Skip to main content

Full text of "Dingler's polytechnisches Journal"

See other formats


Ehr B. ». HtU IGtbrarg 




North (Tarolina &tate Ininpratty 

13 

D5 

v.276 

1890 



THIS BOOK MUST NOT BE TAKEN 
FROM THE LIBRARY BUILDING. 




Digitized by the Internet Archive 

in 2010 with funding from 

NCSU Libraries 



http://www.archive.org/details/dinglerspolytech276augs 



Dingler's 

plijtpifniisrfirs Imiraal. 

Unter Mitwirkung von 

Professor Dr. C. Engler in Karlsruhe 
herausgegeben von 

Ingenieur A. Hollenberg und Docent Dr. H. Käst 

in Stuttgart. in Karlsruhe. 



Sechste Reihe. Sechsundzwanzigster Band. 

Jahrgang 1890. 

Mit 121 in den Text gedruckten und 30 Tafeln Abbildungen. 



Stuttgart. 

Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger. 



Dingler's 



|Mi|WiinsriiPS SmiraaL 



Unter Mitwirkung- von 



Professor Dr. C. Engler in Karlsruhe 



herausgegeben von 



Ingenieur A. Hollenberg und Docent Dr. H. Käst 

in Stuttgart. , — 




in Karlsruhe. 



Zweihundertsechsundsiebenzigster Band. 



lahrpnfi 1890. 



Mit 121 in den Text gedruckten und 30 Tafeln Abbildungen. 



Stuttgart. 

Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger. 



Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschalt in Stuttgart. 



BiBLlOTHü 

Inhalt des zweihundertsechsundsiebenzigsten Bandes. 

(1890.) 



Abhandlungen, Berichte u. dgl. S. 1. 49. 97. 145. 193. 241. 289. 337. 385. 433. 

481. 529. 577. 
Kleinere Mitteilungen S. 47. 93. 143. 192. 236. 287. 333. 379. 428. 476. 525. 

573. 597. 

Namen- und Sachregister des 276. Bandes von Dingler's polytechn. Journal S. 601. 



Schreibweise chemischer Formeln und Bezeichnung der Citate. 

Um in der Schreibweise der chemischen Formeln Verwechslungen möglichst 
zu vermeiden und das gegenseitige Verständnil's der neuen und alten Formeln 
zu erleichtern, sind die alten Aequivalentformeln mit Cursiv- (schräger) Schriit 
und die neuen Atomformeln mit Antiqua- (stehender) Schrift bezeichnet. (Vgl. 
1874 212 145.) 

Alle Dingler's polytechn. Journal betreffenden Citate werden in dieser Zeit- 
schrift einfach durch die auf einander folgenden Zahlen: Jahrgang, Band (mit 
fettem Druck) und Seitenzahl ausgedrückt. * bedeutet: Mit Abbild. 



Neuerungen im Eisenhüttenwesen. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 272 * S. 145.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 1. 

Wilhelm Thau in Friedrich-Wilhelmshütte bei Troisdorf hat ein Ver- 
fahren zur Nutzbarmachung von Eisenerzklein, wasser-, kohlensaure- und 
bitumenhaltigen Eisenerzen, vorgeschlagen, welches darin besteht, dafs 
diese Stoffe zunächst getrocknet bezieh, entgast und darauf auf dem 
Herd eines beliebigen Flammofens entweder für sich allein oder mit 
passenden Flufsmitteln zu einer Eisenschlacke verschmolzen werden, 
welche dann durch den Hochofenprocefs weiter auf Roheisen verarbeitet 
werden soll. Das gleiche Verfahren, bei welchem die Benutzung des 
Flammofens wohl als das Eigenartige desselben angesehen werden mufs, 
soll auch auf Rotheisenstein, Magneteisenstein, Eisenglanz oder mangan- 
haltige Eisenerze, überhaupt auf Eisen- und Manganerze jeglicher Art 
und Korngröfse anwendbar sein (vergl. D. R. P. Nr. 47132 vom 9. Sep- 
tember 1888 und Zusatz Nr. 49 963 vom 10. Juli 1889). 

In Fig. 1 Taf. 1 ist ein Schachtofen zur direkten Eisenerzeugung 
dargestellt (Britisches Patent Nr. 10206 vom 21. Juli 1887. B. C. Bull 
und Co., Limited und Henry Clay Bull in London). 

Dieser Schachtofen a steht im Gestell durch je einen Kanal b mit 
2 Herdöfen c in Verbindung, welche durch die Kanäle de und abwech- 
selnde Schlitze mit erhitztem Gas und Luft gespeist werden. Letztere 
müssen in den Herdöfen einen geringen Ueberdruck haben und werden 
durch die Beschickung des Schachtofens hindurchgesaugt. Der Kern- 
schacht des letzteren ruht zum Theil auf einem Kühlkasten f. Der Herd- 
ofen c hat ein abnehmbares Gewölbe mit Beschickungsöffhung und einen 
auf Schraubenwinden ruhenden senkbaren basischen Herd , welcher 
gegen den Kühlkasten g geprefst werden kann, h sind Arbeitsthüren 
und i ist eine Oeffnung, um im Kanal b einen Damm aufführen zu können. 
Der Schachtofen wird mit geröstetem Erz, Kalkstein und Kohle (Briquetts) 
gefüllt, wonach heifses Gas und Luft durch den Herdofen und die Be- 
schickung gesaugt werden. Durch einen Ueberschufs an Gas wird das 
Erz reducirt, gekohlt und im Gestell des Schachtofens geschmolzen. 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 1. 1890/11. 1 



2 Neuerungen im Eisenhüttenwesen. 

Eisen und Sehlacke tliefsen in einen der Herdöfen, welche abwechselnd 
benutzt werden. In diesen werden Zuschläge gemacht, um die Schlacke 
in eine sehr basische zu verwandeln. Ist der gewünschte Grad von 
Reinheit erreicht, bo errichtet man im Kanal b durch die Thür i einen 
Damm und verhindert dadurch einen ferneren Eintritt von Eisen und 
Schlacke in den Herd. Man setzt dann in diesem das Ferromangan zu 
und sticht ab. Zu einer Anlage mit einem Reductions-Schachtofen und 
2 Herdöfen gehören ein doppelter Giefskrahn mit 2 Giefspfannen, 2 Röst- 
öfen für Erz und Kalkstein und 2 Schmelzöfen für Spiegeleisen. Auf 
der entgegengesetzten Seite des Reductionsofens stehen 4 Winderhitzer, 
zu beiden Seiten derselben je 10 Gaserzeuger, hinter den Winderhitzern 
5 Dampfkessel u. s. w. (Stahl und Eisen 1888 S. 624.) 

Das britische Patent Nr. 10 204 vom 21. Juli 1887 und das deutsche 
Patent Nr. 46751 vom 18 Juli 1888 beziehen sich auf die Einrichtung 
eines der oben erwähnten Röstöfen. Um das Material continuirlich ab- 
ziehen zu können, erhalten die betreffenden Röstöfen doppelte beweg- 
liche Roste, welche derartig über einander angeordnet sind, dafs der eine 
in die Beschickung, die auf dem unteren Roste ruht, eingetrieben werden 
kann, während der untere Rost weggezogen wird; alles Material, wel- 
ches dann unter dem oberen Rost liegt, fällt als abgeröstet heraus und 
kann weggeschafft werden. Derjenige Theil der Beschickung, der auf 
dem oberen Rost liegt, ist hingegen nur theilweise geröstet. 

Der in den Fig. 2 bis 9 erläuterte Ofen von cylindrischer Form hat 
ein Gestell .4 aus feuerfesten Steinen, das durch Eisenbänder a zu- 
sammengehalten wird. Der schwingende Rost besteht aus zwei Sätzen 
hohler Stangen 6, welche an dem hohlen Kreuzstück b { befestigt sind. 
Letzteres wird durch die Hängerohre b gehalten, welche in Lagern C 
an der Gicht des Ofens drehbar angeordnet sind. Die Stangen b des 
Rostes werden durch Oeffnungen d in den metallischen Ring D ein- 
geführt und zurückgezogen. Sowohl dieser als auch die Stangen b 
werden durch Wasser gekühlt. Letzteres tritt in die Rohre b durch 
ein in der Zeichnung nicht veranschaulichtes Rohr ein. Die Rohre b 2 
communiciren mit dem äufseren Theil b 3 der hohlen Kreuzstücke 6 t , 
welche letztere durch eine Wand 6 4 in zwei Theile getheilt sind. Das 
.Wasser fliefsl aus der Kammer b x durch die dünnen Rohre b- } . welche 
sieh an der Wand von b t anschliefsen. Sodann streicht es an den Innen- 
flächen des Rohres b entlang und geht durch die zweite in Folge der 
Wand b x in dem Kreuzstück b i gebildete Kammer 6, ; durch eins der 
Rohre l>-, wieder in das Freie. Die Wasserkühlung des hohlen Ring- 
stückee D geschieht durch ein Zu- und ein Abströmungsrohr. An dem 
Boden des Ofens ist ein zweites hohles Ringstück E angeordnet, welches 
Ordnungen e, besitzt. 

Dieses Ringstück dient dreierlei Zwecken: Es soll 1) das Mauer- 
werk /.wischen E und dem Ringstück D tragen, 2) einen Sitz für den 



Neuerungen im Eisenliüttenwesen. 3 

Rost F bilden, 3) Rohre e aufnehmen (durch welche Gas und Luft in 
das Innere des Ofens einströmen) und diese Rohre e kühlen. Der 
Rost F besteht aus einem Stück; derselbe ist bei f drehbar an dem 
Ofen aufgehäugt und durch Riegel, Knaggen und Bolzen mit dem Ofen 
verbunden. Die Zfunsen-Rohre e nehmen Luft und Gas in den entsprechen- 
den Verhältnissen auf, welche durch ein an der Gicht angeordnetes Körling- 
sches Dampfstrahlgebläse angesaugt werden und durch die Rohre E und 
die Beschickung des Ofens hindurchstreichen. Infolge der Anordnung 
des Dampfstrahlgebläses herrscht im Innern des Ofens ein gewisses 
Vadium. Der Fülltrichter H mit Füllglocke dient zum Einfüllen des 
zu röstenden Materials. Der Fülltrichter wird durch einen Hebel J in 
der Weise, wie dies bei gewöhnlichen Schmelzöfen der Fall ist, auf- 
und abbewegt. Der ganze Ofen wird durch Säulen J, welche mit Flan- 
schen ij versehen sind, auf welch letzteren das Ringstück E ruht, se- 
tragen. Die anderen Flantschen «7, Fig. 4, an dem Ringstück D dienen 
zum Tragen eines Theiles des Ofengewichtes und ruhen auf den Köpfen 
der Säule J. 

Der Mechanismus zum Schwingenlassen der beweglichen Roste b 
ist in Fig. 8 und 9 zur Darstellung gebracht und besteht aus Zahn- 
stangen Ä, die an den Kreuzstücken b { befestigt sind und durch einen 
Zahntrieb, der in der Zeichnung nicht dargestellt ist und zwischen der 
oberen und der unteren Zahnstange liegt, gegen einander oder aus ein- 
ander bewegt werden. Der Zahntrieb sitzt auf einer kleinen Welle k*. 
auf welcher das Handkreuz li 2 befestigt ist, und indem man das Hand- 
kreuz ä. 2 nach der einen oder anderen Richtung dreht, werden entweder 
die Zahnstangen k und damit die Roste b aus einander getrieben oder 
einander genähert. Der K ahmen k 3 ist durch die Welle A - h deren hin- 
teres Ende mittels der Platte A 4 an dem Ofen befestigt ist, an dem Ofen 
festgehalten. 

Die Wirkungsweise des Ofens beim Rösten ist folgende: 

Angenommen, es sollen Metallerze oder Kalksteine für einen Ge- 
bläseofen (Hochofen) geröstet werden, so werden zunächst die schwin- 
genden Roststäbe b aus dem Ofen gezogen, der Rost f geschlossen und 
das Material durch den Fülltrichter in gewöhnlicher Weise eingefüllt, 
bis es den Ofen bis an die Trichtermündung anfüllt. Dann wird der 
Fülltrichter geschlossen, der Exhaustor in Thätigkeit gesetzt, [so dafs 
Luft und Gas durch die Rohre e in den Ofen eintreten, und di?ses Gas 
entzündet. 

Jetzt geht der Röstprozefs vor sich und wird eine genügende Spanne 
Zeit hindurch fortgesetzt, welche selbstredend abhängig ist von den zu 
behandelnden Materialien und dem Grad der Röstung. In Folge der 
Röstung wird derjenige Theil der Beschickung, welcher am nächsten 
den Rohren e liegt, zuerst fertig geröstet und wenn dann derjenige Theil 
der Beschickung, welcher zwischen den Rohren e und dem Ringstück D 



4 Neuerungen im Eisenhüttenwesen. 

liegt, genttgend geröstet ist, was also ungefähr i/j der Ladung ausmacht, 
bo werden die Stangen b des schwingenden Rostes in die Beschickung 
eingeprefe! and in diejenige Lage gebracht, welche durch die Fig. 2 
und 4 angegeben ist. Hierauf wird der untere Rost F geöffnet, so dafs 
er um die Gelenke /", Fig. 3, sich dreht und in eine senkrechte Lage 
kommt, wobei das geröstete Material aus dem Ofen herausfällt. Wenn 
nun so dieser Theil der Beschickung geladen ist, so wird der Rost F 
w ieder geschlossen und die Roststange b wieder zurückgezogen. In Folge 
dessen "fällt der übrige Theil der Beschickung wieder auf den Rost F. 
Hierauf wird frisches zu röstendes Material in den Ofen aufgefüllt und 
das Rösten in der beschriebenen Weise wiederholt. Soll Material für 
Eochöfen geröstel werden, so empfiehlt es sich, zwei der beschriebenen 
Oefen in Anwendung zu bringen und oberhalb der Gicht aufzustellen: 
.sir werden in diesem Falle vorteilhaft auf Räder gestellt, und zwar 
zu dem Zwecke, dafs einer von den Oefen zum Rösten dient und direkt 
über den Fülltrichter des Hochofens zu stehen kommt, während der 
andere zum Zwecke von Reparaturen bei Seite geschoben wird. Die 
beiden Oefen werden dann abwechselnd zur Anwendung gebracht, derart, 
dafs immer blofs einer derselben in Gang ist. Der vorstehend beschrie- 
bene Ofen mit doppeltem Rost soll für alle ähnlichen Röstzwecke ver- 
wendbar sein. 

Die von Martin Boeker in Friedenshütte bei Morgenroth (Ober- 
schlesien) vorgeschlagene Anordnung verschieden grofser Kanalquer- 
schnitte in den Winderhitzern nach System Cowper bezweckt eine gleich- 
mäfsige Vertheilung der Heizgase über den gesammten Querschnitt und 
daher bessere Ausnützung der gegebenen Wärme (D. R. P. Nr. 49 721 
vom 23. Jan. 1889). 

Bei dem in Fig. 10 und 11 in Längs- und Querschnitt dai-gestellten 
Regenerator-Winderhitzer treten die Gase unten bei E in den Feuer- 
kanal F, vereinigen sich mit der Verbrennungsluft, und die sich bildende 
Flamme steigt in dem Kanal F auf, um in dem den Regenerator über- 
deckenden Gewölbe in den umgebenden Winderhitzungsraum umzubiegen. 
Die Verbrennungsgase durchströmen dann die zwischen den feuerfesten 
Füllungssteinen freigelassenen Zwischenräume (Kanäle /c) und geben an 
die Steinmasse ihre Wärme ab, um schliefslich durch das der Gasein- 
Btrömung ue»enüherliegende Kaminventil K zu entweichen. Ist die 
Kammer genügend erhitzt, so schliefst man die Gase und Verbrennungs- 
luft ab und läfst bei G den kalten Wind in die Kammer eintreten. 
Dieser durchströmt von unten nach oben die Kanäle zwischen den stark 
erhitzten Steinmassen, geht im Kanal F abwärts und dann, selbst stark 

erhitzt, nach dein Hochofen. 

Die ursprünglichen tW/xr-Apparate mit centraler Flammenzufuhr 
halten den <j,Tofscn Nachtheil, dafs die aus dem Gewölbe niederwärts 
strömenden Heizgase, dem Essenzuge folgend, einen um so gröfseren 



Neuerungen im Eisenhüttenwesen. 5 

Theil der Steinmasse unberührt lassen, je gröfser der Durchmesser und 
je kleiner die Höhe des Apparates ist. Aus diesem Grunde baut man 
neuerdings Winderhitzer nach Coivper mit geringerem Durchmesser und 
gröfserer Höhe, bei denen der Feuerkanal seitlich, dicht an die innere 
Peripherie des Apparates grenzend, angeordnet ist, so dafs die Stein- 
füilung im Grundrifs halbmondförmige Gestalt annimmt. Aber auch 
diesen abgeänderten Apparaten macht man den Vorwurf, dafs die Heiz- 
gase die seitlich in Bezug auf die Zugrichtung gelegenen Kanäle nur 
unvollkommen bestreichen, also eine sehr ungleiche Gasvertheilung statt- 
findet, wodurch ein ungünstiger Heizeffect entsteht. 

Um die Uebelstände der bisherigen Cowper- Apparate ganz zu be- 
seitigen, also eine möglichst gleichmäfsige Vertheilung des Gasstromes 
über den ganzen Apparat zu erreichen, sind bei dem Gegenstand der 
vorliegenden Erfindung nicht mehr, wie bisher, gleiche Kanalquerschnitte, 
sondern solche von verschiedener Gröfse angeordnet. 

Für eine vollständig gleichmäfsige Gasvertheilung müssen die Quer- 
schnitte von der Mitte aus zu beiden Seiten der Hauptzugrichtung, welche 
in der beiliegenden Zeichnung durch den Pfeil z z (Fig. 11) bezeichnet 
ist, immer mehr erweitert werden. Es wird diese Anordnung mit grofsen 
Unbequemlichkeiten und Kosten verbunden sein, daher wird vorgezogen, 
nur einige wenige Abtheilungen mit verschiedenen Querschnitten zu 
wählen. Durch die Anordnung von drei oder auch nur zwei verschie- 
den grofsen Querschnitten K soll man nach der Patentschrift schon dem 
gewünschten Ziele nahe kommen. Die Fig. 12 und 13 stellen Kanal- 
querschnitte in zwei verschiedenen Grofsen dar; die in der Mitte längs 
der Zugrichtung unterhalb der Reihe a gelegenen mögen 175 /i7g mm oder 
130 /i30 mn S die zu beiden Seiten oberhalb der Reihe a 2 °o ., ()0 bezieh. 
lH0 ifiO mm Weite haben. (Vergleiche auch die Mittheilungen des Erfinders 
hinsichtlich der Versuche und Ergebnisse in Friedenshiitte in Stahl und 
Eisen 1889, S. 920.) 

Horace Massicko und Walter Crooke in Panish of Millom (County 
of Cumberland, England) bringen in einem Winderhitzer eine centrale 
Verbrennungskammer an, in welcher Gas und Luft zunächst zusammen- 
geführt werden und daselbst verbrennen. Sodann sind drei Gruppen von 
Kanälen vorhanden, in welchen die Verbrennungsgase aufwärts, ab- 
wärts und wieder aufwärts steigen, um dann zur Esse zu strömen. Der 
Wind macht den umgekehrten Weg. (Patent der Vereinigten Staaten von 
Nordamerika Nr. 398840.) 

Anstatt den Wärmespeichern der steinernen Winderhitzer für Hoch- 
ofenanlagen die Wärme wie bisher durch Verbrennen von Hochofen- 
gasen zuzuführen, schlägt Fr. G. hremme in Julienhütte bei Bobrek 
(Ob.-Schles.) vor, die Koksofengase, welche zur Theer- und Ammoniak- 
gewinnung gedient haben, zu verwenden. (D. R. P. Nr. 49277 vom 
5. October 1888.) 



(; Neuerungen im Eisenhüttenwesen. 

Die Hochofengase enthalten als brennbare Grase our 20 bis 24 Proc. 
CO, sind also arm an Brennwerth, weshalb ihre Ausnutzung in den 
steinernen Winderhitzern eine schwierige ist. 

Der Ausnutzung der Hochofengase noch hinderlicher ist der grofse 

Gehalt derselben an Alkali, Zink, Zinkoxyd, Manganoxydoxydul und 
an anderem Staub. 

Wenn eine gute Verbrennung der Hochofengase erreicht wird, steigt 
die Temperatur in den steinernen Winderhitzern so hoch, dafs sich diese 
Stolle mit den feuerfesten Steinen der steinernen Winderhitzer verbinden 
und Hüssige Schlacken bilden. 

Die Folge dieser Schmelzung ist die Zerstörung der steinernen 
Winderhitzer, d. h. eines grofsen Anlagekapitals. 

Um dieser Zerstörung entgegenzuarbeiten, hat man grofse kostbare 
Niederschlag- und Wascheinrichtungen für die Hochofengase zur An- 
wendung gebracht, ohne dadurch jedoch die geschilderten Uebelstände 
ganz beseitigen zu können. 

Dagegen bieten die durch Abkühlung und Waschen von Theer und 
Ammoniak befreiten Koksofengase, welche auf den Hochofenanlagen 
vorhanden sind, ein ausgezeichnetes Brennmaterial für die steinernen 
Winderhitzer. 

Diese Koksofengase bestehen hauptsächlich aus CH 4 und H, sind 
deshalb sehr leicht verbrennlich, haben einen hohen Brennwerth, sind 
ganz staubfrei und eignen sich deshalb vorzüglich dazu, in den Wärme- 
speichern der steinernen Winderhitzer der Hochofenanlagen auf leichte 
Weise und in kürzester Zeit eine grofse Menge Wärme aufzuspeichern. 

Um die chemische Zusammensetzung von Roheisen auszugleichen, 
bringt Junes in Braddock (Pennsylvanien) das aus ein und demselben 
Hochofen zu verschiedenen Zeiten abgestochene oder das aus mehreren 
Hochöfen gleichzeitig gewonnene flüssige Roheisen in einem Mischgefäfse 
zusammen. Nach genügender Vermischung wird letzteres nur theils ab- 
gelassen, damit zu dem verbleibenden flüssigen Metall wiederum flüssiges 
Metall zugesetzt werden kann, so dafs immer Sätze von einer durch- 
schnittlich gleichen chemischen Zusammensetzung erhalten werden, 
namentlich in Bezug auf den Silicium- und Schwefelgehalt. 

Zur Ausführung dieses Verfahrens dient das in Fig. 14 dargestellte 
Mischgefäls. welches mit feuerfester Ausfütterung, mit einem Eingüsse 
oder Trichter und einem Ausgusse versehen und aufserdem auf dreh- 
baren Zapfen gelagert ist, um das Durcheinandermischen des Inhalts 
durch Bewegen (»der Schwingen des Gefäfses auf jenen Zapfen besser 
bewirken zu können. (D. R. P. Nr. 50250 vom 4. Juni 1889.) 

Anton von Kerpely jun. in Wittkowitz (Oesterr.-Schlesien) hat einen 
niii Dampf oder Prefsluft betriebenen Rührapparat für Puddel- und 
Marttn-Oefen erfunden (D. R. P. Nr. 49 300 vom 4. Juni 1889). Der in 
Fig. l r > in Draufsicht und in Fig. 16 in Seitenansicht dargestellte Apparat 



Neuerungen im Eisenhüttenwesen. 7 

besteht im Wesentlichen aus einem mit einem Kolben versehenen Cy- 
linder a, welcher auf dem aus U- und T-Eisen genieteten Rahmen R R { 
derart angeordnet ist, dafs er vorn auf zwei Rollen b b ruhend, um den 
festen senkrechten Zapfen c auf dem kreisförmig gebogenen Theil Ä, 
des Rahmens in hin und her gehende, also schwingende Bewegung ver- 
setzt werden kann. 

Der im Cylinder a befindliche Kolben wird mittels Dampfes (oder 
Prefsluft oder auch Druckwasser) in Vor- und Rückwärtsbewegung 
versetzt. Zum Umsteuern dient die kleine Stofssteuerung h mit dem 
Muschelschieber m. 

Die Einrichtung der Umsteuerung ist jedem Fachmanne geläufig. 
Die zur Kolbenbewegung nöthige Dampf- oder Luftmenge wird durch 
den hohlen Zapfen c und die Rohrleitung k vor den Schieber geleitet. 
An dem Ende der Kolbenstange d ist ein Bügel g angebracht, mit wel- 
chem die Krücke f mittels eines Bolzens i verbunden wird (Fig. 16). 
Auf diese Weise wird die Vor- und Rückwärtsbewegung des Kolbens 
des Cylinders o direkt auf die Arbeitsbrücke übertragen. 

Der Rahmen R R { mit dem Cylinder a ruht auf vier Rollen r, wo- 
durch mit dem ganzen Rührapparat leicht von einem Ofen zum anderen 
gefahren werden kann. 

Das Arbeitsverfahren ist folgendes: 

Die Maschine wird vor dem betreffenden Ofen aufgestellt und mit 
der Dampf- oder Luftleitung verbunden. 

Der Hahn x dient zum Reguliren der Dampf- oder Lufteinströmung. 
Beim Oeffnen des Hahnes wird der Kolben mit der Kolbenstange d 
und somit auch die Krücke f in Bewegung versetzt, wodurch die erste 
Hauptbewegung, das ist die Vor- und Rückwärtsbewegung der Krücke, 
erzielt wird. Die zweite nothwendige BeweguDg der Krücke, das ist 
die seitliche, wird durch den Arbeiter selbst bewerkstelligt, indem der- 
selbe den Cylinder a auf dem Kreissegment R { des Rahmens hin und 
her bewegt bezieh, schwingt. 

Die hierbei erforderliche Kraft ist, wie die Erfahrung zeigte, eine 
sehr geringe und verhindert den Arbeiter keineswegs in der aufmerk- 
samen Beobachtung des Prozesses. 

Rruno Babel in Zabrze (Ob.-Schles.) benutzt nach dem D. R. P. 
Nr. 50924 vom 29. Mai 1889 einen Hahn mit schräger Scheidewand, 
um in Verbindung mit den erforderlichen Rohrleitungen die Kühlung 
von Puddelofenherden mittels des Kühlwassers derselben bewirken zu 
können. (Fortsetzung folgt.) 



g Seilen 1 Hobelmaschine. 

W. Seilers' Hobelmaschine. 

Mit Abbildungen auf T;ifel 1 

Auf der letzten Ausstellung in Paris hat die von W. Seilers in 
Philadelphia ausgestellte Hobelmaschine Aufsehen erregt. 

Diese Maschine, deren Tischrücklauf mit einer Geschwindigkeit 
erfolgt, welche je nach der Gröfse vier-, sechs- und achtmal so grofs 
sein soll, als die Schnitt- oder Arbeitsgeschwindigkeit, wirkte mit be- 
wunderungswürdiger Regelmäfsigkeit, die aber mit einem unverhältnifs- 
mäfsig grofsen Aufwand, verwickelter, doch sinnreicher Mechanismen 
erkauf) ist ' 

Die unter dem Namen James Yate Johnson in London auch im 
Deutschen Reiche patentirte Maschine (D. R. P. Nr. 44 773 vom 13. De- 
cember 1887) findet sich in The Iron Age, 1889 Bd. 44 Nr. 24 * S. 912, 
Revue industrielle, 1889 Nr. 44 * S. 433 u. A. beschrieben. 

Dieselbe ist im Allgemeinen nach Art der bekannten Seilers' sehen 
Hobelwerke gebaut und mit Schneckentriebwerk ausgerüstet, welches 
auf die Zahnstange des Hobeltisches wirkt; doch wird diese Maschine 
neuerer Ausführung nicht mittels Riemenverschiebung, sondern durch 
Umstellung einer zwischen die treibenden Riemenscheiben eingeschalteten 
Kegelreibungskuppelung umgesteuert. 

Wäre nun die lebendige Kraft des mit dem Werkstücke bewegten 
Hobeltisches gleichmäfsig und gering, so könnte bei jedem Hubwechsel 
des Hobeltisches nicht nur die Hubbegrenzung streng eingehalten, son- 
dern in Folge dessen auch der Andruck der Reibungskegel der Kuppe- 
lung gleichmäfsig erhalten bleiben, sofern mittels federnder Zwischen- 
mittel die Verbindung der verschiedenen Hebelwerke durchgeführt wäre. 

Dies wird aber vollständig unzureichend und die Umsteuerung un- 
zuverlässig, unsicher und versagend, sobald die Tischgeschwindigkeiten 
gröfser und die lebendigen Kräfte der bewegten Massen veränderlich 
werden. 

Bei den gewöhnlichen Hobelwerken mit einem oder zwei Betriebs- 
riemen und Unisteuerung mittels Riemenverschiebung wickelt sich der 
Vorgang der Umkehrung der Tisch bewegung in folgender Weise ab. 
Durch Anschlag der Knaggen für die Hubbegrenzung wird der treibende 
Riemen über die Losscheibe bewegt und auf die Rücklaufscheibe ver- 
legt. In Folge der in der Masse des bewegten Tisches innewohnenden 
lebendigen Kraft wird sich der Hobeltisch in der ursprünglichen Rich- 
tung mich ein kurzes Wegstück weiterbewegen, und vermöge seines 
Rädertriebwerkes die Rücklaufscheibe in einer der Riemenbewegung 



i Der Preis dieser Maschine soll auch angeblich doppelt so grofs sein, als 
der für Hobelmaschinen gewöhnlicher Bauart 



Seilers' Hobelmaschine. 9 

entgegengesetzten Richtung so lange drehen, bis der Stillstand des 
Tisches erfolgt ist. Hierbei übernehmen der Betriebsriemen und die 
gegensätzlich umlaufende Scheibe die Rolle eines kräftig wirkenden 
Bremswerkes. Beim gewöhnlichen Doppelriemenbetrieb laufen einen 
kurzen Wegtheil der Riemenverlegung beide gegensätzlich sich be- 
wegenden Riemen gleichzeitig auf die beiden Festscheiben auf, durch 
welche Gegenwirkung ein grofser Theil der Energie des auslaufenden 
Tisches verbraucht wird. 

Gegen Ende des Tischhubes wird daher durch die Umsteuerung 
ein Wechsel in der Druckrichtung des Tisches entstehen; der bislang 
getriebene Tisch wird treibend wirken. Dies bedingt beim einfachen 
Zahnstangenbetrieb Stöfse, die mit der Gröfse des Flankenspielraumes 
der Radzähne, der Geschwindigkeit der Tischbewegung und dem Ge- 
wichte bezieh, der Masse des aufgespannten Werkstückes zunehmen. 

Da nun die Zahnflanken von Rädern mit wenig Zähnen einer 
stärkeren Abnützung unterworfen sind, so erklärt sich leicht der Vor- 
zug, welchen grofse Treibräder gegenüber kleineren Getrieben dar- 
bieten. Bei Tischbetrieb mittels Schraubenspindeln läfst sich der todte 
Gang in der Mutter und dadurch der schädliche Einflufs der Stöfse 
beim Hubwechsel leichter beseitigen. 

Ganz anders gestalten sich die Kraft und Bewegungsverhältnisse 
sofern die Umkehrbewegung mittels doppeltwirkender Reibungskuppe- 
lungen durchzuführen ist. Jede Aenderung in der Gröfse der bewegten 
Masse des Werkstückes mufs einen Einflufs auf den Kraftschlufs der 
Reibungskuppelung ausüben, ein Ueberrennen des Tisches wird aber eine 
derartige Anpressung der Kuppelungstheile bewirken, dafs eine Lösung 
schwierig, wenn nicht unmöglich wird. 

Indem nun in der neuen Sellers'schen Hobelmaschine die Verstellung 
des Kuppelungsdoppelkegels in zwei vollständig getrennten und unab- 
hängigen Abschnitten durchgeführt wird, derart, dafs während des 
Tischauslaufes der Kuppelungskegel in die Mittellage gestellt, und erst 
dann die endgültige Schlufsbewegung desselben vollendet wird, nach- 
dem der Hobeltisch die Ruhelage erreicht hat, wird der Kraftschlufs 
der Kuppelung ganz und gar unabhängig von der Tischgeschwindig- 
keit bezieh, von der lebendigen Kraft der Tisch- und Werkstückmasse. 

Die in den Fig. 1 bis 20 Taf. 2 dargestellte Maschine besteht aus 
dem Bett B und dem Tisch A (Fig. 4) mit je einer ebenen und einer 
Keilnuthführung. Während die flache Führungsleiste des Tisches seit- 
lich frei geht, legt sich die Keilnuthleiste an zwei stehende schmale 
Führungsstreifen ff an, um bei starkem seitlichen Schnittdruck ein Aus- 
heben des Tisches zu verhindern. 

Beide Führungen c { c sind durch übergreifende Schutzdächer gegen 
das Einfallen von Spänen gesichert, während die unteren Randleisten dd 
die Oelhaltung besorgen. An der Bettung sind die üblichen Seiten- 



In Seilers' Hobelmaschine. 

BtAnder /:'. welche mit der Querverbindung und dem Querbalken das 
Masohineogerüst bilden, angeordnet. 

Das Tri»' I »werk besteht aus den Riemenscheiben J und K für den 
Arbeitsgang und den Rücklauf des Tisches, beide mit angegossenen 
Halsen für die Reibungskegel O und />, in welche ein auf der Haupt- 
welle // verschiebbarer Doppelkegel L sich abwechselnd einlegt. Die 
Welle U bethätigt durch Vermittelung des Schneckenradtriebwerkes GF 
(Fig. 1 und 3) und der Welle D die Triebschnecke C und damit den 
Hobeltisch. Die Zähne der Zahnstange weichen um den Reibungswinkel 
von der Winkelrechten ab, damit jeder Seitendruck auf die Führung 
in Folge der Wirkung der Triebwerkschnecke beseitigt werde. 

Auf der Nabe der grofsen Riemenscheibe J für den Arbeitsgang 
der Maschine ist ein Räderwerk /; ( c, rf 1 (Fig. 5) angeordnet, wodurch 
eine Welle M (Fig. 5, 11, 12 und 14) in beständige Drehung ver- 
setzt wird. 

Vermöge eines Zahnklinkenrades T (Fig. 12), welches zeitweilig 
eingerückt wird, kann die Welle M mit einem Rade V (Fig. 14) ge- 
kuppelt werden, wodurch mittels der Rädertriebwerke A { und A 2 
(Fig. 12 und 14) ein auf der Welle D 2 befindlicher Excenterdaumen E., 
(Fig. 14 bis 18) in absatzweise Drehung versetzt wird. 

Dieser Daumen E 2 kreist in der offenen Gabel eines Hebels F 2 
und veranlafst ein Ausschwingen desselben von der Lage (Fig. 10) in 
die Stellung (Fig. 17) und umgekehrt. Dadurch wird aber ein Hebel iV t 
durch Vermittelung der Zugstange H 2 gedreht, so dafs hiermit die 
angelenkte Stange { (auch Fig. 1) nach rechts oder links verlegt 
wird. An diese Stange ist ein Doppelhebel u angebolzt, welcher 
die Verschiebungsmuffe m (Fig. 8) des Reibungskuppelungswerkes L 
gabelartig umfafst und dieselbe beim Ausschwingen entsprechend 
verschiebt. 

Diese Muffe m gleitet auf der Hauptantriebwelle £7, wird von dieser 
vermöge eines Federkeiles mitgenommen und enthält an den inneren 
parallelen Flügelwänden schrägstehende Nuthen p 2 (Fig. 8 und 9), in 
welche sich die Zäpfchen zweier gegenüberliegenden Winkelhebel / 
einlegen, die in Fig. 8 gerade in der Mittellage stehen. Die beiden 
Winkelhebel schwingen um Bolzen, welche in einem auf die Welle H 
geschobenen Ringe n (Fig. 9) liegen, während die kurzen Hebelenden 
von / in die Ausrückstange h (Fig. 8) frei einsetzen. 

Diese in die achsiale Bohrung der Hauptwelle H eingeschobene 
Stange k (Fig. 5) ist in einem Querkeil Q eingeschraubt, welcher durch 
den Querschlitz des Wellenbundes J von H gehend, die Nabe des aus 
Bothgufs möglichst leicht ausgeführten Reibungsdoppelkegels L fafst. 
Der in Fig. 8 gezeichneten Mittelstellung der Winkelhebel / entspricht 
genau die Mittellage des Reibungskegel L zwischen den Antriebs- 
scheiben / und Ä\im welcher Lage auch die durch den Tischauslauf 



Seilers' Hobelmaschine. 11 

hervorgerufene rückläufige Drehung der Hauptwelle H vor sich geht. 
Erst nach erreichtem Stillstande des Tisches A bezieh, in der Ruhe- 
stellung der Hauptwelle H erfolgt durch die vorbeschriebene Drehung 
des Daumens E 2 (Fig. 10 und 17) jene Hebelschwingung, welche die 
Muffe m (Fig. 8) aus ihrer Mittelstellung in eine der beiden Endstellun- 
gen (Fig. 5 oder 6) verlegt, und durch welche der Kraftschlufs der 
Kuppelung für den Arbeitsgang (Fig. 5) oder für den Rücklauf des 
Tisches A (Fig. 6) bewerkstelligt wird. 

Die Kraftstärke für den Schlufs der Reibuugskuppelung wird durch 
zwei gewundene Federn s und r geregelt, welche sich an einem auf 
die Hauptwelle H aufgeschraubten Ring p i (Fig. 8 und 9) anlegen. Die 
Cjlinderfeder s drückt beständig den Reibungskegel L nach links, wäh- 
rend die mit dem kurzen Zapfenstück q und der Mutter w verbundene 
Feder r diesen Kegel L nach rechts drückt. 

Die an den Riemenscheiben I und K angegossenen Bordbüchsen 
enthalten die aus Holztheilen zusammengesetzten Hohlkegel für die 
Reibungskuppelung, welche mittels Keile p und Keilschrauben R (Fig. 5 
und 7) entsprechend eingeklemmt sind. Es werden ferner die Riemen- 
scheibennaben mittels Ringmuttern Ä, k (Fig. 5) an den Wellenbund J 
angehalten während die erste Hauptantriebswelle H in einem geschwun- 
genen Lagerarm die entsprechende Stützung findet. 

Da aber zum Kraftschlufs der vorbeschriebenen Kuppelung am Hub- 
wechsel des Hobeltisches nur eine einmalige Ausschwingung der ver- 
bundenen Hebel u und F 2 nothwendig ist, diese Ausschwingung aber 
nur durch eine halbe Umdrehung des Daumens E 2 erzielt wird, so ist 
es unumgänglich erforderlich, dafs dieser Daumen E 2 beim jedesmaligen 
Hubwechsel des Hobeltisches auch immer nur eine halbe Umdrehung 
ausführe, obwohl die von der Riemenscheibe I aus betriebene Welle M 
in fortdauernder Kreisung sich befindet. 

An der rechten Bettwand schwingen um feste Bolzen zwei Hebel- 
daumen A'j und 7 n an welche die dem Tischhub entsprechend stellbaren 
Anschlagklötzchen M i und L { am Hebeltischrand angeordnet sind, wo- 
bei M l für die Leitung des Arbeitsganges und L { für die Einleitung 
des Tischrücklaufes bestimmt ist, so dafs K { mit M { und L { mit J { in 
Berührung tritt. Die beiden selbständigen Hebelknaggen K { und J { 
treffen einzeln auf einen Winkelhebel l { l { (Fig. 11, 13 und 17), welcher 
auf eine Querwelle G { aufgeklemmt ist, die durch das Maschinenbett B 
gehend (Fig. 2) ihre Lagerung auch in dem rechts liegenden Neben- 
rahmen findet und eine kleine achsiale Verschiebung erhalten kann, 
vermöge welcher der Gang der Hobelmaschine vom Arbeiter sofort 
abgestellt werden kann. 

Auf dieser Querwelle G { ist eine kleine Doppelkegelscheibe F l 
(Fig. 11) mittels einer Stellschraube festgestellt, welche als Mittelstück 
einer Reibungskuppelung wirkt. Ein um den Zapfen i schwingender 



lj Seilers' Hobelmaschine. 

Gegengewichtshebel (J, drtiokl beständig mittels seines Gabelstückes (^ 
die auf G x lose aufgesetzte Hohlkegelscheibe S an F, und drängt da- 
durch die gesammte Welle G { nach links, in Folge dessen der Mittel- 
teil /•', sieh itn die Bohlnabe /?, drückt und diese sonst mit der Lager- 
büch8€ />', frei sich umdrehende Hohlnabe B { bremst und mitnimmt. 
Diese Bohlnabe B { gehört einem Gegengewichtshebel B l (Fig. 17) an, 
«reicher rechte in einem kleinen Zahn endigt und damit in eine sichel- 
fbrmige Führungsplatte W (Fig. 12 und 17) eingreift, welche damit 
o-ehoben und gesenkt werden kann, sobald die Welle G { und damit 
der Zahnhebel li x in Schwingung versetzt wird, was allemal selbs- 
khfttig nur durch Anschlag der Hebelknaggen J { und K { am Hubende 
des Bobeltisches vor sich geht, während es dem bedienenden Arbeiter 
jeden Augenblick zu thun freisteht, zu welchem Zwecke an jeder 
Maschinenseite die Griffhebe] R { und R 2 vorgesehen sind. 

steht also im Leer- oder Rücklaufe des Tisches (Fig. 17) die Sichel- 
platte W in ihrer Hochstellung, so gibt der obere Zahn h { derselben 
(Fig. 12) die Hebelklinke e, e 2 in der Radnabe von V frei, wobei sich 
ihr Schenkel e., unter der Wirkung der kleinen Drahtfeder f in den 
Zahn der mit der Welle M umkreisenden Zahnscheibe T legt und da- 
durch das Rad V mit der Welle M kuppelt. 

Nach einer halben Umdrehung stöfst aber die Hebelklinke e { an 
den unteren Ansatz g { der Sichelscheibe, was wieder eine Lösung der 
Kuppelung von M und V zur Folge hat. Das Gleiche lindet in der 
Tieflage der Sichelscheibe W statt. Während g { die Hebelklinke e v 
freiläfst, fängt der obere Zahn h { dieselbe auf und rückt den Hebel- 
zahn e 2 aus dem Eingriff mit der Zahnscheibe T. Weil aber durch 
diese Aus- und Einrückung doch niemals genau eine halbe Umdrehung 
der Räder V und A zu erhalten ist, so ist zur Sicherstellung dieses 
Erfordernisses in das Rad A noch eine zweizähnige Klinkeukuppelungjj,^ 
(Fig. 12) eingeschaltet, durch welche immer nur eine halbe Umdrehung 
des Rades A bezieh, des Daumens E 2 ermöglicht wird. 

Wird daher die Sichelscheibe W in irgend einer Endstellung be- 
lassen, so kann keine Kuppelung der Räderwerke V und A mit der 
Triebwelle .1/, demnach auch kein Kraftschlufs der Triebwerkskuppe- 
lung L mit irgend einer der beiden Riemenscheiben 1 oder K erfolgen, 
weil der Daumen E, ohne Drehung auch kein Nachschwingen der Hebel- 
verbind ung /•'., //, A', { u ermöglichen kann. 

Hiernach ist die Umkehrung der Tischbewegung, d. i. die Um- 
steuerung, leicht zu erklären. 

Gegen Ende des Tischhubes im Rücklaufe (Fig. 17) stöfst das 
Tischklötzchen M { an die Hebelknagge Ä",, welche den Hebel 1 { rechts, 
die Hebelknagge 7, damit aber links dreht. Mit dieser Schwingung 
von J, ist eine Drehung der Welle G { verbunden, welche wieder den 
Hebel iV, und damit sowohl den Gabelhebel F 2 als auch den Hebel u 



Seilers' Hobelmaschine. 13 

zu einer bestimmten Ausschwingung veranlafst, welche so weit be- 
messen ist, dafs die Mittellage des Kuppeiungskegels erhalten wird. 

Ist bei diesem Vorgange die Sichelscheibe B i mittels F l und 5 
(Fig. 11) mit der Welle G gekuppelt, so erfolgt nachträglich durch 
das vorbeschriebene Räderwerk jene Halbdrehung des Daumens E 2 , 
durch welche die Nachschwingung von u und der Kraftsehlufs der 
Kuppelung L mit I erhalten wird. 

Dahingegen wird gegen das Ende des Arbeitsganges (Fig. 10) das 
Tischklötzchen L l an J { schlagen und in zwei streng begrenzten Be- 
wegungsabschnitten während der Umkehrung des Tisches die Stellung 
des Hebelwerkes (Fig. 17) hervorbringen. 

Um bei etwa stärker auftretenden augenblicklichen Widerständen 
die Hebel Verbindung vor Beschädigung sicherzustellen, ist im unteren 
Hebelende F 2 eine Sicherungskuppelung h i bis h i (Fig. 16), welche aus 
einem Schrägzahn oder zwei Kegelscheiben gebildet sein kann, ein- 
geschaltet. 

Die Abstellung der Maschine geschieht einfach durch Drehung der 
Griffhebe] R l und B 2 um ihre eigene Achse (Fig. 18 bis 20). Diese 
sind in den Nabentheilen IV und JS { frei drehbar und besitzen je zwei 
Abflachungen, in welche das Wellenstirnende von 6r t (Fig. 20) bezieh, 
ein Stellstift / (Fig. 18 und 19) sich einlegen. Durch Drehung des 
linksseitigen Hebels B 2 (Fig- 20) um einen rechten Winkel wird die 
Welle G { nach rechts in der Achsrichtung ausgeschoben und dadurch 
die Verbindung der Sichelplatte B i mit F { aufgehoben. 

Bei der Drehung des rechtsseitigen Griffhebels ßj stemmt sich der 
Stift S i an die Bettwand und rückt den Hebel B { sammt dessen Nabe iV x 
und die damit fest verbundene Welle G x nach auswärts. Hierbei ist 
jedoch zu beachten, dafs die Wiederingangsetzung der Hobelmaschine 
nur durch jenen Griffhebel erfolgen kann, mit welchem die Abstellung 
des Ganges vorgenommen wurde. 

Die Schaltbewegungen der Werkzeugsupporte sind von dem Räder- 
werke F, A l und A 2 , welche den eigentlichen Tischhub hervorbringen, 
abgeleitet. 

Mit der am Rade A 2 (Fig. 11, 12 und 14) vorgesehenen Schlitz- 
kurbelscheibe B 2 wird mit der Stange C 2 die Schaltung des am Quer- 
balken der Hobelmaschine befindlichen Supportes durchgeführt, während 
das Hochheben des Stichelgehäuses während des Rücklaufhubes durch 
die in Fig. 15 und 16 ersichtliche Einrichtung erzielt wird. 

An dem bei jedem Hubwechsel des Tisches sich umdrehenden 
Daumen E 2 ist mittels der Kurbelschiene K 2 eine Schnurscheibe J 2 an- 
gelenkt, welche auf dem Zapfen G 2 sich freidrehend, durch K 2 in 
Schwingung versetzt wird. Nur während der Rechtsschwingung wird 
die Schnur angezogen bezieh, das Stichelgehäuse gehoben, was nur dem 
Leerlaufe des Tisches zukommt. 



14 Deber Schififemaschinen mit dreifacher Expansion. 

Ferner ist für die Schaltung der Seitensupporte an dem lothrechten 
Standgerliste I «'in mittels eines Kurbeltriebwerkes i\ und F, be- 
thfttigtes Zahnradsegment W { vorgesehen, welches vermöge eines Zahn- 
Bperrwerkes ein Winkelradpaar X { und damit die lothrechte Steuer- 
spindel betreibt 

Weil aber auf jedem Standgerüste ein besonderer Seitensupport an- 
gebracht werden kann, so ist auch auf der linken Maschinenseite ein 
gleiches Zahnradsegmenl angebracht, welches mit W x durch die Zug- 
stange l\ verbunden ist. Prege'l. 



Ueber Schiffsmaschinen mit dreifacher Expansion. 

Mit Abbildungen. 

Die im verflossenen Jahre in England von einer besonderen Com- 
mission unter dem Vorsitze des Prof. Kennedy angestellten Versuche 
mit einer Schiffsmaschine mit dreifacher Expansion (Engineering, 10. Mai 
lHS'j) haben die von der Praxis längst bestätigte Ueberlegenheit der- 
selben über die Verbundmaschine, namentlich wegen ihrer in Folge 
höherer Spannungen des Kesseldampfes ganz bedeutenden Brennmaterial- 
ersparnifs vollkommen zum Ausdruck gebracht; dazu kommt, dafs die 
mit dreifachen Expansionsmaschinen ausgerüsteten Schilfe zum Unter- 
bringen der Kohlen kleinere Räume erfordern, als entsprechende Schiffe 
mit Verbundmaschinen, sowie auch ihre hochgespannten Dampf liefernden 
Röhrenkessel ein erheblich geringeres Gewicht besitzen, als die meist 
cylindri8chen Kessel der letzteren. 

Elfi unterlieg! wohl keinem Zweifel, dafs die dreifache Expansions- 
maschine namentlich als Schiffsmaschine sich immer weiteren Eingang 
verschaffen und die Verbundmaschine bald völlig verdrängen wird, um 
bo mehr, als die wachsenden Fahrtgeschwindigkeiten der Schifte auch 
entsprechend höhere Dampfspannungen bedingen, die den ökonomischen 
Betrieb mit Verbundmaschinen immer ungünstiger gestalten. 

Die zu Schnellfahrten bestimmten Schifte der Handelsmarine, nicht 
minder diejenigen der Kriegsmarine sind bereits seit einiger Zeit mit 
dreifachen, mitunter auch mit vierfachen Expansionsmaschinen ausge- 
rüstel worden, und die Erfahrungen der nächsten Jahre werden zeigen, 
ob letzten 3j m die dreifache Expansionsmaschine zu verdrängen 
berufen ist. 

Eine Zusammenstellung von Resultaten der vor Kurzem in Eng- 
land angestellten Versuche mit dreifachen Expansions- und Verbund- 
maschinea gib! die nachstehende Tabelle. 

Dieselbe ist, wie auch die weiteren Angaben einer interessanten 
Abhandlung des Gtnie civil, 1890*S. 19, von E. Feraud über dreifache 
Expansionsmaschinen, namentlich Schiffsmaschinen, entnommen und 



Ueber Schiffsmaschinen mit dreifacher Expansion. 



15 



zeigt den bedeutenden Fortschritt, welcher durch Einführung der drei- 
fachen Expansionsmaschine gemacht ist. 



Schiffe 



Type der Maschine 



Brennmaterial - 
ersparnifs mit 
der dreif. Ex- 
pansionsmasch 



Bemerkungen 



20 Proc. 



26 



\u 



Schiffe von glei- 
cher Bauart 



dto. 

Maschine wurde 
umgebaut 



Koono Verbundmaschine 

Draco Maschine mit dreif. Expansion 

Sorge Verbundmaschine 

Hispania Maschine mit dreif. Expansion 

Yeddo Verbundmaschine 

„ Maschine mit dreif. Expansion 

Angenommen, ein mit Verbundmaschine arbeitendes Packetboot 
verrichte den regelmäfsigen Dienst zwischen zwei Stationen A und B 
und lade auf einer Zwischenstation C so viel Kohlen als nöthig sind, 
um von A nach C und von C nach B zu gelangen. 

Wenn dann die Verbundmaschine auf der Fahrt von A nach C an 
Brennmaterial P Tonnen Kohlen nöthig hat, so braucht ein gleiches, mit 
dreifacher Expansionsmaschine arbeitendes Boot bei seiner Abfahrt 
von A nur .P(l — K') Tonnen Kohlen mitzunehmen. (Dieser Ersparnifs- 
coefficient K ist weiter unten näher ausgedrückt.) 

Kostet die Tonne Kohlen in A m Fr., n Fr. in C und p Fr. in ß 
so würde bei einer Hin- und Rückfahrt erspart sein: 

auf der Abfahrtstation A K'Pm Fr. 

„ „ Zwischenstation C 2K'. Pn ., 

.. Endstation B K' Pp „ 

demnach Gesammtersparnifs K'P{m + %n + p) Fr. 

Bezeichnet P v das Gewicht der Verbundmaschine mit Kessel und 
P 2 dasjenige der dreifachen Expansionsmaschine (ebenfalls mit zuge- 
hörigem Kessel), so kann von A nach B au Stelle der ersparten 
Kohlen und des geringeren Kessel- bezieh. Maschinengewichtes n = 
K'P-{-(P { — P 2 ) Tonnen Fracht mehr geladen werden; die dadurch 
erzielte Mehreinnahme beträgt bei einem Frachtsatze von q Fr. für die 
Tonne : 

[KP + (/>,-/>,)] g Fr., 
demnach ergibt sich für die Hin- und Rückfahrt, gegenüber der Ver- 
bundmaschine, eine Ersparnifs von: 

A = E'PtmJ r 2n + r) + [K'P + (P l -P 2 )]q Fr. . . 1) 

Bezeichnet man mit a die Anzahl der Fahrten im Laufe eines 
Jahres und berücksichtigt noch die nach Fertigstellung von Maschinen 
und Kesseln in den Werkstätten den Erbauern in der Regel gezahlte 
Prämie von s Fr. für die Tonne, so beträgt bei einer Dienstzeit des 
Bootes von N Jahren die Totalersparnifs bei Anschaffung einer drei- 
fachen Expansionsmaschine: 

B = KP(m + 2n -fp) + [KP + (/>, - P,J] q 



Na 



(/», - P 2 ) Fr. 2) 



1,; Qeber BchiffsmaschineD mit dreifacher Kxpansion. 

Soll /. B. eine Verbundmaschine mit 2 Cylindern in eine dreifache 
Expansionsmaschine mit 8 Cylindern umgebaut werden, so wird offenbar 
die letztere Maschine schwerer sein als die Verbundmaschine. 

K- sei .7 diese Gewiohtsvermehrung und ri die Ersparnifs an 
K selgewicht, demnach ri — n" die Gewichtsvermehrung von Kessel 
und Maschine: wenn dann n">ri\ bo läfsi sich die Ersparnifs nach 
Gl. J berechnen : 

ist *' = jf", so erhält man nach Einsetzung in Gl. 1 die Ersparnifs 
durch : .4 = KP (m -\-2n -\- p) -\- K' Pq Fr. ausgedrückt, und wenn 
ri < ri ■ BO verliert man an Stelle der ersparten K! P Tonnen Kohlen 
ein Frachtgewicht von n" — ri. 

Die auf den Kolben einer Dampfmaschine übertragene, durch Aus- 
dehnung eines mit der absoluten Anfangsspannung A, (Fig. 1) in den 
Cjlinder von D Meter Durchmesser tretenden Dampfvolumens von 
F Cubikmeter entstandene Arbeit beträgt: 

T* h ' — \ 

Tp=}'h,\l-\-ln 4 — -. 4 ) kam 
V -IT- "i y J 

' '0 

( Di h' Di\ 

, „I.t Tp = V /*, I 1 + /» 0,785 y —j - 0,875 y I kgm, 

worin noch V die Spannung des Gegendruckes bezeichnet. Läfst man 
in demselben Cylinder ein anderes Volumen V 2 mit der Anfangsspan- 
nung h 2 expandiren, so ist auch 

f Di h' D l \ 

T p = V, //, I 1 + In 0,785 y ^- . 0,785 y- I kgm 

nnd wenn man dieses Volumen so wählt, dafs V 2 l>-i = FqAj, erhält man 

Di V Di 

1 + In 0,785 y—j-. 0,785 r 

1 P ' 2 "i 12 

-fZ — ~ —[fi J> ^ä, woraus 

1 P 1 + In 0,785 v — f . 0,785 %r 

C Di h' A>n ( Di h' D 2 \ 

(,'" °' 785 r 7 ~ g °' 785 % )-(/' °' 785 r-*~ t ■ °' 785 t,J 

D* h' Di 

1 + In 0,785 r — r- . 0,785 ^ 

W 

D> [)i 0,785 -p- y 

Da nun /n . 0,785 . w — In . 0,785 . „- = In - — =^ = in . ^, so 



findet man endlich: 



0,785 r 



*o , Aa 



r P -Tp ln ^v 1 ln h 

Tp D* h x Di~~ ~~Di h' A>2 

7 l+/„.0,785 Tr -~ r . r l+/n.0,785^--f .%, 



3) 



Ueber Schiffsmaschinen mit dreifacher Expansion. 17 

Es läfst sich aus dieser Formel der bei Erhöhung der Dampf- 
spannung eintretende Arbeitsgewinn berechnen. 

Soll ein für Schnellfahrten bestimmtes Schiff seine Fahrtgeschwin- 
digkeit von q Knoten um p Knoten vergröfsern, so mufs notwendiger 
Weise die Kesselspannung derart erhöht werden, dafs der dadurch er- 
zielte Arbeitsgewinn dieser Geschwindigkeitszunahme entspricht. 

Wenn p nicht sehr bedeutend und dieselbe Schiffsschraube bei- 
behalten wird, so ist 

taue« 

v J n ? 

wenn H die Steigung der Schraube, r den Rücklauf derselben und n 
die Anzahl der Umdrehungen der Maschine in der Minute bezeichnet, 
demnach bei q-\-p Knoten: 

na r , (y + r) 30,866 

und da die Arbeit der Schraubenwelle der dritten Potenz der Anzahl 
der Umdrehungen proportional gesetzt werden kann, wenn Tp l die 
Arbeit bei n und T'p { diejenige bei n, Umdrehungen bezeichnet 

7"/5, — Tp. n' 3 — n 3 

Tf, = 3 — , woraus 

1 pi n 6 

[{q + p) 30,866 "! 3 _ Vg . 30,866 "p 
T Pl f g. 30,866 "! 3 

Die der erhöhten Geschwindigkeit entsprechende Mehrleistung der 
Schraubenwelle läfst sich nun auch nach Gl. 4 berechnen, welche an- 
nähernde, von der Wirklichkeit wenig abweichende Resultate gibt, und 
da die Arbeit der Schraubenwelle wieder proportional der von der 
Maschine abgegebenen Arbeit ist, so erhält man auch 

T p — Tp _ p3 + 3p*q -\-Sq*p 

Tp ~ 9 3 b) 

Erhöht man demnach die Spannung h { um die Gröfse -=-r — -, 

T'p — Tp 
so vermehrt man die maschinelle Leistung um den Betrag ™ , 

sowie die Geschwindigkeit des Schiffes um p Knoten. 

Aus Gl. 5 läfst sich auch, wenu p bekannt ist, diejenige Gröfse er- 
mitteln, um welche die Kesselspannung erhöht werden mufs, damit die 
festgesetzte höhere Fahrtgeschwindigkeit erreicht wird. Soll nun ein 
mit Verbundmaschine und 2 Cylindern arbeitendes Schiff eine Erhöhung 
seiner Leistung bezieh. Geschwindigkeit erfahren, so mufs notwendiger 
Weise der Kesseldruck erhöht werden und da der ökonomische Betrieb 
sich jetzt weniger vortheilhaft gestaltet, wird es zweckmäfsig sein, 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr.1. 1890111. 2 



. P 3 + 3p 2 g + 3g 2 /» 

„3 '*) 



18 



SchifTsmaschinen mit dreifacher Expansion. 



gleichseitig auoh den Umbau der Verbundmaschine unter Beibehaltung 
ihrer beiden (Minder in eine dreifache Expansionsmaschine vorzu- 

nflinifii. 

Aii-.ii.iinmt'i), die Verbundmaschine habe in einem derartigen Falle 
die folgenden Verhältnisse: 

Durchmesser des kleinen Cylinders .... 1100m™ 

„ {rrofsen '1163mm 

Kolbenhub 1000mm 

Kesseldruck 5k,50O 

Dampfdruck im Cylinder 4*,000 

[affective Leistung 2376 }? 

Füllung des kleinen Cylinders 0,72 

., grofsen „ 0.32 

Mittlere Geschwindigkeit bei 79,55 Umdrehungen in der Minute: 

14,42 Knoten, 

so lindet man aus Gl. 3 die mit der Erhöhung der Kesselspannung von 

5 k bis auf 10 k wachsende Mehrleistung der Maschine zu 6 Proc. bis 

Pi& 2. Fig. 1. 




28 Proe. der arspruogliefeen Leistung; es beträgt nämlich die Gesammt- 
leiftung bei einer Erhöhung der Kesselspannung von 



Ueber Schiö'smaschinen mit dreifacher Expansion. 19 

5k auf 6 k 6 Proc. der ursprünglichen Leistung oder 2518 EP 

5k .. 7 k 11 „ .. ., .. „ 2637 tP 

5k .. 8k 16 ., .. .. .. „ 2756 EP 

5k _ 9k 20 „ .. „ „ „ 2851 EP 

5k , 10k 23 „ .. „ .. ■• 2922 EP 

Da sich die Arbeiten proportional mit den dritten Potenzen der 
Geschwindigkeiten ändern, so ergibt sich, wie nachstehende Tabelle 

Ji' p fi ' 3 — u 3 

zei°l. aus ^, — = 5 — , da in vorliegendem Falle » = 79,55 und 

F=2376 LP, bei der Mehrleistung von 6 Proc. bis 23 Proc. ein stetiges 
Wachsen der Anzahl der Umdrehungen von 79,55 bis zu 85,23 in der 
Minute und zwar 

bei 6 Proc. Mehrleistung 81,11 Umdrehungen in der Minute 

.. 11 ., „ 82,36 „ .. 

„16 „ .. 83.58 

.. 20 .. .. 84,53 

.. 23 .. .. 85,23 

Mit Beibehaltung der Verbundmaschine würde wegen des höheren 
Ke«seldruckes im kleinen Cylinder jetzt nur eine Füllung von 0,25 er- 
forderlich sein. 

Da das Schiff' bei der maschinellen Leistung von 2376 LP eine 
Fahrtgeschwindigkeit von q = 14,42 Knoten entwickelte, so erhält man 
nach GL 5 mit der Erhöhung der Leistung um 23 Proc. 
p3 _f_ Spiq -f 3pq* = 9 3.o,23 
p = l,55, 
d. h. die Geschwindigkeit des Schiffes beträgt nun 14,42 -\- 1,55 = 
15,97 Knoten. 

Soll die Verbundmaschine unter Beibehaltung ihrer Cylinder in eine 
dreifache Expansionsmaschine umgewandelt werden, so mufs der Dampf 
anstatt der zweimaligen Expansion von 10 k auf l k ,350 tmd von l k ,350 
auf k ,25 eine dreimalige Expansion von 10 k auf 5 k , von 5 k auf l k ,350 
und von l k ',350 auf k ,25 durchmachen. Um die nutzbare Wärme der 
Maschine zu erhöhen, wird man jetzt zweckmäfsig die Condensationen 
verringern und hat dann zur Erzeugung der Geschwindigkeit von 
15,97 Knoten eine geringere bewegende Kraft nothwendig. 

Nimmt man beim Ausströmen des Dampfes aus dem hinzu kom- 
menden Hochdruckcylinder nach dem Zwischenbehälter einen Spannungs- 
abfall von k ,8 an, so ergibt sich aus dem Diagramm (Fig. 2) nach 
Einzeichnen der senkrechten Linie o c das Volumen des Hochdruck- 
cylinders zu cbm ,470, demnach 

d' 2 TT 47 
=/=^=Öqn» 4272 und 

4 1,1 ' 

d = 0m,738. 
Hierbei sind die schädlichen Räume noch nicht mit berücksichtigt; be- 
zeichnet man das Volumen derselben mit A", so ergibt sich der wirk- 
liche Durchmesser des Hochdruckcylinders aus: 



20 



Schiffsmaschinen mit dreifacher Expansion. 

,/ -' n 0,47 - E 

ZU oo O m ,7oO. 



4 1,1 

Um eine möglichste Brennmaterialersparnifs zu erzieleü, sei wieder 
»,, (Fig. 8) «in Volumen Dampf mit der Anfangsspannung A t , welches 

Z 
nach Expansion in einem Cylinder vom Durchmesser D um den -* - 

tacli.ii Betrag iirüfscr wird und in die Spannung A 1 übergeht. 

Fig. X Fig. 4. 




Die dieser Ausdehnung entsprechende Arbeit beträgt wie oben 

Damit das Volumen V ein Maximum von Arbeit entwickelt, hat 
man den ersten Differentialquotienten gleich Null zu setzen, also 



i? 



">— M-'l"* 



d. h. die Expansion mufs so weit ausgedehnt werden, dafs die Span- 

Z 
Dung /<| + Y §' e ' cn ^ em Gegendrücke wird- es ist deshalb nöthig, 

das Volumen des grofsen Cylinders entsprechend der durch den Punkt a"b" 
gelegten Linie wi, n { zu wählen. Bei der Ausführung vermindert man 

dieses Volumen, um einen Spannungsabfall des Dampfes von - Kilo zu 

erhalten, welcher das Ueberführeu desselben in den Condensator er- 
leichtert, und es sei ab dieser Betrag. 

Will man nun die indicirle Arbeit von F Pferden, durch die 
Fläche m nahe dargestellt, kleiner erhalten, so mufs man an Stelle F 
ein Dampfvolumen V expandiren lassen, welches im grofsen Cylinder 
ein neues Volumen C einnimmt. Behält man dieses Volumen bei und 
will man mit der erhöhten Kesselspannuug die Arbeit von F Pferden 
erzeugen, eo mufs die Einströmspannung des Dampfes so gewählt 



Ueber Schiffsmaschinen mit dreifacher Expansion. 



21 



werden, dafs die Fläche pqn'm der Fläche n'nabb'a' äquivalent wird. 
Nimmt man an, das Diagramm mnabc sei dasjenige der Verbund- 
maschine und C das Volumen des grofsen Cylinders, so hat man bei 
dem Umbau der Maschine in eine dreifache Expansionsmaschine an- 
statt des Volumens F ein Volumen — == V mit der Spannung h 2 in 
den kleinen Cylinder einzuführen, welches sich ergibt aus: 

worin r einen weiter unten angegebenen Werth bezeichnet. 

Um endlich den Ersparnifscoefficienten K festzustellen, zerlegt man 
denselben in zwei Coefticienten K\ und Ä'. 2 , der erstere von der Maschine, 
der andere von der Kesselconstruction abhängig. Da jede Calorie einer 
Arbeit von 425 mk entspricht, beträgt die erzeugte Arbeit einer mit f L ° 
in den Cylinder eintretenden und mit t ° in den Condensator ent- 
weichenden Dampfmenge 

^ b 273 + V 
Wenn der Dampf in Folge der höheren Kesselspannung h 2 eine 
Temperatur t 2 ° annimmt, so wird, wenn f constant bleibt, die Arbeit 

im Verhältnisse 1 : - ^ . „ Q , ' gröfser werden, und da K\ gleich 

<i — Hi ~to-]r h 
der Differenz dieser beiden Arbeiten ist, ergibt sich 

«2 — *o 273 + f, 



K\ = 



^ — f * 273 + r. 



1, oder 



'.-föEtStÖ-i]--«'-»-. 



«„■273 + 
a einen von den Füllungsverhältnissen abhängigen Coefticienten be- 
zeichnet 6) 

Die nachstehende Tabelle enthält die theoretischen Werthe von K\ 
für absolute Spannungen von 7 k bis 20 k . 



Absolute 
Dampf- 


Temperatur ?, 
in üraden 


fcr, ^ 


,. 


Wirkliche 
Ersparnils 


A", 


spannung 




f = ü2° 








7 


164 


0.233 


1 








S 


170 


0.243 


1,04 


4 Froc. 


0,04 


l J 


173 


0.249 


1.06 


6 .. 


0.06 


10 


179 


0,258 


1,10 


10 „ 


0,10 


11 


183 


0.265 


1.13 


13 „ 


0,13 


12 


187 


0.271 


1,16 


16 „ 


0,16 


13 


190 


0.277 


1,18 


18 „ 


0,18 


14 


194 


0,282 


1.21 


21 „ 


0,21 


15 


197 


0,287 


1.23 


23 „ 


0,23 


16 


200 


0.292 


1,25 


25 ., 


0,25 


17 


203 


0.296 


1.27 


27 .. 


0.27 


18 


206 


0,301 


1,29 


29 .. 


0.29 


19 


209 


0,305 


1.30 


30 „ 


0.30 


20 


212 


0.309 


1.32 


32 .. 


0.32 



Ueb<T SrhilYsmaschinen mit dreifacher Expansion. 

Der von der Kesselconstruction und dem Temperaturabfall des 
Dampf«- auf dem Wege vom Kessel nach der Maschine abhängige 
Coeffioienl i läfel eich nur in jedem besonderen Falle festsetzen, und 
sein Werth ist gegen K\ äufserst gering. 

Wenn wieder in Fig. 4 mnabc das Diagramm eiuer Verbund- 
um.-ehiiie vorstellt, deren Hochdruckcyliuder mit Dampf von h 2 k Span- 
nung oder von f./ 1 Temperatur gespeist wird, so ergibt sich aus Gl. 6: 

/, — t Q 273 -f-'i rt . F 

r= " — . n „ n . - und damit der Quotient — . 

/, -/,, 273 + /, x r 

y 

Macht man deshalb in dem Diagramm (Fig. 4) V = mn' = -°, 

zieht die Senkrechte n' a" und durch a" den Strahl o b\ welcher die 
Verlängerung von m n in b' schneidet, legt ferner durch letzteren 
Punkt eine Senkrechte b' 6,, welche auf der Geraden OX das Volumen 
des grofsen Cyünders C' der dreifachen Expansionsmaschine ab- 
schneidet, und zieht die Senkrechte b' b x bis zur Verlängerung von p q, 
so erhält man einen Punkt b'\ welcher ebenfalls mit durch einen 
Strahl zu verbinden ist: zieht man durch den auf diesem Strahl 
liegenden Punkt a'" die Senkrechte (ja'"-, so ist damit das Volumen 
pq = V de.s Kinströmdampfes in den Hochdruckcj'linder der dreifachen 
Expansionsmaschine bestimmt. 

Zeichnet man jetzt die Curve qn'a { nach dem Mariutte sehen 
Gesetz, so gibt die Fläche p q a { b { c die Totalarbeit des Dampfes und 
es bleibt nur noch übrig, dieselbe zu zerlegen, um die Durchmesser der 
anderen Cylinder zu erhalten. 

Die Verhältnisse einer Verbundmaschine seien z. B. die folgenden: 

Durchmesser des kleinen Cylinders . . . Om,92 
„ „ grofsen „ ... lm,65 

Kolbenhub lm,100 

Effective Leistung 1150 rP 

Füllung im kleinen Cylinder 0,38 

„ grofsen ., 0,63. 

Der Verbrauch an Kohle für ff und Stunde betrage durchschnitt- 
lich 0^,937 und der im Röhrenkessel mit 10 k ,3 Spannung entwickelte 
Dampf gelange unter Zwischenschaltung eines Druckverminderers mit 
5 ._' Spannung in den Cylinder. 

Ks soll die Geschwindigkeit des Schiffes beibehalten, demnach an 
der maschinellen Arbeitsleistung nichts geändert werden, indessen soll, 
um an Brennmaterial zu sparen, die Maschine in eine dreifache Ex- 
panaionsmaachine umgebaut werden. 

Liil'si man den Dampf deshalb anstatt mit 5 k ,2 mit lU k Spannung 
in den Cylinder treten, 30 ist 

__i, •/„ 278 -j- tj _ 179° — 620 273 + 153 " 

= /, -- t - 27:; _f- /., - 1530 62° ■ 2^3+179" "" 1 ' 208, 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 23 

Das Volumen des eintretenden Dampfes war 

92 2 TT 
V = 0,38 . " | • . 1,1 = 0cbm,025, 

demnach T = ~ = j^ = cbm ,020. 

Da l k Dampf von 5 k ,2 Spannung ein Volumen von 0,357600 und 
von 10 k ein solches von cbm ,195500 einnimmt, so ergibt sich 

Man hat jetzt schliefslich eine totale Expansion von cbm ,010920 
Dampf und da für den grofsen Cylinder, wenn das Volumen der schäd- 
lichen Räume zu cbm ,2 angenommen wird, 

1^45^ 11==2i0614 

• r, r, ■ 2,0614 — 0,2 ,_ A _ 
eine Gesammt-Expansion von „ ninq — =17,07. 

Die Maschine mit dreifacher Expansion würde deshalb bei dem- 
selben Durchmesser des grofsen Cy linders von l m ,545, einem Kolbenhub 
von l m ,100, einer Gesammt-Expansion von 17,07 eine Dampfspannung 

im Cylinder von 10 k vorausgesetzt, nur -p^ö = k ,775 Kohle für IP 
und Stunde erfordern. Freytag. 



Ueber ein englisches Förderseil; untersucht von 
Prof. H. Gollner. 

Mit Abbildungen. 

Die Generaldirektion der a. p. Buschtehrader Eisenbahn veran- 
lafste neben einer Abänderung der Fördereinrichtungen der westlichen 
Trümer des Franz-Josef-Schachtes bei Kladno den Einbau von neuen 
Flachseilen für die Material- und Mannschaftförderung daselbst, welche 
von den St. -Lawrence-Drahtseilwerken der Firma /. und W. Smith in 
Newcastle on Tyne, England (General- Vertretung William A. Stone in 
Prag), geliefert wurden. 

Laut Erlasses des k. k. Revier-Bergamtes in Prag vom 23. Juli 
1889 wurde die angesuchte Benützung der neuen Förderseile bis zur 
vierten Bausohle bei einer Totalbelastung von 4880 k für die Material- 
beförderung und von 3255 k (5 Manu) Maximalbelastung für die Menschen- 
förderung, angesichts der hiernach resultirenden 8,2 bezieh. 10.3 fachen 
Sicherheit, im Sinne des Punktes 2 der allgemeinen Vorschrift der 
k. k. Berghauptmannschaft für Böhmen vom 14. Mai 1874, genehmigt, 
insofern und insolange die Lastmomente auch für die östlichen Förder- 
trümer unseändert bleiben. 



24 (jollner, über ein englisches Förderseil. 

Das fachmännische Urtheil beruhte auf der Annahme jener Festig- 
keit für das Seilmateria], welche Gufsstahldraht guter Qualität zu haben 
pflegt (K/* l = 12000), und wurde schliefslich die Forderung gestellt, die 
Festigkeitsverhältnisse der neuen Seile untersuchen zu lassen, um auf 
Grund der erzielten Ergebnisse das Weitere bekannt geben zu können. 

Ueber die erprobte Festigkeit von Gufsstahldrähteu für Förderseile, 
ferner über die zulässige Inanspruchnahme fertiger Gufsstahldrahtseile 
für gleiche Zwecke liegt nunmehr ein befriedigend übereinstimmendes 
Material vor, welches noch dux*ch die verschiedenen ortsüblichen An- 
nahmen betreffend die Festigkeit von Gufsstahlseildrähten ergänzt 
werden soll. 

Nach dem Berichte von M. L. Aguillon (Annales des Mines^ 1881) 
wird die bezeichnete Festigkeit (A* s at ) angenommen: 

In Frankreich (wo 1881 Gufsstahlseile noch Ausnahmen waren) 
Av ,t = 11200 bis 12000. 

In Belgien rechnet man Av ll = 11500 bis 12000; in England, wo 
rund 90 Proc. der Förderseile aus Gufsstahldraht gefertigt waren, nimmt 
man an: 

für weichen Tiegelgufs ft« at = 12200, 

für den feinsten Tiegelgufs, d.i. für Plough-Stahl : ft» at = 18500. 

In Saarbrücken für weiche Stahldrahtsorten: Av" =11400 bis 12000, 

„ „ „ harten Tiegelgufsdraht: Av" = 13000. 

In Westfalen wird für dasselbe Drahtmaterial vorausgesetzt: Av' 1 = 
11500. 

Feiten und Guilleaume (Köln und Mülheim) geben an für dasselbe 
Material: Av" = 12000 bis 13000. 

Eine im J. 1883 im hiesigen mechanisch-technischen Laboratorium 
durchgeführte Untersuchung von drei Sorten hartgezogener Seildrähte 
rheinischer und englischer Herkunft ergab folgende mittlere Resultate: 

Sorte Drahtstärke Tmn.. Festigkeit fc s at Querschnitts- 

ö Verminderung 

1 i Feiten und Guilleaume 2,30 1(5 636 20,2 Proc. 

2) in Köln 2,18 16 610 18,1 „ 

§j( 3 engl. Herkunft 2.00 19 510 32.2 „ 

Von jeder dieser Sorten wurden über Antrag der k. k. Bergdirektion 
in Pribram vier Proben erledigt, deren Eiuzelergebnisse gut überein- 
stimmten. 

Für die Inanspruchnahme fertiger Betriebsseile aus Stahldrähten 
wird vielfach empfohlen (Ä s -\- k b ) = Ay" = 3000 (etwa 4fache Bruch- 
ichciheit, wenn auf die Verminderung der Festigkeit durch die Her- 
stellung des Seiles aus den Litzen und dieser aus den Drähten keine 
Rücksicht genommen wird). Im Grenzfalle erreicht die totale zulässige 
Inanspruchnahme /G :it = 3500 (d. i. etwa 3,4 fache Bruchsicherheit unter 
obiger Voraussetzung). 






Gollner, über ein englisches Förderseil. 25 

Im Oberbergamtsbezirk Dortmund (1881) wird für die Zuginan- 
sprucbnahme (Ä 3 al ), für die Biegungsinanspruchnahme (V), und für 
die totale Inanspruchnahme des fertigen Gufsstahldrahtseiles (ft* at ) an- 
genommen und zwar für 

weiche Guisstahlseile: Jr B at = 1198, fo,at = 1653, hat = 2829, für 
harte „ : /fe" 1 = 751, fc b at = 2062, ^ = 2813, „ 

englische „ : A^t=1055, ^ = 2475, /.(•" ■ = 3530. 

Zur Klarstellung der Elasticität und Festigkeit des für die Franz- 
Josef-Schachtanlage verwendeten neuen Förderseiles wurde dem mecha- 
nisch-technischen Laboratorium der Prager deutschen technischen Hoch- 
schule ein Seilstück, 700 mm lang, zur Verfügung gestellt. 

Das für die Erprobung bestimmte Förderseil war ein Band(Flach)seil 
von 70 mm Breite, 13 mm mittlerer Dicke; es enthielt 8 Kundseile von je 
etwa 10 mm äufserem Durchmesser. Jedes Kundseil bestand aus 4 Litzen 
zu 7 Drähte von je l mm ,4 Stärke, so dafs das vollständige Seil 7X4X8 
= 224 Drähten enthielt. Die vorgefundenen 6 Bindedrähte, aus aus- 
geglühtem Schweifseisen, hatten je l mm ,8 Durchmesser. Die 4 Litzen 
für ein Kundseil waren rechts, die Kundseile links gedreht. Weder die 
Rundseile noch die Litzen enthielten Hanfseelen, waren aber sehr gut 
getheert. 

Das Flachseil wurde vorsichtig seiner Bindedrähte entledigt und 
sodann in seine 8 Rundseile zerlegt, von welchen vier für die Elasticitäts- 
und Festigkeitsprobe vorbereitet wurden. Die restlichen Rundseile 
wurden in ihre Litzen zerlegt und von diesen 16 Litzen vier aus ver- 
schiedenen Rundseilen für die Untersuchung vorbereitet. Die erübrigenden 
12 Litzen, in ihre Drähte aufgelöst, gaben das eigentliche Drahtmaterial 
für die Erprobung im hartgezogenen und ausgeglühten Zustande und für 
die Biege- wie Verwindungsprobe. Es wurden schliefslich 6 hartgezogene 
Drähte, welche verschiedenen Litzen angehörten, die wieder verschiedenen 
Rundseilen entnommen waren, einer umfassenden Dehnungs- und Zer- 
reif "sprobe unterzogen; dieselben Proben wurden noch mit 3 ausgeglühten 
Seildrähten (aus verschiedenen Litzen), sowie mit zwei Bindedrähten 
des Flachseiles erledigt für die Durchführung der Biege- und Verwin- 
dungsproben wurden zusammen 30 Drähte in verschiedenen mechanischen 
Zuständen vorbereitet. 

Es wurden hiernach 50 Proc. der im Flachseile enthaltenen Rund- 
seile, 20 Proc. der noch verfügbaren Litzen, endlich 30 Proc. der noch 
in den Rundseil- und Litzenproben vorhandenen Seildrähte der Er- 
probung unterzogen, und der Rest des Probematerials in Reserve ge- 
halten. 

Für die gute Durchführung der umfassenden Dehnungs- und Zer- 
reifsversuche war eine wesentliche Vorbedingung in der sachgemäfsen 
Fassung der Drahtenden und in dem genau centrischen Einbaue der 
gefafsten Enden in die Festigkeitsprobirmaschine gelegen. 



2 Gollner. über ein englisches Förderseil. 

Die tur Eisendrihte mil Erfolg angewendete Methode der An- 
wendung von unten mit einer Kugelfläche versehenen Schrumpfringen, 
die über die Drahtenden derart gezogen wurden, dafs noch eine Niet- 
kopfbildung aus dem aufsersten Drahtende möglich war, konnte mit 
Rücksicht auf den hartgezogenen Zustand der Stahl - 
Kj s- *• drahte nicht verwerthet werden, und mufste daher auf 

eine andere Fassungsart übergegangen werden. Nach 
Fig. 1 wurden für jedes Drahtende zwei Backen aus 
Hartmetall angewendet, welche an den gegen einander 
T liegenden Flächen in der aus derselben Figur ersicht- 
f7-4.7f) liehen Weise profilirt waren. Die Form und Entwicke- 
le lung der gerundeten Rillen soll erreichen lassen, dafs 
1 J]JflJWl[[fl e i° e Streckung des Probedrahtes im Bereiche seiner 
nlli)v I Lagerung zwischen den Metallbacken durch die Wir- 
llllli^uluJj kung der Zugkraft verhindert werde. Dies gilt haupt- 
sächlich von den äufseren Partien der Fassungsstrecke, für 
welche bestimmt jede Dehnung und bleibende Streckung 
des daselbst gelagerten Drahtes ausgeschlossen ist. 
Mit Rttcksioht auf die ausgeführte Verflachung und die stetig wach- 
sende Entfernung der gerundeten Rillen gegen das untere Ende der 
Metallbacken nimmt die Inanspruchnahme des noch gefafsten Draht- 
endes durch die Zugkraft allmählich zu, da die Reibung zwischen 
Draht und den Backen stetig abnimmt, so dafs eine allmählich wach- 
sende Inanspruchnahme des Drahtes durch die Zugkraft von aufsen 
nach innen gegen den freien Drahtquerschnitt hin gesichert ist, wo- 
durch eben ein Reifsen des Probedrahtes in der Fassungsstelle mit be- 
friedigender Sicherheit vermieden wird. 

Nachdem der Draht zwischen den Metallbacken centrisch gelagert 
ist, werden diese gegenseitig verschraubt und endlich mit ihren Keil- 
flächeu gegen einstellbare Stahlbacken des sogen. Zugkopfes gelegt. Es 
ergibt sich, dafs eine solche Fassung der Drahtenden erreicht ist. welche 
in ihrer Wirkung insofern selbsthätig ist, als mit Zunahme der Zug- 
kraft auch die Pressung der Metallbacken gegen den centrisch in diesen 
gelagerten l'robedraht zunimmt. 

Die genaue axiale Einstellung des Drahtes in die Zugachse der 
Maschine unterliegt bei Anwendung der vorhandenen Hilfstheile (Bei- 
lagen) keinerlei Schwierigkeit, und kann diese wichtige Bedingung ge- 
nau erfüllt werden. 

Der Erfolg dieser Fassungseinrichtung war dadurch gesichert, dafs 
\nii den 25 Probedrähten nur 2 innerhalb der Fassungsstelle rissen. 

Die Deformationen der Bindedrähte, ferner die geglühten und hart- 
gezogenen Seildrähte wurden durch die Aufnahme von Dehnungscurven 
sichergestellt. Diese lassen den Einflufs des Glühens hartgezogener 
Stahldrähte auf deren mechanische Eigenschaften ausgezeichnet erkennen 



Gnllner, über ein englisches Förderseil. 



27 



und stellen auch den Unterschied des Verhaltens der weichen Binde- 
drähte und der Stahldrähte in beiden Zuständen (geglüht und hart- 
gezogen) bei Dehnungen bis zur Streckgrenze und darüber vollkommen 
klar. Die Dehnungen eines hartgezogenen Seildrahtes (Versuch Nr. 1693) 
sind aus folgender Zusammenstellung zu ersehen: 



Belastungen 


Stand des Mefs- 


Dehnung 


Belastungen 


Stand des Mefs- 


Dehnung 


Pk 


instrumentes 


A l in cm 


pk 


instrumentes 


A /in cm 




47,4 




1 

160 


46,15 


0.125 


20 


47.3 


0,01 


170 


46,0 


0,14 


40 


47.2 


0,02 


180 


45,8 


0,16 


60 


47,1 


0,03 


185 


45.7 


0,17 


801 


47,0 


0,04 


190 


45,6 


0,18 


100 


46,8 


0,06 


195 


45,4 


0,20 


120 


46,6 


0,08 


200 


45,1 


0,23 


1402 


46,4 


0,10 


205 3 


44,6 


0,28 


150 


46.3 


0,11 


4 Bruchdehnung- = 1,4 Proc. 



1 Elasticitätsgrenze für Zug. 

2 Streckgrenze. 

3 Festigkeitsgrenze. 

4 Die Bruchdehnung erscheint für Versuch Nr. 1693 auffällig gering; sie 
betrug in drei anderen Fällen 1,5 Proc, 1,4 Proc. und 1,9 Proc. bei der Ge- 
brauchslänge £ = 20^0. 

Die Ergebnisse der umfassenden Zerreifsproben mit den verschiedenen 
Drähten sind in der Tabelle I S. 28 zusammengestellt. 

Die wichtigsten Resultate in dieser Tabelle sind jene, welche für 

die hartgezogenen Seildrähte ermittelt wurden. Diese sind ihren Mittel- 

werthen nach, rund: 

Zugelasticitätsgrenze (5 844at,l), rund 5 900at 

Zugelasticitätsmodulus (2 497 000at), rund 2 500 000at 

Streckgrenze (9 945at,9), rund lOOOOat 

Zugfestigkeit (13 961at,0), rund 14 000"t 

Verhältnifsmäfsige Querschnittsänderung 52,0 Proc. 

Specifisch.es Arbeitmodulus an der Elasticitätsgrenze (Tkcm^Oo) 7^03^0 

Sie lassen als Material einen harten feinen Tiegelgufsstahl von 
hoher Zugfestigkeit erkennen, der eine sehr günstig gelegene Elasticitäts- 
grenze für Zug, einen normalen Zugelasticitätsmodulus und eine noch 
hoch entwickelte Contractionsfähigkeit besitzt; wegen des Bruches fast 
sämmtlicher Probedrähte aufserhalb der Gebrauchslänge (/ = 20 cm ,0) 
konnte nur in wenigen Fällen die Bruchdehnung nachgewiesen werden. 

Von besonderem Interesse ist die Veränderung der wichtigsten 
mechanischen Eigenschaften des hartgezogenen Drahtmaterials durch 
ein vorsichtiges Ausglühen und nachheriges allmähliches Abkühlen auf 
die Lufttemperatur. 

Aus dem für die ausgeglühten Seildrähte ermittelten Durchschnitts- 
ergebnisse und zwar: 



-'- 



(iiillncr. über ein englisches Förderseil. 



bg 














•_, 


, 
























— 














1— ' 




Mk ■— 






- 


r. 


cc 






.--• 


X 


S 




ifi 


r. 

CO 


~ 


OS CS 
OD 00 


V 


ersuchp-Nr. 


i — 


r. 


CT« 


— 


Cd 


,c 


■-: 


— 


CO 


<x> 


-i 


2- 


C-' 4- 






~z 














CD 








CD 








- 


























3 


Hartge 


eogene Seildrähte 


3 

CD 


t reglühte 

Seildrälite 


CD 


Binde- 

d ruhte 


Art der Probedrähte 


OD 

4- 


_ 


C* 


_ 


. . 


r. 


. 


SS 


co 


co 


CO 


h^ 


i-t i— 










~ 


— 


ep 


4- 
cc 


~ 


C: 
•j 


r 


oo 

CO 


4- 




co iy 


Ö53 


Elasticitäts- 






c/i 


— 


a* 


4- 




~C" 


"bo 


- 
r. 




p5 


03 
~1 




00 4- 

"bi "oo 


" 


grenze 


- 

P 

00 


© 


c 


■z 


© 


Q 


- 




c 


ö 


3 


c 


c 


© © 


ts. 


Verhältnifs- 


IC 


- 
»9 




© 

© 

CO 


e 


K> 


e 
- 


© 
© 


c 
o 

CO 


© 


© 
»3 


© 

© 


© © 

c c 




mälsige 
elastische 


CS 


-1 




= 


.o 


_ 
5 


- 


5 


© 


© 
© 


CH 




I-* 




■*• 


Dehnung 


IC 


)£ 


.- 


.- 


U 


t^ 


,~ 


■ . 






I-* 


1— — 






4- 
© 


| 


~t 


© 


CT 


C7< 

CO 


c< 

CO 

~1 


so 

Ol 


CO 
CO 


V 

oo 


00 


o» 

c; 
o< 


4- C7' 


tel 


Mittlerer 
Elasticitäts- 


00 

aq 


o 


© 


© 


© 


O 


© 


c; 


© 


© 


o 


© 


© 


© — 


rr 


modulus 




o 
o 




© 

© 


ö 


5 


5 
c 


5 


© 


© 
- 


© 


© 
© 


o 
© 


5 c 

5 © 






3 
N 
CD 


zz 


CO 




co 


.o 




















IC 
~l 


CO 


OS 

CO 


— 
oo 


'co 


CK 


4- 


4^ 
«9 


C/T 


~bo 


o 


© 
■© 




II 


_^ 


?, Arbeits- 
1 modul. 




4* 


t~ 


-• 


.o 


4- 


~j 


ie 


4- 


-a 


C7I 


© 


© OD 




















*' 


co 




oo 


«J 


-. -I 




3 






© 
— 
o« 


g 


© 


© 


© 


CD 




BS 

© 

© 


CO 


CO 


CO 


ts 


N5 CO 






CO 


(C 


co 

OB 


4- 

C 


o 


C'i 


co 
er; 


co 


4- 

os 


© 
Ol 


O« 4- 

cn CO 


^*- 


Streckgrenze 


© 


r. 


r. 


CS 


,~ 


-■ 


© 


© 


— 


^ 


~I 


00 


co o; 






«9 
© 


co 

05 
kr 


— 
co 


— 
— 


>— 

CO 
CO 


— 
co 
sc 


4- 


- 
© 


vr; 

4- 


cn 

CO 


<C" 

CO 


es 

OD 

CO 
QO 


co co 

^I CO 

4- CO 

~ -1 


=r- 


Zug- 
festigkeit 


*3 

CD 

00 


o 


— 


— 




■^1 


- 


4- 


ce 


00 


-' 


OS 


O» 


c b 






aq 

CD 


1 


© 
— 


- 


© 
— 


CO 


© 
— 


"co 


| 


~lj 


J -a 


© 


1 


© © 


.=r- 


Verhaltnifs- 




-• 


— 


4- 

— 


es 
c 


w 


-< 

CO 




© 




© 
co 




w © 
-I © 


s^ 


werth 


00 

aq 

CD 


Ol 


- 


^ 




CT 


4- 


*- 


-i 








© 




Quer- 




T ' 


— 


X 


© 


CO 


■-: 




in 


-• 




© 


CS 




schnitts^er- 


3 


9 


4- 


© 


4- 


H> 


© 


© 


o» 


CO 


c- 


GS 


r+ 


— i-^ 


n 


niiiiclerung 


CD 


rOO 


— 


res: 


~ bd ~ — td — 


pü bd 


«CC 


Oft 03 


KCöpK 


«OO 


C CT OK 






2 — 
es oo 

3 £ : 
«*■ cd 
II II 

: - 

.- ■= 


CS 

5' 

CD 
[t 

aq 

CD 


P B 
^_ -. 

g*jj 

aq - 
cb v.' 

OD f6 

2 B» 

o i — i 

2 — 


= B 
Z-2- 

CTg 

w E 

~. /.' 

■ ce 

2 s 

cd ■— 

3 ~ 


r. r. 
CD* 

- s 

_i.-r 

H P 


cb' " - 

- ~ 

'S g 


5_ "; 

er» 

7q = 

'S co'l 

12 

~ -• 
-. C- 

3 — 


2 E. 

3 Sf : 

— - 
II II 

~ - 

— s 


~~- r. 

£ - 
-5- 

o » 
g-cr 


CS CS 

3' S 

5' £J 

00 

i-S CD 

CD ü 

- =5_ 


~ CS 
3 CD 

~. oo' 
3q cd 

et EL 

-| 


re iL 

oö ZI 
CS oo 

5 S : 

£■ CB 

II II 

©c 

— n 
-P 5 


er ~- er -^ 

CD — CD ~ 

H. 2, Ci 2. 
o_ p r£ p 

— 2 — ° 
3SLoS, 




•> 

CD 




B 

V." 


rfi 

I? 


» 


OD: r 
5 1 — 


E c 

■i'~Z 

jq c? 


ro 


-- 
üi tf^ 

4- ' 


2 « 

5' 

a ^ 




_7 CL 

» 2 

CS " 

5-5 


4- 


r^ fD et o 




TT 






CD 


er 






CD 




r 
er 

CD 


o 
er 

CD 


= o 
■ — 

CD 




g o g o 

— - =>- 




~J~. 






E 


(K 






BK 




E 


=: : 






3 — S — 
3q E : aq £ : 




~ 


i 




5» 








-. 




aq 

- 


CD 


aq 

2 




< aq ^ aq 

2 2 cd y 
5" 2 

N N 




























. 











Gollner, über ein englisches Förderseil. 



29 



Zugelasticitätsgrenze (3679at.6), rund 3 680at,o - 

Zugelasticitätsmodulus (1 385 OOOat) 1 385 OOOat 

Streckgrenze (3 679at.6), rund 3 680at,0 

Zugfestigkeit (5 346at,3), rund 5 350a*,0 

Verhältnifsmäfsige Querschnittsverminderung (.73,5 Proc.) . 73.0 Proc. 
Specifischer Arbeitsmodulus an der Elasticitätsgrenze (4kcm,c)24) 5kcm.ft 

ergibt sich, dafs durch die Operation des Ausglühens folgende Werthe 
wesentlich gesunken sind, und zwar: 

Zugelasticitätsgrenze um 37.6 Proc. 

Zugelasticitätsmodulus um 44,6 Proc, die Streckgrenze um . 63.2 

Zugfestigkeit um 61,7 ,. 

Specifischer Arbeitsmodulus an der Elasticitätsgrenze um rund 30 

dafs ferner die verhältnifsmäfsige Querschnittsverminderung sich erhöhte 
um 40 Proc, woraus die Wichtigkeit der Verwendung von hartgezogenen 
Drähten für die Seilherstellung hervorgeht. 

Die Ergebnisse der Zugproben mit den Eisenbindedrähten sind in- 
sofern hervorzuheben, als dieselben nachweisen, dafs für diese das rich- 
tige Material, d. i. solches von entsprechender Festigkeit (3838 a t ? 5), und 
Zähigkeit gewählt wurde, welche mechanischen Eigenschaften trotz der 
bedeutenden Inanspruchnahme der Drähte sowohl bei ihrer Verwendung, 
als auch bei ihrer Entfernung aus dem Flachseile zum Zwecke ihrer 
Untersuchung noch im befriedigenden Mafse erhalten blieben. Die 
kennzeichnenden Werthe als Mafs der mechanischen Eigenschaften siud 
durchschnittlich: 

Zugelasticitätsgrenze (1 771at,7), rund 1 772at,0 

Zugelasticitätsmodulus (1595 000*0-. rund 1600 OOOat 

Streckgrenze (2 952at.8), rund 3 000at,0 

Zugfestigkeit (3 838at,5), rund 3 840at,0 

Verhältnifsmäfsige Querschnittsverminderung (69,1 Proc.) . 70,0 Proc. 
Specifischer Arbeitsmodulus an der Elasticitätsgrenze (Okcm.997) lkcn^o 

Zur vollständigen Sicherstellung der Qualität des Seil- und Binde- 
drahtmaterials wurden aufser den Zerreifsproben noch Biege- und Ver- 
windungsproben durchgeführt. 

Bei den Biegeyroben mit den Seildrähten im hartgezogenen und 
ausgeglühten Zustande, sowie mit den Bindedrähten wurde ein be- 
sonderer Biegehebel angewendet, dessen Ein- 
richtung aus der Darstellung in Fig. 2 zu er- 
sehen ist. Der Probedraht wird zwischen 
zwei Stahlbacken derart eingeklemmt, dafs 
er zugleich durch die im Hebelansatze o vor- 
bereiteten Oeffnungen gezogen werden kann. 
Die Stahlbacken weisen auf der einen, inneren 
Seite eine Abrundung der einen Ecke ihrer 
rechteckigen Querschnitte auf, deren Krüm- 
mungsradius genau 2 mm ,5 beträgt, so dafs 
die Probedrähte (im Sinne der Beschlüsse der 
Münchener und Dresdener Conferenz) um einen 




3») 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 



Dorn von : »"" :1 Durchmesser gebogen werden. Auf der anderen Seite 
der Stahlbacken -sind die scharfen Ecken ihrer Profile belassen, um 
auch Biegeversuche um scharfe Kanten durchführen zu können. 

Die mit einander verschraubten Stahlbacken werden an der einen 
Seite mit einer Klammer I: annirl, welche den Drehzapfen für den 
Handhebel enthält. Die Einstellung der richtigen Lage dieses Hebels 
sammt der Klammer k bei Versuchen mit Drähten von verschiedenen 
Stärken und zwar derart, dafs eine reine Biegung der Drähte um einen 
Dorn von 5 n,m hervorgerufen wird, wobei der Biegewinkel von der 
Mittelstellung des Hebels aus nach rechts und links je 90° beträgt, ist 
in durchaus einfacher und sicherer Weise mit Hilfe einer angebrachten 
Skala möglich. Der Biegehebel wird in einen Schraubstock geklemmt. 

Durch den Biegeversuch soll die Anzahl (n) der Abbiegungen des 
Probedrahtes um je 1800, bis zum Bruche, sichergestellt werden. 

Die Ergebnisse der Drahtbiegeproben mit den Seil- und Binde- 
drähten sind in der Tabelle II zusammengestellt. Um das Verhalten 
der hartgezogenen Seildrähte bei Abbiegung um eine scharfe Kante 
festzustellen, wurdeu 3 Versuche erledigt; sie ergaben das über- 
einstimmende Resultat, dafs die bezeichneten Drähte schon nach einer 
1,5 fachen Abbiegung um 180° brechen. 

Tabelle II (Draht- Biegeproben). 



Art der 














Probedrähte 
Bindedrähte 


Versuche-Nr. 

N 


1699 


1700 


1701 


Mittel- 
wert h 


Control- 
versuch 


d = 0cm.l8 


(bis zum Bruche) 


18,5 


16,5 


15,5 


16,8 


16,5 




Versuchs-Nr. 


1705 


170(5 


1707 


1708 


1709 


Ausgeglühte 


(bis zum Bruche) 


21,5 


22,5 


21,5 


25,5 


29,5 


Seildrähte 


Versuchs-Nr. 


1710 


1711 


1712 


Mittel- 
werth 


Control- 
versuch 


d = ()cm : 14 


(bis zum Bruche) 


23,5 


22,5 


20,0 


23,3 


24,5 




Versuchs-Nr. 


1714 


1715 


1716 


1717 


1718 




( bis zum Bruche) 


13,5 


14,0 


12,5 


15,5 


16,5 


llart^czogene 


Versuchs- \r 

tt 


1719 


1720 


1721 


1722 


1723 


Seildrähte 


( bis zum Bruche) 
Versuchs-Nr. 


16,5 


11,5 


13.5 


14.:. 


6,0 




Controh 


ersuche 


Mittel - 
werth 


— 


ci = (K"'.14 


(bis zum Bruche) 


15,5 


.,,, 


14,4 


— 


— 



Na.*m den mittleren Ergebnissen der in der Tabelle II zusammen- 
gestellten Drahtbiegeproben erträgt: 

Der schmiedeeiserne, weichgeglühte Bindedraht durchschnittlich 
16,8 Abbiegungen um je 180° um den Dorn von 5 ,nm Durchmesser und 
zwar trotz seiner ausserordentlichen Inanspruchnahme als Bindedraht, 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 31 

dessen Oberfläche an vielen Stellen stark verletzt erschien, und uno-e- 
achtet der mit der Lösung vom Flachseile verbundenen wiederholten 
bleibenden Abbiegungen, woraus auf die vorzügliche Qualität des Materials 
desselben geschlossen werden mufs. 

Der hartgezogene Seildraht aus Tiegelgufsstahl verträgt durch- 
schnittlieh 14,4fache Hin- und Herbiegung um einen Dorn von 5 mm 
Durchmesser, welche Zahl aus 12 Versuchen abgeleitet wurde, und der 
die schon früher hervorgehobene Biegezahl n = 1,5 für die Abbiegung 
um eine scharfe Kante gegenüber gestellt werde. Aus diesem Ver- 
gleiche geht hervor, dafs die Biegefähigkeit des hartgezogenen Drahtes 
um scharfe Kanten nur mehr 10 Proc. jener über einen Dorn von 5 mm 
Durchmesser ist. 

Die Biegefähigkeit des hartgezogeuen Seildrahtes aus Tiegelgufs- 
stahl, ausgedrückt durch n = 14,4, ist ein wichtiger Beleg für die schon 
anläfslich der Feststellung der im Mittel erreichbaren verhältnifsmäfsigen 
Querschnittsverminderung (52 Proc.) hervorgehobene hoch entwickelte 
Zähigkeit dieses Materials. 

Die geglühten Seildrähte lassen durchschnittlich n = 23,3 Hin- und 
Herbiegungen zu-, es tritt daher durch die Operation des Ausglühens 
des Gufsstahldrahtes im hartgezogenen Zustande eine Erhöhung der 
Biegefähigkeit um 62 Proc. ein, währeud schon früher eine Erhöhung 
der verhältnifsmäfsigen Querschnittsverminderung um 40 Proc. nach- 
gewiesen werden konnte. 

Ein weiterer, wichtiger Beitrag zur Klarstellung der Qualität des 
Seildrahtmaterials wird durch die Ergebnisse der Verwindungsversuche 
mit denselben geliefert. Zur Durchführung derselben stehen zwei Vor- 
richtungen zur Verfügung, welche die Unsicherheit der sogen. Hand- 
versuche völlig ausschliefsen, und sich im Wesentlichen dadurch unter- 
scheiden, dafs bei der ersten Vorrichtung der Verwindungsversuch behufs 
Sicherstellung der Anzahl von Verwindungen um je 360° bis zum 
Bruche unter gleichzeitiger Inanspruchnahme der Zugfestigkeit des Probe- 
drahtes durchgeführt wird, während die zweite Vorrichtung auch zum 
Nachweise der gröfsten Inanspruchnahme des Drahtmaterials auf Drehung 
im Momente des Bruches unter gleichzeitiger Angabe der Anzahl (m) 
Verwindungen um je 360° verwerthet wird. 

Beide Versuchsmethoden haben ihre Berechtigung, und wurde in 
dem vorliegenden Falle die erste und jedenfalls wesentlich ungünstigere 
Erprobungsweise angewendet und für die Probedrähte eine Gebrauchs- 
länge von 10 cm eingehalten. (Schlufs folgt.) 



12 



Herstellung des Synchronismus zwischen Präcisionsuhren. 



Ueber die Herstellung des Synchronismus zwischen 
Präcisionsuhren. 

Mit Abbildung. 

l>;i- Problem, zwischen den Schwingungen eines Pendels, Galvano- 
meters oder ähnliehen Systems und einer gegebenen periodischen Be- 
weguug, wie die der Schläge einer Ubrenhemmung oder eines Relais 
u. s. w., genauen Synchronismus herzustellen, ist der Gegenstand einer 
ausführlichen Abhandlung, welche A. Cornu im Bulletin de la Socie'te 
d'encouragement 1889 S. 592 veröffentlicht hat. Nachdem dieser Physiker 
die zu erfüllenden Bedingungen theoretisch festgestellt, beschreibt er 
eine sehr einfache, auf Schwingungen jeder Art anwendbare Anordnung, 
mit deren Hilfe ihm die praktische Lösung gelungen ist. Seine Methode 
i-t in der Textfigur schematisch veranschaulicht. 

An der Stange des zu synchronisirenden Pendels wird unterhalb 
(ober auch oberhalb) der Linse und in der Schwingungsebene ein con- 
centrisch zum Aufhängungspunkte C gekrümmter Magnetstab A l A 2 

transversal befestigt. Zwei mit isolirtem 
Kupferdraht umwickelte feststehende In- 
ductionsrollen B l B 2 , deren Achsen mit 
dem von der Magnetachse beschriebenen 
Bogen zusammenfallen, umhüllen die bei- 
den Enden des Magnetes. B t empfängt 
den synchronisirenden elektrischen Strom 
und wirkt auf den von ihr umhüllten Pol 
anziehend, während Z? 2 , in deren Ura- 
wickelungsdraht ein geeigneter Widerstand 
eingeschaltet ist, in Folge der induciren- 
den Wirkung der andern Poles die zur 
Synchronisation erforderliche Dämpfung 
erzeugt. Wenn die Länge des Magnetstabes 
und der Bollen bezüglich der Schwin- 
gungsweite der Pole grofs genug ist, so 
besitzen die benützten Theile des mag- 
netischen Feldes der Rollen eine unver- 
kennbar gleichmäfsige Stärke. Man verfügt also streng praktisch über 
drei zur Herstellung der Gleichzeitigkeit taugliche Kräfte: nämlich über 
eine dem Pendelausschlag proportionale Hauptkraft, eine, der Ge- 
schwindigkeit proportionale dämpfende Kraft und eine Hilfskraft von 
periodischer Stärke als Verbindungsmittel. 

I>i<- Uhr, welche den synchronisirenden Strom in gemessenen Inter- 
vallen entsendet, mufs man sich bei J in den Stromkreis der Batterie P 
eingeschaltet denken. Dieser Strom kann auf mehrerlei Art regulirt 
werden: entweder durch die Anzahl und Gröfse der Elemente, oder 




Herstellung des Synchronismus zwischen Präcisionsuhren. 33 

durch seine Emissionsdauer, oder auch durch die Zweigleitung Ä n welche 
die Drahtleitung der Rolle ß l verbindet. Die Batterie braucht nicht sehr 
stark zu sein, da die elektromagnetische Wirkung der Inductionsrolle 
eine sehr kräftige ist und an dem Ende eines langen Hebelarms in 
tangentialer Richtung sich äufsert. Auch zeigt es sich gleich bei den 
ersten Versuchen, dafs ein äufserst schwacher Strom (einige tausendstel 
Ampere) hinreicht, um eiu mehrere Kilogramm schweres Pendel von 
der Ruhe aus in Schwingungen zu setzen: und hierin besteht einer der 
werthvollsten Vortheile dieser Anordnung, den sie folgenden zwei be- 
sonderen Umständen verdankt. 

Die elektromagnetische Wirkung einer Inductionsrolle ist proportional 
dem Producte aus der Stromstärke und der Masse des unter ihrem Ein- 
flüsse stehenden Magnetpoles. Man verfügt also mittels der Wahl des 
Magnetes über einen Factor, welcher die elektromagnetische Kraft mit 
einer ansehnlichen Zahl zu multipliciren gestattet: aber auch noch über 
einen andern Factor, die Emissionsdauer des Stroms. Diese braucht 
keine momentane zu sein: bei beträchtlicher Dämpfung kann sie sich 
mit Vortheil auf eine halbe Periode erstrecken. Dank diesen beiden 
Multiplicatoren würde man die Stromstärke so zu sagen ins Ungemessene 
vermindern können, wenn man nicht durch gewisse secundäre Erschei- 
nungen und durch die Notwendigkeit eingeschränkt wäre, der Strom- 
stärke einen für die Function der Elektromagnete hinreichenden Werth 
zu lassen. 

Die Anwendung schwacher Ströme ist in mancherlei Hinsicht vor- 
teilhaft. Einer der wichtigsten Vortheile ist die Vermeidung der Unter- 
brechungsfunken der in B { auftretenden Extraströme, da sie mit der 
Zeit die Platincontacte des „Vertheilers" verderben würden. Die Ein- 
schaltung eines Fizeau sehen Condensators beugt diesem Uebelstande auf 
das wirksamste vor. Die Zweigleitung R l ist gleichfalls ein Milderungs- 
mittel dieser Extraströme. Sie bietet aufserdem ein bequemes Mittel, 
die elektromagnetische Wirkung unabhängig von derjenigen der Batterie 
und des Vertheilers zu reguliren, ein sehr grofser Vortheil, wenn die 
stromsendende Uhr von dem zu svnchronisirenden Apparate weit ent- 
fernt ist. Man darf nicht vergessen, dafs diese Zweigleitung den Strom- 
kreis der Rolle B { dauernd schliefst und letztere gemeinschaftlich mit B., 
• als Dämpfungsmittel wirken läfst. 

Der Werth der Dämpfung steht mit dem des elektrischen Stroms 
in einer Wechselbeziehung: je schwächer die Dämpfung, um so weniger 
energisch braucht die synchronisirende Kraft zu sein. Man könnte nun 
hieraus den Schlufs ziehen, dafs es sich empfehle, Dämpfung und elek- 
trischen Strom möglichst schwach anzuwenden, um an Elementen zu 
sparen und die Contactstellen des Vertheilers zu schonen. Allein auf 
der andern Seite ist zu erwägen: je stärker die Dämpfung, um so 
rascher, vollkommener und von den unvermeidlichen Stromschwankungen 

Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 1. 1890 II. 3 



34 Ein Dampfschiff für Kanäle. 

unabhängiger ist die Synchronisation. Das Criterium einer vollkommenen 
Gleichzeitigkeil ist, wie Cornu auf analytischem Wege nachweist, die 
Beständigkeit der Amplitude des synchronisirten Pendels. 

Das in Rede stehende System hat bereit- unter sehr verschiedenen 
Umständen praktische Anwendung gefunden und sich jederzeit voll- 
ständig bewährt Cornu bedient sich desselben seit mehreren Jahren an 
der Ecole Polytechnique, um verschiedene Apparate, insbesondere zwei 
Secundeuuhren, zu synchronisiren. Denselben Erfolg hat er auf der 
Sternwarte mit zwei Längenuhreu erzielt. In ßorrel's Ateliers erhält 
ein und derselbe Strom seit zwei Jahren drei Pendel, im Gewichte von 
bezieh. 250-, l k und 40 k , ununterbrochen in synchronischem Gange. 
Endlich wurden mit 4 km von einander entfernten Uhren Versuche für 
militärische Zwecke angestellt, welche ungeachtet der unvollkommenen 
Leitung ein möglichst befriedigendes Resultat lieferten. Das Problem, 
die Zeitbestimmung bis auf ungefähr * 10o Secunden genau von einem 
Orte nach einem andern zu übertragen, kann somit als vollständig gelöst 
betrachtet werden. 

Ein Dampfschiff für Kanäle. 

Mit Abbildung. 

Bei der stets wachsenden Bedeutung der Kanalschifffahrt läfst sich 
der Umstand, dafs ein eigentliches Kanaldampfschiff noch nicht existirt, 
nur darauf zurückführen, dafs es noch nicht gelungen ist, die Hinder- 
nisse, welche der in, den Kanälen vorkommende Pflanzen wuchs bietet, 
zu beseitigen, sowie ferner den die Ufer beschädigenden Wellenschlag 
zu vermeiden. 

Wendet man eine Schraube, ein Schaufelrad oder einen Wasser- 
strahl zum Betrieb eines Kanalschifles an, so sind mitunter in kürzester 
Prisl , oft im Zeitraum von einer halben Stunde, die treibenden Theile 
so sehr mit Pflanzengeschlinge umwunden, dafs ein Weiterarbeiten 
völlig unmöglich wird. 

Diese Ucbelstände zu beseitigen, wird von Ingenieur Haenlcin in 
Frauenfeld (Schweiz) D.R.P. Nr. 39 251 vom 5. November 1886 ein Strahl 
comprimirter Luft zur Fortbewegung von Schiffen in Vorschlag gebracht, 
derart, dafs der stetige Druck der Luft auf das Wasser zur Geltung kommt. 
Während sonst zur Erzeugung eines Wasserstrahls eine Kreisel- oder 
Centrifugalpnmpe angewandt wird, die, das Wasser iu heftig wirbelnde 
Bewegung versetzend, grofse Arbeitsverluste verursacht, ergibt die von 
Haenlein verwendete Luftpumpe einen Nutzeffecf von 70 bis 80 Proc. 

Der Erfinder läfst den Strahl comprimirter Luft nicht ins freie 
Wasser münden, sondern läfst ihn viel wirksamer in einer oben und 
zu beiden Seiten geschlossenen, unten offenen Rinne (Druckrinne) seine 
Kraii an das Wasser abgeben. 



Ein Dampfschiff für Kanäle. 



35 



Beim Eintreten eines Luftstrahls in das freie Wasser kommt nur 
ein geringer Theil — die aut Reaction wirkende Kraft der Luft — zur 
Geltung, während der Luftstrahl, in einer Rinne wirkend, den ganzen 
Auftrieb ausnutzt und eine höhere Nutzleistung als Schraube oder 
Schaufelrad ergibt, dabei bleibt das Wasser spiegelglatt. 

In einem nach diesem System ausgeführten Modell (s. Textfigur) 
bezeichnet a das Schiff, b den Dampfkessel, c die einfach wirkende 




Dampf-Luftpumpe; d d { sind die beiden seitlich an das Schiff gelegten 
Druckrinnen, in welchen der Luftstrahl zur Wirkung kommt, e e, sind 
Leitschaufelkasten, welche ein ruhiges Austreten der Luft bewirken 
sollen, ff { sind Austrittsdüsen. 

Die in der Pumpe comprimirte Luft gelangt durch die Rohre g 
und g { zu den Druckrinnen, tritt bei A in das Wasser, drückt bei 
ihrem Wege aufwärts zu den Leitschaufelkasten auf das Wasser, wo- 
durch das Schiff nach vorwärts getrieben wird, und tritt in der Rich- 
tung der Pfeile im Leitschaufelkasten aus. 

Der Querschnitt der Austrittsdüsen f und /", ist so bemessen, dafs 
die Luft mit einer Geschwindigkeit austreten mufs, die einer Wasser- 
säule von einigen Cent, entspricht; es soll hierdurch das Wasser einige 
Cent, von der Unterkante der Leitschaufeln entfernt gehalten werden 
und der Austritt der Luft in einem continuirlichen ruhigen Strahl er- 
folgen (was u. E. weiter nichts als einen Kraft verlust zur Folge hat). 

Zum Rückwärtsfahren wird die Luft bei B statt bei A eingeführt, 
die Leitschaufeln in symmetrisch entgegengesetzter Richtung eingestellt, 
ein Schieber bei A geschlossen und bei B geöffnet. 

Versuche wurden mit einem Modelle von 1200 mm Schiffslänge, 
260 mm Breite, 100 mm Tauchung, 15 mm Breite der Druckrinne und einer 

effectiven Leistung der Dampfmaschine von 11 r . H> angestellt. Das 

Modell erreichte in stehendem Wasser eine Geschwindigkeit von 
14 cm in der Secuude, wobei ein Schiffswiderstand von 33? ermittelt 
wurde. 

Als Vortheile des neuen Schi/fes führt der Erfinder an, dafs 
1) der Pflanzenwuchs des Kanals, sei er auch noch so dicht, dem- 
selben nichts anhaben kann, 



36 Schaiis Gasbatterie. 

2) dafs die von den früheren Triebwerken herrührende Wellen- 
bewegung vermieden wird. 

3) dafs das neue Schiff gestattet, kleine, rasch gehende Maschinen, 
die ohne Zahnradübersetzung bei geringem Slip arbeiten, zu verwenden, 

4) die Einwirkung des Luftstrahls in einer geschlossenen Rinne 
auf das Wasser ist mechanisch wirksamer, als die bisherigen Betriebs- 
weisen sind; derselbe wirkt ohne Stofs, ohne Schlag, ohne wirbelnde 
Bewejjuno; und ohne erhebliche Reibuno; des Wassers. 



P. Scharf s Gasbatterie. 

Mit Abbildungen. 

Nach seinem österreichisch-ungarischen Patente vom 24. August 
1889 bemüht sich Paul Scharf in Wien, die in Gasen enthaltene Energie 
mit Hilfe des nachstehend beschriebenen Apparates unmittelbar in 
Elektricität umzusetzen. (Vgl. auch D.R.P. Nr. 48 446 vom 16. August 1888.) 

Zu verwenden sind alle gas- oder dampfförmigen Körper, die je 
zu zweien durch ihre Reaction in einer geeignet eingerichteten Batterie 
einen elektrischen Strom geben. Scharf verwendet vorzugsweise ent- 
weder je ein Gas der unter a) und b) aufgeführten Gruppen, oder ein 
Gas und eine Flüssigkeit. 

a) Wasserstoff, Wassergas, Generatorgas, Leuchtgas, alle Dämpfe 
der mehr oder minder flüchtigen Kohlenwasserstoffe des Erdöls, also: 
Petroleum, Gasolin, Naphta u. s. w., 

b) Luft, Sauerstoff, Chlor, Fluor. 

Wird ein Gas und eine Flüssigkeit verwendet, so vertritt die an- 
gewandte Flüssigkeit vorzugsweise das Gas der Gruppe b). 

Geeignet ist Wasserstoffhyperoxyd (H 2 2 ) oder Salpetersäure. 

Die genannten Gase können in ihrem natürlichen Zustande ver- 
wendet werden, oder aber in einer Flüssigkeit (vorzugsweise Wasser) 
verdichtet. 

Besonders wichtig ist, dafs alle benutzten Gase nicht im Apparate 
selbst erzeugt werden, sondern aufserhalb desselben nach irgend einem 
der bekannten oder gebräuchlichen Verfahren. 

Zwei Gase, welche die Eingangs erwähnte Eigenschaft besitzen, 
z. B. Leuchtgas einerseits und Sauerstoff oder Luft andererseits, werden 
getrennt erzeugt bezieh, gesammelt. Jedes Gas wird hierauf in einen 
besonderen Behälter geprefst, in welchem ein beliebig hoher Druck 
möglichst unveränderlich erhalten wird. Der Druck wird den Gasen 
durch irgend einen der bekannten Apparate, Pumpen z. B., vorzugs- 
weise unmittelbar gegeben. Von dein Behälter aus wird nun jedes der 
beiden (;ase unter Druck in die unten zu beschreibende Batterie oder 



Scharfs (jasbatterie. 



37 



den Stromerzeuger geleitet, wo sie durch die Elektroden von einander 
getrennt, noch immer unter gleichem Drucke stehen. 

Durch diesen Druck kann das eine oder andere Gas, oder auch 
beide, wenn zwei verwendet werden, flüssig gemacht werden, zum 
Erfolge unbedingt nothwendig ist dies jedoch nicht. Auch kann man 
diese Gase, oder nur eines derselben durch Druck in einer beliebigen 
Flüsdgkeit, z. B. Wasser, verdichtet, in die Zellen einführen. 

Pia 1. 




Fig. 2. 



Fig. 3. 



Fig. 4. 



Von einer solchen Gasbatterie zeigt Fig. 1 einen Längenschnitt, 
Fig. 2 eine Endansicht, und Fig. 3 und 4 in Ansicht und Schnitt eine 
einzelne Elektrode sammt ihrem Contacte. 

Der Apparat besteht aus einem, vorzugsweise aus Metall her- 
gestellten Behälter A von beliebiger Form, am besten eignet sich eine 
cylindrische: der Behälter A ist mit Boden und Deckel A x und A 2 ver- 
sehen, mittels deren er durch Schrauben oder auf andere bekannte 
und beliebige Weise luftdicht verschlossen werden kann. In diesem 



Scharfe Gasbatterie. 

Behälter A werden von je zwei in entsprechender Entfernung von ein- 
ender befindlichen Elektroden c Zellen gebildet. Als Elektrode wird 
poröse Kohle in Platten- oder Scheibenform benutzt. Jede der platten- 
fÖrmigen, porösen Elektroden Btehl mit der einen Fläcbe beständig mit 
einem der unter Druck stehenden Gase und mit der anderen mit der 
leitenden Flüssigkeit in Berührung. 

Jede Elektrode c ist von einem Metallring d umschlossen, welcher 
vorzugsweise (Fig. 3 und 4) an einer Stelle zu dem später zu be- 
Bchreibenden Zwecke mit einem Vorsprunge d { versehen ist. Der 
Metallring d di< nt ausschliefslich zur Herstellung eines guten Contactes 
für die Ableitung der Elektricitäi in die beiden Poldrähte und kann 
daher auch durch ein beliebig anders geformtes, mit der Kohle zu ver- 
bindendes Stück leitenden Materials ersetzt werden. 

Eine Oxydirung oder Salzbildung an der Contactfläche des Ringes d 
durch das Vordringen der augeordneten Reagentien in der porösen 
Elektrode kann durch Versehliefsen der der Berührungsfläche nahe- 
liegenden Poren mit Hilfe eines der bekannten Mittel, Paraffin z. B., 
verhindert werden. 

Um behufs Bildung der Zellen die Elektroden c in geeigneten 
Zwischenräumen zu halten, ist zwischen je zwei der Elektroden immer 
ein Isolirring e aus Hartgummi, geprefstem Papier oder einer beliebigen 
anderen Isolirmasse eingelegt, welche genau und dicht in den Behälter A 
passen mufs. Nach dem Ergebnisse der Versuche entspricht beiden 
Zwecken der Ringe e (Isolirung der Elektroden und Dichtung im Be- 
bälter . 1) am besten Asbest: es werden Ringe aus Asbest gepreist, oder 
aus Platten, wie solche bereits zu Dichtungen verwendet werden, ge- 
schnitten. 

Die Elektroden c, welche mit ihren Ringen (/ kleiner im Durch- 
messer sind als der innere Durchmesser des Gefäfses A, sind ebenfalls 
von lsolirringen f aus Hartgummi o. dgl. (vorzugsweise aus Asbest) 
umgeben, welche sich dicht an die Isolirringe e anschliefsen. 

Nach Fig. 1 wird durch eine Anzahl von Elektroden mit ihren 
Metall-Trennungs- und lsolirringen eine Reihe von gegen einander ab- 
gedichteten Zellen /. i, 5 . . . gebildet. Jeder zweite Zwischenraum u\ 
d. h. der Zwischenraum /.wischen je zwei Zellen, ist entweder mit 
einem flüssigen Leiter, z. B. angesäuertem Wasser, vollkommen an- 
gefüllt, oder mit porösen, elektrisch nicht leitenden Körpern, z. B. 
Platten oder Scheiben, in welchen sich der flüssige Leiter aufsaugt und 
ebenso, wie auch das angesäuerte Wasser allein, die Verbindung zwi- 
schen den Elektroden herstellt. 

Alle Zellen gerader Nummer 2, /, (i . . . enthalten das eine Gas, 
die ungeraden Zellen /. r,. :, . . . das andere. Alle Elektroden einer 
jeden der beiden Gruppen Bind leitend unter einander verbunden. 

Zum Zweck der Zu- und Ableitung der Gase und des Wassers zu 



Scharf s Gasbatterie. 39 

und aus den Zellen ist der Deckel oder das eine Ende des Gefäfses A 
mit acht Oeffnungen versehen. Von diesen ist g die eine Gaszuleitung 
(z. B. für Wasserstoff) und g { die entsprechende Ableitung, h ist die 
andere Gaszuleitung (z. B. für Sauerstoff) und h { die entsprechende 
Ableitung; i ist die Zu- und ■i l die Ableitung für das angesäuerte 
Wasser. Bei k und k [ schliefslich sind die beiden negativen und posi- 
tiven Polklemmen. Den Oeffnungen g, g^ h^h i und », t, entsprechend, 
sind sämmtliche Isolir- und Dichtungsringe des Apparates mit Oeffnungen 
oder Löchern versehen, welche sich deckend, zusammen die Kanäle g.,, 
<? 3 , ä 2 , /* 3 u. s. w. bilden, durch welche die Gase bezieh, das angesäuerte 
Wasser zu- und abfliefsen können. Jeder der Isolirungsringe e ist von 
je einem der Ab- und Zuleitungskanäle aus nach innen durchbrochen 
oder mit einem Ausschnitt e l bezieh. e 2 versehen, durch welchen eine 
Verbindung des betreffenden Kanales mit dem Inneren der von dem 
betreffenden Isolirringe gebildeten Zelle hergestellt wird. Es wird also 
jede Zelle bezieh, jeder Zwischenraum je eine Ein- und eine Aus- 
strömungsöffnung e { und e 2 haben. Der Wasserstoff z. B. wird bei g 
eingeleitet, geht durch Kanal g 2 und tritt durch die Oeffnungen e [ in 
die betreffenden Zellen 5, 4 . . ., welche er füllt und aus welchen er 
auf der entgegengesetzten Seite durch Oeffnungen e 2 in den Ausströ- 
mungskanal </ 3 gelangt und bei g { aus dem Apparate austritt. Hier 
mufs, wie bei den anderen Ausströmungsöffnungen h { und i l natürlich 
irgend ein Druckventil angebracht sein, um das Durchströmen zu re- 
guliren. In der gleichen Weise werden die Zellen /, 3 . . . mit dem 
anderen Gase und die Zwischenräume te mit dem angesäuerten Wasser 
gefüllt und durchströmt. 

Die bereits erwähnten Vorsprünge d { der Metallringe d (oder die 
letztere ersetzenden Leitungsstücke) sind derart durchbohrt, dafs je ein 
Metallstab / durch diese Oeffnungen d 2 der Ringe d geschoben werden 
kann. Die Elektroden werden mit den beiden Polklemmen k und k { 
mittels der beiden Metallstäbe / und l { verbunden, welche von letzteren 
ausgehen, alle Isolirungsringe im Apparat durchdringen und mit den 
gleichnamigen Elektroden mittels der Vorsprünge d { der Ringe rf, durch 
deren Oeffnungen d 2 sie gehen, in leitender Berührung stehen. 

Der Druck, unter welchem der flüssige Leiter (angesäuertes Wasser 
z. B.) in die Zwischenräume w eingeführt wird, hängt von dem Druck 
der verwendeten Gase in den Zellen ab; daher mufs auch die Wasser- 
Zu- und Ableitung, ebenso wie die der Gase, durch Ventile geregelt sein. 

Statt so Zellen herzustellen, aus welchen das Gas in die Elektroden 
dringt, kann man einfacher die Elektroden selbst mit der Gasleitung 
im Apparate in Verbindung bringen, so dafs die Gase unmittelbar in 
die Poren der Elektroden eindringen und mit dem flüssigen Leiter 
dieselbe Wirkung hervorbringen, wie bei der erstbeschriebenen Ein- 
richtung. Es entfallen also hier die Zellen /, 2, 3 . . . für die Gase, 



40 Elektrische Bogenlampe von Siemens und Halske. 

während die Stellung der Elektroden die gleiche bleibt, welche jetzt nur 
durch die den flüssigen Leiter enthaltenden Zwischenräume getrennt sind. 



Elektrische Bogenlampe von Siemens und Halske. 

Mit Abbildung. 

In der in Oesterreich-Ungarn unterm 24. August 1889 für Siemens 
und Halske in Berlin patentirten elektrischen Bogenlampe werden die 
Kuhlen bewegt, ohne dafs Räderwerke, Contactmechanismen, Aus- 
lösungen u. dgl. in der Lampe mitwirken, auch wird den Kohlenhaltern 
nicht eine gleitende oder rollende Bewegung ertheilt, vielmehr wird 
der Anzug, welchen der Elektromagnet oder ein Solenoid auf ein 
EÜ8enstück ausübt, unmittelbar durch Hebel und Gelenkstangen und 
eine Uebersetzung mit Gegeulenkern auf geradlinige (d. h. nicht ge- 
bogene) Kohlenstäbe in einer solchen Weise übertragen, dafs die Kohlen 
-ich ganz (oder doch annähernd) geradlinig bewegen und der Licht- 
bogen immer an der gleichen Stelle des Raumes verbleibt. Die bei- 
gegebene Zeichnung skizzirt schematisch die hierfür gewählte Anord- 
nung unter Weglassung der bekannten Theile der elektrischen Bogen- 
lampe. 

Das Lampengehäuse K trägt den Elektromagnet TW, den um eine 
wagerechte Achse sich drehenden doppelarmigen Hebel BCB n den 



Fixpunkt der Feder F und ferner, isolirt von diesem aufgeschraubt, 
die Drehzapfen A { und A 2 auf der einen, D { und Z> 2 auf der anderen Seite. 
In der vom Hebe] BCB X beschriebenen senkrechten Ebene drehen 
rieb um ihre wagerechten Achsen A { und D { die beiden Arme A { A 5 
und Z>, />-, welche in den Gelenken A 4 und D^ mit den Gelenken B 
und //, des Hebels B C B t durch starre Stangen 4 4 ß und D i B { derart 



Elektrische Bogenlampe von Siemens und Halske. 41 

verbunden sind, dafs der Hebel BCB { gegen die Arme A t A 5 und D^D^ 
isolirt ist, was durch die Einschaltung der Isolirstücke i erfolgen kann. 
Die an den Armen A { A- und D x D 5 befestigten Zapfen A 3 und D 3 
laufen in den um A 2 und D 2 beweglichen Gegenlenkern A x A : und 
D^D-, welche in den Gelenken A~ und Z> 7 die Stangen A 6 A 7 und D 6 D- 
tragen. Die Stangen ^4 6 A- und D 6 D- halten mit den Armen A { A 5 
und D l D 5 in ihren Gelenken A 6 und A 5 bezieh. Z) 6 und D 5 die Kohlen- 
zangen mit den geraden Kohlenstäben, welche im Brennpunkte L zu- 
sammentreffen. 

Die Lampe arbeitet auf unveränderliche Stromstärke. Ist dieselbe 
stromlos, so zieht die Feder F den Hebel B C B [ so weit an sich, dafs 
die Kohlen im Brennpunkte L zusammenstofsen. 

Wird dagegen die Lampe vom Strom durchflössen, so wird der 
am Hebel B C B { befindliche Anker von dem Elektromagnete so weit 
angezogen, als der Unterschied der Kräfte von M und F beträgt. Die 
Kohlen gehen auseinander, es bildet sich der Lichtbogen. 

Um den Brennpunkt L beim Abbrennen der Kohlen stets an der 
gleichen Stelle im Räume zu erhalten, dienen die beiden Gegen- 
lenker A 2 A- und D 2 D^ w elche von den an den Armen A v A 5 und D^D^ 
angebrachten Zapfen A 3 und D 3 geführt werden, die um die Dreh- 
punkte A l und D x Kreisbogen beschreiben und in gleicher Weise auch 
die Stangen A 6 A- und D^D- bewegen. Die an den Lenkern A 2 A- 
und D 2 D- für die Führung der Zapfen A 3 und D 3 angebrachten Schleifen 
sind derart gekrümmt, dafs, wenn die Gelenkpunkte A 5 und D 5 der 
Arme A { A 5 und D[D- beim Vorwärtsgehen sich heben, die Gelenk- 
punkte A % und D 6 der Stangen A^A- und Z> 6 Z) 7 , wie aus den punktirten 
Linien hervorgeht, in dem Mafse höher gehoben werden, dafs die Ver- 
bindungslinien dieser beiden Gelenkpunkte, also die Geraden A 6 A 5 L 
und D 6 D- L immer durch denselben Punkt L gehen. Das Gleiche ge- 
schieht bei einer Abwärtsbewegung der Punkte A 5 und D 5 . 

Braucht der Brennpunkt L nicht immer an der gleichen Stelle des 
Raumes zu bleiben, so wird unter Weglassung der die Schlitze be- 
sitzenden beiden Stangen A } A- bezieh. D D~ und der Zapfen A 3 
bezieh. D 3 an den Stangen A { A 5 bezieh. D^D b der Endpunkt A- t 
bezieh. D- der Gelenkstange A-A^ bezieh. D- Z> 6 festgelegt. 

An Stelle des Elektromagnetes M kann auch in gleicher Weise 
ein Solenoid verwendet werden, welches ein an den Hebel BCB X an- 
gebrachtes und in das Solenoid hineinragendes Eisenstück in verwandter 
Weise für die Bewegung des Hebels BCB t anzieht. 



42 



Viscosimeter zur Prüfung von Oelen bei constanter Temperatur. 



Viscosimeter zur Prüfung von Oelen bei constanter 
Temperatur; von C. Engler und Alb. Künkler. 

Mit Abbildungen. 

Die Bestimmung der Zähflüssigkeit der Oele mittels des Engler- 
schen Viseosimeters bei höherer Temperatur hat den Nachtheil, dafs 
die Temperatur des Öeles während des Auslaufens nicht constant bleibt 
und die Spitze der Auelaufröhre sich zu sehr abkühlt. Wir haben daher 
schon vor Jahresfrist Versuche darüber angestellt, durch Einstellen in 
ein Luftbad diesem Uebelstande abzuhelfen. Hierbei zeigte sich die 
Schwierigkeit, ein Luftbad zu construiren, in welchem, ohne dafs das- 
Belbe allzu grofse Dimensionen hat, an allen Stellen dieselbe Tem- 
peratur berrschl und welches die Manipulation und Beobachtung nicht 
allzusehr erschwert Nach eingehenden Versuchen mit Digestoren der 
verschiedensten Form kamen wir schliefslich zu der Form und Anord- 
nung des in Fig. 1, 2 und 3 abgebildeten Apparates, von dem Fig. 1 
den senkrechten seitlichen Schnitt durch die Mitte zeigt und Fig. 2 den 
wagerechten Schnitt durch seinen oberen Theil, in welchem sich das 
Viscosimeter beiindet. 

Der Apparat, aus starkem Messingblech doppelwandig gearbeitet, ist 
achtseitig, 35 cm hoch und 20 cm breit. Er steht mit seinen vier Füfsen a auf 



Fig. :s. 



FL-. 2. 




Fig. 1. 



drin Ringe ein.-, Dreifufses derart, dafs die schrägen Seiten der Füfse auf 
der Inneren Kante des Ringes aufsitzen, wodurch beim Verschieben des 
Kastens auf den Füfsen, die in ihrer Richtung mit den Niveaumarken 



Viscosimeter zur Prüfung von Oelen bei constanter Temperatur. 43 

des eingesetzten Viscosimeters correspondiren, ein leichtes Einstellen 
der Flüssigkeit ins Niveau ermöglicht ist. Auf dem Boden ist, um die 
durch einen /»imsen-Brenner zugeführte Wärme möglichst nach innen 
zu leiten, der kupferne Heizboden b mit einer starken Wölbung in der 
Mitte für die Bunsen-Flamme aufgeschraubt und durch dazwischen ge- 
legte Asbestplatte möglichst isolirt. Ueber der Wölbung des Bodens 
steht das Fufsgestell c und auf diesem zwischen seitlichen Stützen d 
das Mefsgefäfs e, welches durch die doppelte Asbestscheibe f vor direkter 
Wärmestrahlung des Heizbodens geschützt ist. Ueber dem Mefsgefäfse 
liegt auf einem schmalen Kranze der den Apparat in zwei Theile tren- 
nende Zwischenbodeu g mit der Oeffnung h für den ausfliefsenden 
Flüssigkeitsstrahl und den vier ovalen Steigröhreu t, welche bis an den 
oberen Rand des mit vier Füfsen auf dem Zwischenboden g stehenden 
Viscosimeters k reichen. Durch die Oeffnung h und die Steigröhren i 
circulirt die Luft zwischen dem unteren, gleichsam als Reservoir für 
heifse Luft dienenden Theile des Apparates und dem oberen Theile 
derart, dafs in dem letzteren um das Viscosimeter herum überall gleiche 
Temperatur herrscht. Zwei lange, am unteren Theile einander gegenüber 
liegende Fenster mit doppelten Scheiben l lassen das Ausfliefsen der 
Flüssigkeit und die Füllung des Mefsgefäfses beobachten, während zwei 
kleinere ebenfalls einander gegenüber, jedoch an anderen Seiten des 
Apparates liegende Fenster m am oberen Theile einen Einblick in das 
Viscosimeter zur Beobachtung der Niveaumarken gestatten. In der 
Mitte des Deckels, in welchen zur Erhellung des oberen Theiles des 
Apparates ebenfalls Scheiben eingesetzt sind, befindet sich ein Rühr- 
werk, das heraufgezogen und heruntergelassen werden kann. Dasselbe 
besteht aus der Röhre n, dem an ihrem oberen Ende befestigten Knopfe o 
zum Umdrehen und den an dem unteren Theile befestigten drei Rühr- 
armen p. Der untere Theil mit den Rührarmen ist durch Nase und 
Schlitz mit dem oberen verbunden, so dafs beide Theile zur Reinigung 
aus einander genommen werden können. Heruntergelassen liegt das 
Rührwerk mit dem Knopfe o auf einer an dem Deckel befestigten 
Scheibe q auf, aus welcher ein Drittel ausgeschnitten ist. In diesen 
Ausschnitt hängt eine an dem Knopfe befestigte Nase E herab, die 
beim Drehen des Knopfes an die Seiten des Ausschnittes anschlägt, so 
dafs der Knopf bezieh, das Rührwerk nur etwa J 3 Drehung machen 
und das zur Seite durch den Deckel gehende bis nahe auf den Boden 
des Viscosimeters in das Oel tauchende Thermometer s mit den Rühr- 
armen nicht treffen kann (siehe Fig. 2). Eine zweite an der Röhre n 
sitzende und beim Heraufziehen und Herunterlassen des Rührwerks 
durch einen Schlitz des Deckels gehende Nase verhindert, auf die an 
dem Deckel befestigte Scheibe q aufgelegt, das Herabfallen des in die 
Höhe gezogenen Rührwerks. Durch das Rührwerk hindurch geht der 
ebenfalls mit einem Holzknopfe versehene , die Ausflufsöffnung des 



4.4 osimeter bot Prüfung von Oulen bei eonstanter Temperstar. 

Viscosimeters versohliefeende Stift t, so dafe sieh das Rührwerk um 
diesen Stift dreht. Ein zweites die Temperatur der Luft im oberen 
Tbeile dee Apparates anzeigendes Thermometer u geht ebenfalls durch 
den Deckel und hängl mit seinem (.hiecksilbergefäfse zur Seite des 
\ iscoaimetera. Ferner Ist in den Deekel der doppelwandige Trichter v 
eingesetzt, der mil Beinern unteren Ende bis in den breiten Ausgufs w 
des Viscosimeters reicht. Trichter und Rührwerk können zwecks 
Reinigung herausgenommen werden. Die Reinigung der Fenster ist 
dadurch ermöglicht, dafs deren äufsere Scheiben ausziehbar sind. Die 
an dem Deckel angebrachten Handhaben dienen diesem zugleich als 
Füfse. Mittels eines an der Seite des Apparates angebrachten Lothes 
stellt mau diesen senkrecht bezieh, die Flüssigkeit ins Niveau. Zum 
Erwärmen des in das Viscosimeter einzugiefsenden Oeles dient die 
doppelwandige Kammer x (Fig. 3j mit in den Boden eingelegter Asbest- 
scheibe und Rührwerk ähnlich dem des Apparates, jedoch mit schräg 
gestellten Schaufeln, um das von unten erwärmte Oel leicht nach oben 
zu bringen. Die Drehung erfolgt in der Richtung eines auf den Knopf 
markirten Pfeiles. Durch das Rührwerk hindurch reicht bis in die 
Flüssigkeit das sich mitdrehende Thermometer. 

Angestellte Versuche ergaben, dafs bei Temperaturen bis zu 100° C. 
die Wftrmevertheilung im oberen Theile des Apparates um das Viscosi- 
meter herum überall die gleiche und nur die Temperatur der auf dem 
Boden des Viscosimeters befindlichen stagnirendeu Luftschicht um einige 
Grad niederer ist; letztere wird aber durch das eingegossene Oel ver- 
drängt. Bei Temperaturen über 100° C. ist die über dem Viscosimeter 
bezieh, dem Oel stehende Luftschicht ebenfalls um einige Grad kälter. 
Es erreicht diese Differenz, allmählich wachsend, bei 150° ein Maximum 
von 4°, ist jedoch bei der geringen speeifischen Wärme der Luft auf 
die Temperatur des Oeles, mithin auf das Ergebnifs der Versuche über- 
haupt ohne Einflufs. 

Zur Controle wurde die Viscosität eines zähflüssigen Cylinderöles 
bestimmt, welches in zwei Versuchen eine direkte Auslaufgeschwindig- 
keit von jedesmal 2 Minuten 28 Secunden bei 100° C. und bei 1500 C. 
in ebenfalls zwei Versuchen eine solche von 1 Minute 22 Secunden 
zeigte. Die durch die höhere Temperatur im unteren Theile des 
Apparates bewirkte Temperaturzunahme des Oeles im Mefsgefäfse (e) 
während dieser Versuche betrug etwa 12°, so dafs also aus dem Vis- 
cosimeter, je nach dem gröl'seren oder kleinereu Ausdehuungscoefticient 
des (U-\l*, bis zur Marke 200" i\<^ Mefsgefäfses ungefähr 2°° Oel weniger 
ausöiefsen, als wenn das Oel im Mefsgeföfse die gleiche Temperatur bei- 
behielte wie oben im Viscosimeter. Da es sich indessen lediglich um 
Gewinnung von Vergleichszahlen bei ein und derselben Temperatur 
handelt, ist diesem Umstände weiter keine Bedeutung; beizumessen. 



Viscosimeter zur Prüfung von Oelen bei constanter Temperatur. 45 

Gebrauchsanweisung. 
Man setzt das Fufsgestell mit den Asbestscheiben auf den Boden 
des Apparates, auf dieses das Mefsgefäfs, legt dann den Zwischenboden 
mit dem darauf stehenden Viscosimeter ein und setzt den Deckel fest 
auf, wobei zu beachten ist, dafs Zwischenboden, Viscosimeter und 
Deckel mit ihren Strichmarken nach der an ihrer oberen Kante eben- 
falls markirten Seite des Apparates gelegt werden. Das die Tem- 
peratur der Luft anzeigende Thermometer läfst man so weit in den 
Apparat hinabreichen, dafs sein Quecksilbergefäfs zur Seite des Vis- 
cosimeters steht, während das in die Flüssigkeit tauchende Thermometer 
bis nahe auf den Boden des Viscosimeters reichen soll. Den Trichter 
mit aufgesetztem Deckel setzt man ebenfalls ein, das Rührwerk läfst 
man herunter, so dafs der Knopf auf der Scheibe nahe dem Deckel 
aufliegt, und schliefst dann mit dem durch das Rührwerk geführten 
Verschlufsstift die Ausflufsöffnung des Viscosimeters. Mittels des auf 
der Seite angebrachten Lothes wird der Apparat hierauf senkrecht mit 
den schrägen Seiten seiner Füfse auf die innere Kante des Kranzes 
eines genügend hohen Dreifufses gestellt und mit einer mitten unter die 
Wölbung des Heizbodens gestellten Flamme geheizt. Man erwärmt 
zunächst mit stärkerer Flamme bis auf etwa 4 5 der gewünschten Tem- 
peraturgrade, dann mit immer schwächerer Flamme, bis die betreffende 
Temperatur allmählich erreicht ist und constant bleibt. Mafsgebend ist 
lediglich das äufsere zur Seite des Viscosimeters herabhängende Ther- 
mometer, nicht das für die Flüssigkeit bestimmte. Inzwischen hat man 
das fast bis zu den Niveaumarken in die Kanne eingefüllte Oel unter 
Drehen des Knopfes in der Richtung des darauf markirten Pfeiles mit 
mäfsiger Flamme bis auf die gewünschte Temperatur erwärmt und 
dann so viel Oel zu- oder abgegossen, dafs dasselbe gerade bis an die 
Niveaumarken reicht. Ist dann die Temperatur im Kasten constant 
geworden, so erwärmt man wiederum das durch die Manipulation mit 
der Kanne kälter gewordene Oel auf die betreffende Temperatur, giefst 
es rasch durch den Trichter ein, läfst gut auslaufen und verschliefst 
den Trichter wieder. Nun überzeugt man sich, ob das Oel im Niveau 
und bis zu den Marken steht, dreht das Rührwerk um, wobei man, wie 
auch beim nachherigen Aufziehen des Rührwerks, der Vorsicht halber 
den Verschlufsstift festhält, und sieht, ob die Temperatur des Oeles die 
richtige ist. Alsdann zieht man das Rührwerk in die Höhe, läfst die 
Nase auf der Scheibe, auf welcher der Knopf lag, aufsitzen, so dafs 
das Rührwerk nicht herunterfallen kann, zieht den Verschlufsstift heraus, 
verschliefst den Knopf des Rührwerks durch einen beigegebenen Stift 
oder Kork und beobachtet, in welcher Zeit, vom Herausziehen des Stifts 
an gerechnet, das Mefsgefäfs bis zur Marke 200 cc gefüllt wird. Das 
Oel giefst man zweckmäfsig mit einer um * 4 bis 1/2 höheren Tem- 
peratur in das Viscosimeter. Die Kanne darf, damit sie nicht überhitzt 



lt', .-hinter zur Prüfung viiii Ölen bei constanter Temperatur. 



wird, nur langsam erwärmt werden, so dafs das Oel nur allmählich 
die gewttnsohte Temperatur erreicht: ebenso wenig darf die Kanne durch 
Wegnahme der Flamme zu stark abgekühlt werden. In beiden Fällen 
ändert sich sonst leicht die Temperatur des Oeles während des Ein- 
08. I'as Rührwerk der Kanne ist vor dem Eingiefsen bezieh. Ab- 
lesen der Temperatur fleifsig umzudrehen. Hat das bereits eingegossene 
Oel eine zu hohe oder zu niedere Temperatur, so kann dieselbe durch 
Steigen- oder Sinkenlassen der Lufttemperatur im Apparate regulirt 

werden. 

Nachdem dieser Apparat bereits fertig gestellt war, erschien in den 
Miltheilungen aus den Kbnigl. technischen Versuchsanstalten zu Berlin, 1889 
Ergänzungshefl V S. 6, die Beschreibung eines dem gleichen Zwecke 

dienenden Apparates von A. Marlens, die 
wir nebst beistehender Skizze hier wieder- 
geben. 

„Das Gefäfs A ist auf einem Drei- 
fufse in das Luftbad gesetzt, welches 
durch den doppelwandigen Kasten B mit 
einer festen hinteren D und einer vorderen 
beweglichen Glaswand gebildet ist. Das 
Luftbad kann durch den Kranzbrenner E 
mittels der Seitenkammern F geheizt wer- 
den. Die Wärme im Luftbade zeigt das 
Thermometer J, diejenige im Oel das 
Thermometer H an. Mit Rührer K aus 
Platindraht kann das Oel zur gleich- 
mäfsigen Wärmevertheilung in Bewegung 
gebracht werden. Gefäfs A und Kolben C haben die vorschriftsmäfsigen 
Abmessungen und Einrichtungen: nur ist der Stöpsel G ebenfalls durch 
die Decke des Luftbades geführt worden, um von aufsen abgezogen 
werden zu können. Die Wärme läfst sich durch die Flammen E 
und zeitweiliges OefFnen der Glaswand leicht regeln. Man hat gegen- 
über dem Apparate mit Oelbad den Vorzug, dafs das ausgeflossene Oel 
sich nicht abkühlt und dafs der Apparat leicht gereinigt werden kann." 
Es hat somit unser Apparat mit dem Apparate von Martens ge- 
meinsam das Prinzip des Luftbades, unterscheidet sich aber wesentlich 
von demselben einerseits durch die Anordnung zur Heizung des Luft- 
bades, andererseits dadurch, dafs bei unserem Apparate das Oel in 
einem besonderen Gefäfse erwärmt und abgemessen und bei der ge- 
wünschten Temperatur in das Viscosimeter eingefüllt wird, ohne dafs 
sich dadurch die Temperatur des Luftbades oder des Oeles selbst ändert. 
Gerade der letzterwähnte Unterschied scheint uns aber ein wesentlicher 
\ ortheil gegenüber dem Martens" nchen Apparate zu sein; denn bei diesem 
erfordert ein Erwärmen des Oeles im Luft bade, auch wenn das Oel 




Kleinere Mittheilungen. 47 

vorgewärmt ist, zweifellos sehr lange Zeit. Nimmt mau aber das Er- 
wärmen des zu prüfenden Oeles auf die gewünschte Temperatur aufser- 
halb des Luftbades vor, so wird eine Aenderung der Temperatur so- 
wohl des Luftbades, in Folge des nicht zu umgehenden Hebens der 
vorderen Glaswand, wie auch des Oeles selbst während des Einbringens 
in den Apparat unvermeidlich sein. 

Wir haben bei unserem Apparate absichtlich von der Anordnung 
eines ungetheilten Luftbades nach Art des Apparates von Martens Ab- 
stand genommen, weil zahlreiche Versuche uns lehrten, dafs in einem 
solchen Luftbade, wenn man nicht zu allzu grofsen Dimensionen greifen 
will, eine gleichmäfsige Temperatur rings um das Viscosimeter nicht 
zu erreichen ist. Wir befürchten daher, dafs in dem Martens sehen 
Apparate, obwohl derselbe erheblich gröfser ist als der unsere, die 
Temperatur, namentlich wenn mittels der Glaswand regulirt wird, 
dennoch eine nicht gleichmäfsige ist. 

Karlsruhe, Chemisches Laboratorium der technischen Hochschule, März 1890. 



Schachtabteufen mit Schleifsenzimmerung. 

In der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung, 1890 Nr. 2. beschreibt R. Wabner 
das folgende, auf den oberschlesischen Eisenerzgruben der Umgegend von Tar- 
nowitz übliche Abteufverfahren für rechteckige Schächte von etwa 2 m .5 X 2 m ,0 
lichter Weite, und zwar sowohl in ganz trockenem, laufendem Sande als auch 
in schwimmendem Gebirge von einigen Metern Mächtigkeit, falls Sohlenauftrieb 
nur in geringem Mafse vorhanden ist. 

Schleißen sind Brettstücke von etwa 35cm Länge, 20cm Breite und 2cm 
Dicke: sie werden, nachdem auf der Schachtsohle für die Kappe eines neu 
einzubauenden Gevieres, an einer Schachtecke beginnend, in der Breite der 
Schleuse Aufraum gemacht worden ist, an den Schachtstofs gestellt, dabei 
mit dem oberen Ende hinter die Kappe des nächst oberen Gevieres gesteckt, 
und unten ein Stück in den Sand eingedrückt. Hinter die Schleusen werden 
Strohwische gesteckt, damit aus der zwischen zwei Schleusen verbleibenden 
schmalen Fuge zwar Wasser, aber kein Sand hervorquellen kann. Nachdem 
so der kurze Schachtstofs und ein Theil des angrenzenden langen Schaeht- 
stofses verwahrt worden ist, wird die Kappe eingezogen und durch einen 
oder zwei Keile . die auf untergelegten Brettstücken eingetrieben werden, 
gegen das nächstobere Joch angetrieben. Ebenso wird mit den anderen 
Schachthölzern verfahren, auch werden dieselben bis zum Einbau der Wand- 
ruthen durch Klammern am oberen Theile des Schachtausbaues aufgehangen. 
In der Mitte der Schachtsohle wird zur Wasseransammlung ein Sumpfkasten 
eingesetzt und der übrige Theil der Sohle mit Brettern belegt, damit die 
Arbeiter einen sicheren Stand haben. 

Das Abteufen mit Schleusen ist billiger als die Getriebezimmerung; in 
einem Schachte, in welchem unter 15 m losem Gebirge 4m Schwimmsand 
folgten, betrug das Gedinge für lebm Schachtraum durchschnittlich 12 31. ein- 
schliefslich Haspelziehen und Auslaufen der Massen. 

Heben der Wasser aus dem Schachtsumpfe mittels Prefsluft. 

Nach der Oesterreichischen Zeitschrift. 1889 S. 506, hat Direktor Ruidant auf 
einer Grube bei Charleroi. um das Einsenken der Förderschalen und Wasser- 
kästen in den Schachtsumpf zu vermeiden, die folgende Einrichtung getroffen. 



48 Kücher-Anzeigen. 

Der Schachtsumpf ist unterhalb der Anschlagsohle durch ein starkes Gewölbe 
and darüber befindliche Betonschicht geschlossen; durch den Abschlufs sind 
drei eiserne Ruinen bindurchgeführt, die eine derselben dient zur Zuführung 
der Grubenwasser in den Schachtsumpf und wird, falls Wasser gefördert 
werden soll, durch ein Ventil geschlossen. Durch ein zweites Rohr kann 
geprelstc Lull in den Schachtsumpf geleitet werden und durch den Druck 
derselben wird das Wasser durch ein bis zum SchachUiefsten reichendes 
Steigrohr den Wasserkasten zugeführt Das Luftrohr und das Steigrohr sind 
mit Sperrhähnen versehen. 



Bücher-Anzeigen. 

Nachschlagebuch der ArbeiterschutzGesetzgebung des Deutschen 
Reiches von Mickley und Streissler. Verlag von Biedermann, Leipzig;. 
117 S. 1 Mk. 

Das Werk enthält in alphabetischer Anordnung allgemeinverständliche 
Artikel über das Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, sowie über das 
Altersversorgungsgesetz. Eine Einleitung gibt eine Darlegung solcher Be- 
Stimmungen, die erfahrungsmäfsig vielfach mifsverstanden oder nicht beachtet 
worden sind. Die Anordnung gestattet, in jedem einzelnen Falle in kürzester 
Frisl sich Auskunft zu verschaffen. 

Bau-UnterhaltUBg in Haus und Hof. Handbuch zum Beurtheilen und 
Veranschlagen von Neu- und Ausbesserungs-Arbeiten an Wohn- 
und Wirthschafts-Gebäuden von Hilgers. Fünfte Auflage. Wies- 
baden. Bechtold und Comp. 380 8. 

Das vorliegende Handbuch beschreibt kurz die in Rede stehenden Bau- 
gegenstande, ^ibt dabei manchen praktischen Wink und veranschlagt Material 
und Ausführung eines Baugegenstandes, soweit als zur vollständigen Fertig- 
stellung erforderlich ist. Dafs das Werk dem Bedürfnisse der Praxis ent- 
spricht, beweisen schon die rasch aufeinander folgenden Auflagen. Ein Blick 
in dasselbe überzeugt von der glücklichen Anlage des Werkes. 

Die Aktiengesellschaft Mix und Genest in Berlin sandte uns ihr neues 
Preisverzeichnifs, auf welches wir Elektriker hiermit aufmerksam 
machen. Der Hand von etwa 140 Seiten enthält nicht nur Gröfsen- 
und Preisangaben, sondern auch kurze orientirende Beschreibung und 
zahlreiche Abbildungen, welche hinreichen, über Einrichtung und Ver- 
wendung der bctrellenden Gegenstände die nöthige Auskunft zu geben. 
Das Preisverzeichnifs lälst einen bedeutenden Fortschritt auf dem Ge- 
biete der angewandten Elektricität erkennen. 



der J. G. Cotta 'sehen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche V< i la gs gesell schaff in Stuttgart. 



Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 49 

Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 275 S. 577. i 
Mit Abbildungen auf Tafel 3. 

- Während das Prinzip der Gewinnung von Sulfit-Cellulose in allen 
Fällen als das gleiche angesehen werden kann, ist die Art der Aus- 
führung, vor Allem die Darstellung der Kochlauge, eine mehr oder 
weniger verschiedene. So charakterisirt das Milseherlich- Verfahren wesent- 
lich der hohe Thurm und zwar derart, dafs es nach den neuesten Ent- 
scheidungen der deutschen Gerichte wahrscheinlich ist. dafs alle mit 
diesem Haupttheile versehenen Cellulosefabriken unter Milseherlich'* 
Patente fallen, trotzdem ein Theil derselben und zwar jener, welcher 
sich auf die Sulfit-Cellulose-Gewinnung im Allgemeinen bezieht, nichtig 
erklärt worden ist. Sei es nun, dafs es dem Einen darum zu thun ist, 
in irgend einer Weise die bewährte und noch unter Patentschutz 
stehende Verfahrungsart Milseherlich' s zu umgehen, oder ein Anderer 
wirklich etwas noch Besseres oder Einfacheres zu schaffen hofft, — kurz 
es sind andere Methoden, die jedoch das Wesen der Sache nicht be- 
treffen können, ersonnen worden. 

Edward Partington in Glossop, Grafschaft Derby in Eugland. hat 
ein Oesterreichisches Privilegium vom 26. Juni 1888 erhalten. Dasselbe 
betrifft eine besondere Anordnung und Darstellungsweise der Schweflig- 
säurelösung. Gemäfs der im Oesterreichisch-Ungarischen Patentblatte 
erschienenen Skizze ist durch Fig. 1 und 2 Taf. 3 eine erläuternde 
Zeichnung gegeben. Wie auch bei anderen Verfahren ist hier das 
Gegenstromsystem angewendet, indem das Gas, in den tiefst gestellten 
Bottich durch Rohr f eintretend, mittels eines Exhaustors durch alle 
Bottiche und deren Füllungen gesogen wird und endlich durch Rohr f 3 
aus dem obersten Bottich austritt, während frische Flüssigkeit durch 
das Rohr e in den höchsten Bottich gedrückt wird, von diesem durch 
das Rohr e 2 in den Bottich A { und von dort durch e { in A 2 gelangt. 
Wir sehen also in jedem der drei Bottiche das Gas gezwungen, unten 
an zwei Stellen (Rohrleitung f z. B. bei Bottich A 2 ) in die Flüssigkeit 
einzudringen, dieselbe zu durchströmen, und das Ueberschüssige sich im 
Räume B anzusammeln, von wo derselbe durch die Leitung f { ganz 
analog nach A { und hierauf durch f 2 nach A gelangt. Wegen der in 
jedem der Bottiche vorhandenen Rührer, gebildet aus den Stangen d 
und Querstücken d x . ist eine vollständige Mischung in der Flüssigkeit 
zu erhoffen und auch eine günstige, allseitige Einwirkung des Gas- 
stromes zu erwarten. Die Rührer erhalten, jeder gesondert, ihren An- 
trieb mittels Voll- und Leerscheibe auf den Wellen b 2 und den Kegel- 
radübersetzungen fe 4 , b 5 auf den lothrechten Wellen 6 h . Dadurch, dafs 
jeder Bottich nach oben vollständig gedeckt und die lothrechten Rühr- 
wellen b G durch Stopfbüchsen in den Deckeln gehen, dürfte eine Ver- 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 2. 1890 II. 4 



50 Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 

unreinigung der Lösungen hintangehalten werden. Die Anordnung i^-l 
im Ganzen verhältnifsmäfsig einfach, beansprucht keine grofse Höhen- 
.-iitw ickelung und verspricht guten Erfolg. 

Für das Kochen verholzter Pflanzenstoffe mit Natronlauge sind von 
Amerikanern mehrere Neuerungen angegeben worden. Alexander Selkirh 
in New York (Albany) erhielt das D. K.P Nr. 46 940 auf einen stehenden 
Papierstoffkocher, der nach der Patentschrift (vgl. Papierzeitung , 1889 
Nr. 71) in Fig. 3 Taf. 3 abgebildet ist. Das Wesentliche daran ist. dafs 
die Lauge getrennt vom Papierstoffe, an zwei Stellen in den Heiz- 
schlangen C unten und D oben erhitzt, durch die Siebböden b über den 
zu behandelnden Rohstoff' sich ergiefst und in der Mitte aus dem durch 
Siebblech vor dem Eindringen des Stoffes geschützten Ringe E abgesaugt 
wird. Die Centrifugalpumpe F besorgt das Heben bezüglich Ansaugen 
der Flüssigkeit. Wird der Kocher mit einer bedeutenderen Länge her- 
gestellt, so ist ein merkbar günstiger Einflufs von der getheilten Durch- 
>tri>mung, von oben nach der Mitte und von unten nach derselben wohl 
zu erwarten. Wegen des Umstandes, dafs die Lauge einen kürzeren 
Weg durch die Füllung zurückzulegen hat, kann dieselbe wohl auch 
schwächer gewählt werden. 

Einen ähnlichen Zweck, den fortwährenden Kreislauf der Koch- 
lauge zu erzwingen, verfolgt auch die durch Amerikanisches Patent 
Nr. 401610 geschützte und in Fig. 4 Taf. 3 dargestellte Construction von 
John D. Topkins (vgl. Papierzeitung , 1889 Nr. 53). Auch hier ist zu 
diesem Zwecke eine Centrifugalpumpe P vorhanden, die Lauge wird 
jedoch aufserhalb des Kessels in der Heizschlange erwärmt. Nach- 
dem der Kocher durch das Mannloch B 2 mit Stroh, Holz o. dgl. ge- 
füllt worden ist, wird die Lauge mittels der Pumpe in den Kessel ge- 
trieben. Durch die Stellung der Hähne L und L i ist es möglich, 
entweder durch die Rohre G frische Lauge oder, nach Absperrung der- 
selben, von oben Flüssigkeit abzusaugen (wobei die Siebringe F; und F 2 
das Mitgehen von festen Theilen verhüten), und unten durch das Sieb- 
rohr c wieder zuzuführen, oder aber die Lauge den umgekehrten Weg 
machen, unten absaugen und oben übergiefsen zu lassen. Durch die 
Rohre O und O i kann aufserdem reiner Dampf eingelassen werden, 
während die Rohre 0. z ein Abblasen des überschüssigen gestatten. 

Ganz interessant ist es, dafs wegen der eingeschalteten Hähne L 
und /-, die Pumpe bei irgend einer der beiden Strömungen nur in einer- 
lei Richtung sich zu drehen hat. Denn die beiden Wege der Flüssig- 
keit sind entweder : c, , E, L, , /*, L, Z), c oder c, /), A/, I, ,/»,£, iV, E, c, . 
Nach Beendigung der Kochung kann durch C das Resultat abgelassen 
werden. Amerikanisches Patent Nr. 401609 sichert demselben die An- 
ordnung der Heizröhren innerhalb des Kessels. 

Auch das Englische Patent Nr. 8059 vom 1. Juni 1888: H. H. Lake. 
London (J. A. Manning, W. H. Peckham und A. Chambers, Troy, New 



Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 51 

York) bringt ähnliche Constructions-Ideen zum Ausdrucke. Centrifugal- 
pumpen besorgen im Vereine mit passend angeordneten Rohrleitungen 
die Circulation der Flüssigkeit. 

Die Kocher von Daglish und Co., St. Helen, Lancashire, für Sultit- 
Cellulose sind Drehkocher von der sonst für Lumpenkocher üblichen 
Kueelform. Innen ist eine patentirte Auskleidung durch von aufsen 
befestigte Blei platten angebracht. Die Nieten sind innen versenkt, um 
eine ebene Fläche für die Verkleidung zu erhalten. 

Ein ganz eigenthümlicher Fall über das Reifsen eines Sulfitkochers 
findet sich im 19. Jahresberichte des Schweizerischen Vereins von Dampf - 
kesselbesitzern mitgetheilt. 

Der Kocher (Fig. 5 und 6) hatte im Grofsen Ganzen eine der 
bekannten Constructionen: Cylindrischer Mantel mit gewölbtem Boden, 
innen eine 4 mm starke Bleiblechverkleidung, die durch eine 250 mm 
starke Cementschicht überdeckt war. Er ruhte beiderseits auf je sieben 
gleichmäfsig vertheilten und mit Expansionsrollen versehenen Trägern 
aus Gufseisen. Der Kocher war etwa l 1 /., Jahre im Betriebe gewesen, 
hatte 60 Kochungen durchgemacht und rifs kurz nach Beginn einer 
neuerlichen Operation mit einem starken Krach an 9 Stellen. Es 
konnte festgestellt werden, dafs der Kessel mit Flüssigkeit keineswegs 
überfüllt war, dafs der Dampfdruck nur l nt ,3 und die Temperatur kurz 
vor dem Unfälle 83° C. betragen hatte. Der Kessel selbst war auf weit- 
aus grösseren Druck geprüft und aus Stahlblech verfertigt, welches 
amtlich als vorzüglich erkannt worden war. Bei Untersuchung der 
Risse zeigte sich, dafs das Blech dort durchaus nicht von Säure zer- 
fressen war und auch vollkommen schönen Bruch mit Anlage zur Sehne 
zeigte. Es fällt nun wirklich schwer gegenüber diesen Thatsachen 
mit Sicherheit auf eine bestimmte Ursache des Reifsens hinzuweisen. 
Nehmen wir an, dafs die innere Cementausfütterung vollkommen fest 
geblieben sei, so könnte ganz allmählich, von Kochung zu Kochung, 
dieselbe durch eine innere Veränderung, vielleicht durch Aufnahme von 
Laugebestandtheilen, etwa Wasser, gewachsen sein, so eine stets wach- 
sende Spannung im Bleche erzeugt und endlich das Ueberschreiten der 
Bruchgrenze bewirkt haben. 

Wesentlich einfacher scheint die Beurtheilung eines anderen Falles 
der Explosion eines Sulfitkochers zu sein, der im Berichte der k. k. öster- 
reichischen Gewerbeinspektoren, 1888, erwähnt worden ist. Ein Ritter- 
Kellner-Kocher rifs nach etwa dreijährigem Gebrauche, nachdem er 
monatlich ungefähr 12 Kochungen von je 24 Stunden Dauer geliefert 
hatte. Der fragliche Kocher hatte 3 m Durchmesser und 6 m lichte Höhe 
zwischen den Verschlufsdeckeln und gewölbte, kugelförmige Böden. 
Er war auf 5 at concessionirt und auf 8 at ,5 mit kaltem Wasser geprüft. 
Das Blech war 13 mm stark und mit 10 mm dickem Blei, dessen Platten 
mit einander verlöthet und mit Klammern und Schrauben, ohne gedichtete 



52 Deber Neuerungen in der Papierfabrikation. 

Schraubenlöcher an das Kesselblech befestig! waren, ausgekleidet. Ee 
strömte auch bei nur einigermafsen schadhafter Bleifütterung Dampf 
dort aus. Dies erklärl es wohl hinreichend, dafs endlich ein Reissen 
erfolgen mutete. Die eine Galotte wurde seitlich umgelegt und erwies 
rieh das Blech an der Rifsstelle nur 5 mm , an einzelnen Orten .sogar nur 
gmm stark, so sehr hatte die Kochlauge das Blech angegriffen. 

Kin anderer für Natron-Zellstoff bestimmter Kocher für 11 ; " Span- 
oung Bollte neuerlich der Druckprobe unterzogen werden. Aus diesem 
Anlasse liefe man denselben schon Tags vorher mit warmem Wasser 
gefüllt, um die in Folge des Betriebes aus dem Holz abgeschiedene 
Theerschichi von der inneren Seite des Kessels zu entfernen. Bei 
Vornahme th-v Probe konnte man aber dann den Druck nicht über eine 
halbe Atmosphäre bringen, indem aller Orten Wasser aus den Niet- 
aähten spritzte. Die Theerbekleidung hatte also das Dichthalten ebenso 
gut bewirkt, als es durch das neuerfolgte Anziehen der Nietreihen ge- 
schehen konnte. 

In anderer, weniger angenehmer Weise wirkt diese Theerausschei- 
dung bei Natron-Zellstoffkochern dadurch, dafs die Wasserstandsgläser 
unwirksam werden. Die ausgezogenen Stoße verschmieren diese engen 
Röhren derart, dafs es praktisch ganz angezeigt erscheint, wenn die 
bezüglichen Hähne vor Beginn des Kochens zugedreht werden. 

Diese Fälle scheinen es nur zu rechtfertigen, wenn für Dampf- 
apparate dieser Art die gesetzlichen Bestimmungen anders gehalten sein 
Bollen, als für gewöhnliche Dampfkessel. Auch die Holzdämpf kessel, 
in denen sich die so zerstörend wirkende Ameisensäure bildet, erfordern 
unbedingt andere Bestimmungen. 

Als erste Forderung ist zu beachten, dafs die Kocher nur mit 
solchen Vorrichtungen ausgestattet sein sollen, welche der jedem ein- 
zelnen Apparate eigeuthümlichen Gefahr entsprechen. Da es nun vor 
Allem Gtafseisen und Messing sind, welche besonders angegriffen werden, 
so sollte deren Verwendung, wo nur thunlich, ausgeschlossen werden 
Gufseiserne Mannlochdeckel z. B. sollten durch schmiedeeiserne ersetzt 
werden. Kine besondere Berücksichtigung erfordert das Sicherheits- 
ventil. Insbesondere bei Sulfitkochern ist das Dichthalten derselben 
nichi zu erwarten, wenn der Forderung entsprochen werden soll, dafs 
bei Ueherschreiten der concessionirten Dampfspannung sofort das Ab- 
blasen beginne. Reinigt man das Sicherheitsventil nicht hinreichend 
oft, so verkleben die gummiartigen, ausgezogenen Stoffe vereint mit 
mitgerissenen Fasern u. dgl. die Sitzfläche derart, dafs auch bald bei 
weitaus höherer, also schon gefährlicher Spannung kein Warnen statt- 
findet. Reinigt man aber sorgfältig, so tritt fortwährend Dampf aus, 
indem die Sitzflächen immer aufgeätzt werden und derartige Uneben- 
heiten entstehen, dafs die Ventilbelastung nicht hinreicht, die Dichtung 
zu erzielen. Ein zeit weises Anheben der Ventile, wie es bei Dampf- 



Ueber Neuerungen in der Papieriabrikation. 53 

kesseln vorgeschrieben ist, und welches auch hier dem übermäfsigen 
Verkleben der Sitze steuern könnte, ist nicht durchführbar. Der Wärter 
bekäme derartige Mengen von schwefliger Säure zu schlucken, dafs 
seine Gesundheit unbedingt zerstört würde. Abblaserohre sind nicht zu 
empfehlen, weil man dann die Ventile selbst nicht leicht besichtigen 
kann. Es ist also wohl nicht empfehlenswerth, ein solches Ventil vor- 
zuschreiben, welches nicht recht im Stande gehalten werden kann, dann 
schlecht functionirt und, in Folge seines Vorhandenseins,, den Wärter 
in trügerischer Sicherheit zu halten vermag. Besser scheint der Vor- 
schlag zu sein, dafs zwei Sicherheitsventile angebracht sein sollen, 
welche durch ein kurzes Rohr mit dem Kessel so zu verbinden wären, 
dafs eingeschaltete Absperrventile ermöglichen würden, dieselben ab- 
wechselnd zu reinigen. Als Sitzflächen müfsten dann allerdings solche 
Metalle gewählt, welche nicht zu rasch ausgefressen würden, oder 
solche Constructionen angewendet werden, die ein leichtes Aus- 
wechseln der Sitze und Nacharbeiten derselben gestatten. Auch der Vor- 
schlag ist erwähnenswerth, dafs die Sicherheitsventile in den Dampf - 
zuleitungsröhren nahe dem Kocher angebracht sein mögen, wenn der 
Betriebsdruck in dem letzteren geringer als der im Dampfkessel ist. 
Bei direkter Heizung: Ritter-Kellner-Kochern und ähnlichen, sowie bei 
den rotirenden Kochern von Franke und Flodquist läfst sich dagegen 
nicht viel einwenden. Bei Mitscherlich- Kochern mit innerer Rohrheizung, 
überhaupt solchen, welche gesonderte Kocherheizung erhalten, ist je- 
doch die Anbringung der Sicherheitsventile in der Dampfleitung, wie 
leicht einzusehen, nicht zu empfehlen, weil sie nicht hinreichend ver- 
läfslich zu wirken versprechen. Die sich im Kocher entwickelnde 
schweflige Säure besitzt ja bei gleichen Temperaturen höhere Spannung 
als der Wasserdampf. 

Auf Rückschlagventile, die insbesondere bei direkt geheizten Kochern 
von grofsem Vortheile wären, wirkt leider auch die Säure äufserst un- 
günstig ein. Für das Dichthalten wäre ein Ueberschufs an einseitigem 
Drucke nothwendig. Tritt nun Dampf in den Kocher eiu, so hat derselbe 
offenbar Ueberdruck und es ist kaum zu befürchten, dafs Schweflig- 
säure in den Dampferzeuger gelangt. Erreicht jedoch sodann die 
Spannung im Kocher genügende Höhe, so wird das Ventil zugedrückt: 
doch hat offenbar mittlerweile das Kochergas Gelegenheit gehabt, in 
die Dampfzuleitungsröhren und schliefslich in den Kessel überzutreten. 
Da auch der Ueberdruck von der Kocherseite her nicht so bedeutend 
anwachsen wird, dafs das Rückschlagventil sehr fest auf seinen Sitz 
geprefst wird, so ist Gelegenheit auch weiterhin vorhanden, dafs das 
Gas durch die angegriffenen Theile in den Dampfkessel kommt. Dort 
aber erzeugt dasselbe verhältnifsmäfsig bald bedeutende Corrosionen. 
Deshalb wird es nur gut geheifsen werden können, wenn ein Dampt- 
absperrventil in die Zuleitung so eingeschaltet wird, dafs es vom Wärter 



5 I Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 

BohoD dann benutzt werden kann, wenn nocli der Dampf Ueberdruek 
besitzt. Um das zu erkennen, ist allerdings uothwendig, dal« neben 
dein Koehermanometer ein zweites angebracht werde, welches durch 
eine Leitung mit dem Dampfkessel verbunden ist. 

Ziemlich klar dürfte aber aus dem Erwähnten hervorgehen, 
dafs ein ganz verläfsliches Sicherungsmittel für sonst gut construirte 
Kocher derzeit nicht vorhanden ist. Daher ist es wohl sehr empfehlens- 
werth, die Kessel an uud für sich aus dickerem Blech, 19 bis 25 mm 
Stärke, zu verfertigen. Wenn damit auch das Gewicht und die An- 
schaifungskosten bedeutend höher werden, so ist dies ein kleines 
Uebel gegenüber der gröfseren Betriebssicherheit und dem Umstände, 
dafs der Betrieb nicht so oft unterbrochen werden mufs, um not- 
wendige Reparaturen vornehmen zu können. Dafs die Verbleiung so 
gut als nur irgend möglich angebracht werden soll, ist wohl kaum 
nöthig zu erwähnen. Ist doch eriährungsgemäfs festgestellt, dafs das 
strömende Gas in schlimmster Weise auf die getroffenen Eisent heile 
wirkt; strömendes Gas haben wir aber, wenn dasselbe durch die 
schlechte Verbleiuug an irgend einer Nietstelle austritt. Leider scheint 
es, dafs bisher noch kein Verblei ungs- Verfahren allgemein bekannt ist, 
welches den zu fordernden Bedingungen tadellos entspricht. Wenn 
auch Bleiblech aus den Kammern für Schwefelsäure-Darstellung für 
diesen Zweck sich als besonders gut bewährt hat, so bleibt doch 
immer der wunde Punkt: die Verbindung der einzelnen Platten. Das 
Verfahren von Oskar Eberling in Breslau (D. R. P. Nr. 38 897 und 
Nr. 47284). wonach Metallbleche mit einer festhaftenden Schicht von 
Blei überzogen werden können, dürfte sich doch gerade für die Sultit- 
koeher nicht eignen, da das Blech beiderseits überzogen würde und 
die Nietköpfe ungeschützt bleiben müfsten. 

Von dem Verbleien der Kocher abweichend ist das kürzlich pa- 
tentirte Verfahren von Dr. Ferdinand Salomon und Direktor ßrüngger 
in Cunnersdorf. Danach erhält der Kocher innen eine eigentümliche 
Schutzkruste, indem in den von aufsen geheizten Kocher Sultitlauge 
oder eine Gipslösung nebst Holz gefüllt wird. Dadurch soll sich eine 
gleichmäfsig dünne, undurchlässige Kruste bilden, welche vor der Ein- 
wirkung der Säure vollständig schützt. Diese Kruste soll sich ganz 
selbsthätig an jenen Stellen erneuern, wo zufällig ein Stück abgesprungen 
ist und zwar während des Kochprozesses. Bei einer stattgehabten Be- 
sichtigung ist ein derartiger Kocher wie mit Marmor ausgekleidet ge- 
wtMn. Mit einem Spitzhammer mufste kräftig zugeschlagen werden, 
damit ein etwa 7""" dickes Stückchen absprang. Durchschnittlich ist 
die Kruste aber nur 2 ma stark. Das Stahlblech unterhall) erwies sich 
als metallglftnzend. Sollten sich diese vorteilhaften Eigenschaften als 
unbestreitbar herausstellen, so wird wohl das Verbleien von diesem Ver- 
fahren bald verdränut werden. 



Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 55 

Für das Auflösen der gekochten Cellulose sind einige Apparate pa- 
tentirt worden. Bedenken wir, dafs das Gefüge des gekochten Zell- 
stoffes ein so lockeres ist, dafs, wie schon früher hervorgehoben, ein 
Schlag genügt, um die Fasern stark von einander zu trennen, so ist es 
klar, dafs für diesen Zweck Apparate den Vorzug verdienen, welche 
■die einzelne Faser mechanisch möglichst wenig angreifen. Diesem Grund- 
sätze entspricht der durch das österreichische Privilegium vom 14. Mai 
1888 geschützte und v Quirl^ genannte Apparat von Karl Ziegelmeyer. 
Ingenieur und Leiter der Cellulosefabrik in Stuppach bei Gloggnitz 
in Niederösterreich. Fig. 7 Taf. 3 gibt eine Skizze der Maschiue 
nach der Patentbeschreibung. Wir erkennen sofort aus derselben, dafs 
eine gewisse Aehnlichkeit mit in der Müllerei verwendeten Apparaten 
zu bemerken ist. Wir haben an dem äufseren cylindrischen Mantel A 
in gleichen Abständen von einander Schlagstifte f festgeschraubt, und 
zwar je vier in dem gleichen Horizonte, obwohl es natürlich keinem 
Anstände unterliegt, nach Bedarf deren mehr oder weniger anzubringen. 
Zwischen diesen festen Stiften bewegen sich andere, Schläger t, welche 
durch die lothrechte Welle g gesteckt sind, und sich daher mit dieser 
drehen müssen. Die Welle y hat das Spurlager A, tritt unten durch 
die Stopfbüchse d 2 in den Behälter, bezieh, durch den unteren Deckel d, 
oben durch den Deckel e und die Stopfbüchse e 2 und trägt das Schwung- 
rad n. Der Antrieb geschieht von dem Kegelrad erpaare j, k nebst Voll- 
und Leerscheibe auf der Achse von k. Die mit Wasser stark verdünnte 
gekochte Cellulose wird von einer Pumpe durch den Apparat gedrückt 
und dabei von den Schlägern aufgelöst. Da die Masse in dem Cy linder 
aufsteigen mufs, gemäfs dem Druck aus der Pumpe, so ist wohl kaum 
zu befürchten, dafs das Ganze nur in eine kreisende Bewegung gerathe 
und so eigentlich von den Schlägern nicht bearbeitet werde. Durch e { 
tritt der Stoff sodann aus. Ein kräftiges Gestell a, dessen beide Theile 
■durch die Platte b verbunden werden, stützt den Cylinder. 

Das Auflösen des Rohzellstoffes soll auch der durch amerikanisches 
Patent Nr. 389202 geschützte Apparat von Michael J. Corley in Jersey 
City, Nordamerika, besorgen. Er ist, wie aus Fig. 8 bis 10 Taf. 3 er- 
sichtlich, ein dreifacher Mahlgang. Durch Rohr P eintretend, kommt 
der Stoff auf die Kegel iW, welche denselben durch eine centrale Oeff- 
nung zwischen die Mahlflächen gelangen lassen. Von diesen ist die 
eine, iW, fest und mit nach unten gerichteten Messern, gemäfs Fig. 10, 
versehen, während die untere, /,, auf der lothrechten Welle ü fest- 
gestellt ist und aufwärts gerichtete Messer nach Fig. 9 besitzt. Ver- 
möge der Drehbewegung wird der Stoff' ausgeschleudert, gelangt zum 
zweiten Mahlgang und endlich auch zum dritten, um durch das Rohr R 
die Maschine zu verlassen. Die Messerstellung ist, wie leicht zu er- 
kennen, eine ganz ähnliche wie jene beim Holländer, Patent Xacke 
(vgl. D. p. J. 1888 268 * 492). Das bezüglich der Messerstellutig dort 



üeber Neuerungen in der Papierfabrikation. 

Hervorgehobene gilt wohl auch hier. Nur mag gemäfs dem bereite 
oben wieder Bemerkten darauf hingewiesen werden, dafs scharfe 
Me»si*r für den gedachten Zweck überflüssig, eher schädlich, erscheinen. 
Der Autrieb und die sonstige Anordnung zeigen viele Aehnlichkeit mit 
denen des eben besprochenen „Quirls". 

Eine ganz eigentümliche Einrichtung zum Zerfasern und Reinigen 
aufgesc/tlo$senen Papierstoffs wurde an Henry Blackmann in New York. 
Nordamerika, patentirt (D. R. P. Nr. 42640). Wie schon gelegentlich 
als Hauptforderung für derartige Maschinen die schonende Behandlung 
des Rohzeuges aufgestellt wurde, beabsichsicht auch Blackmann vor 
allem eine zarte Trennung der Fasern. Sanft rüttelnde Bewegungen 
sollen den Zusammenhang der Faserbüschel vorerst noch lockern, dann 
soll mittels Bürsten das völlige Freilegen bei völliger Erhaltung derLang- 
faserigkeit erzielt werden. In Fig. 11 Taf. 3 ist eine Zusammenstellung 
gegeben, um den Zusammenhang der fraglichen Maschine F mit den 
zugehörigen Apparaten zu erkennen, während Fig. 12 Taf. 3 eine ge- 
nauere Darstellung der wirkenden Theile nach der Patentzeichnung 
erkennen läfst. 

Von einem Kocher A gewöhnlicher Construction wird der auf- 
geschlossene Stoff mittels Dampfdruckes durch das Ventil L und das 
Rohr £j , welches in ein verengtes Mundstück übergeht, in einen Va- 
cuumbehälter B hiuübergedrückt. Es wird dadurch bezweckt, dafs 
durch den plötzlichen Austritt in den Behälter B ein Auseinanderzerren 
der Bündel eintrete. Die Luftleere wird durch Einspritzwasser und 
Absaugen durch die Luftpumpe E zu erreichen getrachtet. Nach Durch- 
streichen des Behälters C, der als Sandfang wirken soll, werden die 
Fasern durch das Rohr D i , die Pumpe /), das Rohr D 2 nach dem 
Rüttelwerk F und dem Bürstwerke G übergeführt. Beide umschliefst 
der gemeinsame Behälter h und sind diese in Fig. 12 dargestellt. Wir 
sehen dort eine Anzahl Abtheilungen, in welchen feste und hin und 
her gehende Wellbleche enthalten sind. Die beweglichen Wellbleche 
sind an Traversen j angebracht, welche ihrerseits an Stangen j { hängen 
und weiters durch die Schubstangen k { mit den Kurbeln k und der sich 
drehenden Welle i verbunden sind. Stopfbüchsen dichten die Staugen j, 
beim Uebergange aus dem geschlossenen Kasten h ins Freie ab. 
Wir sehen, dafs der durch das Rohr D 2 eingeprefste Stoff gezwungen 
ist, im Zickzack die Wände h { zu umfliefseu und dabei der eigenthüm- 
lichen Wirkung zwischen den bewegten und festen Wellblechen, einer 
Art rollender Reibung, um den Vorgang möglichst genau zu kenn- 
zeichnen, ausgesetzt ist. In den nächsten Abtheilungen hat er nur in 
Wellenbewegung zwischen den nur festen Blechen durchzuströmen, 
um gleichsam gespült zu werden. Weiterhin gelangt dann der Stoff" 
in die Bürstkammern G zwischen Bürsten R. Ein Theil derselben ist 
fest, während der andere auf Walzen T sitzt, welche durch die Wellen T 



Oeber Neuerungen in der Papierfabrikation. 57 

gedreht werden. Der Antrieb des Ganzen geht von einer wagerechten 
Riemenscheibe Z aus und werden sämmtliche Drehungen durch ent- 
sprechende Räderpaare übertragen. Durch diese wirklich zarte Be- 
handlung des Papierstoffes kann jedenfalls ein sonst kaum erreichbares 
gleichmäßiges und langfaseriges Product erzielt werden, das gut ver- 
t heilt, mit der Flüssigkeit durch G { abströmt. Es scheint, dafs der 
Patentinhaber auf die letztbeschriebenen Vorrichtungen F und G das 
Hauptgewicht, wie auch leicht begreiflich, legt; denn in einer Ab- 
änderung der in Fi?. 11 gegebenen Zusammenstelluno; wird der Va- 
cuumbehälter ß sowie der Sandläng C weggelassen und der Stoff vom 
Kocher sofort in das Rüttelwerk F getrieben. 

Es ist bekannt, dafs in dem Preise für Zellstoff und Holzstoff die 
Fracht eine ganz bedeutende Rolle spielt. Ist es doch vielen Fabriken 
blofs wegen der Frachtkosten nicht möglich, mit ihren Producten zu 
concurriren. Wenn wir jedoch bedenken, dafs in dem Gewichte des 
zur Versendung gelangenden Holzstoffs — bezieh. Zellstoffs — eine 
aufserordentlich grofse Menge Wasser enthalten ist, so ist es einleuch- 
tend, dafs die Trocknung des Stoffes, also Verminderung des Wassers, 
den Preis dieser Producte wesentlich herabdrückeu und die Versen- 
dungsfähigkeit erhöhen mufs. Es sind schon mehrere solcher Trocken- 
vorrichtungen bekannt. 

Mit D. R. P. Nr. 46 770 wurde ein neuer Apparat für diesen Zweck 
au Wagner und Co. in Cöthen, Anhalt, pateutirt, der in Fig. 14 Taf. 3 
gemäfs der Patentzeichnung skizzirt ist. Es sind zwei wagerecht lie- 
gende cylindrische Gefäfse E und G vorhanden, von denen das innere 
E den Papierstoff enthält, das äufsere als Abschlufs des Dampfmantels 
um E verwendet ist. Der Stoff tritt bei A in eine trichterförmige Er- 
weiterung der rohrförmigen Fortsetzung des inneren Cylinders E. Die 
Transportschnecke T befördert den Stoff dann in den weiten Theil 
von ZT, in welchem sich schraubenförmig gestellte aus Siebblech be- 
stehende Flügel w drehen, welche den Stoff erfassen, herumwerfen 
und dadurch auflockern, sowie auch endlich zum Austrittsraum B be- 
fördern. Die Drehung Geschieht von den Riemenscheiben Z aus durch 
die Achse ff, welche die Siebflügel trägt. Indem nun der Dampf 
durch das Rohr D zwischen die Cylinder G und E tritt und sich 
dort aufhält, gibt er einen Theil seiner Wärme zur Verdunstung des 
Wassergehaltes des Stoffes ab. Derselbe kann bei dieser Trocknung 
nicht leiden, weil er nicht ruhig an einer Stelle liegen bleibt, sondern 
gut gewendet wird. Die verdunstete Feuchtigkeit strömt durch die 
Brüdenrohre F bis F 2 , welche mit dem Inneren von E in Verbindung 
sind, ab. Sicherheitsventil S und Manometer M verhindern, dafs die 
Dampfspannung in ungehöriger Weise zunehme. 

Eine grofse Verlegenheit für Zellstofffabriken bilden die Abwässer 
derselben. Wenn wir bedenken, welche Lauge für das Kochen des 



Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation. 

Holzes u. dgl. verwendet, wie die Kocherflüssigkeit in Folge des Pro- 
zesses verändert wird und einen guten Theil des Holzes in sich auf- 
nimmt. Stoffe, welche insbesondere den Thieren der fliefsenden Gewässer, 
in welche ja doch die Abwässer Bchliefelich gelangen, entschieden 
schädlich sind und wie sie durch ihre Fäulnifs und Algenbildung, 
— das ..Blühen des Wassers-" — zu üblen Gerüchen Anlafs geben, so 
ist leicht einzusehen, welch wichtigen Faktor die Abwasser- Heinigung 
von derartigen Fabriken bildet. Üafs für alle Fälle ein einziges Mittel 
nicht ausreicht bezieh, nicht einerlei Verfahren zu diesem Zwecke 
aller Orten angewendet werden kann, wenn man den erwünschten 
Erfolg erzielen will, ist wohl sofort klar. Man ist im Allgemeinen 
wohl zu dem Ausspruche berechtigt, dafs für jede einzelne Anstalt 
das Richtigste mit Rücksicht auf das verwendete Wasser, die Lauge, 
Holzart u. dgl. vorerst ausgeprobt werden mufs. Vielfach ist mit Er- 
folg Kalk (vgl. Papierzeiiung, Nr. 86 Jahrg. 1889) und Dolomit (Ver- 
fahren von Dr. Oppermann mit ozonisirtem Dolomit) mit gutem Erfolge 
gebraucht worden. 

Für Sulfit-Cellulosefabriken hat ein Verfahren von Dr. Frank nach- 
weislich sich sehr gut bewährt und ist bei Behandlung der Abwässer 
nach dieser Art ein gefahrloses Ablassen derselben in die Flufsläufe 
erziel bar. In einer Mischcysterne werden die aus dem Kochkessel 
abgelassene Lauge, die Abgase aus dem Kochprozesse, nach dem Durch- 
gehen durch eine Kühlschlange, mit Kalkmilch zusammengebracht. 
Hierdurch fällt der in der Lauge gelöst enthalten gewesene schweflig- 
saure Kalk, dann das Product aus dem Schwefligsäuregas der Abgase 
und dem Kalk aus. Die aus diesem Grunde stark getrübte Flüssigkeit 
tliefst in ein Oementbassin, den Monosullitbehälter über (ein zweiter ist 
zum abwechselnden Gebrauch vorhanden), der das ganze Gemisch, 
welches von einer Kochung herrührt, aufnehmen kann. Hier iindet der 
schwefligsaure Kalk Zeit, sich vollständig abzusetzen und wird die 
dann darüber befindliche klare Flüssigkeitsschicht in einen tiefer an- 
gebrachten Behälter abgelassen. Der abgesetzte schwefligsaure Kalk 
wird in einer Schlammpresse zu Kuchen gebildet, welche zur Herstellung 
Irischer Sullitlösung verwendet werden können. Der in der klaren 
Flüssigkeit im Ueberschusse befindliche Kalk wird in einem weiteren Be- 
hälter (ein zweiter ist auch hier zum abwechselnden Gebrauch vorhanden) 
durch Einleiten von Luft und Rauchgasen aus Röhren, welche nach 
unten Locher besitzen, niedergeschlagen. Auch soll auf diese Weise 
eine Oxydation eines Theiles der organischen Stoffe erreicht werden. 
In weiteren GeiaTsen sollen die noch mitgenommenen Fäserchen sich 
absetzen. Zur endlichen Ableitung werden die Wässer noch über ein 
Rieselfeld geführl und sodann erst in den Flufs gelassen. 

Für Klurbassins gibt der Gewerberath des Breslau-Liegnitzer Auf- 
sichtsbezirkes auf Grund vieler Erfahrungen als Minimum etwa 30 cbm 



Ueber Neuerungen in der Papieri'abrikation. 59 

Bassinraum für 1000 Ceutuer trockenen Rohstoff jährlicher Produktion 
an, wobei auch auf Abtheilungen für den abwechselnden Gebrauch 
Bedacht zu nehmen ist. 

Schliefslich sei noch der Versuche Webster s gedacht, welcher durch 
die starke Verunreinigung der Themse bei London veranlafst wurde, 
nach Abhilfemitteln zu suchen. Es soll ihm nun gelungen sein, mit 
Hilfe von Elekiricität die vollkommene Heinigung dieses für gewerbliche 
und Haushaltungszwecke unbrauchbaren Wassers zu erreichen. Zu 
diesem Zwecke wurden einfach elektrische Ströme, von einer Dynamo- 
maschine erzeugt, durchgeleitet. Die Wirkung war die, dafs ein Theil 
der Stoffe sich am Boden, ein anderer Theil an der Oberfläche sam- 
melte und zwischen ihnen sich klares Wasser befand. Diese Erfolge 
sind allerdings erst im Laboratorium erzielt und sollen noch durch 
die Praxis bestätigt werden. 

Während es scheint, dafs durch das letzterwähnte Verfahren auch 
die gelösten organischen Substanzen aus dem Wasser entfernt werden 
sollen und können, so ist es bei den anderen Arten der Abwasser- 
Reinigung, von denen auch eben einige neuere Ver fahr ungs weisen 
erwähnt wurden, noch nicht gelungen, die gelösten Stoffe, welche oft 
die Unheilstifter genannt werden können, zu entfernen. Es ist wohl 
möglieh, auf die Art vorzugehen, dafs man den Abgang eindampft 
und hierauf den Flammen einer Feuerung aussetzt, und so die or- 
ganischen Theile verbrennt. Dieses Verfahren ist jedoch meistens so 
theuer, dafs auf einen Vortheil in der Celluloseerzeugung nicht ge- 
rechnet werden könnte. 

Günstiger liegt der Fall, wenn es die Wiedergewinnung von 
Soda aus den Kochlaugen gilt. Hierbei können die organischen Theile 
leicht und vollständig verbrannt werden. Dafs auch beim Eindicken 
der Laugen verschiedene Verfahren verschieden hohe Vortheile ge- 
währen können, ist klar, und hat in letzter Zeit insbesonders das Ver- 
fahren von Yaryan (D. R. P. Nr. 42 502) viel von sich reden gemacht. 
Der Kern der Sache ist der, dafs das Eindicken der Kochlauge nicht, 
wie bei so vielen Verfahren durch direkte Feuerung geschieht, sondern 
die Lauge gezwungen wird, durch eine Reihe von Röhren zu fliefsen, 
welche von Dampf umspült werden. Dadurch wird das Wasser der 
Sodalösung verdampft, die Dampf blasen verlassen die immer dicker 
werdende Flüssigkeit und treten am Obertheile einer Scheidekammer 
durch ein Rohr aus, während die Lösung in einen Sammelbehälter sinkt 
und von dort in eine. zweite und dann eine dritte ähnliche Rohrleitung 
u. s. w. gedrängt wird. Die ganze Einrichtung kann keineswegs ein- 
fach genannt werden und fällt es uns schwer, trotz einiger vorliegen- 
der günstiger Urtheile, zu glauben, dafs insbesondere jene Theile, in 
denen sich die bereits sehr dick gewordene Lauge durch künstlich 
verengte Querschnitte bewegt, nicht bald verstopft oder doch so verlegt 



ßO Neue ( iasniascliinen. 

werden, dafs eine günstige Ausnutzung der Verdampfungsfläche vor 
sich gehen könne. 

Henrik Christian Frederik Stromer in Christ iania hat das D. K. P. 
Nr. 40681 für einen trommeiförmigen Eindampfapparat erhalten. In 
eine gröfsere Trommel, auf sich drehenden Rollen ruhend, wird die 
Lösung bis etwa zu l s Höhe gefüllt und dann, durch Schöpfer empor- 
gehoben und wieder ausgeschüttet, so in feinen Tropfen den durch- 
geleiteten Wi-hrennungsgasen begegnend. Ing. Alfred Haufsner. 



Neue Gasmaschinen. 

(.Patentklasse 46. Fortsetzung des Berichtes Bd. '274 * S. 213.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 4. 

Der bereits früher (Z>. p. J. 1888 274 :: 104) beschriebene Simple x - 
Gasmotor von Delamare-Dtboulteville und M. Malandin war auf der vor- 
jährigen Pariser Weltausstellung in Gestalt einer Maschine von 100 KP 
gezeigt. Unseres Wissens ist diese Gasmaschine die erste, welche 100 EP 
mit einem Arbeitscy linder leistet. 

Die Maschine war von Thomas Powell in Kouen gebaut. Der Arbeits- 
eylinder hatte 575 mm Durchmesser, der Kolbenhub betrug 950 mm . Die 
schweren Doppelschwungräder von l m ,8 Halbmesser erhielten 107 Um- 
gänge in der Minute. Die Maschine wurde mit Dowson-G&s gespeist, 
zu dessen Erzeugung für die stündliche Bremspferdekraft nur k °,5 Kohlen 
verbraucht worden sein sollen. 

Nähere Beschreibungen und Zeichnungen mit Mafsangaben dieser 
Maschine linden sich in Engineer 1890 auf S. 37 und in Revue Industrielle 
1889 auf S. 413. 

Eine neue stehende Gasmaschine wird von John und J. Purneil in 
Atlas Works, Lambeth, gebaut. Die Zulafsventile sind in dem Fundament- 
kasten A, Fig. 1 des Maschinengestells untergebracht. Das Gas- und 
Luftzulafsventil G öffnet in den Mischraum //, welcher unmittelbar in 
den Arbeitscylinder B mündet. Das Auslafsventil F wird durch einen 
um L schwingenden Winkelhebel Ä, und einen Daumen auf der Be- 
triebswelle, gesteuert, während Ventil G selbstthätig ist. Das durch das 
selbstthätige Ventil G vom aufsteigenden Kolben eingesaugte Gasgemisch 
wird beim Niedergange des Kolbens verdichtet, und während dieser Zeit 
wird ein Fheil des Gemisches durch das seitlich vom Räume IJ aus 
;i!i/.weigende Rohr O in den erhitzten Zündhut P geleitet, wo es sich 
entzündet, um rückschlagend den Cylinderinhalt zu entflammen. 

Einer Mittheilung von Iron 1889 Seite 394 zufolge verbraucht eis 
solcher Motor von 1 fP 36 Kubikfufs Gas stündlich. 



Neue Gasmaschinen. 61 

Bei der Gasmaschine von L. H. Nash in Brooklyn (D. R. P. Nr. 49229 
vom 18. Juli 1888) steht das obere Cylinderende, in welchem die Ver- 
puffung stattfindet, durch einen hornartig gebogeneu Kanal in der aus 
der Zeichnung Fig. 2 erkennbaren Weise mit dem Schieber D in Ver- 
bindung, während das untere Ende sich nach dem als Verdichtungsraum 
ausgebildeten, die Kurbelwelle umschliefsenden Gehäuse öfihet. Zum 
Ausblasen der Verbrennungsgase dienen die Oeffnungen im Cylinder 
und der im Wassermantel ausgesparte Kanal 6r 2 , welcher in dem Aus- 
puffschlot endigt. Die Verdichtungskammer F ist durch einen Kanal bh { 
mit einem Rohr P verbunden, welches nach dem Schieberkastenkanal c 
führt ; diese Verbindung wird durch ein Regulirventil Q geregelt, das 
in diesen Kanal b eingesetzt ist, um den Durchlafs b { des Kanales b zu 
öffnen und zu schliefsen und den Zutritt der Ladung unter dem Einflufs 
des Regulators zu vermehren oder zu vermindern. Dieses Ventil Q 
dient dazu, den Zutritt einer gewissen Menge des verbrennbaren Ge- 
misches zur Bildung der Ladung zu gestatten und den Ueberschufs der 
Mischung in der Verdichtungskammer zurückzuhalten. 

Der Schieber ist von cylindrischer Form und hat Kanäle d rf, welche 
offen sind und in einen centralen Kanal e münden; aufserdem hat der 
Schieber einen centralen Kanal </, der mit dem äufseren Zünder, sowie 
einen centralen Austrittskanal /<, welcher mit einem nach aufsen offenen 
Gehäusekanal in Verbindung tritt. Der Kanal g steht mit einem Zu- 
führungskanal s Fig. 8 und einem Zündkanal /• in Verbindung, welcher 
sich tangential in die runde Zündkammer f öffnet. Das Schiebergehäuse 
hat einen Zuführungskanal c, welcher durch das Rohr P mit der Ver- 
dichtungskammer F der Maschine in Verbindung steht. Kanal a steht 
in Verbindung mit dem Cylinder, ein Austrittskanal p geht durch die 
Gehäuse wand nach aufsen. 

Die Vorrichtung zur Bewegung des Schiebers besteht aus einem 
Excenter K auf der Kurbelwelle und einer Rolle 4, welche von einem 
Winkelarm 6 getragen wird, der an dem Maschineugestell durch die 
Stifte befestigt ist; von diesen ist einer an der Schieberstange M ver- 
zapft, welche mit dem unteren Ende des Schiebers D durch den Stift 10 
verbunden wird. Eine Spiralfeder ist mit ihrem einen Ende an der 
Stange M und mit dem anderen am Maschinengestell befestigt, so dafs 
sie die Schieberstange fortwährend nach unten auf das Excenter zieht 
und so den Schieber nach unten bewegt, während dessen Bewegung 
nach oben durch das Excenter veranlafst wird. 

Die Mischvorrichtung ist mit der Verdichtungspumpe der Maschine 
verbunden, so dafs die Pumpe ihre Ladung durch die Mischvorrichtung 
einzieht. 

Nach der Fig. 4 hat das Gehäuse e 2 der Mischvorrichtung eine 
innere Kammer f 2 und zwei Ventilkanäle hji i von ungleicher Weite, 
welche durch ein konisches Ventil, das mit entsprechenden besonderen 



t'>2 Neue Gasmaschinen. 

Ventilsitzen *', und j ausgebildet ist, den Durchtritt des Gases durch 
die engere Ventilöffnung und den Durchtritt von Luft durch die 
gröfsere Ventilötihung regeln. Bei der dargestellten Construction ist 
die Kammer f. t so zwischen den Ventilsitzen hergestellt, dafs sich der 
gröfsere direkt über dem kleineren befindet, und das Ventil selbst cen- 
tral zu beiden liegt. Das Gehäuse c 2 i 8 * zweckmäfsig von runder Ge- 
stalt und mit einer wagerechten Scheideplatte K versehen, welche den 
Boden der Kammer f., bildet und eine centrale Oefihung h besitzt, 
welche sich in dem engeren, nach oben konisch erweiternden Ventilsitz 
und nach der Kammer hin öffnet und mit. dem Gaszuführungskanal 19 
in der Theilplatte verbunden ist. Die Kammer wird durch eine Anzahl 
Oefl'nungen /" 3 in der Platte K mit Luft gespeist, welche eine bestimmte 
Weite gegen die Ventilöllnung der Gaszuführung erhalten. Der obere 
Ventilsitz t ( erweitert sich ebenfalls nach oben zu und ist mit konischen 
Sitzöffhungen versehen, welche mit den Sitzflächen des Ventils überein- 
stimmen, so dafs dasselbe eine Art Schwimmerventil darstellt, das durch 
einen festen mittleren Stift geführt wird, der in den Ventilkörper hinein- 
tritt. Die Ventilkammer wird durch einen Deckel geschlossen, welcher 
mit dem erwähnten Führungsstift für das Ventil versehen ist. Die Gas- 
zuführung nach der Kammer wird durch einen jSchraubenstöpsel ge- 
regelt, der in eine mit Gewinde versehene Oefihung in dem Gehäuse 
eingeschraubt ist, so dafs das innere Ende des Schraubenstöpsels die 
Oetfnung h unterhalb des Ventilsitzes schneidet und diese Oefihung 
mehr oder weniger freilegen kann.? 

Die Zuführung von Luft zur Kammer fc wird durch eine Schrauben- 
kappe m geregelt, welche in das untere offene Ende des Gehäuses ein- 
geschraubt ist, um die Oefihung der Bodenplatte der Kammer f 2 mehr 
oder weniger zu schliefsen. Das innere Ende dieser Kappe ist zu diesem 
Zwecke mit einem nach innen gerichteten vorspi'ingenden Rand m 2 ver- 
sehen, der weit genug ist, um die Oeffnungen /" 3 zu schliefsen, wenn die 
Kappe an die Bodenplatte herangeschraubt wird. Tritt der Mischer in 
Function, so wird durch das Ansaugen der Pumpe das Ventil gehoben, 
um die Verbindung der Pumpe mit der Kammer f 2 herbeizuführen, 
welche dadurch die Verbindung der Gas- und Luftwege h f 3 mit der 
Pumpe herstellt. Es hängt danach die Menge Gas und Luft, welche in 
die Kammer f 2 eingezogen wird, von der bezüglichen Gröfse der Zu- 
führungskanäle h und /" 3 ab. 

Das Doppelsitzventil hat ein ausreichendes Gewicht, um den Druck 
des Gases in dem Rohr 19 leicht zu überwinden, so dafs, wenn die Vor- 
richtung in Thätigkeit ist, die Saugkraft ganz erheblich sein mufs; daher 
haben auch die geringen Aenderungen in dem Druck der Gasleitung, 
wie sie z. B. gewöhnlich bei städtischen Gasleitungen vorkommen, wenig 
Wirkung im Vergleich mit der Saugewirkung der Pumpe beim Con- 
troliren der Gas- und Luftströmung. Wird die Saugepumpe abgestellt, 



Neue Gasmaschinen. 63 

so schliefst sich das Doppelsitzventil durch sein Eigengewicht und 
schneidet sowohl den Gas- als auch den Luftzutritt ab. 

An dem Schwungrad der Maschine ist die Regulirvorrichtung zur 
Regelung des Ganges der Maschine angebracht. Bei dieser Regulirvor- 
richtung ist ein Bolzen n ( radial in dem Radkranz befestigt und hat ein 
erweitertes kolbenartiges Ende n 2 , auf das ein Gewicht p aufgesetzt 
ist, welches eine Kammer besitzt, die länger als der Kopf n. 2 des 
Bolzens ist. Diese Constructiou gibt dem Gewicht zwei cylindrische 
Anlagen, eine auf dem Bolzen n l und die andere auf seinem Kopf n 2l 
so dafs das Gewicht frei auf dem Bolzen gleiten kann. Das innere Ende 
der Kammer, welches die weitere cylindrische Anlage bildet, wird 
durch einen Stöpsel geschlossen, der in der Mitte eine Stange r auf- 
nimmt, welche mit dem Gewicht durch einen Bolzen s verbunden ist. 
Die Gewichtskammer bildet ein Luftkissen und wird zu diesem Zwecke 
durch den Kopf n 2 des Bolzens in zwei Kammern getheilt, von denen 
jede ein Luftkissen gegen den festen Kopf bildet, je nachdem sich da& 
Gewicht bei der Drehung des Schwungrades nach innen oder aufsen 
bewegt. Diese beiden Kissenkammern sind dadurch verbunden, dafs der 
Kopf n 9 in der Kammer gehörig lose geht, wodurch sich das Gewicht 
bei langsamerem Gang der Maschine frei bewegen kann, jedoch einen 
erheblichen Widerstand erfährt, wenn die Bewegung eine schnelle wird. 
Die Maschine zieht bei dem Hube des Kolbens nach oben durch 
das Mischventil ein verbrennbares Gemisch in die Verdichtungskammer F 
ein, in welcher das Gemisch durch den Hub des Kolbens nach unten 
verdichtet wird, bis letzterer die gezeichnete Lage einnimmt, in welcher 
der Schieber D die Kanäle geöffnet hat, so dafs die Ladung in die 
Verbrennungskammer gelangt, und vor sich die Verbrennungsproducte 
durch die Auslafskanäle G 2 austreibt. Nun verdichtet der Kolben die 
Ladung durch den Hub nach oben, während welcher Zeit der Schieber- 
kanal g in Verbindung mit der äufseren Zündflamme ist und etwas von 
der Ladung durch den Kanal g tritt. Die Gröfse jeder Ladung wird 
durch den Regulator geregelt, welcher den Kanal b öffnet und schliefst, 
der die Verdichtungskammer mit dem Einlafsventil verbindet. 

Da die Druckpumpe und der Aufspeicherungsbehälter in freier Ver- 
bindung mit einander sind, so wird, wenn der Kraftcylinder nur einen 
kleinen Theil der Ladung aus dem Behälter erhalten hat, der Rest der 
Gase in demselben zurückgehalten und während eines Theiles des Hubes 
seines Kolbens zurück in die Verdichtungskammer expandiren; auf diese 
Weise wird danach die Verdichtungskammer zum Theil von den Gasen 
in dem Behälter angefüllt, bis der Druck in demselben unter Atmo- 
sphärendruck gebracht ist. Hierauf fängt der Kolben an, eine neue 
Ladung durch das Mischventil anzusaugen, um den Raum anzufüllen, 
welcher durch den Rest des Hubes des Kolbens freigemacht worden ist. 
Wenn hierbei der Regulator den Zuführungskanal bei einem Hube der 



t',4 Neue Gasmaschinen. 

Pumpe Bchliefsex) würde, so würde die ganze Ladung in der Verdich- 
tungskammer zurückgehalten werden, und es würde beim nächsten Hube 
der Pumpe keine neue Ladung durch das Mischventil treten. Dagegen 
würden die zurückgehaltenen Gase einfach expaudiren und wieder ver- 
dichtet werden, bis etwas von der Mischung in den Kraftcylinder treten 
könnte, worauf eine neue zum Ausgleich gerade ausreichende Zuführung 
beim nächsten Hube der Pumpe eingezogen werden würde. Es ist er- 
sichtlich, dafs, wenn ein Rückschlagventil zwischen der Pumpe und dem 
Aufspeicherungsbehälter (Aufnehmer) angeordnet würde, die angedeutete 
Wirkung unmöglich sein würde, weil ein solches Zwischenventil ver- 
hindern würde, dafs die Ladung aus dem Aufnehmer in die Pumpe 
zunickt ritt, und die Pumpe würde nur die ganze Ladung, die bei jedem 
Hub aufgenommen wird, in den Aufnehmer drücken, gleichgültig, ob 
die Ladung in dem letzteren gebraucht worden war oder nicht. Diese 
Arbeitsweise der Maschine ist wichtig und von Vortheil, insofern da- 
durch eine Accumulation der Ladung im Aufnehmer verhindert und die 
Notwendigkeit vermieden wird, gegen Ueberdruck der Ladung Vor- 
kehrungen zu treffen und die Regulirung der Zuführung selbsthätig ein- 
treten zu lassen. 

Bezüglich des Abziehens der Verbrennungsproducte aus dem Kraft- 
cylinder ist anzuführen, dafs, wenn der Kolben zuerst die obere Kante 
der Ausgufskanäle freilegt, die Ladung aus den Kanälen so schnell ent- 
weicht, dafs ein Stofs oder Schlag erzeugt und die Verminderung des 
Druckes auf den der Atmosphäre veranlafst wird, die häutig ein Saugen 
in dem Cylinder erzeugt. Wenn nun ein Rückschlagventil angewendet 
wird, um die Ladung einzulassen, so tritt das frische verbrennbare Ge- 
misch sofort in den Cylinder über, während die verbrauchten Gase noch 
heifs sind, und die Ladung wird zu früh gezündet: werden jedoch die 
Gase durch ein direkt bewegliches Ventil an dem Eintritt in diesem 
Zeitpunkt und ehe der Schlag des Auspuffs vorbei ist und die Ver- 
brennungsgase etwas abgekühlt sind, verhindert, so kann die neue Ladung 
alsdann ohne Gefahr der vorherigen Zündung eingelassen werden. Der 
Zeitunterschied ist gering; er entspricht jedoch einer beträchtlichen Be- 
wegung der Kurbel und sichert das erwünschte Ergebnifs. 

Wie dicht man nun auch den Zuführungsschieber einer Gasmaschine 
laufen läfst, es nutzt sich die Anlagefläche doch derart ab, dafs ein 
Rückdruck und ein Rücktritt der Verbrennungsgase eintreten kann, der 
erhebliche Störungen veranlassen könnte. Bei dieser Anordnung können, 
wenn auch der Schieber schlecht schliefst, die Verbrennungsgase in die 
Zuführung nicht zurückgedrückt werden. Die bezüglichen Einrichtungen 
bestehen darin, dafs mau das Schiebergehäuse mit einem besonderen 
Kanal c versieht, welcher sich nach dem Zuführungskanal P öffnet, und 
einen besonderen Kanal anordnet, welcher mit der Verbrennungskammer 
verbunden ist : zwischen diesen Kanülen ist ein Auslafs j) vorgesehen, 



Neue Gasmaschinen. 65 

welcher nach der äufseren Luft offen ist, während die Kanäle c und o 
den Schieber umgeben. 

Der Schieber hat zwei Anlageflächen, von denen eine jeden der 
Kanäle controlirt, und ein Theilraum (Kanäle d) ist zwischen diesen 
Anlageflächen hergestellt, in welchen die Leckage von den Schieber- 
anlageflächen entweichen kann; auf diese Weise wird die Möglichkeit, 
dafs die in Folge von Undichtigkeit ausgetretenen Gase in den Zufüh- 
rungskanal gelangen können, vermieden,. da bei dieser Lage des Schiebers 
beide Zuführungskanäle durch den Schieber geschlossen sind und alle 
durch Undichtigkeit ausgetretenen Gase durch den Auslafskanal abge- 
führt werden. 

Bei dieser Vorrichtung ist es unwesentlich, ob der Auslafskanal in 
dem Schieberkasten oder in dem Schieber hergestellt wird, so lange nur 
die Zuführungskanäle durch den Schieber geschlossen gehalten werden. 
Die Construction, wodurch das erreicht wird, dient auch der wichtigen 
Aufgabe, dafs die Flamme aus der Verbrennungskammer nach der Zu- 
führung zurückschlägt. 

Bei Gasmaschinen der dargestellten Klasse, bei welchen die Ver- 
brennungsproducte aus der Verbrennungskammer durch die eintretende 
Ladung ausgetrieben werden, sind die Kanäle nothwendiger Weise sehr 
eng im Vergleich mit der Gröfse der Verbrennungskammer, und daher 
kommt es, dafs die Ladung aus den Kanälen in Strahlströmen mit einer 
hohen Geschwindigkeit austritt, in die Verbrennungskammer gelangt, 
in derselben kreist und sich mit den noch in derselben enthaltenen Ver- 
brennungsgasen mischt, bevor dieselben durch die Auslafskanäle aus- 
getrieben worden sind. Um dies zu vermeiden, sind Vorrichtungen ge- 
troffen, um die Bewegung der Gasströme in der Verbrennungskammer 
zu verzögern und die Ströme auszubreiten, indem sie unterbrochen und 
in parallelen Strömen von gleichmäfsiger Geschwindigkeit durch den 
Kraftcylinder gerichtet werden. Dies geschieht mittels einer oder mehrerer 
durchlochter Theilplatten iV, die an jedem Ende und innerhalb des 
Kanales oder in dem Cylinder vorgesehen sind. Die eintretenden Gase 
führen dann die Verbrennungsgase vor sich her, ohne dafs Wirbelströme 
entstehen. Es empfiehlt sich, eine der gelochten Platten an der Ver- 
bindungsstelle des Kraftcylinders innerhalb der Verbrennungskammer 
und eine zweite, N { , in dem Kanal der Verbrennungskammer vor- 
zusehen, ebenso empfiehlt es sich, die Löcher 72 in der Richtung des 
Stromes weiter werden zu lassen, um das Gasgemisch besser in dem 
Cylinder zu verbreiten und durch die Löcher frei hindurchtreten zu 
lassen. (Bei IV irrthümlich umgekehrt gezeichnet.) 

Die Ladung, welche mit einer hohen Geschwindigkeit durch den 
Schieber eintritt, hat die Neigung, an den concaven Flächen der Kammer 
festzuhalten; sobald jedoch die durchlochten Platten N l getroffen wer- 
den, wird die Bewegung ein wenig verzögert, und das Gemisch breitet 
Dingler's polyt Journal Bd. 276 Nr. 2. 1890/11. 5 



dt; Neue Gasmaschinen. 

sich über die ganze Fläche der Platte aus, wobei die Wirbel gebrochen 
werden und das Gas durch die Löcher tritt, um mit gröfserer Gleich- 
mäfsigkeit weiter zu strömen. Dasselbe geschieht beim Passiren der 
zweiten Platte, so dafs das in den Cylinder eintretende Gasgemisch in 
parallelen Strömen verläuft und die Verbrennungsgase vor sich her aus- 
treibt, ohne sich mit denselben zu untermischen. Es ist zu erwähnen, 
dafs die Aufuahmeflächen dieser Theilplatten zweckmäfsig nicht ge- 
luiuhen, d. h. flach sind, und dafs die Gröfse der Löcher eine derartige 
sein mufs, dafs ein freier Durchschnitt der Gase und der Flamme vom 
Eingang nach dem Cylinder mufs stattfinden können. An Stelle der 
durchbrochenen Platten können eventuell auch Gazelagen aus Draht be- 
nutzt werden. Da der Kanal zugleich den Zündflammenkanal bildet, 
so wird die Flamme auf ihrem gekrümmten Wege durch die Berührung 
mit den durchlochten Platten ausgebreitet und tritt in parallelen Zünd- 
strahlen in die Ladung des Kraftcy linders, um hier eine vollkommene 
Verbrennung und ganze Wirkung der Ladung zu erzeugen, indem die 
Gase in dem Cylinder gleichmäfsig und augenblicklich entzündet werden. 

Die Zündkammer hat eine derartige Form und ist zu dem Zufüh- 
rungskanal in derartige Beziehung gebracht, dafs die Gase darin eine wir- 
belnde Bewegung, und zwar zu dem wichtigen Zwecke erhalten, einen 
Brenner zu bilden, welcher durch die wechselnden Drucke der Zuführung 
nicht zum Erlöschen gebracht wird, so dafs der Betrieb der Maschine 
niemals aussetzen kann und eine Zündung der Ladung stets eintritt. 
Ein Strahl von Gasgemisch, welcher eine Kammer in gekrümmter 
oder kreisförmiger Bahn durchlaufen mufs, soll in dieser Kammer mit 
einer rapide rotirenden Flamme brennen, so dafs er brennen bleibt, 
gleichgültig, wie auch die Durchflufsgeschwindigkeit und der Druck des 
Strahles geändert wird. 

Um das Anlassen der Maschine zu erleichtern ist ein Reservoir d { 
vorgesehen, welches mit der Verbrenuungskammer durch einen durch 
ein Ventil oder Hahn f l controlirten Kanal in Verbindung steht. Es 
empfiehlt sich, dieses Reservoir über dem Durchtritt der einströmen- 
den Ladung anzubringen und es mit diesem Kanal durch ein Rohr zu 
verbinden, in welchem der Hahn oder das Ventil f { liegt. Wenn die 
Maschine angelassen werden soll, so wird das Schwungrad von Hand 
gedreht, was Veranlassung ist, dafs die Ladung in der Verdichtungs- 
kammer F eingezogen wird, wo die Ladung durch den Rückhub des 
Kolbens verdichtet wird. Da die Maschine mit hoher Verdichtung ar- 
beiten mufs, würde es eine erhebliche Kraft erfordern, den Kolben beim 
Anlassen zurückzubewegen, besonders in grofsen Maschinen, und um 
diesen Druck beim Anlassen abzustellen, wird der Hahn f { geöffnet, 
so dafs etwas Gas aus dem Einlafskanal C in die Kammer c tritt; 
dadurch wird der Druck während des Rückhubes der Maschine ver- 
mindert: sobald jedoch die Maschine im Gang ist, wird der Hahn f l 



Neue Gasmaschinen. 67 

geschlossen und die Maschine comprimirt nun ihre Ladung in stärkerem 
Mafse. 

Eine ähnliche Anordnung der Speicherräume für das Gemenge im 
Gestell der Maschine wird von G. Daimler in Cannstatt (D. R. P. Nr. 50 839 
vom 9. Juni 1889) angegeben. Die Erfindung bezieht sich auf Zwillings- 
o-asmaschinen, deren innere Cylinderräume mit einander bezieh, mit dem 
Pumpenraum in Verbindung gebracht sind (Fig. 5 bis 7). 

Die Pumpe wird immer, gleichgültig ob die Cylinder radial neben 
einander, gleichgerichtet neben einander oder in der Kurbelachse ent- 
gegengesetzt liegen, aus den Rückseiten der beiden Arbeitskolben a und b 
dem luftdicht abgeschlossenen Kurbel- bezieh. Schwungradgehäuse C, 
dem Saugventil f und den Kolbenventilen g g gebildet. 

Beim Hochgang bezieh. Auswärtsgang der Kolben a b wird durch 
Ventil f Luft eingesaugt, welche beim Niedergange bezieh. Einwärts- 
gang dieser Kolben in den Raum C so lange verdichtet wird, bis am 
Ende des Hubes die Federn q q durch Aufstofsen auf die feststehenden 
Aufsetzgabeln pp zuriickgestofsen werden, dann die Kolbenventile gg 
sich selbsthätig öffnen können und durch dieselben Luft aus dem Pump- 
oehäuse C in den Arbeitsraum A und B der Cylinder geprefst wird. 
In diesem Augenblick hat der eine Kolben auf der Vorderseite seinen 
Saughub, der andere seinen Arbeitshub vollendet. 

Von der über die Kolben geprefsten Luft kommt in den einen 
Cylinder, in welchen Gemisch von oben gesaugt wurde, so viel, bis die 
Spannung in diesem einen Cylinder mit jener im Pumpraum sich aus- 
gleicht; der andere, gröfsere Theil der Luft geht durch den anderen 
Cylinder nach Oeffnung des Auspuffventils A, die Verbrennungsgase des 
vorausgegangenen Arbeitshubes vor sich herschiebend und durch Ventil h 
verdrängend, so dafs, wenn dieser Kolben nach dem Hochgang seine 
höchste Stellung erreicht hat, in dem Verbrennungsraum über dem Kolben 
sich nur Luft befindet, zu welcher bei dem darauf folgenden Niedergang 
des Kolbens ein überreich mit Gas geschwängertes brennbares Gemisch 
durch Ventil e eingesaugt wird, welches sich mit der im Verbrennungs- 
raum zuerst befindlichen Luft, sowie mit der Beiladungsluft am Schlüsse 
des Saughubes zu einem explosiblen Gemisch erst im Cylinder vermischt. 

Die Ladung in jedem der beiden Cylinder besteht somit aus drei 
Theilen, und zwar aus zwei Theilen Luft, eingeprefst aus dem Pump- 
raum C und einem Theil überreich mit Gas geschwängertem brennbaren 
Gemisch, eingesaugt durch Ventil e. 

An Stelle der Luft kann durch Ventil / auch ein mehr oder weniger 
brennbares Gemisch eingeführt werden. 

Der gemeinschaftliche Pumpraum kann auch aus den beiden hinteren, 
unter sich verbundenen Cylinderräumen allein oder aus einem besonderen 
Reservoir bestehen, wobei die Abdichtung nach aufsen durch gerade ge- 
führte Kolbenstangen mit Stopfbüchse geschieht, und braucht die Ladung 



68 Neue Gasmaschinen. 

nicht nothwendig durch den Kolhen zu geschehen, sondern sie kann 
auch durch mit Rückschlagventil versehene Kanäle im Cylinder erfolgen, 
welche bei der Niederstellung der Kolben aufgedeckt werden. 

Die wechselweise Steuerung geschieht entweder mittels einer zwei- 
mal um die Kurbelachse herumgeführten, in sich zurücklaufenden Curve, 
( Fig. 6) oder mittels durch Räder 1 : 2 übersetzter Steuerwelle mit 
Nocken (Fig. 7). 

Eine zweicylindrige doppeltwirkende Gasmaschine mit zwei Kolben 
ist von Jac. Weber iu Neuötting a. Inn (D. R. P. Nr. 48141 vom 2. Sep- 
tember 1888) angegeben und in Fig. 8 dargestellt. Beide Kolben ooj 
sind entweder mit ihren Verbindungen d d aus einem Gufs und die Kreuz- 
zapft'ii mit Kopfplatten angeschraubt, oder die letzteren sind an Stahl- 
schienen aus einem Stück und durch Schraubbolzen mit den beiden 
Kolben ao { verbunden. Die Kreuzzapfen sind entweder mit einer Doppel- 
kurbel durch zwei oder mit einer über den Cylinder gegabelten Schub- 
stange bei einfacher Kurbel verbunden. Die beiden Abtheilungskolben bb 
sind hinter den Kolben a a { gedichtet. Die Verbindungsstange i ist durch 
einen Zapfen und Schlitz oder auch durch Gelenkstange mit dem Hebel h 
verbunden, welcher am Fundament montirt ist und zwischen den Kolben- 
verbindungen d d schwingt. 

In der Kolbenstellung Fig. 8 erfolgt links Zündung, Kolben b wird 
fest an a durch die Gase vorgedrückt und bewegt somit die Kurbel. 
Beide Kolben a { b { rechts, welche eine Ladung zwischen sich bereits 
eingenommen haben, gehen zurück, Auslafsventil e rechts ist geöffnet und 
Abtheilungskolben b daselbst treibt die Abgase aus. Ist beispielsweise 3 / 4 
des Kolbenweges vollendet, so ist links die Expansion beendet, das Ventil 
öffnet sich, während die Rolle o des Hebels h sich von der Curve n t 
auf die Ebene nn { begeben hat, welche (n...n x ) zwischen den Ver- 
bindungen dd angebracht ist, so dafs die Abtheilungskolben bb { hier 
je nach Form der Curve rasch oder allmählich zur Ruhe kommen. Durch 
den jetzt nachfolgenden Hubrest der Kolben a a t saugt Kolben a links 
die Ladung von /'zwischen beide Kolben ein, während rechts Kolben a t , 
nachdem Ventil e { geschlossen, dJe vorräthige Ladung durch den vom 
Kolben b v geöffneten Muschelkanal g t treibt, bis er an b { anliegt, dabei 
die Ladung verdichtet, bis der Hub beendet ist. 

Saugraum q^ Compressionsraum q und Expansionsraum </ 2 , lassen 
sich in beliebige Verhältnisse bringen, q wird durch die Entfernung 
zwischen Kolben- und Cylinderdeckel, q { und q 2 durch die Curven- 
anschläge nn { unter Uebereinstimmung der Verbindungsstangenläuge * be- 
stimmt. Sind diese Theile veränderbar oder zum Auswechseln, so ist 
jede Maschine in beliebige Expansions- oder Kraftentwickelung zu bringen. 

Erscheint es wünschenswerth, die Abgase zu entfernen, so sind die 
Aushifsventile nach Bedürfnifs etwas länger ollen zu halten, damit die 
frischen Gase die gebrauchten verdrängen. Auch die Abtheilungskolbeu 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 



69 



verrichten diesen Dienst, wenn deren Hub bis an den Cylinderdeckel 
ausgedehnt wird. Um Saug- und Compressionswirkung der Kolben a t b { 
und ab zu erlangen, ist der Hebel h an den Kolbenverbindungen dd 
montirt und mit einem Anschlage versehen, der im geeigneten Moment 
an die am Cylinder befindlichen Buffer anstöfst, den Abtheilungskolben 
nicht nur allein anhält, sondern durch den Hubrest des Kolbens a an 
denselben anschliefst bezieh, entfernt. 

Die Abtheilungskolben b b { müssen nicht direkt im Cylinder laufen, 
sondern sind auch in den Kolben a a l unterzubringen, wenn dieselben 
an ihren Enden je einen offenen Cylinder bilden, in welchem der be- 
treffende Abtheilungskolben den ihm bestimmten Hub vollziehen kann. 

Am einfachsten wird die Maschine durch Offenhalten der Auslafs- 
ventile regulirt, zu welchem Zweck der Regulator die Steuerrolle v von 
der Kammscheibe auf eine runde Scheibe ablenkt, wodurch beide Ventile 
halb geöffnet erhalten werden und überdies die Gasleitung zu den Saug- 
ventilen abgestellt wird, damit die Maschine ganz entlastet ist. 

(Fortsetzung folgt.) 



Fig. 3. 



Ueber ein englisches Förderseil; untersucht von 
Prof. H. Gollner. 

(Schlufs des Berichtes S. 23 d. Bd.) 

Die Einrichtung der beiden Apparate zur Durchführung der 
maschinellen Drehungsproben ist aus den Fig. 3 und 4 zu ersehen. 

Die erste Einrichtung besteht nach Fig. 3 aus einem entsprechend 
geformten Stück Weifsbuchenholz, in welches bei a und b je ein Stahl- 
backen eingelassen wer- 
den kann, der eine Nuth 
zur Lagerung des Probe- 
drahtes in der Drehachse 
enthält. Ein Deckstück 
aus Stahl mit derselben 
Längsnuth versehen, 
dient zum Klemmen des 
Probedrahtes an seinem 
einen Ende , welches 
Klemmen mittels einer 
starken Klammer k erreicht wird. 

Der entsprechend geklemmte Probedraht wird durch die ange- 
deutete Bohrung des Holzstückes geführt und mit dem zweiten, freien 
Ende centriseh in die Handkurbelnabe mittels keilförmigen, eine Längs- 
nuth führenden Stahlbacken eingeführt und daselbst befestigt. Das 
Aufbiegen der vorstehenden Drahtenden (an beiden Seiten) sichert gegen 




70 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 



eine Längs Verschiebung des Probedrahtes; die Lagerung der Enden des- 
selben in die schon angedeuteten Nuthen bei Drehung der Handkurbel, 
die Inanspruchnahme desselben auf Drehung und Zug. 

Die 29 durchgeführten Drehungsversuche sind durchaus gelungen: 
sowohl die Anzahl der ganzen als zehntel und hundertstel Umdrehungen 
der Handkurbel bis zum Eintritte des Bruches konnte mit Benutzung 
der auf der Stirnfläche des Holzkörpers (zunächst der Handkurbel) an- 

henen Theilung mit völliger Sicherheit bestimmt werden, da sich 
der Moment des Drahtbruches zweifellos feststellen liefs. 

Aus dem Aussehen der erhaltenen Bruchstücke konnte auf den 
durchaus regelmäfsigen Verlauf der Versuche bei sorgfältiger Einstellung 
des Apparates geschlossen werden. Die Ergebnisse der Verwinduugs- 
versuche mit den Seil- und Bindedrähten sind in der Tabelle III ent- 
halten. 

Tabelle III (Draht- Verwindungsproben). 



Art der 
Probedrähte 

Bindedraht 

d = 0cm,18 


Versuchs-Nr. 

n 
(bis zum 
Bruche) 


1729 
44,0 


1730 
28,60 


1731 

42,65 


Mittel- 

werth 

38,40 


Control- 
versuch 

37,70 


Probe- 
länge 

10cm,0 


Geglühter 


Versuchs-Nr.l 1753 
n j 69,70 


1754 

87,65 


1755 

78,70 


1756 1 1757 1758 
81,65 70,13 | 121.05 


Seildraht 
d = 0cm,14 


Versuchs-Nr. 
n 


1759 

101,60 


Mittel- 
wert!) 
87,21 


Control- 

versuch 

85,70 


— 


— 


— 


Hart- 


Versuchs-Nr. 1735 
n | 34,70 


1736 1 1737 | 1738 
33,90 1 30,77 | 29,60 


1739 
35,00 


1740 
44.00 


gezogener 
Seildraht 

d = 0cm,14 


Versuchs-Nr.! 1741 1 1742 ] 1743 
n 24,80 1 35,00 36,90 


1744 
25.40 


1745 1746 
24,30 1 31,30 


Versuchs-Nr. 
n 


1747 
32,90 


1748 
29,00 


1749 
29,70 


Mittel- 
wc rth 
31,82 


Control- 

versuch 

27,20 


Control- 

versuch 

29,50 



Die verhältnifsmäfsig geringe Anzahl von Verwindungen für den 
Bindedraht, nämlich im Mittel n = 38,4 bis zur Erreichung der Bruch- 
grenze, ist lediglich auf dessen schon früher erwähnte, stark beschädigte 
Obertläche zui'ückzuführen. Die für den hart gezogenen Seildraht er- 
reichte Zahl der Verwindungen im mittleren Betrage von n = 31,82 
mufs in Rücksicht auf den Zustand des Materiales an sich, sowie auf 
die, durch die angewendete ungünstigere Versuchsmethode hervorgerufene 
zusammengesetzte Inanspruchnahme des Materiales als eine sehr be- 
friedigende bezeichnet werden. 

Der Einflufs des Ausglühens des hart gezogenen Drahtes gibt sich 
durch eine Erhöhung der Zahl der Verwindungen bis zum Bruche um 
174 Proc. kund. 

Die zweite Vorrichtung zum Zwecke der Durchführung der Ver- 



Gollner, über ein englisches Föi'derseil. 



71 



windungsversuche ist nach Fig. 4 in folgender Weise eingerichtet. 
In das genau gedrehte Gufseisenrohr R können zwei kolbenartige 
Theile Ä x und k 2 aus Gufseisen eingeführt werden, welche in ihrem 
Innern zwei gegenüberstehende prismatische Stahlbacken aufnehmen 




können, zwischen welchen die genau centrische Klemmung der beiden 
Enden der Probedrähte mit Hilfe der 4 Stellschrauben durchzuführen 
ist. Die Entfernung der innen gelegenen Stirnflächen dieser Kolben 
entspricht der Gebrauchslänge der Probedrähte. 

Der Kolben k 2 ist mit einem genau ausgeglichenen Hebel versehen, 
an dessen äufserem Ende eine Wagschale anzuordnen ist, um durch Auf- 
gabe von Schroffen das jeweilig herrschende Drehmoment für den Probe- 
draht bestimmen zu können. Der Zeiger Z dient zur Anzeige der mitt- 
leren Hebellage. Der Kolben k 2 kann sich nach Bedarf in dem Rohre R 
verschieben, es ist daher einer etwaigen Verkürzung des zu verdrehenden 
Probedrahtes nichts im Wege. 

Der vordere Kolben k { ist mit einem Sperrrade S versehen, in 
dessen hohle Nabe der Vierkant zum Aufstecken einer vorhandenen 
Handkurbel angebracht ist. 

Zum Sperrrade 5 gehört der Sperrhaken A, um eine Rückdrehung 
des verdrehten Probedrahtes zu hindern. 

Um die Zahl von Verwindungen anzuzeigen, ist ein einfaches Zähl- 
werk angeordnet, welches auf 0,02 Umdrehung genau die Anzahl der 
bis zum Bruche benöthigten Verwindungen (je um 360°) ablesen läfst. 

Die normale Probelänge beträgt 20 cm ,0; diese kann aber auch auf 
eine beliebig kleine Gröfse herabgemindert werden. 

Nach Erledigung der Untersuchung der Drahtmaterialien konnte 



72 



üollner. über ein englisches Förderseil. 



nunmehr auf die umfassenden Dehnungs- und Zevreifs versuche mit den 
Seil-Litzen und den Rundseilen als Elementarseile des Flachseiles über- 
gegangen werden. 

Die wichtigste Vorbereitung für die Durchführung dieser Versuchs- 
reihen bezog sich auf die Art der Fassung der Enden der Litzen- und 
Rundseile. Diese Fassung wurde nach einer Methode durchgeführt, 
welche sich von der von Prof. Tetmajer angegebenen nur durch An- 
wendung von Lettermetall, statt Bronze, als Ausgufsmaterial für die in 
Fig. 5 dargestellte pfannenartige Vertiefung des gelenkigen Spann- 
kopfes unterscheidet. 

Die Anwendung von Lettermetall hatte den wesentlichen Vortheil 
der niederen Schmelztemperatur (etwa 300°), welche das vergossene Ende 
des Drahtseiles hinsichtlich seiner mechanischen Eigenschaften nicht zu 
verändern vermag, während bei Anwendung von Bronzeeingufs ein Aus- 
glühen desselben Seilendes nicht zu vermeiden ist, wodurch — wie aus 
den Ergebnissen der Drahtproben hervorgeht — eine wesentliche Ver- 
änderung (Verminderung) der im hartgezogenen Zustande hoch ent- 
wickelten mechanischen Eigenschaften, wie Festigkeit, Steifheit eintritt, 
die den Bruch des Probestückes an der geschwächten Stelle unter Nach- 
weis einer geringeren Festigkeit zur Folge hat. 

Die durchgeführte Fassungsmethode für die Litzen und Seile hat 
sich in allen Fällen bewährt und trat in keinem Falle der Bruch in der 
Fassungsstelle ein. 

Bei Untersuchung der Zugelasticität der Litzen und Seile ergab sich, 
dafs diesen zusammengesetzten Probekörpern mehrere Grenzen dieser 
Art zukommen; so wurde für die Litzen eine zweifache, für die Rund- 
seile eine dreifache Zugelasticitätsgrenze, welch letztere mit der Fliefs- 
grenze zusammenfiel, sichergestellt. Die Grenzen der Zuginanspruch- 
nahme, innerhalb welchen der constante Zugelasticitätsmodulus Geltung 
hat, sind in der bezüglichen Tabelle eingetragen. 

Die Dehnungsmessungen für den Versuch Nr. (1686) ergaben folgende 
Einzelresultate: 



Belastungen 


Stand des Mefs- 


Dehnungen 


Belastungen 


Stand des Mefs- 


Dehnungen 


Pk 


instrumentes 


A l in cm 


Pk 


instrumentes 


A l in cm 





47,0 





1000 


45,8 


0,12 


200 


46,8 


0,02 


1100 'i 


45,6 


0,14 


wo 


46,6 


0,04 


1200 


45,3 


0,17 


600 


4(5.4 


0,0G 


1300 


41.!) 


0,21 


8001 


16,2 


0,08 


1350 


44.5 


0,25 


900 


60,0 


o.lu 


1400^ 


41.!) 


0,51 



1 Elasticitätsgrenze. 

2 Streckgrenze. 
;i Iiruchgrenze. 

Die Bruchdehnung betrug (für Versuch Nr. 1686) 2,6 Proc. bei der 
Gebrauchslänge J = 20cm,0. 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 



73 







-b 2 .% ° § H 


rähte 
inem 
linitt 
Con- 
weier 
Proc. 


"3 




CC 


c 




QQ 




£?*i 


fcc 




Q "S .2 P3 =- 


fi V ° N -■> 


CD 




fS «0 


B 




fSa.SS^o 


t- 53 es 

S ; - CO 


Ö 




SS« 


u 

S 
e 
< 




fe c 2 § fi S b £ 




■SS 




cü CD ** 




^ S B C»^^- 
U fi U ° CO <U || 
S .5 SO iOT3 II 

pq 


PQ 


.2^ 




ü 






o 


o 


t* 




OD 


9ZU9.I§ 


CO 


oo 


co 


C5 
lO 






-sjpijSpsa^ 


s* 


Di 

o* 




© 




co 

91 






TH 


TH 






i— ( 


| 




_, 


•H 


tH 




^< 




*J 


■5H 


"* 


"!* 




■* 


9zu8.iSnoa.qg 


& 


o 


o 


o 




© 
Ol 




o 


o 


O 




© 






TH 


T-l 












© 


ID 


o 




kO 


& .S Ü r'r, 


t; 


Ti 


CO 


lO 




© 


fisch 
jits- 
le fi 
•opo 
ität 
zen 


**f 


** 


o 

<* 


CO 

co 




© 


3 -p b p-i 2 m 






tH 


CO' 




lH 


<U *h T3 C t, 






05 


© 




© 


o-<3 o a o co 
OD 33 "-3 


**! 




co 

■H 


CN 




1-H 






° 2 


O O 






© © 


Sn^ .inj 


«3 


o o 
o o 


° 2 

o © 


© 

© 


© 
© 


© © 
© © 


gjnpoui 
-s^'B^iops'Big 


K( 


iO o 
in co 
co ■* 


© O* 
© iO 


CO 

TH 


CO 
CD 

tH 


US L<5 
© ©9 
© »O 
CM r-l 


ngqjgsugp üb 


~ 


° 2 

o o 


lO lO 


© 

co 




I» © 


ugSanuipQ 


H 


o o 


co co 
o o 


co 
© 


© 
© 


OS © 

© © 


9§[SJBni 


s< 


<=> °^ 


o o 


© 


©_ 


© © 


-8JJU^ßt[J8A. 


^ 


o o 


o o 


© 


© 


© © 




'S, 


C* tH 


£%. " r 1- 


cN 


tH 


tM **. 


U9zii9.i3s:re}i[ 


>^ 


<r* o 


TH . -* 

cN O 


TH 


© 


Ol © 


-■Bnon.iodo.ij 




F- O 






© 






^ 


tH 


■H 






lH 


ü 




<N tH 


C* -H 


cN 


TH 




■ "* 




iH -* 


TH •<* 


_T 


^* 








Ci © 


(N O 


o> 


© 








■** CN 


Th C< 


-* 


c« 








t- C 


!> O 




© 




Jh tu 


« 


■H 

1 1 


1 1 


1 


1 


1 






1 1 


1 


1 






C a> 




O* 


cN 




Cc 




e8 C 




° c3 


° CN 


© 


i-i 
O* 








■■* 


-^ 




^H 




B 




J> 


!> 




!> 




Wiinpsianb 


~ 












-9qoJ<i 






e^ox'o 








J9Aip9Jjg 














ugqpsaap 






O'moO^ = 


/ 






Sunz}9SU9uiniE 


snz 


9Sai8[sqonT;.iq9j; 


) t .i9SS9uiqo.in 


Q[ f l raoO « ' 


qq^a l 


saHonjsgqoJd 


S9p 


u 


9 Z] !1 






<v 


}.iy 
















CD 


o 


■H 




CO 


•.i\j-sqons.i9 


\ 


co 


CS 
CD 


C5 
CD 




s 






tt! 


^ 


•M 





74 Gollner, über ein englisches Förderseil. 

Die Werthe der Zugelasticitätsmodule nehmen mit Erhöhung der 
Zuginanspruchnahme in allen Fällen ab, die verhältnifsmäfsigen Deh- 
nungen nehmen zu. 

In der Tabelle IV sind die Ergebnisse der Zerreifsproben mit Seil- 
litzen zusammengestellt. 

Bemerkungen zu den Seilzerreifsproben: 

Nr. 1680: Bruch der einzelnen Drähte erfolgte rasch hintereinander 
fast in einem und demselben Seikjuerschnitte. Die Messung der Con- 
traction zweier Drähte ergab 58,8 Proc. Die Bruchdehnung des Rund- 
seiles konnte mit 3,7 Proc. (Gebrauchslänge = 20 cm ,0) ermittelt werden. 

Nr. 1681 : Bruch der einzelnen Drähte rasch hintereinander (bis 
auf zwei Stück) sehr nahe in einem Querschnitte. Die Rundseiltrümer 
erscheinen stellenweise aufgewickelt. Die Messung der Contraction 
zweier Seildrähte ergab 63,2 Proc. 

Nr. 1682: Bruch einer Litze innerhalb der Gebrauchslänge plötzlich 
in eiuem Querschnitte ; Bruch der übrigen Litzen zunächst dem Spann- 
kopfe, die Contraction zweier Drähte wurde mit 49,0 Proc. ermittelt. 
Ein Seiltrum war in die vier Litzen aufgelöst. 

Nr. 1683: Bruch des Seiles zunächst der Einspannvorrichtung. 
Seiltrum aufgelöst; Bruch der Drähte in den Litzen plötzlich und sehr 
nahe in einem Querschnitte. Zwei zerrissene Drähte wiesen eine Con- 
traction von 58,8 Proc. nach. 

Die Bruchdehnung konnte nur bei einer Litzenprobe (Nr. 1686) und 
nur bei einer Seilprobe (Nr. 1680) mit Sicherheit ermittelt werden; in 
allen übrigen Fällen gelang es nicht, die im Momente des Bruches be- 
stehende Dehnung direkt zu beobachten. Die Dehnungen selbst wurden 
auf cm ,005 genau ermittelt. Diese betrugen für das Rundseil Nr. 1680: 



Belastungen 


Stand des Mel's- 


Dehnungen 


Belastungen 


Stand des Mefs- 


Dehnungen 


Pk 


instrunientes 


A l in ein 


Pk 


instrumentes 


A l in cm 





47,9 





3500 


47,0 


0,09 


500 


47,8 


0.01 


3800' 


46,9 


0.10 


1(11)0 


47.7 


0,02 


4000 


46,7 


0,12 


1500 


47,6 


0,03 


4500'^ 


46,2 


0,17 


2000 


47,5 


0.04 


5000 


45,5 


0,24 


2500" 


47.4 


0,05 


55003 


40,5 


0,74 


3000 


47,2 


0.07 












i 


Bruchdehr 


iung = 3,7 Pr( 


>c. 



1 Erste und zweite Elasticitätsgrenze. 

2 Dritte Elasticitätsgrenze und Fliefsgrenze. 

3 Festigkeitsgren/.c 

Beurtheilt man die Mittelwerlhe der aus den Litzenproben erhaltenen 
wichtigsten mechanischen Gröfsen, so ergibt sich, dafs die beiden Elasti- 
eitätsgrenzen durchschnittlich bei einer Inanspruchnahme von 7421 at ,2 
und 10 204 at ,0 erreicht wurden. Die mittleren Zugelasticitätsmodule be- 
trugen rund 2000000^ und 1500000 at , die mittlere Fliefs- und Festig- 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 



75 





9ZU3J§ 


s 


o" 

i-O 
r-- 
C* 


© 

© 
co 

■H 


T 

o" 

iD 

r- 
c* 


12175,3 


«f 

00 

© 

TM 




azuajxssjaijj 


I 


©^ 

HS 

co 
o 

tH 


CO 

r- 
c* 

© 


Ol, 

lo" 

co 

H# 

© 

tH 


"1 

i-O 

Oi 


L«" 

© 

1-H 




05 , 
!» — ~ 

© TJ £! 

< £ 1 § 

„ 5", g S! 

o i— ■ "E S 

.2 JE c fco 

— - c 
9 — - 

EL = £] 

CO 


^ 1 


CO 


co 
©„ 
cd" 

C* 


1D 
CO, 


© 

CO 

©" 
co 


OD, 




^ 


cd" 
c* 


© 
CO- 
I>" 

tH 


co 

H*. 

o" 


© 
© 
co" 

co 


OD 




s. 






i-O 

©, 


co" 

TH 


es" 


B 

© 
c 


Snz .inj 
arnpora 

-SrBqOIJSBjgf 


ri" 


o o o 

© C: © 

o o © 
er. x> co 
th r- c* 

CO CO C* 

ri rl n 


o © © 

© © © 

© © © 

© CO lD 
th <N Ci 

CO CD CO 

Ci tH th 


© © © 

© © © 
© © © 

© CO "* 

CO CD © 

i> irs co 

TH TH tH 


© © © 

© © © 

© © O 

© c* © 

co o © 

!> CO © 

TH TM T-< 


© e c 

ä 2 ® 
© © © 

© Li ., 
«1 © 1— 
© © *1 


Cm 

CO 


uaqiasuap üb 
uaSnnuqaQ 
aSisjBtn 
j -sjiuiiBq.i8A 


~i~ 


O O O 

o © >o 

SN lO 00 
© © © 
©„ © ©„ 

©" cf ©" 


© © © 
© © © 
Ci lO t~ 

© © © 
© © © 

©" ©" ©" 


© © © 

iD 10 © 

CO O CO 

© © © 
© © ©_ 
©' ©" ©" 


© © © 
© © o 

Tj r~ TH 

o, o, © 
©" ©" © 


© © © 

© © !>• 

05 *S OD 
© © © 
© © © 
©" ©" ©~ 


CO 

> 

c 


}B ui 
j azaa.iSs}?.m 
1 -■euopjodo.ij 

i 


1 


!>, "sjj. Oi, 

r-" «n" "-'s" 

35 © CO 

| r- co •* 

o © © 


C% 00, **, 

oo" ©" Co" 
CO t- C- 

© TH <N 

t« co © 


^ ^ °i- 
r-" cf id" 

co co co 

© © T* 

© co © 


co_ co, o, 

!>" ©" i-o" 

»D © © 
© i-O O 
EOStH 

tH 


*i^ i^ et_ 
©" ©" i«" 

t» « M 

ce © »*< 

iSOCC 
1^ 




c 

3 B 
g £ 

Ph Ei 

i a 

e — 

i— i ce 


* 


r-_ ■*, ©_ 

r-" c€ lo" 

© © co 

3> CO ■<# 

O © © 

1 

t~_ t}J, 

° © © 

r- co 

*a © 


C*. CO, T-J^ 
co" ©" <D 

CO TH ä> 

CD th c* 

Tf( CO © 

1 1 1 

cN, CO, 

—, co" cd" 

CO rH 
Tt< CO 


©_ C-, ©^ 

i>" cf o" 

co co co 
© © ^ 
© co © 

TH 

1 1 1 

o r-" cf 

— co co 

© © 
© co 


$>" CD~ lo" 

»n © © 

© O lD 

© © TH 

th 

1 1 1 

° i-O © 
© 

© © 






jjraqosjanTi 
-aqo-ij 


s 


Ugf'O 






uaqps.iap 
SunzjasuaniuiBsn^ 


9J[.iB}g f x'tnoO uoa arqB.ja £ 13 uaziiq f 




a^onjsaqoaj jap ^iy 


[psqoBU "p 'B {iaspanj.iB}uaoi3{3 


m 




•.i^-sqonsja 


A 


© 
co 

CD 
tH 


TH 

co 

CD 
1 


c( 

co 
© 


CO 
CO 

© 





76 Gollner, über ein englisches Förderseil. 

keitsgrenze 10204'",1 bezieh. 12677 a, ,8, endlich konnten die mittleren 
Bpecifischen Arbeitsmodule bis zu den Elasticitätsgrenzen mit durch- 
schnittlich 13,01 und 40 kcm ,05 ermittelt werden. 

Aus der Tabelle V (Seilzerreifsproben) können analog folgende 
Mittelwerthe betreffend die wichtigsten mechanischen Gröfsen hervor- 
gehoben werden. 

Die mittleren Elasticitätsgrenzen sind 

erreicht bei 5 870,2, 8 939,5 und 10435at,9 

Die zugehörigen mittleren specifischen 

Arbeitsmodule betragen .... 9,25, 27,08 „ 55kcm : 81 

Die mittleren Elasticitätsmodule sind 

rund 2 000 000, 1 6UU 000 „ 1200000at 

Die mittlere Zugfestigkeit wurde er- 
reicht bei 12 682.H.G. 

Zusammenfassung. 
Die Ergebnisse der mit den Seildrähten durchgeführten mechanischen 
Untersuchungen gestatten folgendes Schlufsurtheil über die Qualität des 
Drahtmateriales an sich, und über die Verwendung derselben bei Her- 
stellung der Litzen und Elementarrundseile für Flachseile: 

1) Der untersuchte Seildraht (0 cm ,14 Stärke) besitzt im hartgezogenen 
Zustande die für die sachgemäfse Seilfabrikation wesentlichen Eigen- 
schaften und zwar: eine hochentwickelte Elasticität, eine hochgelegene 
Elasticitäts-, Streck- und Festigkeitsgrenze, ferner die Eigenschaft der 
Gleichartigkeit, endlich die Eigenschaft der Deformationsfähigkeit im 
vorzüglichen Mafse, und mufs der erprobte Draht als solcher von vor- 
züglicher Qualität festgestellt werden. 

2) Der Seildraht behält auch nach erfolgtem Ausglühen die Eigen- 
schaften eines homogenen Stahldrahtes, obschon für diesen die charak- 
teristischen mechanischen Grenz werthe und zwar: dieZugelasticitätsgrenze 
um 37,6 Proc, der Zugelasticitätsmodulus um 44,6 Proc. , die Streck- 
grenze um 63,2 Proc, der specifische Arbeitsmodul für die Elasticitäts- 
grenzen um rund 30 Proc. gesunken, während sich die verhältnifsmäfsige 
Querschnittsverminderung um 40 Proc. erhöhte. 

3) Durch das Spinnen des Seildrahtes zu den Elementarrundseilen 
tritt eine Erhöhung der Streckgrenze im Seilmateriale um 4,7 Proc. ein, 
der gleichzeitig auftretende mittlere Verlust an Zugfestigkeit erreicht 
9,2 Proc. 

4) Das Verhältnifs der mittleren Zugfestigkeiten für 

Seildraht Seillitze und Rundseil ergibt sich mit 

100 90,9 90,8 

Das Verhältnifs der Bruchdehnungen wurde für dieselben Materialien 
ermittelt mit 

1,55 Proc. 2,6 Proc. 3,7 Proc. 

5) Das Verhältnifs der specifischen Arbeitsmodule bis zur Streck- 
grenze des Drahtes, der Litze und des Seiles ist durch folgende Werthe 
auszudrücken : 



Gollner, über ein englisches Förderseil. 77 

Seildraht Seillitze und Rundseil 

100 122 171 

wodurch nachgewiesen ist, dafs in Folge des Spinnens des Seildrahtes 
zur Litze und zum Elementarrundseil des Flachseiles eine derartige Ver- 
schiebung (Erhöhung) der Streckgrenze, und gleichzeitig eine solche 
Aenderung in der totalen Deformation dieser Seilelemente eintritt, dafs 
eine wesentliche und höchst vorteilhafte Erhöhung des mechanischen 
Arbeitsvermögens (für die Volumseinheit) derselben Elemente resultirte. 

6) Nachdem die Inanspruchnahme für den Seildraht und das Ele- 
mentarrundseil an der mafsgebenden (ersten) Zugelasticitätsgrenze fast 
vollständig übereinstimmt (5844 at ,l für den Draht und 5870 at ,2 für das 
Rundseil), so kann die erste Grenze als Grundlage für die Bestimmung 
der zulässigen Zuginanspruchnahme des Flachseiles verwerthet werden. 

Unter der Voraussetzung einer, in der „unruhigen- Inanspruchnahme 
des Förderseiles begründeten dreifachen stabilen Sicherheit ermittelt 
sich die zulässige Zuginanspruchnahme (Ä s at ) und die dieser entsprechen- 
den verhältnifsmäfsigen elastischen Deformation (Ah .' für 
den Seüdraht: feat = 1948.0. ( J l s :l) = 0.00080. für 
das Rundseil: fc s at = 1957.1. (A h : = 0,0010, 

wofür der Sehlofswerth ^ = 2000* und (Ah : t) = 0,0010 gesetzt sei. 
Hieraus ergibt sich schliefslich eine x- fache Bruchsicherheit durch Zer- 
reifsen und zwar : für den Seildraht: x = 6,98, für das Rundseil: x = 6,34. 

Diese Werthe ergeben sich auf Grund der alleinigen Berücksichtigung 
der Zuginanspruchnahme des Flachseiles, wenn eben lediglich dessen 
Qualität an sich in Betracht gezogen wird. 

Bei Beurtheilung der relativen Qualität des Seiles, d. i. jener mit 
Rücksicht auf den speciellen Verwendungszweck desselben, ist neben der 
Zuginanspruchnahme fc 3 at noch die thatsächlich eintretende Biegungs- 
inanspruchnahme (A*6 at ) in Betracht zu ziehen, welchen beiden Theilinan- 
spruchnahmen eine maximale Inanspruchnahme Et = K z . -f- Kb entspricht. 
Wird kt in Beziehung zur Zugelasticitätsgrenze (2f p at ) im nachgewiesenen 
Mittelwerthe von rund 5860 at ,0 gebracht und ä, = 0,5, K p = 2928 a < an- 
genommen, so ergibt sich unter der Voraussetzung, dafs der kleinste 
noch zulässige Durchmesser der Seilscheibe in Anwendung kommt, für 
die zulässige 

Zuginanspruchnahme . . . Z s at = — = 976 und für die 

Biegungsinanspruchnahme . Kb at = 1952. daher noch die 
Maximale (totale) Inanspruch- 
nahme &at =2928: 

also Inanspruchnahme, welche mit jenen für harte Gufsslahlseile, die 
sich für Förderzwecke bewährt haben (siehe u. a. die für den Ober- 
bergamtsbezirk Dortmund mafsgebenden Bestimmungen), sehr befriedigend 
übereinstimmen. 



78 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

Beiträge zur Keimtiiifs der leichtest flüchtigen Antheile 
des Steinkohlentheers; von Dr. Joachim Biehringer, 

Assistenten am chemischen Institute der Universität Erlangen. 

Die Untersuchung der leichtest flüchtigen Antheile des Steinkohlen- 
theers hat sich bis jetzt einzig und allein auf den Vorlauf beschränkt, 
welcher bei der endgültigen Fractionirung der gereinigten Benzolkohlen- 
wasserstoffe erhalten wird, mithin auf ein Erzeugnifs, das bereits der 
Kin Wirkung von Säure und Alkali ausgesetzt gewesen war. Wir können 
aus dem Grunde selbstredend nicht erwarten, in den einzelnen Frac- 
tionen des gereinigten Productes alle die Körper wiederzufinden, welche 
die gleichen Antheile des rohen, noch unberührten Theers enthielten; 
wir werden auf neue Körper stofsen, die aus jenen durch den Einflufs der 
beiden Agentien entstanden sind und ursprünglich vorhanden gewesene 
Substanzen vermissen. Andererseits wird aber nicht nur die Art, son- 
dern auch die Concentration und die Dauer der Einwirkung von Säure 
und Alkali eine mehr oder minder weitgehende Veränderung in der 
schliefslichen Zusammensetzung des Destillats erzeugen. Diesem Umstände 
ist es wohl neben der primär vorhandenen Verschiedenheit der einzelnen 
Theersorten hauptsächlich zuzuschreiben, dafs wir in den wenigen 
Arbeiten, die sich mit diesem Theile des flüssigen Steinkohlendestillats 
beschäftigen, Angaben über Vorhandensein und Nichtvorhandensein ein- 
zelner Körper und ganzer Körpergruppen finden, welche einander schnur- 
stracks widersprechen. 

Neben diesen mehr nur ein theoretisches Interesse besitzenden 
Fragen hat auch die Verwendbarkeit dieses bislang noch ziemlich werth- 
losen Productes der Theerdestillation ihre gewisse Bedeutung. Es ist 
dies jedoch eine Aufgabe, welcher wir erst dann näher zu treten ver- 
mögen, wenn man die wichtigeren Bestandteile desselben genauer 
kennt und vor Allem durch einfache quantitative Methoden bestimmen 
kann. In dieser Richtung bewegt sich denn auch der Haupttheil der 
Untersuchung, über welche ich auf den nachfolgenden Seiten zu be- 
richten gedenke. 

Dieselbe ist anfangs an einem zwischen 30 und 80° siedenden An- 
theile eines 90procentigen englischen Benzols ausgeführt worden, welcher 
aus der chemischen Fabrik Griefsheim stammte und Herrn Prof. Dr. Otto 
Fischer von Herrn Dr. Häufsermann zur Verfügung gestellt worden war. 
Die Menge dieses Vorlaufs beträgt nach gütiger Mittheilung des letzt- 
genannten Herrn etwa Vj 2 Proc. des Benzols. Als dann weiterhin im 
Verlaufe der Arbeit verschiedene Anzeichen darauf hindeuteten, dafs 
sich besonders die zwischen 50 bis 60° und die zwischen 60 und 70° 
siedenden Fractionen in Folge besonderer hier nicht weiter zu erörternder 
Reactionen der Beachtung empfehlen dürften, hatte Herr Dr. Häufser- 
mann die Güte, dieselben aus gröfseren Massen des Vorlaufs abzu- 



Leichtflüchtige Antheile des Steiukohlentheers. 79 

scheiden und mir in ausreichender Menge zu überlassen. Ich erlaube 
mir, ihm für seine Freundlichkeit auch meinerseits an dieser Stelle 
meinen besten Dank auszudrücken. 

Die Fraction 50 bis 60° war mir unter der Marke L 1, die Fraction 
60 bis 70° unter der Marke L2 zugesandt worden. Ich habe beide 
Bezeichnungen auch in meiner Arbeit beibehalten, um dieselben von 
den gleichen Fractionen, die ich selbst durch Destillation aus ihnen 
und aus dem ganzen rohen Vorlauf abgeordnet habe, in einfacher 
Weise zu unterscheiden. 

Der rohe Vorlauf, wie die beiden genannten Fractionen L 1 und L 2 
sind wasserhelle, bei längerem Stehen sich gelblich färbende, leicht be- 
wegliche und das Licht stark brechende Flüssigkeiten, deren sehr un- 
angenehmer und durchdringender Geruch bei längerem Einathmen Kopf- 
weh und leichten Schwindel verursacht und damit eine Verwendung 
dieses Products ähnlich derjenigen des Petroläthers fast ausschliefst. 
Wir werden später nochmals darauf zurückzukommen haben. Der Ge- 
schmack ist ätzend. Auf empfindlichen Stellen der Haut rufen sie ein 
schwaches Jucken hervor. Blaues Lackmus wird etwas geröthet. An- 
gezündet brennen sie mit leuchtender, sehr stark qualmender Flamme 
und häfslichem Gerüche. Bei langem Stehen scheiden sie ein dunkel- 
braun gefärbtes, dickliches Oel ab. 

Selbstredend wurde zunächst eine Trennung des rohen Vorlaufs 
durch fractionirte Destillation versucht, wobei als Dephlegmator der 
Le Bei- Henninger' sehe Aufsatz, sowie besonders eine in 6 Kugeln auf- 
geblasene und mit Glasperlen gefüllte Glasröhre zur Verwendung kam. 
Es gelang jedoch auch durch oftmaliges Umfractioniren nicht direkt 
aus dem Rohmateriale irgend welche Körper zu fassen, ein Ergebnifs, 
zu dem ja auch frühere Untersucher derartiger natürlich vorkommender 
oder künstlich erzeugter Stoffgemische gekommen sind. Welch geringe 
Aussicht sich bietet, auf diesem Wege zu einem Ziele zu gelangen, be- 
weist schon der Umstand, dafs die gleichen Gewichtsmengen des Vor- 
laufs bei ihrer Fractionirung niemals auch blofs annähernd gleiche Ge- 
wichtsmengen der einzelnen Fractionen liefern, sondern dafs innerhalb 
der letzteren Schwankungen beobachtet wurden, die sich bis auf 10 Proc. 
der angewandten Menge erstreckten. 

Wie der rohe Vorlauf, so wurden auch die beiden in der Fabrik 
dargestellten Fractionen LI und L2 einer erneuten, mehrmaligen Frac- 
tionirung unterworfen, nachdem Vorversuche gezeigt hatten, dafs der 
Siedepunkt derselben sich durchaus nicht in den oben angegebenen 
Grenzen bewegt. So ging z. B. von der Fraction L 1 wohl die Haupt- 
menge, d. h. etwa 2 3 zwischen den Graden 50 und 60 über; allein die 
Flüssigkeit begann bereits bei 40° zu sieden und liefs auch einen sehr 
beträchtlichen Rückstand, welcher über 60° siedete. Durch öfteres Frac- 
tioniren der einzelnen von 5 zu 5° aufgefangenen Antheile vermehrte sich 



80 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

hierbei das vor 50° siedende Product stetig auf Kosten der anderen, zu- 
mal des Antheils 50 bis 55°, indem es allmählich gelang, den Schwefel- 
kohlenstoff mehr auf ersteres zu concentriren. Ein Ziel war jedoch damit 
Dicht zu erreichen. Es scheint fast, als ob es nicht allein die Besonder- 
heit der fractionirten Destillation sei, welche diese Unregelmäfsigkeiten 
bewirke, sondern als ob noch während der Destillation Umsetzungen 
und Umwandelungen in dem Gemische eintreten, die den Siedepunkt 
desselben in erheblichem Mafse beeinflussen. 

Schon bei ruhigem Stehen scheidet sich der rohe Vorlauf, beim 
Fractioniren desselben hauptsächlich die niedriger siedenden Antheile 
in einen unteren, das Licht sehr stark brechenden und vornehmlich aus 
Schwefelkohlenstoff bestehenden Theil und in eine obere, weit schwächere 
Schicht. Beide sind scharf von einander geschieden und lassen sich 
selbst durch gelindes Schütteln nicht mehr vollständig mit einander 
mischen. Eine getrennte Untersuchung derselben, wie sie Vincent und 
Delachanal, welche die gleiche Beobachtung machten, ausgeführt haben l, 
bietet keinen Vortheil, da sowohl die obere, wie die untere Schicht die 
sämmtlichen, später zu beschreibenden Reactionen, wenn auch vielleicht 
zum Theil mit verschiedener Schärfe gibt. Jedenfalls habe ich keine 
Reaction gefunden, die einer von beiden eigenthümlich gewesen wäre. 

Nachdem das Mittel der Trennung durch Fractioniren versagt hatte, 
blieben für die Untersuchung des mir vorliegenden Körpergemisches 
nur zwei Wege übrig. Man mufste einmal die bisher bekannten Be- 
standteile auf irgend welche Weise entfernen und in der von ihnen be- 
freiten Flüssigkeit nach neuen Körpern fahnden, eine unendlich schwierige 
und zeitraubende Arbeit, die um so verwickelter wird, als ja die zur 
Entfernung benutzten Reagentien auch auf die noch unbekannten Stoffe 
mehr oder minder verändernd einwirken werden. Zweitens bot sich 
in der Anwendung der bisher bekannten Gruppenreagentien Gelegen- 
heit, den Vorlauf auf An- und Abwesenheit gewisser Körperklassen zu 
prüfen. Doch ist auch dies Verfahren wegen der Nebenreactionen, 
die andere bekannte und unbekannte Körper des Vorlaufs bewirken, 
nur mit Vorsicht zu gebrauchen, ganz abgesehen davon, dafs die Zahl 
der Gruppenreagentien in der organischen Chemie heutzutage noch eine 
recht beschränkte ist. 

Bei den Versuchen, die ich in diesen beiden Richtungen austeilte, 
gelangte ich nun dazu, neben anderem auch die oben erwähnten quan- 
titativen Bestimmungen einer Anzahl bekannter Bestandteile des Theer- 
vorlaufs, wie der beiden Fractionen L 1 und L 2 auszuführen. Können 
auch die hierbei erhaltenen Zahlen keine allgemeine Gültigkeit bean- 
spruchen, so geben sie doch einen Fingerzeig, in welcher Weise sich 
die Verwerthung des Products bethätigen liefse, und auf welche Reac- 

1 Compt. rend., Bd. 8ß S. 340. Chemisches Centralblatt, 1878 3. Folge 9. Jahrg. 
S. 235. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 81 

tionen bei einer diesbezüglichen Prüfung desselben besondere Rücksicht 
zu nehmen wäre. 

I. Der Schwefelkohlenstoff. 

Der Schwefelkohlenstoff wurde von Vincent und Deiachanal 2 in den 
leichtesi siedenden Antheilen des Rohbenzols gefunden. 

Zur Prüfung auf diesen Körper versetzt man den Vorlauf oder da.- 
unreine Benzol mit etwas weingeistigem Ammoniak und läfst einige 
Zeit stehen. Ist die Menge des Schwefelkohlenstoffs nur irgend be- 
deutend, so scheidet sich das entstehende Rhodanammon in Krystallen 
ab. Man schüttelt sodann das Ganze mit Wasser aus und weist im 
wässerigen Auszuge das Rhodanammon nach dem Ansäuern mittels 
Eisenchlorids nach. 

Auch die zur quantitativen Bestimmung des Schwefelkohlenstoffs 
angewandte Methode, die Ueberfiihrbarkeit desselben in ein Alkalisalz 
der Xanthogensäure läfst sich zu obigem Zwecke gebrauchen. 3 Man 
setzt der zu prüfenden Flüssigkeit eine concentrirte Lösung von Aetz- 
kali in absolutem Alkohol zu. schüttelt kräftig und erwärmt gelinde, 
zieht dann mit Wasser aus, neutralisirt die wässerige Lösung mit Essig- 
säure und setzt etwas Kupfervitriollösung zu, worauf gelbes xanthogen- 
saures Kupferoxydul ausfällt. 

Der Schwefelkohlenstoff ist für die weitere Untersuchung des 
Benzol Vorlaufs, zumal der Kohlenwasserstoffe desselben ungemein hin- 
derlich, da er mit einer Reihe dieser die Eigenschaft theilt, durch con- 
centrirte Säuren und Alkalien nicht verändert zu werden, weshalb 
denn auch das Benzol des Handels meistens damit verunreinigt ist 

Ich versuchte zuerst ihn. wie erwähnt, mit Hilfe der fractionirten 
Destillation auf die zwischen 45 und 50° übergehenden Antheile des 
Theervorlaufs zu concentriren, erreichte jedoch meinen Zweck auch 
nach mehrmaligem Umdestilliren nur in sehr unvollkommenem Mafse. 
Denn in Folge der grofsen Dampfspannung, welche den Schwefelkohlen- 
stoff auszeichnet, und der Besonderheiten der fractionirten Destillation 
gehen, wie auch Helbing i angibt, die ersten Antheile des Körpers schon 
ziemlich tief unter dem wahren Siedepunkte über, während anderer- 
seits die zwischen 50 und 60°, ja selbst noch die zwischen 60 und 70° 
siedenden Antheile ihn mit aller Schärfe nachzuweisen gestatten. Es 
möchte fast scheinen, als ob sich derselbe in irgend welcher lockeren 
Verbindung mit anderen Körpern des Vorlaufs befände, die bei der 
Destillation erst nach und nach zersetzt würde. 

Aus der grofsen Dampfspannung des Schwefelkohlenstoffs erklärt 
sich auch folgende Beobachtung. Mehrmals erhielt ich bei rascherem 



8 A. a. O. 

3 Luck in Zeitschritt für analytische Chemie von Fresenius. 11. Jahrg. S. 410. 

4 Annalen der Chemie. Bd. 172 S. 284. 

Dngler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 2. 18W II. 6 



32 Leichtflüchtige Antheilc des Steinkohlentheers. 

Abdestilliren einzelner Fractionen des Vorlaufs, die behufs Bestimmung 
des genannten Körpers in eine mit weiugeistigem Kali beschickte 
Volhard'schti Vorlage geleitet wurden, kleine Mengen eiues Gases, das 
über Wasser aufgefangen werden konnte, mit blauer Flamme brannte 
und dabei schweflige Säure bildete. Dieses Gas war, wie die Unter- 
suchung ergab, nichts anderes als Schwefelkohlenstoffdampf, welcher 
durch das weingeistige Kali hindurchgestrichen war, ohne absorbirt 
worden zu sein. 

Quantitative Bestimmung des Schicefelkohlenstofls. 
Die Frage der quantitativen Bestimmung des Schwefelkohlenstoffs 
hat im letzten Jahrzehnt, als man nach The'nard's Vorschlag anfing 
denselben als Vertilgungsmittel der Reblaus anzuwenden und in den 
Boden der verseuchten Weingärten einzuführen, eine erhöhte Bedeutung 
erhalten. In Rücksicht auf diese Verwendung sind denn auch die Mehr- 
zahl der weiter unten zu besprechenden Vorschriften gegeben worden. 

1) Durch Triäthylphosphin. 
Eine Bestimmungsweise desselben, die A. W. Hofmann gelegent- 
lich der Untersuchung eines Senföls des Handels veröffentlicht hat, 
gründet sich auf die leichte Verbindbarkeit des Schwefelkohlenstoffs 
mit Triäthylphosphin zu einem schön krystallisirenden rothen Additions- 
produete. 5 Ich habe die Methode nur an reinem Schwefelkohlenstoffe 
vom Siedepunkte 46,8° versucht und dabei folgendes Verfahren einge- 
schlagen. Eine abgemessene Menge desselben wurde in absolutem Aether 
gelöst und eine ätherische Lösung von Triäthylphosphin im Ueberschul's 
zugefügt. Das Gemisch färbt sich nach kurzer Zeit roth und beginnt 
bald kleine Krystallnadeln abzuscheiden. Ich liefs das Ganze stehen, 
bis völlige Entfärbung eingetreten war, filtrirte auf ein gewogenes Filter, 
wobei ich so lange als möglich die Mutterlauge zum Nachspülen ver- 
wandte und erst ganz zuletzt reinen Aether folgen liefs, trocknete dann 
im Vacuum und wog. Das hierbei erhaltene Ergebnifs fiel jedoch aus 
mir nicht bekannten Gründen um ein gutes Theil zu gering aus. 

2) Als zanthogensaures Salz. 
Die übrigen Vorschriften zur Bestimmung des Schwefelkohlensl off» 
beruhen insgesammt auf der Thatsache, dafs sich derselbe durch Zu- 
sammenbringen mit weingeistigem Kali glatt in das Kalisalz der Xan- 
thogensäure überführen läfst. Man bethätigt dies in der Weise, dafs 
man eine abgemessene Menge des Schwefelkohlenstoffs oder der ihn 
enthaltenden Flüssigkeit tropfenweise in eine concentrirte Lösung von 
Aetzkali in starkem Weingeist, oder besser in absolutem Alkohol unter 



8 Berichte der deutsclten chemischen Gesellschaft, 13. Jahrg. S. 1735: vgl. Anvclen 

1. Suppl. 8. 26 ff. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 83 

Umrühren einträgt. Bei nur einigermafsen erhebliehen Mengen wird 
sich das Salz sofort als dichter Krystallfilz abscheiden, der jedoch 
gewöhnlich noch unveränderten Schwefelkohlenstoff" einschliefst und 
so vor der Einwirkung des alkoholischen Kalis schützt. Setzt man 
dann Wasser hinzu, um das Salz zu lösen, so sammelt sich derselbe in 
kleinen Tröpfchen am Boden. Es ist darum gerathen. die Krystall- 
masse zu zerkleinern und ganz gelinde zu erwärmen. 

Die Bestimmung des so erhaltenen Xanthogenats geschieht durch 
Mafsanalyse in zweierlei Weise, entweder mittels Kupferlösung oder 
mit Hilfe einer Jodlösung von bekanntem Gehalte. 

u) Mittels Kupferlösung. 

Für diese Form sind Methoden von Grete und von Macagno an- 
gegeben worden, die sich nur in der Wahl der Mafsflüssigkeit unter- 
scheiden. 

Da die Kupferlösung als Kupferoxydsalz zur Anwendung kommt, 
der Niederschlag aber ein Kupferoxydulsalz ist, so sind für jedes Molekül 
Kupfersalz zwei Moleküle Xanthogenat nothwendig, von denen eines 
der Reduction der Kupferlösung, das andere der Salzbildung dient. 
Versuche, das Kupfersalz durch ein Bleisalz zu ersetzen, welches sich 
mit dem xanthogensauren Kali in viel glatterer Weise umsetzen müfste, 
-internal hierbei die Reduction wegfällt, führten nicht zum Ziele. Auch 
die Xanthogenate der anderen Schwermetalle, soweit sie in Betracht 
kommen können, erwiesen sich als ungeeignet. 

Wählt man für die Bestimmung des Xanthogenats V^-Normal- 
Kupfervitriollösung, so wird jeder Cubikcentimeter derselben, der 0?,0063 
Kupfer enthält, 0?,03202 Xanthogenat umsetzen, die wiederum 0°,0152 CS., 
entsprechen. Stellt man auf Aequivalente ein, wie dies Macagno that, 
so ist die Lösung selbstredend nur halb so stark zu nehmen, so dafs 
1 nur 0?,0076 CS 2 anzeigt. 

Grete führt die Titrirung in neutraler Lösung aus, da er bei 
stärkerem Säurezusatze eine schädliche Einwirkung auf die frei wer- 
dende Xanthogensäure fürchtet. Die hierzu nöthige Mafsflüssigkeit 
-teilt er in der Art her. dafs er die berechnete Menge Kupfervitriol 
bei Gegenwart von Seignettesalz in Wasser löst und so viel kohlen- 
saures Natron zufügt, als gerade nothwendig ist, eine tiefblaue Flüssig- 
keit zu erzeugen. Aetzendes Alkali statt des Carbonats zu verwenden, 
ist gleichfalls unstatthaft. ri 

Mit dieser Lösung titrirt Grete das Xanthogenat. nachdem er den 
Ueberschufs des diesem beigemischten, unverbraucht gebliebenen Alkalis 
durch Weinstein neutralisirt hat. Der entstehende Niederschlag setzt 
sich bei gehörigem Rühren und Schlagen in grofsen Flocken ab, wo- 
durch die Flüssigkeit genügend hell werden soll, um beobachten zu 

6 Annahn. Bd. 190 S. 211. 



84 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheer6. 

können., ob ein erneuter Zusatz von Kupferlösung noch eine leichte 
Trübung hervorruft oder nicht. Ich habe diese Versuche mehrere Male 
wiederholt und stets gefunden, dafs dieser Punkt durchaus nicht mit 
der Schärfe eintritt, wie Grete dies angibt; ich konnte bereits keine 
leichte Trübung mehr wahrnehmen, wenn noch 1 bis 2 CC an der 
theoretisch geforderten Menge von Kupferlösung fehlten. Es gelang 
auch nicht die Methode zu einer Tüpfelanalyse umzugestalten, da die 
überstehende Flüssigkeit mit Essigsäure und gelbem Blutlaugensalz erst 
bei Zusatz eines gröfseren Ueberschusses der Kupferlösung reagirte. 

J. Macagno hingegen ueutralisirt die Lösung des xanthogensauren 
Alkalis mit Essigsäure und titrirt mit ^o-Normal-Kupfersulfatlösung so 
lange, als noch eine Trübung bemerkbar ist; dann stellt er durch 
Tüpfelversuche mit gelbem Blutlaugensalz den Endpunkt der Reaction 
lest.' Da der Niederschlag die Deutlichkeit der Tüpfelprobe stark be- 
eintlufst, so kann mau sich hierbei des von Hehner und Carpenler mit- 
getheilten Kunstgriffes bedienen, einen Tropfen der Flüssigkeit auf eine 
doppelte Lage Fliefspapier zu bringen und die in das untere Papier 
durchsickernde Lösung mit dem Blutlaugensalz zu betupfen. 8 

Diese Bestimmungsweise ward zunächst an reinem Schwefel- 
kohlenstoff vom Siedepunkte 46,8° geprüft: 5 CC desselben = 6",2964 
wurden in der oben beschriebenen Weise mittels alkoholischen Kalis 
in das Xanthogenat übergeführt. Die entstandene dicke Masse wurde 
in Wasser gelöst und auf ein bestimmtes Volumen (100 cc ) verdünnt. 
5 CC dieser Lösung wurden schwach mit Essigsäure angesäuert und dann 
titrirt. 

Es wurden zwei durchaus getrennte Bestimmungen, selbst mit ver- 
schiedenen Kupferlösungen ausgeführt und dabei für die 5 CC verbraucht: 

1) 20^.5 = 410cc fürs Ganze/. ,..,, , Mtw 
•», 20cc,7 = 414cc „ „ \ nn Mlttel 412c °- 

Da nun l cc der Kupferlösung 0^,0152 CS.> anzeigt, so ergab die 
Titrirung bei einem Verbrauche von 412 cc eine Schwefelkohlenstoff- 
menge von 6?,2624, mithin einen Fehlbetrag von 0s,034 = 0,54 Proc. 

Eine mit der gleichen Xanthogenatlösung vorgenommene Titrirung 
durch Grcte's Mafsflüssigkeit ergab einen Verbrauch von nur 
19cc,8 = 396cc fürs Ganze. 

Auf den Vorlauf angewandt ergab Macagno's Methode folgende 
Verhältnisse: 5 CC des rohen Theervorlaufs, wie der beiden Fractionen 
LI und L2 wurden mit einem Ueberschusse alkoholischen Kalis zu- 
sammengebracht, wobei sich im rohen Vorlaufe sofort, dann in den 
beiden Fractionen ein dichter Filz von Krvstallen abschied, der fast 
die ganze Flüssigkeit erfüllte. Derselbe wurde, wie oben angegeben, 

1 Chemisches Centralblait , 1881 3. Folge 12. Jahrg. S. 156. Zeitschrift für 
analytisclie Chemie. 21. Jahrg. S. 133. 

s Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie für 1883 S. 1557. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 85 

behandelt und dann in Wasser gelöst, dem etwas Weingeist zugesetzt 
war, um die entstehende milchige Trübung möglichst zu mindern. Die 
so erhaltene Lösung wurde auf ein bestimmtes Mafs (100 cc ) verdünnt 
und eine Probe derselben (5 CC ) in der oben beschriebenen Weise titrirt. 

5 CC des rohen Theerlaufs = 4§,7864 verbrauchten in Xanthogenat 
verwandelt: 180 cc ,5 Kupferlösung. Diese entsprechen 2?,7436 = 57,3 Proc. 
CS 2 .» 

5 CC der Fraction L 1 = 3-,9926 verbrauchten als Xanthogenat: 52 cc 
Kupferlösung. Diese entsprechen: 0",7904 = 19,8 Proc. CS 2 . 

5 CC der Fraction L2 = 48,2172 verbrauchten als Xanthogenat: 53 cc ,2 
Kupferlösung. Diese entsprechen 0?,80864 = 19,17 Proc. CS 2 . 

Der geringe Unterschied im CS 2 - Gehalt, welcher zwischen den 
Fractionen L 1 und L 2 obwaltet, bestätigt die schon oben mitgetheilte 
Thatsache, dafs es durch fractionirte Destillation nicht gelingt, den 
Schwefelkohlenstoff auf einen bestimmten Antheil zu concentriren, wie 
er auch für die Ansicht spricht, dafs sich derselbe nicht im freien 
Zustande, sondern locker an andere Körper gebunden im Vorlaufe 
finde. 

Helbing berechnete aus dem Schwefelgehalte des ihm vorliegenden 
Benzol Vorlaufs die Menge des Schwefelkohlenstoffs auf 16,28 Proc.; 10 
Thiophen ist dabei, falls es überhaupt in dem Vorlaufe vorhanden war, 
als CS 2 berechnet worden. K. E. Schulze erwähnt in seiner Notiz das- 
selbe überhaupt nicht. 11 

ß) Mittels Jodlösung. 

Die andere Methode zur Bestimmung des xanthogensauren Salzes 
gründet sich auf die von Desains n entdeckte Thatsache, dafs dasselbe 
mit Jodlösung unter Bildung von Xanthogendisulfid, dem Aethyldioxy- 
sulfocarbonat von Debus, reagirt. Sie ist von Delachanal und Mermet 
angegeben 13 , später auch von Gastine^ 4 angewandt worden. 

Zu dem Ende neutralisirt man die Xanthogenatlösung zunächst genau 
mit Essigsäure, was Gastine dadurch bewirkt, dafs er schwach an- 
säuert und sodann saures kohlensaures Natron im Ueberschusse zufügt. 
Ich habe hierin keinen Vortheil vor der direkten Neutralisation finden 
können. 

Eine vollständig neutrale Lösung ist unbedingt herzustellen, da die 
Essigsäure sofort, wenn sie in freiem Zustande vorhanden ist, aus dem 



9 Die Zahl ist wohl in Folge der Abscheidung des bereits erwähnten 
braunen Oeles aus dem Vorlaufe etwas zu hoch. 
W A. a. 0. S. 284. 

11 Berichte, 20. Jahrg. S. 411. 

12 Annales de chimie, 1847 3. Serie Bd. 20 S. 496. 

13 Vincent, Note sur les sulfocarbonates. Annales de chimie, 1881 5. ser. Bd. 22 
S. 547. 

14 Comptes rendus, 1884 Bd. 98 S. 1588. 



86 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

Salze Xanthogensäure in öligen Tropfen ausscheidet, welche nur schwer 
von der Jodlösung angegriffen werden sollen. 

Der so erhaltenen Flüssigkeit fügt man etwas Stärkekleister hinzu 
und titrirt nun mit Jodlösung von bekanntem Gehalte, wobei eine 
milchige Trübung durch das in feinen Tröpfchen sich abscheidende 
Xanthogendisulfid entsteht, die indessen die Blaufärbung der Stärke nicht 
beeinträchtigt oder verbirgt. 

Ich habe die Versuche in der Weise wiederholt, dafs ich zweimal 
je l cc reinen CS 2 = 1>',2593 in mehr als der genügenden Menge ab- 
solut alkoholischen Kalis löste, die Lösung auf 100 cc verdünnte und 
10 cc der so erhaltenen Flüssigkeit mit ^Q-Normal-Jodlösung, die im 
Cubikcentimeter 0,00641 J enthielt, titrirte. Es wurden verbraucht bei 
je zwei Bestimmungen 

im Xanthogenat 1 
31cc,7 = 317cc fürs Ganze 
32cc =320cc „ 

im Xanthogenat 2 
31cc,8 = 318cc fürs Ganze 
31cc,5 = 3l5cc „ 

Da zwei Moleküle xanthogensauren Alkalis zweier Atome Jod be- 
dürfen, um in Xanthogendisulfid übergehen zu können, so entsprechen 
160- des ersteren 127? Jod, d. h. 1° Xanthogenat verbraucht bei der 
Reaction 0",79375 Jod. 

lcc CS. 2 = 18,2593 gibt 2s,651 Xanthogenat, die ihrerseits 2§,104 J 
entsprechen. 

Da nun ^-Normal- Jodlösung zur Anwendung kam, die im Cubik- 
centimeter 0^00641 J enthielt, so hätten theoretisch verbraucht werden 
sollen 

3200,82 = 328,2 fürs Ganze. 

Der Fehlbetrag schwankt also im obigen Falle zwischen 1,32 und 
<>",82, also zwischen 13 cc ,2 und 8 CC ,2, aufs Ganze berechnet. Selbst im letz- 
teren günstigsten Falle zeigt die verbrauchte Jodmenge nur einen Ge- 
halt von 1?,2274 CS., an, d. h. einen Fehlbetrag von 0?,0319 oder von 
2,53 Proc. 

Die jodometrische Methode steht also an Genauigkeit der Be- 
stiinmungsweise mittels Kupferlösung ganz erheblich nach. 

3) Andere Methoden: 

Zum Schlüsse möchte ich noch einiger Versuche Erwähnung thun, 
die ich gemacht habe, um eine Bestimmung auf anderem Wege an- 
zustreben: 

Der eine derselben gründet sich auf die Angabe von Millon, dafs 
bei dem Vermischen von Schwefelkohlenstoff mit überschüssiger wein- 
geistiger Ammoniaklösung eine der angewandten CS. 2 -Menge nahezu 
gleiche Gewichtsmenge Schwefelcyanammon entstehe. 15 

lä Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie für 1860 S. 237. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 87 

Zur Prüfung dieser Angabe wurden 5 CC CS., vom Siedepunkte 46,8° 
= 6-.2964 in einem Kochkolben, der ein Kühlrohr trug, mit 95 cc wein- 
geistigen Ammoniaks von 6,7 Proc. Gehalt versetzt und sich selbst über- 
lassen. Die Mischung färbte sich rasch gelb und liefs nach wenig 
Minuten einen gelben pulverigen Niederschlag fallen. Nach vierthalb- 
tägigem Stehen wurde das Ganze abgedampft, wobei grofse Massen 
von Schwefelwasserstoff und Schwefelammonium entwichen, dann mit 
heifsem Wasser aufgenommen, vom abgeschiedenen Schwefel abfiltrirt 
und auf ein bestimmtes Volumen (180 cc ) verdünnt. Eine abgemessene 
Menge der so erhaltenen Rhodanammonlösung wurde mit ^-Normal- 
Silberlösung im Ueberschufs gefällt und letzterer durch ^Q-Normal- 
Rhodanammonlösung unter Zusatz von Eisenammoniakalaun bestimmt. 

10 cc der Lösung enthielten 0§,274, das Ganze mithin 4?,932 Rhodan- 
ammon, welche Menge der gleichen Gewichtsmenge CS 2 entspricht, da 
beide Verbindungen das gleiche Molekulargewicht besitzen. Es waren 
demnach nur 78,3 Proc. des angewandten Schwefelkohlenstoffs in Rhodan- 
ammon übergeführt worden. 

Ein zweiter Versuch gründet sich auf die Thatsache, dafs Schwefel- 
kohlenstoff beim Erwärmen mit Anilin und schwefelwasserstoffentziehen- 
den Mitteln leicht in Diphenylthioharnstoff übergeführt wird, einen 
Körper, welcher alle an eine Wägeform zu stellenden Eigenschaften 
besitzt. 

20cc Schwefelkohlenstoff vom Siedepunkte 46,8° = 25?,1856 wurden 
mit 70§ Anilin, 60? Weingeist und der entsprechenden Menge Kali- 
lauge an einem sehr langen Rückflufskühler mehrere Tage lang gelinde 
erwärmt. Der entstandene Krystallbrei ward abfiltrirt, zur Entfernung 
des überschüssigen Anilins mit essigsäurehaltigem Wasser ausgelaugt 
und am Ofen getrocknet. Es wurden erhalten 46?,3 Thiocarbanilid, 
welche 15?,4 Schwefelkohlenstoff entsprechen. Mithin waren blofs 
61 Proc. des angewandten Schwefelkohlenstoffs in das Harnstoffderivat 
übergegangen. 

Entfernung des Schwefelkohlenstoffs aus dem Vorlaufe. 

Der Schwefelkohlenstoff mufs selbstredend aus dem Vorlaufe ent- 
fernt werden, ehe an eine Untersuchung der Kohlenwasserstoffe ge- 
dacht werden kann, eine Forderung, welche bei seiner bekannten Wider- 
standsfähigkeit gegen Reagentien aller Art nur schwer zu erfüllen ist. 
Wird doch, wie ich höre, der mit englischer Schwefelsäure gereinigte 
Vorlauf geradezu als Schwefelkohlenstoff 1 verwerthet. 

Belbing versuchte denselben durch Behandlung des Vorlaufs mit 
weingeistigem Kali und Lösung des gebildeten Xanthogenats in Wasser 
abzuscheiden. 16 Allein er fand, dafs die obere, in Wasser unlösliche 

16 A. a. 0. 



88 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

Schicht selbst nach sechsmaligem Versetzen mit der Kalilösung immer 
wieder zu einem festen Brei erstarrte, und zwar aus dem schon oben 
erwähnten Grunde, weil das gebildete Xanthogenat die noch unver- 
änderten Schwefelkohlenstoiftheilchen umhüllte und so vor der weiteren 
Einwirkung der Lauge schützte. Dazu kam noch, dafs bei dem Schütteln. 
Umgiefsen u. s. w. viel an leicht flüchtigen Bestandteilen verloren ging. 

Auch eine zweite von Helbing versuchte Entferuungsweise, Schütteln 
des Vorlaufs mit wässerigem Schwefelkalium, führte nicht zum Ziel. 

Vincent und Delachanal erhitzten zu dem Zwecke den Vorlauf mit 
Weingeist und Ammoniak im geschlossenen Rohre auf Wasserbad- 
temperatur und gelangten so in der That zu einem schwefelkohlenstoif- 
freien Producte. '• 

Ich versuchte zunächst denselben dureh die bereits oben beschriebene 
Ueberführung in Diphenylharnstoff zu binden, kam aber dabei zu keinem 
Ende, sintemal die Umsetzung ziemlich träge verläuft, also sehr lange» 
Erwärmen erfordert und dabei doch niemals eine vollständige wird: 
wenigstens gelang es mir nicht, den Vorlauf auf diese Weise gänzlich 
vom Schwefelkohlenstoff zu befreien. 

Weit besser eignet sich hierzu das Verhalten desselben zu wein- 
geistigem Ammoniak, ohne dafs man indefs zu dem umständlichen 
Verfahren von Vincent und Delachanal seine Zuflucht nehmen müfste. 

In einem Kolben, der mit einem aufsteigenden Kühler in Verbindung 
gebracht ist, werden 1000 bis 1200s des Vorlaufs oder der vom CS 2 
zu befreienden Fraction mit dem fünften bis sechsten Theile ihres Ge- 
wichts au gewöhnlichem Weingeist versetzt und das Ganze, um die Ver- 
dampfung der leiehtest flüchtigen Essenzen möglichst zu beschränken, 
in eine Kältemischung gestellt. In die so vorbereitete Lösung wird 
nun durch ein weites Glasrohr ein stetiger Strom trockenen Ammoniaks 
eingeleitet. Sie färbt sich darauf hin rasch gelb, wird trübe und be- 
ginnt krystallische Massen abzuscheiden, die mehr und mehr zunehmen 
und schliefslich einen festen dichten Kuchen bilden. Es ist daher Smue 
zu tragen, dafs sich das Zuleitungsrohr nicht verstopfe. 

Zu gleicher Zeit scheidet sich auch die ganze Flüssigkeit in zwei 
Theile. Die schwächere untere Schicht, die sich durch ihre rothe Farbe 
auszeichnet und mit leuchtender Flamme brennt, besteht aus Weingeist 
und etwas Wasser, die eine geringe Menge des Vorlaufs, sowie die 
mannigfachen geschwefelten Producte, welche die Einwirkung des Am- 
moniaks auf den Schwefelkohlenstoff erzeugt, gelöst enthalten. Die 
obere mit stark rufsender Flamme brennende Schicht ist der unverändert 
gebliebene Vorlauf. 

Ist die ganze Flüssigkeit von den abgeschiedenen festen Körpern 
erfüllt, so wird sie rasch durch ein Leinwandfilter in einen Scheide- 

H A. a. O. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 89 

triehter gegossen und abgeprefst. In letzterem trennt sie sich sofort 
in die beiden genannten Schichten, von denen die untere abgelassen 
und mit Wasser geschüttelt wird, um die in ihr gelöst gewesenen Theile 
des Vorlaufs abzuscheiden. Die obere Schicht wird mit etwas Wein- 
geist versetzt und sammt dem eben genannten aus der unteren Schicht 
erhaltenen Antheile abermals mit Ammoniak behandelt. 

Man wird gut thun, nach einiger Zeit, wenn sich wiederum ein 
solcher Kuchen gebildet hat, das gleiche Verfahren noch einmal durch- 
zuführen. Dann aber werden sich gewöhnlich bei weiterem Einleiten 
von Ammoniak nur noch wenige Krystalle abscheiden, ein Zeicheu, dafs 
aller Schwefelkohlenstoff entfernt ist, Doch ist es nöthig, sich davon 
noch durch eine besondere Prüfung zu überzeugen. 

Der ganze Versuch nahm in den von mir untersuchten Fällen etwa 8 
bis 10 Stunden, je nach der Menge des Schwefelkohlenstoffs, in Anspruch. 

Man schüttelt nun den Vorlauf, der ja nicht blofs Weingeist, son- 
dern auch einen Theil der geschwefelten Verbindungen enthält, so oft 
mit Wasser aus, als in diesem Eisenchlorid noch einen Niederschlag 
oder eine Färbung erzeugt, und erhält so zuletzt eine Flüssigkeit von 
gelblicher Farbe, welche keine Reaction auf Schwefelkohlenstoff mehr 
zeigt. Ja, der so behandelte Vorlauf ist überhaupt ganz schwefelfrei 
geworden. 1S 

Dann wird derselbe mit einem Entwässerungsmittel, geglühter 
Potasche, wasserfreiem Kupfervitriol, vielleicht am besten mit Chlor- 
calcium, das auch etwa noch vorhandenen Weingeist wegnimmt, be- 
handelt und destillirt, worauf man eine wasserklare leicht bewegliche 
Flüssigkeit von eigenthümlichem, an Schirliug gemahnendem Geruch er- 
hält, über die ich bald Näheres mitzutheilen hoffe. 

Die bei der Behandlung des Vorlaufs erhaltenen geschwefelten Ver- 
bindungen, die nach ihren Reactionen ein buntes Gemisch aller mög- 
lichen Körper darstellen, besitzen eine rothgelbe bis rothe Farbe. Sie 
stofsen fortwährend Ammoniakdämpfe aus und besitzen einen äufserst 
unangenehmen, lange anhaftenden Geruch. Möglicherweise liefse sich 
ihre wässerige Lösung, selbstredend in angemessener Verdünnung, als 
Vertilgungsmittel für schädliche Insekten, insonderheit für die Reblaus, 
verwenden. Doch mufs ich es hier einstweilen bei dem blofsen Vor- 
schlage bewenden lassen, da die gegenwärtige Jahreszeit zu derartigen 
Versuchen nicht angethan ist. 

Die Entfernung des Schwefelkohlenstoffs vermindert das specifische 
Gewicht des Vorlaufs um ein Bedeutendes. So fällt es in der Fraction L 1 
von 0,8148 auf 0,7401. 

Auch die freiwillige Scheidung des Ganzen in zwei Schichten, von 
der ich bereits in der Einleitung berichtete, hat nunmehr aufgehört. 



■8 Thiophen enthielt derselbe in dem von mir untersuchten Falle nicht. 



•j« 1 Novelle zum Patentgesetz. 

Der Zusatz von Weingeist ist bei der Entfernung des Schwefel- 
kohlenstoffs mittels Ammoniaks nothwendig. Läfst man ihn weg, so 
gehl die Keaction zwar ebenfalls von statten, allein bei weitem lang- 
samer und auch unvollständiger. 

Dafs übrigens durch das Einleiten des Ammoniaks nicht blofs der 
Schwefelkohlenstoff, sondern neben ihm noch andere Bestandteile des 
Vorlaufs ausgeschieden werden, ist wohl als sicher anzunehmen. Es 
geht dies aus verschiedenen Anzeichen hervor. So löst z. B. der un- 
berührte Vorlauf Resorcin leicht, der vom Schwefelkohlenstoff befreite 
Vorlauf schwer, während dasselbe bekanntermafsen gerade in Schwefel- 
kohlenstoff unlöslich ist. (Schlufs folgt.) 



Die Novelle zum Patentgesetz. 

Die Enquete vom Jahre 1886, welche über eine Abänderung ver- 
schiedener Bestimmungen des Patentgesetzes berathen hatte, zeitigt nun- 
mehr ihre Frucht. Soeben ist der Entwurf einer Novelle zum Patent- 
gesetz veröffentlicht, welcher den vorläufigen Abschlufs der amtlichen 
Arbeiten und Verfolg der Enqueteverhandlungen bildet. Diese Novelle 
ist mit grofser Spannung schon längst erwartet worden, und wird ihre 
Veröffentlichung sicher allgemeinste Befriedigung hervorrufen, da sie 
der Industrie und besonders den bereits bei Schöpfung des Patentge- 
setzes vom 25. Mai 1877 so hervorragend thätig geweseuen technischen 
Körperschaften willkommene und erwünschte Gelegenheit geben wird, 
sich über die geplante Neugestaltung dieses wichtigen Gewerbegesetzes 
zu äufseru und zu derselben Stellung zu nehmen. Der Industrie ist mit 
Recht nahegelegt worden, ihre Ansichten über diesen Entwurf zur Gel- 
tung zu bringen, um bei endgültiger Berathung vor dem Reichstage durch 
Berücksichtigung und Ausgleichung aller berechtigten Wünsche das 
Patentgesetz möglichst vollkommen zu gestalten. 

Das im Jahr 1877 zwischen den Bundesregierungen und dem Reichs- 
tage vereinbarte System des Patentgesetzes ist durch den Entwurf in 
keiner Weise aufgegeben oder auch nur wesentlich abgeändert, sondern 
in seinen als bewährt anerkannten Grundzügen unberührt geblieben. 
Namentlich ist das Vorprüfungsverfahren, welches den deutschen Patenten 
einen so hohen materiellen und technischen Werth verleiht, unangetastet 
geblieben, wie dies auch der fast einstimmige Wunsch der derzeitigen 
Euquetekommission gewesen war. 

Der Grundzug der Neuerungen, welche in der Novelle zum Aus- 
druck gelangen, bezieht sich auf eine Verbesserung des Prüfungsver- 
fahreus und eine Verstärkung des sicheren Bestandes einmal ertheilter 
Patente. Hand in Hand mit ersterer Veränderung geht dann auch eine 
Reorganisation des technischen Bureaus im Patentamte. 



Novelle zum Patentgesetz. 91 

In der Industrie hat sich ein weit verbreitetes Mifstrauen geltend 
gemacht gegenüber den patentamtlichen Entscheidungen. So wenig diese 
Thatsache auch begründet erscheint, so mufste sie doch die Beachtung 
der gesetzgebenden Körper auf sich ziehen und zur Ausmerzung der 
als schuldig bezeichneten Ursachen veranlassen. 

In dieser Beziehung soll die jetzt im Patentamte übliche Verbin- 
dung der beiden Instanzen, welche über die Anmeldungen und die gegen 
die Abweisungen erhobenen Beschwerden beschliefsen, aufgehoben wer- 
den. Während jetzt jede Abtheilung auch Beschwerdeabtheilung be- 
züglich der Beschlüsse einer anderen Abtheilung ist, derart, dafs sich 
je zwei Abtheilungen gegenseitig ergänzen, während ferner die tech- 
nischen Mitglieder dieser Abtheilungen nur nebenamtlich beschäftigt sind, 
soll nunmehr die Prüfung der Gesuche ausschliefslich von besonders ge- 
bildeten Abtheilungen, deren technische Mitglieder dem Patentamte im 
Hauptamte angehören sollen, erfolgen. Die Beschwerden gegen Be- 
schlüsse dieser Abtheilungeu sollen dagegen ausschliefslich von Abthei- 
lungen geprüft und behandelt werden, deren Mitglieder mit dem Prüfungs- 
verfahren in keiner Weise zu thun haben: die in der zweiten Instanz 
beschäftigten Mitglieder können nach wie vor dem Patentamt in Nebeu- 
stellung auf 5 Jahre augehören. 

Durch die hier gekennzeichnete Aenderung soll die Gründlichkeit 
und Unbefangenheit der Entscheidungen und eine thunlichst beschleunigte 
Abgabe derselben gefördert werden. 

Eine wesentliche Wichtigkeit besitzt die Einführung der mündlichen 
Verhandlungen beim Beschwerdeverfahren. Auf Autrag der Betheiligten 
soll es nunmehr möglich sein, dafs eine Vorführung und Besprechung 
der in der Vorentscheidung angefachten Erfindung vor der Beschwerde- 
abtheilung erfolgen kann: es wird also dem Erfinder bezieh, dem Be- 
sehwerdeführer Gelegenheit geboten, die Bedenken des Patentamts über 
seine Erfindung zu zerstreuen. Hierin liegt ein grofser Erfolg der aus 
der Industrie laut gewordenen Bestrebungen. 

Der Rahmen, welcher auf diese Weise für das Patentamt geschaffen 
ist, wird so elastisch sein, dafs die Behörde innerhalb desselben nach 
Mafsgabe später hervortretender Bedürfnisse ohne Zwang und ohne Er- 
fordernifs erneuter Gesetzesänderung sich weiter wird entwickeln könneu. 
Die aus der Praxis hervorgegangenen Wünsche, welche eine weitergehende 
neue Formation des Patentamtes erstrebten, so namentlich die Bildung 
eines Patentgerichtshofes zur Ausfechtung aller mit dem Patentwesen 
verbundenen Streitigkeiten sind unbeachtet geblieben, weil voraussicht- 
lich innerhalb des oben skizzirten Rahmens alle gerechten Wünsche in 
einfacherer Form und jedenfalls mit gröfserer Schnelligkeit Erledigung 
finden werden, ohne dafs eine grofsartigere Neukonstruktion des Patent- 
wesens nothwendig wird. 

Ganz besonders wird aber dieser neue Rahmen für das Patent- 



92 Novelle zum Patentgesetz. 

gesetz den Forderungen der Industrie genügen, wenn eine Ausbildung 
unserer bisherigen Musterschutzgesetzgebung dahin stattfindet, dafs eiu 
gesetzlicher Schutz für kleine technische Formverbesserungen, die sogen. 
Gebrauchsmuster, möglich ist. Das Patentamt würde dann den Begriff 
der Erfindung — welcher übrigens trotz aller möglichen Vorsehläge 
seitens der industriellen und technischen Körperschaften im Entwürfe 
unverändert gelassen ist — schärfer und einheitlicher fassen können; 
das Patentamt würde dann von allen jenen zahlreichen Anmeldungen 
entlastel werden, welche nur mangels eines besseren Musterschutzes als 
Erfindungen angesehen und eingereicht werden. 

Wie bisher, so wird auch in Zukunft nach dem Entwurf jedes Ge- 
such um ein deutsches Patent unter eine ernste Prüfung gestellt bleiben. 
Dafür will aber die Novelle, mehr als dies von dem Patentgesetz ge- 
schehen, die Erfindungen, welche diese Prüfung bestanden haben, mit 
einem gesicherten Patentschutz ausstatten. Die Novelle bietet Schutz 
gegen den Verfall der Patente in Folge einer Säumnifs bei der Gebühren- 
zahlung, indem sie einen Weg eröffnet, um die Säumigen noch vor dem 
Verfall auf die Gefahr amtlich aufmerksam zu machen. Sie bietet Schutz 
gegen frivole Nichtigkeitsangriffe, indem sie die Erhebung der Nichtig- 
keitsklage von einer Gebührenzahlung abhängig macht. Sie sucht die 
auf ein Patent gegründeten gewerblichen Unternehmungen sicher zu 
stellen, indem sie die Nichtigkeitsklage nicht mehr für die ganze Dauer, 
sondern nur für die ersten Jahre eines Patents als zulässig bezeichnet. 
Sie gewährt endlich dem Patentinhaber eine wirksamere Deckung gegen 
Eingriffe in die Patentrechte, indem auch solche Eingriffe, die aus grober 
Fahrlässigkeit hervorgehen, die Pflicht zur Entschädigung begründen sollen. 

Eine jede Patentgesetzrevision wird Wünsche übrig lassen, so lange 
die Grundsätze nicht ausgeglichen sind, die auf diesem Rechtsgebiete 
international bestehen. Unser Patentgesetz hat zu einem Ausgleich unter 
den Staaten beitragen wollen, indem es, ohne sich die Gegenseitigkeit 
verbürgen zu lassen, den Ausländer und Inländer gleich behandelt. Es 
kann indessen fraglich sein, ob nicht unter Umständen die Forderung- 
gegenseitig gleicher Behandlung ein besseres Mittel zur Beseitigung der 
vorhandenen Verschiedenheiten ist. Die Novelle will wenigstens die 
Möglichkeit schaffen, eine solche Forderung auch deutscherseits zu er- 
heben und hat deshalb die Bestimmungen über die Stellung der Aus- 
länder nach dieser Richtung ergänzt. Den Bestrebungen für Bildung 
eines internationalen Rechtes wird das hoffentlich zu Gute kommen. 

Die vorstehend nicht berührten Punkte der Gesetzesrevision dürften 
für die betheiligteu Kreise aus dem nachfolgenden Wortlaut der Novelle 
ohne Weiteres erkennbar sein, wir theilen denselben mit, weil der Ent- 
wurf die weitgehendste Beachtung aller gewerblichen Kreise beansprucht 
und überhaupt seitens der Regierungen zur freien Aussprache der In- 
dustriellen veröffentlicht worden ist. 



Novelle zum Patentgesetz. 93 

Entwurf. 

Gesetz, 
betreffend die Abänderung des Paten tgesetzes. 

Artikel I. 

An Stelle der Bestimmungen in den §§. 3. 4, 8 bis 10, 12 bis 17. 20 bis 
27. 34. 35 des Patentgesetzes vom 25. Mai 1877 (Reichs-Gesetzblatt Seite 501) 
treten folgende Bestimmungen. 

§. 3. 

Auf die Ertheilung des Patents hat Derjenige Anspruch, welcher die Er- 
findung zuerst nach Malsgabe dieses Gesetzes angemeldet hat. Eine spätere 
Anmeldung kann nur insoweit den Anspruch auf ein Patent begründen, als der Gegen- 
stand derselben nicht durch das auf Grund dtr früheren Anmeldung ertheilte Patent 
geschützt wird. 1 

Ein Anspruch des Patentsuchers auf Ertheilung des Patents findet nicht 
statt, wenn der wesentliche Inhalt seiner Anmeldung den Beschreibungen, 
Zeichnungen. Modellen, Gerätschaften oder Einrichtungen eines Anderen oder 
einem von diesem angewendeten Verfahren ohne Einwilligung desselben ent- 
nommen, und von dem Letzteren aus diesem Grunde Einspruch erhoben ist. 

§• 4. 

Das Patent hat die Wirkung, dafs Niemand befugt ist, ohne Erlaubnis des 
Patentinhabers gewerbsmäßig den Gegenstand der Erfindung herzustellen, in Ver- 
kehr zu bringen, feilzuhalten oder zu gebrauchen. Ist das Patent für ein Ver- 
fuhren ertheilt 1 so erstreckt sich die Wirkung auch auf die mittels des Verfahrens her- 
gestellten Erzeugnisse. 

§• 8. 

Für jedes Patent ist vor der Ertheilung eine Gebühr von 30 M. zu ent- 
richten. 

Mit Ausnahme der Zusatzpatente (§. 7) ist aufserdem für das Patent mit 
Beginn des zweiten und jedes folgenden Jahres der Dauer eine Gebühr zu 
entrichten, welche das erste Mal 50 M. beträgt, und weiterhin jedes Jahr um 
50 M. steigt. 

Diese Gebühr (Absatz 2) ist innerhalb sechs Wochen nach der Fälligheit zu ent- 
richten. Xach Ablauf der Frist kann die Zahlung nur unter Zuschlag einer Gebühr 
von 10 M. innerhalb weiterer sechs Wochen erfolgen. 

Einem Patentinhaber, welcher seine Bedürftigkeit nachweist, können die 
Gebühren für das erste und zweite Jahr der Dauer des Patents bis zum dritten 
Jahre gestundet und. wenn das Patent im dritten Jahre erlischt, erlassen 
werden. 

§. 9. 

Das Patent erlischt, wenn der Patentinhaber auf dasselbe verzichtet oder 
wenn die Gebühren nicht rechtzeitio (§. 8 Absatz 3) gezahlt werden. 

" §• 10. 

Das Patent wird für nichtig erklärt, wenn sich ergibt: 

1) dafs der Gegenstand nach §§. 1 und 2 nicht patentfähig war, 

2) daß dem Patentinhaber ein Anspruch auf das Patent nach §. 3 nicht zustand. 

§• 12. 

Wer nicht im Inlande wohnt, kann den Anspruch auf die Ertheilung eines 
Patents und die Rechte aus dem Patent nur geltend machen , wenn er im In- 
lande einen Vertreter bestellt hat. Der letztere ist zur Vertretung in dem nach 
Mafsgabe dieses Gesetzes stattfindenden Verfahren, sowie in den das Patent 
betreuenden bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten befugt. Der Ort. wo der Vertreter 
seinen Wohnsitz hat. und in Ermangelung eines solchen der Ort. wo das Patentamt 
seinen Sitz hat. gilt im Sinne des §. 24 der Citilprozeßordnung als der Ort. wo sich 
der Vermögensgegenstand befindet. 

Ein Ausländer kann den Anspruch auf Ertheilung eines Patents und die Rechte 
aus dem Patent nicht geltend machen, wenn nach einer in dem Reichs-Gesetzblatt ent- 



1 Die Cursiv gesetzten Stellen bezeichnen die neuen Einfügung in das be- 
stehende Patentgesetz. 



'.•4 Novelle zum Patentgesetz. 

haltenen Bekanntmachung des Reichskanzlers die Reichsangehörigen hinsichtlich der Er- 
theilung ro?i Patenten und der Rechte aus denselben in dem Staat, welchem der Aus- 
länder angehört, ungünstiger behandelt werden, als die Angehörigen dritter Staaten. 

§. 13. 

Die Ertheilung, ilie Erklärung der Nichtigkeit and die Zurücknahme der 
Patente erfolg) durch das Patentamt. 

Das Patentamt hat seinen Silz in Perlin. Es besteht aus einem Präsidenten, 
aus .Mitgliedern, welche die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren 
Verwaltungsdienst besitzen (rechtskundige Mitglieder) und aus Mitgliedern, 
welche in einem Zweige der Technik sachverständig sind (technische Mitglieder). 
Die Mitglieder werden, und zwar der Präsident auf Vorschlag des Bundesraths. 
vom Kaiser ernannt. Die Berufung der rechtskundigen Mitglieder erfolgt, wenn 
sie im Reichs- oder Staatsdienst ein Amt bekleiden, auf die Dauer dieses Amts, 
andernfalls auf Lebenszeit. Die Berufung der technischen Mitglieder erfolgt ent- 
weder auf Lebenszeit oder auf fünf Jahre. In letzterem Ealle finden auf sie die 
Bestimmungen im §. 16 des Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der 
Reichsbeamten, vom 31. März 1873 keine Anwendung. 

§. 14. 

In dem Patentamt werden : 

1) Abtheilungen für die Patentanmeldungen (Anmeldeabtheilungen), 

2) eine Abtheilung für die Anträge auf Erklärung der Nichtigkeit oder auf 
Zurücknahme ron Patenten (Nichtigkeitsabtheilung), 

3) Altheilungen für die Beschwerden (Beschwerdeabtheilungen) 
gebildet. 

In den Anmeldeabtheilungen dürfen nur solche technische Mitglieder mitwirken, 
welche auf Lebenszeit berufen sind. Die technischen Mitglieder der Anmeldeabtheilungtn 
dürfen nicht in den übrigen Abtheilungen, die technischen Mitglieder der letzteren nicht 
in den Anmeldeabtheilungen mitwirken. 

Die Beschlußfähigkeit der Anmeldeabtheilungen und der Beschwerdeabiheilungen 
ist durch die Anwesenheil ron mindestens drei Mitgliedern bedingt, unter welchen sich 
zwei technische Mitglieder befinden müssen. 

Die Entscheidungen der Nichtigkeitsabtheilung erfolgen in der Besetzung ron zwei 
rechtskundigen und drei technischen Mitgliedern. Im Uebrigen genügt zur Beschluß- 
fähigkeit die Anwesenheit von drei Mitgliedern. 

Die Bestimmung der (Jivilprozefsordnung über Ausschliessung und Ab- 
lehnung der Gerichtspersonen finden entsprechende Anwendung. 

Zu den Berathungen können Sachverständige, welche nicht Mitglieder sind, 
zugezogen werden; dieselben dürfen an den Abstimmungen nicht theilnehmen. 

§. 15. 

Die Beschlüsse und die Entscheidungen der Abtheilungen erfolgen im 
Namen des Patentamts; sie sind mit Gründen zu versehen, schriftlich auszu- 
fertigen und allen Betheiligten von Amtswegen zuzustellen. 

§. 16. 

Gegen die Beschlüsse der Anmeldeabtheilungen und der Nichligkeitsab- 
theilung findet die Beschwerde statt. An der Beschlußfassung über die Beschwerde 
darf kein Mitglied Theil nehmen . welches bei dem angefochtenen Beschlüsse mitge- 
wirkt hat. 

g. 17. 

Die Bildung der Abtheilungen, die Bestimmung ihres Geschäftskreises, die 
Formen des Verfahrens, einschließlich des Zustellungswesens , und der Geschäfts- 
gang des Patentamts werden, in soweit dieses Gesetz nicht Bestimmungen 
darüber trifft, durch kaiserliche Verordnung unter Zustimmung des Bundes- 
raths geregelt. 

§. 20. 

Die Anmeldung einer Erfindung Behufs Ertheilung eines Patents geschieht 
schriftlich bei dem Patentamt. Für jede Erfindung ist eine besondere Anmel- 
dung erforderlich. Die Anmelduni; niul's den Antrag aul Ertheilung des Patents 
enthalten und in dem Antrage den Gegenstand, welcher durch das Patent ge- 
schützt werden soll, genau bezeichnen. In einer Anlage ist die Ertindung der- 
gestalt zu beschreiben, dafs danach die Benutzung derselben durch andere 



Novelle zum Patentgesetz. 95 

Sachverständige möglich erscheint. Auch sind die erforderlichen Zeichnungen, 
bildlichen Darstellungen, Modelle und Probestücke beizufügen. 

Das Patentamt erläfst Bestimmungen über die sonstigen Erfordernisse der 
Anmeldung. 

Bis zu dem Beschlüsse über die Bekanntmachung der Anmeldung sind Ab- 
änderungen der darin enthaltenen Angaben zulässig. 

Gleichzeitig mit der Anmeldung sind für die Kosten des Verfahrens 20 M. 
zu zahlen. 

§. 21. 

Ist durch die Anmeldung den vorgeschriebenen Anforderungen nicht ge- 
nügt, so verlangt das Patentamt von dem Patentsucher unter Bezeichnung der 
Mängel deren Beseitigung. Wird dieser Aufforderung nicht genügt, so ist die 
Anmeldung zurückzuweisen. 

§• 22. 

Erachtet das Patentamt die Anmeldung für gehörig erfolgt und die Er- 
theilung eines Patents nicht für ausgeschlossen, so beschliefst es die Bekannt- 
machung der Anmeldung. Mit der Bekanntmachung treten für den Gegen- 
stand der Anmeldung zu Gunsten des Patentsuchers einstweilen die gesetzlichen 
Wirkungen des Patents ein. (§§. 4, 5.) 

Erachtet das Patentamt die Ertheilung eines Patents für ausgeschlossen, so weist 
es die Anmeldung zurück. 

§• 23. 

Die Bekanntmachung der Anmeldung geschieht in der Weise, dafs der 
Name des Patentsuchers und der wesentliche Inhalt des in seiner Anmeldung 
enthaltenen Antrags durch den „Reichs-Anzeiger" einmal veröffentlicht wird. 
Gleichzeitig ist die Anmeldung mit sämmtlichen Beilagen für die Dauer von acht. 
Wochen bei dem Patentamt zur Einsicht für Jedermann auszulegen. Mit der 
Veröffentlichung ist die Anzeige zu verbinden, dafs der Gegenstand der An- 
meldung einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt sei. 

Die Bekanntmachung kann auf Antrag des Patentsuchers für die Dauer von höeli- 
stens drei Monaten, von dem Tage des Beschlusses über die Bekanntmachung an ge- 
rechnet, ausgesetzt werden. 

Handelt es sich um ein im Namen der Reichsverwaltung für die Zwecke 
des Heeres oder der Flotte nachgesuchtes Patent, so erfolgt auf Antrag die Patent- 
ertheilung ohne jede Bekanntmachung. 

§. 24. 

Innerhalb acht Wochen nach der Veröffentlichung (§. 23) ist die erste Jahres- 
gebühr (§. 8 Absatz 1) einzuzahlen. Erfolgt die Einzahlung nicht binnen dieser Frist, 
so gilt die Anmeldung als zurückgenommen. 

Innerhalb der gleichen Frist kann gegen die Ertheilung des Patents Einspruch 
erhoben werden. Der Einspruch mufs schriftlich erfolgen und mit Gründen 
versehen sein. Er kann nur auf die Behauptnng gestützt werden, daß der 
Gegenstand nach §§. 1 und 2 nicht patentfähig sei, oder daß dem Palentsucher ein 
Anspruch auf das Patent nach §. 3 nicht zustehe. Im Falle des §. 3 Absatz 2 ist 
nur der Verletzte zum Einsprucli berechtigt. 

Nach Ablauf der Frist hat das Patentamt über die Ertheilung des Patents Be- 
schluß zu fassen. 

Vor der Beschlufsfassung kann das Patentamt die Ladung und Anhörung 
der Betheiligten, sowie die Begutachtung des Antrags durch geeignete, in einem 
Zweige der Technik sachverständige Personen und sonstige zur Aufklärung 
der Sache erforderliche Ermittelungen anordnen. 

§• 25. 

Gegen den Beschlufs, durch welchen die Anmeldung zurückgewiesen wird, 
kann der Patentsucher, und gegen den Beschlufs, durch welchen über die Er- 
theilung des Patents entschieden wird, der Patentsucher oder der Einsprechende 
binnen vier Wochen nach der Zustellung Beschwerde einlegen. Mit der Ein- 
legung der Beschwerde sind für die Kosten des Beschwerdeverfahrens 20 M. 
zu zahlen; erfolgt die Zahlung nicht, so gilt die Beschwerde als nicht erhoben. 

Ist die Beschwerde an sich nicht statthajt oder ist dieselbe verspätet eingelegt, so 
wird sie als xinzulässig verworfen. 



<n; Novelle zum Patentgesetz. 

Wird die Beschwerde für zulässig befunden, so richtet sich das weitere Verfahren 
nach §. 24 Absatz 4. Ist ein Gegner des Beschwerdeführers vorhanden, so muH auf 
Antrag eines der Betheiligten deren Ladung und Anhörung erfolgen. Im Uebrigen darf 
der Antrag des Beschwerdeführers auf Ladung und Anhörung nur abgelehnt werden, 
wenn nach den Umständen die Annahme ausgeschlossen erscheint, daß die Anhörung 
zur Aufklärung da Sache dienlich sein werde. 

%. 26. 

[st die Ertheilung des Patents endgültig beschlossen, so erläl'st das Patent- 
amt darüber durch den „Reichs-Anzeiger" eine Bekanntmachung und fertigt 
demnächst für den Patentinhaber eine Urkunde aus. 

Wird die Anmeldung nach der Veröffentlichung [§. 23) zurückgenommen oder 
wird das Patent versagt, so ist dies ebenfalls bekannt zu machen. Die einge- 
zahlte Jahresgebühr wird in diesen Fällen erstatte'. Mit der Versagung des Patents 
gelten die Wirkungen des einstweiligen Schutzes als nicht eingetreten. 

8- 27. 

Die Einleitung des Verfahrens wegen Erklärung der Nichtigkeit oder wegen 
Zurücknahme des Patents ei folgt nur auf Antrag. Im Falle des §. 3 Absatz 2 
ist nur der Verletzte zu dem Antrage berechtigt. Im Falle des §. 10 Nr. 1 ist 
nach Ablauf ron faul Jahren, von dem Tage der über die Ertheilung des Patents er- 
folgten Bekanntmachung (§. 29 Absatz 1) gerechnet, der Antrag unstatthaft. Der An- 
trag ist schriftlich au das Patentamt zu richten und hat die Thatsachen anzu- 
geben, auf welche er gestützt wird. 

Mit dem Antrage ist eine Gebühr ron 50 M. zu zahlen. Erfolgt die Zahlung 
nicht, so gilt der Antrag als nicht gestellt. Die Gebühr icird erstattet, wenn das Ver- 
fahren ohne Anhörung der Betheiligten beendet wird. 

Wohnt der Antragsteller im Ausland, so hat er dem Gegner auf dessen Verlangen 
Sicherheit tcegen der Kosten des Verfahrens zu leisten. Die Höhe der Sicherheit wird 
ron dem Patentamt nach freiem Ermessen festgestellt. Dem Antragsteller wird bei 
Anordnung der Sicherheitsleistung eine Frist bestimmt, binnen welcher die Sicherheit 
zu leisten ist. Erfolgt die Sicherheitsleistung nicht vor Ablauf der Frist, so gilt der 
Antrag als zurückgenommen. 

%. 34. 

Wer wissentlich oder aus grober Fahrlässigkeit den Bestimmungen der §§. 4 
und 5 zuwider eine Erfindung in Benutzung nimmt, ist dem Verletzten zur 
Entschädigung verpflichtet. 

§. 35. 

Wer uissentlich den Bestimmungen der §§. 4 und 5 zuioider eine Erfindung in 
Benutzung nimmt, wird mit Geldstrafe bis zu fünftausend Mark oder mit Gefängniß 
bis zu einem Jahr bestraft. 

Die Strafverfolgung tritt nur auf Antrag ein. 

Wird auf Strafe erkannt, so ist zugleich dem Verletzten die Befugnifs zuzu- 
sprechen, die Verurtheilung auf Kosten des Verurtheilten bekannt zu machen. 
Die Art der Bekanntmachung, sowie die Frist zu derselben ist im Urtheil zu 
bestimmen. 

Artikel IL 

Dieses Gesetz tritt mit dem in Kraft. 



Verlng dpr J. G Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 97 

Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 

(Patentklasse 15. Fortsetzung des Berichtes Bd. 269 * S. 345.) 
Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 5. 

Die Schreibmaschine beginnt bekanntlich auch bei uns mehr und 
mehr für gewisse Arbeiten der Contors und Bureaus sich als ein nütz- 
liches und willkommenes Hilfsmittel zu erweisen, und während man 
vor mehreren Jahren auf derartigen Maschinen hergestellte Schreiben 
nicht allzu häufig zu sehen bekam, dürften heute schon die Mehrzahl 
unserer gröfseren Firmen und Geschäftshäuser sich der Schreibmaschine 
bedienen. Allerdings werden auch heute noch die Preisverhältnisse 
manchen abhalten, sich eine Schreibmaschine anzuschaffen. Dem stehen 
indefs doch gewichtige Vortheile der Zeit- und Arbeitsersparung gegen- 
über, so dafs dadurch die Anlagekosten reichlich aufgewogen werden 
dürften. Unter den zahlreichen Fällen einer vortheilhaften Benutzung 
sei hervorgehoben das Abschreiben der von Leitern von Behörden oder 
Contors im Concept entworfenen Antworten, welches Abschreiben mittels 
der Schreibmaschine rascher erfolgt, und zwar in klarer, deutlicher und 
Zweifel ausschliefsender Schrift. Ferner ist das Uebertragen von Steno- 
grammen in die gewöhnliche Schrift mittels Schreibmaschinen hier zu 
nennen. Auch Kammerstenogramme lassen sich auf diese Weise mit 
um so gröfserem Vortheil umschreiben, als die meisten Maschinen die 
gleichzeitige Anfertigung mehrerer Abdrücke ermöglichen. 

Nach dem Journal of the Society of arts verwenden verschiedene 
Behörden der Vereinigten Staaten von Nordamerika, welchem Staate 
wir die besten Constructionen von Schreibmaschinen verdanken, die 
letzteren zum Abschreiben ihnen zugehender Schriftstücke in der Weise, 
dafs sie die Eingänge zerschneiden und unter eine Anzahl von Schreibern 
vertheilen, deren Abschriften bei Verwendung gleicher Schi-eibmaschinen 
ganz gleichmäfsig ausfallen und gleich Gedrucktem leserlich sind. Be- 
merkenswerth ist auch das Verfahren mehrerer Verleger und Zeitungs- 
redakteure in den Vereinigten Staaten, welche die eingehenden, oft sehr 
unleserlichen Manuscripte erst mittels Schreibmaschine vervielfältigen 
lassen, ehe sie dieselben zur Druckerei geben. Der Aufwand an Zeit 
und Geld für dieses Abschreiben wird durch Beschleunigung der Re- 
daktionsarbeit, der Arbeit der Setzer und der Correctoren mehr als 
aufgewogen. Ebenso sind die Schreibmaschinen zur Herstellung von 
Geheimschriften sehr geeignet, worauf späterhin zurückgekommen werden 
wird. 

Diese Beispiele dürften genügen, um die vielseitige, zweckmäfsige 
Verwendbarkeit der Schreibmaschinen darzuthun. Der gesteigerte Ver- 
trieb der Schreibmaschinen, sowie auch der Umstand, dafs neben den 
zahlreichen amerikanischen Constructeuren zahlreicher als früher auch 
deutsche Constructeure auftreten, welche mehrfach Verbesserungen ame- 

Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 3. 1890/11. 7 



98 Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 

rikanischer Constructionen gebracht haben, liefern den Beweis dafür. 
Allerdings besitzen viele der selbständigen deutschen Constructionen 
noch nicht jene praktische Vollkommenheit, welche den im Handel be- 
findlichen Maschinen der amerikanischen Constructeure eigen ist. Aber 
diese Erfolge der letzteren bedeuten keinen Vorwurf für die deutschen 
Constructeure, wenn man bedenkt, dafs den amerikanischen Collegen 
ein viel gröfseres Interesse des Publikums und — last not least — ein 
viel gröfserer Geldbeutel zur Verfügung steht, um ihren Maschinen die 
praktisch vollkommenste Form zu geben. Beides wäre daher unseren 
deutschen Constructeuren im Interesse der heimathlichen Industrie zu 
wünschen. 

Die Bestrebungen, Handschrift durch mechanische Maschinenarbeit 
zu ersetzen, lassen sich geschichtlich ziemlich weit zurückverfolgen; es 
erhielt schon im J. 1714 ein Engländer Namens H. MM ein Englisches 
Patent Nr. 395 auf eine Schreibmaschine. Bezüglich der amerikanischen 
Maschinen sei bemerkt, dafs bereits im J. 1843 in den Listen des 
amerikanischen Patentamtes einer derartigen Erfindung Erwähnung ge- 
than wird. Für Maschinen zum gleichen Zwecke nahm im J. 1856 
A. E. ßeach, im J. 1857 Dr. L. W. Francis ein Patent, Im J. 1859 er- 
fand Thomas Hall eine Maschine, welche er im J. 1866 vollendete, 1867 
zur Ausstellung nach Paris brachte und im gleichen Jahre patentiren 
liefs. Diese Maschine war etwa 450 mm im Quadrat und 150 mm hoch, 
besafs 40 Buchstaben und dürfte die erste Maschine gewesen sein, welche 
praktisch brauchbar war. Das früheste Patent auf die „SAo/es-Masehine", 
welche unter dem Namen „ßemM<7Jon u -Masehine bekannt ist, war von 
1868 datirt; eine gröfsere Verbreitung erlangte dieselbe wohl von 1876 
an (vgl. 1878 227 * 513). 

In Folgendem soll nun über einige der zweckmäfsigsten der neuen 
Erscheinungen auf dem Gebiete der Typenschreibmaschinen berichtet 
werden, und sei dabei gestattet, auch auf die im Handel befindliche 
//«//-Maschine einzugehen, mit Rücksicht auf deren neueste Abänderung. 

Die i/a//-Maschine, deren perspectivisches Bild wir in der Text- 
fig. 1 geben, ist, wie ersichtlich, eine Zeigermaschine mit Typen- 
platte, deren Zeiger mit der letzteren durch eine Parallelogramm- 
Gelenkführung derart verbunden ist, dafs mit einem Einstellen des 
Zeigers F auf einen Buchstaben der Indexplatte E der zugehörige 
Buchstabe der (nicht sichtbaren) Typenplatte unter einen Stift G 
(nahe der oberen Kante der Indexplatte E) eingestellt wird. Diese 
Indexplatte E mifst etwa 45 mm im Quadrat und enthält 82 Schriftzeichen 
derart gruppirt, dafs die am häufigsten vorkommenden Buchstaben 
in der Mitte des Arbeitsfeldes stehen. Die genannten Theile bilden 
mit den Transportmechanismen den eigentlichen Schreibapparat .4, der 
mittels Hülsen B um die Zahnstange C aufklappbar ist, zur Ein- 
bringung des Papiers zwischen die Walzen iV, und der mittels einer in 



Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 99 

dem gezahnten Gehäuse D gelagerten Spiralfeder an der Stange C ent- 
lang oeführt wird. Es liegen also hier die Papierwalzen fest, während 
der Schreibmechanismus A verschiebbar ist. Die obere, die Index- 
platte E tragende Deckplatte des letzteren ist nun auf der unteren, die 

lis. I. 




Farbplatte aufnehmenden Gestellplatte federnd gelagert, so dafs man, 
nach der oben genannten Einstellung des zu druckenden Buchstabens 
mittels Zeigers F, durch weiteren Druck auf den letzteren die obere 
Deckplatte, um die Achse C als Drehpunkt, abwärts bewegen kann. 
Dadurch setzt sich einerseits die Typenplatte auf die Farbplatte auf, 
während andererseits die unter dem Stempel G eingestellte Type durch 
eine Oeffnung der Farbplatte hindurch auf dem Papiere zum Abdrucke 
gelangt. 

Mit diesem Niederdrücken des Zeigers F wird gleichzeitig eine in 
der Figur rechts am Schreibmechanismus A ersichtliche Hemmung XJH 
ausgelöst, wodurch der Schreibapparat unter dem Einflüsse der Spiral- 
feder des Gehäuses D um die Entfernung zweier Buchstaben von links 
nach rechts vorrückt. Zur Herstellung der Wortzwischenräume wird 
die Hemmung durch eventuell mehrmaligen Druck auf die Taste I aus- 
gelöst. Vor Beendigung der geschriebenen Zeile ertönt eine Glocke, 
welche das bevorstehende Ende der Zeile anzeigt. Ist die letztere 
vollendet, so löst man die Hemmung aus und führt den Schreibapparat .4 
von rechts nach links unter Aufwindung der Spiralfeder des Gehäuses D 
zurück, worauf nach entsprechender Weiterdrehung der Papierwalzen 
eine neue Zeile begonnen werden kann. 

Zur Bequemlichkeit des Schreibenden wird die Maschine, wie er- 
sichtlich, in eine schräge Lage gebracht: die Vornahme etwa nöthig 
werdender Correcturen erleichtern zwei an der Maschine sichtbare 
Theilungen. Als Vortheile der ^«//-Maschine sind ferner zu bezeichnen 
die verhältnifsmäfsige Einfachheit der Bauart und der mäfsige Preis von 
180 M. bei einem Gewichte der Maschine von etwa 3 k ,5. Die Maschine 
ist zu Folge der Einfachheit des Baues auch wenig umfänglich und 
leicht transportirbar, und auch zur Benutzung auf Eisenbahnen oder 



100 Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 

Schiffen besser geeignet als Hebelschreibmaschinen. Als ein Vorzug 
ist auch die Benutzung eines mit einer Lösung von eopirfähigem Anilin- 
Violett getränkten Farbkissens zu nennen, an Stelle eines Farbbandes, 
da bei Benutzung des letzteren meist eine verschwommene, für das 
Auge unangenehm wirkende Schrift resultirt, im Gegensatze zu der 
klaren und reinen Schrift der /7aM-Maschine. Die Typenplatte ist zur 
Erzeuguno; anderer Schriftarten, von denen die ausführende Firma 
13 Muster führt, rasch auswechselbar. Als ein gewisser Nachtheil der 
Maschine mufs indefs genannt werden, dafs sie nicht der Breite der 
einzelnen Buchstaben entsprechende Zwischenräume zwischen den Buch- 
staben ermöglicht. In Folge dessen sehen Schriftstellen mit mehreren 
breiten Buchstaben wie „m , •'• etwas gedrückt aus, während Stellen mit 
schmalen Lettern, wie „i u , etwas aus einander gezogen erscheinen. In- 
dessen wird der Mangel nicht sehr fühlbar, und dürfte derselbe bei 
einfachen billigen Maschinen auch schwer zu umgehen sein. Die 
Schreibschnelligkeit beträgt etwa 40 bis 50 Worte in der Minute (vgl. 
1888 269 353). Die Vertretung der Hall Type Writer Co. in New York 
bewirken die Herren Droege und Werner, Civilingenieure, Hamburg, 
Catharinenstr. Nr. 8. 

Diese i7a//-Maschine hat neuerdings eine Abänderung von L. S. Hap- 
good in Boston dahin erfahren, dafs jetzt der Schreibmechanismus fest 
gelagert ist, und die Papierwalzen demgemäfs die seitliche Bewegung 
vollführen (Englisches Patent 1889 Nr. 17 527). Durch diese Anord- 
nung ist eine billigere und zweckmäfsigere Herstellung der Maschine 
beabsichtigt; wie weit dieser Zweck erreicht wird, läfst sich natürlich 
nach der uns vorliegenden Patentschrift noch nicht beurtheilen. Wir 
geben diese Anordnung in Fig. 2 Taf. 5 in einem Querschnitte wieder, 
in dem mit HD der Schreibmechanismus bezeichnet ist, der aus einem 
oberen, die Indexplatte b mit Druckstift o und Typenplatte c tragenden 
Theile H und aus einem unteren die Farbplatte e aufnehmenden Rahmen D 
besteht. Der letztere ist in seitlichen Ständern der Grundplatte ge- 
lagert, und ist der obere Theil H am Rahmen D mittels der Hebel h 
angelenkt. Unterhalb des Schreibmechanismus bewegt sich nun an der 
Zahnstange g der die Papierwalzen tragende Schlitten F, auf dessen 
bei t ersichtliche Schaltvorrichtung indessen hier nicht weiter ein- 
gegangen werden kann. Das Arbeiten mit dem Schreibmechanismus 
ist dasselbe wie bei der 27aM-Maschine. Diese abgeänderte Hall sehe 
Maschine dürfte wohl auch im Handel erscheinen. 

Eine neue und anscheinend zweckmäfsige Construction von Typen- 
schreibmaschinen liegt ferner in der „C'ram/fl// a -Schreibmaschine vor, 
welches System neuerdings mehr und mehr ausgebildet zu werden 
scheint. Wir geben in den Textfig. 3 und 4 ein Schaubild dieser 
Maschine nebst ihrem Typenträger, an welcher Maschine als Vorzüge 
vor anderen im Handel betindlichen Systemen genannt wird, dafs sie 



Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 



101 



eine beliebige Spationirung und Regelung des Zeilenabstandes ermög- 
licht und dafs sie für 84 Typen nur 28 Tasten besitzt. Ein bemerkens- 
werther Vorzug ist ferner, dafs das Geschriebene fortwährend sichtbar 



Fig. 3. 



Fig. 4. 




ist. Wie die Textfig. 4 zeigt, sind die Typen in parallelen Reihen auf 
einem Cylinder angebracht, dessen jeweilige Einstellung selbsthätig beim 
Tastenanschlag erfolgt. Die Festlegung in der eingenommenen Lage 
erfolgt dabei mittels eines Centrirstiftes und der in Fig. 4 ersichtlichen, 
je einer Type entsprechenden Löcher. Die Enden der Tastenhebel 
arbeiten in Nuthen einer an der Hinterseite der Maschine angebrachten 
Scheibe, mit welcher ein Zahnsegment verbunden ist, dessen Zähne in 
die Zähne des Typencylinderschaftes eingreifen. Einen näheren Auf- 
schlufs über diese Typeneinstellung gibt leider unsere Quelle nicht, und 
auch die Amerikanische Patentschrift Nr. 408 150 läfst nur die zum Ab- 
drucke nöthige Bewegung des Typencylinders erkennen. 

Die Schaltvorrichtung für den Papiervorschub ist derart eingerichtet, 
dafs aufser der oben genannten Spationirung auch Tabellen und Rech- 
nungen geschrieben werden können. Auch lassen sich bei Anwendung 
von Kohlepapier mehrfache Abzüge zugleich herstellen. Die Einfärbung 
der Typen erfolgt mittels eines selbsthätig bewegten Farbbandes, dessen 
Spulen unmittelbar hinter dem Typencylinder gelagert sind, wie Text- 
fig. 3 erkennen läfst. Das Farbband läuft dabei abwechselnd vollständig 
von einer Spule ab und auf die andere auf. Diese von der Crandall 
Type Writer Comp, in den Handel gebrachte Maschine ist ebenfalls eine 
amerikanische Maschine, deren Vertrieb für Europa ein Herr Gardner, 
Manchester, Crossstreet Nr. 5, vermittelt {Industries, 1888 Bd. 4 S. 479). 

Bemerkt sei übrigens noch, dafs auch unter den deutschen Patenten 
eine neuere Schreibmaschine von L. St. Crandall in New York sich be- 
findet (*D.R<P. Nr. 46934 vom 20. November 1887), welche indefs 



102 Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 

mit von unten an die Papierwalze anschlagenden Typenhebeln arbeitet, 
so dafs das Geschriebene erst dann sichtbar wird, wenn die Papierwalze 
mit Hilfe eines Hebels entsprechend gedreht wird. Eine Aehnlich- 
keit weist diese Maschine mit der in der Fig. 3 dargestellten insofern 
auf, als sie ebenfalls 28 Tasten besitzt, mittels deren 84 Zeichen zum 
Abdrucke gebracht werden können. Zu dem Zwecke tragen die 28 Tasten- 
hebel am hinteren Ende je eine Scheibe, welche einem in einer um 
ihre senkrechte Achse drehbaren Trommel senkrecht geführten Stifte 
Auflage bietet. Diese 28 Stifte bethätigen nun die 84 im Kreise an- 
geordneten Typenhebel derart, dafs beim Anschlagen einer Taste die 
Scheibe des Tastenhebels den Stift und dieser den Typenhebel anhebt, 
wobei in der normalen Lage die kleinen Buchstaben zum Abdrucke 
kommen, die auf jedem dritten Hebel angeordnet sind. Wird aber 
mittels eines besonderen Hebels die Trommel nach rechts oder links 
wagerecht gedreht, so werden auch die auf den Scheiben der Tasten- 
hebel aufstehenden Stifte nach rechts oder links aus der Mittellage ver- 
schoben und bethätigen nun die übrigen Typenhebel, damit die grofsen 
Buchstaben oder Zahlen zum Abdrucke bringend. Die Färbung erfolgt 
bei dieser Maschine ebenfalls mittels eines ununterbrochen bewegten, 
zwischen Papier und Type befindlichen Farbbandes, und den Vorschub 
des Papierschlittens bewirkt eine Spiralfeder mit Hemmung. 

Auf der Pariser Weltausstellung war auch der sogen. Bar Lock 
Type Wriler ausgestellt, über den wir bereits 1888 269 353 berichtet 
haben. Zur Vervollständigung der damaligen Mittheilungen geben wir 
heute in der Textfig. 7 eine Rückansicht der Maschine und in Fig. 5 
und 6 Taf. 5 die Anordnung des Tastenbrettes bezieh, der Typenhebel 
und des Farbbandes zur Papierwalze {The Engineer, 1889 Bd. 67 S. 382). 
Wie erwähnt, besitzt die Maschine 72 Tasten in 6 Reihen, wobei die 
Tasten der grofsen Buchstaben und der Interpunktionszeichen, wie er- 
sichtlich, zur leichteren Unterscheidung vom kleinen Alphabet die Be- 
zeichnung auf schwarzem Grunde tragen. Die kleinen und grofsen 
Buchstaben sind dabei in den gezeichneten Feldern symmetrisch an- 
geordnet, und bedeuten die Zahlen 1, 2, 3 drei Finger der rechten Hand, 
und 4, 5 und 6 drei Finger der linken Hand. Die Typenhebel b sind 
in zwei concentrischen Kreisen angeordnet und erhalten beim Auf- 
treffen auf die Papierwalze bezieh, auf das dazwischen liegende Farb- 
band genaue Führung zwischen Zapfen M (Textfig. 7 und Fig. 6 Taf. 5), 
von welchen Zapfen die Maschine ihren Namen führt. 

Eine bemerkenswerthe Neuerung bildet an der /?ar-£ocÄ-Maschine 
ferner die Farbbandführung. Wie Fig. 6 Taf. 5 zeigt, ist das Farbband 
von der einen Spule um einen Steg herum nach der anderen Spule H 
geführt und die aufwickelnde Spule erhält bei jedem Anschlag einer 
Taste durch eine unter den Tastenhebeln liegende Schiene und deren 
Schaltvorrichtung eine kleine Drehung, so dafs jeder zum Abdrucke 



Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 



103 



gelaugenden Type eine neue Stelle dargeboten wird. Auf jedem Eude 
des Farbbandes ist ein kleiner Knopf oder Stift angeordnet, und ist 
nun die ablaufende Spule nahezu leer gelaufen, so trifft der Knopf 
gegen einen drehbaren Arm und verstellt diesen, wodurch die Schalt- 
vorrichtung umgelegt und das Farbband nun in umgekehrter Richtung 
ab- und aufgewickelt wird, bis der am anderen Ende des Bandes 
sitzende Knopf in Thätigkeit tritt. Auf diese Weise wird die Be- 
wegungsrichtung des Farbbandes selbsthätig umgekehrt (vgl. Englisches 
Patent 1889 Nr. 9491). 

Das zu beschreibende Papier ist wie üblich um zwei in einem 
Schlitten gelagerte Walzen A und B gelegt (Fig. 7), welcher Schlitten 
unter Vermitteluug einer Spiralfeder an der Stange R geführt wird. 



Fis. 7. 




C ist die Signalglocke, welche auch zum Drehen der Papierwalze ver- 
wendet werden kann, und F bezeichnet den Hebel, der die Zeilen- 
schaltung vermittelt, welcher Zeilenabstand mittels des Hebels H ver- 
ändert werden kann. Der noch rechts in der Textfig. 7 ersichtliche 
Hebel G dient zur Erzielung gröfserer Zwischenräume in der Zeile. 

Diese 2?ar-Loc/c-Maschine soll ohne Geräusch arbeiten, so dafs ledig- 
lich das Aufschlagen der Typen auf das Papier hörbar ist und soll das 
eben Geschriebene trotz des Typenhebelgehäuses bequem übersichtlich 
sein. Der Bericht des Engine er ist indefs sehr wohlwollend gehalten 
und wird die Maschine als wesentlich besser als andere Constructionen 
bezeichnet; eine etwas nüchternere Betrachtung der Maschine dürfte 
daher angezeigt sein. Angenehm ist die leichte Zugänglichkeit der 
Typen zum Zwecke der Reinigung. Das Gewicht der Maschine be- 
trägt etwa ll k . 

Eine interessante, in vieler Hinsicht von den bekannten Maschinen 
abweichende Construction bildet die Maschine von Frederick Myers in 



104 Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 

Liverpool (*D.R.P. Nr. 43831 vom 18. Oktober 1887). Dieselbe arbeitet 
mit einer durch ein Triebwerk in Umdrehung gesetzten senkrechten 
Typenscheibe, welche für gewöhnlich durch eine Bremsung an der 
Drehung verhindert ist, beim Anschlag einer Taste indel's freigegeben 
wird und nun so lange rotirt, bis die zugehörige Type am tiefsten 
Punkte der Papierwalze eingestellt ist. Beim weiteren Niederdrücken 
der Taste wird dann die Papierwalze gegen das Typenrad angehoben 
und so die eingestellte Type zum Abdrucke gebracht. 

Zur weiteren Verdeutlichung dieses Arbeitsganges gibt Fig. 8 einen 
Querschnitt durch die Maschine, in welcher Figur D die in den seitlichen 
Böcken gelagerte, das punktirt angedeutete Typenrad tragende Welle 
bezeichnet. Am vorderen Ende der Welle D sitzt irgend ein Triebwerk 
(Federhaus), das die Welle beständig zu drehen sucht, welchem Be- 
streben indefs der am Schieber JS sitzende Bremsklotz L durch An- 
lage an der Bremsscheibe M der Welle D entgegenwirkt. Die 16 Tasten 
sind in vier der Welle D parallelen Längsreihen in der Platte H ge- 
führt und unter jeder Querreihe ist ein Hebel j gelagert, welcher einen 
Arm j l mit Nasen j 2 j 3 (Fig. 9 Taf. 5) trägt. 

Beim Anschlage einer der vier Tasten G einer Querreihe wird mit- 
hin der Hebel j zu Folge der verschieden tiefen Absätze g der Tasten 
verschieden tief abwärts bewegt, wodurch einerseits der Rahmen o 
um Oj gedreht und mittels dessen Nase o 2 der Bremsklotz L vom 
Rade M abgezogen wird, so dafs Welle D mit Typenrad zu rotiren 
beginnt, und wodurch andererseits der Arm j { abwärts geht, dessen 
Nasen j 2 j 3 dadurch in Berührung mit Stiften n von auf der Welle D 
sitzenden Scheiben k kommen, und so die Welle D mit dem Typenrad 
aufhalten. Die Nasen j 2 j 3 und die Stifte der Scheiben k sind nun so 
zu einander angeordnet, dafs durch deren Zusammentreffen die der ange- 
schlagenen Taste entsprechende Type am tiefsten Punkte des Typenrades 
eingestellt wird. Mit dem genannten Drehen des Rahmens op um o i wird 
ferner die Stange s 2 angehoben, und ein wenig später auch die Papier- 
walze /?, welche so mit dem Typenrade in Berührung tritt. Zu dem 
Zwecke ist die Papierwalze in einem bei s drehbaren Gestelle S gelagert. 

Auf diese Weise würden mithin 36 Zeichen des Typenrades zum 
Abdrucke gelangen. Da aber mehr Zeichen benöthigt werden, so ist 
die Tastenplatte H mit den Hebeln j parallel der Welle D auf Stangen E 
nach rechts und links aus ihrer Mittellage verschiebbar, und auf der 
Welle D sitzen nicht 9 Scheiben k (den 9 Querreihen der Tasten ent- 
sprechend), sondern 27 Scheiben ft, so dafs jeder Hebel j mit je drei 
Scheiben k in Berührung treten kann, je nach der Stellung der Tasten- 
platte H. Die zu jedem Hebel j gehörige zweite und dritte Scheibe k 
würde dann kleine Buchstaben- oder Zahlentypen der Papierwalze 
gegenüberstellen. 

Die Schaltung des Papierschlittens erfolgt in einfacher Weise vom 



Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 105 

Stifte s 3 aus, welcher beim Anheben der Stange s 2 einen mit einer 
Keilfläche ausgerüsteten Hebel dreht, dessen Keilfläche den Schlitten 
entsprechend verschiebt. Soll ein Zeichen mehrmals hinter einander 
geschrieben werden, so wird das Typenrad, um eine Weiterdrehung zu 
verhindern, von einem besonders zu bethätigenden zweiten Bremsschieber 
angehalten. Die Einfärbung der Typen erfolgt mittels einer Farbwalze. 
Die ganze Construction dieser Schreibmaschine mufs als eine einfache 
bezeichnet werden, so dafs sich die Maschine billiger als andere 
Klaviaturmaschinen stellen dürfte. 

Wie eingangs bereits erwähnt wurde, lassen sich auf Schreib- 
maschinen auch sehr leicht Geheimschriften herstellen, für welche Be- 
nutzungsweise nur die Tastenanordnung einer geringen Aenderung be- 
darf. Derartige Anordnungen sind von M. A. Wier in Upper Norwood, 
England, angegeben (*D. R. P. Nr. 47 705 vom 11. August 1888). Bei 
einer Klaviaturmaschine würden beispielsweise zwischen die Tasten- 
reihen verschiebbare oder drehbare Stäbe a eingeschaltet werden, wie 
Fig. 10 und 11 Taf. 5 zeigt, auf welche jetzt die Bezeichnungen, die 
sonst auf den Tasten b stehen, aufgetragen werden. Befinden sich die 
Stäbe a in der Normallage, so würden natürlich die richtigen Typen 
zum Abdrucke gelangen, werden aber die Stäbe verschoben bezieh, 
gedreht, so treten den Tasten natürlich andere Bezeichnungen gegen- 
über, und wenn nun beispielsweise der Buchstabe „A a angeschlagen 
wird, so würde nicht die Type „A t; , sondern eine andere der Verstellung 
entsprechende zum Abdrucke kommen. Das Mafs der Verschiebung 
oder Verdrehung der Stäbe bildet demgemäfs den Schlüssel der Geheim- 
schrift. Zum Uebertragen einer derartigen Geheimschrift in das Original 
am Empfangsorte mufs entsprechend eine umgekehrte Verstellung der 
Skalenstäbe stattfinden. Dabei ist indefs nicht nothwendig, dafs die 
zum Uebertragen benutzte Schreibmaschine von demselben Systeme ist; 
es müssen nur die Typen und die entsprechenden Tasten in derselben 
Reihenfolge angeordnet sein, und es mufs natürlich der Empfänger der 
Geheimschrift das Mafs der Fig. 12. 

Skalenverstellung wissen. Es 
ist leicht ersichtlich, dafs sich 
auf diese Weise unter Benutzung 
auswechselbarer Skalen und aus- 
wechselbarer Typen eine un- 
gewöhnlich grofse Zahl von 
Geheimschriften zu einem ein- 
zigen Originale herstellen lassen. 

Eine neue nach dem Re- 
mington- Systeme gebaute Ma- 
schine liegt in der Schreib- 
maschine von G. W. N. Yost in New York vor, welche auch in Deutsch- 




106 Neuerungen an Typenschreibmaschinen. 

land zum Patente angemeldet ist. Von dieser Maschine gibt die Fig. 12, 
weicht- wir dem American Mackinist (1889) entnehmen, eine perspec- 
tivische Ansicht, während in der Fig. 13 Taf. 5 die Bewegung eines 
angeschlagenen Typenhebels zur Darstellung gebracht ist. Die äufsere 
Erscheinung der Maschine ist derjenigen von Maschinen gleichen Systemes 
in der Hauptsache gleich, sie zeigt das gewöhnliche Tastenbrett, das 
Tvpenhebelgehäuse, deren Typenhebel ihre aus gehärtetem Stahl her- 
gestellten Lettern nach der Mitte des Gehäuses bewegen, und den 
oberhalb dieses Gehäuses gelagerten Papierschlitten. 

Die Maschine arbeitet mit 78 Tasten und einer gleich grofseu An- 
zahl von Typenhebeln, deren Anordnung von der gewöhnlichen Lage- 
rung wesentlich abweicht. Jeder Typenhebel a ist, wie Fig. 13 Taf. 5 
zeigt, an zwei Gelenkhebel b und c angeschlossen, deren erstere auf 
einem gemeinsamen Kingzapfen d (aus Draht) beweglich sitzen, wäh- 
rend die letzteren in einer festen, ringförmigen Pfanne g gelagert sind, 
welche von einer central in der Maschine angeordneten Säule getragen 
wird. Im Punkte e greift an den Hebel b die Stange f an, welche am 
anderen Ende an den Tastenhebel angeschlossen ist. Da diese Tasten- 
hebel alle parallel, die Typenhebel aber im Kreise gelagert sind, so 
kann für eine gewisse Anzahl von Typenhebeln (etwa auf jeder Maschinen- 
hälfte 16) die Stange f nicht direkt an den Typenhebel angeschlossen 
werden, sondern es erfolgt dies mittels einer zweiten, nahezu wage- 
rechten Verbindungsstange, wodurch die Enden der Tastenhebel eine 
Art elliptischer Curve bilden. 

Bis zu einem gewissen Grade ebenfalls neu ist die Einfärbung der 
Typen, welche dadurch erfolgt, dafs die Typen an einem Farbkisseu h 
anliegen. Dieses Kissen ist in eine metallene Büchse eingeschlossen, 
welche bequem aus der Maschine herauszunehmen und in dieselbe 
nach Auftragung von neuer Farbe wieder einzusetzen ist. Von diesem 
Farbkissen wird die Type auf dem kürzesten Wege, wie punktirt dar- 
gestellt, zum Abdrucke an die Papierwalze k gebracht, wobei sie in 
eine Führung i eintritt und hier wieder gerade gestellt wird, falls sie 
sich verdreht haben sollte. Diese Typenfärbung und Führung zeigt 
übrigens eine gewisse Verwandtschaft mit derjenigen der Hamilton sehen 
Maschine (vgl. 1888 269*350). 

Die Schaltvorrichtung für den Papierschlitten dieser Maschine 
zeigt Neuerungen, auf die näher einzugehen der Raum nicht gestattet. 
Nur so viel sei gesagt, dafs die schrittweise Bewegung des Papier- 
schlittens unter Auslösung einer Hemmung von einer Spiralfeder be- 
wirkt wird, und dafs während des Drückens eine Verriegelung des 
Schlittens stattfindet zur Erzielung eines klaren Abdruckes. Zur Vor- 
nahme von Correcturen ist die Maschine wie üblich mit einem Zeiger 
ausgerüstet. Ob die Maschine eine Spationirung gemäfs der Buchstaben- 
breite gewährt, läfst unsere Quelle nicht erkennen. 



Getreide-Sackfüllwage. 107 

Mit Ausnahme der Papierwalze und der Tasten ist die Maschine 
aus Metall hergestellt, doch beträgt ihr Gewicht nur etwa 7 k ,5, ist also ge- 
ringer als das der Z?ar-Loc/i-Maschine. Im Ganzen kommen in der Maschine 
neun Federn zur Verwendung. Kurz zusammengefafst dürfte als Vor- 
theil der Fosf-Maschine zu nennen sein, dafs sie einen klaren, gleich- 
stehenden Druck gibt und dafs sie sorgfältig gearbeitet ist, während 
als Nachtheil zu bezeichnen ist, dafs sie das Geschriebene nicht un- 
mittelbar überblicken läfst und dafs sie zwischen den einzelnen Buch- 
staben ungleiche Räume herstellt. Die Maschine wird von der Yost 
Writing Machine Co. in Bridgeport (Conn., Nordamerika) fabrizirt, und 
von Muir, Hawley und Mayo Co. in New York, 343 Broadway, auf den 
Markt gebracht. Kn. 

Gretreide-Sackfüllwage. 

Mit Abbildungen auf Tafel 5. 

Im Hafen von Marseille ist nach Revue generale des Machines-outils, 
1889 Bd. 3 Nr. 5*S. 33, eine Getreidewage (vgl. Reuther 1888 269*309) 
gebräuchlich, welche an den Einschüttkästen von 5 bis 6 cbm Inhalt an- 
gebracht ist. Mit dieser Hebelwage wird das Getreide in Sackfüllungen 
abgewogen, wobei das Einfüllen bis auf 2 bis 300? selbsthätig, die 
Nachfüllung aber mit der Hand bewerkstelligt wird, wobei zur Füllung 
eines Sackes kaum -1 Minute Zeit vergehen. In der Kastenvorderwand 
ist ein schräger Blechstutzen angeschraubt, welcher zwei mit Schieber 
verschliefsbare Mündungsöffnuugen von 120 und 40 mm Breite besitzt 
(Fig. 14 bis 15), die auf eine Rinne A leiten und von denen der kleine 
Schieber Y nur durch Handhebel bethätigt werden kann, während der 
grofse Schieber O mit dem Hebelwerk der Wage in Verbindung steht. 

Der eigentliche Wagehebel R ist nicht fest, sondern mittels eines 
Ringes an dem kurzen Arm des oberen Hebels 5 aufgehangen, welcher 
seinen festen Stützpunkt an dem Kastenwinkel findet. Wird nun dieser 
obere Hebel S mit dem Schiebegewicht Q auf eine Lastgröfse ein- 
gestellt, die um 2 bis 300? geringer ist, als das vorgeschriebene Gewicht 
der Sackfüllung, so mufs sich derselbe drehen und den Aufhängepunkt 
des Wagehebels R um den gleichen Hubbetrag tieferstellen. 

.Da nun der grofse Schlufsschieber O an einem Winkelhebel HGF 
angelenkt ist, der Schlufsschieber selbst durch sein Eigengewicht nieder- 
geht, so kann derselbe in der Hochstellung nur dadurch erhalten werden, 
dafs eine Schliefsstange 1 1 mit ihrem Haken in einen entsprechenden 
Ansatz des oberen Hebels S einsetzt und dadurch die Linksdrehung 
des Winkelhebels verhindert, was nur in der Hochstellung des kleinen 
Hebelarmes von S erfolgen kann. Senkt sich daher dieser Hebelansatz 
in Folge der Sackbelastung, so wird die Schliefsstange frei und es tritt 
der Schieberschlufs selbsthätig ein, worauf die Nachfüllung bis auf das 



ION Neues über die Kral'tvertheilung mittels Prelslul't. 

richtige Gewicht in der vorbeschriebenen Weise mit der Hand durch- 
geführt wird. Das kleine Schiebegewicht K auf der Schliefsstange t 
dient zur Regelung der Nachfüllungsmenge und hat sonst keinen Ein- 
flul's auf die Abwägung, weil derselbe sich auf das Hebellager auflegt, 
sobald die Auslösung vor sich gegangen ist. Pr. 



Neues über die Kraftvertheilung mittels Prefsluft. 

Die Arbeiten Riedler s und Radinger s über die Pariser Druckluft- 
anlage, welche auch in D. p. J., 1889 273*481.* 492 eingehend gewürdigt 
wurden, haben in der Fachpresse die verschiedenartigste Behandlung 
erfahren. Während der gröfsere Theil der Fachpresse die Vortheile 
der Vertheilung von Druckluft für die Zwecke der Krafterzeugung un- 
umwunden anerkannte und sich höchstens mit der Frage beschäftigte, 
ob man denn thatsächlich von einem System Popp sprechen dürfe und 
ob man nicht richtiger System Meyerhofer sagen müsse, lehnte sich ein 
kleiner Theil der Presse und zwar wohl ausschliefslich die elektro- 
technische Fachpresse gegen die Zweckmäfsigkeit der Druckluftverthei- 
lung überhaupt auf. Ganz besonders traten diese Beurtheilungen auf, 
als seitens der DUkonto- Gesellschaft in Berlin eine Actiengesellschaft mit 
einem Kapital von 30 Millionen Mark zur Anlage von Druckluftanlagen 
gegründet wurde (Internationale Popp^sche Druckluft- und Elektricitäts- 
Gesetlschaft in Berlin) und die bestehenden Elektricitäts-Gesellschaften 
dadurch eine Concurrenz auch bezüglich ihres Absatzes an Strom zur 
Beleuchtung befürchten mufsten. 

Im Allgemeinen ist die Zweckmäfsigkeit der Druckluftvertheilung 
lebhaft anerkannt und besonders auch die in Paris getroffenen tech- 
nischen Einrichtungen sind als ausgezeichnet hingestellt. Eine sehr in- 
teressante Kennzeichnung der über die Druckluftvertheilung herrschenden 
Meinungen und Ausstellungen gibt Riedler in der Zeitschrift des Vereins 
deutscher Ingenieure, 1890 Heft 6. 

Riedler hebt gegenüber dem Hinweise auf frühere Anlagen dieser 
Art zu Gunsten der Pariser Druckluftanlage hervor: die Centralisirung 
der Krafterzeugung und die Vorwärmung der Druckluft. Keine der 
bisherigen, auch der grofsartigsten, Druckluftanlagen machte von diesen 
wesentlichen Neuerungen richtigen Gebrauch; im Gegentheile arbeiteten 
selbst die gröfsten bisherigen Druckluftanlagen mit höchst unvollkom- 
menen Maschinen für Lufterzeugung und noch unvollkommeneren für 
Luftverwerthung. Die wesentlichste Neuerung, die Vorwärmung der 
Druckluft, wurde bisher nur in technisch unvollkommenster Weise durch- 
geführt, und zwar wurde auf einigen Gruben nur die Eisbildung be- 
kämpft durch Erhitzen des Auspuffrohres, Einspritzen von warmem 
Wasser in die Luftcylinder u. dgl. unvollkommene Einrichtungen. Selbst 



Neues über die Kraftvertheilung mittels Prefsluft. 109 

dort, wo bisher die technischen Einrichtungen für Erzeugung und Aus- 
nutzung der Druckluft für Bergbauzwecke am besten durchgeführt 
wurden, d. s. die Anlagen von 6'ornet, sind sie, mit den Popp^schen 
Einrichtungen verglichen, höchst unvollkommen und für den Grofsbetrieb 
durchaus nicht lebensfähig. 

Für die praktische Durchführung der erwähnten Neuerungen, welche 
die Druckluft lebensfähig machten, mufs die Pariser Anlage als bahn- 
brechend angesehen werden; hieran ändert sich gar nichts, wenn nach- 
her, wenn die Erfahrung vorliegt, gesagt wird, das sei nichts Neues. 
Das ist gerade das Kennzeichen des Einfachen und Zweckmäfsigen. Der 
in elektrotechnischen Journalen und auch von sehr vielen Elektrotech- 
nikern ausgesprochene oder vermuthete Gegensatz zwischen Druckluft 
und Elektrotechnik besteht nach Riedler's Ansicht nicht. In der ganzen 
Geschichte der Erfindungen ist kein Beispiel bekannt, dafs je eine 
grofsartige, weittragende Erfindung an die ausführende Technik in so 
hohem Mafse die Anforderung nach Kraftlieferung gestellt hätte, wie 
dies von Seiten der elektrischen Beleuchtung thatsächlich der Fall ist. 
In der elektrischen Beleuchtung liegt unzweifelhaft ein Hauptfeld der 
Elektrotechnik; dieses Hauptfeld ist aber undenkbar ohne die aus- 
giebigste Versorgung der Städte mit Kraft. Ob diese Kraftversorgung 
nun durch Centralstationen in unmittelbarer Nähe der Dynamomaschinen 
erfolgt oder durch andere Motoren, das ist, meiner Auffassung nach, 
im Zusammenhange mit der Elektrotechnik nur ein technisches Detail. 

Jede technische Einrichtung, jede Neuerung, welche in Städten 
Betriebskraft in ausreichender Menge zur Verfügung stellt, mufs der 
Elektrotechnik hochwillkommen sein. Das Popp'sche Druckluftverfahren 
ist zu dieser Kraftversorgung und insbesondere auch für die Zwecke 
der Elektrotechnik unzweifelhaft in hohem Mafse geeignet und berufen. 
Es ist unerfindlich, wie hieraus ein Gegensatz abgeleitet werden kann, 
da die eigentlichen elektrotechnischen Einrichtungen durch das genannte 
Verfahren in nichts beeinträchtigt werden, im Gegentheil, im höchsten 
Mafse gefördert werden müssen. Dieser Auffassung nach kann es gar 
keine innigere Interessengemeinschaft geben, als sie naturgemäfs be- 
stehen mufs zwischen Elektrotechnik und Kraftlieferung. Ein Gegen- 
satz kann nur künstlich dadurch hervorgerufen werden, dafs Elektro- 
technik, d.i. das eigentliche Fach, verwechselt wird mit elektrotechnischen 
Unternehmungen 

Die ^Elektrotechnische Zeitschrift" veröffentlicht an der Spitze ihres 
ersten diesjährigen Heftes einen Aufsatz, der die ersten von Riedler 
bezieh. Radinger gegebenen Zahlen über die Nutzwirkung der Pariser 
Anlage stark kritisirt. Riedler gibt a. a. 0. nun eine Verteidigung 
seines Urtheils, aus welchem wir nur folgende besonders wichtige 
Punkte wiederbringen wollen. 

Der Compressordruck ist in der „ Elektrotechnischen Zeitschrift'-'' mit 



HO Neues über die Kraftvertheilung mittels Prefeluft. 

der Druck in der Leitung mit 6", der Arbeitsdruck in der Stadt 
mit 4 a augegeben, und zwar in solcber Weise, dafs der Glaube er- 
weckt wird, diese PresBungsuntersehiede seien Verluste. Dies ist selbst- 
verständliob nicht dir Fall. Der Compressordruck ist nur deshalb in 
Paris höher als der Leitungsdruck, weil die Compressoren schlecht sind. 
Der Druckunterschied von 7 auf 6 :it kann durch richtige Compressor- 
bauart vermieden werden. Der Arbeitsdruck in der Stadt mufs nicht 
I >ein; er ist in Paris mit 4 at ,5 gewählt, um die Steigerungsfähigkeit 
der Luftmaschinen zu ermöglichen. Es besteht kein Hindernifs, die 
Luftmaschinen in der Stadt mit beliebig höherer Luftpressung zu be- 
treiben, einfach durch Aenderung der Belastung des Druckreglers. 

Die .^Elektrotechnische Zeitschrift 11 gibt weiter die von Prof. Radinger 
durch seine Versuche festgestellten Zahlen für den Luftverbrauch der 
Luftmaschine an, und zwar: bei Betrieb mit kalter Luft 38 cbm , mit vor- 
gewärmter Luft 22 cljm , mit vorgewärmter Luft bei Wassereinspritzung 
14 rllln ,8 für die gebremste Stundenpferdekraft der Luftmaschine; diese 
Zahlen entsprechen dem Gesammtwirkungsgrade von 22,6, 39 bezieh. 
58 Proc. Nicht hervorgehoben wird hierbei, dafs diese Zahlen alle 
Verluste in sich schliefsen, ausschliefslich eines etwaigen Verlustes durch 
Undichtheit der Rohrleitung, alle übrigen Verluste aber sind inbegriffen, 
wie dies aus der Controle der Versuche erkenntlich ist. Zu diesen 
Versuchszahlen ist zu bemerken, dafs sie gewonnen wurden mit sehr 
unvollkommen ausgeführten Maschinen (alte Dampfmaschinenmodelle), 
die selbstverständlich einen höheren Luftverbrauch ergeben müssen, der 
ganz wesentlich ermäfsigt werden kann durch Verwendung besserer 
Maschinen. 

Riedler hatte seither gemeinsam mit Prof. Guter muth Gelegenheit, 
bessere Luftmaschinen in Bezug auf ihren Luftverbrauch zu erproben. 
Hierbei hat sich für Luftmaschinen von 2 bis 4 B? geringerer Luft- 
verbrauch ergeben als bei den von Radinger untersuchten schlechten 
10 pferdigen Maschinen. Die Radinger sehen Ergebnisse bedeuten keines- 
wegs die Grenze des Wirkungsgrades, welcher durch Luftmaschinen 
erreicht werden kann. 

Die „Elektrotechnische Zeitschrift'-'' sagt, die Pariser Anlage arbeite 
„nach Riedin - mit 2500 BP und leiste „nach Radinger" 180 000 pl ' m Luft. 
Hieraus wird gefolgert, dafs die für die Luftcompression aufzuwendende 
Arbeit um 20 Proc. gröfser sei, als angegeben. Nach dieser Ziffer wird 
«l*r Wirkungsgrad der gesammten Anlage herunter von 58 Proc. auf 
I -. ■"-. v.m 39 Proc. auf 32,8 und von 22,6 Proc. auf 19 Proc. gesetzt. 
Diese Berechnung stützt sich auf folgende Unterlagen: 

Zunächst wird behauptet, die Undichtheit der Luftleitung betrage 
. Proc, und dementsprechend werden die erwähnten Wirkungsgrade 
weiter herunter auf 45 Proc, 30,5 und 17,7 Proc. herabgesetzt, Dem- 
gegenüber ist zu erwähnen, dafs fite die Pariser Druckluftleitung durch 



Neues über die Kraftvertheilung mittels Prefsluft. 111 

Versuche nachgewiesen ist, dafs eine nennenswerthe Undichtheit über- 
haupt nicht vorkommt, wenigstens durch ganze Procente nicht aus- 
gedrückt werden kann. 

Weiter kritisirt und verpönt der Aufsatz in der „Elektrotechnischen 
Zeitschrift^ die Vorwärmung der Druckluft nach dem Popp" sehen System. 
Thatsachen werden hierbei gar nicht erwähnt, sondern nur der Um- 
stand angeführt, dafs die Brennstoffkosten bei dieser Vorwärmung er- 
höht werden, wenn Gasheizung angewandt wird. 

Bezüglich des Brennstoffaufwandes für die Wasserverdampfung 
bezieh. Vorwärmung wird der Koksverbrauch auf 3 / 10 k für 1 EP-Stunde 
angegeben. Bei den Dampfkesseln verbrauche man 5 10 k Koks für die 
Wasserverdampfung, folglich müfsten für die Beurtheilung des Popp"sehen 
Verfahrens statt der (durch Versuche nachgewiesenen) 3 10 k 6 / 10 k Koks 
für die Vorwärmung der Luft gerechnet werden! Dafs die Wärme- 
übertragung im Popp' sehen Vorwärmeofen ganz anders, bei anderen 
Temperaturunterschieden, anderer Wirkung der Heizflächen und der 
Wärmeübertragung erfolgt, als in einem Dampfkessel bei der Wasser- 
verdampfung, ist hierbei unbeachtet gelassen. Die Wärmezuführung 
kann mit sehr geringem Brennstoßäufwande erfolgen und mufs in Folge 
der günstigen physikalischen Eigenschaften der Luft erfolgen. 

Theoretisch steht nichts im Wege, die Vorwärmung der Druckluft 
so weit zu treiben, dafs für eine bestimmte Arbeitsleistung der Luft- 
maschinen gar keine Energie aus der Druckluftleitung gebraucht wird. 
Bis zur Heifsluftmaschine oder Dampfmaschine ist aber dann noch ein 
weiter Weg, der keine Vortheile bieten kann. Während die Druckluft 
selbst in diesem extremsten Falle noch immer den grofsen Vorzug 
bietet, dafs die Luftmaschine mit hoher Spannung arbeitet, können 
Heifsluftmaschinen bekanntlich nur mit niedriger Pressung arbeiten, sind 
in Folge dessen noch nie lebensfähig geworden, während andererseits 
die Druckluft als Kraftträger es ermöglicht, die Wärmezuführung mit 
viel niedrigeren Kosten zu bewirken, als dies im Wärmeprozesse der 
Dampfmaschine möglich ist. 

Also selbst dann, wenn auf die extreme Ansicht eingegangen wird, 
bietet die Druckluft noch immer Vortheile, und zwar so grofse, dafs 
ihre Lebensfähigkeit in keiner Weise beeinträchtigt wird. Dafs aber 
die physikalischen und theoretischen Grundlagen der Druckluft bei 
mäfsiger Vorwärmung Vortheile ermöglichen, die bisher durch keine 
andere Uebertragungsart ausgenützt werden konnten, ist in der Kritik 
nicht weiter berührt. 

Bessere 2 pferdige Luftmotoren ergeben geringeren Luftverbrauch 
als die von Radinger untersuchten 10 pferdigen Maschinen; technisch 
steht nichts im Wege, durch bessere Ausführung der Luftmaschinen als 
die in Paris vei-wendeten, für welche brauchbare Vorbilder bisher nicht 
vorlagen, den Luftverbrauch noch weiter herabzusetzen und den Wirkungs- 



112 Neues über die Kraftvertheilung mittels Prefsluft. 

grad weit über die von Radinger gefundenen Zahlen zu erhöhen. Nach 
Hiedler können Luftmaschinen mit Vorwärmung allein mit einem Luft- 
verbrauche unter 15 cbm für die gebremste Pferdekraftstunde arbeiten mit 
einem Gesammtnutzeffecte über 60 Proc, wobei die weiter noch mög- 
liche Verminderung des Luftverbrauches noch nicht berücksichtigt ist. 

Zu den Angaben über die Rohrleitung und deren Kosten sagt 
Riedler, dafs der Umstand, dafs in Paris ein Theil der Rohrleitung in 
die Abzugskanäle eingebaut ist, hinsichtlich des Kostenpunktes vielfach 
mifsverständlich aufgefafst wird. 

Bei der bestehenden Pariser Anlage ist ein erheblicher Theil der 
Rohrleitung nicht in die Kanäle eingebaut, sondern als gewöhnliche 
Erdleitung ausgeführt; die Kosten der letzteren sind nicht bedeutender, 
als die der Kanalleitung. Für die in diesem Jahre zur Ausführung ge- 
langende 16 000 pferdige Centralanlage wird der gröfste Theil der Rohr- 
leitung als Erdleitung mit geschweifsten Schmiedeeisenröhren ausgeführt. 
Es ist vielleicht erwünscht, diese Thatsache hervorzuheben, weil die 
Art der Ausführung der bisherigen Rohrleitung in Paris vielfach zu 
einseitiger Beurtheilung des Kostenpunktes Veranlassung gegeben hat. 

Der Schlufs des Aufsatzes in der ^Elektrotechnischen Zeitschrift^ 
spricht sich dahin aus, dafs der Luftbetrieb „sich wohl für die Zwecke 
des Uhrenbetriebes nützlich erweisen kann, für die Vertheilung moto- 
rischer Kraft wird er nicht in der Lage sein, mit dem elektrischen 
Betriebe zu concurriren". 

Demgegenüber wird bemerkt, dafs bisher die Verhältnisse umge- 
kehrt liegen, dafs die Druckluft in Paris einen grofsen Kraft vertheilungs- 
betrieb seit zwei Jahren mit dem gröfsten Erfolge aufzuweisen hat, was 
bei der Elektricität bisher nicht bekannt ist. Es sind bisher nur elek- 
trische Kraft Übertragungen bekannt geworden, Kraüvertheilungen in 
grofsem Mafsstabe sind bisher unbekannt, und zwischen Kraftüber- 
tragung von einem Punkte zu einem zweiten und Kraftvertheilung von 
einem Punkte zu Hunderten von Verbrauchsstellen, bei ganz unregel- 
mäfsigen Anforderungen an die Kraftlieferung, ist noch ein weiter Weg. 

Interessant sind die durch verschiedene Veröffentlichungen bekannt 
werdenden weiteren Anwendungen der Druckluft in Paris. 

Es sind Installationen für die verschiedensten Betriebe ausgeführt 
worden und zwar für Nähmaschinen 15, Stickmaschinen 3, Zuschneide- 
maschinen 25, Fleischhackmaschinen 8, Schleifsteine 11, Pressen und 
Druckmaschinen 37, Sägen und Fräsen 55, Drehbänke aller Art 70: 
aufserdem für Blechscheren, Kaffeemühlen', Kaffeebrenner, zahnärzt- 
liche Apparate u. s. w. 

Am 1. Juli 1889 waren 401 Motoren mit zusammen 1837 B? und 
H08 k S<n im Retriebe, darunter 75 kleinste Motoren zu 6 k ? m und 18 gröfste 
Motoren zu 50 II': am meisten verbreitet sind die mittleren Motoren 
und z\\;ii- 



Neues über die Kraftvertheilung mittels Preisluft. 113 

58 zu i )2 rP 

62 „ • 1 EP 

56 „ 2 B? 

57 „ 4 B? zusammen 



233 mittlere Motoren. 

Die Preise, welche heute in Paris gefordert werden — der Cubik- 
meter zu l 1 ^ Cent, gerechnet — sind für den Abnehmer folgende, und 
zwar bei: 

1 Nähmaschinenmotor (von 6 k § m ) 1\ Cent, die Stunde; 1 Mannes- 
kraft (12k§ m ) 12 Cent, die Stunde; 24 k §m 22 Cent., i/ 2 B? 30 Cent, die 
Stunde; 1 bis 2 IP 35, 2 bis 4 H? 30, 5 bis 10 B? 25, 10 und darüber 
20 Cent, für die Stunde und Pferd. 

Es werden aber auch Pauschalsummen für die Benutzung der com- 
primirten Luft gezahlt, und zwar für 3000 Arbeitsstunden im Jahr für 
Kräfte unter 1 B? 700 Francs für 1 ff; für Kräfte von 1 bis 10 H> 
600 Francs, für Kräfte von 10 und darüber 500 Francs für 1 B?. 

Für die Einspritzung von Wasser in die Luftmaschinen bezieh, zur 
Erhitzung des so hergestellten Treibmittels bringt V. Popp in Paris 
(*D. R. P. Kl. 46 Nr. 49092 vom 9. Dec. 1888) die in Fig. 16 und 17 Taf. 5 
dargestellte Einrichtung in Vorschlag. Dieselbe verfolgt den Zweck, die 
Wirkung bezieh, die Leistungsfähigkeit comprimirter Luft dadurch zu 
erhöhen, dafs nach vorheriger Beizung der geprefsten Luft mit der- 
selben ein weiteres Fluidum vermischt wird, welches durch seine Spann- 
kraft in Verbindung mit der Luftspannung einen sehr bedeutenden sum- 
marischen Druck herstellt. Dieses zusätzliche Fluidum ist vorzugsweise 
Wasserdampf, welcher sich aber erst in der Prefsluft selbst entwickelt, 
nachdem er unter Form von Wasserstaub in dieselbe eingespritzt worden 
ist. Zu diesem Zwecke wird das einzuspritzende Wasser vorher ge- 
heizt und die Prefsluft auf hohe Temperatur gebracht, wobei durch 
Einspritzen von Beifswasserstaub die Luft hygrometrisch gesättigt wird, 
die Feuchtigkeit aber sich durch den hohen Caloriengehalt der Prefs- 
luft augenblicklich in überhitzten Dampf umbildet, wodurch also 
nicht allein eine hohe combinirte Spannung, sondern auch eine wirk- 
samere Expansion für den Motor erzielt und auf die Organe desselben 
noch eine schmierende Wirkung ausgeübt wird. 

Es sei a die Prefsluftleitung, welche von irgend einem Baupt- 
presser durch einen entsprechend wirkenden Druckregler mit Luft unter 
beständigem Druck beschickt wird und mittels des Ventils b den Motor 
ebenfalls unter beständigem Drucke speist, indem sich das Ventil je 
nach dem mehr oder weniger grofsen Kraftaufwande bezieh, schnellen 
Gang des Motors mehr oder weniger öffnet oder schliefst. Das ein- 
zuspritzende Wasser ist in dem mit Wasserstandszeiger e ausgestatteten 
Reservoir d enthalten und befindet sich letzteres durch seine Rohr- 
verbiudung f unter demselben beständigen Drucke wie Rohr a, indem 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 3. 1890/11. 8 



114 Neues über die Kral'tvertheilung mittels Prefsluft. 

Rohr f vor dem Ventil b in dasselbe einmündet. Das Reservoir ist mit 
einem Schraubenverschlusse versehen, welcher durch einen Aufsatz er- 
setzt werden kann, behufs Verbindung mit dem Druckrohre einer kleinen 
Pumpe, deren Wirkung und Bestimmung später erklärt wird. Reservoir d 
ist mit dem zum Heizen der Prefsluft bestimmten Ofen durch ein Rohr m 
verbunden. Der Heizofen nimmt die Prefsluft auf, ehe dieselbe in den 
Motor eintritt, und sie gelangt durch ein Rohr / in eine innere Kanali- 
sation oder einen Durchgangskreis, welcher mit lothrechten Fängen 
ausgestattet ist, so dafs die Luft den ganzen Weg im Ofen abwech- 
selnd von oben nach unten und von unten nach oben zurücklegen mufs, 
um durch das Speiserohr o nach dem Motor abzugehen. Die Hitze 
der Hülle 4, welche besagte Fänge einschliefst, sowie diejenige der 
nach dem Kamin abziehenden Verbrennungsgase wird zum Heizen des 
Spritzwassers im Reservoir d benutzt. Zu diesem Zwecke ist zwischen 
der Hülle 4 und dem äufseren Mantel 5 des Ofens ein Schlangenrohr 6 
angeordnet, dessen Durchmesser und Länge nach der dem Wasser am 
vorteilhaftesten zu gebenden Temperatur berechnet ist. 

Das Wasser im Reservoir d wird in das Schlangenrohr getrieben 
durch den Druckunterschied, welcher zwischen dem beständigen Drucke 
im Rohre o vor dem Ventil b und dem wechselnden Drucke hinter 
Ventil b im Rohre 1 herrscht, und folgt hieraus, dafs das Wasser mit 
um so mehr Kraft in das Schlangenrohr eintritt, als die Druckverschieden- 
heit gröfser ist. 

Die dadurch im Schlangenrohre geheizte Flüssigkeit ist am Ende 
desselben durch Rohr g in ein kleines gepanzertes Gefäfs i mit sicht- 
barem Ausflusse gedrückt und tritt aus demselben die heifse Flüssig- 
keit durch ein kleines lnjections- bezieh. Zerstäubungsrohr j in das 
nach dem Ofen führende Prefsluftspeiserohr ^, wo die zerstäubte Flüssig- 
keit bei k von der Prefsluft mitgenommen und letztere vor ihrem Ein- 
tritte in den Ofen hygrometrisch gesättigt wird. Im Inneren des Ofens 
verwandelt sich die Feuchtigkeit durch die hohe Temperatur sofort in 
überhitzten Dampf, wodurch dann die Spannung bedeutend erhöht und 
der Luftverbrauch bedeutend vermindert wird. 

Durch den Umstand, dafs der Druckunterschied, welcher das 
Wasser in das Schlangenrohr treibt, veränderlich ist, indem der Druck 
an der einen Seite stets beständig und an der anderen unbeständig 
ist, ist auch die Wassereinspritzung veränderlich, so dafs sich also 
dieselbe selbsthätig regulirt. 

Ungeachtet dessen kommt aber noch eine besondere Construction 
zur Anwendung, mittels welcher die Regulirung so genau ist, dafs nur 
die eben erforderliche Quantität Flüssigkeit, welche genau der im Motor 
verbrauchten Luftmenge proportional ist, mitgerissen wird. 

Der Hebel n, welcher einen wesentlichen Theil des Ventils bildet 
und mit dem Gewichte o belastet ist, wird nach p verlängert. Der 



Richards' Fräsemaschine. 115 

Hebel p ist an den senkrechten Hebel q gelenkt, welcher seinerseits 
an das Ende eines Hebels r gelenkt ist, wobei letzterer an dem in das 
Rohr eingeschalteten Hahn s befestigt ist. Hieraus folgt, dafs, wenn 
sich das Ventil b zum Durchlafs einer gröfseren Menge Druckluft hebt, 
der Hebel r den Hahn s öffnet, wodurch eine gröfsere Menge Wasser 
in das Schlangenrohr eintritt. 

Ein vor dem Ventil b auf Rohr a angebrachtes Manometer be- 
zeichnet den beständigen Druck, während ein Manometer und ein 
Thermometer hinter dem Ventil auf Rohr 1 den Druck und die Tem- 
peratur der mit Wasser vermischten Prefsluft anzeigen. Reservoir d 
ist ebenfalls mit einem Manometer ausgestattet, welches stets mit dem 
auf Rohr a übereinstimmend sein mufs, und endlich bezeichnet ein 
Thermometer auf Rohr 5, welches das Gemisch von comprimirter Luft 
und Dampf nach dem Motor leitet, die Temperatur des Gemisches. 

Um die beschriebene Anordnung vollständig zu machen, ist es er- 
forderlich, dafs das Wasser im Reservoir d während des Vorganges 
erneuert werden kann, ohne dadurch die verschiedenen Arbeiten zu 
beeinträchtigen. Zu diesem Zwecke taucht das Entweichungsrohr des 
Motors in ein mit Wasser gefülltes Gefäfs, so dafs der mit der com- 
primirten Luft vermischte Dampf nach ausgeübter Wirkung sich in 
diesem Gefäfse condensirt, wobei eine vorhin erwähnte kleine Pumpe 
das eingespritzte Wasser wieder an Reservoir d abgibt, so dafs also 
stets dasselbe Wasser zum Einspritzen benutzt wird und nur der ab- 
solut verdampfte Theil ersetzt werden mufs. 



Gk Richards' Fräsemaschine. 

Mit Abbildungen auf Tafel 6. 

Unter den neueren Fräsemaschinen ist die von G. Richards und Co. 
in Broadheath bei Manchester bemerkenswerth. Dieselbe ist nach 
American Machinist, 1889 Bd. 12 Nr. 49 * S. 1, in der Bauweise der 
amerikanischen Drehmaschinen (vgl. Niles, 1886 261 * 67) gebaut und 
aus einem stehenden Gerüste, welches auf einer Querwange aufgestellt 
ist und auf welcher ein in jeder Beziehung selbsthätig schaltender Tisch 
liegt, zusammengesetzt, während das Fräsewerkzeug in einem in der 
Höhenrichtung stellbaren Querbalken festgelagert läuft. Der Betrieb 
derselben ist mittels eines über Leitrollen laufenden Riemens bewerk- 
stelligt, welcher durch ein Schneckentriebwerk die in einem geschlos- 
senen Gehäuse des Querbalkens laufende kurze Fräsespindel bethätigt. 

Die Schaltbewegung für die Kreuzverschiebung der Tischschlitten, 
sowie für die selbsthätige Kreisung des Dreh- und Aufspanntisches ist 
unmittelbar von der Hauptbetriebswelle abgeleitet, von welcher auch 
die Verstellung des Querbalkens mit Kraftbetrieb besorgt wird, wozu 



116 Richards' Fräsemaschine. 

das auf die beiden Hängespindeln der Standgerüste wirkende Neben- 
riementriebwerk vorgesehen ist. 

Die Bauweise dieser in Fig. 1 bis 8 Taf. 6 dargestellten interessanten 
Maschine wird im Folgenden in knapper Form geschildert, wobei ein- 
zelne Angaben über die räumlichen Abmessungen nicht unerwünscht 
sein dürften. 

Die Querwange (Nr. /), deren Formquerschnitt aus Fig. 2 ersicht- 
lich ist, hat 610 mm obere Breite und besitzt eine Schräg- und eine 
Winkelleiste für die Schlittenführung. Die Standgerüste (2 und 5) 
haben bei 1980 mm Mittelentfernung eine obere 254 mm hohe etwas aus- 
gebogene Querverbindung (5) von C-förmigem Querschnitte, an welcher 
der Querbalken frei vorbeigeht. An der Gerüstführung gleitet der hohl- 
kastenförmige Querbalken (4), an Schraubenspindeln hängend, durch 
das Schneckentriebwerk (8) verschiebbar und ist mittels vier l^zölligen 
Kopfschrauben sicher zu stellen (Fig. 1 bis 3 und 8J. 

Im Längenmittel des Querbalkens ist ferner in einer kapseiförmigen 
Erweiterung desselben die Fräsespindel C gelagert und durch die 
Welle B mittels des Schneckentriebwerkes J, L (Fig. 8) vermöge der 
am Querbalken angeordneten Riemenscheiben (Fig. 1 bis 3) betrieben. 

Der grofse Lauf der an der Wangenseite angeordneten Stufen- 
scheibe, sowie die am Kopfende des Ständers vorgesehene feste Scheibe E 
in Verbindung mit den beiden früher erwähnten Riemenscheiben am 
stellbaren Querbalken bilden ein Riementriebwerk mit gleichbleibender 
Riemenspannung. Doch dient die durch die Wange gehende Welle, an 
deren einem freien Ende die Hauptstufenscheibe (Fig. 1) aufgekeilt ist, 
nur für die Schaltung des Supporttisches, indem am anderen Ende eine 
Reibungsscheibe (32) die winkelrecht dazu stehende und verstellbare 
Scheibe (19) treibt (Fig. 4 und 6). 

Durch einen Bügel (50), welcher das auf eine Standspindel (22) 
aufzuschraubende Handrad (21) mit der Reibungsscheibe (19) lager- 
artig verbindet, kann die gegensätzliche Verschiebung zur Scheibe (32) 
auf der Keilnuthwelle derart vorgenommen werden, dafs damit Richtung 
und Gröfse der Schaltung innerhalb der gegebenen Grenzen beliebig 
abgeändert werden kann. 

Die in den Lagerarmen (16) und (17) lagernde Keilnuthwelle trägt 
am rechten Ende (Fig. 4 und 6) eine Fest- und Losscheibe (18) für 
die Hochstellung des Querbalkens (4) mittels Kraftbetrieb, wozu noch 
die beiden Riemenscheiben (53) und das Kuppelungshandrad (61) ge- 
hören (Fig. 1). 

Am linken Ende treibt das Schneckentriebwerk (22) eine Steuer- 
welle (Fig. 1 und 4 bis 7), welche im Bett gelagert ist und von der 
mittels Winkelräder (25) und Querwelle P (24) sämmtliche im ver- 
deckten Schliltenschild angeordneten Haderwerke bethätigt werden. Die 
Querwelle P (Fig. 1) treibt die Zwischenräder Q (37 und 38) (Fig. 7) 



Neue Gasmaschinen. 117 

das Rad (58) steht im Eingriffe mit den Stirnrädern von V und R, 
welche mittels Griffhebel (55, 55) abwechselnd aus- und eingerückt 
werden, so zwar, dafs durch R und Spindelmutter (27) eine Verschiebung 
des oberen Schlittentisches (42), durch V aber vermöge des kreisenden 
Schraubenrades (47) und des Mutterrades (48) (Fig. 2) eine Verstellung 
des unteren Hauptschlittens durch Vermittelung der Standspindel W, 
welche bei Handverstellung des Unterschlittens mit dem Griffrade (52) 
betrieben werden kann, erfolgt. 

Dieses Spindeltriebwerk ist in Fig. 1 als selbständige Nebenzeich- 
nung des Hauptsupportes und zwar an dessen linker Seite dargestellt, 
was hier, um Mifsverständnissen vorzubeugen, bemerkt werden mufs 
[Unterschlitten (44), Schraubenrad (47), Mutterrad (48), wie schon 
früher bemerkt]. 

Vom Rade R wird das Rad S mit derselben Welle in ausrückbare 
Verbindung gebracht und damit an der Schlittenhinterseite die Räder (43 
und 42) bezieh, eine Keilnuthwelle T (Fig. 4 bis 6) getrieben, an welcher 
die Schnecke U sitzt. Diese greift in das Schneckenrad (44) des Dreh- 
tisches (42) und ruft eine selbsthätige Kreisbewegung derselben hervor. 

Hiernach können die Supporttheile selbsthätig und gleichzeitig längs 
und quer bewegt und der Drehtisch gedreht werden. Pr. 



Neue Gasmaschinen. 

(Patentklasse 46. Fortsetzung des Berichtes S. 60 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 4 und 7. 

Derselbe Erfinder hat auch die in Fig. 9 Taf. 4 dargestellte Gas- 
maschine (D. R. P. Nr. 49152 vom 2. September 1888) angegeben, bei 
welcher im Arbeitscylinder zwei in einander laufende Kolben thätig 
sind. Die Maschine arbeitet im Viertakt. 

Der gröfsere Kolben b bildet einen Cylinder, in welchem der Kolben a 
läuft. Dem letzteren Kolben o ist die Saug- und Verdichtungsarbeit 
zugetheilt, während der Cylinderkolben b im Hauptcylinder sich bewegt, 
die Expansions- und Ausblasearbeit verrichtend. Die Querschnitte beider 
Kolben verhalten sich zu einander, wie die Differenz zwischen Saug- 
und Expansionsraum, so dafs die Ausnutzung der Expansion jeder be- 
liebigen Wahl anheimgestellt ist. Demzufolge arbeiten die beiden Kolben 
abwechselungsweise, und hat stets einer den anderen beim nächstfolgen- 
den Hub abzulösen. 

Der Cylinder des Kolbens b ist möglichst leicht und läuft in dem 
mit Luftlöchern versehenen Halsring i; den eigentlichen Kolben b bildet 
ein auf diesen Cylinder. gezogener Ring oder Schuh, in dessen Wänden 
sich die Dichtungsringe befinden. Dieser Schuh hat einen offenen Boden, 



118 Neue Gasmaschinen. 

damit der durch Kolbenstange k und Hebel h mit der Kurbelstange ver- 
bundene Kolben a die Mischung einzusaugen vermag und sich in der 
tiefsten Stellung, was besonders zu berücksichtigen, auf den Boden des 
Kolbens b aufsetzt, durch welch letzteres Mittel der Kolbenwechsel er- 
reicht wird. 

Vorausgesetzt, die Ausblasearbeit ist eben beendigt, oder, wie es 
durch das letztere bedingt, der Raum q ist ohne Spannung, dann wird 
der Cylinderkolben &, welcher weder mit dem Kolben a, noch mit der 
Kurbel in direkter Verbindung steht, vermöge seiner Schwere und be- 
anspruchten Reibung von selbst in seiner tiefsten Stellung verbleiben. 
Deshalb wird Kolben a, bei Ingangsetzung der Maschine, ohne den 
Kolben b in seiner Ruhe zu stören, seinen Aufhub verrichten und eine 
Ladung durch das Saugeventil einsaugen. Nachdem der Saughub beendet 
und die Mischung in den Cylinder b eingesaugt ist, verdichtet Kolben a 
durch seinen Rückhub die eingesaugte Mischung, indem er diese aus 
dem Cylinder b verdrängt, in den Verdichtungsraum q drückt und mit 
Beendigung dieses Hubes sich auf den Bodenrand des Kolbens b aufsetzt. 
Sind beide Kolben an dieser Stelle auf einander geschliffen oder sonst- 
wie gedichtet, so bilden nun beide Kolben zusammen gleichsam einen 
Kolben. Nach erfolgter Explosion empfängt Kolben b die hierdurch er- 
zeugte Kraft, wird dadurch vorgetrieben und gibt, weil er an Kolben a 
anliegt, die Kraft an die Kurbelachse ab, bis der Hub vollendet ist. 
Nach Eröffnung des durch Spiralfeder angedrückten Auslafsventils findet 
der Rückschub in gleicher Weise wie der Vorschub statt, indem noch 
beide Kolben an einander geschlossen ein Ganzes bilden und durch Ver- 
mittelung des Kolbens a von der Kurbel zurückgedrückt werden, bis die 
Abgase ausgetrieben, der Hub beendigt und die Kolben in ihrer tiefsten 
Stellung angelangt sind. Der Einzelgang des Kolbens d wird durch die 
Schwere des anderen Kolbens 6, und der gemeinschaftliche Gang beider 
Kolben theils durch den erzeugten Verdichtungs- bezieh. Explosionsdruck 
theils durch genauen Anschlufs des Kolbens b an o bedingt. 

Der Saughub ergibt bei keiner Gangart irgend welchen Anstand; 
kommt aber Kolben a auf seinem Rückwege zur Compression, so dafs 
im Räume q Spannung eintritt, so wird Kolben b durch diese Spannung 
dem Kolben a entgegengeschoben. Allerdings wird sich dennoch die 
Compression ordnungsgemäfs vollziehen, allein der auffallende Schlag 
beider Kolben gegen einander ist zu vermeiden, welcher am sichersten 
durch Festhalten des Kolbens b während der Compression verhindert 
wird. Hierzu eignet sich eine Federklinke, welche in einen am Kolben b 
angebrachten Knaggen in seiner tiefsten Stellung einschnappt, diesen 
festhält und nach vollzogener Compression sofort durch einen Hebel 
von der Steuerwelle wieder gelöst wird, um den Kolben b für den Ex- 
pansionshub freizugeben. Den gleichen Dienst versieht auch Hebel o, 
welcher mit dem Cylinderkolben durch ein Glied verbunden ist und 



Neue Gasmaschinen. 119 

zwischen dem mit der Kurbel verbundenen Hebel h schwingt, zu 
welchem Zwecke letzterer gegabelt oder aus zwei gleichen Seiten- 
stücken zusammengesetzt ist. Dieser Hebel o ist so gelagert, dafs 
dessen Bogenschiene m, wenn Kolben b sich in seiner tiefsten Stellung 
befindet, centrisch mit dem Schwingungspunkte o des Hebels h zu- 
sammenfällt, so dafs die Rolle oder besser ein Schleifbacken r am 
Hebel h die Schiene m tangirt. Rolle oder Backen r läuft demnach 
schon beim Saughub des Kolbens a über die Schiene m, um beim Rück- 
oder Compressionshube zur bestimmten Wirkung zu gelangen, indem 
sie die Schiene m, mithin Hebel o und Kolben b in ihrer Anfangs- 
stellung festhält, bis der Hub endet und die Rolle r von der Schiene m 
abläuft, gleichzeitig aber auch Kolben a am Bodenrande des Cylinder- 
kolbens anliegt und der Expansionshub ungehindert hierauf erfolgt. Bei 
dem nun folgenden gemeinsamen Doppelhube der beiden Kolben eilt 
Schiene m der Rolle r vor. Die zweite zu verhütende Störung kommt 
der beseitigten ziemlich gleich und besteht darin, dafs, wenn beim ge- 
meinsamen Rückhube der beiden Kolben der Kolben a in Verzögerung 
tritt, der Kolben b vermöge seiner Trägheit dann nicht mehr an a an- 
geschlossen bleibt, sondern demselben vorauseilt und seinen Lauf durch 
einen Stofs am Cylinderdeckel hemmt. 

Den hierzu benöthigten Hilfsthei-1 bildet der Zahn t an der Kolben- 
stange /c, der in Folge der pendelnden Bewegung, welche die Kolben- 
stange durch die Schwingungen des Hebels h erleidet, in die am Cylinder b 
befestigten Klinke / ein- und austritt, vorausgesetzt, dafs Kolben a am 
Boden des Kolbens b aufsitzt. Der Bolzen der Kolbenstange k schwingt 
ungleichschenkelig, so dafs der Schwingungsbogen nach links sich unter 
die geometrische Cylinderachse neigt, nach rechts bis zur Achse schwingt, 
weshalb der Zahn t den ganzen Hub über im Eingriffe der Klinke bleibt, 
wenn er auch nicht sogleich im Anfange des Hubes eingreift. Der 
Spielraum zwischen Zahn t und Klinke / ist, wenn beide Kolben ihre 
tiefste Stellung einnehmen, so knapp als möglich zu halten, so dafs, 
wenn Kolben a einzeln seinen Hub macht, dieser Zahn t die Klinke l 
gerade noch unberührt läfst und nicht eintritt. Beim gemeinschaftlichen 
Aufhub beider Kolben wird dann um so früher nach Hubwechsel der 
Zahn t in die Klinke / eingreifen und darin verbleiben, bis durch den 
Rückweg die gleiche Stelle wieder erreicht wird und der Zahn aus- 
tritt. Da nun durch diese Vorrichtung die beiden Kolben an einander 
gefesselt w r erden, so ist ersichtlich, dafs Kolben b fast bis ans Hubende 
an a angeschlossen bleibt, wo seine Trägheit erlahmt ist und er gleich 
wie der Kolben o zur Ruhe, bezieh, nicht über das Hubende hinaus ge- 
langen kann. Beim hierauf folgenden Einzelgange des Kolbens a kann 
der Zahn t nicht zum Eingriffe gelangen, indem kein Druck den 
Kolben b hebt, sondern derselbe in Ruhe bleibt, folglich Zahn t auch 
nicht eingreift. 



120 Neue Gasmaschinen. 

Die Reihenfolge des Kolbenwechsels wird unterbrochen, sobald sich 
nach dem Saughub Compression nicht einstellt oder die Explosion nicht 
erfolgt, Kolben b sich also nicht hebt und wie bei jedem Saughub in 
Ruhe verharrt. Dies tritt ein, wenn sich das Auslafsventil e nicht 
schliefst bezieh, vom letzterfolgten Ausblasen her offen bleibt. Kolben a 
wird dann fortgesetzt so lange seinen Einzelgang ohne jede Arbeit ver- 
richten, bis sich das Auslafsventil wieder rechtzeitig schliefst und 
Kolben a dadurch wieder regelmäfsig die ihm übertragene Arbeit fort- 
setzt. Findet dieser Vorgang bei der Maschine die geeignete Anwen- 
dung, so ist dadurch die Regulirung der Maschine verwirklicht. 

Zur Regulirung der Ladung wird ein Hilfskolben in der Gasmaschine 
von Ch. White und A. Middleton in Baltimore (D. R. P. Nr. 50207 vom 
10. Juli 1889) angewendet. Die Maschine ist in Fig. 10 dargestellt. 

In dem Cy linder B ist ein dicht laufender Kolben C vorgesehen; 
der Kolben hat einen geflanschten vorderen Theil, welcher ein langes 
Auflager an die Cylinderwände sichert, ohne das Gewicht des Kolbens 
wesentlich zu vergröfsern. An dem hinteren Theil des Kolbens ist ein 
ähnlicher Flansch vorgesehen, der nicht ganz so lang wie der vordere 
ist. Eine Kolbenstange D mit kugelförmigem Ende hat ihr Lager unge- 
fähr in der Mitte des Kolbens und liegt gegen den Sitz e an; ein Kragen f y 
dessen innerer Umfang dem Kugelende der Kolbenstange entsprechend 
ausgehöhlt ist, pafst in die Oeffnung des Kolbens, um das kugelige Ende 
der Kolbenstange einführen zu können. Der äufsere Theil des inneren 
Kragenumfangs f ist abgeschrägt, um die nothwendige Bewegung der 
Kolbenstange zu gestalten, da dieselbe verschiedene Winkel bei ihrer 
Hin- und Herbewegung aus Anlafs des Umlaufs der Kurbelwelle ein- 
nimmt. Das vordere Ende des Cylinders ist offen, während das hintere 
Ende durch einen Kopf g geschlossen ist, der fest angebolzt und mit 
einem hohlen Ansatz h versehen ist; dieser nimmt eine Spindel t auf, 
welche zwischen einem um 1 schwingenden Hebel und einem Hilfs- 
kolben E in dem Cylinder liegt. Dieser Kolben E dichtet ebenfalls im 
Cylinder und wird von dem Hauptkolben C mittels eines Bolzens / ge- 
trennt, der auf der hinteren Seite in der Mitte des Kolbens C stellbar 
gehalten wird. Er besitzt hinten einen schrägen Theil, der gegen einen 
entsprechenden Sitz anliegt, welcher in der Nabe des Hilfskolbens E 
angebracht ist. 

Während der Kolben C die Bewegung des Kolbens E nicht con- 
trolirt, regelt und begrenzt er die Entfernung zwischen beiden. Diese 
Entfernung kann durch Verstellen des Bolzens / verändert werden. 

Der Raum zwischen den beiden Kolben bildet die Explosionskammer. 
Das Gas wird nach dem Cylinder durch den Kopf oder Deckel g hinter 
den Kolben bei E durch ein Rohr geleitet, das mit einem Behälter für 
Gas oder einer anderen zur Verwendung kommenden Explosivmischung 
in Verbindung steht und ein Rückschlagventil erhält. Der Kolben E 



Neue Gasmaschinen. 121 

ist mit Löchern versehen, die von hinten nach vorn durchgehen und 
durch Ventile o abgeschlossen werden, die gewöhnlich den Durchtritt 
des Gemisches nach der Explosionskammer verhindern. Der Hebel k 
ist bei i an dem Maschinengestell um einen Zapfen drehbar angeordnet. 
Um den Zapfen 3 drehbar ist mit dem Hebel eine Stange 2 verbunden, 
die am anderen Ende eine Feder 4 aufnimmt- letztere wird zwischen 
dem Anschlag £, der gegen das Maschinengestell anliegt, und einer 
Regulirschraube 6 gespannt gehalten. Dieses Ende der Stange 2 wird 
mittels einer Kette 7 getragen. Die Spannung der Feder 4 kann durch 
die Schraube 6 geregelt werden. Die Stange k steht also unter der 
Wirkung der Feder 4. Das obere Ende der Stange k geht durch einen 
Schlitz in dem Ansatz h des Kopfes und ist mit einem abgerundeten 
Kopf versehen, der in eine entsprechende Aussparung eines Gleitblockes p 
pafst, welcher in dem Ansatz h hin und her läuft und mit der Spindel i 
verbunden ist, so dafs durch die Bewegung des Hebels k die Spindel i 
unter Druck gesetzt wird. Da das Ende dieser Spindel mitten an die 
Hinterfläche des Kolbens E angreift, wird der Kolben in gleicher Weise 
unter Druck gesetzt und erhält das Bestreben, nach vorn oder gegen 
das offene Ende des Cylinders hin zu gehen, je nachdem die Bewegung 
nach dieser Richtung durch die Bewegung des Kolbens C beim Vor- 
gange stattfinden kann. 

Zur Zündung der Ladung in der Explosionskammer wird ein Brenner r 
vorgesehen, der an der Mündung eines Rohres s liegt; dieses läuft in 
einen Abzug aus. Durch den wagerechten Theil dieses Rohres reicht 
ein Rohr /, welches durch den Mantel des Cylinders nach dem oberen 
Theil einer wagerechten Aussparung hindurchgeht, die einen Schieber 
trägt. In Richtung mit der OefFnung des Rohres t ist eine Oeffnung 
nach dem Innern des Cylinders hergestellt. Der Schieber u schliefst 
gewöhnlich diese Oeffnung mittels einer Feder 8. Das Rohr t reicht 
ganz durch das Rohr s hindurch und hat eine erweiterte kugelförmige 
Kammer am oberen Ende. Wenn das Rohr t durch die Flamme des 
Brenners r heifs wird und der Schieber u offen ist, so geht etwas von 
dem unter Druck stehenden Gemisch aus der Explosionskammer nach 
dem Rohr t und durch dieses Rohr nach der Kammer auf der anderen 
Seite in Richtung des Brenners ; sobald das Gemisch mit dem heifsen 
Rohr in Berührung kommt, findet eine Zündung und darauf eine Ex- 
plosion statt, die infolge der Lage der Oeffnung gegen das Rohr t nach 
der Mitte der Explosionskammer gerichtet ist und eine Explosion er- 
zeugt, die durch die Zündung des Gemisches in der Mitte eine gleich- 
mäfsig wirkende Expansionskraft erzeugt. Es hat sich gezeigt, dafs 
durch Fortsetzung des Rohres t durch das Rohr * jeder Schlag verhindert 
und jede Rotationswirkung ausgeschlossen wird, da der erste Strom von 
Explosionsgemisch durch das Rohr t nicht direkt abgeschnitten wird, 
vielmehr etwas davon nach der Kammer am Ende des Rohres gehen kann. 



122 Neue Gasmaschinen. 

Steht die Kurbelwelle in der Todtpunktlage, so befindet sich eine 
Ladung des Gemisches innerhalb der Explosionskammer zwischen den 
Kolben C und E; diese Ladung ist bei der Bewegung des Kolbens C 
nach hinten verdichtet und der Schieber u dadurch zurückgezogen 
worden, dafs die Fläche des Kolbens E in Berührung mit den Nasen q 
des Schiebers gekommen ist, sobald der Kolben E an die hintere Grenze 
seiner Bewegung gebracht worden ist. Die Ladung wird auf diese 
Weise gezündet, und die Explosion schafft eine Expansivkraft, welche 
den Kolben C mit einer Geschwindigkeit vortreibt, die ausschliefslich 
durch die von der Maschine zu leistende Arbeit geregelt wird. Diese 
Expansivkraft ist auch Veranlassung, dafs der Hilfskolben fest an den 
Cylinderdeckel gedrückt wird, da sie gröfser ist als die durch die Feder 4 
ausgeübte Kraft. Der Kolben C geht unter der Wirkung der Expansiv- 
kraft weiter vor, bis er den Auspuff 10 erreicht und freilegt, der nach 
einem geeigneten Abzug führt. In dem Augenblicke, wo der Auspuff 
nach dem Innern des Cy linders freigelegt ist, wird ein Kanal für das 
entzündete Gemisch gebildet, der Druck auf den Hilfskolben hört auf, 
und die Feder 4 drückt durch den langen Arm, welcher durch den 
Hebel k gebildet wird, den Kolben schnell nach vorn, wobei eine Menge 
verbrauchter Gase ausgetrieben wird, die gleich dem Betrage an frischem 
Gasgemisch ist, das hinter den Kolben durch das Rückschlagventil 
zugelassen wird. Während der Kanal offen bleibt, kann sich der Hilfs- 
kolben bewegen. Das Mafs dieser Bewegung, und in Folge dessen der 
Betrag der eingelassenen Ladung, wird durch die Bewegung des Haupt- 
kolbens geregelt. Um den Austritt der entzündeten Gase in den Ma- 
schinenraum zu verhindern, wird der Auspuff 10 derart gelegt, dafs er 
niemals gegen das offene Ende des Cylinders freigelegt wird. Sobald 
der Kolben E vorgeht, werden seine Ventile durch die Bewegung des 
Kolbens gegen den Inhalt des Cylinders geschlossen gehalten und es 
tritt in die Kammer hinter den Kolben E eine frische Ladung, wobei 
das Rückschlagventil gehoben wird. Sobald der Kolben C seinen Hub 
nach rückwärts beginnt und den Auspuff geschlossen hat, wird die Be- 
wegung des Kolbens E allmählich durch die Verdichtung der zwischen 
den beiden Kolben noch zurückgebliebenen Verbrennungsrückstände an- 
gehalten; dieses Gemisch dient als ein Kissen zwischen beiden und ver- 
hindert jeden Schlag. Diese Verdichtung nimmt zu, bis der Bolzen l 
in Berührung mit der Fläche des Kolbens E kommt. Da die Bewegung 
des Kolbens C nach hinten fortgesetzt wird, so wird der Kolben E zurück- 
gedrückt, und die neue Ladung, welche dahinter gelagert ist, geht durch 
das Ventil in diesem Kolben nach dem Raum zwischen den Kolben E 
und C, wobei der Auslafs für das Gemisch durch das Zuführungsrohr in 
Folge Niederfallens des Rückschlagventils abgeschnitten wird. Die neue 
Ladung wird deshalb verdichtet, ehe der Kolben C die Grenze seines 
Hubes nach rückwärts erreicht hat, und wenn diese Grenze erreicht ist 



Neue Gasmaschinen. 123 

und ein anderer Antrieb eintreten kann, wird der Schieber u, welcher 
sich unter der Wirkung der Feder selbsthätig schliefst, sobald der 
Kolben E seine Bewegung nach vorwärts beginnt, wiederum zurück- 
gezogen, und es folgt eine weitere Explosion. 

Der Hilfskolben E dient danach als Regulator und ist selbsthätig 
in seiner Arbeitsweise. Da der Kolben E durch seine Feder erst be- 
wegt wird, nachdem der Auspuff geöffnet ist, so ist ersichtlich, dafs 
seine ganze Bewegung stattfindet, während der Auspuff offen ist; denn 
sobald dieses Ende geschlossen ist, verhindert die Verdichtung zwischen 
den beiden Kolben wirksam jedes weitere Vorgehen des Hilfskolbens. 
Daraus folgt, dafs, da der Raum zwischen dem Deckel des Cylinders 
und der Fläche des Kolbens E die Menge des Gemisches für die nächste 
Füllung mifst, die Geschwindigkeit der Bewegung des Hauptkolbens beim 
Schliefsen der Auspufföffnung (die durch die geleistete Arbeit geregelt 
wird) die Kraft der nächsten Explosion dadurch regulirt, dafs sie den 
Hilfskolben ein gröfseres oder kleineres Stück nach vorn gehen läfst. 
Wenn darnach die erste Füllung für die Arbeitsleistung der Maschine 
zu grofs war, wird der Hauptkolben eine schnellere Bewegung erhalten 
und den Auspuff in kürzerer Zeit schliefsen, d. h. die Bewegung des 
Kolbens E begrenzen und dadurch den Betrag der nächsten Füllung ver- 
ringern. Wenn andererseits die erste Füllung kaum ausreichend war, 
die Arbeit zu leisten, dann wird die Bewegung des Kolbens 6' so lang- 
sam, dafs der Kolben E um ein gröfseres Stück nach vorn gehen kann 
und die nächste Füllung und die entwickelte Kraft gröfser wird. 

Um die Regulirwirkung dieses Hilfskolbens beobachten zu können, 
ist eine Scala auf einer oder beideß Seiten des Ansatzes h vorgesehen, 
um die Spannung der Feder derart zu regeln, dafs die Bewegung des 
Hebels k auf den Nullpunkt eine Ladung ergibt, die ausreicht, die 
Reibung der Maschine zu überwinden, während die Bewegung dieses 
Hebels nach den verschiedenen Punkten der Scala die Anzahl Pferde- 
stärken oder einen Bruchtheil derselben anzeigt, welche die Maschine 
leistet. 

Diese Maschine kann durch einen Mann angelassen werden, der den 
Hebel k an dem Grifft fafst und ihn zurückzieht; hierdurch wird der 
Kolben E bewegt und die Füllung begrenzt. 

Eine dreicylindrige Gasmaschine von E. Fürst in Nantes, Frank- 
reich (D.R.P. Nr. 49 379 vom 19. Februar 1889) ist in Fig. 11 bis 13 
Taf. 4 dargestellt. 

Die drei Kolben wirken auf eine gemeinsame Kurbel nahezu fort- 
während ein, so dafs das Gewicht des Schwungrades verringert und 
eine leichte, besonders für Fahrzeuge geeignete Maschine hergestellt 
werden kann. Bei diesem Gasmotor ist ein Cylinder von dem anderen 
abhängig, indem jede Explosion aufser der verwerthbaren Arbeit noch 
jene Arbeit liefert, welche zum Bewegen des Kolbens in jenem Cylinder 



124 Neue Gasmaschinen. 

erforderlich ist, wo die nächste Explosion stattfinden soll. In jedem 
Cylinder iindet bei jeder zweiten Umdrehung der Kurbelwelle eine Ex- 
plosion statt. Der rotirende Maschinenteil, welcher die Steuerung an- 
treibt, dreht sich in entgegengesetztem Sinne wie die Kurbelwelle mit 
halb so grofser Geschwindigkeit, so dafs die Aufeinanderfolge der Ex- 
plosionen sich in dem der Umlaufsrichtung der Kurbelwelle entgegen- 
gesetzten Sinne vollzieht. 

Wie aus Fig. 11 ersichtlich, sind die drei Cylinder ABC des Motors 
in derselben, auf die Kurbelwelle X senkrechten Ebene radial angeordnet. 
Jeder Cylinder enthält einen Kolben /*, welcher durch eine Pleuelstange Q 
mit der gemeinschaftlichen Kurbel M der Welle A" verbunden ist. Die 
Cylinder ABC sind alle mittels Schrauben oder Bolzen mit einem 
Centralstücke verbunden, in welchem die Wellenlager angebracht 
sind, und welches nach allen Seiten derartig geschlossen ist, dafs nur 
die Enden der Kurbelwelle durch Stopfbüchsen herausstehen. In den 
im Mittelstück und zwischen den Kolben der Cylinder ABC ein- 
geschlossenen Hohlraum, dessen Volumen während des Ganges der 
Maschine ein nahezu constantes bleibt, läfst man eine Schmier- und 
Kühlflüssigkeit eintreten. Wenn ein Umlauf dieser Flüssigkeit einge- 
leitet wird, kann gleichzeitig mit dem Schmieren auch ein beständiges 
Kühlen der Cylinder erzielt werden. Diese Cylinder .4 B C treten nach 
einander in Thätigkeit und sind in wechselseitiger Abhängigkeit. 

Jeder Cylinder ist mit einem Einströmungsventil H Fig. 12 und 13 
und mit einem Ausströmungsventil K versehen. Diese beiden Ventile 
sind in einem gemeinschaftlichen Gehäuse mit der Zündvorrichtung- 
angebracht und alle drei werden von einer Excentertrommel T aus 
angetrieben, welche ihre Bewegung von der Kurbelwelle X empfängt 
und in entgegengesetztem Sinne wie diese umläuft. 

Die Bewegungsübertragung auf die Excentertrommel geschieht mit- 
tels eines Zahnrades o 6, welches auf die Kurbelwelle X aufgekeilt ist, 
und zweier Getriebe c c, deren Durchmesser halb so grofs ist, als jener 
des Rades o b. Diese Getriebe sind auf ihren Achsen d frei drehbar 
und übertragen die Bewegung des Rades a b auf die innere Zahnung q r 
der Excentertrommel T. In Folge dieser Anordnung macht die Ex- 
centertrommel T eine Umdrehung, während Rad a b und Welle X zwei 
Umdrehungen machen, und zwar dreht sich die Trommel in dem der 
Bewegungsrichtung der Welle entgegengesetzten Sinne. 

Auf Trommel T sind drei verschiedene Curvenexcenter angebracht, 
von welchen das eine die Einströmungsventile H für das bei B y ein- 
tretende explosible Gasgemenge hebt, das andere die mittleren Stangen, 
durch welche die Zündvorrichtungen in Thätigkeit versetzt werden, 
und das dritte die Ausströmungsventile Ä, von welchen die Ausströmungs- 
stutzen Ä, (Fig. 13) abgehen. 

Während einer vollen Umdrehung der Trommel T kommt jeder 



Neue Gasmaschinen. 125 

Daumen gegen den betreffenden Steuerungstheil aller drei Cylinder AGB 
in Thätigkeit, woraus folgt, dafs bei einer Umdrehung der Daumen- 
trommel T in jedem Cylinder eine Explosion erfolgt, und dafs die 
Kurbelwelle während der Zeit, in welcher diese drei Explosionen vor 
sich gehen, zwei vollständige Umdrehungen macht, und zwar in dem 
der Bewegungsrichtung der Daumentrommel T entgegengesetzten Sinne. 

Nimmt man nun an, die Bewegungsrichtung der Kurbel M sei durch 
den Pfeil F angegeben, so wird die Explosion zuerst im Cylinder A 
stattgefunden haben, dann im Cylinder C, weiter im Cylinder 1?, dann 
wieder im Cylinder A u. s. f., d. h. die Explosionen schreiten in der 
Richtung ACB fort, welche durch den Pfeil G angedeutet und der 
Umlaufsrichtung der Kurbel M entgegengesetzt ist. 

Wenn im Cylinder A die Explosion stattfindet, so wird dadurch 
der Kolben P nach innen geschleudert und gibt auf diesem Wege 
bewegende Kraft an die Welle X ab. Da dann die anderen Kolben 
nach einander auf die Kurbel M wirken, wird Kolben P an seinen Aus- 
gangspunkt zurückgeschoben, was das Austreiben der verbrannten 
Gase zur Folge hat; das Ausströmungsventil ÜTdes Cylinders wird näm- 
lich gerade während dieser Zeit gehoben erhalten, dann wird durch 
die Pleuelstange und Kurbel M der Kolben P gegen die Mitte des Motors 
hingezogen, was das Einsaugen explosiblen Gemenges veranlafst, und 
zwar tritt dieses Gasgemenge durch das während dieser Zeit offen ge- 
haltene Einströmungsventil H ein. Endlich wird der Kolben durch die 
Kurbel, welche sich unter der Einwirkung der in den anderen Cylindern 
entwickelten Energie weiterbewegt, wieder in seine Ausgangsstellung 
geschoben, wobei er das explosible Gasgemenge verdichtet. Nun findet 
Zündung statt und dann wiederholt sich das Spiel. 

Das Zünden des explosiblen Gemenges geschieht mit Hilfe der dem 
Platin, Iridium und einigen anderen verwandten Metallen eigenthüm- 
lichen Eigenschaft, dafs sie, zur Dunkelrothglut erhitzt, die Gase con- 
densiren und deren Verbindung mit dem Sauerstoff veranlassen, so dafs 
dann das Platin weifsglühend wird. Eine Vorrichtung zur Durchführung 
dieser Zündweise ist in Fig. 12 dargestellt. Ein zusammengerolltes 
dünnes Platinrohr reicht mit beiden Enden durch den geschlossenen 
Boden des Rohres 6 2 i wobei ein Ende des Platinrohres an eine Röhre f 
gelöthet ist. Das Gasgemenge (atmosphärische Luft und mehr oder 
minder carburirter Wasserstoff), welches das Platin im Glühen zu er- 
halten hat, tritt durch Rohr f ein und durchströmt das Platinrohr seiner 
ganzen Länge nach. Wenn der Zünddaumen den mittleren Stift hebt 
und das Ventil h von seinem Sitze abhebt, wird das in m befindliche 
explosible Gemenge vermöge seines Contactes mit dem Platin durch die 
Oeffnungen des Ventils h hierdurch entzündet. 

Man könnte die Zündung auch mittels eines elektrischen Funkens 
bewirken, welcher durch das Unterbrechen der Leitung eines inducirten 



126 Neue Gasmaschinen. 

Stromes hervorgerufen wird. In diesem Falle trägt der Stift einen ge- 
zahnten Kopf a 3 /> 3 , Fig. 13, welcher das Polende eines durch die ganze 
Masse der Maschine gebildeten Leitung darstellt, während der andere 
Pol durch den festen und von der Schraubenfeder vollständig isolirten 
Stift d { gebildet wird. Wenn der Zünddaumen unter dem Zündstift durch- 
geht, hebt er ihn und veranlafst gleichzeitig dessen Drehung um seine 
Achse um einen gewissen Winkel. Die Zähne des Kopfes a 3 6 3 treten 
dabei nach einander mit dem Stift d, in und aufser Contact, was die 
Entstehuug des Unterbrechungsfunkens zur Folge hat. Zündstift und 
die Spindeln der Ventile H K endigen unten in Köpfe pq { von möglichst 
grofsem Durchmesser. Jeder von den Curvenexcentern, welche diese 
Spindeln verstellen, ist an einer Stelle eingebuchtet, so dafs an dieser 
Stelle das volle Gewicht der Ventile und der volle Federdruck auf dem 
Ventilsitz ruht. An dieser Stelle sind auch Knaggen angebracht, welche 
auf den Umfang der Köpfe p q { wirken. Durch die Einwirkung der 
Knaggen wird eine kleine Drehung des Ventils um seine Achse ver- 
anlafst, so dafs dasselbe in seinen Sitz eingeschliffen und dadurch voll- 
ständig dicht gemacht wird. Diese Vorrichtung ist sowohl beim Zünd- 
stift als auch bei den Ventilspindeln H und K vorhanden. Durch 
ihre Anbringung beim Zündstift wird aufserdem die elektrische Zündung 
ermöglicht, indem sie den Umlauf des Kopfes o 3 6 3 veranlafst, welcher 
das Ueberspringen der elektrischen Funken bewirkt. 

Der Daumen der Trommel, welcher die Einströmungsventile in 
Thätigkeit versetzt, kann auch zur Regulirung der Umlaufsgeschwindig- 
keit der Maschine durch Aenderung der Mengen, welche zugeführt werden, 
verwendet werden. Zu diesem Zwecke genügt es, diesem Daumen drei- 
eckige Form zu geben und ihn so anzuordnen, dafs er durch einen 
Centrifugalregulator in der Richtung der Trommelachse verstellt werden 
kann. 

Um das Ingangsetzen des Motors zu erleichtern, läfst man während 
der ersten Touren der Maschine das explosible Gemenge in den Arbeits- 
cylindern nicht verdichten. Zu diesem Zwecke kann auf der Daumen- 
trommel noch ein anderer beweglicher Daumen angebracht sein, welcher 
durch eine geeignete Bewegungsübertragung so verstellt wird, dafs er 
das Ausströmungsventil K während des Verdichtungsspiels hebt, oder 
es kann jeder Cylinder noch ein Ventil besitzen, dessen Gehäuse mit- 
tels eines nach Bedarf zu öffnenden und zu schliefsenden Hahnes mit 
dem Cylinder communicirt. Dieses vierte Ventil wird dann während 
des Verdichtungsspiels durch einen der Daumen auf der Trommel ge- 
hoben. 

Bei der rotirenden Gasmaschine von F. Cordenons in Vicenza 
(D. R. P. Nr. 48640 vom 18. Januar 1889) sind mehrere Arbeitscylinder 
mit der Mittellinie tangential am Umfange des Schwungrades angeordnet 
und rotiren mit demselben, indem sie letzteres dadurch ständig andrehen, 



Neue Gasmaschinen. 127 

dafs ihr Arbeitskolben mit seiner Stange sich im Augenblick der Zün- 
dung an einem festen Stützpunkte des Maschinengestells fängt. 

Die in Fig. 14 und 15 Taf. 7 dargestellte rotirende Gasmaschine von 
H. Yieweger in Mittweida (D. R. P. Nr. 45296 vom 10. Januar 1888) 
wird im Wesentlichen aus einem System kreisender Treibcylinder ge- 
bildet, die wechselweise zur Kraftwirkung gelangen. Diese kreisenden 
Cylinder (in der Zeichnung vier an der Zahl, es können jedoch auch 
mehr angeordnet werden) stehen zu zweien einander gegenüber und diese 
arbeiten je auf einer Kröpfung der Welle E. Die Cylinder sind an 
einem, ebenfalls mit diesem kreisenden, Stück fest verbunden, welch 
letzteres in dem Gestell gelagert ist. Das Cylindersystem dreht sich 
um die Mittellinie 0, während die Kurbelwelle in der Linie E ihre 
Drehachse hat. In Folge dieser eigenartigen Vorbewegung der Dreh- 
punkte von Kurbelwelle und Cylindersystem wird erreicht, dafs trotz 
geringen Kurbelhubes ein langer Kolbenschub erreicht wird, während 
die Kurbelwelle bei einem Umlauf des Cylindersystems eine doppelte 
Drehung vollbringt. Durch diese Einrichtung wird erzielt, dafs je zwei 
gegenüberstehende Cylinder in besondere Wechselwirkung gebracht 
werden können, so zwar, dafs jedesmal der eine Cylinder die Arbeit 
des Ansaugens und Zusammendrückens von dem im anderen Cylinder 
zur Entzündung zu bringenden Gemische bewirkt. 

Die Cylinder A A und B B, von welchen die Vorderseiten (von der 
Kurbel gerechnet) als Pumpen, die Hinterseiten als Arbeitscylinder dienen, 
sind mit dem ringförmigen Theil C aus einem Stück gegossen. Der 
ringförmige Theil C ist drehbar in dem Gestell D gelagert, derart, dafs 
sich die Cylinder um die Linie 0-0 drehen können. Excentrisch hierzu 
liegt in dem Gestell D die zweimal gekröpfte Welle E, deren Kurbel 
um 180° versetzt ist. Wenn die Kolbenstangen sich geradlinig hin und 
her bewegen, drehen sich die Cylinder um die Linie 0-0 und die ge- 
kröpfte Welle dreht sich mit doppelter Geschwindigkeit um ihre Mittel- 
linie. Das Hin- und Hergehen der Kolben wird durch die Expansion 
eines im Räume S entzündeten Gasgemisches bewirkt. 

Das explosible Gemisch wird durch Zuführung von Luft und Gas 
durch Hähne F (Fig. 14) in dem ringförmigen Kanal G erzeugt und 
gelangt von hier durch das gesteuerte Ventil H in den vorderen, als 
Pumpe dienen den Cylinderraum. Beim Rückgange des Kolbens wird 
das angesaugte Gemisch zunächst zusammengedrückt und dann durch 
die Kanäle r und das gesteuerte Ventil J in den hinteren schädlichen 
Raum des gegenüberliegenden Cylinders geprefst, wo es durch einen 
elektrischen Funken entzündet wird (Fig. 15). Nachdem das entzündete 
Gas den Kolben vorwärts gedrängt hat, [öffnet sich beim Rückgänge 
des Kolbens das gesteuerte Ventil iV, durch welches die Verbrennungs- 
rückstände zum Theil entweichen. Der Schlufs des Ventils erfolgt 
vor vollendetem Hube. Die Steuerung der Ventile H J und N geschieht 



1J- Neue Gasmaschinen. 

durch ringförmig gestaltete, am Gestell D befestigte Gleitstücke KL 
und L { , durch welche die Hebel M im geeigneten Moment herab- 
gedrückt werden und diese hier durch die durch Federn geschlossenen 
Ventile öff'neu. 

Durch e wird den Cylindern Gel zugeführt. Die Kühlrippen dienen 
in Verbindung mit der durch die Rotation erzeugten Luftströmung dazu, 
die Temperatur der Cylinderwandungen herabzumindern. 

Zwei Hähne F für jedes Cy linderpaar, welche auf dem Gestell D 
sitzen, münden in den ringförmigen Kanal £, welcher seinerseits durch 
die Ventile H in Verbindung mit den vorderen Seiten der Cylinder steht. 
Die Vorderseite eines jeden Cylinders ist durch einen Kanal r und das 
Ventil J mit der Hinterseite des gegenüberliegenden Cylinders verbunden. 
Das Spiel ist nun folgendes : Der Einfachheit halber mögen die Cylinder 
vorläufig als ruhend angenommen werden. Befindet sich der Cylinder A 
rechts in der äufseren Todtpunktlage, so ist der gegenüberliegende 
Cylinder in der inneren Todtpunktlage. Der schädliche Raum 5 des 
Cylinders A rechts ist angefüllt mit explosiblem Gemisch und Verbren- 
nungsrückständen in comprimirtem Zustande. Vor dem Kolben befindet 
sich das eben angesaugte explosible Gemisch und im gegenüberliegenden 
Cylinder hinter dem Kolben Verbrennungsrückstände: das comprimirte 
explosible Gemisch im Raum 5 wird durch einen elektrischen Funken 
entzündet und beide Kolben bewegen sich hierdurch von oben rechts 
nach links. Hierdurch wird das vor dem Kolben befindliche Gemisch 
comprimirt, hingegen die Verbrennungsrückstände im gegenüberliegenden 
Cylinder durch das Ventil N in die Luft entweichen. Im vorderen Raum 
dieses Cylinders werden durch die beiden Hähne F, den ringförmigen 
Raum G und das geöffnete Ventil H Luft und Gas angesaugt. Haben 
die beiden Kolben etwa 3 / 4 ihres Hubes zurückgelegt, so öffnet sich das 
Ventil J, während sich das Ventil N desselben Cylinders schliefst. Es 
wird also das im vorderen Theil des Cylinder rechts befindliche, bereits 
comprimirte Gemisch während des letzteren Hubviertels in den schäd- 
lichen Raum des links liegenden Cylinders geprefst, wo es sich mit den 
Verbrennungsrückständen mischt. 

Das Saugventil H wird etwas vor vollendetem Hube geschlossen. 
Damit die in dem Kanal r befindlichen comprimirten Gase nicht durch 
das Ventil H und die Hähne F abblasen, wird das Ventil erst geöffnet, 
wenn die Spannung im Kanal r unter die atmosphärische Spannung ge- 
sunken ist. Die Cylinder sind aber nicht, wie vorausgesetzt war, stehen 
geblieben, sondern haben sich um 180« gedreht, so dafs sie ihre Stellung 
gerade vertauscht haben. Es befindet sich also wiederum der Cylinder 
rechts in demselben Zustande wie vorhin, überhaupt befindet sich ein 
beliebiger Cylinder an derselben Stelle des Raumes genau in derselben 
Phase wie seine Vorgänger. Das rechtzeitige Oeffnen der Ventile, ge- 
90hl08sen gehalten werden sie durch Federn, geschieht durch Herab- 



Neue Gasmaschinen. 129 

drücken der Hebel M an der Stelle, wo die Röllchen sich befinden. 
Besorgt wird dieses Herabdrücken durch unrunde Ringe von rechteckigem 
Querschnitt K und L Lj , welche fest mit dem Gestell verbunden sind. 

Die Zuführung des Inductionsstromes geschieht durch die Klemmen ft, 
welche auf dem Gestell #, jedoch von diesem durch das Brettchen b 
isolirt, befestigt sind. Zwei Federn /", in Verbindung mit diesen Klemmen, 
schleifen auf den metallischen Belegungen ro und n, welche mit den 
Cylindern, aber getrennt durch den isolirten Ring i, fest verbunden sind. 
Die Belegung m, welche einen geschlossenen Ring bildet, ist durch vier 
Leitungsdrähte mit je einem Zündstift z verbunden. Die Belegung n 
besteht aus vier einzelnen Segmenten, von denen ein jedes durch einen 
Leitungsdraht mit dem anderen Zündstift z verbunden ist. 

Eine Abänderung der beschriebenen Construction besteht darin, 
dafs an Stelle der im Cylinderende befindlichen schädlichen Räume 
besondere Entzündungskammern angebracht sind, in denen sich zwang- 
läufig bewegte Ventile befinden. Eins derselben dient zur Abführung 
der Verbrennungsgase, während ein anderes erforderlich ist, um die 
erhitzten geprefsten Verbrennungsproducte auf die Treibfläche des 
Kolbens zu leiten. Die Ventile werden durch Hebel bewegt, welche 
von einem am Gehäuse befindlichen Treibstücke beeinflufst werden. 

An die bekannte Parsons sehe Dampfturbine schliefst die Maschine von 
Dcsgojfe und Giorgio in Odessa an (D. R. P. Nr. 43 452 vom 3. August 
1887), welche in Fig. 16 dargestellt ist. Dieser Motor besteht aus con- 
centrisch in einander gesteckten und paarweis angeordneten Schrauben- 
gängen, deren Gewinde, ohne sich wechselseitig zu berühren, scheeren 
und dadurch eine eigenthümliche mechanische Einrichtung schaffen, deren 
Schraubenflächen als Receptoren die motorischen Kräfte aufnehmen und 
bei ihrer Drehung um die gemeinsame Schraubenachse, oder schon bei 
der Rotation einer einzelnen Schraube, sie in mechanische Arbeit um- 
setzen. Die Anordnung von sich scheerenden, links und rechts gewun- 
denen Gängen hat zur Folge, dafs ein parallel zur Achse wirkender 
Druck eine Rotationsbewegung erzeugt, deren Richtung winkelrecht gegen 
die ursprüngliche Druckrichtung ist. 

In Fig. 17 mögen die Dreiecke abc und dbc die abgewickelten 
Flächen eines Schraubenpaares darstellen, deren Hj^pothenusen ac und de 
ihren Gewinden, deren gemeinschaftliche Kathete bc der Steigung und 
deren Grundlinien ab und bd dem abgewickelten cylindrischen Schrauben- 
umfange entsprechen. Ist die Richtung einer Kraft P winkelrecht gegen 
die Grundlinien ad gegeben, so zerlegt sich dieser Druck zunächst in 
seine Componenten längs der schiefen Ebene c a und c d und in die 
Componenten c e und c k normal zu den Schraubenflächen ; aus beiden 
letzteren bildet sich wiederum eine Resultante c b in der Richtung der 
Achse und die Componenten c l und c m normal zur Achse. 

Denkt man sich nun die beiden Dreiecke verschiebbar bezieh, die 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 3. 1890111. 9 



130 Neue Gasmaschinen. 

beiden Schrauben drehbar, bo wird der Angriffspunkt der Kraft in der 
Richtung cb fortschreiten, während gleichzeitig ein jedes der beiden 
Dreiecke um die Lauge seiner Grundlinie ab bezieh, bd nach aufsen 
verschoben wird, so dafs die Hypothenusen ac und cd nach Beendigung 
dieser Verschiebung sich in den Lagen bf und bg befinden werden, d. h. 
während der Angriffspunkt der Kraft die Höhe einer Steigung der 
Schraubengäuge durchläuft, macht jede der beiden beweglichen Schrauben 
eine Umdrehung um ihre gemeinschaftliche Achse. 

Wenn dagegen die Mantelschraube feststeht, so wird die allein be- 
wegliehe innere Schraube eine Umdrehung zurücklegen, während der 
Angriffspunkt der Kraft um den Weg cbj t fortschreitet, bezieh, zwei 
Umdrehungen macheu, während dieser Punkt c um die Höhe einer 
Steigung vorrückt. 

Die Wirkungsweise der Kraft P auf die beiden convergirenden 
Schraubenflächen kann mit der Wirkungsweise eines Keiles h c i auf 
die Flächen c h und c i verglichen werden, woraus hervorgeht, dafs der 
Druck auf die Schraubenflächen, in der Richtung ihrer Verschiebung 
gemessen, um so gröfser wird, je spitzer der Keil oder je steiler der 
Neigungswinkel der Gänge wird, während gleichzeitig das Mafs der 
Verschiebung rechtwinklig zur Achse abnimmt. 

Die Einrichtung ermöglicht, Druck und Umdrehungsgeschwindigkeit 
nach Mafsgabe des Neigungswinkels der Gänge zu variiren und den 
letzteren in solcher Weise zu bestimmen, dafs entweder ein Maximum 
der mechanischen Nutzarbeit erreicht werde, oder dafs hinsichtlich der 
Umdrehungszahl die Anforderungen eines bestimmten Falles der An- 
wendung erfüllt werden. Erfahrungsmäfsig ist die Neigung der Gänge 
17° 40' zur Normalebene der Achse hinsichtlich des sparsamen Ver- 
brauches der motorischen Substanz am geeignetsten. Durch den in der 
Richtung der Schraubenachse wirkenden Druck P wird eine Reibung 
am Spurzapfen hervorgerufen. Diese und die Reibung in den Stopf- 
büchsen sind die einzigen Reibungen mechanischer Theile in diesem 
Motor. Die erstere wird jedoch durch die nachfolgende erläuterte An- 
ordnung, welche ein Gleichgewicht zwischen den Achsendrücken her- 
beiführt, aufgehoben. 

Eine Spindelschraube a, Fig. 16, welche auf ihrer halben Länge 
rechtsgängig, auf der anderen Hälfte ihrer Länge linksgängig ist, wird 
von einem mit dem Zuführungsrohr b und den Abzugsrohren c c ver- 
sehenen Mantel d umgeben, welcher die scheerenden Gewinde an der 
inneren Mantelfläche enthält. Die^e Gänge sind sowohl unter sich als 
denjenigen der Schraubenspindel entgegengesetzt gewunden. Gemeinsam 
ist allen jedoch die Einrichtung, dafs die Ganglüeken von der Stelle des 
Eintritts bei b nach den Seiten der Austritte cc sich vertiefen, um die 
Expansion, welche nach der Theilung in zwei Strahlen während seines 
Verlaufes nach beiden Seiten des Scheerengewindemotors sich vollzieht, 



Neue Gasmaschinen. 131 

vollkommen auszunutzen. Die Schraubenspindel tritt, durch Stopfbüchsen 
gedichtet, aus dem Mantel heraus und wird durch die Kupplung e mit 
der Arbeitswelle f gekuppelt. 

Eine Abänderung dieser Maschine ist von C. W. Thiele in Odessa 
(*D. R. P. Nr. 45 637 vom 10. Juni 1888) angegeben. Die Maschine 
besitzt eine drehbare, im festen Gehäuse mit Muttergewinde gelagerte 
Schraube von entgegengesetzter Gewinderichtung. Zur Steigerung ihres 
Nutzeffectes sind Scheidewände angeordnet, welche, von dem Gehäuse 
und dem Schraubenkern ausgehend, bis zur cylindrischen Berührungs- 
fläche reichen und so Kammern bilden, welche die gleich hohen Schrau- 
bengänge streckenweise und wechselweise schliefsen und öffnen. 

Eine Kolbenschmierung für stehende Gasmaschinen bringt B. Lutzki 
in Harburg (* D. R. P. Nr. 48 641 vom 20. Januar 1889) in Vorschlag. 
Fig. 18 zeigt die bezügliche Einrichtung. Von einem Oeltropfapparat 
gelangt das Oel durch das Röhrchen l in den Ringkanal m, von hier 
durch zwei Oeffnungen in eine wagerechte Nuth, dann, um den Kolben 
ringsum zu schmieren, in eine spiralförmig gewundene Schmiernuth o 3 . 
Hier nimmt der Arbeitskolben das Oel auf und vertheilt es beim Auf- 
wärtsgang gleichmäfsig über die Cylinderwandungen. Den Oelabschlufs 
vermitteln mit Hilfe der wagerechten Nuth o x die feinen, in einer Kegel- 
fläche o 4 centrisch eingefeilten Riefen o 5 , welche es in den sich eng an 
den Cylinderkolben legenden Oelfänger f führen. Die Oeffnung o 2 dient 
zum Ablassen des Oeles aus dem Fänger. 

Fig. 19 erläutert eine Einrichtung von P. Niel in Paris (*D. R. P. 
Nr. 50834 vom 26. Mai 1889) um die Wärme der gasförmigen Ver- 
brennungsrückstände, die sonst unmittelbar nach der Explosion ab- 
geblasen werden, dadurch auszunutzen, dafs dieselben in einem Luft- 
verdichtungscylinder mit der für die Ladung erforderlichen Luft vermischt 
und zur Wirkung gebracht werden. Diese Luftpumpe kann in der 
Achse des Arbeitscylinders oder parallel zu diesem Cylinder angeordnet 
werden und steht mit dem Arbeitscylinder durch eine besondere Ventil- 
steuerung in Verbindung. Die Luftpumpe erhält zweckmäfsig ein 
gröfseres Volumen wie der Arbeitscylinder, und zwar etwa das Doppelte 
desselben. 

Der Zeichnung ist als Beispiel ein Viertaktmotor mit Arbeitscylinder /, 
Kolben 2, Kurbel und Schubstange zu Grunde gelegt.»? Die Gas- und 
Luftzuführung erfolgt durch den Kanal 5g und wird mittels der um- 
laufenden Welle 6 geregelt. Der Austritt der Verbrennungsrückstände 
erfolgt durch den Kanal 7 mit Ventil 14 in einen Vertheilungskasten, 
welcher mit dem Luftcylinder 8 in Verbindung steht. Der Kolben 9 
ist durch die Schubstange 40 mit einer Kurbel 11 verbunden, die auf 
der Antriebswelle des Motors befestigt ist. Die Kurbeln sind entweder 
einander gegenüber oder unter einem}' gewissen Winkel zu einander 
angeordnet. ^Zwischen dem Cylinderboden und dem Kolben 9 befindet 



132 Neue Gasmaschinen. 

sich der Verdichtungsraum 12; in dem Boden des Luftcylinders ist ein 
Saugventil 15 angeordnet. Das in dem Vertheilungskasten befindliche 
Ventil 14 wird durch die Daumenscheibe 15 und das Ventil 16 durch 
die Daumenscheibe 17 in der auf der Zeichnung ersichtlichen Weise 
durch Hebel gesteuert. Die Verbrennungsrückstände werden mit der 
durch das Ventil 13 angesaugten Luft vermischt, darauf durch den 
Luftcylinderkolben zusammengeprefst und entweichen zum Theil durch 
das Ventil 16 und den in dessen Verlängerung befindlichen, unter ihm 
angeordneten Kanal 18. Beim Rückgange des Arbeitskolbens 2 wird 
die vorher angesaugte Explosionsladung verdichtet; gleichzeitig saugt 
der Luftcylinderkolben 9 frische Luft durch das Ventil 15 in den Cy- 
linder 8. Sobald der Kolben 2 in Folge der Explosion wieder vorgeht, 
bewegt sich der Kolben 9 wieder zurück, und es wird bis zum halben 
Kolbenhub durch das gleichzeitig bethätigte Ventil 16 ein Luftvolumen 
wieder ausgeschieden, welches dem in dem Arbeitscylinder angesaugten 
Volumen des Explosionsgemisches entspricht; hierauf schliefst sich das 
Ventil 16 und der Kolben 9 comprimirt das übrigbleibende Luftvolumen. 
Bei dem dritten Kolbenhub, wenn der Kolben 2 zurückgeht, um die 
Verbrennungsrückstände aus dem Cylinder auszutreiben und der Kolben 9 
sich wieder nach auswärts bewegt, öffnet sich das Ventil 14 und es 
bildet sich ein Gemisch von Verbrennungsrückständen und verdichteter 
Luft in dem Cylinder 8. Erwärmt durch diese Vermischung, leistet 
diese dann auf den Kolben 9 eine gröfsere Arbeit als diejenige, welche 
zu ihrer Verdichtung erforderlich war, und hieraus entspringt der Vor- 
theil einer mechanischen Hilfsarbeit. Beim vierten und letzten Kolben- 
hub des Viertaktmotors, wenn der Kolben 2 sich wieder nach auswärts 
bewegt, wobei seine Explosionsladung ansaugt, und wenn der Kolben 9 
wieder zurückgeht, wobei er das aus den Verbrennungsrückständen 
und der Luft bestehende Gemisch vor sich hertreibt, hat sich das 
Ventil 14 geschlossen und das Ventil 16 geöffnet, worauf das Gemisch 
endgültig durch den Kanal 18 entweicht. 

Einen gleichen Vorgang könnte man auch in einem zweiten Cy- 
linder eintreten lassen. Man könnte auch die Luft durch das Ventil 15 
ansaugen und theilweise wieder verdrängen oder nur während eines 
halben Kolbenhubes ansaugen lassen, in welchem Falle das Ventil von 
der Welle 6 zu steuern wäre. Oder es könnte auch dieses Ventil 15 
fortgelassen und die Luft durch das Ventil 16 angesaugt, dann zum 
Theil wieder verdrängt uud der übrigbleibende Theil verdichtet werden. 
Werden die Cylinder hinter einander angeordnet, so sind die Kanäle 
entsprechend abzuändern. 

Ein Schalldämpfer für die Auspuffgase wird von 0. Blessing in 
Reudnitz-Leipzig (*D. R. P. Nr. 47 256 vom 8. Juli 1888) angegeben. 
Derselbe besteht gemäfs Fig. 20 aus einer Rohrleitung x 2 x$ für Aus- 
puffgase mit einem oder mehreren Behältern t>,, sowie mit einem oder 



Nene Gasmaschinen. 133 

mehreren Ventilen z 2 un d einer oder mehreren Federn a, je auf einem 
Behälter v i oder auf einem Rohr x 2 der Leitung, welche mit einem 
Ende auf einem Behälter v { bezieh. Rohr x 2 und mit dem anderen 
Ende an einem Deckel <J, dicht auf demselben aufliegend, befestigt 
sind, wobei der von jeder Feder a eingeschlossene Raum in Verbindung 
mit dem Inneren der Rohrleitung steht. In der Rohrleitung x 2 befinden 
sich Verengungen durch Einschalten von kurzen Rohrstutzen x 3 mit 
geringerer Durchgangsöffnung als die der übrigen Rohre # 2 , welche 
aber auch fortgelassen werden sollen. Die Auspuffgase des Motors 
werden in der Richtung der auf der Zeichnung angedeuteten Pfeile 
durch die Rohre x 2 x z un & die Behälter v^ geleitet. 

Die Ventile z 2 , welche an einem Deckel d angebracht sind, haben 
den Zweck, dafs, wenn bei mehreren auf einander folgenden Kolben- 
hüben die Explosion ausbleibt, wobei der Kolben mit den Auspuffgasen 
spielt, wie das der Fall ist, wenn wenig Kraft vom Motor gefordert 
wird, sobald der Kolben saugend wirkt, nicht die Auspuffgase aus der 
langen Leitung x 2 x 3 zurückgezogen werden müssen und eventuell das 
gewöhnlich durch Federdruck geschlossen gehaltene Mischventil auf- 
gezogen wird. 

Beim Auspuff der Gase vom Motor wirken dieselben zunächst auf 
die innere Wandung der Leitung, schliefsen die Ventile z 2 und heben 
die Deckel d von den Behältern i\ etwas hoch, wodurch die Win- 
dungen der Federn a aus einander gezogen werden, so dafs die Aus- 
puffgase theils durch die zwischen den Windungen der Federn a ent- 
stehenden Räume und theils durch die Rohrleitung x 2 x 3 entweichen. 

Nach dem Auspuff der Gase ziehen sich stets die Windungen der 
Federn a wieder von selbst dicht auf einander, und es tritt durch das 
Ventil z 2 Aufsenluft hinter den saugend wirkenden Kolben des Motors. 

In Folge der abwechselnden Erweiterung und Verengung dieser 
Leitung, sowie in der Hauptsache dadurch, dafs beim Auspuff die Gase 
durch die Oeffnung zwischen den Windungen der Federn a vertheilt 
in das Freie gelangen, wird das Geräusch gedämpft. 

Die gemeinschaftliche Verwendung von Gasexplosionen und Wasser- 
dampf in derselben Maschine wird neuerdings wieder mehr gepflegt. 
A. B. Drautz in Stuttgart (*D. R. P. Nr. 50771 vom 13. Juni 1889) 
läfst beide Kraftmittel in demselben Cylinder auf mehrere Arbeitskolben 
wirken (Fig. 21). 

Die Maschine besitzt zwei verschieden grofse steuernde Arbeits- 
kolben, die in entsprechenden Cylindern, welche mittels zweier Ver- 
theilungskanäle verbunden sind, arbeiten. Die zwischen den beiden 
Kolben liegenden Cylinderräume, sowie der eine kleinere Kanal dienen 
zum Ansaugen, Verdichten und Entzünden des Explosivgemenges, 
während der vor dem kleineren Kolben liegende Cylindertheil, sowie 
der dazugehörige hohl geformte Cylinderdeckel als Explosionsraum ver- 



134 Neue Gasmaschinen. 

wendet wird, welcher durch eine selbsthätig wirkende Wasserein- 
spritzung abgekühlt und zur Erzeugung von Dampf von hoher Span- 
nung Verwendet wird. Der erzeugte Dampf sammt dem explodirten 
Gemenge wird gogeu Ende des einen Kolheulaufes mittels des gröfseren 
Vertheilungskanals der rechtsseitigen Hälfte des gröfseren Cylinders zu- 
geführt und expandirt daselbst bei entgegengesetztem Kolbenlauf weiter, 
um gegen Schlufs des letzteren mit geringer Spannung zu entweichen, 
d. h. ins Freie auszuströmen oder eventuell zu weiterer Ausnutzung 
einem Condensator zugeführt zu werden. 

Denkt man sich die beiden Kolben A und A { in der bezeichneten 
Lage und in der angegebenen Pfeilrichtung fortschreitend, so wird zu- 
nächst die rechtsseitige Kanalmündung von k [ durch Kolben A t ab- 
geschlossen und das zwischen dem Cylinderdeckel C und dem Kolben A { 
befindliche Explosivgemenge durch den mittels Gasflamme erhitzten 
Zündstift t entzündet. Letzteres wird dadurch bewirkt, dafs in einer 
bestimmten Lage der Kolben der Zündstift f, der an einem Stängchen k l 
mit Rolle r befestigt ist, welches in dem Zündcylinder K beweglich 
gelagert ist und durch eine Schraubenfeder p l in einer bestimmten 
Lage aufserhalb des Zündkanals o festgehalten wird, mittels von einer 
Excenterstange S auf einen Winkelhebel k 3 ausgeübten Zuges der 
Röllcheu r ( sammt Stängchen k l und Zündstift t in den Zündkanal o 
und Kanal A, eiustöfst und das Gemenge entzündet. Die durch die 
Explosion erzeugten Gase von hoher Spannung schleudern den Diffe- 
rentialkolben D d nach links und pressen das zwischen den beiden 
Ventilen i { und i 2 befindliche Wasser durch die geöffnete Ventilmündung 
von tj und durch die kleinen Oeffnungen des Vertheilers / in den Ex- 
plosionsraum b. Die heifsen Gase bewirken eine sofortige Verdampfung 
des eingespritzten Wassers und eine starke Abkühlung der Verbrennuugs- 
gase und der Explosionsraumwandungen, wodurch eine Abkühlung der- 
selben aufserhalb unnöthig wird. Das Gemisch von Verbrennungsgasen 
und Dampf treibt nun beide Kolben so lange in der Pfeilrichtung, bis 
die linksseitige Kanalmündung von h durch den Kolben A { freigegeben 
ist und das Gas-Dampfgemisch durch den Kanal h in den rechtsseitigen 
Cylinderraum von B eintritt und Druckausgleich in Beziehung auf die 
beiden Kolben A und A { stattfindet. In Folge der Flächendifferenz der 
letzteren werden die Kolben nunmehr nach links getrieben und das 
Gas-Dampfgemenge expandirt auf der rechtsseitigen Kolbenhälfte von A 
so lange weiter, bis der Auslafskanal J vom Kolben A freigegeben 
wird und derselbe ins Freie entweicht oder eventuell in einen Con- 
densator ausströmt, während auf der linksseitigen Kolbenseite von A { 
Compression stattfindet bezieh, frisches Gasgemenge eingeprefst wird. 

Während somit links und rechts der beiden Kolben A x und A die 
arbeitenden Gase bezieh. Dämpfe wirken, wird zwischen beiden Kolben 
bei der Bewegung derselben von links nach rechts zuerst die rechts- 



Keue Gasmaschinen. 135 

seitige Kanalmündung von h { durch Kolben A { abgeschlossen und in 
der Weiterbewegung der Kolben in den Cylindertheilen zwischen den 
Kolben ein Vacuum erzeugt, das Speiseventil v geöffnet und Gas und 
Luft angesaugt. Beim Kolbenwechsel wird das Ventil v geschlossen, 
das Gasluftgemenge verdichtet und endlich durch den Kanal h { in den 
Verbrennungsraum B { C eingeprefst und nach wiederum stattgehabtem 
Kolbenwechsel bei entsprechender Lage der Kolben und vorherigem 
Abschlufs der rechtsseitigen Kanalmüudung von A, durch das Excenter 
der Zündstift t wieder in den Kanal h { eingestofsen und das Gemenge 
entzündet, woi-auf die eben beschriebenen Wirkungen von neuem auf- 
treten. Zur Regulirung des Motors dient das Speiseventil des Gas- 
gemenges B selbst, welches, wenn überschüssige Kraft vorhanden, vom 
Hebel d, der durch eine Stange r mit dem Regulator in Verbindung 
steht, entweder theilweise oder vollkommen zugehalten wird, wodurch 
nur geringe oder gar keine Ansaugung von explosiblem Gemenge statt- 
finden kann, und dementsprechend nur eine geringe oder gar keine 
Explosion, d. h. eine geringe oder gar keine Kraftentwickelung statt- 
findet. Der belastete Hebel d [ dient dazu, die Reibungswiderstände 
des Ventilstängchens * im Deckel m und in der Stopfbüchse m l des 
Ansaugetopfes G, sowie des Gewichtes des Ventils v genügend auszu- 
balanciren. Der lose eingelegte Conus y hat nur den Zweck, den An- 
saugeraum möglichst zu verringern. 

Damit eine Einspritzung von Wasser nur bei einer jedesmaligen 
Explosion stattfindet, ist in dem hohlen linksseitigen Cylinderdeckel C 
von Cylinder ß { eiu hohler Differentialkolben D d derart beweglich 
gelagert, dafs derselbe mittels einer Schraubenfeder f in einer be- 
stimmten normalen Lage gehalten wird. In dem Hohlkolben D d ist 
das Druckventil tj, während das Saugventil i 2 in einem an den Deckel 
angegossenen senkrechten Saugstutzen, der mit dem Saugrohr n ver- 
bunden ist, liegt. Der Lufthahn e dient zur Regulirung des Weges des 
Kolbens Dd bei einer stattfindenden Explosion und damit der Menge 
des eingespritzten Wassers. Wird nämlich der Kolben D zurück- 
geschleudert, so mufs derselbe den Widerstand der Feder f überwinden 
und aufserdem die zwischen dem Kolben D und seinem Cylinder be- 
findliche Luft comprimiren. Diese Comprimirung kann nun mittels des 
Hahnes e regulirt werden. I ist ein Wasservertheiler, der am gröfseren 
Kolben D festgemacht ist. ^ ist ein am Cylinderdeckel C festgemachter 
Ring, gegen den der Kolben D durch die Spiralfeder f geprefst wird. 
Beim Zurückschleudern der Kolben Dd wird durch Ventil i, Wasser 
in den Explosionsraum gespritzt und beim Zurückdrängen beider Kol- 
ben D d mittels der Feder f Wasser nachgesaugt in den Raum c 2 aus 
dem Saugraum c 3 . (Vgl. Nebenfigur zu Fig. 21.) 

Zum Betriebe von Strafsenbahnwagen benutzt E. Capitaine in Berlin 
(*D. R. P. Nr. 48302 vom 12. Juli 1888) vier zu je zwei gekuppelte 



136 Neue Gasmaschinen. 

Gasmaschinen. An den Enden dieses Wagens sind unter den Sitz- 
bänken vier Motoren durch Wände und Sitzbrett allseitig dicht ein- 
geschlossen angebracht. Das Sitzbrett, welches an dieser Stelle etwas 
erhöht ist, läfst sich mit der Wand drehen bezieh, heben, so dafs der 
einzelne Motor vom Wageninneren aus leicht zugänglich ist. Die 
Wellen der beiden vorderen Motoren einerseits und der beiden hinteren 
andererseits sind mit einander verbunden und ragen seitlich vom Wagen 
heraus, zum Zwecke eines Andrehens der Motoren mittels einer auf 
das Wellenende gesteckten Handkurbel. Die Drehbewegung der Mo- 
torenwelle wird durch einen Gummiriemen auf eine gröfsere Scheibe 
übertragen. Auf der dieser Scheibe zugehörigen Welle sitzt ein Zahn- 
rad, welches in ein gröfseres Zahnrad greift. Ersteres sitzt lose auf 
der Radachse und wird nach Bedarf durch eine Frictionskuppelung 
mit derselben gekuppelt. Das Ein- und Ausrücken der Kuppelung ge- 
schieht mittels Winkelhebels von einer Handkurbelwelle aus. 

Unter normalen Verhältnissen arbeitet ein Motorenpaar, und die 
Verbindung zwischen der zweiten, nicht zu diesem Motorenpaar [ge- 
hörigen Kuppelung und dem Bremshebel wird gelöst; das zweite Mo- 
torenpaar dient nur zur Reserve bei irgend welcher Betriebsstörung 
oder zur Ueberwindung von grofsen Widerständen, welche im Vor- 
stehenden näher bezeichnet wurden. Es bedarf zur Inbetriebsetzung 
des zweiten Motorenpaares nur der Wiederherstellung der Verbindung 
zwischen Bremshebel und Winkelhebel. 

Um ein Herabsinken der Umdrehungszahl der Motoren bei ein- 
tretenden gröfseren Widerständen, als Befahren von Curven oder Stei- 
gungen oder beim Anfahren des Wagens, zu verhüten, welches eine 
verhältnifsmäfsig bedeutende Minderleistung des Motors in Folge der 
stärkeren Abkühlung der arbeitenden hocherhitzten Gase durch die 
längere Berührung mit den stets kälteren Cylinderwandungen und 
schliefslich einen Stillstand der Motoren zur Folge haben würde, ist 
eine Centrifugalreibungskuppelung vorgesehen. 

Steuerungen. 
Dürr und Krumpelt in München (*D. R. P. Nr. 48 839 vom 12. Fe- 
bruar 1889). Fig. 22 zeigt einen Gasmotor, bei welchem die Luft im 
vorderen Theile des Arbeitscylinders verdichtet wird, durch ein Ventil 
in eine Rohrleitung rr tritt, von dort durch das eingeschaltete Mund- 
stück m durch den Schlitz des Schiebers 5, in den Explosionsraum e 
des Arbeitscjlinders gelangt und auf diesem Wege das in dem Kanal ii 
befindliche Gas mit sich reifst. Die Bewegungsmechanismen sind so 
angeordnet, dafs kurz bevor der Arbeitskolben an dem hinteren todten 
Punkte angelangt ist, das Gasgemisch unter entsprechendem Druck in 
die Explosionskammer eintritt. Der Schieber h schliefst bei Beginn des 
Hubes den Gaszutritt ab und wird das Gasgemisch dann entzündet. 



Neue Gasmaschinen. 137 

Sämmtliche Mechanismen, welche Gaseintritt (Schieber), Gasaustritt 
(Ventil) und Zündung (Zündschieber) bewerkstelligen, werden von der 
Scheibe x der Welle u aus bewegt. Der Hauptschieber wird von 
einem Bügel L gefafst, welcher auf dem Zapfen Xj der Scheibe X sitzt, 
das Auspuffventil o wird direkt durch den Ansatz X 2 derselben bewegt, 
während der Zündschieber durch Anschlagen des verstellbaren Bolzens B 
an den Winkelhebel K in Zusammenwirkung mit einer Feder seine 
Bewegung erhält. Durch diese Anordnung liegen alle genannten Me- 
chanismen frei, können unabhängig von einander ausgewechselt werden 
und sind alle von aufsen zugänglich. 

Läfst man in einen mit verdichteter Luft angefüllten Arbeitscylinder 
verdichtetes Gas im Bereich einer Zündung einströmen, so gelingt es, 
auf diesem Wege Gasmengen in Luft zu entzünden, deren Mischungs- 
verhältnifs weit über die Grenzen der bisher angewendeten hinausgeht. 
Dies erklärt sich aus dem Umstände, dafs bei dem fraglichen Ver- 
fahren eine Verbrennung eintritt, bevor das einströmende Gas sich mit 
der gesammten im Arbeitscylinder enthaltenen Luft vermischt hat, 
bevor es sich also z. B. zu sehr mit Luft verdünnt hat, um bei späterer 
Zündung noch entzündbar zu sein. Auf diese Weise werden also auch 
beliebig geringe Gasmengen noch verbrannt und dadurch auch beliebig 
geringe Druckhöhen erzeugt, so dafs man den Motor bei geringerer 
Belastung nicht wie bisher durch Aussetzen von Gasladungen und Ex- 
plosionen, sondern viel einfacher und vortheilhafter durch Verringerung 
der einströmenden Gasmenge regeln kann. Damit aber diese Regelung 
der einströmenden Gasmenge auch ökonomisch und praktisch brauchbar 
werde, und damit sie andererseits nicht nur mit geringen, sondern auch 
mit den höchsten, sonst nur bei den sogen. Explosionsmotoren vor- 
kommenden Druckhöhen arbeiten könne, soll nach dem Verfahren von 
W. von Oechelhäuser in Dessau (*D. R. P. Nr. 49935 vom 16. Februar 
1889) die Regelung der einströmenden Gasmenge so stattfinden, dafs 
jede Gaseinströmung, sowohl die grofser als geringer Gasmengen, 
momentan oder stofsweise bei nahezu constantem Volumen des durch 
den Arbeitskolben abgeschlossenen Verbrennungsraumes erfolgt, welche 
Geschwindigkeit der Arbeitskolben auch an der betreffenden Stelle des 
Arbeitshubes haben möge. Dadurch wird jede beliebige Druckhöhe 
der Verbrennung ebenso schnell wie bei den explosibelsten Mischungen 
in den Motoren nach dem Offo-Typus erreicht und die Expansion durch 
ein- oder mehrmalige Gaseinspritzung während eines Arbeitshubes vor- 
teilhaft ausgenutzt. 

Während man also bei gleichzeitiger Einströmung und Entzündung 
des Brennstoffes, bisher z. B. bei den Motoren Simon, Brayton u. A., 
eine Regelung dadurch bewirkt, dafs man bei nahezu constantem Ver- 
brennungsdruck und veränderlichem Volumen des Arbeitsraumes den 
Eintritt des Brennstoffes während eines längeren oder kürzeren Theiles 



138 Neue Gasmaschinen. 

des Kolbenweges andauern läfst und demnach bei constantem Anfangs- 
druck mit veränderlicher Expansion arbeitet, so wird hingegen bei der 
hier vorliegenden neuen Regelung für jede veränderte Belastung des 
Motors ein veränderter Verbrenuungsdruck bei nahezu constantem 
Volumen des Arbeitsraumes direkt durch die Regulirung selbst erzeugt 
und beginnt die Expansion jedesmal unmittelbar mit Erreichung des 
höchsten Verbrennungsdruckes, bleibt "also für jede wechselnde Be- 
lastung und jeden wechselnden Verbrennuugsdruck dieselbe. 

In Fig. 23 ist ein Diagramm der neuen Regelungsart dargestellt, 
und zwar bedeuten pp\PiP$ bis p- die jeweiligen, der abwechselnden 
Belastung des Motors entsprechenden veränderlichen Verbrennungs- 
drucke von 1, 2, 3 bis 7 at , welche für jedes Mischungsverhältnifs von 
Gas zur Luft bei nahezu constantem Volumen des Arbeitsraumes er- 
reicht werden und annähernd dieselbe Expansionsdauer haben. Durch 
Verbindung der stofsweisen, momentanen Gaseinspritzung mit einer in 
ihrem Bereiche gelegenen Zündvorrichtung und der zeitlich und ört- 
lich getrennten Einführung von Gas und Luft werden also zunächst 
auch die geringsten Gasmengen bei schwacher Belastung des Motors 
schnell, d. h. bei nahezu constantem Volumen des Arbeitsraumes zur 
relativ höchsten Druckentwickelung gebracht (siehe z. B. die schnell 
aufsteigenden Curven o/^, o/> 2 , welche einem Anfangsdrucke von nur 
1 bezieh. 2 at entsprechen). In der Praxis tritt aber ferner noch das 
Hauptmerkmal zur Unterscheidung der alten von der neuen Regulirung 
hervor, dafs bei ersterer der Verbrennungsdruck niemals höher werden 
kann, als der Druck des einströmenden, vorher comprimirten Gases, 
weil sonst ein kürzeres oder längeres Nachströmen des Brennstoffes in 
einen Raum mit höherem Drucke nicht möglich wäre, während bei 
der neuen Regulirung auch wesentlich höhere Verbrennungsdrucke er- 
zielt werden können, so dafs, wenn z. B. die Gasverdichtung p = 3 at 
beträgt, gleichwohl Verbrennungsdrucke von 6 und 7 at erreicht werden 
können (siehe die schnell aufsteigenden Curven o;> fi und op~). Bei vor- 
heriger Verdichtung der Verbrennungsluft, welche im Diagramm nicht 
dargestellt ist, sonst aber die Regel bildet, können auch dieselben 
Druckhöben erreicht werden, wie bei den sogen. Explosionsmaschinen, 
also z. B. 10 bis 12 at . 

Der Erklärungsgrund für diese bisher nicht bekannt gewordene 
Thatsache, dafs also, trotzdem die Zündung im Bereiche der Gas- 
einströmung liegt, dennoch Druckhöben durch die Verbrennung erzeugt 
werden können, welche um ein Vielfaches höher sind als der Verdich- 
tungsdruck des einströmenden Gases, liegt in Benutzung der erst neuer- 
dings festgestellten physikalischen Thatsache, dafs die eigentliche Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeit der Verbrennung des Leuchtgases selbst in 
dem explosibelsten Gemische von Gas und Luft aufserordentlich ge- 
ring, nämlich nur etwa l m ,25 in der Secunde ist, während man, wie 



Neue Gasmaschinen. 139 

Versuche des Erfinders beweisen, die EinStrömungsgeschwindigkeit des 
Gases leicht um ein Vielfaches, z. B. auf 100 m in der Secunde, steigern 
kann, so dafs die Entzündung zwar im Bereiche der Gaseinströmung 
stattfindet, stets aber die Gaseinströmung schneller bewirkt werden 
kann, als sich die Entzündung durch die ganze Masse des Verbrennungs- 
raumes fortgepflanzt und damit den höchsten Verbrennungsdruck er- 
reicht hat. Schon bevor der relativ langsam steigende Verbrennungs- 
druck den Einströmungsdruck des verdichteten Gases überschritten und 
damit ein weiteres Nachströmen desselben verhindert hat, ist bereits 
das ganze Gasquantum eingespritzt, welches, der Belastung des Motors 
entsprechend, zur Verbrennung gelangen soll. Die wesentlichsten Kenn- 
zeichen dieser Regulirung lassen sich demnach wie folgt derjenigen 
der alten Regulirung gegenüberstellen: 



bei der alten Regulirung: 
allmähliche Einspritzung veränder- 
licher Mengen eines Gemisches von 
Gas und Luft, 
bei veränderlichem Arbeitsvolumen, 
bei constantem Verbrennungsdrucke, 
bei veränderlicher Expansion;} 



bei der neuen Regelung: 
stofsweise Einspritzung veränderlicher 
Mengen nur von Gas, 

bei constantem Arbeitsvolumen, 
bei veränderlichem Verbrennungs- 
drucke, 
bei gleichbleibender Expansion, 

und ergeben sich hieraus für die Praxis der Ausführung die Merkmale: 

die Gaseinströmung- dauert nach Er- 



reichung des höchstenVerbrennungs- 
druckes noch fort; 
der höchste Verbrennungsdruck bleibt 
stets geringer als die vorherige Ver- 
dichtung der Gas- und Luftmischung; 

die Expansion ist veränderlich und 
beginnt bei starker Belastung später, 
bei schwacher Belastung- früher. 



die Gaseinströmung ist stets vor Er- 
reichung des höchsten Verbren- 
nungsdruckes beendigt; 

der höchste Verbrennungsdruck kann 
um ein Vielfaches über den Druck 
des einströmenden, vorher verdich- 
teten Gases gesteigert werden; 

die Expansion ist für jede Belastung 
des Motors gleich grol's und beginnt 
stets unmittelbar mit Erreichung des 
höchsten Verbrennungsdr uckes. 

Zur Ausführung dieses Verfahrens genügt es nicht, den Zuflufs der 
Gaspumpe bei geringerer Belastung des Motors einfach zu drosseln und 
das Gas aus dem todten Räume der Pumpe in den Arbeitscylinder 
direkt überzudrücken, weil alsdann die Einspritzung allmählich, bei 
veränderlichem Volumen nicht stofsweise, bei constantem Volumen des 
Arbeitsraumes im Motor stattfindet und die Zeitdauer der Gaseinströmung 
stets von der verhältnifsmäfsig geringen Geschwindigkeit der Gaspumpe 
oder ihrer jeweiligen Kolbenstellung abhängig bleibt. Es wird viel- 
mehr das Verfahren in der Weise ausgeführt, dafs das Gas vor Ein- 
tritt in den Arbeitsraum unter Ueberdruck in einem Sammelraume 
aufgespeichert wird, welcher einerseits durch eine gesteuerte Einlafs- 
vorrichtung vom Verbrennungsraume und andererseits von der Gas- 
pumpe abgesperrt ist, so dafs sich die für eine Verbrennung nöthige 
Gasmenge momentan und an beliebiger Stelle des Weges vom Arbeits- 
kolben in den Verbrennun^sraum entladen kann. 



140 Neue Gasmaschinen. 

Die Regelung der einströmenden Gasmenge erfolgt also nicht durch 
allmähliches längeres oder kürzeres Ueberdrücken und Drosselung des 
angesaugten Gases, sondern durch Veränderung der Spannung des be- 
reits zusammengedrückten Gases und seine momentane Entladung. Man 
erzielt auf diese Weise vollkommene Unabhängigkeit der Regelung von 
der Geschwindigkeit und Kolbenstellung der Pumpe und der Einlafs- 
vorrichtung für das verdichtete Gas in den Arbeitscylinder, ist also in 
der Lage, das Regelungsverfahren auch dort anzuwenden, wo während 
eines und desselben Hubes der Arbeitscylinder mehrmals mit Gas ge- 
speist wird oder eine Speisung erst nach dem zweiten, vierten u. s. w. 
Hub erfolgt. 

In Verbindung mit der Spannung im Gassammler könnte man auch 
die Dauer der Oeffnung der gesteuerten Einlafsvorrichtung regeln und 
vom Regulator beeinflussen; letzteres erfordert aber complicirtere Mecha- 
nismen, weil die ganze Dauer aller Einströmungen überhaupt nur un- 
gemein kurz ist, indem der Arbeitskolben während dieser Zeit nur 
einen so kleinen Theil seines Weges zurücklegt, dafs der Verbrennungs- 
raum in demselben Sinne und Mafse als constant gelten kann, wie bei 
der Druckentwickelung in den sogen. Explosionsmotoren. 

Fig. 24 veranschaulicht als Beispiel die wesentlichen Theile eines 
Gasmaschinencylinders, soweit derselbe für das Regelungsverfahren in 
Betracht kommt. In dem Arbeitsraume A des Cylinders H kann durch 
die Oeffnung a Luft von gewöhnlicher Atmosphärenspannung oder auch 
verdichtete Luft eintreten; die Oeffnung d dient zum Auslafs der Ver- 
brennungsproducte. Der Einlafs des verdichteten Gases erfolgt durch 
Vermittelung der von der Maschine gesteuerten Einlafsvorrichtung b 
(Ventil, Schieber, Hahn), wobei die im Bereiche der Gaseinströmung 
gelegene Zündung beim Einströmen des Gases in den mit Luft erfüllten 
Arbeitsraum 4, beispielsweise durch eine elektrische Zündvorrichtung z 
bewirkt wird. Das verdichtete Gas kommt mittels Leitung p aus dem 
Sammelraume p, der von der Pumpe P aus gespeist wird. Die Ver- 
bindung dieses Raumes mit der Pumpe P und dem Regulator zeigt 
Fig. 23 in etwas gröfserem Mafsstabe im Längsschnitte. Die Gaspumpe P 
ist hier einfach wirkend angenommen, sie kann indessen auch doppelt 
wirkend sein und sowohl mit Ventilen als Schieber- oder Hahnsteuerung 
arbeiten; sie ist durch r an das Gaszuleitungsrohr / angeschlossen und 
mit Saugventil s und Druckventil e versehen. Der Raum oberhalb des 
letzteren steht mit dem Sammelraume in Verbindung. Aufserdem zweigt 
sich von dem Sammelraume g ein Rohr f ab, das zu der von dem 
Regulator beeinflufsten Absperrvorrichtung t führt, welche es gestattet, 
aus dem Sammelraume g einen Theil des von der Pumpe P verdichteten 
Gases herauszulassen, sobald die Spannung des Gases in diesem Räume 
vermindert werden soll. Das auf diese Weise aus dem Sammelraume 
kommende Gas wird am zweckmäfsigsten durch ein Rohr q der Saug- 



Keue Gasmaschinen. 141 

leitung r der Pumpe wieder zurückgeführt, wobei in der Gasleitung ein 
Rückschlagventil s t angeordnet sein kann. 

Bei Zunahme der Geschwindigkeit wird durch den Regulator R 
die Absperrvorrichtung t selbsthätig so eingestellt, dafs aus dem Sammel- 
raume g Gas ausströmen kann, so dafs die Spannung des Gases in 
demselben abnimmt. Da nun die Einlafs Vorrichtung b stets während 
einer gleichen Zeit geöffnet ist, so wird bei geringerer Spannung im 
Räume g weniger Gas in den Arbeitscylinder eindringen, die entwickelte 
Druckhöhe und Arbeit also auch geringer sein. Nimmt dann die Ge- 
schwindigkeit des Motors wieder ab, so wird die Vorrichtung t weniger 
und zuletzt gar kein Gas aus dem Sammelraume g strömen lassen, es 
wird also die Spannung in demselben steigen und mehr Gas in den 
Arbeitscylinder H treten. Bei normalem Gange der Maschine bleibt die 
Absperrvorrichtung geschlossen oder doch nur so weit geöffnet, als zur 
Aufrechterhaltung der normalen Spannung im Sammelraume g erforder- 
lich ist. 

Bei der Geschwindigkeitsregulirung nach G. Röselmüller in Berlin 
(*D. R. P. Nr. 50368 vom 24. Januar 1889) wird die Schwungkraft 
eines Gewichtes, dessen Schwerpunkt eine Kreislinie oder annähernde 
Kreislinie beschreibt, zur Verschiebung eines Gestänges in der Ebene 
der Kreisbewegung benutzt: durch diese Verschiebung werden die zur 
Regelung der Geschwindigkeit dienenden Constructionstheile beeinflufst. 
A (Fig. 26) ist der Mittelpunkt der Kreisbewegung, B das Schwung- 
gewicht, welches an einer Stange CC mittels der Feder D aufgehängt 
ist. Gleichzeitig ist die Stange CC die Lenkerstange eines Kurbel- 
mechanismus, durch den das Auslafsventil E gesteuert wird. Die Be- 
wegungsübertragung geschieht durch den Doppelhebel FG* indem die 
Stange C den Hebel F, der durch die Feder Q stets niedergezogen 
wird, zeitweilig hebt, sobald sie gegen den Ansatz R der Gelenk- 
stange S stöfst, welche sich der Führung halber in einer Längsbohrung 
der Stange C schiebt und durch Bolzen P mit dem Hebel G verbunden 
ist. An der Stange C befinden sich Führungen, in welchen sich eine 
zweite Stange H schiebt, deren oberes Ende gegebenenfalls von dem Ge- 
wichte B beeinflufst wird, während das untere Ende auf einen Hebel KL 
wirkt, dessen Drehpunkt fest mit der Stange C C verbunden ist. Das 
Ende des Hebels L wirkt auf eine Falle iV, die sich um einen festen 
Zapfen dreht. Am Ende dieser Falle befindet sich eine Schneide, 
die einer anderen Schneide M am Ende des Armes G entspricht, so 
zwar, dafs, wenn der Hebel L die Falle N nach aufsen schiebt, die 
Schneide der letzteren bei niedergedrückter Lage des Hebels G über 
die Schneide M greift und dadurch den Hebel G so lange in dieser 
Lage hält, als der Hebel L einen Druck auf die Falle N ausübt. Diese 
Druckausübung hängt ab von der Geschwindigkeit, mit der die Schwung- 
masse B kreist. Sobald die Centrifugalkraft der Masse den Wider- 



1 42 Neue Gasmaschinen. 

stand der Feder D so viel übersteigt, dafs eine Beeinflussung des End- 
gliedes J der Stange ü durch das Gewicht D eintritt, erfolgt die 
Verschiebung des Gestänges HKL, das Schliefsen des Auslafsventils 
wird gehindert und dadurch die Kraftäufserung der Maschine auf- 
gehoben. Hört die verringerte Geschwindigkeit der Maschine, die Be- 
einflussung des Gestänges HKL auf, so fällt bei niedergedrücktem 
Hebel G die Falle N selbsthätig aus dem Eingriffe mit der Schneide M 
heraus. 

Das Gewicht B kann mit der Stange H auch fest verbunden sein. 
Anstatt auf das Auslafsventil kann die Bewegung des Hebels EL auch 
auf das Gaseinlafsventil wirken. 

Derselbe Erfinder (*D. R. P. Nr. 50558 vom 24. Januar 1889) bringt 
für die Steuerung ein Schaltwerk in Vorschlag, durch dessen Einwirkung 
eine von der Hauptwelle ausgehende Bewegung nur bei jeder zweiten 
Umdrehung auf die Steuerung übertragen wird. 

In der Fig. 27 ist A die Hauptwelle, B ein Excenter mit Stange, 
C der durch die Excenterbewegung bei jeder mehrfachen Umdrehung 
der Hauptwelle einmal zu hebende und zu senkende Hebel für das 
Auslafsventil, D das Schaltwerk mit den Vorsprüngen Y und den Rück- 
spriingen X, F ein mit dem Schaltwerke fest verbundenes gezahntes 
Drehrad. H ist ein in der Treibrichtung der Excenterbewegung be- 
weglicher, durch ein Gewicht oder eine Feder L stets gegen das Zahn- 
rad F gedrückter, aber durch einen Anschlag K zurückgehaltener Treib- 
zapfen oder Treibstock. Hier ist die Beweglichkeit des Zapfens H 
dadurch hervorgebracht gedacht, dafs derselbe sich an einem um einen 
festen Punkt drehbaren Hebel befindet. 

Nur die untere Hälfte der Excenterbewegung dient der Bewegung 
des Auslafsventils C, die obere Hälfte und die Seitenbewegung der Ex- 
centerstange dient der Verdrehung des Schaltwerkes in der Weise, 
dafs ein Zahn des Rades F sich sanft gegen den Zapfen H legt, wenn 
das Excenter bei seiner Aufwärtsbewegung aufser Verbindung mit dem 
Ventilgestänge gekommen ist. Dies ist der Fall, wenn die Seiten- 
bewegung der Excenterstange nach der einen Richtung ihr Maximum 
annähernd oder genau erreicht hat. Beim weiteren Steigen des Ex- 
centers verbleibt der Zapfen H im Eingriffe mit den Zähnen des Rades F 
und bewegt sich mit denselben nach oben, bewirkt aber gleichzeitig 
eine Drehung des Rades F um den Betrag der ganzen Seitenbewegung 
der Excenterstange, bis beim Rückgange des Excenters diese Seiten- 
bewegung wiederum das Maximum nach der anderen Richtung erreicht 
hat. Durch den Anschlag K zurückgehalten, löst sich der Treibstock 
dann bei weiterem Niedergange des Excenters sanft aus und lafst das 
Schaltwerk in der verdrehten Lage stehen, und in dieser Stellung des- 
selben beginnt bei fernerem Niedergange des Excenters wiederum die 
Einwirkung der Bewegung des letzteren auf den Ventilhebel C. 



Kleinere Mittheilungen. 143 

Die Uebertragung der Excenterbewegung auf das Ventil ist hier 
so dargestellt, dafs die Excenterstange der Läüge nach durchbohrt ist 
und diese Durchbohrung zur Führung einer anderen Stange dient, welche 
Theil des Ventilgestänges bildet. 

In einer Erweiterung der Excenterstange liegt das Schaltwerk D 
mit seinen Vorsprüngen und Rücksprüngen Y X, welches, wie oben ge- 
sagt, bei jeder Drehung der Hauptwelle regelmäfsig gedreht wird. Trifft 
nun je nach der Stellung des Schaltwerkes beim Niedergange des Ex- 
centers die innere Stange, die dauernd mit dem Ventil C verbunden 
ist, auf einen Vorsprung F, so wird beim weiteren Niedergange das 
Ventil gehoben. Trifft sie auf einen Rücksprung X, so schiebt sich die 
Stange in diesen hinein und das Ventil bleibt an seinem Platze und 
wird nicht gehoben. (Schlufs folgt.) 



Bender's galvanisches Trockenelement. 

Um ein Austrocknen der Erregungsmasse zu vermeiden, stellt Eduard 
Bender in Brüssel (D. R. P. Kl. 21 Nr. 48 695 vom 9. December 1888) dieselbe 
aus einem Gemisch von Chlorammonium mit Kreide und Chlorcalcium her. 
Die hohle Elektrode aus Retortenkohle wird mit einem Kern aus Holzkohle 
zum Auffangen des sich bildenden Ammoniakgases und zur Vermeidung der 
Polarisation versehen. 

H. Walter's Speicher batterie. 

Nach dem englischen Patente (Nr. 16479 vom 13. November 1888) des 
Prof. B. Walter in Cincinnati, Ohio, werden zwei (galvanoplastisch mit Gold, 
Platin oder Iridium überzogene) Kohlen-Elektroden in eine Lösung von essig- 
saurem Blei in Weinessig eingehängt und ein elektrischer Strom hindurch- 
geschickt. Nach einiger Zeit werden die Elektroden von der Stromquelle 
getrennt und besitzen nun eine so starke Potentialdifferenz, dafs sie einen 
kräftigen Strom zu liefern vermögen. 

McClellan's riegeiförmiger elektrischer Stromschliefser. 

In der Schliefsung und Unterbrechung elektrischer Stromkreise hat S. B. 
McClellan eine gröfsere Einfachheit und Zuverlässigkeit dadurch zu erreichen 
versucht, dafs er nach dem Telegraphic Journal, 1890 Bd. 26 * S. 317, dem die 
Schliefsung und Unterbrechung des Stromkreises bewirkenden Theile eine 
Längsbewegung ertheilt. Er ordnet denselben in Form eines Riegels etwa 
über den Polen eines Hufeisen-Elektromagnetes in geeigneter Lagerung und 
Führung so an, dafs er bei abgerissenem Anker mit einem Seitenarme sich 
an einem Vorsprunge des Ankers fängt. Wird der Anker angezogen, so läfst 
der Vorsprung den Riegel frei, und nunmehr verschiebt eine bis dahin zu- 
sammengeprefst gewesene Spiralfeder den Riegel in seiner Längsrichtung, so 
dafs eine an ihm angebrachte Contactschraube bezieh, ein anders gestaltetes 
Contactstück den Stromkreis schliefst und eine in denselben eingeschaltete 
Lärmklingel zum Läuten bringt. 

Ganz wesentlich ist es bei dieser Anordnung, dafs der Riegel, wenn es 
erforderlich ist, sehr bequem eine ganze Reihe von getrennten Stromkreisen 
mit einem Male zu schliefsen vermag, welche sämmtlich und gleichzeitig bei 
der Zuriickführung des Riegels wieder unterbrochen werden. 

Neben dem Elektromagnete wird noch ein Kurbelumschalter angebracht, 
mittels dessen der Elektromagnet ein- und ausgeschaltet, die ganze Anlage 
somit in oder aufser Dienst gestellt werden kann. 



144 Bücher-Anzeigen. 



Bücher-Anzeigen. 



Die Feuerungen mit flüssigen Brennmaterialien von Dr. Ignatz Lew, 
Fabrikdirektor. Mit Abbildungen im Text und 7 lithogr. Tafeln. 
J. G. Cotta'sche Buchbandlung Nachfolger. 5 Mk. 

Die in D. p. J., Jahrg. 1889 Bd. 272 erschienene Reihe von Aufsätzen hat 
der Verlasser in der vorliegenden Arbeit ergänzt und abgerundet, so dafs 
alle wesentlichen, in der technischen Literatur bisher zerstreuten Mittheilungen 
nunmehr gesammelt und durch die eigenen praktischen Erfahrungen des Ver- 
fassers bereichert, üier vorliegen. Nach einer kurzen Einleitung über den 
theoretischen Theil der Feuerungen mit flüssigen Brennmaterialien geht der 
Verfasser zur Beschreibung der Anlagen für stationäre Kessel, für Dampfer, 
Locomotiven, Zimmer- und Schmiedefeuer über. Die Apparate sind durch 
zahlreiche Abbildungen erläutert, die Beschreibung ist gedrängt, jedoch er- 
schöpfend. Bei der Neuheit und stetig wachsenden Bedeutung derartiger 
Feuerungen wird die vorliegende Arbeit das Interesse weiter Kreise in An- 
spruch nehmen. 

Die gewerblichen Eigenschaften der Hölzer. Von Dr. H. Nördlinger, 
Oberforstrath und Universitätsprofessor a. D. Stuttgart 1890. Verlag 
der J. G. Cotta"schen Buchhandlung. 

Wir geben in Nachstehendem eine Besprechung aus der Fachschrift Mit- 
teilungen des k. k. Technologischen Gewerbemuseums , Section für Holzindustrie, 
wieder: 

„Der Begründer der Lehre von den „Technischen Eigenschaften der Hölzer" 
hat in einem kleinen Werke die „gewerblichen Eigenschaften der Hölzer" 
zusammengestellt und damit das Verdienst erworben, für die gewerblichen 
Lehranstalten ein Hilfsbuch geschaffen zu haben, welches die wichtigsten 
Eigenschaften des Holzes, wenn auch in gedrängter Form, so doch übersicht- 
lich enthält. Dieses Werkchen ist namentlich für die Zwecke des Unterrichtes 
deshalb von ganz besonderem Werthe , weil es von berufenster Seite ge- 
schrieben wurde. Bekanntlich hat der Verfasser auf dem Gebiete der Er- 
mittelung der technischen Eigenschaften Grofses geleistet; er war derjenige, 
welcher zuerst in dieser Richtung thätig war und als Forscher bis heute un- 
ausgesetzt thätig ist. Wenn auch die Versuchsstücke, welche der Autor zur 
Ermittelung der mechanischen Eigenschaften der Hölzer benutzte, von nur 
geringen Abmessungen waren, so können seine Resultate deshalb für die 
Technik benutzt werden, weil sie als comparative Versuche angesehen werden 
müssen und als solche Beachtung verdienen. Aus der Aufzählung der ein- 
zelnen Abschnitte ist zu erkennen, welch umfangreichen Stoff das Werkchen 
in gedrängtester Kürze behandelt. Das Buch enthält folgende Kapitel: 
1) Anatomischer Bau; 2) Gefüge (Textur); 3) Farbe; 4) Geruch; 5) Fähigkeit 
zu dünsten und Wasser oder Dunst einzusaugen; 6) Specifisches Gewicht 
(Dichtheit) des Holzes oder Verhältnifs seines Gewichtes zu dem eines gleichen 
Volumens Wasser; 7) Härte; 8) Spaltbarkeit; 9) Schwinden und Quellen; 
10) Federkraft oder Elasticität; 11) Biegsamkeit; 12) Festigkeit; 13) Chemische 
Zusammensetzung; 14) Brennkraft; 15) Dauer und 16) Fehler. 

Dafs dieses Werkchen, welches nur 92 Seiten umfafst, nicht den Zweck 
haben kann, die wissenschaftliche Bearbeitung des Stoffes zu fördern, ist 
wohl einleuchtend, unzweifelhaft aber ist, dafs dasselbe die bisher gewonnenen 
Nördlinger' sehen Resultate in übersichtlicher und brauchbarer Weise zusammen- 
fafst und die gewerblichen Eigenschaften der Hölzer dem holzverarbeitenden 
Gewerbetreibenden in einer leichtverständlichen Form überliefert." 



Z Z' 

Berichtigung: S. 20 d. Bd. Z. 12 v. u. ist anstatt h { + — zu lesen h^ X ~-- 

Zq Z 



Verlag der J. G. Cotta 'sehen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 145 

Dampfmaschinen der Pariser Weltansstellung 1889: 
von Fr. Freytag, 

Lehrer der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 275 * S. 486.) 

Mit Abbildungen auf Tafel 8 und 9. 

Eine gröfsere Anzahl von Dampfmaschinen verschiedener Systeme 
hatteu M. Lecouteux und Garnier in Paris zur Ausstellung gebracht. 
Zum Betreiben der Wellenleitungen in der grofsen Maschinenhalle diente 
zunächst eine von der Firma erbaute liegende Condensationsmaschine. 
welche mit 5 k Kolbenpressung und 65 minutlichen Umdrehungen bei 
1 B Cylinderfüllung eine Leistung von 150 indicirten EP entwickeln soll. 

Die nach dem Corlifs-Systeme construirte Maschine hatte dieselbe 
Steuerung wie die 1886 262*148 beschriebene, aus Armengaud's 
Publication industrielle, 1885 Bd. 29*183, entnommene, ebenfalls von 
Lecouteux und Garnier erbaute Gebläsemaschine. 

Der in Fig. 1 Taf. 8 dargestellte Cvlinder zeigt eine neuere, be- 
merkenswerthe Construction. Er besteht, abgesehen von den Deckeln, 
aus drei Stücken: dem zweitheiligen Mantel und einem inneren, aus 
Hartgufs hergestellten Cvlinder: jeder Theil des Mantels besitzt kreis- 
förmige Gehäuse für den Ein- bezieh. Ausströmschieber, und beide 
Theile sind in der Cylindermitte durch Flanschenverschraubung ver- 
bunden. Der von oben kommende Dampf vertheilt sich gleichmäfsig 
nach den beiden Einströmötlhungen und erwärmt, durch Löcher a in 
den Mantel strömend, gleichzeitig den inneren Cylinder. Das im Mantel 
sich ansammelnde Condensationswasser fliefst aus Stutzen b durch einen 
selbsthätigen Reinigungsapparat in den Speisebehälter und wird aus 
diesem mittels Pumpe in den Kessel gefördert. 

Der mit einem durchschnittlichen Vacuum von m ,71 Quecksilber- 
säule arbeitend e Condensator liegt hinter dem Dampfcylinder in der- 
selben Achse, und die verlängerte Kolbenstange ist mit dem Plunger- 
kolben der einfach wirkenden Condensatorluftpumpe verbunden. Die 
Steuerung der letzteren erfolgt durch kleine, runde und neben einander 
sitzende Kautschuk-Klappenventile mit grofsem Durchgangsquerschnitt 
und geringem Hub. 

Alle arbeitenden Theile der Maschine sind aus Stahl gefertigt und 
zwar Kolben und Kurbelstange aus weichem, die Schwungradwelle au> 
halbweichem, Kolbenstange und Kurbelzapfen dagegen aus weniger 
weichem Stahl: die gufseisernen Schalen der Schwungradlager, die 
Kreuzkopfführungen, sowie die bronzeneu Lagerschalen der Kurbel- 
stange sind mit Weifsmetall ausgegossen. 

Ebenfalls zum Betreiben von Wellenleitungen während der Tages- 
stunden und aufserdem für elektrische Beleuchtungszwecke, demnach Tag 

Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 4. 1890 11. 10 



146 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

und Nacht ununterbrochen im Betriebe, dienten zwei in der ersten elek- 
trischen Centralstation der Ausstellung aufgestellte, gekuppelte Maschinen 
desselben Systems, welche bei normalem Gange mit 60 Umdrehungen 
in der Minute eine Arbeit von 500 W erzeugten: diese Leistung mufste 
sich, dem Lieferungsvertrage zu Folge, nach Bedarf bis zu 1000 JP 
steigern lassen, weshalb bei Construction dieser Maschinen besonders 
auf weite Dampfwege, leichte hin und her gehende Massen und grofse 
Auflasellachen, um die Reibungsarbeitswärme aufnehmen und fortleiten 
zu können, Bedacht genommen werden mufste. 

Der Dampfcylinder mit Schiebern, sowie die Steuerung zeigten die 
entsprechenden Constructionen der vorerwähnten Maschine, nur die 
Schieberstangen waren, wie aus Fig. 2 und 3 Taf. 8 ersichtlich, zur 
Verminderung ihrer Reibung und Abnutzung zweitheilig gefertigt und 
wurden an ihren gehärteten Endflächen allein durch den Dampfdruck 
in fester Verbindung gehalten; letzterer sicherte auch das Dichthalten 
der Stangen durch Anpressen eines Ansatzes derselben gegen eine 
bronzene Führungsbüchse. Das Schwungrad von 30 000 k Totalgewicht 
bestand aus zwei auf der Schwungradwelle neben einander sitzenden 
Scheiben von zusammen l m ,550 Breite, deren jede einen Riemen von 
m ,750 Breite trug. 

Die zu jedem Cylinder gehörige Condensatorluftpumpe war doppelt- 
wirkend und wurde durch einen vom Kreuzkopf der durchgehenden 
Kolbenstange in Schwingungen versetzten Winkelhebel betrieben. 

Besondere Sorgfalt war auf die Lagerung der von der Maschine 
direkt betriebenen Vorgelegswelle verwendet, die mit 180 Umdrehungen 
in der Minute arbeitete und von welcher die einzelnen Dynamomaschinen 
mittels Riemenleitungen direkt betrieben wurden. Die mit vier nach- 
stellbaren, gufseisernen und mit Weifsmetall ausgefütterten Schalen 
versehenen Lager dieser Welle hatten 220 mm Durchmesser bei 480 mm 
Länge. 

Nach Revue industrielle, 1889 S. 255, haben die an einer ähnlichen 

Maschine durch M. Regray in Romilly (Aube) mittels Prony'schen 

Zaumes und Watf sehen Indicators angestellten Untersuchungen die 

folgenden Betriebst esultate ergeben: 

Dauer des Versuches 8 Stunden 

Mittlere Umdrehungszahl in der Minute . . 50 

Kesselspannung 5,85k 

Spannung des Einströmdampfes 5,35k 

„ im Condensator 50mm Quecksilbersäule 

Temperatur des aus dem Condensator ilielsen- 

den Wassers 25° 

Cylinderfüllung Vl2 

Indicirte Leistung in der Secunde .... 95,78 rP 

Effect ive „ „ „ 80,90 „ 

Wasserverbrauch in 8 Stunden 4695' 

Geringste Temperatur des Speisewassers . 15° 

Dampfverbrauch für Stunde und Indicator-H? 6,127t 

„ effectives H? 7,254k 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 147 

Die beim Leerlaufe (Fig. 4) und normalen Gange (Fig. 5) der 
Maschine abgenommenen beigefügten Diagrammcurven liefern den besten 
Beweis für die tadellose Dampfvertheilung und sorgfältige Ausführung 
dieser Motoren, und ihr Verhalten im Betriebe ist wohl dadurch ge- 
kennzeichnet, dafs bis jetzt bereits 150 Maschinen dieses Systems mit 
einer Gesammtleistung von etwa 13000 indicirten KP gebaut worden sind. 

Die zwei in der grofsen Maschinenhalle von derselben Firma aus- 
gestellten schnellgehenden Maschinen waren sogen. Hammermaschinen 
mit Condensation, und es sollen dieselben mit 370 mm Cylinderdurch- 
messer, 330 mm Kolbenhub und 250 minutlichen Umdrehungen bei 5 k 
Spannung des Einströmdampfes und ! / 3 Cylinderfüllung eine Leistung 
von je 150 EP entwickeln. 

Lecouleux und Garnier bauten im J. 1884 die ersten beiden Maschinen 
dieses Systems, die eine für die elektrische Beleuchtungsanlage der 
mechanischen Weberei von Grandjean und Cie. in Saint-Souplet, die 
andere zum Betreiben der elektrischen Lichtmaschine im Museum Grevin 
in Paris. Jede dieser Maschinen leistet bei 300 minutlichen Um- 
drehungen 60 LP und beide sollen bis jetzt ohne Unterbrechung zu- 
friedenstellend gearbeitet haben. 

Wie aus Fig. 6 und 7 Taf. 8 zu entnehmen ist, besteht der Rahmen 
dieser Maschinen aus zwei, unten mit einander verbundenen hohlen 
Balken, welche sich auf einen gufseisernen Untersatz stützen und oben 
den Dampfcylinder tragen. 

Die aus 5 Theilen zusammengesetzte Kurbelachse ist ebenso wie 
der Schieber und Regulator der Maschine besonders bemerkenswerth, 
da erstere mit der Kurbel bezieh, dem Kurbelzapfen nicht, wie bei der- 
artigen Maschinen gebräuchlich, aus einem Stücke geschmiedet, sondern 
aus zwei mit Gegengewichten versehenen Gufsstahlscheiben gebildet 
ist, in welche die beiden Theile der Kurbelwelle, sowie der Kurbel- 
zapfen hydraulisch geprefst oder warm eingezogen sind. Es erwächst 
hieraus der Vortheil, Welle und Zapfen, wie es besonders bei schnell - 
gehenden Maschinen wünschenswerth ist, aus Material von verschiedener 
Härte herzustellen, indefs mufs die Vereinigung der einzelnen Theile 
wohl mit der gröfsten Sorgfalt und Genauigkeit vorgenommen werden. 
Die an den Kurbelscheiben behufs Gleichförmigkeit des Ganges ange- 
brachten Gegengewichte bestehen aus Blei, welches in den, einen Halb- 
kreis umfassenden Hohlraum jeder Scheibe eingegossen wird. Die ver- 
einigte Kurbelwelle liegt in zwei Lagern, deren gufseiserne Schalen den 
dreifachen Durchmesser der Welle zur Länge haben und ebenso wie 
die Bronzeschalen der Kurbelstange mit Weifsmetall ausgefüttert sind. 

In zwei an den Schieberkastenenden befindlichen Ausbohrungen 
bewegen sich durch eine Stahlstange mit einander verbundene Kolben- 
schieber derartig, dafs nach dem Inneren des Cylinders führende Dampf- 
einlafskanäle abwechselnd geöffnet oder geschlossen werden; jeder 



14S Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

Schieber ist von einem elastischen gufseisernen Ringe umgeben, der 
behufs genauen Dichthaltens in die eylindrischen Ausbohrungen des 
Schieberkastens sorgfältig eingeschliffen ist. Damit das Excenter bei 
den iu senkrechter Richtung mit grofser Geschwindigkeit arbeitenden 
Schiebern nur die Reibungen der Kolbenringe und nicht auch das Eigen- 
gewicht der Schiebe]- sammt Verbindungsstange zu überwinden hat, ist 
der obere Kolben im Durchmesser etwas gröfser ausgeführt als der untere. 

Der frische Kesseldampf tritt zunächst in den Cylindermantel und 
dann in den zwischen den beiden Kolbenschiebern liegenden Raum des 
Schieberkastens; nach vollbrachter Arbeit entweicht er je nach der 
Stellung eines in der Abdampfleituug sitzenden und von Hand stellbaren 
Ventils in den Condensator oder in die freie Atmosphäre. 

Die Luftpumpe des Condensators ist doppeltwirkend und besteht 
aus zwei an ihren Enden conisch geformten Plungerkolben, welche 
durch eine am Kurbelstangenkopfe direkt angeschlossene Stange unter 
Zwischenschaltung einer Schwinge ihre Bewegung erhalten. Das durch 
eine Zwischenwand in zwei gleiche Hälften getheilte Pumpengehäuse 
ist mit denselben kleinen Saug- und Druck ventilen versehen, wie die 
Pumpe der vorerwähnten Maschine; bei dem geringen Hube der Ventile 
werden die bei grofsen Geschwindigkeiten unvermeidlichen Stöfse, selbst 
wenn die Plungerkolben im Wasser arbeiten, nur von geringem Nach- 
theil sein. 

Der mit einer als Schwungrad und aufserdem als Träger des Ver- 
theilungsexcenters dienenden Scheibe verbundene Regulator bethätigt 
das Excenter direkt, so dafs deren Voreilungswinkel sich je nach der 
Geschwindigkeit der Maschine selbsthätig ändert. Er besteht, wie aus 
Fig. 8 und 9 Taf. 8 zu ersehen ist, aus einem Gegengewichte, zwei 
entgegengesetzt gerichteten Blattfederbündeln und aus einem Oelbuffer. 
Die geradlinige Bewegung des durch Stange und schwingenden Hebel 
mit der Schieberstange verbundenen Excenterbügels sichern zwei an 
der Scheibe befestigte parallele cjlindrische Stangen, während die Ver- 
schiebung desselben in der einen oder anderen Richtung entweder durch 
das Gegengewicht oder durch die Doppelfeder bewirkt wird. Wenn 
sich während des Ganges der Maschine das Gegengewicht vermöge 
seiner Centrifugalkraft von der Mitte der Scheibe entfernt, so mufs das 
mit ihm verbundene Excenter folgen und wird dann mit kleinerem Hub 
arbeiten, wogegen die zusammengeprefste Feder, in ihrem Bestreben 
wieder in die ursprüngliche Lage zurückzukehren, das Excenter nach 
der entgegengesetzten Richtung zu bringen bezieh, den Hub wieder zu 
vergröfsern sucht. Diese beiden Kraftäufserungen übertragen sich direkt 
auf den Schieber und es regeln sich dadurch die verschiedenen Perioden 
der Dampfvertheilung. Um ein stofsfreies Functioniren des Regulators, 
sowie ein allmähliches Einstellen des Schiebers herbeizuführen, ist das 
Excenter, dem Gegengewichte und der Feder gegenüber, mit der Kolben- 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 149 

stange eines am Schwungrad befestigten kleinen Cylinders verbunden, 
der vollständig mit Oel angefüllt ist. Die Bewegung des in diesem 
Cylinder befindlichen Kolbens ist durch ein in letzteren gebohrtes 
kleines Loch, welches der Gröfse nach durch Versuche bestimmt wird, 
möglich gemacht. 

Ein aufsen angebrachter Behälter besorgt die Füllung des Oel- 
eylinders, ohne denselben öffnen zu müssen. 

Zum Reguliren der Federn ist noch in einer Verstärkung des 
Scheibenkranzes eine gegen Lockerwerden und Festrosten gesicherte 
Stahlschraube angebracht, durch deren Drehung unter Zwischenschaltung 
einer über die Feder greifenden Platte Spannungsänderungen hervor- 
gebracht werden können. 

Vier wagerechte schnellgehende Condensations- Maschinen von 
Lecouteux und Garnier waren auch in der zweiten elektrischen Central- 
station der Ausstellung im Betriebe. 

Zwei von diesen Maschinen mit einer Leistungsfähigkeit von eben- 
falls je 150 EP waren genau nach dem Systeme der Hammermaschinen 
mit cylindrischem Kolbenschieber gebaut; sie bethätigten eine zwischen- 
liegende mit zwei an ihren Enden sitzenden Ausrückvorrichtungen 
armirte Welle, deren zugehörige Lagerconstructionen denen der Vor- 
gelegswelle in der ersten elektrischen Centralstation entsprachen. Die 
Ausrück Vorrichtungen waren Klauenkuppelungen, deren Zähne durch 
aufgeschraubte gehärtete Stahlscheiben gegen Abnutzung geschützt waren. 
Eine inmitten der Welle gelegene bewegliche Scheibenkuppelung 
gestattete noch den Betrieb mit beiden Maschinen gleichzeitig oder ge- 
trennt vorzunehmen. 

Die anderen zwei genannten wagerechten Maschinen entwickelten 
mit 180 Umdrehungen in der Minute und 7 k Dampfspannung eine 
Leistung von je 170 EP. Fig. 10 Taf. 8 zeigt die Gesammtansicht 
dieser Maschinen, bestimmt, die Vortheile des bei den senkrechten 
Hammermaschinen beschriebenen Regulators mit denjenigen der Corlifs- 
Maschinen zu vereinigen. Der Dampfcylinder ist mit vier cylindrischen 
Schiebern ausgerüstet, von denen die beiden oberen die Dampfein- 
strömung unter Vermittelung eines frei schwingenden Excenters regeln, 
welches wieder von dem in die Schwungradscheibe eingebauten Re- 
gulator bethätigt wird; durch Stange, schwingenden Balancier und an 
diesem angreifende kleine Schieberstangen steht dieses Excenter mit 
den Schiebern in Verbindung. 

Die beiden am unteren Theile des Cylinders gelegenen Schieber 
regeln den Dampfaustritt; sie sind zu dem Zwecke unter Zwischen- 
schaltung eines zweiten schwingenden Balanciers und ebensolcher Stangen 
mit einem auf der Schwungradwelle sitzenden festen Excenter verbunden. 
Die bei den Steuerungen der 6or/*/s-Maschinen sonst übliche Anordnung 
von Klinken ist hier in Wegfall gekommen, da die Bewegung der Ein- 



150 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

Strömschieber allein von der veränderlichen Stellung des vom Regulator 
beeinflufsten Excenters abhängig i.st. 

Der mit dem zweitheiligen Schvvungrade von l m ,600 Durchmesser 
und 240 mm Breite verbundene Regulator unterscheidet sich von der 
obigen Construction nur dadurch, dafs er zur Vergröfserung seiner 
Energie mit 3 Gegengewichten und zugehörigen Federn ausgerüstet ist, 
welche mit dem Exceuter und einem Oelbuffer wieder in einfacher 
Weise verbunden waren. 

Die beiden Maschinen dienten zum direkten Betreiben einer zweiten 
Welle, welche in ganz derselben Weise wie die vorerwähnte Welle 
gelagert und mit zwei Klauenkuppelungen sowie einer mittleren Scheiben- 
kuppelung versehen war. 

Bei den zum Betriebe elektrischer Centralstationen verwendeten 
Dampfmaschinen sind bedeutende Schwankungen in der Kraftabgabe un- 
vermeidlich und die beim Wechsel der Geschwindigkeiten eintretenden 
Stöfse für das elektrische Material, namentlich für die Lampen, sehr 
störend. Wenn auch der in dem Vorstehenden beschriebene Regulator 
je nach der Geschwindigkeit der Maschine das Excenter so einstellt, dafs 
sein Hub und damit der Schieberweg gröfser oder kleiner wird und 
eine längere oder kürzere Dampfeinströmung in den Cylinder stattfinden 
kann, so wird dies bei Geschwindigkeitsänderungen doch nicht augen- 
blicklich erfolgen können, da jede Bewegung des Excenters durch den 
mit ihm verbundenen Oelbuff'er verzögert wird. 

Lecouteux und Garnier hatten deshalb an ihren in den elektrischen 
Centralstationen der Ausstellung arbeitenden Dampfmaschinen noch einen 
zweiten, durch Riemen von der Schwungradwelle aus betriebenen Kugel- 
regulator angeordnet, der mit einem im Gehäuse des Dampfeinström- 
ventils der Maschine vor diesem sitzenden Ringventil in Verbindung 
stand. Dieses mit querliegender Oeffnung für den Einströmdampf ver- 
sehene Ventil bestand aus einem entlasteten Ringe, welcher fest mit 
einer kleinen Welle verbunden war, die unter Zwischenschaltung eines 
Hebels von der Zugstange des Regulators derartig bethätigt wurde, dafs 
sich der Ring leicht in einer entsprechend durchbrochenen Büchse drehen 
konnte. Je nach der vom Regulator abhängigen gegenseitigen Lage 
der beiden Durchgangsöffnungen strömt der Kesseldampf unbehindert 
oder aber gedrosselt mit entsprechend niedrigerer Spannung in den 
Cylinder. 

Die Empfindlichkeit des mit sehr grofser Umdrehungsgeschwiudig- 
k'ii und kleinem Hube arbeitenden Regulators ist so bedeutend, dafs 
schon bei einer einzigen Umdrehung über den normalen Gang die 
Durchgangsöll'nung des Ringventils verengt und in Folge dessen der 
einströmende Dampf so lange gedrosselt wird, bis das vom anderen 
Regulator abhängige Excenter inzwischen die Steuerungsorgane in die 
dem Kraftverbrauche der Maschine entsprechende Stellung gebracht hat. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 151 

Eine in Bezug auf die Bethätigung der Steuerungsorgane der vor- 
erwähnten Maschine ganz ähnliche liegende Zwillings-Tandem-Maschine 
mit Condensationseinrichtung hatten H. de Ville-Chdtel und Cie. in Brüssel 
ausgestellt. 

Fig. 11 und 12 Taf. 8 zeigen die als 60 pferdig bezeichnete Maschine, 
deren Kolben bei 200 minutlichen Umdrehungen der Kurbel einen Weg 
von 2 m ,67 in der Secunde zurücklegen. 

Bemerkenswerth ist auch hier zunächst die Zusammensetzung des 
Niederdrücken linders von 350 mm Bohrung. Derselbe besteht aus einem 
mit Flanschen versehenen äufseren Cylinder, welcher derartig über den 
aus Hartgufs hergestellten Arbeitscy linder gesteckt ist, dafs die ver- 
bleibenden mit frischem Kesseldampfe gespeisten Zwischenräume den 
Dampfmantel bilden, aus zwei Kopfstücken zur Aufnahme der Schieber- 
gehäuse, welche sich auf den darunter liegenden Condensator stützen 
und von denen das vordere, geschlossene, mit Führungen für die Kolben- 
stange, das hintere offene mit einem aufgeschraubten Deckel versehen 
ist. An diesen Deckel ist der Hochdruckcylinder von 200 mm Bohrung 
in der Fig. 11 und 12 ersichtlichen Weise freischwebend befestigt. 

Die Kolben sind leichte Hohlgufskörper und mit zwei bezieh, einem 
schmalen Dichtungsringe versehen. 

Das Kurbellager ist mit dem Hauptbalken zusammengegossen und 
besteht aus vier mit Weifsmetall ausgefütterten gufseisernen Schalen, 
von denen die beiden seitlichen durch je 2 Keilschrauben von oben 
stellbar sind. 

Der den Hochdruckcylinder tragende Condensator hat eine doppelt- 
wirkende Luftpumpe von 200 mm Durchmesser und 240 mm Hub, deren 
Antrieb mittels Stange und Winkelhebel vom verlängerten Kreuzkopf- 
zapfen aus erfolgt. 

Der ebenfalls am Schwungrad untergebrachte Regulator besteht 
aus zwei an Armen des ersteren drehbar befestigten Gewichtshebeln, 
welche, durch Hebel und Zugstangen mit einem auf der Schwungrad- 
welle frei drehbaren Excenter verbunden, dasselbe zum gröfseren Vor- 
eilwinkel gegen die Kurbel zu verdrehen streben. Spiralfedern ver- 
binden die Gewichtshebel noch mit gleichfalls an Armen des Schwungrades 
befestigten Flachschienen und durch deren Mitten gehende Bolzen tragen 
bezieh, führen einen zweitheiligen, mit je einer Excenterhälfte aus einem 
Stücke gegossenen, zusammengeschraubten Rahmen. Beim normalen 
Gange der Maschine werden die Gewichtshebel und das mit ihnen ver- 
bundene Excenter durch die Spiralfedern in einer mittleren Stellung 
gehalten, welche sich bei zu- oder abnehmender Geschwindigkeit in 
Folge gesteigerter oder verminderter Centrifugalkraft der ersteren ändert. 
Die wechselnden Bewegungen des Excenters übertragen sich durch 
Stange und zwischengeschalteten Hebel auf eine am Hochdruckcylinder 
befestigte schwingende Scheibe, sowie auf die durch Stange und Hebel 



152 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 



mit ihr verbundenen Schieber und bewirken durch letztere kürzeres 
oder längeres Einströmen des Arbeitsdampfes in den Cylinder. 

Die Steuerung besteht aufserdem aus einem festen Excenter, dessen 
Stange eine zweite inmitten des Niederdruckcylinders sitzende Scheibe 
in Schwingungen bringt; an dieser Scheibe sind dann wieder vier Dreh- 
schieberstangen befestigt, welche unter Zwischenschaltung von Hebeln 
die Schieber bethätigen. An Dampf soll diese Maschine für indicirtes 
Pferd 7 k gebrauchen. Einige wichtige Abmessungen und Druckverhält- 
nisse der nach Angabe der Fabrik für einen Dampfdruck von 6 k Span- 
nung gebauten Maschine ergeben sich aus dem Folgenden: Schwung- 
rad 2 m Durchmesser, Breite 470 mm , Umfangsgeschwindigkeit 20 m ,93. 



Bezeichnung 



Durchmesser 



Länge 



Auflager- 
druck 



Abnutzarbeit 



Kurbelzapfen 
Kurbellager . . 
Kreuzkopfzapfen 



60 
115 

52 



80 

240 

78 



k qcm 
40 
1,76 
46.5 



See. k/ qcm 
1,26 
0,11 



Die Steuerung funetionirte sehr regelmäfsig, ohne jedes Geräusch 
und mit einer vollkommenen Genauigkeit; das Oeffnen und Schliefsen 
der Ein- und Ausströmöffnungen des Dampfes erfolgte schnell, ohne 
Stofs und ohne Rückwirkung auf den Regulator, weshalb derartige, auch 
mit starker Compression arbeitende Maschinen besonders bei grofsen 
Geschwindigkeiten vorzügliche Dienste leisten werden. 

Die schädlichen Räume betrüge;] trotz der grofsen Querschnitte 
der Dampf- Ein- und Ausströmrohre nur ungefähr 3 Proc. vom Cylinder- 
volumen. Der über dem Niederdruckcylinder liegende Zwischenbehälter 
ist ebenfalls mit einem Mantel versehen, der behufs Verdampfung des 
sich bildenden Condensationswassers mit direktem Dampfe geheizt wird. 

Eine besondere Pumpe diente noch zum Zurückführen des con- 
densirten Dampfes aus den Dampfleitungsröhren, den Dampfmänteln und 
dem Zwischenbehälter in den Kessel. 

Zu den ansehnlichsten Maschinen der Ausstellung gehörte unstreitig 
die 1000 pferdige, nach dem Corlif s-System gebaute, mit 4 Rundschiebern 
arbeitende wagerechte Condensationsmaschine von M. Joseph Farcot in 
Saint-Ouen (Seine) von 1000 mm Cylinderdurchmesser und 1800 mm Hub. 

Die dem Genie civil, 1889 Bd. 16 * Taf. 20, entnommene Abbildung 
(Fig. 13 Taf. 9) zeigt den mit Dampfmantel umgebenen, eigenartig ge- 
bauten Cylinder, dessen ebenfalls von bewegtem Dampfe durchströmte 
Deckel gleichzeitig die Schiebergehäuse bilden. 

Der Dampfverbrauch dieser Maschinen ist, wie viele Versuche be- 
stätigt haben, ein äufserst geringer, und dies wird hauptsächlich durch 
die fast vollständige Vermeidung der schädlichen Räume erzielt (im 
vorliegenden Falle betragen sie nur 1 Proc. vom Cylindervolumen), 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 153 

welche durch die Anordnung der Rundschieber in den Cylinderdeckeln 
erreicht wird. Eine weitere Ursache des ökonomischen Betriebes liegt 
in der vorzüglichen Functionirung des Dampfmantels, welchem nach 
jedesmaligem Abschlufs der Einlafsschieber der Dampf durch ein Rohr 
von bedeutendem Querschnitte zugeführt wird. Der sich in Wirbelungen 
um den Cylinder bewegende Dampf bewirkt eine fortwährend sich er- 
neuernde Wärmeabgabe. 

Die Auslafsschieber treten bei geöffnetem Kanal in das Innere des 
Cylinders und entfernen sich beim Schliefsen der Ausströmöffnungen 
wieder, so dafs der Kolben unbehindert das Ende seines Hubes er- 
reichen kann. 

Die bereits 1886 262*148 beschriebene äufsere Steuerung gestattet 
schnelles Oeffnen und Schliefsen der Schieber bei beliebiger Cylinder- 
füllung; sie arbeitet gleichmäfsig sowie ruhig und schliefst bei einem 
Regulatordefect sofort die Dampfeinlafskanäle. 

Das Schwungrad hat einen Durchmesser von 10 m und ist am 
inneren Umfange seines Radkranzes zum leichteren Ingangsetzen mit 
einer Verzahnung versehen, in welche ein beim Angehen der Maschine 
sich selbsthätig auslösendes Getriebe eingreift. 

Nach den, Engitieering . 1890 S. 9, entnommenen Abbildungen 
(Fig. 14 und 15 Taf. 9) besteht die Vorrichtung zum Ingangsetzen der 
Maschine aus einem mit Fufstritt a versehenen, am unteren Theile eines 
Bockes drehbar gelagerten Winkelhebel, der beim Herunterdrücken durch 
Hebel b und Bolzen c den mit seinem oberen gegabelten Ende über 
einen mit Bund versehenen Endzapfen der Welle c greifenden Gegen- 
hebel d so bewegt, dafs die in einer Büchse geführte Welle e eine 
Verschiebung in ihrer Längsachse erleidet und das an ihrem anderen 
Ende aufgekeilte Getriebe f mit dem Zahnkranze des Schwungrades in 
Eingriff kommt. Die durch Drehung am Handrade g in dem einen oder 
anderen Sinne erzeugte Bewegung überträgt sich durch das breitere 
Getriebe h auf das ebenfalls mit der Welle e festverbundene Rad i und 
durch das Getriebe f auf das Schwungrad. 

So lange nun der Winkelhebel durch den Fufstritt nach unten ge- 
drückt bleibt, kann das Schwungrad durch einfache Drehung am Hand- 
rade g von einem einzigen Arbeiter bewegt werden, und sobald die 
Kurbel in eine für das Anlassen der Maschine günstige Lage gekommen 
ist. gelangt beim Nachlassen des auf den Fufstritt ausgeübten Druckes 
das Getriebe f durch die in der Führungsbüchse untergebrachte, wieder 
frei werdende Feder / in seine ursprüngliche Stellung. 

Der aus Rippengufs gebildete Radkranz von l m ,500 Breite hatte 
ein Gewicht von 21000 k : er war durch 16 schmiedeeiserne Arme mit 
der achteckigen, gufseisernen Nabe verbunden und in einem Stücke 
gegossen, welches später in 4 Theile zerlegt wurde. Die Arme waren 
durch Aneinandernieten einzelner Blechplatten mit elliptischem nach 



154 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

dem Kranze zu verjüngtem Querschnitte hergestellt; sie standen in zwei 
parallelen Ebenen zu einander und waren noch durch Querverbindungen 
versteift. 

Besonders hervorzuheben ist noch das, eine constante Führung der 
Welle sichernde, aus 3 Theilen bestehende Schwungradlager. 

Wie aus der ebenfalls Engineering, 1890 * S. 8, entnommenen Abbil- 
dung Fig. 16 Taf. 9 ersichtlich, endigen die zum Nachstellen der seitlichen 
Lagerschalen dienenden Stahlschrauben in halbkugelförmigen Köpfen, 
welche bei ausgelaufener Unterschale und erfolgtem Sinken der Welle 
eine Beweglichkeit der seitlichen Schalen mit ihren hinterliegenden 
Druckplatten p gestatten und damit stets dichtes Anliegen der Schalen 
und eine gute Führung der Welle sichern. 

Aufser dieser 1000 pferdigen Corlifsmaschine hatte J. Farcot noch 
drei schnelllaufende Dampfmaschinen nach dem Hammersystem aus- 
gestellt, welche sich besonders dadurch bemerkbar machten, dafs behufs 
ihrer Kegulirung nicht wie sonst bei grofsen Geschwindigkeiten Schwung- 
radregulatoren, sondern sogen. Servo-Moteure angeordnet waren, welche 
ein weit vorzüglicheres Regulirungsorgan bilden als erstere. Die Um- 
steuerungs- oder Expansionscoulisse wird hierbei selbst für die kleinsten 
Regulatorbewegungen empfindlich und verändert die Füllungen im 
Dampfcylinder bei kleinen Geschwindigkeitsänderungen ebenso, wie es 
bei einer Maschine mit Klinkensteuerung geschieht. 

Der Servo-Moteur besteht nach Fig. 22 Taf. 9 aus einem am Dampf- 
maschinengestell angeschraubten Cylinder a, dessen eingeschlossener 
Kolben sich entsprechend der Stellung des zur Vertheilung von Druck- 
wasser dienenden entlasteten Muschelschiebers so bewegt, dafs die mit 
der Kolbenstange verbundene Steuerungscoulisse unter Mitwirkung eines 
Kugelregulators sich nach der Geschwindigkeit der Maschine einstellt. 

Kolben- und Schieberstange dieses Cylinders sind mit einem Hebel a 
gelenkig verbunden, der aufserdem noch von dem sehr empfindlichen 
Regulator beeinflufst wird und z. B. beim Sinken der Regulatorkugeln 
den Schieber so einstellt, dafs das in den Cylinder tretende Druckwasser 
hinter den Kolben gelangt und diesen nach vorn bewegt; bei der fort- 
gesetzten Kolbenbewegung geht dann der Schieber wieder zurück und 
es wiederholt sich dieser Vorgang so oft, bis der Regulator seine, der 
normalen Geschwindigkeit der Maschine entsprechende Stellung er- 
reicht hat. 

Die innere Regulatorspindel * beeinflufst zu dem Zwecke einen 
Wiukelhebel n, dessen anderer Arm mittels angeschlossener Stange r 
auf den Hebel a wirkt und an welchen aufserdem eine Stange m an- 
greift; auf das Ende der letzteren ist ein Gewinde geschnitten und auf 
demselben bewegt 6ich eine mit der Steuerungscoulisse verbundene 
Mutter, welche noch mit einem Handrade versehen ist, durch dessen 
Drehung z. B. der Regulator gehoben wird und gleichzeitig auch die 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 155 

Coulisse in ihre wagerechte Lage gelangt, so dafs die Maschine dann 
zum Stillstehen kommt. 

Die kleinere der mit dreifacher Expansion arbeitenden Hammer- 
dampfmaschinen zeichnete sich, ebenso wie auch die beiden anderen 
Maschinen, durch grofse Einfachheit aus; sie entwickelte bei 200 minut- 
lichen Umdrehungen eine Leistung von 150 bis 200 H\ 

Die mit den zugehörigen Zwischenbehältern aus einem Stück ge- 
gossenen Cylinder waren auf dem hohl gegossenen Maschinengestell 
befestigt und auf der Vorderseite durch zwei kräftige schmiedeeiserne 
Stangen gestützt. 

Die Schieber waren durch Anordnung von Gegenplatten entlastet 
und die durchgehenden Schieberstangen oben mit Federn versehen, 
welche beim Niedergange der Schieber zusammengedrückt werden und 
dadurch der Schwerkraft das Gleichgewicht halten. Die zweite Hammer- 
maschine hatte nur zwei Cylinder, welche nach dem Verbundsystem 
arbeiteten und eine Leistungsfähigkeit von 80 bis 110 W entwickelten. 

Die Gesammtanordnung entsprach im Uebrigen derjenigen der 
vorigen Maschine und ebenso hatte auch die dritte, für Marinezwecke 
erbaute, und wieder mit dreifacher Expansion arbeitende Hammer- 
maschine von 250 bis 400 H 3 Leistungsfähigkeit die gleiche Construction 
der ersten Maschine. 

Die zum kleinen Cylinder gehörige Coulisse dieser Maschine wurde 
wieder durch einen Servo-Moteur eingestellt und ebenso wurden die 
Coulissen der beiden anderen Cylinder durch einen zweiten Servo- 
Moteur beeinflufst, welcher auch die Umsteuerung und bei Kegulator- 
defecten den Stillstand der Maschine bewirkte. 

Der Regulator bestand, da ein gewöhnlicher Kugelregulator bei 
Schiffsmaschinen wegen der starken Schwankungen des Fahrzeuges 
nicht anwendbar ist, aus einem Cylinder, in welchem sich unter der 
Wirkung des von einer kleinen Centrifugalpumpe hervorgebrachten 
Flüssigkeitsdruckes ein Kolben bewegte, auf welchen ein constanter 
Druck lastete, der durch eine Wassersäule oder eine Feder erhalten wird. 
Das Anlassen und Stillsetzen der Maschine erfolgte mit Hilfe be- 
sonderer Vorrichtungen, deren Einzelheiten, ebenso wie weitere Angaben 
über diese Hammermaschine im Praktischen Maschinenconstmcteur, 1890 
* Heft 21 und 23, zu linden sind. 

Die in ihren einzelnen Theilen sehr sorgfältig construirte liegende 
400 pferdige Compoundmaschine mit Condensation der Societe anonyme 
du Phoenix in Gent war mit einer dem Oberingenieur des Etablissements, 
M. Hertag, patentirten Schleppschiebersteuerung versehen, welche Fül- 
lungen bis zu 9 ;10 des Kolbenhubes zuliefs und vortrefflich arbeitete. 

Die auch einen sehr gefälligen Gesammteindruck machende Maschine 
zeigte die folgenden Hauptverhältnisse: 



156 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

1 Milchmesser des Hochdruckcylinders . . 580 mm 
„ „ Niederdruekcylinders . . 950 mm 

Kolbenhub 1,200« 

Umdrehungszahl in der Minute .... 62 

Durchmesser der Luftpumpe 820 mm 

Hub der Luftpumpe 320mm 

Durchmesser des mit 12 Seilrillen versehenen 

Schwungrades SjS m 

Der Dampfverbrauch der Maschine soll bei einer Spannung des 
Kinströmdampfes von 7 k für die indicirte H 3 und Stunde 6 k ,5 betragen. 
Die Abbildungen Fig. 17 und 18 Taf. 9 zeigen den mit Dampf- 
mantel umgebenen Hoehdruckcy linder, in dessen aufgeschraubtem 
Schieberkasten sich zwei, fest auf derselben Schieberstange sitzende, 
für jede Cylinderseite getrennte Grundschieber bewegen. Die Einlafs- 
kanäle dieser Schieber sind behufs schnellen Dampfabschlusses im 
Rücken getheilt, und die darauf gleitenden Expansionsschieber werden 
theils von den Grundschiebern mitgenommen, theils durch ihre beider- 
seits geführten Schieberstangen von einem Excenter unter Einschaltung 
eines sogen. Vertheilungsblockes bewegt. Das auf der Kurbelwelle 
sitzende Expansionsexcenter ist zu dem Zwecke mit einem zwischen 
den seitlichen Erhöhungen des Schieberkastens sitzenden Schlitten ver- 
bunden, der in einer am Cylinder angeschraubten Führung gleitet. 

An dem Schlitten ist der mit seinem mittleren Steg zur Führung 
eines als Rippenkörper ausgebildeten Doppelkeiles dienende Vertheilungs- 
block befestigt, und an dessen Enden befinden sich mit Gufsstahlbüchsen 
ausgefütterte Bohrungen für die durchgehenden mit keilförmigen stählernen 
Köpfen armirten Schieberstangen. In der tiefsten Stellung des Doppel- 
keils sind die Schieberstangen fest mit dem Blocke verbunden, da die 
abgeschrägten Seiten des Keils den keilförmigen Schieberstangenköpfen 
entsprechen; ist dagegen der Keil in die Höhe gezogen, so bewegt sich 
der Block durch einen Theil seines Hubes, ohne die Schieberstangen 
mitzunehmen. Die von dem Regulator abhängige Stellung des Keiles 
gestattet demnach den keilförmigen Schieberstangenköpfen früheren oder 
späteren Anschlag uud dadurch wird früheres oder späteres Zuschieben 
der Einlafskanäle im Grundschieber durch den Expansionsschieber er- 
reicht. Der Keil ist mittels Kugelgelenk an einer Stange aufgehangen, 
die mit ihrem oberen Ende von einem in dem Kopfe einer Säule ge- 
lagerten Winkelhebel so gefafst wurde, dafs sie der hin und her 
gehenden Bewegung des in dem Vertheilungsblocke geführten Doppel- 
keile folgen konnte. Der Winkelhebel stand mit dem durch Riemen 
von der Schwungradwelle angetriebenen Regulator in Verbindung. Auch 
die Steuerungsorgane des Niederdruekcylinders konnten, falls der grofse 
Cylinder allein arbeiten sollte, mit dem Regulator in Verbindung ge- 
bracht werden: beim Arbeiten beider Cylinder war der Expansions- 
grad des Niederdruekcylinders ein fester und der Keil mit kurzer 
Angriffsstange in einem mit dem Schlitten verbundenen Böckchen auf- 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 157 

gehangen. Die durchgehenden Kolbenstangen der Cylinder waren beider- 
seits mit Kreuzköpfen verbunden, welche sich mit ihren unteren Gleit- 
flächen in schwalbenschwanzförmigen Führungen bewegten. 

Die Luftpumpe lag unterhalb der Maschine und wurde von der 
durchgehenden Kolbenstange des grofsen Cylinders durch Hebel be- 
trieben. 

Die von der Firma R. Dickhoff in Bar-le-Duc (Meuse) ausgestellte 
liegende Dampfmaschine war zur Vermeidung grofser schädlicher 
Räume, ähnlich wie bei der Wheelock-M-dschine, mit nur zwei, im unteren 
Theile des Cylindei's liegenden Drehschiebern ausgerüstet, welche von 
einem einzigen Excenter bethätigt wurden. 

Die Revue Universelle des Mines, 1889 Bd. 7 * Taf. 9, entnommenen 
Abbildungen (Fig. 19 bis 21 Taf. 9) zeigen den Dampfcylinder und 
die dem Ingenieur Stopani am 28. December 1888 patentirte Steuerung, 
welche Füllungen bis zu 78 Proc. des Kolbenhubs gestattet. 

Auf dem äufsersten Ende jeder Schieberstange A ist ein winkel- 
förmiger Mitnehmer G aufgekeilt, der durch Stange L mit einem Luft- 
buffer R in Verbindung steht und auf seinem bügeiförmigen Theile mit 
einer aufgeschraubten Stahlplatte armirt ist. 

Die Schieberstangen sind lose, jedoch genau passend in die Führungen 
der Drehschieber eingelegt, so dafs sich diese vollkommen dicht inner- 
halb ihrer Gleitflächen bewegen können; ihre Führung erhalten sie in 
Büchsen, welche mit den Verschlufsdeckeln P der Schiebergehäuse zu- 
sammengegossen sind. 

Auf dem äufsersten Ende einer jeden Büchse ist ein Doppelhebel K 
drehbar befestigt, welcher, von der Excenterstange bethätigt, eine 
Knagge C und am Zapfen I die drehbar angeschlossene Klinke D trägt: 
beide Schieber sind noch durch eine Stange B x B verbunden. 

In der gezeichneten mittleren Schieberstellung kommt der von 
links nach rechts schwingende Hebel K durch Knagge C mit dem Mit- 
nehmer G in Berührung und würde durch diesen den Schieber mit- 
nehmen, wenn nicht auch gleichzeitig die durch eine kleine Feder be- 
thätigte Klinke D gegen die Stahlplatte des Mitnehmers zu liegen käme: 
dadurch erhält dieser, sowohl als auch der Schieber eine der vorigen 
entgegengesetzt gerichtete Drehbewegung, und der letztere functiouirt 
nun wie ein gewöhnlicher, mit 2 Ueberdeckungen versehener Schieber. 
(Die Abweichungen des Schiebers von seiner Mittelstellung während 
der Ausström- und Compressionsperiode sind in Fig. 21 Taf. 9 durch 
die Bogen B B 2 und B 2 B ersichtlich gemacht.) Die nun eingeleitete 
Bewegung des Schiebers setzt sich auch während der Eiuströmperiode 
des Dampfes so lange fort, bis die Klinke beim Vorwärtsgange mit dem 
festen Daumen F/", oder beim Rückwärtsgange mit dem beweglichen 
Daumen Fm in Berührung kommt: durch die erfolgte Ausklinkung wird 
der Schieber wieder frei, kehrt vom Luftbuffer bethätigt in seiue mittlere 



158 Elektrieche Eisenbahnbremsen. 

Stellung zurück und schliefst die Einströmöffnungen plötzlich ab. (Die 
Abweichungen von der Mittelstellung während der Einström- und Ex- 
pansionsperiode zeigen die Bogen ß Q B { und B ] B .) 

Kommt der Hebel K wieder in die vorige Mittellage, so nimmt er 
bei Berührung von Knagge C und Mitnehmer G abermals den Schieber 
mit und es beginnt die Ausströmung des Dampfes von Neuem. 

Die Stellung der Daumen Ff und Fm ist von der, dem jedesmaligen 
Dampfverbrauche entsprechenden Stellung des Regulators abhängig. 

Die Schieber haben eine äufsere Ueberdeckung ab (Fig. 21 Taf. 9) 
und eine innere Ueberdeckung crf; die Gröfse dieser Ueberdeckungen 
ist, je nachdem die Maschine mit oder ohne Condensation arbeitet, 
einen Verdichter oder Pumpe direkt oder indirekt betreibt, verschieden; 
inneres und äufseres Voreilen, sowie die Compression lassen sich für 
jeden einzelnen Fall besonders einstellen. 

Auch bei eintretendem Regulatordefect bietet die Maschine eine 
erwünschte Sicherheit, da die Daumen Ff und Fm in diesem Falle so- 
fort die der Nullfüllung des Cy linders entsprechende Stellung einnehmen 
würden. 

Die Construction des mit dem Dampfmantel aus einem Stück ge- 
gossenen Cylinders ist in Fig. 19 und 20 veranschaulicht. Der Kessel- 
dampf strömt zunächst in den Dampfmantel und dann durch ein von 
Hand stellbares Ventil nach den beiden Enden des Dampfcy linders; 
der ausströmende Dampf entweicht in der angedeuteten Pfeilrichtung. 

(Fortsetzung folgt.) 



Elektrische Eisenbahnbremsen. 1 

Mit Abbildungen auf Tafel 9. 

In Engineering vom 20. Decbr. 1889 Bd. 58 S. 703 werden nach 
einem von E. Sartiaux und L. Weissenbruch ausgearbeiteten Vortrage im 
Eisenbahncongresse folgende Mittheilungen über die Fortschritte in der 
Anwendung elektrischer Bremsen in den letzten 4 Jahren gemacht. 

1) Die Achard-Bremse (1879 233 379. 234 425; *D.R.P. Kl. 20 
Nr. 12455 vom 21. März 1880), welche 1865 «durch Verleihung des 
Monthyon-Preises ausgezeichnet wurde, hat nach wiederholten Versuchen 
in Belgien auf den Staatsbahnen, sowie in Frankreich auf der Nordbahn, 
Ostbahn und den Staatsbahnen die aus Fig. 1 und 2 ersichtliche ver- 
besserte Einrichtung erhalten. Der Elektromagnet A schwebt frei gegen- 
über der Achse D. Seine beiden Polstücke m und n legen sich, wenn 
der Strom durch den Elektromagnet geht, wie eine Reibungsrolle an 

• Vgl. auch Korbes und Timmis t886 259 456. Am 26. Februar 1889 ist 
in Amerika unter Mr. 398577 für Bowman und Widdifield ein (am 29. Oktober 
1888 nachgesuchtes) Patent auf eine elektrische Bremse ertheilt worden, auf 
die wir später zurückzukommen beabsichtigen. 



Elektrische Eisenbahnbremsen. 159 

die auf der Achse D angebrachten, dem Elektromagnete als Anker 
dienenden eisernen Ringe und dann windet der zwischen den Elektro- 
magnetrollen gelegene Theil des Kernes die Bremskette B auf und legt 
die Bremsschuhe an die Räder; die schliefsliche Spannung der Kette B 
und die Zeitdauer, während welcher der Kern mit der Achse D um- 
läuft, hängt von der Stromstärke ab, welche dem Ermessen des Loco- 
motivführers unterstellt ist. Ein mit dieser Bremse ausgerüsteter Zug 
ist 4 Jahre zwischen Tours und Les Sables d'Or ohne Störung ge- 
laufen. Die Bremse ist natürlich nicht selbstthätig. Den Strom lieferte 
eine Grammedynamo, die auf der Locomotive untergebracht ist und von 
einer Brotherhood-Maschine getrieben wird. 

2) Die PorÄ-Bremse wurde am 30. December 1886 probirt, aber aus 
den Versuchen gezogen, weil ihre mechanischen Einzelheiten nicht voll- 
kommen waren. Die Bremse enthält eine Stange, welche durch ein 
Excenter auf der Wagenachse in Bewegung gesetzt wird; ihr Ende kann 
mittels eines Sperrkegels, der durch die Wirkung eines elektrischen 
Stromes eingelegt wird, auf ein Sperrrad wirken, das am Umfange einer 
an der Unterseite des Wagengestells angebrachten, als Trommel für die 
Bremsketten dienenden Gufseisentrommel sitzt. Ein zweiter Sperrkegel 
verhindert die Rückbewegung der Trommel beim Rückgange des ersten. 
Wird der elektrische Strom unterbrochen, so hört der erste Sperrkegel 
auf zu wirken, der zweite aber hält die Bremse in Thätigkeit; um die 
Bremse zu lüften mufs ein Strom in einer zweiten Leitung gesendet 
werden, welcher den zweiten Sperrkegel aushebt. Die auf der Loco- 
motive aufgestellte Dynamo wiegt mit ihrem Motor 180 k . Drei Drähte 
sind entlang dem Zuge zu führen, werden aber in einer einzigen Kuppel- 
lung am Ende jedes Wagens vereinigt. Bei geringen Geschwindigkeiten 
arbeitete die Bremse gut, bei 60 km in der Stunde aber vermochten die 
Sperrkegel nicht zu wirken. Diese Bremse ähnelt sehr der ältesten von 
Achard (vgl. Zetzsche, Bandbuch der elektrischen Telegraphier Bd. 4*S. 818). 

3) Bei der Card-Bremse nöthigt ein elektrischer Strom zwei Trom- 
meln unter jedem Wagen zum Eingriff in einander; die eine wird von 
der einen Achse mittels einer Kette in beständiger Umdrehung erhalten; 
die andere trägt die Bremskette und legt durch ihre Umdrehung die 
Bremse an. Entlang dem Zuge laufen zwei Leiter, und es sind in den 
aus ihnen gebildeten Stromkreis nebst je einem Widerstände zwei 
Speicherbatterien eingeschaltet, die eine am Schlufswagen, die andere 
auf der Locomotive, welche einander entgegenwirken und bei denen 
mittels eines Umschalters die Zahl der eingeschalteten Elemente ver- 
ändert werden kann. Bei einer andern für Card in Amerika patentirten 
Bremse sind nach Fig. 3 zwei Elektromagnete rund um die Achse ge- 
legt, welche sich schliefsend um dieselbe legen, wenn der Strom sie 
durchläuft. Die Card- Bremse wurde aus den Versuchen gezogen, da 
sie Brüche herbeizuführen geeignet ist. 



160 Elektrische Eisenbahnbremsen. 

4) Die Waldumer-Bvemae ist am 27. und 28. September 1887 auf der 
i'incinnati-, Washington- und Baltimorebahn zwischen East Norwood und 
Bond Hill probirt worden, mit einer Reihendynamo, welche von einer den 
Dampf von der Locomotive entnehmenden Dreicylindermaschine getrieben 
wird. Der Locomotivführer handhabt die Bremse mittels eines Um- 
schalters. Stellt er den Umschalterhebel auf die Mitte seines Weges, 
so entsendet er einen Strom, welcher die Ketten anzieht und die Brems- 
backen anlegt. Wird der Hebel bis ans Ende geführt, so bleibt die 
Bremse bei der gewöhnlichen Geschwindigkeit der Dynamo wirksam. 
Der Druck in der Bremse kann vergröfsert werden, indem man das 
Dampfventil weiter öll'net, dadurch die Geschwindigkeit der Dynamo 
und die elektromotorische Kraft des Stromes vergröfsert. Unter jedem 
Wagen liegt eine wagrechte Welle, welche den Kern eines in eine 
Trommel eingeschlossenen Elektromagnetes bildet: einerseits trägt die 
Trommel ein Rad, welches durch eine endlose Kette mit einer als 
Trommel für die Bremskette dienenden Hilfswelle verbunden ist; anderer- 
seits trägt die Welle des Elektromagnetes ein Rad, welches auf sie 
mittels einer endlosen Kette von einer Achse aus eine beständige Drehung 
überträgt. Wird ein Strom durch den Elektromagnet gesendet, so wirken 
seine Pole auf innerhalb der Trommel angebrachte parallele Eisenstäbe 
anziehend und zufolge der so hervorgebrachten Reibung mufs die Trommel 
an der Drehung des Elektromagnetes Theil nehmen. Hört der Strom 
auf, so fällt die Bremse ab, da die Verbindung sich löst. Es ist nur 
ein Leiter vorhanden, die Elektromagnete sind parallel geschaltet und 
die Rückleitung erfolgt durch die Räder und Schienen; der isolirte Leiter 
hat Kuppelungen gleich einer Luftbremse. Die Bremse wird selbsthätig, 
wenn man im letzten Wagen noch einen zweiten Stromerzeuger unter- 
bringt, der von der Achse getrieben wird. So lange alles in Ordnung 
ist, wird diese Dynamo durch ein Relais aufser Thätigkeit gehalten: 
beim Auftreten eines Fehlers im Leiter, sei es zufolge mangelnder Iso- 
lirung, oder beim Zerreifsen des Zuges, wird die Dynamo an den Leiter 
gelegt und die Bremse in Thätigkeit gesetzt. Der Erfinder dieser Bremse 
ist üawelius; derselbe besitzt auch ein amerikanisches Patent (Nr. 224880 
vom 24. Februar 1880} , worin ein Elektromagnet mit rings um den- 
selben und parallel zu seiner Achse augeordneten Ankerstäben beschrieben 
ist. Diese Stäbe k sind nach Fig. 4 und 5 in radialen Schlitzen in den 
Endscheiben der Trommel beweglich und legen sich in Einschnitte j in 
den Elektromagnetpolen ein: in einer spätem Form dagegen sind die 
Einschnitte weggelassen und die Trommel wird blofs durch die Reibung 
mitgenommen, wie es aus Fig. 6 und 7 ersichtlich ist. Die Waldumer- 
Bremse wirkte bei den Versuchen (ohne Stöfse, ward aber nicht auf 
langen Zügen versucht. 

5) Die Widdifield- und Bowman-Bremse ist eine Abänderung einer 
Bremse, die schon beiden /?ur/m<?fon-Versuchen (vgl. Lumiere Electrique 



Elektrische Eisenbaknbremsen. 161 

1887 Bd. 26 * S. 301) unter demselben Namen auftrat. Es. sind hier 
zwei Stromkreise vorhanden: mittels des einen wird die Bremse ange- 
legt, mittels des andern losgelassen. Als Elektricitätsquelle dienen zwei 
Batterien, eine auf der Locomotive, die andere im Schlufswagen. Diese 
Bremse wurde am 10. Januar 1889 an einem 15 bedeckte, 8-räderige 
Personenwagen und 2 Gepäckwagen enthaltenden Zuge probirt: letztere 
beiden und die Locomotive waren nicht mit Bremsen versehen. In dem 
einen Falle, wo ein Anhalten nöthig wurde, kam der mit 37 km in der 
Stunde fahrende Zug in 16 Secunden auf einer Länge von 125 m zum 
Stillstande. 

6) Die Westinghouse-Bvemse. Georg Westinghouse jr. wählte die 
Elektricität, um seine Luft bremse (vgl. 1888 268 433) auf den langen 
Güterzügen in Amerika anwendbar zu machen. Bekanntlich wird das 
dreifache Westinghouse- Ventil durch Verminderung des Druckes in dem 
Luftrohre auf dem Zuge in Thätigkeit gesetzt. Wenn nun die Luft blofs 
durch eine einzige Oeffuung entweichen kann, nämlich durch das Ventil 
des Locomotivführers, so fällt der Druck am vordem Zugende früher 
als am hintern, und die Bremsen werden nach und nach an den einzelnen 
Wagen wirksam. Deshalb suchte Westinghouse mit Hilfe der Elektricität 
eine raschere Wirkung zu erzielen, aber nur eine kurze Zeit lang, weil 
die Erfindung des rasch wirkenden Ventils es dann überflüssig machte. 
Er ordnete in Abständen an der Röhre auf dem Zuge drei Entleerungs- 
ventile an. welche, wenn die Bremse wirksam werden sollte, durch einen 
in einem in die Röhre eingeschlossenen Leiter zugeführten elektrischen 
Strom geöffnet wurden. Die 1887 bei Burlington angestellten Versuche 
zeigten, dafs die selbsthätige Bremse eben so sicher mit der elektrischen 
Anordnung wirkte, als ohne dieselbe. Aber die Bremsen konnten nur 
mit ihrer Hilfe aufser Thätigkeit gesetzt werden, und man lief daher 
Gefahr, dafs, wenn der Stromkreis durch eine zufällige Ableitung ge- 
schlossen würde, die Bremsen zu wirken begännen und nicht wieder 
unwirksam gemacht werden könnten. Eine weitere Schwierigkeit lag 
darin, dafs die elektrisch zu öffnenden Ventile gleichmäfsig über den 
Zug vertheilt werden sollten. 

7) Die £ames-Bremse unterscheidet sich von der bisher unter dem- 
selben Namen bekannt gewesenen dadurch, dafs der Luft der Eintritt 
in das Rohr auf dem Zuge zum Zwecke der Anwendung der Bremse 
durch ein elektrisches Oeffnen eines Ventils auf jedem Wagen gestattet 
wird und nicht blofs durch ein einziges Ventil auf der Locomotive. Als 
Elektricitätsquelle wird eine auf der Locomotive untergebrachte Dynamo 
verwendet, die in dem Augenblicke in Gang gesetzt wird, wo die Brem- 
sung erforderlich wird. Diese Bremse lieferte bei den zweiten Burlington- 
Versuchen gute Ergebnifse: in ihrem Arbeiten zeigten sich aber Fehler, 
die aus den Unvollkommenheiten der Ausführung und Mangel an elek- 
trischer Erfahrung entsprangen. 

Dingler*s polyt. Journal Bd. 276 Nr. 4. 1890,11. 11 



162 Elektrische Eisenhahnbremsen. 

8) Bei der Carpenter-Kremse besteht jeder Vertheiler aus zwei Ven- 
tilen. Das erste wird nach Verlangen durch Elektricität, oder durch 
Luft aus dem Rohr auf dem Zuge zur Wirkung gebracht und legt die 
Bremsschuhe an, indem es der verdichteten Luft den Zutritt aus dem 
Hilfsbehälter zu dem Bremscylinder ermöglicht. Das zweite wird blofs 
durch Elektricität in Thätigkeit gesetzt und macht die Bremse wieder 
unthätig. Den Strom liefert eine Julien- Batterie auf der Locomotive. 
Als Leiter dienen zwei isolirte Drähte, die Rückleitung bildet das Rohr 
auf dem Zuge; der eine Pol der Batterie liegt an einem Umschalter- 
hebel, mittels dessen der Strom bei Bedarf in den einen oder in den 
andern Draht gesendet werden kann. Auch diese Bremse ward 1887 
bei Burlington erprobt und erwies sich besser als die beiden andern, bei 
denen die Elektricität nur eine Aushilfsrolle spielt. 

9) Bremsen mit unmittelbarer Wirkung. Bei den bisher besprochenen 
Bremsen fällt der Elektricität nur eine untergeordnete Rolle, nur die Her- 
vorbringung einer kleinen Wirkung zu. Grofse Kraftäufserungen von 
der Elektricität verlangten in ihren Bremsen Sigmund von Saxciczeski, 
William Siemens und Marcel Deprez. 

Sawiczeski erstrebte, Elektromagnete unmittelbar bremsend auf die 
Kränze der Räder wirken zu lassen. 1881 angestellte Versuche zeigten, 
dafs die Wirkung nur schwach war. 

Siemens und ßoothby brachten nach Fig. 8 bis 10 unter jedem Wagen 
eine Dynamo B an, welche eine in den Zahnbogen D eingreifende 
Schnecke C in Umdrehung versetzte; auf die Achse des Bogens D waren 
die Bremshebel E und E { aufgesteckt, indem sie mit dem Muff F ver- 
schraubt waren, der mit dem Muße G in Verbindung. Die Verlängerung 
des Hebels E E { ist mit der Feder I verbunden, welche die Bremse an- 
zulegen trachtet. Wenn die Verbindungsschnur itf, welche dem Zuge 
entlang läuft, angespannt wird, z. B. beim Zerreifsen des Zuges, so übt 
sie auf den Hebel L einen Ruck aus, durch welchen F frei gegeben 
wird, worauf die Feder Jden Hebel E E { in der Pfeilrichtung dreht und 
das Bremsen veranlafst. Die Dynamo setzt die Bremsung selbsthätig, 
oder auf Wunsch fort, wenn die Muffverbindung wieder hergestellt ist. 
Will man die Bremse aufser Thätigkeit setzen, so kehrt man den Strom 
um, damit sich die Dynamo in entgegengesetzter Richtung dreht. 

Marcel Deprez entwarf zuerst eine Bremse, in welcher ein Solenoid 
auf eine mit zwei Bremsbacken verbundene Stange wirkte. Eine zweite 
enthielt kräftige Elektromagnete, deren Polstücke eine auf die Achse 
aufgekeilte Kupferscheibe umfafsten; die FoucaulC sehen Ströme, welche 
in der Scheibe erregt werden, wenn ein Strom die Elektromagnete durch- 
läuft, widersetzen sich der Drehung. Keine dieser Bremsen ist einem 
Versuche unterworfen worden, und es ist kaum zu erwarten, dafs sie 
von Erfolg sind. 

Diese Mittheilungen geben der Hoffnung, dafs in nächster Zukunft 



Gollner, über Dampfkessel. 163 

elektrische Bremsen sehr in Aufnahme kommen sollten, wenig Nahrung. 
Selbsttätige Luft- und Vacuum-Bremsen sind so einfach und wirksam, 
dafs für Einführung einer neuen Art von Bremsen wenig Raum bleibt, 
bis dieselbe jene an Bremskraft und an Billigkeit der ersten Anlage 
bedeutend übertrifft. Auch dürften nur sehr wichtige Vorzüge es recht- 
fertigen, wenn man die schon vorhandene Mannigfaltigkeit noch weiter 
vergröfsern wollte. 

Ueber Dampfkessel; von Prof. H. Gollner in Prag. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 275 * S. 337.) 

Die praktisch - wissenschaftliche Untersuchung der Dampfkessel, 
welche in neuerer Zeit entschieden eine fortschrittliche Ausbildung und 
Vervollständigung erfahren hat, wurde Dank der Bemühungen und des 
Einflusses der Dampfkessel -Untersuchungs- Gesellschaften mit grofsem 
Erfolge in die Praxis eingeführt, und finden die Ergebnisse derselben 
auch von dieser Seite jene Beachtung, welche alle auf dem Versuchs- 
w r ege zu ermittelnden Resultate verdienen, wenn sie nach sachgemäfsen 
Methoden gefunden wurden und zur Klarstellung wichtiger und ent- 
scheidender Verhältnisse dienen können. 

Die Untersuchung der Dampfkessel wird aus verschiedenen Gründen 
und ebenso in sehr veränderlichem Umfange durchgeführt; in einzelnen 
Fällen wird die Untersuchung der gesammten Anlage, in anderen Fällen 
die Feststellung der mechanischen Eigenschaften eines Hauptbestandtheiies 
der gesammten Construction geboten sein. Praktisch-wissenschaftliche 
Untersuchungen von Dampfkesseln, welche den mechanischen und wirt- 
schaftlichen Werth der Gesammtanlage sicherstellen und zugleich die 
Tüchtigkeit und Betriebssicherheit der wichtigsten Bestandtheile der- 
selben nachzuweisen vermögen, sind die vollkommensten und wert- 
vollsten Unternehmungen: sind aber für die Verhältnisse der gewöhn- 
lichen Praxis zu zeitraubend und zu kostspielig. 

Es sollen nun im Folgenden jene Untersuchungen von Haupttheilen 
der Dampfkessel und der vollständigen betriebsfähigen Anlagen der- 
selben hervorgehoben werden, welche auf diesem Constructionsgebiete 
sozusagen zur Uebung geworden sind, und hierbei solcher Methoden 
und Ergebnisse derselben gedacht werden, welche geeignet sind, die 
einschlägigen Verhältnisse klar zu stellen. 

Von den Untersuchungen, welche sich auf Haupttheile der Dampf- 
kessel beziehen, ist in erster Linie die Untersuchung der mechanischen 
Eigenschaften des Constructionsmateriales und jene der mechanischen 
Verbindungen im Dampfkesselbaue, d. i. der Nietungen zu nennen. Die 
Bedeutung einer gewissenhaften Materialuntersuchung ist heute voll 
erkannt und, wie hervorgehoben, zur allgemeinen Uebung geworden. 
Zur Untersuchung gelangen sowohl sogen. Neu- wie Altmaterialien. 



lt>4 Gollner, über Dampfkessel. 

ersten- aus unbenutzten Dampf keseelblechen., letztere aus den Wan- 
dungen eines bereit« dem Betriebe übergebenen Dampfkessels geschnitten. 

Nach den bisher vorliegenden Versuchsdaten zeigen Dampfkessel- 
bleche aus ursprünglich gutem Materiale selbst nach vieljährigem Be- 
triebt' keine wesentlichen Veränderungen in ihren mechanischen Eigen- 
schaften gegenüber jenen der Neumaterialien. Die bisher selbst nach 
40 jährigem Betriebe des Dampfkessels untersuchten Bleche erwiesen 
.sieh keinesfalls als „erschöpft", zeigten die in der Elasticität des 
Materiales begründeten mechanischen Eigenschaften noch vollkommen 
befriedigend entwickelt, und konnte der fernere Betrieb des Dampf- 
kessels unter einer allerdings vorsichtshalber etwas verminderten Be- 
triebsspannung zugestanden werden. 

Es sei bemerkt, dafs die Elasticitäts-Untersuchung jener Material- 
schichten eines sogen. Altkesselbleches, welche einerseits an der 
..Wasserseite" , andererseits an der „Feuerseite" desselben Bleches 
liefen, abweichende Ergebnisse finden läfst, was in der chemischen 
Veränderung dieser Materialpartien begründet zu sein scheint. 

Von dem heute schon in aufserordentlich reichlicher Menge vor- 
liegenden Versuchsmateriale über Dampfkesselbleche seien hauptsächlich 
jene Ergebnisse nach ihren Mittel werthen hervorgehoben, welche im 
mechanisch-technischen Laboratorium des Referenten in neuester Zeit 
durchgeführt wurden, wobei auf die Hauptmaterialien und zwar auf 
Schweifseisen, weiches Thomas-, Martin- und Zfmemer-Flufseisen und 
Kupfer Rücksicht genommen sei. In den meisten Fällen lagen sogen. 
Keumaterialien für Dampfkessel vor, obschon auch einige Proben mit 
Altmaterialien, die hervorgehoben seien, Anspruch auf Beachtung er- 
heben dürfen. 

Die folgende Tabelle enthält die Hauptergebnisse der Untersuchungen 
der Qualität der Kesselmaterialien an sich, und sei noch zweier Gröfsen 
in der Tabelle gedacht, welche im Allgemeinen nicht regelmäfsig be- 
stimmt werden. Diese Gröfsen sind a) das relative Mafs der Defor- 
mationsfähigkeit (Zähigkeit) und b) das relative Mafs der Homogenität 
der Materialien. Die Bedeutung, ferner die Methoden zur Auffindung 
dieser beiden Gröfsen wurde in den Technischen Blättern, Jahrg. 1886 
und 1887 entwickelt. Die Probelänge / sämmtlicher Probestäbe als 
Bleche und Rund(Niet)stäbe betrug 200 mm ,0; die Bruchdehnung in 
Procenten der Gebrauchslänge wurde durchgehends im Sinne der 
Münchner und Dresdner Conferenzbeschlüsse ermittelt. 

Die Frage über die Zweckmäfsigkeit der Anwendung einer guten 
Sorte Schweifseisenbleches für die Dampfkesselfabrikation ist erledigt 
und die heute noch herrschende Praxis, für Dampfkessel lediglich nur 
Schweifseisenbleche von bewährter Güte zu verwenden und vorläufig 
auf die neueren Materialien noch keine Bücksicht zu nehmen, wohl- 
begründet. 



Gollner, über Dampfkessel. 165 

Ergebnisse der Dehnungs- und Zerreifsversuche mit Kesselmaterialien. 









Zugelasticitätsgrenze 


Festigkeitsgrenze 


c 

"§ £ 
m 3 

3 "S 

> S 


e 

03 

In 
O 
CO 


i 

i "5 

S, § sc 


OOt£ 
J2 ° 3 

es es » 

S-5Q 


C8;BS 

all 

w 


1 '" 

<D 




*la . CO 1 

*j t- u. w 

75 cz cr.ts 
<u 1-2. 

3 0) _ 1- "> 


Relatives Mafs 
der 

7ähi<*- G 'eich- 

keit artig - 
Keit keit 


Äp3t 


/l/ • / 


J7at 


Ä" 3 at 


(zl^:0100 


c/Wö) 100 


D r 
Proc. 


Hr 






Jo 


Proc. 




1 = 

Z'S 


1 


1578,0 0,00090 1 863 000 


3455,6 


1 
32,7 41,0 

1 


1 

50,3 27,2 


"3 


CD 

CD 

00 

«5 
0) 


2 


2029,0 


0,00140 


1 509 000 


3835,0 


1 
12,0 19,7 


30,2 


11,0 


1 
S 


3 


1909,5 0,00103 


2 013 000 


3170,0 


7,8 14.4 


— 


— 


• — - 
c 


4 


1789,6.0,00098 


1 982 000 


3167,6 — 


25,5 


— 


— 


'3 

m 

'3 


5 


1873,8 0,00049 2400 000 


3810,5 12,5 


20,3 


— 


— 


CO 


61 


2425,5'o,00113 
1 


2 176 000 


4248.9 26,0 

i 


59.9 


41,3 


25,0 




72 


2579,0 


4057,5 


— 


4057,5 


27,0 


— 




— 


CD -3 
CO _^; 

CD ^ 


CD 

3 

o 
efl 
an 

CO 

M 


1 


2237,5 0,00140 


1 621 000 


2919,1 — 


— 


— 


— 


CO w 


2 


1119,3,0,00060 

1 


1 865 000 3000,0 


— 


— 


— 


— 




o 


1 2320,0 0,00104 


2 323 000 


4027,6 


26,2 


63.3 


26,0 13,8 


d 

CD 
CD 




1 


2427,8 0,00103 


2460 000 


4337,1 


23,9 


48,8 


31,2 


16,5 


CO 


2 3185,2 0,00139 


2 278 000 


4435,8 


21,6 


60,2 


— 


— 


1 


1 


2861,3 


0,00109 


2 634 000 


4625, 1 ? 


23,7 


54,9 


— 


— 


Kup 


fer 


1 


608,3 


0,00050 


1 285 000 


2242,0 

1 


45,5 


60,6 


36,8 


26,7 



1 In 0. Springer's. Gaspuddelofen erzeugt. 

2 In französischen Werken erzeugt. 



166 Gollner, über Dampfkessel. 

Gutes Schweifseisenblech läfst neben entsprechend entwickelter 
Elasticität und Festigkeit auch die Eigenschaft der Zähigkeit und Gleich- 
artigkeit im befriedigenden Mafse nachweisen. Die Flufseisensorteu 
zeigen allerdings eine höher gelegene Elasticitäts- und Festigkeitsgrenze, 
hingegen eine ungewöhnlich grofs entwickelte Contraclionsfähigkeit 
(proc. Querschnittsverminderung), welche aber nicht als Folge hoher 
Zähigkeit, sondern vielmehr als minder entwickelter Gleichartigkeit 
erkannt werden mufs. Die Frage der Zweckmäfsigkeit der Verwendung 
von Flufseisenblechen für Dampfkessel ist noch nicht endgültig erledigt. 

Die Untersuchung der Dampf kessel- N ietungen , sowie die richtige 
Erkeuntnifs ihrer Ergebnisse ist für den betriebssicheren und wirt- 
schaftlichen Bau der Dampfkessel von gröfster Bedeutung, daher auf- 
klärende Studien und Versuche auf diesem Gebiete sehr werthvoll er- 
scheinen müssen. 

Engineering (1885) bringt einen Auszug aus den von Prof. B. W. 
Kennedy erledigten umfangreichen Arbeiten zur Klarstellung der Con- 
structions- und Festigkeitsverhältnisse der verschiedenen Dampfkessel- 
Nietungen. Aus den Ergebnissen der von Kennedy durchgeführten Ver- 
suchsreihen mit Nietungen aus weichen nicht geglühten Stahlblechen 
mit gebohrten Nietlöchern und Stahlnieten ergeben sich folgende Schlufs- 
folgerungen: 

Das zwischen den Nietlöchern stehen bleibende Material hat eine 
entschieden höhere Festigkeit als das ungebohrte Kesselblech. Be- 
zeichnet t) in mm die Blechstärke, t mm die Niettheilung und d mm den 
Durchmesser der Nietbohrung, so ergab sich für ö =■ 10 mm und 20 mm 
für f^l,9rf ein Festigkeits-Ueberschufs bis 20 Proc. In anderen Fällen 
erreichte dieser Ueberschufs für t = 2d bis 15 Proc, für t = 3,6rf bis 
10 Proc, bei t = 3,9rf bis 7 Proc 

Die Erklärung für diese hochbeachtenswerthe Thatsache hat Kennedy 
durch Darstellung der Formänderungen von Quer-Parallelrissen ermög- 
licht, welche an den Probestäben mit und ohne Nietöffnung (d) aus- 
geführt waren. Die Versuchsergebnisse lassen erkennen, dafs die Gleich- 
mäfsigkeit der Uebertragung der Zugkraft auf den Probequerschnitt 
eines Flachstabes (Lamelle) mit der Breite desselben entschieden abnimmt. 

Die Scherfestigkeit. K s nl ist bei doppelter Abscherung ebenso grofs, 
wie bei einfacher Abscherung. 

Die einfachen Nietungen weisen den Nachtheil auf, dafs das für 
den Nietbolzen sich ergebende Biegungsmoment mit der die Nietver- 
bindung in Anspruch nehmenden Zugkraft eine zusammengesetzte In- 
anspruchnahme für den Nietbolzen ergibt, in Folge welcher ein gerin- 
gerer Widerstand /t, at eintritt. 

Die Gröfse der Nietköpfe und Enden der Nietbolzen ist für die 
Festigkeit der Nietverbindung, und besonders für die einfache Nietung 
von grofsem Einflüsse. Kräftigere Nietköpfe und Nietenden erhöhten 



Gollner, über Dampfkessel. 167 

den Wirkungsgrad der Nietung um etwa 10 Proc. Der gröfste speci- 
tische Auflagedruck p a{ des Nietbolzens gegen die Nietlochleibung ist 
eine mafsgebende Gröfse. Für p ma x' n ^ 6200 ergibt sich kein wesent- 
licher Einflufs auf die Festigkeit der Nietbolzen. Für p max H = 7750 
bis 8500 wurden die Nietbolzen schon bei £^ = 2500 bis 2800 ab- 
geschert. Bei normalen Nietungen von gleicher Festigkeit für Niet und 
Blech soll sein p m ax at ^ 6500. 

Die kleinste Entfernung von Nietblech bis Blechrand kann in allen 
Fällen sein = d mm . 

Für die doppelte Ueberlappungs-Nietung mit der Haupttheilung t 
und der Nietöffnung d soll die diagonale Niettheilung sein: 

* d = 2 / 3 X<-r-g. 

Sämmtliche Probenietungen öffneten sich bei einer bedeutend ge- 
ringeren Zuginanspruchnahme als jene war, welche den Bruch herbei- 
führte. Das Oeffnen der Nietfuge tritt bei einer gewissen Nietbelastung 
ein, der Zeitpunkt dieser Eröffnung hängt von der Zahl und Gröfse 
der angeordneten Nietlöcher ab. Annähernd läfst sich diese specitische 
Nietbelastune P in Kilo ausdrücken durch folgende Werthe: 



d =± 20mm einfache Hand-Nietung P . 
= 20mm doppelte „ 

= 20mm M Mase/iinen-Nietung 

= 25 mm einfache Hand-Nietung . . 
- 25mm doppelte „ 

= 25mm n Jl/asc/u'wen-Nietung 



= 2500k 

= 3000— 3500k 

= 7000k 

= 3200k 

= 4300k 

= 8000-10000k. 



Die Werthe von P k lassen den entschiedenen Vortheil der Ma- 
schinen-Nietung gegen die Handnietung erkennen, welcher im Wesent- 
lichen in der Vergröfserung jener Nietbelastung gelegen ist, für welche 
das Oeffnen der Nietfugen eintritt. Die Dimensionirung von einfachen 
Nietverbindungen als £/efor/a/)/?u/i<?s-Nietuugen gleicher Festigkeit kann 
auf Grundlage der Versuchsergebnisse, wie folgt, durchgeführt werden: 

Bezeichnet, wie früher, t die Niettheilung, d die Nietlochweite, 
Ö die Blechstärke, wird diese mit 10 mm angenommen, ferner der spe- 
citische Auflagedruck für die Nietlochleibung p m ax at = 6500, die Festig- 
keit des Materialsteges in den Blechen zwischen den Nietlöchern k z ' = 
1,1 k : , angenommen, wobei fcg at die Zugfestigkeit des ungebohrten Bleches 
bezeichnet, so ergeben sich nach den durchgeführten Versuchen für 
^ = 4340 und 4650, ferner für ^ = 3400 und 3720 folgende Ver- 
hältnifswerthe für f, d und § und für die mafsgebenden Querschnitte 
der Nietung: 

/tsat fc s at d:S t : d (t - d) «J : <# J 

4650 3400 2,48 2,30 0,667 

4340 3400 2,48 2,40 0,785 

4650 3720 2,28 2,27 0,713 

4340 3720 2,28 2,36 0,690. 



1»;> Die Construction der Schützen Wechsel. 

Es soll also für S = 10 mm das Verhältnifs d : ö durchschnittlich 2,3, 
das mittlere Verhältnils t : d = 2,4, endlich der mittlere Verhältnifswerth 

(t _ t j) d : </> E. = o,71 erreichen, wobei die mittlere Nietlochweite d = 

23 mm beträgt. 

Wird d < 28 nani J'ür Ö = 10 mm , BO werden die günstigen Festigkeits- 
verhältnisse der einfachen Nietung geändert. Für beliebige Werthe 
von d soll die Niettheilung für die früheren Werthe von ä : , und k s 
durchschnittlich bestimmt werden nach: 



-*•(*) 



Für doppelte Ueberlappungs-Niehmgen ergeben sich folgende Regeln : 
fc»ai fe,at t 

4650 3720 

4340 3400 1,16 ("r) + d 



4650 3400 1, 



KiH 



4340 3720 1,24 (-7) + d 

Für doppelte LascAm-Nietungen aus denselben Materialien bei einer 
Scherfestigkeit von /c s Mt 5= 2500 bis 2800 , für den speeifischen Auf lage- 
druck yj ;it = 6975 bis 7750, findet sich durchschnittlich am vorteil- 
haftesten d : 8 = 1,8 und t : d = 4,1 für 8 = 10mm. 

(Fortsetzung folgt.) 

Die Constructionen der Schützenwechsel an den 
neuesten mechanischen Webstühlen. 

Mit Abbildungen. 

Seitdem sich die Geschmacksrichtung wieder mehr den bunten Ge- 
weben zugewandt hat, wurde bei den an den Webstühlen vorgenom- 
menen construetiven Verbesserungen ganz besonders der Mechanismus 
berücksichtigt, welcher dazu dient, die Verwendung einer gröfseren An- 
zahl verschiedenfarbige Einschlagfäden enthaltender Schützen zu ermög- 
lichen. Die Vervollkommnungen dieser, mit dem Namen Schützenwechsel 
bezeichneten Apparate erstrecken sich aber nicht nur auf die Vermehrung 
der zur Aufnahme der Schützen dienenden Zellen, sondern auch auf 
eine zweckmäfsigere, selbst bei grofser Tourenzahl des Webstuhles ein 
ruhiges und sicheres Arbeiten bedingende Construction des, das beliebige 
Vortreten der einzelnen Kasten bewirkenden Mechanismus. Man unter- 
scheidet hauptsächlich zwei Arten von Schützen wechseln, die sogen. 
Revolverwechsel, bei welchen die Schützenzellen kreisförmig angeordnet 
sind und die Steigkastemvecftsel, bei welchen die einzelnen Zellen über 
einander liegen. 



Die Construction der Sehützenwechsel. 



169 



Die letzteren erfreuen sich in der Buntweberei eiuer weit gröfseren 
Beliebtheit, weil bei ihnen der Fehler des Revolverwechsels, durch 
Drehung der Einschlagfäden um einander ungleichmäfsige Kanten zu 
bilden, vermieden wird, und deshalb beziehen sich die, besonders in den 
letzten Jahren zahlreich angemeldeten Patente auf Schützenwechsel fast 
nur auf solche mit Steigkasten. 

Bei allen früheren, den gleichen Zweck verfolgenden Mechanismen 
geschah das Emporheben der Zellen durch Stufenexcenter, welche der 
Zahl der zu hebenden Kasten entsprechend Absätze hatten und so, bei 
einer mehr oder weniger grofsen Drehung des Excenters, die einzelnen 
Schützenzellen in die Höhe der Ladenbahn brachten. 

Um den Unterschied von den neueren Wechselvorrichtungen be- 
sonders hervorzuheben, bringen wir zunächst eine Beschreibung des 
durch Fig. 1 erläuterten, mit Stufenexcenter construirten alten Hartmann- 
schen Schützenwechsels, für Stühle mit drei Steigkasten an jeder Seite 
1 




der Weblade. Auf der Hauptwelle a befindet sich die Excenterscheibe 6, 
welche bei der Drehung der Welle den Schieber c mit Hülfe einer 
Feder d abwechselnd nach rechts und links bewegt. Der Schieber c 
trägt Fallen e und e u welche derartig mit einander verbunden sind, dafs 
nur entweder die obere oder die untere mit den Nasen der Scheibe f 
in Berührung kommen kann. Eine zweite, gleichfalls auf der Welle a 
befestigte Excenterscheibe vermittelt, zusammen mit der Gegenzugfeder g. 
eine oscillirende Bewegung des Hebels /*. Letzterer trägt die sogen. 



170 Die Construction der Schützenwechsel. 

Weudegabel ä, welche je einen Zapfen der Scheibe t fassend, mit dieser 
gleichzeitig den mit ihr verbundenen Cylinder um ein Sechstel seines 
Umfanges dreht. 

Um den aus, mit je sechs Nuten versehenen Scheiben bestehenden 
Cylinder ist die Wechselkarte gelegt, welche aus kettenförmig mit einander 
verbundenen Stäben zusammengesetzt ist. Auf die Stäbe sind Rollen 
in drei verschiedenen Gröfsen aufgesteckt, und indem nun je nach der 
Gröfse dieser Hollen der Hebel / und mit ihm die Stöfser e und e, mehr 
oder weniger hoch gehoben werden, treffen letztere gegen die Nasen 
der Scheibe f und ertheilen derselben eine mehr oder weniger grofse 
Drehung nach rechts oder links. Durch diese Drehung wird die ent- 
sprechende der drei Stufen des Excenters m über die Rolle n gebracht 
und so das Heben der Schützenzellen bewirkt. 

Ein bei den neueren Wechselmechanismen beseitigter, durch gröfsere 
Tourenzahl des Stuhles sich immer nachtheiliger äufsernder Fehler sind 
die nicht zu vermeidenden Stöfse beim Uebergang von der ersten Stufe 
auf die dritte und zurück. 

Es läfst sich, da der Kasten auch auf der mittleren Stufe zeit- 
weise, während des Schützendurchganges, ruhig verharren mufs, nicht 
umgehen, dafs die steigende Form der Excenterscheibe hier eine Unter- 
brechung erfährt, welche die vorgenannte unruhige Bewegung verursacht. 
Das Bestreben, diesen Fehler zu beseitigen, hat zu dem allen neuen 
Schützenwechseln gemeinsamen Prinzip geführt, das Heben um einen 
und dasjenige um zwei Kasten durch gesonderte Mechanismen zu er- 
zeugen, letztere aber gemeinsam und gleichzeitig in Wirkung treten zu 
lassen, sobald es sich um das Heben von drei Kasten handelt. Hier- 
mit gelangte man zu einem Schützenwechsel mit vier über einander- 
liegenden Schützenzellen, von welchen die oberste für gewöhnlich in 
der Höhe der Ladenbahn steht, während die andern in der vorerwähnten 
Weise eingestellt werden. Dieses gemeinsame Prinzip der sämmtlichen 
neueren Wechselvorrichtungen bedingt eine gewisse Aehnlichkeit der 
Constructionen, welche schon zu vielen Patentstreitigkeiten geführt hat. 
In der Regel aber, und mit vollem Recht, sind die Einsprüche oder 
Nichtigkeitsklagen der älteren Patentnehmer abgewiesen worden, da das 
Patent nur die neue Combination der Mechanismen, nicht aber ein Prinzip 
vor Nachahmung schützen soll. — Der erste derartige Schützeuwechsel- 
mechanismus wurde von Louis Schönherr für seinen Excenterbuckskinstuhl 
construirt. 

Wie in Fig. 2 dargestellt, geschieht das Heben der Schützenzellen 
durch die Drehung zweier Scheiben a und 6, deren excentrische Form 
derartig gewählt ist, dafs die hintere b den Hebel d um das Doppelte 
zurückdrücken kann, als wie die vordere a dies beim Hebel c bewirkt. 
Beide Hebel sind an einer Kette e befestigt, welche um die an dem 
Wiukelhebel f beliudliche Rolle geführt ist. Der eine Schenkel dieses 



Die Constraction der Sckiitzenwechsel. 



171 



Winkelhebels bildet einen Zahnbogen, welcher in Eingriff mit den, als 
Ersatz der Zähne dienenden Rollen des Kastenträgers g steht. Wird 
das Excenter a allein gedreht, so hebt es durch Anziehen der Kette die 
Höhe eines Kastens, bringt also den zweiten Kasten in die Höhe der 




Ladenbahn; wird Excenter b allein gedreht, so hebt es vermöge seiner 
entsprechend construirten Form um das Doppelte, bringt also den dritten 
Kasten vor die Ladenbahn, während das gleichzeitige Drehen beider 
Excenterscheiben die Summe der Einzelwirkungen, also das Vorbringen 
des vierten Kastens bewirken wird. Da die entgegengesetzte Drehung 
ehenso das Niederlassen ermöglicht, so ist es nur erforderlich, durch eine 
entsprechend construirte Vorrichtung eine beliebige Rechts- und Links- 
drehung der Excenterscheiben zu bewirken, um jeden beliebigen Schützen- 
kasten in die Höhe der Laden bahn einstellen lassen zu können. Zur 
Erreichung dieses Zweckes bedient sich Schönkerr der an beiden Seiten 
mit, einander entgegengesetzt stehenden Nasen versehenen Platinen A, 
deren untere Enden an den, einen Theil der Excenterscheiben a und b 
bildenden Hebeln verzapft sind. 

Wie in Fig. 3 dargestellt ist, wird durch eine auf der Hauptwelle 
befestigte excentrische Scheibe k der Hebel ?', und mit diesem das Bogen- 
stück / in schwingende Bewegung gesetzt, welche das wechselweise 
Auf- und Niederschieben der Schienen m und m l veranlagst. Durch 
diese Schienen werden die Platinen, je nachdem sie gegen die rechte 
oder linke Schiene gedrückt sind, auf oder nieder geschoben. Der obere 



172 



Die Construction der Schützenwechsel. 




Theil der Platinen isl in einer an dem Winkelhebel o angebrachten 
Gabel geführt und .so wird durch das Heben oder Niederlassen dieses 
Hg. :i. Winkelhebels mittels einer Wechselkarte p 

das Andrücken der Platinen an die Hub- 
schienen in einer ähnlichen Weise, wie das 
Heben der Hebel bei dem durch Fig. 1 er- 
läuterten Schützenwechsel bewirkt. Hierzu 
kann ebensowohl die Kette mit auf Stiften 
aufgesteckten Rollen von zwei verschiedenen 
Gröfsen, als auch die in Fig. 2 gezeichnete 
aus Holzbrettchen, mit eingeschraubten Stiften 
bestehende Musterkarte verwendet werden. 
X Neuerdings hat man statt dessen auch am 
P Schönherr 'sehen Stuhle durchlochte Papp- 
deckelkarten, ähnlich wie bei den Jacquardmaschinen, zur Einstellung 
der Platinen benutzt. Mit der Einführung des Kurbelbuckskinstuhles in 
der Schönherr' sehen Fabrik wurde für diesen ein in ähnlicher Weise ar- 
beitender Schützenwechsel geschaffen, von welchem Fig. 4 ein Bild gibt, 
Die Bewegung zweier Excenterscheiben mittels der Platine linden 
wir auch bei diesem Wechsel festgehalten, in der übrigen Construction 
zeigen sich aber bedeutende Abweichungen. 

Der Winkelhebel POS, welcher die Schützenkasten trägt, greift 
nicht mit Zähnen in die Hubstange, sondern letztere ist mit einer Kette 
an den Sector P gehängt. Der Winkelhebel ist durch eine Zugstange 
mit einem Hebel L verbunden, welcher, indem er durch Drehung des 
Excenters K nach links gedrängt wird, den dritten Kasten in die Höhe 
der Ladenbahn bringt, 

Während diese Vorrichtung derjenigen des vorher beschriebenen 
Schützenwechsels entspricht, ist für das Heben des zweiten Kastens eine 
andere Anordnung getroffen. Das obere Ende des Hebels L ist nämlich 
nicht auf einem an die Stuhlwand geschraubten Bolzen gelagert, sondern 
in der Gabel eines zweiten, doppelarmigen Hebels M verzapft, welch 
letzterer seine Lagerung auf einem an der Stuhlwand befestigten Bolzen 
hat. Auf die am unteren Arm des Hebels M befestigte Rolle wirkt die 
zweite Excenterscheibe K { und verstellt dadurch den Drehpunkt des 
Hebels L in der Richtung des Pfeiles derart, dafs durch die alsdann in 
entgegengesetzter Richtung erfolgende Schwingung des unteren Theiles 
dieses Hebels der Hub um eine Kastenhöhe erfolgt. Auch hier erzeugt 
das gleichzeitige Arbeiten beider Excenter die Summe ihrer Einzel- 
wirkungen, nämlich das Heben des vierten Kastens vor die Ladenbahn. 
Die Schwingung des die Platinen bewegenden Bogenstückes E erfolgt 
nicht von einer excentrischen Scheibe, sondern von dem Kurbelrad B 
aus. — Das Anlege n der Platinen an einen der beiden Schuber G 
und G { kann bei dieser Wechselvorrichtung ebenfalls durch eine Wechsel- 



Die Construction der Schützenwechsel. 



173 



kette erfolgen, bei Jacquardstühlen zieht man aber häufig vor, dies von 
der Jacquardmaschine aus bewirken zu lassen, da es eine Erleichterung 
für den Weber ist, wenn mit der Jacquardkarte auch stets die Einstel- 



Fig. 4. 




lung des richtigen Schützenkastens erfolgen mufs. Die Construction des 
diesen Zweck verfolgenden Apparates ist gleichfalls aus Fig. 4 ersicht- 
lich. Eine auf der Kurbelwelle befestigte Kurbelscheibe A setzt mittel? 
der Zugstange v und dem Winkelhebel io die Stöfser 2 in schiebende 
Bewegung. 

Mit den Platinen der Jacquardmaschine stehen die Stöfser durch 
Schnüre und an dem Jacquardträger angebrachte zweiarmige Hebel der- 
artig in Verbindung, dafs die Stöfser beim Heben der zugehörigen Platine 
niedergelassen werden. Ist nun z. B. der Stöfser 2 gehoben, so drückt 
eine an demselben befindliche Nase gegen den Stützhebel 7, der auf 
demselben ruhende Hebel 9 fällt nieder und mit diesem gleichzeitig der 
mit Gewicht versehene Platinenführer 5, dessen Arm o die Platine gegen 
den dieselbe aufziehenden Schuber G drückt. Wird dagegen der Stöfser i 



174 Maron's selbsthätige Uebertragung in Rohrpostanlagen. 

niedergelassen, so drückt er gegen die Nase / des Hebels 9, hebt diesen 
dadurch so hoch, dafs sich der Stützhebel 7 darunter stellen kann und 
zugleich durch das Heben des Platinenführers 5 dessen Arm 6 die Platine 
gegen den, dieselbe niederdrückenden Schuber G { drängt. Bemerkens- 
werth ist noch eine Vorrichtung, welche dazu dient, Bruch zu verhüten, 
wenn einmal durch irgend einen Umstand die Schützenzellen am freien 
Aufsteigen verhindert sind. Zu genanntem Zwecke besteht der Winkel- 
hebel POS aus zwei Theilen P und 5. Diese beiden Theile sind in 
der Weise mit einander verbunden, dafs ein an S befestigter Stift e mittels 
einer Druckfeder in einer an dem Sector des Hebels P befindlichen Nuthe 
festgehalten wird, welche Verbindung sich nur in dem Falle durch Aus- 
springen des Stiftes aus der Nuthe löst, wenn, wie vorerwähnt, ein das 
regelrechte Aufsteigen der Zellen hindernder Umstand eintritt. Die Vor- 
theile, welche die beschriebenen beiden Schützenwechsel boten, veran- 
lafsten die Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, ihren 
seitherigen Wechselmechanismus durch einen das gleiche Prinzip wie 
die Schönherr' sehen verfolgenden Apparat zu ersetzen. Dafs die Hart- 
wann"sehe Fabrik hierbei sich auch der Platinen bediente, veranlafste 
einen Patentprozefs mit der Schönherr'schen Fabrik, welcher jedoch in 
letzter Instanz zu Gunsten ersterer Firma entschieden wurde. 

(Fortsetzung folgt.) 

Maron's selbsthätige Uebertragung in Rohrpostanlagen. 

Mit Abbildungen. 

Bei der Bedeutung, welche Rohrpostanlagen in grofsen Städten 
(vgl. England 1876 219 373; Paris 1877 223 383; Wien, Berlin, New 
York, München 1878 227 41. 151) für die bequeme und rasche Zu- 
stellung von Briefen und namentlich Telegrammen an den Empfänger 
haben, war es natürlich, dafs sich meist eine schnelle Zunahme der 
Ausdehnung solcher Anlagen als wünschenswerth und nothwendig er- 
wies. Wenn dabei an Stellen, wo sich aus technischen Gründen die 
Anlage einer Maschinenstelle zu Beschaffung der verdichteten oder ver- 
dünnten Luft empfiehlt, nicht zugleich ein Rohrpostamt anzulegen ist, 
so wird es eine Ersparung von Arbeit und Zeit ermöglichen, wenn die 
Umladung, die Ueberführung des Zuges der mit den Briefen und Tele- 
grammen gefüllten Büchsen aus dem Ankunftsrohre in das Rohr, in 
welchem der Zug weiter befördert werden soll, selbsthätig erfolgen 
kann, in ähnlicher Weise, wie in den Telegraphen-Uebertragungsämtern 
die aus einer Leitung ankommenden Telegramme von selbst durch die 
Apparate in eine andere Leitung weiter gegeben werden. 

Eine solche Uebertragung für Rohrpostanlagen hat kürzlich der 
Geh. Oberregierungsrath a. D. Karl Maron in Colberg (*D. R. P. Kl. 81 
Nr. 50678 vom 19. Mai 1889) angegeben. 




Maron's selbsthätige Uebertragung in Rohrpostanlagen. 175 

Fig. 1 skizzirt die Anordnung eines Uebertragungsamtes B für den 
Fall, dafs die Beförderung des Zuges durch verdichtete Luft vom ab- 
sendenden Amte aus erfolgt. Die verdichtete Luft befindet sich in dem 
Behälter ß, der an der Stelle N des Rohres Q in dieses einmündet, und 
der aus dem Rohre P von dem Amte .4 Fig. 1. 

kommende Zug wird durch sie in dem ^ i v i 

Rohre Q nach dem Amte C befördert. ~^C 3 1^ k fe lg ^ 
Durch das bei S sich an P anschliefsende 
Rohr L vermag die Vorluft vor dem Zuge 
ins Freie zu entweichen. Die zur Ueber- 
führung des Zuges aus P nach Q nöthige 
Vorrichtung befindet sich in der Kammer V. 
Diese Vorrichtung bleibt dieselbe, auch 
wenn die Beförderung durch Luftverdiinnung und vom Ankunftsamte 
aus erfolgt, ebenso wenn sie durch verdichtete Luft vom absendenden 
Amte und zugleich durch verdünnte vom empfangenden aus bewirkt 
wird. Im ersteren Falle ist jedoch das dann die atmosphärische Luft 
zulassende Rohr L bei N an das Rohr Q zu legen, der Behälter mit der 
verdünnten Luft dagegen bei S an das Rohr P. Im letzteren Falle da- 
gegen bleibt R wie in Fig. 1, und der Behälter mit verdünnter Luft 
wird anstatt des Rohres L bei S an P gelegt. 

In der Regel bestehen die Züge aus mehreren (bis zu 10) Büchsen, 
welche mit den zu befördernden Schriftstücken gefüllt sind; die Ge- 
sammtlänge des Zuges beträgt dann l m ,2 bis l m ,5; die letzte Büchse 
ist ein sogen. Treiber und auf diesen wirkt der die Beförderung des 
Zuges veranlassende Unterschied im Luftdruck. Die Hauptaufgabe der 
Uebertragungseinrichtung ist nun die, dafs die Wirkung dieses Druck- 
unterschiedes in den beiden Abschnitten der Rohrleitung, welche durch 
das Uebertragungsamt verbunden werden, aufgehoben, oder doch auf 
das geringste ftlafs herabgebracht werde, und dafs der Zug selbsthätig 
und zwar ohne wesentlichen Verlust an Zeit und Kraft bezieh. Ge- 
schwindigkeit, vor Allem aber ohne heftige Stöfse sich den Uebergang 
aus P nach Q eröffne. 

Dazu dient das in Fig. 2 im Längsschnitte dargestellte Doppel- 
ventil bb„ welches in der Kammer V angebracht ist. Dieses Differen- 
tialventil besteht aus zwei Ventilklappen v und v { ; v ist um eine wage- 
rechte Achse drehbar und v { ist mit v fest verbunden, so dafs es jeder 
Bewegung von v folgen mufs. Der Raum über i\ ist mit dem Inneren 
des Ankunftsrohres P durch den Schlitz s verbunden. Die Gröfse der 
Oeffnung, welche v zu verschliefsen hat, ist gegeben durch die Weite 
des Ankunftsrohres. Die Gröfse der Oeffnung unter v t ist um ein 
Weniges (etwa um i/u) kleiner zu nehmen, d. h. nur um so viel, dafs, 
wenn die Ventilklappen v und v { geöffnet waren, selbst bei nur V 1 
Druckdifferenz in den beiden Abschnitten P und Q der Rohrleitung, 



176 



Karon's sclb-thäüge Uebertragung in Rohrpostanlagen. 



der gröfsere Druck auf v — in Verbindung mit der Wirkung des Ge- 
wichtes der beiden Ventilklappen — hinreicht, dieselben sofort wieder 
zu schliefsen. Andererseits soll der Unterschied in der Weite der Oeff- 
nungen bei v und r,, also der auf v von der linken Seite her ausgeübte 
Druck möglichst gering sein, so dafs ein schwacher Stofs hinreicht, um 
v und v, in die in Fig. 1 punktirt angegebene Stellung zu bringen, das 
Ventil also zu öffnen. Dadurch wird erreicht, dafs die erste Büchse 
des Zuges, welche ja das Ventil t?Vj zu öffnen hat, durch den dabei 
empfangenen Stofs möglichst wenig leide und zugleich auch die Ge- 
BChwindigkeif des Zuges möglichst wenig vermindert werde. 

Ein einfaches Ventil würde zum Verschlusse des Rohres P nicht 
brauchbar sein. Selbst wenn nämlich der Ueberdruck in R nur ' .,'' 



Fi». 2. 




betrüge, so würde das Ventil mit etwa 16 k belastet sein, sofern der 
Durchmesser des Fahrrohres P zu 65 cm , sein Querschnitt also zu 83* 
angenommen wird. Bei mäfsiger Aukunftsgeschwindigkeit würde der 
Zug die zum Oeffnen des Ventils erförderliche Kraft vermuthlich nicht 
ausüben können: wollte man dagegen die Geschwindigkeit so weit er- 
höhen, dafs das Ventil vom Zuge sicher geöffnet würde, so würden 
dabei Stöfse vorkommen, durch welche nicht nur die Geschwindigkeit 
sehr wesentlich vermindert werden würde, sondern auch das Ventil und 
die Büchsen sehr stark leiden müfsten. Bei Benutzung eines passenden 
Differentialventils aber wird fast schon der Andrang der Vorluft aus P 
an das Ventil v zum Oellhen desselben hinreichen. 

Natürlich mufs das Ventil die aus Q nach P führenden Wege voll- 
kommen luftdicht verschliefsen, damit nicht die verdichtete Luft aus K 
auch durch L entweichen kann. Deshalb ist unter der Messingplatte «in 
ein Hufeisen-Elektromagnet M angeordnet, dessen Pole, so lange ein 
elektrischer Strom durch die Rollen von M geht, den an der Verbin- 
dungsstange der beiden Klappen v und t>, angebrachten Eisenanker V 
kraftig nach unten ziehen, so dafs beide Klappen fest gegen ihre mit 
Knnlsclnikringen belegten Unterlagen angedrückt werden. Wird da- 



Maron's selbsthätige Uebertragung in Rohrpostanlagen. 177 

gegen der Strom unterbrochen, und deshalb der Anker U nicht mehr 
von M angezogen, so genügt eine geringe Kraft, um beide Klappen zu 
öffnen. 

Die Unterbrechung des Stromes mufs ebenfalls der ankommende 
Zug bewirken und dazu ist in angemessener Entfernung (mindestens 
l m bis l m ,5) von v im Rohre P ein Contacthebel H (Fig. 3) ange- 
bracht. Bei Bemessung dieser Entfernung ist die Zeit in Rechnung zu 
ziehen , welche der remanente Magnetismus in kräftigen Elektromag- 
neten mit starken Bewickelungsdrähten und bei geringem Gesammt- 
widerstande im Stromkreise zum vollständigen Verschwinden gebraucht. 
Denn in M mufs der remanente Magnetismus vollständig verschwunden 
sein, und es mufs der von M auf die Ventilklappen v und v { durch den 
Anker U ausgeübte Druck ganz aufgehört haben, wenn die erste Büchse, 
welche mittels des Contacthebels H den Stromkreis unterbrochen hatte, 
bei v ankommt. Die Geschwindigkeit des Zuges, welche beim Ab- 
gange des Zuges vom sendenden Amte etwa 16 m in der Secunde be- 
trägt, wird nun zwar unterwegs durch die Reibung und sonstige Wider- 
stände bedeutend abgenommen haben, allein sie wird noch immerhin 
so grofs sein, dafs bei zu geringem Abstände zwischen H und v der 
remanente Magnetismus störend wirken könnte. 

Es mufs ferner auch dafür gesorgt werden, dafs der Contacthebel H 
den Stromkreis durch M nicht zu rasch wieder schliefst; denn sonst 
könnte es geschehen, dafs, wenn der Zug einmal nur aus einer einzigen 
Büchse besteht, oder wenn der Treiber allein gesendet wird, der Elektro- 
magnet M das Ventil bereits wieder fest geschlossen hat, der Zug aber 
es dann nicht zu öffnen vermag. 

Deshalb ist an dem oberen Arme des zweiarmigen Contacthebels H 
ein verschiebbares Gegengewicht Z angebracht worden während der 
untere Arm den Contact zu machen hat. Man hat somit ein Pendel, 
dem man durch Verstellung des Gewichtes Z eine beliebige Schwingungs- 
dauer geben kann, und vermag daher die letztere mit Sicherheit so zu 
bemessen, dafs die Büchse sicher das Ventil v erreicht und aufgestofsen 
haben wird, bevor der Hebel H den Strom durch M wieder schliefst. 
Um übrigens einen innigen Contact zu erzielen, ist an dem unteren 
Arme von H ein eiserner Anker angebracht, den ein wagerechter Huf- 
eisen-Stahlmagnet Y an sich heranzieht, so dafs sich die Contact- 
schraube y fest auf den Contactambofs aufdrückt. Durch die Schraube y 
läfst sich zugleich die Entfernung des Ankers von den Magnetpolen 
reguliren, und dadurch die Kraft, womit Y die Schraube y gegen den 
Ambofs drückt, also die Innigkeit des Contactes. Der Stahlmagnet Y 
kann nach Befinden durch einen kleinen Elektromagnet ersetzt werden, 
dessen Rolle alsdann in denselben Stromkreis einzuschalten ist, in welchem 
der Elektromagnet M sich befindet. 

So lange nach dem Oeffnen des Ventils v v i der Treiber sich noch 
Dingler's polyt. Journal Bd. 376 Nr. 4. 1890/11. 12 



178 Maron's selbsthätige Uebertragung in Rohrpostanlagen. 

in dem Rohre P befindet, kann trotz der Oeffnung des Ventils nur 
wenig verdichtete Luft aus dem Behälter R durch V gehen und aus L 
entweichen. Wohl aber wird der Widerstand der verdichteten Luft 
noch eine kleine Verminderung der Zugsgeschwindigkeit verursachen, 
bis der Zug in Folge seiner Beharrung über den Punkt N (Fig. 1) hin- 
ausgelangt ist; der Punkt N ist daher thunlichst nahe an V zu legen. 

Ist der Treiber aus dem Rohre P herausgetreten und durch V 
hindurchgegangen, so schliefst sich das Ventil v «, wieder; vorwiegend 
geschieht dies durch das Gewicht des Ventils selbst, doch wirkt auch 
der Luftdruck mit, der ja auf v etwas gröfser ist, wie auf v,, weil zur 
Zeit eine Luftströmung von R nach L hin vorhanden ist. Der luft- 
dichte Verschlufs tritt erst ein, wenn M wieder durchströmt ist; dies 
kann aber spätestens nach ^ Secunde erfolgt sein. Hat dann der 
Treiber den Punkt N überschritten, so wirkt die verdichtete Luft des 
Behälters voll auf ihn, und der Zug wird mit einer dem Luftdrucke 
entsprechenden Geschwindigkeit seine Fahrt nach dem Amte C fort- 
setzen, woselbst sich dieselben Vorgänge wiederholen können. 

Zur Vervollständigung der Anordnung ist nun noch eine in der 
Patentschrift nicht besprochene Einrichtung nöthig, durch welche das 
Uebertragungsamt B befähigt wird, selbst einen von A kommenden Zug 
in Empfang zu nehmen und ebenso einen Zug nach C zu entsenden. 
Für den erste ren Zweck erhält ß eine Empfangskammer, für den letz- 
teren eine Beförderungskammer. 

Zwischen L und V (Fig. 1) wird dann ein Stück Rohr so auf einer 
(in die Verlängerung der Achse von P fallenden) wagerechten Achse 
angebracht, dafs es in der einen Lage einen Weg aus P im Bogen nach 
V herstellt, in der anderen, um 1800 V on ersterer abweichenden Lage 
dagegen einen aus P kommenden Zug durch ein anderes Rohrstück in 
die Empfangskammer einführt. Letztere ist ein im Lichten 8 cm weites, 
nach oben gekrümmtes Rohr, das pendelartig an einer wagerechten 
Achse aufgehängt ist; der eingetretene Zug trifft im oberen Drittel des 
Rohres auf einen mit einer Führung versehenen Kolben, schiebt diesen 
im Rohre vorwärts, verdichtet die Luft hinter demselben und dreht zu- 
gleich die ganze Empfangskammer um ihre Achse, so dafs, wenn der 
Zug schliefslich in der Kammer zum Stillstande gekommen ist, die 
Büchsen aus dem gehobenen und durch ein Gesperre in der gehobenen 
Lage festgehaltenen Rohre durch ihr eigenes Gewicht und den durch 
die sich wieder ausdehnende Luft wieder zurückgeschobenen Kolben 
in einen untergestellten Korb herabfallen. Durch Ausheben des Gesperres 
wird dann die Empfangskammer wieder in ihre gewöhnliche Lage zurück- 
gebracht und durch das entsprechend in wagerechter Ebene gekrümmte 
drehbare Rohrstück der Weg aus P nach V wiederhergestellt, bis ein 
neues von A nach B gegebenes Signal wieder zur Bereitstellung der 
Empfangskammer auffordert. Ein luftdichter Schlufs zwischen dem dreh- 



Einfache magneto-elektrische Telephone. 179 

baren Verbindungsrohre und dem nach V führenden bezieh, dem in die 
Empfangskammer leitenden Rohre ist durchaus nicht erforderlich. 

Das von C kommende Rohr Q erhält ferner vor der Stelle N (Fig. 1) 
eine Abzweigung nach der Beförderungskammer, letztere wird ebenfalls 
durch ein sich nach oben krümmendes Rohrstück gebildet; am Anfange 
und am Ende der Beförderungskammer ist ein Hahn angebracht, welche 
beide für gewöhnlich geschlossen sind. Will B einen Zug nach C 
senden, so wird der Hahn an dem nach oben liegenden Ende geöffnet, 
der Zug durch das trichterförmige Endstück eingeführt und der Hahn 
wieder geschlossen; dabei gestattet aber der Hahn der verdichteten 
Luft aus dem Behälter R durch ein dünnes Rohr den Eintritt in die 
Kammer hinter dem Zuge, und deshalb wird der Zug sich in Bewegung 
setzen, sobald der zweite, am Anfange der Kammer befindliche Hahn 
geöffnet wird, der dem Zuge den Eintritt in das Rohr Q gestattet. So- 
bald der Zug über die Abzweigungsstelle hinaus gelangt ist, was 
man durch das Gehör deutlich wahrnehmen kann, bewegt er sich in Q 
mit der dem Volldrucke der verdichteten Luft entsprechenden Ge- 
schwindigkeit nach C hin weiter, der Hahn am Kammeranfange aber 
wird nunmehr auch wieder geschlossen. E. Z. 



Einfache magneto-elektrische Telephone. 

Mit Abbildungen. 

Im Scientific American vom 14. December 1889 * S. 374 werden ein 
paar sehr einfache Telephone beschrieben, welche bei ihrer Benutzung 
keine galvanische Batterie erfordern. 

Einen Schnitt durch das eine zeigt Fig. 1 in 0,6 der nat. Gr. Von 
dem Hufeisenmagnet A ist der eine Schenkel abgebrochen; an dem 
anderen Schenkel wird mittels der Schraube k der Klotz e nebst der 
an ihn angeleimten Büchse a so befestigt, dafs der Magnetpol der 
dünnen Schallplatte h möglichst nahe kommt, ohne dafs jedoch beim 
Schwingen der Platte ein schnarrendes Geräusch sich hörbar macht. 
Die Spule f, aus Kartenpapier oder Holz, wird mit 1 Unze Kupferdraht 
Nr. 36 mit Seidenbespinnung bewickelt. Zwischen der Platte h und 
dem Deckel j sind Ringe i aus Kartenpapier eingelegt, welche die 
Platte h in ihrer Lage festhalten. 

Das andere Telephon ist in Fig. 2 von rückwärts ebenfalls in 0,6 
der nat, Gr. abgebildet, in Fig. 3 im Schnitt. Die Platte H liegt hier 
in einem quadratischen Holzblocke A mit kreisrundem Loch B\ in der 
Mitte der Bodenplatte C ist ein Loch, durch welches die als Polaufsatz 
dienende eiserne Schraube D eingesteckt wird; der Kopf derselben 
steht ein wenig vor, damit sie in innige Berührung mit dem einen 
Schenkel des Magnetes E kommt; das andere Ende der Schraube liegt 



180 Gilbert's Rollen-Kugel-Ieolator für Telegraphenleitungen. 

nahe an der Platte B. Die Pappspule ¥ wird ebenfalls mit 1 Unze seideu- 
besponnenen Drahtes Nr. 36 bewickelt. In das Gehäuse A ist noch 
eine Schraube G als zweites Polstück eingesetzt, deren Kopf ebenfalls 
bo weit vorsteht, um mit dem zweiten Schenkel des Magnets E in gute 

Fig. 1. 




Fig. 3. 



Berührung zu treten; auf ihre etwas vorstehende Spitze legt sich die 
Platte A7, so dafs hier die magnetische Berührung hergestellt ist, nach 
Befinden mufs hierzu die Verzinnung oder Lackirung der Platte H an 
der Berührungsstelle weggekratzt werden. Zwischen A und /7, sowie 
zwischen H und dem Mundstücke J sind ringförmige Scheiben aus 
Kartenpapier eiugelegt, unter J aber noch ein Holzring 1. J ist an den 
vier Ecken mit Schrauben auf A befestigt, ebenso der Magnet durch 
das Querstück L auf C mittels der beiden Schrauben M. 



A. E. Gilbert's Rollen-Kugel-Isolator für Telegraphen- 
leitungen. 



Mit Abbildungen. 



Die neueste Form, welche der Telegraphen- Vorstand der Highland- 
Eisenbahn, A. E. Gilbert in Invernefs, dem — zur Verwendung auf hohe 
Isolation erfordernden Telegraphenlinien bestimmten — Rollen-Kugel- 



Die Herstellung des neuen russischen Papiergeldes. 



181 



Isolator gegeben hat, ist nach Engineering, 1889 Bd. 48 * S. 749, in den 
beigegebeDen Abbildungen wiedergegeben. Die abgebildete Anordnung 
ist für Eudsäulen berechnet, wo eine mangelhafte Isolation oft zu 



Fie. 3. 




Störungen Anlafs gibt. Die wesentlichste Neuerung liegt darin, dafs 
Gilbert auf jeder Seite des Rollen-Isolators eine isolirende Kugel einfügt, 
so dafs der Liniendraht in genügender Entfernung von der Säule ge- 
halten und die Gefahr einer Ableitung dadurch entsprechend vermindert 
wird. Nach Befinden kann der eigentliche Isolator auch in wagerechter 
Lage an der Stütze befestigt werden. Eine kürzlich bei feuchtem 
Wetter angestellte Messung hat ergeben, dafs durch die Anwendung 
solcher Isolatoren die Isolirung sehr wesentlich verbessert wird. 



Die Herstellung des neuen russischen Papiergeldes ; von 

0. Haldensleben. 

Einer Mittheilung der Köln. Zeitung zu Folge hat die russische Re- 
gierung entschiedenes Pech mit ihren neuen Banknoten, indem fast 
unmittelbar nach Herausgabe der einzelnen Sorten auch Fälschungen 
auftreten. ' Diese Banknoten sind in einer Weise hergestellt worden, 

1 Die betreffende Mittheilung lautet: 

Mit dem Papiergelde neuen Musters hat die russische Regierung ent- 
schiedenes 3Iifsgeschick. ^"achdem erst vor wenigen Monaten die neuen 25-Rubel- 
scheine wegen zahlreich aufgetauchter Fälschungen völlig aus dem Verkehre 
gezogen werden mul'sten. sind jetzt bereits in grofsen Mengen gefälschte 10- 
und 5-Rubelscheine neuen Musters in Umlauf. Allein an der Wechselkasse 
der Reichsbank sind während einiger Tage über fünfhundert 10-Rubelscheine 
als falsch eingezogen worden. Die gefälschten Scheine sind den echten täuschend 
ähnlich; das einzige äufserliche Unterscheidungszeichen bildet die Gröfse der 
Scheine, da die gefälschten Zehner um * g Zoll schmäler sind als die echten. 



1*2 Die Herstellung des neuen russischen Papiergeldes. 

hei der man jede Nachahmung für unmöglich gemacht hielt und ist es 
in der That schwer zu erklären, wie so schnell Fälschungen erscheinen 
konnten. Da die Art der Herstellung wenig bekannt sein dürfte, so 
bringen wir hier eine kurze Beschreibung derselben, welche zugleich 
ein interessantes Bild der Entstehung einer Erfindung von weittragender 
Bedeutung bildet. 

Vor etwa 3 Jahren kam am Stammtische eines Chemnitzer Re- 
staurants das Gespräch auf das Thema, wie schwer es bei der heutigen 
Vervollkommnung aller industriellen Einrichtungen sei, etwas Neues 
von Bedeutung zu machen. Ein praktischer Webwaarenfabrikant be- 
merkte hierzu, er wisse wohl noch eine derartige Erfindung, das sei 
nämlich ein Stoff, der in das Papier der Banknoten gebracht würde 
und eine bestimmte Form der Maschen zeige. Derselbe müsse aber 
derartig beschaffen sein, dafs er nur unmittelbar vom Baum des Web- 
stuhles in die Papiermasse gebracht werden könne, während das Ab- 
schneiden einzelner Stücke des Gewebes sofortige Veränderung der 
Maschenform zur Folge haben müsse. 

Dieses Gespräch regte den Webschullehrer Knorr zu Versuchen 
an, ein derartiges Gewebe herzustellen. Die Versuche machte er auf 
einem Handstuhl und es gelang ihm auch mit Hilfe einer Dreherbindung, 
den Maschen eine zweckentsprechende Form zu geben, aber schon beim 
Aufwickeln auf den Waarenbaum ging diese Form verloren, so dafs 
Knorr bald die Ueberzeugung gewann, dafs nur mit Hilfe des ent- 
sprechend construirten mechanischen Webstuhles die Herstellung des 
Gewebes zu erzielen sei. Er wandte sich deshalb an die Sächsische 
Webstuhlfabrik (Louis Schönherr) in Chemnitz, und einem Ingenieur dieses 
Etablissements, Hermann Günther, gelang es, einen entsprechenden Web- 
stuhl zu construiren. Die das Gewebe bildenden Seidenfäden werden 
in diesem Webstuhl durch zwei durchlochte Holzstäbchen gezogen, 
welche in entgegengesetzter Richtung verschiebbar sind. Durch Nieder- 
ziehen eines mit Haken versehenen Rahmens wird der nach links ver- 
schobene Theil der Fäden niedergezogen und so das Fach zum Durch- 
schiefsen des Schützen gebildet. Indem die Holzstäbchen sich wechselsweise 
rechts und links verschieben, wird abwechselnd der in einem der Stäbchen 
befindliche Theil der Fäden von den Haken gefafst und so mit Hilfe 
des Einschlagfadens und der Verschiebung ein Drehergewebe gebildet, 
dessen Maschen aus gleichseitigen Dreiecken mit 10 mm Seitenlänge be- 
stehen und von welchen je zwei zusammen eine rautenförmige Figur 
bilden. Der Waarenbaum ist so eingerichtet, dafs er nach jedem Schuft- 



Von wesentlich schlechterer Arbeil und darum auch leichter von den echten 
zu unterscheiden sind die falschen 5 -Rubelscheine. Dal's auch jetzt wieder 
jegliche amtliche Warnung vor den Fälschungen unterblieben ist, hat in der 
Geschäftswelt grol'se Verstimmung hervorgerufen und bereits zu recht aben- 
teuerlichen Gerüchten Anlnl's gegeben. 



Die Herstellung des neuen russischen Papiergeldes. 183 

faden 10 mm fortschaltet und die Regulirung des Kettenbaumes steht mit 
demselben derartig in Verbindung, dafs auch der letztere genau das 
gleiche Quantum Garn mittels eines Schneckenregulators hergibt. Diese 
Vorrichtung zeigte sich als erforderlich, da auf die wenigen Seiden- 
fäden keine Bremse wirken durfte, indem die geringste Spannungs- 
differenz Ungleichheit der Maschen erzeugte. Der Waarenbaum lagert 
in zwei Hebeln, welche mit Rollen auf der Ladenbahn ruhen, so dafs 
sich die letztere unter den Waarenbaum schieben kann. In dem 
Momente, wenn der Waarenbaum auf der Ladenbahn liegt, erfolgt das 
Aufwickeln der fertigen Masche, so dafs hierbei eine Veränderung der 
Form derselben nicht eintreten kann. Erwähnt sei noch, dafs auch 
schon das Fehlen eines einzelnen Kettenfadens eine Ungleichheit in 
einem Theile des Gewebes hervorbringt und dagegen folgende Vor- 
kehrung getroffen ist : Jeder Kettenfaden ist durch das Auge einer an 
ein Holzstäbchen gebundenen Perle gezogen. Unter den in einer Art 
Rost geführten Holzstäbchen schwingt ein Eisen, welches bei seiner 
Schwingung einen an der Weblade angebrachten Ausrücker hebt, so 
bald die Lade vortritt. Das Reifsen eines Kettenfadens hat nun das 
Niederfallen des Holzstäbchens zur Folge, letzteres verhindert damit 
das vorerwähnte Eisen an seiner Schwingung, was mittels des Aus- 
rückers das sofortige Stillstehen des Webstuhles mit sich bringt. 

Nach Fertigstellung darf das Gewebe nicht von dem Baum ab- 
gewickelt werden, sondern wandert mit diesem in die Papiermühle. 
Die zur Herstellung des Papiers dienende Maschine mufs derartig con- 
struirt sein, dafs der Waarenbaum des Webstuhles unmittelbar über 
der entstehenden Papiermasse gelagert ist und durch besonders ange- 
ordnete Walzen das Gewebe in die Papiermasse eingeprefst, zugleich 
aber auch verhindert wird, dafs die ursprüngliche Form der Maschen 
eine Veränderung erfährt. 

Zur Imitation der Banknoten wären also aufser den Druckplatten 
der oben beschriebene Webstuhl, sowie die dazu entsprechend con- 
struirte Papiermühle erforderlich und sollte man doch annehmen können, 
dafs damit Schwierigkeiten geschaffen sind, welche eine Nachahmung 
der Banknoten ausschliefsen müfsten. Wenn trotzdem bereits zahl- 
reiche Fälschungen vorliegen, so ist wohl der Grund nur darin zu 
suchen, dafs mit dem fertigen Papier nicht vorsichtig umgegangen wurde 
und letzteres in die Hände Unberufener gelangte, die damit dann um 
so leichteres Spiel haben, je mehr man sich durch die Erschwerung 
der Nachahmuna; vor derselben gesichert zu haben glaubte. 



1K4 I ' ichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

Beiträge zur Kenntnifs der leichtest flüchtigen Antheile 
des Steinkohlentheers; von Dr. Joachim Biehringer, 

Assistenten am chemischen Institute de* Universität Erlangen. 
(Schluß des Berichtes S. 78 d. Bd.) 

11. Nitrile und Isonitrile. 

Die Anwesenheit von Nitril, im besonderen von Acetonitril, im 
Benzolvorlauf ist zuerst von Vincent und Delachanal festgestellt worden. 1 
Sir fanden in der oberen Schichte des von ihnen untersuchten Benzol- 
vorlaufs einen Körper, welcher beim Erhitzen mit Alkalilauge Ammoniak 
und Essigsäure lieferte. Sie geben dann weiter an, dafs dieser Körper 
etwa 50 bis 70 Procent jener Schicht ausmache, weshalb dieselbe sich 
ganz gut zur Darstellung von Ammoniak und essigsaurem Salz eignen 
dürfte. Auch nach K. E. Schulze betrug die Gesammtmenge des durch 
Kali verseifbaren Antheils eines von ihm untersuchten Benzolvorlaufs 
etwa 40 Procent. 2 

Wiis die Isonitrile betrillt, so war es zuerst E. Nöiting^ der auf das 
Vorhandensein derselben im Rohbenzin aufmerksam machte und zugleich 
darauf hinwies, welche Gefahren die Verwendung solchen Benzins trotz 
des geringen Gehalts an diesen giftigen Substanzen in sieh birgt. Ja er 
führt einen Fall aus einer Fabrik in Thann an, wo ein Arbeiter, der 
gröfsere Mengen des abdunstenden Vorlaufs eingeathmet hatte, an den 
Folgen der dadurch erzeugten Vergiftung starb. 3 

Von dem eigenthümlichen, an Isonitril gemahnenden Gerüche des 
Vorlaufs, wie von dem unangenehmen Einflufs, welchen längeres Ein- 
athmen desselben auf den Organismus ausübt, habe ich bereits in der 
Einleitung gesprochen. 

Der Nachweis der Nitrile und Isonitrile ward in folgender Weise 
geführt: Erhitzt man eine bestimmte Menge des Vorlaufs längere Zeit 
mit etwa dem fünften Theile verdünnter Salzsäure am Rückllufskühler, 
so färbt sich die Flüssigkeit braun und scheidet später einen weifsen 
kristallinischen Körper aus, der allen seinen Eigenschaften gemäfs Salmiak 
ist. Selbstredend habe ich mich vorher durch Ausschütteln des Vor- 
laufs mit Wasser und Prüfen des alkalisch gemachten wässrigen Aus- 
zugs mit Nefslers Reagenz überzeugt, dafs Ammoniak oder Ammoniak- 
salze nicht primär vorhanden sind. 

Die als Spaltungsproduct der Isonitrile auftretenden Amine lassen 
sich bei der oben geschilderten Art der Verseifung nicht nachweisen; 
sie werden durch die Menge des gebildeten Salmiaks verdeckt. 



255 88. 



I A. ,i. o. 
* A. a. o. 

3 Bulletin de la Stricte Industrielle de Mülhouse 1884 S. 461. D. p. J. 1885 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 185 

Dies gelingt jedoch sehr leicht, wenn man den Vorlauf nur kurze 
Zeit mit verdünnter Salzsäure ausschüttelt, wobei vornehmlich das 
Isonitril verseift wird. Trennt man dann die saure Lösung vom un- 
verändert gebliebenen Theile und dampft sie zur Trockne ein, so erhält 
man einen braunen nach Kampher riechenden Rückstand, welcher mit 
Natronlauge erwärmt neben etwas Ammoniak das oder die an ihrem 
charakteristischen Gerüche deutlich erkennbaren Amine freigibt. 

Um die durch Spaltung der Nitrile und Isonitrile entstehenden Säuren 
aufzufinden, wird der vom Salmiak abgegossene Vorlauf mit Wasser 
ausgeschüttelt. Die so erhaltene Lösung wird mit Soda neutralisirt und 
eingedampft. Der dabei bleibende Rückstand wird mit Weingeist aus- 
gezogen, worin sich blofs die Salze der organischen Säuren lösen. Diese 
werden abfiltrirt und abermals eingedampft. Ein Theil des weifsen 
Rückstandes wird in Wasser aufgenommen. Die Lösung gibt mit Eisen- 
chlorid eine rothbraune Färbung, die beim Erwärmen in einen dicken, 
rothbraunen, amorphen Niederschlag übergeht. Mit salpetersaurem Silber 
gibt sie einen weifsen Niederschlag, welcher sich beim Erwärmen zer- 
setzt und metallisches Silber als feines graues Pulver abscheidet. Damit 
war Ameisensäure, das Spaltungsproduct der Isonitrile, nachgewiesen 
Der Best des Eindampfrückstandes gab mit Arsenik und Aetzkali die 
Kakodvlreaction, was die Anwesenheit einer höhereu Fettsäure als 
Spaltungsproduct des Nitrils erweist. Dieselbe kann unter den gegebenen 
Umständen nur Essigsäure sein. 

Die quantitative Bestimmung der Nitrile geschah in der Weise, dafs 
eine abgemessene Menge des Vorlaufs mit etwa der Hälfte ihres Gewichts 
an concentrirter Salzsäure 12 bis 15 Stunden lang am aufsteigenden 
Kühler zu mäfsigem Sieden erhitzt wurde. Das so erhaltene Product, 
Flüssigkeit und Salmiakkrystalle, wurde in ein Becherglas gespült und 
mit etwas Salzsäure zur Trockne eingedampft. Der braungefärbte, mit 
harzigen Theilen durchsetzte Rückstand wurde mit heifsem Wasser be- 
handelt, dann abfiltrirt und unter Zusatz von Salzsäure abermals zur 
Trockne abgedampft u. s. w., bis zuletzt eine nur schwach gelblich ge- 
färbte Masse zurückblieb. Diese wurde gelöst, in einem gewogenen 
Tiegel mit etwas Salzsäure eingedampft, bei 100° getrocknet und ge- 
wogen. 

Die bei diesem Verfahren gewonnenen Zahlen sind etwas zu grofs, 
da ja dem Salmiak noch die salzsauren Salze der Amine beigemengt 
sind; doch ist die Menge dieser so gering, dafs sie kaum von erheb- 
lichem Einflufse auf das Gesammtergebnifs sein wird. 

25« des rohen Theervorlaufs = 23?,9320 gaben 2?,3393 Salmiak 
— 0?,7433 oder 3,1 Proc. Ammoniak. Dies entspricht 1^,79 = 7,49 Proc. 
Nitril (auf Acetonitril berechnet). 

50« der Fraction L 1 = 39§,9260 gaben 6?,2160 Salmiak, = 15,975 
oder 4,947 Proc. Ammoniak. Dies entspricht 4-,763 = 11,93 Proc. Nitril. 



186 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

50 c der Fraction L 2 = 42^,1720 gaben 58,5225 Salmiak = lf?,7548 
oder 4,16 Proc. Ammoniak. Dies entspricht 4:-,232 = 10,03 Proc. Nitril. 

Die Beobachtung von Gautier, dafs die Isonitrile aus ihrer Lösung 
direkt durch gut getrocknetesSalzsäuregas oder durch wasserfreie ätherische 
Salzsäure auszufällen seien, 4 habe ich auch auf den Vorlauf angewandt. 
Die Flüssigkeit färbte sich zuerst braun, dann schwarz und schied neben 
harzigen Massen farblose Krystalle in geringer Menge ab, die C-haltig 
sind und an der Luft fortwährend salzsaure Dämpfe ausstofsen. Die 
Untersuchung derselben steht noch aus, weshalb es auch nicht angezeigt 
erscheint, jetzt schon Vermuthungen über ihre Natur zu äufsern. 

III. Aldehyde und Ketone. 

Der Umstand, dafs der wässerige Auszug der beiden Antheile L 1 
und L2 bei längerem Stehen ammoniakalische Silberlösung unter Bildung 
eines Silberspiegels reduzirt, deutete auf das Vorhandensein von Alde- 
hyden oder aldehydartigen Körpern, vielleicht auch auf das einer flüchtigen 
Fettsäure, da der wässerige Auszug blaues Lackmuspapier ganz schwach 
und nur für ganz kurze Zeit röthet. Weniger charakteristisch als der 
Silberspiegel ist die Reaction mit fuchsinschwefliger Säure, die ja auch 
manchen Ketonen zukömmt. 

Die Prüfung der einzelnen Fractionen, welche durch Destillation 
von L 1 gewonnen worden waren, ergab, dafs Silberspiegel und Rötung 
der fuchsinschwefligen Säure in dem von 45 bis 55° siedenden Antheile 
am raschesten und schönsten auftrat. Bei den höher siedenden Portionen 
kam die Rötung immer später zum Vorschein, doch immer noch viel 
eher, als sich das reine Reagenz an der Luft roth färbt; die Silberlösung 
ward nur gebräunt. 

Beim Versetzen der wässerigen Lösung mit Phenylhydrazin wurden 
kleine Mengen eines üels erhalten. 

Auf Grund dieser Beobachtungen wurden 1000" der Fraction L 1 
so lange mit einer ganz frisch bereiteten Lösung von saurem schweflig- 
sauren Natron geschüttelt, bis eine Probe fuchsinschweflige Säure nicht 
mehr färbte. Diese Bisulf itlöung, welche auch ein paar Krystalle ent- 
hielt, wurde abgehoben, mit Soda neutralisirt und sodann destillirt. Ich 
erhielt so eine leicht bewegliche Flüssigkeit, die mit geglühter Potasche 
entwässert und abermals destillirt wurde. Ein konstanter Siedepunkt 
war nicht vorhanden: das Gemisch begann bei 55° zu sieden, doch ging 
die Hauptmenge zwischen 75 und 83° über. Es besafs einen ziemlich 
uuangenehmen Geruch, dem derjenige des Acetons beigemengt war. 

Aus 1000^ L 1 wurden 9- dieses Products gewonnen also 0,9 Procent. 
Dagegen fand K. E. Schulze, dafs der von ihm untersuchte Benzolvorlauf 
30 Procent an die Bisulfitlösun"' absah. 5 



4 Annale,, Bd. 146 S. 127; Bd. 149 S. 32; Bd. 151 S. 239. 

5 A. a. O." 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 187 

Die geringe Ausbeute gestattete eine genauere Untersuchung des er- 
haltenen Productes einstweilen noch nicht. Dasselbe gibt die Reaction mit 
ammoniakalischer Silberlösung sofort, ebenso die Rötung der fuchsin- 
schwefelisen Säure. Die Bildung des Silberspiegels ist nunmehr, nach- 
dem wir es mit einem durch Bisulritlösung abgeschiedeneu Gemenge 
zu thun haben, ein untrüglicher Beweis für die Anwesenheit von Alde- 
hyden im Theervorlaufe. 

Es ist diese Thatsache von besonderer Bedeutung, sintemal gerade 
die Aldehyde sich durch die Beweglichkeit ihrer Atome auszeichnen 
und vor allen anderen Körpergruppen die Neigung besitzen, durch Con- 
densiruns; unter sich oder mit anderen Substanzen Verbindungen von 
höherem Molekulargewicht zu bilden, die ja im Steinkohlentheer in 
gröfster Menge und Verschiedenheit vorhanden sind. 

Ob diese Aldehyde indessen von vorne herein sich im Theere finden 
oder sich auch noch späterhin durch Reactionen und Umsetzungen 
bilden, die wir sicherlich in dem ruhig lagernden oder überdestillirenden 
Materiale anzunehmen haben, darüber können wir einstweilen noch 
keine endgültige Entscheidung fällen. Für die letztere Möglichkeit 
spricht, dafs der Vorlauf, der mit saurem schwefligsaurem Natron bis 
zur Erschöpfung behandelt worden war, nach etlichen Wochen wieder- 
um eine sehr deutliche Reaction mit fuchsiuschwefliger Säure gab. 

Leider war, wie gesagt, die Menge des gewonnenen Gemisches 
von Aldehyden und Ketonen bis jetzt zu klein, um näheres über ihre 
Natur feststellen zu können. Ich mufs es darum einstweilen bei der 
nackten Thatsache ihres Vorhandenseins bewenden lassen, hoffe jedoch 
in Bälde mehreres darüber mittheilen zu können. 

In dem Gemenge gibt sich das Aceton schon durch seinen Geruch 
zu erkennen. Zum Nachweise desselben wurde eine Probe des Destil- 
lates mit Jod und Sodalösung erwärmt, wobei der charakteristische 
Geruch des Jodoforms auftrat, während ein anderer Theil bei gelindem 
Erwärmen mit o-Nitrobenzaldehyd und verdünnter Natronlauge die 
Indigoreaction gab. Ein Controlversuch mit der gleichen Menge reinen 
Acetons gab eine viel intensivere Reaction. Ob indessen dem Aceton 
sein nächsthöheres Homologe beigemengt ist, wie K. E. Schulze angibt.' 
mufs ich aus den obigen Gründen dahingestellt sein lassen, wenn 
auch der hohe Siedepunkt des Gemisches für etwas derartiges spräche. 
Eine chemische Unterscheidung beider Körper ist uns ja einstweilen 
nicht möglich. 

Dafs durch die Entfernung des Schwefelkohlenstoffs mittels Am- 
moniaks bei Gegenwart von Weingeist auch die durch saures schweflig- 
saures Natron ausziehbaren Stoffe theilweise entfernt werden und aus 
nahe liegenden Gründen entfernt werden müssen, geht daraus hervor, 

6 A. a. O. 



l>.s Leichtflüchtige Antheile de« Steinkohlentheers. 

dafs die vom Schwefelkohlenstoff befreite Fraction LI die Reaktiou<-n 
mit 8ilberlösung und fuchsinschwefliger Säure viel träger eingehl als 
das ruhe Product. — 

Michael hat zum Nachweis der Aldehyde eine weitere Reaetion vor- 
geschlagen: er kocht die auf solche zu prüfende Flüssigkeit mit einer 
weingeistigen Lösung von Resorcin und einer Spur Salzsäure. 7 

Behandelt man den Theervorlauf mit diesem Reagenz, so erhält 
man ein rothes Maust jehiges Farbharz von saurer Natur, welches sich 
in Alkali mit violetter Farbe löst und daraus durch Säuren unter Um- 
schlag der Farbe nach Roth in amorphem Zustande gefällt wird. Es 
scheidet sich beim Kochen des Vorlaufs mit Resorcin und etwas con- 
centrirter Salzsäure, sowie beim Stehen des Gemisches in Form eines 
rothen Harzes mit eingestreuten stahlblauen Blättchen aus, das sich leicht 
in Weingeist, Aether und Eisessig, wenig in Wasser, theilweise in 
Benzol, nieht in Ligroin löst. Aus all diesen Lösungen konnte es eben- 
falls blofs amorph erhalten werden. Gleiches ist beim Aussalzen der 
Fall. Auch der durch Säuren aus der alkalischen Lösung flockig ab- 
geschiedene Niederschlag bäckt beim Trocknen auf einem Thonteller 
wie bei längerem Liegen auf dem Filter zusammen und bildet dann 
dunkelrothe Körner mit grünlichem Oberflächenschimmer und pechartigem 
Glänze, ähnlich der Rosolsäure. In concentrirter Schwefelsäure löst es 
sich mit braunrother Farbe, welche durch Zusatz von Wasser nicht 
verändert wird. Die Lösung in Eisessig entfärbt sich beim Erhitzen 
mit Zinkstaub. Aus ihr kann durch Uebersättigen mit Natronlauge 
und Ausäthern ein eigentümlich riechendes Oel erhalten werden, das 
durch Bleisuperoxyd nicht mehr gefärbt wird. 

Die Goppelsröder' 'sehe Kapillaritätsprobe ergab, dafs das Farbharz 
kein einfacher Körper ist, sondern aus einer braunrothen und einer blau- 
rothen Substanz besteht. In der That läfst sich auch durch fortgesetztes 
Kochen mit Benzol ein braunrother Körper ausziehen, der aber ebenfalls 
keine Neigung zum Krystallisiren zeigt. 

Die Versuche, welche ich angestellt habe, die Natur und Entstehungs- 
weise dieses Harzes, welches S- und N-frei ist, zu ergründen, haben 
folgendes ergeben: Die Verbindung, welche sich unter dem Einflüsse 
der Salzsäure mit Resorcin zu dem Körper condensirt, ist in Wasser 
etwas löslich; sie wird durch verdünnte Salpetersäure 1,2 und Brom 
nicht verändert, wohl aber durch concentrirte Schwefelsäure und Sal- 
petersäure. 1,4. 

Erhitzt man den Vorlauf mit concentrirter Salzsäure und schüttelt 
dann ndt Wasser aus, so lange dieses noch saure Reaetion zeigt, so 
gibl derselbe mit Resorcin nicht direkt das Farbharz, sondern erst auf 
Zusatz von Salzsäure. Daraus geht hervor, dafs der Körper nicht mit 



Berichte 19. Jahrg. S. 1389. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 189 

Hilfe von Spaltungsproducten, die aus Körpern des Vorlaufs beim Ver- 
seifen entstehen, gebildet werden kann, also nicht aus Nitril und Iso- 
nitril, nicht aus Fettsäure und Fettsäureester, oder aus Amin. Die 
Salzsäure dient in dem Falle nur als Condensationsmittel, weshalb es 
auch völlig unnöthig ist, gröfsere Mengen derselben hinzuzufügen, da 
hierdurch nur die Masse der abgehenden Dämpfe vermehrt wird. 

Schwefelkohlenstoff, sowie die durch saures schwefligsaures Natron 
ausziehbaren Stoffe, die Aldehyde, Ketone, auch Aldehydäther, geben 
die Reaction ebenfalls nicht, ebenso wenig die durch Salzsäuregas aus 
dem Vorlaufe abzuscheidenden Krystalle. 

Alle diese Versuche und Schlüsse wurden durch entsprechende syn- 
thetische Proben bestätigt. Ein Versuch, den Siedepunkt des die Re- 
action gebenden Körpers dadurch zu ermitteln, dafs gleiche Mengen 
des Vorlaufs vor und nach der Behandlung mit Resorcin fractionirt und 
die einzeln erhaltenen Fractionen hinsichtlich ihres Gewichtes ver- 
glichen wurden, führte aus den schon oben genugsam erörterten Grün- 
den zu keinem Ziele. 

Das gewöhnliche Benzol des Handels gibt mit Resorcin und Salz- 
säure natürlich ebenfalls die Reaction, doch tritt dieselbe bei den aus 
verschiedenen Destillirwerken stammenden Sorten nicht in der gleichen 
Weise auf. Während sie im einen Falle derjenigen des Vorlaufs ganz 
entspricht, erhielt ich in einem anderen Falle eine dickliche braun- 
rothe Flüssigkeit, die sich in Natronlauge mit braunrother Farbe und 
dunkelgrüner Fluorescenz löste, und daraus durch Säure flockig aus- 
gefällt wurde. Thiophenfreies Benzol, das keine Indopheninbläuung 
mehr zeigt, gibt nur eine schwache Färbung, was sich mit der oben 
mitgetheilten Thatsache deckt, dafs concentrirte Schwefelsäure den 
Ausgangskörper der Reaction verändert. 

IV. Aethylalkohol. 

Vincent und Delachanal haben aus demjenigen Theile ihres Benzol - 
Vorlaufs, der die obere Schicht bildete, neben Schwefelkohlenstoff eine 
von 73 bis 80° übergehende Fraction erhalten, welche sie als ein Ge- 
misch von Acetonitril und Aethylalkohol ansprechen. 8 

Ich habe den Antheil L2 des Vorlaufs, welcher zwischen 60 und 
70° sott, sowie die aus diesem gewonnene Fraction 70 bis 80° mit 
Wasser ausgeschüttelt und den wässerigen Auszug auf Alkohol ge- 
prüft. Derselbe gab weder die Jodoformreaction, noch den charak- 
teristischen Geruch des Benzoesäureäthylesters beim Schütteln mit 
Benzoylchlorid und Uebersättigen mit verdünnter Natronlauge. Aethyl- 
alkohol war also nicht vorhanden. 

Hingegen gab eine Probe des Vorlaufs, welche 14 Tage lang mit 

8 A. a. O. 



190 Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 

Wasser zusammen stehen gelassen worden war, eine schwache Reaction 
auf Aethylalkohol. Es ist also im Vorlaufe eine Aethylverbindung 
vorhanden, die bei längerer Berührung mit Wasser zerfällt und dabei 
Aethylalkohol bildet. 

Da nun Vincent und Dtlachanal den Weingeist in einem Vorlaufe 
nachgewiesen haben, der bereits mit Alkali am Rückflufskühler erhitzt 
worden war, so scheint die Annahme nicht ungerechtfertigt zu sein, 
dafs er auch da ein secundäres Product sei, welches der Zersetzung 
von Aethylverbindungen des Vorlaufs durch das Alkali seine Entstehung 
verdankt. 

Ich habe zu dem Zwecke die Fraction L2, die, wie bemerkt, die 
Jodoformreaction nicht gab, einige Stunden mit concentrirter Kalilauge 
am Rückflufskühler erhitzt und dann abdestillirt. Das Destillat gab 
nun eine sehr schöne Jodoformreaction. 

Auch Ä. E. Schulze konnte in dem von ihm untersuchten Benzol- 
vorlauf, der nur mit verdünnter Schwefelsäure, nicht mit Alkali be- 
handelt war, keinen Aethylalkohol auffinden. 9 

Im Gegensatze hierzu hat 0. Witt, welcher riesige Massen von 
yOprocentigem Benzol darauf hin verarbeiten konnte, in der Fraction 
60 bis 78°, d. h. derjenigen Fraction, die vor dem reinen Benzol über- 
ging, Aethylalkohol nachgewiesen und den Gehalt des Rohbenzols an 
diesem Körper durchschnittlich auf 2 p. m. festgestellt. 10 

Allein auch hier dürfte der Weingeist erst ein secundäres Product 
sein, da ja das zum Fractioniren fertige Benzol bereits der chemischen 
Reinigung durch Säure und Alkali ausgesetzt gewesen war. 

V. Phenole. 
Die Prüfung auf Phenole bezieh, phenolartige Körper wurde in 
der Weise angestellt, dafs der Vorlauf nach der Verseifung durch Salz- 
säure mit verdünnter Natronlauge ausgeschüttelt wurde. Der alkalische 
Auszug wurde dann mit Schwefelsäure angesäuert und im Dampfstrome 
destillirt oder mit Aether ausgeschüttelt. In beiden Fällen wurden 
ganz geringe Mengen eines theerarfig riechenden Products erhalten, 
dessen weitere Untersuchung sich nicht lohnte. 

VI. Merkaptane. 
Der Nachweis dieser geschah durch Erhitzen des Vorlaufs wie der 
Fractionen LI und L2 mit Quecksilberoxyd und Weingeist, sowie durch 
Zusatz einer alkoholischen Sublimatlösung. In all diesen Fällen wurde 
kein sicheres Ergebnifs erhalten, da höchstens eine ganz schwache Trübung 
eintrat. Nur die obere Schicht eines Antheils, der von 30 bis 57° über- 
ging, lieferte nach längerem Stehen einen geringen gelben Niederschlag. 

9 A. a. 0. 

10 Tageblatt der Münchener Naturforscherversatnmlung, 1877 S. 138. Chemisches 
Centralblatt, 1878 3. Folge 9. Jahrg. S. 415. 



Leichtflüchtige Antheile des Steinkohlentheers. 191 

VII. Prüfung auf Kör per der Pyrrol-, Thiophen- und Furf uran- 
reihe, sowie auf Kohlenwasserstoffe der Benzolreihe. 

Der Dampf von Fraction L 1 färbt einen mit Salzsäure befeuchteten 
Fichtenspan grünlich. 

Die Reaction mit Phenanthrenchinon, sowie mit Isatin und con- 
centrirter Schwefelsäure ergaben keine Färbung, wodurch die Abwesen- 
heit ringförmiger Verbindungen der Pyrrol-, Furfuran- und Thiophen- 
reihe erwiesen erscheint. 

Mit concentrirter Pikrinsäurelösung wurden keine aromatischen 
Carbohydrüre abgeschieden. Doch war Benzol in den Rückständen der 
fractionirten Destillation vorhanden. Nitrirt man diese, wobei grofse 
Mengen nitroser Gase entweichen, so erhält man Nitrobenzol, dessen 
Geruch indesseh neben einem betäubenden, an Pyridin erinnernden Ge- 
ruch nicht ganz klar zur Empfindung kommt. Reducirt man die nitrirte 
Probe, so erhält man eine Flüssigkeit, die mit Chlorkalklösung die 
Reaction auf Anilin gibt. 

Um so merkwürdiger ist es, dafs trotz des Gehaltes an Benzol die 
Indopheninreaction nicht eintrat. 

VIII. Ungesättigte Verbindungen. 
Die einzelnen Fractionen des Benzol Vorlaufs, insonderheit die niedriger 
siedenden Antheile absorbiren Brom heftig und in gröfserer Menge. Da 
sich hierbei Bromwasserstoffgas entwickelt, so findet nicht blofs Addition, 
sondern auch Substitution von Brom statt. 

Man erhält so eine dem Bromoform ähnlich riechende Flüssigkeit, 
aus welcher jedoch keine Bestandtheile isolirt werden konnten. Unter- 
wirft man sie der Fractionirung, so geht zunächst der unverändert ge- 
bliebene Theil des Vorlaufs über, aber schon bei einer nur wenig 
höheren Temperatur beginnt die Zersetzung der gebildeten Bromver- 
bindungen unter Abspaltung von grofsen Mengen Brom Wasserstoffs, so 
dafs schliefslich im Destillirkolben nur ein kohliger Rückstand bleibt. 

Die gleiche Erfahrung machten Helbing n und Schorlemmer.M 

Unter diesen ungesättigten Verbindungen sind auch Homologe des 
Acetylens mit dreifach gebundenen Kohlenstoffatomen oder Derivate 
desselben vorhanden, da der Vorlauf bei längerem Stehen mit am- 
moniakalischer Kupferchlorürlösung einen braunrothen Niederschlag gibt. 

Schcrlemmer hat in dem aus Bogheadkohle erhaltenen Benzol und 
dessen Vorlauf Hexoylen, Helbing Crotonylen nachgewiesen. 

11 A. a. 0. 

ß Annale». Bd. 139 S. 250. 



Berichtigung. Im ersten Abschnitte dieses Aufsatzes mufs auf 
S. 85 Z. 22 und 23 v. o. statt dasselbe: denselben stehen. 



192 Bücher- Anzeigen. 

E. v. Moese-Nollendorf s Abwechsel-Anordnung für elektrische Glühlampen. 
Die Thatsache, dafa das menschliche Ange in einer gegebenen Zeit nur 
eine bestimmte Anzahl von Lichteindrücken aufnehmen kann, dafs daher 
Lichtblicke, welche mit ausreichender Schnelligkeit auf einander folgen, als 
zusammenhängendes Licht erscheinen, will E. Ritter von Moese-Nollendorf in 
London nach seinem englischen Patente Nr. 11489 vom 9. Oktober 1888 da- 
durch ausnutzen, dafs er einen von einer Stromquelle gelieferten, zum Betrieb 
einer Glühlampe hinreichend starken elektrischen Strom mit Hilfe eines ge- 
eigneten, in Umdrehung versetzten Umschalters in entsprechend rascher Folge 
abwechselnd zwei (oder selbst mehreren) Glühlampen zuführt. Jede Lampe 
soll dann mit raschen, sehr kurzen Unterbrechungen glühen, die Unterbrechungen 
aber dem Auge nicht bemerkbar sein. 



Bücher-Anzeigen. 



182 Tafeln zur graphischen Berechnung der Wassermengen und zur 
Bestimmung der Profilabmessungen der Wasserläul'e nach der Formel 
von (ianguillet und Kutter. Bearbeitet vom Cultur-Ingenieur H. Breme. 
Freiberg i. S. Craz und Gerlach, 1889. 202 S. in 4 l X 12 Lieferungen 
zu 1,50 Mk. = 18 Mk. 

Der Verfasser hat sich der mühsamen Arbeit unterzogen, die Ganpuillet 
und Kutter' sehen „Tabellen über die Bewegung des Wassers in Kanälen und 
Flüssen" (Berlin, Parey) zu erweitern und graphisch darzustellen. Während 
die Kutter'schen Tabellen für Wassertiefen von 0,1 bis 2 m bei Annahme der 
Rauhigkeitsgrade von 0,025, 0,030, 0,035 und l'/^fache Böschungen die Wasser- 
mengen und Wassergeschwindigkeiten angeben, welche den Gefällen von 0,1 
bis 3 pro Mille entsprechen, hat der Verfasser seine graphischen Darstellungen 
bis auf 3m Wassertiefen, 8 pro Mille Gefällverhältnifs, 20™ Sohlenbreite, 0,020, 
0,0225, 0,025 und 0,030 Rauhigkeitsgrad und die Buschungsverhältnisse 1:1, 
1,5 und '2 erweitert. Die Möglichkeit, die erweiterten — sowie die Zwischen - 
werthe ohne weiteres aus den Tafeln ablesen zu können, wird dem Kultur- 
techniker manche mühsame und langweilige Rechnung ersparen. 

Die Konstruktion der Thür-, Schub- und Klappen-Verschlüsse. Eine 
Sammlung von Vorlagen für den angehenden Schlosser wie auch 
für den Zeichenunterricht an Schlosser- und gewerblichen Fort- 
bildungsschulen. Von G. Oldenburger. 25 Grofsfolio-Tafeln mit ein- 
gedruckter Erklärung. Weimar. B. F. Voigt. 6,75 Mk. 
Die Zeichnungen sind, ihrem Zwecke entsprechend, in vergröfsertem Mal's- 
Btabe gezeichnet, und die einzelnen Theile so eingehend dargestellt, dafs da- 
nach gearbeitet werden kann. Für die Kreislinien sind die Zirkeleinsatzpunkte 
angegeben, um ein sauberes Zeichnen zu erzielen; doch wird es dem fach- 
verständigen Lehrer nicht schwer werden, bei den Schülern ein gedankenloses 
Nachzeichnen — was hier nahegelegt erscheint — zu verhüten, indem er an 
das vorhandene Material Aufgaben knüpft. Der Verfasser hat sich durch die 
Herstellung dieser sehr unterrichtenden Sammlung das Schlosserhandwerk zu 
Dank verpflichtet, auch verdient die saubere, saehgemäfse Ausstattung alle 
Anerkennung. 



Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Neue Gasmaschinen. 193 

Neue Gasmaschinen. 

(Patentklasse 46. Schlufs des Berichtes S. 117 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 10. 

Nach dem Vorschlage von Dürr und Krumpelt in München (D. R. P. 
Nr. 50436 vom 12. Februar 1889) wird für den in Fig. 22 abgebildeten 
Motor die Regulirung dadurch herbeigeführt, dafs, um die Luft im vor- 
deren Theile des Arbeitscylinders nicht so hoch wie bei normalem Gange 
oder überhaupt nicht zu comprimiren, ein entsprechendes Offenhalten 
des einen Ventils V durch folgende Mittel bewirkt wird, siehe Fig. 28. 

Auf der Arbeitswelle w, welche nach unten in die Mitte der Längs- 
l'ichtung des Motors verlegt ist und durch entsprechende Winkelgetriebe 
mit der Kurbelachse verbunden ist, sitzt aufser der Nasenscheibe für das 
Auspuffventil eine weitere Nasenscheibe N. Bei jeder Umdrehung der 
Arbeitswelle schlägt die Nase B der Scheibe N an eine leicht beweg- 
liche, in dem pendelnd aufgehäugten Hebel E angebrachte Rolle an, 
wodurch derselbe auf eine seinem Gewicht entsprechende Entfernung 
weggeschleudert wird. Durch die Stellschraube S des Hebels läfst sich 
die richtige Entfernung dieses gleichzeitig den Anschlag bildenden Körpers 
von dem kleinen Winkelbebel W genau reguliren. Schlägt bei einer 
gröfseren Geschwindigkeit der Welle, als die normale, die Nase B 
kräftiger an die Rolle R an, so wird der Hebel H kräftiger, d. h. weiter 
als bei normaler Bewegung geschleudert. 

DOC 

Ist nun die Nasenscheibe N in der Weise auf die Welle aufgekeilt, 
dafs der Anschlag kurz vorher erfolgt, ehe sich das Ventil V wieder 
schliefsen will, also kurz bevor der Arbeitskolben den hinteren todten 
Punkt erreicht hat, so schlägt die Stellschraube S an den längeren Hebel 
des Winkels JF, hält ihn einen Moment an den Führungsstift des Ventils 
angeprefst, und das zurückfallende Ventil wird in dem Einschnitt / durch 
die obere Kante des vorhergenannten längeren Schenkels autgehalten. 
Die Luft wird somit nahezu oder ganz wieder bei dem Saugventil V 
austreten. Bei dem nächsten Rückgange des Kolbens wird das Ventil 
durch die Nase wieder etwas gehoben, und der Winkelhebel W fällt 
in seine alte Lage zurück. Das für den Hebel H nöthige Gewicht wird 
als Scheibe, etwa bei C, angebracht, und kann der Druck dieses Hebels 
gegen die Nasenscheibe durch entsprechende Verschiebung desselben 
regulirt werden. 

B. Lutzky in Harburg a. d. Elbe (*D. R.P. Nr. 48 902 vom 20. Januar 
1889) regulirt entweder auf den Auspuff oder auf den Gaseinlafs. 

In ersterem Falle ist der Vorgang folgender: Ein seitlich am Motor 
angeschraubter Bügel b (Fig. 29) trägt drei Drehpunkte d L d 2 d 3 . d { ist 
Drehpunkt eines Hebels r, der an der Auspuffzugstange c angreift, d.± 
trägt ein Zahnrad, auf dessen Nabe zwei Nocken n und n sitzen, von 
denen einer auf die Rolle i des Auspuffhebels wirkt, der andere Nocken n 

Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 5. 1890dl. 13 



194 Neue Gasmaschinen. 

den Fallpendelregulator in Thätigkeif setzt. d z ist Aufhängepunkt des 
Pendels p q. Das Pendel hat an seiner linken Seite, mit der es an der 
Nabe des Zahnrades aufliegt, ein verschiebbares Gewichte; nach unten 
trägt es einen Schenkel q. Beim Drehen des Zahnrades hebt der Nocken n 
das Pendel in dem Augenblick, wo sich der Auspuff öffnet, also der 
Hebel r nach unten gedrückt ist; hierdurch gelangt die untere Schneide 
des Schenkels q über den im Hebel r eingebrachten Einschnitt w. Ist 
der Nocken n an der Schneide von /; vorbeigegangen, su fällt das Pendel 
unter dem Einflufs der Schwere mit einer durch Einstellung des Gewichts e 
gegebenen, für jede Tourenzahl constanten Geschwindigkeit auf den 
Rand der Nabe herunter. Bei normalem Gang der Maschine gelangt 
dann der Schenkel q wieder in seine frühere Lage zurück; geht aber 
die Maschine zu rasch, so kommt die Fallgeschwindigkeit der Aufwärts- 
bewegung des Hebels r, die im Moment des Fallens des Pendels beginnt, 
nicht nach und der Hebel r legt sich mit seinem Einschnitt w auf die 
Schneide von </, wodurch das Auspuffventil offen gehalten wird, d. h. 
die Maschine regulirt. Will man den Aufhängepunkt d 3 des Pendels 
von dem Druck des Hebels r entlasten, so macht man den unteren Theil 
des Schenkels q mittels Schlitzes und Stiftes beweglich, so dafs sich 
dieser Theil zwischen Hebel r und Bügel einklemmt. Um bei der Aus- 
puffregulirung Verluste durch nachströmendes Gas zu vermeiden, trägt 
die Zugstange c als Fortsetzung eine kleine Zugstange, die das Gasventil 
sofort schliefst, wenn die Auspuffzugstange c sich abwärts bewegt. 

Will man eine präcise Regulirung ausführen, d. h. nicht direkt von 
Füllung mit Gemisch zu keiner Füllung übergehen, sondern beim Regu- 
liren allmählich kleiner werdende Füllungen geben, so werden auf die 
Nabe des grofsen Zahnrades zwei Nocken a, und a., angebracht, von 
denen Oj, wie aus Fig. 30 ersichtlich, eine schräg verlaufende Seite hat. 
Diese Nocken wirken auf je eine Rolle r { und r 2 ; beide Rollen sitzen 
auf einer Stange, welche mit dem im Mischventil angebrachten Gas- 
ventil v t verbunden ist. Feder z ist bestrebt, das Gasventil zu öffnen, 
sobald die Nocken o t bezieh. a 2 es erlauben. Nocken a { ist bestimmt, 
vermöge seiner schrägen Fläche den Füllungsgrad variabel zu macheu, 
je naebdem die Rolle r { auf der Stange durch Einwirkung des Regu- 
lators verschoben und dadurch das Gasventil früher oder später geöffnet 
wird, während die in Richtung der Stange nicht bewegliche Rolle r 2 
dafür sorgt, dafs die Rolle r x rechtzeitig frei werde, um durch den 
Regulator verschoben werden zu können, und während dieser Zeit das 
Gasventil geschlossen hält. Bei Bewegen der Rolle r { in der Pfeil- 
richtung wird die Füllung kleiner. Blattfeder p sorgt für elastisches 
Andrücken des Gasventils auf seinen Sitz. 

Die folgende Regulirvorrichtung von J. M. Schlimbach in Berlin 
(D. R. P. Nr. 49230 vom 2. September 1888) wirkt durch Beeinflussung 
des Auslasses. 



Neue Gasmaschinen. 195 

Wird das Auslafsventil über den Rücklauf des Kolbens hinaus offen 
gehalten, so überträgt sich beim nächsten Kolbenaushub die Saugwirkung 
auf die Gase der Ausströmungsleitung. Um bei dem Rücksaugen der 
Verbrennungsproducte die kraftzehreude Reibung derselben in der Aus- 
strömungsleitung zu vermeiden, sowie um die Kühlung des Cylinders zu 
befördern, wird an der Ausströmungsleitung oder unmittelbar an dem 
Cylinder ein besonderes Ventil angeordnet, durch welches eine Verbin- 
dung mit der Atmosphäre hergestellt wird, und somit aufser Verbren- 
nungsproducten auch Luft in den Cylinder eingesaugt werden kann. 
Dieses Ventil, welches allgemein die Aufgabe erfüllt, auch aufser dem 
Saugspiel annähernden Druckausgleich zwischen Cylinderinhalt und 
Atmosphäi-e herzustellen, öffnet sich in die Ausströmungsleitung bezieh, 
in den Cylinder, so dafs der Druck der Arbeitsgase dichtend auf das 
Ventil wirkt. Die Luft kann dem Saugtopf entnommen werden. In 
welchem Verhältnisse Luft und Verbrennungsgase beim Kolbenaushub 
eingesaugt werden, hängt von der Reibung der Gase in der Ausströmungs- 
leitung ab. Das besondere Luftventil bietet aber auch ein Mittel, die 
Einsaugung von Verbrennungsproducten möglichst zu vermindern, indem 
man in die Ausströmungsleitung, aber weiter nach ihrer Mündung hin, 
ein Rückschlagventil einschaltet, welches den Verbrennungsproducten 
den Austritt, nicht aber die Rückströmung gestattet. Dieses Rückschlag- 
ventil in der Ausströmungsleitung kann mit dem vorstehend angegebenen 
Luftventil starr oder durch einen gegliederten Mechanismus verbunden 
und in Wechselwirkung gesetzt werden. Das Luftventil kann sowohl 
gesteuert, als selbstthätig sein. In letzterem Falle wird sich dasselbe 
auch in Folge des den ausstofsenden Verbrennungsgasen innewohnenden 
Beharrungsvermögens öffnen und durch die Lufteinströmung annähernd 
einen Druckausgleich herbeiführen. Wird zur Gemengeinführung gleich- 
zeitig ein selbstthätiges Abschlufs- oder Mischventil verwendet, so bedarf 
es daher nur einer etwas stärkeren Belastung des Gemengventiles, um 
die unzeitige Gemengeinsaugung zu verhindern. 

Bei der nach dem Zusatzpatente (* D. R. P. Nr. 50 764 vom 7. April 
1889) in Fig. 31 dargestellten Anordnung ist das selbstthätige Luftventil 
am Cylinder angebracht und läfst bei jeder Saugwirkung Luft eintreten, 
theils zur Gemengebildung, theils zum blofsen Druckausgleich. Das zur 
Gemengebildung erforderliche Gas tritt durch ein besonderes Abschlufs- 
organ, Ventil oder Schieber unmittelbar und getrennt von der Luft in 
die Maschine. 

Die Regulirung erfolgt, indem bei zu hoher Tourenzahl das Aus- 
lafsventil offen gehalten, gleichzeitig aber auch der Gaszuflufs abgesperrt 
wird. Dies kann auf verschiedene Weise ausgeführt werden, z. B. durch 
gleichzeitige Einschaltung einer festhaltenden Klinke in die Steuer- 
vorrichtung des Auslafsventils und Ausschaltung einer übertragenden 
Klinke aus der Steuervorrichtung des Gasventils oder Schiebers. Eine 



196 Neue Gasmaschinen. 

einfachere Methode besteht darin, dafs man, anstatt Auslafsventil und 
Gasventil durch je eine besondere Steuervorrichtung von der Steuer- 
welle aus zu steuern, die Steuervorrichtungen an einander hängt, so dafs 
die Bewegung der einen auch eine Bewegung (todten Gang) der anderen 
bedingt und diese gemeinschaftliche Steuervorrichtung bei offenem Aus- 
lafsventil festhält; diese Festhaltung setzt dann gleichzeitig das Auslafs- 
ventil und das Gasventil aufser Thätigkeit. Diese Steuerungsweise des 
Gasventils erfüllt gleichzeitig die Forderung, dafs auch bei normalem 
Gan°-e der Maschine das Gasventil bei offenem Auslafsventil stets ge- 
schlossen und gegen Aufsaugen gesichert ist. Die Steuerung des Gas- 
ventils von der Steuervorrichtung des Auslafsventils aus kann sowohl 
unmittelbar durch ein geeignet angeordnetes oder gestaltetes Glied dieser 
zur Steuerung des Auslafsventils nöthigen Vorrichtung als auch durch 
Vermittelung eines mit derselben gekuppelten Mechanismus geschehen, 
aber nur in der Weise, dafs man die Steuervorrichtung des Auslafsventils 
nach Schlufs des Auslafsventils noch eine weitere Bewegung in der vor- 
herigen Bewegungsrichtung machen läfst. Dies erreicht man in der 
Weise dafs man auf der steuernden Daumenscheibe eine unmittelbar 
auf den Daumen folgende Einsenkung anordnet, sowie eine kräftige 
Feder, welche die Steuervorrichtung bezieh, die Bolle in diese Ein- 
senkung bewegt. 

In Fi&. 31 ist eine Ausführung des erörterten Verfahrens dargestellt, 
bei welcher die auf der Steuerwelle der Maschine sitzende Daumen- 
scheibe mittels Daumen D eine mit Bolle versehene Stofsstange ab- 
wärts bewegt und dadurch das Oeffnen des Auslafsventils A herbeiführt, 
ohne das Gasventil G zu beeinflussen; erfolgt dann die Aufwärtsbewegung 
der Steuerstange, so schliefst sich zunächst das Auslafsventil A unter 
der Einwirkung der Feder Q\, bei der weiteren Aufwärtsbeweguug der 
Steuerstange unter der fortdauernden Einwirkung der Feder F und in- 
folge der Einsenkung E der Daumenscheibe hebt alsdann der mit der 
Steuerstauge fest verbundene Arm S das Gasventil G. Bei zu hoher 
Tourenzahl der Maschine verstellt der fiegulator P die Falle K so, dafs 
dieselbe die Steuerstange in ihrer nahezu tiefsten Stellung festhält. 

Die Anordnung von //. Wadzeck in Berlin (* D. B. P. Nr. 49806 
vom 26. August 1888) regelt auch dadurch, Fig. 32, dafs das Auslafs- 
ventil A durch Einschaltung einer Klinke v mittels einer vom Begulator 
aus beeinflufsten Daumen- oder Excenterscheibe r offengehalten wird, 
während gleichzeitig durch dieselbe Scheibe die Ausschaltung einer 
zweiten Klinke m erfolgen kann, in Folge dessen das Gaseinlafsventil G 
geschlossen bleibt. Das Oeffnen des Auslafsventiles A und des Gaseinlafs- 
veutiles G erfolgt unabhängig von dem zum Ein- und Ausschalten der 
genannten Klinken benutzten Theile durch eine zweite Daumen-, Kurbel- 
oder Excenterscheibe, während das Schliefsen des Ventiles durch Feder- 
wirkung hervorgerufen wird. Die Steuerwelle c wird von der Kurbel- 



Neue Gasmaschinen. 197 

welle aus durch Zahnräder ab im Verhältnifs 1 :2 gedreht. Der Daumen d 
bewirkt mittels Rollenhebels e, Welle f, Hebels g und Zugstange h das 
Oeffnen und Schliefsen des Auslafsventils A, und der Kurbelzapfen i 
bewirkt die Bewegung des Lufteinlafsventils L und Gaseinlafsventils G. 
Die . Verbindung des Zapfens i mit den Ventilen L und G wird durch 
die Stange &, die Hebel l und ^ , die Klinke m und den Hebel n her- 
gestellt. 

Zur Regelung der Geschwindigkeit befindet sich im Schwungrade 
ein Centrifugalregulator. Der Ausschlag der Kugeln wird durch Standen 
auf die Daumen- oder Excenterscheibe r so übertragen, dafs diese ent- 
weder die Rolle s trifft oder an ihr vorüberstreicht. Der die Rolle s 
tragende Schieber t wirkt auf den auf der Welle u sitzenden und unter 
Federwirkung stehenden Arm z und somit auf die Klinke v und den 
Hebel u>, welch letzterer mit der Klinke m in Beziehung steht. Bei 
richtiger Geschwindigkeit der Maschine ist nur die Klinke m eingeschaltet, 
während bei zu grofser Geschwindigkeit die Excenterscheibe r zur Zeit 
des Ausstofses der Verbrennungsrückstände in Berührung mit der Rolle s 
kommt, hierdurch den Schieber t abwärts drückt und die Welle u dreht, 
wodurch die Nase der Klinke v über den auf der Welle f sitzenden 
Arm q gelegt und die Verbindung der Luft- und Gasventile L und G 
dadurch aufgehoben wird, dafs der Hebel w gegen den Stift y an der 
Klinke m schlägt und letztere ausschaltet. Das Auslafsventil A bleibt 
dann offen und das Gasventil G geschlossen, mithin werden Verbrennungs- 
rückstände durch A und Luft durch L angesaugt, während G durch den 
Druck einer Feder geschlossen bleibt. Die Zündungen bleiben so lange 
aus, bis die Maschine wieder die richtige Geschwindigkeit hat, bei 
welcher die Ausrückung der Excenterscheibe erfolgt und eine Feder x 
die Ausschaltung der Klinke v und die Einschaltung der Klinke m be- 
wirkt. Die Federn unter sämmtlichen Ventilen verhindern ein freies 
Spielen derselben. 

Eine interessante Ausführung wird von S. Lawson in New-York 
(*D. R. P. Nr. 50 767 vom 8. Mai 1889) vorgeschlagen, Fig. 33, um ein 
leichtes Anlassen der Maschine durch Verhinderung der Verdichtung- 
verbrannter Gase zu gestatten. 

Um zu bewirken, dafs das AuspufFventil, welches sich in Folge des 
gewählten Uebersetzungsverhältnifses nur bei jedem zweiten Kolbenhub 
öffnet, bei jedem Kolbenhub öffne, was sich beispielsweise beim Anlassen 
der Maschine empfiehlt, ist auf der Welle der Hubscheibe K eine zweite 
Hubscheibe Ä". aufgesteckt, die diametral zu K liegt. Auf die Ventil- 
stange 6 ist ein seitlich vorstehender Bund n aufgeschoben, der über 
dem Arm m, der am Gestell angeschraubten Traverse m liegt und durch 
welchen der Stift hindurchgeführt ist. 

Letzterer wird für gewöhnlich durch eine gegen n anliegende 
Schraubenfeder o, von der Hubscheibe ^ abgehoben; drückt man ihn 



198 Neue Gasmaschinen. 

jedoch gegen Scheibe Ä,, so schnappt in Folge der Wirkung der im 
Gehäuse n um einen Bolzen gewickelten Schraubenfeder dieser Bolzen 
in einen am Stift o angebrachten Einschnitt ein. Liegt Stift o auf der 
Peripherie der Scheibe üfj, so wird bei der ersten Hälfte der Umdrehung 
des Rades 2 zunächst die Hubscheibe K die Ventilstauge 6 heben, 
während in der zweiten Hälfte dieser Umdrehung die Ventilstange 6 
unter Yermittelung des Stiftes und des an letzterer festsitzenden 
Bundes n gehoben wird, so dafs bei jedem Hub des Kolbens C das Aus- 
puffventil geöffnet wird. 

Hat die Maschine die gewünschte Geschwindigkeit erlangt, so wird 
durch Zurückziehen des Bolzens der Stift o von der Hubscheibe K { 
entfernt und es öffnet sich dann das Auspuffventil nur bei jedem zweiten 
Kolbenhub. 

Eine eigenartige Ventilanordnung nach M. Heyde in Berlin (*D. R. P. 
Nr. 45 449 vom 30. März 1888) wird in Fig. 34 dargestellt. 

Der Kanal e { dient sowohl zum Aufsaugen von frischer Luft, als 
auch zum Ausstofsen der im Arbeitscylinder verbrannten Gase. Durch 
den Hohlraum d mit den vier Kanälen d i wird das zur Explosion nöthige 
Gas zugeführt, welches sich unterhalb des Tellerventils g mit der durch e { 
eintretenden Luft mischt und dem Arbeitscylinder durch den Kanal P 
zuströmt. Das Kegelventil /", welches im Gehäuse E geführt wird, ist 
der Länge nach durchbohrt behufs Führung der Steuerstange des Teller- 
ventüs g. Das Tellerventil g hat seinen Dichtungssitz im Gehäuse E. 

Das Auslafs-Luft- und Gasventil wird von einem Mechanismus ge- 
steuert und regulirt, welcher aus folgenden Theilen besteht: 

Die Gabelstange i erhält Führung im Lager k. Bei dem Bund / 
ist dieselbe abgesetzt, so dafs ein ringförmiger Hohlraum entsteht, 
welcher zur Aufnahme einer Spiralfeder dient- durch diese Feder wird 
die Gabelstange i nach oben und die auf einem Bolzen angeordnete 
Hülle n stets gegen die mit Daumen q versehene Scheibe m geprefst. 
Zwischen dem gegabelten Theil der Stange i sind auf dem Bolzen 
zwei Rollen n und o angeordnet. Rolle o bleibt beim regelrechten Voll- 
gang der Maschine aufser Thätigkeit. Erhöht die Maschine plötzlich 
durch verminderte Belastung ihre Tourenzahl, so wird die Rolle o durch 
einen bekannten Regulator verschoben, und zwar in dem Moment, wo 
der Daumen q auf die Rolle n zu drücken beginnt. Durch diese Ver- 
schiebung kommt Rolle o unter die Excenterscheibe zu stehen und wird 
durch diese, sobald der Daumen q die Rolle n verlassen hat, in Rotation 
versetzt: hierdurch erfolgt ein Druck auf die Stange £, was zur Folge 
hat, dafs während des ganzen Leerganges bezieh, der Regulirung der 
Maschine das Ventil g geöffnet bleibt. 

Die Zündvorrichtung besteht aus dem Gehäuse A mit Durch- 
brechungen a a { von beliebigem Querschnitt, welche als Communications- 
wege zu dem Zündkanal dienen. Das Gehäuse A, welches sich au 



Neue Gasmaschinen. I99 

seinem unteren Ende abgesetzt verjüngt, nimmt den der inneren Gehäuse- 
form entsprechenden Kolben b auf, welcher mit dem Zündkanal c und 
den mit a a { correspondirenden Bohrungen c 3 versehen ist. Die Boh- 
rungen c, dienen zur Entzündung des im Arbeitscylinder befindlichen 
Gasgemisches. Durch die Kanäle b 2 wird eine Druckverminderung des 
durch diese in den Zündkanal c eintretenden Gasgemenges herbeigeführt. 

Um den Druck der im Arbeitscylinder comprimirten Gasgemische 
im Zündkanal zu vermindern, sind im Kolben b kleine Kanäle b. } 
angeordnet. Nachdem der Kolben b so weit in die Höhe gegangen ist, 
dafs die Durchbrechungen a a { mit der Nuth y und den Bohrungen c 3 
bündig stehen, die Bohrungen c 2 aber geschlossen sind, tritt das Gas- 
gemisch aus dem Arbeitscylinder durch die engen Kanäle b. 2 mit ent- 
sprechend reducirtem Druck in den Zündkanal c und strömt aus diesem 
durch die OefFnungen c 3 , Nuth y und die Durchbrechungen a a i zu der 
äufseren Zündflamme, woselbst sich das Gemisch entzündet. Das in 
a a t y c 3 und c brennende Gasgemisch wird, wenn der Kolben mittels 
der Steuerung wieder, und zwar so weit nach unten bewegt wird, dafs 
der schräge Ansatz des Kolbens mit dem des Gehäuses A zusammen- 
fällt, durch die sich nun öffnenden Bohrungen c 2 das Gasgemisch im 
Arbeitscylinder entzünden. 

Ein einstellbares Mischventil nach J. Schneider in Leipzig- Anger 
(*D. K. P. Nr. 50307 vom 7. Juli 1889) ist in Fig. 35 dargestellt. 

Das Ventil a, welches den Luftraum l abschliefst, trägt eine Hülse 6, 
welche bei c stellbar verschraubt ist und durch die Mutter d in seiner 
Läse festgehalten wird. Die Hülse b ist an ihrem unteren Ende kegel- 
förmig ausgedreht und auf dem Ventilkegel a dicht aufgeschliffen , so 
dafs durch Ab- oder Aufwärtsdrehen des Ventils a die Zufuhr von Gas 
oder Erdöl vergröfsert oder ganz abgeschlossen werden kann. Beim 
Ansaugen decken sich die Löcher s in der Hülse b mit dem Gaskanal g 
und wird dann Gas oder Erdöl durch die Hülse b entsprechend der 
Oeffnung e eingesaugt, um sich beim Eintritt in den Cylinder mit der 
Luft zu mischen. Soll die Zufuhr des Gases vom Regulator aus ge- 
regelt werden, so wird die Mutter d weggenommen und auf dem Vier- 
eck v des Ventils a wird ein Hebel befestigt, welcher durch entsprechen- 
des Gestänge mit dem Regulator verbunden wird. 

Kolbenventile werden von S. Lawson in New- York (* D. R. P. 
Nr. 50768 vom 8. Mai 1889) angewendet. 

Aus der Anordnung nach Fig. 36 und 37 ergibt sich, dafs im rohr- 
formigen Ventilgehäuse zwei Rohrventile spielen; das obere Ventil b 
ist mit den Durchbrechungen 2, und 4, das untere c mit den Durch- 
brechungen ^4, 15 und 16 versehen: in das obere Ventil ist ein durch 
die Decke des Ventilgehäuses L gehender Bolzen b { mit Auge ein- 
geschraubt, in welches ein mit der Zugfeder h verbundener Hebel f 
eingesteckt ist. Das untere Ende genannter Feder h ist mit einem bei g 



200 Neue Gasmaschinen. 

drehbaren Hebel f verbunden, dessen anderes Ende in ein am unteren. 
Ende der Ventilspindel e { sitzendes Auge eintritt; letztere erstreckt sich 
durch das geschlossene Ende des Rohrventils d bis zum Scheibenventil e, 
das auf dem an der Innenkante des Gehäuses L angebrachten Ventilsitz 
liegt und sich gegenüber dem seitlichen Kanal S befindet. 

Rohrgehäuse L ist zweitheilig und wird nach Einsetzen des Ventils e 
und des Rohrventils b zusammengeschraubt, welches mit seinem unteren 
konischen Ende auf einem Sitz am unteren Rande des Theiles a^ des 
Rohrgehäuses aufsitzt. Feder h drückt das Ventil e und den konischen 
Theil des Rohrventils b auf ihre zugehörigen Sitze, wenn sie in anderer 
Weise bethätigt werden. Von dem eingeschraubten Zapfen i { erstreckt 
sich eine Stange k nach oben durch ein Auge c l des Stiftes c 2 , der 
durch einen senkrecht stehenden Spalt im Ventilgehäuse hindurchgeht 
und in das Rohrventil b eingeschraubt ist. 

In der Nähe der Durchbrechung 16 ist ein dünnes Gasrohr / durch 
das Ventilgehäuse hindurchgeführt, während ein Gasbrenner 50 in der 
Nähe der senkrechten, mit Durchbrechung 14 communicirenden Durch- 
brechung r genannten Gehäuses die Aufrechterhaltung einer Zündflamme 
sichert. Die Luft wird durch Rohr 12, das Gas durch Rohr 15 in der 
Nähe der Durchbrechungen 5 und 4 im Rohrventil b in den oberen Theil 
des Ventilgehäuses eingeleitet. Verbindungsstange i zieht das Rohr- 
ventil d nach unten, wobei Ventil e geschlossen bleibt und das Gas in 
genanntes Ventil d durch Durchbrechung 16 und 14 eintritt; durch Auf- 
treffen des an Stange k sitzenden Knopfes auf das Auge c t wird Ventil b 
nach unten geschoben, wodurch die Durchbrechungen 2, 5 und 4 frei- 
gelegt werden, um Luft und Gas durch Rohrventil b in den Cylinder A 
einströmen zu lassen; beim Aufgang der Verbindungsstange i wird 
Ventil d nach oben bewegt und Feder h zieht das Ventil b nach oben, 
so dafs zu geeignetem Zeitpunkte die weitere Zufuhr von Luft und Gas 
abgeschlossen wird und Ventil b auf seinen Sitz niederfällt. In diesem 
Augenblick kann unter Vermittelung der Durchbrechung /4, welche 
über den Spalt r im Ventilgehäuse L zu stehen kommt, die Flamme in 
das Zündgas des Rohrventils d gelangen, worauf die Theile die in Fig. 37 
ersichtliche Lage einnehmen. Durchbrechung 14 wird abgeschlossen, 
Verbindungsstange i hebt dann die Ventile d und e gemeinsam und 
gerade in dem Augenblick, zu welchem Kurbel E über ihren Drehpunkt 
hinweggeht; dabei gelangt das im Rührventil d eingeschlossene Zündgas 
durch die unterhalb des Ventils e liegende Durchbrechung 15 nach aufsen 
und entzündet das im Kanal S und Cylinder A enthaltene Gas, so dafs 
Kolben C kräftig bewegt und die Umdrehungsgeschwindigkeit der Welle 
und des Schwungrades beschleunigt wird. Hierauf wiederholen sich die 
beschriebenen Vorgänge von neuem, wobei die Eewegungsphasen der 
einzelnen Theile so bemessen sind, dafs sich die Ventile gegenüber dem 
Maschinenkolben zu geeignetem Zeitpunkte öffnen und schliefsen. 



Neue Gasmaschinen. 201 

Bei einer zweiten Anordnung Fig. 38 sind die Rohrkolben d und b 
direkt mit einander verbunden und ist an Stelle der Hebel f f v und der 
Feder h für Ventil oder Klappe e eine centrale Durchbrechung rf 2 vor- 
gesehen; Ventil e ist bei e { drehbar gelagert, wird durch die Schrauben- 
feder g geschlossen und durch die festliegende, auf das Ende genannten 
Ventils wirkende Schraube geöffnet. Es empfiehlt sich, um den Rohr- 
kolben eine Packung 7 anzuordnen, um ein Entweichen von Gasen zu 
verhindern. Die Wirkungsweise dieser modificirten Anordnung stimmt 
im übrigen mit der vorbeschriebenen Anordnung überein, indem das 
Gas aus dem Rohr / durch Durchbrechung 16 in die Kammer c über- 
tritt, während Gas und Luft durch Durchbrechung 4 aus den Rohren 12 
und 15 in das Rohrventil b und durch die Kanäle 2 und S in die Maschine 
übertreten; bewegen sich die Rohrventile nach oben, so wird die Gas- 
und Luftzufuhr abgesperrt, und es gelangt die Flamme des Brenners 30 
durch die Durchbrechungen r und 74, wodurch das Zündgas in Kammer c 
entzündet wird. 

Um möglichst luftdichten Abschlufs der Ventile zu erzwingen, hat 
W. Dreyer in Gadderbaum bei Bielefeld (* D. R. P. Nr. 48 613 vom 
19. Februar 1888) die in Fig. 39 dargestellte Ventilanordnung getroffen. 

Das Gaszuleitungsrohr hat eine Führungsbüchse a und einen 
Ventilsitz b erhalten, welche zur Aufnahme eines dementsprechend aus 
einem Kolbenschieber c und Sitzventil d zusammengesetzten Ventils B 
dienen. Der in der Büchse a gleitbar angeordnete Kolbenschieber c ist 
zu einem Becher ausgebildet, dessen Wandungen Oefihungen e erhalten 
haben. Letztere befinden sich bei geschlossenem Ventil unterhalb von 
Kanälen /", welche in der Büchse a vorgesehen sind, während sie bei 
geöffnetem Ventil über die Kanäle f zu liegen kommen und so einen 
die Büchse a umgebenden Raum g mit der Auslafsöffnung R 2 des Rohres R 
verbinden. In dem Raum g befindet sich der Ventilsitz 6, welcher somit 
die Verbindung zwischen der Einlafsöffnung /?, des Rohres R und dem 
Raum g vermittelt. Bei geschlossenem Ventil ruht dagegen in dem 
Ventilsitz b der Untertheil d des Ventils B mit seinen Dichtungsflächen. 
Gehoben wird das Ventil B mit Hilfe einer auf seine Stange h wirken- 
den mechanischen Vorrichtung. Während der Compressions-, Explosions- 
und Gasausströmungszeit wird das Ventil B in Folge des Druckes 
der Gase auf den becherartia;en Kolbenschieber c mit seinen Dichtungs- 
flächen fest sowohl gegen die Büchse a als auch gegen den Ventilsitz b 
geprefst. Auf diese Weise erzielt man während der genannten Perioden 
einen Doppelabschlufs zwischen dem Gasbehälter und dem Motorcylinder. 
Im Augenblick der Explosion wird dazu der Druck auf das Ventil durch 
die entstehenden Gase verstärkt, so dafs sämmtliche durch die Explosion 
erzeugten Gase in Wirkung zu treten vermögen. Auch können die Ex- 
plosionsproducte bei einem derartigen Ventil nicht in die Sitze treten 
und so die Undichtigkeit derselben herbeiführen. Aufserdem ist keine 



202 Neue Gasmaschinen. 

Zeit vorhanden, dafs bei einer Undichtigkeit des Ventils B im Raum § 
der Druck je so grofs wird, und dies gibt schon an sich relative Sicher- 
heit gegen Verlust von Gasen durch Ventil 2?, selbst wenn seine beiden 
Sitze undicht werden sollten. 

Von J. I. Ueg in Strafsburg i. E. (* D. R. P. Nr. 50850 vom 
16. August 1889) wird ein Drehschieber vorgeschlagen, welcher auch 
zwei neben einander liegende Gasmaschinen bedienen kann. Die An- 
ordnung ist in Fig. 40 dargestellt. 

Der Schieber a hat die Form eines Hohlcylinders und wird durch 
eine von der Kurbelwelle aus beständig in Drehung versetzte Stange b 
angetrieben. Der Schieber ist in einem cylindrischen Gehäuse c gelagert 
und wird durch Flansche a { a x verhindert, in achsialer Richtung sich 
zu verschieben. Der eine dieser Flansche ist verstellbar, um einen 
etwaigen Verschleifs ausgleichen zu können. Das Gehäuse c besteht 
aus zwei Hälften, deren eine mit dem Maschinengestell fest verbunden 
ist; die andere wird nur durch Federdruck gegen die feststehende Hälfte 
geprefst. 

Am Umfang des Schiebers ist eine Anzahl von Oetlhungen an- 
geordnet, durch welche das Explosionsgemenge hindurchströmt. 

Bei dem dargestellten, für einen zweicylindrigen Motor geeigneten 
Schieber ist in der Mitte desselben — gleichmäßig am Umfange ver- 
theilt — eine Anzahl von Oeffnungen a 2 angeordnet. Die Länge dieser 
Oeffnungen entspricht einer in der Höhlung der festen Gehäusehälfte 
angeordneten Aussparung, in die der Zuflufskanal für das Gemenge ein- 
mündet. Die Aussparung umschliefst einen solchen Theil des Sehieber- 
umfanges, dafs der Kanal fortwährend mit dem Hohlraum des Schiebers 
in Verbindung steht. Nahe den Enden des Schiebers sind zwei Oeff- 
nungen a 3 angeordnet, deren Länge der Form der zu den Cylindern g 
führenden Kanäle h entspricht. Diese Oeffnungen sind in der Beweguugs- 
richtung des Schiebers derart gegen einander versetzt und die Aus- 
dehnung derselben in dieser Richtung derart bemessen, dafs bei un- 
unterbrochener Drehung des Schiebers nur während des betreffenden 
Saugespieles die zu den Cylindern führenden Kanäle geöffnet sind. Die 
Anordnung dieser Kanäle wird eine andere, je nachdem man den Motor 
mit nur einem oder mehreren Cylindern ausrüsten will. 

Zündvorrichtungen. 

Von der Gasmolorenfabrik Deulz (Oesterreichisch-Ungarisches Patent 
vom 5. März 1889) wird die in Fig. 41 bis 43 dargestellte Zündvor- 
richtung angegeben. 

Der Zündapparat ist ein Glührohr in einem Hohlraum der Cylinder- 
wandung, Fig. 43, oder in einer besonderen Metallbüchse Fig. 41 und 42 
so angeordnet, dafs die Aufsenwand des Glührohres nicht mit der 
äufseren Lull in Verbindung steht und jeder einseitige Druck auf die 



Neue Gasmaschinen. \ 203 

inneren glühenden Rohrwände aufgehoben ist, indem die im Cylinder 
durch Explosion erzeugte Spannung sowohl auf die innere als auch die 
äufsere Wand des Glührohres wirkt. 

Durch die Wandungen des Glührohres a bezieh, der Glühplatte a [% 
werden in dem vom Futter umschlossenen Raum enge Kanäle e e { ge- 
bildet, e e { (Zündkanäle) stehen mit dem Inneren des Cylinders zeit- 
weise in Verbindung. Im Moment der Zündung tritt das brennbare 
Gemisch in diese Kanäle ein und wird an den glühenden Wandungen 
derselben entzündet. 

Der Zündapparat kann nur dann wirken, wenn das Glührohr bezieh, 
die Wände der Zündkanäle e e { rothglühend sind, was nur dadurch er- 
reicht werden kann, dafs der Motor eine kurze Zeit arbeitet, wobei die 
sich entwickelnde Verbrennungswärme diese Theile erhitzt. Es mufs 
zu diesem Zwecke der Motor durch eine besondere von aufsen wirkende 
Zündvorrichtung einige Minuten lang betrieben werden, und kann man 
sich hiezu z. B. eines elektrischen Zünders oder einer anderen geeig- 
neten Zündvorrichtung bedienen, die man nach Einleitung des Betriebes 
aufser Thätigkeit setzt. 

Nach Fig. 41 ist der Zündapparat ganz von brennbarem Gasgemenge 
umgeben, nach Fig. 42 zum Theil auch von Verbrennungsproducten, die 
in einem ringförmigen Raum d stets zurückbleiben. 

Der äufsere Mantel des Zündapparates wird bei seiner Anordnung 
im Cylinderinneren zwar stark erhitzt, jedoch nicht glühend, indem er 
einestheils durch das in den Cylinder eingeführte Gasgemisch von aufsen 
abgekühlt wird und anderntheils Wärme an das in der Büchse befind- 
liche Futter c überträgt. Diesem Futter c wird auch noch durch die 
in den Zündkanälen e e { stattfindende Verbrennung Wärme zugeführt, 
wodurch es das Glührohr bezieh, die Glühplatte vor Abkühlung schützt. 

Durch die in den Zündkanälen stattfindende Verbrennung werden 
Glührohr und Glühplatte in heller Rothglut erhalten. Diese werden 
von dem in e e l eintretenden brennbaren Gemisch von beiden Seiten 
umspült, wodurch eine grofse Oberfläche zur Zündung geboten wird und 
dieselbe mit Sicherheit erfolgt. 

In Fig. 41 stehen die Kanäle e e v durch die Oeffnungen o o mit dem 
Cylinderraum in Verbindung. Diese Oeffnungen werden durch einen 
Ventilkolben g zeitweise geschlossen, der diese Oeffnungen vor dem 
Momente der Zündung wieder freigibt. Hierdurch dringt das verdichtete 
Gasgemenge in e e v und wird an den glühenden Wänden entzündet, 
worauf die erzeugte Flamme durch o o in den Cylinder zurückschlägt 
und die in demselben befindliche Ladung zur Verbrennung bringt. 

In Fig. 43 ist der Cylinderraum durch einen runden Kanal n mit e e [ 
verbunden, wobei der Ventilkolben h diesen Kanal zeitweise schliefst 
und im Momente der Zündung öffnet. 

Die in Fig. 42 gezeigte Zündvorrichtung wird durch Schieber 5 



^114 Neue Gasmaschinen. 

bethätigt, der die Oeffnung r, die nach den Zündkanälen ee { führt, 
zeitweise abschliefst. 

Soll im Momente der stärksten Verdichtung bei der hinteren Tod- 
punktstellung des Arbeitskolbens die Zündung erfolgen, so wird durch 
die im Schieber S befindliche Bohrung die Verbindung zwischen e <?, 
und f hergestellt. Das Explosionsgemeuge tritt alsdann durch Rohr i 
in die Zündkanale ein, wobei die in denselben befindlichen Verbrennungs- 
producte in den Raum f übergedrückt werden. Das Gasgemisch ent- 
zündet sich an den Wänden der Zündkanäle e e, und die Zündung schlägt 
durch das Rohr i in den Cylinderraum zurück. 

Eine elektrische Zündvorrichtung von C. Mansfeld in Leipzig-Reudnitz 
(♦D.R.P. Nr. 48643 vom 5. Februar 1889) ist in Fig. 44 abgebildet. 

In der Wandung des Arbeitscylinders 2 befindet sich die bekannte 
Einrichtung der Stromleitung, bestehend aus der Büchse 5 mit einge- 
gossener Porzellanröhre, durch welche der Leitungsdraht hindurchgeführt 
ist und unten in eine Platinspitze endigt. Durch die Aufhebung der 
metallischen Berührung der beiden Platinspitzen an 5 und 8 springt 
ein kräftiger Funke über und entzündet das Explosionsgemisch. Der 
Strom hierzu kann durch Elemente oder Dynamomaschine geliefert 
werden. 

Der Stromunterbrecher ist in den Cylinderdeckel eingesetzt und 
besteht aus dem Messing- oder Rothgufsgehäuse 7, dem drehbaren Stahl- 
ventil 8 mit der Platinspitze oder besser Platincy linder; ferner aus 
dem einarmigen Hebel j, an welchen sich die im Gehäuse 7 eingelegte 
Spiralfeder 10 anlehnt und das Ventil auf seinen Sitz andrückt. Der 
in den Hebel g eingeschraubte Anschlagstift 12 verhindert, dafs beim 
Reinigen der Contactflächen das Ventil zu weit nach innen gedrückt 
werde. Die mit der Hauptwelle durch Zahnräder in Verbindung stehende 
Steuerwelle 15 trägt an ihrem Ende einen zum Theil ausgeschnittenen 
Ring 14. Durch die Drehung der Welle 15 fällt der zweiarmige Hebel 
mit seiner Nase in den Ausschnitt 16 des Ringes 14. Die auf dem 
Drehpunkte des zweiarmigen Hebels befindliche Spiralfeder 17 bewirkt, 
dafs die Nase sich fest auf den Ring 14 lege. Durch das Einfallen 
der Nase in den Ausschnitt 16 wird der Hebelarm 18 in die Höhe 
gehoben, drückt auf die Justirschraube 19 des einarmigen Hebels 9 und 
entfernt durch die oscillirende Bewegung des Ventils 8 die Platinspitzen 
oder Flächen 5 und 6 von einander, wodurch die Bildung des Funkens 
veranlafst wird. 

Die Stromschliefsung erfolgt dann wieder durch das Auflaufen 
der Nase auf die Peripherie des Ringes 14, dadurch entfernt sich 
der Hebel 18 wieder von der Justirschraube 19, nimmt aber den Hebel- 
arm 9 des Ventils 8 durch die Plattenfeder mit 21, wodurch im Innern 
des Cylinders wieder ein federnder Contact hergestellt und ein willkür- 
liches Umherspringen des Funkens und dadurch vorzeitiges Entzünden 



Neue Gasmaschinen. 205 

des Explosionsgemisches vermieden wird. Um die Contactflächen 5 und 6 
von dem anhaftenden isolirenden Schmutze zu reinigen, bedarf es mehr- 
maliger Bewegung des Ventils 8 in seiner Längsrichtung, wodurch sich 
die Contactflächen an einander reiben und wieder stromleitend werden. 
Eine einzige Bewegung ist mitunter hinreichend. 

Eine Glühzündung wird von G. Röselmüller in Berlin ('"" D. R. P. 
Nr. 49028 vom 23. November 1888) vorgeschlagen, vgl. Fig. 45. 

Die Vorrichtung besteht im wesentlichen aus dem Gehäuse H, dem 
Zündhute, dessen geschlossenes Ende durch eine stetig brennende 
Flamme F glühend erhalten wird, und dem Röhrchen Z), welches einer- 
seits in den Hut bis nahe an das glühende Ende desselben hineinragt 
und andererseits mit einer nach aufsen abdichtenden Verschlufsvorrich- 
tung versehen ist, die sich als Ventil, Schieber oder Hahn ausführen 
läfst. Der Zündhut wird am zweckmäfsigsten aus unverbrennlichem 
Material, z. B. Porzellan, hergestellt und in das Metaligehäuse H ein- 
gekittet. Der Innenraum dieses Gehäuses und des Zündhutes steht durch 
den Kanal B und die Oeffnung A mit dem Cylinder der Maschine in 
Verbindung. Das Explosivgemisch tritt bei U ein. w ist das Rück- 
schlagventil. Nachdem der Arbeitskolben frisches Gemisch angesaugt 
hat und darauf die Verdichtung desselben bewirkt, wird der Inhalt des 
Kanales B und des Gehäuses H (welcher aus den vom vorhergehenden 
Hube zurückgebliebenen Verbrennungsgasen besteht) durch den Zündhut, 
an dessen glühendem Ende vorbei, und durch das Röhrchen Z), sowie 
durch die zur Zeit offene Verschlufsvorrichtung G ausgetrieben. Sobald 
brennbares Gemisch an der glühenden Endfläche vorüberstreicht, ent- 
zündet es sich; aber die gebildete Flamme kann der Heftigkeit der 
Strömung wegen nicht zurückschlagen, und zwar so lange nicht, bis 
die Geschwindigkeit der Strömung unter die der Fortpflanzung der Ver- 
brennung heruntergegangen ist. Das geschieht aber, sobald G geschlossen 
wird. Die Entzündung verbreitet sich in dem dann ruhenden Gemische 
sofort durch den Kanal B nach dem Raum A. Die Verschlufsvorrichtung G 
wird in bekannter Weise von der Welle der Maschine aus periodisch 
geöffnet und geschlossen durch Excenter oder Daumen. 

Bei einer etwas abgeänderten Ausbildung des Zündapparates wird 
die periodisch sich öffnende und schliefsende Abschlufsvorrichtung G 
durch einen kleinen Raum am Ende des Röhrchens D ersetzt. Die 
Gröfse dieses Raumes kann man gegebenenfalls veränderlich machen, 
z. B. durch eine Verschlufsschraube, welche mehr oder weniger weit 
hiueiugeschraubt wird. Den Raum, der unter Umständen sehr klein sein 
kann, kann man durch eine feine Oeffnung mit der Atmosphäre ver- 
binden, welche ihrerseits mit einer von Hand zu bewegenden Schraube 
mit feiner Spitze gezeichnet, versehen ist. Das Röhrchen D ist mit einem 
Wulst versehen, mit welchem es sich dicht an das Innere des Zünd- 
hutes anschliefst, und in welchem Wulst nur eine enge Oeffnung ge- 



20G Neue Gasmaschinen. 

lassen ist. Die Wirkung dieser abgeänderten Zündvorrichtung ist ganz 
iilinlich wie vorhin beschrieben. 

Bei Gas- und Erdölmotoren, überhaupt bei Motoren, in welchen ein 
explosibles Gasgemisch zur Verwendung kommt, hat es sich zur Er- 
langung eines tadellosen Ganges der Maschine als nothwendig heraus- 
gestellt, die Zündung vor dem todten Punkt eintreten zu lassen. Be- 
sonders ist dies der Fall bei Maschinen mit magnet-elektrischer Zündung. 
Diese Zündung vor dem todten Punkte verhindert aber das Andrehen 
der Maschine, weil beim Andreheu, wenn die Maschine noch nicht die 
normale Umlaufszahl hat, die vor dem todten Punkte eintretende Ex- 
plosion den Kolben zurückschlägt. Wenn man nun auch kleine Maschinen 
vor dem Eintreten der ersten Explosion durch Andrehen von Hand so 
in Gang bringen kann, dafs die Schwungkraft den Kolben, dem Ex- 
plosionsdruck entgegen, über den todten Punkt treibt, so ist dies bei 
grofsen Maschinen nicht möglich. Dieser Uebelstand läfst sich vermeiden, 
wenn man die Zündung während des Ganges verstellbar einrichtet, und 
zwar so, dafs beim Andrehen der Maschine die Zündung im todten 
Punkte oder nach dem todten Punkte erfolgt und so ein Zurückschlagen 
des Kolbens nicht eintreten kann, und dafs, nachdem die Maschine ihre 
normale Umlaufszahl - erreicht hat, während des Ganges der Eintritt 
der Zündung auf den für die Maschine günstigsten Zeitpunkt zurück- 
verlegt wird. Ebenso wie für Maschinen mit elektrischer Zündung kann 
dies auch für solche mit Flammenzündung eingerichtet werden. 

Ein Beispiel eines Apparates, welcher diesen Zweck erreichen soll, 
ist nach der Construction von C. Daevel in Kiel ('"" D. R. P. Nr. 49236 
vom 19. Januar 1889) in Fig. 46 und 47 dargestellt. 

Auf der Steuerwelle o sitzt eine Scheibe 6, die an ihrem Umfange 
einen Zahn c trägt, welcher während je einer Umdrehung der Steuer- 
welle gegen einen Hebel der magnetelektrischen Maschine stöfst, den- 
selben mitnimmt und in dem Zeitpunkte abschnappen lässt, welcher dem 
Eintritt der Zündung entspricht. 

Den Eintritt der Explosion kann man nun veränderlich machen, 
indem man die Stellung des Zahnes c verändert, so dafs das Abschnappen 
früher oder später erfolgt. Dies geschieht in folgender Weise: 

Der Zahn c sitzt an einem um die Achse e drehbaren Hebel /*, 
welcher mittelst des Excenters #, der Feder h und der Anschläge s in 
zwei Endstellungen festgehalten wird, welche den Stellungen des 
Zahnes c für die beiden Grenzpunkte des Zündungseintrittes entsprechen. 
Das Excenfer sitzt drehbar auf der Steuerwelle a und ist fest mit einem 
Handrad k verbunden. Vor dem Anlassen der Maschine bringt man 
durch Drehen des Handrades k den Zahn c in die (in der Figur punktirt 
gezeichnete) Stellung, welche der Zündung in oder nach dem todten 
Punkte entspricht. Nachdem die Maschine die normale Umlaufszeit 
erreicht hat, hält man einen Moment das Handrad k fest, wobei durch 



Appreturmaschinen. 207 

das Excenter g der Hebel f und damit der Zahn c in die (in der Figur 
voll ausgezogene) Stellung vorwärts gedreht wird, welche der Zündung 
vor dem todten Punkte entspricht. 



Ueber das Waschen, Bleichen, Färben u. s. w. von 
Gespinnstfasern, Garnen, Geweben u. dgl. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 275 S. 218.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 11. 

Im ersten Theil dieser Abhandlung sind nur diejenigen Verfahren 
und Vorrichtungen eiuer näheren Betrachtung unterzogen worden, bei 
welchen die Färb- o. dgl. Flotte auf die Oberfläche des Materials auf- 
getragen wurde. Wir kommen nun zu denjenigen Einrichtungen, bei 
welchen nicht nur eine Oberflächenbehandlung vor sich geht, sondern bei 
denen das Arbeitsstück in seiner ganzen Ausdehnung der Einwirkung der 
Flotte ausgesetzt wird. Diesen sind alle die noch zu betrachtenden zu- 
zuzählen und es lassen sich dieselben nach der bereits gegebenen Auf- 
stellung in drei grofsen Klassen unterbringen. In die erste derselben 
gehören alle diejenigen Verfahren und Einrichtungen, bei denen der 
Arbeitsprocefs zu Stande kommt durch: 

B. Einführen des Materials in die Flotte. 

Das zu behandelnde Material kommt hierbei in die jeweilig zur 
Anwendung gebrachte Flüssigkeit und verläfst dieselbe erst wieder, 
nachdem der Procefs beendet ist. Um eine vollkommene Durchführung 
desselben zu ermöglichen, erfährt das Gut in der Flotte entweder noch 
eine einfache Bewegung oder es findet gleichzeitig eine, mechanische 
Bearbeitung desselben statt, welche in einem Schlagen, Stampfen u. s. w. 
besteht und durch die ein abwechselndes Ausquetschen und Eindringen 
der Flotte, also eine gleichmäfsige Behandlung sämmtlicher Theile des 
Materials herbeigeführt wird. 

Zwecks Gewinnung einer besseren Uebersicht über die hier zu be- 
sprechenden Verfahren und Einrichtungen sollen zunächst diejenigen 
einer näheren Betrachtung unterzogen werden, welche zur Behandlung 
der Rohstoffe (Wolle, Baumwolle u. s. w.) dienen, wobei jedoch bemerkt 
werden mufs, dafs die sich hierdurch ergebende Theilung des Stoffes, 
wie bereits im Eingang dieser Arbeit erwähnt, vielfache Wiederholung 
herbeiführt. 

Diejenigen Verfahren und Vorrichtungen, welche zum eigentlichen 
Entfetten (Entschweifsen) der Wolle Verwendung finden, sollen als nicht 
in das Gebiet der Appretur gehörig hier ausgeschieden und an anderer 
Stelle einer Betrachtung unterzogen werden. 



2 1 >8 Appreturmaschinen. 

Das Waschen der losen Gespinnstfasern, von denen hier besonders 
die Wolle in Betracht kommt, erfolgt im Kleinbetrieb bekanntlich in 
der Weise, dafs man dieselben in einen Bottich, welcher die Flüssigkeit 
enthält, direkt einführt oder mittels eines durchlöcherten Korbes u. s.w. 
in die Flotte taucht und in dieser mit Stangen oder Haken bearbeitet, 
wobei ein Quetschen des Materials an den Wandungen des Gefäfses 
behufs gründlicher Reinigung gleichzeitig stattfindet. Die Anwendung 
eines Korbs erleichtert das Ausheben der gewaschenen Gespinnstfasern 
aus der Waschflüssigkeit. Fig. 1 veranschaulicht eine solcher Art ein- 
gerichtete Waschvorrichtung von Keüling und llraun^ Crimmitschau. 

In gröfseren Fabriken reichen derartige Einrichtungen nicht aus und 
man benutzt dann besondere Waschmaschinen, welche gewöhnlich die 
Gestalt eines ovalen Bottichs von 2 zu 3 m Gröfse haben, in dessen Mitte 
ein Sockel steht, der das Getriebe für zwei gekröpfte Wellen trägt, durch 
welche zwei Gabeln in der Weise bewegt werden, dafs die im Bottich 
befindliche Wolle, Baumwolle o. dgl. eine umlaufende Bewegung in 
der Flotte ausführt. Der Bottich kann noch mit einem Abflufshahn und 
einem Zuflufs für Waschflüssigkeit ausgestattet sein. Die Fig. 2 und 3 
veranschaulichen eine derartige einfache Waschmaschine, welche sich 
noch bis auf den heutigen Tag erhalten und nur geringfügige Abände- 
rungen erfahren hat, von denen nur die von 6'. H. Weifsbach in Chem- 
nitz gemachte zu nennen sein dürfte. Diese besteht darin, dafs an Stelle 
der Gabeln ein Waschflügel das Untertauchen und Fortschieben der 
Gespinnstfasern bewirkt. 

Für das Bleichen von Faserstoffen u. s. w. hat die Aktiengesellschaft 
Brins-Oxyqen-Company, Limited in Canuaught Mansions (Westminster, 
England) ein neues Verfahren angegeben, welches durch das D. R. P. 
Kl. 8 Nr. 46811 vom 25. Mai 1888 geschützt ist und darauf hinausläuft, 
bei der Chlorbleiche die gleichzeitige Einwirkung von Sauerstoffgas in 
der Weise herbeizuführen, dafs man einen langsamen Strom von Sauer- 
stoffgas entweder unter das gasförmige Chlor sich mischen läfst oder in 
das aus gechlorten Bleichsalzen gebildete und das zu bleichende Gut ent- 
haltende Bad unter Umrühren einleitet. 

Der Sauerstoff betheiligt sich nach Angabe genannter Gesellschaft 
activ, indem beträchtliche Mengen davon aufgebraucht werden, was den 
Vortheil hat, dafs entweder die Einwirkungsdauer bedeutend gekürzt 
oder die Menge des Bleichmittels entsprechend vermindert werden kann 
und zwar um 30 bis 50 Proc. Das Verfahren läfst sich mit Chlorgas. 
mit Chlorkalk und mit anderen gechlorten Bleichsalzen ausführen. Im 
ersteren Fall leitet man den Sauerstoff entweder in die Bleichkammer 
bezieh, das Bleichgefäfs unter das gasförmige Chlor oder man führt es 
direct in den Chlorentwickler. Im letzteren Fall läfst man das Sauer- 
stoffgas unter möglichster Vertheilung in das aus Chlorkalk oder einem 
anderen gechlorten Bleichsalz bereitete Bad am zweckmäßigsten von 



Appreturraaschinen. 209 

unten her eintreten, so dafs eine möglichste innige Mischung stattfindet, 
während das Bleichgut in der Flüssigkeit untergetaucht ist und mit Un- 
beständig umgerührt wird oder während man das Bleichgut durch die 
Flotte zieht. Auch kann man das Gemisch von Chlor und Sauerstoff 
in ein in Bewegung befindliches Wasserbad leiten. 

Fig. 4 veranschaulicht einen Apparat zum Bleichen nach dem an- 
gegebenen Verfahren, a ist das das Bleichgut und die Flüssigkeit auf- 
nehmende Gefäfs; b eine auf den Umfang mit Vorsprüngen besetzte 
Walze, welche in der Pfeilrichtung x sich dreht, c ein das Aufrühren 
der Flüssigkeit bezieh, das Durchmischen beförderndes Hiudernifs. Der 
Sauerstoff wird durch das auf dem Boden des Bottichs parallel zur Rühr- 
walze b angeordnete, mit vielen Löchern durchbrochene Rohr d zuge- 
leitet, welches auch im Boden versenkt und von einem durchlöcherten 
Deckel e überdeckt sein kann. Das Gefäfs a kann geschlossen sein, um 
den noch freien Sauerstoff abzufangen. 

Das Färben von Gespinnstfasern geschieht in der einfachsten Weise 
dadurch, dafs man dieselben direct in den die Flotte enthaltenden Farb- 
kessel einführt und mit Hantirstangen unter die Farbflüssigkeit drückt 
und hierbei beachtet, dafs ein Anlegen der Fasern an den Wandungen, 
was ein Verfilzen zur Folge hat, nicht eintritt. Auch die beim Waschen 
der Gespinnstfasern in Anwendung befindlichen und im Eingang dieser 
Abhandlung beschriebenen Maschinen, bei welchen das Material in einen 
ovalen Bottich in Bewegung versetzt wird, können sehr wohl zum Färben 
loser Gespinnste gebraucht werden. Sowohl bei dem einen als auch 
bei dem anderen Hilfsmittel pflegt man die Farbstofflösung nicht mit 
einem Male zuzusetzen, sondern auf mehrere Male zu vertheileu und 
erreicht dadurch ein Arbeiten mit weniger starken Bädern und ein 
gleichmäfsigeres Angehen der Farbstoffe an die Fasern. 

Gustav Jagenburg in Rydboholm (Schweden) will nun die sich durch 
die directe Einführung der concentrirten Farbstofflösung ergebenden 
Mängel dadurch beseitigen, dafs er nach seinem durch das D. R. P. Kl. 8 
Nr. 40602 vom 6. Januar 1887 geschützten Verfahren die Farbstoff lösung 
zunächst mit der im Farbbottich befindlichen Flotte mischt und zwar 
aufserhalb des Bottichs und dann diesem in fein vertheiltem Zustand wie- 
der zuführt. Zur Ausführung dieses Verfahrens verwendet Jagenburg 
eine Centrifugalpumpe oder einen Strahlapparat, den er mit einer be- 
kannten Waschmaschine combinirt. Seine Erfindung liegt also nicht, 
wie die Monatschrift für Textilindustrie auf S. 548, Jahrgang 1888 sagt, 
in der Verwendung einer bekannten Waschmaschine, sondern in der 
besonderen Weise der Farbstoffzuführung. 

Die besondere Construction der ganzen Einrichtung ergibt sich aus 

den Fig. 5 bis 8, welche der Amerikanischen Patentschrift Nr. 386 985 

entnommen sind. Neben dem die Flotte enthaltenden und mit doppeltem 

Boden C und Flügel wellend ausgestatteten Behälter A ist eine Centri- 

Oingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 5. 1890/11. 14 



210 Appreturmaschinen. 

fugalpumpe B angeordnet, welche die Flotte unterhalb des Siebbodens C 
absaugt, und mit einem Zusatz versehen durch den Zerstäuber F wieder 
in den ßottig ^4 und zwar in fein vertheiltem Zustand zurückführt. Das 
Zuführen der concentrirten Farbstofflösuug erfolgt durch den Behälter £, 
der entweder mit dem Saugrohr der Pumpe, Fig. 5 und 6, oder dem 
Druckrohr derselben in Verbindung gebracht ist. Im ersten Fall erfolgt 
die Mischung der Flotte mit dem Zusatz in der Pumpe selbst, im letzten 
Fall dagegen in dem in das Druckrohr eingeschalteten mit einer Anzahl 
Sieben ausgestatteten Behälter (r, Fig. 7. 

Während die vorbesprochenen Vorrichtungen zum Färben der Wolle 
ii. b. w. eine fertige Farbstofflösung zur Sättigung der Flotte voraus- 
setzten, wird bei dem durch das D. R. P. Kl. 8 Nr. 38225 vom 27. Mai 
1886 geschützten und in den Fig. 9 bis 11 wiedergegebenen Färbe- 
apparat von Sam. Smithson in Bavensthorpe (County of York, England) 
die Flotte dadurch auf ihrem Sättigungspunkt erhalten, dafs sie im be- 
ständigen Kreislauf durch den eigentlichen Farbbottich selbst, wo sie 
Farbe abgibt und einen mit Farbholz oder einem anderen Farbstoff ge- 
füllten Raum, wo sie sich wieder sättigt, geführt wird. 

Der Färberaum J, Fig. 9 und 10, ist zur Erreichung dieses Ziele 
durch ein Rohr C mit einem Cylinder B verbunden, der oben und unten 
geschlossen, in seinem Innern mit Röhren D versehen ist, die durch die 
Böden des Cylinders dampfdicht hindurchgehen. 

Dieser Cylinder B dient als Heizcylinder; es wird ihm Dampf durch 
das Rohr iV, Fig. 10 und 11, zugeführt, während das Condensations- 
wasser und der überschüssige Dampf durch ein Rohr o abgeleitet werden, 
welches im Innern des Heizcylinders B nahe über dem Boden desselben 
endet und am Kopfe nach aufsen geführt ist. 

Wenn der Färbebottich mit Wasser gefüllt wird, so fliefst ein Theil 
desselben durch das Rohr C in die Siederöhren D hinein und steigt in 
demselben so lange, bis es auf gleicher Höhe mit dem Wasser in dem 
Bottich A ist. Alsdann läfst man durch das Dampfventil iV, Fig. 10 und 11, 
Dampf in B eintreten, wodurch das Wasser in den Röhren D erhitzt 
wird. Nachdem der Dampf eine kurze Zeit in dem Heizcylinder um 
die Siederöhren herum circulirt hat, fängt das Wasser in den Röhren D 
an zu sieden und steigt in Folge dessen in denselben auf einen höheren 
Spiegel als den des Färbebottichs und tritt nach Verlauf einiger Zeit aus 
den oberen Enden der Röhren D in einen Dom E über, Fig. 9, welcher 
oben auf dem Heizcylinder B befestigt ist. Aus dem Dom E fliefst das 
Wasser durch ein Ablaufrohr F in einen der Räume K eines zum Aus- 
laugen des Farbholzes oder anderen Farbmaterials bestimmten Behälters. 
Dieser ist, wie aus Fig. 9 und 10 ersichtlich, aufserhalb des Bottichs A 
angebracht und durch eine bis auf den Boden gehende Scheidewand K { 
in zwei Hälften getheilt, von denen jede wiederum durch eine, aber 
nicht bis auf den Boden reichende Scheidewand Ä> in die Räume K 



Appreturmaschinen. 211 

und H getheilt ist. Die Räume H sind in einiger Entfernung vom Boden 
mit Siebböden J versehen, auf welche das auszulaugende Farbholz u. s. w. 
aufgeschichtet ist. Die Räume unter den Siebböden J stehen mit den 
Räumen K unterhalb K 2 in directer Verbindung. Jeder der Räume H 
besitzt ein Ueberlaufrohr L bezieh, itf, von denen letzteres unterhalb 
des Auslaugebehälters in L einmündet, das seinerseits mit dem unteren 
Theil des Färbebottichs A in Verbindung steht. 

Der Auslaufstutzen F des Domes E des Heizcjlinders B hat zwei 
Ausflufsöffnungen G, von denen immer die eine durch einen Stöpsel ver- 
schlossen ist, während die andere offen ist. Beide Ausflufsöffnungen 
sind so angeordnet, dafs sie gerade über den Räumen KK des Aus- 
laugebehälters liegen. 

Das aus der einen Oeffnung G austretende kochende Wasser fliefst 
in den zugehörigen Raum K und unterhalb des zugehörigen Siebbodens 7. 
Nachdem das Wasser den Siebboden / erreicht hat, steigt es durch die 
Löcher desselben in der Kammer H nach oben, kommt hierbei mit dem 
auf dem Siebboden aufgeschichteten Farbholz in Berührung und entzieht 
demselben den löslichen Farbstoff. Das auf diese Weise mit dem auf- 
gelösten Farbstoff geschwängerte Wasser steigt in der Kammer H so 
weit in die Höhe, bis es den oberen Rand des Ueberlaufrohres L bezieh. 
M erreicht hat, und läuft schliefslich durch das letztere in den Färbe- 
bottich A zurück. Die Höhe des Ueberlaufrohres L bezieh. M ist so 
zu bemessen, dafs die von dem aufsteigenden Wasser mitgerissenen 
Theilchen des Farbholzes durch ihr Gewicht wieder nach unten sinken 
müssen, ehe der Abflufs der gewonnenen Farbflotte stattfindet. 

Durch Regulirung der Menge des heifsen Wassers, welches durch 
das Auslaugegefäfs geleitet wird, kann die Stärke der Farbflotte in dem 
Bottich A auf einem gleichen Grad erhalten werden. 

Jedes der beiden Ueberlaufrohre L und M kann vermittels eines 
hölzernen Stöpsels verschlossen werden; es mufs zur Zeit immer das- 
jenige Ueberlaufrohr verschlossen bleiben, welches zu dem nicht in Be- 
trieb genommenen Auslaugegefäfs gehört. Durch die doppelte Anord- 
nung der Auslaugeräume B und Räume K erreicht man, dafs immer 
einer derselben in Thätigkeit ist; während der andere gereinigt und frisch 
beschickt wird. 

Die Reinigung der Auslaugeräume H geschieht durch die Mannlöcher 
und die mit Stöpseln verschlossenen Stutzen Ä, Fig. 10 und 11. 

Der überschüssige Dampf und das Condensationswasser können aus B 
nach Bedarf durch eines der beiden Rohre P, Fig. 10 und 11, in den 
Raum unter dem Siebboden / der Auslaugegefäfse eingeleitet werden, 
um das aus dem Heizcylinder B kommende Wasser noch weiter zu er- 
hitzen, bevor es zu dem Farbholz gelangt. Der überschüssige Dampf 
kann auch durch das Rohr 5, Fig. 10 und 11, iu das in dem Färbe- 
bottich enthaltene Wasser eingeführt werden. 



212 Appreturmaschinen. 

Der Heizcylinder B kann auch so eingerichtet sein, dafs der zum 
Erhitzen des Wassers dienende Dampf nicht um die Siederühren herum, 
sondern durch dieselben hindurchgeleitet wird. 

An die Behandlung der Rohstoffe schliefst sich diejenige der Vor- 
gespinnste und Garne an. Die in diesem Kapitel zu betrachtenden Ein- 
richtungen sind, soweit sie das Färben der Garne betreffen, ausschliefs- 
lich Färbemaschinen für sogenannte offene Garne, d. h. Garnsträhne 
bezieh. Garne im Strang. 

Das zu behandelnde Material wird entweder einfach in die Flotte 
eingeführt oder es erfährt in derselben gleichzeitig noch eine Bewegung, 
um die Fasern zu lockern und somit der Farbflüssigkeit freieren Zugang 
zu denselben zu verschaffen. Der erste Fall findet z. B. Anwendung 
bei der Herstellung sogenannter geflammter Garne, der zweite dagegen 
dann, wenn es sich um eine gleichmäfsige Ausfärbung handelt. 

Die Anfertigung geflammter Garne erfolgte bisher entweder mittels 
des Drückens oder durch das Färben. Das Druckverfahren, obgleich 
es seit längerer Zeit in Anwendung ist, hat verschiedene Mängel, welche 
in folgendem etwas näher angegeben werden sollen. 

Die Verdickungsmittel, welche man unbedingt der Farbe zuführen 
mufs, um sie zum Drucken geeignet zu machen, bleiben in der Faser 
und nehmen derselben die ihr innewohnende Elasticität. In Folge dessen 
erhärtet die Faser und verliert ihre Eigenschaft, beim Spinnen geschmeidig 
zu bleiben, auch ist ein Probenehmen der Farben ungenau und das Ver- 
dampfen bei höherer Temperatur, welches das Drucken beendigen mufs, 
macht die Fasern brüchig. 

Die Gewebe, welche mit flammirt gedruckten Fäden hergestellt sind, 
können deshalb nicht verfilzt werden, ohne dafs eine mehr oder weniger 
starke Entfärbung stattfindet, wodurch wieder eine Herstellung genau 
nach Muster unmöglich wird. 

Aufserdem hat das Drucken noch den Uebelstand, dafs die Färbung 
an der Oberfläche eine dunklere als im Inneren der Faser ist, da die 
Farbe schwer in das Garn eindringt, auch erhält man beim Drucken 
keine reinen Farbränder. 

Diese angegebenen geschilderten Uebelstände sollten durch das Ver- 
fahren des Chinirens durch Farbbäder gehoben werden. Dieses Verfahren 
besteht darin, dafs die Fäden durch einen Apparat zwischen besonders 
gestaltete, mit geradlinigen oder krummlinigen Erhöhungen versehene 
Rahmen gespannt werden, welche gewisse bestimmte Theile der Garn- 
fäden bedecken, und dafs diese Rahmen durch eine Presse zusammen- 
gepreßt werden, so dafs beim nachfolgenden Eintauchen der zu einem 
Packet vereinigten Schutzrahmen mit den Garnen diejenigen Stellen von 
der Flotte nicht beeinflufst werden, welche von den Erhöhungen der 
Schutzrahmen gehalten sind. 

Die nach diesem Verfahren chinirten Garne sind fest, schön, voll- 



Appreturmaschinen. 213 

kommen rein und bewahren ihre natürliche Festigkeit und Elasticität, 
sie färben nicht ab und können allen Spinn- und Walkoperationen unter- 
worfen werden, ohne dafs sie sich schwer verarbeiten lassen. 

Die in den Fig. 12 bis 17 dargestellte und durch das D. R. P. Kl. 8 
Nr. 49027 vom 20. November 1888 geschützte Maschine von Edmond 
Lepainteur und der Societe Grulois und De'pres in Roubaix (Dep. du 
Nord, Frankreich) soll nun die beim Chiniren im Farbbade verwendeten 
Rahmen packetiren. Dieselben sind zu diesem Zweck zu beiden Seiten 
der Maschine in Ständern aufgeschichtet. 

Beim Bewegen des Balanciers in der einen Richtung zieht derselbe 
einen Rahmen aus dem einen Ständer hervor und befördert denselben 
auf die Prefsplatte, und gleichzeitig legt er auf den darunter befindlichen, 
schon auf der Prefsplatte liegenden Rahmen eine Lage der zu färbenden 
Fäden, so dafs diese durch den neuen Rahmen überdeckt werden. Beim 
Zurückgehen des Balanciers werden über den zuletzt gelegten Rahmen 
die Fäden gelegt und von dem anderen Ständer der Maschine ein Rahmen 
über diese gezogen. Um das Auflegen des Rahmen zu erleichtern, ist 
es nöthig, dafs die Prefsplatten bei jedem Hin- und Hergang des Balan- 
ciers um eine gewisse Strecke nach abwärts bewegt werden. Wenn 
eine genügende Anzahl Rahmen mit dazwischen liegenden Auszügen 
auf einander geschichtet sind, so wird der oberste Rahmen durch einen 
Deckel überdeckt und die Prefsplatte durch eine besondere mechanische 
Vorrichtung in die Höhe bewegt, so dafs die Fäden und Rahmen zu- 
sammengeprefst werden, und hierauf Prefsplatten und Deckel durch 
Kettenschrauben und ähnliche Vorrichtungen fest mit einander verbunden. 

Das so gebildete Packet ist jetzt bereit, in das Farbbassin einge- 
legt zu werden. 

Die einzelnen Theile der Maschine haben folgende Specialeinrichtung: 

Die Schutzrahmen B dienen dazu, die Theile der zu chinirenden 
Fasern oder Garne gegen die Einwirkung der Farbe im Bad zu schützen. 
Sie sind aus kleinen Leisten von irgend welchem Material zusammen- 
gesetzt und derart ausgeführt, dafs sie genau die gewünschten Zwischen- 
räume einnehmen und behalten, sowie beim Uebereinanderlegen sich 
genau decken, ohne sich durchzubiegen oder sich im Farbebad zu ver- 
ziehen. Man gibt diesen Leisten passende Dimensionen; sie werden auf 
die gewünschte Entfernung entweder mittels kleiner Metallstifte, die an 
ein Gerippe bildenden Stäben angebracht sind, oder durch mit Gewinde 
versehene Stangen, welche in der gewünschten Entfernung in die Leisten 
eingeschraubt sind, eingestellt. 

Es kann für diese Leisten Holz jeglicher Art entweder in natür- 
lichem Zustande oder nachdem es besonders bearbeitet worden, verwendet 
werden, welche Bearbeitung sich darauf erstrecken mufs, die vorhandene 
Gerbsäure und das Harz zu entfernen, die Leisten zu dichten und ihnen 
die für ihre Verwendung besseren Eigenschaften zu geben. Natürlicher 



214 Appreturmaschinen. 

vulkanisirter oder gehärteter Kautschuk, Hartgummi, Holz, Carton, Lino- 
leum, Celluloid, dichtes Gewebe oder irgend welche geeignete Materia- 
lien können für diese Leisten mit Erfolg in Anwendung gebracht werden. 

Man kann die vertieften und erhöhten Stellen der Leisten auch 
durch Schmieden derselben oder Giefsen von Platten herstellen und die 
erhöhten Stellen können irgend welches beliebige geradlinige oder krumm- 
linige Dessin bilden. Man kann auf solche Weise neue Muster für die 
Industrie erzeugen. An Stelle der in der beschriebenen Weise zusammen- 
gefügten Leisten kann man auch Blätter benutzen, welche Vertiefungen 
jeglicher Theilung enthalten. Diese Blätter können ebensowohl auf 
mechanischem Wege, als wie durch Formen, und aus jedem beliebigen 
Material, welches den gewünschten Zweck erfüllt, hergerichtet sein. 
Man kann schliefslich auch durch Wahl runder Leisten Schattirungen 
(allmähliche Farbenübergänge) hervorrufen. 

Die Gitter oder Ständer für die Schutzrahmen B bestehen aus den 
Ständern C\ welche auf dem Tisch D des Apparates befestigt und sym- 
metrisch auf beiden Seiten der Presse angeordnet sind. Sie haben den 
Zweck, die Schutzrahmen an ihrem Platze zu halten, welche in ihnen 
in mehr oder weniger grofser Anzahl aufgestapelt sind. Den Boden 
eines jeden Gitters bildet eine Art Schieber, der aus zwei Stangen E £, 
die in eine Nase F mit daran befindlichem Anschlagtheil I auslaufen, 
gebildet ist. Diese beiden Schieber oder beweglichen Böden hängen 
mit einander zusammen und tragen auf jeder Stange eine Coulisse £, 
in welche Zapfen o an dem Balancier N eingreifen. Hierdurch wird er- 
möglicht, dafs bei jeder Umdrehung ein Rahmen aus den Gittern genommen 
und auf die Platte der Presse P befördert wird. Die Endtheile 1 halten 
die höher liegenden Rahmen auf ihrem Platze in den Gittern C, während 
die Schieber E die darunter liegenden hervorziehen. 

Dies ist in folgender Weise erreicht. Die Endtheile I der Stangen E 
sind ungefähr doppelt so lang, als die Gröfse der Rahmen B beträgt, die 
Nasen F liegen nach einwärts. Der weitere Raum zwischen den paral- 
lelen Stangen vor den Nasen ist gleich der Breite eines Rahmens B. 
dagegen ist die Entfernung der Endtheile I von einander hinter den 
Nasen F geringer als die Breite des Rahmens. 

Die Stangen gleiten auf dem Tisch der Maschine beim Bewegen 
des Balanciers hin und her. Wenn nun einer der Schieber aus dem 
einen mit Rahmen B gefüllten Gitter C einen Rahmen B erfafst und 
nach der Presse zieht, so legen sich die Endtheile / unter den untersten 
Rahmen und verhindern denselben, herabzufallen. Wenn hierauf der 
Schieber wieder zurückgeht, so gleiten die Stangen E unter die aufge- 
häuften Rahmen, und wenn schliefslich der Schieber so weit wieder 
zurückgegangen ist, dafs die Nasen hinter dem untersten Rahmen liegen, 
so fällt dieser in den Raum zwischen den Stangen E und kann auf die 
beschriebene Weise auf die Presse siefördert werden. 



Appreturmascbinen. 215 

Der Balancier zum Einlegen der Rahmen und Vertheilen der Fäden 
besteht aus zwei Metallstangen E E. Er ist mit einem seiner beiden 
Enden auf einer Welle L befestigt, welche in Lagern auf den Säulen M 
ruht. Ungefähr in der Mitte seiner Länge besitzt er die Traverse iV, 
welche die beiden Balancierstangen mit einander verbindet. Jedes Ende 
des Balanciers trägt einen Zapfen, welcher in die Coulissen G an den 
Schiebern eingreift und ihnen eine hin- und hergehende Bewegung er- 
theilt. Die beiden senkrechten Coulissen G G tragen ein Theillineal 0, 
welches die zu chinirenden Fäden führt und gleichmäfsig vertheilt. Bei 
jeder einfachen Bewegung des Balanciers wird ein Auszug der Garne 
oder auch Vorgespinnste auf die bereits auf der Prefsplatte liegenden 
Rahmen vermittelst der Schieber und ein Rahmen auf den Prefstisch 
befördert. Am Ende der Bewegung der Schieber E wird der Tisch der 
Prefsplatte um die Stärke eines Rahmens nach abwärts bewegt, um 
Platz für einen neuen Rahmen zu schaffen. Zu diesem Zwecke werden 
abwechselnd die beiden Sperrklinken V V aus dem Sperrzahn ausge- 
hoben, wodurch der Prefstisch durch Vermittelung der Welle 5, der 
Räder R und der Zahnstangen Q infolge seines Eigengewichtes abwärts 
geht; hierbei ist die Kupplung T ausgekuppelt. 

Der Balancier empfängt seine Bewegung von einer Riemscheibe 
oder Kurbel. Ein auf der schwingenden Welle L befestigter Hebel steht 
durch eine Verbindungsstange mit der Kurbel auf der Antriebswelle in 
Verbindung und ertheilt dem Balancier die erforderliche beschriebene 
Hin- und Herbewegung. 

Die Presse, deren Tisch zur Aufnahme der Prefsplatte P ausge- 
schnitten ist, ist in der Mitte der Maschine angeordnet. Die bewegliche 
Prefsplatte P ist an zwei Zahnstangen Q montirt, die ihre Bewegung 
mittels der Zahnräder R R auf der Welle S empfangen. Die Welle S 
geht durch die ganze Maschine hindurch. Sie besteht aus zwei Theilen, 
welche mit einander durch die Kuppelung T vereinigt werden, wenn 
der Kuppelungshebel T { die beiden Kuppelungshälften vereinigt. Es kann 
dann die Prefsplatte von den Riemscheiben W W { aus oder mittels eines 
Handrades und der Schneckenübersetzung X X { gehoben und können da- 
durch die Rahmen B mit zwischenliegendem Material zusammengedrückt 
werden. Am anderen Ende trägt die Welle das Sperrad Z7, in welches 
die beiden Klinken V Y { greifen. Durch die Vorrichtung VVV { wird 
das Herabgehen der Prefsplatte mit dem zunehmenden Beladen derselben 
mit Schutzrahmen erreicht. 

Um ein abwechselndes Ausklinken der Sperrklinken V V { aus dem 
Sperrrad U zu erreichen, besitzt die eine der Anschlagstangen I zwei 
Anschläge, welche zwischen den beiden freien Klinkenenden hindurch- 
gehen und diese bei ihrem Bewegen abwechselnd aus dem Sperrrad V 
ausheben, wenn die Schieber am Ende ihrer Hubbewegung angelangt 
sind. Statt der dargestellten Prefsvorrichtung (Zahnräder R und Zahn- 



216 Gollner, über Dampfkessel. 

Stangen Q) kann auch jede beliebige andere Prefsvorrichtung, eine Dampf- 
oder eine hydraulische Presse in Anwendung gebracht werden. Wenn 
das Aufnahmegefäfs angefüllt ist, so befindet sich die Prefsplatte in ihrer 
tiefsten Lage und der obere Theil des Packetes liegt mit dem Maschinen- 
tisch in gleicher Ebene. Es wird dann eine zweite Platte auf dem Tisch 
der Maschine befestigt, welche die Oeffnuug in dem Tisch oberhalb der 
Rahmen fest verschliefst, und dann die Kuppelung T eingerückt und 
mittels der Uebersetzung W W\ X X l die Prefsplatte P in die Höhe 
bewegt. Hierdurch wird das Packet zusammengeprefst. Das Packet 
wird nun fest zusammengeschnürt, was dadurch erfolgt, dafs zwei Deckel 
von Holz oder Metall, die mit Haken versehen sind, über das Packet 
gelegt und mit einander verbunden werden, oder dafs das Packet mit 
Schnüren, kleinen Ketten oder Drahtseilen zusammengezogen wird. 

Das Packet ist jetzt fertig, um in das Farbbad eingelegt zu werden; 
was in der erwähnten Weise geschieht. Nach dem Färben wird das 
Packet in Wasser oder Lauge ausgewaschen und sodann aufgemacht, 
um die gefärbten Faserbänder entfernen und trocknen zu können. 

Statt des abwechselnden Uebereinanderlegens des zu färbenden 
Materials und der Rahmen kann man das erstere auch um einen Rahmen 
wickeln und diese mit der Hand in den Aufnahmeraum einlegen und 
darüber einen leeren Rahmen legen oder aber man kann die umwickelten 
Rahmen auf der einen Seite, die nicht umwickelten auf der anderen 
Seite der Maschine anordnen. Wenn man dann dem Balancier die hin- 
und hergehende Bewegung ertheilt, so ergibt sich, dafs abwechselnd ein 
umwickelter und ein nicht umwickelter Rahmen über einander gelegt 
werden. 

Zu denjenigen Färbmaschinen, bei welchen das Material nicht nur 
in die Flotte eingesenkt, sondern in derselben gleichzeitig noch be- 
wegt wird, gehören in erster Linie diejenigen, bei denen das Garn in 
Form von Strähnen über in einem Rahmen geeignet angeordnete Träger 
gespannt und mit diesen einer Schwingbewegung unterworfen wird. 
Die hierher zu rechnenden Einrichtungen haben in constructiver Hinsicht 
eine vielseitige Ausbildung erfahren und sollen nur einige derselben 
einer näheren Betrachtung unterzogen werden. 

(Fortsetzung folgt.) 



Ueber Dampfkessel; von Prof. H. Gollner in Prag. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 163 d. Bd.") 

Bei Feststellung der Dimensionen der Dampfkesselnietungen soll 
auf die unvermeidliche Verschwächung der Kesselbleche in Folge der 
Corrosion, mechanischen Reinigung und durch den Einflufs der Heiz- 



Gollner, über Dampfkessel. 217 

gase Rücksicht genommen werden. Die Nietung ist für eine schätzungs- 
weise etwas vergröfserte Blechstärke zu construiren, so dafs für die 

d~ 7i 
neue Nietung das Verhältnifs (t — d) d : —^ entsprechend vergröfsert 

erscheint. Diese Vergröfserung ist derart zu wählen, dafs sich nach 
eingetretenem Verschleifse des Bleches die günstigsten Festigkeitsver- 
hältnisse für die Nietung ergeben. 

Aus den Versuchen von Kennedy geht auch die Wichtigkeit der 
Anwendung größtmöglicher Nietbolzen mit kräftig entwickelten Enden 
und Köpfen hervor, deren Grenzdimensionen durch die Nietmethode 
(Hand- und Maschinen-Nietung) gegeben sind. 

Die eben skizzirten Ergebnisse der Versuche mit ausgeführten 
Nietungen setzen voraus, dafs die Nietlöcher durch Bohren hergestellt 
sind und dafs für die verwendeten weichen Stahlbleche (Flufseisen) 
ein specifischer Auflagedruck für die Nietlochleibung p m ax at = 6500 
eintreten dürfe. 

Unwin bemifst diesen specifischen Stauchdruck für Schweifseisen- 
bleche mit p m ax at = 6300, während Gerber unter gleichen Verhältnissen 
den Grenzwerth p at = 2500 ermittelt. Nach einschlägigen Versuchen 
von Tetmajer wird die sogen. Quetsch- oder Stauchgrenze für Schweifs- 
und Flufseisenbleche durchschnittlich bei p at = 2500 erreicht, daher 
auch die mittlere Pressung gegen die Nietloehleibung bei normalen Niet- 
materialien den Werth von 2500 at nicht überschreiten soll. 

Auf die Constructionsverhältnisse der Nietung hat aber nicht nur 
der zulässige mittlere specifische Druck /) at , sondern auch die Festigkeit 
des Bleches und des Nietmateriales in der Verbindung selbst einen mafs- 
gebenden Einflufs. 

Die Festigkeit des Bleches wird durch die Lochungsmethode für die 
Nietlöcher abgeändert und es ist wesentlich, den Einflufs der Lochungs- 
methode festzustellen, weil die Festigkeit des gelochten Bleches für die 
Festigkeit der ganzen Nietverbindung mafsgebend ist. 

Für Schweifseisenbleche liegen diesbezüglich zahlreiche Versuchs- 
ergebnisse nach Tetmajer, Unwin, ßarba, Tresca u. A. vor, welche er- 
kennen lassen, dafs: 

1) das Schweifseisenblech durch Stanzen an Festigkeit verliert; 
der Festigkeitsverlust nimmt zu mit der Naturhärte des Materiales, 
ebenso mit abnehmender Qualität (Gleichartigkeit) desselben, ferner 
mit zunehmender Blechstärke und endlich mit abnehmendem Werthe 
des Verhältnisses (d : S); für d = S erreicht für bestes Schweifseisen- 
blech der Festigkeitsverlust 20 Proc; 

2) der procentische Festigkeitsverlust des Schweifseisens durch 
Stanzen mit d wächst und auch von dem Werthe des Verhältnisses / : d 
abhängig ist, wenn / die Länge der Lochnaht bezeichnet. Für d = (Jonst., 
nimmt der Festigkeitsverlust mit wachsendem Abstände der Löcher zu. 



218 Gollner, über Dampfkessel. 

Das Flufseisenblech ist gegen den Einflufs des Stanzens wesentlich 
empfindlicher und sind die Festigkeitsänderungen regelmässig. 
Versuche bestätigen, dafs: 

3) das Schweifseisenblech durch das Stanzen am Lochumfange zu- 
sammengedrückt und daher spröde wird, daher auch daselbst reifsen 
mufs, bevor die mittlere Zugfestigkeit des Materiales erreicht ist 5 

4) durch Ausglühen gestanzter Bleche der Festigkeitsverlust ent- 
weder ganz oder theilweise aufgehoben werden kann; durch dieses 
Glühen kann ein Gewinn an Festigkeit um 10 bis 15 Proc. erreicht 
werden, desgleichen durch Ausreiben der gestanzten Löcher; 

5) durch das Bohren der Löcher kein nachweisbarer Festigkeits- 
verlust des Schweifseisenbleches entsteht ; gebohrte Lamellen zeigen im 
bestehenden Materialstege (zwischen den Löchern) durchschnittlich eine 
Sprocentige Festigkeitserhöhung; durch Ausglühen der gebohrten Schweifs- 
eisenbleche kann eine weitere Steigerung der Festigkeit erzielt werden; 
der Gewinn beträgt etwa bis 10 Proc; das Ausreiben der gebohrten 
Löcher ist ohne Nutzen, das Ausfeilen derselben für die Erhöhung der 
Festigkeit vortheilhaft. 

Der specifische Auflagedruck p ;lt , die effeetiv zulässige Inanspruch- 
nahme /t s ;it des Nietmateriales in gestanzten und gebohrten Nietlöchern 
haben einen mafsgebenden Einflufs für die Gröfse (d cm ) als Nietloch- 
weite, welche für d' in cm gewählt wird: 

für Ueberplattungs-Nietungen d = yhS — cm ,2 
„ Ueberlaschungs- „ d = y^Ö — cm ,5. 

Tetmajer entwickelt in seiner Baumechanik (IL Theil, 1. Hälfte) 
auf Gruud direkter Festigkeitsversuche, unter Beachtung der Festigkeits- 
änderungen der nach verschiedenen Lochungsmethoden für die Nietung 
vorbereiteten Bleche aus Schweifs- und Flufseisen, sowie der effectiven 
zulässigen Inanspruchnahme der verschiedenen Nietmaterialien, die 
Beziehung zwischen den Hauptgröfsen der ein- und mehrfachen Ueber- 
lappungs- und Ueberlaschungs-Nietungen für Dampfkessel und zwar f, 
rf, § unter Benutzung einer aus den Versuchen abgeleiteten Erfahrungs- 
zahl ?/, welche eine Function der Zugfestigkeit und der Scherfestigkeit 
für Blech und Niet in der Nietverbindung und der Art der Vernietung 
selbst ist, und findet die allgemeine Formel: 

-f- d und für den Wirkungsgrad 



ft — d\ 
der Nietung allgemein : cp = fi . I — - — J. 



Die Werthe von rj für Dampfkessel-Nietungen aus Schweifseisen 
und Flufseisen (für Blech und Niet bei gleicher Sicherheit für beide) 
sind aus folgender Tabelle zu ersehen: 



Gollner, über Dampfkessel. 



219 







Art der 


Lochim 


g 


Art der Vernietung 


OB 


'gestanzt und 

ausgerieben 

odergebohrt 

Bänder 

stumpf 


o 


c 

CO 

6ß 


gestanzt und 

ausgerieben 

odergebohrt 

Ränder 

stumpf 


c 

-C 
4) 

or. 




Blech und Niet aus 
Schweifseisen 


Blech und Niet aus 
Flufseisen 


Einfache Ueberlappungs- 

Zweifache Ueberlappungs- 

Nietung mit versetzten Nieten 
Einfache Laschen-Nietung . 
Zweifache Laschen-Nietung 


0,94 

1,80 
1,69 
3,38 


0,82 

1,51 
1,40 

2,80 


0,78 

1,44 
1,33 
2,66 


— 


0,76 

1,44 
1,39 

2,78 


0,73 

1,37 
1.33 
2,66 



Die Erfahrungszahl fi zur Berechnung des Wirkungsgrades g; einer 
Vernietung nimmt nach Tetmajefs Ermittelungen für die Hauptformen 
der Dampfkessel-Nietungen mit besonderer Rücksichtnahme auf die Art 
des Blechmateriales die in der folgenden Tabelle zusammengestellten 
Werthe an, an welche noch zwei Gröfsen angeschlossen seien, welche 
für die sachgemäfse Ausführung der verschiedenen Vernietungen von 
Wichtigkeit sind und sich beziehen a) auf den sogen. Randabstand («?) 
der Nieten d. i. die Entfernung des Nietbolzen-Mittels vom Blechrande 
und b) auf die Entfernung der Reihen einer zweifachen Vernietung, 
welche mit (e') bezeichnet sei. 





s 


Schweil'seisen 


Flufseisen 


Art der Vernietung 


Löcher ge- 
stanzt 


Löcher ge- 
stanzt und 
austrieben 
odergebohrt 


i 

. N 

|| 

ü 'S 

:0 


Löcher ge- 
stanzt und 
ausgerieben 
oder gebohrt 


Einfache Ueberlappungs- 
Nietung 


u 0,77 
e 2,0 d 


0,88 
2,0 d 


2,0 d 


1,00 
2,0 d 


Einfache Laschen-Nietung 


u 
e 


0,85 
2,0 d 


1,03 
2,0 d 


— 1,10 
2,0 d 2,0 d 


Doppelte Ueberlappungs- ll -[Cd 
Nietung mit versetzten Nieten , „V- , 


0,95 
1,5 d 
0,50* 


1,6 d 


1,06 
1,5 d 
0,5* 


Doppelte Laschen-Nietung 
mit versetzten Nieten 

1 


e 


0,85 
1,6 d 
0,55« 


1,03 
1,5 d 
0,50« 


1,6 d 


1,10 
1,5 d 
0,5 t 



Anmerkung: 
„Für eine einfache Ueberlappungs-Nietung, für welche Blech und 
Niet aus Flufseisen vorausgesetzt ist, wobei Ä s at = 4340 und A s nt = 3720 
angenommen sei, würden sich nach der bisher üblichen Theorie der 
Dampfkessel-Nietungen unter der Annahme, dafs k s = k z sei, dafs d = 
10 mm und d:S = 2 gesetzt sei, folgende Resultate ergeben, welchen 
jene nach den Versuchen von Kennedy, sowie nach den Ermittelungen 
und Angaben von Tetmajer angeschlossen seien: 



220 



Saintignon's Differentialpyrometer mit Wassercirculation. 



Daten: 


Theorie 


Kennedy 


Tetmajer 


S 


10.0 


10.0 


10.0 


d 


20,0 


22,8 


20.3 


d 


2.00 


2,28 


2,03 


t 


5.14 


5,38 


4.90 


'P 


0.611 


0.629 


0.590 


y — d)s 








&n 


1,000 


0,6 ( Ji) 


0,913 


4 








- D l 


0,637 


0.591 




( l \ - 


0.690 


(d)- 1 









Der Werth * in vorletzter Colonne bezeichnet das Verhältnifs des 
für die Niettheilung t sich ergebenden Blech- und Nietquerschnittes, 
der Werth ** der letzten Colonne das relative Mals der Dichtungs- 
fähigkeit der Nietung; es wird D = d:{t — d) oder D = l:(-j— 11 

und wird dieser Werth D für t = d, d.h. bei vollständigem Schlüsse 
der Nietfuge durch die Nietbolzen selbst, (Grenzfall): D = go. u 

(Schlufs folgt.) 



F. de Saintignon's Differentialpyrometer mit Wasser- 
circulation. 

Mit Abbildung. 

Die seither gebräuchlichen Thermometer und Pyrometer beruhen 
auf physikalischen und chemischen, durch direkte Einwirkung der Wärme 
auf die Körper hervorgerufenen Erscheinungen: das Quecksilberther- 
mometer, das Metall- und Luftpyrometer auf der Ausdehnung, Wedge- 
wood'a Pyrometer auf der Eigenschaft des Thons, sich durch die 
Hitze zusammenzuziehen, Lamy^s Pyrometer auf der Dissociation des 
kohlensauren Kalks, Becquerel'a Platinpalladium-Pyrometer auf der Ent- 
stehung thermo-elektrischer Ströme u. s. w. Aber alle diese Instrumente 
erfüllen nur annähernd ihren Zweck, weil eben kein Körper dem 
störenden Einflüsse der Wärme auf seine innere molekulare Beschaffen- 
heit, auf seinen Aggregatszustand widerstehen kann; und dieses ist der 
Grund, warum es seither an einem vollkommen befriedigenden Pyro- 
meter gefehlt hat. Der Techniker steht daher bei der Untersuchung 
hoher Temperaturen vor dem scheinbar unlöslichen Probleme: in einen 
sehr heifsen Raum ein Pyrometer zu senken, welches einen hohen 
Wärmegrad ohne jenen störenden Einflufs verträgt. 



Saintignon's Differentialpyrometer mit Wassercirculation. 221 

Wenn sich ein Mittel fände, das Pyrometer unter gleichen übrigen 
Umständen in einer niedrigeren Temperatur als die des heifsen Raums, 
in welchen es getaucht ist, zu erhalten und auf diese Weise dem 
schädlichen Einflüsse einer übermäfsigen Wärme zu entziehen, so wäre 
jene Schwierigkeit beseitigt, weil zur Bestimmung der wahren Tem- 
peratur die relativen Angaben des Instrumentes hinreichen würden. 
Ein solches Resultat wäre um so werthvoller, da alsdann der beste 
unter den bekannten Wärmemessern, das Quecksilberthermometer, die 
Stelle des Pyrometers vertreten könnte. Angenommen, man habe ein 
mit Wasser gefülltes Metallgefäfs, worin sich ein Quecksilberthermo- 
meter befindet, in den heifsen Raum gebracht, und ein gleichmäfsiger 
Wasserstrom von bestimmter Temperatur erneuere beständig dieses 
Wasser, ohne dafs eine Verdampfung zu befürchten ist, so wird das 
Thermometer die Temperatur des betreffenden Raumes in relativem 
Sinne ausdrücken. Man könnte dasselbe aber ebenso gut auch aufser- 
halb des Ofens in dem zurückfliefsenden Strome anbringen, dessen 
Temperatur genau dieselbe ist, wie in dem besagten Gefäfs. Dieses 
ist der leitende Gedanke, welcher Saintignotis Differentialpyrometer zu 
Grunde liegt. Bei nachstehender Beschreibung beziehen wir uns auf 
den im Genie civil, 1889 S. 327, enthaltenen Bericht. Umstehende Figur 
dient zur Veranschaulichung des in Rede stehenden Apparates, welcher 
unter Anderem seit mehreren Jahren in der nationalen Manufactur des 
Sevres-Porcellans in Gebrauch ist und in Porcellan-, Fayence- und Glas- 
fabriken überhaupt, sowie beim Hochofenbetrieb u. s. w. vorteilhafte 
Anwendung finden soll. 

Das der inneren Ofenhitze direkt ausgesetzte Organ ist ein kleiner, 
wenige Centimeter langer, dünnwandiger, an seinem Ende geschlossener 
kupferner Hohlcylinder 2s, von dem zwei dünne Kupferröhren sich nach 
Aufsen erstrecken. Im Ofenraume selbst sind diese Röhren von einem 
metallenen Mantel S umgeben, auf den wir weiter unten zurückkommen 
werden; aufserhalb des Ofens schliefsen sie sich an die Kautschuk- 
röhren D l und H u wovon die erstere dem Cy linder E kaltes Wasser 
aus dem Glasgefäfs D zuführt, die letztere das zurückströmende warme 
Wasser in ein zweites Glasgefäfs H leitet. In jedem dieser Gläser 
befindet sich ein Quecksilberthermometer, um die Temperaturen beider 
Wasserströme zu jeder Zeit bequem ablesen zu können. Von dem 
Reservoir A, dessen Wasserspiegel mittels eines Ueberfallrohres oder 
Schwimmerhahnes auf constanter Höhe erhalten wird, nimmt das kalte 
Wasser seinen Weg nach dem Cylinder E zunächst durch ein mit 
Kohle, Filz oder Cellulose gefülltes Filter /?, worin die dem Wasser 
etwa beigemengten Unreinigkeiten zurückgehalten werden. Von da 
fliefst es durch den Hahn C nach dem Thermometer D und durch die 
Kautschukröhre D i nach jE, nimmt dann erwärmt seinen Rückweg 
durch die Kautschukröhre H { nach dem Thermometer 27, von diesem 



222 



Saintignon's Differentialpyrometer mit Wassercirculation. 



nach dem Manometer J, und findet schliefslich durch den Hahn K 
seinen Abflufs. Der aus dem Stande beider Thermometer sich er- 
gebende Wärmeunterschied zwischen dem warmen und dem kalten 




Wasser ist der relative Ausdruck der gesuchten Temperatur. Der 
neueste in der Raffinerie Say eingeführte Apparat verzeichnet auf der 
Trommel P des registrirenden Thermometers der Gebrüder Richard (vgl. 
D.p.J. 1883 247*487) die pyrometrische Curve als Funktion der Zeit. 
Ueber die Art der Verbindung dieses Instrumentes mit dem Pyrometer 
gibt indessen der Bericht des Genie civil keinen Aufschlufs. 

Die Frage, welche Wirkung die veränderliche Wärme eines er- 
hitzten Raumes durch die Wände einer Metallröhre auf einen ununter- 
brochen und gleichmäfsig sie durchfliefsenden Wasserstrom ausübt, hat 
Saintignon zu Versuchen veranlafst, welche ihn zu der Entdeckung 
führten, dafs die von dem Wasser aufgenommene Wärmemenge dem 
Temperaturüberschufs der Feuerstätte über die Temperatur des Wassers 
bei seinem Eintritt proportional ist, und dafs einer und derselbe Pyro- 
metergrad für einen bestimmten Wasserverbrauch einen unveränder- 
lichen, von der Temperatur jener Stätte unabhängigen Werth besitzt. 



Saintignons DiflFerentialpyroüieter mit Wassercirculation. 223 

Dieses Prinzip gestattet die Regulirung jedes Pyrometers mit Hilfe 
eines einzigen Versuchs. 

Die Angaben des Differentialpyrometers würden keinen Werth 
haben, wenn nicht in sicherer Weise für die Unveränderlichkeit der 
durchfliefsenden Wassermenge gesorgt wäre. Hierzu dient das er- 
wähnte Manometer I, d. h. eine oben offene und unten durch einen 
Hahn K verschliefsbare Glasröhre. Schliefst man den Hahn, so kommt 
das Wasser am oberen Röhrenende zum Ausflufs, wogegen man es 
mittels einer leichten Drehung des Hahns bis zu einer beliebigen Stelle, 
die als Nullpunkt bezeichnet werden mag, steigen lassen kann. So 
lange nun die Wassersäule auf Null seht, wird die Durchflufsmenge 
sich nicht ändern und dem Producte aus dem Querschnitt der Ausflufs- 
öffnung und der Geschwindigkeit y^gh gleich sein, wobei h die Druck- 
höhe vom Nullpunkte des Manometers bis zur Oeffnung bezeichnet. 
Sollte sie nicht mehr auf Null stehen, so würde man durch Drehung 
des den Durchflufs regelnden Hahns diesen Stand, und somit die un- 
veränderliche, einer genauen Temperaturbestimmung entsprechende 
Wassercirculation wiederherstellen. Der Erfinder hat sich indessen mit 
diesem Mittel, die Temperatur im Falle veränderlichen Wasserverbrauchs 
zu berichtigen, nicht begnügt. Er hat am Manometer oberhalb und 
unterhalb des Nullpunktes die Wasserstände für Durchflufsmengen von 
mehr oder weniger als 5, 10, 15 Proc. des normalen Verbrauchs mit 
den Ziffern 5, 10, 15 markirt. Diese Wasserstände ergeben sich aus 
der Gleichung 

D_yx 

worin d den neuen, D den normalen Wasserverbrauch, X und h die 
entsprechenden Gefälle oder Druckhöhen bezeichnen. Nachdem auf 
experimentellem Wege nachgewiesen ist, dafs der Temperaturunterschied 
zwischen dem warmen und kalten Wasser, wenigstens innerhalb der 
bezeichneten Grenzen, dem Wasserverbrauch proportional ist, so läfst 
sich die Correction sehr einfach berechnen: man braucht nur zur an- 
gedeuteten Temperatur 5, 10, 15 Proc. ihres Werthes hinzuzufügen 
oder diesen Betrag abzuziehen. Man hat also zwei Mittel, den Wasser- 
verbrauch auf das richtige Mafs zurückzuführen: entweder das Wasser 
auf den Nullpunkt des Manometers zu bringen und die neue Temperatur 
abzulesen, oder die Correction auf die eben erwähnte Weise zu be- 
rechnen. Zur Erzielung einer dauernd gleichmäfsigen Strömung mufs 
der Querschnitt der Durchflufsöffnung des Hahnes C beständig frei und 
die Druckhöhe sich gleich bleiben: aufserdem darf sich, wenn die An- 
gaben des Manometers genau sein sollen, der Querschnitt des Ausflusses 
bei K nicht ändern und mufs vollkommen frei bleiben. Da der Wasser- 
bedarf ein relativ geringer und die Druckhöhe eine beträchtliche ist, 
so darf die Oeffnung; des Hahnes C nur einen kleinen Querschnitt be- 



224 Saintignon's Differentialpyrometer mit Wassercirculation. 

sitzen. Letzterer bildet daher ein Rechteck von nur 8 mm Breite und 
2mm Höhe. Die Oeffnung des Hahnes K ist wegen der geringeren 
Druckhöhe gröfser, als die des Hahnes C. Auf Grund besonderer Ver- 
suche empfiehlt der Erfinder, die Druckhöhe so zu wählen, dafe, 
wenn sich der Wasserspiegel des Reservoirs A nicht tiefer als m ,20 
senkt, die der Quadratwurzel aus der Druckhöhe proportionale Durch- 
flufsmenge sich nicht mehr als um 5 Proc. ändert. Letzteres würde 
bei einer Druckhöhe von 20 m und einer Senkung des Wasserspiegels 
um m ,40 der Fall sein. 

Was den Einflufs der äufseren Temperatur auf diejenige des 
Wassers während seiner Bewegung aus dem heifsen Raum bis zum 
Thermometer H betrifft, so hat sich bei einer 7 m betragenden Ent- 
fernung und einer Temperatur des warmen Wassers von 25°, während 
diejenige der äufseren Luft 6« betrug, ein Verlust von nur l/ 4 <> heraus- 
gestellt. Gegen den Einflufs der strahlenden Wärme des Ofenmantels 
oder der kalten Zugluft läfst sich die Kautschukröhre schützen, indem 
man sie mit irgend einer anderen Röhre als Mantel umschliefst, und 
das circulirende Wasser auf diese Weise mit Luft als schlechtem 
Wärmeleiter umgibt. Ebenso würde ohne den oben erwähnten Mantel 5 
das die beiden dünnen Röhren des Cylinders E durchfliefseude Wasser 
dem Einflüsse der strahlenden Wärme des Ofengemäuers ausgesetzt 
sein. Wäre die Temperatur des letzteren derjenigen des inneren 
Raumes beständig proportional, so würde die Angabe des Pyrometers 
der Wirklichkeit entsprechen. Allein es verhält sich nicht so. Das 
Innere des Ofens ist anfangs heifs, während der Mantel desselben noch 
kalt ist. Dieser aber erhitzt sich nach und nach zu einer sehr hohen 
Temperatur. Liefse man nun seinen Einflufs auf das circulirende Wasser 
unberücksichtigt, so würde das Pyrometer eine zu hohe Temperatur 
andeuten. Diesen störenden Einflufs verhütet der von dem Erfinder 
..Isolateur' genannte Mantel S, indem der von diesem umschlossene 
Raum durch die Röhre R mit Kühlwasser gespeist wird, welches durch 
die Röhre T abfliefst. 

Am Schlüsse seines Berichtes bringt Genie civil als Ausdruck für 
die Ofentemperatur T die einfache Formel T = t -4- (f' — t) d, worin t 
die Temperatur bedeutet, womit das Wasser nach seinem Austritte aus 
dem Filter B das Gefäfs D durchfliefst, t' seine höhere Temperatur im 
Gefäfse //, und (/ die Zahl der Wärmegrade des Ofens, welche auf 1° 
der Differenz /' — t zu rechnen sind. 



Rogers' Buchstaben-Drucktelegraph mit automatischem Geber. 225 

J. H. Rogers' Buchstaben-Drucktelegraph mit automa- 
tischem Geber. 

Mit Abbildungen. 

Kürzlich ist zwischen New York und Washington ein neuer schnell 
arbeitender Telegraph probirt worden, welcher von J. Harris Rogers 
angegeben worden ist und die zahlreichen in Amerika benutzten elektro- 
chemischen Telegraphen ersetzen soll; derselbe erfordert Synchronismus 
zwischen den beiden zusammen arbeitenden Telegraphen, entsendet das 
Telegramm mittels eines automatischen Gebers und zwar mittels eines 
entsprechend breiten gelochten Papier Streifens und druckt das Tele- 
gramm am Ankunftsorte in römischen Buchstaben auf einen schmalen 
Papierstreifen. 

Nach der in Lumiere Eleclrique vom 8. Februar 1890, Bd. 35 
*S. 261 (vgl. auch Scientific American, Bd. 61 * S. 399), gegebenen Be- 
schreibung dieses Telegraphen erfolgt der Abdruck der Buchstaben auf 
<las Papier nicht mit Hilfe einer der Zahl der Buchstaben gleichen 
Anzahl von Typen, welche jede einen ganzen Buchstaben drucken, 
sondern mittels blofs 10 Typen. Jede dieser 10 Typen sitzt am Ende 
des Ankerhebels eines Elektromagnetes: die 10 Elektromaguete sind 
mit ihren beiden Rollen in 10 Halbmessern eines Kreises angeordnet, 
die 10 Ankerhebel sind mit dem einen Ende an einem ringförmigen 
metallenen Gestelle befestigt und tragen an dem nach dem Mittelpunkte 
des Kreises hin liegenden Ende die Type, welche nur eine ziemlich 
kurze Linie darstellt, und es ist die Länge der 10 Hebel so bemessen, 
dafs die 10 Typen in der aus der beigegebenen Form und Anordnung 
im Kreismittelpunkte neben einander liegen. Der Abdruck der Typen 
auf das Papier wird so bewirkt, dafs zwischen die zu bedruckenden 
Streifen und die Typen ein abfärbender Streifen gelegt wird. Bei der 
Eigenthümlichkeit der von diesem Telegraphen gelieferten Schrift ist 
es ganz leicht, aus den 10 Strichen eine beliebige stenographische 
Schrift zu vereinbaren, in welcher sich zwei mit der zur Vorbereitung 
der gelochten Streifen nöthigen Stanzmaschine ausgerüstete Leute nach 
besonderer Verabredung geheim telegraphiren können. 

Aus den 10 Strichen lassen sich sämmtliche Buchstaben bilden, 
natürlich werden aber nicht immer alle 10 Striche verwendet, sondern 
nur die zur Bildung des Buchstabens nöthigen. Nichts desto weniger 
mufs der Geber befähigt sein, beim Telegraphiren irgend eines Buch- 
stabens durch jeden der 10 Elektromagnete einen besonderen Strom 
zu senden, und es mufs beim Entsenden dieses Stromes gerade nur der 
betreffende Elektromagnet an die Telegraphenleitung gelegt, sein. Es 
ist daher ein und derselbe Apparat zur Stromentsendung für sämmt- 
liche Buchstaben brauchbar. 

Die Entsendung der für jeden Buchstaben gerade nöthigen Ströme 
Dingler' s polyt. Journal I5d.?76 Nr. 5. 1890/11. 15 



226 Rogers 1 Buchstaben-Drucktelegraph mit automatischem Geber. 

vermittelt nun ein automatischer Geber mittels eines gelochten Papier- 
streifens; in letzterem werden mittels eines 10 Tasten enthaltenden 
Lochapparates, mit welchem ein geübter Beamter ziemlich rasch ar- 
beiten kann, oder auch mittels einer elektrisch mit einer gewöhnlichen 
Schreibmaschine verbundenen besonderen Stanzmaschine in 10 Längs- 
reihen Löcher eingestanzt für diejenigen Stromsendungen, welche zur 
Bildung des zu telegraphirenden Buchstabens nöthig sind. Eine Füh- 
runghlocbreihe wird in der Streifenmitte eingestanzt; nach Abtelegra- 
phirung eines Buchstabens wird der Streifen auf dem metallenen Mull. 
über den er hinweg geführt wird, um den Abstand zweier Löcher- 
Querreihen fortbewegt. Auf dem Streifen ruhen mit einem gewissen 
Drucke 10 Contactfedern, welche mit dem Muff und durch diesen mit 
dem einen Pole der Telegraphirbatterie, deren zweiter Pol zur Erde 
abgeleitet ist, in Berührung treten, wenn sie in ein Loch des Streifens 
einfallen können. 1 Während des Gebens stehen ferner die 10 Federn 
mit 10 Spangen eines Umschalters in Verbindung, wogegen jede dieser 
Spangen beim Empfangen mit den Rollen eines der 10 Magnete und 
hinter den Rollen mit der Erde verbunden sind. 

Es ist nun noch in jedem der beiden Aemter ein Vertheiler nöthig, 
welcher in dem einen Telegraphenamte der Reihe nach die 10 Con- 
tactfedern an die Telegraphenleitung legt, in dem anderen dagegen 
zu gleicher Zeit und in derselben Reihenfolge die 10 Elektromagnete. 
Es müssen demnach die beiden mit der Leitung verbundenen und auf 
den entsprechenden Vertheilerscheiben umlaufenden, isolirt auf die 
Achse des Muffes aufgesteckten Contactarme synchron laufen, und es 
müssen ferner auch Mittel zur Erkennung bezieh. Aufrechterhaltung 
des Synchronismus vorhanden sein. Jede Vertheilerscheibe erhält daher 
_______ nicht blofs 10 Contactplatten, von denen aus Drähte 

nach den erwähnten 10 Spangen des Umschalters 
geführt werden, sondern 12 und deshalb bekommt 
auch der Umschalter noch 2 Spangen mehr. Die 
letzteren beiden Spangen und deshalb auch die 
11. und 12. Platte stehen während des Empfangen» 
durch die Rollen eines Relais hindurch mit der Erde 
—————— in Verbindung. Während des Gebens hingegen ver- 

bindet ein Draht die 12. Spange und die 12. Platte mit einer auf der 
Achse des Muffes schleifenden Contactfeder. Der gebende Telegraph 
entsendet daher stets, wenn der Contactarm bei jedem Umlauf über die 
12. .Platte streicht, einen Strom durch den Contactarm, die auf seiner 
Nabe schleifende Contactfeder, in die Leitung und durch das Relais des 
gebenden Amtes; dieser Strom unterbricht daher am angezogenen 

1 Im vorliegenden Falle sind die sonst mit der unmittelbaren Strom- 
gebung durch gelochte Streifen verbundenen Uebelstände deshalb wesentlich 
vermindert, weil der Streiten wahrend jeder einzelnen Stromgebung still Bteht. 



Rogers' Buchstaben-Drucktelegraph mit automatischem Geber. 227 

Relaisankerhebel den die primäre Rolle eines Inductors durchlaufenden 
Lokalstrom und bewirkt das Ueberspringen eines elektrischen Funkens 
zwischen einer isolirt auf die Muffachse aufgesteckten Spitze und dem 
auf eben dieser Achse sitzenden Schwungrade von m ,35 Durchmesser \ 
denn die Achse und die Nabe der Spitze sind leitend mit den beiden 
Enden der secundären Rolle des Inductors verbunden. Mit Hilfe eines 
zugleich als Zeiger dienenden Armes an der natürlich stillstehenden 
Vertheilerscheibe läfst sich diese ein wenig gegen die Achse des Con- 
tactarmes und des Schwungrades verstellen, und man hat die Spitze 
des Zeigers stets genau gegenüber dem Punkte einzustellen, wo der 
Funke überspringt. Die Vertheilerarme werden durch kleine Dvuamo- 
maschinen mit Riemenübertragung in Umdrehung versetzt. Dem Arme 
des empfangenden Apparates gibt man ein Bestreben, etwas rascher zu 
laufen, als dem im gebenden und regulirt dann seine Geschwindigkeit 
durch Anlegen einer mechanischen Bremse (bezieh, des Daumens oder 
eines anderen Fingers) an den Umfang des Schwungrades. Läuft der 
Contactarm mit einer Geschwindigkeit von 1000 Umdrehungen in der 
Minute, so können in der Minute (fast) 1000 Buchstaben oder etwa 
200 Wörter telegraphirt werden. 

Der Vorgang beim Erzeugen der Buchstaben auf dem Papierstreifen 
steht zwischen dem Schreiben und Drucken zwischen inne: jeder ein- 
zelne Strich wird mit einem Male gedruckt, die zu einem Buchstaben 
nöthigen Zeichen aber nach einander. Ganz dasselbe geschah, aller- 
dings auf elektrochemischem Wege, in dem 1865 in Frankreich pa- 
tentirten Telegraph von Vavin und Fribourg (vgl. Zetzsche, Handbuch 
der elektrischen Telegraphier Bd. 1 * S. 405). Auch da sollte jeder Buch- 
stabe aus 1 bis 11 Strichen gebildet werden, diese Striche waren aber 
wesentlich anders gegen einander gestellt, als in der obigen Figur. 
Es sollten ferner etwa 100 mit je 11 Strichen ausgerüstete Typen in 
einen Rahmen vereinigt und ihre Striche durch je einen Draht mit den 
11 x 100 Contactplatten eines Yertheilers verbunden werden. Im 
gebenden Amte sollten die zum Telegraphiren des Buchstabens nicht 
gebrauchten (nach anderen Angaben dagegen die gebrauchten) Striche 
jeder Type mit einem nichtleitenden Stoffe überzogen, der Strom von 
der Batterie aber durch ein auf die Typen gelegtes Metallblatt zu 
geführt werden und in dem empfangenden Amte durch ein ähnliches 
Metallblatt durch ein getränktes Papier hindurch zu den Strichen der 
Typen und schliefslich zur Erde weiter geführt werden, dabei aber 
auf dem Papiere die Buchstaben durch elektro-chemische Wirkung 
entstehen lassen. 

Es sei übrigens hierbei noch an den Buchstabenschreibtelegraphen 
des Dr. M. Hipp (vgl. 1851 121 234 und 122 41) erinnert, in welchem 
ein beständig in einer bestimmten krummen Linie bewegter Stift me- 
chanisch die Buchstaben auf Papier schreiben sollte, indem er immer 



22^ Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

zur rechten Zeit durch einen Elektromagnet auf das Papier aufgelegt 
wurde. 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

Fernthermometer zur Messung der Temperatur in Malzdarren von 
Franz Schwaclihöfer {Allgemeine Brauer- und Hopfenzeitung, 1890 Bd. 30 
S. 216). Der patentirte Apparat besteht aus mehreren an den Unter- 
flächen der Malzdarrhorden zu befestigenden metallenen Hohlkörpern, 
welche durch ein enges Bleirohr mit einander und mit einem Manometer 
verbunden sind. Das Letztere dient dazu aus der Spannung der ein- 
geschlossenen Luft die Temperatur zu bestimmen. Der neue Apparat 
ermöglicht die Temperatur der Blech- oder Drahtgeflechthorden, welche 
oft um 10° höher als die Lufttemperatur über dem Darrmalz ist, zu 
messen. Aufserdem zeigt der Apparat die Mitteltemperatur der ganzen 
Horde an, was sehr wesentlich ist, da selbst bei den besten Heizanlagen 
an verschiedenen Punkten der Darren Temperaturdifferenzen von 10 
bis 20° vorkommen können. Der Apparat ermöglicht auch das direkte 
Ablesen der Temperaturen am Heizerstande. 

Elektrische Erscheinungen in der Malzputzerei (Wochenschrift für 
Brauerei, 1890 Bd. 7 S. 184, nach einem österreichischen Fachzeitschriften 
entnommenen Berichte des Leiters der Malzfabrik in Namiescht bei 
Olmütz). Das Malz hatte einen ziemlich weiten Weg zur und von der 
Putzmaschine mittels Schnecken zurückzulegen, bevor es an seinen Be- 
stimmungsort im Malzmagazine gelangte. Das Malz ging in ein Magazin, 
welches ganz dunkel war. Da das Lokal schon ziemlich voll war und 
das einlaufende Malz bereits bis an das Auslaufrohr hinaufreichte, so 
mufste eine Arbeiterin das Malz mit der Schaufel nach allen Seiten 
aus einander werfen. Nach einiger Zeit erklärte die Frau die Arbeit 
nicht mehr fortsetzen zu wollen, weil sie von unsichtbarer Hand einen 
wuchtigen Schlag auf den Kopf erhalten habe. Als man sich hierauf 
in den Keller begab, um der Sache auf den Grund zu gehen, bot sich 
den Betheiligten folgendes interessante elektrische Schauspiel dar: 

Wurden die Hände in das herablaufende warme Malz gesteckt und 
wieder herausgezogen, so sprühten alle Finger elektrische Funken und 
brachte man die Fingerspitzen oder besser den Knöchel des Zeige- 
fingers, ähnlich wie an den Conductor einer in Thätigkeit befindlichen 
Elektrisirmaschine, nahe an die verstaubte Rohrdecke des Lokals oder 
tupfte man dieselbe, so bemerkte man in Folge dieser Berührung ein 
ziemlich grofses, weifses Flämmchen, vernahm ein laut hörbares Knistern 
und verspürte nicht nur in dem Zeigefinger, sondern in der ganzen 
Hand einen Kuck oder Schlag ganz ähnlich wie bei einer Elektrisir- 
maschine. 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 229 

Auch bei dem Auseinanderwerfen des Malzes mit der Schaufel 
wurden förmlich leuchtende Blitze beobachtet, und stellte man sich in ; 
dem Malz gerade und berührte mit dem Kopf die Rohrdecke, dann 
bekam man einen wuchtigen Hieb auf den Kopf, den man zugleich im 
ganzen Körper spürte. Ein mit der Arbeit des Malzsehaufelns beauf- 
tragter junger Arbeiter beklagte sich ebenfalls über die zu gewissen 
Zeiten erhaltenen Stöfse und Rucke. 

Der Berichterstatter führt diese Erscheinung auf die Reibuno- des 
warmen Malzes in der langen Schnecke und mehr noch in dem sehr 
schnell rotirenden Entkeimer der Malzputzmaschine zurück. 

Im abgekühlten Malze war nichts mehr zu beobachten. 

Zum Schlüsse wird die Frage aufgeworfen, ob nicht vielleicht ein 
Theil der Mehlstaubexplosionen ebenfalls auf Elektricitätserscheinungen 
beruhen. 

Zur Chemie des Blaltkeims der Gerste von J. E. Siebet (Allgemeine 
Brauer- und Hopfenzeitung, 1890 Bd. 30 S. 463, nach einer Original- 
mittheilung von der Versuchsstation für Gährungsgewerbe in Chicago). 
In von einer Malzreinigungsmaschine ausgeworfenem Putzstaube fanden 
sich zahlreiche Blattkeime und es gelang hiervon eine zur Analyse aus- 
reichende Menge abzusondern. Die Blattkeime hatten eine Länge von 
3 4 des Malzes und ihre Menge liefs sich dem Gewichte nach auf 
3,8 Proc. des Malzes bestimmen. Die Analyse der wasserfreien Sub- 
stanz er°:ab: 



Kohlenhvdrate . . . 


. 60,12 Proc. 


Eiweifsstoffe .... 


. 29.26 „ 


Rohfaser 


. 2.91 .. 


Fett (Aetherauszug) 


. 2.76 .. 


Asche 


. 1.95 .. 



100.00 Proc. 

Da ein grofser Theil dieser Substanzen sich in Wasser löslich er- 
wies, welche Lösung einen intensiv süfs-bitteren Geschmack hatte, so 
wurde eine weitere Analyse vorgenommen, um die näheren Bestand- 
teile zu bestimmen. 

Es ergab sich in 100 Th. der wasserfreien Blattkeime: 

Fett (in Aether löslich} 2.76 

(in Wasser löslich) 47.40 

Bitter- und andere Extractivstoü'e . . 1.18 

( Albumin und Legumin 2.21 

< Peptone 1.02 

'Amide u. s. w 6.38 

l Invertzucker 2.33 

^Rohrzucker und ähnliche Substanzen . 31.79 

Asche 2.19 

In ]Yasser und Aether unlöslich . . 49. S4 

Kohlenhvdrate 21.52 

Eiweifsstoffe 19.65 

Rohfaser 2.91 

Werden die gepulverten Blattkeime bei einer Temperatur von 60 



230 Ucber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

bis 65° mit Wasser etwa eine Stunde lang ausgezogen, so gehen über 
60 Proc. der Trockensubstanz in Lösung. Diese Lösung besitzt aufser- 
dern noch bedeutende diastatische Wirkung. Daher ist ein Verlust der 
Blattkeime durch Malzputzmaschinen mögliehst zu vermeiden. 

Besonderes Interesse beansprucht nach Siebel das Vorkommen von 
Rohrzucker. 

Solche Substanzen sind, so viel Siebel bekannt, bis jetzt im Malze 
nicht in namhafter Menge entdeckt worden (das Vorkommen von Rohr- 
zucker im Malze wurde schon von Kühnemann, Berichte der deutschen 
chemischen Gesellschaft, 1875 Bd. 8 S. 202. 387, nachgewiesen, dann von 
Ejetdahl, Brown und Heran u. A bestätigt. 0. Sullivan, 1887 266 604, 
fand 4,5 Proc. Rohrzucker im Malze. D. Ref.) und deren Vorhanden- 
sein in den Blattkeimen scheine anzudeuten, dafs die diastatische Eigen- 
schaft des Malzes während des Keimungsprozesses andere und von den 
bislang bekannten Kräften verschiedene entwickelt. 

Ob nun der vorhandene Invertzucker durch Zersetzung des Rohr- 
zuckers entstanden, oder ob derselbe ein Uebergangsstadium zur Bildung 
des letzteren ist, darüber lassen sich vorläufig nur Vermuthungen auf- 
stellen. Die Annahme jedoch, dafs der Rohrzucker als Uebergangs- 
stadium zur Bildung unlöslicher Kohlenhydrate anzusehen ist, scheint 
viel für sich zu haben. Dafs der Zucker während der Keimung und 
nicht etwa nach derselben aus anderen Kohlenhydraten entstanden, 
wurde durch direkte Versuche an wachsender Gerste gezeigt. In diesem 
Falle erscheint der Rohrzucker nicht ein Product der progressiven 
Metamorphose zu sein, welche auf der eigenthümlichen Thätigkeit des 
Chlorophylls beruht und welche zu ihrer Entwicklung des Sonnen- 
lichts bedarf. 

Für die Isolirung des Rohrzuckers wurden die Blattkeime mit 
Aether, dann mit Alkohol ausgezogen und nachher mit absolutem 
Alkohol ausgekocht. 

lieber die Anwendung des Patentfarbmalzes für vollmundige Biere be- 
richtet Otto Reinke {Wochenschrift für Brauerei, 1890 Bd. 7 S. 122). 
Durch Erhitzen von angefeuchtetem Darrmalz oder Grünmalz auf 55 
bis 60° und weiteres Abdarren bei ungefähr 120° in geeigneten Darren 
gelingt es, den Zuckergehalt im Malze zu steigern und beim Abdarren 
ein Farbmalz zu erhalten, welches eine bräunlich gelbe Schale, sowie 
einen dichten, glänzenden, braunen bis dunkelbraunen Kern hat von 
süfsem, aromatischem, nicht brenzlichem Geschmacke. Obgleich die 
Färbekraft dieses Malzes dem des gewöhnlichen Farbmalzes nachsteht, 
so ist es seines angenehmen Geschmackes wegen doch stark in Auf- 
nahme gekommen. 

Die Analyse eines Patentfarbmalzes ergab: 



Lieber Fortschritte in der Bierbrauerei. 231 

Direkt gemaischt' mit Diastase gemaischt 

Wasser 6.55 Proc. . . — Proc. 

Extract im Malz 44.70 .. . . 66,60 .. 

Extract in der Trockensubstanz . 47.72 .. . . 71,10 

Maltose im Extract 47.62 .. . . — 

Maltose zu Nicht-Maltose . . . 1 : 1.10 .. . . — 

Gemaischt bei 700 C 1 Stunde . . 1 Stunde 

1 Das Malz enthält natürlich keine wirksame Diastase mehr. 

Nach Rcinke gab die Verarbeitung solchen Patentfarbmalzes, welches 
neben Maltose, caramelisirter Maltose und c. Dextrin auch noch Stärke 
enthält (in einem Falle wurden von mir ungefähr 14,6 Proc. Stärke 
gefunden. D. Ref.), wiederholt Veranlassung zu Kleistertrübungen. 
Reinke empfiehlt daher Vorsicht bei seiner Verwendung. Man sorge 
dafür, dafs die Dickmaischen so dick wie möglich in die Pfanne ge- 
langen und schwänze nicht über 80° C. an. 

Ueber die Verwendung von Reis zum Rierbrauen macht Windisch 
Mittheilungen in der Wochenschrift für Rrauerei, 1890 Bd. 7 S. 123. In 
Deutschland wird zur Zeit zwar wenig Reis verarbeitet in den Brauereien 
(in Bayern ist die Verwendung desselben durch das Malzaufschlaggesetz 
überhaupt ausgeschlossen. D. Ref.), doch bietet die Technik des Reis- 
brauverfahrens insofern Interessantes und Schwieriges, als es sich um 
die Vermaischung von Stärke handelt, welche den gewöhnlichen Mälzungs- 
und Darrprozefs nicht durchgemacht hat. 

Ein Centner Reis ersetzt im Durchschnitte 115 bis 120 Pfund Malz, 
die Reisstärke wird, wie aus Untersuchungen des Referenten hervorgeht, 
bei den üblichen Maischtemperaturen von der Diastase in verhältnifs- 
mäfsig geringem Grade umgewandelt. Will man die Reisstärke mög- 
liehst glatt und vollkommen in Zucker und Dextrin überführen, so mufs 
man sie der Diastase in verkleistertem Zustande darbieten. Zur Reis- 
verarbeitung eignet sich am besten das Dickmaischverfahren. 

Nachstehend folgen einige in der Praxis erprobte Sudverfahren: 

I. Der mit Wasser gut durchmischte Braureis wird in der Pfanne 
zur besseren Verflüssigung mit etwas Malzschrot langsam aufgewärmt, 
schliefslich zum Kochen erhitzt und verkleistert. Der wässerige Stärke- 
kleister dient alsdann als Zubrühflüssigkeit, mit welcher die Malzmaische 
im Bottich auf 35° C. aufgebrüht wird. Das weitere Arbeiten wird 
wie beim gewöhnlichen Dickmaischverfahren gehandhabt. 

IL Bei Verwendung von nicht allzu viel Reis wird mit Erfolg so 
gearbeitet, dafs der Reis zur ersten Dickmaische bei 70 bis 75° C. ge- 
streut wird, bei dieser Temperatur wird 20 Minuten bis * 2 Stunde ge- 
halten, dann zum Kochen erhitzt und wie gewöhnlich weiter verfahren. 
Ein Zusatz von Reis zur zweiten Dickmaische ist weniger zu empfehlen, 
bei der Verarbeitung gröfserer Mengen Reis jedoch nicht zu umgehen. 

Das Zustreuen des Reises mufs mit Vorsicht geschehen, um Klumpen- 
bilduug zu verhüten. Will man ganz vorsichtig arbeiten, dann kann 



■2:',2 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

man den Keisgries in einem kleinen Bottich vorher mit warmem Wasser 
oder mit warmer Dünnmaische aus der Pfanne gleichmäfsig durch- 
arbeiten und diese Reismaische alsdann in mäi'sigem Strahl der Dick- 
maische bei 70 bis 75° C. zulaufen lassen. Die Auflösung erfolgt sehr 
rasch. 

III. Beim Arbeiten nach dem Kesselmaischverfahren teige man den 
vorher verkleisterten Reis mit Malzschrot ein und arbeite wie gewöhn- 
lich, nur halte man noch etwas länger bei der Verzuckerungstemperatur. 
Man bezieht den Reis von den Fabriken in braufertiger Form. 

Im Handel kommt präparirter Braureis vor, der sich indessen von 
dem gewöhnlichen Braureis nur durch seinen höheren Preis unter- 
scheidet. 

Die zum Maischen verwendeten Mengen Reis sind sehr verschieden. 
Es gibt Brauereien, welche zu Lagerbier \ 2 des Gesammtmaischgutes 
Reis nehmen, wieder andere (ausländische) verwenden zur Herstellung 
sehr heller, weiniger Biere bis zu 30 Proc. Reis; Lintner sen. empfiehlt 
in seinem Lehrbuche für Reisgerstenmalzbier das Verhältnifs von 1 : 7 
(auf 7 Centner Malz 1 Centner Reis). 

Für die zuckerreicheren Reiswürzen empfiehlt es sich 25 Proc. 
Hopfen für 1 Centner Reis mehr zu nehmen als für 1 Centner Malz. 

Reisbiere vergähren gerne hoch. Man führe daher die Gährung 
kalt, fasse zeitig und lagere kalt. 

In Reiswürzen soll die Hefe rascher degeneriren und daher öfter 
gewechselt werden müssen, welchen Umstand man durch den geringeren 
Gehalt der Reiswürzen an Hefenährstoffen zu erklären sucht. 

Windisch erwähnt schliefslich, dafs in dem Laboratorium der Ver- 
suchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin seiner Zeit eine Hefe rein- 
gezüchtet wurde, welche merkwürdiger Weise in Reiswürzen regel- 
mäfsig 12 mal geht, während die meisten anderen Hefen schon nach 
6 maligem Gebrauche gewechselt werden müssen. 

Analysen von Weizenmalzen veröffentlicht W. Windisch in der Wochen- 
schrift für Brauerei, 1890 Bd. 7 S. 221. 

Die Behandlung der Würze mittels der Centrifuge von Alfred Jörgensen 
(Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1890 Bd. 13 S. 50 und 74). In 
einer vorläufigen Mittheilung macht Jörgensen auf die der Firma Bur- 
meister und Wain in Kopenhagen patentirle Centrifuge für Brauerei- 
zwecke aufmerksam (D. R. P. Nr. 49244 vom 25. December 1888). 

Die Centrifuge ist luftdicht geschlossen und steht mit der äufseren 
Luft nur mittels eines Luftfilters in Verbindung. Durch ein Rohr wird 
die Würze in die schnell rotirende Lauftrommel geleitet, in welcher die 
schwebenden Stoffe an der Peripherie des Cjlinders abgesetzt werden. 
Durch eine zweite Röhre wird die gereinigte und gelüftete Würze in 
den Kühlapparat geleitet. 

Die Lüftung geht theils im Cylinder vor sich, hauptsächlich aber, 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 233 

wenn die Würze in die Ablaufröhre eingeschleudert wird. Die Würze 
füllt nämlich nicht die Mündung der Röhre, sondern es entsteht durch 
die ungeheure Schnelligkeit in dem nicht gefüllten Theile eine Leere: 
durch diese wird die Luft eingesaugt, die in mechanischer Mischung 
während des ganzen Abkühlungsvorganges der Würze folgt, wodurch 
diese das nöthige Quantum von chemisch und mechanisch gebundenem 
Sauerstoffe aufnimmt. 

Da die Centrifuge die. Luft nur durch das Luftfilter zuführen kann, 
so folgt daraus, dafs die durch Kochen steril gewordene Würze auch 
steril in den Gährkeller kommen mufs, was Jörgensen auch in der That 
durch genaue Versuche in seinem Laboratorium nachgewiesen hat. Man 
kann also nach Versuchen in den Brauereien Alderso- Kopenhagen, 
Hjurholm-Stockho\m und Ny-Carlsberg-Kopenhagen die ganze Würze- 
menge ohne Verwendung von Trubsäcken absolut steril in den Gährkeller 
bringen, ein Vortheil, der durch den Velten'schen Apparat nicht mög- 
lich ist. 

Mittels dieses Apparates kann die Würze bei beliebiger Temperatur 
einer besonders intensiven Lüftung unterworfen werden. Unter schwierigen 
Klärungsverhältnissen konnte im Grofsen durch eine kräftige Lüftung der 
heifsen Würze in der Centrifuge eine normale Gährung erreicht werden. 
Der Verlauf der Gährung war in der centrifugirten Würze viel gleich- 
mäfsiger, auch trat die Gährung schneller auf und verlief die erste 
Periode der Hauptgährung kräftiger als in der nicht centrifugirten. 
Nach Jörgensen kann man mit diesem System die Würze nicht nur 
steril in die Gährbottiche bringen, sondern auch die Zusammensetzung 
der Würze innerhalb gewisser Grenzen und dadurch auch die Klärung 
und den Vergährungsgrad beeinflussen. 

Geschmack und Haltbarkeit des gelagerten Bieres liefsen nichts zu 
wünschen übrig. 

Als weitere Vortheile dieses Systems werden hervorgehoben, dafs 
die Apparate sehr wenig Platz einnehmen, so dafs sie also auch in 
jeder kleineren Brauerei aufgestellt werden können und dafs die Centri- 
fuge zugleich als Würze- und Luftpumpe functionirt. Das durch die 
heftige Bewegung der Würze bewirkte starke Schäumen, mit welchem 
man längere Zeit hindurch zu kämpfen hatte, ist mittels einer einfachen 
Anordnung nun beseitigt. 

In einem zweiten Aufsatze (S. 73) behandelt Jörgensen zunächst 
die Frage, ob bei hoher oder niedriger Temperatur gelüftet werden 
soll. Aus seinen Versuchen geht nun hervor: 

1) dafs eine starke Lüftung bei hohen Temperaturen (80 bis 90°) 
eine schnellere Klärung und einen stärkeren Glanz des vergohrenen 
Bieres gab, als eine ebenso intensive Lüftung der gekühlten (10 bis 20°) 
Würze unter sonst gleichen Umständen und mit Verwendung derselben 
Heferasse in absoluter Reinkultur: 



234 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

2) dafs die warm gelüftete Würze in den ersten Stadien derGährung 
eine kräftigere Gährung zeigte als die kalt gelüftete, dafs aber die 
schliefsliche Attenuation dieselbe war, und 

3) dafs die an den Seiten der Versuchskolben abgelagerte Masse 
von Hefezellen und Abscheidungen, in Wasser aufgeschlemmt von den 
Kolben mit warm gelüfteter Würze stammend sich schnell und voll- 
ständig zu Boden setzte, von den Kolben mit kalt gelüfteter Würze 
stammend dagegen nur langsam und unvollständig. 

Heber Sterilisation der Würze in der Pfanne ( Wochenschrift für 
Brauerei, 1890 Bd. 7 S. 203. Allgemeine Brauer- und Hopfenzeitung, 1890 
Bd. 30 S. 428) nach einem Vortrage von Harris Morris aus „Transaclions 
of the Laboralory Club 1 ". 

Zweifellos gelangen eine Menge Bakterien, welche den Maisch- 
prozefs überlebt haben, mit der Würze in die Pfanne. Diese Bakterien 
rühren hauptsächlich vom Malze her, dem sie äufserlich in sehr grofser 
Anzahl anhaften; auch durch das Wasser gelangen Bakterien in die 
Würze, doch sind die Wasserbakterien bezüglich ihrer Widerstands- 
fähigkeit gegen höhere Temperaturen gar nicht zu vergleichen mit den 
ausgetrockneten Organismen des Malzes; letztere sind ungleich wider- 
standsfähiger. 

In Anbetracht der Verhältnisse in der Würzepfanne behandelt 
Morris den Einflufs 1) der Temperatur und der Dauer des Kochens, 
2) der vorhandenen Säuremenge, 3) der Hopfengabe. 

Bezüglich der Temperatur fand Morris, dafs dieselbe höher liegt 
als die des kochenden Wassers, nämlich bei 101 bis 102° C. Natür- 
lich hängt dieselbe ab von der Concentration der Würze, der Tiefe der 
Pfanne und etwas auch vom Barometerstand. Als durchschnittliche 
Kochdauer der Würze wurden 2 1 | 2 Stunden angenommen. 

Nach den bisherigen Erfahrungen und Untersuchungen von Tyndall, 
Brefeld, Fitz u. a. konnte angenommen werden, dafs schon in Anbe- 
tracht der Temperatur und Kochdauer beim Würzekochen alle Keime 
zerstört werden. Unterstützt wird die Sterilisirung der Würze beim 
Kochen noch wesentlich durch die Anwesenheit von Säure und Hopfen- 
bestandtheilen. 

Im Folgenden sind einige Säurebestimmungen in ungehopfteu und 
gehopften Würzen angeführt: 

s. G. Säure nh Milchsäure 

Würze vom Maisehbottich 1,0775 . . 0,0724 Proc. 

Dieselbe Würze gehopfl aus der Pfanne 1,09015 . . 0,1317 „ 

Würze vom Maischbottich 1,0786 . . 0,0730 „ 

Dieselbe Würze gehopft aus der Pfanne 1.0931 . . 0,1338 „ 

Erste Pfannenwürze (gehopft) .... 1,09305 . . 0,1450 .. 

/weite „ „ .... 1,05188 . . 0,0991 ,. 

Bezüglich der sehr sorgfältig ausgeführten Versuche von Morris 

müssen wir uns hier mit dem Hinweise begnügen. Dieselben führten 

zu dem Ergebnisse: 



L'eber Fortschritte in der Bierbrauerei. 235 

1) Die Würze, sowie sie den Maischbottich verläfst, enthält stets ent- 
wicklungsfähige Keime: dies ist selbst bei gesundem, hoch abgedarrtem 
Malze der Fall. 

2) Die Würzen werden in der Pfanne vollkommen sterilisirt und 
zwar in viel kürzerer Zeit als die Würzen gewöhnlich gekocht werden. 

3) Myriaden von Luftorganismen werden während des Verweilens 
auf der Kühle in die Würze ausgesäet. 

Die bakteriologische Prüfung des Wassers hält Morris in den 
meisten Fällen, die des Malzes stets für zwecklos. Alle Malze ent- 
halten auf ihrer Oberfläche Keime, welche die Maischtemperatur über- 
stehen. 

Inficirt kann die Würze werden durch die Anstellhefe oder durch 
die Luft. Morris unternahm in zwei Brauereien Luftanalysen auf den 
Kühlschiffen und bestimmte ferner die Anzahl Keime, die in die Würzen 
gelangten und die Anzahl derjenigen Keime, welche in einem bestimmten 
Quantum Würze einmal gemischt mit 5 Proc. sterilisirter Gelatine und 
einmal mit 5 Proc. Fleischsaftgelatine nach 3 Tagen sich entwicklungs- 
fähig zeigten. 

Morris fand in 1 Barrel 163,548 bis 1406,513 Millionen entwick- 
lungsfähige Keime, in Würzegelatine und in Fleischsaft noch mehr. Das 
sind enorme Zahlen : doch sind sie gering im Vergleiche zu der Menge 
Hefezellen, welche beim Anstellen der Würze zugegeben wird. Mit 
jedem Pfund Hefe gibt man ungefähr 724800 Millionen Zellen in den 
Bottich. Von einer systematischen bakteriologischen Untersuchung der 
Würzen, wenn sie in die Gährbottiche ablaufen, verspricht sich Morris 
werthvolle Aufschlüsse. 

Unter dem Titel r Sarcina im Bure ohne irgend eine Krankheits- 
erscheinung" beschreibt Anton Petersen (Gamle, Carlsberg) in der Zeit- 
schrift für das gesammte Brauwesen, 1890 Bd. 13 S. 1, einen Fall, in 
welchem eine Sarcinaart, die fast immer in Reinkultur mit kräftiger 
Vegetation im Biere auftritt, keine Krankheit hervorrief. Das Bier 
zeichnet sich immer durch einen guten Geschmack und Geruch aus, 
es hält sich klar, und erst nach langer Ruhe bildet es einen Bodensatz. 

Petersen vermuthet, dafs die sogen. ,,Sarcinatrübung w - nicht von 
Sarcinaarten, sondern von anderen Organismen, die sie begleiten, her- 
vorgerufen sein mag und sieht sich in dieser Ansicht bestärkt dadurch, 
dafs er in einem Biere neben den von ihm aufgefundenen unschädlichen 
Sarcinabakterien eine grofse Menge sehr langer und dünner Stäbchen 
fand. Dieses Bier wurde in ziemlich kurzer Zeit trübe und bekam 
einen bitteren Geschmack. Hier waren es also die neben der Sarcina 
vorkommenden Organismen, welche die Krankheit hervorriefen. 

Petersen hebt schliefslich hervor, dafs seine Untersuchungen die 
Unmöglichkeit einer Sarcinakrankheit im Biere nicht beweisen. Sie 
sollen nur zeigen, wie Vegetationen von Sarcineu unter Umständen he- 



Kleinere Mittheilungen. 

schuldigt werden können, Krankheiten hervorzurufen, obwohl sie keine 
Schuld daran haben. (Schlafs folgt.) 



Die elektrische Stadtbahn in Budapest. 

Im verflossenen Jahre ist von Siemens und Ilalske und Moritz Balazs in 
Budapesl eine grofse elektrische Bahn erbaut worden. Nach der Zeitschrift für 
Elektrotechnik 1889 S. 405 und 499 beginnt die Stationsgassenlinie in der Mitte 
der inneren Stadt, auf dem Universitätsplatze, führt durch die Kecskemetergasse, 
überschreitet den Calvinplatz, wo drei Geleise der Pferdebahn gekreuzt werden, 
und gelangt sodann in die innere Stationsgasse. Die Bahn zieht sich durch 
diese Strafse bis zum Josefring, wo noch 1889 durch Anschlufs an die elek- 
trische Ringstrafsenbahn die Verbindung mit dem Stadtwäldchen, wie auch bis 
zur Akademie am Franz-Josef-Quai erfolgen sollte. Die Bahn führt weiter 
durch die äufsere Stationsgasse bis zur Steinbrucherstrafse, woselbst sie vor- 
läufig beim alten Maulhause, gegenüber dem Josefstädter Frachtenbahnhof endet, 
aber später mit der bereits coneessionirten Linie nach Steinbruch und dem 
neuen Central friedhofe verbunden werden soll, so dafs dann ein unmittelbarer 
Verkehr aus der inneren Stadt und von der Ringstrafse nach Steinbruch mög- 
lich ist. Die Linie ist vom Universitätsplatz bis zum Josefring eingeleisig, von 
dort bis zum Ende der Linie zweigeleisig. Die Bahn ist durchweg mit eisernem 
Oberbau ohne jede Anwendung von Holzschwellen ausgeführt. Die Schienen 
sind symmetrische Doppelschienen. Unter dem einen Schienenstrang befindet 
sich die unterirdische Stromleitung in einem eiförmigen Betonkanal, welcher 
oben aufgeschlitzt ist und mit dem Schlitz zwischen den Doppelschienen 
communicirt. Der Strom wird durch zwei gegenüberstehende Winkeleisen 
zugeleitet, welche in dem Betonkanal mittels Isolatoren befestigt sind; 
die im Strafsenpllaster liegenden Fahrschienen werden zur Stromzuleitung 
nicht benutzt, sind also durchaus stromlos. In dieser unterirdischen Strom- 
leitung läuft unter jedem Wagen ein Contactschiff, welches den Strom von 
der beschriebenen Leitung zur Wagenschiene führt und von dem auf diese 
Weise in Bewegung gesetzten Wagen mitgezogen wird. Die Weichen des 
Oberbaues mufsten für den vorliegenden Zweck besonders eingerichtet werden. 
Selbstredend mufste jede einzelne Weiche nach ihrer Verlegung ganz genau 
ausgerichtet, nachgearbeitet und ausprobirt werden, was mühsam und zeit- 
raubend war. Der Wagen kann die Weichen selbsthätig stellen ; bis dieselben 
ganz geläufig gehen, werden sie jedoch mit der Hand gestellt. Die Wagen 
unterscheiden sich äufserlich fast in nichts von den üblichen Pferdebahnwagen, 
nur dafs sie durchweg stämmiger und demzufolge auch etwas schwerer ge- 
baut sind. Zwischen den Wagenachsen unter dem Wagenkasten liegt die 
Motor-Dynamo. Die Umdrehungen ihres Ankers werden mittels elastischer 
Stahlspiralschnüre auf die Wagenachsen übertragen. Der Ausschalter für den 
Motor ist an jedem Wagenperron angebracht:, die Einschaltung erfolgt durch 
Einstecken eines Schlüssels, welcher die Form einer Kurbel hat; sie bedingt, 
ob der Wagen langsamer oder schneller, vor- oder rückwärts fährt. Durch 
allmähliche Einschaltung oder Ausschaltung wird ein sanftes Anfahren oder 
Stehenbleiben des Wagens bewirkt, durch schnelles Ausschalten ein sehr 
schnelles Stehenbleiben; im Falle der Gefahr kann sogar durch Anwendung 
von Gegenstrom der Wagen fast augenblicklich zum Stehen gebracht werden. 
Die Ausschaltung bewirkt der Wagenführer mit der linken Hand, mit der 
rechten Hand handhabt er die Bremse; er soll den Ausschalter und die Bremse 
nicht aus der Hand lassen, deshalb hat er die Signalglocke, welche an jedem 
Perronende angebracht ist. mit dem l'ufse in Bewegung zu setzen. Die Bahn 
erhält den Strom von der Centralstation in der Gärtnergasse, von der auch 
die Podmaniczkygassenlinie und die Ringstrafsenlinie bei rieben werden sollen. 
Von der Centralstation aus führen unterirdische Kabel nach jeder einzelnen 
Bahnlinie. Der Kupferkern jedes Kabels ist isolirt und umsponnen; die Iso- 
lirung ist sodann mit einem Bleimantel, nochmals mit einer isolirenden Hülle 
umgeben. Schliesslich i>t das Kabel noch spiralförmig doppelt mit Eisenband 



Kleinere Mittheilungen. 237 

umwickelt, um es gegen etwaiges Aufhauen mit der Krampe bei Erdarbeiten, 
sowie gegen Angriffe von Ratten zu schützen. Die Centralstation ist die erste 
derartige gröfsere elektrische Centralstation in der österreichisch-ungarischen 
Monarchie und jedenfalls die erste ungarische Anstalt für elektrische Kraft- 
übertragung, wie denn überhaupt eine elektrische Bahn in dem Umfange des 
concessionirten Netzes und in der beschriebenen Vollkommenheit der Anord- 
nung noch nirgends existirt. Die Generalstation hat vorläufig drei Dampf- 
kessel, drei Dampfmaschinen zu je 100 PP und dementsprechend drei Dynamo, 
welche nach Belieben einzeln in die Kabel der einzelnen Linien oder mittels 
Parallelschaltung gemeinschaftlich in das verbundene Kabelnetz arbeiten 
können. 

Draper und Ash's Aenderung am Heberschreibtelegraphen. 

Anstatt in Thomson's Heberschreibtelegraphen (vgl. 1872 205 197. 1877 
224 279) die Tinte dadurch zum Ausfliefsen aus dem den Papierstreifen nicht 
berührenden Heber zu bringen, dafs sie durch eine Iniluenz-Elektrisirmaschine 
elektrisirt wird, wollen G. Draper und W. Ash in London nach ihrem Eng- 
lischen Patente Nr. 14565 vom 16. September 1889 den Heber dazu in eine 
mechanische Erzitterung versetzen. Sie ordnen zu diesem Zwecke oberhalb 
des den Heber tragenden Rahmens einen Elektromagnet an, dessen aufrecht 
stehender Ankerhebel mit einer Contactfeder zur Selbstunterbrechung ver- 
sehen ist, also bei Sendung eines Stromes durch die Elektromagnetrollen in 
Schwingungen geräth und dadurch den Rahmen nebst dem schreibenden Heber 
in Erzitterung versetzt. An dem Ankerhebel ist noch ein Stellgewicht an- 
gebracht, mittels dessen man die Schwingungszahl des Hebels reguliren und 
so wählen kann, wie es für das willige Ausfliefsen der Tinte am günstigsten ist. 

Collet's Benutzung des Telephon-Elektromagnetes zum Rufen. 

Um die Aufstellung eines besonderen Ruf- Weckers entbehrlich zu machen, 
wendet H. Cotlet in Finsbury Park, Middlesex, nach seinem Englischen Patente 
Nr. 3515 vom 7. März 1888 in dem Telephon einen Stabelektromagnet an und 
stellt dem einen Pole desselben die schwingende Schallplatte gegenüber, dem 
anderen Pole dagegen einen gewöhnlichen Anker, der für gewöhnlich durch 
eine Feder an einen Contact angelegt wird, von welchem aus die Leitung 
sich durch die Elektromagnetrolle nach der Erde, oder nach der Rückleitung 
fortsetzt. Während nicht gesprochen wird, setzt ein Umschalter die Leitung 
mit diesem Anker in Verbindung, und es kann daher jetzt der Elektromagnet 
als Selbstunterbrecher arbeiten, sein Anker daher zum Tönen gebracht und 
somit zum Rufen benutzt werden. Will man sprechen, so stellt man den 
Umschalter um und legt dadurch die Leitung an die Linienbatterie und durch 
die Elektromagnetrolle an Erde bezieh, an die Rückleitung. 

C. Th. Wagner's selbsttätig langsam schlagende elektrische Klingel. 

Wiederholt schon 1 sind elektrische Klingeln in Vorschlag gebracht wor- 
den, welche nicht fortgesetzt rasseln, sondern nur in gröfseren Zwischen- 
räumen selbsthätig eine Reihe von Schlägen ertönen lassen. Eine neue der- 
artige Klingel hat C. Theodor Wagner in Wiesbaden (*D. R P. Kl. 74 Nr. 49839 
vom 15. Januar 1889) angegeben, die für Gasthöfe, Krankenhäuser, Bade- 
anstalten u. s. w. empfohlen wird. Die Schläge ertönen alle 2 Secunden. Der 
Klingel ist eine gegen die Klingel isolirte Unruhe beigegeben, die auf einer 
stehenden Achse sich drehen kann; an der Unruhe ist eine Contactfeder an- 
gebracht, die sich in der Ruhelage gegen einen an der Verlängerung des 
Ankerhebels sitzenden Contactstift anlegt. Wird der Anker angezogen, so 
versetzt er die Unruhe in Schwingungen; bei Beginn der Schwingung wird 
der Contact zwischen der Feder und dem Stifte unterbrochen und erst wieder 
hergestellt, wenn die Unruhe durch die um die Achse gewundene Feder wieder 
in ihre Ruhelage zurückgebracht worden ist. Der nun wieder geschlossene 

1 Vgl. C. TL Wagner *D. R. P. Kl. 21 Nr. 8539 vom 15. März 1879; Schäfer 
und Monlanus 1884 254 * 208. 



238 



Kleinere Mittheilungen. 



Strom veranlafst, dafs der Hammer am Ankerhebel einen neuen Schlag auf 
die Glocke gibt. 

Dunh eine anderweite Beigabe läfst sich erreichen, daJ's grofse Läutewerke 
nach einmaligem Contactschlufs jedesmal selbsthätig eine bestimmte, beliebig 
ZU wählende Anzahl von Schlägen geben und sich dann selbsthätig abstellen. 

Fowler's drehbarer Isolator für Telegraphenleitaiigen. 

l T m in oberirdischen Telegraphenleitungen eine nahezu unveränderliche 
Drahtspannung auf Dauer zu erhalten, will G. Fowler in Peckham, Surrey, 
nach sciiicm englischen Patente Nr. 1386 vom 30. Januar 1888 die Isolatoren 
drehbar machen. Der Isolator, welcher in bekannter Weise durch seine 
Glockenform gegen die Feuchtigkeit von oben und von unten geschützt wird, 
ist im Innern hohl und nimmt ein Metallgehäuse in sich auf, in welchem 
eine Spiralfeder so angeordnet ist, dafs das eine Ende derselben am Gehäuse, 
das andere in einem Schlitz an der Isolatorstütze befestigt werden kann. Die 
Feder ist kräftig genug, um den Zug des Telegraphendrahtes aushalten zu 
können, der zu beiden Seiten einer an zwei gegenüberliegenden Stellen mit 
Einschnitten versehenen, ringförmigen Rippe um den Isolator herumgelegt 
wird. Bei jeder Aenderung der Spannung im Drahte soll sich dann der 
Isolator so viel in der einen, oder in der anderen Richtung drehen, dafs die 
Spannungsänderung durch die Verlängerung bezieh. Verkürzung des Drahtes 
zufolge der Drehung des Isolators ausgeglichen wird. 

Sedelmaier's Schneidzange zum Entblöfsen von isolirten Telegraphen- 

dränten. 

Die Werkzeugfabrik Sedehnaier in München fertigt seit einiger Zeit ein 
neues, sehr handliches Werkzeug für Telegraphen- und Telephonmonteure. 
Dasselbe dient nach dem Centralblatte für Elektrotechnik, 
1889 * S. 199, dazu, isolirte Drähte, namentlich baumwoll- 
umsponnene Drähte, an den Enden von der Isolirung zu 
befreien. Die beiden messingenen, am unteren Ende durch 
ein Gelenk verbundenen Schenkel des Instruments werden 
oben durch eine Drahtfeder scherenartig auseinander ge- 
halten. Der eine Schenkel trägt oben eine senkrecht zur 
Schenkelachse angeschraubte Stahlschneide, welcher im 
anderen Schenkel ein runder Einschnitt gegenüber steht. 
Das Drahtende wird in letzteren eingelegt, die beiden 
Schenkel zusammengedrückt und die Bespinnung durch 
Drehung des Werkzeuges rundum abgeschnitten. Hier- 
auf kann man sehr leicht und bequem die zu beseitigende 
Umhüllung durch die zusammengehaltenen Schenkelenden 
abstreifen, wobei die Schneide zugleich die zur Erzielung guter Contacte er- 
forderliche Reinigung des Drahtendes besorgt. 

Unfallgefahr. 

Nach den bisherigen Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften 
hat die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft die gröfste Unfallzifi'er 
mit Bezug auf „schwere" Unfälle, nämlich auf 1000 versicherte Personen 
8,84 Verletzte. Dann folgen das Berggewerbe mit 7,39, Brennerei mit 6,90, 
Spedition, Speicherei- und Kellereibetrieb mit 6,32, Fuhrwerksbetrieb mit 6,06, 
Müllerei mit 5,95, Papiermacherindustrie mit 5,89, Baugewerbe mit 5,30, Holz- 
industrie mit 5,29, Zuckerindustrie mit 5,16, Steinbruchbetrieb mit 4,92, che- 
mische Industrie mit 4,84, Eisen- und Stahlindustrie mit 4,75, Binnenschiff- 
fahrt mit 4,45, Eisenbannbetrieb mit 3,88, Betrieb der Gas- und Wasserwerke 
mit 3,72, Ziegeleibetrieb mit 3,54, Nahrungsmittelindustrie mit 3,15, Schoni- 
st einfegerei mit 2,76, Lederindustrie mit 2,45, Strafsenbahnbetrieb mit 1,87, 
Textilindustrie mit 1,77, Feinmechanik, Edel- und Unedelmetallindustrie mit 
je 1,68, Papierverarbeitungsindustrie mit 1,63, Glasindustrie mit 1,60, Musik- 
instrnmentenindnstrie mit 1,42, Töpferei mit 1,07, Buchdruck mit 1,01, Be- 
kleidungsindustrie mit 0,72 und schliefslieh die Tabakindustrie mit 0,36 Ver- 
letzten unter 1000 Personen im Jahresdurchschnitt. (Papier z-iitung.) 




Kleinere Mittheilungen. 239 

Ofen mit direkter Feuerung zum Trocknen von Kohlenklein: von 
Bietrix und Co. 

Dieser Ofen ist schon 1884 254 * 246 in seinen Details im Anschlüsse an 
die Kohlenzieo-elpresse von G. J. Coussinhal als Mischofen beschrieben worden. 
Referent bemerkt daselbst, dafs zur Bereitung des Teiges zwei Verfahren 
gebräuchlich sind: entweder man schmilzt das Pech für sich und mischt es 
hierauf mit dem Kohlenklein, oder man mischt die zerkleinerten Massen zu- 
erst und schmilzt sie hierauf, in welch letzterem Falle dieselben sehr fein 
gepulvert sein müssen. Zum Schmelzen des Pechs, welches mit dem Kohlen- 
klein gemischt ist, dient der beschriebene Ofen. 

In einem Ausstellungsberichte der Revue Industrielle, 1889 S. 501, über die 
in Paris von V. Bietrix ausgestellten Maschinen wird erwähnt, dafs die genannte 
Firma gegenwärtig, von dem früheren Verfahren abweichend, den Ofen mit 
direkter Feuerung nur mehr zum Trocknen des Kohlenkleins benutzt, was 
den Vortheil bietet, ohne Verflüchtigung von Theerbestandtheilen befürchten 
zu müssen, mit der Temperatur erheblich höher gehen zu können, wodurch 
ein gründlicheres Trocknen und damit ein besserer Betrieb gesichert ist. Das 
Mischen mit Pech geschieht nach dem Trocknen in einem Hohlcylinder, in 
dessen Wänden Dampf circulirt. Die üeberi'ührung des Kohlenklein aus dem 
Ofen in den Mischapparat geschieht mit Hilfe einer Transportschnecke, un- 
mittelbar hinter dem Ofen wird derselben auch das Pech zugeführt. 

Eine Berechnung über den Brenumaterialverbrauch des Ofens mit direkter 
Feuerung und den Verbrauch von Kohle bei Anwendung der alten Methode 
des Mischens, bei welcher die ganze Feuchtigkeit erst im Dampfmischer ver- 
trieben wird, spricht unbedingt zu Gunsten des ersteren. Zg. 

Anstrichmasse. 

Eine neue Anstrichmasse liefe sich Friedrich Wendung. Chemiker in 
München, patentiren (österreichisches Privilegium vom 24. Mai 1889). Wasser- 
haltige Doppelsilicate von Thonerde, Kalk und Alkalien aus dem Mineral- 
reiche (z. B. Zeolithe) werden mit Erdfarben oder anderen, gegen Kalk und 
Alkalien beständigere Farben, wie Umbra, Manganbraun, Grünerde, verschiedene 
Ockerarten, Ultramarinblau, Englischroth u. s.w. gemischt. Die Zusammen- 
setzung der Doppelsilicate soll innerhalb folgender Grenzen variiren: 
10 bis 12 Kieselsäure 

2.5 „ 4 Thonerde 

1.5 „ 3 Kalk 

2 „ 5 Natron 

3 „ 8 Wasser. 

Bei der Verwendung wird die Mischung mit der entsprechenden Menge 
Kalkmilch angerührt, und bildet dann eine Anstrichmasse für natürliche 
Steine, für Kalk und Cementverputz, soll gut halten und grofse Widerstands- 
fähigkeit gegen atmosphärische Einflüsse zeigen. Man mischt beispielsweise 
35 Th. Natrolitk, 15 Th. Apophyllit und 50 Th. Farbpulver; auf 1 Raumtheil 
dieser Mischung kommen 6 Raumtheile Kalkmilch von 22" Be. Zg. 

Verfahren zur Herstellung von künstlichen Pflastersteinen. 

Von M. Rast, L. Aufschläger und W. Blecken werden feinster Portland- 
Cement, grüner Hochofenschlackensand, reiner Quarzsand, reiner Basaltgries 
und reiner Granitgries durch Sieben auf möglichst gleiche Korngröfse gebracht, 
und die unbrauchbaren , gröfseren Brocken entfernt. Durch Schlämmen und 
Waschen kann dann noch die Masse von lehmigen Bestandtheilen befreit 
werden-, hierauf werden die Bestandtheile gemischt, angenetzt und in einer 
Prefsform eingestampft. Dies geschieht mittels eines Fallhammers. Nach voll- 
ständiger Comprimirung kommt sie dann unter eine Presse, welche die Steine 
fertigstellt. Aus der Form entnommen, bleibt das Material einige Zeit an der 
Luft" liegen, wird dann einige Tage lang in Wasser gebracht, das stets zu 
wechseln ist. Nach 2 Monaten Luftlagerung sind die Steine verwendbar. Zg. 



Bücher-Anzeigen. 



Bücher-Anzeigen. 



Der Betrieb und die Schaltungen der elektrischen Telegraphen. Unter 
Mitwirkung von mehreren Fachmännern bearbeitet von K.Ed.Zetzsche. 

Zugleich als 2. Hälfte des 3. Bandes des Handbuchs der elektrischen 

Telegraphie. Heft 1. Mit 117 Abbildungen. Verlag von Willi. 

Knapp in Halle a. S. Preis 6 Mk. 

Nach einer längeren Zwischenpause ist soeben das 1. Heft eines Buches 
erschienen, welches den 3. Band des bekannten Handbuchs von Zetzsche zum 
Abschlul's zu bringen bestimmt ist, indem es den Stoff behandelt, welcher 
s. Z. für die 2. Hälfte jenes — der elektrischen Telegraphie im engern Sinne zu- 
gewiesenen — Bandes aufgespart geblieben ist. Der Verfasser hat indessen 
für diesen Stoff eine Bearbeitung gewählt, bei welcher das Buch zugleich auch 
als ein für sich bestehendes, selbständiges Werk angeschen werden kann. 
Während nämlich die zum Telegraphiren unentbehrlichen sachlichen Erforder- 
nisse (Elektricitätsquelle, Telegraphenleitung, Telegraphenapparate) als bekannt 
vorausgesetzt werden, sollen in dem auf 3 Hefte bemessenen, bis Ende des 
laufenden Jahres vollständig erscheinenden Buche die Ausnutzung und Ver- 
xcerthung jener Erfordernisse im Telegraphenbetriebe besprochen werden. 

Demgemäfs ist der Stoff in 5 Abtheilungen eingeordnet worden, von 
denen das 1. Heft die beiden ersten vollständig enthält. Nach einer kurzen 
Einleitung wird in der ersten Abtheilung das Allgemeine über die uns für 
das Telegraphiren zur Verfügung stehenden Betrieb neeisen vorgeführt und im 
Anschlüsse daran die an die Empfänger bezüglich der Wiedererzeugung des 
Telegramms an dem Empfangsorte zu stellenden Anforderungen und die sich 
daraus ergebende Eintheilung derselben kurz erörtert. Der zweite (in Ge- 
meinschaft mit Prof. Dr. Tobler in Zürich bearbeitete) Abschnitt ist den Schal- 
tungen für die einfache Telegraphie gewidmet und bespricht zunächst die 
Schaltungen für Leitungen ohne Ladung (für Morse, Estienne, Hughes), dann die 
Schaltungen für Leitungen mit Ladung (für Morse, Thomson, Hughes). 

Den beiden anderen Heften sind vorbehalten: als dritte und vierte Ab- 
theilung die Besprechung der Einrichtungen und Schaltungen für die mehr- 
fache Telegraphie und der automatischen Telegraphie, in der fünften Abtheilung 
aber die Erörterung einer Reihe von wichtigen und einllufsreichen Betriebs- 
verhältnissen. 

Das vorliegende 1. Heft macht auch in seiner Ausstattung einen sehr 
günstigen Eindruck, ganz besonderer Fleifs und Sorgfalt aber ist auf die 
Abbildungen verwendet worden, welche namentlich die z. Th. sehr ver- 
wickelten Schaltungsskizzen in möglichster Uebersichtlichkeit und Klarheit 
darbieten. 

Technisch -chemisches Jahrbuch 1888 — 1889. Ein Bericht über die 
Fortschritte auf dem Gebiete der chemischen Technologie von April 
1888 bis April 1889. Von Dr. Biedermann. 11. Jahrgang. (Berlin. 
Heymann\s Verlag.) 625 S. geb. 
Das Jahrbuch erscheint, reich illustrirt, in der bisherigen Weise. 



ler .t. <;. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck 'irr Union Deutsche Verlagegesellschaft in Stuttgart. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 241 

Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889: 
von Fr. Freytag. 

Lehrer der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 145 d. Bd.) 

Mit Abbildungen auf Tafel 12 und 13. 

Die von der Societe Cockerill in Seraing ausgestellte grofse Gebläse- 
maschine war die 152. Maschine eines von Seraing ausgegangenen, all- 
gemein bekannt gewordenen Systems, welches seit seinem Bestehen in 
Bezug auf Vervollkommnung der einzelnen Theile und fortschreitende 
Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Dampfmaschine vielfache Aende- 
rungen erfahren hat. 

Während z. B. bei den ersten Maschinen, unter anderen auch bei 
der in Wien 1873 ausgestellten Gebläsemaschine, die Dampfeinlafs- 
ventile durch Daumen beeinflufst wurden, welche auf einer von der 
Schwungradwelle mittels Räder betriebenen Steuerwelle safsen, erfolgt 
die Bethätigung der Ventile dieser Ausstellungsmaschine durch ein auf 
der Schwungrad welle sitzendes Excenter, welches durch eine Stande 
mit einer kleinen, auf der Steuerwelle festgemachten Kurbel in Ver- 
bindung steht: die schädlichen Zahnreibungen kommen nun vollständig 
in Wegfall und die Maschine arbeitet viel geräuschloser als vordem. 

Der auf vier geneigten Säulen stehende Gebläsecylinder von 3 m ,0 
Durchmesser und 1» 2 Hub wird von der darunter stehenden, mit Con- 
densation arbeitenden Woolf sehen Maschine von 1,2 bezieh. m ,85 Durch- 
messer der Cy linder unter Zwischenschaltung einer Traverse betrieben: 
die Enden der letzteren sind durch Kurbelstangen mit zwei Schwung- 
rädern von 7 m ,24 Durchmesser verbunden, welche ein Gesammtgewicht 
von 18000 k haben. 

Die Maschine liefert beim normalen Gange von 15 Umdrehungen 
in der Minute 338cbm wind zu einer Spannung von 0^,25 Quecksilber- 
säule und entwickelt dabei eine Leistung von 200 B?. 

Die Luftpumpe hat m ,760 Durchmesser und l m ,220 Hub. 

Dieselbe Firma hatte auch eine für die Societe de fair comprimc 
in St. Fargeau bestimmte Luftcompressionsmaschine nach dem 1884 254 
*324 beschriebenen System von Bubois und Francois ausgestellt, welche 
aus zwei doppeltwirkenden Compressionscylindern von je m ,6 Durch- 
messer bestand, die durch eine zwischen ihnen liegende Verbund- 
maschine betrieben wurden. Der Hochdruckcylinder der letzteren von 
m ,7 Durchmesser war mit von Hand stellbarer Mayer- Steuerung und 
der Niederdruckcylinder von 1^,150 Durchmesser mit einem TYtc/schen 
Kanalschieber versehen: der gemeinsame Hub beider Cylinder betru^ 
l m ,200. 

Die Maschine erhielt Dampf von 8" Spannung und beide Com- 
pressoren lieferten bei 40 minutlichen Umdrehungen in der Stunde 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 6. 1890 II. lg 



242 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

3500 cllin Luft von 6 at Spannung, wobei sich der Kohlenverbrauch auf 
h>- für l k eingesaugter Luft stellte. 

Die Maschine von Sautter, Lemonnier und Co. in Paris zeichnete 
sich durch eine bemerkensvverthe Vorrichtung zur Regulirung des Ein- 
strömdampfe8 aus. 

Wie die Revue universelle, 1889 Taf. 12, entnommenen Abbildungen 
(Fig. 1 und 2 Taf. 12) erkennen lassen, bewegt sich in einem auf dem 
Schieberkasten befestigten eylindrischen Gehäuse C ein entlasteter mit 
trapezförmiger Oeffnung EE versehener Kolbenschieber J, dessen senk- 
rechte Achse B mit der Regulatormuffe in Verbindung steht. 

Je nach der Höhenlage der letzteren kommt auch der Kolben - 
Schieber A in eine höhere oder tiefere Stellung und schliefst dadurch 
bei seiner Drehbewegung, welche doppelt so grofs ist als diejenige der 
Maschine, den rechteckigen Durchlafskanal D des in den Schieber- 
kasten tretenden Dampfes früher oder später. 

Die trapezförmige Oeffnung im Kolbenschieber ist derartig ge- 
bildet, dafs der Beginn der Dampfeinströmung in den Cylinder für alle 
Höhenlagen des Schiebers constant bleibt und je nach der Geschwin- 
digkeit der Maschine bis zum jedesmaligen Verschlusse der Oeffnung D 
während eines längeren oder kürzeren Kolbenweges stattfindet. 

Eine ähnliche Steuerung zeigte die Ausstellungsmaschine von Olry. 
Granddemange und Coulanghon in Paris. 

Die Dampfvertheilung regelte hier ein flacher Schieber, welcher 
behufs vollständiger Entlastung zwischen einer im Schieberkasten liegen- 
den Zwischenwand und dem Schieberspiegel gleitete; auf dem letzteren 
waren, wie in der Regel, für den Dampfein- und Austritt drei Oeff- 
nungen angebracht, während die Gleitfläche im Schieberkasten nur von 
einer Oeffnung durchbrochen wurde, welche je nach der Stellung des 
Schiebers mit einem der beiden Dampfdurchlafskanäle desselben com- 
municirte und von einem darüber liegenden, mit dem Regulator in 
fester Verbindung stehenden Drehschieber, in ähnlicher Weise wie bei 
der ßi'Jer-Steuerung, geöffnet bezieh, früher oder später geschlossen 
wurde, so dafs die Maschine dann mit kleineren oder gröfseren Cylinder- 
fiil hingen arbeitet. 

Bei der von der Firma V. Bietrix und Co. in Saint-Etienne (Loire) 
ausgestellten wagerechten Verbundmaschine mit vier zu je zwei hinter 
einander liegenden Cy lindern bewirkte ein einziger, sich stets in dem- 
selben Sinne drehender Hahn die Dampfvertheilung aller 4 Cylinder. 

Die Construction desselben geht aus den Revue universelle, 1889, 
entnommenen Abbildungen (Fig. 3 bis 6 Taf. 12) hervor, und zwar ver- 
anschaulicht Fig. 3 und 4 den bei Eincylindermaschinen, Fig. 5 und 6 
den bei zwcieylindrigen nachdem Verbund- oder Tandemsystem arbeiten- 
den Maschine zur Anwendung kommenden Hahn, dessen Achse stets 
der Längsachse der zugehörigen Cylinder parallel liegt. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 243 

Das eine, im Durchmesser am kleinsten gehaltene und theilweise 
ausgehöhlte cylindrische Ende des vollständig entlasteten Hahnes A be- 
sitzt zwei einander gegenüber liegende schmale Öffnungen für den 
Dampfeintritt und hierüber greift ein leicht drehbarer, mit ebensolchen, 
jedoch breiteren Oeffnungen versehener Mantel /?, der durch den Re- 
gulator eingestellt wird, indem derselbe zu dem Zwecke durch Schraube 
ohne Ende D mit einem Schneckenrade in Verbindung steht, welches 
mit dem Mantel aus einem Stücke gegossen ist: die Schraube ohne 
Ende kann auch von dem Maschinenwärter leicht bewegt werden und 
die Verdrehungen des Mantels bestimmen dann den Füllungsgrad im 
Cylinder. Der mittels conischer Räder von der Schwungradwelle aus 
betriebene, in einer eingesetzten Büchse des Schieberkastens sich 
drehende und schwach conische Hahn wird von dem in seinen Aus- 
höhlungen circulirenden Dampf beständig gegen ein von aufsen regulir- 
bares Widerlager C gedrückt, so dafs ein gutes Dichthalten und eine 
leichte Beweglichkeit gesichert ist. 

Nach Revue industrielle , 1889 * S. 354, ergaben die an einer halb- 
wirkenden, auf dem zughörigen Röhrenkessel liegenden Verbundmaschine 
obigen Systems von 200 bezieh. 325 mm Cylinderdurchmesser und 500 mni 
Kolbenhub am 16. August 1889 in St. Etienne angestellten Versuche 
die nachstehenden Resultate: 

Dauer des Versuchs 4 Stunden 

Gesamrnter Speisewasserverbrauch 3400k 

„ Kohlenverbrauch 400k 

Aschenrückstände 21k 

Dampfspannung 12k 

Mittlere Umdrehungszahl in der Minute 128.50 

Effective Leistung 85,2 ff 

Speisewasserverbrauch in der Stunde und effectives ff 10k 

Verdampftes Wasser auf lk roher Kohle 8k.5 

., lk gereinigter Kohle . . . 8^,96 

Verbrauch an roher Kolale in der Stunde und auf lqm 

Kesselheizfläche 14k.2 

Verbrannte Kohle auf lqm Rostfläche 0.666 

Die Socie'te de Panlin hatte eine vorzügliche senkrechte mit drei- 
facher Expansion arbeitende Hammermaschine mit Condensationseinrich- 
tung ihres eigenartigen Systems ausgestellt, welche mit 10 at Kessel- 
spannung und 130 Umdrehungen in der Minute eine Leistung von 150 BP 
entwickeln soll. 

Die Durchmesser der Cylinder betrugen 0,39, 0,58 und m ,72, der 
Kolben hatte eine Geschwindigkeit von l m ,95 und der am Schwung- 
rade befestigte Regulator wirkte unmittelbar auf das den Dampfschieber 
bewegende Excenter. 

Eine ganz eigenthümliche Anordnung (D. R. P. Nr. 38656J zeigte 
die von Alfred Eoyois in Clabecq construirte eincylindrige wagerechte 
Dampfmaschine. 

Den Dampfeinlafs regelten bei dieser Maschine in die Cylinder- 



2-44 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

deckel centrisch eingebaute Ventile von grofsem Durchmesser und 
kleinem Hub, während den Dampfaustritt zwei im Inneren des Cylinder> 
liegende Gitterechieber vermittelten. 

Die ganze Anordnung fiel durch Neuheil und Originalität auf und 
läfst an Einfachheit nichts zu wünschen übrig, wenngleich ein dauernde* 
gutes Schliefseu der wagerecht liegenden Einlafsventile wohl kaum zu 
erwarten ist. 

Wie Fig. 7 Tai. 12 veranschaulicht, führen sich die cuuceutrisch 
zur Cylinderachse in den Deckeln gelagerten Doppelsitzventile a aut 
je einer die Kolbenstange umschliefsenden Hülse fc, welche in die hohlen 
Deckel auswechselbar eingesetzt sind und durch die Oeffhungen o, 
und b 3 des Ventils und der Führungshülse gelangt der durch den Dampf- 
mantel des Cylinders in die Deckel strömende Kesseldampf zu den vor- 
deren Ventilsitzen. 

Jedes Ventil a ist mit zwei Stangen a 2 versehen, welche, durch 
Stopfbüchsen geführt, aus den Cylinderdeckeln heraustreten und von 
den Steuerungsorganen beeinflufst werden. 

Es geschieht dies mittels der winkelig gebogenen Stangen c { c 2 , 
welche auf einem am Cylinderdeckel befestigten hohlen Zapfen d ver- 
schiebbar gelagert und durch ihren gegabelten Theil c 2 mit den Veutil- 
stangen a 2 verbunden sind. 

Die vorschreitende, das Oefihen und Schliefsen der Ventile be- 
wirkende Bewegung erhalten beide Stangen c, c 2 von dem auf der 
Cylindermitte sitzenden, mit dem Regulator direkt verbundenen Steue- 
rungsapparate, welcher aus einer Kurbel K besteht, die von einem auf 
der Schwungradwelle sitzenden Excenter hin und her bewegt wird und 
zwei Klinken K 1 K 2 trägt, welche auf die Enden der Stangen c, c, 
wirken. Die Klinken werden durch die Stifte l { l 2 ^ welche in einem 
mit der Regulatormuffe gekuppelten Schlitten / befestigt sind, früher 
oder später ausgelöst und damit wird das Schliefsen der Ventile mittels 
der über den Ventilstangen a 2 liegenden Federn x bewirkt. 

Der hierbei auftretende Stofs wird durch die folgende Einrichtung 
gemildert: 

Der hohle, auf dem Zapfen d liegende Theil jeder Stange c x c 2 ist 
vorn mit einer Kappe c 3 versehen, in welche ein am Zapfen d be- 
festigter Kolben rf, eingepafst ist; der Raum d 3 zwischen dem Fufse 
des hohlen Zapfens d und dem Kolben d { ist mit Luft gefüllt, welche 
bei der vorschreitenden Bewegung der Stange c, c 2 zwischen den fest- 
stehenden Kolben d { und die Innenwandung der Kappe c 3 hindurch- 
dringt und den durch Verschiebung der Stange zwischen Kappe und 
Vorderfläche des Kolbens gebildeten Raum ausfüllt. Beim Auslösen 
der Stange c { c 2 wird diese Luft wieder in den Raum d 3 zurückgetrieben 
und wirkt dann als Polster, indem sie den Schlag beim plötzlichen 
Schliefsen der Ventile mildert. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 245 

Die Luftventile c 4 an den Kappen c 3 dienen zur Reguliruug, wenn 
Störungen im Mechanismus eintreten sollten. 

Die den Austritt des verbrauchten Dampfes regelnden Gitter- 
schieber e werden durch die auf einer in den Cylinderwandungen ge- 
führten Stange f sitzenden Knaggen f { bewegt, welche in eine an 
dieser Stelle nicht mit Kanälen versehene Aussparung jedes Schiebers 
eingreifen; die Schieberstange f ist an einen dreiarmigen Hebel ange- 
schlossen und erhält ihre hin und her gehende Bewegung dadurch, dafs 
zwei am Kreuzkopfe sitzende Daumen abwechselnd je einen der beiden 
freien Arme des dreiarmigen Hebels herunterdrücken. 

Der durch die Schieber e austretende Dampf gelangt in den die 
Standen f umgebenden, an den Cylinder angeschlossenen Kanal g und 
strömt bei g { aus. 

Durch die Vermeidung aller Dampfzuführungskanäle kommen die 
aus denselben entstehenden schädlichen Räume vollständig in Wegfall. 

Die Ausstellungsmaschine der Socie'te anonyme Vervie'toise pour ta 
construction de machines zu Verviers war mit der unter dem "Namen 
ßede-Farcot bekannten Steuerung versehen. 

Wie Fig. 8 Taf. 12 erkennen läfst, besteht der Dampfcylinder dieser 
Maschine aus 6 Stücken: einem äufseren Mantel mit kastenförmigem 
Fufsstücke zum Aufschrauben auf das Fundament, dem eingeschobenen 
Arbeitscylinder, zwei angeschraubten Ventilgehäuseu zur Aufnahme der 
inneren Steuerungstheile und zwei doppelwandigen Deckeln. 

Die Dampfvertheilung wird durch Corh'/s-Schieber bewirkt und die 
Bethätigung der aufsenliegenden Steuerungstheile erfolgte gänzlich un- 
gezwungen durch einen in der Cylindermitte stehenden Watt'schen Re- 
gulator. Derselbe erhält seine Bewegung unter Vermittelung zweier 
conischer Räderpaare von der Kurbelwelle aus und auf seiner Spindel 
ist oben eine excentrische Scheibe für die Dampfeinströmung, weiter 
unten eine ebensolche Scheibe für die Dampfausströmung befestigt, 
welche beide in auf wagerechten Tischen geführten Rahmen liegen. 
Der obere Rahmen trägt auf beiden Seiten einen in je einem Charnier 
drehbaren Anschlag, welcher beim Drücken auf den Lenkstangenknopf 
der C 'orlifs- Kurbel den Schieber so bewegt, dafs der Dampfeinlafskanal 
im Cylinder geöffnet wird. Beide Anschläge sind über ihren Dreh- 
punkten mit je einem gekrümmten Hörn versehen, dessen oberer Theil 
frei in einer mit der Regulatormuffe verbundenen Schleife liegt und je 
höher die Regulatormuffe steigt, desto früher kann das Festhalten dieses 
Hornes in der Schleife stattfinden, worauf der Anschlag wegen des 
weiterschreitenden Drehpunktes im Rahmen ausgehoben wird: je eine 
Feder mit Luftbuffer an der Lenkstange führen dann die Schieber in 
der bekannten Weise zurück. 

Die untere excentrische Scheibe arbeitet ganz ähnlich in ihrem 
Rahmen, und da sie von der oberen nicht beeinflnfst wird, kann letztere 



:>4*> Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung L889 

auch unter einem negativen Voreilwinkel gegen die Kurbel aufgekeilt 
werden, wodurch man höhere Füllungen erreicht. Der Kohlenverbrauch 
soll nach Angabe der Firma bei Condensationsmaschinen 4 / 5 bis l 1 , 
und bei Maschinen ohne Condensation durchschnittlich 2 k in der Stunde 
und für 1 H* betragen. 

Bei der von Schneider und Co. in Creuzot ausgestellten liegenden 
Corfi/s-Maschine erfolgte die Regulirung des Dampfeinlasses dadurch, 
dafs die Bewegung einer zum activen Mitnehmer gehörigen Sperr- 
klinke durch die Stellung einer vom Regulator abhängigen Coulis*e 
\ ariirte. 

Das eine Ende der Sperrklinke machte die Bewegung eines um 
die Hahn.spindel lose schwingenden zweiarmigen Hebels mit, während 
das andere Ende in der Coulisse so lange gleitete, bis es anschlug, 
worauf die Lösung der Verbindung zwischen dem activen und passiven 
Mitnehmer erfolgte. 

Die Bewegung der Excenterstange wurde zunächst auf den vor- 
deren, von da auf den rückwärtigen Auslafsschieber und von diesen 
beiden auf die activen Mitnehmer der Einlafsschieber übertragen. 

Die Ausstellungsmaschine von Viktor Brasseur in Lille zeigte eine 
ähnliche Steuerung, nur erfolgte der Antrieb der activen Mitnehmer 
von einem fünfarmigen Centralbalancier aus, der in der Cylindermitte 
befestigt war. 

Die Verbundmaschine von Boulet und Co. in Paris zeigte eine be- 
merkenswerte Vorrichtung zur Aenderung des Füllungsgrades im kleinen 
Cylinder, die als nachahmenswert wohl kaum empfohlen werden kann. 
Der Querschnitt des Vertheilungsschiebers war ein rechtwinkeliges Drei- 
eck, dessen Hypotenuse den Schieberspiegel bildete, während sich auf 
einer der Katheten der vom Regulator beeinflufste Expansionsschieber 
bewegte. Die Stange dieses aus zwei Lappen gebildeten Schiebers endete 
mit zwei kleinen Kolben, von welchen der eine sich in einem mit Oel 
gefüllten Cylinder hin und her schob und so eine Bremsung der von 
der anderen Seite kommenden Stöfse bewirkte, während der andere, 
je nach der Menge des durch einen Hahn zuströmenden Dampfes bei 
seinem Hin- und Hergange einen längeren oder kürzeren Weg zurück- 
legte. Die Gröfse der Hahnschwingung bestimmte der in einer von 
der Excenterstange mittels Hebel bewegten Coulisse gleitende Coulissen- 
stein, der von dem Regulator eingestellt wurde. 

Die Firma Boulet und Co. verwendet bei ihren schnell laufenden, 
nach dem Hammersystem erbauten Maschinen einen Achsenregulator, 
dessen Bevue Universelle^ 1889 Taf. 8, entnommene Abbildung Fig. 13 
eine weitere Beschreibung überflüssig macht. 

E. W. Windsor in Rouen hatte eine Verbund-, eine Tandem- und 
eine Eincylindermaschine ausgestellt. Die Dampfvertheilung der letz- 
teren und ebenso diejenige der Hochdruckcylinder der Verbund- und 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 247 

Tandeminaschine erfolgte mittels zweier auf dem Rücken de« Cylinders 
liegenden Einlafsventile und zweier unter dem Cylinder angeordneten 
rostartigen Auslafsschieber, welch letztere in ähnlicher Weise wie bei 
Hoyois in Clabecq construirt und vom Kreuzkopfe aus betrieben wurden. 
Ein Excenter übertrug indirekt seine Schwingungen dem auf der 
Cylindermitte angebrachten, zur Bethätigung der Einlafsventile dienenden 
Dr. /Vö'/f sehen Expausionsapparat, welcher in Fig. 9 Taf. 12 veranschau- 
licht ist. 

Die Compagnie des forges de VHorme in Lyon hatte zwei Typen 
ihrer nach dem System Bonjour erbauten Dampfmaschinen ausgestellt, 
von denen die eine mit zwei Cylindern nach dem Verbundsystem 
arbeitende Condensationsmaschine in ähnlicher Weise wie die Aus- 
stellungsmaschine von Boulet und Co. mit einer Dampfsteuerung, die 
andere eincylindrige Maschine mit einer kinematischen Steuerung ver- 
sehen war, welche letztere wegen ihrer Einfachheit im höchsten Grade 
die Aufmerksamkeit aller Besucher der Ausstellung erregte. 

Der Hochdruckcylinder der Verbundmaschine arbeitet mit zwei 
Schiebern, von denen der durch ein Excenter der Schwungradwelle 
bewegte Hauptschieber die Ein- und Ausströmung des Dampfes, sowie 
den Compressionsgrad und der in seinem Inneren gleitende Steuerungs- 
schieber den Grad der Expansion regelt. 

Der letztere kreisförmige und daher vollständig entlastete Schieber 
ist mit einer sich parallel der Cylinderachse führenden Stange verbunden, 
an deren äufsersten Enden wieder kleine Kolben befestigt sind; der 
eine derselben bewegt sich in einem entsprechend dimensionirten Dampf- 
cylinder und erhält zu Folge der wechselnden Bewegungen eines zu 
diesem gehörigen kleinen Rundschiebers abwechselnd auf beiden Seiten 
Dampf, so dafs die entstehende hin und her gehende Kolbenbewegung 
den Verschlufs der Dampfeinströmöffnungen im grofsen Cylinder ver- 
mittelt. Der andere am entgegengesetzten Stangenende sitzende kleine 
Kolben bewegt sich in einem Luftbremscyliuder und dient zur Auf- 
nahme der mit dem Wechsel der Schieberbewegungen verbundenen 
Stöfse. 

Der in dem kleinen Dampfcylinder arbeitende Rundschieber erhält 
seine Bewegung, wie Fig. 10 erkennen läfst, unter Zwischenschaltung 
einer Coulisse von der ebenfalls den Hauptschieber mitnehmenden Ex- 
centerstange, so dafs die Steuerung nur mit einem einzigen Excenter 
arbeitet. Der sich in der Coulisse führende Gleitklotz gestattet je nach 
seiner vom Regulator eingestellten Lage veränderliche Cylindei-füllungen 
von Null bis 70 Proc. des Kolbenhubes. 

Die höchst bemerkenswerthe Steuerung der Eincylindermaschine 
bestand ebenfalls aus zwei Schiebern, von denen wieder der Grund- 
schieber die Ein- und Ausströmung des Dampfes, sowie den Com- 
pressionsgrad regelt, während der andere darüber liegende kreis- 



24s Dampfmaschinen der Pariser Weltansstellung 1889. 

förmige Expansionsschieber den Verschlafe der Durchlafskanäle des 
Grundschiebers, ähnlich wie bei der Jlfeyer-Steuerung bewirkt, nur 
werden hier beide Schieber, wie die in Fig. 11 und 12 ersichtlichen 
Abbildungen erkennen lassen, von einem einzigen Excenter mittels 
der am Bügel desselben befestigten Stangen A und B beeinflufst und es 
ist auch das frühere bezieh, spätere Abschneiden des Dampfzuflusses 
in den Cylinder von der Stellung des Regulators abhängig. Der letz- 
tere steht zu dem Zwecke durch die Stange E mit einem Hebel C in 
Verbindung, der an dem entsprechend verstärkten Kurbelwellenlager 
drehbar befestigt ist und in seiner rückwärtigen Verlängerung den mit 
dem Excenterbügel verbundenen Hebel D bildet. Sobald durch die 
Stange E die Hebel C und D um ihren Drehpunkt bewegt werden, 
ändert sich die Lage des Excenterbügels und es genügt schon eine 
Drehung des Hebels C um 30°, um die Schieber von der Füllung Null 
in die der Maximalfüllung entsprechende Lage zu bringen. Im letz- 
teren Falle befindet sich der Regulator in seiner höchsten Stellung, die 
Durchlafskanäle im Grundschieber werden von dem Expansionsschieber 
überhaupt nicht mehr geöffnet und ein Durchgehen der Maschine kann 
nicht stattfinden. Für alle Zwischenstellungen des Regulators bezieh, 
des Excenterbügels bleibt das lineare Voreilen, das Einströmen und die 
(Kompression des Dampfes constant, es ändert sich nur der Hub des 
Expansionsschiebers und damit die Dauer der Dampfeinströmung in den 
Cylinder. 

Von den Schweizer Maschinenfabriken war in der Maschinen- 
abtheilung die von Gebrüder Sulzer in Winterthur gelieferte Collection 
jedenfalls die reichhaltigste; die Firma hatte eine liegende, sowie eine 
stehende Dreicylinder- Ventilmaschine neuerer Construction, zwei mit 
Dynamomaschinen gekuppelte schnelllaufende stehende Verbundmaschinen, 
sowie eine grofse liegende Verbundventildampfmaschine mit 3 m ,5 Kolben- 
geschwindigkeit ausgestellt. 

Die letztere, in ihren Einzelheiten im Wesentlichen nach dem bis- 
herigen System der Firma gebaute Maschine, bestand nach Engineer 
1889 " S. 470 aus zwei neben einander liegenden Dampfcylindern von 
500 bezieh. 800 mm Durchmesser, einem Kolbenhube von 1400 mm und soll 
nach Angabe der Fabrik mit 75 minutlichen Kurbelumdrehungen, einem 
Admissionsdruck von 7 1 / 2 Atmosphären und einer Füllung im Hochdruck- 
cylinder von 10 Proc. 315 indicirte oder 265 effective Pferde entwickeln: 
diese Leistung wächst bei 40 Proc. Cylinderfüllung auf 585 indicirte 
oder 500 effective Pferde. 

Um die Compression beliebig einstellen zu können, waren die zur 
Bethätigung der Ausströmventile auf der Steuerwelle sitzenden unrunden 
Scheiben, ebenso wie diejenigen für die Einströmventile des Niederdruck- 
cylinders zweitheilig angefertigt. Beide Cylinder hatten Dampfmü'ntel 
und der vom Kessel kommende Dampf strömte zunächst durch den zu- 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 249 

gehörigen Mantel in den Hochdruckcylinder, darauf durch den gleich- 
zeitig als Zwischenbehälter dienenden Mantel des Niederdruekcylinders 
in diesen selbst. 

Die Kolben waren nach dem System Ramsbottom möglichst leicht 
construirt und ihre ziemlich starken Stangen führten sich in mit Metall- 
einlagen versehenen Stopfbüchsen. 

Die Condensationsvorrichtung bestand aus einem Röhrencondensator 
und einer doppelt wirkenden Luftpumpe, welche unterhalb der Maschine 
lag und vom Kurbelzapfen aus betrieben wurde. 

Die Maschine soll an Dampf 6 k ,353 pro Stunde und Indicatorpferd 
gebrauchen. 

Eine Dampfmaschine desselben Systems von 525 bezieh. 825 mm 
Cylinderdurchmesser und 1200 mm Kolbenhub hatten auch Careh Freres 
in Gent zur Ausstellung gebracht, nur waren hier die unrunden Scheiben 
auf der Steuerwelle für die Einströmventile des Niederdruekcylinders 
nicht verstellbar, sondern für eine Füllung von 50 Proc. fest aufgekeilt. 

Das zuerst in einem Stück gegossene und darauf gesprengte Schwung- 
rad hatte 5 m Durchmesser und übertrug durch Seile den Effect einem 
Theile der belgischen Abtheilung. 

Die liegende, ebenfalls mit Condensation arbeitende dreifache Ex- 
pansionsmaschine der Gebrüder Suher setzt sich, wie Fig. 14 Taf. 13 
erkennen läfst, aus drei hinter einander liegenden Cylindern von 350., 
525 und 700 mm Durchmesser und 750 mm gemeinsamen Kolbenhube zu- 
sammen, von denen der doppeltwirkende Niederdruckcylinder zwischen 
dem einfach wirkenden Hoch- und Mitteldruckcylinder liegt: die Maschine 
soll bei 80 minutlichen Umdrehungen, einem Ueberdrucke von 10 at und 
einer Füllung im Hochdruckcylinder von 10 Proc. eine Leistungsfähig- 
keit von 75 indicirten oder 62 effectiven Pferden besitzen, welche sich 
mit 40 Proc. Füllung auf 140 indicirte oder 120 effective Pferde erhöht. 

Der Hochdruckcylinder A ist an den beiden anderen zusammen- 
gegossenen Cylindern befestigt und kann der bequemen Montirung wegen 
von diesen leicht entfernt werden, da er mit 4 Laufrollen a versehen 
ist, welche auf einem Schienengeleise ruhen, wobei vermöge einer auf 
der Steuerwelle sitzenden Klauenkupplung der ganze Steuermechanismus 
dennoch intakt bleibt. 

Die drei aus einem Stücke hergestellten Kolben sind durch eine 
kräftige, nur in einer einzigen Stopfbüchse geführten Stange mit dem 
Kreuzkopf verbunden und der Kolben des kleinen Cylinders besitzt, um 
etwaigen, in Folge der grofsen Spannungsdiflerenzen zwischen Hoch- 
und Niederdruckcylinder auftretenden Dampfverlusten vorzubeugen, eine 
doppelte Ringgarnitur. 

Der frische Kesseldampf tritt zuerst wieder in den Mantel des Hoch- 
druckcylinders A und nach Oeffnen eines Absperrventiles, sowie des 
Einströmventiles E hinter den Kolben dieses Cvlinders, darauf durch 



250 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

das Ventil E { und Rohr G in den Mantel des Mitteldruckcyliuders, durch 
Ventil E, hinter den Kolben desselben, sodann durch Ventil E 3 in den 
Mantel des Niederdruckcylinders und abwechselnd durch Ventil £ 4 
oder £ 5 in den letzteren: der Austritt in den Condensator erfolgt endlich 
durch die Ventile E 6 und E-. 

Von diesen 8 Ventilen wird nur das Einströmventil E 2 des Mittel- 
druckcylinders vom Regulator gesteuert. 

Die kräftig gebaute, das kleinste Modell der von Gebrüder Sulzer 
erbauten stehenden Maschinen mit dreifacher Expansion zeigende Cou- 
densatiousmaschine war mit Cylindern von 400, 600 und 900 mm Durch- 
messer bei 600 mm Kolbenhub ausgerüstet und soll mit 125 Umdrehungen 
in der Minute, einem Admissionsdruck von 10 at und einer Füllung im 
Hochdruckcylinder von 20 Proc. 285 indicirte oder 240 effective, sowie 
bei 40 Proc. Füllung 435 indicirte oder 370 effective Pferde leisten. 

Die auf kräftigen, mit der gemeinschaftlichen Grundplatte ver- 
schraubten Ständern ruhenden Cylinder waren neben einander angeordnet 
und zwar lag der Niederdruckcylinder in der Mitte: diese Anordnung 
ist gewählt worden, um einestheils die Symmetrie zu wahren, andern- 
theils eine günstige Aufstellung der Luftpumpe zu ermöglichen. Die 
Kolben arbeiteten auf die um je 120° gegen einander verdrehten Kurbeln 
der Schwungradwelle, welche sich in 4 aufgegossenen Lagern der Grund- 
platte bewegte. 

Die Steuerung aller drei Cylinder erfolgte, wie bei den wagerechten 
Maschinen, durch Ventile, deren Stangen sich mit Ausnahme derjenigen 
der oberen Ventile des grofsen Cylinders senkrecht und parallel den 
Cylinderachsen führten, so dafs ein guter Verschlufs gesichert ist. 

Die über der Schwungradwelle liegende und in einer zum Theil 
mit Oel angefüllten Röhre sich bewegende Steuerwelle beeinflufste mittels 
auf ihr befestigter Daumen, welche bei der Drehung in das Oel tauchen, 
direkt alle Ventile, mit Ausnahme der zwei Einströmventile des Hoch- 
druckcylinders, welche letztere durch einen einfachen Klinkenmechanis- 
mus gesteuert wurden, der schnelles und geräuschloses Oeffnen und 
Schliefsen dieser Ventile bewirkte. 

Der Kugelregulator von gewöhnlicher Construction beeinflufste gleich- 
zeitig die Steuerwelle und die Steuerung der letztgenannten Ventile. 

Die Schmierung aller bewegten Theile geschieht automatisch mittels 
einer im untern Theile der Grundplatte liegenden kleinen rotirenden 
Pumpe. 

Besonders hervorzuheben ist noch die leichte Zugänglichkeit aller 
Theile der Maschine, da der Maschinenwärter, ohne eine Stufe zu be- 
treten, seinen Dienst in der bequemsten Weise besorgen kann. 

Beide dreifache Expansionsmaschinen waren nach den Angaben des 
Chefingenieurs Wilhelm Züblin und des ersten Constructeurs Jürgen 
Schübeier der Dampfmaschinenahtheilung von Gebrüder Sulzer gebaut. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 251 

Die mit einer Dynamomaschine von Cuenod, Sautier und Co. in 
Geneve direkt gekuppelte, stehende Verbundmaschine hatte einen Hoch- 
druck cy linder von 275 mm und einen Niederdruckcylinder von 400 mni 
Bohrung, 300 mm Kolbenhub und soll mit 260 minutlichen Umdrehungen, 
einen Admissionsdruck von 10 at und einer Füllung vou 10 Proc. im 
Hochdruckcylinder ohne Cundensation 61 indicirte oder 51 effective 
und bei 40 Proc. Füllung 130 indicirte oder 112 effective Pferde liefern. 

Die Einströmung im Hochdruckcylinder regelte ein Kolbeuschieber, 
welcher je nach der Geschwindigkeit der Maschine unter Beeinflussung 
eines über der Schwungradwelle liegenden Centrifugalregulators ähnlicher 
Construction, wie sie bereits mehrfach bei schnellgehenden Maschinen 
besprochen wurden, kleinere oder gröfsere Cylinderfüllungen von 2 bis 
65 Proc. des Kolbenhubes zuläfst, während die Einströmkanäle im grofsen 
Cylinder von einem gewöhnlichen flachen Schieber mit doppeltem Kanal 
geöffnet bezieh, geschlossen wurden. Die Schwungradwelle hatte zwei 
um 180 Grad von einander abweichende Kröpfungen. 

Die zweite, mit einer Dynamomaschine von Aliot/i und Co. in Bale 
direkt gekuppelte, mit Condensationseinrichtung versehene, stehende 
Verbundmaschine von 210 bezieh. 320 mm Cylinderdurchmesser und 240 mm 
Kolbenhub arbeitete mit 250 Umdrehungen in der Minute und entwickelte 
bei 8 at Admissiousspannung und 10 Proc. Füllung im kleinen Cylinder 
30 indicirte oder 24 effective und bei 40 Proc. Füllung 52 indicirte oder 
44 effective Pferde. 

Die Maschine hatte eine der vorhergehenden ähnliche Construction, 
nur erfolgte die Dampfvertheilung im kleinen Cylinder durch zwei 
Schieber, nach dem System Bodmer^ welche nach dem Ausstellungs- 
katalog der Firma in der Regel von einem wagerechten Federregulator 
beeinflufst werden, der an der Ausstellungsmaschine indefs nicht ange- 
bracht war und aus einem Schwunggewicht bestehen soll, welches die 
Federspannung des Regulators je nach der Geschwindigkeit der Maschine 
ändert. 

Eine vou der Maschinenfabrik Oerlikon in Oerlikon (Schweiz) aus- 
gestellte eigenartige Verbundmaschine nach dem Hammersystem, bei 
deren Construction besondere Rücksicht auf ruhigen Gang, sowie die 
Vermeidung von Schwingungen und Erschütterungen genommen wurde, 
zeigt die Industries 1889 * S. 616 entnommene Abbildung Fig. 15 und 16 
Taf. 12. 

Zur Verminderung der Gewichte der hin und her gehenden Massen 
sind alle beweglichen Theile so leicht als möglich gehalten; die Kolben 
bestehen aus dünn ausgeschmiedeten Stahlplatten, welche behufs gröfserer 
Festigkeit und guter Ableitung des Condensationswassers eine konische 
Form erhalten haben, die Zapfen der Kreuzköpfe und der Schieber- 
stangengelenke sind hohl, die Kurbelstangen mit kleinem Querschnitt 
und die Kolbenschieber mit ganz geringen Wandstärken ausgeführt. 



252 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

Behufs Erzielung eines ruhigen Ganges sind die Kurbeln um 180° 
gegen einander versetzt, woraus sich bekanntlieh noch der weitere Vor- 
theil ergibt, dafs die hin und her schwingenden iMassen der beiden 
Kolbenseiten sich gegenseitig ausbalanciren. 

Die ohne Condensation arbeitende Maschine ist nach einem Muster 
gebaut, welches die Firma für stehende eincylindrige und Verbund- 
maschinen zur Anwendung bringt. 

Die beiden mit Dampfmantel umgebenen Cvlinder von 400 bezieh. 
600 mm Durchmesser und 450 mm Hub sind mit ihren aufsenliegenden 
Schieberkasten aus einem Stück gegossen und auf einem kräftigen 
Ständer befestigt. 

Die sich in eingesetzten Büchsen ihrer Gehäuse bewegenden Kolben- 
schieber sind aus dünnwandigem Stahlgufs hergestellt und mit elastischen 
gufseisernen Dichtungsringen versehen. 

Der Niederdruckcylinder wird von einem einzigen, der Hochdruck- 
cylinder von zwei in einander liegenden Schiebern gesteuert. 

Der eine von diesen letzteren Schiebern bestimmt die Dampfein- 
strömung, sowie das Oeffnen und Schliefsen des Ausströmkanales im 
Cylinder, während der innere Schieber nur auf den Grad der Expansion 
wirkt und zu dem Zwecke von einem Excenter beeinflufst wird, welcher 
je nach der Geschwindigkeit der Maschine durch einen auf der Kurbel- 
welle sitzenden Centrifugalfederregulator eingestellt wird. 

Letzterer zeigt mehrere Verbesserungen gegenüber den bekannten 
ähnlichen Constitutionen. 

Die Aenderung der Excentricität und des Voreilwinkels vom Ex- 
pansionsexcenter wird dadurch hervorgebracht, dafs das letztere nicht 
unmittelbar auf der Welle, sondern auf einer zweiten excentrischen, auf 
der Schwungradwelle beweglichen Scheibe angeordnet ist, welche durch 
Stangen, die mit den Schwunggewichten in Verbindung stehen, verdreht 
wird. 

Das Excenter bedarf nun nur noch einer Anfässung, damit seine 
Lage zu einer bestimmten wird und diese ist dadurch hergestellt, dafs 
ein am Excenter angebrachter Arm durch eine Stange mit einem Zapfen 
des Regulatorgehäuses verbunden ist. Das Excenter mufs nun an der 
Drehung der Scheibe theilnehmen und kann sich den verschiedenen 
Ausschlägen der Centrifugalhebel entsprechend einstellen. 

Dadurch, dafs sich anstatt des eigentlichen Excenters die innere 
Scheibe dreht, wird die Lage des Centrifugalhebels und ebenso die Um- 
drehungszahl der Maschine unabhängig von derjenigen Reibung, welche 
sonst durch den von der Steuerung ausgeübten Widerstand zwischen 
Excenterring und Excenter auftritt. 

Um den Reibungswiderstand im Regulatorstellzeug zu vermindern, 
der leicht eintritt, wenn die sonst gewöhnlich bei derartigen Regulatoren 
angewandten zwei, der Centrifugalkraft entgegen wirkenden und von 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 253 

einander unabhängigen Federn nicht gleichmäfsig genug angespannt 
werden, benutzt die Maschinenfabrik Oerlikon bei ihren Regulatoren nur 
eine einzige Feder, -welche durch das Wellenmittel geht, so dafs auch 
eine Ausbiegung derselben iu Folge der Centrifugalkraft nicht auf- 
treten kann. 

Die Lager der aus zwei Theilen zusammengesetzten Kurbelwelle 
besitzen zur Aufnahme und Fortleitung der Reibungsarbeitswärme grofse 
Auflageflächen und da die Maschine für elektrische Beleuchtungszwecke 
bestimmt ist, hat man die Welle in dem der Dynamomaschine am 
nächsten liegenden Lager, um eine ausgiebige Gleitfläche zu erhalten, 
noch verstärkt: die an den Schalen dieses Lagers angebrachten vor- 
springenden Ränder bilden für den Zapfen eineu hinreichenden Oel- 
behälter. 

Interessant war auch die Construction der zur Steuerung des Hoch- 
druckcvlinders dienenden Schieberstangengelenke. 

Die an ihren Enden senkrecht zum hohlen Gelenkzapfen gabelförmig 
ausgebildeten Excenterstangen sind mit letzterem aus einem Stück ge- 
schmiedet: der Zapfen jeder Stange ist von einem getheilten. nachstell- 
baren Metalllager umgeben, welches eine stählerne Büchse führt und 
die Enden der Gabelzinken der Excenterstange durch seitliche Oeffnungen 
eintreten läfst. Die an ihrem unteren Ende mit Gewinde versehene 
Schieberstange geht durch dieses Lager, ebenfalls mit Spielraum auch 
durch den senkrecht durchbohrten Zapfen und hält die beiden Lager- 
hälften durch zwei Muttern zusammen, welche auch gleichzeitig zur 
Regulirung des Schiebers benutzt werden können. 

Es ist durch diese Anordnung eine einseitige Befestigung der Schieber- 
stange mit der Excenterstange vermieden, dieselbe ist beinahe centrisch. 
da die beiden Excenterstangen sehr nahe an einander liegen; der gabel- 
förmige Theil der den äufseren Kolbenschieber mitnehmenden Stange 
ist so weit nach unten verlängert, dafs sich das Gelenk der Expansions- 
excenterstange hinreichend frei bewegen kann. 

Die Schmierung der sämmtlichen Maschinenteile war eine selbst- 
tätige und ununterbrochene. 

Aufser dieser Maschine waren nach demselben System gebaut und 
ausgestellt: 

Eine stehende. 60pl"erdige Verbundmaschine 

200 bezieh. 300 Cvlinderdurchmesser. 250mm Hub. 3m Kolbengeschwindigkeit. 
Eine stehende, eincylindrige 20pferdige Maschine 

160 Cvlinderdurchmesser. 160 mm Hub, 2m. 77 Kolbengeschwindigkeit. 
Eine 2 bis 3pferdige Locomobile mit Kessel und wagerechter Maschine 

100 Cvlinderdurchmesser, 150mm Hub, lm,2 Kolbengeschwindigkeit. 

Die beiden ersten Maschinen waren mit einer Dynamomaschine 
direkt verkuppelt. 

Die Locomobile zeigte einige von den gebräuchlichen abweichende 
Einzelheiten. Die am Kessel montirte Maschine steuerte ein durch den 



254 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1689 

Achsenregulator stellbares Excenter, welches auch gleichzeitig die Speise- 
pumpe antreibt, so dafs mit der Kegulirung der Füllung gleichzeitig; der 
Zuflufs des Speisewassers im Kessel geregelt und ein Eingreifen von 
Hand aus selten nothwendig wird. Der Abdampf wird zur Vorwärmung 
des Speisewassers benutzt. 

Der mit einer kupfernen Feuerbüchse versehene Röhrenkessel hatte 
2 um ,7 Heizfläche und mit der Maschine ein Leergewicht von etwa 750 k . 

Eine sehr ansehnliche, mit Kundschiebern ausgestattete Condensations- 
verbundmaschine mit einer Steuerung von Frikart in Lille, welche mit 
nur einem Excenter Cylinderfüllungen von bis 75 Proc. gestattet, 
hatte die bekannte Firma Escher, Wyfs und Co. in Zürich in der grofsen 
Maschinenhalle ausgestellt. 

Die mit Dampfmänteln umgebenen Cylinder dieser Maschine arbeiteten 
auf eine gemeinsame, in ihrer Mitte das Schwungrad tragende Kurbel- 
welle; sie hatten 370 bezieh. 550 mm Durchmesser, der Kolbenhub be- 
trug 800 Dim und die Leistungsfähigkeit der Maschine bei 80 minutlichen 
Umdrehungen 150 Pferde. 

Der Kesseldampf tritt, wie die Engineering 1889 *S. 276 entnommene 
Abbildung Fig. 17 bis 19 Taf. 12 zeigt, von unten in den Mantel des 
Hochdruckcylinders und nach Oell'nen eines auf demselben angebrachten 
Absperrventiles hinter den Kolben, darnach in den unter dem Hoch- 
druckcylinder liegenden und mit frischem Kesseldampf geheizten Zwischen- 
behälter, der die Form eines Röhrenvorwärmers hat, vollständig getrocknet 
und leicht überhitzt in den Niederdruckcylinder, der ebenfalls mit frischem 
Kesseldampf geheizt wird, so dafs der Dampf eine weitere Ueberhitzung 
erfährt. Die Ueberschreitung einer bestimmten Dampfspannung im Nieder- 
druckcylinder verhütet, wie Fig. 18 und 19 Taf. 12 veranschaulicht, ein 
auf demselben sitzendes direkt belastetes Sicherheitsventil. 

Die Einlafsschieber beider Cylinder haben _L-förmigen Querschnitt 
und die Auslafsschieber bilden einen Halbkreis umfassenden Kreisaus- 
schnitt. 

Die in Fig. 20 Taf. 13 dargestellte modilicirte Corlifssteuerung be- 
steht für jeden Cylinder aus einer vom Excenter B der Schwungrad- 
welle A mittels Stange Z>, Hebel C und Stange Z>, bewegten Central- 
balancier F, welcher durch vier angehängte Drehschieberstangen mit 
den Ein- und Auslafsschiebern verbunden ist und zwar mit den letzteren 
in einfacher Weise durch die auf ihren Schieberstangen befestigten 
kleinen Kurbeln. Dadurch, dafs die Excenterstange nicht direkt zu dem 
in der Mitte des Cylinders angebrachten Centralbalancier F geht, sondern 
erst einen in der Mitte des Bayonettbalkens befestigten Hebel in Schwingung 
bringt, der die Bewegung der Steuerscheibe vergröfsert mittheilt, ist 
auch noch der Vortheil verbunden, dafs der Maschinenwärter die Ver- 
bindungsstange leicht auszuheben und mittels der Steuerscheibe von 
Hand aus die Maschine anzulassen vermag. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 251 

Auf der Spindel eines jeden Einlafsschiebers sitzt, wie Fig. 21 und 22 
erkennen lassen, ein zweiarmiger Hebel IT, dessen einer Arm daumen- 
artig; seformt ist und durch einen Winkelhebe] / mitgenommen wird, 
der um einen auf dem zweiarmigen Hebel H befestigten Zapfen schwingt 
und durch seinen andern Arm C, sowie Stange T (Fig. 20) vom Regulator 
beeinflufst wird, während der andere Arm des Hebels K durch die an- 
geschlossene Stange G mit einem Luftpuffer in Verbindung steht. 

Der auf einer Büchse der Schieberspindel frei bewegliche, vom 
Exeenter der Schwungradwelle in Schwingungen gebrachte Hebel H 
nimmt bei seiner Bewegung den Winkelhebel I mit. so dafs derselbe 
2egen den Daumen K stofsen und damit den Schieber längere oder 
kürzere Zeit drehen wird. Die Dauer dieser Mitnahme hängt von der 
Stellung des durch Stange L vom Regulator beeinflufsten, am Hebel N 
drehbar befestigten, dreiarmigen Winkelhebels Q ab. der aufserdem noch 
durch die Verbindung des Hebels N mit der Excenterstange zu einer 
hin und her gehenden Bewegung veranlafst wird. 

Bei der Steuerung des Niederdruckcylinders fällt die Einwirkung 
durch den Regulator fort. 

Aufserdem hatte die Firma eine für grofse Geschwindigkeiten be- 
stimmte wagerechte Tandemmaschine desselben Systems ausgestellt, 
deren Steuerungsorgane wieder von einem am Schwungrad befestigten 
Regulator beeinflufst wurden. 

Die zwangläufig bewegten, für Ein- und Auslal's gleich gebauten 
Steuerungsschieber dieser Maschine waren, wie die Revue universelle 
1889 entnommene Abbildung Fig. 23 Taf. 13 zeigt, nach Frikart in 
Lille mit Dampfdurchlassen e e und ff versehen, so dafs der von d kom- 
mende Dampf gleichzeitig durch vier Oeffnungen, nämlich bei c und d 
direkt und bei a und b durch z e e in den Cylinder gelangen konnte. 

Dieses vierfältige Oeffnen ist namentlich dann von grofsem Vortheil. 
wenn mit sehr kleinen Füllungsgraden gearbeitet wird. 

Aufser einigen Locomotiven hatte die Sc/nceizer Locomotivfabrik 
in Winterthur auch zwei Dampfmaschinen verschiedener Systeme aus- 
gestellt, von denen die SOpferdige liegende Verbundmaschine mit 290 und 
450mm Cylinderdurchmesser und 500 mm Hub besondere Beachtung verdient. 

Die am Bett der Maschine freischwebenden Cylinder sind mit 
Dampfmänteln versehen und zwischen ihnen liegt der Zwischenbehälter. 
dessen Volumen gleich demjenigen des grofsen Cylinders ist. Die Steue- 
rung des Hochdruckcylinders erfolgt durch zwei Schieber, von welchen 
der Vertheilungsschieber um seinen Mittelpunkt drehbar und ebenso wie 
auch der Schieberspiegel nicht mit geraden, sondern kreisrund entwickelten 
Kanälen versehen ist. Der von einem Achsenregulator bekannter Con- 
struction beeinflufste Expansionsschieber bildet eine einfache, mit da- 
zugehörigen Schieber^range fest verbundene Platte mit ebenfalls kreis- 
runden Schliefsungskanten. 



256 ii.nl. Neuerungen in der Tief bohrtechnik 

Wird an irgend einer Stelle des Grund Schiebers durch irgend 
welchen Zufall eine gröfsere Reibung erzeugt, als au den nebenliegen- 
den Stellen, 80 verdreht sich derselbe etwas in seiner Einfassung, ohne, 
hierbei die Dampfzuströmung zu beeinflufsen und es wird auf diese Art 
liielit nur ein viel besseres Ineinanderschleifen der Schieber während 
des Ganges erreicht, sondern auch in Folge der fortwährenden geringen 
Drehungen ein viel längeres Dichthalten derselhen. 

Die um je 180° doppelt gekröpfte Kurheiwelle ist in ange- 
Bch rauhten Lagern des Bettes beweglich und trägt ein Schwungrad, 
welches die von der Maschine entwickelte Arbeit der Schweizer Ab- 
theilung zuführte. (Fortsetzung folgt.) 



Neuerungen in der Tief bohrtechnik ; von E. Grad 
in Darmstadt. 

Mit Abbildungen auf Tal. H. 

Olaf Terp in Breslau hat neuerdings ein Bohrverfahren erfunden, 
durch welches er die kostspielige Diamantbohrmethode nicht nur zu 
ersetzen, sondern auch in ihren Leistungen zu übertreffen hofft. 

Es kommt in einer Diamantbohrmaschine anstatt der Diamantbohr- 
krone ein kupferner Schleifschuh mit einem Umgufs von Naxos Schmirgel- 
masse zur Verwendung. Da der Härtegrad des Diamants 9, der des 
Schmirgels (Korund) 8 ist, so bleibt die Schmirgel bohrkrone nur um 
einen Härtegrad hinter dem Diamanten zurück und ist somit im Stande, 
alle übrigen Gesteinsarten zu durchbohren. 

Die etwa 15 cm langen Schleifschuhe sind so fest mit Schmirgelmasse 
umgössen, dafs sie eine sehr starke Reibung und einen sehr hohen Druck 
aushalten können. Nach der erfolgten Abnutzung des Schmirgels lassen 
sie sich sehr leicht und billig durch frische Schleifschuhe ersetzen. Die 
grofse Schleiffläche bewirkt gröfsere Leistungsfähigkeit und Dauerhaf- 
tigkeit im Vergleich zu den erbsengrofsen Diamanten. Die Schleifschuhe 
-sind mit Löchern zum Durchlafs der fortdauernden Spülung, sowie mit 
Kernfängern zum Fördern der Bohrkerne in der üblichen Art versehen. 

Vorliegende Bohrproben von 12 cm Durchmesser aus Buuzlauer Sand- 
steinen, sowie aus festem Granit lassen auf eine gute Leistungsfähigkeit 
des Bohrverfahrens schliefseu. Fernere Versuche werden die Brauchbar- 
keit desselben noch festzustellen haben. Das Verfahren könnte auch 
für die Erweiterung und Verengerung der Bohrlöcher von hoher Be- 
deutung werden. 

Gleichfalls eine Verbesserung der Drehbohrsystems mit Wasser- 
spülung enthält das neue v Saxl-lilumencron's Tief "bohr System", über welches 
der k. und k. Oberlieutenant Herr Karl Hitler v. ßlumencron am 23. Januar 



Gad, Neuerungen in der Tief bohrtechnik. 257 

1890 in der Versammlung der Fachgruppe der Berg- und Hüttenmänner 
zu Wien Vortrag gehalten hat. 

Der Meifsel besteht aus der Deckplatte, dem Mittelstück und dem in 
letzterem betindlichen und auswechselbaren Schneidemechanismus. Dieser 
beruht auf einem einfachen Systeme von Stahlkeilen mit Nachnahme- 
backen, die unter dem Gestängedruck aus dem Mittelstück hervortreten. 
Je nach der Gesteinsbeschaffenheit sind Meifselschneide und Nachnahme- 
backen aus bestgehärtetem Werkzeugstahl, oder für härteres Gebirge 
mit Korund, für sehr festes Gestein aber mit Diamant armirt. 

Eine besondere Eigentümlichkeit des Systems sind die doppel- 
flügigen Schnecken, deren Durchmesser nur um ein Geringes kleiner 
ist, als jener der Verrohrung. Unmittelbar über dem Meifsel rotirt die 
unterste Schnecke, und über dieser sitzen in der ganzen Länge des Bohr- 
loches von 5 zu 5 m aufsen am hohlen Bohrgestänge weitere Schnecken, 
welche zugleich als Verbindungsmuffen für die Gestängetheile einge- 
richtet sein können. Diese Schnecken erfüllen einen doppelten Zweck, 
nämlich eine exakte Meifselführung, sowie die sichere und schnelle Auf- 
spülung des Bohrschmande. Die Verrohrung wird grundsätzlich mit 
dem Niedersinken des Meifsels nachgetrieben. 

Wie dringend wünschenswerth eine Vervollkommnung der bestehen- 
den Bohrverfahren ist, um auch weite Bohrlöcher in hartem Gestein ab- 
bohren zu können, ergibt folgender Vorfall. 

Die von Herrn Fauck am 1. Juli 1889 nach seinem Freifallsystem 
im Kurgarten zu Teplitz zur Erschliefsung von Thermalwasser be- 
gonnene Bohrung (/). p. J. 1883 273 157) ist nach Erreichung einer 
Gesammttiefe von 22 m zu einem vorläufigen Abschlufs gekommen. 

Die Bohrung begann von einem 12 m tiefen Schachte aus mit 68 cm 
Bohrlochsweite. Es trat sofort ein harter Porphyr auf, welcher auf der 
einen Seite des Bohrloches solch aufserordentliche Härte zeigte, dafs es 
trotz gutgeführter Freifallschere nicht gelang, das Bohrloch von 10 m 
Tiefe in das Loth zu bringen. 

Die Abnützung der 300 k schweren Meifsel, die mit einem Fall- 
gewicht von 1000 k bei l m Fallhöhe verwandt wurden, war eine der- 
artige, dafs sie nach Abbohrung von kaum 10 cm neu geschärft werden 
mufsten. Die Bohrleistung betrug 5 bis 16 cm per Stunde. Während 
aber nach allen vorhergegangenen Erfahrungen 2 bis 3 Meifsel für eine 
ganze Bohrung ausgereicht hatten, so waren bei dieser Bohrleistung von 
10 m Tiefe bereits 6 Meifsel völlig unbrauchbar geworden. Da das jedes- 
malige Schärfen eines Meifsels 4 Stunden in Anspruch nahm, so mufste 
noch eine zweite Schmiede in Gebrauch kommen. 

Der Vertrag mit Herrn Fauck ist gelöst worden. 

Dafür haben nun neuerdings die Quellenbesitzer einen amerikanischen 
Bohrtechniker in Dienst genommen, der mit einer aus Amerika bezogenen 
pennsylvanischen Seilbohrmaschine die gestellte Aufgabe lösen will. 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr.6. 1890/11. r 17 



258 öad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

Es soll dieses Bohrloch auf dem Schlofsplatze 500 m tief mit nur 
20 cm Anfangsdurchmesser niedergebracht werden. 

Es ist hierbei zu bemerken, dafs die pennsylvanische Seilbohrmaschine, 
deren Alleinherrschaft in dem milden gleichmäfsigen Gebirge Pennsyl- 
vaniens unbestritten ist, in keiner europäischen Formation bisher Erfolg 
gehabt hat, und schwerlich im Porphyr mehr leisten wird, als die viel 
wirksamere Freifallmaschine. Keinesfalls läfst sich erwarten, dafs die 
Arbeit in 100 Tagen zur Vollendung kommt, wie es der amerikanische 
Bohrtechniker verspricht. 

Es entzieht sich der Beurtheilung, warum die Quellenbesitzer nicht 
die einen sicheren Erfolg in Aussicht stellende Diamantbohrmethode 
angenommen haben, besonders da der Anfangsdurchmesser von anfäng- 
lich 68 cm bis auf das geringe Mafs von 20 cm herabgesetzt ist. Für diese 
enge Bohrung würde der zur Verfügung stehende Betrag von 60000 ö. fl. 
sicher ausgereicht haben. 

Für leichtere Bohraufgaben bewahrt das Fauck'sche Freifallverfahren 
indessen seine volle Bedeutung. 

Fauck hat neuerdings unter dem Titel: „Neuerungen in der Tief- 
bohrtechnik (Arthur Felix: Leipzig 1889)", sowie in einem Geschäfts- 
programm (Fauck: Wien 1890) die sämmtlichen zu seinem System ge- 
hörigen Apparate und Geräthe zusammengestellt. Das Wichtigste ist 
bereits in D. p. J. 1889 271 283 diesseits mitgetheilt. Bemerkenswert!! 
sind aufserdem noch einige neue Formen von Bohrthürmen. 

Wichtiger ist sein neuer Schachtbohrer (Fig. 1), dessen Construction 
sich an den selbsthätigen Freifallbohrer (D. p. J. 1889 271 290 ; Taf. 14 
Fig. 10) anschliefst, 

Die kleinen Meifsel a sind mittels des FawcÄ'schen Doppelkeilver- 
schlusses an dem Meifselblatte b befestigt und bilden zusammen die 
Arbeitsschneide. In dem Meifselschaft c ist kreuzweise zu der Längs- 
richtung der Arbeitsschneide ein Paar Nachschneider rf, nach Art der 
in D. p. J. 1883 271 282 beschriebenen, durch innerlich angeordnete 
Spiralfedern in ihrer Arbeitslage gehalten. 

Der obere Theil des Meifselschaftes ist als Abfallstück der Freifall- 
schere e eingerichtet. Die 4 Schienen f umschliefsen das ganze Instrument 
zur Führung. Die Zuverläfsigkeit der Führung wird durch die kreuz- 
weise Anordnung von Arbeitsschneide und Nachschneide wesentlich 
erhöht. 

Das Fauck'sche Werk enthält noch die Beschreibung des Erweite- 
rungsbohrers von Lentz und Sorge in Baku (D. R. P. Nr. 9092 vom 
27. August 1879), der besondere Beachtung verdient. 

Die beiden Stahlschneiden a (Fig. 2) sind über dem gemeinschaft- 
lichen Drehbolzen b verlagert und ragen mit Verlängerungen als Hebels- 
arme über den Drehpunkt hinaus. Das schwere gufseiserne Gewicht c, 
frei aufwärts und abwärts verschiebbar, ruht auf diesen Hebelsarmen 



Gad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 259 

auf. Das Gehäuse d umschliefst und führt den ganzen Mechanismus. 
Beim Einlassen ist der Druck des Gewichtes c auf die Hebelsarme gering 
und unschädlich , weil die Entfernung x y im Verhältnifs zu y z klein 
ist, und Klemmungen nicht zu befürchten sind, sobald Winkel x mehr 
als 90° beträgt. Beim Heraustreten unter der Verrohrung nimmt die 
Schneide vorrrichtung unter dem Drucke des Gewichtes c die punktirt 
gezeichnete Lage an, wobei die anstofsenden Flächen von Schneiden 
und Hebelsarmen feste Anlehnung finden. Nach Beendigung der Boh- 
rung bewirkt ein einfaches Aufziehen des Instrumentes, dafs die Schneiden 
durch die Berührung mit der Verrohrung einklappen und das Gewicht 
mittels der hochtretenden Hebelsarme anheben. 

Vortheilhaft erscheint bei dieser Einrichtung, dafs die Stellung der 
Schneiden nicht durch Federkraft, sondern durch einfaches Gewicht ge- 
regelt wird. 

Die Schneiden lassen sich in verschiedenen Gröfsen auswechseln; 
auch ist der Apparat leicht zur Wasserspülung einzurichten. 

Eine sehr sinnreiche Seilbohrmaschine (Fig. 3) für Tiefen bis zu 
200 m hat W. C. Wells in Ohio construirt und in Amerika unter Nr. 399459 
vom 12. März 1889 patentirt erhalten. 

Das Bohrgeräth ist der für das pennsylvanische Seilbohren übliche 
Bohrmeifsel. 

Das Bohrseil a zeigt die besondere Eigentümlichkeit, dafs es gleich- 
sam wie ein Gestänge aus einzelnen Theilen zusammengefügt wird. 
Die Bohrung beginnt mit dem Bohrmeifsel am Gestänge, das an den 
Wirbel b befestigt wird. Sobald das Bohrgeräth in den Erdboden ein- 
gebohrt ist, fügt man das erste Bohrseilstück zwischen das als Schwer- 
stange dienende Gestänge und den Wirbel, worauf die nöthige Verlängerung 
des Bohrseilzuges durch Einfügung neuer Seiltheile erfolgt. Das Bohr- 
seil kann aus Draht oder aus Hanf gefertigt sein, nur mufs es eine 
gröfsere Stärke als das Stofsseil c besitzen. 

Das Querhaupt d ergreift mit zwei Klauen das Gestänge, bezieh, 
das Bohrseil und läfst es vom höchsten Stande aus fallen, indem sich 
die Klauen automatisch öffnen. Das Querhaupt ist mittels der Zug- 
stange e mit dem Kurbelrade f verbunden, welches auf der Welle g 
sitzt, auf deren anderem Ende das Zahnrad h steckt. Der Excenter t 
auf der Welle ä, welche auch die Riemenscheibe / und das Schwung- 
rad m trägt, kann durch den Hebel n auf das Zahnrad h eingestellt 
werden, wodurch sich die Bewegung der Maschine auf das Kurbelrad f 
nebst Zugstange und Querhaupt überträgt. 

Das Stofsseil c führt zunächst über die eigenthümlich eingerichtete 
und in dem Schlitz o an der Spitze des Bohrmastes p bewegliche Seil- 
scheibe g. Das Zapfenstück r wird durch den Bügel s erfafst, welcher 
seinerseits an dem Riemen t hängt, der über die Stirn des federnd con- 
struirten Rades u führt und an demselben befestigt ist, Durch Wirkung 



260 öad. Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

dieses Federrade.s erhall das in Bewegung gesetzte Bohrgeräth eine 
grofse Elasticität. Das Sperrrad v dient zur Regulirung der federnden 
Bewegung. Von der Seilrolle q aus geht das Stofsseil nach der Stofs- 
seiltrommel w. 

Die Nachlafsvorrichtung beruht auf dem Zahnrade x am Vorderrande 
der Trommel w und dem darin eingreifenden Schneckenrade y. 

Das Fördern des Bohrseils geschieht, indem das Zahnrad s durch 
den Hebel n mit dem Excenter i eingestellt wird, wodurch sich die 
Bewegung der Riemenscheibe / auf die Seiltrommel w überträgt. Beim 
Einlassen des Bohrgeräthes tritt event. zur Hemmung die Bremse a x mit 
dem Fufshebel b { in Tbätigkeit. 

Auf der Löffelseiltrommel c { ist das Löffelseil aufgewickelt, welches 
über eine seitliche Seilrolle am Bohrmast führt und die Sandpumpe, 
bezieh, die Ventilbüchse trägt. Die Löffelseiltrommel ist hinten mit einer 
Friktionsscheibe verbunden. Die gemeinschaftliche Welle k hat ein be- 
wegliches Lager und kann mittels des Hebels d { an die Stirn des 
Schwungrades m zur Aufnahme der Bewegung angedrückt werden. 
Es ist dabei erforderlich, dafs man durch den Hebel n den Excenter i 
von den beiden Zahnrädern h und z abstellt. 

Der Hebel d l steht ebenfalls mit einer Bremsvorrichtung in Ver- 
bindung, die den Gang des Löffels regeln kann. 

Beim Bohren im milden Gebirge wird das Querhaupt d durch eine 
Nachlafsschraube ersetzt, die ganz wie bei der pennsylvanischen Seil- 
bohrmaschine eingerichtet ist, auch mittels des Krückeis durch die Hand 
des Bohrmeisters ihre Umstellung erhält. 

Einen bemerkenswerthen Spülbohrapparat hat neuerdings Herr 
Fr. W. Miller in Brooklyn, New York, erfunden und darauf das ameri- 
kanische Patent Nr. 406457 vom 9. Juli 188 ( J erhalten. 

Der Bohr schuh a ( Fig. 4) ist ein hohles Eisenstück mit einem Unks- 
läufigen Muttergewinde in der Stufe der Spitze zur Aufnahme des Ver- 
bindungsnippels mit dem Bohrschlauch e, sowie einem recA/släufigen 
Muttergewinde am oberen Theil. 

Die Sandkammer 6, ein eiserner Hohlcyhnder, wird mit seinem 
unteren Theil in das rechtsläutige Muttergewinde des Bohrschuhes ge- 
schraubt. 

Das Siebstück c findet durch eine gewöhnliche äufsere Muffe An- 
schlufs an den Bohrschlauch. 

Der Bohrschlauch d führt durch alle diese Eisentheile hindurch, und es 
werden von vornherein so viel Verrohrungsxtücke e über den Bohrschlauch 
gezogen, als voraussichtlich zur Verwendung kommen müssen. Die 
Druckpumpe f preist das Spülwasser durch den Bohrschlauch. 

Um zu verhindern, dafb bei der Bohrarbeit das mit Bohrschmant 
gesättigte Spülwasser nicht durch die Sieböffnungen in das Innere der 
Röhren dringt, sondern den Weg aufserhalb derselben zwischen Rohr- 



ßad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 261 

und Bohrlochswand nach oben nimmt, findet eine Abliderung oberhalb 
des Siebstückes durch die in Fig. 5 dargestellte Liderungsvorrichtung statt. 

Der Bohrschlauch a wird zerschnitten, und das hohle Gußstück b 
mit den Verbindungsstücken c in den Bohrschlauchenden befestigt. Der 
ausgekehlte Ring d trägt den hohlen Gummiring e, dessen Umfang in 
ungespanntem Zustande den Raum bis zur Innenwand der Röhre f nicht 
ausfüllt. Die in Gang gesetzte Spülung füllt indefs den Gummiring mit 
Wasser, da dessen Inneres mit dem Inneren des Gufsstückes b in Ver- 
bindung steht, wodurch der Raum zwischen Bohrschlauch und Verrohrung 
während der Spülung gelidert wird. Nach Beendigung der Bohrung 
bleiben meist die Verrohrung mit Schuh, Kammer und Sieb im Brunnen, 
während der Bohrschlauch entschraubt und ausgezogen wird. 

In sehr origineller Weise ist bei dem neuen Tiefbohrapparat des 
Herrn H. K. Goodrich aus Sherman in Texas, mit dem amerikanischen 
Patent Nr. 406 898 vom 16. Juli 1889, die Wasserspülung durch einen 
Strom von Wasserdampf, bezieh, geprefster Luft ersetzt. Es ähnelt dies 
Verfahren wesentlich der zufälligen Verwendung von Luftpumpuns bei 
geringem Wasservorrath, wie sich solche bei der im diesseitigen Bericht 
(D. p. J. 1889 273 156) bei den für Crefeld ausgeführten Brunnenboh- 
rungen ergeben hat. 

Der Bohrmeifsel a (Fig. 6) ist aus 3 Meifselschneiden zusammen- 
gesetzt, so dafs der wagerechte Durchschnitt ein Z ergibt. 

Das Hohlgestänge b wird aus der erforderlichen Anzahl von Röhren 
luftdicht zusammengefügt. Das Gestänge ist nach dem Innern des Bohr- 
meifsels zu offen. 

Der Wirbel c ist einerseits am Bohrseil d befestigt, welches über 
Rollen am Bohrgerüst nach der Förderwelle e führt und nimmt anderer- 
seits die Röhrenleitung f auf, die sowohl zu dem Dampfkessel g, als 
auch zu dem Prefsluftcylinder h führt. 

Die Maschine i setzt den Bohrmeifsel in stofsende Bewegung. So- 
bald eine angemessene Menge von Bohrmehl erzeugt ist. wird das Stofsen 
eingestellt, und aus dem Dampfkessel g durch den Hahn k Dampf mit 
starkem Druck bis nach der Bohrsohle gelassen, welcher das Bohrmehl 
bezieh, den nassen Bohrschmant kräftig zwischen Rohrgestänge und 
Bohrlochswand zu Tage treibt. Der Hahn / dient zur Regulirung. 

Wasserdampf eignet sich indefs nur für geringere Tiefen, während 
für gröfsere Tiefen Prefsluft zur Verwendung kommen mufs. In diesem 
Falle wird die geprefste Luft aus dem Luftkessel h entnommen, mit 
welchem das Leitrohr f durch den Hahn m verbunden wird. 

Ein Regulirungshahn nach Art des Hahnes l ist alsdann bei n an- 
zubringen. Das Pressen der Luft findet in dem Cylinder o durch die 
Maschine i statt. 

Die Firma C. Bornet in Paris, rue Faraday 13, hat in der vorjährigen 
Pariser Weltausstellung ihr sehr beachtenswerthes System von Gesteins- 



262 Gad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

bohr maschinen zur Ausstellung gebracht, das auch in Deutschland unter 
Nr. 45 603 vom 1. Dezember 1888 patentirt ist. 

Diese Apparate sind in 4 Typen von wachsender Stärke vorhanden, 
doch beruhen alle auf der eigenthümlichen federnden Druckregulirung 
(Fig. 7). 

Die Bohrspindel a wird durch die Schraubenmutter b bewegt. 
Letztere hat in der Mitte die Stofsscheibe c, an die sich beiderseits je 
eine Feder d stützt, deren entgegengesetztes Ende gegen die entsprechen- 
den Kugellager e e { drückt. Bei normalem Bohrwiderstande sichert der 
verstellbare Riegel f gegen Dehnung. Bei vermehrtem Bohrwiderstande 
aber geht die Bohrspindel unter Zusammendrückung der Feder d zurück 
und löst den Riegel f aus der Haltescheibe g aus. Dann dreht sich die 
Schraubenmutter auf der Kugelbahn, bis bei nachlassendem Druck die 
Federn d die Mutter wieder vorbewegen und den Riegel f an die Halte- 
scheibe g schieben. 

Die gleiche Einrichtung beider Bohrspindelenden und die Anord- 
nung von 2 Federgruppen gestatten die Umkehrung des Bohrapparates. 

Der Apparat wird in verschiedenen Gröfsen von etwa 35 bis 120 k 
Gewicht mit Gestell, zu Preisen von 150 bis 1200 M. hergestellt. 

Die kleineren Formen sind für Handbetrieb, die gröfseren für Preis- 
luft, bezieh. Wasserdruck. 

Eine andere in Paris, und zwar von der Firma Hanarte et Balant, 
Mons, Belgien, ausgestellte Gesteinsbohrmaschine (Fig. 8) zeigt ein be- 
sonders zweckmäfsig eingerichtetes Bohrgestell. 

Die Bohrer a sind meist von denselben Formen, wie sie schon bei 
den Tunnelarbeiten in St. Gotthard, Mont Cenis und Arlberg zur Ver- 
wendung gekommen sind. 

Das leichte stählerne Gestell b ist durch die Blockräder c fahrbar 
gemacht und mittels der Stellschraube d am First und der Stellschraube e 
auf der Sohle vor Ort festgestellt. 2 Bohrmaschinen f sind an dem mit 
äufserem Schraubengewinde versehenen Hinterpfosten g in wagerechter 
und senkrechter Richtung verstellbar durch die Klemmvorrichtungen h 
gehalten. Der gleichfalls mit äufserem Schraubengewinde versehene 
Vorderpfosten * trägt ebenfalls zwei Stellvorrichtungen k mit Seitenarmen /, 
so dafs eine Auflage des vorderen Theils der Bohrmaschinen in allen 
erforderlichen Bohrrichtungen erreichbar ist. Die Prefsluft wird dem 
Apparat durch das gemeinschaftliche Rohr m zugeführt und durch die 
Schläuche n auf die einzelnen Bohrmaschinen vertheilt. Der Vorschub 
läfst sich durch das Gewicht o an der Kette p in Verbindung mit der 
Sperrvorrichtung q bewerkstelligen. Es können 1500 Stöfse in der 
Minute erfolgen. Zum Abräumen der Berge vor Ort werden die Bohr- 
maschinen aus dem Gestell entfernt, wodurch der nöthige Raum ge- 
wonnen wird. Es genügen 2 bis 3 Mann zur Bedienung dieser Maschine 
nebst allen Nebenarbeiten vor Ort. 



Gad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 263 

Eine beachtenswerthe Vereinfachung des durch Prefsluft beweglichen 
Drehmechanismus einer Gesteinsbohrmaschine zeigt der Apparat der Firma 
J. E. Powel, R. J. Powel and W. Whitaker, Wrexham, Denbigh (Eng- 
lisches Patent Nr. 18284 vom 14. December 1888) (Fig. 9). 

Die Prefsluft tritt durch den Einlafs a ein und wird durch die Zu- 
gänge b an die Enden des Kolbens c geleitet. Die Zugänge sind ge- 
schützt in dem schwalbenschwanzförmigen Gufsstück d angeordnet und 
nach beiden Seiten gleichmäfsig, damit der Kolben der gleichmäfsigeren 
Abnützung wegen umgekehrt werden kann. Die Kolbenstange e ist 
durch die Metallliderung f mit der Gummieinlage g abgedichtet. Die 
Drehung des Kolbens wird in bekannter Weise durch die geriefelte 
Stange h und das Sperrrad i bewirkt. Um mehr Luftraum ohne Ver- 
längerung des Cjlinders zu erhalten, ist dieser durch die Löcher ä mit 
der Luftkammer / verbunden. 

Im Anschlufs an die in D. f. J. 1890 275 124 aufgeführten Metho- 
den zur Bohrarbeit im schwimmenden Gebirge sei hier noch das Ver- 
fahren zum Vortreiben von Tunnels mit der Vorrichtung von Hermann 
Vering in Hamburg (D. R. P. Nr. 45 562 vom 22. April 1888) erwähnt 
(Fig. 10). 

Der Ring a des Schildes b wird durch Druck wasser, das in die 
sich an die Tunnelwand c lehnenden Pressen d gedrückt wird, vor- 
geprefst. Zugleich erfüllt der im Cyhnder e auf den Schild b wirkende 
Druck von Prefsluft oder Druckwasser eine Unterbrechung, indem man 
in dem Zuleitungsrohre f ein Ventil öffnet. Dadurch bleibt der Schild b 
selbst in seiner Stellung, während der Ring a mit dem daran befestigten 
Cylinder e vorrückt, indem der durch den Ring verdrängte Boden im 
Cylinder Aufnahme findet, wobei sich auch der Schild, um dem ver- 
drängten Boden Platz zu machen, nach rückwärts bewegen kann. So- 
bald der Ring in Folge Beendigung des Hubes der Pressen d oder in 
Folge Vergröfserung des Widerstandes des zu verdrängenden Bodens 
seine Vorwärtsbewegung eingestellt hat, wird durch die Rohrleitung f 
Prefsluft oder Druck wasser in den Cylinder e geleitet, wodurch der im 
Cylinder befindliche Boden unter Druck verdrängt oder gefördert, der 
Schild b aber an den Ring a in seine Grundstellung zu demselben vor- 
gerückt wird. 

Nachstehend seien die wichtigsten anderweitigen Erfindungen erwähnt. 

Die sehr interessante neue Diamantschürf bohrmaschine mit elektrischem 
Betriebe von der Sullivan Diamond Prospecting Co. ist diesseits in D. p. J. 
1890 275 317 besprochen worden. 

M. Harold, Lima, Ohio, hat eine Seilbohrmaschine construirt (Ameri- 
kanisches Patent Nr. 407202 vom 16. Juli 1889), die das Stofsseil an 
einem senkrecht beweglichen Schlitten führt. 

G. Pech, Storni Lake, Jowa, hat seine Drehbohrmaschine mit sveiter 
Schappe wesentlich verbessert und auf das alte Amerikanische Patent 



264 Gad : Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

Nr. 315 826 vom 14. April 1885 das Zusatzpatent Nr. 398 649 vom 
26. Februar 1889 erhalten. 

Einen sehr sinnreichen Drehbohrapparat hat M. T. Chapman, Aurora, 
Illinois (Amerikanisches Patent Nr. 409272 vom 20. August 1889) her- 
gestellt. 

Die dritte Ergänzung des im deutschen Reich zuerst unter Nr. 25015 
vom 27. Februar 1883 patentirten Gefrierverfahrens von Fr. H. Poetsck 
in Magdeburg (vgl. D. p. J. 1889 273 158 und 1889 272 257) betrifft 
ein durch D. K. P. Nr. 50105 vom 9. Februar 1889 geschütztes Verfahren, 
in Schächten durch Formationen von wechsellagernden festen und 
schwimmenden Schichten, durch letztere je nach der Ausdehnung der 
Frostmauer von innen nach aufsen, erst engere Bohrlöcher abzuteufen 
und diese demnächst zu erweitern. 

Ein ferneres Verfahren ist Herrn Poeisch patentirt (D. R. P. Nr. 47214 
vom 26. September 1888), welches im Aufsaugen eines Kolbens mit 
daran befestigtem Bohrgeräth im Bohrloche durch Wasser, Dampf, warme 
oder kalte Luft und demnächst folgendem Fall des Bohrgeräths beruht. 
Bei Verwendung von kalter Luft wird zugleich Gefrieren erzielt. 

Ph. Forrhheimer, Aachen, will nach dem D. R. P. Nr. 48020 vom 
16. December 1888 beim Schachtbohren die Bohrsohle versumpfen und 
ohne Hebung des Bohrgeräthes ausbaggern. 

Einen eigenthümlichen Spülbohrer mit Bohrkopf hat B. Andrews, 
New Orleans (Amerikanisches Patent Nr. 401404 vom 25. August 1888) 
hergestellt. Ein ähnlicher neuer Bohrkopf ist von L. B. Hart, Plaque- 
mine, Louisiana (Amerikanisches Patent Nr. 411660 vom 24. September 
1889) erfunden. 

Der neue Erweiterungsbohrer von M. T. Chapman (Amerikanisches 
Patent Nr. 410311 vom 3. September 1889) beruht auf ähnlichem Prinzip 
wie der oben beschriebene von Lentz und Sorge. 

H. W. ßlaisdell, Yuma, Arizona, beabsichtigt nach dem Ameri- 
kanischen Patent Nr. 409 446 vom 20. August 1889 bei Brunnenbohrungen 
im Schwimmsand Filtrirröhren innerhalb einer Verrohrung einzusetzen, 
dann die ersteren mit Sand zu hinterfüllen und schliefslich die Verrohrung 
auszuziehen. 

Einen transportablen eisernen Bohrthurm hat M. C. Bullock, Chicago 
(Amerikanisches Patent Nr. 408652 vom 6. August 1889) construirt. 

In Bezug auf Oel- und Gasbrunnen sind Verbesserungen: Eine 
Of/pumpe von M. Lytle, Duke Centre, Pennsylvanien (Amerikanisches 
Patent Nr. 406302 vom 2. Juli 1889); eine Gaspumpe von E. A. Cook, 
Mc. Comb, Ohio (Amerikanisches Patent Nr. 408652 vom 6. August 
1889); und eine Liderung für Oel- und Gasbrunnenböden von W. A. 
Donnel, Greensburg, Indiana (Amerikanisches Patent Nr. 406162 vom 
2. Juli 1889). 

M. Wolf, Berlin, hat auf ein Verfahren zur Ermittelung des Streichens 



Gad. Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 265 

der Schichten in Bohrlöchern (vgl. D. p. J. 1888 270 163 und 1889 
271 300) das D. R. P. Nr. 47 221 vom 27. October 1888 erhalten. 

Mannigfache Formen von Gesteinsbohrmaschinen und deren Theilen 
sind in nachstehenden Patenten enthalten: W. Walker, Saltburn by the 
sea, York, England, Vorrichtung zum Bearbeiten der Ortsstöfse mittels 
Hohlbohrer (D. R. P. Nr. 50262 vom 2. Juni 1889); J. Mc Culloch, Minas 
di Rio Tinto, Huelva, Spanien, Gesteinsbohrmaschine (D. R. P. Nr. 46691 
vom 27. Mai 1888): A. B. Drautz, Stuttgart, Gesteinsbohrmaschine mit 
stofsendem Werkzeug für gasförmige Betriebsflüssigkeit (D.R.P. Nr. 48541 
vom 25. October 1888); O. Gebhardt, Charlottenhof, Gesteinsbohrmaschine 
mit Wassermotor und stehendem Werkzeug (D.R.P. Nr. 48659 vom 
20. Februar 1889); D. Giese, Peoria, Illinois, Kohlenbohrer für Hand- 
betrieb (Amerikanisches Patent Nr. 406040 vom 2. Juli 1889); J. L. 
Williams und Th. H. Williams, Shenandoah, Pennsylvanien, Kohlen- und 
Gesteinsbohrmaschine mit Dampfbetrieb für die Rand-Drill Co. zu New York 
(Amerikanisches Patent Nr. 408 878 vom 13. August 1889); A. J. Cooper, 
Durves, Pennsylvanien, Gesteinsbohrmaschine mit Handbetrieb am Hand- 
gestell (Amerikanisches Patent Nr. 409 772 vom 27. August 1889); 
E. A. Rix, San Francisco, Californien, Gesteinsbohrmaschine mit Prefs- 
luftbetrieb (Amerikanisches Patent Nr. 410 334 vom 3. September 1889); 
H. B. L'tte>\ Rockford, Illinois, Seilbohrmechanismus für Gesteinsbohrung 
(Amerikanisches Patent Nr. 411078 vom 17. September 1889). Schräm- 
maschinen sind: E. Caillet, Paris (D. R. P. Nr. 48854 vom 22. März 1889) 
und H. t. Sergeant, New York (D.R.P. Nr. 49554 vom 8. Mai 1889 
und Amerikanisches Patent Nr. 407258 vom 16. Juli 1889). Letzterem 
Erfinder ist auch durch Amerikanisches Patent Nr. 407 257 vom 16. Juli 
1889 ein neues Gestell für Gesteinsbohrmaschinen geschützt. 

Schliefslich sei noch angeführt: R. Pauk, Felixdorf, Niederösterreich. 
Gefahrloses Wegthun von Sprengschüssen durch Abkühlen der Gase in 
einer mit Wasser gefüllten Hülse (D. R. P. Nr. 46444 vom 24. Juni 1888). 

In Bezug auf ausgeführte Bohrungen ist zunächst zu melden, dafs 
der Bohrversuch bei Sulz im württembergischen Schwarzwalde (Z). p. J. 
1889 273 155) bei einer Tiefe von 900 m ergeben hat, dafs auch an dieser 
hoffnungsreichsten Stelle des Königsreichs — wie gewöhnlich im Schwarz- 
walde — das Rothiiegende unmittelbar auf dem krystallinischen Grund- 
gebirge aufliegt, und somit die gehoffte Steinkohlenformation fehlt. 

In der Stadt Alzey hat der Bohrunternehmer, Herr W. Kramer, 
Gütersloh, unter Aufsicht des Herrn Stadtbautechniker Schmitt vom 
19. September 1888 bis zum 19. Juli 1889 mit einfachem Spülbohrsystem 
und Handbetrieb 287 m tief gebohrt. 

Die Bohrung wurde in Folge eines Gestängebruches eingestellt, ohne 
das gewünschte Wasser gefunden zu haben. Die Kosten haben mit 
Verrohrung etwas über 11000 M. betragen. 

Neuerdings sind von dem Brunnenmeister Herrn G. Anger in Magde- 



266 Oad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

bürg zahlreiche Tiefbohruugen theils zur Bodenuntersuchung für Festungs- 
bauten, theils zu Nachsuchungen nach Wasser oder Braunkohle in der 
Provinz Sachsen 20 bis 100 m tief ausgeführt. Das Bohrgeräth war meist 
Drehbohrer am Gestänge im weichen Boden und Fabian scher Freifall- 
bohrer im festen Gebirge; beides mit Handbetrieb. Die Kosten stellten 
sich auf 15 bis 50 M. für l m laufend. 

Von den in Oberschlesien ausgeführten Bohrungen (#. /). J. 1889 
273 154) ist wiederum eine, und zwar bei Knieczenitz auf ein starkes 
Kohlenflötz gestofsen. In demselben Kreise Rybnik wird nunmehr bei 
Hellt von einer Gesellschaft neu gebohrt. 

Zahlreiche Bohrungen im Stadtforst von Guben haben auf 100 m Tiefe 
die gesuchte Braunkohle nicht in abbauwürdiger Mächtigkeit gefunden. 

Die Seefüllung im Grunewald bei Berlin mit Hilfe von 2 artesi- 
schen Brunnen ist gelungen. 

]n England wird zur Zeit sehr eifrig bei Dover nach Steinkohle 
gebohrt, um festzustellen, ob die gefundenen Flötze abbauwürdig sind. 

Die Bohrungen in Galizien auf Erdöl beginnen stellenweise eine 
gröfsere Tiefe als 300 m zu beanspruchen. So mufste man bei Sloboda 
rungurska zur Erweiterung des alten, in der Ergiebigkeit nachlassenden 
Feldes bereits 450 m tief bohren. 

Bei Baku waren im October 1889 207 Brunnen im Betriebe, 71 Boh- 
rungen im Gange, während 61 erschöpfte Werke leer standen. Auch 
dort erfordern die Bohrungen bereits gröfsere Tiefe als bisher und zwar 
bis 300 m . Dafs seit dem Mai 1889 fast alle Brunnen ihren spring- 
brunnenartigen Ergufs eingestellt haben und in Folge dessen gepumpt 
werden müssen, hat nichts Bedenkliches, da nunmehr kein Naphta mehr 
verloren geht, wie es früher der Fall war. 

In Pennsylvanien beträgt die erforderliche Bohrlochstiefe schon oft 
über 1000 m . 

In Bezug auf die in dem diesseitigen Bericht (Z>. ;;. J. 1889 273 159) 
erwähnten Concurrenzversuche mit Gesteinsbohrmaschinen System Frö- 
lich und Brandt auf den Mansfelder Gruben, ist neuerdings in der Zeit- 
schrift für das Berg-, Hütten- und Salinen- Wesen im preufsischen Staate 
1889 37 295 eine sehr ausführliche Arbeit von Herrn. Schrader unter 
dem Titel : „Z)te Anwendung von Gesteinsbohrmaschinen beim Mansfelder 
Kupfer schief 'er bergbau^ erschienen. Dieser Artikel gibt klare und er- 
schöpfende Auskunft, wie sich unter den obwaltenden Grubenverhält- 
nissen die nutzbringende Verwendbarkeit der Gesteinsbohrmaschine von 
ihrem ersten Versuch an bis auf den heutigen Tag entwickelt hat. 

Zunächst ist zu berücksichtigen, dafs die Handarbeit der Mausfelder 
Gesteinshäuer stets auf einer hohen Stufe der Leistungsfähigkeit ge- 
standen hat, die durch die fortschreitende Verbesserung des Bohrgezähes, 
die Verdrängung des Sprengpulvers durch Dynamit, die Einstellung ge- 
übter italienischer Tunnelarbeiter bis heut immer noch gesteigert ist. 



Pinette's Windwerk mit Druckwasserbetrieb. 267 

Im Durchschnitt werden zur Zeit bei 2 m ,5 Ortsweite und 2 m ,2 Orts- 
höhe für einen Arbeitstag je nach den örtlichen Verhältnissen aufge- 
fahren : 

im Conglomerat 0,6 bis l m , 

im Sandstein und thonigen Rothliegenden . 1 bis l m ,4 

im Flöte 1,4 bis 2 m . 

Trotz der hohen Leistungen beim Handbohrbetriebe wurden von 
1865 an unausgesetzt Gesteinsbohrmaschinen versucht, doch erreichte 
man mit diesen zunächst keine zufriedenstellenden Resultate. Vor allem 
stellte sich die Maschinenarbeit im Vergleich zur Handarbeit viel zu 
theuer, wenn auch ein bedeutender Zeitgewinn zu erzielen war. Erst 
als in den 80er Jahren die geschäftlichen Verhältnisse auf Anspannung 
aller Kräfte zur Massenförderung hindrängten, trat der durch Maschinen 
zu erzielende Zeitgewinn als solch bedeutender Vortheil hervor, dafs 
dagegen die Mehrkosten nicht mehr in Betracht kamen. Zudem gelang 
es mit der Zeit, diese Kosten erheblich zu vermindern, vornehmlich 
nachdem der Bohrmaschinenbetrieb seitens der Grubenverwaltung in 
eigene Regie genommen war. Man konnte zunächst die Erfahrungen 
ausnutzen, die man in den Jahren 1883 bis 89 bei den Arbeiten der 
beiden Bohrunternehmer gemacht hatte, in welcher Zeit mit der Frölich- 
schen Prefsluftmaschine 6808, 3 m laufend, mit der Brandt'schen hydrau- 
lischen Maschine 6609 m laufend aufgefahren waren. 

Man entschied sich für die Annahme der von Jäger verbesserten 
Frölich' sehen Prefsluftmaschinen. Bis zum Mai 1889 ist es nun ge- 
lungen, im vollen — sogen, forcirten Maschinenbohrbetriebe stellenweise 
eine 4,52 mal so hohe Leistung bei nur 11,71 Proc. höheren Kosten 
als mit Handbohrbetrieb zu erzielen. Zugleich hat man erprobt, dafs 
man die Kosten bis auf die des Handbetriebes herabmindern kann, wenn 
man sich bei langsamem Maschinenbetrieb mit dem nur doppelten Bohr- 
fortschritt des Handbetriebes begnügt. 

Neuerdings ist zur Schiefergewinnung eine Probemaschine der 
Duisburger Maschinenbauaktiengesellschaft nach D. R. P. Nr. 47 661 
(s. D. p. J. 1890 275 394) im Versuch, welche sich durch grofse Leich- 
tigkeit (55 k gegen 90 k der Jäger'schein Maschine) auszeichnet und sich 
zu bewähren scheint. 



Gr. Pinette's Windwerk (Fördermaschine) mit Druck- 
wasserbetrieb. 

Mit Abbildungen auf Tafel 13. 
Die Kraftmaschinen dieses Windwerkes bestehen aus je zwei mit 
den Böden zusammenstofsenden Cylindern (Fig. 2) von 120 mm Durch- 
messer und 100 mm Kolbenhub, welche an der Verbindungsstelle einen 



268 Pinette'fl Windwerk mil Druckwasserbetrieb. 

Sternzapfen derart wasserdicht umschliefsen, dafs vermöge der im 
Cylinderboden wie am Zapfen vorgesehenen Durchgangsöft'nungen eine 
entsprechende Wa.sservertheilung stattfindet, wodurch die an den Kurbel - 
zapfen ö, O unmittelbar angegliederten Kolbenstangen eine Drehung 
der beiden Kurbelwellen bezieh, eine Schwingung des ganzen Cylinder- 
doppelkörpers um den Sternzapfen T veranlafst wird. 

Da die auf den beiderseitigen Kurbelwellen aufgekeilten Räder- 
getriebe in ein gemeinschaftliches Rad auf der Trommelwelle eingreifen, 
daher den gleichen Drehungssinn aufweisen und die geometrische Achse 
der Doppelcylinder in eine Gerade fällt, welche in der Tod tpunktstell trag 
der Kurbelzapfen wagerecht liegt, sonst aber durch die Wirkung der an 
den Cylinderdeckeln betind liehen Kreuzkopfschleifen zur Ausschwingung 
gelangt, so ist es leicht die Steuerung derart einzurichten, dafs gleich- 
zeitig eine vollständige Entlastung des centralen Kanalzapfens T er- 
reicht werde. 

Diese Entlastung wird dadurch erhalten, dafs beide Kolben gleich- 
mäfsig nach aufsen und beim Hubwechsel nach innen, dem Central - 
zapfen zu, sich bewegen, was allerdings die Gleichzeitigkeit der Todt- 
punktstellungen beider Kolben bedingt. 

Um dennoch eine gleichförmiger wirkende Triebkraft zu erhalten, 
ist das am anderen Windenschild B befindliche Kraftwerk mit unter 
90° versetzten Kurbeln aufgestellt, so zwar, dafs der in Fig. 2 ge- 
zeichneten Kolbenlage der linken Kraftmaschine die äufsere Todtpunkt- 
stellung in der rechtsseitigen Maschine entspricht. 

Der als Steuerungsorgan ausgebildete Centralzapfen T (Fig. 1 und 2) 
ist derart an die äufsere Wand des Windenschildes B angeschraubt, 
dafs seine Mittelöffnung mit dem einen Wasserleitungsrohre, seine zwölf 
am äufseren Umfange vertheilten Fächerkanäle mittels einer Ringöffnung 
in der Schildwand mit dem zweiten Wasserleitungsrohre in Verbindung 
stehen. Dieser Uebergang wird durch Hohlräume vermittelt, welche in 
jedem Windenschild B eingegossen sind (Fig. 1), so dafs die von einem 
Vertheilungskopfe abzweigenden Leitungsrohre unmittelbar an die in- 
neren Seiten wände der beiden Windenschilde angesetzt werden können. 
Diese Rohre dienen je nach dem Drehsinn der Maschine abwechselnd 
für die Zu- und Ableitung des Wassers. 

Bei der in Fig. 1 bis 3 angegebenen Drehung gelten die mit 1 bis 
10 bezeichneten Pfeile für den Wasserumlauf. 

Das im Rohr 4 einströmende Wasser geht durch das Mittelrohr S 
des Sternzapfens und durch diejenigen strahlenförmigen Kanäle 5, welche 
ungedeckt sind, gelangt durch den Verbindungskanal 6 in den Cylinder- 
raum an der Deckelseite, wobei das Prefswasser den Kolben nach innen 
Ireibt. Der Kolben drückt ferner bei dieser Bewegung das im Boden- 
räume des Cylinders befindliche Wasser durch die bereits eröffneten 
(ntterkanäle 7 in die vorerwähnten Fächer des Sternzapfens und hier- 



Pinette's Windwerk mit Druckwasserbetrieb. 269 

mit durch den Ringschlitz 8 in das nunmehr zur Ableitung bestimmte 
Rohr 9 ins Freie, wobei es den Vertheilungskopf durchströmt. 

Dieser Vorgang spielt sich in jedem der beiden zu einem Ganzen 
verbundenen Cylinder A v A gleichzeitig ab, indem in Folge der Schwingung 
abwechselnd bei jedem Hube die Gitterkanäle 5 und 7 für die Zuleitung 
geschlossen und eröffnet werden, so dafs hierdurch eine regelmäfsige 
Steuerung eintritt. 

Soll aber die Drehbewegung der Windentrommel umgekehrt werden, 
so mufs man durch Umstellung der Doppelkolben P { P im Vertheilungs- 
kopfe den Wasserumlauf umsetzen und nunmehr den Ablauf durch das 
Mittelrohr von T bewerkstelligen, während der Wassereinlauf durch 
den Ringschlitz und die Fächerkanäle jedes Sternzapfens vor sich geht. 

Der Vertheilungskopf, welcher ebensowohl zur Regelung des 
Wasserzulaufes als auch zur Abstellung und Reversirung der Maschine 
dient, besteht aus einem stehenden Cylinder von 120 mm Durchmesser, 
in welchem der Doppelkolben PP { (Fig. 1 und 3) sich mittels Hand- 
rad und Spindel einstellen läfst. 

Während das Hauptzuleitungsrohr B sich in zwei Kanäle nach 
den Deckelseiten des Cylinders gabelt, ist das Ableitungsrohr B { in 
der Mitte des Cylinderraumes, welcher zwischen den Doppelkolben liegt, 
unmittelbar angeschlossen. Mittels zweier Oeffnungen F und F l steht 
der Vertheilungscylinder durch die Zweigrohre 4 und 9 mit den Kraft- 
cylindern AA { in Verbindung. 

Werden diese beiden Oeffnungen FF { in der Mittellage der Kolben P P { 
verdeckt, so hört jede Zuleitung auf. Wird hingegen der Doppelkolben 
in die Tieflage gebracht, F für die Zuleitung und F l für den Abflufs 
freigelegt, so findet der Wasserlauf nach der Richtung /, 2, 3 und 4 
durch das Mittelrohr der beiden Sternzapfen T statt. Die Winden- 
trommel E befindet sich in der Rechtsdrehung, und der Wasserabflufs 
geht in der Richtung #, 10 durch F [ von statten. 

In der Hochstellung des Doppelkolbens wird dagegen F t die Zu- 
leitung und F den Abflufs des Wassers besorgen und durch diesen 
Wechsel des Wasserlaufes auch der Rücklauf der Maschine bezieh, die 
Linksdrehung der Windentrommel £\ d. h. die Umkehrung der Be- 
wegung herbeigeführt. 

Bei 60 minutlichen Umdrehungen der Kurbelwellen verbraucht diese 
Maschine 10 1 Wasser secundlich, und ergibt bei 100 m Gefälle annähernd 
eine Nutzleistung von 7 HP, was einem Wirkungsgrade von 50 Proc. 
gleichkommt. 

Die Kolbengeschwindigkeit beträgt bei 100 mm Hub m ,2, die mittlere 
Seilgeschwindigkeit bei 600 mm Trommeldurchmesser l m / S ec das Ge- 
sammtgewicht der Maschine 2500 k . Pr. 



270 Fahrstuhl- Aufzugs winde. 

Fahrstuhl-Aufzugswinde von Magnoni, Rasura und Co. 

in Monza. 

Mit Abbildungen auf Tafel 13. 

Beachtenswerth ist bei die9er Schneckenradwinde die Umsteuerung, 
welche durch Verlegung der Betriebsriemen erfolgt. Nach Revue generale 
des machines-outils, 1889 Bd. 3 Nr. 11 * S. 82, ist diese in der Weise 
durchgeführt, dafs vermöge einer in den Fahrschacht herabhängenden 
und an einem Hebel angelenkten Handstange (Fig. 4), oder zweier an 
einem Doppelhebel wirkender Zugseile eine Querwelle gedreht wird, 
welche mittels eines Winkelradsegmentes und eines unvollständigen 
Winkelrades von gleicher Zähnezahl, eine am Windenbock lagernde 
Welle dreht, die eine Scheibe s trägt, au welcher excentrisch zwei 
Kurbel stangen a l a (Fig. 6) angelenkt sind. Jede dieser Kurbelstangen 
greift an einem Hebel an, welcher mit der zugehörigen Gabel- 
schiene c und einem zweiten Lenkerhebel d eine Parallelverbindung 
ergibt. Indem nun die obere Schiene c die Riemengabel für die links- 
seitig angeordneten Scheiben, die unterhalb liegende Schiene c { die 
Gabel für die rechtsseitigen Riemenscheiben trägt, werden in der ge- 
streckten Lage der Kurbelstangen a (Fig. 6) beide Betriebsriemen auf 
die zugehörigen Losscheiben auflaufen, was der Mittellage des Steuer- 
werkes entspricht und den Stillstand des Windwerkes bedingt. 

Wird nun bei einer einseitigen Verstellung der Steuerstange die 
Kurbelstange s z. B. weiter nach rechts gedreht, so mufs die obere 
Gabelschiene c nach links ausschwingen, während die untere Schiene c l 
nur eine geringe Bewegung dabei ausführt. In Folge dessen wird der 
Riemen auf die linksseitige Festscheibe verlegt, während der gegen- 
sätzlich umlaufende Riemen auf der rechtsseitigen Losscheibe bleibt. 

Dies wird durch die eigentümliche Anordnung der Kurbelzapfen 
auf der Scheibe * (Fig. 6) ermöglicht, indem hierbei der Zapfen der 
Kurbelschiene a, im Bogenstück an der Todtpunktstelle sich bewegt, 
während derjenige von a sich der Scheitelstelle im Kurbelkreise nähert. 
Um bei einem stärkeren Anzug der Steuerstange ein Ueberrennen der 
Gabelschiene zu verhüten, was ein Abwerfen des Riemens von der 
Festscheibe bezieh, eine widersinnige Verschiebung des rechten Riemens 
zur Folge haben könnte, ist hierbei statt der üblichen hubbegrenzenden 
Anschlagklötzchen ein völliger Auslauf des Segmentrades aus dem 
unteren Winkelrade vorgesehen. Damit aber bei der darauf erfolgen- 
den Umsteuerung der richtige Wiedereingriff beider Räder gesichert 
werde, erhält das untere Winkelrad zwei Anschlagklötzchen o, welche 
an den Kranz des Segmentrades auftreffen. Durch eine auf den Kurbel- 
scheibenrand wirkende Blattfeder f soll das Einstellen in die Mittellage 
unterstützt werden. Die in Fig. 3 bis 6 dargestellte Aufzugswinde ist 
für eine Tragkraft von 200 k bemessen und für eine Spinnereianlage aus- 



üeber Fortschritte in der Bierbrauerei. 271 

geführt, bei welcher der Fahrschacht aufserhalb des Fabrikraumes mit 
Rücksicht auf Feuersicherheit gelegt ist. 

Die Verbindung der Fahrbühne mit den Werksälen der einzelnen 
Stockwerke wird durch Thüröffnungen in der Hauptmauer vermittelt, 
welche durch eiserne Thürflügel geschlossen bleiben und die nur wäh- 
rend des Fahrbetriebes durch den Fahrstuhl selbst geöffnet werden 
können, sobald die Fahrbühne in den Horizont des Saalbodens sich 
einstellt. Eine an der oberen Ecke des Fahrstuhles befindliche Rolle 
drückt an einem in eine Mauernische eingelassenen Bogenhebel, welcher 
dadurch eine Querwelle dreht, auf welcher zwei Rollen sich befinden. 
Diese wirken auf zwei federnde Bogenführungen, wodurch mittels Rei- 
bung die Thürflügel in ihren Angeln gedreht und geöffnet werden. 
Sobald der Fahrstuhl den Bogenhebel verläfst, schliefsen die Thür- 
flügel selbsthätig die Durchgangsthüre. Diese Anordnung des Fahr- 
schachtes aufserhalb der Hauptmauer ist für Spinnereigebäude u. dgl. 
nicht genug zu empfehlen, weil der Fahrschacht bezieh, die Boden- 
öffnungen für denselben die gefährlichsten Vermittler bei Bränden sind. 
Wo aber, wie bei Mühlen, durch den Fahrstuhl eine Beaufsichtigung des 
Betriebes beabsichtigt wird, dürfte eine solche Anlage des Fahrschachtes 
doch nicht ganz zweckmäfsig sein. 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 228 d. Bd.) 

P. Lindner berichtet in der Wochenschrift für Brauerei, 1890 Bd. 7 
S. 161, über neue von F. Goldiner ausgeführte Versuche zur Beant- 
wortung der Frage, ob ..Sarcina im untergährigen ßiere Krankheits- 
erscheinungen hervorruft oder nicht." Zu den Versuchen wurden benutzt 
1) eine Reinkultur eines Pediococcus aus einem untergährigen Biere 
einer schlesischen Brauerei: 2) eine Reinkultur eines Pediococcus aus 
einem Stockholmer untergährigen Biere; 3) eine Reinkultur des Pediococcus 
acidi lactici. Mit diesen Organismen wurde sterilisirte und gehopfte 
Bierwürze von 12,28° Ball, inficirt und mit abgeprefster reingezüchteter 
Hefe angestellt in Flaschen unter Schwefelsäureverschlufs. Die Gähr- 
temperatur war 4 bis 8 U R., bei einer Probe 24° R. Bezüglich der 
Einzelheiten in der Versuchsanstellung und der in einer ausführlichen 
Tabelle niedergelegten Resultate müssen wir auf die Originalarbeit ver- 
weisen. Hier mögen die wichtigsten Wahrnehmungen folgen: 

Während der Hauptgährung zeigten sich die geimpften Flaschen 
immer eine Spur trüber und gleichzeitig heller von Farbe als die un- 
geimpften. Beim Abfüllen der Biere auf kleine Flaschen (nach etwa 
4 Wochen) waren sie sämmtlich blank; das nicht geimpfte und ein 
nur mit einem Tropfen geimpftes konnte als feurig-blank bezeichnet 



•J7 J Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

werden. Nach etwa 4 wöchentlichem Stehen erwiesen sich die im Ein- 
schränke aufbewahrten noch blank, von den im Zimmer gestandenen 
waren die beiden bereits erwähnten blank, die Mehrzahl der übrigen 
trübe. Am 7. Juni, nachdem sämmtliche Fläschchen vom 20. Mai ab 
im Zimmer gestanden, traten die Unterschiede noch schärfer hervor. 

In Bämmtlichen geimpften Bieren mit Ausnahme der Impfung mit 
Pediococcue aeidi lactici war ein staubiger Bodensatz und damit ein 
Schleier im Biere aufgetreten. Im Verlauf der Wochen und Monate 
wurden auch die schleierigen Biere allmählich wieder blank, indem 
sich die Zellen zu Boden setzten. Es genügte dann allerdings ein 
sehwaches Schütteln, um den schleierigen Zustand wieder hervorzurufen. 
Derselbe hielt dünn auch längere Zeit wieder au. Im Vergleiche zu 
dem feurig-blanken nicht geimpften Biere sahen jene auffallend heller 
bezieh, entfärbt aus. 

In einigen zur mikroskopischen Untersuchung entnommeneu Proben 
von den schleierig gewordenen Bieren wurden nur die Zellen von 
Pediococcus vorgefunden. 

Auffällig erschien, dafs in allen geimpften Flaschen im Bodensatze 
beträchtlich mehr hopfenharzähnliche Ausscheidungen gefunden wurden 
als in dem des nicht geimpften Bieres. 

Die beim Oeffhen der Flaschen vorgenommene Geschmacksprüfung 
hat einen deutlichen Unterschied bei dem nicht geimpften und dem ge- 
impften (Nr. 2) ergeben. Ersteres schmeckte alt, Porter ähnlich, sonst 
aber ganz gut und rein, Nr. 2 dagegen sehr unangenehm, der Geruch 
war derart, wie man ihn sehr häufig bei Sarcinabieren antrifft. Säure- 
bestimmungen in den Bieren gaben keinen Anhalt. 

In Bezug auf Auftreten des Geruchs und Geschmacks in einem 
durch zahllose Sarcinazellen trüb gewordeneu Biere weist Lindner auf 
die Möglichkeit hin, dafs in einem solchen Biere eine erhöhte Licht- 
einwirkung stattlinde, da die kleinen Zellen bezieh. Zellentäfelchen das 
Licht beständig nach allen Richtungen hin reflectiren (diese Eigenschaft 
der Sarcinazellen dürfte insofern kaum eine Rolle spielen, als das Bier 
aufser im Trinkglase nicht in nennenswerthem Grade mit dem Lichte 
in Berührung kommt. D. Ref.). 

Wenn auch von einer eigentlichen Lösung der Sarcinafrage noch 
lange nicht die Rede sein kann, so ist doch als sicher anzunehmen, 
dafs Sarcinaorganismen Krankheitserscheinungen im Biere hervorrufen 
können. 

Ueber die Conservirung gegohrener Getränke durch Elektricität von 
Dr. Georg Foth ( Wochenschrift für Brauerei^ 1890 Bd. 7 S. 51). In einer 
umfassenden Abhandlung schildert Foth eingehend die Versuche, welche 
er über die Einwirkung der Elektricität auf gegohrene Getränke be- 
hufs deren Conservirung ausgeführt. Wenn dieselben auch nicht zu 
einem praktisch verwerthbaren Ergebnisse führten, so sind sie doch 



Heber Fortschritte in der Bierbrauerei. 273 

wegen ihrer exacten und streng wissenschaftlichen Durchführung wichtig 
und interessant. Bezüglich der Versuchsanstellung auf das Original ver- 
weisend, theilen wir hier die Ergebnisse mit, wie dieselben Foth kurz 
zusammenfafst : 

1) Elektrische Wechselströme, welche durch eine Flüssigkeit ge- 
leitet diese nicht zersetzen, vermögen darin suspendirte Hefe nicht zu 
tödten. Der elektrische Strom übt daher als solcher auf Hefe einen 
schädlichen Einflufs nicht aus. 

2) Ein solcher wird erst ausgeübt, wenn die Flüssigkeit, in welcher 
die Hefe suspendirt ist, durch den elektrischen Strom zersetzt wird. 

3) Das in letzterem Falle auftretende Ozon ist, wenn nicht die 
alleinige Ursache, so doch eine der hauptsächlichen, durch welche die 
Tödtung der Hefe bewirkt wird. 

4) Es kann daher der elektrische Strom nicht dazu dienen, die 
Hefe in gegohrenen Flüssigkeiten zu tödten, sofern deren chemische 
Beschaffenheit dieselbe bleiben soll. Die Elektricität kann daher zur 
Conservirung gegohrener Getränke, wie Bier, nicht dienen, falls nicht 

5) nur ein Erwärmen mittels elektrischer Wechselströme auf höhere 
Temperatur, also ein Pasteurisiren, beabsichtigt ist. 

Ueber den Kuhn sehen Pasteurisirapparat (vgl. 1890 275 287) theilt 
Fr. Chodounsky im Böhmischen Bierbrauer (vgl. Wochenschrift für Brauerei, 
1890 Bd. 7 S. 81. Allgemeine Brauer- und Hopfenzeitung, 1890 Bd. 30 
S. 226) seine bis jetzt gemachten Erfahrungen mit. Chodounsky arbeitet 
mit einem Kuhn sehen Apparate, der sich von dem ursprünglichen in- 
sofern unterscheidet, als in dem inneren, kupfernen Cylinder auf 12 hl 
Bier eine doppelte Rohrspirale (Schlange) angebracht ist. Bei der 
ersten Pasteurisirung, welche in Anwesenheit des Herrn Kuhn vorge- 
nommen wurde, wurden einige unwesentliche Aenderungen an dem 
Apparate gemacht; jetzt arbeitet derselbe zur vollen Zufriedenheit, wie 
die Versuchsansteller bei Fafsbieren, die nach Spanien, Korsika, Tunis 
u. s. w. gingen, feststellten. Nach Chodounsky hat die Art des Pasteuri- 
sirens gar keinen Einflufs auf die Zusammensetzung und fast keinen 
auf den Geschmack des Bieres. 

Zur Erwärmung der nöthigen Wassermenge — beiläufig 40 b*is 45 hl 
auf 12 u Bier — benutzt Chodounsky den Retourdampf. 

Die Temperatur des Wassers betrug ursprünglich 80°; jetzt genügt 
eine solche von 75°. 

Die ganze Pasteurisirung dauert rund 2 Stunden: 

Die Erwärmung 19 Minuten, das eigentliche Pasteurisiren 25 Minuten, 
das Abkühlen mit Wasser 20 Minuten, die Abkühlung mit Kühlflüssig- 
keit 25 Minuten. Hierzu kommt noch das Füllen der Apparate, so dafs 
die ganze Prozedur vom Füllen bis zum Abziehen des Bieres in Fäfschen 
4 Stunden in Auspruch nehmen kann. Durch Verbesserungen soll die 

Dingler' s polyt. Journal Bd. 276 Nr. 6. 1890/1'. jg 



274 IVber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

Zeit etwas gekürzt werden können, so dafs mit Leichtigkeit in 12 Stunden 
36 hl pasteurisirt werden können. 

Um über die Kosten der Arbeit mit dem Kuhn'sehen Apparate 
gegenüber den Kosten der Pasteurisirung in alter Weise einen ver- 
gleichenden Anhalt zu geben, stellt der Verfasser die Auslagen der beiden 
Pasteurisirungsmethoden neben einander {Wochenschrift für Brauerei, 
S. 166). Er berechnet, dafs bei einem Absätze von 220000 Flaschen 
(die er im Monat Juli 1889 absetzte) sich die Unkosten des Pasteuri- 
sirens nach der alten Methode auf 2815 Francs, nach dem Kuhn sehen 
Verfahren auf 1218 Francs stellten. Es wäre dies demnach für den 
einen Monat Juli eine Ersparnifs von 1600 Francs = 1280 M. 

Analyse eines Bieres aus dem letzten Jahrhundert von Horace Broun 
und Harris Morris {Allgemeine Brauer- und Hopfenzeitung , 1890 Bd. 30 
S. 516 nach Transactions of the Laboratory Club , Bd. 3 S. 4). Die be- 
treffende Bierprobe wurde in Burton on Trent von Worthington und Co- 
um das Jahr 1798 gebraut und ist dem zu Folge jetzt über 90 Jahre alt. 

Das Bier ist ein starkes Ale und noch vollständig gesund, hat aber 
den allgemeinen Biercharakter verloren und besitzt nun ein starkes 
genau dem alten Madeira ähnliches Bouquet, welches zweifellos von 
zusammengesetzten Aethem herrührt. Der vorhandene Bodensatz er- 
scheint unter dem Mikroskop als eine fein vertheilte amorphe Masse 
mit vereinzelten Hefezellen, die anscheinend sehr verschrumpft sind. 
Nur zweimal wurden einige wenige lebende Zellen gefunden. Bakterien- 
wachsthum konnte nicht beobachtet werden. Die Analyse des Bieres 
im Vergleiche mit einem 18 Monate alten Ale ergab folgendes: 



OC i- 


■ O 


C <U 


o> c 


: =C3 






o — 


ELo 


o w 


tß Q> 


•- — 


•— i rr* 


H 3 



c£ Vjo'O. •*= cd"» 

ia »SS ;== M 

:j. — — i in tß ^ •*-* re C/3eo <; ro 

100 co Proc. Proc. Proc Proc. 

A 1 1 p<i, Alp 

90 Jahre alt . 1030,45 1110,38 28,595 8,70 0,6095 0,1404 0,0598 
r^cues starkes Ale 
18 Monate alt 1030,47 1103,58 26,782 7,85 0,3695 0,2095 0,0334 

In Procenten der Trockensubstanz der ursprünglichen Würze, ab- 
geleitet aus dem ursprünglichen speeifischen Gewichte mit dem Di- 
visor 3,86: 

Vergohrene Freie Freies Amvloinc A.1 bo minoid e iT nbest j muit 

Substanz Maltose Dextrin Amyioinc n x 6,2ö unDesumnu 

Altes Ale . 59,98 0,00 5,52 17,57 4,63 12,30 

Neues Ale . 50,04 0,00 14,04 17,08 — 10,86 

Die flüchtigen Aether in obigen Analysen wurden nach L. Berthelot'* 
Methode bestimmt. 

Unter Amyloinen verstehen Brown und Morris Spaltungs- bezieh. 
Hydrationsproducte der Dextrine, welche als zusammengesetzt aus 
Maltose und einem Dextrinrückstande erscheinen. Die Amyloine obiger 
Biere erscheinen zusammengesetzt aus: 



Ceber Fortschritte in der Bierbrauerei. 275 

Altes Ale 14.58 Maltose und 2.99 Dextrin 
Neues Ale 10,81 „ „ 6,27 „ . 

Zu den Amyloineu gehören das Maltodextrin und das Amylodextrin. 
Beide beschrieben von Broten und Morris (Zeitschrift für das gesammte 
Brauwesen, 1885 Bd. 8 S. 360. 1. e. 1889 Bd. 12 S. 437 und 453). 

Der unterscheidende Charakter dieser Substanzen ist folgender : 

1) Sie liefern bei der Analyse Zahlen, welche gestatten, dafs man 
ihre Zusammensetzung in Form einer Mischung von Maltose und Dextrin 
ausdrückt. 

2) Dafs sie durch keines der bekannten Mittel (fractionirte Fällung 
mit Alkohol, Vergährung mit Hefe u. s. w.) in Maltose und Dextrin 
gespalten werden können und demnach einheitliche Körper sind. 

3) Dafs sie durch Diastase vollständig in Maltose verwandelt werden. 

4) Dafs sie während der Hauptgährung unvergährbar sind. 

Nach Brown und Morris existirt eine erhebliche Anzahl solcher 
Amyloine (die Bezeichnung Amyloine rührt von Prof. Armstrong her). 
Die Verfasser betrachten das Stärkemolekül als bestehend aus 5 Amylin- 
gruppen (Ci 2 H 20 Oi ) 20 - Eine dieser Amylingruppen widersteht in höherem 
Grade der Einwirkung der Diastase als die anderen vier und bildet hier- 
durch das stabile Dextrin. Die übrigen 4 Amylingruppen sind einer 
fortscheitenden und schliefslich vollständigen Hydrolyse zu Maltose fähig, 
wobei als Zwischenstufen die Amyloine erscheinen. Folgende Formeln 
erläutern diesen Vorgang. Es wird angenommen die erste Wirkung 
der Diastase bestehe darin, das Stärkemolekül in stabiles Dextrin und 
rasch hydrolysirbare Amylingruppen zu spalten: 

[(C 12 H 20 O 10 ) 20 ] 5 = (C 12 H 20 O 10 ) 20 -j-4(C 12 H 12 O ]0 ) 20 

Starkemolekül Stabiles Dextrin Rasch hydrolysirbare 

Amylingruppen. 

Die rasch hydrolysirbaren Gruppen werden dann leicht angegriffen 
und in Lösung geht eine Reihe von Amyloinen, bei welchen die Hydro- 
lyse verschieden weit vorgeschritten ist; z. B. : 

(C 12 H 20 O l0 ) 20 -f-H 2 = C 12 H 22 O n > 

Rasch hyarolysirbare (CioHooCMi., S 

Amylomgruppe AmyloinWVm kleinsten 

Verhältnis ' von M:D. 
1 M bedeutet die Amylon(Maltose-)gruppe, D die Dextringruppen. Letz- 
teres (D) wird als Einheit genommen. 

(C 12 H 20 O l0 ) 20 -(- 19H 2 = (C 12 H 22 1I ) 1 g 

C ]2 H 20 O 10 

Amylom mit dem höchsten 
Verhältnisse von M:D. 

Beim Fortschreiten der Hydrolyse zerfallen die höheren Amyloin- 
gruppen in kleinere Molekularaggregate, welche jedoch den ganzen 
Amyloincharakter bewahren und dies geht so weiter bis die völlige 
Umwandelung in Maltose erreicht ist. 

So werden die Amyloine, welch Brown und Morris als rein be- 



276 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei 

schrieben und deren Molekulargewicht durch Kamill h Methode bestimmt 
wurde, durch folgende Formeln dargestellt: 

C t . 2 H.,,0 M | C 12 H r2 O n j 

(C^H.^O.o),) (C r2 H, O 1() U 

Maltoclextrin Amylodextnn 

Amyloin M:D = 0,5:1 Amvloin M : I) = 0.166 : 1. 

Bei einer Stärkeumwandelung, die bis zu einem gewissen Grade 
vorgeschritten, wie wir dies z. B. in einem Maischbottich vor uns 
haben, bestehen die Producte der Umwandelung demgemäfs aus freier 
Maltose, freiem Dextrin, das weiterhin nicht mehr hydrolysirt wird und 
einer Reihe von Amyloinen von verschiedener Constitution. Wenn ein 
Bier von normaler Vergährung zum Fassen reif ist, so finden wir bei 
der Prüfung, dafs dasselbe wenig oder gar nicht mehr vergährt, ob- 
wohl dasselbe nacb dem Kupferreductionsvermögen noch erhebliche 
Maltosemengen besitzen sollte. Normales Bier enthält nach Brown und 
Morris beim Fassen nur wenig oder gar keine freie Maltose, da die 
scheinbare Maltose im Biere meistentheils aus Amyloinen besteht, welche 
erst degradirt werden müssen, bevor sie gährungsfähig werden. Beim 
Lagern tritt diese Degradation succesive ein unter dem Einflüsse der 
Nachgährungshefe. Es wird Maltose frei gemacht und die Gährung 
hebt von vorn an. 

Aus dem, was oben über die Eigenschaften der Amyloine gesagt 
ist, geht klar hervor, dafs, wenn man im Stande ist, die freie Maltose 
aus dem Biere zu schaffen, dann die zurückbleibende Maltose den 
Amylonbestandtheil des Amyloins ausmachen wird und weiter, dafs, 
wenn das Bier unter günstigen Bedingungen mit Diastase degradirt wird, 
der Zuwachs an so gebildeter Maltose als Mafsstab für die Amylin- 
portion der Amyloine dienen mufs. 

Auf dem hier angedeuteten Prinzip beruht denn auch die von 
Brown und Morris ausgeführte Bestimmung der Amyloine. Bezüglich 
der Einzelheiten dieser Methode und der Berechnungsweise mufs auf 
das Original verwiesen werden. 

Schliefslich machen die Verfasser auf die ganz verschiedenen Typen 
von Amyloinen aufmerksam, welche in drei von ihnen analysirten Bieren 
vorkamen. In dem alten starken Ale war das mittlere Verhältnifs 
M:D = 4,9:1, in dem neuen starken Ale 1,7:1 und in einem in 
Gährung begriffenen Ale 2,4:1. Es ist wahrscheinlich, dafs ein ge- 
naueres Studium dieses Verhältnisses in den Amyloinen des Bieres auf 
die Bedingungen der Nachgährung mehr Licht werfen wird. Zweifellos 
spielen die Amyloine bei der Bierbereituug eine grofse Rolle, indem 
sie die Kohlenhydratreserve bilden, welche nur langsam für die Gährung 
verwerthbar wird durch allmähliche Hydrolyse. Die Erkenntnifs ihrer 
Gegenwart erklärt uns auch manches, was bisher in den Bierverhält- 
nissen dunkel war; ja, man kann mit ziemlicher Sicherheit aussprechen, 



tJeber Fortschritte in der Bierbrauerei. 277 

dafs eine lang dauernde Naehgährung überhaupt nur durch die An- 
wesenheit dieser Körper möglich ist. 

In den ..Mittheilungen der Versuchsstation für Brauerei und Mäherei 
in Wien-, Wien 1890, Verlag der Oesterreichischen Versuchsstation für 
Brauerei und Mälzerei, behandelt Dr. W. Schütze mit der ihm eigenen 
Gründlichkeit die Frage: ..Warum Bier nicht aus Gläsern getrunken 
u-erden soll". Der umfassenden mit zahlreichen Abbildungen von Trink- 
gefäfsen ausgestatteten Abhandlung • sollen hier die wichtigsten Ergeb- 
nisse entnommen werden. Ein Theil derselben hndet sich schon in 
den Kapitelüberschriften der Inhaltsübersicht, die wir hier wiedersehen: 

I. Die Substanz der gebräuchlichen Biergläser verschlechtert rasch 
den Biergeschmack und Geruch. 

IL Die Substanz der gebräuchlichen Biergläser enthält in der Resel 
Bleioxyd. Diesem Kapitel sind 46 Abbildungen von Biergläsern aus 
Wien, Dresden. München. Frankfurt und Berlin beigegeben mit ihrem 
procentischen Gehalte an Bleioxyd. Der Gehalt an Bleioxyd schwankte 
zwischen 0,08 bis 4,5 Proc. Sechs Gläser aus Berlin enthielten nur 
Spuren von Bleioxyd. 

III. Das Bleioxyd der Biergläser verschlechtert rasch den Bier- 
geschmack und Biergeruch. 

IV. Auch bleifreie Biergläser verschlechtern den Biergeschmack und 
Geruch, nur nicht so intensiv, wie bleihaltige es thun. 

^ . Bestätigung der von Schultze vorgenommenen Kostproben durch 
etwa 100 Personen. 

VI. Die Ursache der Verschlechterung des Biergeschmackes und 
Geruches ist eine geringe Löslichkeit der bleihaltigen und bleifreien 
Biergläser in Bier. 

\ II. Die Glas- und die Bleioxydmengen, welche aus Biergläsern 
binnen 5 Minuten in l cc Bier übergehen. 

Schultze kommt hier auf Grund einer gröfseren Reihe sorgfältiger 
Untersuchungen zu dem Schlüsse, dafs die von ihm und ungefähr 
100 Personen beglaubigte Verschlechterung des Biergeschmackes und 
Geruches, welche bereits erkennbar, wenn Bier bei Abwesenheit von 
Licht nur 5 Minuten lang in bleifreien oder bleihaltigen Gläsern steht, 
verursacht wird durch den Uebergang von 6 bis 26 Zehnmillionstel 
Milligramm Glassubstanz mit bis 48 Tausendmillionstel Milligramm 
Bleioxyd in l cc Bier. 

VIII. Schultze s Untersuchung liefert dem Physiologen einen ex- 
perimentellen Beitrag zur Lehre von der Schmeck- und Riechbarkeit 
kleinster, hochverdünnter Stoffmengen. 

IX. Sammlung von Erscheinungen, die durch die Löslichkeit des 
Glases im Wasser, in Würze und Bier u. s. w. hervorgebracht werden. 

' Sonderausgabe s. Schlufsseite dieses Heftes. 



278 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

X. Auszüge aus der Litteratur, betreuend die Löslichkeit des Glases 
in Wasser und in sauer reagirenden Flüssigkeiten. 

XI. Die bleihaltigen Biergläser gehören zu den genufs- und gesund- 
heitswidrigen Gebrauchsgegenständen. 

XII. Woher stammt das Bleioxyd des Glases? In welcher Form 
setzen die Glasfabrikauten das Bleioxyd dem Glase zu? Warum setzen 
die Glasfabrikanten manchmal dem Glase Bleioxyd zu? 

Diese Fragen beantwortet Schnitze an der Hand der glastechnischen 
Litteratur dahin : 

Eine außerordentlich geringe Menge Bleioxyd geht aus dem Sulfat 
oder der Soda in die Biergläser über. 

Die von Schullze gefundenen auswägbaren Bleioxydmengen (0,08 
bis 4,57 Proc.) stammen daher aus der Hand des Glasfabrikanten. 

Der Zusatz von Blei geschieht meist in der Gestalt von Mennige 
oder Minium, selten in Gestalt von Bleiglätte, oder auch in Form von 
bleihaltigem Bruchglase. 

Die Einführung von Bleioxyd durch die Glasfabrikanten in die Zu- 
sammensetzung der in Formen erblasenen oder in Formen geprefsten 
Gläser, wozu die Biergläser gehören, geschieht im Interesse der besseren 
und leichteren Formengebung. 

Nach den in dieser Abhandlung gesammelten eigenen und fremden 
Erfahrungen über das Voi-kommen von Blei in den verschiedensten 
Glasartikeln wird Jedermann, der Glassachen braucht, für die Zukunft 
gut thun, jedes Glas bis zum erbrachten Gegenbeweise als bleihaltig 
anzusehen. 

XIII. Die bleihaltigen Biergläser vor dem Forum der deutschen 
und österreichischen Sanitätsgesetzgebung. 

XIV. Die Verabreichung von Fafsbier in Gläsern überhaupt, be- 
trachtet vom Interessenstandpunkte des zahlenden, zielbewufsten Bier- 
trinkers. Ersatz des Bierglases durch den Steinkrug. 

Nach Schnitze ist Glas bierwidrig und Bier ist glaswidrig; „beide 
passen nicht für einander; und weil dem nun einmal so ist, so hat der 
zielbewußte zahlende Biertrinker die Verabreichung von Fafsbier in 
Gläsern prinzipiell abzulehnen. Daher mufs im gewöhnlichen Klein- 
verkehre mit Bier an die Stelle des Glases der salzglasirte Steinkrug 
treten. u 

XV. Ueber den Steinkrug als Biertrinkgefäfs. 

XVI. Ueber den Holzkrug als Biertriukgefäfs. 

XVII. Ueber den inwendig vergoldeten Silberkrug als Biertrinkgefäfs. 

XVIII. Ueber den Zinnkrug als Biertrinkgefäfs. 

XIX. Stufenleiter der Werthigkeit der verschiedenen Biertrink- 
gefäfse vom Standpunkte des zahlenden, zielbewufsten Biertrinkei's. 

Der vom Biertrinker erwartete und bezahlte Genufswerth eines 
Fafsbieres kommt auf Grund vorliegender Untersuchung zum Vorscheine: 



Das Entzinnungsverfahren der Weifsblechabfälle. 279 

gut: in gedeckelten, salzglasirten Steinkrügen, ßleiglasirte Krüge 
sind abzulehnen; 

besser: in gedeckelten Zinnkrügen, wie sie beispielsweise der Hof- 
zinngiefser Jos. Lichtinger in München anfertigt und verkauft: 

am besten: in gedeckelten, inwendig vergoldeten Silberkrügen; 

schlecht: in bleifreien, geblasenen, harten Gläsern: 

schlechter: in bleifreien, geprefsten, weichen Gläsern: 

am schlechtesten: in bleihaltigen, geprefsten oder in Formen er- 
blasenen Gläsern. 

Porzellankrüge, selbst wenn sie aus Meissener Porzellan gefertigt 
sind nichts nutz. 

Holzkrüge sind wegen der Pechglasur immer fraglich. 

In einem speciell für den Chemiker bestimmten Anhange wird dann 
noch behandelt: 

A. Das Auskochen der Biergläser und der Bierkrüge mit 4procen- 
tigem Essig im Sinne des Deutschen Reichsgesetzes vom 25. Juni 1887 
betreffend den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen. 

B. Die Ermittelung des Bleioxyds der Biergläser. 

C. Das Auswägen der Biergläser. C. J. Lintner. 



Das Entzinnungsverfahren der Weifsblechabfälle; von 
Dr. B. Schultze zu Trotha. 1 

Dieses neue Verfahren beruht darauf, dafs das Zinn in direkter 
oder indirekter Weise mit Hilfe von Eisenoxyd oxydirt, in verdünnter 
Schwefelsäure (oder Salzsäure) gelöst und aus der Lösung das Zinn 
durch metallisches Eisen ausgefällt wird. 

Patentanspruch: Die Wiedergewinnung des Zinns aus Weifsblech- 
abfällen und anderen zinnhaltigen Substanzen 

1) durch Auflösung des metallischen Zinns 

entweder a) mittels einer sauren oder neutralen Lösung von Eisen- 
oxyd in irgend einer Säure, 

oder b) mittels Schwefelsäure oder Salzsäure, in der Eisenoxyd- 
hydrat oder Eisenoxyd neben dem aufzulösenden Zinn suspendirt ist, 

oder c) mittels Zinnoxydlösung, deren Herstellung durch Oxydation 
von Zinnoxydullösung mittels Eisenoxydhydrats oder Eisenoxyds oder 
Eisenoxydlösung oder durch Einleiten von Luft in dieselbe bewirkt 
wurde, 

2) durch Fällung des Zinns aus der ad 1 erhaltenen Zinnauflösung 
mittels metallischen Eisens, nachdem die Lösung in eine ganz neutrale 
Oxvdullösung übergeführt ist. 



1 D. R. P. Nr. 50 718. 



280 Uas Entzinnuiigsverl'ahren der Weil'sblechablalle. 

Bekannt ist es, dafs in sauren Eisenoxyd lösungen viele Metalle 
leicht löslich sind. Eigenthümlicher Weise aber fand die Auflöslich- 
keit des Zinns in solchen keine Beachtung. Unter den vielen für Weifs- 
blechabfälle-Entzinnung vorgeschlagenen Methoden macht bis dahin nicht 
eine den Sauerstoffgehalt des Eisenoxyds nutzbar, und doch bildet ge- 
rade er das billigste Mittel für diesen Zweck. Direkt als Lösemittel 
verwendet B. Schultze entweder a) saure Eisenoxydlösung oder b) saure 
Zinnoxydlösung (hergestellt durch Oxydation von Zinnoxydullösung durch 
Eisenoxydlösung) oder c) verdünnte Schwefelsäure, in der neben und 
gemischt mit den zu entzinnenden Abfällen stark angerostete Eisen- 
schnitzel (nämlich früher entzinnte und dann an der Oberfläche ge- 
rostete Blechabfälle) sich befinden. 

Das Zinn aus seinen Lösungen in Säuren durch Eisen auszufällen, 
war bis jetzt unmöglich. Vor Jahren von B. Schultze direkt angestellte 
Versuche, bei der Fällung des Zinns das Zink durch Eisen zu ersetzen, 
verliefen resultatlos, dagegen beobachtete er später bei anderer (mit 
diesen Versuchen nur indirekt zusammenhängender) Gelegenheit, dafs 
aus einer Ziunlösung in Schwefelsäure, in der ein Gemenge von Rost, 
metallischem Zinn und metallischem Eisen befindlich war, auf dem 
Eisen ein graues Metallpulver sich ausschied, welches aus reinem metal- 
lischem Zinn bestand. — Die Fällung durch Eisen tritt ein, sobald das 
Zinn in völlig neutraler und nur Oxydul enthaltender Lösung vor- 
handen ist. Die geringsten Spuren von überschüssiger Säure oder von 
höheren Oxyden verhindern sie. Conform seiner ersten Beobachtung 
läfst B. Schultze eine Mischung von Eisenrost, metallischem Zinn und 
metallischem Eisen (ein Gemenge von frischen unentzinnten Weifsblech- 
abfällen und von entzinnten stark angerosteten Eisenschnitzeln) auf die 
Zinnlösung einwirken, um sie in den für die Fällung durch Eisen be- 
nöthigten Zustand überzuführen. Die noch freie Säure wird dabei bis 
auf die letzten Spuren unter Bildung von Eisenmono- und Zinnbisulfat 
gebunden; letzteres aber geht unter Aufnahme von Zinn wieder in 
Zinnmonosulfat über. Die Reaction verläuft entsprechend den folgenden 
Gleichungen: 

1) Fe 2 3 ,3H 2 + SnOS03 + 3S03H 2 = 2FeOS03 + Sn0 2 ,2S0 3 -f6H.,0 

2) Sn0 2 ,2S0 3 -f Sn = 2SnOS0 3 . 

Nur so weit die vorhandene freie Säure — entsprechend Gleichung 1 — 
zulangt, oxydirt sich am Rost das gelöste Zinnoxydul zu Zinnoxyd. Ist 
die Säure zu neutralem Salz gebunden, so bewirkt das Eisen oxydhyd rat 
in der Lösung des Zinnoxyduls eine Oxydation des letzteren nicht mehr. 
Der Zeitpunkt aber, zu dem alles nach Gleichung 1 entstandene Zinn- 
bisulfat durch Aufnahme von Zinn nach Gleichung 2 in Zinnmonosulfat 
übergegangen ist, kennzeichnet sich dadurch, dafs von da an auf dem 
neben dem Rost und Zinn vorhandenen grauen Eisen (auch in den 
Ritzen zwischen dem Rost auf den angerosteten Abfällen) ein allmählich 



Das Entzinnungsverfahren der Weifsblechabfälle. 281 

wachsender Niederschlag erscheint, der theils ein graues, schwammiges 
Pulver, theils schöne halb stahl-, halb silberfarbige glänzende, mitunter 
mehrere Millimeter grofs werdende Krystallschuppen bildet und aus 
metallischem Zinn besteht. 

Die Fällung des Zinns durch Eisen erfordert tagelange Zeit. Sie 
geht also im Vergleiche zu der durch Zink äufserst langsam vor sich. 
Sie ist eine vollständige. Nach ihrer Beendigung gibt Schwefelwasser- 
stoff zu einer Probe der Flüssigkeit gegeben, auch nicht Spuren eines 
Niederschlags. 

Versuche, das Zinn durch Eisen zu fällen, nachdem die Zinnlösung 
in anderer Weise, z. B. durch Zufügung von Na 2 C0 3 oder NaHO u. a., 
möglichst genau neutralisirt ist, haben fast stets ein negatives Ergebnifs. 

Zur Ausführung der Arbeit sind nur einfache offene Holzbottiche 
und relativ geringe Mengen der billigsten Chemiealien erforderlich. Der 
Bedarf an letzteren beschränkt sich je nach der Art der Arbeit auf 
etwa 100 bis 600 k Kammersäure im Werthe von -1 bis 24 M. für 100 k 
gewonnenes Zinn im Werthe von 180 bis 200 M. und für 2500 bis 
4000 k gewonnenes Eisen im Werthe von 75 bis 160 ML, also auf eine 
Ausgabe von 4 bis 24 M. auf einen Zinn- und Eisenwerth von 255 bis 
360 M. Der Verbrauch an Kohlen ist unbedeutend. 

Von den Hauptproducten erhält man das Zinn fast oder ganz 
chemisch rein in Pulverform, vorzüglich geeignet zur Auflösung in 
Säuren oder Alkalien, zur Darstellung aller Arten von Zinnpräparaten 
und ganz besonders zur bequemsten und billigsten Erzeugung von fast 
und ganz chemisch reinem Zinnoxyd für Emaildarstellung. Die Eisen- 
rückstände sind so vollständig von Zinn befreit, wie nach einer an- 
deren Methode im Grofsen nie zuvor, und deshalb werthvoller, als der- 
gleichen mehr oder minder zinnhaltige. Sie gestatten eine Verwendung 
als reinstes Schmiedeeisen. 

Als Nebenproducte werden bester Eisenvitriol oder, will man die 
Enderzeugung von solchem ganz oder zum Theil umgehen, Eisenbeize 
für Färbereien und rothe und braune Eisenoxydfarben gewonnen: bei 
der Reinigung der Weifsblechabfälle von den ihnen gewöhnlich in ge- 
ringer Menge beigemengten Zinkspänen auch Zinkvitriol oder Chlorzink. 
Alle angewandten Materialien werden in Producten erhalten, die 
ihre volle Verwerthung zulassen. Nichts seht verloren. 

Recht werthvoll für die Entzinnungsmethode der Weifsblechabfälle 
durch Schwefelsäure und Eisenoxyd ist auch die Beobachtung von 
B. Schnitze, dafs der Lack von der Oberfläche lackirten Weifsblechs sich 
ablöst, wenn es kurze Zeit mit Schwefelsäure von 1,5 bis 1,84 spec. Gew. 
bei etwa 100° C. digerirt wird. Die hierauf basirende Entlackungs- 
arbeit wird gegebenenfalls vor der Entzinnung ausgeführt. Man taucht 
die in verbleite Eisenkörbe gefüllten lackirten Schnitzel kurze Zeit in 
auf über 100° C. erwärmte Schwefelsäure von etwa 1,7 spec. Gew. ein. 



282 Das Enlziimungsverfahren der Weifsblechabfälle. 

Sofort beginnen kleine Blasen zwischen Lackschicht und Metallober- 
tläche sich zu bilden, zersprengen beim Gröfserwerden den Lacküberzug 
und trennen ihn in Form kleiner Blättchen, im Uebrigen aber wohl 
erhalten und nicht etwa verkohlt, von der Metalloberfläche. Die Ursache 
der Gasbildung zwischen Metall und Lackschicht ist noch nicht fest- 
gestellt; sie kann ebenso wohl in einer Einwirkung der Säure auf das 
unterliegende Metall, wie auf den deckenden Lack beruhen. 

Bei der Wiedergewinnung des Zinnes aus den Weifsblechabfällen 
lassen sich im Grofsbetriebe drei Hauptvorgänge unterscheiden: 

1) Die Auflösung des Zinns, 

2) die Ausfällung des Zinns aus der Lösung, 

3) die Verarbeitung der entzinnten Laugen. 

Hierzu tritt für den Fall, dafs die Abfälle lackirt sind, 

4) die Entlackung der lackirten Weifsblechabfälle, 

und für den Fall, dafs sie Zinkspäne beigemengt enthalten, 

5) die Entzinkung der lackirten und unlackirten Abfälle. 

1) Die Auflösung des Zinns. 

Als Lösungsmittel dienen entweder saure Eisenoxydlösung, oder 
^aure Zinnoxydlösung, oder verdünnte Schwefelsäure, oder Salzsäure. 

Bei Anwendung saurer Eisenoxydlösung werden grofse eiserne 
Körbe mit den zu entzinnenden blanken Weifsblechabfällen angefüllt 
und mittels eines Krabnes in grofse oben offene, verdünnte saure schwefel- 
saure Eisenoxydlösuug enthaltende Holzbottiche eingehängt. Unter Re- 
duction des Eisenoxyds löst sich der Zinuüberzug der Schnitzel in 
wenigen Stunden vollständig auf. 

Nach völliger Entzinnung der Blechabfälle hebt man die Körbe 
aus der Lösung heraus, taucht sie in einen Bottich mit Abspülwasser 
ein und kippt sie so aus, dafs man einzelne etwa unentzinnt gebliebene 
Blechstreifen oder Partien solcher aus den völlig entzinnten leicht heraus- 
lesen kann. Nachdem dies geschehen ist, bildet man aus den nunmehr 
reinen Eisenblechspänen durch Einstampfen in zweckmäfsig eingerichtete 
Blechformen Ballen, die an Eisenhütten abgegeben werden. 

Die ausgesuchten, nicht vollständig entzinnten Partien werden ent- 
weder den frischen Weifsblechabfällen zur Entzinnung zugegeben oder 
man bringt sie nach dem möglichst frei liegenden Rostplatz und über- 
läfst sie hier, in gröfsere Haufen gestürzt, der Rostung an der Luft. 
Die Einwirkung der Atmosphärilien verwandelt die schwachen Eisen- 
blechschnitzel zunächst oberflächlich, schliefslich ganz in Rost, der zur 
Darstellung von Eisenoxydlösung oder Zinnoxydlösung oder zur Neu- 
tralisation verwendet werden kann. 

In die Löseflüssigkeit der Bottiche werden so oft frische Weifs- 
blechabfälle eingehängt, als ihr Zinnüberzug noch leicht und vollständig 
aufgelöst wird. Geschieht dies nicht mehr, so enthält sie im Wesent- 



Das Entzinimngsverfahren der Weifsblechab fälle. 283 

liehen neben schwefelsaurem Zinnoxydul und Eisenoxydul nur noch 
wenig freie Säure und vielleicht etwas Zinnoxyd. Sie wird nun in die 
Neutralisirungsgefäfse abgezogen auf ein Gemenge von metallischem 
Zinn und Rost. Die noch freie Säure sättigt sich mit äquivalenten 
Mengen beider (unter Reduction des Eisenoxyds zu Oxydul und unter 
Oxydation des Zinns): es entstellt eine ganz neutrale nur Oxydulsalze 
enthaltende Lösung. 

Bei Anwendung saurer Zinnoxydlösung wird in gleicher Weise, 
wie eben gezeigt, verfahren. Der alleinige Unterschied liegt darin, dafs 
in den Lösebottichen als Löseflüssigkeit sich an Stelle der sauren 
schwefelsauren Eisenoxyd lösung saure schwefelsaure Zinnoxydlösung 
befindet. 

Verdünnte Schwefelsäure oder Salzsäure wird gewendet bei gleich- 
zeitiger Gegenwart von Eisenoxydhydrat oder Eisenoxyd. Die eisernen 
Körbe beschickt man mit einem in passendem Verhältnisse hergestellten 
Gemenge aus frischen blanken Weifsblechabfällen und aus stark ge- 
rosteten (vor der Rostung entzinnten) Schnitzeln, wie sie bei dem 
beschriebenen Rostvorgange erhalten werden und hängt sie in die 
mit verdünnter, 15 bis 20procentiger Schwefelsäure angefüllten Bottiche 
ein. Unter Reduction des Eisenoxyds zu Oxydul und gleichzeitiger 
Oxydation des Zinns entsteht eine Lösung von schwefelsaurem Eisen- 
oxydul und schwefelsaurem Zinnoxydul auch schwefelsaurem Zinnoxyd, 
so weit überschüssiger Rost und überschüssige Säure dessen Bildung 
zuläfst. 

Die Ziüiiauflösung geht in dieser Weise ebenso einfach, leicht und 
sicher vor sich, wenn auch langsamer, als beim Einhängen in die vor- 
her bereitete Eisenoxyd- oder Zinnoxydlösung. Nach 6 bis 24 stündiger 
Einwirkung — die Zeit richtet sich je nach der Temperatur und nach 
dem Gehalte der Lösung an freier Säure — ist bei genügend vorhan- 
denem Roste sowohl der weifse glänzende Ueberzug der frischen Weifs- 
blechabfälle, als der rothe matte der verrosteten Schnitzel verschwunden. 
Alle Ueberbleibsel sind grau geworden, zeigen die Farbe des reinen 
Eisens. Zweckmäfsig mischt man so, dafs etwas Rost im Ueberschusse 
vorhanden ist, von dem daun nach vollendeter Zinnauflösung an ein- 
zelnen Stellen noch ungelöste Theile sich vorfinden. 

Das Herausheben der Körbe, Abwaschen mit Wasser, Ausschütten, 
Aussuchen und das zu Ballen machen der entzinnten Abfälle, endlich 
das Rostenlassen der unvollständig entzinnten Schnitzel geschieht wie 
früher beschrieben. 

Das Einhängen von Körben mit weiterem Gemenge blanker Weifs- 
blechabfälle und gerosteter Eisenschnitzel in die Säure wird so oft 
wiederholt, bis diese nichts mehr löst. Sie ist dann ganz gesättigt 
und es sind nur noch Oxydule in Lösung. Die Neutralisirung und die 
Bildung der nur Oxydule enthaltenden Lösung erfordert hier keinen 



Js4 Das Entzimrangsverfahren der Weifsblechabfäfle. 

gesonderten Vorgang. Sie vollzieht sich direkt in den Lösebotticheu 
hei genügend oft wiederholtem Einhängen des Zinn- und Kost-Gemenges. 

2) Die Ausfüllung des Zinns aus der Lösung. 
Die bei den beschriebenen Vorgängen erzielte, ganz neutrale, nur 
Oxydule enthaltende Lösung läl'st man in Bottiche lauten, in denen sich 
reines, metallisches Eisen (entzinnte Weifsblechabfälle) befindet. Hier 
Beneidet sich unter gleichzeitiger Auflösung des Eisens das Zinn langsam 
als graues Metallpulver und in silberglänzenden, schönen Krystall- 
schuppen ab. Die Ausfällung ist vollständig. In der übrigbleibenden 
Flüssigkeit sind selbst Spuren von Zinn nicht mehr nachweisbar. Das 
Zinnpulver wird gesammelt, von mechanisch anhängenden Eisentheilchen 
durch Schlämmen und durch Behandlung mit etwas verdünnter Schwefel- 
säure befreit, mit Wasser gewaschen und eingeschmolzen oder auf Zinn- 
präparate verarbeitet. 

3) Die Verarbeitung der erhaltenen Eisenvitriollaugen. 

a) Die entzinnten Vitriollaugen läfst man in freier Luft über grofse 
Haufen von entzinnten Eisenblechabfällen tröpfeln und erzielt hierdurch 
in leichtester, billigster und bequemster Weise ihre Eindunstung. Sie 
werden nur in solcher Menge über die Haufen gegossen, dafs keine 
oder nur wenig Lauge abfliefst, sondern eine krystallinisehe Ausschei- 
dung von rohem Eisenvitriol auf den Schnitzeln entsteht. 

b) Um letzteren zum Verkauf geeignet zu machen, wird er durch 
Umkrystallisation raffinirt; direkt kann er zur Erzeugung der zur Auf- 
lösung des Zinns benöthigten Eisenoxyd- bezieh. Zinnoxydlösungen Ver- 
wendung finden. Durch Röstung führt man ihn dann in basisch schwefel- 
saures Eisenoxyd über, aus dem bei Behandlung mit Schwefelsäure 
concentrirte schwefelsaure Eisenoxydlösung hervorgeht. Durch Zugabe 
von Zinnoxydullösung zu letzterer entsteht schwefelsaure Zinnoxyd- 
lüsung. 

Als Zinnoxydullösung sind die bei der Auflösung des Zinns er- 
haltenen Lösungen direkt verwendbar. Mischt man diese mit concen- 
trirter neutraler Eisenoxydlösuug, so scheidet sich — gleichzeitig mit 
der Oxydation des Zinnoxyduls — als Niederschlag Eisenvitriol krystal- 
linisch aus, der durch Rösten wieder in basisch schwefelsaures Eisen- 
oxyd übergeführt wird. 

Bei Digestion mit Wasser zerfällt der geröstete Vitriol in sich 
lösendes, weniger basisches, schwefelsaures Eisenoxyd und in ungelöst 
bleibendes stärker basisches. Vortheilhaft benutzt man nur das erstere 
zur Darstellung von Zinnoxydlösung, während das letztere auf Eisen- 
beize und Eisenfarben oder anderes verarbeitet wird. 

Auch durch Auflösen von Rost, Brauneisenstein oder anderen Eisen- 
oxvdhydraten in Schwefelsäure kann die benöthigte Eisenoxydlösung 
(bezieh. Zinnoxydlösung) dargestellt werden. 



Das Entzinnungsverfahren der Weifsblechabfälle. 285 

4) Die Entlackung der lackirten Weifsblechabfälle. 
Besitzen die Weifsblechabfälle einen Lacküberzug, so müssen sie 
von ihm befreit werden, ehe die Ablösung des Zinns möglich ist. 
Die lackirten Abfälle werden deshalb vor der Entzinnung in eiserne, 
eventuell verbleite Körbe gefüllt und in gut verbleite oder bleierne Ge- 
fäfse mittels eines Krahnes eingehängt, in denen Schwefelsäure von 
1,7 bis 1,84 spec. Gew. sich befindet, die durch indirekten Dampf mittels 
auf dem Boden der Gefäfse liegender ßleischlangen stark, auf etwa 
100°, erwärmt ist. Die Loslösung des Lackes beginnt fast sofort und 
ist binnen kurzer Zeit vollendet. Nach völliger Entlackung hebt man 
die Körbe aus dem Entlackungsgefäfse heraus und senkt sie sofort in 
die daneben stehenden Zinnauflösungsbottiche ein. 

5) Die Entzinkung der lackirten und unlackirlen Abfälle. 
Gewöhnlich enthalten die Weifsblechabfälle geringe Beimengungen 
von Zinkblechspänen. Zweckmäfsig entfernt man auch diese aus den 
Abfällen vor der Entzinnung, da erstens ihre Gegenwart beim Ein- 
tauchen in den Zinnauflösungsbottich eine Ausscheidung des bei den 
früheren Operationen gelösten Zinns als Metallpulver bewirken und 
für die Entzinnung einen dem Zinkgehalte entsprechenden unnöthigen 
gröfseren Aufwand an Rost und Schwefelsäure hervorrufen würde und 
zweitens der Werth des Zinks verloren geht. 

Bei Gegenwart von Zink hängt man deshalb die in die eisernen 
event. verbleiten Körbe gefüllten lackirten oder unlackirten Abfälle zu- 
erst in den mit 15- bis 20procentiger Schwefelsäure gefüllten Entzinkungs- 
bottich ein und läfst sie darin so lange, als Blasenbildung, Wasserstoff- 
entwickelung, wahrgenommen wird. Hat diese aufgehört, so ist die 
Entzinkung vollendet und die Körbe werden aus dem Entzinkungs- 
bottiche herausgehoben, die lackirten Abfälle zunächst in das Ent- 
lackungsgefäfs und aus diesem in die Zinnauflösungsbottiche, die un- 
lackirten sofort in die letzteren gebracht. 

Löst die angewandte Schwefelsäure — weil gesättigt — kein Zink 
mehr auf, so wird die entstandene zinn- und eisenhaltige Zinksulfat- 
lösung zunächst mit Zinkasche oder anderen zinkoxydhaltigen Abfällen 
digerirt, dann über Zinkspäne oder Zinkgranalien filtrirt und schliefs- 
lich durch Gradirung über Zinkspanhaufen eingedunstet. Durch die 
Digestion mit Zinkasche bildet sich ein wenig gelöstes basisch schwefel- 
saures Zinkoxyd. Bei der Filtration über metallisches Zink wird unter 
Lösung von Zink das Zinn metallisch abgeschieden, und bei der folgenden 
Gradirung über Zinkspäne durch die weitgehendste Einwirkung der Luft 
auf die feinst zertheilte Vitriollösung einerseits unter Mitwirkung des 
gelösten basisch schwefelsauren Zinkoxyds schnelle Oxydation des ver- 
unreinigenden Eisenoxydulsalzes zu basischem Eisenoxydsalz, anderer- 
seits starke Verdunstung und in Folge dessen die Auskrystallisirung von 



286 Das Entzinnungsveri'ithreii der Weifsblechablalle. 

rohem festen Zinkvitriol in den Zinkspanhaufen herbeigeführt. Schliefe- 
lich trennt man durch heifse Lösung, Klärung und Umkrystallisation 
des auf den Zinkspänen ausgeschiedenen rohen Zinkvitriols das unlös- 
liche, basisch schwefelsaure Eisenoxyd von dem reinen, löslichen Zink- 
sulfat, 

Die Aufarbeitung und Nutzbarmachung anderer zinn- und zink- 
haltiger Abfälle geschieht in ähnlicher, je nach der Beschaffenheit der 
Abfälle und den Umständen etwas abgeänderter Weise. 

Auch aus geringen Mengen von Weifsblechschnitzeln läfst sich 
nach diesem Verfahren gleich durch den Kleinklempner das Zinn ein- 
fach und vorteilhaft wieder gewinnen. Der ganze nöthige Arbeits- 
apparat besteht hier aus den beiden Hälften einer durchsägten Erdöl-, 
Theer-, Herings- oder anderen noch kleineren Tonne. Der Boden der 
einen Hälfte wird mit einem Abflufsröhrchen versehen, sie selbst aber 
auf einer alten Kiste derart aufgestellt, dafs die andere Fafshälfte sich 
leicht unter das Abflufsrohr schieben läfst. Durch einen unten etwas 
conischen Holzstab schliefst man dieses, füllt dann das obere Fafs mit 
den zu entzinnenden Schnitzeln, bereitet im unteren so viel verdünnte, 
10- bis 20procentige Schwefelsäure, dafs mit ihr die Abfälle vollständig 
bedeckt werden können und giefst oder schöpft die Säure auf die letz- 
teren über. Nach einem Tage läfst man die Flüssigkeit in das unter- 
gestellte zweite Fafs ablaufen und dann bei offenem Abflufsrohre die 
Luft mehrere Tage auf die mit Säure befeuchteten Schnitzel einwirken. 
Während derselben oxydirt sich das Zinn oberflächlich. Zwei bis sechs 
Tage nach dem Ablassen schliefst man das Abflufsrohr, füllt die Säure 
aus dem unteren Fafs wieder in das obere über, läfst sie in einigen 
Stunden in das untere zurücklaufen und abermals die Luft tagelang 
auf die Schnitzel einwirken. Die Operationen werden so oft wiederholt, 
bis die Oberflächen der Blechabfälle die graue Farbe des reinen Eisens 
zeigen. Alles Zinn ist dann in der verdünnten Schwefelsäure gelöst 
enthalten. Mit derselben Löseflüssigkeit werden so lange frische Weifs- 
blechschnitzel behandelt, bis sie ihre Lösefähigkeit eingebüfst hat. 

Mit Rücksicht darauf, dafs diese Operationen in der Praxis durch 
Leute ausgeführt werden, deren Verständnifs für chemische Vorgänge 
und Arbeiten nur sehr gering ist, wird aus der erhaltenen Lösung das 
Zinn nicht durch Eisen, sondern durch Zinkblechschnitzel ausgefällt, da 
dies auch ohne Innehaltung besonderer Vorsicht stets gelingt, und da 
der Werth der benöthigten geringen Mengen Zinkblechschnitzel für den 
Kleinklempner gar nicht in Betracht kommt. 

Bei fortgesetzter Entzinnungsarbeit kann die Zinnauflösung wesent- 
lich vereinfacht und beschleunigt werden, wenn mau einen Theil der 
entzinnten Abfälle rosten läfst und dann die unentzinnten Schnitzel im 
Gemenge mit gerosteten im oberen Fafs mit verdünnter Schwefelsäure 
oder mit den aus ihr erhaltenen unvollständig gesättigten Zinnlösungen 



Kleinere Mittheilungen. 287 

behandelt. Dann löst sich in einmaliger Operation der gesammte Zinn- 
überzug auf. 

Den Weifsblechschnitzeln beigemengte Zinkabfälle werden vor der 
Entzinnung entweder mit der Hand mechanisch ausgelesen, oder durch 
eine besondere Operation mit extra hierzu bestimmter verdünnter Schwefel- 
säure ausgelöst. 

Das erhaltene Zinnpulver mengt man nach dem Trocknen mit etwas 
Soda-, Colophonium- oder Holzkohlen-Pulver oder mit wenig Oel oder 
Tale und schmilzt es im eisernen Schmelzlöffel ein. 

Statt verdünnter Schwefelsäure kann auch verdünnte Salzsäure ver- 
wendet werden. 



Ueber Theer als Brennstoff. 

Zu Fagersta in Schweden benutzt nach Jern. Kont. Annaler (durch Berg- 
und Hütten-Zeitung, 1890 Nr. 16) Brinell den Generatortheer, indem er ihn aus 
den Sammeltonnen in einen Holzkasten giefst und durch Umrühren mit Holz- 
kohlenstübbe mengt. Diese Mischung geht dann durch eine i?o*'sche Torf- 
maschine und lagert in Schichten von höchstens 0^44 Stärke einige Wochen 
lang auf dem Boden, um das dem Theer anhaftende Wasser zu entfernen. 
Das nun fertige Material wird zur Kesselfeuerung benutzt und verbrennt sehr 
vollständig. Die Dampferzeugung ist gleich derjenigen bester englischer 
Steinkohlen, nur ist der Aufwand ein gröfserer; natürlich ist der Brennstoff - 
werth dieses Theermaterials von dem Wassergehalt des Theers und dem 
Feuchtigkeitsgrade der Kohlenstübbe sehr abhängig. 

An Stelle von Kohlenstübbe hat man bisweilen Sägespäne angewendet 
und soll das daraus gewonnene Brennmaterial demjenigen aus Stübbe nicht 
viel nachgestanden haben. 

Probefeuerungen mit Theerbrennstoff und besten englischen Steinkohlen 
(South Yorkshire) haben ergeben, dafs lcbm dieser letzteren lcbm^ von jenem 
oder dafs lcbm Theermaterial Ocbm^ß bester englischer Steinkohle entspricht. 

Da weiter nach Granström 's Untersuchungen 1 Vol. Kohlenstübbe 0,2 VoL 
bester Generator-Steinkohle entspricht, also 0,87 Vol. Stübbe = 0,17 Vol. Stein- 
kohlen, und da ferner 0,28 Vol. Theer = 0,76— 0,17 = 0,5» Vol. Steinkohlen 
entspricht, so entspricht 1 Vol. Generatortheer = 2,1 Vol. bester Generator- 
Steinkohle. Da nun 1 Cubikfufs Steinkohlen 20k,8 und ebenso viel Theer 29k,0 
wiegen, so findet man, dafs 29k Theer = 43k besten Steinkohlen entsprechen. 
Da aber nach den deutschen Marineversuchen lk jener Steinkohlenmarke 
mindestens 8k Wasser von 0° vergast, so wüden 43 k 344k Wasser verdampfen. 

Odelstjerna ist nun der Ansicht, dafs alle auf schwedischen Eisenwerken 
existirenden Generatoren mit Condensatoren in solche ohne Condensation um- 
zuwandeln sind. Hierbei fragt es sich, ob die Verbrennungswärme des Theers 
ausreicht, die Temperatur des Wasserdampfes und der Theerverbrennungs- 
producte, welche die Gase beim Eintritt in die Regeneratoren besitzen, auf 
die Temperatur der Rauchgase beim Verlassen der Regeneratoren zu erhöhen. 
Entwickelt die Theerverbrennung mehr Wärme, als dazu nothwendig ist, so 
kommt dieses Plus natürlich dem Ofen zu Gute. 

29k Theer können 344k Wasser verdampfen, wozu 344 X 637 = 218128 Cal. 
oder zu lk Theer 7522 Cal. erforderlich sind. Gut getrocknetes Holz liefert 
im Generator annähernd 50 Gew.-Proc. Wasserdampf aus dem vorher ge- 
bundenen und hygroskopischen Wasser zusammen ; 918k Holz ergeben also 
ungefähr 459k Wasserdampf, zu dessen Erwärmung von 1000 auf 5000 dem- 
nach 459X0,48X100 = 88128 Cal. erforderlich sind. Dazu würden nur 
88128 : 7522 = llk,7 Theer nöthig sein, so daJ's von obiger Holzmenge nicht 
weniger als 29 — 11.7 = 17k,3 Theer übrig bleibt, um den ganzen Wärme- 



288 Bücher-Anzeigen. 

bedarf der Theerverbrennungsproducte zu decken und die Temperatur des 
i »iViis /.u steigern. 

Hiernach verwirft Odelstjerna die Condensatoren gänzlich und empfiehlt 
dafür: 1) den Bau von Brennstoffgebäuden, in denen das Material zu trocknen 
ist, und 2) die Generatoren auf der einen Seite mit Rosten und auf der ent- 
gegengesetzten mit Gasentnahme nach unten zu zu versehen. Nur bei ganz 
kleinem Abstand zwischen Generator und Ofen kann die Entnahme der starken 
Rufsbildung wegen nach oben zu erfolgen. 



Bücher-Anzeigen. 



Warum Bier nicht aus Gläsern getrunken werden soll. Von Dr. 

W. Schullze. Wien 1890. Verlag der Oesterr. Versuchsstation für 

Brauerei und Mälzerei. Sonderausgabe. 54 S. 

Bezüglich des vorstehenden Werkes verweisen wir auf die ausführliche 
Besprechung S. 277 dieses Heftes. 

Theoretische Maschinenlehre von Dr. F. Grasfiof. 111. Band, 5. Lieferung. 
Hamburg und Leipzig. L. Voss' Verlag. S. 641 bis 891. 8 Mk. 

Das Werk schliefst mit dem vorliegenden Schlufs des dritten Bandes ab, 
und glaubt der Verfasser mit Rücksicht auf seine persönlichen Verhältnisse 
und die inzwischen erschienenen anderweitigen Veröffentlichungen von der 
Bearbeitung des beabsichtigten vierten Bandes über Arbeitsmaschinen um so 
eher absehen zu können , als die bisherigen drei Bände ein abgerundetes 
Ganze bilden. Die vorliegende Schlufslieferung enthält den Schlufs der 
Dampfmaschinen, die Luftmotoren und zwar diejenigen mit offener Feuerung 
und die Feuerluftmaschinen und Gasmotoren. 

Das nunmehr abgeschlossene Werk bildet eine Zierde der deutschen tech- 
nischen Literatur und ein ehrendes Denkmal für den Verfasser. 

Ueber die Entwicklung des deutschen Patentwesens in der Zeit von 
1877 bis 1889 von v. Bojanowski. Verlag von Arthur Felix. Leipzig. 
90 S. 2 Mk. 

Studien in der Praxis des Kaiserlichen Patentamtes von Dr. E. Hartig. 
Verlag von Arthur Felix. Leipzig. 279 S. 35 Textfiguren. 7,50 Mk. 

Da demnächst die gesetzgeberischen Verhandlungen über die Patentnovelle 
bevorstehen und zu derselben ausgesprochenermafsen die Aeufserungen der 
interessirten gewerblichen Kreise erwünscht sind, so brachten wir den Wort- 
laut der Novelle (S. 90 d. Bd.) sowie über die vorstehend aufgeführten sehr 
bemerkenswerthen Werke eine ausführliche Besprechung (1890 275 463), auf 
die wir hiermit verweisen. Die Veröffentlichung eines weiteren Beitrages zu 
der Patentfrage: Petition und Motive betreffend die Novelle zum Patentgesetz 
von C. Pieper, steht demnächst bevor. 



Nachtrag und Richtigstellung. 

In Folge Mittheilung seitens der Firma J. Pfeiffer in Kaiserslautern 
ergänzen wir den Bericht über Schlackencement von Grosclaude, 1890 
275 433 u. ff. dahin, dafs der auf S. 437 erwähnte Apparat zum Löschen 
des Kalkes identisch ist mit dem der genannten Firma ertheilten D. R. P. 
Nr. 45711 vom 29. December 1887, was in dem Originalaufsatz ver- 
schwiegen war. 



Verlag der J. G. Cotta 'sehen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsehe Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Richards' Drehbank für Schiffsmaschinentheile. 289 

Gr. Richards' Drehbank für Schiffsmaschinentheile. 

Mit Abbildungen auf Tafel 16. 

Diese hauptsächlich für die Bearbeitung von Kurbelachsen, Schrauben- 
wellen u. dgl. Theile grofser Schiffsmaschinen bestimmte Drehbank von 
1220 mm Spitzenhöhe und 10670 mm Bettlänge zeigt manche beachtens- 
werte Einrichtungen, welche in den Fig. 1 bis 12 Taf. 16 nach American 
Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 9 * S. 4, dargestellt sind. 

Die Haupteigenthümlichkeit dieser Drehbank besteht in der unab- 
hängigen Schaltung bezieh. Verschiebung der beiden Supportschlitten 
mittels zweier an den Bettseiten angeordneter Zahnstangen, in welche 
gleichzeitig und gleichmäfsig zwei Getriebe Nr. 72 und 81 (Fig. 6) ein- 
greifen, wodurch die Bettwange von jeder einseitig wirkenden Kraft, 
welche durch den Schlittenvorschub bedingt wäre, befreit ist. 

Durch Wechsel der Räderausschaltungen im Spindelstock (Fig. 3) 
werden mittels der vierläufigen Stufenscheibe 24 verschiedene Umlaufs- 
geschwindigkeiten erhalten, deren Zahl bei Verwendung einer Doppel- 
scheibe am Deckenvorgelege leicht verdoppelt werden kann. 

Die in Fig. 1 und 2 abgebildete Zusammenstellung der Drehbank 
zeigt die übliche Anordnung mit vorliegender Steuerwelle, welche nicht 
nur die Schaltung der Schlitten und Quersupporte, sondern auch die 
Verschiebung des Reitstockes vermittelt. Das Gewicht der Wange be- 
trägt 15 l ,75, während das Gesammtgewicht der Drehbank zu 25 bis 26* 
angegeben ist. Erzeuger dieser Bank ist G. Richards und Co. in Broad- 
heath bei Manchester. 

Die geschmiedete Stahlspindel A hat im Vorderlager Nr. 4 (Fig. 3) 
einen Durchmesser von 254 bei 305 mm Längenabmessung, und während 
das hintere Spindelende zu einem Kammzapfen Nr. o ausgebildet ist, 
sitzt die hohlgufsartig ausgebildete Zahnkranzplanscheibe 17 am bund- 
losen Spindelstumpf ohne Anlage an den Lagerschalenbord. Auf die 
Spindel A ist eine Zahnscheibe 8 aufgekeilt, welche die Kuppelung mit 
dem lose aufgesetzten Zahnrade 18 vermittelt, welches mit dem Rade 19 
im steten Eingriffe steht. 

Dieses auf die Seitenwelle C gekeilte Rad 19 kann entweder mit 
der Stufenscheibe 6 verbunden sein, oder nach Lösung dieser Ver- 
bindung vermöge der eingerückten Vorgelegewelle D durch das Ge- 
triebe 14 betrieben werden. Da nun zwei Rädersätze {20, 25) und 
(21, 22) vorgesehen sind, die durch Verschiebung auf D nach Be- 
lieben eingestellt werden, und da ferner auf der Seitenwelle C eben- 
falls ein Zahnkranzgetriebe 12 mittels der Hülse 11 und deren Zahn- 
stangentrieb 15 aus und ein gerückt werden kann, so folgt durch 
entsprechende Einstellung ein 6facher Antriebswechsel der Planscheiben- 
spindel und zwar wie folgt: {6 mit 19, 18 und Spindelscheibe 8), {6 
mit 12 und Zahnkranzplanscheibe 17), und mit eingerücktem Vor- 
Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 7. 1890/11. j9 



290 Richards' Drehbank für Schiffsmaschinentheile. 

gelege D (_6 mit 20, 25 mit 14, 14 durch Zwischenrad 19 treibt 18 
mit 8), ferner (ff mit 2/, treibt 22 mit /-f und durch 19 ebenfalls 18 
mit 8 die Spindel), endlich (£ mit 20 oder 2/, treibt 14 durch ^# mit 
/2 die Planscheibe //). 

Die Ausrückung der Vorgelegewelle D wird durch Verdrehung der 
excentrischen Lagerbüchsen 15 in ihren Lageraugen 10 vermöge zweier 
durch eine Handstange verbundener Stellhebel (Fig. 4) bewerkstelligt. 

Auf der mit zwölf verschiedenen Umlaufsgeschwindigkeiten kreisen- 
den Antriebswelle C läuft lose die vierstufige Steuerscheibe 7, welche 
durch die Zahnkuppelung 9 mit der Welle C in Verbindung gebracht 
wird. 

Von der Stufenscheibe 7 wird durch fernere Vermittelung über- 
setzender Räderwerke die Steuerwelle B (Fig. 9) betrieben, die in 
Lagerungen der Schlittenschilde gestützt, vermöge je einer Doppelrad- 
hülse 61 die Steuerung jedes Schlittens für sich selbständig und nach 
beiden Bewegungsrichtungen besorgt. 

Das aus 61 und 62 zusammengesetzte Wendegetriebe wird durch 
die Handradspindel W vervollständigt und die Einstellung von 61 durch 
einen Stift angezeigt, welcher in einem Schlitz der Schildwand spielt 
(Fig. 8 und 9), während drei auf den Zapfen X, F, Z angeordnete Räder- 
sätze die Bewegung des Wendegetriebrades 62 bis auf das Reibungs- 
rad 68 übermitteln. In dieses setzt die Reibungsscheibe 69 ein, die 
auf den Getriebszapfen 70 aufgekeilt ist, welcher bei eigener axialer 
Verschiebung diese Scheibe 69 mitnimmt und dadurch die Kuppelung- 
besorgt. Alsdann wird von 70 und 71 das Zahnstangengetriebe 72 
bethätigt, welches in die vordere Zahnstange (Fig. 6) eingreift. 

Um aber das bei einseitigem Angriffe des Schlittens so unangenehme 
Ecken desselben zu verhindern, wird der Antrieb von beiden Wangen 
mittels zwei Zahnstangen bewerkstelligt, indem vom Rade 71 eine 
Querwelle U (Fig. 5 und 8) durch ein Getriebe 78 gedreht wird. Ein 
gleicher Rädersatz 78 und 79 treibt das auf der Schlittenhinterseite 
befindliche Zahnstangengetriebe 81 (Fig. 5 und 6), deren Eingriff da- 
durch geregelt wird, dafs man dieses Getriebe gegen das Rad 79 relativ 
etwas verdreht. Zu diesem Behufe sitzt das Rad 79 lose auf der Nabe 
der Scheibe 80 und diese letztere wird nur durch vier Stellschrauben 
mitgenommen (Fig. 6 und 7), welche auf zwei Ansatznasen von 79 an- 
treffen und in Ansätzen der Scheibe 80 eingeschraubt sind. 

Am vorderen Schlittenschild (Fig. 8 und 9) ist ferner ein Handrad 
vorgesehen, mit welchem durch Vermittelung der Räder 75, 74 und 75 
das Rad 71 getrieben und dadurch eine Schlittenverschiebung durch 
Handbetrieb ermöglicht wird, sofern das Wendegetriebe 62 ausgerückt 
oder die Reibungskuppelung 69 vermöge eines Handkreuzes gelöst ist. 
Im kastenförmigen Schildgehäuse sind sämmtliche für die Steuerung 
vorgesehene Räderwerke angeordnet, indem dieselben entweder um fest- 



Appreturmaschinen. 291 

stehende Zapfen oder in Lagerbüchsen laufen und dadurch zugänglich 
gemacht werden, dafs der Schildkasten mit dem ganzen Räderwerke 
an den Schlitten angeschraubt ist (vgl. Stceet, 1889 274 "337). 

Die Führung des Schlittens erfolgt mittels rechtwinkeliger Seiten- 
leisten der Wange (Fig. 6). indem zur seitlichen Anstellung eine flache 
Schiene an der Hinterseite des Schlittens eingelegt ist, die durch Prefs- 
schrauben an die Wange gedrückt wird, während zwei flache Gegen- 
leisten, die sich an die unteren Kopfflächen der beiden Zahnstangen 72 
und 81 anlegen, die Führung des Schlittens (Fig. 5) vervollständigen. 

Auf jedem Hauptschlitten gleiten zwei gesonderte Querschlitten in 
einer schwalbenschwanzförmigen Prismaführung von 45° Kantenwinkel, 
welche durch je eine rechts- bezieh, linksgängige Spindel 5, T (Fig. 5) 
bethätigt werden. Der Antrieb derselben wird vom Rade 68 in der 
Weise abgeleitet, dafs vermöge zweier Zwischenräder 76 (Fig. 10 bis 12), 
welche auf gesonderten Hebeln LH und RH sitzen, welche um die 
Lagerbüchse des Centralrades 68 schwingen, nach Bedarf entweder je 
eine oder beide Spindeln zugleich durch die Räder 77 (Fig. 5) ge- 
dreht werden. Die Einstellung dieser Winkelhebel L H und R H er- 
folgt durch Excentergriffe und Klemmschrauben, welche am vorderen 
Schildkasten liegen. 

Um aber beliebige Kegelflächen selbsthätig drehen zu können, ist 
für einen beliebigen Wechsel der Querschlittenbewegung Vorsorge ge- 
troffen, welche in einem bestimmten Verhältnisse zur Schlittenlängs- 
bewegung stehen und unabhängig von letzterer sein mufs. 

Dies wird bei vollständiger Abstellung des Triebwerkes 76 durch 
die Querwelle U (Fig. 5 und 7) bewirkt, welche mit 7#, 79 die Zahn- 
stangenwelle R (S^) treibt, an deren Lagerbund am hinteren Schlitten- 
schild eine sogen. Schere mit Schlitzbogenschrauben verstellbar sitzt, 
an welcher die gewählten Versatzräder wie bei einer Leitspindeldreh- 
bank angeordnet werden können. 

Durch Vermittelung derselben werden durch das Räderwerk 82 
und 84- mit 85 die Spindelräder 86 (Fig. 5 und 7) gleichzeitig getrieben 
und hierdurch die Schneidstahlsupporte gleichmäfsig, aber gegensätzlich 
verschoben. Pr. 



Ueber das Waschen, Bleichen, Färben n. s. w. von 
Gespinnstfasern, Garnen, Geweben n. dgl. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 207 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 15. 

Bei der in den Fig. 18 bis 21 Taf. 15 wiedergegebenen Maschine 
von Thomas Wolstenholme in Camden, New-Jersev, Nordamerika, wer- 
den nach Angabe der Amerikanischen Patentbeschreibung Nr. 397481 



892 Appreturmaschinen. 

die Garnsträhne über Stäbe gespannt, welche in einem Rahmen 
gelagert sind, der mit Hilfe eines Kettenzugs in die Flotte eingesenkt 
und in derselben auf und ab bewegt wird. Der die Flotte enthaltende 
Behälter e trägt auf zwei gegenüberliegenden Seiten je ein Lager i 
für einen doppelarmigen Hebel h. Das nach dem Innern des Be- 
hälters zu liegende Ende eines jeden solchen Hebels ist als zweitheilige 
Lagerschale ausgebildet, deren beide durch Scharnier verbundenen Theile 
durch eine Sperrfeder/) geschlossen gehalten werden. In diese Lager f 
wird je ein Zapfen am Rahmen d eingelegt, nachdem derselbe mit den 
Garnsträhnen x, welche über die Stäbe a-b gespannt sind, deren einer b 
in der Höhenrichtung mittels der Vorstecker er verstellt werden kann, 
beschickt und der Rahmen mit Hilfe des Kettenzuges n o in die Flotte 
eingeführt worden ist. Die noch freien Schenkel der Hebel h sind durch 
zwei Lenker m mit einem Kurbelgetriebe / verbunden, welches seine 
Bewegung durch Gliederketten m l empfängt. Sobald nun der Rahmen d 
in die Hebel h eingehangen, die Kette n gelöst und das Kurbelgetriebe lm^ 
in Umdrehung versetzt worden ist, werden die Hebel h in ihren Lagern i 
eine Schwingbewegung ausführen und hierbei den Rahmen d in der 
Flotte unterstützt durch die Gegengewichte k auf und ab bewegen. 

Nach Beendigung des Färbeprozesses wird der Rahmen wieder an 
die Kette n gehangen, die Lager pf werden geöffnet und die Strähne 
aus der Flotte gehoben. 

Von der Maschine von Wolstenholme unterscheidet sich die in den 
Fig. 22 und 23 Taf. 17 wiedergegebene und durch das Amerikanische 
Patent Nr. 394694 geschützte Maschine von H. und J. Bussong in Cam- 
den New-Jersey, Nordamerika, dadurch, dafs der die Garnsträhne 
tragende Rahmen nicht in Richtung der Strähne im Bottich auf und 
ab, sondern parallel zu den Strähnen in wagerechter Richtung hin und 
her bewegt wird. 

Die Garne werden über die Tragstäbe a gespannt, welche in den 
Seitenstreben b des Rahmens d mit Hilfe der Riegel c gehalten werden. 
Der Rahmen d trägt an seiner oberen Seite zwei mit an ihren Enden 
mit Zapfen ausgestattete Achsen /", welche in den Augen der um die 
Bolzen o am Farbbottich schwingend angeordneten Gewichtshebel m n 
ihren Stützpunkt finden. Die eine der Achsen f trägt einen Lenker A, 
dessen freies gabelförmiges Ende in den Zapfen i eines zweiten im Lager- 
bock / drehbar angebrachten Hebels k eingelegt werden kann. 

Sobald der mit Strähnen beladene Rahmen p d in die Flotte ein- 
gesenkt und in die vier Gewichtshebel m n o eingelegt worden ist, wird. 
nachdem man die Verbindung der Lenker h k hergestellt hat, der Rahmen 
eine Schwingbewegung in der Flotte machen, sobald der Lenker h in 
axialer Wichtung verschoben wird. 

Durch Verstellung der Streben b kann man die Lage der Träger a 
der Länge der Garnsträhne anpassen. 



Appreturmaschinen. 293 

Die Firma Gillet et fils in Lyon wendet für das Schwingen der 
Garne bei ihrer durch das D. R. P. Kl. 8, Nr. 37693 vom 11. December 
1S85 geschützten in den Fig. 24 bis 25 dargestellten Maschine zum 
Färben von Garnen weder eine auf und abwärts gehende, noch eine 
Wagrechtbewegung an, sondern sie versetzt den die Strähne tragenden 
Rahmen in eine handelnde Bewegung um eine wagrechte Achse. Ein 
Verwirren der Strähne bei der Beschickung der Maschine will die ge- 
nannte Firma dadurch verhindern, dafs sie dieselben, ohne die Garn- 
träger zu handhaben, von einem zum Transport der letzteren verwen- 
deten Wagen in eine mit der Küpe verbundene Tauchvorrichtung über- 
führt und diese in die Küpe einsenkt. 

Die Küpe ist in den genannten Figuren mit S bezeichnet, während 
TG das Tauchgerüst ist, dessen unterer Theil sich mittels der hydrau- 
lischen Hebevorrichtung X X in die Küpe senken und wieder heraus- 
heben läfst. Dieses Gerüst besteht aus den auf den Kolben der Hebe- 
vorrichtung ruhenden Trägern T und den an diesen befestigten und 
durch Riegel H gegen einander abgesteiften Wänden G. In letzteren 
sind auf Drehzapfen K Rahmen gelagert, die aus den Wänden A und 
den dieselben verbindenden Querstücken B oder B und D bestehen, 
Fig. 27. 

Die Fig. 26 und 27 zeigen das Tauchgerüst nebst einem der Rahmen 
in gröfserem Mafsstabe mit aus Holz hergestellten Wänden G und A, 
welche auch aus Metall construirt sein können, das alsdann wie die 
übrigen den Bädern ausgesetzten Metalltheile mit Kautschuk überzogen 
wird. Die verschiedenen zu einem Gerüst gehörenden Rahmen sind 
mit einander durch die Zapfen K oder durch das als gemeinsame Welle 
auftretende und mit den Zapfen k versehene Stück B verbunden. 

An den Innenflächen der Wände A befinden sich je zwei nach innen 
erweiterte Nuthen, in welche sich von zwei Seiten die Leisten oder 
Schienen C einschieben lassen. Diese haben Löcher zur Aufnahme der 
Enden der zum Tragen und Halten der Garnsträhne bestimmten Stäbe 
und mögen daher als Stabträger bezeichnet werden. Nach ihrer Ein- 
führung in die Nuthen der Wände A lassen sich die Stabträger durch 
die Zahnräder F und Zahnstangen E festklemmen, so dafs, wenn sie 
mit garnbehangenen Stäben besetzt sind, das Garn gespannt erhalten 
und dieses dadurch verhindert wird, sich bei einer Behandlung in den 
Bädern zu verwirren. 

Vermöge der Wellen L und /, sowie eines Kegelradpaares und 
eines Schneckenvorgeleges, dessen Rad an einem der äufseren Zapfen K 
oder auf dem Ende der Welle B befestigt ist, können die Rahmen A B 
in dem Gerüst G T gedreht werden. Die Welle L ist zu diesem Zwecke 
an ihrem Ende mit einem Vierkant zum Aufstecken einer Kurbel ver- 
sehen. 

Die Farbeküpe kann mittels eines kastenförmigen, durch Gegen- 



294 Appreturmaschinen. 

gewicht Z { ausbalancirten Deckels V geschlossen werden. Dieser Deckel 
ist mit einem Dunstabzugrohre F, und Fenstern V 2 versehen und hat 
zweckmäfsig eine solche Gröfse, dafs sich das Tauchgerüst innerhalb 
desselben auf und ab bewegen läfst. Zum Heben und Senken des Deckels 
ist in der Zeichnung ein hydraulischer Cylinder Y vorgesehen und zur 
Abdichtung ein Wasserverschlufs. 

Die Fig. 28 und 29 zeigen den zum Transport des Garnes dienen- 
den Wagen. An dem Obergestell M desselben befinden sich die mittels 
der Handhebel n senkrecht zu verstellenden Schienen g, welche mit 
Kerben zum Einlegen der mit Garn behangenen Stäbe dienen. Neben 
den Schienen g sind auf dem Gestell M Auflageflächen bezieh. Füh- 
rungen für die Stabträger C angebracht. Durch Vorreiber V können 
diese am Umkippen verhindert werden. 

Ist eine Reihe mit Garn beladener Stäbe in die Kerben der Schienen g 
gehängt, so werden letztere mittels der Hebel n gehoben und die Stab- 
träger fc, deren Löcher den Kerben entsprechen, von beiden Seiten auf 
die Enden der Stäbe gesteckt und während eines Transportes des Garnes 
durch die Vorreiber gesichert. Nachdem dann die Schienen g wieder 
gesenkt worden und die Vorreiber zurückgedreht sind, können die Stab- 
träger C von den dicht an die Farbküpe herangefahrenen Wagen in 
die Rahmen der Tauchvorrichtung geschoben werden, welche letztere 
zu diesem Zwecke auf die richtige Höhe eingestellt werden mufs. Durch 
Fig. 30 ist die bezügliche Stellung des Rahmens gegenüber dem Wagen 
angegeben. Nach ihrer Einführung in die Rahmen werden die Stab- 
träger mittels der Spannvorrichtungen EF festgeklemmt, das beladene 
Tauchgerüst wird in die Küpe gesenkt und letztere durch den Deckel V 
geschlossen. 

Während nun das Garn sich in dem Bade befindet, kann es durch 
Hin und Herdrehen der Rahmen A B geschwenkt werden (s. die punk- 
tirte Stellung in Fig. 24). Zum Aufstecken der betreffenden Kurbel auf 
das Ende der Welle L ist in dem Deckel eine geeignete Oeffnung an- 
gebracht. 

Das Herausheben des Garnes aus der Küpe und Zurückbringen des- 
selben mittels der Stabträger auf den Transportwagen ergibt sich aus 
dem Vorstehenden von selbst und bedarf keiner weiteren Erläuterung. 

Statt der einfachen mit Löchern versehenen oberen Stabträgerpaare 
C C lassen sich unter Umständen mit Vortheil die durch Fig. 31 und 32 
dargestellten Träger R verwenden. Diese bestehen aus zwei Paar ge- 
kerbten Schienen, welche durch zwei Stehbolzen lt 2 und einen als Achse 
dienenden Bolzen R t so mit einander verbunden sind, dafs die beiden 
Hälften des Trägers sich nach Fig. 33 mit den darauf befindlichen und 
mit Garn behangenen Stäben zusammenklappen lassen, um auch auf 
diese Weise den Transport einer gröfseren Zahl beladener Stäbe auf 
einmal zu ermöglichen. 



Appreturmasckinen. 295 

Bei den vorbesprochenen Maschinen zum Färben von Garnen, welche 
auch zum Bleichen und Waschen Verwendung finden können, wurde 
das Material in ausgespanntem Zustand der Einwirkung der Flotte aus- 
gesetzt, es erübrigt nur noch derjenigen Einrichtungen zu gedenken, bei 
welchen dieses nicht der Fall ist. Die Garne werden in denselben in 
Form von Packeten und dgl. behandelt und erfahren eine mechanische 
Bearbeitung, die entweder in einem Reibeprozefs oder einem Ausquet- 
schen besteht. Zu den erstgenannten Einrichtungen gehören die in ver- 
schiedenster Weise ausgeführten Waschtrommeln, welche nicht nur, wie 
ihr Name sagt, zum Waschen, sondern auch zum Bleichen, Färben 
u. s. w. Verwendung finden können. 

Besonders erwähnenswerth erscheint hier die von der Firma E. ter 
Welp in Berlin gebaute Maschine, die in den Romens- Journal entnommenen 
Fig. 33 bis 35 (folgen demnächst auf Taf. 23) wiedergegeben ist, von 
denen Fig. 33 dieselbe in einfachster Ausführung für Handbetrieb zeigt, 
während Fig. 34 und 35 eine solche für den Grofsbetrieb veranschaulicht. 
Der wesentliche Theil dieser Maschine ist die Trommel von cannelirtem 
Kupferblech, deren Achse nicht mit der geometrischen Cylinderachse zu- 
sammenfällt, sondern in der Diagonale des rechteckigen Cylinderquer- 
schnittes liegt. Das Innere des Cylinders ist vollständig leer, die beiden 
Zapfen, auf welchen der Cylinder ruht, sind hohl, so dafs durch den einen 
Dampf, heifses oder kaltes Wasser und eventuell selbst Lauge in das Innere 
geleitet werden kann und durch den anderen wieder heraustritt. Am 
Eingangszapfen befindet sich ein Gabelrohrstück, mit welchem die Rohr- 
leitungen für Dampf und Wasser zu verbinden sind. Zum Füllen des 
Ovliuders dient eine im Cylindermantel befindliche ovale, mittels eines 
durch einen Hebelarm abnehmbaren Deckels verschliefsbare Einfüllöffnung. 
Fig. 35 zeigt den Deckel abgehoben. Ist die Maschine beschickt, so wird 
sie in Umdrehung versetzt und die Waare wird hierbei in Folge der 
geneigten Lage des Cylinders nicht allein in der Umdrehungsrichtung des 
letzteren an dessen Wandungen geschleudert, sondern gleichzeitig in der 
Längsachse hin und her geschoben. Der Antrieb der Maschine erfolgt 
mittels offener und geschränkter Riemen, wodurch der Cylinder wechsel- 
weise vor und rückwärts bewegt werden kann. Die Zeit der Umkehr 
wird durch eine Hilfsvorrichtung bestimmt, welche die Bewegungsrichtung 
selbständig ändert. Behufs Äblassung der Flotte ist der Cylinder in 
seiner einfachsten Ausführungsform mit einem Ablafsstutzen ausgestattet. 
Fig. 33. Um ferner bei der in Fig. 34 wiedergegebenen Ausführungs- 
form auch ein Spülen des Materials bereits dann zu ermöglichen, sobald 
der Cylinder noch weniger als die Hälfte Flüssigkeit enthält, die alsdann 
durch die Drehzapfen ablaufen kann, trägt jede Stirnseite des Cylinders 
einen verschliefsbaren Stutzen, der in einem ringförmigen Gehäuse rotirt, 
das das Spülwasser bei jeder Stellung des Cylinders auffängt. Die Ein- 
richtung rührt von Theod. Beese in Rummelsbur°; bei Berlin her und war 



296 Appreturmaschinen. 

Gegenstand des D. R. P. Kl. 34, Nr. 38300 vom 20. Januar 1886. Um 
ferner ein indirektes Heizen des Cylinderinhalts zu ermöglichen, hat 
ter Welp in dem D. R. P. Kl. 34, Nr. 42920 vom 27. November 1886 
an jeder Stirnseite im Inneren des Cylinders eine Spirale von Kupfer- 
rohr vorgesehen, der der Dampf durch die Zapfen des Cylinders zuge- 
führt wird und die die Drehung des letzteren mitnahm. Beide Spiralen 
können unter sich verbunden sein. 

Werden zwei solcher ler Welp'schev Maschinen vereinigt, so entsteht 
die Zwillingsmaschine, wie sie Fig. 35 zeigt. Jede der beiden Trommeln 
kann nach Belieben zum Stillstand gebracht, also beschickt entleert werden. 

Sobald es sich darum handelt, bei dem Waschen der Garne gleich- 
zeitig ein Walken herbeizuführen, tritt an Stelle der einfachen Wasch- 
trommeln die Stampf- oder Hammerwaschmaschine, bei ersteren wird 
das Material durch senkrecht auf und ab gehende Hämmer in einem sich 
drehenden Bottich bearbeitet, bei letzteren dagegen erfolgt dies durch 
schwingende Hämmer. 

Diese Hammer- und Stampfwaschmaschinen sowohl, als auch die 
einfachen Waschtrommeln haben nun eine ausgedehntere Verwendung 
als bei der Bearbeitung der Garne bei derjenigen der Gewebe gefunden 
und zwar hat man sie nicht nur zum Waschen, sondern auch zum 
Färben u. s. w. angewendet. Technisch erhebliche Neuerungen sind auf 
diesem Gebiete nicht zu verzeichnen und es sei deshalb nur auf die 
Berichte in 1838 68 98. 1853 129 17. 1855 136 38. 1856 139 390. 
1857 143 88 und 159 152 12 verwiesen. 

Ebenso wie bei der Bearbeitung der Garne hat man auch bei dem 
Waschen, Bleichen, Färben u. s. w. von Geweben versucht, dieselben 
nicht in Packetform, sondern in ausgebreitetem Zustand in die Flotte ein- 
zuführen und in derselben einer Bewegung unterworfen. Die Gewebe 
werden zu diesem auf Rahmen befestigt, mit diesen, ebenso wie die 
Garnsträhne in die Flüssigkeit gebracht und dort geschwenkt. 

Eine einfache Vorrichtung zum Tragen des Gewebes zeigen die 
Fig. 36 bis 40 Taf. 23. Dieselbe rührt von A. Lyon in Algier her und 
ist Gegenstand des Amerikanischen Patentes Nr. 241499. Der Trag- 
stab a trägt verstellbar zwei Schienen 6, die beide an ihrer Untenseite 
mit Stiften c versehen sind, deren jeder an seinem freien Ende in Rich- 
tung der Schienen b eine schlitzförmige Aussporung hat, in die das Ge- 
webe d mit seiner Salleiste in Zickzackform derart eingelegt wird, wie 
es Fig. 36 und 38 erkennen lassen. Behufs Befestigung des Gewebes 
in den Stäben c ist jeder derselben ferner mit einer Bohrung versehen, 
in die die Nadeln f so eingeschoben werden, dafs das Gewebe von ihnen 
gehalten und an einem Entweichen aus den Stäben c verhindert wird. 
Der auf solche Weise beladene Rahmen a b wird nun auf den Bottich c 
aufgelegt und durch Schwingbewegungen um die Stange o wird das 
Gewebe in der Flotte geschwenkt. 



Kaffee-Brenn- und Kühlapparate. 297 

Kaffee-Brenn- und Kiihlapparate. 

Mit Abbildungen auf Tafel 17. 

Bei dem Apparate von Lindved Petersen in Kopenhagen (D. R. P. 
Nr. 45 659 vom 4. Februar 1888) sind Rösttrommel, Feuerung und Kühl- 
raum derart in einem Gehäuse untergebracht, dafs alle beim Rösten 
und Abkühlen des Kaffees erforderlichen Hantirungen vorgenommen 
werden können, ohne dafs es nöthig ist, den Apparat zu öffnen. Der 
Raum, in welchem der Apparat steht, bleibt vollständig dunstfrei, da 
alle beim Rösten und Abkühlen entstehenden Dämpfe durch ein Ab- 
zugsrohr direkt ins Freie oder in den Schornstein abgeführt werden 
können. In dem Gehäuse A (Fig. 1 Taf. 17) des Apparates, welches 
durch die Kanäle b und c mit dem Ableitungsrohre D für Rauch und 
Dämpfe in Verbindung steht, ist die Trommel E drehbar gelagert. Die 
unter der Trommel befindliche, seitlich mit dem Trichter G (Fig. 2 
Taf. 17) verbundene Feuerung läfst sich zur Seite rücken, wenn der 
Trichter G zur Entleerung des gebrannten Kaffees in den Kühlraum H 
unter die Trommel gebracht werden soll. Die Rösttrommel ist mit 
einem in dem Mantel derselben angebrachten Schieber / versehen, der 
durch einen an der Aufsenseite des Apparatgehäuses auf einer von 
zwei ausziehbaren Stangen m (Fig. 3 Taf. 17) getragenen Platte n dreh- 
bar befestigten Hebel ÜTL, welcher in den Apparat hineingeschlagen 
wird, geöffnet werden kann. 

Der Röstapparat von H. Wolff in Stettin (D. R. P. Nr. 45 910 vom 
25. Januar 1888) besteht aus dem Gehäuse b (Fig. 4 Taf. 17), dessen 
Boden c und unterer Theil zu dem Zwecke, der warmen Luft sowie 
dem Abfall von dem Röstgut den Durchgang zu schaffen, durchlöchert 
sind, ferner der senkrechten Schnecke a, deren Drehung durch die 
Kurbel e erfolgt. Um den durchlöcherten Theil des Gehäuses b ist ein 
Mantel f gelegt, auf welchen die Feuerung einwirkt. 

Die Schnecke a verursacht bei ihrer Drehung eine innige Um- 
wälzung und Mischung des Röstgutes, hebt dasselbe vom Boden ab und 
läfst es wieder zurückfallen. 

E. Heckmann in Barmen und Heinr. Bröckelschen in Düsseldorf haben 
sich unter D. R. P. Nr. 47003 vom 27. April 1888 ab ein Verfahren und 
Apparat, Kaffee in Doppelgefäfsen zu rösten, patentiren lassen, bei 
welchem dadurch, dafs die beiden mit einander in Verbindung stehenden 
Gefäfse abwechslungsweise dem Rost- und Kühlprozesse unterworfen 
werden, ein ununterbrochener Betrieb ermöglicht wird. 

Der Apparat besteht aus zwei durch eine Rohrleitung c (Fig. 5 
Taf. 17) mit Dreiwegehahn f verbundenen Gefäfsen a und 6, deren Herde 
derart angeordnet sind, dafs, während das eine Gefäfs sich über seinem 
Herde, das andere sich in der freien Luft befindet und abgekühlt wird. 
Das abgekühlte Product wird aus seiner Trommel in der punktirt ge- 



298 KatTee-Urenn- und Kühlapparate. 

zeichneten Stellung der Gefäfse entleert und diese Trommel mit frischem 
Röstgute beschickt. Letztere wird alsdann über das Feuer gefahren, 
ihre Verbindung mit der Luft durch Hahn f hergestellt und mittels des 
Triebwerks klmn in Rotation versetzt. Sobald die Entwickelung der 
aromatischen Gase beginnt, wird Hahn f umgestellt, wodurch die Ver- 
bindung des über dem Feuer sich befindenden Gefäfses mit der Luft 
abgeschlossen und diejenige zwischen beiden Trommeln hergestellt wird. 
Die in der röstenden Trommel sich entwickelnden Gase werden als- 
dann von den abgekühlt werdenden Bohnen in der anderen Trommel 
aufgesaugt. Ist die Röstung vollendet, so werden die Trommeln wieder 
in die punktirt gezeichnete Lage gefahren; in der vom Feuer kommen- 
den Trommel wird dann gekühlt, die andere entleert und mit neuem 
Gut gefüllt. Alsdann kommt letztere über ihr Feuer, und der Röstprozefs 
wird wie beschrieben fortgesetzt. 

Behufs Reinigung, Aufschliefsens der Poren, Ausscheidens schlechter 
Bohnen wird nach dem Verfahren von Frau Marie Nagenrauft in 
München (D. R. P. Nr. 48099 vom 4. December 1888) der Kaffee zu- 
nächst in einer etwa 25° C. warmen, je nach der Sorte desselben starken 
Lösung von kohlensaurem Natron oder Kali mit Wasser durch starkes 
Schütteln und Reiben gründlich bearbeitet, bis sich eine schleimige 
grüne Haut von den Bohnen löst und die schadhaften Theile absondern. 
Die sogen. Stinkbohnen nehmen bei dieser Behandlung eine tief dunkel- 
grüne Farbe an, so dafs sie leicht ausgeschieden werden können. Hierauf 
werden die Bohnen einige Zeit mit lauwarmem und dann endlich mit 
kaltem Wasser behandelt und vollständig ausgewaschen bezieh, aus- 
gesüfst, um schliefslich in einem Apparate intensiv in Dampf behandelt 
und geröstet zu werden. Letzterer besteht aus einer Siebtrommel b 
(Fig. 6 Taf. 17), von welcher aus eine entsprechende Anzahl strahlen- 
förmiger Röhrchen c nach dem äufseren Mantel a münden. Die Feue- 
rung ist in bekannter Weise angeordnet. Der Kaffee wird mit frischem 
Wasser stark genetzt und dann in die Siebtrommel gebracht. Um die 
Bohnen herum findet eine grofse Dampfentwickelung statt, so dafs die- 
selben beim Anfange des Röstens von Dampf bestrichen werden. Die 
Wasser- und Röstdämpfe werden durch die Röhrchen c in die Feuer- 
kanäle und mit dem Rauch in den Kamin abgeführt. (Ob bei dieser 
Behandlung das Aroma des Kaffees erhalten bleibt? Wir möchten das 
doch sehr bezweifeln, d. R.) 

Bei dem Apparate der Gebr. StoUwerck in Cöln a, Rh. (D. R. P. 
Nr. 48 906 vom 5. Februar 1889) wird wie bei frühereu, derselben Firma 
patentirten Einrichtungen die Wärme von Wasserdampf zum Rösten 
verwendet. Der Apparat wird, dem Vernehmen nach, nur vom Erfinder 
benutzt und zwar zum Rösten des Cacao. 

1{ (Fig. 7) ist die drehbare Rösttrommel mit dem darin gelagerten 
System von Dampfröstrohren Z7; die an allen Seiten geschlossene 



Kaffee-Brenn- und Külilapparate. 299 

Trommel R ist von einer zweiten, ebenfalls geschlossenen mantel- 
artigen Trommel R [ umgeben und mit derselben fest verbunden. Die 
Seitenwand ä 3 der letzteren ist aus feuerfestem Material, wie Chamotte. 
hergestellt, durch welche das ganze Rohrsystem H weit nach aufsen 
zu hindurchragt, um in den Wirkungsbereich einer Feuerung h l zu 
gelangen. Die das Rohrsystem bildenden einzelnen Rohre enthalten 
eine entsprechende Menge Wasser, welches bei der Schräglage der 
Rohre sich stets an dem von den Flammen umspülten Ende H i der- 
selben befindet. Dieser zu unterst liegende Theil des Rohrsystems bildet 
demnach die aufserhalb der Rösttrommel liegende Dampfquelle für den 
die Wärme des erzeugten Dampfes ausstrahlenden und dadurch die er- 
strebte Röstung bewirkenden Theil der Rohre H im Inneren der sich 
drehenden Trommel. Bei Anwendung des Apparates treten die Theile B i 
des mit der Trommel rotirenden Rohrsystems in regelmäfsiger Aufein- 
anderfolge in den die intensivste Hitze entwickelnden Theil der auf 
der Feuerung entfachten Flammen ein, die in dem Rohrsystem eine 
Dampfspannung erzeugen, welche der jeweiligen Rösttemperatur ent- 
spricht. 

Eine Regelung des am Manometer M abzulesenden Dampfdruckes 
und dadurch der in der Trommel R erzeugten Rösttemperatur wird 
durch Regulirung der von der Feuerung h { entwickelten und an dem 
Pyrometer P { erkennbaren Hitze herbeigeführt. 

Der Apparat von Carl Salomon in Braunschweig (D. R.P. Nr. 49493 
vom 7. April 1889) besteht aus der drehbaren, nach beiden Enden sich 
verjüngenden Trommel a (Fig. 8 Taf. 17), deren beide Hälften durch 
Stehbolzen a i getrennt werden, so dafs ein durch den Ringschieber b 
verschliefsbarer Raum gebildet wird. Diesem wird das durch den 
Schacht f mit Füllstutzen /\ eingefüllte Röstgut, sowie das durch das 
Rohr g letzterem entgegengeleitete Röstmittel durch die schrauben- 
förmigen, in der einen Trommelhälfte von links nach rechts, in der 
anderen von rechts nach links ansteigenden versetzten Leitflächen dd { 
zugeführt. Ist der Röstprozefs vollendet, so zieht man durch den 
Griff c den Schieber b zurück und läfst den Trommelinhalt in den Be- 
hälter i gelangen. 

Die Kühl- und Mischtrommel von Antoine Louis Saint- Aubin in 
Reims (D. R. P. Nr. 41299 vom 9. Oktober 1886) dient für solche Kaffee- 
brenner, bei welchen die schädlichen vegetabilischen Essenzen, sowie 
das Caffein abdestillirt werden, letzteres zu Flüssigkeit verdichtet und 
als solche dem in die Kühltrommel gebrachten Kaffee wieder zuge- 
setzt wird. 

Der Kühler besteht aus einer Blechtrommel A (Fig. 9 Taf. 17) mit 
an beiden Enden trichterförmigen Böden /s, welche in der Mitte durch 
geeignete Deckel verschliefsbare Oeffnungen besitzen. Die Welle L der 
Trommel besteht aus einem perforirten Rohr, an deren einem Ende eine 



300 Kaffee-Brenn- und Kühlapparate. 

Kurbel angebracht ist, während das andere Ende durch einen als Dreh- 
zapfen wirkenden Rohrstutzen mit dem die Essenz aufnehmenden Be- 
hälter K in Verbindung steht. Der Zuflufs der Essenz in das perforirte 
Rohr L bezieh, in die Trommel kann mittels einer Ventilschraube M 
in geeigneter Weise regulirt werden. 

Der Kühlapparat von G. W. Barth in Ludwigsburg (D. R. P. 
Nr. 47 396 vom 12. Juli 1888) besteht in der Hauptsache aus schmalen 
Räumen K (Fig. 10), welche durch Zwischenräume W von einander 
getrennt sind. Die Räume K sind oben und unten offen, seitlich ge- 
schlossen und bilden unten in zwei gegen einander schiefe Ebenen zu- 
sammenlaufend die Oeffnungen 0. Die Zwischenräume W von gleicher 
Form sind oben und unten geschlossen, seitlich aber offen. Unterhalb 
dieser Räume ist die um den Punkt a drehbare Rinne R angebracht. 

Das aus der Rösttrommel kommende heifse Gut wird in die Räume K 
geschüttet, deren Oeffnungen durch die aufgeklappte Rinne ver- 
schlossen sind. Mittels des Trichters T läfst man dann kaltes Wasser (! ?) 
durch die Zwischenräume W und den Hahn ü fliefsen, wodurch die 
Abkühlung des Gutes bewirkt wird. Ist die gewünschte Kühlung ein- 
getreten, so läfst man die Rinne R nieder. Das Gut fällt aus den 
Räumen K auf letztere (bei der gezeichneten Neigung doch wohl nicht. 
D. R.), gleitet in derselben weiter, um in einem untergestellten Gefäfse 
gesammelt werden zu können. 

Eine Vorrichtung an Röstapparaten zur Bestimmung des Gewichts- 
verlustes beim Rösten hat sich die durch ihre weitverbreiteten „Emme- 
richer Kaffeebrenner" allen Colonialhändlern bekannte Emmericher 
Maschinenfabrik und Eisengiefserei van Gülpen, Lensing und von Gimborn 
in Emmerich a. Rh. unter D. R. P. Nr. 43027 vom 11. Juni 1887 pa- 
tentiren lassen. 

Die Rösttrommel A ruht mit ihren Achszapfen a { (Fig. 11 und 12 
Taf. 17) in einem senkrecht geführten Lager, welches durch die mit 
letzterem verbundene Stange a 2 gegen die Stange b 2 des im Cylinder C 
spielenden Kolbens B drückt. Der Cylinder C wird durch das mit 
Hahn versehene Rohr c 2 mit Wasser, Luft oder Gas gefüllt und steht 
mit einem zweiten Cylinder C { in Verbindung, dessen Kolben B { mittels 
Gewichtes oder belasteten Hebels D { niedergedrückt wird. Diese Be- 
lastung ist so regulirt, dafs der Kolben B { von dem Gewichte des frisch 
beschickten Röstgutbehälters A hochgedrückt gehalten wird, dann aber, 
nachdem ein bestimmter Gewichtsverlust im Röstgefäfse eingetreten ist, 
selbst das Uebergewicht gewinnt, sinkt und dadurch den Kolben B im 
Cylinder C und also auch das Röstgefäfs A hochhebt. 

Verbindet man den Cylinder C mit einem Manometer, so kann man 
durch Ablesen der Druckveränderung auf den Kolben B die Gewichts- 
abnahme bei fortschreitender Röstung direkt ablesen. 

Die Kolbendichtung im Cylinder b erfolgt fast frei von Reibung 



Apparate zur Erkennung des Kohlensäuregehaltes der Luft. 301 

durch eine eigentümliche Construction mittels einer Blase aus dünn- 
stem Gummi. 

Es sei noch bemerkt, dafs die Emmericher Maschinenfabrik die Er- 
finderin des Probenziehers und der rationellen Abführung der Dünste 
aus den Rösttrommeln ist. Sie brachte im J. 1870 die ersten Kaffee- 
brenner mit Probenzieher und Siebrohr zur Dunstabführuns; in den 
Handel, führte auch die jetzt allgemein verbreitete Form des kugel- 
förmigen Kaffeebrenners mit dem stehenden cylinderförmigen Rumpfe ein. 



Apparate zur Erkennung des Kohlensäuregehaltes 

der Luft. 

Mit Abbildungen auf Tafel IT. 

Der Apparat von Dr. Adolf Wolpert in Nürnberg (D.R.P. Kr. 39382 
vom 5. September 1886) beruht auf der Anwendung einer durch die 
Kohlensäure eine Farbänderung erfahrenden Flüssigkeit, z. B. verdünnter 
durch einen Alkaliindicator roth gefärbter Sodalösung, welche in einen 
auf einem Gestelle befindlichen Behälter A (Fig. 13 Taf. 17) eingefüllt 
wird. Damit die Flüssigkeit nicht schon in letzterem verändert wird, 
bedeckt man sie mit einer dünnen Schicht Mineralöl. In der Flüssig- 
keit liegt ein Schwimmer /?, an welchem ein heberförmiges Capillar- 
röhrchen C befestigt ist. Durch dieses gelangt die Flüssigkeit tropfen- 
weise in einen kleinen Trichter D und an einen an demselben befestigten 
Baumwollfaden E, der unten das Auffanggefäfs F trägt. 

Bei ganz reiner Luft ist nun der Baumwollfaden in ganzer Länge 
durch die herabfliefsende Flüssigkeit roth gefärbt, während derselbe bei 
schlechterer Luft nur in gewisser Tiefe unter dem Trichter roth, im 
Uebrigen weifs erscheint. Die Grenze zwischen Roth und Weifs rückt 
um so höher, je mehr Kohlensäure die Luft enthält. 

Hinter dem Baumwollfaden ist eine erfahrungsmäfsig festgestellte 
Scala angebracht, auf welcher man entweder den Kohlensäuregehalt 
der Luft oder ihre Beschaffenheit nach Mafsgabe der Grenze zwischen 
Roth und Weifs abliest. Die Concentration der reagirenden Flüssig- 
keit und die Beschaffenheit des Fadens haben selbstverständlich auf 
die Länge und Theilung der Scala Einflufs. 

Bei einer Weite von 12 cm und einer Höhe von 10 cm reicht die 
Füllung des Behälters A etwa einen Monat aus. 

Dieser continuirliche Luftprüfer wird nach den Angaben des Patent- 
inhabers — vgl. dessen „Sieben Abhandlungen aus der Wohnungs-Hygiene", 
Leipzig 1887 — in zwei Sorten angefertigt, als Luftprüfer allein zu 
12 ' 2 M., in Verbindung mit Barometer, Thermometer und Hygrometer 
zu entsprechend höherem Preise. 

Der Taschenapparat von Heinrich Wolpert in Nürnberg (D. R. P. 



302 Apparate zur Erkennung des Kohlensäuregehaltes der Luft. 

Nr. 44822 vom 12. Januar 1888) besteht aus einem Cylinder C (Fig. 14 
Taf. 17), der mit einer empirisch festgestellten Luftverschlechterungs- 
scala versehen ist, sowie aus einem von einer Capillarröhre R durch- 
setzten Kolben K. Bei der Vornahme der Bestimmung des Kohlen- 
säuregehaltes der zu untersuchenden Luft füllt man in den etwa 20 bis 
25 cc fassenden Cylinder C ein bestimmtes Quantum, etwa 1 bis 2 CC , 
einer stark verdünnten alkalischen Lösung und färbt dieselbe durch 
Zusatz von einigen Tropfen eines Alkaliindicators roth. Nach Aus- 
treibung der in dem Cylinder enthaltenen Luft durch Einführung des 
Kolbens bis zur Höhe des Spiegels der Reagensflüssigkeit zieht man den 
Kolben bis zur ersten auf dem Cylinder aufgetragenen Kohlensäure- 
marke zurück, wodurch bis zu dieser Marke Untersuchungsluft ein- 
geführt wird. 

Dann schüttelt man die Reagensflüssigkeit so lange, bis alle Kohlen- 
säure des eingeführten Luftvolumens aufgenommen ist. Wird die Reagens- 
flüssigkeit vollständig farblos und wasserhell, so ersieht man an der 
Scala des Cylinders, dafs die untersuchte Luft 4 pro Mille Kohlensäure 
oder mehr enthielt und demgemäfs äufserst schlecht war. Ist die Ent- 
färbung der Reagensflüssigkeit noch nicht vollständig eingetreten, so 
wird man den Kolben nach Mafsgabe der vorgeschrittenen Entfärbung 
mehr oder weniger in die Höhe führen, bei sehr blafs gewordener 
Reagensflüssigkeit aber nie mehr als von einer Marke zur anderen. 

Der Apparat von Eugen Martini in München (D. R. P. Nr. 44631 
vom 4. April 1888) beruht auf der durch Untersuchungen festgestellten 
Thatsache, dafs eine Kerzenflamme oder eine andere Leuchtflamme in 
einer Luft, welche 8 Proc. Kohlensäure enthält, sofort erlischt. Die 
Flamme wird jedoch schon bei einem Kohlensäuregehalte von 5 bis 
6 Proc. wesentlich kleiner. 

Eine Messingstange a (Fig. 15 Taf. 17) ist durch die Klemme f fest- 
geschraubt und durch das Scharnier b mit dem winkelförmigen Hebel c 
verbunden, der in den mit einer Klemme versehenen Backen g drehbar 
gelagert ist. Am rechtsseitigen Hebelende c ist die Spitze e angebracht, 
mittels welcher Contact mit der Feder d hergestellt ist. Wird der 
Stab a der Hitze einer unter demselben angebrachten Flamme aus- 
gesetzt, so dehnt sich der Stab um so mehr aus, je gröfser die Flamme 
bezieh, je geringer der Kohlensäuregehalt der Luft ist. Sobald aber 
der Stab a sich ausdehnt, wird der Contact zwischen d und e auf- 
gehoben. Wenn aber die Flamme bei einem gröfseren Kohlensäure- 
gehalte der Luft wesentlich kleiner wird oder gar erlischt, so zieht 
sich der Draht a zusammen, der Contact zwischen d und e wird wieder 
hergestellt und ein elektrisches Läutewei-k damit in Bewegung gesetzt. 

Der Apparat kann nun durch die Schraube h so eingestellt werden, 
dafs das elektrische Läutewerk bei einem bestimmten Kohlensäure- 
gehalte der Untersuchungsluft in Thätigkeit versetzt wird. Er wird 



Gollner, über Dampfkessel. 303 

daher vortheilhaft in Fabriksräumen, in welchen mit flüssiger Kohlen- 
säure gearbeitet wird, in Prefshefefabriken, Gährkellern u. s. w. Ver- 
wendung finden. __^ 

Ueber Dampfkessel; von Prof. H. Gollner in Prag. 

(Schlufs des Berichtes S. 216 d. Bd.) 

Eine durchaus sachgemäfse und sehr empfehlenswerthe Untersuchung 
bei Dampfkesseln ist jene zur Klarstellung der Formänderungen derselben 
anläfslich der hydrostatischen Probe. Prof. Radinger beschreibt anläfslich 
der Delegirten- und Ingenieur- Versammlung des Verbandes der Dampf- 
kessel- Ueberwachungs- Vereine (24. und 25. Mai 1886) zu Prag die von 
ihm seit 10 Jahren benutzte Untersuchungsmethode und das hierfür be- 
stimmte Instrument, welches als Fühlhebel-Apparat bezeichnet wurde. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dafs die Möglichkeit der sicheren 
und sehr genauen Beobachtung der Formänderungen einzelner Kessel- 
theile bezieh, ganzer fertig gestellter Dampfkessel unter dem Einflüsse 
des Probedruckes und des Eigen- wie Wassergewichtes, ferner die 
Möglichkeit der Verfolgung der Aenderungen dieser Foi-mationen unter 
wechselndem Drucke, endlich die durch das Instrument gesicherte An- 
zeige der möglicher Weise schon eingetretenen bleibenden Form- 
änderungen nach Druckentlastung des Kessels von gröfstem Werthe ist 
für die zuverlässige Beurtheilung der Güte des Kesselmateriales, sowie 
der ganzen Construction. 

Prof. Radinger berichtet über den Fühlhebelapparat, dafs derselbe 
der äufseren Form nach einem grofsen Manometer ähnlich sieht, also 
eine kreisrunde Zifferscheibe mit Glasdeckel und Zeiger zeigt, und 
aufser diesen Theilen noch eine radial vom Gehäuse abstehende Druck- 
stange besitzt. Die Zifferscheibe hat einen Durchmesser von etwa 
200 mm , ist in vier Theile getheilt, welche je wieder in 100 Untertheile 
zerlegt sind. Durch Einwärtsdrücken der federnden Druckstange wird 
der Zeiger in Bewegung gesetzt; die ausgeführte Uebersetzung des 
Apparates bedingt für l mm Bewegung der Druckstange eine Zeiger- 
bewegung entsprechend einem Quadranten des Zifferblattes. 

Der Apparat wird derart zugestellt, dafs bei Beginn der Unter- 
suchung durch eine Spannung der Druckstange der Zeiger auf das 
Ende des zweiten Quadranten der Zifferscheibe eingestellt wird. Bei 
den nun durch den Kesseldruck eintretenden Formänderungen des zu 
untersuchenden Kesseltheiles kann der Zeiger in dem einen wie anderen 
Sinne solche von je 2 mm (auf mm ,01 genau), zur Anzeige bringen; 
insbesondere ist das Verhalten des untersuchten Theiles bei vollständiger 
Entlastung des Kessels, der Nachweis des Vorhandenseins einer blei- 
benden Formänderung genau sicherzustellen. 

Der Apparat trägt noch eine Centralschraube zur Festigung an 



304 Gollner, über Dampfkessel. 

einen Ständer, und werden noch für die Druckstange Folgestücke an- 
gewendet, um eine gröfste Länge derselben von l m ,5 zu erreichen. 
Ein Folgestück ist für die rohe Einstellung eingerichtet, während die 
erwähnte Druckstange die feine Einstellung gestattet. Die Anordnung 
des Apparates für Untersuchung äufserer Wände des Kessels oder selbst 
innen gelegener Haupttheile, wie Flammröhren u. s. w., ist in allen 
Fällen möglich. 

Der Apparat zeigt nach den Mittheilungen von Prof. hadinger eine 
aufserordentliche Empfindlichkeit und gibt bei richtiger Handhabung 
durchaus verläfsliche Anzeigen; diese Empfindlichkeit ist um so not- 
wendiger, als ein mit Wasser gefüllter Dampfkessel, der unter Druck 
steht, selbst für die geringsten Einwirkungen deutlich sichtbar em- 
pfänglich ist. Ein Mann, der sich auf den Kessel stellt oder oben 
seinen Standpunkt wechselt, wird vom Apparate angezeigt. Auch die 
Umgebung wirkt durch die Fundamente auf den Kessel zurück. Der 
Apparat eignet sich, entsprechend aufgestellt, zum Nachweise der Ein- 
biegung des Kessels durch die Wasserfüllung, sowie der Streckung des- 
selben durch den Innendruck; zum Nachweise, ob der bezügliche Kessel- 
theil genau kreisrund ist oder nicht und zwar durch die Lieferung 
eines regelmäfsigen bezieh, unregelmäfsigen Diagramms, auf dessen 
rechtwinkligen Achsen einerseits der augenblickliche Kesseldruck 
(in at), andererseits die Gröfse der ganzen Formänderung aufgetragen 
wird. Aus diesem Diagramme können schliefslich wichtige mechanische 
Gröfsen, wie der Elasticitätsmodulus des Materiales (die gröfste elastische 
Formänderung), bei bekannten Kesseldimensionen, endlich der noch für 
eine vorhandene Wandstärke zulässige Druck (in at) abgeleitet werden. 

Die von Prof. Radinger angegebene Untersuchungsmethode sowie 
der zugehörige Fühlhebelapparat empfiehlt sich zur allgemeinen Ein- 
führung wegen der Einfachheit der Durchführung derselben, sowie 
wegen der Klarheit und Wichtigkeit der erlangten Ergebnisse. 

An die eben erläuterte Untersuchungsmethode für Dampfkessel 
schliefst sich jene an, welche den Zweck hat, die Festigkeit einzelner 
Theile bezieh, der ganzen Construction nachzuweisen. Die bezüglichen 
Versuche, welche auch „Explosions- Versuche" heifsen, haben an sich 
zweifellos einen entscheidenden Werth, wenn sie für die am häufigst 
vorkommenden Kesselsysteme mit Erfolg durchgeführt werden könnten; 
sie sind aber für eine zahlreichere Durchführung zu kostspielig und 
gefährlich. Da den Kesselberstungen stets sehr merkliche Formver- 
änderungen in den einzelnen Kesseltheilen, an den verschiedenen Ver- 
bindungsstellen u. s. f. vorangehen, so sind die einzelnen Phasen solcher 
umfassenden Explosionsversuche vorzüglich geeignet, die den zu unter- 
suchenden Kesseltypus anhaftenden Schwächen und Mängel hin- 
sichtlich der gewählten Form und Lage der Kesseltheile und insbesondere 
in Bezug auf ihre Verbindungen erkennen zu lassen und derart zur 



Gollner, über Dampfkessel. 305 

Vervollkommnung des bezüglichen Kesselsystemes in mechanischer Be- 
ziehung beizutragen. 

Explosionsversucbe mit den gewöhnlicheren Kesselsystemen wurden 
bekanntlich mehrfach in England ausgeführt, sie haben die Bedenklich- 
keit mancher bisher als gut erkannten Einzelheiten nachgewiesen. Es 
sei hier insbesondere an die Gefährlichkeit grofser Oeffnungen in den 
Kesselwandungen, deren Ränder nicht genügend verstärkt sind, erinnert, 
ferner die Bedenklichkeit der Anwendung gewöhnlicher Winkeleisen 
für Hauptverbindungen am Kesselkörper hervorgehoben. Desgleichen 
fanden in Amerika zahlreiche Explosionsversuche hauptsächlich mit den 
dort herrschenden „ Glieder-- oder „Sectionskesseln- 1 statt, welche die 
vorzügliche Verwendbarkeit des amerikanischen Gufseisens für ent- 
sprechend geformte Glieder dieser Kessel nachzuweisen geeignet waren. 
Von den neueren hochinteressanten Explosionsversuchen seien jene her- 
vorgehoben, welche nach Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen. 
1887, von der Firma 5. Huldschinsky und Söhne in Gleiwitz mit dem 
Sicherheits-Röhrenkessel (Patent Schmidt) durchgeführt wurden. 

Die Versuche fanden im Monate Juni 1885 in der Nähe der Stadt 
Gleiwitz statt: die Versuchsstation war an einer freien und hoch- 
gelegenen Stelle erbaut. Ihre Einrichtung bestand aus einem Kessel- 
hause mit Dampfkessel von 61 t J rr > i 4 Heizfläche und einem 10 m hohen 
Schornstein; unmittelbar neben dem Kesselhause wurde eine tiefliegende 
bombenfeste Kasematte ausgeführt, aus deren Inneren man die Kessel- 
feuerung und alle Einrichtungen am Kessel durch geschützte Oeffnungeu 
beobachten konnte. Desgleichen waren Vorrichtungen ausgeführt, um 
die Speisewasser-Zuführung regeln, die Feuerung bedienen und löschen, 
die Sicherheitsventile sowie den Rauchschieber öffnen und schliefsen 
zu können. Die Dampfspannung wurde durch 4 Manometer gemessen, 
desgleichen waren zur Messung der Temperaturen zahlreiche Schmelz- 
proben vorbereitet. 

Es wurden folgende fünf Versuche durchgeführt: 

1) Abreifsen von Schrauben der Verbindungsbogen. 2) Platzen der 
Wasserrohre. 3 a) Wasserzuführung im Kessel bei erglühten Röhren, 
b) Heizen ohne Wasser, bis ein Reifsen der Wasserrohre eintritt. 
4) Drucksteigerung bei verkeilten Sicherheitsventilen und geschlossenen 
Absperrventilen. 5) Einleitung des Siedeverzuges und plötzliche Ent- 
lastung. Die Versuche 1, 2, 3 und 5 sollten bei einer Dampfspannung 
von 10 at (normale Betriebsspannung) durchgeführt werden. 

ad 1) Der Dampfkessel wurde eine Zeit lang unter 10 at Betriebs- 
druck erhalten, dann durch Abblasen entlastet, hierauf 6 Verbindungs- 
schrauben von den Verbindungsbogen entfernt und der Kessel neu an- 
geheizt und dessen Spannung auf 10 at gebracht. Der Kessel zeigte trotz 
der fehlenden Schrauben keinerlei Undichtheit und war nach Einsetzen 
derselben wieder sofort betriebstüchtig. 

Dinglers polyt Journal Bd. 276 Nr. 7. 1890 11. 20 



306 Gollner, über Dampfkessel. 

ad 2) Wasserrohre wurden in der Wand bis auf mm ,5 durch An- 
feilen einer Strecke von m ,2 geschwächt; dieselben hielten einen 
Dampfdruck von 12 at sicher aus. Ferner wurden zwei Wasserrohre bis 
auf Papierdicke in der Wand nachgefeilt und der Kessel wieder an- 
geheizt; ein Dampfdruck von 12 at bewirkte keine Zerstörung der Rohre, 
von denen drei einseitig, drei beiderseitig angefeilt waren. Selbst be- 
sondere Inanspruchnahme derselben Rohre durch plötzliches Oeffnen 
des Dampfventiles, durch Einspritzen von Wasser, Erhöhung der Dampf- 
spannung auf 16 at führten keinen Rohrbruch herbei. Zwei neu ein- 
gesetzte Rohre wurden in folgender Weise vorbereitet. Das eine Rohr 
im Hinterkessel wurde an zwei Seiten auf eine Länge von 620 mm so 
weit angefeilt und diese Stellen durch Rundfeilung verbunden, dafs sich 
kleine Oeffnungen in der Wand zeigten, welche durch Holzpfropfe ge- 
schlossen wurden. Das zweite Rohr befand sich im Vorderkessel dicht 
über dem Roste und wurde auf 1250 mm Länge auf Papierdicke in der 
Wand zugefeilt. Bei 8 at ,75 Kesselspannung trat die Berstung (Aufrollen) 
der so geschwächten Rohre ein, während die übrigen Rohre ganz un- 
verletzt blieben. Die Rohrberstung hatte ein Abreifsen der Verbindungs- 
schrauben an einem Ende, das Abreifsen des Rohrkopfes am anderen 
Ende, ein geringes Verbiegen des Verbindungsbogens (aus schmied- 
barem Gusse) zur Folge. 

ad 3) Nach eingetretenem Erglühen der Wasserrohre pumpte man 
kaltes Wasser in den Kessel; die Temperatur der Rohre wurde bei 
diesem und dem folgenden Versuche mittels besonderer Schmelzproben * 
ermittelt. 

Zur Controle dieser Messungen wurde mittels eines besonderen 
Fühlhebels die Ausdehnung der unteren Lage der Röhren gemessen 
und aus dieser und den bekannten Ausdehnungscoefficienten des be- 
züglichen Metalles die Temperatur desselben bestimmt. Es wurde er- 
mittelt, dafs für jedes Millimeter Rohrausdehnung eine Temperatur- 
erhöhung von 30° C. eintritt, welches Ergebnifs mit den Resultaten der 
Schmelzproben sehr gut übereinstimmte. 

Zum Schlüsse der Mittheilungen über die Untersuchungsmethoden 
der Dampfkessel sei noch auf jene zurückgekommen, welche die Klar- 
stellung des absoluten Wirkungsgrades desselben zum Zwecke hat. Diese 
Untersuchungsmethode ist durch die Kesselrevisions- Vereine zum grofsen 
wirtschaftlichen Vortheile der Dampfkesselbesitzer in die grofse Praxis 
eingeführt worden und hat endlich jene Beachtung gefunden, welche 
sie vermöge ihres unmittelbaren Nutzens für den wirtschaftlich vor- 
theilhaften Betrieb einer Dampfkesselanlage verdient. 

Die Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft in 

1 Zinn 2350 C, Wismuth 2700, Blei 3340, Zink 4330, Aluminium 6000. 
0,75 Silber, 0,25 Kupfer 8500, 0,57 Silber, 0,43 Kupfer 9000, Reines Silber 10000, 
Kupfer 11000. 



Gollner, über Dampfkessel. 307 

Wien hat durch ihren technischen Director C. Thalwitzer anläfslich des 
internationalen Congresses der Maschinen-Ingenieure in Paris 1889 einen 
Beitrag zum zweiten Programmspunkte der Verhandlungen unter dem 
Titel: ^ Heber Fortschritte der Dampfkessel-Revisions- Gesellschaften^ unter- 
breitet, welcher die Theorie der Untersuchungsmethode der Dampfkessel 
zum Zwecke der Sicherstellung des absoluten Wirkungsgrades enthält 
und eine höchst belehrende Zusammenstellung der Ergebnisse von 371 
solcher Untersuchungen (1881 bis 1888) — geordnet nach den Kessel- 
systemen (6 Hauptarten) — bringt. 

Die Untersuchungen sind als vollständig durchgeführt anzuerkennen, 
so weit der absolute Wirkungsgrad einer Dampfkesselanlage in Betracht 
kommt. Sie sind durchgeführt, um durch einen Dauerheizversuch die 
Hauptgröfsen zur Lösung der Gleichung: 

Vi * = M(X-q Q -) : B.H=(\-2 WH) = (A f :Ar) (F: ß) U-? :#) 
festzustellen. Die besonders wichtige Form des analytischen Ausdruckes 
für rji^ nämlich 

7] t = {7]f . 1]F) it 

in welchem rjt und ?]f bezieh, den Wirkungsgrad der Feuerung und 
der ganzen Heizfläche, endlich |$ einen die gesammten Wärmeverluste 
in Folge Strahlung und Leitung nach Aufsen berücksichtigenden Factor 
bezeichnet, kann nach den Ergebnissen der Heiz versuche nicht un- 
mittelbar hinsichtlich der angegebenen Hauptwerthe rjf und tjf ver- 
werthet werden. 

Die zahlreichen im Wege des praktisch -wissenschaftlichen Ex- 
perimentes sichergestellten Hauptresultate werden nun zum Schlüsse 
der Abhandlung zur Zusammenfassung von Schlufsfolgerungen aus- 
genutzt, die im Folgenden der Hauptsache nach wiedergegeben sind, 
so weit dieselben für die grofse Praxis von unmittelbarem Interesse sind. 

Nimmt man zunächst den mittleren theoretischen Heizwerth der 
Brennstoffe i7 cal , ferner die mittlere Anstrengung der Rostfläche der 
Kesselanlagen, welche zur Untersuchung kommen, in Betracht, so dafs 
Af=B:R als Mafs dieser mittleren Anstrengung dient, so ergibt sich 
die Thatsache, dafs das Product Hx(B'-R) fast eine constante Gröfse 
wird und rund 522 000 cal beträgt; d.h. durchschnittlich kann auf eine 
Wärmeentwickelung von 500 000 cal für die Stunde und l c i m Rostfläche 
gerechnet werden. 

Betrachtet man den Zusammenhang zwischen den sogen. Luft- 
überschufscoefficienten für die Verbrennung (n) und den Nutzeffect (?/() 
der Kesselanlagen , ist F : R die relative Gröfse des Kessels oder das 



* Es bezeichnet r t t den absoluten Wirkungsgrad, JWk, ßk bezieh, die für 
die Versuchsdauer verbrauchte Speisewasser- und Brennstoffmenge, H den 
theoretischen Heizwerth des Brennstoffes, 2 W die totalen Wärmeverluste, Af 
und Ar die Anstrengung der Heiz- und Rostiläche, F, R die Heiz- und Rost- 
lläche, (A — 5°) Wärmeaufwand für die Gewichtseinheit Kesseldampf. 



308 Gollner, über Dampfkessel. 

Verhältnifs der Heiz- zur Rostfläche derselben, so bezeichnet der Aus- 
druck (B . H) : 1 100 . R j, ) = (B . H) : 100 . F die für lqdcm Heizfläche 

und für die Stunde entwickelbare Wärmemenge, welche n. fr. durch - 

F 

schnittlich 5000 : j< beträgt. Nimmt man auf die einzelnen Kessel- 
systeme Rücksicht und ordnet diese wieder nach den Werthen BH : 
100 F, so lassen sich für n und rjt gewisse Resultate bilden. Diese ge- 
statten nun, einen Ueberblick über den Werth der einzelnen Kessel- 
systeme zu gewinnen. 

So ergab sich z. B., dafs durchschnittlich der absolute Wirkungs- 
grad für alle untersuchten Cylinderkessel mit Neben- und Unterkessel 
erreichte ?;< = 60 Proc. 

Die wichtige Beziehung zwischen n und ?/t läfst sich für {BH : 
100 F) = Constans, in folgender Weise ausdrücken: 

Der absolute Wirkungsgrad der Kesselanlage ijt steigt mit ab- 
nehmendem Werth von n und zwar vergröfsert sich t) um 10 Proc, 
wenn n um 0,38 (für ?]t zwischen 60 Proc. und 80 Proc.) vermindert, 
und n um 0,64 verkleinert wird, wenn tjt zwischen 40 Proc. und 60 Proc. 
liegt. — Jener Heizer wird unter Voraussetzung einer bestimmten 
Dampferzeugung mit einem beliebigen Kesselsysteme B rein verbrauchen, 
der bei noch vollkommener Verbrennung mit n nie die Feuerung zu 
führen vermag. Für n = Constans steigt rjt um 10 Proc, wenn (BH) : 
100 F um 100 ca! vermindert wird. 

Für (B H : 100 F) = Constans findet sich, dafs: 

Der Flammrohrkessel dem Cylinderkessel mit Unterkessel um 
3 Proc überlegen ist. 

Der Wellrohrkessel den gewöhnlichen Flammrohrkessel um 2 Proc. 
übertrifft. 

Für Cylinder und Flammrohrkessel kann durch deren Combination 
mit Röhrenkessel-Systemen der Werth ?/< um 7 Proc. bis 8 Proc. ge- 
hoben werden. 

Für die Combination eines Dampfkessels mit einer Tenbrink- Vorlage 
kann der Werth ?j t um 10 Proc bis 13 Proc. erhöht werden. 

Die Wärmedurchgangs - Coefficienten nach Redtenbacher (Ä r ) cal und 
nach Bankine (Ä" r ) cal geben mit ihren ursprünglichen mittleren Werthen 
(k r = 23 ca ' und K r = 0,06) unbrauchbare Resultate. 

Es erschien zweckmäfsig, diese Werthe für die einzelnen Kessel- 
systeme zu ermitteln. 

Diese Systeme waren A) Cylinderkessel mit Unterkessel, B) Cy- 
linderkessel verbunden mit Röhrenkessel, C) Flammrohrkessel, D) Flamm- 
rohrkessel verbunden mit Röhrenkessel. Für den Coefficienten /c, cal nach 
Bedienbacher ergab sich eine Veränderlichkeit nach dem Kesselsystem 
und je nachdem dasselbe als eigentlicher Kesselapparat (Nichtstromapparat) 



Gollner, über Dampfkessel. 



309 



(&/) oder als Stromapparat (k r ") arbeitete und nach der Anstrengung 
der Heizfläche Af=M (/l — 9o) '• F hinsichtlich Wärmeleitung. 

Die mittleren Werthe für k r ' und k," für die vier Kesselsysteme 
(.4 — D) waren rund : 



s 


Durch- 


M (A — %) '• F in cal 


>> Coefficient 

^ II 


5000-10 000 


10 000—15 000 


15 000—20 000 


A 


k r ' 14.0 

k r " 17,0 


20,0 
23,0 


26.0 
29.0 


B 


V 


15,0 
18,0 


23,0 
27,0 





C 


fer' 
fer" 


14.0 
17,0 


18.0 
21,0 


— 


D 


fer" 


13,0 
11,0 


z 





Die Durchgangscoefficienten K T nach Rankin, und zwar KJ für 
eigentliche Kesselapparate und K r " für Stromapparate, liefsen ihre 
Unabhängigkeit von dem Werthe M (X — g ") : F erkennen, zeigten sich 
jedoch abhängig von den Producten der Temperaturgefälle und zwar: 
(r o — w) (T 2 — t ), wenn bedeutet: T und T 2 die Anfangstemperatur 
der Rauchgase über dem Roste bezieh, die Endtemperatur der ge- 
sammten Heizfläche (F), ferner w und t bezieh, die Dampftemperatur 
und die Temperatur des Speisewassers. 

Für die mittleren Werthe von K r ' und K r " fand sich je nach dem 
Kesselsysteme und dem Werthe der Gröfse (T — w) (T 2 — ( n ) rund : 



a 


Durch- 

gangs- 
Coefficient 


(T _«0(T 2 -t ) 


03 

CO 


100 000—200 000 


200 000-300 000 


300 000—400 000 


A 


Kr' 
Kr" 


0,05 

0,07 


0.04 
0,05 


0,04 
0,05 


B 


Kr' f 
Kr 


0,05 
0.07 


0,04 
0,04 


0,03 


C 


Kr 
Kr 


0,04 
0,06 


0,04 
0.05 


0,03 
0,04 


D 


Kr 
K r " 


1 0,04 
0,05 


0,03 
0,03 


0,02 



Die Werthe der beiden Tabellen lassen ei-kennen, dafs im All- 
gemeinen Kessel mit Unterfeuerung gröfsere Werthe für den Durchgangs- 
coefficienten ergeben, als Kessel mit Innen f euer ung. 

Die Durchgangscoefficienten für Stromapparate sind im Allgemeinen 
gröfser, als jene für die reinen Kesselapparate. Die Differenz dieser 
Werthe für die einzelnen Kesselsysteme ist sehr nahe constant. Die 
Tabellenwerthe sind für die erste Orientirung über die Wärmetrans- 



310 Schmieröl-Probirmaschine. 

missions-Fähigkeit eines gegebenen Kesselsystemes bei gewisser Inan- 
spruchnahme der angewendeten Kesselheizfläche sehr brauchbar. 

Aufser der eben behandelten umfassenden Untersuchung einer Kessel- 
anlage soll — wenn irgend möglich — eine besondere Untersuchung 
der ausgenutzten Feuerungsanlage erfolgen und zwar hinsichtlich ihres 
Wirkungsgrades (?//), als auch hinsichtlich des im Feuerraume sich ein- 
stellenden Temperaturgefälles und zwar zwischen T für F=o und 
T t für F = I\i d. i. der im Bereiche des Feuerraumes gelegenen, theils 
strahlenden , theils leitenden Heizfläche. Das Gefälle T — Tj ist für 
jede Feuerung kennzeichnend und liefert der Ausdruck (J — Ff) : 
T = s die sogen. Charakteristik der Feuerung. Die Berechnung von 
T Q ist zulässig, wenn H und die specifische Wärme der Verbrennungs- 
gase ermittelt ist, der Werth Tj mufs auf dem Wege des Versuches 
gefunden werden. Zur Durchführung dieses Versuches ist das Elektro- 
Pvrometer von Siemens zu benutzen oder derselbe nach der calorime- 
trischen Methode zu erledigen. Derartige Versuche verursachen viel 
Mühe und sind zeitraubend, jedoch für die Klarstellung der Temperatur- 
gefälle im Feuerraum und der besonderen Wirkungsweise der angeord- 
neten Feuerungsanlage von entscheidender Wichtigkeit. 

Die Ermittelung des theoretischen Wirkungsgrades der gesammten 
Heizfläche und zwar des Werthes rj-p = ( T — T 2 ) : T , sowie der schon 
früher erwähnten Vorzahl |« zur Klarstellung der Wärmeverluste in 
Folge Strahlung und Leitung nach Aufsen und zur Bestimmung des 
effectiven Wirkungsgrades der Heizfläche £< ( T — T 2 ) : T sind Auf- 
gaben der besonderen Untersuchungen einer Dampfkesselanlage. 



Schmieröl-Probirmaschine. 

Mit Abbildungen. 

Mit dem Entwurf der nachstehend beschriebenen Schmieröl-Probir- 
maschine will der Vorsteher der mechanisch-technischen Versuchsanstalt, 
Professor Martens, dem ihm aus Interessentenkreise mehrfach geäufserten 
Wunsche entgegenkommen: genau die gleiche Maschine, wie sie in der 
mechanisch-technischen Versuchsanstalt gebraucht wird, zu besitzen. Da 
indefs die Maschine der Versuchsanstalt mit allerlei Vorkehrungen ver- 
sehen ist, welche für Prüfungen, die nur praktischen Zwecken dienen 
sollen, überflüssig erscheinen, die jedoch den Anschaffungspreis sehr hoch 
stellen, so wurde von dem genannten Vorsteher die nachfolgend be- 
schriebene Versuchsmaschine mit zwar im Wesentlichen denselben Ver- 
hältnissen wie das Vorbild, aber unter Weglassung der für praktische 
Zwecke überflüssig erscheinenden Vorkehrungen angegeben. 

Die Maschine besteht in ihren wesentlichen Theilen aus der Welle 
mit dem Versuchszapfen, welche durch Riementrieb auf 200 Umdrehungen 



Schniieröl-Probirmaschine. 



311 



in der Minute gebracht wird, aus dem auf dem Zapfen reitenden Pendel- 
körper, welcher die Lagerschalen trägt, aus einer Wasserkühlung, welche 
<iie Wärme der Schmierschicht regelt und aus einer Schreibvorrichtung, 
welche auf endloses Papier den Pendelausschlag als Schaulinie ver- 
zeichnet. (Textfiguren von 1 bis 5.) 




Um nach Wunsch auch andere Geschwindigkeiten als 200 Um- 
drehungen in der Minute zu ermöglichen, ist neben der Riemenscheibe 
Platz für eine zweite gelassen worden. (An der grofsen Maschine ist 
ein Regulator angebracht, welcher die Geschwindigkeit der Maschine 



312 Schmieröl-Probirmaschine. 

so regelt, dafs sie auch bei langen Prüfungen und bei Schwankungen 
der Geschwindigkeit der Wellenleitungen nahezu gleich bleibt.) Bei dem 
neuen Entwurf ist vorausgesetzt, dafs die Versuche jedesmal nur 1 bi& 
l 1 .. Stunden dauern werden und dafs die Geschwindigkeitsschwankungen 
der Zuleitungen während dieser Zeit nur gering sind. Die Anbringung 
eines Deckenvorgeleges mit Ausrückvorrichtung ist gleichfalls Voraus- 
setzung. Alle mit der Hauptwelle laufenden Massen müssen gut zentrirt 
sein und deshalb ist die Riemenscheibe nicht mit Speichen versehen. 

Die Welle ist der Länge nach durchbohrt, so dafs man von hinten 
her in den hohlen Versuchszapfen ein Wasserzuleitungsrohr ein- 
führen kann, durch welches der Zapfen mittels einer Brausevorrichtung 
nach Bedarf gekühlt oder erwärmt werden kann. Die Welle ist mit 
einer Wasserleitung oder mit einem Wasser-, beziehentlich Dampf- 
bade zu verbinden, je nachdem gekühlt oder erwärmt werden soll. Der 
Wasserausflufs erfolgt durch die hohle Welle ebenfalls nach hinten, 
wie aus der Zeichnung hervorgeht. Diese Vorrichtung zur Regulirung 
der Wärme im Versuchszapfen ist nothwendig, da der Reibungscoeffizient 
in beträchtlichem Mafse von der Wärme der Schmierschicht abhängig 
ist, und man nur die Ergebnisse von Versuchen vergleichen kann, die 
unter völlig gleichen Bedingungen ausgeführt wurden. Deswegen mufs 
die Lagerschalenwärme jeweils auf einen ganz bestimmten Grad gebracht 
werden. Um die Brause vor Verstopfung zu schützen, ist vor dem Ein- 
tritt in die Wasserzuleitung eine Einrichtung zum leichten Einlegen 
eines engmaschigen Drahtsiebes angebracht. Die Brause wird auf das 
Zuleitungsrohr durch das verschliefsbare Loch in der Stirnseite des 
Zapfens aufgeschraubt und mit einem Stift festgestellt, der Deckel hat 
Bajonnetverschlufs. 

Der Versuchszapfen erhält einen äufseren Durchmesser von 100 und 
eine Länge von 70 mm . Er ist aus zähem dichtem Stahl herzustellen 
und ganz gleichmäfsig in Oel zu härten. Seine Lauffläche mufs ganz 
aufserordentlich sauber und vollkommen rund laufend geschliffen und 
hochglanz-polirt sein. Am besten geschieht das Schleifen in der Maschine 
' selbst. Da die kleinste sichtbare Ungenauigkeit im Lauf den Versuch 
stört, so ist auf die richtige Herstellung und Erhaltung dieses Haupt- 
theiles der Maschine ganz aufserordentlicher Werth zu legen. 

Die Aufstellung mufs so bewirkt werden, dafs der Zapfen genau 
wagerecht liegt, da sonst der Pendelkörper nicht in der mittleren Lage 
verbleiben wird. Bei der Maschine der Versuchsanstalt ist der Zapfen 
nach geschehener Aufstellung mittels einer Schmirgelscheibe genau rund 
gemacht, mittels Kluppe mit Bleibacken nachgeschliffen und dann mit 
Polirroth polirt. Die Lagerschalen des Pendelkörpers sind zuerst durch 
Schaben möglichst genau auf den Zapfen gepafst und haben dann unter 
Hinzufügung von Polirroth und Oel wohl 14 Tage einlaufen können, 
und zwar so lange, bis bei einer Anzahl von Versuchen mit ganz reinem 



Schmieröl-Probirmaschine. 313 

Rüböl unter gleichen Bedingungen gleiche Pendelausschläge beobachtet 
wurden. 

Der Reibungscoeffizient wird nach dem Vorgange von Thurston und 
Anderen durch den Ausschlag des auf den Versuchszapfen gehängten 
Pendelkörpers gemessen. Der Kopf dieses Pendelkörpers nimmt die drei 
Lagerschalen, sowie den Druckerzeuger auf, ohne zugleich das feststehende 
Schmierölbad zu beeinträchtigen. Die Lagerschalen aus Bronze haben 
eine Breite von etwa 20 mm . Die beiden unteren sind fest mit dem Kopf- 
körper verbunden und enthalten ein Loch von 8 mm Weite, welches ganz 
nahe der Lagerfläche liegt (Wandstärke an dieser Stelle etwa l 1 ^ bis 
2 mm ) und ein Thermometer aufnimmt. Die obere Schale ist beweglich 
und im Kopfkörper geführt. Sie hat zwei seitliche Ansätze, welche dem 
Pendelkörper eine Verschiebung in der Längsachse des Zapfens von 4 mm 
gestatten. Trichterförmige Vertiefungen an diesen Ansätzen sollen das 
mitgerissene Oel vor dem Verschleudertwerden bewahren und veran- 
lassen, dafs es immer wieder dem Schmierbade zugeführt wird. Der 
Flächendruck auf die Schmierschicht wird durch einen iVapo/f sehen 
Druckerzeuger hervorgerufen. Dieser Druckerzeuger wird in den Kopf- 
körper hineingeschraubt und drückt mittels seines Stempels auf die obere 
Lagerschale. Der Druck überträgt sich auf die Kopfplatte des Stempels 
und durch die abschliefsende Gummischeibe auf das im oberen Raum 
des Druckerzeugers befindliche Wasser und von hier aus auf das Mano- 
meter. Durch den unmittelbaren Versuch kann leicht der den Angaben 
des Manometers entsprechende Druck auf die obere Lagerschale bestimmt 
werden. 

Bei der Maschine der Versuchsanstalt geschah dies, indem man den 
Druckkörper in die Festigkeitsprobirmaschine spannte und für jeden 
Manometerstrich die auf den Stempel der Druckvorrichtung auszuübende 
Kraft bestimmte. Der wirksame Durchmesser des Druckerzeugers be- 
trägt etwa 26 cm , der auszuübende Druck würde also bei 6 at Ablesung 
am Manometer rund P = 3000 k sein. Bei einer Gröfse der Reibungs- 
fläche der Lagerschale von 2X7 = 14^° ergibt sich daher als gröfster 
auf die Schmierfläche ausübbarer Druck etwa 200 at . Dieser Druck wird 
zur Erprobung der bekannten Schmieröle sicher ausreichen. Nimmt 
man an, dafs die Angaben des Manometers auf at ,05 sicher sind, so 
wird man den Druck P auf etwa 10 bis 12 k sicher bestimmen können; 
die Ablesungen am Manometer lassen sich vielleicht auf 0,01 bis at ,02 
ausführen und man würde dem entsprechend die Kraftablesungen für P 
bis auf etwa 5 k vollziehen können. 

Die obere Lagerschale ist durch zwei seitliche Schrauben, von denen 
die vordere mit gerändertem Kopf versehen ist und deswegen leicht ent- 
fernt werden kann, gegen seitliche Verschiebungen im Pendelkörper 
gesichert. Diese Schale wird herausgenommen, wenn Zapfen und Lager- 
schalen gereinigt werden sollen. Die Reinigung geschieht durch Be- 



314 Schmieröl-Probimiaschine. 

streuen mit trockenem Sägemehl, Abbürsten und sorgfältiges Nachputzen 
mit Aether und reinen leinenen Lappen. 

Die beiden unteren Lagerschalen sitzen, wie schon bemerkt, fest im 
gufseisernen Pendelkörper, der den Zapfen so eng umschliefst, dafs 
zwischen ihm und der Versuchsfläche des Zapfens nur ein Raum von 
etwa mm ,5 Dicke verbleibt. Diesen Zwischenraum füllt das zu prüfende 
Oel sehr leicht aus und bewirkt so eine reichliche Schmierung der oberen 
Schale. Um die Schmierung möglichst vollkommen und gleichartig zu 
machen, wurde ein Tauchbad angewendet, welches feststehend an einem 
besonderen Ständer angebracht ist. In dieses Bad taucht der Zapfen 
etwa 5 bis 10 mm tief ein, wenn es eine gewisse mit einem Mefsgefäfs 
abgemessene Menge Oel enthält. Um den Zutritt zum Oel, sowie später 
das Abtropfen zu erleichtern, ist der Gufskörper unten mit einer Aus- 
sparung versehen. Das Oelbad ist doppelwandig und so eingerichtet, 
dafs man kaltes oder warmes Wasser, nöthigenfalls auch Dampf durch 
das äufsere Gefäfs leiten kann. Die Pendelstange ist durch einen das 
Schmiergefäfs umgreifenden Bügel mit dem Gufskörper verbunden. Sie 
ist mit einer Centimetertheilung versehen, so dafs unmittelbar die Ent- 
fernung des Schwerpunktes der 12 k schweren Pendellinse von der Mittel- 
linie des Versuchszapfens abgelesen werden kann. Die Linse ist zwischen 
50 und 80 cm beliebig einstellbar. Der Pendelkörper, ohne die Linse, 
ist durch ein unten an der Stange befestigtes Gegengewicht auszugleichen. 
Die in die unteren Lagerschalen eingelassenen Thermometer sind Stab- 
thermometer mit eingeschmolzenem Emaillestreifen und einer Theilung 
von bis 120°. Sie sind rechtwinklig gebogen und mit untergelegten 
Korkstücken und zwei Schrauben an dem Gufskörper befestigt, ihre 
Gefäfse in feine Metallfeilspäne gebettet, die nach Aufsen durch Schel- 
lackverkittuug abgeschlossen sind. Ein drittes, loses Thermometer wird 
in das Oelbad eingetaucht, um dessen Wärme be- 
" gl 6 ständig controliren zu können. Diejenigen Kanten 

der Lagerschalen, an welchen das Schmieröl unter 
die Flächen tritt, müssen ganz schwach (etwa mm ,5) 
gebrochen sein und ist der hierdurch entstehende 
Flächenausfall in Rechnung zu stellen. 

Der Ausschlag des Pendels während des Ver- 
suches gibt ein Mafs für die Reibungsarbeit bezie- 
hentlich den Reibungscoefiizienten. Er wird ge- 
messen an den Verschiebungen eines auf Rollen 
geführten Schiebers, der vom Pendel mittels Kurbel- 
schleife mitgenommen wird und eine Theilung 
trägt, in welcher die Constanten der Maschine be- 
reits berücksichtigt sind. Man hat die Ablesung 
nur noch mit einem Factor zu multipliziren, wel- 
cher von der Gröfse des Druckes Q und von der Ent- 




Schinieröl-Proöirmasckine. 315 

fernung der Pendellinse, von der Mittellinie des Zapfens abhängig ist. 
Aus Fig. 6 gehen die Grundlagen für die Berechnung des Versuchs- 
ergebnisses hervor, es bezeichnet : 

r = Halbmesser des Versuchszapfens. 

R = Entfernung der Pendellinse von der Zapfenmitte in Centimeter. 

a = Entfernung des Mitnehmers für den Schieber von der Zapfen- 
mitte in Centimeter. 

G = Gewicht der Pendellinse in Kilogramm. 

g = Gewicht des ganzen Pendels in Kilogramm. 

P. P t . P 2 = Druck des Druckerzeugers auf die Lagerschalen in 
Kilogramm, 

o = n (P -f- P{ + Po + 9) = , u Q == Reibungswiderstand in Kilo- 
gramm. 

/ = Pendelausschlag in Centimeter, 

/j = Mitnehmerausschlag in Centimeter. 

Dann ist : 

» 

or = Gl und l = —.L 

a l 



R. , G , R 

Q 



u Qr = G - 1 oder u = — . L 

r a l ra l 

Durch Ausmessen und Gewichtsfeststellung sind zu bestimmen: 
G = 12 k : r = 5 cm und a = 22 cm ,5 
g kann man nach Mafsgabe der Maschine der Versuchsanstalt auf etwa 
75 k schätzen. 

Dann würde sich ergeben : 

R 12 R , + Mm , R 

Die Gröfse der auf dem Schieber anzubringenden Theilung würde 
sich hiernach berechnen : 

a = 0,10667 / x oder für c. = 1 

/, = = 9 375 cm 

1 0,10667 ^ 

Diese Strecke ist in 100 Theile von je mm ,938 zu theilen und jeder 
zehnte Theilstrich mit 0,0: 0.1: 0,2 u. s. w. zu bezeichnen. Mit Hilfe 
einer am Gestell angebrachten Marke (wenn gewünscht Xonius) kann 
man dann a bis auf 0,002 ablesen. Der gefundene Werth wird selbst- 
redend nicht bis auf diese Gröfse genau sein, da sowohl Beobachtungs- 
fehler in den gewogenen und gemessenen Gröfsen als auch Ausführungs- 
fehler in den Führungstheilen vorkommen. Insonderheit kommt in letzterer 
Beziehung in Betracht, dafs das kugelförmige Ende des Mitnehmerstiftes 
genau ohne Zwang und freies Spiel in der Kurbelschleife pafst und dafs 
die letztere mit genau geraden und senkrecht zur Bewegungsriehtung 
des Schiebers stehenden Flanken ausgeführt ist. Endlich mufs in der 
Nullpunktslage des Schiebers der Schwerpunkt des Pendels genau in 



310 



Schmieröl-Probirmaschine. 



die Senkrechte fallen und die Bewegungsrichtung des Schiebers in der 
Wagerechten liegen. Da sich die Ausführungsfehler nicht summiren, 
sondern zum Theil ausgleichen werden, so darf man annehmen, dafs 
das Ergebnifs bis auf mm ,5 also ci = 0,5/9,375.10 oder nahezu fünf Ein- 
heiten der dritten Dezimalen von et sicher sein wird. 

Mit der unmittelbar auf einander folgenden Ablesung des Druckes (n) 
am "Manometer, der Thermometerangaben und der Gröfse von a ist 
eigentlich das Versuchsergebuifs erhalten. Diese Ablesungen müfsten 
aber während eines gröfseren Zeitraumes in bestimmten Zwischenräumen 
wiederholt werden und das würde den Beobachter fortwährend an die 
Maschine fesseln und ihn bald ermüden. Es ist deshalb eine selbsthätige 
Aufzeichnung der Versuchsergebnisse vorgesehen, und kann die Mit- 
beschaffung des Schreibapparates nach den in der Versuchsanstalt ge- 
machten Erfahrungen dringend empfohlen werden. 

Der Schreibapparat ist in Fig. 1 bis 5 nur angedeutet und wollen 
wir hier auf denselben, als nebensächlichen Theil, nicht näher eingehen, 
vielmehr Interessenten auf die Quelle verweisen. 

Da es nothwendig ist, die Versuche stets genau unter den gleichen 
Bedingungen auszuführen, so hat man für die Versuche zunächst sich eine 
bestimmte Stufenleiter für die Drucksteigerung und für die gleichzeitig 
inne zu haltenden Lagerschalenwärmen zu bilden und nach Einstellung des 
Druckes die Wasserzufuhr so zu regeln, dafs die beiden Thermometer 
die gewünschte Wärme anzeigen. Die Angaben des letzteren werden 
um ein Geringes von einander abweichen, der Unterschied ist aber nahezu 
gleichbleibend, weil die Reibungsarbeit oder die Wärmeabgabe in 
beiden Schalen wohl nur selten genau gleich sein wird. Um es den 
Interessenten zu ermöglichen, ihre Versuche genau auszuführen, wie es 
in der Versuchsanstalt geschieht, seien hier die dort benutzten Druck- 
und Wärmestufen mitgetheilt. Es wird bei 200 Umdrehungen des 
Zapfens in der Minute oder nahezu l m |sec. Umfangsgeschwindigkeit: 



p 3/~ 


10 


25 


40 


53 


66 


80 


93 


106 


119 132 


145 


158 


at 


t = 


23,5 


26,8 


30,0 


33,2 


36,8 


40,7 


45,0 


49,5 


l 
55,0 61,4 


68,0 


— 


CO 



worin f die reibende Fläche der Lagerschalen in Quadratcentimetern 
bedeutet. Nach Erreichung der richtigen Versuchswärme läfst man die 
Maschine etwa noch 5 Minuten laufen. Der Pendelausschlag wird während 
dieser Zeit noch um ein Geringes abnehmen; es ist aber praktisch nicht 
wohl möglich, bis zum Eintritt des Beharrungszustandes zu warten, weil 
man hierdurch viel Zeit verlieren würde, ohne wesentlich andere Er- 
gebnisse zu erzielen. 

Die Controle darüber, ob die Maschine ihre Schuldigkeit thut, ist 
dadurch zu führen, dafs man von Zeit zu Zeit ein reines, möglichst 



Die Construction der Schützenwechsel. 317 

säurefreies, raffinirtes Rüböl, das zu dem Zwecke sorgfältig aufzube- 
wahren ist, auf der Maschine probirt. Die Reibungscoeffizienten müssen 
innerhalb der Fehlergrenzen unter gleichen Yersuchsbedingungen die 
gleichen werden. Ist dies nicht der Fall, so mufs man die Maschine 
unter mittlerem Druck (etwa p = 50 bis 70 k qc ) so lange einlaufen lassen 
(zuweilen tagelang), bis sie den guten Zustand wieder erlangt hat. 

Um sich während des Versuches von dem guten Zustande der 
Maschine zu überzeugen, braucht man das Pendel nur anzustofsen. Es 
mufs dann auch bei den höchsten Drucken p dem Stofse so leicht folgen, 
als ob es an einer Uhrfeder aufgehängt wäre, und mufs nach mehreren 
Schwingungen von ganz regelmäfsig abnehmenden Ausschlägen genau 
wieder in die alte Lage zurückkehren. 

Wecen der weiteren Einzelheiten der Versuchsausführung und der 
Beurtheilung der Ergebnisse verweisen wir auf die in der Quelle ange- 
zogenen Schriftstücke. 

Da die erste Prüfung und Untersuchung der Maschine eine sehr 
sorgfältige sein mufs, so sei hier darauf hingewiesen, dafs diese auf An- 
trag durch die Versuchsanstalt bewirkt werden kann. 



Die Constrnctionen der Schützenwechsel an den neuesten 
mechanischen Wehstühlen; von Otto Hallensleben. 

(Schlufs des Berichtes S. 168 d. Bd.) 
- Mit Abbildungen. 

Es ist nicht zu bestreiten, dafs der Hartmann sehe Schützenwechsel 
sehr viel Aehnlichkeit mit demjenigen des Schönherr' 'sehen Kurbel- 
bukskinstuhles hat. Wie aus der Zeichnung desselben (Fig. 5) ersicht- 
lich ist, hat auch der Hartmann sehe Wechsel die mit den Excentern 
verbundenen Platinen, welch letztere gleichfalls an beiden Seiten mit 
entgegengesetzt stehenden Nasen versehen sind. Nur sind diese Platinen 
liegend angeordnet und zur Verschiebung derselben werden, anstatt der 
Schieber, zwei entgegengesetzt schwingende Hebel a und b verwendet. 
Die Bewegung des einen dieser Hebel b erfolgt direkt von der Kurbel- 
welle C aus durch ein Excenter, welches auf die Rolle des mit dem 
Hebel verbundenen Schiebers e wirkt. Mit letzterem ist ein zwei- 
armiger Hebel dd i verbolzt, dessen unterer Arm mittels der Zugstange f 
die entgegengesetzte Schwingung des Hebels a erzeugt. 

Die Hebel a und b sind mit Nasen versehen, welche, je nachdem 
die Platinen gg { niedergelassen, oder nach oben gezogen sind die untere 
oder obere Nase dieser Platinen fassen und dieselben nach links oder 



I Nach Mitteilungen aus den Königl. techn. Versuchsanstalten. 8. Jahrg. Heft 1. 
mit freundlicher Genehmigung des Verfassers, Herrn Prof. Martens. 



518 



Die Construction der Schützenwechsel. 



rechts schieben, womit eine entsprechende Drehung der Excenter- 
scheiben h und h { erfolgt. Auf diesen beiden Excentern ruhen die 



2&o 5 




Rollen des doppelarmigen Hebels ii^ dessen Mittelpunkt mit der Stütze k 
verbolzt und in dem Schlitze des Stelleisens m geführt ist. Der an der 
Stuhlwand gelagerte Hebel / ruht auf der Stütze k und trägt mittels 
einer an der Stange n befestigten Zugstange die Schützenkasten. Das 
Einstellen der Schützenzellen erfolgt nun in ähnlicher Weise wie bei 
den beiden zuvor beschriebenen Wechseln. Sind beide Arme des 
Hebels ii [ durch entsprechende Drehung der Excenter h und h { nieder- 
gelassen, so steht Zelle / vor der Ladenbahn; hebt das Excenter h den 
Arm i, so kommt Zelle 2 vor, während, wenn der Arm i untenbleibt 
und der Arm i l gehoben wird, das auf doppelte Hubhöhe construirte 
Excenter h l die dritte Zelle in die Höhe der Ladenbahn bringt. Das 
gleichzeitige Arbeiten beider Excenter bringt die in der Zeichnung er- 
sichtliche Stellung der vierten Zelle in die Ladenbahnrichtung hervor. 
Zum Heben oder Niederlassen der Platinen linden wir auch bei diesem 
Schützenwechsel die Rollenkette festgehalten, deren Bewegung von 
einer auf der Welle C befestigten Kurbelscheibe aus erfolgt. 

Auch mit der schon zuvor von der Grofsenhainer Webstuhlfabrik 
vorm. Anton Zschille gebrachten Wechselconstruction (Fig. 6) hat die- 
jenige des H artmann sehen Stuhles Aehnlichkeit. Wir linden auch beim 
Grofsenhainer Wechsel die Anordnung der beiden Excenter unter dem 
die Kastenstange a tragenden Hebel 6; dagegen wirken beide Excenter 
nicht auf die Arme eines Hebels, sondern in folgender Weise. 

Wird das Excenter c allein gedreht, so hebt es um die Höhe von 
einer Zelle, indem es die Rolle des Hebels b nach oben drängt. Dieses 



Die Construction der Schützenwechsel. 



119 



Excenter ist mit seinem Drehpunkte in der Führung eines Stelleisens in 
so gelagert, dafs es durch eine Drehung des zweiten unterhalb ange- 
brachten Excenters d nach oben geschoben wird, wodurch dann auch 
gleichzeitig der Hebel b entsprechend gehoben wird und die Einstellung 
der dritten Schützenzelle erfolgt. 




Wird zugleich mit dem Heben des Excenters c derselbe auch nach 
links gedreht, so wird damit wieder die Summe beider Effecte, also 
das Einstellen der vierten Zelle erzielt. 

Die Drehung der Excenter nach rechts oder links geschieht durch 
zwei doppelarmige Hebel k und /, deren jeder an seinen beiden Armen 
Haken trägt. Diese beiden Haken e und / bezieh. e { und f^ eines jeden 
Hebels sind durch ein Zwischenstück g derartig geführt, dafs je nach- 
dem dieses Stück gehoben oder niedergelassen ist, der untere oder obere 
Haken von dem durch ein Excenter h in Bewegung gesetzten Schieber i 
gefafst wird und dementsprechend sich die Verschiebung der unteren 
mit den Excentern c und d verbundenen Arme der Hebel k und / nach 
rechts oder links ergibt. Auch hier geschieht das Heben oder Nieder- 
lassen der Haken bezieh, des Zwischenstückes g durch eine Rollenkette. 

Während bei allen diesen Wechselvorrichtungen Excenterscheiben 
angewendet worden sind, um das Heben der Schützenzellen, sowie das 
Verbleiben derselben in der gehobenen Stellung zu erreichen, bedient 
sich Batlensleben in seinem Anfang vorigen Jahres construirten Schützen- 
wechsel der Kurbelscheiben, welche durch eine halbe Drehung nach 
rechts oder links auf ihren todten Punkt eingestellt werden und so ein 
ruhiges Verharren in der gegebenen Stellung ebensowohl gestatten wie 
die Excenterscheiben. Die Halbkreisdrehung erforderte die Verwen- 
dung gezahnter Schienen, welche, in an den Kurbelscheiben befestigte 
Stirnräder eingreifend, diesen die gewünschte Drehung ertheilen. In der 
Zeichnung Fig. 7 sehen wir je ein Paar dieser mit hakenartigen An- 



320 



Die Construction der Schützenwechsel. 



sätzen versehener Zahnstangen so angeordnet, dafs sie in die obere und 
untere Seite eines an der Kurbelscheibe befestigten Zahnrades eingreifen. 
An einem von der Hauptwelle aus durch eine Kurbelscheibe bewegten 




Schieberstück d sind Doppelfallen c und c, so befestigt, dafs sie, je 
nachdem sie gehoben oder niedergelassen werden, an die Nase der 
oberen oder unteren Zahnstange angreifen, wodurch die Halbkreisdrehung 
der Kurbelscheiben aa { nach rechts oder links beliebig bewirkt werden 
kann. Das Heben oder Niederlassen der Fallen erfolgt in gewöhnlicher 
Weise durch die Rollenkette e. 

Die Bolzen der Kurbelräder sind durch Zugstangen mit dem zwei- 
armigen Hebel ff { verbunden, dessen oberer Arm die doppelte Länge 
des unteren hat. Dieser Hebel ist in der Gabel des Winkelhebels gg { , 
dessen Schenkel g { die Schützenkasten trägt. Durch das Längenverhältnifs 
der beiden Hebelarme f und f { hat das durch die Scheibe a t erfolgende 
Anziehen auf den Winkelhebel gg { die doppelte Wirkung wie das- 
jenige durch die Kurbelscheibe a, so dafs also der Hub durch letztere 
allein eine, durch Scheibe a, allein zwei, durch beide zusammen drei 
Kastenhöhen beträgt. 

Auch die Grofsenhainer Webstuhlfabrik suchte nach einem Ersätze 
der Excenterscheiben und liefs sich eine diesen Zweck verfolgende neue 
Vorrichtung patentiren, bei welcher der Mechanismus des Wechsels im 
Uebrigen der frühere bleibt, aber anstatt der Excenterscheiben über 
einander liegende keilförmige Stücke verwendet werden. 

Eine unbeschränkte Anzahl von Schützenkasten läfst sich durch eine 
von dem Ingenieur Max Keller der Sächsischen Webstuhlfabrik construirte 



Die Construction der Sehützenwechsel. 



321 




Fig. 9. 



Fig. S. 



Wechselvorrichtuug in Anwendung bringen. Bei diesem Apparate sind in 
der Hauptsache die Mechanismen des Schönherr'schen Excenterstuhles fest- 
gehalten worden. Die durch Excenter zurückgedrückten Hebel a (Fig. 8) 
wirken aber auf eine Reihenfolge von eine Art Flaschenzug bildenden 
über Rollen geleitete Ket- 
ten (Fig. 9), deren jede 
folgende die doppelte 
Wirkung der vorher- 
gehenden ausübt, wäh- 
rend weitere Effecte 
durch die gemeinsame 
Wirkung mehrerer Hebel 
bezieh. Ketten erzielt 
werden können. Durch 
Verwendung von Excen- 
tern von verschiedener 
Hubhöhe läfst sich schon 
mit einer geringen An- 
zahl derartiger Rollen 
die Anzahl der Schützenzellen erheblich steigern. Ist z. B. die Hubhöhe 
der verschiedenen Excenter eine derartige, dafs der an der Kette b 
ziehende Hebel um 8, der an der c ziehende um 4, der au der d ziehende 
um 2 und der an der e ziehende um 1 Zelle hebt, so ergeben sich 
folgende Hubhöhen: 

e allein hebt um eine Zelle, 

d allein hebt um zwei Zellen, 

d und e heben drei Zellen, 

c allein hebt vier Zellen, 

c und e heben fünf Zellen, 

c und d heben sechs Zellen, 

c, d und e heben sieben Zellen, 

b allein hebt acht Zellen, 

b und e heben neun Zellen, 

b und d heben zehn Zellen, 

6, e und d heben eilf Zellen, 

b und c heben zwölf Zellen, 

6, c und e heben dreizehn Zellen. 

6, c und d heben vierzehn Zellen, 

/;, c, d und e heben fünfzehn Zellen. 
Es ist also hiermit schon die Verwendung von sechszehn Schützen - 
zellen an jeder Seite der Weblade oder von einunddreifsig nach ein- 
ander folgenden Schützen ermöglicht. 

Die Verwendung einer derartigen grofsen Anzahl Schützenzellen 
bleibt aber trotzdem eine begrenzte und ist man auch bei dem vor- 

Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 7. 1890 11. 21 



322 Ives' Aether-Oxygenlateme für Mikroskope, Polariskope u. s. w. 

geschriebenen Wechsel bei fünf Zellen an jeder Seite stehen geblieben. 
Man verlangt jetzt vor allen Dingen von den mechanischen Stühlen eine 
grofse Leistungsfähigkeit und ist dieses ein besonderer Grund, weshalb 
der sonst so zweckmäfsige Schönherr sehe Stuhl mit Excenter-Laden- 
bewegung immer mehr durch die mit Kurbel-Ladenbewegung versehenen 
und deshalb eine gröfsere Tourenzahl gestattenden Webstühle verdrängt 
wird. Für das Heben von einer Schützenzelle zur anderen ist aber nur 
die halbe Kurbeldrehung verfügbar, während die andere Hälfte für das 
nach Vollendung des Kastenhubes erfolgende Durchschiefsen des Schützens 
in Anspruch genommen wird. Wenn sich nun durch die gröfsere Ge- 
schwindigkeit des Stuhles der für den Kastenhub verwendbare Zeit- 
raum erheblich verkleinert, die Bewegung selbst aber mit der Zunahme 
der Anzahl Zellen, besonders vom ersten auf den letzten Kasten, er- 
heblich vergröfsert, so ist es klar, dafs sich dabei schnell eine Grenze 
herausstellen wird. 

Aufserdem wird schliefslich der Webstuhl für den Arbeiter allzu 
complicirt und derselbe erfordert für das Auf- und Niederbewegen einer 
grofsen Anzahl Schützenzellen eine derartige Höhe, dafs die Behand- 
lung für den Arbeiter eine beschwerliche und unhandliche wird. 



E. Ives' Aether-Oxygenlateme für Mikroskope, 
Polariskope u. s. w. 

Mit Abbildungen. 

Ueber diesen neuen Beleuchtungsapparat, als Ersatz des seitherigen 
Hydrooxygengas-Mikroskopes, spricht sich die Prüfungscommission des 
Franklin Institute in ihrem Referate (Journal of the Franklin Institute, 
März 1890 S. 239) sowohl bezüglich der Lichterzeugungsmethode, als 
auch der Handhabung und Transportabilität sehr günstig aus. Bei Ives' 
Apparat fällt der Wasserstoffbehälter ganz hinweg. Statt des Wasser- 
stoffs treibt der Erfinder einen Sauerstoffstrom durch einen kleinen 
Metallcylinder (Fig. 1), welcher einen mit Aether getränkten porösen 
Stoff enthält. Von da strömt das Gas, mit Aetherdämpfen gemischt, 
nach dem gewöhnlichen Brenner. Die Füllung des Cylinders besteht 
aus einer Kolle von Baumwollzeug, worin eine Zickzackrinne von einem 
Ende bis zum anderen läuft, damit das Sauerstoffgas einen zwei- bis 
dreimal so langen Weg zu durchströmen und auf diese Weise Zeit 
habe, sich vollkommen mit dem Aetherdampfe zu sättigen. Die Ver- 
gleichung des irischen Aetherlichtes mit dem Lichte des besten Hydro- 
oxygenapparates, indem man beide Lichter gleichzeitig neben einander 
auf einen Schirm warf, hat gezeigt, dafs das erstere dem letzteren an 
Intensität nicht nachsteht. Die Versuche wurden mit Schwefeläther 



Ives' Aether-Oxygenlaterne für Mikroskope, Polariskope u. s. w. 323 

und mit Petroläther angestellt, und schien es, als ob der letztere ein 
weifseres Licht gebe. Der Petroläther hat den Vortheil, dafs er keinen 
Rückstand hinterläfst, während Schwefeläther einen solchen von Alkohol 
und Wasser liefert, weshalb die Baumwolle von Zeit zu Zeit aus dem 



Fig. 1. 




Fig. 




Cylinder genommen und getrocknet werden mufs. Ein Vortheil des 
Aetheroxygens dem Hydrooxygen gegenüber liegt in dem Umstände, 
dafs es auf dem Kalkcylinder eine kleinere Glühfläche liefert, und so- 
mit dem Prinzipe, worauf die Lichtcondensatoren beruhen, entspricht: 
dafs nämlich, je kleiner die glühende Stelle ist, von welcher das Licht 
ausstrahlt, um so schärfer die Umrisse des Bildes sich darstellen. 

Was die Explosionsgefahr betrifft, so wird in Ives" 1 Sättiger eine 
nicht explosive Mischung unter normalen Bedingungen erzeugt, und 
sollte aus irgend einer Ursache, etwa ungewöhnlich niedriger Tem- 
peratur oder mangelhafter Zuführung des Aethers, die Mischung einen 
explosiven Charakter annehmen, so würde doch die Menge so gering 
sein, dafs höchstens der Korkstöpsel aus dem einen Ende des Cylinders, 
oder die Kautschukröhren aus den Tubulaturen desselben hinausgetrieben 
würden. 

Der ganze Apparat (Fig. 2) wiegt ungefähr 8 Pfund und läfst sich 
so zusammenlegen, dafs er in einem 8V 3 Zoll langen, 6 Zoll breiten 



324 



Lukan's Mikrophon. 



und 6 '^ Zoll tiefen Kästchen Platz findet. Der Sauerstoff behälter dient 
zugleich als Tisch, auf welchem der Apparat befestigt werden kann. 



J. Lukan's Mikrophon. 

Mit Abbildnn-. 

Die meisten Mikrophone mit vielen beweglichen Berührungspunkten, 
d. h. solche mit Kohlenklein als Füllung zwischen der Sprechplatte und 
dem Kohleukörper geben zwar im Allgemeinen klar und laut die Töne 
wieder, aber sie schwächen sich zeitweilig in ihrer Laut Wirkung und 
müssen dann einer entsprechenden, allerdings einfachen Regulirung unter- 
zogen werden; auch ist die klare Tonvermittlung zumeist an eine ganz 
bestimmte Lage des Mikrophons gebunden. 

Die Ursache davon mag wohl sein, dafs: 1) die Kohlenkörnchen 
sich bei den fortwährenden Erzitterungen schon vermöge der eigenen 
Schwere enger an einander lagern und hierdurch sowie durch die 
Zwischenlagerung abgeschliffener Staubtheilchen an Beweglichkeit ver- 
lieren, und dafs 2) als Druckplatten auf das Kohlenklein verwendete 
ebenflächige Sprechplatten nur in bestimmten Lagen und zwar in der 
senkrechten zur vollen Wirkung gelangen können. 

Zur Vermeidung dieser Uebelstände schliefst J. Lukan bei seinem 
in der beigegebenen Abbildung nach der Zeitschrift für Elektrotechnik 
1889, * S. 488 im Querschnitte dargestellten Mikrophone das Kohlen- 
klein zwischen zwei halbkugel- 
förmig ausgehöhlten Kohlenkörpern 
ein und verwendet ziemlich grobe, 
aber sehr harte Kohlenkörner als 
Fiillmaterial. Der obere Kohlen- 
körper a, ist mit der aus gehäm- 
mertem Stahlblech hergestellten und 
vernickelten Sprechplatte g fest verschraubt und mufs somit den Be- 
wegungen derselben genau folgen. Der untere Kohlenkörper a ist nach 
aufsen zu flach abgeschnitten, und in eine mit dem Mikrophongehäuse H 
fest verbundene Messingfassung f eingesetzt. Sowohl Kohlenkörper, 
als Messinglässung sind in der Bodenmitte durchbohrt; die hierdurch 
entstehende Oeffnung wird durch die Schraube d verschlossen. Durch 
Lüften der Schraube d kann man somit, ohne das Instrument vorher 
zerlegen zu müssen, den Hohlraum zwischen den beiden Kohlen mit 
Kohlenklein ausfüllen, oder denselben entleeren. 

Die beiden Kohlenkörper a und a { , deren Ränder einander genau 
gegenüberstehen, werden durch einen zwischen die Ränder lose ein- 
gelegten Ring aus sehr elastischem, den elektrischen Strom nicht leiten- 




Patten's elektrischer Motor in Weckselstronileitungen. 325 

den Stoffe getrennt; somit ist ein Stromübergang von einem Kohlen- 
körper zu dem anderen nur über das Kohlenklein möglich. 

Die Platte g sammt dem oberen Kohlenkörper wird durch den 
mit dem Gehäuse U verschraubten Deckel Ä, in welchen die Schall- 
öffnung eingeschnitten ist, festgehalten. Deckel und Gehäuse sind aus 
Hartgummi gefertigt. 

Die Zuleitungsdrähte werden an die Klemmen i und i gelegt. Der 
Strom tritt etwa bei i (links) ein, geht durch einen isolirten Draht und die 
Sprechplatte g zum Kohlenkörper a x und von da über das Kohlenklein, 
den Kohlenkörper a, die Messingfassung f und einen zweiten isolirten 
Draht nach i (rechts). 

Zufolge der halbkugelförmigen Aushöhlung der Kohlenkörper be- 
finden sich die einzelnen Körnchen des Kohlenkleins und zwar in jeder 
Lage des Mikrophons sozusagen im labilen Gleichgewichte, wodurch 
ein Zusammenlegen der Kohlentheilchen verhindert und die Verminde- 
rung der Beweglichkeit derselben viel mehr hintangehalten wird, als 
bei Mikrophonen mit zwei geradlinigen oder gerissenen Contactplatten. 
Das Mikrophon wird daher viel seltener versagen. — Die Sprachwieder- 
gabe ist von der jeweiligen Lage des Mikrophons unabhängig und dieses 
eignet sich ganz besonders für jene Zwecke, wo seine Beweglichkeit 
werthvoll ist, wie im Militär- und Marinedienste. 



F. J. Patten's elektrischer Motor in Wechselstrom- 
leitungen. 

Am 10. September 1889 hat Lieutenant F. Jarvis Patten in dem 
American Institute of Electrical Engineers in New York einen (in den 
Transactions des Institute, Bd. 6 * S. 388, zugleich mit der sich an den 
Vortrag anknüpfenden umfänglichen Besprechung abgedruckten und 
auch in dem New Yorker Electrical Engineer, Bd. 8*S. 424, wieder- 
gegebenen) Vortrag über die Anordnung eines elektrischen Motors ge- 
halten, welcher in eine Wechselstromleitung eingeschaltet werden soll. 
Der Motor mufs unabhängig von dem Gange des Stromerzeugers, also 
der Anzahl der Stromwechsel in der Minute angehen, er darf sich nur 
in einerlei Richtung umdrehen, trotz der Stromwechsel; seine Um- 
drehungszahl soll nicht nothwendig mit der des Stromerzeugers über- 
einstimmen müssen; die Stromwechsel sollen bei der Normalgeschwin- 
digkeit und der gröfsten Leistung nicht Wechsel der magnetischen 
Polarität in irgend einem Eisentheile im Gefolge haben; endlich soll 
der Motor einfach sein, ein zweipoliges Feld besitzen und einen Anker 
mit zusammenhängender Wickelung. 

Wollte man einem Motor mit einem gewöhnlichen Gramme-Anker 
Wechselströme zuführen, so würde sich bei jedem Strom Wechsel die 



326 Patten's elektrischer Motor in Wechselstromleitungen. 

Polarität des Ringes umkehren und die Bewegungsrichtung müfste, wenn 
das Feld beständig dieselbe Polarität behielte, bei jedem Stromwechsel 
ebenfalls umkehren. Könnte man aber bei jedem Stromwechsel zu- 
gleich die Stellung der beiden Bürsten auf dem den Strom aus der 
Wechselstromleitung übernehmenden Stromsammler vertauschen, so 
würde sich die Polarität im Anker nicht ändern. 

Ein solcher regehnäfsiger Wechsel der beiden Bürsten ist ganz un- 
möglich, dagegen kann man denselben Erfolg dadurch erzielen, dafs 
man jede Bürste zwar an ihrer Stelle läfst, dafür aber die Reihenfolge 
der einzelnen Contactstäbe des Stromsammlers bezieh, der einzelnen 
Windungen des Ankers und ihrer Verbindung mit den Stäben in der 
erforderlichen Weise ändert. 

Sind z. B. bei einem Anker mit 8 Windungen oder Spulen im 
Anker für Gleichstrom die acht Stäbe 4, 2, 3 .... 8 der Reihe nach mit 
den Verbindungsstellen o, &, c . . . . h der Windungen 8 und f, / und 2, 
2 und 5, .... verbunden, so würde man im Anker für Wechselströme 
etwa die Stäbe 7, 5, 5, 7 in ebendieser Verbindung mit a, c, e, g lassen, 
die Stäbe 5, 4, 6" und 8 gerader Nummer dagegen mit den ihnen im 
Durchmesser gegenüber liegenden Verbindungsstellen f, A, 6, d der Win- 
dungen verbinden. Setzt man nun zunächst noch voraus, dafs der Strom- 
richtungswechsel stets in dem Augenblicke erfolgt, wenn jede Bürste 
von einem Stabe auf den nächsten übertritt, so wird sich trotz der 
Stromwechsel die magnetische Polarität in dem Ringe nicht ändern und 
deshalb, wenn wieder unveränderte Polarität des Feldes vorausgesetzt 
wird, auch nicht die Drehrichtung des Ringes. Es wird ja jetzt zu- 
gleich mit der Stromrichtung auch die Richtung gewechselt, in welcher 
der Strom die Windungen des Ankers durchläuft. 

Die Gestalt der Verbindungen 1a, 2 f, 5 c, 4h, Se, 6b, 7 g und 8d 
ist dabei ganz gleichgültig und man kann sie daher auch zu Contact- 
stäben für einen zweiten Stromsammler gestalten, von welchem man 
mittels zweier einander im Durchmesser gegenüber gestellter Bürsten 
einen Stromzweig durch die Rollen der Feldelektromagnete abnimmt. 
Natürlich hat dabei auch dieser Stromzweig beständig dieselbe Rich- 
tung innerhalb der Feldmagnetrollen, und deshalb ändert sich auch in 
den Feldmagneten die magnetische Polarität nicht, trotz der Strom- 
wechsel in der Hauptleitung aufserhalb des Motors. 

Der in dieser Weise ausgeführte Motor für Wechselstrombetrieb 
behält daher unverändert sowohl im Anker, als in den Feldmagneten 
die nämliche Polarität, also auch die nämliche Drehungsrichtung; ja es 
tritt auch kein Wechsel der Magnetpole in irgend einem Eisenstücke 
ein, sofern nur der Stromwechsel allemal eintritt, wenn die Bürsten 
von einem Stabe auf den nächsten übertreten. 

Wenn nun aber ein Stromwechsel eintritt, wahrend die Bürsten 
auf demselben Stabe verharren — und dies wird geschehen, so lange 



Van Clioate's Halter für elektrische Glühlampen. 327 

der Anker beim Angehen langsam läuft und sich noch nicht mit der 
treibenden Dynamo in Uebereinstimmung gesetzt hat — so wird doch 
bei jedem Strom Wechsel zugleich die Polarität im Anker und in den 
Feldelektromagneten in die entgegengesetzte umschlagen, dabei also 
der Anker seine bisherige Drehrichtung unverändert beibehalten. Geht 
daher der Motor selbsthätig an, so wird der Anker so lange seine Ge- 
schwindigkeit steigern, bis die Bürsten zwischen zwei auf einander 
folgenden Stromwechseln thatsächlich allemal über einen Stab hin- 
streichen ; dann aber hören die Wechsel der Magnetpole im Anker und 
den Feldmagneten auf und der Motor läuft, sich selbst regulirend, mit 
unveränderlicher Geschwindigkeit und mit seiner höchsten Drehleistung. 

Endlich kann man aber in der Zeit zwischen je zwei auf einander 
folgenden Stromwechseln auch gruppenweise mehr als einen Stab unter 
den Bürsten hinweggehen lassen, nur müssen die zu einer Gruppe ge- 
hörigen Stäbe in gleicher Weise mit den Verbindungsstellen der Win- 
dungen verbunden sein; dadurch läfst sich aber der Motor in seiner 
Geschwindigkeit von der stromliefernden Dynamo unabhängig machen. 
Hat z. B. der Anker 24 Windungen und 24 Stäbe im zweiten Strom - 
sammler, im ersten dagegen 32 Stäbe, indem 8 Gruppen von je drei 
leitend mit den Windungen verbundenen Stäben durch je einen nicht- 
leitenden Stab getrennt sind, so macht der Motor je eine Umdrehung 
bei 8 Strom wechseln, und wenn in der Hauptleitung 16000 Strom- 
wechsel in der Minute auftreten, so ist seine Umlaufszahl in der Minute 
16000 : 8 = 2000; bei 48 Stäben in Gruppen zu je drei aber würde sie 
1000 sein, sie ist also von der Umlaufszahl der Dynamo nicht abhängig, 
braucht nicht mit ihr übereinzustimmen. 

Die isolirten Stäbe im ersten Stromsammler können nun noch für 
einen weiteren Zweck verwerthet werden; sie werden nämlich mit den 
Enden eines Rheostaten verbunden, welcher einen Stromweg von ent- 
sprechendem Widerstände für die Wechselströme darbietet, so dafs 
diese beim Uebergange von einer Stabgruppe zur anderen nie ganz 
unterbrochen werden, zugleich aber auch gefahrvolle Kurzschliefsungen 
verhindert werden, welche gelegentlich eintreten könnten, während die 
Bürsten auf dem ersten Stromsammler eine Brücke zwischen zwei ent- 
gegengesetzt verbundenen Gruppen von Stäben bilden. 



S. V. van Choate's Halter für elektrische Glühlampen. 

Mit Abbildungen. 

In Fig. 1 und 2 ist in Aufrifs und Schnitt eine der Anordnungen 
für Glühlampenhalter abgebildet, welche für S. V. van Choate in Boston, 
Mass., in England (Nr. 9576 vom 8. Juni 1889) patentirt worden sind. 
Das Messinggehäuse A besitzt einen Stift R und ist oben mit dem 



O-J.s 



Production der Hütten- und Bergwerke Rufslands. 



isolirenden Pfropfen ß verschlossen, aus welchem die metallenen Klemm- 
schrauben C, C heraustreten; in ihnen werden die Zuleitungen U mittels 
der Schrauben V befestigt, die Drähte D hingegen, welche den Glüh- 
faden E tragen, mittels der Schrauben W. Durch die Löcher T im 
Fig. i. Fjg, ■> Gehäuse kann man mit- 

tels eines Schraubenzie- 
hers zu den Schrauben W 
gelangen. Die Kappe F 
trägt die Glasglocke G 
in gewöhnlicher Weise 
mit Hilfe des Cementes/7. 
Diese Kappe besitzt eine 
Flansche X, ebenso der 
Stülp I eine Flansche Z, 
und zwischen diesen 
beiden Flanschen wird 
ein Reflector J getragen. 
Der Stülp 1 ist oben wie ein Kamm gestaltet; wenn die Lampe in den 
Halter eingesteckt wird, so wird der Stülp so gestellt, dafs seine tiefste 
Stelle unter dem Stifte R ist; dann wird der Stülp gedreht, dafs der 
höchste Rand unter den Stift gelangt, und so wird die Lampe dicht 
an den Halter geklemmt. Die Flansche X ist jetzt an der Glocke be- 
festigt, anstatt am Halter, wie es früher gemacht wurde; deshalb kann 
die Lampe bequem eingesteckt und herausgenommen werden, ohne den 
Halter irgendwie in Unordnung zu bringen. 




Die Production der Hütten- nnd Bergwerke Rufslands im J. 1887. 

Der soeben erschienene Ausweis über die Thätigkeit der Hütten- und 
Bergwerke Rufslands, zusammengestellt nach officiellen Quellen durch den 
Sekretär des russischen Oberbergrathcs, Bergingenieur 5. Kulibin, enthält eine 
Reihe interessanter Daten über die russische Montanindustrie, sowie auch die 
Umsätze des auswärtigen und des Binnenhandels des Reiches. Wir entwerfen 
im Folgenden in grofsen Zügen ein Bild derselben nach den Angaben des 
genannten Buches, und nehmen zunächst der Reihe nach die Gewinnung der 
wichtigsten Metalle und Mineralien durch. 

Gold. Aus rund 22118 000t goldhaltigen Sandes und Gesteines wurden 
34 860k,2 Gold ausgewaschen, bei weitem der gröfsere Theil aus dem Sande 
(32179k,44), und nur 2680k,76 aus Quarzen, welche bergmännisch gewonnen 
werden mufsten, im Ganzen um 1408k mehr als im J. 1886. Besonders her- 
vorragend ist die Gröfse der Production von Waschgold im Bergdistrikt von 
Olekminsk (Gouvernemenl Jakutsk) in der Höhe von rund 7390k, im Amur- 
gebiet (rund 5830k), i m Gouvernement Perm (rund 5400k), i m Bezirk von 
Jenisseisk (rund 3580 k ), im Gouvernement Orenburg (3120k), j n i Benjdistrikt 
von Nertschinsk (2630 k ). Berggold fand sieh dagegen am meisten im Gou- 
vernement Orenburg (rund 1540k), ferner im Gouvernemenl Perm (rund 590k) 
und im Bergdistrikl von Nertschinsk (Transbaikalgebiet, rund 312k). Die Zahl 
der Goldwäschen und Bergwerke isl von 1 1 16 im J. 1886 auf 1681 gestiegen, 



Production der Hütten- und Bergwerke Rufslands. 329 

diejenige der Arbeiter von 73 612 auf 82 200 Mann, wovon über 46 000 auf 
das Uralgebiet (Gouvernements Perm und Orenburg) kommen. 

Der mittlere Goldgehalt der verwaschenen Geschiebe und Gesteine betrug 
15,57 auf lt (gegen lg,67 im J. 1886), oder im Einzelnen lg,44 Gold in lt Sand 
(Waschgold) und llg,67 in lt Gestein (Berggold). Der Höchstgehalt betrug 
16g,73 Gold in lt Sand und 62g,65 in lt Gestein. 

Die drei Laboratorien in Irkutsk, Barnaul und Jekaterinburg, in welchen 
die Regierung sämmtliches, sowohl in fiskalischen als Privatgruben gewonnenes 
Gold einschmelzen läfst, lieferten 31 089k,37 reines Gold (gegen 28 174k,58 im 
Jahre zuvor), wovon rund 270 k aus goldhaltigem Rohsilber ausgeschieden wurde. 

Piatina. Die Ausbeute betrug 4408k,19, d. h. um 91k,04 mehr gegen das 
Vorjahr. Sie hat den Höchstwerth der letzten zehn Jahre überschritten. Die 
93 Gruben liegen ausschliefslich im Gouvernement Perm. Der mittlere Metall- 
gehalt betrug 4g,38 Platin in lt verwaschenen Sandes. 

Silber. 27 Gruben lieferten 37 943t,158 bleihaltige Silbererze, von denen 
25 980t,655 in 12 Hüttenwerken eingeschmolzen wurden und 15 379k,61 Silber 
ergaben (2106k,62 mehr als 1886), womit die höchste Ziffer des letzten Jahr- 
zehntes erreicht wurde. Bei weitem die gröfsten Silbermengen lieferte der 
Bergdistrikt des Altai (Gouvernement Tomsk) mit rund 10 840k, ferner die 
Kirghisensteppe (Gebiet von Ssemipalatinsk) mit 2800k. _ Auf Grund ent- 
nommener Proben entspricht das gewonnene Rohsilber 14 349k,97 chemisch 
reinen Silbers. Da aus dem Rohgold 2719k,28 Silber chemisch ausgeschieden 
wurden, so betrug demgemäfs die Quantität chemisch reinen Silbers in Summa 
17 069k,25. 

Blei wird nur als Nebenproduct gleichzeitig mit dem Silber gewonnen, 
und zwar in 6 Hüttenwerken im Gewicht von rund 990t, um rund 213t mehr 
als im J. 1886, ebenfalls der höchste Werth des letzten Jahrzehntes. Rund 
510t stammen aus dem Altai. 

Kupfer. In 104 Gruben wurden 108 060t,9 Kupfererze gefördert, 20 Hütten, 
von denen 8 im Ural, 9 im Kaukasus liegen, erzeugten aus rund 115 000t 
Erzen 4989t,83 Kupier, um 418 1/2 1 mehr als im Vorjahre. Davon kommen 
rund 2670t auf den Ural und 1860t auf den Kaukasus. Die Kupfergewinnung 
ist fast ganz concentrirt auf die Werke von Bogosslowsk im Gouvernement 
Perm (rund 1190t), Kedabek im Kaukasus (rund 1110t) und Wyja im Ural 
(rund 1020t). Sie war so bedeutend, dafs nur das Jahr 1884 mit rund 6200t 
Kupfer mehr producirte. — Aul'serdem wurden auf der chemischen Fabrik 
von Uschkoff (Gouvernement Wjatka, Kreis Jelabuga) aus rund 9340t Kupfer- 
kies 267t,05 Kupfer dargestellt. — Interessant ist, dafs die Firma Siemens im 
Hüttenwerk Kedabek 1887 zum ersten Male, und mit gutem Erfolge, Naphta- 
rückstände als Brennmaterial zum Schmelzen der Kupfererze verwendet hat. 

Die Erhöhung des Einfuhrzolles für Kupfer auf 2 1/2 Rubel Metall für das 
Pud (153 Rubel für die Tonne) hat einen Rückgang der Einfuhr von 2196t,69 
auf 831t,99 zur Folge gehabt, 8 Hüttenwerke beschäftigten sich aufserdem 
mit Auswalzen und Ziehen von Kupfer. Ihr Umsatz betrug 1371t,41. 

Zink wird nur im Gouvernement Petrikau gefördert und verarbeitet. Die 
Hüttenwerke Benda und Paulina erschmolzen 3624t,351 Zink aus 39 577t,083 
Erz, um 571t,425 weniger als 1886. Ferner walzten die Werke Slawkowo und 
Emma 3157t,239 Zink aus (Rückgang 55t,8), und in Sosnowizy wurden aus 
74D,087 Zink 817t,047 Zinkweifs hergestellt, — Eigentümlich ist die trotz 
der Minderproduction ebenfalls zurückgegangene Einfuhr von 2680t auf 785t. 

Zinn wird nur in kleinen Quantitäten und nur in einem einzigen Hütten- 
werk (Pitkaranta bei WyboreQ gewonnen. Man erhielt 10t.351 Zink aus rund 
1738t Erz, gegen 17t i m j. 1886. 

Kobalt wurde gar nicht producirt; die im Bergwerke Daschkessan (Gou- 
vernement Jelisawetpol) geförderten H/ 4 t Kobalterz gelangten nicht zur Ver- 
schmelzung. 

Quecksilber. Die Firma Aueibach und Co. hat ihre Thätigkeit in Nikitoffka 
(Kursk-Charkoff-Asoff-Bahn) begonnen; es wurden 12 487t,422 in Sandstein 
eingeschlossenen Zinnobers gefördert und aus 9853t,205 sortirten Erzes 64t,067 
Quecksilber gewonnen, und zwar etwa 1/3 in Schachtöfen und 2/ 3 in Flammöfen. 



330 Production der Hütten- und Bergwerke Rufslands. 

Manganerze. Es wurden gefördert 58 21D,311 Erze (Rückgang gegen 1886: 
16 188 l ,2), wovon der Haupttheil (rund 53100') auf den Kaukasus (Gouverne- 
uiriit Kuta'is, Kreis Scharopansk) entfallt. Zum Export gelangten haupt- 
sächlich über Poti 60 446t,792 (Zunahme gegen 1886: 6006t,2); das meiste Erz 
ging nach England (66 Proc.) und Holland (20,6 Proc); der Rest vertheilt 
sich auf Deutschland (6,4 Proc), Frankreich (5,5 Proc.) und Belgien (1,5 Proc). 
Ungünstige lokale Verhältnisse, speciell Transportschwierigkeiten, erschweren 
die Concurrenz des russischen Manganerzes mit chilenischen und kleinasiati- 
schen Erzen. 

Kohle. Gefördert wurden 4 035 487t Steinkohle, 454 645t Anthracit (särumt- 
lich aus dem Donetz-Gebiet), und 43 855t Braunkohle, zusammen 4 533 987t. 
Voran steht in der Gewinnung fossilen Brennmaterials das Donetz-Gebiet 
mit rund 2 050 000t Steinkohle und Anthracit, und Polen mit rund 1960 000t 
Steinkohle und 23 000t -Braunkohle. Es folgen: das Moskauer Becken mit 
rund 286 000t, der Ural mit 164 000t, das Bassin von Kusne.tzk (Gouvernement 
Tomsk) mit rund 13 200 1 Steinkohle. — Der administrativen Eintheilung 
folgend, müssen wir die Gouvernements Petrikau mit rund 1960 000 1 , Jekate- 
rinosslaw mit rund 1270 000 1 und das Land der donischen Kosaken mit 
778 000t an die Spitze stellen. — Von einzelnen Gruben nennen wir als die 
bedeutendsten: Georg und Ignaz der Bergbaugesellschaft Kramsta in Polen 
mit einer Förderung von rund 385 000 und 220 000t, und die Grube der Neu- 
russischen Gesellschaft (Gouvernement Jekaterinosslaw) mit rund 250 000 1 . 

Die Kohlenausbeute ist gegen 1886 um 42 485t zurückgegangen , ist aber 
immerhin höher als die der vorausgegangenen Jahre, eine Folge des Sinkens 
der Kohlenpreise im Donetz-Gebiet und gleichzeitiger Vertheuerung der durch 
die reichen Ernten in Anspruch genommenen Arbeitskräfte. — Die Kohlen- 
einfuhr aus dem Auslande ist in Folge der letzten Zollerhöhungen von 175 000 
auf rund 143 000t gesunken. 

Auf den 303 Gruben des Reichs mit 866 Schachten und Stollen befanden 
sich 348 Dampfmaschinen von 13 373 1P und arbeiteten 32 781 Mann. 

Ueber die Verwendung verschiedener Brennmaterialien auf den russischen 
Eisenbahnen, welche (ausgenommen die Bahnen in Finnland und Transkaspien) 
eine Länge von 26 965 km erreichten, werden nach den Daten des Verkehrs- 
ministeriums folgende Angaben gemacht. Die Eisenbahnen Rufslands ver- 
brauchten 5 324 086cbm,6 Brennholz, 395 077^0^1 alte Schwellen und anderes 
minderwerthiges Holz, 5139t,202 Holzkohle, 124411t,232 Anthracit, 1 125 088t,860 
Steinkohle (darunter 86 000t ausländische), 14 869t,95 importirte Steinkohlen- 
briketts, 5040t,819 Koks (darunter 2270t ausländische), 39 430t Torf, 110426t,117 
Naphta. Das gesammte mineralische Brennmaterial (1 419 266 l ,978) entspricht 
seinem Heizwerth nach 7 736 207cbm Brennholz; das vegetabilische Brenn- 
material ist 5 698 990dim Brennholz gleich werthig. Somit ist 57,6 Proc. (im 
Vorjahr 56 Proc.) der aufgewendeten Heizkraft durch mineralisches Brenn- 
material geliefert worden. 

Naphta. Gefördert wurden 2 733 5181,239 Naphta und 383t,321 Erdwachs 
und Ozokerit. Davon kommen auf das Gouvernement Baku rund 2 700 000t 
Naphta und 337t Erdwachs, auf das Kuban-Gebiet rund 14 600t, Transkaspien 
13 400t. Im Gouvernement Baku gab es 239 Bohrlöcher bis 365m Tiefe, dar- 
unter 33 Fontänen; die Zunahme der Lieferung gegen 1886 betrug rund 
760 000t. Einzelne Fontänen ergaben täglich bis 3800t Naphta, während einer 
längeren oder kürzeren Dauer. 

Aus dem geförderten Rohöl wurden 39791,343 Benzin, 755 317t,069 Brennöl 
und 63 581t,537 Schmieröl hergestellt, während im J. 1886 die betreuenden 
Wert he rund 1003, 619 775 und 41 379t betrugen. 

Asphalt wird bei Ssysran an der unteren Wolga in 4 Gruben gewonnen 
und in 5 Fabriken zu Asphaltlack (rund 9800') und Theer (rund 2460t) ver- 
arbeitet. 

Eisenerze wurden gefördert im Gewicht von 1 355 605',936. Davon kommen 
777 675t auf den Ural, 163 950t auf Südrufsland und 143 868t auf Polen. 

Hoheiten. In 129 Hüttenwerken mit 189 lloeliölVn (wovon 119 mit Wind- 
erhitzung) wurden 1 278 387t,058 Eisenerz verschmolzen (darunter rund 



Production der Hütten- und Bergwerke Rufslands. 331 

257 000t Magnet- und Rotheisenstein) und 612 482t,732 Roheisen erzeugt, wo- 
von 80.73 Proc. mit Holzkohle. 16,02 Proc. mit mineralischem. 3.25 Proc. mit 
gemischtem Brennmaterial. Von den Hochöfen befinden sich 101 im Ural, 31 
im Moskauer Bezirk, 23 in Polen und 15 in Finnland. 

Das meiste Roheisen (rund 384 000t) liefert der Ural; nach Gouvervements 
geordnet erwähnen wir Perm mit rund 267 000, Ufa mit 62 500, Jekate- 
rinosslaw" mit 60 600 und Radom mit 34100t. Die gröfste Production weist 
das Hüttenwerk der Neurussischen Gesellschaft (Gouvernement Jekaterinosslaw) 
auf: 3 Hochöfen lieferten rund 55 600t, ferner die Hütte Bankowa (Gouver- 
nement Petrikau), deren zwei Hochöfen rund 25 000t Roheisen erschmolzen. 

— Ge?en 1886 hat die Roheisenproduction zugenommen um 80 388t, gegen 
1878 um rund 195 000t. 

Dank den Zollerhöhungen der letzten Jahre ist die Einfuhr von rund 
278 000 im J. 1884 auf rund 129 000 im J. 1887 und 75 000t i m J. 1888 ge- 
sunken. 

Schmiedeeisen wurde hergestellt in 177 Hütten, welche einen Bestand an 
Oefen und mechanischen Hilfsmitteln wie folgt aufwiesen: 532 Frischfeuer. 
623 Puddelöfen, 1 Martinofen, 5 Schachtöfen zur Herstellung von Schmiede- 
efsen direkt aus den Erzen, 445 Schweifs- und 477 Glühöfen. 545 durch 
Wasserkraft und 330 durch Dampf betriebene Hämmer und 499 Walzenstrafsen. 

— Es wurden erzeugt 77 982U18 Frischeisen, darunter 16 813t.019 direkt zu 
Handelswaare verarbeitet, Puddeleisen 536 860t.617, in Schachtöfen nach der 
Methode Husgarfel 882t.343. Aus diesem gesammten Material wurden 369428t,220 
Handelswaare hergestellt, darunter rund 257 000t Flach- und Faconeisen. 
92 000t Bleche. 20"200t Kessel-, Schiffs- und Panzerblech. Die gröfste Pro- 
duction weisen der Ural (218 000t) und Polen (64 000t) auf, oder nach Gou- 
vernements geordnet: Perm (rund 162000t), Petrikau (rund 33700t), St. Peters- 
burg (rund 24600t). 

Gegen 1886 beträgt die Zunahme der Production rund 6400t. 

Die Zollerhöhung seit 21 ' ^. P " 1887 (70 Kopeken Gold für Bleche und 

feineres Faconeisen, 50 Kopeken Gold für Flacheisen. Millbars u. dgl. für ein 
Pud. oder 42.73 bezieh. 30.52 Rubel Gold für die Tonne) hat ein Sinken der 
Einfuhr von 78 200t im J. 1886 auf rund 55 500t bewirkt. 

Stahl. 33 Hüttenwerke mit 17 Bessemerbirnen. 77 Martinöfen, 33 Cementir- 
öfen und 292 Tiejelöfen (die Puddelöfen sind bei der Eisengewinnung genannt! 
haben 225 496t.625 Stahl producirt. davon 1644t,611 Cementstahl. 3893t.642 
Puddelstahl. 3529t.552 Tieeelstahl. 69 270t.396 Bessemerstahl. 120375t,083 
Martinstahl und 26 783t.340 Bessemer- und Martinstahl ohne nähere Definition 
der Provenienz. Verwalzt wurden zu Schienen 86 968t,O00 Stahl, zu Facon- 
stahl 33 333U92, zu Blechen 22 373t.l31. In der Stahlproduction nimmt das 
Gouvernement St. Petersburg mit rund 57 500t die erste Stelle ein : es folgen 
Jekaterinosslaw mit rund 40 900 und Petrikau mit 30 200t. 

In Folge beschränkter Stahlgewinnung im nördlichen Hüttendistrikt de> 
Reichs (St? Petersburg) blieb die Production um rund 16 400t gegen 1886 
zurück. — Die Einfuhr sank von rund 11 600 auf 7650t i n Folge der Zoll- 
erhöhung, welche Stahl in gleichem Mafse wie Eisen betrifft. 

Vetallwaaren. In 139 Hütten wurden Eisenwaren , namentlich Geschosse. 
gegossen, im Gewichte von 58 898t,946, darunter 39 399U36 aus 210 Kupolöfen 
und 13 201t,140 aus Flammöfen; beim Rest läfst sich die Provenienz nicht 
genau bestimmen, aufser bei 310t Geschossen, welche direkt aus dem Hoch- 
ofen gegossen wurden. — Abnahme gegen 1886 rund 4600t. 

4" Werke des Gouvernements Petrikau und 1 Hütte des Gouvernements 
Kaluga lieferten 2584t.470 emaillirtes Geschirr. 

Schmiedeeiserne und stählerne Waaren wurden sonst noch im Gewichte von 
127 920t.885 hergestellt, darunter 1434t.276 Stahlgeschütze: aufserdem wurden 
erzeugt: 11 585t.9 Drahtnägel , 24 840t.523 Draht. 57 301 Stück Telegraphen- 
haken. 46 997 Klingen, 32 456 Flintenläufe, 53 716 Sensen, Messer. Sägen u. dgl. 

Messingwaaren.^ sowie Dampfmaschinen, Kessel u. dgl. wurden auf den 
Hüttenwerken im Gewichte von 457t hergestellt. Aufserdem wird die Pro- 



332 Production der Hütten- und Bergwerke Rui'slands. 

duction einiger weniger Hüttenwerke einzeln aufgeführt, vor Allem die der 
Franko-Russischen-Gesellschaft in St. Petersburg, welche für 1720 000 Rubel 
Maschinen, Kessel und Schiffstheile gebaut hat. 

l'in das Bild der Thätigkeit Rufslands auf dem Gebiete des Maschinen - 
baue zu vervollständigen, wird die Production der übrigen Maschinen- und 
Metallfabriken Rui'slands, welche nicht zum Ressort des Bergdepartements 
gehören, erwähnt, Nach den Daten des Departements für Handel und Gewerbe 
haben 1377 Fabriken mit 113 300 Arbeitern Metallwaaren und Maschinen für 
112 642 000 Rubel geliefert. Im Einzelnen sind genannt: 382 Maschinen- 
fabriken mit 47 828 Arbeitern und 50 Mill. Rubel Umsatz; 171 Schmieden, 
Stahlwaarenfabriken und Schienenwalzwerke mit 23 716 Arbeitern und 
25,6 Mill. Rubel Umsatz u. s. f. 

Sah. Gewonnen wurde 1 1567801,685 Salz, davon in 11 Gruben 261 293t,856 
Steinsalz, aus 103 Seen oder Limans 608 535t,775 Seesalz und in 44 Siedereien 
286 95H,054 Salz aus Soolquellen. Am höchsten war die Salzgewinnung in 
den Gouvernements Taurien (rund 286 000t), Astrachan (224 000t), Jekateri- 
nosslaw (213 000t) und Perm (197 000t). Die Production hat gegen 1886 um 
rund 40100t abgenommen in Folge der Verminderung der Gewinnung des 
See- und Quellsalzes. Dagegen hebt sich die Steinsalzförderung hauptsächlich 
bei Bachmut (Gouvernement Jekaterinosslaw) von Jahr zu Jahr. Das dortige 
Salz verdrängt überall das See- und Quellsalz, sowie das ausländische, in Folge 
seiner Güte und der günstigen geographischen Lage. Der Import betrug längs 
der Preufsischen bezieh. Oesterreichischen Grenze: 1885 rund 16 700 bezieh. 
9050t, 1887 rund 1900 bezieh. 1610t. 

Die Preise an der Grube betragen im Durchschnitt 5 bis 6 Rubel fül- 
lt Steinsalz, 2V 2 bis 5 Rubel für lt Seesalz, 5 bis 71/2 Rubel für lt Quellsalz 
im Gouvernement Perm bis hinauf zu 28 bis 60 Rubel in den theuer arbeiten- 
den sibirischen Siedereien (Gouvernement Irkutsk). Die Perm'schen Siedereien 
erhalten die Soole aus Bohrlöchern von 60 bis 175m Tiefe in einer Stärke 
von 17 bis 240 ß.^ un d erzeugen für lcbm verbranntes Holz 220 bis 420k Salz, 
oder bei Steinkohlenfeuerung für lt Kohle 1250 bis 2050k Salz. 

Glaubersalz. Gefördert wurden an 5 Orten- 2473t,338, davon 1154t,051 im 
Gouvernement Tiflis und 949t,604 im Gouvernement Tomsk aus den Seen von 
Mormyschansk, deren Salzvorrath auf II/4 Mill. Tons geschätzt wird. 

Schwefel. In Kchiut (Daghestan) wurden 4930, in Ljakan (Ferghana) 24t,6 
Schwefelerze gewonnen und zu 1446t,333 Schwefel verschmolzen. 

Porcellanerde wurde in den Gouvernements Tschernigoff (rund 4570 1 ), 
Wolhynien, Chersson und Podolien gefördert, im Gewicht von 6100t. Das 
beste Kaolin des Gouvernements Tschernigoff kostet an Ort und Stelle 24 bis 
36 Rubel für lt und wird den Porcellanfabriken der Residenzen geliefert, 

Phosphorite kommen an vielen Orten vor, doch gibt es zuverlässige sta- 
tistische Daten nur über die Fundorte in den Gouvernements Podolien und 
Kostroma, woselbst rund 6600 bezieh. 444t gefördert wurden. 

Aufserdem bringt unsere Quelle folgende Daten über den Handel mit 
den Producten des Bergbaus und Hüttenwesens, die Arbeiter, Motoren u. dgl. 
Der Binnenhandel wird durch die Resultate der Messe von Nishny-Nowgorod 
gekennzeichnet. Der Umsatz der Metallwaaren (roh und bearbeitet) betrug 
17 409 773 Rubel (gegen fast 14l/ 2 Mill. im J. 1886), und zwar über 10 V 2 Mill. 
Rubel für Eisen, 33/ 4 Mill. für Waaren aus Eisen und Stahl und 2,1 Mill. 
Rubel für Kupferwaaren. Aufserdem betrug der Preis der zum Verkauf ge- 
langten Naphtaproducte und des Salzes 1927 000 Rubel. 

Der auswärtige Handel war für Rufsland ungünstig, insofern die Einfuhr 
von Metallwaaren und Mineralien die Ausfuhr überstieg. Das Umgekehrte 
findet nur statt beim Platin (Ueberschufs der Ausfuhr rund 514UM, Naphta 
und Naphtarücketände (71500t), Brennöle (193 000t), Schmieröle (46000»), 
Graphil und andere Mineralien (61000t), Gold für 16,7 Mill. Rubel und Ma- 
lachit und Halbedelsteine für 43 4üü Rubel. 

Die Zahl der Arbeiter betrug 398172, davon kommen 58 Proc. auf den 
Ural, 12,5 Proc. auf Süd- und Südwestrufsland, 6,7 Proc. auf Ostsibirien, 
5,9 Proc. auf iMitlelrnfsland, 5 Proc. auf Polen. Der Beschäftigung nach ar- 



Kleinere Mittheilungen. 333 

beiten 49 Proc. in Eisenhütten, 21 V2 Proc. in Gold- und Platinwäschen, 
8,2 Proc. in Steinkohlengruben, 7,7 Proc. in Eisenerzbergwerken, 4,8 Proc. 
in Salzbergwerken und Siedereien u. s. f. 

Verunglückt sind 916 Arbeiter, davon 497 in den Hüttenwerken und 419 
in Bergwerken. Von ihnen fanden 213 den Tod. Auf 100 000 Arbeiter 
kamen somit 54 Todesfälle und 176 Verletzungen, welche nicht den Tod nach 
sich zogen. Die meisten Beschädigungen sind veranlafst : bei den Bergwerken 
durch Einsturz und Verschütten (74 Mann todt, 83 verwundet) und durch Fall 
oder Stofs und Verbrennung (50 todt, 98 verwundet); in den Hüttenwerken 
durch Unfälle mit Maschinen (12 todt, 109 verwundet), durch Fall schwerer 
Gegenstände oder Stofs (12 todt, 226 verwundet). 

Die Betriebskraft wurde geliefert von 3250 Motoren, wovon 3174 mit 
105 423 ff angeführt sind. Darunter finden sich 1852 Dampfmaschinen und 
Locomobilen mit 67 870 ff und 3 ohne Angabe, 296 Turbinen mit 15137 ff, 
1026 Wasserräder von 22 416 ff und 73 ohne Angabe. Davon kommen auf 
den Ural 773 Wasserräder, 263 Turbinen und 353 Dampfmaschinen, zusammen 
47 907 ff und auf Polen 79 Wasserräder, 7 Turbinen und 308 Dampfmaschinen 
von 18 940 ff. 

Im Uebrigen enthält die „Sammlung statistischer Daten" auf XCVII + 
310 Seiten eine detaillirte Angabe über Gröfse und Verhältnisse der Pro- 
duction und den Bestand an Maschinen und Geräthen eines jeden Bergwerks 
und einer jeden Hütte Rufslands. D. 



Robinson's elektrischer Strafsenbahnwagen mit verschiebbaren 

Radachsen. 

Gegen Ende des verflossenen Jahres ist (nach Modern Light and Heat, 1889 
S. 669) in Boston, Mass., ein von der Robinson Radial Car Company gebauter 
sechsrädriger Wagen für elektrische Strafsenbahnen erst versuchsweise und bald 
darauf auf der Brookline-Linie der West-End-Strafsenbahn dauernd in Gebrauch 
genommen worden. Die drei Achsen sind nicht fest mit dem Wagengestell 
verbunden, sondern die mittlere Achse vermag sich quer zum Wagenkörper zu 
verschieben, die beiden anderen aber können sich in die Halbmesser der 
durchfahrenen Krümmungen der Bahn einstellen. Auf den letzteren beiden 
Achsen sind zwei Thomson- Houston elektrische Eisenbahn-Motoren von je 15 ff 
jeder montirt. Die von den Rädern eingenommene Grundlinie mifst 3 m ,66, 
während sie bei den gewöhnlichen Pferdebahn- und elektrischen Wagen nur 
lm,83 mifst; der Wagenkörper ist 6m,71 lang; die Sitzfläche ist 32 bis 50 Proc. 
grölser als bei gewöhnlichen Strafsenbahnwagen. 

G. Conkling's Maschine zum Trennen magnetischer und unmagnetischer 

Stoffe. 

In der in England für G. Conkling in Glen Falls, Nordamerika, patentirten 
(Nr. 14279 vom 10. September 1889) Maschine läuft ein endloses Band über 
zwei Rollen, so dafs der die obere Hälfte bildende Theil sich von unten nach 
oben bewegt. Ganz nahe unter dieser Hälfte liegen zwei flache Stäbe aus 
weichem Eisen, die durch eine Anzahl von Elektromagneten magnetisirt 
werden. Die Neigung des Bandes läfst sich mittels einer Schraube nach Be- 
darf ändern. Die Stoffe werden durch eine Schlotte zugeführt, deren Neigung 
sich ebenfalls durch eine Schraube ändern läfst. Die magnetisirbaren Stoffe 
werden so durch die Wirkung der Elektromagnete gegen das Band gedrückt, 
von diesem mit nach oben genommen und fallen in einen Behälter; noch am 
Bande haftende bürstet eine Walzenbürste ab. Die unmagnetischen Stoffe 
gleiten durch ihr Gewicht auf dem Bande nach unten und fallen in einen 
zweiten Behälter; die staubförmigen aber werden durch einen am oberen 
Ende aus einer Röhre auf das Band strömenden Wasserstrahl nach unten 
gespült. — Vgl. Ball, Norton und Porter 1890 276 335. 



:;:; I Kleinere Mittheilungen. 

Elektrische Isolatoren aus Glimmergufs (Leute). 

Seit etwa 1 Jahre hat die Qtmld und Watson Company in Boston, welche 
beträchtliche Minen in North Carolina und New Hampshire besitzt, aufser 
gewöhnliehen Gegenständen aus Glimmer auch solche mit Erfolg in den Handel 
gebracht, welche aus Lehte, d. i. einer hauptsächlich aus Glimmer bestehenden 
Mischung gegossen sind. Das Fabrikationsverfahren ist der Gesellschaft pa- 
tentirr, die Masse läfst sich in fast alle erdenklichen Formen bringen und 
besitzt eine fein geglättete äufsere Oberfläche, wie künstlich polirt. Nach 
Modern Light and 7/eat, 1889 " S. 448 und 508, liefert die Gesellschaft nament- 
lich Isolatoren für die Strafsenbahnleitungen, besonders für Krümmungen und 
Eckpunkte, eigentümlich gestaltete Isolatoren für Lichtleitungen innerhalb 
der Gebäude, Bürstenträger für Dynamomaschinen, Spulen für Rheostaten 
u. dgl. mehr; auch benutzt die Gesellschaft abgeblätterten Glimmer zu einer 
guten, einfachen und billigen Isolirung von mit einfachem ßaumwollgewebe 
überkleideten Leitungsdrähten im Innern von Röhren, welche vor dem Ein- 
ziehen der Drähte mit den Glimmerblättern gefüllt werden. 

Elektrischer Betrieb von Stimmgabeln. 

Nach einem im November 1889 in der Physical Society gehaltenen Vor- 
trage will W. G. Gregory im elektrischen Betriebe von Stimmgabeln dadurch 
eine Verbesserung erzielen, dafs er den Batteriestrom nicht unmittelbar dem 
treibenden Elektromagnete zuführt, sondern der primären Rolle eines Inductors. 
Die bei jeder Stromschliefsung und Unterbrechung in der secundären Rolle 
erzeugten beiden Inductionsströme von verschiedener Richtung sollen dann 
der eine anziehend, der andere abstofsend auf den Anker wirken und die 
Zeit zur Schliefsung und Unterbrechung so gewählt werden, dafs der Antrieb 
auf die Gabel zum günstigsten Zeitpunkte in ihrer Schwingung ausgeübt wird. 
Zur Verminderung des Funkenüberspringens soll ein Condensator an die 
Klemmen des Quecksilber-Stromunterbrechers gelegt werden. 

E. Liebert's Erregungsflüssigkeit für galvanische Zink-Silber-Elemente. 

Die von Eduard Lieben in Berlin (D. R. R Kl. 21 Nr. 48498 vom 27. Juni 1888) 
vorgeschlagene Erregungsflüssigkeit, welche aus einem Gemisch von 100 Ge- 
wichtstheilen reinem Wasser, 12 bis 20 Theilen schwefelsaurem Zink, 2 bis 
10 Theilen Schwefelsäure und 1 bis 6 Theilen Quecksilber-Chlorid oder -Chlorür 
besteht, greift bei offenem Stromkreis weder das Zink noch das auf eine aus 
Blattsilber bestehende Elektrode aufgetragene Chlorsilber an. 

Anordnungen der Western Electric Company in Telephon-Rufapparaten. 

Unter Nr. 19045 ist in England am 31. December 1888 der Western Electric 
Company in Chicago, Nordamerika, ein Patent auf verschiedene Anordnungen 
in Telephon-Rufapparaten ertheilt worden. Als Stromerzeuger dient ein 
Magnetinductor, dessen Cylinderanker wagerecht zwischen den nach unten ge- 
kehrten Polen der Magnete liegt und mittels einer Handkurbel und eines Räder- 
paares in Umdrehung versetzt wird. Das auf die Ankerachse aufgesteckte 
Getriebe sitzt aber nur lose auf letzterer und ist mit ihr durch zwei Spiralfedern 
verbunden, welche in einer Vertiefung des Getriebes liegen und mit demselben 
durch einen Zapfen verbunden sind; die beiden andern Enden der Federn 
legen sicli an einen Vorsprung eines an der Achse befestigten Bundes an, 
welcher die Vertiefung des Getriebes verdeckt. Der einarmige Umschalthebel, 
an welchen das Telephon gehängt wird, legt sich bei angehängtem Telephon 
mit einem Vorsprunge auf eine unter ihm und parallel zu ihm angeordnete 
Contactfeder, von welcher aus ein Stromweg nach dem Inductor, der Rufklingcl 
und zur Erde führt. Die Feder ist so kräftig, dafs sie. wenn das Telephon ab- 
genommen wird, den Hebel emporhebt, dabei aber BChliefslich sich an einen 
isolirenden Zapfen desselben anlegt und somit den Contact unterbricht; dafür 
schaltet jetzt ein an der oberen Seite des Hebels nach rückwärts angesetzter 
Zapfen, indem er sich an eine oberhalb am Gehäuse festgeschraubte Contact- 
feder anlegt, welche seither an einer isolirbn Stelle anlag, das Telephon in 
die Linie ein und, wenn nothig. können so zugleich noch andere locale Strom- 



Kleinere Mittheilungen. 335 

wege durch eine oder mehrere andere, zu dieser Feder parallele Contactfedern 
geschlossen werden. 

Ball, Norton und Porter's Maschine znm Trennen magnetischer und 
unmagnetischer Erze. 

Nach dem englischen Patente Nr. 8856 vom 28. Mai 1889 or> len C. M. Ball 
in Boston, Mass.. 5. JS'orton in Hokendauqua, Pa., und A. T. Porter in West Troy. 
New York in Maschinen, in welchen magnetische und nichtma netische Erze 
getrennt werden sollen (vgl. Werner Siemens, 1880 238*262) die Elektro- 
magnete so an, dafs abwechselnd Nord- und Südpole aufeinan jr folgen, da- 
mit die von den Magnetpolen angezogenen magnetischen Erze oei ihrer Fort- 
bewegung in eine drehende oder wälzende Bewegung versetzt werden. So 
ist z.B. bei der einen Ausführungsweise ein Trichter voihandei , aus welchem 
die Erze auf eine schiefe Ebene gelangen; nahe über ihnen läuft zugleich ein 
Riemen ohne Ende und über diesem folgen etwas weiter unten die Elektro- 
magnete mit wechselnden Polen. Die magnetischen Theile werden magnetisirt 
und wälzen sich an der Unterseite des Riemens und gelangen so leichter über 
die Oeffnung hinweg, in welche die nichtmagnetischen Theile hinabfallen: 
ein am Boden der an die Oeffnung sich anschliefsenden Versenkung auf- 
gestellter Ventilator saugt einen beständigen Luftstrom untc dem Riemen 
von beiden Seiten her in die Oeffnung nach unten, der die nie) magnetischen 
Theile mitnimmt. 

Das gröfste Barometer. 

Das gröfste der bis jetzt errichteten Barometer ist. nach Praktische Physik. 
Jahrg. 1890 Bd. 1 S. 32, dasjenige im Thurme von Saint Jacques zu Paris. 
Dasselbe ist 12<n.65 hoch, wurde in Saint-Denis angefertigt und in einem 
starken Holzgestell von sechs Arbeitern behutsam nach Paris getragen. Der 
Aufstellungsraum in dem Thurme ist 10 m hoch. Die Herstellung des 2cm im 
Durchmesser haltenden Barometers war begreiflicher Weise sehr schwierig. 
Das Barometer ist zu gröfseren Versuchen bestimmt und mit gefärbtem 
Wasser gefüllt, welches, um die Verdunstung zu verhindern, mit einer Schicht 
dichten Oeles abgeschlossen ist. In London wurden 1830 von Daniel, in Kew 
1870 von Jordan und 1886 in New York durch Millo ähnliche Riesenbarometer 
errichtet, die beiden letzteren sind jedoch mit Glycerin gefüllt. 

Die Erdölgewinnung der Erde. 

Xach Mittheilung vun hon. Bd. 35 vom 11. Februar 1890 ist die gegen- 
wärtige Jahresgewinnung auf rund 10 000 Mill. Liter Erdöl zu veranschlagen. 
von denen die Hälfte auf die Vereinigten Staaten entfallen. Der Baku-Bezirk 
am Caspischen Meer ist mit etwa 1890 Mill. Liter betheiligt, und ist daselbst 
der Zuüufs des Oeles so reichlich, dafs viele Bohrlöcher verschlossen werden 
mufsten. weil das Oel nicht fortgeschafft werden konnte. Galizien bringt etwa 
162 Mill. Liter. Birma ungefähr 31,5 Mill. und Canada etwa 121 L) Mill. Liter 
hervor. Die Quellen in Canada und Birma sind erst kürzlich erschlossen 
worden und läfst sich noch nicht übersehen, welchen Umfang die dort ent- 
stehende Erdöl-Industrie annehmen wird, wenn erst geeignete Transportmittel 
geschaffen sind. Man hält das Becken des Mackenzieflusses (müncend zwischen 
dem 130. und 110. Längengrad und dem 70. Grad nördlicher Breite in das 
nördliche Eismeer) für die ergiebigste Oelgegend der Welt, sie liegt noch um 
etwa 610km nördlich der canadischen Pacificbahn. Es ist wohl aufser allem 
Zweifel, dafs. sobald die Transportschwierigkeiten überwunde i sein werden 
und das canadische Oel zu einem billigen Preise erhältlich sein wird, dasselbe 
wegen seiner Freiheit von Schwefel noch eine grofse Rolle im Eisenhütten- 
wesen zu spielen bestimmt ist. (Durch Stahl und Eisen.) 



33(j Bücher-Anzeigen. 



Bücher-Anzeigen. 



Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890. 
Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von 
Prof. Dr. Josef Maria Eder. Vierter Jahrgang. Mit 78 Holzschnitten 
im Text und 20 artistischen Tafeln. Halle a. S. Verlag von Willi. 
Knapp. Preis 6 Mk. 

Das für jeden, der sich mit Photographie beschäftigt, äufserst wichtige 
Werk berichtet eingehend über die Fortschritte, welche die Photographie in 
der letzten Zeit gemacht hat. Die erste Abtheilung des 400 Seiten umfassen- 
den Werkes enthält auf 253 Seiten 80 meistens von hervorragenden Fach- 
leuten geschriebene Originalaufsätze. 

Wegen ihrer Neuheit sind von besonderem Interesse die Berichte über: 

Magnesiumblitzliehtphotographie von Dr. Jul. Hoff'mann, Dr. Ilesekiel, Ritter 
von Löh>\ O. Hraza, Dr. Cohen. 

Ueber Eikonogen von Prof. Dr. Eder, Dr. Krügener, Dr. Schnauss. 

Platinpapier von Dr. Hesekiel, A. Einsle. 

Neue Apparate von Dr. Hesekiel, Hauptmann a. D. Himly , Prof. Fritsch, 
Dr. Krügener u. s. w. 

Photogrammetrie von Prof. Schiffner. 

Mikrophotographie von Marktanner-Turneretscher, Prof. Dr. Zettnow. 

Zinkotypie in Farben (Chromozinkotypie) von Prof. Rose. 

Photogr. von Strichzeichnungen von k. k. Hauptmann Freiherr c. Hiibl. 

Der zweite Theil enthält die Fortschritte der Photographie und Repro- 
ductionstechnik in den Jahren 1888/89 zum Theil nach photographischen Zeit- 
schriften, u. A. Interessantes über photographische Objektive und Apparate, 
Blitzphotographie, Photogrammetrie, Photographie im Dienste der Justiz, 
Photogr. von Projektilen und Artillerie-Geschossen während des Fluges. — 
Patente auf photographische Gegenstände, Literatur u. s. w. 

Unter den Tafeln sind einige künstlerisch hochvollendete Arbeiten. 

Möge das vortreffliche Werk keinem Fach- und Liebhaberphotographen 
fehlen. F. 

Die Mechanik des Vogelfluges von A. von Parseval, Secondelieutenant 
im Königl. Bayer. 3. Infanterie -Regiment Prinz Carl von Bayern. 
Wiesbaden 1889. 

Das vorliegende Buch bringt eine recht ausführliche mathematische Be- 
handlung des aerodynamischen Flugproblemes. Der Verfasser beschränkt sich 
hierbei, wie schon der Titel des Buches erwarten läfst, auf den Flug mittels 
alternirend bewegter Flügel, hier aber alle möglichen in der Natur vorkom- 
menden Flugvorgänge möglichst eingehend untersuchend. Nachdem in den 
ersten drei Capiteln die Form der Flugbewegung und die einschlägigen aero- 
dynamischen Gesetze besprochen sind, wird der normale Flug mittels des 
mathematischen und natürlichen Flügels auch mit Rücksicht auf den erforder- 
lichen Arbeitsaufwand behandelt. Hieran schliel'sen sich Untersuchungen über 
den motorischen Apparat der Vögel, über die Funktion der passiven Flug- 
Qächen bei letzteren, die Flugarbeit in der Natur und über das räthselhafte 
Problem des Segelfluges ohne Flügelschlag, wie er sich bei den gröfseren 
Vögeln findet. Schliefslich werden noch die auJ'sergewöhnlichen Flugformen. 
insbesondere der Flug der Fledermäuse und Insekten, und die Möglichkeit 
der Construction künstlicher Flugmaschinen auf Grund des Vogeliluges der 
Betrachtung unterzogen. 3 Tafeln und 6 Textabbildungen dienen zur Er- 
läuterung:. Hl. 



Verlag der J. G. Cotta 'sehen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Schnelllaufende Motoren für Dampfbetrieb. 337 

Sclmelllaufende Motoren für Dampfbetrieb. 

Mit Abbildungen auf Tafel 18. 

Das immer mehr hervortretende Bedürfnifs, namentlich für elek- 
trische Beleuchtungszwecke geeignete Motoren zu besitzen, welche bei 
möglichster Raumbeschränkung und ohne Einschaltung vieler Zwischen- 
transmissionen eine verhältnifsmäfsig grofse Leistung entwickeln sollen, 
veranlafste viele Maschinenfabrikanten, sich mit der Construction von 
schnelllaufenden Dampfmaschinen eingehender zu befassen, und es unter- 
liegt keinem Zweifel, dafs bei der fortschreitenden Entwickelung der 
elektrischen Beleuchtung derartigen Maschinen ein weites Absatzgebiet 
offen steht. 

Die in Fig. 1, 2 und 3 Taf. 18 dargestellte wagerechte Dampf- 
maschine mit einfach wirkendem Cylinder von H. Robinson in Manchester 
ist nach Industries, 1889 * S. 599, für hohe Tourenzahlen construirt. 

Sie zeichnet sich durch grofse Einfachheit aus und besteht aus dem 
an einer Seite offenen Cylinder £, der freischwebend an dem kasten- 
förmigen mit Deckel F geschlossenen Bette T der Maschine befestigt 
ist, in welchem sich Oel befindet. 

Die in langen Lagerschalen aus Phosphorbronze laufende Kurbel- 
welle G ist durch eine I-förmig gebildete Stahlstange M mit dem un- 
gewöhnlich langen Kolben P verbunden, und in die genannten Schalen 
eingesetzte starke Oelrohre D besorgen die nöthige Schmierung und 
verhüten eine Mitnahme durch die Kurbelwelle; ebenso sind auch die 
halbcylindrischen Lagerschalen des Kurbelzapfens S durch Rohre, welche 
bei der Bewegung der mit Gegenwicht versehenen Kurbel in Oel tauchen, 
gegen Drehung geschützt. 

Das Oel wird diesen Schalen, wie auch dem Kolben und Kolben- 
zapfen selbsthätig mittels zweier über der drehenden Welle W liegenden 
und in Oel tauchenden Ketten x und durchlöcherter Rohre Z zugeführt. 

Der je nach der Excenterstellung während längerer oder kürzerer 
Dauer des Kolbenhubes in den Cylinder tretende Dampf entweicht am 
Ende des Hubes durch drei am unteren Theile des Cylinder« sitzende 
cylindrische Oeffnungen E in einen gemeinschaftlichen Behälter E^ an 
welchen sich das Dampfabzugsrohr anschliefst. 

Das (Fig. 3 Taf. 18) mit Bolzen C { am Schwungrad ¥ drehbar be- 
festigte Excenter greift, um abtropfendes Oel aufnehmen zu können, 
über eine vorspringende Schale des Kurbelwellenlagers; in seinem ring- 
förmigen Theile bewegt sich die mit der zugehörigen Stange aus einem 
Stücke gegossene excentrische Scheibe A x und an dem der Stange 
gegenüberliegenden Winkelstück ^greift eine Feder G i an, welche 
mit dem um F t drehbaren bügeiförmigen Gegengewichte D x verbunden 
ist; letzteres legt sich mit seinem unteren, daumenartig gebildeten Theil E t 
gegen das Excenter. 

Dingler's polyt. Journal Bd. 276 Nr. 8. 1890.11. oo 



338 Schnelllaufende Motoren für Dampfbetrieb. 

Je nach der Umdrehungsgeschwindigkeit des Schwungrades ent- 
fernt sich das Gewicht D { mehr oder weniger von der Welle und der 
gegen das Excenter drückende Daumen E 2 bewirkt eine Drehung des 
letzteren, so dafs sich Voreilungswinkel und Excentricität je nach der 
Geschwindigkeit der Maschine einstellen. 

Die Centrifugalkraft des Gewichtes D { wirkt hierbei der Feder- 
spannung G { entgegen. 

Die Engineer, 1889 " :: "S. 457, entnommenen Abbildungen (Fig. 4 und 5 
Taf. 18) stellen die mit einfach wirkenden Cylindern arbeitende senk- 
rechte Verbundmaschine von Musgrave und Söhne in Bolton dar. 

Der vom Kessel kommende Dampf tritt zunächst in den oberen 
Theil des Hochdruckcylinders und aus diesem, nach Verschlufs des 
Einströmkanals durch einen Kolbenschieber und erfolgter Expansion, 
noch vor Beendigung des Hubes durch einen geöffneten Verbindungs- 
kanal in den Niederdruckcylinder, dessen Kolben sich, weil die Kurbeln 
einander gegenüber stehen, seiner oberen Endstellung nähert und nach 
Beendigung des Hubes durch den beim Aufwärtsgange des Hochdruck- 
kolbens entweichenden Dampf niedergedrückt wird. 

Wenn der Niederdruckkolben einen bestimmten Theil seines Hubes 
zurückgelegt hat, wird der Verbindungskanal zwischen beiden Cylindern 
durch die Steuerungsorgane wieder geschlossen; der noch im Hoch- 
druckcylinder verbleibende Dampf wird comprimirt und bildet für den 
Hochdruckkolben ein elastisches Polster, während der im Niederdruck- 
cylinder eingeschlossene Dampf sich ausdehnt und den Kolben an das 
Ende seines Hubes bringt 5 kurz bevor letzteres erreicht ist, wird die 
Verbindung mit der Atmosphäre oder dem Condensator hergestellt und 
es entsteht im letzteren Falle im Cylinder sofort ein den Aufwärts- 
gang des Kolbens begünstigendes Vacuum. Um die beim Hubwechsel 
auftretenden Stöfse zu vermeiden, wird in dem unterhalb des grofsen 
Kolbens liegenden ringförmigen Räume ebenfalls ein Vacuum herge- 
stellt, welches hinreicht, dem mit frischem Kesseldampfe wieder nach 
abwärts gehenden Hochdruckkolben genügenden Widerstand entgegen- 
zusetzen. 

Ein Centrifugalregulator wirkt unmittelbar auf das den Dampf- 
schieber bewegende Excenter und stellt dessen Voreilungswinkel und 
Excentricität je nach der Geschwindigkeit der Maschine ein. 

Die Kurbelwelle läuft in dem mit Oel angefüllten Maschinen- 
untertheile. 

Fig. 6 zeigt das Indicatordiagramm einer derartigen Verbundmaschine 
von 6,5 und 11 Zoll Cylinderdurchmesser und 6 Zoll Hub, welche 400 Um- 
drehungen in der Minute machte. 

In ähnlicher Weise arbeiten auch die von der Firma hergestellten 
dreifachen Expansionsmaschinen. 

Bei der senkrechten Verbunddampfmaschine von der Jonson Foundry 



Schnelllaufende Motoren für Dampfbetrieb. 339 

and Maschine Company in New York sind, nach Mafsgabe der, Unlandes 
Technischer Rundschau, 1889 * S. 281, entnommenen Abbildung (Fig. 7 
Taf. 18) zwei über dem Gestelle S angeordnete Cylinder vorgesehen, 
welche neben einander liegen, congruent sind, und von denen der eine 
im Schnitt dargestellt ist. 

Der Kolben A ist nach unten zu dem Führungscylinder B aus- 
gebildet, der gewissermafsen die Kolbenstange bildet und in einer 
Stopfbüchse am Boden des Cylinders läuft; oben besitzt derselbe die 
Führungsstange D und die mit dem Kolben verbundene Kurbelstange 
greift in der Kuppel C an. Vermöge dieser Gestaltung des Kolbens 
dient derselbe Cylinder gleichzeitig als Hoch- und Niederdruckcylinder. 
In der gezeichneten Stellung ist die Dampfeinströmung durch Schie- 
ber M geschlossen, der Kolben geht also nach unten und der Dampf 
tritt durch die Schiebersteuerung F, welche von der Excenterstange E 
bewegt wird, über den Cylinder, wobei der Niedergang mit einer wirk- 
samen Kolbenfläche erfolgt, welche gleich der Differenz der Querschnitte 
des Cylinders und des ringförmigen Raumes unter dem Kolben ist. Nach 
vollendetem Niedergange versperrt der Schieber F die Verbindung der 
beiden Cylinderhälften und der verbrauchte Dampf tritt durch den Kanal G 
aus. Bei dieser Maschine sind die Kurbeln ebenfalls um 180° versetzt, 
wodurch sich ein gleichmäfsiger Gang ergibt, so dafs diese Construction 
auch zum Betreiben von Dynamomaschinen geeignet ist. 

Industries, 1889 * S. 603, beschreibt eine für hohe Tourenzahlen 
bestimmte Verbundmaschine von John Fowler und Co. in Leeds, welche 
nach dem Patente des Engländers Show gebaut ist und zwei im Tandem- 
system angeordnete Cylinder von 7 und 12 Zoll Durchmesser bei 9 Zoll 
Hub besitzt. 

Der bei S (Fig. 8 Taf. 18) eintretende hochgespannte Dampf gelangt 
beim Abwärtsgehen des Hochdruckkolbens H in den oberen Kanal P t 
und da sich der Schieberkolben V gleichzeitig nach unten bewegt, auch 
durch den unteren Kanal P 2 gegen die untere Fläche des Kolbens B, 
so dafs dieser auf beiden Seiten Dampf erhält, bis er beim Aufhub den 
oberen Kanal P { wieder schliefst; der unter dem Kolben eingeschlossene 
Dampf verliert in Folge seiner Expansion an Spannung und der auf 
der oberen Kolbenfläche herrschende Ueberdruck mildert bezieh, ver- 
hindert den beim Hubwechsel auftretenden Stofs. 

Der Schieberkolben V ist inzwischen so weit emporgestiegen, dafs 
der im Hochdruckcylinder expandirte Dampf durch P 2 und P 3 so lange 
in den Niederdruckcylinder entweichen kann, bis beim Abwärtsgange 
des Schieberkolbens der untere Kanal P 2 wieder geschlossen wird. 

Nach vollbrachter Arbeit geht der beim Abwärtsgehen des Kolbens 
im Niederdruckcylinder expandirte Dampf in den Auspuffkanal E oder 
bei entsprechender Stellung des zweiten Kolbenschiebers V 2 durch 
Kanal P, unter den Kolben L. 



340 Schnelllaufende Motoren für Dampfbetrieb. 

Der mit dem Schvvungrade verbundene Regulator X beeinflufst 
mittels Stange R ein oberhalb V gelegenes Drosselventil T, so dafs der 
Dampf je nach der Geschwindigkeit der Maschine mit gröfserer oder 
geringerer Spannung unter den Hochdruckkolben H tritt. 

Die Führung der Kolbenstange geschieht in Stopfbüchsen der unteren 
Cylinderdeckel und durch den gleichzeitig als Kreuzkopf dienenden 
Kolben Z. 

Die Kurbelwelle bewegt sich in einem zum Theile mit Oel und 
Wasser angefüllten unteren Kasten. 

Die um eine senkrechte hohle Welle rotirende Dampfmaschine von 
J. A. Radiguet in Paris besteht, wie die Industries, 13. December 1889, 
entnommenen Abbildungen (Fig. 9 und 10 Taf. 18) erkennen lassen, aus 
einer gufseisernen Scheibe A mit sechs radial laufenden cylindrischen 
Dampfeinströmkanälen /?, deren am Umfange ausmündende Oeffnungen 
erweitert und durch drehbare Klappen C geschlossen sind. 

Der von oben in die hohle Welle D eintretende Dampf gelangt je 
nach der Stellung des in der Mitte der Scheibe sitzenden ringförmigen 
Einlafsventils K stets gleichzeitig in zwei gegenüberliegende Kanäle B 
und dann durch die geöffneten Klappen C in die am äufseren Mantel F 
angebrachten Erweiterungen /?, welche die Stelle des Cylinders ein- 
nehmen; die Anzahl der Schlitze des Einlafsventils K entspricht den 
Erweiterungen E des Mantels. Der beim Austreten des Dampfes aus 
den Kanälen auf die Klappen ausgeübte Druck bewirkt die Drehung 
der Scheibe A sammt der mit ihr verbundenen Kurbelwelle um die 
feststehende hohle Welle D; das Ventil K schneidet dann sofort die 
Dampfzufuhr ab und der noch in den Kanälen befindliche Dampf drückt 
so lange gegen die Klappen C, bis dieselben die' im Mantel gelegenen 
Ablafsöffnungen M passiren; gleichzeitig gestattet das Ventil K den 
Dampfeintritt in zwei andere gegenüberliegende Kanäle, so dafs durch 
den wieder auf die Klappen C ausgeübten Druck die Scheibe zur fort- 
gesetzten Drehbewegung veranlafst wird. 

Die in dem Mantel angebrachten Rollen L dienen zur Führung der 
Scheibe A und üben mittels zweier auf jeden ihrer Bolzen drückenden 
Federn einen elastischen Druck auf dieselbe aus. 

Werden mehrere derartige Scheiben über einander angeordnet, so 
läfst sich eine mehrfache Expansion des Dampfes erzielen. 

Der Motor kann auch gleich vorteilhaft mit unter Druck stehendem 
Wasser betrieben werden. 

Eine Verbesserung der 1886 259 '"" 1 beschriebenen schnellgehenden 
Dampfmaschine von Davey, die wegen ihrer absoluten Sicherheit gegen 
Explosionsgefahr und geringen Wartung namentlich innerhalb bewohnter 
Räumlichkeiten weitere Verbreitung gefunden hat, zeigen die, Engineering^ 
1889 * S. 710, entnommenen Abbildungen (Fig. 11 und 12 Taf. 18). 

Diese von Halhorn, Davey und Coi in Leeds erbauten, zur Wasser- 



Umsteuerungsapparat der Locomotiven der englischen Südostbahn. 841 

förderung bestimmten Maschinen stellen das kleinste (Fig. 11) und gröfste 
(Fig. 12) Modell dieses Motors dar und es waren dieselben auf dem 
vorjährigen von der königl. englischen landwirthschaftlichen Gesellschaft 
veranstalteten Windsor Show ausgestellt. 

Die vordem gufseiserne Feuerkiste ist jetzt aus Stahlblechen zu- 
sammengesetzt und bildet bei den kleineren Motoren einen conisch ab- 
geschrägten C}iinder, der von oben mit Brennmaterial beschickt wird, 
bei den gröfseren Motoren dagegen einen auf der Feuerlochseite abge- 
schrägten Kasten, in welchem sich mehrere Siederohre befinden. 

Der aus Gufseisen hergestellte Kessel hat eine der Feuerkiste ent- 
sprechende Form und am oberen Theile desselben ist wieder der Dampf- 
cylinder befestigt, dessen Kolbenstange bei dem kleinen Motor direct 
mit den Plungerkolben der Pumpen verbunden ist, während bei dem 
grofsen Motor die auf besonderem Fundament stehenden Pumpen durch 
ein auf der Schwungradwelle sitzendes Zahnrad betrieben werden, welches 
seine Bewegung von der Kolbenstange unter Zwischenschaltung eines als 
Kolben ausgebildeten Kreuzkopfes, sowie einer Kurbelstange erhält. 

Der aus dem Cylinder entweichende Abdampf geht in den am 
Kessel angegossenen bezieh, angeschraubten Condensator (vgl. auch 1887 
265 * 583). 

Eine einfach wirkende, von J. F. Btyth in London nach dem Patent 
Newall erbaute schnellgehende Dampfmaschine mit nur drei beweglichen 
Theilen besteht nach den Engineer, 1889 * S. 497, aus der in langen, 
aufsen mit kurzen Stopfbüchsen versehenen Lagern geführten Kurbelwelle, 
welche mit dem ebenfalls ungewöhnlich langen Kolben durch eine bei 
ihrer Drehbewegung in Oel laufende Stange verbunden ist, an deren 
anderem Ende das in einer Aushöhlung des Kolbens schwingende Dauipf- 
vertheilungsorgan aufgeschraubt ist. Dieses besteht aus einem von zwei 
rechteckigen Kanälen durchbrochenen Hohlcylinder, der je nach seiner 
Lage den durch ein Absperrventil einströmenden Dampf über den Kolben 
ziehen oder nach vollbrachter Arbeit beim Kolbenaufgange in das Aus- 
puffrohr entweichen läfst. (Vgl. 1889 272 * 547.) 

Die Maschinen arbeiten ganz geräuschlos und höchst ökonomisch, 
auch läfst sich durch einen aufsen angebrachten Reversirhebel mit 
Leichtigkeit die Umsteuerung der Maschine bewirken, so dafs sie auch 
für kleinere Dampfboote vorteilhafte Verwendung finden kann. 

(Fortsetzung folgt.) 



Umsteuerungsapparat der Locomotiven der englischen 

Südostbahn. 

Die englische Südostbahn hatte die vorjährige Pariser Ausstellung mit 
einer viergekuppelten Schnellzuglocomotive beschickt, deren Umsteuerung 
durch einen seitlich am Langkessel oberhalb der Steuerwelle angebrachten 



342 Wagerechte Tandem-Verbundmaschine. 

Apparat, aus einem Dampfcylinder mit Wasserbremscylinder bestehend, be 
wirkt wurde. 

Von den zwei auf dem Führerstande am Schutzkasten des rechten Kuppel- 
rades angebrachten Handgriffen dient der eine zum gleichzeitigen Oeffnen 
bezieh. Schliefsen des am Langkessel festgeschraubten Dampfzulafsventiles 
des Steuercylinders und des zum Bremscylinder gehörigen Wasserventils, 
während durch Umlegen des anderen der Umsteuerungsschieber des Dampf- 
cylinders so verschoben wird, dafs entweder Dampf über oder unter den 
Kolben tritt und die Steuerung dadurch vorwärts oder rückwärts verlegt wird. 
Damit der Führer den Füllungsgrad erkennen kann, wird von dem auf der 
Steuerwelle sitzenden Hebel durch eine nach oben gehende Stange eine neben 
dem Langkessel liegende kleine Welle und ein auf dieser befestigter Zeiger 
auf dem Führerstande gedreht und sobald die beabsichtigte Füllung erreicht 
ist, wird der Dampfzutritt durch Schliefsen des betreffenden Ventiles ab- 
gesperrt und der Steuerschieber wieder in seine Mittellage gebracht. 

Die Erhaltung des einmal hergestellten Füllungsgrades ist bei diesem 
Apparate lediglich von dem Dichthalten des Wasserkolbens abhängig und es 
sollen sich hierbei keinerlei Betriebsunbequemlichkeiten herausgestellt haben. 
Die Ventile für Dampf- und Wasserzuführung sind Schraubenventile aus Bronze. 

Ein ähnlicher Umsteuerungsapparat ist schon vor Jahren von dem Loco- 
motivdirektor der Südostbahn J. Stirling angegeben und seitdem vielfach aus- 
geführt. Fr. 

Wagerechte Tandem -Verbundmaschine von Hick, Har- 
greaves und Co. in Bolton. 

Mit Abbildungen auf Taf. 19. 

Während bei den Verbundmaschinen gewöhnlicher Construction 
der vom Kessel kommende hochgespannte Dampf sich im Hochdruck - 
cylinder und nach dem Durchstreichen durch einen direkt mit diesem ver- 
bundenen Zwischenbehälter, im Niederdruckcy linder bezieh, mehreren 
derselben arbeitverrichtend ausdehnt, weicht die der Firma Hick, Har- 
greaves und Co. in Bolton patentirte, in Industries, 1889 S. 372, beschrie- 
bene Tandem-Verbundmaschine von diesem Prinzip ganz wesentlich ab. 

Der von einem mit Hochdruck arbeitenden Kessel kommende Dampf 
gelangt hier ebenfalls zunächst in den kleinen Cylinder, entweicht 
jedoch nach vollbrachter Arbeit in einen zweiten Kessel, welcher als 
ein erweiterter Zwischenbehälter betrachtet werden kann und geht von 
hier in den grofsen Cylinder, darnach in den Condensator. 

Die Fig. 1 Taf. 19 veranschaulichte Dampfmaschine mit 380 bezieh. 
760mm Durchmesser der mit Mantel umkleideten Cylinder, 1200 mm 
Kolbenhub und selbsthätiger Corlifssteuerung ist in der Harford-Mühle 
bei Bolton im Betriebe und hat sich, wie die untenstehenden Angaben 
des vom 13. bis 15. August 1889, nach mehr als einjähriger ununter- 
brochener Thätigkeit der Maschine, vorgenommenen Verdampfungs- 
versuches ergeben, gut bewährt, wennschon bessere Resultate als bei 
den Maschinen mit der bisher üblichen Anordnung der Dampfzuführung 
nicht erreicht wurden. 

Der zu der Maschine gehörige cylindrische, ganz aus Flufsstahl 
gefertigte Hochdruckkessel von 2 m ,29 Durchmesser und 8 m ,23 Länge 



"Wagerechte Tandem-Verbundmaschine. 343 

ist mit zwei Flammenrohren von je m ,9l4 Durchmesser versehen, in 
welche der Rost von zusammen 3 L i m ,53 Fläche gelegt ist und für eine 
Betriebsspannung von 10 at Ueberdruck construirt, während der, bei der 
Anlage bereits vorhandene Niederdruckkessel von 2 m ,13 Durchmesser 
und 9 m ,13 Länge nur Dampf von etwas über l at Ueberdruck liefert. 

Die in den Flammenrohren des Hochdruckkessels erzeugten Heiz- 
gase gehen durch diese, umspülen dann den unteren Theil seines Mantels, 
ziehen hierauf auf beiden Seiten wieder nach hinten zu dem Nieder- 
druckkessel, dessen Flammenrohre und Mantel ebenfalls umspülend, 
und nach dem Passiren eines im Rauchkanal aufgestellten Economisers 
mit 144 Röhren in den Schornstein. 

Das vom Condensator entnommene Speisewasser wird durch den 
Economiser in den Niederdruckkessel gedrückt und aus diesem durch 
eine besondere Pumpe dem Hochdruckkessel zugeführt. Erwähnens- 
werth ist an der Maschine noch die Anordnung zweier Kugelregulatoren, 
von denen der kleinere den gröfseren beeinflufst. 

Zwei, an den beiden Cylindern unter normaler Belastung der Ma- 
schine abgenommene Indicatordiagramme veranschaulichen die Fig. 2 
und 3 der Taf. 19. 

Die Ergebnisse der Untersuchung sind nachstehend zusammengestellt: 

Dauer der Versuche 30 Stunden 

Verbrauchte Kohle, insgesammt 8141k 

„ in der Stunde 271k 

„ „ „ und lqm Rostfläche 77k 

Verdampftes Wasser, insgesammt 67521k 

„ in der Stunde 2250k 

„ „ „ .. und lqm Rostfläche 638k 

Temperatur des Speisewassers 410 C. 

„ hinter dem Economiser . . . . . . 78° C. 

„ der Heizgase vor dem Economiser . . 1910 C. 

hinter „ „ . . 1220 C. 

Verdampfung 83^2 

Dampfdruck im Hochdruckkessel 9at,77 

„ .. Niederdruckkessel lat.09 

Durchschnittsleistung der Maschine 371 ind. EP 

Wasserverbrauch bez. auf Stunde und Indicatorpferd 6k.07 

Kolilenverbrauch „ „ . ,. „ ,. 0k,73 

Die Maschine machte durchschnittlich 91 Umdrehungen in der Minute. 

Es ist wohl kaum anzunehmen, dafs diese Construction zahlreiche 
Nachahmungen erfahren wird, denn der Dampfverbrauch der Maschine 
würde sich jedenfalls noch günstiger stellen, wenn der vom Hochdruck- 
cylinder abziehende Dampf nicht erst in einer langen Rohrleitung nach 
dem Niederdruckkessel und von hier in einer ebensolchen Leitung 
nach dem Niederdruckcylinder, sondern auf kürzerem Wege in den 
letzteren gelangte, ganz abgesehen auch von den erheblichen Mehr- 
kosten des zweiten Kessels und der Rohrleitungen, die doch wohl in 
keinem Verhältnifs gegenüber der besseren Ausnutzung der Heizgase 
stehen dürften. Fr. 



344 Morel's Kugelmühle. 

Entlasteter Schieber für Dampfmaschinen. 

Mit Abbildung aut Tafel 19. 

W. P. Thompson in London ist eine Schieberentlastung patentirt 
worden, welche als eine Verbesserung des 1885 256 " ; " S. 523 beschrie- 
benen Schiebers von H. Tipping in Greenwich angesehen werden kann. 

Wie nach Engineering, 1890 *S. 75, in Fig. 8 Taf. 19 veranschau- 
licht, befindet sich zwischen zwei Ansätzen D des Schieberkasten- 
deckels eine eingeschliffene Metallplatte 2?, deren vorstehende Leisten C 
auf dem Rücken des Schiebers A liegen. Die im Deckel angebrachte 
kreisförmige Oefmung F verbindet den Schieberkasten mit einem dar- 
über liegenden Behälter (r, dessen Wandungen m aus elastischem, ge- 
nügend starkem Metallblech bestehen; auf der oberen Fläche dieses 
Behälters ist ein Deckel N befestigt, welcher durch einen auf seiner 
ganzen Länge durchbohrten Schraubenbolzen t mit der Platte ß ver- 
bunden ist, so dafs eine Communication zwischen dem innerhalb der 
Leisten C gelegenen Räume und der atmosphärischen Luft gebildet 
wird und letztere auch durch die im Rücken des Schiebers angebrachte 
Bohrung r in dessen Aushöhlung treten kann. 

Der Dampf drückt demnach auf den Schieber mit einer Kraft, 
welche der Differenz der Flächen F und N entspricht, und es kann 
dieser Druck durch eine am Deckel IS' angebrachte Feder nötigenfalls 
beliebig vergröfsert werden. 

Bei Condensationsmaschinen wird die Oeff'nung r selbstverständlich 
wegfallen müssen. 



Ch. Morel's Kugelmühle. 

Mit Abbildungen auf Tafel 19. 

Zur Vermahlung spröder Körper wie Cement, Gyps, Schwerspat, 
Schlacken, Kalk, Erze u. s. w. werden in neuerer Zeit mit Vortheil 
Kugelmühlen an Stelle von Mahl- und Kollergängen verwendet. Ob- 
wohl dieselben zur Zerkleinerung von Holz- und Steinkohle für Giefserei- 
zwecke schon seit vielen Jahren gebraucht wurden, so haben diese 
Maschinen doch erst in dem letzten Jahrzehnt eine weiter gehende 
Ausbildung erfahren, wodurch nicht nur die Leistungsfähigkeit derselben 
beträchtlich gesteigert, sondern auch die Gleichartigkeit des Mahlgutes 
erhöht wurde. Vor den Kollergängen, namentlich aber vor den fran- 
zösischen Mahlgängen haben die Kugelmühlen insofern einen wesent- 
lichen Vorzug, als ihre arbeitenden Theile weniger der Abnützung 
unterworfen sind und dafs ferner ihre Bauweise die Anlage der Sicht- 
vorrichtungen ermöglicht, wodurch Nebenmaschinen in Wegfall kommen 
können. 

Die Kugelmühlen bestehen im Allgemeinen aus einer um wage- 



Morel"s Kugelmühle. 345 

rechte Hohlzapfen kreisenden Blechtrommel, in welcher eine gröfsere 
Anzahl eiserner Kugeln sich befinden, die durch Ueberstürzen und 
Rollen das eingeführte Mahlgut zerstofsen und zerreiben. Je nach der 
Härte und Beschaffenheit des Mahlgutmateriales richtet sich die Aus- 
führung des Trommelmantels, welcher aus gelochtem oder geschlitztem 
Stahlblech oder aus rostartigen Stahl- bezieh. Hartgufsstäben gebildet 
ist, während aufserdem noch zur Schonung des feinen Siebgeflechtes 
gröbere Vorsiebe eingeschaltet werden, um das unvollkommen gebliebene 
Mahlgut als Uebergang abzuscheiden, welches hierauf mittels geeigneter 
Vorkehrungen in die Maschinentrommel zur weiteren Verarbeitung 
zurückgeführt wird. 

Ueber Kugelmühlen vgl. Villeroy 1886 259*15, Zimmermann * 301, 
Grusonicerk 1889 274*398 bezieh. Jenisch* S97. Sachsenberg 1 1890 
275 * 353. 

Wesentlich von den vorerwähnten abweichend ist die von Ch. Morel 
in Grenoble gebaute Kugelmühle, welche nach Revue generale des machines- 
outils, 1889 Bd. 3 Nr. 6 * S. 42, in Fig. 4 und 5 dargestellt ist. Dieselbe 
besteht aus einem gufseisernen Standgefäfs A y in welchem mittels vier 
Stellschrauben C ein Stahlring o centrisch festgehalten wird, an dessen 
hohlgedrehter Innenwand die Kugeln 2 zum Theil eingreifen. Diese 
Kugeln werden durch die mit 180 bis 200 minutlichen Umläufen krei- 
sende Fächerscheibe 4 mitgenommen und vermöge der auftretenden 
Fliehkraft nach dem Ring 5 mit entsprechendem Druck geprefst, welcher 
weitaus gröfser als das Eigengewicht der Kugeln ist. Ein auf die 
Fächerscheibe 4 aufgeschraubter flacher Schlufsring verhindert nicht 
nur das Herausfliegen der Kugeln, sondern besorgt hauptsächlich den 
richtigen Umlauf des Mahlgutes, während durch den unteren Deckelring 
das Einlegen der stählernen Treibplatten erleichtert wird, welche zur 
Schonung der Fächerflügel vorgesehen sind. Das vom Rumpf / durch 
den Rüttelschuh E fallende Gut gelangt durch das am Zargendeckel 
befestigte Rohr in die einzelnen Fächer der Kugelscheibe 4, unter die 
Kuseln und dann zwischen diese und den feststehenden Ring 5, wo es 
durch die von der Kugelfliehkraft bedingte Druckäufserung und aufser- 
dem durch die Reibungswirkung der rollenden Kugeln zerrieben wird. 

Das durch den zwischen Zargendeckel und Stahlring 5 einge- 
spannten Siebcylinder 6 geworfene Mahlgut fällt durch Oeflhungen 5 im 
Gefäfsboden nach dem Flügelwerk tf, welches die Fortschaffung des 
Mahlgutes bezieh, die Lüftung der Maschine besorgt. 

Die Anordnung des Triebwerkes und die Lagerung der Fächer- 
spindel D sind aus den Figuren leicht zu beurtheilen. Als Arbeits- 
oder Wirkungslinie kann mindestens die untere Hälfte des Berührungs- 

1 In der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure. 1890 Bd. 34 Nr. 15 *S. 358 
bezieh. 1886* S. 333, ist die Kugelmühlenanlage der Mansl'elder Kupferschiefer 
bauenden Gewerkschaft in Eisleben ausführlich beschrieben. 



346 Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Gießerei, 

bogens einer Kugel angesehen werden, so dafs bei sechs Kugeln eine 
sechsfache Länge derselben ganz wohl angenommen werden kann. 

Mit dieser Kugelmühle soll das Feinmahlen von Cement, Kalk u. dgl. 
Stoffe erfolgreich durchgeführt worden sein und die Leistung im Ver- 
gleich zu einem Kollergang das Zwei- bis Vierfache betragen, während 
ununterbrochener Betrieb, Schutz gegen Verstaubung, gute Lüftung 
mittels Saugwind leicht durchführbar sind. Pr. 



Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei 
und die Jüngst'schen Schmelzversuche. 

Schon seit längerer Zeit war von Seiten wissenschaftlich gebildeter 
Eisenhüttenleute auf die gegenseitigen Beziehungen des Siliciums, des 
Kohlenstoffes und des Roheisens aufmerksam gemacht worden, ohne 
dafs jedoch diese Bemerkungen von Seiten der in der Praxis stehenden 
Giefsereitechniker besonders beachtet worden wären. So findet sich 
schon 1885 258 171 die Mittheilung, dafs nach Turner ein Silicium- 
gehalt bis zu 2,5 Proc. die Festigkeit des Gufseisens erhöht, die Ab- 
scheidung des Kohlenstoffes als Graphit begünstigt und zur Bildung 
glatter und schöner Güsse beiträgt. Von den deutschen Hüttenleuten 
war es in erster Linie Bischof, welcher für einen Siliciumgehalt des 
Giefsereieisens eintrat, mit glücklichem Erfolge durch Erhöhung des 
Siliciumgehaltes die Bildung grauen Giefsereieisens bewirkte und die 
Vorzüge bezüglich der Haltbarkeit dieses Eisens dem schottischen 
Giefsereieisen gegenüber nachwies. — Die Praktiker verhielten sich der 
Verwendung des Ferrosiliciums zu Giefsereizwecken gegenüber ab- 
lehnend, da die Ansicht allgemeine Geltung hatte, dafs ein Silicium- 
gehalt dem Giefsereieisen eher schade als nütze. 

Lebhaft angeregt wurde die Frage durch den Vortrag Gautiers 
vor dem Iron and Steel Institut, über welchen wir 1887 266 303 und 
1889 274 166 eingehend berichteten. 

Da sich nun an diesen Vortrag bald geschäftliche Reklamen an- 
schlössen, so z. B. ein in Basel von Sommer ausgegebenes Flugblatt 
behauptete, es könne durch einen geringen Zusatz von Ferrosilicium 
Brucheisen und Brandeisen in brauchbares Giefsereieisen umgewandelt 
und das theure (schottische) Giefsereieisen entbehrlich gemacht werden, 
so nahm sich der Verein deutscher Giefsereien der Sache an und be- 
schlofs, durch Schmelzversuche mit Ferrosilicium im Cupolofen der 
Sache näher zu treten. Zu diesen Versuchen wurde seitens des Vereins 
eine Unterstützung von 1000 M. bewilligt. Der Minister der öffent- 
lichen Arbeiten in Preufsen unterstützte das Unternehmen dadurch, dafs 
er die Genehmigung zur Anstellung der einschlägigen Versuche auf 
der Königlichen Eisengiefserei Gleiwitz ertheilte. Mit den Versuchen 



Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 347 

wurde Herr Jüngst beauftragt, der seine Aufgabe mit Geschick und Er- 
folg gelöst hat. Ein ausführlicher, mit reichem Zahlenmaterial belegter 
Bericht wurde in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 
Bd. 38 Heft 1, veröffentlicht, den wir im Nachstehenden seinem Haupt- 
inhalte nach mittheilen, indem wir bezüglich der analytischen und 
technisch-mechanischen Belegszahlen auf die Quelle verweisen. 

Die Versuche waren darauf gerichtet, zu erforschen, ob die bislang 
von Turner, Ledebur, Wood und Gautier aufgestellten Behauptungen 
zutreffend sind ? und wenn dies der Fall, wie sich die Verwendung des 
Ferrosiliciums für deutsche Verhältnisse gestalten müsse. Dann war 
noch die Menge des Ferrosiliciums, sowie die Einwirkung fremder Be- 
standteile des Roheisens als Mangan, Phosphor und Schwefel zu er- 
forschen. 

An Schmelzmaterialien kamen zur Verwendung: a) 3 Sorten 
Siliciumeisen von 5,3, 10,4 und 14,3 Proc. Silicium; ferner b) 3 Sorten 
weifses Roheisen von 0,85, 0,35 und 0,33 Proc. Silicium bei entsprechend 
3,54, 3,41 und 0,52 Proc. Mangangehalt, 3,93, 3,53 und 2,76 Proc. 
Kohlenstoff und 1,07, 1,08 und 0,91 Proc. Phosphor; c) 3 Sorten Bruch- 
eisen von 3,38, 2,71 und 2,05 Proc. Silicium; d) 2 Sorten Brandeisen; 
e) 7 Sorten graues Giefsereieisen, deren Siliciumgehalt von 3,02 bis 1,06, 
deren Kohlenstoff von 3,52 bis 2,77, deren Mangan von 2,01 bis 0,44 
und deren Schwefelgehalt von 1,49 bis 0,1 Proc. wechselt; f) Schmiede- 
eisenabfälle mit nur geringen Beimischungen. 

Die Schmelzungen wurden in einem Ibrügger Cupolofen von 700 mm 
Durchmesser, 3600 mm Höhe ausgeführt, dessen Schmelzfähigkeit 4 l in 
der Stunde beträgt, bei einem Sammelraum von 650 mm Höhe und 800 mm 
Durchmesser. 

Bei Bestimmung der Gattirung wurde in erster Linie der Silicium- 
gehalt durch Rechnung festgestellt, in zweiter Linie wurde der Gehalt 
an Mangan und Kohlenstoff berücksichtigt, sowie der Verbindungszustand 
des letzteren. Es wurde nun zunächst jede einzelne Waare für sich 
durchgeschmolzen und dann der Einflufs derselben bei den verschieden- 
sten Zusammensetzungen mit Ferrosilicium und anderen Eisensorten 
beobachtet. 

Zur Erhaltung einer möglichst gleichen Temperatur wurde bei den 
Versuchsschmelzen zunächst P,5 Roheisen für gewöhnliche Betriebs- 
zwecke durchgeschmolzen, dann eine leere Gicht von 100 k Koks und 
darauf die zu untersuchende Beschickung in Gichten von 500 k Roheisen, 
45 k Koks und 5 k Kalkstein gesetzt. Sobald das Eisen durchgeschmolzen 
war, wurde dasselbe in eine l l ,5 Roheisen fassende Pfanne abgestochen 
und die Gufsstücke in folgender Reihenfolge abgegossen: Dachplatten, 
Bratofenplatten, Falzplatten, Schüsselöfen, Achsbüchsenlager, Probestäbe 
zur Bestimmung der Biegefestigkeit (heifs gegossen), quadratische 
Platten in Herd- und Kastengufs (zur Ermittelung der Festigkeit gegen 



348 Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 

Schlag), Probestäbe (zur Ermittelung der Zugfestigkeit), Keile (zur 
Beurtheiluug des Abschreckens), Riemenscheiben und Räder (zur Be- 
stimmung der Festigkeit der Nabe gegen Sprengen und der Neigung 
zum Saugen), Kolbenringe, Probestäbe zum Bestimmen der Biegungs- 
festigkeit (matt gegossen), Stopfbüchsen, Cylinderdeckel und Winkel, 
welche zum Nachweis der Neigung zur Bildung von Saugegestellen 
und Blasenräumen in den Ecken gesprengt wurden. 

Es sind im Ganzen 53 Versuchsschmelzen zur Ausführung gelangt, 
und zwar: 

8 Schmelzungen mit Ferrosilicium von 5,32 Proc. Silicium, 19 Schmel- 
zungen mit Ferrosilicium von 10,38 Proc. Silicium, 6 Schmelzungen mit 
Ferrosilicium von 14,32 Proc. Silicium, 11 vergleichende Schmelzungen 
mit weifsem und grauem Koks- und Holzkohlen-Roheisen, 5 Versuchs- 
schmelzen mit Ferrosilicium von 10,38 Proc. Silicium zur Darstellung 
grofser Maschinentheile, 4 vergleichende Schmelzversuche ohne Zusatz 
von Ferrosilicium zur Darstellung von grofsen Maschinentheilen. 

Drei Versuchsschmelzen hatten den Zweck, den Einflufs des Ferro- 
siliciums auf weifses und graues Roheisen bei Gegenwart von Schmiede- 
eisen zu erkennen. Mit den Abgüssen im Gewichte von 0,4 bis 4850 k 
(Prefscylinder) wurden viele Proben gemacht, um ihre Bearbeitungs- 
fähigkeit auf Hobel-, Dreh- und Bohrbänken festzustellen. Wesentliche 
Unterstützung leistete zu den Feststellungen der Vorsteher der königl. 
Versuchsanstalt, Prof. Martens, durch seine mikroskopischen Unter- 
suchungen, über welche in der Quelle ausführlich berichtet wird. 

Eine Vergleichung der Analysen des Roheisens und des Gufseisens 
vor und nach dem Umschmelzen zeigt, dafs der Siliciumgehalt in der 
Regel, jedoch „ungleichmäfsig" abnimmt, im Durchschnitt = 17 Proc. 
Der Gehalt an gebundenem Kohlenstoff nimmt ab in dem Mafse", in 
welchem Silicium auf denselben einwirken kann. Besonders deutlich 
tritt diese Einwirkung des Siliciums hervor in den Phallen, in welchen 
weifses Roheisen allein mit Ferrosilicium gattirt worden ist. Eine Zu- 
nahme an gebundenem Kohlenstoff ist nur da zu verzeichnen, wo Brand- 
eisen verwendet und wo graues Roheisen mit sehr geringem Silicium - 
gehalte (1,06 Proc.) verschmolzen worden ist. Bemerkenswerth ist der 
nahezu gleichbleibende Gehalt an gebundenem Kohlenstoß' im Gufseisen, 
wenn Brand-, Bruch- und Graueisen zur Verwendung gelangt. 

Der Gesammtgehalt an Kohlenstoff nimmt fast in allen Fällen zu, 
in welchen Silicium und Mangan abnehmen. Diese Elemente schützen 
den Kohlenstoff vor der Oxydation. Der Mangangehalt nimmt durch- 
gehends, und zwar ganz bedeutend, ab, im Durchschnitt etwa um 29 Proc. 
Der Gehalt an Phosphor ist nur geringfügigen Schwankungen unter- 
worfen. 

Der Gehalt an Schwefel nimmt zu. Abweichungen sind durch 
aufserordentliche Verhältnifse herbeigeführt. Die zum Theil sehr be- 



Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 349 

deutende Zunahme des Schwefels ist der Einwirkung des Brennmaterials 
zuzuschreiben, dessen Sclrwefelgehalt von der sauer gehaltenen Schlacke 
nicht vollständig aufgenommen worden ist. 

Ein Siliciumgehalt von 1.55 bis 2,25 Proc. mindert die Neigung zum 
Sauden; ein geringerer Gehalt dagegen verstärkt wiederum diese Neigung, 
und ein o-röfserer Gehalt führt zur Bildung von Hohlräumen. Das dichteste 
Gufseisen ist bei einem Gehalte von 2,24 Proc. Silicium gefallen. Steigen- 
der Siliciumgehalt mindert die Neigung des Gufseisens zum Abschrecken 
und tritt gleichzeitig der nachtheiligen "Wirkung des Mangans entgegen. 
Da die Neigung zum Saugen und das Schwinden in genauer Beziehung 
zu einander stehen, so ist es erklärlich, dafs Silicium in gleicher Weise die 
Neigung des Gufseisens zum Schwinden ermäfsigt, indem es den gebun- 
denen Kohlenstoff als Graphit ausscheidet. Diese Einwirkung ist dadurch 
begründet, dafs der Graphit einen viel gröfseren Raum einnimmt als das 
Eisen. Da das bei Zusatz von Ferrosilicium dargestellte Gufseisen wenig 
saugt und wenig schwindet, so ist auch die Anbringung grofser ver- 
lorener Köpfe nicht erforderlich. 

Die Schmelzversuche haben unter den verschiedenen Resultaten ganz 
aufsergewöhnliche Festigkeitsziffern des Gufseisens ergeben, welche auf 
die chemische Einwirkung des Ferrosiliciums zurückzuführen sind. Eine 
nähere Untersuchung zeigt jedoch, dafs der Härtegrad und die Festig- 
keit des Gufseisens nicht allein von der chemischen Zusammensetzung, 
sondern vornehmlich von dem Gefüge desselben abhängig ist. Zw r ei 
Gufseisensorten, welche annähernd dieselben chemischen Bestandtheile 
besitzen, weisen oft ganz verschiedene physikalische Eigenschaften auf. 
So ist auch namentlich das so aufserordentlich verschiedene Verhalten 
des Holzkohlen- und Koks-Roheisens der verschiedenen Anordnung des 
Gefiiges zuzuschreiben. Aus dem Gefüge läfst sich bei einiger Uebung 
die Qualität des Gufseisens mit Sicherheit erkennen. Im frischen Bruche 
eines guten, festen Gufseisens erscheint ein hellgraues, feinmaschiges, 
taschen- oder korallenartiges Netzwerk, in welchem eine dunkelglänzende 
Masse polsterartig eingelagert ist. Dieses Netzwerk hält Jüngst für ein 
stahlartiges Schmiedeeisen mit etwa 0,5 Proc. gebundenem Kohlenstoff 
und die eingelagerte Masse für Graphit- und Siliciumverbindungen. 
Ersterem schreibt er die hervorragende Festigkeit, letzterem die grofse 
Widerstandsfähigkeit gegen Stofs und die geringe Neigung zum Saugen 
zu. Diese Eigenschaften ändern sich bei einer gewissen Zu- oder Ab- 
nahme des Siliciums, Graphits, Mangans, Phosphors und Schwefels. 

Ein sprödes, hartes Gufseisen zeigt eine langgestreckte, strahlen- 
förmige Anordnung; ein weiches, wenig haltbares Gufseisen ein in der 
hervortretenden dunklen Grundmasse kaum bemerkbares, grofsmaschiges 
Netzwerk bei lockerem Gefüge der einzelnen Bestandtheile. 

Schleifstücke lassen das oben erwähnte Netzwerk unter dem Mikro- 
skope recht klar erkennen; die photographische Aufnahme desselben in 



350 Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Gielserei. 

40- bis 50facher Vergröfserung Dicht minder deutlich dem unbewaffneten 
Auge. 

Bezüglich der Biegungsfestigkeit weisen die Versuchsschmelzen nach, 
dafs die gröfste Biegungsfestigkeit nicht von einem bestimmten Silicium- 
gehalte abhängig ist, sondern dafs annähernd dieselben Festigkeitsziffern 
bei einem Gehalte von 1,22 bis 3,07 Proc. Silicium erreicht werden können. 
Ein Siliciumgehalt über 3 Proc. wirkt abschwächend ein. 

Zur Erreichung der gröfsten Biegungsfestigkeit ist neben einem ge- 
wissen Gehalte an gebundenem Kohlenstoff, welcher zwischen 0,49 bis 
0,69 Proc. schwankt, noch ein solcher an Graphit von 1,49 bis 2,89 Proc. 
erforderlich. Letzterer macht das Gufseisen dehnbar und wirkt auf die 
Gröfse der Durchbiegung fördernd ein. Ein Mangangehalt über 1 Proc. 
mindert die Biegungsfestigkeit, ein Phosphorgehalt unter 1 Proc. und ein 
Schwefelgehalt unter 0,16 Proc. lassen wesentliche Nachtheile nicht er- 
kennen. Aehnliche Erscheinungen zeigen sich bei der Zug- und Druck- 
festigkeit. 

Besonders beachtenswerth ist die aufserordentliche Erhöhung der 
Stofsfestigkeit. Ein Würfel von 30 mm Seitenkante zerbrach erst nach 
dem 11. Schlage einer Arbeitsleistung von 113 m 'k für einen Schlag. Eine 
Platte von l m im Quadrat und 20 mm Stärke konnte erst nach dem 
24. Stofs eines 25 k schweren Rammbärs aus zuletzt 5 m ,25 Fallhöhe zer- 
trümmert werden. Die chemische Zusammensetzung dieser Gufseisen- 
sorten zeigte einen Siliciumgehalt von 2,24, 2,57, 2,09 Proc, bei einem 
entsprechenden Gehalt an Graphit von 2,22, 2,52, 1,81 Proc. und an 
Mangan von 0,45, 0,89, 0,55 Proc. 

Aus dem durch die Versuche festgestellten Verhalten verschiedener 
Gufsstücke bei der Bearbeitung mittels Maschinen ist der hervorragende 
Einflufs des Ferrosiliciums zu erkennen. 

Während Schmelzen, bei welchen Graueisengattirungen verwendet, 
nur Gufsstücke mit mehr oder weniger grofsen Fehlern und verhältnifs- 
mäfsig geringen Festigkeitsziffern lieferten, ist dieses bei den Gufsstücken 
der Schmelzen, welche aus weifsem Roheisen und Ferrosilicium dar- 
gestellt sind, nicht der Fall. Ein Pumpencylinder von 490 mm Durch- 
messer und 2100 k Gewicht war ein in jeder Beziehung ausgezeichnetes 
Gufsstück; derselbe arbeitet gegenwärtig unter 190 m Wasserdruck auf 
der Gottessegengrube in Oberschlesien. Ein Prefscylinder von 160 mm 
Wandstärke und 4850 k Gewicht zeigte sich bei einem Wasserdruck von 
280 at vollständig dicht, bis auf eine kleine Stelle, welche ganz unbe- 
deutend schwitzte. Ein Ventilkasten für Königsgrube, 1400 k schwer, 
war tadellos; desgleichen mehrere Dampfcy linder und andere grofse 
Gufsstücke. Acht Pumpencylinder von 400 mm Durchmesser und je 850 k 
Gewicht sind für die staatliche Steinkohlengrube Camphausen bei Saar- 
brücken gegossen, und sollen vier derselben unter 40 at Wasserdruck 
arbeiten. 



Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 351 

Für die Festigkeit dieser Gufsstücke sprechen besonders die bei der 
Bearbeitung derselben gefallenen Drehspäne, deren Länge bekanntlich 
den besten Mafsstab für die Zähigkeit des Gufs- und Schmiedeeisens 
gibt. Während nun die Späne des Gufseisens aus Graueisengattirungen 
nur 2 bis l-± mm messen, weist das aus weifsem Roheisen bei Zusatz von 
Ferrosilicium erzeugte Gufseisen solche bis zu 550 mm Länge auf; dazu 
mufs ausdrücklich noch hervorgehoben werdeu, dafs sie nicht künstlich 
dargestellt, sondern betriebsmäfsig gefallen sind. 

Als Gesammtergebnifs führt Jüngst an: 

Ein Rückblick auf die angeführten Schmelzversuehe ergibt, dafs 
hochwichtige Resultate erreicht worden sind. Insbesondere ist die ge- 
fundene Festigkeit des Gufseisens eine ganz hervorragende und über- 
trifft die Ziffern, welche bis dahin im technischen Leben zur Anwendung 
gelangten, um etwa 50 Proc. Während von dem aus den besten Marken 
grauen Roheisens hergestellten Gufseisen eine ßiegungsfestigkeit von 25 k 
und eine Zugfestigkeit von 14 k für Vwm verlangt wurde, haben die 
Schmelzversuche mit weifsem Roheisen bei Zusatz von Ferrosilicium 
Festigkeiten von bezieh. 37 und 23 k für lqmm ergeben. Es steht dem- 
nach die Biegungfestigkeit derjenigen des Schmiedeeisens nahe. Diese 
Erscheinung ist um so wichtiger, als die versuchsweise Anwendung von 
Gufsstahl zur Darstellung von Maschinengufsstücken, an welche hohe 
Ansprüche hinsichtlich der Festigkeit, Dichtigkeit und Weichheit gestellt 
werden, wegen dessen Härte, Porosität und Dehnbarkeit noch keine be- 
friedigenden Erfolge gehabt hat. 

Die zu Eingang gestellten Angaben sind nun auf Grund der bei 
den Schmelzversuchen erhaltenen Ergebnifse in folgender Weise als 
gelöst zu betrachten : 

1) Es ist nachgewiesen, dafs die von Turner, Ledebur, Wood und 
Gautier aufgestellten Behauptungen hinsichtlich der Einwirkung des 
Siliciums auf das Gufseisen im Allgemeinen begründet sind. 

Die Schmelzversuche lehren, in welchen Fällen das für sich allein 
nachtheilig auf die Qualität des Eisens einwirkende Silicium zur Dar- 
stellung eines dichten, festen Gufseisens beiträgt; sie zeigen ferner, dafs 
die Anwendung des Ferrosiliciums mit grofsem Erfolge ohne Schwierig- 
keit durchgeführt werden kann, sobald das Schmelzmaterial in seiner 
chemischen Zusammensetzung nur annähernd bekannt ist. Geringe Ab- 
weichungen wirken nicht in hohem Mafse schädlich ein; die Hauptsache 
ist, dafs nicht Ferrosilicium zu lediglich grauem, bereits siliciumhaltigem 
Roheisen zugesetzt wird, sondern dafs die Höhe des Zusatzes in erster 
Linie unter Berücksichtigung des vorhandenen gebundenen Kohlenstoffs 
und Graphits bestimmt wird. Es sind daher die in den Flugblättern 
des Herrn Sommer (Basel) empfohlenen Gattirungen mit Vorsicht zu 
behandeln. Dieselben können nur als Anhalt dienen. Unter Zugrunde- 
legung der im Berichte enthaltenen Angaben sind ohne grofse Mühe 



352 Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 

diejenigen Gattirungen zusammenzustellen, welche den jedesmal vor- 
liegenden Verhältnissen entsprechen. 

2) Aus den Schmelzversuchen geht hervor, dafs neben der chemi- 
schen Zusammensetzung des Gufseisens das Gefüge desselben einen her- 
vorragenden Einflufs auf die Festigkeit ausübt. Dieses Gefüge nun, 
welches die grofse Festigkeit des Gufseisens bedingt, kann sowohl durch 
Umschmelzen grauer Roheisensorten, als auch durch Zusammenschmelzen 
mit Ferrosilicium erlangt w-erden. 

Bei der Verwendung von grauem Roheisen wirken viele Zufällig- 
keiten, welche nicht immer zu übersehen sind, ein und machen das Ge- 
lingen der Gufsstücke fraglich. Besonders ist dieses der Fall bei Dar- 
stellung von Gufsstücken, an welche grofse Festigkeitsansprüche gestellt 
werden und welche grofse Wandstärken besitzen, da bei wachsenden 
Wandstärken auch die Neigung des Gufseisens zunimmt, Hohlräume zu 
bilden, in Folge dessen das Gefüge locker wird und das Eisen an Festig- 
keit verliert. 

Bei der Verwendung von weifsem Roheisen mit Zusatz von Ferro- 
silicium fallen diese Zufälligkeiten gröfstentheils weg, und ist bei einiger 
Aufmerksamkeit mit grofser Sicherheit die Darstellung eines Gufsstückes 
von hervorragenden Eigenschaften zu erreichen. 

Es ist daher das bisher wohl allgemein in Deutschland übliche Ver- 
fahren, Gufsstücke, an welche grofse Festigkeitsansprüche gestellt werden, 
durch Zusammenschmelzen grauer Roheisenmarken darzustellen, nicht 
das richtige, und ist in dieser Beziehung sowohl vom technischen, wie 
vom pekuniären Standpunkte aus auch für Deutschland die Darstellung 
solcher Gufsstücke aus weifsem Roheisen bei Zusatz von Ferrosilicium 
zu empfehlen. Da jedoch gegenwärtig die Verkaufspreise des Ferro- 
siliciums sehr hoch gehalten werden, so ist vorläufig noch die Verwen- 
dung von grauem Roheisen zur Darstellung von Gufsstücken gewöhn- 
licher Art in pekuniärer Richtung vortheilhafter. Sollten jedoch, wie 
zu erwarten, die Verkaufspreise des Ferrosiliciums bedeutend sinken, 
so wird die Frage zu verfolgen sein, ob nicht bei Darstellung auch dieser 
Gufsstücke die Verwendung von weifsem Roheisen vorzuziehen ist, zu- 
mal die Erblasung von weifem Roheisen sich billiger stellt als diejenige 
von grauem Roheisen. Oertliche Verhältnisse müssen hier den Ausschlag 
geben. 

3) Die Frage, ob der Verwendung von minder-, mittel- oder hoch- 
werthigem Ferrosilicium der Vorzug zu geben sei, kann nur unter Be- 
rücksichtigung der örtlichen Verhältnisse beantwortet werden. 

Zur Zeit der Ausführung der Schmelzversuche wurden für l l Ferro- 
silicium gefordert bei einem Gehalte von 

5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Proc. Sili cium 
58 65 70 80 90 105 110 117 125 148 160 M. 
frei Waggon Erzeugungsstelie. 



Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 353 

Die auf der Gleiwitzer Hütte durchgeführten Schmelzversuche haben 
ergeben, dafs bei Verwendung von mittelwerthigem Ferrosilicium 
(10,38 Proc. Si) durchgehends die besten Ergebnisse erlangt worden 
sind. Bei dem Zusatz von minderwerthigem Ferrosilicium (5,32 Proc. SH 
sind allerdings auch recht hohe Festigkeitsziffern erreicht worden, doch 
liefs das Gufseisen nach anderer Richtung hin recht viel zu wünschen 
übrig. Der Grund lag wohl vornehmlich darin, dafs in dem verwen- 
deten Ferrosilicium ein hoher Gehalt an Mangan vorhanden war, und 
dafs zur Erlangung der erforderlichen Menge freien Siliciums grofse 
Mengen dieses Ferrosiliciums zugesetzt werden mufsten, wodurch die 
an und für sich schlechten Eigenschaften dieses Materials auf das End- 
erzeugnifs nachtheilig einwirkten. Da nun von schädlichen Begleitern 
freies Ferrosilicium mit geringem Siliciumgehalte verhältnifsmäfsig theuer 
herzustellen ist, so dürfte dessen Verwendung im Allgemeinen nicht als 
vortheilhaft zu bezeichnen sein. 

Ferrosilicium mit hohem Siliciumgehalte (14,32 Proc. Si) wirkt sehr 
kräftig ein, und ist dessen Verwendung in erster Linie zu empfehlen, 
zumal dasselbe nur geringe Mengen schädlicher Begleiter enthalten kann. 
Es liegt nur die Gefahr vor, dafs bei der verhältnifsmäfsig geringen 
Menge, welche dem Roheisen zugesetzt wird, nur ein örtliches Einwirken 
stattfindet, was dann leicht ein Erzeugnifs von ungleichmäfsigen Eigen- 
schaften zur Folge hat. Die Versuchsschmelzen auf der Gleiwitzer Hütte 
haben in dieser Beziehung sehr verschiedenartige Erscheinungen in ein 
und demselben Gufsstücke ergeben. Um diesen Uebelstand zu vermeiden, 
mufs Fürsorge getroffen werden, dafs ein vollständiges Mischen des 
ganzen Metallbades, etwa durch Umrühren, erreicht wird. 

4) Nach den Versuchsschmelzen läfst ein Mangangehalt und ein 
Phosphorgehalt bis zu 1 Proc, sowie ein Schwefelgehalt bis zu 0,16 Proc. 
im Gufseisen nachtheilige Einwirkungen auf das Produkt nicht erkennen. 
Es ist daher bei der Zusammenstellung der Gattirung darauf zu achten, 
dafs vorstehende Zahlen nicht überschritten werden. Besonders ist hier- 
bei auf den Mangangehalt Rücksicht zu nehmen. 

Die ausgeführten Schmelzversuche berechtigen zu der Annahme, 
dafs das weitere Studium der Eigenschaften des Siliciums und des diesem 
verwandten Aluminiums dahin führen wird, dafs aus rein deutschem 
Materiale mit grofser Sicherheit die zu den verschiedensten Zwecken 
erforderlichen Gufsstücke bei verhältnifsmäfsig geringen Abmessungen 
in hervorragender Güte dargestellt werden. Auf der Königlichen Eisen- 
giefserei Gleiwitz werden solche Gufsstücke unter Anwendung von Ferro- 
silicium bereits fabrikmäfsig gegossen. 

In Stahl und Eisen Nr. 4 1890 bemerkt Ledebur am Ende seines 
Berichtes über die Jüngsf sehen Untersuchungen, dafs durch die ange- 
stellten Versuche erwiesen sei, dafs durch Zusatz von Siliciumeisen zu 
anderen Eisensorten, insbesondere zu weifsem Roheisen, sofern dieses 

Dingler' s polyt. Journal Bd. 276 Nr. 8 189011.! 23 



354 Ueber Verwendung von Ferrosilicium in der Giefserei. 

nicht etwa reich an Mangan ist, ein für die Giefserei vorzüglich brauch- 
bares Material, ausgezeichnet durch hohe Festigkeit, geringe Schwindung, 
geringe Neigung zum Abschrecken und andere gute Eigenschaften er- 
zielt werden kann; wenn auch Jüngst diesen Erfolg einer Einwirkung 
des Siliciumeisens zuschreibe, so sei er selbst der Ansicht, dafs das 
Siliciumeisen hierbei nur mittelbar einwirke, indem es die Möglichkeit 
gibt, solches Eisen zu benutzen, welches geringere Mengen von Fremd- 
körpern als graues Roheisen enthält. Weifses Roheisen, bei niedrigerer 
Temperatur erblasen, nimmt, wie Ledebur sagt, verschiedene fremde Körper 
gar nicht oder jedenfalls in geringerer Menge auf als graues. Gibt man 
nun dem weifsen Roheisen Gelegenheit, Silicium aufzunehmen, ohne die 
Menge der sonstigen Fremdkörper zu vermehren, so verwandelt es sich 
in graues Roheisen, welches sich vor den meisten übrigen Sorten Grau- 
eisen vorteilhaft auszeichnen wird. Dafs ein Zusatz von reinem Silicium 
statt des Siliciumeisens den gleichen, vielleicht einen noch günstigeren 
Erfolg haben würde, kann nicht zweifelhaft sein. 

Im Uebrigen dürfe man nicht aufser Acht lassen, dafs die sehr günstigen 
Ergebnisse der Festigkeitsprüfungen, welche mit den unter Zusatz von 
Siliciumeisen bereiteten Gufseisensorten erhalten wurden, doch nicht ganz 
vereinzelt dastehen. Jüngst selbst erzeugte bei früheren Schmelzversuchen 
durch wiederholtes Umschmelzen Gleiwitzer Roheisens ein Gufseisen 
mit 37 k ,09 Biegungsfestigkeit; Meterplatten von 20 mm Stärke, aus diesem 
Eisen gegossen, wurden erst nach 22 Schlägen der aus 5 m ,75 Höhe 
geworfenen 25 k schweren Fallkugel zertrümmert. Holzkohlenroheisen 
von Reschitza, in rechtwinkligen Stäben von 100x200 mm Querschnitt 
durch Prof. Bauschinger geprüft, 1 zeigte eine Biegungsfestigkeit von 34 k ,0 
und bei Zusatz von 20 Proc. Bessemerstahl steigerte sich diese Festig- 
keit auf 43 k ,8, während die Zugfestigkeit des nämlichen Gufseisens ohne 
Stahlzusatz 25 k ,40, mit Stahlzusatz 26 k ,9 betrug. 

Immerhin sei aber durch die Versuche jedem Giefsereipraktiker ein 
verhältnifsmäfsig einfaches Mittel gezeigt worden, durch welches er im 
Stande sein wird, sich ein für zahlreiche Verwendungen vorzüglich ge- 
eignetes Gufsmaterial zu verschaffen. 

Bezüglich der Kosten gibt die Jiingsf sehe Arbeit für verschiedene 
Mischungen den Selbstkostenpreis an, wobei als Grundlagen die in Glei- 
witz zur Zeit der Versuche geltenden Preise dienten. Es ergeben sich 
hierbei die Kosten für je 100 k : 

1) einer Gattirung grauen, für gewöhnliche Zwecke brauchbaren 
Giefsereieisens ohne Anwendung von Siliciumeisen (70 Theile einheimi- 
schen Roheisens, 10 Theile Brandeisens, 20 Theile Brucheisens) = 5,26 M.: 

2) einer Gattirung von 30 Theilen 5,32 Proc. Siliciumeisens mit 



1 A. r. Kerpely. „Eisen und Stahl auf der Weltausstellung- in V;\vi> L879 w 
S. 155. 



Tower's Vorrichtung des festen Standpunktes. 355 

70 Theilen weifsen Koksroheisens, für dieselben Verwendungen als 
1 brauchbar, = 6,10 M.: 

3) einer Gattirung von 34 Theilen schottischen Roheisens mit 
66 Theilen Brucheisens für Masehinentheile = 6,98 M.; 

4) einer Gattirung von 20 Theilen 10,38 Proc. Siliciumeisens mit 
80 Theilen Weifseisens, für den nämlichen Zweck als 3 brauchbar, = 
7,70 M.; 

5) einer Gattirung von 18 bis 20 Theilen 10,38 Proc. Siliciumeisens 
mit weifsem Holzkohlenroheisen