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Full text of "Die volksdichte am deutschen Niederrhein ..."

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M/CHIGAM UBRARIE^ 



•?J — 



DIE VOLKSDICHTE 



AM 



DEUTSCHEN NIEDERRHEIN. 



MIT 2 KARTEN UND 3 TEXTILLUSTEATIONEN. 



INAUGURAL-DISSERTATION 



BEHUFS 

EELANGUNG DEE DOKTOEWÜßDE 

DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT DEE UNIVERSITÄT 

LEIPZIG 

VORGELEGT VON 

V V ERNST AMBROSIUS. 



STUTTGART. 

DRUCK DER UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT 

1901. 



Inhalt 



Seite 

Einleitung 5 

I. Zur Methodik 8 

IL Das Gebiet des Niederrheins. 

Abgrenzung des Gebiets 22 

Geographische Beschreibung des Gebiets 25 

1. Die östlichen Randhöhen 26 

2. Das Rheinthal 28 

3. Die linksrheinischen Hügelgruppen 41 

4. Das Niersthal 45 

5. Das Gebiet der westlichen Grenzhöhen und -Moore 48 

6. Zusammenfassung und Allgemeines .49 

III. Die Volksdichte und ihre Ursachen. 

Die Volksdichtekarte und die Tabellen . 56 

Die wirtschaftlichen Verhältnisse im allgemeinen 61 

Die Landwirtschaft 64 

Die Industrie 72 

Der Verkehr und Handel 78 

Rückblick 91 

Anhang: Tabellen 99 



i 




Einleitung. 



Der außerordentliche Aufschwung, den die Anthropogeographie 
im allgemeinen und mit ihr der Zweig der Bevölkerungs- und Siedelungs- 
lehre im besonderen seit einer Reihe von Jahrzehnten genommen hat, 
und die große Bedeutung, die der Kenntnis der Bevölkerungsverhältnisse 
in geographisch-wissenschaftlichem Sinne sowohl, wie auch für die Volks- 
wirtschaft und die politische Verwaltung beizumessen ist, sind die Ver- 
anlassung gewesen, daß seit einer längeren Reihe von Jahren nach- 
einander die verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes zum Gegenstand 
von Einzelbetrachtungen gemacht wurden, welche sich mit der Verteilung 
der Bevölkerung und deren Ursachen beschäftigten. 

So fanden von enger begrenzten Gebieten u. a. eingehende Be- 
sprechung die Regierungsbezirke Danzig (Ernst Friedrich)^) und Köslin 
(H. Stoltenburg)^); Niederschlesien bearbeitete E. Träger^), das Walden- 
burger Bergland allein H. Friedrich ^), das Königreich Sachsen R. Buschick ^). 
Die Bevölkerungs Verhältnisse des Erzgebirges untersuchte J. Burgkhardt*') ; 
Thüringen wurde mehrfach behandelt, so der Thüringerwald von Klinger''), 



^) Ernst Friedrich, Die Dichte der Bevölkerung im Regierungsbezirk 
Danzig. Diss. Königsberg 1895. Auch in: Schriften der Naturforschenden Gesell- 
schaft in Danzig, N. F., Bd. IX Heft 1. Danzig 1895. 

^) Hans Stoltenburg, Die Verteilung der Bevölkerung im Regierungs- 
bezirk Köslin. Diss. Breslau 1896. 

^) Eugen Träger, Die Volksdichtigkeit Niederschlesiens. Diss. Kiel 1888. 
Auch in: Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie, hrsg. von J. 1. Kettler. Bd. VI, 
S. 165—200. Weimar 1888. 

*) H. Friedrich. Das Waldenburger Bergland. Ein kulturgeographischer 
Versuch. Diss. Breslau 1894. 

^) Richard Buschick, Die Abhängigkeit der verschiedenen Bevölkerungs- 
dichtigkeiten des Königreichs Sachsen von den geographischen Bedingungen. Diss. 
Leipzig 1893. 

*) J. Burgkhardt, Das Erzgebirge. Eine orometrisch-anthropogeographische 
Studie. In: Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, III. Bd., Heft 8. 

') L. Klinger, Verteilung und Zunahme der Bevölkerung im Thüringer 
Wald nach Höhenstufen. In: Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft zu Jena, Bd. IX, 
S. 113—149. Jena 1«91. 



() E. Ambrosius. 

das Scliwarzagebiet von H. Leinhose^), der Ostkreis von Sachsen- Alten- 
burg von J. Matthes^), der Mansfelder See- und der Saalkreis von 
C. Gelbke^) und von M. Görcke^), die Thüringer Triasmulde von 
C. Käsemacher ^), das ünstrutthal von 0. Schlüter*^). E. Weyhe'') und 
H. Früchtenicht ^) besprachen die Volksdichte im Herzogtum Anhalt, 
A. Gloy die Siedelungsverhältnisse Nordalbingiens^). Mehrere Karten 
über die Verteilung der Bevölkerung in Oberfranken und im Bezirksamt 
Garmisch (Oberbayern) gab Chr. Sandler ^^) heraus. Das Großherzogtum 
Baden fand Bearbeiter in L. Neumann ^^) und C. ühlig^^), während das 
Elsaß im ganzen von J. Burgkhardt^^) und der elsässische VS^asgau von 
K. Neukirch ^^) untersucht wurden. 

Für den ganzen Nordwesten des Deutschen Reichs liegen u. W. 
von Spezialarbeiten dieser Art nur die Untersuchung von F. Iltgen über 
die Ansiedelungen am Niederrhein von der Lippemündung bis zur 



^) H. Leinhose, Bevölkerung und Siedelungen im Schwarzagebiet. Diss. 
Halle 1890. Auch in: Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft zu Jena, Bd. IX. 
8. 24—56, Jena 1891. 

^) J. Matthes, Die Volksdichte und die Zunahme der Bevölkerung im Ost- 
kreise des Herzogtums Sachsen-Altenburg 1837 — 1890; Abhandlung zum Programm 
des Realprogymnasiums zu Altenburg, 1892. 

') C. Gelbke, Die Volksdichte des Mansfelder See- und des Saalkreises. 
Diss. Halle 1887. 

'') Max Görcke, Zur Siedelungskunde des Saalkreises und des Mansfelder 
Seekreises. In: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle 1889, S. 34 — 53. 

Derselbe, Neue Beiträge zur Siedelungskunde des Mansfelder See- und 
des Saalkreises. In: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle 1891, S. 43 — 91. 

^) Carl Kaesemacher, Die Volksdichte der Thüringer Triasmulde. Diss. 
Marburg 1892. Auch in: Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, 
Bd. VI, Heft 2. Stuttgart 1892. 

^) 0. Schlüter, Siedelungskunde des Thaies der ünstrut von der Sachsen- 
berger Pforte bis zur Mündung. Diss. Halle 1896. 

^) E. Weyhe, Die Volksdichte im Herzogtum Anhalt. In: Mitteilungen des 
Vereins für Erdkunde zu Halle 1889, S. 75—80. 

^) H. Früchtenicht, Die Volksdichte im Herzogtum Anhalt nach der Volks- 
zählung vom 2. Dezember 1895. In: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu 
Halle 1897, S. 64—74. 

^) Arthur Gloy, Beiträge zur Siedelungskunde Nordalbingiens. In: For- 
schungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, Bd. VII, Heft 3. Stuttgart 1892. 

^®) Christian Sandler, Volkskarten. Karten über die Verteilung der Be- 
völkerung im Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Garmisch, Herzogtum 
Oldenburg , in der Lichtenfelser Gegend und im 9. Bezirk der Stadt München. 
München, o. J. (1898). 

^^)Ludw. Neumann, Die Volksdichte im Großherzogtum Baden. In: 
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, Bd. VI, Heft 1. Stuttgart 1892. 
— Derselbe, Die Veränderungen der Volksdichte im südlichen Schwarzwalde 
1852—1895. In: Freiburger Universitätsprogramm zum 70. Geburtstage Sr. Königl. 
Hoheit des Großherzogs E'riedrich. Freiburg und Leipzig 1896. 

^^) Carl ühlig, Veränderungen der Volksdichte im nördlichen Baden. In: 
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, Bd. XI, Heft 4. 

^^) Joh. Burgkhardt, Die Volksdichte des Elsaß. In: Fünfzehnter Jahres- 
bericht der Städtischen Realschule mit Progymnasium für das Schuljahr Ostern 1890 
bis Ostern 1891. Leipzig-Reudnitz 1891, S. 1—88. 

^*) Karl Neukirch, Studien zur Darstellbarkeit der Volksdichte mit be- 
sonderer Rücksichtnahme auf den elsässischen Wasgau. Mit statistischen Tabellen, 
einer Volksdichtekatte des elsässischen Wasgau im Maßstabe 1 : 250 000 und Litte- 
r/iiurverzeichnis. Diss. Freiburg 1897. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 7 

holländischen Grenze^) und die Karte des Herzogtums Oldenburg von 
Chr. Sandler ^) vor. In Sprecher von Berneggs Arbeit über die Ver- 
teilung der bodenständigen Bevölkerung im rheinischen Deutschland-) 
ist der Niederrhein zwar auch behandelt, allein der kleine Maßstab 
(1 : 1 Mill.) und der weit entlegene Zeitpunkt (1820), die er seiner 
Karte und Betrachtung zu Grunde gelegt hat, lassen sie hier kaum in 
Betracht kommen. Der Zweck der vorliegenden Arbeit soll es nun 
sein, die Volksdichte am deutschen Niederrhein von Urdingen bis zum 
Austritte des Rheins aus dem Reiche zu untersuchen und auf ihre 
geographische Bedingtheit zu prüfen. 

Bevor wir zur Betrachtung dieses Gebiets selbst übergehen, sei 
es erlaubt, die hier befolgte Methode der Volksdichtedarstellung kurz 
zu begründen. 



^) F. Iltgen, Die Ansiedelungen am Niederrhein von der Lippemündung 
bis zur holländischen Grenze. Diss. Halle 1892. 

^) H. Sprecher von Bernegg, Die Verteilung der bodenständigen Be- 
völkerung im rheinischen Deutschland im Jahre 1820. Diss. Göttingen 1887. 



Nach Abschluß dieser Arbeit erschienen noch: 

K. Bergmann, Die Volksdichte der Großherzoglich Hessischen Provinz 
Starkenburg auf Grund der Volkszählung vom 2. Dezember 1895. In: Forschungen 
zur deutschen Landes- und Volkskunde, Bd. XH, Heft 4. Stuttgart 1900. 

G. Krausmüller, Die Volksdichte der Groß herzoglich Hessischen Provinz 
Oberhessen auf Grund der Volkszählung vom 2. Dezember 1895. In: Geogr. Mit- 
teilungen aus Hessen. I. u. II. Heft S. 5 — 102. Giessen 1900- 

M. G. Schmidt, Die Siedelungen an der Hainleite, Schmücke-Schrecke und 
Finne. In: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a. S. 1900, S. 22 — 54. 



L Zur Methodik. 



Eine eingehende historische und kritische Betrachtung der ver- 
schiedenen zur Darstellung der Volksdichte befolgten und vorgeschlagenen 
Methoden bringt in sehr übersichtlicher Anordnung Karl Neukirch in 
seinen „Studien über die Darstellbarkeit der Volksdichte, mit besonderer 
Rücksichtnahme auf den elsässischen Wasgau** ^), auf welche hier für 
die Einzelheiten der im folgenden nur kurz besprochenen oder erwähnten 
Arbeiten ganz besonders hingewiesen sein mag. 

„Unter den Beziehungen des Menschen zur Erdoberfläche nimmt 
den ersten Platz seine räumliche Verteilung ein^)/ Zu zeigen, wie 
groß die Zahl der Menschen ist, die ein Land bewohnen, und in welcher 
Weise sie über dasselbe verteilt sind, ist eine der wichtigsten Aufgaben 
der Geographie. Treten doch in einer solchen Darstellung die mannig- 
faltigen Beziehungen des Menschen zu dem von ihm bewohnten Lande 
in ausgeprägter Weise hervor, Beziehungen, die teils in der Beschaffen- 
heit des Wohnortes selbst, in der Ergiebigkeit des Bodens an Nahrungs- 
pflanzen, dem Reichtum an nutzbaren Tieren, dem Vorhandensein 
mineralischer Schätze irgend welcher Art begründet sind, teils auch 
ihre Ursache haben in der Lage der Ortlichkeiten zu anderen als 
Ausgangs- oder Durchgangspunkte des Verkehrs auf natürlichen oder 
künstlich geschaffenen Bahnen. 

Diese räumliche Verteilung der Menschen über die Erdoberfläche 
auf Karten darzustellen, um vermittelst solcher Karten den geographischen 
Ursachen, die dabei maßgebend sein könnten, nachzuforschen, hat man 
verschiedene Wege eingeschlagen. 

Während die eine Methode von den „Wohnprätzen** der Menschen^ 
den eigentlichen Siedelungen, ausgeht und sie in ihrer Lage zu einander 
und nach der Zahl ihrer Bewohner abgestuft durch Symbole darstellt 
(„absolute Methode'* Neukirchs u. a.), berechnet die andere die „Volks- 
dichte'* vermittelst Teilung der Bewohnerzahl bestimmter Gebietseinheiten 
durch die Zahl ihrer Flächeneinheiten, um sodann die einzelnen Gebiets- 



*) K. Neukirch a. a. 0., S. 1 — 45. 
-) Chr. Sandler a. a. 0., S. 1. 



E. Ambrosius. Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 9 

einheiten mit einer Farbe, Schraffur oder dergl., entsprechend der 
gewonnenen Verhältniszahl zu überdecken (»relative Methode'*). 

Wenden wir uns zuerst der relativen Methode zu. Bei dieser ist 
es natürlich die erste Aufgabe, festzustellen, welche Gebietseinheiten 
zur Berechnung der gesuchten Verhältniszahl, d. h. der Volksdichte, 
zu wählen sind. Hier sind wieder verschiedene Möglichkeiten gegeben, 
die wir ganz kurz betrachten wollen, um zu prüfen, welche von ihnen 
unserem Zwecke der Volksdichtedarstellung für einen bestimmten, ver- 
hältnismäßig eng begrenzten Bezirk am besten entspricht. 

Daß die größeren administrativen und politischen Einteilungen als 
für unsere Zwecke brauchbare Grundlagen nicht anzusehen sind, ist 
ohne weiteres klar; sie umfassen schon ihrer Ausdehnung wegen zu 
verschiedenartiges. Schon auf einer Fläche, wie sie z. B. ein preußischer 
Kreis darstellt, sind häufig genug die allerverschied ensten Boden-, 
Höhen- und Verkehrslagenverhältnisse und demgemäß auch Bevölkerungs- 
verhältnisse vorhanden, und die gleichmäßige Bedeckung mit der seiner 
Durchschnittsvolksdichte zukommenden Farbe würde für die meisten 
Einzelteile des Kreises ein durchaus unzutreffendes Bild ergeben. Diese 
„statistischen Kartogramme* sind, wie von allen Geographen anerkannt 
wird, für diese unbrauchbar, weil sie geographisch ganz verschieden- 
artiges zu einem Ganzen zusammenfassen. 

Soll eine Karte der Volksdichte nach der relativen Methode 
geographisch nutzbar sein, d. h. zur Erkenntnis der geographischen 
Bedingtheit zu führen vermögen, so gilt es vor allem, Gebiets- 
einheiten zu suchen, die bei möglichster Kleinheit gleich- 
zeitig ein geographisches, organisches Ganze bilden. Die 
Einheiten müssen so gewählt sein, daß man annehmen kann, daß inner- 
halb ihres ümfangs im wesentlichen gleichmäßige Verhältnisse vor- 
walten, die Bevölkerung auf ihrer ganzen Fläche gleichen Daseins- 
bedingungen unterworfen und im allgemeinen gleichmäßig verteilt ist. 

Von den statistischen Kartogrammen ausgehend, versuchte Ravn^) 
auf rein mathematischem Wege, später Behm und Hanemann^), Kettler ^), 
Sprecher von Bernegg^) u. a. mit Zuhilfenahme der topographischen Karten 
und der Kenntnis der kulturellen Verhältnisse die Gebiete mit gleicher 
Volksdichte durch Kurven zu umfassen. Indessen eignen sich diese 
Methoden nur für kleinere Maßstäbe; E. Friedrich^) nennt die Sprecher- 
sche Methode „für Karten kleinen Maßstabs bis etwa 1 : 1 Mill. ent- 



^) Ravn, Statistik Tabelvaerk udgivet af det Statist. Bar. Ny Roekke XII 
(Karte i. M. 1:2 Mill.), Kjöbenhavn, 1857. 

^) E. Behm, Die Verteilung der Menschen über die Erde. In: E. Behm u. 
H. Wagner, Die Bevölkerung der Erde, II, Petermanns Mitteilungen, Ergänzungs- 
hefte, Bd. VIII, Heft 35. Mit 2 Karten, Erde und Europa, von E. Behm u. F. Hane- 
mann. — E. Behm (u. F. H an e mann), Die Landschaften des Deutschen Reichs 
nach ihrer Volksdichtigkeit. Karte i. M. von 1:3700000; Petermanns Mitteil. XX 
(1874), S. 1. 

^) J. I. Kettler, Dichtigkeit der Bevölkerung im Deutschen Reich. Karte i.M. 
1 : 3000000, Tafel 15, und Text dazu S. 38—43 in: Andree u. Peschel, Physikalisch- 
statistischer Atlas des Deutschen Reichs, Bielefeld u. Leipzig 1878. 

*) H. Sprecher von Bernegg a. a. 0. 

^) E. Friedrich a. a. 0., S. 10. 



10 K. Ambrosius. 

schieden die vollkommenste", worin Neukirch ^) ihm völlig beipflichtet 
Wegen ihrer Brauchbarkeit für Uebersichtskarten wird diese „Kurven- 
methode'* in den meisten Atlanten angewandt, und Verfasser hat nacli 
derselben die Volksdichtekarten von Mitteleuropa, Europa und der Erde 
in Andrees Handatlas IV. Aufl. S. 24 und 15, ebenso wie die in Lehmann 
und Petzolds Atlas für die Oberklassen höherer Lehranstalten, gezeichnet. 
Für die Darstellung kleiner Gebiete in großen Maßstäben ist die Methode 
ungeeignet wegen der auch bei recht genauer Kenntnis des betreflfenden 
Landes doch noch unvermeidlichen Willkür der Kurvenziehung; vor 
allem aber fällt ins Gewicht das schon von E. Friedrich^) erhobene 
Bedenken, „diese Karte zur Grundlage für die Untersuchung der Volks- 
dichte zu machen •*, denn „eine solche Untersuchung bewegt sich in 
dem circulus vitiosus, daß sie die durch Kenntnis der Kulturverhältnisse 
ermittelten Volksdichten aus jenen zu begründen sucht". 

Die Volksdichtekarten, welche „unter Vorausnahme der Kenntnisse 
der geographischen Verhältnisse mit vorzüglicher Berücksichtigung 
natürlich abgegrenzter Bezirke . . . statt willkürlich gezogener Kurven 
irgend ein geographisches Moment als Abgrenzungsprinzip der ver- 
schiedenen Dichteprovinzen '*^) wählten, also z. B. die Höhenkurven oder 
die Grenzen geologischer Formationen, sind, „obwohl für gewisse geo- 
graphische Beziehungen wertvoll, nicht als Volksdichtekarten anzusehen" *). 
Diese Karten zeigen nicht objektiv die Verteilung der Bevölkerung, 
aus der man nun Rückschlüsse zu machen hätte auf die verschiedenen 
geographischen Faktoren, die sie veranlaßt haben, sondern sie stellen 
dieselbe von vornherein nur dar in ihrer Beziehung zu einem einzigen, 
wenn auch geographischen Faktor und hierdurch muß die Wirkung der 
anderen notwendigerweise mehr oder weniger verschleiert werden, bei 
Zugrundelegung der Höhenschichten im allgemeinen noch mehr als bei 
derjenigen der geologischen Formationen. Für die vorliegende Arbeit 
hätte eine ähnliche Methode wegen der geringen Differenzierung der 
geologischen und Höhenverhältnisse in dem gewählten Gebiet überhaupt 
nicht in Frage kommen können. 

Gingen die bisher erwähnten Darstellungsweisen mit Ausnahme 
der eigentümlichen mathematischen Kurvenkonstruktion Ravns von 
bestimmten Voraussetzungen aus, seien es nun die topographischen, 
kulturellen, geologischen oder Höhenverhältnisse, so suchte eine andere 
Gruppe die Lösung auf rein mathematischem Wege, ohne jede Voraus- 
setzung. Ohne irgend eine Beziehung zu gegebenen geographischen 
Verhältnissen wurde das ganze zu behandelnde Gebiet in eine möglichst 
große Zahl kleiner Gebietseinheiten durch mathematische Figuren, 
Quadrate, Trapeze oder Rechtecke, zerlegt, an der Hand möglichst 
spezieller statistischer Zahlenangaben jeder dieser Einheiten ihre Be- 
wohnerzahl zugeteilt und ihre Volksdichte berechnet, und endlich wurden 
gleichartige und ähnliche Gebiete mittels Kurven zu größeren Volks- 



^) K. Neukirch a. a. 0., S. 44. 
2) E. Friedrich a. a. 0., S. 11. 
^) K. Neukirch a. a. 0., S. 31. 
*) E. Friedrich a. a. 0., S. 15. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. H 

dichtegebieten zusammengefaßt. Dieser Methode, der „mathematischen", 
giebt E. Friedrich^) „den Vorzug für Karten größeren Maßstabes, etwa 
von 1 : 1 Mill. bis 1 : 400000", indem er als ihren Hauptvorzug betont: 
„Nur eine nicht unter dem Zwange von Voraussetzungen, auf Grund 
von Rechnung gearbeitete Karte kann zur Grundlage für die Unter- 
suchung der Ursachen der Volksdichte genommen werden." 

Diese Methode erfüllt allerdings leicht das erste der oben genannten 
Erfordernisse für die der Volksdichteberechnung zu Grunde zu legenden 
Gebietseinheiten, das der möglichsten Kleinheit; die Größe kann ja 
ganz beliebig angenommen werden, wenngleich auch hier natürlich eine 
untere Grenze gegeben ist, soll nicht die Karte in dem Bestreben, 
immer nur möglichst gleichartiges zu umfassen, bei immer weitergehender 
Verkleinerung der Einheitsflächen durch die V^inzigkeit derselben in 
ihrer V^irkung fast zur topographischen Siedelungskarte werden. Die 
nach mathematischen Regeln gezogenen Grenzlinien der Gebietseinheiten 
machen diese ferner auch unabhängig von in geographischen Verhält- 
nissen liegenden Voraussetzungen, so daß in jeder einzelnen die Ge- 
samtwirkung aller in Betracht kommenden Faktoren zum Ausdruck 
gebracht wird. Anderseits aber eben weil die Linien nach mathemati- 
schen, in der Natur nicht begründeten Prinzipien gezogen sind, trennen 
sie auch ohne Rücksicht auf irgend eine geographische Beziehung oft 
unmittelbar Zusammengehöriges durch einen ganz willkürlichen Schnitt 
auseinander und bringen ebenso oft in keiner Weise Zusammengehöriges 
in einer und derselben Gebietseinheit zusammen. Weiter ist es auch 
meist ganz unmöglich, auf Grund der vorhandenen statistischen Materialien 
den einzelnen auseinandergerissenen Teilen eines Wohnplatzes die jedem 
zukommende Bewohnerzahl auch nur mit einiger Sicherheit zuzuweisen. 
Gewiß mag in Gegenden mit geschlossener Siedelungsweise, in denen 
die Bevölkerung fast ganz oder doch weitaus überwiegend in geschlossenen 
Dörfern zusammen wohnt, «der dadurch hervorgerufene Fehler so gering 
sein, daß das Gesamtbild keine Beeinträchtigung erfährt" ^), aber sehr 
viel schwieriger wird die Sache in dicht bevölkerten Gegenden und 
solchen mit zerstreuter Siedelungsweise ; ja, hier ist es oft genug sogar 
nicht einmal möglich, die einzelnen in der Statistik getrennt auf- 
geführten Wohnplätze auf der Karte voneinander zu scheiden. Auch 
Ratzel warnt vor der „Gefahr der willkürlichen Zerteilungen der in 
mehrere Quadrate fallenden Wohnplätze"^) und E. Friedrich meint 
ebenso: „Bei der Auflösung eines Ortes in einzelne, weit auseinander- 
gelegene Häuser ist der den Einheitsfiguren zufallende Teil der Be- 
völkerung nicht zu ermitteln^)." Die völlig willkürliche Aufteilung des 
Landes in mathematische Figuren ohne Berücksichtigung geographischer 
Zusammengehörigkeit, verbunden mit der Unmöglichkeit, die jeder 
Figur zukommende Bewohnerzahl sicher festzustellen, lassen diese 
Methode für Darstellungen in großem Maßstabe ungeeignet erscheinen. 

1) E. Friedrich a. a. 0., S. 11. 

2) H. Friedrieh a. a. 0., S. 18. 

^) Fr. Ratzel, Anthropogeographie , Bd. II, Die geographische Verbreitung 
des Menschen. Stuttgart 1891, S. 194. 
*) E. Friedrich a. a. 0., S. 15. 



12 E. Ambrosius. 

Und gerade bei grolaen Maßstäben tritt immer schärfer die Wichtigkeit 
der zweiten Hauptforderung für die Beschaffenheit der Gebietseinheiten 
hervor: Sie sollen nicht nur möglichst klein sein, sondern auch vor! 
allem ein geographisches, organisches Ganze bilden. 

Die geeigneten Grundlagen für die Berechnung und Untersuchung! 
der Volksdichte sind uns nun gegeben in den Gemeinden, »den 
wirtschaftlichen Verbänden niederster Ordnung, gleichsam den Zellen 
im Bau des Staatsgebiets", wie H. Wagner sie nennt ^). 

Schon 1868 erklärte Meitzen^): „Der Bestand der örtlichen 
Gemeindebezirke beruht mit wenigen Ausnahmen auf der in früher 
Vorzeit begründeten Bildung der Gemarkungen. Die Gemeindeverbände 
können in keiner Weise als Gebietsabteilungen gelten, welche von der 
Staatsgewalt zur Erleichterung der Verwaltung angeordnet wurden, 
vielmehr sind sie vom Staate in ihrem Wesen als dauernde und 
einheitliche Organismen von individueller Selbständig- 
keit so anerkannt, daß er auch die Abgrenzung ihrer Gebiete ihrer 
eigenen nachbarlichen Ausgestaltung im wesentlichen überließ." 

Die in den Jahren 1895 — 98 erschienenen Arbeiten von E. Friedrich 
(Reg. -Bez. Danzig), L. Neumann (südl. Schwarzwald), K. Neukirch 
(eis. Wasgau), ebenso Chr. Sandler (Oberfranken, Oldenburg, Bezirks- 
amt Garmisch) legten nun die Gemarkung, den Gemeindebezirk, ihren 
Betrachtungen als Gebietseinheit zu Grunde, und in der Einleitung zu 
seiner 1899 erschienenen Abhandlung über „Veränderungen der Volks- 
dichte im nördlichen Baden" sagte C. ühlig^): „In neuester Zeit hat 
sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß eine ein- 
gehendere, rationelle Behandlung der Frage nach der Volksdichte auf 
die Betrachtung der Gemeinde zurückzugehen hat." Auch Träger, 
dessen Volksdichtekarte von Niederschlesien selbst nach der mathe- 
matischen Methode angelegt ist, stellte (1888) die These auf, daß „bei 
Anfertigung von Bevölkerungsdichtigkeitskarten für sehr kleine Gebiete 
die Gemeindefluren als Grundlage für die Gruppenbildung zu verwenden" 
seien ^). Fr. Ratzel erklärte (1891): „Das geographische Ideal der 
statistischen Bevölkerungskarte schiene nun wohl die Karte der Ge- 
markungen mit Eintrag der Bevölkerungszahl durch Schraffur oder 
Farbenton zu sein", machte aber in unmittelbarem Anschluß hieran die 
Einschränkung: „aber die Zufälligkeiten der Ausdehnung dieser Bezirke 
über Berge und Wälder läßt sie viel ungeeigneter als kleine künstliche 
Bezirke erscheinen"^). Auch die vorhin genannten Arbeiten betonten 
diese Schwierigkeit, die darin liegt, eine Gemeinde als einheitliches 
Ganzes zu betrachten, „die sich — unter Umständen — aus dem frucht- 



^) H. Wagner, Lehrbuch der Geographie. Sechste gänzlich umgearbeitet« 
Auflage von Guthe- Wagners Lehrbuch der Geographie, L Bd. Hannover u. Leipzig 
1900, S. 724. 

2) A. Meitzen, Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des 
preußischen Staats (Bd. I — IV nach dem Gebietsumfange vor 1866; Berlin 1868 — 1873 ; 
zweite Abteilung, nach dem Gebietsumfange der Gegenwart, Bd. V). Bd. I, S. 68. 

3) C. ühlig a. a. 0., S. 113 [7]. 

*) E. Träger a. a. 0., These N. 1. 
'0 Fr. Ratzel a. a. 0., II, S. 194. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 13 

baren Thal über steile, vielleicht bewaldete Abhänge bis hinauf in die 
^ Schnee- und Steinwüsten erstrecken" ^). Aber abgesehen davon, daß es 
^^ wohl nicht möglich sein wird, für die verschiedenartigsten geographischen 

- Gebiete, für Ebenen, Mittel- und Hochgebirge eine einzige unbedingt 
maßgebende und für alle gleich brauchbare Methode der Volksdichte- 

- darstellung zu finden, und es zunächst nur darauf ankommen kann, 
_^' für ein gegebenes, in größerem Maßstabe dargestelltes Gebiet die 
^ geeignetste zu suchen, haben wir auch noch verschiedene Mittel, die 

wahre Verbreitung der Bevölkerung innerhalb der als Grundlage der 
-i Darstellung gewählten Gemarkung so deutlich zu machen, daß auch 
P- diese Bedenken, wenn auch vielleicht nicht ganz als hinfällig, so doch 
^ bis zu einem sehr hohen Grade als gehoben erscheinen. Über das 
^ eine, auf unserer Karte gleichfalls angewandte Mittel zur Verbesserung 
^' der Anschauung, als ob nun innerhalb des ümfangs einer Gemeinde 
i die Bevölkerung ganz ebenmäßig verteilt sei, nämlich die Darstellung 
^ der Siedelungslagen in derselben, werden weiter unten einige Be- 

- merkungen folgen. Ein zweites Mittel zum selben Zweck wird im 
folgenden kurz besprochen werden. 

^ Der gewichtige Einwand Küsters gegen die „mathematische 

3 Methode", „daß oft das Dorf von seinen Ländereien durch die Grenzen 
t der Figuren getrennt wird" ^), ist bei Zugrundelegung der Gemarkung 
^ nicht möglich, denn die Gemarkung ist das Areal, welches dem Dasein 
der Dorfbevölkerung die Unterlage gibt^). Von Ratzeis Definition der 
„Volksdichte" als dem „Verhältnis der Zahl der Menschen zur Größe 
des von ihnen bewohnten Raumes"*) ausgehend, bezeichnete E. Friedrich 
die Gemarkungen oder Gemeinden als solche Gebiete, die „thatsächlich 
das Dasein der Bevölkerung bedingen"^). Um einen festen Anhalt zu 
gewinnen, inwieweit dieser Satz wenigstens für das niederrheinische 
Gebiet mit den Thatsachen übereinstimme, fügte Verfasser den Anfragen, 
die er an zahlreiche (über 50) Ortsvorsteher und Bürgermeister dieses 
Gebiets sandte , und die zum größten Teil in liebenswürdigster Weise 
beantwortet wurden, die Frage nach der Verteilung des Grundeigentums 
hinzu. Für im ganzen 83 ländliche Gemeinden (die städtischen kommen 
hier kaum in Betracht und werden später besonders besprochen werden), 
also nahezu die Hälfte derselben, wurde die bestimmte Angabe gemacht, 
daß das Grundeigentum der Gemeindeeingesessenen zum größten Teile 
innerhalb der (politischen) Gemeinde liegt. In Bezug auf eine weitere 
große Anzahl von Gemeinden war auf diese Frage nicht eingegangen 
worden, aber nur für zwei Gemeinden ergab sich, daß der Grundbesitz 
zum größten Teile in Nachbargemeinden liegt. Hier liegen besondere 
Verhältnisse vor, die im speziellen Teile dieser Arbeit berücksichtigt 
werden. Immerhin ist das Ergebnis der Anfragen eine wertvolle Be- 
stätigung der Ansicht, „daß die Gemarkung das Areal ist, das dem 



') C. Uhlig a. a. 0., S. 114 [8]. 

^) Emil Küster, Zur Methodik der Volksdichtedarstellung. In: Das Ausland, 
Jahrgang 64 (1891), S. 167. 

3) E. Friedrich a. a. 0.. S. 2. 
^) Fr. Ratzel a. a. 0., II, S. 180. 
•') E. Friedrich a. a. 0. S. 3. 



14 E- Ambrosius. 

Dasein der Dorfbevölkerung die Grundlage giebt**, und daß also die 
Gemarkung auch die geeignetste Einheit zur Berechnung der Volk»- 
dichte bildet. 

Nun ist aber, wie erwähnt, auch in der Gemeinde die Bevölkerung 
nicht überall als völlig gleichmäßig verteilt anzusehen, und indem man 
das Bedenken Ratzeis wegen der „Zufälligkeit der Ausdehnung dieser 
Bezirke über Berge und Wälder** in Betracht zog, ging man dazu üb«, 
durch Ausscheidung derjenigen Flächen, die nur verschwindenden Ein- 
fluß auf die Verdichtung der Bevölkerung haben, das Bild zu verbessen 
und zu berichtigen. Erst nach der Ausscheidung dieser nur sehr dünn 
oder gar nicht bewohnten Flächen nähert sich die Darstellung dem 
zweiten Satze Ratzeis: „Für den Geographen ist die Dichtigkeit der 
Bevölkerung der Zustand eines Gebiets, welcher hervorgerufen wird 
durch die Zahl der auf demselben wohnenden Menschen^).** Als solche 
Flächen sind anzusehen der Wald, Odungen, unbenutzte Wasserflächen 
u. dergl. Zwar stellte Küster (1891) die Forderung auf, daß „auf der 
Karte möglichst genau, zahlenmäßig der Einfluß der verschiedenen 
Kulturarten, Ackerland, Wiese, Wald, ()dung, auf die Verdichtung der 
Bevölkerung zum Ausdruck gebracht werden" sollte*) und verlangte, 
daß „die ackerbautreibende Bevölkerung einer Siedelung, sei es nun 
eine geschlossene Ortschaft oder eine Einöde, nicht gleichmäßig über 
das ganze zur Siedelung gehörige Gebiet verteilt werden dürfe, sondern 
die Volks verteilende Kraft einer jeden Kulturart bei der Verteilung 
berücksichtigt werden" müsse, jedoch sind diese Forderungen von allen 
Seiten als theoretisch zu weit gehend und praktisch unausführbar ab- 
gelehnt worden. Die meisten Darsteller beschränken sich aus prak- 
tischen Rücksichten auf eine Ausscheidung des Waldes aus der zur 
Berechnung zu ziehenden Fläche. Aus ähnlichen Erwägungen, wie sie 
u. a. E. Friedrich'^), K. Neukirch und C. Uhlig'^) ausführlich angestellt 
haben, ist auch in der vorliegenden Arbeit der Wald von dem Areal 
der Gemeinde vor der Berechnung ausgeschieden worden und die 
Volksdichte demnach auf die Fläche der Gemeinden abzüglich der 
Holzungen bezogen. Da die Berufsstatistik von 1895 leider nur für 
die Kreise veröffentlicht ist, war es auch nicht möglich, wie Uhlig es 
gethan*^), bei jeder Gemeinde die Zahl der von der Forstwirtschaft 
lebenden Personen von der Gesamteinwohnerzahl abzuziehen. Wie gering 
aber, sowohl absolut wie relativ, diese Zahlen sind, geht aus der bei- 
gefügten Tabelle hervor, die dieselben für die hier in Betracht kommen- 
den Kreise im ganzen innerhalb ihrer politischen Grenzen (das auf der 
Karte dargestellte Gebiet weicht nur im Süden in einigen wenigen 
Gemeinden davon ab) in Hundertteilen der Gesamtbevölkerung, wie auch 
auf die Fläche der Holzungen verrechnet zeigt. 



Fr. Ratzel a. a. 0., S. 1-^S. 

2) E. Küster a. a. 0., S. 169. 

■') E. Friedrich a. a. 0., S. 8 u. 0. 

^) K. Neukirch a. a. 0., S. 60. 

■') C. Uhlig a. a. 0., S. 163—105 [o7--o9J. 

*■') Derselbe a. a. 0., S. I60 [59]. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 



15 



1 


1 

Gesamt- 
bevölke- 
rung am 
14. VII. 95 


In der Forstwirtschaft Thätige 


Wald 
qkm 


Von Forstwirt- 
schaft im Haupt- 
beruf leben auf 
1 qkm Wald 


Kreis 

1 


Er- 
werbs- 
thätige 


Ange- 
hörige 

U. 8. w. 


Zu- 
sam- 
men 


Zus. in 

Proz. 

der Be- 

völkg. 


Im 
Neben 
beruf- 


Duisburg . 
Ruhrort . . 
Rees . . . 
jVIörs . . . 
Kleve . . 
Geldern 


69 380 
97182 
68117 
72253 
55843 
55439 


13 
64 
57 
52 
64 
59 


50 
168 
141 
125 
194 
173 


63 
232 
198 
177 

258 
232 


0,09 
0,24 
0,29 
0,24 
0,46 
0,42 


2 
42 
28 
36 
23 
14 


9,83 

74,15 

115,37 

66,67 

103,86 

126,43 


6,4') 

3,1 

1,7 

2,7 

2,5 

1,8 


Zusammen : 


418214 


309 


851 


1160 


0,28 


145 


496,31 ! 


2,3 



Leider „gab die Statistik auch keine Möglichkeit an die Hand, die 
Flächen der Odländereien, Gewässer u. s. w. gemeindeweise abzuziehen, 
so daß hierauf verzichtet werden mußte. Bis zu einem gewissen Grade 
aber geben wir in unserer Karte eine Berichtigung des Bildes in dieser 
Hinsicht durch die Eintragung der Siedelungen, wovon weiter unten 
die Rede sein wird. 

Ein wichtiger Punkt bei der Darstellung der Volksdichte ist die 
Scheidung der Bevölkerung in „bodenständige", wie sie meist genannt 
wird, d. h. Landwirtschaft treibende und „nicht bodenständige*, solche, 
die von Industrie, Handel und Verkehr lebt. Schon in den ältesten 
Darstellungen nach der relativen Methode tritt uns das Bestreben ent- 
gegen, bedeutendere Bevölkerungsmittelpunkte aus dem zu berechnen- 
den Gebiet auszuscheiden und für sich besonders („absolut") durch 
ihrer Bewohnerzahl entsprechende Symbole zu bezeichnen. Hierdurch 
suchte man zu bewirken, daß die Flächenfarbe (SchrafFur od. dergl.) 
nunmehr nur noch die landwirtschaftliche, unmittelbar von den Er- 
trägnissen des Bodens lebende Bevölkerung bezeichnete, während 
der von anderen Daseinsbedingungen abhängige Teil der Bewohner- 
schaft getrennt als solcher gekennzeichnet wurde. Dieses Verfahren 
ist durchaus begründet, wenn es sich um statistische Kartogramme der 
Volksdichte handelt, in denen die Verteilung der Bevölkerung einer 
einzigen volkreichen Stadt auf das Gebiet des umliegenden Landes ein 
völlig falsches Bild von den Bevölkerungsverhältnissen geben würde. 
Je kleiner der Maßstab der Karte und je größer die zu Grunde ge- 
legte politische Gebietsabteilung ist, um so höher wird man natürlich 
die Einwohnerzahl der auszuscheidenden Städte nehmen müssen. Auch 
in eigentlichen Volksdichtekarten ist diese Trennung der städtischen 
und ländlichen Bevölkerung mehrfach angewandt worden , und man 
hat verschiedene Wege eingeschlagen, um die Zahl und Art des jeweils 
auszuscheidenden Teils zu bestimmen. Entweder schied man sämtliche 
Städte und Flecken aus (Ravn), oder man wählte willkürlich, den ge- 

^) Ein großer Teil parkartig angelegt, daher durch größere Wärterzahl diese 
im Vergleich zu den übrigen hohe Zahl zu erklären ! 



IG E. Ambrosius. 

gebenen Verhältnissen möglichst angepaßt, alle Orte zur Ausscheidung, 
die eine bestimmte Einwohnerzahl überschritten. Diesen im Grunde 
genommen ganz willkürlichen Methoden, denen sich die amtUdie 
Statistik des Deutschen Reichs anschließt, indem sie die Beyölkemng 
aller Orte mit mehr als 2000 Einwohnern als „städtische** von do 
„ländlichen" in kleineren Orten sondert, steht eine andere, genauere,! 
gegenüber, welche die Zahl der auszuscheidenden Bewohner für jedöi! 
größeren Ort von Fall zu Fall bestimmt. Kleinere Orte kommen wegen 
der meist verschwindend geringen Zahl der nicht von der Landwirt- 
schaft lebenden Bevölkerung nur selten in Frage. Entweder stellte 
man nun die Zahl der „bodenständigen" Bevölkerung mit Hilfe der 
Statistik fest (so Sandler für Oberfranken), oder, wo nicht genügend 
spezielles Material zu beschaffen war, suchte man eine annähernde Zahl 
hierfür durch Berechnung zu finden (so Stoltenberg für den Reg.-Bez. 
Köslin). In beiden Fällen wurde dann die „bodenständige* Bevölkerung 
auf die Fläche verrechnet, die nicht bodenständige aber besonders 
durch Symbole dargestellt. 

Ratzel macht aber schon auf die Hauptmängel der „Ausschaltung 
der großen Mittelpunkte der Bevölkerung" nachdrücklich aufmerksam^): 
„Willkürlichkeiten werden bei dieser Ausschließung um so weniger zu 
vermeiden sein, als die Frage in Gebieten verschiedener Dichte ganz 
verschieden liegt. An kleinen Städten reiche Gegenden, wie wir sie 
in Württemberg und Bayern finden, werden durch die Einrechnung 
derselben in den Dichtigkeitsdurchschnitt ganz anders beeinflußt, als 
großstädtisch bevölkerte gewerbreiche Gebiete in Rheinland und West- 
falen. Außerdem liegt ein innerer Widerspruch in der Verwendung 
zweier so verschiedener Methoden: Die Signaturen für die ausgeschie- 
denen größeren Orte gehören der geographischen, die Farben der 
Durchschnittsdichtigkeiten auf den Flächen der statistischen Methode 
an." „Eine in der Natur begründete Ausscheidung der Bevölkerung 
wird man durch Ausschließung von Orten, die mehr als eine gewisse 
Einwohnerzahl haben, überhaupt nie erreichen^).** Es ist klar, daß in 
der Nähe größerer Städte, Verkehrszentren oder Industriebezirke ver- 
hältnismäßig bedeutend mehr Menschen durch intensivere und lohnendere 
Betriebe zur Versorgung der genannten Orte oder Gebiete mit Ge- 
müse, Fleisch, Butter u. s. w. ihren Lebensunterhalt aus dem Boden 
ziehen können, als in weiterer Entfernung von solchen, daß also dort 
ein größerer Anteil der Bevölkerung als „bodenständig" anzusehen ist, 
als hier. Demgemäß müßte also die Volkszahl der auszuscheidenden 
Orte von einer Gegend zur anderen wechseln, und eine einheitliche Fest- 
setzung eiiier solchen Zahl ist mit den natürlichen Verhältnissen nicht 
in Einklang zu bringen. Aber auch die statistischen Angaben über 
die Berufe sind nur mit Einschränkung für diese Zwecke zu benutzen. 
Außer den Personen, die dem Hauptberufe nach als Landwirte ange- 
geben sind, wird sich überall eine größere oder geringere Zahl von 
Menschen finden, die im Nebenberufe noch Landwirtschaft betreiben. 



') Fr. Ratzel a. a. 0., II, S. 195. 
2) E. Küster a. a. 0., S. 169. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 17 

Wie will man nun ohne immerhin ganz willkürliche Annahmen fest- 
stellen, wie viele davon noch für die bodenständige Bevölkerung in 
Anrechnung zu bringen seien? Und umgekehrt hat nicht nur in der 
Nähe größerer Industrie- und Verkehrsmittelpunkte, sondern oft noch 
weithin die Landwirtschaft häufig genug Nebenbetriebe, deren Vor- 
handensein es ermöglicht, daß sich die Bevölkerung verdichtet, ohne 
daß diese noch als rein „bodenständig* angesehen werden kann^). Auch 
die Methode endlich, aus den Durchschnittsreinerträgen von Acker und 
Wiese eines Kreises und der entsprechenden landwirtschaftlich genutzten 
' Fläche eines Stadtgebiets die Zahl der für die Landwirtschaft in An- 
rechnung zu bringenden Bewohner zu berechnen^), ergiebt nach dem 

* vorher Gesagten doch wohl nur allzu unsichere Ergebnisse. 

Nehmen wir nun aber die Gemeinde, diesen „einheitlichen Or- 

• ganismus von individueller Selbständigkeit", als Grundlage zur Be- 
i rechnung der Volksdichte, so haben wir eine Ausscheidung irgend eines 
- Teils der Bewohnerschaft überhaupt nicht nötig. Eine besonders hohe, 

über die Umgegend merklich hervorragende Dichtezahl einer Gemeinde 
*- wird uns sofort durch ihr Vorhandensein schon darauf hinweisen, daß 
I besondere Ursachen für die Verdichtung der Bevölkerung vorliegen^.). 
I Bei einer Untersuchung dieser Ursachen wird sich uns zeigen, ob die- 
? selben in der Verkehrslage der betreffenden Gemarkung als Mittelpunkt 
für Handel und Verkehr oder in besonderen Bodenschätzen oder was 
' immer für anderen Umständen beruhen, und so ist diese Gemarkungs- 
' karte, weit entfernt davon, ein statistisches Kartogramm zu sein, im 
eigentlichen Sinne die „ Bevölkerungskarte **, die „hauptsächlich als 
Werkzeug für die Auffindung der örtlichen Ursachen der Bevölkerungs- 
dichte zu schätzen ist***), die uns ganz besonders geeignet erscheint, 
Antwort auf die Frage zu geben: „Warum trägt die Erdoberfläche hier 
mehr Menschen als dort^)?** 

In gewissem Sinne suchte Sandler®) in seiner Karte von Ober- 
franken und vom Bezirksamt Garmisch nun diese Ursachen gleich auf 
der Karte selbst anzudeuten. Er stellte zunächst die landwirtschaft- 
liche Bevölkerung besonders durch Flächenfarbe dar; hierbei verzichtete 
er aber auch darauf, auf die weitgehenden Forderungen Küsters (s. o.) 
einzugehen und gab die Dichte einmal für das Wald- und Unland auf 
das ganze Gebiet einheitlich, dann für das Kulturland auf jede Ge- 
meinde einzeln verrechnet an. Sodann bezeichnete er an den Orts- 
signaturen durch verschiedenartige Schraffierung die absoluten Zahlen 
der nicht ackerbautreibenden Bevölkerung, durch Farben auf den Sig- 
naturen außerdem noch, wie viel vom Hundert der Bevölkerung dem 
Handel und Verkehr angehören, und endlich noch durch Einschreibung 
in die Karte die Verbreitung besonders wichtiger Erzeugnisse, Gewerbe 
u. dergl. Sehen wir auch ganz davon ab, wie außerordentlich 



^) K. Neukirch a. a. 0. S. 63. 

^) H. Stoltenburg a. a. 0., S. 6. 

^) Vgl. hierzu auch E. Neukirch a. a. 0., S. 64. 

^) Fr. Ratzel a. a. 0., II, S. 185. 

») Derselbe a. a. 0., II, S. 181. 

•) Chr. Sandler a. a. 0. 



18 E* Ambrosius. 

schwierig, oft einfach unmöglich es ist, das zu einer solchen Darstel- 
lung gehörige statistische Spezialmaterial zu beschaffen, sehen wir femer 
davon ab, daß die Menge der verschiedenen, aber doch immer ein- 
ander sehr ähnlichen Schraffuren die Karte nur ziemlich schwer lesbar 
macht, so bleibt zunächst auch hier wieder ein wichtiges methodischea 
Bedenken. Die ackerbautreibende Bevölkerung wurde nämlich relaÜT, 
auf den Boden bezogen, dargestellt, die nicht ackerbautreibende aber 
einmal in ihrer Gesamtheit absolut (durch die Schraffierung), ein Teä 
derselben aber noch einmal, und zwar relativ (durch die Farbe in doi 
Ortssignaturen), aber wieder in anderem Sinne, als dieser Ausdruck 
bisher gebraucht wurde und als die Landbevölkerung dargestellt wurde, 
nämlich nicht auf die besetzte Bodenfläche, sondern auf die soeben er- 
wähnte, durch die Schraffen dargestellte Gesamtheit bezogen. Die Karten 
Sandlers scheinen uns in der Fülle dessen, was sie darbieten, über den 
Rahmen dessen, was von einer Volksdichtekarte zu fordern ist, ent- 
schieden zu weit hinauszugehen, und auf sie ist besonders die Be- 
merkung Neukirchs zutreffend^): „Es ist schließlich nie aus dem Auge 
zu verlieren, daß die Dichtekarte nicht die Bevölkerungsmenge bis ins 
einzelne in genauen Zahlen, sondern nur die Bevölkerungsverhältnisse 
in der charakteristischen Verschiedenheit ihrer Dichte und ihren Be- 
dingungen darstellen soll," und ebenso glauben wir uns der Meinung 
E. Friedrichs^) anschließen zu müssen: »Der Zweck der Karte kann 
nach unserer Ansicht nicht darin bestehen, daß sie die Grundlage fOr 
Messungen und Rechnungen bilde. Die Aufgabe, genaue Zahlen zu 
liefern, muß den Texttabellen zugewiesen werden/ 

Fassen wir das bisher Gesagte noch einmal zusammen, so kommen 
wir zunächst zu folgenden Ergebnissen: 

1. Die Gemeinde (Gemarkung) ist als Grundlage für die Berech- 
nung der Volksdichte zu benutzen. 

2. Wegen ihres verschwindend geringen Einflusses auf die Volks- 
zahl ist die von Wald bedeckte Fläche jedoch vor dieser Berechnung 
von der Gesamtfläche der Gemeinde abzuziehen. 

3. Eine Ausschließung des Unlandes, der Gewässer, Moore und 
ähnlicher wenig oder nicht bewohnter Flächen ist wohl wünschenswert, 
aber aus Mangel an statistischen Angaben über ihre Ausdehnung in 
den einzelnen Gemeinden in vorliegender Arbeit nicht mögb'ch gewesen. 

4. Die Gesamtzahl der Bewohner der Gemeinde kommt zur Ver- 
rechnung ohne jeden Abzug. 

„Es kommt nicht bloß auf die absolute Zahl und auf die zahlen- 
mäßige Zusammensetzung eines Volkes aus seinen Elementen an, 
sondern auch auf deren geographische Verteilung, von der auch immer 
die soziale abhängt. In welchem Gebiete? In welchen Anhäufungen? 
Mit welchen ethnischen Merkmalen? Das sind die Fragen, die für den 
politischen Geographen sich unmittelbar anreihen an die Frage: Wie 
groß ist die Zahl? Diese Zahl empfängt ihre rechte Beleuchtung erst 



») K. Neukirch a. a. 0., S. 63. 
2) E. Friedrich a. a. 0., S. 7. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 19 

aus der Verteilung über das Land. Das ist ein Verhältnis, das die 
Volksdichte uns verschleiert^). Grade den Dichteunterschieden gegen- 
über ist die Frage der Verteilung zu stellen*^)/ 

Die in den vorstehenden Worten Ratzeis betonte äußerst wichtige 
geographische Thatsache der Verteilung der Bevölkerung über das Land 
hat man vielfach dazu benutzt, um durch sie allein die „ Volksdichte " 
darzustellen. Dies ist die von Neukirch unter der Bezeichnung „abso- 
lute Methode der Volksdichtedarstellung ** zusammengefaßte zweite große 
Gruppe von Volksdichtekarten, auf die näher einzugehen wir uns hier 
versagen müssen^). Die meisten Arbeiten nach dieser Methode zeigen 
die Siedelungen in verschieden abgestuften Signaturen, durch welche 
die Einwohnerzahlen angedeutet werden. Eine solche Darstellung der 
Siedelungen für sich allein aber kann doch immer noch kein richtiges 
Bild von der Bevölkerung eines Landes geben. Stammeseigentümlich- 
keiten und geschichtliche Ereignisse rufen hier zusammengedrängtes 
Wohnen in kleinen Städten, dort in geschlossenen, mehr oder weniger 
gleichmäßig verteilten Dörfern, wieder anderswo endlich ganz zerstreute 
Siedelungsweise hervor. Auf Karten kleineren Maßstabs würden die 
letzterwähnten Gegenden, da die Einzelsiedelungen doch nicht einge- 
tragen werden können, erheblich zu kurz kommen gegenüber Gegenden, 
in denen die Bewiohner in Städten und Dörfern zusammengedrängt sind. 
Bei großem Kartenmaßstabe würden ja die Einzelsiedelungen wohl er- 
scheinen, aber nun tritt wieder die Schwierigkeit ein, die Ortschaften 
in richtiger Weise zur Geltung kommen zu lassen. Einfache Symbole 
sind hier nicht mehr gut angängig (vgl. z. B. Gloys Karte eines Teils 
von Schleswig-Holstein)^), und bei topographischer, planmäßiger Dar- 
stellung nimmt das weit gebaute, aus niedrigen Häusern bestehende 
Dorf oft mehr Raum ein, als die viel volkreichere Stadt mit eng ge- 
schlossener Bauart und höheren Häusern (vgl. z. B. auf der vorliegen- 
den Karte Rees mit 3925 Einwohnern und das nordwestlich davon 
gelegene Wissel mit 989 Einwohnern!). Diesen Fehler strebte 
R. Buschick ^) dadurch auszugleichen, daß er die „Intensität des 
Wohnens wiederzugeben versuchte durch eine wechselnde Betonung und 
Verdoppelung der Umrisse, sowie durch eine fortschreitende Ausfüllung 
durch SchrafiFur". Allein auch dieser Ausweg scheint uns noch nicht 
ein hinreichend klares, anschauliches Bild zu geben. E. Friedrichs 
Vorschlag, die Bevölkerungszahlen der Siedelungen auf den Bauplatz 
zu verrechnen^), scheint auch uns gleichwie Neukirch'') ungeeignet, da 
weniger die bebaute Fläche, als vielmehr ihre Lage für diese Zahlen 
ursächlich ist. Aber auch die Einzelsiedelungen sind ganz verschieden 
stark bewohnt, und aus ihrer Menge und Entfernung voneinander 



Fr. Ratzel, Politische Geographie, München 1897, S. 391. 

2) Ebenda S. 392. 

') Vgl. hierzu besonders K. Neukirch a. a. 0., S. 5 f. 

*) A. Gloy a. a. 0. (s. S. 6, Anm. 9). 

^) R. Buschick a. a. 0., S. 58. 

«) E. Friedrich a. a. 0. S. 13. 

') K. Neukirch a. a. 0., S. 18 u. 19. 



20 ^* Ambrosius. 

allein ist noch kein irgendwie sicherer Schluß auf die Bevölkerung daj 
Gebiets zu ziehen. 

Tragen wir nun aber in unsere auf Grundlage der 6emaj*kungtt| 
nach der „relativen" Methode gezeichnete Volksdichtekarte alle Sidie- 
lungen im topographischen Sinne, d. h. nur ihrer Lage, bezw. Fora 
nach, ein, ohne jede Rücksicht auf die Zahl der Bewohner, so werdet 
wir dadurch einen trefflichen Überblick über die Beyölkerungsverhält- 
nisse erlangen. Die Farbe, mit der jede einzelne Gemarkung bedeckt 
ist, zeigt uns die Bevölkerung auf dem Boden, der sie bedingt, vanl 
dem sie ihr Dasein mittelbar oder unmittelbar hat, in gleichmäßiger: 
Verteilung, während die Siedelungszeichen uns angeben, wohin sie 
ihre Städte, Dörfer und Einzelwohnungen gebaut hat. Es ist hierbei, 
wie nochmals betont sei, streng vermieden, irgendwelche absolute Zahloi 
durch die Siedelungssignaturen ausdrücken zu wollen. Absolute Zahl^ 
haben auf einer Volksdichtekarte unserer Ansicht nach gar nichts zu 
suchen, die gehören in die Tabellen. (Über die auf anderem Gebiete 
liegenden Gründe für die abweichende Schrift — nicht Signatur! — 
an den Orten mit mehr als 2000 Einwohnern s. weiter unten.) GkuM 
besonders vorteilhaft scheint uns diese Methode in einem Gebiet, wo, 
wie in dem vorliegenden, die zerstreute Siedelungsweise vorherrschend 
ist, denn in einem solchen geben uns die auf größere Strecken hin 
von Siedelungen freien oder auffallend spärlich besetzten Stellen so- 
gleich auch einen Fingerzeig, daß hier besondere Verhältnisse obwalten, 
hier wird Moor, Sandland, Heide, Überschwemmungsgebiet od. dergL 
zu vermuten sein. Dies im einzelnen zu betrachten, bleibt der Unter- 
suchung über die Ursachen der Volksdichte vorbehalten. Wir haben 
hierin auch gleichzeitig in vielen Fällen einen Ausgleich für den 
auf Seite 18 unter 3 erwähnten Mangel statistischer Angaben für 
Unland u. s. w,, indem größere derartige Flächen, die also auf die 
Volkgdichte wesentlichen Einfluß ausüben könnten, wenigstens wie ge- 
sagt auf der Karte durch das Fehlen der Siedelungen gekennzeichnet 
werden. 

Alle Einzelsiedelungen wurden nun in unserer Karte gleich- 
mäßig durch Punkte bezeichnet, immer ohne Rücksicht auf die Art der 
Siedelung und ihre Einwohnerzahl, ob Bahnwärterwohnung, Bauernhof 
oder Rittergut. Wo mehrere Einzelsiedelungen sehr nahe bei einander 
lagen, wurden sie zu einer Gruppensiedelung mit besonderer 
Signatur o zusammengezogen. Kommen wieder mehrere Gruppensiede- 
lungen sehr nahe zusammen, so sehen wir den Übergang zur ge- 
schlossenen Ortschaft. Besonders deutlich zeigt sich auf diese VSTeise 
das allmähliche Zusammenwachsen der an den Straßen entlang liegen- 
den Siedelungen und Häusergruppen in der Nähe größerer Städte, vor 
allem im Südosten, im Industriegebiet. Die geschlossenen Ortschaften 
endlich wurden durch eine ihrer Form entsprechende planmäßige An- 
lage mit Ausfüllung durch Schraffur, ebenfalls unabhängig von der 
Einwohnerzahl, bezeichnet. Daß bei der Zusammenfassung der Einzel- 
siedelungen zu Gruppensiedelungen und bei der Abgrenzung der „ge- 
schlossenen Ortschaften" dem subjektiven Gefühle des Zeichners ein 
gewisser Einfluß zukommt, kann weiter kein Bedenken erregen, denn 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 21 

bei Zugrundelegung der Meßtischblätter kann ein wesentlicher Irrtum, 
der die Darstellung in merklicher Weise beeinflußte, wohl überhaupt 
nicht vorkommen, und dann kommt auch noch weiterhin in Betracht, 
daß die Angabe der Siedelungen bei aller Ausführlichkeit und Ge- 
nauigkeit doch immer nur eine Nebenrolle spielt, zur näheren Speziali- 
sierung der eigentlichen Volksdichtedarstellung nach der relativen Me- 
thode unter Zugrundelegung der Gemarkungen. 

Antwortet diese letztere, die jede Gemarkung bedeckende Flächen- 
farbe auf die Fragen Batzels „Wie groß ist die Zahl?" und „In 
welchem Gebiete?**, so geben uns die ebenfalls eingetragenen sämtlichen 
Siedelungen die Antwort auf die beiden folgenden Fragen : „In welcher 
Anhäufung?** und „Mit welchen ethnischen Merkmalen?**^). Ein 
weiteres Eingehen in die Einzelheiten der Beantwortung aber ist von 
der Karte nicht zu verlangen, hier müssen die Tabellen und der Text 
eintreten. 



*) Vgl. Seite 18. — Ausführliches Litteraturverzeichnis zur Me- 
thodik der Volksdichtedarstellung in sachlicher und zeitlicher Anordnung s. bei 
K. Neukirch a. a. 0. S. 45—55. 



n. Das (rebiet des Niederrheins. 



Abgrenzung des Gebiets. 

Das in der vorliegenden Arbeit zu behandelnde Gebiet umfait 
den nördlichen, unteren Teil der Kölner Tieflandsbucht, die, in der 
Gegend der ersten Flußteilung des Rheins beginnend, sich von der 
großen niederländisch- deutschen Tiefebene her aufwärts bis Bonn hin- 
zieht. Diese Kölner Bucht kann man in zwei, zwar nicht scharf ge- 
trennte, aber immer doch deutlich genug sich unterscheidende Ab- 
teilungen zerlegen, deren ungefähre Scheidung Kohl^) „in die Gegend 
der Ruhrmündung" verlegt. In dieser Gegend beginnt der eigentlichste 
Tief landslauf des Rheins mit seinen zahlreichen verlassenen Flußarmen, 
mit fruchtbarem Marschland auf beiden Ufern, von hohen Deichen 
gegen die Fluten geschützt, „in welchem schon die ackerbaulichen Ver- 
hältnisse und Verrichtungen, Viehzucht, Getreidebau, Wiesen- und Weide- 
wirtschaft denen in den Niederlanden ganz ähnlich werden**^). Während 
auf der rechten Rheinseite die höheren Erhebungen des „Bergischen 
Landes", die den Strom bis dahin in geringer Entfernung begleiteten, 
von der Ruhrmündung abwärts entschieden zurücktreten, und niedrige 
sandige und lehmige Hügelgruppen und Plateaus die Scheide bilden 
gegen die westfälische, Münsterische Tieflandsbucht, ist das links- 
rheinische Gebiet in der Gegend von Neuß und Krefeld schon ganz 
flach, und dort „verschwindet die Trennung des Rheins und der Maas 
so, daß die Thalfläche des Rheins bis an den linken Thalrand der Niers 
verfolgt werden kann" ^). Erst weiter nördlich erheben sich niedrige 
Hügelreihen, die, vielfach unterbrochen, auch nur in ihrem nördlichen 
Teile eine deutliche Trennung zwischen Rhein- und Maasgebiet wieder- 
herstellen. Wir nehmen die Südgrenze unseres Gebiets mit geringen 
Abweichungen an einer Linie, die schon von Kohl*) als bemerkens- 
wert hervorgehoben wurde, nämlich der von Venlo nach der Ruhr- 



1) J. G. Kohl, Der Rhein. Leipzig 1851. Bd. II, S. 141. 

2) Ebenda S. 142. 

^) V. Dachen, Erläuterungen zur Geologischen Karte der Rheinprovinz und 
der Provinz Westfalen. (2 Bde. Bonn 1870—1884.) Bd. I, S. 543. 
•*) J. G. Kohl, Der Rhein, II, S. 143. 



E. Ambrosius. Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 23 

mündung. Zwischen Venlo in der niederländischen Provinz Limburg 
und Urdingen haben sich Maas und Rhein, jene von Südw^est, dieser 
aus Südost kommend, auf 30 km einander genähert, um von nun an 
in ganz allmählicher Annäherung fast parallel zu fließen. Sie „schließen 
so ein ziemlich schmales Mesopotamien ein, das abwärts immer schmäler 
wird und eine Halbinsel bildet, die auch schon der batavischeu Fluß- 
insel im Deltalande sehr ähnelt" ^). Dieses Mesopotamien nun, und mit 
ihm das rechtsrheinische Gebiet von der Ruhrmündung abwärts, so- 
weit beide zum Deutschen Reich gehören, sollen den Gegenstand unserer 
Betrachtungen bilden. Verfolgen wir zunächst die Abgrenzung des 
Ganzen. 

Bei Urdingen ist die Wasserscheide zwischen Rhein und Niers 
so verwischt, daß die unbedeutenden Gewässer sich mehrfach spalten 
und teils dem Rhein, teils der Niers zufallen, zu deren Gebiet schon 
das nur etwa 5 km vom Rhein entfernte Kliedbruch gehört. Dieses 
erstreckt sich, bis 3 km breit und etwa 9 km lang, von Krefeld aus 
nordwestlich und findet seine unmittelbare Fortsetzung in den mehr 
westlich sich hinziehenden Stendener, Aldekerker und Eyllschen Brüchen 
bis in die Gegend von Wachtendonk. Die durchschnittlich 1 — 3 km 
breiten waldbedeckten, fast gänzlich unbewohnten Brüche bilden eine 
deutliche Trennung zwischen dem Norden und dem südlich von ihnen 
gelegenen Krefelder Bezirk. Die westliche Fortsetzung unserer Grenz- 
linie finden wir in dem Thal des Nettbachs, das eine bemerkenswerte, 
tiefe Einsenkung in der niedrigen Hügelkette zwischen Maas und Niers 
bildet; unmittelbar vor seinem Durchbruch durch die Hügelkette durch- 
fließt der Bach die vier großen Kriekenbecker Teiche (Glabbacher und 
Hinsbecker Bruch, Poelvenn und Schrolick) und über sie erreichen wir 
nun, nur noch 4 km von der Maas und Venlo entfernt, die Landes- 
grenze gegen die Niederlande. Diese zieht sich in nördlicher, später 
mehr nordwestlicher Richtung durch Wälder und ausgedehnte Moore 
bis zur Niers. Sie ist anfangs etwa 3 km, weiter nördlich mehrfach 
etwas weiter von der Maas entfernt, aber immer fast parallel mit ihr 
verlaufend. Ratzel nennt sie deshalb eine der unglücklichsten Grenzen 
Europas^). Ist dies aus dem Gesichtspunkte, daß die Grenze „nicht 
am diesseitigen Ufer des Flusses, der Grenze bilden soll, verlaufen darf** ^), 
unbedingt richtig, so ist aber auch andererseits nicht zu verkennen, 
daß hier in hohem Maße ein Umstand zutrifft, von dem Ratzel sagt: 
„Was trennend mitten in der Ökumene sich zwischen dichtbesiedelte 
Strecken legt, das sind die Wasser- und Sumpfflächen, die Wüsten, 
die Hochgebirge und Wälder"*), und auf dieser ganzen Grenzstrecke 
ist das deutsche Gebiet durch breite, ununterbrochene Sümpfe und 
Wälder von dem dichter besiedelten niederländischen Uferstreifen der 
Maas getrennt. Nachdem die Grenze den Niersfluß 8 km von seiner 
Mündung in die Maas erreicht und eine kurze Strecke begleitet hat. 



^) J. G. Kohl, Der Rhein. II, S. 143. 

*) Fr. Ratzel, Politische Geographie, S. 488. 

3) Ebenda, S. 413. 

*) Fr. Ratzel, Anthropogeographie, Bd. II, S. 88. 



24 ^* Ambrosius. 

folgt sie dem Südraude des Reichswaldes, um sich dann endgültig ?oi 
der Maas abzuwenden. Sie überschreitet den Höhenzug und folgt dess« 
Nordseite, bis sie in der Nähe von Wyler ihren nordöstliclisten Piuld 
erreicht. Nun biegt sie nach Osten um, wobei sie der Waal bis asf 
IV^ km nahe kommt, und erreicht den Rhein zwischen dem hoUin- 
dischen Dorfe Millingen und dem deutschen Bimmen, nur 2 ^t km obor- 
halb von dessen Spaltung. Etwa 8 km weit bildet jetzt der Rhein die 
Grenze, die sich dann eine kurze Strecke nördlich wendet und da 
Eltener Berg umfaßt. Weiterhin folgt sie den Wasserläufen des 
^ Kanals^ und der auf eine weite Erstreckung hin aus zwei parallelen 
Gräben bestehenden „Landwehr", bis sie endlich in der Nähe von 
Anholt an die Issel tritt. Von hier ab folgen wir der Grenze zwischen 
den Provinzen Rheinland und Westfalen. Diese läuft zunächst an der 
Issel, dann der Kleinen Issel entlang, schließt so die niedrigen Bruch- 
gegenden an diesen Flüssen ein und wendet sich nun den Brüner Höhen 
zu. Auf diesen wald- und heidebedeckten, stellenweise auch moorigoi 
flachen Rücken zieht sie sich zur oberen Issel, der sie noch einmal eine 
kurze Strecke folgt, um dann erst ost-, dann südwärts die von aus- 
gedehnten Wäldern bedeckten Höhen zwischen ihr und der Lippe zu 
überschreiten und diesen Fluß bei Schermbeck zu erreichen. Bis Dorsten 
aufwärts bildet die Lippe selbst die Grenze, dann geht diese nach Süd- 
west und Süd über die waldigen Höhen zwischen Lippe und Emscher. 
Auf diesen Fluß stößt sie südlich von Sterkrade. Hier verlassen wir 
die Provinzgrenze und folgen der Südgrenze des Kreises Buhrort, eine 
kurze Strecke am Emscherfluß entlang, um endlich, das Mündungsgebiet 
dieses Flusses und das der Ruhr einschließend, östlich von Duisburg 
die letzten Ausläufer der Bergischen Höhen, dann den Rhein und an 
ihm aufwärts entlang ziehend unseren Ausgangspunkt in Ürdingen zu 
erreichen. 

Ist die Abgrenzung nach politischen und administrativen Gebiets- 
abschnitten auch zunächst ein Notbehelf, um der Hilfe der Statistik 
bei den nachfolgenden Betrachtungen nicht entbehren zu müssen, so ist 
in unserem Falle das abgegrenzte Gebiet aber auch in nicht geringem 
Maße, wie schon angedeutet, als ein natürliches anzusehen, indem seine 
gesamten Verhältnisse sich deutlich von denen des oberen Teils der 
Kölner Bucht und des östlichen Münsterschen Kreidebeckens scheiden; 
weniger merklich allerdings sind die Übergänge in die benachbarten 
Niederlande hinein. Kohl betont schon ^), daß „infolge der physischen 
Gliederungen und Verschiedenheiten des oberen und unteren Nieder- 
rheins und im Parallelismus mit ihnen auch eine Menge sittliche und 
ethnische Verhältnisse der Bevölkerung sich in verschiedenen Abschnitten 
verschieden ausbildeten, und daß dann diese Grundverschiedenheit am 
Ende auch fast zu allen Zeiten zu einer Verschiedenheit der staatlichen 
und territorialen Entwickelung führen mußte •*. Er führt weiter aus, 
wie schon seit den ältesten Zeiten Völker- und Sprachengrenzen un- 
gefähr mit den Grenzen unseres Gebiets zusammengefallen sind. In 
der That umfaßt das im vorhergehenden von uns umgrenzte Gebiet mit 



^) J. G. Kohl, Der Rhein. II, S. 143 f. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 25 

ganz geringen Abweichungen das ganze ehemalige Herzogtum Kleve 
mit dem Lehensfürstentum Mors und das sogen. Oberquartier des 
Herzogtums Geldern. Es bildet so den ältesten Teil der preußischen 
Rheinprovinz (seit 1609 bezw. 1702 und 1713). Die kleinen übrig- 
bleibenden Gebiete, das reichsfreie Frauenstift Elten, die ehemals kur- 
kölnische Enklave von Rheinberg und die ebenfalls kurkölnische Um- 
gebung von Ürdingen kamen erst 1815 mit dem übrigen Rheinland 
an Preußen. 

In den heutigen Verwaltungsgrenzen betrachtet, ist das zu be- 
sprechende Gebiet zusammengesetzt aus dem Stadtkreise Duisburg, den 
Kreisen Ruhrort, Rees, Mors und Kleve, dem Kreise Geldern ohne 
die zwei südlichsten Gemeinden Hinsbeck und Leuth, der zum Kreise 
Kempen gehörigen Gemeinde Tönisberg und den Gemeinden Ürdingen, 
Bockum, Verberg und Traar des Landkreises Krefeld. Es bildet die 
nördliche, kleinere Hälfte des Regierungsbezirks Düsseldorf der preußi- 
schen Rheinprovinz. 

Geographische Beschreibung des Gebiets. 

Fassen wir unser Gebiet als Ganzes ins Auge, so finden wir in 
vertikaler Beziehung nur verhältnismäßig recht geringe Unterschiede. 
Der tiefste Punkt ist beim Ausfluß des Wyler Meeres im äußersten 
Nordwesten mit 9 m Meereshöhe, während der Austritt der Niers aus 
dem Reiche in 10, der des Rheins in 11 m ü. M. liegen. Die höchste 
Erhebung dagegen ist der nur 9 km südwestlich von dem Austritte des 
Rheins gelegene Klever Berg mit 106 m; sonst wird hier die Höhe 
von 100 m nirgendwo erreicht. Der weitaus größte Teil liegt noch 
unter 30 m Meereshöhe und ist ganz allmählich von Südost nach Nord- 
west abgedacht. Im Süden endet unser Gebiet ungefähr mit der Iso- 
hypse von 30 m, wie die beigegebene, nach den neuen Meßtischblättern 
konstruierte Höhenschichtenkarte zeigt. Bis auf kleine Bruchteile ist 
es fast völlig flach, und meist sind nur geringfügige Höhenunterschiede 
von wenigen Metern vorhanden. Nur im Osten, dann in einem mittleren, 
von Südost nach Nordwest ziehenden Streifen und endlich ganz im Westen 
finden wir erwähnenswerte Erhebungen (vgl. Profil I Seite 26). Bei Be- 
trachtung der horizontalen Gliederung fällt natürlich sofort der mächtige, 
in einem flachen, nach Südwesten offenen Bogen ziehende Lauf des Rhein- 
stroms ins Auge und femer die in einer durchschnittlichen Entfernung 
von etwa 15 km westlich von ihm einen ganz ähnlichen Bogen bildende 
Niers. Die im Nordosten unser Gebiet berührende Issel kann als zum 
Stromgebiet des Rheins gehörig betrachtet werden, mit dem sie sich 
ja auch schließlich in den Niederlanden vereinigt. 

Es liegt in der Natur eines so flachen Landes begründet, daß sich 
in ihm keine so scharfen Unterschiede in seinem Charakter auf oft kurze 
Strecken hin finden lassen werden, wie etwa in gebirgigen Gegenden, 
aber wir können doch auch hier eine Reihe von natürlichen Gebieten 
voneinander unterscheiden, die jedes für sich ihre besondere Eigenart 
haben und uns die Übersicht über das Land erleichtern. Diese Ge- 
biete sind gewissermaßen in fünf parallelen Streifen angeordnet, ent- 



26 ^' Ambrosia». 

^. a lü sprechend dem Zug der niedrigen Hügelreihen und dem 
Laufe der Hauptflüsse. Wir unterscheiden demgemäß von 
Ost nach West fortschreitend: 

1. das Gebiet der östlichen Bandhöhen, 

2. das Bheinthal (mit dem Isselgebiet), 

3. die linksrheinischen Htigelgruppen, 

4. das Niersthal, und endlich 

5. das Gebiet der westlichen Grenzhöhen und 
-Moore. 

1. Die östliclien Randhöhen. 

Die waldbedeckten Sandhügel des Duisburger Waldes, 
des äußersten nordwestlichen Vorpostens des „Bergischen'' 
und damit des Rheinischen Schiefergebirges, die sich bis 
auf wenige Kilometer der Ruhrmtindung nähern und hier 
die Grenze des eigentlichen niederrheinischen Landes be- 
zeichnen, können wir hier tibergehen, da nur ein ganz 
unbedeutendes Stück in das zu betrachtende Gebiet hinein- 
ragt. — Die östliche Randhöhenzone beginnt an der Ost- 
grenze unseres Gebiets etwa 1 ^/2 km nördlich der Emscher 
bei Sterkrade. Ihre Grenze gegen das Rheinthal wird 
bezeichnet durch eine Linie von hier aus östlich von Holten 
und westlich von Hiesfeld führend, darauf erst nördlich, 
dann nordwestlich zur Lippe sich wendend, die sie bei 
Schwarzenstein, etwa 3 km unterhalb Krudenburg erreicht, 
um sich von hier in einem flachen Bogen nordwestlich 

>, bis in die Nähe von Brünen zu ziehen und, diesen Ort 
; I östlich lassend, etwa 2 ^/2 km östlich von Ringenberg das 

1 Gebiet der Rheinprovinz zu verlassen. 

I Die so gegen das Rheinthal abgegrenzte Hügel- 

region zerfällt, soweit sie hier in Betracht kommt, also 
ostwärts bis an die westfälische Grenze hin, durch das sie 
durchschneidende Thal der Lippe in eine südliche und 

^^ eine nördliche Hälfte, die ihrerseits wieder durch den Roten 
4| Bach und die Issel in je zwei Gruppen zerschnitten werden. 

K^ Die Höhe dieser Hügelgruppen nimmt von Süd nach 

I Nord ab. Die südlichste erreicht bei Sterkrade (Eönigs- 

I hardt) noch 74 m und senkt sich allmählich nach dem 
Rheinthal hin. Sie bildet einen breiten, südwest-nord- 

I östlich streichenden Rücken mit sandiger Oberfläche und 
lehmigem Untergrund, trägt viel Wald und Heideland imd 
stellenweise auch Moor (Sterkrader Fenn). Ihre Gewässer 

I sammeln sich am Südwestabfall zum Holtener Mühlbach 
4 und Brusbach, während an der Nordseite der Rote Bach 

^ vorbeifließt, dessen ziemlich breites Thal die südliche 
Gruppe von der folgenden, bis an die Lippe reichenden 
* T^ trennt. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 27 

Auch diese Erhebungen tragen ebensowenig wie die vorhin er- 
wähnten und die nördlich der Lippe liegenden einen einheitlichen 
Namen. Ihr Abfall gegen das Rheinthal ist steiler, namentlich bei den 
spitz nach Nordwesten gegen die Lippe vorspringenden Tester Bergen. 
Der Nordabfall reicht an dieser Stelle ganz nahe an die Lippe heran, 
biegt dann in einem flachen Bogen nach Süden aus und tritt erst un- 
mittelbar unterhalb Dorsten wieder an den Fluß; auf diese Weise 
bildet er mit dem einen entgegengesetzten Bogen beschreibenden Fluß- 
laufe ein breites Becken, das nur von geringeren Erhebungen teilweise 
erfüllt wird. Die Höhen selbst erreichen im Süden 69 m und bilden 
ebenfalls ein ausgedehntes, flaches Plateau, das sich zum größten Teil 
auf über 60 m Höhe ü. M. hält. Die Zusammensetzung ist wieder 
gleich der der südlichen Gruppe; „Rücken von Lehm, bedeckt mit 
dünner Lage von Kies und Sand, unter denen südliche Gerolle vor- 
herrschen, wechseln mit Einschnitten, in denen die sandigen Gebilde in 
der Regel mächtiger werden, bisweilen auch die tieferen Lehmpartien 
auftreten'* ^). Die Oberfläche ist fast ganz mit Wald und Heide, stellen- 
weise auch mit Moor bedeckt. Die Entwässerung geschieht auf der 
Süd- und Westseite teils zum Roten Bach, teils zum Rhein, auf der 
Nordseite fließen mehrere Bäche der Lippe zu. 

Die Lippe durchfließt dieses Hügelland, soweit es in den Be- 
reich unserer Betrachtungen fällt, von Dorsten bis Schwarzenstein unter- 
halb Krudenburg in einer anfangs schmäleren, weiterhin bis zu 2 km 
breiten, ostwestlich gerichteten Thalniederung, an die sich südwärts das 
schon erwähnte Becken von Gartrop und Gahlen anlehnt. Ihr Lauf ist 
ziemlich gestreckt, denn auf eine geradlinige Entfernung vom Anfangs- 
zum Endpunkte dieser Strecke von 17 km kommen nur 21,5 km Lauf- 
länge (1 : 1,27). Auf beiden Seiten sind aber zahlreiche, stark ge- 
wundene, grabenartige Einsenkungen zu erkennen, offenbar ehemalige 
Flußwindungen, die aber jetzt entweder trocken liegen oder nur von 
unbedeutenden Wasseradern oder Tümpeln eingenommen werden. Das 
Gefälle ist sehr gering und beträgt von Dorsten bis Krudenburg (19 km) 
nur etwa 3 m, infolgedessen vermag der Fluß auch keine größeren 
GeröUe zu bewegen, wohl aber große Mengen von Sand. Während 
der Thalgrund so in der Hauptsache aus Sand gebildet ist, sind west- 
lich von Dorsten bis bei Gartrop im Bette des Flusses selbst und an 
mehreren Punkten der Thalfläche die Gesteine der Kreideformation 
bloßgelegt ^). 

Denselben Charakter wie die südlich der Lippe gelegenen Höhen- 
rücken besitzen auch die nördlich des Flusses bis an die Grenze unseres 
Gebietes sich erstreckenden. Auch hier ist wieder lehmiger Untergrund 
mit einer mehr oder weniger starken Schicht Kies und Sand bedeckt, 
doch scheint hier sich diese Bedeckung mehr auf die Einsenkungen und 
Thäler zu beschränken, während „schon am Abhang, dann auf der 



^) Hosius, Über den Septarienthon bei Schermbeck. In: Verhandlungen 
des naturhistorischen Vereins der Rheinlande, Westfalens und des Regierungsbezirks 
Osnabrück, 44, Corr.-Bl., S. 37. 

^) V. Dechen, Erläuterungen, I, S. 721. — Hosius, in: Verh. nat. Ver. d. 
Rheinlande 44, S. 37. 



28 E. Arabrosius. 

Höhe selbst an die Stelle des Sandes Lehm tritt, dessen obere Schichtai 
immer noch stark mit Kies durchsetzt sind, der aber nach der Tiefe 
hin sehr bald in einen geschiebefreien Lehm und Thon und endlich in 
einen sehr reinen Thon übergehf* ^). Die Höhen nördlich der Lipp« 
werden durch die Issel in einem breiten Thal durchschnitten. Im all- 
gemeinen bilden sie ganz allmählich ansteigende, oben fast ebene 
Plateaus von 50 — 60 m Höhe und sind vorwiegend mit Wald , Heide 
und Moor bedeckt. Die Gewässer fließen mit Ausnahme derer auf der 
Südseite, die zur Lippe gehen, alle der Issel zu. 

Diese entspringt in Westfalen auf der nordöstlichen Fortsetzung 
der zuletzt genannten Höhen in 56 m ü. M. und tritt nach kurzem 
Laufe, nur noch 37 m ü. M., in Nord-Südrichtung fließend und die 
Grenze bildend, an unser Gebiet heran, wendet sich dann nach Süd- 
west, um südöstlich von Brünen in etwa 26 m Meereshöhe ins offene 
Rheinthal einzutreten. 

2. Das Rheintlial. 

Nehmen die östlichen Randhöhen noch nicht ganz ^s unseres 
Gebiets, aber nur mit etwa ^jn der Einwohnerzahl ein, so geht die 
Bedeutung des Rheins für dasselbe schon daraus hervor, daß fast genau 
die Hälfte der gesamten Fläche mit ^/t der Bewohner dem eigentlichen 
Thale des Rheinstroms zuzurechnen sind. Diese Rheinniederung im 
eigentlichen Sinne zieht sich mit immer zunehmender Breite in einem 
Bogen von Südost nach Nordwest. Sehen wir von der weiter nach 
Osten eingreifenden Bucht der Ruhr- und Emschermündung ab, die in 
ihrem oberen Teil außerhalb des Bereiches unserer Betrachtungen fallt, 
so beträgt die Breite des Rheinthals im Süden beim Eintritt in unser 
Gebiet etwa 15, in der Gegend von Wesel 23 km; etwas weiter ab- 
wärts tritt die Ostgrenze in die Provinz Westfalen über, so daß von 
dort an das ganze rechtsrheinische Gebiet der Rheinprovinz von ihm 
ausgefüllt wird. Die östliche Begrenzung, die auf Seite 26 umschrieben 
wurde, ist durch einen mehrere Meter hohen terrassenförmigen Anstieg 
ziemlich deutlich zu erkennen. Minder klar, ja stellenweise fast völlig 
verwischt ist diese Grenze auf der linken Seite des Stroms, besonders 
in der südlichen Hälfte. Westlich von Urdingen ist, wie schon erwähnt, 
die Wasserscheide zwischen den dem Rhein und den der Niers zu- 
fließenden Gewässern so undeutlich, daß mehrfach Bifurkationen vor- 
kommen. Das Kliedbruch und die Niepkuhlen sind dem Gebiete der 
Niers zuzuzählen, so daß man nun die westliche Begrenzung des Rhein- 
thals von Krefeld etwa über den Egelsberg bei Traar und von dort 
aus hart an der Ostseite der Niepkuhlen entlang nach Vluyn anzu- 
nehmen hätte. Hier ist wieder eine Gabelung, und nun geht die Grenze 
weiter nördlich über die vereinzelten Hügel des Gulix-, Rayer und 
Eyllschen Berges zum Kamper Berg , indem sie unmittelbar vor dem 
letzteren abermals eine Flußgabelung (zwischen dem Fleuthbach und 
der Fossa Eugeniana) überschreitet. Vom Kamper Berge zieht sie sich 



*) Hosius, in: Verh. nat. Ver. d. Rheinlande 44, S. 1. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 29 

am Ostrande der Bönninghardt und deren Nordseite entlang, durch- 
quert die flache Niederung östlich von Sonsbeck und geht am Ostabfall 
der Hügel von Labbeck und Marienbaum weiter. In der Senke des 
Üdemer Bruchs zwischen diesen Hügeln und den nordwestlich folgen- 
den Höhen ist noch einmal die Wasserscheide fast völlig unmerkbar, 
und von nun an endlich haben wir in dem Ost- und Nordabfall der 
Hügel und höher gelegenen Flächen von Xanten über Kleve und Kranen- 
burg nach den Niederlanden hinein eine ununterbrochene, scharfe und 
deutliche Abgrenzung des Rheinthals. 

Die so begrenzte Niederung des Rheinstroms ist mit Ausnahme 
der kleinen Hügelgruppe bei Xanten auf der linken und des Eltener 
Berges auf der rechten Rheinseite, die aber beide im Zusammenhang 
mit den übrigen linksrheinischen Hügeln zu besprechen sein werden, 
fast völlig flach. Nur ganz geringe örtliche Unterschiede meist von 
nur wenigen Metern sind vorhanden, und die meisten derartigen 
Böschungen deuten durch ihren Verlauf darauf hin, daß sie die Ufer 
ehemaliger Stromläufe des Rheins gebildet haben. Solche verlassene 
Strombetten sind überaus häufig und bezeugen den vielfachen Wechsel 
der Stromrichtung seit vorgeschichtlichen Zeiten bis in das letzte Jahr- 
hundert hinein. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, den Zusammen- 
hang und das zeitliche Entstehen und Verschwinden dieser Stromläufe 
zu verfolgen; wir wollen nur kurz an der Hand der Karte die wich- 
tigeren derselben hervorheben. 

So erkennen wir ehemalige Rheinläufe auf der rechten Seite 
des jetzigen Stroms in der Niederung des Duisburger Hafens, im unteren 
Emscherlauf, in der von dem Bruchgraben eingenommenen Serpentine 
nördlich von Beeck bis zur Mündung des Holtener Mühlenbachs. Die 
Niederung nördlich von Walsum, ebenso die von Vörde um Löhnen 
herum nach Mehrum führende, jetzt vom Mommbach durchflossene 
Niederung zeigen deutlich ihre Eigenschaft als verlassene Strombetten. 
Der jetzige westliche Stromlauf bei Wesel wurde erst seit 1784 künst- 
lich hergestellt, um die gefährlichen Eisgänge von der Festung abzu- 
lenken; das frühere Bett versandete mehr und mehr und wurde 1894 
endlich durch einen mächtigen Damm ganz abgesperrt und in einen 
Hafen verwandelt ^). 

Auf der jetzigen linken Seite sind die alten Strombetten noch 
zahlreicher. Schon das Kliedbruch samt seiner Fortsetzung, den zur 
Niers führenden Brüchen, haben wir als ehemaligen Rheinlauf anzu- 
sprechen, der sich einstmals weiter westlich der Maas zuwandte. Auch 
in den Niepkuhlen und den in vielverschlungenen Windungen angeord- 
neten Wasserflächen der Niederung zwischen der Bönninghardt und den 
Höhen bei Sevelen, wie auch im Laufe des Mörsbaches und der Alpschen 
Ley sehen wir vorzeitliche Stromrichtungen angedeutet. Scharf aus- 
geprägt ist die alte Stromkrümmung über Bergbeim und Ostrum nach 
jSssenberg, dann die von Baerl nach Orsoy, weniger die von hier über 



^) Jahresbericht der Handelskammer zu Wesel, mit den Wahlbezirken 
Wesel, Emmerich und Bocholt für das Jahr 1894, S. 45. — (Handelskammer- 
berichte werden fortan stets mit H.-K.-B. abgekürzt!) 



30 E. Ambrosius. 

Budberg nach Rheinberg. Nördlich von Eversael bog der Rhein noch 
bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts hinein von seinem jetzigen Laufe 
südwärts ab und floß unmittelbar an Rheinberg vorbei und durch den 
jetzigen Rheinberger Kanal. Ein anderer Rheinlauf zog sich von 
Ossenberg über Borth und Menzelen, und die große Schleife nach Süden 
bei Birten, die noch jetzt ein breiter Wasserlauf, der Alte Rhein, ein- 
nimmt, wurde vom Strom erst verlassen, nachdem 1788/89 der „Bis- 
licher Kanal" gerade westwärts gegraben war, hauptsächlich um die 
Gefahren der Eisstopfungen abzuwenden. Der neue Durchstich, seit 
1790 befahren, bildet seit der Abbauung des südlichen Nebenarms das 
Bett des ganzen Stroms ^). 

Weit zahlreicher noch als vorher werden die alten Stromläufe unter- 
halb von Wesel und Xanten. Ein Arm, oder besser ein Rheinlauf, ging 
von Xanten über Kaikar und Kleve an Donsbrüggen und Kranenburg 
vorbei durch das Wyler Meer nach der Waal bei Nim wegen; eine Tei- 
lung fand bei Kleve statt, von wo der nordwärts gehende Arm den 
Namen Rhein behielt, während der westliche Vahalis (Waal) hieß. Nach- 
dem durch Drusus der westliche Arm abgeschnitten war, erfolgte die Tei- 
lung erst weiter nördlich. Später, vielleicht seit etwa 1000 n. Chr., ver- 
lief der Rhein weiter östlich über Vynen, HaJBFen, Rees, Esserden, Praest, 
Dornick, nördlich von Bylerward und Huisberden vorbei über Warbeyen, 
Kellen, Griethausen und weiter über Schenkenschanz. Einige kleinere 
Flußarme unmittelbar abwärts von Wesel liegen jetzt zum größten Teil 
trocken. Ein weiterer großer vorgeschichtlicher Rheinlauf zog sich über 
BisHch, Diersfordt, Mehr an Haldern vorbei durch die Bruchgegend an 
der jetzigen deutsch-niederländischen Grenze nach dem Südfuße des 
Eltenberges (wie Iltgen ^) annimmt), oder auch vielleicht nach der Issel 
bei Anholt (nach „Der Rheinstrom **) ^), und weiter zum Zuider See. 
Zahlreiche Verbindungsarme haben jedenfalls zwischen den einzelnen 
Hauptstromlinien bestanden, und es ist ja auch nicht anzunehmen, daß 
ein vom Strome einmal benutzter Weg mit einemmal völhg verlassen 
worden wäre; oft werden vielmehr lange Zeiten hindurch mehrere 
große Flußarme nebeneinander bestanden haben, bis sich der Strom 
endgültig von dem alten Bette ganz abwandte. Die Spuren all dieser 
ehemaligen Rheinläufe sind uns in einem wirren Netz von Rinnen er- 
halten, die teils Bäche und Flüßchen in ihrem Grunde beherbergen, teils 
stehende Gewässer von mehr oder minder großer Ausdehnung, Über- 
reste natürlich oder künstlich abgeschnürter Stromstrecken von oft be- 
trächtlicher Tiefe. Man kann sagen, daß abwärts der Lippemündung 
im Rheinthal (außer der am östlichen Rande fließenden Issel) kein 
einziges selbständiges Gewässer vorkommt, sondern alle die Überreste 
der zahlreichen Rheinarme vergangener Jahrhunderte sind *). 



*) Der Rheinstrom und seine wichtigsten Nebenflüsse von den Quellen 
bis zum Austritt des Stromes aus dem Deutschen Reich, hrsg. von dem Central- 
bureau für Meteorologie und Hydrographie im Großherzogtum Baden. Berlin 
1889, S. 90. 

2) p Iltgen, a. a, 0., S. 11. 

3) Der Rheinstrom, S. 89. 

*) V^l. auch F. Iltgen, a. a. 0., S. 10. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 31 

Der jetzige Lauf des Stromes rührt (nach Iltgen u. a.) in der 
Hauptsache aus dem Ende des 13. Jahrhunderts her, nachdem kurz 
vor 1237 die Emraericher Bürger im Streit mit dem Kapitel von Domik 
einen Graben durch die Immunität des Kapitels zogen, der sich all- 
mäMich zum Hauptstrom herausbildete. Die neuesten großen Ver- 
änderungen sind der Durchstich bei Grieth im Jahre 1819 — 22 und 
die Abschneidung des bei Schenkenschanz sich abzweigenden Rhein- 
arms und damit die Verlegung der Rheindeltaspitze einige Kilometer 
abwärts auf jetzt niederländisches Gebiet in den 1770er Jahren. 

Der Boden dieser breiten Rheinniederung wird durchweg von 
den Anschwemmungen des Flusses selbst gebildet. Er ist im Über- 
schwemmungsgebiet, zu beiden Seiten des Stromlaufs, ein äußerst frucht- 
barer Marschboden aus Rheinschlick von mehreren Metern Mächtigkeit. 
Auch in weiterer Entfernung vom Flusse zeigt die Krume meist „einen 
fetten Lehm, der teils rein, teils mit feinem Sande untermischt ist" ^). 
Stellenweise finden sich aber auch Sandablagerungen, die durch die 
Überschwemmungen verursacht wurden, wie z. B. die fast 1 qkm 
Fläche bedeckenden „Dünen'* an der Südostseite des Dorfes Wissel. 
Sandige Ablagerungen finden sich auch an beiden Seiten der unteren 
Lippe und in der Flürener Heide nördlich und nordwestlich von 
Wesel, wo sie niedrige, im Schneppenberg bis zu 23 m über die 
Thalsohle aufsteigende, waldbedeckte Erhebungen bilden. Der Unter- 
grund dieses Schlickbodens und der Sandablagerungen wird bis zu 
15 — 30 m aus Sand und Geschieben gebildet, besonders großen Massen 
kiesigen Gerölls, unter welchen bis auf teilweise bedeutende Tiefen 
sandige und thonige Ablagerungen folgen, die meist der Tertiärzeit 
angehören. 

Da die ganze Niederung bis gegen Wesel hinauf unter 20, der 
übrige Teil bis auf geringe Strecken unter 30 m Meereshöhe liegt, der 
Rhein aber mit 25 m Meereshöhe in unser Gebiet eintritt, so kann die 
Uferhöhe über dem Fluß im allgemeinen nur gering sein. Hohes Ufer 
tritt denn auch nur an wenigen Stellen an den Fluß heran, so bei 
Duisburg (das Hochfeld), beiWalsum, am Rheinknie oberhalb Görsicker, 
bei Spellen, Wesel und Fluren und an mehreren Stellen der linken 
Rheinseite , wie besonders zwischen Essenberg und Baerl (Homberg = 
Hohenberg, Hochstraß, Hochheide!). Sonst beträgt die Uferhöhe fast 
durchweg nur wenige Meter, und infolgedessen ist der Rhein auf beiden 
Seiten von einem mehr oder weniger breiten natürlichen Über- 
schwemmungsgebiet begleitet. Dieses ist^) bei Ürdingen nur 
wenige Kilometer breit, verbreitert sich aber rasch auf etwa 15 km 
zwischen Neukirchen und Meiderich-Hamborn, um sich allmählich wieder 
auf 5^2 km zusammenzuziehen (zwischen Bönninghardt und Spellen). 
Das rechtsseitige Überschwemmungsgebiet beginnt bei der Mündung 
des Duisburger Hafens und umfaßt außer der Gegend der Ruhr- und 
Emschermündung nur die von den Seite 29 genannten alten Flußwin- 
dungen eingefaßten Gelände; das linksseitige erstreckt sich ungefähr bis zu 



*) A. Meitzen, Der Boden . . . des preußischen Staats, Bd. I, S. 290. 
2) Der Rheinstrom, Atlas, Tafel 21 u. 22. 



32 E. Ambroaius. 

einer Linie von Ürdingen über Kapellen, Neukirchen, Rossenray nach 
Alpen; einige Ausbuchtungen ziehen sich bis an den Eyllschen Berg 
und in die Nähe von Eamp. In diesem oberen Abschnitt sind aber 
verschiedene größere und kleinere hochwasserfreie Inseln, so auf der 
rechten Seite Beeck — Ruhrort und Meiderich liegen auf einer zwischen 
Emscher und Ruhr bis an den Rhein vorspringenden hochwasserfreien 
Halbinsel — und auf der linken Seite eine ganze Anzahl, wie die Ge- 
biete von Hohenbudberg-Kaldenhausen, von Essenberg-Homberg-Hoch- 
heide und von Baerl, sowie die Gegend westlich von Rheinberg und 
Ossenberg. Die letzteren Inseln werden nur durch einige schmale 
Flußrinnen von dem zusammenhängenden hochwasserfreien Gebiet ge- 
trennt, so daß das eigentliche ununterbrochene Überschwemmungs- 
gebiet bei Ossenburg sogar auf 2 km eingeschnürt ist. Von hier an 
nimmt es, nur zwischen Fluren und Xanten noch einmal auf 4^/2 km 
eingeengt, fortwährend an Breite zu und erstreckt sich bald über das 
ganze Rheinthal. Unterhalb Haldern vereinigt es sich mit dem Über- 
schwemmungsgebiet der Issel, von dem es bis hierhin durch eine löichte 
Bodenschwelle getrennt war. Weiter abwärts bleibt nur ein kleines 
Stück Land nördlich von Emmerich und der Eltener Berg hoch- 
wasserfrei. Auf der linken Rheinseite reicht das natürliche Über- 
schwemmungsgebiet bis zu einer Linie von Xanten über Marienbaum 
an den Rand des Elever Höhenzuges und dann an diesem entlang bis 
nach Wyler. 

Diese Niederungen hat man schon seit alten Zeiten gegen die 
mitunter verheerenden Wirkungen der Hochfluten und der Eisgänge zu 
schützen gesucht durch ein System von mehr oder minder vollkommenen 
Deichen. Da diese Deiche aber zu ganz verschiedenen Zeiten und 
fast stets nur um augenblicklichen Bedürfnissen abzuhelfen, entstanden 
sind, und erst in unserem Jahrhundert an einigen Stellen Verbesserungen 
und Regulierungen angebracht wurden, so ist ihr Verlauf durchaus 
regellos. Außer den Banndeichen, den höchsten und stärksten, die 
entweder vollkommenen Schutz gegen Hochwasser gewähren, oder doch 
nur bei ganz außergewöhnlichen Fluten überlaufen, unterscheidet man 
noch Winterdeiche, die wenigstens das gewöhnliche Winterhochwasser 
abhalten, und Sommerdeiche, die nur Schutz gegen das gewöhnliche 
Sommerhochwasser bieten, das Winterhochwasser aber überlaufen lassen. 
Auf unserer Karte sind nur die wichtigsten, die Banndeiche, ein- 
gezeichnet. Ihre Unterbrechungen zeigen meist solche Stellen an, wo 
das Gelände von Natur hoch genug ist, um Hochwasserschutz zu 
gewähren. Man erkennt hier sofort die außerordentlich verschiedene 
Breite des Hoch Wasserdurchschnitts des Stroms. Während die Hochflut 
oberhalb der Duisburger Rheinbrücke auf ^/4 km zusammengedrängt 
wird, bildet sie in der Gegend der Emschermündung ein Becken von 
etwa 4 km Breite ; derartige Engen und Becken folgen sich ununter- 
brochen, ja zwischen den Deichen von Domik über Emmerich nach 
Hüthum und denen von Wissel bis Kellen ist ein mittlerer Abstand 
von 5 — 6 km, der sich bei Griethausen wieder auf etwa 2 ^/« km ver- 
ringert. Den Mißstand der fortwährend wechselnden Ausbreitung 
und Einschnürung des Hochwasserbetts hat man besonders wegen der 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 33 

dadurch häufig veranlaßten gefährlichen Eisstopfungen schon oft zu 
beseitigen versucht, jedoch ohne Erfolgt). 

Innerhalb dieses Hochflutbettes, das ihm in der weiten Niederung 
von Menschenhand angewiesen ist, rollt ruhig und mächtig Deutschlands 
schönster und gewaltigster Strom, der Rhein, seine Fluten dahin. 
Seine Breite wechselt häufig. Etwas über 300 m breit tritt er bei 
Ürdingen in unser Gebiet ein, wird westlich von Beeck über 500 m 
breit, um sich unmittelbar darauf an dem Knie bei Baerl auf 250 m 
zusammenzuziehen. Von 500 m bei Görsicker sinkt die Breite auf 
etwa 230 an der Mündung des Rheinberger Kanals ; an der Weseler 
Eisenbahnbrücke beträgt sie 380, bei Xanten kaum 200 m, 1 ^2 km 
oberhalb Rees etwa 240, ebensoweit unterhalb gegen 640 m, etwas 
unterhalb Emmerich ebensoviel und beim Austritt aus dem Reich bei 
Bimmen 430 m. 

Die Tiefe ist natürlich auch sehr verschieden, da an starken 
Stromverengungen auch meist tiefe Auskolkungen vorhanden sind, 
anderwärts wieder Sandbänke von wechselnder Gestalt sich bilden. Im 
Mittel beträgt sie 3 — 5 m. Das Gefälle beträgt auf der ganzen 
101 km langen Strecke von Ürdingen (25 m ü. M.) bis zur Grenze (11 m) 
nur 14m, also Im auf 7,215km oder 0,14^/oo. Dieses Gefälle ist 
aber auf die verschiedenen Strecken des Flußlaufs ungleich verteilt; 
so beträgt das Durchschnittsgefälle auf der Strecke von Ürdingen bis 
zur Ruhrmündung fast 0,19 ^/oo, von Ruhrort bis Stapp (westl. von 
Dinslaken) 0,15^/oo, von dort bis Wesel 0,17^/oo; von Wesel bis Rees 
fällt der Fluß 0,13^/oo, und von hier bis zur Spycker Fähre 0,14^/oo^). 
Ein paar Stellen stärkeren Gefälles, „Schnellen", befinden sich bei 
Orsoy und bei Görsicker^). Die Stromgeschwindigkeit wechselt 
naturgemäß mit dem Gefälle und dem Wasserstand; im Durchschnitt 
kann man sie bei Mittel Wasserstand auf 1,3 — 1,6 m in der Sekunde 
annehmen*). Bei niedrigem Wasserstand geht sie bis auf 1 m in der 
Sekunde herunter^). Dem geringen Gefälle entsprechend kann der 
Strom auf dieser Strecke seines Laufs keine größeren Gerolle mehr 
bewegen, sondern transportiert nur noch solche bis etwas über Walnuß- 
größe neben ganz beträchtlichen Mengen Sand und Schlick. 

Die Wassermasse des Rheins ist mit einiger Sicherheit noch 
nicht festgestellt worden^). Meitzen veranschlagt sie an der hol- 
ländischen Grenze beim höchsten Wasser auf 200000, beim kleinsten 
auf 30 000 Kubikfuß'). In dem Rheinstromwerke®) wird die Wassermasse 
bei Emmerich schätzungsweise bei außergewöhnlichen Hochständen, 



^) Ebenda, S. 260. 

^ Berechnet nach den Angaben in: „Der Rheinstrom**. 

') Statistik des Deutschen Reichs, Bd. XV; Die deutschen Wasser- 
straßen. Beschreibendes Verzeichnis nach dem Stande des Jahres 1873; hrsg. 
vom Kais. Statistischen Amt. Berlin 1876, S. 300. — A. Meitzen, Der Boden des 
preuß. Staats, Bd. I, S. 121. 

^) Statistik des Deutschen Reichs, XV, S. 301. 

^) A. Meitzen, Der Boden des preuß. Staats, Bd. V, S. 398. 

^) Vgl. darüber „Der RheinstromS S. 149 f. 

') A. Mei^izen, a. a. 0., Bd. I, S. 121. 

®) Der Rheinstrom S. 218. 



34 E« Ambrosius. 

wie 1882/83, zu 9000 cbm angenommen, „eine Zahl, die allem Anschein 
nach eher zu hoch als zu niedrig ist**. A. Beekmann^) schätzt die 
mittlere Wassermenge an der deutsch-holländischen Grenze auf 2200, 
bei Hochwasser auf 10 — 12000 cbm. Ein ähnliches Verhältnis habeo 
wir in den berechneten Querdurchschnitten bei Hoch- und Niedrigwasser, 
die unterhalb Wesel 5631 bezw. 814 qm messen^). Dieser außerordent- 
lich geringe Unterschied zwischen der Wassermasse bei Hoch- und 
Niedrigwasser rührt her von dem reichlichen Zufluß, den die ab- 
schmelzenden Schnee- und Gletschermassen der Alpen dem Rhein bis 
spät in den Sommer hinein zuführen, und durch die das Fehlen stärkerer 
Wasserzufuhr in den dem Mittelgebirge entspringenden Nebenflüssen 
den Sommer über ausgeglichen wird. Wie außerordentlich günstig 
das Verhältnis ist, zeigt ein Vergleich mit der Ruhr und der Lippe. 
Stellt sich beim Rhein das Verhältnis von Niedrig- zu Hochwasser ei^a 
wie 1:7, so ist es bei der Lippe 1 : 54 (10,6 und 624 cbm) und bei 
der Ruhr gar 1 : 192 (8,6 und 1650 cbm)^). Trotz dieser günstigen Ver- 
teilung des Wassers im Laufe des Jahres, die den Rhein in so hervor- 
ragendem Maße zu einer brauchbaren SchiiBFahrtsstraße macht, ist der 
Abstand zwischen hohem und niedrigem Wasserstand doch immerhin 
nicht unbedeutend. Bei Ruhrort bewegten sich die äußersten Wasser- 
stände der Jahre 1851 — 86 zwischen (Dez. 1871) und 9,05 m 
(März 1855), bei Emmerich zwischen — 0,29 (Jan. 1865) und 7,53 m 
(März 1855)*). Im allgemeinen tritt Hochwasser am Niederrhein 
im Winter und im Frühjahr ein, ein geringeres noch einmal im Beginn 
des Sommers, worauf der Wasserstand allmählich zurückgeht, um im 
Oktober seinen tiefsten Stand zu erreichen. Doch sind diese Verhältnisse 
von Jahr zu Jahr oft beträchtlichem Wechsel unterworfen. 

Für gewöhnlich verlaufen die Hochwasser des Rheins sich wieder 
ohne Schaden zu thun; ja für die ausgedehnten Weideländereien an 
den ufern unseres Niederrheins sind sie eine Quelle unerschöpflicher 
Fruchtbarkeit, da sie überall, wohin sie reichen, ihren befruchtenden 
Schlamm und Schlick ablagern und dadurch diese Flußmarschen zu 
den fruchtbarsten und ergiebigsten von ganz Deutschland machen. 

Durchschnittlich drei Wochen im Jahre treten am Rhein Eis- 
bildungen ein; die Hälfte dieser Zeit fällt in den Januar. Häufig 
setzt sich das Treibeis an dazu geeigneten Stellen fest und bildet dann 
mehr oder weniger ausgedehnte Flächen von Deckeis. Der bedeutendste 
Eisstand war der des Winters 1829/30, indem von der 430 km langen 
Strecke von Mannheim bis zur holländischen Grenze etwa 350 mit Eis 
bedeckt waren ^). Erfolgt nun, was glücklicherweise meist der Fall ist, 
der Aufbruch des Eises von unten herauf, so gehen die Eisraassen ohne 
Schaden ab. Geht jedoch das Eis des Oberrheins zuerst los und treibt 
auf das festsitzende Eis des Niederrheins, ohne daß das gleichzeitige 

^) A. A. Beekmann, De Rijn van onzen Tijd als groote Handelsweg. In: 
Tijdschrift der Aardrijkskundig Genootschap, Tweede Serie, Deel XII, 1895, S. 170. 
2) Der Rheinstrom, S. 103. 

^) A. Meitzen a. a. 0., Bd. I, S. 121. — Der Rheinstrom, S. 218. 
^) Der Rheinstrom, S. 213. 
•'^) Ebenda, S. 216. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 35 

Hochwasser stark genug ist, diese Eisdecke zu sprengen und wegzu- 
räumen, so bilden sich leicht die überaus gefährlichen Eisstopfungen. 
Diese führen manchmal gewaltige Katastrophen herbei, wie sie z. B. 
am Niederrhein in den Jahren 1838, 1850 und 1855 eintraten, und an 
vielen Stellen zeigen tief ausgewühlte Kolke vor und hinter den Deichen 
noch die Spuren verheerender Deichbrüche schon von alten Zeiten her. 
In neuerer Zeit hat sich diese Gefahr durch mancherlei Verbesserungs- 
arbeiten allerdings wesentlich verringert. 

Den Lauf des Rheinstroms in unserem Gebiete können wir 
zwanglos in zwei fast genau gleich lange Teile zerlegen. Die erste 
Hälfte reicht von XJrdingen bis zur Mündung der Lippe, bis Wesel 
und ist 50 km, die zweite von hier bis zur holländischen Grenze 51 km 
lang. Bei Ürdingen macht der Rheiü auf seinem bisher nordwestlichen 
Lauf eine Wendung und hält von hier bis Wesel bei einer Reihe nicht 
unbeträchtlicher Krümmungen (Entfernung zu Lauf ränge= 1 : 1,51) im 
wesentlichen Nordrichtung ein. Auf dieser Strecke erhält er von rechts 
her die letzten selbständigen größeren Nebenflüsse, die Ruhr, die Emscher 
und die Lippe , und von kleineren die Anger unterhalb Ürdingens, die 
aber nicht mehr in unser Gebiet tritt, den Holtener Mühlbach, den 
Roten Bach und die Momm; auf der linken Seite nimmt er unterhalb 
Rheinbergs den Mörsbach auf, der aber, wie alle linksrheinischen Zuflüsse 
unterhalb Ürdingens eigentlich gar kein selbständiger Fluß ist, sondern 
nur die Wasseransammlungen in den zahlreichen alten Rheinstrombetten 
vereinigt und in trägem Laufe in den jetzigen Rhein abführt. Inseln 
sind auf der Strecke von Ürdingen bis Wesel nicht mehr vorhanden, 
nachdem die bei Hohenbudberg verlandet ist und die künstlich entstandene 
Büdericher Insel bei Wesel nun auch bald wieder landfest werden wird. 

Die Ruhr mündet bei Ruhrort in den Rhein. Ihre Quelle liegt, 
235 km von der Mündung entfernt, auf dem Winterberger Plateau in 
der Nähe des Kahlen Astenbergs, 664 m ü. M. Von Witten an (82 m) 
ist sie 76 km weit in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts 
durch umfassende Schleusen- und Korrektionsbauten schiffbar gemacht 
worden. Die letzte Schleuse liegt bei Mülheim in 33 m Meereshöhe, 
so daß das Gefälle von dort bis zur Mündung (ca. 14 km) wieder recht 
stark, 0,85 ®/oo, ist. Gleich unterhalb Mülheims tritt die Ruhr in eine weite 
Ausbuchtung des Rheinthals. Soweit sie in unser Gebiet fällt, d. h. von 
der Stelle an, wo sie beim Duisburger Kaiserberg ins offene Rheinthal 
tritt, schwankt ihre Breite zwischen 50 und 100 m. Viele teilweise 
noch heute mit Wasser gefüllte, jetzt abgeschnürte ehemalige Flußbetten 
zeugen noch von früheren häufigen Veränderungen ihres Laufs. Von 
Süden nahm sie, wenige Kilometer vor ihrer Mündung, den Dickels- 
bach auf, dessen Niederung in den 40er Jahren zur Anlage eines 
Schiffahrtskanals von der Ruhr nach Duisburg im Anschluss an den 
nach dem Rhein benutzt wurde. Seitdem dieser aber Ende der 80er Jahre 
zu einem großen Hafen umgebaut wurde, wurde die Verbindung mit 
der Ruhr abgeschnitten, die ja doch wegen des Aufhörens der Ruhr- 
schiffahrt keinen Wert mehr hatte. Die Tiefe der Ruhr wechselt außer- 
ordentlich stark, zwischen 1 und 9 m und mehr. Ihre Hochfluten, die 
meist ganz plötzlich eintreten und vorzugsweise in die Monate N^^^^ssk^^^-^ 



38 E. Ambrosius. 

Der zweite Abschnitt des Rheinlaufs reicht von Wesel 
bis zur holländischen Grenze. Bei Wesel macht der Strom ein scharfes 
Knie, indem er die bis hierhin innegehaltene Nordrichtung aufgiebt 
und eine ausgesprochene Nordwestrichtung annimmt, die von Emmerich 
ab noch mehr nach Westen neigt. So bedeutende Krümmungen wie 
in der ersten Hälfte kommen nun nicht mehr vor, und während von 
Urdingen bis Wesel die gradlinige Entfernung zum Stromlauf ein 
Verhältnis von 1 : 1,51 zeigte, ist bei der 46 km weiten Entfernung 
von hier bis zur Grenze das Verhältnis 1 : 1,13. Auf dieser ganzen 
Strecke erhält der Rhein überhaupt keine selbständigen Nebenflüsse 
mehr. Um so größer wird dafür die Neigung des Stroms zu Ver- 
zweigungen und Inselbildung und außerordentlich zahlreich sind die 
toten Arme und die hier vielfach „Meere** genannten abgeschnürten 
größeren Wasserflächen, die Überbleibsel ehemaliger Stromläufe. Wirk- 
liche Inseln sind allerdings jetzt hier auch nicht mehr vorhanden, 
nachdem auch das Grieth gegenüberliegende Grietherort durch einen 
Damm an die rechte Rheinseite angeschlossen ist, aber eine große Zahl 
der früheren Inseln sind noch jetzt bis auf kurze Verbindungsstücke 
von Wasser umgeben. Solche sind das Römerward und die Kartäuser 
Grav-Insel unmittelbar unterhalb Wesel, das Hollandswaard bei Bislich, 
das Reesereiland, Reeserwaard und Grietherbusch, das erwähnte Griether- 
ort, links die schon im vorigen Abschnitt genannte Bislicher Insel und 
das Emmericher Eüand. Die bedeutendsten .Meere« sind das BeUing- 
hover bei Mehr, nördlich davon das Hagener Meer, das Schmale Meer 
bei Bergs wick, das Hurler und das Millinger Meer, dann der Alte 
Rhein bei Brienen und das Wild am Fuße des Eltener Berges. Links 
haben wir den Alten Rhein von Birten, das Boetzelaerer Meer bei 
Appeldorn, das Kalflach von Till bis gegenüber von Emmerich, das 
daran angeschlossene Volksgatt, das Kirmesdahl bei Kleve, den Alten 
Rhein von Warbeyen über Griethausen und Schenkenschanz nach 
Keeken und endlich ganz im Westen das Wyler Meer. Die rechts- 
seitigen Gewässer des Rheinthals sind im Grunde genommen nur Gräben, 
die die einzelnen Meere unter sich und mit dem Rhein in Verbindung 
bringen. Hervorzuheben sind die Bislicher Ley, die von Diersfordt 
kommend in großen Krümmungen zum Alten Rhein von Rees zieht; 
die „Landwehr**, die aus dem Nordende des Millinger Meers hervor- 
gehend, in zwei großen nordwärts gerichteten Bögen die deutsch- 
niederländische Grenze bildet und bei Emmerich in den Rhein mündet, 
nachdem sie vorher ihre Eigenschaft als Grenzfluß an den „Kanal** 
abgegeben hat. Dieser durchfließt am Südfuße des Eltener Berges das 
Wüd und wendet sich dann nordwestlich den alten Rheinläufen auf 
niederländischem Gebiet zu. Besonders die Gegend an der Landwehr 
und dem Wild ist von einer großen Menge von Wassergräben durch- 
zogen und trägt vollkommen niederländischen Charakter. 

Die Wasserläufe der linken Rheinseite zerfallen in drei Gruppen. 
Die erste umfaßt das Kalflach und seine Zuflüsse, die zweite die Zu- 
flüsse des Schenkenschanzer Alten Rheins und die letzte endlich die 
Gewässer der DüJBFelt, d. h. der westlich vom Spoykanal sich zwischen 
dem Klever Höhenzug und dem Rhein ausdehnenden Landschaft. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 39 

Außerdem noch ist die bei Xanten am Nordfuße des Fürstenberges 
entspringende, an Wardt vorbei zum Rheine gehende Piß-Ley zu er- 
wähnen. Am weitesten ausgedehnt ist das Zuflußgebiet des Kaiflachs. 
Diesen Namen trägt eine Folge von alten Flußarmen, die, unmittelbar 
nördlich von Kaikar beginnend, sich nordwärts zieht und Emmerich 
gegenüber den jetzigen Rhein erreicht. Außer einer Menge von Ent- 
wässerungsgräben stößt noch das den südlichen Abschluß des Emmericher 
Eilands bildende Volksgatt zu ihm. An seiner südlichsten Spitze bei 
Kaikar nimmt das Kalf lach die Ley oder Hohe Ley auf. Diese entsteht 
weit südlich in der Ebene zwischen dem Fürstenberg und den westlich 
und südlich davon liegenden Höhen. Sie hält sich, von zahlreichen 
Oräben begleitet, in ziemlich gestrecktem Lauf nahe dem Ostrand der 
Labbecker Höhen (Balberger Wald und Hochwald), nimmt die von der 
Westseite des Fürstenbergs kommende Tacke Ley auf und sendet dann 
der ebenfalls vom Fuße des Fürstenbergs herfließenden BuUendonks 
Ley durch die vielverschlungenen Windungen eines alten Strombetts 
hindurch mehrere Zweige zu, um sich endlich bei Marienbaum mit ihr 
zu einem Flußfaden zu vereinigen. Bald darauf empfängt sie bei 
Appeldorn den Abfluß des Boetzelaerer Meeres und fließt endlich, das 
Städtchen Kaikar rings umziehend, nordwärts ins Kalflach. 

Ein bei der Einmündung des Volksgatts abgehender schmaler, 
in weitem Bogen nach Norden ausbiegender Graben stellt eine Ver- 
bindung her zwischen dem Kalflach, das von links her gar keine Zu- 
flüsse erhält und dem Warbeyen im Süden und Westen umziehenden, 
dann über Griethausen und Schenkenschanz in nordwestlicher Richtung 
bei Keeken sich in den jetzigen Strom ergießenden Alten Rhein. 
Dieser empfängt mittwegs zwischen Griethausen und Schenkenschanz 
durch die Schleuse des Spoykanals die außerhalb des Banndeichs 
zwischen diesem und den Klever Höhen von Kaikar bis Kleve sich 
sammelnden Gewässer. Der ganze Landstrich ist feucht und von vielen 
Gräben durchzogen, deren Wasser sich in dem 1^/4 km langen und 
50 — 70 m breiten Kirmesdahl bei Kleve sammeln und durch den in 
den 1840er Jahren gegrabenen Spoykanal von Kleve nach Brienen 
in den Alten Rhein geführt werden. Der vormalige zweite Abfluß^) 
des Kirmesdahls ist in einem westlich vom Spoykanal hinziehenden 
Graben noch zu erkennen. 

Die Düffelt endlich ist fast völlig flach und von einem wahren 
Netz von zahllosen Wassergräben völlig übersponnen. Die Sammel- 
adem dieses Grabennetzes sind im sumpfigen Süden, dem ehemaligen 
Rheinbett am Fuß der Klever Höhen, die sogen. Wallwässerung und 
die Große Wässerung, die sich beide im Wyler Meer vereinigen, weiter 
nördlich die aus der Gegend von Rindern herfließende Rindernsche 
Wässerung, die sich zwischen Niel und Zyfflich durch nach Norden 
wendet und von dem Grenzgraben aufgenommen wird. Seinerseits 
wieder fließt dieser in der äußersten Nordwestecke unseres Gebiets mit 



^) Ant. Fr. Büsching, Erdbeschreibung, Bd. VI (Westfälischer und Chur- 
rheinischer Kreis); 7. Aufl., 1790, S. 41. 



40 ^* Ambrosius. 

dem Ausfluß des Wyler Meers zusammen und ergießt sich dann bei 
Nimwegen in die Waal. 

Die Issel, deren Lauf nach ihrem Austritt aus dem östlichen 
Hügelgebiet völlig im Rheinthal liegt, behält zunächst ihre südwestliche 
Richtung noch etwa 4 km weit bei. Auch hier haben wir wieder 
dieselbe Erscheinung wie südlich der Lippe, daß den Höhen weite, in 
neuerer Zeit durch Anlage von Gräben zur Issel entwässerte und mit 
Wald bestandene Bruchstrecken vorgelagert sind. Die Schwarze Heide 
liegt links, das Brüner Bruch rechts der Issel. Nur noch 5 ^2 km vom 
Rhein entfernt, teilt sich die Issel plötzlich. Ein ganz kleiner Teil 
ihres Wassers geht in der alten Richtung weiter als Isselkanal und 
mündet nahe unterhalb der Lippemündung in den Rhein ^). Die Haupt- 
masse des Flusses aber wendet sich in scharfem Knie rechts ab und 
fließt nach Nordwesten dem Rhein parallel meist in ziemlich gestrecktem 
Lauf durch das Brüner und Ringenberger Bruch. Unterhalb von Loikum 
vereinigt sie sich mit der von rechts kommenden Kleinen Issel und bildet 
von hier an die Grenze zwischen Rheinland und Westfalen. Etwas 
unterhalb von Isselburg führt ihr die Klevesche Landwehr oder der 
Wolfstrang die Gewässer des von zahlreichen Gräben durchzogenen 
Werther Bruchs zu, und nun verläßt sie in etwa 15 m ü. M. die Rhein- 
provinz, um an der westfälischen Stadt Anholt vorbei auf niederländisches 
Gebiet überzutreten. In die Klevesche Landwehr fließt noch ein Bach, 
der aus dem Diersfordter Wald nordwestlich von Wesel kommend einen 
Streifen mit äußerst unregelmäßigen niedrigen (bis 10 m rel.) dünen- 
artigen Erhebungen besetzten, ziemlich stark bewaldeten Landes ent- 
wässert. Er vereinigt sich in dem zwischen Haldern und Isselburg 
sich erstreckenden Kattenbruch mit dem Haiderner Bache, der bei 
Herken einen Teil seiner Gewässer nach links zum Rheine hin entsendet. 

In Bezug auf die Bodenbedeckung des Rheinthals ist vor 
allem der Streifen Weideland bemerkenswert, der den Rhein auf beiden 
Seiten in zunehmender Breite begleitet. Fast alles von den Hochfluten 
des Stromes erreichbare Gebiet, besonders natürlich das innerhalb der 
Dämme liegende, ist für den Ackerbau wegen der Überschwemmungen 
ungeeignet, bietet aber dafür Viehweide von unerschöpflicher natür- 
licher Fruchtbarkeit, die Grundlage für die bedeutende Viehwirtschaft 
in jenen Landesteilen. Das höher gelegene hochwasserfreie Gelände» 
wie auch die durch Deiche hinlänglich geschützten Strecken bilden 
einen Ackerboden von zum Teil vorzüglicher Güte. Nur die nicht zahl- 
reichen mit Sand überlagerten Striche sind minderwertig, und auf 
ihnen sind auch allein ausgedehntere Waldungen anzutreffen, so be- 
sonders auf einigen Strecken an der Lippe und auf der leichten Boden- 
schwelle, die zwischen Rhein und Issel gelagert ist. Im ganzen übrigen 
Rheinthal finden wir nur kaum erwähnenswerte kleine Waldstückchen 
über das Land verstreut, so daß die gesamte Bewaldung in diesem 
Gebiete nur etwa 11 ^/o des Bodens bedeckt. Beachtenswert sind noch 
die vielfach am Rheinufer sich entlang ziehenden Pflanzungen von 
Korbweiden. 



y V. Dechen, Eriäuterungen, Bd. T, S. 751. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 41 

Wenn wir bei der geographischen Beschreibung des Rheinthals 
etwas länger verweilt haben, so hat dies darin seinen Grund, daß zu- 
nächst das Gebiet des Rheins allein, wie schon erwähnt, fast die Hälfte 
des hier zu betrachtenden Gebiets überhaupt ausmacht, daß es ferner 
der bei weitem bedeutendste und wichtigste Teil, der Kern des Ganzen 
ist, und endlich, daß eine eingehendere geographische Betrachtung gar 
manche für die Erkenntnis der Ursachen der Volksdichte wichtige all- 
gemeine Thatsachen bietet, auf die dann später im einzelnen nicht 
immer von neuem hingewiesen zu werden braucht. 

3. Die Irnksrheinisclien Hügelgruppen. 

Diese wie eine Reihe von Inseln aus dem Flachlande des Rhein- 
und Niersthals sich erhebenden Hügelgruppen beginnen im Süden mit 
dem Egelsberg und dem Hülser Berg unweit Krefelds und setzen sich 
bis in die äußerste Nordwestspitze unseres Gebiets fort, um erst auf 
niederländischem Boden bei Nimwegen an der Waal zu enden. Es sind 
im allgemeinen flache, durch breite Thalebenen von einander getrennte 
Rücken von sehr verschiedenem Umfang und nicht bedeutender Höhe 
(vgl. Profile n und HI). Die größeren unter ihnen, die Höhen zwischen 
Tönisberg und Sevelen, die Bönninghardt und die Höhen im Südwesten 
von Kleve, steigen von der Seite des Rheinthals ziemlich steil an, 
während auf der dem Rhein abgewandten Seite eine ausgedehnte, nur 
ganz allmählich sich senkende Stufe vorgelagert ist, die sich endlich 
mit einem oft nur wenige Meter hohen Rande scharf gegen die Ebene 
absetzt. 

Die südlichsten dieser Hügel sind der etwa 4 km nördlich von 
Krefeld liegende Egelsberg und der hart an der Grenze, aber schon 
außerhalb unseres Gebiets 2 km westlich davon mitten im Kliedbruch. 
sich erhebende Hülser Berg. Zwischen beiden dehnt sich das jetzt 
von den Niepkuhlen eingenommene alte Rheinbett aus. Der bis 47 m 
(etwa 17 m rel.) sich erhebende Egelsberg hat seine steilere Seite nach 
Westen, den Niepkuhlen zugekehrt; er zeigt fast herzförmige Umrisse, 
ist oben ziemlich eben und trägt nur noch an seinem höchsten Punkte 
etwas Wald. Der mehr gestreckte, fast 2 km lange und 600 m breite 
Hülser Berg ist auf seinem bis 63 m hohen, von einem Aussichtsturm 
gekrönten Rücken wie an seinen allerseits ziemlich steilen Hängen nur 
von Wald und Heide bedeckt. 

Nur 1 km nordwestlich vom Hülser Berg beginnt eine erst ein 
Stückchen westlich, dann fast rein nördlich streichende Kette von 
Hügeln, die keinen einheitlichen Namen führt, und die wir deshalb 
nach dem gerade vor ihrer Mitte liegenden Dorfe Schaephuysen ^) die 
Schaephuysener Höhen nennen wollen. Sie ziehen sich von 
Tönisberg an Schaephuysen und Rheurdt vorbei bis Örmter östlich 
von Sevelen. Die hervorragendsten Hügel dieser Kette sind der Achter- 



^) In den niederdeutschen Namen wird ae wie a, oe wie ö, eu wie ö, ui und 
uy wie ü gesprochen. 



42 E. Ambrosius. 

berg, Wartsberg, Windberg, Hahnenberg, Saelhuyser, Scharden- und 
Ormter Berg und nicht weniger als drei Mühlenberge. Im Saelhuyser 
Berg erreichen sie 80 m, im Schardenberg 77, und auch die anderen 
halten sich meist über 60 m. Der Ostabfall ist ziemlich gleichmäßig, 
wenn wir ihn aber vorher ziemlich steil nannten, so ist dies nur sehr 
relativ, im Verhältnis zum Westabfall aufzufassen, denn von der höchsten 
Höhe mit 80 m bis zur Ebene in etwa 30 m ü. M. beträgt der Abfall 
auf 900 m Entfernung immer nur 50 m,, also 1 : 18. So flach ist diese 
ganze Gegend am Niederrhein eben, daß selbst solche geringe Höhen- 
unterschiede doch schon als höchst bemerkenswert hervortreten und 
im Verein natürlich mit der nachher zu besprechenden BodenbeschaflFen- 
heit eine Abtrennung eines gesonderten natürlichen Gebiets begründen 
und rechtfertigen. Der anfänglich etwas steiler abfallenden Westseite 
der Hügelreihe ist hier, wie schon erwähnt, mit Ausnahme der süd- 
lichsten Spitze, ein bei Stenden beginnendes, nach Norden immer breiter 
werdendes Plateau vorgelagert, das fast eben, mit kaum merklichen 
Erhebungen und Mulden sich von der 40 m-Höhenlinie nur um wenige 
Meter ganz allmählich senkt und dann in einem deutlich ausgeprägten 
schärferen Absatz in die Niederungen der Brüche im Süden und der 
Geldemschen und Sevelener Heide im Norden hinabsteigt (vgl. Profil I). 
Nur an der Nordwestspitze . ist der Absatz weniger deutlich. Die ganzen 
Schaephuysener Höhen tragen nur noch wenig Wald und Heide, meist 
nur auf den höchsten Erhebungen. 

Nördlich von Vluyn beginnt, von der vorigen Hügelreihe durch 
eine 3 — 4 km breite Niederung getrennt, eine Folge wenig umfänglicher 
Erhebungen von gestreckter Form, mit stellenweise steileren Abfallen. 
Es sind dies von Süd nach Nord der Gulixberg (46 m), der Ray er 
Berg (64 m; vgl. Profil H), der Eyllsche Berg (63 m), der Dachs- 
berg (57 m), der Kamper Berg oder Hohe Busch (45 m) und der 
Niersen-Berg (41 m). Der ausgedehnteste ist der Kamper Berg 
mit etwa 1^2 km Länge und 700 m Breite, der Gulixberg ist nur 
etwas über V^ ^^ l^ng und V* km breit. Bei den in einer Reihe 
liegenden vier ersten Hügeln ist die Haupterstreckung von Südost nach 
Nordwest, bei den von den übrigen abseits nebeneinander liegenden 
letzten beiden fast rein nördlich. Sie sind alle noch fast ganz mit Wald 
bedeckt. 

Die nordwärts folgende Erhebung der Bönninghardt, die 
einzige, die einen einheitlichen Namen trägt, beginnt etwas über 1 km 
vom Kamper Berge und reicht in Dreiecksgestalt bis in die Nähe von 
Sonsbeck im Westen und Alpen im Osten. Die höchste Erhebung ist 
der Haagsche Berg (58 m) ziemlich in der Mitte des Nordrands, 
während der ganze Ostrand sich über 50 m hält. Das bei der Bönning- 
hardt diesem Rande vorgelagerte Plateau ist höher als bei den Schaep- 
huysener Höhen, der größte Teil hält sich zwischen 40 und 50 m, 
dementsprechend ist auch der Abfall in die Ebene viel höher und steiler 
(vgl. Profil HI). In den Südwestrand besonders sind vielfach tiefe und 
enge Schluchten eingeschnitten. Ein sehr großer Teil der Bönning- 
hardt ist mit Wald bedeckt, fast die ganze südliche Hälfte wird von 
dem großen zusammenhängenden Staatswald der „Leucht" eingenommen. 



Die Volksdichte am deutschen Hiederrhein. 



Große Staats Waldungen nehmen 
auch einen tiberwiegenden Teil der 
nördlich der Bönninghardt folgenden 
Hügelgruppe ein , der „Balberger 
Waid" und der „Hochwald". Da 
auch hier kein zusammenfassender 
Name Torhaaden ist, nennen wir die 
Gruppe nach der über die Hälfte von 
ihr einnehmenden Gemeinde Labbeck 
kurz die Labbecker Höhen. Sie 
bilden einen halbmondförmig ge- 
stalteten, in gerader Linie zwischen 
SonBbeck und Marienbaum etwa 9 km 
weit sich erstreckenden Rücken, der 
von der Bönninghardt durch die etwa 
2 km breite Sonsbecker Niederung 
geschieden ist. Wenn auch der Ost- 
abfall nach dem ßheinthal zu etwas 
steiler ist, als der westliche, so ist 
doch der letztere viel gleichmäßiger 
als bei der Bönninghardt und den 
Schaephuysener Höhen und eine aus- 
geprägte Stufe hier nicht zu er- 
kennen. Die höchste Höbe wird im 
Balberger Walde ziemlich in der 
Mitte des ganzen Zuges mit 90 m 
erreicht; die nördliche Hälfte ist 
durchschnittlich etwas höher als die 
südliche. 

Sozusagen außerhalb der Reihe « 
der bis jetzt besprochenen Hügel- ^ 
gruppen liegt vereinzelt mitten im 
Kheinthal die aus zwei durch eine 
Einsattelung voneinander getrennten 
Erhebungen gebildete Gruppe der 
Xantener Höhen. Der östlich 
liegende FUrstenberg steigt steil aus 
dem seinen Fuß bespülenden Alten 
Rhein bis auf 69 m empor und bietet 
infolgedessen einen großartigen Rund- 
blick über das ganze Rheinthal. Der 
südwestlich von ihm liegende Teil der 
Gruppe föllt ebenfalls ziemlich steil | 
in die von der Hohen Lej durch- J 
flossene Niederung ab, die in einer ^ 
Breite von 1*(4 km die Xantener von 1 
den Labbecker Höhen trennt. Dieser 4_._ 
Ton dem königlichen Forst Hees ein- " 
genommene Teil der Xantener Höhen '' 



ä I 






44 E« Ambrosius. 

ist durchgängig etwas höher als der Fürstenberg und erreicht im Süden, 
im Drei-Bäumchen-Berg 76 m. 

Westlich der Labbecker Höhen stoßen wir jenseits der an ihrer 
schmälsten Stelle etwa 1 km breiten Niederung des Üdemer Bruchs 
auf die ausgedehnteste aller dieser linksrheinischen Hügelgruppen, die 
wir in Ermangelung eines einheitlichen Namens kurz die Klever 
Höhen nennen wollen. Das Gebiet derselben zieht sich in wechseln- 
der Breite bis in die Niederlande hinein, wo es bei Nimwegen endet. 
Dieser Punkt ist von dem südlichsten bei Üdem etwa 37 km entfernt. 
Die Breite hält sich bis über Kleve hinaus auf 7 — 10 km, verringert 
sich bei Kranenburg auf 5 km, um dann bis zu der Spitze bei Nim- 
wegen fast dauernd abzunehmen. Eine bemerkenswerte Einsattelung 
zwischen Goch und Kleve läßt uns diese Höhen, soweit sie noch in 
unserem Gebiet liegen, in zwei Abschnitte zergliedern, zu denen durch 
die Einschnürung südwestlich von Kranenburg ein dritter auf hol- 
ländischem Boden kommt. Dem letzteren sind die Hügel von Wyler 
zuzurechnen. Überall zeigt der Ost- und Nordrand, d. h. der dem 
Rheine zugewandte, die höchsten Erhebungen und diesen lagert nach 
Westen und Süden ein sich allmählich senkendes Plateau vor, das 
endlich auf einer fast graden Linie von dem südlichsten Punkte bis 
nach Holland hinein mit stellenweise recht steilem Rand ins Thal der 
Niers abfällt. Der höchste Punkt des ersten Abschnitts ist der steil 
zur Ebene des Rheines abfallende Monreberg südlich von Kaikar mit 
72 m. Im nördlichen Teile dieses Abschnittes ist der hohe Rand durch 
eine unter 30 m herabgehende Einsenkung zerschnitten worden und 
von den wieder höheren mittleren Teilen abgetrennt, so daß hier erst 
von der Mitte an südwärts die regelmäßige Plateaubildung sich zeigt. 
Der hohe Rand aber ist durch eine Reihe bis zu 56 m hoher Er- 
hebungen noch deutlich erkennbar. Der zweite, durch die Pfalzdorfer 
Einsattelung vom ersten geschiedene Abschnitt enthält in dem von 
Kleve aus südwestlich ziehenden, dann südlich von Kranenburg erst 
scharf nach Nordwest umbiegenden, aber bald wieder bis zur Reichs- 
grenze in die alte Richtung zurückkehrenden Höhenzuge, der seinen 
Nordrand bildet, die höchste Erhebung unseres ganzen niederrheinischen 
Gebiets. Es ist dies der Klever Berg unmittelbar westlich von Kleve 
mit 106 m Höhe. Der ganze Zug bleibt mit Ausnahme der Umbiege- 
stellen über 50, meist sogar über 70 m hoch und stellt also von der 
nur wenig mehr als 10 m hohen Niederung an seiner Nordseite aus 
gesehen eine für jene Gegenden ganz beträchtliche Erhebung dar. Den 
größten Teil dieses zweiten Abschnitts der Klever Höhen nimmt der 
an 6700 ha große prächtige „Reichswald** ein; in der Pfalzdorfer Ein- 
sattelung liegt der gegen 230 ha umfassende „Tannenbusch"; die 
Flächen des südlichen Abschnitts dagegen, bis gegen das Ende des 
vorigen Jahrhunderts die „Gocher Heide", zeigen jetzt nur an wenigen 
Stellen Wald und sind meist in ergiebiges Ackerland umgewandelt. 

Das kleine Stückchen des dritten Abschnitts, das größtenteils 
waldbedeckt und steil zum Wyler Meer abfallend aus den Niederlanden 
auf deutsches Gebiet hinübergreift, erreicht gerade auf der Grenze eine 
Höhe von 91 m. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrheiii. 45 

Wegen seiner ganz gleichartigen Bildung müssen wir hier im 
Anschluß an die linksrheinischen Hügelgruppen noch den auf der rechten 
Rheinseite in etwa 7 V« km Entfernung nordöstlich von Kleve liegenden 
Eltener Berg betrachten. Er ist das südwestliche, auf deutsches 
Gebiet tretende Ende einer 9 km in Nordost- zu Südwestrichtung sich 
erstreckenden, bis 5 km breiten Hügelgruppe und bildet mit dem gegen- 
überliegenden Klever Berg gleichsam das Thor, durch das der Rhein 
das Deutsche Reich verläßt. Die höchste Höhe liegt im Nordende im 
Hettenheuvel (105 m), während das steil zu dem schon früher er- 
wähnten „Wild", sanfter nach Nordwest abfallende, fast ganz mit 
Wald bedeckte deutsche Stück der Gruppe, eben der Eltener Berg, noch 
82 m erreicht. 

Alle diese soeben beschriebenen Hügel mit ihren plateauartigen 
Vorstufen haben den außerordentlich bemerkenswerten gemeinschaft- 
lichen Zug, daß keiner von ihnen ein einziges fließendes oder stehendes 
Gewässer aufzuweisen hat, ein ganz auffallender Gegensatz zu dem 
Wasserreichtum, ja vielfach der Überfülle an Wasser der Umgebung. 
Dieser eigentümliche Zustand rührt daher, daß die ganzen Höhen durch- 
gängig aus Sand und Kies mit nur ganz geringer Beimischung von 
Lehm bestehen, also für Wasser äußerst durchlässig sind. Nur schlucht- 
artige Einschnitte an den Rändern zeigen die Spur des abfließenden 
Wassers nach heftigen Regengüssen, sonst hat die Erosion des ab- 
fließenden Regenwassers und der Schneeschmelze nur ganz sanfte Formen 
zu schaffen vermocht. An tieferen, muldenartig eingesenkten Stellen 
flnden sich auch wohl bedeutendere Zusammenschwemmungen des Lehms 
und bilden dann recht fruchtbare Landstriche, wie z. B. am Südende 
der Klever Höhen in der Gegend von Udem. Zahlreich sind Geröll- 
blöcke, meist von geringerer Größe bis höchstens zu 1 m Durchmesser. 
Zum Teil bestehen diese aus nordischen Gesteinen, Porphyren, Gneisen, 
Graniten, Syeniten, oder aus Kreidegesteinen und besonders zahlreichen 
Feuersteinen der Kreideformation Rügens, die hier die Südwestgrenze 
ihres Vorkommens erreichen, zum anderen Teil aber, und völlig durch- 
einander mit den vorigen lagernd, aus eisenhaltigem Sandstein, Schiefer, 
Buntsandstein, Braunkohlensandstein, die aus südlich gelegenen Gegenden 
stammen^). Über die wahrscheinlichen Ursachen dieses eigentümlichen 
Vorkommens werden später einige Bemerkungen folgen. 

4. Das NiersthaL 

In einem vorzeitlichen Rheinbett fließt jetzt die Niers parallel zum 
Rhein der Maas zu. Nur wenige Meter höheres Steigen würde genügen, 
um den Rhein aus der Gegend von Neuß her wieder durch das Bett 
der Niers in die Maas abzulenken. Wie unsicher die Wasserscheide 
zwischen beiden Flüssen ist, wurde schon bei der Besprechung des 



*) E. Königs, Die geologische Vergangenheit der Gegend von Krefeld und 
die darauf bezüglichen Funde. In: Verh. d. nat. Ver. d. Rhld., 52 (1895), S. 130 ff. 
— V. Dachen, Erläuterungen, Bd. II, S. 754. — Gurlt, in Verh. d. nat. Ver. d. 
Rhld., 39, S. 141 ff. 



46 ^' Ambrosius. 

Rheinthals gezeigt (Seite 28 ff.). Die Ostgrenze des Niersthals wird in 
ihrem südlichen Abschnitt gebildet von der linksseitigen Abgrenzung 
des Rheinthals, weiterhin durch die Bönninghardt, die Labbecker und 
die Klever Höhen. Die kaum erkennbaren Wasserscheiden in den diese 
voneinander trennenden Niederungen wurden ebenfalls bereits früher 
erwähnt. Die Schaephuysener Höhen mit dem ihnen westlich vor- 
gelagerten Plateau erheben sich mitten aus dem Gebiet der Niers heraus 
und teilen dasselbe von Geldern' aufwärts in zwei Arme, die aber im 
Süden durch die Brüche wieder in Verbindung treten. 

Die westliche Grenze des Niersthals wird bezeichnet durch den 
Anstieg der zwischen Maas und Niers gelagerten Bodenschwelle, und 
zwar auf einer Linie, die südlich von Wankum am Nettbach beginnend 
sich zwischen diesem Ort und Wachtendonk durch dicht am linken 
Ufer der Niers bis Pont südwestlich von Geldern zieht, nun mehr nord- 
westlich sich wendend bei Weeze der Niers noch einmal näher tritt und 
dann in fast westlicher Richtung in 'der Hülmer Heide die Reichsgrenze 
überschreitet. 

Etwa 4 km südlich von Wachtendonk tritt die Niers in unser 
Gebiet ein. In 76 m Höhe der Gegend östlich von Erkelenz ent- 
sprungen, hat sie in nordnordwestlichem Lauf bei Neersen (40 m) das 
schon mehrfach erwähnte breite, mit dem Rheine gemeinsame Thal er- 
reicht und fließt nun an dessen westlichem Rande entlang an Viersen, 
Süchteln und Grefrath vorbei nordwestlich nach Wachtendonk. Hier 
vereinigt sie sich mit dem Nettbach, der von Dülken kommend in 
S-förmig gewundenem Lauf eine ganze Reihe größerer Teiche, darunter 
zuletzt die vier Kriekenbecker (vgl. Seite 23) durchfließt. Auf der rechten 
Seite der Niers tritt an dieselbe das nördlich der höher liegenden 
trockenen Landschaft von Kempen und Krefeld sich hinziehende Bruch- 
gebiet von Nieukerk, Eyll, Aldekerk, Stenden und Hüls heran; völlig 
flach und von zahlreichen Gräben durchzogen, ist es vielfach noch 
sumpflg und fast ausschließlich von Wiese und Wald bedeckt. Die 
Gewässer dieser Brüche sammeln sich in zwei fast parallelen Wasser- 
läufen, deren südlicher, die Schwarze Rahm oder der Springbach, 
sich mit dem am nördlichen Rande entlang fließenden Nieukerker 
Landwehrbach zu der Geldernschen Fleuth vereinigt. Die 
ersten Anfänge des Landwehrbachs haben wir dicht bei Krefeld in den 
sich zum Flothbach sammelnden Gräben des Kliedbruchs zu suchen. 
Wo dieser auf die Südspitze der Schaephuysener Höhen stößt, sendet 
er einen Arm zwischen diesen Höhen und dem Hülser Berg durch 
nach Osten zu den Niepkuhlen. Bei Geldern empfängt die Fleuth in 
dem ebenfalls Landwehrbach (Sevelener) genannten Wasserlauf 
den Abfluß des am Nordrande der Schaephuysener Höhen sich hin- 
ziehenden Waldgebiets der Geldernschen und Sevelener Heide und 
mündet dann etwa 3 km weiter nördlich in die Niers. 

Das Thal der Niers auf der Strecke vom Eintritt in unser Gebiet 
bis Geldern war vor der von 1856—60 erfolgten gründlichen Ver- 
besserung eine fortlaufende Kette von Sümpfen, Mooren, nassen Wiesen 
und „nur nach lang anhaltender Dürre oder nach starkem Frost zu- 
gänglichen Holz- und Buschpflanzungen, vielfach auf künstlich erhöhten 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 47 

Beeten, zu denen der Boden aus den dazu angelegten Gräben gewonnen 
wurde* ^). Durch die umfangreichen Meliorationsbauten ist indessen 
jetzt den fortwährenden Überschwemmungen des Niersthals ein Ziel 
gesetzt. Durch die vielen künstlichen Entwässerungskanäle und Mühl- 
gräben wie auch die natürlichen Spaltungen des Flusses (vgl. besonders 
die etwas unterhalb von Wachtendonk nach rechts abzweigende und 
erst kurz vor Geldern sich mit dem Hauptflusse wieder vereinigende 
Kleine Niers) ist die Niederung wie mit einem dichten Netz über- 
zogen. 

Von Geldern an wendet sich die Niers, die eine Strecke weit fast 
nördlich geflossen war, wieder entschieden nach Nordwesten. Kurz 
vor Kevelaer nimmt sie von rechts ihren bedeutendsten Zufluß, die 
(Winnekendonker) Fleuth auf. Westlich von Ürdingen bildet 
sich dieser Bach in den mächtigen Serpentinen der Niepkuhlen, der 
teilweise bis auf einen schmalen Graben ausgefüllten, teilweise aber 
auch noch große Wasserflächen zeigenden Reste eines ehemaligen Rhein- 
laufs (vgl. Seite 29). Am Ostrande des Kliedbruchs ziehen sie sich 
zwischen Egelsberg und Hülserberg durch nordwärts, berühren bei 
Tönisberg die Südspitze der Schaephuysener Höhen und gehen an 
Vluyn vorbei bis östlich von Rheurdt. Während von hier an die 
„Kuhlen'' sich weiter westlich wenden, fließt der ihnen entstammende 
Bach als Eyllsche Kendel zwischen dem Eyllschen und dem Dachs- 
Berg durch zum Kamper Berge, bei dem er sich gabelt und einen Teil 
seiner Gewässer durch die Fossa Eugeniana zum Mörsbach sendet. 
Der westliche Arm nimmt den Namen Fleuth (Winnekendonker Fleuth) 
an und fließt nordwestlich durch die breite Niederung zwischen den 
Schaephuysener Höhen und der Bönninghardt nach Issum. Hier ver- 
einigt sich mit ihr die sogen. Nenneper Fleuth, die unter dem Namen 
(Schaephuysener) Landwehr hart am Ostrande der Schaephuysener 
Höhen entlang fließt, wo sie zwischen Schaephuysen und Rheurdt in 
den von der Eyllschen Kendel verlassenen Rheinlauf tritt (Kaplanskuhlen, 
Blink). Auch von Issum weiter abwärts begleiten die gewaltigen 
Windungen dieses Rheinlaufs mit zum Teil noch recht bedeutenden 
Wasserflächen den Lauf der Winnekendonker Fleuth, teilweise werden 
sie von ihr selbst durchflössen. Nachdem sie bei Kapellen die am 
Südwestabhang der Bönninghardt entlang fließende Helmes Ley auf- 
genommen und durch Abzweigung des Water Forth nach Norden hin 
eine große Flußinsel gebildet hat, ergießt sie sich nach vielfach ge- 
wundenem Lauf bei Winnekendonk in die Niers. Gleich unterhalb 
Kevelaer nimmt letztere von links her die D ändert auf, deren ur- 
sprüngliche Quelle bei Pont jetzt durch den Nierskanal von dem Unter- 
lauf abgeschnitten ist. Die in den Brüchen und Mooren am Fuße der 
westlichen Grenzhöhen (Blumenheide, Schwartbroek, Laarbruch, Baaler 
Bruch) sich sammelnden Gewässer führt der westlich von Weeze sich 
teilende Kendel bach einerseits gleich unterhalb dieses Ortes (Weezer 
Kendel), andererseits aber erst nach langem, vielgewundenem, nordwest- 



^) Lettow, Die Melioration der Niederungen an der Niers und dem Nord- 
kanale. Düsseldorf, o. J., S. 3. 



48 E. Ambrosius. 

lieh gerichtetem Laufe bei Hommersum, genau beim Punkte ihres 
Austritts aus dem Reich, der Niers zu (Hommersumer Kendel). Bei 
Weeze mündet femer von rechts kurz vor der Einmündung der Weezer 
Kendel die Mühlenfleuth, die sich bei Kervenheim durch den Zu- 
sammenfluß der Sonsbecker und der Großen Ley bildet. Die Sons- 
becker mit der Stadtveener Ley entwässert die Niederung zwischen der 
Bönninghardt und den Labbecker Höhen und nimmt kurz vor Kerven- 
heim auch noch den Abfluß des Üdemer Bruches auf. Nachdem die 
Niers in der Mühlenfleuth den letzten Zufluß von rechts empfangen 
hat, tritt sie an den Süd Westrand der Klever Höhen heran, die sie 
zwingen, ihre bisherige Nordwestrichtung mehr und mehr in eine rein 
westliche umzuändern, bis sie, auf einem hier südwärts gerichteten 
Bogenstück ihres Laufs etwa 2 ^2 km weit die Grenze bildend, nur noch 
8 km von ihrer Mündung (in Luftlinie 6 km) in die Maas entfernt, auf 
niederländisches Gebiet übertritt. 

Der Thonboden, welcher fast überall im Gebiet der Niersniederung 
die Unterlage bildet, ist so undurchlässig, daß trotz der zahllosen Gräben 
doch noch große Feuchtigkeit herrscht, die durch das geringe Gefälle 
der Niers noch begünstigt wird. Dasselbe beträgt auf der Strecke von 
dem Eintritt in unser Gebiet bis Geldern 0,37 ^/oo, von hier bis Goch 
0,29 ^/oo, von Goch bis zur Grenze 0,21 ®/oo ^). Schiffbar ist die Niers 
nicht, sie treibt aber zahlreiche Mühlen. 

5. Das Gebiet der westlichen Grenzhöhen und -Moore. 

Das letzte und kleinste unserer natürlichen Gebiete wird gebildet 
von den Anhöhen zwischen Niers und Maas, den diese unterbrechenden 
Bruch- und Moorstrecken und endlich den westwärts bis an die Grenze 
ihnen vorgelagerten Mooren der Maasniederung. 

Wie schon früher dargelegt wurde (vgl. Seite 23), trennt der tiefe 
Einschnitt des Nettbachs den von Viersen über Süchteln nach Hinsbeck 
ziehenden Südwestrand des gemeinsamen Rhein-Niersthals nördlich des 
letztgenannten Ortes von seiner mehr in Süd-Nordrichtung verlaufenden 
Fortsetzung. Dieser, wohl als „Maasdüne* bezeichnete Zug besteht 
aus horizontal geschichteten Flußabsätzen von Sand und kleinen Ge- 
schieben ^). Anfänglich ist er noch in den Buschbergen 78, im Mühlen- 
berg nördlich von Herongen 72 m hoch, nach Osten zum Nettbach und 
der Niers allmählich abfallend und nach Westen von einer Vorstufe 
begleitet, wie wir sie ähnlich mehrfach bei den linksrheinischen Hügel- 
gruppen fanden. 

Weiter nördlich aber verringert sich die Höhe bald bedeutend, 
und es ist nur noch eine breite flache Schwelle vorhanden, die sich 
zwischen Maas und Niers, von mehreren Einsenkungen unterbrochen, 
nordwärts erstreckt. Die erste derartige Einsenkung findet sich südlich 
von Walbeck. Ihr folgte die Fossa Eugeniana (vgl. Seite 37), um 
aus der Maasniederung nach Geldern zu gelangen, von wo sie durch die 



^) Berechnet nach v. Dechen, Erläuterungen, Bd. I, S. 747. 
2) Ebenda, Bd. I, S. 468. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 49 

Geldernsche und Sevelener Heide nach Kamp und von da weiter nach 
Rheinberg führen sollte. Die Spuren der halbvollendeten Arbeit sind 
fast überall noch deutlich sichtbar. Bei Walbeck erreichen die , Maas- 
dünen* noch einmal 40 m Meereshöhe und senken sich nun zu der 
Niederung, die der Nierskanal benutzt, der in weit nach Norden 
ausholendem Bogen von der Niers bei Geldern zur Maas geht. Nörd- 
lich der flachen Erhebung von Twisteden verbindet das breite Wembscher 
Bruch wiederum die Brüche des Niersthals mit den Veenen der Maas- 
niederung. Die nun folgende, fast dreieckige, flache (bis 37 m) , aber 
allseitig scharf gegen die ringsum liegenden Brüche abgesetzte, größten- 
teils mit Wald bedeckte Wember Höhe bildet die letzte merkbare Er- 
hebung in diesem Flachlande, in dem nun die endlosen Brüche, Veene 
und Heiden des Maas- und Niersgebiets miteinander verschmelzen. Ein 
Streifen der parallel zur Maas hinziehenden Veene und Heiden gehört 
noch zum Deutschen Reiche, dessen Grenze mitten durch dieses fast 
unbewohnte Gebiet hinzieht. Im Süden dieses Streifens finden wir einen 
weiteren Rest der Fossa Eugeniana von Venlo her nordwärts ziehen. 
Die Grenzmoore sind von zahlreichen Entwässerungsgräben durchzogen, 
Holzungen und Heiden sind reichlich vorhanden. Auch die „Maas- 
dünen*^ selbst zeigen ziemlich starken Waldbestand. 

Die Senke des Nettbachs zeigt noch die Spuren des unvollendet 
gebliebenen Nordkanals, den Napoleon I. 1806 beginnen ließ, um 
den Rhein von Neuß aus unter Umgehung der Niederlande über Venlo 
mit der Nordsee bei Antwerpen zu verbinden. Obgleich schon zwei Drittel 
der veranschlagten Kosten verwendet waren, blieb nach der Annexion 
der Niederlande der Kanal als nunmehr überflüssig liegen und wurde 
dem Verfall überlassen. 



6. Zusammenfassung und Allgemeines. 

Betrachten wir zusammenfassend noch einmal die Boden- 
beschaffenheit unseres ganzen Gebietes, wie wir sie in ihren Einzel- 
heiten dargestellt haben, so finden wir, daß die Niederungen der Flüsse 
mit Ausnahme weniger Stellen mit fettem Lehm- und Thonboden be- 
deckt sind, bei den Anhöhen aber, selbst bei nur geringer Höhe, Sand 
und Kies weitaus vorwiegen. Während die östlichen Grenzhöhen ein 
einigermaßen geschlossenes Ganze bilden, sind die Höhen auf der linken 
Rhemseite und auch die zwischen Maas und Niers durch völlig fiache 
Niederungen von zum Teil bedeutender Breite in lauter vereinzelte insel- 
formige Stücke zerschnitten , und diese trennenden Niederungen zeigen 
ganz deutlich ihre Entstehung durch die Kraft des Wassers der einst- 
mals sie durchströmenden Flußläufe. Das eigentümliche Vorkommen 
nordischer Geschiebe und solcher aus den südlich, um den mittleren 
Rhein gelegenen Gebirgen in vollkommener Vermengung auf den Hügeln 
und Plateaus wurde schon erwähnt. Es finden sich ferner einer Meeres- 
fauna angehörige Muscheln und Schnecken in einem Zustande, der es 
als gewiß erscheinen läßt, daß sie nicht mehr an ihrem ursprüng- 
lichen Platze lagern. In dem gesamten Gebiete, mit Ausnahme nur 

4. 



50 ^- Ambrosius. 

einer Stelle im Thal der Lippe, wo die Kreideformation zu Tage tritt, 
ist der Boden nur mit Gebilden der jüngsten geologischen Formationen 
bedeckt, die Niederungen mit den Alluvionen der Flüsse, die Höhen 
mit derjenigen Bildung, die Martin, Elockmann u. a. das „gemengte 
Diluvium" genannt haben ^). 

Die Entstehung der jetzigen Oberfläche haben wir uns 
nach E. Königs Darlegungen *) etwa folgendermaßen vorzustellen: Nach 
dem Zurückweichen des tertiären Meeres, dessen Strand in unserer 
Gegend zu suchen ist, bildeten sich weite, öde, mit Schaltieren bedeckte 
Sandstrecken und einzelne Brackwasserseeen; diese Strecken wurden von 
den Flüssen mit Sand und Gerollen überdeckt. Die eiszeitliche Ver- 
gletscherung des nördlichen Europas schritt bis in unsere Gegend vor, 
und am Rande des Eiswalls stauten sich die von Süden kommenden 
Gewässer und lagerten hier ihre GeröUe und Sande ab. Mit ihnen ver- 
mischten sich die nordischen Geschiebe, die die Gletscher mit sich führten, 
und durch die Kraft der mächtigen Wassermassen, der unter dem In- 
landeis hervorbrechenden Gletscherwasser und der ihnen entgegen sich 
stauenden Ströme erfolgte eine innige Vermengung all dieser ver- 
schiedenen Gerolle und Geschiebe nordischer wie südlicher Herkunft, 
der Sande und organischen Reste. Beim Zurückweichen des Eises be- 
reiteten die Schmelzwässer die Stromrinnen vor, in die sich die von 
Süden kommenden, einstmals sicherlich bedeutend mächtigeren Gewässer 
ergossen. So zerschnitten sie die durch die gemeinsame Wirkung ent- 
standenen Flächen wieder und ließen die einzelnen inselartigen Gruppen 
stehen, deren weitere Modellierung das abfließende Regenwasser und 
die Schneeschmelze übernahmen. Die anfänglich schon von Neuß an 
über Krefeld und durch das jetzige Niersthal, später immer weiter öst- 
lich sich verlegenden verschiedenen Stromrichtungen des Rheins haben 
wir bei der Besprechung dieses Stromes bereits erwähnt. Während die 
feinerdigen leichteren Bestandteile der höheren Flädhen mehr und mehr 
abgeschwemmt wurden und sich in den muldenartigen Vertiefungen 
sammelten, blieb auf den Höhen nur das schwerere Geröll, Kies und 
Sand zurück und die eigentlichen Niederungen wurden durch die Flüsse 
mit ihren Ablagerungen bedeckt, die sich durch die immer wieder- 
kehrenden Überschwemmungen mehr und mehr erhöhten. 

In engem Zusammenhang mit der Art des Bodens in den ver- 
schiedenen natürlichen Gebieten steht naturgemäß auch die Beschaffen- 
heit der Bodenbedeckung, der allgemeine Vegetationscharakter. 
Während die vorwiegend sandigen östlichen Grenzhöhen sehr stark be- 
waldet sind, zeigt die Niederung des Rheinthals sich davon fast völlig 
entblößt, größere Waldstrecken finden sich hier nur auf den in der 
Ebene hier und da lagernden sandigen Stellen, wie besonders auf dem 
Streifen zwischen Rhein und Issel. In der Rheinebene ist femer das 
regelmäßig vom Hochwasser des Stromes bedeckte Gebiet mit seinen 



*) F. Klockmann, Über gemengtes Diluvium und diluviale Flußschotter 
im norddeutschen Flachlande. In : Jahrb. der königl. preuß. geolog. Landesanstalt; 
1883, 8.334—344. — Martin, Niederländische und nordwestdeutsche Sedimentär- 
gebilde. Leiden 1878. 

^) E.Königs, Die geologische Vergangenheit der Gegend von Krefeld. 



( 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 51 

fetten Weiden deutlich unterschieden von den etwas höher gelegenen 
Flächen fruchtbaren Ackerlands zu beiden Seiten und den Bruchgegenden 
am Fuße der die Niederung begrenzenden Höhen. Auch die links- 
rheinischen Hügelgruppen tragen in ihren höheren und sandigen Teilen 
viel Wald, die flachen, mit fruchtbarem Boden erfüllten Mulden der 
Vorstufen werden als ergiebiges Ackerland benutzt. Der undurchlässige 
Boden der Niersniederung mit seinen Mooren, Brüchen und Sümpfen 
bedingt eine reichliche Bedeckung des Bodens mit Wiesen und mit 
niedrigen Holzungen, und auch das Überwiegen von Wald, Heide und 
Moor im westlichen Grenzgebiet steht im engsten Zusammenhang mit 
der Bodenbildung in demselben. 

Die zahlreichen Brüche bringen es mit sich, daß an vielen Stellen 
Torf gefunden wird, so besonders am Ost- und Nordfuße der Klever 
Höhen, sowie im unteren Niersthal. Doch ist die Mächtigkeit der Lager 
meist nur gering, selten über 1 m, und da auch die Brennkraft des 
Torfs nur unbedeutend ist, so ist seine Ausnutzung kaum erwähnens- 
wert^). Von einer gewerbsmäßigen Ausbeutung ist überhaupt keine 
Rede, doch ist immerhin anzunehmen, daß manche Landwirte für eigenen 
Bedarf Torf stechen. 

Eine weitere Begleiterscheinung der Brüche ist das Vorkommen 
von Raseneisenerz. Die Hauptfundorte desselben sind die Gegenden 
von Dinslaken, Holten, Wesel und Schermbeck (wie überhaupt das 
Lippegebiet besonders reich daran ist) ^) und auf der linken Rheinseite 
die Brüche der Niersgegend vom Kliedbruch an über Hüls, Wachten- 
donk und Aldekerk nach Geldern und auf der linken Seite der Niers 
bis nach Kevelaer^). Die rechtsrheinischen Rasenerz Vorkommnisse , die 
in der Regel etwa 15 — 30 cm starke Lagen bilden, wurden gegen Ende 
der 50er Jahre auch zur Eisenerzeugung ausgenutzt, und zwar förderte 
die Gutehoffnungshütte in Sterkrade 1856: 8922 Tonnen, die Hütte 
Minerva in Isselburg 7389 Tonnen Erz*). Der Betrieb wurde jedoch 
nicht lange aufrecht erhalten und bald eingestellt, weil das Vorkommen 
zu gering und die Erze zu arm an Eisen waren ^). 

Unendlich wichtiger als Torf und Rasenerz und der vielfach im 
ganzen Gebiet ausgenutzte Reichtum der Erdoberfläche an Sand, Thon 
und Lehm sind aber die unterirdischen Schätze, die sich unter einem 
großen Teil unseres Gebietes finden, vor aUem die an vielen Stellen 
erbohrten Steinkohlen. 

Die Grenzen des aus Westfalen in das Rheinland hineinragenden 
Ruhrkohlengebiets sind noch immer nicht bekannt. Die im Süden des 
Kohlengebiets bis nahe an die Oberfläche reichenden Flöze senken sich, 
in mehrere Mulden angeordnet, nach Norden hin immer tiefer ein. Die 
große sogen. Emscher-Mulde reicht ohne Unterbrechung aus dem Herzen 



') V. Dachen, Erläuterungen, Bd. II, S. 824. 

2) H. V. d. Marck, Die Diluvial- und Alluvialablagerungen im Innern des 
Kreidebeckens von Münster. In: Verh. d. nat. Ver. d. Rhld., 15, S. 1 (1858). 

') V. De eben, Erläuterungen, Bd. II, S. 824. 

*) H. V. d. Marck a. a. 0. 

*) Briefliche Mitteilung von Herrn H. Könemann, Vorsteher des Bergbau- 
Bureaus der GutehofFnungsbütte zu Sterkrade-Oberbausen, vom 6. Dezember 1899. 



52 ^' Ambrosius. 

von Westfalen über ßecklinghausen westwärts bis auf das linksrheinische 
Gebiet hinüber. Im Norden von ihr, im Gebiet der Lippe, scheint ihr 
eine noch größere zu folgen. Leider aber sinkt die Eohlenformation 
hier schon so tief unter der übergelagerten Kreideformation ein, daß, 
wenigstens mit den heutigen Mitteln der Technik, ihrer Ausnutzung 
noch unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen. Die nördlichsten 
Punkte, an denen heute praktisch gewinnbare Kohle erbohrt ist, finden 
sich auf einer Linie etwa von Alpen (südwestlich von Wesel) durch den 
nördlichen Teil der Gemeinden Vörde und Bruckhausen und weiter ost- 
wärts nach Westfalen hinein ^). 

Einige Bohrungsergebnisse mögen wegen ihrer hervorragenden 
Wichtigkeit das Einsinken des Steinkohlengebirges nach Norden und 
ebenfalls nach Westen zeigen. Im Stadtkreise Duisburg liegen die 
Steinkohlenlager nur 56 — 111 m unter der Oberfläche, etwas nördlich 
von Beeck 129 m; in der Gemeinde Hochemmerich dicht am Rhein 
stieß man bei 68 bezw. 80 m bereits auf die Kohle, weiter westlich 
bei Rumein in 171 m, nahe bei Kapellen in 182 und bei Vluyn erst 
in 233 m, während zwischen Nieukerk und Sevelen die Steinkohlen- 
formation bei 265 m noch nicht erreicht war. Auf der Zeche Rhein- 
preußen bei Homberg erreichte man sie bei 131 und 157 m, nördlich 
von Mors in 168 m, bei Orsoy in drei Bohrlöchern von Süd nach Nord 
in 169, 220 und 262 m^). Im Osten endlich zeigt sich bei den von 
der Gutehoffnungshütte in Oberhausen und Sterkrade ausgeführten 
Bohrungen dasselbe Einsinken der Steinkohlenschichten von Süden nach 
Norden. Das Steinkohlengebirge beginnt bei Sterkrade in 280 m Tiefe, 
bei Holten (Schacht Hugo) in 380, auf der Königshardt nördlich von 
Sterkrade in 440, bei Hiesfeld in 465 und bei Dinslaken in 557 m'). 
Sehr zahlreiche Bohrungen in der Gegend rechts- und linksrheinisch 
südlich von Wesel (Ende 1898 schon nahezu 100) *) ergaben allenthalben 
reiche Kohlenlager, deren Ausbeutung teilweise in Angriff genommen 
wurde. Beim Übertritt auf linksrheinisches Gebiet scheint die Kohlen- 
formation ihre bisherige Streichrichtung Nordost-Südwest zu verlassen 
und sich mehr südlich wenden zu wollen, was auf einen Zusammen- 
hang mit dem Aachener Kohlengebiet deutet^). 

Von Braunkohlenlagern, die weiter südlich in der Kölner und 
Bonner Gegend so reichlich vorkommen, sind in unserem Gebiet nur 



') Briefliche Mitteilung des Herrn Bürgermeisters Schmidt in Alpen 
vom 28. September 1899. — Rhein- undRuhrzeitung (Duisburg) vom 20. Dezember 
1897 und 5. September 1898. — Achepohl in: Verhandlungen d. nat. Ver. d. 
Rhld., 42, Corr.-Bl., S. 63 ff. 

*) v. Dechen, Erläuterungen, Bd. II, S. 682—688. — Jüttner, Ueber die 
Solquellen in dem münsterschen Ereidebecken und den westfälischen Steinkohlen* 
gruben. In: Verh. d. nat. Ver. d. Rhld., 44, Corr.-Bl., S. 41. 

*) Briefliche Mitteilung von der Betriebsleitung der Zeche »Hugo* 
bei Holten vom 14. Dezember 1899. 

*) Rhein- und Ruhrzeitung vom 5. September 1898. 

^) Achepohl a. a. 0., S. 63 ff. — Vgl. auch R. Lepsius, Geologie von 
Deutschland und den angrenzenden Gebieten; I. Teil: Das westliche und südliche 
Deutschland. Stuttgart 1887—92. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 53 

wenige und unbedeutende Spuren vorhanden, so bei Tönisberg, bei 
Nieukerk und im Klever Stadtwalde ^). 

Zahlreiche Solquellen von zum Teil großer Stärke und be- 
deutendem Salzgehalt sind bei den Bohrungen auf Kohlen und beim 
Betrieb der Kohlenzechen besonders im südwestlichen Teil des Münster- 
schen Kreidebeckens und zwischen der Kreide und dem Steinkohlen- 
gebirge gefunden worden. In unser Gebiet fallen die Solquellen auf 
der Zeche Deutscher Kaiser bei Hamborn, die in 257 und 360 m aus 
Sandstein hervorbrechen und in der Minute etwa 50 1 von 22 ^ C. und 
2V-5 — 4^2^/0 Chlomatriumgehalt liefern. Auf Zeche Ruhr und Rhein 
bei Ruhrort traf man 1882 in 187 bezw. 201 m in Sandstein auf zwei 
Solquellen von 2,5 und 7,3 ®/o Salzgehalt^). 

Am wichtigsten aber ist die Bohrung in Budberg, wo man auf 
ein Kalisalzlager von 30 m Mächtigkeit und großer Reinheit stieß, 
dessen demnächst beginnende Ausbeutung jedenfalls von großem Ein- 
fluß und außerordentlicher Bedeutung für die ganze Gegend sein wird ^). 

Zum Schlüsse unserer allgemeinen Betrachtungen seien hier noch 
einige wenige Bemerkungen über das Klima, sowie über die Wildtier- 
welt des niederrheinischen Gebiets angeschlossen. 

In klimatischer Beziehung gehört das Gebiet des Niederrheins 
mit dem übrigen Nordwestdeutschland noch dem atlantischen Klima- 
gebiet an. Größere Unterschiede innerhalb unseres Gebietes selbst sind 
wegen der verhältnismäßig geringen Ausdehnung und der unbedeutenden 
Erhebungen nicht vorhanden. 

Von Beobachtungsergebnissen stehen uns leider nur solche von 
Kleve, sowie von den hart an der Grenze liegenden Orten Krefeld und 
Mülheim a. d. Ruhr zur Verfügung. Sie dürften aber wegen der er- 
wähnten Gleichmäßigkeit der einschlägigen Verhältnisse genügen, um 
ein Bild des Klimas zu geben ; das Klima von Kleve wird dem ganzen 
Norden des Gebiets im wesentlichen entsprechen, die Ergebnisse der 
Beobachtungen in Krefeld können ohne weiteres auf den Süden über- 
tragen werden, während allerdings Mülheim für den Südosten nur mit 
•größerer Zurückhaltung benutzt werden darf, und besonders seine Regen- 
menge durch die Lage Mülheims am Rande der die Mündungsbucht 
der Ruhr abschließenden JHöhen örtlich beeinflußt und bedeutend höher 
erscheint, als wir sie sonst dem Südosten des Gebiets zuschreiben dürfen *), 



^) V. Dechen, Erläuterungen, Bd. II, S. 640, 642, 644. 

-) Jüttner a. a. 0., S. 41. 

^) Briefliche Mitteilung des Herrn Bürgermeisters Schmidt in Alpen 
vom 28. September 1899. — Rheinisch-westfälische Bürgerzeitung (Duis- 
burg) vom 23. Juli 1897. 

*) Aus den Beobachtungen der meteorologischen Station zu Mül- 
heim a. d. Ruhr, in: Bericht über die Verwaltung etc. der Gemeindeangelegen- 
heiten der Gemeinde Meiderich für die Jahre 1885—90. — A. Meitzen, Der 
Boden des preuß. Staats, Bd. V, Anhang, S. (224) u. (228). — P. Moldenhauer, 
in: Die geographische Verteilung der Niederschläge im nordwestlichen Deutsch- 
land (Stuttgart 1896) , giebt als rohes Mittel für Kleve (39 jähr. Beob.) 78,0 cm, 
Krefeld (39 j.) 68,2 cm und Mülheim (5 j.) 69,9 cm; letzteres auf Krefeld, Kleve oder 
Köln reduziert 81,0, 80,0 oder 68,0 cm. Während die Zahlen für die ersten beiden 
Orte gut zusammenstimmen, ist der Unterschied für Mülheim sehr auffallend. 
Woher er rührt, konnten wir leider nicht ermitteln. 



54 



£. Ambrogius. 



Ort 


Beob.- 
Jahre 


1 

Luftwärme 


Niederschlag 




Januar Juli 


Jahr 


mm 


Kleve. . . . 
Krefeld . . . 
Mülheim . . 


1 

38 

i 32 
8 


1 

1,6 

0,8 

Febr. nahezu 

! 


17,4 

18,2 

17,8 


9,1 
9,3 
7,1 


795 

698 

1725 



Da die Küste ^) von keinem Punkte unseres Gebiets weiter als 
190 km entfernt und das Land bis dahin völlig eben ist, so steht das- 
selbe wie gesagt noch unter dem Einflüsse des Ozeans auf das Elima, 
der die Winterkälte mildert, aber auch die Sommerwärme herabsetzt. 
Nach 40jährigen Beobachtungen tritt in Kleve der erste Frost im Mittel 
am 29. Oktober, der letzte am 15. April ein, so daß die Zahl der 
Tage zwischen beiden Zeitpunkten 198 beträgt; diesen stehen durch- 
schnittlich 107 Tage mit mehr als 18 ® C. gegenüber (25. Mai bis 
7. September)^). Das Jahresmittel der Bewölkung ist in Mülheim 0,74, 
mag aber im allgemeinen in unserem Oebiete aus den oben erwähnten 
Gründen auch etwas niedriger sein. Die Niederschläge sind ziemlich 
gleichmäßig über das Jahr verteilt. Die größte Monatssumme liefert 
der Juli (in Krefeld der August), die geringste der April (in Krefeld 
der März). Die Zahl der Gewitter ist etwa 19 im Jahre. Hagel ist 
selten. Die Windrichtung ist in 8 Monaten vorherrschend westlich, 
in 4 vorherrschend östlich ; nördliche und südliche Windrichtungen ver- 
teilen sich ziemlich gleichmäßig, erstere meist auf das Sommer-, letztere 
auf das Winterhalbjahr. Das Klima ist im allgemeinen sehr günstig, frei 
von extremen Temperaturen, und sehr gesund. Die Luft ist meist ziem^ 
lieh feucht; Epidemieen sind selten. 

Über die Wildtierwelt ist Besonderes kaum zu erwähnen. 
Schwarzwild und Wölfe sind längst ausgerottet, das letzte Wildschwein 
wurde im Reichswald 1853, der letzte Wolf 1838 erlegt*). Hirsche 
kommen dort noch in geringer Zahl vor, etwas häufiger sind Rehe; 
in den fruchtbaren Ebenen, mit Ausnahme natürlich des am dichtesten 
bevölkerten Südostens, ist die niedere Jagd recht ergiebig. 

In der Vogelwelt ist das ziemlich häufige Vorkommen des Fisch- 
reihers an den zahlreichen Gewässern erwähnenswert; hin und wieder 
wird die Großtrappe vom Osten her sogar bis an den Rhein verschlagen. 
Die Fischerei, die in früheren Zeiten besonders durch den Lachsfang 
im Rhein berühmt war, hat in neuerer Zeit trotz großer Anstrengungen 
zu ihrer Erhaltung und Hebung immer mehr abgenommen. Der Lachs- 
fang ist fast völlig vernichtet durch die Raubfangmethode auf der nieder- 



^) d. h. die Küste der offenen Nordsee; die der Zuider See ist höchstens 
130 km entfernt. 

^) A. Meitzen, Der Boden des preuß. Staats, Bd. V, Anhang, S. (266) 
bis (269). 

3) V. Hagens, in: Verb. d. nat. Ver. d. Rhld., 24, Corr.-BL, S. 46 ff. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 55 

sehen Strecke des Rheins, und auch der Fang der übrigen Fisch- 
i hat durch den lebhaften Dampferverkehr und die Ableitung der 
n Gruben- und Fabrikabwässer in die Flußläufe erheblich gelitten, 
iteilig ist auch vielfach der starke Bestand an Hechten als Raub- 
Bn und das häufige Vorkommen des Fischotters. Eine Besonderheit 
^iederrheins sind die besonders im Frühjahr massenhaft gefangenen 
1. Alfen, die auf Fäden gereiht und geräuchert einen beliebten 
erbissen bilden. 



in. Die Volksdichte und ihre Ursachen. 

Die Yolksdiehtekarte und die Tabellen. 

Die vorliegende Karte des Niederrheins ist nach den im Laufe der 
letzten Jahre veröffentlichten neuen Meßtischblättern (i. Maßst. 1 : 25000) 
neu gezeichnet worden ^) und enthält in den Einzelheiten der Situation 
mancherlei Abweichungen von älteren Darstellungen, bei denen dieses 
neue Material naturgemäß noch nicht berücksichtigt werden konnte. 
Auf diese einzugehen ist aber hier kein Anlaß. Es sei nur kurz an- 
gegeben, was auf der Karte dargestellt wurde. 

Die Wasserläufe und Wasseransammlungen (Teiche, Kolke, Meere, 
Kuhlen u. s. w.) wurden auf der Karte sämtlich eingetragen, soweit es 
der Maßstab irgend zuließ. Hierdurch tritt besonders der schroffe 
Unterschied zwischen den oft tiberreich bewässerten Niederungen und 
den an Gewässern so armen Höhen deutlich hervor. Die kleineren Buhnen 
und Kribben im Rhein wurden nicht berticksichtigt, wohl aber wurden 
die größeren Bauten und Leitwerke vermerkt. Wegen ihrer großen Be- 
deutung fanden alle Übergangsgelegenheiten tiber den Rhein Aufnahme. 

Daß die sämtlichen Gemeindegrenzen eingetragen wurden, ist bereits 
im ersten Teil dieser Arbeit erwähnt. Sie entstammen den Meßtisch- 
blättern, mit Ausnahme von nur ganz wenigen Gemeinden, deren Grenzen 
in den Meßtischblättern fehlten und die etwa durch die Katasterämter 
zu erlangen es an Zeit mangelte. Die fehlenden wurden nach der An- 
gabe der Gemeindeteile und Wohnplätze im Gemeindelexikon der Rhein- 
provinz mit Berücksichtigung des Flächeninhalts der Gemeinden gezogen 
und durch unterbrochene Punktierung kenntlich gemacht. Auch die 
Eintragung der Siedelungen auf der Karte wurde bereits im metho- 
dischen Teil (Seite 20 u. 21) ausführlich besprochen, so daß hier nur auf 
jene Stelle hingewiesen sein mag. 

Von den Verkehrswegen sind zunächst alle Eisenbahnen ein- 
gezeichnet, reine Industriebahnen durch schmalere Signatur; das außer- 



1) Meßtischblätter im Maßstabe von 1:25 000, Nr. 2205— 2206, 2276 
bis 2279, 2350—2356, 2424—2429, 2494—2499, 2500—2502, 2571—2575, 2644—2648; 
ihnen entsprechen die Blätter der Karte des Deutschen Reichs im Maß- 
stabe von 1 rlOpOOO, Nr. 327, 828, 352—354, 377—879 und der neuen Topo- 
graphischen Übersichtskarte des Deutschen Reichs i. M. 1 : 200000, 
Nr. 95, 96, 108 u. 109. 



E. Ambrosius. Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 57 

ordentlich wichtige Projekt einer linksrheinischen üferbahn, wenn man 
sie so nennen will, wurde ebenfalls aufgenommen, wenn auch seine Ver- 
wirklichung noch nicht eingetreten ist, um hierdurch wenigstens an- 
zudeuten , in welcher Richtung sich die Wünsche und die dringendsten 
Bedürfnisse des Verkehrs geltend machen. Von der reichen Fülle der 
Straßen konnten nur die Hauptchausseen Berücksichtigung finden. Auf 
die Einzeichnung der jetzt schon besonders im Südosten recht zahlreichen 
Straßenbahnen wurde verzichtet, da diese Bahnen im Jahre 1895, auf das 
die Karte vor allem Rücksicht nimmt, erst in ihren Anfängen waren. Aus 
demselben Grunde wurde auch von der Eintragung einiger anderer erst 
später vollendeter größerer Anlagen, wie des neuen Duisburger Parallel- 
hafens, der Kruppschen Hafen- und Fabrikbauten in der Gemeinde 
Bliersheim gegenüber Duisburg und ebenso der noch völlig ungewissen 
Projekte einer Verbindung des Rheins mit dem Kanal von Dortmund 
nach den Emshäfen abgesehen. (Nach der neuen Regierungsvorlage 
[Anfang 1901] soll der Kanal bei Laar dicht nördlich von Ruhrort 
vom Rhein ausgehen.) Wegen ihres außerordentlich starken Einflusses 
auf die Verdichtung der Bevölkerung wurde aber die Lage der Berg- 
werke und größeren industriellen Anlagen durch besondere Signaturen 
gekennzeichnet. Umgekehrt wurden die größeren Flächen von Staats- 
waldungen, durch die auch auf den Meßtischblättern die Gemeinde- 
grenzen nicht durchgeführt werden, durch Einzeichnung ihrer Grenzen 
und Eintragung der Buchstaben K. F. (Königl. Forst) hervorgehoben 
und so bei ihrem geringen Einfluß auf die Volksverdichtung noch be- 
sonders kenntlich gemacht. 

Bei der Einschreibung der Gemeindenamen wurde vor allem darauf 
gesehen, daß dieselben möglichst völlig vor dem übrigen Kartenbilde 
zurücktreten. Es wurden nur die Namen sämtlicher Gemeinden ein- 
getragen, und die geographische Beschreibung im zweiten 
Teile dieser Arbeit ist so gehalten, daß trotz des Fehlens 
aller Fluß- und anderer Namen doch wohl jedes dort genannte 
Objekt mit vollkommener Sicherheit auf der Karte aufzu- 
finden ist. Wir glauben hierdurch der theoretischen Forderung einer 
stummen Karte, d. h. doch wohl im Grunde nur der Vermeidung der 
Störung des Kartenbildes durch die Namen, so weit entgegengekommen 
zu sein, als es irgend möglich ist, ohne schwere Beeinträchtigung der 
praktischen Brauchbarkeit. Bei einer völligen Abwesenheit jeglicher 
Namen wäre es nicht möglich, den Einzelheiten der Darstellung zu 
folgen, ohne eine Spezialkarte zum Vergleich zur Hand zu haben, und 
dieses fortwährende Suchen und Vergleichen auf Volksdichtekarte und 
Spezialkarte würde die Benutzbarkeit in hohem Grade schädigen. 

Die Namen der Ortschaften (nicht der Gemeinden) mit mehr als 
2000 Einwohnern wurden aus rein praktischen Gründen wegen des 
Wertes, den man vielerseits auf die Hervorhebung der größeren Orte 
legt (vgl. Seite 15 fl^.), und in Anlehnung an die in der Statistik des 
Deutschen Reichs befolgte Sonderung durch andere Schrift gekennzeichnet, 
die Signaturen selbst aber gemäß den im methodischen Teil dargelegten 
Ghründen (vgl. Seite 20 f.) ebenso wie die der übrigen geschlossenen 
Ortschaften nur nach der Form des von ihnen eingenommenen Raumes 



58 ^- Ambrosius. 

gezeichnet. — Auf eine Abrundung der Gemeindegrenzen verzichteten 
wir, da bei dem gewählten großen Maßstab es sehr wohl möglich ist, 
dieselben mit ziemlicher Genauigkeit zu geben, und weil außerdem bei 
derartigen Spezialdarstellungen es nicht Zweck der Karte sein kann, 
ein «Büd" zu geben, sondern sie gerade ihr vornehmstes Ziel in einer 
möglichst genauen und eingehenden Darstellung der in Betracht 
. kommenden Verhältnisse suchen muß; auch hier bildet übrigens wieder 
die Eintragung der Siedelungen einen gewissen Ausgleich gegenüber 
dem Bedenken, daß die Grenzen der politischen Gemeinde doch manch- 
mal zu „eckig und steif erscheinen möchten. 

Der Maßstab von 1 : 150000 ist zwar für derartige Eajrten un- 
gewöhnlich groß, doch dürfte ihn die außerordentlich dichte Besiedelung 
weiter Teile des Gebiets und die dadurch notwendige Häufung der 
Siedelungssignaturen besonders im Südosten, sowie die wünschenswerte 
Klarheit der Darstellung in diesen Gebieten vorwiegend zerstreuter 
Wohnart als notwendig erscheinen lassen. Hierdurch war es auch mög- 
lich, die eigentümliche Verteilung des Waldes recht deutlich hervor- 
zuheben, von den großen ununterbrochenen Staatswaldungen und den 
vielfach von Lichtungen und Siedelungen unterbrochenen größeren Ge- 
meinde- und Privatwaldungen der Hügelgegenden bis zu den oft in 
winzige Parzellen zersplitterten Holzungen der Rheinebene herab. 

Das hier behandelte Gebiet umfaßt einen Flächeninhalt von 
insgesamt 2514,48 qkm, also fast 46®/o des 5472,71 qkm großen 
Regierungsbezirks Düsseldorf der preußischen Rheinprovinz. Die Volks- 
zahl aber erreicht mit 429467 noch nicht ganz 20 > der 2191359 
Seelen zählenden Bevölkerung des ganzen Regierungsbezirks. 

Die heutige administrative Einteilung in Kreise wurde schon 
namhaft gemacht. Der Stadtkreis Duisburg wird nur von der Gemeinde 
gleichen Namens gebildet. Der Kreis Ruhrort umfaßt den rechts- 
rheinischen Teil unseres Gebiets von der Ruhr bis zur Lippe (die kleine, 
südlich von Duisburg liegende Landgemeinde Wanheim wurde weg- 
gelassen) ; das nördlich der Lippe folgende Stück bildet den Kreis Rees. 
Der Bureis Mors besteht aus der linksseitigen Rheinniederung bis nach 
Marienbaum und Obermörmter hinunter mit Ausnahme der vier süd- 
lichsten, zum Landkreise Krefeld gehörigen Gemeinden; außerdem ge- 
hören zu diesem Bureise Teile der linksrheinischen Hügelgruppen, über 
die er an einigen Stellen hinweg ins Niersgebiet übergreift. Der weiter 
abwärts folgende Teil der Rheinniederung, die Klever Höhen und die 
untere Niersebene bis nach Goch hinauf bilden den Kreis Kleve, die 
Niederung der Niers endlich mit dem westlichen Grenzhöhengebiet den 
Kreis Geldern. 

Dieses ganze Gebiet zerfällt in 204 Gemeinden von sehr ver- 
schiedener Größe. Während im Durchschnitt auf jede Gemeinde eine 
Fläche von 12,28 qkm mit 2105 Einwohnern entfallen würde, schwankt 
ihre wirkliche Größe von 0,09 (Kervenheim) bis 63,34 qkm (Straelen) 
und ihre Einwohnerzahl von 24 (Reesereiland) bis 70272 (Duisburg). 
Machen wir (in Anlehnung an die Statistik des Deutschen Reichs) die 
rein mechanische Unterscheidung, alle über die Zahl '2000 hinaus- 
hebenden Bewohner der Wohnplätze als „städtische* von den ,,länd- 



Die Volkadichte am deutschen Niederrhein. 59 

liehen" zu sondern, so beträgt die städtische Bevölkerung 179 546, 
d. h. 41,81 >, die ländliche aber 249903 oder 58,19 »/o der Gesamt- 
einwohnerzahl. 

Die durchschnittliche Volksdichte des ganzen Gebiets nach Ab- 
rechnung des Waldes beträgt 213 auf 1 qkm (bei Einrechnung des 
Waldes würde sie sich auf 171 stellen). Würde man die „städtische" 
Bevölkerung, wie oben geschehen, abziehen und nur die „ländliche" 
auf die Gesamtfläche ohne den Wald verrechnen, so würden wir eine 
Volksdichte von 124 auf 1 qkm erhalten (mit Einrechnung des Waldes 100). 
Die Volksdichte in den einzelnen Gemeinden ist außerordentlich ver- 
schieden; sie schwankt von 6 (Reesereiland) bis 8138 (Ruhrort), und 
9 Gemeinden mit einer Volksdichte von 25 und weniger stehen 10 solchen 
gegenüber, deren Bevölkerung 1000 auf 1 qkm überschreitet. 

Diejenigen Gemeinden, deren Volksdichte 200 übersteigt, würden 
über dem Durchschnitt des ganzen Gebiets stehen, und wir können die- 
selben als sehr dicht bevölkert bezeichnen; in der Karte werden 
unter diesen noch 3 Stufen (201—500, 501—1000 und über 1000 auf 
1 qkm) unterschieden. Die Gemeinden, deren Volksdichte zwischen 
100 und 200 liegt, müssen noch dicht bevölkert genannt werden. 
Sie sind auf der Karte ebenfalls in 3 Stufen verteilt (101—125, 126—150, 
151—200). Eine Volksdichte von 50—100 kann für unser Gebiet nur 
noch als mäßig gelten; hier sind 2 Stufen (51 — 75, 76 — 100) unter- 
schieden worden. Ebensoviel Stufen kommen auf die sehr geringe 
Volksdichte von weniger als 50 auf 1 qkm (1 — 25, 26 — 50). Für die 
Anlage der vier untersten Volksdichtestufen wurden gelbliche Töne ge- 
wählt (2 Gelb und 2 Orange), dann folgen drei immer kräftiger werdende 
rote Farbtöne für die mittieren und endlich zwei Violett und ein dunkles 
Braun für die höchsten Volksdichtestufen. Der Wald vmrde überall 
gleichmäßig mit einem zarten Grün überlegt; wegen des wohl über- 
haupt unmerkbaren Einflusses der Art der Waldbestände wenigstens 
für unser Gebiet und im Interesse der Klarheit der Karte wurde von 
einer Unterscheidung derselben abgesehen. 

Die Angaben der Tabellen für die Gesamtflächen der einzelnen 
Gemeinden ebenso wie die für die ortsanwesende Bevölkerung am 
2. Dezember 1895 entstammen dem Gemeindelexikon für die Provinz 
Rheinland (bearbeitet vom Königl. statistischen Bureau, Berlin 1897); 
durch Summierung der Einwohnerzahlen der ebendort einzeln aufgezählten 
Wohnplätze und Abziehung derselben von der Bevölkerungszahl der 
Gemeinde wurde die Volkszahl des der Gemeinde ihren Namen gebenden 
Wohnplatzes festgestellt. Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn diese 
wichtige Zahl ebenfalls ohne weiteres aus dem Gemeindelexikon zu er- 
sehen wäre. 

Die Art der Bodenbenutzung wurde aus der 1887er Ausgabe des- 
selben Gemeindelexikons entnommen, da neuere Angaben nicht veröffent- 
licht sind und in der Ausgabe von 1897 ausdrücklich auf die 1887 
veröffentlichten Zahlen hingewiesen wird. Der Wald wurde getrennt 
aufgeführt, Acker und Wiese dagegen zusammengelegt. Ziehen wir 
die Summe dieser Flächen von der Gesamtfläche der Gemeinde ab, so 
erbalten wir eine Zahl, die nicht nur das Ödland, die bebauten Flächea^ 



()0 E. Ambrosius. 

Wege und Gewässer, sondern auch infolge der Anordnung im Gemeinde- 
lexikon die Gärten und die in unserem Gebiet besonders so wichtigen 
Weiden (Marschland) mitenthält, worauf je nach der geographischen 
Lage der Gemeinden wohl zu achten ist. Diese drei Zahlen wurden 
nicht absolut, wie im Gemeindelexikon gegeben, sondern der prozen- 
tuelle Anteil an der Gesamtfläche der Gemeinde berechnet und nur 
dieser in die Tabellen eingetragen. 

Eine weitere Spalte gibt den Flächeninhalt der Gemeinden nach 
Abzug des Waldes an, also die Zahl, die wir zur Berechnung der Volks- 
dichte benutzen. Der Angabe der Volksdichte auf 1 qkm nach Abzug 
des Waldes , die für die Anlage der Karte maßgebend ist , und der 
Volksdichtestufe wurde noch die Volksdichtezahl für die Gesamtfläche 
der Gemeinde hinzugefügt, um einen Vergleich zu ermöglichen, wie be- 
deutend diese Zahl durch eine größere Waldfläche beeinflußt wird, 
während doch der thatsächliche Einfluß des Waldes nur sehr geritg 
ist (vgl. Seite 14 f.). Als besonders bemerkenswerte Beispiele seien die 
Gemeinden Herongen (170—79), Gartrop-Bühl (64—25), Weselerwald 
(99—41), Diersfordt (63—22), Dämmerwald (45—11), Üdemerbruch 
(69—28), Keppel (114—34) und Materbom (296—84) hervorgehoben. 
Von weiteren Angaben enthalten die Tabellen noch die Grundsteuer- 
Reinerträge für den Hektar Acker, Wiese und Wald nach den letzten 
Angaben des Gemeindelexikons für 1885; neuere Zahlen sind nicht ver- 
öffentlicht, doch sind diese älteren wenigstens zum Vergleich für die 
Ergiebigkeit des Bodens der einzelnen Gemeinden unter sich immer 
noch wertvoll genug. Endlich wurden wegen der ganz hervorragenden 
Wichtigkeit der Viehzucht für weite Teile des niederrheinischen Gebiets 
noch die wichtigsten Angaben über die Viehhaltung, und zwar für 
Pferde, Rindvieh und Schweine in absoluter Zahl und in der Dichte- 
zahl (auf 1 qkm, nach Abrechnung des Waldes) aufgenommen. Sie 
entstammen (bezw. wurden berechnet nach) dem Viehstandslexikon 
für den preußischen Staat, Teil XII, Rheinland, und beziehen sich 
auf die letzte in ihren Einzelheiten veröfiPentlichte Viehzählung vom 
1. Dezember 1892. 

In einem einzigen Falle wurde es für nötig befunden, aus metho- 
dischen Gründen zwei Gemeinden für die Berechnung der Volksdichte 
u. s. w. zusammenzulegen, nämlich Salmorth mit der von ihm fast ganz 
umschlossenen kleinen Gemeinde Schenkenschanz. Nach einer Mit- 
teilung des Herrn Gemeindevorstehers von Schenkenschanz leben die 
Einwohner fast ausnahmslos von Ackerbau und vornehmlich Viehzucht, 
und liegt das Grundeigentum derselben hauptsächlich in der Gemeinde 
Salmorth. Nach dem im methodischen Teil aufgestellten Grundsatze 
soll die Bevölkerung auf den Boden verrechnet werden, der sie bedingt. 
Da nun Schenkenschanz nur durch seine Entstehung und seine frühere 
Geschichte die Existenz als selbständige politische Gemeinde bewahrt 
hat, durch Bedingungen, die heute nicht mehr vorhanden sind, so war 
hier für die geographische Betrachtung eine Verschmelzung der beiden 
Gemeinden vorzunehmen ^). 



') Vgl. hierzu C. ühlig a. a. 0. S. 116. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 61 

Bei der Gemeinde Kervenheim dagegen wurde, obwohl der Grund- 
besitz der Bewohner (nach einer Mitteilung des Herrn Bürgermeisters 
von Winnekendonk) zum größten Teil in der Gemeinde Kervendonk 
liegt, doch von einer solchen Verschmelzung abgesehen, weil der größte 
Teil der Bewohner nicht als ackerbautreibend anzusehen, sondern indu- 
striell thätig ist. In diesem Falle kommt somit die Abhängigkeit der 
Bevölkerung der politischen Gemeinde Kervenheim von dem Boden der 
Gemeinde Kervendonk kaum in Betracht, und ihre hohe Volksdichte- 
zahl beruht auf anderen örtlichen Ursachen. 

Zusammengezogen werden mußten aber aus einem anderen, nicht 
methodischen Grunde die beiden Gemeinden Amt Holten und Stadt und 
Feldmark Holten, und zwar, weil beide einen einzigen Katastralbezirk 
bilden und getrennte Angaben über die Art der Bodenbenutzung über- 
haupt nicht zii erlangen sind. 



Die wirtschaftlichen Verhältnisse im allgemeinen. 

Um die geographische Bedingtheit der Bevölkerungsverteilung 
über ein Gebiet zu untersuchen, müssen wir zunächst wissen, wovon 
die Bewohner leben, bis zu welchem Grade sie als Landwirte direkt 
mit dem Boden verknüpft sind, inwieweit Industrie, Handel und Ver- 
kehr Einwirkung haben auf die Anhäufung oder Auflockerung der Be- 
völkerung. Leider ist die Berufsstatistik nicht für die einzelnen Ge- 
meinden veröffentlicht worden; die Angaben derselben beschränken sich 
auf die kleineren Verwaltungsbezirke, die Kreise. Immerhin sind uns 
in derselben äußerst wertvolle Hinweise auf die wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse gegeben. Der Zeitpunkt der letzten Berufs- und Gewerbe- 
zählung am 14. Juni 1895 fällt sehr nahe mit dem der Volkszählung 
zusammen. Nehmen wir die Ergebnisse derselben für die sechs Kreise 
Duisburg, Ruhrort, Rees, Mors, Kleve und Geldern, so umfassen diese 
eine Bevölkerung von 418214 Personen, 2,6 ^/o weniger, als in dem 
auf der Karte dargestellten Gebiet ein halbes Jahr später, am 2. De- 
zember 1895 gezählt wurden. Nicht berücksichtigt sind hierbei von 
diesem Gebiet die Gemeinde Tönisberg des Kreises Kempen, sowie die 
vier zum Landkreise Krefeld gehörigen Gemeinden Traar, Verberg, 
Bockum und Ürdingen. In den letzten drei Gemeinden überwiegt die 
industrielle Bevölkerung, die ersten beiden dagegen sind mehr land- 
wirtschaftlich. Mit enthalten sind aber in den Zahlen die nicht in 
unsere Darstellung einbegriflfenen Gemeinden Leuth und Hinsbeck des 
Kreises Geldern sowie Wanheim des Kreises Ruhrort. Fällt somit auch 
das Gebiet der sechs Kreise nicht ganz genau mit dem unserer Karte zu- 
sammen, so sind doch die Abweichungen so gering, daß die Zahlen- 
angaben der Berufsstatistik auch für das ganze Gebiet eine wertvolle 
Übersicht ergeben. 

Die verschiedenen Berufsgruppen verteilen sich nun, immer 
nach dem Hauptberuf, ohne Rücksicht auf etwaige Nebenbeschäftigung, 
auf die genannten Kreise folgendermaßen: 



62 



E. Ambrosiua. 



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Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 63 

Aus dieser Aufstellung geht zunächst hervor, daß fast genau die 
Hälfte der gesamten Bevölkerung ihre Nahrung aus Bergbau und In- 
dustrie zieht, nur wenig über ein Viertel von der Landwirtschaft lebt, 
also bodenständig im eigentlichen Sinne ist, während noch ein weiteres 
Achtel dem Handel und Verkehr seine Existenz verdankt. Die übrigen 
Berufsarten kommen wenig in Betracht. Der auffallend hohe Anteil 
der dem „öffentlichen Dienst und freien Berufen** Angehörigen im 
Kreise Rees rührt in der Hauptsache von der Besatzung von Wesel her. 

Was nun die Verteilung der drei wichtigsten Berufsgruppen über 
unser Gebiet anlangt, so nimmt der Stadtkreis Duisburg eine Sonder- 
stellung ein, insofern als nahezu 88®/o seiner Bewohner der Industrie, 
dem Handel und Verkehr angehören und kaum 1^2 v. H. der Land- 
wirtschaft. Allerdings wurden noch 2031 Personen ermittelt, die neben 
dem Hauptberuf noch Landwirtschaft betreiben, doch sind diese Neben- 
betriebe im wesentlichen auf etwas Garten- und KartoflPelland der In- 
dustriearbeiter beschränkt, und ihre Geringfügigkeit geht schon daraus 
hervor, daß unter den 2106 landwirtschaftlichen Betrieben des Stadt- 
kreises sich 1629 befinden, die nur eine Fläche bis zu 20 Ar bewirt- 
schaften. In den übrigen Kreisen steigt die Zahl der landwirtschaft- 
lichen Bevölkerung in der Weise, daß wir, erst auf der rechten, dann 
auf der linken Rheinseite stromabwärts und zuletzt in das Niersthal 
hinübergehend ein stetiges Anwachsen des Anteils derselben an der 
Gesamtbevölkerung finden. Im Kreise Ruhrort beträgt er zwar erst 
12,7 ^/o, doch liegt der Grund hierzu nur in der dichtgedrängten in- 
dustriellen Bevölkerung der südlichen Gemeinden, während der ganze 
Norden des Kreises rein landwirtschaftlich ist. Eine ganz bedeutende 
Steigerung weist die Zahl für den Kreis Rees auf; hier gehören bereits 
31^/3*^/0 zur Landwirtschaft. Ist der Anteil der industriellen Bevölkerung 
mit über 36 ®/o auch immer noch größer, so ist die Industrie hier doch 
mehr auf die Städte und deren Nachbarschaft beschränkt. Erst im 
Kreise Mors finden wir ein Überwiegen der Landwirtschaft über die 
Industrie (41 gegen 38^2^/0); auch hier ist es vorwiegend der südliche 
Teil des Kreises, der größeren Anteil an Industriebevölkerung zeigt. 
Die geringste Zahl für letztere hat der Kreis Kleve, allerdings doch 
immer noch 35^/5"/o gegenüber 41V5®/o landwirtschaftlicher Bevölkerung. 
Im Kreise Geldern endlich erreicht die Landwirtschaft ihren höchsten 
Anteilsatz mit fast 44®/o, aber auch die Industrie, hier ganz besonders 
als Hausindustrie gepflegt, zeigt gegen die bis hierhin beobachtete 
stetige Abnahme wieder eine nicht unerhebliche Steigerung auf 39^/4%. 

Die Zahlen für die vom Handel und Verkehr lebende Bevölkerung 
zeigen in derselben Reihenfolge von Duisburg mit 21^/2^/0 bis zu 
Geldern mit 8^2^/0 eine stetige Verminderung. Hier macht sich der 
den Verkehr und Handel fördernde Einfluß des Rheinthals und des 
Stromes vor allem bemerkbar, dieser Verbindungsstraße der mittel- 
und oberrheinischen Gegenden mit dem Tiefland und den Seehäfen, 
während das Thal der Niers mehr seitab des großen Verkehrs liegt. 



64 



E. Ambrosius. 



Die Landwirtschaft. 



Betrachten wir nun zunächst die Verhältnisse der eigentlich boden- 
ständigen Bevölkerung, der landwirtschaftlichen, etwas eingehender. 

Schon im ersten Teile dieser Arbeit wurde betont, daß außer der 
eigentlichen landwirtschaftlichen Bevölkerung, deren Hauptberuf die 
verschiedenen Zweige der Landwirtschaft, Ackerbau, Viehzucht, Gärt- 
nerei und Forstwirtschaft, bilden, sich vielfach ein mehr oder minder 
großer Teil der übrigen Bevölkerung mit diesen Erwerbszweigen im 
Nebenberuf beschäftigt. Die Zahl solcher Personen ist am Niederrbein 
besonders hoch. Die Berufsstatistik von 1895 weist flir die einzelnen 
Kreise (vgl. Seite 61) hierüber folgende Zahlen auf: 



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6380 


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48231 
35425 



Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, daß von der vor- 
wiegend industriellen Bevölkerung der Kreise Duisburg und Ruhrort 
ein nicht unbeträchtlicher Teil nebenbei etwas Landwirtschaft betreibt; 
beträgt doch die Zahl der Personen dieser Gattung im Kreise Ruhrort 
fast das Doppelte, in Duisburg gar mehr als das Vierfache der nur, 
oder im Hauptberuf landwirtschaftlich Erwerbsthätigen. In Kleve 
dagegen ist die Zahl der eigentlichen Landwirte das Anderthalbfache 
der die Landwirtschaft nur im Nebenberuf Treibenden, in Geldern ist 
das Verhältnis 1,6 : 1, in Rees 1,8 : 1 und in Mors endlich 1,9 : 1. 
Natürlich hat diese bedeutende Zahl von nebenbei Landwirtschaft treiben- 
der Bevölkerung einen großen Einfluß auf die Verteilung des Grund- 
besitzes im allgemeinen und auf die Zahl und Größe der landwirt- 
schaftlichen Betriebe. Es ergiebt sich, nicht zum wenigsten aus diesem 
Grunde, ein im Verhältnis zur Gesamtzahl derselben außerordentlich 
hoher Anteil von Kleinbetrieben. Auf Grund der in den VeröflFent- 
lichungen des Kais. Statistischen Amts^) gegebenen Zahlen wurde nun 
in der folgenden Tabelle eine Übersicht über Anzahl und Größe 
der landwirtschaftlichenBetriebe in den sechs in Betracht 
kommenden Kreisen zusammengestellt. 



^) Zusammenstellung nach: Die Landwirtschaft im Deutschen Reich; 
nach der landwirtschaftlichen Betriebszählung vom 14. Juni 1895 (Statistik des 
Deutschen Reichs, N. F., Bd. 112), Berlin 1898, S. 381 f., 494 f. 



Die Yolksdichte am deutschen Niederrhein. 



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66 E. Ambrosius. 

Die „Parzellenbetriebe** bilden demnach fast drei Viertel der Zahl 
sämtlicher Betriebe, ihre Fläche dagegen macht noch nicht ein Zehntel 
der Gesamtfläche aus. Der verhältnismäßig größte Anteil der Fläche 
fällt auf „größere bäuerliche Betriebe (20 — 100 ha)**; die stattlichen 
Höfe dieser „großen Bauern** sind am häufigsten auf der linken Bhein- 
seite in den Kreisen Mors und Eleve, sowie auch rechtsrheinisch im 
Kreise Rees anzutreffen, wo die Anschwemmungen des Rheins ein 
Acker- und Weideland von reichster Fruchtbarkeit geschaffen haben. 
An Gesamtfläche stehen hinter den großbäuerlichen nicht weit zurück 
die „mittleren bäuerlichen Betriebe** (35®/o). Während aber die Zahl 
der ersteren nicht ganz ein Zwanzigstel der Gesamtzahl der Landwirt- 
schaftsbetriebe ausmacht, entfällt auf die letzteren fast ein Achtel der- 
selben. Die „kleinen bäuerlichen Betriebe** treten wieder sehr zurück, 
ihre Zahl ist nur etwas über, ihre Fläche etwas unter ein Zehntel der 
Gesamtzahl und -fläche. Vollends unbedeutend sind die eigentlichen 
Großbetriebe (über 100 ha) mit nur 0,06 > der Zahl und 2,8 o> 
der Fläche. 

In Fideikommissen sind im ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf 
3,96^/0 der Bodenfläche, also ein nicht erheblicher Betrag, festgelegt^). 
Für unser Gebiet konnten wir leider keine näheren Angaben erlangen, 
doch dürften die Verhältnisse hier denen des gesamten Regierungs- 
bezirks ungefähr wohl entsprechen. Von Belang ist die Festlegung 
des Grundbesitzes für die Volksdichte wohl nur in wenigen Gemeinden, 
wie z. B. in Orsoy, Budberg und Eversael. — Von wesentlich größerer 
Bedeutung für die Bevölkerungsverhältnisse ist aber der noch weit ver- 
breitete Brauch des alten sächsischen Rechts, das, abweichend von dem 
auf der linken Rheinseite seit der französischen Besitznahme bis 1900 
geltenden französischen Recht, die freie Teilung des Grundeigentums 
nicht kennt und „zu Ungunsten der freien Verfügung des Besitzers 
und des gleichen Erbrechts seiner Kinder der Geschlossenheit und dem 
Bestände des Landgutes besonderen Schutz gewährte**^). Fast durch- 
weg wird einem, meist dem ältesten Sohn, noch bei Lebzeiten der 
Eltern der Besitz des Hofes übertragen, während die übrigen Kinder 
anderweitig abgefunden werden, ein Umstand, der einer größeren Ver- 
dichtung der Bevölkerung in jenen landwirtschaftlichen Bezirken natür- 
lich stark entgegenwirkt. — In den Gegenden unseres niederrheinischen 
Gebiets, wo der Boden einigermaßen gute Erträge abwirft, und das 
ist mit Ausnahme einiger sandiger und sumpfiger Striche zienüich allge- 
mein der Fall, hat sich ein gesunder, kräftiger Bauernstand erhalten, 
der allerdings in neuerer Zeit unter der Flut der industriellen Bevölke- 
rung im Süden, besonders im Südosten, mehr und mehr zu verschwinden 
droht, andererseits aber auch von der Nachbarschaft dieses dicht be- 
völkerten Industriegebiets für den Absatz seiner Erzeugnisse ausgiebigen 
Nutzen zu ziehen in der Lage ist. 

Was nun die landwirtschaftliche Bodenbenutzung im einzelnen 



I 



^) Statistisches Handbuch für den preußischen Staat, Bd. n^ 
Berlin 1898, S. 225. 

^) A. Meitzen, Der Boden des preuß. Staats Bd. Ij S. 372. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 67 

angeht, so war über die Verteilung des Waldes über die einzelnen 
natürlichen Gebiete am Niederrhein bereits an den betreflfenden Stellen 
bei der geographischen Beschreibung das Nötige gesagt (Seite 26 fiF.). 
Im ganzen genommen wird 19,72 ^/o des Bodens unseres Gebiets von Wald 
bedeckt, was dem Satze für den ganzen Begierungsbezirk Düsseldorf 
(19,45) fast genau gleichkommt, hinter dem des ganzen Königreichs 
Preußen (25,56) und des Deutschen Reichs (27,66) nicht allzuweit 
zurücksteht. Ueber die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden giebt 
Spalte 4 der Tabellen Aufschluß. Die „aufstauende** Wirkung größerer 
Waldflächen auf die Bevölkerung an ihren Rändern durch die Gelegen- 
heit zum Nebenerwerb durch Holzarbeiten u. s. w., sowie infolge der 
Eigenschaft als Verkehrshindernis^) scheint auch bis zu einem gewissen 
Grade in unserem Gebiete, wenigstens an einigen Stellen, bemerkbar 
zu sein; so in der Zone dichterer Bevölkerung um den Reichswald 
herum, wie auch an der Nord- und Südseite der Bönninghardt. Da- 
gegen ist ein derartiger Einfluß der ausgedehnten Waldungen auf den 
östlichen Grenzhöhen nicht zu erkennen. — Wie im allgemeinen der 
Einfluß des Waldes auf die Volksdichte überhaupt sehr gering ist, so 
spielt die Art des Bestandes erst recht eine untergeordnete Rolle. Es 
sei nur bemerkt, daß Laubholz vorwiegt in den in der Ebene gelegenen 
Waldungen, auf den sandigen Höhen dagegen sich zum größeren Teile 
Nadelholzbestände finden. Auf gutem Boden stehen meist Buchen und 
Eichen, auf schlechtem, besonders sandigem mehr Fichten und Kiefern. 
Außer schönen Hochwaldbeständen, vor allem in den Staatswaldungen, 
findet sich, in den Privatwaldungen vorwiegend, gemischter Mittel- und 
Niederwald. — Nicht unbedeutend sind die am Ufer des Rheins ent- 
lang liegenden Weidenpflanzungen, die mitunter recht hohe Erträge 
abwerfen, wie an geeigneten Stellen in Spalte 22 der Tabellen ange- 
merkt wurde. 

Acker und Wiese nehmen über die Hälfte (51,26^/o) des ganzen 
Gebiets ein. Da der Anteil der Wiesen aber mit Ausnahme des Niers- 
gebiets (Kreis Geldern und südwestlicher Teil des Kreises Mörs)^) nur 
sehr gering ist, so entfällt der weitaus größte Teil hiervon auf das 
Ackerland. Der Boden ist, wie schon bei der geographischen Be- 
schreibung hervorgehoben wurde, besonders im Rheinthal fast durch- 
weg vorzüglich, aber selbst auf minder gutem Boden werden durch 
eine intensive Kultur bemerkenswert hohe Erträge erzielt. Gebaut 
werden hauptsachlich Roggen, Weizen, Hafer und Kartoffeln, auf san- 
digen Strichen auch Buchweizen; als Futterpflanzen werden verschiedene 
Kleearten (vor allem roter und weißer öee, Luzerne, Esparsette) und 
Runkelrüben gezogen, letztere auch in geringerem Maße zur Zucker- 
und Rübenkrautfabrikation. Nicht unbeträchtlich ist der Tabaksbau 
in den nördlichen Strichen um Rees, Emmerich und Kleve. 

Trotzdem aber für den hier gebauten Tabak Preise erzielt werden, 
„die, mit denen anderer deutscher Produktionsgebiete verglichen, wohl 
die oberste Grenze dessen abgeben, was für deutschen Tabak über- 



^) Vgl. E. Friedrich (s. S. 6, Anm. 1), S. 26 f. 

*) Vgl. A. Meitzen, Der Boden des preuß. Staats, Bd. IV, S. 97. 



68 



E. Ambrosius. 



haupt bezahlt wird** ^), nimmt der Bau desselben kaum zu und ist starken 
Schwankungen unterworfen. Der Grund hierfür liegt in der sorgfältigen 
Pflege, der diese Pflanze bedarf, und die ihr angedeihen zu lassen haupt- 
sächlich durch die in den landwirtschaftlichen Betrieben herrschende 
,, Leutenot ** fast unmöglich ist. Der Tabaksbau geschieht fast ausschließ- 
lich in kleinen Betrieben bis zu 25 Ar. Die folgende Zusammenstellung^) 
zeigt die Ausdehnung und Bedeutung des Tabaksbaus in unserem Gebiet. 



Hauptsteuer- 
amtsbezirk 


Zahl der Pflanzer 


Mit Tabak 


bepflanzte Fläche in Ar 


1895 


1898 


1899 


1895 


1898 


1899 


Kleve . . 
Emmerich . 
Wesel . . 


728 
331 
147 


751 
339 
177 


725 
297 
163 


7 853,62 

3 031,63 

912,85 


8384,75 
3 403,54 
1 057,83 


8 199.04 

3 109,65 

995,85 


Zusammen: 


1206 


1267 


1185 


11798,10 


12846,12 


12 268,54 



Hauptsteuer- 
amtsbezirk 


i 

Ernteertrag in kg 


Mittlerer Preis für 
100 kg (+ Steuer) 


Gesamtwert der Emie 
in Mark 


1895 


1899 


1895 


1899 


1895 


1899 


Kleve . . 
Emmerich . 
Wesel . . 


265 867 
92 762 
31817 


227 586 
74756 

27 787 


111,45 
105,73 
100,64 


115,27 

109,74 
103,62 


296 368 
98088 
32022 


262348 

82039 
28 794 


Zusammen : 


394452 


330 129 


108,12 


113,04 


426 478 


373 181 



Wein wird am Niederrhein nicht mehr gebaut. Bedeutend ist 
der Gemüsebau, besonders im Kreise Mors, der einen beträchtlichen 
Teil des Industriegebiets mit frischem Gemüse versorgt. Der Obst- 
bau ist von geringerer Bedeutung. Doch wird besonders im Kreise 
Mors von den Erträgnissen der auf den Weiden stehenden zahlreichen 
Apfelbäume eine lebhafte Fabrikation von Apfelkraut (Gelee) betrieben, 
fast durchweg als Nebengewerbe der Landwirtschaft, wozu viele der 
größeren Bauernhöfe eigene Einrichtungen, „Pasch" genannt, besitzen. 
Leider ist die Herstellung des reinen Apfelkrauts durch die massen- 
hafte Fabrikation minderwertiger Surrogate, durch die Verwendung 
amerikanischer Aepfel, mehrere ungünstige Obsternten und andere un- 
günstige Umstände in den letzten Jahren wenig gewinnbringend ge- 
wesen und deshalb stark im Rückgang begriffen. Dasselbe gilt auch 
von der früher viel bedeutenderen Produktion von Rübenkraut („Wurzel- 
kraut**) aus dem Safte der Runkelrüben. 

Die von den Gewässern, sowie von Ödland und Unland ein- 
genommenen Flächen sind verhältnismäßig so gering (in keinem Kreise 

') H.-K.-B. Wesel 1898, S. 39. 

^) Nach den Angaben in: Vierteljahrshefte zur Statistik des 
Deutschen Reichs, 1896, Heft IV, S. 93 ff. und 1899, Heft IV, S. 166 ff". 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 69 

über 0,9^/0 der Gesamtfläche) und kommen so wenig in Betracht, daß 
wir sie hier ganz übergehen können. 

Eine ganz hervorragende Rolle spielen in unserem Gebiete die 
Weiden. Diese vom Winter-, teilweise auch noch vom Sommerhoch- 
wasser des Rheins mit seinem fetten Schlick immer wieder aufs neue 
zu höchster Fruchtbarkeit gebrachten Weidel'ändereien nehmen im Kreise 
Rees fast ein Drittel der gesamten Fläche ein, in den Kreisen Kleve 
und Ruhrort betragen sie je über ein Fünftel, und auch im Kreise Mors 
noch mehr als ein Zehntel^). Geringwertig sind die, allerdings auch ein 
Zehntel der Bodenfläche einnehmenden Weiden des Kreises Geldern im 
Niersthal. Die wertvollsten Weiden liegen hauptsächlich im nördlichen 
Teil des Gebiets. Diese „Fettweiden* werden nur selten abgemäht, sondern 
als Weideland für die Mast von Ochsen oder für das Melkvieh verwertet. 

Im engsten Zusammenhange mit dieser Verbreitung des Weide- 
landes steht die Pflege der Viehzucht. Auf Spalte 16 — 21 der 
Tabellen ist die absolute Kopfzahl der drei wichtigsten Vieharten ge- 
geben, der Pferde, des Rindviehs und der Schweine, sowie ihre Dichte 
auf 1 qkm nach Abzug des Waldes gemeindeweise berechnet. Auf 
den Unterschied der im Anfang des Dezembers festgestellten Zahlen 
des Viehstandes gegen den Jahresdurchschnitt macht Meitzen^) besonders, 
aufmerksam; er kommt zu dem Schlüsse, daß dieser Unterschied bei 
den Pferden ganz unerheblich ist, beim Rindvieh auf etwa 6®/o (eben- 
soviel bei den Ziegen) und bei den Schweinen auf etwa 25®/o veran- 
schlagt werden kann, um welchen Satz die Ergebnisse der Zählung 
erhöht werden müßten, um einen ungefähren Jahresdurchschnitt zu er- 
langen. Inwieweit sich diese Verhältnisse seit Meitzens Berechnung 
verschoben haben mögen, entzieht sich unserer Kenntnis, doch kommt 
darauf auch wenig für unsere Zwecke an, denn zur Vergleichung der 
Viehhaltung in den einzelnen Gemeinden und Gebieten untereinander 
sind die von der Statistik gegebenen absoluten Zahlen und die berech-» 
neten Dichtezahlen ohne weiteres zu gebrauchen. 

An Pferden kommen im Durchschnitt unseres Gebiets 10 auf 
1 qkm. Die Abweichungen von diesem Durchschnitt sind in den länd- 
lichen Gemeinden im allgemeinen nicht sehr bedeutend. Beträchtlich 
unter demselben bleiben die Gemeinden der östlichen Grenzhöhenzone, 
In den ländlichen Gemeinden ist bis zu einem gewissen Grade eine 
Parallelität mit der Kopfzahl des Rindviehs zu erkennen. Ueber dem 
Durchschnitt, zum Teil recht beträchtlich, stehen naturgemäß vor allem 
städtische Gemeinden und solche mit starker Industrie, im allgemeinen 
also der ganze Südosten. Hier aber kann man von Pferdezucht kaum 
reden, da fast sämtliche Tiere nur als Nutztiere in entsprechendem Alter 
angekauft und verbraucht werden. Außer dem auf dem Lande haupt- 
sächlich verbreiteten holländischen Schlag werden besonders zu in- 
dustriellen Zwecken sehr starke, schwere Tiere, Brabanter, Percherons 
und ähnliche verwandt. 

Wichtiger ist die Rind vi eh zu cht, ja sie bildet in manchen 



1) A. Meitzen, a. a. 0., Bd. IV, S. 94—97. 

2) Ebenda, Bd. TI, S. 437 f. 



70 ^' Ambrosius. 

Gegenden geradezu den Hauptnahrungszweig der Bewohner. Die Durch- 
schnittsdichte für das ganze Gebiet beträgt 58 Stück Rindvieh auf 1 qkm. 
Hier aber zeigen sich ganz erhebliche Unterschiede der einzelnen Gegen- 
den. Gering ist auch die Rindviehzucht in der östlichen Grenzhöhen- 
zone, mit Ausnahme von deren nördlichstem Teil; gering ist sie auch in 
dem ganzen westlichen Grenzgebiet, ferner naturgemäß in dem eigent- 
lichen Industriegebiet und den industriereichen Städten in der ganzen 
Südhälfte unseres niederrheinischen Gebiets, die völlig auf den Ankauf 
von Vieh angewiesen sind. Auffallend hohe Zahlen aber weisen die 
Städte Emmerich und Kleve auf, die gleichzeitig die Mittelpunkte der 
Gegenden bilden, in denen allgemein sehr starke Rindviehhaltung ge- 
funden wird. Wie schon oben angedeutet, ist für die Rindviehzucht 
die Verbreitung der fetten Weiden des Rheinthals von hervorragender 
Bedeutung, wozu noch die Nähe des dicht bevölkerten Industriegebiets 
für den Absatz ihrer Produkte außerordentlich vorteilhaft wirkt. In 
vielen Gegenden, und gerade solchen mit vorzüglichem Weideland, 
haben sogar ganze große Wirtschaften den Ackerbau völlig aufgegeben 
und sich nur auf die Milchwirtschaft verlegt, so vornehnüich im süd- 
lichen Teil des linksseitigen Rheinthals, wo die Lage zwischen dem 
rheinisch-westfälischen und dem Krefelder Industriegebiet ganz besonders 
günstig ist. Hier werden dann nur, wie aber auch sonst vielfach, die 
frischmelken Kühe eingestellt, abgemolken, dann gemästet und an die 
Fleischer verkauft. Andere Gegenden wieder, wie z. B. die weitere Um- 
gebung von Wesel, verlegen sich vorzugsweise auf die Mast von Schlacht- 
ochsen in den ausgedehnten Pettweiden. Infolge der langandauernden 
Grenzsperre gegen Holland sind die Landwirte gezwungen, sich mehr 
als früher der eigenen Aufzucht zuzuwenden, wodurch die Viehzucht 
in den letzten Jahren einen ganz erheblichen Aufschwung genommen 
hat. — Zum Zwecke der besseren Nutzbarmachung der Erzeugnisse 
sind, besonders in letzter Zeit, zahlreiche Molkereigenossenschaften 
und ähnliche Vereinigungen ins Leben getreten. — Von großer Bedeu- 
tung für das niederrheinische Gebiet ist die vor einem halben Jahr- 
hundert aus Holland eingeführte Käsefabrikation, jetzt meist in den 
Sammelstellen (Molkereien) betrieben, die ein dem besten holländischen 
Rahmkäse sehr nahe, ja vielfach vöUig gleich kommendes Erzeugnis 
liefert. An der Käsebereitung sind allein auf der linken Rheinseite 
außer den vielen einzelnen Gehöften 14 größere fabrikmäßige Betriebe 
(1898) mit einem Kapital von reichlich 1 Million Mark beteiligt; in 
denselben sind 80 — 100 Arbeiter thätig, während für das Melken und 
Warten der Kühe, deren Milch verarbeitet wird, etwa die sechsfache 
Anzahl — vorwiegend weibliche Personen — beschäftigt wird. Die 
Hauptmenge und beste Qualität wird in der Zeit gewonnen, wo das 
Vieh sich auf der Weide befindet ; dies geschieht während der wärmeren 
Jahreszeit, von Anfang Mai bis erste Hälfte des Novembers, dauernd. 
Schwankungen in den Produktionsmengen werden daher fast ausschließ- 
lich durch den je nach den Witterungsverhältnissen mehr oder minder 
günstigen Stand der Weiden bedingt^). — In neuerer Zeit hat auch 



1) H.-K..B. Krefeld, 1898, S. 58. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 71 

die Margarinefabrikation einige Bedeutung gewonnen. — Der Rindvieh- 
schlag ist der holländische, auch Niederrh einer genannt; er gehört zu 
den ausgezeichnetsten Schlägen im preußischen Staate^). 

Die Zahl der Schweine in unserem Gebiet übertrifft nur um 
weniges die der Rinder; im Durchschnitt kommen 62 auf 1 qkm. Ganz 
anders aber ist ihre Verteilung. Wesentlich unter dem Durchschnitt 
bleiben auch hier wieder die östlichen Grenzhöhengebiete, aber mit Aus- 
nahme von Sterkrade und der Gemeinden Schermbeck, Weselerwald und 
Brünen inl nördlichsten Teil. In den südlichen industriereichen Gegen- 
den des Rheinthals ist die Schweinehaltung ziemlich bedeutend; dies 
hängt mit der Menge der kleinen landwirtschaftlichen Nebenbetriebe 
der Industriearbeiterschaft zusammen. Besonders stark tritt diese Er- 
scheinung hervor bei den auf der linken Rheinseite liegenden Gemein- 
den zwischen Mors, Homberg und Essenberg. Dagegen halten sich 
die Striche des Rheinthals weiter nördlich im allgemeinen unter dem 
Durchschnitt, nur wenige Gemeinden erheben sich über denselben. 
Yon großer Wichtigkeit aber ist die Schweinehaltung auf den links- 
rheinischen Hügelgruppen und vor allem im Niersthal, besonders dessen 
südlichen Teil, wo auch die Zucht bedeutend ist, während in den 
übrigen Gegenden hauptsächlich nur die Mästung betrieben wird. Aber 
auch in den nördlichen Gebieten nimmt die Schweinezucht neuerdings 
immer mehr zu*). Von einem bestimmten Schweineschlag kann man 
kaum reden, es sind vielmehr die verschiedensten Arten und Kreuzungen 
vertreten, da eben die zu mästenden Tiere von allen Seiten her einge- 
führt werden. 

Für die Ziegen wurden keine Angaben in die Tabellen aufge- 
nommen. Ihre Zahl ist im allgemeinen nicht sehr groß, nur in einigen 
Gegenden erreicht sie eine ansehnliche Höhe, und zwar hauptsächlich in 
denjenigen, die sich auch durch starke Schweinehaltung hervorheben. 
Hier trifft in der Hauptsache wohl derselbe Grund zu, der bei diesen 
schon angegeben wurde, daß nämlich die zahlreichen Parzellenbetriebe, 
vor allem Nebenbetriebe, die Haltung einer Kuh noch nicht ermöglichen, 
wohl aber zur Ernährung einer Ziege, der »Kuh des armen Mannes* 
oder der „ Beamtenkuh ^ hinreichen. Man strebt neuerdings durch Bildung 
von Ziegenzuchtvereinen eine größere Hebung dieses Zweiges der Land- 
wirtschaft an. 

Die Schafzucht, einst in einigen Strichen von großer Bedeutung 
(Gocher Heide), ist jetzt völlig belanglos; ebenso ist die Haltung von 
Federvieh und die von Bienen ohne Wichtigkeit. 

Bei einem Rückblick über die landwirtschaftlichen Verhältnisse 
unseres Gebiets ergiebt sich, daß im allgemeinen die Landwirtschaft auf 
einer sehr hohen Stufe steht. Begünstigt durch einen zum größten Teile 
sehr ergiebigen Boden, der hier dem Ackerbau, dort der Viehzucht hohe 
Erträge gewährt, in der glücklichen Lage in nächster Nähe des über- 
völkerten Industriegebiets an der Ruhr wie desjenigen um Krefeld, von 
denen vor allem der erste einen mit seiner kaufkräftigen, stark ver- 



') A. Meitzen, a. a. 0., Bd. II, S. 489. 
*) H.-K.-B. Wesel, 1898, S. 36. 



72 E. Ambrosius. 

brauchenden Bevölkerung stets aufnähme willigen Markt für die Erzeug- 
nisse der niederrheinischen Landwirtschaft bildet, „weiß die intelligente 
rheinische Landbevölkerung thatsächlich nichts von schweren Zeiten; die 
meisten Gutsverkäufe im niederrheinischen Bezirk bedingen höhere 
Preise, als vorher gezahlt wurden**^). Der Ackerbau ist hoch ent- 
wickelt, die Viehzucht in lebhaftem Aufschwung begriffen, und wenn 
einzelne Zweige landwirtschaftlicher Thätigkeit durch besondere Um- 
stände veranlaßt im Rückgange sind (wie die Apfelkrautbereitung), so 
gestalten sich dafür andere, wie die Butter- und Eäsefabrikation durch 
den Zusammenschluß der Landwirte zu Produktionsgenossenschaften 
immer lohnender. Eine lebhafte Klage allerdings hat die Landwirt- 
schaft am Niederrhein zu führen, die sie aber mit der gesamten übrigen 
Landwirtschaft mehr oder weniger teilt, die Klage über die „Leutenot% 
den Mangel an ländlichen Arbeitern, und hierbei wirkt die in anderer 
Beziehung so vorteilhafte Lage in der Nähe der Industriebezirke be- 
sonders ungünstig. Es sei hier aus einem Berichte des Direktors der 
Lokalabteilung Rees des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen 
folgende bezeichnende Stelle beispielsweise hervorgehoben: „Der Mangel 
an ländlichen Arbeitern nimmt immer mehr zu, und wird es den Land- 
wirten schwer, ihre Betriebe aufrecht zu erhalten. Auch bewährt sich 
das vielgepriesene Mittel, den Arbeitern ein eigenes Heim zu schaffen, 
um sie zu halten, hier im Kreise nicht, da manche derartige Wobnungen 
leer stehen, oder von solchen bewohnt werden, deren arbeitsfähige 
Söhne, durch die bequeme Fahrgelegenheit und hohen Löhne angelockt, 
in dem Industriegebiet Arbeit suchen^)/ 



Die Industrie. 

Die Industrie gewinnt am Niederrhein immer mehr Bedeutung und 
Ausdehnung. Schon 1895 ernährte sich von ihr fast die Hälfte der ge- 
samten Bevölkerung unseres Gebiets, und noch ist die Zahl in schneUer 
Zunahme begriffen. Ueber die Verteilung der industriellen Bevölkerung 
im allgemeinen giebt die Tabelle auf Seite 62 und die daran anschließende 
Erörterung Aufschluß. In keinem Kreise geht die industrielle Bevöl- 
kerung unter ein Drittel der Gesamtheit herunter, im Stadtkreise Duis- 
burg steigt sie auf zwei Drittel. In diesen Zahlen ist natürlich nicht 
nur die fabrikmäßig betriebene Industrie, sondern auch das Handwerk, 



1) H.-K.-B. We8;el, 1896, S. 33. 

2) H.-K.-B. Wesel, 1898, S. 36. — Ausführliche Erörterungen über diese 
Verhältnisse finden sich bei: OttoAnhagen, Die ländlichen Arbeitecverbaltnisse 
in der Rheinprovinz und im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld; in: Schriften 
des Vereins für Socialpolitik, LIV. Die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutsch- 
land, II. Band, S. 651 — 765, Leipzig 1892. — Nicht unerwähnt soll hier auch ein 
uns erst nach Abschluß dieser Arbeit zugegangener Artikel in der „Korrespondenz 
des Bundes der Landwirte" 1900, Nr. 9, bleiben, indem ein „rheinischer Land- 
wirt aus der Nähe der Industriestadt Mühlheim " (wahrscheinlich Mülheim a. Rh., 

1 bei Köln) sich in heftigster Weise über die preisdrückende Überschwemmung des 

^ Marktes mit Gemüsen, Kartoffeln u. s. w. aus Belgien und Holland beklagt und 

energische zollpolitische Maßnahmen dagegen verlangt. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 73 

der Klein- und Einzelbetrieb, einbegriffen. Der Süden und Osten ist in 
höherem Grade industriell, als der Norden und Westen. Wir können 
die industrielle Bethätigung in drei große Gruppen scheiden, die in 
unserem Gebiet auch räumlich im allgemeinen getrennt sind. Der Süd- 
osten gehört der Kohlen- und Eisenindustrie und den mit beiden zu- 
sammenhängenden Fabrikationszweigen, der Süden und Südwesten vor- 
wiegend der Textilindustrie, und in dem ganzen übrigen Gebiet über- 
wiegen diejenigen Industriezweige, die sich mit der Verwertung und 
Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte jeglicher Art befassen. . 

Das Kohlen- und Eisenindustriegebiet umfaßt vor allem die 
Gemeinden Duisburg, Ruhrort, Meiderich, Beeck, Hamborn und Sterkrade, 
auf die linke Bheinseite hat es hinübergegriffen nach Homberg, wo die 
bis in die allemeueste Zeit einzige linksrheinische Kohlenzeche („Bhein- 
preußen**) sich befindet. In diesem Gebiet werden die Steinkohlen 
in immer steigenden Mengen durch mehrere große Bergwerke gewonnen, 
im Jahre 1898 insgesamt rund 1 ^/s Millionen Tonnen, die zu fast */5 von 
den Werken, denen die Zechen angehören, selbst verbraucht werden ^). 
Über die Ausdehnung des Steinkohlenreviers wurde Seite 51 f. ge- 
sprochen. Dort wurde auch schon erwähnt, daß in neuerer Zeit die Kohlen- 
gruben im Begriff sind, auch über bisher noch von der Industrie un- 
berührte Gebiete nord- und westwärts sich auszudehnen. 

Neben der Kohlengewinnung her schreitet die Eisenindustrie, 
imd sie hat sich, begünstigt auch durch die Verkehrslage, im Südosten 
unseres Gebiets zu hoher Blüte entwickelt. So lebten 1895 im Stadt- 
kreise Duisburg 16045 Personen, d. h. annähernd 23 V der Bevölkerung, 
von der Gewinnung und Bearbeitung des Eisens, im Kreise Ruhrort 
30838, d. i. 31,7 ^/o, die Steinkohlengewinnung zugerechnet gar 40591 
oder 41,8 ®/o ^). Hierbei sind Werke von Weltruf vertreten. Die Hütte 
„Phönix* in Laar bei Ruhrort beschäftigte 1895 3200 Arbeiter (1898 
über 4000) und stellte fast 90000 t Roheisen, 230000 t Stahl und über 
100000 t sonstige Fabrikate (Maschinen, Kessel u. s. w.) her (1898 
ca. 120000, 280000 bezw. 130000 t). Die „Rheinischen Stahlwerke** 
in Meiderich mit 2400 Arbeitern (1898: 2700) produzierten rund 200000 t 
Stahl »und 180000 t Roheisen (1898: 200000 bezw. 175000 t, dazu 
170000 t Pertigfabrikate). Von der in ihren Erzeugnissen außerordent- 
lichvielseitigen „Gutehofi&iungshütte*' in Sterkrade (Brücken-, Maschinen- 
bau, Gießerei u. s. w.) wurden durch 2300 Arbeiter an 34000 t fertige 
Waren hergestellt (1898: ca. 2600 Arbeiter, 40000 t Fabrikate). End- 
lich sei noch die Gewerkschaft ^Deutscher Kaiser** in Bruckhausen- 
Hambom genannt, die, erst in neuerer Zeit sich rasch vergrößernd und 
ausdehnend, in ihrem Steinkohlenbergwerk 1898 etwa 3150 und in ihren 
Hüttenwerken 3500 Arbeiter beschäftigte, durch die fast 900000 t Kohle 
gefordert, 175000 t Roheisen, 300000 t Stahl und 225000 t Fertig- 
fabrikate hergestellt wurden^). Daß solche Werke, von denen wir hier 

^) H.-K.-B. Ruhr ort, 1898, S. 67. 

2) Nach: Statistik des Deutschen Reichs, N. F., Bd. 109 (s.S. 62, 
Anm. 1), ebenso wie alle weiterhin folgenden, für Kreise zusammen- 
fassenden berufsstatistischen Angaben. 

») H.-K.-B. Ruhrort, 1898, S. 69 ff. 



74 ^- Ambrofiius. 

nur die größten genannt haben, während solche mit niehreren hundert 
Arbeitern eine häufige Erscheinung sind, ein Zusammendrängen der Be- 
völkerung auch über die Gemeinde hinaus, in der sie liegen, hervorrufen 
und für die Volksdichteverhältnisse von allergrößter Bedeutung sind, 
liegt auf der Hand. 

Außerhalb des geschlossenen Industriegebiets findet sich Eisen- 
industrie in bedeutenderem Maße noch an verschiedenen Stellen, so in 
Ürdingen, Mors, Wesel, Emmerich, an diesen Orten aber nicht durch 
die Nähe der Produktionsstätte, sondern durch Verkehrsrücksichten, in- 
folge ihrer Eigenschaft als Versorgungsmittelpunkte ihrer meist Land- 
wirtschaft treibenden Umgebung, bedingt. Anders aber liegt die Sache 
wieder in Empel (Gem. Huri) und Isselburg, bei denen in nächster Nähe 
größere ßasenerzlager sich finden. Diese Lager wurden der direkte An- 
laß zur Gründung der „Isselburger Hütte" im Jahre 1795, in der noch 
bis 1870 das Erz im Holzkohlenhochofen verhüttet und dann zur Her- 
stellung von Gußeisenwaren verwandt wurde. Seitdem allerdings wurde 
der billigeren Produktionskosten wegen das Roheisen von auswärts be- 
zogen und die Verhüttung des Erzes eingestellt^). (Vgl. übrigens auch 
Seite 51 f.). Die Rasenerzvorkommnisse der Niersbrüche haben u. W. zu 
keiner Eisenindustrie Veranlassung gegeben. 

Wurde früher, besonders in den weiter östlich gelegenen Teilen 
des Industriegebiets, vorwiegend westfölisches Eisenerz verarbeitet, so 
spielen jetzt die auf der bequemen Schiffahrtsstraße des Rheins herbei- 
geschafften lothringischen und luxemburgischen und namentlich schwe- 
dischen Erze die Hauptrolle. 

Naturgemäß finden wir die Gewinnung und Rohbearbeitung des 
Eisens fast ausschließlich im Kohlenrevier, woran sich dann dort gleich 
auch die Weiterverwertung in der Gießerei, in Walzwerken, Maschinen- 
fabriken und mannigfaltigen anderen Betrieben anschließt, während die 
entfernter liegenden Eisenwerke sich nur mit dieser Verarbeitung des 
Rohprodukts befassen. 

In Anlehnung an die Steinkohlenproduktion und Eisenbearbeitung 
haben sich im südöstlichen Industriegebiet und in nicht zu großer Ent- 
fernung davon auch andere Industriezweige niedergelassen, die die Stein- 
kohle, diesen unentbehrlichsten aller Kraftspender der modernen Industrie, 
unter möglichster Ersparnis von Transportkosten zu verwenden trachten 
und nun hier gleichzeitig für die Herbeischaffung ihrer übrigen Roh- 
materialien den billigen Wassertransport auf dem Rhein zu benutzen 
im stände sind. Hierhin gehört vor allem die Gewinnung und Ver- 
arbeitung anderer Metalle, so die von Kupfer und Messing (Duis- 
burg), Blei (Hamborn, Wesel) und Zink (Duisburg, Hamborn). Ebenso 
hat die chemische Großindustrie mit den mannigfaltigsten Erzeug- 
nissen hier eine Stätte gefunden, besonders in Duisburg, Ruhrort und 
Umgebung, dann auch in Ürdingen und Wesel. 

Ist die Kohlen- und Metallindustrie und ebenso die chemische In- 
dustrie fast ausschließlich in fabrikmäßigen Betrieben vereinigt, so finden 



^) Briefliche Mitteilung von der Direktion der Isselburger Hütte, A.-G., 
vom 24. März 1900. 



Die Yolksdichte am deutschen Niederrhein. 75 

wir die Textilindustrie des linken Rheinufers vorwiegend im Haus- 
betrieb vertreten. Wie das rechtsrheinische Industriegebiet am Nieder- 
rhein gewissermaßen nur den westlichen Ausläufer des großen rheinisch- 
westfälischen oder Ruhr-Kohlen- und Industriebezirks bildet, so liegt auch 
der Mittelpunkt der linksrheinischen Textilindustrie nicht in unserem Ge- 
biet, sondern etwas weiter südlich, in Krefeld und Umgebung. Aber es 
können sich die Webereien nördlich der Niersbrüche bei weitem nicht 
an Bedeutung mit jener Eisenindustrie messen; sie bilden nur mehr 
Außenposten der wichtigen Krefelder Industrie. In diesem Kern in und 
um Krefeld ist der fabrikmäßige Betrieb der Webereien schon über- 
wiegend, in den Kreisen Geldern und Mors und dem hier mit behandelten 
Teile des Landkreises Krefeld aber ist, wie schon gesagt, die Haus- 
industrie neben einigen Fabriken noch weit verbreitet, und dadurch ver- 
teilt sich die Bevölkerung mehr über das Land, als es bei den dieselbe 
mehr zusammendrängenden großen Fabrikbetrieben der rechtsrheinischen 
Industrie der Fall ist. Alle Zweige der Samt- und SeidenstoflEfabrikation, 
in geringerem Maße auch der WoU- und Baumwollverarbeitung, werden 
gepflegt. In den beiden hauptsächlich in Betracht kommenden Kreisen 
Geldern und Mors lebten 1895 von der Weberei und den verwandten 
Berufszweigen 7642 Personen, 6^/o der Gesamtheit. In den übrigen 
Teilen des niederrheinischen Gebiets findet sich die Textilindustrie nur 
vereinzelt vertreten, so in Goch, Wesel, und vor allem noch in Duis- 
burg, wo 1895 von Baumwollspinnerei und -weberei, sowie von Seiden- 
gazeherstellung in mehreren Großbetrieben fast 1800 Menschen ihren 
Unterhalt fanden. 

Die in früheren Zeiten am Niederrhein im Zusammenhang mit dem 
Flachsbau und der Schafzucht blühende Leinen- und Wollindustrie ^) ist 
durch die Seiden- und Baumwollfabrikation fast völlig verdrängt und 
nur noch in geringen Resten vorhanden. 

Die dritte große Gruppe von industriellen Betrieben , die sich mit 
der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte beschäftigt, 
überwiegt durchaus in dem ganzen Gebiet, das nicht von den beiden 
anderen vorhin besprochenen Gruppen eingenommen wird, aber auch in 
den letzteren Industriegebieten spielt sie eine immer noch ganz bedeu- 
tende Rolle. 

Eine Mittelstellung zwischen ihr und der Kohlen- und Eisenindustrie, 
der Gewinnung und Verarbeitung der unterirdischen Schätze, nimmt die 
Verwertung des an der Oberfläche liegenden Bodens durch Ziegelei, 
Töpferei und Kiesgewinnung ein. 

Die Ziegelei ist, begünstigt durch das vorzügliche Material, das 
ihr der fette Lehmboden des Rheinthals und zum Teil auch der Niers- 
niederung bietet, und durch den großen Bedarf an festem Baumaterial 
in den schnell emporwachsenden Städten, vor allem in dem südöstlichen 
Industriegebiet, sowie endlich die gänzliche Abwesenheit von festen, 
zu Bauten geeigneten Gesteinen, zu einer hohen Entwickelung gekommen. 
Zahlreiche Feldbrand- und Ringofenziegeleien, teilweise von ganz be- 



*) Vgl. A. F. Büsching, Erdbeschreibung, VII. Aufl., 1790, Bd. VI, S. 35, 
312, 813 f., 620. 



76 E. Ambrosius. 

deutendem Umfang, bestehen in der Rheinniederung von Ürdingen, 
Duisburg und Ruhrort bis nach Dinslaken herunter, in der Umgebung 
von Wesel und Rees, Xanten und Ealkar, dann im Niersgebiet bei Kamp, 
Nieukerk, Geldern und Weeze. Aber auch im östlichen Grenzhöhenge- 
biet werden die unter der oberflächlichen Sanddecke lagernden Lehm- 
schichten zur Ziegelbrennerei benutzt, so bei Sterkrade, Gahlen und 
Schermbeck. Im ganzen Gebiet lebten (14. Juni 1895) 6056 Menschen, 
etwas über 1,4 ®/o der Bevölkerung von der Ziegelei, davon allein 2049 
im Stadtkreise Duisburg. Der größte Teil der Ziegeleiarbeiter aber 
bildet kein ständiges Bevölkerungselement, sondern besteht aus Hollän- 
dern, die nur den Sommer über hier thätig sind und im Herbst wieder 
in ihre Heimat zurückkehren; sie kommen also trotz ihrer immerhin be- 
deutenden Zahl für die Volksdichte wenig in Betracht. 

Die Töpferei hat nur für die Gegend beim Eintritt der Lippe 
in die Rheinprovinz einige Wichtigkeit, aber auch dort gehört sie bereits 
mehr der Vergangenheit an, da die ehemals bedeutenden Töpfereien 
um Schermbeck und Gahlen durch den übermächtigen Wettbewerb der 
eisernen sogen, emaillierten Geschirre mehr und mehr zurückgehen. 
Seit 1896 ist durch die Einführung von Zementwarenfabrikation in 
Gahlen, die sich lebhaft entwickelt, ein gewisser Ersatz geschaffen 
worden. 

Die zahlreichen Kiesgruben an den linksrheinischen Hügelgruppen 
haben mehr nur örtliche Bedeutung. Eine ganz beträchtliche Menge 
Kies wird bei den Baggerarbeiten zur Vertiefung und Instandhaltung 
des Rheinstrombetts gewonnen und versandt. So wurden 1898 in 
Ruhrort und Duisburg zusammen über 400000 t zu Wasser angefahren, 
um größtenteils mit der Eisenbahn weiter versandt zu werden 0« 

Von der Verarbeitung eigentlicher landwirtschaftlicher Produkte 
kommt zunächst die der Walderzeugnisse, die Holzbearbeitung, in 
Betracht. In der Umgebung der waldreichen Bönninghardt (Sonsbeck) 
und um Nieukerk wird lebhafte Fabrikation von Sitzmöbeln betrieben, 
im Kreise Kleve Fässer- und Kistenfabrikation. Die Weidenanpflanzungen 
am Rheinlauf begünstigen an einigen Stellen die Korbflechterei und 
Herstellung von Faßreifen. Am wichtigsten aber sind die Holzsäge- 
mühlen in Duisburg, die jedoch ihre Bedeutung lediglich ihrer Ver- 
kehrslage verdanken und fast ausschließlich auf dem Rhein oder, in 
viel geringerem Maße, mit der Eisenbahn herbeigeschajffies Holz vom 
Oberrhein (Schwarzwald) oder aus Schweden, Rußland, Österreich- 
Ungarn (Galizien, Slawonien) u. s. f. verarbeiten. Das aus dem Ausland 
zur See herangeschaffte Holz wird vielfach in Holland zu Flößen zu- 
sammengestellt nnd so rheinaufwärts geschleppt. 

Die Produkte des Ackerbaus genügen der dichten Bevölkerung 
in den meisten Bezirken nicht für ihren Bedarf. Die zahlreichen und 
zum Teil recht bedeutenden Getreidemühlen (0,6 ®/o der Bevölkerung) 
verarbeiten deshalb vorwiegend russisches und amerikanisches Getreide. 

Ebenso sind die Ol- und Leinölmüllerei, beides einst am 
Niederrhein blühende Gewerbszweige, die besonders in den Kreisen 



') H.-K.-B. Ruhrort, 1898, S. 58. — H.-K.-ß. Djuisburg, 1898, S. 7 u. 18. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 77 

Geldern und Kleve vertreten sind, in der Zufuhr ihres Materials auf das 
Ausland angewiesen und haben in den letzten Jahren gegen die aus- 
ländische Konkurrenz schwer zu kämpfen. 

Das Bierbrauereigewerbe weist seine größten Betriebe in Duis- 
burg auf, in den übrigen Gegenden ist es, ebenso wie auch die Brannt- 
weinbrennerei und die Zuckerfabrikation, von geringer Be- 
deutung. 

Wichtiger ist die Tabakfabrikation, von der sich 1895 
5597 Menschen ernährten (1,3 ®/o der Bevölkerung), davon über die 
Hälfte in den selbst Tabak bauenden Kreisen Kleve und Rees (3269). 
Doch wird natürlich, da der inländische Tabak nicht entfernt ausreichen 
würde, hauptsächlich überseeischer verarbeitet und zwar größtenteils zu 
Cigarren. Außer in diesen beiden Kreisen ist die Cigarrenfabrikation 
noch bedeutend in Orsoy, Geldern und Nieukerk, die von Rauchtabak 
in Duisburg (1,5 ^/o der Bevölkerung). 

Die Erzeugnisse der Viehzucht endlich, die in den landwirtschaft- 
lichen Betrieben des Niederrheins eine so hervorragende Stelle einnimmt, 
haben in neuerer Zeit besonders durch den Zusammenschluß der Land- 
wirte zu Molkereigenossenschaften Anlaß gegeben zur Entstehung, oder 
eigentlich mehr zur Vertiefung und Ausdehnung einer wichtigen In- 
dustrie für Butter- und Käsefabrikation, die sich vor allem im 
Norden und Westen immer mehr ausbreitet und schon erfreuliche Er- 
gebnisse erzielt hat (vgl. Seite 70 f.). Die Magarinefabrikation 
bat besonders in IQeve, dann auch in Goch, Xanten und Duisburg 
Fuß gefaßt. 

Die Gerberei wird hauptsächlich in den Kreisen Kleve und 
Geldern betrieben, wo sich annähernd 600 Menschen von ihr ernähren, 
aber auch sie verbraucht zum allergrößten Teil ausländisches Material. 
Im Anschluß an die Gerberei hat sich die Schuhmacherei auf der 
linken Seite des Niederrheins zu einer solchen Höhe entwickelt, daß 
sie im Niersgebiet und im nördlich daran anstoßenden Teil des Kreises 
Kleve zu den wichtigsten Gewerbszweigen zählt. Die „Ledermanufak- 
turen* von Goch werden u. a. auch schon am Ende des 18. Jahr- 
hunderts von Büsching^) erwähnt. Beträgt in den rechtsrheinischen 
Kreisen Duisburg, Ruhrort und Rees die Zahl der von der Schuh- 
macherei Lebenden je 1,4, 1,2 und 1,8 ^/o der Bevölkerung, was man 
also wohl als den Durchschnittssatz des in dem gewöhnlichen Bedürfnis 
an handwerksmäßiger Schuhmacherei begründeten Bevölkerungsanteils 
annehmen kann, so steigt diese Zahl im Kreise Mors auf 2,0, in Kleve 
auf 5,9 und in Geldern endlich auf 7,7 ®/o. Auch hier wiederholt sich 
die bei der linksrheinischen Textilindustrie gemachte Beobachtung, daß, 
von einer Anzahl größerer Fabriken abgesehen, der größte Teil, hier 
etwa zwei Drittel, in Hausbetrieb thätig ist, was auf die Verteilung der 
Bevölkerung über das Land und in die kleinen Landstädtchen einen 
ganz wesentlichen Einfluß ausübt. 

Von anderen Industriezweigen hat noch der Schiffsbau 
besondere Bedeutung. Von ihm leben allein in Duisburg an 500, in 



*) A. F. Büsching, a. a. 0., S. 47. 



78 E. Ambrosius. 

Ruhrort gegen 200 Menschen. Die übrigen Zweige gewerblicher Thätig- 
keit erheben sich, abgesehen nur von dem in den größeren Städten 
und ganz besonders in Duisburg infolge des raschen Anwachsens dieser 
Stadt zu bemerkenswerter Blüte gelangten Baugewerbe, kaum über 
den durch die gewöhnlichen örtlichen Bedürfnisse bedingten Handwerks- 
betrieb hinaus und können deshalb hier, als für die Volksdichteverhält- 
nisse von keiner Bedeutung, übergangen werden. 

"Überblicken wir noch einmal kurz die Verhältnisse der Industrie 
am Niederrhein. Wir sahen, daß die Eisenindustrie hauptsächlich im 
Gefolge und in räumlicher Nähe der Kohlenförderung sich eingestellt 
hat, daß in ihrer Nachbarschaft sich auch vorzugsweise die übrigen 
Zweige der Großindustrie, wie die Verarbeitung anderer Metalle und 
die chemische Industrie ansiedelten, während alle diese fern vom Vor- 
kommen der Steinkohlen sich nur vereinzelt finden. Wir erkannten 
die linksrheinische Seiden- und Baumwollindustrie als eine lohnendere 
Fortsetzung der später von ihr fast völlig verdrängten, einstmals blühen- 
den Leinen- und Wollindustrie. Endlich betrachteten wir noch die durch 
intensivere Zusammenfassung landwirtschaftlicher Betriebe entstandene 
Industrie der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, von Waldnutzung, Acker- 
bau und Viehzucht. Bei fast allen Industriezweigen aber, die wir vor 
unserem Auge vorüberziehen ließen, konnten wir sehen, daß sie im 
Grunde aus den an Ort und Stelle ihrer Entstehung «gegebenen Be- 
dingungen ursprünglich hervorgewachsen waren. Infolge der Nach- 
frage nach ihren Erzeugnissen, vor allem durch die dichter und dichter 
sich zusammendrängende Bevölkerung des nahen Ruhrkohlengebiets und 
unseres Gebiets in seinen südlichen Teilen selbst, und infolge der darum 
immer mehr gesteigerten Produktion, die nun auch zu einem guten 
Teil für die Ausfuhr arbeiten muß, sind die verschiedenen Industrie- 
zweige im Bezüge ihrer Rohmaterialien auf entferntere Gegenden, zum 
Teil sogar auf andere Erdteile angewiesen, da die einheimische Roh- 
produktion fast mit alleiniger Ausnahme der Kohlenförderung dem 
Bedarf nur noch zum kleinsten Teil zu genügen vermag. Wir können 
also erwarten, daß der mächtig emporgeblühten Industrie zur Herbei- 
schaffung der nötigen Rohmaterialien, wie zur Versendung ihrer Er- 
zeugnisse ein entsprechend gewaltiger Verkehr zur Seite steht, und es 
muß nun noch unsere Aufgabe sein, die Wege, die demselben zur« 
Verfügung stehen, und seine Ausdehnung, sowie den Handel als den 
Vermittler des Verkehrs zwischen Produzent und Verbraucher einer Be- 
trachtung zu unterziehen, um auch den Einfluß dieser auf die Volks- 
dichteverhältnisse erkennen zu können. 

Der Verkehr und Handel. 

Bis in die Gegend der Ruhrmündung begleiten den Rhein auf 
seiner rechten Seite beträchtliche Erhebungen, die hier plötzlich auf- 
hören und nun, scharf nach Osten umbiegend, die Südabgrenzung der 
münsterschen Tieflandsbucht bilden, die ihrerseits nur durch niedrige 
Höhenrücken von der rheinischen Bucht getrennt wird. Diese Ecke 
an der Bubrmündung, unmittelbar bei Duisburg, bildet zugleich die am 



Die Volksdichte am deutschen Niederi-hein. 79 

weitesten nach Nordwesten vorgeschobene Spitze des großen mittel- 
europäischen Gebirgslandes gegen das weite, sich von Frankreich bis 
nach Rußland hinein an den Küsten der nordeuropäischen Meere ent- 
lang erstreckende Flachland. Aber nicht ein schroffer Abhang trennt 
beide; zwischen ihnen vermittelt der flache Höhenrücken des Haar- 
strang und bietet für den von Ost nach West und umgekehrt gehenden 
Verkehr seit den ältesten Zeiten einen stets brauchbaren Weg, zwischen 
den Gebirgen des Südens und den von mannigfachen Sümpfen und 
Mooren unterbrochenen Niederungen der nördlichen Ebenen hindurch. 
Dazu kommt, daß in der Gegend der Ruhrmündung und dann noch 
einmal bei der Lippemündung die hohen, stets hochwasserfreien Ufer 
des Rheins zum letztenmal beiderseits nahe an den Fluß herantreten 
und so einen bequemen Übergang über den Strom ermöglichen. Und 
wie der am Saume des mitteleuropäischen Gebirgsdreiecks nach Osten 
strebende Verkehr einen geeigneten Weg fand, so bot sich ihm in der 
Richtung von Süd nach Nord, von den gesegneten Gegenden des Ober- 
rheins nach dem Tiefland und der See, eine ebenso bequeme Straße 
in dem Thal und vor allem dem Strom des Rheines selbst. So hat 
von jeher die Gegend unseres deutschen Niederrheins für friedliche wie 
für kriegerische Unternehmungen einen Knoten- und Ausgangspunkt 
gebildet^). Aber dieser Verkehr in älteren Zeiten, auf den einzugehen 
hier nicht der Ort ist, verschwindet gegen den geradezu riesenhaften 
Umfang, den der friedliche Verkehr in der Neuzeit gewonnen hat, be- 
sonders seit der Entwickelung der modernen Verkehrsmittel und der 
Ausdehnung der Kohlen- und Eisenindustrie in der zweiten Hälfte des 
19. Jahrhunderts. 

Wir haben dreierlei Verkehrswege zu unterscheiden, die (natür- 
lichen und künstlichen) Wasserstraßen, die Landstraßen und endlich 
die in den letzten 60 Jahren erst dazu gekommenen Schienenwege. 

Der Rhein, diese Lebensader des ganzen westlichen Deutsch- 
lands, dessen mächtige Wassermassen ruhig und ohne Hindernisse von 
Bedeutung Hunderte von Kilometern durch das Land dahinströmen, ist 
eine Verkehrsstraße allerersten Ranges. ^Er ist zugleich die mächtigste 
Binnenschiffahrtsstraße Europas und eine der bedeutendsten der Erde 
überhaupt^).** Und diese von der Natur so vorzügliche Fahrstraße ist 
durch die Uferstaaten unter Aufwendung ungeheurer Kosten (seit 1850 
weit über 300 Millionen Mark) noch derart reguliert worden, daß sie 
nunmehr bis Köln aufwärts fast überall eine Fahrwassertiefe von 3 m 
bei mittlerem Niedrig wasser, und selbst bis Mannheim, dem gewöhn- 
lichen Endpunkt der großen Schiffahrt, noch eine solche von 2 m auf- 
weist. Ein internationaler Ausschuß, die Zentral-Rheinschiffahrts-Kom- 



Vgl. u. a. C. Mehlis, Der Rhein und der Strom der Kultur in Eelten- 
nnd BOmerzeit. In: Sammlung gemeinverst. wissenschaftl. Vorträge, hrsg. von 
Eud. Virchow und Fr. v. Holtzendorff, XI. Serie, Heft 259, Berlin 1876. — Femer: 
Derselbe, Der Rhein und der Strom der Kultur im Mittelalter; ebenda, XII. Serie, 
Heft 286 u. 287, BerUn 1877. 

') Alexis Dufourny, Der Rhein in seiner technischen und wirtschaftlichen 
Bedeutung. Mit Genehmigung des Verfassers übersetzt und mannigfach ergänzt 
Ton J. Landgraf. Berlin 1898, S. 1. 



80 E« Ambrosius. 

mission, stellt den Plan für die auf dem Rhein herzustellenden Arbeiten 
auf und überwacht, im Einvernehmen mit den Regierungen, deren Aus- 
führung ^). Wie riesig der Verkehr gestiegen ist, zeigen die Zahlen 
für den Tonnen gehalt der Rheinflotte. Gegen rund 150000 t im 
Jahre 1860 betrug derselbe im Jahre 1890: 1279989 t und ist seit- 
dem noch weiter ganz erheblich gestiegen*). 1895 waren vorhanden 
8489 Schiffe (7645 Segelschiffe und 844 Dampfer) mit einer Bemannung 
von 25044 Köpfen'). Die Größe der Schiffe ist fast bis an die Ghrenze 
der Möglichkeit auf einer Binnenschiffahrtsstraße gegangen; die durch- 
schnittliche Tragfähigkeit der eisernen Schleppkähne belief sich 1898 
auf 748 t, der größte aber hatte 1900 eine solche von 2340 t*). Auf 
den Schiffen wie in den Häfen werden alle Errungenschaften modemer 
Technik ausgenützt zur Erzielung eines möglichst umfangreichen, mög- 
lichst raschen und möglichst sicheren Verkehrs. Und dieser Verkehr 
hat unaufhaltsam zugenommen trotz der nunmehr schon über ein Jahr- 
zehnt andauernden heftigen Bekämpfung des Rheins als Schiffahrtswegs 
durch die holländischen Eisenbahnen und besonders auch die Eisenbahn- 
tarifpolitik der preußischen Staatsbahnen, die durch verschiedenerlei 
Ausnahmetarife den Verkehr aus dem ganzen westlichen Deutschland 
vom Rhein und von den Rheinhäfen abzuleiten und auf die Eisenbahnen 
und nach den deutschen Nordseehäfen zu lenken bemüht war. Die stetige 
Zunahme des Rheinschiflfahrtsverkehrs aber ist ein sprechender Beweis 
dafür, daß ein in den geographischen Verhältnissen so tief begründeter 
Verkehr wie der des Rheins durch künstliche Maßnahmen wohl er- 
schwert und behindert, aber nie in ganz andere Bahnen gelenkt werden 
kann, als die von der Natur in so reichem Maße dargebotenen*). 

Für die Ausdehnung des Verkehrs auf dem Rheine überhaupt 
mögen zunächst die Ziffern für den schon genannten Endpunkt der 
großen Schiffahrt, Mannheim-Ludwigshafen, und die für den Durch- 
gangsverkehr an der deutsch-niederländischen Grenze einen Anhalt geben. 
Das Jahr 1895 war für die Schiffahrt außergewöhnlich Ungunst^, da 
sie durch abnorme Eisverhältnisse bis in den März hinein geschlossen 
war, und auch im Herbst schnell und häufig wechselnder Wasser- 
stand neue Störungen brachte. Es wurden deshalb hier bei allen An- 
gaben über die Schiffahrt die Zahlen für 1894 und 1895, sowie zum 



^) Vgl. hierzu u. a. Dufourny-Landgraf, Der Rhein (s. S. 79, Anm. 2). 
— Ferner: A. A. Beckmann, De Rijn van onzen Tijd als groote Handelsweg (s. 
S. 34, Anm. 1). — Femer: Der Rheinstrom (s. S. 30, Anm. 1). 

^ Dufourny-Landgraf, a. a. 0., S. 17 (Druckfehler t statt Ctr.!); davon 
zwei Drittel deutsche Schiffe, vgl. Viertelj. -Hefte zur Stat. 1894, H. 1, S. 22. 

') Die Rheinflotte, in: Rhein- und Ruhrzeitung vom 10., 12. u. 14. Sep- 
tember 1896 (Zusammenstellung aus dem Rheinschiffsregister, 10. Ausgabe). 

*) H.-K.-B. Ruhrort, 1899, I, S. 45. 

^) Vgl. hierzu die interessanten Ausführungen von Dufourny-Landgraf 
(a. a. 0.), S. 22 ff., und besonders in den H.-K.-B. Duisburg, 1892—98, vor 
allem letzteren, unter , Eisenbahnwesen". — Nach Abschluß dieser Arbeit erschien 
zu dieser Frage eine ausführliche, von zahlreichen Tabellen begleitete Denkschrift 
des Syndikus der Handelskammer zu Ruhrort : DerNiederrhein alsEin- und 
Ausfuhrstraße Rheinland-Westfalens im Wettbewerb mit den preußischen 
und holländischen Staatsbahnen, in besonderer Rücksicht auf den Verkehr der Rhein- 
häfen Ruhrort, Duisburg und Hochfeld; in H.-K.-B. Ruhrort 1899, I, S. 41—80. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 



81 



Vergleich auch die für 1898 gegeben. (Mannheim und Ludwigshafen 
sind, obwohl politisch zu verschiedenen Staaten gehörig, für die geo- 
graphische Betrachtung doch zu einem Hafen zusammenzufassen.) 







1894 


1895 


1898 


Mannheim und 
Ludwigshafen zus.^). 


Zufuhr t . . 
Abfuhr t . . 


3 612 728 
804 278 


3 328 337 
719935 


4 565 505 
852 816 




Zusammen t 


4417006 


4 040 272 


5418321 


Emmerich 
(Durchfuhr) ^ 


Einfuhr t . . 
Ausfuhr t . . 


4 765 566 
3 142 042 


4 880 005 
3 047 752 


4877022 
4090428 




Zusammen t 


7 907 608 


7927 757 


11967 450 



Die Zahl der Schiffe, welche die Landesgrenze passierten, betrug 
1894: 44178 (22053 zu Berg, 22125 zu Thal), 1895: 40367 (20216 
+ 20151), und 1898: 58361 (29078 + 29283) «). Letztere Zahl be- 
deutet einen durchschnittlichen täglichen Verkehr von 160 Schiffen mit 
einer Ladung von fast 33000 t! 

In neuerer Zeit hat auch die direkte Rhein-Seeschiffahrt einen 
bedeutenden Aufschwung genommen und sieht einer großen Zukunft 
entgegen. Sie wurde 1897 von vier deutschen Gesellschaften mit 
21 Dampfern in direkter Fahrt von Köln und den weiter abwärts ge- 
legenen Häfen nach London, Kopenhagen und den deutschen Nord- 
und Ostseehäfen regelmäßig betrieben, außerdem aber noch von einer 
größeren Zahl von Segelschiffen, von denen einige bei günstigem Wasser- 
stand bis nach Oberlahnstein hinauffahren^). Infolge dieses Seever- 
kehrs wurde die Errichtung von Seemannsämtem in Köln, Düsseldorf, 
Duisburg und Ruhrort nötig. 

Betrachten wir nach diesem allgemeinen Überblick nunmehr den 
Verkehr auf dem Strome, soweit er in unserem niederrheinischen Ge- 
biet sich abwickelt. Da die Schiffahrt ihrer Natur nach in der Haupt- 
sache auf die Beförderung von Massengütern über weitere Strecken 
angewiesen ist, so bildet sich ein bedeutenderer Verkehr nur an be- 
stimmten wichtigeren Punkten heraus, die durch günstige Lage zu 
größeren Produktions- oder Absatzgebieten bevorzugt und mit Ein- 
richtungen zur bequemen Be- und Entladung, sowie möglichst auch 
zum Schutze der Schiffe versehen sind. Als solche Punkte sind auf 
unserer Rheinstrecke anzusehen Ür dingen, ohne Hafen, aber mit den 
nötigen Einrichtungen an der Rheinwerft, Duisburg mit dem städtischen 
Hafen, den Ladestellen am Rheinufer und dem staatlichen Hafen in 



*) Nach: H.-K.-B. Duisburg, 1894, 1895, 1898. — H.-K.-B. Ludwigshafen, 
1894, 1895, 1898. — H.-K.-B. Wesel, 1894, 1895, 1898. 

*) H.-K.-B. Wesel, 1894, 1895, 1898. — Statistik des Deutschen Reichs, 
N. F., Bd. 125, Die Binnenschiffahrt im Jahre 1898, Berlin 1899, S. 72. 

') Dufourny-Landgraf, a. a. 0., S. 84. — H.-K.-B. Duisburg, t^^l. 



82 



E. Ambrosius. 



dem Stadtteil Hochfeld, die staatlichen Hafenanlagen zu Ruhrort und 
der städtische Hafen zu Wesel. Hierzu kommen noch die Ladestellen 
am Homberg-Essenberger Rheinufer, der Ruhrorter Eisenbahn-Bassin- 
hafen, der Ladeplatz der Hütte Phönix am Rheinufer unterhalb Ruhr- 
ort, der von der Emschermündung gebildete Alsumer* Hafen, der Blever 
Hafen, sowie einige weniger bedeutende Plätze, wie Orsoy, Rheinberg, 
Emmerich und Rees. 

Die folgende Tabelle giebt den Verkehr nach Zufuhr und Ab- 
fuhr getrennt für die wichtigsten Orte an^). 





Verkehr in t 


1894 


1895 


1898 


Ürdingen 


Zufuhr . . . 
Abfuhr . . 


146910 
12 785 


138427 
22 509 


159 840 
24154 




Znsammen: 


159685 


160936 


183 994 


Duisburg 


Zufuhr . . . 
Abfuhr . . 


1763197 
2 275111 


1 639 138 
1765519 


2 508 625 
2 745 454 




Zusammen : 


4038308 


3404657 


5254079 


Ruhrort 


Zufuhr . . . 
Abfuhr . . 


974521 
3 712 556 


805 636 
3 701411 


122041Ö 
4471294 




Zusammen : 


4 686 807 


4 507 047 


5 691 704 


Ruhrhäfen 

zusammen (Duisburg 

—Ruhrort) 2) 


Zufuhr . . . 
Abfuhr . . 


2 737 448 
5 987 667 


2444774 
5 466 930 


3 729 035 
7 216 748 




Zusammen : 


8725115 


7 911704 


10 945 783 


Wesel 


Zufuhr . . . 
Abfuhr . . 


1 

51103 
6 370 


71871 
8231 


168 840 
7930 




Zusammen : 


57 473 


80102 


177 743 



In dieser Zusammenstellung springen vor allem die riesigen Ver- 
kehrsziffern für Duisburg und Ruhrort in die Augen. Beide zusammen 
bilden, kaum eine halbe Wegstunde voneinander entfernt an der Mün- 
dung der Ruhr gelegen, die Ein- und Ausgangspforte des reichen 
Kohlen- und Industriebezirks, der sich von hier an der Ruhr entlang 



') H.-K.-B. Krefeld, 1895, 1898. — H.-K.-B. Duisburg, 1895, 1898. — 
H.-K.-B. Ruhrort. 1898. — H.-K.-B. Wesel, 1895, 1898. — Statistik des 
Deutschen Reichs, N. F., Bd. 125, S. 73 u. 74. 

-) Hierzu kommt noch der weiter unten angeführte Yerkehr im Ruhrorter 
Eisenbahn-Bassinhafen, dem Ladeplatz der Hütte Phönix und im Alsnmer Hafen. 
Etwas weiter unterhalb bei Walsum beabsichtigt jetzt auch die Gutehoffnungshütte 
j'n Oberhausen und Sterkrade einen eigenen Hafen anzulegen. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 83 

bis tief in Westfalen hinein erstreckt, und wenn wir, was ihrem Wesen 
nach durchaus berechtigt, ja geographisch notwendig erscheint, ihren 
Verkehr zusammenfassen, so stehen sie an zweiter Stelle von sämt- 
lichen Häfen des Pestlands von Europa überhaupt, indem vor ihnen 
sogar die Seehäfen bis auf Hamburg zurücktreten (Hamburg hatte 1895 
einen Gesamthandel zur See von 9346901 t, 1898: 12856 732 t)i). 

Diese Zahlen gewinnen Leben , wenn wir die Gegenstände ins 
Auge fassen, die der Verkehr in diesen beiden Häfen bewegt. Von 
der Abfuhr Ruhrorts waren im Jahr 1894: 93,6 >, 1895: 93,8 '»/o 
und 1898: 93,1 ^/o Kohlen, so daß also fast allein diese den Handel 
Ruhrorts nach auswärts beschäftigen. Nach ihnen sind nur noch ver- 
arbeitetes Eisen und Koks erwähnenswert. Die Zufuhr besteht, kaum 
ein Viertel der Abfuhr ausmachend, zu mehr als der Hälfte aus Eisen- 
erz und Roheisen, nächstdem Getreide. Von besonderer Bedeutung 
für den Schiffsverkehr ist die Schifferbörse zu Ruhrort, durch die 
der Abschluß von Schiffsfracht- und Schleppgeschäften vermittelt und 
geregelt wird. Geographisch ist dem Verkehr von Ruhrort noch der 
außerhalb seines politischen Gebiets zwar, aber in unmittelbarem wirt- 
schaftlichem Zusammenhang sich abwickelnde Verkehr im Ruhrorter 
Eisenbahn-Bassinhafen (1898 Anfuhr 49000 t, dazu etwa 200000 t 
Kies, Abfuhr 51000 t, über die Hälfte Getreide) und am Verladeplatz 
der Hütte „Phönix" am Rheinufer zuzuzählen (1898 Anfuhr 117000 t 
Eisenerz, Abfuhr 31000 t verarbeitetes Eisen) ^). 

Der Handel von Duisburg ist ähnlich dem Ruhrorts geartet 
Zwar machen die Kohlen hier wie dort fast die gesamte Abfuhr aus 
(1894: 96,3 >, 1895: 95,6 > und 1898: 95,6^/0)3), aber die Zufuhr 
ist, entsprechend der stärkeren und vielseitigeren Industrie, wie auch 
wegen der bedeutend günstigeren Verkehrslage an durchgehenden Eisen- 
bahnlinien, bei weitem größer und steht der Abfuhr nicht viel nach. 
Fast die Hälfte von ihr besteht aus Eisenerz (1894: 750 000 t, 1895: 
645000 t, 1898: 1052000 t), dann folgen Getreide (1894: 352000 t, 
1895: 363000 t, 1898: 568 000 t) und Holz (230000, 236000 bezw. 
364000 t). Wichtig ist außerdem noch die Zufuhr von Petroleum (jähr- 
lich etwa 40 000 t), Salz, Steinen, Mehl und Kolonialwaren. Bemerkens- 
wert ist noch der in raschem Steigen begriffene Ueberseeverkehr ohne 
Umladung in den Rheinmündungshäfen, der in Duisburg im Jahr 1898 
bereits 52 757 t betrug, 33 568 in der Zufuhr und 19189 t in der 
Abfuhr. Die Bedeutung der Steinkohlenverfrachtung für Duisburg und 
Ruhrort mag die folgende Zusammenstellung erläutern*). 



^) M. Buchheister, Die Elbe und der Hafen von Hamburg. — VII. Inter- 
nationaler Geographenkongreß zu Berlin, 1899. 

2) H.-K.-B. Duisburg, 1894, 1895, 1898. — H.-K.-B. Ruhrort, 1898. 

^) Diese Zahlen sind um einen Bruchteil eines Prozents zu groß, da von 
einigen Dampfergesellschaften An- und Abfuhr nicht gesondert angegeben werden 
und die Abfuhr deshalb nicht in die Rechnung eingestellt werden konnte; der 
Betrag kommt aber kaum zur Geltung gegenüber der Gesamtzahl. 

•*) H.-K.-B. Duisburg, 1894, 1895, 1898. — Städtischer Verwaltungs- 
bericht Duisburg, 1894, 1895, 1898. 



84 



E. Ambrosius. 



1 
Kohlenproduktion ^) 


1 

1894 


1895 


1898 


Wert in Millionen Mark 


in t 


1894 


1895 


1898 


Im Deutschen Reich 


76 741127 


79169276 


96 309 652 


509,100 


538,895 


710,233 


ImRuhrkohlengebiet 


40 795 568 


41 295 138 


51 353 285 


259,812 


274,627 


375,816 


Von letzteren wur- 
den ab Duisburg u. 
Rulirort zu Schiff 
weiterbefördert . 


5 666714 


5160403 


6 796 047 


36.144 


34,318 


49,680 


oder in % 


13,9 


12,5 


13,2 


(13,9) 


(12,5) 


(13,2) 



Der nächst wichtigste Hafen ist der von Wesel. Die Lage Wesels 
als Flußwinkelstadt am nordöstlichsten Punkte des Rheinlaufs, wo der 
Strom seine bisher mehr nördliche Richtung aufgiebt, um sich nach 
Westen zur See hin zu wenden, die Einmündung der für kleine Schiffe 
fahrbaren Lippe, an deren ufern zum letztenmal eine stets trockene, 
fast völlig ebene Straße von West nach Ost sich bietet, die letzte Ein- 
engung des Hochwasserbetts des Rheins in seiner unmittelbaren Nähe, 
alle diese Umstände haben Wesel seit alter Zeit zu einem in Krieg 
und Frieden wichtigen Punkt gemacht. Da das Hinterland der Stadt 
keine Industrie von größerer Bedeutung besitzt, so dient der Handel 
und Verkehr hauptsächlich der Zufuhr. Die Abfuhr betrug 1894 und 
1895 nur etwas über ein Zehntel von der Zufuhr, und obgleich letztere 
von 1895 bis 1898 fast auf das Zweiundeinhalbfache emporschnellte, ging 
die Abfuhr sogar etwas zurück. Das reißende Emporsteigen des Ver- 
kehrs in den letzten Jahren hängt wohl zum großen Teil mit den seit 
1894 wesentlich verbesserten Hafenverhältnissen zusammen durch Ver- 
legung der Lippemündung und Abschnürung des alten rechten Rhein- 
arms. Fast genau ein Drittel der Zufuhr bestand in Holz, dessen Be- 
arbeitung und Weiterversand für Wesel von großer Wichtigkeit ist. 
Von Bedeutung ist ferner die Zufuhr von Getreide und Kolonialwaren ^). 

Der Wasserverkehr Urdingens dient, begünstigt durch die 
Lage der Stadt an einem weit nach Westen vorspringenden Flußwinkel, 
zum größten Teil der Versorgung des Krefelder Industriegebiets mit Ge- 
treide und Mehl, die etwa zwei Fünftel seiner gesamten Zufuhr ausmachen ; 
ein weiteres Sechstel bildet Holz, dann folgen Steine, Kolonialwaren, 
Farbholz u. a. Die Abfuhr beträgt nur etwa ein Sechstel der Zufuhr 
und besteht, da die wertvollen und weniger gewichtigen Erzeugnisse 
der Krefelder Industrie vom Wasserwege keinen Gebrauch machen, 
hauptsächlich in den Produkten der Urdinger Zucker- und Malzkaffee - 



*) Im Jahre 1899 betrug die Kohlenproduktion im Deutschen Reich 101 698 753 1, 
im Werte von 789,449 Mill. Mark, davon im Ruhrkohlengebiet 55 184 138 t im Werte 
von 423,311 Mill. Mark. Hiervon gingen über Duisburg und Ruhrort zu Schiff 
weiter 7 076524 t oder 12,8 °/o, was einem Wert von 54,184 Mill. Mark entsprechen 
würde. (Vierteljh. z. Stat. d. Deutschen Reichs 1900, IV, 86, und H.-K.-B. 
Duisburg 1899, II, 33). 

2) H.-K..B. Wesel, 1894—98. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 85 

fabrikation und in Ol ^). In neuester Zeit plant man die Anlage eines 
eigenen Hafens für Krefeld in dem toten Rheinarm bei dem Städtchen 
Linn unmittelbar oberhalb Urdingens. 

Der Verkehr am Homberg-Essenberger Rheinufer bringt in 
der Zufuhr (1898: 36000 t) hauptsächlich Rohmaterialien für die In- 
dustrie, sowie Getreide, die Abfuhr (1898: 110000 t) besteht fast aus- 
schließlich in Kohlen und Koks von der Zeche „Rheinpreußen* bei 
Homberg. 

Der Alsumer Hafen, die zum Hafen ausgebaute Emscher- 
mündung, dient zur Versorgung der großartigen, seit 1893 sich rasch 
Tergrößernden Hüttenwerke der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" in 
Bruckhausen, unmittelbar östlich davon. Von der Zufuhr, 1898: 263000 t, 
waren allein 226000 t Eisenerz, von der 63000 t betragenden Abfuhr 
60000 t Steinkohlen 2). 

Die Zufuhr zu Wasser nach Kleve durch den Alten Rhein und 
den Spoykanal versorgt diesen Ort mit Leinsamen (für die Ölmühle), 
sowie Kohlen, Kies, Getreide und Holz. Sie belief sich 1898 im ganzen 
auf 28000 t. Die Abfuhr ist dagegen unbedeutend und betrug im 
Jahre 1898 nur 4100 t»). 

Der Verkehr an den übrigen Orten am Rhein ist ganz gering- 
fügig und dient fast ausschließlich der Zufuhr. Zahlen für denselben 
waren aus neuerer Zeit nicht zu erlangen^). 

Die Ruhr, einstmals eine sehr lebhafte Schiffahrtsstraße, ist in der 
Gegenwart still und verlassen. Nur noch ganz selten befährt sie ein 
Schiff (1898 passierten 45 die Schleuse zu Mülheim!)''). Nach um- 
fassenden Korrektions- und Schleusenbauten im ersten Drittel des 
19. Jahrhunderts stieg die Güterbewegung mittels der bis zu 170 t 
fassenden sogen. Ruhrnachen im Jahre 1860 auf ihren höchsten Stand, 
auf 867 735 t, fast ausschließlich Steinkohlen in der Thalfahrt. Die 
Schiffe wurden leer durch Pferdezug wieder flußaufwärts befördert. Von 
diesem Jahre an ging der Verkehr reißend zurück. Die kleinen Ab- 
messungen der Schiffe, die häufige Behinderung durch Eis und un- 
günstigen Wasserstand (90 — 110 Tage im Jahre) und anderes machten 
der Ruhrschiffahrt den Wettbewerb mit den immer zahlreicher werdenden 
Eisenbahnen unmöglich, und so kann man heute von einer solchen über- 
haupt nicht mehr reden ^). Eine Erinnerung an die blühenden Zeiten 
ist wohl darin zu erblicken, daß noch 1896 von den 37 größeren 



^) H,-K.-B. Krefeld, 1895—98. 

*) H.-K.-B. Ruhrort, 1898. 

3) H-K.-B. Krefeld, 1898. 

*) Nach: Führer auf den deutschen Schiffahrtsstraßen, I. Teil, 
hrsg. vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1893, betrug bei Rhein- 
berg die Ausladung 1200 t, bei Orsoy die Ausladung 7000 t, Einladung 100 t. Die 
Zahlen scheinen sich auf 1890 zu beziehen. 

*) Davon 24 zu Berg mit zus. 22 t Belastung und 21 zu Thal mit 1486 t, 
d. h. der Gesamtverkehr eines Jahres betrug noch nicht den zehnten Teil des täg- 
lichen Durchschnitts im Hafen von Ruhrort! Nach: Statistik des Deutschen 
Reichs, N. F., Bd. 125, S. 76 u. 77. 

®) Statistik des Deutschen Reichs, Bd. XV. — Die deutschen Wasser- 
straßen, S. 303 f. 



» 



80 E. Ambrosius. 

Reedereien der Rheinschiffahrt 6 ihren Sitz in Mülheim a. d. Ruhr 
hatten ^). 

Die Schiffahrt auf der Lippe, die bis Dorsten für Schiffe bis zu 
170 t, für kleinere Fahrzeuge bis Lippstadt fahrbar ist, hat eben- 
falls fast gar keine Bedeutung, und alle Bemühungen der interessierten 
Kreise um Eanalisierung des Flusses sind bisher ohne Erfolg geblieben. 
Die Schiffahrtsdauer beträgt im allgemeinen 9 Monate^). 

Die künstlichen Wasserstraßen und die Reste unvollendet 
gebliebener Kanäle im Gebiet des deutschen Niederrheins sind an den 
betreffenden Stellen der geographischen Beschreibung bereits erwähnt 
worden (vgl. Seite 37, 39, 47, 48 und 49). Dem Verkehr dienen 
heute nur noch der zum Hafen umgewandelte Rhein- und Ruhrkanal 
und der Spoykanal, der Kleve mit dem Rhein verbindet, femer noch 
der in einen für kleine Fahrzeuge brauchbaren Wasserweg umgewandelte 
ehemalige Rheinlauf bei Rheinberg. Auf die geplante Verbindung des 
Rheins mit dem Dortmund-Emskanal und das früher ebenfalls längere 
Zeit eifrig erwogene Projekt einer Verbindung zwischen Maas und 
Rhein näher einzugehen, liegt hier kein Anlaß vor. In absehbarer Zeit 
scheint die Verwirklichung des letzteren wohl völlig ausgeschlossen zu 
sein, während das Schicksal der Vorlage für den Dortmund-Rheinkanal 
noch ungewiß ist. 

Die Landstraßen haben für den heutigen Verkehr nicht mehr 
die Bedeutung, die ihnen früher zukam; für die Richtung desselben 
aber sind sie zu einem großen Teil doch mit maßgebend gewesen, in- 
dem die Eisenbahnen ganz natürlicherweise bemüht waren, die durch 
ihre Lage als Rast- und Knotenpunkte des Verkehrs bereits zu Bedeu- 
tung gelangten Orte ebenfalls nach Möglichkeit aufzusuchen, und so 
werden wir im folgenden in den Hauptzügen wenigstens das heutige 
Eisenbahnnetz den durch die alten Hauptstraßen vorgezeichneten Rich- 
tungen folgen sehen. 

Aus der ganzen geographischen Beschaffenheit des niederrheinischen 
Gebiets ergiebt sich eine Parallelität der großen Verkehrswege, indem 
je eine Hauptstraße auf jedem Ufer des Rheins in möglichst hochwasser- 
freier Lage an diesem entlang, und dann noch eine, ebenfalls parallel 
zu den vorigen, im Thal der Niers abwärts zieht. Diese Straßenzüge 
sind an geeigneten Stellen durch Querstraßen miteinander verbunden. 
Die älteste Straße ist die am linken Ufer des Rheins sich hinziehende 
ehrwürdige alte Römerstraße, deren Verlauf die heutige Hauptstraße an 
den meisten Punkten noch folgt. Sie führte in unserem Gebiet, von 
Neuß kommend, über Ürdingen, Asberg (Asciburgium, heute über 
Mors), Rheinberg, Xanten (Castra vetera u. Colonia Trajana), Kaikar, 
Kleve und Kranenburg nach Nimwegen. Dir entspricht auf der rechten 
Rheinseite die Straße von Düsseldorf über Duisburg, Hambom, Dins- 
laken, Wesel, Rees, Emmerich nach Elten und weiter, mit einer Ab- 

*) Die Rhein flotte, in: Rhein- und Ruhrzeitung vom 10., 12. u. 14. Sept.1896. 

2) Statistik des Deutschen Reichs, Bd. XV, S. 304 u. 305. — H.-K.-B. 
Wesel, 1894—1898. Der Gesamtverkehr an der Schleuse bei Dahl betrug 1898; 
S940t; vgl. Statistik des Deutschen Reichs, N. F., Bd. 125, S. 74 u. 75. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 87 

zweigung durch die Isselniederung nach Holland hinein. Von dieser 
Hauptstraße führen zu beiden Seiten der Ruhr und der Lippe Straßen 
nach Osten zu. Die Niersstraße folgt von Krefeld aus dem hohen 
Westrande des Eliedbruchs, gabelt sich nach dessen Überschreitung 
und umschließt die Schaephuysener Höhen und ihre westliche Vorstufe 
an den äußeren Rändern. Bei Geldern vereinigen sich beide Straßen 
wieder zu einer und diese verläuft nun über Kevelaer, Weeze und Goch 
nach Kessel. Hier verläßt sie die Niers, überschreitet die Klever Höhen 
und schließt sich bei Kranenburg an die linksrheinische Römerstraße an. 
Von Querverbindungen sind die wichtigsten die von Venlo an der Maas 
über Straelen und Nieukerk einerseits nach Aldekerk, Mors und Hom- 
berg (Ruhrmündung), andererseits nach Sevelen, Kamp und Rheinberg; 
dann die Straße von Venlo über Straelen, Geldern, Issum und Alpen 
nach Wesel; ferner von Kevelaer über Sonsbeck nach Xanten und end- 
lich die von Goch über Kleve nach Emmerich. 

Ein bedeutendes Hindernis für den Verkehr in der Richtung von 
West nach Ost und umgekehrt bildet der Rhein, dessen breites Bett 
zusammen mit dem beiderseitigen Überschwemmungsgebiet der Über- 
brückung solche Schwierigkeiten bereitet und sie so kostspielig macht, 
daß erst seit dem Anfang der 1870er Jahre auf unserer Rheinstrecke 
zwei Brücken vorhanden sind, beides Eisenbahnbrücken, bei Duisburg 
und Wesel. Erst in allemeuester Zeit ist der Bau einer Straßenbrücke 
zwischen Ruhrort und Homberg im Werke. Ebenfalls etwas unterhalb 
Ruhrort, etwa bei Orsoy, wird der Bau einer dritten Eisenbahnbrücke 
geplant. Die Verbindung zwischen beiden Ufern wird zumeist durch 
fliegende Fähren, hier Ponten genannt, vermittelt. Außerdem bestehen 
noch einige Dampffähren und eine Anzahl Kahnfähren. Da aber alle 
diese Fähren bei einigermaßen starkem Eisgang oder größerem Hoch- 
wasser ihre Thätigkeit einstellen müssen, so ergeben sich daraus viel- 
fach ganz erhebliche Verkehrsstörungen. Alle Überfahrtstellen sind auf 
der Karte eingetragen und geben in ihrer Verschiedenart gleichzeitig 
einen Anhalt für die Intensität des zwischen beiden Rheinufem 
herrschenden Verkehrs. 

Die Zeiten der Landstraßen und der Frachtwagen, die schwer be- 
laden von Stadt zu Stadt zogen und einen für heutige Begriffe schnecken- 
haft langsamen, teuern, und doch in Bezug auf die bewältigte Güter- 
menge unendlich geringen Verkehr vermittelten, sind längst dahin. Die 
Landstraßen haben nur für einen eng örtlich begrenzten Güteraustausch 
noch Bedeutung; für jede weiter in die Feme strebende Beförderung 
dienen sie nur noch als Weg zur nächsten Eisenbahnstation. Der große 
Verkehr zu Lande ist völlig an die Eisenbahnen übergegangen. Diese 
haben sogar manche einst belebte Schiffahrtsstraße völlig lahmgelegt, 
wie dies bei der Ruhr besonders schon geschehen ist; ja, sie treten mit 
den besten Wasserstraßen auf deren ureigenstem, bisher unbestrittenem 
Herrschaftsgebiet, der Beförderung von Massengütern über weite Strecken, 
bereits in einen scharfen Wettbewerb (vgl. über den Kampf der Eisen- 
bahnen gegen die Rheinschiffahrt Seite 80), 

Sehen wir die Karte des niederrheinischen Gebiets an, so finden 



88 E. Ambrosius. 

wir, wie bereits erwähnt, die Hauptzüge der Landstraßen, die dem 
Rheine parallel laufende rechtsrheinische und die Niersstraße auch in 
den Eisenbahnen wieder ; nur die linksrheinische Römerstraße harrt noch 
der sie ersetzenden Eisenbahn. In den Einzelheiten ist natürlich 
mancherlei Abweichung zu erkennen. Im Südosten, im Bereich der 
Kohlen- und Eisenindustrie, ist das Eisenbahnnetz außerordentlich dicht; 
in den übrigen, mehr landwirtschaftlichen Gegenden aber ist es keines- 
wegs so eng, wie man bei der starken Bevölkerungsdichte wohl er- 
warten sollte. Wenn man im allgemeinen annehmen kann, daß die 
Strecken, auf denen lebhafter Verkehr herrscht, am ehesten das Be- 
dürfnis nach Beschleunigung desselben, also nach dem Bau von Eisen- 
bahnen zeigen werden, so ist es wohl nicht ungerechtfertigt, die ver- 
schiedenen Eisenbahnlinien nach der zeitlichen Folge ihrer Entstehung 
zu betrachten, um so gleichzeitig ein ungefähres Bild von den Verkehrs- 
bedürfnissen der einzelnen Gegenden zu gewinnen ^). 

Die älteste Linie in unserem Gebiet ist die von Düsseldorf nach 
Duisburg (1846 eröffnet), von da über Oberhausen und weiter nach 
Hamm (1847) am West- und Nordrande des mitteldeutschen Gebirgs- 
landes dahinziehende. Ihr folgte bald die Verbindung Oberhausen- 
Meiderich-Ruhrort (1848) und Krefeld- Ürdingen-Homberg (1849). Nach 
fast einem Jahrzehnt des Stillstandes wurde die Bahn von Oberhausen 
über Dinslaken, Wesel und Emmerich nach Amsterdam (1856) an- 
geschlossen. Nach wiederum einer längeren Pause wurde 1863 Krefeld 
über Kempen, Aldekerk, Geldern und Goch mit Kleve verbunden ; diese 
Strecke erhielt 1865 Anschluß an die rechtsrheinische Bahn in Elten 
und andererseits nach Nimwegen. 1862 schon war Duisburg-Mülheim 
gebaut, 1865 und 1866 entstand die Verbindung von Mülheim über 
Hochfeld (Duisburg) nach Urdingen, in die an Stelle der bisherigen 
Trajektverbindung im Jahre 1873 die Rheinbrücke bei Duisburg ein- 
gefügt wurde. Wiederum trat ein längerer Stillstand ein, bis endlich 
1874 die Strecken Venlo-Geldern-Wesel-Dorsten-Haltem, 1875 Ruhrort- 
Sterkrade und 1878 Wesel-Hamminkeln-Bocholt und Wesel-Xanten- 
Goch zum Anschluß an die bereits seit 1873 bestehende Strecke von 
Goch nach Boxtel in Holland dazu traten. Nachdem 1882 noch die 
alte (1870) Krefeld-Hüls-Kempener Bahn mit Mors und 1883 letzteres 
mit Homberg verbunden worden, war, von einzelnen Industrie- und 
Straßenbahnen, sowie der Kleinbahn von Empel, Gemeinde Huri, nach 
Rees (1897) abgesehen, das Eisenbahnnetz auf dem Standpunkte an- 
gelangt, auf dem es noch heute steht. Das Fehlen einer Eisenbahn- 
brücke zwischen Ruhrort und Homberg bildet eine empfindliche Lücke 
in dem Eisenbahnnetz, da beide Orte hierdurch gewissermaßen in Sack- 
gassen liegen und ihre sonst so günstige Verkehrslage bei weitem nicht 
so auszunutzen im stände sind, wie dies mit einer direkten Eisenbahn- 
verbindung nach West und Ost möglich wäre. Leider sind die Be« 



^) W. Koch, Handbuch für den Eisenbahngüterverkehr, I, Eisenbahn- 
etationsverzeichnis der dem Vereine deutscher Eisenbahnverwaltungen angehörigen, 
sowie der übrigen im Betriebe oder Bau befindlichen Eisenbahnen Europas. 26. Aufl. 
Berlin 1895. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 



89 



mühungen um eine solche Verbindung gänzlich erfolglos gewesen, 
da die Erbauung einer solchen Eisenbahnbrücke in der Gegend von 
Orsoy zur Entlastung der über Duisburg führenden Eisenbahnlinien 
beschlossene Sache zu sein scheint. Ebenso notwendig wäre für Ruhr- 
ort eine direkte Verbindung nach dem Süden über Duisburg^). Die 
längst genehmigte linksrheinische üf erbahn, die im wesentlichen dem 
Laufe der alten Römerstraße folgen und die fruchtbaren, Landwirtschaft 
treibenden Gegenden des Nordwestens mit dem Kohlenrevier in direkte 
Verbindung bringen soll, um auch ihnen einen besseren Absatz ihrer 
Erzeugnisse zu ermöglichen, harrt noch immer der Ausführung. Mannig- 
fache andere Pläne, wie die von Kleinbahnen nahe dem rechten Rhein- 
ufer entlang von Neumühl, Gemeinde Hamborn, nach Wesel, von Wesel 
über Brünen nach Raesfeld und Borken in Westfalen, von Empel, 
Gemeinde Huri, über Isselburg nach Bocholt, von Kempen über Straelen 
nach Kevelaer u. s. f., sehen ihrer Verwirklichung entgegen. 

Auf die Verkehrsmengen, die von den Eisenbahnen bewältigt 
werden, näher einzugehen, müssen wir uns leider versagen, da das vor- 
liegende Zahlenmaterial zu ungleichmäßig und lückenhaft ist. Es seien 
hier nur die beiden wichtigsten Massengüter, Kohle und Erz, für den 
eigentlichen Industriebezirk, d. h. für Duisburg, Ruhrort, Beeck, Meiderich, 
Sterkrade und Homberg berechnet, zusammengestellt, und zwar, um 
einen Vergleich zu ermöglichen, gleichzeitig für den Eisenbahn- wie 
für den Schiffsverkehr. Wir erhalten dadurch zugleich eine Vorstellung 
von den gewaltigen Gütermengen wie auch eine Andeutung über Her- 
kunft und Bestimmung derselben^). 



1 

i 

i 

1 


Zufuhr 1898 in t 


1 

1 Abfuhr 1898 in t 


1 

1 

1 


zu Wasser 


1 

mit der Bahn 


zu Wasser 


mit der Bahn 


Steinkohlen . . 
Eisenerz . . . 


1891 
2 208 007 


1 

7 952 544 

190 869 

1 


6 855 879 
1685 


694 968 
997 298 



Zufuhr zusammen, t 



Abfuhr zusammen, t 



Zufuhr größer 
als Abfuhr, t 



Steinkohlen 
Eisenerz . 



7 958 935 
2 398 876 



7 550 842 
998 938 



408 098 
1 894 943 



^) Vgl. hierzu H.-K.-B. Ruhrort, 1898, 1899 II. — H.-K.-B. Krefeld, 1898. 
— In der Sitzung vom 27. März 1900 ist das preuß. Abgeordnetenhaus über die 
Petition der H.-K. Ruhrort um Erbauung einer Eisenbahnbrücke zur Tagesordnung 
übergegangen, womit der Plan endgültig als gescheitert angesehen werden kann. 
Die Stadt Ruhrort und Homberg soUen nunmehr durch eine feste Straßenbrücke 
miteinander verbunden werden. 

*) Zusammenstellung nach: H.-K.-B. Ruhr ort, 1898. — H.-K.-B. Duis- 
burg, 1898, 1899. 



90 E. Ambrosius. 

Wir sehen hieraus, wie die Kohlen in großen Mengen mit der 
Eisenbahn zum Rhein geschafft und zum größten Teil zu Schiff (meist 
zum Oberrhein) weiter versandt werden; wir erkennen ferner, dals die 
weitaus überwiegende Masse des Eisenerzes zu Wasser herangebracht 
wird und daß noch nicht die Hälfte davon mit der Eisenbahn (meist 
nach Essen und Westfalen hinein) weitergeht, also die größere Hälfte 
hiervon in unserem Gebiete selbst verhüttet wird. 

Die Eisenbahnverkehrsziffern für das linksrheinische Gebiet ^) zeigen 
vor allem die außerordentliche Bedeutung der Viehzucht, besonders der 
Kleinviehzucht (Schweine) im ganzen Südwesten und der Rindviehzucht 
weiter im Norden. 

Alles in allem ist auch der Eisenbahnverkehr gleichwie die Schiff- 
fahrt schon jetzt ganz außerordentlich groß, immer noch steigend und 
einer weiteren bedeutenden Steigerung entgegengehend, wie ja auch die 
zahlreichen Kleinbahnprojekte der neueren Zeit ebenfalls das Bestreben 
zeigen, immer weitere, bisher in den großen Verkehr noch nicht ein- 
bezogene Gebiete an diesen anzuschließen. — Zahlreiche Post- und Tele- 
graphenämter, sowie ein ausgedehntes Fernsprechnetz besorgen ferner 
die Vermittelung des Geschäftsverkehrs. Ebenso dienen ihm, besonders 
in den Industriebezirken, die Reichsbank und zahlreiche Privatbanken 
und andere Institute mit zum Teil ganz bedeutenden Umsätzen. Die 
Reichsbankstelle Duisburg z. B. hatte 1895 einen Gesamtumsatz von 
1015^4 Millionen, 1898 schon einen solchen von 1815 Millionen und 
1899 von 2155 V2 Millionen Mark 2). 

Die Interessen des Handelsstandes, der, wie bei solcher Massen- 
bewegung von Gütern natürlich ist, besonders in den südöstlichen in- 
dustriereichen Gegenden eine wichtige Rolle spielt, werden vertreten 
durch Handelskammern zu Duisburg (für den Stadtkreis Duisburg), 
Ruhrort (für den Kreis Ruhrort und die an dem linken Rheinufer ge- 
legenen Gemeinden von Baerl bis Bliersheim), Wesel (für den Kreis 
Rees und angrenzende Teile des Reg.-Bez. Münster) und Krefeld (für 
den ganzen linksrheinischen Teil außer den vorhin erwähnten zur 
H.-K. Ruhrort gehörigen Gemeinden). 

Bis zu welchem Grade die Bevölkerung von dem Verkehr und 
dem ihm dienenden Handel direkt abhängig ist, mag folgende Zusammen- 
stellung zeigen, in der die Zahl der von beiden lebenden Personen 
(Erwerbsthätige im Hauptberuf und deren* Angehörige) für die ver- 
schiedenen Zweige absolut und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 
nach der Berufsstatistik vom 14. Juni 1895 angegeben ist^). j 



*) H.-K.-B. Krefeld, 1898. 
2) H.-K..B. Duisburg, 1899, S. 40. 

^) Zusammenstellung nach: Statistik des Deutschen Reichs, N. F., 
Bd. 109 (s. S. 62, Anm. 1). 



Die Volksdichte am deatschen Niederrhein. 



91 



THa IpVktfn von 


1 Duisburg 


Ruhrort 


Rees 


Mors 


1 

Kleve 


1 
Geldern 




Zahl 


^0 


Zahl 


Vo 


Zahl 


^0 


Zahl 


> 


Zahl 


7o 


Zahl 


^/P 


Waren-, Produk- 
ten-, Geldhandel 

Man d eis vermitt e- 

lung (Spedition, 

Kommission, 

Agentur 

SonstigerHandel 


6 342 

713 

289 


9,14 

1,03 
0,42 


6355 

242 
117 


6,55 

0,25 
0,12 


3586 

202 
224 


5,27 

0,30 
0,33 


3347 

113 
92 


4,63 

0,16 
0,13 


2277 

46 
103 


4,08 

0;08 

0,18 


2438 

77 
60 


4,40 

0,14 
0,11 


Handel zus.: 


7 344 

• 


10,59 


6714 


6,92 4012 


5,89 3552 

» 


4,92 2426 


4,34 


2575 

1 


4,65 


Verkehr zu Land 

Verkehr zu 
Wasser 

Nebengewerbe 
des Verkehrs 


3 359 

2487 
1680 


4,84 
3,59 
2,42 


3 917 
1988 
1870 


4,03 
2,05 
1,92 


3576 

534 

1417 


5,25 

0,78 
2,08 


1375 

1607 

921 


1,90 
2,22 
1,27 


1873 

212 

1204 


3,35 
0,38 
2,16 


1238 
1 

863 


2,23 
0,00 
1,56 


Verkehr zus.: 


7 526 


10,85 


7 775 


8,00 


5527 


8,11 


3903 


5,39 3289 


5,89 2102 3,79 


Handel und 
Verkehr zus.: 


14870 


21,44 


14489 


14,92 


9539 


14,00 


7455 


10,31 


5715 


10,23 4677 


8,44 



Rückblick. 

Nachdem wir uns in großen Zügen nunmehr ein Bild der all- 
gemeinen geographischen Verhältnisse, von Landwirtschaft, Industrie 
und Verkehr am deutschen Niederrhein verschafft und damit gleichzeitig 
die Gründe für die größere oder geringere Verdichtung der Bevölkerung 
•dargelegt haben, ist es wünschenswert, diese Betrachtungen kurz noch 
einmal nach den einzelnen zusammengehörigen Gebieten zusammen- 
zufassen, und zwar mit besonderer Berücksichtigung der größeren Volks- 
^anhäufungen , der Städte und größeren ländlichen Orte, und ihrer 
speziellen Verhältnisse. Wir folgen hierbei wieder der schon bei der 
geographischen Beschreibung des Ganzen aufgestellten Einteilung in die 
fünf größeren natürlichen Gebietsabschnitte. 

Die östlichen Grenzhöhen sind im allgemeinen wegen der Un- 
fruchtbarkeit des Bodens, der die außergewöhnlich starke Waldbedeckung 
entspricht, nur sehr spärlich bevölkert. Nur der Süden macht hiervon 
eine Ausnahme, indem hier die Eisenindustrie, die in dem großartigen, 
in seinen Anfängen über 100 Jahre zurückreichenden Werke der „Gute- 
hoffhungshütte** zu Sterkrade eine ganz hervorragende Vertretung 
gefunden hat, ihren die Bevölkerung verdichtenden Einfluß ausübt. Das 
Alter des Werks macht sich besonders in den vorzüglichen Arbeiter- 
verhältnissen geltend; die Arbeiter haben zu einem sehr großen Teil 
«eigenen Landbesitz mit kleinen Häusern und damit einen in diesen 



92 E. Ambrosius. 

Industriegegenden nicht gerade sehr häufigen Grad^) von Seßhaftigkeit 
und stehen in einem vortreflflichen Verhältnis zur Hütte. — Auf den 
Höhen wird nicht unbedeutende Besenbinderei betrieben. — Scherm- 
beck hatte früher durch seine Töpfereien eine gewisse Bedeutung.— 
Durch die Arbeiterkolonie Lühlerheim beiDrevenack sind bereits 
große Flächen schlechten Wald- und Heidebodens in fruchtbare Ländereien 
verwandelt worden. 

Steigen wir nun in das Rheinthal hinab. Die alte Stadt Duis- 
burg, bis zum 14. Jahrhundert unmittelbar am Rhein gelegen und als 
Handelsstadt wichtig, war seitdem nach der Laufänderung des Stromes 
durch allerlei Umstände, wie Kriegsnöte u. a. zu einem unbedeutenden 
Städtchen herabgesunken, dem auch die hier von 1686 — 1805 (nominell 
bis 1818) bestehende Universität nicht zur Blüte verhelfen konnte. Erst 
seit dem Aufblühen der Eisenindustrie und der Anlage der Eisenbahnen 
nahm sie einen ungeahnten, aber durch ihre hervorragend günstige 
Lage wohl erklärlichen Aufschwung, so daß sie von etwa 10000 Ein- 
wohnern zur Zeit der Eröffnung der ersten Eisenbahn (1846) auf 7OOO0 
im Jahre 1895 (1900: 93000!) stieg. Die verschiedensten Zweige der 
Eisen- und sonstigen Metallindustrie, aber auch Textilindustrie und die 
Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte jeder Art sind hier so reich- 
haltig vertreten, daß die Stadt in der Vielseitigkeit ihrer Pabrikations- 
zweige nur wenige ihresgleichen findet. Daneben gehört ihr Handel 
und Verkehr zu den bedeutendsten im Deutschen Reich. — Ruhrort 
verdankt seine Bedeutung als Verkehrsstadt dem seit Anfang des 19. Jahr- 
hunderts angelegten und vom preußischen Staat immer weiter aus- 
gebauten Hafen, dem größten Flußhafen Deutschlands. Es ist aber 
durch sein kleines Stadtgebiet in der Ausdehnung behindert, und die 
großen, dicht bei Ruhrort gelegenen Eisenwerke (Hütte „Phönix**, 
^Rheinische Stahlwerke" u. a.) liegen schon, ebenso wie bedeutende 
Teile seines Hafens, auf dem Gebiet der Nachbargemeinden, die so 
unmittelbaren Anteil an seinem Aufblühen haben. — Durch die immer 
weiter nordwärts vorschreitende Ausdehnung der Kohlengruben und 
Eisenhütten, von denen besonders die großen Anlagen der Gewerkschaft 
„Deutscher Kaiser" in Hambom und Beeck hervorzuheben sind, ver- 
dichtet sich auch die Bevölkerung des nördlich der Ruhr bis nach Holten 
hin sich erstreckenden Gebiets immer mehr (Meiderich, Beeck, Ham- 
born), und die Landwirtschaft tritt schon stark in den Hintergrund. 
Die dem Hochwasser regelmäßig ausgesetzten Strecken bleiben hier wie 
sonst überall, soweit sie nicht durch Deiche geschützt sind, ziemlich 
frei von Siedelungen (vgl. die Karte). — Weiter nördlich bis zur Lippe 
folgt nun eine bis jetzt wenigstens fast rein landwirtschaftliche Gegend, 
am Rhein entlang mit fruchtbaren Flußmarschen, an der Lippe aber 
mit sterilen Sandflächen (Truppenübungsplatz Friedrichsfeld- Spellener 
Heide, Bruckhausen). Dinslaken ist der Mittelpunkt dieses Bezirks 



^) „Die Fluktuation unter den gewerblichen Arbeitern ist außerordentlich . . ^ 
Unser größtes Werk der Eisenindustrie gibt den Wechsel der Belegschaft für 1899 
auf 60 — 70 Prozent an, für ein anderes, dessen Anlagen neuerdings bedeutende 
Erweiterungen erfahren haben, dürfen wir denselben auf 80 — 90 Prozent ein- 
schätzen". H.-K.-B. Ruhrort, 1899, I, S. 17. 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 93 

und wird von weit und breit wegen seiner großen Viehmärkte besucht. 
(Im Zusammenhang hiermit steht wohl, daß an diesem Ort der Anteil 
der Juden an der Bevölkerung fast 15 ^/o beträgt.) Auch die Umgebung 
von Dinslaken und Hiesfeld wird voraussichtlich ihren Charakter bald 
ändern, da die Industrie hierhin in stetem Vorrücken begriffen ist. 

Wesel, am Einfluß der Lippe in den Rhein in günstiger Ver- 
kehrslage, hatte lange Jahrhunderte hindurch große Wichtigkeit als 
Festung. Doch ist diese ihre Eigenschaft dem Wachstum der Stadt 
sehr hinderlich gewesen, und sie hat infolgedessen nicht den Aufschwung 
genommen, den man ihrer Lage nach wohl erwarten könnte. Nach- 
dem in neuerer Zeit jedoch der Festungsgürtel gefallen ist und nur 
noch die Citadelle und einige Forts, sowie das der Stadt gegenüber 
auf der linken Rheinseite liegende Fort Blücher bestehen blieben, hat 
sie Raum zur Entwickelung erhalten. Wenn trotzdem die Bevölkerung 
auch jetzt noch nur sehr langsam zunimmt, so ist dies wohl auf die 
Nähe des Industriebezirks an der Ruhr zurückzuführen, der bis hierhin 
und noch weiter seinen Einfluß durch Anziehung der Bevölkerung geltend 
macht. Die Industrie der in ihrem Innern noch recht engen und alter- 
tümlichen Stadt Wesel umfaßt die verschiedensten Zweige; Handel und 
Schiffahrt sind in lebhaftem Aufschwung. 

Das gesamte Gebiet von Wesel abwärts ist mit geringen Aus- 
nahmen rein landwirtschaftlich; die reichen Weiden begünstigen die 
Viehzucht in hohem Maße. Dasselbe gilt von dem Gebiet der Issel mit 
dem Städtchen Ringenberg als Mittelpunkt. — Die kleine Stadt Rees 
beschäftigt sich mit der Verarbeitung und dem Vertrieb der landwirt- 
schaftlichen Produkte der Umgebung. — In Empel, Gemeinde Huri, 
imd in Issel bürg befinden sich größere Eisenwerke mit ca. 200 bezw. 
600 Arbeitern, die auf die Bevölkerungsverhältnisse erkennbaren Ein- 
fluß ausüben. Doch wird selbst hier über zunehmenden Arbeitermangel 
geklagt. — Emmerich, vor 300 Jahren eine blühende Handelsstadt 
und Sitz einer von 2000 Studenten besuchten Jesuitenschule, sank durch 
die folgenden Kriegszeiten mehr und mehr und hat erst in der Neu- 
zeit sich wieder merklich gehoben. Es besitzt nicht unbedeutende Eisen- 
industrie und hat als Mittelpunkt eines starke Viehzucht treibenden 
Landstrichs, durch seinen Handel mit Kolonialwaren und landwirtschaft- 
lichen Produkten, und als Hauptzollstätte an der niederländischen Grenze 
Wichtigkeit. — Das Städtchen Elten, das sich an das alte, auf dem 
Eltenberge liegende ehemalige reichsunmittelbare Frauenstift Hoch-Elten 
anlehnt, betreibt etwas Textilindustrie, Eisengießerei und die in der 
ganzen Gegend heimischen landwirtschaftlichen Industriezweige. Diese 
letzteren, die in dem ganzen nördlich der Lippe gelegenen Gebiet weit 
verbreitet sind, erstrecken sich namentlich auf Tabakfabrikation und 
Käsebereitung (zahlreiche Molkereien), dann auch auf die Ziegelei. 

In Ürdingen, dem Hafenplatz für das linksrheinische Textil- 
industriegebiet, hat sich neben dem Handel eine lebhafte Eisen- und 
chemische Industrie entwickelt, daneben Müllerei und Zuckerraffinerie, 
Malzkaffeefabrikation u. a. Die in diesen Fabriken thätigen Arbeiter 
wohnen zu einem nicht geringen Teil auch in den nördlich anstoßenden 
Gemeinden. — Die zwischen Ürdingen und Mors liegenden Striche 



94 E« Ambrosius. 

treiben überwiegend Ackerbau und Viehzucht, vor allem Milchwirtschaft 
Ein großer Teil besonders der näher dem Rhein wohnenden Bevölkerung 
arbeitet in den Eisen- und Hüttenwerken in Duisburg-Hochfeld, so dal 
der bevölkerungsverdichtende Einfluß der Großindustrie sich hier bis 
weit über den Rhein hinüber erstreckt. — Von besonderer Bedeutung 
wird für diese ganze Gegend die im Jahre 1896 begonnene Errichtung 
von großartigen Hüttenwerken („Rheinhausen") in den Gemeinden 
Bliersheim und Hoch-Emmerich werden, die schon Ende 1899 an 
500 Arbeiter beschäftigten und später wohl die gesamte Roheisen- und 
Stahlbereitung der Firma Krupp hierhin ziehen sollen. Damit ist die 
Verdrängung der Landwirtschaft durch die industrielle Bevölkerung auch 
für diese Gegend nur noch eine Frage kurzer Zeit. Auch hier ist das 
geographische Moment das ausschlaggebende für die Anlage gewesen^ 
da hier die aus Spanien oder vom Oberrhein kommenden Erze auf dem 
Wasserwege direkt bis an die Hochöfen an dem eigens erbauten Hafen 
geführt werden können. 

Der Landstrich zwischen Homberg, Hoch-Emmerich und Mors ist 
fast als eine Fortsetzung des gegenüberliegenden rechtsrheinischen In- 
dustriegebiets zu betrachten. Die Hauptmasse der Bevölkerung bestellt 
aus Zechen- und Fabrikarbeitern. Schon 1895 beschäftigte die Zeche 
„Rheinpreußen* in Homberg über 1500 Arbeiter, deren Zahl sich seit- 
dem durch Anlage mehrerer neuer Schächte, u. a. auch in Baerl, weiter 
nördlich, noch fortwährend vermehrt (1898: 1771). Außerdem hat Hom- 
berg noch bedeutende Müllerei und andere Fabriken, in der Umgebung 
Ziegeleien. — Lebhaft ist auch die Industrie in der alten Hauptstadt des 
Fürstentums, Mors, in der sich die rechtsrheinische Eisen- und die links- 
rheinische Textilindustrie gemeinsam finden. Gleichzeitig ist die Stadt 
der Marktplatz für das gesamte, sie im Norden, Westen und Süden um- 
schließende landwirtschaftliche Gebiet. — In dem etwa 7 km westlich von 
Mors gelegenen Vluyn blühen Landwirtschaft und Industrie nebenein- 
ander, und zwar wiederum neben der Textilindustrie, die hier zusammen 
mit der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse schon vorherrscht^ 
der westlichste Vorposten der Eisenindustrie (landwirtschaftliche Ma- 
schinen). — In Neukirchen bei Mors befindet sich ein Missionshaus 
mit verschiedenen humanitären Anstalten ; es wird etwas Textilindustrie 
(Wattenfabrikation), Ziegelei und Müllerei betrieben. — Das alte Städt- 
chen Orsoy (spr. Orsau, = Rossaue) ist der Mittelpunkt eines hauptsäch- 
lich Rindviehzucht treibenden Bezirks. In solchen Gegenden ist eine 
stärkere Verdichtung der Bevölkerung wegen der stets größere Flächen 
beanspruchenden Weidewirtschaft ziemlich ausgeschlossen, und dieser 
Grund ist auch die Erklärung dafür, daß wir fast durchweg unmittelbar 
am Laufe des Rheins entlang in den reichen Weidegebieten eine im all- 
gemeinen geringere Volksdichte finden, als in den vom Strom etwas 
weiter abliegenden Ackerbaubezirken. An dieser Strecke des Rheins be- 
sonders kommt dazu noch eine stärkere Vertretung des Fideikommiß- 
und AUodeigentums, die ebenfalls einer Volksverdichtung entgegenwirkt. 
Ein Drittel der Bewohner Orsoys lebt von der Cigarrenfabrikation, die 
hier in zahlreichen Fabriken betrieben wird. — Die Gemeinde Vier- 
haum, einst eine öde Heide, wurde von vertriebenen Salzburgern be- 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 95 

siedelt. — Rheinberg, ehemals eine wichtige Festung und Zollstätte 
der Kölner Erzbischöfe, denen das umliegende Land gehörte, verlor seine 
Bedeutung seit der Verlegung des Rheinlaufs, mit dem es jetzt noch 
durch einen für kleine Schiffe fahrbaren Kanal verbunden ist. Die In- 
dustrie ist ganz gering. — Alpen, am Ostrande der Bönninghardt ge- 
legen, betreibt etwas Textilindustrie. Die Ackerbau und starke Vieh- 
zucht (Molkereien, Käsefabrik) treibende Umgebung ist durch ihre vor- 
züglichen Gemüse („Kappus**, Sauerkraut, aus Büderich) am ganzen 
Niederrhein bekannt, geht aber bis jetzt an Volkszahl stark zurück. 
Die bei Alpen erbohrten reichen Kalisalzlager werden für die ganze 
Gegend bei ihrer bevorstehenden Inangriffnahme von größter Bedeutung 
werden. 

Die altberühmte Stadt Xanten, als Castra vetera dank ihrer Lage 
einer der wichtigsten Stützpunkte der Römer am Niederrhein, das Santen 
des Nibelungenliedes, besitzt in ihrem mächtigen St. Victorsdom das 
hervorragendste mittelalterliche Bauwerk am ganzen Niederrhein; er ist 
zugleich ein Denkmal der mittelalterlichen Bedeutung Santens als Wall- 
fahrtsort, die dadurch gekennzeichnet wird, daß einmal in einer einzigen 
Prozession (1464) an 300000 Pilger zum Grabe des hl. Victor wallten. 
Ein Museum umschließt die in der Nähe gefundenen zahlreichen römi- 
schen Altertümer. Jetzt ist Xanten ein stilles Landstädtchen, dessen In- 
dustrie sich auf Obstgelee-, Blechwaren und Schuhfabrikation beschränkt. 

Der von Xanten bis nach Kleve hin sich erstreckende Teil des 
Rheinthals umschließt reiche Weidegebiete am Strom, und weiter land- 
einwärts ergiebige Ackerbauflächen, auf denen auch der Tabaksbau be- 
deutend ist. Doch sind diese Gegenden bisher vollständig vom Eisen- 
bahnverkehr abgeschnitten, und während die Bewohner südlich gelegener 
Striche ihre Gemüse und sonstigen Erzeugnisse zum großen Teil auf 
ihren landesüblichen großen zweirädrigen Karren dem Industriegebiet 
zuzuführen vermögen, ist dies von hier aus wegen der großen Entfernung 
nicht mehr möglich, und trotz des reichen Bodens gehen Erwerbsver- 
hältnisse und Bevölkerungszahl zurück. Der geplante, aber immer noch 
verschobene Bau einer linksrheinischen üferbahn zur Verbindung von 
Kleve über Xanten, Rheinberg und Mors mit dem rechtsrheinischen In- 
dustriegebiet ist daher für diese Gegend geradezu eine Lebensfrage. 
Die ganze Industrie beschränkt sich wesentlich auf einige Molkereien, 
Ziegeleien und Cigarrenfabriken. — Das kleine Städtchen Kaikar, einst 
stark befestigt und oft berannt, ist jetzt ganz unbedeutend; seine In- 
dustrie ist gering. — Für Grieth ist neben Viehzucht und Tabaksbau 
noch die Fischerei, Schiffahrt und Korbflechterei von Bedeutung. — Das 
kleine Ortchen Schenkenschanz, 1586 als Schanze zum Schutze der 
damals hier stattfindenden Teilung des Rheines angelegt und der „Schlüssel 
der Niederlande", ist jetzt völlig bedeutungslos. 

Das sagenumwobene Kleve liegt, teils am Fuße der waldbekränzten 
Höhen, teils amphitheatralisch an drei Hügeln sich ausbreitend, in an- 
mutiger, malerischer Umgebung. Die Blütezeit dieser Hauptstadt des 
ehemaligen Herzogtums Kleve war am Ende des 17. Jahrhunderts unter 
dem brandenburgischen Statthalter Prinzen Moritz von Nassau, der außer- 
ordentlich viel für die Verschönerung der Umgebung gethan hat. Jetzt 



96 E. Ambrosius. 

ist die Stadt ein beliebter Sommeraufenthalt, namentlich für Holländer. 
Das stahlhaltige Wasser einer Quelle zog früher viele Kurgäste hierhin, 
heute hat das Bad aber seine Bedeutung verloren. Aber immer noch 
ist Kleve durch seine Lage inmitten fruchtbarer Ackerländereien (Klevische 
Kornkammer) und reicher Weidegebiete der bedeutendste Ort am ganzen 
unteren deutschen Niederrhein, und namentlich seit der Anlage der Eisen- 
bahnen haben sich Industrie und Handel wieder wesentlich gehoben. Die 
Industrie wird vertreten durch Eisengießerei und Maschinen-, sowie 
Cigarrenfabrikation, vor allem aber durch Schuhfabriken, eine große Mar- 
garinefabrik und Ölmühlen. — Der von unzähligen Wassergräben durch- 
zogene Düffeltgau unterhalb Kleves mit dem Städtchen Kranenburg 
treibt fast ausschließlich Viehzucht. 

Die Schaephuysener Höhen tragen an ihrem Rande, da, wo sie 
sich gegen die sumpfige Niederung absetzen, ringsum einen fast ununter- 
brochenen Kranz von Siedelungen, die sich in ziemlich gleichen, geringen 
Abständen zu Dörfern verdichten. Bemerkenswert ist, daß keine Ge- 
meinde dieser Höhengruppe allein angehört; während die Siedelungen 
fast durchaus nur am Rande der Höhen liegen, wird das Gebiet der 
Höhen selbst und ihrer breiten Vorstufe bis auf ganz geringe Wald- 
strecken von Ackerland eingenommen; aber außerdem gehört zu jeder 
Gemeinde noch ein zum weitaus überwiegenden Teil von Wald und 
feuchten Wiesen bedecktes Stück der ringsum sich erstreckenden Niede- 
rung. Die» starke Verbreitung der Seidenweberei als Hausindustrie in 
diesem ganzen südwestlichen Teil des niederrheinischen Gebiets, sowie 
die große Bedeutung der Schweinezucht sind hervorstechende Eigentüm- 
lichkeiten. — Der wichtigste Ort ist Nieukerk, etwa auf der Mitte des 
Südwestrandes, mit bedeutender Industrie. Außer Cigarrenfabrikation, 
Färberei, Ol- und Getreidemüllerei ist hier vor anderen die Stuhlfabri- 
kation und die Seidenweberei vertreten; letztere allein beschäftigt über 
500 Arbeiter im Hausgewerbe. Aehnlich sind die gewerblichen Verhält- 
nisse in dem nahen Aldekerk; in den übrigen Orten tritt die Industrie 
dagegen mehr zurück. 

Die kleinen Hügel, wie der Egelsberg, Gulixberg, Rayer, Eyllscher, 
Dachsberg, Kamper und Niersenberg sind zu wenig umfangreich, um 
einen merkbaren Einfluß auf die Bevölkerungsverhältnisse ausüben zu 
können. Sie sind bis auf den größten unter ihnen, der das ehemalige 
Cistercienserkloster Kamp trägt, unbewohnt. — Die nördlich gelegene 
Höhe der Bönninghardt ist zum größten Teil mit Wald bedeckt. Die 
von diesem freigelassenen Teile gehören fast durchweg den anstoßenden 
Gemeinden der Niederung, nur die eine Gemeinde Bönninghardt liegt 
fast ausschließlich auf der Höhe. Es ist ein armes, unfruchtbares Ge- 
biet, in dem vielfach Besenbinderei betrieben wird. Die Bönninghardt 
ist auch die einzige Gegend in unserem Gebiet, in der das Hausier- 
gewerbe, das sonst nirgendwo bemerkenswerte Züge zeigt, sich be- 
sonders ausgebildet hat, indem die Bewohner mit ihren aus Heidekraut 
selbstverfertigten Besen weit in das umliegende Land hinausziehen ^y. 



^) P. Halfmann, Der Hausierhandel im linksrheinischen Teile des Regie- 
rungsbezirks Düsseldorf im Jahre 1895 und seine Entwicklung seit dem Jahre 1889; 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 97 

— Die zerstreut wohnende Bevölkerung der ebenfalls zu einem großen 
Teile waldbedeckten Labbecker Höhen beschäftigt sich mit Ackerbau 
\md Viehzucht. 

Der südöstliche, bis zur Pfalzdorfer Einsenkung reichende Teil der 
Klever Höhen ist sehr fruchtbar, früher die ,,Kornkammer des klevischen 
Landes ** genannt. Ehemals eine weite Heide (Gocher Heide), wurde 
das Gebiet von Pfalzdorf, Luisendorf und Neu-Luisendorf erst 
seit der Mitte des 18. Jahrhunderts von vertriebenen Pfälzern urbar ge- 
macht. Eine geschlossene Ortschaft hat sich hier nicht gebildet, die 
Bevölkerung wohnt ziemlich gleichmäßig verteilt an den regelmäßig über 
das ganze Gebiet gezogenen, sich rechtwinkelig kreuzenden Straßen. Im 
Süden davon liegen die Orte Keppeln und Üdem. Die Hauptbeschäf- 
tigung der Bewohner ist der sehr ergiebige Ackerbau und die Viehzucht, 
deren Produkte in mehreren großen Molkereien verarbeitet werden. In 
Üdem wird ganz bedeutende Schuhmacherei, meist im Hausgewerbe, 
betrieben. — Den zweiten Abschnitt der Klever Höhen erfüllt größten- 
teils der Reichswald, der sich vom Südrande bis in die Nähe des Nord- 
randes erstreckt. Die an diesem liegende Gemeinde Materborn ver- 
dankt ihre hohe Volksdichte hauptsächlich der Stadt Kleve, die über ihr 
enges Gebiet hinaus in die Nachbargemeinden hineinwächst. 

Der südlichste Teil des Niersthals betreibt fast ausschließlich Land- 
wirtschaft, deren Erzeugnisse an Ort und Stelle verbraucht werden. Da- 
neben wird etwas Viehmast in Stallfütterung gepflegt; die Viehzucht ist 
ganz gering. Von Industrie ist nur etwas Seidenweberei als kümmer- 
licher Rest einer früher blühenden Hausindustrie vorhanden. In der 
ganzen Südwestecke des Gebiets von einer Linie von Tönisberg bis 
Straelen an nimmt die Bevölkerung langsam ab, in dem kleinen Städt- 
chen Wachtendonk in den 10 Jahren von 1885 — 95 sogar um 7,5 ®/o. 
Diese Abnahme ist zum größten Teil dem Zuge in die großen Städte des 
unmittelbar südlich anstoßenden Textilindustriegebiets zuzuschreiben. 

Die aufblühende Stadt Geldern, einstmals die Hauptstadt des 
nach ihr benannten Herzogtums, war durch ihre geschützte Lage zwischen 
zahlreichen Flußarmen und als Kreuzungspunkt mehrerer wichtiger Straßen 
schon früh von Bedeutung. Die Bevölkerung beschäftigt sich vorwiegend 
mit Seidenweberei, Schuhmacherei und Cigarrenfabrikation. — In dem 
östlich von Geldern an der Fleuth gelegenen Issum ist die Seidenhand- 
weberei neben dem Ackerbau die Haupterwerbsquelle der Bewohner. 
Auch in dem ganzen Gebiet der Fleuth bis nach Sonsbeck und 
Winnekendonk ist die Bevölkerung in langsamer Abnahme begriffen. 
— In Sonsbeck, einem einst festen Städtchen auf halbem Wege 
zwischen Geldern und Xanten und in der die Bönninghardt von 
den Labbecker Höhen trennenden Niederung herrscht ziemlich rege In- 
dustrie, außer der in diesem ganzen Gebiet verbreiteten Textilindustrie 
und Schuhmacherei noch besonders Stuhlfabrikation u. a. Doch leidet 
die Industrie hier sehr durch die große Entfernung von der Eisenbahn. — 
Kevelaer ist weit berühmt durch das seit 1642 hier befindliche Mutter- 



in: Schriften des Vereins für Socialpolitik, LXXVII,*^. Untersuchungen über die Lage 
des Hausiergewerbes in Deutschland, I. Band, S. 207 — 248, Leipzig 1898. 

7 



98 E. Ambrosius. Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 

gottesbild, zu dem jetzt jährlich etwa 4 — 500000 Pilger aus den katholi- 
schen Gegenden Westdeutschlands und Hollands wallfahren. Infolgedessen 
besteht der Haupterwerb seiner Bewohner den Sommer über (Juni bis 
Oktober) im Handel und Verkehrsgewerbe, zu denen noch eine lebhafte 
Industrie in Buch- und Bilderdruckerei und der Fabrikation all der 
vielerlei sogen. Devotionalien für die Wallfahrer, sowie endlich noch be- 
deutende Schuhfabrikation u. a. kommen. — Das weiter nördlich gelegene 
Niersgebiet ist der Landwirtschaft, besonders dem Weizen-, Roggen-, 
Obst- und Kartoffelbau günstig; es wird femer starke Schweinemast 
betrieben, große Molkereien verarbeiten die Produkte der Rindviehzucht, 
doch ist die Käserei wegen der vielen sauren Wiesen nicht lohnend und 
wird deshalb fast ausschließlich Butter erzeugt. Von Industrie ist vor 
allem die Schuhmacherei im Hausbetrieb vertreten, und zwar stellenweise 
sehr stark. So befinden sich z. B. in dem etwa 700 Einwohner zählen- 
den Städtchen Kervenheim gegen 200 Schuhmacher, die Bewohner 
des Orts leben also fast ausschließlich von der Schuhmacherei. — In der 
lebhaft aufblühenden Stadt Goch finden wir Cigarren- und Plüschfabri- 
kation, dann Lederindustrie, vor allem aber 01- und Margarinefabrikation, 
Auf dem westlichen Grenzhöhengebiete sind Ackerbau und Vieh- 
zucht vorherrschend. Der leichte Sandboden wirft bei sorgsamer Be- 
handlung und Düngung gute Erträge ab. Im Süden nimmt die Bevölke- 
rung, wie im benachbarten Teile des Niersthals, und wohl auch aus 
demselben Grunde, stark ab, so in der Gemeinde Herongen von 1885 
bis 1895 um 12 ^/o. Hier ist noch einige Weberhausindustrie zu finden, 
im nördlichen Teile ist die Schuhmacherei, ebenfalls als Hausindustrie, 
vorherrschend. Der größte Ort in diesem Gebiet ist Straelen, wo sich 
auch einige andere Industriezweige, wie Stuhlfabrikation, Sandstein- 
fabrikation, dann Cigarrenfabrikation und Leinölmüllerei, angesiedelt 
haben ^). 



*) Für den zweiten und dritten Teil der Arbeit wurden außer den einzeln 
namhaft gemachten Quellen noch benutzt, ohne daß es möghch gewesen wäre, dies 
an jeder in Betracht kommenden Stelle besonders anzuführen, die uns in liebens- 
würdigster Weise zur Verfügung gestellten Verwaltungsberichte einer Reihe von 
Städten, wie der das niederrheinische Gebiet umfassenden Handelskammern und 
eine große Anzahl von brieflichen Mitteilungen der Herren Bürgermeister bezw. 
Gemeindevorsteher sowie anderer Persönlichkeiten. Allen diesen Herren sei für 
ihre freundliche Unterstützung auch an dieser Stelle nochmals der herzlichste 
Dank ausgesprochen. 

Die auf diese Weise erlangten Materialien beziehen sich auf folgende 
Bürgermeistereien bezw. Gemeinden: Sterkrade, Gahlen, Schermbeck, 
Duisburg, Ruhrort, Meiderich, Dinslaken, Vörde, Wesel, Haldern, 
Isselburg und Millingen, Ringenberg, Ürdingen, Friemersheim, 
Homberg, Mors, Neukirchen, Repelen und Vluyn, Orsoy, Alpenund 
Veen, Xanten und Wardt, Kaikar und Appeldorn, Grieth, Schenken- 
schanz, Kleve, Nieukerk, Sevelen, Labbeck, Üdem und Keppeln^ 
Wachtendonk, Geldern, Issum, Sonsbeck, Winnekendonk, Kevelaer,. 
Goch, Wankum, Straelen, Walbeck, Twisteden, endlich Krefeld. 



ANHANG: 



TABELLEN 



(vgl. S. 59 ff.). 




I. östliche drei 



i. 


Sterkrade (2) . . 
Hiesfeld (2) . . 


16,65 

47,95 


22,22 
39,02 


60,36 
25,74 


17,42 
35,24 


12,95 
39,24 


11333 875 
4328 148 


IX 
VI 




1-2. 




64,60 


34.69 


84,66 


30,65 


42,19 


15661 371 


(VIU) 





3. Httnie (2) . . . 11 24,33 

4. Oartrop-Bühl (2) 18,35 

5. Gahlen (2) . . |! 24,61 


42,54 
60,27 

18,81 


16,44 

17.06 
37,51 


41,02 
22,67 
43,68 


13,98 1 004 72 
7,29 466 64 
19,98 1 490 75 


in 
ni 

in 


3-5. 67,29 


38,70 


24,31 


86,99 


41,25 2960|| 72 


(iii) 



6. 


Krudenburg (3) . 


1,28 


_ 


35,91 


64,06 


1,28 


208 


163 


vn 




7. 


Drevenacfe (3) . 


30,25 


43,17 


20,96 


3Ö,«V 


17,19 




60 


m 






Damm (3) . . . 


23,13 


35,97 


19,02 


45,01 


14,31 


611 


41 


n 




9. 


Bricht (3) . . . 




31,67 


w:Ah 


39,98 


5,76 


254 


44 


n 




10. 


Overbeck (3) . . 


7,87 


48,67 


u,:w 


36,97 


4,04 


193 


4« 


n 




U. 


Dämmerwald (3) 


14,76 


69,31 


14,02 


16,67 


4,53 


163 


45 


II 




12. 


Schennbeck (3) . 


4,97 


20,12 


44,47 


35,41 


3,97 


923 


«3'.! 


vni 




13. 


Weaelerwald (3) . 


11,80 


58,47 


18,56 


22,97 


4,91t 


485 


99 


IV 




14. 


Briinen (3) . . 


44,79 


27,77 


35,37 


36,86 


32.35 


2192 


68 






6-14, 




147,28 


39,69 


a5,I4 


35,17 


88,83 


6064 


68 


(111) 








ä79,17 


38,29 


27,15 


34, 5S 


172,2- 


34 685 


143 


(VI) 





15. 


•DuiBburg (1) 


37,53 


26,19 


27,95 


+5,86 


27,70 


70272 


MR7 


X 




16. 


*Bubrort (2) . . 


1,44 




2,08 


97,92 


1,44 


11708 


K13H 


X 




17. 




17,25 


1,62 


35,71 


72,67 


16,97 


25833 




X 




18. 


Beeck (2) . . . 


23,64 


7,23 


28,47 


64,30 


21,93 


18 764 


H5H 


IS 




19. 


Hamboni (2) . . 


10,61 


6,22 


71,44 


23,34 


9,95 


6063 


«09 


IS 




90. 


Buschhauaeu (2) . 


7,48 


18,03 


40,65 


41,32 


6,09 


2290 


376 


VIII 




21. 


Holteu (2)t) . . 


Ö,.53 


30,16 


72,10 


7,74 


6.81 


3885 


424 


VIII 




15-21. 




106,43 


14,60 


37,73 


47.67 1 


90,891 


137815 


1516 


(S) 





23. ['Diiialakeii (2) 

23. Walaum (2) . 

24. MölIen (2) . . 
25,IVörde (2) . . 



13,39 


6,12 


52,28 


19,72 


3,55 


62,27 


7,67 


23,99 


47,93 


11,82 


15,23 


.57,61 



41,60 12.57 


3071 


244 


VIII 


34,18 19,02 


2122 


112 


V 


28,03 ! 5,83 


666 


114 


V 


27.16 10,02 


1103 


110 


V 



Die Volksdichte am deutgcheii Niederrhein. 



Grundateuer- 
Ein- IteinertrBg 
«hnet d auf den Hektar in 


Viehhaltung 1, XII. 92 




Su^igen 
■Wohn- 

platzes 




Pferde 


Rinder 


Schweine 


Bemerkungen 


Äcker 


Wieae 


Wald 


Zahl 


auf 
Iqkm 


Zahl 


auf 
iqkm 


Zahl 


auf 
Iqkm 




.2 


13 


U 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 



kShenzoDe. 



II ^* I ' II ' 







Die Namen 


IIW 


m 


der Ereiae b. 


1477 


51 


S. 114. 



43 II 2675 I 63 



12675| 



II "» I MI ' 



35 II 
85 
34 II 



■iry 



_ 


25,46 


41,52 


_ 


3 


2 


49 


38 


1 76 


59 


t) Zur lauf. 


728 


12,92 


36,82 


3,13 


100 


6 


787 


46 




46 


Nr. 21. Die 


607 


16,84 


18,41 


2.74 


61 


4 


591 


4n 


519 


35 






13,32 


18,80 


2,74 


27 


5 


222 


3H 


173 


30 


tiachen Ge- 




12,58 


12,53 


2,74 


9 


2 


119 


H9 




21 






11,75 


9,40 


4,31 


18 


4 


348 


fifi 


144 


32 


Stadt u. Feld- 




18,80 


14,10 


3,13 


33 


8 


259 


65 




73 


mark u. H.- 




11, HK 


13,71 


3,92 


.30 


6 


422 


m 


717 


146 


Amt -iiifiam- 


■469 


14,88 


11,36 


3,13 


200 


6 


2830 


72 


2623 


81 


men. 










481 


5 


5027 


57 


5418 


61 












976 


6 


8653 


50 


9510 


55 





>.el-)Gebiet. 























•) Die ein- 


17 342* 


37,21 


69,32 


16,84 


968 


35 


637 


23 


1652 


60 


zelnen Wohn- 


11676 


ftnOO 






107 


74 


16 


11 


117 


81 






36.03 


25,85 


9,7Ü 


305 


18 


809 


48 


1495 




derartig zu- 


8892 


34,86 


41,12 


I2,!)2 




12 


1054 




1322 


60 




3332 


34,86 


41,12 


12,82 


164 


16 


520 


52 


724 


73 






23,46 


40,71 


16,12 


54 


9 


295 


38 


429 


70 


ab eiuB zu be- 


933 


26,75 


21.00 


10.65 


75 


11 


384 


56 


460 


68 


trachten sind. 










1939 


21 


3715 


41 


ni99 







33,29 


56,79 


10,57 


61 


5 


385 


31 


631 


50 


51,70 


56,79 


?M,ny 


165 




110K 


5« 


935 




35,64 




IH,02 


62 


11 


430 


74 


402 


69 


21,15 


28,50 


8,62 


86 


9 


613 


61 1 




88 



!) Weiden- 
pflanznngen 
92 M. 



Flächeninhalt 



Gemeinde 
(und Kreis) 
(' = Stadtr 
gemeinde) 



.. Göraickei: (2) . . 

. Lohnen (2) . . 

.. Mehrura (2) . . 

i. Spellen (2) . . 

I. Bruckhauaen (2) . 

. Büchholt- 

men (2) ■ . 



'Ürdidgen (7) . 

Bockum (7) . . 

Verberg (7) . . 

Hohenbudhei'g- 
EaldenhEiuEen(4) 

Friemerslieim (4) 

BÜereheim (4) . 

Hoch -Emme- 
rich (4) . . 
j^senberg (4) . 

Homberg {i) . 

Hochheide (4) 

Hochatraß (4) 

Aaberg (4) 

Ö9trum (4) . 

lergheim (4) 
Möra (4) . . 
?imi (4) . . 

Schwaf heim (4) 



über- 
haupt 



Wald 



Übri. 

Wieae B^« | 

ZI 



5.fi2 


0,71 


61.39 


37,90 


9,09 


11,65 


70.19 


18,15 


4.41 


1,13 


87.08 


11,79 


9.42 


3,29 


80,57 


16,14 


7,7H 


5.01 


76,86 


18,13 


2,72 


4,41 


79.78 


15,81 


11.43 


1,49 


79,18 


19,33 


2.58 


0.39 


70,93 


28,68 


i>.\)\ 


0,60 


69,06 


30,34 


2,.'i« 


3,10 


K7,H9 


8,91 


3 27 


7,03 


88.99 


3,98 


K,H4 


r..«4 


72,38 


21,63 


'?..rA 


4,40 


86.81 


8,79 


2,KH 


2.08 


89.24 


8,68 


4,()ti 


1.97 


90,39 


7.64 


H,H(I 


3,42 


87,63 


8.95 


4.56 


13,1 e 


76..=i3 


10.31 


H5,88 


4.32 


78,26 


17.42 



Volkadichte auf 
I qkm 



ohne Wald 

Zahl Stufe 



60,39 
60,15 
75.00 ■ 
48,39 22,06 
43,11 12,47 

60,91 1 11,88 



5238 


939 


4802 


.■SOS 


917 


210 


1620 


178 


1408 


191 


458 


176 


177S 


15« 


1539 


599 


5859 


11 v; 


2279 


912 


1491 


491 


1327 


358 


915 


351 


668 


'm 


5 839 


1407 


463 


126 


733 


185 


37 333 


454 



49. 


Traar (7) . . . 


15,78 


6,02 


84,60 


9,38 


14 83 


1645 


111 


V 


Ifll 


50. 


Rumeln (4) . . 


6,»9 


fi,H7 




6,44 


6,51 


796 


vn 


V 


114 


51. 


Kapellen b.MIJ«{4 


17,02 


8.34 


K3,2« 










V 


M 


52. 


Nenkirchen bei 






















mm (4) . . . 


18,67 


6,75 


86,72 


6,53 


17,41 


1773 


lOfl 


V 




53. 


Vluyn (4) . . . 


11,52 


2,69 


88,72 


8,59 


11,21 


1769 


158 


vn 


145 


-53. 




69,9^ 


6,32 


8-5,72 


7.96 


65.56 


7 609 


116 


(V) 


10! 



Baetl (4) . . 
*Orsoy (4). . 
Viorhaum (4) 
Hülsdonk (4) . 
.JRepelea {i) . 





24,36 


21,59 


56,08 


23,33 


19.10 


2047 


107 


V 




14,68 


1.64 


41,28 


57,08 


14,44 


2120 


147 


VI 




4,25 


2,12 


84,94 


12,94 


4,16 


532 


VXA 


VI 




6.49 


6,78 


85,36 


7.86 


6.05 


531 


HH 


IV 




29,44 


5,67 


81.08 


13,25 


27,77 


2292 


83 


IV 



Die Yolksdichte am deutschen Niederrhein. 



103 



Ein- 
wohner d. 
gleich- 
aamigen 
Wohn- 
platzes 


Qrundsteuer- 

Reinertrag 

auf den Hektar in 


Viehhaltung 1. Xll. 92 




Mark 


Pferde 


Rinder 


1 

Schweine 


Bemerkungen 


Acker 


Wiese 


Wald 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
1 qkm 




12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 


306 
265 
654 


45,82 
66,58 
42,69 
24,28 
23,11 

21,15 




20,37 

8,62 
7,44 

5,48 


17 
59 
21 

559*) 
62 

44 


11 
9 
5 

25 t) 
5 

4 


114 
429 
197 
1286 
497 

321 


74 
66 
43 

58 
40 

27 


121 
326 
207 
1290 
511 

293 


1 

79 
50 

45 1 
58 
41 

25 


*) Darunter 
376 Militär- 
pferde. 

t) Ohne 
obige; 8. 

t 










1136 


11 


5380 


50 


5598 


53 


S. Anm.a)auf 
Seite 114 der Ta- 
bellen. 



5158 

2861 

666 

[.i41;K.1179 
486 
140 

446 

5508 

510 
996 



5730 
383 
569 



45,82 
44,65 
54,44 

36,42 

48,17 
51,70 

70,11 
52,48 
38,77 
28,98 
25,85 
25,85 
35,64 
50,52 
25,46 
31,33 
36,03 



53,66 
33,68 
28,20 

26,24 
60,71 
76,77 

62,27 
30,55 
79,50 
15,27 
30,55 
30,55 
30,55 
48,96 
20,76 
18,80 
22,72 




5,87 


134 


24 


142 


25 


243 


44 




15,67 


143 


18 


386 


48 


287 


36 


1 


10,18 


80 


18 


318 


73 


309 


71 




10,57 


89 


10 


438 


48 


496 


54 




25,85 


58 


8 


370 


50 


448 


61 




16,45 


27 


10 


167 


64 


164 


63 




20,76 


126 


11 


741 


66 


666 


59 




8,22 


22 


9 


93 


36 


211 


82 




30,16 


85 


17 


168 


34 


485 


100 




7,83 


65 


26 


107 


43 


298 


119 




12,53 


35 


12 


190 


63 


347 


114 




12,53 


47 


13 


241 


65 


338 


91 




14,49 


30 


11 


204 


78 


201 


77 




19,97 


36 


13 


198 


70 


196 


70 




14,88 


111 


28 


149 


37 


405 


102 




7,83 


42 


11 


225 


61 


160 


44 




11.36 


47 


12 


287 


72 


290 


73 






1117 


14 


4424 


54 


5544 


67 


S. Anm. b) auf 
Seite 114 der Ta- 
bellen. 



422 
546 
277 



9,79 
15,27 

8,22 

8,62 
8,22 



195 

78 
196 

197 
144 



13 
12 
13 

11 
13 



810 



12 



805 
426 
987 

1143 

807 



4168 



54 


761 


51 




65 


400 


61 




63 


857 


55 


1 
1 


67 


1054 


61 


1 

1 


72 


803 


72 


- 


64 


3875 


59 


1 



910 
1652 
127 
462 
431 



53,27 


38,77 


49,35 


153 


8 


1262 


66 


1173 


61 i 


33,29 


52,87 


27,81 


80 


6 


638 


44 


541 


37 , 


28,20 


33,29 


13,32 


40 


10 


326 


78 


350 


84 


27,42 


16,06 


7,05 


71 


12 


424 


70 


403 


67 


29,37 


25,46 


9,01 


264 


10 

• 


1764 


64 


1623 

1 


58 





Genieiude 
(und Ereie) 
(* - Stadt- 


Flächeninhalt 


Fläche 
ohne 
Wald 


11 
S g 


Volksdichte nuf 
Iqkn. 


Nr. 


über- 




ohne Wald 


mit 




gemeinde) 


haupt 
qkm 


Wald 


Äcker 
und 
Wiese 


Übri- 
ges 


qkm 


Zahl 


Stufe 


ZiU 


1 


2 


^ 


4 


5 


6 


7 ] 8 ] 9 


10 


■' 


5a. 


Winterewick (4) . 




0,42 


74,16 


25,42 


2,35 


191 


81 


IT 


1 


HO, 


Sudberg (4) . . 


li,74 


4,75 


57.57 


37,68 


fi,42 


497 


77 


IV 


74 


(i1, 


jIverBael (4) . . 


6,07 




60.30 


39,70 


6,07 


330 


M 


III 


hi 


li2. 


Oraoy-Land (4) . 


5.52 


18,12 


7,24 


90,94 


5,42 


62 


11 


1 


11 


54-6ä. 




Ü9,91 


8,14 


62.4B 


29,38 


91,78 


8602 


,, 


CIV) 


86 



63. 


Lintfort (4) . . 


7,79 


12,20 


79,07 


8,73 


6,84 


501 


73 


m 


M 


64. [RoMenray (4) . 


5,91 


3,05 


81,22 


15.73 


5,73 


342 


611 


m 


.W 


65. 


Kamperbnich (4) 


.-.,84 


4.9V 


82,36 


12,67 


5,55 


407 


73 


in 


70 


66. 


Saalhoff (4) . . 


1V,28 


47,74 


34,26 


18,00 


9,03 


602 


67 


MI 


HS 


67. 


*Rheiiiberg (4) . 


2,06 


0.49 


92,23 


7.28 


2.05 


188 


92 


IV 


Hl 


68. 


15,41 


3,88 


79,30 


16,87 


14,82 




166 


VII 


m 


69. 


Hillingen (KreU 






















Möra) (4). . . 


1,87 


0,54 


92,51 


6,95 












70. 


Drüpt (4) . . . 
Huck (4) . . . 


MI 


1,61 


87,46 


10,93 


8.06 


136 


44 


11 


M 




3,23 


18,89 


74,61 


6,50 




174 


HR 


III 


M 


72. 


Alpen (4) . . . 


3,49 


1,15 


8596 


12,89 


3.45 


855 


248 


vm 


245 


68-72. 




65,99 


16,64 


69,21 


14,15 


55,01 


5 763 


105 


(V) 


87 



87.|Bergs-wJck (3) . 1] 3,841 
Hg. Reesereiland (3) . 4,08 
Ky.l'Reea (3) . - . 7,30 



1,.'>6 I 39,06 I 59,37 11 
— 6,86 93,14 
1,10 46,44 52,47 



73. 




1 5,24 


3,24 


36,07 


60,69 


5,07 


438 


86 


IV 


84 


74. 


Borti (4) . . . 


4.99 


0,20 


73,75 


26,05 




460 


92 






75. 


Bönning (4) , . 


1,9H 


6,57 


71,72 


21,72 


1.H5 


140 


76 


IT 


71 


76. 


Menzelen (4) . . 


12,98 


UV. 


70,88 


26,60 


12,64 


1263 


99 


rv 


SIT 


77. 


Veen (4) . . . 


27,34 


21,91 


69,68 


8,41 


21,35 


1648 


77 


IV 


m 


78, 


Birten (4) . . . 


10,02 


26,55 


69,28 


14,17 


7,36 


722 


9K 


IV 




79. 


Winnentha] (4) . 


1,36 


4,41 


47,06 


48,53 


1,30 


133 


low 


V 


«j 


."^ü. 


Wallach (4) , . 


6.48 


1.08 


39,20 


59.72 


6,4J 


371 


58 


m 


M 


Sh 


Büderich (4) . . 


25.06 


1,64 


48,24 


60.13 


24,65 


3127 


127 




VÜ 


73-Nl. 




95,45 


10,31 


59.14 


30,55 


85,61 


8292 


97 


UV) 


87 



82.|*Wesel(3) . . | 18,74 1 0,91 1 38.96 1 60,14|| 18,57|j 22259111199 1 (S) [1188 



83. 
84. 
K5. 
86. 


Fluren (3). . . ' 
Dierafordt (3) ■ 
Bialich {8). . . 
HafFen-Mehr (3) . 


8,92 33.74 20,07 
6,55 64,12 16,79 
86.63 19,82 88,88 
31,44 9,64 39,47 


46.1911 5,9111 
19,08 2,35 
41.30 29.37 
50,89 11 28,41 1 


42111 

147! 

2 178 

208911 


71 
63 
74 
74 


m 
m 
in 
m 


47 
22 
59 
66 


83-86, 




83,54 20,95 35.30 


43,6911 66,041 


4885| 


,a 


(in) 


68 



3925 544 IX 



Die Volksdichte am deutschen Nlederrhein. 



105 



Ein- 
rohner d. 


1 

Grundsteuer- 
Reinertrag 
auf den Hektar in 


Viehhaltung 1. XH. 92 




gleich- 
oamigen 
Wohn- 
platzes 


Mark 

i 


Pferde 


Rinder 


Schweine 


Bemerkungen 


Acker 


Wiese 


1 

Wald 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
1 qkm 




12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 


366 

284 


36,82 
30,16 
59,14 
50,52 


44,65 
65,80 

111,62 


8,22 
14,10 

47,00 


35 
69 
60 
17 


15 
11 

10 
8 


196 
417 
487 
149 


83 
65 

72 
27 


181 
860 
307 
109 


77 
56 
51 
20 












789 


9 


5 613 


60 


5 047 


55 





448 


32,12 


20,76 


10,18 


79 


12 


458 


66 


503 


74 




— 


40,73 


— 


10,57 


85 


15 


425 


74 


458 


80 




— 


36,82 


17,62 


6,66 


73 


13 


356 


64 


623 


125 




442 


25,85 


24,67 


7,44 


91 


10 


496 


55 


650 


72 




— 


28,20 


22,32 


4,70 


26 


13 


135 


66 


184 


90 




1957 


25,07 


87,60 


9,40 


135 


9 


667 


45 


765 


52 




596 


37,99 


15,27 


8,62 


25 


13 


123 


66 


177 


95 






32,51 


43,08 


16,45 


28 


9 


161 


53 


177 


58 






22,32 


28,89 


12,92 


38 


15 


175 


67 


171 


65 




— 


31,72 


34,07 


10,57 


24 


7 


161 


47 


805 


88 










1 


604 


11 


3152 


57 


4018 


73 





19042 



96 

?;l.796 



402 


30,10. 


L 41,12 


20,76 


85 


7 


229 


45 


276 


54 




— 


42,69 


55,22 


11,75 


54 


11 


361 


72 


440 


88 




— 


25,46 


41,12 


18,71 


24 


18 


141 


76 


108 


58 




762 


30,16 


40,84 


10,97t) 


118 


9 


812 


64 


1011 


80 


t) Weiden- 
pflanzgn.40,8. 


1186 


19,19 


8,22 


8,22 


176 


8 


1046 


49 


1 182 


55 


— 


22,32 14,49 


7,83 


87 


12 


557 


76 


624 


85 




19,19 




8,22 


19 


15 


248 


190 


204 


156 




346 


86,82 




86,42 


60 


9 


432 


67 


381 


59 




1300 


58,27 


88,77 


49,35 


250 


10 


1688 


68 


1907 


77 












818 


10 


5 514 


64 


6188 


72 


*) Weiden- 
pflanzgn. 75,6. 



45,48 75,59 8,22*) 742§) 40!) 



614 



33 



823 



44 



16,84 




7,44 


28 


5 


285 


40 


194 


33 


28,59 


— 


10,18 


16 


7 


106 


45 


84 


36 


42,80 


— 


8,22 


271 


9 


2358 


80 


1448 


49 


41,52 


55,22 


8,22 


286 


8 


2253 


79 


1357 


48 








551 


8 


4952 


75 


3088 


47 



§) Davon 411 
Militärpferde. 

!) Ohne 
vorige 18. 



J366 



56,01 


85,25 


22,72 


86 


10 


257 


68 


129 


84 


59,92 


15,27 




6 


1,5 


52 


13 


31 


8 


68,45 




50,92 


89 


12 


271 


38 


437 

1 


61 



106 






E 


ÄmbrosiuB. 










J 






Flächeninhalt 






Volksdicbte &iit 1 




Gemeinde 
(und Kreis) 




Fläche 
ohne 
Wald 


li 


1 qkm 




Lauf. 




1 






Nr. 


(• = Stadt- 


über- 


davon in Prozent | 




ohne Wald 


Wild 
Ml 




gemeinde) 


haupt 
qkm 


Wald 


Acker 
und 
Wieae 


Übri- 
ges 


qkm 


II 

°3 


Zahl 


atnfe 


1 


2 


3 


4 


5 


6 7 


8 


9 


10 


II 


'M. 


Easerden (3) . . 


4,26 




62,68 


37,32 4,26 


441 


108 


V 


108 


91. 


Speidrop {31 . . 


1,D9 




81.91 


18,09 1,99 


102 


51 


III 


61 


ij2. 


Groin (3) . , . 


2,92 




70,21 


29,79 2,92 


15-5 


53 


m 


51! 


93. 


eeBren-Herkon(3) 


5,01 


10,58 


41,92 


47,50 4,48 


216 


48 


n 


4.i 


94. 


Huri (3) . . . 


4,53 


5,52 


54,75 


39,73 4,28 


475 


111 


V 


lOJ 


95. 


Millingen (Kreia 




















Rees) (3) . . . 


7,77 


1,67 


46,33 


52,00 7,64 


13T2 


180 


VII 


UT 


M. 


Bienen (3) . . . 


8,95 




59.33 


40,67 8,95 


812 


91 


IV 


Ml 


H7. 


Reeaerward (3) . 


5,6.^ 


6,37 


11,86 


81,77 5,29 


.^3 


16 


I 


15 




Grietherbuflch (3) 


5,10 


0,78 


16,08 


83,1+ 5.06 


193 


38 


n 


3S 


87-98. 




61,40 


2,36 


43.16 


54,48 .19,95 


7 876 


131 


(VI) 


133 


99. 


Praert (3) . . . 


10,72 


_ 


37.31 


62,69 


10,72 


624 


58 


m 


58 


100. 


Vrasaelt (3) . . 


10.58 




51,80 


48,20 


10,68 


554 


52 


m 


53 


101. 


Klein -Netter- 






















den (3) . . . 


15.38 


6,11 


58,13 


35,76 


14,44 


1062 


74 


III 


69 


102. 


Borgheea (3) . . 


6.38 


21,19 


42,94 


85,87 


4,24 


178 


42 


u 


Sä 


103. 


Domick (3) . . 


2,90 


0,69 


86,90 


62,41 


2,88 


266 


92 


IV 


91 


104. 


•Emmerich (8) . 


3,59 


0.28 


31,48 


68,25 


3,58 


9 946 


2778 


X 


am 


105. 


Hüthum (3) . . 


14,22 


13,36 


30,45 


56,19 


12,32 


1244 


101 


V 


81 


106. 


Grondatein-Stein- 






















ward (3) . . . 


2,73 


037 


52,01 


47.62 


2,72 


53 


20 


I 


19 


99-106 




65,50 


6,14 


43,78 


50,08 


61,48 


13926 


227 


(vni) 


m 


lOT.jElten (3) . . . 


14,681 44,961 29,50 25,54 j| 8,08 


2358 


292 [ vni 


... 


■ 108. 


Obrigho*en-Lack- 






















hausen (3) . . 


27,68 


24,75 


43,42 


31,83 


20,83 


2 101 


101 


V 


76 


109. 


Hamminkeln {3) 


28,49 


25,48 


41,28 


33,24 


21,23 


1976 


93 


IV 


«i 


110. 


Bingenberg (3) . 


6,39 


11,89 


18,00 


70,11 


5,63 


418 


74 


in 


65 


111. 


Loikum(3) . . 


10,59 


18,22 


51,18 


30,60 


8,66 


491 


57 


m 


46 


112. 


Haldem (3) . . 


26,61 


22,92 


44,16 


32,92 


20,51 


2146 


105 


V 


81 


113. 


Wertherbrueli(3) 


15,52 


8,89 


48.07 


43,04 


14,14 


1115 


79 


IV 


72 


114. 




6,21 


17,23 


44.12 


38,65 


5.14 


480 


93 


rv 


79 


115. 




7,49 


19,89 


48,87 


31,24 


6,00 


610 


95 


IV 


81 


116. 


•iBselbnrg (3) . 


3,71 


8,90 


57,68 


33,42 


3.38 


1899 


562 


a 


513 


10816 




132,69 


20,48 


43,78 


35,74 


105,52 


11236 


106 


(V) 


85 


117. l'Xanten (4) . . 


8,16 


10.05 


6.1,44 


24,51,; 7,34 


3435 


468 


viu 


421 


118. Wardt (4). . . 


36,88 


6,81 


54,69 


88,.50 34.37 


1674 


49 


II 


45 


119. [Marienhaum(41 . 


2,78 


n,27 


60,43 


22,30 1 2,30 


621 


270 


vm 


223 


120. 


Vynen (4). . . 


9,2,5 


2,81 


66,05 


31,14 


8,99 


996 


111 


V 


108 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 



1( 



Ein- 


Grundsteuer- 
Reinertrag 




Viehhaltung 1. XU 


[.92 






)hner d. 


auf den Hektar in 
Mark 
















jleich- 
amigen 


Pferde 


Rinder 


Schweine 


Bemerkung 

1 




















1 


3latzes 










auf 




auf 




auf 






Acker 


Wiese 


Wald 


Zahl 


1 qkm 


Zahl 


1 qkm 


Zahl 


1 qkm 


1 


12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 




71,67 






59 


14 


499 


117 


414 


97 






69,32 






27 


14 


203 


102 


117 


59 






54,88 




23,50 


49 


16 


337 


115 


189 


48 




.59;ffi.l57 


27,02 


35,25 


7,83 


51 


11 


391 


87 


197 


44 




469 


37,00 




14,88 


47 


11 


328 


77 


198 


46 




1114 


35,64 




11,36 


52 


7 


523 


86 


507 


66 




543 


59,14 






100 


12 


763 


89 


668 


78 






80,29 




57,57 


38 


7 


345 


65 


139 


26 




— 


58,75 




47,00 


38 


7 


848 


68 


154 


80 












587 


10 


4812 


72 


3130 


52 


S. Anm c)i 
Seite 114 der*: 






1 














bellen. 


499 


62,67 


35,25 


17,62 


70 


7 


749 


70 


559 


52 




488 


72,85 


47,00 




111 


10 


824 


78 


526 


50 




322 


41,52 




6,66 


96 


7 


728 


50 


472 


38 




163 


26,24 




6,27 


38 


9 


288 


68 


182 


48 






65,02 


35,25 


47,00 


30 


10 


282 


81 


236 


82 




— 


37,99 


— 


7,44 


125 


35 


362 


101 


412 


115 




975 


41,12 


15,27 


15,27 


102 


8 


874 


71 


734 


60 




St. 12 


63,45 




10,97 


35 


13 


232 


85 


92 


34 












607 


10 


4289 


70 


3213 


63 


S.Anm. d)i 
Seite 114 de rl 






1 














bellen. 


2029 


17,62 




5,48 


50 


6 


462 


57 


784 


91 




110; L 791 


21,93 


38,38 


5,87 


176 


8 


1320 


63 


1464 


70 


1 

1 


558 


23,50 


10,18 


9,01 


136 


6 


1299 


61 


1258 


59 




368 


20,76 


— 


15,27 


19 


3 


185 


38 


214 


38 


1 
1 




24,28 


14,88 


9,01 


44 


5 


535 


62 


886 


45 




594 


19,58 


44,26 


7,44 


158 


8 


1425 


69 


1180 


58 






25,85 


20,37 


15,67 


88 


6 


853 


60 


774 


55 




— 


19,58 


— 


6,66 


40 


8 


443 


86 


232 


45 




514 


21,54 




8,22 


46 


8 


442 


74 


386 


64 


1 




26,24 


34,86 


9,40 


40 


12 


242 


72 


341 


101 


i 






• 




747 


7 


6744 


64 


6 235 


59 


S.Anm. e)a 
Seite 114 der 1 






1 














bellen. 


2445 


29,37 


— 


5,48 


114 


16 


! 439 


60 


1 793 


108 • 


1 


376 


37,60 


32,51 


18.41 


336 


10 


2230 


65 


1822 


58 


i 


614 


18,80 




8,62 


19 


8 


165 


72 


389 


147 


1 


400 


23,89 




21,15 


82 

1 


9 


544 


.60 


786 

r 


87 







Üemeinde 
(und Kreb) 




Flächeninhalt 


Fläche 
ohne 
Wald 


4 


Volksdichte aaf 
1 qkm 
















(• - Stadt- 


Ober- 




, in Prozent 










gemeinde) 


haupt 
qkm 


Wald 


Äcker 
und 
Wiese 


tbri- 
ges 


qkm 


U 

03 


Zahl 


Stsfe 


IM 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


n 


1-21. 


Ober.MCnnter(4) 


3,82 


1,05 


39,00 


59.95 


3,78 


386 


102 


V 


im 


1-22. 


Appeldom (5) . 


17.S- 


7,31 




28,15 


16,10 


1317 


H9. 


IV 


K 


123. 


Nied.-MQrmter(5> 


9.3M 








fl.26 


766 


K3 


rv 


Ki 


124. 




7,85 








7.85 


662 


K4 


IV 


tH 


125. 


WiBBclward (ü) . 










3,50 


88 


'^5 


I 


Vh 


126. 


Wissel (5) . . . 


10,01 




43,20 


56,74 


10,01 


989 


»9 


IV 




127. 


Grieth (5) . . . 


6,]f 


4,21 


14,89 


80,90 


5.92 


998 


169 


VIT 


m 


138. 


Bylerward (6) . 


7,2: 




20,77 


79,23 


7,27 


109 


1,S 


I 


]h 


139. 
























land (-5) . . . 


9,41 


1,91 


25,08 


73.01 


9,23 


223 


24 


I 


u 


117-29 




131,76 


4,43 


50,5S 


4499 


125,93 


12264 


«7 


(IV) 


9S 


130. 


Ealkar(5). . . 


2.22 


_ 


27,48 


72,52 


2,22 


1935 


S72 


IX 


R73 


131. 


t{aii8ela«r (5) . 


4,04 




54,46 


45.54 


4.04 


213 


53 


iir 


M 


132. 


Alt-Kalkar (5) . 


9,57 




65,19 




9,07 


659 


7H 


III 




133. 


rill-Moyland (5) 


18,09 


11.17 


57,10 




16,07 


818 


51 


m 


4» 


130-33. 




33,92 


V,« 


57,13 


85,44 


31,40 


3 625 


115 


(V) 


107 


134. 


Huiaberden (5) . 


5,69 




57,65 


42,36 


5,69 


320 


m 


m 


S« 


135. 


Warbejen (5) . 


11,80 


0,01 


42.02 


57,97 


11,78 


655 


56 


m 


M 


136. 


jrietkausen (5) . 










1,48 


744 


5V11 


IX 


,m 


137. 


Saimorth und 
ScheukenBcliaiiz 






















(5) 


11,08 


5,05 


9,39 


85,56 


10,52 


814 


80 


u 


sti 


134-37. 




30,00 


1,93 


31,67 


66,40 


29,42 


2033 


69 


(HI) 


68 


138. 




1S.91 


7,79 


68,76 


2S,44 


14,67 


1548 


106 


V 


9» 


139. 


Kellen (5) . . . 


10,1E 




56,88 


43,12 


10,18 


1508 


148 


VI 


14H 


HO. 


Brienen (5) . . 


2,28 


— 


44,74 


50,88 


2,28 


265 


116 


V 


11» 


138-40. 




28,37 


4417 


62,57 


33.06 


27,13 


3821 


122 


(V) 


117 



141. 


*Kleve(5). . . 


1,78 


3,37 i 15,73; 80,90 


1.72 


10 986116 387 


X 


6172 


142. 


Wardhausen (5) . 


2,38 


- 35,71 64,29 


2,38 


180 


76 


IV 


76 


148. 


lindem (5) . . 


7M 


2,18 89,89 7.94 


7,64 


998 


i:-HI 


VI 


127 


144. 


OonshrÜggen (5) 


5,35 


38,51 33,46 28,04 






18.1 




SR 


145. 


Ieeken(5). . . 


14,57 


0,07 54.70 44,82 










79 


146. 


«ehr (5) , . . 


8.44 


- 49,17 50,83 


8,44 


479 


57 


m 


67 


147. 


Hiel (5) ... 


H.V3 


— 32,05 67,20 


8,72 


242 


2S 


11 


28 


148. 


Zyfflioh (5) . . 


10,10 


0,79 23,66 75,55 


10,02 


552 


55 


in 


55 


142-48. 




67,37 


4,04 47,12 48,84 


55,05 


4036 


73 


(111) 


70 




Zusammen II ; 


1309,42 


10,82 51,72 37.46 


1167,80 


816069 


271 


(vm) 


241 



Die Volkgdichte am deutschen Niederrhein. 



109 



Ein- 


Grundsteuer- 
Reinertrag 




Viehhaltung 1. XII 


.92 






>hner d. 


auf den Hektar in 
Mark 














yleich- 
amigen 


Pferde 


Rinder 


Schweine 


Bemerkungen 


Wohn- 




























olatzes 










auf 




auf 




auf 






Acker 


Wiese 


Wald 


Zahl 


1 qkm 


Zahl 


1 qkm 


Zahl 


1 qkm 




12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 


311 


32,90 




49,35 


! 33 


9 


277 


73 


265 


70 




1253 


22,32 


27,02 


7,05 


1 171 


11 


1141 


71 


1150 


71 






55,62 




37,99 


i 83 


9 


673 


73 


702 


76 




— 


49,35 


— 


■ 1 


73 


9 


612 


78 


529 


67 




— 


52,09 






1 42 


12 


316 


90 


94 


27 




— 


39,17 




1 


67 


7 


731 


73 


631 


63 




909 


54,83 




47,00 : 


37 


6 


464 


78 


358 


60 




— 


43,87 




1 

1 


29 


4 


355 


49 


128 


18 


1 


— 


44,65 




47,00 ' 


55 


6 


591 


64 


217 


23 












1141 


8 


8538 


68 


7 814 


62 


S.Anm. f) auf 
Seite 114 der Ta- 
bellen. 



635 

172; 1.346 



41,91 


65,41 




59 


27 


148 


67 


313 


141 


56,40 


58,75 




54 


13 


382 


92 


205 


51 


27,81 


37,21 


4,31 


96 


11 


640 


71 


673 


74 


27,42 


56,40 


7,83 


221 


14 


1127 


70 


840 


52 








430 


14 


2297 


73 


2031 


65 



§) Weiden- 
pflanzgn. 96. 



— 


56,01 






75 


12 


669 


118 


330 


58 


t) Für Sal- 


523 


57,18 




52,09§) 


94 


8 


876 


74 


519 


44 


morth, Seh.: 




63,06 






29 


20 


300 


209 


228 


159 


35,25. 

*) Nur Seh. 
!) Nur Sal- 


27.8Cll.18T 


41,12t) 


50,13*) 


56.92!) 


34 


3 


357 


34 


145 


14 


morth. 










232 


8 


2202 


75 


1222 


42 





648 



29,77 
57,57 
56,40 



5,87 



5,87 



146 


10 


954 


65 


1126 


77 


109 


11 


718 


71 


493 


48 


28 


12 


202 


89 


108 


47 



283 



10 



1874 



69 



1727 



64 



10887 1135,25 |82,25 i 6,66 || 152 | 88 || 207| 120 || 220| 128 || 





145,82 


58,75 




36. 


15 


220 


92 i 


138 


58 




674 


45,04 


61,20 


20,76 


71 


9 


427 


56 i 


440 


58 




424 


21,54 




6,27 


32 


10 


207 


63 


176 


54 




733 


48,17 




47,00 


173 


12 


1155 


79 


935 


64 


?) Weiden 


— 


28,59 






90 


11 


741 


88 


388 


46 


pflanzgn. 67. 




43,87 


— 


— 


62 


7 


578 


66 , 


197 


23 






34,86 




4,70?) ! 54 


5 


482 


48 1 


412 


41 












518 


9 


3810 


69 


2 686 


49 












13313 


12 


72 267 

1 


62 


69327 


59 


1 





Gemeinde 
(uDd KreisJ 
(• - Stadt- 
gemeinde) 


Flilcheninhalt 


r 

näohe 

ohne 
Wald 

qkm 


li 

II 


Volkadichte ftuf 
1 qkm 


Nr. 


über- 
haupt 

qkm 


Wald 


n in Proaeot 

Acker ,, . 
und f'''"- 
Wie« «^ 


ohne Wald 
Zahl Stufe 


mit 
Wfdi 

Zahl 


1 


2 


3 


4 


5 




7 


8 


9 10 


11 



in. Mittlen 



149. 

150. 


Aldekerk (ti) . . 


10,59 
7,00 


16,34 

15,82 


74,97 
77,22 


6,96 


8,86 
6.65 


990 
1523 


112 

229 


V 

vm 


93 
193 


151. 


Ejll{6) . . . 


14,51 


27,63 


63,20 


9,17 


10,50 


900 


86 


rv 


62 


152. 
153. 


Veraum (G) . . 
Nieakerk 16) . . 


22,37 
20,91 


25,12 
19,32 


61,24 

69.78 


13,64 
10,90 


16,75 
16,87 


1433 

8 207 


190 


IV 


64 
153 


149-53. 




76,2y 


21,82 


67,52 


10,66 


59,63 


8 053 


135 


(VI) 


m 



154. ]B5nDiiighardt (4) ji .5,37 | 29,80| 54.56 1 1.5,64|| 3,77[| 423|j 112 j V | 79 
155.]Labbeck (4) . . || 36,32 ] 26,74 ] 68,10 | 10,16 1 26,61 1| 1729]| 65 | IH | 48 



156. 


Üdemerfeld (5) . 
Odern (5) . . . 


13,37 


6,51 


80.40 


13,09 


12.50 


611 


49 


U 


45 


157. 


5,51 


0,91 


88,20 


10,89 


.^.46 


2121 


8K9 


VIII 


m 


158. 


Nen-LuisendorffS) 


6,4V 


0,15 


90.58 


9,27 


8.46 


403 


6« 


III 




169. 


Keppeln (5) . . 


19.29 


0,73 


87.09 


12,18 


19,15 


1478 


77 


IV 




160. 


LuUendorf (5) . 


Ü.41 


0,11 


93,09 


6,80 


9,40 


711 


7« 


IV 




161. 


Pfalzdorf (5) . . 


36,28 


3-2.30 


60.97 


6,73 


24,56 


2634 


107 






162. 


Hau (5) ... 


11,10 


14,59 


78.83 6.-58 


9.48 


905 


95 






156-62. 




101,43 


14,22 


76,80 


8,98 


87.01 


8863 


102 


(V) 


87 



163. 
164. 
165. 


Materbom (5) . 
Wyler (5) . . . 


2.^09 71,70 
37,41 31,22 
3,76 37.24 


24,83 3,47 
32,58 36,19 
32.71 80,05 


7,10 
25,73 
2,36 


2102 
3045 
520 


296 
118 
220 


VUI 
V 
VIII 


84 
81 
138 


163-65. 




66,20 46,89 


29,66 23,45 


35,19 1 


5667 


161 


(VII) 


" 




Zusammen III: 


385,66 25,71 


61,23 13,06 


212,21 1 


24 735 


117 


(V) 


87 



IV. N i e r 9 - 



166. 




8,29 


19,90 


68,64 


11,46 


6,64 


960 


145 


VT 


116 


167. 


Schaephuyaen (4) 


17,37 


24.99 


63,21 


11,80 


13.03 


1221 


»4 


IV 




168. 


VlujnbuBch (4) . 


4,62 


45.46 


49.35 


5,19 


2,52 


169 


67 






169. 


Rayen (4) . . . 


4,46 


7.40 


80,72 


11,88 


4,13 


668 


162 






170. 


Bheurdt (4) . . 


13,43 


6,33 


83,62 


10,05 


12,58 


1445 


115 


V 




171. 


Sevelen (6) . . 


25.59 


26,22 


59,20 


14,58 


18,88 


2222 


118 


V 





Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 



111 



■ 

: d. 


Grundsteuer- 
Reinertrag 
auf den Hektar in 


Viehhaltung 1. XII. 92 


i 


h- 
en 


Mark 


Pferde 


Rinder 


Schweine 


Bemerkungen 


1- 

3S 


Acker 


Wiese 


Wald 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
1 qkm 






13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 



elgruppen. 



30 


40,34 


30,55 


8,22 


96 


11 


565 


64 


922 


104 




10 


49,74 


33,29 


9,01 


71 


11 


295 


44 


670 


101 




297 
4S2 


41,12 


27,02 


9,40 


116 


11 


598 


57 


953 


91 




39 


35,25 


23,11 


7,44 


168 


10 


975 


58 


1595 


95 




57 


46,22 


26,63 


9,40 


182 


11 


925 


55 


1629 


97 












633 


11 


3358 


56 


5 769 


97 





>6 



9,40 




9,79 


3 


0,8 


87 


24 


119 


32 


23,89 


9,01 


9,40 


310 


12 


1583 


59 


1688 


63 



>7 


39,95 




6,66 


170 


14 


859 


69 


725 


58 


— 


45,43 


73,63 


8,22 


43 


8 


170 


31 


550 


101 


— 


32,12 


42,00 


8,22 


54 


8 


382 


59 


454 


70 


92 


38,38 




7,44 


214 


11 


1224 


64 


1377 


72 


— 


32,90 


23,50 


4,70 


107 


11 


702 


75 


767 


82 


— 


37,99 


23,11 


10,97 


267 


11 


1724 


70 


1943 


79 


— 


28,98 




6,27 


106 


11 


649 


73 


572 


60 



961 



11 



5 710 



66 



6 388 



73 



98 
51 
61 


19,97 
18,02 
15,67 


13,32 


7,05 
9,40 
4,30 


64 

160 

39 


9 

6 

17 


441 

1662 

265 


62 

65 

112 


505 

1258 

320 


71 

49 
136 


• 






' 




263 


7 


2368 


66 


2083 


59 












2170 


10 


13106 


62 


16047 


76 





i e t. 



83 


21,93 


23,89 


7,83 


73 


11 


847 


52 


486 


73 


50 


28,20 


12,53 


9,40 


151 


12 


740 


57 


1348 


103 


- 


22,32 


11,36 


8,22 


29 


12 


150 


60 


150 


60 


- 


31,83 


15,27 


5,87 


63 


15 


425 


103 


446 


108 


81 


28,98 


11,75 


7,83 


179 


14 


819 


65 


1505 


120 


36 


27,81 


16,06 


5,48 


207 


11 


1055 


56 


1867 


99 





Gemeinde 
(und Kreie) 
(* = Stadt- 
gemeinde) 


Fl&cheuinhalt 


Fläche 
ohne 
Wald 

qkm 


11 
II 


VolkBdichte kof 
1 qkm 


Nr. 


Ober- 
haupt 

qkm 


davon in Prozent 

Acker ,,.. . 
W-M und '-''"- 
^"^^ Wieae 8ea 


ohne Wald 
Zahl Stufe 


mit 
WiU 

ZaU 


1 


2 


8 


4 5 





7 


8 


9 


10 


n 


172. 
173. 
174. 


Kamp (4) . . . 
Höretgen (4) . . 
Issvim (6) . . . 


16,47 
4,18 
28,31 


22,28 
2,l.i 

21,44 


68,98 
89,23 
63,76 


8,74 
8,62 
14,80 


12,80 
4.09 
22,24 


1130 

744 
3432 


88 
182 

154 


IV 

vn 
vn 


«9 
178 
131 


166-74. 




'""■' 


21,03 


G6,06 


12.91 


96,91 


11991 


124 


(V) 


98 



175. 
176. 
177. 


Wachtendonk(6) 
Pont ($).., 
•Geldern (6) . . 


21,35 
12,35 
5,61 


14,.52 
16,92 

0.71 


74,61 
71,01 
70,41 


10,87 
12,07 
28,88 


18,35 
10,26 
5,57 


23781] 130 VI 
844 82 IV 

5 974 II 1074 X 


111 

tu 


17.J-77. 




39,81 


13,30 


72,88 


18.82 


34,08 


9191' 270 (VEI) 


2» 



178. 
179. 


Veert (6) . . . 
Kapellen b. Gel- 


8,28 


16,31 


67,63 


16,06 


6,98 


924 


133 


VI 


112 




dern (61 . . . 


23,59 


19,33 


69,27 




19,03 












Hamb (4) . . . 


H,46 


7,74 


72,29 


19,97 


5,96 


579 












24,91 


19,63 


68,97 


11.41) 


20,02 


1817 












25,55 


24,89 


62,98 


12.13 


19.19 


1658 




IV 








1,59 


n.H2 


28,30 


60,38 


1,41 


79 




III 










«7,86 


48,76 


23,38 


14,01 


5268 


376 


vm 


?71 


186. 


Winsen (6) . . 


15,95 


41,25 


43,26 


15,49 


9,37 


959 


10'^ 


V 


«1 




Sonabeck (4) . . 


12,93 


84,03 


54,4-5 
















tJdemerbruch (5) 


22,64 


59,19 


H.S47 




9,24 












Kervendonk (6) . 


l.-.,46 


2r,,m 


62,19 


12..J5 














Kervenheim (6) . 


0,09 




22,22 


77,78 


0,09 












Weeze (6) . . . 


51,22 


22,39 


38,89 


38,72 


H».V5 


2861 














39,33 


43,81 


16,86 


7,4S 


310 




11 










23,94 


40,38 


35,68 


8,10 


404 


50 


n 




193. 




12.89 


3.34 


83,48 


13,19 


12,46 


7826 




IX 


m 


194. 


Ä^erden(S). . 


24.92 


40,17 


49.68 


10,15 


14,91 


1222 


m 


IV 


41 


19.5. 


HasBum (5) . . 


9,37 


7,38 


73,21 


19,64 


8,70 


783 


m 


IV 


Ki 


196. 


Elommerauin (5) , 


6,54 


14,22 


66,97 


18,81 


5,61 


415 


74 


III 


M 


197. 


Kessel <5) . . . 


31,12 


70.47 


23,88 


5,6Ö 


9,19 


1084 


118 


V 


U 






335,86 


31,08 


51,45 


17,47 


231,49 


81805 


137 


(VI) 


95 






m,>«j 


27,'JU 


56,74 


16,06 


362,48 


52987 


146 


(VI) 


106 



Die Volksdicht« am deutochon Niüderrhei. 



Grundsteuer. 
Ein. Reinertwg 
irohner d. auf den Hektar in 


ViebhaltuDg I. XII. 92 


TST 


Pferde 


Rinder 


Schweine || Be-^^^kuDgcn 


plataes 

Acker 


Wiese 


Wald 


Zahl 


auf 

iqlcm 


Zahl 


auf 
Iqkm 


Zahl 


auf 

1 qkm 


13 II 13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 II 2-2 


141 30,16 
420 43,47 
1 396 II 25,07 


16,45 
30,94 
23,50 


14,88 
21.93 

5,09 


150 
6S 
237 


12 
17 
11 


782 
343 
1169 


61 
84 
53 


1028 
420 
1406 


80 
103 

63 II 


1 


. 




1157 


12 


5830 


60 


8656 


89 1 



96 11 



t d. Tab. 



- 


29,37 


26,63 


7,05 


G4 


9 


360 


52 


451 


65 




66S 


37,99 


21,54 


7,44 


228 


12 


1 08.^1 


57 


1138 


60 






23,11 


12,53 


5,48 


38 


6 


241 


40 


22U 


37 




994 


47,78 


20,37 


8,62 


259 


13 


1 119 


56 


1419 


71 




450 


33,68 


23,11 


■/,«« 


216 


11 


1248 


65 


1232 


64 






9,01 


14,88 


5,87 


6 


4 


44 


31 


42 


80 




3056 


KO,.W 


17,62 


.4,HV 


102 


7 


571 


41 


1015 


72 




579 


54,44 


21,39 


10,57 


116 


12 


449 


48 


472 


50 




1544 


16,45 


8,22 


7,05 




10 


482 


57 


737 


86 






ÜH-M 




8,00 


95 


10 


S49 


59 


490 


53 




204 


48,57 


17,62 


10,57 


145 


13 


629 


55 


659 


57 






54,06 


24,67 




10 




24 




120 


1333 




1225 


84,07 


20,76 


4,31 




7 


1442 


36 


1399 


35 






32,90 


18,03 


7,44 


65 


9 


339 


46 


305 


41 






34.86 


20,76 


6,27 


62 


8 


274 


34 


235 


29 




7 573 


36,82 


20,37 


5,87 


165 


13 


477 


88 


99Ö 


78 




687 


32,90 


26,63 


7,05 


135 


9 


75G 


51 


718 


48 




636 


30,94 


21,93 


7,44 


101 


12 


513 


59 


539 


62 




358 


30,16 


23,50 


6,66 


50 


9 


317 


57 


272 


48 




460 


28,89 


21,15 


6,27 


76 


8 


546 


59 


513 


56 












2284 


10 


11465 


50 


12 972 


56 


S.Aniu. hlaul 
S. lU d- Tab, 










384Ü 




19302 


53 


24488 


68 


4 







Fmcheninhftlt 






Volk3<Lehte auf 
1 qkm 




Gemeinde 
(und Kreia) 
(• - Stadt- 




Fläche 
ohne 
Wald 


1 


Nr. 






ohne Wald 


mit 




gemeindel 


hftupt 


Äcker ,y. . 




st 

H 










qkm 


qkm 


Zahl Stufe 


zay 


1 


2 


3 4 { 5 1 ö 


7 


8 


9 10 


11 



V. W e 8 1 1 i c h e B 



198. 


Wankum (6) . . 


26,77 


14,57 


50,65 


34,78 


22,87 


1566 


fiH 


ni 


5S 


199. 


Herongen fü) . . 


[Q.'Jl 


r.«,K( 


28,82 


17,38 


5,05 ! 


859 


170 


VII 


Vil 




Straelen (li| . . 


m.B4 


20,4^ 


est,!---. 


16,37 


50,87 


5896 


117 




an 


201. 


VValbeek (61 . . 


2«,06 


4(),9I 


43,KÜ 


15,29 


16,58 


2105 


IW 


VI 


'i.i 


20-2. 


Twisteden (6) . 


13,2? 


16,11 


33.21 


50,68 


11,14 


565 


51 


111 


4S 


198 bis 
202 


Zusammen V: 


142,38 


2r,M 


.51,56 


22,90 


106,01 ! 


10991 


104 


(T) 


7J 



Übersiebt 



(1) 


Daiaburg . . . 


37,53 


26,19 


27,95 


45,86 


27,70 


70272 


■;^537 


X 


mi 


(21 


Ruhrort (ohne 
























326,85 


K3,W 


37,47 


39,27 


253,13 


98064 


3H7 




3111 


(H) 


Itees 


523,82 


2'/,(i:- 


36,5.-. 


41,42 


408,45 


68554 


IfiH 




IHI 


(41 


Mors .... 


564,7*: 


11,81 


67,32 


20,88 


498,11 


72102 


l4.^ 


VI 


lüN 


(51 


Kleve .... 


50K,1C 


20,4^ 


50,69 


'^8 87 


404,24 


560.^4 




VI 


11(1 


(6f 


3eldem(ohneHin8 






















beck u. Leuth) . 


510,2( 


?.He.4 


57,38 


1H,9K 






131 


VI 


KU) 


i;(u. 


Anteile Krefeld- 




















(8) 


Land U.Kempen 


43,20 


8,68 


7r>,74 


15,58 


39,44 


13562 


344 


VIII 


314 




(JeaamtflB Gebiet: 


2514,48 


19,72 


51,2ü 


29,02 


2020,-59 


429467 


213 


VIII 


m 



merkungen: Im folgenden werden die Zahlen filr einige in den vorher- 
haltenen größeren (städtischen) Gemeinden gegeben, um den Einfluß solcher 



a) 


32-31 illiiieDüiilaEei(22) 


112,64 


16.61 


38,43 


44,96 


93.93 


8829 


94 


(IV) 


78 


b) 


BOclni(33),H0ltierE 
UO)iuiiI 1518(46) - 


62,10 


4,03 


80,92 


15.05 


59,60 


1559.5 


261 


(VIII) 


2-51 


c) 


J7-9B0lmeHeBS(89)- 


54,K 


2..-.a 


42,72 


54,75 


52,73 


3951 


75 


(IUI 


73 


d) 


99-106 oUü Emenck 

(104) 


61.111 


6,48 


44,.50 


49,02 


57,90 


3980 


69 


(IUI 


64 


c) 


il)8-ieolielii!!llinr|r(ii6: 


128,98 


20,81 


43,39 


35.80 


102,14 


9337 


91 


frv) 


T> 


f| 


iiT-mi]tiieMiei(ii7i 


123,6C 


4.06 


49,60 


46,34 


118,58 


8829 


74 


(111) 


71 


Kl 


i7S-i77oiaeB{iaeni(m) 


33,7U 


15,40 


73,29 


11.31 


28,51 


3217 


113 


(V) 


9ä 


b) 


17S-197 okie un\m 
(184) nnd Gocb 1193) 


803,.').-. 


32,46 


.50,26 


17,28 


205,02 


18711 


91 


(IV) 


62 



Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. 



in- 
ier d. 


Grundsteuer- 
Reinertrag 
auf dem Hektar in 


Viehhaltung 1 . XII. 92 




ich- 

igen 

imi- 

fczes 


Mark 

1 


Pferde 


Rinder 


Schweine 


Bemerkung 


Acker 


Wiese 


Wald 


Zahl 


auf 
1 qkm 


Zahl 


auf 
Iqkm 


Zahl 


auf 
Iqkm 




2 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 



enzgebiet. 



>d3 
^91 

109 
585 

t26 



1 28,20 


26,24 


5,87 


175 


8 


886 


39 


1492 


65 


! 17,23 


29,77 


6,27 


51 


10 


238 


47 


392 


78 


: 27,02 


24,28 


7,05 


401 


8 


2363 


47 


3227 


64 


17,62 


19,97 


4,70 


117 


7 


851 


51 


1127 


68 


8.22 


12,92 


4,13 


46 


4 


345 


31 


319 


29 









790 


7 


4683 


44 


6557 


62 



ch Kreisen. 









968 


35 


637 


23 


1652 


60 








2602 
3765 
5303 

4080 


10 

9 

11 

10 


12084 
26400 
30527 
26783 


48 
65 
61 
66 


14237 
22636 
34678 
23929 


56 
55 
70 
59 








3746 


10 


19582 


54 


26711 


76 








625 


14 


1998 


46 


2086 


48 



21089 



10 118011 58 125 929 62 



nden Tabellen zusammengefaßten Gruppen nach Abrechnung der in denselben ei 
einden auf die Volksdichtezahlen u. s. w. einer größeren Fläche zu zeigen. 





1 






1075 


11 


4995 


53 


4967 


53 












704 


12 


3579 


60 


4124 


69 




i 






498 


9 


4041 


77 


2693 


50 












492 


8 


3927 


68 


2801 


48 












707 


7 


6502 


64 


5894 


58 












927 


8 


8099 


68 


7021 


59 




1 








293 


10 


1714 


60 


2314 


81 




1 
1 

1 








2017 


10 


10417 


51 


10961 


53 






UQL*C.SUrW.öruL^-i,t.a5t;aiMsrV.\'^'isS.