. StaUh.-Arch. Schatzarch. Nrn. 1068. 1003, ^1459. 899.) 

Die Fuchs besassen Schlos» und Gericht als Pfleger und Pfandinhaber, bis 
im Jahre 1550 mit Karl Jakob Fuchs die Linie ^zu Fuchsberg und Hochejypan*^ 
au»»tarb (von Mayrhofer Genealogien Mscr.). Nun erlangte dasselbe um den Pfand- 
Schilling von 2000 fl. die 1573 in den Freiherm- und 1630 in den Grafenstand 
erhobene Familie Khuen von Belasy, die sich bis in untei- Jahrhundert m Besitze 
erhielt; nur das» der Pfandschillimj später auf 8000 fl. stieg und endlich die 
Pfandschajt in ein Lehen verwandelt icurde. Letzteres geschah, mit Vorbehalt 
aller landesfürstlichen Regalien und Hoheiten, am 8. August 1652 gegen Graf Franz 
Karl Khuen (Ferd. Bibl. IV. f. 10 S. 25. Wolkemtein 14. Buch f. 72. Bibl. tirol. 
D, 418, in, Statth.-Arch. Schatzarch. Nr. 1041; Lade 130). Bei der Organisation 
der Landgei-ichte im Jahre 1806 wurde Altenburg mit Hocheppan ein Bestandtheil 
de» Lanclg erteiltes Bozen (Kgl. Baier. Reg. Bl. 1806 S. 456), bei der Organisation 
im Jahre 1810 ein Bestandtheil des Friedensgerichts Kaltern als Gemeinde zweiter 
Cla»»e (Bolletino delte leggi anno 1810, II, 791; III, 1001). Die Organisation 
vom Jahre 1817 srhvf wieder das Patrimonialgericht Altenburg mit Einschlu»» det 



286 AUenburg. 

Görz etc., landgrave in Ebass, herr auf ^er Windischen march, zu Pot- 
teuaw und zu Salins etc., bekennen ofFenlich mit disem brief und thun 



j^landesßirstlichen Hofgerichtes*^ Hocheneppan (Prov. Gesetzsamml, Jahrgang 1811 
S. 215), aber die Grafen von Khuen sagten dasselbe schon am 28, Januar 1824 
heim und die Annahme erfolgte am 18. April 1826, Nun ward es, am 1, Aprü 
1827, zum landesfürstUchen Gericht Kameid geschlagen, doch schon im Jahre 1830 
wieder getrennt und dem neu entstandenen Landgerichte Kaltem einverUiU, zu dem 
die grosse 4720 Bewohner zählende Gemeinde J^ppan seitdem gehörte, (Ferd, BibL 
Uli, f. 2). 

Ausser dem um das Jahr 1194 erbauten Schloss AUetiburg, das bereits um 
1600 eine Ruine war (Cod, Wang. 122. 130. Burglechner 3, 4, 1082), wurden 
Fuchsberg als Stammschloss dei' Fuchs und Gandegg als nachmaliges Gericht*' 
schloss und Sitz der Freifierrn und Grafen von Khuen, die es prächtig herstelUen^ 
von gr'össter Bedeutung (von Mayrhofer Genealogien). Mit dem Schlosse BoimoiU 
war seit 1228 dcts Fischereirecht auf den Seen zu Montiggl und das Jagdreeht tu 
dieser Gegend verbunden, wozu Herzog Friedrich deren Inhabern das Fischereirtehl 
auf dem Etschstrom gab (Bone.lli Notizie 3, 188. Statth.-Arch. Schatzarch, Lade 130). 
Diesen Burgen zunächst kamen die Schlösser Englar, Wart, Mareit und Mos, 
die alle Ansitze reicher und mächtiger Adelsfamilien waren; <iber auch zu den 
minder bekannten, wie Freudenstein, St. Valentin, Matätsch u. a, gehörten «cAÖne 
Giäei', Gülten, Zinsen und Zehente (Wolkenstein 14. Buch ff, 68 — 71). Diese Fa- 
milien wurden auch die Stifter zahlreiche^' Benefizien; die auswärtige Geistlichkeit 
hat in Altenburg gleichfalls grossem Besitz erlangt. Von den tirolischen Orden 
weiss ich zu nennen; das Stift Au (Gries), Neustiß, Willen und den deutschen 
Orden; von baierischen Klöstern, die hier begütert gewesen, die Klöster Baumberg, 
Beyharting, Prüfling, Steingaden und Münster. So hatte Beyharting den Kreus- 
weger-, Prüfling den Lippen- und Steingaden den Markelhof zu SchreckbüheL 
(Ferdinand. BM. XLIV, i. 11, Mon. Boic. 3, 21 f, Font, rer, austr, D. 34, 
479. 483). Da^s auch die Besitzungen der Bischöfe von Trient, der Grafen von 
Eppan und Tirol iii Altenburg sehr bedeutend waren, braucht kaum hervorgehoben 
zu werden (Bonelli Notizie 3, 178. Homiayr, Gesch, von Tirol 2, 226, Statth.- 
Arch. Schatzarch, Nm, 830, 1054; ibid. Urkund. Cop. 1, 290, 310). 

Die älteste von allen obgenannten Burgen war aher Sigmundskron oder 
Foi'migar, wie sie bis in die zweite Hälfte des 15, Jahrhunderts heisst. Dieselbe 
erscheint bereits im 10, Jahrhundert als sehr starke Feste, die Berengar von Ivrea 
auf seinem Zuge nach Italien nicht zu nehmen veitnag (Mon, Germ, histor. 3, 334). 
Die Bischöfe von Trient machen sie zum Sitze ihres Gast<ädionen von Bozen, und 
dies war wohl die Ursache des Entstehens eines eigenen Burgfriedens, Zeitweise 
sind die Inhaber auch im Besitze des unter der Feste am Uebergange über die 
Etsch errichteten Zolles (Hormayr, Gesch. von Tirol 2, 214). Als die Grafen von 
Tirol die Jurisdiction über Bozen im 13. Jahrhundert zeitweise ganz und dann 
gross tentheils an sich rissen, sank sie zum Ansitze des berühmten AdelsgeschlecfUes 
der Ilerren von Fii-mian herab, die einen Theil davon schon im Jahre 1370 an 
Herzog Leopold III., den übrigen 1473 an Herzog Sigmund verkauften. Von diesem 
bedeutend vergrösserf, führte sie fortan den Namen Sigmundskron und war eine 
der stärkitttn Festen im Lande. Nmi kam sie als landesfürstliche Pflege oder 
Ffandschaft (um 1000 fl.) in verschiedene Hände und theilte in unserem Jahr- 
hundert das Schicksal des Gerichtes Alienburg. (Tirol. Arch. 3, 242 — 200. Bo- 
nelli Notiz. 3, 338 fj. Statth. Arch. Pestarch. XXVl. 419. Bibl, tirol. D. n. 
418, III), 

Die Gegend von Eppan war schon zu Römerzeit stark besiedelt, wie die vielen 
Münzen und die andern hier aufgefundenen Alterthümer bezeugen und wahrscheinlich 
führte bereits damaU eine Strasse durch das Gebiet vo7i Uebei-etsch (Ferdinand. 
Zeitschr, 3, 22, 57 ff.). Der Name Efjpan kommt wohl vom lateinischen 
Appianum, d. h. Landgut des Appius. Weniger sichei' erscheint es jedoch, ob 
unter dem Appianum, das nach Paulus Diaconus die Franken im Jahre 590 
auf ihrem Zuge durch Tirol zerstörten, dersel-be Ort zu verstehen ist; der neueste 
Forscher hierüber, Freiherr von Hohetibühel- Ileufler, spricht sich dugegen aus und 



Altenburg. 287 

kunt menigclich, das unser getrewen N., die unterthanen unser» gericht 
Altenburg durch ire erbere potschaft vor unser erschinen sein und brachten 
uns für ain gerichts- und holzordnung, so zu nucz und guetem derselben 
unserer gerichtsleut mit zeitigem rath fürgenomen und angesechen worden, 
und patten uns diemütigclich, das wir als iez regierender harr und laut- 5 
fürst unserer fürstlichen grafschaft Tyrol inen, iren erben und nachkomen 
dieselben ir fürgenommen Ordnung genedigclich geruechten zu confirmiern 
und bestatten, haben wir demnach angesechen sollich ir unterthenig, die- 
müettig pitt, auch die angenemen, gut, trewen und unterthenigen dienst, 
die si und ire vorfordern uns und unsern vorfordern gethan, und inen 10 
darumben und von sonderen gnaden wegen dieselbe ir fürgenomen Ord- 
nung (so wir Ursachen willen etlichermassen corrigiert und 

geendert), als iecz regierender herr und lantfürst obgemelter unserer fürst- 
lichen grafschaft Tyrol gnedigclich confirmiert und bestät, — thun auch 
solliches hiemit wissentlich in craft dits briefs, was wir inen von rechtens 15 
und gnaden wegen darinnen confirmiern und bestatten sollen und mügen, 
— wie dann solliche Ordnung von wort zu wort also lautet, wie her- 
nach volgt. 

Anfengclich und des erstlichen im perg, der an Nonser und Caltrer 
eonfün und wisen stosset, dergleichen im Granisperg, alles tachsen-, 1er- 20 
chen-, feichten-, tannen-, förchen-, pürchen- und dergleichen holz hiemit 
offenlich in freiung und verpot gesteh und gethan sein soll, darin dasselb 
erwaxen und zu pessern nutz gebracht werde, also, das weder hausgesessen, 
chamerler, noch sonst niemant anderer derselben holz, als obsteet, kaines 
zn kainerlai sachen nit abmachen oder hacken soll; ob aber ainer aus un- 25 
vermeidlicher notturft daraus zu hacken nit umbgeen kunt oder möcht, so 
soll er dasselb dem gerichtsprocurator anzaigen, der es an die obrigkait 
bringen und also das hacken mit bewilligung der obrigkait bescheohen, 
und was ime alsdann vergundt würdet, dasselb und nit mer daraus zu 
hacken. Wellicher aber diss oder als vorsteet ybertretten würde, der soll 30 
gestrafft werden, von ainem ieden abgeschlagnen stamen umb fünf [&] 
pemer. 

Weiter fürgenomen, das die hausgesessnen bestandleut oder cha- 
merler keiner mer prennholz, auch hey und streb, dan er ungever auf ain 
jar lang zu sein selbs haushaben bedarf, durch sich selbs, seine gedingte 35 



ebenso erklärf er sich gegen die Identifizierung des im Jahre 846 ei'wähnten Äpiano 
mit Eppan (Tirol Bote 1882 Nr. 177 ff.). In diesem Falle Hesse sich der Name 
nicht vor dem Jahr 1116 nachweisen^ wo zum erstenmal ein comes Odelricus de 
Piano als Zeuge in einer Urkunde König HeinricJis V. für das Kloster S, Za- 
eharia erscheint^ der bald darauf als Oudilrich de Ebpan erwähnt wird. (Stumpf 
3130. Mon, Boic, 3, 21). Der Pfarre von Eppan vnrd meines Wissens zum ersten- 
mal ausdrücklich in oberwähnter Urkunde vom Jahre 1228 gedacht. 

Die versumpften Weiden und Gehölze zwischen dem Beige von Sigmundskron 
und dem von Leuchtenburg ^ welche die Gemeinde Eppan gemeinsam mit Kaltem 
besass, waren schon zu Herzog FriedHchs I V. Zeit ein Gegenstand des Streites, und 
als dieselben sich zur Zeit Kaiser Leopolds I, zur Theilung entschlossen, wollten 
die Gerichte an der untern Etsch es verhindern, damit nicht dann Weinberge an- 
gelegt würden. So blieb dies (jlebiei bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts 
ein fast öder Grund (Slatth.-Arch. Scliatzarch. Rep. 4, 111; ib. Lade 130. Bibl. 
tiroL D. 1174. IX.) 



288 AÜenhurg, 

eehalten oder tagwercher und nit zu fü'rgeding auf der gmain kaim weder 
wenig noch vil zu verkauffen, järlich abzumachen gewalt haben soll, bei 
verfallung des ybrig abgemachten holz und der peen fünfundzwainzig 
pfund porner. Wellicher aber dises yberfuer und gemelte aufgesetzte peen 
5 nit zu erlegen het, dersclb soll nach erkantnus der obrigkait mit wasser 
und prot in der gefengknus gestrafft werden. 

Es soll [sich] auch hinfiiran kain inngeheus oder chämerling on 
vorwissen und be willigung der gerichtsobrigkait in dem ganzen gericht 
Altenburg nit niderlassen, und wo sich ainer einkauffen will, und dasselb die 

10 obrigkait für guet ansehen würdet, so sollen die mässigung des einkaufgelts, 
ob es umb fünf mer oder weniger gülden beschehen solle, bei der obrigkait 
steen, und da aber ainer oder mer aufgenomen wurde, und derselb der 
gmain laut diser Ordnung geniessen wolte, der soll der gerichtlichen 
obrigkait inhalt des dritten titls ersten puechs ty roiischer lantsordnung 

15 das ordenlich glübd thuen; von dem einzuggelt berüerter inngeheusen oder 
chämerler solle der obrigkait der halb thail und dem gericht Altenburg der 
ybrig halb thail zu gemainem nucz ervolgt und gegeben werden. 

Verrer soll niemant, weder hausgesessner, chämerling oder ander 
personen, kaine schab noch plauschach, weder hasles noch aichens holz 

20 bei Gärb nit nid erschlagen, sonder der jungen schoss und des aichenholz 
mit stecken-machen verschonen. Gleicher weis alle aichern stamb, prenn- 
holz und stecken, sovil immer müglich ist, ungeschnait haimbfüern, damit 
desto weniger holz zu verlur kumb, bei der straff fünf phund perner. 
Und das kainer kain aichen stam, mer oder minder dergleichen holz, bei 

25 der mitten oder sonst soll icher gestalt, sonder albeg bei der erd abhacke, 
das auch niemant im summer, mit reverenz zu melden, den gaissen auf 
der gmain kain laub klaub oder mach, bei der peen fünf pfund perner. 

Und insonderhait solle auch niemant kain holz vor Michaelis machen 
oder niderschlagen, bei der peen des holz und fünfundzwanzig pfund 
30 perner. 

Das niemant, weder hausgesessen, chämerler, noch ainich ander 
personen auf der ganzen gmain zu kainem jar vor Michaelis kain kosten- 
pamb nit trescheu sollen, bei der peen der kosten und fünf pfund perner. 

Item, es soll auch niemant kaine stain, noch ander ding oder der- 

35 gleichen Sachen in die weg oder auf wasen füeren, obs aber bescheche, 

dasselb von stund an beschütten und ebnen, auf das die weg niet geletzert, 

sondern in gueten würden erhalten und gepessert werden, bei der peon 

fünf pfund perner. 

Verrer soll kainer abgangen vidi auf die gmain 

•10 füern, sonder der, dem es ubgangeii, zustund an vergraben lassen, damit, 
mit reverenz der ybl geschmack, so den leuten und anderem vich zu 
nachtl und ungesuut raichen möchte, vermitteu bleib, bei straff fünf 
phund perner. 

Dann weiter soll niemant kain kalchofen noch kolhaufen von 
4'> dem holz, so durchaus auf der gmain waxt, preuneu, sonder welliche 
darüber betretten wurden, für ain iedlichen darczue abgehackten stam, 
bei der peen fünf phund perner, uuablässlich gestrafft werden. 



Altenburg. 289 

Sovil belangt die streb und hey auf der ganzen gmain, soll kainer, 
weder hausgesessen oder chäraerler, kains jars nicht abmachen oder schla- 
gen, unzt es der gerichtsprocurator offenlichen vor der kürchen, mit vor- 
wissen und bewilligung der obrigkait, von der er beschaid nemen, auf 
wellichen tag und zeit es beschechen solle, beruefen. — Und so es berueft ö 
würdet, so soll nit ainer vor dem andern, sonder bei dem würtshaus zu 
Unterrain auf einander warten, daselbs zu versamblung zu beschechen und 
mit einander geen und das hey und streb, als haussäss, pauleut und chä- 
merler, ieder die ersten drei tag nach einander ieden tag ain knecht und 
nit mer zu schicken oder selbs zu geen, abzumäen, und was nach erschei- 10 
nung der drei tag noch an hey und streb vorhanden sein möchte, dasselb 
soll alsdann allain iedem zu seiner hausnot, wie vor steet, zu machen frei 
sein, und der übertretter umb fünf phund perner gestrafft werden. 

Ittem es soll auch weder angesessen, ledig, noch iemant^ ander kain 
feyr zu den zötten, reutten oder sonst auf ainem veld was zu verprennen 15 
offenlich, sonder verporgen und auf das durch das feyr in den behausungen 
oder dergleichen kain gevär zu besorgen sei, anzetragen. — Wo aber das 
beschech und iemant schaden emphieng, soll der, dadurch der schaden be- 
Rchicht, denselben schaden widerkeren und darzue durch die herrschaft 
und ain ersambs gericht fünf und zwainzig phund perner gestrafft werden. 20 

Niemant soll kain frembd vich aufnemen, noch auf die waid schla- 
gen, bei der peen fünf phund perner. — Auch das kainer kain vich an 
ain hurten ausskeer, sonder soll kain er weder kue- noch gaissvich gehuet 
oder ungehuet nicht umb die weg geen lassen, damit desshalb niemant 
schaden ervolge, bei der peen fünf phund perner. 25 

Das kainer den andern in sein wisen, Weingarten, ackern, perglen, 
mösern und anewanten mit gras ausschneiden, noch mit hüeten beschwer, 
bei straff und peen fünf phund perner. 

Es soll auch kainer auf kain kauf, noch paot in der alten Etsch 
visch noch krebs [vachen], auch kainen vach- noch wantreisch, bei ver- 30 
lierung der war und fünf phund perner peen. 

Verrer, das kainer kain geraum b oder ander holz ab den wisen oder 
veldern in die alt Etsch werfe, sonder dasselb auf dem sein igen, auf dsw 
niemant, desgleichen der Etsch nit schaden raiche, verprennen oder sonst 
hinweg füern, bei der peen fünf phund perner. 35 

Und derweil das traid auf dem veld steet und im wimmat ist, soll 
das spiglen verpotten sein, bei der peen fünf phund perner. 

Es soll auch ainer dem andern das vich in sein güetern zu hüeten 
nit allain in zeit des wimmats, sonder durchaus, es stee die frucht auf dem 
veld oder nit, bei fünf phund perner straff verpotten [sein]. 40 

Wo auch ainer dem andern, es sei an güetern mit vich, wasser oder 
in ander weg, nachtl und schaden zuefüegen wurde, der soll demselben 
den schaden, Inhalt der lantsordnung, abzutragen und zu erstatten schul- 
dig sein. 

Auch das kainer dem andern kaiue schneggen zu schaden grab, bei 45 
der peen fünf phund perner. 

Und insonderhait beschlossen, das die gerichtsleut, ansäss, haus- 
haber und ander personen, ieder pesonders, vorerzelten punct und articl, 

Oestorr. Weisthümer. V. 19 



290 AUmburg. 

samt und sonderlich, entlieh volzug nnd gehorsamigkait leisten, auch Iren 
eehalten nnd taglenern, damit dieselben solliches gloichermassen sn Ümn 
wissen, solliches anzaigen nnd bevelch geben sollen. Wellioher eehaltodei 
tagwercher aber das geverlich überfüer und erfunden würdet, solle aach 
6 nach gestalt der Sachen durch die gerichtlich obrigkait gestrafPt werden. 

Es soll kainer dem andern sein rüedwasser abkeeren, bei der peen 
fünf phunt perner. 

Das auch kainer kain wasser in die weeg keer oder rinnen lasn, noch 
die weeg Verderb, bei der peen fünf phund perner. 
10 Es soll auch kainer zwischen sein und der gmain renteo, auch Ter- 

müg der landsordnung ainiche gmain, one ordenliche zuelassung, bewilli- 
gung und auszaigung, nit einfachen, sonder in solichem fall der landord- 
nung gmäß gehalten werden, alles bei fünf phund perner straff. 

Es soll, wann maus berueft, ain ieder, der an den pächen güeter 
16 hat, vor dem seinen den Uqwal räumen, bei der peen fünf phund perner. 

Wann man die alt Etsch raumbt oder weg macht, so soll ain ieder 
erscheinen oder schicken und darzue nacher die arbeit erstatten, alles bei 
straff fünf phund perner. 

Und wellicher warnimbt, das ainer die gmain beschwär, der solls 
20 dem gerichtsprocurator anzaigen, bei straff fünf phund perner. 

All gusstain, von den kücheln auf die gassen geend, soll man hin- 
weg thuen oder aber verporgen ausfüern, bei der peen fünf phund 
perner. 

Ain ieder soll rechte maß und wag haben, wellicher betretten würt, 
26 soll nach Ungnaden gestrafft werden. 

Es soll kainer kain vich aus dem phani stall on erlaubnus nemen, 
bei der peen fünf phund perner. 

Alle hantwcrchleut ßollen weder arm noch reich wider ir aufgesetzte 
Ordnung nit bcschwärn, sonder inen die arbait erberlich und treulich 
30 thuen, on alle gevär, bei der straff fünf phund perner. 

Was dann die obverraeltcn holzwerchs-straffen berüert, daraus solle 
der obrigkait ain dritter thail, den unterthanen auch ain drittail und dem 
hölzl oder holzwart, so aufgenomen würdet, der überig drittail ervolgt und 
gegeben werden. — Darcntgegen soll der selbig holzwart schuldig nnd 
35 verbunden sein, ime auch insonderhait auferlegt und bevolchen werden, 
das er alle verprechungen, so er im wald und holzwerchs-sachen, es sei 
mit abhackung des holzs, ohne ordenliche bowilligung, auch schnaiten der 
pämb und andere Verwüstungen, bemelter Ordnung zuwider, erfart und 
betrit, der obrigkait, damit gegen dem oder denselben fürgangen werden 
40 müge, vleissig anzaigen und dem gerichtsprocurator zu ainem wissen ver- 
künden solle, auf das er gerichtsprocurator zu end aines ieden jars der 
obrigkait von den eingezognen straffen raitung thuen und die strafFgefell 
an die geherigen ort yberantwurten müge. 

Item, es soll auch dise entschloßsne holz- oder ander fürgenomene 
46 Ordnung järlich und iedes jars insonders, damits desto weniger in ver- 
gessen kumb, ainmal am offnen stain vcrnewert und verlesen werden. 

Ordnen, mainen, setzen und wellen auch, das si und ire nachkomen 
hinfürter also dabei verbleiben, gesohüzt, geschirmbt und gehanthabt 



Altenhurg, JToeheppan, 291 

werden sollen, Ton allermenigclich unverhindert. Doch behalten wir 
ans, unsem erben und nachkumen bevor, solliche Ordnung zn ändern, zu 
mem oder gar abzuthuu. — Und bevelchen darauf unserm rath, obersten 
ohamerer, tyrolischen chamer-presidenten und lieben getrewen Belaisen 
Ebnen von Belasy, als jezigen, und ainem ieden kon fügen unserem phleger 5 
zu Altenburg, das er vorgeschribne Ordnung und dise unsere bestättigung 
unseren gerichts- und gemainsleuten alda von unseretwegen fürhalten 
lasse und si darbei vestigclioh handhabe, schütze und schürme, auch darob 
und daran seie, damit deme also gelebt, nachgangen und volziehung 
gethan werde, 10 

Wann wir das also wellen und ernstlichen mainen. Mit urkunt dits 
brie£9, besüglt mit unserem fürstlichen anhangenden insigl. 

Geben in unser stat Ynsprugg den sibenzehenden tag monats augusti 
nach Christi, unsers lieben herrn und seligmachers, geburde im fünfzehen- 
hundert und sibenzigisten jare. 15 

Ferdinand v. W e 1 1 i n g e r. Ad mandatum sers™* dni 

archiducis pprium 

Haberslagl ppria. 

Fastreibberg. 



31. Hocheppan.^) 

Verfasste Ordnung im gerioht Hocheppan im jähre 1650. 20 

Demnach ain zeithero ain misprauch sich erregt, in deme sich ain 
ieder ingeheus verheurat und ledigs stants beherzt im gericht Hocheppan 



*) Hocheppan war einer der kleinnten Gerichtsbezirke und lag zwischen 
Altenhurg und NeuhauSy von dem denselben im Osten der Etschs/rom schied^ während 
ihn im Westen der Gebirgskamm von CasteJfondo trennte. Kr schloss blos die 
zwei kleinen Ortschaften Mission und Unfei-rain in sich und zählte im Anfange 
de» 17, Jahrhunderts nur 20 Feuerstätten. Aber Hocheppan zeichnete sich seit 
alter Zeit durch vorzügliches Weingeioüchs aus und besass vor 300 Jahren auch 
noch schöne Waldungen. Schlösser gab es w«r zwei, ausser dem berühmten Hoch- 
eppan noch das Schloss Korb, In Unterrain bestand seit alten Zeiten an der im 
Mutelalter viel benutzten Strasse von Ueberetsch eine wichtige, einst trientinische 
Zollstätle, die in älteitr Zeit y^znm Perkman**, später am Unterrain hiess (Wolken- 
stein^ 14, Buch 100. Statth.- Archiv, Schatzarch.-Rep. 6, 747, BurglechnerS, 4, W78J. 
Sehr ansehnlich waren hier einst die Güter und Gülten der Grafen von Eppan 
und von Tirol, doch veräusserten die Landesfürsten noch im Mittelalter dieselben 
grossem Theiles. Von den kirchlichen Besitzungen erhielten sich nur die des ge- 
sperrten Klosters zu Innsbruck bis in die Zeit der SHcularisation. (StatÜi.- Archiv 
Urk. Ccp. 1, 205. 308; Schatzarch. Nr. 4045; Pestarch. XXVI n. 455; Fer- 
dinand. Bibl, XLIV, i. 11). 

Wann dieser Qerichtsbezirk von der Grafschaft Eppan sich ausschied, ist 
schwer zu ermitteln; jedenfalls war er beim Erlöschen der Grafen von Eppan 
vorhanden, da die Grafen von Tirol, dessen spätere Eigenthümer, kaum ein In- 
iereese haben konnten, von dem Gerichtsbezirke Altenburg diesen Theil loszureissen, 
noch weniger aber denselben mit der hohen Gerichtsbarkeit^ Stock und Galgen, 
auszustatten. Damals gelangte er wahrscheinlich mit dem Schlosse Eppan in den 

19* 



292 Hocheppan. 

Tinterzulassen und im geringsten so wenig bei der gerichtsherrschaft, dero 
nachgesetzten oberkait, noch auch der nachperschaft und gemain anzu- 
melden sich unterstanden, deme aber zeitlichen zu begegnen und lenger 
nit mer zu gestaten, sonder vil mer guete polizei und auferzügliche ord- 
5 nung zu erhalten, ist mit gebirlicher ratification irer gräflich gnaden, der 
gerichtsherrschaft, volgende Ordnung und sazung gemacht und verfaf^t 
worden. 

Das firs erste kain gerichtflunterthan oder im gericht begieteter, wer 

der seie, ainich pauman, ingeheisen, haut- oder tagwercher, so zuvor nit 

10 im gericht aufgenomen worden und darinnen gewont hat, one vorwisaen 

und bewilligung der gerichtlichen oberkait und, wo noth, zuforderst der 

gn. gerichtsherrschaft aufnemen noch beherbergen solle, da aber solches 



Besitz de» nächsten Erben der Eppaner^ des Freiherm Ulrich II, von Taufersy 
dem ihii jedoch die Herren von Enn und andere Verwandte streitig meßten. 
Trotzdem behauptete sich Ulrich II. im Besitze von Hocheppan , wcüirseheinlich 
durch die Gunst Meinhards IL, vor welchem Ezelin von Enn und seine Sohne 
sogar aus dem Lande weichen mussten. Seine Enkelin Agnes von Taufers jedoch 
verkaufte die halbe Feste Hocheppan mit der halben Feste Ufienheim und dem 
Stammschlosse Taufers im Jahre 1315 an den damaligen Landesßlrsten König 
Heinrich von Böhmen j und ztrei Decennien später (1336) ist auch die andere 
Hälfe schon in den Händen des Landesfürsten (Ferdinand, Zeitschr. 5, 72, 35. 
73 f. 86. Bibl. tirol. D. 227 f. 6. Tirol. Arch. 1 Urk. Nr. 249). 

König Heinrich oder Johann von Böhmen verlieh Hocheppan an Conrad 
von tSchenna und Ludwig von Brandenburg an dessen Sohn Pefermann, einen sehr 
mächtigen Adelsher j-n tn jener Zeit, während er gleichzeitig die Greifensteiner 
zwang, alle ihre Ansprüche darauf fahren zu lassen und die Feste für den Fall 
seines Ablebens seiner Gemahlin Margaretha Muultasch verschrieb. Diese vergab 
an denselben Pefermann und seine Erben die Feste Hocheppan mit Gericht, Stock 
und Galgen und allen dazu gehörigen Hechten (Innsbr, Statth.-Arch.j Schaizarch.' 
Rep. 2, 33. Huber, Vereinig. Tir. Nrn. 103. 202. 290). Durch Petermanns 
Tochter Barbara kam dieselbe als Pfandschaft an deren beide Männer Friedrich 
von Greifenstein und Ulrich von Liechtenstein, dann an ihren Vetter Prant von 
Greifenstein, von dem sie endlich Sigmund von Starkenberg im Jahre 1400 er' 
kaufte (Noggler, Die Starkenberg er, im Innsbr. Gt/mn.-Progr. 1882 S. 29, 32. 
42. 44). Nach Sigmunds Tod verlieh es im Jahre 1429 dessen Witwe Osanna auf 
fünf Jahre an Ludwig den Sj^arrenberger (Innsbr. Sfatth-Arch. Schatzarch. Nr. 4045), 
doch scheint es kaum je in dessen Hände gekommen zu sein, da es Herzog Fried- 
rich IV. schon drei Jahre früher mit allen anderen Starkenbergischen Besitzungen 
eingezogen hatte (Brandis, Landesh. 205). Fast durch das ganze weitere 15. Jahr- 
hundert blieb es landesßirstliche Pflege und kam im Laufe desselben in verschiedene 
Hände. So veiwalteten es, meist mit der Burghut von 25 M. Br., unter Anderen 
Georg von Moos (1452), Sigmund Neiderker (1467 - 1468), Georg Schenk (1474), 
Jörg Fuchs von Fuchsherq (1478), Hans Lannser (1483. 1486) und Jakob Fuchi 
(Innsbr. St atth.- Archiv, Schatzarch. Nrn. 1201. 1205. 1009. 1448. 1440). Diesem 
wurde es 1494 als Lehen überlassen mit dem Burgfrieden, der Fisrhweide auf 
der alten Et^ch, einem Wiesmad und dem kleinen Gericht (ib. Rep. 1, 565). 
Nach dem Erlöschen der Linie Fuchs- Hochejyjian erhielt Schloss und Gericht Hanf 
Freiherr von Trautson, dann Johann Abund von Tschötsch, Hans Friedrich von 
Tschötsch und dessen Töchter Helena und Dorothea. Nach deren Verzicht (16141 
encarben es die Fuchs wiedei' und als Franz Graf von Fuchs 1668 es an Christof Ul- 
rich Pach zu Hansenheim, geheimer Rath und Hofvicekanzler, um 3000 fl. ver- 
äussert hatte, zum dritten Male, worauf sie im lehenbaren Besitze desselben verblieben, 
bis der letzte Sprosse dieser alten eppanischen Familie, Johann Graf von Fuchs, 
ein Jahr vor seinem Tode (f 1828), es heimsagte (Staffier 2, 812). Was es weiter 
für Schicksale trafen, wurde schon oben berichtet. 



Hocheppan. 293 

schäch und sich so wenig der einnemer, als auch der einziecher inner 
t tag nit anmelden, von andern gerichten urkunten beibringen wurde, 
r einnemer mit gebirlicher straff angesechen und der einziecher wider 
ssen gericht geschaifen werden solle. 

Zumalen auch, zum andern, sich die pauleit bestender behausung, 5 
nsequenter selbs ingeheisen, sich unterstanden, weiter allerlei gsindl, 
wol verheirat als ledig stants, einzunemen, unterschlaif zu geben, dar- 
irch dem gericht und nuchperschaft nit allain ainicher uuz nit geschaflPen, 
nder vilmer nachtl, beschwerlichhaiten und Veruntreuung entstanden, 
i soll inen in kraft diss auferladen sein, solcher afteraufnembung, on ge- 10 
rlichen consens der gerichtsherrschaft, der nachgeseteten obrigkait, 
ichperschaft und irer hofherrn, bei straff sich nit anzumassen oder zu 
iterfangen. 

Drittens solle auch die obrigkait, mit zueziehung des gerichtsprocu- 
toren, ain Visitation aller chäraerler und ingeheisen firnemen, und wer lö 
rdächtig oder one genuegsame urkunten, woher ieder zogen, befonden 
irdet, inner negsten acht tag ausgeschaffen werden, auch welcher sich 
Twaigern wurde, mit der keich oder anderer gebirlichen geltstraff ange- 
chen werden. 

Angenomen am letzten appril an. 1650 durch den richtern zu hohen 20 
ppan Christoffen Tschidrer, zugegen des herrn zolsverwalter zu Unterrain 
atheisen Talberger für sich und als mintlicher gewalthaber des herrn 
abtfigegen Schreibers zu Bozen und zollners zu Unterrain, herrn Antonien 
riedaus. Item dos anwalden zu Missian Hansen Hoffers, dann des steur- 
id gerichtsprocuratoren daselbs Paulen Walchers und hernach steender 25 
ichperschaft. Und sein erschinnen und ainhellig darin bewilligt, auch 
X guet gehalten: Hans Thurab, Antoni Tschulian, Martin Wolams, wirt 
i Unterrain, Bärtl Morin, Wolckenstainischer, Hanns Kheller, Talhami- 
her, Simon Zion, Jakob Spitaler, herrn generaleinehmers, Eomedi Flor, 
reytagischer, Caspar Stell, Talhamischer, Jacob Kassier, Ederischer be- 30 
antsmaier, Georg Tscheyra, Grustnerischer, und Jakob Freytag, Kässle- 
scher pauman. 

So sein auch die merern in disem gericht begietete zuvor umb ir 
irzuegebens parer und guetachten vernomen worden, welches alle für 
let angesechen. 35 

Firbracht und ratificiert am 20. tag augusti anno 1650. 

Franciscus Fuchs graf ppia. 



294 K(Utei-n. 



32. Kaltem*) 



Nach einer Ahsehriß des Herrn Ferdinand Freifierm von Oiovanelli. Verglichen wurde eine Ahtckrijl 

de» P. Justinian Ladurner. 

I. 

Item der gemainschaft ze Ealtar Statut und recht. 

Nota, das sind die stuk und artikel, die hernach geschriben sind, die 
auß der Statut «ze teusch gemacht sind, was recht ein gemainschaft ze 



*) Das OeiHeht Kaltem war von den GerichUhezirken Altenhurg im Norden^ 
Laimhurg im Osleriy Tramin im Süden und Castdfondo im Wetten umschlotten 
und ei'»tr eckte sich l^j^ Stunden in die Länge von Nord nach Süd und 1 Meile 
in die Breite von Ott nach West. Dasselbe umsehloss nach Math, Burgleehrur» 
Chronik, die auch das Gericht Laimhurg dazu rechnet, 1 Pfarrkirche^ 13 Zukirchen^ 
4 Dörfer und 5 Schlösser, Es gehörten nämlich ausser dem jetzigeti Markt Kaltem 
und dem unmittelbar daran sich schliessenden Mitterdorf noch folgende OrtsrhafUn 
zu diesem Gerichlsbezirke: Unter- und Obei-planitzing, St. Nicolaus, ^w*» St, Anton 
und Altenburgy soxcie die Häuser am See, die nun alle eine Gemeinde bilden. 
Burglechners Zeitgenosse M, Sittic. Freiherr von Wolkenstein gibt die Zahl der 
Feuerstätten des ^Dorfes'* Kaltem auf 360, die von ^Nieder- und Oberdorf^ allein 
auf 280 any während die letzte Zählung 3760 Bewohner ergab. Zu ihren Leb- 
zeiten war die Bevölkerung halb deutsch und halb welsch, besonders die ÄrbeUer 
Notisbei'ger. Damals und wohl schon viele Jahrhunderte früher zeichnete »ich dies 
Gericht durch WeinreichtJium aus; nach Wolkejisteins Angabe betrug die Weinaus- 
fuhr in gemeinen Jahren 2000 Wagen und in guten Jahren reichte auch da» Oe- 
treideerzeugniss hin, dagegen wurde das Weingartholz von Nonsberg bezogen. Die 
Pfarrkirche hatte viele alte Begräbnisse und ihr zur Seite stand das heil, OeistspUal, 
das der letzte Rottenburger reich dotirte, um dessen Verwaltung es aber bis in den 
Anfang des 16. Jahrhunderts schlecht genug bestellt war, Schlösser und Adds- 
ansitze nennt von Wolkenstein, ausser dem landesfürstlichen Amtshause, das Freiung 
auf Jahr und Tag genoss, noch nachstehende: das schon ganz verfallene Roltenburg, 
auch gemeinhin Kalteim genannt, Campänn, Mühlburg, den Rheinisch Thurm 
(Windeck) und den Adelsanaitz Salegg; Burglechner erwähnt weiter die zwei neuen 
Ansitze Kaltenburg und Ehrenhausen. Die eigenen Geschlechter, die diese zum 
Theil gehabt, haben aber keine grössere Bedeutung erlangt, bis auf die au» dem 
Innthale stammenden Rottenburger (Burglechner, 3, 4, 1082 ff, Wolkenstein, 
14, Buch f. 56). 

Mit dem Gerichte Kaltem stets vereint erscheint in späterer ZeU da» kleine 
Gericht Laimburg oder Pfatten, das östlich davon lag und gegen Osten an den 
Etschstrom, gegen Norden an Altenburg und gegen Süden an die Gemeinde Tramin 
»tiess. Dasselbe war aber nur ungefähr eine Meile lang und kaum eine halbe breit 
und umfasste im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts blos 20 Feuerstätten. Zum 
Unterschiede vom Gerichte Kaltem, d(im ein eigentliches Gciichtsschloss fehlte, hallt 
es seinen Mittelpunkt in dein Burgs/all Laimburg, nach dessen frühem Verfall et 
bald seine Selbständigkeit verlor. Ausser diesem gab es darin noch den darüber 
gelegenen Thurm Ltuchtenburg, der schoJi im Anfange des 17. Jahrhunderts un- 
bewohnt war, als die Höhe noch reiche Eichenwaldungen mit zahlreichem Wild- 
stand schimu'kten (Wolkenstein, 14. Buch f. 36. Burglechner 3, 4, 316). 

Die Entstehung der Gerichtsbezirke Kaltem und Laimburg ist, trotz der 
grossen Bedeutung des entfern, schwer zu ei-mitteln. Es ist aber kaum zu bezwei- 
feln, dass dieselben zur Grafschaft Epjmn gehörten, und ich halle für zietnlich 
wahrscheinlich, dass sie auch einen Bestandtheil jener Hälfte derselben bildeten, 
welche die Grafen von Eppan im Jahre IlSi'i vom Bischöfe Albert zu Lehen U- 
kamen (Cod. Wang. «. 23), Denn bischöfliclie Gastaldionen lassen sich nichi 



Kaltem. 295 

Kaltar hat, und was tsohinken, rigler und gesworen ze tun, ze lassen und 
zu enpieten haben, das da daz gericht hie ze Kaltar nicht an berürt, doch 

nachtüeUen, wenn es auch nach Kinks Behauptung eine bischöfliche Gastaldie 
gewesen sein toll (ibid. S. 11), und dann erscheint gerade das einzige Adels- 
geschlechty das in älterer Zeit in diesen Gerichtsbezirken vorkommt, die Herren 
Jakobin, Otiolin, Warimbert, des Bissolus Sohn, und Liebhard von Kaltem, als 
Ministerialen der Orafeti von Eppan (Cod. Wang. 132. 374—377. Bonelli, Notizie 
ittov. ci-ü. 3, 188. Alberti, Annali 41. Hormayr, Gesch. Tirols 2, 162. 342). Für 
das Jahr 1228 lässt sich der Bestand des einen Gerichtsbezirkes, des Laimburger, 
schon . sicher nachweisen ; eine Gemeinde }^aUem toird im Jahre 124 7 encähnt 
(BoneUi ib. Cod. Wang. 383). Nach dem Erlöschen der weltlichen Eppaner rissen 
die Grafen von Tirol wie Eppan so auch Kaltem an sich und zwangen die Heiren 
von Laimburg, das Schloss Laimburg von ihnen als Lehen zu nehmen; Meinhard IL 
und Albert belehnten im J. 1209 Heinrich von Laimburg, daher die wiederholten 
Angriffe Bisehof Philijtps von Trient und die zweimalige Zerstöi^ng Laimburgs 
(Bibl. tirol. D. 1331, 171. Wolkemlein, 14. Buch f. 66. Burglechner 3, 4, 316. 
Staffier 2, 830). Gegen Ende des 13. Jahrhunderts verschwindet auch das Ge- 
schlecht derer von Kaltem und Laimburg, das tcohl aus Welschtirol stammte (Hör- 
majp-, Gesch. Tir. 2, 152. Bonelli, Notizie 2, 495. 497) und jedenfalls nicht für 
einen Zweig der RoUenburger im Innthal anzusehen ist, wogegen schon die zum 
Theil abweichenden Taufnamen sprechen (Mayrhofen, Genealogie). Wann aber 
letzteres Geschlecht in dem Gerichte Kaltem zuerst festen Fuss fasste, ist wieder 
schwer XU ermitteln. Aber als sicher darf gelten, dass nicht nur im letzten Viertel 
des 13. Jahrhunderts die Rottenburger zu ungewöhnlichem Ansehen im Lande sich 
emporschwangen und das Hofmeisteramt (spätestens 1277) der Grafen von Tirol 
erlangten, sondern auch schon bedeutenden Besitz in Südtirol sich erwarben. Sei- 
fridens Sohn, Jakob von Rottenburg, wird vom Grafen Meinhard IL von Tirol mit 
der Feste und dem Gei-ichte Segonzano belehnt, erscheint im Jahre 1296 als Haupt- 
mann von Pergine und erwirbt 1304 Güter beim Schlosse Königsberg; Seifrid IV. 
erhält nebst der Burg Rattenberg noch die Pfandschaft des Gerichtes Cembra 
(Burglechner 2, 3. 1099. Insbr. Statlh.-Avch., Schatzarchiv Nrn. 3733, 3761; 
Tirol, Arch. 4, 1—84. Sammler 4, 297). Der erste Besitz in KaUern ist für das 
Jahr 1^13 nachgewiesen (Tirol. Arch. 4, 35), doch konnte ich nicht finden, wie 
und rvann die Rottenburger Schloss und Gericht Laimburg und das Schloss Kaltem 
(Rotienburg) bekommen haben. Ich vermuthe, dass sie Laimburg zu Lehen erhielten 
und Schloss Kallern durch Kauf von den früheren Besitzern an sich brachten. Das 
Gericht Kaltem muss auch bei den Vereinbarungen zwischen Meinhard^s IL Söhnen 
und den Bischöfen von Trient diesen nicfit zurückgestellt toorden sein (Bonelli, 
Monum. 82 f., 86 f.), vielleicht aber unter Herzog Johann von Böhmen. Während 
dessen R^ierung erscheinen die Rottenburger zum ersten Male im Besitze von Laim- 
burg, als der Hofmeister Heinrich IV. von Rottenburg sich zur Vertreibung des 
Herzogs mit dem Adel und Margaretha MauUasch verschwor. Damals zogen Johann 
und sein Zeilgenosse und Freund Bischof Nicolaus von Tj^ient zweimal vor die Feste 
und zerstörten sie, zum zweiten Male, nachdem sie kurz vorher wieder erbaut worden, 
am 11. Juni oder 11. Oct. 1341 (Burglechner 3, 4, 316; Bonelli, Monum. 99). 
Falls aber Johann das Gericht Kaltem dem Bisthum zurückgestellt, so hat es jeden- 
falls der Markgraf Ludwig von Brandenburg, spätestens im Jahre 1347, wieder an 
sich gerissen (Böhmer, Acta imperii selecta 561). Von diesem Landesfürsten er- 
langte Heinrich IV. von Rottenburg zu seinen früheren Besitzungen in Kaltem und 
am Kaltei'er See wohl den Besitz von Gütern rebellischer Bauern (1348) und die 
BeleJmung mit den Leuten und Besitzungen, die er von den Genäu*schen um 165 Mark 
Bemer erkauft hatte, allein den Stab des Gerichtes zu Kaltem verpfändete Ludung 
zuerst dem Heinrich Campänner und darin Heinrich, Pfar^'er auf Tirol, seinem 
Pfleger des Stiftes Trient, das er ja auch im Jahre 1347 in Besitz nahm (Tirol. 
Arch. 3. Bd., Urkk. Nm. 681, 7c? 7, 767, 830; Monum. Boic. 8, 128; Sammler 4, 288 
bis 290; Böhmer, Acta ib.). Erst als der Hauptstamm und die Nebenzweige des 
Geschlechtes der Rottenburger im Innthal erloschen waren, gelang es der südtirolischen 



296 Kaltem. 

ze behalten, ab iendert ain punt wer in den hernach geschriben artikelOf 
der unser gnädige horrschaft an berüret, und nicht das camaun, wie der 



Liniey die nun edle Rottenhurgiachen Besitzungen aammt clem HofmeiiteranUe erlle^ 
den früher schon sehr reichen Besitz durch den Erwerb des Gerichtes Kcdtem zu 
vermehren. Denn am 14. November 1362 versetzte Herzog Meinhurd IIL dem Hof- 
meister Heinrich V, von Rottenburg die Gerichte Kaltem und Trantin mit dem 
Stabe und den Weisateti „^nverrait**^ um 896 fl. und 100 Mark Bemer Pfand- 
Schilling und versprach^ dass ein mit seiner Gunst gewählter Bischof die Losung 
thun solle, nachdem kurz vorher^ am 4. Jänner 1359, dessen Eltern das Capilel 
zu Trient in den Besitz plebis Caldarii et clericatus zu setzen Befehl enlassen 
(Sammler 4, 271; Bibl. tirol. D. n. 823; Statth.-Ärch., Schatz- Ar chiv-Rep. 2, 37). 
Als die Habsburger Tirol erwarben, erkannten sie anfangs die Lehensab- 
hängigkeit des Gerichtes vom Bisthum Trient um so williger an, als ja dieses durch 
den Vertrag vom 18, September 1363 unter ihre Oberherrschaft gerieth (Huber, 
Vereinig, Tir, 97); doch suchten sie zugleich ihren Hofmeistsr Heinrieh V. von 
Rottenburg im Besitze der Pfandachoft zu erhalten (Statth,- Archiv , Schott' Archiv- 
Rep. 6, 692, 802). Als dann Heinrich's V. Sohn, Heinrich VL, der letzte Rotten- 
burger, der wie jener, doch nur kurze Zeit, Hauptmann an der Etseh irar, sieh 
gegen Herzog Friedrich IV. empörte, wurden ihm nur seine zahlreichen Güter und 
das Schloss Kaltem belassen, das Gericht aber entzogen; nach seinem bald hierauf 
erfolgten Tode nahm der Herzog auch dieses und die zahlreichen Güter zweifels- 
ohne in Besitz (Brandts, Landeshauptl, 166 f., 190). So erklärt sich, dass gerade 
in Kaltem ausser den zahlreichen Amtsgefällen ein besonderer, mit dem Amte niclU 
verbundener, sondern stets besonders vencalleter „grosser Zehent^ mit einem eigenen 
Amtshause von ganz beträchtlichem Eintrage seit dem 15. Jahrhundert sich nach- 
weisen lässt. Die Lehensabhängigkeit des Gerichtes Kaltem von Trient erkannte 
Herzog Friedrich I V, im Jahre 1424 noch ausdrücklich an, obwohl er kurz vorher 
darauf wie auf andere landeifüratliche Besitzungen seine Gemahlin mit Morgengabe 
und Heiratsgut verwiesen hatte (Brandts, Tirol unter Friedrich 605; Liehnowsky, 
5. Bd., Urk. Nr. 1972), doch später gerieth dieselbe jedenfalls in Vergessenheit, wenn 
nicht etioa die Bischöfe darauf einmal förmlich verzichteten. Die LandesfUrsten 
verliehen dies Gericht fortan wie jede andere Pflege. Im Laufe des 15, Jahrhun- 
derts erscheinen als Inhaber der Pflege Kaltem unter Anderen: Joa^ehim Afont-ani 
(1412—1415), Hans von Castelbark (1434), Heinrich Campänner (1446), Conrad 
Fridung (1449), Leonhard von Weineck (1453), Wemher Fuchs von Fuchsberg 
(1465), Christof von Firmian (1470), Hans Ramung (1477), Daniel Khuen von 
Belasg (1485), Thomas Liechtenstein von Carneid (1486), Hans Baumgartner (1488) 
und Matthäus von Liechtenstein (1490) ( St atth.- Archiv, Schatz- Archiv- Rep, 6, 382; 
3, 1115; 2, 219. 521.' 584, 591. 604. 606; 1, 301; Schatz- Ar chiv-Nrn. 1369, 1128. 
1215. 1419, 1255. 1170; Wolkenstein, 14. Buch f. 62). Unter Weimher Fuchs 
erscheint das Gericht in „Pfäten^, tinter Cliristof von Firmian das Gericht ^Laim- 
burg^ mit Kaltem vereint und in der Folge blieb diese Verbindung beider Gerichts- 
bezirke. Während der Regierung Herzogs Friedrich IV, und des gleichzeitigen 
Bischof« Alexander, tcenn nicht vielleicht schon im letzten Viertel des 14. Jahr- 
hunderts^ bekam Kaltem das Trienter Statut, das kein anderes Gericht in Deutsch- 
land hatte, und dieses erhielt sich bii zwn Jahre 1681, wo Kaiser Leopold /. auch 
für Markt und Gericht Kaltem die tirolische Landesordnumj einführte, doch mit 
einigen Beschränkungen, die als die Freiheiten desselben erscheinen (Innsbruck, 
Wagucr, 1683). Unter der Pflegschaft des Hans von Castelbark kam obige Ge- 
meinde- Ordnung zu Stande und deren Ergänzung unter der Pflegschaft des Leonhard 
von Weiiieck. Im Jahre 1453 bevollmächtigten im Namen der ganzen Gemeinde 
Math, im Winkel, d. z. Tf<chinik, und die Geschwornen des Gerichtes drei aus 
ihrer Mitte ßir den Landtag, NOo' gab das GericJU 30 Mann Türkenhilfe. Im 
Jahre 14 ff 7 kauften Jakob und Simon Tänzl (Baumgarten) den grossen Zehent von 
Kaltem und STyO fl. Güllen auH dem Gerichtsamte daselbst, ersteren für 6000 fl., 
letztere für 7000 fl. (Wolkenstein, 14. Bd. f. 62; Statth.- Archiv, Schatz- Archiv- 
Rep. 2, 2.W; ibid Urk. Cop t, .77/; ibid Nrn. 860, 861; Lade 129J. 



Kaltem. 297 

genant werde, das der dem camaun und meniglich dn allen schaden sein 
sol nnd abgetott werden. 



Die 1496 in den Freiherren- und 1538 in den Grafemtand erhobenen 
Liechtensteiner von Carneid verbliehen bei der Pflege der y^IIerrachafl* Kaltem durch 
Am ganze 16, Jahrhundert und im 17., bis dieselbe auf den Grafen Francisk von 
L<tdron als Pfandschaft überging ^ der im Jahre 1637 in deren Besitz erscheint. 
Erzherzog Carl Ferdinand vei-pfändete um 1 05.000 ß. die Herrschaft Kaltem (mit 
LaimburgJ, die Baumg artner* sehen Pflegämter und den See daselbst (nebst Molveno und 
Zolleinnahmen zu Saccoundin Primov) an Antonio dal Monte und von dessen Erben loste 
»ie um genannte Summe der Freiherr Andre Giovanelli, der hiezu gegen Erlag wei- 
terer 10.000 fl. als Geschenk für die Hof kammer die landesfiirstliche Bewilligung 
erhielt (Statth.-ArchiVy Pest- Archiv XXVI, 244. 524). In den Händen dieser Fa- 
milie, die später den Grafen- und schliesslich den Fürstenstand erlangte, verblieb 
KaÜem bis in unser Jahrhundert (Dibl. tirol. D. nn. 828, II f. 20; 890, IV, 2; 
1190, I, 4; Sammler 1, 258). Freihen- von Conforti berechnete den Ertrag dieser 
Herrsche fi im Jahre 1784 nur auf 3990 fl. 22 kr. Der grosse Zehent allein, der 
am Ende des 16. Jahrhunderts sich in den Händen des Georg Friedrich Markgrafen 
von Brandenburg befindet, wurde am Anfange des 17. Jahrhunderts auf ein Durch- 
schnittserträgniss von 2500 fl. berechnet und warf nach Abzug der grossen Ausgabe- 
posten noch 1500 fl. Reinertrag für die Herrschaft ab (Statth.- Archiv, Pest-Archiv 
XXVI, 332). Unter den grösseren Ausgaben war ein Mahl am Ostermontag für 
die Gemeinde auf 80 Tischen, wobei 20 Yhren Wein, 40 Kälber, 24 Küzer, 
3 Centner Schweinefleisch, 40 Staar Korn zu Brod und 1200 Eier verbraucht 
wurden (Wolkenstein, 14. Buch f. 56). 

Die hairische Regierung t heilte im Jahre 1806 das Gericht Kaltem dem 
Landgerichte Bozen zu (Kgl. Bair. Reg.- Bl. 456), die italienische errichtete im 
Jahre 1810 das Friedensgericht Kaltem, das sämmtliche Gemeinden jenseits der 
Etsch von Prissian bis Curtinig umfasste und 7443 (!) Einwohner zählte (Bol- 
letino delle leggi 1810, II, 596). Am 14. März 1817 wurde das Patrimonialgericht 
Kallem und Laimburg den Grafen GiovaneUi wieder zujückgegeben (Prov.-Gesetz- 
Samml. 1817 S. 215). Doch diese sagten dasselbe schon im Jahre 1830 heim und 
im September 1831 trat das LandgeHcht Kaltem ins Leben, das noch als k. k. Be^ 
zirksgericht fortbesteht (Ferdinand. Bibl. LIII. i. 2; Staffier 2, 789). 

Wie in den beiden Gerichtsbezirken Kaltem und Laimburg, ausser den Ep- 
panern, Rottenburgem und deren Rechtsnachfolgern, den Grafen von Tirol, welt- 
liche Herren in früheren Zeiten nicht bedeutenden Besitz hatten, so gab es auch der 
kirchliehen Besitzungen, von denen der Bischöfe von Trient abgesehen, nicht viele. 
Von den tirolischen Klöstern erscheint Neustift daselbst begütert (Font. rer. austr, 
D, 34j 616), von den bairischen: Beyharting, Tegernsee und Scheftlarn. Tegern- 
See halte noch im Beginne des 19. Jahrhunderts zwei Höfe zu Oberplanüzing. 
Bischöflich trientinische Besitzungen werden wiederholt erwähnt (Mon. Boic, 8, 459; 
Ferd, Bibl. XLIV. i. 11; Alberti, Annali 19. 39. 138 u. a. a. 0.). 

Der Ort Kaltem reicht wohl t« die Römerzeit zurück. Die Pfarrkirche da- 
selbst soll der heilige Vigilius geweiht haben und bestand jedenfalls schon in der 
ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts (Alberti, Annali 4; Hormayr, Sämmtl. Werke, 
2 Urk. 1; BoneUi, Notizie 2, 357). Das Patronat derselben war im 14, und 17. 
Jahrhundert landesfürstlich (Statth.- Archiv, Schatz- Ar chiv-Rep. 3, 619). Der Ort 
KcUtem bekommt im Mittelalter nur einmal, im Heiratsvertrage Herzog Sigmunds 
vom Jahre 1448, wo er seine Gemahlin Eleonora mit Morgengabe und Heiratsgut 
auf dies Gericht verweist, den Namen oppidum (Bibl. tirol. D. 227, IV, f. 9), 
sonst heisst er immer villa oder Dorf, und selbst die Chronisten Burglechner und 
Wolkenstein nennen ihn noch so; in den obgenannten ,^ Freiheiten^ vom Jahre 1681 
wird er ^Markt^ genannt. 

Mit den Gemeinden- und Gerichfsbezirken Tramin und Curtatsch gemein 
hatte Kaltem das sogenannte Traminer Moos. Es war dies eine Strecke Landes, 
welche vom Südende des Kälterer Sees drei Stunden am rechten Etschufer nach 
Süden sich erstreckte. Dasselbe hatten die drei Gemeinden von einem Trienter 



298 KaUem. 

1. Item von der weg und wasser wegen. 

Item, es ist gesetzt, geordent und gemacht worden, das ain igliche 
person, der do irret [und] bechumbert gemaine oder andre wege, wasser oder 
flüß, daz sol er ledig lassen und ausrichten inderhalben fonfzehen tagen 
5 nach dem, als im kunt und zu wissen getan wird, an der stat, da er won- 
haft ist, das ist zu haus und ze hof. Tet er aber des nicht und das nicht 
wendet innen der benanten frist, so ist er yeryallen zehen phunt zu pen 
und ist er dennoch dester minder nicht zu wenden, noch außzerichten die 
obgenanten wege, wasser und flüß und die ze räumen, und welcher sich der 
10 pen widersetzen weit gen der gemainschaft, daz mag der tschink oder ain 
gemain wol pringen an ainen richter und den zu hilf nemen, helfen zu 
straffen denselben, er sei arm oder'reich, damit der gemainschaft gnuk be- 
schech, damit ire recht gehalten und nicht gekrengket werden. 

2. Item von der wein wegen ze messen. 

15 Item, ain iglicher, der do wein verkauft, der schol gemessen werden 

mit einem gesworen maß und mit keinem andern nicht, und schol auch 
gute und gerechte maß geben, und wer da wider tet, der ist vervallen 
zehen phunt, als oft er das tut, und ain iglicher, der das für pringt, der 
hat halbe dieselben pen. Ist er ain gesworner oder ain amptman, so ist im 

20 darumb zu glauben, ist er aber kain gesworner, noch amptman, so sol ers 
selb ander weisen mit dem aid. 

3. Item von ungerechter maß wegen in den wirtzheusern. 

Item, ain itlicher offner wirt oder wirtin oder der do wein verkauft, 

der do funden oder begriffen wirt in sein tavern mit ainer falschen und 

25 ungerechten maß, der ist vervallen 5 ^ perner, als oft man die begreift 

und find, und ain itlicher, der daz melden ist, dem gevelt dieselbe peen 



Bischof (nach einei' Sage vom htiligen VigUius!)^ »pätesten» noch in der ersten 
Hälfie des 13, Jahrhunderts, zum Geschenke erhalteny doch schon im Jahre 1241 
in Folge eines Schiedsspruches den Fleimsem daran/ zu weiden ei'lauben müssen 
(ÄWerti, Annali 12t; Slaith." Archiv, Schatz- Archiv Lade ISO; Wolkenstein, 11. Buch 
/. 131, Ms. Innsbrucker Univers.- Biblioth.), Nachdem diese Gründe bereits 1321 
und in der Folge wiederholt Gegenstand des Streites sowohl zwisclien den drei Ge- 
meinden untereinander als auch zwischen ihnen und den Fleimsem und Neumarktem 
gewesen, entschlossen sich erttere endlich, ohne die schon theils verloren gegangenen An- 
sprüche der Letzteren weiter zu beachten, zur Avftheilung des gemeinsamen Besitzes 
und zur Trockenlegung der Gründe, da durch die immer stärker gewordene Ver- 
sumpfung dei'selben, die in Folge der Vernachlässigung des alten Abzugscanales vovi 
Kälterer See in die Etsch eingetreten^ der Boden immer unfruchtbarer und die 
Luft immer mehr veipestet worden war (Bihl. tirol. D. 1331 f, 195; Brandts, 
Landesh. 156, 168), Bei der Avftheilung, welche Gitbernialrath von Conforti im 
Jahre 1110 an der Spitze einer Specialcommisnon durchführte, bekam von der 
Gesammtßäche, die man auf 20,890 Staar Land berechnet hatte, die Gemeinde 
Kaltem beinahe die Hälfte, Cur tatsch mit Soll etwas über ein Viertel und Tramin 
nahe ein Viertel. Den Auslrocknungsplan entwarf Ptter von Zallinger, der auch 
dessen Durchführung leitete und durch zwei Abzugscanäle mit dem geringen Kosten- 
aufwände von 40.000 fl. bewirkte, dass der früher nehr werthlone, ja gemeinscliüdliche 
Bodensich in wenigen Decennien in fruchtbares W'rin-, Acker-, Wiesen- und Weide- 
land verwandelte (Bibl. tirol, D. 1116, XIII, Mx). 



Kaltem. 299 

halbe; ist er geswomer oder amptman, so ist im darumb zu glauben, ist er 
aber nicht geswomer noch amptman , so sol ers selb ander weisen pei 
dem aid. 

4. Item Ton unrechter maß als gleser und köph. 

Item aber, ain itlicher offner wirt oder wirtin, der do het köph, ö 
gleser oder andre maß, die minder weren, dann rechte maß, als oft man 
daz begreift, ist er yervallen 5 Schilling perner für dasselbe geschir, und 
wer das fürpringt, dem gevelt dieselbe peen halbe; ist er gesworner oder 
amptman, so ist im darumb zu glauben, ist er aber des nicht, so sol ers 
weisen selb ander mit dem aid. 10 

5. Item von allerlai yerkaufens wegen, so daz haus angehört. 

Item, ain itlicher, der da verkauft gesalzen flaisch, sweines, kes, 
kuchenspeis, ol, smalz, waiz, koreu, smalsat oder andre essens-dingk, der 
sol gute und gerechte maßwage geben, und wer das überfür, der ist ver- 
vallen, als oft der funden und begriffen wirt, zwainzig Schilling perner, 15 
und wer daz meldet, der hat dieselben pen halbe; ist er geswomer oder 
ambtmau, so ist im darumb zu glauben, ist er des nicht, der soUs selb 
ander weisen mit dem aid. 

6. Item Ton falscher wagmaß. 

Item, ain itlicher, der da hat in seinem haus ain falsche wagmaß 20 
und die also nutzet mit kaufen und zu verkaufen, der ist veryallen 25 pfunt 
perner, und wer daz meld, der hat den vierten tail derselben peen; ist er 
gesworner oder ambtman, so ist im darumb zu glauben, ist er des nicht, 
so sol ers selb ander weisen auf sein aid. 

7. Item von der metziger wegen, der falsche gewicht oder wag biet. 25 

Item, ain itlicher metziger, der zu seinem hantwerk falsche gewicht 
oder wage biet, wo man daz erfindet, der ist vervallen 25 phant perner 
peen, und wer daz meldet, der hat den vierden tail derselben peen ; ist er 
gesworner oder ambtman, so ist im darumb zu glauben, ist er des nicht, 
so sol ers selb ander weisen auf den aid. 30 

8. Item von der müUer wegen. 

Item, ain itlicher müllner, der sol nicht mer außnemen, dann waz 
gesetzt ist, und welcher dawider tuet, der ist 60 Schilling vervallen, als 
oft man in begreift, und wer das meld oder furbringt, der hat halbe die- 
selben peen; ist er gesworner oder ain ambtman, so ist im darumb zu 35 
glauben, ist er des nicht, so sol ers selb ander weisen mit dem aid. 

9. Item von falscher maß von wegen der mülner. 

Item, ain igl icher mülner, der in seiner mül falsche maß hat, der ist 
vervallen zehen phunt perner, und wer daz meldet oder fürpringt, dem 
gefellet dieselbe peen halbe; ist er gesworner oder ain ambtman, so ist im 40 
darumb ze glauben, ist er aber des nicht, so soll ers selb ander weisen 
mit dem aid. 



300 KaUem, 

10. Item, wer weg oder Strassen abgrebt. 

Item, ab ain person abgrübe oder wüstet die Strassen oder ander 
gemaine wege, oder wie das wäre, derselb ist verfallen, x phunt perner 
und dennoch dasselbe wider wenden. 

6 11. Item, der auf den andern in frevel daz wasser lait. 

Item, ab ain person fürt oder lait frevenlich den verrunst des Was- 
sers auf ains andern gute, der ist vervallen x phunt perner peen, als oft 
man daz von im inne wirt, zu behalten dem sein scheden, der den schaden 
emphangen hat, gen dem, der daz wasser oder den runst auf in gelait hat, 
10 zu behalten ainem iglichen person; der mag sich behelfen auf dem sein 
mit ainem fremden wasser oder fluzze, daz da fliieß an ainem gemaine wege. 

1 2. Item, wie die metziger das fiaisch geben snllen die groß wag. 

Item, wir haben gesetzt, geordent und gemacht, daz ain itlich 
flaischekel oder metziger sullen geben und verkaufen flaisch pei der grossen 

15 wäg xviij ünz und sullen geben und verkaufen castraunein schon flaisch 
ain phunt umb ain zehner auf das höchst allen, die es kaufen wellen, und 
welchs nicht als schon ist, daz sullen sie nehener geben nach dem, als es 
dann die geswornen oder ambtleut erchenden, die darzu gesetzt werden, 
pei aiuer peen 5 <t( für ides phunt, die der vervallen ist, der daz anders 

20 kaufet oder verkaufet. 

13. Item von der metziger wegen. 

Item ain phunt kelberein und lempilaisch schons umb vij perner auf 
das höchst, und wes nicht als schon wer, daz sullen sie nehener geben 
nach dem, als dann die geswornen oder ambtleut, die darzu gesetzt werden, 
25 erkennen, pei der obgenauten peen. 

14. Item der metziger wegen. 

Item ain phunt gaisein oder puckain ilaisch schöns umb vj perner 
zum höchsten, und ab es nicht als schön wer, daz sullen sie aber nehener 
geben nach derchantnuße der obgenanten geswornen oder ambtleut, pei der 
30 obgenanten peen. 

15. Item von der metziger wegen. 

Item ain phunt gute scheffe-flaisch umb v perner zum höchsten, und 
wes aber nicht als schön wer, dos sullen sie aber nehener verkaufen nach 
der ambtleut rate und derchantnuß, pei der egonanten peen. 

35 16. Item von der metziger wegen. 

Item ain phunt gute sweinein flaisch umb x perner auf daz höchst, 
und ab es nicht also gut wer, das sullen sie nehener geben nach der ambt- 
leut derkantnuß, pei der benanten peen. 

17. Item von der metziger wegen. 

Item ain phunt sweinein Ilaisch gesrairtz, daz da gut ist, umb 
40 xij perner zum höchsten, und ain phunt sweinein flaisch, daz da nicht 



Kafter». 301 

gesmirt ist, umb v perner zum höchsten, nnd ob es nicht als schon wer, 
daz sullen sie nehener geben nach derkantnuß der ambtleut, pei der be- 
nanten peen. 

18. Item von der metziger wegen. 

Item ain phunt ochsen -flaisch oder rintflaisch, daz da gut ist, umb 5 
vj perner zum höchsten ; ob daz aber nicht als gut wer, daz sullen die ob- 
genanten ambtleut erkennen, und wie es die schätzen zu geben, da pei sols 
bleiben; als oft aber daz übervam wurde, als oft für iglichs pfunt flaisch 
T Schilling peen, als oben begriffen ist. 

1 9. Item der metziger wegen. 10 

Item, ain itlicher metziger, der da flaisch verkauft, sol nicht ver- 
kaufen scheffeins für castrauneins, noch ains für daz ander. Er sol idwedos 
geben und verchaufen, als es dann an im selber ist. Welcher daz überfür, 
der ist verfallen x phunt perner peen. 

20. Item von der metziger wegen. j^ 

Item kain metziger sol verkaufen schelmig flaisch an der panchk, 
und wer dawider tut, ist vervallen x phunt perner. 

21. Item von der metziger wegen. 

Item, auch sullen die metziger lemper, kelber, oder was es anders 
fiechs ist, alspald, und sie es abgestochen und todt ist, an demselben tag 20 
zestund auf tun und ausziehen und daz selbe viecli nicht halten unter der 
heut, als es ausgezogen ist, noch kain ticr nicht der plasen, noch mit 
kainem fremden vaisten zu unterziehen, und welcher dawider tuet, der ist 
verfallen xx Schilling peen. 

22. Item von der metziger wegen. 25 

Item, auch sol ain itlicher metziger die drüsse und phinn, die an 
ainem flaisch sind, auswerfen. Welcher des nit tet, der ist verfallen 
XX Schilling perner peen und schol auch desselben flaisch an der pank 
nicht vail haben. 

23. Item von der metziger wegen. 3q 

Item, ain itlicher metziger ist gepunden, ainem iglichen, der da 
flaisch chauft oder kaufen wil, ain halb phunt oder mer, dann ain halb, 
ze geben nach des kaufers willen. Welcher dawider tet, der ist verfallen 
XX schillingk perner peen, als oft man des von im innen wirt. Der daz 
meldet, der hat halbe peen. 35 

24. Item von der metziger wegen. 

Item, ain iglicher metziger, der sol ainem itlichen person, der da 
flaisch kauft oder kaufen ist, rechte wag geben. Als oft er dawider tuet, 
als oft und dik ist er verfallen für ide üntz v schillingk und zuwider 
keren zumachte schaden, dem er das getan hat. Und wer in rügt und 40 
färpringt, der hat dieselben peen halbe. Ist or ain gesworner oder ambt- 



302 Kaltem. 

man, so ist im darumb zu glanben; ist er aber nicht geswomer noch ambt- 
man, so sol ers weisen selb ander mit dem aid. 

25. Item, wer die suUen sein, die daz flaisch schätzen. 

Item, auch ist gesetzt, geordent und gemacht, das redliche, vemonf- 
6 tige unverlaunte man darzu erweit suUen werden zu überseher, desselben 
flaisch ze schätzen und zu beschawen also, daz nicht falsche wag oder 
gewicht gegeben werd und auch daz ain flaisch für daz ander nicht geben 
noch verkauft werd umb das, daz das yon den betarn wider die Statut und 
gesetzt nicht getan werde. 

10 26. Item aber, die daz flaisch beschawen und schätzen sullen. 

Item, die darzu geordent und gesetzt sind, die daz flaisch oder 
ander obgeschriben artikel schätzen und beschawen sullen, welche daz 
frevenlichen und abseumlich underwegen ließen und das nicht teten, der ist 
yervallen xx Schilling peruer peen umb die abseumung, und welcher daz 

15 aber frevenlich underwegen ließ, der ist verfallen lx Schilling peen für 
itliche täte, und ist hinfür yon seinem ambtman ze setzen, und sullen die 
schatzer daz ubervarn, daz der ander getan hat, melden an demselben tag 
oder an dem andern darnach auf daz maist, pei der benanten peen und 
irm aid. 

20 27. Item von des feurs wegen, daz zu bewarn. 

Item, ain itlich person, der in seinem haus fewerstat hat, der schol 
darinn nicht legen noch haben weder heu noch stroe, noch ander dingk, 
daz dem fewer zu nahen were, und das versorgen, damit das kain schäd 
davon auf chomen, und wer dawider tut, daz sich erfindet, daz es nicht 
25 versorgt sei, der ist für itliche fart, als oft und dick man des inne wirt, 
peen fellig xx Schilling. 

28. Item, zu versorgen fewer und Hecht im haus. 

Item aber sol ain itlicher person versorgen fewer und liecht in seinem 
haus, und er inne sitzen ist, er habs umb ainen zins oder nicht, also daz 

30 kain schedliche fewer darinn enizünt, noch prennen werden. Würd es 
aber darinn entzünt und prcunen, also daz es doch nicht über das dach 
chome, wo sich daz erfunde mit der warhait, so ist er verfallen x phunt 
perner peen. Kumpt es aber über daz dach, daz er das nicht redt, und ver- 
seumpt daz, so ist er verfallen xxv phunt perner peen; ist es, das ander 

35 heuscr davon auch schaden nemcn, so ist er vervallen l phunt perner, dennoch 
dem sein schaden wider ze kern, oder, ob er ainen andern hausgenoßen pei 
im innen biet, von dem das fewer von seiner hinlessigkait auf käme, den 
ßchol man gen hof antwurton, und derselbe geit die benant peen. Hat er 
der nicht zu geben, so sol er für die zehen phunt perner peen zwen monat 

40 gevangen ligen, dann für die xxv ^ perner peen pei iij monat, und für 
die L phunt perner peen ain halbs jarc. 

29. Item, wie die wirt liecht und feur in iren heusern versorgen sullen. 

Item, ain itlicher wirt der schol fewer und liecht in seinem haus 
versorgen; wer es aber, das sein haus allain entzünt wurde an ander leut 



KalUm, 903 

schedeo, so sol er im allain die scheden haben. Ist es aber, daz yon dem- 
selben prant ander seiner nachpawer heuser verprenten, den schol er die 
scheden widerkeren, also daz er weisen sol, das er von dem benanten wirt 
dieselben scheden genomen hab, und sol dester minder nicht gepiisst werden, 
als das recht inn hat, als oben geschriben stet. 5 

30. Item aber Ton des feurs wegen. 

Item auß ainem i glichen haus oder wonnng sol ain person zulaufen 
zum fewer mit notderf und mit mügen dingen, dasselbe fewer zu retten 
und zu leschen. Wer dawider tut, der ist vervallen xx Schilling, in irre 
dann ehafte not. XO 

31. Item, wie zu ^ der prunst die Wasserträger laufen sullen. 

Item, ain iglicher trager, der sol zu dem fewer laufen mit yren und 
wasser tragen nach allem seinem vermügen. Welcher aber nicht kome und 
sich darinn seumen ließ sein hinlessigkeit, der ist yervallen c Schilling 
peeuy als oft das beschech. Hat er aber der peen nicht ze geben, so schol lö 
er ain monat gevangen ligen, es sei dann ehafte not, als vor geschri- 
ben stet. 

32. Item, ob iemant dem andern in der prunst des feurs nem. 

Item, so ain geschrai oder fewer aufkäme, wer dann demselben icht 
nem oder enphremdet und das behilt, der sol gestraft werden nach weit- 20 
lichem rechten. 

33. Item, in dem haus ze haben rechte yrn und prenten. 

Item, ain itlichcr person sol haben in seinem haus rechte yrn, 
brenten, ster, mut, gelten, öl, stcrli und all ander masswag Meraner & und 
all ander gewicht, und sol weder wegen noch messen niemant, es sind dann 26 
die egenanten, die darzu gehorn, und wer dawider tet und falsche maß 
oder wage geb oder hielt, der ist yervallen x phunt perner peen umb ain 
itliche tat, und hat er der peen nicht ze geben, so sol er gelegt werden 
in tum und darin ligen iij ^) monat. 

34. Item von wegen der sneider, daz tuch zu messen. 30 

Item, ain itlicher sneider oder gewant-schreiter,^) der sol ain tuch 
aigenlich messen, als pald es im zu pracht wirt, e daz ers gesneit, und mit 
rechter maß messen ides, als im zugehert; als [oftj ainer daz übervert, ist 
er Yervallen xx Schilling. 

35. Item, waz ain sneider nemen sol. 35 

Item, ain itlicher sneider schol nemen vom ainem maus grawen 
rock iiij gl., von ainem ochsner grawen rok iij gl., von ainem guten 
siechten rogk ain phunt perner, daz da nicht mit rech-, fuchsen- oder ander 
küraenwerk underzogen wer. Da schol er aber von nemen, doch das ain 



•) wie man zu A. B, ^) ain B, ^) schiieiter B. 



304 KaUtm. 

gleichs ist, *und von einem engen rock und siechten leibrock ze Ion iij gl., 
und von ainem siechten kittel ze Ion iiij gl. Sol gehalten werden allsuDd 
iglichs bei einer pen oben geschriben.* 

36. Item, wie oft die tschinken, rigler und gesworen alle ding besohawen 
5 sullen. 

Item tschinken, rigler und gesworn sullen im jare zwir besohawen 
alle maß und gewichte 

37. Item, wie ain amptman erweit sol werden. 

Item, man sol keinen ambtman erwellen noch setzen, er sei dann 
10 ain gesessen man, der da etwas guter hab etc. 

38. Item, wer fruchper paum oder stam abhaut. 

Item, werpernden stam, paum besanvelt (sie!) abhaut, der da fruchper 
were, in Weingarten oder sust an andern steten, des ain ander in gewer 
were, oderschuef, das es getan würd an urlayb, der ist vervallen LÄf perner 
15 von idem stam, und hat er der peen nicht, so sol man im ain hant ab- 
siahen und schol dem, dem ers getan hat, sein scheden widerkeren, am tag 
gehortz der gemainschaft zu ze phenden, pei der nacht der herschaft 
zu strafen. 

39. Item, wie vil ain mülner nemen sol. 

20 Item, ain iglicher mülner schol sein muß nemen nach xxv steren 

und sullen tschinken, gesworen und ander, die darzu gesetzt sind, im gc- 
sworne messler darnach machen, und ain ider mülner das haben in seiner 
mül und arm und reich gleich malen und müssen, und welcher das überfür 
nach der klaine muß ze raiten, als oft ist er vervallen peen iij phunt perner. 

25 40. Item, wie ain mülner auf das mein nicht sitzen soll. 

Item, ain mülner, der ainem piderman fürt zu der mül sein waiz 
oder rogk, und wenn er daz zu raelb gemacht hat, der sol darauf nicht 
sitzen; als oft er daz tut, ist er vervallen 1 phunt perner. 

41. Item, ob ain mülner ainem daz sein in der mül verlür. 

30 Item, ain ieglicher mülner, der ainem daz sein verbüst in der mül 

mit malen oder sust, es sei welcherlai koren daz ist, als oft ain ster, als 
oft XV ß. und dennoch dem, dem der schaden beschehen ist, zu widerkeren 
sein koren oder waiz, was daz ist. 

42. Item von unsauberkait ze schuct^u an offner straß. 

3ö Item, ain ieglicher, der sein mist, gespül oder ander quat und iin- 

saubrigkait güß legt für sein tyr an offne strass und gemain, der sol es 
rainen in drein tagen; tuet er des nicht, so ist er der gemainschaft peen ver- 
vallen des eraten tags 1 // perner, des andern ij // perner, den dritten ia^ 
iij // perner. 

* — * von späterer Hand nach der Bemerkung in A. 



KaUem. 305 

43. Item ain richter roI von ainem gesessen man auch nmb unzuoht 

gewißhait nemen. 

Item, ain itlicher richter hie ze Ealtar sol kainen gesessen nach- 
paum van nnzncht wegen vahen, er sol im lassen gepieten und gewißhait 
zum rechten von im nemen und in straffen nach dem, und die sach ist, 5 
ioch auf gnad, es wer dann, daz ainer ain umbrecht mit dem tode, daz 
^at ain andern lauf. Daz waiz ain richter wol, waz darzu gehert, daz get 
lie nicht an. 

44. Item ainer, der nicht gewißhait hat zum rechten. 

Item, ain lediger kneoht, der nicht gewißhait hat zum rechten von 10 
iner solchen sach wegen, den mag er zu des gerichts handen nemen und 
Q straffen auf gnad. 

45. Item von wegen ze gepieten zu der rigel. 

Item, wenn t^chiniken, rigler und gesworner zu ainer rigel gepieten, 
o sol arm und reich gehorsam sein, der gemainschaft ehafte notdorft zu 15 
»etraohten, raten und helfen, und pei ainer itlichen rigel williglichen be- 
eiben und darzu komen, pei der peen, so dann ain itlicher tschinichk 
.uflegt; die schol auch genomen werden von dem, der ungehorsam were; 
s were dann, daz ainen ehaft not irret, das mag ain tschinichk im er- 
anben an peen. 20 

46. Item, wie ain fremde person nicht zu der rigel gen sol. 

Item, daz man kainen fremden ausserhalben des gerichts in die rigel 
licht nemen sol, noch darinn komen, er wer dann in botschaft weis oder 
n ehafter not, der sol mit der nachpaweren willen in die rigel gen. Wel- 
ihen man aber über daz begriff, der ist vervallen iij phunt pemer peen 25 
ler gemainschaft und suUen auch die von im genomen werden. Hat er der 
licht, so sol im die gemainschaft ain andre peen auflegen, damit er nicht 
ingestraft bleib. 

47. Item, welcher person aus der rigel sagt, waz geraten ist. 

Item, welcher nachgepawer oder gesessen man ausserhalben der rigel 30 
saget die rate oder andre werk, so dann da geraten oder vollbracht würden, 
3er ist verfallen der gemainschaft xxv phunt pemer peen und fürpaz, ob 
»8 darzu kam, zu verwerfen gen arm und gen reich und kainen ambtman 
ier gemainschaft noch süst niemer ze setzen, noch ze sein. 

48. Item von des wiemantz wegen. 35 

Item von des wimatz wegen, die da voraus wiement, sol niemant vor- 
aus wiemen, er sei reich oder arm, edel oder unedel, dann was von alter 
rigel-recht ist, als man daz im wiemats morgen'*) vor der kirchen berueft. 
Da sol tschinik, meiner herrschaft rigler und der gemainschaft rigler und 
die gesworen dapei sein, und wem dieselben tscbinicken, rigler und ge- 40 



*) wyemat sewrgens A. wiemat smorgeiis H. 
Ogfterr. Weisthümer V. 20 



306 KaUem, 

sworen derlauben, voraus zu wiemen, dem sein ze vil were, daz sich er- 
findet, dem fichol derlaupt sein von in. Ist auch derambtman dapeioderain 
zehendner von irr ehaft wegen, daz sehen sie gern, und sol sust niemant 
zu erlauben haben, dann die e gnanten ^) tschiniken und rigler, und ab 
5 es wäre, daz ainer käme nachmalen und sich verseumpt hiet vor der ki^ 
eben, der mag tschiniken und rigler gen erlauben, die im nach seiner not- 
dürft, dem sol auch erlaubt sein, und sust von niemant anders, und sol 
alweg die peen, die übervaren würd, steen tschiniken, rigler und gesworen 
und nach rat der gemainschaft in der haut, waz der verfallen were, der 
10 daz überfür an urleyb. 

49. Item, die wal des wassers abzekeren. 

Item, als oft ain wal des wassers, der abgekert wirt, der ist verfallen 
drei kreuzer peen. 

50. Item, wer markstain ausgrebt oder paut frevenlich. 

15 Item, wer markstain außpaut oder außgrüb mutwilliglich, der ist 

vervallen L phunt pcrner peen, die schol ain gemainschaft von im nemeo, 
doch auf gnad, oder ain haut. 

51. Item, wer den andern überpaut. 

Item, wer den andern yberpaut mit mutwilligleich und mit geverd, 
20 der ist der gemainschaft verfallen x Schilling pemer peen, und dem sein 
scheden wider ze keren, dem er daz getan hat. 

52. Item von durchschliefen des viechs wegen. 

Item, waz durchschliffens viechs ainer vindt auf dem sein, es sein 
hunt, swein, gens, hüner, gaiß, schaff, oder waz solchs viechs wäre, dax 

25 mag ainer slahen, hechsen oder derwerfen, und pringt er das umb von 
dem leben zu dem tode, er ist dem, des es gewesen ist, darumb nicht 
schuldig oder phlichtig, wider zu keren, und ist auch kainer peen vei-vallen, 
es wer dann, daz es ainer oder aine dem andern zu neid und haß tet, wo 
sich daz derfündt mit ainer warhait, der ist darumb zu straffen. Do waiß 

30 ain richter wol, waz recht darumb ist. 

53. Item, von wegen ains pharrers. 

Item, ain itlicher pharrer hie zu Kaltar, der schol selbfunft priester 
sein, ij gesellen und ij caplan und er, und die meß halten und die voll- 
brengen, als dann von alter herkamen ist.') 

35 55. Item, von wegen ains pharrers. 

Item, ain igl icher pharrer schol gute gcswisne priester haben und 
halten, die da gesellen sein oder sein sullen, die den gotsdienst mit singen, 
lesen, predigen und ain gemainschaft versorgen kunnen und mügen. 



^) eprnan A. B. 

') Dieser §. ist in beiden Abschriften ais „54" wiederholt. 



KaUei-n. 307 

56. Item, von wegen ains pharrers. 

Item, ain igl icher pharrer, der gesellen hat, die der gemainschaft 
gevallen mit singen, lesen und predigen, dem schol er nicht urlayb geben 
an der nachpawer willen, er sols an si pringen. Hören sie, das es solche 
sach ist, daz sein ain pharrer recht hat, so mag er in lassen gen, doch daz 5 
er nach dem, als im urlayb geben ist, ain ganz monat sten sol im dienst, 
und daz verkünden auf der kanzell. Ist im imant schuldig, das mag er 
intreiben; beleibt er imant schuldig, daz er daz auch rieht, damit daz er 
und die nachpawern nachmalen unbekumert sein. 

57. Item, aber von ainem pharrer. jq 

Item, ab daz war, daz ain pharrer ain gesellen biet, der den nach- 
pawern nicht geviel, daz sullen sie auch an ainen pharrer pringen, der 
80I im urlayb geben und in nicht wider die nachpawern halten. Hort er 
aber, ^) daz es solch sach ist oder berürt, daraus ain kumber wurde, so sol 
er in lassen geen. 15 

58. Item, von wegen der mess gen ainen pharrer, die lassen zu halten. 

Item, ain itlicher pharrer sol die mess halten und haben lassen, als 
»i von alter gestieft und herkomen sind. Wil er dreissigt oder süst ander 
ampter halten oder halten lassen, die sol er durch ander priester halten, 
^Qd nicht den nachpawern ir gewonliche messen abbrechen. 20 

59. Item, aber gen ainen pharrer. 

Item, ain itlicher pharrer sol seinen gesellen und caplan geben und 
volgen und widervarn lassen, daz in zugehört, ir merend, slaftrinken und 
andre ir recht. 

60. Item, von wegen der schuester. 25 

Item, ain iglicher schuester, der schol geben und machen ainem manne 
fürsaz und solen umb v gr., ainer frawen und ochsner umb iiij gr. Item, 
wenn ain nachpaur sein soUeder ainem schuester gibt zu machen und ze 
Bolen, 80 sol ain schuester im drät darzu geben und sol nit mer nempen ze 
loD, dann 1 gr., und als oft er mer nimpt, ist er condempnirt xx ß; der im 30 
aber mer gibt, ist condempnirt umb x ß. 

61. Item, von der schuester wegen. 

Item, welcher schuester ainem nachpawern, er sei arm oder reich, 
macht schue in seinem haus, vom par ze Ion ain kreuzer und nicht mer. 

62. Item, wie oder wem ain tschinichk raitung tun sol. 35 

Item, ain iglicher tschinichk hie ze Kaltar sol ainer gemainschaft 
^or reich und arm, die man darzu gehaben mag, raitung tun, wenn sein 
jare und zil aus ist, umb all sein internen und ausgeben, daz er dann von 
der benanten gemainschaft wegen getan hat, es sei wenigk oder vil, und 
Wenn er verrait und der gemainschaft gnuk getan hat, daz si ain benügen 40 

*) aber gestrichen A, B, 

20'* 



308 KalUsm, 

haben, begert er dann ains qnidtbriefs, den sohol im die gemainBchafl 
geben, doch in seiner zerung. 

63. Item, die gesworen ze pieten zu ainer rigel. 

Item, wenn die gesworen zu ainer rigel gepieten, es sei reichen oder 
5 armen, die sullen darzu komen pei ainer peen, so der tschinik, der her- 
schaft rigler und der gemainschaft rigler darauf legen nach dem, und die 
sach ist, fürzepringen den nachpawern. Daz schol dapei bleiben pei der- 
selben peen, es wer dann, daz ainen ehafte not irret. Das schol auch be- 
dacht werden. 

10 64. Wog in güeter. 

Item, wo zwen nachpaurn güeter an ainander haben liegen, es sei 
acker oder wiesen, do ain wegk über get, derselbe wegk sol auf paider 
tail güeter gleich gen, es wer dann, daz ain tail oder si paide leut oder brief 
darumb bieten, die selten fürchomen und verhört werden vor tschinigkeo. 
15 rigler und gesworen ze Kaltar, und wenn si die aigenlich verhört bieten, 
so sol aber auf paidem tail beschehen und derchannet werden, waz 
recht ist. 

65. Markung. 

Item, wann zwen nachpawern pei ainander heuser haben und 

20 marchkstain zwischen ir sind, wil iglicher besunder pawen, so sollen sie 

dem marchkstain weichen, daz man zwischen dem markstain und der 

mawer ain schuech nach der leng gesetzen müg; wollen si aber mit ainander 

ain mawer füren, die schol ''^gesetzt werden mitten auf den markstain und 

schol* ir peder sein. Welcher tail aber zu dhain Zeiten hocher pawen 

25 weit, der schol den andern tail wissen lassen, ab er im helfen weil. Hil- 

fet er im mawern, so schol er mitsampt im tail und gemain haben in 

der mawern, also wol, als unten. Wer aber, daz er im nicht helfen ') 

wolt, so sol er dhain tail in der newen mawer haben, die sein nachge- 

pawer dn sein hilf gepawet het. Wolt er aber kunftiglichen trem in die 

30 mawer legen, so sol er im die arbait halbe widerkeren, die sie in gestanden 

hat; so mag er aber darein legen als wol, als er. 

66. Gärten und höf nöben ainander. 

Item, wann ainer ain hof oder ain garten hat bei seinem nachpawern, 

der sol in urabzainignen in seiner zerung seinem nachpawern an alle 

36 schaden. Wer sich des widersetzet und nicht tun wolt, so schol im ain 

tschinichk pei ainer peen gebieten, die darauf gesetzt wirt, daz er daz tun 

sol, und die peen als oft nemen, als oft er das überfert. 

67. Wein schenken. 

Item, ain iglich wirt, der da wein schenken wil, der schol kain wein 

40 auf tun noch schenken, er sol nemen den tschiniken und rigler mit im 

und sie den wein kosten lassen und versuchen lassen, und wie im der 

*— * fehlt H. '■') helfet A. B. 



t 

Kaltem. 309 

tschinik und rigler den wein anslahen und auf haiBsen tun, des schol er 
geTolgig sein, pei ainer peen v &f und die peen von im ze nemen, als oft 
er daz überfert. 

68. Zaun machen. 

Item, wer ain zäun machet pei dem gemain geweg, der schol stoßen 5 
die storfen von den gertn auf seinen tail, und wo darin ain markstain 
steet, dem schol er weichen und nicht überzeunen, pei ainer peen ^^) xx Schil- 
ling, und als oft daz erfunden würd, als oft schol die peen genomen werden. 

69. Von der lerchen -stecken wegen. 

Item, ob ^ ') ain walch ab dem Nons muet biet, zu fürchaufen lerchin lO 
stecken, und die mainet gen Tramin, gen Churtatsch oder gen Eppan ze 
füren, dieselben stecken sol er vor herab gen Ealtar zu der kirchen auf 
dem gemain platz vail haben unz auf gueten mitten tag und die den nach- 
panm daselbs günnen und zu chaufen geben, waz dann ain pillichs und ain 
gleichs ist. Will aber die niemant chaufen nach dem, als er die gehalten 15 
hat auf dem platz, so mag er die nachmalen fürn und verchaufen, wem 
er wil in der pharr, es sei zu Tramin oder zu Churtatsch, und doch aus 
der pharr ze Kaltarn nicht. Als oft daz ainer überfert und anders begriffen 
wirt, als oft ist er der gemainschaft ze Kaltar verfallen x & perner. 

70. Lerchen-steoken. 20 

Item, welche die wern, die dieselben lerchin stecken fürchauften 
auf tewerung und die den nachpauren herwider mainten ze chaufen geben 
anf das höchst, welche die sind, die daz tuend, daz man sein innen wirt 
und sich derfunde, der ist vervallen der gemainschaft für ietliche fart 
iij €f perner &n gnad. 25 

71. Zein machen. 

Wo ainer ainen zaung pei seinen nachpaurn hat, den er allein machen 
muess, da sol er die storfen auf sich selber kern und nicht auf seinen 
nachpaurn. Wo er dawider tuet, daz sich derfindt, der ist vervallen dreü & 
perner peen. 30 

72. Zein machen. 

Item machen aber zwen ainen zaung mit enander, so mügen si wol 
die storfen auf paiden tailen keren, hin und her wedern tail, an alle peen, 
doch nngevärlich. 

73. Saltner. 35 

Welcher man oder frau ainen i etlichen gesworen saltner von ainer 
füge wegen, die er tat, des er war und recht biet, liegen hieß, derselbe, 
6r sei man oder frau, ist der gemainschaft vervallen v & perner peen, als 
oft daz beschicht. 



10 



') peen] pei A, B. ") wo -4. 



310 Kidtem. 



74. Saltner. 



Item, welcher saltner ainen oder aine rügt und fiirgeit dem andern 
zu ainem geweren, und sieh daz nicht derfindt mit warhait, derselbe saltner 
ist falsch und mainat gehaissen und steet in der gemainschaft ungenaden 
5 und sol hinfür zu kainem saltner, noch amptman nicht genomen, noch ge- 
setzt werden und umb daz übervaren gestrafft werden. 

75. Von kaufen und verkaufen. 

Item, welcher nachpaur hie ze Ealtar an offen platz chaufen und 
[yerjchaufen wolt, es war körn, smalz, kes, har, oder welcherlai daz war, nicht 

10 aussgenomen, kumpt seiner nachpaur ainer und wolt auch gern chaufen 
und des auch nach notdurft bederft in sein haus, sein wer wenigk oder 
vil, daz sol er im mit günnen, doch umb sein gelt, als er es chanft hat; biet 
aber der erste chaufman dieselbe chaufmaschatz pracht in sein haus, und 
wer niemant auf dem platz zu zim komen, daz er es allein zu zim pracht 

15 und chauft biet, chäm desselben tags ain nachpaur zu im, er wer arm oder 
reich, ^^) dem sol er desselben chaufs geben und widervaren lassen in dem- 
selben chauf und nicht höher, und daz alles ungevärlich pei ainer peen 
XXV ß. Kam aber desselben tags niematz, weder auf dem platz, noch in 
sein haus, der desselben chaufs auch haben wolt, und begeret umb sein 

20 gelt, derselbe, er wer arm oder reich, mag dasselbe, waz er chauft hiet, 
fürpasz halten, nützen und verchaufen, wie er dann mag oder chan, an alle 
irrung meniglichs. 

76. Guet weg zu geben. 

Item, wo man '3) gut wegk sol haben **), darumben ain irrung ist, 
25 ruft man tschinigken, rigler und die geaworen an, dieselben irrung aus- 
findig zu machen. Die sullen daryber geen und daz miegclich beschawen 
und weg geben auss dem selben pau zum nächsten zu der gemain und gen 
dem dorf. 

77. Lucken zu schoppen. 

30 Item, wo zwen, drei oder vier weg haben zu ainer lucken ein, die- 

selben sullen mit enander die lucken helfen schoppen und vermachen. 
Welcher dan unter in zu derselben lucken invarn und aufprechen ist, der 
selbe sol si allain versorgen und vermachen, damit *^) daz dem andern 
seinen nachpaurn daselbs in seinem pau dadurch kain achad bescheche. 

35 Ist, daz im dadurch schad boschioht, der sol im widerkert werden von 
dem, der die lucken aufgeprochen und gemacht hat, nach derkantnuss der 
ambtleut, die darzu gehern. 

78. Güeter-weg von 3 nachpern. 

Item, wo zwen nachpaurn guter an enander haben, dadurch der 

40 dritte, ainer oder mer, weg bieten auf ire guter, die hinten daran stiessen 

oder gelegen weren, dieselben sullen varn zu rechter zeit, e daz da«< körn 

»2) reich fehlt in den lU. i3) man] ain Ä, B, ><) haben fehlt B, 
1=^) damit /cÄ/^ B, 



ÄttÄem, 311 

oder gras die lang wiet berüre. Welche aber des nicht täten und darüber 
fiirn, als oft si daryber fürn, daz sich derfünde, als oft sint si von ieder 
vart tschingken, gosworn und den ambtleuten der gemainsch'aft verfallen 
XX it pen, nnd dem, *dem der schad beschehen ist, auszerichten dieselben 
seine schädn,* so er darumb genomen hiet. ö 

79. Dach tropf an. 

Item haben wir erfunden, wo die nachpaurn häuaer haben bei ein- 
ander, sol ain iglich nachpaur sein dachtropfen dem andern an schaden 
halten, und wo si daz irr weren, das sol erchant werden durch tschinig, 
riglar der herschaft und der gemain und die gesworen. 10 

80. Paumgärten an acker und weingieter. 

Item haben wir erfunden, wo ein paumgart leit, da weingart an 
stossen oder äcker, die ain rigler gehöret, wes der paumgart ist, der sol in 
halten dem selben pau an allen schaden, bei der peen xxx ß, als oft er 
das übervert. 15 

8 1 . Peunten oder garten. 

Item haben wir erfunden, wo peunten sind oder gärten, die da 
stozzend sind an ain rigl, es sei weingärt- oder veltrigel, der selb eols den 
nachpauren halten an allen schaden, und sol si schoppen, es sei gärten 
oder peunten, bei einer peen xx ß, als oft er das überfert, darvon.'^) 20 

82. Vichschaden. 

Item, so haben wir erfunden, wer da frävenlich mit seinem vich 
bei der nacht seinen nachpauern schaden tuet, der ist condempnirt umb 
XX €i perner, und das gehört bei der nacht dem gericht zu, und wer aber 
bei dem tag frävenlich seinem nachpauren schaden thuet, der ist con- 25 
dempnirt umb zechen ft perner und gehört der gemain zu behalten, 
dannoch eenem seinen schaden, der sol durch die ambtläut geschätzt werden. 

83. Saltner gesetz. 

Item, als die herschaft und daz camaun saltner setzent ist, als pald 
si gesweren, daz man in den aid geit, so sol kain saltnär hinabwertz für 30 
die clausen an Urlaub tschiuick, riglär und ambtläut geen, und hinaufwertz 
für den kalten prunnen ze kräutz auch nit suUen geen, und als oft si 
daz tuen, so sind si condempnirt umb xx ß. 

84. Saltner. 

Item, auch sol chain gesworner saltnär dhainen andern an sein stat 35 
setzen, es sei weingart- oder veltsaltnär, an der ambtläut willen, als oft er 
daz ybervert, ist er condempnirt umb xij ß. 

85. Saltner. 

Item, es sol im chain saltner selber Ionen an den willen, des die hab 
ist, und wenn er das tat, das sich erfünt in warhait, so war er Verstössen 40 
von seinem aid und ist vervallen dem camaun x it perner. 



»—* fthli Ä, 1«) dar sc. A, dam B. 



312 Kaltem. 



86. Saltner. 



Item, wenn der tschinig und die gesworen die saltnär bei der nacht 
suechen und wellen saltnar si nit vinden bei seiner huet, der ist komeD 
umb Tj gr., als oft man in suecht und man in nit yindet, und wenn man 
5 si suecht bei dem tage und nit yindet, der ist komen umb iij gr. 

87. Saltner. 

Item, wenn die ambtläut, tschinig, riglar und die gesworen suechen 
wellen di 8al[t]när, weller saltnär den andern warnet bei der nacht ze 
blasen mit seinem hören, als oft er das tuet, so ist er chomen umb vj gr. 

10 88. Pader. 

Item, von der pader wegen in Ealtar, was ir Ion ist ze nemen Ton 
ainem person, als dann daz an ainer offen gemainen rigel dasei bs durch 
reich und arm erfunden ist worden, und auch daz unser alte gewonhait 
und recht ist. 

15 89. Paden. 

Item, ain ietlicher person, es sei frau oder man, der slechtiglich 
paden ist, sol geben nicht mer, dann zwen vierer. 

Schirt aber ain man, der sol geben drei vierer und auch nicht mer, 
und albeg von ainem ietlichen hörnli ain vierer und nicht mer. Wer aber, 

20 daz seine knecht ainem oder ainer in ainer padstuben so wol dienten mit 
reiben, mit tzwachen und mit andern Sachen, so dann darzu gehorte, der- 
selbe oder dieselbe mag ainem knecht, wollen si es tun, wol ainen vierer 
geben und schenken, aber *^) von rechtawegen nicht. Get im ainer oder 
aine nach ader ze lassen, davon ain vierer; get er in aber nach ze haus, ze 

25 Ion ij vierer. Item von den priestern dem maister ain kreuzer und dem 
knecht ain vierer, und als oft ain maister von ainem person mer neme 
oder nemen wölte, als oft daz fürpracht und gerügket wirt, als oft ist er 
verfallen 1 lib. perner. 

90. Pader. 

30 Und als oft ain person, frau oder man, mer gebe, derselbe ist auch 

verfallen vj gr. ; als oft ainer daz klagt und fürpringt, der hat halbe peen. 
Ist er ain gesworen, so ist im darumb zu gelauben, ist er aber nicht ge- 
sworner, so sol er daz selb ander weisen auf den ait. 

91. Frembde gest. 

35 Item, von fremder gest wegen, was im die mer yber die obgenanten 

Ordnung geben oder geben weiten, daz mag er nemen ungevärlich. 

92. Holz auf der gemain zu machen. 

Item, von des holzes wegen, er sei reich oder arm, edel oder unedel, 
daz sol niemant pei gerbe abslachen. Als oft ainer daz überfür, der ist ver- 
40 fallen v lib. perner. 

»7) aber] oder A. B. 



KaUem, 313 

93. Fronpoten. 

Item, 80 haben wir erfunden von des fronpoten wegen, daz man im 
nit mer geben sol, zum lantzrechten von einem furpot sechs perner und 
nit mer, nnd von einem gastrecht nit mer, dann zwen fierer, und wer da 
mer gibt, ist condempnirt zue ainer iglichen yart umb zechen ß. 5 

94. Geding der ehehalten. 

Item, wer ainem ain ehalten dingt auz seinem zins, da ist der herr 
dem selben ehalten nit gepunten ze geben sein Ion, und ist der selb knecht 
condempnirt umb xviij ß. 

95. Tagwercherlon. 10 

Item, 60 haben wir erfunden, das man ainem tagwercher Ton sand 
Jörgen tag hunz auf sand Michels tag von tag nit mer geben sol, dann 
iij gr., und wer da mer gibt, ist condempnirt xx ß., und wers da nimpt, 
ist condempnirt umb vj ß. 

Item, und von sant Michels tag hinwiderumb auf sand Michahels 15 
tag sol man ein tagwercher geben ij gr. und nit mer, und wer da mer gibt, 
ist condempnirt umb die peen oben geschriben, und wer da mer nimpt, ist 
condempnirt umb die peen oben geschriben. 

96. Weg durch gieter zusam. 

Item, so haben wir erfunden, wer da weg über ächker oder wisen 20 
hat, der sol varen zu seinem guet zu rechter zeit, also wenn das koren get 
einen wagen an die langk wit, so sol er nit varen. Wer das übervert, ist 
condempnirt, es sei in wisen oder über äcker, umb xxx ß, und enem seinen 
schaden dester minder nit abgelegt nach erchantung der gomainschaft 
gesworen, als lang, pis das koren und gras abchäm. 25 

97. Fronpoten gsaz. 

Item, es sol ain fronpot gehorsam sein ainem tschiniger und der ge- 
mainschaft ze Kaltarn und sol albeg rufen an die rigel oder was ain 
tschinig notdurft ist. Darumb sol im ain ieder hauswirt geben 1 garb 
rock, 1 garb waitz und ain sterel wein im wimad. 30 

98. Poten. 

Item, ain ieden schergen und fronpoten sol setzen und entsetzen ain 
richter, doch allweg mit der gemainschaft willen. War aber, daz ain richter 
dem Schergen Urlaub wollt geben an der gemainschaft willen oder setzen 
wollt, so sol der scherg kain wein, noch koren sämen unter der'®) nach- 35 
paurschaft und gemainschaft, sunder er sol nur wartent sein seins Ion, als 
oben geschriben steet. 

99. Die tschinggeu und geschworn raiten. 

Wenn die gemainschaft tschinigen und gesworen setzen wellen und 
wenn daz jar aus ist, so sullen die gesworen dem tschinigken verraiten umb 40 



") untt der A. 



314 Kaltem. 

all sach, das in irem jar geschechen ist. Item, so sol dann ain tschinig 
der ganzen gemain verraiteu, arm und reich, und niemand anders, bei 
ainer peen x & perner. 

100. Kirchen raitung. 

^ Item, wenn ain gemain ain kirchprabst setz, wenn sein jar aus ist, 

so sol er verraiten den tschiniken, gesworn und der ganz gemain und 
anders niemant, bei ainer peen x €S. 

101. Mössner halben. 

Item, 60 haben wir erfunden, daz niemant kain messner hie bei der 
10 pharrkirchen setzen oder entsetzen sol, noch enmag, dann die gemain. 
Item, so ist daz sein Ion, wenn er ainer leich laut mit den zwain klainen 
glecklein i gr. und mit den drein ij gr., und wenn er ainer leich laut mit 
allen glocken, ze Ion iij gr., von ainem jartag ze morgens und ze abent 
iij gr. Item, so sol man dem messner geben, von i glichen hauswirt in snit 
lö auf dem veld geben ain rocken -garb und ain waizen-garb, und ain sterel 
wein im wimad iglicher person, die weingart haben, bei einer peen xxx ß., 
und wenn er mer nimpt, ist er condempnirt umb x ß. 

102. Item, so ist ain ietlicher person, der ain schopher ist, wann 
der kaufen komet, der die fürvasz füren wil, so sal der schopher und die 
20 gesworen mit laiter komen und die fürvasz aufladen; davon sal im ain ieder 
kaufman ij gr. geben, und wann er daz vasz versiecht, i gr. geben und den 
gesworn iedem i gr., der darzu komet, und sal man den gesworn kunt 
thun, ob man in nit kunt thun thet, dannoch sal man in ieren Ion gebu 
und darzu schullen helfen laden nach irem vermügen. 

2ö 103. Statut von der feierzeit. 

Item, so ist daz gemacht und derfunden durch den Angeben, die ^'^) 
zeit zchinck, den Theis im Winckel, die zeit der herschaft riglar, den Abiein 
Feier, der gemainschaft, den Rueman Linhart von Fandoi, Nonar riglar, 
diegeschworn daseibist: Michel Bonom,SigmuntZchöa, Michel Fibian, Nicla, 

30 des Wilhelm Maurers sun, Fridrich Hosel und durch die ganzi gemaun zu 
Kaltarn, mit willen, wissen und wort des edlen vesten herr Hans Kastel- 
varcker,^^) die zeit pfleger zu Kaltarn, und mit willen, wissen uud wort 
des erbern priesters herr Joanes, der Cappene cappelan, die zeit au stat 
und in namen des erbern uud weisen hern Hans Stainheuser, uusern 

35 pfarrers zu Kaltem, ain Statut also, daz hiufür alle samstag, wen ez xij ge- 
schlagen hat, 80 sol der mesnar mit der grossen glocken ain gutti vart 
leuten, und darnoch, wenn es ains schlecht, feierabent leuteu, und oft des 
sol idman und mäniclich feierabent haben und von der arbait lassen, ez 
aeint bauleute, mader, Schnitter, hantwerkman, kain auszgenumen, und 

^^ welcher daz nicht halten wolt und daz überfuer, der sol ain Ä^ wags oder 
vj gr. peen an gnade verfallen sein, und die peen sol der kirchen gefallen 



19) die fehlt A. 20) Kastelbeneker A, 



KaUtm. 315 

in dem langen, da der man gesessen ist, nnd daz sol also gehalten werden 
in der ganzen unsern Frawen pfarr zu Kaltem. 

Hienach ist derfunden, daz kain pader sol kain mensch nach der 
Vesper paden, nnd welcher daz yberfuer, der sol ain fif perner verfallen sein. 

104. Item ist mer gemacht nnd derfunden, daz kain zchinch, riglar, ^ 
geschwom, noch die g6maun sollen kain rigel, noch ainlaitung haben, 
noch thun am suntag, an unsern Frawen tag, an zweifboten tag, vor 
singens und vor dem rechten ambt. 

* Das alles obgeschriben hat der edl und vest Linhart von Weineckh, 
die zeit pfleger zu Kaltem, bestett mit seinem willen an stat der herschaft, 10 
doch pei ainer peen fünf phunt perner, der herschaft vervallen, welcher 
phant wiert umb die obgenante peen, und ist die bestettung beschehen in 
der jarzal des hern tausent vierhundert und in dem Iviij. jar am palmtag 
in gagenwurtickait Hainrich von Hof, die zeit tschinckh, Gaspar Zörnln, 
der gemainschaft rigler, Michel Vinian, Thoisel, Moring, gesworne in dem 15 
unterdorf zu Kaltem, Linhart Huber, Fridrich Kurzbristln, gesworne in 
dem mitldorf, Nicola Flari, Kudolf Peterstel, gesworne in dem obern dorf, 
David Concin, Toman Com, gesworne ab Alten bürg.* 

Hie sind vermerkt alle unser recht und gesetz, so die gemainschaft 
ze Kaltar gen ainem iegkleichen pfarrer daselbs hat, er sei gegenwürtig 20 
oder künftig. 

Pharrer. 

Item des ersten, ob ain pharrer dieselbe pfarr zu Kaltar nicht selber 
verwesen möcht oder wolte, so sol er ainen erbern, fromen, gelerten prie- 
ster zu ainem vicarier setzen, der die pharr und auch die gesellen und 25 
auch kapplan nicht bekrenkte an iren rechten, sunder allen in gnugen 
thu, wie denn das gestiftet und von alter herkomen ist. 

Item, ist es, dos der pharrer priester ist, so soll er vier erber wolge- 
lerter priester zu ini haben. Der sullen zwen teutsch sein, und der dritt 
gesell sol welsch künnen, und sol ietwederm gesellen zu jar solt geben 30 
XL phunt perner und sol in darzu volgen lassen, was von der stole gevellet, 
und sol dann den andern zwaien kapplan iren gewonleichen jarsolt volgen 
lassen, als von alter herkomen ist. 

Wer auch, daz der pharrer oder sein vicari .... priester ist und in 
solicher krankhait wer, das er das ampt nicht volpringen mocht, so sol er 35 
ainen andern frumen priester an seiner stat haben, also dos ir albeg fünf 
sein, die in unser Frawen kirchen alle tag mess haben, ausserhalb der 
messe auf der heiligen drei kunig altar, die der Campenner verwesen sol 
und mit ainem kapplan versorgen sol, als den das auch geschaffen und ge- 
stiftet ist etc. 40 

Item, ob der pharrer die zwo messen im spital verwesen und auch 
die guter, so darzu von dem Rotenburk geben sint, haben wil, die er 
auch inhaltet, als man die namen wol waisz, so sol er aber haben zwen 
erbar frum kapplan, die alle tag zwo messen in demselben spital haben, 
und das die nicht abgen, oder aber unser genediger herr von Osterreich 45 

*-* fehlt A. 



316 KaUem. 

mag die selben guter nemen, so die von Rotenburg zu den zwain messen in 
spital geben und gestiftet haben, und mag selber zwen erber kapplan 
darauf besetzen, die die selben zwo messen verwesen, und auch die guter 
darumb in nemen und niessent, wann die selben zwo messen in den widern 
5 nicht gestiftet sint, als sich das wol vindet. 

Item, am freitag ain ganz vigili und ain gesungen ampt. Item der 
pharrer sol haben ain schulmaister und zwen schuler, den sol er albeg di 
kost geben und alle zwelfpotentag 3 gr. und all ophertag vj 

Item, es sol auch kainen menschen, weder arm noch reich, nicht 
10 gepunden sein, von dem heiligen öle und krisem icht zu geben, wan der 
pharrer darumb ain wisen unterhalb der kirchen ain hat, die darzu 
geben ist. 

Item, es sol der pharrer gepunden sein, seinen schulmaister und 
kapplan marent und schlaftrinken zu geben von der leiten under dem 
15 widem, die die Lätscher darzu geben und das also gestift haben. 

Item, es sol auch der pharrer den kapplau volgen lassen alle jar von 

den jartagen, so die herrn, die von Mainburg, von Küngsegk, Guetwillen, 

hern Cuntl von Zogezon, Laetscher, Maesser oder ander herrn gestift haben, 

iren tail, was in des pilleich und von alter her gevolgen sol, und des 

20 gleichen ainem schulmaister von allen jartagen und vigilien. 

Item, es ist auch die gemainschaft kain des pharrers gesellen nicht 
in dem wiemat wein gepunden zu geben, dann wer das gern und mit 
willen thun wil, sunder der pharrer sol in iren solt geben, als denn vor ge- 
schriben ist. 
26 Item, der pharrer sol kainem seinen gesellen, der wol gelert, erber 

und frum ist, nicht Urlaub geben, es sei dann, das redlich sach da sei, dar- 
umb er pilleich Urlaub habe. So sol er das pringen an ain gemainschaft. 
Ist es dan redlich sach, darumb er Urlaub haben sol, so sol denn der 
gesell, wer ie dann der ist, an der kanzel Urlaub nemen und sol den- 
30 noch in widem pleiben ainen ganzen monat, umb das er kuntschaft mag 
gehaben allen den, die sich vor im gepeichtigit haben und die des bege- 
rent, und damit er auch in der zeit sein geltschult gelimphlich inprin- 
gen müg. 

Item, es sol auch der pharrer seine gesellen, kapplan und schul- 
35 maister zu ieden Zeiten erberkleich ze pette und zu tische mit essen und 
trinken halten, damit sei nicht bedürfen, auz dem widem in die lentheuser 
zu gen oder zu klagen, als denn von alter her komen ist. 

Item, es ist der pharrer den arbeitern altag fru uin mess haben und 
sol denn mit andern sechs messen im spital und in unser Frawon kirchen 
40 ausserhalb des Campenners messe warten, iegleiche nach ir zeit, als denn 
ziroleich und von alter her komen ist. 

Item, der pharrer sol zu weichnachten seine zechent-vische wol 
gesülzt geben allen den, die im zechen t geben, als dann von alter her 
komen ist. 
46 Item, er sol auch der gemainnchaft alle jar ain guten stier halten zu 

der kueherte. 

Item, es sol der gemainschaft und allen erbern leuten von iren wegen 
der widem alzeit zu irn rate und rigel offen sein. 



KalUm. 317 

Item, er sol der gemainschaft in osterveir tagen geben zwo ürn wein 
und an das liecht zwo gelten öl. 

Item, er sol geben von den Weingarten in Sant Peters gereut alle 
jar zwei fuder wein des poaten, der^^) Sant Peter zu gehört. 

Item, er sol geben alle jar ain merkleioh almusen von dem hof auf 5 
Kurtin, zu behalten ander almusen. 

It«m, er [solj alle mantag in sant Micheles kappeilen, alle mitich zu 
Sant Niclaus zu Montsein und alle freitag zu Sant Peter auf Altenburg ain 
mess haben. Wenn er aber nicht das tat, so sol sich gemainschaft der 
giiter underwindcn, die darzu geben sein, und die messe selber versorgen. 10 
Er sol auch die cappeln zu Sant Peter in eren halten mit liecht und die 
prucken daselbs versorgen etc. Wil auch der pharrer dar yber zu sant 
Eatherinen, zu sant Anthonien oder anderhalb wochenmess haben und 
darumb ainen solt nemen, darzu sol er einen besundern priester halten, 
damit die messen in unser Frawen kirchen und dem spital nach dem, und 15 
vor berürt ist, nicht abgeen, noch gemindert werden. 

Wenn auch der pharrer dreissig oder andor selämpter umb solde 
halten wil, das sol er thun durch frembde priester, damit das ingleichen 
gestiften messen für sich selbs gen und nicht gemindert werden nachdem, 
und es denn von alter her komen ist. 20 

Protgewicht. 

It«m, wenn ain stär waizen geet umb ain phunt perner, so sol ain 
vierer wert haben viij unz an dem gewicht. 

Item, wenn ain ster waiz get umb xviij gr., so sol das vierer wert 
haben vj unz an dem gewicht. 25 

Item, wenn ain ster waiz geet umb zwai phunt perner, so sol das 
vierer wert haben iiij unz an dem gewicht. 

Item, wenn ain ster waiz geet umb xv gr. oder umb xvj gr., so sol 
das vierer wert haben vij unz an dem gewicht. 

Item, wenn der rocken geet umb ain phunt perner, so sol ain vierer 30 
wert haben xiij unz an dem gewicht. 

Item, wenn der rocken geet umb viij gr., so sol ain vierer wert 
haben xiiij unz an dem gewicht. 

Item, wenn der waiz oder der rocken tewer ist oder näher geet, 
denn oben geschriben steet, so sol man das anschlahen nach dem, als es 35 
iezunt angeschlagen und gerait ist. 

II. 

Ordnung wegen bezallung der weinriglen. 

Demnach bei etlich jarn hero wegen fürsech-, vorstee- und gnües- 
sung der saltnerhueten, und davon aufhebenden gefeil und solds, die wein- 
güeter in Caltern betreffende, zimbliche misbreich, Unordnungen und be- 40 
schwerungen entstanden, sonderlichen aber in derae, da ir zwen, drei oder 
vüer gemainspersonen mit ainander auf ain jar in ainer rigl die huet der 
weingüeter zuegeaignet worden, und kainer under inen der huet selbst 



2') der] den A. B. 



318 Kalietm. 

m 

abwarten wellen, das alsdan der, welichem das erst stärl zueerkennt wor- 
den, die huet umb ain zimliche suma gelts, als in funfzehen, zwainzig, 
dreissig und in vierzig gülden, ainem andern verkauft und hiniber glassen, 
davon aber den mit verwandten fir dero gebirende recht des huet- oder 
5 riglgnuss auf ain stärl nur ain gülden geben, dieselben auf soliohen ringen 
ungleichen gnus anzunemen getrongen hat, so viln inhabern der wein- 
güeter zu hohem nachtl geraicht, dann aber ainem ersamen rath und au8- 
schuss des löblichen gerichts Caltern nit gmaint, dergleichen misbreicb, 
ungleichait und beschwerungen mer zu gestaten oder zu getulden, sondern 

10 hochobglegen, abzustellen und meniclichen die billichait zu verhelfen und 
zu ertailen, als hat ain ersamer rath und ausschuss auf des iezigen herm 
sindicusen Pet«r Ardolfen und dessen zuegebnen rigler und geschwomen 
anbringen und umbfrag wegen gniessung angedeutersaltnerhuet dise nuzliche 
und billiche Ordnung inskonftig zu halten ürgenomen, gemacht und gepoten: 

16 Nemblichen da firohin ain, zwen, drei oder vier personen ain huet 

oder riglrecht der weingüeter, (ausserhalben der rigln am see, so daher nit 
gmaint, item der Planiziger zwai riglen, die ir sondere Ordnung haben, 
dann der rigl Frei, Mäor und Mälga, weliche den mesnem in Oberdörfern 
zue hüeten von alters gbim) im ybrigen, wo es welle, zu verrichten und 

20 zugemessen fallen und mit recht zuerkennt wirdet, unter inen interes- 
senten aber kainer der huet vorsteen wille, das hierauf alle personen, 
denen die huet zuegesprochen wirdet, samendlichen mit einander, wem si 
wellen, doch allain tauglichen gmainspersonen und nach firschlag und 
guetachten dessen, deme das erst stärl gebirt, oder aines sindicusen und 

25 seiner beambten zu verkaufen, und ieder von der darumben habenden 
losung auf ain stärl ain vierten tail einzunemen und zu empfachen, auch 
als sein aigen zu geniossen haben solle, one verrer nachgedenken, waigern 
oder iemants hinderung. 

Aufn fal und da aber ins konftig, welches jar es welle, under denen 

30 personen, welichen ain riglhuet zuerkennt und gebirn wirdet, ainer, an- 
derer, driter oder vierter die huet abtragen und dern vorsteen wolt oder 
wurde, sodann solle der, deme die huet zuesteot, schuldig sein, dessen mit- 
verwonnten, sowol dorne, w^ellichem das drit oder viert, als disem, deme 
das erst oder ander stärl, im parem gelt zu geben und zue zu tuen, wie her- 

35 nach von ieder rigl umb ain stärl in perm ausgeworfen zu finden: 

Als umb ain starl in der rigl Truth: 2 11. 30 xr. — Obermazon 
4 fl. 30 xr. — ündermazon 2 fl. — Caltschidrann 2 fl.. — Costen 3 fl. 
— Plandadibch 3 fl. — Lavosan 4 fl. — Lofereidt 2 fl. 30 xr. — Wol- 
fernai 2 fl. — Wadlcit 3 fl. — Pinzmaur 3 fl. — Pavigl 3 fl. — Pounten 

40 4 fl. — Clavenz 3 fl. — Gufl 3 fl. 30 xr. — Trifivl 3 fl. — Carnellen 
4 fl. 30 xr. — Mosätsch 2 fl. — Prcvür 2 fl. 30 xr. — Lavärdur 4 fl. 
30 xr. und Cardätsch 2 fl. 30 xr. 

Und seind dis jarn vorbemelts hcrrn sindicus beambten gewesen 
Antoni von Thavon, horschaft-, Balthasar Erhalt, genant an der Länn, 

45 gmainschaft-rigler, Hans lluedl der junger, Nicola Tschinben, Valtin Unter- 
richter, Georg Leis, Mathcs Waid und Jänisch am Pach. Actum ut supra. 
Dise Ordnung ist am zwaiundzwainzigisten augusti anno sechzechen- 
hundert neine ainer gemainschaft in off'ner versamblung und rigl, nach 



KaUem. 3] 9 

altem gewondlicheu brauch, in pfarrwidumb erhalten, nach lengs abgelesen 
und publiciert, volgends durch die gmainschaft guet gehaissen und rati- 
ficiert, wie zugleich in dero gmainen Statut einzuschreiben begert und an- 
bovolchen worden, wie hiemit wirklichen beschechen. 

III. 

Das /olgende DocumeiU fehlt im Nachlasse Ladurners und sieht nur hei Ph. Neeh 

(64—66). 

Anno Domini MCCCCXXIX ist vermerkt aus alten registern und ß 
zedlen unser lieben Fraunkirchen zu Chaltarn recht und gewonheit gegen 
ainem igleichn pfarrer daselbens und lautet von wort zu wort, als hernach 
geschrieben stet. 

Das sind die recht, die die pfarrleute zu Kaltem von irem pfarrer haben 

sullent von recht und alter gewonheit. 10 

Des ersten, ob der pfarrer oder kirchherr auf der pfarre nicht mit 
sein selbs leib sezze, so sei er uns einen oberpriester zu ainem vicarien setzen, 
der es recht verbesen müge, und das der niemant an dhainen rechten, die 
man von der chirichen hat, bechrenche an recht. 

Das er hab vier erber briester mit im selber, ist er auch briester, 15 
oder fünf, ist der vicarii nicht briester, die der pharr wartund sein, und 
der sol ainer walich sein, und sol igleichem briester zu lone geben zu dem 
jare vierzig phunt perner, wenn die gemainschaft in chainen most zurecht 
geben sol. 

So sol der pfarrer haben zwen schuler und einen schulraaister und 20 
sol in die kost geben. 

So sol [er] niemant twingen, das man im über wille geh ichts von 
dem heiligen öl oder krisem oder seigerät. 

So sol chain gesagter gesell von hinnent nicht varen, er nem den 
Urlaub von der gemainschaft auf der kanzl, danach sol er beleiben in dem 25 
widem einen monad, darumb, das er kundschaft gebe allen den, die sich 
vor im gepeichtigt haben, die es begerent. 

So sol der gemainschaft und allen erbern leuten der widem offen 
sein zu iren rat und rigl. 

So soll der pharrer allen erbern leuten, reichen und armen, ern er- 30 
bieten aus dem widem. 

So sol der pfarrer den arbeitern alle zeit ain tagmeß haben, und mit 
den andern messen warten, als er went, das billich sei. 

So sol der pharrer opferwein geben. 

So sol der pfarrer sein zehentfleisch und air zu ostern geben. 35 

So soll er alle jar ein stier der gemainschaft kaufen. 

So sol er alle jar, in den acht tagen nach ostern, der gemainschaft 
geben zwo yrn wein und an das liecht zwo gulten öl und vor den Wein- 
garten in Sand Peters gereut zwei fuder des pesten weins und ain almusen 
von dem hof aus Gurtini, zu behalten ander almusen. 40 

So sol er alle montag in sand Michels kapell und all mittwooh in 
Band Nicolas kapell zu Monttein, und all freitag zu Sant Peter auf Alten- 
burg messe haben; wenn man des nit tet, so soll die gemainschaft [sich] 
der gut unterziehen, die dazu gehorent. 



320 Kaltem. 

So sol der pharrer die kapel zu Sand Peter in eren mit licht nnd 
mit prukken haben, zu behalten alle andern unser recht und alte ge- 
wonheit. 

IV. 

1548 

5 zu Chaltern Trientner bistumb im ünterdorf in unser Frauen behausung 

daselbst 

wurde (vom auschuss in gegenwart der gerichtsobrigkeit) der grossen be- 
swärung halben, so täglichen furkomen, als von wegen der bständer und 
kämerler betracht und dermassen Ordnung gemacht und einhelligklichen 

10 beschlossen worden, dass kain beständer, wellicher oder welliche nit thail 
und gmain haben, und aber ochsen, kue, ander Tich haben oder hat, der 
selbig oder die selbigen sollen järlichen hinfürau auf ewigkait ainem sindico 
auf Martini ain gülden gelt erlegen und geben, den ain syndicus der gemain 
verraiten soll. Es soll auch kain kämmerler, so nit thail und gmain hat, 

15 kain schwein oder ainich yich halten oder ziglen, bei der peen 2 gülden. 
Die ist ain syndicus nicht schuldig zu verraiten. Auch so ist durch er- 
samen ausschuss beschlossen von wegen der belonung der tagwercher also, 
dass man ainem tagwercher von sant Michels tag bis auf sant Petters stuel- 
feir tag nit mer dan zwen kreitzer geben soll, und nach verscheinung sant 

20 Peters stuelfeir ainem drei kreitzer, und im hauen, schnit und tresohen 
ainem vier kreitzer, und im mad sechs kreitzer; und wellicher mer ainem 
tagwercher gab, dan beschlossen worden, der soll gestraft werden umb 
zehen pfunt perner. Es soll auch kain kammerler oder andere, so nit thail 
und gmain haben, kain holz noch stecken machen in der gmain on wissen 

25 und vergunstnuss aines syndicus, bei der peen ain gülden, als oft ainer, sei 
wer er well, soUichs übertritt und darüber begriffen würdet, unnachläß- 
liehen on alles verschainen gegeben werden soll. 

1555 

zu Chaltern in unser Frauen behausung (in gegenwart der gerichts- 
obrigkeit). 

30 Als gcschworne ambtleut diser zeit und obbemelts hern pflegweis 

und aines ersamen ausschuss alhie betracht der grossen beschwär und über- 
last, so bisher durch diejenigen, so der gmain nichtig theilhaftig, und da- 
mit aber sollicher beschwär in der gmain abgestelt und verhindert werde, 
so wurde herauf mit rath bschlossen und furgenoraen, als volgt: Erstlichen 

35 furgenomen, dass noch bei voriger verschribner Ordnung leren, so nit thail 
und gmain, und doch ochsen, kue oder ander vich haben wurde oder hielte, 
und derselben aufgeschribnen peen, das ain gülden gelt noch bleiben soll, 
als bei denjenigen, so hoff haben; doch dass deren kaine mer, die sein 
mugen, die gmain alhie mit vich nit beschwären oder beschädigen sollen, 

40 und wer, es sei im mad oder holz, auf der gmain anbringen, dan was dem 
hoff zugeburt. Wo aber durch ainen der selben beständter auf den höfen 
was in hay und holz kaufen oder verkaufen weiten, sollen der oder die 



Kaltem. Tramin und CuriaUch, . 321 

selben, so darüber straichen wurden, gestrafft werden. Verrers beredt wor- 
den : Wo und zu wellichen jaren das gmain moss des mad halben gefreidt 
wurde durch ain ersamen gmain, dass alsdann die bauleut und bstänter 
deren hoff, (doch dass die hoff in der gmain der selben theilhaftig und sein), 
zwen tag nach der nachparschaft mit dem mad auf dem moss anfahen 5 
sollen. Was aber andere kammerler oder bstänter oder diejenigen, so 
selbst heuser oder gueter haben, sollen von Joannis babtista des mads mit 
nichtig untersezen oder zu mäen untersteen, auch nachmalln nit mer der 
oder die selben im mad, noch im holz ze machen, noch andern verkaufen, 
sonder muss ainem ieden durch ainen syndicen jarlichen vergunt werden 10 
ze machen. Alles bei ainer straff, und was ain ieder besteer oder kamerler 
über das, so der hoff ertragen mag oder zum hoff gehurig, mer vich hält, 
es seien ochsen, kue oder ander yich, halt oder halten wurde, davon soll 
ain ieder der selben von iedem h&bt pffichtig und schuldig sein, zwai pfunt 
pemer unablässlichen zu bezalen. 15 

Alsdann auch von wegene der gaiss beredt, dass ainer und ieder der 
selben, so gaiss halten oder halten wurden, von ieder gaiss, die furgekert 
wirdet, sechs kreizer gelt erlegen solle. Wo aber ain oder mer gaiss in 
schaden befunden werden, sollen die selben gänzlichen und gar preiss be- 
rueft sein. Es soll auch kain bau man, bständter oder kamerler brennholz, 20 
auch holzstecken zu den Weingarten schlagen noch machen oder verkaufen, 
dan was zu aines ieden noturft der selben gueter betrift, alles bei aufge- 
sezter straff. Der schwein halben bleibt noch bei voriger auf- und einge- 
Bchribner peen. 

TJnd also verrers beredt und mit amtlichem rat furgenomen : Wellicher 25 
besteer, bständter oder kämmerler disen obgemelten furgenomen und er- 
haltnen puncten und artigklen in ainem oder dem andern nit nach käme 
oder volzug thät und mit ainicherlai besch warung in der gmain befunden 
werden, vil oder wenig, dass kain andere straff noch peen darauf gsezt 
sein sollen, sonder der oder die selben ganzlich und gar von der ganzen 30 
gmain und bstanthofen abgesindert sein sollen und diejenigen weiter in 
der gmain alhie nit ze gedulden. Dieweil und dan hievor gemelt worden ist 
von wegen der straff auf aines ieden habt vich die zwai pfunt pemer, so 
sollen doch die selben straff und peen durch ain ieden syndicen der gmain 
alhie verrait werden. 35 



33. Tramin und Ourtatsch*) 

Nach Ahichrißen da J. Ladurner (A.) und de» Ferdinand Baron v. Oiovanelli. (B.) 

Actum Tramyn am pfinztag den andern tag monats juli anno 1534. 

Haben die dreune gericht und gemainsleut Kaltem, Tramin und 

Curtätsch, die firnemen erbern Sigmunden Kessler, tschink, Sigmunden 



♦) Die Oertchta- und Marktgemeinde Tramin grenzte im Osten an den 
Etseh»tram, im Westen an den Nonsberg, im Norden an die Gerichte K<dtem und 
Lahnburg und im Süden an dcu Gericht Curtätsch und war langgestreckt, aber 
ziemUeh sehmal; darin lagen ausser der Marktgemeinde die zwei im MittekUter 

Oestorr. Weistliftmer V. 21 



322 Tramin und CurtaUeh, 

Waldner, Hansen Sagmais ter, Anthonien Bemärdt, notari zu Elaltern, 
Jacoben Tschneggen, der zeit bnrgermaister, Jacoben in der Grueben, 



einst nicht selten genannten Gebiete von Curone (Curaun) und BugnancL, Diese» 
Gericht zeichnete sich vor allen durch sein vorzügUehes WeingewäehM au», da» tM 
Mittelalter edle Weinsorten Tirols an Berühmtheit übertraf und in ferne Gegenden 
verßihrt wurde. Das Gericht Cur tatsch stiess gegen Morgen meisten» an den 
Etsehstrom und zum Theil an die Herrschaft Saturn (CurtinigJ, gegen Süden an 
diese und Krön- oder Deutschmetz, gegen Abend an das Gericht ühterfenn 
und an den Nonsberg und gegen Mitternacht an Tramin. Dasselbe haite m An- 
fange des 17. Jahrhunderts nach Burglechner 2 Pfarren mit S Zukirehenj 7 Dorf er 
und 5 Schlösser, Es umschloss nämlich die Dörfer oder Weiler Ourtatech wiü 
42 Feuerstätten, Margreid mit 30 Feuerstätten, Soll bei Tramin mit 24 Feuer- 
stätten, Entiklar mit 7 Feuerstätten, Oberfenn mit 10 Feuerstätten^ Pencn mit 
18 Feuerstätten, Rungg mit 11 Feuerstätten und Graun mit 1'6 Höfen. Die Adas- 
ansitze waren in beiden Bezirken nicht bedeutend und ein eigentliche» Gerichts' 
schloss gab es später weder in dem einen noch in dem andern. (Wolkenstein 11. Buch 
f. 131. 38 in der Innsbrucker Universitätsbibliothek Mscrpt. Nr. 874; 14. Buch 
f. 29 — 31. Burglechner 3, 4, 1083). Die ältesten und wichtigsten, da» Schloss 
Tramin, das die Traminer dem Bischof Friedrich von Wanga um da» Jahr 1214 
erbauten, und das wahrscheinlich in die Bömersxit surückreichende Burgstaü 
Entiklar geriethen in frühen Verfall und ersteres war im Anfange de» 17, Jahr- 
hunderts schon spurlos verschwunden, letzteres bereits unbewohnt fibid. Ood, Wcmg, 
287). Ausser diesen beiden gab es noch das Schloss Altlehen und einige befreite 
Häuser oder Adelsansitze, wie zu Tramin die drei Spaur*sehen Freihäu»er, das 
landesfürstliche Amtshaus zu Stellen, das Amtshaus des Bischof» von TVtoi^ die 
Ansitze der Familien Langemantel, Rost und Boimont; zu Curtatsch und Margreid 
die Strehlhurg, Freienfeld, Königshof, Foldersberg, Ortenburg und Nu»»durfj den 
Ansitz Stellen und den Thunschen (Wolkenstein ibid. Burglechner 3, 4, 1083; 
3, 1, 158). Zu Tramin hielten sich wegen de» schlechten KUma» die Adel»famiUen 
in älterer Zeit nur bisweilen auf. Die Bevölkerung war im Anfange de» 17. Jahr- 
hunderts in beiden Bezirken schon deutsch, doch meist de» IttiUeniechen kundig 
und grossentheils aus dem Nonsberg zugewandert (ibid.). 

Das Gebiet der beiden spätem Gerichtsbezirke Tramin und Curtatsch ge* 
hörte wohl einst zur Grafschaft Eppan und bildete vielleicht mit dem Gericht»- 
bezirke Metz die eine Hälfte derselben, welche im Jahre 1186 den Grafen nicht 
verliehen wurde; jedenfalls sind dieselben seit dem Ende de» 12. Jahrhunderts nicht 
mehr in den Händen der Chafen von Eppan, sondern loerden von bi»chöfUch 
trientinischen Gastaldionen verwaltet und zwar gibt es vermuthlich damal» nur 
zwei Gastaldien, nämlich von Metz und Tramin, indem ein Theil de» »pätem Ge- 
richte» Curtatsch noch zu Tramin, der andere (Margreid) zu Metz gAörte (Cod.. 
Wang. 21. 67. 201. 290. 607. Bonelli Monum. 34. Innsbrucker Statth. Archiv 
Schatzarchiv Nrn. 3826. 3826). Auch die Besitzungen der Grafen von Eppan 
in diesen Gastaldien und ebenso die der Grafen von Flavon (vorzüglich zu Cur- 
tatsch) und der Freiherren von Wanga (besonders zu Tramin) suchten die Bischöfe 
von Trient an sich zu bringen (Cod. Wang, 42. 107—110. 231 f. 377. Tirol. 
Arch. 2 Bd. SS. 230 f. 246. 249. 262; 6 Bd. SS. 167. 162. 166). Doch gUich- 
zeitig bemühten sich auch die Grafen von Tirol in den genannten Bezirken immer 
festeiii Fuss zufassen (Tirol. Arch. Heg. 47. 96. 111. 147. 266. 266. Bibl. tirol. 
D. 227 f. 6. 26). Bischof Egno von Trient belehnte selbst im Jahre 1272 Meinhard II. 
mit 3 Theilen des Wein- und Getreidezehents zu Tramin und im Folgenden mit einem 
Hofe, seine Gemahlin, die Königin Elisabeth, aber mit der Gemeinde sammt einem 
Walde und anderem Gut von der Clause von Tramin bis zu den Weingärten von 
Kaltem, nach einer andern Urktmde desselben Jahres 1272 mit 70 Joch Land an 
der Grenze von Tramin und Kaltem wegen besonderer Verdienste (Bibl. tirol. D. 
227 f. 6; 612, V, 107; 820, 20, 23. 24.) Dem Nachfolger Egnos, Bischof 
Heinrich IL, entriss der gexoaltthätige Graf auch den Gerichtsbezirk Tramin und 
Kaiser Rudolf I. setzte ihn durch einen Spruch vom Jahre 1282 förmlich in den 
Besüz desselben (BihL tirol. D. 1331, 171. SchatMarcJu Rep. 1, 1282). Dieser 



Tramin und CfurtaUeh. 323 

Georgen Verkhner zu Tramyn, Cristan Schwänzl zu Curdätsch, Ludwigen 
an der Linden und Silvestern Stainman zu Kungg, als außgesohossne der 



OtrieJUMbezirk wurde auch von Meinhards Söhnen den BUehofen von Trient hei 
der Einigung vom Jahre 1302 und bei den folgenden nicht zurückgettelU, vielleicht 
jedoch von dem Prinzen Johann von Böhmen j der auch die Öattaldie Mett 
dem Biachofe Nieolatu zurückgab (Alherti AnnaU 205. Bonelli Notiz. 3, 222. 
Huber Vereinig. 46). Dann entrita aber denselben dem Biathum Markgraf Ludwig 
von Brandenburg apäteatena im Jahre 1347 wieder und nun verblieb Tramin bia 
in die Zeiten der Hababurger bei der Orafaehaft Tirol. In der eraten Hälfte dea 
14. Jahrhundertaj wenn nicht achon früher^ löate aich die Gaataldie Tramin in 
wtehrere TheHe auf, zunäcfiat wohl nur zum Zwecke finanzieller Verwaltungj wozu 
die zahlreichen landeafüratlicfien Beaitzungen und CHUten den Anatoaa gegeben haben 
mögen; ao entatand wahracheinlieh die Probatei Entiklar, Ttu der wohl auch daa 
hei der Bückgabe der Oaataldie Metz von dieser vermutfUich loagetrennte Margreid 
gehörte^ und' daa Gericht Curtatach; dann die kleinen Bezirke von Curone und 
BugnanOj die um dieae Zeit nicht aelten erwähnt werden (Alberti Annali 41. 80. 
127. SOS. Sammler 4, 289. Bibl. tirol. D. 612, V f. 107. StaUh. Arch. 
Schatzareh. Nrn. 491. 3741. 3827). Kaiser Karl IV. führt alle dieae Bezirke in 
der Urkunde vom 21, Juli 1347 ala dem Biachofe von JVient entriaaene Gebiete 
an (^juriadictio civiUa et criminalis Entheclarii, Cortazi, Bugnane, Caroni, Zelli ac 
toHua pUbatua Caldarii*^ Boehmer Acta imp. ael. 662). 

Wie in Kcdtem, ao auchten in der eraten Hälfte dea 14. Jahrhunderta auch 
in dieaer Gegend die Bottenburger Beaitz und Macht zu erlangen, Heinrich X,, 
ala Hofineiaier Heinrich IV. von Bottenburg, übte beretta im Jahre 1333 die Ge- 
riehtabarkeit zu Curtatach; Markgraf Ludwig verpfändete ihm im Jahre 1348 um 
400 Mk. Br. und 280 fl. die Probstei Entiklar, wogegen er im Jahre 1352 die 
Prob9iei zu Tramin dem Botsch von Florenz empfahl und den Stab in Tramin im 
Jahre 1361 an Heinrich den Campänner, dann im Jahre 1356 wie den von Kaltem 
an Heinrich Pfarrer von Tirol verpfändete; aber sein Sohn Meinhard III. über- 
Ueaa 1362 auch diese beiden Gerichte den Rottenburgem, nämlich Heinrich XI. (V.) 
(Huber Vereinig. Nr. 192. Sammler 4, 271. Tirol. Arch. Nrn. 687. 761. Brandia 
Ldsndeah. 90. Burglechner 2, 651. Schatzarch. Nr. 3741). Bei der Vereinbarung, 
in Folge deren die Herzoge von Oeaterreich dem Bischöfe von Trient den Bezirk 
von Trieni zurückstellten, entstand wohl der Gerichtsbezirk Curtatsch in seinem 
spätem Umfange und erloach die Probatei Entiklar, indem die zahlreichen landea- 
füratliehen Güter entweder zu dem Amte Curtatach geachlagen oder mit der Probatei 
TVomtti vereinigt wurden; denn die vielen Güter und Gülten im Traminer Bezirk 
hUeben in den Händen der Landeafüraten und daher beatand ihre Probatei daaelbat 
noch /ort. 

Nach der Bückkehr dea Gerichtea Tramin unter dit Herraehaft dea Biachofa 
von TVient wurde ea demaelben bia im Jahre 1777 nur einmal noch auf einige Zeit 
entzogen^ .nämlich zur Zeit Herzog Friedricha IV., wo ea mit dem Gericht Cur- 
tatach wieder vereint eracheint (Brandia, Landeah. 190. 206. Alberti, Annali 293. 
Bgger, Oeaeh. Tir. 1, 505. 512. 524. Schatzarch. Bep. 6, 705). Dann blieb ea 
Uachoflichea Pfleggericht durch die ganze Zeit bia zum letzten Viertel dea 18. Jahr- 
hunderta, und lag ala aolchea in den verschiedensten Händen, während meist 
gleichzeitig ein eigener Pfleger die Güter und Gülten des Landeafüraten zu Tramin 
xerwoltele^ hiaweüen aber die Probatei Tramin mit dem Amte und Gerichte zu Cur- 
UUaeh vereint war. Ala landesfüratliche P/leger und Amtmänner zu TVamtn er- 
leAetfien unter andern Barth. Melchior zu Köstlan (1554), Bernhard von Merl 
(1630), Friedrich Pilati (1640) und Johann Prag (Schatzarch. Bep. 2, 229; 
B, 987; 6, 170. 786. 819). In dem Vertrage, welchen Kaiserin M. Theresia am 
24. Juli 1777 mit dem Biachofe Peter Vigil Graf von Thun schloss, trat dieser 
an aie den Markt TVamtn nebst einevi Theil der Herrschaft Levico gegen Uebev' 
laaaung dea im Fleimaer Thale gelegenen Gerichtea Castell ab und aeitdem iat 
Tramin landeafüratlich geblieben (Egger, Geach. Tir. 3, 95), 

Wie TSramin bia zum Jahre 1777 eine trientiniache Pflege, ao blieb daa Ge- 
Tiekt und Amt Curtatach eine landeafuratliche, ala welche aie auch in verachiedene 

21* 



324 Tramin und CurtaUeh, 

vorgenanteD dreien gericht, der gemainsrecht halben, wie die firohin durch 
menigclichen in den dreien gerichten gehalten werden sollen, ain Ordnung - 
firgenomen, gemacht und auf nachyolgende mainung beschlossen also: 



Hände kam, wie in die Peters von Spaur (1476), Achazena (15tl)^ Gawienxent (1517) 
und Jörgs von Stellen (1519), Wilhelms (1521) und Erasmus' (1564) van iMck- 
tenslein, Karls von Thun u. a, (Schatzarch, Rep. 3, 987; iUd, Nm. 8S3. 1227. 
1611. Urk. Cop, 1, 231. 159. ibid. Pestarch. XXVI. 335). Doch vmrdm im Lauft 
der Zeit die landesfiirstlichen Güter und Oiilten sehr vermindert» Hatte König 
Heiwich von Böhmen viele Wein- und andere QiÜten an Kirchen und Klotter 
verschenkt, so verkaufte Erzherzog Sigmund Einzelnes und verpfändete 1466 om 
die Herren von Weineck um 1000 Ducaten Qiiter und Gülten aus dem Amte wni 
Gerichte Curlatsch und aus der Probslei Tramin und im Jahre 1486 um 1000 fi. 
an die Caslelbarker (Schatzarch. Rep. 2, 181; 3, 987; Nrn. 1007. 939. 1016,. 
Zu viel grossem Veräusaerungen sah sich Kaiser Max /., namentlich m Jahre 1517 
in Folge des venetianischen Krieges genöthigt (Slatth. Ärch. Urk. Cop. i, 138. 
202. 203. 230. 231. 233. 309; 3, 1031. ibid. Pestarch. XXVI 455) und En- 
herzog Ferdinand II. verkaufte obgenannte Pfandschaft der Weineeker an Johann 
Freiherm von Schneeburg zu vollem Eigenthum (Pestarch. XXVI, 615). 

Das 1777 wieder gewonnene Gericht Tramin wurde mit CurtaUeh vereint 
und beide im Jahre 1781 den Grafen Zenobio, mit dem Amtssitze zu Tramin, » 
Lehen gegeben, (Ferd. Bibl. HU. i. 2. Sammler 1, 258) und dann 1806 dem 
Landgericht Bozen, 1810 aber dem Fnedensgericht Kaltem einverleibt (KgL Baier. 
Reg. Bl. 1806 S. 456. Bolletino 1810 p. II, 596). Im Jahre 1817 uiurde jedoch 
dieses Palrimonialgericht Tramin- Curlatsch wieder hergestellt, mit dem Oeriehtssiä 
in Curtalsch und erweilert durch die Gemeinden Curtinig und Unterfemiberg, 
welch letztere früher längere Zeit ein selbständiges, ursprünglich aber ein zu Salur» 
gehöriges Gerichtsgebiet gewesen war (Prov. Gesetzsammlung 1817 8, 216, Wolken- 
stein 14. Buch f. 36.) Nun sind beide Gerichtsbezirke Bestandtheile de» Gerichts' 
bezirkes Kaltem. 

Ausser den altem Adelsfamilien der Grafen von Eppan und Flavon und 
der Freiherren von Wanga und ausser den Bischöfen und LandesfUrsten erwarben 
in diesen Gerichtsbezirken noch Güter oder Gülten die Haselberger, Greifeneteiner, 
Botsch, Freundsberger, Rottenburger, Reifer, Thun und Spaur, doch einzelne nur 
auf kui-ze Zeit; die gräflich Khuen'sche Familie »oll in Tramin sogar ihre» 
Stammsitz haben. Jedenfall» gab es in älterer Zeit „Herren von TVamtn** und m 
der wegen ihres Alters, ihrer ScTiönheit und ihres hohen Thurme» berühmten 
Pfarrkirche hatten in neuerer Zeit mehrere Adelsfamilien, ausser den Spaur und 
Khuen die Anich, Langemantel, von Stellen, Mertenstorfer, Rost u. a, ihre Be- 
grübnissstätten (Wolkenstein 11. Buch f. 131. Schatzarch. Rep. 2, 616, 64. 205 
u. a. 0. Alberti Annali 154. 207 v. a. O. Brandis Landesh. 207. 211, Gas- 
win 218). Weit weniger bedeutend waren die Besitzungen der GeistUehkeiL Von 
baierischen Klöstern weiss ich nur Ettal zu nennen, das ansehnliche Realitäten 
besass (Freisingerhof zu Tramin, Gaissbichlerhof zu Curlatsch), von den tirolischen | 
nur S. Michele, dem König Heinrich von Böhmen den Pflanzerhof zu SoU ' 
schenkte (Ferd. Bibl. XL. i. lt. Marian Austr. sacr. 2, 3 Anh. S. 34). 

Die Orte Tramin und Curlatsch reichen sicherlich in die Römerzeit zurück, 
wie schon ihre ganz romanische Form und noch bestimmter die daselbst gefundenen 
Münzen schliessen lassen (Ferdinand. Zeitschr, 3, 22, 69. 80), und lagen, wenn 
nicht schon im Alterthunif jedenfalls im Mittelalter an einer Hauptstrasse von 
Italien nach Deutschland (Tirol. Arch. 5, 183 ff.) Wie die Pfarre Kaltem, so 
soll auch die von Tramin vom hl. Vigilius geweiht worden sein und war jedenfalls 
im 11. Jahrhundert vorhanden (Alberti Annali 4), wogegen Curlatsch noch um die 
Mitte des 15, Jahrhunderts keinen eigenen Seelsorger hatte und Margreid unter dem 
Kloster St. Flonan stand, das im Jahre 1317 mit der Probstei S. Michele vaeint 
umrde. (Marian ibid. 20). Tramin heisst bereits im Jahre 1203 ein borgum 
novum und ist somit von den gegenwärtigen Marktflecken Tirols der älteste (Alberti 
Annali 51). Im Jtüire 1869 zählte die Ortsgemeinde TS-amin 169 Häuser und 
1886 Einwohner, die Ortsgemeinde Curlatsch 253 Häuser und 2155 Einwohner, 



Tramin und CurUUsch, 325 

Erstlichen, alle die, so sich in die gemainsrecht einkauft und bcstänt 
haben, denen solle der gemain nuz und niessung, so lang und weit sich ir 
zuekaufen und bestänt strecken oder raichen, ze habe und nit lenger yer- 
gont werden, und so solliche ir einkaufungen und bestänt auß oder Ter- 
schinen seind, sollen si alsdann der gemain missig absteen und firter auf 5 
ain neues, ob si wellen, mit der gemain abkomen und sich einkaufen. 

Zum andern ist firgenomen, das alle jar die gesanten aus den dreien 
gerichten albegen zu sant Florians tag zusamen komen und ainen anschlag 
des mads halben fimemen und machen^ und weliohe oder wellicher in den 
dreien gerichten, ainer oder mer, wären, so von den anschlag oder ver- 10 
ainigung aines tags zu mäen anstuenden, der oder die selben sollen umb 
fünf und zwainzig pfunt perner, unablässig zu bezallen, gestrafft werden. 

Es sollen auch alle, die in den dreu gerichten gesessen seint, denen 
die gemainsrecht verliehen werden und mit vich hausen miessen, sich der 
gemain im hei, strei, holz, wunn und waid, auch andern, nicht außge- 15 
nomen, soyil sich das zu ietweders haus notturft gebirn wil, gebrauchen; 
aber andere, so gemainsrecht haben und kain ^) yich halten, denen ist 
vergont, ainmal im jar dreu fueder hei und vier fueder holz in der be- 
sonderhait, wan si mäen oder holz machen wellen, das si Ton ehe ^) zu 
dem gwalthaber der gemain geen und ime anzaigen sollen, wie er willens 20 
sei, zu mäen oder holz ze schlagen, und aigentlichen anzaige, wem er 
solliches ze kaufen geben wolle, und wo ainer oder mer solliches yberfiere 
und Tor anzaigung mäen oder holz schlagen, der soll fünf mark perner 
straff yerfallen, und wellicher yber vorgeschribne .... mäen oder holz 
schlagen wurde, solle auch umb fünf mark perner straff sein. 25 

Wo sich auch erfunde, das iemants .... anzal vermag kaufen, der 
selb kaufer solle auch umb fünf mark gebiest werden. 

Dieweil auch unzt her in denen gerichten frembd vich auf der ge- 
main zu [waiden] angenomen und villeicht müet oder gab davon genomen 
und empfangen haben, ist firgenomen, wer oder weliche sich desselben 30 
füran weiter gebrauchen oder ainicherlai frembd vich zu waiden annemen 
wurden, der oder die selben sollen, wann und als oft das beschicht, bei 
Torgeschribner peen funfundzwainzig pfunt perner unablässig gestrafft, 
auch derselb vich zu der gemain henden genomen werden, darumben sich 
auch der, dem das vich gehörig ist, sonderlich mit der gemain vertragen 35 
und umb den peenfall abkomen solle. 

Welliche auch unter den gemainsleiten berierter dreuer gericht, wer 
die wären, so in der gemain frembden geselln bestantwerch ze arbaiten 
hinlassen thäten, und denselben frembden geselln darzue, das si sich der 
gemain in hei, strei, holz, wunn oder waid gebrauchen, hilflich wären 40 
und si als für ire knecht und diener. anzaigten, und aber nit dermassen 
erfunden wurde, der selb oder die selben gemainsleit, auch die selben 
firembden gesellen sollen, ieder insondert, bei vorgeschribner peen fünf 
und zwainzig pfunt perner gestrafft werden. 

Wer oder welliche aus denen d reuen gerichten wäre, die sollich hei, 45 
strei oder holz ausserhalben der dreuer gericht verkaufen wurden, die 



klain B. 3) ehe] der B. 



326 Tramin und CurtaUch. Ka$telpfund, 

sollen umb yorgeschribne peen 25 ^ pemer gestrafft, auß der gemain ge- 
than und nimer in der gemain der oft gemelten drener gerioht rieh xq 
unterhalten gelitten noch gestatt werden. 

Auch sollen demnach umb alle obgeschribne artigld drei gleich - 
5 lautende außgesohnittne zetlen gemacht, iedes gericht aine 2u banden 
nemen und in iegcliohem gericht ainmal im jar oder, als oft es die notturft 
erfordert, verlesen [werden]. 



34. Kastelpfund*) 

Abtehri/l aus der traten Hälfte de» 16, Jahrhunderts, ein GrotsocttahlaU, Itinäbr, Aaftfc.-ilreUr; 
Schatzarchiv Lade 138. Eine Absehriß von Qoü/ried PrinUsser in Bibl. Urol D. «. 614 F^ SSJ. 

Hechte der gemeinde Eastelpfund c. 1426. 

Nicolaus hat gesagt von allen den rechten und eehaften, so die 
10 gmainschaft habent zu dem hause Eastlphund. 



*) Der OerichUbezirk Ccatelfondo lag auf dem Nanaberg und b€9iand out 
drei getrennten Gebieten; derselbe grenzte im Osten an den Oeriehtsbezirk Kaltem, 
gegen Mittag an die trientinische Gemeinde Cloz^ gegen Abend an da» ültenthal 
und gegen Mittemacht an das Gericht Tisens (Maffei^ Periodi istoriei e tcpogrqfia 
delle valli dt Non e Sole p, 91, Bidermann^ Die Italiener S. 71 f.) Dies Oerijd 
schloas im Anfange des 17, Jahrhunderts 3 Pfarren mit 12 Zukirehen^ 13 Dorfer 
oder Weiler und 4 Schlösser in sich. Die Pfarren waren zu Ccutelfondo, zu Art 
und zu f Unser lieben Frau im Wald^ ; die Ortschaften hiessen nach dem Ckrcnislen 
Bu