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Full text of "Die Vierte Säcularfeier der Geburt von Nicolaus Copernicus, Thorn, 18. und 19. Februar 1873. [Hrsg. von dem Copernicus-Verein Für Wissenschaft und Kunst zu Thorn]"

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The University of Toronto 






DIE 



COPERNICUS-FEIER 



zu 



THOKN 18. UND 19. FEBEUAE 1873. 



C-cl^&rnrcus, h/i'ca/aos 



DIE 

VIERTE 8ÄCULARFEIER 

DER GEBURT VON 



NICOLAÜS COPERNICÜS 



THORN 18. UND 19. FEBRUAR 1873. 



THORN 1874. 

IN COMVTISSION DKK WEIDMANNSCHEN BUCHHANDLUNG 
ZU BERLIN. 






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9 hreupflicht war es für die Geburts-Stadt von Coperni- 



1^ 



GUS, die Wiederkehr des Säculartages der Geburt ihres 



I grossen Sohnes festlich zu begehen. Die ursprünglichen 
Zurüstungen galten jedoch nur einer Feier, welche sich 
bescheiden einfügen sollte in die Reihe der Festlichkeiten, 
mit denen Universitäten und Akademieen die Säcular-Erinnerung 
an den Begründer unserer heutigen Weltanschauung feiern wür- 
den. Allein wider Erwarten war beschränkter das Wettiingen in 
den Aeusserungen des Dankes , welcher der Geistesthat des 
Copeiiiicus durch Veranstaltung von besondern Säcularfeiern ge- 
zollt wurde: so ward durch die Gunst der Umstände Thorn 
Mittelpunkt der 4. Säcularfeier der Geburt von Copernicus. 

Die Vorbereitungen für die Thorner Copernicus-Feier gingen 
von einem Vereine aus, welcher, an dem Enthüllungstage des 
Copernicus-Denkmals in Thorn 1 853 gegründet, sich die Aufgabe 
gestellt hat, das Andenken des grossen Mannes in seiner Geburts- 
Stadt durch Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Be- 
strebungen unter dem nachlebenden Geschlechte lebendig zu er- 
halten . 



Dieser »Cop enncus-Vereiii für Wissenschaft und 
Kunst« hatte bereits im Jahre 1869 eine vorberathende Com- 
mission eingesetzt, auf deren Vorschlag der Beschluss gefasst wurde 
als angemessenste Grundlage für die Säcularfeier das Denkmal zu 
erneuen, welches Copernicus sich selbst in seinem unsterblichen 
Werke »de revolutionibus orbium coelestium« gesetzt hat. 

Durch die Munificenz Seiner Majestät des Deutschen Kai- 
sers und die fördernde Unterstützung des Reichskanzlers, Fürsten 
VON BiSMARCK, Wie dcs Preussischen Cultusministers Dr. Falk,. 
ist es dem Vereine ermöglicht worden einen diplomatisch berich- 
tigten Abdruck des Copernicanischen Werkes in würdiger Form 
erscheinen zu lassen*). 

Für die Festlichkeiten der Säculartage selbst hatte sich die 
Commission des Copernicus -Vereins durch Cooptation verstärkt. 
Das Festcomite bildeten: 



*) Durch den Deutschen Eeichskanzler Fürsten von Bismarck hatte der 
Coperaicus-Verein die Erlaubniss erhalten, die Original-Handschrift des Werkes 
de revolutionibus orbium caelestium zu benutzen, deren Aufbewahrungs-Ort 
seit zwei Decennien der gelehrten Welt wieder bekannt geworden war. Die 
Vergleichung mit der editio princeps erfolgte durch den vom Vereine nach 
Prag entsandten Gymnasiallehrer M. Curtze. Für die Vergleichung der 
editio princeps mit den drei nachfolgenden Ausgaben war eine besondere 
Commission gebildet, bestehend aus den Gymnasial -Lehrern Dr. Brohm, 
Oberlehrer Böthke, Herford und Professor Dr. Hirsch. Den so gewon- 
nenen kritischen. Apparat sichtete Gymnasial-Lehrcr Curtze in Gemeinschaft 
mit Oberlehrer Böthke, und ebenso haben beide unter fernerer Zuziehung 
des Gymnasial-Lehrers Dr. Brohm den Druck des Werkes überwacht. 

Die Säcular- Ausgabe , welche im Januar 1873 die Presse verliess, und 
deren Widmung Seine Majestät Kaiser Wilhelm Allerhöchst anzunehmen 
geruht haben, führt den Titel : 

Nicolai CoperniciThorunensis orbium caelestium libri VI ex auctoris 
autographo recudi curavit societas Copernicana Thorunensis. Accedit 
Georgii Joachimi Khetici de libris revolutionuni narratio prima. Tho- 
runi sumptibus societatis Copernicanae MDCCCLXXHI. 



Bürgenueiöter Bänke ; Oberbürgermeister Bollmann; Oberlehrer 
BöTHKE ; G3'mnasial-Lelirer Dr. Brohm ; Gymnasial-Lehrer Curtze ; 
Kgl. Kreisgerichts-Director Ebmeier; Kaufmann Gie^dzynski, Stadt- 
verordneter ; Kgl. Bankdirector Gnade ; Stadtrath und Syndicus 
Hagemann ; Stadtbaurath Herrmann ; Professor Dr. Hirsch ; Kauf- 
mann Gerson Hirschfeld ; Kgl. Landrath Hoppe ; Rittergutsbesitzer 
vonKries, Kreisdeputirter ; Justizrath Kroll, Stadtverordneten-Vor- 
steher ; Stadtrath Lambeck, Mitglied des Herrenhauses ; Kgl. Staats- 
anwalt VON Lossow ; Justizrath Dr. Meyer , Mitglied des Reichs- 
tages; Dr. A. Prowe, Director der höhern Töchterschule; Professor 
Dr. L. Prowe, Stadtverordneter; Oberst von Reichenbach, Fe- 
stungs-Commandant ; Kgl. Bauinspector Siecke; Stadrath G. Weese, 
Mitglied des Abgeordnetenhauses; Fabrikant Wendisch, Stadtrath; 
Rittergutsbesitzer von Wolff, Kreisdeputirter. 

Das Fest-Programm wurde gegen Ende des Jahres 1872 end- 
gültig festgestellt, den officiellen Einladungen beigegeben und Mitte 
Januar 1873 durch die Presse veröffentlicht. 

Besondere Einladungen wurden zunächst denjenigen Hoch- 
schulen zugeschickt, welche einst die Bildungsstätten von Coper- 
nicus gewesen waren, der Universität Cracau, wie den Italienischen 
Universitäten Rom, Bologna und Padua. 

Eine weitere Ausdehnung konnte den besondern Einladungen 
für das Ausland nicht gegeben werden. Bei unbedingter Anerken- 
nung des Grundsatzes, dass für die Gedenkfeier eines Mannes, 
welcher der Welt angehört, die Schranken der Nationalität nicht 
eingehalten werden dürften, war jene Beschränkung geboten; eine 
Auswahl hätte nothwendig viele Unzuträglichkeiten zur Folge gehabt. 

In Betreff Deutschlands führten ähnliche Erwägungen zu dem 
entgegengesetzten Beschlüsse: die Universitäten und Sternwarten 
8 ä mm t lieh einzuladen. Ausserdem wurden neben einigen ge- 
lehrten Vereinen, welche eine besondere Beziehung zur Feier hatten, 



die Gönner und Freunde des Vereins eingeladen, endlich eine Reihe 
von Männern, deren staatliche Stellung zur Einladung verpflichtete. 

Vielfach gelangten an den Verein ermuthigende Zusprachen, 
als es feststand, dass in Thorn die Hauptfeier der Säcular-Erin- 
nerung an Copernicus stattfinden werde. Vornämlich galt es als 
günstige Vorbedeutung und war freudig begeisternd für den Ver- 
lauf der Feier, dass unter den zustimmenden Kundgebungen zu- 
nächst die freundlichsten Zusagen zur Beschickung des Festes aus 
Italien eintrafen, von wo dem Vereine auch das erste Glückauf 
zum Feste gekommen war*). 

Die Universität Rom Hess bereits unter dem 1. Februar eine 
Zuschrift an den Verein gelangen ; einige Tage später erfolgte die 
Anzeige von der Wahl des Deputirten, welche einstimmig auf den 
Professor der Lateinischen Sprache und Literatur Onorato Occioni 
gefallen war**). 



*) Bereits im Juni 1872 hatte sich der designirte Rector der Römischen 
Universität Prof. Filippo Serafini mit dem Copernicus- Verein in Verbindung 
gesetzt und unsern Zurüstungen zur Feier seine beifällige Zustimmung zu er- 
kennen gegeben, indem derselbe zugleich Mittheilungen über die von der 
Universität Rom projectirte Säcular-Feier des Geburtstages von Copernicus 
beifügte. 

**) Die beiden aus Rom an den Copernicus- Verein vor dem Feste ge- 
langten Zuschriften lauten: 

I. Societati Copernicanae Thorunensi 
Romani Archigymnasii Rector 
s. p. d. 
Jucundissimae redditae sunt litterae Vestrae , quibus Vos, doctis- 
simi Viri, Romanum Atlienaeum ad solcmnia Coperuici saecularia per- 
humaniter vocastis. 

Spero equidem fore ut ex doctoribus nostris die 19. Februarii ali- 
quis adsit , qui apud Vos praesens testatur, Summi Viri nostram haud 
defecisse memoriam, quae et in hoc Archigymnasio, tanti doctoris no- 
mine olim insigni, titulo eadem die consecrabitur. 

Restat, ut de legato deligendo in Academico Senatu agatur, qua de 
re Vos paucos intra dies certiores faciam. 



9 



Der Delegirte der Römischen Universität war zugleich mit der 
Vertretung der Universität Padua betraut. 

Die Universität Bologna zeigte in einer Zuschrift vom 12. Fe- 
bruar dem Vereine an. dass sie den Decan der philosophischen 
Facultät Prof. Gaetano Pelliccioni zum Feste deputirt habe*). 

In gleicher Weise, wie die beifälligen Zuschriften aus Italien, 
wirkte ermuthigend auf die Festes- Stimmung, dass unter den deut- 
schen Universitäten diejenige, welche in dem letzten Jahrzehnt die 
Führung genommen, sich freudig bereit erklärte, einen Vertreter 
zur Copernicusfeier nach Thorn zu entsenden. Nachdem eine zu- 
stimmende Erklärung der Universität Leipzig bereits am 25. Ja- 



Nunc vero non potui quin sine mora maximas Vobis gratias tum 
meo tum Athenaei nomine referrem. 
Romae Kai. Febr. 1873. 

Philippus Seratini 
Rector. 
II. Societati Copernicanae Thorunensi 
Romani Athenaei Rector 
s. p. d. 
Invitationem Vestram Academicus Senatus libentissime accepit et 
doctorem Honoratum Occionium uno animo legatum elegit. De 
quo Vos Praeclarissinn Viri quemadmodum nudius quartus persciipsi, 
notiores facere gaudeo. 

Romae die 6. Februarii 1873. 

Prof. Dr. Serafini 
Rector. 

*) Rector Universitatis 
literarura et artium Bononiensis 
S. D. P. 
Procuratoribus Societatis Copernicana(! 'J'horunensis. 
Eques Gaietanus Pelliccionius Vir Clarissinius, huius Academiae 
nomine atque auctoritate, Icgatus Tliorunum veniet sollemnibus saecu- 
laribus, quae in honorem Nicolai Copernici a Vobis celebrantur, ad- 
futurus. Eum Vobis de meliore nota commcndo. 

8cribebam Bononiae pridie Idas Fcbruarias MDCCCLXXIII. 

Rector Universitatis 

litterarum et artium Bononiensis 

Comes Caesar Albicini. 



10 



niiar eingetroffen war, zeigte in einem officiellen Schreiben d. d. 
8. Februar der derzeitige Rector Dr. H. Brockhaus dem Vereine 
an, »dass der academische Senat einstimmig die Absendung 
»eines Deputirten beschlossen habe, und dass ebenso einstimmig 
»Prof. Dr. Bruhns zum Abgeordneten gewählt sei.« 

Gleichzeitig mit der Benachrichtigung Seitens der Universität 
Leipzig traf auch von dem academischen Senate zu Königsberg 
die Anzeige ein, dass derselbe die Absendung eines Deputirten 
beschlossen habe, und in einem zweiten Schreiben d. d. 1. Februar 
erfolgte die Mittheilung, dass zur Vertretung der Universität der 
zeitige Prorector Prof. Dr. Caspary gewählt sei und die auf ihn 
gefallene Wahl angenommen habe. 

Ausser Königsberg erwiesen unter den Preussischen Hoch- 
schulen dem Vereine die Ehre, das Fest durch einen Deputirten 
zu beschicken: die Universitäten zu Halle und Breslau. Die 
officiellen Anzeigen von der Entsendung eines Delegirten wurden 
von dem academischen Senate der Universitäten Halle und Breslau 
Anfang Februar nach Thorn eingesandt. 



Dienstag 18. Februar. 

JJer dem Säcular-Tage vorhergehende 18. Februar war zu 
einer in beschränkteren Grenzen gehaltenen Vorfeier bestimmt. 
Allein die gehobene Stimmung der Festgenossen und die in dan- 
kenswerthester Weise entgegenkommende Theilnahme der ge- 
sammten Bevölkerung Thorns gestaltete bereits den 18. Februar 
zu einem selbstständigen Festtage. 

Die beiden aus Italien angemeldeten Ehrengäste, die Profes- 
soren OcciONi und Pelliccioni, waren bereits am Abende des 
17. Februar hierselbst eingetroffen. Der Morgenzug des 18. Fe- 
bruar führte die Vertreter der Deutschen Universitäten nach Thorn 
und mit dem Mittagszuge erschienen die übrigen Ehrengäste und 
auswärtigen Festgenossen. 

Eine Abtheilung des Fest-Comite hatte die Ehrengäste auf 
dem Bahnhofe empfangen und in den für sie bereit gehaltenen 
Equipagen nach ihren Wohnungen zur Stadt geleitet *) , in welcher 
viele Häuser bereits ihren Festschmuck angelegt hatten. 



*) In den für die Ehrengäste beschafften Wohnungen fanden dieselben 
als Gastgeschenk vor: die Säcular-Ausgahe des Werkes de revoliitionibus 
orbium coelestiura und die von Dr. L. Prowe als Festgabe herausgegebenen 
kleinen Schriften von Copernicus. 



12 



Der Vormittag des 18 Februar wurde dazu benutzt, die 
Ehrengäste untereinander und mit den hiesigen Festgenossen be- 
kannt zu machen ; gleichem Zwecke diente ein gemeinschaftliches 
Mittagessen (im Saale des Hotel de Sanssouci), zu welchem auch 
die Berichterstatter der Presse eingeladen waren*). — 

Die förmliche Eröffnung des Festes erfolgte Nachmittags im 
Kathhause (im Saale des Kgl. Kreisgerichts), woselbst sich das 
Fest-Comite, die städtischen Behörden und die Mitglieder des 
Copernicus- Vereins versammelt hatten. Um 5 Uhr wurden die 
auswärtigen Festgäste in den Saal geleitet. 

Als Ehrengäste waren erschienen: 

Se. Exe. der Regierungs-Präsident Graf Botho Heinrich zu Eulek- 
BURG, Ober-Burggraf von Marienburg. 

Onorato Occioni, Professor der lateinischen Literatur an der Uni- 
versität zu Rom, Vertreter der Universitäten Rom und Padua. 

Gaütano Pelliccioni, Professor der griechischen Literatur an der 
Universität Bologna und Dekan der philosophischen Fakultät 
daselbst, Delegirter der Universität Bologna. 

Dr. Bruhns, Professor der Astronomie und Director der Sternwarte 
zu Leipzig, Delegirter der Universität Leipzig. 

Dr. Caspary, Professor der Naturwissenschaften und zeitiger Pro- 
rector der durch ihn vertretenen Universität Königsberg, z u- 



*) Eigene Correspondenten hatten hierorts sich gewonnen die Wiener 
Zeitungen »Presse« und die »Neue freie Presse«, die »National-«, 
»Spenersche« und »V o s s i s c h e Z e i t u n g«. Für mehrere andere Berliner 
Zeitungen war ein gemeinschaftlich bestellter Reporter erschienen. Besondere 
Berichterstatter hatten endlich entsendet die »Danziger«, »Posen er« und 
»Brom b erger Zeitung«. Die »Schlesi sehe Zeitung« hatte einender 
Ehrengäste für die Berichterstattung gewonnen. Ein anderer Ehrengast hat 
in der zu Leipzig erscheinenden Zeitschrift »Aus allen Welttheilen« einen 
eingehenderen Bericht über das Fest erstattet. — Von ausländischen Zeitungen 
brachte die »Opinione« Original-Artikel über die Copernicus-Feier ; einen 
ausführlicheren Bericht veröffentlichte sodann Occioni in der »Nuova An- 
tologia«. 



13 



gleich Abgeordneter der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft 
daselbst. 

Geheimer Regiernngs-Rath Dr. Knoblauch, Professor der Pliysik 
und Vertreter der Universität Halle. 

Dr. Galle, Professor der Astronomie und Director der Sternwarte 
zu Breslau, Delegirler der Universität Breslau, zugleich Ver- 
treter der Schlesischeu Gesellschaft für vaterländische Cultur und 
des wissenschaftlichen Vereins der Stadt Reichenbach. 

Dr. Caro, Prof. hon. an der Universität Breslau. 

Dr. theol. et juris Joseph P. Thompson, auswärtiger Secretär der 
geographischen Gesellschaft zu New-York. 

Dr. CosACK, Stadt-Schulrath zu Danzig, Delegirter der Stadt Dan- 
zig und Vertreter der drei höhern Lehranstalten Danzigs (des 
Gymnasiums und der Realschulen erster Ordnung zu St. Johann 
und der Petrischule) . 

Prof. Dr. Bail, Director (und Vertreter) der naturforschenden Ge- 
sellschaft zu Danzig. 

Oberlehrer Dr. Schultz, Vertreter des Gymnasiums zu Culm. 

Ober-Staatsanwalt Bartels aus Marienwerder. 

Zur feierlichen Begrüssung der Ehrengäste ergriff im Namen 
der Stadt Thom und des Fest-Comite zunächst Ober-Bürgermeister 
BoLLMANN das Wort: 

Hochgeehrte Anwesende! 
Insbesonders Hochzuverehrende Ehrengäste! 

Wenn mir als Vertreter der hiesigen Stadt die grosse Ehre 
zu Theil geworden, beim Beginn des bevorstehenden Festes zuerst 
das Wort zu ergreifen, so ist dies nicht als eine blosse Zufällig- 
keit unseres Festprogramms anzusehen, sondern es knüpft sich 
daran die Bedeutung der ganzen Feier als einer solchen, welche 
die Einwohner der Stadt Thorn zum Gedächtniss ihres grössten 
Mitbürgers, ihres unsterblichen Sohnes Nicolaus Copernicus be- 



14 



reitet haben. — Naineiis dieser Stadt und des für die Feier ein- 
gesetzten Festcomitö heisse ich Sie, Hochgeehrte Herren Ehren- 
gäste, deshalb herzlich willkommen in unserer Mitte und spreche 
Ihnen zugleich , sowie allen verehrlichen Corporationen , deren 
Vertreter ich hier zu sehen mich freue, den tiefgefühltesten Dank 
für die freundliche Bereitwilligkeit aus, mit welcher Sie von nahe 
und aus weiter Ferne unsrer Einladung gefolgt sind, um mit 
uns den Namen jenes grossen Mannes zu verherrlichen , den wir 
mit gerechtem Stolze und heiliger Ehrfurcht den Unsrigen nennen. 
Wir stehen heute am Vorabend des Tages, an welchem vor 
400 Jahren der jetzt überall gefeierte Copernicus in unsern 
Mauern das Licht der Welt erblickte, von wo aus er durch Gottes 
Gnade berufen war, kraft seines unermüdlich forschenden Geistes 
Licht und Wahrheit über die bis dahin kaum geahnte schöpfe- 
rische Ordnung der Welt zu verbreiten. Es kann nicht meine 
Aufgabe sein, Ihnen eine Schilderung des Lebens dieses grossen 
Welt- Reformators und seines Schaffens im weiten Gebiete der 
Wissenschaften vorzuführen ; dies soll vielmehr einer beredteren 
Zunge für den Haupt-Festtag und der heutigen dramatischen Fest- 
Aufführung vorbehalten bleiben. Nur auf das Eine will ich bei 
dieser sich mir darbietenden Gelegenheit hindeuten: Die Stadt 
Thorn, als Geburtsstätte des Copernicus hält es für ihre heilige 
Verpflichtung, nicht nur das Gedächtniss an ihren grössten Sohn 
durch äussere Zeichen ewig wach zu halten, sondern den Geist 
des freien wissenschaftlichen Fortschritts nnd Strebens, welcher 
sich in Copernicus vor Jahrhunderten so gewaltig verkörpert hat, 
für alle Zeiten zu pflegen und zu fördern, damit die spätesten 
Geschlechter noch davon Zeugniss ablegen, dass sie des unver- 
gänglichen Ruhmes, Copernicus den Ihrigen nennen zu können. 



15 



in ' Wahrheit würdig sind. Bürgschaft hierfür gewährt der seit 
Jahren hier bestehende Verein für Kunst und Wissenschaft, wel- 
cher den Namen des Copernicus trägt und das ihm zu Ehren 
veranstaltete Fest durch eine neue nach der Original-Handschrift 
verbesserte Pracht-Ausgabe seines grossen Werkes »de revolutio- 
nibus orbium coelestium« verherrlicht hat. 

Möge der morgen wiederkehrende 400jährige Geburtstag uns 
und Allen, die ihn mit uns feiern, eine ernste Mahnung sein, 
dieses geistige Streben niemals erkalten zu lassen; möge das 
Licht des Geistes, mit welchem unser gefeierter Denker und For- 
scher die ganze Welt so hell erleuchtet hat, immer mehr in unsere 
Seele eindringen und uns die Wege bahnen zur besseren Erkennt- 
niss unseres himmlischen Schöpfers und seiner unendlichen Werke. 
— dann werden wir die bevorstehende Feier gewiss jenes un- 
sterblichen Namens würdig begehen ! 

Mit diesem Wunsche begrüsse ich Sie, Hochgeehrte Herren, 
nochmals als unsere willkommenen Ehrengäste und knüpfe daran 
die Bitte, dass die von uns bereiteten bescheidenen Festlichkeiten 
bei Ihnen eine milde Beurtheilung finden und dazu beitragen 
möchten, der Geburtsstätte des gefeierten Copernicus, der alten 
ehrwürdigen Stadt Thorn, auch für die Zukunft in Ihren Kreisen 
ein freundliches Andenken zu sichern. — 

Die erste Erwiderung dieser Ansprache geschah durch den 
Vertreter der Universität Leipzig Prof. Dr. Buuhns, Vorstands- 
Mitglied der Astronomischen Gesellschaft: 

Am Vorabend des Tages, an welchem in dieser Stadt vor 
400 Jahren Copernicus geboren wurde, beglückwünsche ich als 
Vertreter der Universität Leipzig, sowie als Vorstands-Mitglied der 



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Astronomischen Gesellschaft die Stadt Thoru, die das grosse 
Glück gehabt bat, die Wiege des Mannes zu beherbergen, wel- 
cher der Schöpfer und Vater der gegenwärtigen Astronomie ist. 

Die Astronomische Gesellschaft, welche, vor fast zehn Jahren 
gegründet, dahin strebt, die Astronomie nach allen Seiten zu för- 
dern, baut diese Förderung auf den Lehren eines Copernicus, 
Kepler und Newton, und es gereicht unserer Nation zur grossen 
Ehre, dass alle drei Männer ihr gewissermassen angehören. Denn 
während Copernicus an den Ostmarken des Deutschen Reiches 
das Licht der Welt erblickte, wurde der zweite Reformator, Kep- 
ler, im Südwesten Deutschlands geboren, und der grosse Brite 
Newton gehört dem Lande an, dessen Einwohner von Deutschen 
Völkerschaften abstammen. Die Stadt Thorn kann stolz darauf 
sein, die Geburts-Stadt eines Copernicus genannt zu werden und 
sie hat den Vorzug, dass ihr diese Thatsache nicht streitig ge- 
macht werden kann, wie bei den Geburtsorten anderer Heroen 
der Wissenschaft ; und wenn auch die Stadt Thorn noch das 
Glück hat, als Geburtsstadt anderer Naturforscher zu gelten, so 
überstrahlt doch Alle der Name Copernicus. Als Astronom freue 
ich mich ganz besonders, der würdigen Feier des Jubeltages bei- 
wohnen zu können. Das literarische Denkmal, welches Ihr Fest- 
coniite zu dem Jubeltage herausgegeben hat, das grosse Werk 
des Copernicus in seiner möglichst ursprünglichen Form, veran- 
lasst vor Allem die Astronomen noch zum Danke gegen die Vater- 
stadt des unsterblichen Mannes und wird das Andenken an die 
Jubelfeier auf die späte Nachwelt übertragen. 

Hierauf sprach im Namen der anwesenden Universitäts- Ver- 
treter der Prorector der Universität Königsberg Prof. Dr. Caspary : 



17 



Als Vertreter der Universität Königsberg und zugleich im 
Namen und Auftrage der hier versammelten Vertreter anderer 
Hochschulen sage ich dem Herrn Bürgermeister und dem Festaus- 
schusse für den uns zu Theil gewordenen höchst freundlichen 
Empfang besten Dank. Der Herr Ober-Bürgermeister hat klar 
und richtig die wesentliche Bedeutung des Festes, das wir hier 
begehen, hervorgehoben. Copernicus ist nicht blos ein Refor- 
mator der Astronomie, sondern, indem er mit seinem System die 
richtige Auffassung der Bewegung der Himmelskörper an Stelle 
der falschen, von der Kirche gelehrten, setzte , zugleich ein Be- 
freier von den Fesseln kirchlicher Orthodoxie und ein Vertreter 
freier Forschung. Möge die Weihe, welche uns dies Fest ver- 
leiht, darin bestehen, dass jeder von uns an seinem Theil und in 
seinen Verhältnissen nach Erkenntniss der Wahrheit mit Treue 
und Gewissenhaftigkeit trachte und die erkannte mit Muth und 
Demuth zur Geltung bringe! 

Die Empfangsfeierlichkeit schloss mit einer Ansprache des 
Vorsitzenden der Stadtverordneten- Versammlung, Justizrath Kroll, 
welcher im Namen der Thorner Bürgerschaft den auswärtigen 
Gästen für ihr Erscheinen dankte. 

Nach Beendigung der Empfangs-Feierlichkeit begaben sich 
die Anwesenden — die Ehrengäste von dem Fest-Comitö geleitet 
— aus dem Rathhause in das festlich geschmückte Stadt-Theater, 
woselbst die Fest- Versammlung schon ihres Erscheinens harrte *) . 



*) Bei der Beschränktheit des Stadttheaters konnte den Gesuchen um 
Theilnahrae an der Fest-Aufführung nur in beschränkter Weise stattgegeben 
werden. Das Fest-Comite liatte sich deshalb veranlasst gesehen, bereits die 
General-Probe des Festspiels dem Publikum, zugänglich zu machen. Der 

2 



18 



Sobald die Eingetretenen ihre Plätze eingenommen hatten, begann 
die zur Einleitung der Fest-Aufführung gewählte Egmont-Ouver- 
ture von Beethoven. Das Orchester, von Prof. Dr. Hirsch diri- 
girt, war durch Dilettanten besetzt. 

Das Festspiel, gedichtet von Director Dr. A. Prowe gab ein 
dramatisches Gemälde in 5 Akten , »Bilder aus dem Leben 
von C o p e r n i c u s « . Der Regie hatte sich der Reichstags- Ab- 
geordnete Dr. Meyer (Vorsitzender des Copernicus-Vereins in den 
Jahren 1 800 — 64 und 1 869; unterzogen. Die Prologe, welche den 
einzelnen Akten voraufgingen, sprach dessen Gattin. Die 
Rollen waren von Mitgliedern des Vereins und einigen andern 
Bewohnern Thorns übernommen*). Der Dichter selbst spielte 
den Hauptträger des Stückes, N i c o 1 a u s C o p e r n i c u s. Die übri- 
gen Rollen waren folgendermassen besetzt: 

Lucas Watzelrode, Grossvater von Coperniciis — Conrector Ott- 
mann ; Niklas Koppernigk, Vater von 0., — Stadtrath Hagemann ; 
Barbara Koppernigk, Mutter von C, — Fräulein Lindau ; Lucas 
Watzelrode, Bischof von Ermland, Oheim von C, — Gymnasial- 
lehrer Lewus; Tilraau von Allen, regierender Bürgermeister von 
Thorn — Justizrath Dr. Meyer; Christine von Allen, die Gemahlin 
Tilinans v. A., die Schwester der Mutter vonC, — Fräulein Donner ; 
Andreas Koppernigk, Bruder von C, — Kaufmann Gerbis ; Bar- 
bara Koppernigk, Schwester von C, — Fräulein M. Schultze; 
Dominicus Maria di Novara, Professor der Astronomie in Bologna — 
Gymn. -Oberlehrer Böthki:; Ce.sare Baronio, Professor der Theologie 
— Rector Samietz ; Joachim Rheticus, Professor der Mathematik — 



General-Probe folgte — wie bei der Fest-Aufführung selbst — ein geselliges 
Zusammensein der Mitwirkenden und eines Theiles der Zuschauer in den 
Räumen des Artushofes. 

*) Von dem General-Intendanten der Königl. Schauspiele, Kammerherrn 
VON Hülsen, waren dem Comite für die Fest-Aufführung- die vollständigen 
Costüme gütigst überwiesen worden. 



19 



Kaufmann Leop. Neumann; Ein Domherr — Kaufmann Nath. 
Hirschfeld; Johannes Seifert — Dr. Henschke; Johannes 
Auschwitz — Gymn.- Oberlehrer Feyerabendt; Ein Bauer — 
Stadtrath E. Schwartz; Drei Studenten — Gymn. -Gesanglehrer 
Referendarius Sammet, Gymn. -Zeichenlehrer Maler Windmüller, 
Eisenbahn-Bauführer Wehowski: Ein Johannisschüler — Gymn.- 
Zeichenlehrer Winümüller ; Ein Diener — Kaufmann Otto 
GuKSCH. — Als Souffleur fungirte Rector Hasenbalg. 

Der erste Akt des Festspiels, dessen Handlung der Dichter 
in das Jahr 1493 nach Thorn verlegt hat, bietet uns einen Ein- 
blick in die Verhältnisse der Familie von Copernicus. Daneben 
wird der Charakter der alten Hansestadt geschildert, in welcher 
Copernicus geboren war, das Patricier-Regiment der grossen Kauf- 
herrn , zu deren Familien auch die Watzelrode und Koppernigks 
gehörten. Ebenso zeichnet der Dichter mit einigen Strichen den 
historischen und geistigen Hintergrund der ganzen Zeit: die re- 
ligiösen Regungen des Jahrhunderts, die Restauration der Wissen- 
schaften, die Entdeckung Amerika's. 

Copernicus selbst tritt in dem 1. Akte nicht auf; im Jahre 
1493 weilte er noch als Student zu Krakau. Durch einen von 
der Universität heimkehrenden Landsmann Auschwitz erhalten 
wir jedoch Mittheilungen über die Studien des Jünglings Coper- 
nicus. Auschwitz berichtet, dass dieser sich der Astrcmomie 
zugewandt habe und, um tiefer in die Wissenschaft einzudrin- 
gen, nach Italien gegangen sei. Der Erzähler, eine praktische 
Natur, kann einen leisen Spott über die idealistischen Bestrebun- 
gen seines Studien-Genossen nicht unterdrücken. Ein anderer 
Jugendfreund von Copernicus, Joh. Seiffert, dagegen steht schon 
ganz unter dem Einfluss der neuen Geistes-Strömung. Freudig 
berichtet er von den grossen Begebenheiten des Jahrhunderts : 

2* 



20 



Froh-jauchzend ruf icli : Wohl uns, dass wir jung sind! 

Es kommt ein neu Jahrhundert, feuerhell, 

Nacli langer, banger Nacht heraufgezogen, 

Und Grosses schon sah dieses Saeculum! 

Was unsre Väter selbst erlebt, durchkämpft, 

Ihr wisst's. — Desselben gleichen aber stritt — 

Wie wir am nord'schen Meer hier unten — muthig 

Im fernen Süd hoch auf der Alpen Joch 

Ein kleines Bauervolk, und schlug den Stolz 

Des Ritter-Adels mannhaft-kräftig nieder. 

Im Süden, ach, im schönen Süden klingen 

Die Myrtenhaine wieder vom Gesang 

Der hohen Dichter, die wir all' bewundern! 

Im Süden fern, auf italischen blumigen Auen 

Da sieht man alle Weisheit niedeithaueu 

Vom reinsten Himmel, jenem ewig blauen, 

Den kaum je trübt der Schatten einer Wolke — 

Ein neuer Geist regt sich in allem Volke — 

Gott wills! — will sich in Wettern offenbaren; 

Wohl dem, der feststeht bei dem Einen Wahren ! 

Der erste Akt schliesst mit der prophetischen Vision des 
Grossvaters Lucas Watzelrode: 

Ein Adlergeist ist Niklas Koppernigk. 
Ihr werdet einst am Firmament ihn sehen. 
Wenn lang' schon unser Haupt in Staub zerfiel. 
Wenn auch sein weltumfassendes Gehirn 
Vermodert ist, wie das des grossen Salza — 
Wenn nicht der weisse Aar mehr, wenn der schwarze. 
Der neuerstarkte Kaiser-Adler Deutschlands, 
Zum stolzen Schutz die Flügel über Thorn 
Ausbreitet — wenn ein anderes Geschlecht 
In diesen Mauern lebt, wenn Polen längst 
Verschwand, zum Mährchen ward der Ritterorden — 
Wenn die Familie Koppernigk verscholl, 



21 



Im Stadtarchiv aus staub'gen Bücherborden 
Mühsam ihr Nam' erforscht wird — o ! dann soll 
Noch Nikolaus Koppernigk auf Erden 
In aller Völker Mund gepriesen werden! 

Der zweite Akt führt uns nach Italien. Er bietet uns drei 
grössere Bilder aus den Jahren 1493, 1494 und 1500. 

In der ersten Zeit seines Aufenthalts in Italien erscheint Co- 

pernicus noch als Anhänger des Ptolemaeischen Systems; doch 

regen sich in ihm schon schwere Zweifel. Bezeichnend für seine 

damalige Geistes-Stimmung ist der Monolog der 1. Scene: 

Italia's Himmel, nachtumflort, ihr Sterne, 

Wie gold'ne Nägel dort am Firmament 

Auf schwarzen Sammt geheftet, Thronsaal Gottes! 

Ich steh' im weiten Feld allein, ein Mensch — 

Der Erde Sohn, der ihr doch alle dient. 

Um unsern Mutterball schwingt ihr in Kreisen 

Gleichmässig jeden Tag. Im Chor sind sieben 

Kurfürsten euch gesetzt, Verwalter Gottes. 

Mond, Venus und Merkur, ihr drei umwandelt 

VertrauUch uns zunächst, ihr lieben Lichter ! 

Wen tröstet nicht des Abendsternes Schimmer? 

Wem bringt der Morgenstern nicht Lust zur Tags'müh? 

Und wem löst nicht den Gram der kranken Seele 

Das bleiche Licht des wechselvollen Mondes? 

Inmitten aber thront die Königin 

Des Tages und der Jahreszeiten, Sonne — 

Du allerschönster grossester Planet! 

Und dann ihr drei, Beherrscher unsrer Staaten 

(Der Weltgeschichte Lenker) schliesst den Reigen : 

Blutrother Mars, du Gott der wilden Schlachten — 

Und königlicher Jupiter, du Spender 

Der Kunst und Weisheit, Herr der höchsten Ehren — 

Als letzter dann, du, bleicher Fürst des Geldes, 

Saturn mit deiner herben Zeiten-Sichel! 



.).) 



Drei Menscheiialter Labt ihr drei uns sclioii 

Heraufgefühlt : von Gold, von Erz, von Blei, — 

Ihr thront am fernsten, aber herrscht am stärksten! 

Doch alle sieben ziehen, schlangenwandelnd, 

•Am Himmel hin und ordnen ihre Heerden! — 

Wie herrlich ist das Alles eingerichtet! ! — 

Wie klar vor meinem Geiste steht die Ordnung 

Des Universums ! Grosser Ptolemaeus ! 

Dein Kiesenhirn hat mehr noch als die Welt 

In seinem Raum gefasst! Du hast die Ordnung 

Begriffen, die das Weltall lenkt; — und ach! 

Wie schwierig hat der Gottesgeist die Wahrheit 

In hundert und in aber hundert Kreise 

Dem menschlichen Verstand gehüllt, versteckt! 

Könnt' ich dem Bauern wohl, dem einfach biedern. 

Erklären, wie die Sonne ihre Bahn zieht? 

Doch wie irrst auch und schwankst du, grosse Sonne, 

Du Weltalls-Leuchter, Gottes Aether-Thronglanz ! 

Dir folgt mein Auge täglich, folgt mein Herz; 

Du aber wandelst bald im Norden oben, 

Bald tief im Süden, schwankend um das Centrum! 

Wie kannst du Erdensklav, ob noch so gross — 

Des Herren Aug', das Auge Gottes heissen! 

Verschwunden bist und bleibst du jetzt zwölf Stunden. 

Entzöge wohl so lang sein Gnadenantlitz 

Der grosse Gott dem Erdkreis? — oder ist 

Der Mond vielleicht, der schweigend heiter droben 

Im Sternenchor jetzt stallt, manch schwere Nacht mir 

Bei trüber Seelenarbeit Zeug und Beistand, 

Gedanken-Freund und Freund der Herzensfülle, 

Bist Du vielleicht des Herren zweites Auge? — 

Doch welch' ein niedrer Dienst ist's : Andern leuchten ! 

Und kann dem stolzen König Erdball denn 

Zum Fackelträger werden Gottes Licht-Aug'? 

0! manches Mal hat dieser Zweifel mich 

Im Innersten bedrängt; ich kann's nicht glauben! 



23 



Wie aber sonst deut ich das Dreli'n der Sterne? 

Nicht find ich Rath, wohin ich betend blicke. 

0, meines Lebens ew'ger Leitstern, — Weltgeist — 

0, sende mir ein Zeichen deiner Nähe! — — 

Dass ich vom Zweifel endlich mag genesen. 

Lass mich die Wahrheit in den Sternen lesen ! 

In stets erneuten Innern Kämpfen sind bei seinen fortgesetz- 
ten Studien die Zweifel des jugendlichen Forschers an der Wahr- 
heit des Ptolemäischen Systems immer stärker hervorgetreten. Der 
Dichter nimmt an, dass die kosmischen Ideen von Copernicus 
auch schon in den wissenschaftlichen Kreisen Italiens bekannt 
geworden seien. Dominicus Maria di Novara, der berühmte Pro- 
fessor der Astronomie in Bologna, welcher von den seltsamen 
Ansichten des jungen Preussen gehört, theilt dieselben einem 
Freunde, dem Theologen Baronio mit. Zu ihnen tritt Copernicus 
selbst, welcher Novara aufsucht, von dem er Förderung seiner 
kosmischen Anschauungen erwartet. 

Als ich dein Wort erfuhr, es sei in Cadix 

Ganz offenbar um einen Grad der Pol 

Seit Ptolemäi Zeiten fortgerückt: 

Da schöpft' ich Hoffnung, dass dein lichter Sinn 

Auch Ptolemäi Weltsystem nicht werde 

Für unverrückbar halten. 

Auf die Bemerkung Novara's, es sei zu ihm das Gerücht ge- 
drungen , Copernicus habe seine Ansichten widerrufen , erwidert 
dieser : 

Mein edler Meister! brauch ich's dir zu sagen? 

Die grosse Monge lärmt und schwärmt am Marktplatz 

Des Lebens ohne Wahl dahin. Ks steht 

Inmitten Millionen schwanker Gräser 

Vereinzelt nur der Stamm des Wiesenbaumes; 



24 



Der Mond steht einsam unter tausend Sternen! 
Wie kann der ernste Forscher sich dem Haufen, 
Dem planlos, ziellos wankenden vertrauen? 

Im Fortgänge der Unterredung weist Copernicus darauf hin, 
dass schon die Pythagoreer eine Bewegung der Erde gelehrt hät- 
ten. Als Novara, wohl auch wegen Baronio's Anwesenheit, er- 
schreckt zusammenfährt darüber, dass der junge Student an dem 
Stillestehn der Erde zweifle, schildert Copernicus, wie die Gedan- 
ken der Pythagoreer in ihm Wurzel gefasst hätten : 

Ich weiss, welch dunkler Schrecken Dich ergreift! 

Es wankt vor dem bestürzten Geiste Dir, 

Was fest stand durch Jahrtausende, was heil'ge 

Was göttlich hohe Stimmen fest genannt. 

Doch eine Feste nennt auch Gott den Himmel, 

Die leere Luft, die blau zum Schein sich wölbt 

In Einsamkeit verfloss mein Jugendleben. 

Um Jahre von den anderen Geschwietern 

Getrennt, von meiner Mutter unterrichtet, 

Blieb still in unsers Hauses alten Räumen 

Mein Knabengeist auf sich allein beschränkt. 

Ein Thor ist nah' der Stätte, wo die Sonne 

Zuerst mein Kinderauge blendete. 

Dort ragen hohe Bäum' um einen Graben, 

Der schon in grauer Vorzeit unsre Stadt 

Vor preussischer Heiden wilden Horden schirmte. 

In jenem breiten Schatten lag ich oft. 

Wenn fern der Stadt, am Nebelstrand des Flusses 

Die Sonne sich im Erdengrund verlor. 

Lang' sah ich hin, wie sich die gelben Fluthen 

Mit Purpurroth vermischten, wie die Wolken, 

Geküsst vom letzten Strahl, errötheten. 

Und bleich und bleicher weg von ihm sich zogen. 

Wenn dann das rosig angehauchte Blau 

Des Horizonts sich schwärzte, wenn die Nacht 



25 



Langsam vom Osten aufwärts stieg zu mir, 
Wenn endlich auch der letzte Schimmer wich — 
Und alles finster lag und bang und schweigend : 
Ach dann, Dominicus Maria, dann 
Umpresste mir die Brust ein tiefes Weh ; 
Ich hätte schrei'n, ich hätte weinen mögen, 
Dass all der Glanz der Erd' entrissen war! 
»Nicht für die Erd' allein schuf Gott die Sonne«, 
Das hat sich fest und fester mir ins Herz 
Ja, in mein ganzes Wesen sich gebrannt! 
Mir war, als müsst' ich nachziehn Gottes Bücken. 
Ich sah die Blumen, sah die Bäume selbst - 
In bitt'rer Sehnsucht sich nacli Westen wenden, 
Den letzten Strahl vom Himmelslichte saugen — 
Erschauernd vor dem Druck der kalten Nacht: 
Da kam es zu mir her wie leise Flügel, — 
Das Weh'n der Abendluft umgab mich rings 
Gleich Engels- Schwingen; nach und immer nach 
Zog ich, und wusste selbst nicht wie, der Sonne ; 
Und mit mir wandte sich die alte Erde, 
Die Thürme selbst, die Mauern und die Berge — 
Sie alle kehrten sich zur Sonne! 

Als Copernicus zu noch eingehenderer Kundgebung seiner 
Ansichten vorschreitet , verlässt Baronio, der lange schweigend 
zugehört, was Novara mit dem jungen Feuergeist verhandelt, 
seinen Freund, indem er diesen entrüstet warnt, dass er sich nicht 
entfernen lassen solle von dem Pfade, den streng die Kirche vor- 
gesteckt. Copernicus aber, unerschüttert durch die Drohungen 
des Ketzerrichters, erklärt auf die freundlichen Mahnungen No- 
vara's : 

Ich gehe selbst nach Rom, sobald du mich 
Mit deinen Lehren gross gezogen hast. 
Es drängt mich, in der Hauptstadt aller Welten 
Und im Gewühl der rauschend grossen Welt 



26 



Mein armes Grübeln übers All der Welten 
Vor Papst und Klerus laut und frei zu lehren. 

Die 3. Scenc zeigt uns SeifFert unter den Hirten der Cani- 
pagna bei Rom, wohin er sich zurückgezogen, um unter den freien 
Söhnen der Natur seinen Menschenhass zu vergessen und sicher 
zu sein vor den Verfolgungen, die er hatte erleiden müssen. Hier 
trifft ihn in einer Locanda Andreas Koppernigk, der in Rom seinen 
Bruder aufsuchen will und nun von Seiffert Einzelheiten über das 
Leben desselben erfährt. 

In dem letzten Abschnitte des 2. Aktes versetzt der Dichter 
die Handlung in das Studirzimmer von Copernicus in Rom. Zu- 
nächst tritt der junge Forscher selbst auf. In einem Monologe 
desselben wird uns seine Seelen - Stimmung geschildert in der 
Stunde, da er vor dem Papste und seinen Cardinälen die neue 
Lehre zu verkünden sich anschickt. 

Schon liegt ganz Rom gewaltig da, umnachtet! 

So lag auf Rhodos jener Erzkoloss 

Zerschellt, ein Trümmer-Haufen schwarz und gross! 

Das war ein Bild vom Sonnengott, dess Macht 

Verschwunden schien in langer Wahnesnacht — — 

Apollo! Weisheits-Gott im Lorbeerkranz — 

Du warst mir gnädig, dein fühl' ich mich ganz ! 

Aufricht' ich wieder deines Thrones Glanz — — 

Und hier in Rom! dess Macht von wilden Horden 

Zertrümmert schien, doch wieder ist geworden 

Ein Sonnen- Abbild auf dem Erdenball, 

Vor dem sich neigen Erdballs-Völker all! — 

So wie du stiegst hervor aus tiefstem Fall, 

Rom, steigt strahlend auf, machtvoll und gross 

Die Sonn' als Gott auf's NeuM in Deinem Schooss 

Hab' ich, ein Diener Deiner Kirch', erschaut 

Die ewige Wahrheit, — hier ward sie vertraut 



27 



Von Gottes Engeln selbst mir! Offenbaren 

Will ich vor Rom's erliab'nen Priesterschaaren 

Die gottgegebne Fülle des Ewig-Wahren! 

Der Grundstein ist gelegt. Nun, Gott und Herr, 

Zeig Deine Kraft und Gnadenfüll' an mir! 

Mit Feuerzungen lass' die Wahrheit künden 

Von Deinem Knecht, den Du sie lehrtest finden! — 

So klar scheint mir das Bild der Gotteswelt — 

Doch anders wohl, als sonst es mir erschienen! 

Er selber thront in Mitten Seiner Schöpfung! 

Das ew'ge Sonnenrad, Sein Feuerauge, 

Schaut wärmend und erleuchtend rings umher! 

In Kugelform — so ist das All gestaltet — 

(Die Kugel ist die höchste Form des Seins — 

Der Wassertropfen und der breite Erdball, 

Mond, Sonne, Staut, das Grösst' und Kleinst' ist Kugel] 

Am Rande sind die grossen Sterne rings 

Fest angeheftet und vertheilt im Weltraum — 

Da fliegen brausend hin all' die Planeten, 

In Kreisen rasch sich schwingend um die Sonne — 

Die Erde fliegt und dreht sich wie ein Rad 

Und mit ihr schiesst, in pfeilgeschwindem Fluge, 

Der Mond hin durch den Aether um die Sonne ! 

Die Priester all', die Cardinäle sind 

Versammelt, und, begnad'gend seinen Diener, 

Weilt unter ihnen selbst als Kirchen-Sonne 

Der heil'ge Vater! — — — 

Sie warten schon, der Erde geist'ge Fürsten, 

Im Saal hier. Gott, Du kennst mein heisses Dürsten 

Nach Deiner Wahrheit. Wird es mir gelingen, 

Verständlich ihrem Geiste nahzubringen, 

Was klar vor meinem steht? — Du, allen Dingen 

Die sind und waren und einst werden sein, 

Nicht Schöpfer blos, auch Lenker und Berather, 

Du musst mich jetzt zu Deinem Herold weih'n! 

Gieb Du mir Rednerkraft, mein Herr »ind Vater! 



28 



Der Dichter, wie er diese ganze Scene sich frei erdacht, 
Dimmt ferner an, Copernicus liabe statt des erhofften Erfolges hei 
dem Oberhaupte der Kirche das entschiedenste Missfallen gefun- 
den. Wie Copernicus nun niedergedrückt an seiner Mission zu 
zweifeln beginnt , da findet er , aus dem Hörsaale zurückgekehrt, 
ganz unerwartet in seiner Wohnung den Bruder, an dessem Herzen 
er Trost und neuen Muth schöpft. Froh empfängt er von diesem 
die Berichte aus der Heimath und entschliesst sich bald nach 
dem Preussenlande zurückzukehren. 

Der 3. Akt führt uns nach Thorn zurück. Der Vater von 
Copernicus ist gestorben. Die beiden Oheime von der Mutter 
Seite, der Bischof von Ermland, Lucas Watzelrode, und Tilman 
von Allen , Bürgermeister von Thorn , sind jetzt die Häupter der 
verwaisten Familie. Der erstere, welcher bereits den Neffen 
Kirchenpfründen ertheilt hatte, sorgt auch für die Einkleidung der 
Nichte, welche als Nonne in einem Kloster zu Culm leben soll. 
Obgleich nach dem frommen Sinne der Familie dies Alles für ein 
grosses Glück gelten muss, ist doch das Herz der Mutter voll 
Trauer bei den unfruchtbaren Ehren, die zugleich einen ewigen 
Abschied bedeuten. Ihre Schwester, Aliens Frau, redet ihr güt- 
lich zu. Da erscheint der sehnlichst erwartete Sohn; ihm fliegt 
das Mutterherz mit stürmischer Liebe entgegen. 

Bevor die Ceremonie der Einkleidung seiner Schwester beginnt, 
findet Copernicus Veranlassung, dem Oheim Tilman von Allen seine 
neugewonnene Weltanschauung zu verkünden. Der Oheim ist An- 
fangs erschreckt. Obwohl freigesinnt und der neuen Kirchen- 
Lehre nicht abhold, bedeutet er den Neffen mit Ernst, die Zeit 
der Zweifel sei für ihn vorüber. Im Dienste der Kirche stehend 



29 



habe -er sich den unwandelbaren Lehren derselben zu fügen. Allein 
schliesslich versagt er nicht länger seine Anerkennung dem ernsten 
Forschungseifer des Neffen. Copernicus wiederum, durch die 
Mahnungen des Oheims ergriffen, steht ab von der vorschnellen 
Veröffentlichung seiner Ansichten , indem er ihrer ernsten wissen- 
schaftlichen Begründung sein Leben zu weihen sich vornimmt. In 
voller Uebereinstimmung scheiden sie von einander; der Oheim 
ermuntert ihn, indem er ihm auf den Pfad dornenvoller Forschung 
zwei Bibelsprüche mitgiebt, standhaft auszuharren in seinem Leben 
der Entsagung und mühevollen Arbeit. In ergreifender Rede führt 
er ihm die Folgerungen vor, welche sich aus den bewiesenen 
Hypothesen des jungen Forschers ziehen lassen und preist den 
Mann, der dies vermag, als einen Heros, der, wie kaum Einer, die 
grossartigste Umwälzung im Denken der Menschen bewirke. 

Zwischen dem 3. und 4. Akte liegt eine längere Zeit. Die 
Handlung des 4. Aktes ist nach Graudenz verlegt. Copernicus, 
als Vertreter Ermlands zum Preussischen Landtage entsendet, trifft 
dort die Jugendfreunde Auschwitz und Seiffert, die Abgeordneten 
für Elbing und Thorn. Diese suchen den einflussreichen Vertreter 
des Ermländischen Bisthums für ihre politischen Pläne zu gewinnen. 
Sie wollen Westpreussen wieder von Polens Oberherrschaft befreien 
und zu einer selbstständigen Mittelmacht gleich der schweizerischen 
Eidgenossenschaft erheben. Sie hoffen dies durch einen Städte- 
bund mit Hülfe der neuen kirchlichen Bewegung zu erreichen, 
indem sie vorzugsweise auch auf die Hinneigung des Hochmeisters 
Albrecht zu Luther's Lehre rechnen. Aber Copernicus, dessen 
ganzes Sinnen seit Jahren auf die Durchforschung der endlos weiten 
Himmelsräume gerichtet war, dem die Erde nur als einer der 
kleinsten Sterne im Weltall erschienen, hat das Interesse für das 



30 



kleinliche Treiben der Erdbewohner, auch für die Unterschiede 
der Religionen und Nationen verloren. 

Hättet ihr bei Nacht 

Einmal mit mir auf meinem alten Tliurme 
Am Frauenburger Dom gesessen und 
Hinauf geschaut zu jenen Welten droben — 
Wie klein erschien Euch dieses Erden-Körnchen 
Wie winzig klein gar seiner Länder Flicklein! 

Vergeblich sind die Bitten und Drohungen seiner Freunde ; zornig 
sagen sich Auschwitz und Seiffert von dem Manne los, der für 
das, was ihnen das Höchste ist , für die politische 'und religiöse 
Freiheit des Vaterlandes kein Herz zu haben scheine. Unter wieder- 
holten Zornesworten und Drohungen verlassen sie Copernicus, der, 
allein auf der Bühne zurückbleibend, den 4. Akt mit den Worten 
schliesst : 

Ach arme Menschheit! Blut und Gräuel dröhn 

Um Worte — Namen! — Keimt ein Glaube neu, 

Wird Lieb und Treu als Unkraut ausgerauft! 

Heilt einst mein Weltsystem wohl dieser irdschen 

Gotthelfer, Gottvertreter eitlen Erbwahn? 

Tilmans Weissagung wird sie sich bewähren? 

Die Jugend-Freunde könnt' ich nicht bekehren; 

Sie schieden hassentflammt und raclisuchtvoU ! 

Ich aber gehe, wie ich kam, von Groll 

Und Leidenschaft in tiefster Seele frei — 

Froh dass der leere Meinungs-Streit vorbei. 

War' erst die Amtslast ganz mir abgenommen! — 

Ach, Miemand ahnt, wie schwer mir's war, zu kommen 

Li dieser Eitel weit Partei-Gebrause ! 

Wie leicht und froh ich kehr' in meine Klause ! 

Der 5. Akt führt uns in das Sterbezimmer von Copernicus. 
Zwanzig Jahre sind seit den im 4. Aufzuge geschilderten Ereig- 



31 



nissen vorübergegangen, Jahre strenger Forschung, ernst entsagen- 
der Arbeit. Der müde Greis sehnt sich nach dem Tode, nach der 
ewigen Ruhe. Zu ihm kommt, eine Zufluchtstätte suchend, der 
geächtete Seiffert. Nach der Aussöhnung der einstigen Jugend- 
freunde tritt Rheticus in das Zimmer ein, der begeisterte Schüler 
von Copernicus und Verkünder seines Ruhmes. Er bringt das 
bahnbrechende Werk seines grossen Meisters, welches durch ihn zu 
Nürnberg dem Drucke übergeben war. Begeistert bringt er mit 
dem ersten gedruckten Exemplare seinem geliebten Lehrer zugleich 
die Gewissheit, dass seine Gedanken nicht mehr verloren gehen 
können, dass sie Gemeingut der Menschheit geworden sind. Coper- 
nicus erwacht bei dem Eintritt von Rheticus noch einmal aus dem 
Schlummer, der ihn zum Tode hinüberführt ; er berührt das Buch, 
das vor ihm liegt, und stirbt dann. Seine letzten Worte sind: 

Vollendet ist es — — — 

Wie Du befahlst, Herr, hab' ich es verkündigt: 

Die Sonne steht, der Erdenball bewegt sich! 



.... Mein Leben hat's gekostet — auf 

Strebt jetzt mein ruheloser Geist. — Der Lauf 

Des ird' sehen Daseins ist — für mich — geendet ! 

In diesem Werk hat sich's versteiut, vollendet — , 

In eins geballt 1 — Sein Müh'n war nicht verschwendet, 

Nun nah' ich Ihm, der dazu mich gesendet, 

Zu höherm, höchstem Ziel jetzt liin mich wendet, 

Der dürstenden Seele reinste Labung spendet — — 

Ich fühl's — — Seligkeit — Himmels- Wonne — 

Der Erdball fliegt — mit mir — zur Geister-Sonne ! 1 



32 



Der gedankenreiche Inhalt, die schwungvolle Sprache, wie die 
von Hingebung und Wärme durchzogene Aufführung des vorstehend 
skizzirten Festspiels*) hatte — so verkündeten die fremden Be- 
richterstatter rühmend in den öffentlichen Blättern — eine hohe 
Festes- Stimmung in den Zuhörern geweckt. Gern folgten Alle 
daher der Einladung zu einem einfachen Festmahle, welches in 
den obern Räumen des Artushofes von dem Comite arrangirt war. 
Hier ward bereits mancher Trinkspruch gewechselt. Man hatte 
sich jedoch darüber verständigt, dass bei den. Toasten an diesem 
Abende den für das Fest-Diner vorbehaltenen pflichtmässigen An- 
sprachen nicht vorgegriffen werde: so machte es sich denn ge- 
wissermassen von selbst, dass die Tischreden mehr einen vertrau- 
lich-festlichen Ton anschlugen. Schon der erste Festgenosse, 
welcher das Wort ergriff, der Regierungspräsident Graf zu Eulen- 
burg , hob in der Einleitung seines Toastes auf die Damen und 
Herren, welche bei dem Festspiele mitgewirkt, in gemüthvoll- 
sinniger Weise hervor, dass die Gesellschaft sich nicht als feier- 
liche Versammlung betrachten wolle, sondern mehr eine durch 
freudige Verhältnisse vereinigte Familie bilde. Die Reihe der 
nachfolgenden Trinksprüche bewahrte diesen Charakter vertraulicher 
Fest-Stimmung, was selbstverständlich bei den von fern her er- 



*) Durch die Munificenz Seiner Majestät des Deutseben Kaisers sind dem 
Copernicus- Vereine so reiche Mittel huldvoll zugewiesen , dass ausser den 
Herstellungskosten für den Druck der Säcular-Ausgabe und den vorliegen- 
den Festbericht auch das Festspiel zum Dracke befördert und an die Fest- 
gonossen nachträglich vertheilt werden konnte. 

Der Oopernicus-Verein hat gleichzeitig darauf Bedacht genommen , das 
Festspiel weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Die nicht zur Vertheilung 
gekommenen Exemplare sind dem Buchhandel übergeben (die Weidmannsche 
Buchhandlung in Berlin hat den Vertrieb übernommen). 



33 



schienenen Ehrengästen entschiedenes Wohlgefallen erregte. Unter 
diesen nahm zuerst das Wort Occioni, welcher seinen Toast in 
deutscher Sprache ausbrachte. Nach ihm sprach Pelliccioni in 
italienischer, Dr. Thompson in englischer Sprache. Diese 
drei Ehrengäste (wie die Vertreter der deutschen Universitäten: Prof. 
Bruhns, Prof. Galle, Geh. Rath Knoblauch und Prof. Caspary) 
gaben in ihren Tafelreden der wohlthuenden Empfindung Ausdruck, 
welche durch das herzliche Entgegenkommen der Bewohner Thorns 
in ihnen erregt sei; sie bekundeten die Freude über die lebhafte 
Theilnahme, welche alle Schichten der Bevölkerung — die Damen 
eingeschlossen — einem der ernsten Wissenschaft und rein gei- 
stiger Erhebung gewidmeten Feste dargebracht hätten. Die Höhe 
der Begeisterung, welche sich ungetheilt und allgemein kundgebe, 
beweise, wie sehr die lebende Generation Thorns die Ehre zu 
würdigen wisse, die Geburtsstadt von Copernicus zu bewohnen. 
Prof. Dr. Bruhns schloss seine Rede mit einem Toaste auf die 
Stadt Thorn, Prof. Dr. Galle auf den tlopernicus- Verein und das 
Festcomite. Nachdem hierauf, an die letzte Rede anknüpfend, 
Justizrath Dr. Meyer zu einem Hoch auf den Dichter aufgefordert 
hatte, aus dessen Geiste das Festspiel entsprungen, nahm- Geh. 
Reg.-Rath Dr. Knoblauch das Wort und schloss seine Tafelrede, 
welche »der versöhnenden Macht der Wissenschaft« galt, mit einem 
Hoch auf den Vorsitzenden des Festcomite, den Biographen des 
Copernicus. In gleichem Sinne sprach auch Prorector Dr. Cas- 
pary. Er hob in seiner Tafelrede die Bedeutung von Copernicus 
hervor, dessen Forschungen nicht einer, sondern allen Nationen 
zu Gute kämen ; das heutige Fest habe deshalb eine internationale 
Bedeutung, was auch die Vertreter der verschiedenen Nationen 
bewiesen, welche zu der Feier hierselbst erschienen seien. — 

3 



34 



Erst zu sehr vorgerückter Stunde mochten sich die Meisten 
von der frohen Tafelrunde trennen; gegen 2 Uhr Morgens ging 
mau auseinander, in gehobener Stimmung und in noch höherer 
Erwartung der für den Haupt-Festtag angeordneten Feierlich- 
keiten. 



A 



Mittwoch 19. Februar. 

Die Feier des Haupt-Festtages wurde — einer alten Thorner 
Sitte gemäss — durch Choralmusik vom Thurme des Rathhauses 
Morgens 7 Uhr eingeleitet mit den erhabenen Klängen des Chorals 
»Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren«. 

Die schon am 18. reichlich ausgesteckten Flaggen und Kränze 
hatten sich an dem Haupt-Festtage noch vermehrt und die Strassen 
ein noch festlicheres Aussehn gewonnen als Tags vorher. 

Der Vormittag wurde von den Fest-Theilnehmern in freier 
Weise benutzt. Das Comitö hatte eine kleine Ausstellung von 
Copemicanischen Reliquien veranlasst, unter denen namentlich die 
photographischen Nachbildungen von charakterischen Blättern aus 
dem Original-Manuscripte des Werkes de revolutionibus orbium 
coelestium die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Diese kleine Aus- 
stellung wurde von den Festgästen zuerst aufgesucht. Hierauf 
nahmen einige die baulichen und geschichtlichen Merkwürdigkeiten 
der Stadt, die alterthümlichen Kirchen, die Eisenbahnbrücke u. a. 
in Augenschein. Andere besuchten die von dem Gymnasium ver- 
anstaltete Feier; hier hielt der erste Oberlehrer der Anstalt Prof. 
Dr. Fasbender, Vorstands-Mitglied des Copernicus-Vereins , die 

Festrede. 

3* 



36 



Gegen Mittag sammelten sich alle Festgenossen zu der Haupt- 
feier in dem grossen Saale des Rathhauses, welcher (durch den 
Hoflieferanten Hausotte aus Berlin) reich und mit sinniger Be- 
ziehung auf die Bedeutung des Tages decorirt war. 

Der Festactus wurde eingeleitet und geschlossen durch Gesang- 
Aufführungen mit Instrumental-Begleitung unter der Direction des 
Justizrath Dr. Meyer. Durch die musikalischen Aufführungen 
war ein volles Drittel des Raumes in Anspruch genommen. Es 
hatte daher die Zahl der Eintrittskarten, welche zu dem Fest- 
actus ausgegeben werden konnten, auf 600 beschränkt werden 
müssen. 

Die Feier begann Mittags 12 Uhr mit dem von H. Mohr für 
vierstimmigen Männerchor in Begleitung von Blasinstrumenten 
componirten Hymnus von W. Sachs: 

Jauchzend erhebt sich die Schöpfung vom Staube 2C. 
Hierauf folgte die Festrede, gehalten von dem Vorsitzenden des 
Copernicus- Vereins Prof. Dr. L. Prowe : 

Hochzuverehrende Festversammlung ! 

Weihevolle Huldigung dem Andenken an einen Geistes- 
Gewaltigen darzubringen sind wir heute hier vereint. Gehobener 
Stimmung wollen wir dem hohen Fluge nachschauen; den ein 
Sterblicher gewagt hat, um den Gedanken Gottes nachzudenken. 
Wahrlich wenn wir uns in eines grossen Mannes Gedächtniss 
vertiefen, dann ist die Stimmung unseres Geistes verwandt der 
Andacht, in welcher wir uns der Anbetung der Gottheit zuwenden. 
Dieser Weihegeist, welcher auch über der heutigen Festversamm- 
lung schwebt, giebt mir die Hoffnung, dass Sie das schwache 



37 



Wort, welches von mir ausgehen soll, geneigten Sinnes aufnehmen 
werden. 

Mit der Bitte um Ihre gütige Nachsicht wende ich mich na- 
mentlich an Sie, hochverehrte Herren, die Sie aus der Ferne her- 
gekommen sind, Theil zu nehmen an unserer Feier, an Sie, die 
berufenen Vertreter der Wissenschaft, wie an Sie, die Ihre hohe 
Stellung im Staate hiehergefiihrt hat. Wir wissen ja, dass Sie 
gewandert sind zu der kleinen Stadt mit dem GlefUhle , dass 
Sie hier nicht als Empfangende erscheinen, sondern dass Sie die 
Gebenden sind, dass Sie spenden wollen von Ihrem Reichthum, 
unserer Feier die rechte Weihe zu verleihen! 

Ja, hochverehrte Anwesende, viele Stimmen regten sich unter 
uns warnend, dass wir ein Wagestück unternehmen, weit über 
unsere bescheidenen Kräfte hinaus, wenn wir, hervortretend vor 
Berufeneren, die Gedenkfeier einer Geistesthat veranstalteten, welche 
einzig dasteht in der Geschichte der Menschheit. Der äussere Um- 
stand, dass Copernicus das Licht der Welt hier erblickt habe, gebe 
noch keine innere Berechtigung, wo die andern Vorbedingungen 
fehlten. Aber wir mussten unsere Scheu niederkämpfen, da eben 
kein anderer Mittelpunkt sich fand, und wir von berufener Stelle 
ermuntert wurden unserer Pflicht eingedenk zu sein. Und — wie 
der Spross eines alten Geschlechts sich zwar oft gedrückt fühlt 
durch die Pflichten und Ansprüche, welche seine Abstammung an 
ihn stellt, so empfängt er doch andrerseits durch die Tradition 
des Geschlechts, durch die ganze geistige Umgebung mächtige 
Impulse; die Ahnenbilder vor sein geistiges Auge gestellt geben 
ihm Kräfte, die Schwingen des Geistes früh zu üben : So ist auch 
unsere Stadt des hohen Vorzugs stets eingedenk, dass einer der 
gewaltigsten Geister, die je unter den Sterblichen gewandelt, ihr 



38 



durch Geburt und Erziehung angehöre. Der stete Auf blick zu 
Copernicus hat eine traditionelle Wärme und Ehrfurcht seinem An- 
denken erzeugt, welche für die Festes-Stimmung nur wohlthuend 
wirken kann. Aus der allgemeinen Betheiligung aller Stände, aus 
dem Festgewande, mit dem sich trotz der winterlichen Jahres- 
zeit die Stadt geschmückt hat, werden Sie, hochverehrte Gäste, 
entnehmen, wie unsere Bevölkerung es mit Dank gegen den 
Schöpfer unsers Daseins anerkennt, dass er in unsern Mauern 
Copernicus zum Leben erweckt hat, den Stolz und die Zierde 
unserer Stadt und unserer Provinz, deren Namen er über den 
Erdkreis verbreitet hat. 

Doch besorgen Sie nicht, hochverehrte Anwesende, dass ich 
unter den localpatriotischen Gesichtspunkt das Bild stellen werde, 
welches Sie mir gestatten, vor Ihnen zu entrollen. Auch nicht 
der provinzielle oder nationale Standpunkt ist es, den ich vor 
Ihnen zu vertreten habe. Bei aller Liebe, mit welcher Copernicus 
seinem engern Vaterlande zugethan war, würde es dem Redner, 
der heute vor Ihnen auftritt, übel anstehn, einen so kleinen Ge- 
sichtskreis zu eröffnen. Denn auf dem ganzen Erdball werden 
ja die Gebildeten aller Nationen, da sie Alle Theil haben an den 
Segnungen seines Geistes, an den Eroberungen dieses Friedens- 
königs, in dankbarer Erinnerung die Säcularfeier der Geburt von 
Copernicus begehen. Aus dieser allgemeinen Dankes- Atmosphäre 
werde ich suchen, die Wärme in das Wort hinüberzuleiten, welches 
vor Ihnen gesprochen werden soll. 



An einer mächtigen Völkerscheide hat die Wiege von Coper- 
nicus gestanden. Thorn liegt an der Grenze des deutschen Le- 



39 



bens. Nur eine Meile weit von ihr entfernt ist seit den Zeiten, 
da hier Neii-Deutschland durch die Kreuzritter gegründet ward, 
bis auf unsere Tage herab, die Grenze des von Slavenstämmen 
besetzten Landes — einstmals des grossen Polnischen Reiches, 
jetzt des weiten Ländergebietes, das den Russischen Namen trägt. 

Von deutschen Colonisten erbaut, welche der Orden herbei- 
gezogen, war Thorn durch seine Lage begünstigt bald zu einer 
reichen Handelsstadt emporgebltiht , welche im 14. Jahrhunderte 
den Verkehr der westlichen Länder Europa's mit Polen und 
Ungarn vermittelte. Auf verschiedenen Handelswegen zogen die 
Kaufleute Thom's durch die weiten sarmatischen Ebenen, die 
Rohproducte derselben, so wie die in den ungarischen Bergwerken 
gewonnenen Erze einzutauschen gegen die Erzeugnisse der west- 
lichen Culturländer. Obwohl Thorn weit vom Meere entfernt 
liegt, befuhren die Schiffe der Thorner Kaufleute, da Danzig 
noch unbedeutend war, Ost- und Nordsee, um den grossen Welt- 
markt in Brügge aufzusuchen und die Stapelplätze des Deutschen 
Kaufmanns in den nördlichen Ländern. Um die Mitte des 14. 
Jahrhunderts ist Thorn auch in die Hansa eingetreten und nimmt 
in hervorragender Weise Theil an dem Verkehrsleben auf der Ostsee. 

Diese hohe Blüthe Thorns ward erschüttert durch die stei- 
gende Bedeutung Danzigs und die häufigen Kriege des Deutschen 
Ordens mit Polen. Allein mehr untergraben wurde der Wohlstand 
und die Bedeutung von Thorn erst durch den schweren Krieg, 
welcher in den Jahren 1454 — 1466 das Weichselland verwüstete. 
Dieser Krieg war von den Land- und Stadtherren Preussens gegen 
den entarteten Orden unternommen, um von dessen Oberherrlich- 
keit sich zu befreien und ein eigenes Staatswesen zu errichten. 
Bald jedoch, als sie sahen, dass die Kräfte ihres Bundes nicht 



40 



ausreichen würden, die Freiheit gegen den Orden zu erkämpfen, 
wandten sie sich an den mächtigen Nachbar und steten Gegner 
der Deutschritter, an den König von Polen, ihm als Schutzherrn 
sich unterwerfend. Derselbe nahm das dargebotene Geschenk an, 
und nun begann der schwere Krieg, durch welchen der Deutsche 
Orden die westliche Hälfte seines Landes ganz verlor und auch 
Ostpreussen hur als Polnisches Lehen behielt. 

Während dieses Krieges ist im Jahre 1462 Niklas Koppernigk, 
der Vater von Copernicus, aus Krakau in Thorn eingewandert, 
hieher den Sitz seines kaufmännischen Geschäfts verlegend. 

Rege Handelsverbindungen hatten schon während eines vollen 
Jahrhunderts zwischen Krakau und Thorn stattgefunden. Nicht 
nur die Wasserstrasse verband die beiden Weichselstädte, sondern 
der eine der grossen Verkehrswege , auf denen die Preussischen 
Kaufleute nach Ungarn zogen , ging gleichfalls über Krakau. 
Ueberdies war Polens Hauptstadt, gleich den übrigen Polnischen 
Städten, von Deutschen gegründet und die Bürgerschaft im 15. 
Jahrhunderte noch überwiegend Deutscher Geburt. Die grossen 
Kaufmanns-Familien der beiden Städte waren oft verschwägert; 
auch von der Familie Koppernigk scheint ein Zweig in Krakau, 
ein anderer in Thorn geblüht zu haben. 

So ist es denn leichter erklärlich, dass Niklas Koppernigk 
in schwerer Zeit von Krakau, welches weitab lag von dem da- 
maligen Kriegsgetümmel, seinen Wohnsitz nach Thorn verlegte. 
Ueberdies hatte er selbst, als er noch in Krakau weilte, bereits 
vielfach in geschäftlichen Beziehungen zu Preussen gestanden. 

Diese frühem kaufmännischen Verbindungen und nicht we- 
niger die angesehene Stellung, welche er in seiner Heimath ein- 



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genommen, bewirkten es auch, dass Niklas Koppernigk, obwohl 
Einzögling, bald nach seiner Uebersiedelung zu den Ehrenämtern 
der Gemeinde berufen wurde; er ward 1465 in den Schöppen- 
stuhl der Altstadt gewählt. 

Niklas Koppernigk hatte bereits die reiferen Mannesjahre 
erreicht, als er von der Königsstadt Polens nach Thorn tiber- 
siedelte. Allein noch war er unbeweibt. Erst in Thorn schloss 
er ein Ehebtindniss. Bald nach seiner Einwanderung ward er in 
eine der ältesten Thorner Familien aufgenommen, indem er Bar- 
bara Watzelrode als Gattin heimführte, deren Vater Lucas Watzel- 
rode, einer der wohlhabendsten und angesehensten Männer seiner 
Vaterstadt, damals den Vorsitz bei dem Altstädtischen Gerichte 
führte. Eine ältere Tochter von Watzelrode war an Tilman von 
Allen verheirathet , welcher siebenmal das Scepter des kleinen 
Freistaats geehrt; auch im Geburtsjahre seines grossen Neffen 
war er regierender Bürgermeister. Ausser den beiden Töchtern 
hatte Watzelrode noch einen Sohn, welcher sich dem geistlichen 
Stande gewidmet hatte. Er war zuerst Domherr in Culmsee, 
trat dann in das Frauenburger Domstift über und bestieg im 
Jahre 1489 die Ermländische Kathedra. 

Copernicus ward als das jüngste unter vier Geschwistern 
seinen Eltern geschenkt. Ein älterer Bruder war gleich ihm in 
den geistlichen Stand getreten; er lebte ebenfalls später als Dom- 
herr in Frauenburg. Von den beiden Schwestern nahm die eine 
den Schleier im Kloster zu Culm, die zweite heirathete einen 
Kaufmann Bartholomäus Gertner in Krakau. 

In Betreff der Jugend von Copernicus sind wir darauf an- 
gewiesen, uns auf Grundlage dürftiger Notizen und einzelner 



42 



Materialien, die aus den allgemeinen Culturverhältnissen der Zeit 
zu entnehmen sind, mit Beihülfe der bildenden Phantasie ein 
skizzirtes Bild zusammenzusetzen, um wenigstens, wenn es uns 
auch nicht gelingt, einen sichern Einblick in die Entwicklung des 
Knaben und Jünglings zu gewinnen, unserm geistigen Auge vor- 
zufuhren, welche Anregungen ihm geworden sind, unter welchen 
Einflüssen sich der jugendliche Geist emporgerankt hat. 

In vielfacher Beziehung war durch äussere Verhältnisse die 
Jugend von Copernicus begünstigt worden. 

Als er das Licht der Welt erblickte , neigte sich das Mittel- 
alter bereits ganz seinem Ende zu. Schon hatten sich die Kräfte 
angekündigt, welche eine neue Epoche der Menschheit herauf- 
führten; schon hatten sich die Pforten der neuen Zeit theilweise 
geöffnet, welche auch er helfen sollte ganz zu erschliessen. In 
seinem Geburtsjahre war Gutenbergs Erfindung bereits in die 
meisten Culturländer Europa's eingezogen, und die neue Bildung, 
die von der Wiederbelebung des klassischen Alterthums ausging, 
hatte ebenso siegreich die Alpen überschritten, Ueberall in den 
Culturländern Europa's keimte die Saat jenes Jahrhunderts, von 
dem einer der muthigsten Vorkämpfer das stolze Wort gesprochen : 
Jahrhundert, es ist eine Lust, in dir zu leben! — 

Ebenso war das Land, in welchem Copernicus geboren ist 
und in welchem er seine erste Jugend verlebte, wenngleich fernab 
gelegen von den Centren Europa's, wohl geeignet, geistige Kraft 
zu wecken. Viele Gegensätze, die das Leben der Völker damals 
bewegten, wirkten auch hier gegen einander, mit dem Kampfe 
Leben weckend: ein reich entwickeltes Städteleben, ein wohl- 
habender streitfertiger Landadel, ein begüterter und nicht un- 
gebildeter Klerus. Dazu kam noch der Gegensatz zweier Natio- 



43 



nalitäten, deren Widerstreit nur geruht hatte, so lange sie im 
gemeinsamen Kampfe gegen den Deutschen Orden vereint waren. 
Und nun noch dieser absterbende Ritterverein selbst! diese fast 
zur Carricatur gewordene widerspruchsvolle Verschwisterung des 
Ritterthums und Mönchthums, diese Verbindung zweier scheinbar 
unversöhnlichen Pole ! Wahrlich, hier waren genug Elemente vor- 
handen, Bewegung und Leben im Ringen der Geister zu ent- 
zünden ! 

Neben des Landes Vorzügen waren aber auch die besondern 
Verhältnisse, unter denen Copernicus aufwuchs, günstig für die 
geistige Entwickelung des werdenden Jünglings und die harmonische 
Ausbildung, die wir in dem Manne bewundern. 

Zunächst das elterliche Haus und die Häuser der reichen 
Verwandten und der dem Vater befreundeten Kaufherren! Hier 
gewann der Knabe Eindrücke, wie sie nur der Grosshandel zu 
geben vermag. Hier entwickelte sich ein buntes Treiben, ein 
reiches Leben, unmittelbar vor dem Auge des Knaben. 

Wie in allen Handelsstädten bildeten auch in Thorn die 
Kaufherren das Patriziat, waren sie die regierenden Geschlechter. 
Die Verwandten von Copernicus führten den Gerichtsstab und 
hielten das Scepter, das im kleinen Kreise bevorzugter Familien 
von Hand zu Hand ging. Wechselnde Lebensbilder zogen also 
vor dem Knaben vorüber. Hatte er den Gesprächen der welt- 
und lebensklugen Handelsherren zugehört, dann vernahm er 
wiederum in demselben Kreise von dem Ernste der Verwaltung 
und hörte verhandeln über die Principien und verwickelten Fragen 
des Rechts. 

Auch in ein drittes Lebens-Element ward der Spross einer 
Handels-Aristokratie früh eingeführt durch der Mutter Bruder, 



44 



welcher, ehe er in die Ermländische Diöcese übertrat, Mitglied 
des Domstifts in dem benachbarten Culmsee war. 80 schenkte 
dem heranwachsenden Jünglinge die Gunst der Verhältnisse ausser 
der geistigen Anregung, die er vom Oheim und dessen gelehrten 
Freunden empfing, auch den frühen Einblick in die eigengeartete 
Herrschaft des Krummstabs. 

Soll ich nun noch reden von den unmittelbaren Bildungs- 
mitteln, welche die Geburtsstadt dem Copernicus geboten? Auch 
hierin war er bevorzugt vor Vielen, dass ihn das Schicksal in 
einer Stadt geboren werden Hess von der Bedeutung , wie sie 
Thorn hatte. Die reichen Städte waren damals in viel hervor- 
ragenderer Weise als heutzutage die Träger der Cultur. Bildungs- 
stätten für die patricische Jugend wurden in ihnen früh angelegt 
und auf alle Weise gefördert — während für das Volk gerade so 
wenig wie überall geschah. 

Um das Bild zu vollenden, welches wir uns von dem Jugend- 
leben des Copernicus entworfen, haben wir noch zu erwägen, 
welchen Einfluss die Lage der Stadt, wie die Umgebungen, auf 
den für die Natur so empfänglichen Sinn des Knaben geübt 
haben. 

Der mächtige Strom, an dem unsere Stadt liegt, wälzte seine 
Wasserfülle in demselben Bette, wie heute, zum Meere. Aber 
statt der hohen Wälle, welche die Stadt gegenwärtig einschnüren, 
breiteten sich weite Vorstädte aus, und dieselben umkränzend 
zogen sich die Villen und Gärten der Kaufherrn hin. Die son- 
nigen Anhöhen am Ufer der Weichsel aber waren mit Reben 
bepflanzt. Der Vater von Copernicus selbst besass einen Wein- 
garten, der an der Bucht lag, welche die Weichsel bildet, indem 
sie, die bisherige nördliche Richtung verlassend, nach Westen 



45 



sich zuwendet. Sie schauen, hochverehrte Anwesende, nach der 
Stelle des Gartens hin, wenn Sie, auf der Eisenbahnbrücke ste- 
hend, den Blick stromaufwärts nach Osten richten. 

Hier hat der Knabe oft sein Auge geweidet, hinblickend auf 
den weiten Wasserspiegel des in ruhiger Majestät dahingleitenden 
Heimathstroms, den wir in jener Zeit uns viel reicher belebt 
denken müssen von den mit Getreide, Holz und Metallen bela- 
denen Traften und den schwellenden Segeln der stromaufwärts 
gewandten Fahrzeuge. In der Ferne begrenzten ihm den Horizont 
die trotzigen Thürme der Vaterstadt und nach Osten schweifte 
der Blick weithin über die hügeligen Ebenen bis tief nach Polen 
hinein. 

Und wenn die Festzeit kam, oder die Tage, wo der Jüngling 
ausruhen durfte von den Freuden und Mühen der Schule, da 
gewann er wiederum Anschauung von einer andern Lebensthätig- 
keit. Dem Gewühle der Stadt und dem drängenden Treiben der 
belebten Strassen entflohen nahm ihn die freundliche Stille des Land- 
lebens auf, indem die Landsitze der Verwandten aufgesucht wurden. 

Unter so günstigen äussern Verhältnissen ist Copernicus auf- 
gewachsen, so harmonisch gestaltete sich schon früh des Knaben 
und Jünglings Leben, so war Copernicus bevorzugt vor Vielen, 
die mit des Lebens Mühsal von frühauf zu kämpfen haben. Aber, 
müssen wir andrerseits auch nicht gerade deshalb, weil des 
Lebens gewaltiger Treiber, die Noth, ihn nicht anregte zu stets 
erneuter Anstrengung, müssen wir nicht gerade deshalb rühmend 
bewundern die Kraft, die in dem Knaben schon lebte, den Fleiss 
und die Energie des Geistes, die er schon früh geübt, wie sie 
seine Begleiterinnen waren auf der ganzen Bahn seines Lebens'? 

Ueberdies lernte Copernicus auch schon früh des Lebens 



46 



bittern Ernst kennen, ward ihm früh das Schwerste nicht erspart. 
Zehn Jahre alt fand er sich schon eine vaterlose Waise. Wie 
lange der Mutter Auge über ihn gewacht, wissen wir nicht. 

Wenn für den Verlust der Eltern ein Ersatz geboten werden 
kann — er ward dem jungen Copernicus zu Theil. Die Ver- 
wandten der Mutter nahmen sich der hinterbliebenen Kinder von 
Niklas Koppernigk an, als dieser im Jahre 1483 gestorben war. 
Namentlich waltete mit elterlicher Fürsorge der Oheim Lucas 
Watzelrode über Copernicus. 

Im Herbste 1491 verliess der achtzehnjährige Jüngling die 
Vaterstadt, um sich den Studien auf der berühmten Jagellonen- 
Universität zu widmen. 

Bei der Wahl der Universität Krakau hat Mancherlei mit- 
gewirkt. Zunächst war es die Nähe der durch die regsten Handels- 
beziehungen verbundenen Schwesterstadt, welche schon früh die 
Jünglinge Thorns nach Krakau zog. 

Bei dem Jünglinge Copernicus traten für Krakau's Wahl 
auch noch andere Gründe entscheidend hinzu. Der Vater selbst 
war ja von Krakau nach Thorn eingewandert, hatte Geschäfts- 
beziehungen mit seiner frühern Heimath erhalten. Auch die alten 
Familien- Verbindungen waren bewahrt, neue hinzugekommen. 
Der Oheim endlich hatte selbst auf der Krakauer Akademie 
seinen Studien obgelegen. Und ausser den Genossen seiner Ju- 
gend hatte Lucas Watzelrode, seit er den Bischofs-Stuhl von Erm- 
land Ibestiegen, noch weitere Verbindungen gewonnen, welche 
dem jungen Neffen von grossem Vortheil sein mussten. Als 
Grosswürdenträger der Preussischen Lande stand er in unmittel- 
barster Beziehung zu dem Könige Polens und seinen Käthen, 

So eröffneten sich dem jungen Copernicus bei seinem Eintritt 



47 



in die grosse Welt sofort die reichsten Beziehungen. Nicht fand 
er sich gleich vielen Andern isolirt, hinausgeworfen in die Fremde, 
und auf den glücklichen Zufall neben der eigenen Kraft ver- 
wiesen. Er brauchte die Beziehungen, die sich ihm von selbst 
darboten, nur zu pflegen und fortzuführen. So ward auch hier 
in reichem Maasse der Gesichtskreis des jungen Preussen erwei- 
tert, den schon die Umgebungen in der Heimath nichts weniger 
als beschränkt hatten. 

Vor Allem aber die Universität selbst, welche reichen Bildungs- 
Elemente schloss sie in sich! In hohem Ruhme strahlte damals 
die Krakauer Akademie weithin über die Länder Europa's. Tau- 
send Lernende sassen hier zu den Füssen berühmter Lehrer. 
Auch aus den weiter entlegenen Deutschen Gauen kamen Scho- 
laren nach der rauhen Weichselstadt. Das Jagellonische Studium 
suchten sogar Männer auf, die selbst bereits als Lehrende auf- 
treten konnten, die sich bereits die Würde eines Baccalaureus 
auf einer Deutschen Universität oder zu Paris erworben hatten. 
W^ahrlich, schon der damalige Weltruf Krakau's niusste den 
jugendlichen Geist anlocken, dort seine Schwingen zu stärken. 

In Krakau ward Copernicus auch schon unmittelbar von dem 
Geiste der neuen Zeit angeweht. Noch herrschte zwar auf den 
dortigen Lehrstühlen überwiegend die scholastische Anschauung 
und Lehrweise. Aber früher als auf andern Universitäten dies- 
seits der Alpen waren in Krakau Berührungspunkte mit der neuen 
Zeit, die von Italien ausging, gewonnen worden. Bereits um die 
Mitte des 15. Jahrhunderts waren Sendboten des Humanismus in 
den fernen Osten vorgedrungen. Im Jahre 1489 war, als der 
Boden für die neue Aussaat schon sehr gelockert schien, auch 
noch der unermüdliche Verbreiter des Humanismus, Conrad Celtes, 



48 



nach Krakau gekommen, woselbst er sich zwei Jahre lang auf- 
gehalten. 

Wenige Monate waren erst verflossen, seit Celtes Polen ver- 
lassen, noch wirkte in nachhaltiger Weise die geistige Anregung, 
die er gegeben, als der junge Copernicus den Musensitz zu Krakau 
aufsuchte. Derselbe ward an dem Immatriculations-Termine des 
Winter-Semesters 1491 unter die Scholaren der Universität auf- 
genommen. 

In ein frisches geistiges Leben trat Copernicus hier ein. Eine 
abgelebte Form des wissenschaftlichen Lebens, der Scholasticismus, 
rang dort mit einer neuen Lehr- und Denkweise um das Dasein. 
Noch schwankte der Sieg. Denn bewährte Kräfte vertheidigten 
auch in Krakau das Althergebrachte, während die jungen Ma- 
gister, wie überall, rüstig kämpfend für die neue Bildung ein- 
traten. 

Es war von grossem Einfluss auf die Entwickelung und Kräf- 
tigung des jugendlichen Geistes, dass Copernicus schon gleich 
beim Beginn seiner wissenschaftlichen Studien in so heisse Kämpfe 
hineingeführt wurde, bei denen auch er Partei ergreifen musste. 
Er konnte nicht schwanken. Der Keim, der in ihn vom Schöpfer 
gelegt war, seine geistige Beanlagung, die jugendlichen Jahre — 
Alles musste ihn wohl in das Lager der kühn aufstrebenden 
Humanisten führen. Hier legte er den Grund zu der Sicherheit 
des lateinischen Ausdrucks, der ihn auszeichnet. Die Kenntniss 
der Griechischen Sprache blieb ihm noch verschlossen. Copernicus 
entbehrte sonach während der Zeit seines Krakauer Universitäts- 
lebens noch das Bildungselement und die Begeisterung, welche 
sein Jahrhundert aus dem Studium der Griechischen Sprache und 
Literatur schöpfte. Dagegen ward ihm das Glück, dass seine 



V 



49 



Führer auf dem Gebiete der Römischen Sprache und Literatur 
der neuen Zeit ganz angehörten. Die jungen Humanisten Krakau's 
hatten das alte geistlose Herkommen verlassen und die starren 
Formen der mittelalterlichen Lehrweise abgestreift. Dafür waren 
sie um so eifriger bemüht, zu den eigentlichen Quellen der alt- 
römischen Welt hinaufzusteigen und in den Geist der Sprache 
und Schriftsteller Roms einzudringen. Indem sie so das freie 
Denken aus den Fesseln befreiten, entzündeten sie in ihren Schü- 
lern neben der Begeisterung für die Schätze des Alterthums ernstes 
wissenschaftliches Streben, weckten sie in ihnen den Geist der 
Forschung und selbständigen Denkens. 

Aber so hoch der Gewinn zu veranschlagen ist. den Copernicus 
aus den humanistischen Studien gewonnen, sie standen doch nicht 
im Mittelpunkte seines geistigen Strebens. Eine andere Wissen- 
schaft hatte ihn früh in höherem Maasse in Anspruch genommen. 
Es war das Gebiet, auf dem er später eine vollständige Neu- 
gestaltung durchführen sollte — Mathematik und Astronomie. 

Beide Wissenschaften standen damals in hohem Ansehn. 
Wenn ein idealer Zug in dem Jahrhundert des Wiederauflebens 
der Wissenschaften die Geister mit unbezwinglicher Gewalt zu 
den humanistischen Studien zog, so waren es hauptsächlich 
äussere Anregungen, welche die mathematischen und astrono- 
mischen Studien in hohem Grade förderten. Das ideale Motiv 
ist ja selten das allein maassgebende. Das Ansehn, in welchem 
der gelehrte Mathematiker stand, die Ehren, welche dem her- 
vorragenden Astronomen zu Theil wurden, sie wirkten mächtig 
zur Nacheiferung. 

Auf keiner Universität diesseits der Alpen stand das Studium 
der Mathematik und Astronomie in solcher Blüthe als zu Krakau. 



50 



Hier lehrte seit zwanzig Jahren der berühmte Albertus Blar de 
Brudzewo (gewöhnlich Brudzewski genannt), dessen Name vor- 
zugsweise die Studirenden aus den fernsten Gegenden Deutsch- 
lands nach Krakau zog. Nun hatte zwar Brudzewski seine 
öffentlichen Vorlesungen über Astronomie bereits abgeschlossen, 
als Copernicus nach Krakau kam ; aber die Jüngern Lehrer der 
Universität waren sämmtlich durch ihn gebildet. 

Die wichtige Frage, was Copernicus der Schule Brudzewski's 
verdankt, kann leider nur im Allgemeinen beantwortet werden, 
indem man auf den Weltruf Krakau's hinweist, den Brudzewski 
und durch ihn die Universität Krakau hatte. Den astronomischen 
Vorträgen der Krakauer Professoren lagen die Arbeiten von 
Peurbach und Regiomontanus zu Grunde ; Brudzewski selbst hatte 
sie commentirt. Wie weit die Krakauer Schule über diese grossen 
Meister hinausgegangen ist, und welche Keime der neuen Welt- 
anschauung in Copernicus hier gelegt sind, muss zur Zeit unbeant- 
wortet bleiben. Hierüber kann erst dann Licht verbreitet werden, 
wenn die Reihe von mathematischen Manuscripten , welche die 
Krakauer Universität besitzt, von sachkundiger Hand durchmustert 
sein wird. 

Copernicus selbst hat der Universität Krakau, die ihm zuerst 
die Bahnen der Wissenschaft eröffnet hat, stets ein treues An- 
denken bewahrt. 

Nach Beendigung seiner Studien in Krakau verweilte Coper- 
nicus einige Zeit in der Heimath. Bald jedoch eilte er dem Lande 
seiner Sehnsucht zu, dem schönen Italien. Wie in unsern Tagen 
die Reize des Südens und die Reminiscenzen des klassischen 
Bodens den Nordländer dorthin ziehen, so war Italien im 15. und 
10. Jahrhunderte durch die Wiederbelebung des klassischen Alter- 



51 



thums das gepriesene Land der neuen Bildung. Jeder hervor- 
ragende Geist jenes Zeitalters glaubte seine Bildung nicht vollendet, 
wenn er nicht in Italien die höhere Weihe erlangt hatte. Wett- 
eifernd hatten die glänzenden Höfe, v^^ie die reichen Handels- 
städte, des politisch zerrissenen Landes ihren Ruhm darin gesucht, 
die neue Wissenschaft an ihren Boden zu fesseln. Ja, es hatten 
sich, von der neuen Bewegung ergriffen, selbst die Pforten der 
Curie dem heidnischen Alterthum erschlossen. 

Noch zahlreicher als früher, da die Studirenden über die 
Alpen pilgerten zu den Glossatoren, zogen gegen das Ende des 
15. Jahrhunderts, wie aus Deutschland und den westlichen Cultur- 
ländern Europa's, so auch aus dem fernen Norden und Osten 
Jünglinge und Männer nach Italien, die Schätze des neu erschlos- 
senen Hellenenthums zu heben und in ihr Vaterland zu führen. 

Copernicus stand in dem empfänglichen Alter von 23 Jahren, 
da er zuerst die Wunder der klassischen Welt erblickte und die 
Wunder mit eigenen Augen sah, die sich auf dem Gebiete des 
Geistes entwickelten. 

Zum ersten Mal hat Copernicus die Alpen in dem Jahre 1495 
überschritten. Damals suchte er die altbertihmte Hochschule zu 
Bologna auf, welche vorzugsweise unter den Italienischen Univer- 
sitäten die Studirenden der nördlichen Länder an sich gezogen 
hatte. Auf dieser Universität, welche im Mittelalter Jahrhunderte 
hindurch als die klassische Bildungsstätte der Juristen gegolten, 
hat Copernicus seine kanonischen Studien erweitert und vollendet, 
denen er sich im Hinblick auf das kirchliche Amt, für welches 
ihn sein Oheim bestimmt hatte, widmen musste. Vor Allem aber 
fesselten ihn auch hier seine Lieblingswissenschaften Mathematik 
und Astronomie, in denen Dominicus Maria di Ferrara sein Lehrer 

4* 



52 



war. Dieser erkannte bald die geistige Begabung des jungen 
Preussen, welcher durch die Krakauer Studien schon einen sichern 
Grund in seiner Wissenschaft gelegt hatte und der ge;*eifte Schüler 
ward bald der Freund des Lehrers und der Genosse seiner Studien. 

Im Jahre 1497 kehrte Copernicus nach Preussen zurück und 
erhielt nun durch den Einfluss seines Oheims ein Kanonikat bei 
der Frauenburger Kathedrale. Dadurch w^ard ihm eine gesicherte 
Lebensstellung. Es war für den gewöhnlichen Sterblichen, der 
nicht fürstlichem Geschlechte entsprossen war, auch in jenen 
Zeiten ein seltenes Glück, in so jugendlichem Alter Mitglied einer 
reichen Corporation zu werden, wie es der Senat des Ermlän- 
dischen Bisthums war. Das Kollegium der Ermländischen Dom- 
herrn besass die Herrschaft Über ein Gebiet von etwa 20 Quadrat- 
meilen. Da bedarf es keiner Ausführung, dass die Einkünfte des 
einzelnen Domherrn recht bedeutend waren. Viel wichtiger aber 
war es, dass die neuen Verpflichtungen, welche Copernicus über- 
nommen, ihn in dem Studium seiner Lieblingswissenschaften nicht 
hinderten. 

Früh schon hatte das Domkapitel Ermlands sich durch die 
Pflege höherer Bildung ausgezeichnet. Und zu der Zeit, da Coper- 
nicus in das Domstift eintrat, war die Sitte, dass die Capitularen 
eijae höhere Bildung als der gewöhnliche Klerus zu erwerben such- 
ten, bereits in die Form eines bindenden Statutes übergegangen. 
Jeder neu eintretende Domherr musste, falls ihn das Capitel zum 
Studium geeignet erachtete, nach einjährigem Aufenthalte bei der 
Kathedrale eine Universität beziehn, um sich in einer der drei 
höhern Facultäten einen akademischen Grad zu erwerben. 

So erfüllte der junge Domherr nur eine Vorbedingung seiner 
neuen Würde, wenn er wiederum nach Italien eilte, um seine 



53 



Studien, welche ihn in die Einsamkeit des Domstifts begleitet 
hatten, in Gemeinsamkeit mit seinen gelehrten Freunden fort- 
zusetzen. Der Urlaub ward ihm um so bereitwilliger zugestanden, 
als er mit seinen sprachlichen und mathematischen Forschungen 
das Studium der Arzneikunde verbinden wollte, welches seinen 
Amtsgenossen unmittelbaren Nutzen versprach. Diesen Studien 
soll Copernicus in Padua obgelegen haben, woselbst er auch, 
wie berichtet wird, sich den Doctorgrad in der Medicin erwarb. 
Allein vorzugsweise wird Copernicus wohl auch diesmal in Bo- 
logna gelebt haben, mit Dominicus Maria und dessen Freunden 
die astronomischen Betrachtungen fortzusetzen, seine Ansichten 
über die Weltordnung auszutauschen und die mathematische 
Grundlage für dieselbe festzustellen. Im Jahre 1500 begab er 
sich nach Rom, woselbst der junge siebenundzwanzigjährige Dom- 
herr mit der grössten Auszeichnung aufgenommen wurde. Durch 
die Genossen seiner Studien hatte sich der Ruf seiner Gelehr- 
samkeit weithin in Italien verbreitet. Ihm ward eine mathema- 
tische Professur an der Universität zu Rom übertragen. Seine 
Vorlesungen fanden grossen Beifall. Sie wurden nicht nur von 
Studirenden besucht, sondern auch ältere und vornehme Männer, 
Gelehrte und Künstler sassen zu den Füssen des jungen Preussen. 
Es war eine bewegte und schwere Zeit für die Kirche, als 
der jugendliche Domherr in die'' ewige Roma einzog — in dem 
grossen Jubeljahre 1500. Die Verweltlichung der Kirche hatte 
den höchsten Grad erreicht. Auf dem Stuhle Petri sass, ich sage 
genug, wenn ich den Namen nenne, Alexander VI. Aber noch 
stand fest, unerschüttert und in sich abgeschlossen, das hierarchische 
Gebäude. Soll ich daran erinnern, wie noch zehn Jahre später 
Luther geblendet ward von dem Glänze der Autorität? Der TbU- 



54 



ringische Bauernsolin, aus der einsamen Zelle kommend, klomm 
die Stufen der Peterskirche gläubig hinan, in tief mystische Ge- 
danken verhüllt. Anders Copernicus. In grossen Verhältnissen 
aufgewachsen hatte er trotz seiner jungen Jahre schon vieler 
Menschen Städte und Länder gesehen, kannte er das kleine Räder- 
getriebe, welches die Kirche, die auseinander fallende, noch zu- 
sammenhielt. 

Allein, wenngleich Copernicus keine Illusionen einzubtissen 
hatte, so konnte Rom keine dauernde Anziehungskraft auf ihn 
ausüben. Er musste ohnehin in die Heimath zurückkehren, um 
die Erlaubniss einer längeren Abwesenheit von der Kathedral- 
kirche nachzusuchen. 

Wie lange Copernicus sich bei dieser letzten Anwesenheit 
in Italien aufgehalten habe, ist noch nicht ermittelt. Zwei Jahre 
waren ihm dazu bewilligt worden und da wir Nichts von einer 
Verlängerung seines Urlaubs hören, wird er wohl in den Jahren 
1504 oder 1505 nach Preussen zurückgekehrt sein. 

Copernicus stand in der Blüthe seines Mannesalters, als er, 
auch innerlich gereift und mit einer vielseitigen Bildung aus- 
gerüstet, sich den heimathlichen Gestaden zuwandte. Neben 
seinen tiefen Kenntnissen in der Mathematik und Astronomie war 
er eingeweiht in die gesammten Studien des Humanismus, ein 
Kenner der klassischen Sprachen und ihrer Literatur. Den 
Pflichten seines Berufs in hervorragender Weise zu genügen, 
hatte er ausserdem theologische und juristische Studien getrieben 
und namentlich die Gebiete durchforscht, wo beide Wissenschaften 
sich berühren, war er Doctor des kanonischen Rechts geworden. 
Endlich hatte er noch eine Wissenschaft aufgesucht, die ganz 
verschieden war von den bisher genannten und die nach der 



I 



55 



Meinung seiner Zeitgenossen mit seiner kirchlichen Stellung kaum 
vereinbar schien — hatte er medicinische Studien getrieben und 
auch in dieser Wissenschaft den höchsten akademischen Grad 
errungen. 

Eine solche Fülle menschlichen Wissens, wie sie Copernicus 
sich durch seine umfassenden Studien erworben, lag nicht auf- 
gespeichert in seinem Gedächtniss, wie die todten Kenntnisse bei 
den gewöhnlichen Polyhistoren. Ernste philosophische Studien 
hatten seinen Geist gestählt, dass sein Wissen nicht erstarrte, 
sondern stets in lebendiger Bewegung erhalten ihm zu Gebote 
stand, wenn er dessen bedurfte. Bei der eifrigsten Beobachtung 
der einzelnen Erscheinung, bei der emsigsten Forschung im Ein- 
zelnen hielt er stets den Blick fest auf das Ganze gerichtet; das 
Einzelne hatte für ihn nur Bedeutung in seiner Beziehung zum 
Ganzen. Der freie Blick des Philosophen ist es ja, welcher 
Copernicus in seiner Wissenschaft so hoch gestellt hat. Er hat 
ihn gekräftigt, den verschiedensten Vorurtheilen Trotz zu bieten, 
die von allen Seiten auf ihn eindrangen, er hat ihn vorzugsweise 
befähigt, der Reformator der bisherigen Weltanschauung zu 
werden. 

Aber Copernicus brachte nicht nur umfassende gelehrte Kennt- 
nisse mit, als er wieder seinen Sitz im Kapitel einnahm, dem er 
schon fast ein Jahrzehnt angehörte — er war auch in andrer 
Weise gereift für die aussertheologischen Pflichten seiner amt- 
lichen Stellung. Seine vielseitigen Studien hatten ihn zu keiner 
Zeit den Beziehungen des praktischen Lebens entfremdet. Auf 
seinen Reisen hatte er vielfach Gelegenheit gesucht und gefunden, 
seinen praktischen Sinn zu üben, während eines langen Aufent- 
halts in fremden Ländern reiche Erfahrungen gesammelt. Durch 



56 



eine solche Gunst der Verhältnisse war Copernicus früh vor der 
Einseitigkeit des gewöhnlichen Gelehrten bewahrt worden, welcher, 
nur in seinem Gedankenkreise heimisch, keine andere Welt 
kennt, als die er sich bei der Lampe aufbaut. 

Halten wir Alles zusammen, was über den reichen Bildungs- 
gang von Copernicus angeführt ist, so darf es uns nicht Wunder 
nehmen, dass derselbe bald eine sehr hervorragende 8tellung 
unter seinen Amtsgenossen eingenommen. 

Zunächst jedoch sollte die reiche Kraft des Copernicus dem 
engern Kreise des Domkapitels noch nicht zu Gute kommen. Der 
Bischof berief den gelehrten Neffen zu sich nach Heilsberg, 
weniger wohl, dass er ihm mittragen helfe die Bürde als die 
Würde des Amte«; er sollte ihm mehr Genosse sein der Müsse 
als der Mühe. 

Im Schlosse zu Heilsberg hat sich Copernicus sechs Jahre 
hindurch aufgehalten, von seinem 34. bis zum 40. Lebensjahre; 
es war die Zeit des rüstigsten Schaffens. Hier gelangten die 
kosmischen Ideen, deren Keime, in Krakau gelegt, sich in Italien 
mehr und mehr entfaltet hatten, zu immer festerer Gestaltung. 
Hier wurden die Grundzüge zu dem unsterblichen Werke ent- 
worfen, welches Copernicus sein ganzes Leben mit sich herum- 
getragen und erst mit seinem letzten Athemzuge der Welt 
übergeben. 

Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat Copernicus zu 
Heilsberg auch an der amtlichen Thätigkeit des Bischofs als ein- 
sichtiger Berather regen Antheil genommen und später Zeugniss 
davon abgelegt, in welche reiche Schule staatsmännischer Thä- 
tigkeit er von dem Oheim eingeführt war. 

Ausserdem hat Copernicus während seines Heilsberger Aufent- 



57 



haltes ein interessantes Denkmal seiner humanistischen Studien 
der Oeffentlichkeit tibergeben, eine lateinische Uebersetzung der 
Briefe des Theophylactus Simocatta. 

Dieses kleine Buch — es erschien im Jahre 1500 zu Krakau 
— ist in mehrfacher Beziehung geeignet, unser Interesse in An- 
spruch zu nehmen. Zunächst hebe ich hervor, dass es die einzige 
Schrift ist, welche Coperaicus aus eignem Antriebe veröffentlicht 
hat. Sie bietet uns ferner ein vollgültiges Zeugniss für seine 
vielseitige Thätigkeit und seine ausgebreiteten Kenntnisse. Vor 
Allem aber kennzeichnet sie klar die Stellung, welche Copernicus 
in den geistigen Kämpfen seiner Zeit eingenommen. 

Die Uebersetzung der Briefe des Theophylactus Simocatta ist 
das erste Buch, welches die Griechische Literatur im Weichsel- 
lande vertritt. Es erschien zu einer Zeit, wo die humanistischen 
Studien in Deutschland einen schweren Kampf um ihre Existenz 
gegen die Anhänger des Alten zu bestehen hatten. Von letzterer 
Seite war das Feldgeschrei ausgetheilt, wie es einst Gregor der 
Grosse in scharfer Formulirung gegen die Beschäftigung mit den 
klassischen Schriftstellern gegeben : ein und derselbe Mund könne 
picht zugleich Jupiter und Christus preisen. Ganz besonders 
wurde, da das Lateinische als Kirchensprache Absolution erhalten 
musste. der Vorwurf der Ketzerei gegen das Griechische erhoben, 
indem die unwissenden Verketzerer ganz unbeachtet Hessen, dass 
das neue Testament in Griechischer Sprache verfasst sei. 

Gerade im Anfange des 16. Jahrhunderts spitzten sich, be- 
sonders in Deutschland, die Gegensätze immer schärfer zu. Da 
galt es Farbe" zu bekennen, wenn der Sieg der neuen Richtung 
zu Theil werden sollte. 

Zu dieser Zeit nun trat auch Copernicus mit offnem Visir 



k 



58 



auf den Kampfplatz. Der Domherr veröffentlicht mit einer Wid- 
mung an einen Grosswürdenträger der Kirche die Früchte seiner 
hellenistischen Studien. 

So war diese Veröffentlichung mehr als eine wissenschaft- 
liche That. Zwar war es ein christlicher Schriftsteller, den 
Copernicus tibersetzt hat. Allein ganz abgesehen von der 
Griechischen Sprache, waren die Anschauungen, auf denen die 
Briefe aufgebaut sind, dem Alterthum angehörig. Bezeichnend 
übrigens für die freie Stellung, welche ein Theil der Prälaten 
zum Leben einnahm, war die Wahl des Buches, welches Coper- 
nicus tibersetzt hat. Es sind rhetorisirte Episteln, von denen ein 
Dritttheil den Stoff dem erotischen Gebiete entnimmt. 

Nach dem Tode von Lucas Watzelrode, welcher im Jahre 
1512 starb, verliess Copernicus den Bischofsitz Heilsberg und 
begab sich nach Frauenburg, um nun endlich, anderthalb Decen- 
nien nach seiner Aufnahme in das Ermländische Domkapitel, bei 
der Kathedrale selbst Residenz zu halten. 

Während eines ganzen Lustrum weilte Copernicus in Frauen- 
burg. Dann verliess er wiederum seine Curie, um als Statthalter 
des Kapitels in dem fernab gelegenen Schlosse Allenstein zu 
residiren. Vier Jahre hindurch hat Copernicus die Verwaltung 
des AUensteiner Gebiets geführt, ein Amt, welches praktische 
Umsicht und mannigfach thätiges Eingreifen in die Verhältnisse 
des Lebens erheischte. Noch schwieriger wurde die Stellung da- 
durch, dass im Jahre 1520 der Krieg zwischen Polen und dem 
deutschen Orden vorzugsweise in Ermland geführt wurde. 

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens hat Copernicus, 
einige Reisen im Lande selbst abgerechnet, in Frauenburg zu- 
gebracht. Ueber seine äussern Lebensverhältnisse während dieser 



59 



Zeit, über seine staatsmännische Thätigkeit auf den Preussischen 
Landtagen, namentlich in Betreff der Regiüirung der Preussischen 
Münze — über all dieses hat der Biograph zu berichten. 

Der heutige Vortrag hat das Leben von Copernicus nur unter 
einen Hauptgesichtspunkt zu stellen: der kühne Reformator 
der Astronomie allein ist es, der unser Interesse heute in An- 
spruch nimmt. Was Copernicus ausser seinen mathematisch- 
astronomischen Studien trieb, galt ihm überdies nur als Neben- 
beschäftigung, welcher er sich nicht entzog, die er aber nicht 
suchte. 

Neben der tieferen mathematischen Begründung der neuen 
kosmischen Ideen fuhr Copernicus in Frauenburg fort, mit dem 
grössten Eifer eigene astronomische Beobachtungen anzustellen, 
um durch Vergleichung mit den bereits vorhandenen die Ver- 
änderung der Elemente der Planetenbahnen kennen zu lernen. 
Die Instrumente , mit denen er den Himmel beobachtete , waren 
die zu seiner Zeit gebräuchlichen. Sie waren zum Theil von 
ihm selbst aus Tannenholz gefertigt und die Grad-Eintheilung 
mit Tintenstrichen gemacht. Copernicus selbst kannte am besten 
die grosse UnvoUkommenheit seiner Instrumente ; offen erklärte 
er seinen Freunden, wie wenig Genauigkeit er sich von ihnen 
versprechen könne. 

Der Ruf von den Forschungen des Copernicus hatte sich 
schon seit seiner Rückkehr aus Italien über die ganze gelehrte 
Welt verbreitet. Im Jahre 1516 war auf dem lateranischen Concil 
die Verbesserung des Kalenders aufs Neue in Anregung gebracht, 
und, obgleich auf Italiens Universitäten die ersten Astronomen 
ihrer Zeit lehrten, wandte sich die Kirchenversammlung von Rom 
aus an den in einsamer Zurückgezogenheit an den Grenzen der 



60 



cultivirten Welt lebenden Domherrn. Allein Copernicus trug- 
Bedenken der Oeffentliclikeit zu übergeben, was er nicht als reif 
betrachtete. Nur seinen gelehrten Freunden theilte er nach dem 
Vorbilde der Pythagoreer, wie er selbst sagt, die neue kühne 
Theorie mit. 

Um das Jahr 1530 war das System bereits abgeschlossen, 
und das grosse Werk, in welchem dasselbe niedergelegt ist, 
ausgearbeitet. Im Jahre 1536 bittet der Kardinal Schönberg, in 
einem aus Rom geschriebenen Briefe, Copernicus möchte ihm eine 
Abschrift des Werkes zusenden , von dem er so viel Rühmens- 
werthes gehört habe. 

Noch grössere Freude musste dem greisen Forscher der be- 
geisterte Schritt eines jungen Gelehrten, Georg Joachim Rheticus, 
verursachen, welcher als Professor der Mathematik an der Uni- 
versität Wittenberg lehrte. Ergriffen von der neuen Lehre, deren 
Kunde auch zu ihm gedrungen war, legte derselbe im Jahre 1539 
sein Lehramt nieder und begab sich unmittelbar aus dem Haupt- 
sitze des Protestantismus, Gastfreundschaft erbittend, in die Mitte 
eines katholischen Domstifts, um sich von dem Weisen selbst in 
die Tiefen seiner neuen Weltanschauung einweihen zu lassen. 
Mit der grössten Herzlichkeit wurde er von Copernicus und seinen 
Freunden aufgenommen. 

Nachdem Rheticus einige Monate in Frauenburg verweilt 
hatte, gab er in der Form eines Briefes an seinen frühern Lehrer 
Schoner in Nürnberg einen Bericht über das Werk des Copernicus 
mit begeisterten Lobeserhebungen desselben heraus. Durch diese 
Schrift war das Verlangen der gelehrten Welt nach dem Werke 
des Copernicus immer grösser geworden. Allein dieser wider- 
stand beharrlich den Bitten seiner Freunde. Er wusste, welchen 



61 



ADfeindungen sein System ausgesetzt sein würde. Man wird es 
dem stillen Denker nicht verargen, w^enn er den Wunsch hegte, 
den Abend seines Lebens in Ruhe hinbringen zu können. Aber 
die Freunde Hessen nicht ab, ihn mit ihren Bitten zu bestürmen. 
Endlich besiegten ihre Gründe die Bedenken des greisen Forschers ; 
er willigte in die Herausgabe seines Werkes. 

Er schrieb die meisterhafte Vorrede, mit der er die Frucht 
seines vierzigjährigen Forschens dem Oberhaupte der Kirche, dem 
Papste Paul III., widmete. Darauf übergab er das Manuscript 
seinem bewährten Freunde, dem gelehrten Bischöfe von Culm, 
Tiedemann Giese, und gestattete ihm, über die Herausgabe ganz 
nach seinem Ermessen zu verfügen. Dieser schickte es hoch- 
erfreut sofort an Rheticus, welcher das Manuscript nach Nürnberg 
brachte und die Beaufsichtigung des Druckes zwei gelehrten Ma- 
thematikern, seinem frühern Lehrer Schoner und dem durch seine 
theologischen Streitigkeiten später bekannt gewordenen Andreas 
Oslander, überlieferte. Das Werk wurde ausgegeben in den ersten 
Monaten des Jahres 1543. 

Oslander, welcher als der eigentliche Herausgeber zu betrachten 
ist, hat mit Rücksicht auf die Vorurtheile seiner befangenen Zeit- 
genossen dem Copernicanischen Werke aus Aengstlichkeit eine ano- 
nyme Vorrede vorgeschoben, in welcher er die anstössige Lehre 
von der Erdbewegung zu entschuldigen sucht und als blosse Hypo- 
these bezeichnet. Copernicus selbst konnte gegen diesen Vor- 
bericht, der im vollen Gegensatze zu seiner ganzen Darstellung 
steht, nicht mehr Protest einlegen. Denn als Rheticus das erste 
Exemplar des Werkes an seinen hochverdienten Lehrer nach 
Preussen sandte , war derselbe , schwer erkrankt , bereits dem 
Tode nahe. Er sah das Buch noch , sein Vermächtniss an die 



62 

Welt, er berührte es; aber sein Sinn war nicht mehr auf das 
Zeitliche gerichtet. Copernicus starb am 24. Mai 1543. 



Die Grundgedanken seines Weltsystems entwickelt Copernicus 
in den ersten eilf Kapiteln des ersten Buches. Er beginnt mit 
den uns geläufigen Beweisen für die Kugelgestalt der Erde. 
Hieran schliesst er die Lehre von der täglichen Bewegung der 
Erde um ihre Axe von Westen nach Osten, wodurch alle andern 
Gestirne in entgegengesetzter Richtung sich zu bewegen scheinen. 
Endlich giebt er die Reihenfolge der Planeten an, deren einer 
unsere Erde ist; diese alle aber umkreisen die allein ruhende 
Sonne. 

»Inmitten der Planeten — ich führe des Copernicus eigene 
Worte an — ruht die Sonne. Denn wer möchte wohl in dem 
schönen Tempel der Natur die Weltleuchte an eine andere bessere 
Stelle setzen, als dorthin, von wo sie das Weltall erleuchtet, die 
ganze Familie kreisender Gestirne lenkend? Dort ruht sie wie 
auf einem königlichen Throne. Bei einer solchen Anordnung der 
Welt finden wir eine bewundernswürdige Symmetrie des Univer- 
sum, einen sichern harmonischen Zusammenhang in der Bewegung 
und Grösse der Bahnen der Himmelskörper.« 

Nachdem Copernicus die Uebersicht seines Systems vorauf- 
geschickt und die Principien entwickelt hat, auf welche seine Lehre 
sich stützt, geht er zu der wissenschaftlichen Begründung im Ein- 
zelnen über. Selbst wenn Sie mir gestatteten, in das Detail hin- 
einzusteigen, würde ich vor der Warnung zurückschrecken, welche 
Copernicus seinem Buche vorangestellt hat, indem er auf den Titel 
die Worte gesetzt : Niemand trete ein, der nicht Mathematiker ist. 
Aber dieser ausführende Theil seines Werkes gehört lediglich der 



63 



Geschichte der Astronomie an. Des Copernicus Weltordnung wird 
von den Männern der Wissenschaft als unumstössliche Wahrheit 
anerkannt; die Planeten-Theorie dagegen ist durch Keplers Ellipsen 
eine wissenschaftliche Antiquität geworden. 

Rühmend darf ich es verkünden, wie der geschulte Fach- 
mann auch jetzt noch sich an der Strenge der mathematischen 
Beweisführung erbaut, wie er neben der Klarheit der Beweise 
die Arbeitskraft des Mannes bewundert, welcher Tage lang über 
Auflösungen sich abgemüht hat, zu denen wir gegenwärtig, mit 
unsern Hülfsmitteln versehen, in wenigen Minuten gelangen. 

Und zu dem gediegenen Inhalte kommt nun noch die voll- 
endete Form. Man suche hier freilich nicht den Stil eines Cicero. 
Der tiefe Forscher, der Bahnbrecher auf wissenschaftlichem Ge- 
biete, kann niemals in glatter Sprache schreiben ; er hat ja eben 
keine gebahnten Wege vor sich. Der Stil des Copernicus ist 
eigenartig. Aber die Beherrschung des Stoffes und die Herr- 
schaft über die Sprache, die ihm gleich einer lebenden war, 
geben die innere Berechtigung. Bald in wuchtiger Fülle, bald in 
gemessener Kürze, schreitet die Darstellung vor, stets Zeugniss 
ablegend von der tief geistigen Arbeit. Die Sicherheit in der 
Wahl des Ausdrucks bekundet den genialen Meister. Er ver- 
schwendet nicht Worte und erstrebt wiederum nicht ängstliche 
Kürze. Alles ist bedacht und athmet trotz der sichern Ruhe 
doch wiederum Leben. 

Das Aufsehn, welches das Buch von Copernicus machte, 
war ein gewaltiges. Allerdings ist auch kaum in der Geschichte 
der Menschheit eine tiefer greifende Revolution verzeichnet, als 
die Copernicus dem Zeitbewusstsein zumuthete. Die Erde, welche 
bisher das Symbol des Starreu und Unbeweglichen gewesen, sollte 



k 



64 



nur ein Ball sein gleich den andern Planeten, einem doppelten 
Gesetze der Bewegung folgend, um die eigene Axe, und um den 
grossen Centralkörper, die Sonne. 

Obwohl der grosse Entdecker nicht mehr unter den Lebenden 
weilte, erhoben sich zunächst die Neider seiner Grösse, denen 
sich alsdann die stumpfen Anhänger des Alten anschlössen, 
welche jeder Neuerung widerstreben, weil sie die Mühe des 
Umlernens scheuen. Diese Gegner fanden lauten Beifall bei dem 
Chore der Halbgebildeten, als sie mit den Waffen des Spottes 
einen Gedanken verfolgten, der dem Sinnenschein so muthig ent- 
gegentrat und eine tausendjährige Ueberlieferung anfocht. 

Aber auch die ernsten Männer der strengen Wissenschaft 
vermochten nicht, sich von der bisher geltenden kosmischen An- 
schauung zu trennen. Um dies zu erklären, bitte ich zunächst, 
hochverehrte Anwesende, zu erwägen, dass das sogenannte Ptole- 
mäische System nicht das Werk eines Einzelnen ist. Es war 
vielmehr aufgebaut auf dem Grunde, welchen die grössten Stern- 
kundigen und Philosophen Griechenlands gelegt hatten, wissen- 
schaftlich begründet von vorzüglichen mathematischen Talenten 
und anerkannt von den scharfsinnigsten Geistern des Alterthums 
und Mittelalters. Auch für die später hinzugekommenen Himmels- 
Beobachtungen konnte durch dasselbe bei seiner Elasticität immer 
noch das Problem der Astronomie gelöst werden, die Oerter der 
Himmelskörper zu bestimmen. 

Ein zweiter Grund für die Beharrlichkeit, mit der man an 
dem Ptolemäischen System festhielt, war das Zeugniss der Sinne. 

Die Grundgedanken des Ptolemäischen Systems sind bekannt- 
lich: die Erde ruht; Sonne, Mond und Sterne bewegen sich um 
die Erde. Diese Lehre schliesst sich also ganz an den Sinnen- 



I 



65 



schein. Sie hatte sich so sehr in das ganze Denken der Men- 
schen eingelebt, dass auch die gelehrtesten Männer sich auf das 
Zeiigniss der Augen beriefen. Ich erinnere nur daran, wie selbst 
ein Melanchthon den Sinnenschein vertritt. In seinem Lehrbuche 
der Physik behandelt Melanchthon die Ansichten des Copernicus 
mit Geringschätzung; er findet in der Lehre von der Erdbe- 
wegung nur ein geistreiches Gedankenspiel, dessen Veröffent- 
lichung geradezu schädlich sei. Darin sagt er wörtlich : Die 
Augen sind deutliche Zeugen , dass der Himmel sich in vier und 
zwanzig Stunden herumdrehe. (»Oculi testes sunt coelum circum- 
agi viginti quatuor horis.c) 

Endlich muss zur Erklärung der heftigen Opposition gegen 
das Copernicanische System ganz besonders hervorgehoben werden, 
wie die Lehre von der Erdbewegung für religionswidrig galt und 
den stärksten Widerstand bei den Lehrern der verschiedenen Reli- 
gionsparteien fand. Die frommen Anhänger des kirchlichen Dogma 
glaubten sich nicht einer Weltanschauung zuwenden zu können, 
welche die Autorität der Bibel, die Grundlage des Kirchen- 
glaubens, zu zerstören drohte. 

Die Reformatoren zumal mussten eine schärfere Stellung 
gegen Copernicus einnehmen, weil sie besorgten, dass auch ihrem 
Vorgehen auf kirchlichem Gebiete neue Angriffspunkte geboten 
würden, wenn sie sich für die Lehre von der Erdbewegung ent- 
schieden. Sie hatten die Pflicht ein conservatives Element zu 
bekunden; denn jede vollzogene Neuerung ist genöthigt sieb 
Grenzen zu setzen. 

In der katholischen Kirche schützte eine Zeit lang der dem 
Werke vorgesetzte Brief eines Cardinais und vor Allem die Wid- 
mung an den Papst. Aber bald zeigte sich, wie richtig Copcrni- 

5 



66 



cus seine Zeit beurtbeilt hatte , da er sich weigerte , sein Werk 
zu veröffentlichen. In seinen letzten Lebensjahren hatten sich die 
Anzeichen der kirchlichen Reaction vielfach gemehrt. Ich erinnere 
daran, dass derselbe Papst Paul III, dem das Werk des Copernicus 
gewidmet ist, unmittelbar vorher den Jesuitenorden bestätigt hatte. 
Das Tridentiner Concil schloss die Periode der freien Bewegung. 
Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der geistige Auf- 
schwung, welcher nach der Flucht der Musen aus dem byzanti- 
nischen Reiche das Abendland erfasst hatte, wiederum gelähmt 
und der Kirche der Charakter starrer Unveränderlichkeit aufge- 
drückt. Im, Verfolge dieser Gegenströmung wurde nun auch die 
Lehre des Copernicus vor Gericht gezogen und jetzt schützte 
weder die vorangestellte Widmung an den Papst, noch die still- 
schweigende Anerkennung zweier Menschenalter. Es wurde von 
der sogenannten heiligen Congregation des Index allen Gläubigen 
verboten, das Werk des Copernicus zu lesen oder nur bei sich auf- 
zubewahren. 

Hochzuverehrende Festversammlung! Nur andeutungsweise 
geziemt es, dies heute zu berühren. Gern verlasse ich diese trüben 
Erinnerungen, um die Festfreude nicht zu stören. Auch ist es 
nicht des Ortes anzugeben, wie mühsam sich die Wahrheit Bahn 
brechen musste, welche schweren Geisteskämpfe noch durchzu- 
kämpfen waren. Allmählich erst schwand die Opposition. Aber 
während dieser Umschwung sich vorbereitete, und noch mehr, 
als die Bahn bereits gebrochen war, als die Wissenschaft stets 
neue Beweise für die wahre Weltordnung entdeckt hatte, als auch 
die Kirche ihren Bann stillschweigend von derselben genom- 
men: da begann man nach der andern Seite das Verdienst des 
genialen Erfinders, welcher seiner Zeit weit vorangeeilt war, zu 



67 



schmälern und herabzusetzen. Es sei ja — sagte man nun — 
in dem Grundgedanken seines Weltsystems nichts wesentlich 
Neues; schon die Alten hätten denselben ausgesprochen, Coper- 
nicus habe nur langbekannte Lehren der Griechen reproducirt. 
Ich bitte, hochzuverehrende Anwesende, um Ihre gütige Erlaub- 
niss diesen Punkt etwas eingehender behandeln zu dürfen, weil 
bis in unsere Tage hinein die schrillen Töne der Verkleinerer des 
Ruhmes unsers Copernicus erschallen. 

Es ist allerdings richtig, und Copernicus selbst sagt es in 
seinem Widmungsbriefe an Papst Paul III, dass Einzelne der 
Pythagoreer die Axendrehung der Erde angestrebt haben, und 
ebenso findet man bei ihnen die Lehre von der Bewegung der 
Erde um einen Centralkörper, um ein Centralfeuer. Auch einer 
der grössten Astronomen des Alterthums, Aristarchos von Samos, 
hat nach den klaren Berichten von Plutarch die Rotation der 
Erde gelehrt, und ebenso ist bei ihm das heliocentrische System 
vorgedeutet. Allein die Ansichten der Pythagoreer, wie die Lehre 
des Aristarch, hatten bei den Männern der Wissenschaft keine 
Beachtung gefanden. Die grössten Sternkundigen des Alter- 
thums, ein Hipparchos, ein Ptolemäus erklärten sich für die Un- 
beweglichkeit der Erde: alle gelehrten Männer von Alexandria 
verharrten bei der hergebrachten Theorie. Dreizehnhundert Jahre 
blieb das Lehrgebäude des Ptolemäus in allgemeinster Anerken- 
nung. Von den Arabern, den Trägern der Wissenschaft im 
Mittelalter, wurde manche Beobachtung schärfer bestimmt. Aber 
an den Fundamenten des Systems ward nicht gerüttelt. Da kam 
Copernicus und trat als kühner Reformator der Wissenschaft auf. 
Er beruft sich ausdrücklich* auf die Alten, und es ist möglich, 
dass er von ilnicn die erste Idee zu seinem Weltsystem entlehnt 



6S 



hat. Aber ebenso ist es möglich, dass er ihre Autorität nur be- 
nutzt habe, um den Neid und die Missgunst zu entwaffnen und 
seiner Lehre bessern Eingang zu verschaifen. Jedenfalls waren 
die Gedanken der Pythagoreer zu keiner astronomischen Lehre aus- 
gebildet worden. Tausende hatten sie gelesen und nicht beachtet, 
oder geradezu verspottet. Auch des einzigen Aristarchos helio- 
centrische Weltanschauung wird ausdrücklich als Hypothese be- 
zeichnet. — Wo nun die Alten gesagt hatten, es könne viel- 
leicht so sein, da trat Copernicus mit der Zuversicht des Mannes 
der Wissenschaft auf und bewies, dass es so sein müsse. Mit dem 
sichern Blicke des Genie erfasst er den durch anderthalb Jahr- 
tausende verstossenen Gedanken Griechischer Philosophen, be- 
wahrt ihn treu bei sich während eines langen der Wissenschaft 
geweihten Lebens und mit eisernem Fleiss erbaut er auf dieser 
Grundlage ein vollständiges System I 

Auch von der entgegengesetzten Seite ist der Versuch ge- 
macht, das Verdienst von Copernicus zu schmälern, indem man 
dem genialen Entdecker der Weltorduung den Vorwurf macht, er 
sei in den Anschauungen seiner Zeit noch sehr befangen geblieben. 
Ich will nicht davon sprecheu, dass gesagt wird, seine Beweisfüh- 
rung schmecke noch ganz nach scholastischem Beiwerk. Denn Sie 
werden einräumen, hochzuverehrende Anwesende, dass Copernicus 
unmöglich sofort die ganze Aristotelische Naturphilosophie ab- 
streifen konnte; man muss sich vielmehr darüber freuen, dass 
Copernicus, da er noch nicht im Stande w^ar, sein System mit den 
später gefundenen Bew^eisen zu stützen, den Gegnern wenigstens 
mit gleichen Waffen entgegenzutreten verstand. 

Gewichtiger klingt der weitere Tadel, Copernicus habe noch 
viel von dem alten Ptolemäischen System behalten. Und aller- 



69 



dings ist das Gerüste des alten Systems erst durch Kepler voll- 
ständig entfernt worden. Copernicus hält noch an der Ansicht 
der Ptolemäischen Lehre fest, dass die Himmelskörper sich in 
Kreisen bewegen, oder wenigstens in Bahnen, die aus Kreisen 
zusammengesetzt sind. Ich darf aber auch hier wohl zunächst 
fragen, ob wir wirklich das Recht haben zu verlangen, Copernicus 
hätte auch noch Kepler und Newton zugleich sein sollen. So- 
dann möchte ich gerade diese Gedankenreihe benutzen, um aus ihr 
einen neuen Beleg zu entnehmen, wie gross unser Gefeierte ge- 
wesen ist. 

Sie haben mir gestattet, hochzuverehrende Anwesende, auszu- 
führen, wie Copernicus die Keime, welche seine Vorgänger gepflanzt 
hatten, sorgsam gepflegt, um aus ihnen eine ganz neue Schöpfung 
emporwachsen zu lassen. Aber es lebte in ihm zugleich die vor- 
ahnende Kraft des Genie, ..welche in sinnig idealer Verknüpfung 
des bisher Ergründeten fast unbewusst das Ahnungsvermögen 
leitet und durch eine begeistigende Kraft erhöht." Die grossen 
Gedanken Kepler's und Newton's sind schon bei Co- 
pernicus vorgedeutet. 

Wer aufmerksam die ersten Kapitel des Copernicanischen 
Werkes durchliest, findet in den Ausführungen des Verfassers einen 
Anklang an die Newtonschen Gesetze der Gravitation. Auch 
schon dadurch, dass Copernicus die Sonne zum Centrum der Pla- 
neten erhob, welchen unsre Erde angehört, war .der erste Schritt 
zur physischen Astronomie gethan. — Dass aber Copernicus auch 
die Keplerschen Gedanken ahnte, hat der Herausgeber unsrer 
Säcularausgabe durch einen interessanten Fund nachgewiesen. 
In einer von Copernicus selbst später durchstrichenen Stelle 
seines Manuskriptes zeigt Copernicus, dass die Libration des 



k 



70 



Mondes, wenn die beiden eccentrischen Kreise ungleiche Durch- 
messer haben, in einem Kegel- oder Cylinder-Durchschnitte vor 
sich gehen werde, in einer Linie — so sagt Copernicus wört- 
lich — welche die Mathematiker Ellipse nennen. In 
diesen Worten ist zum ersten Male die Möglichkeit einer ellipti- 
schen Bahn für die Bewegung der Himmelskörper angedeutet. 

Hochzuverehrende Festversammlung! Mit Nachsicht und Ge- 
duld haben Sie bisher aufgenommen, was ich im Stande war 
Ihnen zu bieten. Sie werden, wo meine Kräfte nicht ausreichten, 
die Schwierigkeiten der Aufgabe erwägend, selbst ergänzt haben, 
was Ihnen fehlte, um in dem vollen Glänze, der seit Jahrhun- 
derten seine Stirn umstrahlt, Copernicus, den Mann der 
Wissenschaft, vor Ihr geistiges Auge treten zu lassen. 

In ehrfurchtsvoller Bewunderung stehn wir ja Alle vor der 
geistigen Grösse des gewaltigen Mannes und schauen hinauf zu 
ihm, in dem sich geistige Vorzüge einten, dass er uns fast über- 
menschlich erscheint, ein Wunder der Schöpfung. 

Aber gern gehen wir gerade bei unsern grossen Männern 
auch den allgemein menschlichen Beziehungen nach; wir mögen 
gern erkunden, ob der Heros, der unnahbar auf einsamer Höhe 
zu stehen scheint, uns geringeren Sterblichen nicht auch mensch- 
lich nahe trete, ob er nicht auch für unsere kleinen Berufs- und 
Lebens-Verhältnisse Leitstern werden kann und Vorbild. Gerade 
der heutigen Weihestunde geziemt es, solche Mahnungen aufzu- 
suchen, die wir in unser Alltagsleben hinübernehmen, auf dass 
wir sittlich gehoben von hinnen gehn. 

Und wenn ich der Tugenden Fülle zu rühmen beginne, die 
in dem Gefeierten lebten, da werden Sie wohl zunächst mit mir 



7t 



hinblicken auf die hohe Pflichttreue, mit welcher Coperiiicus der 
Arbeit zugewandt war. Die Gunst der Verhältnisse hat ihn in 
seinem Leben sehr unterstützt. Drückende Sorgen hat er nicht 
kennen gelernt. Aufgewachsen in wohlhabenden Verhältnissen 
ist er in jugendlichen Jahren zu einem Kirchenamte gelangt, wel- 
ches der äussern Güter reichlich darbot und wenig der Muhe 
beanspruchte. Aber nimmer hat Copernicus sich behaglichem Ge- 
nüsse hingegeben, vielmehr in strenger Arbeit, in steter Anspan- 
nung seiner geistigen Kräfte, dem hohen Ziele nachgestrebt, das 
er sich gesteckt; treu hat er die Mission erfüllt, welche Gott ihm 
bestimmt. Wahrlich auch sein Leben widerlegt den weitverbrei- 
teten Irrthum, dass es Günstlinge des Himmels gebe, denen 
mühelos die Gaben des Glückes zufielen. Mensch gleich uns hat 
Copernicus sich stählen müssen durch Willenskraft, hat er un- 
ausgesetzten Fleiss anwenden müssen, um sein hohes Ziel zu 
erringen. „Wohl kannte ich, sagt Rheticus, die Mühe und Ar- 
beit, in denen sich Regiomontanus und Peurbach abrangen, um 
die Astronomie auf ihren königlichen Thron zu setzen. Aber seit 
ich Zeuge geworden der schweren Gedankenarbeit meines gelieb- 
ten Lehrers Copernicus, da ward ich inne, dass ich auch nicht 
eine leise Ahnung von der Mühe gehabt, welche ein Geistes-Heros 
überwinden muss!" 

Wie uns das arbeitsvolle Leben des Copernicus ein Ideal 
hohen sittlichen Werthes bietet, so ist es nicht weniger die Tu- 
gend der Resignation und Bescheidenheit, welche den echten 
Weisen kennzeichnet. Auf der Höhe seines wissenschaftlichen 
Ruhmes, als der Ruf von seinen Forschungen die ganze gelehrte 
Welt erfüllte — nimmer erhob er sich in frevelndem Stolze. So 
weit er auch seine Vorgänger überragte, redet er stets nur mit 



72 



Hochachtung von ihnen, bescheiden die eigenen Leistungen zurück- 
stellend. Wie unrecht handelten doch die Gegner, da sie einem 
solchen Manne Eitelkeit und Neuerungssucht vorwarfen! 

Ja! selbstlos und rein war die That des Copernicus, mehr 
als vieles Andere, was zu seiner Zeit geschah. Bei den 
Entdeckungen der Spanier und Portugiesen beschleichen uns 
immer die drückenden Gedanken, dass neben dem berechtig- 
ten Ehrgeize der niedere Trieb nach Gold das Vorrücken der 
abendländischen Gesittung bewirkte. Hier aber lag weitab auch 
die Möglichkeit Gewinn zu erstreben. Die Nachtwachen, 
wie die Denkarbeit des Tages, sie waren uneigennützigster For- 
schung geweiht, den idealsten Zielen, der Vertiefung in die Ge- 
danken Gottes. 

Der dankbare Aufblick zu Copernicus, in welchem weite 
Kreise sich heute erhebend einen, scheint fast zu der Hoffnung 
zu ermuthigen, es werde unser Geschlecht sich abwenden von 
dem abschüssigen Pfade, den wir betreten haben, zu der Hoff- 
nung, es werde der Wettlauf nach leichtem Gewinne nicht noch 
weiter verheerend um sich greifen. Mögen diese Hoffnungen in 
Erfüllung gehen! Möge auch die Gedenkfeier an Copernicus dazu 
helfen, dass die Wiedergeburt des sittlichen Sinnes in der Welt 
der Arbeit und des Erwerbes bald eintrete ! Möge der vielge- 
scholtene Idealismus unsers Volkes wieder bei uns einkehren und 
den Ideengang der Menschheit in bessere Bahnen hinüberleiten ! — 

Neben der ernsten Entsagung und Arbeitsfreudigkeit bietet 
das Andenken an Copernicus noch andere Seiten, aus denen 
wir ein Vorbild für unser Leben gewinnen und zugleich einen 
Schild für drohende Gefahren. 

Zur Nacheiferung diene uns zunächst die werkthätige Liebe 



73 



des grossen Mannes. Im schweren Berufe des Arztes scheute der 
Forscher nicht, seine Studien zu unterbrechen, um in die Hütten 
des Armen einzutreten, wie er den Amtsgenossen ein stets berei- 
ter Beistand war. Bereits in hohem Alter stehend, 68 Jahre alt, 
giebt er in unfreundlicher Jahreszeit die Ruhe seiner Curie auf, 
nach Königsberg eilend, um auf die Bitte des Herzogs Albrecht 
einem seiner Getreuen ärztlichen Beirath zu bringen. 

Ebenso bereitwillig entzog Copernicus sich seinen Studien, 
w^enn die Pflichten des Gemeinsinns zu üben waren. Getreu folgte 
er dem Rufe, so oft sein Amt ihn forderte, dass er mithelfe, die 
Gebrechen des Landes zu heilen. Und wenn er zu den preussi- 
schen Landtagen abgeordnet ward, dann trat er, kein Sonder- 
interesse beachtend, ohne Menschenfurcht für das ein, was dem 
Ganzen frommte, was er als Recht erachtete. . 

Mit demselben Ernste nahm er den Kampf auf, wenn es galt, 
ungerechte Angriffe auf die Wissenschaft abzuwehren. Da wird 
sein Wort herbe, so milden Geistes er sonst ist und so nachsich- 
tig gegen menschliche Schwäche. Ganz besonders geschah dies, 
wenn man die Autorität der Bibel missbrauchen wollte gegen die 
Wissenschaft. 

Ich will nur daran erinnern, wie Copernicus in der berühm- 
ten Zuschrift an den Papst seine sittliche Entrüstung gegen die 
leichtfertigen Angriffe unwissender Verketzerer nicht zurückhält. 
„Sollten etwa, sagt er, leere Schwätzer, die von Mathematik 
nichts verstehn, auf Grund irgend einer Stelle der heiligen Schrift, 
welche sie böswillig für ihre Zwecke verdrehen, sich herausneh- 
men, meine Lehre anzugreifen und zu verfolgen, so werde ich 
mich um diese Menschen gar nicht kümmern, sondern ihr Urtheil 
als eine Aumassung verachten. Es ist ja bekannt, dass der be- 



74 



rlilimte Lactantius, weil er zu wenig Mathematik verstand, recht 
kindisch von der Gestalt der Erde spricht, indem er diejenigen 
verspottet, welche sie für kugelförmig halten. Deshalb darf es 
die Männer der Wissenschaft nicht Wunder nehmen, wenn der- 
gleichen Leute auch mich verspotten werden. Mathematik wird 
eben nur für Mathematiker geschrieben." 

Copernicus war von tief religiösem Geiste erfüllt. Zu poeti- 
schem Schwünge erhebt er sich, wenn er die Allmacht des Schö- 
pfers preist und — ich spreche mit seinen eigenen Worten — 
„die herrliche Anordnung des Weltgebäudes, welches so offen- 
kundig in schönster Ordnung aufgestellt ist und durch die gött- 
liche Weisheit geleitet wird!" „Wer sollte nicht 

durch die stete Betrachtung, fast möchte ich sagen durch den 
Umgang mit dem .Weltall zum Höchsten angetrieben und zur 
Bewunderung des Baumeisters geführt werden, der Alles ge- 
schafi'en, in dem die höchste Glückseligkeit ist, in dem al- 
les Gute gipfelt? Denn nicht würde der gotterfüllte Psalmist 
selbst singen, er sei entzückt in Gottes Schöpfung und frohlocke 
bei den Werken seiner Hände, wofern wir nicht durch sie zur 
Anschauung des höchsten Guten gleichsam emporgetragen würden ! " 

Ein Mann von der tiefen Religiosität des Copernicus konnte 
kein fanatischer Eiferer für die Glaubensform sein, welcher er 
zugewandt war. Ein Vorbild vollendeter Duldsamkeit kannte er 
in seiner von religiösen Gegensätzen aufgeregten Zeit nicht den 
Hass der Meinungsverschiedenheit. Ein echter Priester der Hu- 
manität musste Copernicus bemüht sein, das Einende aufzusuchen, 
musste er die Schranken und Vorurtheile gering achten, welche 
die Menschen trennend unter sich aufgerichtet. — Das grösste 
Lob, welches seine grossen Geistesgenossen, welches Kepler und 



\ 



75 



Humboldt unserm Copernicus geben, fassen sie bezeichnend zu 
sammen, wenn sie ihn den Mann freien Geistes nennen. 

Der Mann freien Geistes — er ist es, dem auch unsre 
Huldigung heute gilt ! Unsere Huldigung aber gewinnt in der Ge- 
genwart eine grössere Bedeutung, da Gegensätze, die wir längst 
verwischt glaubten, mit der ganzen Schärfe früherer Zeiten sich 
feindlich gegenüberstehn. Treten wir getrosten Muthes, unsers 
Copernicus hohes Bild vor Augen, in den angebotenen Kultur- 
kampf ein! Der Bieg wird unser sein. Als gute Vorbedeutung 
nehmen wir es, dass auch die Männer der Autorität und des 
starren Dogma unserm Copernicus heute ihre Huldigung dar- 
bringen. 

Hochzu verehrende Festversammlung ! 

Unsere Feier hat sich jeder fremden Beimischung enthalten, 
so nahe es auch lag, die Rede von patriotischer Wärme durch- 
ziehen zu lassen. Die Schluss-Mahnung aber, die Beziehungen 
auf die Gegenwart wird mir der Gefeierte gern verzeihen, — 
oder mtisste ich nicht lieber sagen, er würde staunen, wollten 
wir, die Jetztlebenden, den Blick nur in die Vergangenheit ver- 
senken? Ja, ich spreche nicht zu kühn: wenn heut sein Geist 
herniederstiege, wenn er mitten unter uns träte, er würde freu- 
dig in den Dank einstimmen, mit dem ich in Ihrem Namen 
schliesse, in den Dank gegen den geistesstarken Fürsten, der die 
Geschicke unsers Volkes lenkt. Copernicus würde ihm mit uns 
danken für die Losung, die er beim Antritt seiner Regierung 
ausgegeben, dass es Preussens Bestimmung nicht sei, dem Ge- 
nuas der erworbenen Güter zu leben; er würde ihm mit uns da- 
für danken, dass bei Errichtung des deutschen Reiches er laut 
vor aller Welt verkündet hat, er wolle sein allezeit Mehrer des 



76 



Reichs nicht in kriegerischen Eroberungen, sondern in Werken 
des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Frei- 
heit und Gesittung; unserm Kaiser Wilhelm würde Coper- 
nicus danken, dass Er, der Tf^ährige Fürst, mit jugendlichem 
Muthe das Banner des freien Geistes erhoben hat und in dem 
Kampfe für die edelsten Güter der Menschheit uns fest und sicher 
voranschreitet ! 

Heil und Segen 
sei auch ferner mit unserm Kaiser! 



Nach dem Festredner betrat die Rednerbühne der Regierungs- 
Präsident Graf zu Eulenburg, Ober-Burggraf von Marienburg. 
Zunächst gab Graf Eulenburg im Auftrage des Ober- Präsidenten 
der Provinz von Hörn dem Bedauern Ausdruck, dass der Pro- 
tector des Vereins durch Krankheit leider behindert sei, an dem 
heutigen hohen Feste zu erscheinen. Sodann bekundete Namens 
aller Ehren-Gäste der Redner die volle Befriedigung über das 
aufgestellte Fest - Programm und die würdige Durchführung des- 
selben. Dass die Gedenkfeier eines Mannes wie Copernicus hier 
habe unternommen und durchgeführt werden können, lediglich 
durch die eigenen Kräfte einer nicht grossen Stadt, das sei nur 
möglich geworden durch freudiges Zusammenwirken Aller, durch 
entsagende Unterordnung des Einzelnen. Dieses Aneinander- 
schliessen und feste Zusammenhalten sei altpreussische Art, eine 
ehrenwerthe Eigenthümlichkeit der Provinz , welche durch ihre 
Abgeschlossenheit und lange Entfremdung vom Deutschen Stamm- 
lande sich gewöhnt habe, die eigene Kraft stets zu gebrauchen, 
sich stets auf sich selber zu stützen. Der Mandatar des Kaisers 
bezeugte ausdrücklich die huldvolle Theilnahme, welche Seine 



77 



Majestät Allerhöchstselbst an dem Feste nähmen, und über- 
reichte hierauf dem Vorsitzenden des Copernicus-Vereins den ihm 
von Seiner Majestät verliehenen Rothen Adlerorden. 

An die Rede des Vertreters der Staatsbehörde schlössen sich 
die Ansprachen, welche die zum Feste entsendeten Vertreter von 
Corporationen hielten. Die Reihe derselben eröffneten, von d^r 
ganzen Festversammlung bei ihrem Auftreten mit begeistertem 
Dankes-Zurufe begrüsst, die Deputirten der Italischen Universitäten. 

Zuerst sprach der Vertreter der Universitäten Rom 
und Padua, Professor Onorato Occioni. Derselbe überreichte 
zuvörderst die mit dem grossen Siegel der Universität versehene 
Pergament- Rolle, welche die Adresse des akademischen Senats zu 
Padua enthält, und hielt sodann folgende Anrede: 

Vestrum est, Praeclarissimi viri, quibus tanta ingenii prae- 
stantia. tam varia rerum doctrina suppeditat, Nicolai Coper- 
nici laudes hoc die memorare. Mihi e longinqua Italia advecto 
haud parva honoris causa quod societati Vestrae vocatus 
intersim ; quae cum libentissime fatear, non modo magna cum 
voluptate apud Vos hospitari, verum etiam solemnium istorum 
partem esse facile aperiam. 

Si optimi cives habentur, qui patriam vel manu vel consilio 
juvent, perraris illis, qui maximo numinis afflatu perculsi, interiori- 
bus naturae legibus perscrutandis, totius mortalium generis auxerint 



('»Eure Saclie ist es, Hochverehrte Männer, denen hohe Begabung und 
Fülle des Wissens zur Seite steht, am heutigen Tage dem Lobe des Nie. 
Copernicus Ausdruck zu geben. Mir aber, der ich aus dem fernen Italien 
komme, gereicht es zu nicht geringer Ehre, ein Gast Eures Vereins zu sein ; 
und wenn ich dies gern bekenne, so wird es mir leicht sein, zu erklären, 
dass ich mit grossem Vergnügen unter Euch weile und an den Festlichkeiten 
Theil nehme. 



78 



sapientiam, niillo liniite patria praescribitur, iiulla sermonum varie- 
tate morumve conditione Signatur, quippe qui ad omnes aetates ac 
gentes, ut natura ipsa, pertineant. 

Jure quidem optimo, in qua ortus est urbe, Copernici natalia 
celebrantur ; idem tarnen et Italus habendus, quemadmodum Gali- 
laeus Gennanus vel Polonus. Quis dubitet, quin totius mundi 
civis, quin humani generis praestet magister, qui sui temporis 
diffieultatibus retardatus, sacerdotali munere adstrictus, inepta 
sacrorum codicuni interpretatione coercitus, eo tandem pervenit, ut 
unius vcritatis studio duceretur, omnesque verbis et re illud per- 
doceret homines : »ibi Dens, ubi veritas.« 

Quod si Omnibus gentibus Copernicum sibi quodammodo vin- 
dicare licet, singularia quaedam , Consultissimi Viri , accedunt, 
quae mihi in hoc doctrinarum festo prorsus faveant. Romani 
archigymnasii et Patavini, quod Romano adsensit, adsum legatus. 
Nemo sane ignorat , tum temporis cum ad Italiae archigymnasia, 



Wenn diejenigen für die besten Bürger gehalten werden, welche ihr 
Vaterland durch Rath und That unterstützen, so wird jenen seltenen Män- 
nern, welche, von dem Hauch der Gottheit getrieben, durch Erforschung der 
Naturgesetze die Einsicht des ganzen Menschengeschlechts erhöhten , das 
Vaterland durch keine Grenzen bezeichnet und durcii keine Verschiedenheit 
der Spraclie oder Sitte angedeutet, da sie eben , wie die Natur selbst , allen 
Zeiten und allen Völkern augehören. Mit vollem Rechte wird deshalb des 
Copernicus Geburtstag in der Stadt gefeiert, in welcher er geboren ist; aber 
er ist zugleich auch Italiener, gleichwie Galilei ein Deutscher oder Pole. 
Denn wer möchte zweifeln, dass derjenige ein Bürger der Welt und ein 
Lehrer des Menschengeschlechts ist, der, obschon durch die Fesseln seiner 
Zeit zurückgehalten, durch das Priesteramt gebunden, durch abgeschmackte 
Auslegung der Heiligen Schrift gehemmt, doch dahin gelangte, nur vom Eifer 
für die Wahrheit sich leiten zu lassen und durch Wort und That die Men- 
schen zu lehren: »wo die Wahrheit ist, da ist Gott!« Steht es daher allen 
Völkern so zu sagen frei, sich den Copernicus anzueignen, so kommt für 
mich an diesem Feste der Wissenschaft noch eine ganz besondere Berech- 
tigung hinzu. Ich kam als Vertreter der Hochschulen von Rom und Padua. 
Nun weiss aber Jeder, dass zu der Zeit, als man von überall her zu den 



79 



veluti ad bonarum artiiim domicilium , undique concursum est, 
Nicolaum Copernicum in Romano Athenaeo mathematica tradidisse, 
limaeque defectum anno MD. speculatum esse, in Patavino ex 
uberrimis sapientiae fontibus hausisse; verum, quod non omnibns 
notum, Vobis renuntio, tanti vel doctoris vel discipuli memoriam, 
nedum defecerit, adhuc florentem cum amore coli et reverentia. 
Vos hodie, Copernici Populäres, meis verbis salvere iubent Romana 
litterarum Universitas et Patavina, quae tanto terrarum spatio 
divisae, festum idem, Vobis animis votisque coniunctae, concele- 
brant. Copernici laudes resonant hodie receptacula illa studiorum, 
titulis hermisque decorantur parietes. Quod faustum equidem 
nobismet ipsis tot in temporum difficultatibus gratulemur. Si non 
adhuc illuxit dies, quo tandem gentes amicitia obstrictae ambitione 
caedibusque pacem potiorem habeant, attamen fraternum hoc vin- 
culum, quo docti tenemur, feliciorum temporum spem firmissimam 
inducit. Nicolai Copernici nomine veluti doctrinae pignore 
obligamur. Pergamus excelsius! 



hochgeehrten Hochschulen Italiens, wie zu einer Wohnstätte der Wissenschaft 
hinströmte, Nicolaus Coperni.nis im römischen Athenaeura Mathematik lehrte 
und die Sonnenfinsterniss im Jahre 1500 beobachtete, im Paduanischen aber 
aus der reichen Quelle der Weisheit schöpfte; und was vielleicht nicht allen 
bekannt ist, das verkündige ich Euch : dass das Andenken an solchen Lehrer 
und Schüler keineswegs geschwunden ist, sondern noch blüht und in Liebe 
und Verehrung hochgehalten wird. Euch, Ihr Landsleute des Copernicus, 
grüsst durch meinen Mund die Römische und Paduanische Universität, welche, 
obschon durch so grosse Entfernung getrennt, doch mit Euch im Geiste ver- 
bunden , dasselbe Fest feiern. Das Lob des Copernicus tönt heute in jenen 
Hallen der Wissenschaft und ihre Wände werden durch Inschriften und Bild- 
säulen geschmückt. Und dazu wünschen wir uns selbst in so schwierigen 
Zeiten aufrichtig Glück. Zwar ist noch nicht der Tag angebrochen, an 
welchem die Völker in Freundschaft verbimden den PYieden höher halten, 
als Kampf und Vernichtung; aber das brüderliche Band, welches die Männer 
der Wissenschaft umschlingt, giebt uns die sichere Hoffnung auf jene glück- 
lichen Zeiten. Des Copernicus Name dient uns dabei zugleich zum Unter- 
pfande ! Streben wir immer vorwärts !«) 



80 



Der Abgesandte der Universität Bologna, Professor 
Gaetano Pelliccioni hielt nachstehende Ansprache : 

Veniani peto a vobis, viri humanissimi, si germanicae linguae 
non satis peritus latine exprimere conabor laeti aninii sensns, qui- 
bus in imis niedullis permoveor, quod mihi in hoc celebri civium 
advenarumque clarissimorum conventu antiquissimae Italiae ac fere 
totius Europae, Bononiae inquam Universitatis Htudiorum vicem 
gerere demandatum sit. Singulari scilicet fortunae beneficio, 
quando ceteris meis sodalibus mente tantum ac votis hie adesse 
licet, mihi uni obtigit, ut vestrum omnium ora hisce oculis intueri, 
laetitiaeque vestrae particeps hos murorum ambitus, in quibus 
lucem primum adspexit immortalis Vir, cuius hodie saecularia na- 
talitia celebramus, invisere possem. 

Verum ut id expleam, quod suscepti muneris ratio postulat, 
nomine Senatus Academici et Conlegii Doctorum Athenaei Bono- 
niensis salvere jubeo Ordinem amplissimum et populum Universum 
Thorunensem, nee non inclytam hancce Societatem Copernicanam, 
gratias quam maximas vobis omnibus agens, quod necessitudinis 



(»Um Eure Nachsicht, hochverdiente Männer, bitte ich, wenn ich, der 
deutschen Sprache unkundig , lateinisch die Gefühle auszudrücken versuche, 
welche mich tief im Innersten darüber bewegen, dass mir der Auftrag ge- 
worden ist, in dieser zahlreichen Versammlung ehrenwerther Bürger und 
Gäste die älteste Universität Italiens, ja Europas, nämlich Bologna, zu ver- 
treten. Durch eine besondere Gunst des Geschickes ist mir allein, während 
meine Collegen nur im Geiste hier sein können, das Glück geworden, Euch 
von Angesicht zu Angesicht zu schauen und theilnehmend an Eurer Freude 
die Mauern zu sehen, in welchen der unsterbliche Mann, dessen 400jährigen 
Geburtstag wir heute feiern, das Licht der Welt erblickte. 

Um aber den mir gewordenen Auftrag zu erfüllen, begrüsse ich im Na- 
men des akademischen Senats und des Professoren-Collegiums der Universität 
Bologna die Behörden und die gesammte Bürgerschaft Thorns, gleichwie den 
ausgezeichneten Copernicus-Verein und sage Euch Allen den wärmsten Dank 
dafür, dass Ihr die Denkmäler, das Wohlwollen und die Gastfreundschaft, 



81 



atque hospitalitatis jnra et monimenta, quae inter immortalem 
civem vestrum civitatemqiie nostram Bononiensem olim interces- 
sernnt, vobis nunc renovare placuerit. Cuius quidem rei memo- 
riam non litteris modo et titulis mandatam , verum animis etiam 
insculptam nos perpetuo servaturos esse pollicemur. 

Pluribus nunc ego vos, laudibus tanti viri retexendis impar. 
non morabor. Copernici gloria eiusmodi est, quae verbis, tenuari 
fortasse, amplificari atque exornari nullo modo possit. »Coeli 
enarrant gloriam eius.« 

Fortunate Copernice ! monumentum illis adeo celebratis Cariae 
vel Aegypti molibus longe superbius perenniusque, quod non im- 
petus procellarum , non temporis \ etustas , non hominum denique 
rabies, pernicies omnium teterrima, labefactare atque abolere pot- 
erit, in ipsis tibi sideribus exstruxisti. Dum hominum oculi in 
caelum suspicient et miros astrorum coetus erroresque contuebuntur, 
Tui nomen, qui illis jura legesque dare ausus es, omnium ore 
celebrabitur. 



welclie einst zwischen Eurem unsterblichen Landsraanne und der Stadt Bo- 
logna bestanden, erneuert habt. Das Gedächtniss hieran geloben wir nicht 
blos in Schrift und Erz zu bewahren, sondern auch in ui.sere Herzen einzu- 
graben. 

Ausser Stande, neues Lob dem Copernicus zu spenden, will ich Eure 
Zeit nicht weiter in Anspruch nehmen. Der Ruhm eines solchen Mannes ist 
derartig, dass er durch Worte vielleicht abgeschwächt, niemals aber erhöht 
werden kann. 

r>Die Himmel erzählen seine Wireh( 

»Glücklicher Copernicus!'« Ein Denkmal, das kein Andrang der Stürme, 
kein Alter der Zeit, keine Wuth der Menschen (das schrecklichste aller 
Schrecken) zu vernichten vermag; ein Denkmal, stolzer und dauernder als 
die gefeierten Riesenbauten Cariens imd Aegyptens, hast Du Dir in den 
Sternen selbst errichtet. So lange der Menschen Augen zum Himmel auf- 
blicken und der Gestirne wunderbare Schaaren und Bahnen anschauen, wird 
Dein Name, der Du ihnen Recht und Gesetz zu geben wagtest, gefeiert 
werden. 



82 



Tuque Sol, qui mundi thronum eius ope a mortalium superbia 
et siiperstitione vindicatum obtines, quique, quatuor ab eo nato 
vix nondum exactis magnis annorum orbibus, gemiüas uationes 
Germanicam atqiie Italicam post varias vices rerum , post multos 
exaiitlatos labores taiidem aliquando favente Deo in sua jura re- 
stitutas vidisti , possis utramqiie gentem Assertori tuo dilectam in 
omne aevum conjunctis gressibus progredientem videre! 

Unter den Deputirten der Deutschen Universitäten- 
wurde zunächst auf die Redner-Bühne geleitet der Vertreter Leip- 
zigs als der einzigen ausserpreussischen Hochschule, welche die 
Feier beschickt hatte. Prof. Dr. Bruhns, Director der Sternwarte 
zu Leipzig, sprach: 

Im Namen der Universität Leipzig spreche ich der Stadt 
Thorn und dem Comite, welches sich zur Feier des 400jährigen 
Geburtstages Copernicus' gebildet hat, den herzlichsten Gruss aus. 
Die Universität Leipzig steht zu der Stadt Thorn in einer ganz 
besonderen Beziehung; eine grosse Anzahl Thorner Söhne voll- 
bringen einen Theil ihrer Studienjahre an der Universität Leipzig. 
Dieser Zug der Thorner nach Leipzig ist schon ein altes Her- 
kommen, da unter den Stipendien, welche die Leipziger Universität , 
besitzt, die Thorner einen hervorragenden Platz einnehmen. Wenn 
nicht durch verwandtschaftliche Verhältnisse veranlasst Copernicus 



Und Du, Sonne, die Du durch ihn den vom Hoelimuth und Aberglauben 
der Menschen zurückgewonnenen Thron wieder inne hast, die Du, nach 
Verlauf von vier Jahrhunderten, nach manchem Wechsel der Dinge, nach 
vieler Noth und Drangsal , endlich die beiden Völker, das deutsche 
und das italienische, mit Gottes Hülfe in ihre Rechte wieder ein- 
gesetzt hast, möchtest Du immer beide Nationen, die Dein Be- 
freier liebte, in den Werken des Krieges und des Friedens durch 
alle Zeiten vereint und gemeinsam vorwärts schreiten sehen!« 



8H 



nach der Jagelionischen Universität gegangen wäre, würde sein 
Weg sicher nach Leipzig gewesen sein ; denn der vertraute Freund 
des Copernicus , Rhaeticus , der die Herausgabe seines Werkes : 
)^De revolutionibus« veranlasste, gehörte auch eine Zeitlang der 
Leipziger Universität an. 

Ich freue mich noch als Director der jüngsten neuerbauten 
Sternwarte in Deutschland hier die Stadt Thorn begrüssen zu kön- 
nen. Ich brauche wohl kaum zu versichern, dass die auf Coper- 
nicus' Grundlagen beruhenden Lehren der Astronomie auch auf der 
Leipziger Sternwarte gepflegt werden ; aber zur besonderen Freude 
gereicht es mir, mittheilen zu können, dass, als der Bau der Stern- 
warte vollendet war, der erste Schmuck, der sie zierte, die Büste 
des Copernicus gewesen ist. 

Mit grosser Freude habe ich, als ich gestern zum ersten Male 
die Stadt Thorn gesehen, bemerkt, wie hoch hier das Andenken des 
»Terrae motor solis caelique stator« in Ehren steht. Ein Monu- 
ment mit dieser Inschrift ruft der Gegenwart die grossen Verdienste 
des Thorner Bürgers ins Gedächtniss und verkündet sie den zu- 
künftigen Geschlechtern, und auch das Geburtshaus ist mit einer 
einfach würdigen Bezeichnung versehen. Dazu kömmt noch, dass 
der Copernicus -Verein den Jubeltag durch die Herausgabe des 
klassischen Werkes des Copernicus möglichst getreu nach dem 
Original in echt wissenschaftlicher Weise begeht und die Astro- 
nomie mit demselben so sinnig beschenkt. Ich freue mich daher, 
das grosse Glück zu haben, der Stadt Thorn und dem Copernicus- 
Verein in dieser Stadt den herzlichsten Glückwunsch der Univer- 
sität Leipzig und den innigsten Dank der Astronomie aussprechen 
zu können. 

6* 



S4 



Dem Vertreter Leipzigs folgte der Abgesandte der be- 
imchbarten Hochschule Halle- Wittenberg, Geh. Reg.-Rath 
Dr. Knoblauch: 

Die vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Witten- 
berg sendet der Stadt Thorn, insonderheit Denen, welchen die 
Feier des grössten Namens ihrer Geschichte am Herzen gelegen, 
den Ausdruck ihrer aufrichtigsten Sympathie. Sie legt einen 
besondern Werth darauf, bei dieser Feier durch eines ihrer Mit- 
glieder sich betheiligt zu wissen, indem sie mit Stolz sich erinnert, 
dass derselbe Rhäticus einst an der Hochschule Wittenberg ge- 
wirkt, dem es im Verein mit Oslander vergönnt war, das welt- 
berühmte Werk des Copernicus äusserlich zu vollenden, welches 
zugleich der Schwanengesang dieses grossen Astronomen werden 
sollte. 

Wenn die gelehrten Corporationen von nah und fern, ja 
selbst jenseit der Marken unsers Vaterlandes, zu einer Copernicus- 
Feier in so grosser Zahl ihre Vertreter sandten aus den Gebieten 
der Astronomie, Mathematik, Physik, Geographie, der Geschichte, 
der Sprachforschung, haben sie damit nicht sowohl eine der 
grossesten, scharfsinnigsten Entdeckungen, eine über die Grenzen 
besonderer Disciplinen weit hinausragende ehren , als vielmehr 
bekunden wollen, dass sie in dem Namen Copernicus mit der 
wissenschaftlichen eine weltgeschichtliche Entdeckung 
verknüpfen. Denn sie sind sich bewusst, dass die Geistesthat, 
welche den Namen des »Copernicanischen Systems« trägt, nicht 
nur an die Stelle geistreichster, aber verwickelter, Combinationen 
den einfachen Ausdruck der Wahrheit setzte, welcher uns 
befähigt, den grossen Gedanken der Schöpfung noch einmal zu 



85 



denken . sondern auch — gegenüber den Mächten , welche (und 
nicht nur vor 4 Jahrhunderten) das gesamrate Weltall gleichsam 
als ihr Filial betrachteten — die Befreiung des Gledankens 
selber vollzog, die Begründung des nur sich selbst verantwort- 
lichen, mehr noch als durch seine Vergangenheit, durch seine 
Zukunft mächtigen Ringens nach Wahrheit. 

Diese Anerkennung ist der Lorbeerkranz, welchen die Uni- 
versitäten und Academien auf das 400jährige Gedächtniss des 
grossen Bürgers von Thorn legen. 

Im Namen der Universität Breslau hielt Prof. Dr. 
Galle, Director der Sternwarte zu Breslau, die nachstehende 
Rede ; 

Von Seiten der Universität Breslau habe ich dem 
wissenschaftlichen Verein dieser Stadt, welcher das heutige Fest 
veranstaltet, und der Stadt selbst die Glückwünsche von Rector 
und Senat zu der ruhmreichen Erinnerung zu tiberbringen, welche 
diese Feier veranlasste, und den Dank für die Einladung zu der- 
selben. Dieser gern Folge zu leisten, glaubte der Senat noch 
besonderen Anlass in dem Umstände finden zu müssen, dass 
Breslau ein Sammelpunkt für die Studirenden sowohl aus Schle- 
sien als aus Posen ist, und diese Provinzen in gewissem Masse 
gleichzeitig vertritt, die der Heimath-Provinz des Copernicus, 
Preussen, die nächstliegenden sind. Wenn irgend eine der deut- 
schen Universitäten auf den internationalen Charakter dieser 
Erinnerungsfeier an Copernicus einen besondern Werth zu legen 
hat, so ist es die Universität Breslau, wo an der Grenze der 
deutschen und slavischen Nationalitäten diese in der wissenschaft- 
lichen Seite der Feier sich vereinigen 



86 



Ausser von der Universität bin ich noch von Seiten des 
Präsidiums der Schlesischen Gesellschaft für vaterlän- 
dische Cultur beauftragt, ein Schreiben zu überreichen, welches 
dem Copernicus- Verein die gleichen Glückwünsche und den Dank 
ausspricht, dass derselbe diese über blos nationale Interessen 
hoch sich erhebende Feier veranstaltete. — Ein so eben mir noch 
zugegangenes telegraphisches Glückwunsch -Schreiben von dem 
wissenschaftlichen Verein der Stadt Reichenbach giebt die 
Theilnahme Schlesiens an dem heutigen Feste aus derjenigen 
Gegend — unweit Frankenstein — kund, von welcher eine in 
neuester Zeit in Thorn aufgefundene Urkunde gezeigt hat, dass 
in diesen Grenzlanden entweder die Vorfahren des Copernicus 
selbst , oder doch Verwandte von diesem zu suchen sein : was 
nicht verfehlen konnte, in Schlesien ein weit sich verbreitendes 
Interesse zu erregen. 

Als der letzte unter den Vertretern der Deutschen Hochschulen 
sprach der Prorector der Preussischen Landes-Uni- 
versität Königsberg, Prof. Dr. Caspary: 

Als Verti*eter der Universität Königsberg, welche mit dieser 
alten, ehrwürdigen Stadt in derselben Provinz liegt und mit ihr 
daher durch viele gemeinsame Beziehungen verbunden ist, zugleich 
in Vertretung einer der naturwissenschaftlichen Schwester-Gesell- 
schaften dieser Provinz, der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft 
zu Königsberg, deren schriftlichen Festgruss ich hiermit dem Co- 
pernicus- Verein zu überreichen die Ehre habe, — stehe ich hier 
gleichsam unter Bekannten auf heimathlichem Boden und kann 
mich daher kurz fassen. Sei es mir gestattet, meinen Dank und 
meine Freude darüber dem Copernicus- Verein auszusprechen, dass 



87 



er, in richti^ier Erkeiintuiss der hohen Bedeutung' des Begründers 
der heute geltenden Lehre der Bewegung der Himmelskörper, eine 
so würdige und erhebende Feier des vierhundertjährigen Geburts- 
tages des Copernicus veranstaltet hat! Copernicus hat ja nicht 
bloss für die Astronomie, sondern für die freie, von äusserer 
Autorität unabhängige, Forschung in allen Gebieten des Geistes 
hohe Bedeutung. Durch die von ihm erkannte und ausgesprochene 
astronomische Wahrheit wurde zum ersten Male in die Mauer 
starrer kirchlicher Orthodoxie eine Bresche geschossen; denn die 
damalige Lehre des Verhältnisses der Erde zur Sonne war zugleich 
ein Glaubensartikel, gestützt auf die Autorität der Bibel. Seit der 
Zeit des Copernicus hat die Naturwissenschaft zwar zahlreiche 
andere Breschen in die Mauer starren kirchlichen Bekenntnisses 
geschossen, dennoch ist dieselbe noch nicht gefallen. Ob wir 
schon dazu gelangen werden, an dem entscheidenden Kampfe 
Theil zu nehmen, der die äussere Autorität im Gebiete religiöser 
Erkenntniss endlich niederwirft und uns Freiheit von dem Zwange 
der Zumuthung schafft, uns fortgesetzt unter ein kirchliches Be- 
kenntniss und unter kirchliche Einrichtungen vergangener Jahr- 
hunderte unterzuordnen, die unseren heutigen Anschauungen und 
Bedürfnissen zum grössten Theil völlig fremd geworden sind, — 
das lässt sich nicht voraussehen. Ob aber der entscheidende 
Kampf nah oder fern ist, folgen wir stets dem Beispiel der Treue 
und Hingebung an die Wahrheit, das Copernicus uns vorhält, auf 
allen Gebieten , wo wir den Irrthum erkennen , und mögen wir 
warm uns von der Pflicht durchdrungen fühlen, Wahrheit an seine 
Stelle zu setzen! Sind wir so stets auf der Wache, dann wird 
es uns an innerer Weihe nicht fehlen, wenn die Zeit kommt, und 
eintreten wird sie sicher, in welcher auch die Kirche und Theo- 



88 



logie, diirclidningen von dein Wesen des Geistes der Wahrheit, 
die Bahn der Freiheit hetreten wird, indem durch Schöpfung 
gesetzlich geregelter Organe , welche fortgesetzt aus dem freien 
Bewusstsein der Gemeinde heraus dem Fortschritt der Erkenntniss 
in religiösen und sittlichen Dingen einen der Zeitanschauung ent- 
sprechenden Ausdruck im Bekenntniss zu geben vermag, dem 
starren tödtenden Buchstabendienst ein Ende gemacht wird. 

Aus der Reihe der übrigen Deputirten betrat zuerst die 
Rednerbühne der Stadt-Schulrath Dr. Cosack aus Dan zig: 

Auch die Schwesterstadt Danzig sendet zum heutigen Coper- 
nicus-Jubeltage durch meinen Mund den hochgeehrten Festgenossen 
freudigen Gruss und Glückwunsch. Sie schliesst sich dadurch 
nicht ohne das wohlberechtigte Gefühl heimathlichen Stolzes allen 
denjenigen an, welche von nah und fern nach Thorn gekommen 
sind, um an der Stätte der Geburt das Andenken des Mannes 
festlich zu begehen, der auf dem ganzen gebildeten Erdkreis als 
der kühne und geniale Reformator astronomischer Wissenschaft, 
ja als Schöpfer derselben gelten wird, so lange der Himmel sich 
über uns wölbt und die Erde nach ewigen Gesetzen ihre Bahn um 
die Sonne vollendet. 

Die gastliche Stadt, das wackere Thorn, welches seit Jahr- 
hunderten fest und treu die Wacht deutscher Sitte und deutscher 
Bildung am Weichselstrome hält, hat die Ehre, diesen Mann als 
ihren Sohn und ihr unschätzbares Kleinod bezeichnen zu können ; 
aber sie hat auch das hohe Verdienst, dasselbe nicht nur undank- 
barer Vergessenheit zu entreissen, sondern es mit liebender Sorg- 
falt zu hegen und Alles aufzubieten, um es in dem rechten Licht 



89 



und Glänze der Wahrheit erscheinen zu lassen. So steigert sich 
denn Gruss und Glückwunsch zu dem Dank gegen den Verein, der 
zunächst seinem Copernicus die Ehre geben wollte, die ihm ge- 
bührt: der aber sich nicht begnügte, nur sein Denkmal in Erz 
aufzuführen, sondern als ein monumentum aere perennius in des 
Meisters Namen hochhielt und hochhält das Panier freier For- 
schung und geistiger That auf dem Gebiete der Wissenschaft. 
Das dankt dem Thorner Copernicus- Verein vor allem die Provinz 
des preussischen Vaterlandes, welche weitab von dem Herzen 
Deutschlands gelegen, doch den lebendigen Pulsschlag gleicher 
Cultur in sich fühlt und sich eins weiss mit allen geistigen Be- 
strebungen, welche idealem Fortschritt huldigen. Solchen Dank 
aber am Tage der 4. Säcularfeier von Nicolaus Copernicus der 
Stadt Thorn und ihrem hochautblühenden Copernicus-Vereine offen 
und laut auszusprechen, ist freudige Pflicht für den Vertreter des 
westpreussischen Danzig, zumal er noch speciell im Namen und 
Auftrage der drei hohen Bildungsstätten der Vaterstadt die ganz 
besondere Theilnahme auszudrücken hat, welche die Lehrercolle- 
gien des Gymnasiums, der Realschulen zu St. Petri u. St. Johan- 
nis an dem Jubelfeste nehmen. Sie selbst, beredter als ich, sind 
Dolmetscher ihrer Gefühle und Gesinnungen geworden und haben 
unter dem Klange der Alcäischen Leier ein Festcarmen dem Co- 
pernicus-Cultus geweiht. Mir -gereicht es zur Freude und Ehre, 
Ihnen diese Ode zu tiberreichen und um Aufbewahrung der- 
selben in Ihrem Archive zu bitten. Mein Schlusswort aber sei 
das d^s Dichters: Freue dich mein Preussen, freue dich, du 
Vaterstadt Thorn, ihr nehmet Theil an himmlischer Ehre! Gaude 
tu, mea Prussia, tu, Thorunum natalc , gaude, aetherii comitcs 
honoris ! " 



90 



Danzig hatte zu dem hohen Feste der Schwesterstadt noch 
einen zweiten Vertreter entsendet, den Director der natur forsch en- 
Gesellschaft Prof. Dr. Bail. Die Ansprache desselben lautete: 

Obwohl die naturforschende Gesellschaft zu Danzig, der Stadt 
des Hevelius, den heutigen Tag selbst festlich begeht, war es ihr 
doch Bedürfniss. sich an demselben in Thorn persönlich vertreten 
zu wissen. Sie hat deshalb mich, ihren Director, a])gesandt, um 
der Stadt Thorn, vor Allem aber dem geistigen Mittelpunkte der- 
selben, die herzlichsten Glückwünsche darzubringen. Dies zu 
meiner Rechtfertigung, wenn ich an dieser Stelle, von welcher aus 
so eben die Vertreter von Rom, Bologna, Leipzig, Halle und Bres- 
lau gesprochen haben, als zweiter Redner aus der nahen Stadt 
Danzig auftrete. Es reicht durch mich die Naturforschende Ge- 
sellschaft zu Danzig dem Copernicus-Vereine die Schwesterhand. 
Sie fühlt sich vereint mit ihm, da auch sie während der 130 Jahre 
ihres Bestehens stets gewahrt hat das Recht freier Forschung, da 
beide Gesellschaften sieh betrachten dürfen als Pflanzstätten der 
Wissenschaft in Westpreussen, und da drittens das verknüpfende 
Band zwischen beiden die Astronomie bildet, der die eine geradezu 
den Namen verdankt, während ihr die andre gleichfalls von jeher 
einen hervorragenden Cultus geweiht. Es beglückwünscht unsre 
Naturforschende Gesellschaft durch mich den Copernicus- Verein 
zu den schönen Erfolgen, die derselbe durch sein unermüdliches 
Streben trotz aller sich entgegenstellenden Hindernisse bereits er- 
rungen hat. Möge, wenn nach 100 Jahren dieser Tag sich erneut, 
und wenn er abermals, ja so oft er wiederkehrt, er den Coper- 
nicus- Verein und die Stadt Thorn auf derselben Höhe der Ent- 
wickeluug finden, mögen sich die Bürger derselben wie heut aus- 



> 



91 



zeichnen durch echt deutsche Gesinnung und durch Hochschätzung 
der Wissenschaft, möge auch dann blühen eine von Anniuth und 
Geist geschmückte Damen-Flora (gestatten Sie den Ausdruck dem 
Botaniker) , deren Betheiligung an dem heutigen Feste mit Freude 
begrüssen die dankbaren Gäste der Stadt Thorn! 

Den Festesgruss aus der Nachbarstadt Culm überbrachte Gymn. 
Oberlehrer Dr. Schultz. Der Redner gedachte der freundnach- 
barlichen Verhältnisse, in denen Thorn stets zu der gleichaltrigen 
Stadt Culm gestanden ; er bat, man möge den von dort kommen- 
den Glückwunsch zum Feste zugleich als Ausdruck des Dankes 
betrachten des gesammten deutschen Culmerlandes — das, gemein- 
sam mit Thorn, treue Wacht halte an den Grenzmarken des Deutsch- 
thums gegen den Polonismus. 

Die Ansprachen der Ehrengäste schlössen mit einer längeren 
Rede, welche Dr. Thompson hielt, früher Vice-Präsident, gegen- 
wärtig auswärtiger Secretair der geographischen Gesellschaft zu 
New-York. Derselbe war, von reinster Begeisterung für den Zweck 
der Copernicusfeier getrieben, aus freien Stücken von Berlin her- 
beigeeilt, um die Festesgrüsse aus der andern Hemisphäre zu 
überbringen. Als Oberbürgermeister Bollmann — welcher die 
Vorstellung der fremden Festredner übernommen hatte — den 
Vertreter Nordamerika's zur Rednerbühne geleitete, ward Dr. 
Thompson mit freudigem Zurufe empfangen , welcher sich zu 
lautestem Beifallsdanke steigerte, als er die schwungvolle mit 
dem Feuer der Begeisterung vorgetragene Rede in dem fremden 
Idiom beendete: 

I am proud and grateful to participate in this Festival, and 
to bring the respects and compliments of the American Geographical 



92 



Society to thc Copernican Society of Science and Art, to the 
honorable Coimcillors and Magistrates of Thorn , and to her ho- 
spi table Citizens. 

Could I unfurl the flag of my country, its whole constellation 
of seven and thirty stars, and its stripes of auroral light, would 
dip in salutation to the name which you here honor, as belong- 
ing not alone to Thorn, to Preussen, nor to Germany, but to the 
World and to the centuries. 

All honor to the birth-place of Copernicus! When he made 
the Sun the center of the System, he made Thorn the center of 
the earth — at least upon his birth-day ; and to-day the eyes of the 
whole scientific world are turned toward you with admiration, 
unmixed with envy. I do not wonder that races and nationalities 
contend for the honor of Copernicus — as cities of Greece contended 
over the birth of Homer. Like those brilliant meteors that flame 
across the sky, leaving no trace of their origin, — though we 
watch and note the point and instant of their going out — so his 



("Ich bin stolz und dankerfüllt, dass es mir vergönnt ist, an diesem Feste 
Theil zu nehmen, als Ueberbringer der achtungsvollen Grüsse der »Amerika- 
nischen Geographischen Gesellschaft« an den Copernicus- Verein für Kunst 
und Wissenschaft zu Thorn, an die ehrenwerthen Behörden, an die gastfreund- 
lichen Bürger der Stadt. 

Könnte ich hier das Banner meines Vaterlandes entfalten, es würde mit 
all seinen sieben und dreissig Sternen, mit seinen dem lichten Morgenroth 
gleichen Streifen, sich im Grusse neigen vor dem Namen, welchen Sie heute 
hier feiern. Dieser Name gehört nicht Thorn allein an, nicht Preussen, nicht 
Deutschland, — sondern der Welt und den Jahrhunderten. Ehre sei dem 
Geburtsort des Copernicus ! Als er die Sonne zum Centrum des Sternensystems 
machte, erhob er Thorn zum Centrum der Erde, wenigstens an seinem Ge- 
burtstage. Die Augen der ganzen gebildeten Welt richten sich heute in neid- 
loser Bewunderung hieher. Ich begreife, dass Nationen und Eacen sich um 
die Ehre streiten, Copernicus zu besitzen, wie einst die Städte Griechenlands 
sich um Homer stritten. Gleich jenen strahlenden Meteoren, welche wir durch 
das Firmament hinflammen sehen , ohne eine Spur ihres Anfangs zu haben, 



93 



illustrious life, so luminous and beautiful in its close, may have 
left bis antecedents obscure. Poles and Germans may dispute bis 
parentage; but I would find tbe prototype of bis gcnealogy in 
tbat Oriental Priest and king Melcbisedec, wbo figures so grandly 
ou tbe early page of Jewisb bistory , dispensing gifts and 
blessings to races yet unborn. As of Melcbisedec, so of Coper- 
nicus in tbe grandeur of bis individuality it may be said tbat be 
was »witbout fatber, witbout motber, witbout pedegree, baving 
ueitber beginning of days, nor end of life« ; but tbe wise and good 
of every race and clime come up to worsbip in tbat temple of 
Science wbere be is tbe cbief Priest, and are enrolled in tbat 
kingdom of knowledge and trutb wbere be rules. To tbat goodly 
Company I would bring tbe tribute of a land wbicb, wben be rose 
upon tbe world , was still a savage wilderness , of more savage 
men. Over all tbat land to-nigbt, tbe silent watcbers of tbe 
Stars in every observatory — aloug tbe Atlantic slope, in tbe vast 



obwohl wir Ort und Zeit ihres Erlöschens beobachten — so' hat auch des 
Copernicus ruhmwürdiges Leben, strahlend und schön im Abschluss, seinen 
Anfang in Dunkel gelassen. Mögen Polen und Deutsche sich um die Natio- 
nalität des Copernicus streiten — ich finde das Urbild seines Stammbaums 
in jenem orientalischen Priesterkönige Melchisedech , welcher uns auf den 
ersten Blättern der hebräischen Geschichte, als eine so grossartige Erschei- 
nung entgegentritt, indem er Gaben und Segnungen noch ungebornen Ge- 
schlechtern austheilt. Wie von Melchisedech, kann auch von Copernicus 
in der erhabenen Grösse seiner Erscheinung gesagt werden, er sei »ohne 
Vater, ohne Mutter, ohne Geschlecht und habe weder Anfang der Tage noch 
Ende des Lebens.« Aber die Weisen und Guten jedes Volkes, jeder Zone 
kommen, um anzubeten in jenem Tempel der Wissenschaft, wo er der Höhe- 
Priester ist; sie lassen sich aufnehmen in das Reich des Geistes und der 
Wahrheit, wo Er der Herrscher ist! 

Dieser würdigen Genossenschaft überbringe ich den Tribut meines Lan- 
des, welches, als Copernicus der Welt aufging, noch eine wilde Wüstenei 
mit noch wilderen Menschen war. Heute Nacht aber werden in jenem ganzen 
Lande die stillen Sternenwächter aller Warten von dort, wo es sich zum 



94 



basin of tlie Mississippi, and on the far-off shore of tbe Pa- 
cific — tbese watcbers of tbe stars will tbink npon Copernicus, by 
wbose laws tbey know tbe movements of tbe beavens, and wbose 
calculations verify tbeir observations. In bis own glowing words, 
be »sct tbe lamp of tbe world, tbe Sun, in tbe midst of tbe 
beautiful tcmple of Nature , as on a kingly tbrone , ruling tbe 
wbole family of stars tbat revolve aronnd bim«. So be too sits 
entbroned, and Galtlei, Kepler, Newton, Laplace, revolve 
around bim as tbeir central ligbt. 

Bacon of Verulam, wbo never fuUy accepted bis tbeory, said, 
»tbe opinion of Copernicus toucbing tbe rotation of tbe eartb 
cannot be refuted, but may be corrected«. 

In some minor points it bas been corrected — as for in- 
stance , bis tbird motion of tbe eartb , tbat of declination in tbe 
axis, and bis mode of accounting for tbe precession of tbe equinoxes, 
were dispensed witb; bis ingenious and complicated epicycles 
for explaining tbe eccentricities of tbe planets, were set aside by 



atlantischen Meere senkt, durch das weite Becken des Missisippi hin, bis zur 
fernen Küste des stillen Oceans, — alle diese SternenwUchter werden heute 
mit Andacht des Copernicus gedenken, durch dessen System ihnen die 
Bewegung des Himmels erschlossen und durch dessen Bereclinungen die 
Wahrheit ihrer Beobachtungen verbürgt ist. Wie Er, um mit seinen eignen 
glühenden Worten zu sprechen, »die Sonne als die Leuchte der Welt in die 
Mitte des schönen Tempels der Natur stellte, wo sie, wie von königlichem 
Throne, die ganze Familie der sie umkreisenden Sterne beherrscht«, — so 
sitzt auch Er auf dem Throne, und Galilei, Kepler, Newton und Laplace 
um ihn herum als ihre Central-Sonne. 

Baco von Verulam, der seine Theorie niemals vollständig anerkannte, 
sagte doch : »die Ansicht des Copernicus in Betreif der Erde kann nicht 
widerlegt, wohl aber verbessert werden.« In wenigen Nebenpunkten ist sie 
verbessert worden. So hat man z. B. seine dritte Bewegung der Erde, die 
der Neigung der Axe und seine Erklärung für das Vorrücken der Nacht- 
gleichen aufgegeben, seine gelehrten und verwickelten »Nebenkreise« (Epicy- 
keln), als Erklärung für die Abweichung der Planeten, wurden durch Keplero 



05 



Kepler's laws ; and the final Solution of all was gathered up by 
Newton in the sublime law of gravi tation. But these corrections 
and improvements of the System of Copernicus grew out of bis 
own principles and metbods ; tbey were all in tbe line of tbat 
simplicity and symmetry wbicb be establisbed: and as Bacon 
said, bis System bas not been, and cannot be, refuted. And tbis 
was because of tbe aim and tbe metbod of Copernicus in bis 
studies. Tbrougb tbese bis wortb to us as a teacber is even 
greater tban bis glory as a discoverer. We sball best bonor bis 
memory by imitating bis virtues; — tbat patience wbicb 
sustained bim tbrougb tbe most laborious calculations of tbe bigber 
matbematics; tbat modesty wbicb led bim to keep back for 
more tban tbirty years tbe publication of bis book, because be 
would test bis tbeory to tbeutmost; tbat independence wbicb 
led bim to tbrow off traditions and conventionalities , to put bis 
Matbematics against Majorities, and to follow strictly tbe patb of 
scientific investigation ; tbat confidence in Trutb wbicb led 



Gesetze beseitigt, und die Lösung aller dieser Fragen wurde schliesslich 
gefunden und zusaunncngefasst in Newtons erhabenem Gravitations-Gesetze. 
— Aber diese Berichtigungen und Forteutwickelungen des Copernicanischen 
Systems entsprangen aus dessen Principien, folgten seiner Methode; sie 
geschahen ganz in dem Geiste der Einfachheit und Symmetrie, welchen er 
eingeführt hatte. Sein System ist, wie Baco sagte, nicht widerlegt, noch je 
zu widerlegen. Und der Grund iiievon liegt in dem Ziele uud der Methode 
der Studien des Copernicus. Durch diese ist sein Werth als Vorbild und 
Lehrer für uns noch grösser, denn sein Ruhm als Entdecker. Wir werden sein 
Andenken am besten durch die Nachahmung seiner Tugenden ehren: jener 
Geduld, welche ihn durch die schwierigsten Berechnungen der höheren 
Mathematik ausharren Hess — jener Bescheidenheit, welche ihn während 
mehr als .'{0 Jahre von der Veröffentlichung seines Werkes zurückhielt, Aveil 
er seine Theorie bis zum Aeusscrsten erproben wollte — jener Selbststän- 
digkeit, welche ihn ermuthigte Ueberlieferungen und herkömmliche An- 
nahmen abzuwerfen, seine Mathematik den Majoritäten entgegenzustellen, 
und den Pfad wissenschaftlicher Forschung unbeirrt zu verfolgen — jener 



96 



him to say »tlie thoiiglits of a philosopher do not depend upon the 
judgment of the mniiy : his study is, as permitted by God, to 
seek out Truth.« And this reminds us of that immortal saying 
of Kepler when he had veiified his own laws, — »I think thy 
thoughts after Thee , God ! I can well wait a Century for a 
reader, since Thou hast waited six thousand years for an ob- 
server«. It is this devotion to truth that makes one the master 
of Nature in his discoveries, and the master of Time in his fame. 
At this point I feel again how the name of Copernicus links 
itself by association with my native land. The history of know- 
ledge shows that, at certain eras, there are magnetie lines of 
thought that quicken simultaneously minds in different countries, 
whose names and discoveries brought together make their Century 
famous. Copernicus had reached his majority, and was already 
deep in astronomy, when Columbus, strong in his faith that the 
earth was round, sailed westward to the Indies and found a 
continent. Strong in the faith that the earth was round, and that 



Zuversicht auf die Wahrheit, welche ihn sagen Hess: »die Gedanken des 
Philosophen hängen nicht vom Urtheil der Menge ab, sein Studium ist, so- 
weit es Gott gestattet, die Wahrheit zu suchen«. — Dies erinnert uns an den 
unsterblichen Ausspruch Keplers, als er die Richtigkeit seiner Gesetze 
bewiesen hatte : »ich denke Deinen Gedanken nach, o Gott ! Wohl kann ich 
ein Jahrhundert auf einen Leser warten, da Du doch sechs Jahrtausende 
auf einen Erklärer wartetest«. — Dieses Vertrauen auf die Wahrheit lässt 
den Forscher durch seine Entdeckungen die Natur Überwinden und die Zeit 
durch seinen Ruhm. 

An dieser Stelle fühle ich wieder, wie der Name Copernicus sich durch 
eine besondere Gedanken-Verbindung mit meinem Vaterlande verknüpft. Die 
Geschichte der Wissenschaft beweist, dass es zu gewissen Zeiten magnetische 
Gedanken-Strömungen giebt, welche gleichzeitig Geister in verschiedenen 
Ländern erregen, deren Namen und Entdeckungen dann mit einander ver- 
knüpft ihr Jahrhundert berühmt machen. — Copernicus stand schon im 
Mannesalter, war tief versenkt in das Studium der Astronomie, als Columbus 
fest in dem Glauben, die Erde sei rund, westwärts nach Indien segelte und 
einen neuen Erdtheil fand ; — fest in dem Glauben, die Erde sei rund und 



97 



it moved round lipon its axis. Copernicus launclied fortli upon his 
more adventurous voyage into the unknown and the infinite, and 
there found the central sun. There liad been discoverers of 
America before Columbus : but the moundbuilders of the Mississippi 
Valley and the later Northmen on the Atlantic coast left no impress 
upon human civilization. Before Copernicus there were pioneers 
into the planetary Spaces, who made guesses at truth; but as 
Columbus made his discovery for Man, so Copernicus made his 
discoveries for Science. More fortunate than Columbus he gave 
his name to his discoveries, and the Copernican System is written 
over all the heavens. This earth in its diurnal and annual re- 
volutions exhibits his birth-place to star after star. No one 
Country can monopolize him as her son; no one Church can 
enshrine him as her saint ; nor time nor distance can obscure his fame; 
even the eclipses that darken the face of the sun. throw into 
bolder relief that System of Copernicus by which their coming is 
predicted and timed. 



bewege sich um ihre Axe, wagte Copernicus auf seiner noch abenteuerlicheren 
Reise sich hinaus in das Unbekannte und Unendliche, und fand dort die 
Centralsonne. 

Es hatte schon Entdecker Amerikas vor Columbus gegeben; aber die 
Erdhiittenbauer im Mississippi-Thal, und die späteren Nordmänner an der 
Küste des Atlantischen Meeres blieben ohne Einfluss auf die menschliche 
Civilisation. Vor Copernicus hatten auch Pioniere im Planetenraum gearbeitet, 
welche die Wahrheit dunkel ahnten: aber wie Columbus seine Entdeckung 
für die Menschen, so machte Copernicus die seine für die Wissenschaft. Glück- 
licher als Columbus, hat Copernicus seinen Entdeckungen auch seinen 
Namen gegeben, und das Copernican ische System ist mit Sternenschrift 
an die weite Himmelsdecke geschrieben. Die Erde zeigt bei ihrer täglichen 
und jährlichen Umdrehung den Geburtsort des Copernicus einem Sterne nach 
dem andern. Kein Land kann ihn ausschliesslich als seinen Sohn bean- 
spruchen, keine Kirche ihn als ihren Heiligen anbeten; nicht Zeit, nicht Ent- 
fernung können seinen Ruhm verdunkeln; selbst die Finsternisse, welche uns 
das Antlitz der Sonne entziehen, lassen nur in um so kühneren Umrissen 



08 



In renewing- my tlianks to the Copernican Society and to the 
honorable Committee for the generous and brilliant courtesies of 
this oecasion, you will expeet me to say a word touching the 
interests of Science in the United States ; — your time, however, 
requires that this shall be very brief. In the present generation 
a strong impulse has been given to physical science, and not 
only to those departinents which have a practical value through 
their application to the arts of life, but to those which cherish 
Science for its own sake. The oldest Universities have established 
schools of Science, in which the Student may be carried as far as 
in the Universities of Europe. The Government also has endowed 
such schools with grants of money and of land, and private 
munificence has enriched some of these with Museums which will 
compare favorably with those of this Continent. While such 
names as Agassiz, Dana, Draper, Henry, Newberry, Pierce, 
and others are already honored in the world of Science, a host of 



das System des Copernicus hervortreten, durch welches die Zeit ihres Erschei- 
nens längst vorherbestimmt ist. 

Indem ich dem Copernicus- Verein und dem verehrten Festcomite noch- 
mals meinen Dank für die freundliche und glänzende Aufnahme bei dieser 
Feier ausspreche, werden Sie erwarten, dass ich mit einigen Worten erwähne, 
welch ein Interesse für die Wissenschaft in den Vereinigten Staaten herrscht. 
Ihre Zeit verlangt indessen, dass dies nur in Kürze geschieht. 

Die gegenwärtige Generation hat den Naturwissenschaften einen mächtigen 
Aufschwung gegeben, nicht nur in jenen Zweigen, welche durch Anwendung 
auf die täglichen Lebensbedürfnisse von praktischem Nutzen sind, sondern 
auch in jenen, welche die Wissenschaft um ihrer selbst willen pflegen. Die 
ältesten Universitäten haben wissenschaftliche Schulen errichtet, in denen die 
Studenten ebenso weit wie auf den Europäischen Universitäten gefördert 
werden. Die Regierung hat diesen Schulen Geld und Ländereien geschenkt; 
Privat-Freigebigkeit hat einige von ihnen mit Museen ausgestattet, welche 
sich Wühl mit denen dieses Continents messen können. Während Namen 
wie Agassiz, Dana, Draper, Henry, Newberry, Pierce und andere 
schon geehrt in der wissenschaftlichen Welt dastehn, werden von einer Schaar 
jüngerer Männer, welche in den besten Methoden geschult sind, einzelne 



99 



younger men, trained in the best methods, are pursuiiig specialties 
witli promising- success. The Government lias given encourage- 
nient and occupation to men of Science in its coast-survey, and its 
geological explorations of the interior; and, in the interests of 
Science at large, it has explored the Dead Sea, and is now aiding 
in the survey of Palestine beyond the lordan ; it equipped ob- 
servers of the solar eclipse of 1869, with special reference to the 
phenomena of the corona and protuberances ; it has made an 
appropriation for observing the transit of Venus in 1874 — thus 
vieing with older nations in the fellowship of Science ; it has 
provided for a scientific register of atniospheric changes, and it 
has sent a new expedition to the North Pole. Private expeditions 
have explored the coral reefs of the Golf of Mexico; and the 
coasts of South America with reference to Fauna and Flora and 
the traces of glacial action. Astronomy is furthered by several 
well-appointed Observatories, and special attention has been given 
to the phenomena of meteorology and to the Observation of the 



Zweige mit vielversprecliendem Erfolge betrieben. Unsere Kegierung unter- 
stützt und ermutliigt ferner die Männer der Wissenscliaft in ilirer Küsten- 
Aufnahme und der geologisclien Erforschung des Innern; sie liat im all- 
gemeinen Interesse der Wissenschaft das todte Meer erforsclit und wirkt mit 
bei der Bereisung Palästinas jenseit des Jordan; sie hat Beobachte- aus- 
gerüstet für die Sonnenfinsterniss von 18G9 mit besonderem Bezug auf die 
Phänomene der Corona und der Protuberanzen; sie hat Vorkehrungen 
getroffen zur Beobachtung des Durchgangs der Venus von 1874 und wett- 
eifert so mit den älteren Nationen in dem Interesse für die Wissenschaft; 
sie hat für eine wissenscliaftliche Aufzeichnung der atmosphärischen Schwan- 
kungen gesorgt, und eine neue Nordpol-Expedition ausgesandt. Privatunter- 
nehmungen haben die Korallenriffe im Golf von Mexico untersucht, wie auch 
die lausten von Südamerika in Bezug auf ihre Fauna und Flora und die 
Spuren der Eis-Thätigkeit. Die Astronomie wird auf mehreren wohl con- 
struirten Sternwarten gefördert und gepflegt, und ganz besondere Aufmerk- 
samkeit den meteorologis(tl»en Phänomenen und der Beobachtung der Stern- 
schunppen zugewandt. Die Photographie ist zur Fixiiung der Mondphasen 

7* 



100 



shootiiig Stars. Photograpliy has been applied to lunar pliases 
with remarkable skill by M. Rütherford of New York. Our 
Geographica! Society has a library of several thousand volumes 
of Geography and Travel, and a valuable collection of charts. 
It took the lead in the important polar expedition of Dr. Kane, 
and has done much to collect and classify the statistics of the 
country, and to diffuse scientific Information among the people. 
Most heartily would the Society welcome at its monthly reunions 
any of the honored members of tliis Society. I sliall at once re- 
port to the Council the beauty and brilliancy of your Feast, the 
enthusiasm of the people of Thorn for Science, and their Sterling 
Copernican devotion to knowledge and truth. 

But to-day we are assembled not as Americans nor as Ger- 
mans, but as Copernicans ; — as Citizens of Science, which overlaps 
and effaces all distinctions of nation and language. Let us emu- 
late each other in the pursuit of wisdom. True to our great 
leader, let us never be discouraged by difficulties nor intimidated 



von RuTHERPORD in New York mit Erfolg in Anwendung gebracht worden. 
Unsere geographische Gesellschaft besitzt eine Bibliothek von mehreren 
tausend Bänden aus dem Gebiete der Geographie und der Reisen, wie auch 
eine werthvolle Sammlung von Karten. Die Nordpol-Expedition des Dr. Kane 
wurde von uns ins Leben gerufen; auch hat die Gesellschaft sich ganz besonderes 
Verdienst erworben um die Statistik des Landes, so wie um die Verbreitung 
wissenschaftlicher Bildung unter demVolke. Mit aufrichtiger Freude würde unsere 
Gesellschaft jedwedes Mitglied dieses ehrenwerthen Vereins bei ihren monat- 
lichen Zusammenkünften bewillkommnen. Sogleich werde ich an unsern Vor- 
stand einen treuen Bericht senden über den Glanz und die Schönheit Ihres 
Festes, über den Enthusiasmus der Thorner für Wissenschaft und Kunst, 
über ihre echt copernicanische Hingabe an Forschung und Wahrheit. 

Doch heute sind wir hier versammelt nicht als Amerikaner, nicht als 
Deutsche, sondern als Copernicaner, als Bürger der Wissenschaft, welche 
jeden Unterschied der Sprache und Nationalität auslöscht und aufhebt. Lasst 
uns also wetteifern in dem Streben nach Erkenntniss, lasst uns, gleich unserm 
grossen Führer, muthig vordringen, durch Widerstand und Schwierigkeiten 



101 



l)y Opposition. With modesty, yet with confidence, let us follow 
after truth, trusting that we also may do something for tlie benefit 
of mankind ; for, in the words of an American poet : 

The doubts wc vainly seek to solve, 

The truth we know are one; 

The known and nameless stars revolve 

Around the central Sun. 



Nachdem sämmtlichc Ehrengäste gesprochen, welche bei dem 
Festactus das Wort hatten nehmen wollen, betrat Prof. Prowe 
nochmals die Rednerhühne, um im Namen des Copernicus- Vereins, 
wie der Stadt Thorn, mit einigen Worten der Erwiederung auf die 
eben vernommenen Ansprachen der Dankespflicht zu genügen. Er 
wandte sich zunächst an den Regierungs-Präsidenten Grafen Eulen- 
burg mit der Bitte für die huldvolle Anerkennung, w^elche Seine 
Majestät den Bestrebungen des Vereins gezollt habe, Namens Aller- 
höchstdesselben den ehrfurchtsvollsten Dank entgegenzunehmen. 
Die Auszeichnung, welche durch Seine Majestät ihm heute gewor- 
den, gelte, dessen sei er sich bew^usst, lediglich dem Vereine. 
Anknüpfend an das Wort des Papstes Hadrian, dass sehr Viel auf 
die Zeit ankomme, in welche das Leben des einzelnen Menschen 
falle, hob Redner hervor, wie auch ihm die Gunst des Zufalls die 
heutigen Ehren habe zu Theil werden lassen. Denn der Vorsitz 



nicht zurückgeschreckt ; lasst uns mit Bescheidenheit und doch mit Zuversicht 
die Wahrheit suchen, in deui Vertrauen, dass aucli wir etwas zum Besten 
der Menschheit thun können. Denn um mit den Worten eines amerikanischen 
Dichters zu schliessen : 

Was Ihr als Wahrheit gläubig preist, 

Ist das was Euch als Zweifel quält: 

Dieselbe Weltall-Sonn' umkreist 

Das Sternheer, namlos wie gezählt.« 



102 



im Vereine, welcher Anderen mehr gebühre, durch deren Verdienst 
der Verein gegründet und erstarkt die heutige Lebenskraft ge- 
wonnen habe, verdanke er lediglich dem äussern Umstände, dass 
seine Studien seit zwei Decennien der Erforschung der Lebensver- 
liältnisse von Copernicus zugewandt seien. Aber selbst wenn seine 
Thätigkeit im Vereine von Belang wäre, so dürfe der Einzelne 
nimmer ein besonderes Verdienst für sich in Anspruch nehmen. 
Das Leben eines Vereins biete in vielen Beziehungen ein treues 
Abbild des Staates ; beide könnten nicht anders bestehen, als wenn 
Jeder an seiner Stelle selbstlos seiner Pflicht nachkomme. Das 
Gelingen des heutigen bedeutsamen Festes habe nur dadurch ver- 
bürgt werden können, dass in harmonischem Zusammenwirken die 
Vereins-Mitglieder ihre Kräfte opferwillig zur Verfügung gestellt 
hätten. Zum Schlüsse sprach der Redner dem Grafen Eulenburg 
persönlich den ehrerbietigen Dank des Vereins dafür aus, dass 
Derselbe die Pflichten des Berufes, wie der parlamentarischen 
Thätigkeit, bereitwilligst unterbrochen habe, damit des Staates 
Weihe dem Feste nicht fehle. 

Hierauf wandte Prof. Pkowe sich an die Vertreter Italiens und 
dankte, ihre Ansprache in lateinischer Sprache erwiedernd, dass 
sie von den alten Culturstätten, von der ewigen Roma und dem 
altberühmten Bologna, nach der kleinen Weichselstadt gewandert 
seien, nicht scheuend weder die Unterbrechung ihrer akademischen 
Thätigkeit, noch die weite Reise in der für den Südländer beson- 
ders rauhen Jahreszeit. Ihre Anwesenheit gebe dem heutigen 
Feste eine ganz besondere Weihe, die Verbrüderung Italiens und 
Deutschlands bezeugend. Wie sehr Italien sich mit uns eins fühle, 
das habe die schnelle Verständigung bekundet, in die wir mit 
unsein Gästen eingetreten seien. Kaum 24 Stunden seien ver- 



103 



flosseD , seit wir ihnen zum ersten Mal die Hand gedrückt , und 
schon könnten Avir sie als Freunde anreden. Dies sei nicht dem 
Zufalle zuzuschreiben. Mit beredten Worten habe der Vertreter 
von Bologna den Innern Grund angegeben: wir entnehmen aus 
der Entsendung und dem Auftreten unserer Ehrengäste aus Italien 
ein günstiges Anzeichen für die Zukunft. 

Wie gleiche Geschicke die verbündeten Völker einander näher 
geführt, wie sie gleichzeitig auf dem Schlachtfelde die Freiheit 
und Einheit ihres Vaterlandes sich erkämpft haben: so könnten 
wir auch mit Recht hoffen, dass sie treu zusammenstehen werden 
in dem schweren Geisteskampfe, in den wir gegenwärtig ein- 
getreten seien. In diesem Sinne heisse der Verein, heisse die 
gesammte Bevölkerung Thorns die Vertreter Italiens zu unserm 
Feste hoch willkommen — als die Verkünder und Befestiger der 
auch durch die Wissenschaft enger geknüpften Freundesbande 
zwischen dem italienischen und deutschen Volke. 

An die Dankesworte für die Abgesandten Italiens schloss sich 
der Dank an die Vertreter der deutschen Hochschulen. 

Wenn in dem reichen Kranze der deutschen Universitäten — 
so begann der Redner — uns Lücken nicht erspart werden konn- 
ten , so wären die Hochschulen heute am schmerzlichsten ver- 
misst worden, welche einst in unmittelbarer Beziehung zu Coper- 
nicus und seinen Freunden gestanden. Um so grösser sei deshalb 
unsere Freude, um so aufrichtiger und berechtigter unser Dank, 
dass gerade diese Hochschulen unserer Einladung geneigte Folge 
geleistet. 

Zunächst trete Halle unter ihnen hervor, die Erbin von 
Wittenberg. Mit vollem Rechte habe der Abgesandte von Halle 
hervorgehoben, dass Wittenberg es gewesen sei, wo zuerst die 



104 



Gedaukcn von Coi)criiicas in dem cn)i)fänglic]ien Geiste von Klie- 
ticus gezündet hätten, dass Rlieticus seine Professur in Wittenberg 
aufgegeben, um von Copernicus selbst sich in die neue Welt- 
anschauung einweihen zu lassen , und sie dann der Welt zu ver- 
künden. Der Wittenberger Professor sei es gewesen, dem es 
schliesslich gelungen, die Bedenken des greisen Forschers zu be- 
siegen und die lange verzögerte Veröffentlichung des grossen 
Werkes de revolutionibus orbium caelestium zu veranlassen. 

Die Vorwürfe aber, welche der Neukatholicismus der Witten- 
berger Schule mache, weil Luther und Melanchthon sich mit 
Heftigkeit gegen das Copernicanische System erklärt hätten, dürften 
wohl leicht auf das richtige Maass zurückzuführen sein, wenn 
man erwäge, wie der Gei st , der die Reformatoren gross gezogen, 
schützend seine Fittige ausgebreitet hätte, als feindliche Gewalten 
das Werk des Copernicus verstümmeln wollten, als die Mächte 
trägen Herkommens und dogmatischer Erstarrung den offenen 
Kampf gegen die freie Forschung unternommen und die Wissen- 
schaft zur Umkehr hätten zwingen wollen. 

Dass Königsberg bei unserer Feier nicht fehlen würde, 
sei bei der Universität der Heimath- Provinz jederzeit in sicherem 
Vertrauen angenommen worden; wir fühlten uns jedoch zu be- 
sonderem Danke verpflichtet, dass der Prorector selbst die Ver- 
tretung übernommen habe. — Mit dem erlauchten Begründer der 
Universität Königsberg habe Copernicus selbst, gleichwie seine 
Freunde, erhaben über den Streit der Confessionen , persönliche 
Beziehungen unterhalten. Ueberdies hätten die Gedanken, welche 
zur Errichtung einer Hochschule in unsern nordischen Gegen- 
den geführt, Copernicus und seinen einflussreichen Oheim 
lange beschäftigt, sie selbst seien mit dem Plane umgegangen, 



105 



eine Pflanzschule der neuen Bildung an den Gestaden der Ostsee 
zu errieb ten. 

Mit Breslau, welches gleich Königsberg und Halle bei Leb- 
zeiten des Copernicus noch keine Universität besessen , hätten 
Copernicus und seine Familie mannigfache Beziehungen verknüpft. 
Der Abgesandte Breslau's habe bereits darauf hingewiesen, wie 
die ältesten Urkunden Schlesien als die Stammesheimath der 
Familie Koppernigk bezeichneten. Den Vater von Copernicus 
hätten ferner Handelsbeziehungen mit Schlesien's Hauptstadt ver- 
bunden, schon zu der Zeit, da er noch zu Krakau gewohnt. Dem 
könne endlich noch hinzugefügt werden, dass der gelehrte Freund 
des Copernicus, Laurentius Corvinus, einen grossen Theil seines 
Lebens in gleichem Amtsverhältnisse zu Thorn und Breslau 
zugebracht, und dass Copernicus auch noch mit andern Gelehrten 
Breslau's in freundschaftlichen Verhältnissen gestanden habe. 

Nicht gleiche Beziehungen seien zur Zeit nachweisbar, welche 
die Universität Leipzig mit Copernicus verbunden hätten. Aber 
es müsse lediglich der Ungunst der Zeit zugeschrieben werden, 
dass die urkundlichen Beweise für eine Verbindung des Copernicus 
mit Leipzig unterdrückt seien ; ein grosser Theil der lernenden 
Jugend sei ja damals aus den Weichselstädten gerade nach der 
Leipziger Universität gepilgert — unter ihnen auch Tiedemann 
Giese, der Freund von Copernicus. Ein nur wenig älterer Lands- 
mann von Copernicus habe überdies die Verbindung Thorn's mit 
Leipzig zu einer dauernden gemacht durch Gründung eines Sti- 
pendiums, welches seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts alljähr- 
lich drei Studirende aus Thorn nach Leipzig führe. So sei es 
gekommen, dass die Mehrzahl auch des gegenwärtigen Geschlechts 
in Thorn einen Theil ihrer Studienzeit in Leipzig verlebt hätten. 



106 



Redner selbst bekenne freudig, wieviel er der Universität Leipzig 
verdanke, die ihn in das Heiligthum der Wissenschaft eingeführt 
habe, und durch welche er vor mehr denn dreissig Jahren in die 
gelehrte Zunft aufgenommen worden sei. 

Die Erwähnung von Tiedemann Giese, des Freundes von 
Copernicus, des gebornen D a n z i g e r 's und Culmischen Bischofs 
führte den Redner zum Danke an die Abgeordneten der Schwester- 
städte Danzig und Culm. Danzig stehe — was die histo- 
rischen Beziehungen zum Leben von Copernicus betreffe — unter 
den heimischen Städten nur hinter Frauenburg zurück, und neben 
Culm dürften höchstens Elbing und Marienburg vermisst werden. 
Die Handelsbeziehungen des Vaters von Copernicus hätten nach 
Danzig gereicht, lange ehe er nach Thorn übergesiedelt, seit 
welcher Zeit sie freilich noch reger geworden seien. Die erhal- 
tenen Archivalien zeigten ferner, dass die Thorner Koppernigk 
mit vielen Patrizier-Geschlechtern Danzig's verwandt gewesen seien. 
Endlich sei noch zu erwähnen, dass zu Zeiten fast die Hälfte der 
Ermländischen Domherrn aus Danzig gebürtig gewesen seien. 

Mit Culm habe Copernicus früh die dort im Kloster lebende 
Schwester verbunden; auch könne man vielleicht annehmen, dass 
auf seine Vorbildung die Culmer Brüder vom gemeinsamen Leben 
Einfluss gehabt haben. 

Zum Schlüsse dankte der Redner dem Dr. Thompson für die 
aus eigenster Initiative hervorgegangene Betheiligung, durch welche 
der Feier ein eigen thümlicher Zauber gegeben, der internationale 
Charakter scharf aufgeprägt sei; er bat den Vertreter Amerika's 
neben dem Danke für seine eigene Betheiligung einen dankenden 
Festesgruss nach dem jenseitigen Gestade des Oceans hinüber- 
zutragen. — 



107 



Nachdem die Erwiderung- auf die einzelnen Anspraclien be- 
endet war, verlas Prof. Prowe zunächst das nachstehende auf 
Allerhöchsten Befehl dem Vereine zugegangene Schreiben: 

Berlin den 17. Februar 1873. 

Durch den Wirklichen Geheimen Rath Grafen von 
Stillfried ist Seiner Majestät dem Kaiser und Könige 
die Immediat-Eingabe des Vorstandes des Coperni- 
cus-Vereins für Kunst und Wissenschaft vom 12. d. M. 
und das mit derselben eingereichte Dedications- 
Exemplar des Werkes von Copernicus: „De revo- 
lutionibus orbium coelestium" vorgelegt worden. 
Seine Majestät haben dasselbe mit dem besondern 
Interesse entgegenzunehmen geruht, auf welches na- 
mentlich in diesen Tagen der vierten Säcularfeier 
des Copernicus die von dem Vorstand besorgte Aus- 
gabe des berühmten Werkes Anspruch machen darf. 
Indem Seine Majestät dem Vorstande für die Dar- 
reichung des Werkes lebhaften Dank bezeigen, lassen 
Allerhöchstdieselben den Verein zu der mit einem so 
verdienstlichen Unternehmen eingeleiteten Feier von 
ganzem Herzen beglückwünschen. 

Der geheime Ka bin ets- Rath 

VON WiLMOWkSKI. 

Hierauf gab der Vereins-Vorsitzende Mittheilung von den 
übrigen zur Feier eingegangenen Adressen, Glückwunsch-Schreiben 
und Telegrammen. 



10S 



Den Scliluss des Fcstactus bildete eine musikalische Auffüh- 
rung unter der Direction des Justizraths Dr. Meyer. Es wurde 
vorgetragen der 100. Psalm nach der Composition von Händel 
für fünfstimmigen Chor und Soli mit Begleitung des grossen Or- 
chesters. Die Majestät der erhabenen Tondichtung entsprach der 
Hochstimmung der Versammelten und bildete einen würdigen Ab- 
schluss der Hauptfeier. 



{ 



Unmittelbar an den Fest- Actus, welcher bis 3 Uhr Nachmit- 
tags gedauert hatte, schloss sich das Festmahl. Bei der Be- 
schränktheit der Räumlichkeit war eine Theilung der Festver- 
sammlung für das Diner erforderlich gewesen. Das officielle — 
vom Fest-Comite arrangirte — Diner fand in den Räumen des 
Artushofes statt; zu einem andern Festmahle hatten sich die 
Schützengilde und der Handwerker- Verein im Saale des Schützen- 
hauses vereinigt. *) 

Die Reihe der Toaste bei dem Festmahle im Artushofe eröff- 
nete der Re gi er ungs- Präsident Graf Eulenburg, indem er 
das Wohl Seiner Majestät des Kaisers ausbrachte. Der Redner 
wies darauf hin, dass die Herrscher-Dynastie der Hohenzollern 



*) Bei dem Diner im Schützenhause brachte der Vorsteher der Schützen- 
Gesellschaft Kaufmann G. Prowe das Hoch auf Sc. Majestät den Kaiser 
aus, Dr. Brohm sprach den Toast zum Andenken an Copernicus. 

Die Schützen-Gesellschaft hatte bereits am Vorabende des Haupt-Fest- 
tages eine besondere Feier veranstaltet. Durch musikalische und deklama- 
torische Vorträge wurde die Festrede eingerahmt, welche Oberlehrer Böthke 
hielt. Der Redner legte zunächst die Haupt-Momente aus dem Leben von 
Copernicus dar und entwickelte sodann die Grundzüge der neuen Welt- 
Anschauung, wie sie in dem Werke de revolutionibus orbium caelestiura 
niedergelegt sind. 



109 



stets Beschützer der Wissenschaften gewesen seien. Dass Kaiser 
Wilhelm das Banner der freien Wissenschaft hochhalte — mit 
freudigem Danke gegen Seine Majestät werde dies allerseits an- 
erkannt. In der Gegenwart gelte es einen schweren Kampf zu 
Gunsten der Geistes-Freiheit durchzufechten und wohl sei das 
Andenken an Männer wie Copernicus geeignet, die Herzen der 
Kämpfenden zu stärken. Begeistert stimmte die Fest- Versamm- 
lung ein in das Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser. 
Unmittelbar an diese Rede knüpfte Prof. Dr. Bruhns an. Be- 
ginnend mit dem Worte „Suum cuique" sagte er, nachdem man 
dem Kaiser gegeben, was des Kaisers sei, müsse auch der 
Wissenschaft das Ihrige werden. Der Redner stellte dann die 
wunderbare Zeit, in welcher Copernicus gelebt, mit der nicht 
minder bedeutenden Gegenwart in Parallele; er machte ferner 
darauf aufmerksam, dass die vier Koryphäen der neuern Astronomie 
geboren seien zu der Zeit , wo die Sonne von ihrem niedrigsten 
Stande nach dem Winter-Solstitium aufsteige; Newton sei am 25., 
Kepler am 27. December geboren, Galilei am 18., Copernicus am 
19. Februar. Nachdem der Redner sodann die Versammlung auf- 
gefordert, ein stilles Glas dem Andenken an Copernicus zu wid- 
men, bringt er ein Hoch aus auf das Gedeihen und Blühen der 
Wissenschaften, besonders der Astronomie. 

Der dritte Toast galt den Ehrengästen; er ward ausgebracht 
durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Copernicus -Vereins, 
Staatsanwalt von Lossow. Derselbe dankte zunächst den 
Vertretern der Wissenschaft und den hochgestellten Würdenträgern, 
welche aus unserm Vaterlande zur Feier herbeigekommen, und 
sprach dann einen gleichen Dank dem Vertreter der westlichen 
Hemisphäre, Dr. Thompson, aus. Mit besonderem Nachdrucke 



110 



aber hob der Redner die Bedeutung hervor, welche die Anwesen- 
heit der legitimen Vertreter Italiens für das Fest habe, „des 
Landes, welches, unter der Regierung eines über freie Männer 
herrschenden edeln Königs, in Krieg und Frieden durch Genossen- 
schaft im Kampfe des Schwertes und des Geistes eng und hoffent- 
lich für immer mit uns verbunden sei." 

Die Ansprache schloss mit warmen Dankesworten an die 
Delegirten der italischen Universitäten, „welche nicht die Weite 
der Reise, nicht die Kälte des Winters scheuend, zum Feste hier 
erschienen seien, um von ihrer Begeisterung für unsere gemein- 
same Sache lautes Zeugniss abzulegen." 

Während der vorstehenden Rede war die Adresse der 
Berliner Universität, welche erst der Mittagszug nach Thorn 
überbracht hatte, in die Hände des Fest-Comite gelangt. Sie 
wurde von dem Jubelrufe der Festgenossen dankbar begrüsst und 
sofort verlesen. 

Die Rede-Pause ward ausserdem dazu benutzt, die seit dem 
Beginn des Festactus eingetroffenen Telegramme mitzutheilen. 
Ebenso wurde ein mit der Mittags-Post angekommener Brief ver- 
lesen, den ein Locomotivführer der Hessischen Ludwig-Bahn, 
Jacob Schick aus Castell am Rhein eingesandt hatte, um neben 
seinem Festesgrusse anzuzeigen, dass zur Feier des Tages die 
Locomotive „Copernicus", welche er führe, mit Kränzen ge- 
schmückt sein werde, "^j 

Nach dem Schlüsse dieser Mittheilungen nahm Prof. Occioni 



*) An den Locomotivführer J. Schick wurde auf den Wunsch der Fest- 
Versammlung sofort ein Dank-Telegramm übersandt. Derselbe überschickte 
später als Gegengabe dem Copernicus-Vereine eine photographische Abbildung 
seiner Locomotive, wie sie am 19. Februar, mit Kränzen geschmiickt, den 
Dienst gethan hatte. 



ni 



das Wort, um für die freundlichen Gesinnungen des deutschen 
Volkes gegen Italien, welchen die letztv.ernommene Rede einen 
so warmen Ausdruck gegeben, Namens des italienischen Volkes 
den Dank auszusprechen. Wenn er in die Heimath zurückkäme, 
dann würde er Allen erzählen, wie man die Vertreter Italiens hier 
aufgenommen habe. Er erhob sodann sein Glas auf die völker- 
verbindende Kraft der Freiheit und der Wissenschaft. 

Prof. Dr. Galle widmete ein Glas dem Copernicus - Verein 
und dessen Vorsitzendem, Prorector Dr. Caspary dem Fest-Comite, 
Geh. Reg.-Rath Dr. Knoblauch trank auf das gastliche Thorn. 

Nachdem so sämmtlichen Vertretern der Universitäten das 
Wort bei dem Festmahle eingeräumt worden war, erhob sich der 
frühere Vorsitzende des Copernicus-Vereins, Justizrath Dr. Meyer, 
um für die auf den Copernicus- Verein und das Fest-Comite aus- 
gebrachten Toaste den Dank abzustatten. 

Der Redner begann mit der Erklärung, dass der Copernicus- 
Verein sich mit Freuden der mühevollen Aufgabe unterzogen habe, 
das Fest in einer seiner Bedeutung würdigen Weise zu veran- 
stalten. Der Verein sei hocherfreut und dankbar für die ihm ge- 
wordene Anerkennung; nichts aber könnte dem Vereine und dessen 
Fest-Comite erwünschter sein, als wenn die Gäste die Ueber- 
zeugung mitnähmen und überall verkündeten , dass bei der Ver- 
anstaltung der Feier jede beschränkte nationale Tendenz fern 
gelegen habe Zwar hätten sich in unserer Stadt zwei Fest- 
Comite s gebildet; aber es würde ganz unrichtig sein, von einem 
deutschen und einem polnischen Coniite zu sprechen. Aller- 
dings habe das letztere die nationale Tendenz scharf betont; 
das erstere aber, dessen die Vorredner gedacht, habe seine Auf- 
gabe vom internationalen Standpunkte aufgefasst, das be- 



112 



wiese schon der Umfjiiig* seiner Einladungen Angehörige fremder 
Nationen und fremder. Zungen seien eingeladen, u. A. auch die 
Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften zu Posen ; wenn von 
letzterer Seite der P^inladung nicht Folge geleistet sei, so bedaure 
der Copernicus- Verein dies lebhaft. Allerdings sei die von ihm 
ausgegangene Feier überwiegend in deutscher Sprache ausgeführt, 
weil eben der Ort der Feier eine deutsche Stadt sei. Thorn, von 
Deutschen gegründet, von Deutschen zur Blüthe geführt, sei 
immerdar gewesen und sei noch jetzt hier in der deutschen Grenz- 
mark ein Sitz deutscher Bildung, deutschen Fleisses. Aber der 
Geist, in welchem der Copernicus-Verein die Idee des Festes 
erfasst habe, das sei der Geist der freien Wissenschaft, welcher 
alle Nationen, die sich ihm weihen, verbinde und einige, und 
welcher von allem Streite, der unter ihnen vorhanden sein möchte, 
nur den Wettstreit im Dienste der Erforschung der Wahrheit an- 
erkenne: sein Hoch gelte darum dem festen geistigen Bande, 
welches das gemeinsame Streben im Dienste der freien Wissen- 
schaft um die Nationen schlinge. 

An den Gedankengang des letzten Redners anknüpfend nahm 
Dr. Thompson das Wort und sprach, sichtbar tief ergriffen, seinen 
Dank theils in englischer, theils in deutscher Sprache aus. Der 
Redner wies auf die innige Verbindung der Begriffe Wissenschaft, 
Licht, Leben hin und schloss seinen Toast auf die Gastfreund- 
schaft der Thorner mit den Worten: „Hier bin ich kein Fremder, 
hier bin ich zu Hause." 

Es folgten hierauf noch einige Toaste, die von einheimischen 
Festgenossen ausgebracht wurden : auf den Regierungs-Präsidenten 
Grafen zu Eulenburg (Prof. Dr. L. Prowe), auf die Frauen und 
Familien der Gäste (Stadtrath Lambeck) ; auf sämmtliche Fest- 



I 



113 



genossen (Justiz-Rath Kroll); auf die Provinz Preussen, das 
Heimatland nicht bloss von Copernicus, sondern auch von Kant 
und Herder (Dr. Brohm). 

Noch vor diesen letzten Tafelreden war eine Deputation der 
Festgenossen aus dem SchUtzenhause , Kaufmann G. Prow^e und 
Maurermeister Reinicke, erschienen, welche nach einer Ansprache 
des Erstgenannten an der Festtafel Platz nahm — während aus 
dem Artushofe nach dem Schützenhause Professor Occioni, Ober- 
bürgermeister BoLLMANN und Profcssor Prowe entsendet wurden. 

Kaum war diese Deputation nach dem Festsaale im Artus- 
hofe zurückgekehrt, als ein Abgesandter des polnischen Comite*) 



*) Das Polnische Comite zur Feier des Säculartages der Geburt von 
Copemieus hatte sich im Frühjahr 1870 bei einer grösseren Zusammenkunft 
Polnischer Gutsbesitzer zu Thorn gebildet. Noch in demselben Jahre hatte 
dieses Comite jedoch die Vorbereitung und Leitung der ganzen Angelegen- 
heit dem Vorstande der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften zu 
Posen übertragen Von letzterer wurden in einer Bekanntmachung d. d. Posen 
14. December 1870 die Grundzüge der projectirten Feier veröffentlicht. 
Danach sollte — unter Ausschreibung eines Preises von 500 Thlr. — die 
Abfassung einer queüenmässigen Biographie von Copemieus veranlasst wer- 
den, in welcher der Nachweis der Polnischen Nationalität zu führen war. 
Neben dieser wissenschaftlichen Arbeit wurde die Prägung einer Jubel-Me- 
daille vorbereitet, wie die Herausgabe eines Albums, welches verschiedene 
Erinnerungen an Copemieus in photographischer Nachbildung enthalten sollte. 
Für den Säculartag selbst war Anfangs nur eine kirchliche Feierlichkeit in 
Aussicht genommen. In Folge späterer Berathungen wurde jedoch der letzte 
Theil des Programms erweitert und noch ein Rede-Actus neben einem Fest- 
Diner am 19. Februar 1873 angesetzt. 

In welcher Weise das Programm für die polnische Copemicus-Feier aus- 
geführt ist, weist der Fest-Bericht nach, welchen unter dem Titel: «Cztero- 
wiekowy jubileusz urodzin Mikolaja Kopernika« J. Polkowski veröffent- 
licht hat. 

Von den eingeladenen Corporationen hatten Abgeordnete entsendet : die 
Domkapitel zu Gnesen, Posen und Culm. Sodann waren neben den Dele- 
girten, welche von dem Vorstande des Vereins für Volksauf klärung entsandt 
waren, mehrere Abgeordnete der städtischen Behörden zu Krakau und Lem- 
berg erschienen ; endlich hatte auch die auf den Universitäten Krakau, Lem- 
berg , Berlin , Breslau , Leipzig und Greifswald studirende Polnische Jugend 
Deputationen zur Feier entsendet. 

8 



114 



angemeldet wurde (v. Sczaniecki-Nawra) , welcher ausser der 
von den Polen auf den Festtag geschlagenen Medaille die auf 
Veranlassung der Posener Gesellschaft der Freunde der Wissen- 
schaften erschienenen Festschriften dem Vorsitzenden des inter- 
nationalen Fest-Comit6 tibergab. Der polnische Abgesandte wurde 
ersucht an der Festtafel Platz zu nehmen und ergriff hierauf 
das Wort, um in deutscher Sprache den Zweck seiner Sendung 
darzulegen ; er hoffe — so schloss die Ansprache — dass das ge- 
meinschaftliche Andenken an Copernicus helfen werde, den Gegen- 
satz der Nationalitäten zu versöhnen. 

In Erwiderung dieser Begrüssung begab sich Prof. Provve in 
die Fest- Versammlung der Polen. Hier wurde er in den Haupt- 
saal geführt und ihm ein Stuhl neben dem Vorsitzenden an der 
Festtafel eingeräumt. Nach einer kurzen Ansprache übergab der- 



Die Begrüssung der aus allen einst Polnischen Landen zahlreich einge- 
troffenen Fest-Theilnehmer erfolgte am Abende des 18. Februar im Gasthofe 
zu den drei Kronen. 

Die kirchliche Feier am Haupt-Festtage begann Vormittags 10 Uhr. Sie 
fand in der St. Johanniskirche statt , in welcher eine schöne Marmorstatue 
von Brodzki aufgestellt war. Das Hochamt celebrirte Prälat v. Pradzyxski aus 
Pelplin; die Predigt hielt Probst Jazdzewski aus Zduny (Mitglied des deut- 
schen Reichstages). 

Für den Festactus war ein Gastlokal in der Neustadt gewählt worden. 
Derselbe wurde durch den Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der 
Wissenschaften, Dr. Liebelt, um 2 Uhr Nachmittags eröffnet. Nach einer 
längern Ansprache des Dr. v. Niegolewski und einer kurzen Erwiderung 
Liebelt's verlas der Vorsitzende des Local-Comite, v. Slaski (Mitglied des 
preuss. Herrenhauses) die eingegangenen Glückwunsch-Schreiben und Tele- 
gramme. Hierauf folgte die Festrede, welche Domherr Polkowski hielt. 
Derselbe trug nach Beendigung seiner Rede einige Fest-Gedichte vor, welche 
von einer Polnischen Dichterin Deotyraa eingesandt waren. Nachdem hierauf 
noch Th. V. DoNiMiRSKi eine Ansprache gehalten, schloss Liebelt den Fest- 
Actus mit einigen Dankesworten an die Festgäste. 

Das Fest-Diner fand in den Räumen des Gasthofes zu den drei Kronen 
statt. Die dort gehaltenen Toaste sind in dem erwähnten Festberichte Pol- 
kowski's mitgetheilt. 



115 



s6lbe die von dem Copernicus-Verein veranstaltete Säcular-Aus- 
gabe des Werkes de revolutionibus orbium eaelestium und kehrte 
sodann in den Artushof zurück. Nachdem hier der Bericht über 
die Sendung zu den Polen abgestattet war, wurde die Tafel auf- 
gehoben, da der Abend herangerückt war, welcher die Fest- 
genossen in grösserer Zahl und im Vereine mit der Frauenwelt 
im Rath hause gesellig vereinen sollte. 

Auch hatte unterdessen die Illumination begonnen, glänzender 
und allgemeiner, als seit langer Zeit eine in Thorn stattgefunden. 
Es war ja kein Partei-Fest, dem dieselbe galt. Beide Nationali- 
täten, welche die Stadt bewohnen, hatten zu Ehren des Gefeierten 
Feste veranstaltet; von einer Betonung des confessionellen Ele- 
mentes konnte noch weniger die Rede sein. Einen besonders 
schönen Anblick gewährte die Südseite des altstädtischen Marktes. 
Das Portal des Rathhauses prangte im Glänze zahlreicher Gas- 
flammen und in gleicher Weise war die Statue des Copernicus 
mit einem Flammenbogen von Gaslichtern umgeben. — 

Für die Schlussfestlichkeit waren die weiten Räume des ersten 
Stockwerkes im Rathhause von den städtischen Behörden, wie 
von dem Koni gl. Kreisgerichte, bereitwilligst eingeräumt worden. 
Dennoch reichten dieselben kaum hin, um die grosse Zahl der 
Festgenossen für die gesellige Vereinigung aufzunehmen (es waren 
gegen 900 Billete ausgegeben). 

Die Stätten ernsthaftester Entscheidungen, die Sitzungssäle 
des Magistrats und der Stadtverordneten, wie des Kreisgerichts, 
waren zu Conditorei- und Restaurations-Lokalen eingerichtet , in 
welchen zu lebhafter Unterhaltung Gelegenheit geboten wurde, 
während in dem Haupt-Saale, Kopf an Kopf gedrängt, der Strom 
geschmückter Menschen froh und hochgestimmt auf und nieder- 



116 



wogte. Nachdem die Schaulust befriedigt war, suchte die Jugend 
zu ihrem Rechte zu gelangen; die tanzlustige Welt hatte sich 
etwas Raum zu schaffen gewusst, und so gestaltete sich die ge- 
sellige Vereinigung zu einem Ballfeste. Die ernste, wissenschaft- 
liche Feier des erhabenen Genius war ein heiteres Geburtstags- 
Fest geworden. Wenn auch die astronomischen Embleme, die 
Zeichen der Himmelskörper, wie die Nachbildungen astronomischer 
Instrumente, mit denen der Rathhaus-Saal geschmückt war, noch 
an die wissenschaftlich-ernste Bedeutung des Tages erinnerten, 
so wichen doch jetzt alle ernsten Gedanken, von denen man bis- 
her in Anspruch genommen war, einer heitern Feststimmung, 
welche sich dem frohen Genüsse der Gegenwart hingab. — 

Der folgende Tag vereinte bei einem solennen Frühstücke 
noch einmal die Ehrengäste pait den Mitgliedern des Fest-Comit6. 
Nachmittags verliess die Mehrzahl der auswärtigen Festgenossen 
Thorn, und der Abendzug entführte uns auch die beiden Italieni- 
schen Abgeordneten. — 



Mit freudiger Genugthuung und gerechtem Stolze kann die 
Stadt Thorn auf das hohe Fest zurückblicken, welches sie zu 
Ehren ihres grossen Sohnes gefeiert. Der Copernicus-Verein aber, 
in dessen Auftrage der vorstehende Bericht abgefasst ist, schliesst 
an die Veröffentlichung desselben den ehrerbietigen Dank für die 
allseitige Förderung, durch welche allein es ermöglicht wurde, die 
Gedächtnissfeier des Namen gebenden Heros in würdiger Weise 
durchzuführen. — 



ADRESSEN UND FESTGRÜSSE. 



A. Universitäten. 




Berlin den 30. Januar 1873. 

[f^em Vorstande des Copernicus -Vereins für Wissenschaft und 
'Kunst danken wir in Erwiderung auf das gefällige Sehreiben 
vom 10. d. M. hierdurch verbindlichst für die Einladung zur 
Theilnahme an dem von Ihnen am 18/19. Februar er. zu be- 
gehenden Gedenkfeste der vor 400 Jahren zu Thorn erfolgten 
Geburt des Copernicus. 

Zu unserem lebhaften Bedauern sehen wir uns aber ausser Stande, 
der Einladung Folge zu leisten, da die Feier nicht während unserer 
Ferien stattfindet und, namentlich gegen die Schlusszeit der Vorlesungen 
hin, ein Senats-Mitglied nicht wohl abkömmlich ist. 

Die hiesige Universität wird indessen die Copernicus-Feier am 19. 
Februar er. durch einen Act in ihrer grossen Aula begehen und be- 
hält sich noch einen weiteren Ausdruck ihrer Theilnahme vor. 



Rector und Senat 

hiesiger Königlichen Friedrich-Wilhelm s-Universität. 

Gneist. 



120 



D. 



'en geehrten Männern der Stadt Thorn und den übrigen Fest- 
genossen, die zur Erinnerungsfeier der vor vierhundert Jahren erfolgten 
Geburt ihres grosseh Mitbürgers Nicolaus Coperkicus versammelt sind, 
sendet der Senat der Friedrich- Wilhelms-Universität zu 
Berlin, als Vertreter dieser der Wissenschaften geweihten Anstalt, 
seinen Gruss und Glückwunsch. Denn wohl ist es ein Glück, unter 
seinen Stadt- und Stammesgenossen einen Mann zählen zu dürfen, dem 
die neuere Wissenschaft einen ihrer -frühesten und folgereichsten Fort- 
schritte verdankt, einen Schritt, welcher eben so sehr dem eindringenden 
Scharfsinn, wie der ausdauernden Arbeitskraft und dem Muthe seines 
Urhebers zu unvergänglichem Kuhme gereicht. 

Wir selbst, seit unserer frühesten Jugend geistig genährt mit den 
Früchten seiner Arbeit, können uns nur schwer eine Anschauung bilden 
von der Festigkeit der Vorurtheile, die er zu überwinden unternahm 
und die er überwunden hat. Einige der tiefsinnigsten Denker des 
Alterthums hatten die wahren Verhältnisse des Planetensystems schon 
richtig erkannt, aber das Vorurtheil der rohen alltäglichen Erfahrung, 
welches ihnen auch bei den Gebildetesten ihres Volkes entgegenstand, 
nicht zu besiegen vermocht. Das Erkennen und Aussprechen der Wahr- 
heit hatte nicht genügt. Ein mehr als tausendjähriges Vergessen hatte 
die Früchte ihres Denkens begraben, und noch ein Jahrhundert nach 
Copernicus hielten Astronomen von hoher Bedeutung die ältere Lehre 
fest, und wurden die Schrecknisse der Inquisition gegen die seinige 
losgelassen. 

Durch ein siebzigjähriges Leben, neben mannigfacher anderer 
Thätigkeit, in der er seine ungewöhnliche Geisteskraft auch für die 
öflfentlichen Angelegenheiten nutzbringend verwerthete, ist er der Be- 
geisterung seines Jünglingsalters für die Astronomie treu geblieben, und 
hat den überraschend einfachen Zusammenhang der Thatsachen, den 
er entdeckt hatte, und der vor ihm in dem überkünstlichen Systeme des 
Ptolemaeus verhüllt war, durch lange Reihen mühsamer Beobachtungen, 



121 



noch nicht unterstützt vom Femrohr und der Pendeluhr, geprüft, wieder 
geprüft und bestätigt. Das Ende seines langen Lebens nahte heran, 
ehe er sein Werk für vollendet hielt. Diese seine Unabhängigkeit vom 
sinnlichen Schein, dieses Vertrauen auf die bis in das Einzelnste drin- 
gende Gesetzmässigkeit der Natur, und namentlich diese geduldige Arbeit 
in der Durchführung eines grossen Gedanken verkünden schon die kenn- 
zeichnenden Züge des mit ihm anhebenden Entwickelungsganges der 
neuen abendländischen Wissenschaft. 

Aber sein Werk blieb nicht auf die Astronomie beschränkt, deren 
wahre Grundlagen er gefunden, nicht auf die Naturwissenschaften, für 
deren neue Principien er das erste grosse Muster der Anwendung ge- 
geben ; den ganzen Gedankenkreis unseres Geschlechts hat er geändert. 
Zwar hat er dem Menschen den bevorzugten Standpunkt genommen, 
auf dem er zu stehen glaubte, im Mittelpunkt der physischen Welt und 
als Endzweck der Schöpfung. Aber ruhig überlegend und vorsichtig 
rechnend hat er ihm als Heimath eine Welt gefunden , unendlich er- 
habener in Grösse und Ordnung, als die kühnste Phantasie und die 
wärmste Begeisterung vorher zu träumen hatte wagen können. 

In diesen Gedanken nehmen auch wir den vollsten Antheil an 
dem seltenen und bedeutsamen Erinnerungsfeste, welches Sie be- 
gehen. 

Rector und Senat 

der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Üniversität 

zum 19. Februar 1873. 

Gneist. Lehnert. Dove. Dorner. Beseler. 

ViRCHOw. Kirchhoff. Helmholtz. E. du Bois-Reymond. 

Dillmann. Weierstrass. 



122 



Rector Universitatis litterärum et artiüm 

bononiensis 

S. P. D. 

Procuratoribus Societatis Copernicanae 

Thorunensis. 



V. 



aide probamus pietatem vestram et industriam, quam ad reno- 
vandam consecrandamque Nicolai Copernici civis Thorunensis me- 
moriam contulistis. Quod vero nos rogatis per litteras, ut feriis sae- 
cularibus in eius honorem indictis aliquem nostro nomine atque aucto- 
ritate legatum ad vos mittamus , agnoseimus humanitatem vesti-am , et 
simul veterem illam studiorum cognationem, quae maioribus nostris cum 
nobili Germanorum gente intercessit, nondum extinctam esse laetamur. 
Viget enimvero, vigebitque in perpetuum apud nos nomen siunmi viri 
et clarissimi civis vestri, qui Italiam nostram quasi alteram patriam 
coluit, et in hac ipsa Academia mathematicis disciplinis operam dedit, 
sub haud poenitendis magistris Dominico Maria Novara et Scipione De 
Ferro, qui ut ingenii et doctrinae laude inter aequales floruerunt, ita 
famam apud posteros eo maiorem consecuti sunt, quod Nicolaum Co- 
pernicum auditorem et quasi alumnum disciplinae suae habuerunt. 

De legatione nihil fuit nobis antiquius quam ut voluntati vestrae 
satisfaceremus. Itaque legatus ex auctoritate huius ordinis lectus est 
Caietanus Pelliccionius, Vir Clarissimus, Praeses disciplinae philosophi- 
cae et litterariae, qui ex hac urbe propediem proficiscetur et itinera sie 
componet, ut a. d. XIII Kai. Martias Thoruni sit. Is et universae 
Academiae nomine gratias vobis aget diligenter et nostras erga vos vo- 
luntates et studia libenter et prolixe testabitur. Utinam vero nobis 
item Omnibus adire ad vos et immortalis viri virtutes et merita con- 
iunctis studiis prosequi liceret! Verum tamen non plane toti a vobis 



123 



disiuncti sumus, neque vos Copernicana solemnia celebraturos mentes et 
cogitationes nostrae deserent, quibus et absentes vos amplectemur et in 
concilio vestro ac coetu assidue versabimur. 

Praeterea vos scire volumus placitum esse huic ordini, ut eodem 
die XI Kalendas Martias in aedibus üniversitatis Nicoiao Copernico ti- 
tuliis inscribatur eiusque laudes in concione memorentur. Deberi enim 
hoc a nobis tanto hominis ingenio putavimus, ut, cum illum Academiae 
nosti-ae olim fuisse adscriptum gloriemur, hanc laudem prae nobis ferre- 
mus et publico monumento testatam atque illustrem redderemus. 

Valete, Viri amplissimi, societatis Copernicanae Procuratores op- 
timi, diuque maiorum decora et civitatis dignitatem, ut facitis, sapienter 
ac feliciter tuemini. 

Bononiae VI Idus Februarias MDCCCLXXIII. 

Rector üniversitatis litterarum et artium Bononiensis 
CoMEs Caesar Albicini. 






124 



L 



.ndem wir Ihnen, hochgeehrte Herren, zu unserm Bedauern mit- 
theilen müssen, dass es uns wegen der weiten Entfernung und wegen 
der ungünstigen Zeit mitten im Semester nicht möglich ist, Ihrer gü- 
tigen Einladung gemäss einen Vertreter unserer Universität zur vierten 
Säcularfeier des Geburtstages von Nie. Copernicus zu senden, können 
wir nicht unterlassen, unserer lebhaften Theilnahme an Ihrem schönen 
Feste Ausdruck zu geben. 

Der Mann, dem diese Feier gilt, hat in so hervorragender Weise 
zum Fortschritte der Erkenntniss und zur freieren Entwickelung des 
menschlichen Geistes beigetragen, dass die Stadt, in deren Mauern er 
geboren wurde und seine erste Ausbildung empfing, mit Recht stolz 
auf ihn sein kann. Seine grosse Theorie über die Bewegung der Erde 
um die Sonne bildete nicht nur einen Wendepunct in der Astronomie, 
und wurde zur Grundlage eines neuen Aufbaues dieser schönen Wissen- 
schaft, sondern übte auch auf andere geistige Bestrebungen einen mäch- 
tigen belebenden Einfluss. Die überraschende Klarheit, welche sein 
kühner Gedankengang über ein Gebiet ergoss , das von den ältesten 
Zeiten her von so vielen grossen Meistern der Wissenschaft bearbeitet, 
aber immer noch dunkel und räthselhaft geblieben war, musste auch 
weiterhin zündend wirken, und dazu ermuthigen, die Schranken, welche 
ein übermässiger Autoritätsglaube in allen Gebieten des Wissens dem 
freien Forschen entgegenstellte , zu durchbrechen. So hat sein stilles 
Arbeiten auf rein wissenschaftlichem Gebiete wesentlich mit beigetragen 
zu dem gewaltigen geistigen Umschwünge, welcher sich in jener Zeit 
vollzog, und dessen segensreiche Folgen wir noch jetzt geniessen. Wir 
sagen daher der Vaterstadt des vor vierhundert Jahren geborenen grossen 
Mannes unsern herzlichen Glückwunsch. 

Bonn den 3. Februar 1873. 

Rector und Senat 
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Üniversität. 

Nasse. 

SCHAEFER. WiLLDENOW. KrAFFT. LANGEN. 

Haelschneer. Pflüger. v. Stintzing. R. Clausius. 
Knoodt. Bücheler. Hanstein. 



fc 



125 



Erlangen den 28. Januar 1873. 

Aus Ihrer freundlichen Einladung vom 10 (praes. 23.) d. Mts. 
haben wir mit lebhafter Theilnahme ersehen, dass und wie Sie die 
vierte Säcularfeier des Geburtstages von Nicolaus Copernicus zu begehen 
gedeüken. 

Zu unserem Bedauern müssen wir jedoch mit Rücksicht auf die 
weite Entfernung auf persönliche Theilnahme an dieser Feier verzichten 
und indem wir daher für Ihre gefällige Einladung zu derselben hiermit 
verbindlichst danken, versichern wir Sie unserer vollkommensten Hoch- 
achtung! 

Der akademische Senat 

der Königlichen Friedrich-Alexanders-Universität. 

Beckmann. 



Freiburg den 29. Januar 1873. 

Der Senat und Prorector der Universität Freiburg 

an 

den verehrlichen Copernicus- Verein für Wissenschaft und Kunst 

zu Thorn. 



Wi 



ir bedauern Ihre Einladung vom 10. d. Mts. damit beantworten 
zu müssen, dass die gegebenen Verhältnisse uns verhindern, einen Ver- 
treter unserer Hochschule zu Ihrem bedeutungsvollen Feste zu entsen- 
den. Wir widmen aber nichts desto weniger Ihrem Feste aufrichtige 
Theilnahme und wünschen demselben einen Ihren berechtigten Erwar- 
tungen entsprechenden Verlauf. 

Mit vorzüglicher Hochachtung 

Der Prorector 
Dr. Behaghel. 



126 



Göttingen den 8. Februar 1873. 



D. 



'as Schreiben d. d. Thorn 10. Jannar d. J., durch welches Sie, 
hochgeehrte Herren , mir angezeigt haben , dass der Copernicus- Verein 
für Wissenschaft nnd Kunst das Gedenkfest der vor 400 Jahren er- 
folgten Geburt des. Mannes, zu dessen Gedächtniss der Verein gegründet 
ist, am 18. und 19. Februar zu feiern beabsichtigt, habe ich erst am 
23. V. M. in später Abendstunde erhalten. 

Der Inhalt des Schreibens musste mich veranlassen, dem Senate 
unserer Universität die Frage vorzulegen, ob er Ihrer gütigen und 
freundlichen Einladung, aus seiner Mitte einen Vertreter der Universität 
zur Bezeugung ihrer Theilnahme an dem bedeutungsvollen Feste abzu- 
senden, Folge geben wolle. Trotz möglichster Beschleunigung der An- 
gelegenheit habe ich erst heute Antwort auf diese Frage erhalten. 

Der Beschluss des Senats, von dem Ihnen, hochgeehrte Herren, 
Kenntniss zu geben ich mich beeile, geht dahin, dass, wenn er auch 
zu seinem Bedauern von der Absendung eines Deputirten zu dem Co- 
pernicus-Feste, weil ihr nicht leicht wegzuräumende Schwierigkeiten in 
den Weg treten, absehen müsse, doch seiner Theilnahme an der Feier 
und seinem Danke für die Anordnung derselben ein Ausdruck gegeben 
werden solle in einem dem Copernicus-Verein in den Tagen der Fest- 
feier einzureichenden Schreiben. 

Indem ich zunächst persönlich Ihnen, hochgeehrte Herren, den ge- 
horsamsten Dank für die an unsere Universität ergangene Einladung 
ausspreche, füge ich nur noch die Bitte hinzu, die mir unangenehme, 
aber nicht zu vermeidende Verspätung der Antwort auf Ihr geehrtes 
Schreiben vom 10/23. Januar entschuldigen zu wollen. 

In hochachtungsvoller Ergebenheit 

Der Prorector der Georg-Augusts-Universität 
Berthe AU. 



127 



Göttingeii den 14. Februar 1873. 



D, 



'urch das Schreiben Ihres Fest-Comite vom 10. Januar d. J. haben 
Sie, hochzuverehrende Herren, uns die Mittheilung gemacht, dass der 
Copernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst in Thorn das Gedenk- 
fest der vor 400 Jahren erfolgten Geburt des Coperniciis am 19. Fe- 
bruar zu feiern beabsichtige, und unsere Universität eingeladen, einen 
Vertreter aus ihrer Mitte zu der Feier zu entsenden. 

Wie der in der deutschen Stadt Thorn zum Gedächtniss des durch 
seine Geburt ihr angehörenden grossen Mannes gegründete Verein, 
welcher als Vorposten an gefährdeter Stelle deutsche Wissenschaft in 
Ehren halten und in ihrem Dienste wirken will , Anerkennung und 
Würdigung seines Strebens vorzugsweise auch auf den deutschen Uni- 
versitäten zu finden erwarten darf, so haben wir die Nachricht von 
dem durch Ihre Bemühungen vorbereiteten bedeutungsvollen Gedenkfeste 
mit freudiger Zustimmung zu Ihrem Beginnen und die an uns gerichtete 
Einladung mit geziemendem Danke aufgenommen. 

Leider stellten sich der Absendung eines Vertreters unserer Uni- 
versität zu dem Thorner Feste nicht wegzuräumende Hindernisse - ent- 
gegen ; wir geben uns aber der Hoffnung hin, dass auch der schrift- 
lichen Begrüssung und Bezeugung unserer innigen Theilnahme ein 
freundlicher Empfang gesichert ist. 

Mögen die festlichen Tage Ihnen erwünschte Beweise bringen, dass 
der Copernicus-Verein einen festen Halt hat an der Gemeinschaft der 
Kraft und des Ernstes der deutschen Wissenschaft, und mögen sie ihn 
kräftigen und fördern in seinen Bestrebungen, an den Grenzmarken des 
Reiches der deutschen Volksthümlichkeit eine gesicherte Stätte zu be- 
wahren. 

Prorector und Senat der (jeorg-Au^usts-üniversität. 
Bertheau. 



128 



Greifswald den 31. Januar 1873. 



D. 



'em hochgeehrten Comitä des Copernicus- Vereins für Wissenschaft 
lind Kunst sprechen wir für die freundliche Einladung zur Theilnahme 
an der vierten Säcularfeier des Geburtstages von Nicolaus Copernicus 
unsern verbindlichsten Dank hiermit aus. Der Senat würde sich an 
dieser Feier zu Ehren des grossen Mannes, welcher zn allen Zeiten 
als eine Leuchte und Zierde deutscher Wissenschaft von allen deutschen 
Männern verehrt worden ist und für alle Zukunft vom deutschen Volke 
geehrt werden wird, durch Abordnung eines Deputirten gern und freudig 
betheiligen, wenn nicht die Verhältnisse unserer Hochschule es zu un- 
serm lebhaften Bedauern unthunlich erscheinen Hessen , im Laufe des 
Semesters ein Mitglied des Lehrkörpers zu unserer Vertretung zu ent- 
senden. Wenn wir aber hiernach auch bei den Festlichkeiten des 18. 
und 19. Februar nicht vertreten sein können, so werden wir doch die 
Feier mit unsern wärmsten Sympathien begleiten und erlauben uns, 
den hochgeehrten Verein, welcher dieselbe so sinnig und ansprechend 
vorbereitet hat, unserer aufrichtigen Theilnahme an dessen uns wohl- 
bekannten Bestrebungen zu versichern und damit unsere besten Wünsche 
für dessen ferneres Gedeihen zu verbinden. 

Rector und Senat der Königl. Universität. 
Franklin. 



An die Vorsitzenden des Copernicus-Vereins Herrn Professor 
Dr. L. PßOWE und Herrn Staatsanwalt von Lossov^. 



L 



129 



Heidelberg den 28. Januar 1873. 



.ndem Prorector und Senat der Universität Heidelberg sich beehren, 
dem Hochlöblichen Festcomit^ des Copernicus-Vereins für Wissenschaft 
und Kunst die ihnen unterm 23. d. Mts. zugekommene Einladung zur 
Theilnahme an der vierten Säcularfeier des Geburtstages von Nicolaus 
Copernicus bestens zu verdanken, wollen sie nicht verfehlen, ihr Be- 
dauern darüber auszusprechen, dass sie in Folge des Umstandes, dass 
gedachte Feier in die Mitte des Semesters fällt, ausser Stande sich be- 
finden, die von ihnen vertretene Universität bei derselben durch eine 
Abordnung aus ihrer Mitte repräsentiren zu lassen, und sich darauf 
beschränken müssen, ihr Interesse an dem Gedenkfeste des grossen 
Mannes brieflich zu bezeugen. 

Renaud, 
d. Z. Prorector. 



Jena den 28. Januar 1873. 



F, 



ür die freundliche Einladung zur Theilnahme an der in den Tagen 
des 18. und 19. künftigen Monats dort zu begehenden vierten Säcular- 
feier des Geburtstages von Nicolaus Copernicus, dem hochgeehrten Fest- 
Comitö ganz verbindlichst dankend, bedauern wir sehr, uns die per- 
sönliche Betheiligung an dem Feste versagen zu müssen, da die Zeit 
sämmtlicher Lehrer der Universität durch die noch andauernden Vor- 
lesungen in Anspruch genommen ist. 

Die zu begehende Feier und die Bestrebungen und Ziele des Co- 
pernicus-Vereins mit freudigster Theilnahme und besten Wünschen be- 
gleitend zeichnen hochachtungsvoll 

Prorector und Senat 
der Grossherzoglich und Herzoglich Sachs. Gesammt-Üniversität. 

Preyer, 
d. Z. Prorector: 



130 



Innsbruck den 14. Februar 187 3. 



Hochgeehrte Herren! 



D. 



'er akademische Senat der Innsbrucker Hochschule hat mit hoher 
Befriedigung Keuntniss genommen vou Ihrer freundlichen Einladung 
zur erhebenden Feier, welche der Copernicus-Verein für Wissenschaft 
und Kunst zur Erinnerung an die vor 400 Jahren erfolgte Geburt 
dieses grossen Mannes veranstaltet. Der Copernicus-Verein erfüllt hier- 
durch eine Pflicht, welche die Vaterstadt Thorn, das Land Preussen 
und mit ihnen ganz Deutschland dem Andenken des kühnen Astronomen 
schulden. Indem derselbe es unternommen hat, den Gefühlen, welche 
die gesammte wissenschaftliche Welt bewegen, einen würdigen Ausdruck 
zu geben, hat Er Sich die dankbare Anerkennung aller jener erworben, 
welche gleich dem Altmeister Kepler, den unsterblichen Scharfsinn und 
erhabenen P^reimuth Ihres grossen Landsmannes bewundern. Die Astro- 
nomie hat dem Manne, der sie nach Jahrhunderte langem Stillstande 
zu neuem Leben erweckte, dadurch ein bleibendes Denkmal gesetzt, 
dass sie die Bahn nicht mehr verlassen , die seine kühne Forschung 
ihr vorgezeichnet. 

Sie hat daran festgehalten trotz des heftigen und thätlichen Wider- 
standes von Seiten jener Macht, an welche sich Copernicus vertrauens- 
voll gewandt hatte, dass sie das Recht der wissenschaftlichen Forschung 
beschütze. 

Heutzutage ist allerdings der offene Kampf der Theologie gegen 
das Copernicanische Weltsystem erlahmt ; die vereinzelten Versuche, die 
in neuerer Zeit noch gemacht wurden, die Herrschaft des todten Buch- 
stabens wieder herzustellen, gehören nicht mehr der Wissenschaft an. — 
Dieser unbestrittene Sieg der von Vorurtheilen befreiten Forschung 
bietet einen weiteren und höheren Gesichtspunkt, die Bedeutung jener 



131 



Feier zu würdigen, welche den Zweck verfolgt, den Zeitgenossen das 
Bild eines unermüdlichen Sti-eiters für Wahrheit und Wissenschaft wieder 
vor die Augen zu führen. 

Der akademische Senat nimmt lebhaften Antheil an dem Gedenk- 
feste , das die Stadt Thorn im Laufe der nächsten Woche begehen 
wird. Um so grösser ist sein Bedauern, dass er sich ausser Stande 
sieht, dazu einen Vertreter der hiesigen Universität zu entsenden. 

Für den akademischen Senat 
der k. k. Leopold-Franzens-Üniversität. 

L. ÜLLMANN, 

d.Z.Eector. 



9* 



132 



Kiel den 14. Februar 187B. 



D. 



'as akademische Consistorium der Kieler Universität beehrt sich 
ganz ergebenst dem Copernicus-Vereiu für Wissenschaft und Kunst den 
Empfang der freundlichen Einladung zu der öffentlichen Feier dankend 
anzuzeigen, welche als Erinnerungsfest des 4ÜO-jährigen Geburtstages 
von Nicolaus Copernicus in Thorn am 18. und 19. d. M. statt- 
finden wird. 

Obgleich die Verhältnisse zur Zeit es nicht füglich gestatten, der 
geehrten Einladung durch persönliche Vertretungen Folge zu leisten, so 
hat doch das Consistorium nicht ermangeln wollen, seine Werthschätzung 
dieser Feier zu erkennen zu geben, indem es dem Copernicus- Verein, 
aus dessen Mitte auch specielle wissenschaftliche Aufschlüsse über das 
Leben und die Werke des grossen Reformators der Astronomie hervor- 
gegangen sind, seine Glückwünsche zu dieser Säcularfeier darbringt. 

Wenn die Feier jetzt einem Meister der Wissenschaft gilt, der 
durch die Grösse seiner originellen Leistung als eine Zierde des Men- 
schengeistes überhaupt angesehen wird, und der daher Allen angehört, 
so konnten Sie in Thorn, seiner Vaterstadt deutschen Ursprungs, mit 
Recht die nähere Veranlassung finden , dieser Feier einen öffentlichen 
Ausdruck zu geben. 

Nehmen Sie auch unsere Glückwünsche dazu entgegen, die zu 
Ihnen gelangen vom Ufer der Ostsee, an deren Küste zu Frauenburg 
einst Copernicus das grosse Werk nach langjähriger Arbeit vollendete, 
welches nicht nur alte , sogar geheiligte Vorurtheile für immer zu be- 
siegen vermochte, sondern auch damit eine epochemachende Grundlage 
für die weitere freie Forschung geworden ist. 

Das akademische Consistorium. 

Dr. KUPFFER, 

p. t. rector. 



133 

Krakau am 18. Januar 1873. 



L 



.ndem ich für die freundliche Einladung zum Gedenkfeste des un- 
sterblichen Copernicus , welches am 18. und 19. Februar in Thorn 
gefeiert werden wird , im eignen und im Namen der Krakauer Hoch- 
schule verbindlichsten Dank sage, muss ich mit Bedauern mittheilen, 
dass die Krakauer Universität am 19. Februar das Andenken des Co- 
pernicus als ihres Schülers feiern wird, und dass nach dem am 9. d. 
Mts. gefassten Beschlüsse des akademischen Senats an dieser Feier 
sämmtliche Professoren unserer Hochschule Theil zu nehmen haben, 
und von der Entsendung von Vertretern zur Theilnahme an der Be- 
gehung derselben Feier an andern Orten Umgang genommen werde. 

Ich werde jedoch nicht ermangeln, dem verehrten Vereine jene 
Schriften zu übersenden, welche aus Anlass dieser Säcularfeier so eben 
in der hiesigen Universität gedruckt werden. 



Mit ausgezeichneter Achtung 



Dr. FiERiCH, 
d. Z. Rector. 



arburg den 17. Februar 1873. 



F. 



ür Ihre freundliche Einladung zur Copernicus-Feier sagt der 
unterzeichnete Senat seinen verbindlichsten Dank. Leider war es uns 
bei der weiten Entfernung und während des laufenden Semesters nicht 
möglich, einen Vertreter unserer Universität zur Theilnahme an der 
Feier nach Thorn zu deputiren. Indess nehmen wir auch abwesend 
an Ihrem Vorhaben den lebhaftesten Antheil, wünschen Ihnen zu der 
bevorstehenden Feier von ganzem Herzen Glück und werden unserer- 
seits an dem Tage selbst wenigstens in Gedanken bei Ihnen verweilen. 

Der akademische Senat 
der Königlichen Universität Marbnrg. 
Arnold. 



134 



München den 10. Februar 1873. 

Der akademische Senat 
der k. Ludwig-Maximilians-Universität München 

an den Copernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. 



\ 



D. 



'er Tag, an welchem vor vierhundert Jahren Nicolaus Coper- 
nicus das Licht der Welt erblickte , bleibt in den Annalen wissen- 
schaftlicher Forschungen einer der unvergessenen Tage. Der pflicht- 
treue Domherr von Frauenburg , der hilfreiche Arzt der Armen , ver- 
stand es mit copernicanischem Ordnungssinn noch Zeit zu gewinnen, 
um eine neue physische Weltanschauung zu begründen und neue Er- 
kenntnissquellen zu eröflhen. Er hatte eine Lehrmeinung zu bekämpfen, 
welche durch mehr als zwei Jahrhunderte sanctionirt und auch durch 
den sinnlichen Schein unterstützt war , welche von den grössten Den- 
kern des Alterthums, von Pythagoras , Plato, Aristoteles, Hipparch, 
Archimedes festgehalten und welche zur Zeit des Copernicus sogar mit 
dem Schutze der Infallibilität umgeben war. Sein Forschertrieb und 
sein Trieb nach Erkenntniss der Wahrheit lehrten ihn die Mittel 
finden, einen Theil des Schöpfungsplanes aufzudecken und der Begrün- 
der einer neuen Epoche in der Astronomie zu werden. Die geistige 
Kraft des Copernicus erscheint um so bewunderungswürdiger , je ge- 
ringer die Hilfsmittel waren , die ein Zeitalter zu Beobachtungen bot, 
welches fast hundert Jahre vor der Erfindung des Fernrohres gelegen 
ist, und der Charakter des Copernicus erscheint um so verehrungs- 
würdiger als er, der Domherr, furchtlos und vertrauensvoll dem Papste 
Paul IIL die Resultate seiner Forschungen mit einer Dedication vor- 
legt, welche gleichmässig die Bescheidenheit des grossen Mannes wie 
jene unbesiegbare Festigkeit ausdrückt, die mit der Erkenntniss der 
Wahrheit verbunden ist. Copernicus war nach dem Ausdruck von 
Kepler: vir maximo ingenio et, quod in hoc exercitio magni momenti 
est , animo Über. 



135 



Wenn es unternommen wird, dem Andenken eines solchen Mannes 
am Tage und am Orte seiner Geburt durch eine Festfeier Ausdruck 
zu geben , so will die Ludwig-Maximilians-Universität nicht zurück- 
bleiben, ihre freudige Zustimmung den verehrten Männern zuzurufen, 
welche zusammengetreten sind , das Andenken an einen der grössten 
Forscher aller Zeiten festlich zu begehen, und wenn auch die Umstände 
es uns nicht gestatteten, einen persönlichen Vertreter zu jener Fest- 
feier abzuordnen, so sprechen wir hiermit auf schriftlichem Wege freu- 
digst unsere geistige Theilnahme aus. 

Der derzeitige Rector 
J. W. Planck. 



Münster den 29. Januar 1873. 



D. 



'er Unterzeichnete beehrt sich im Auftrage des Senats der König- 
lichen Akademie auf das gefällige Schreiben vom 18. d. M. den Dank 
der Königl. Akademie für die ehrenvolle Einladung zur Geburtstags- 
feier des grossen Todten , dessen Scharfsinn die Wissenschaft es ver- 
dankt, dass die folgenreiche Kenntniss einer der wichtigsten Thatsachen 
zum Gemeingute des Menschengeschlechtes wurde, auszusprechen und 
die innige Theilnahme der Akademie an den Bestrebungen des Vereins 
zu bekunden. Leider muss die Akademie ihr Bedauern aussprechen, 
dass es ihr nicht vergönnt ist, dieser ihrer Theilnahme persönlich Aus- 
druck zu verleihen, insbesondere da die beiden Mitglieder der Akademie, 
welchen durch Geburt und Studien diese hohe Festfeier zunächst und 
zumeist am Herzen liegt, Herr Geh. Reg.-Rath Professor Dr. Winiewski, 
geborner Thorner, und Professor Dr. Heis, der Astronom der Aka- 
demie, durch die unliebsamen Beschwerden des Alters verhindert sind, 
bei der Ungunst der Witterung eine so weite Reise zu unternehmen. 

Mit besonderer Hochachtung 

der z. Rector der Königlichen Akademie 
Karsch. 



136 



Inclitae Societati Copeenicanae Thorünensi 

ARCHIGYMNASn PatAVINI 

Rector. Senatüs. Professores 
S. P. D. 



N, 



atalis Nie. Copernici dies , quem celebrare vehementi studio 
paratis, nemo est, politioris humanitatis modo non expers, cui laetus 
et sacer esse non debeat; nobis autem vel maxime, qui tanto viro in 
nostra olim coUegia cooptato jure meritoque gloriamur. Invitationi 
itaque vestrae libenti animo obsecuti, clarissimum equitem Honorattim 
Occioni, ab Romana Universitate legatum, nos quoque delegimus, qui 
nostro insuper nomine et auctoritate bis saecularibus solemniis adfuisse 
velit. Ne quis autem rerum nostrarum immemores aut negligentiores 
in officio putet, nos quoque curare sciat, ut eodem natali die, in Aula 
nostra Majori, oratio publice habeatur de Copernici laudibus, titulusque 
e marmore pro nostri Galilei titulo ponatur, quo apertum sit nos duo 
illa humanitatis lumina, ejusdem doctrinae auctorem unum, assertorem 
alterum^ eodem simul honore ac veneratione complecti. 

Patavii die 10. Februarii a. 1873. 

Ferdinandus Coletti Rector Magnificus. 

Joan. Bapt. Pertile, Director Facultatis Theologiae. — J. P. Tolomei, 
Dir. Fac. Jurispr. — Vinc. Pinali, Dir. Fac. Med. —Dom. Turazza, 
/ Dir. Fac. Math. — Jos. de Leva, Dir. Fac. Philos. 

Steph. AGOSTiNi,Decanus Facultatis Theologicae. — Fr. Fantuzzi, Dec. 

Fac. Jurispr. — Fr. Marzolo, Dec. Fac. Med. — Joan. Zambler, Dec. 

Fac. Mathem. — Joan. Omboni, Dec. Fac. Philos. 

Joannes Giudice, 

Cancellarius et Notarius Universitatis Patavinae. 

(L.S.) 



137 



Prag den 26. Januar 1874 



L 



.ndem wir für die uns mit geschätztem Schreiben vom 10. d. M. 
zugekommene Einladung zu der am 19. Februar 1. J. abzuhaltenden 
Coperuicus-Feier unseren besten Dank sagen, müssen wir mit Bedauern 
eröffnen, dass der akademische Senat wegen der gerade zu dieser Zeit 
im vollsten Gange befindlichen Vorlesungen nicht in der Lage ist, einen 
officiellen Vertreter zu jenem Feste zu entsenden. 

Mit dem Wunsche des schönsten Verlaufes der Feier zeichnet hoch- 
achtungsvollst 

Im Namen des akademischen Senates 

der Karl-Ferdinands-Universität. 

Dr. Schier. 

d. Z. Rector. 



Rostock den 8. Februar 1873. 



D, 



"em geehrten Copernicus-Verein habe ich Namens und im Auf- 
trage der Universität Rostock den ergebensten Dank zu sagen für die 
Einladung zur Theilnahme an dem vierten Säcularfeste des Nicolaus 
CoPERNicus, welche das Festcomite so freundlich war uns zukommen 
zu lassen. 

Leider ist es uns zur Zeit, während der Dauer des Semesters, 
nicht möglich , uns durch einen Deputirten aus unserer Mitte bei dem 
so bedeutungsvollen Feste vertreten zu lassen; indessen nehmen wir im 
Geiste Alle herzlichen Antheil an der Feier und wünschen, dass die- 
selbe als ein helles Zeichen deutscher Wissenschaft und Bildung in der 
fernen Grenzmark des Reiches erfreuliche Früchte bringen möge. 

Der Rector der Landes-Universität 
H. Schwanket. 



138 



Strassburg den 30. Januar 1873. 



8. 



)chon an dem Tage der feierlichen Eröffnung der Universität, 
durften wir uns eines Grusses freuen , welchen der Copernicus- Verein 
für Wissenschaft und Kunst in Thorn aus der fernen Ostmark an die 
Westgrenze des deutschen Reiches gesendet hat. 

Die innige Theilnahme an den Geschicken des wiedergewonnenen 
Landes, welche der Copernicus- Verein dadurch bekundete, dass er als 
einer der ersten wissenschaftlichen Vereine zu der Neugründung der 
hiesigen Bibliothek in fördernde Beziehung trat, gab sich mit diesem 
Grusse einen neuen Ausdruck. Auch jetzt, wo dieser Verein das Ge- 
denkfest des grossen Astronomen vorbereitet, erweist er unserer Uni- 
versität die Ehre, sie zu den Feierlichkeiten des 18. und 19. Februar 
einzuladen. 

Wir senden dafür dem Copernicus-Verein unsern innigsten Dank. 
Wenn uns die weite Entfernung , und die an einer jungen Hochschule 
doppelt nothwendige Regelmässigkeit des akademischen Unterrichtes 
hindert, einen Vertreter aus unserer Mitte zu jenem Feste abzuordnen, 
so bitten wir die hochverehrlichen Mitglieder des Copernicus-Vereins 
dennoch die Ueberzeugung festzuhalten, dass wir hier in Strassburg mit 
einer ganz besonderen Theilnahme des Tages gedenken, an dem deutsche 
Männer, auf einem vielumstrittenen Boden, das Banner eines Namens 
entrollen, der auf das rühmlichste bekundet, dass es eine alte deutsche 
Culturstätte ist, die das Gedächtniss eines Heroen der Wissenschaft 
begeht. 

Möge der Copernicus-Verein aus der Festfeier und der lebhaften 
Begeisterung, welcher dieselbe überall in deutschen Landen begegnet, 
neue Anregung schöpfen, Wissenschaft und Kunst im Grenzlande zu 
fördern, und möge derselbe unserer Hochschule wie bisher seine freund- 
liche Gesinnung bewahren. 

Der Rector der Universität 
A. DE Bary. 



139 



Tübingen den 30. Januar 1873. 



L 



.hre verehrte Zuschrift vom 10. dieses Monats habe ich dem Senat 
der Universität Tübingen in seiner heutigen Sitzung mitgetheilt. Der- 
selbe hat von dem Vorhaben des Copernicus-Vereines , die vor 400 
Jahren erfolgte Geburt Ihres grossen Landsmannes durch ein würdiges 
Fest zu feiern, mit Interesse Kenntniss genommen und daukt Ihnen ver- 
bindlichst für die Einladung zur Betheiligung, die Sie unserer Univer- 
sität zukommen zu lassen die Freundlichkeit hatten. 

Bei aller Anerkennung des schönen Zweckes, den das projectirte 
Fest verfolgt, und neben dem lebhaften Wunsche, dass es nach allen 
Richtungen hin ein gelungenes Fest werden möge , ist der Senat doch 
nicht in der Lage, bei der Feier sich zu betheiligen. 

Die grosse Entfernung Tübingens von Thorn und die Unzuträglich- 
keiten, welche die längere Abwesenheit eines Deputirten während des 
Semesters noth wendig mit sich bringen würden, lassen diesen Entschluss 
wohl auch in Ihren Augen als gerechtfertigt erscheinen. 

Ihrem Wunsche entsprechend beehre ich mich, Sie unmittelbar nach 
dem gefassten Beschlüsse von solchem zu benachrichtigen. 

Der derzeitige ßector der Universität Tübingen 
Dr. Mandry. 

An die Vorsitzenden des Copernicus-Vereins für Wissenschaft 

und Kunst Herrn Prof. Dr. L. Prowe und Herrn Staatsanwalt 

VON Lossow. 



140 



Wtirzburg am 28. Januar 1873. 

Das Königliche Rectorat 
der Julius-Maximilians-Universität Würzburg 

an das verehrliche Festcomite 
des Copernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst in Thorn. 



A, 



.uf Ihre sehr geschätzte Zuschrift vom 10. (praes. 23.) laufenden 
Monats beehre ich mich im Namen und Auftrag des k. akademischen 
Senates zu erwidern, dass wir der 4. Säcularfeier des Geburtstages von 
Nicolaus Copernicus, welche der nach diesem Unsterblichen genannte 
Verein an seiner Wiege demnächst zu veranstalten gedenkt, unsere 
wärmsten Sympathien entgegenbringen, dass uns aber zu unserem auf- 
richtigsten Bedauern die Umstände nicht gestatten, für die mitten in das 
Semester fallenden Tage der Festfeier einen Vertreter aus unserer Mitte 
zu entsenden. 

Mit den besten Wünschen für einen in jeder Hinsicht befriedigen- 
den Verlauf Ihres grossartigen Gedenkfestes habe ich die Ehre zu 
zeichnen 

Euer Hochwohlgeboren 

ganz ergebenster 

Dr. RiscH, 
d. Z. Rector. 



I 



B. Gelehrte Gesellschaften. 



Breslau den 15. Februar 1873. 

Unser Verein erlaubt sich, dem hochziiverehrenden Copernicus- 
Verein für Wissenschaft und Kunst seinen ergebensten Dank für die 
Veranlassung einer des wahrhaft grossen Mannes würdigen Feier aus- 
zusprechen, den Thorn so glücklich ist, seinen Mitbürger nennen zu 
dürfen. Fürwahr ein Festtag für die ganze gebildete, hoch über dem 
Streite der Nationalitäten thronende Welt! 

Das Präsidium 
der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur. 

GÖPPERT. VON GOERTZ. VON UeCHTRITZ. 
KUTZEN. FrANCK. 



142 



Dresden den 2. Februar 1873. 



R 



'era geehrten Copernicns-Verein für Wissenschaft und Knnst 
erlaube ich mir Namens der Kaiserlich L. C. Deutschen Akademie der 
Naturforscher zu der bevorstehenden Säcularfeier die herzlichsten Glück- 
wünsche zu übersenden, und bedaure tief, dass es mir unmöglich ist, 
an dem 400jährigen Geburtstagsfeste Ihres glorreichen Mitbürgers per- 
sönlich Theil nehmen zu können. 



Der Präsident der Kaiaeii. L. C. Akademie der Naturforscher 
Dr. Behn. 



Frauenburg den 6. Februar 1873. 



D. 



"em sehr verehrten Vorstande des Copernicus-Vereins sagen wir 
für die gütige Einladung zu der erhebenden Feier des 19. Februar 
unsern verbindlichsten Dank. Da wir auch unsererseits in Verbindung 
mit dem Domkapitel zu Frauenburg denselben Tag hier festlich zu be- 
gehen gedenken, müssen wir leider auf die Freude verzichten, an jener 
uns persönlich zu betheiligen. Indem wir Ihrem schönen Vereine aber 
zu dem gemeinsamen Jubelfeste freudig unsere besten Wünsche dar- 
bringen, hoffen wir mit Demselben auch für die Zukunft stets in be- 
sonderer Weise geeint zu sein durch die Person des grossen Mitbürgers, 
wie durch den Geist, welcher diesen fern vom Gezanke der Tages- 



143 



leidenschaft ernst und klar die Wahrheit des nnermesslichen Himmels- 
raumes hat erforschen und darstellen lassen. 

Genehmigen Sie , hochverehrte Herren , den Ausdruck unserer 
vollen Hochschätzung , mit dem ich noch besonders persönlich mich 
zeichne 

ganz ergeben st 

Domherr Dr. Thiel, 
Präsident des historischen Vereins für Ermland. 



Königsberg den 3. Februar 1873. 



D. 



'em Copernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst spreche ich 
im Namen der Königlichen Deutschen Gesellschaft den ergebensten 
Dank für die sehr gefällige Einladung zu der bevorstehenden Feier in 
Thorn aus und füge mit aufrichtigem Bedauern die Bemerkung hinzu, 
dass der ergebenst Unterzeichnete durch seine amtlichen Geschäfte ver- 
hindert ist, an den vorbezeichneten Festlichkeiten Theil zu nehmen. 



Der Director der Königlichen üeutRchen (Gesellschaft 

SCHRADER. 



144 



Königsberg den 17. Februar 1873. 
Hochverehrte Herren! 



Si( 



)ie haben das grosse Verdienst, eine würdige Feier des Geburts- 
tages eines der grössten Gelehrten veranstaltet zu haben, auf welchen 
nicht nur Ihre Stadt, als sein Geburtsort, sondern die ganze Provinz 
stolz ist. Das ganze Vaterland , ja die ganze gebildete Welt , so weit 
sie Stätten zur Pflege der Wissenschaften enthält, feiert diesen denk- 
würdigen Tag. Dem grossen Copernicus verdankt die Menschheit die 
richtige Erkenntniss des Verhältnisses der Erde zur Sonne , auf welcher 
Erkenn tniss die Wissenschaft seit Jahrhunderten weiter gebaut hat. 
Sein Ruhm ist unsterblich! 

Ihnen aber , welche Sie seit vielen Jahren , mit regem Eifer und 
grossem Erfolg, den persönlichen Verhältnissen des berühmten Astro- 
nomen nachgeforscht und durch die jetzige Feier, sowie durch die 
Herausgabe eines revidirten und correcten Druckes von Copernicus' 
Hauptarbeit, sich ein besonderes Verdienst erworben haben, sind alle 
Verehrer jenes Mannes zu besonderem Danke verpflichtet. Auch die 
unterzeichnete Gesellschaft erkennt Ihr Verdienst gern an und entsendet 
Ihnen Gruss und Dank. 

Wir schliessen mit dem Wunsche: 

Dem grossen Copernicus ewigen Ruhm, 
Seiner Vaterstadt Thorn Glück und Gedeihen 
Dem Copernicus-Verein Erfolg und Ehre. 



Die Königliche physikalisch-ökonomische Gesellschaft. 
Der derzeitige Präsident 



Schieferdecker . 



145 



Posen (Brdowo bei Gollancz) den 4. Februar IS 73. 



D. 



'as gefällige Schreiben Eines hochlöblichen Vereins vom 16. Ja- 
nuar c. bin ich erst heute im Stande ergebenst zu beantworten, da ich 
von einer schweren Krankheit mich erst jetzt erholt habe. 

Ich bedaure aufrichtig, dass das bevorstehende vierhundertjährige 
Jubiläum in Thorn sich in zwei nationale Richtungen zersplittert, und 
nicht einen internationalen Charakter angenommen hat. Das ist auch 
der Grund, weshalb ich der mir sehr ehrenwerthen Einladung vom 16. 
Januar c. , wofür ich im Namen der Gesellschaft der Freunde der 
Wissenschaften meinen verbindlichsten Dank hiermit ausspreche, nicht 
folgen, und nur den Wunsch aussprechen kann, dass beide Copernicus- 
Vereine, durch gegenseitiges wohlwollendes Entgegenkommen beim Be- 
suche der Merkwürdigkeiten der Geburtsstadt des grossen Astronomen, 
den Beweis abgeben mögen, wie unendlich höher sie die geistige Be- 
deutung des Jubiläums über das Zufällig-Nationale des Jubilars setzen. 



Hochachtungsvoll 

Dr. Carl Ltbelt, 



Vorsitzender der Gesellschaft der 
Freunde der Wissenschaften in Posen. 



10 



146 



Wittenberg 12. Februar 1873. 



Ziu dem feierlichen Acte, welchen der Copernicns- Verein zum 
Andenken an den Mann begeht, mit dessen Namen er ^eine Aufgabe 
und sein Bestreben in sinnreiclier Weise bezeichnet hat, glaubt der 
Verein für Heimathkunde des Alt-Sächsischen Kurkreises zu Witten- 
berg sich besonders mitveranlasst , einen Glückwunsch aus der Ferne 
senden zu dürfen. 

In den Jahren, da Copernicus zu Frauenburg seine sorgfältigen 
Beobachtungen am Himmel anstellte, um den Schleier hinwegzunehmen, 
welchen die Naturforschung der Alten und ihre philosophischen Lehren 
über denselben ausgespannt, war hier ein Luther bemüht, das Bibel- 
wort in seiner Reinheit zum allgemeinen Verständniss wieder vor die 
Augen der Welt zu stellen. Der Eine machte der Menschen Augen 
frei und sehend , damit sie den Lauf der Gestirne in seiner Einfach- 
heit nach Gottes weiser Schöpfung überblickten, der Andere wollte den 
Geist der Menschen fähig machen, Gottes Wort selbst zu lesen und 
zu verstehen. Beider Bestrebungen, von so tief eingreifendem und 
nachhaltigem Einfluss, sind schon dadurch mit einander verknüpft, dass 
sie gleichzeitig eintraten, aber vor Allem doch auch dadurch, dass sie 
in ihrem tiefsten Grunde dieselbe Aufgabe enthielten, den Menschen 
von geistiger Sklaverei zu befreien und den ihm von Gott nach seiner 
Menschenwürde gebotenen Weg der freien Forschung wieder zugänglich 
zu machen. 

Wenn so schon ein allgemeines Band die Stadt der Reformation 
mit dem Manne der Wissenschaft, der einst zu Thorn der Welt zum 
Segen geschenkt wurde, vereinigt, so ist es doch nocli in Sonderheit 
ein anderer Beweggrund, der unsere Theilnahme mit vollem und freu- 
digem Herzen an dem Copernicus-Feste unbedingt fordert. 

Aus Wittenbergs Mauern eilte zu Anfang Mai des Jahres 1539 
ein junger Professor der Mathematik zu dem Gestade der Ostsee, dem 



147 



es hier bei seinen Studien keine Ruhe liess, bevor er nicht in dem 
grossen astronomischen Werke habe studiren dürfen, von dessen Vor- 
handensein schon mehrfacli die Kunde unter den Gelehrten sich ver- 
breitet hatte, und welches sein Verfasser bereits über ein Menschen- 
alter in seinem Pulte verborgen hielt. Die kühne That des jungen 
fünfundzwanzigj ährigen Georg Joachim Rheticus, der, wenn auch noch 
unbekannt und, wie er selbst von sich sagt, von geringer Bedeutung, 
aber von edler Wissbegierde erfüllt, nach Preusseu vordrang, sollte 
dem gi'eisen und bedächtigen Copernicus Herz und Lippen öffnen, um 
dem gelehrigen Schüler sein Buch zu entziffern und ihn in die Ge- 
setze des Himmels einzuweihen. Wenige Monden waren verstrichen, 
als schon im October jenes Jahres das Ergebniss dieser Studien an das 
Licht trat. Die »Narratio prima« des Rheticus, diese erste genaue 
Darlegung von der Bewegung der Erde um die Sonne, womit er seinen 
hochgeehrten Lehrer Johannes Schoner in Nürnberg überraschte, ist 
lange Zeit hindurch als eine Einleitung in das Copernicanische System 
betrachtet und benutzt, während er selbst hierdurch das Vertrauen und 
die Zuneigung seines greisen Gönners und Meisters sich in so hohem 
Grade erwarb, dass es ihm nach Jahresfrist gestattet war, das viel- 
besprochene astronomische Werk auf seiner Rückreise nach Wittenberg 
mitnehmen zu dürfen, um nach seinem Vorschlage den Druck desselben 
in Nürnberg besorgen zu lassen. Hiermit war ein Abschluss der 
langen Zögerung, welche der gelehrte Mann seinen Freunden gegen- 
über so hartnäckig gezeigt, eingetreten, und Wittenberg darf sich in 
gewisser Weise hierzu durch jenen entschlossenen und für die Wissen- 
schaft so begeisterten Mann, der gleichsam als Herold der Copernica- 
nischen Lehre dasteht, in Beziehung wissen. Und wenn die Wissen- 
schaft, so sie in Wahrheit und ohne Eigennutz die göttliche Erkenntniss 
sucht, einerseits die engherzig gezogenen Grenzen dogmatischer Auf- 
fassung und nationaler Beschränktheit aufhebt, so schlingt sie anderer- 
seits ein um so festeres Band um diejenigen, welche im Ringen nach 
Wahrheit nur den Weg einer strengen und objectiven Forschung dabei 
zu verfolgen im Stande sind. 

Mit diesem Festgrusse , wobei wir zugleich den aufrichtigsten 
Wunsch hegen, dass die Feier zum Andenken des Copernicus die Herzen 

10* 



148 



hoch erhebe und erquicke, reichen wir auch die Hand zu einem 
geistigen Bunde im Sinne jenes grossen Mannes, dessen Name in der 
Wissenschaft unsterblich ist, der aber auch nicht wollte, dass das Ge- 
wöhnliche und Niedrige sein Werk bekrittele. 

Die Mitglieder des Vereins für Heimathkuiide. 

Dr. Schmieder, Consistorialrath. Steinbach, Bürgermeister. 
Winter, Lehrer. Hinneberg, Lehrer. Prof. Dr. theoL Lom- 
MATZSCH. C. Heyne, Buchhändler. Dr. Wachs, Sanitätsrath. 
B. H. Rübener , Buchdruckereibesitzer. Knappe , Oberlehrer. 
D. Müller, Oberlehrer. Dr. H. Schmidt, Gymnasialdir. a. D. 
Dr. Eichelbaum, Arzt. Richter, Senator. Arnoldt, Kaufmann. 

Prof. Dr. Bernhardt, Prorector, Lehmann, 

Vorsitzender des Vereins. Lehrer, als Rendant. 



C. Sternwarten. 



V on den deutschen Sternwarten waren durch Abgeordnete ver- 
treten : Breslau (Prof. Dr. Galle), Leipzig (Prof. Dr. Bruhns), 
Danzig (Prof. Dr. Bail). 

Glückwunsch-Schreiben mit der Erklärung , dass amtliche oder 
persönliche Verhältnisse eine Vertretung nicht gestatteten, waren ein- 
gegangen von den Sternwarten Berlin (Prof. Dr. Förster*), Bonn 
(Prof. Dr. Argelander) , Königsberg (Prof. Dr. Luther) , Krems- 
münster (Dr. Augustin Reslhuber**), Abt und Director der Stern- 
warte) , Prag (Prof. Dr. Hornstein) , Strassburg (Prof. Dr. 
Winnecke), Zürich (Prof. Dr. Wolf). 



*) Prof. Dr. FÖRSTKii konnte seine ursprüngliche Absicht, der Coper- 
nicus-Feier in Thorn beizuwohnen, nicht ausführen, weil er sich für ver- 
pflichtet erachtete, bei dem in der Universitäts-Aula zu Berlin veranlassten 
Actus den Fest- Vortrag zu übernehmen. 

**) Dr. Reslhubku schliesst seinen »Sternwarte Kremsmünster am 
7. Februar 1S7;}« datirten Festgruss mit den Worten: »Wir werden uns im 
Geiste in Ihre Mitte versetzen und einstimmen in die Huldigungen, die Sie 
dem grössten und geistreichsten Forscher seiner Zeit darbringen, dessen Name 
ruhmvoll genannt wird , so lange unser festbcgründetes Sonnensystem fort- 
dauert.« 



150 



Von den ausserdeutsclien Sternwarten hatten Festgrüsse eingesandt ; 
die Kaiserl. Rnssische llanptstern warte zu Pulkowa Geh. Kath Dr 
Otto von Struve), die K. K. Sternwarte zu Krakau (Prof. Dr. F, 
Karlinski*) und die K. Sternwarte zu Florenz (G. B. Donati** 



*) Prof. Dr. Karlinski — welcher dem Copernicus- Vereine seit einem 
Decennium als Ehren-Mitglied angehört — konnte der Feier in Thorn nicht 
beiwohnen, weil er »als zeitiger Decan der philosophischen Facultät und 
Professor Ordinarius der Astronomie bei der von dem Senate der K. K. 
Jagellonen-Universität veranstalteten Copernicus-Feier den Fest- Vortrag zu 
halten hatte.« Dr. KaHlinski schliesst seinen d. d. 26. Januar 1873 nach 
Thorn entsendeten Festgruss mit dem Wunsche, »dass es dem Copernicus- 
Vereine gelingen möge, das Andenken des grossen Begründers der modernen 
Weltanschauung durch Errichtung einer Sternwarte ersten Ranges zu Thorn 
bald wieder zu feiern.« 

**) Der Schluss des von Donati »R. Osservatorio di Firenze ad Arcetri 
il di 9 Febbraio 1873« datirten Schreibens an den Copernicus-Verein lautet: 
»In nome del R. Osservatorio mando le piü sincere congratulazioni e felici- 
tazioni alla Patria di quel Celebre Homo, del cui Ritratto e stato recentemente 
ornato anche questo R. Stabilimento.« 



D. Danzig's gelehrte Schulen, 

das Gymnasium und die Realschulen 1. Ordnung zu St. Johann 
und St. Petri. 



Q. B. F. F. F. Q. S. 
CIVIBUS THORÜNENSIBUS 
civis inclutissumi 
NICOLAI COPERNIC 

terrae motoris, caeli solisque statoris 

Natalicia Qiiadrisaecularia 

die XIX M. Februarii a. MDCCCLXXIII 

soUemniter celebrantibus 

congratulantiir 

civitatis Gedanensis Scholae tres superiores 

Gymnasium Johannitana Petrina. 



C 



aelestis ordo, sideream poli 
nutu cliorearn qui regis indito, 
divinc, quem prlmordiali 
fudit ab ore pater supremiis, 



152 

cessante vasto tempora quom chao 
coepere diici et per vacuorn aethera 
ardescere orbitum cientes 
igniculi uranii meatum: ^ 

non certior lex legibus est tiüs, 
rhythmis tuis nil est numerosiiis, 
sed nosse leges, nosse rhytlimos 
ardua res anirao sagaci 

mortalis aevi. tetrica veritas 
ambage longa nititur; occupat 
mentis vigorem blandus error 
mosque vetus speciesque fallax, 

sive astra signis didere callidus 
Bell sacerdos multivagorum avet 
arcana rimari planetum et 
zodiaci duodena monstra, 

Aegyptiae seu mysta peritiae 
Nilive mensor dona Caniculae 
captare suetus solis aevum et 
Sothiacos meditatur annos, 

seu Graius olim Pythagoras lyrae 
mundum heptachordae fert similem ac globis 
exaequat intervalla nervisque 
harmoniam tribuens sonacem. 

stant magna Graecis nomina : non tarnen 

aut Archimedes aut Eratosthenes , 

non ceteri, quos excitare 

longa mora est , valuere tantum , 



153 

qiiantum reiectis, quos male creduli 
motare mundi censuerant focum, 
spretisque Aristarcho ac Seleuco 
praevaluit Ptolemaeus, ille 

per saecla solus dena qiiateriiaqiie 
dux disciplinaeque arbiter astricae, 
caeli rotatus circulorum 
arte movens statiiensque terram. 

sed veritatis noii manet in domo 
annosiis error, vindice pellitnr 
Prusso revictus. sol resumit 
promeritum sibi principatum, 

tellus movetur. sie sibi denique 
caelestis ordo constat. adaugeat 
tempus coliortem stellularum , 
ille tarnen sibi constat ordo. 

cessasne Prussi, Miisa, Copernici 
laudes referre? an, Graia, times lyrae 
aptare Baltum Vistulaeque 
tradere Niliacos lionores? 

„mundanus ille est", has videor tuas 
aiidire voces, ..ordine dum suo 
mundiis vigebit, non fatiscet 
fama viri. superavit ille 

livorem et atros luce siia dolos 
tenebrionum lusit ; abominor, 
si quid simultas aemulatrix 
invidiaeve odiive gestet. 



154 

regno Polono pariiit, indole 
ortuque gentis Teutoniae tarnen 
addictus in terra Borussa 
cosmothetes fiüt imiversi. 

liinc universi civis habebitur." 
sie Musa. gaude tu , mea Prussia , 
tu, Thorunum natale, gaude, 
aetherii comites honoris ! 

at vos Olympi a sede, Copernice, 
Keplere, Newtone, o pia numina, 
cavete ne obmutescat umquam 
vox Galilea : „Tarnen movetur" ! 



E. 



Berlin den 31. Januar 1873. 



L 



.m Auftrage Sr. Durchlaucht des Herrn Reichskanzlers 
beehre ich mich, Ew. Hochwohlgeboren für das gefällige Schreiben 
vom 16. d. Mts. und die Einladung zu der 4. Säcularfeier des Geburts- 
tages von Copernicus verbindlichst zu danken. 

Der Fürst von Bismarck hat mit lebhafter Befriedigung ver- 
nommen, dass jener denkwürdige Tag dort festlich begangen werden 
wird, und interessirt sich lebhaft für die von Ihnen in Aussicht ge- 
nommene Feier, zu welcher er aber leider durch seinen Gesundheits- 
zustand verhindert ist persönlich zu erscheinen. 

Mit Vergnügen benutze ich diesen Anlass etc. 



Der Königlich Preussischc Lei,^n.tioiis-Ratli 
Frh. V. D. Brincken. 



156 



Frankfurt a/0. den 28. Januar 1873. 



D. 



'cm verelirlichen Copernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst 
beehre ich mich auf die gütige Zuschrift vom 16. d. M. — mir zu- 
gegangen am 23. ejd. — ganz ergebenst anzuzeigen, dass ich der 
so ehrenvollen Einladung zu den Festen des 18. und 19. k. M. zu 
meinem innigsten Bedauern nicht im Stande bin die von mir auf das 
Lebhafteste gewünschte Folge zu geben. Gesundheitliche und amtliche 
Rücksichten machen mir meine Entfernung von Frankfurt um die 
gedachte Zeit schlechthin unmöglich. So bleibt mir nur übrig, den 
verbindlichsten Dank für die mir zugedachte Auszeichnung mit der 
Versicherung zu begleiten, dass ich das schöne Fest mit dem ganzen 
Antheil verfolgen werde , zu dem es auffordert, und den ich nur zu 
gern in persönlicher Gegenwart bethätigt hätte. 
Genehmigen Sie etc. 

Dr. SiMSON. 



Berlin den 28. Januar 1873. 



D. 



'er geehrte Verein hat die Aufmerksamkeit gehabt, mich zu der 
am 18. und 19. Februar d. J. zu Thorn stattfindenden vierten Säcular- 
feier des Geburtstages von Nicolaus Copernicus einzuladen. Un- 
geachtet meiner vollkommenen und anerkennenden Würdigung der 
Absicht , welche den verehrlichen Verein bei der in Aussicht genom- 
menen Feier leitet, vermag ich doch zur Zeit noch nicht zu bestimmen, 
ob meine Dienstgeschäfte mir gestatten werden , Ihrem Feste beizu- 
wohnen. Gern würde ich übrigens Ihre altehrwürdige Stadt, in der 
ich vor einer Reihe von Jahren , wenn auch nur kurze Zeit , gelebt, 
bei diesem Anlass wiedersehen. Ich behalte mir deswegen vor, Ihrer 
Einladung zu folgen, falls die Umstände es gestatten sollten, was ich 
aber leider kaum zu hoffen wage. 

Gr. V. RooN. 



157 



Berlin den 5. Februar 1873. 



De 



'em Copernicus-Verein ermangele ich nicht für die freundliche 
Einladung zu der am 18. und 19. d. Mts. zu begehenden Feier meinen 
ergebensten Dank abzustatten. 

Ich wünsche, dass das bevorstehende Gedenkfest einen, des grossen 
Gefeierten würdigen und den Veranstaltern zur vollen Befriedigung ge- 
reichenden Verlauf nehmen möge, bin aber zu meinem Bedauern ge- 
nöthigt, mir mit Rücksicht auf dringende Amtsgeschäfte die persönliche 
Theilnahme an demselben zu versagen. 

Der Minister des Innern 

Gr. EULENBÜR(i. 



Berlin den 25. Januar 1873. 
B. 243. 



D. 



"em Copernicus-Verein danke ich auf das gefällige Schreiben vom 
10. d. Mts. verbindlich für die Einladung zu der am 18. und 19. k. Mts. 
daselbst stattfindenden 4. Säcularfeier des Geburtstages von Copernicus, 
bedaure jedoch im Hinblick auf die gegenwärtig meinem Ministerium 
obliegenden dringlichen Geschäfte, derselben weder persönlich noch 
durch einen Stellvertreter beiwohnen zu können. 



Falk. 



158 
Berlin den 31. Jannar 187 3. 



D< 



'em Copernicus- Verein für Wissenschaft und Kunst beehre ich 
mich, meinen verbindlichsten Dank für die unter dem IG. d. Mts. er- 
gangene Einladung zur Theilnahme an der Feier des vierhundertjährigen 
Gedenkfestes der Geburt des grossen Forschers Copernict^s ergebenst 
auszusprechen. 

Von der mir als Vertreter des Herrenhauses erwiesenen Aufmerk- 
samkeit werde ich nicht verfehlen, dem Hause Kenntniss zu geben, 
das , wie ich nicht zweifle, gleich mir , dem Unternehmen des Vereins 
seine volle Theilnahme zuwenden wird. Persönlich an der Feier Theil 
zu nehmen , hindern mich zu meinem Bedauern die Rücksichten auf 
die Oblieg^enheiten meiner amtlichen Stellung. 



'ö' 



Der Präsident des Herreiihanses 

Gr. V. ST0LLBERC4. 



Königsberg den 1. Februar 1873, 



L 



.n Erwiderung auf das gefällige Schreiben vom 14. v. M. nehme 
ich das mir zugedachte Amt eines Protectors des dortigen Copernicus- 
Vereins für Wissenschaft und Kunst hierdurch mit ergebenstem Danke an. 
Der am 18. und 19. d. M. dort stattfindenden vierten Säcular- 
feier des Geburtstages von Nicolaus Copernicus würde ich sehr gern 
beiwohnen. Ich vermag aber zur Zeit noch nicht zu übersehen, ob 
die Verhältnisse mir die Erfüllung dieses Wunsches gestatten werden, 
und ich muss mir daher vorbehalten, Wohldemselben noch eine beson- 
dere Anzeige für den Fall zugehen zu lassen, dass es mir möglich sein 
sollte, der an mich ergangenen gefälligen Einladung Folge zu leisten. 

Der Wirkliche Geheime Rath und Ober-Präsident 

V. HORN. 



159 



Königsberg den Iß. Februar 1873. 



L 



.m Verfolg meines Schreibens vom 1. d. Mts. benachrichtige ich 
den Vorstand ergebenst, dass ich nach längerer Abwesenheit soeben, 
mit einer starken Erkältung behaftet, hier wieder eingetroffen, und 
daher schon aus diesem Grunde, auch abgesehen von dringenden Dienst- 
geschäften, die jetzt meine Gegenwart hierselbst erfordern, zu meinem 
lebhaften Bedauern ausser Stande bin, der Säcularfeier des Geburts- 
tages von NicoLAüS CopERNicrs beizuwohnen. Ich muss mich daher 
darauf beschränken, schriftlich den Wunsch auszusprechen, dass die 
Feier in jeder Weise durch die Umstände begünstigt werde und den 
Leitern wie allen Theilnehmern zu voller Befriedigung gereichen möge. 

Der Wirkliche Geheime Rath und Ober-Präsident 

V. HORN. 



D 



Berlin den 23. Januar 1873. 

em hochgeehrten Verein sage ich meinen allerverbindlichsten 
Dank für das gütige Andenken, welches Sie mir durch die schmeichel- 
hafte Einladung zur 4. Säcularfeier des Copernicus-Tages bewiesen 
haben. 

Leider bin ich nicht gesund genug, um in gegenwärtiger Jahres- 
zeit weitere Reisen unternehmen zu können. Auch fesseln mich gerade 
in den bezeichneten Februartagen verschiedene Verpflichtungen des Hof- 
dienstes an Berlin. Sie wollen daher mein Ausbleiben gütigst ent- 
schuldigen und mir auch fernerhin die bisherigen geneigten Gesinnungen 
erhalten. 

Mit grösster Verehrung 

ganz ergebenst 

Gr. Stillfuiei). 



100 
Berlin den 28. Januar 1873. 



D. 



'urch die Einladung, welche der Copernicus- Verein mir zu dem 
bevorstehenden Gedenkfeste für Copernicus unter dem 16. d. M. hat 
zugehen lassen, fühle ich mich hochgeehrt. Indessen muss ich es mir 
versagen, derselben zu folgen, da meine sich fort und fort mehrenden 
amtlichen Geschäfte meine Zeit vollständig in Anspruch nehmen. In- 
dem ich dem Vereine daher für seine freundliche Aufmerksamkeit er- 
gebenst danke, versichere ich den Verein meiner wärmsten Theilnahme 
für sein schönes Unternehmen und wünsche von Herzen, dass das die 
Augen der gesammten gebildeten Welt auf sich ziehende Fest sich in 
glücklicher, harmonischer Weise vollziehen möge. 

Der Geheime Kabinets-Kath 

V. WiLMOVrSKI. 



Berlin den 28. Januar 1873. 



D. 



"em geehrten Fest-Comite des Copernicus-Vereins sage ich ver- 
bindlichsten Dank für die gütige Einladung zu der auf den 18. und 
19. Februar anberaumten Feier. Zu meinem grossen Bedauern jedoch 
sehe ich mich genöthigt hinzuzufügen, dass mein gegenwärtiger Ge- 
sundheitszustand und die Beschränktheit meiner Zeit mir nicht gestatten, 
der mir kundgegebenen, so überaus freundlichen Absicht zu entsprechen. 
Mit dem Wunsche, dass die seltene Feier in den weitesten Kreisen die 
ihrer Bedeutsamkeit gebührende Anerkennung und Theilnahme finden 
möge, bin ich mit der vollkommensten Hochachtung 



des geehrten Fest-Comites 



ergebenster 



V. Hülsen. 



16J 



Königsberg den 1. Februar 1873. 



D. 



'en geehrten Vorsitzenden des Copernicus- Vereins für Wissen- 
schaft und Kunst beehre ich mich, auf das geehrte Schreiben vom 
16. Januar, ganz ergebenst zu erwidern, dass ich zu meinem Bedauern 
der Einladung zur Theilnahme an der 4. Säcularfeier des Geburtstages 
von Copj:rnicus keine Folge geben kann, indem dienstliche Gründe, 
speciell die Abwesenheit des Chefs des Generalstabes, mich verhindern, 
die Garnison zu verlassen. 



Hoch ach tu ngs voll 



V. Barnekow, 



Generallientenant, mit dem Range eines 
commandirenden Generals. 



Danzig den 14. Februar 1873, 

All den Coperiiicus-Verein 
fflr Wissenschaft und Kunst in Thorn. 



D< 



'em geehrten Vorstande des Copernicus- Vereins für Wissenschaft 
und Kunst statte ich meinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank für 
die geneigte Einladung vom 16. v. Mts. hiermit ganz ergebenst ab. 

Wenn dies erst jetzt geschieht, so bitte ich die stattgehabte Ver- 
zögerung dadurch zu entschuldigen, dass es mein lebhafter Wunsch war, 
mit dem Dank für die mir erwiesene Ehre zugleich die Anzeige zu 
verbinden, dass ich im Stande sein würde, der gütigen Einladung zu 
dem bedeutsamen Feste Folge zu leisten. 

11 



l(i^ 



Zu meinem aufrichtigen Bedauern ist mir dies selbst jetzt noch 
nicht möglich , da parlamentarische Pflichten mich nach Berlin rufen 
und ich nicht abzusehen vermag, ob dieselben mich nicht gerade für 
die Festtage dort zurückhalten werden. Sollten die Verhältnisse es 
irgend gestatten, dann werde ich wenigstens an den Festlichkeiten des 
19. d. Mts. Theil zu nehmen mir die Ehre geben. 

Um indess das Interesse der Stadt Danzig an der Feier unter 
allen Umständen zu bethätigen , wird der Magistrat als Vertreter der 
hiesigen gelehrten Schulen den Stadt-Schulrath Herrn Dr. Oosack zu 
dem Feste abordnen, und bitte ich, denselben unter die Zahl der Gäste 
freundlich aufnehmen zu wollen. 

Unter Wiederholung des aufrichtigsten Dankes und mit den herz- 
lichsten Wünschen für den unzweifelhaft glänzenden und würdigen 
Verlauf der Feier habe ich die Ehre mich zu zeichnen 

ganz ergebenst 
V. Winter. 



16:) 



Ad L. Prowe et E. de Lossow 

viros doctrixa et munere praestantissimos 

Alois Chrysostomus Ferruccius 

S. P. D. 



E, 



Igo vero videbor vobis vel parum gratus vel expers humanitatis 
(quae tarnen in litteris esse solet humanior) qui invitationi vestrae per 
epistolam datam X Kalend. Februar, hactenus rescribere distulerim 
inexcusabili negligentia silentii. Dicam equidem quod vix credibile sit 
in expeditissima tabellariorum excursione. Ea epistola perlata est ad me 
in Bibliotheca Mediceo-Laurentiana, cujus praefectura fungor, III No- 
nas Martias ! Hoc intervalli quasi miraculum testis sit apud vos inter- 
ceptae voluntatis meae, cujus significatio cum censu memoris gratique 
animi nimis diu passa est retardari maleficio alienae socordiae. 

Pro certo liabete, me nihil aut magis acceptum, aut honorificum 
magis liabuisse , quam munus invitantis epistolae vestrae. Qui enim 
CoPERNicuM (quem mundanum civem licet appellare) venerari ac dili- 
gere a studiis philosophicis juventutis jam didici, libens volens ad 
ejusdem festa secularia me contulissem hospes oppido receptissimus, 
nisi per lustra aetatis XVII necessaria excusatione rescribere ad vos 
debuissem. 

Nee ego respondens usus essem Gallica dictione; qui probe scio, 
quanti apud vos sit Sermo Patrius ab Urbe profectus, quae patria est 
omnium ingeniorum. Gallica enim dictio in curta veste procedens officit 
nobilitati, quae Latinae linguae Patrimonium est a majoribus, ejusque 
copiam nequidquam desiderat. 

Pergite, illustres Viri, exercitationibus tueri possessionem in qua 
estis Linguae, quam ab institutis et legibus fas est dicere imperatoriam. 
Tempus enim adveniet, ex sententia cl. Lowe apud Anglos praepositi 
ministerio rationum aerarii omnium, quo Sermo Patrius jura per Euro- 
pain recipiet sua, virtuto propria, usu commodiore. 



i64 



Etenim incumbere in idiomata plura (hoc iino posthabito) furatui* 
horas, ne dicam dies et annos doctrinis inter philosophos ciüuscunque 
nationis communicaudis. 

Baconem audite ; Copernicum ipsum aemulamini ! religione quadara 
ad ejus exemplum formnti. Lingua enim Ciceronis, et Taciti (qiiidquid 
in adversum circumsonet) lingua est perfeetae eloquentiae, significatio 
potioris philosophiae. Qui Ciceronem carpunt ab orationibus, omittunt 
eum aestimare philosophum tum verbis tum sententiis, sed praeeipue 
judicio delectus incomparabilem. 

Mitto ad vos libellum, qui est TTAPEPrON Fabularum mearum 
cum praefatione , quam vos perlegere fert opus : missurus breviter 
Fabularum fasciculos tres editos ante Fdecta Carmina, quae Lipsiae typis 
J". A. Brockhaus prodierunt anno proxime elapso. 

Valete. 

d. Florentinae in R. Bibliotheca Mediceo-Laiirentiana 
prid. Nonas Mart. A. MDCCCLXXIII. 



Braunsberg den 12. Februar 1873. 



De 



'em hochverehrten Vorstande des Copernicus-Vereins für Wissen- 
schaft und Kunst in Thoru bin ich erst jetzt — acht Tage vor der 4. 
Säcularfeier des Geburtstages seines Patrones — in der Lage, auf die 
unter dem IG. Januar d. J. an mich ergangene gütige Einladung zu 
dem schönen und vielversprechenden Feste definitiv antworten zu können, 
indem sich erst jetzt endgültig die Unmöglichkeit für mich herausge- 
stellt hat, am 19. d. M. in Thorn anwesend zu sein. Die von dem 
Ermlündischen Domkapitel für denselben Tag projectirte Copernicusfeier 
nämlich macht es mir unter den hiesigen Verhältnissen geradezu zur 
Pflicht, einer Einladung des Frauenburger Fest-Comite nachzukommen 
und durch Vorzeigung und Erklärung der für diesen Zweck zusammen- 
gebrachten Copernicanischin Schriften, Bücher, Bilder und Monumente 



105 



den in Franenbnrg versammelten Festgenossen nach Kräften Belehrung 
und Genuss zu verschafl'en. Sie werden, hochgeehrte Herren, gewiss 
gern meiner einfachen Versicherung glauben, dass es mich einige Ueber- 
windung kostete, darauf zu verzichten, den vierhundertsten Geburtstag 
des grossen Astronomen in der mir bis dahin noch unbekannten Ge- 
burtsstadt desselben mit Ihnen nach dem so schönen und reichhaltigen 
Programm, das Sie mir zu übersenden die Güte hatten, zu feiern — 
allein wie die Sachen hier einmal liegen , muss ich es geradezu als 
meine Pflicht ansehen, heute über acht Tage am Grabe und nicht an 
der Wiege unseres Copernicus mich einzufinden. Und so werden Sie 
denn — ich bin überzeugt — mit demselben Wohlwollen, das sich in 
Ihrer Einladung aussprach, meine Entschuldigung und mit ihr zugleich 
auch den Ausdruck n^eines aufrichtigen Dankes für Ihre Güte entgegen- 
nehmen und ebenso als einen geringen Beweis meiner herzlichen Theil- 
nahme und Ihrer Festesfreude die Gabe einer im Namen des historischen 
Vereins für Ermland von mir herausgegebenen Jubelschrift, des »Spici- 
1 e gi u m C p e r n i c a n u m « , an dessen Schlüsse ich Gelegenheit gefunden 
habe, den Mitgliedern Ihres geehrten Vereins, die mich dabei treulich 
unterstützt haben, meine dankbare Anerkennung für deren verdienst- 
liche Leistungen auch öffentlich auszusprechen. 

Und so mögen denn Thorn und Ermland auch ferner in freund- 
schaftlicher Weise mit einander wetteifern, das Andenken eines wahr- 
haft grossen, edlen und weisen Mannes zu ehren, den beide mit Recht 
den Ihrigen nennen können und in dessen Bewunderung und Nacheiferung 
wir uns stets geeint finden werden in dem unablässlichen Aufstreben 
nach der Sonne der ewigen Wahrheit, die in die Finsternisse dieses 
Erdenlebens hineinleuchtet und in der — um mit Copernicus zu sprechen 
— die Fülle der Seligkeit wohnt und alles Gute — in quo tota felicitas 
est et (rmne honiim. 

Genehmigen Sie, hochgeehrte Herren, bei dieser Veranlassung den Aus- 
druck der besonderen Hochachtung, in der ich, unter den besten Wünschen 
für die Wohlfahrt Ihres Vereines und einen glücklichen Ausgang Ihres 
Festes, allezeit verharre. 

Ihr ergebenster 

Professor Ur. F. IHpler. 



166 



Leipzig den 15. Februar 1S73 



Mi 



it dem ergebensten Danke für die mich ehrende Einladung zu 
Ihrem* hohen Feste, die ich gestern erhalten, muss ich leider das Be- 
dauern vereinen, derselben nicht folgen zu können. Die Erde bewegt 
sich freilich noch ganz munter trotz ihres hohen Alters, der Mensch 
verliert leider mit den Jahren seine Beweglichkeit. In Gedanken werde 
ich indess Ihrem Feste nahe sein; und wie die Erinnerungen an das 
Gymnasium, an mein kleines Wohnstübchen in dem Copernicus-Hause 
an der Ecke der Annen- und Bäckerstrasse, wo das Copernicus-Bild 
mit dem dunkelrothen Wammse ernst auf mich herabgeschaut, wie die 
Erinnerungen an das Wohlwollen , das ich in Thorn erfahren , mein 
Dankgeftihl freudig bewegen : so ist mein Herz auch tief erregt von 
den besten Wünschen für den glücklichen Verlauf Ihres frohen Festes 
und für das allseitige Wohl unserer alten, guten deutschen Stadt Thorn. 

Mit vorzüglicher hochachtungsvoller Ergebenheit 

J. LÖWENBEßG. 



Halberstadt den 25. Januar 1873. 



D. 



'urch Ihre gütige Einladung zu der Feier des 40 Osten Geburts- 
tages unseres grossen Copernicus fühle ich mich sehr geehrt und hoch- 
erfreut; gestatten Sie mir, dass ich Ihnen für dieselbe meinen ganz 
ergebensten und wärmsten Dank darbringe. 

Bei dem hohen Interesse, welches mich seit langen Jahren für den 
welthistorischen, grossen deutschen Denker und sein unvergängliches 
Werk beseelt, könnte es für mich nichts Erfreulicheres und Lieberes 
geben, als dieser Ihrer Einladung zu folgen. Und doch, — nach reif- 
lichstem Erwägen der Wege, auf denen ich meine persönliche Theil- 
nahme an dem Feste ermöglichen könnte, — sehe ich , zu meinem 
schmerzlichsten Bedauern, mich in der betrübenden Nothwendigkeit, mir 
die Erfüllung dieses Herzenswunsches zu versagen. 



167 



Meine innigste Tlieilualime wiid aber aus der Ferne Ihrem schönen 
Feste lebliaft zugewandt sein, und indem icli Sie angelegentlichst und 
ganz ergebenst ersuche, meine gezwungene persönliche Abwesenheit bei 
demselben geneigtest entschuldigen zu wollen, habe ich die Ehre, mich 
zu zeichnen als 

Ew. Hoch wohlgeboren hochachtungsvollst ergebener 

Dr. Menzzer. 



Gaste 11 in Rheinhesseh den 17. Februar 1873. 

All E. Wohll. Vorstand der Coperiücanischen Gesellschaft 
in Thorn. 

Geehrte Herren! 

ixus weiter Ferne rufe ich zu dem schönen Festtage ein herz- 
liches »Glück auf«! Zur besonderen Ehre rechnend, dass ich an dem 
Tage, wo es 400 Jahre sind, dass Copernicus das Licht der Welt 
erblickte, die Locomotive dör Hess. Ludwigs-Bahn fahre, die den Namen 
des grossen Gelehrten trägt , glaubte ich mir erlauben zu dürfen , die 
Anzeige zu machen, dass auch hier am Rhein ein kleines Fest gefeiert 
wird zu Ehren dessen, den Gott berufen, in trüber Zeit der Mensch- 
heit eine Leuchte zu sein. 

Die Gravitation ist das Gesetz, nach dem sich das grosse Sternen- 
meer im unendlichen Weltraum bewegt; gleich diesem soll die Gravi- 
tation der Geister das Gesetz sein, nach dem die Menschheit sich be- 
wegt. Jeder soll wissen, dass er nur ein Theil des Ganzen ist. Vor- 
wärts ist die Bahn aller getreu unserer Bestimmung »Gottähnlichen« ! — 

Zur würdigen Feier des Tages (19. d. M.) ist meine Maschine mit 
Kränzen geziert, und werde ich mich nicht wenig freuen, nach meinen 
geringen Kräften mit beigetragen zu haben zur Erinnerung an den 
grossen Gelehrten Copernicus. 

Hochachtungsvoll 

Jacob Schick, Locomotivf (ihrer. 



168 



ixusser den vorstehend Aufgeführten hatten Glückwunsch-Schreiben 
zum Feste eingesandt, bez. die Behinderung an der Copernicus-Feier 
Theil zu nehmen angezeigt : Appellation sgerichts-Präsident Breithaupt 
zu Marienwerder, Dr. Cantor, Professor an der Universität zu 
Heidelberg, Pastor Hepner zu Dan zig, Justizrath Hoffmann zu 
Berlin, Dr. Alois Gruber zu Wien, Dr. Franz Hülskamp zu 
Münster, Geh. Regierungs-Rath Koerner, früher Ober- Bürgermeister 
von Thorn und Begründer des Copernicus-Vereins , Propst Lehmann 
zu S c h k e 1 e h bei Naumburg a/S . , Justizrath Lesse zu Berlin, 
Geh. Regierungs-Rath von Quast, Conservator der Kunstdenkmäler in 
Preussen, Dr. Röpell, Professor an der Universität zu Breslau, 
Dr. Martin Schultze, Rector der höheren Töchterschule zu Cüstrin, 
Major von Wichert zu Strassburg i/E., Dr. Winckler, Conrector 
am Dom-Gymnasium zu Colberg. 



De Nicoiao Copernico 

die natali eius in secula IUI redeunte 

(d. 19. Febr. 1873). 

Aude aliquid malus — (monet hoc me saepe Camena 
Interius) — permitte tibi te, praeter inanes 
Effectu leges, incommoda vincula et usus ; 
Quae liciti fines praescribunt, atque coartant 
Iura voluntatis, sunt arbitrioque catenae. — 
Proposito metae nullius it altius actus 
Quam speravit homo, superatque cacumen Olympi. 
Quod si praecipitet, bene praecipitavit ad imum, 
Alteri ut alterius sint fundamenta ruinae. 
Nunquam alias iunctis elementis ignis et undae 
Per terras equitare fuit, per et aequora ponti 
Electri virtute loqui, petere ardua caeli 
Acre concluso in tenui levitate globorum : 
Et quod stulticiae nomen tulit, esse in honore 
Cepit, inaccessae neque terret gurges abyssus. 
Non ideo experiar sortes ego vincere fati 
Decreto huraani : nee aquas temerarius ibo 
Ignotas penitus tentare, et vcrtere fundo, 
Ingenii cymba fragili per operta vagante. 



17(1 



Coiiimemorare tarnen decet iillos mente sagaci 
Sic valide instructos, sie iudicioque potentes, 
Cuncta nova ex veteri ut facerent errore scliolaruin 
Atque manu magna caelum ipsum paene moverent. 

Quanta fuit nebulae vis, et tenebrosa meatu 
Quae via, ne saeptis exires maximus index, 
Idem etiam antistes novifcate, Copernice, motus? 
Philolai vetus est sententia (pone magistrum 
Pytliagoram Samium, quem pliilosopliia iocavit) 
Sole regi medio positis systema planetis 
In gyrum varia ratione modoque rotandi, 
Scilicet 4n sese motu per aperta diurno, 
Et circa Solem producto latius orbe. 
Tempore quemque suo, iuxta praescripta Creantis. 
Tu, Nicolae, facis redivivum hunc, a Ptolomaeo 
Deficiens, tibi fautores et acumine mentis 
Adiungis socios, quibus ausu maximus audis. 
Pulsa throno Tellus accessus atque recessus 
Tunc seit habere suos, comitesque in tramite Stellas, 
Quae regina prius meruisse a Sole tributum 
Lucis et immotam concentu stare putabat 
Astrorum, et circa sese trahere orbibus orbes. 
Tunc reges timuere sibi, Tellure repressa, 
Ne caderent sua iura, et par fortuna daretur. 
Sed Gabaon stupuit minus imperiosius illud 
Verbum, quo losua assumpsit sibi sistere Solem, 
Excidiumque suum a causis potioribus hausit. 
Volvitur axe suo radiisque super volat omne, 
Quod circa est, Sol immensus, virtute caloris 
Corpora et invadit levitate rotantia cursus 
Perpetui, quae formarum variare figuras, 
Et proprii fecunda facit de luminis ictu. 
Nulla intacta raanet pars integritatis eorum, 
Nee latebrae officiunt, neque saxea viscera vitant 
Incur^um, proliibetur aquis nee mascuUis ardor. 



J71 



Primus in orbe Dens (qui vere est eins imago) 
Sol fiiit, et rapiiit ciiltum pieriimque videntiim. 
Nunc etiani in genua effusus Solem Incas adorat 
Quo vis mane novo, docet et genus omnium equorum, 
Quos regit, id facere, eveniens dum prodit ab undis. 
A Sole Auctorem ad summum brevis est gradus eius. 
Si quid liabent homines quod sit ratione paratum, 
Prona salutari iit superent animalia captu. 
Omnia laetificat Sol : nee Natura resistit 
Hiüc puero, cito qui iuvenis complectitur illam. 
Et vespertinus trahit ad mysteria noctis. 
Quare consiliis tenebrosa in crastinum aperto 
Emergunt partu, inveniunt lucemque diei. 
Extimuit lucem semper scelus, esse et in umbra 
Virtus condoluit, quamvis radix sit honoris 
Iure dati, si quando dabunt cunctantia fata. 
Maeror liic, ille metus deberent nempe docere 
Principiis sensu certis, et corde repostis 
Quid sit Sol rerum, quid nox a Sole reducta, 
Consociare sibi quam Sol tarnen ardet in actu. 
Hie est primus amor, ceu prima redemptio gentis 
Humanae, Dens ostendit quam Christus iniquis, 
Hos et, prae iustis, promissa pace vocavit. 
Si quis philosophus velit obtrectare, licebit ; 
Pace carere tamcn patiatur, et esse suorum 
Ipsum admissorum longa formidine servum. 
Cur lumen fugit ingratus, nee Sole calescit 
lustitiae, medius qui stat, sumatur ut inde 
Vita nova, et vigeat sensu praestante voluntas? 

Omnia ad occasum vergunt, breviterque fatiscunt 
Exanimata locis, quibus iuduxere caduca 
Corporum, inexpleta vice semper lucis et umbrae. 
Spiritus obluctatur agens se (quis neget?) audax 
Supra turpe lutum, et cineres putredine mixtos, 
Vt videat Solem aeternum, (juem sperat ^nbelu?) 



172 



Libertatis homo, simul ac sua membra reliquit. 
Hanc spem posthabita, Nicolae Copernice, terra 
Provehis, in medio stellarum Sole locato, 
Vnde iter ad solhim fiat sublime Creantis. 
Sint a Keplero manifestae postea leges, 
Per quas ellipsis curvamine quisque planeta 
Se gerit in cursu, vacimmque per aera fertur 
Mole sua : intuitu divino hoc tu prior illo 
Novisti, scriptoque etiam nunc teste notasti. 
Quod Galilaeus adhuc renovati motibus Orbis 
Addidit invicta ratione, obatante caterva 
Caecorum, si displicuit, potuitque morari, 
Non ideo eripuit successum talis, itemque 
Tautae doctrinae, quae suffragatur abunde 
Divinae Fidei, cumulatque cacurfiine templum 
Immortale Dei, cui rerum serviat ordo. 
Hos igitur virtute pares omnis colet aetas, 
Et tantum adjiciet meritis utriusque magistri, 
Quantum caeca cohors visa est deducere honoris. 

Vobis centeno tribuetur quolibet anno, 
Philosophi insignes, laus multipHcata virorum 
Conventu celebri et plausu concorditer uno, 
Praecipue quia iudicii sententia vestri 
Praestitit arbitrio, revocavit et ad sua iura 
Solem hunc, lustitiae ad Solem ut sit rectius ire, 
Cuius in orbe Deus sedet, aeternumque sedebit. 



Florciitiae in R. Bibliotlieca Mediceo-Laurentiaiui Kai. Augiisü 
A. MDCCCLXXII. 



Aloisius Chrysostomus Ferruccius 
eiusdem Bibliothecae Praefectus. 



7*^ 



Nicolaus Copernicus. 

Zur 
Feier der 4 00 jähr. Wiederkehr seines Geburtstages 

am 19. Februar IST 3. 



Ja feiern wir Dich! heiif stehst Du vor uns, der Mann still 

Schaftender Arbeit, 
Den sinnenden Blick zum Himmel gewandt in des Geistes ernstester 

Sammlung, 
Bis Dir sich enthüllt , dem Denker zum Lohn , der wandelnden 

Sterne Geheimniss. 
Am Geiste Du gross, doch auch frei Du am Geist und 

vereint mit den Rittern vom Geiste, 
5 So riefst Du herbei, im Solde des Lichts, der Zeiten gewaltigen 

Umschwung ! 
Derweil Du entfernt vom Geräusche der Welt die himmlischen 

Kreise noch ordnest, 
Vertiefte sich schon, vereinsamt zuerst, dass Frieden erfüllte die 

Brust ihm, 
hl des Glaubens Schacht des Bergmanns Sohn , der bibeldurch- 

spähende Luther, 
Und fördert zu Tage — schon harrt ja das Volk — das Gold 

erlösender Wahrheit. 
M» Doch wälirend Ihr uns die Himmel gewinnt, der eine den sterne- 

geschmllckten, 



\u 



Der andere ihn, den das Herz ersehnt, wann tief es seufzet in 

Drangsal : 
Hat mit muthiger That — von ahnendem Sinn ward des Geistes 

Segel geschwellt ihm — 
Schon Christoph Colon, der kühne Pilot, gen Westen die 

Erde entdeckt uns, 
Dass länger nicht noch, als die himmlische Welt, die heimische 

Erde uns fremd sei. 
15 So stehet Ihr Drei im Dienste des Geists abhold der beengenden 

Satzung, 
Vom Muthe der Demuth innen gestählt und glaubend die Kräfte 

der Wahrheit. 
Im Morgenrothe des Tages verklärt, den selbst Ihr zum Siege 

geführt habt! 
Doch heute zumal begrüssen wir Dich, den Himmeldurchforscher 

Kopernik ! 
Geweiheten Blicks hast klar Du geschaut in der himmlischen 

Kreise Verschlingung. 
20 Dir entwirrten sie sich : um die Eine gesellt , die lebenspendende 

Sonne, 
Vollbringen die andern, harmonisch gefügt, den majestätischen 

Ringtanz, 
Mit ihnen der Erde rollend Gestirn, uns allen die nährende 

Heimat, 
Doch um sie wieder sich schwingend der Mond, geleitend in 

ruhiger Pracht sie. 
herrlicher Bau ! „Wer möchte denn je — so riefst wie himm- 
lisch entzückt Du — *) 
25 Versetzen die Fackel an anderen Ort in diesem schönsten der 

Tempel. 
An besseren Ort, als wo sie zugleich den ganzen herrlich er- 
leuchtet. 



*) Nicol. Copern. de Revol. orb. cael. lib. I. eap. 10. 



175 



Mit trefflichem Wort von Manchem genannt ward längst die 

Leuchte der Welt sie, 
Von anderen sie die Seele der Welt und sie die Himmels- 

regentin ; 
Lenkt sicher sie doch familienhaft vom Throne die kreisende 

Sternschaar. 
.U) Und nicht mangeln der Erde die Dienste des Monds, dem selber 

sie innig verwandt ist ; 
Doch an der Sonne befruchtet sie sich in jährlich erneuerter 

Zeugung. 
staunenswtirdig die Ordnung der Welt, der Glieder symmetrische 

Fügung: 
Wie sie wandeln daher, wie an Grösse sie sind — nicht bessere 

Ordnung erfindbar!" 
So riefst Du dereinst, und mit sicherer Hand vollzogst Du der 

Erde Entthronung, 
35 Enthobst Du der Sonne hohes Gestirn sich lang hinschleppender 

Knechtschaft, 
Die der Irrthum ihr schuf, Jahrtausende lang gehegt von be- 
quemer Gewohnheit. 
Du fürchtetest nicht den versteinerten Wahn, nicht die lärmende 

Phrase der Leerheit; 
Nein ! verwegenem Wort , das die Wahrheit entstellt , hast volle 

Verachtung gelobt Du ! 
Und was Du geahnt, ward köstlich erfüllt ! es drang ja kämpfend 

zum Siege, 
40 Als arbeitermüdet Dein Auge sich schloss, die Wahrheit, die Du 

erschaut hast. 
Zu vergleichen dem Tag, der die Wolken der Nacht, die Nebel 

des Morgens durchdringt erst. 
Bis in göttlicher Pracht allüberallhin die Sonne ihr Leben ent- 
sandt hat. 
Und es kam ja der Tag, der goldene Tag! die himmlischen 

Sphären belauschend 



17G 



Hat Keplers Genie entfaltet vor uns der Wandelgestirue Ge- 
setzbuch, 
45 Und gigantischen Geist's hat Newton darauf, die Tiefen der 
Dinge ermessend, 
Üie Kraft uns gelehrt, die Staub an Staub, die Welten an Welten 

geknüpft hält. 
Ja feiern wir Dich und feiern den Tag, der Dich, Kopernik, 

der Welt gab! 
Wohl streiten sie heut', ob slavischen Bluts, ob Du germa- 
nischer Art seist! 
Doch frommt nicht der Streit , so eifrig entfacht ! gehörst doch 
der denkenden Welt Du! 
50 So , leuchtender Held , bist der Unsere Du , wie die leuchtende 
Sonne gehört uns, 
Und die Erde mit ihr, von der Sonne belebt, und die ihre Bahn 
Du gelehrt hast. 
Ja feiern wir Dich, hier festlich vereint. 
Vom Danke beseelt, der reich Dir gebührt, 
Dein geistiges Bild erneuernd in uns, 
55 Zu der Wahrheit Dienst uns bindend aufs Neu', 

Um lauteren Muths Dein würdig zu sein. 

Der so lauter Du strahlst — 
So feiern den festlichen Tag wir! 

Karl Lehmann, 
Propst in Schkölen bei Naumburg a/S. 



G. Gruss-Telegramme. 



Berlin 19. Februar 1873 2 U. 46 M. N. 
An das deutsche Fest-Comite der Copernicus-Feier. 



gehaltenen 



Festlichen Gruss den Thorner Festgenossen von dem leider fern 

Prof. Dr. W. Förster. 



Berlin 19. Februar 1873 3 U. N. 

Den Festgenossen senden herzlichen Gruss und Glückwunsch zwei 
leider ferne Mitglieder des Copernicus-Vereins 

Justizrath Hoffmann, Justizrath Lesse. 



Berlin 19. Februar 1873 3 U. 15 M. N. 

Seinen freudigen Antheil an der Copernicus-Feier bezeugend sendet 
Festgruss aus der Ferne ein früheres Mitglied des Copernicus-Vereins 

E. BöTHKE, Kgl. Kreisbaumeister a. D. 



12 



178 



Berlin 19. Februar 1873 10 U. 15 M. N. 



Die festlich versammelten Copernicaner aller Facultäten 
senden der Fest-Versammlung in Thorn brüderlichen Gruss und ein 
Hoch der Geburtsstadt des Copernicus. 



Bologna 19. Februar 1873 12 U. 20 M. N. 

ÜNIVERSITAS LlTTERARUM ET ArTIUM BoNONIENSIS 

S. D. P. 

SOCIETATI COPERNICANAE ThORUNENSI. 



Quod bonum faustum felix fortunatumque sit, Universitas Bono- 
niensis, quae olim Nicolaum Copernicum auditorem ac studiorum aemu- 
lura habuit, hoc die sollemnia saecularia natalis ejus suramo studio 
omnium Ordinum, maxima civium frequentia et laetitia concelebrat. 
Doctores auditoresque et suo et populi Bononiensis totiusque Italiae 
nomine civitatem Thorunum nobilem et illustrem Copernici patriam con- 
salutant, eique et universae Germanicae nationi tanto hominis ingenio 
partum honorem gratulantur. Haec populorum studia, hanc gentium 
consensionem ex tam diversis tamque longinquis locis in unum conspi- 
rantium, ut nomen viri optime meriti grata memoria prosequantur, 
fausto omini vertunt et in spem adducuntur fore , ut sedato armorum 
tumultu magnus ille saeculorum ordo redeat, quem Mantuanus noster 
divino ore vaticinatus est, et regna tandem exoriantur virtutis, ingenii, 
doctrinae, quae terrarum Imperium et generis humani regimen iam 
pridem expostulant. 

CoMES Caesar Albicini, Rector. 



179 



Brunn 19. Februar 1873 10 U. N. 

An den Copernicus-Verein zu Thorn. 

Herzlichen Gruss sendend begeht mit Euch im Geiste die schöne 
Feier 

der naturforschende Verein zu Brunn. 

Prof. Dr. Niessl, Secr. 



Crefeld 19. Februar 1873 11 U. 44 M. V. 

Dem Copernicus-Verein und der Festgesellschaft zur heutigen 
Jubelfeier freudigen Gruss! Möge der Geist jenes Gewaltigen auch 
über unserer Zeit leuchtend schweben, dass vor der Wahrheit mächfgem 
Siege verschwinde jedes Werk der Lüge! 

Die Realschule zu Crefeld. 
Dr. Ed. Schatienburg. 



Danzig 19. Februar 1873 7 U. N. 

Die zum Festmahl vereinigten Mitglieder und Gäste der natur- 
forschenden Gesellschaft senden der Stadt Thorn und den dort 
versammelten Festgenossen ihren wärmsten Gruss und Glückwunsch. 

^ Dr. Semon. 



12* 



180 



Ferrara 19. Februar 2 U. 4 M. N. 

Onorevole Societä Copernicana di Thorn 

La cittä di Ferrara 

e oggi col cuore e coUa mente in mezzo a Voi altiera di essere stata 
madre a Domenico Maria Novara che Timmortale Copernico aramaeströ 
a scoprire quei veri che furono luce e maraviglia a tutti i popoli. 

L. A. Trentini, f. f. di Sindaco. 



Ferrara 19. Februar 1873 8 U. 1 M. V. 

Ephisiüs Cugusi Persi Rector Athenaei Ferrariensis 
SociETATi Copernicanae Thorunensi S. 

Doctores Athenaei Ferrariensis salvere iubent Copernici populäres 
solemnia saecularia natalis eins celebrantes, gaudentque posse hoc die 
memorare Dominicum Mariam Novaram civem suum, qui in liac urbe 
eam tradidit doctrinam, qua postea, quum Bononiae inclaruisset, dignum 
sese praestitit, ut Copernicum Vestrum, praeclarum coeli siderumque 
speculatorem disciplinae suae alumnum haberet. Valete. 



Halle 19. Februar 1873 10 U. N. 

Die Litteraria sendet den Festgenossen Gruss und bezeugt ihre 
herzliche Theilnahme. 

Dr. Thamhayn, Professor Dr. Gosche, 
Dr. TsCHiscHWiTz. 



181 



Heidelberg 19. Februar 1873 U U. 28 M. V. 

Sein nothgedrungenes Nicht-Erscheinen mit wiederholtem Bedauern 
entschuldigend schickt der frohen Fest-Versammlung herzlichen Gross 
aus dem deutschen Süden 

Prof. Dr. M. Cantor. 



Hohenstein in Ostpreussen 19. Februar 1873 4 U. 20 M. N. 

Vereinigt zur Gedächtuissfeier des Mannes, welcher in geistiger 
Freiheit die Schranken der Autorität durchbrechend eine neue Welt- 
anschauung begründete, senden den dortigen Festgenossen Gruss und 
Glückwunsch 

die Festgenossen der Copernicusfeier in Hohenstein 
Kusch. Trosien. 



Königsberg i. Pr. 19. Februar 1873 11 U. 28 M. N. 

Die polytechnische Gesellschaft zu Königsberg bringt 
nach beendeter Feier des Copernicus-Tages von der Tafel ihren Gruss 
den Festgenossen in Thorn. 

Dr. Albrecht. 



182 



Krakau 19. Februar 1873 7 U. 15 M. N. 



Die Krakauer Universität sendet dem Copernicus- Verein in 
Thorn für das übersandte Fest-Telegramm innigsten Dank und Gruss. 

Prof. Dr. FiERiCH, Rector. 



Prag 19. Februar 1873 9 U. 20 M. N. 

Die im deutschen Casino versammelten deutschen Professoren 
der Prager Universität begrüssen die in Thorn zur Festfeier ver- 
einigten Gesinnungs-Genossen. 

Dr. E. Mach, z. Z. Decan. 



Padua 19. Februar 1873 11 U. 50 M. V. 
Societati Copernicanae Thorunensi 

Universitas Patavina, dum uno vobiscum animo Copernici 
solemniis operatur, salutem dicit. 

Ferdinandus Coletti, Rector Magnificus. 



I 



183 



Rom 19. Februar 1873 12 U. 40 M. N. 
Societati Copernicanae Thorunensi 

Gratias plurimas agit üniversitas literarum Romana sae- 
cularia Copernicana celebrans et salutem dicit. 

Dr. Serafini, Rector. 



Reichenbach in Schlesien 19. Februar 1873 9 U. 40 M. V. 

Der Verein Philoraathie zu Reichenbach bezeugt seinen 
freudigen Antheil an der Copernicus-Feier. 



Rosswein 19. Februar 1873 7 U. 40 M. N. 

Wie alle gebornen Thorner, welche an der heutigen Feier nicht 
Theil nehmen können, gedenke auch ich unsers grossen Landsmannes, 
welcher die Menschheit von dem geistigen Banne befreite, der sie vor- 
her gefangen gehalten hatte. 

Hermann Kotze aus Bremen. 



184 



Ulm den 19. Februar 1873 9 U. 25 M. V. 

Der Verein für Mathematik und Naturwissenschaft 
in Ulm feiert den vierhundert-jährigen Geburtstag des Copernicus, 
nimmt Antheil an der Feier in Thorn und bringt dem grossen Todten 
seine Huldigung dar. 

Der Vorstand. 
Arlt, Oberst. 



FEST-GESCHENKE. 



A. Zuwendungen an Geld, 



I. Von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser und Könige 
VON PREUSSEN 2000 Thlr. 

Die Allerhöchste Bewilligung von 2000 Thlr. erfolgte zunächst 
zur Deckung der Herstellungs-Kosten der Säcular-Ausgabe des 
Werkes »de revolutionibus orbium caelestium«. Seine Majestät 
überwies jedoch, auch nachdem durch den buchhändlerischen Ver- 
trieb des Werkes die Kosten grösstentheils gedeckt waren, dem 
Copernicus-Verein die volle Garantie-Summe für die anderweiten 
Zwecke der Säcular-Feier. Den Allerhöchsten Intentionen gemäss 
ist zunächst der Festbericht und das Festgedicht in würdiger Aus- 
stattung veröffentlicht. Sodann ist die ¥on Oberlehrer Dr. Menzzer 
' in Halberstadt dem Vereine zur Verfügung gestellte deutsche 
Uebersetzung des Werkes »de revolutionibus orbium caelestium« 
für den Druck vorbereitet. Die nach Bestreitung dieser Aus- 
gaben übrigbleibende Summe wird dem Fond für das Copernicus- 
Stipendium (S. 188) zugewiesen. 

IL Von den städtischen Behörden Thorns als Beihülfe zur 
Bestreitung der Kosten für die Copernicus-Feier 505 Thlr. 27 Sgr. 3 Pf. 

Die vorstehende Summe setzt sich zusammen aus einer vor dem 
Feste erfolgten Baarbewilligung von 250 Thlr. und der nach- 
träglich beschlossenen Uebernahme der sämmtlichen Kosten der 
Gas-Einrichtung und des Gaskonsums auf die Stadtkasse im Ge- 
sammtbetrage von 255 Thlr. 27 Sgr. 3 Pf. 



188 



III. Zur BegTüiidiiiig eines Copeunicus - Stipendiums , welches 
alljährlich am 19. Februar in der öffentlichen Sitzung des 
Copernicus-Vereins in Raten von 100 Mark zur Vertheilung 
kommt : 

1 . von einer Thornerin durch Pastor Hefner zu Danzig am Sä- 

culartage eingesandt 25 Thlr. 

2. Ertrag einer Sammlung bei der Copernicusfeier der natur- 

forschenden Gesellschaft zu Danzig, eingesandt durch 
Dr. Semon 21 Thlr. 

3. von Kaufmann Adolph Schwartz zu Valparaiso (einem ge- 

bornen Thorner) 20 Pfd. Sterl. = 134 Thlr. 

4. von Bürgermeister Marquardt in Schippenbeil 1 Thlr. 

5. Von den Mitgliedern des Copernicus-Vereins für Wissen- 

schaft UND Kunst 128 Thlr. 



B. Literarische Festgaben. 



Zur Feier des 19. Februar 1873 ivurden dem Coperniciis- 
Yerein für Wissenschaft und Kunst zugeeignet: 

1. Grundzüge und Beiträge zur systematischen Behandlung 
der Religions-Politik im Deutschen Staate von Theodor 
KoERNER, Geheimer Regierungs-Rath. 

Als Gedächtnissschrift zur vierten Säcularfeier des Geburts- 
tages von Nicolaus Copernicus dem Copernicus- Verein fiir Wissen- 
schaft und Kunst gewidmet. 

Berlin 1873. Carl Heymann's Verlag. 

2. Indogermanisch, Semitisch und Haraitisch. Von Dr. Martin 

SCHULTZE. 

Bei Gelegenheit der vierten Säcular-Feier des Geburtstages 
von Nicolaus Copernicus dem Copernicus -Verein in Thorn 
überreicht. 

Berlin 1873. S. Calvary & Comp. 



190 



II. 

Nachstehende als Festgaben zum 19. Februar 1873 erschienene 
Schriften wurden zur Säcularfeier eingesandt: 

l . Von den Universitäten zu Rom und Padua eine grö.>^sere , zur 
Vertheilung an die Fest-Theilnehmer bestimmte, Anzahl von 
Abdrücken der für die Copernicus-Feiei* daselbst veröffentlichten 
Gedenkblätter. *) 



*) Die von der Universität zu Rom dem Andenken an Coperni- 
eus gewidmete Inschrift lautet: 

NICOLAO . COPERNICO 

QVOD . ASTRORVM . CIRCVITVS . LEGESQVE 

DVM . DIVINITVS . MEDITATVR 

VETERES . DISSIPATVRVS . ERRORES 

MATHEMATICAM . IN . HOC . ARCHIGYMNASIO . TRADIDERIT 

CAELIQUE . RATIONEM . DEFICIENTE . LVNA 

ANNO . MD . SPECVLATVS 

ROMANAE . SAPIENTIAE . DECVS . MAXIMVM 

ASTRONOMORVM . MAXIMVS . PEPERERIT 

QVADRINGENTESIMO . NATALI . DIE 

DOCTORES . ET . ALVMNI 

HONORIS . DEFERVNT . MONIMENTVM 

XI . KAL. MAR . MDCCCLXXIIL 

Die in der Aula der Universität zu Padua gesetzte Gedenktafel trägt 
die Worte: 

NIC. COPERNICO 

QUO . DIE . XI . KAL . MART . AN . MDCCCLXXIII 
EIUS . NATALITIA . IV . POST . SAECULO . CELEBRABANTUR 

UNIVERSITAS . PATAVINA 
TANTO . LAETA . VIRO . IN . SUUM . OLIM . SINUM . RECEPTO 

TIT . POS . 



191 



2 . Von der Universität zu Krakau die Festschrift zur Copernicus- 
Feier : 

Natalem Nicolai Copernici olim üniversitatis Cra- 
coviensis alumni, post elapsa quatuor saeciila die 



Das zur Vertheilung bestimmte Gedenkblatt enthielt noch die nach- 
stehende, vom Grafen Carlo Leoni verfasste Inschrift : 

NICCOLO COPERNICO 

DELLA SCIENZA ASTRONOMICA FONDATORE 

ACCERTO L'ARMONIA PLANETARIA 

CON LA POTENZA DEL GENIO 

INTRAVIDE NATURA CORRER LE VIE PIU SEMPLICI 

POGGIANDO A VERITA COME A BELLEZZA 

DAGLI ASTRI TANTI E VARI 

INDOVINÖ LA ROTAZIONE DIURNA 

DA QUESTA LE MISURE 

DEMOLI TUTTO L'ANTICO DOGMATISMO 

POSE IL SOLE OVE TENACE IGNORANZA VOLEA LA TERRA 

PREPARO L OPERA DI KEPLERO GALILEI NEWTON. 

GIOVANE EBBE IN ITALIA ISPIRAZIONE GRADI CATTEDRA 

COSTANTEMENTE PIO L'ARTE MEDICA PRODIGAVA A POVERI. 

MORENTE GLI FU PRESENTATO IL SUO LIBRO 

FRÜTTO DI CINQUANTENNE FATICA APPENA ESCITO DA TORCHI 

LO GUARDÖ SORRISE SPIRO. 

IL MONDO ACCOLSE L'ECO DELLA GRANDE ANIMA 

E NEL SUO QUARTO SECOLO NATALE 

L'UNIVERSITÄ PADOVANA 

DI TANTO ALUNNO GLORIOSA 

FESTEGGIA LA MEMORIA IN QUESTO Dl 

SACRO ALLA SCIENZA UNIVERSA 



n. a Thorn 19 febb. 1473. = m. a Frauenburg 25 mag. 1543. 



192 



19. Febriiarii 1873 in aula collegii Novoduorsciani 
pie celebraridum indicit rector C. R. Universitatis 
Cracoviensis cum Senatu Academico. 



In Bologna fand die akademische Feier zu Ehren des Copernicus in der 
grossen Aula der Universität statt , welche mit einem neuen , von Prof. 
Capellini gefertigten, Bilde von Copernicus und zahlreichen Inschriften 
zur Erinnerung an die berühmtesten Lehrer der Mathematik und Naturwissen- 
schaften zu Bologna geschmückt war. Unter dem Bilde selbst befand sich 
die Inschrift: ^ 

NICOLO COPERNICO 

UDITORE DELLO STUDIO DI BOLOGNA 

VERSO IL MCCCCXCVII 

AIÜTATORE DI DOMENICO MARIA NOVARA 

. NELLE CELESTI OSSERVAZIONI. 

Ueber dem Haupt-Eingange des Universitäts-Gebäudes war die nach- 
stehende, von dem Professor der Archäologie Cav. Rocchi verfasste, Inschrift 
angebracht : ^ 

IN QUESTO^DI NATALIZIO 

DI NICOLO COPERNICO 

PADRE DELL'^ ASTRONOMIA 

L'UNIVERSITA BOLOGNESE 

GLORIANDO DI TANTO SUO ALUNNO 

IL IV CENTENARIO FESTEGGIA. 

Nach Beendigung des Actus begab sich die Versammlung in feierlichem 
Zuge nach der Sternwarte, woselbst die Enthüllung einer über der Hauptthür 
des Observatoriums angebrachten marmornen Gedenktafel erfolgte. Bei dieser 
Feier waren ausser den Professoren und Studenten der Universität Bologna 
zugegen : ein Vertreter des Unterrichts-Ministers, die Behörden von Bologna, 
Abgesandte der Universitäten Parma, Modena, Ferrara, der Sternwarten zu 
Mailand und Florenz, sowie mehrerer gelehrten Gesellschaften. Die Marmor- 
Tafel trägt die Inschrift: 

HONORI 

NICOLAI . COPERNICI . THORUNENSIS 

QUOD . APUD . NOS . ASTRONOMIAE . STUDIUM 

ET . MATHEMATICORUM . PLACITA . AEMÜLATUS 

SUI . NOMINIS . GLORIA 

ATHENAEI . BONONIENSIS . DIGNITATEM . ADAUXERIT 

CURATOR . IV . VIRI . DOCTORES . CUM . AUDITORIBUS . UNIVERSIS 

SOLLEMNIA . SAECULARIA . NATALIS . EIUS . CELEBRANTES 

XI . KAL . MART . AN . MDCCCLXXIII . DEDICARUNT. 



193 



Insunt: Nicolai Copernici Septem Sidera atque Com- 
mentatio de vita et scriptis eius a Martino Radyminscio a. 1658 
concinnata. 

Cracoviae 1873. Mankowski. 

3. Von der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften 

zu Posen*) : 

a. Album wydane staraniem towarzystwa przyjaciol 
nauk wPozuaniu w czterechsetni\ rocziiic^ urodzin 
Mikolaja Kopernika. 

Fotodruk Beyera i Dutkiewicza MDCCCLXXIII. 

b. X. Ign. Polkowski. Zywot Mikolaja Kopernika. 

Gniezno 1873. Lange. 



4. Von Dr. Franz Hipler, ord. Professor an der theologischen 
Facultät und Regens des Bischöflich-Ermländischen Priester- 
Seminars zu Braunsberg (Ehren- Mitglied des Copernicus- Vereins) : 

Spicilegium Copernicanum. Festschrift des historischen 
Vereins für Ermland zum vierhundertsten Geburtstage des erm- 
ländischen Domherrn Nicolaus Copernicus. 

Braunsberg 1873. E. Petdr. 

5. Von Dr. Fr. Karlinski, Director der K. K. Sternwarte und 
Professor der Astronomie an der Universität zu Krakau 
(Ehren-Mitglied des Copernicus- Vereins) : 

Zywot Kopernika i jego naukowe zaslugi. Rzecz 
czytana na publiczn^m posiedzeniu c. k. Uniwersytetu Jagiellon- 
skiego. Krakau 1873. Mankowski. 



*) Ausser den literarischen Geschenken übersandte die Gesellschaft der 
Freunde der Wissenschaften — wie bereits S. 11-1 angegeben ist — ein 
Exemplar der Medaille, welche die Polen zur Copernicus-Feier hatten schlagen 
lassen. 

13 



194 



6. Von DON BaLDASSARRE BoNCOMPAGNI DEI PrINCIPI DI PlOMBINO 

in Rom (Ehren-Mitglied des Copernicus- Vereins) : 

Sopra alcune scritti stampati, finora non c'onosciiiti, 
di Domenico Maria Novara da Ferrara. Notizie 
comunicate a richiesta del Principe Don B. Bon- 
compagni alla Societä Copernicana ecc. daMassimi- 
liano Curtze. Traduzione del Sig. Filippo Keller. 
(Estratto dal Bullettino di Bibliografia e di Storia delle Scienze 
Mat. e Fis. Tom. IV, Apr. 1871.) 

Roma, 1873, Tipografia delle Scienze Mat. e Fis. 

Ulteriori notizie intorno ad alcuni scritti stam- 
pati, finora non conosciuti, di Domenico Maria No- 
vara da Ferrara, comunicate per incarico del Prin- 
cipe Don B. Boncompa'gni in Roma alla Societä 
Copernicana ecc. da Massimiliano Curtze. Tradu- 
zione del Sig. Filippo Keller. (Estratto dal Bullett. di 
Bibliogr. e di Storia delle Scienze Matern, e Fisiche. Tom. IV, 
Aprile 1871.) 

Roma, 1873, Tipografia delle Scienze Matem. e Fisiche. 

B. Boncompagni. Intorno ad un opiiscolo di Do- 
menico Maria Novara. (Estratto dal Bullettino di Biblio- 
grafia e di Stör, delle Scienze Matem. e Fisiche Tom. IV, 
Agosto 1871.) 

Roma, 1873, Tipografia delle Scienze Matem. e Fisiche. 

7. Von Dr. Edler von Littrow, Director der K. K. Sternwarte 
und Professor der Astronomie an der Universität zu Wien: 

Nico laus Copernicus. (Beilage zu Littrow's Kalender 1873.) 

8. Von G. V. ScHiAPARELLi , Director der K. Sternwarte der 
Brera in Mailand : 

I precursori di Copernico nell' antichitä. Ricerche 
storiche. (Publicazioni del Reale osservatorio di Brera in Mi- 
lane No. III.) Milano 1873. Hoepli. 



195 



9. Von Dr. Franz Hülskamp in Münster : 

Nicolaus Copernicus. Ein Gedenkblatt. (No. 130 des 
Literarischen Handweisers zunächst für das katholische Deutsch- 
land. 1873. 12. Jahrgang No. 2.) 

10. Von Prof. Dr. Leopold Prowe : 

Monumenta Copernicana. Festgabe zum 19. Februar 1873. 
Berlin 1873. Weidmann'sche Buchhandlung. 



Anmerkung. Ausser den literarischen Festgaben war dem Copernicus- 
Vereine am Säcular-Tage unter Kreuzband aus Italien eine pliotographische 
Nachbildung jenes eigentliUmlichen Kunstwerkes zugegangen, welches durch 
die Wiener Weltaussteihmg in weiteren Kreisen bekannt geworden ist. 

Eine geflügelte Figur, welche über einer Erdkugel schwebt, entfernt die- 
selbe mit der Linken von ihrem Postamente, indem sie mit der Rechten in 
die Ferne weisend ihr die Umwälzung um die Sonne anzuweisen scheint. — 
Auf dem Postamente stehen die Worte: Sistema Copernicale. (Movimento 
della Terra verso il Sole.) 

Unter der Photographie hatte der einsendende Künstler sich als G. Brutos 
Ateniese bezeichnet. 



]:v 



196 



III. 

hi Anlass der Sä cular- Feier wurden dem Copernicus- Verein 
ausserdem zugeivandt : 

1 . Von der Universität zu Bologna : 

Commemorazione di Nicolö Copernico nella Regia 
Universitä di Bologna. 

Bologna 1873. Societä Tipografica dei Compositori. 

2 . Von der Universität zu Padua : 

II quarto centenario di Nicolo Copernico nelT 

'Universita di Padova. 

Padova 187 3. Prosperini. 

3. Von der Universität zu Krakau: 

a. Sprawodzanie senatn akademickiejo uniwersy- 
tetu Jagielloi'iskiego z uroczytosci czterechsetnej 
rocznicy urodzin Mikolaja Kopernika odbytej w 
tymze Uniwersy tecie dnia 19. Lutego 1873 roku. 

Krakow 1873. 

b. Codex diplomaticus Universitatis studii generalis 
Cracoviensis. Pars I. 1365 — 1440. 

Cracoviae 1870. Mankowski. 

4. Von Prof. Cav. Onorato Occioni , Professor an der Univer- 
sität zu Rom (Ehren-Mitglied des Copernicus-Vereins) : 

a. II quarto centenario di Copernico in Tliorn. 
Estratto dalla Nuova Autologia di scienze , lettere ed arti 
Volum. XXII. fasc. III. Marzo 1873. 

Firenze 1S73. 

b. I Dilettanti di Lettere nelT antica Roma. Dis- 
corso letto nella solenne inaugurazione deir anno scolastico 
1873 — 74 nella R. Universitä di Roma. 

Roma 1873. Civelli. 



197 



5. Von Professor Aug. Montanari in Padua: 

Nicolo Copernico ed il siio libro de monetae cu- 
dendae ratione. 

Padova 1873. F. Sacchetto. 

6. Von Prof. Dr. F. Hipler in Braunsberg: 

Die Biographen des Nicolaus Copernicus. Ein 
Gedenkblatt zur vierten Säcular-Feier seines Geburtstags. Se- 
parat-Abdruck aus der Alt-Preussischen Monatsschrift Band X. 

Braunsberg und Leipzig 1873. E. Peter. 

7. Von dem Canonicus Ign. Polkowski : 

Kopernikijana czyli Materyaly do pism i zycia 
Mikotaja Kopernika. Tom 1. 2. 

Gniezno 1873. Lange. 

S. Von Gymnasiallehrer Maximilian Curtze: 

Reliquiae Copernicanae (Aus der »Zeitschrift für Ma- 
thematik und Physik« Th. XIX, Hft. 1 und Hft. 5 besonders 
abgedruckt). 2 Hefte. 

Leipzig 1874. Teubuer. 

Fünf ungedruckte Briefe des Gemma Frisius. 
Nach den Originalen in der Universitätsbibliothek 
zu Upsala herausgegeben. (Separat-Abdruck aus Gru- 
nert-Hoppe, Archiv der Mathematik, T. LVL) 

Leipzig 1874. CA. Koch. 

9. Von Prof. Dr. Fasbender : 

a. Die Copernicanischen Sehnen- und Dreiecks- 
Berechnungen. Thorn 1872. 

b. Festvortrag bei der 400jährigen Feier des Ge- 
burtstages von Nie. Copernicus. Thorn 1873, 



198 



10. Von Professor Comm. Dr. Filippo Serafini, Rector der Uni- 
versität zu Rom (Ehren-Mitglied des Coperuicus-Vereins) : 

Relazione e notizie intorno alla R. Universitä di 
Roma. 

Roma 1873. Stabilimento Civelli. 

1 1 . Von dem Ober-Bibliothekar der Biblioteca Mediceo-Laurenziana 
in Florenz, Cav. A. C. Ferrucci (Ehren -Mitglied des 
Copernicus-Vereins) : 

a. Della Biblioteca Mediceo-Laurenziana di Firenze. 

Firenze 1872. Tofani. 

b. Aloysii Chrysostomi Ferrucci Civis Romani 
nAPEPrON Fabularum. AugustaeTaurinorumMDCCCLXXII. 

12. Von Dr. Jos. P. Thompson (Ehren-Mitglied des Copernicus- 
Vereins) : 

a. Humboldt Commemoration. Journal of the American 
Geographica! and Statistical Society. Vol. I. No. 8. 

New-York 1859. John H. Schultz & Co. 

b. Palestine exploration Society No. 1. First State- 
ment. Jerusalem, The Moabite Stone, The Hauran. 

New-York 1871. 

c. Kirche und Staat in den Vereinigten Staaten 

von Amerika. 

Berlin 1873. Simion. 

13. Von Geh. Reg.-Rath L. von Winter, Ober-Bürgermeister von 
Danzig : 

Festrede, gehalten bei der Legung des Grundsteins 
zu dem Denkmale Friedrich's des Grossen in Marien- 
burg am Tage der westpreussischen Säcular-Feier 
den 13. September 1872. Danzig 1872. Kafemann. 



199 



14. Von Prof. Dr. Ofterdinger in Ulm : 

a. Job. Kepler: Discurs, welcher Gestalt allerhand Ulmische 
Masssachen in einander zu verknüpfen und zu conserviren 
sein möchten. Nach dem Original-Manuscript herausgegeben. 

Ulm 1872. 

b. Zum Andenken an Johannes Kepler. 

Ulm 1872. 



IV. 

Den vorstehend auffjel'ühtien Gaben ist endlich noch ein werth- 
volles Geschenk anzureihen^ tvelches bei der Wiederkehr des 
Jahrestages der Copernicus- Feier der Rector der Universität 
Bologna, Graf Ces. Albicini, an den Copernicns- Verein nach 
Thorn hat gelangen lassen — eine Reihe von ivisse^ischaftlichen 
Werken, welche von Professoren der Universität Bologna in 
den letzten Jahren dem Drucke übergeben sind: 

1. Von Conte Cav. Cesare Albicini, Professore ordinario di di- 
ritto constituzionale ed internazionale nell' Universitä di Bologna : 

a. La disputa intorno alla natura delT anima ai 
tempidelPomponazzo. 

Torino 1869. A. F. Negro. 

b. La nazionalitä. 

Bologna 1871. N. Zanichelli. 

c. Francesco Guicciardini. 

Bologna 1870. Fava e Garagnani. 

d. Atti della provinciale accademia delle belle 
arti in Ravenna dell anno 1872. 

Ravenua 1873. Calderini. 



200 



2. Von Prof. Luigi Bombicci : 

a. La teoria delle associazioni poligeniche appli- 
cata allo studio ed alla classificazione dei Si- 
licati minerali. 

Bologna 1868. Giacomo Monti. 

b. Notizie di Mineralogia Italiana. Le forme cristal- 
line di quarzo Elbano. II qiiarzo aeroidro di Porretta. 
La bombiccite del Valdarno. L'analcime di Castelluccio 
(Porretta). 

Bologna 1869. Gamberini e Parmeggiani. 

c. I foscati ed arseniati del regno minerale se- 
condo la teoria delle associazioni poligeniche. 

Bologna 1870. Gamberini e Parmeggiani. 

d. Studi sui minerali del Bolognese. 

Bologna 1871. Gamberini e Parmeggiani. 

e. L'emiedria strutturale ed il quarzo plagiedro 
in aggruppamenti paraboloidi. 

Bologna 1872. Gamberini e Parmeggioni. 

f. Descrizione della mineralogia generale della 
provincia in Bologna. 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 

g. Cor so di Mineralogia. Seconda edizione. Volume L 

Bologna 1873. Fava e Garagnani. 

3. Von Professor Comm. Luigi Calori : 

Della stirpe che ha popolata l'antica necropoli 
alla Certosa di Bologna e delle genti affini. Discorso 
storico-antropologico. Con XVII Tavole. 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 



201 



4. Von Professor Comm. Giovanni Capellini : 

a. Descrizione geologica dei dintorni del golfo 
della Spezia e val di Magra inferiore (con tavole 
e figure intercalate) . 

Bologna 1864. Gamberini e Parmeggiani. 

b. Les Phyllides cretacees du Nebraska par les prof. 
J. Capellini et 0. Heer. 

Zürich 1866. Zürcher et Fiirrer. 

c. Fossili infraliassici dei dintorni del golfo della 
Spezia. 

Bologna 1866 — 67. Gamberini e Parmeggiani. 

d. Cenni geologici siiUe valli dell' üfita del Calore 
e del Cervaro. Con tavola. 

Bologna 1869. Gamberini e Parmeggiani. 

e. Di Nicola Stenone e dei suoi studii geologici in 
Italia. Seconda edizione. 

Bologna 1870. Giuseppe Vitali. 

f. Carte geologique des environs de Bologne et 
-d'une partie de la vallee du Reno. Tour les mem- 

bres du V® Congres international d'anthropologie et d'ar- 
cheologie prehistoriques 1871.) 

g. Sul Felsinoterio sirenoide halicoreforme dei 

depositi litorali pliocenici dell' antico Bacino 

del Mediterraneo e del Marc Nero. (Con otto 

Tavole) . 

Bologna 1872. Gamberini e Parmeggiani. 

h. Sulla Balcnna Etrusca (Con tre tavole). 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 

i. Congresso internazionale di antropologia e ar- 
cheologia preis to riebe. Sesta Sessione a Bruxelles 
1872. Firenze 1873. G. Pellas. 



202 



k. Congres international d'anthropologi e et d'ar- 
chcologie prehistoriques. Compte rendii de la cin- 
quieme Session ä Bologne 1871. Avec planclies et figures 
intercaldes dans le texte. 

Bologne 1873. Fava et Garagnani. 

5. Von Professor Giosue Carducci : 

Commemorazione di G. A. Noel des Vergers. 
Estratto della Rivista Bolognese Anno I. Fase. II. 

6. Von Professor Dr. Giacomo Cassani : 

Delle principali questioni politiche-religi ose. 

Volume I : Dei rapporti fra la Cliiesa e lo Stato. 

Volume II : Del Primato del Pontifice e del valore giuridico 
del Concilio Vaticano. 

Bologna 1872. Regia Tipografia. 

7. Von Professor Dr. G. V. CiACCio : 

a. Intorno alla minuta fabbrica della pelle della 
rana esculenta osservazioni microscopiche. La- 
voro premiato dall' Accademia degli aspiranti naturalisti di 
Napoli. 

Palermo 1867. Francesco Lao. 

b. Ueber den feineren Bau der Pacini'schen Kör- 
perchen des Menschen und anderer Säugethiere 
sowie der Vögel. (Von dem Verfasser besorgter Aus- 
zug aus einer am 26. April 1868 der Turiner Akademie 
der Wissenschaften vorgelegten Abhandlung.) 

Moleschott Untersuchungen X. (No. XXXIII). 

c. Beobachtungen über den inneren Bau des Glas- 
körpers im Auge des Menschen und derWirbel- 
thiere im Allgemeinen. 

Molescbott Untersuchungen X. (No. XXXIV). 



•203 



d. Esj)erienze comparative intorno all' azione di 
alcuni fluid! aeriformi e materie vaporabili 
sopra il movimento degli sperm atozoidi appar- 
tenenti ad animali diversi. 

Estratto dell Archivio per la Zoologia, rAnatomia e la 
Fisiologia Serie II, Vol. II. — 1870. 

e. Osservazioni intorno all' intima costituzione de' 
corpuscoli della linfa, de' corpuscoli bianchi del 
sangue, de' purulenti, de' muscosi e de' salivari. 

ibid. 

f. Nuove ricerche sull' interna tessitura dei teh- 
dini. Estratto dalla Serie III, Tomo II delle Memorie 
deir Accademia delle Scieuze dell' Istituto. 

Bologna 1872. Gamberini e Parraeggiani. 

g. Sul modo come terminano i nervi della congiun- 
tiva deir Occhio Umano. (Qiiaglino Annali d'Ottalmo- 
logia Anno II.) 

8. Von Professor Comm. G. B. Ercolani : 

a. Delle glandule otricolari dell' utero e dell' or- 
gano glanduläre di nuova formazione che nella 
gravidanza si sviluppa neU' utero delle femmine 
dei mammiferi e nella specie umana. 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 

b. Sul processo formativo della porzione glandu- 
läre materna della placenta. 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 

c. Delle malattie della placenta. 

Bologna 1871, Gamberipi e Parmeggiana, 



204 



d. Sulla parte che hanno le glandole otricolari delT 
utero nella formazione della porzionc materna 
della placenta e nella nutrizione dei feti nell' 
alvo materno. 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 

e. Sulla dimorfobiosi o diverso modo di vivere e 
riprodursi sotto duplice forma di una stessa 
specie di animali osservazioni fatte sopra alcuni 
nematoelminti. Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani . 

f. Carlo Ruini curiosita sto riebe e bibliograficbe 
intorno alla scoperta della circolazione del 
sangue. Bologna 1873. Nicola Zanichelli. 

9. Von Professor Cav. Gaetano Pelliccioni (Ehren-Mitglied des 
Copernicus-Vereins) : 

a. Commentariis doctorum virorum in Sophoclis 
Oedipum Regem epimetron. 

Bologna 1867. Mareggiani. 

b. Sulla interpretazione di un passo di Tucidide. 
Estratto dalla Rivista Bolognese Anno III, Fase. I. 

10. Von Professor Giuseppe Regaldi: 

Poesie scelte. Con prefazione di Eugenio Camerini. 

Firenze 1874. Successori le Monnier. 

11. Von Professor Cav. Francesco Rocchi: 

a. Delle lodi del Canonico Luigi Nardi, s. a. et 1. 

b. Di una iscrizione in onore di Geta Cesare sco- 
perta in Ancona. 1864 s. 1. 

c. Di un frammento d'iscrizione Forlivese restituta 
agli Imperatori Caracalla e Geta. s. 1. et a. 



205 



d. Di un raoniimento Bolognese in onore di Antonio 
Pio e della Augusta sua famiglia. Estr. dagli Atti 
e Memorie della R. Deputazione di Storia Patria per le 
provincie di Romagna. Anno settimo. 

e. Elogio del Conte Giulio Perticari. 

Bologna 1857. Aucora. 

f. Come le lettere e le arti belle per toccare la loro 
eccelenza debbono rispondere alla condizione e 
air indole de' tempi e delle nazioni. 

Ravenna 1862. Angeletti. 

g. Iscrizioni latine per monumenti eretti dalla Acca- 
demia delle scienze delF istituto di Bologna. 

Bologna 1863. Gamberini e Parmeggiani. 

h. Deir antichissima origine della cittä di Bologna. 
Bologna 1865. Fava e Garagnani. 

i. Del capo d'anno e delle strenne. 

Bologna 1868. Monti. 

12. Von Professor Cesare Taruffi: 

a. Due casi di neuroma cirsoideo, operati dal Prof. 

RizzoLi, descritti dal Dott. Barbieri ed illustrati dal Prof. 

Tarüffi. 

Bologna 1870. Gamberini e Parmeggiani. 

b. Due casi di neuroma cerebrale. 

Bologna 1871. Gamberini e Parmeggiani. 

c. La Rachite. 

Bologna 1872. Fava e Garagnani. 

d. Sulla struttura delle capsule soprarenali. Dal 
Bulletino delle Scienze Mediche di Bologna 1866, Vol. 2, 
pag. 404. 

Bologna 1873. Gamberini e Parmeggiani. 



206 



e. Delle ernie congenite del capo. 

Bologna 1873. Fava e Garagnani. 

13. Von Prof. S. Trinchese: 

a. Memoria suUa terminazione periferica dei nervi 
motori nella serie degli animali. Con quattro tavole. 
Estratto dalla Liguria Medica. 

Genova 1866. 

b. Memoria sulla struttura del sistema nervoso dei 
cefalopodi. Ilhistrata da sei tavole. 

Firenze 1868. 

14. Von Professor Cav. Camillo Versari : 

Sei discorsi consecrati alla vita, alle opere, allo 
eloglo, alle onoranze, alla sapienza filologica, filosofica e medica 
di Giambbatista Morgagni. 

Bologna 1872. Monti. 



Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig. 



QB Die Vierte Sacularfeier der 

36 Geburt von Nicolaus Copernicus 

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