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Full text of "Dingler's polytechnisches Journal"

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1890 



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THIS BOOK MUST NOT BE TAKEN 
FROM THE LIBRARY BUILDING. 




I Mmrler's 



fMiitnlinisrlirs Jonrtutl 



Unter Mitw irkung von 



Professor Dr. C. Engler in Karlsrühe 



herausgegeben von 



Ingenieur A. Hollenberg n* Docent Dr. H. Käst 

in Stuttgart. in Karlsruhe. 



Sechste Reihe. Achtundzwanzigster Band. 

Jahrgang 1800. 

\ß in den Text gedruckten und od Tafeln Abbildungen. 



St ut t sart. 
i dei 1 •;. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger. 



Diiiüler's 



^nlijtprlmisilips Jmiraal. 



Unter Mitwirkung von 

Professor Dr. C. Engler in Karlsruhe 
herausgegeben von 

Ingenieur A. Hollenberg und Docent Dr. H. Käst 

in Stuttgart. in Karlsruhe. 




Zweihundertachtundsiebenzipjstei' Band. 



Jahrpnj 1890. 



Mit 88 in den Text gedruckten und 30 Tafeln Abbildungen. 



Stuttgart. 

Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger. 



Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschall in Stuttgart. 




Inhalt des zweilmndertachtundsiebenzigsten Bandes. 

(1890.) 



Abhandlungen, Berichte u. dgl. S. 1. 49. 97. 145. 193. 241. 289. 337. 385. 433. 
481. 529. 

Kleinere Mittheilungen S. 42. 95. 191. 240. 287. 334. 382. 429. 478. 525. 574. 

Namen- und Sachregister des Jahrganges 1890 Bd. 275 bis 278 von Dingler's 
polytechn. Journal S. 57 7. 



Schreibweise chemischer Formeln und Bezeichnung der Citate. 

Um in der Schreibweise der chemischen Formeln Verwechslungen möglichst 
zu vermeiden und das gegenseitige Verständnifs der neuen und alten Formeln 
zu erleichtern, sind die alten Aequivalentformeln mit Cursiv- (schräger) Schrift 
und die neuen Atomformeln mit Antiqua- (stehender) Schrift bezeichnet. (Vgl. 
1874 212 145.) 

Alle Dingler's polytechn. Journal betreffenden Citate werden in dieser Zeit- 
schrift einfach durch die auf einander folgenden Zahlen: Jahrgang, Band (mit 
fettem Druck) und Seitenzahl ausgedrückt, * bedeutet: Mit Abbild. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2010 with funding from 

NCSU Libraries 



http://www.archive.org/details/dinglerspolytech278augs 




Neue Erdöl-Maschinen. 

(Patentklasse 46. Fortsetzung des Berichtes Bd. 271 * S. 539.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 1. 

Von M. E. Durand in Paris wird nach einer Mittheilung in Armen- 
gaud's Publication industrielle, Bd. 32 S. 485, die in Fig. 1 bis 3 dar- 
gestellte Erdöl-Maschine angegeben. Die Maschine soll mit leichtflüch- 
tigen Kohlenwasserstoffen betrieben werden, welche in dem Behälter H 
oberhalb des Arbeitscylinders eingefüllt werden. Durch den auch oben 
abgeschlossenen Behälter H reicht ein abgedichtetes Rohr a?, welches 
in einem auf dem Flüssigkeitsspiegel ruhenden Schwimmer H 1 endigt. 
Letzteres ist mit einem Ringe x x durch Ketten, welche über Rollen 
geführt werden, verbunden und durch denselben so ausgeglichen, dafs 
er nicht tief in die Flüssigkeit eintaucht. 

Die Einlafsventile a und a { , sowie das Auslafsventil m werden von 
der Betriebswelle gesteuert. Aufserdem steht das Gaszulafsventil a 
unter der Einwirkung eines Schwungkugelregulators, welcher bei zu 
schnellem Gange der Maschine den Finger g auslöst, so dafs die Pendel- 
hebel die Ventilstange F { nicht mehr bewegen können. 

Beim Saugehub des Arbeitscylinders wird bei geöffnetem Ventil a 
und a { , deren erstes durch F { g , deren letztes durch Winkelhebel b 
von der Steuerwelle aus beeinflufst wird, durch das Rohr G und die 
Deckelmündung y des Gefäfses H das über dem Flüssigkeitsspiegel an- 
gesammelte Luft- und Kohlenwasserstoffgemisch abgesaugt, welches sich 
durch vorhergegangene Saugewirkung beim Eintritt von Luft durch 
Rohr x und Schwimmer H { gebildet hatte. 

Die Entzündung findet im Räume M auf elektrischem Wege statt. 
Die magnet-elektrische Maschine J, welche ebenfalls von der Kurbel- 
welle betrieben wird, sendet Strom an die Stelle ji\ wird nun das vier- 
zähnige Rad i von aufsen durch seine Steuerhebel A 1 i t umgedreht, so 
wird beim Abschnellen der Feder ; von den Zahnspitzen des Rades i 
in Folge der Stromunterbrechung eine Funkenbildung erfolgen, welche 

Dingler's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 1. 1890/1V. 1 



2 Neue Erdöl-Maschinen. 

das Gemenge entzündet. Der Auspuff der Verbrennungsgase erfolgt 
durch das gesteuerte Ventil m in das Rohr E { . 

Während durch Ventil a nur das im Behälter H gebildete Gas- 
gemisch in den Cylinder tritt, rindet ein weiterer Luftzuschufs durch 
Ventil F vor dem Ventil a, statt. Letztere Ventile bleiben anscheinend 
auch in Thätigkeit und lassen Luft in den Cylinderraum eintreten, wenn 
der Gaszulafs durch Ventil a abgesperrt ist. 

Beim Anlassen der Maschine soll die Verdichtung des Gemenges im 
Raum M vermieden werden, indem durch Hebel K der Daumen k aufser 
Berührung mit der Steuerstange L L { gebracht wird. 

Zur etwa erforderlichen Beheizung des Behälters H behufs leichterer 
Vergasung des Kohlenwasserstoffes kann hinter dem Auspuffventil m 
durch Rohr u Auspuffgas dureh die im Behälter H angeordnete Rohr- 
schlange Uj geschickt werden. 

Mit einer zweipferdigen Maschine sind folgende Ergebnisse erzielt 
worden bei Verwendung eines Kohlenwasserstoffes von durchschnittlich 
7100 Dichtigkeit. 

Verbraucht wurden während des zweistündigen Versuches 3',844 
oder für die stündliche Pferdekraft 0',667, da die Maschine 2,88 B? 
entwickelte. Die Maschine machte während des Versuches 180 Um- 
läufe in der Minute. 

Die Maschine von J. H. Knight in Barfield, welche in Engineer, 
1889 *S. 13b und Scientific American, 1889 * S. 11580, beschrieben ist, 
wird durch Paraffinöldämpfe betrieben. Für eine einhalbpferdige Maschine 
erhält der Cylinder einen Durchmesser von 4 Zoll bei 8 Zoll Hub. 

Die Verdampfungskammer B (Fig. 4) sitzt am Ende des Arbeits- 
cylinders und bedarf nur beim Anlassen der Maschine einer Vor- 
wärmung. Das zu verdampfende Oel wird mit einer in der Zeichnung 
nicht sichtbaren kleinen Pumpe in die Kammer B gespritzt. Das ver- 
dampfte Oel wird beim Saugehub des Arbeitskolbens durch das in die 
Scheidewand zwischen Kammer und Arbeitscylinder eingesetzte und 
mittels der Stange B gesteuerte Ventil A in den Cylinder eingesaugt 
und mit Hilfe des gesteuerten Schiebers Z), welcher die von der Ge- 
bläseflamme FE erhitzte Platinplatte P vor den in den Cylinder führenden 
Kanal bringt, entzündet. 

Die Vergasungskammer ist zur leichteren Verdampfung bezieh, zur 
besseren Wärmeaufnahme aus dem Arbeitscylinder mit Kupferplatten 
besetzt, welche von dem stählernen Cylinderboden ausgehen. 
Bei O ist der Auslafs für die Auspuffgase. 

Der Regulator wirkt sowohl auf den Zulafs von Oel in die Ver- 
brennungskammer, als auch auf den Zulafs von Dampf durch Ventil B 
in den Arbeitscylinder. Genauere Angaben finden sich in unseren 
Quellen nicht. 

Eine sehr kleine Kraftmaschine von l f fl B?, d. i. etwa einer Mannes- 



Neue Erdül-Maschinen. 3 

kraft, wird nach Engineer, 1890 zweite Hälfte *S. 65, von E. Butler an- 
gegeben und in den Werken von F. B. Shuttleworth in Erith gebaut. 
Die Maschine besitzt aufser einem Kühlwassergefäfs von 20 1 Inhalt einen 
angeblich für einen Tagesbetrieb hinreichenden Erdölbehälter von 2 1 In- 
halt. Das Oel wird aus dem Behälter W (Fig. 5), welcher durch ein 
Schwimmerventil w auf gleichem Spiegel gehalten wird, durch einen 
mit Luft bethätigten injectorartigen Zerstäuber A angesaugt, so dafs ein 
Luftgemisch durch die von Hand stellbare Drosselklappe T in den den 
unteren Cylinderraum umgebenden Mantel B gelangt. Hier erhitzt sich 
das Gemisch und verdampft, um durch den gesteuerten Drehhahn M 
und den Kanal E in den Explosionsraum H unter den Arbeitskolben 
zu gelangen, wo ein durch eine Batterie gespeister elektrischer Zünder J 
die Zündung übernimmt. Der Einlafs der Gase durch den Hahn M 
erfolgt durch die Kanäle F, der Auslafs der Verbrennungsgase durch 
die Kanäle D. Durch die Röhren P, R l R 2 P 2 läuft das Kühlwasser, 
welches stets wieder zum Behälter zurückkehrt. 

Die Maschine arbeitet im Viertakt. 

Die Cylinderbohrung beträgt 2 Zoll bei 3« s Zoll Hub des Kolbens. 
Die Umdrehungen sind veränderlich zwischen 250 und 800 (! ?) in der 
Minute. Die Gesammthöhe der Maschine ist 16 l j 2 Zoll bei 7mal 12 Zoll 
Grundfläche; sie wiegt ohne Wasserinhalt 110 Pfd. 

Die Erdöl-Maschine von A. E. Tavernier und L. B. Schlesinger 
(* Englisches Patent Nr. 1603 vom 29. Januar 1889) ist doppeltwirkend 
und arbeitet im Viertakt. Der Arbeitscylinder B (Fig. 6 und 7) be- 
sitzt an jedem Ende eine Explosiouskammer C /, welche abwechselnd 
zur Arbeit herangezogen werden. Der Kohlenwasserstoff wird mittels 
einer Pumpe in den Mantel I des Arbeitscy linders eingeführt, um hier 
zu verdampfen und dabei Kühlwasserzuflufs unnöthig zu machen. Der 
verdampfte Kohlen Wasserstoff gelangt in die an jedem Cy linderende 
vorgesehenen Ventilkästen L, um hier durch den gelochten Ring L l 
innig mit zugeführter Luft gemischt zu werden. Das Gasgemenge geht 
durch Ventil T in den Verbrennungsraum J (Fig. 7) und wird hier 
durch einen bei V entwickelten elektrischen Funken entzündet. 

Nicht verdampfter Kohlenwasserstoff gelangt aus dem Cylinder- 
mantel in einen besonderen Condensationsapparat, welcher auch im 
Ueberschusse verdampften Kohlenwasserstoff aufnimmt. 

Die Kolbenstange K wird durch einen Kreuzkopf E in der Gleit- 
führung M geleitet. Von dem Kreuzkopf geht eine Querstange ab, welche 
durch zwei längsseits des Cylinders gelagerte Pleuelstangen F und die 
mit letzteren verbundenen Kurbeln G die Schwungradwelle H umtreiben. 

Die Ventile J, sowie die in demselben Gehäuse sitzenden Auslafs- 
ventile W werden durch Daumenscheiben N gesteuert, welche durch 
Riemen S gekuppelt sind, um für beide Cylinderenden gleichmäfsige 
Wirkung der Steuerung herbeizuführen. 



4 Nene Erdöl-Maschinen. 

Ein Regulator kann zur Regelung des Dampfzustromes zu den 
Ventilen dienen. 

Die Maschine von C. Hitler v. Korytymki in Budapest (*D. R. P. 
Nr. 46128 vom 24. April 1888) ist in Fig. 8 dargestellt. 

Der Cylinderkolben / saugt zunächst bei Beginn des ersten Vor- 
wartsganges, nachdem eine Vorrichtung das Ausströmventil 8 offen Iäfst, 
auf dem Kulbenwege cg die Verhrcnnungsproducte zurück. Dieselben 
können auch während der Ausströmungsperiode im Cy linder zurück- 
gelassen werden, «renn das Ausströmventil 8 im Punkt b des Kurbel- 
weges geschlossen wird. Sonach ötfnet sich das selbsthätige Ventil 9 
um i der Kolben saugt auf seinem ferneren Wege d-h atmosphärische 
Luft allein an, um mit den im Verbrennungsraume 22 zurückgebliebenen 
Verbrennungsproducten sich zu vermengen und eine zweite Schicht ccßyö 
zu bilden. In diesem Ladungsstadium beginnt die Gas- oder Dampf- 
pumpe durch ein Excenter, welches an der Kurbelwelle mit einer Vor- 
eilung von 90° angebracht ist, das Gas oder brennbaren Dampf in den 
Cy linder zu drücken, und indem der Kolben auf dem Wege o-a die 
atmosphärische Luft weiter saugt, gelangt auch das Gas durch ein 
Ventil 23 und den Kanal 4 in den Arbeitscylinder. Die auf diese Art 
gebildete dritte Schicht ydm] enthält ein brennbares Gas oder Dampf, 
atmosphärische Luft und etwas von den Verbrennungsrückständen. Diese 
letzte Schicht yöey wird, nachdem jetzt die Saugperiode für die atmo- 
sphärische Luft beendet ist, durch weitere Zuströmung von brennbarem 
Gas oder Dampf allein bereichert, was während der schwächeren Com- 
pressionsperiode auf dem Kolbenwege a-/*, wo auch der Pumpenkolben 
seinen Rückgang beendet, durch denselben bewerkstelligt wird. 

Es soll nun die Schicht y 8 e q sehr gasreich werden, auch dann, 
wenn eine um die Hälfte kleinere Menge von brennbarem Gas oder 
Dampf verwendet wird als jene, welche zur Ladung eines ganzen 
Cylinderinhaltes verwendet werden müfste. 

Der Gaspumpenkolben saugt durch Vermittelung des Gasventils 6 
i Flg. 9 ) und das Andrücken der Feder ^5, welche von dem Knaggen 14 
bei jeder Umdrehung des conischen Zahnrades gehoben wird, an den 
Gasventilkegel brennbaren Dampf oder Gas in die Pumpe, und nach- 
dem diese Ladung von hier in den Arbeitscylinder hineingetrieben 
wurde, saugt der Pumpenkolben bei seinem zweiten Vorwärtsgange 
durch ein selbsthätigee Ventil 7 atmosphärische Luft ein, welche wäh- 
rend der Ausströmungsperiode in den Arbeitscylinder gedrückt wird, 
um theilweise bei dem Ventil 8 auszuströmen, t heil weise jedoch mit 
den Rückständen im Cylinder zurückbleiben. Nachdem die Ladung 
des Arbeitscylindere im Punkt /"des Kurbelweges abgeschlossen wird, 
verdichtet jetzt der Arbeitskolben die volle Ladung von f bis c, wo 
jetzt eine raschere Entzündung erfolgt, sodann die Kraftentwickelung 
auf dem Wege cd-e-a . Die Ausströmung der Verbrennungsproducte 



Neue Erdöl-Maschinen. 5 

beginnt im Punkte a des Kurbelweges, indem das Ventil 8 durch einen 
Knaggen und Hebel gehoben und entweder im Punkte b oder d ge- 
schlossen wird. 

Die Kraftregulirung wird durch einen gewöhnlichen Kugelregulator 
in der Weise besorgt, dafs bei einer constanten Umdrehungszahl, welche 
der Motor zu verrichten hat, die Regulatorkugeln stets in der gleichen 
Höhe schwingen und die Feder 15 dann immer an den Knaggen 14 
gleitet und das Gasventil 6 öffnet; vergröfsert sich jedoch die Um- 
drehungszahl des Motors, so steigen die Kugeln aus ihrer normalen 
Höhe hinauf, heben die Feder 15 über den Knaggen 14, und das Gas- 
ventil bleibt geschlossen, was so lange andauert, bis der Motor seine 
normale Umdrehungszahl wieder erreicht hat. Die Regulatorfeder 15 
wird durch eine Spindel 54, welche mit dem Kugelgehäuse 55 ver- 
keilt ist, gehoben und gesenkt. Die Spindel 55 hat an jener Stelle, 
wo der Keil die Spindel 54 mit dem Gehäuse 55 verbindet, einen 
Schlitz, in welchem der Keil sammt dem Gehäuse 55 und der Spindel 54 
sich auf und ab bewegen kann. So oft sich nun die Kugeln heben, 
drücken die Kugelhebel 56, die in die Spindel eingeschlitzt sind, auf 
die letztere, und nachdem diese Spindel zwischen dem conischen Rad 
und seinem Fufslager festgehalten wird, heben sie das Gehäuse 55 und 
mit ihm die Spindel 54 sammt der Feder 15 in die Höhe. Sinken die 
Kugeln, dann sinkt auch das Gehäuse und mit diesem die Spindel und 
die Feder. 

Die Entzündung geschieht durch elektrischen Funken. 

Die Gaserzeugung erfolgt in nachstehender Weise: 

In einem Behälter 16, wohin die aus dem Arbeitscylinder aus- 
tretenden heifsen Verbrennungsrückstände geleitet werden, befinden sich 
zwei kupferne Kessel, von denen der cylinderförmige Kessel 12 einen 
zweiten, flügeiförmigen Kessel 15 umfafst. Die an der inneren Seite 
des Kessels 12 und an der äufseren Seite des Kessels 15 angebrachten 
kupfernen Streifen 5 haben den Zweck, das Ausstrahlen der von den 
Kesselwänden aufgenommenen Wärme zu beschleunigen und die aus 
dem Kessel 15 geschleuderte und zur Verdampfung bestimmte Flüssig- 
keit zu zerstäuben. 

Der Kessel 15, welcher an der Regulatorspindel 55 befestigt ist, 
rotirt gleichzeitig mit der letzteren und erhält die zum Verdampfen be- 
stimmte Flüssigkeit aus einem Gefäfs durch ein Rohr und die Oeff- 
nungen 21, von wo der hier entwickelte Dampf durch die Oeffnungen 5S 
entweicht und die Flüssigkeit durch die im wulstförmigen Ring an- 
gebrachten Löcher 50 in den Kessel 12 hinuntergetriebeu wird, um 
daselbst in Dampf verwandelt zu werden. 

Die Gröfse der beiden Kessel wird so gewählt, dafs die von den 
Flächen derselben abgegebene Wärmemenge nur jenes Quantum von 
Flüssigkeit im Zeitraum zwischen zwei nach einander folgenden Ladungs- 



6 Neue Erdöl-Maschinen. 

perioden verdampft, welche zur einmaligen Ladung der Arbeitscylinder 
nöthig ist, und die Spannung der so erzeugten brennbaren Dämpfe 0,25 
bis 0»»,8 oiehl übersteigt. 

Bei jeder Umdrehung der Kurbelwelle gelangt je eine Ladung 
Flüssigkeit in den Kessel /3, wogegen eine zweite Ladung schon als 
brennbarer Dampf in den oberen Räumen des Kessels 12 zur Füllung 
der Arbeitscylinder durch das Gasventil 6 und die Pumpe bereit ist. 

Die nöthige Wärme in dem Behälter 16 kann auch durch das 
Einstellen einer brennenden Lampe oder einer anderen Wärme er- 
zeugenden Vorrichtung in dem Behälter 16 selbst hervorgebracht werden, 
was namentlich dann nothwendig sein wird, wenn der Motor in Betrieb 
gesetzt werden soll. 

Um eine theilweise Luftleere zu vermeiden, welche in den Kesseln 12 
und 15 dadurch entstehen könnte, wenn die Spindel 55 nicht rasch 
genug das Einlafsventil 26 öffnen würde oder die Rinnen verstopft 
wiiren, wird ein selbsthätiges Federventil 52 angebracht, welches für 
den Fall einer Verdünnung des Dampfes in den Kesseln den Zutritt der 
atmosphärischen Luft in dieselben gestattet. 

Um das beschriebene Verdampfungsverfahren einer Flüssigkeit zur 
Erzeugung brennbarer Dämpfe mit den jeweiligen Anforderungen der 
Arbeitscylinder in Einklang zu bringen, d. h. damit der Apparat zur 
Verdampfung nicht mehr Flüssigkeit erhalte, als zwei nach einander 
folgende Cylinderladungen an brennbarem Dampf nöthig haben, ferner 
damit der Arbeitscylinder für jede Krafterzeugung durch die Pumpe das 
nöthige Quantum brennbarer Dämpfe erhalte, ist bei dem Verdampfungs- 
apparat der Regulator so eingerichtet, dafs, wenn sich beim Kraft- 
ttberschnfs seine Kugeln aus der normalen Höhe schwingen, gleichzeitig 
mit dem Absperren der Dampfzuströmung durch das Ventil 6 in die 
Pumpe und die Arbeitscylinder auch die Zuströmung der Flüssigkeit 
in den Kessel 15 durch ein Ventil 26, welches an der beweglichen 
Spindel 54 angebracht ist, absperrt. 

Die Societe des tissages et Ateliers de constrnction Diederichs in 
Bourgoin, Frankreich (*D. R. P. Nr. 52462 vom 27. September 1889) 
bringt den in Fig. 10 bis 12 dargestellten Motor in Vorschlag. 

Der Motorcj linder A (Fig. 10), mit einem Wassermantel, ist vorn 
mit einer Verbrennungskammer, welche den Entzünder c enthält, 
versehen: im oberen Theil mit einem Reservoir r, welches Erdölessenz 
(ein durch Destillation von Erdöl erhaltenes Product, von welchem der 
Liter 720 bis 730- wiegt) enthält; an der Seite mit einem Centrifugal- 
regulator und im unteren Theil mit einem Zutrittsventil a und einem 
Austriltsventil a,. Der in diesem Cylinder sich bewegende Kolben über- 
fcrfgt die Bewegung durch eine Pleuelstange auf eine gekröpfte Welle, 
die in hierzu angeordneten Lagern gehalten wird und an einer Seite 
ein Schwungrad und eine Riemenscheibe und an der anderen Seite ein 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 7 

Getriebe trägt, welches eine Antriebswelle und eine Excenterscheibe in 
Thätigkeit versetzt; die Welle und das Excenter wirken auf eine doppelt- 
wirkende Luftpumpe, die an der Seite des Gestelles angeordnet ist. 
Oberhalb der Pumpe und von dem Gestell getragen, befindet sich ein 
Reservoir, welches die Carburirflüssigkeit enthält. 

Dieser Behälter Q mit gleichbleibendem Flüssigkeitsspiegel ist in 
Fig. 11 und IIa in einem senkrechten Schnitt und in einer Draufsicht 
dargestellt; derselbe enthält einen zweiten Behälter Q { ebenfalls mit 
gleichbleibendem Spiegel. An dem Behälter Q ist ein für den Zutritt 
der Luft oben offenes Rohr q angebracht und steht durch die Oeffnung x 
mit demselben in Verbindung. Beim Füllen des Behälters Q stellt sich 
die Flüssigkeit im Rohr q ebenso hoch. Hierauf wird die Füllöffnung 
geschlossen und die Flüssigkeit durch den Hahn y aus dem Rohr q bis 
zur Höhe der Oeffnung x abgezogen, welche Höhe in Folge des im 
Inneren des Rohres q angeordneten Ueberlaufrohres, auf dem der Hahn y 
angeordnet ist, nicht überschritten werden kann. Wenn nun der Hahn 
geöffnet wird, welcher den Ablauf der Flüssigkeit in das Speiserohr des 
Oarburirapparates gestattet, und das Niveau im Rohr q sinkt, so dringen 
ein oder mehrere Luftblasen durch die Oeffnung x ein und gelangen 
in den oberen Theil des Behälters (), wodurch eine entsprechende 
Menge Flüssigkeit durch das Rohr q entweichen kann. 

Das Niveau in dem Rohr q bleibt also constant und die Speisung 
in Folge dessen regelmäfsig. (Fortsetzung folgt.) 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889; 
von Fr. Freytag, 

Lehrer der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 277 S. 337.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 2 und 3. 

Die zum Betreiben von Dynamos bestimmte Maschine der Societe 
des ateliers de construction de ßitschwiller in Bitschweiler-Thann (Elsafs) 
von 250 mm Cylinderdurchmesser und 350 mm Hub arbeitete ohne Conden- 
sation mit Rider- Steuerung, und letztere wird, damit bei der nicht allzu 
hohen Kolbengeschwindigkeit, welche bei 150 bis 160 minutlichen Um- 
drehungen im Mittel l m ,8 beträgt, dennoch eine genügende Gleichförmig- 
keit in der Bewegung erreicht wird, von einem Regulator beeinflufst, 
der noch mit einem besonderen Ausgleichmechanismus versehen ist 
(Fig. 1 bis 3 Taf. 2). 

Das äufserst kräftig gehaltene Bett der Maschine ist auf der Cylinder- 
seite ringförmig gehalten und genau nach der Maschinenachse gebohrt ; 
ebenso ist der sich gegenlegende Cylinderflansch genau nach dem aus- 



8 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

gebohrten Theile des Gestelles abgedreht, so dafs seine Achse mit der 
Grestellachae zusammenfällt. 

Die Schwungradwelle ist aus Stahl in einem Stücke geschmiedet 
und die Kurbelscheiben sind mit gufseisernen Gegengewichten versehen, 
die im warmen Zustande fest gemacht sind. 

Alle zusammen arbeitenden Theile haben grofse Oberflächen, und 
B&mmtliohe Lagerschalen sind aus Phorphorbronze hergestellt. 

Der Regulator wird von der Schwungradwelle aus mittels eines 
dünnen Seiles betrieben und überträgt durch ein zweites Seil die Be- 
wegungen auf eine Rollenachse des neben ihm montirten Ausgleich- 
apparates. Auf derselben Achse ist ein conisches Getriebe befestigt, 
welches mit einem über und unter ihm liegenden conischen Rade in 
Eingriff steht, die beide leer laufen, solange sich der Regulator in der 
mittleren Stellung befindet, d. h. die Maschine mit einer festgesetzten 
Geschwindigkeit läuft. Die bei Geschwindigkeitsänderungen eintretenden 
auf und nieder gehenden Regulatorbewegungen übertragen sich mittels 
Hebel auf die senkrechte Spindel des Ausgleichers, welche auf einem 
Theile ihrer Länge mit Gewinde versehen ist und an ihrem unteren 
Ende ein Kreuzstück trägt, welches je nach dem Steigen oder Fallen 
des Regulators in Zungenstücke eingreift, die sich im Inneren der beiden 
genannten über einander liegenden conischen Räder befinden. Die 
senkrechte Spindel wird dann entweder von dem einen oder anderen 
conischen Rade mitgenommen, so dafs die auf ihrem Gewinde sitzende 
Mutter bei der Drehung nach oben oder unten geht und diese Bewe- 
gung dem auf der Expansionsschieberstange befestigten Hebel mittheilt, 
wodurch dann der Rider- Schieber entsprechend eingestellt wird. 

Während ein gewöhnlicher Regulator sämmtliche Geschwindigkeits- 
änderungen innerhalb seiner äufsersten Stellungen zuläfst, wirkt der 
mit dem Ausgleich mechanismus in Verbindung stehende Regulator sofort, 
wenn sich seine mittlere Stellung auch nur im Geringsten ändert. 

Aufser der bereits genannten Compoundmaschine mit Hahnsteuerung 
(System Frikart) hatten Escher, Wyfs und Co. in Zürich noch eine 
liegende eincylindrige Maschine, einen Kleinmotor, sowie eine Dampf- 
pumpe ausgestellt, über deren Constructionen nachträglich berichtet 
werden soll. 

Die ganz vorzüglich dimensionirte, liegend angeordnete Eincylinder- 
maschine von 275 mm Cylinderdurchmesser und 400 mm Kolbenhub soll 
mit 150 Umdrehungen in der Minute eine Leistung von 40 bis 50 EP 
entwickeln. 

Die in ihrer ganzen Länge auf dem Fundamente liegende Grund- 
platte ist mit den unter 45° geneigt stehenden Schwungradlagern, sowie 
den cylindrischen Kreuzkopfführungen zusammengegossen und an ihrem 
vorderen geschlossenen Ende der mit Dampfmantel umgebene Cylinder 
freischwebend befestigt. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. i) 

Die Kurbelwelle ist ähnlich wie bei der stehenden Maschine von 
Lecouteux und Garnier aus fünf einzelnen Stücken zusammengesetzt: 
den beiden gufseisernen mit Gegengewicht versehenen Kurbelscheiben., 
dem gehärteten Kurbelzapfen und den aus etwas weicherem Stahle als 
letzterer angefertigten Wellenstücken. 

Der vom Kessel kommende hochgespannte Dampf tritt durch das 
Rohr A (Fig. 5) in den an seinem tiefsten Punkte mit eingeschraubtem 
Ablafshahne versehenen Mantel, durch das auf dem oberen Theile des 
Cylinders sitzende Doppelsitz ventil, welches sich je nach der Drehung 
einer auf dem verlängerten Ventildeckel geschraubten Kappe B hebt oder 
senkt in den Schieberkasten und nach vollbrachter Arbeit im Cylinder 
durch das Rohr E in die Atmosphäre. 

Die Maschine ist mit der Ätder- Steuerung versehen, und die zu den 
beiden Schiebern gehörigen Stangen sind, wie aus Fig. 6 ersichtlich, 
derartig mit gufseisernen Führungskloben verbunden, dafs eine leichte 
Regulirung der Steuerung möglich ist. 

Die von der Schwungradwelle mittels Riemen betriebene, wagerecht 
liegende Regulatorspindel bewegt sich in zwei Lagern eines mit dem 
Maschinenbette verschraubten gabelförmig gestalteten Bockes. Wenn 
sich die Regulatorkugeln zufolge gröfserer Centrifugalkraft von der 
Spindel entfernen, so bewegt sich die Regulatormuffe (Fig. 8) nach links 
und der darüber greifende gegabelte Hebel a b (Fig. 7) beeinflufst die 
mit ihm verbundene schräg liegende Stange f derartig, dafs dieselbe 
unter Vermittelung des Hebels g eine Verdrehung der Expansions- 
schieberstange und des mit ihr verbundenen Rundschiebers bewirkt. 
Der Centrifugalkraft wird durch die Spannung einer in der Röhre d d 
liegenden und in der Richtung der Regulatorachse frei beweglichen 
Spiralfeder, welche auch die Drehbewegung der Spindel mitzumachen 
gezwungen ist, Gleichgewicht gehalten. Die Spannung dieser Feder 
läfst sich je nach der Geschwindigkeit, mit welcher die Maschine laufen 
soll, feststellen. Zu dem Zwecke ist eine in die Federbüchse gesteckte 
Scheibe e durch einen Stift mit einer sich in den ausgebohrten Theilen 
der Regulatorspindel führenden Schraube verbunden, durch deren mittels 
Handrad c bewirkten Verschiebung die Scheibe e mitgenommen und die 
Feder mehr oder weniger zusammengedrückt wird; eine Verdrehung 
dieser Schraube wird durch eine im Lager augeordnete Feder verhütet. 

Auf eine sorgfältige automatische Schmierung des Kurbel- und 
Kreuzkopfzapfens, der Führungsgeleise, sowie des Cylinders ist besondere 
Sorgfalt verwendet, auch ist, um das bei der schnellen Bewegung des 
Kurbelstangenkopfes abspritzende Oel aufzufangen, hinter den Kurbel- 
scheiben eine mit dem Maschinenbette verschraubte Schutzwand an- 
gebracht. 

Der zum Betreiben von Dynamo dienende Kleinmotor (Fig. 9 bis 13) 
ist als Wandmaschine construirt, läfst sich jedoch auch zweckmäfsig 



IQ Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

auf einem wagereehteo Fundamente festlegen. Er zeichnete sich ebenso 
wie die vorstehende Maschine durch geschmackvolle Formgebung aller 
einzelnen Theile, sowie durch einen vollständig geräuschlosen Gang aus 
und boU mit 250 minutlichen Umdrehungen eine Leistung von 5 H 5 ent- 
wickeln. 

Der Cylinder von 150 mm Durchmesser und 150 mm Hub ist wieder 
freischwebend an einem Maschinenbette von derselben Construction wie 
dasjenige der vorigen Maschine befestigt und die Dampfvertheilung er- 
folgt durch einen einfachen, mittels festen Excenters bewegten Muschel- 
schieber, unter Mitwirkung des auf einen Drosselschieber arbeitenden, 
mit dem Schwungrade verbundenen Regulators. Der letztere besteht aus 
Ewei an Armen des Schwungrades drehbar befestigten Gewichtshebeln aa 
(Fig. 11), welche durch die Stange c mit einander in Verbindung gebracht, 
iiiii 1 aufserdem mit Kloben versehen sind, an deren conischen Enden 
Spiral federn angreifen, welche mit ähnlichen in Lagern bb geführten 
Kloben verbunden sind und durch Verstellung der letzteren mehr oder 
weniger zusammengedrückt werden können. Die äufsersten runden 
Enden der Hebel o führen sich in Schlitzen elliptisch gekrümmter und 
Bchrfig liegender Hebel d rf, die an einem Ringe sitzen, dessen zwei 
innere Vorsprünge mit etwas Spiel in entsprechende Vertiefungen einer 
mittels Schrauben v v centrirten, auf der Schwungradnabe frei beweg- 
lichen Scheibe e greifen, so dafs, wenn sich die Gewichtshebel von der 
Achse entfernen, die Scheibe e zufolge der schräg liegenden Hebel d 
eine entsprechende geradlinige Bewegung ausführen mufs; diese wird 
durch die in der Schwungradnabe geführten und mit der Scheibe e ver- 
schraubten Stangen ff (Fig. 10) auf eine innerhalb des Schwungrades 
gelegene Scheibe g übertragen, deren kreisförmige Nuten mit Zähnen 
eines am äufsersten Ende der schräg liegenden Stange k befestigten 
kleinen Hebels h in Eingriff stehen. Durch Drehung der Stange k wird 
dann der an ihrem unteren Ende befestigte, cylindrische und mit zwei 
gegenüber liegenden Ausschnitten versehene Drosselschieber (Fig. 12) je 
nach dem Ausschlagen der Gewichtshebel des Regulators den Dampf- 
einströmquerschnitt mehr oder weniger verengen. 

Die Relativstellung des gezahnten Hebels h in Bezug auf die Stange k 
des Drosselschiebers läfst sich übrigens noch, je nach der Geschwindig- 
keit, mit welcher der Motor arbeiten soll, ändern, da man den auf der 
Stange k befestigten Hebel i mittels Schraubenbolzens in einem Schlitze 
des kleineren Armes vom Hebel h beliebig feststellen kann. Um eine 
gleichförmige Uewegung zu erzielen, sind noch auf den gekröpften Armen 
der Schwungradwelle zwei hohle gufseiserne, mit Gegengewichten armirte 
Scheiben aufgeschraubt, die von einem am Bette scharnierartig befestigten 
Schutzbleche umgeben sind, welches wieder das Umherspritzen von Oel 
verhütet Die gufseisernen Schalen der Schwungradlager und diejenigen 
des Kurbelstangenkopfes sind mit Weifsmetall ausgegossen. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 11 

Die ebenfalls vorzüglich dimensionirte kleine Dampfpumpe der Firma 
Escher, Wifs und Co. besafs ein auf der einen Seite offenes Bett, welches 
zur Lagerung der Kurbelwelle eine lange, mit Weifsmetall ausgefütterte 
Büchse trug und in dessen cylindrisch ausgebildeten Enden auf der einen 
Seite der Dampfcylinder, auf der anderen der Pumpencylinder eingelassen 
und mit dem Bett verschraubt waren. Die Schwungradwelle ist mit der 
Kurbel aus einem Stücke geschmiedet und trägt hinter ihrer Lagerstelle 
das mit dem Steuerungsexcenter zusammengegossene Schwungrad. Die 
Pumpe wird mittels hohlen Plungerkolbens betrieben, der mit der eben- 
falls gufseisernen und deshalb ziemlich kräftig gehaltenen Kolbenstange 
des Dampfcy linders ein einziges Gufsstück bildet, welches von der an- 
greifenden Kurbelstange hin und her bewegt wird. 

Die zur Pumpe gehörigen zwei über einander sitzenden Ventile mit 
kleinem, den hohen Umdrehungszahlen des Motors angepafstem Hube 
sind nach Beseitigung des über ihnen stehenden Druckwindkessels leicht 
zugänglich; letzterer läfst sich durch einfaches Abschrauben einer Mutter 
entfernen. Ein in die Druckleitung geschaltetes Sicherheitsventil mit 
aufsen liegender Federbelastung gestattet noch beim Verschlusse des am 
Kessel angeordneten Speisehahnes ein Zurückfliefsen des Druckwassers 
in das Saugrohr, so dafs die Pumpe nie ausgerückt zu werden braucht, 
sondern stetig fortarbeiten kann. 

Zur Steuerung des Dampfcylinders gehört ein kleiner Muschelschieber. 

Aufser einer Woolf'schen nach dem Tandemsysteme arbeitenden 
Maschine hatte J. A. Dameij in Dole, Jura, eine fahrbare Locomobile 
ausgestellt, deren Dampfmaschine mit Condensation arbeitete (Fig. 14 
bis 16 Taf. 2). 

Der leicht zugängliche, vor dem Schornsteine sitzende Condensations- 
apparat wurde von zwei eisernen Consolen getragen und die zugehörige 
doppeltwirkende Luftpumpe durch eine kleine mit zwei Kurbeln ver- 
sehene Welle betrieben, welche ihre Bewegung mittels Riemen von der 
Schwungrad welle aus erhielt. 

Die Dampfvertheilung wurde durch eine Steuerung mit Doppel- 
schiebern geregelt, welche letztere sich behufs möglichster Verringerung 
der schädlichen Räume in einem am äufsersten Cylinderende angebrachten 
Gehäuse bewegten und von einem einzigen Excenter bethätigt wurden. 
Der Bügel dieses letzteren ist, wie die Fig. 16 Taf. 2 veranschaulicht, 
mit einer Coulisse verschraubt und wird von der in seiner Mitte an- 
greifenden Stange S getragen, deren unterstes Ende mit dem Maschinen- 
bette gelenkig verbunden ist. Die am oberen Theile des Excenters be- 
festigte Stange F führt den Hauptschieber, während die den Expansions- 
schieber mitnehmende Stange E einen in der genannten Coulisse 
gleitenden Stein trägt, dessen Stellungsänderung den Schieberhub und 
damit die Dauer der Dampfeinströmung in den Cvlinder beeinflufst. 

Wenn man die Stange F am unteren Theile des Excenters befestigt, 



12 Riehlö'8 PrfiftingBmasehine zur Bestimmung der Torsionsfestigkeit. 

M erhftU man eine der vorigen entgegengesetzte Bewegung, wobei indefs 
noch dieselbe Coulisse zur Veränderung des Hubes vom Expansions- 
Bchieber dient, da jetzt der Stein in der oberen Hälfte derselben gleitet. 

Bei der Wuolf'schen Tandem maschine bewirkte dieselbe Bügelcoulisse 
aufeer der Dampfvertheilung im kleinen Cylinder auch die Führung des 
zum grofsen Cylinder gehörigen Schiebers; es genügte hierbei die zur 
Führung dieses Schiebers dienende Stange etwas oberhalb der Stange F 
angreifen zu lassen. 

Auch bei Schiffsmaschinen läfst sich die erforderliche Bewegungs- 
änderung mit einem einzigen Excenter bewerkstelligen, dessen Bügel 
dann mit zwei Coulissen — die eine für den Haupt-, die andere für den 
Expansionsschieber — verbunden sein mufs. 

Der Locomobilkessel zeigte, wie die Fig. 14 und 15 Taf. 2 er- 
kennen lassen, eine beachtenswerthe Einrichtung behufs möglichst voll- 
kommener Ausnutzung der Verbrennungsgase. 

Die in der inneren Feuerbüchse B entwickelten Gase gelangen 
durch die zwischen den Wandungen C und D liegenden Rohre in die 
Rauchkammer, und zwar unterhalb einer in derselben angebrachten 
Zwischenwand Y F, welche das Abziehen der Gase durch den Schorn- 
stein zunächst verhütet; sie gehen vielmehr erst durch die Oeffnungen K 
rechts und links, in der auf der Abbildung ersichtlichen Pfeilrichtung, 
um den äufseren Kessel herum und entweichen dann durch zwei ober- 
halb der Zwischenwand Y Y angebrachte Oeffnungen N in den Schorn- 
stein. Die vier Oeffnungen K und IV sind aufsen auf beiden Seiten von 
schlangenförmigen Rohrbündeln V umgeben, durch welche das mittels 
Speisepumpe im oberen Theile eingeführte Wasser fliefst und augewärmt 
durch die etwas unterhalb der Kesselachse sitzenden Speisehähne MM 
in den Kessel gelangt. 

Damey behauptet, dafs die mit dieser Einrichtung versehenen Loco- 
mobilkessel, gegenüber anderen gut ausgeführten Constructionen, bei 
denen jedoch die Verbrennungsgase nach dem Durchstreichen der Feuer- 
rohre direkt durch die Rauchkammer in den Schornstein ziehen, unter 
gleichen Verhältnissen das Doppelte an Wasser zu verdampfen im 
Stande sind. (Fortsetzung folgt.) 



Riehle's Prüfungsmaschine zur Bestimmung der Torsions- 
festigkeit. 

Mit Abbildung. 

Gebrüder Hie hie in Philadelphia, Amerika, bauen nach dem Techniker, 
1890 * S. 114, eine Prüfungsmaschine, mit welcher die Drehungsfestig- 
keit von Metallstäben ermittelt werden kann. Dieselbe besteht aus zwei 
um ihre Achse drehbare Spannfutter, welche in Lageraugen liegen, und 



Maschine zum Trocknen, Spannen und Pressen von Geweben. 



13 



in die der Versuchsstab eingeklemmt wird. Die im linksseitigen, fest- 
stehenden Lager befindliche Spannbüchse ist vermöge eines Hebelan- 
satzes an eine Wägevorrichtung angelenkt, mit welcher die Gröfse der 
verdrehenden Kraft bezieh, ihres statischen Momentes bestimmt, während 
die eigentliche Verdrehung des Versuchsstabes durch ein an der rechts- 
seitigen Spannbüchse angebrachtes Schneckentriebwerk mittels Handkraft 
durchgeführt werden kann. 




Eine am Lagerrande vorgesehene Gradtheilung dient zur Ermittelung 
des Verdrehungswinkels, sowie durch Verschiebbarkeit dieses Lagerkopfes 
auf der Bettplatte gebührende Rücksicht auf die verschiedene Länge der 
Versuchsstäbe genommen ist. 

Um ferner diese Maschine sowohl für Rechts- als auch Linksver- 
drehung einzurichten, wird das Hängestück des unteren Wägehebels 
entweder unmittelbar an einem Hebelansatz der Spannbüchse oder durch 
Vermittelung eines unteren Hebelkreuzes an einem zweiten Ansatz der- 
selben angelenkt. Die Wage besteht aus einem Haupthebel, einem Theil- 
hebel mit dreifachen Läufergewichten und entsprechenden Ent- und 
Belastungsstücken, sowie den Standsäulen für die Lagerpfannen. Diese 
für eine Kraftäufserung von 2250 k gebaute Prüfungsmaschine ist 1015 mm 
lang, 610 mm breit und 1448 mm hoch und wiegt insgesammt 540 k . 



Maschine zum Trocknen, Spannen und Pressen von Geweben. 

Mit Abbildung. 

Die Gewebe, welche auf der vorliegenden Maschine behandelt 
werden sollen, kommen von der Schleudermaschine in eine Trocken- 



14 GwosdefFe Telephon mit zwei Platten. 

• 

kammer, durch welche sie in senkrecht hängenden Falten hindurch 
laufen. Der Trockenraum wird hierbei durch ein System von Dampf- 
leitungsröhren geheizt, während gleichzeitig Heifsluft durch die Falten 
des Gewebes hindurchgetrieben wird. Aus dieser Trockenkammer 
läuft das Gewebe direkt auf die Nadelleisten der beistehend abgebildeten 



Maschine von W. B. Leachman und Co. in Leeds auf. Die Nadelketten, 
welche an der Einlaufstelle des Gewebes mit durch Gewichtshebel be- 
lasteten Bürsten, die ein Aufnadeln erleichtern sollen, ausgestattet sind, 
führen das Gewebe in eine Mulde, in welcher es durch einen von hy- 
draulischen Pressen beeinflufsten Druckcylinder geprefst wird, und bringt 
es dann an den Faltapparat. 

Nach Angabe des Textil-Manufacturer, dem die beistehende Ab- 
bildung entnommen ist, genügt für das Heizen der Presse ein 3 j 4 zölliges 
Dampfleitungsrohr, während bei den alten Pressen sich ein zweizölliges 
Rohr erforderlich machen würde. Ferner braucht dieselbe bei gleicher 
Liefermenge nur halb so viel Betriebskraft und die Reibung der Nadel- 
ketten ist eine sehr geringe. In Folge Verstellbarkeit der Ketten 
können auf der Maschine verschieden breite Gewebe bearbeitet werden 
und ihre Behandlung wird eine sorgfältigere, weil noch während des 
eigentlichen Pressens ein Spannen derselben durch die Ketten erfolgt. 

Gl. 



GwosdefFs Telephon mit zwei Platten. 

Mit Abbildungen. 

In England ist unter Nr. 2137 vom 6. Februar 1889 ein als Sender 
und als Empfänger brauchbares Telephon für E. Gwosdeff in St. Peters- 
burg patentirt worden, worin die eiserne Platte zwischen den Polen 
zweier Hufeisenmagnete angeordnet ist und — beim Sender durch einen, 



Gwosdeff's Telephon mit zwei Platten. 



15 



beim Empfänger dagegen durch zwei oder mehr nicht maguetisirbare 
Stäbe — mit einer gröfseren Platte aus nichtmagnetischem Stoffe in 
Verbindung steht, gegen welche gesprochen wird und welche auch die 
Wiedererzeugung der Töne zu bewirken hat. Letzteres geschieht so 
laut, dafs man beim Sprechen die Stimme nicht zu erhöhen nöthig hat. 

Die auf den Polschuhen 



Fig. :i. 



Fie. 2. 




der Magnete sitzenden 
Spulen sind so mit ein- 
ander verbunden, dafs 
der erzeugte Strom die 
Summe der in jedem 
Spulenpaare erregten 
Strömeist. Fig. 3 der bei- 
gegebenen Abbildungen 
bietet einen Grundrifs 
dieses Telephons nach 
Wegnahme des oberen 
Theiles, Fig. 1 und 2 
sind zwei Schnitte, der 
eine nach der Linie fFX, der andere nach der Linie YZ in Fig. 3. 

D ist die eiserne Platte und liegt zwischen den Polen der Hufeisen- 
magnete M und H; die auf die Polschuhe der Magnete aufgesteckten 
Rollen B und G sind so mit einander verbunden, dafs die in ihnen 
durch die Schwingungen der Platte D erregten Ströme sich addiren. 
Die Platte D ist so zwischen den beiden Magneten angeordnet, dafs 
jeder von ihnen die Platte gleich stark anzieht. Der Schraubenring A, 
worin die Platte D mit ihrem Rande befestigt wird, gestattet eine ge- 
naue Einstellung der Platte. Gegenüber dem Magnete M ist nun in 
der Büchse C noch eine Platte E aus Holz, Ebonit, Aluminium, Alu- 
miniumbronze oder sonst einem nichtmagnetisirbaren Stoffe angeordnet, 
deren Durchmesser den von D übertrifft. Bei dem als Geber zu be- 
nutzenden Telephon ist E mit D durch einen zwischen den Rollen #, B 
des oberen Magnetes M hindurch gehenden Stab F verbunden, und zwar 
von Mitte zu Mitte; bei dem als Empfänger zu gebrauchenden Telephon 
dagegen werden zur Verbindung der beiden Platten E und D zwei oder 
mehr solche Stäbe angewendet, welche in E etwas weiter von der 
Mitte abstehen und gegen die Mitte von D hin schräg zusammenlaufen. 
Die Rollen auf den Polschuhen sollen eine doppelte Bewickelung er- 
halten, und zwar soll die eine mit der Telephonleitung verbunden, die 
andere aber in sich kurz geschlossen werden, ihre Ströme sollen sich 
aber addiren. 



lb" Klingelwerke mit Palischeiben im Bahnhofe zu Frankfurt a. M. 

Die Klingelwerke mit Fallscheiben im Bahnhofe zu 
Frankfurt a. M. 

Mit Abbildungen. 

Die aulsergewülmlich grofsen Abmessungen des Frankfurter neuen 
Haupt-Personenbahnhofes machten andere Verständigungsmittel nöthig, 
als sonst auf Bahnhöfen benutzt werden. Die ganze Anlage und ihre 
Benutzung ist im Centralblatt der ßauv er waltung, 1890 * S. 233 und 238, 
eingehend beschrieben worden; hier können aus der betreffenden Be- 
schreibung nur einige kurze Bemerkungen gegeben werden. 

Die betreffenden Betriebseinrichtungen sind von dem Betriebs- 
direktor, Kegierungs- und Baurath Knoche, getroffen worden, nach 
dessen Angaben der Telegrapheninspektor Lübbecke die Block- und Fall- 
scheibenwerke ausarbeitete. Die Genannten hatten bei der praktischen 
Ausführung eine vortreffliche Hilfe an dem Mechaniker und Uhrmacher 
C. Theodor Wagner in Wiesbaden. Die ganze Einrichtung bewährt sich 
vorzüglich, die elektrischen Werke arbeiten tadellos und erfreuen sich 
vor allem deshalb der übereinstimmenden Anerkennung der Beamten, 
weil sie auch bei der schnellsten Folge der Züge die damit Arbeitenden 
nicht anstrengen und unruhig machen. 

Die den Bahnhofsverkehr leitenden Beamten und Signalleute sind 
an einer ziemlich grofsen Anzahl von über den Bahnhof vertheilten 
Stellen aufgestellt und aufserdem wird den Fahrkarten-Ausgaben die 
bevorstehende Abfahrt der Züge, 3 Minuten vor der Abfahrtszeit der- 
selben, gemeldet, damit der Schalter geschlossen werde. 

Da die einzelnen Läutezeichen bei Verwendung der gewöhnlichen 
Glockenhäuschen und Klingelwerke wegen der grofsen Anzahl nicht 
genügend unterschieden werden könnten, sind überall, wo eine gröfsere 
Zahl verschiedener Züge zu signalisiren ist, wie in dem Bureau A der 
Staatsbahnen, worin die vorschriftsmäfsige Abmeldung und Annahme 
der Züge stattfindet, der Assistentenbude C, worin ein grofses Block- 
werk aufgestellt ist, mittels dessen der Stationsbeamte die Hebel der 
Wege- und Ausfahrtssignale der drei Stellwerke verschlossen hält und 
im gegebenen Falle durch Drehen der entsprechenden Kurbel freigibt, 
zugleich auch an mitgehenden Zeigern erkennt, ob der Weichensteller 
die Signale zieht und demnächst zurücknimmt, den 3 Stellwerksbuden Z>, 
in Mainstation, Hellerhof u. s. w. statt der üblichen Läutewerke Fall- 
scheibenwerke (Fig. 1 und 2) verwendet worden, bei welchen der 
durch Drehen der Inductorkurbel erregte elektrische Strom eine in der 
Ruhelage versteckt liegende Scheibe s mit der Angabe der Zugrichtung 
herabfallen und ein damit verbundenes Klingelwerk k so lange anschlagen 
läfst, bis durch Heben der Scheibe mittels des Griffes g der elektrische 
Contact wieder aufgehoben wird. An Stelle der mit Inschrift ver- 
sehenen Fallscheibe tritt alsdann ein rothes Feld. 



Klingehverke mit Fallscheiben im Bahnhofe zu Frankfurt a. M. 17 



Fig. 1. 



Fie. 2. 




Aehnliche, aber durch eine elektrische Batterie betriebene Fall- 
scheiben- und Klingelwerke dienen zur Verbindung der Station A mit 
den 3 Stationsbeamten bei 2?, welche die abgehenden Züge abfertigen, 
und dieser letzteren mit den Fahrkarten-Ausgaben 2?, und zwar ist an 
diesen drei Stellen für jede Fahrtrichtung ein besonderer Fallscheiben- 
kasten angebracht. Die in A 
und B befindlichen Kästen ent- 
halten am oberen Rande unter 
jedem Druckknopf eine fest- 
stehende Inschrift, durchweiche 
die Bestimmung der abzu- 
gebenden Meldung kurz an- 
gedeutet wird. Ein Haupt- 
vorzug dieser Fallscheiben- 
werke besteht neben der genauen Unterscheidung der einzelnen zu 
signalisirenden Richtungen darin, dafs ein so gegebenes Zeichen nicht 
bei einer augenblicklichen Abwesenheit des Beamten überhört werden 
kann, da das Klingel werk so lange ertönt, bis der Beamte die Scheibe 
wieder in die Ruhelage zurückhebt. 

Alle mittels der Fallscheibenwerke zwischen dem Bureau A und 
den Beamten bei B gewechselten Signale, welche im zweiten Beispiele 
beschrieben sind, werden auf elektrischem Wege auf einem Papier- 
streifen aufgezeichnet, welcher über eine durch ein sehr genaues Uhr- 
werk bewegte Walze läuft und so getheilt ist, dafs er in jeder Minute 
um einen Strich gleich einem Millimeter fortrückt. Jedesmal wenn 
an den Fallscheibenkästen ein Täfelchen fällt oder ein Knopf herab- 
gedrückt wird, drückt in Folge des Stromschlusses ein Stift an der 
entsprechenden Stelle ein Loch in den Papierstreifen, so dafs man den 
Gang der Benachrichtigungen genau verfolgen und jeden Zweifel, ob 
eine oder die andere Handlung etwa versäumt ist, beseitigen kann. 

Die Verbindung zwischen diesen Stellen -4, 2?, C und E mufste in 
vollkommen sicherer, jedes Mifsverständnifs ausschliefsender Weise her- 
gestellt werden, zugleich aber eine sehr rasche Verständigung gestatten ; 
denn neben den umfangreichen Zugverschiebungen und Leerfahrten von 
Locomotiven ist auf den in Frage kommenden Bahnen (also mit Aus- 
schluss der Hessischen Ludwigsbahn) täglich zwischen 5 Uhr früh und 
11 Uhr Abends ein Verkehr von 248 Zügen zu bewältigen, welche 
nicht gleichmäfsig über diese Zeit vertheilt sind, sondern sich der An- 
schlüsse wegen gruppenweise dicht zusammendrängen. 

Bei etwaigem Versagen der Fallscheibenwerke ist den Stations- 
beamten bei B durch Fernsprecher die Möglichkeit gewährt, an das 
Bureau A und die Fahrkarten-Ausgaben die nöthigen Mittheilungen 
gelangen zu lassen. 

Beiläufig sei noch bemerkt, dafs die sonst üblichen Zeichen zum 
Dingler's polyt Journal Bd. 278 Nr. I. 1890,11V. 2 



18 



Neuer elektrischer Doppelwegs-Umschalter. 



Einsteigen und Abfahren mit der Stationsglocke als zu störend und bei 
der raschen Folge der Züge lediglich verwirrend bald nach der Er- 
öfihung des neuen Bahnhofs aufgehoben wurden. 



Heap's Regulator für elektrische Ströme. 

Mit Abbildung. 

Der in der beigegebenen Abbildung skizzirte Regulator soll die 
Stromstärke in einem Arbeitsstromkreise unverändert erhalten. Auf die 
Achse A der den Stromkreis speisenden Dynamo ist eine kleine Reibungs- 
rolle B aufgesteckt, welche in dem Zwischenräume zwischen den 
Flanschen einer gröfseren Reibungsscheibe C frei 
umlaufen kann. C ist auf eine lothrechte Achse/) 
aufgesteckt, welche durch das in den Strom- 
kreis eingeschaltete Solenoid G nach unten ge- 
zogen wird, während eine Feder H sie nach 
oben zu verschieben trachtet. Von der kleinen 
Rolle 1 auf der Achse D läuft ein endloses 
Rand K über eine am Rürstenträger befestigte 
Scheibe L. Wenn nun die Stärke des Stromes 

J.° yJ . I in der Arbeitsleitung von der normalen Gröfse 

1 l nach unten, oder nach oben abweicht, tritt B mit 

der einen oder mit der anderen Flansche von C 
in Berührung, die Achse D beginnt sich zu drehen und dreht mittels 
des Randes K auch den Rürstenträger, so dafs die Stromstärke wieder 
zunimmt, oder sich wieder vermindert. Diese und ein Paar andere, in 
der Rewegungsübertragung minder einfache Anordnungen sind in Eng- 
land unter Nr. 6171 vom 10. April 1889 für C. B. Heap in London 
patent irt wurden. 




Neuer elektrischer Doppelwegs-Umschalter von Wood- 
house und Rawson. 

Mit Abbildung. 

Die aus der zugehörigen Abbildung ersichtliche Anordnung, welche 
Woodhouse und Bawson nach dem Londoner Electrical Engineer vom 
31. Januar 1890 * S. 89 jetzt ihrem Umschalter (vgl. 1886 262 * 362) 
fite Bwei Stromwege geben, dürfte sich leicht Eingang verschallen. Die 
in bekannter Weise von Woodhouse und Bawson in ihren Umschaltern 
benutzten BOrsten haben eine etwas abweichende Anordnung erhalten. 
Die beiden neben einander liegenden Bürsten ruhen in der Mitte auf 
einer Scheibe und haben viereckige Enden anstatl der runden. Zwei 



Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie und Sprengtechnik. 19 

Querstücke aus Ebouit, die hinreichend fest und elastisch sind, verbinden 
die beiden Bürsten und beschaffen gute Isoliruno;. Zur Anlegung der 




Kabel sind bequeme, bewegliche Dillen vorhanden. Der Umschalter 
erscheint besonders für Anlagen mit sehr starken Strömen zweckmäfsig, 
wo ein sehr guter Contact und zugleich die Möglichkeit einer Unter- 
brechung für beide Pole wünschenswert!! ist. 



Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie und Sprengtechnik. 

Eduard Liebert in Berlin hat kürzlich zwei Patente für die Behand- 
lung von Nitroglycerin genommen. Das erste besteht in der Zugabe von 
Isoamylnitrat zum Nitroglycerin, um es angeblich ungefrierbar zu machen. 
Dieser Zusatz wird wohl auch das Gefrieren nicht in allen Fällen ver- 
hindern, die Wirkung aber wahrscheinlich bedeutend abschwächen 
(vgl. 1889 273 63). Das zweite Patent betrifft die Zugabe von schwefel- 
saurem oder salpetersaurem Ammoniak zum Säuregemische bei der Nitrirung, 
um die während derselben sich bildende salpetrige Säure nach folgender 
Gleichung zu zerstören: (NH 4 ) 2 S0 4 + 2N0 2 H=H 2 S0 4 + 4N -J- 4H.,0. 

A. Werner Cronquist in Stockholm hat die Empfindlichkeit gegen Schlag 
der verschiedenen in Schweden vorkommenden Explosivstoffe geprüft. 
Zu diesem Ende gab er Proben von 0?,15 bis 0?,70 bei einer zwischen 
15 und 22° schwankenden Temperatur zwischen Stahlplatten, aufweiche 
ein Gewicht fallen gelassen wurde. Die Resultate waren für: 

Nitroglycerin, flüssig 0,41 k r m 

„ gefroren 0.80 

„ theilweise gefroren 0.27 

Dynamit (72 Proc. Nitroglycerin) 0,50 

Sprenggelatine (96 Proc. Nitroglycerin) 0,60 

„ (90 Proc Nitroglycerin mit Campher 

und Nitrocellulose) 1-80 

Ammoniakpulver (Ammonnitrat, Nitroglycerin und 

Holzkohle) '. . . . . 0.55 

Sebastine (Nitroglycerin, Natriumnitrat und Holzkohle") 0,70 



20 Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie and Sprengtechnik. 

Schiefswolle, trocken 0.82kg/ m 

„ mil 20 Proc. Wasser 2.30 

Nitrocellulose, löslich 0,72 

Somit (Ammonnitrat, chlorsaures Kali. Naphtalin und 

Paraffin) 0,60 

See-Rorait (Nitrolactine [? Milchzucker]) 1,90 

Bpnlver, entzündet 37..jO 

Bellit (Ammonnitrat and Nitrobenzin) 62.00 

In Kupferhülse: 

Schiefspulver, explodirt 72,00 

Bellit weder explodirt noch entzündet bei 292,00 

Diese Versuche sind von den bisherigen Erfahrungen ganz ver- 
schieden. Nach den Versuchen von Hefs im österreichischen Militär- 
Comite explodirt 75 Proc. Dynamit bei O k e' m ,75, Schiefspulver aber schon 
bei 7 k ^ m ,75. Auffallig ist ferner, dafs theilweise gefrorenes Nitroglycerin 
leichter detoniren solle, als ungefrorenes, lösliche Nitrocellulose leichter, 
als trockene Schiefswolle, und Sprenggelatine leichter, als beide. Nach 
unseren Erfahrungen sind wir geneigt anzunehmen, dafs bei den Ver- 
suchen Cronquisfs einige Beobachtungs- oder andere Fehler mit unter- 
laufen sind. 

Carl Olaf Lundholrn und Josef Sayers in Stevenston haben sich den 
Gebrauch von Bydroceltulose und Oxycellulose zur Nitrirung für Explosiv- 
Btoffe patentiren lassen. (Engl. Patent Nr. 6399 vom 15. Februar 1890.) 
Es ist dabei zu erinnern, dafs Nitro-Hydrocellulose schon im Jahre 1878 
von Siersch und Roth für Zündpatronen zur Detonirung von Sprenggelatine 
verwendet wurde. 

Ein anderes Patent von Carl Olaf Lundholrn in Stevenston (Engl. 
Patent Nr. 10312 vom 10. Mai 1890) schützt den Gebrauch eines Saug- 
stofTes für Dynamit, welcher durch Glühen von organische ßestandtheile 
natürlich oder damit vermischt enthaltender Kieseiguhr hergestellt wird. 
Das so erzeugte ,,schwarze Dynamit" 1 wird mit Wasser zusammen- 
geknetet, um es flammensicher zu machen. Bei der häufigen Undeutlich- 
keit englischer Patente ist es schwierig zu sagen, ob der thatsächliche Vor- 
gang nicht solche Verbesserungen enthalte, um ihn von den Patenten 
Grüne und Borland- Reid (vgl. 1888 268 518. 521) zu unterscheiden. 

/•. A. Abel und James Dewar haben den Gebrauch von gelatinirter 
Schiefstvoile (an Stelle von gelatinirter Collodionwolle) patentiren lassen. 
(Engl. Patent Nr. 11664 vom 24. Mai 1890.) 

Dm die Entzündung von Schlagwettern zu vermeiden, haben Ch alon 
und (iurrin gelatinirtea Wasser unter dem Namen ..Gelosina'-'- als Besatz- 
mittel vorgeschlagen. Dies wird hergestellt (Bulletin de l'association des 
Ingenieurs sortis de CEcole de Liege), indem 2 Proc. einer aus Algen 
ausgezogenen schleimigen Masse mit 98 Proc. Wasser zusammengekocht 
und daraus kleine (\ linder geformt werden. Der Cylinder kommt auf 
den Grund des Bohrloches, welches weiter ist als die Dynamitpatrone, 



Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie und Sprengtechnik. 21 

und diese wird in die weiche Masse so eingedrückt, dafs die Gelosina 
die Patronen seitlich einhüllt. 

Versuche in Mons haben ergeben, dafs sich dieser Besatz ähnlich 
günstig verhält, wie das Wetterdynamit, während man in Anzin fand, 
die Sicherheit sei nicht gröfser als bei Benutzung eines Lehmbesatzes. 

Jedenfalls ist der gebotene Schutz ein recht unsicherer, denn von 
der Art der Ladung, der Stellung der Patrone u. s. w. hängt die mehr 
oder weniger vollkommene Ausführung desselben ab, und alle Bedenken, 
welche gegen die Abel-Settle'sche Wasserpatrone obwalten, sind hier in 
erhöhtem Grade vorhanden. 

Rouart und Sender haben Apparate zur Trocknung von Explosivstoffen 
erdacht, welche rasche und wirksame Trocknung gestatten. Die An- 
ordnung ist aus Fig. 1 nach Genie civil, 1890 S. 443, ersichtlich. 

A ist eine Kälteerzeugungsmaschine, B ein Kühlkasten, bestehend 
aus zahlreichen Röhren, welche in eine m ,02 hohe Schicht von 



Fig. 1 







Chlorcalciumlösung eintauchen, C eine Heizvorrichtung aus Rippenrohren, 
D der Trockenschrank, E ein Gebläse. Die durch das Gebläse in den 
Kühlkasten getriebene Luft kühlt sich in der dünnen Flüssigkeitsschicht 
rasch ab, verliert dadurch fast alle Feuchtigkeit, erhitzt sich im Heiz- 
kasten und geht in den Trockenkasten. Die Figur zeigt einen Trocken- 
kasten für Knallquecksilber, in dessen doppelten Wänden warmes Wasser 
circulirt. Die Kälteerzeugungsmaschine ist jedenfalls kostspielig sowohl 
in der Anlage, wie im Betriebe, und es wird wohl praktischer sein, 
die Luft mittels Gebläse durch eine Schicht von Chlorcalcium in Stücken 
hindurch in einen Heizkasten gehen zu lassen, oder zuerst durch Schwefel- 
säure und dann durch Kalk zu leiten, wie beides durch den Referenten 
schon früher mit Erfolg durchgeführt wurde. 

Hauptmann Franz Holzner veröffentlicht in den Mittheilungen über 
Gegenstände des Artillerie- und Geniewesens, 1890 Heft 3, 4 und 5, eine 
äufserst sorgfältig und mit offenbar vollkommener Beherrschung der ge- 
sammten einschlägigen Verhältnisse gearbeitete Studie über „moderne 
Kriegsgewehre". Um unseren Lesern einen kurzen Ueberblick über 
diese Frage zu bieten, und ihnen insbesondere zu zeigen, inwieweit die 
Pulverfrage in den verschiedenen Ländern bisher gelöst wurde, oder 
Aussicht auf Lösung hat, haben wir die in dieser Studie enthaltenen An- 



22 



Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie und .Sprengtechnik. 



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gaben in nebenstehende 
Tabelle gebracht: 1 

Aus den Mittheilun- 
gen Holzner s ergeben sieh 
noch bemerkenswerthe 
Einzelnheiten. Der Gas- 
druck wurde gemessen, 
beim türkischen Gewehre 
mit 1680 at , beim schwei- 
zerischen mit 2200 ;1t , beim 
englischen mit 2519 at ,7, 
beim schwedischen mit 
2390 ;lt . Nach Holzner 
und nach des Referenten 
Kenntnifs ist das Aus- 
sehen der verschiedenen 

Pulvergattungen wie 
folgt: Frankreich. Kleine 
Blättchen von etwa 2 mm 
im Quadrate und l mni 
Dicke, hornartig in An- 
sehen und Farbe. Oester- 

r eich- Ungarn. Kleine 
Körner von grauer Farbe. 
Deutschland. Dünne Blätt- 
chen von l mm im Gevierte 
und glänzend graubrauner 
Farbe. Italien. Blättchen 
von 2 mm im Gevierte, 
hornartig, gelbbraun, 
durchscheinend. Schweiz. 
Blättchen, hellbraun. 
England (Cordite) runde 
Schnüre, auch kleine 
Cylinderchen, durch- 



1 In der Tabelle be- 
deutet RV Repetirgewehr 
mit Vorderscliafts-Magazin, 
RP Repetirgewehr mit 
Packetladung, E Einzel- 
lader, Rl rauchfreies Pulver, 
Sk Schwarzpulver in Kör- 
nern, Vq Anfangsgeschwin- 
digkeit an der Mündung, 
\V, '»r>ni von der Mündung 
gemessen. 




Fig. b. 



Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie und Sprengtechnik. 23 

scheinend., gelbbraun oder grünlich schwarz. Belgien. Aehnlich wie 
Frankreich. Schweden. Kleine Cvlinderchen (geschnittene Schnüre) von 
Hirsegröfse, graubraun bis lichtbraun. 

Dr. S. Bein in Berlin hat einen Apparat zur Bestimmung der 
Explosions-Temperatur angegeben, welcher nach der Zeilschrift für an- 
gewandte Chemie, 1889 S. 667, im Wesentlichen ein 
Doppelcyliuder aus Schwarzblech ist, mit einem in 
den conischen Hals eingesteckten Reagensrohre, 
welches etwas Sand am Boden enthält, und durch 
einen Kork ein Thermometer sowie ein Trichterrohr 
eingeführt hat. Ist die Temperatur annähernd auf 
die Explosions-Temperatur gestiegen, so wirft man 
kleine Proben durch das Trichterrohr, welche bei 
weiterem Erhitzen explodiren ; die Temperatur, bei 
welcher dies geschieht, wird am Thermometer ab- 
gelesen.' 2 Der 2?ein"sche Apparat beruht auf dem- 
selben Prinzipe wie der von Hefs und Trauzl ver- 
wendete, den wir in nebenstehenden Fig. 2 und 3 
abbilden. 

Derselbe besteht aus einem halbkugelförmigen 
Gefäfse aus Kupferblech mit einem lose aufgesetzten Deckel, das auf 
einem eisernen Gestelle ruht. In dem Deckel befinden sich 7 Oeffnungen, 
in deren jede ein unten geschlossenes, oben mit einem Rande versehenes, 
kupfernes Röhrchen eingesetzt ist. Das mittlere Röhrchen führt mit 
einem Korke den Thermometer, in die anderen, welche 5 mm weit sind, 
wird der Explosivstoff gegeben. Das Gefäfs wird mit üose'schem Metalle 
gefüllt, welches schon unter 100° schmilzt, und sehr hohe Temperaturen 
verträgt, ohne unangenehme Dämpfe oder Ueberkochen zu verursache». 
Der Beinahe Apparat (zu beziehen für 20 M. durch Max Kaehler und 
Martini in Berlin) hat jedenfalls den Vorzug grofser Billigkeit, und ge- 
stattet bequemeres Arbeiten. 

Derselbe Dr. Bein hat eine Reihe von Versuchen angestellt, inwie- 
ferne die Beimengung von Fett zu Schiefspulver die Verbrennung des- 
selben beeinflufst. Wie vorauszusehen ist, hat diese Beimengung die 
Verbrennung erheblich verzögert, und es scheint, als ob Bein diese 
Eigenschaft zur Herstellung eines progressiv seine Kraft entwickelnden 
Pulvers benutzen möchte; es ist aber kaum anzunehmen, dafs ihm dies 
mit so ungleichmäfsig constituirten und in ihrer Zusammensetzung so 
vielfach wechselnden Stoffen, wie Fette es sind, mit genügender Sicher- 
heit gelingen könne. 

Dr. Max Bielefeldt in Mülheim a. Rh. veröffentlicht in der Zeitschrift 
für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, Bd. XXXVIII, eine Reihe von Ver- 
suchen über das Verhalten von Explosivstoffen in Schlagwettergruben. 

2 Vel. 1890 277 523. 



24 Neuheiten in der Explosivstoff-Industrie und Sprengtechnik. 

Die Versuche halten deshalb ein besonderes Interesse, weil hier ein 
tüchtiger Fachmann der Explosivstoffindustrie mit guter Kenntnifs der 
Grubenverhältnisse dieselben ausführte, somit jene Bedingungen gegeben 
uMivn, welche zur Lösung aller Fragen nothwendig sind. 

Nachdem Hielefeldt — in Uebereinstimmung mit unseren öfters aus- 
gesprochenen Ansichten — gefunden hatte, dafs die meisten, von ver- 
schiedenen Commissionen und Versuchenden als ganz oder theilweise 
flammensicher bezeichneten Explosivstoffe ihr günstiges Verhalten ein- 
büfsen, wenn mehr als eine Patrone zur Verwendung gelangt, so trachtete 
er vorerst die Ursachen theoretisch festzustellen. Er ging nun von der 
Ansicht aus, dafs der bei der Explosion von Nitroglycerin im Ueber- 
schusse verbleibende Sauerstoff' die Veranlassung zur Fortpflanzung der 
Flamme sei. Ein solcher Ueberschufs konnte ebenso von zu viel Sal- 
peter und dgl. herrühren. Um diesen Sauerstoff zu binden, fügte er 
Kohlenstoffträger hinzu, deren Aufgabe es war, mit dem Sauerstoffe 
Kohlensäure zu bilden, welche eine Flammenübertragung verhindert. 
Haben die Sauerstoff'träger auch noch Wasserstoff zur Verfügung, so 
wird auch noch Wasserdampf mit gleicher Wirkung gebildet. Der 
Erfolg entsprach den Voraussetzungen, und es zeigt sich sonach, dafs 
Explosivstoffe für Schlagwettergruben, ungleich den für gewöhnliche 
Bergbauzwecke, möglichst viel Kohlenstoff enthalten müssen, was selbst- 
verständlich nur zum Nachtheile der Brisanz und Kraft geschehen kann; 
dies ist denn auch der Grund, warum mit Rücksicht auf die indirekten 
Kosten solchen Explosivstoffen eine Grenze gesteckt ist. 

ßielefeldt blieb schliefslich bei einem Apparate stehen , welcher aus 
einem Än/p//schen Gufsstahlblocke von m ,50 Durchmesser und m ,80 
Höhe mit einer centralen Bohrung von m ,050 Weite und m ,70 Länge 
bestand. Dieser stand aufrecht in einem schmiedeisernen Cylinder von 
2 bie 2 m ,5 Höhe und l m ,20 Durchmesser, welcher oben offen und mit 
einem papierbezogenen Holzrahmen verkeilt war. Das Leuchtgas trat 
am Hoden des Mantels durch eine Gasuhr ein, und im Innern des Hohl- 
raumes angebrachte, durch Herausziehen der Kurbelstange abstreifbare 
Flügel von Pappe dienten zum Vermischen des Gasgemenges. Die 
Patronen wurden elektrisch abgethan. Bielefeldt legt den Versuchen im 
Stahl blocke den gröfsten Werth bei, weil er fand, dafs die Stichflamme 
des ausblasenden Schusses selbst bei kleinsten Mengen von Sprengstoffen 
Wetterzündungen hervorruft, wo der freiliegende oder in Kohlenstaub 
gebettele Explosivstoff sich noch vollkommen sicher erweist. 

Ohne auf die Details seiner Versuche einzugehen, wollen wir er- 
wähnen, dafs es sich auch hier gezeigt hat, wie die Frage der Spren- 
gung in Schlagwettergruben nicht einseitig vom Explosivstoffe abhängig 
gemaelit werden könne. Es ist nothwendig, dafs dieser selbst eine 
relative Sicherheit biete, es ist aber auch unerläfslich, dafs die Zündung 
ue fahr los, und der Besatz entsprechend sei. Feuchter Letten hat sich 



Neuheiten in der Explosivstoft'-Industrie und Sprengtechnik. 25 

als Besatz sehr gut bewährt, und für die Zündung hat mau ja in den 
elektrischen Zündhütchen, sowie in den Lauer 1 sehen Reibungszünderu 
gute Mittel. Mit diesen Behelfen haben sich Explosivstoffe, welche aus 
Diuitrobenzol und Ammoniaksalpeter bestehen (und aus diesen werden 
ja Koburit, Securit u. dgl. neuestens ausschliefslich hergestellt), als völlig 
sicher erwiesen, und unseren Erfahrungen gemäfs wird insbesondere 
Roburit jetzt stark begehrt, da in Schlagwettergruben die geringere Kraft 
und die mancherlei anderen Nachtheile desselben gegenüber Dynamit für 
die gebotene Sicherheit gerne in den Kauf genommen werden. 

Berichte über verschiedene Unglücksfälle sind zu verzeichnen : Nach 
dem Berichte der Beauftragten für die Berufsgenossenschaft der chemischen 
Industrie in Deutschland sind in der Gelatinirbude einer Dynamitfabrik 
4 Menschen getödtet worden, und zur Abhilfe wird die Collodium wolle 
nur mehr mit 5 Proc. Feuchtigkeit in leinenen Beuteln aus dem Trok- 
kenhause gebracht, und bei 40 bis 45° (statt wie bisher bei 60 bis 65°) 
gelatinirt. Es ist sehr fraglich, ob die mit so viel Feuchtigkeit zur Ver- 
wendung gebrachte Collodiumwolle eine Gelatine von solcher Güte ergibt, 
dafs das Nitroglycerin dauernd aufgesaugt bleibt, und nicht etwa später, 
in den Händen der Bergleute, zu einer Quelle gröfserer Gefahr wird, 
während entsprechende Vorsichtsmafsregeln in der Fabrik angebrachter 
wären. Man sollte es kaum glauben, dafs heute noch die einfachsten 
Vorsichten in manchen Deutschen Fabriken aufser Acht gelassen werden, 
und doch hat es so den Anschein. In einer Fabrik war Nitroglycerin - 
haltiges Waschwasser in einem Klärbottiche eingefroren, und der Ar- 
beiter hob es mit einem Werkzeuge heraus. In einer anderen wurde 
der Schlamm vom Filtriren des Nitroglycerins in einem Weifsblechgefäfse 
zur Elbe gebracht, und mit einem eisernen Bootshaken ausgekratzt. Das 
ist dreimal Unrecht; ist es nicht viel einfacher, den Schlamm au einem 
sicheren Orte zu verbrennen? 

Das rauchfreie Pulver fordert schon Opfer, offenbar, weil sein Ver- 
halten unter allen Verhältnissen der Erzeugung mit neuen Vorrichtungen 
noch nicht genügend bekannt ist. So gab es in Spandau eine Explosion, 
und eine andere in Avigliana bei Turin. Bei letzterer kamen nicht 
weniger als 19 Personen ums Leben, und 18 wurden verwundet, wobei 
nur zu verwundern ist, wie man die ungewöhnliche Ansammlung einer 
so grofsen Anzahl von Leuten in offenbarer Nähe dulden konnte. 

Zwei leichte Explosionen, die eine in den Nobel' sehen Dynamit- 
fabriken in Stevenston, die andere in der National Explosives Company 
lim. in Hayle, wobei nur Fenster und das Dach beschädigt wurden, fanden 
zu ungefähr derselben Zeit im gleichen Gebäude, nämlich der sogen. 
Nachscheidung, statt. In dieses Gebäude werden die vom Nitroglycerin 
abgeschiedenen Säuren gebracht, wo sie so lange absitzen, bis die letzten 
Spuren von Nitroglycerin sich abscheiden. Da diese Säuren den gröfsten 
Theil der auf dem Nitroglycerin schwimmenden niedrigen Nitrate von 



26 Die Theerölseifenlöeungen und das Lysol, ein neues Deeinficiens. 

Fett, Zellstoff und dgl. in Glycerin mit führen, so ist unter ungünstigen 
umständen eine Zersetzung möglich. Eine gänzliche Verhütung der- 
selben ist vorläufig noch nicht erzielt worden, doch geschah es in Hayle, 
dafe die Arbeiter eine sichtlich in Zersetzung befindliche Ladung 8 Stunden 
hindurch durch fortwährendes Kühlen mit Wasser und Prefsluft labil 
erhielten, ehe sie dieselbe im Sicherheitsbottiche ertränkten. 

Die zwei hier erwähnten Fälle, sowie die harmlose Explosion einiger 
Tropfen von Sprengöl und Säure, welche von einem noch wenig er- 
fahrenen Arbeiter in einem Eimer in die Sonne gestellt wurden, sind 
die einzigen, welche mit der Inbetriebsetzung der Dynamitfabrik der 
National Explosives Company lim. in Hayle (Cornwall), wahrscheinlich der 
zweitgröfsten Fabrik Europas, verknüpft waren, trotzdem die dortige 
Arbeiterbevölkeruug niemals vorher mit starken Säuren oder Nitroglycerin 
zu thun hatte , vielmehr als Bergleute in den Zinnerzgruben an recht 
Borglose Behandlung gewöhnt war. Referent hofft, es werde ihm nicht 
als Unbescheidenheil ausgelegt werden, wenn er aus dem Berichte der 
Explosivstoffinspektoren für 1889 die folgende Stelle citirt: „Eine der 
neu errichteten Fabriken ist die der National Explosives Company lim. 
in Hayle, dieselbe ist wohl noch nicht in Betrieb (seither ist dies ge- 
schehen), aber wir haben sie schon mehrmals besichtigt. Die Fabrik 
wurde von Herrn Oscar Guttmann geplant und hergestellt, und sowohl 
die gesammte Einrichtung, wie die Vollkommenheit der Details, besonders 
zur Vermeidung, bezieh, zur möglichsten Verminderung der Unglücks- 
fälle geben einen glänzenden Beweis für die Voraussicht und besondere 
Geschicklichkeit dieses Herrn. Selbstverständlich haben alle neuen 
Fabriken den höchsten Anforderungen zu entsprechen. u 

Oscar Guttmann. 



Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein nenes 
Desinficiens; von C. Engler. 1 

Unter den zahlreichen Desinfectionsmitteln, welche aus Lösungen 
von Seifen mit Steinkohlentheerölen und deren Bestandtheilen, ins- 
besondere den Phenolen, hergestellt worden sind, müssen zwei von ein- 
ander verschiedene Kategorien aus einander gehalten werden: die 
Lösungen der Seifen in den Theerölen und die Lösungen der Theeröle 
in den Seifen. Der Unterschied beider Gruppen macht sich ganz be- 
Bonders in dem Verhalten dieser Lösungen gegen Wasser bemerklich; 
die ersteren (Seife in Theeröl) scheiden beim Verdünnen mit Wasser 
das Gel gröfstentheils aus und bilden Emulsionen, die letzteren (Theeröl 
in Seife) lassen sich dagegen mit beliebigen Mengen Wasser ohne Aus- 
scheidung von Oel verdünnen, sie bleiben klar. 



i Nach Pharmaceutische Centralhalle, 1890 N. F. Bd. 11 Heft 31 S. 449. 



Die Theerülseifenlüsunsien und das Lvsol. ein neues Desinliciens. 



27 



1) Die Lösungen von Seifen in Kohlenwasserstoffölen {Erdöl. 
T/teerölen u. s. w.). 

Vor mehreren Jahren haben Engler und Kneis Untersuchungen be- 
gonnen und theil weise veröffentlicht' 2 , welche sich mit der Frage der 
Löslichkeit der Metalle in Kohlenwasserstoffen, speciell in Terpentinöl. 
Harzöl und Erdöl befafsten und aus denen sich ergab, dafs diese schon 
früher bemerkte Löslichkeit von der Mitwirkung des Sauerstoffes der Luft 
abhängig ist, indem dadurch Oxydation sowohl der Oele als auch der 
Metalle bewirkt und so die Bildung von „Seifen- veranlafst wird, welche 
ihrerseits dann in den Kohlenwasserstoffen sich auflösen. Um die Rich- 
tigkeit dieser Annahme zu prüfen, wurde später die Löslichkeit einiger 
fettsauren Salze in den Kohlenwasserstoffen des Erdöls und in Terpentin- 
öl, sowie in neuester Zeit die Löslichkeit von Metalloxyden in Erdöl- 
kohlenwasserstoffen, die mit Oelsäure versetzt sind, näher studirt. 

Als Materialien zu diesen Untersuchungen dienten sowohl die 
Fraction von Elsäfser Erdöl, welche von 150 bis 250° siedet, als auch, 
um die Verschiedenheit des Verhaltens festzustellen, der über 250° 
siedende Theil jenes Oeles, als Oelsäure gewöhnliche käufliche Oelsäure. 
von Kahlbaum oder von Trommsdorff bezogen. 

Die Einwirkung erfolgte, unter vorheriger Vermischung der Ma- 





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desgl 

desgl 

PbOo 



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trocken 

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40 
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100 
100 
100 



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100 



100 — 

100 — 

— 100 

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— 1100 

— 100 



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Wasserbad 

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Lufttemp. 
Wasserbad 

Lufttemp. 
Wasserbad 

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desgl. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 



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100 Wasserbad 
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einige Tage 
einige Stund. 

desgl. 

desgl. 

einige Tage 
21 Stunden 

einige Tage 
24 Stunden 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 
36 Stunden 
48 Stunden 
einige Tage 

desgl. 

24 Stunden 

desgl. 



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0.60 „ 
1 11 
0,032 CaCOg 

0.60 F&jOg 
0,90 « 

6.71 PI 

14.13 .. 

11.73 .. 

17.59 .. 

15.50 .. 

9.47 .. 

11.19 .. 

12.65 .. 

1.44 .. 

0.36 Ag,0 
0.56 „ 

u.n7 Au-,0 3 



i D. p. J.. 1887 263 193. 



28 Die Theeröleeifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 

terialien, in Glaskölbchen bei gewöhnlicher Temperatur oder auf dem 
Wasserbade; die Bestimmung der gelösten Metalloxyde meistens durch 
Veraschung. 

Die bei den Versuchen erhaltenen Resultate sind in der vorstehen- 
den Tabelle zusammengestellt. 

Diese Versuche ergaben eine ganz besonders starke Löslichkeit des 
Bleioxydee bezieh, also des gebildeten Ölsäuren Bleies in den Kohlen- 
wasserstoffen und die Resultate mit geringeren Mengen von Bleioxyd 
sind nur nicht angeführt, weil sie werthlos sind gegenüber den bei der 
Steigerung der Mengen des Bleioxydes erhaltenen viel höheren Werthen. 

Sehr oft werden die Erdölfractionen durch Aufnahme der Seifen 
gallertartig, beinahe fest, eine Erscheinung, die übrigens nicht neu ist, 
da das sogen, „feste Erdöl" weiter nichts ist, als ein mit etwas 
Aluminiumseife, Magnesiumseife u. s. w. versetztes Erdöl; auch ver- 
weDdete man bekanntlich Kalkseifen schon seit langer Zeit zum Ver- 
dicken von mineralischen Schmierölen. Kurz, die Löslichkeit der Seifen 
in Kohlenwasserstoffölen darf als eine schon lange bekannte Thatsache 
bezeichnet werden. 

Alle derartigen Lösungen scheiden beim Versetzen mit Wasser das 
Kohlenwasserstofföl wieder ab und nur die Seife geht, sofern sie selbst 
löslich ist, theilweise mit ganz geringen Mengen des Oeles in die was- 
serige Flüssigkeit. 

Das Pearsotische Kreolin (Jeyes) gehört in diese Kategorie von 
Lösungen, es enthält nach Th. Weil 3 56,9 Proc. indifferente Kohlen- 
wasserstoffe, 22,6 Proc. Phenole, 0,4 Proc. Säuren, 2,4 Proc. Natrium, 
nach anderen Analysen 4 dagegen sind 66,0 Proc. indifferente Kohlen- 
wasserstoffe, 27,4 Proc. Phenole (fast ganz frei von Carbolsäure), 2.2 Proc. 
pyridinartige Basen und 4,4 Proc. Asche (im Wesentlichen Alkali- 
carbonatc) darin enthalten, und wieder andere Zahlen führen R. Otto 
und Beckurts 5 , Biel* u. A. auf. Jedenfalls enthalten aber die Phenole 
dieses Kreolins wenig oder gar keine Carbolsäure, und ist dieses Ge- 
menge als eine Lösung von Harzseife in höher siedenden Theeröleu zu 
betrachten von nicht constanter Zusammensetzung. Vermischt man 
dieses Kreolin mit Wasser, so scheiden sich die Theeröle gröfstentheils 
wieder aus und es entsteht eine feine Emulsion. In dem wässerigen 
Theile dieser Emulsion mufs ein Theil der Phenole gelöst sein. Da- 
gegen, dafs sie sämmtlich in die wässerige Seifenlösung gehen, spricht 
das Verhältniffl zu der Seifenmenge, sowie die Anwesenheit grofser 
Mengen ungelöster Kohlenwasserstoffe, die ohne Zweifel einen Theil 
der Phenole zurückhalten. 



3 Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1889 S. 138. 
•» A. Henle, Archiv für Hygiene^ 1889 S. 193.' 
5 Pharmaceulische Central'halle, 1889 S. 227. 
»i Chemiker-Zeitung, 1887 S. 1583. 



Die Theerölölseifenlösung und das Lysol, ein neues Desinficiens. 29 

Auch das Artmann sehe Kreolin scheint dieser Kategorie von Lösungen 
anzugehören, wenigstens scheidet es beim Verdünnen mit Wasser neu- 
trale Kohlenwasserstofföle aus. Nach Th. Weyl 1 enthält es 84,9 Proc. 
Kohlenwasserstoffe, 3,4 Proc. Phenole, 1,5 Proc. Säuren und 0,8 Proc. 
Natrium, doch soll es seit einiger Zeit phenolfrei in den Handel kommen. 
Worauf die Emulgirbarkeit desselben beruht, ist noch nicht mit Sicher- 
heit bekannt; der Ansicht, dafs es lediglich eine gummiartige Substanz 
sei, wie Henle vermuthet, möchte ich mich noch nicht ohne Weiteres 
anschliefsen. Nach desselben Forschers bakteriologischen Untersuchungen* 
ist aber jedenfalls der Desinfectionswerth des .4rtmann"schen Ki-eolins 
geringer, als derjenige des Pearson\ Jeyes)schen ; überhaupt ist man noch 
nicht ganz im Klaren darüber, auf welchem Bestandtheile des ersteren 
seine desinficirende Wirkung beruht. 

In die gleiche Kategorie von desinficirenden Lösungen gehört auch 
das Kresolin, Littles Soluble Phenyle u. a., auch das Schenkel' sehe Sapo- 
carbol, wenn wenigstens damit ein Präparat gemeint ist, welches, wie 
nach der kurzen Beschreibung in der Chemiker- Zeitung^ angenommen 
werden mufs, mit Wasser Emulsionen bildet. 10 

Als charakteristisch für alle derartigen Lösungen von Seifen (seien 
es Harz- oder Fettseifen) in Theerölen u. s. w. darf bezeichnet werden, 
dafs sie beim Verdünnen mit Wasser Emulsionen bilden und zwar erst 
in Folge davon, dafs das Wasser den Präparaten die Seife entzieht und 
eine Flüssigkeit bildet, in der sich vermöge ihrer Consistenz und ihres 
speeifischen Gewichts die fein ausgeschiedenen Oele nur schwer und 
langsam zu Tröpfchen vereinigen. 

2) Die Lösungen von Kohlenwasserstoffölen und Phenolen (Theerölen) 

in Seifen. 
Das W. Damann sehe D. R. P. Nr. 52129 vom 8. Mai 1889 war 
Engler die Veranlassung, sich mit dieser Frage der Löslichkeit von 
Theerölen in Seifen etwas eingehender zu befassen, denn es schien 
damit eine Frage von grofser technischer und sanitärer Tragweite ge- 
löst zu sein: die Möglichkeit der Ueberführung der schweren Theeröle 
in neutralen wasserlöslichen Zustand und die erweiterte Verwendung 
derselben zu Desinfectionszwecken. War es doch a priori kaum zu 
bezweifeln, dafs derartige Lösungen in Bezug auf ihre bakterientödtende 
Wirkung die Emulsionen übertreffen würden, wie dies nachträglich nun 
auch durch die vergleichenden Untersuchungen von M. Schottelius über 



' Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1889 S. 138. 

s Archiv für Hygiene. 1889 S. 188. 

9 Chemiker-Zeitung. 1887 II S. 1229 und 1888 I S. 186. 

W Ein in diesen Tagen durch eine hiesige Apotheke von mir bezogenes 
..Sapocarbol" läfst sich allerdings mit Wasser ohne Oelausscheidung, also ohne 
Emulsion zu bilden, beliebig verdünnen. Engler. 



30 Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 



die desinficirende Wirkung des Lysols gegenüber englischem Kreolin 
(Pearson) dargethau worden ist. 

Um die Richtigkeit der Angaben in dem oben bezeichneten Patent 
zu prüfen, wurden im Engler' sehen Laboratorium eine Reihe von Lösungen 
nach den Angaben der Patentbeschreibung hergestellt. 

Zur Lösung kamen verschiedene fette Oele, auch Thran und Harz, 
mit Theerölen, als „rohe Carbolsäure 1 -' aus zwei benachbarten Fabriken 
(I und 11) bezogen, und nach den vorgenommenen Bestimmungen 
82 Proc. Phenole (gröfstentheils Kresole und Xylenole) enthaltend, also 
etwa 18 Proc. neutrale Kohlenwasserstoffe, desgleichen ein Theeröl (III) 
mit nur 13 Proc. Phenolen, also reich an neutralen Kohlenwasserstoffen. 
Die augewendeten Mischungen und die damit erhaltenen Resultate sind 
in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt, wobei noch zu bemerken 
ist, dafs man in der That den zur besseren Verseifung und Lösung zu- 
gesetzten Alkohol nach dem Löseprozefs ohne Beeinträchtigung der 
Lösung grofsentheils wieder verjagen kann. 



A 


B 


C 


D 


E 


F 


Leinöl 


30,8 


30,8 


30,8 










Thran 


— 


— 


— 


30,8 


— 


— 


Eüböl 


— 


— 


— 


— 


30,8 


— 


Colophonium .... 


— 


— 


— 


— 


— 


33.1 


Kalilauge (1 festes Aetz- 














kali : 2 Wasser) . . 


18,4 


18,4 


18,4 


18,4 


18,4 


30.5 


Alkohol 


20,0 


20,0 


20,0 


20,0 


20,0 


23,2 


Theeröl I 


30.8 


— 


— 


— 


— 


— 


„ II 


— 


30,8 


— 


30,8 


30,8 


13.2 


» HI 


— 


— 


30,8 


— 


— 


— 



Die erhaltenen Lösungen sind braungelb bis dunkelbraun gefärbt 
und beim Verdünnen mit Wasser bilden sie durchweg klare durch- 
sichtige Flüssigkeiten- nur die Lösung C ergab beim Vermischen mit 
Wasser eine noch trübe Flüssigkeit, was vielleicht von etwas asphalt- 
artiger Beimischung des rohen Theeröls III herrührt. Die Menge der 
letzteren Ausscheidung ist jedoch nur gering. Selbstverständlich treten 
bei allen Lösungen Trübungen ein, wenn man sie mit Wasserleitungs- 
oder Brunnenwasser versetzt, da sich alsdann etwas unlösliche Kalk- 
seife bildet. 

Obgleich auch die Wahrnehmung dieser Löslichkeit von Theer- 
ölen, und insbesondere der neutralen Kohlenwasserstoffe in Seifen, ge- 
wisse Vorläufer aufzuweisen hat, so ist früher doch noch nirgends aus- 
drücklich darauf hingewiesen und auf ihre eminente praktische Bedeutung 
aufmerksam gemacht worden. Jedenfalls bilden derartige beim Ver- 
mischen mit Wasser klar bleibende Lösungen gegenüber den mit Wasser 
blofs Emulsionen bildenden Präparaten einen nicht zu unterschätzenden 
Fortschritt. 



Die Theerölseit'enlösungen und das Lysol, ein neues Deainficiens. 31 

Vor Allem erschien es wichtig, zu untersuchen, ob die in den 
Theerölen enthaltenen Phenole in Salzform, also in chemisch ge- 
bundenem, oder in freiem Zustande in den Seifen enthalten seien. In 
dieser Beziehung gibt eigentlich schon das Verhältnifs des fetten Oeles 
(Leinöl, Rüböl u. s. w.) zu dem verwendeten Alkali einen ziemlich 
sicheren Anhaltspunkt dafür, dafs die Phenole nur in freiem Zustande 
vorhanden sein können, da die Menge des Aetzkalis gerade ausreicht, 
um das betreuende fette Oel zu verseifen. Aufserdem haben zahl- 
reiche Versuche gelehrt, dafs man durch einen einfachen Destillations- 
prozefs die gelösten Theeröle (Kohlenwasserstoffe und Phenole) wieder 
überdestilliren kann. Die zu diesem Behufe nach obigen Angaben her- 
gestellten Lösungen ergaben dabei die in der zweiten Reihe der folgenden 
Zusammenstellung enthaltenen Mengen an Theeröl. il Des Vergleichs 
halber sind in der ersten Reihe die in dem betreffenden Präparate ent- 
haltenen, d. h. zur Anwendung gebrachten Theerölmengen nochmals 
aufgeführt : 

Präparat A B D E F 

Gelöst waren Gew.- 
Proc. Theeröl . . 30,8 30,8 30,8 30,8 13,2 

Durch Destillation 
konnten abgetrie- 
ben werden Gew.- 
Proc. Oel . . . 30,2 27,7 29,9 28,8 17,0 12 

Durch Untersuchung der übergetriebenen Oele überzeugte man sich 
des Weiteren davon, dafs die in den Theerölen ursprünglich vorhanden 
gewesenen Phenole noch in gleichem Mengenverhältnisse vorhanden 
waren, insoweit dies wenigstens bei derartigen Versuchen erwartet 
werden kann. 

Um endlich auch noch den Einwurf, der möglicher Weise gemacht 
werden könnte, zu entkräften, beim Vermischen von Fett, Alkali und 
Phenolen treibe nach der Verseifung das Phenol die Fettsäure aus, in 
der Kälte seien demgemäfs die Phenole gebunden und würden nur durch 
den Kochprozefs wieder durch die Fettsäuren frei gemacht, um dann 
überzudestilliren, wurden kalte Lösungen von Phenol-Kalium und Kresol- 
Kalium mit Oelsäure versetzt, wobei starke Erwärmung eintrat, ein 
Zeichen des chemischen Umsatzes und der Ausscheidung der Phenole, 
während umgekehrt neutrales ölsaures Kali von Phenol nicht in irgend 
merklicher Weise umgesetzt wurde. 

Es unterliegt nach allen diesen Versuchen also keinem Zweifel, 
dafs die Theeröle und insbesondere auch die in denselben enthaltenen 



11 Bei Präparat C trat stets so heftiges Stol'sen ein, dafs die Destillation 
damit nicht zu Ende geführt werden konnte. 

12 Da dieses Präparat nach früherer Zusammenstellung Colophonium ent- 
hält, dürfte sich die zu grofse Menge Destillat durch Bildung von Zersetzungs- 
producten des Harzes erklären. 



Die Theerölseifenlösangen and das Lysol, ein neues Desinficiens. 

Phenole in den obigen Dainann sehen Präparaten in freiem Zustande 
sich linden. 

Unabhängig von Damann, jedoch nach Anmeldung des D. K. P. 
Nr. 52129 veröffentlichte Dr. Nocht 13 Versuche über die Herstellung 
von Lösungen von ..lOOprocentiger- roher Carbolsäure in Seifenflüssig- 
Ueiten und empfahl dieselben zu Desinfectionszweeken. üb das ,.Sapo- 
carbol- schon früher in der Beschaffenheit hergestellt war, dafs es mit 
Wasser klar blieb, wie ein dem Verfasser in diesen Tagen unter gleicher 
Bezeichnung zugegangenes Präparat, ist nicht bekannt. Die Angaben 
Sehenkel'* l4 lassen vermuthen, dafs man früher darunter ein mit Wasser 
emulgirendes Präparat verstand. 

3) Das Lysol. 

Unter der Bezeichnung „Lysol" wird von der Firma Schülke und 
Mayr in Hamburg ein Präparat fabricirt, welches ohne Zweifel in die 
Kategorie der Lösungen von Theeröl bezieh, von einzelnen oder mehreren 
seiner Bestandtheile in Seife hineingehört. M. Schottelius 15 hat über 
die desinticirende Wirkung dieses Präparates Untersuchungen veröffent- 
licht, aus denen sich ergibt, dafs in demselben eiu ganz vorzügliches 
neues Desinficiens vorliegt. 

Die Engler zuerst zur Verfügung gestellten beiden Sorten von Lysol 
(Nr. II und III) waren dieselben, mit denen Schottelius seine Versuche 
durchgeführt hat und es mufste deshalb von besonderem Interesse sein, 
deren allgemeine Eigenschaften und Zusammensetzung kennen zu lernen. 

Lysol II: spec. Gew. 1,0525, ist eine braune durchsichtige syrupöse 
Findigkeit, die mit Wasser verdünnt vollständig klar bleibt; rothes 
Lackmuspapier wird gebläut, doch enthält es keine Spur von freiem 
Alkali, kurz, es liegt offenbar eine Lösung von Theerölen in neutraler 
Seife vor. 

Lysol III: spec. Gew. 1,038, zeigte im Uebrigen dieselben all- 
gemeinen Eigenschaften wie Lysol II, insbesondere bildet es auch mit 
Wasser vollständig klare Mischungen. 

Später wurde von der Firma Schülke und Mayr noch ein Präparat, 
mit „Lysolum purum 1 ' bezeichnet, zur Verfügung gestellt, wie solches 
für Desinfectionszwecke fernerhin in den Handel kommen soll. Auch 
dieses Präparat, dessen spec. Gew. 1,042 (bei 19°) beträgt, besitzt die 
allgemeinen Eigenschaften der beiden ersteren, insbesondere vollständige 
Wasserlö.dichkeit. Es ist etwas heller von Farbe und in nicht zu 
dicken Schichten durchsichtig;. 

Aufser der Asche wurden in den vorliegenden drei Lysolsorten die 
durch Destillation bis 225° neben Wasser übergehenden Oele, sowie 

13 Zeitschrift für Hygiene, 1889 S. 521. 

14 Chemiker-Zeitung, 1887 II S. IT''.» und 1888 I S. 186. 

15 Münchner Medic. Wochenschrift, 1890 Nr. 20. 



Die Tlieerölst'ilVnlosiuigen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 33 

die in den letzteren enthaltenen Phenole bestimmt, wobei sich fand, 
dafs dieselben so viel wie gar keine Carbolsäure, sondern nur die 
nächst höheren Homologen enthalten. Die Untersuchung ergab in Ge- 
wichtsprocenten : 

Asche ;,uf ™ H °S- S Phenole ^ 

l K »0>«> rec b h e " et destüun (Kresole) ""$" 

(bls i& > (Differenz) 

Lysol II . . . 5,91 4,8 46,8 44,1 2,7 

Lysol III . . • 6,29 5,1 50,8 46,2 4,6 

Lysolum purum 6,52 5,3 51,0 47,4 3,6 

Da es durch die Untersuchungen A. Henle's™, Carl Fränkel' s Vt u. A. 
festgestellt ist, dafs den höheren Homologen der Carbolsäure, ins- 
besondere auch den Kresolen, eine besonders stark desinficirende Wirkung 
zukommt, darf es als ein entschiedener Vorzug des Lysols betrachtet 
werden, dafs die in demselben enthaltenen Phenole fast vollständig 
zwischen 187 und 200° übergehen, also fast nur aus Kresolen bestehen. 
Ein weiterer Vorzug besteht in der vollständigen Wasserlöslichkeit des 
Präparates und man hat in demselben — constante Zusammensetzung- 
vorausgesetzt — ein Desinficiens, dessen Kresolgehalt durch Verdünnen 
mit Wasser auf beliebige Procente gestellt werden kann. Schon Bueppe^ H 
weist auf die Vortheile wasserlöslicher Phenolpräparate hin, desgleichen 
hebt Fränkel*" die Vorzüge der durch Mischen von Schwefelsäure mit 
Phenolen erhaltenen „sulfirten Phenole" gegenüber den in Wasser schwer- 
und unlöslichen Phenolen hervor. Gegenüber den Kreolinen, dem Kresolin, 
Littles Soluble Phenyle und ahnlichen Präparaten, welche mit Wasser 
nur Emulsionen bilden, mufs deshalb die vollständige Wasserlöslichkeit 
der Lysol-Präparate als ein entschiedener Fortschritt bezeichnet werden, 
denn auch die feinste Emulsion bedingt keine so feine Vertheilung, 
innige Berührung und Durchdringung wie die vollständige Lösung. 
Dabei sind, wie die weiter oben mitgetheilten Versuche beweisen, die 
Phenole nicht chemisch gebunden, sondern frei in den neutralen Seifen 
gelöst und kommen, im Gegensatze zu den löslichen Salzen der Carbol- 
säure und deren Homologen, mit ihrer vollen Desinfectionskraft zur 
Wirkung. Dies ist zweifellos auch die Ursache der überaus günstigen 
Resultate, welche Schottelius hinsichtlich der bakterientödtenden Wirkung 
des Lysols erhalten hat. Aehnliches bemerkt übrigens auch schon 
Fränkel über die desinficirende Kraft der in der Kälte mit Schwefel- 
säure vermischten Kresole; es ist nach ihm nicht die dabei vielleicht in 
geringer Menge entstehende Kresolsulfosäure , sondern das durch Be- 
handlung mit Schwefelsäure wasserlöslich gemachte Kresol selbst, welches 
jenen hohen Effect bedingt. Vor diesen stark sauren Kresol-Schwefel- 

16 Archiv für Hygiene, 1889 S. 211. 

« Zeitschrift für Hygiene, 1889 S. 530. 

18 Berliner Klinische Wochenschrift, 1888 Nr. 37. 

19 a . a. 0., S. 528. 

Dinglers polyt. Journal Bd. 278 Nr. 1. 189U IV. 3 



34 Käst und Künkler, über ägyptisches Erdöl. 

säuremischungen hat aber das Lysol jedenfalls den Vorzug voraus, dafs 
es das Kresol in einer neutralen Lösung enthält. Welches der drei 
Kresole, das Ortho-, Meta- oder Para-Kresol, in Form des Lysols die 
desinficirenden Eigenschaften in höchstem Grade besitzt, und ob auch 
und in wieweit die mitgelösten neutralen Kohlenwasserstoffe als Des- 
inticientien mitwirken, müfste durch weitere bakteriologische Unter- 
suchungen festgestellt werden. 

Nach den hier mitgetheilten, im Engler' sehen Laboratorium durch- 
geführten Versuchen über das Lysol liegt in demselben ein vollständig 
neues Präparat vor, welches nach seiner Darstellung, seinen Bestand- 
theilen und seinem gesammten chemischen Verhalten ein für die ver- 
schiedensten Zwecke brauchbares Desinfectionsmittel darstellt. In Folge 
seiner vollständigen Wasserlöslichkeit und seiner reinigenden Eigen- 
schaften eignet es sich nicht blofs als Desinficiens im engeren Sinne, 
sondern gleichzeitig auch zu Waschzwecken, und es zeichnet sich hier- 
durch vor anderen ähnlichen Desinfectionspräparaten ganz entschieden 
aus. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dafs den Z)amann"schen Präparaten 
eine noch ausgedehntere Verwendung bevorsteht, insbesondere ist es 
möglich, dafs sie auch als Antiparasitica gute Dienste leisten. Es wäre 
zu wünschen, dafs von landwirthschaftlich-sachverständiger Seite Ver- 
suche über die Brauchbarkeit des Lysols als Mittel gegen gewisse 
Pflanzenkrankheiten, wobei in erster Reihe auch an die Phyloxera zu 
denken wäre, angestellt würden und es mag in dieser Beziehung auf 
die nicht ungünstigen Resultate hingewiesen werden, welche man schon 
mit Erdöl erzielt hat und dafs man in dem Damann sehen Verfahren 
zugleich auch ein Mittel besitzt, um neutrale Kohlenwasserstofföle in 
wässerige Lösung zu bringen. (Schlufs folgt.) 



Ueber ägyptisches Erdöl von H. Käst und Alb. Künkler. 

Es ist schon seit längerer Zeit bekannt, dafs sich in Aegypten an 
der Küste des Rothen Meeres bei Djebel Seit oder Gemseh, einem gegen- 
über der Südspitze der Halbinsel Sinai, am Eingang in den Golf von 
Suez unter 28° nördlicher Breite und 33° östlicher Länge von Green- 
wich gelegenen Küstenstriche, Erdöl in beachtenswerther Menge findet. 
Dieses kurzweg als ägyptisches Erdöl bezeichnete Oel ist, schon mehr- 
fach Gegenstand chemisch-technischer Untersuchung gewesen. Es 
liegen eingehendere Untersuchungen darüber vor von Frederic Weil \ 
Robert Irvine ' 2 , sowie eine Correspondenz in der Zeitschrift Engineering. 3 

Weil macht keine nähere Mittheiluns über die Provenienz seines 



1 Moniteur scientifique, 1877 Bd. 19 S. 295. 

2 Journal of the Society of Chemical Industry, 1887 Bd. 6 S. 130. 

3 D.p. J. Ibbß 262 94 nach Engineering. 1886 Bd. 41 S. 579. 



Käst und Künkler. über ägyptisches Erdöl. 35 

Oeles. Er fand das spec. Gew. zu 0,953, eine Destillation des Rohöles 
ergab ihm 87,9 Proc. flüssige Destillationsproducte, 7,72 Proc. Koks 
und 4,38 Proc. uncondensirbare Gase, auch wurde, namentlich zu An- 
fang der Destillation, das Auftreten beträchtlicher Mengen von Schwefel- 
wasserstoll' constatirt. Jene 87,9 Proc. flüssiger Destillationsproducte 
zerlegte Weil bei einer zweiten Destillation in 26,47 Proc. rohes Leuchtöl, 
welches schwerer als amerikanisches Leuchtöl war, und 61,43 Proc. 
rohes Schmieröl, das sich paraffinfrei und schmierfähiger als amerika- 
nisches Schmieröl erwies. Das Leuchtöl verlor bei der Reinigung 
14 Proc; das gereinigte Product war von gelber Farbe und zeigte das 
spec. Gew. 0,875. Der Verlust bei der Reinigung des Schmieröles stellte 
sich auf 15 Proc. und das spec. Gew. des gereinigten Schmieröles 
wurde zu 0,923 gefunden. Der Entflammungspunkt lag für das Rohöl 
bei 153°, für das gereinigte Leuchtöl bei 90° und für das gereinigte 
Schmieröl bei 100°. Weil empfiehlt, das von ihm untersuchte Oel zur 
Herstellung von Schmieröl zu benutzen oder das Rohöl unter den 
Dampfkesseln der Marine zu verfeuern bezieh, dasselbe als Gasöl zu 
verwenden. 

In der in diesem Journal 1886 262 94 mitgetheilten Notiz „Ueber 
Verwerthbarkeit des ägyptischen Erdöles" ist speciell des grofsen Reich- 
thums der Quellen von Djebel Seit gedacht und erwähnt, dafs dieses 
Oel in seinem spec. Gew. dem schweren in Birma sich findenden Oele 
am nächsten kommt, sowie dafs aus demselben nur 8 bis 10 Proc. raf- 
finirtes Leuchtöl zu gewinnen sind. 

Genauere Mittheilungen, auch über die Art des Vorkommens des 
ägyptischen Erdöles, sind aus der Publikation von Robert Irvine zu ent- 
nehmen. Nach ihm wird das Oel von Djebel Seit oder Gemseh (un- 
gefähr 400 englische Meilen von Suez) theils aus seichten Sprudeln, 
theils aus tiefen Bohrlöchern gewonnen. Im J. 1887 waren die Bohrungen 
400 englische Fufs in festem Thon vorgedrungen, unter welchem man 
auf Erdöl zu gelangen hoffte. Das von Irvine untersuchte Rohöl war 
von dunkelbrauner Farbe, unangenehmem, von Schwefelverbindungen 
herrührendem Geruch und zähflüssiger Consistenz, welche es, weil fast 
völlig paraffinfrei, auch bei niederer Temperatur beibehält. 

Sein spec. Gew. bei 60» F. (15,5° C.) beträgt 0,934. Auf gewöhn- 
liche Art gereinigt, liefert es ein Product, welches im spec. Gew. von 
0,850 bis 0,950 schwankt. Brennöl fand sich in dem von Irvine unter- 
suchten Rohöl gar nicht vor und beim Behandeln mit Schwefelsäure 
war ein Verlust von 50 Proc. zu constatiren. Irvine empfiehlt das 
ägyptische Oel zu Schmier- und Feuerungszwecken. 

Im Anschlufs an Irvine s Mittheilungen erwähnt Hamilton, dafs er 
aus dem gleichen Oele 45 bis 50 Proc. vorzügliches Schmieröl erhalten 
habe, und Laing will es sogar gelungen sein, 70 Proc. davon zu be- 
kommen , gleichgültig ob mit oder ohne Wasserdampf destillirt wurde. 



:;ii and Karikier, über ägyptisches Ei 

Von kleineren Literaturnotizen über ägyptisches bezieh, afrikanisches 
Erdöl sind uns noch die folgenden bekannt geworden: 

In Perittz, Die Industrie der Mineralöle u. s. \v., I. Theil 1868, wird 
die Analyse eines afrikanischen Erdöls, welche von Tale ausgeführt ist, 
mitgetheili (ohne Literaturangabe). Dieses Oel hatte ein spec. Gew. 
von 0,912, begann bei 82° zu destilliren und lieferte: 

Brennöl vom spec. Gew. 0,835 30 Proc. 

Schmieröl ,, ,, „ 0,887 59,5 „ 

Paraffin 5.2 „ 

Koks 3,7 „ 

Verlust 1.6 „ 

100,0 Proc. 

II. Schiff erwähnt in einer Correspondenz in den Berliner Berichten, 
1874 S. 361, Vorträge über Erdöl, welche G. ßizio am venetianischeu 
Handelsinstitut gehalten hat. Schiß' entnimmt daraus die Analyse eines 
afrikanischen Erdöles, welche aber in Bezug auf spec. Gew. des 
Rohöles, Brennöles und Schmieröles, Siedepunkt des Rohöles, Ausbeute 
an Brennöl, Schmieröl und Paraftin so vollständig mit der zuerst an- 
gegebenen Tauschen Untersuchung übereinstimmt, dafs an der Identität 
beider nicht zu zweifeln ist. 

Endlich sei noch auf eine Bemerkung in diesem Journal, 1878 228 
538, wonach Livingstone in Central-Afrika stark paraffinhaltiges Erdöl 
gefunden haben soll, sowie auf eine Notiz (ohne Literaturangabe) im 
Fischer'schen Jahresbericht für chemische Technologie, 1887 S. 70, hin- 
gewiesen, nach welcher in Aegj^pten, in der Nähe des Baku-Sees, neue 
und angeblich reiche Erdöllager entdeckt seien. 

Vor Kurzem ist durch den interessanten Aufsatz von A. Veith: T Veber 
die Geschichte der Erdölindustrie 1 - 1 - die Aufmerksamkeit der Interessenten- 
kreise neuerdings auf das ägyptische Erdölvorkommen gelenkt worden. 
Veith sagt 4 : „In Aegypten ist das Vorkommen von Erdöl in den letzten 
zwei Jahren von allgemeinem Interesse geworden. Die unter Schulz und 
mit Unterstützung der britischen Hegierung ausgeführten Bohrversuche ergaben, 
speciell in der Gegend von Geb-el-Said, Brunnen von bedeutender Ertrags- 
fähigkeit: doch scheinen die Versuche wieder ergebnifslos zu sein, da seit 
den letzten Monaten keine weiteren Berichte hergedrungen sind."' 

Das Studium der über ägyptisches Erdöl vorhandenen, vorstehend 
kurz mitgetheilten Literatur hat uns gezeigt, dafs eine eingehende und 
vollständige Untersuchung dieses Oeles, welche Einblick in die Zu- 
sammensetzung und Verwendbarkeit desselben gestattet, noch nicht 
existirte. 



i Berichte der österreichischen Gesellschaft zur Förderung der chemischen Industrie, 
1890 Bd. 12 Befl 1 s. lo. 

G Diese Bemerkung Veith' s ist wohl dahin zu verstehen, dafs die neuesten 
Bohrversuche doch noch nicht solche Beengen Oel ergaben, wie anfänglich 
vermuthel wurde. 



Kati und Kiinkler. über ägyptisches Erdöl. 37 

Gerne ergriffen wir deshalb die Gelegenheit zu einer solchen Prü- 
fung des ägyptischen Oeles, welche sich uns dadurch bot,' dafs uns Herr 
Prof. Hirzel in Leipzig- Plagwitz eine gröfsere Probe dieses Oeles gütigst 
zur Verfügung stellte. Wir gestatten uns, Herrn Prof. Uirzel hierfür 
auch an dieser Stelle unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Leider konnte die Untersuchung dieses Erdöles, namentlich was 
die Qualitätsprüfung der Schmieröle bezieh, die Aufarbeitung der Re- 
siduen anlangt, nicht mit der Vollständigkeit durchgeführt werden, wie 
wir dies gern gethan hätten; es trägt daran die relativ geringe Quan- 
tität der uns zu Gebote gestandenen Probe (rund 7 k ) die Schuld. Immer- 
hin konnten die einzelnen Versuche weit genug ausgedehnt werden, 
um ein Urtheil über die Eigenschaften und die Brauchbarkeit des Oeles 
in technischer Hinsicht zu ermöglichen. Die Probe ägyptischen Erdöles, 
welche wir untersuchten, war Herrn Prof. Hirzel 6 auf Veranlassung des 
Ministeriums der öffentlichen Arbeiten in Cairo von Suez aus zugegangen. 
Das Oel befand sich in dicht schliefsenden Blechflaschen und trug die 
Bezeichnung ..Petrole de Gemse h^. 

a) Physikalische Eigenschaften. 
Das von uns untersuchte Oel ist dunkelbraun, nur in ganz dünnen 
Schichten durchscheinend und zeigt, mit Petroläther verdünnt, grünliche 
Fluorescenz. Der Geruch ist erdölartig, nicht unangenehm. In Petrol- 
äther gelöst, sondert das Oel nach einiger Zeit feste Ausscheidungen 
ab, während solche, wenn das Oel auf Papier gestrichen und von diesem 
aufgesogen wird, nicht wahrnehmbar sind. Das spec. Gew. bei 17° C. 
ist 0,9352. Der Flammpunkt liegt bei 87°, der Entzündungspunkt bei 
109° und der Siedepunkt bei 160°. Bei 17° ist das Oel zähflüssig 
(ähnlich dem früher bei Pechelbronn im Elsafs gewonnenen sogen. 
Schachtöl) und bei — 15° noch dickflüssig. Paraffin läfst sich in der 
Kälte nicht ausscheiden. Die direkte Auslaufgeschwindigkeit, im Engler- 
schen Viscosimeter gemessen, betrug 6 Minuten 40 Secunden bei 35°. 

b) Chemische Eigenschaften. 

Das Oel, mit Alkohol und Wasser durchgeschüttelt, gab an diese 
Flüssigkeiten keine Substanzen ab, welche auf Lackmuspapier reagirten. 
Bei der Veraschung des Oeles hinterblieben 0,12 Proc. Rückstand, be- 
stehend aus Kalk und Eisen. Die Elementarzusammensetzung des Oeles 
fanden wir (Mittel aus je 2 Bestimmungen) wie folgt: 

Kohlenstoff 85.85 Proc. 

Wasserstoff 11.72 „ 

Sauerstoff 0.92 „ (aus der Differenz) 

Schwefel 1.21 „ 

Stickstoff 0.30 „ 

100,00. 

6 Nach gefälliger Privatmittheilung. 



38 B • Künkler, ö löl. 

Behufs Untersuchung der eventuell in dem Oel gelösten, sowie der 
bei der Destillation sich entwickelnden Gase hatten wir uns einen be- 
sonderen Apparat construirt, welcher gestattete, während der Destillation 
des Oeles auftretende Kohlensäure und schweflige Säure in Kaliapparaten 
aufzufangen; zur Absorption und Bestimmung des Schwefelwasserstoffes 
dienten U-Hohren, gefüllt mit in Kupfervitriollosung getränktem Bims- 
stein: gasförmige Kohlenwasserstoffe sollten nach Wegnahme des 
Schwefelwasserstoffes, der Kohlensäure und schwefligen Säure in einem 
Ji unsen sehen Glasgasometer über Wasser aufgefangen und gasanalytisch 
untersucht werden. 

Es wurden 2 Destillati« inen mit 100 bezieh. 150 cc des Rohöles vor- 
genommen; bei der zweiten Destillation wurde die Luft im ganzen 
Apparate durch Kohlensäure deplacirt, ohne die Absorptionsvorlagen 
destillirt und versucht, die sich entwickelnden Gase direkt über Wasser 
aufzufangen. In beiden Fällen erhitzte man das Oel, in welches ein 
Thermometer eintauchte, ganz allmählich bis auf 280°, wobei etwa 
10 Proc. des Oeles überdestillirten. Wir konnten indessen nur die 
ziemlich reichliche Entwickelung von Schwefelwasserstoff bei der Destil- 
lation constatiren und aufser einer geringen Menge im Oele gelöster 
Luft keinerlei andere Gase beobachten. 

Zur Bestimmung der differenten und indifferenten Kohlenwasserstoffe, 
welche in dem bis 310° siedenden Antheil des Oeles enthalten sind, 
wurden 10 cc dieser bis 310° abdestillirten Fraction mit dem dreifachen 
Volumen concentrirter Schwefelsäure, welcher 20 Proc. rauchende 
Schwefelsäure zugesetzt waren, dreimal tüchtig durchgeschüttelt und 
\i>r dem letzten Durchschütteln Säure und Oel im Luftbade auf 40° 
erwärmt. Die Abnahme betrug 

nach dem ersten Schütteln 2^2 

„ zweiten „ Occ,l 

„ „ dritten „ 0cc : l 

zusammen . . 2 CC ,4, 

\\ onaeh also in dem bis 310° siedenden Antheile des Oeles enthalten sind: 

2 c c,4 = 24 Proc. differente Kohlenwasserstoffe: Olefine, aromatische 

und andere ungesättigte Kohlenwasserstoffe. 
7<*,6 = 76 Proc. indifferente Kohlenwasserstoffe: Paraffine und 
Naphtene. 
10c£ 100 Proc. 

Ob und inwieweit Naphtene in diesen 76 Proc. indifferenten Kohlen- 
wasserstoffen enthalten sind, läfst sich aus dem Vergleiche der Brechungs- 
ex ponenten der einzelnen Oelfractionen mit den Brechungsexponenten 
anderer Oele folgern, deren gröfserer oder geringerer Gehalt an Naph- 
tenen bezieh. Paraffinen bereits festgestellt ist. Die zu diesem Zwecke 
nachfolgend zusammengestellten Brechungsexponenten der Fractionen des 
pennsylvanischen und Baku-Oeles wurden uns von Herrn Dr. Schneider 
hier freundlichst zur Verfügung gestellt. Die gereinigten Fractionen 



Käst und Künkler, über ägyptisches Erdöl. 39 

sind in oben angegebener Weise mit einem Gemisch von concentrirter 
aud rauchender Schwefelsäure behandelt worden. 

Brechungsexponenten der rohen Fractionen. 



Fraction 


Aegvptisches Oel 


B;iku-Oel 


Pennsyhanisches Oel 


180—2000 


" 1,455 


1,4548 


1,4397 


200-220» 


1,468 


1,4630 


1,4438 


220—2400 


1,476 


1,4668 


1,4508 


240—2600 


1,482 


1,4748 


1,4590 


260—2800 


1,495 


1,4762 


1,4646 


280—300" 


1,498 


1,4798 


1,4667. 


Brechungsexponenten der 


gereinigten 


Fractionen. 


Fraction 


Aegyptisches Oel 


Baku-Oel 


Pennsvlvamsches Oel 


180-2000 


1,449 


1,4448 


"1.4302 


200—2200 


1,457 


1,4510 


1,4363 


220—2400 


1,466 


1,4556 


1,4402 


240-2600 


1,470 


1,4592 


1,4450 


260—2800 


1,475 


1,4629 


1,4495 


280-3000 


1.479 


1,4670 


1,4550. 



Wie aus diesen Zahlen ersichtlich, steht das ägyptische Oel be- 
züglich seines Lichtbrechungs Vermögens demjenigen von Baku sehr nahe, 
welches, im Gegensatze zu dem an Paraffinen sehr reichen Oel von 
Pennsylvanien , der Hauptsache nach aus Naphtenen besteht. Die Be- 
stätigung der hieraus zu ziehenden Folgerung, dafs das ägyptische Oel 
hauptsächlich aus Naphtenen besteht, konnte mittels der Elementar- 
aualvse der gereinigten Fractionen nicht erhalten werden, da diese 
auch nach der Behandlung mit der anhydrid haltigen Schwefelsäure noch 
Schwefel enthielten, wodurch eine auf Grund der Elementaranalyse 
vorzunehmende Berechnung unmöglich gemacht wird. Die Entfernung 
des Schwefels aber mittels rauchender Schwefelsäure allein war nicht 
angängig, da sich in letzterer auch die Naphtene lösen. 

Mesitylen und Pseudocumol gelang uns nicht in dem Oele nach- 
zuweisen. Es ist dies erklärlich, wenn man berücksichtigt, dafs unser 
Oel, wie erwähnt, erst bei 160° zu sieden beginnt und, wie die nach- 
folgende Normaldestillation erkennen läfst, bis 200° überhaupt nur 
4 Vol.-Proc. überdestilliren. Diejenige Fraction (150 bis 180°), welche 
gewöhnlich zum Nachweis des Mesitylens (Siedepunkt 164,5° bei 759 mm ) 
und des Pseudocumols (Siedepunkt 169,8° corr.) dient, ist also in diesem 
ägyptischen Erdöl nicht vorhanden. 

Um zu einem Urtheil über die Mengenverhältnisse der in dem 
Oele enthaltenen Componenten zu gelangen, führten wir eine Normal- 
destillation (vgl. Engler 1888 267*511) aus, welche zu folgenden Er- 
gebnissen führte: 



bis 2000 


4cc,0 


Oo^O 


0,821 


spec. 


Gew. bei 170 


200-2250 


10^8 


9g,l 


0,847 




ji 


225 -2500 


13cc,7 


llg,9 


0,874 




i) 


250-2750 


7(^0 


6g,2 


0,892 




» 


275-3000 


29cc,6 
65cc,l 


26g,0 
56g,7 


0,879 




n 


Rückstand 


34cc,9 


43g,3 









lOOc^O 100g,0. 



40 Käst nnd Künkler, über ägyptisches Erdöl. 

Während der Destillation traten häutig, an den weil'sen Dämpfen 
erkennbar, Zersetzungen auf, die mit steigender Temperatur zunahmen. 
Der langsame Verlauf der Destillation, sowie das Nachdunkeln der 
Destillate lassen darauf schliefsen, dafs letztere Zersetzungsproducte 
in gröfserer Menge enthalten, namentlich gilt dies für die Fraction 
275—800°. Hierin dürfte wohl auch die Erklärung für die Thatsache 
zu linden sein, dafs das spee. Gew. dieser Fraction (0,879) sich er- 
heblich niedriger erweist als dasjenige der nächst niedrigeren Fraction 
250—275°, welches, wie aus der vorstehenden Tabelle ersichtlich, 
0,892 beträgt. 

c) Technische Verwerthung des Oeles. 

Aus einer kupfernen Blase, welche l k ,5 Rohöl fafste, wurden zu- 
nächst die leichten Oele, Leuchtöl und Mischöl, bei allmählich bis 250° 
steinender Temperatur abdestillirt, und zwar mit Rücksicht auf die 
leichte Zersetzbarkeit des Oeles mittels überhitzten Wasserdampfes, 
der, nachdem die Temperatur in der Blase auf 200° gestiegen war, 
eingeleitet wurde. 

Die Temperatur des Wasserdampfes wurde derjenigen der Blase 
annähernd gleich gehalten, und das Einleiten geschah durch eine bis 
auf den Boden der Blase reichende, mit vielen kleinen Ausströmungs- 
öll'nungeu versehene Schlange, nach Art der in den Fabriken in Baku 
im Gebrauche stehenden. Die nach dem Abdestilliren der leichten 
Oele hinterbleibenden Rückstände wurden für sich verarbeitet, zunächst 
auf 300° erhitzt und durch bei dieser Temperatur eingeleitetem Wasser- 
dampf von ebenfalls 300° die schweren Oele unter Vorlage eines 
Separationskühlers, welcher gleichfalls den in Baku gebräuchlichen 
nachgebildet ist, abgetrieben (vgl. Engler 1888 268 * 41). 

Das Ergebnifs der Destillationen war folgendes: 

Solaröl 11.3 Proc. 

Mische] 25^0 „ 

Maschinenöl II 16,7 „ 

I 10.7 .. 

Cylinderöl 17.0 „ 

Koks und Verlust 13,3 „ 

100,0 Proc. Rohöl. 

Die Oele wurden in üblicher Weise mit concentrirter Schwefel- 
säure und Natronlauge gereinigt, und zwar das Solaröl mit 2 Proc. 
Schwefelsäure, das Mischöl mit S 1 ^ Proc, die Maschinenöle mit 8 Proc. 
und das Cylinderöl" mit 10 Proc; dann nacheinander mit Laugen von 
1,16, 1,105 und 1,05 spec Gew. versetzt und schliefslich mit Wasser 
ausgewaschen. Das Reinigen und Auswaschen der Maschinen- und 
Cylinderöle wurde bei einer Temperatur von 60—70° auf dem Wasser- 
bade vorgenommen. 

Die Eigenschaften der gereinigten Oele sind folgende: 



Käst und Künkler, über ägyptisches Erdöl. 



41 



Solaröl . . . 
Mischül . . . 
Maschinenöl II 

I 



Spec. Gew. 

bei 170C. 

0,841 

0,880 

0,927 

0,949 

0,955 



Flamm- 
punkt 

640 

950 

1440 

1950 

1730 



Brenn- 
punkt 

112" 
1700 

2290 

2420 



Farbe 
gelblich 

gelb 
rothgelb 

rothbraun 

dunkelbraun 



Consistenz 



bei — 10° noch nüssig 
bei 0° noch flüssig 
bei —6° syrupartig 
Cylinderöl . . 0,955 1730 242M dunkelbraun bei +150 syrupartig. 

Die Viscosität des Solaröles, welche, wie bekannt, in direkter Be- 
ziehung zu der Schnelligkeit des Aufsteigens im Docht steht, wurde 
in dem Engler sehen Viscosimeter für Brennöle (mit Auslaufröhre von 
20 mm Länge und l mm ,8 Durchmesser) ermittelt. 

Die direkte Auslaufgeschwindigkeit bei 20° beträgt 255 Secunden, 

255 
bezogen auf Wasser ^ = 1,302. Die Bestimmung der Leuchtkraft 

dieses Oeles wurde auf dem Photometer von Elster unter Benutzung 
eines 12-Linienbrenners für Solaröle des Vereines für Mineralölindustrie 
in Halle a. S. vorgenommen und ergab folgendes Resultat, bezogen auf 
die deutsche Normal-Paraffinkerze als Einheit: 



mittlere 
Lichtstärke 

in der 
1. Stunde 


Lichtstärke 
am Ende 

des 
Versuches 


mittlere 
Lichtstärke 
aus 11 Ab- 
lesungen 


Dauer des 

Versuches 

Stunden 


mittlerer 

Oelver- 

brauch in 

1 Stunde 


Oel ver- 
brauch für 
Normalkerze 
und Stunde 


Gewicht des 
Kohlen- 
ringes am 
Docht 


10,5 


9,4 


9,8 


5 


31g 


3g,2 


0g,015 



Das gereinigte Solaröl nimmt beim Stehen an der Luft verhältnifs- 
mäfsig rasch wieder einen unangenehmen Geruch an. 

Aus dem Mischöl kann durch nochmalige Destillation ein allerdings 
nur kleiner Theil Solaröl gewonnen und der restirende gröfsere Theil 
zum Verschneiden mit anderen Oelen verwandt, oder aber das ganze 
Mischöl als Gasöl verarbeitet werden. 

Die Maschinen- und Cylinderöle sind nahezu geruchlos. Ihre Zäh- 
flüssigkeit konnte zwar aus Mangel an Material leider nicht bestimmt 
werden, doch entspricht das Maschinenöl II hinsichtlich seiner Qualität 
und Verwendbarkeit dem amerikanischen und russischen Spindelöle, ist 
aber dunkler als diese. Das Maschinenöl I dürfte dem besten russischen 
Maschinenöle als Ersatz für Rüböl und Olivenöl gleichzustellen sein, 
ist aber in der Farbe ebenfalls etwas dunkler. 

Das Cylinderöl, welchem aus Zersetzungen hervorgegangene leich- 
tere Oele, wie das schon an dem grofsen Abstand zwischen Flamm- 
und Brennpunkt ersichtlich ist, beigemengt sind und welches daher 
nur für kleinere Dampfmaschinen tauglich ist, kann ohne Zweifel durch 
entsprechend geleitete Destillation bedeutend verbessert werden. 

Die uns zur Verfügung stehende geringe Menge an Material ge- 
stattete uns indessen nicht, eine zweite Destillation von Residuen vor- 
zunehmen. Es sei übrigens hervorgehoben, dafs auch das Rohöl als 
solches zum Schmieren gewöhnlicher Maschinen, bei nicht zu schwerer 
Belastung Verwendung finden kann. Eine Verunreinigung der Lager 



42 Kleinere Mittheilungen. 

wird bei der relativen Reinheit des Oeles nicht zu befürchten sein. 
Hierauf ist auch schon von Weil und Irvine (1. c.) aufmerksam gemacht 
worden. 

Sowohl die Maschinenöle wie das Cjlinderöl sind schwach paraftin- 
haltig, scheiden indessen in der Kälte kein Paraffin aus. Wir haben 
von einer quantitativen Bestimmung des Paraffins Abstand genommen, 
weil die gebräuchlichen Methoden zur Bestimmung des Paraffins gerade 
bei so dicken Oelen ungenügende Resultate liefern. (Wir werden 
in einer späteren Mittheilung auf diese Verhältnisse des Näheren zu 
s|>reuhen kommen.) 

Aus der vorstehenden Untersuchung ist ersichtlich, dafs sich, wie 
dies auch schon von Anderen beobachtet worden ist, das von uns 
untersuchte Oel in Folge seines geringen Gehaltes an leichten flüchtigen 
Bestandtheilen nicht besonders zur Brennölfabrikation eignet. Wohl 
aber stellt dieses Oel ein vorzügliches Material zur Gewinnung von 
Mineralschmierölen dar. Auf Grund der bei der Destillation gemachten 
Beobachtungen läfst sich erwarten, dafs, wenn mit dem Einleiten des 
überhitzten Wasserdampfes in die Rückstände bei niedrigerer Tem- 
peratur begonnen wird, als wir dies gethan haben, etwa bei 230° statt 
bei 300° und bei allmählichem Steigenlassen der Temperatur auf 300° 
noch günstigere Resultate hinsichtlich der Qualität der Schmieröle zu 
erzielen sind. Es wird auf diese Weise möglich sein, namentlich bei 
reichlichem Zuströmenlassen von Wasserdampf, die Zersetzungen, durch 
welche die Qualität speciell des Cylinderöles verringert wird, wesent- 
lich hintanzuhalten. 

Karlsruhe, chemisch-technisches Laboratorium der technischen Hoch- 
schule im August 1890. 



Künstliches Elfenbein. 

De Pont stellt aus den im wirklichen Elfenbein enthaltenen Substanzen 
künstliches Elfenbein her, das sich sowohl in seinen chemischen wie physi- 
kalischen Eigenschaften wie natürliches verhalten soll. Bekanntlich besteht 
das Elfenbein aus: Dreibasisch phosphorsaurem Calcium, Calciumcarbonat, 
Aluminium- und Magnesiumoxyd, Gelatine und Albumin. Um diese Masse 
zu erhalten, löscht man gebrannten Kalk mit der berechneten Menge Wasser, 
setzt jedoch vor Zugabe der letzten Menge Wasser die zur Bildung von drei- 
basisch phosphorsaurem Kalk nöthige Menge Phosphorsäure zu. Unter be- 
standigem Umrühren fügt man nun noch Calciumcarbonat, Magnesiumoxyd, 
Aluminiumoxyd und in Wasser gelöste Gelatine und Albumin in den nach- 
Btehend angegebenen Mengenverhältnissen zu: 

Kaustischer Kalk 100 Th. 

Destillirtes Wasser . . 300 ,. 

Phosphorsäure (1,05 bis 1,07 spec. Gew.) . 75 „ 

Calciumcarbonat 16 „ 

Magnesia 1 — 2 „ 

Aluminiumoxyd 5 „ 

Gelatine 15 „ 

Diese Mischung ist energisch umzurühren und wird sich dann einige Zeit 
selbst überlassen. 



Kleinere Mitlheilungen. 43 

Nachdem die Masse fest geworden, bringt man sie in Formen und hält 
dieselben auf einer Temperatur von 15 bis 20°. Darauf erhitzt man 1 bis 
2 Stunden in einem Ofen bei 150 bis 200° und erhält, nachdem man 3 bis 
4 Wochen die Masse der Ruhe überlassen, ein künstliches Elfenbein, das dem 
natürlichen sehr ähnlich ist. 

Will man dem Elfenbein höheres specifisches Gewicht geben, so ersetzt 
man den kohlensauren Kalk durch Baryt; soll das Volumen vergröfsert werden, 
so benutzt man Zinkoxyd oder Zinksulfat. Um das künstliche Elfenbein 
plastischer und elastischer zu machen, ist eine Zugabe von Cellulose oder von 
gewissen Oelen (Terpentinöl, Ricinusöl u. s. w.) oder Schellack erforderlich. 
Zum Färben verwendet man am besten Anilin-, Alizarinfarben, Campeche- 
und Brasilholz. (Moniteur industriell 1. Mai 1890 S. 142, aus La Revue de Chimie 
industrielle et agricole.) 

Flüssige Glycerinseife. 

Man schüttelt 500g Olein, 100g Weingeist von 91 Proc. und 280g 33V 3 proc. 
Kalilauge in einem Kolben gut durch und erhitzt unter öfterem Schütteln auf 
dem Dampfbade. Man fügt dann eine Lösung von 50g Kaliumcarbonat in 
100g Wasser zu und erhitzt, bis sich die gebildete Seife in heifsem Wasser 
klar löst. Diese Seife wird unter Erwärmen in 1570g Glycerin gelöst, einige 
Tage kühl gestellt und filtrirt. Das Filtrat kann man beliebig parfümiren. 
(Chemiker- Zeitung, 1890 Bd. 14, Repertorium S. 209 nach Pharm.-Zeitung , 1890 
Bd. 35 S. 386.) 

Verfahren zur mafsanalytischen Bestimmung des rothen Blutlaugensalzes. 

G. Kafiner reducirt die Lösung desselben zu Ferrocyankalium und oxydirt 
letzteres wieder durch Kaliumpermanganat. An Stelle der früher benutzten 
Reductionsmittel hält Verfasser es für praktisch, Wasserstoffsuperoxyd zu ver- 
wenden. Die Reduction geht im Sinne folgender Gleichung vor sich: 

Fe 2 (CN) ß . (KCN) 6 + H 2 2 + 2KOH = 2Fe(CN) 2 . (KCN) 4 -f H 2 + 2 . 
Das überschüssige Wasserstoffsuperoxyd entfernt man durch Kochen, säuert 
darauf mit Schwefelsäure an und titrirt mit Kaliumpermanganat. (Berichte der 
Deutschen chemischen Gesellschaft, 1890 Bd. 23, Referate S. 364 nach Arch. d. Pharm., 
1890, 182. 228.) 

Die Leitungsdrähte für Blitzableiter. 

Den Durchmesser an Leitungsdrähten mufs man so wählen, dal's dieselben 
nicht beim Durchgang der Elektricität rothglühend werden, noch weniger 
schmelzen. Arago fand als richtiges Mals für einen Draht aus Eisen 144qmn> 
Querschnitt oder für einen cylindrischen Draht 13010^54 Durchmesser. 

Rothen gibt nun in der Zeitschrift Natur folgende Dimensionen für Blitz- 
ableiterdrähte aus verschiedenen Metallen: 

Querschnitt Durchmesser 

in qcm in cm 

Kupfer 0,72 0,96 

Platin 1,28 1,28 

Eisen 1,44 1,235 

Zink 1,73 1,48 

Messing 1,90 1,56 

Blei 4,61 2,12. 

(Uhland's Technische Rundschau, Bd. IV S. 310.) 

Beizen von Holz. 

Da das Beizen des Holzes, besonders gedrechselter Gegenstände, mit viel 
Schwierigkeit verbunden ist und noch keine günstige Methode existirt, einen 
gleichmäl'sigen Farbenton sowie wasserdichten Ueberzug zu erhalten , wurden 
von A. Borvath Versuche angestellt, eine passende Beize herzustellen. Eine 
solche kann wie folgt erhalten werden : 

Gebrannte Siena, Schieferbraun oder Rebenschwarz werden mit starkem 
Oelfirnil's auf der Farbreibmaschine oder dem Steine angerieben, die^ erhaltene 
Lasurfarbe mit einer Mischung von Oelfirnil's und Terpentinöl — Neustädter, 



44 



Kleinere Mittheiluni 



französisches oder amerikanisches — verdfinnl und auf das betreffende Objekt 
mit einem Pinsel aufgetragen; die überschüssige Beize wird sogleich mit dem 
Lappen «reggewischt, so dar- nur die eingesaugte Beize im lb>I/. bleibt Ist 

Bolz ungleich ^ so werden die Lichten Stellen mit dunklerer Beize noch- 
male übergangen. Bei weichem Holze ist es zweckmäfsig, das Grenze früher 
mit gewöhnlicher Nnfsbeize zu beizen — nicht zu dunkel — und erst nach 
dem Trocknen mit Oelbeiae zu streichen, weil die Herbstholzringe keine Farbe 
annehmen und zu licht, somit störend erscheinen würden. 

Nul's- and Eichenholz erhalten durch diese Beize sehr schöne Farbtöne. 
I.-t die Oelbeize gut getrocknet, so kann man den Gegenstand mit einer Wachs- 
bürste aufbürsten, wodurch ein schwacher Glanz entsteht. ^Polytechnisches 
Notitblatt, 1889 Bd. 45 S. 164; vgl. auch II. Krätzer 1886 262 488.) 

Ersatz für Gummi arabicum. 

Als Ersatzmittel für Gummi arabicum wird in Wieck's ülustrirte deutsche 
Gewerbe- Zeitung empfohlen, 1 Th. Leinsamen mit 8 Th. verdünnter Schwefel- 
säure und 8 Th. Wasser zu kochen. Diese Mischung wird zuerst dick, dann 
aber nach und nach Uüssig. Ist dieselbe recht flüssig geworden, so wird sie 
abgeseihl und zu der geseihten Flüssigkeit schliefslich das Vierfache ihres 
Volumens starken Alkohol gegeben. Der Niederschlag wird abliltrirt, mit 
Alkohol gewaschen und getrocknet, worauf man einen klaren Gummi ohne 
Farbe und Geschmack erhält. (Nach Polytechnischem Notizblatt 1890 Bd. 45 
S. 172.) 

Ueber deu Einflufs von Silicium auf die Eigenschaften von Stahl. 

Nach einer Mittheilung von R. A. Hadfield in The Chemical News. 1889 Bd. 60 S. 273. 

Hadfield stellt ausführlich die ganze Litteratur mit kurzer Inhaltsangabe 
der wichtigeren Befunde über diesen Gegenstand zusammen und bespricht 
dann seine ausführlichen Untersuchungen. 

Legirungen von Silicium und Eisen kann man erst in neuerer Zeit er- 
langen. Dieselben führen gewöhnlich die Namen Siliciumeisen und Silicinm- 
spiegel ; letzteres Product enthält aufser den beiden genannten Elementen 
noch Mangan. Früher wurden diese Legirungen als werthlos bei Seite ge- 
worfen (glasartiges oder verbranntes Eisen). Die an Silicium reichsten Le- 
girungen enthalten bis zu 20 Proc. Si. Alle siliciumhaltigen Eisen zeichnen 
sich durch ihren geringen Gehalt an Kohlenstoff aus, so enthält das Eisen mit 
20 Proc. Silicium nur 3/ 4 bis II/2 Proc. Kohlenstoff; aber auch bei nur ge- 
ringem Gehalt an Silicium tritt der Gehalt an Kohlenstoff so zurück, dafs 
man durch Zusammenschmelzen eines hochprocentigen Siliciumeisens mit 
anderem Eisen den Kohlenstoffgehalt desselben wesentlich herabsetzen kann. 

Nachstehend folgen einige Analysenbefunde. 
Gehalt an C 



Analyse von : 



Spiegeleisen 
oder Manganeisen 



ilanganeisen 
Siliciumspiegel 

Bilicinmeisen 



Graphit 

\ Z 
I -_ 

\- 

i 0,33 
0,67 
' 0,90 
i 2,35 
\ 1-85 
I 1,20 
' 0,55 



combinirte 
Kohle 
4,27 
4,78 
5,63 
6,53 
7,20 
3,56 
2,56 
1,85 
0.98 
0,30 
0,05 
0,06 
0,23 
0,11 



Gehalt 
an Si* 

0,110 

0,52 

0,42 

0,97 

0,14 

4.90 

4^20 

10.74 

12,60 

15,94 

8,77 

11.20 

14,00 

17,80 



Gehalt 
an Mn 

8,11 ] 
19,74 / 
41,82 
80.04 \ 
80^04 I 

23,90 
50,00 
19,64 
L9,74 

24.36 
2.42 
2.78 
1.95 
1,07 



zeigt die Zunahme 

von C bei steigenden 

Mensen von Jfn. 



zeigt die Abnahme 

von C bei Zufuhr 

von 8i. 



* Es verdient vielleicht bemerkt zu werden, dafs das Silicium immer sehr 
gleichmafsig durch die ganze Masse vertheilt vorgefunden wurde. 



Kleinere Mittheilungen. 45 

Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dafs der Gehalt an Kohlenstoff sowohl 
in combinirter Form wie auch als Graphit abnimmt, wenn Silicium zugeführt 
■u Lrd ; da nun die Zufuhr von siliciumhaltigem Eisen einem anderen Eisen 
einen leichteren Flul's verleiht. BO raul's man wohl annehmen, dafs das Sili- 
cium den combinirten Kohlenstoff in Graphit überführt, welcher sich dam. 
abscheidet und ein leichtüüssigeres reineres Material zurückläl'st. Besonders 
sei hervorgehoben, dafs diese Legirungen frei von Schwefel sind. 

Früher wurde gewöhnlich angenommen, dafs ein Gehalt von 0.1 bis 
0,2 Prot Si für Stahl noch zulässig sei. dafs aber ein höherer Gehalt ent- 
schieden schädlich wirke. Dies ist nicht ganz richtig, wie aus den Unter- 
suchungen Hadßeld's weiter unten hervorgeht. Allerdings nimmt die Zug- 
festigkeit eines Stahles stark ab. wenn greisere Mengen von Si und C gleichzeitig 
in demselben vorhanden sind : dies ist aber keineswegs der Gegenwart \ 
allein zuzuschreiben, da. wie später gezeigt wird, selbst bei 11 2 bis 2 Proc. 
Gehalt an Kohlenstoff, ein siliciumhaltiges Eisen eine gute Zugfestigkeit be- 
sitzt und geschmiedet werden kann, während bei demselben Kohlenstoffgehalt 
ein siliciumfreies Eisen nur geringe Zugfestigkeit besitzt und auch nicht c. r e- 
schmiedet werden kann. 

Da andere Forscher bei ähnlichen Legirungen zu anderen Resultaten ge- 
langt sind, so glaubt Hadßeld annehmen zu müssen, dafs das Silicium vielleicht 
in verschiedenen Modificationen im Stahl auftreten könne, so dafs dasselbe 
im einen Falle Biegsamkeit und Schmiedbarkeit hervorrufe, im anderen aber 
verhindere. 

Hadßeld will jedoch keineswegs behaupten, dafs Silicium die Stelle des 
Kohlenstoffes im Stahl vertreten könne, da letzterer immer zum Härten des- 
selben weiter benutzt werden müsse, da Silicium zum Härten nicht zu ge- 
brauchen sei. 

Die Wirkung des Silicium auf Eisen war nun folgende: 

I. Auf Schmiedeeisen (dessen Gehalt an C = etwa 0.25 Proc). 

Wenn nur geringe Mengen Silicium bis zu 0,24 Proc. im Eisen enthalten 
waren, so schmiedete sich dasselbe nicht gut und krachte beim Hämmern. 
Stieg der Gehalt an Silicium. and zwar von 0,79 bis 5,53 Proc, so schmiedete 
sich das Eisen leicht bei hellgelber Glühhitze. Bei noch höherem Gehalt au 
Silicium jedoch fing das Eisen bei Gelbglühhitze an zu krümeln, blieb auch 
bei Rothglühhitze mürbe und war weder durch weitere Zufuhr von Mangan 
oder Kohlenstoff zu verbessern. Bei den Eisensorten mit hohem Silicium- 
gehalt ist die Härte geringer als bei denen mit geringem Siliciumgehalt : die 
ersteren haben mehr das Aussehen von Gufseisen. 

Es verdient hier bemerkt zu werden, dafs die magnetischen Eigenschaften 
des Eisens sich gleich bleiben, ob viel oder wenig Silicium in demselben vor- 
handen ist. 

Bei weiterer Untersuchung der erhaltenen Proben stellte es sich heraus, 
dafs die Elasticität und die Dehnbarkeit des Eisens stark erhöht wird, wenn 
mehr Silicium in dasselbe hineingebracht wird; jedoch nimmt dabei die Zug- 

_keit des Materials in noch viel erheblicherer Weise ab, wenn der Gehalt 
an Silicium weiter als l'/g bis l 3 ^ Proc. steigt. Es scheint also, ähnlich wie 
beim Gehalt des Eisens an Kohlenstoff, eine plötzliche Aenderunir in den 
Eigenschaften des Materials hervorgerufen zu werden, wenn der Gehalt an 
Silicium auch nur in geringem Mafse zunimmt. Der Bruch der Proben nach 
der Dehnbarkeitsprobe war bei Eisen mit weniger als 2,18 Proc. Si seidig, 
bei solchem mit gröfserem Siliciumgehalt jedoch grobkrvstallinisch: das 
1 und Härten in Wasser übte keinen Einflnfs auf die Structur des I 
aus. ebenso wenig wie es auf die Härte und Biegsamkeit des Materials vor 
Einflufs war. 

Die Dehnbarkeit des siliciumhaltigen Eisens mufs als eine gute bezeichnet 
werden, da dasselbe sich leicht zu Draht ausziehen läfst, der eine Zugfestig- 
keit von 64* für den Quadratzoll (engl.) besitzt: auch dieser Draht konnte 
weder in Wasser noch in Oel gehärtet werden. 

n Elektricität zeigte sich das Siliciumeisen weniger empfindlich als 



4C> Kleinere Mittheilungen. 

gutes weiche« Eisen, bewahrte dieselbe aber länger als dieses, jedoch be- 
deutend weniger lange als harter Stahl, wie er zur Herstellung von Magneten 
benutzt wird. 

Die Biegsamkeit der Proben mit bis zu 2,18 Proc. Silicium war eine gute, 
es konnten die Stücke zusammengebogen und gegen einander getrieben werden, 
ohne zu brechen; bei steigendem Gehalt an Silicium konnte wohl im Anfange 
das Material noch gebogen werden, brach aber beim geringsten Schlag, schliefs- 
lich war dasselbe aber überhaupt nicht mehr zu biegen, sondern brach sofort 

Bei allen Proben, die Silicium enthielten, konnte ein Znsammenschweifsen 
nichl erreicht werden. 

II. Auf Gußeisen. 

Wie man aus Vorhergehendem erwarten konnte, waren die mit Si her- 
gestellten Proben frei von Blasen (honeycombs?). Wenn das erhaltene Ma- 
terial nun hierdurch auch gleichmäfsiger aussieht, so wird dasselbe in der 
Thal aber verschlechtert, da gleichzeitig durch die Zufuhr von Silicium die 
Zähigkeit und Zugfestigkeit des Materials stark abnimmt. Auch hat man 
bemerkt, dafs beim Gufseisen mit 13 bis 15 Proc. Silicium nach dem Gleisen 
plötzlich ein starkes Aufbrausen sich bemerkbar macht, so dafs dann der ganze 
Gufs voll von Blasen ist. Dieses Aufbrausen beginnt gewöhnlich erst, wenn 
die äufseren Theile des Gusses bereits anfangen fest zu werden und hört 
erst auf, wenn die ganze Masse fest wird. 

Eine noch zu bemerkende Unannehmlichkeit für den Giefser besitzt dieses 
Gufseisen 5 es setzt sich nämlich noch viel stärker als gewöhnliches Eisen. 

Vom Aussehen des Bruches dieser Proben kann nur dasselbe gesagt 
werden, was vorher beim Schmiedeeisen bereits erwähnt wurde. W. Meyer. 

Iridiumfäden für Glühlampen. 

Bei der Herstellung rein metallischer Iridiumfäden für Glühlampen benutzt 
man nach dem in der Elektrotechnischen Zeitschrift vom 29. August 1890 mit- 
getheilten von L. N. P. Poland erfundenen Verfahren einen Würfel von Bienen- 
wachs oder einem ähnlichen Stoffe, auf dessen Fläche die Form des Fadens 
in Graphit eingeprägt wird. Durch die Enden des aufgezeichneten Fadens 
werden Drahthaken in das Bienenwachs eingeführt, welche mit einer Elektrici- 
tätsquelle verbunden sind, und mittels derselben der Wachswürfel in einem 
Iridiumbade aufgehängt. Wenn eine Haut von hinreichender Stärke sich auf 
die Form niedergeschlagen hat, wird der Faden von dem Wachs abgelöst und 
der Graphit von der Rückseite abgebürstet. Als Leiter werden eiserne Drähte 
benutzt. Der Faden wird in der atmosphärischen Luft zum Glühen gebracht, 
und nöthigenfalls der grösseren Sicherheit gegen Bruch halber in irgend einem 
passenden Gase oder in einem Vakuum untergebracht. 

S. Z. de Ferranti's Umschalter für hochgespannte elektrische Ströme. 

Zur Verwendung bei Betrieben mit sehr hoch gespannten elektrischen 
Strömen hat sich S. Z. de Ferranti in London einen Umschalter von geringer Gröfse 
(engl. Patent Nr. 915 vom 17. Januar 1889) patentiren lassen, dessen Einrich- 
tung sich an der Hand der beigegebenen Skizze 

& 3 erläutern läfst. Mittels desselben soll ein — etwa 

1 - -\J-- - --oV^ von einer dynamoelektrischen Maschine kommen- 

)\ g \ des — Leiterpaar Z, Zj mit dem einen, oder mit 

- - j- \t j i dem zweiten von zwei anderen Leiterpaaren X.X { 

und Y, 7^ in Verbindung gesetzt werden können. 

u. Dazu sind zwei kurze Leiterstücke A und 2?, 

^ ° \ ^' welche durch ein auf zwei Führungsstangen ver- 
\ y, schiebbares Querstück mit einander verbunden, 

A;-«'-- aber gegen einander isolirt sind, so angeordnet, 

^ dafs sie mittels eines durch eine Kurbel zu dre- 

henden und auf das Querstück wirkenden ein- 
armigen Hebels in zwei verschiedene Stellungen gebracht werden können; 
bei Eintreffen in jeder der beiden Stellungen kommt das Querstück an ein 
Paar federnde Puffer zu liegen. Oberhalb und unterhalb der Leiter A und B 



Kleinere Mittheilungen. 



47 



sind in zwei Platten je zwei Paare von Contactbürsten so angebracht, dal's 
die Leiter A und ß in jeder ihrer beiden Stellungen ein Bürstenpaar der 
oberen Platte mit einem der unteren Platte verbinden, in der einen Stellung E 
mit F und E { mit F l , in der anderen N mit G und 2Vj mit G[. Da nun E 
durch J mit N, E { mit 2fc durch Jj und zugleich auch mit Z bezieh. Z ( ver- 
bunden sind, und da die Leitungen X und X { an F und F 1 . Y und Y t aber 
an G und G t geführt sind, so ist es klar, dafs in der einen, in der Abbildung 
angenommenen Stellung der Leiter A und ß der Strom weg Z E AF X — 
X\ F, ß F| Z|. in der anderen Stellung dagegen der Stromweg ZJN AG Y — 
F, G, ß iY, J, Z, hergestellt ist. 

Marx's Herstellung galvanischer Elektroden. 

Nach seinem englischen Patente Nr. 20217 vom 16. December 1889 will 
F. Marx in Berlin merklich wirksamere und einen kräftigeren Strom als aus 
geschmolzenem Metall hergestellte Elektroden liefernde Elektroden für gal- 
vanische Batterien dadurch erzeugen, dafs er das Metall elektrolytisch nieder- 
schlägt und von etwa anhaftenden Salzen reinigt und dann entweder aus 
der Masse die Elektroden mechanisch herstellt, oder in die Masse ein Draht- 
gellecht oder eine Metallplatte einwalzt, oder die Masse auf einer Platte durch 
Walzen befestigt. 

Cordley's nachgiebige Stromzuleitung für elektrische Bahnen. 

Um bei elektrischen Strafsenbahnen die Vortheile einer unmittelbaren 
Zuleitung des elektrischen Stromes mit denen der Fortführung der Leiter in 
Kanälen zu vereinen, ohne jedoch entweder offene Schlitze, oder verwickelte 
Verbindungseinrichtungen nöthig zu haben, hat der Amerikaner W. J. Cordley 
nach dem Londoner Electrical Encjineer, 1890 * S. 29, die durch die beigegebene 
Abbildung erläuterte Anordnung vorgeschlagen, bei welcher der Hauptstrom- 




leiter in einem kleinen Kanäle aus nachgiebigem Stoffe liegt, nahe am Geleise. 
Der den Strom an den Wagen abgebende Leiter schliefst den nachgiebigen 
Kanal an der oberen Seite und steht für gewöhnlich mit dem Hauptzuleiter 
nicht in Verbindung. Wenn aber die Contactrollen am Wagen auf den die 
Stromabgebung vermittelnden Leiter wirken, wird derselbe nach unten gedrängt 
und in Berührung mit dem Hauptleiter gebracht, so dafs dem Wagen ohne 
Unterbrechung Elektricität zugeführt wird. Allerdings ist die Kautschuk- 
isolirung einem Schlechtwerden ausgesetzt und vielleicht finden sich bei einem 
Kanäle mit nachgiebigen Wänden auch andere Schwierigkeiten; doch würde 
die vorgeschlagene Leitungsführung wesentliche Vorzüge vor den Kanälen 
mit Schlitzen besitzen. 

Herstellung von Manometerröhren. 

Nach V Electricien will der Amerikaner Bristol Manometerröhren dadurch 
herstellen, dafs er eine leichtflüssige Metalllegirung von der erforderlichen 
Form als Kern benutzt, diesen galvanisch vernickelt und, nachdem die Ab- 
lagerung des Nickels etwa mm ,05 stark geworden, den Kern durch Aus- 
schmelzen im Oelbade entfernt. Falls das Verfahren durchführbar ist, wird 
die geringe Wandstärke der so hergestellten Röhren manche neue Anwendung 
dieser Manometerröhren zulassen. 



4s Bücher-Anzeigen. 

Bücher-Anzeigen. 

Die Dampfmaschinen unter hauptsächlichster Berücksichtigung com- 
pleter Dampfanlagen sowie marktfähiger Maschinen von 200 bis 
1000 m Kolbenhub, mit den gebräuchlichsten Schiebersteuerungen. 
Ein Handbuch für Entwurf, Construction, Gewichts- und Kosten- 
berechnungen, Ausführung und Untersuchung der Dampfmaschinen, 
sowie für damit zusammenhängende Kesselanlagen, Rohrleitungen, 
Pumpen u. s. w. Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet von 
//. Haider. Mit 1155 Figuren, 206 Tabellen und zahlreichen Bei- 
spielen. Düsseldorf. L. Schwann. 405 S. geb. 10 Mk. 
Wir haben den etwas langen Titel unverkürzt wiedergegeben, da derselbe 
die Absicht des Verfassers hinreichend kennzeichnet. Die Bekanntschaft mit 
dem Wesen des Dain|>fmaschinenbaues (etwa wie sie Bemoullis Dampfmaschinen- 
lehre i^ibt. I>. K.) wird stillschweigend vorausgesetzt und unter möglichster 
Vermeidung von Formeln und erklärendem Texte bringt das Werk eine Menge 
von Krlahningsresultaten in Form von Skizzen. Tabellen über Constructions- 
gröfsen. Gewichte u. s. w., die mühsam zu sammeln und zu sichten früher 
jeder angehende Maschinenbauer gezwungen war. Die Angaben des Werkes 
sind, soweit wir dieselben vergleichen konnten, zuverlässig. Doch entbehren 
wir ungern einzelne empfehlenswerthe Constructionen. Die Gruppirung könnte 
etwas übersichtlicher sein, auch hätte hier und da eine Bemerkung über die 
Güte der Constructionen mitgetheilt werden können. 

L'Exposition universelle, par Henri de Parvälei precedee d'une Lettre- 

Preface par A. Alphand (Directeur general des Travaux de l'Expo- 

sition) (1). Paris. Rothschilds Verlag. 710 S. 7,50 Frcs. 

Der 29. Jahrgang der Causeries scientifiques ist diesmal ganz der letzten 

Pariser Weltausstellung gewidmet und gewährt in unterhaltendem Tone ein 

lebendiges Bild von dem bewegten Leben auf dem Ausstellungsplatze. Eine 

grofse Menge von Abbildungen — zum Theil tlott gezeichnete Skizzen — sind 

dem Werke beigegeben, die demjenigen, der die Ausstellung besuchte, eine 

angenehme Erinnerung und den Ferngebliebenen eine lebhafte Anschauung 

des Gebotenen gewähren. Da die Ausstellung ihre Vorgänger in mancher 

Beziehung überflügelt und einen grofsen geschäftlichen Erfolg gehabt hat so 

wird die vorliegende interessante „Plauderei" von manchem gerne gelesen 

werden. 

Gewichte und Preise der Dampfkessel von Eugen Schieb, Civilingenieur 
in Köln a. Rh. Selbstverlag des Verfassers. 22 Quartseiten Text. 
2 Tafeln. 2 Mk. 

Diese Sammlung von Resultaten für den Bau, Betrieb und die Berechnung 
von Dampfkesseln enthält eine statistische Eintheilung der Dampfkessel und 
Feuerungen , eine Preisscala für Bleche und Stabeisen , eine Berechnung der 
Preise und Gewichte von Dampfkesseln im Allgemeinen, sowie 28 Tabellen 
über Gewichte. Preise und Dimensionen von Dampfkesseln verschiedener Con- 
Straction, durch Holzschnitte verdeutlicht; ferner Tabellen über die Gewichte 
Schmiedeeiserner Reservoire und Kamine, von Schrauben, Nieten und Metall- 
blechen. Den Schlufs der Arbeit liefern zwei Tafeln mit Schaulinien, deren 
eine die Berechnung der Bruchbelastung für schmiedeeiserne Rohre und Kessel 
mit innerem Drucke darstellt, während die andere die Festigkeitsberechnung 
schmiedeeiserner Bohre und Kessel mit äufserem Drucke veranschaulnht. 
Aus diesen Tafeln kann die Starke der Bleche eines Dampfkessels ohne weiteres 
abgelesen werden. 

Als Arbeit ersparendes praktisches Nachschla^ebuch können wir dasselbe 
allen Interessenten bestens empfehlen. 



Verla« der .1. G ('otta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Neue Erdöl-Maschinen. 49 

Neue Erdöl-Maschinen. 

(Patentklas.-e 46. Fortsetzung des Berichtes S. 1 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 1 und 4. 

Im vorderen Theil des Motors befindet sich der Carburirapparat G 
(Fig. 12 Taf. 4), der mit dem Reservoir Q durch das Rohr g und mit 
dem Cylinder durch die Rohre T und T { verbunden ist. Eine doppelt- 
wirkende Handpumpe dient als Ersatz bei Ingangsetzung der Maschine. 
Die zwei Pumpen sind mit einem Regulirrecipienten verbunden, der im 
Inneren des Gestelles augeordnet ist und durch das Rohr f mit dem 
Entziinder c in Verbindung steht. 

Der Carburirapparat G besteht aus einem Cylinder, in welchen 
einerseits das sich darin kegelförmig verlängernde Entweichungsrohr T { 
und andererseits das Rohr g mündet, welches im Scheitel dieses Kegels 
die aus dem Reservoir Q kommende Flüssigkeit in eine kreisförmige 
Rinne auslaufen läfst. Durch die Berührung mit dem Rohr T l , das 
durch die entweichenden Gase stark erhitzt ist, werden die flüchtigen 
Theile der Flüssigkeit augenblicklich in Dampf verwandelt, während 
die schweren Theile nach unten abfliefsen und in Folge des längeren 
Contactes schliefslich auch in Dampf verwandelt werden. Im Inneren 
des Entweichungsrohres befindet sich ein metallener Kegel 6, welcher 
den Durchgang der Gase verengt und deren Abspannung verhindert, 
damit sie ihre ganze Hitze behalten. Diese Gase entweichen nach 
ihrer Benutzung durch das Rohr rf, welches sie nach aufsen abführt. 
Der Zutritt der Flüssigkeit in den Carburirapparat wird durch eine 
Nadel e regulirt, welch letztere durch den Regulator mittels einer 
passenden Transmission in Thätigkeit versetzt wird. 

Die zu carburirende Luft tritt durch mehrere am oberen Theil des 
Carburirapparates angebrachte Oeftnungen oo ein, um die Mischung- 
gleichförmiger zu machen, und nachdem dieselbe durch ihr Passiren 
durch den Carburirapparat (von oben nach unten) gut carburirt ist, 
wird sie durch das Rohr T in den Cylinder gesaugt. Die Zu- und 
Austrittsrohre sind mit einem Ventil versehen, welches durch ein auf 
die Hauptwelle aufgekeiltes Excenter bewegt wird. 

Um die Ingangsetzung des Motors zu erleichtern und bis zu dem 
Augenblicke, wo der Carburirapparat durch die Austrittsgase genügend 
erhitzt ist, verwendet man Erdölessenz obiger Beschaffenheit zur Car- 
burirung der Luft. 

Diese Erdölessenz ist in dem im Inneren des Behälters Q angeord- 
neten Reservoir Q x (Fig. 11 und IIa Taf. 1), welches wie ersteres mit 
einem Standrohr q { und mit dem Rohr g in Verbindung steht. Ist die 
Maschine in richtigem Gang, so wird der Zutritt der Erdölessenz durch 
Dingler*s polyt. Journal Bd. 278 Nr. 2. 18S0HV. 4 



50 Nene Erdöl-Maschinen. 

Drehen des Hahnes <j l abgesperrt und durch den Zuflufe von mehr oder 
weniger Behwerem Oel ans dem Behälter Q ersetzt, indem man den 
Hahn ij öffnet. 

Die carburirte und in dem Cy linder wahrend des Ganges hinter 
dem Kolben autgesaugte Luft wird beim Rückgange des letzteren ver- 
dichtet, ehe sie tntzündet wird, um durch ihre Expansion die Kraft zu 
. rzeugen, welche auf den Kolben wirken soll. 

Die Entzündung geschieht durch eine Kapsel oder ein Metallrohr c. 
Fif. 10 Taf. 1 (vorzugsweise aus Platin), welches durch ein mit carburirter 
Luft gespeistes Zündrohr A erhitzt wird. Dieser Entzündungsapparat steht 
mit der Verbrennungskammer C des Cylinders in Verbindung, die durch 
einen Pfropfen während der Compression der carburirten Luft in dem 
Cylinder verschlossen ist. Sobald der Pfropfen diese Oeffnung freigibt, 
tritt die im Cylinder verdichtete Luft in den Raum / ein, entzündet 
sich darin durch den Contact mit der glühenden Kapsel c und erzeugt 
die Explosion im Cylinder. Sobald sie ihre Wirkung auf den Kolben 
ausgeübt hat, entweicht diese verbrannte Luft oder Gas stets, um in 
den Carburirapparat zu gelangen, wobei sie das in diesem Moment ge- 
hobene Ventil a { und das Rohr T { passirt. 

Die Bewegung des Pfropfens mufs derart geregelt werden, dafs er 
in dem erforderlichen Moment die Oeffnung bedeckt oder freiläfst, um 
entweder die Compression des Gases zu gestatten, oder um es entzünden 
und entweichen zu lassen. Die carburirte Luft, welche das Erhitzungs- 
rohr h speist, wird in folgender Weise hergestellt. Die Pumpe saugt 
die äufsere Luft auf und drängt sie in den Recipienten, wo der Druck 
regulirt wird. Ein Rohr leitet diese Luft in das Erdölessenzreservoir r, 
und eine Abzweigung f { führt einen Theil nach i. Unter der Wirkung 
des Luftdruckes läuft die Erdölessenz durch das Rohr A-, in dessen In- 
neren eine Nadel u angebracht ist, welche die Menge der verwendeten 
Erdölessenz derart regulirt, dafs dieselbe tropfenweise genau auf die 
Stelle i fällt, wo die Luft anlangt, die sich mit Kohlenwasserstoffdampf 
-alt igt. Diese carburirte Luft geht dann durch das Rohr p in das Er- 
hitzungsrohr A, von wo dieselbe entzündet gegen die Kapsel c ge- 
schleudert wird und letztere weifsglühend macht. 

Die verlorene Hitze der Zündkapsel wird zum Erwärmen der car- 
burirten Luft verwendet, welche vor ihrem Zutritt in das Erhitzungs- 
rohr in dem durch ein Rohr in der Büchse H gebildeten Schlangenrohr 
umläuft. Diese vorhergehende Erwärmung macht die Mischung viel 
gleichartiger und vermindert die Abkühlung der Kapsel. Das Ende 
des Erhitzungsrohres ist überdies mit sehr dünnen, in Form langer und 
dünner Zähne geschnittenen Platinblättern oder mit einem aus sehr 
feinem Platindraht hergestellten Gewebe besetzt, wodurch die Ver- 
brennung der mit der Kapsel in Berührung kommenden carburirten Luft 
erleichtert wird. 



Neue Erdol-Maschinen. 51 

Die Maschine von E. Capitaine in Berlin, welche in Fig. 13 Taf. 4 
dargestellt ist, wird entnommen aus Arts e'conomiques, 1889 *S. 623. 

Der Kohlenwasserstoff — in unserer Quelle wird als solcher Kerosin 
genannt — gelangt aus einem Behälter in das Rohr a, aus welchem 
er in die mit dem Arbeitskolben auf und nieder steigende Röhre b 
fällt, um von hier durch das beim Niedergange des Kolbens offene 
Klappenventil B im Kolbenboden zu zerstäuben und sich hier mittels 
der durch Ventil Z zugeführten Luft zu mischen. Die Entzündung des 
Gemisches erfolgt in der Porzellanröhre D. 

Genauere Angaben enthalt unsere Quelle nicht. 

Nach dem Compound prinzip arbeitet die Maschine von E. Butler 
in London (*D. R. P. Nr. 50036 vom 2. Mai 1889), bei welcher zwei 
in gewöhnlicher Art betriebene Arbeitscylinder einem dritten, zwischen 
ihnen angeordneten Cylinder die Abgase zur weiteren Expansion zu- 
führen. Alle drei Arbeitskolben wirken auf dieselbe Kurbelwelle. 

Fig. 14 stellt die Ma>ehine dar. 

Die Cylinder / und 2 sind die Arbeitscylinder. Sie arbeiten halb- 
fach wirkend: jeder derselben hat eine Ladungskammer 9 zur Aufnahme 
des entzündbaren Gemenges von Luft und zerstäubtem Erdöl, welches 
von einem Gebläse // durch ein Hauptleitungsrohr /2, ein Zweigrohr 15 
und eine Einströmungsöftbung eingeblasen wird. Ein Hubventil 14 
steuert die Einsh'ömung des Gemenges. Das Rohr 12 ist bei 12a mit 
einem Drosselventil versehen, mittels dessen die Geschwindigkeit ge- 
regelt werden kann. In jeder Ladungskammer 9 springen die isolirten 
Polenden 15 einer elektrischen Leitung vor, durch welche man zur ge- 
eigneten Zeit einen Strom treten läfst, um das Gemenge zu entzünden. 
Der Cylinder 5, in welchen die Gase treten, nachdem sie in den 
Cylindern / und 2. gearbeitet haben, hat gröfseren Durchmesser als die 
auderen Cylinder und solche Länge, dafs sich an seinem oberen Ende, 
wenn der Kolben am Ende seines aufwärts gerichteten Hubes anlangt, 
abgesehen von dem erforderlichen Spielräume, kein leerer Raum er- 
gibt. Das Uebertreten der Verbrennungsgase wird durch Ventile 21 
gesteuert, welche Federn an den Sitz angedrückt erhalten, bis sie 
durch Daumen 25 abgehoben werden. Die Daumen 25 (je einer für jedes 
Ausströmventil) sitzen auf einer Welle 24 und sind so angeordnet, 
dafs sie unmittelbar auf Gleitrollen wirken, welche in an den Ventil- 
spindeln befestigten Rahmen gelagert sind. 26 ist ein Ausströmung-- 
ventil, welches die Verbindung zwischen dem Expansionscylinder 5, 
der Ausströmungskammer und dem Ausströmungsrohr zur geeigneten 
Zeit herstellt und absperrt. Dieses Ausströmungsventil wird gewöhn- 
lieh durch eine Feder 29 an seinen Sitz angedrückt, während sein An- 
heben während der entsprechenden Zeitabschnitte Daumen 50 besorgeu, 
welche auf der Welle 24 sitzen und in ähnlicher Weise wirken, wie 
die Daumen 25 auf die Spindeln der Ventile 21. Rückschlaghub- 



52 Neue Erdöl-Maschinen. 

ventile 34 verhindern beim Uebertreten der Gase aus einem Explosions- 

i\ linder in den Expansionscylinder 5 das Eindringen derselben in den 
anderen Explosionscylinder. Welle 24 wird von der Kurbelwelle 7 aus 
mit der halben Geschwindigkeit derselben angetrieben. Die Kolben 4 
und 3, welche ihren Aufwärts- und Abwärtshub zusammen ausführen, 
erhalten bei jeder zweiten Kurbelumdrehung einen Antrieb, und zwar 
mit einander abwechselnd, so dafs auch Cylinder 5 die von jeder Ex- 
plosion herrührenden Auspullgase abwechselnd von rechts und links 
empfängt und sein Kolben vor jedem Vorwärtshub einen Kraftimpuls 
aufnimmt. Auf diese Weise wird eine gleichmäfsige Arbeitsübertragung 
auf die Kurbelwelle erreicht. 

Die Arbeitsweise des Motors ist folgende: 

Es sei angenommen, dafs alle Theile die in Fig. 14 ersichtlichen 
Stellungen besitzen, dafs die Ladungskammer 9 des Cylinders / eine 
explosible Ladung enthält, dafs die Kolben 4 und 3 ihren Aufwärtshub 
beendet haben und Kolben 6' seinen Abwärtshub, und dafs der Motor 
im Gange ist. Unter diesen Verhältnissen wird, gerade während die 
Kurbel 4a den todten Punkt passirt, die Ladung im Cylinder / ge- 
zündet werden. Kolben 4 macht dann seinen wirksamen Abwärtshub 
und Kolben 5 seinen saugenden Abwärtshub, währenddessen durch das 
Gebläse, das Hauptleitungsrohr 12, das Zweigleitungsrohr 15 und die 
Einströmöffnung, vor welcher das Ventil 14 sich ölf'net, eine ex- 
plosible Ladung eingesaugt wird. Gleichzeitig macht Kolben 6 seinen 
nach oben gerichteten Auspuff hub, um die expandirten Verbrennungs- 
gase aus dem Cylinder 5 durch das vom Daumen 50 gehobene Aus- 
puffventil 26 an die äufsere Luft auszutreiben. Durch den Rückgang 
des Kolbens 4 werden die heifsen Verbrenn ungsgase aus dem Cvlinder / 
in den Cylinder 5 geprefst und veranlassen den wirksamen Abwärts- 
hub des zugehörigen Kolbens, wobei die Verbindung zwischen beiden 
Cylindern dadurch hergestellt wird, dafs Daumen 25 das Auspuff- 
ventil 21 hebt. Gleichzeitig wird im Cylinder 2 die vorher eingesaugte 
Ladung durch den rückgehenden Kolben 5 verdichtet, worauf das Ge- 
menge entzündet wird, so dafs Kolben 5 seinen abwärts gerichteten 
Krafthub, Kolben 4 seinen abwärts gerichteten Ansaughub behufs Eiu- 
saugung einer frischen Ladung und Kolben 6 seinen nach oben ge- 
richteten Auspuffhub macht. Beim folgenden Rückgange der Kolben 4 
und 5 wird im Cylinder 1 das Gemenge verdichtet, und die Verbren- 
nungsgase aus Cylinder 2 werden durch das von Daumen 25 gehobene 
Ausströmungsventil 21 des Cylinders 2 in den Cylinder .3 geprefst, so 
dafs Kolben 6 neuerlich nach aufsen bewegt wird. Das Gemenge im 
Cylinder / wird dann entzündet wie früher, und es wiederholt sich von 
da ab der vorstehend angegebene. Vorgang. Cylinder 5 kann vor- 
theilhaft solchen Kassungsraum erhalten, dafs in denselben — knapp 
bevor Bein Kolben seine Abwärtsbewegung beendet, und während das 



Neue Erdöl-Maschinen. 53 

Ausströmungsventil des Explosionscy linders, aus welchem die letzten 
heifsen Verbrennungsgase gekommen, noch offen ist — theilweises 
Vacuum eintritt, so dafs der noch in der Ladungskammer des genannten 
Explosionscylinders befindliche Rest von Verbrennungsproducten theil- 
weise ausgesaugt wird und beim folgenden Oetfuen des Einströmungs- 
ventils 14 des Cylinders eine entsprechende Menge carburirter Luft ein- 
tritt. Auf diese Weise erzielt man reinere Ladungen, welche durch 
ihre Explosion mehr Arbeit erzeugen, als es der Fall ist, wenn sie mit 
den von einer früheren Explosion herrührenden Verbrennungsgasen ge- 
mengt sind. 

Jeder der Cylinder / und 2 ist mit einem Wassermantel versehen. 
Das Wasser kommt aus einem auf einer Seite der Grundplatte an- 
gebrachten Behälter und wird durch eine Plungerpumpe in Bewegung 
gesetzt, welche ein auf Welle 24 angebrachtes Excenter antreibt. 
Mittels eines in das Rohr eingeschalteten Hahnes kann ein Theil des 
erhitzten Wassers in dem Behälter zurückgeleitet werden, während das 
übrige durch ein Rohr entweicht. An der anderen Seite des Grund- 
rahmens kann ein Behälter 59 für Erdöl vorhanden sein, welches aus 
einem anderen Behälter in solcher Weise zufliefst, dafs sein Stand im 
Behälter nahezu gleichmäfsig erhalten wird. 

Um das Ingangsetzen des Motors zu erleichtern, kann die Einrich- 
tung getroffen sein, dafs ein Theil der ausgepufften Verbrennungsgase 
während des Ganges des Motors in einem Behälter unter Druck an- 
gesammelt und dann in den Cylinder .3 gelassen wird. Zu diesem 
Zwecke kann im Deckel des Cylinders 5 eine Kammer 40 angebracht 
sein, welche durch eine Oeffnung einen Theil der aus den Explosions- 
cylindern kommenden Verbrennungsgase unter Druck aufnimmt, um sie 
durch ein Rohr 42 in einen Behälter treten zu lassen, was so lange 
fortgeht, bis die Spannung im Behälter derjenigen gleich ist, mit der 
die Verbrennungsgase in den Cylinder 5 eintreten. Die Oeffnung ist 
mit einem Rückschlaghubventil 45 vei-sehen. Die auf diese Weise 
unter Druck angesammelten Verbrennungsgase können durch eine andere 
Oeffnung des Deckels wieder in den Cylinder 5 treten gelassen werden. 
Diese Oeffnung ist unter normalen Verhältnissen durch ein Ventil 45 
verschlossen, welches man mittels eines Hebels vom Daumen 50 öffnen 
kann. Mit dem Bügel 50 ist drehbar ein Handsperrhebel verbunden, 
nach dessen Feststellung — beim Drehen der Kurbelwelle behufs In- 
gangsetzung des Motors und der dadurch veranlafsten Drehung von 
Welle 24 — der eine oder der andere von den Daumen das Ventil 45 
öffnet, so dafs ein Theil der aufgespeicherten Verbrennungsgase in 
den Cylinder 5 treten kann, um dessen Kolben zu verschieben und 
dadurch weiteren Umlauf der Kurbelwelle zu veranlassen. Ventil 45 
wird unter diesen Verhältnissen bei jeder Abwärtsbewegung des Kol- 
bens 6 geöffnet. Ist dann der Motor durch das eingesaugte und ge- 



54 Neue Erdöl-Maschinen. 

zündete Gemenge ordentlich in Gang gebracht, 80 löst man den Sperr- 
hebe] aus. 

Die Maschine von G. W. Weatlierhoyy in Swinderby (*D. R.P. 

Nr. 52457 vom 4. Juli 1889) arbeitet im Sechstakt. 

Die gasförmige Mischung wird in den Arbeitscyliuder der Maschine 
mit einer den Atmosphärendruck etwas übersteigenden Spannung ein- 
geführt, so dafs beim Entzünden des Gemisches eine ruhige, aber schnelle 
Verbrennung der Ladung entsteht. Beim Laden des Cylinders wird 
zunächst erhitzte Luft eingeführt und alsdann erst die explosive 
Gasmischuug. Die Luft kann durch eine Ummantelung desjenigen 
Theiles des Arbeitscylinders, in welchem der Kolbeu arbeitet, geleitet 
und von der durch die Verbrennung des Gases entstandenen Warme 
erhitzt werden. Die Gasmischung wird in der Verbrennungskammer 
zusammen mit der Luft verdichtet; da indessen die Maschine mit über 
300 Umdrehungen in der Minute läuft, so verbleibt das Gas in der 
Nähe der Zündungsstelle in dem dort befindlichen Luftkörper, so dafs 
sieh an den inneren Wandungen des Cylinders keine Feuchtigkeit nieder- 
schlägt, vielmehr die ganze Luftmasse mit entsprechender Expansion 
während des Hubes erhitzt wird. Die bei der Verbrennung entstandene 
Wärme wird, so weit sie nicht in Arbeit umgewandelt ist, in der 
Maschine selbst ausgenutzt, und zwar dient ein Theil zur Anwärmung 
frischer Luft für die Reinigung des Cylinders und Zündapparates von 
den Kestproducten der vorhergehenden Explosion ohne Condensatiou 
oder zu starke Kühlung der inneren Cylinderflüchen, der andere Theil 
wird zur Auwärmung der nächsten Ladung benutzt. Arbeitet die 
Maschine im Viertakt, so können die gasförmigen Verbrenn ungsproduete 
mittels besonderer Luftpumpen entfernt, die Gasladungen von besonderen 
Pumpen eingeführt werden. 

Indessen ist es zweckmäfsig, ohne diese besonderen Pumpen zu 
arbeiten, die Vorgänge vollziehen sich dann bei einfach wirkenden 
Maschinen von dem Punkte an, wo eine zur Entzündung bereite Ladung 
sich hinter dem Kolben befindet, in folgender Reihenfolge: 

1) Entzündung der Ladung, verbunden mit Expansion der Luft und 
Aushub des Kolbens; 

2) Einhub des Kolbens, wobei theilweise die Verbrennuugsproducte 
aus der Kammer getrieben werden; 

3) Aushub des Kolbens, der eine zum Reinigen des Cylinders 
dienende Luftladung einzieht und aus dem Zündapparate die Verbren - 
nungsproduote saugt: 

4) Einhub des Kolbens, welcher die Restproducte von der vorher- 
gehendes Ladung austreibt und den Zündapparaf reinigt; 

5) Aushub des Kolbens, der eine neue Luftladung und das explosible 
Gasgemisch einsaugt; 

6) Einhub des Kolbens, der die verbrennbare Ladung verdichtet. 



Neue Erdöl-Maschinen. 55 

Demnach kommt auf jede dritte Umdrehung der Maschine nur eine 
Explosion, die Maschine arbeitet also im Sechstakt. 

Man kann die Maschine auch doppeltwirkend auordnen uud die 
Explosion auf beiden Seiten des Kolbens abwechselnd auftreten lassen. 
Es erfolgen dann bei drei Umdrehungeu zwei Explosionen. 

Bei diesem Motor wird im Vergleiche zu Viertaktmotoren die 
doppelte Luftmeuge durch den Cvliuder befördert, wodurch die Wau- 
dungen ohne Kühlwasser geuügeud kühl gehalten werden. Indessen 
kann man auch, besonders bei nicht stationären Maschinen oder solchen, 
die mit schwer oder nicht flüchtigen Oelen arbeiten, beständig Luft durch 
die zu kühlenden Theile strömen lassen. 

Zur Vermeidung von Niederschlägen aus der Ladung kann man 
auch Widerstände, als gelochte Platten, Ringe u. s. w., in der Ver- 
brennungskammer anordnen, durch welche die gasförmige Mischung 
zertheilt wird und welche einen Theil der Wärme aus den heifsen 
Producten zurückhalten und an die nächste Ladung wieder abgeben. 
Die zur Bildung der brennbaren Ladung dienende Luft strömt auf ihrem 
Wege durch enge Schlitze oder Oerlnungen und au dieser Stelle wird 
gleichzeitig das Gas oder der Dampf eingeleitet, so dafs eine innige 
Vermischung von Gas oder Dampf und Luft entsteht. Das Gas oder 
der Dampf tritt hierbei mit Ueberdruck in die Verbrennungskammer. 
Um Niederschläge mit noch gröfserer Sicherheit zu verhindern, werden 
auf der Spindel des Einlafsventils Ringe oder Scheiben angeordnet, 
welche nur wenig kleiner im Durchmesser sind als die Ventilöffuung, 
so dafs die Ringe in letztere eintreten, dieselbe verengen und die Oel- 
kügelchen beim Durchströmen durch das geöffnete Ventil zerstäubt 
werden. 

An den Arbeitscylinder A (Fig. 15) schliefst sich die Verbrenuuugs- 
kammer A { und die Ventilkammer B an mit dem Ventil L : für die zum 
Reinigen des Cylinders von den Verbrennungsproducten bestimmte Luft, 
dem Auslafsveutil k 2 , dem Einlafsventil b 3 (Fig. 16) für Gas- bezieh. 
Erdöldampf und dem Ventil fe 4 , mittels dessen die Mischung von Gas 
oder Dampf und Luft in die Verbreuuungskammer A { einströmen ge- 
lassen wird. 

Die Steuerung dieser vier Ventile erfolgt von der Daumenwelle I 
aus, wobei die Daumen theils direkt, theils durch Vermittelung von 
Hebeln auf die Ventile einwirken uud der Mechanismus zur Bethätigung 
des Einlafsventils 6 3 , z. B. durch den Regulator, ausgerückt werden kann. 

Die Oelpumpe ist in einem besonderen kleineu Behälter d L an- 
geordnet, der durch ein Rohr mit dem Hauptbehälter D in Verbindung 
steht. Der Tauchkolben der Oelpumpe wird durch ein Hebel werk von 
dem Mechanismus zur Bewegung des Ventils b 2 bethätigt und spritzt 
bei jedem Hub etwas Oel durch Rohr f 2 in die Rohrschlange e { des 
Verdampfers £. durch den die abgehenden Verbrennungsproducte be- 



56 Neue Erdöl-Maschinen. 

hofe Verdampfung des Oeles geleitet werden, um Dach Umspülung der 
Schiauge e, in die Atmosphäre zu entweichen. Das so in Dampfform 
übergeführte Oel gelangt von hier aus in eine zweite Schlange e 2 , in 
welche es mittels einer Flamme, welche gleichzeitig zum Erhitzen des 
Zündn ihres F dient, getrocknet wird, um alsdann dem Ventil 6 3 zu- 
geführt zu werden. Der Verdampfer E erhält unten einen kleinen 
kesselartigen Ansatz /", , in den das Rohr f 2 mündet und der mittels 
eines Brenners beim Anlassen der Maschine erwärmt wird. Die Oel- 
pumpe kann zu diesem Zwecke mittels eines Handhebels in Thätigkeit 
tzt werden, so dafs einige Tropfen Oel in den Behälter f { gelangen 
und hier verdampft werden. 

Ist die Maschine dann einige Mal von Hand herumgedreht, so läuft 
sie von selbst und man kann nach kurzer Zeit den Brenner zum Er- 
hitzen des Behälters f { auslöschen, so dafs die Verdampfung des Oeles 
lediglich durch die Wärme der abgehenden Verbrennungsproducte er- 
folgt. Auch könnte die Schlange e 2 entbehrt werden oder man könnte 
diese Schlange in der Verbrennungskammer anordnen, so dafs der 
Dampf oder das Gas genügend getrocknet wird, bevor es zur Verbren- 
nung kommt. 

Das vordere Ende des Cylinders A steht mit einem Gehäuse L 
in Verbindung, in welchem die Pleuelstange und Kurbel des Motors 
sich bewegen, und bildet demgemäfs eine Luftverdichtungspumpe mit 
dem Einlafsventil /. Durch die Oeffnung l { gelangt die verdichtete Luft 
in den Mantelraum des Cylinders A und von hier durch Rohr G nach 
Ventil b x und durch Abzweigung g nach Ventil b i . 

Damit das Oel den Behälter f 1 nicht vor seiner vollkommenen Ver- 
dampfung verläfst, ist das Ende des Rohres e { eingeschnürt und mit 
feinen Drahtstückchen, Schrot oder anderem Material ausgefüllt, so dafs 
die Oeltropfen beim Eintritt in das Rohr e { zerstäubt werden. Auch das 
Rohr f 2 kann in gleicher Weise eingeschnürt oder mit Schrot oder der- 
gleichen angefüllt werden, wodurch eine Abkühlung in dem Rohr auf- 
tritt und dasselbe kühl gehalten wird. 

Die Erweiterungen h 2 dienen zum Ansammeln von Ablagerungen. 
Der Oeldurchflufs wird zwischen Pumpe und Verdampfer durch den 
Hahn A, regulirt. 

Der durch das geöffnete Ventil 6 3 eintretende Oeldampf vermischt 
sich mit der Luft, was noch durch das mit Schlitzen versehene Ein- 
satzrohr q befördert wird. Ferner sind auf der Spindel des Einlafs- 
ventils &, für das Gasgemisch Scheiben q x angeordnet, welche beim 
Senken des Ventils in die Ventilöffnung treten und eine weitere innige 
Vermischung von Oeldampf und Luft herbeiführen. 

Die Zündung des brennbaren Gasgemisches ist mittels einer er- 
hitzten Platte oder eines erhitzten Rohres F zu bewirken, welche nach 
jeder Zündung durch einen starken Luftstrom gereinigt werden. 



Neue Erdöl-Maschinen. 57 

Mau hat zwar schon vorgeschlagen, bei Erdölmotoren die Ladung 
durch Vermittelung der bei der Verbrennung der Gasmischuug auf- 
tretenden Wärme zu entzünden, indem man hierzu die stark erhitzten 
Wandungen des Verbrennungsraumes benutzte, indessen genügt diese 
Erwärmung nicht, um mit Sicherheit die Thätigkeit der Maschiue auf 
lange Zeit regelmäfsig zu gestalten. Wird aber äufsere Erwärmung 
benutzt, so treten in Folge der an den Zündeinrichtungen sich stets 
ablagernden festen Körper leicht Fehlzündungen oder unregelmäfsige 
Zündungen auf. welche mit erheblichen Stöfsen verbunden sind. Der- 
artige Uebelstände werden verhütet, wenn man die Zündvorrichtung 
beständig bei jedem Hub durch einen Luftstrom reinigt und ventilirt. 

Die Oelpumpe wird zweckmäfsig so eingerichtet, dafs der Regulator 
sie ausrückt, wenn die Maschine zu schnell läuft, derart, dafs nicht 
nur der Einlafs von Oeldampf, sondern auch der Betrieb der Oelpumpe 
in diesem Falle unterbrochen wird. 

Nach Fig. 16 wird das Einlafsventil ^ 3 und die Pumpe d { durch 
eine Stange j und Hebel j, von der mit abgestuften Daumen versehenen 
Hülse 1 bewegt, welche auf der Steuerwelle sitzt und von der Schwung- 
radwelle mit dem Uebersetzungsverhältnifs 1 : 3 bewegt wird. Bei zu 
schnellem Gange löst der Regulator die Verbindung zwischen j und j,. 

Bei Anwendung nicht flüchtiger Gele, besonders für nicht stationäre 
Maschinen, kann ein Theil der Grundplatte als Wasserbehälter aus- 
gebildet werden, welcher oberhalb des Oelbehälters sich befindet. Das 
äufsere Ende des Ausblaserohres wird mit einem sich erweiternden 
Mundstück versehen, in dem ein Klappventil oder dergleichen angeordnet 
ist, das durch die ausströmenden Gase der Einwirkung einer Feder oder 
dem Ventilgewichte entgegen sich öffnet, wodurch verhindert wird, dafs 
kalte Luft in das Ausblaserohr und den Verdampfer eintritt und Wärme 
ungenutzt verloren geht. Das Oelzuflufsrohr wird durch jenes Ausblase- 
rohr nach dem Verdampfer geleitet, so dafs eine erhebliche Wärme- 
menge den entweichenden Verbrennungsproducten entzogen wird. Das 
eben erwähnte, sich glockenförmig erweiternde Mundstück reicht bis 
nahe zur Oberfläche des Wassers in dem gedachten Behälter, schwächt 
das von den austretenden Gasen erzeugte Geräusch zum Theil ab und 
bewirkt eine gewisse Verdampfung des Wassers. Der so gebildete 
Dampf kann dazu benutzt werden, das Oel in dem Oelbehälter zu er- 
wärmen, bevor dasselbe in den Verdampfer gelangt. In der Dampf- 
leitung ist eine Absperrvorrichtung anzuordnen, so dafs bei Anwendung 
leichter oder flüchtiger Oele die Erwärmung des Oeles fortfällt und 
man direkt in die Atmosphäre ausblasen läfst. Auf diese Weise kann 
die Maschine sowohl mit leichten, als auch mit schweren Oelen arbeiten. 
Für sehr schwere Oele kann das Reservoir aus Röhren bestehen, welche 
eine gröfsere Oberfläche darstellen. Diese Röhren werden zweckmälHL; 
in dem Wasser des Ausblasebehälters angeordnet. Die Verbrennung- 



58 Neue Erdöl-lfaschii 

kauuner, sowie die eiuer Erwärmung ausgesetzten Theile werden bei 
solcher Maschine zweckmässig mit einem zugänglichen Gehäuse um- 
geben, das gegen den Einllufs der Witterung schützt. 

Der beschriebene Motor kann auch mit einem Gaserzeuger für 
Kuhlen- oder Wassergas in folgender Weise verbunden werden: An- 
statt die zur Reinigung des Cylinders benutzte Luft mit den Yerbren- 
nungsproducten wie bei der Anwendung vou Erdöl ins Freie aus- 
strömen zu lassen, werden die Ventile so eingerichtet, dafs diese Luft 
dem Gaserzeuger zugeführt wird au Stelle des sonst durch das Gebläse 
erzeugten Windes. Das im Gaserzeuger so entwickelte Gas kann durch 
dieselben Köhren und Ventile dem Arbeitscylinder zugeführt werden, 
80 dafs man unter Beibehaltung des Oelverdampfapparates die Maschine 
nach Belieben mit Erdöl oder Gas abwechselnd arbeiten lassen kann. 
Auf diese Weise ist mau in der Lage, bei Erdölmangel auch mittels 
festen Brennstoffes die Maschine zu betreiben, was in manchen Fällen 
von grofsem Vortheil sein kann. Auch läfst sich gewöhnliches Leucht- 
gas zum Betriebe der Maschine benutzen. 

Hegulirvorrichtungen und Steuerungen. 

Durch die an Ad. Spiel in Berlin (*D. R. P. Nr. 46263 vom 4. Sep- 
tember 1888) patentirte Ausführung wird bei zu grofser Umlaufs- 
geschwindigkeit der Maschine die zur Zuführung der Brennstoffe ge- 
brauchte Pumpe aufser Thätigkeit gesetzt und derart die Zuführung 
der ersteren zum Mischungsraum unterbrochen. Dies geschieht in der 
Weise, dafs von der Kurbelwelle der Maschine aus durch Vorgelege 
etwa eine zweite Welle in entsprechende Umdrehung versetzt wird, 
auf deren Ende eine gehöhlte Scheibe befestigt ist, in deren Innerem 
ein Gewichtshebel drehbar gelagert und durch eine Regulirfeder mit 
einem Knaggen auf die Umfläche einer Kurbelseheibe geprefst wird. 
Erwähnte Kurbelscheibe ist mit ihrer Welle in der hohlen Welle der 
Scheibe leicht drehbar gelagert und an ihrer Umfläche zu einem Zahn 
ausgebildet, gegen den sich der Knaggen des Gewichtshebels legt und 
die Kurbelscheibe zwingt, an der Bewegung der grofsen Scheibe theil- 
zunehmen. Tritt dagegen eine übermäfsige Geschwindigkeit der Maschine 
ein, so wird der Gewichtshebel vermöge Centrifugalkraftwirkung nach 
der Peripherie der Scheibe geworfen werden, dadurch aufser Eingriff 
mit der Kurbelscheibe gebracht und der Stillstand der Pumpe bewirkt 
werden. Ist durch die Unterbrechung der Zufuhr von Brennstoff der 
Gang der Maschine so weit gemüfsigt, dafs die Centri.fugalkraft geringer 
ist als die Wirkung der Feder, so erfolgt von Neuem eine Kuppelung 
der Kurbelscheibe mit der Antriebsscheibe und dementsprechend erneute 
Zufuhr vdii Brennstoff. 

Ein wesentlicher Vortheil ist durch diese Regulirvorrichtung noch 
dadurch erreicht, dafs man beim Anlassen der Maschine ohne Mitnahme 



Neue Erdöl-Maschinen. 59 

der anderen Maschinenteile den Brennstoff in den Mischungsraum 
pumpen kann, während bei den bisherigen Maschinen vom Schwuug- 
rade aus die ganze Maschine in Bewegung gesetzt werden mufste. 

In Fig. 17 und 18 bezeichnet a die hohle Welle, welche von der 
Kurbelwelle aus durch ein Zahnrad b angetrieben wird, an deren Be- 
wegung die auf der Welle a mittels Keiles befestigte Scheibe c theil- 
nimmt. Durch die hohle Welle a geht die Welle d der Kurbelscheibe e, 
welche erstere gegen Längsverschiebung durch eine Stiftschraube f, 
welche sich mit ihrem Conus gegen die Stirnfläche der Welle a legt, 
oder auch durch eine gleichwerthige Vorrichtung, wie z. B. einen Stell- 
ring, gesichert wird. Im Inneren der Scheibe ist der Gewichtshebel g 
drehbar gelagert, wird durch eine Feder h mit dem Knaggen g 2 gegeu 
die Umfläche der Kurbelscheibe e geprefst und zwingt diese, au der 
Bewegung der Scheibe c theilzunehmen, sobald sich der Knaggen g.± 
gegen den Zahn c { legt. 

An den Kurbelstift ist die Pumpenkolbenstauge angeschlossen. Die 
Feder h findet Widerhalt und Führung an dem mit rechteckiger Platte 
versehenen cylindrischen Stück i und kann durch eine Schraube fc, die 
sich mit einem Bund k l gegen den Scheibenkranz legt, mehr oder 
weniger gespannt werden, je nach der gröfseren oder geringeren Um- 
laufsgeschwindigkeit der Maschine und der durch diese bedingten Centri- 
fugalkraft des Gewichtshebels g. Wird die Umlaufsgeschwindigkeit 
grüfser als die der Feder entsprechende, so wird der Gewichtshebel 
durch die Centrifugal kraft allmählich aus der Verzahnung der Kurbel- 
scheibe e abgehoben und die letztere von der Scheibe c nicht mehr 
mitgenommen: die Pumpe steht also in dieser Lage des Gewichtshebels 
(in Fig. 17 punktirt eingezeichnet) still. 

Durch die hierdurch abgeschnittene Zufuhr von Brennstoff wird die 
Maschine langsamer laufen, die Centrifugalkraft dementsprechend ge- 
ringer werden und der Gewichtshebel wieder in Eingriff mit dem Zahn c t 
der Kurbelscheibe gelangen, wodurch die Pumpe wieder in Betrieb ge- 
setzt wird. 

Beim Anlassen der Maschine wird auf ein Vierkant des Kurbel - 
Stiftes eine Kurbel / gesetzt, mittels dieser die Kurbelscheibe in Drehung 
versetzt und durch die angeschlossene Pumpe Brennstoff in den Mischungs- 
raum geführt. 

Einrichtung zur Hegelung des Erdölzuflusses von C. r. Lüde in Berlin 
C*D. H. P. Nr. 47499 vom 15. August 1888). (S. Fig. 19 Schwartzkopff.) 

In das Erdölzuflufsrohr ist eine Stromwechselvorrichtung C iu Ver- 
bindung mit einem Rückschlagventil D eingeschaltet. Dieser Wechsel 
ktmu in einem Hahn, Schieber oder einer anderen analogen Vorrichtung 
bestehen. In dem Mafse, wie durch den Wechsel C das zum Ver- 
theiler $ führende Rohr mehr oder weniger geöffnet oder geschlossen 
wird, wird das Rohr u geschlossen oder geöffnet, so dafs ohne Drosse- 



60 Neue Erdöl-Maschinen. 

lung das durch Ruhr 10 zuilielsende Oelquantiun stets den gleich grofsen 
Abflufsquerschnitl in den Rohren v uud u findet und es nur je nach 
der Einstellung des Wechsels C variabel wird, ob das durch w kommende 
(Quantum mehr oder weniger durch v oder durch u aufliefst. 

Da in den Zw i-thenstellungen des Wechsels, in welchen das Erdöl- 
quantum sowohl durch v wie durch u (liefst, die beiden Rohre u und v 
durch den Wechsel hindurch communiciren, so würde bei stofsweisem 
Erdölzuflufs nach jedem Stofse eine je nach der Geschwindigkeit des 
Motors mehr oder weniger vollständige Entleerung der Rohre v und u, 
BOwie des Vertheilers s mit Lufteintritt dadurch stattfinden, dafs je 
nach der Niveaulage des Vertheilers s in Bezug auf das Rohrende 
von u die in den Rohren u und v enthaltene Flüssigkeit entweder durch 
das Ende des Rohres u oder durch den Vertheiler s abfliefsen und 
so die zwangsläufige, der Quantität nach durch die Stellung des 
Wechsels geregelte und der Zeit nach mit jeder stofsweisen Zuführung 
genau übereinstimmende Ausspritzung durch den Vertheiler s vereitelt 
würde. Um dies zu vermeiden, ist in das Rohr u ein Rückschlagventil 
eingeschaltet. 

Vorrichtung zum Abmessen und Zuführen flüssigen Kohlenwasserstoffes 
von C. R. Binnley in London und H. A. Stuart in Bletschley, England 
(*D. R. P. Nr. 52455 vom 25. Mai 1889). 

Die zum Abmessen und Zuführen der Explosionsflüssigkeit dienenden 
Einrichtungen beruhen darauf, dafs der Hohlraum eines Schiebers das 
eine Mal mit einer die Flüssigkeit dem Schieber und das andere Mal 
mit einer die Flüssigkeit dem Verbrennungsraum zuführenden Bohrung 
in Verbindung tritt, wobei die Flüssigkeit aus einem Vorrathsbehälter 
unter Druck in den Schieber eintritt und, da die im Hohlräume ent- 
haltene Luft aus demselben nicht entweichen kann, darin verdichtet 
wird. 

Auf der Grundplatte (Fig. 20) der Maschine befindet sich der Cylinder 
und an letzterem der Ventil- oder Schieberkasten. Am einen Ende des 
Cy linders, welches den Compressionsraum bildet, ist ein Hilfskolben 
angeordnet, zu dem Zwecke, den Compressionsraum von den Verbren- 
nungsrückständen zu reinigen; dieser Kolben wird gewöhnlich durch die 
in dem Rohr k { befindliche Feder in seiner innersten Stellung gehalten. 
Das Einlafsventil l für die das Brennstoffgemisch bildende Flüssigkeit 
und Luft wird durch eine Feder l { gegen seinen Sitz geprefst. Der 
Schieber m bewirkt, dafs das Oel in den für den richtigen Gang der 
Maschine erforderlichen Mengen in den Kanal m 3 gelangt; derselbe be- 
sitzt eine Kammer m,, welche gewöhnlich mit Luft, zweckmäfsig unter 
Atmosphärendruck, gefüllt ist. Die Kammer m, tritt während des Ganges 
der Maschine abwechselnd mit den beiden Bohrungen m 2 und m 3 in 
Verbindung, wo der Schieber m und dessen Gleitbahn in vergrößertem 
Siafsstabe dargestellt ist. Die Bohrung m 2 steht durch ein Rohr m A mit 



Neue Erdöl-Maschinen. 61 

dem genannten Vorrathsbehälter in Verbindung: letzterer wird mit 
einem etwa für ein- oder zweitägigen Betrieb hinreichenden Vorrath an 
Erdöl oder sonstigem Brennstoff angefüllt und in geeigneter Höhe über 
dem Flüssigkeitsabmefsschieber m angeordnet. Diese höhere Lage des 
Behälters veranlafst den obeu erwähnten Druck, welcher die Flüssig- 
keit in die Schieberkammer »^ hineindrängt, so dafs also die darin ent- 
haltene Luft zusammengedrückt wird. 

Diese Anordnung bietet, den Vortheil, dafs die im Schieber ver- 
dichtete Luft als Luftkissen dient und eine schnelle Einführung der 
Flüssigkeit in den Verdunstungsraum gestattet. Die andere Bohrung m 3 
seht von der Schieberfläche zu dem Eintrittsventil /. Von dem Schieber m 
geht die Stange p aus, seitlich durch die Schiebergehäusewand hin- 
durch und liegt mit ihrem abgeschrägten freien Ende auf dem Conus o 
auf, der auf. die Achse eines Regulators n excentrisch aufgesetzt ist: 
letzterer wird durch Vermittelang der Kegelräder n x »j, der Welle n 2 
und des Kegelradgetriebes m 3 in Umdrehung versetzt. In Folge der 
Excentricität des Conus o wird nun durch die Umdrehung des Re- 
gulators dem Schieber m eine hin und her gehende Bewegung ertheilt 
Auf der Schieberstange p ist eine Spiralfeder p v angeordnet, welche 
den Schieber stets wieder zurückdrängt, nachdem er vom Conus vor- 
gedrängt ist. 

Der Regulator ist so eingerichtet, dafs der Conus n bei normaler 
Umlaufszahl der Maschine keine senkrechte Verschiebung erfährt, so 
dafs bei jeder Hin- und Herbewegung des Schiebers m die normale 
Menge Oel aus dem Kanal m 2 in die Schieberkammer m [ eintritt und 
dann in den Kanal »h 3 abgeführt wird: sobald jedoch die Geschwindig- 
keit des Motors die normale Grenze überschreitet, gehen die Regulator- 
kugeln aus einander und der Conus sinkt, wodurch aber der Schieber- 
weg mehr oder weniger verringert oder auch die Oelzufuhr zu dem 
Kanal m 3 ganz abgeschnitten wird. 

Der zur Verflüchtigung der in die Maschine eintretenden Flüssig- 
keit dienende Apparat besteht aus gut leitendem Material und ist mit 
trog- oder trichterartigen Ausätzen versehen, wobei die letzteren so 
durchlöchert sind, dafs das Oel aus einem Troge in den nächstfolgenden 
gelangen kann. Der Verdunstungsapparat besteht aus dem unten offenen 
Rohre </ 3 , welches fast in seiner ganzen Länge mit einer Scheidewand q i 
ausgestattet ist: letzlere veranlafst. dafs die Luft erst auf einem Um- 
wege zu der Oeffnung q 5 gelangt, die ihrerseits durch ein Rohr <? 6 mit 
dem oberhalb des Einlafsventils befindlichen Raum in Verbindung steht. 
In das Rohr <? fi ist ein Dreiwegehahn r eingesetzt, dessen einer Kanal 
durch das Rohr r t mit der Ausströmungsöffnung verbunden ist, so dafs 
der Durchgang durch das Rohr </ fi zu dem Raum oberhalb des Ventils 
nach Belieben geschlossen und der Durchgang durch das centrale Rohr y 3 
des Vergasers zu dem Rohr r { und der Ausstrümungsöffnung geschlossen 



62 Neue Erdöl-Maschinen 

werden kann. Unter dein Vergaser q befinde! sich eine Lampe 4, die 
hei der Verwendung von rohem oder gewöhnlichem Erdöl beim An- 
lassen der Maschine gebraucht wird, um den Verflüchtigungsapparat zu 
erwärmen, damit das auf denselben gelangende Oel in den gas- oder 
dampfförmigen Zustand übergeführt wird. Nachdem die Maschine einmal 
im Gantie ist, ist diese Lampe nicht mehr erforderlich, da die Verbren- 
Dungswftrme im Cylinder hinreicht, um den Vertlüchtiger auf der er- 
forderlichen Temperatur zu erhalten. 

Die zum Entzünden des Gases dienende Vorrichtung besteht aus 
einem Rohr f, welches mit dem Verflüchtigungsraum y (links) durch den 
Kanal t A und ein zwischen der Zündvorrichtung und dem Verflüchtiger 
angeordnetes Ventil t 2 verbunden ist; letzteres hat den Zweck, die 
Menge des in den Zünder eintretenden Explosionsgemisches zu regeln, 
und wird mittels der Hebel f 3 und < 4 von der Kurbelwelle aus ge- 
steuert. Die Zündvorrichtung ist in Form eines Rohres ausgeführt, 
welches eine Spirale von gut leitendem Metall von ziemlich grofser 
Oberfläche enthält. Diese Spirale wird von Zeit zu Zeit der durch die 
Explosion im Cylinder entwickelten Wärme ausgesetzt und auf diese 
Weise hinreichend erwärmt, um das Explosionsgemisch zu entzünden, 
wenn es mit ihr in Berührung kommt. Um zu verhüten, dafs der Ver- 
dunstungsapparat warm genug wird, um das Explosionsgemisch zu ent- 
zünden, sobald es in den Cylinder hineingezogen wird, umgibt man ihn 
manchmal mit einem Wassermantel. 

Die Verbrennungsproducte treten durch das Ausströmungsventil u 
aus dem Cylinder heraus; dasselbe wird gewöhnlich durch eine Feder 
geschlossen gehalten und im geeigneten Moment durch Vermittelung 
des Hebels t 4 geöffnet. Der Hebel t A wird durch eine auf der Kurbel- 
achse befestigte Scheibe v bethätigt, die mit zwei Rinnen ausgestattet 
ist. Die eine Rinne ist mit einer Erhöhung ü 3 und die andere mit 
einer Vertiefung r 4 ausgestattet. Der Hebel t 4 trägt an seinem vor- 
deren Ende einen drehbaren Arm 1 5 ; letzterer ist mit einer Rolle J fi 
versehen, die in den Rinnen des Rades v läuft. Die Rinnen sind so 
angeordnet, dafs die Rolle abwechselnd in ihnen läuft, wobei die Be- 
festigung der Rolle t ti auf dem drehbaren Arm / 5 die seitliche Ver- 
schiebung der Rolle gestattet. 

Angenommen, der Kolben befinde sich ganz dicht am Hilfskolben, 
also in derjenigen Lage, welche er unmittelbar nach der Entladung 
der Verbrennungsproducte einnimmt. Alsdann wird die Lampe unter 
den Verdunstungskörper gesetzt, so dafs derselbe erwärmt wird, und 
der Dreiwegehahn so gestellt, dafs die von der Lampe herrührenden 
Dämpfe in den Ausströmungskanal gelangen. Bei der Auswärtsbewegung 
des Kolbens wird nun eine gewisse Menge Oel und Luft durch das 
Ventil / angesogen, indem sich dieses in Folge des in dem Cylinder ent- 
standenen Vacuums öffnet; auf diese Weise wird das Explosionsgemisch 



Neue Erdöl-Maschinen. 63 

gebildet. Beim Kolbeurückgange wird das Gemisch in dem Cylinder 
comprimirt und diese Compression reicht hin, um den Hilfskolben i bis 
zur hinteren Cylinderwand zu drängen; zu derselben Zeit gelangt die 
in der Rinne laufende Rolle in die Vertiefung v 4 , so dafs der Hebel t 3 
bethätigt wird und einen Theil des Explosionsgemisches in das Zünd- 
rohr t gelangen läl'st. Das Zündrohr mufs vor dem Anlassen der 
Maschine mittels einer derselben von aufsen genäherten Lampe erwärmt 
werden. 

Wenn das Explosionsgemisch in der Zündvorrichtung entzündet ist, 
tritt die Flamme durch den Kanal fj, die Verdunstungskammer q { und 
das Rohr q. 2 in den Cylinder hinein und entzündet die Cylinderladung, 
wodurch der Arbeitskolben nach vorn getrieben wird. Gleichzeitig ist 
die Rolle t { - des Hebels f 4 in die Rinne eingetreten und durch die 
in letzterer angeordnete Erhöhung r 3 niedergedrückt, so dafs der ge- 
nannte Hebel t i das Austrittsventil öffnet; auf diese Weise werden die 
Verbrennungsrückstände beim nächsten Kolbenrückgange durch den 
Kanal q., und die Verdunstungskammer q { aus dem Cylinder hei-aus- 
gedrängt. Dadurch dafs die Verbrennungsrückstände beim Entweichen 
aus dem Kolben um den Verflüchtiger herumstreichen, wird derselbe 
erwärmt und so die Lampe 4 beim weiteren Gange der Maschine über- 
flüssig gemacht. Der Dreiwegehahn wird gedreht, so dafs die ober- 
halb des Ventils eintretende, zur Bildung des Explosionsgemisches 
dienende Luft durch den Kanal </ rt und das Rohr q 3 des Vergasers hin- 
durchgeht, wodurch sie vor dem Eintritt in den Cylinder angewärmt 
wird. 

Der in Fig. 21 dargestellte Regulator von Ad. Altmann und Fr. Küpper- 
mann i in Berlin (*D.R.P. Nr. 51424 vom 8. Oktober 1889) ist für solche 
Maschinen bestimmt, deren Umdrehungsgeschwindigkeit durch den Aus- 
fall von Kraftfüllungen bezieh. Verpuffungen geregelt wird. Er be- 
steht aus einer mit der Maschinenwelle umlaufenden und bei jeder Um- 
drehung seitwärts geschobenen unrunden Scheibe, welche nach ihrer 
Verschiebung freigelassen und durch eine beständig wirkende Kraft 
(Federkraft, Gewichtskraft, Druck, Luft oder Flüssigkeit) zurückgetrieben 
wird, so dafs sie je nach der Umlaufsgeschwindigkeit der Welle ent- 
weder hebend auf den Arm des Regulirorgans einwirkt oder bei dem- 
selben ohne Wirkung vorübergeht. Die unrunde Scheibe kann in be- 
kannter Weise zur Steuerung des Gasventils, des Gemischeiulafsventüs, 
des Auslafsorgans oder der Pumpvorrichtung dienen, je nach der Art 
der Kraftregelung des Motors. 

Die Steuerhülse h mit dem Daumen d und der Cylinderschubcurve g 
ist auf der Welle w so angeordnet, dafs sie mit derselben rotiren mufs, 
gleichzeitig aber in dem Schlitze e eine Längsverschiebung in der 



1 Auf Tat'. 4 steht irrthümlich Wuppermann. 



(54 Nene Erdöl-Maschinen. 

Achse w erfahren kann. Zum Regulator gehört die auf einer festen 
Achse Btehende Holle /' und die auf der Steuerwelle tixirte Feder «', 
die in der Arbeitsstellung des Daumens d sich in der Ruhelage be- 
findet. 

Reim Inbetriebsetzen der Maschine findet durch Gleitung der Cjlinder- 
sohubcurve g an der Rolle f bei je einer Umdrehung der Welle tc eine 
Verschiebung der Hülse h statt. Diese Verschiebung ist bestimmt durch 
die Höhe des Keiles g. Das Zurückschieben des Daumens in seine Ar- 
beitsstellung wird von der ständig wirkenden Federkraft stets in gleicher 
Zeit ausgeführt. In dem Moment, in welchem der Keil g von der Rolle f 
frei wird, in welchem also der Daumen in axialer Richtung in seine 
Arbeitsstellung zurückzukehren beginnt, hat derselbe auch in der Um- 
drehuugsrichtung noch einen bestimmten Weg y zurückzulegen, bevor 
er auf die Gleittläche c bezieh, auf das Steuerungsorgan einwirken kann. 

Bei normaler oder geringer Umdrehungsgeschwindigkeit legt der 
Daumen d den Weg x früher zurück als den Weg y und die Gleitfläche c 
läuft auf den Daumen auf. Ueberschreitet dagegen die Umdrehungs- 
geschwindigkeit die normale, so legt der Daumen d den Weg y früher 
zurück als den Weg x und der Daumen d gleitet an der vorderen Fläche 
von c entlang. 

Während in dem ersteren Falle, dem Auflaufen der Rolle c auf 
den Daumen d, das Regulirorgan bethätigt und der Motor mit frischem 
Gemenge gefüllt wird, bleibt derselbe bei dem Vorbeigehen des Daumens d 
an der Gleitfläche c unbeeinflui'st und die Füllungen und Verpuffungen 
fallen aus. Je nach der Arbeitsleistung des Motors wird nach dem Ausfall 
von einigen Füllungen die axiale Geschwindigkeit des Daumens d wieder 
Vorsprung über seine rotirende gewinnen. 

Wenn man die Wege x und y gleich macht, mufs die umlaufende 
Geschwindigkeit des Daumens d die axiale um ein Geringes über- 
schreiten, bevor die Füllungen aussetzen. In diesem Sinne betrachtet, 
ist der Apparat ein Differentialregulator, der sowohl das Füllen als auch 
das Aussetzen durch den Unterschied zwischen den beiden Geschwindig- 
keiten veranlal'st. 

Die Geschwindigkeit der Maschine ist demnach einstellbar durch 
die Veränderung der dem Verschieben der Hülse entgegenwirkenden 
Federkraft. 

Die Federkraft kann durch ein Gewicht ersetzt werden; die Rolle 
beginnt durch Gleitung an der Cylinderschubcurve g die Hülse h zurück- 
zuschieben. 

Der Hebel / kann bei dieser Anordnung gleich als Ausrückorgan 
des Motors benutzt werden, wenn man für eine entsprechende Feststellung 
desselben Sorge trägt. 

Bemerkt sei noch, dafs in dem Augenblick, in welchem der Daumen d 
die Berühru ugsebene der Rolle c erreicht, derselbe noch in der Vor- 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 65 

wärtsbewegung ist, wodurch stets ein sicheres Auflaufen stattfindet. 
Man macht auch passend die Rolle c etwas schräg (kegelförmig) oder 
gibt der Daumenerhöhung eine entsprechende Abschräguug. 

Während in Fig. 21 der Regulator in Beziehung zu einem Ein- 
lafsorgan gebracht ist, kann die Daumengestaltung auch zur Steuerung 
des Auslafsventils dienen. Bei normaler Geschwindigkeit des Motors 
erreicht der Daumen die Gleitfläche des Steuerungshebels und das 
Auslafsventil wird normal geöffnet; wächst dagegen die Umdrehungs- 
geschwindigkeit des Motors, so erreicht nur der zweite Daumen die 
Gleitfläche, welche nunmehr während der Aus- und Einlafsperiode fest- 
gehalten wird, so dafs in der letzteren die Abgase in den Cylinder gesaugt 
werden. (Fortsetzung folgt.) 



Dampfmaschinen der Pariser Weltansstellung 1889: 
von Fr. Freytag, 

Lehrer der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 7 d. Bd.) 

Mit Abbildungen auf Tafel 6. 

Fr. Borssat in Paris hatte mehrere schnell laufende, sogen. Hammer- 
maschinen ausgestellt, von denen die Fig. 17 und 18 Taf. 6 das kleinste 
Modell dereincylindrigen, mit einer eigenthümlichen Steuerung arbeitenden 
Maschine vorstellen. Dieselbe bildet eine Modification der Schlepp- 
schiebersteuerung von Farcot, doch ist nur der bei der letzteren an- 
gewandte, vom Regulator eingestellte Daumen beibehalten und es lassen 
sich mit derselben ebenfalls nur Füllungen bis ungefähr ^3 des Kolben- 
hubes erreichen, innerhalb welcher der Verschlufs der Dampfeinström- 
kanäle ziemlich schnell erfolgt; dagegen können die mit dieser Steue- 
rung ausgerüsteten Maschinen eine bedeutend gröfsere Anzahl von 
Umdrehungen in der Zeiteinheit ausführen als diejenigen, welche mit 
der gewöhnlichen Farcot- Steuerung arbeiten. 

Der flache Vertheilungsschieber ist an seinen beiden Enden mit 
zwei cylindrischen Ausbohrungen versehen, in welche die ähnlich wie 
bei einem ^ieyer-Schieber angeordneten Dampfdurchlafskanäle einmünden. 
In diesen Bohrungen bewegen sich zwei kleine mit einander verbundene 
Kolben, welche den Expansionsschieber bilden und zwischen denen der 
vum Kessel kommende hochgespannte Dampf sich bewegt, um von hier 
in den Cylinder zu gelangen. Auf dem Rücken der cylindrisch aus- 
gebohrten Ansätze der Vertheilungsschieber gleitet eine mit zwei recht- 
eckigen Durchbrechungen versehene Platte, in deren mittlerem, quadratisch 
ausgespartem Theile der vom Regulator eingestellte, bei jedem Hub- 
wechsel zum Anschlage kommende Daumen Platz findet. Die recht- 
Dingler's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 2. 1890/IV. 5 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

eckigen Durchbrechungen dieser Platte communicireu je Dach ihrer Be- 
wegungerichtung abwechselnd mit einem der beideu in den Ansätzen des 
Vertheilungsschiebers angebrachten Schlitze und gestatten dann den 
Eintritt des Dampfes hinter den betreffenden kleinen Kolben: in der- 
selben Zeit kommen auch in der Gleitfläche der Platte angebrachte 
rechteckige Aushöhlungen über den Schlitz und die nach dem Aus- 
strömkanale des Vertheilungsschiebers führende Leitung zu liegen, so 
dafs der vorher hinter dem anderen kleineu Kolben wirksam gewesene 
Dampf entweichen und nach erfolgtem Wechsel der Stellung des Ex- 
pansionsschiebers frischer Dampf durch den frei werdenden Durchlafs- 
kaual des Vertheilungsschiebers in den Cylinder gelangen kann. Die 
beiden in der Gleitfläche der Platte angebrachten Höhlungen stehen 
durch Leitungen mit der freien Atmosphäre in fortwährender Ver- 
bindung, so dafs die Platte durch den Dampfdruck fest gegen den Ver- 
theilungsschieber gedrückt wird und dessen Bewegungen so lange mit- 
zumachen gezwungen ist, bis die Berührung mit dem Daumen eintritt. 
Durch die nun erfolgte Feststellung der Platte wird bei der Weiter- 
bewegung des Vertheilungsschiebers einer der Schlitze geöffnet: der 
in denselben eintretende Dampf gelangt hinter die entsprechende Kolben- 
fläche des Expansionsschiebers und bewegt denselben so, dafs der 
vordem offen gewesene Durchlafskanal des Grundschiebers geschlossen 
und der andere für die nächste Füllung geöffnet wird. 

Um ein Anstofsen der kleinen Kolben gegen die an den Enden 
ihrer Führungen eingeschraubten Deckel zu verhüten, liegen die schlitz- 
förmigen Oeffnungen so gegen einander, dafs jeder Kolben noch vor Be- 
endigung seines Hubes den Schlitz schliefst; der in den kleinen Cylindern 
verbleibende Dampf wird nun comprimirt und mildert den beim Hub- 
wechsel auftretenden Stofs. 

Das consolförmig gegossene Bett der Maschine trägt obeu den 
Dampfcylinder, und iu der am unteren Theile angegossenen langen Füh- 
rung liegt eine zur Lagerung der Schwungradwelle dienende Hartgufs- 
büchse. 

Der vor dem Dampfcylinder liegende und cylindrisch ausgebildete 
und deshalb vollständig entlastete Vertheilungsschieber empfängt den 
Dampf durch die auf der Daumenseite, sowie dieser gegenüber ange- 
brachten Oeffnungen und wird durch eine Contrekurbel betrieben; er 
ist, da die Einströmkanäle des Cylinders behufs möglichster Reducirung 
der schädlichen Räume an den äufsersten Enden desselben liegen, von 
bedeutender Länge und in seinem Inneren bewegt sich der aus zwei 
kleinen Kolben gebildete Expansionsschieber, sowie ein kleiner Flach- 
schieber, welcher vom Vertheilungsschieber mitgenommen wird und in 
Folge Zusammentreffens seiner aufgegossenen Leisten mit dem in der 
Mitte des Schieberkastens sitzenden Steuerungsdaumen die Dampfver- 
theilung regelt. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 



67 



Der letztere wird von dem Regulator direkt unter Zwischenschal- 
tung eines über die Regulatormuffe greifenden mit Gegengewicht ver- 
sehenen Hebels, welcher durch den am Ende einer wagerechten Stange 
befestigten gezähnten Hebel mit einem auf der Daumenwelle aufgekeilten 
Zahnrad in Verbindung steht, bethätigt. 

Eine gekuppelte 100 pferdige Zweicylindermaschine desselben Systems 
wie die vordem beschriebene Maschine diente mittels Riemenübersetzung 
zum Betreiben zweier Gramme- Dynamomaschinen von 10 Ampere 1500 Volt 
und 25 Ampere 600 Volt in der elektrischen Station des Syndikats auf 
dem Marsfelde. 

Jeder Cy linder von 300 mm Durchmesser und 450 mm Kolbenhub ist 
mit der oben beschriebenen Steuerung versehen, welche hier mit den 
folgenden Abmessungen arbeitete: 



Gröl'seres lineares Voreilen 
Aenfsere Ueberdeckung 
Vorausstromung . . . 
Aeul'sere Ueberdeckung 
Maximalfüllungsgrad 
Compressionsgrad . . 



Unten 


Oben 


5mm 


5mm 


13 


. 13 


3 


. 11 


15 


. 7 


0,25 


. 0,35 


0,10 


. 0,10 



Die beiden Cyliuder sind zusammengegossen und werden von einem 
Ständer mit vier schräg aufsteigenden, auch zur Führung der Kreuz- 
köpfe dienenden Stützen getragen, die mit dem Sockel verschraubt sind- 
der letztere bildet mit den drei Lagern der um je 90° doppelt gekröpften 
Schwungradwelle ein Gufsstück. 

Die Länge der Kurbelstangen beträgt, um die totale Höhe der Ma- 
schine möglichst niedi'ig zu bekommen, nur das Vierfache der Kurbel- 
länge. 

Die äufserst einfache, für grofse Geschwindigkeiten construirtc 
stehende Maschine der Socie'te de ßdle, Fig. 19 bis 22 (System Burgin), 
besteht aus einem langen, auf beiden Seiten offenen Cylinder, in dem 
sich zufolge der Wirkung des durch eine einzige in seiner Mitte ge- 
legene Oeffnung ein- und austretenden Dampfes zwei Kolben so auf 
und nieder bewegen, dafs sie abwechselnd zusammentreffen oder sich 
von einander entfernen. Die hin und her gehende Bewegung dieser 
Kolben überträgt sich mittels Stangen auf drei um 180° gegen einander 
versetzte Kurbeln der in dem Bockgestell gelagerten, doppelt gekröpften 
Schwungrad welle, so dafs die von den Kurbelstangen auf diese Welle 
ausgeübten, entgegengesetzt gerichteten Kräfte sich aufheben. 

Da der Dampf nur zwischen den beiden Kolben im Dampfcylinder 
arbeitet, sind Stopfbüchsen überhaupt nicht erforderlieh. Der untere, 
der Schwungradwelle am nächsten liegende Kolben bethätigt diese 
mittels Stange direkt, während der andere Kolben durch Stangen und 
Traverse mit einer auf dem äufseren Umfange des Cylinders gleitenden 



gg Dampfmaschinen der Pariser Wellausstellung 1889. 

Führung verbunden ist, au deren angegossenen bohlen Zapfen zwei mit 
der Schwungradwelle verbundene Stangen angreifen. 

Die Dampfvertheilung regeln zwei cylindrische, in einander ge- 
Bteekte entlastete Schieber, von denen der innere die Dauer der Dampf- 
einströmung in den C\ linder bestimmt und mit dem Regulator in Ver- 
bindung steht. Die Gleichförmigkeit der Bewegung dieses mit 400 bis 
500 minutlichen Umdrehungen laufenden Motors wird hauptsächlich 
dadurch erzielt, dafs der Schwerpunkt der bewegten Massen während 
des Ganges immer in ein und derselben Lage bleibt, der Dampf stete 
auf dieselben Kolbenflächen eine treibende Wirkung ausübt, .sowie iti 
den Köpfen der Kurbelstangen eingelegte Federn die Lager stets gegen 
ihre betreuenden Zapfen drücken und so jedes Spiel zwischen diesen 
beiden letzteren unmöglich machen. 

Die Maschine kann aufser mit Dampf auch mit comprimirter Luft 
als ein- oder auch zweicylindrige Maschine betrieben werden. 

Die von derselben Firma ausgestellte liegende Compoundmaschiue 
(System Socin und Wich) zeigte die folgenden Verhältnisse: 

Durchmesser des kleinen Cylinders 2700111 

„ „ groi'sen „ 400mm 

Gemeinschaftlicher Kolbenhub 550mm 

Umdrehungen in der Minute 80 

Effective Leistung 40 tP 

Die Dampfvertheilung des Hochdruckcylinders erfolgte, wie Fig. 23 
Taf. 6 veranschaulicht, durch zwei auf dessen Rücken liegende Einlafs- 
ventile, sowie zwei unter dem Cylinder angeordnete, rostartig durch- 
brochene Auslafsschieber. 

Die an dem Excenterbügel a befestigte Stange ist bei b mit der- 
jenigen eines kleinen Excenters c gelenkig verbunden und trägt an 
ihrem oberen Ende eine aus Stahl gefertigte Stofsplatte d, welche beim 
Zusammentreffen mit einer von zwei Hebeln ee getragenen ebensolchen 
Platte d das Heben des zugehörigen Einströmventiles veranlafst. 

Das Excenter c steht mit dem Regulator in Verbindung, und je 
nach der Lage des von ihm eingestellten Schwingungspunktes b bleuten 
die Stofsplatten dd längere oder kürzere Zeit mit einander in Berührung 
und gestatten dem zufolge gröfsere oder kleinere Füllungen. 

Die Bewegung eines jeden Auslafsschiebers wird durch ein Ex- 
center f vermittelt, dessen Stange um den Zapfen y schwingt und mit 
ihrem Ende an der Schieberstange h angeschlossen ist. Die Dampf- 
vertheilung des grofsen Cylinders regelt eine Doppelschiebersteuerung 
(System Meyer), welche, für ein bestimmtes Füllungsverhältnifs einmal 
eingestellt, eine Nachreguliruug dann nicht mehr gestattet. 

(Fortsetzung folgt.) 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Aufstellung in Bremen. 69 

Von der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung in Bremen 1890. 

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 277 S. 588.) 

Die Fischerei-Ausstellung. 

Die deutsche Seefischerei war bis zum Jahre 1866 in Folge der 
politischen und wirtschaftlichen, zersplitterten Verhältnisse und des ge- 
ringen Interesses der Nation für die Seegewerbe in ihrer Entwickeluno; 
gegenüber anderen Küstenstaaten erheblich zurückgeblieben. Auch die 
von Hamburg und den friesischen Inseln geübte Fischerei und Seefahrt 
hatte keinen langen Bestand, so dafs namentlich der das englische und 
holländische Gewerbe weit übersteigende Hamburger Wallfischfang in 
den nordischen Meeren fast völlig zurückging. Ebenso wurde der Fang 
und die Zufuhr des wichtigsten Seelisches, des Herings, mehr und 
mehr Sache der Holländer und später der durch die Annäherung der 
grofsen sommerlichen Fischzüge an ihre Küsten begünstigten Schotten. 
Auch die seitens der preufsischen Regierung im vorigen Jahrhundert ge- 
förderten Versuche. Emden zu einem grofsartigen Ausgangspunkte der 
Heringsgrofsfischerei in der Nordsee zu machen, scheiterten an der über- 
legenen Concurrenz der Holländer. 

Der Fang der übrigen als Nahrungsmittel in Frage kommenden 
Seetische in der Nähe der Küste war an der langgestreckten Ostsee- 
küfite im Wesentlichen ergiebiger als in der Nordsee, wo hauptsächlich 
nur auf Schellfisch Küstenfischerei seitens der Norderneyer und im Mün- 
dungsgebiete der deutschen Ströme getrieben wurde. Die Hochsee- 
fischerei wurde in der Nordsee ausschliefslich von Finkenwärder und 
Blaukeneser Ewern gehandhabt. 

Der Verbrauch des Frischfischfanges blieb, so weit der Fisch sich 
nicht zum Räuchern und Pökeln eignete, auf die Küstengebiete be- 
schränkt, weil es keine Möglichkeit gab, den frischen Fisch unverdorben 
auf den binnenländischen Markt zu schaffen. Der Landversand frischer 
Fische auf Eis und in besonders eingerichteten Wagen der Eisenbahnen 
wurde erst in letzter Zeit auch durch Einführung der Fischdampfer 
möglich, so dafs erst in allerletzter Zeit der Frischfischfang als Grofs- 
uewerbe zu betreiben ermöglicht ist. 

Die deutsehe Nordseefischerei konnte anfänglich nur langsam von 
den gebotenen Vortheilen Gebrauch machen, da Betriebskapital nicht 
sofort in erwünschtem Umfange zur Verfügung stand, die ersten gröfseren 
Fi>chereiunternehmungen in Bremen und Hamburg durch allerlei widrige 
Umstände zu Grunde gegangen waren, und das Publikum des deutschen 
Binnenlandes erst allmählich Geschmack an frischem Seefisch gewann. 
Das Hauptabsatzfeld, die volkreichen Städte, liegt in Deutschland zum 
Theil weit ab von der Küste, die Zufuhr wurde dadurch erschwert und 
vertheuert, die Bildung grofser Fischmärkte zurückgehalten. 



70 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

Lange schon waren in Deutsehland die für das deutsche Volkswohl 
strebenden Kreise sich bewirfst, dafs unsere Seefischerei, als ein für die 
Volksernährung wichtiges, für die Küstenbevölkerung lohnendes und 
auch für die maritime Wehrhaftigkeit bedeutsames Gewerbe, wieder ge- 
hoben weiden müsse. Im J. 1870 begann unter dem Protectorate des 
deutschen Kronprinzen der Deutsche Fischereiverein seine vielseitig 
fruchtbringende Thätigkeit, die sich zwischen der Ptlege der Süfswasser- 
und der Seefischerei theilte. Im Frühjahre 1872 veranstaltete derselbe 
in der neuen Markthalle am Schiffbauerdamm in Berlin die erste ,.Aus- 
. Stellung von Gerätschaften und Producten der See- und Binnenfischerei". 
Ihr folgte im J. 1880 die grofsartige internationale Fischerei-Ausstellung 
zu Berlin. Durch die Bildung der ,,Commission zur wissenschaftlichen 
Untersuchung der Deutschen Meere" in Kiel im J. 1870 wurde unserer 
Seefischerei ein wichtiges und, wie die reiche Wirksamkeit der Com- 
inissiun beweist, fruchtbringendes Förderungsmitte] geboten. In der Er- 
kenntnis, dafs für die Pflege unserer Seefischerei ein eigenes Organ ge- 
schaffen werden müsse, wurde im März 1885 unter dem Vorsitze des 
Regierungsrathes Herivig die Section für Küsten- und Hochseefischerei 
gegründet. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat dieselbe, dank der 
Unterstützung der Reichsregierung, welche die Summe von 100000 M. 
zur Förderung der Hochseefischerei in den Reichsetat, zuerst für 1886 87, 
aufnahm, uach den verschiedensten Seiten unsere Seefischerei wesent- 
lich gefördert, sie ist der Mittelpunkt für alle Bestrebungen in dieser 
Richtung geworden. Grofse Unternehmungen, wie die so dringende An- 
lage von Fischerhäfen an unserer Nordseeküste, wurden von ihr angeregt 
oder gefördert. Die Bildung von Kassen zur Versicherung von Fischer- 
fahrzeugen und ferner zur Unterstützung der Hinterbliebenen von Fischern, 
die Verbesserung von Fahrzeugen und Geräthen, das Studium der fremden 
Fischereien zur Förderung der eigenen, die Gründung einer Fischer- 
schule u. dgl. waren das Werk der Section. 

Besonders galt es, durch Untersuchungsreisen neue Fang- und 
Laichplätze des Seeherings aufzufinden, da das Uebergewicht der 
schottischen Heringsfischerei wesentlich sich darauf gründet, dafs die 
Heringszüge des Sommers in der Nähe der Küsten erscheinen. 

Jetzt führt Deutschland jährlich gesalzene Heringe fremden Fanges 
im Werthe von 30 Millionen Mark ein, welcher Summe gegenüber der 
Werth des eigenen Fanges im Betrage von 300000 M. gar nicht recht 
in Betracht kommt. 

Nach dieser Richtung hin ist also noch wesentlich Wandel zu 
schaffen und bedarf es in erster Linie der erwähnten Auffindung neuer 
Fangplätze. 

Der Reichthum der Nordsee an Fischen, namentlich an Kabeljau, 
Schellfisch, Dorsch, Zunge, welche in der Ostsee überhaupt nicht vor- 
kommen, ist vorzugsweise an den grofseu Bänken in weiterer Eutfer- 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 71 

uurjo - von der Küste zu suchen; die zur Fischerei verwendeten Fahr- 
zeuge sind daher gedeckte Seeschiffe, bemannt mit einer gröfseren Zahl 
von Leuten, ausgerüstet und verproviantirt für eiue längere Dauer, die 
Dampf- und Segelkutter für den Frischtischfang, die Logger für die 
Heringsfischerei in der hohen Nordsee. Die Küstenfischerei ist auf die 
Fischzäune (Argen oder Garden), in deren korbartiges Ende die von der 
Küste abströmende Fluth die Fische hineinführt, auf den Schellfischfang 
mit Leine und Angel im Herbst, Winter und Frühling, auf den mit 
verschiedenen Geräthen betriebenen Garneelenfaug und auf die in den 
Strommündungen stattfindende, zu Zeiten, besonders in der Elbe, in 
hohem Mafse lohnende Fischerei mit mannigfaltigen Geräthen, nament- 
lich den Hamen, beschränkt. 

Die Fischerbevölkerung findet sich vorzugsweise auf den friesischen 
Inseln, den Fischerdörfern Finkenwärder und Blankenese und au der 
schleswig-holsteinischen Westküste. Der verhältnifsmäfsig geringere 
Fischreichthum der Ostsee bietet sich dagegen vorzugsweise in der Nähe 
der Küsten und deren Buchten und Haffen, die zahlreiche Fischer- 
bevölkerung findet sich dort längs der ganzen weitgestreckten Küste; 
der Betrieb erfolgt meist in offenen Böten mit mannigfaltigen leichten 
Geräthen so nahe dem Lande, dafs letzteres leicht wieder erreicht 
werden kann. 

Für die Hochseefischerei der Nordsee sind die auf dem Grunde des 
Meeres von einem Fahrzeuge geschleppten Geräthe: Kurre und Baum- 
schleppnetz, zum Frischfischfang, das Treibnetz für den Herings- 
fang, die Leinen mit Angeln für den Schellfisch- und Kabeljaufang, 
die wichtigsten. In dem Küstenbetriebe der Ostsee spielen die Waaden — 
Geräthe, welche die Fische umspannen und die nach einer festen Stelle, 
Strand oder Boot, herangezogen werden — , sowie die Reusen eiue 
Hauptrolle. — 

Die Fischerei- Ausstellung — wie sie uns hier in Bremen gegenüber- 
tritt — kann nicht mit den früheren Veranstaltungen dieser Art, nament- 
lich nicht mit der grofsartigen Berliner Fischerei- Ausstellung in Ver- 
gleich gezogen werden. Jedoch gewährt diese Abtheilung trotz ihrer 
Kleinheit den erfreulichen Beweis eines unzweideutigen Fortschrittes der 
deutschen Grofstischerei. 

Die Heringsfischerei wird mit dem sogen. Netzfleeth betrieben. 
70 Netze zusammengefügt bilden die Netzfleeth (im Werthe von 10000 M.). 
Jedes der Netze hat eine Länge von 720 Maschen und eine Höhe von 
260 bis 290 Maschen, welche auf 16 Faden Länge und 8 Faden Höhe 
eingefafst sind. Jedes Netz ist mit der oberen Seite an einem 15 Faden 
langen zolldicken sogen. Sperrreep mittels 120 Bändsei so befestigt, dafs 
die Netze noch etwa 6 Zoll vom Sperrreep entfernt sind. Die 70 Sperr- 
reepe, an denen die Netze hängen, sind mit sogen. Flotten oder Schwim- 
mern versehen und unter einander verbunden. Die Sperrreepe hängen 



72 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

wieder durch die Zeisinge von je 4V. 2 Faden Länge au dem Fleethreep, 
einem armdicken Tau von 1200 Faden Länge uud 4800 Pfund Schwere. 
Dieses Fleethreep. das Rückgrat des ganzen mächtigen Netzapparates, 
hängt an 70 an der Oberfläche des Meeres treibenden Tonnen oder 
Bojen, den sogen. Brails, von denen einzelne durch eingesetzte kleine 
Flaggen leicht kenntlich sind. Die Gesammtzahl der Maschen, in denen 
sich der in Schwärmen schwimmende Hering mit seinen Kiemen fängt 
beziffert sich auf 15 Millionen in dieser Netzfläche. 

Ein solches Netzfleeth wird von sogen. Loggern aus bedient, von 
denen die Emdener Ueringsfischerei-Acliengesellscftaft ein Modell in 1; l0 der 
Naturgröfse vorführt. 

Der Logger (lougre, eine französische Verbesserung) ist das moderne 
Fahrzeug für den Heringsfang in der hohen Nordsee, es hat die früheren 
schwerfälligeren Schi (l's formen der alten holländischen Nordseefischer, 
die Buisen und Hoeker, derart verdrängt, dafs z. B. in der holländischen 
Heringsfischerflotte im J. 1888 neben 186 Loggern nur noch 8 Fahr- 
zeuge der älteren Form auf den Fang ausgingen. Die Emdener Gesell- 
schaft hat gegenwärtig 17 Logger in Betrieb. Es sind zweimastige 
Fahrzeuge von etwa 100 britischen R.-T. Tragfähigkeit. Vorn befindet 
sich das sogen. Kabelgatt zur Aufbewahrung für die Ankerreepe, weiter 
das Volkslogis und darauf verschiedene Abtheilungen zur Bergung der 
Heringstonnen. Hinter diesen folgt ein Fischraum zur ersten Aufnahme 
des aus dem Treibnetze herausgeschüttelten Herings, ferner eine Ab- 
theilung für die Netze, sowie eine andere zur Bergung von Segeln, 
Tauwerk und anderem Inventar. Vor dem Achtersteven liegt eine kleine 
Kajüte für Schiffer und Steuermann. Alle Abtheilungen haben Luken. 
Zu jeder Seite des Fischraumes befindet sich eine mit der Verschanzung 
verbundene grofse offene Backe, „Krippe 11 genannt. Auf der Kehling — 
in der Mitte dieser Krippen — ist an beiden Seiten des Schiffes je ein 
mit Rollen versehenes Fallreep. Die Besatzung eines Loggers besteht 
aus dem Schiffer, dem Steuermann, 8 Matrosen, 3 Leichtmatrosen und 
2 Jungen, zusammen 15 Mann. Ihre Functionen beim Fange, der ganz 
in holländischer Weise mit den gleichen Netzen betrieben wird, sind 
gewissermafsen auch durch historische Ueberlieferung, wie es scheint, 
für alle Zeiten festgesetzt. Da sind die „Spillläufer", die „Wantsteher^, 
die „Wanteinnehmer", die „Reepschiefser" u. a. m. Jeder Logger — 
ohne Ausrüstung einen Werth von gegen 25 bis 30000 M. darstellend — 
kann 3 bis 4 Reisen machen. Der Verdienst der Fischer richtet sieh, 
wenigstens zum Theil, als sogen. Part oder Antheil nach dem Ertrage 
der Fischerei, deren Werth natürlich wiederum von den Marktpreisen 
des Herings abhängig ist. Der grofse Masseufaug der Heringe geschieht 
bekanntlich an den schottischen Küsten, namentlich der schottischen 
Ostküste, wo der Hering im Sommer erscheint und bei Hunderten von 
Millionen gefangen wird. Der Betrieb ist dort ein einfacherer und 



Nordwesfcdeuteche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 73 

billigerer. Die Emdener Heriugstischereigesellschaft ist gewissermafsen 
das Schmerzenskind unserer Fischerei : obwohl durch zinsfreie Darlehen 
der Regierung wie durch Bau- und Ausrüstungsprämien unterstützt, ist 
es ihr, zum Theil unter den Einwirkungen einer früheren Mifsverwal- 
tuns;, noch nicht gelungen, auf einen grünen Zweig zu kommen. Der 
Fans; mit 17 Loggern im letzten Betriebsjahre betrug 11127.' zu einem 
Werthe von 313178 M. Die holländische Loggerflotte besteht aus nicht 
weniger als 200 Stück. Die Häfen Schottlands schicken sogar in deu 
Sommermonaten 15000 kleinere Fahrzeuge zum Heringsfange aus. 

Der Frischtischfaug wird in der Nähe der Küste mit Angeln und 
auf der See mit dem sogen. Schleppnetz ausgeführt. Letzteres besteht 
aus einem durch eiserne Klammern, sogen. Klauen, vorn aus einauder 
gehaltenes Sacknetz, das von dem Fahrzeuge aus auf dem Meeresgrunde 
geschleppt wird und in seine Oeffnung schöpft. Dieses Fischgeräth 
nennt der Fischer die Kurre. Dasselbe ist ein 19 m langer, sich nach 
hinten verjüngender Sack aus Garnmaschen, der vorn an der Oeffnung 
bei den ihn aus einander haltenden Klauen an dem 10 m langen und 
16 cm starken Kurrbaum hängt. Die etwa 40 k schweren Kurren werden 
bei der Arbeit noch mit Gewichten beschwert. 

Zur Bedienung dieser Kurren werden sogen. Ewer benutzt. Die 
Kutterewer haben eine Kiellänge von etwa 17 ra , eine Breite über Deck 
Ton fast 6 m und eine Tiefe von 2 m ,08. In der Mitte des Ewers be- 
findet sich die Bunge oder Büne, eine Abtheilung, welche durch schräg 
in den Boden eingebohrte Löcher dem Seewasser zugänglich ist und 
worin die lebendig zu erhaltenden Fische aufbewahrt werden: daneben 
hat jetzt jeder Ewer Eisbehälter, die 1500 bis 3000 Pfund Eis fassen. 
Diese Ewer, bedient von 3 bis 4 Mann, fangen mit solcher Kurre ver- 
hältnifsmäfsig ebenso viel Fische , als die in neuerer Zeit von Geeste- 
münde und Hamburg aus in Betrieb gesetzten Dampfer (gegenwärtig 22) ; 
sie bewahren ihren Fang auch sorgfältig in Eis, oder in der Bünn, einem 
abgeschlossenen Räume unter Deck, der, an der Aufsenseite durchlöchert, 
vom Seewasser durchströmt wird, lebend auf, allein die kostspieligen 
von 15 Mann bedienten grofsen Fischdampfer bringen doch allwöchent- 
lich weit gröfsere Massen frischer Seetische, namentlich die verschiedenen 
Platttischarten, Schelltische, Kabeljau u. a. zu Markt. 

Die Zahl der Ewer und Kutterewer, von denen auf der Ausstellung 
eine ganze Reihe von ausgezeichneten Modellen u. A. von Junge in 
Wewelsfleth zu sehen sind, hat sich in den letzten Jahren nicht ver- 
mehrt, während die Fischdampferflotte in ganz kurzer Zeit sich erheb- 
lich gemehrt hat und noch in diesem Jahre neue Dampfer hinzu- 
gekommen sind. 

Die innere Einrichtung dieser Dampfer, welche auf den Werften 
von Tecklenborg in Geestemünde und Wenke in Bremerhaven erbaut, zum 
Theil auch in England gekauft wurden, zeigt das Modell des bei Wenke 



74 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie- Ausstellung in Bremen. 

in Bremerhaven erbauten Präsident Herwig. Den gesammtea Fischerei* 
betrieb an unseren Küsten und in der hohen Nordsee zeigen die sehr 
hübsch gearbeiteten Modelle, welche der Fischereiverein für den Kreis 
Norden ausgestellt hat : Wir sehen hier die Treibnetztischerei auf Hering, 
die Schleppnetzfischerei und den Fang des Schellfisch und Kabeljau mit 
Leine und Angeln durch die bekannten von Norderney, Norddeich, 
Spiekeroog, Neu-Harlinger-Siel, Carolinen-Siel und benachbarten kleineu 
Küstenplätzen ausgehenden, von drei Mann bedienten Slupen. 

Die weitere Küstenfischerei an der Nordsee geschieht mit kleinen 
Kurren, ausgelegten Körben und sogen. Schiebenetzen auf Granat oder 
Garneelen, jene beliebten Seekrebse, welche, leicht dem Verderben aus- 
gesetzt, in frischem Zustande nicht weithin verführt werden können, 
neuerdings jedoch durch eine Fabrik in der oldenburgischen Stadt Varel 
in Conservenbüchsen präparirt, weithin versandt werden. Die Garueelen- 
tischerei, wie der mit den sogen. Argen oder Aggen betriebene Fisch- 
fang ist ein Kleinbetrieb, der verhältnifsmäfsig nur geringe Auslagen 
erfordert, daher recht eigentlich eine Beschäftigung der Unbemittelten. 

Die Agge oder Arge ist ein im Zickzacke längs und nahe der Küste 
aufgestellter Fischzaun aus Weidengeflecht, dessen äufserste nach See 
zu gelegene Spitze in einem mit der Oeffnung dem Lande zugewendeten 
Korbe endigt. Die ablaufende Fluth führt die Fische längs dem Zaune 
hin und zuletzt in den Korb. Bei Ebbezeit naht der Fischer mit seinem 
Schlickschlitten und birgt den Fang durch Ausschütten des Inhaltes in 
mitgebrachte Behälter. Da auch die Aggenfischerei nur im Herbst, 
Winter und Frühjahr stattfindet, so wird dieses Geräth in jedem Sommer 
beseitigt und im Herbste erneuert. 

Zu den Geräthen der Küstenfischerei gehören auch die Hamen oder 
Küls (Modell von Romann in Leerort), wie wir sie im Dollart und der 
von den Tiden berührten Unterems, aber auch in unserer Weser, bei 
Elsfleth uud Brake, sehen. Es sind das an eingerammten Pfählen be- 
festigte grofse Sacknetze, in welche der Fluth- bezieh. Ebbestrom die 
Fische hineinführt und welche rechtzeitig von einem Boot aus entleert 
werden. 

Bei der eben erwähnten Küstenfischerei ist es unvermeidlich, dafs 
eine Menge kleiner untermafsiger Fische aufgefangen werden und ver- 
loren gehen. Das Gleiche ist auch der Fall bei der Dampferfischerei 
mit dem Baumschleppnetz. Es ist das Verdienst der Section für Küsten* 
und Hochseefischerei, auf die Verwerthung dieses sogen, bisher achtlos 
fortgeworfenen Nebenfanges für Düngerzwecke der Landwirt hschafl auf- 
merksam gemacht und die Verwirklichung solchen Fortschrittes ein- 
geleitet zu haben. 

Unter die Küstenfischerei gehört auch der Störfang. Derselbe wird 
in dein unteren Laufe der zur Nordsee fliefseuden Ströme, also namentlich 
in der Unterems, der Unterweser und der Unterelbe, ferner in und vor 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 75 

den Mündungen der kleineren Gewässer der schleswig-holsteinischeu 
Westküste (Eider und Stör) betrieben. Am lebhaftesten ist der Fang 
in der fischreichen Unterelbe. Sowohl von der Ems als von der Elbe 
sind die sämmtlichen Geräthe, als: Theil eines Störnetzes, Holzboje, 
Leuchtboje, Störhauer, Störtaue und Modelle des Betriebes in mehreren 
Gruppen von Homann zu Leerort, von Mohr zu Glückstadt und von 
Albers zu Neuendeich vertreten. Je nach der Oertlichkeit, wo das Netz 
Anwendung linden soll, haben die Störnetze eine gröfsere oder geringere 
Länge. In der Regel sind sie etwa 100 Faden laug. Das wie bei den 
Heringsnetzen mit Katechu getränkte Netz ist aus starkem Garn mit 
Maschen von 16 bis 18 cra Weite und wird durch sogen. Pümpel (Bojen), 
welche mittels Leinen an dem oberen Rande des Netzes befestigt sind, 
im Wasser getragen, derart, dafs auf 200 Faden Netzlänge 100 Pümpel 
kommen. Diese ebenfalls ausgestellten Pümpel sind flaschenförmig aus 
leichtem Holze gefertigt und etwa m ,5 lang. Sie sind schwarz oder 
schwarz und roth angestrichen. Das Netz wird von einem offenen 
Boote, das von 2 Mann besetzt wird, ausgebracht. Durch die eigene 
Schwere niederhängend, treibt es mit der Strömung: seine Lage ist für 
die Fischer durch eine am Ende des oberen Theiles des Netze*, dem 
sogen. Obersimm, befestigte Boje, auf welcher bei der Nachtfischerei 
eine Laterne angebracht wird, kenntlich. An der Bewegung der Pümpel 
gewahrt der Fischer, dafs sich ein den Strom heraufkommender Stör 
in das lose treibende Netz eingewickelt hat. Mit Hilfe des sogen. Stör- 
hauers wird dann vorsichtig das Netz und mit ihm der Stör aufgenommen. 
Später wird der Fisch mit Tauen am Boote befestigt. Das eine Tau 
zieht man durch Maul und Kiemen , das andere legt man um den 
Schwanz. 

Auch die Geräthe zur Bereitung des Caviars, Reiben und Siebe, 
sind von Mohr in Glückstadt ausgestellt. Wenn diese Fischerei ober- 
halb der Flufsmündungen als gefahrlos bezeichnet werden kann, so ist 
sie es durchaus nicht immer draufsen vor den Flufsmündungen, z. B. 
auf dem Norderwatt vor der Elbmüudung. Es ist dann erforderlich, 
dafs ein gedecktes Fahrzeug, ein Ew r er, in der Nähe der vom Boote 
aus mit dem Netze fischenden Leute liegt. Bei plötzlich eintretendem 
schlechten Wetter vermag das Boot das Fahrzeus oft nicht mehr zu 
erreichen und geht verloren. 

Nach der preufsischen Ministerialstatistik aus den Jahren 1883 und 
1S84 wird die Fischerei an der Unterems, hauptsächlich von Oldersum. 
von Leerort, Terborg, Critzum, Ditzum und Jemgum, au der Unterwe.-ei 
auf der Strecke von Lienen bis Grofsen-Siel und am preul'si.scheu Ufer 
von Rechtentleth aus betrieben, doch werden hier die Störe auch iu 
Hamen gefangen. Prof. Metzger gibt für 1884 die Zahl der Störnetze 
für die Elbe auf 256, für die Weser auf nur 18 an. In guten Jahren 
betrug der Störläng der Unterelbe und Elbmündunseu wohl an 8000 Störe. 



7ti Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

Unter den zahlreich vertretenen Gerathen der Fischerei der Unter- 
elbe, deren Fahrzeuge besonders die Altemvärder Ewer sind, ist noch 
das greise Buttnetz hervorzuheben. Dasselbe ist unter anderen von 
( . Marquart, Fischer in Finkenwärder, mit Zubehör (Draggen oder 
Anker und Knüppel mit Tauen) ausgestellt. Es dient als Zug- wie 
als Treibnetz zum Fange von Butt, Schnäpel, Maitisch und anderen 
Fischen. Fahrzeuge der Elbtischerei sind in Altenwärder nach einem 
bei Kroger in Blankenese kürzlich erschienenen Verzeichnifs 55, in 
Finkenwärder 26, in Neuhof 10, in Krusenbusch 1, in Cranz 2, in Este- 
brügge 1. 

Dafs die Hochseelischerflotte der Untereiborte sich trotz des stei- 
genden Verbrauchs vou frischen Seefischen nicht gemehrt hat, liegt an 
der steigenden Concurrenz der Fischdampfer. Diese 1883 auf der 
grofsen Londoner Fischereiausstellung in Modellen vorgeführten Fahr- 
zeuge wurden zuerst in Nordamerika bei der sogen. Menhadentischerei 
mit grofsem Erfolg verwendet. Von da aus fand deren Einführung in 
England und Frankreich statt, wo man bisher nur Fischtransport- 
dampfer behufs Uebernahme des Fanges der Fischerflotte in See und 
schnelle Heranführung desselben zum Markte (London, Hüll, Grimsby) 
kannte. Im Frühjahr 1885 wurde für Rechnung der Fischhandelsfirma 
F. Buue in Geestemünde der erste deutsche Fischdampfer Sagitta auf 
der Werft von F. W. Wenke in Bremerhafen erbaut. Die Ausstellung 
zeigt uns Modelle dieses und dreier anderer auf dieser Werft erbauten 
Dampfer (Präsident Herwig, Sophie und Makrele). Gegenwärtig sind 
von Geestemünde, Bremerhaven, Hamburg, Altona und Cranz bereits 
22 Fischdampfer in Betrieb. Die bei weitem gröfste Zahl fällt auf 
Geestemünde und Bremerhafen. Auch die Werft von Joh. C. Tecklenborg 
in Geestemünde hat eine Reihe dieser Fischdampfer erbaut. Dieselben 
haben eine Länge von etwa 30 m , eine Breite von 7 m und eine Tiefe 
von 4 m . Der Schiffskörper ist aus Eisen hergestellt bis auf das Deck, 
welches aus Yellowpine besteht, über dem Maschinen- und Kesselraum 
jedoch aufserdem mit Eisen unterzogen ist. Vier wasserdichte eiserne 
Querschotte theilen den Schiffsraum in fünf Abtheilungen, deren jede 
durch eine Rohrleitung mit den Maschiuenpumpen verbunden ist. Die 
hintere Abtheilung dient als Raum für Ballast, Kabelgat u. s. w., die 
zweite enthält die Kabinen für den Kapitän, den Steuermann und die 
Maschinisten. In der dritten Abtheilung sind Maschinen, Kessel und 
Kuhlen untergebracht, ferner ein Behälter für Kesselspeisewasser ; in 
der vierten Abtheilung befindet sich der Laderaum, sowie ein Verschlag 
für Netze, Segel, Leinen u. s. w. und in der vorderen endlich das Mann- 
schaftslogis. Die Kosten der Herstellung eines Fischdampfers betragen 
100000 bis 120000 M. Auf in der Regel achttägigen Reisen werden 8000 
bis 12000 Pfund Fische angebracht. (Es liegt hier das Ergebnifs von 
zwei solcher Fischdampferreisen aus dem Monat Januar 1889 vor. Die 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 77 

eine Reise vom 16. bis 27. Januar lieferte 11834 Pfund, und die andere 
vom 22. bis 28. Januar 12298 Pfuud.) Die Besatzung der Fischdampfer 
beträgt 13 bis 14 Manu, ihre Löhnung besteht theils iu festen Gagen. 
theils im Antheil am Fange. Das Geräth dieser Dampferfischerei ist 
das englische Baumschleppnetz, eine grofse Kurre von bis 150 Fufs 
Lauge. Diese Netze werden von England bezogen. 

Noch seien bezüglich der Nordsee die vorzüglichen Modelle der 
Bauten für den neuen Schutz- und Liegehafen auf Norderney und in 
Norddeich, dem der Insel gegenüberliegenden Theile des Festlaude.-. 
erwähnt. Diese Bauten bilden ein zusammenhängendes Ganze, die An- 
lagen iu Norderney sind fast vollendet, während das Werk in Norddeich 
im Sommer 1891 fertig gestellt werden soll. In Bezug auf Fischerei- 
häfen waren wir bisher im Vergleich zu Dänemark, England und Hol- 
land ungünstig gestellt, es fehlte an solchen Anlagen, deren Ausführung 
allerdings bei der eigentümlichen Beschaffenheit unserer Küsten grofse 
Schwierigkeiten bietet und erhebliche Kosten verursacht. Der Norder- 
neyer Hafen soll bequeme Lösch- und Ladeplätze bieten und als ein 
sicherer Zufluchts- und Liegehafen bei stürmischem Wetter und im 
Winter dienen. Dazu ist die breite Hafenrinne geschaffen, welche für 
kleine Schifffahrt auch bei Niedrigwasser genügende Tiefe hat Um 
diese Wassertiefe dauernd zu erhalten, schliefst sich an die Hafeurinue 
ein etwa 1200 m langes und 800 m breites Spülbecken. Im Modell ist 
dasselbe wasserfrei dargestellt. Es füllt sich bei jeder Fluth bis zu 
einer bestimmten im Modell bezeichneten Linie mit Wasser, das durch 
die Hafenrinne zu und ab strömt und letztere mittels solcher Spülung 
tief erhält. 

Auch die an sich nicht sehr bedeutende deutsche Austernzucht 
und die Austernfischerei ist auf der Ausstellung vertreten. Neben dem 
Austernschraper. einem schweren eisernen Scharrnetz, welches zum 
Austernfang dient, findet sich ein Modell eines Sylter Austernfischer- 
Fahrzeuges, wie solche im nordfriesischen Watteumeer zur Befischung 
der dortigen fiskalischen Bänke benutzt werden. Diese Bänke, die 
durch Ueberfischuug stark entvölkert waren, werden seit einigen Jahren 
völlig geschont und sollen erst im kommenden Jahre dem Fange wieder 
zugänglich gemacht werden. 

Aus den Austernbassins in Husum, woselbst seit einiger Zeit Austern 
gezüchtet werden, sind lebende zwei-, drei- und vierjährige Austern 
geschickt worden, welche in mit vieler Mühe hergerichteten Aquarien 
vorgeführt werden. Die Tysnaes Oesiers Co. zu Bergen in Norwegen 
hat für die Ausstellung eine Anzahl von bildlichen Darstellungen, von 
getrockneten Austern verschiedenen Alters, von Brutsammlern u. e. w. 
zur Verfügung gestellt, welche insgesatnmt ein vollkommenes Bild der 
seit den Jahren 1880 und 1884 in den Zuchtteichen bei Espevig und 
Seloe unweit Bergen betriebenen Cultur geben. In diesen Teichen 



78 Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 

wird die Austernbrut auf ausgehängten Birkenreisern und leeren Muschel- 
schalen gesammelt, auf denen man sie meist ein Jahr lang beläfst, um 
sie dann auf den Bänken des freien Wassers auszusetzen. 

Neben den Austern verdient die Muschelzucht Erwähnung, welche 
besonders an der schleswig-holsteinischen Ostküste fortgesetzt an Be- 
deutung gewinnt und speciell in Apenrade und Eilerbeck sich auf der 
Höhe belindet. Während man an den Nordseekiisten die Muscheln 
einfach vom Boden sammelt, ohne noch besonders auf die Lagerung 
der Thiere zu achten, oder bestimmte Zeiten, in denen die Thiere am 
besten genährt sind, für das Sammeln zu bevorzugen, weifs man an 
der Ostsee diese Dinge zu beachten. Man setzt Bäume als Brutsammler 
ins Wasser, welche nach 3 bis 4 Jahren zur Frühjahrszeit, wo die 
Muscheln der Geschlechtsreife entgegengehen und im besten Ernährungs- 
zustande sind, gezogen werden. Die Muscheln sind nicht blofs frisch 
gekocht oder gebacken, sondern auch als Marinade eine sehr beliebte, 
wohlschmeckende und auch nahrhafte Speise. (Fortsetzung folgt.) 



Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues 
Desinficiens; von C. Engler. 

(Schlafs des Berichtes S. 26 d. Bd.") 

Im Anschlüsse an die vorstehende Arbeit von Engler lassen wir 
noch einen die Hauptpunkte berücksichtigenden Auszug aus der oben 
erwähnten Abhandlung von Schottelius (Vergleichende Untersuchungen 
über die desinficirende Wirkung einiger Theerproducte. Münchener Medici- 
nische Wochenschrift, 1890 Nr. 20) folgen: 

Um zu prüfen, ob ein Unterschied bestehe bezüglich der des- 
inticirenden Kraft zwischen Lysol II und Lysol III, wurden folgende 
Versuche angestellt : 

Von einer alten in Bouillon gewachsenen Typhuscultur und von 
einer ebensolchen frisch gewachsenen wurden gleiche Theile vermischt 
und in ein sogen. Patenttropffläschchen gefüllt, davon wurden je zehn 
Tropfen in neun Pasteur" sähe Culturkölbchen abgezählt, von denen jedes 
10 cc steriler Bouillon enthielt. Zu diesem Gemische alter und frisch 
vegetirender Typhusbacillen setzte ich sowohl von Lysol II als von 
Lysol III Lösungen von verschiedenen Concentrationsgraden zu uud liefs 
dieselben 20 Minuten lang einwirken. Die Menge der zugesetzten Des- 
infectionsflüssigkeit betrug jedesmal 5 CC . 

Zur weiteren Beobachtung wurden nach Ablauf der 20 Minuteu von 
jeder Probe vier Gelatineplatten gegossen, von denen die erste in 
10 cc Fleischinfusgelatine l cc der mit dem Desinticiens versetzten Typhus- 



Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 79 

bacillen-Bouillon enthielt, die zweite Platte wiederum l cc der ersten, 
die dritte CC ,5 der zweiten und die vierte CC ,25 der dritten. 

Bei gleich mäfsiger Vertheiluug der Typhusbacillen in der Bouillon 
und iu der Nährgelatine, welche bei gründlicher mechanischer Mischung 
wohl zu erreichen ist, mufste sich daher die Zahl der auf der vierten 
Platte enthaltenen Keime zu der der ersten wie 1 : 8000 verhalten. 

In ganz gleicher Weise wurde aufser an Typhusbacillen die Wirkung 
des Lysols bezieh, der Unterschied der beiden übersandten Sorten an 
Cholerabacillen und au Milzbrandblut vom Rind geprüft, welches einem 
sehr acut verlaufenen Falle entstammte, aber aufser Milzbrandbacillen 
bereits einige Verunreinigungen enthielt. 

Von jeder Versuchsreihe wurde zur Controle der Anzahl keim- 
fähiger Spaltpilze ein mit den desinficirten gleichzeitig beschicktes 
Bouillonkölbchen mittels des Plattenverfahrens auf die in l cc enthaltene 
Spaltpilzmenge geprüft und zwar durch vier Platten zu je 10 cc Nähr- 
gelatine, welche die oben angegebenen Verdünnungsabstufungen ent- 
hielten. 

Das Ergebnifs dieser Versuchsreihen liegt in folgenden Tabellen vor: 

Tabelle I. Typ h u s. 

Cultur: 10 Tropfen, Bouillon: 20cc, Desinficiens: 5cc. 
Zeit: 20 Minuten. 





locc ent- 








Proc. 


hielten vom 
Desinficiens 


Lysol II 


Lysol III 


Controle 


1.0 


0g,05 


ganz frei 


ganz frei 


In je lOcc Nähr- 


0,5 


0g,025 


sehr zahlreiche 
kleine Colonien 


sehr zahlreiche 
kleine Colonien 


gelatine 


0,25 


0g,0125 


zahllose Colonien 


zahllose Colonien 


lcc ; 1 ; 0,5 : 0.25 


0,1 


0g,005 


!> )) 


» ii 


auf Platte IV 280 Co- 
lonien, daher im 
cc : etwa 2240000 
Keime. 



Tabelle IL Cholera. 

Cultur: 10 Tropfen, Bouillon: 20cc, Desinficiens: 5«\ 
Zeit: 20 Minuten. 



Proc. 


1öcc ent- 
hielten vom 
Desinficiens 


Lysol II 


Lysol III 


Controle 


1,0 

0,5 
0,25 

0,1 


0g,05 
0g,025 

(K0125 

0g,005 


ganz frei 
zahllose Colonien 
verflüssigt 


ganz frei 
zahllose Colonien 
verflüssigt 


lcc : 1 : 0,5 : 0,25 

auf Platte IV etwa 
500 daher in 
etwa 4 000000. 



80 



Die Tüeerölseifenlösnngen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 



Tabelle III. F a u 1 es M i i z h r a n d b I u t. 

C'ultiir: 10 Tropfen. Bouillon: 2i>' . Desinficiens: 5 , 
Zeit: 20 Minuten. 



Proc. 


15 cc ent- 
hielten vom 
Desinflciens 


Lysol II 


Lysol III 


Controle 


1,0 

0,5 

0.25 
0,1 


0g,O5 
08,025 

0g,0125 
08,005 


etwa 350 

vertlüssigt 

n 


etwa 350 
vertlüssigt 


lcc : l : 0,5 :0,25 

Auf Platte IV bereits 
nach 24 Stunden 
zahllose, nach 36 
bis 48 Stunden 
vertlüssigt. 



Ans diesen Tabellen geht hervor, dafs ein Unterschied in der des- 
iiiticireuden Kraft der beiden Lysolarten nicht besteht. 

In je 100 cc des mit lprocentiger Lösung versetzten Bakterien- 
gemischee waren 0,333 u. s. w. Lysol enthalten; diese Menge genügte, 
um bei Typhus und bei Cholera in Zeit von 20 Minuten die in grofser 
Menge — im Cubikcentimeter 2 bis 4 Millionen — vorhandenen lebens- 
fähigen Keime zu tödten, während in dem faulen Milzbrandblut Bak- 
terien vorhanden gewesen sein müssen, welche der Einwirkung des 
Desinficiens in der angewandten Concentration widerstanden. Immerhin 
ist auch hier ein Erfolg des Lysols nicht zu verkennen, indem die 
Gontrolplatte IV nach 24 Stunden bereits zahllose Colonien enthielt, 
während die mit lprocentiger Lysollösung versetzten Platten nach 
mehreren Tagen nur zwischen 300 bis 400 Colonien zeigten. 

Die in den Tabellen mitgetheilten und einige andere vorläufig au- 
gestellte Versuche geben überdies annähernd einen Mafsstab für die 
Gröfse der desinticirenden Kraft des Lysols. 

Die anzustellende Untersuchung über die bakterientödtende Kraft 
des Lysols gegenüber anderen Desinficientien konnte daher von einiger- 
mafsen bestimmten Gesichtspunkten aus geleitet werden. Die drei 
Factoren, welche überhaupt mafsgebend sind für die Bestimmung der 
Desinfectionskraft irgend eines Stoffes und deren Wechselwirkung bei 
einem Vergleich verschiedener Desinfectionsmittel unter einander in 
Rücksicht zu nehmen ist, bestehen: 

1) in dem Conceutrationsgrade bezieh, der Menge des betreffenden 
Desinficiens und in der Art seiner Vertheilung; 

2) in der zeitlichen Einwirkung desselben-, 

3) in der Bakterienart und seiner Entwickelungsform, auf welche 
das Desinfectionsmittel einwirken soll. 

Was den ersten Punkt betrifft, so kann wohl als feststehend an- 
erkannt werden-, dafs eine „Lösung" als feinste Art der Vertheilung die 
günstigsten Bedingungen bietet für die Einwirkung von Desiufections- 



Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinflciens. 81 



tuitteln auf flüssige oder feste Ma- 
terialien: die Bedingung erfüllt das 
Lysol, indem es sich in beliebigen 
Concentrationsgraden dauernd als 
klare Lösung erhält. 

Bezüglich der zeitlichen Ein- 
wirkung von Desinfectionsmitteln ist 
besonders von praktischer Bedeutung, 
einmal den Concentrationsgrad ken- 
nen zu lernen, welcher eine sofortige 
Vernichtung der lebensfähigen Spalt- 
pilze und ihrer Dauerformen zur 
Folge hat und weiterhin die ge- 
ringste Menge zu kennen, welche in 
einer praktischen Bedürfnissen ent- 
sprechenden Zeit eine Tödtung der 
Bakterien bewirkt. 

Als Zeit der Einwirkung des Des- 
inticienten auf die zu desinficirenden 
Flüssigkeiten wurde durchschnittlich 
ein Zeitabschnitt von 20 Minuten 
gewählt, da dieser Zeitraum dem 
praktischen Zwecke einer raschen 
Desinfection noch entsprechen kann 
und nachdem sich gezeigt hatte, 
dafs eine verhältnifsmäfsig sehr ge- 
ringe Menge des neuen Desinfections- 
stoffes genügt, um während dieser 
Zeit auch die Dauerformen der wider- 
standsfähigsten Spaltpilze zu ver- 
nichten. Xur mit Milzbrandbacillen 
und Milzbrandsporen wurde eine Aus- 
nahme gemacht und dieselben einer 
eingehenden Prüfung auf ihr Ver- 
halten gegenüber einer verschieden 
langen Dauer der Einwirkung des 
Lysols und der diesem nahestehen- 
den Desinficientien unterzogen: zu- 
meist deshalb, weil in den Arbeiten 
über die Wirkung von Desinfections- 
mitteln gewöhnlich gerade die Milz- 
brandbacillen und -Sporen zum Aus- 
gangspunkte der Untersuchungen 
genommen werden. 

Uiaglers polyt. Journal Bd. 278 Nr. 2. 18901V. 















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82 Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 

Neben dem Lysol und gleichzeitig mit demselben kamen die syn- 
thetische Carbolsäure, die officinelle Carbolsäure und Pearson's Kreolin 
zur Untersuchung, da es sich wesentlich um einen Vergleich der aus 
dem Steinkohlentheer gewonnenen Desinficientien handelte. Im Ver- 
laufe der Versuchsreihen zeigte sich, dafs ein wesentlicher Unterschied 
in der desinficirenden Kraft der synthetischen und der officinellen Carbol- 
säure nicht besteht, wefswegen nur mehr Carbolsäure, Kreolin und Lysol 
in den Bereich der Versuche gezogen wurden. 

Die Ergebnisse der angestellten Versuche werden durch die nach- 
folgenden Tabellen in übersichtlicher Form wiedergegeben. 

Tabelle IV und V zeigt die anzuwendenden Mengen der Desinfec- 
tionsmittel, welche für die zu Grund gelegte Flüssigkeitsmasse (25 cc ) eine 
sofortige Vernichtung aller lebendigen Keime zur Folge haben: 

Tabelle V. . Typhus. 

Cultur: 10 Tropfen; Bouillon: 20cc; Desinficiens: 5cc. 





Das Material 

enthielt vom 

betr. Des- 

inflcietis in: 


Acid. carb. 

offic. 

Platten 


Kreolin 
Platten 


Lysol 
Platten 


Controle 

lcc : l:l/ 2 :l/ 4 


Proc. 


25cc 


lOOcc 


1 | 2 | 3 | 4 


1 1 2 | 3 | 4 


1 | 2 | 3 | 4 




1,0 

1,5 

5,0 
10,0 


0g,05 

0g,075 

0g,25 
0g,5 


0g,2 

0g,3 

lg,0 
2g,0 


Wie auf der 
Controle 

ii 

ii 


Wie auf der 
Controle 

ii 

ii 
stark ge- 
wachsen 


Wie auf der 
Controle 


Auf Platte IV 

etwa 360 
daher im cc: 

etwa 2880000 



Zu obiger Versuchsreihe wurde der Staphylococcus pyogenes aureus 
und Typhusbacillen gewählt, weil diese beiden Spaltpilzarten Repräsen- 
tanten einer leicht und einer schwer zu vernichtenden Bakterienart dar- 
stellen. Aus der weiter unten mitgetheilten Tabelle Nr. VI geht hervor, 
dafs die verschiedenen Spaltpilzarten mit ihren üauerformeu durchaus 
nicht gleichartig gegenüber den verarbeiteten Desinfectionsmitteln sieb 
verhalten, sondern dafs einige sehr empfindlich, andere widerstands- 
fähiger gegen dieselben sind. Ein verhältnifsmäfsig leicht zu zerstörender 
Spaltpilz ist eben der Staphylococcus pyogenes aureus, während die 
Typhusbacillen — wohl in ihren Dauerformen — zu den am schwersten 
zu vernichtenden Spaltpilzen gehören. 

Dem entspricht auch ihr Verhalten bei dem Versuch sofortiger 
Tödtung, da der Staphylococcus pyogenes aureus schon bei Zusatz von 
5 CC einer l,5procentigen Lysollösung vernichtet war, während die Typhus- 
bacillen bei dieser Menge noch unbeeinflufst wuchsen und erst durch 
eine öprocentige Lysollösung zerstört wurden. Dieselbe Wirkung trat 
für den Staphylococcus pyogenes aureus bei Kreolin erst in 5procentiger 
Lösung und bei Carbolsäure erst in lOprocentiger Lösung ein. 



Die Theerölseifenlösungen und das Lysol, ein neues Desinficiens. 83 

Weitere Vei-suche von Schottelius lehrten, dafs die Carbolsäure gar 
keinen Einflufs auf das Wachsthum der Spaltpilze hatte, die Wirkung 
des Kreolin äufserte sich mindestens in einer deutlichen Wachsthums- 
hemmung, bei einigen Spaltpilzen sogar in einer Vernichtung aller ent- 
wickelungsfähigen Keime; bei dem Lysol blieb für alle zur Untersuchung 
herangezogenen Bakterienarten das Wachsthum völlig aus. 

Das Gesammtergebnifs seiner Unsersuchungen wird von Schottelius 
dahin zusammengefafst, dafs wir in dem Lysol ein neues äufserst wirk- 
sames Desinfectionsmittel besitzen, welches den bekannteren der aus 
den schweren Theerölen stammenden Desinficientien speciell der Carbol- 
säure und dem Kreolin an antimycotischer Kraft überlegen ist. Gegen- 
über dem Kreolin, dessen ungleichartige Zusammensetzung, trotz seines 
zweifellos vorzüglichen Desinfectionsvermögens, auch aus der Verschieden- 
heit der bakteriologischen Untersuchungsresultate hervorgeht, hat das 
Lysol überdies noch den Vorzug einer in beliebiger Concentration klar 
löslichen gleichartig zusammengesetzten Flüssigkeit. 

Bemerkungen zu torstehendem Bericht von C. Engler. 
Nach Publikation der obigen Abhandlung hatte Herr Dr. Schenkel 
die Freundlichkeit, mich darauf aufmerksam zu machen, dafs B. Hager l 
schon im J. 1884 ein von der chemischen Fabrik Eisenbüttel zu Braun- 
schweig fabricirtes in Wasser lösliches Sapocarbol beschrieben hat. Die 
betreffende Notiz ist in keine der übrigen mir bekannten Zeitschriften, 
auch nicht in die Jahresberichte übergegangen, was wohl darin seinen 
Grund hat, dafs in derselben nur von der Thatsache der Existenz einer 
durch Seifen löslich gemachten „reinen und rohen Carbolsäure 1 ', nicht 
aber von der Herstellungsweise die Rede ist. In seinen eigenen Publi- 
kationen, in denen Dr. Schenkel das Sapocarbol bespricht 2 , geschieht 
zufällig nur derjenigen Präparate Erwähnung, welche mit Wasser emul- 
giren und also identisch sind mit Creolin, so dafs ich annehmen mufste, 
es handle sich bei dem Sapocarbol nur um eine Lösung von Seife in 
Carbolsäure und nicht umgekehrt. Dafs mir demgegenüber bei einem 
durch Vermittelung einer hiesigen Apotheke bezogenen Sapocarbol die 
vollständige Wasserlöslichkeit dieses Präparates aufgefallen ist, geht aus 
vorstehender Abhandlung hervor; ich nahm jedoch an, dafs es sich dabei 
um ein Präparat neuesten Datums handle. — Einige weitere Präparate, 
welche mir Herr Dr. Schenkel unterdessen freundlichst zur Verfügung 
gestellt hat (Sapocarbol 00,0 und I ergaben bei der hierselbst durch- 
geführten Analyse zwischen 44 und 47 Proc. Phenole (ungereinigt), stimmen 
also im Wesentlichen mit dem Lysol überein. Ob ihre Herstellungsart 
dieselbe, ist mir nicht bekannt. 

1 Pharm. Centralhalle 1884, S. 290. 

3 Chem. Zeitung 1887 S. 1127 u. 1229, 1888 S. 186. 



84 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

GeretencuUurversuche und Gerstenuntersuchungen. (Allgemeine Brauer- 
und Hopfen-Zeitung, 1890 Bd. 30 S. 833, nach der Zeitschrift des land- 
wirthschaftlicken Vereins der Provinz Sachsen.) Die Culturversuehe wurden 
1889 auf dem Zfct'ne'schen Gute in Hadmersleben (Provinz Sachsen), die 
Untersuchung der Ernteproducte an der landwirtschaftlichen Versuchs- 
station Halle a. d. S. ausgeführt. Einern Berichte von Prof. Märcker in 
genannter Zeitschrift ist folgendes zu entnehmen : 

1) Der Stickstoffgehalt sämmtlicher untersuchten Gersten war ein 
ganz aufsergewöhulich niedriger, denn wir finden als Maximalzahl nur 
7.71 Proc. Protein, während die Minimalzahl auf den nur sehr selten 
zu beobachtenden Gehalt von 6,77 Proc. Protein heruntergeht. 

2) Diesem Verhalten entsprechend war denn auch die Qualität der 
Gersten eine durchgehends ausgezeichnete, und man kann wenigstens 
die zur Gruppe der Chevaliergersten gehörigen Körner sämmtlich 
mindestens als fein, einige sogar als hochfein bezeichnen. 

3) Von den zur Gruppe der Chevaliergersten gehörigen besafsen die 
goldenen Melonen-, v. Throtas, Heiners, und die schottische Perlgerste 
eine lebhafte canariengelhe Farbe, wie dieselbe an der Braugerste so 
besonders hoch geschätzt wird, während Kinver, Oregon, Bichardsoris 
und Woolnaugfis eine weifse, aber immer noch reine und schöne Farbe 
zeigten, und wenn auch die Farbe kein absolutes Kriterium für die 
Güte der Gerste ist, so würden die Brauer doch wahrscheinlich die 
gelben vorziehen. 

4) Von den Imperialgersten ist Webb's bartlose die dünnschaligste 
mit der besten und zartesten Kräuselung der Samenschale, während die 
Diamantgerste die dickschaligste ist. Der grofse Fortschritt, welchen 
die Samenzüchter bezüglich der Imperialzüchtungen gemacht haben, ist 
hier besonders hervorzuheben. Die Juwel- und Webb's bartlose Gerste 
nähern sich an milder und mehliger Beschaffenheit des Korns den 
Chevaliergersten; die Diamantgerste hat den Imperialcharakter in der 
Ausbildung einer dickeren Samenschale und eines glasigen Korns noch 
am meisten bewahrt und ist die relativ geringwertigste der Imperial- 
gersten. Da sie jedoch nach Heines Beobachtungen durch ihre hohe 
Ertragsfähigkeit und ihre hohe Strohproduction ausgezeichnet ist, mufs 
sie trotz ihres Gehaltes von 48 Proc. glasigen Körnern immerhin noch 
als eine werthvolle Züchtung bezeichnet werden. 

5) Von den Landgersten gleicht die Saalegerste im Aeufseren ihres 
Korns den Chevaliergersten zum Verwechseln und ist ihrer Abstammung 
nach wohl auch eine Chevaliergerste, welche aber eine zu geringe Er- 
tragsfähigkeit besitzt, ohne dafür innere hervorragende Eigenschaften 
zu zeigen, um sie als eine anbauwerthe Varietät hinzustellen. Die 
goldene Mammuthgerste und Kinnekulla sind ertragreicher, aber Mam- 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 85 

muth ist zu dickschalig und Kinnekulla zu ungleichmäßig im Korne, 
um mit den Chevaliergersten concurriren zu können. Da diese Gersten 
auch nur wenige Tage früher als Chevaliergersten reifen, so dürfte ihr 
Anbau auf Bodenarten, auf welchen Chevaliergersten wachsen, aus- 
geschlossen sein. Als Gersten für einen leichteren Boden mögen sie 
empfehlenswerth sein. 

6) Die Art des Saatgutes ist von gröfstem Einflüsse auf die Höhe 
des Ertrages. Für Bodenarten von ähnlichem Charakter als die Emers- 
lebener, d. h. für milde humose, in gutem Kraftzustande befindliche 
Bodenarten geben die vorstehenden Versuche ohne Weiteres den er- 
forderlichen Anhalt. — Für andere Bodenarten mufs die geeignetste 
Varietät freilich erst durch besondere Versuche ermittelt werden. 

7) Die niedrigen Zahlen für den Protei'ngehalt und die damit in 
Zusammenhang stehende vorzügliche Qualität der bei den vorstehenden 
Versuchen geernteten Körner, welche in Emersleben erst durch die 
consequent durchgeführte Nichtanwendung von stickstoffhaltigen Dünge- 
mitteln erreicht worden ist, sprechen dafür, wie richtig der häufig aus- 
gesprochene Satz ist, dafs man nur dann auf die Erzielung einer guten 
Braugerste rechnen kann, wenn man mit der Stickstoffgabe äufserst 
vorsichtig ist. 

Die braunen Spitzen der Gerstenkörner haben, wie Th. v. Neergard 
im Landwirthschaftlichen Wochenblatt für Schleswig- Holstein ausführt, ihre 
Ursache in Pilzbildungen, welche die Substanz des Kornes zersetzen 
und somit nothwendigerweise eine Beeinträchtigung der Keimkraft zur 
Folge haben müssen. Nach Versuchen des Verfassers leidet zwar 
weniger die Keimfähigkeit als vielmehr die Keimungsenergie (Allgemeine 
Brauer- und Hopfen-Zeitung, 1890 Bd. 30 S. 530). 

Die Kleberschicht des Grasendosperms als Diastase ausscheidendes Drüsen- 
gewehe von G. Haberlandt (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1890 
Bd. 13 S. 149). Auf Grund eingehender anatomischer und physiologischer 
Untersuchungen gelangte Haberlandt zu dem bestimmten Ergebnisse, dafs 
die sogen. Kleberschicht des Gramineenendosperms in anatomisch-physio- 
logischer Hinsicht überhaupt nicht zum Speichersystem gehört, sondern 
zur Zeit der Keimung ein diastasebildendes und ausscheidendes Drüsen- 
gewebe vorstellt. 

Die Diastase als Gernenge von Maltase und Dextrinase von H. P. 
Wijsman jun. (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1890 Bd. 13 S. 187). 
Wijsman gründet seine Anschauung auf Versuche, welche er mit einer 
siebenprocentigen Gelatinelösung, der etwas nach Lintner'a Methode be- 
reitete lösliche Stärke zugesetzt war, anstellte. Man erhält eine feste 
durchscheinende Masse, welche sich mit verdünnter Jodlösuug tief blau 
färbt. Bringt man auf eine derartige Stärkegelatine, in dünner Schicht 
in einer Glasdose ausgebreitet, eine geringe Menge Diastase und prüft 
nach 1 bis 2 Tagen mit Jodlösung, so bemerkt man in der Mitte eine 



86 Deber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

mit Jod sich nicht färbende Fläche, umgeben von einem violetten Kreise, 
während die Fläche, in welche die Diastase nicht eingedrungen, sich 
tief blau färbt. Diese Erscheinung sucht Wijsman folgendermafsen zu 
erklären: Die beiden angenommenen Enzyme haben sich mit einer von 
ihrer Concentration abhängigen verschiedenen Geschwindigkeit verbreitet-» 
der violette Ring zeigt die Entfernung, bis zu welcher das eine Enzym, 
die Maltase eher als die Dextrinase gedrungen ist. Der Kreis in der 
Mitte, welcher durch Jod nicht gefärbt wird, gibt den Ort an, wo beide 
Enzyme gleichzeitig zugegen waren. Die Masse, welche durch Jod 
violett gefärbt wird, ist also ein Product der Einwirkung der Maltase 
auf Stärke, nämlich Erythrogranulose. Im mittleren Kreise bemerkt 
man die Reaction zwischen Stärke und Dextrinase nicht, da diese nur 
auf Erythrogranulose wirken kann, indem sie die Stärke nicht vor der 
Maltase erreichen kann. 

Nach Wijsman verläuft die Einwirkung der Diastase auf Stärke nach 
folgendem Schema: 

Stärke, welche umgewandelt wir d durch 

Maltase, gibt Dextrinase, 

Maltase und Erythrogranulose, Maltodextrin. 

welche durch "Wird dieses durch 

Dextrinase Maltase 

in Leukodextrin umgesetzt, so entsteht 

umgewandelt wird. Maltase. 

Diese Auffassung sucht Wijsman durch weitere Versuche zu stützen, 
doch erscheinen dieselben noch nicht ausreichend, um die Berechtigung 
für die Annahme eines derartigen Reactionsverlaufes genügend zu be- 
gründen. (D. Ref.) 

Zur Chemie des Wurzelkeims der Gersie veröffentlicht J. E. Sichel, 
Direktor der Versuchsstation für Gährungsgewerbe in Chicago, einen 
neuen Beitrag (Mittheilungen dieser Versuchsstation, Neue Folge Nr. 2, 
Allgemeine Brauer- und Hopfen- Zeitung, 1890 Bd. 30 S. 925). 

100 Theile wasserfreie Substanz des Wurzelkeims lieferten: 

In Aether löslich 1,98 Th. 

In Wasser löslich 32,78 „ 

Hiervon Albumin und Legumin . . 0,92 

Peptone 0,75 

Amide etc 13,54 

Invertzucker, Levulose . . 4,21 

Saccharose u. dgl. . . . 8.33 

Asche 3,31 

Sonstige Extractivstoffe . 1,72 

In Wasser und Aether unlöslich 65,24 .. 

Hiervon Kohlenhydrate 35,61 

Eiweifsstotfe 13,117 

Holzfaser 12,82 

Asche 2,84 

Siebel weist auf eine gewisse Aehnlichkeit in der Zusammensetzung 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 87 

•des Wurzel- und Blattkeims hin, nur scheine die Tendenz zur Bildung 
unlöslicher Kohlenhydrate im Gegensatze zur Bildung unlöslicher Eiweifs- 
stolle im Wurzelkeime vorzuherrschen, während beim Blattkeime das 
Entgegengesetzte der Fall zu sein scheine. 

Die gleichzeitige Anwesenheit von verhältnifsmäfsig grofsen Mengen 
•von Rohrzucker und ähnlichen Körpern im Wurzelkeime wie im Blatt- 
keime spricht für eine Neubildung dieser Substanzen bei der Keimung. 
Wasch- und Transportvorrichtung für Gerste von C. Reinighaus (D. R. P. 
Nr. 51306 vom 25. Juni 1889). Dieselbe bezweckt eine Reinigung der 
Gerste beim Transport vom Gerstenboden nach der Weiche. Zu dem 
Behufe wird vom Gerstenboden bis über die Gerstenweiche eine Rohr- 
leitung geführt, in welcher die Gerste in zweckmässiger Weise mit 
Wasser in Berührung gebracht wird. 

Wendeapparal für Malzgerste von Siegfrid Hirschler in Worms a. Rh. 
(D. R. P. Nr. 51304 vom 1. Juni 1889). Der Apparat soll das ..Widern- 
ersetzen. Das Wenden wird durch Schaufeln und Gabeln verrichtet, 
welche auf einer rotirenden Achse angeordnet sind. Der Wender bewegt 
sich langsam über die Tenne hin, wobei die Achse die Schaufeln und 
Nabeln, letztere entgegen der fortschreitenden Bewegung, umdreht. In 
einer Endstellung angekommen, rückt der Wender selbsthätig seine An- 
triebsvorrichtung aus, die dann mit der Hand behufs umgekehrter Be- 
wegung wieder eingerückt werden mufs. 

Gersten- Waschapparat von Franz Schäfer in Mühlhausen in Thüringen 
(D. R. P. Nr. 51 833 vom 2. Juli 1889). Das zu waschende von der 
Weiche kommende Getreide wird in dem Waschapparate durch das 
hinzutretende Wasser in lebhafte Bewegung versetzt, wobei die Körner 
theils gegenseitig, theils auf ihrer Unterlage abgerieben vom anhaftenden 
Schmutze befreit werden. 

Studien über die Leistungsfähigheit der neuen mit einer Jalousie ver- 
sehenen Darre r Patent liack- von Prof. Th. Langer in Mödiing (Zeitschrift 
für das gesammte Brauwesen, 1890 Bd. 13 S. 177). 

Prof. Langer fafst das Ergebnifs seiner Studien folgendermafsen 
zusammen : 

Die Darre leidet an einem prinzipiellen Fehler, der darin besteht, 
dafs es nach Schlufs der Jalousie und Oeffnung der seeundären Züge 
zu einer Stauung der warmen Luft im unteren Hordenraume kommt 
und dadurch im oberen Räume nicht jene höheren Temperaturen ent- 
stehen können, die zu einem kräftigen Ansaugen der warmen Luft aus 
der Sau erforderlich sind. Es ist fast nur kalte Aufsenluft, die in 
Folge der gröfseren und umgekehrten Temperaturdifierenz rapid in die 
seeundären Züge einströmt, und die geschlossene Jalousie schützt das 
Malz mehr als erspriefslich ist. Die Temperatur des oberen Malzes 
sinkt nach Schlufs statt zu steigen und die Vertheilung der Temperatur 
im Malze ist eine uugleichmäfsige, weil die kühle Luftmischung nach 



88 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

dem Verlassen der Kanäle senkrecht aufsteigt und nicht gegen die Mitte 
der Horde vordringt. Das Malz in der Mitte ist höher temperirt als 
das an den Ecken. Ein theilweises Oeffnen der Jalousie hat zur Folge T 
dafs zu viel warme Luft nach dem oberen Hordenraume abströmt und 
der Schutz des Malzes illusorisch wird. 

Ueber die Behandlung der Würze mit der Centrifuge veröffentlicht 
Alfred Jörgensen in Kopenhagen eine dritte Abhandlung in der Zeitschrift 
für das gesammte Brauwesen, 1890 Bd. 13 S. 242. Vgl. 274 70. 276 232. 

Jörgensen berichtet diesmal über Versuche, welche mit der Centri- 
fuge in der Praxis angestellt wurden, und zwar hauptsächlich zur 
Beantwortung der Frage, ob es möglich ist, eine sterile Würze in den 
Keller zu bringen und ob das Bier durch die Behandlung der Würze 
mit der Centrifuge keine wesentliche Geschmacksveränderung erleidet. 

Solche Versuche wurden von dem Ingenieur Axel Bergh, dem Patent- 
inhaber, in den Brauereien : „Aldersro", Kopenhagen, „BjurholmsBryggere% 
Stockholm, und „Frankenbräu", Bamberg, ausgeführt; hierauf wurden 
mehrere Reihen von Versuchen, welche zu entscheidenden Resultaten 
geführt haben, mit Apparaten von verbesserter Construction in der be- 
rühmten Brauerei „Ny Carlsberg" bei Kopenhagen unternommen. Der 
mit zwei Tabellen, die eine von Direktor Bjurholm veröffentlicht, die 
andere die Versuche in Ny-Carlsberg umfassend, ausgestatteten Abhand- 
lung entnehmen wir als Hauptergebnisse folgendes: 

Man kann mittels der Centrifuge und eines geschlossenen Kühlappa- 
rates die ganze Würzemenge — unter Vermeidung der Trubsäcke — 
steril in den Keller bringen. 

Die Centrifuge vermag die Würze einer nach den Verhältnissen 
passenden Lüftung zu unterwerfen, indem sie eine intensive Lüftung bei 
einer bestimmten erwünschten Temperatur bewerkstelligt. Die Gäh- 
rungen der centrifugirten Würzen verlaufen sehr regelmäfsig. 

Unter schwierigen Klärungsverhältnissen gibt die heifs centrifugirte 
(gelüftete) Würze ein schneller klärendes Bier als die nicht centrifugirte. 

Die in der heifs centrifugirten (gelüfteten) Würze entwickelte Hefe 
gibt nach allen bisherigen Erfahrungen eine schnellere Klärung, auch 
in den folgenden Gährungen und auch in nicht heifs gelüfteter Würze. 

Nach Beurtheilung durch verschiedene Kenner kann festgestellt 
werden, dafs das Bier aus centrifugirter Würze dem gewöhnlichen Biere 
im Geschmacke wenigstens nicht nachsteht. 

Jörgensen betont schliefslich mit besonderem Nachdrucke, dafs die 
rein cultivirte Hefe in einer Würze, wie in der nach dem obengenannten 
Systeme behandelten angestellt, ein Bier liefert, welches in Bezug auf 
die Haltbarkeit absolut höher stehen mufs, als das mit Anwendung der 
früheren Systeme (Kühlschiffe oder Kühler, welche die Trubsäcke nicht 
ausschliefsen) dargestellte Bier. 

Anlage zum Filtriren, Lüften und Kühlen von Bierwürze von Emil 



Heber Fortschritte in der Bierbrauerei. 89 

Auerbach in Pankow bei Berlin (D. R. P. Nr. 51375 vom 22. August 1889). 
Vgl. Wochenschrift für Brauerei, 1890 Bd. 7 S. 426. 

Die zu kühlende Bierwürze bewegt sich , abgeschlossen von der 
äufseren Luft, nur durch die inneren Räume der zur Verwendung kom- 
menden Behälter und Kühlapparate; als letztere können sowohl bekannte 
Gegenstrom- als auch Flächenberieselungskühler in Verwendung kommen, 
jedoch diese nur in der Weise, dafs das Kühlwasser die äufseren Flächen 
derselben berieselt. 

Die Anlage besteht aus einem Setzbottich, in welchen das Bier 
ausgeschlagen wird, einem als Filter construirten Schwimmer, einem 
Vacuumkessel, in welchem die Würze gelüftet wird, mit der Luftpumpe 
und dem Kühlapparate. 

Die Vacuumlrockenmethode und ihre Anwendung auf das Trocknen von 
Gerste und Malz, nebst einer direkten Bestimmung des Extractes in Bier 
und Würze von C. N. Biiber (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1890 
Bd. 13 S. 97). Verfasser empfiehlt zur Bestimmung der Trockensubstanz 
in Gerste und Malz das Trocknen im Vacuum und beschreibt einen zu 
diesem Behufe construirten Apparat. Nach Biiber's Versuchen gibt die 
Gerste nach zweistündigem Trocknen in einem derartigen Apparate 
alles Wasser ab, bis auf durchschnittlich 0,87 Proc. So könne man 
sich mit einem zweistündigen Trocknen der Gerste begnügen, ohne einen 
gröfseren Fehler als 0,1 Proc. zu machen, wenn man zu dem gefundenen 
Procentgehalte 0,87 Proc. hinzuzählt. Bei Malz dagegen seien die nach 
zweistündigem Trocknen erhaltenen Werthe direkt zu benutzen (vgl. 
Adolf Ott, Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1884 Bd. VII S. 253. 
D. Ref.). 

Die Trockenversuche mit Würze und Bier im Vacuum bei 70° C. 
ergaben Resultate, welche ziemlich weit unter denjenigen liegen, welche 
der ßa//m<7"schen und der Schultze' sehen Tabelle entsprechen. Schon 
nach etwa 2 Stunden erreichte Ruber das Schultze sehe Procent und nach 
etwa 8 Stunden das Balling' sehe. Erst nach etwa 3 Tagen ist das 
Extract vollständig trocken, indem es weiter, in abermals derselben Zeit, 
nichts mehr verliert. Bei 100° C. geht das Trocknen viel schneller: 
aber es gelingt in Folge der Zersetzung nicht, constantes Gewicht zu 
erhalten. Jedoch ist der Verlust bei 100° nach 4 Stunden sehr gering. 
Nach 5 Stunden erhielt Ruber bei zwei unverdünnten und zwei ver- 
dünnten Würzen: 

1) . . . . 13,34 Proc. 3) . . . . 7.45 Proc. 

2) . . . . 13.34 „ 4) . . . . 7.45 „ also 
13.34 = 94.6 Proc. Schultze = 97.5 Proc. Balling > wobei die Angaben von Schultze 

7.45 = 94.4 „ „ = 97.5 „ „ I bez. Balling = 100 gesetzt sind. 

Was das Bier betrifft, so haben viele Analysen dargethan, dafs 
man nach 5 Stunden 97 Proc. von den Balling' sehen Angaben erhält: 
dafs man also ohne jede Destillation u. s. w.. nachdem das Bier 



90 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

5 Stunden lang bei 100° C. getrocknet wurde, nur 3 10 o des gefundeneu 
Gehaltes zu diesem zu zählen braucht, um das Ballingache Procent zu 
erhalten. 

liiiber stellt schliesslich die Mittheilung von Versuchen über das Ver- 
hältnil's zwischen dem specifischen Gewichte und dem Trockengehalte 
der Würze in Aussicht. 

Beiträge zur Kenntnifs der Zusammensetzung von Würze und Hier 
von Dr. H. Elion {Zeilschrift für angewandte Chemie, 1890 S. 291). Elion 
bestimmte den Extractgehalt von Würze und Bier direkt durch Trocknen 
derselben in einem trockenen Luf'tstrome von sehr geringer Dichte bei 
97°. Aus einer sehr grofsen Anzahl von Versuchen , wobei nicht nur 
der Extract direkt bestimmt, sondern auch die gewogene Würze mit 
gewogenen Mengen Wasser verdünnt wurde, hat Elion für den Factor, 
welcher angibt, um wie viel Einheiten in der fünften Decimale das specifische 
Gewicht erhöht wird durch die Zunahme um 1» in Trockensubstanz in 
100 cc , folgende wahrscheinliche Werthe abgeleitet und daraus das zu- 
gehörige specifische Gewicht der Würze bei 15° bezogen auf Wasser 
von 15° berechnet: 

Extract in lOOcc Factor Berechnetes spec. Gew. d — 

25g 397,0 1,09925 

20g 398,0 1,07960 

10g 400,0 1.04000 

5g 401,0 1,02005 

lg 401,8 1,004018 

Auf ähnliche Weise wurde für die zwischenliegendeu Werthe, 24g, 
23g u. s. w. mittels der Factoren 397,2, 397,4 u. s. w. das entsprechende 
specifische Gewicht und aus den erhaltenen Zahlen durch Interpolation 
eine der Originalabhandlung beiliegende Extracttabelle berechnet, wobei 
die specifischen Gewichte um eine Einheit in der vierten Decimale ab- 
nehmen. Ohne behaupten zu wollen, dafs durch diese Tabelle die Ab- 
hängigkeit von Extract und specifischem Gewichte endgültig festgestellt 
sei, glaubt Elion doch annehmen zu müssen, dafs das wirkliche Gesetz 
nur sehr wenig von dem in der Tabelle zum Ausdruck gebrachten ab- 
weichen kann, da eine Prüfung, wozu mehr als 50 Extractbestimmungen 
ausgeführt wurden, die Brauchbarkeit der Tabelle erwiesen habe. Diese 
Controlbestimmungeu werden in einer besonderen Tabelle mitgetheilt. 

In einer zweiten Mittheilung {Zeitschrift für angewandte Chemie, 1890 
S. 321) bespricht Elion die Maltosebestimmung in Würze und Bier und 
die bekannte Unzulänglichkeit derselben mittels Fe hl ing' scher Lösung, 
ferner den Werth der Maltosebestimmung für die Beurtheilung der Halt- 
barkeit des Bieres und die Kenntnifs des Brauprozesses. Für die Be- 
stimmung der Maltose in der Würze bezieh, im Biere empfiehlt Elion, 
dieselbe durch reine Hefe zu vergähren. Der Maltosegehalt kann dann 
ermittelt werden aus der Extractdifl'erenz vor und nach der Gährung 



Heber Fortschritte in der Bierbrauerei. 91 

oder aus der Reductionsdifferenz gegen Fehling'sche Lösung, oder end- 
lich aus der Dextrosedifferenz nach dem Invertiren mit Salzsäure. Die 
erste Methode (Bestimmung der Maltose aus der Extractdifferenz) ist 
nach Elion am meisten zu empfehlen, da sie die geringsten Fehler- 
quellen enthält. 

Die Bestimmung der wirklichen Maltose in der Würze öffnet den 
Weg, die Zusammensetzung des daraus zu erhaltenden Bieres voraus- 
zubestimmen. Sie ist daher von grofsem Werthe für die Beurtheilung 
der verschiedenen Maischprozesse und Malzsorten- auch für das Studium 
von vielen anderen in der Brauerei vorkommenden Arbeiten wird sie 
mit Vortheil zu verwenden sein. 

Untersuchungen über die Zunahme der Anzahl der Hefezellen von 
Adrian J. Brown (Transaction of the Laboratory Club, Nr. 4 Vol III, Zeit- 
schrift für das gesammte Brauwesen, 1890 Bd. 13 S. 241). 

Die Resultate der Untersuchungen sind kurz folgende: 

1) Gleiche Volumina der nämlichen Malzwürze, deren Extractgehalt 
verschieden ist, aber das specifische Gewicht 1,060 übersteigt, bewirken 
die Bildung einer gleichen Anzahl von Hefezellen. In gleichen Malz- 
würzen unter dem specifischen Gewicht 1,060 steht die Vermehrung der 
Hefezellen nicht im geraden Verhältnisse zum specifischen Gewichte, 
sondern in einem höheren. 

2) Eine gröfsere Zuckermenge (Dextrose) als 5 Proc. in der gährenden 
Flüssigkeit trägt zu einer vermehrten Vergröfserung der Zahl der Hefe- 
zellen nicht bei; unter 5 Proc. Dextrose steht die Vermehrung der 
Hefezellen nicht im geraden, sondern in einem höheren Verhältnisse zum 
Zuckergehalte. 

3) Die stickstoffhaltigen Nährstoffe scheinen, wenn sie einen be- 
stimmten Gehalt in der gährenden Würze übersteigen, die Vermehrung 
der Hefezellen nicht zu begünstigen. Unter diesem Gehalte steht die 
Vermehrung der Zellen nicht im geraden, sondern in einem höheren 
Verhältnisse zum Gehalte der Stickstoffnahrung. 

4) Die Art der Nährstoffe bewirkt eine gröfsere oder geringere 
Vermehrung der Hefezellen. 

5) Die Anzahl der Zellen, welche in einer gährenden Flüssigkeit 
neu gebildet werden, ist unabhängig von der Zahl der Zellen in der 
Stell liefe, sobald diese Zahl eine gewisse Grenze nicht überschreitet. 

6) Die ganze Anzahl der Hefezellen, welche in verschiedenen 
Mengen derselben Würze bei der Gährung gefunden werden, steht im 
geraden Verhältnisse zur Gröfse der Volumina. 

7) Die Vergährung des Zuckers geht in der ersten Zeit der Ver- 
mehrung der Hefezellen rascher vor sich, und sehr langsam, sobald die 
Vermehrung aufgehört hat. 

8) Die Gährung wird durch die Hefe noch lange bewirkt, nachdem 
sie aufgehört hat, sich zu vermehren. 



92 Oeber Fortsehritte in der Bierbrauerei. 

Lhber die Entstehung von Varietäten bei den Saccharomyceten von 
Dr. Emil Chr. Hansen (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1890 
Bd. 13 S. 145). 

Hansen gibt eine kurze Uebersicht über Versuche, deren Haupt- 
resultat darin besteht, dafs unter verschiedenen Bedingungen Varietäten 
von Hefen entstanden, deren neuen Merkmale in den verschiedensten 
Culturen erblich sind. 

Die Reinhefe in Böhmen. Bericht der Versuchsanstalt für Brauindustrie 
in Böhmen von Anton Kukla, Direktor der Anstalt (Präger Brauer- und 
Hopfen-Zeitung, 1890 Nr. 3 u. ff.). 

Der umfassende Bericht legt ein glänzendes Zeugnifs ab von den 
erfolgreichen Bemühungen genannter Anstalt und ihres thätigen Direktors 
in Verbindung mit einigen Brauereien für die Einführung der Heferein- 
zucht in Böhmen, welche dort, wie auch an anderen Orten, auf erheb- 
liche Schwierigkeiten stiefs. Die letzteren bestanden einerseits in dem 
vielfach mangelnden Entgegenkommen seitens der Brauerei, andererseits 
in der Unsicherheit der Gesichtspunke, nach welchen die Auswahl einer 
geeigneten Hefegattung zu geschehen hatte. Diese Schwierigkeit regte 
Kukla zu zahlreichen Versuchen in Verbindung mit der Praxis an, 
welche zu dem erwünschten Ziele führte, die sichere Auswahl solcher 
Rassen zu ermöglichen, welche, entsprechend den Anforderungen der 
böhmischen Brauindustrie, es gestatten, dafs die Biere in kurzer Zeit 
zum Ausstofse gelangen. 

Bekanntlich unterschied Hansen zwei Haupttypen von Reinhefe : 
Typus Nr. 1 und Nr. II. Die erstere Rasse eignet sich vorzüglich für 
die dänischen Betriebsverhältnisse, wo hauptsächlich mit Exportbieren 
gearbeitet wird, die zweite mehr für unsere kontinentalen Verhältnisse. 
Kukla machte nun die Entdeckung, dafs der in Böhmen fast ausschliefs- 
lich vertretene Typus II in mehrere Abarten zerfällt, welche sich in 
zwei grofse Kategorien zusammenfassen lassen: 

a) Die Kategorie der Lagerbierhefe mit II« bezeichnet und 

b) die Kategorie der Hefe für gewöhnliche Biere, 11/? bezeichnet. 
Die Hefe der Kategorie II« arbeitet langsam, attenuirt stärker, 

dafür aber klärt sich das aus derselben resultirende Bier langsam. 

Die Hefe der Kategorie II/5* arbeitet schneller, attenuirt schwächer, 
dafür aber klärt sich das mit derselben gebraute Bier sehr schnell. 

Zwei Arten eines und desselben Typus liefsen bei der Isolirung in 
der feuchten Kammer die gleichen Erscheinungen zu Tage treten, und 
dennoch bewirkte die eine Art bei fast gleichem Vergährungsgrade eine 
schnellere Gährung des Bieres. Auch zu diesem Probleme fand Kukla 
den Schlüssel und erprobte ihn in der grofseu Praxis, so dafs die An- 
stalt heute mit vollkommener Sicherheit nicht nur einen Typus für 
gewöhnliches oder Lagerbier, sondern die verschiedenen Abarten dieser 
Typen nicht nur mit gröfserem oder geringerem Vergährungsgrade, 



Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 93 

sondern auch mit schnellerer oder langsamerer Klärung des Bieres zu 
liefern vermag — je nach Wunsch und Bedürfnifs der Bierbrauerei. 

Die Mittheilung der näheren Eiuzelheiten bezüglich der Merkmale, 
nach welchen bei der Auswahl einer Colonie zur Cultivirung von Rein- 
hefe auf die Qualität der Hefe geschlossen werden kann, stellt Kukla 
in einer besonderen mit theoretischen und praktischen Belegen aus- 
gestatteten Abhandlung: Ueber die Gährung der Bierwürzen in Aussicht. 

In dem Kapitel ,.Pflege und Vermehrung der Reinhefe im Grofsen^ 
beschreibt Kukla die Prager Methode der Vermehrung durch Nafsgeben, 
welche vor der Hansen scheu den Vorzug besitzt, dafs sie in viel kürzerer 
Zeit ein genügendes Quantum Hefe liefert. 

Nach dieser Methode wird mit dem erhalteneu Liter Reinhefe in 
einem ausgeschlagenen und gut ausgepichten, mit einem Deckel ver- 
sehenen Halbhektoliter 10 1 auf 8 bis 10° R. abgekühlte Würze angesetzt, 
worauf man nach mehrmaligem gründlichem Aufziehen das Ganze in 
einem besser wärmeren als kälteren Lokale (am besten von 10° R.) sich 
selbst überläfst. Nach 4 bis 5 Stunden, unter Umständen und je nach 
der Stelltemperatur der Würze, sowie auch des Lokales, manchmal 
auch später beginnt die gäbrende Würze wegzuschieben. Sobald dies 
geschehen ist (dieser Augenblick mufs sorgsam wahrgenommen werden, 
in Krausen darf man die Würze nicht kommen lassen) wird das Bier 
durch Zusatz von bereits reservirter (und gleichfalls auf 8 bis 10° R. 
abgekühlter) Würze auf ^^ ergänzt und nach gründlichem Aufziehen 
abermals sich selbst überlassen. 

Nun beginnt die Würze noch etwa 6 Stunden wegzuschieben. Ist 
dies geschehen, so wird dieselbe gründlich durchgerührt und in ein aus- 
gepichtes Zweihektoliterfafs gegossen, in welchem bereits l hl ,5 auf 8 bis 
10° R. abgekühlte Würze sich befinden. Nach gründlichem Aufziehen 
haben wir hier 2 hl Würze, welche gleichfalls nach 6 bis 7 Stunden 
wegzuschieben beginnt. Sobald dies geschehen, wird die ganze Würze 
wieder gründlich durchgerührt und zum Anstellen eines 20 bis 25 Hekto- 
literbottichs verwendet, welchem freilich Würze im Umfange des ver- 
gohrenen Quantums entnommen werden mufs. Auf diesem Bottich wird 
dann schon bei den gewöhnlichen Temperaturen in üblicher Weise ge- 
arbeitet. Nach 16 bis 20 Stunden resultirt frische starke Hefe auf einen 
ganzen Bottich. 

Höchst beachtenswerth ist die Beobachtung Kuklas, dafs die Rein- 
hefe bei der Aufbewahrung in 10 Proc. Saccharoselösung nach Hansen 
bei Temperaturen, wie sie in Böhmen und im südlichen Deutschland im 
Sommer vorkommen, eine derartige Veränderung erleiden kann, dafs sie 
bei ihrer nachherigen Vermehruno; und Verwendung; in der Brauerei 
sich schwer absetzt und Trübungen verursacht. Wenn man Reinhefe 
unter dem Mikroskop betrachtet, so findet man neben frischen gesunden 
Zellen mit schaumartigem Plasma ohne Vacuole (ac) oder mit fein- 



94 Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei. 

körnigem Plasma und scharfumgrenzter Vacuole (a,/) auch Zellen mit 
grobkörnigem Plasma und mit unbestimmt umgrenzten Vacuolen (b) 
vor. Das sind Zellen, welche zur Metamorphose in ..leichte Hefe" hin- 
neigen. Neben diesen findet man auch eine Menge „leichter Zellen" 
vor, d. i. solcher Zellen, welche bereits ein zerstörtes grobkörniges 
Plasma, ähnlich jenem todter Zellen besitzen, ohne jedoch jene charakte- 
ristische Färbung erkennen zu lassen, wie man sie bei todten Zellen 
wahrnimmt; diese Zellen haben in der Regel keine Vacuolen mehr (c). 
Neben diesen Zellen befinden sich hier noch todte Zellen mit zerstörtem 
Plasma, welches sich durch eine eigene farbige Nuance kennzeichnet 
und mit vom Plasma getrennter Membrane. 

Unter wiederholtem Hinweise auf die entscheidende Rolle, welche 
die Entstehung von leichter Hefe bei der Gährung der schwachen 
böhmischen Biere spielt, bespricht Kukla die Erscheinungen, welche nach 
dem Anstellen der Würze mit Reinhefe auftreten, die Umstände, welche 
das Ueberhandnehmen der leichten Hefe in der gährenden Würze be- 
günstigen, und die Mittel und Wege, das Auftreten derselben zu be- 
schränken oder zu verhindern. 

Es ist hier nicht möglich, auch nur annähernd auf die zahlreichen 
interessanten Einzelheiten und Mittheilungen aus der Praxis in der vor- 
liegenden Abhandlung einzugehen. Wir können daher die Lektüre der- 
selben den Interessenten nur angelegentlichst empfehlen. 

Am 14. und 15. Juni fand in Berlin die 8. ordentliche Generalversammlung 
des Vereins ^Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin^' statt, mit 
dem folgenden reichhaltigen wissenschaftlichen und technischen Programm: 

Welchen Einflufs hat das Versend- oder Trinkgefäfs auf den Ge- 
schmack des Bieres? Welche physiologischen Verhältnisse sind beim 
Kosten mafsgebend? 

Referenten: Herr Dr. M. Hayduck, Herr Prof. Zunlz. 

Die Herstellung schwach vergohrener Biere. 

Welche Art des Darrens, und welche Darrconstructionen sind dabei 
zu empfehlen? Wie mufs gemischt werden? Welche Gährführung und 
welche Hefenart ist dabei zu wählen? Wie ist dabei das Bier im Keller 
und beim Versandt zu behandeln? 

Referenten: Herr Direktor Ä"ü/>/x?r-Elberfeld, 
Herr Prof. Dr. Delbriuk. 

Wie sind die abnormalen Gährungserscheinungen in der Weifsbier- 
brauerei zu erklären? 

Referent: Herr Dr. Windisch. 

Welche Einrichtungen bewähren sich zur Beseitigung des Pech- 
rauches? 

Referent: Herr Ingenieur Goslich. 

Erfahrungen in der Praxis mit der Arbeit ohne Kühlschiff, mit Be- 
rücksichtigung der Beschaffung reiner Luft im Grofsen. 



Kleinere Mittheilungen. 95 

Referent: Herr Dr. Reinke. 
Das Arbeiten mit einer und zwei Maischen mit besonderer Be- 
rücksichtigung: 

des Verbrauchs an Kohle, der Ausbeute, der Verwendung des Hoch- 
druckes beim Kochen der Dampf kocherei, der Verwendung der Nach- 
würzen für Einfach hier. 

Referent: Herr Dr. Reinke. 
Wie ist bei den hohen Futterpreisen die Fütterung der Pferde 
zweckmäfsig zu gestalten (mit besonderer Berücksichtigung der Ver- 
wendung von getrockneten Biertrebern, Schlampe und Mais)? 
Referent: Herr Prof. Dr. Lehmann. 
Liegen Erfahrungen vor mit der Verarbeitung rumänischer und 
überseeischer Gerste? 

Referent: Herr Dr. Windisch. 
Da es nicht möglich ist, den Inhalt der Vorträge und Diskussionen 
in entsprechender Kürze hier wiederzugeben, müssen wir uns damit be- 
gnügen, auf die ausführliche Veröffentlichung derselben in der Wochen- 
schrift für Brauerei, 1890 Bd. 7 S. 621 (Nr. 26), hinzuweisen. 

C. J. Lintner. 



Säurefreie Wichse für Lederwaren. 

Nach Fr. Beuse setzt man neben den gewöhnlichen Bestar.dtheilen. wie 
Beinschwarz. Fett. Zucker zur Wichse eine Casein-Borax- oder Casein-Soda- 
lösung und harzsaures Eisen. Die Caseinlösung soll der Wichse hohen Glanz 
geben, das harzsaure Eisen das Leder echt schwarz färben (D. R. P. Nr. 52 558 
vom 18. August 1889). 

. Florentiner Mosaik. 

Mit der denkbar einfachsten Ausrüstung, einem kleinen Tisch, einer Schüssel 
mit Wasser, einem Kohlenbecken und einem Schraubstock, einigen Kupfer- 
oder Eisenplatten, welche er als Feilen benützt, einem aus Eisendraht gebildeten 
Bogen und mit etwas Schmirgelpulver versehen, begibt sich der Mosaikarbeiter 
des K. Manufactur zu Florenz an das Werk. Das Entwerfen der Muster obliegt 
besonderen Künstlern. Die einzelnen Steinplättchen werden an verschiedene 
Arbeiter vertheilt. jeder hat die Aufgabe, einen Theil des Ganzen anzufertigen. 
Die Steine werden mit einem aus Wachs und Mastix bestehenden Kitt im 
Feuer verbunden, die Grenzen zwischen den einzelnen Steinen mit Schiefer aus- 
gefüllt. Einzelne, so vorbereitete Theile verbindet man mit Cement (Kitt) zu 
einem Ganzen. Schliefslich wird die Oberfläche gefeilt und polirt. 

Zur Anfertigung kleiner, sich oft wiederholender Mosaikmuster werden 
statt der Steine Stäbchen verwendet, und das so erhaltene dicke Mosaikstück 
durch Parallelschnitte (nach Art des Brodschneidens) in dünne Mosaikplatten 
getheilt. Das Schneiden geschieht mit Hilfe der Eisen- oder Kupferplatten, 
die mit Schmirgelpulver versehen werden. Ein Arbeiter verdient im Tag 
5 bis 6 Lire, manchmal auch 10. 

Aus Europa. Asien und Amerika stammen die Steine, welche in Florenz 
verarbeitet werden. Die Manufactur besitzt eine Sammlung von Steinen, deren 
Werth man auf 20000 Lire schätzt. Amethyste. Achate, Sardonyxe. Jaspis. 
Kieselsteine und versteinertes Holz dienen als Rohmaterial. 

Die königliche Manufactur zu Florenz wurde 1574 gegründet, und wies 
den Künstlern einige Räume im Casino di San Marco als Arbeitsstätte an. 
1588 siedelten dieselben auf Befehl des Grofsherzogs Ferdinand I. in die 



96 Bücher-Anzeigen. 

Ufficien über, wo Bie bis L796 blieben, in welchem Jahre die Fabrik in das 
alte Kloster Bau Nicolo verleg! wurde, woselbst Bie Bich jetzt noch befindet. 
Zwei and ein halbes Jahrhundert besafs die Fabrik ein Monopol auf die Fabri- 
kation von Florentiner .Mosaik (Eisenzeitung I8i>(» S. 552). Zg. 



Bücher-Anzeigen. 



üeber Feuerbestattung, Vortrag, gehalten im Naturwissenschaftlichen 

Vereine in Mülhausen i. E., von Prot'. Dr. Fr. Goppelsroeder. Verlag 

von Wenz und Peters. Mülhausen i. E. 18 ( .»i>. 

Dieser im Drucke erschienene Vortrag behandelt in ebenso ausführlicher 
wie übersichtlicher und erschöpfender Weise die viel umstrittene Frage der 
Feuerbestattung. Der Verfasser beginnt mit einer Besprechung der verschie- 
denen Methoden zur Mumilicirung, Einbalsamirung und Conservirung der 
Leichen, verbreitet sich dann über die Erdbestattung und unterzieht die Vor- 
gänge, welche sich nach Eintritt des Todes im Körper vollziehen und nach 
der Bestattung im Erdboden ihren Fortgang nehmen, sowie den Einflufs des 
Bpdens der Friedhöfe auf die Verwesung und die sich hieraus ergebenden 
Consequenzen eingehender Besprechung. Kurz berührt werden einige Vor- 
schläge zur Zerstörung von Leichen mittels Chemikalien. Es folgt sodann 
eine Schilderung der Leichenverbrennung im Alterthume, sowie bei den 
Indern, und nun geht der Verfasser zu einer ausführlichen Beschreibung und 
Besprechung der Feuerbestattung der Neuzeit in den europäischen Staaten, in 
Südamerika, Centralamerika, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, so- 
wie in Japan über. Ein besonderer Abschnitt ist der Feuerbestattung in der 
Schweiz und einer Beschreibung des Züricher Crematoriums gewidmet. Hieran 
schliefsen sich Vorschläge zur Aufbewahrung der Asche der durch Feuer 
Bestatteten, sowie eine Kostenberechnung, und schliefslich kommt der Ver- 
fasser zu einer eingehenden Würdigung der Einwendungen sowohl gegen die 
Erd- wie gegen die Feuerbestattung. Es werden die gegen die Feuerbestattung 
vom religiösen Standpunkte geltend gemachten Bedenken widerlegt, die Vor- 
züge der Feuerbestattung aus ästhetischen Gesichtspunkten hervorgehoben und 
die Einwände, welche von kriminalistischer Seite gegen die Feuerbestattung 
erhoben wurden, auf richtiges Mafs zurückgeführt. 

In dem dem Vortrage beigegebenen Anhange bespricht Prof. Goppelsroeder 
die von ihm gemachten Versuche zu Demonstrationszwecken, sowie die Reklam- 
schen Verbrennungsversuche mit Thierleichen , und gibt eine Uebersicht über 
die chemische Zusammensetzung des menschlichen Körpers, sowie der wichtigsten 
thierischen Flüssigkeiten, Gewebe und Organe. 

Ein ausführliches Verzeichnifs der auf Feuerbestattung bezüglichen Lite- 
ratur erleichtert dem Leser wesentlich die nothwendige Orientirung auf dem 
besprochenen Gebiete. 

Der Broschüre sind fünf Zeichnungen beigegeben, welche zur Erläuterung 
der verschiedenen Systeme der Feuerbestattung dienen sollen. 

In der Einleitung seines Vortrages sagt Prof. Goppelsroeder, dafs „der 
Kampf um die Entscheidung der Frage: ,was ist besser, Erd- oder Feuer- 
bestattung? 1 noch lange nicht ausgekämpft sein wird." Prof. Goppelsroeder ge- 
bühr! aber das Verdienst, die Entscheidung durch seine Ausführungen näher 
gerückt zu haben. In einer Frage, wo es sich um die Belehrung und Um- 
stimnmng breiter Schichten der Bevölkerung handelt, ist es von Werth. all- 
gemein verständliche Darlegungen von Fachmännern zu besitzen, welche es 
auch dem Laien ermöglichen, sich ein richtiges Ortheil zu bilden. 

Es möge nicht unerwähnt bleiben, dafs der Nettoertrag der Goppelsroeder- 
schen Broschüre einem wohlthätigen Zwecke bestimmt ist. K. 



Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Neue Erdöl-Maschinen. 97 

Neue Erdöl-Maschinen. 

(Patentklasse 46. Fortsetzung des Berichtes S. 49 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 5 und 10. 

Ad. Spiel in Berlin (*D.R.P. Nr. 46703 vom 21. April 1888) Fig. 22 
und 23. 

Die Steuerung der im Viertakt arbeitenden Maschine wird bewirkt 
durch einen im Cylinder selbst geführten Ringschieber /", d. i. ein der 
Länge nach aufgeschnittener, vorher auf einen etwas gröfseren Durch- 
messer, als wie ihn der Cylinder besitzt, abgedrehter Ring aus Stahl 
oder sonst geeignetem Material, welcher vermöge der so erlangten Fede- 
rung gut dichtend an der Cylinderwand anliegt. Selbstredend kann 
diese Abdichtung auch durch federnde Liderungsringe eines übrigens 
unaufgeschnittenen, dagegen mit Nuthen zur Aufnahme jener versehenen 
Ringes f bewirkt werden. Dieser Ringschieber empfängt seine dem 
Zwecke entspi-echende Bewegung hin und her durch eine Stange e, 
welche, bei der Ausführung nach Fig. 22 durch Stopfbüchse gedichtet, 
nach aufsen führt und mittels Hebels d (Fig. 23) an die Steuerstange c 
angeschlossen ist. Dieselbe überfafst mit einem Schlitz die Steuerwelle b 
und trägt ein Röllchen A, gegen welches ein auf b sitzender Hebedaumen g 
wirkt. Für den erforderlichen Andruck des Röllchens h an den Daumen g 
sorgt eine die Stange c umgebende Feder Cj. Die Bewegung der 
Steuerwelle b erfolgt von der Kurbelwelle a aus mittels Zahnräder- 
werkes öj b l . 

Ein excentrischer Zapfen i an der Stirn der Steuerwelle mag noch 
zum Betriebe der Oelpumpe p dienen. In diesem Falle ist deren Cylinder 
drehbar am Maschinengestell gelagert und derselbe vollführt während 
des Hin- und Herganges des Kolbens eine schwingende Bewegung. Es 
könnte indessen auch eine Pumpe mit festgelagertem Cylinder und dem 
entsprechenden Kurbelmechanismus Anwendung finden. Das von der 
Pumpe angesaugte Erdöl wird von ihr in ein Rohr k ein- und dadurch 
dem Lufteinströmungsrohr / zugedrückt, in welches es bei /q, vor dem 
Lufteinlafsventil m, eintritt bezieh, eingespritzt wird. An das Rohr / 
schliefst sich in Richtung auf den Betriebscylinder a zu ein Rohr in x 
an, welches vor der Ingangsetzung der Maschine anzuwärmen ist, bei- 
spielsweise durch einen Gasbrenner. Die dadurch erhitzten Theilchen 
von Luft und Erdöldunst im Innern des Rohres m { gehen in Folge dessen 
eine innige Vermischung mit einander ein und bilden ein gleichmäfsiges 
Explosionsgemenge, welches eine schnelle und zuverlässig erfolgende 
Zündung und ein leichtes Angehen der Maschine gewährleistet, sowie 
eine weitestgehende Verbrennung aller festen Theilchen des Gemisches 
sichert. Die Entzündung des Explosionsgemenges erfolgt durch eine 
geeignete, bei n vorgesehene Zündvorrichtung. 

Zur Austreibung der Verbrennungsgase dient ein verhältnifsmäfsig 
Dingler's polyt. Journal Rd. 278 Nr. 3. 1890/IV. 7 



98 Neue Erdöl-Maschinen. 

urd-er. im Cylinder angeordneter Schlitz o, dessen rechtzeitige Eröffnung 
und Wiederschliefsimg durch den Schieberring f bewirkt wird. 

Bei Beginn der Saugperiode nimmt der Schieberring die aus Fig. 22 
ersichtliche (mit vollen Linien gezeichnete) Stellung eiu. Der Zünd- 
Bchlitz ist geöffnet, der Auspuffschlitz o aber geschlossen. Der nach 
auswärts schiebende Kolben saugt Explosionsgemisch aus m i an; gleich- 
zeitig aber auch die Gase aus dem Zündschlitz und den damit ver- 
bundeneu Räumen der Zündvorrichtung ab, diese entlastend. Mit darauf 
beginnendem Einschube des Kolbens stellt sich der Schieberring f in 
die Stellung a", wobei Auspuff" o noch geschlossen bleibt, der Zündschlitz 
aber abgesperrt wird, es erfolgt eine Zusammenpressung des Explosions- 
gemisches im hinteren Cylinder und anschliefsenden Rohrraum wi,. Am 
Ende des Einschubes und bei Beginn des Ausschubes des Kolbens geht 
der Schieber f wieder in die ersterwähnte Stellung über, so dafs bei 
noch geschlossenem Auspuff' o der Zündschlitz wieder geöffnet wird. 
Sogleich erfolgt die Zündung und es empfängt der Kolben einen nütz- 
lichen Antrieb durch den Gasdruck. 

Bei Beginn des Wiedereinschubes wird der Schieberring in die Stel- 
lung x { gestellt, so dafs der Auspuff schlitz o geöffnet, der Zündschlitz 
jedoch geschlossen ist. Der zurückkehrende Kolben schiebt die Ver- 
brennungsrückstände unter dem im Auspuff' herrschenden Druck aus dem 
Cylinder hinaus. Dadurch, dafs das Rohr m l dauernd mit dem Cylinder A 
in Verbindung bleibt, also während des Zünd- und während des Aus- 
puffkolbenhubes mit heifsen bezieh, warmen Gasen erfüllt ist, erhitzt es 
sich bald so stark, dafs es keiner fernerweiten Anwärmung von aufsen 
mehr zu dem Zwecke bedarf, um das jeweils angesaugte Gemisch von 
Erdöldunst und Luft vor seinem Eintritt in den Cylinder in ein gleich- 
mäfsiges Explosionsgemenge umzuwandeln. 

Die Regelung des Ganges der Maschine je nach der Geschwindig- 
keit kann in bekannter Weise, z. B. durch Regelung der Erdölmenge, 
welche bei jeder Cylinderladung zur Verwendung kommt, geschehen. 
In einem quer durch den Pumpenstangenkopf in senkrechter Richtung 
gehenden Schlitz wird eine Gewichtsstange s geführt, die sich auf eine 
sie oberhalb umgebende Feder s { stützt. Diese Stange ist schlank kegel- 
förmig zulaufend oder mit einem Absatz versehen; sie nimmt an der 
Bewegung des Pumpenstangenkopfes Antheil, wodurch das Gewicht an s 
zur Schwungmasse wird, welche mit zunehmender Maschinengeschwindig- 
keit an Wirkung der Feder s { gegenüber gewinnt, d. h. diese mehr oder 
weniger zusammenprefst. Da nun der seitens des Kurbelzapfens i auf 
die Pumpenstange ausgeübte Druck sich auf diese mittels der jeweils 
im Schlitz befindlichen Stangendicke von t überträgt, so erhellt, dafs der 
Hub der Pumpenstange und damit des Pumpenkolbens um so kleiner 
ausfällt, je weiter die Stange «, unter Ueberwindung des Druckes der 
Feder s { , durch den Schlitz im Pumpenstangenkopf hindurchgezogen ist, 



Neue Erdöl-Maschinen. 99 

dagegen um so gröfser, je weniger s, zusammengeprefst ist; der erstere 
Fall tritt ein bei zu schnellem Gange der Maschine, und es wird dann 
durch verminderten Pumpenhub eine kleinere Menge Erdöl durch k über- 
geprefst; der zweite Fall tritt bei zu langsamem Gange ein, und es folgt 
die Speisung der Ladung mit vermehrter Erdölmenge. 

Gebr. List und J. Kosakoff in Moskau (• D. R. P. Nr. 51164 vom 
29. Juni 1889), Fig. 24 und 25. 

Die Erfindung betrifft einen Steuerungsmechanismus für Erdöl- 
gasmaschineu, durch welchen die Erdölpumpe, das Ueberströmventil und 
die Zündvorrichtung bewegt werden, und der in solcher Weise mit 
einem Regulator in Verbindung steht, dafs bei zu raschem Gang der 
Maschine die Bewegung der besagten Theile unterbrochen und zugleich 
das Druckventil der Luftpumpe offen gehalten wird, um die Einführung 
neuer Luftmengen in den Arbeitscylinder zu verhindern. Der Motor 
besteht aus einer Luftpumpe A und dem Arbeitscylinder U, welche über 
einander und parallel zu einander stehen. Die Lenkstangen der beiden 
Kolben schliefsen sich an eine und dieselbe Kurbel der Arbeitswelle C 
an. Die Luft wird vom Pumpenkolben D mittels der Saugventile o 
aus der Atmosphäre durch die am vorderen Ende des Arbeitscylinders 
angebrachten Oeffnungen d { , den Mantelraum d (welcher zugleich als 
Saugtopf dient), die Kanäle e und die Ventilkammer c angesaugt. Diese 
Anordnung der Saugkanäle hat den Zweck, die Luft aus dem vorderen 
Theil des Arbeitscylinders abzusaugen, um den üblen Geruch der durch 
die Undichtigkeiten des Arbeitskolbens etwa entweichenden Erdöldämpfe 
dadurch zu vermeiden, dafs dieselben zusammen mit der Luft angesaugt 
werden. Die während des ganzen Vorwärtshubes des Pumpenkolbens 
angesaugte Luft wird bis auf etwa die Hälfte ihres Volumens zusammen- 
geprefst und durch die Druckventile 6j der Ventilkammer Cj in den Misch- 
raum g getrieben. Dann erfolgt die Oeffnung des Ueberströmveutils k 
(Fig. 25), um die verdichtete Luft nach dem Arbeitscylinder zu leiten. 
Während dieses Ueberströmens imprägnirt sich die Luft mit dem von 
der Pumpe P durch Rohr m eingespritzten und mittels eines geeigneten 
Apparates t zerstäubten Erdöl. Die so gebildete Explosivmischuug er- 
wärmt sich an dem heifsen Ventil /t, sowie an den ebenfalls heifsen 
Wänden der Kammer h und des Kanals h l und gelangt in den Raum H 
des Arbeitscylinders zu den daselbst noch vorhandenen Verbrennungs- 
gasen. In Folge der gleichgerichteten Bewegung der beiden Kolben findet 
alsdann eine weitere Verdichtung der ferner noch von A aus überströ- 
menden Luft, sowie der in U verbliebenen Verbrennungsgase und des ge- 
bildeten Explosivgemisches statt, bis die Kolben am Ende ihres Rück- 
wärtsganges angelangt sind. Kurz darauf wird das Gemisch entzündet. 

Der dargestellte Zünder besteht aus einem unten geschlossenen 
Zündröhrchen t und einem beweglichen, lose in das letztere hinein- 
reichenden Stab d, welcher 'mit einer Verstärkung w versehen ist, die, 



100 Neue Erdöl-Maschinen. 

wie ein Ventil wirkend, das Rohr t oben schliefst. Der Stab t ist an 
der vom Steuerungsmechanismus bewegten Stange u befestigt. Dieser 
Zünder wirkt in der Weise, dafe beim Zurückziehen des Stabes v Gas- 
mischung in das vor dem Anlassen der Maschine mittels eines Brenners J 
zu erhitzende Rohr t eindringt und sich an diesem bezieh, später an 
dem Stab v entzündet und dadurch die Entflammung des im Cylinder 
enthaltenen Gemisches herbeiführt. Die vom Brenner J erzeugten heifsen 
Gase dienen während des Anlassens des Motors dazu, die Kammer g von 
aufsen zu erwärmeu, indem sie dieselbe im Mantelraum x umspülen. 

Das Ueberströmventil k steht mit der Welle C durch den in Fig. 25 
im Aufrifs dargestellten Mechanismus in Verbindung. Dieser besteht 
aus dem Excenter /q, der Excenterstange ä 2 , der mit letzterer gelenkig 
verbundenen Stange /r 3 , den beiden Hebelarmen k i ft 5 , der Welle ä 6 , auf 
welcher letztere befestigt sind, und der Ventilstange ä 7 . Die Staugen Ä. 2 A - 3 
werden einerseits an ihrer Verbindungsstelle durch eine Schwinge Ä 8 
getragen, während andererseits die Stange ä 3 an der mit dem Regulator 
in Verbindung stehenden Schwinge /" fi aufgehängt ist. ä h ist eine Feder, 
welche das Ventil k schliefst. Die Stange ft 3 bildet eine Gabel, welche 
den Hebelarm k i lose umfafst und an ihrem Ende mit einer Platte k l(t 
versehen ist. Durch das Anstofsen der in der Zeichnung linksseitigen 
Kante dieser Platte an das an dem Hebelarm /> 4 befestigte Anschlag- 
stück k n wird der Hebelarm bewegt, dadurch Arm k 5 niedergedrückt 
und das Ventil k geöffnet. Die Verbindung zwischen der besagten 
Schwinge f 6 und dem Regulator It wird durch das Gestänge ff v und den 
Winkelhebel f 2 f 4 hergestellt, welcher letztere auf der Achse f 3 befestigt 
ist. Die genannten Theile sind nun so zu einander angeordnet, dafs bei 
normalem Gang der Maschine die Platte ft 10 gegen das Anschlagstück k n 
stöfst und das Ueberströmventil öffnet, wogegen, wenn die Maschine zu 
rasch läuft, der Regulator die Stange k 3 und damit die Platte k i0 hebt, 
so dafs diese alsdann über das Anschlagstück k l { hinweggeht und das 
Ventil k geschlossen bleibt. Damit die Stange k z nicht durch ihr Gewicht 
auf den Regulator einwirke, ist dieselbe rückwärts verlängert und mit 
einem Gegengewicht k l2 versehen. 

Aufser der Eröffnung des Ventils k bewirkt der Hebelarm ft 4 die 
Niederbewegung des Kolbens der Erdölpumpe P. Zu diesem Zwecke 
ist die Stange n des Kolbens an einen Winkelhebel n { n 2 angeschlossen, 
gegen dessen Arm n 2 der Hebelarm ä 4 mittels der Stellschraube « 3 drückt. 
Mittels dieser Stellschraube wird die Menge des der Maschine zuzu- 
führenden Erdöls geregelt. Die Aufwärtsbewegung des Kolbens erfolgt 
durch die Feder n 4 ; «- ist ein Anschlag zur Begrenzung dieser Bewegung 
und n ß ein Arm mit Handgrill' zur Bethätigung der Pumpe während des 
Anlassens der Maschine. Der Kolben drückt das Erdöl zum Zerstäuber t 
während seines Niederganges, also zu derselben Zeit, da das Ueberström- 
ventil sich öffnet. 



Neue Erdöl-Maschinen. 101 

Das Auspuffventil / wird durch eine Curvenscheibe bethätigt. 

Der Mechanismus zur Bewegung des Zündstäbchens v umfafst eine 
zum gröfsten Theil kreisförmige und nur mit einer kurzen Vertiefung 
versehene Curvenscheibe. 

Bei zu raschem Gang der Maschine erfolgt weder eine Eröffnung 
des Ueberstrümventils, noch eine Zuführung von Erdöl, noch ein Heben 
des Zündstäbchens. Zugleich wird aber auch die Pumpe .4 daran 
gehindert, atmosphärische Luft anzusaugen, dadurch, dafs während der 
Saugperiode eines der Druckventile der Pumpe ollen gehalten wird. Zu 
diesem Zwecke erstreckt sich von der Ventilkammer c { aus eine Achse, 
welche an ihrem inneren Ende einen in die geschlitzte Stange des Ventils b { 
eingreifenden Daumen trägt und an ihrem äufseren Ende einen Hebel- 
arm 6 4 , der so gestellt ist, dafs die Platte k iQ der Stange k 3 dagegen 
stöfst, wenn dieselbe vom Regulator hoch genug gehoben ist, um nicht 
mehr auf den Anschlag k n des Hebelarmes k i zu wirken. Bei dergestalt 
geöffnetem Druck ventil tritt die verdichtete Luft wieder in die Luftpumpe 
zurück und findet kein neues Ansaugen von Luft statt. 

Steuerung des Einlaftventils. 

0. Engel in Berlin (• D. R. P. Nr. 46670 vom 1. Juli 1888), Fig. 26. 
Bezweckt wird durch die Steuerung die Kraftregelung der Maschine. 

k bedeutet den zum Verbrennungsraum führenden Kanal, welcher 
durch das in bekannter Weise nach innen sich öffnende Einlafsventil E 
geschlossen gehalten wird. DieEinlafsventilstange ist oben mit dem Quer- 
stück Q verbunden, gegen welches die das Ventil schliefsende Feder/ 1 
drückt. Das Querstück Q trägt an seinem anderen Ende die Stange 
des die Arbeit der kleinen Erdölpumpe P regelnden Ventils i\ welches 
sich nach aufsen öffnet. 

Ferner sind in der Darstellung angedeutet der Pumpenstempel 5, 
das Druckventil d. die Druckleitung m und der Zerstäuber M. 

Am Kopf der Zeichnung ist die Steuerwelle W mit der Daumen- 
scheibe U angedeutet, welche mittels der Hebel h h { und der Gegendruck- 
feder f { die in einer Geradführung geführte Stange F steuert. Die 
Stange F trägt am unteren Ende den Zapfen #, auf welchem ein Prisma p 
von dem Hebel b, welcher durch die Stange C mit dem Regulator in 
Verbindung steht, verschoben werden kann. 

Die Regelung der Kraftleistung des Motors geschieht in folgender 
Weise. 

Beim Stillstand des Motors steht das vom Regulator beeintlufste 
Prisma p in seiner äufsersten Stellung links, so dafs es etwa mit der 
punktirten Linie x-y abschliefst. Wird nun das Schwungrad dts Motors 
in Drehung versetzt, so drückt beim Beginn der Saugperiode die Daumen- 
scheibe U mittels der Hebel h h und der Stange F das Prisma p gegen 
das Querstück Q und öffnet das Einlafsventil E. Das vor Eintritt dieser 



102 Neue Erdöl-Maschinen. 

Bewegung geöffnete Ventil », welches in seinem unteren, fest mit der 
Stange verbundenen Federhalter eine Spiralfeder s tragt, ist nach der- 
selben geschlossen und zwar mit einem Druck, welcher von der Stärke 
der Feder s abhängt, da das Querstück Q die Feder * um die Diffe- 
renz der Ventilhube zusammengedrückt hat. Wenn also das Einlafs- 
ventil E geöffnet, das Pumpenventil v mit Ueberdruck gegen seinen 
sitz gedrückt worden ist, so wird der von einem geeigneten Steuerungs- 
organ bewegte Pumpenstempel S nach unten bewegt und drückt ein 
dem gewählten Pumpenhub entsprechendes Quantum Brennflüssigkeit 
durch die Rohrleitung m in den Zerstäuber A/, von wo dieselbe mit der 
durch das Ventilgehäuse eintretenden Luft als explosibles Gemisch in den 
Cvlinderraum gesaugt wird. Nachdem die Daumenscheibe U die Rolle 
des Hebels h passirt hat, wird die Stange F durch Federdruck zurück- 
geschnellt, in Folge dessen schliefst sich das Einlafsventil und öffnet 
sich das Pumpenventil c, so dafs der von z zum Pumpenstiefel führende 
Kanal, welcher mit einem Erdölbehälter in Verbindung steht, ebenfalls 
geöffnet wird. Ist nun das vom Cylinderkolben angesaugte Gemisch im 
Cylinder comprimirt und in bekannter Weise entzündet worden, so 
werden nach der darauf folgenden Expansions- und Auspuffperiode sich 
die oben beschriebenen Vorgänge wiederholen, nachdem in der Zwischen- 
zeit der Pumpenstempel neue Flüssigkeit angesaugt hat. Erreicht der 
Motor durch die aufeinander folgenden Explosionen eine Geschwindigkeit, 
welche nicht überschritten werden soll, so ist der vom Regulator beein- 
flufste Winkelhebel b mit dem Prisma p so weit von links nach rechts 
gedrückt, dafs das letztere bei einer Abwärtsbewegung von F das Quer- 
stiick Q nicht mehr trifft, sondern an demselben vorbeistöfst. Das Ein- 
lafsventil bleibt geschlossen, die Saugrohrleitung zur Pumpe geöffnet, 
und da das Druckventil d durch Federdruck stärker belastet ist, als das 
Gewicht der über z stehenden Flüssigkeitssäule beträgt, so drückt der 
Pumpenstempel 5 die vorher angesaugte Flüssigkeit durch die Saug- 
rohrleitung zurück. Die Füllung und ihre Kraftwirkung fällt aus. Ist 
in Folge einer oder mehrerer Aussetzungen die Geschwindigkeit des 
Motors wieder entsprechend vermindert worden, so treten die vorher 
beschriebenen Vorgänge zur Füllung desCylinders mit explosivem Gemisch 
wieder in die Erscheinung. 

Der Schwerpunkt der in Vorstehendem beschriebenen Neuerung liegt 
in dem Verfahren, das Einlafsventil eines Erdölmotors während der 
Regelung der Kraftleistung, also beim Aussetzender Füllungen, geschlossen 
zu halten, wodurch das Einsaugen von Luft und die dadurch bedingte 
Abkühlung im Cylinderinneren vermieden wird. 

J. M. Grob und Co. in Eutritzsch- Leipzig (* D. R. P. Nr. 52709 vom 
11. December 1889), Fig. 27. Die Maschine erhält zweimalige Luft- 
zuführung, mit deren Hilfe die Oelzufuhr gesteuert wird. 

a ist der Cylinder, b der Deckel desselben, e der Einlafs für die 



Neue Erdöl-Maschinen. 103 

Verbrennungsluft, welche durch das Ventil d von dem Cvlinder getrennt 
ist. Letzteres wird durch die Feder e, welche mittels des Hebels f zu- 
sammengeprefst werden kann, geschlossen gehalten, g ist der Einlafs für 
die zum Zerstäuben des Oeles dienende Luft, welche durch den Kanal h 
über das Ventil t tritt und das Oel im Kanal ä zerstäubt. Das Oel tritt 
durch das seitliche Rohr ein, steigt durch das Ventil m und die Röhr- 
chen n in den Kanal fc, wo es von der Luft getroffen wird. Hierbei 
wird das jedesmalige Quantum von dem Ventile i aus regulirt, welches 
mit dem Ventil m durch den Hebel o in direkter Verbindung steht. Der 
Oelzuflufs durch das Rohr ist nämlich constant, und wird durch das 
Ventil m die für die Vergasung bestimmte Oelmenge regulirt, während 
das übrige Oel in einen Behälter fliefst und daselbst zur weiteren 
Verwendung; gesammelt wird. Die Kraft der Feder des Ventils d ist 
so bemessen, dafs der Druck der durch c einströmenden Luft dieselbe 
gerade überwindet, was bei der Gröfse des Ventils d zur Folge hat, dafs 
nur Luft durch den Lufteinlafs e in den Cyliuder dringen würde, während 
der Lufteinlafs g aufser Thätigkeit bliebe. Um dies zu vermeiden, ist 
der Hebel f angeordnet, mit welchem beim Beginn der Maschine die 
Stärke der Feder vergröfsert werden kann, so dafs nun während der 
Ansaugperiode auch Luft durch den Einlafs g in den Cylinder gelangen 

mufs. 

Vergaser. 

H. Wadzeck in Berlin (* D. R. P. Nr. 48637 vom 8. Januar 1889), 
Fig. 28. 

Das erzeugte Gas soll nicht nur zum Betriebe der Maschine, sondern 
auch zur Speisung der Heizflammen und Zündflamme dienen. In Folge 
einer eigentümlichen Ventilanordnung tritt beim Ansaugen der Maschine 
ein inniges Mischen des erzeugten Gases mit atmosphärischer Luft in 
Folge von Gegenströmung ein und findet hierauf ein gleichzeitiger Ab- 
schlufs des Gases und der Luft statt. 

A ist ein Behälter, welchem das zu vergasende Benzin, Naphta, 
Erdöl etc. mittels des Röhrchens g zugeführt wird. Dieser Behälter A ist 
aufsen von einem Mantel umgeben und oben durch einen Deckel ab- 
geschlossen, dessen cylindrischer Aufsatz /"mit Schlitzen b und am Umfange 
mit Muttergewinde versehen ist, auf welchem eine Kapselmutter h behufs 
Regulirung des Luftzutrittes auf und nieder geschraubt werden kann. 
In dem cylindrischen Aufsatze f des Apparatdeckels ist das Ventil B 
angeordnet, dessen Boden mit Durchlochungen a versehen ist. i bedeutet 
das nach der Maschine führende Rohr. Die unter dem Behälter A an- 
geordneten Heizflammen umspülen denselben von aufsen und die ^ er- 
brennungsproducte gelangen durch Oetlnungen der Ummantelung ins Freie. 

Beim Eintritt der Saugperiode der Maschine wird das Ventil B 
gehoben und aus dem Behälter A Gas angesaugt, welches durch die 
Oetl'nung im Deckel und durch die Oetlnungen a im Ventilboden in 



104 Neue Erdöl-Maschinen. 

Richtung der Pfeile hindurchtritt. Gleichzeitig wird auch durch die 
Oellhungen b des cylindrischen Aufsatzes /", und zwar, wie die einge- 
zeichneten Pfeile andeuten, in entgegengesetzter Richtung atmosphärische 
Luft angesaugt, und durch diese Gegenströmung wird eine äufsert intensive 
Mischung beider herbeigeführt. 

Ein Theil des in A erzeugten Gases tritt durch das centrale Rohr 
abwärts in den Sammelraum C und gelangt von hier aus zu den Heiz- 
flammen und der Zündflamme für die nach dem Cylinder der Maschine 
gesaugten Gase. 

C. Wigand in Hannover (* D. R. P. Nr. 49102 vom 14. März 1889), 
Fig. 29. 

Die Kohlenwasserstoffe werden zuerst verdampft, dann nach Art 
des Vorganges im Bunsenbrenner mit Luft gemischt, um in diesem ge- 
mischten Zustande direkt zur Verbrennung zu kommen. In Fig. 29 ist B 
ein Behälter für den Brennstoff, welcher durch das Rohr R in den Ver- 
dampfungsapparat G fliefst. Das Wesen des letzteren besteht darin, dafs 
das flüssige Brennmaterial in ihm eine dünne Schicht bildet, welche sich 
an die von einer Flamme umspülte Hülse G anschmiegt. Die dünne 
Schicht wird dadurch hergestellt, dafs der innere Raum der Hülle G 
von einem festen Kerne oder einem schwimmenden Kerne so weit aus- 
gefüllt wird, dafs ein freier Raum zwischen diesen Theilen und der 
äufseren Wandung in der Stärke der Schicht übrig bleibt. Das zu ver- 
dampfende Material wird dadurch sofort bei seinem Eintritt in G ganz 
der Wärme ausgesetzt, und seine Verdampfung bezieh. Vergasung bei 
genügend grofser Wärme wird so zu sagen momentan stattfinden. Der 
so entstandene Dampf bezieh, das Gas strömt oben durch die feine 
Oeffnung der Düse D in ein Bohr T, in welchem, wie in einem Strahl- 
gebläse, die Mischung mit der Luft, vor sich geht. Von diesem Rohre 
geht eine Abzweigung zu der die Verdampfung oder Vergasung bewirken- 
den Flamme, welche die Hülle G umspült. Der andere Theil des Ge- 
misches speist diejenige Flamme, welche den Zweck des Brenners bildet. 

Die eigenthümliche Construction desjenigen Theiles des Apparates, 
in dem die Verdampfung stattfindet, sichert eine selbständige Regu- 
lirung der Flüssigkeitshöhe darin. Wird zu viel Flüssigkeit verdampft, 
so steigt der Dampfdruck in dem Räume G und drückt die Flüssigkeit 
nach B zurück; dadurch wird die der Einwirkung der Flamme ausge- 
setzte Oberfläche derselben reducirt, und in Folge dessen wird die Ver- 
dampfung eine geringere werden. Es wird sich demgemäfs die Höhe 
der Flüssigkeit in G ganz dem Verbrauche entsprechend einstellen. Um 
die Meuge des nothwendigen brennbaren Dampfes zu verändern, kann 
in der Ausströmungsdüse D desselben eine verstellbare Nadel angebracht 
werden. 

Wird ein Schwimmer benutzt, so trägt derselbe unten ein kleines 
Ventil, welches durch den Auftrieb des Schwimmers zueehalten wird. 



Neue Erdöl-Maschinen. 105 

Durch diese Einrichtung wird bewirkt, dafs die Flüssigkeit trotz gröfserer 
Druckhöhe nie zum Ueberfliefsen kommen kann. Auch hier wird der 
Druck der in G entwickelten Gase im Stande sein, die Flüssigkeit, wenn 
es nothwendig ist, in den Behälter B zurückzudrücken. Dadurch wird 
auch hier ein selbständiges Einstellen der Flüssigkeit dem Verbrauche 
entsprechend stattfinden. 

Zum Zwecke des Anlassens wird bei A etwas Spiritus oder ein 
anderer flüssiger Kohlenwasserstofi' in den Ringraum, welchen das äufsere 
Gehäuse des Verdampfungsapparates um den Hilfsbrenner bildet, hin- 
eingegossen und angezündet. 

Ed. Hahn in Frankfurt a. M. (* D. R. P. Nr. 48739 vom 9. März 1889), 
Fig. 30. 

Um die Vertheilung der Flüssigkeit in den von Luft durchstrichenen 
Räumen ABC (Fig. 30) nicht nur auf die Saugfähigkeit des eingelegten 
Stoffes zu beschränken, ist die Anordnung getroffen, dafs die Flüssigkeit 
aus dem Behälter Z), welcher mit einer luftdicht verschliefsenden Füll- 
schraube versehen ist, durch ein gekrümmtes Rohr b nach dem Be- 
hälter B fliefst, der saugende Stoff an zwei Draht- oder durchbrochenen 
Gestellen angeheftet, die in den Räumen A B C so gelagert sind, dafs 
sie mit dem einen Ende auf dem Boden des Behälters B aufsitzen, auf 
den beiden Seiten im Räume A bis zum Boden herabhängen, im Raum C 
bis zum Boden von B aufsteigen und diese Räume ausfüllen. Der so 
gelagerte Stoff* wirkt nicht nur in dem Mafse seiner Saugfähigkeit, sondern 
er vertheilt die Flüssigkeit durch seine heberartige Wirkung nach dem 
Raum C, indem er aus dem Raum B sich mit Flüssigkeit vollsaugt und 
am Boden des Raumes A den Ueberschufs ablagert, der sich alsdann 
auch nach dem Hahnenrohr a, in welches das Rohr e eingesteckt ist, 
ergiefst. Das Rohr e mündet oben in den Behälter D ein. 

J. C. Bull in Erith, England (* D. R. P. Nr. 51798 vom 1. Sep- 
tember 1889), Fig. 31 Taf. 10 (folgt in Heft 4). 

Das zu verdampfende Erdöl wird durch Trichter e und Schlange b 
in einen Behälter C eingeführt, aus welchem es durch ein Rohr c in den 
inneren Behälter A abfliefst. Die Schlange b ist in einen mit Kühlwasser 
gefüllten Behälter B eingeschlossen und steht durch ein Rohr b { mit dem 
Sicherheitsventil a des Behälters A in Verbindung. Dieses Ventil a ist 
mit A durch ein Rohr a l verbunden und ist aufserhalb eines den Be- 
hälter j4 umgebenden zweiten Behälters E angeordnet. Letzterer ist mit 
Wärmeschutzmasse bekleidet. Unterhalb des Trichters e befindet sich 
ein Ahspcrrhahn d und in das Rohr c ist ein Hahn g eingeschaltet. Auf 
dem Behälter C beiludet sieh ebenfalls ein Sicherheitsventil h. Von dem 
Behälter A. der unten mit einem Abflufsrohr i versehen ist, führt oben 
ein Rohr if, das mit Wärmeschutzmasse umgeben ist, zum Cyliuder der 
betreffenden Maschine. Der Behälter E ist mit Wasser, Sazllösung oder 
einer anderen Flüssigkeit angefüllt, welche mit Hilfe einer durch £ hin- 



106 Neue Erdöl-Maschinen. 

durchgehenden Heizschlange o erhitzt wird. Der Druck dieser in E 
befindlichen Flüssigkeit wird durch ein Sicherheitsventil m regulirt, durch 
welches, wenn die höchste Spannung überschritten wird, der Dampf in 
ein Rohr m^ und eine im Behälter G befindliche Condensationsschlange m 2 
tritt, wo er condensirt wird. Das Niederschlagswasser fliefst aus der 
Schlange m 2 in einen Behälter F, aus welchem es durch Hahn m 3 wieder 
in den Behälter E zurückgeführt werden kann. Zur gröfseren Sicher- 
heit ist auf dem Behälter F noch ein Sicherheitsventil n angeordnet, 
durch welches die hochgespannten Dämpfe ins Freie austreten können. 

Um die Verdampfung des in A befindlichen Erdöls zu erleichtern, 
kann der Behälter A vorteilhaft mit einer Heizschlange versehen werden. 
Der Druck in A wird durch das Sicherheitsventil a regulirt, welches sich 
bei Ueberschreitung des höchsten beabsichtigten Druckes öffnet und Dampf 
durch das Rohr b { iu die Condensationsschlange b übertreten läfst, aus 
welcher die condensirte Flüssigkeit nach C abfliefst. Aus C kann die 
Flüssigkeit durch Hahn g wieder nach A zurückfliefsen. Sollte in C 
eine zu grofse Spannung entstehen, so gestattet das Sicherheitsventil h 
den Austritt der Dämpfe ins Freie. 

Die in A entwickelten Dämpfe können durch Rohr K gefahrlos und 
ohne Verlust zur Maschine geleitet werden, da die passende Spannung 
durch das Sicherheitsventil a regulirt wird und die Dämpfe von höherer 
Spannung in B condensirt werden. Vor der Mündung des Rohres K in 
den Behälter A ist in letzterem ein Drahtsieb p angebracht, um jede 
Zurückzündung unmöglich zu machen, obwohl dieselbe nicht zu befürchten 
ist, da die Dämpfe mit Spannung zur Maschine gehen. 

Wollte man aber ein ferneres Sicherheitsmittel anwenden, so kann 
man das Rohr K in einen Behälter D ausmünden lassen, von dem aus 
das Rohr K { zur Maschine führt. Vor und hinter dem Behälter D sind 
dann Ventile q und q { angeordnet, welche selbsthätig von der Maschine 
geöffnet und geschlossen werden, und zwar so, dafs immer der eine 
offen, der andere geschlossen ist. Der Behälter E ist mit Ablaufrohr* 
und die Condensatoren B und G sind mit Zu- und Ableitungsrohren für 
das Kühlwasser versehen. 

Um den Apparat in Gang zu setzen, wird die in E befindliche Flüssig- 
keit durch Unterstellen einer Flamme unter den Schirm (bei i) erwärmt. 
Um die Verdampfung in A einzuleiten, kann man, nachdem das Erdöl 
in A durch Trichter e eingefüllt ist, eine kleine Menge leichten Oels 
(Naphta) nachgiefsen, das auf der Überfläche schwimmt und schnell zur 
Verdampfung gelangt. Sobald in A Dämpfe von genügender Spannung 
entwickelt sind, werden sie durch K bezieh. K { zur Maschine geleitet, 
wo sie mit Luft gemischt zur Explosion kommen. Die Verbrennungs- 
producte werden vom Cylinder der Maschine durch das Rohr r zur 
Heizschlange o geleitet und sind mehr als genügend, um die weitere 
Verdampfung zu unterhalten, da sie eine Temperatur von circa 400° C. 



Neue Erdöl-Maschinen. 107 

besitzen und etwa dem zehnfachen Gewicht des zu verdampfenden Erdöls 
entsprechen. 

Wenu der Behälter E mit Kochsalzlösung gefüllt ist, so ist zum 
Verdampfen des Erdöls ein Erhitzen der Kochsalzlösung bis auf den 
Siedepunkt nicht nöthig, da letztere bei atmosphärischem Druck ersl 
bei 180° C. siedet, während der Siedepunkt des im Handel käuflichen 
Erdöls schon bei 150° C. liegt. 

Obwohl es vorteilhaft ist, einen mäfsigen Druck im Behälter A zu 
halten, so kann es in einzelnen Fällen von Vortheil sein, den Eintritt 
der Dämpfe und der Luft in den Cylinder so zu reguliren, dafs ein par- 
tielles Vacuum in A entsteht, wodurch der Siedepunkt der in .4 befind- 
lichen Flüssigkeit erniedrigt wird und Flüssigkeiten von hohem Siede- 
punkt (bei atmosphärischem Druck) zur Verdampfung gebracht werden 
können. 

Die Vorrichtung arbeitet auch -ohne den Wasserbehälter £ und die 
zugehörige Condensationsvorrichtimg G F. Der Erdölbehälter A wird 
in diesem Falle direkt durch eine untergestellte Heizvorrichtung erwärmt. 
Auch kann der Apparat mit dem Wasserkessel E versehen sein; 
letzterer braucht aber nicht mit der Condensationsvorrichtung G F aus- 
gerüstet zu sein, da eventuell durch das Sicherheitsventil m übertretender 
Wasserdampf direkt ins Freie entweichen kann. 

F. Dürr in München (* D. R. P. Nr. 52583 vom 9. November 1889), 
Fig. 32. 

Die Einrichtung besteht der Hauptsache nach aus dem Verdajnpfer A, 
dem gekühlten Standrohr S und dem Reservoir H. Ersterer gleicht in 
seiner Auordnung einem Niederdruckdampfkessel und besteht aus dem 
Mantel m mit Verdampfungsrinne i i, Standglas s und Ablafshahn fc, dem 
Deckel mit Manometer und Dampfrohr d nebst Hähnchen h und ange- 
gossenem Heizkörper c. und dem Bodenstück mit Anschlufsstutzen für 
die Abgase. 

In die ganz in das Erdöl reichende Verdampfungsrinne i i wird 
Spiritus oder irgend eine leichte, brennbare Flüssigkeit geschüttet und 
angezündet. Die Flamme heizt zunächst die inneren Wände dieser Rinne, 
sowie je nach der Menge des eingeschütteten Spiritus auch einen gröfsereu 
oder kleineren Theil der Mantelfläche, wodurch das Erdöl zur Ver- 
dampfung gebracht wird. Der Apparat soll mit einer Spannung von 
etwa 0,2 Atmosphären arbeiten, und ist dieser Druck am Manometer 
ersichtlich. Die Entfernungen von der Oberfläche des Erdöls im Ver- 
dampfer A bis zum Erdölspiegel im Reservoir R entspricht beim Betriebe 
einer Erdölsäule, deren Gewicht genanntem Druck gleichkommt. 

Nachdem sich nun genügend Erdöldampf gebildet hat, wird der 
Motor wie gewöhnliche Gasmotoren angelassen. Zwischen dem \ er- 
dampfungsapparat und dem Schieber z sitzt noch ein Hahn A, ein selbst- 
tätiges Sicherheitsventil v und eine kleine Stopfbüchse f. 



108 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

Das Auslöschen der Spiritusflamme erfolgt, wenn der Heizkörper c 
durch die abziehenden Gase so erhitzt ist, dafs diese selbst bei jedem 
Hub die nöthige Menge Erdöl verdampfen können, welcher Zeitpunkt 
durch Versuche an jedem Motor festgestellt wird. 

Wird der Druck im Apparat zu grofs, so drückt er die Erdölsäule 
nach dem Reservoir, bei welchem in Folge des bedeutend gröfseren In- 
halts ein Ueberlaufen nicht zu fürchten ist. Aufserdem kann das Steigrohr 
mit Rippen oder Doppelmantel mit Wasser für Kühlung versehen werden. 
Bei gröfserem Druck nimmt somit auch die Verdampfungsfläche ab, und 
da stets eine gleiche Menge Wärmeeinheiten zugefügt wird, so können 
die Schwankungen in der Spannung, da die Heizfläche für jede Motoren- 
gröfse auf empirischem Wege festgestellt werden mufs, nie so grofs 
sein, dafs aus diesem Grunde Störungen im Betriebe eintreten können. 
Die Luft selbst tritt durch ein gewöhnliches Saugventil V in den Motor. 

Mg. 

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

(.Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes ßd. 276 S. 491.) I 
Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 8 und 9. 

1) Alioth und Co. zu Basel, deren Maschine bereits in D. p. J. 1887 
265 * 436 und 1889 273 * 291 erwähnt wurde, hatten (nach dem Engineer 
vom 12. Juli 1889 Bd. 68 * S. 22) auf der Pariser Ausstellung von 1889 
eine ziemliche Anzahl von Dynamo ausgestellt, die sämmtlich vierpolig 
und so ausgeführt sind, dafs das gufseiserne Joch der Pole einen äufseren 
Mantel für die Maschine bildet, wodurch dieselbe ein kugelförmiges 
Ansehen erhält, während die Pole selbst für sich gegossen und am 
inneren Umfange jenes Mautels befestigt werden. Das gufseiserne 
Mantelstück oder das Joch des Feldes erhält bei den Maschinen mit ge- 
mischter Wickelung eine andere Form, als bei denen mit Reihen- oder 
Nebenschlufs- Wickelung. 

Bei Maschinen mit gemischter Wickelung bildet der Mantel einen 
starken Ring, um welchen die den Nebenstromkreis der Wickelung- 
bildenden acht Spulen angebracht sind. Jener Ring oder das Feld be- 
steht aus vier einzelnen Theilen, von denen die beiden unteren mit den 
Füfsen, durch welche die Maschine mit der Grundplatte verbolzt wird, 
zusammen gegossen sind. Diese Theile sind durch schräg durch das 
Metall gehende Bolzen verbunden, deren Köpfe unter einer, über jedem 
Pole befestigten Holzplatte verborgen sind; ebenso verdecken diese Holz- 
platten die besondere Form des Feldes bei jedem Pole. Das Feld bildet 
keinen vollkommenen Ring, sondern ist genau über jedem Pole V-förmig 
ausgenuthet, wodurch die magnetischen Linien in die Polstücke hinein- 



1 Vgl. auch 1890 27G 432. 277* 73.,* 74. 75. « 351. " 356. * 358. 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 109 

geleitet werden sollen, anstatt sich innerhalb des Metalles in entgegen- 
gesetztem Sinne zu treffen, wie bei einem vollkommen ringförmigen 
Felde der Fall sein würde. Das eine Polpaar liegt wagerecht, das 
andere genau aufrecht: auf ersterem ist die Reihenwickelung des Feldes 
angebracht. Zu beiden Seiten der Maschine sind auf die Polstücke die 
Lager der Ankerwelle angebolzt, welche gleichzeitig die Führungen für 
die Bürstenträger bilden. 

Die Bauart der Reihen- und Nebenschlufs-Maschine ist aus Fig. 1 
ersichtlich, welche eine Maschine in Hintereinanderschaltung darstellt. 
Die in derselben sichtbaren Schraubenköpfe zeigen, dafs hier die Pole 
unter 45° gegen die Wagerechte geneigt sind. Die Wickelung befindet 
sich ausschliefslich auf den Polstücken. Das Joch oder der äufsere 
Mantel besteht gewöhnlich (wie in Fig. 1) aus nur zwei Gufsstücken, 
von denen das untere mit der Grundplatte und den Lagern der Anker- 
welle zusammengegossen ist. Bei gröfseren Maschinen aber bildet die 
Grundplatte mit den Lagern zusammen ein Gufsstück, während der 
Mantel aus zwei besonderen Theilen besteht. Die treibende Riemen- 
scheibe jeder Maschine (auch diejenigen der gemischten Maschinen) hat 
eine besondere, als Schwungrad wirkende Ansatzscheibe. 

Die Bürsten werden ebenfalls in zwei verschiedenen Weisen gegen 
den Stromsammler gedrückt. Bei den durch Fig. 1 dargestellten Maschinen 
sind zwei Paar federnde Bürstenhalter von der in Fig. 2 skizzirten Form 
in Verwendung, deren aus Kupfergaze bestehende Bürsten fast radial 
zum Stromsammler gerichtet sind. 

Die gröfseren Nebenschlufs-Maschinen, sowie die gemischten Dynamo 
hingegen haben Bürstenhalter, bei welchen der Druck der Bürste durch 
einen am Ende belasteten Hebel (Fig. 3) mit dem verstellbaren Ge- 
wichte W geregelt werden kann. Sollen die Bürsten vollständig vom 
Stromsammler abgehoben werden, so wird der belastete Hebel so weit 
niedergedrückt, bis der kleine feststehende Hebel L in den Einschnitt 
einer mit dem Halter drehbaren Scheibe einfällt und den Halter in 
dieser Stellung sichert. 

Um den Strom der Maschine mit Reihenwickelung gleichmäfsig zu 
erhalten, sind die getrennten Lagen der Wickelung nach einer Reibe 
von an der Maschine befestigten Contactstücken geführt, welche mit 
einem selbsthätigen Regulator verbunden sind, der in seiner äufseren 
Form dem später beschriebenen Potentialregulator (Fig. 8) gleicht. Der 
kreisförmige, den Bürstenhalter tragende Rahmen ist, wie in Fig. 1, mit 
einem Zahnbogen versehen, in welchen ein auf der Welle eines Hand- 
rades sitzendes Trieb eingreift, um die Verstellung der Bürsten auf dem 
Umfange des Stromsammlers leicht bewerkstelligen zu können. Letz- 
terer hat 80 Abtheilungeu, die einander gegenüber liegenden derselben 
sind innerlich verbunden, so dafs nur zwei um 90° versetzte Bürsten 
nöthis; sind. 



HO Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

Die Maschine Fig. 1 entwickelt 1700 Volt und 12 Ampere bei 
600 Umdrehungen in der Minute, ihr Gewicht ist etwa 2800 k . 

Der Ankerkern besteht aus l mm ,6 starken Scheiben von weichem 
Eisenbleche, die unter sich isolirt und in Gruppen von je 6 Stück ver- 
einigt sind. Die 6 Scheiben jeder Gruppe sind zusammengenietet und 
so auf der Welle befestigt, dafs zwischen je zwei benachbarten Gruppen 
ein Zwischenraum von 3 mm ,2 verbleibt. Die Wickelung des Ankers 
erstreckt sich über die ganze Oberfläche des Trommelkernes, jedoch 
liegen die Spulen nicht in diametraler Richtung, wie bei der Siemens- 
Wickelung, sondern erstrecken sich nur über einen kleinen Theil der 
Trommeloberfläche. Zwischen den einzelnen Spulen sind Zwischenräume 
gelassen, so dafs durch diese, in Verbindung mit denen zwischen den 
Kernscheiben, eine kräftige Luftbewegung stattfinden kann. Die Wicke- 
lung vermag daher einen Strom bis zu 3200 Ampere auf 1 Quadratzoll 
(6 f i c ,46) Kupferquerschnitt aufzunehmen, ohne dafs eine gefährliche Er- 
hitzung eintritt. 

Für Maschinen mit hoher Spannung sind die Ankerspulen hinter 
einander geschaltet, wie Fig. 4 zeigt, bei geringer Spannung dagegen 
paarweise parallel, wie in Fig. 5 ; in beiden Fällen sind die einander im 
Durchmesser gegenüber liegenden Spulen von demselben Potential mit 
einander verbunden, so dafs nur zwei Bürsten nothwendig sind. Zur 
gröfseren Deutlichkeit ist in beiden Figuren der Trommelanker als ab- 
gestumpfter Kegel gedacht, dessen Abstumpfungsfläche dem Beschauer 
zugekehrt ist. 

Um für eine gegebene Gröfse der Maschine und für ein bestimmtes 
Potential die geeignete Wickelung zu erhalten, kann jede getrennte 
Spule auf folgende drei verschiedene Arten hergestellt werden: 1) Durch 
sechs vollständige Windungen einfachen Drahtes; 2) durch zwei Drähte 
von gleichem Durchmesser in drei vollständigen Windungen; 3) durch 
drei parallel geschaltete Drähte gleichen Durchmessers in zwei voll- 
ständigen Windungen. Eine Spule der letzteren Art zeigt Fig. 6. — 
Würde z. B. eine Maschine mit den Spulen der ersteren Art bei einer 
bestimmten Geschwindigkeit 600 Volt ergeben, so würden durch Anwen- 
dung der zweiten oder dritten Art von Spulen 300 bezieh. 200 Volt zu 
erzielen sein. Die erstere Gattung von Spulen wird überhaupt für hohe 
Spannungen angewendet und mit im Querschnitte rechteckigem Drahte 
ausgeführt. 

2) Das Ammeier von Alioth und Co. ist in Fig. 7 nach dem Engineer 
vom 12. Juli 1889 Bd. 68 * S. 24 dargestellt, nach Fortnahme der Theil- 
scheibe. Die Nadel N desselben ist aus dünnem Eisenbleche hergestellt 
und schneckenartig geformt; die in der Figur wiedergegebene Stellung 
entspricht der Ruhelage, wenn kein Strom durch das Instrument geht. 
Das eine Ende der Nadel tritt in den inneren Raum einer Spule C\ am 
anderen Ende ist der Zeiger angebracht. Eine im Mittelpunkte S des 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 111 

Instrumentes befestigte lothrechte Spiralfeder wirkt als Gegenkraft auf 
die Nadel. 

Die Voltmeter haben dieselbe Bauart, erhalten jedoch Spulen von 
hohem Widerstände. 

3) Der Potentialregulator von Aliolh und Co. für Dynamo mit Neben- 
schlufs- und mit gemischter Wickelung ist in Fig. 8 abgebildet und ent- 
hält (nach dem Engineer vom 12. Juli 1889 Bd. 68 * S. 24) ein aufrecht 
gestelltes Solenoid 5, dessen Kern am oberen Ende einen mit Queck- 
silber gefüllten Napf iV trägt, in welchen Contactstäbe von verschiedener 
Länge eintauchen. Jeder derselben ist mit einem besonderen der im 
oberen Gestelltheile angebrachten Widerstände W verbunden, die, sobald 
sämmtliche Stäbe in das Quecksilber eintauchen, einander parallel ge- 
schaltet werden, wobei der dem Felde der Maschine hinzugesetzte 
Widerstand auf seinen kleinsten Betrag verringert wird. Wenn nun 
das Potential zufolge einer Aenderung der Umlaufsgeschwindigkeit 
wachsen sollte, so zieht das aus feinen Draht gewickelte Solenoid seinen 
Kern nach abwärts, wodurch eine entsprechende Anzahl der Contact- 
stäbe aus dem Quecksilber austreten, so dafs weniger Widerstände 
parallel geschaltet bleiben, also der Widerstand der Maschine zunimmt 
und das Potential wieder auf seine normale Gröfse verringert wird. 
Das Gewicht des Solenoidkernes und Quecksilbers ist durch einen 
Schwimmer ausgeglichen, der sich in einem unterhalb stehenden, mit 
geeigneter Flüssigkeit gefüllten Gefäfse G befindet. 

Zur Regulirung von Dynamo mit Reihenwickelung, welche Aende- 
rungen der Belastung und Geschwindigkeit ausgesetzt sind, wird der- 
selbe Apparat angewendet, jedoch sind die Contactstäbe aufser mit den 
erwähnten Widerständen auch noch mit besonderen Lagen der Feld- 
magnetwickelung verbunden, und der Solenoidkern befindet sich bei 
normaler Lage in seiner tiefsten, statt in seiner höchsten Stellung. Das 
Solenoid selbst ist aus starkem Drahte hergestellt und nimmt den Haupt- 
strom auf. Nimmt die Geschwindigkeit der Dynamo zu, oder werden 
Lampen ausgeschaltet, so wird der Kern aufwärts gezogen und einige 
Lagen des Feldes werden aufser Thätigkeit gesetzt, wogegen ein ent- 
sprechender Widerstand an ihre Stelle tritt, so dafs die Geschwindig- 
keit der Maschine verringert wird. (Vgl. 11.) 

•1) Auf der Pariser Ausstellung befand sich noch der in Fig. 9 dar- 
gestellte Regulator für einen Motor. Letzterer hatte 2 B? und wurde 
von einem Lichtstromkreise aus bethätigt, welchem von der gröfsten 
Dynamo der Strom geliefert wurde. Damit der Motor verschieden stark 
belastet werden konnte, liefs man ihn eine einer Dynamo ähnliche 
Maschine treiben. 

Der Regulator wird mittels der Riemenscheibe P vom Motor aus 
betrieben, deren Welle durch ein Kegelrad zwei gleiche Räder in be- 
ständige entgegengesetzt gerichtete Umdrehung versetzt. Diese beiden 



112 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

Kegelräder sitzen auf kegelförmig ausgebohrten Buchsen, in welche zwei 
auf der Welle befestigte Kegel eingreifen können, und je nach der Stel- 
lung der Welle das eine oder das andere Kegelrad mit der Welle 
kuppeln. Bei geringer Geschwindigkeit wird diese Welle durch eine 
Feder nach rechts gedrückt, so dafs der rechts sitzende Kegel mit seinem 
Kegelrade in Eingriff kommt, wodurch die Welle in einer bestimmten 
Kicbtung gedreht wird. Uebersteigt die Geschwindigkeit ein bestimmtes 
Mafs, so wird der auf einer auf der Welle sitzenden Kugel drehbar 
befestigte Regulatorring 6r, welcher bisher sich in schräger Lage befand, 
durch die Centrifugalkraft eine mehr winkelrechte Stellung einnehmen 
und hierbei die Welle nach links verschieben, so dafs das andere Rad 
mitgenommen und die Welle in entgegengesetzter Richtung umgedreht 
wird. Die Umdrehung der Welle wird, durch ein Rädervorgelege ver- 
ringert, auf eine Schraubenspindel übertragen, welche ihre Mutter in 
dem verschiebbaren federnden Contacte C findet, der sich je nach der 
Drehungsrichtung der Spindel nach rechts oder links verschiebt und 
dabei auf Contactstücken gleitet, die mit (in der Zeichnung fortgelassenen) 
Widerständen verbunden sind. — Der Apparat wird so eingestellt, dafs, 
wenn die normale Geschwindigkeit des Motors erreicht ist, der Regu- 
latorring so weit winkelrecht steht, um dem Drucke der Feder wider- 
stehen zu können, so dafs beide Kegel jetzt aufser Eingriff mit ihren 
Rädern stehen. 

5) Cue'nod, Sautter und Co. zu Genf (vgl. 1886 262*61) bauen 
ihre Dynamo sammt Regulator und Lampen nach den Patenten von 
Thury und hatten verschiedene Formen dieser Maschine 1889 in Paris 
ausgestellt. 

Eine grofse Dynamo, welche 150 elektrische Pferdestärke ent- 
wickelt und 750 Ampere mit 150 Volt bei 380 Umdrehungen liefert, 
für 2000 16 kerzige Lampen genügt, ein Gewicht von 6 ( einschliefslich 
der äufseren Lager besitzt, soll einen commerciellen Wirkungsgrad von 
93,8 Proc. ergeben, d. h. es soll die im äufseren Stromkreise nutzbar ge- 
machte elektrische Kraft 93,8 Proc. der an der Riemenscheibe ausgeübten 
mechanischen Leistung betragen, wobei die Temperatur in der Maschine 
nur 44° C. erreicht haben soll. 

Eine zweite, ähnliche Maschine war mit einer stehenden Verbund- 
maschine von Gebrüder Sulzer in Winterthur unmittelbar gekuppelt, 
welche 250 Umdrehungen in der Minute machte. Die Kuppelung zwischen 
Ankerwelle und Kurbelwelle ist keine starre, sondern es ist Raffard' & 
elastische Kuppelung, welche in Fig. 10 {Engineer vom 19. Juli Bd. 70*S.46) 
skizzirt ist, angewendet (vgl. 1888 269*57). In jeder der beiden, auf 
den genannten Wellen sitzenden Scheiben von etwa 650 mm Durchmesser 
sind acht Zapfen von je 13 mm Durchmesser eingesetzt. Je ein Zapfen 
der einen Scheibe ist mit dem in 50 mm Abstand stehenden Zapfen der 
anderen Scheibe durch eine Schleife von Gummi, 13 mm stark, 101 mm 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 



113 




breit, verbunden. Diese Dynamo gibt 550 Ampere bei 65 Volt, kann 
jedoch, wenn die Geschwindigkeit auf 425 Umdrehungen in der Minute 
erhöht wird, 110 Volt liefern. 

In Fig. 11 ist eine solche TVii/ry-Dynamo dargestellt: sie besitzen alle 
sechs Pole, und es erhalten die Maschinen bis zu 45 Kilo-Watt zwei Bürsten, 
darüber hinaus vier, auch sechs. 
Bei mehr als zwei Bürsten können 
sämmtliche mit Hilfe eines Hand- 
rades durch Schnecke und Schnecken- 
rad verstellt werden, während aufser- 
dem noch drei Bürstenhalter einzeln 
verstellbar sind, um eine möglichst 
genaue Einstellung derselben gegen 
die neutrale Linie zu erhalten. 

Der Trommelankerkern ist aus 
ganz dünnen, gegen einander isolirten 
und mit einander verbolzten Eisen- 
blechscheiben hergestellt. Es ist bei 
der Wickelung auf möglichste Vermeidung unwirksamen Drahtes Be- 
dacht genommen, die auf einander folgenden Spulen überdecken zum 
Theil die vorhergehenden ; jede derselben ist mit dem Stromsammler 
verbunden, der aus 121 Kupferstreifen besteht. 

Die Feldmagnetkerne, sowie die Polstücke sind aus Schmiedeeisen 
angefertigt; erstere haben rechteckigen Querschnitt und sind in der aus 
Fig. 11 ersichtlichen Art mit den Polstücken verschraubt. Durch den 
Zwischenraum zwischen zwei benachbarten Polstücken sollen die mag- 
netischen Linien gezwungen werden, nur in die Polstücke überzutreten, 
Um einen möglichst 
kleinen Zwischenraum 
zwischen der Anker- 
wickelung und den Pol- 
stücken zu erhalten, sind 
die Lager auf concen- 
trisch zur Bohrung der 
Polstücke ausgedrehte 
Lagerblöcke der Grund- 
platte aufgeschraubt. 

Für kleine Kräfte, 
bis zu 20 Kilo- Watt oder 
26 HP, erhalten die Thury- 
Maschinen zwei Pole und die in Fig. 12 abgebildete Form: sie haben 
dann Grammf-Wickelung. 

Um endlich eine billigere Maschine herzustellen, ist die Form Fig. 18 
gewählt, bei welcher die Magnetkerne und Polstücke aus Gufseisen be- 
Dingler's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 3. 1890/1V. 8 




114 



Neuerungen an Elektromotoren ^Dynamomaschinen). 



Fig. 13. 




stehen, auch sind letztere auf der äufseren Seite hohl gegossen, wie die 
Abbildung erkennen läfst. 

6) Der selbst/tätige Ausschalter 
von Thury, Fig. 17 (nach dem 
Engineer vom 19. Juli 1889 Bd. 68 
* S. 48) dient zur Sicherung einer 
mit anderen Maschinen parallel 
geschalteten Dynamo für den Fall, 
dafs dieselbe plötzlich, z. B. durch 
Reifsen des Riemens zum Still- 
stande kommt. 

Um die Maschine in den 
Stromkreis einzuschalten, wird 
der Handhebel nach rechts ge- 
dreht, wobei die kupfernen 
Enden A desselben gegen die 
Kupferbürsten B gedrückt und 
der Stromkreis geschlossen wird. Gleichzeitig dreht sich der den Mag- 
net N tragende Arm so weit, dafs der letztere den Polstücken J°, welche 
vom Hauptstrome in einer bestimmten Richtung magnetisirt werden, 
gegenüber zu liegen kommt und von diesen kräftig angezogen wird. 
Sollte nun der Strom beispielsweise durch den oben erwähnten Umstand 
umgekehrt werden, so wird auch der Magnetismus der Polstücke um- 
gekehrt und der Magnet N abgestofsen werden. Diese abstofsende Wir- 
kung wird verstärkt durch zwei aus feinem Drahte gewickelte, mit der 
Hauptleitung verbundene Spulen; die durch dieselben erzeugte Polarität 
wechselt also nicht, es wird plötzlich eine kräftige Wirkung auf den 
Arm A ausgeübt und dadurch der Stromkreis unterbrochen. 

7) Thury's unmittelbare Kuppelung zwischen Dampfmaschine und 
Dynamo ertheilt der Ankerwelle der letzteren die doppelte Umdrehungs- 
zahl der ersteren und beruht auf dem in Fig. 18 schematisch dargestellten 
Grundgedanken. — Die mit zwei rechtwinklig sich kreuzenden Schlitzen ß 
und 2?[ versehene Scheibe A ertheilt mit Hilfe des Doppelhebels D D Vl 
dessen Endzapfen die in den Schlitzen der Scheibe A sich bewegenden 
Gleitstücke F, F x tragen, der Welle E das Doppelte ihrer eigenen Um- 
drehungszahl. Die in Paris ausgestellte zweckmäfsige Ausführung einer 
solchen Kuppelung, von Weibel, Briquet und Co. in Genf, erläutern 
Fig. 19 und 20. 

Die Zapfen S, S { und /t, Rt sind an der Scheibe A befestigt und 
durch kurze Lenkstangen und die Y-förmigen Kurbeln £/, #,, D { und 
T. T { ,ü mit den Zapfen D und D { des auf der anzutreibenden Welle E 
sitzenden Doppelhebels verbunden. Das ganze Getriebe ist so einge- 
kapselt, dafs sämmtliche Theile stets in Oel gehen. 

8) Zur ReguKrung des Potentials bedient sich Thury nach dem 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 115 

Engineer vom 19. Juli 1SS9 Bd. 68 * S. 47 entweder eines mechanisch, 
oder eines elektrisch betriebenen Regulators: ersterer wird in beständiger 
Bewegung erhalten, entweder unmittelbar von der Ankerwelle, oder von 
einer der Transmissionswellen aus; letzterer dagegen tritt nur dann in 
Thätigkeit, wenn es gerade erforderlich ist, und wird durch einen 
Elektromotor in Thätigkeit gesetzt, der seinen Strom von der Haupt- 
leitung an derjenigen Stelle entnimmt, wo das Potential regulirt werden 
soll. Letzteres wird sich daher auch mehr für ausgedehnte Beleuch- 
tungsanlagen empfehlen, weil die erzeugende Dynamo von jedem Punkte, 
an welchem ein gleichmäfsiges Potential zu erhalten ist, controlirt 
werden kann. 

Der mechanisch betriebene Regulator besitzt (ähnlich wie in Fig. 9) 
eine wagerechte, mittels Lederschnur angetriebene Welle, welche auf 
der rechten Seite zwei Reibungskegel, auf der linken Seite aber eine 
Scheibe von weichem Eisen trägt, die als Anker zwischen zwei liegenden 
Hufeisen-Elektromagneten sich betindet. 

Unter den beiden Reibungskegeln befindet sich ein gröfserer ent- 
sprechender Kegel auf einer stehenden Welle, welche mittels Schnecke 
ein Schneckenrad antreibt, dessen wagerechte Achse über der Mitte 
einer Anzahl stehender Widerstände liegt und einen Schleifcontact trägt, 
der auf einem, aus verschiedenen, mit den Widerstandspiralen verbun- 
denen Contactstücken gebildeten Bogen schleift. Die Welle des Schnecken- 
rades trägt noch ein kleines Getriebe p (Fig. 14), welches in die Ver- 
zahnung einer um einen wagerechten Bolzen drehbaren Platte L greift, 
die zwei Contactschrauben v und u trägt. Zwischen denselben spielt 
ein leichter wagerechter Hebel, dessen Lage durch die Stellung des 
Kernes eines Solenoids bestimmt wird; die Spule des Solenoids steht 
mit denjenigen Punkten in Verbindung, zwischen denen das Potential 
unveränderlich sein soll. 

Die Wirkungsweise des Apparates ist folgende: Wenn das Potential 
steigt, so stellt der Solenoidkern den oberen Contact bei v her, wodurch 
der zu diesem gehörige Elektromagnet in Nebenschlufs zum Haupt- 
stromkreise gebracht wird. Dieser Magnet zieht nun die auf der wage- 
rechten Antriebswelle befindliche Ankerscheibe an sich und bringt durch 
die hiermit verbundene Verschiebung der Welle einen ihrer beiden Rei- 
bungskegel mit dem mittleren wagerechten Kegel in Berührung, so dafs 
nun durch die erwähnte Schneckenverbindung der Schleifcontact so be- 
wegt wird, dafs der Widerstand im Felde der Maschine vergröfsert 
wird. Gleichzeitig wird aber dem Hebel L durch das Getriebe p eine 
langsame Abwärtsbewegung ertheilt, so dafs der in Thätigkeit getretene 
Elektromagnet selbsthätig und allmählich wieder ausgeschaltet wird. 
Geschieht dies schon etwas früher, als das Potential seine nurmale Höhe 
erreicht hat, so folgt der Contacthebel und macht nochmals C'untact; 
zu viel Widerstand kann aber dabei nicht eingeschaltet werden. Die 



116 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

umgekehrten Bewegungen treten ein, wenn das Potential unter das 
Normale fällt. 

Die vortheilhafteste Geschwindigkeit, mit welcher dieser Regulator 
laufen mufs, wird von Thury in jedem besonderen Falle bestimmt; ihre 
(n-enzen sind 40 bis 350 Umdrehungen in der Minute. Die empfind- 
lichste Regulirung wird erlangt, wenn der Apparat die Veränderung des 
Widerstandes in dem Mafse bewirkt, dafs die sich ergebenden Aende- 
rungen der Stromstärke im Felde der Maschine in dem gleichen Mafse 
erfolgen, wie das Eisen des Feldes fähig ist, seinen Magnetismus zu 
ändern. 

Wie der Schleifcontact die Veränderung des Widerstandes veran- 
lafst, ist aus Fig. 15 näher ersichtlich. Der Widerstand ist zwischen 
den beiden angedeuteten, mit dem Felde der Maschine verbundenen 
Polklemmen veränderlich. Die beiden isolirten, den Schleifcontact C 
bildenden Arme bringen bei der in Fig. 15 gezeichneten Stellung die 
eben zwischen ihnen liegenden Widerstände in Parallelschaltung mit 
den äufsersten Spulen; sie schliefsen dagegen, wenn beide gleichzeitig 
denselben Contact berühren, die letzteren im Kurzschlufs. So ist es 
möglich, die Widerstände in feineren Unterschieden zu wechseln, ohne 
ihnen selbst genau die entsprechende Gröfse zu geben. 

Der elektrisch betriebene Regulator wird in ähnlicher Weise durch 
einen leichten, mit dem Kerne des Solenoids S verbundenen Hebel h 
geregelt; die elektrischen Verbindungen sind so angeordnet, dafs der 
Motor sich nach rechts oder nach links dreht, je nachdem der Hebel h 
«Mit weder oben an v, oder unten an u Contact macht; nach Fig. 16 geht 
nämlich der Strom entweder in der einen oder iu der anderen Rich- 
tung durch den Draht d und den Anker, während die Stromrichtung in 
den beiden Spulen des Feldmagnetes dieselbe bleibt. Je nach der Um- 
drehungsrichtung des Ankers ist die eine oder die andere Feld magnet- 
spule parallel mit demselben, die zweite aber stets dahinter geschaltet. 
Die als Nebenschlüsse angedeuteten Widerstände zu den Feldspulen 
dienen zur Regelung der Geschwindigkeit des Motors. — Bevor der 
Schleifcontactarm jedes Ende seines Weges auf dem Widerstandscon- 
tactquadranten erreicht, öffnet er eine Contactfeder, welche den Strom 
vom Motor abschneidet; dadurch wird verhindert, dafs der Contactarm 
sämmtliche Widerstände verläfst. Die Bewegung des Motors wird durch 
Rädervorgelege verringert auf den Contactarm übertragen, während für 
die allmähliche Aenderung des Widerstandes dieselbe Anordnung ge- 
troffen ist, wie beim mechanisch bewegten Regulator. 

9) Die Elsässer Maschinenbau - Gesellschaft betreibt blofs in ihren 
Werkstätten zu Beifort den Bau von Dynamomaschinen nebst Zubehör. 
Sie hatte auf der Pariser Ausstellung 1889 unter anderen die in Fig. 21 nach 
dem Engineer vom 9. August 1889 Bd. 68 * S. 109 abgebildete, unmittelbar 
mit der Dampfmaschine gekuppelte Dynamo vorgeführt, deren wesent- 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 117 

liehe Eigentümlichkeit darin besteht, dafs sie ein sechspoliges fest- 
stehendes magnetisches Feld besitzt, um welches sieh der ringförmige 
Anker dreht, dessen äufsere Mantelfläche gleichzeitig den Stromsammler 
bildet. 

Der Feldmagnet besteht aus Gufseisen, hat sechs radiale, mit der 
Nabe zusammengegossene Arme und ist mittels eines geeigneten An- 
satzes unmittelbar an die Grundplatte der Betriebsmaschine geschraubt, 
so dafs dieser Ansatz gleichzeitig das eine Lager der Ankerwelle bildet. — 
Die Maschine hat Nebenschlufswickelung, die einzelnen Feldspulen sind 
hinter einander geschaltet. Die magnetische Anordnung ist hier vor- 
teilhafter, als wenn die Feldmagnetkerne von einem äufsereu Mantel 
sich nach dem im Inneren liegenden Anker erstrecken. 

Der Anker bildet einen flachen, die Polstücke umgebenden Ring, 
dessen Kern aus schwachen zusammengeschraubten Scheiben von Eisen- 
blech besteht und von 18 parallel zur Welle laufenden und gleich weit 
von einander abstehenden Messingarmen getragen wird: diese Arme 
sitzen an einem lSarmigen Sterne, dessen Nabe auf die Welle aufgekeilt 
ist. Dieser Ring hat Gramme- Wickelung; jede Spule ist unmittelbar mit 
dem zugehörenden Streifen des Stromsammlers verbunden. Letzterer 
ist auf der Aufsenfläehe des Ankerringes augebracht, besteht aus 714 Ab- 
theilungen von etwa 25 mm radialer Tiefe und etwa 305 mm Breite. Diese 
Anordnung bedingt ebenso viel Bürsten, als Pole vorhanden sind. Dabei- 
hat die vorliegende Maschine sechs Bürsten: jede derselben sitzt auf 
einer Messingspindel, und diese werden sämmtlich von einem seehs- 

Fie. 21. 




armigen gußeisernen Rahmen, von dem sie sorgfältig isolirt sind, ge- 
tragen. Die Bürsten sind durch Drähte zu einander parallel geschähet: 



118 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

die abwechselnden Bürsten sind nämlich durch Leiter verbunden und 
jede der beiden Gruppen mit einer der Hauptpolklemmen. Um die 
Bürsten gleichzeitig vom Stromsammler abheben (wie in Fig. 21), 
bezieh, anstellen zu können, ist ein kleinerer sechsarmiger Stern seit- 
wärts des Bürstenhalterrahmens angebracht und gegen diesen mittels 
des Hebels D drehbar. Dieser Hebel ist drehbar an dem letzt erwähnten 
Sterne befestigt und mit einem Zahnbogen versehen, welcher in eine 
entsprechende Verzahnung auf der Nabe des Bürstenrahmens eingreift. 
Wird Hebel D gedreht, so wird auch der kleinere Stern in Drehung 
versetzt, wobei die an seine Arme angekuppelten, am anderen Ende 
mit den Spindeln der Bürsten in geeigneter Weise verbundenen, gut 
isolirten Stangen eine entsprechende Drehung der Bürstenspindeln ver- 
anlassen. Jede Spindel trägt vier Bürsten, die jede für sich durch eine 
Druckschraube gegen den Umfang des Stromsammlers mehr oder weniger 
angedrückt werden können. Aufserdem können sämmt liehe Bürsten mit 
Hilfe des Hebels A gleichzeitig gegen den Stromsammler verstellt werden. 
Dazu sind die beiden vorher erwähnten Bürstenrahmen auf eine mit 
dem Zahnrade H versehene Hülse aufgekeilt; in R greift ein Getriebe 
ein, auf dessen Achse zunächst ein Handrad fest aufgesetzt und aufser- 
dem der Handhebel A lose aufgeschoben ist. Mit Hilfe eines Stiftes, 
mit welchem sich der Hebel A in das Handrad einlegen kann, läfst sich 
das Rad und demnach auch die Bürstenrahmen beliebig weit drehen. 
Um ihn in der gewünschten Stellung zu erhalten, braucht man nur durch 
den Handgriff E eine auf die Welle des Getriebes einwirkende Bremse 
fest anzuziehen. 

Der grofse Stromsammler und seine zahlreichen Abtheilungen sichern 
eine grofse Gleichmäfsigkeit des Stromes, während die möglichste Ver- 
meidung des Funkengebens bei schwerer Belastung dadurch erreicht 
wird, dafs die Bürsten auf einer bedeutenden Strecke zu beiden Seiten 
der neutralen Linie verstellt werden können. Dagegen ist dieser Strom- 
sammler der verhältnifsmäfsig theuerste Theil der Maschine. 

Die ausgestellte Maschine war für eine Leistung von 125000 Watt, 
und zwar mit 1000 Ampere bei 125 Volt bestimmt, doch kann der 
Strom ohne Gefahr auf 1500 Ampere mit 200 Volt verstärkt werden. 
Da jeder Satz von vier Bürsten ein Drittel des Stromes abführt, so boten 
die Bürsten zu wenig Contactfläche und sollten durch fast über die 
ganze Breite des Stromsammlers reichende ersetzt werden, welche 
zugleich eine erheblich geringere Abnutzung des Stromsammlers ver- 
ursachten. 

Das Gewicht der ganzen Maschine beträgt etwa 7'; dieselbe macht 
150 Umdrehungen in der Minute. 

Die mit dieser Dynamo unmittelbar gekuppelte Dampfmaschine ist 
nach der Bauart von Armington und Sims mit zwei Cylindern ausgeführt; 
sie leistet 150 HP bei 200 Umdrehungen und ist mit einem, im Schwung- 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 



119 



rade angebrachten Centrifugalregulator versehen, welcher auf das selbs- 
thätige Dampfeinlafsventil wirkt. 

Die Hauptleitungen sind von der Dynamo zunächst nach zwei auf 
einem aufrechten Ständer angebrachten Messingklemmen geführt; dieser 
Ständer besitzt an jedem Pole einen Sicherheitspfropfen und enthält 
aufserdem eine, während des Ganges der Maschine brennende Glüh- 
lampe. Die Leitungen sind dann erst nach dem Schaltbrette geführt. 

10) Die Elsässer Maschinenbau-Gesellschaft hatte aufser der vorher 
beschriebenen Dynamo in Paris noch zwei zweipolige Dynamo ausge- 
stellt, von denen Fig. 22 eine Abbildung gibt. Diese beiden Maschinen 
wurden in der Ausstellung von den beiden Schwungrädern einer 
125 pferdigen Armington und Sims- Dampfmaschine, welche 250 Um- 
drehungen in der Minute macht, durch Riemen mit 350 Umdrehungen 

Fi 2 . 22. 




in der Minute angetrieben. Jede derselben war für 500 Ampere bei 
120 Volt, also 80 elektrische Pferdekräfte, berechnet. Die Grundplatte 
und die Lagerständer dieser Dynamo sind in einem Stücke gegossen, 
die letzteren bieten dem eigentlichen Lager eine halbkreisförmige Auf- 
lagerfläche, behufs genauer Centrirung derselben. Jeder Schenkel des 
Feldmagnetes ist mit dem Polstücke aus dem Ganzen, aber hohl ge- 
gossen und enthält in seinem cylindrischen Hohlräume einen schmiede- 
eisernen, von dem unteren Ende des Schenkels bis in das Polstück sich 
erstreckenden Kern. Bei dieser besonderen Anordnung soll, nach den 



120 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

angestellten Versuchen, das magnetische Feld in einer wagerechten, 
beide Polstücke halbirenden Linie in und aus dem Anker treten und 
daher die Anziehung des Feldes symmetrisch auf die Mitte des Ankers 
einwirken, so dafs dieser nach keiner Richtung hin aus dem mechanischen 
Gleichgewichte kommt, wodurch anderenfalls die Lager der Ankerwelle 
ungleich belastet werden. Man hat nämlich durch Versuche gefunden, 
dafs bei voll gegossenen Magnetschenkeln und Polstücken derselben Form 
die magnetische Strömung leichter durch die unteren Ecken der Pol- 
stücke und durch den Weicheisenkern des Ankers geht, als durch die 
in den Polstücken selbst dargebotene Masse. Durch diese ungleiche 
Vertheilung des Magnetismus wird aber die untere Lagerschale so stark 
belastet, dafs sie stets warm läuft, was bei der neuen Anordnung nicht 
mehr vorkommt. 

Der Stromsammler dieser Maschine besteht aus Abtheilungeu oder 
Stangen aus Eisen, welche an die messingeneu Verbindungsstücke, wo- 
ran sich die Ankerdrähte anschliefsen, verschraubt sind. Diese Anord- 
nung bietet einmal den Vortheil, dafs sich zwischen den einzelnen 
Sammlerstäben eine isolirende Luftschicht befindet, und gestattet zweitens 
eine leichte Erneuerung dieser Theile. 

Arbeiten mehrere Dynamo einzeln oder zusammen in Parallelschal- 
tung, so erhält das Schaltbrett in der Mitte zwei wagerechte Kupfer- 
schienen, denen einerseits der Strom von den Dynamo zugeführt wird, 
während sie ihn andererseits den Leitungen überliefern. Die eine Pol- 
klemme der Dynamo ist zunächst mit einem selbsthätigen Ausschalter 
verbunden, der mit der Hand geschlossen wird, aber den Stromkreis 
selbsthätig sofort unterbricht, sobald durch irgend welchen Zufall eine 
Umkehrung des Stromes eintritt. Von diesem Ausschalter geht der 
Strom durch ein Ammeter nach einer der Kupferschienen ; die Rück- 
leitung von der anderen Schiene geht durch einen Handumschalter nach 
der Dynamo- dieser Handumschalter bewirkt die Stromunterbrechung 
mit Hilfe sehr kräftiger Federn unabhängig von der Geschwindigkeit, 
mit welcher der Handhebel gedreht wird. 

11) Der Potentialregulator derselben Gesellschaft besteht aus einem 
Solenoid, dessen Kern auf den einen Arm eines wagerechten, am anderen 
Arme einen Quecksilbercontact tragenden Hebels wirkt. In das Queck- 
silber tauchen Drähte von verschiedener Länge , von denen je nach 
der Stellung des Quecksilbergefäfses mehr oder weniger eintauchen und 
dadurch mehr oder weniger von den Widerständen in den Stromkreis 
des im Nebenschlüsse liegenden Feldes einschalten. Fällt das Potential 
der Maschine, so geht der Kern nieder und das Gefäfs empor, es werden 
mehr Drähte in das Quecksilber eingetaucht und die zu ihnen gehörigen 
Widerstände kurz geschlossen. (Vgl. 3.) (Fortsetzung folgt.) 



Glätten des Papiers und geheizte Kalanderwalzen. 121 

Glätten des Papiers und geheizte Kalanderwalzen; von 

Dr. E. Math. 

Die früher gebräuchliche Art, das Papier zwischen polirten Metall- 
platten zu glätten, indem mehrere Lagen zu einem Satz vereinigt zwi- 
schen 2 oder 3 Stahlwalzeu durchgelassen wurden, wodurch das Papier 
eine starke Pressung erlitt, ist nur noch für wenige Papiersorten bei- 
behalten, der gröfste Theil des geglätteten Papiers erhält jetzt mittels 
des Kalanders seine Glätte. 

Der Bau des Kalanders soll hier als bekannt vorausgesetzt werden, 
und hauptsächlich die Behandlung des zu glättenden Papiers zur Sprache 
kommen. Bei der früher gebräuchlichen Plattensatinage war eine Vor- 
behandlung weniger nöthig, da die ganze Manipulation eine um- 
ständliche war, so dafs weit weniger fertig wurde, wobei das Papier 
schon den Abkühlungsprozefs dadurch durchmachte, dafs es vor dem 
Glätten einige Zeit stehen blieb. Anders ist es bei dem Kalander; das 
aufgerollte Papier wird hier direkt von der Rolle abgearbeitet und die 
ganze Arbeit ist eine ununterbrochene. Bei den aus Stahlwalzen und 
Papierwalzen bestehenden Kalandern ist die Lagerung derart getroffen, 
dafs oben zuerst 2 Stahlwalzen, welche genau auf einander geschliffen 
sind, als Vordruckwalzen dienen; durch diese wird das Papier zuerst 
geführt, während die später folgenden Walzen aus je einer Papier- und 
Stahlwalze bestehen. Die unterste Walze besteht aus der stärksten 
Stahlwalze. Diese Lagerung der Stahlwalzen auf Papierwalzen ist des- 
halb getroffen, um bei der Pressung des Papiers auf die Papierwalze 
eine etwas elastische Unterlage zu schaffen, wodurch das Papier eine 
glättere Oberfläche erhält. Ein weiterer Vortheil der Papierwalze ist, 
dafs das Papier beim Umlauf einen gröfseren Reibungswiderstand findet, 
der Umlauf desselben wird etwas gehemmt, und die darüber laufende 
Stahlwalze kann ihren ganzen Druck ausüben. 

Die Glätte, welche dem Papier gegeben wird, hat neben dem 
glänzenden Aussehen als Hauptzweck, dafs die auf der Oberfläche des 
Papiers liegenden feinen Fasern in die Masse geprefst werden, eine 
Manipulation, welche bei Post- und feinem Schreibpapier weniger nöthig 
ist, da bei diesen der Stoff auf klare Durchsicht gemahlen ist, also kurz 
und schmierig. Sehr nöthig ist das Festpressen der Fasern bei festen 
Papieren, welche lang gemahlenen Stoff erfordern; bei diesem Papier 
werden die Fasern nicht nur durch die harten Stahlfedern aufgenommen, 
sondern auch durch dünnflüssige Tinten beeinflufst. Früher, als mit 
Gänsefedern geschrieben wurde, war man weniger genöthigt, auf an- 
genehme Glätte zu sehen, wozu die Art der Leimung des Papiers auch 
beigetragen hatte, indem dieses durch die Oberflächenleimung mit einer 
glatten Decke überzogen war. 

Der weitere Zweck, welchen das Satiniren verfolgt, ist der, die 



122 »Hatten des Papiers und geheizte Kalanderwalzen. 

Oberfläche des Papiers in eine dicht geschlossene Fläche zu verwandeln, 
so dal's alle vorhandenen feinen Löcher geschlossen werden, wodurch 
das Papier widerstandsfähiger gegen die Aufnahme von Feuchtigkeit, 
besonders also auch leimfester wird. In Folge des bedeutenden 
Druckes, welchen das Papier erfahren hat, durch welchen die Zwischen- 
räume geschlossen und die Fasern fest an einander geprefst sind, behält 
dieses für später auch die nöthige Glätte; dieses ist jedoch nur möglich, 
wenn das Papier vor dem Glätten den nöthigen Feuchtigkeitsgrad hat, 
da zu viel wie zu wenig hiervon gleich nachtheilig ist. Das schwammige 
Papier, wie solches von der Maschine kommt, ist gewöhnlich über- 
trocknet, die Faser saugt mit Begierde aus der Luft Feuchtigkeit, ver- 
ändert dadurch ihre Beschaffenheit und zeigt vollständig geänderte 
Eigenschaften. Wird zu trockenes Papier geglättet, so wird dasselbe 
bei allen Fehlern der Walze platzen, auch wird viel gröfserer Druck 
nöthig werden, um die etwas spröde Faser anzupressen, sowie auch 
um die feinen Oefthungen im Papier zu schliefsen. Wird nun zu 
trocken geglättetes Papier der Feuchtigkeit der Luft ausgesetzt, was 
der Fall ist, wenn das Packet geöffnet wird, so nimmt die Faser mit 
grofser Begierde Feuchtigkeit auf, verändert aber durch die Ausdehnung, 
welche sie hierbei erfährt, ihre Lage, und in kurzer Zeit hat dieses 
Papier nicht nur seinen Glanz verloren, sondern auch die Glätte und 
kommt dem unsatinirten Papier wieder gleich. 

Neben der stofflichen Zusammensetzung- ist deshalb der Feuchtig- 
keitsgehalt des Papiers Haupterfordernifs zur Erzielung von Glanz und 
Glätte, wenn solche von Dauer sein soll. Papier, welches zu feucht 
durch den Kalander geht, nimmt wohl leicht grofsen Glanz an, 
doch wird es sehr schlecht in der Durchsicht erscheinen; das Papier 
wird zerdrückt und immer auf der Oberfläche graues Aussehen haben ; 
der Nachtheil ist ebenso grofs, als wenn das Papier zu trocken ge- 
glättet wird. Den für das Satiniren besten Feuchtigkeitsgehalt erhält 
das Papier, wenn dieses Zeit hat, die Feuchtigkeit aus der Luft auf- 
zunehmen. Da diese Manipulation im Grofsen kaum durchzuführen und 
aufserdem zu zeitraubend wäre, so sind verschiedene Vorrichtungen 
geschaffen, durch welche das Papier durch Befeuchten mit Wasserstaub 
oder mit Dampf angefeuchtet wird, bevor es auf der Papiermaschine 
aufgerollt wird. Die Vorrichtung mit Dampf genügt bei sehr dünnen 
Papieren; Papier in der Stärke des gewöhnlichen Schreibpapiers mufs 
mit Wasserstaub, d. h. mit fein vertheiltem Wasser befeuchtet werden, 
und werden auch damit sehr gute Resultate erzielt, wenn die Papier- 
rollen Zeit haben, einige Tage zu lagern, damit das zuerst nur auf die 
Oberfläche gespritzte Wasser auch ins Innere eindringen kann, das 
Papier also Zeit hat, zu verziehen. Die Menge des zum Feuchten 
nöthigen Wassers ist deshalb abhängig von der Stärke des Papiers 
sowie von der Art der verwendeten Stoffe; es gehört die ganze Umsicht 



blatten des Papiers und geheizte Kalanderwalzen. 123 

und Erfahrung des Werkführers dazu, um die richtige Menge zu treffen. 
Bei zu wenig Feuchtigkeit lüfst sich helfen, wenn die Papierrollen noch 
einige Zeit liegen können: sobald das Papier aber zu stark gefeuchtet 
ist und sich solches auch beim Liegen zeigt, so wird man selbst bei 
nur geringem Pressen immer graues und zerdrücktes Papier erhalten. 
Um gegen dieses Vorkommen gesichert zu sein, emptiehlt sich eine 
Vorrichtung am Kalander, welche sich für verschiedene Zwecke als 
>ehr vortheilhaft bewiesen hat. Von den kleineren Stahlwalzen, welche 
mit den Papierwalzen zusammenlaufen, werden zwei derart eingerichtet, 
dafs dieselben mittels Dampf geheizt werden können. 

Die Beschaffenheit der heizbaren Kalanderwalze darf wohl als 
bekannt vorausgesetzt werden. 

Auf der einen Seite der ausgebohrten Stahlwalze ist eine Stopf büchse 
in den Zapfen eingefügt, durch welche das Dampfzuleitungsrohr und 
das Ableitungsrohr für das Condensationswasser hinein gelegt sind. 
Dieses Rohr ist etwas gebogen und das Ende schräg abgeschnitten, um 
das Wasser besser abzusaugen. Das Dampfrohr reicht bis zu 2 / 3 in 
die Stahlwalze, um auch das entgegengesetzte Ende der Walze gleich- 
mäfsig zu erwärmen. Die Zapfenstärke der Walze darf nicht zu sehr 
geschwächt werden, worauf beim Einrichten der Stopfbüchse Rücksicht 
genommen werden mufs, da die. Walze grofsen Druck auszuhalten hat, 
welcher sich auch auf die Zapfen überträgt. 

Die Walzen, welche nicht nur mit dem eigenen Gewichte auf 
einander laufen, sondern auch durch Pressuug an einander gedrückt 
werden, erwärmen sich durch die vorhandene Reibung: diese genügt 
jedoch für stärkere Papiere nicht, um, wenn das Papier zu feucht, 
einen Theil der Feuchtigkeit zu verduusten. Ist jedoch eine der 
oberen Stahlwalzen geheizt, so theilt sich die Wärme auch den 
beiden obersten Vorprefswalzen mit, ein Theil der Feuchtigkeit ver- 
dunstet, und mit dem nach unten zunehmenden Drucke wird auch das 
Papier trockner, so dafs kein Zerdrücken oder Grauwerden des Papiers 
stattfindet. Dadurch, dafs von den Stahlwalzen zwei zum Heizen ein- 
gerichtet sind, hat man das Erhitzen der Walzen ganz in der Hand, 
auch werden Fehler, welche die Vorprefswalzen in dem zu feuchten 
Papier etwa verursachen, durch die Pressung zwischen den nachfolgen- 
den Walzen wieder ausgeglichen. Die Gefahr, durch Glätten des Papiers 
Ausschufs zu erhalten, ist durch Arbeiten mit geheizten Kalander- 
walzen bedeutend herabgemindert. 

Ein weiterer Vortheil der heizbaren Kalanderwalzen ist der, dafs 
das Papier in etwas feuchterem Zustande geglättet werden kann, so 
dafs zur Erzielung der gewünschten Glätte und des Glanzes das Papier 
weniger geprefst werden mufs. Von Vortheil ist dieses bei feinstem 
Druckpapier, von welchem häufig hoher Glanz verlaugt wird, ohne dafs 
es durch starke Pressung die Saugfähigkeit einbüfst. 



124 Glatten des Papiers und geheizte Kalanderwalzen. 

Sehr scharf satinirte Papiere verlieren nach vorgenommenen 
Proben bis zu 20 Proc. an ihrem Volumen : der Griff', welchen dieselben 
vor dem Satiniren haben, wird bedeutend gemindert; durch die starke 
Pressung leidet aufserdem die Festigkeit des Papiers. Beim Arbeiten 
mit geheizten Walzen und geringerer Pressung betrug die Volumvermin- 
derung des geglätteten Papiers nur gegen 8 bis 12 Proc. 

Wenn es auch bei der Einrichtung mit geheizten Kalanderwalzen 
möglich wird, das Papier von der Maschine ohne vorheriges Lagern zu 
glätten, so sollte davon nur in Ausnahmefällen Gebrauch gemacht 
werden, die Arbeit wird alsdann besser und Ausschufs wird weniger. 

Bedeutender Glanz wird dem Papiere gegeben, welches mit heifsen 
Kalauderwalzen geglättet ist, wenn dem Stoffe mit dem Leim etwas 
Stearinseife beigemengt ist. Gleiche Theile Stearin und Borax werden 
mit Wasser so lange erhitzt, bis sich eine milchig getrübte Masse bildet, 
welche nach dem Erkalten zu einer seifenartigen Masse erstarrt. 
Hiervon werden auf 100 Th. Stoff 0,5 bis 0,75 Th. Stearin mit Wasser 
vermischt und dem Stoffe mit dem Leim zugetheilt. Das Stearin, in 
mikroskopisch kleinste Theilchen vertheilt, schmilzt beim Durchgehen 
zwischen den erhitzten Glättwalzen, gibt eine glänzende Oberfläche, 
genau so, wie bei dem Verfahren zur Herstellung der Glanzwäsche von 
Kragen und Manchetten. 

Die Behandlung des Papiers mit geheizten Glättwalzen verlangt 
Vorsichtsmafsregeln für den Kalander ebenso wie für das Papier. Bei 
dem Kalander ist besonders darauf zu achten, dafs durch das in der 
Hitze dünnflüssige Fett keine Verunreinigung stattfindet, indem die 
Schmiere bei der schnellen Drehung der Walzen nach innen läuft und 
die Papierwalzen beschädigt. Hier kann abgeholfen werden, wenn die 
Zapfen der Kalanderwalzen auf Filzlagern laufen, welche das Oel auf- 
saugen und nur so viel Schmiere abgeben, als der Reibung wegen 
nüthig ist. Diese Lager haben sich sehr gut bewährt, nur müssen 
öfter neue Zwischenstücke, welche noch weich sind, eingelegt werden, 
und sind, wenn der Filz durch zu starke Pressung seine Saugfähigkeit 
verloren hat, neue Lager unterzuschieben. Um das Fortlaufen der 
Schmiere auf dem Zapfen nach der Walze zu verhindern, wenn 
wirklich zu viel von dem Filzlager abgegeben wurde, erwies sich 
als sehr brauchbar, wenn aus einem alten Trockenfilze eine Scheibe 
geschnitten und solche über den Zapfen geschoben wird, so dafs sie 
an die Walze direkt anliegt. Sollte Oel auf dem Zapfen weiter laufen, 
so nimmt der Filz dieses auf, und war eine derartige Scheibe über 
J/.2 Jahr im Gebrauche, ohne dafs Schmiere auf die Walzen lief. 

Auch die Behandlung des Papiers erfordert etwas Umsicht; durch 
richtige Regulirung des Dampfes und bei dem jetzt allgemein gebräuch- 
lichen Frictionsantriebe läfst sich der Gang des Kalanders ohne Unter- 
brechung ändern, so dafs etwaige Fehler sich gleich abstellen lassen. 



Die Beleuchtungsanlage der Stahlwerke in Terni. 125 

Die Ueberhitzung des Papiers durch die Glättwalzen macht sich nicht 
nur bemerkbar durch Abplatzen des Papiers und dadurch vermehrten 
Ausschufs, — auch auf farbige Papiere ist diese von Einflufs. Selbst 
bei der Anfertigung von etwas gebläutem Schreibpapier machte sich die 
Aenderung der Farbe des Papiers bemerkbar, und zwar zuerst auf der 
Schnittfläche, nachdem das Papier in Haufen safs. Bei genauer Unter- 
suchung zeigte es sich, dafs das Papier zweifarbig war, d. h. eine Seite 
des Bogens war dunkler als die andere, und zwar war diejenige Seite 
heller, welche auf der geheizten Stahlwalze auflag: auch war der 
Unterschied in der Farbe um so gröfser. je mehr die Stahlwalze er- 
hitzt war. Die auf der Papierwalze laufende Papierseite wurde der 
schlechten Wärmeleitung wegen weniger erhitzt. Die Hitze selbst 
kann den Unterschied in der Farbe nicht verursacht haben, da das 
Papier mit Ultramarin gefärbt war. welches feuerbeständig ist und nicht 
wie Farbextracte oder Anilin durch diese zersetzt wird. Eine Erklärung 
für den Vorfall konnte noch nicht gefunden werden, bei richtiger Re- 
gulirung des Dampfes kann er aber verhindert werden, und soll nur 
das Vorkommen deshalb aufgeführt sein, damit gleich vou Anfang an 
auf diese Möglichkeit geachtet wird. 

Bei der Vielseitigkeit, welche der Kalander in der Technik findet. 
i?t die Benutzung geheizter Kalanderwalzen bereits ziemlieh verbreitet: 
in der Papierfabrikation aber, für welche vorstehende Zeilen in erster 
Linie bestimmt sind, dürften sie dazu beitragen, die Arbeit des Glättens 
zu erleichtern und das Fabrikat zu verbessern, da jedenfalls Einrich- 
tungen dieser Art aufser für Glacepapier vereinzelt sind. 

Nicht unerwähnt sollen die Schutzvorrichtungen an den Kalandern 
bleiben, welche in grofser Anzahl bei der Ausstellung in Berlin im 
J. 1889 ausgestellt waren, von welchen sich verschiedene durch grofse 
Einfachheit auszeichneten, so dafs den vielen Unfällen, welche durch 
Kalanderbetriebe verursacht waren, vorgebeugt sein dürfte, wenn solche 
nur genau nach den Angaben angebracht werden. 



Die Beleuchtungsanlage der Stahlwerke in Terni. 

Die Stahlwerke in Terni. die erste derartige gröbere Anlage Italiens, sind 
in der ~Sa.be der nördlich von Rom liegenden gleichnamigen Stadt, in einer 
durch ein mächtiges Lignitlager und die bedeutende Wasserkraft des Velino- 
tlusses begünstigten Gegend: dieser Fluls bildet bei seinem Einfliel'sen in die 
Nera, etwa fikni von Terni entfernt, die sogen. Marmorfälle. Das Lignitlager 
bietet eine zur Gasfeuerung vorzüglich geeignete, zum Betrieb der Puddel- 
und Schweifsöfen brauchbare Kohle. 

Die zum Betriebe erforderliche, etwa 8000 effective IP betragende Betriebs- 
kraft wird dem Velino durch zwei 700 m m weite Rohrleitungen entnommen, 
die sich auf einer 2657<n langen Strecke zu einem Tunnel von 3n>. Hohe und 



126 Die Beleuchtungsanlage der Stahlwerke in Terni. 

101,75 Breite vereinigen, der in einen 10(X't>ni fassenden Behälter endigt, von 
hier fähren wieder zwei Rohrleitungen von je 700™«! Durchmesser zu dem 
206 m tiefer gelegenen grol'sen Vertheilungsschieber des Stahlwerkes. Die 
ganze Druckhöhe beträgt 233'»; die Maschinen erhalten (wenn man den Druek- 
verlust in der 6600 m langen Leitung auf 2*' annimmt) Kraft wasser von 18 
bis 19at Druck, welches durch zahlreiche Leitungen nach den einzelnen Ver- 
brauclisstellen geführt wird. 

Die von der Maschinenfabrik Kfilingen (der früheren Elektrotechnischen Fabrik 
Cannstatt) ausgeführte elektrische Beleuchtungsanlage ist die gröfste bis dahin 
in Italien bestehende; ihr Umfang ergibt sich aus nachstehenden Zahlen: 

Gesammttläche des Werkes 190 66OM"' 

Fläche der Gebäude mit Glühlampen 3 540'im 

„ „ „ „ Bogenlampen 29 593qm 

„ sämmtlicher Gebäude 44 615qm 

Gesammttläche nach Abzug der Gebäude 144 045<l m 

Fläche auf 1 Bogenlampe: 

a) im Freien (56 Lampen) 2 572qm 

b) in Gebäuden (43 Lampen) 688qm 

Fläche auf 1 Glühlampe 30qm 

„ „ 1 „ in Schreibzimmern und Ma- 
gazinen 18qm 

Zahl der Glühlampen etwa 300. 

Bei der Bearbeitung des Entwurfes wurden folgende Grundsätze aufgestellt: 

1) jeder Stromkreis mufs für sich abstellbar sein; 

2) tritt in irgend einem Stromkreis eine Betriebsstörung ein , so müssen 
die übrigen Lampen noch genügend Licht geben, um Unglücksfälle oder Be- 
triebsstörungen zu vermeiden. 

Im Freien werden die Bogenlampen von 10m hohen schmiedeeisernen 
Masten getragen; ihre durchschnittliche Entfernung beträgt 60 bis 65m; die 
Lampen geben eine solche Lichtmenge, dafs die Mitte zwischen 2 Lampen 
noch eine Belichtung von 0,5 bis 0,6 Normalkerzen in im Entfernung hat. 
In den Arbeitsräumen haben die Lampen nur 20 bis 30m Entfernung und hier 
herrscht wirkliche Tageshelle. Die Lampen im Freien haben dioptrische 
Scheiben, während für die Lampen im geschlossenen Räume behufs günstiger 
Lichtvertheilung zur Hälfte matte, nach unten durchsichtige Glasglocken ge- 
wählt sind. Die 100 Bogenlampen sind auf 10 Stromkreise mit einer durch- 
schnittlichen Länge von je 800 bis 1200m Länge vertheilt. 

Die Glühlampen haben durchschnittlich 25 Normalkerzen und befinden 
sich in den Schreib- und Zeichenzimmern, den Magazinen, den Versuchs- 
räumen, den Pförtnerhäusern. In der Nähe der Maschinen sind tragbare 
Lampen angebracht, um etwaige Ausbesserungen auch bei Nacht an weniger 
gut beleuchteten Stellen ausführen zu können. 

Der elektrische Strom für die Bogenlampen wird durch 12 Dynamo- 
maschinen von je 10 EP geliefert, welche paarweise durch je eine Turbine 
von 20 EP betrieben werden, indem ihre Anker auf dieselbe Welle mit dem 
letzten Rade des Triebwerkes aufgesteckt und zu beiden Seiten dieses Rades 
je eine mit der Welle verkuppelt sind. Zwei dieser Maschinen stehen in 
Bereitschaft und lassen sich einzeln mit jedem Stromkreise verbinden. — Für 
die Glühlichtbeleuchtung dienen 2 Dynamomaschinen von je 25 rP mit einer 
ihnen gemeinsamen Turbine von 50 EP. 

Die Turbinen von 20 EP haben 600mm äufseren Durchmesser und 120mm 
Breite und machen 10U0 Umdrehungen in der Minute, während diejenigen von 
50 EP 650mm Durchmesser und 170mm Breite haben und 850 Umdrehungen 
in der Minute machen. 

Für beide Arten ist der Wasserverbrauch in der Secunde 0d>m,6 für 
1 efl'ective EP und betragt der Nutzell'ect 65 bis 68 Proc, welcher mit Rück- 
sicht auf die grofse Geschwindigkeit und den kleinen Durchmesser als sehr 
Jurist ig zu bezeichnen ist und wesentlich dadurch erreicht wurde, dafs das 



Die Beleuchtungsanlage der Stahlwerke in Terni. 127 

Triebrad ganz aus Bronze hergestellt wurde, wodurch sein Gewicht und mit- 
hin die Reibung möglichst verringert worden sind. 

Zur Regulirung dieser Turbinen dient ein mit Schraubengewinde ver- 
sehener Schieber, welcher am Ende die genaue Leitschaufelform besitzt. 

Die Dynamomaschinen sind nach der Construction von Broten (1887 204 
*588) ausgeführt. Ihr wirtschaftlicher Wirkungsgrad, d. h. das Verhältnifs 
der vom Jlotor entwickelten Kraft zur entwickelten elektrischen Energie be- 
tragt im Mittel 0,75. Die Wickelung der Magnetschenkel mufs wegen des 
geschlossenen Eisengestells auf der zusammengestellten Maschine vorgenommen 
werden, was zwar etwas umständlicher und zeitraubender ist, aber dafür den 
Vortheil hat, dafs die Wickelung dicht an die Schenkel anschliefst, wodurch 
die sonst vorhandene Luftschicht zwischen den bewickelten Schenkeln und 
dem sie verbindenden Deckstücke beseitigt wird und so den magnetischen 
Kraftlinien ein geringerer Widerstand sich entgegenstellt. Dennoch findet eine 
geringe Streuung der Kraftlinien statt und offenbart sich durch Anziehung von 
in die Xähe der Pole gebrachten Eisenstücken. 

Diese Maschine wird entweder mit R,eihen- oder mit Nebenschlufs- oder 
mit gemischter Wickelung ausgeführt. Bei der ersten Art wird die kräftigste 
Stromwirkung erzeugt, weshalb man die Reihenmaschine für eine unveränder- 
liche Zahl hinter einander geschalteter Bogenlampen mit bestem Erfolg ver- 
wendet, während man die Nebenschlufsmaschinen und die Maschinen mit ge- 
mischter Wickelung für eine wechselnde Zahl von parallel geschalteten Glüh- 
oder Bogenlampen schon der Regulirbarkeit halber benutzt, also wenn es 
sich um Erzeugung einer unveränderlichen Klemmenspannung bei wechselnder 
Stromentnahme handelt. 

Um mit der gemischten Wickelung gleichbleibende Spannung zu erhalten, 
dürfte die Umdrehungszahl der Maschine sich durchaus nicht verändern, auch 
würde beim Warmwerden der Maschine die gemischte Wickelung Störungen 
erfahren, und deshalb ist eine selbsthätige Regulirung mittels besonderer Hilfs- 
widerstände vorgesehen. Auch bei Kebenschlufswickelung ist eine Regulirung 
erforderlich. 

Der von der Marchinenfabrik Eßlingen angewendete selbsthätige Regulator 
ist abweichend von dem in diesem Journal (1888 267 * 453) beschriebenen 
Broicn'schen ausgeführt. Hier enden die Widerstandspiralen in Quecksilber- 
gefäl'se. über welchen eine Metallachse liegt, die an ihrem Umfange eine ent- 
sprechende Anzahl gegen einander versetzter Schaufeln trägt. Unter dieser 
Achse befindet sich ein parallel zur Hauptleitung geschaltetes Solenoid, welches 
je nach der Stromwirkung zwei Eisenkerne mehr oder weniger einzieht. Die 
auf und nieder gehende Bewegung dieser Kerne veranlafst mittels einer 
Schnurübertragung eine Drehung der erwähnten Achse, wodurch die mit 
derselben verbundenen Schaufeln in Folge des verschiedenen Eintauchens in 
die Quecksilbergefäfse die Widerstände entsprechend ein- oder ausschalten, 
und zwar geschieht dies sehr pünktlich, weil durch Reibungslagerung der 
Achse der Reibungswiderstand möglichst verringert ist. Keben dem Solenoid 
befindet sich noch eine Anzahl von Zusatzwiderständen, durch deren Ein- 
schaltung die anziehende Kraft der Spulen sich steigern oder schwächen läfst, 
so dafs der Apparat auf eine höhere oder niedrigere Spannung regulirt. 

Die Maschinenfabrik Eßlingen versieht die Anker der für Glühlichtbeleuch- 
tung bestimmten .Maschinen stets nur mit einer Drahtlage, wahrend bei der 
Bogenlichtmaschine nur 2 bis 3 Lagen in Anwendung kommen. Dieses bietet 
nicht allein den Vorzug einfacher und daher genauerer Arbeit, wobei der 
Anker gut ausbalancirt werden kann, sondern es hat den weiteren Vortheil, 
dafs der Anker verhältnil'sniäl'sig kühl bleibt, ohne dafs man genöthigt ist, zu 
den umständlicheren und weuiger dauerhaften Ventilationsankern zu greifen. 

Bei der Anlage zu Terni bestehen die Leitungen der Bogenlampen gröfsten- 
theils aus blankem Kupferdraht von 2mm.2 Dicke; während die der Glüh- 
lampen aus gut isolirten Drähten und nur im Freien aus blankem Kupter- 
draht hergestellt sind. 

Die Gesammtlänge der 12 Leitungen für Bogenlampen beträgt 9940™ 
und zwar 



in Leitung 


I 


n 

n 


in 

V 

VII 


:• n 


IX 
XI 



128 Dampf- und Wasserwechsel bei Aiipreturraaschinen. 

950m in Leitung II 790m 

820m „ „ IV 1150m 

780m „ „ VI 1540m 

950m n n VIII 790m 

830m „ „ X 770m 

200m „ „ XII 370m. 

Der hierzu verwendete Kupferdraht kostet etwa 700 M. Bei Parallel- 
schaltung hingegen würde nach einer Berechnung von H. Cox , Oberingenieur 
der Fabrik, diese Summe etwa 8700 M. betragen haben, bei Annahme von 
10 Proc. Leitungsverlust. Bei Annahme von 5 Proc. Verlust in der Leitung 
würden sich die Kosten auf 1400 bezieh. 16700 M. gesteigert haben. Man 
sieht hieraus, dafs die Parallelschaltung nicht überall mit Vortheil zu ver- 
wenden ist, im Allgemeinen nur da, wo die zu beleuchtenden Räume dicht 
beisammen liegen, auch ist noch zu berücksichtigen, dafs für jede Lampe 
25 Proc. mehr Kraft nöthig ist, als bei Hintereinanderschaltung. 

Die ganze 1887 ausgeführte Beleuchtungsanlage der Stahlwerke in Terni 
hat rund 100000 M. gekostet. (UhlancTs Technische Rundschau, 1889 III. Jahrg. 
■■' S. 283.) 



Vorrichtung zur continuirlichen Einführung des Dampfes 
und stofsweisen Abführung des Condensationswassers bei 
rotirenden Dampfcylindern der Appreturmaschinen u. dgl. 

Mit Abbildungen auf Tafel 9. 

Die durch das D. R. P. Kl. 8. Nr. 49 973 vom 2. Mai 1889 ge- 
schützte Vorrichtung von Philipp Grofsmann in Basel (Schweiz) beruht 
auf der Verwendung einer in der Drehachse des rotirenden Dampf- 
cylinders liegenden Doppelröhre, deren eine Abtheilung einerseits direkt 
in den rotirenden Cylinder einmündet und andererseits mit dem Dampf- 
zuführrohr in Verbindung steht, während die andere Abtheilung der 
Doppelröhre einerseits beständig mit dem Abführungsrohr des Conden- 
sationswassers verbunden ist und andererseits bei jeder Umdrehung des 
Cylinders durch ein Seitenröhrchen nur eine augenblickliche Verbindung 
mit dem sich drehenden Cylinder erhält und zwar nur immer dann, 
wenn das Seitenröhrchen seine unterste lothrechte Stellung einnimmt. 

Die besondere Construction der ganzen Vorrichtung ergibt sich aus 
den Fig. 1 bis 5 Taf. 9. 

Die Doppelröhre A ist in die Endstopfbüchse C des Dampfcylinders D 
eingelegt und besitzt zwei durch eine Scheidewand E { getrennte Ab- 
theilungen a6, wovon eine a an ihrem äufseren Ende a { mit dem 
Stutzen a 2 in Verbindung steht, mit ihrem anderen Ende a ;5 hingegen 
direkt iu den Cylinder D einmündet. 

Die Abtheilung b der Doppelröhre .4 ist nach innen bei b x ver- 
schlossen; hingegen steht das andere Ende derselben Abtheilung mit 
dem Stutzen b 2 in Verbindung. Die Doppelröhre A ist aus einem Stück 
mit den zwei seitlichen Stutzen a., b.> gegossen. 

An dem Stutzen a., ist das Dampfzuleitungsrohr H und an dem 
Stutzen //> das Abführungsrohr I des Condensationswassers angeschraubt. 



Neuerungen in der Gasindustrie. 129 

Der Cylinder D dreht sich auf seinen Lagern um die Doppel- 
röhre .4, an deren äufserem Eude eine Stange E sitzt, welche in zwei 
an dem Seitengestell F der Maschine angebrachten Führungen F der- 
art liegt, dafs durch diese Führungen die Doppelröhre A vor Längs- 
verschiebung und Drehung gesichert ist. 

Das eine Ende des Seitenröhrchens B ist an den Stutzen g an- 
geschraubt und mündet dort bei der Peripherie des Cylinders D in 
dessen Hohlraum h ein. Am anderen Ende ist das Röhrchen B mit 
dem Stutzen i verbunden, welcher im Drehzapfen des Cylinders bezieh, 
in der Hülse der Stopfbüchse eingeschraubt ist. 

Die Abtheilung b der Doppelröhre A ist unten mit einer Oeffnung l 
versehen, welche die Verbindung des Hohlraumes h des Cylinders mit 
der Abtheilung b der Doppelröhre A durch das Seitenröhrchen B her- 
stellt, wenn das Röhrcheu B sich in der in Fig. 1 und 2 dargestellten 
Stellung befindet, so dafs alsdann der Druck des Dampfes, welcher 
letztere fortwährend in den Cylinder D einströmt, das im Cylinder D 
befindliche Condensationswasser durch das Röhrchen B und die Ab- 
teilung b der Doppelröhre A in die Abführungsröhre I wegtreiben kann. 

Eine solche periodische Verbindung der Abtheilung b der Doppel- 
röhre A mit dem Hohlräume des Cylinders D wird bei jeder Umdrehung 
des Cylinders in dem Augenblick hergestellt, wo das Röhrchen B seine 
unterste senkrechte Stellung einnimmt, d. h. unter die Oeffnung / der 
Doppelröhre A gelangt, so dafs das Condensationswasser stofs weise aus 
dem Cylinder D abgeführt wird. 



Neuerungen in der Gasindustrie. 

Mit Abbildungen auf Tafel 7 und 9. 
Ueber Explosionen in Kohlenschilfen von V. L. Lewes. 
Der Inhalt einer Kohlenladung in den Kohlenschifi'en beträgt 50 bis 
400 1 gewöhnlich, selten mehr; bei solchen Ladungen bis zu 500 1 betrug 
die Zahl der vorgekommenen Explosionen i j i Proc. Die Ursache der 
Explosionen ist eine ganz andere als sie bei der gewöhnlichen Selbst- 
entzündung von Kohlen herrscht; bei der Umwandlung der Holzfaser 
in Kohle werden beträchtliche Mengen von gasförmigem Methan frei. 
Da der Prozefs sich über grofse Zeiträume erstreckt, so findet der 
gröfste Theil Gelegenheit, durch die überliegenden Schichten zu ent- 
weichen; die Risse und Poren der Kohle jedoch bleiben davon erfüllt 
und das darin eingeschlossene Gas wird nur langsam abgegeben; nach 
der Förderung der Kohle dauert die Abgabe von Gas noch einige Zeit 
fort, besonders stark wird dieselbe bei sinkendem Luftdruck und mit 
steigender Temperatur. Eine frisch geförderte Kohle gibt also immer 
Methan an die Luft im ziemlich geschlossenen Kohlenraum ab. Nun 

Dingler's polyt. Journal Bd. 978 Nr. 3 1890,1 V. 9 



130 Neuerungen in der Gasindustrie. 

ist reines Methan nicht explosiv für sich, mit dem lOfachen Volumen 
Luft aber explodirt dasselbe mit einem Druck von 14 k ,7 auf l c i cm . Eine 
andere Ursache, welche die Gefahr einer Explosion erhöht, ist die Bei- 
mischung von Kohlenstaub zur Luft; schon 1 Proc. Methan in der Luft 
mit Kohlenstaub gibt ein explosives Gemisch, welches das Feuer weit- 
hin verbreiten kann. 

Aus den angegebenen Gründen ist die Feuersgefahr bei einer neu 
o-eförderten Kohle während der ersten 10 Tage nach dem Verladen am 
gröfsten; in der That fanden die meisten Explosionen statt, bevor oder kurz 
nachdem die Schiffe den Hafen verliefsen. Jedenfalls waren die Kohlen 
zu früh nach der Förderung verladen worden, sie gaben an die Luft 
Grubengas ab und das explosive Gemisch kam durch sorgloses Ein- 
treten mit Licht in Brand, oder die Gase strömten in die übrigen 
Schiffsräume und kamen dort mit Feuer in Berührung. 

Jedenfalls sollten frische Kohlen erst nach 1 Monat Lagerzeit ver- 
laden und die erste Zeit einer ausgiebigen Ventilation ausgesetzt werden. 
In Schiffen, welche eigens für den Kohlentransport gebaut sind, ist es 
zweckmäfsig, den Kohlenbehälter wie auf einem Erdölschiff gasdicht 
zu schliefsen und die Wände gegen den Kessel- und Maschinenraum dop- 
pelt und mit Wassercirculation herzustellen. Wenn die Thüren des 
Kohlenraums geschlossen sind, so soll die einzige Verbindung mit der 
Luft ein zweizölliges Rohr sein, welches an einem Mast hinaufgeführt, 
hoch über jeder möglichen Flamme endet. Die Thüren dürfen nicht 
geöffnet werden, bis das Schiff an seinem Bestimmungsorte angelangt 
und alles Feuer gelöscht ist. 

Verfasser verlangt in allen Kohlenschiffen dichte Scheidewände und 
Kühlung des Kohlenraumes an Stellen, welche gegen heifse Räume 
grenzen, durch doppelte Wände und Wasser, sowie dichte Behälter. 
Für Schiffe von 300 bis 400 1 Kohle verlangt er Luftwechsel durch 
Pumpen, welche auf dem Deck aufgestellt sind und Luft so kühl als 
möglich vom Boden her einblasen. Natürlich darf, wenn es dringend 
nöthig ist, der Kohlenraum nur mit Sicherheitslampen betreten werden. 
(Vortrag, gehalten im Royal United Service Institution, Whitehall, London; 
Journal of Gaslight ing, 1890 56 145.) 

Drehbare Gasretorte von Yeadon und Adgie in Leeds. 
Das Laden und Ausziehen der Gasretorten erfordert bekanntlich 
viel Handarbeit, und es geht schon lange das Bestreben dahin, die 
Arbeit durch Maschinen zu leisten, was durch die verschiedenen Lade- 
und Ausziehapparate mit mehr oder weniger Erfolg erreicht wurde. 
Yeadon und Co. bringen nun eine eigenartige Vorrichtung, ihre Retorte 
ist nicht feststehend im Ofen wie bisher, sondern drehbar; es läfst sich 
selbst Kleinkohle leicht einbringen und vergasen. Fig. 1 Taf. 7 gibt die 
Vorderansicht der Retorte, Fig. 2 eine Seitenansicht, Fig. 3 ist eine 



Neuerungen in der Gasindustrie. 131 

Ansicht des hinteren Retortenendes, an welchem das Entladen geschieht, 
Fig. 4 ein Längsschnitt durch das Mittel der Retorte. Der Körper der 
Retorte H ist aus feuerfestem Thon und von conischer Form, sie dreht 
sich innerhalb der Feuerung B. An beiden Enden ist die Retorte in 
Metallringe CC { gefafst und mit diesen durch Schrauben verbunden. 
Die Ringe laufen glatt auf Rollen DD, welche sich in dem Gehäuse EE l 
drehen. Die Retorte ist also ganz frei, ohne Steinunterstützung, so dafs 
beim Drehen die Hitze im Ofen mit der ganzen Länge in Berührung 
kommt. Das Innere der Retorte trägt der Länge nach eine Zahl von 
Ansätzen F, deren Zweck ein dreifacher ist: nämlich die Kohle durch 
die Retorte zu schaffen, dieselbe gleichmäfsig vom Boden der Retorte 
zum höher gelegenen Ende zu bringen und schliefslich hinausfallen zu 
lassen, ferner den Retortenkörper zu verstärken, um ihn das Gewicht 
der Kohle leichter tragen zu lassen. Die Ansätze sind zugespitzt, am 
niedrigsten an der Vorderseite, wo die Kohlen eingebracht werden; sie 
laufen dreieckig aus bis zum anderen Ende, damit der Koks nicht un- 
uöthig zerbrochen wird. 

Die Retorten sind also conisch, und zwar am weitesten an den 
Entladestellen. An jedem Ende ist eine eiserne Platte mit einer Aus- 
drehung, in welcher die Enden der Retorte sich drehen. Eine Dampf- 
kammer an dieser Ausdrehung prefst die nöthigen Dichtungsringe an 
und macht so den Verschlufs gasdicht. Die vordere Endplatte F trägt 
einen Trichter £, in welchen die Kohle vom Zubringer V gebracht 
wird, nachdem sie vom Hebewerk W gehoben ist. Am Boden des 
Trichters G ist ein Cylinder i/, von kleinerem Durchmesser als die 
Retorte; derselbe enthält eine Achse I mit verstellbaren Ansätzen. Der 
Gang dieses Ladeapparats wird durch die Räder K K { mit Kette be- 
trieben. Da der Cylinder stets mit Kohle gefüllt ist, so kann ein Aus- 
treten von Gas oder Eintreten von Luft nicht stattfinden; durch den- 
selben gelangt die Kohle in das Innere der Retorte. Hier fällt sie auf 
den Boden und wird von den Ansätzen weiter gebracht. 

Die fortwährende Bewegung der Kohle begünstigt das Vergasen 
ungemein. Die hintere Endplatte S ist ebenso wie die vordere mit 
Ausdrehung, Dichtungsringen und Dampf kammer versehen. Ein 
Kratzer X führt den Koks in das Auslafsrohr 47, welches mit zwei 
Auslafsventilen versehen ist. Mit Hilfe dieser Ventile und einer Fall- 
thüre kann der heifse Koks direkt in die Feuerung B gebracht werden 
oder in ein Wassergefäfs , oder auf einen Transportapparat. Die Re- 
torten werden an jedem Ende durch Zahnräder M M l getrieben, welche 
in Metallsockeln ruhen. Diese Anordnung verhindert jede ungleich- 
mäfsige Drehung oder Zerrung des Retortenkörpers. Die Räder er- 
halten ihre Bewegung von den Rädern N N { auf der Achse 0, welche 
ihrerseits von den conischen Rädern P P { auf der Achse H getrieben 
werden. Die abdestillirten Gase entweichen durch das Steigrohr T, 



132 Neuerungen in der Gasindustrir. 

welches am weiten, am Entladungsende der Retorte angebracht ist. 
(Industries vom 2. Mai 1890 S. 426.) 

Die Herstellung von carburirtem Wassergas zu Beleuchtungszwecken. 

Die Stadtbeleuchtung mit carburirtem Wassergas ist in den letzten 
Jahren in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sehr gestiegen, so 
dafs über r 3 aller Städte sich dieses Gases bedienen. Die Fabrikation 
geschieht nach verschiedenen Systemen; bei manchen wird in einem 
Generator Wassergas erzeugt, Oelgas in einem eigenen Apparat, und 
die beiden Gase vor dem Aufspeichern im Behälter in einem dritten 
Ofen zu einem permanenten Gase fixirt. Andere Systeme benutzen 
zwei Apparate, in dem das Gas in einem Generator erzeugt und an 
dessen Spitze Oel verdampft wird, worauf beide im Ueberhitzer fixirt 
werden. Eine Anlage nun, welche alles in einem Apparat vereinigt, 
ist die nach dem System von Steenbergh, wie sie in Knightsbridge, 
London, errichtet wurde (Fig. 5 Taf. 7). Der Generator, Carburator und 
Ueberhitzer zugleich, besteht aus einem hohen schmiedeeisernen Cylinder, 
mit feuerfesten Steinen ausgefüttert. Derselbe ist zur Hälfte mit Koks oder 
Anthracit gefüllt, welche vom Boden aus durch ein kräftiges Gebläse 
heifs geblasen werden. Das erzeugte Generatorgas und die mit dem- 
selben abgehende Wärme kann benutzt werden, indem es durch ein 
eigenes Rohr an der Spitze des Generators (welches auf der Figur 
nicht dargestellt ist) zur Heizung des Dampfkessels geleitet wird. Die 
Zeit, welche zum Heifsblasen des Apparates nöthig ist, ist nahezu 
gleich der Dauer des Gasmachens. In einem Run wurden 237 cbm ,8 Gas 
erzeugt; das Heifsblasen dauerte 58, das Gasmachen 48 Minuten. Bei 
letzterer Operation wird unter die Roststäbe am Boden des Generators 
Dampf eingeblasen, welcher vorher in einem kleinen Ofen mit Schlangen- 
rohr überhitzt wurde. Das erzeugte Gemisch von Wasserstoff und 
Kohlenoxyd steigt im Schacht in die Höhe zusammen mit den Oel- 
dämpfen, welche aus der von allen Seiten nahe der Oberfläche der 
Koksschicht eingeblasenen Naphta entstehen. Das Gemisch wird an 
den über der Koksschicht durchgezogenen Balken aus feuerfesten Steinen 
fixirt und gelangt nun durch Vorlage, Wascher, Scrubber in den Be- 
hälter, von da durch die Reinigung in die Rohrleitung zum Verbrauch. 

In Amerika dient zur Gaserzeugung Anthracit aus Pennsylvanien, 
in England leistet dasselbe Mineral aus Wales den gleichen Dienst. Mit 
Hüttenkoks wurde sehr gute Gasausbeute erzielt, eine weniger gute 
mit Gaskoks, doch ist der Preis der letzteren ein bedeutend geringerer. 
Die Versuchsanlage zu Knightsbridge steht unter der Aufsicht von Prof. 
Laves in Greenwich, welcher Versuche mit verschiedenem Heizmaterial 
und Oel anstellte. Die Leuchtkraft des Gases schwankte zwischen 
20,5 und 22,9 Kerzen, die Farbe der Flamme war hellweifs. Der 
Gehalt an Kohlenoxyd beträgt 13 bis 25 Proc. je nach der angewandten 



Neuerungen in der Gasindustrie. 133 

Kohlensorte; da das Gas einen starken Geruch besitzt, so ist es 
weniger gefährlich als das nicht riechende Wassergas. 

Bei einem Versuch mit Anthracit wurden erhalten 237 cbm ,8 Gas, 
was 106 Minuten für einen Run in Anspruch nahm, davon 58 zum 
Heifsblasen, 48 zum Gasmachen. An Heizmaterial wurden verbraucht 
93 k Anthracit, 108 1 Naphta (70°): die Leuchtkraft des Gases betrug 
auf 150' stündlich 20,5 Kerzen. 
Das Gas enthielt 

ungereinigt gereinigt 

Wasserstoff — 40,33 Vol.-Proc. 

.Methan — 17,08 

Schwere Kohlenwasserstoffe . . — 7,59 „ 

Kohlenoxvd — 25.00 „ 

Kohlensäure 2.15 0,50 „ 

Sauerstoff — 0,17 „ 

Stickstoff — 9.33 

Schwefelwasserstoff 2.84 — „ 

100.00 Vol.-Proc. 

Der Schwefel im reinen Gas betrug nach Letheby's Bestimmung 
158,2 in KW**. 

Auf lOOcbm Gasproduction trafen 39 k ,3 Anthracit, 45U Naphta. 

Gas aus verschiedenem Material mit 76° Naphta hatte folgende 
Zusammensetzung : 



Hüttenkoks 



gereinigt 



G a s k o k s 



Anthracit 



ungerein. gereinigt I ungerein. | gereipigt 



Wasserstoff 

Methan 

Schwere Kohlenwasserstoffe 

Kohlenoxyd 

Kohlensäure 

Stickstoff 

Sauerstoff 

Schwefelwasserstoff . . . 

Leuchtkraft 



Vol.-Proc. 

33.14 

23.38 

11.14 

19.00 

2.21 

9,50 

1.30 

Kerzen 
22.4 



Vol.-Proc. 


Vol.-Proc. 


Vol.-Proc. 


— 


39.05 


— 


— 


26,71 


— 


— 


9.27 


— 


— 


13.50 


— 


6.01 


1,02 


2,16 


— 


9.72 


— 


— 


0,73 


— 


0.35 


— 


Spur 



Kerzen 
22.9 



38,44 
19.30 
7.49 
23.81 
0,42 
9.69 
0,85 

Kerzen 
21.8 



Der niedere Kohlenoxydgehalt bei der Probe mit Gaskoks rührt 
von der bedeutend niedereren Temperatur her, welche bei den Koks 
nie so hoch wird als bei Anthracit; in Folge dessen ist im unreinen 
Gas der Kohlensäuregehalt um so höher. 

Von Wichtigkeit ist der geringe Gehalt des reinen Gases an Schwefel. 
Nach Prof. Lewei Behauptung verliert das Gas selbst bei bedeutender 
Kälte in den Rohrleitungen nicht mehr an Leuchtkraft als gewöhnliches 
Kohlengas. Erfahrungen darüber liegen allerdings noch nicht vor. Eiu 
Vortheil des ganzen Verfahrens ist die rasche Darstellung eines be- 
deutenden Quantums Gas in kurzer Zeit. (Industries vom 28. März 
1890 S. 306.) 



134 Neuerungen in der Gaaindustiie. 

Sauerstoffzusalz bei der Gasreinigung. 
Der Zusatz einer geringen Quantität, 0,6 Vol.-Proc, Sauerstott" zum 
Rohgase hat bekanntlich eine ständige Wiederbelebung der Reinigungs- 
masse zur Folge, so dafs die Kästen immer geschlossen bleiben können, 
bis die Eisenoxydmasse ausgebraucht ist. Ebenso gelingt es Schwefel- 
wasserstoff, Kohlensäure und einen Theil des nicht als Schwefelwasserstoff 
im Gase vorhandenen Schwefels mit Kalk auszuscheiden, wobei sich 
kohlensaurer Kalk und freier Schwefel in der ausgenutzten Masse tindet. 
Nach den Angaben von W. A. Valon wurde diese Einrichtung nebst 
Herstellung des Sauerstoffs in Ramsgate getroffen. Fig. 6 Taf. 7 gibt 
den neu erbauten Ofen zur Darstellung des Sauerstoffgases; die gufs- 
eisernen Retorten sind mit Baryt gefüllt. Jede Retorte ist 2 m ,89 lang, 
hat m ,18 Durchmesser mit l cm ,9 Wanddicke; dieselben sind statt wie 
früher wagerecht, nunmehr senkrecht gestellt, so dafs ein Biegen ver- 
mieden ist und die Luft besser mit dem Baryt in Berührung kommt. 
Die Heizung geschieht mittels eines nach Valon" 's Angabe in der Mitte 
stehenden Generators; die Retorten bleiben hierdurch stets auf gleicher 
Temperatur und gegen die frühere Heizung ist eine Ersparnifs an Brenn- 
material sowie eine längere Dauer der Retorten eingetreten. Nach 
neuerdings angestellten Versuchen braucht zur Abgabe des Sauerstoffes 
die Ofentemperatur nicht erhöht zu werden, sie bleibt immer die gleiche. 
Es wird Luft durch eine Pumpe eingesaugt und durch zwei Reiniger 
mit Kalk und Natron gedrückt zur Reinigung von Kohlensäure und 
Wasser, von da durch einen Regulirhahn in die Retorten. Hier wird 
der Sauerstoff der Luft vom Baryt aufgenommen, der Stickstoff ent- 
weicht durch das Auslafsventil N. Nachdem diese Oxydation 5 bis 
8 Minuten gedauert hat, werden die Hahnen umgestellt und der Sauer- 
stoff aus den Retorten ausgesaugt, in einen Gasbehälter gedrückt. Das 
Absaugen dauert eben so lange wie die Aufnahme des Sauerstoffes durch 
den Baryt. Das Umstellen der Hahnen nach stets der gleichen Zeit 
geschieht automatisch, indem an Zahnräder durch eine excentrische 
Stange der Pumpe eine kleine Bewegung ertheilt wird, so dafs stets 
nach bestimmter Frist die Hahnen offen bezieh, geschlossen stehen. 

Der Zusatz des Sauerstoffs zum Rohgase geschieht stets proportional 
der Production. W. G. Hicks in Ascot construirt hierzu den Apparat 
Fig. 7. An der Hauptachse des Stationsgasmessers R sitzt ein Zahnrad />, 
welches durch ein Getriebe die Achse und Trommel des kleinen Gas- 
messers W treibt; dieser setzt auf diese Weise stets proportional den 
Umdrehungen des Stationsgasmessers, also auch proportional der Pro- 
duction, Sauerstoff' zum Rohgase am Exhaustor. Durch Einsetzen ver- 
schieden grofser Zahnräder bei T läfst sich das zugesetzte Quantum 
Sauerstoff' verändern. 

Seit dem Zusatz von Sauerstoff im Gaswerk Ramsgate unter An- 
wendung von Kalk ist die Leuchtkraft des Gases von 16,5 auf 17,3 Kerzen 



Neuerungen in der Gasindustrie. 135 

gestiegen, so dafs keine Cannelkohle mehr angewendet zu werden 
braucht: der Sauerstotl'zusatz beträgt hier 0,6 Yol.-Proc. Was die 
Kosten des Verfahrens betrifft, so soll sich dasselbe auf die Million 
Cubikfufs um etwa 5 M. billiger stellen als ohne Sauerstoffzusatz. (In- 
dustries vom 13. December 1889 S. 37-1.) 

Gasconsum- Regulator (Fig. 8 bis 11) von F. S. Streeter in London 
(Englisches Patent Nr. 18522 vom 18. December 1888). Fig. 8 zeigt 
einen senkrechten Schnitt des Regulators, welcher am Mittelrohr eines 
Kronleuchters angebracht ist, wobei K die Seitenarme sind. Der Regulator 
selbst besteht aus einer Schwimmerglocke J, welche in dem senkrechten 
Rohr B auf und ab geht: letzteres ist der Länge nach durch zugespitzte 
Schlitze C durchbrochen, deren breitere Seite unten steht. Die Glocke A 
schwimmt auf dem Gase, steigt uud sinkt mit dem Gasdruck, so dafs 
durch die zugespitzte Form der Schlitze die Gas durchlassende Fläche 
sich ändert umgekehrt wie die Aenderungen des Druckes. Fig. 9 ist 
die untere Seite der durchbrochenen Röhre, Fig. 10 ein senkrechter 
Schnitt des Regulators, rechtwinkelig zum Schnitt Fig. 8, Fig. 11 ein 
Durchschnitt durch den Schwimmer. Der letztere wird durch die zwi- 
schen den Ausschnitten stehenden Stücke des Rohres B geführt. 

Apparat zur Darstellung von Heiz- und Leuchtgas von B. Loomis, 
Hartford, Conn., Nordamerika (Fig. 12). Mittels Durchleitens von Dampf 
aus dem Rohr $ durch die glühende Koksschicht im Generator .4 wird 
Wassergas erzeugt; derselbe entweicht durch Rohr E [ in die Vorlage C, 
von da durch Rohr E 2 zu der Verbrauchsstelle, oder das Wassergas 
gelangt in einen Mischapparat mit rotirenden Flügeln und wird dort 
durch erhitzte Naphta carburirt. Das carburirte Gas geht durch eine 
Reihe von eisernen Retorten, welche in einem Ofen A { liegen; dort 
werden die Oeldämpfe in ein permanentes Gas verwandelt; das fertige 
Gas geht durch Rohr Z, 3 aus der untersten Retorte zu den Verbrauchs- 
stellen. Der Retortenofen A wird mit Hilfe der durchströmenden Ge- 
neratorgase geheizt, welche beim Heifsblasen des Schachtes entstehen. 
Dieselben gelangen, indem von oben nach unten geblasen wird, durch 
den Rost P in den Kanal F und umspülen im Ofen die Retorten B. 
Aus dem Ofen werden die Gase durch einen Kühler mittels Exhaustor T 
abgesaugt und zu irgend welchen Heizzwecken weitergedrückt, oder sie 
weiden durch Rohr J dem Wassergas beigemischt. Falls die Generator- 
gase mit Luft im Ofen verbrannt werden sollen, dient Rohr Y als Kamin. 

Der Heizwerth des Leuchtgases mit Bezug auf die Verwendung in 
Gasmaschinen. Von Prof. Slaby. 

Die Heizkraft des Leuchtgases wurde bisher eingehend nur von 
Aime Witz x behandelt; er benutzte zur Bestimmung eine von Berthelot 
angegebene calorimetrische Methode, welche darin besteht, dafs man in 

1 A. Witz^ Pouroir ealorifique du gaz d'eclairage. Annales de Chimie et de 
Physique. Oktober 1885. 



136 Neuerungen in der Gasindustrie. 

einer metallischen Bombe abgemessene Mengen Gas mit hinreichend 
Lul't durch den elektrischen Funken verpufft und die eintretende Er- 
wärmung im Wassercalorimeter mifst. Bei 17 Versuchen mit Stein- 
kohlengas der Stadt Lille fand Witz Werthe zwischen 4719 und 5424 c , 
im Mittel 5164 c auf lcbm^ De j vollständiger Condensation des gebildeten 
Wasserdampfes. Analysen des Gases hat Witz nicht angegeben. Als 
technische Methode zur raschen Bestimmung der Heizkraft des Gases 
ist dieselbe nicht zu verwerthen. 

Die Berechnung der Heizkraft aus der Analyse stöfst nur bei den 
lichtgebenden Bestandteilen, den schweren Kohlenwasserstoffen, auf 
Schwierigkeiten; für Wasserstoff, Methan, Kohlenoxyd haben Favre und 
Silbermann, Thomsen wie auch Berthelot Zahlen angegeben, welche ge- 
nügend übereinstimmen und auch mit Sicherheit zu verwenden sind. 
Für diese Untersuchungen sind Thomsen 's Zahlen benutzt, weil sie aus 
den umfassendsten Untersuchungen stammen. Die Bestimmung der ein- 
zelnen schweren Kohlenwasserstoffe im Gase ist aber eine der schwie- 
rigsten chemischen Arbeiten; in der Literatur findet sich nur eine solche 
Trennung, von Berthelot angegeben: 1 Million Gewichtstheile Pariser 
Leuchtgas enthielten an schweren Kohlenwasserstoffen: 

Benzol C 6 H 6 30 000 bis 35 000 Gew.-Th. 



Acetylen CoHo . . . 


. . 1000 


Aethylen C 2 H 4 . . 


. . 1 000 bis 2 000 


Propylen C 3 H 6 . . 


. . 2,5 


Allylen C 3 H 4 . . . 


. . 8,0 


Butylen C 4 H 3 . . . 


. . Spur 


Crotonvlen C 4 H 6 . . 


. . 31 


Teren C 5 H 6 .... 


. . 42 


höhere Kohlenwassers 


toffe 97 



Man verzichtet deshalb darauf, dieselben einzeln zu bestimmen, und 
gibt die schweren Kohlenwasserstoffe nur gesammt bei der Analyse an. 
Bei der Berechnung der Heizkraft wurde nun bisher ziemlich will- 
kürlich verfahren, indem diese schweren Kohlenwasserstoffe als C 2 H 4 , 
als C 4 H 8 oder halb C 2 H 4 und halb C 4 H 8 gerechnet wurden. 2 Brooks 
und Steward 3 sowie A. Witz 4 nehmen anscheinend ganz willkürliche 
Mittelwerthe ohne besondere Angabe. Dies Verfahren gibt natürlich 
ganz verschiedene Zahlen, so z. B. ergeben 

4,7 Vol.-Proc. schwere Kohlenwasserstoffe 
gerechnet als C 2 B 4 : 0,047 . 14088 = 662° 

„ .. |C 2 H 2 , ^C 4 H 8 : 0,0235 . 14088 -f 0,0235 . 27133 = 969° 

„ „ C 4 H 8 : 0,047 . 27133 = 1075°. 

In ein Beispiel für Leuchtgas eingefügt ergibt dies 4719 c , 5026°, 
5132°, also Differenzen bis zu 8 Proc. 



2 Oder halb Benzol, halb Aethylen. (D. Ref.) 

3 Brooks und Steward, Some experiments upon the Otta Gas Engine. Van Nost- 
rand'ä Engineering Magazine 1883. 

4 A. Witz, Traite thioretique et pratique des Moteurs ä Gaz. Paris 1886. 



Neuerungen in der Gasindustrie. 



137 



Verf. fand nun einen Weg, aus der Gasanalyse mit Hilfe des spe- 
cifischen Gewichtes der Gase die Heizkraft mit ziemlicher Sicherheit 
zu berechnen. In Tabelle 1 sind die Heizwerthe verschiedener schwerer 
Kohlenwasserstoffe auf l cbm angegeben. Trägt man diese als Function 
ihrer Dichtigkeit s auf, so erkennt man, dafs sie fast vollkommen eine 
gerade Linie erfüllen, welche durch die Gleichung H = 1000 -|- 10500 « 
wiedergegeben werden kann. Die auftretenden Abweichungen sind wie 
angegeben relativ unbedeutend, zum Theil wohl auch auf Fehler des 
calorimetrischen Verfahrens zu schieben. 











Tabelle 


1. 














Cß 


C !/) 


*> et 




C . !/J 


c _ ., 


- 






*> s s 




O i O 


■O 3 




c a> 


Oj,S2 


5 = 5 










> «"O .„ 


~ c 


:_C= ra 


;- o-c ,„ 


> <=•= * 


> ~ — * 




Gasart 


oor a 
> «g 

OO 
r* 


O O -3 

«2 


izelTect 
k mit Ci 
nsation 
Wassert 


t/. fc. 




izefl'ect 
ohne C 
nsation 
Wasser; 


™ 2 

Ojq-O 


_ -; •- =- = 
-_ — — - — 

fax: » || 5 
.1 £ - = + 


'— ü 
m 

SB £. 

St 




a 


f J 




>'S 




aj ^«J oi <u ^- r s: ^s 




— 


C 4 H 8 


2,5035 


1.9349 


11618 


1,286 


780 


10838 27133 


27300 


+ 0,6 


C3HS 


1,9673 


1,5204 


12125 


1,636 


992 


11113 1 21902 


21700 


— 0,7 


C3H 6 


1,877*3 


1,4512 


11791 


1,286 


780 


11011 ! 20675 


20700 


+ 0,1 


C3H4 


1,7881 


1.3819 


11662 


0,900 


546 


11116 


19877 


19800 


-0.4 


G 2 H 6 


1.3414 


1,0367 


12444 


1,800 


1092 


11352 


15227 


15100 


— 0.8 


C2H4 


1,2518 


0,9674 


11905 


1,286 


780 


11125 


14088 


14100 


+ 04 


C0H2 


1.1622 


0,8982 


11905 


0,692 


420 


11485 


13348 


13200 


-1.1 


CH 4 


0,7155 


0,5530 


13246 


2,250 


1365 


11881 


8501 


8500 


+ 0,0 


H 


0,0896 


0,0692 


34178 


9,000 


5458 


28720 


2573 


— 




CO 


1,5513 


0,9671 


2427 


— 


— 


— 


3037 







COo 


1,9663 


1,5197 
















0" 


1,4300 


1,1052 
















N 


1,2552 


0,9701 
















CßHe* 


3.4937 


— 


10331 


0,693 


419 


10288 


35943 


37689 


+ 4,9 



* Die Werthe für Benzol, C 6 H 6 , sind hier der Tabelle des Verfassers noch 
angefügt; hier weicht die nach der Formel berechnete Zahl doch ziemlich von 
dem bestimmten Heizwerth ab. Nach St. Ciaire- Deville (Journal für Gasbeleuch- 
tung. 1889 Bd. 32 S. 652) enthält das Pariser Kohlengas etwa 1 Proc. Benzol. 

Das hiermit für die Heizwerthe der einzelnen schweren Kohlen- 
wasserstoffe gefundene Gesetz gilt zweifellos auch für ein beliebiges 
Gemisch derselben. Der Heizwerth derselben ist also bestimmt, sobald 
es gelingt, die Dichtigkeit des Gemisches zu ermitteln. Für Anwendung 
dieser Methode sind folgende Bedingungen von Wichtigkeit : das ver- 
wendete Leuchtgas hat etwa 4 Proc. schwere Kohlenwasserstoffe und 
einen mittleren Heizwerth von 4900 c auf lcbm_ j)j e schweren Kohlen- 
wasserstoffe nehmen daran mit etwa 15 Proc. theil. Soll also der 
Heizwerth des Gases auf 1 Proc. genau bestimmt werden, so erfordert 
dies für den Heizwerth der schweren Kohlenwasserstoffe eine Genauig- 
keit von 6,5 Proc. und für ihre Dichtigkeit eine solche von 5,8 Proc. 
Bei einem mittleren speeifischen Gewicht des Leuchtgases von 0,420 
mufs dies auf 3 / 4 Proc. genau bestimmt sein. Ferner darf die Dichtig- 
keit des Restbetrages der Analyse nicht wesentlich von der des Stick- 



138 Neuerungen in der Gasindustrio. 

Stoffes abweichen; die Untersuchungen ergaben, dafs diese Zahlen 
gut übereinstimmten. Zur Bestimmung des specitischen Gewichts des 
Gases diente Schillings Apparat 5 , der bei Einhaltung einiger Vorsichts- 
mafsregeln, besonders Beobachtung gleicher Temperatur des Wassers, 
gute Resultate ergab. Nun ergibt aber diese Messung das specifische 
Gewicht wassergesättigter Gase, während zur Berechnung der Heizkraft 
das Gewicht trockener Gase nöthig ist. Das Leuchtgas, wie es aus 
den Leitungsröhren kommt, ist vollständig mit Wasserdampf gesättigt, 
wie einige Versuche ergaben. 

Nun wiegt l clim Luft bei 180 C. und 760 mm trocken l k ,214, feucht 
dagegen l k ,205, d. h. die gesättigte Luft ist 0,75 Proc. leichter als 
trockene Luft. Leuchtgas vom spec. Gew. 0,420, feucht gemessen, 
wiegt l ctim bei 760 mm und 18« C. — k ,5099, feucht dagegen cl,m ,5147, 
d. h. gesättigtes Leuchtgas ist 0,94 Proc. schwerer als trockenes. Hieraus 
folgt § = 1,017 . <? , wobeie das specifische Gewicht in feuchtem, d in 
trockenem Zustand ist. Von den Angaben des Schilling" sehen Apparates 
sind hiernach 1,7 Proc. in Abzug zu bringen, um das gewünschte wirk- 
liche specifische Gewicht zu erhalten. 

Zur Prüfung des Schilling 1 sehen Apparates wurden 9 Vergleichs- 
bestimmungen durch Wägung des Gases gegen Luft in zwei gleich 
grofsen Ballons angestellt und als Mittel gefunden: Schilling"s Apparat 
0,4231 (feucht), durch Wägung 0,4157 (trocken). Letztere Zahl auf 
feuchten Zustand des Gases berechnet gibt 0,4228, so dafs die Differenz 
0.07 Proc. beträgt. Schilling^s Apparat besitzt demnach eine ausreichende 
Genauigkeit. 

Verf. verglich auch die Luaf sehe Gaswage fi mit Schilling's Apparat: 
er arbeitete zunächst mit dem Modell A und fand als Mittel von 12 Be- 
stimmungen mit Lux" Wage 0,431, mit Schilling's Apparat 0,415, also 
bei ersterer 3,8 Proc. mehr. Die Differenz ist zum Theil auf fehler- 
hafte Aichung zu schieben, da die Gaswage eines der ersten aus- 
geführten Instrumente war, ferner auf den Umstand, dafs die Lux"sche 
Gaswage das specifische Gewicht des Gases bezogen auf Zimmerluft 
von durchschnittlich nur 50 Proc. Feuchtigkeit angibt; letzteres gibt bei 
18° C. einen Fehler von +0,4 Proc. gegen vollständig feuchte Luft, so 
dafs der wahrscheinliche Aichungsfehler 3,4 Proc. betrug. Die Em- 
pfindlichkeit der Wage reichte für eine Genauigkeit von £}j 2 Proc. 
aus; durch die Einstellung können Fehler bis zu 1 Proc. hervorgerufen 
werden, so dafs bei richtiger Aichung die Fehlergrenze V\ % Proc. be- 
tragen dürfte. — Gröfsere Genauigkeit ergaben Messungen mit Lux" 
Gaswage Modell E; dieselbe ist nicht auf Spitzen, sondern auf einer 
Schneide gelagert und mit Arretirung versehen, so dafs die Schneiden 



5 Schilling^ Handbuch für Steinkohlengasbeteuchtung, München 1879. 

6 Vgl. D. p. J. 1887 263 479. 



Die Fabriken chemischer Producte der Gesellschaft Saint-Gobain. 139 

geschont werden. Die Wage ist mit einem Reitergewicht versehen, um 
grofse Winkelausschläge zu vermeiden; die auf dem Balken befindliche 
Theilung gibt die ersten beiden Decimalen an, ein senkrechter Zeiger 
an einem unten angebrachten Gradbogen die dritte. Die Wage erwies 
sich als aufserordentlich empfindlich, der Aichungsfehler betruo- 
4-1,35 Proc. Um aus den Angaben der Wage bei 50 Proc. relativer 
Luftfeuchtigkeit das wirkliche specifische Gewicht des Gases bezogen 
auf trockene Luft zu erhalten, sind 2,66 Proc. in Abzug zu bringen. 

Annähernd wird nun der Heizwerth des Gases erhalten, wenn man 
die Analyse des Gases und das specifische Gewicht desselben kennt; 
unter der Annahme, dafs der Rest der Analyse Stickstoff" ist, läfst sich 
das specifische Gewicht der schweren Kohlenwasserstoffe berechnen. 
Im Mittel von 5 Versuchen ergab sich deren Dichtigkeit zu e = 1,745. 
Direkt wurde dieselbe auch bestimmt durch Messung des specifischen 
Gewichtes des Gases mittels Wägung, dann ganze oder theilweise Ab- 
sorption der Kohlensäure und der schweren Kohlenwasserstoffe mittels 
rauchender Schwefelsäure und Kalilauge und Messung der Dichtigkeit 
des Gasrestes in der Lux sehen Gaswage. Die Analyse vor und nach 
dieser Behandlung ergibt den Gehalt an den genannten Substanzen in 
Vol. -Proc. Aus diesen Zahlen läfst sich das specifische Gewicht der 
absorbirten schweren Kohlenwasserstoffe berechnen. Bei 3 Versuchen 
ergab sich dasselbe zu 1,71, 1,75, 1,70, im Mittel 1,72. Diese Zahl 
deckt sich fast genau mit der berechneten. Demnach mufs angenommen 
werden, dafs die verunreinigenden Bestandteile sich bezüglich ihrer 
Dichtigkeitsdifferenzen vom Stickstoff ziemlich ausgleichen oder dafs 
das Charlottenburger Leuchtgas nur äufserst wenig solche enthält. — 
Bei 36 ausgeführten Analysen des Charlottenburger Gases ergab die 
Berechnung des Heizwerthes von l cbm Gas Zahlen, welche zwischen 
4656 und 5081 schwanken, im Mittel 4887 c . Die gröfsten auftretenden 
Differenzen betragen 8 Proc. Im Laufe eines Versuchstages betrugen 
die Schwankungen nur 1 Proc, nur in einem Fall kam eine Abweichung 
von mehr als 2 Proc. vor. {Journal für Gasbeleuchtung, 1890 Nr. 33 
S. 139.) (Fortsetzung folgt.) 



Die Glasfabriken und die Fabriken chemischer Producte 
der Gesellschaft Saint-Gobain. 

Unter den Glasfabriken, deren Fabrikate auf der Pariser Universal- 
Ausstellung zu sehen waren, sind jene der Gesellschaft Saint-Gobain in 
erster Linie zu nennen, einer Gesellschaft, die den weltbekannten Ruf 
ihrer Erzeugnisse seit mehr als 200 Jahren unverändert aufrecht zu 
erhalten wufste. Ueber die Geschichte dieser Fabriken, den Umfang 
ihrer Production, sowie die jetzt gebräuchlichen Verfahren der Spiegel- 



140 Die Fabriken chemischer Producte der Gesellschaft Saint-Gobain. 

glasfabrikation findet sich ein umfangreicher Aufsatz im Genie civil, 
1889 S. 223 bis 232 und S. 601 bis 608, aus dem hier nur einzelne 
interessantere Einzelheiten wiedergegeben sind. 

Trotz der unerbittlichen Strenge, mit welcher Venedig, die Mutter 
der Spiegelglasfabrikation, jene Arbeiter verfolgte, die durch Auswandern 
die heimathliche Industrie in andere Länder zu tragen drohten, gelang 
es doch den Nachbarstaaten, insbesondere Frankreich, durch gastliche 
Aufnahme solcher Flüchtlinge der hochgeschätzten Industrie eine neue 
Heimath zu schaffen. Frankreich verdankt die Einführung der Spiegel- 
glasfabrikation Colbert. Im J. 1665 bewilligte Ludwig XIV. einem ge- 
wissen Nicolas du Noyer die weitgehendsten Privilegien zur Errichtung 
von Spiegelglasfabriken auf die Dauer von 20 Jahren. Die erste mit 
diesen Privilegien ausgestattete Fabrik in Saint- Antoine (Paris) hatte 
anfangs mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen, die hauptsächlich darin 
begründet waren, dafs die venetianischen Arbeiter den Franzosen nichts 
von ihrer Kunst lehren wollten- „wenn ihr Leiter krank wurde, gerieth 
die ganze Erzeugung ins Stocken tt . Erst als Lucas de Nehou, der Er- 
finder des Gufsverfahrens in der Spiegelglasindustrie, Direktor der Ge- 
sellschaft wurde, nahm dieselbe einen ungeahnten Aufschwung. 1691 
wurde eine Fabrik in Saint-Gobain bei ia Fere errichtet, in welcher 
das neue Verfahren zuerst zur Anwendung kam. 1702 wurde das 
Privilegium der Gesellschaft um 30 Jahre verlängert und diese Ver- 
längerung mehrmals wiederholt, so dafs das Gedeihen der Hütten durch 
mehr als 120 Jahre von Seiten der französischen Könige gesichert war. 
Während der französischen Revolution gingen diese Rechte zwar ver- 
loren, aber die Compagnie war jetzt stark genug, um jeder Concurrenz 
gewachsen zu sein. 

Schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in Saint-Gobain 
Versuche gemacht, das Holz durch die billigeren Steinkohlen zu er- 
setzen. Vollständig verdrängt wurde das Holz aber erst nach Ein- 
führung der Siemens" sehen Glasöfen. 

Als wichtiger Fortschritt ist die Einführung von Sulfat in den 
Glassatz an Stelle des Natriumcarbonats zu verzeichnen; die dies- 
bezüglichen Versuche wurden von Pelouze im J. 1850 angestellt. Die 
mechanische Bearbeitung der gegossenen Spiegelgläser hat im Laufe 
der Zeit mancherlei Verbesserungen erfahren, wie dies aus der nach- 
stehenden Tabelle ersichtlich ist, in welcher die Zeitdauer der einzelnen 
Operationen in den Jahren 1765, 1865 und 1889 angegeben sind. 

1765 1865 1889 

Schmelzen und Giefsen . 28 Stunden 24 Stunden 24 Stunden 

Kühlen 96 „ 84 „ 72 „ 

Beschneiden 6 „ 6 „ 6 „ 

Rauhschleifen .... 36 „ 28 „ ) .,„ 

Klarschleifen 5 „ 5 „ \ " 

Poliren 7 2 „ 24 „ 12 

243 Stunden 171 Stunden 124 Stunden. 



Die Fabriken chemischer Producte der Gesellschaft Saint-Gobain. 141 

Die Gesellschaft Saint-Gobain besitzt gegenwärtig 6 Spiegelglas- 
fabriken. 6 chemische Fabriken, 1 Pyritbergwerk, 1 Saline, mehrere 
tausend Hectar Wälder in Aisne u. s. w. und eine Eisenbahn zwischen 
Saint-Gobain und Chaunv. 

Spiegelglas wird in folgenden Fabriken erzeugt: Saint-Gobain, 
Chaunv, Cirey-sur-Vezouze, Montlucon, Stolberg, Waldhof bei Mannheim. 
Seit 1870 hat sich die Fabrikation verdoppelt. Sie beträgt gegenwärtig: 

Polirte Spiegelgläser 800 OOOqm i m Jahr 

Rohe, dünne Scheiben 500 0001™ 

Glasplatten u. s. w 1 000 000k 

Optische Gläser, Glassorten für Beleuch- 
tungsgegenstände 80 000k B 

Der Preis der Spiegelgläser ist aufserordentlich gesunken : die 
Worte Colberts: ,.Die grofsen Spiegelgläser würden keinen Absatz 
tinden, blofs der König kann dieselben benöthigen,- gelten für unsere 
Zeit nicht mehr. 

Einige Preisangaben über Spiegelgläser: 

1702 1802 1889 

lqm Oberfläche 165 Fr. 205 Fr. 30.20 Fr. 

2qm 540 „ 859 „ 70.35 „ 

3qm „ 1000 .. 1648 „ 102 

4qm .. 2700 „ 3644 „ 136 

Eine Glastafel von 10«im Oberfläche kostete 1873: 1200 Fr.; 1884: 
830 Fr. und 1889: 467 Fr. 

Seit einigen Jahren hat man in Saint-Gobain das ältere Verfahren 
des Belegens von Spiegelplatten mit Amalgam ganz verlassen, und be- 
legt die Gläser nur mehr mit Silber. 

Die Compagnie von Saint-Gobain hatte stets besondere Sorgfalt auf 
das Wohl ihrer Arbeiter verwendet. Es gereicht der Gesellschaft zur 
Ehre, constatiren zu können, dafs dieselbe trotz ihres langen Bestehens 
nie mit ihren Arbeitern in Conflikt gekommen ist. Viele Fabriken 
haben ihre eigenen Schulen, andere unterstützen die Schulen der Nach- 
barschaft. Ein grofser Theil der Arbeiter (besonders die Giefser) 
wohnen unentgeltlich in 1256 Wohnungen. Der Miethzins der Häuser 
mit 300 bis 500q m Gartenfläche übersteigt nicht 8 Fr. den Monat. Grofse 
Flächen in der Umgebung der Fabriken sind an das Personal vermiethet, 
das sie mit besonderem Eifer cultivirt. — Die Consumvereine, welche 
von Beamten und Arbeitern der Fabriken gegründet wurden, wirken 
seit 1866 und haben glänzende Erfolge aufzuweisen. Sie setzen jährlich 
mehr als 1500 000 Fr. um, verkaufen ausschliefslich an das Personal 
der Fabriken und gewähren diesen 8 bis 10 Proc. Ermäfsigung. 

Die Gesellschaft hat eine Sparkasse gegründet, welche die kleinen 
Ersparnisse der Arbeiter mit 4 Proc. verzinst. Wenn die Anlage eines 
Manne- 400 Fr. übersteigt, so wird ihm das Geld zurückgezahlt oder 
dafür eine Eisenbahnanleihe o. dgl. gekauft. Der Ankauf von Häusern 



142 Die Fabriken chemischer Producte der Gesellschaft Saint-Gobain. 

wird den Arbeitern durch besondere Ermäfsigung und durch Gewährung 
von Vorschüssen erleichtert. Die Kosten des arztlichen und pharma- 
zeutischen Dienstes werden von der Gesellschaft getragen. Die Ge- 
sellschaft bewilligt arbeitsunfähigen Angestellten Pensionen, deren Betrag 
vom Verwaltungsrath bestimmt wird, wobei auf das Alter, die Zahl 
der Dienstjahre und zuweilen auf besondere Umstände Rücksicht ge- 
nommen wird. Die Pension beträgt > 4 oder r 5 des Gehaltes, ein Theil 
derselben wird auch der Wittwe und den Kindern des Verstorbenen 
ausgezahlt. Die Arbeiter sind anderntheils verpflichtet, ihrerseits 1 bis 
3 Proc. ihtes Gehaltes an die Pensionskasse zu zahlen. In den meisten 
Fabriken linden sich Gesangs-, Turn- und Schützen vereine, welchen 
die Gesellschaft Subventionen zukommen läfst. 

Saint-Gobain hatte das Bestreben, den nunmehr 200 Jahre alten 
Ruf seiner Producte aufrecht zu erhalten, und diesem Bestreben ist es 
zuzuschreiben, dafs die Compagnie von Saint-Gobain gegenwärtig eine 
Reihe von chemischen Fabriken besitzt, die zu den gröfsten Frank- 
reichs gehören. 

Im J. 1806 wurden die ersten Spiegelglasscheiben ausgestellt, deren 
Glas mit Hilfe künstlicher Soda erschmolzen worden war. Der Prozefs 
Leblanc war damals erst kurze Zeit im Betrieb, kein Wunder, dafs die 
Fabriken ihre Soda nicht immer in gleicher Qualität herstellen konnten. 
Die Gefahr, welche daraus den Hütten von Saint-Gobain in Bezug auf 
die Güte ihrer Fabrikate erwuchs, war für diese Veranlassung genug, 
eine neue Sodafabrik einzurichten. Man erwarb die alte Glashütte 
Charlefontaine, welche in eine Sodafabrik umgewandelt wurde. Als 
diese den Bedürfnissen nicht mehr genügte, wurde — 1882 — die Fabrik 
Chauny eingerichtet, welche gegenwärtig die gröfste Sodafabrik Frank- 
reichs ist. Da man bei der Herstellung von Soda nach Leblanc Schwefel- 
säure braucht, war die Errichtung von Schwefelsäurefabriken eine 
natürliche Folge; zur Gewinnung der Schwefelsäure wird jetzt allgemein 
vom Pyrit ausgegangen; dieses wichtige Rohmaterial wurde durch Er- 
werb von Pyritgruben gesichert, ebenso das Kochsalz durch den Ankauf 
bedeutender Salinen. 

Gegenwärtig besitzt die Gesellschaft Saint-Gobain die folgenden 
Etablissements chemischer Producte: Chauny (Aisne), Aubervilliers 
(Seine), Saint-Fons (Rhone), Montluyon (Allier), Marennes (Charante- 
Inferieure). Die Saline Art-sur-Meurthe, die Pyrithütten von Sain-Bel 
und die Phosphatlager in Beauval. 

Vom Jahre 1793 ab datiren die ersten Vervollkommnungen der 
Schwefelsüurefabrikation in Frankreich von Clement Desormet. Im J. 1835 
errichtete Gay-Lussac, damals Rathgeber der Compaguie Saint-Gobain, 
in Chauny den ersten Condensationsthurm zur Verdichtung der sal- 
petrigen Säure. Bis zum Jahre 1833 wurde allgemein sicilianischer 
Schwefel zur Gewinnung der Schwefelsäure verbrannt: das Haus Perrei 



Die Fabriken chemischer Producte der Gesellschaft Saint-Gobain. 143 

von Lyon — gegenwärtig mit Saint-Gobain vereinigt — führte als erste? 
die Verbrennung von Pyrit ein, die schon früher von Clement Deformes 
ohne Erfolg versucht worden war. Die Production an Schwefelsäure 
hat sich seit 10 Jahren mehr als verdoppelt. Sie beträgt gegenwärtig 
über 200000t von 500 Be. 

Die Salpetersäure, ursprünglich blofs für den eigenen Bedarf fabricirt, 
wird jetzt in grofsem Mafsstabe zur Herstellung von Explosivstoffen 
verbraucht. In 3 Fabriken können täglich mehr als 10000 k Salpeter 
verarbeitet werden. 

Seit der Gründung der Fabrik von Charlefontaine wurde das für 
die Sodagewinnung nöthige Sulfat von der Compagnie selbst hergestellt. 
Nach der Begründung von Chauny gewann die Fabrikation stets an 
Ausdehnung trotz des Rückschrittes der Sodafabrikation nach dem alten 
Leblanc sehen Verfahren. Die Production von 1888 beträgt 56500 1 Sulfat. 
In Chauny sind jetzt 3 mechanische Oefen nach dem System Mac-Tear 
im Gange, die die Handarbeit überflüssig machen und gesteigerte Pro- 
duction ermöglichen. Seit 1850 wird so reines Sulfat gewonnen, dafs 
dasselbe zur Spiegelglasfabrikation verwendet werden kann. Gegen- 
wärtig wird Spiegelglas fast nur mehr aus Sulfat erzeugt. 

Wie bekannt, hatte man ursprünglich für die Salzsäure keine Ver- 
wendung: dieselbe wurde in älteren Fabriken nur aus Rücksicht für 
die benachbarten Felder und Wiesen condensirt, die ohne diese Vorsicht 
grofsen Schaden gelitten hätten. Heute werden 65 Proc. der Salzsäure, 
welche in den Fabriken von Saint-Gobain erzeugt werden, in Chlor 
verwandelt. Seit 1871 ist der Prozefs Weldon in Chauny, seit 1875 in 
Saint- Föns und Marennes eingeführt. In Saint-Fons wird in neuerer 
Zeit das Deakori sehe Verfahren der Chlorgewinnung mit gutem Erfolge 
betrieben. Im vergangenen Jahre wurden in 2 Fabriken 10000 ( Chlor- 
kalk gewonnen; in Chauny werden jährlich 3600000 k Eau de Javelle 
erzeugt. 

Die vortheilhafte Lage, in welcher sich Saint-Gobain im Besitze 
grofser Pyrit- und Sodalager anderen Fabriken gegenüber befindet, 
machten die Einführung des Ammoniaksodaprozesses bis jetzt entbehrlich; 
trotzdem wurden in Saint-Fons Versuche zur industriellen Gewinnung 
der Soda nach dem So/rat/"schen Verfahren angestellt, so dafs man in 
der Lage ist, dieselbe sofort in Betrieb zu setzen, sobald das Bedürfnifs 
es erfordert. Im letzten Jahre hat sich übrigens die Lage des Leblanc- 
Prozesses wesentlich gebessert durch die Einführung des Verfahrens 
von A. Chance zur Wiedergewinnung von Schwefel aus den Sodarück- 
ständen (vgl. 1888 270 * 522). 

Künstliche Dünger. Die ersten Phosphatlager in Frankreich wurden 
im J. 1818 entdeckt. Das Material blieb aber ohne Anwendung bis 
zum Jahre 1836; damals machte Elie de Beaumont zuerst in einer be- 
merkenswerthen Denkschrift auf die Vortheile dieses Productes für die 



144 I >ie Fabriken chemischer Producte der Gesellschaft Saint-Gobain. 

Landwirtschaft aufmerksam. — Die Engländer waren die ersten, welche 
die Superphosphatfabrikation einführten: in Frankreich beschäftigte mau 
sich erst seit der Weltausstellung 1867 mit dieser PVage und Daubree 
war es, der darauf aufmerksam machte, dafs kein Land der Erde so 
sehr mit natürlichen Phosphaten gesegnet sei, wie Frankreich; man fand 
Lager derselben in 39 Departements. 

Die gesteigerte Einfuhr englischer Producte, sowie das Vorgehen 
englischer Gesellschaften, welche bestrebt waren, ihre Besitzungen an 
französischen Phosphatlagern von Jahr zu Jahr zu vermehren, waren 
die Veranlassung, dafs die französischen Industriellen und obenan die 
Compagnie von Saint-Gobain sich entschlossen, die Fabrikation von 
Superphospbaten aufzunehmen. 1878 fabricirten die Fabriken von 
Chauny, l'Oserain und Montlucon zusammen 20000* Superphosphat. 
Dabei sollte aber die Entwickelung dieser Industrie nicht stehen bleiben: 
im Besitze der grofsen Schwefelsäurefabriken und des einzigen wich- 
tigen Pyritbergwerks von Frankreich war Saint-Gobain dazu berufen, 
die anderen Fabriken mit Schwefelsäure zu versehen. Die gesteigerte 
Production machte es nothwendig, den Ueberschufs derselben während 
der todten Saison der Düngerfabriken auf passende Weise aufzubewahren, 
und dies wurde wieder durch Umwandelung der Säure in Superphosphat 
möglich. So kam es, dafs sich die Production dieses wichtigen Ma- 
teriales in den letzten 10 Jahren auf 110000* jährlich steigerte. Dies 
geschah aber nicht zum Nachtheil der anderen Producenten, denn der 
Bedarf an Superphosphat steigerte sich in gleichem Mafse. Wieder 
war es die Compagnie Saint-Gobain, welche durch besondere Güte und 
Reinheit der Fabrikate das Vertrauen der Landwirthe geweckt und da- 
mit jenen einen dauernden Absatz gesichert hat. In ihren Hütten wurde 
auch zuerst getrocknete Ware erzeugt, welche mit Hilfe geeigneter 
Maschinen sich besonders leicht auf die Felder vertheilen läfst. 

Die Aufarbeitung der Phosphate geschieht heute nur mehr mit 
Maschinen. Mit Hilfe geeigneter Vorrichtungen wird das Rohmaterial 
aus den Magazinen direkt in die Fabrikräume gebracht. Man erzeugt 
gegenwärtig folgende Sorten von Superphosphat: Gewöhnliche Ware 
mit 9 bis 11 Proc, reiches Superphosphat (Sup. riebe) 18 bis 15 Proc, 
Superphosphat extra riche mit 16 bis 17 und 19 bis 20 Proc. löslicher 
Phosphorsäure. Aufserdem werden noch Dünger für den Weinbau her- 
gestellt und unter dem Namen „Engrais complet de Saint-Gobain", ein 
Gemenge verschiedener werthvoller Bestand theile, das u. a. Kalium- 
sulfat enthält, in den Handel gebracht. 

Bezüglich der Luftreinigung des Etablissements sowie der ausführ- 
lichen Beschreibung der Pyritlager müssen wir auf die Originalarbeit 
im Genie civil, 1889 S. 601 bis 608, verweisen. Zg. 



Verln^ der .T. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Tiiion Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Gad, Neuerungen in der TiefbohrteehniU. 145 

Neuerungen in der Tiefbohrtechnik von E. Gad in 

Darmstadt. 

Mit Abbildungen auf Tatet 10. 

Der demnächst erscheinende IV. Band der Tiefbohrkunde von 
Tecklenburg, das Seilbohren behandelnd, wird als sehr zeitgemäfs zu 
begrüfsen sein, da die in Teptitz mittels der pennsylvanischen Seil- 
bohrmethode im Betrieb befindliche Tiefbohrung gerade das Interesse 
weiter Kreise in Anspruch nimmt. Die bisher in Teplitz erzielten Er- 
folge stehen durchaus im Einklang mit den Resultaten, die auf Grund 
aller bisherigen Erfahrungen in dem angeführten Werke niedergelegt 
sind. Die in den wagerecht gelagerten milden Gebirgsschichten 
Pennsylvaniens allein herrschende Seilbohrmaschine arbeitet vorzüglich 
in gleichartigen Formationen Europas, überwindet aber nur unvoll- 
kommen die Schwierigkeiten, die hartes, geklüftetes und steil ein- 
fallendes Gestein ihr entgegenstellen. Solange die Bohrung durch stark 
zersetzten Porphyr führte, ging sie noch ganz befriedigend von Statten, 
als jedoch Ende Juli bei 204 m Teufe fester Porphyr auftrat, mehrten 
sich in bedenklicher Weise die Klemmungen, Seilrisse, Meifselabnutzungen 
u. s. w., welche Unfälle nur durch zeitraubende Fangarbeiten und Re- 
paraturen, nebst nothwendigen Verrohrungen zu heben waren. Da die 
Bohrung am 6. Mai begonnen ist und zur Zeit (Oktober 1890) erst die 
Tiefe von 21 5 m erreicht hat, so ist das Versprechen des amerikanischen 
Bohrunternehmers Herrn John Webber, die geforderte Tiefe von 500 m 
in 100 Tagen zu erreichen, nicht erfüllt worden. Ob er die Tiefe 
überhaupt erreicht, bezieh, mit welchem Bohrlochsdurchmesser, steht 
noch dahin. Uebrigens ist bei dieser Bohrung bisher niemals eine 
bessere Tagesleistung als 5 m Bohrfortschritt zu verzeichnen gewesen, 
was als ganz mittelmäfsiger Erfolg anzusehen ist. Es soll dabei weder 
der guten pennsylvanischen Maschine noch dem energischen, gewandten 
amerikanischen Bohrmeister ein Vorwurf gemacht werden, denn es 
handelt sich eben um die Leistungsfähigkeit der normal ausgeführten 
und bedienten Maschine. Der Teplitzer Apparat arbeitet mit einer 
Schwerstauge von 3000 k Gewicht, und es werden mit dem l m ,5 langen 
Stahlmeifsel in der Minute 40 bis 45 Schläge bei 62 cm ,5 Hubhöhe 
ertheilt. 

Im Anschlufs seien zunächst andere wichtige Bohrarbeiten er- 
wähnt. 

Im nördlichen England, bei Middlesborough, hat neuerdings die dort 
blühende Salzindustrie einen grofsen Aufschwung genommen, womit 
neue Aufschlüsse von Salzlagern durch ausgeführte Tiefbohrungen in 
Verbindung stehen. 

Dingler's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 4. 18901V. 10 



146 Gad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

Das erste Salz wurde dort 1862 gelegentlich einer Tiefbohrung 
erschlossen, die in der Nähe der Docks von Middlesborough 1859 zum 
Aufsuchen von Wasser für die dortigen Eisenwerke in Angriff ge- 
nommen war. Das Salzlager fand sich in einer Mächtigkeit von etwa 
30 m in einer Tiefe von 367 m ,5. 

Einzelne Bohrungen, wenn auch in geringer Zahl, sind im Laufe 
der nächsten Jahre ausgeführt worden und haben Salz in gröfserer 
Tiefe von etwa 450 m und in 25 bis 26 m mächtigen Lagern an- 
getroffen. 

Die jüngste Bohrung daselbst bei Lackenby am Teeflusse, die im 
November 1889 beendigt ist, wurde von der Firma Mather and Platt 
aus Manchester mittels deren eigentümlichen Seilbohrmaschine aus- 
geführt. Sie traf das 36 m ,5 mächtige Salzlager auf einer Tiefe von 514 m . 
Das Bohrloch beginnt mit einem Durchmesser von 30 cm und ist bis auf 
26 m ,5 Teufe in dieser Weite verrohrt. Darauf folgt ein auf 25 cm ver- 
engter Theil von 48 m ,8 Länge, und diesem ein wiederum verengter 
Theil von 21 ctn Weite in 106 m ,7 Länge, ebenfalls mit Verrohrung. Die 
weitere Bohrung von 182 m Teufe an wurde im Rothsandstein ohne 
Verrohrung mit 21 cm Durchmesser beendigt. Der geförderte Bohrschmant 
gab sehr interessante und überraschende Aufschlüsse über Störungen 
der Liasformation in dortiger Gegend. 

In der Schweiz beabsichtigt eine Gesellschaft im ganzen Gebiet 
systematisch nach Steinkohlen zu bohren, die nach dem Urtheil Sach- 
verständiger dort vorhanden sein müssen. Man nimmt an, dafs der 
Bund 50 Proc. der auf eine halbe Million Francs veranschlagten Kosten 
tragen wird. Die Bohrversuche sollen zunächst längs des Jura beginnen. 

Eine Tiefbohrung bei Hermsdorf in der Mark Brandenburg, die 
bis 323 m Tiefe durchgeführt wurde und bei 320 m Teufe stark 3proc. 
Salzsoole traf, welche l m über Oberfläche ausflofs, hat aufserdem sehr 
interessante geologische Aufschlüsse über die Formationen in der Mark 
ergeben. Es wurden dabei z. B. zum ersten Mal die Schichten des 
Lias ö in der norddeutschen Tiefebene nachgewiesen. 

In neuerer Zeit hat die amerikanische Bohr firm a Gray, Bros, and Co. 
in Milwaukee viele grofsartige artesische Brunnenbohrungen ausgeführt. 
So waren z. B. im Staate Dakota im Beginn des Jahres 1890 etwa 
25 artesische Brunnen in Tiefen von 300 bis 900 m fertig gestellt. Der 
ergiebigste dieser Brunnen befindet sich zu Yankton, Dakota, und wirft 
einen 3 m hohen Wasserstrahl mit einer Wassermasse von etwa 12000 1 
in der Minute aus. Zwei weitere bedeutende Brunnen sind von der- 
selben Firma in der Stadt Kaukauna, Wisconsin, und in Milwaukee 
selbst abgebohrt. 

Der Professor v. Rziha von der k. k. technischen Hochschule in 
Wien hat zu akademischen Zwecken nachstehende Zusammenstellung 
von den wirklich aufgelaufenen Kosten tiefer Bohrlöcher gemacht: 



Gad. Neuerungen in der Tiei'bohrtechnik. 



147 



Nr. 



Namen 




Gebirgsart 



1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 



Diedenhofen 
Rohr 

Pnrmallen 
Artern 
Goslar 
Wersen 
Rheinfelden 
Schöningen I 
II 
Camrain 
Böhmisch-Brod 
Mondorf 
Sperenberg 
Schladebach* 



180.0 
302,0 
303.2 
314.0 
329,8 
104.0 
126.0 
520.0 
574.0 
580,0 
697.4 
73d.O 
1271.4 
1748,4 



60,0 
308,1 

93,6 
158.0 

70.7 
154.5 
356.8 

87,0 

52,2 
238,3 
318,2 

73,8 
136,8 
121,4 



Mittehverth | 558,7 | 148,1 
* Derzeit das tiefste menschliche 
so tief, als der Wiener St. Stefansthu 



Kalk. 

Bnntsandstein. 

Schwimmendes und festes Gebirge. 

Salzgebirge. 

Goslarer Schiefer. 

Buntsandstein. 

Buntsandstein (Dianiantbohrung). 

Trias und Salz. 

Trias und Salz. 

Tertiär. 

Buntsandstein (Diamantbohrung). 

Kohlengebirge. 

Salz. 

Salz. 



Eingreifen in die Erdrinde; zwölf Mal 
rm hoch ist. 



So interessant diese Angaben sind, so bleibt bezüglich der prak- 
tischen Bedeutung doch zu bedenken, dal's zum angemessenen Vergleich 
der Kosten noch andere Verhältnisse als die angegebenen, z. B. Bohr- 
lochsweite, Bohrmethode, vor Allem aber die Jahreszahl der Bohr- 
ausführung mafsgebend sind. Was den letzten Punkt anbetrifft, so sind 
z. B. die Bohrungen Nr. 7 bei Rheinfelden und Nr. 11 bei Böhmisch- 
Brod in den Jahren 1874—75 ausgeführt. Da diese beiden ..Diamant- 
bohrungen" den gröfsten Kostenaufwand von allen verzeichneten Ar- 
beiten verursacht haben, so könnte man zu der Annahme versucht sein, 
die Diamantbohrmethode als die bei weitem theuerste Methode zu be- 
trachten. Dem gegenüber bleibt aber zu bedenken, dafs die ebenfalls 
aufgeführte, im J. 1886 beendigte Bohrung von Schladebach — auch 
eine Diamantbohrung — erheblich geringere Kosten verursacht hat. 

Die Verwendung der Elektricität als Motor von Tiefbohr- und Ge- 
steinsbohrmaschinen (vgl. 1890 275 317) wird mit der Zeit sicher an 
Bedeutung gewinnen. Es sei in dieser Beziehung zunächst der elek- 
trische Tiefbohr- und Tunnelbohrapparat von R. Richard und R. Landon 
in Middlesex (Englisches Patent Nr. 6690 vom 18. Mai 1886) erwähnt 
(Fig. 1 bis 3 Taf. 10). 

Zur Ausführung von senkrechten Tiefbohrungen wird der elektrische 
Bohrapparat an einem Drahtkabel, das die isolirten Leitungsdrähte ent- 
hält, in das Bohrloch eingelassen. Die äufsere Metallhülse a umgibt 
die innere Motorhülse b. Diese letztere ist auf ihrem Deckel mit dem 
Gestell c versehen, in dem die Schwerstange d beweglich ist. Beim 
Aufstofsen des Bohrgerätbes auf die Bohrsohle sinkt die Schwerstange, 
deren Belastung durch die äufsere Hülse noch durch das Gewicht e 
verstärkt i.*t, nieder und preist die vier Klingen f in die Bohrlochs- 



148 



Gad, Neuerungen in der TiefbohrtechniU. 



wände, wodurch die äufsere Hülse a eine unwandelbare Stellung wah- 
rend der Bohrarbeit erhält. Heim Aufholen des Instrumentes ziehen 
sich die Klingen von selbst wieder ein. 

Diese Klingen können indessen auch durch Nachschneiden ersetzt 
werden, die mittels Federn oder Elektromagnete zu spannen bezieh, 
einzuziehen, sowie mittels elektrischen Biotora in Thätigkeit zu setzen sind. 
Innerhalb der Motorhülse befindet sich im oberen Theil der elek- 
trische Motor <jr, im unteren Theil das Getriebe //, welches durch das 
wagerechte Treibrad i die Drehspindel k in Drehung versetzt. Auf 
letztere ist die hohle Bohrspindel / aufgesetzt, die durch die Nase 
der Drehspindel, welche in eine innere Längsnuth der Bohrspindel 
eingreift, in der Drehung mitgenommen wird. Die Auf- und Abbewegung 
der Bohrspindel bleibt dabei frei, und diese wird durch Knaggen und 
Nasen von den lothrechten Triebrädern m aus bewirkt. Die Bohr- 
spindel ragt durch die Stopfbüchse n aus dem Boden der wasserdichten 
Motorhülse heraus und nimmt am Schraubengewinde das Bohrgeräth 
auf. Dieses kann von jeder beliebigen Form sein und auch zeitweise 
durch eine besonders construirte Ventilbüchse mit archimedischer Schraube 
zum Auslöffeln des Bohrschmantes ersetzt werden. 

Für den Fall, dafs Diamantbohrung erforderlich ist, wird die Bohr- 
spindel durch zwei mit Diamanten besetzte Bohrkronen ersetzt, von 
denen eine innere in entgegengesetzter Richtung von der umschliefsenden 
äufseren läuft, damit durch diese gegenläufige Bewegung die Stabilität 
des Instrumentes bewahrt bleibt. 

Die Verwendung des Apparates zur Tunnelbohrung ist in Fig. 2 
und 3 dargestellt. 

Der Apparat wird in einem metallenen Schutzcylinder o auf einem 
Rollwagen ;) montirt. DieStellung der Rollräder q (Fig. 3) gestattet das 

Abräumen des Berges vor 
Ort unter dem Fahrzeug her. 
Die Bohrung kann mit ver- 
schiedenen Geräthen vor 
sich gehen, z. B. durch den 
Schrämmbohver r. Die 
starke Schraubenvorrich- 
tung s hinten am Apparat 
bewirkt den Vorschub. 
Zwei Mann bedienen die 
Maschine beim Tunnel- 
bohren, von denen der eine 
seine Stellung am vorderen. 
der andere am hinteren 
Theile derselben hat. 

Eine elektrische Gc- 




Gad, Neuerungen in der Tiei'bohrtedinik. 149 

-u ins-Diamantbohrmaschine (Fig. 4) nach J. E. Storey'z Patent wird 
neuerdings von der Sprayue Electric Railway and Motor Co. in New 
York angefertigt. Die Art des Betriebes ist aus der Darstellung er- 
sichtlich. Zweckmäfsigerweise wird die elektrische Leitung zugleich 
zur Beleuchtung verwandt. 

In jüngster Zeit stellt die genannte Fabrik auch elektrische Stofs- 
bohrapparate her. 

Eine andere amerikanische elektrische Gesteinsbohrmaschine von 
E. A. Sperrt) in Chicago hat neuerdings das D. R. P. Nr. 50912 vom 
9. .lurti 1889 erhalten. 

Bei derselben dreht ein Elektromotor mittels einer Zahnräderüber- 
setzung eine Kurbel, die mittels einer elastischen Lenkstange mit dem 
Bohrer verbunden ist. Beim Rückschube desselben wird eine Schrauben- 
feder zurückgedrückt, die beim Vorschübe des Bohrers denselben gegen 
das Gestein wirft, und zwar unabhängig von der Elektromotorwelle, 
weil diese mit den Kurbelscheiben durch eine beim Vorschübe sich 
lösende Kuppelung verbunden ist. Die Maschine ist mit Umsetz- und 
Vorschubvorrichtungen für den Bohrer versehen. 

Speciell als Äo//fewbohrapparat kommt noch die elektrische Maschine 
von P. Arp in Betracht, die auf der Kohlenzeche des Herrn A. Jackson 
bei Powelton in Pennsviva nien in Betrieb ist. Die Elektricität wird 
durch eine Maschine von 7 EP erzeugt und durch Drähte etwa eine 
englische Meile weit nach dem Motor vor Ort geleitet. Der Motor be- 
findet sich in einem eisernen Rahmen, 60 cm hoch, 2 m ,60 lang, 90 cm breit. 
Unten bohren neun kleine Bohrer vor, und dazwischen angebrachte 
stählerne Schneidestangen schneiden die zwischen den Bohrlöchern stehen 
gebliebene Kohle nach, während mechanische Schaufeln die gelöste 
Kohle abräumen. In 5 Minuten können zwei Räume von 10 m Fort- 
schritt, 90 cm breit und l m ,5 tief abgebohrt werden. Der etwa 540 k 
schwere Apparat wird mit Stangen vorgeschoben und läfst sich auf und 
ab bewegen, wobei er auch das übrige Gestein der Sti-ecke aufser dem 
Kohlenflötz zu schneiden im Stande ist. 

Der elektrische Betrieb von Gesteinsbohrmaschinen hat sich bisher 
indessen noch keineswegs so billig und einfach bewerkstelligen lassen, 
dafs man in der Lage wäre, durchweg die bisher üblichen Betriebe 
mittels Dampf, Preßluft oder Hand durch ihn zu ersetzen. Die an 
Apparaten letztgenannter Art ausgeführten Verbesserungen werden mithin 
wohl auf geraume Zeit hin noch eine wichtige Rolle spielen. 

Mehrfache bemerkenswerthe Verbesserungen hat die ältere Gesteins- 
stofsbohrmaschine von A. W. Daws und T. W. Daws in Laurvig, Nor- 
wegen (altes Englisches Patent Nr. 10 738 vom Jahre 1887) neuerdings 
durch dieselben Erlinder erfahren, Fig. 5 (neues Englisches Patent Nr. 3691 
vom 2, März 1889). 

Zunächst sind die Durchlässe a und b in der Kolbenstange c so 



150 <»ad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

lang, dafs sich stets ein Ende eines jeden aufserhalb der Stopfbüchse d 
befindet, wenn das andere Ende in Communication mit einem der Ein- 
lasse e öder f des Ventile ylinders g steht.' Dies bewirkt, dafs das Be- 
wegungsfluidum vom Ventilcylinder sicher erschöpft wird, während am 
anderen Ende Bewegungsfluidum zuströmt. 

Ks ist ferner die Vorschubeinrichtung verbessert. Dieselbe findet 
selbsthätig dadurch statt, dafs die Vorschubschraube h mittels des 
Klauenrades i gedreht und vorbewegt wird, sobald das Hebestück k den 
Rahmen / und damit eine Sperrklinke anhebt. Das Hebestück k ist 
wirbelnd mit der Kolbenstange c verbunden, so dafs die letztere ia der 
Drehung bei der wagerechten Bewegung nicht gestört wird. Das Gufs- 
stück m umschliefst führend die Kolbenstange c und das Hebestück ä, 
während es sich gleitend in der Hülse n bewegt. 

Schliefslich ist auch die Verbindung des Bohrmechanismus mit dem 
Gestelle vervollkommnet. 

Eine neue Methode, um enge Tunnels in zweckmäfsiger Weise 
durch Sprengungen von Bohrlöchern vorzutreiben, hat W. L. Saunders 
in New York (Amerikanisches Patent Nr. 413869 vom 29. Oktober 1889) 
vorgeschlagen. Mit einer beliebigen Gesteinsbobrmaschine werden etwa 
von 1 j 3 und 2 | 3 der Höhe des Ortes an je ein Bohrloch geradeaus, 
aber das obere in steigender, das untere in fällender Richtung gebohrt, 
und zwar bis jedes etwa die Höhe der First bezieh, die Ebene der Sohle 
erreicht. Sobald diese Bohrlöcher vollendet sind, stellt man durch stofs- 
weises Bohren mit einem breiten Meifsel eine schlitzartige Verbindung 
zwischen den beiden Bohrlöchern her. Es entsteht dadurch ein Schlitz 
im Gesteine, dessen Durchschnitt in der Längsrichtung des Tunnels ein 
Trapez bildet. Kleinere im festen Gesteine in der Nähe der Tunnel- 
wände angesetzte Bohrlöcher finden alsdann in der Richtung auf den 
Schlitz beim Abthun der Schüsse ihre kürzeste Widerstandslinie, wo- 
durch der Tunnel durch eine möglichst geringe Zahl von Schüssen vor- 
getrieben werden kann. 

Zwei wirksame Gesteinsbohrmaschinen, welche hauptsächlich in 
offenen Steinbrüchen zum Abbohren senkrechter Bohrlöcher gebraucht 
werden, sind in Amerika von J. F. DU t mann in Pittsburg (Amerikanisches 
Patent Nr. 417004 vom 10. December 1889) und von J. Cody in New York 
(Amerikanisches Patent Nr. 418449 vom 31. December 1889) erfunden 
worden. 

Bei dem ersten dieser Apparate (Fig. 6) ist der Bohrmeifsel a von 
beliebiger Form an der runden Bohrstange b angeschmiedet. Diese sitzt 
in der Bohrspindel c und wird durch die Stellschraube d gezwungen, 
die Drehung der Bohrspindel mitzumachen. In senkrechter Richtung, 
also in der Richtung des Stofses erhält die Bohrstange festen Halt durch 
den Splint e, der je nach der erforderlichen Länge des Bohrhubes in 
verschiedene Splintlöcher der Bohrstange eingesteckt werden kann. 



Gad, Neuerangen in der Tiefbohrtechnik. 151 

Die stofsende Auf- und Abwärtsbewegung der Bohrspindel bewirkt 
die Kurbelscheibe f mit den Daumen g und A, die hebend unter die 
Reibungsrollen t und k greifen und dieselben an der Stelle des höchsten 
Hubes frei geben. Zur Drehung der Kurbelscheibe f dient die Kurbel i 
mittels der Triebräder m und n, sowie das Schwungrad o, die Kraft 
des Stofses wird wesentlich durch die Feder p und eine andere in der 
Abbildung verdeckte Feder verstärkt. Die Anspannung der Spring- 
feder p verursacht der Spannstift g bei der Drehung der Kurbelscheibe f. 

Ein Vorschub nach unten wird durch eine in der Zeichnung nicht 
sichtbare Federvorrichtung bewirkt, welche die Vorschubschraube r in 
Bewegung setzt. Die Vorschubschraube r läfst sich durch den Hand- 
grill' s von der Zahnstange t abziehen, worauf eiue ungehinderte Auf- 
und Abbewegung des Rahmens u auf der Zahnstange ermöglicht ist. 

Die Bohrspindel erhält dadurch eine umsetzende Bewegung, dafs 
das auf derselben festsitzende Zahnrad d über die Führung w gehoben, 
darauf durch eine Federvorrichtung x um einige Zähne gedreht wird, 
worauf es in etwas veränderter Seitenstellung an der Führung %c herab- 
gleitet. 

Das Bohrgestell y bietet keine besonderen Eigentümlichkeiten. 

Bei dem zweiten dieser Apparate (Fig. 7) ist gerade das Bohr- 
gerüst a durch die daran angebrachte Bühne b von Bedeutung. Die 
Bühne kann durch das Gegengewicht c gehoben werden, während die 
in das Sperrrad d eingreifende Sperrklinke e zu deren Feststellung dient. 
Durch Senkung der Bühne wird der Vorschub regulirt. Der Bohr- 
meifsel f erhält seine Führung durch die Bühne uud das Führungsstück g. 
Die Stofskraft ertheilt der Hammer /*, welcher mit der Hand durch das 
Kurbelrad i bewegt wird. Ein Umsatz des Bohrmeifsels findet bei 
jedem Schlage durch die das Sperrrad k anziehende und drehende 
Schnur / statt. 

Ferner ist noch eine amerikanische Gesteinsbohrmaschine für Hand- 
betrieb in jeder Bohrrichtung zu erwähnen, und zwar die von J. M. Clark 
in Massachusetts (Amerikanisches Patent Nr. 296052 vom 31. December 
1889), welche die Stofskraft von einer die Bohrspindel in einer Hülse 
umgebenden Spiralfeder erhält, deren Spannung ein Getriebe bewirkt. 
während ein anderes Getriebe den Umsatz des Bohrmeifsels verursacht. 

Eine bemerkenswerthe amerikanische A'oMenbohrmaschine hat noch 
W. N. Symington in Brooklyn, New York, erfunden (Amerikanisches 
Patent Nr. 313188 vom 29. Oktober 1889), deren Eigeuthümlichkeit 
darin besteht, dafs eine Treibscheibe, an der seitwärts ein Meifselpaar 
angebracht ist, mittels eines Seiles ohne Ende von einer anderen in 
der Bohrhülse gelagerten Treibscheibe Drehung erhält. 

Eine französische Gesteinsbohrmaschine von E. Salendre in Paris 
hat das Englische Patent Nr. 4471 vom 14. März 1889 erhalten. Die 
Einrichtung beruht darauf, dafs eine auf einem Gestelle bewegliche und 



152 Gad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

stellbare Hülse mit innerem Schraubengewinde in zwei Theileu ange- 
fertigt und mit Charnieren versehen ist, so dafs die mit äufserem Schrauben- 
gewinde versehene Bohrspindel leicht einzubringen und herauszunehmen 
geht. Drehung und Vorschub erhält der an der Bohrspindel befestigte 
Bohrmeifsel durch die Handhabung einer Kurbel. 

Eine einfache und zweckmässige Tiefbohrmaschine für Drehung mit 
Wasserspülung bis zu Tiefen von 150 m (Fig. 8) hat G. S. ßariholomew in 
Californien erfunden (Amerikanisches Patent Nr. 417 352 vom 17.December 
1889). Die Haupteigenthümlichkeit dieses Apparates beruht in der Ein- 
richtung:; des Bohrgeräthes. Der Bohrmeifsel a ist nämlich aufser mit dem 
hohlen Bohrgestänge b noch mit der kurzen Schutzhülse c fest ver- 
bunden. Die Schutzhülse hat den Hauptzweck, die Bohrlochswand an 
der Ausströmungsstelle des Spülwassers, wo also der Wasserdruck am 
stärksten ist, gegen Ausspülung zu schützen. In vielen Fällen wird 
dieser Schutz genügen, um bei günstigem festem Boden die Spülbohrung 
ohne Verrohrung durchführen zu können. Aufserdem gibt die Schutz- 
hülse dem Bohrmeifsel sichere Führung, schützt denselben gegen Nach- 
fall und beugt Verbiegungen und Brüchen des Bohrgestänges vor. 

Von anderweitigen Einrichtungen ist ferner das Querhaupt d zu er- 
wähnen, das am Seile e hängt, dessen Ende am Haspel f aufgerollt ist. 
Durch den Haspel wird der Vorschub regulirt. Das Querhaupt umfafst 
mit den Endflanschen die Führungsbalken </, wobei die Rollen h die 
Reibung mindern. Das Treibrad i nimmt mit einer inneren Nase bei 
seiner Drehung den Holländer ft, der sich frei im Spülkopfe / dreht, mit 
herum. Das Triebrad w, welches sich auf der viereckigen Welle n frei 
auf und ab bewegt, wird von dieser gedreht. Die Welle n erhält die 
Bewegung durch das Getriebe o, />, </, die Welle r und die Riemen- 
scheibe s von einer beliebigen Betriebskraft. 

Der Hebel t dient zur Umstellung des Rades p vom Rade q auf 
das Rad o, falls eine der Bohrdrehung entgegengesetzte Bewegung, 
z. B. zur Befreiung des etwa verklemmten Bohrgeräthes, ausgeführt 
werden soll. 

Die Druckpumpe u drückt das Spülwasser durch den Schlauch v 
nach dem Spülkopfe / und weiter in das Bohrgestänge. 

Eine fahrbare Dampf-Seilbohrmaschine für Tiefen bis 200 m hat 
J. W. Miller in Newton Falls, Ohio, construirt (Amerikanisches Patent 
Nr. 413407 vom 22. Oktober 1889). 

Die Haupteigenthümlichkeit dieser Maschine (Fig. 9), die sich über- 
dies durch zweckmäfsige und einfache Anordnung aller Theile aus- 
zeichnet, liegt in der besonderen Einrichtung des Vorschubes mittels 
einer sinnreichen Führung des Bohrseiles. Das Bohrseil o, an welchem 
das für das pennsjlvanische Seilbohren übliche Bohrgeräth hängt, ist 
zunächst über die Rolle b an der Spitze des Bohrgerüstes c, dann unter 
der Rolle d her und über die Rolle e nach der Seiltrommel f geleitet. 



Gad. Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 153 

Die Kolle d ist excentrisch an der Scheibe g befestigt, welche auf der 
Welle h durch die Riemenscheibe i Drehung erhält. Beim Stofsen wird 
die Seiltrommel durch Andrücken des Hades k an den Bremsklotz / 
mittels des Hebels m festgestellt, während die Rolle e von selbst in 
fester Stellung verbleibt. Die Stöfse erfolgen mit doppelter Geschwin- 
digkeit und mit doppeltem Hube im Verbal tnifs zum Anzüge der Rolle f, 
weil diese zugleich auf zwei Theile des Bohrseiles anziehend wirkt und 
dann die Gesammtlänge beider Seilstücke gleichzeitig zu Falle bringt. 
Durch die Rolle e wird das Bohrseil ebenfalls stets in einer für den 
Anzug durch die Rolle d günstigen Stellung erhalten. 

Zum Nachlassen des Bohrseiles im Verhältnisse zum Bohrfortschritte 
dient die Schraube n nebst dem Handgriffe o. Die Annäherung der 
Rolle e an die Seiltrommel f bewirkt die doppelte Verlängerung des 
Bohrseiles. Sobald die Rolle e den ganzen Weg in der Richtung zur 
Seiltrommel ausgeschraubt ist, mufs sie zurückgestellt und ein ent- 
sprechendes Seilstück von der Seiltrommel abgelassen werden. 

Zum Fördern des Bohrgeräthes hat man das Rad Ä von dem Brems- 
klotze / mittels des Hebels m abzurücken und an die Stirn der Frictions- 
scheibe p anzudrücken. 

Zum Löffeln dient der Löffelhaspel 7, um welchen das (nicht dar- 
gestellte) Löffelseil gewickelt ist, an dessen äufserem Ende eine gewöhn- 
liche Sandpumpe hängt. Der Hebel r stellt nach Bedarf durch Seit- 
wiirtsschieben die äufsere Fläche der Haspelscheibe gegen die Seitenfläche 
der Frictionsscheibe /) an und bewirkt andererseits das Bremsen durch 
Andrücken einer Bremsscheibe an einen Bremsklotz. (Beide Theile 
nicht sichtbar.) 

Zwei weitere neue in Amerika erfundene Seilbohrmaschinen zeigen 
sehr sinnreiche und brauchbare Einzeleinrichtungen, wenn sie auch 
keine grundsätzlichen Neuerungen aufweisen und auch nicht ganz den 
Ansprüchen an Einfachheit entsprechen. Die eine ist von V. Wirick in 
Rochelle, Illinois (Amerikanisches Patent Nr. 413218 vom 22. Oktober 
1889), die andere von F. li. Peacock in Le Mars, Jowa (Amerikanisches 
Patent Nr. 416375 vom 3. December 1889) hergestellt. 

Der in Fig. 10 dargestellte Apparat wird von der Firma Merryweat/ier 
and Son in Greenwich angefertigt und dient einem besonderen Zwecke. 
Es kommt nämlich nicht selten vor, dafs verrohrte Wasserbohrbrunnen, 
nachdem sie durch einige wenig ergiebige wasserführende Schichten 
abgebohrt sind, in gröTserer Tiefe wegen völligen Wassermangels auf- 
gelassen werden müssen. Es kann dann häutig zweckmäfsig sein, 
wenigstens den geringeren Wasservorrath der höheren Schichten zu ge- 
winnen. Dies ist durch den vorstehenden Bohrapparat erreichbar. 

Der Schutzcylinder a wird an dem gewöhnlichen Bohrgestänge b 
innerhalb der meist gufseisernen Verrohrung c bis an die wasserführende 
Schicht herabgelassen. Die Federn d gewähren den Cylindern den er- 



154 (jad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 

forderlichen Halt. Ein Rädergetriebe innerhalb des Schutzcylinders über- 
trägt die Drehung des Bohrgestänges b auf die mit den Stahlspitzen d 
versehenen Bohrspindeln (zwei oder mehr). Eine entsprechende Anord- 
nung der Zähne der Triebräder bewirkt aufserdem einen gleichmäfsigen 
Vorschub der Bohrspitzen. Es können 60 bis 80 Löcher durch gufs- 
eiserne Röhren von 2 bis 3 cm Wandstärke gebohrt werden, ohne dafs 
eine Schärfung der Spitzen erforderlich wird, und der Apparat fuuctionirt 
nach den bisherigen Erfahrungen bis auf 100 m Teufe tadellos. Um die 
Bohrspitzen aus den Bohrlöchern zurückzuziehen, bedarf es nur der 
rückläufigen Drehung des Bohrgestänges. 

Der sehr einfache abessinische Brunnen, wie ihu die englische Firma 
C. hier and Co. in London für das Kriegsministerium herstellt, ist in 
Fig. 11 abgebildet. Aufser dieser leichtesten Form liefert die genannte 
Firma auch noch schwerere Brunnenapparate, die dann für das Ein- 
rammen besonderer Bahrgerüste aus Eisenstangen bedürfen. Dieselbe 
Vorrichtung, die zum Einrammen der Brunnenröhren bestimmt ist, kann 
auch vorkommenden Falls zum Ausziehen der Röhren benutzt werden. 

Die französische Bohrfirma Bourdin Ch. - L s . in Paris fertigt eigen- 
artiges Bohrgeräth an, von dem die bemerkenswerthesten Formen in 
Fig. 12 bis 14 dargestellt sind. 

Fig. 12 zeigt das Führungsstück, welches zwischen Bohrmeifsel und 
Gestänge eingefügt ist und den Zweck hat, zwischen beiden Stücken 
eine sichere Verbindung herzustellen, die beim Drehbohren die Drehung 
nach beiden Richtungen gestattet und beim Stofsbohren eine möglichste 
Entlastung der Verschraubung gewährt. Es wird beides durch die 
schraubenförmig geführten Endflächen des Mutterstückes a und des Vater- 
stückes b erreicht. Sowohl beim Drehbohren wie beim Stofsbohren 
nehmen diese Flächen die ganze Arbeit auf. Die Zusammenfügung ge- 
schieht, indem der Stift c des Mutterstückes a durch die cubische Aus- 
lassung d des VaterstUckes b hindurch bis in dessen bezügliches Lager 
durchgesteckt und alsdann durch die auf dem mit Gewinde versehenen 
Stift c sitzende Mutterschraube e so fest angeschraubt wird, dafs die 
Endflächen der Stücke a und b fest an einander stofsen. Die Mutter- 
schraube e ist alsdann sowohl beim Drehen wie beim Stofsen völlig 
■entlastet. Sie kann fast ganz mit der Hand fest- und losgeschraubt 
werden, nur für die letzten bezieh, ersten Umdrehungen ist die Ver- 
wendung eines Schraubenschlüssels erforderlich. 

Die Ventilbüchse (Fig. 13) zeigt an der Hülse a den Stift b mit dem 
Haken c und dem Griffe d. In der dargestellten Stellung des Stiftes 
kann sich die Ventilklappe c nur von unten nach oben bewegen, wie 
dies beim Löffeln erforderlich ist. Zum Entleeren der Büchse dreht man 
den Stift an dem Griffe herum, wodurch der Haken ebenfalls gedreht 
wird und derselbe die Klappe nach unten fallen läfst. Der Ring f verstärkt 
den Boden der Büchse. Die Schneide g kommt in Verbindung mit der 



Gad, Neuerungen in der Tiefbohrtechnik. 155 

Büchse in Gebrauch, wenn das Instrument als Schappe beim Bohren iu 
weichem Boden functioniren soll. 

Das Fanggeräth (Fig. 14) besteht aus der Hülse a , in welcher die 
Faughaken f mit den Armen c gelagert sind. In dem oberen trichter- 
artigen Räume zwischen den Hakenarmen hat die Kugel d ihre Bahn, 
wahrend die lange durch die Hülse führende Schraube e die Kugel 
vorbewegt oder frei gibt. Beim Fangen eines im Bohrloche Btecken 
gebliebenen Gegenstandes wird die Kugel d in den trichterförmigen 
Theil gethan und die Schraube e lose eingeschraubt. Die Hakeuarme 
führen sich alsdann beim Herablassen an den Bohrlochswänden, bis die 
Hakenspitzen den zu fangenden Gegenstand erreichen. Die Haken halteu 
sich nunmehr an dem zu hebenden Körper fest, und bei Linksdrehung 
der Schraube e am Gestänge wird die Kugel d vorbewegt, und diese 
drückt die Hakeuarme fest um den zu hebenden Körper. 

Schliefslich sind noch kleinere Erfindungen anzuführen, und zwar: 
drei Erdbohrer zum Vorbohren von Pfostenlöchern u. dgl., der erste von 
D. B. Mc Call in Texas (Amerikanisches Patent Nr. 412 857 vom 
15. Oktober 1889): der zweite von G. B. Harris in Texas (Amerikani- 
sches Patent Nr. 413 343 vom 22. Oktober 1889); der dritte von E. G. 
Stephenson in Texas (Amerikanisches Patent Nr. 414873 vom 12. November 
1889): dazugehörig ein stellbarer Handgriff zum Drehen eines Erdbohr- 
gestänges von J. N. Devoy in St. Louis (Amerikanisches Patent Nr. 413037 
vom 15. Oktober 1889); ferner zwei Erweiterungsbohrer, der erste von 
T. Herberg in Minnesota (Amerikanisches Patent Nr. 414411 vom 5. No- 
vember 1889); der zweite von E. M. Brown in Jowa (Amerikanisches 
Patent Nr. 415 610 vom 19. November 1889); aufserdem drei Verbesse- 
rungen an Löffelhaspeln, und zwar die erste, die auch mit anderweitigen 
Vervollkommnungen der pennsylvanischen Seilbohrmaschine verbunden 
ist, von G. Corbett iu Pennsylvanien (Amerikanisches Patent Nr. 412 602 
vom 8. Oktober 1889), die zweite und dritte von W. Richards in Penn- 
sylvanien (Amerikanische Patente Nr. 413 733 vom 29. Oktober 1889 und 
Nr. 415925 vom 16. November 1889): daun ein Verrohrungshebeapparat 
von J. B. Hill in Chicago (Amerikanisches Patent Nr. 412 707 vom 
8. Oktober 1889): eine verbesserte Methode zur Erbringung und Ab- 
dichtung verlorener Verrohrungen von .4. J. Clark in Olean. New York 
{Amerikanisches Patent Nr. 411886 vom 1. Oktober 1889): schliefslich 
ein Bruunenreinigungsapparat von .4. M. Taylor in Michigan (Ameri- 
kanisches Patent Nr. 412211 vom 1. Oktober 1889). 

Die Saxl-Blumencron sehe Erfindung (vgl. 1889 276 256) hat das 
D. K.P. Nr. 52337 vom 14. Juni 1889 erhalten. 

Ein Bohrdiamant von ungewöhnlicher Gröfse ist im December 1889 
von Brasilien nach New York geliefert. Derselbe wiegt 367 , )3 Karat 
und hat eine Länge von 5 cm . Sein Werth stellt sich über 20000 M. 
Er ist mattschwarz und unpolirbar, so dafs seine Verwendung al> 



156 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

Schmuck ausgeschlossen ist; leider mufs man ihn in etwa 150 Stücke 
zerl heilen, um ihn zum Bohren benutzen zu können, so dal's auch seine 
Gröfse nicht zur vollen Geltung kommt. 

Zum Schlüsse sei noch mitgetheilt, dal's ein deutscher Landsmann 
Namens Heerdegen in Rufsland und Amerika mittels eines von ihm er- 
fundenen, aber geheim gehaltenen und nicht patentirteu elektrotechnischen 
Apparates Quellen auf 1000 m Tiefe von der Erdoberfläche aus entdeckt 
haben soll. Das Weitere ist für Interessenten im The Engineering and 
Mining Journal vom 9. März 1890 nachzulesen. 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

(Patentklassc 21. Fortsetzung des Berichtes * S. 108 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 9. 

12) L. S. M. Pyke und 11. T. ßarnett in London geben in ihrem 
Englischen Patent Nr. 11503 vom 9. August 1888 eine Dynamomaschine 
an, deren inducirende und inducirte Spulen beide feststehen, während 
mehrere magnetische Inductoren an den inducirten Spulen sich vorüber 
bewegen. Der Hauptkern ß des Feldmagnetes (Fig. 23) ist auf der 
Grundplatte befestigt und mit Aussparungen 4, D zur Aufnahme der 
erregenden Spule versehen. Zwei Reihen pol förmiger Hervorragungen Zs, V 
und 6r, H (Fig. 23 und 24) sind am äufseren Rande des Hauptkernes B 
angebracht und mit den Spulen /., M, iV, für den zu erzeugenden 
Strom bewickelt. Die Inductoren werden durch kreisausschnittförmige 
Eisenplatten J gebildet, welche radial von der auf die umlaufende 
Welle S aufgekeilten Phosphor-Bronze-Nabe C ausgehen; diese Platten J 
sowohl, als auch die polförmigen Hervorragungen am Hauptkerne sind 
aus schwachen, gegen einander isolirten weichen Eisenblechscheiben 
zusammengesetzt; die Scheiben der Pole sind als concentrische Kreise 
angeordnet, die der Inductoren dagegen liegen in der Richtung der Halb- 
messer. Die Spulen auf den Polstücken können parallel oder hinter 
einander oder in Gruppen geschaltet sein. Während der Umdrehung 
der Inductoren werden die Pole £, G gleichzeitig magnetisirt, während 
die Pole F, II gleichzeitig entmagnetisirt werden und umgekehrt. Wie 
Fig. 24 erkennen labst, ist die Breite der Inductoren J etwa gleich der 
des Luftzwischenraumes zwischen ihnen und gleich der Entfernung 
zweier benachbarter Polstücke. Das Neue dieser Maschine liegt in der 
paarweisen Anordnung der Polstücke, durch welche die abwechselnde 
Herstellung eines Weges für den vom erregenden Strome erzeugten 
Magnetismus beschafft wird. 

13) J. D. Gibbs und E. Fetquet in London geben ihrer durch das 
Englische Patent Nr. 238 vom 5. Januar 1889 geschützten Wechsel- 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 157 

strom-Dynamo einen feststehenden Anker, welchen die umlaufenden Feld- 
magnete als Ring umgeben. Die Feldmagnete bestehen aus einer um 
einen weichen Eisenkörper gewickelten Spule; dieser Kern hat an jeder 
Seite einen Flansch mit Polstücken, welcher parallel zur Welle liegt 
und sich über die Spule erstreckt. Die Polstücke des einen Flansches 
stehen den Zwischenräumen zwischen den Polstücken des anderen 
Flansches gegenüber. Der Zwischenraum zwischen den Polstücken ist 
mit einer isolirenden Masse so ausgefüllt, dafs das Ganze eine zusammen- 
hängende Aufsenfläche besitzt. Der Anker besteht aus Scheiben von 
weichem Eisenbleche, die gegen einander isolirt sind; die .Spulen sind 
auf innere Hervorragungen gewickelt, die in derselben Anzahl vorhanden 
siud, wie die Polstücke der Feldmagnete. 

14) /. Cauderaxj in Paris hat einen neuen Elektricitätsmesser (Eng- 
lisches Patent Nr. 4654 vom 16. März 1889) entworfen, welcher in Fig. 25 
in der Ansicht dargestellt ist, während Fig. 26 und 27 einzelne Theile 
desselben gebeu. — Die Rollen C des Ampere- oder Wattmeters schliefsen 
eine Spule ein, welche auf der aufrechten Spindel 6', befestigt ist. Diese 
trägt die Zeigernadel und ist in dem, mittels der Spiralfeder E aufge- 
hängten Rahmen D { gelagert. Durch die Elektromagnetspulen F wird 
die Achse F { eines Uhrwerkes in Drehung versetzt, dessen Schwung- 
rad G dicht am unteren Ende der Welle F { über einer regulirenden 
Spiralfeder angebracht ist. Der Strom verursacht ein Schwingen der 
Welle F 4 , welches durch den Nuthenring G l auf ein Blatt H von ge- 
tempertem Stahle übertragen wird; H ist auf dem Ende eines Hebels H l 
befestigt, der frei auf der Achse I schwingt. Dieser Hebel H { trägt 
einen Sperrkegel I n welcher auf das, auf der Achse / befestigte Sperr- 
rad J wirkt. Die unter dem Hebel H { angebrachte Feder hat das Be- 
streben, denselben stets in seine normale Lage senkrecht zu F { zurück 
zu bringen. 

Die Welle / trägt oben eine Scheibe Ä, in deren gekrümmter Nuth 
die Rolle R (Fig. 26 und 27) eingreift, so dafs bei Drehung der Welle I 
der Achse M des Hebels L, und dem beweglichen ausgeglichenen 
Rahmen M { eine schwingende Bewegung ertheilt wird. Mit letzterem 
ist der keilförmige Rahmen N verbunden, und seine Stellung bestimmt 
die lothrechte Beweguug der Nadel D und des mit Eintheiluog ver- 
sehenen, durch Gegengewichte O und P ausgeglicheneu Rahmens iV,. 
Durch die Bewegung von iV, wird das Sperrrad Q getrieben. (Die 
übrigen Theile des Apparates entsprechen den in den Patenten Nr. 1756 
von 1883; Nr. 7515 von 1884: Nr. 13 704 von 1885: Nr. 636!» von 1886 
und Nr. 12332 von 1888.) 

Durch den Einflufs der Magnete F und den des Federregulators / 
macht das Schwungrad G eine Schwingung in der Secunde: der Hebel /7, 
bewegt das Rad J in derselben Zeit um einen Zahn, so dafs es eine 
Umdrehung in der Minute macht: ebenso macht der Rahinen M { mit N 



158 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

eine Schwingung in der Minute. Die Nadel D bewegt sich unter dem 
Einflüsse des Stromes über die Theilplatte und der schräge Rahmen N 
trifft sie in dieser Bewegung. Die hierdurch veranlafste Ablenkung der 
Nadel erzeugt eine der Stromstärke proportionale Fortbewegung des 
Rades Q. 

15) F. V. Andersen in London beabsichtigt nach seinem Englischen 
Patente Nr. 12832 vom 5. September 1888 bei grofsen Dynamomaschinen 
die Erwärmung der Leiter möglichst zu verringern und die Bildung von 
Nebenströmen zu verhüten. Zu diesem Zwecke wird derjenige Theil 
des Leiters, durch welchen die magnetischen Linien beim Ein- und Aus- 
tritte in den Ankerkern durchlaufen, aus einer grofsen Anzahl von 
Kupferstreifen hergestellt, welche nur an ihren Enden zusammengelöthet 
sind. In dem Leiter wird nahe an jedem Ende eine längliche Oeffnung 
gelassen, welche zur Aufnahme der von der Ankerwickelung kommenden 
Verbindungsdrähte dient. Diese Oeffhungen werden dadurch erhalten, 
dafs man einen Metall pfropfen zwischen die Streifen bringt, wenn sie 
zusammengelegt werden, und dann die Streifen an dieser Stelle weg- 
feilt. Die Streifen werden an ihren Enden allmählich abgeschwächt, 
so dafs der Leiter an dieser Stelle nicht dicker wird. Alle Streifen 
werden gefirnifst und dadurch gegen einander isolirt; auch wird zuweilen 
ein isolirendes Band zwischen die Streifen gelegt. Beim Wickeln des 
Ankers werden die hier beschriebenen Leiter an der Aufsenseite des 
Kernes angebracht, während zu den übrigen Theilen gewöhnlich ein- 
fache oder zusammengedrehte Leiter verwendet werden. 

16) R. Eickemeyer in Yonkers, New York (vgl. 1889 273*291) 
strebt (Englisches Patent Nr. 2246 vom 14. Februar 1888), in der Auker- 
wickelung die Kreuzung der Drähte jeder Spule an den Enden des 
Ankers möglichst zu vermindern, sowie eine nahe Berührung zu ver- 
meiden, wo irgend ein Draht sich mit irgend einem anderen Drahte 
derselben oder einer anderen Spule kreuzt. Fig. 28 und 29 geben die 
beiden Ansichten eines zweipoligen Ankers mit dieser Wickelung. Seit- 
wärts von den Enden des Ankerkernes steht aus der Trommel C eine 
Reihe lösbarer ringförmig angeordneter Stutzen oder Stifte a vor, die 
aus isolirendem Material bestehen oder mit solchem überzogen sind. 
Der Anker hat hier 36 übereinstimmende Drahtspulen Z); jede Spule 
auf einer Seite der in Fig. 30 durch eine punktirte Linie angedeuteten 
Mittellinie hat aufsen geringere Abmessungen als der entgegengesetzte 
Theil in seinem Inneren; dagegen gleichen sich die beiden Theile genau 
in ihrer Umfangsform. Diese besondere Eigenthümlichkeit wird stets 
beibehalten ohne Rücksicht auf die Zahl der Windungen in der Spule 
und auf eine Veränderung der Ankerform. In Fig. 30 und 31 bezeichnen 
b und b { die beiden Seiten, c und c, die beiden Enden der Spule, c 2 und c 3 
sind die Windungen, d und d { die mit dem Stromsammler elektrisch leitend 
verbundenen Enden. Die Seite b ist länger als ft, , so dafs, wenn die 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). \yj 

verschiedenen Spulen auf dem Kerne befestigt sind , die Seite ft, einer 
jeden in oder durch die Seite 6 anderer Spulen geht- die schmalen 
kurzen Seiten wechseln mit den vorstehenden langen Seiten, und die 
Stifte a bieten eine Sicherung gegen Verschiebung in der Richtung des 
Keruumfanges. Alle Drahttheile in jeder Windung sind parallel mit 
den entsprechenden Theilen der anderen Windung derselben Spule: alle 
Spulen können nach dem Einstecken der Stifte a leicht lose auf den 
Kern gelegt und in die richtige Lage gegen den Kern gebracht werden. 

17) S. Z. de Ferranti in Hampstead (vgl. 276 "'433) gibt im Englischen 
Patente Nr. 2313 A vom 15. Februar 1888 nachfolgende Einrichtung au, 
um den Strom einer Dynamo mittels einer Selbstinductionsrolle oder 
eines Condensators gleichmäfsig zu erhalten. In Fig. 32 bezeichnet .4 
die Wechselstromdynamo, B deren Stromwender und C die von ihm 
ausgehenden Hauptleitungen. D ist eine beide Hauptleitungen verbindende 
Selbstinductionsrolle und E eine Inductionsspule, in Hintereinanderschal- 
tung mit den Hauptleitern, und endlich F der Elektromotor. G be- 
zeichnet eine Speicherbatterie, welche durch den Gleichstrom geladen 
werden kann. Die Spule E wird bei jeder Zunahme des Stromes einen 
Widerstand bieten und so den Gesammtbetrag der Zunahme vermindern. 
Die Spule D wird den Strom in demselben Verhältnisse aufnehmen, als 
er zunimmt, und gibt Strom ab in demselben Verhältnisse seiner Ab- 
nahme. Auf diese Weise wird die Stromstärke mehr gleichmäfsig und 
der Strom geeigneter zum Betriebe eines Elektromotors, der Ladung von 
Speicherbatterien u. dgl. gemacht. Die Spule E kann auch weggelassen 
werden. An Stelle der Spule D läfst sich auch ein Condensator setzen. 

18) G. Miot in Paris (Englisches Patent Nr. 3235 vom 2. März 1888) 
wendet nur halb so viele magnetische Felder an, als Pole vorhanden 
sind. In Fig. 33 ist eine sechspolige Dynamo skizzirt. welche mit den 
drei von einander unabhängigen Feldmagneten A, i?, G versehen ist : 
auch ist aus der Figur die Anordnung jedes der magnetischen Felder 
zu ersehen, wobei die ausgezogenen Pfeile den Stromlauf im Anker be- 
zeichnen. Die vollen und punktirten Linien bezeichnen die elementaren 
Windungen, sowie die Platten des Stromsammlers und die Art der Ver- 
bindung. Die kleinen punktirten Pfeile bezeichnen den Lauf des vor 
jedem der Pole inducirten Stromes in den in ausgezogenen Linien ge- 
zeichneten Windungen der Spulen. Die in den sechs Theilen des Anker* 
inducirten Ströme werden durch zwei Paar Bürsten gesammelt, welche 
so befestigt sind, dafs das eine Paar an oder über einem Pole von dem 
einen Vorzeichen, das andere Paar aber an oder über einem anderen 
Pole von entgegengesetztem Vorzeichen liegt. 

Fig. 34 ist ein Schema der verbesserten Maschine: die drei flachen 
oder gekrümmten, von einander unabhängigen Feldmagnete sind so an- 
geordnet, dafs ungleichnamige Pole neben einander stehen. Der Um- 
fang wird durch die drei Halbmesser X, zu denen die ungleichnamigen 



160 Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 

Pole symmetrisch liegen, in drei Theile zerlegt. Die inducirteu Ströme 
werden durch drei Bürsten A'. L, M gesammelt, von denen die beiden 
äufseren K und M parallel geschaltet sind und einen der Pole bilden, 
während der andere durch die mittlere Bürste L gebildet wird. Die 
äufseren Bürsten haben einen gröfsten Abstand von 120° von einander. — 
In gewissen Fällen verwendet der Eriinder vier Bürsten, wie in Fig. 33 
angedeutet, die paarweise, und zwar parallel verbunden sind. Die 
enteren liegen an einem magnetischen Nordpole, die beiden anderen 
an einem Südpole. 

19) P. L Charles, L. Hanson in Halifax und H. IL Fowler in Leeds 
verwenden nach dem Englischen Patente Nr. 4425 vom 22. März 1888 
statt der Drahtwickelung von geringem Widerstände eine solche d 
(Fig. 35) von Kupferblechstreifen, welche in Form einer Kolle die Eisen- 
kerne a auf ihrer ganzen Länge bedecken. Die Kerne a sind magnetisch 
durch das Grundstück^ verbunden: die Polstücke c sind zur Aufnahme 
des Ankers ausgebohrt. Die einzelnen Lagen der Wickelung d sind 
durch mit Paraffin getränktes Papier oder Baumwollgewebe, vulkani- 
sirter Faser, oder sonst in geeigneter Art gegen einander isolirt. Die 
Kolle ist durch Umbiegen der Kanten und Auflöthen oder Aufnieten 
eines flachen Kupferstreifens von genügendem Querschnitte vereinigt, 
und zwischen eine der Sammelbürsten und eine der Polklemmen ge- 
schaltet. Auf (oder auch unter) der Wickelung d befindet sich noch 
die wie gewöhnlich aus isolirtem Drahte hergestellte Nebenschlufs- 
\\ ickelung e e mit gröfserem Widerstände. 

20) li. A. Fiske auf dem Schiffe „Atalanta- der Vereinigten Staaten 
regulirt die Bewegung von Elektromotoren oder die durch solche be- 
triebenen Maschinen nach dem Englischen Patente Nr. 4270 vom 20. März 
1888 auf folgende Weise: 

In Fig. 36 bezeichnet A den Anker, B die Feldmagnete, a und Oj 
die auf dem Stromwender liegenden Bürsten des elektrodynamischen 
Motors. Auf einer in genauer Verlängerung der Ankerachse liegenden 
Welle F ist eine Trommelscheibe E befestigt: auf ihrem Umfange ist 
sie mit gegen einander isolirten Contactstücken 6, 6j, b 2 (Fig. 37) versehen, 
welche mit den Regulirungswiderständen r in Verbindung sind. Die 
Welle F wird unter Vermittelung der Räderübersetzung 6r, G { von der 
Kurbel H aus in Umdrehung versetzt. Die den treihenden Strom zu- 
führenden Drähte / und 2 sind mit den Bürsten c und c l verbunden, 
welche auf den gegen die Welle F isolirten Bingen d und d { schleifen. 
Von dem Ringe d ist ein Draht nach dem Inneren der Trommel E ge- 
führt. Die Ankerwelle trägt noch die beiden federnden Arme 7 und <;,, 
an deren vorderem Arme die auf dem Umfange der Trommel ruhenden 
Contactrollen f und /", angebracht sind. Wenn der Maschinenwärter 
mit Hilfe der Kurbel H die Welle F in derselben Richtung und mit 
derselben Geschwindigkeit, bewegt, wie die Ankerwelle, so bleiben die 



Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen). 161 

Rollen f und f { in der ihnen ursprünglich gegebenen Stellung zu den 
Contactplatten auf dem Umfange der Trommel E. Wenu sie z. B. auf 
b und b 4 liegen, so wird der Motor mit der höchsten Geschwindigkeit 
laufen, weil dann kein Widerstand im Ankerstromkreise liegt. Soll 
dagegen die Geschwindigkeit verkleinert werden, so wird die Kurbel 
etwas langsamer gedreht und die Rollen f und f { werden durch die 
voreilende Ankerwelle auf ein anderes Plattenpaar, etwa b { und 6 : , ge- 
legt; hierdurch wird aber ein Theil des Widerstandes in den Stromkreis 
gebracht, so dafs die Geschwindigkeit des Motors alsbald abnehmen 
wird. Um den Motor anzuhalten, wird die Kurbel still gehalten, der 
Anker läuft noch eine kurze Zeit weiter, bis die Rollen die Platten b 3 
und b- berühren, hier wird der Stromkreis unterbrochen, der Motor 
steht still. Behufs Umkehrung der Drehungsrichtung des Motors wird 
die Kurbel H entgegengesetzt gedreht, worauf die Trommel E zugleich 
umgestellt wird, so dafs die Rollen f und /", in die entgegengesetzte 
Stellung auf der Trommel gebracht werden und die Richtung des Stromes 
im Anker umkehren. 

21 1 Um zwei (oder mehrere) Dynamo in Parallelschaltung in dem- 
selben Lichtstromkreise arbeiten lassen zu können, ohne befürchten zu 
müssen, dafs die eine den Magnetismus der anderen umkehre, hat 
F. V. Schioedet, Elektriker bei Koefoed und Hauberg in Kopenhagen, nach 
dem Telegraphic Journal, 1890 Bd. 26 * S. 457, die gemischte Wickelung 
für die Dynamo so abgeändert, dafs er nicht den Hauptstrom in einem 
dicken Drahte um die Feldmagnete führt, sondern an den Hauptstrom 
einen Nebenschlufs legt, welcher zwei Punkte des positiven oder des 
negativen Hauptleiters mit einander verbindet. Durch diesen Neben- 
schlufs geht ein Strom, dessen Stärke von dem Potentialverluste zwischen 
diesen beiden Punkten abhängt. Auf diese Weise ist die Potential- 
zunahme blofs abhängig von dem Gesammtstrome in dem Hauptleiter, da 
der Strom in dem Hauptuebenschlusse durch den einen stärkereu Potential- 
verlust verursachenden stärkeren Strom in dem Hauptleiter verstärkt 
wird. Grofse und kleine Dynamo können so mit einander verbunden 
werden, da ihr Potential gleichzeitig im Verhältnisse zu dem Potential- 
verluste zwischen den beiden Enden des erwähnten Hauptnebenschlusses 
vergröfsert wird. In der zugehörigen Abbildung (Fig. 38) sind die 
beiden positiven Bürsten mit /?, die negativen mit B { bezeichnet, die 
von ihnen ausgehenden Hauptleiter, in denen mit einem gewissen 
Potentialverluste gearbeitet wird, mit M und N. Von der Bewickelung 
eines jeden Schenkels der beiden Hufeisenfeldmagnete ist von jedem 
Nebenschlüsse nur eine Windung angegeben. Zunächst siud die zwei 
Bürsten derselben Maschine durch einen Nebenschlufs S in gewöhnlicher 
Weise unmittelbar verbunden. Der Hauptnebenschlufs T hingegen führt 
in Fig. 38 von jeder positiven Bürste B nach dem entferntesten Ende P 
des positiven Hauptleiters M: bei genauer Berechnung des Potential- 

Difislers polyt. Journnl Bd. 278 Nr. \. 1890/lV. 11 



162 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung ISbiJ. 

Verlustes zwischen ß und P und bei Anbringung einer entsprechenden 
Anzahl von Windungen auf dem Feldmagnete im Hauptnebenschlusse T 
wird dieser Strom das Potential zwischen den Bürsten gerade dein 
Potentialverluste entsprechend vergröfsern. In S und T geht der Strom 
in derselben Richtung, daher kann die eine Dynamo die Pole der 
anderen nicht umkehren, selbst wenn sie ihren Strom durch den Anker 
der anderen sendet, Vgl. auch 1890 276 * 437. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889: 
von Fr. Freytag, 

Lehrer der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz. 
(Fortsetzung des Berichtes S. 65 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Taf. 11. 
Die englische Firma Davey, Paxman et Cie. hatte in der Gramme- 
Station der Ausstellung, welcher der wichtigste Theil der Beleuchtung, 
die der grofsen Maschinenhalle und der Fontänen anvertraut war, drei, 
zum Betreiben von sechs paarweise hintereinander geschalteten Dynamo- 
maschinen dienende, liegende Compoundmaschinen (Fig. 24 bis 28) aus- 
gestellt, die aus fünf festgesetzten Locomotivkesseln mit rauchverzeh- 
render Feuerung, sowie selbsthätiger Beschickung (System Godillot) 
mit Dampf versorgt wurden, und zwar konnte derselbe von den Kesseln 
zu jeder Maschine geleitet werden. 

Die Schaltung der Dynamomaschinen war, um die Betriebssicherheit 
möglichst zu erhalten, so eingerichtet, dafs jede Maschinengruppe ihren 
Strom in jeden der drei Stromkreise leiten konnte, so dafs bei einem 
Unfall an einer Maschine die Gesammtbeleuchtung um deren Betrag 
vermindert werden mufste, das völlige Erlöschen eines Stromkreises 
jedoch nicht eintreten konnte. Die ganze Anlage hat vom April 1889 
bis zum Schlüsse der Ausstellung trotz grofser Betriebsschwankungen 
und weitgehender Anforderungen stets tadellos gearbeitet, und dies ist 
nicht zum wenigsten den mit der gröfsten Gleichmäfsigkeit laufenden 
überaus leistungsfähigen Motoren zu verdanken. 

Die ansehnlichste der ohne Condensation, mit einem Admissions- 
druck von 8 k arbeitenden, einfach construirten , sowie in allen Theilen 
leicht zugänglichen Maschinen der Gramme-Station entwickelte eine 
Leistung von 360 rP und besitzt, wie theilweise auch die Abbildungen 
Fig. 24 bis 28 auf Taf. 11 erkennen lassen, die folgenden Abmessungen: 

I vlinderdurchmesser 558 bezieh. 889mm 

Kolbenhub 1218mm 

Minutliche Umdrehungen 65 

L Durchmesser 4m 1 27o 

Sehwtmerad < Kin «' breite °" U5T 

J Umfangsgeschwindigkeit .... 14m,530 

f Gewichl ;i 7300k 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 163 

Jedes der beiden Schwungräder betrieb direkt mittels Riemen eine 
Gramme-Dynamomaschine von 200 Volt und 900 Ampere. 

Die Dampfvertheilung des kleinen Cvlinders veranschaulichen Fis. 27 
und 2S: der auf dem Schieberspiegel von einem testen Excenter be- 
wegte Hauptschieber A ist ebenso wie derjenige bei der 3/ej/er-Steueruu" 
mit zwei Dampfdurchlafskanälen verseilen, und bestimmt das innere und 
äufsere Voreilen sowie die Compression. Auf dem Kücken dieses 
Schiebers befindet sich ein durch den Dampfdruck angeprel'ster, innerhalb 
angegossener Knaggen des Schieberkastens festgestellter Zwischen- 
schieber B L, der auf der gemeinschaftlichen Berührungsfläche ebenso 
wie der Hauptschieber mit zwei Durchlafskanälen versehen ist, die sich 
jedoch auf der entgegengesetzten Seite nochmals theilen; auf diesem 
Zwibcheuschieber gleitet dann der mit zwei Kanälen versehene kleine 
Expan-ioi^sehieber D. In seiner, auf der Figur ersichtlichen Mittel- 
stellung besitzt der letztere keine Ueberdeckungen: er öffnet beim 
Verlassen dieser Stellung die beiden zusammengehörigen Kanäle der 
einen Seite des Zwi-chenschiebers und schliefst dieselbeu wieder, wenn 
er sich in entgegengesetzter Richtung als vordem bewegt. Hätte dieser 
Schieber kein lineares Voreileu, so würde er Füllungen von bis 1. je 
nach der Voreilung, welche man ihm geben würde, zulassen, die jedoch 
in Wirklichkeit nicht immer vollkommen ausfallen würden. 

Damit die Steuerung unter der Beeinflussung des Regulator- zu 
einer variabeln wird, ist der kleine Schieber mit einer Coulisse in Ver- 
bindung gebracht, welche durch den Regulator in senkrechter Riehtuns 
auf und nieder bewegt wird und deren äufsere Enden durch Stansen 
mit zwei Excentern von ungleichem Hube verbunden sind. 

Wenn der Regulator zufolge geringerer Geschwindigkeit fällt, so 
sinkt die Coulisse, das obere Excenter mit 64 mm Hub führt dann den 
Schieber und gestattet Füllungen bis zu 5 | 8 des Kolbenhubes: wenn 
dagegen der Regulator steigt, so bewegt sich auch die Coulisse auf- 
warte, das untere Excenter mit 32 mm Hub bringt den Schieber in seine 
Mittelstellung, die Kurbel kommt in ihre Todtepunkt-Lage und die 
Dampfeinströmkanäle sind jetzt geschlossen. 

Diese Einrichtung gestattet dem Regulator der Maschine bei jeder 
Umdrehung die zur Erhaltung der Geschwindigkeit nöthige Menge 
Dampf zukommen zu lassen. 

Der Regulator bewegt sich mit grofser Geschwindigkeit und die 
der Centrifugalkraft unterworfenen Regulatorkugelu sind, wie Fiü. 26 
erkennen läfst. an den äufsersten Enden zweier winkelförmig _ 
bogenen Hebel befestigt, welche noch auf jeder Seite kleine Rollen 
tragen, die bei geöffnetem Regulator mit den Hebeln von unten nach 
oben steigen und indem sie auf angebrachte Gleittlächen der centrisch 
um die Spindel gelagerten Massen treffen, diese heben. Hierdurch wird 
erreicht, dafs das statische Moment der centralen Massen in dnn-elben 



104 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

Mafse wie die Centrifugalkraft wächst: gleiche Aenderungen in den 
äufsersten Geschwindigkeiten erzeugen jetzt auch gleiche Einwirkungen 
auf die RegulatormufFe bezieh, gleiche Bewegungsänderungen derselben. 
Die von der letzteren zurückgelegten Wege stehen zu denjenigen der 
Coulisse im Verhältnifs 1 : 2,25 und die mit den Schwingungen und 
Ortsveränderungen der letzteren verbundenen springenden Bewegungen 
weiden durch eine kleine Oelbremse abgeschwächt. 

Die auf dem oberen Theile des Regulators angebrachte Spiralfeder 
gestattet zufolge ihrer gröfseren oder geringeren Spannung eine ver- 
änderliche Bewegung der centralen Massen und damit auch eine be- 
liebige Einwirkung auf die Geschwindigkeit der Maschine. 

Die Dampfvertheilung des grofsen Cylinders regeln zwei an den 
Enden desselben getrennt arbeitende Trick'sche Kanalschieber. 

Die zweite, 250pferdige Maschine der Gramme-Station zeigte die 
f< »lgenden Verhältnisse : 

Cylinderdurchmesser 470 bezieh. 724mm 

Kolbenhub 609mm 

Minutliche Umdrehungen 95 

Die Cvlinder waren auf einer aus mehreren Theilen zusammen- 
geschraubten, balkenförmigen Grundplatte befestigt, die ihrer leichteren 
Transportfähigkeit wegen namentlich dann zur Anwendung kommt, 
wenn die betreffenden Maschinen nach überseeischen Ländern verschickt 
werden. 

Das auf der einen Seite der Maschine liegende Schwungrad von 
3 m ,050 Durchmesser hatte eine Breite von m ,610 und die auf der 
anderen Seite sitzende Riemeuscheibe bei demselben Durchmesser eine 
Felgenkranzbreite von m ,406, beide dienten zum Betreiben zweier 
Dynamomaschinen von 220 Volt und 450 Ampere. 

Die dritte, 125pferdige Maschine war ebenso gebaut wie die vor- 
hergehende; ihre Dimensionen waren: 

Cvlinderdurchmesser 324 bezieh. 508mm 

Kolbenhub 610mm 

Minutliche Umdrehungen 105 

Schwungrad der einen Seite 2^590 Durchmesser bei 0,432 Breite 

Riemenscheibe der anderen Seite 2m.590 „ „ 0,330 „ 

Diese Maschine betrieb zwei Dynamomaschinen von 220 Volt und 
250 Ampere. 

Auch in der grofsen Maschinenhalle hatten Davey, Paxman et Cie. 
aufsei einer lOOpferdigen eincylindrigen Condensationsmaschine eine 
Compound maschine ähnlicher Construction wie die in Fig. 24 bis 28 
abgebildete 350pferdige Maschine ausgestellt, deren Hauptabmessungen 
die folgenden waren: 

Cylinderdurchmesser 324 bezieh. 508mm 

Kolbenhub 610mm 

o , , ( Durchmesser 2m 590 

Schwunffrad I Hreit( , Q ^ 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 165 

Diese beiden Maschinen dienten zum Betreiben der Transmissionen 
in der englischen Abtheilung. 

Die Hauptverhältnisse der mit Condensation arbeitenden stehenden 
Compoundmaschine der Socie'te des andern etablissements Cait in Paris 
waren die folgenden (Fig. 29 bis 35): 

Ell'ective Leistung 200 ff 

Absolute Admissionsspannung 7k 

Minutliche Umdrehungen lUO 

Kolbengeschwindigkeit 2m,333 

Totale "Expansion 0,12 

Durehmesser des Hochdruckeylinders 0^,435 

„ „ Niederdruckcylinders .... 0m,700 

Kolbenhub OmJfJO 

Füllung im Ilochdruckcylinder 0,31 

Indicirte Leistung 263 ff 

200 
Wirkungsgrad —^ 0.7t; 

Schwungraddurchmesser 3^,000 

Durchmesser der einfach wirkenden Luftpumpe . m ,450 
Hub der einfach wirkenden Luftpumpe .... Om.350 

Die mit ihren Mänteln, Schieberkasten und dem Zwischenbehälter 
aus einem Stück hergestellten Cylinder werden, in ähnlicher Weise wie 
bei Schiffsmaschinen, von kräftigen, hohl gegossenen Säulen getragen, 
die durch ebenfalls gufseiserne Querverbindungen gegenseitig gehörig 
abgesteift und mit einer gemeinschaftlichen Grundplatte verbunden sind, 
an welche auch die zum Tragen der Schwungradwelle erforderlichen 
Lager gegossen sind. 

Zur Führung der beiden Kolben dienen je zwei Paar Gleitbalken 
aus Stahl, welche oben mit vorstehenden angegossenen Lappen der 
Cylinder und unten mit an den Querversteifungen angebrachten Stücken 
verschraubt sind. 

Die aus Stahl hergestellte Schwungradwelle trägt an dem einen 
Ende das aus zwei Theilen zusammengesetzte Schwungrad und am 
anderen Ende ein zum Betreiben des Regulators dienendes conisches 
Rad. Die Kurbeln sind zur Ausgleichung der Gewichte der bewegten 
Massen mit Gegengewichten versehen. 

Der in den Schieberkasten A des kleinen Cylinders strömende 
Dampf gelaugt durch zwei oder mehrere Kanäle a a in einen den 
flachen oder auch cyündrischen Yertheilungsschieber B kreisförmig um- 
gebenden Raum b b und von hier je nach der Stellung eines entlasteten 
Expansionsschiebers cc ähnlicher Construction, wie bei der Hider- 
Steuerung, auf die Gleitfläche des Cylinders bezieh, in diesen selbst. 
Die vom Regulator beeinflufsten Expansionsschieber halten die Kanäle aa 
je nach der Geschwindigkeit der Maschine während eines gröfseren 
oder kleineren Betrages vom Kolbeuhube geöffnet. 

Um die Abmessungen des Vertheilungsschiebers sowie des Schieber- 
kastens so klein als möglich zu erhalten, ist der erstere mittels zweier 



166 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

seitlich angeordneten Stangen geführt, welche aufserhalb des Schieber- 
kastens durch eine Traverse d verbunden sind, die vom Verlheilungs- 
excenter mitgenommen wird; hierdurch ist es möglich geworden, die 
Entfernung von Mitte Schieber bis Mitte Cylinder auf einen sehr nie- 
drigen Betrag zurückzuführen. 

Durch die Anordnung der kreisförmigen, in ihrem cylindrischen 
Inneren mit zwei oder mehreren Kanälen a versehenen Röhre b erhält 
man sehr grofse Einströmquerschnitte für den Arbeitsdampf bei ver- 
hältnifsmäfsig kleinen Dimensionen der /Jt'rfer-Schieber. 

Die Verbindung der Expansionsschieberstange r mit dem Regulator 
ist in der gewöhnlichen Weise durch Hebel und Stange geschaffen, nur 
ist bei dieser Maschine noch die allerdings merkwürdige Einrichtung 
getroffen, auch mit der Hand die Stellungen der Expansionsschieber 
ändern zu können. 

Es ist zunächst ersichtlich, dafs die selbsthätige Einstellung der 
letzteren durch den Regulator nur innerhalb eines Winkels (Fig. 29) 
möglich ist, der allerdings bis zu einem gewissen Betrage Veränderungen 
in der Füllung gestattet, indefs nicht genügt, wenn die Leistungen der 
Maschine innerhalb bedeutender Grenzen schwanken. Man ist deshalb 
gezwungen, den Expansionsschieber in mehrere Stellungen zu bringen, 
so dafs, wenn z. B. für die ausgestellte 200pferdige Maschine der Re- 
gulator nur für die Füllungen bis 2 / 10 , entsprechend einer Leistung 
der Maschine bis zu 40 EP, die Expansionsschieber selbsthätig einstellt, 
durch Drehung der Schieberstange und Stellungsänderung der mit ihr 
verbundenen Schieber auch die den gröfseren Leistungen entsprechenden 
Füllungen von J / 10 bis 5 / 10 des Kolbenhubes erreicht werden können. 

Zu dem Zwecke ist der auf der Schieberstange r frei bewegliche 
Handhebel t (Fig. 35 auf Taf. 12) mit einer Klinke n versehen, welche 
in Einschnitte /, 2, 3 der Nabe des mit dem Regulator durch eine 
Stange s verbundenen, auf der Schieberstange befestigten Hebels o greift. 
Es ist einleuchtend, dafs, wenn der Riegel n z. B. im Einschnitt 2 liegt, 
die Bewegung des Hebels o begrenzt ist und unter dem Einflufs des 
Regulators in diesem Falle nur Füllungen von bis ' 2 / l0 vom Kolben- 
hube möglich sind — ähnlich ist es mit den anderen Einschnitten. 

Die Dampfvertheilung im grofseu Cylinder regeln zwei gewöhnliche 
Flachschieber, welche, um die Excentricität zu vermindern und damit 
namentlich beim Beginne des Kolbenhubes die Einlafskanäle möglichst 
weit geöffnet sind, mit doppelten Ein- und Ausströmkanälen ver- 
sehen sind. 

Die Verlängerung der Schieberstange gleitet, um jede Drehbewe- 
gung derselben zu verhüten, in einem an der Querversteifung ange- 
sehraubten, viereckig ausgebüchsten Lager und wird von einem Excenter, 
welches durch eine an dem seitlichen Zapfen der verlängerten Schieber- 
stange angreifende Stange mit dieser verbunden ist, mitgenommen. 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 167 

An dem obereD Ende des Schiebers ist ebenso, wie auch bei dem 
Vertheilungsschieber des Hochdruckcylinders eine kurze Stange befestigt, 
deren am äufsersten Ende befestigte kleine Kolben sich iu je einem 
Flüssigkeit enthaltenden kleinen Cylinder auf und nieder bewegen und 
so eine Art Bremse zur Aufnahme der von der anderen Seite kommenden 
Stöfse repräsentiren. 

Der Regulator, System Andrade, beeinflufst direkt, wie wir gesehen 
haben, die Dampfeinströmung in den Hochdruckcylinder, und gestattet 
durch Verschiebung des auf dem längeren Arme eines Winkelhebels 
sitzenden Gegengewichtes eine beliebige Aenderung in der normalen 
Umdrehungszahl der Maschine. 

Der im grofsen Cylinder wirksam gewesene Dampf geht durch ein 
senkrechtes Kupferrohr nach dem auf der gemeinschaftlichen Grund- 
platte stehenden Condensator, dessen einfach wirkende Luftpumpe 
mittels Winkelhebel vom Kreuzkopfzapfen des Hochdruckcylinders aus 
betrieben wird. 

Das zur Condensation nothwendige kalte Wasser fliefst mittels 
zweier Rohre in das kupferne Abdampfrohr, und zwar das eine mit 
kleinem Durchmesser am oberen Theile, das andere Rohr von grofsem 
Durchmesser an der Vereinigungsstelle dieses Rohres mit der Grundplatte. 

(Schlufs folgt.) 

Von der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung in Bremen 1890. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 69 d. Bd.) 

Die Marine-Ausstellung. 

Die Marine-Ausstellung ist in einem besonderen Gebäude unter- 
gebracht. Dieselbe hat ihren hauptsächlichsten Inhalt seitens der Kaiser- 
lichen Marineverwaltung erhalteu, welche die in ihrem Besitze befind- 
lichen Modelle von Kriegsfahrzeugen aller Art, ferner Ausrüstungs- 
gegenstände, einige Barkassen und Boote und endlich als interessantestes 
Stück den Originalbrandtaucher Wilhelm Bauers aus dem Jahre 1851 
ausstellte. Die Ausstellung ist keineswegs reich oder auch nur in einem 
Theile der Marinetechnik vollständig, doch ist sie insofern trotzdem von 
Interesse, als sie eine immerhin zutreffende, wenn auch nicht lücken- 
lose Geschichte unserer Kriegsmarine veranschaulicht. 

Durch die vorgeführten Modelle wird wohl jeder in unserer Marine 
vorhandene bezieh, vorhanden gewesene Schillstypus vergegenwärtigt 
und damit ein Vergleich zwischen den bescheideneu Anfängen und dem 
jetzigen stolzen Stande unserer Kriegsmarine ermöglicht. Gleichzeitig 
ist ein Ueberblick über die gewaltigen Fortschritte in der Kriegsschiffs- 
baukunst und deren veränderter Formgebung gestattet. 



168 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

Die Ausstellung zeigt uns ein Modell des ersten preufsischen Kriegs- 
schiffes, der in den vierziger Jahren nach den Plänen des verewigten 
Priuzen Adalbert gebauten Segelkorvette Amazone, welche im November 
1861 während eines Orkanes an der holländischen Küste mit Mann und 
Maus unterging. Wir linden ebenso das Modell der ersten Dampfer- 
korvette unserer Marine, eines hölzernen Raddampfers, der Danzig, deren 
plumper, übrigens im Auslande ausgeführter Holzbau seltsam absticht 
von den daneben stehenden Eisen- und Stahlkolossen, den Panzerschiffen. 

Die ehemaligen gedeckten Korvetten erhielten in neuerer Zeit die 
Bezeichnung „Kreuzerfregatten". Den Typus dieser Kreuzerfregatten finden 
wir in dem Modell des Prinz Adalbert und Stosch veranschaulicht. Die 
Schiffe sind auf deutschen Werften gänzlich aus deutschem Material 
gebaut 5 sie besitzen ein Deplacement von 3925 bezieh. 2856 1 und Ma- 
schinen von 4800 und 2500 H\ Die Besatzung des Prinz Adalbert be- 
steht aus 451, diejenige des Stosch auf 420 Mann. 

Im Gegensatze zu den gedeckten Korvetten, welche eine vollständig 
abgeschlossene Batterie unter Deck führen, stehen die Glattdecks- 
korvetten, deren Geschütze auf Deck angeordnet sind. Der Typus der 
Glattdeckskorvetten, jetzt „Kreuzerkorvetten" benannt, wird dargestellt 
durch die Modelle der Carola und Marie. Die Schiffe haben je 2169 1 , 
besitzen Maschinen von 2100 BP und führen eine Besatzung von 268 Mann. 
Der Habicht, zu dessen Modell wir jetzt kommen, gehört zur Classe der 
Kreuzer, von denen unsere Marine augenblicklich vier aufzuweisen hat. 
Das nächste Modell stellt den Aviso Zieten dar, welcher ausschliefslich 
für Torpedozwecke erbaut ist. Zur Classe der Avisos gehört, auch der 
Blitz, das erste auf einer deutschen Werft erbaute Stahlschiff; augen- 
blicklich dient der Aviso als Flottillenschiff" der Torpedoflottille. Das 
letzte der vom Reichsmarineamte ausgestellten Modelle ist das des 
Artillerieschulschiffes Mars. Auf diesem Schiffe, welches mit allen Arten 
der in unserer Marine gebräuchlichen Geschütze ausgerüstet ist, erhalten 
die Marineofffciere ihre artilleristische Ausbildung. Das Artillerieschul- 
schifl" Mars selbst stellt verschiedene Modelle aus, nämlich: eine 
17 cm -Halbrahmenlaffete, eine 10,5 cm -Mittelpivotlaffete, eine 15 cm -Bmck- 
welllaff'ete, eine 8,7 cni -Gelenklaffete, ferner eine 8 cm -Landungslaffete und 
eine 3,7 cm -Revolverkanone, wie sie an Bord der Kriegsschiffe zur Ver- 
wendung gelangt. 

Das Panzerschiff' Württemberg, eines der stärksten Schlachtschiffe 
unserer Marine, ist 1881 auf der deutschen Werft Vulcan in Stettin er- 
baut. Das Schiff hat eine Wasserverdrängung von 7400 ( , Maschine von 
5600 B? und 376 Mann Besatzung. In dem Modelle der Panzerdeck- 
Kreuzerkorvette Prinzefs Wilhelm sehen wir das neueste Schiff unserer 
Marine. Auch dieses Schiff, ein Schwesterschiff der längere Zeit von 
dem Prinzen Heinrich befehligten Korvette Irene, ist in Deutschland, 
und zwar auf der Germania-Werft zu Kiel erbaut. 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. löy 

Eine Eigentümlichkeit der beiden genannten Schilfe ist das unter 
der Wasserlinie befindliche Panzerdeck, welches die Maschinen-, Kessel-, 
Pulver- und Munitionsräume schützt, und ferner ein Kofferdamm, in 
Gestalt eines Korkgürtel, der sich über und unter der Wasserlinie um 
das Schiff herumzieht und das Durchschlagen der Geschosse erschwert. 
Die 4400 1 grofse Korvette hat eine äufserst starke Maschine von 8000 EP, 
mit deren Hilfe das Schiff* eine Fahrgeschwindigkeit von über 18 Knoten 
in der Stunde erreicht. 

Die Kaiserliche Seewarte in Hamburg stellt eine Anzahl Schiffs- 
modelle meist holländischer Abstammung aus dem 16. und 17. Jahr- 
hundert aus, sowie 12 Schiffsmodelle, welche die Entwicklung des 
Segelschiffbaues der Handelsmarine darstellen. Das Studium dieser 
Modelle ist höchst interessant: alle möglichen Schiffstypen von dem 
plumpen holländischen Vollschiffe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts 
bis zum modernen schneidigen Klipper, zum scharfgebauten schlanken 
Stahlschiffe der Gegenwart werden uns hier vorgeführt. Aufser den 
Modellen hat die Seewarte eine vollständige Instrumenten- und Signal- 
ausstattung eines Kauffahrteischiffes ausgestellt, als Signallaternen, die 
verschiedenen Kompasse, Barometer, Thermometer und dergleichen interes- 
sante Sachen mehr: des weiteren einen Schrank mit allen Druckarbeiten 
der Seewarte, eine sehr interessante physikalische Karte des indischen 
Oceans, ferner einen Pendelapparat, mehrere magnetische Instrumente 
und schliefslich eine ganze Reihe von Modellen, welche uns die Ent- 
wickelung und Vervollkommnung nautischerlnstrumente veranschaulichen. 

In naturgetreuen Darstellungen finden sich ferner noch verschiedene 
Einrichtungen, welche das Leben auf Kriegsschiffen darstellen. Die 
Küchen und Badekammern für die Mannschaften zeigen den möglichsten 
Grad des Erreichbaren. Ein Lazareth und Tragbahren erinnern an die 
ernste Bestimmung unserer Kriegsmarine. 

Unter den vielfachen weiteren Schaustücken der Ausstellung ver- 
dient der ßauefschv Brandtaucher nähere Beachtung, weil derselbe das 
erste in praktischen Gebrauch genommene Unterseeboot ist und deshalb 
ein hervorragendes Interesse namentlich angesichts der jüngsten Be- 
strebungen auf dem Gebiete der Unterseeboote verdient. Dieser /fauersche 
Brandtaucher war im J. 1851 gebaut und hatte die Bestimmung, unter- 
halb der Wasserfläche an feindliche Fahrzeuge gebracht zu werden, um 
an diese Torpedos anzulegen. Das Tauchboot, von welchem vielfache 
Abbildungen in der Literatur vorhanden sind, hat eine Länge von 8 m 
und ist luft- und wasserdicht abschliefsbar. Im Inneren ist ein Dreh- 
rad zur Bethätigung des Schraubenpropellers angebracht: ferner finden 
sich Bewegungsvorrichtungen für wagerechte Schrauben zum Heben und 
Senken des Bootes, zur Lösung von Ballast, Wasser- und Luftpumpen 
u. s. w. Mannlöcher gestatteten, dafs ein Mann unter Wasser aus dem 
Fahrzeuge stieg, um die Torpedos anzulegen. 



17u Nordwestdeuteche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

Das Tauchboot verunglückte bei Versuchen im Kieler Hafen und 
wurde erst vor 3 Jahren bei Baggerarbeiten wieder aufgefunden, gehoben 
und in das Mariuemuseum in Kiel gebracht. 

Die privaten Sehiffsbauaustalten sind sehr schwach vertreten. Nur 
eine geringe Anzahl von Modellen und Halbinodellen gibt Zeugnifs von 
dem ernsten Streben unserer Privatindustrie auch auf diesem Gebiete. 
Auch der Norddeutsche Lloyd, unsere gröfste deutsche Dampfschiff'fahrts- 
gesellschaft, hat keine seiner Bedeutung entsprechende Vertretung ge- 
funden. Nichtsdestoweniger sei hier auf Grund einer vom Lloyd ver- 
theilten Broschüre, sowie einer umfangreichen Arbeit von Haaek und 
Busley in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure näher über den 
Lloyd berichtet. 

Gegründet im J. 1857, begann der Norddeutsche Lloyd seine Fahrten 
mit einer kleinen, durch drei Schiffe betriebenen Linie nach England. 
Im J. 1858 erfolgte die Eröffnung der New Yorker Linie, und bereits 
im folgenden Jahre erhielten die deutschen Schüfe die Beförderung der 
amerikanischen-englischen Post; 1863 zeigte der Personenverkehr bereits 
die Ziffer von 9714 Passagieren, 1866 wurde die wöchentliche Abferti- 
gung eines New Yorker Dampfers erforderlich, im folgenden Jahre zählte 
die Flotte acht transatlantische Dampfer und sechs nach England. Die 
Zahl der Reisen belief sich auf 47 nach Amerika und 127 nach London 
und Hüll; im J. 1868 kam zu den bestehenden Linien die Linie 
Bremen — Baltimore, 1869 die Linie Bremen — New Orleans, im Herbst 
1870 die Linie Bremen — Westindien, zugleich die Eröffnung regelmäfsiger 
Fahrten zwischen Bremen, Rotterdam und Antwerpen. Das Jahr 1871 
brachte die Eröffnung einer dritten englischen Linie, im J. 1875 folgte 
eine Linie nach Brasilien und dem La Plata, welche im J. 1878 in zwei 
gesonderte Linien geschieden wurde, wogegen die westindische Fahrt 
eingestellt ward. Im J. 1885 endlich übernahm der Norddeutsche Lloyd 
die Reichspostlinien nach Ostasien und Australien mit den Zweiglinien 
im Mittelmeer, zwischen China und Japan und in der Südsee. 

Den wesentlichsten Abschnitt in der neueren Geschichte der Schul- 
fahrt bildet das Jahr 1880, in welchem zuerst der Schnelldampferbetrieb 
in die transatlantischen Reisen aufgenommen wurde. Während bis dahin 
nur Schiffe von einer Schnelligkeit von höchstens 13 bis 14 Meilen den 
transatlantischen Verkehr vermittelten und selbst schon als Triumphe 
der Maschinentechnik betrachtet wurden, lingen im gedachten Jahre 
einige englische Rhedereien an, einzelne Schiffe von gröfserem Tonnen- 
gehalte und bedeutend gröfserer Geschwindigkeit als bisher in Fahrt 
zu stellen. Während es sich aber hierbei meistens um vereinzelte Fälle 
handelte, erkannte die Direktion des Norddeutschen Lloyd, dafs im 
Schnelldampferbetriebe die Zukunft der Passagieriährt und des Post- 
verkehres gelegen sei, dafs der gesammte Verkehr, wenigstens auf der 
Hauptlinic, ausschliefslich Schnelldampfer erfordere, und zwar Schiffe 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 171 

von einer Bauart , welche den Passagieren die grölstmögliehe Sicher- 
heit neben der ausgesuchtesten Eleganz und Bequemlichkeit der Ein- 
richtung bieten könne. Diese Erwägung führte zum Bau einer gauzen 
Flotte von Schnelldampfern. Bereits im J. 1882 wurde die Eibe in 
Fahrt gesetzt, ihr folgten 1883 Werra und Fulda, 1884 Eider und Ems. 
1885 Aller, Trave und Saale, Ende 1887 die Lahn. In der Gröl'se von 
4600 bis 5200' anwachsend, schwankt die Länge zwischen 420 und 460, 
die Breite von 45 bis 52 Fufs. Während die Maschinen der Elbe 
5600 1P zeigen, besitzen diejenigen der Lahn 9000, in der Schnellig- 
keit steigern sich die einzelnen Jahrgänge der Schiffe von 1 6 ! 2 eng- 
lischen Meilen in der Stunde (Dampfer Elbe) bis 19 v ri Meilen (Lahn). 

Gleichzeitig wurde der von England überkommene Styl der inneren 
Einrichtung für die Salons gänzlich verlassen. Während früher ledig- 
lich die Rücksichten der Raumersparnifs zu Gunsten der Fracht der 
leitende Grundsatz waren, während ferner die Salonausstattung sich in 
den Grenzen der auf das Aeufserste beschränkten Notwendigkeit hielt, 
d. h. nichts weiter darstellte als öde rechteckige Räume für das Ein- 
nehmen der Mahlzeiten, Räume, in denen auf Ausschmückung so gut wie 
gar nicht Bedacht genommen war, wurde dieser Styl seitens des nord- 
deutschen Lloyd gänzlich verlassen. Von der richtigen Ansicht geleitet, 
dafs mit den wachsenden Bedürfnissen der Gegenwart, mit der wieder 
erweckten Neigung zu einer Umgebung voll Geschmack, auch den 
Passagieren ein anderer Aufenthaltsort auf den Schilfen geboten werden 
müsse, als bisher, ging man dazu über, neben einer jede Bequemlich- 
keit darbietenden Ausstattung der Kabinen, besonders in den Salons, 
den Speisesälen, Dameuzimmern und Rauchzimmern wahre Meisterwerke 
des Kunstgewerbes der Gegenwart zu schallen und dieselben aufserdem 
mit den Werken von Künstlern ersten Ranges in der Malerei und Holz- 
bildnerei zu schmücken. 

Gegenwärtig belinden sich im Bau zwei Schnelldampfer von etwa 
7000 f jeder, deren contractliche Geschwindigkeit sich auf 20 Seemeilen 
die Stunde belaufen wird. Die Namen der vom Vulcan in Stettin dem- 
nächst zu liefernden Dampfer sind Spree und Havel. In derselben Weise, 
wie es der Lloyd sich angelegen sein liefs, auf der New Yorker Linie 
alle anderen Linien zu übertreffen , ging derselbe auch auf der ost- 
asiatischen Reichslinie vor. Die drei für diese Fahrt neuerbauten Dampfer 
Preußen, Bayern und Sachsen wurden von vornherein statt mit der con- 
tractlichen Geschwindigkeit von 12 Seemeilen für eine Schnelligkeit von 
15 Meilen erbaut, und übertreffen an Dimension, innerer Ausstattung 
und aufgewandten Kosten bei Weitem die von der Reichsregierung ge- 
stellten Anforderungen. Auf der australischen Reichslinie verwandte 
der Lloyd zuerst ältere Dampfer, überzeugte sich aber bald, dafs der 
Wettbewerb mit den englischen und französischen Linien auch hier 
gröfsere Anforderungen stellte, als dies im Reich scontract verlangt 



172 Nordwestdeuteche Gewerbe- und Industrie- Ausstellung in Bremen. 

wurde. Der Lloyd erbaute daher im J. 1888/89 für die australische 
Fahrt den bis jetzt gröfsten Schnelldampfer seiner Flotte, den Kaiser 
Wilhelm II (6400 1 ) von einer Geschwindigkeit von 16 bis 17 Meilen in 
der Stunde. Der Kaiser Wilhelm II stellt zugleich einen ganz neuen 
Typus der für die Tropenschifffahrt bestimmten Schiffe dar. Die Pracht- 
säle für die erste und zweite Klasse liegen auf dem Hauptdeck, von 
zwei bezieh, drei Seiten der Luft freien Zugang gewährend : Ueber dem 
Hauptdeck erstreckt sich in einer Lauge von etwa 250 Fufs für die erste 
und 100 Fufs für die zweite Klasse das Promenadendeck, welches in 
seinen Deckhäusern die Damen- und Musiksäle, sowie die Rauchzimmer 
für beide Klassen enthält, während zu beiden Seiten der eisernen Deck- 
häuser ein wahrhaft grofsartiger Kaum für die freie Bewegung übrig 
gelassen ist. Gewonnen ist dieser Raum zum Theil dadurch, dafs das 
Promenadendeck nochmals von einem hölzernen Decke überdacht wird, 
auf welch letzterem die zwölf eisernen Boote in ihren Anhängebalken 
untergebracht sind und über welchen sich die Dampfschlote erheben. 
Die feste Bedachung des Promenadendecks ist an Stelle der früheren 
und sonst überall üblichen Sonnensegel gewählt worden, um die Tropen- 
sonne wirksamer abzuhalten und den Aufenthalt auf Deck bei jeder 
Witterung zu ermöglichen, endlich um die Belästigung der Fahrgäste 
durch den Rauch gänzlich auszuschließen. 

Gleichzeitig mit dem Kaiser Wilhelm II wurde die Elbe in die 
australische Fahrt während der Hauptreisezeit eingestellt. Das Jahr 1889 
brachte jedoch noch eine weitere Vermehrung der Flotte des Lloyd 
durch die Einstellung der Dampfer München, Dresden, Karlsruhe und 
Stuttgart, welchen im laufenden Jahre vier weitere Dampfer derselben 
Klasse folgen werden. Die Schiffe dieser Klasse bilden ebenfalls einen 
neuen Typus der Seeschiffe; von ungeheuren Abmessungen und von 
einer Geschwindigkeit von lß 1 ^ bis 14 Knoten in der Stunde sind die- 
selben hauptsächlich für die Zwischendeckfahrt gebaut und im Stande, 
neben etwa 40 Kajütspassagieren 2000 Zwischendecker und aufserdem 
etwa 4 bis 5000 1 Ladung zu befördern. Die gesammten nach allen Er- 
fahrungen der neuesten Zeit und mit allen Bequemlichkeiten versehenen 
Zwischendeckseinrichtungen lassen sich schnell und leicht entfernen, so 
dafs dann der gesammte Raum für Ladungszwecke zur Verwendung 
kommen kann. Die gesammten Neubauten während der fünf letzten 
Jahre allein bedeuten die ungeheuere Vermehrung der Flotte des Lloyd 
um etwa 82 000 1 , eingerechnet die sechs im Bau befindlichen Schiffe. 
Von älteren Dampfern des Lloyd ist während dieser Zeit nur ein einziger 
aufser Fahrt gesetzt (verkauft) worden. 

Hand in Hand mit den Bestrebungen für Schnelligkeit der Beförde- 
rung und Bequemlichkeit gingen diejenigen für die Sicherheit der 
Passagiere und der Schiffsmannschaften. Abgesehen davon, dafs in der 
Wahl des Materials für den Bau die allergröfste Vorsicht beobachtet 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie- Ausstellung in Bremen. 17 ; » 

wird, dafs jedes zur Verwendung kommende Material vorher in den 
Werkstätten des Lloyd in Bremerhaven der eingehendsten Prüfung auf 
Festigkeit und Güte unterworfen wird, abgesehen davon, dafs man all- 
mählich von der Verwendung des Eisens im Schiffsrumpfe zum besten 
Stahl übergegangen ist, sind als allgemeine Sicherheitsmafsregeln vor allen 
Dingen die Vermehrung der eisernen Querschotten zu erwähnen, welche 
den sesammten Schiffsrumpf in eine Anzahl von einander wasserdicht 
getrennter Theile scheiden (die Lahn besitzt solcher wasserdichter Ab- 
theilungen beispielsweise elf). Im Falle einer Collision können daher 
etwa 9 10 des ganzen Schiffes vor dem Eindringen des Wassers voll- 
kommen geschützt bleiben. Hand in Hand mit diesen Sicherheitsmafs- 
regeln geht die Einführung der doppelten Schiffsböden, zwischen denen 
wiederum eine Menge einzelner Abtheilungen durch Querschotten ge- 
schaffen sind, welche, mit Wasserballast gefüllt, bei einer Strandung das 
Eindringen des Wassers in den Schiffsraum behindern: endlich gehören 
als grofse und allgemeine Sicherheitsmafsregeln die Pumpenanlagen 
hierher, welche, mit den riesigen Maschinen in Verbindung stehend, im 
Stande sind, in kürzester Frist etwa eindringende Wassermassen wieder 
hinaus zu werfen. 

Während die bisher genannten Sicherheitsmafsregeln sich gegen die 
Wassergefahr wenden, dienen eine Menge anderer dem Schutze vor 
dem Feuer. Dahin gehören zunächst die mächtigen Dampffeuerspritzen, 
welche mit der Maschine in Verbindung stehen, deren Röhrenleitungen 
in allen Theilen des Schiffes zum sofortigen Gebrauche zur Hand sind, 
und welche natürlich keinerlei Vorheizung bedürfen. Es gehört dahin 
aber vor allen Dingen eine Vorrichtung, welche es gestattet, durch einen 
einzigen Hebeldruck im Maschinenräume jede einzelne Abtheilung des 
Schiffes unter Wasserdampf zu setzen. 

Ebenso ausgedehnt sind die Sicherheitsmafsregeln. welche zur An- 
wendung kommen, wenn im Falle der höchsten Noth ein Verlassen des 
Schiffes angezeigt erscheint. Jedes Schiff ist natürlich zunächst mit 
einer Anzahl von Rettungsbooten ausgerüstet, welche im Stande sind, 
die Mannschaft aufzunehmen. Die Boote sind durchweg aus Stahlblech 
gebaut, mit Luftkästen versehen, mit Mast, Segeln, Steuer, Proviant und 
Wasser ausgerüstet, 80 zwar, dafs letzteres ebenso wie der Proviant 
sofort beim Antritte der Reise in den Booten untergebracht wird, deren 
jedes im Stande ist, 60 bis 80 Personen aufzunehmen. Um ferner die 
Boote schnell und sicher zu Wasser bringen zu können, ein Manöver, 
welches oft nur sehr schwierig ausführbar ist, besitzt die Mehrzahl der- 
selben einen von dem Capitän ßruns des Norddeutschen Lloyd erfundenen 
Patent-Fallapparat, durch welchen das Boot mittels eines einzigen Hebel- 
zuges in den Davits (Aufhängebalken) nach aufsen geschwungen und 
selbsthätig in etwa 11 Secunden zu Wasser gelassen wird. Als Neue- 
rung mag bemerkt werden, dafs beispielsweise auf der Lahn alle 



174 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

12 Boote auf der Reeling selbst stehen und durch das blofse Durch- 
sehneiden je einer Leine zu Wasser gebracht werden. Die Bemannung 
der numerirten Boote wird sofort beim Aussegeln aus dem Hafen vor- 
genommen und die Liste der für jedes Boot bestimmten Mannschaften 
und die Zahl der aufzunehmenden Passagiere in allen Räumen des 
Schilfes aufgehängt. 

Aufser den stählernen Rettungsbooten besitzt jeder transatlantische 
Dampfer des Lloyd eine Anzahl sogen. S/teperd" scher Patentflöfse — 
grofse eiserne und mit Luft gefüllte, an den Enden kegelförmig zu- 
gespitzte Cylinder, welche durch Holzlattenwerk verbunden sind, wäh- 
rend in dem letzteren der Proviant, das Wasser und der Segelapparat 
geborgen ist. Dieselben stehen für gewöhnlich frei auf Deck, wo sie 
als Bänke benutzt werden können, und brauchen im Falle der Gefahr 
nur über Bord geworfen zu werden. Zu den neuesten Anschaffungen 
des Lloyd gehören dann die Patent-Segeltuchboote. Dieselben bestehen 
aus zwei parallel laufenden Stahlrahmen, von der Form eines Boot- 
querschnittes; dieselben sind mit getheertem, durchaus wasserdichtem 
Segeltuche überzogen und für gewöhnlich zusammengelegt, so dafs sie 
einer grofsen Reisetasche nicht unähnlich sehen. Im Falle der Gefahr 
werden durch wenige Handgriffe die Rahmen aufgeklappt, stählerne 
Spanten stellen sich selbsthätig auf, das Segeltuch wird straff angezogen 
und ein Rettungsboot für etwa 40 Personen ist fertig. Die Boote sind 
durchaus seetüchtig und werden, da sie sehr leicht unterzubringen sind, 
stets in einer Anzahl von Exemplaren mitgeführt. Endlich mag erwähnt 
werden, dafs bei Antritt der Reise jeder Passagier eine Korkweste 
erhält, welche im Stande ist, ihn mit der gröfsten Leichtigkeit über 
Wasser zu halten. 

Der Dampfer Amerika erhielt die erste von Krupp in Essen ge- 
fertigte Gufsstahlwelle für den Schraubenpropeller; dieselbe war im 
J. 1862 in London ausgestellt und legte mit den Grund zu Kruppös heutiger 
Gröfse. Heute gibt es nur wenig Schiffsmaschinen, welche nicht auf 
Gufsstahlwellen arbeiten. Im J. 1863 war die Amerika das schnellste 
deutsche Schiff, da es die Reise nach Amerika in 10 ' l2 Tagen zurück- 
legte; heute wird die Reise in beinahe der Hälfte dieser Zeit gemacht. 

Interessant ist, dafs die Amerika bereits Obertlächencondensatoren 
erhielt; letztere wurden dann bald allgemein eingeführt. Für denselben 
Dampfer wurde 1871 die erste Compoundmaschine an Stelle der alten 
Condensaiionsmaschine angeschafft. Auch hier waren die günstigen Er- 
gebnisse dieser Maschinenart die Ursache ihrer allgemeinen Einführung. 

Bei diesem Umbaue der alten Condensationsmaschine zog der Lloyd 
zum ersten Male die deutsche Industrie mit zur Arbeit heran. Nament- 
lich die Actiengesellschaft Weser in Bremen, sowie der Vulcan in Stettin 
betheiligten sich an der Neueinrichtung der Maschine. 

Auch der erste Schnelldampfer Deutschlands war das Verdienst des 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 175 

Lloyd. Die Elbe, von John Eider in Glasgow 1880 gebaut, verkürzte die 
Entfernung Southampton — New York auf 8 Tage 10 Stunden, eine Zahl. 
die jetzt nur durch die Leistungen der Hamburger Doppelschrauben- 
dampfer Augusla Victoria und Columbia übertroffen ist (rund 6 Tage). 

Mit Dreifach-Expansionsmaschinen wurde zuerst der Schnelldampfer 
Aller verseheu. Der Dampfer Kronprinz Friedrich Wilhelm erhielt sogar 
eine Vierfach-Expansionsmaschine, über deren Erfolg aber die Acten 
noch nicht abgeschlossen scheinen. 

Von hohem Interesse ist es, an den zum Lloyd seit seiner Gründung 
beschafften Ueberseedampfern die verschiedenartigen Ansprüche zu beob- 
achten, welche zu verschiedenen Zeiten, je nach ihrer Beschäftigung, 
an sie gestellt wurden. Zunächst war es besonders die Beförderung 
von Auswanderern aller Klassen nach Amerika, welche möglichst grofse 
Geschwindigkeit der Schiffe beanspruchte: daneben wurden so viel Güter 
mitgenommen, wie es der übrig gebliebene Raum gestattete. Demnächst 
wurde der Frachtverkehr besonders auf den Linien nach Mittel- und 
Südamerika so bedeutend, und zwar so viel lohnender als der mit 
Passagieren, dafs man die Kajüten aus den Schiffen herausnahm und 
die neuen Schiffe fast ganz auf das Einnehmen von Ladung einrichtete, 
ohne die Geschwindigkeit zu vergröfsern. Mit Einführung der Schnell- 
dampfer änderte sich dies sofort wieder in das Gegentheil; diese dienen 
fast nur dem Passagierverkehr, der Post und dem Eilgut; der gröfste 
Theil ihrer Tragfähigkeit wird dui'ch die Gewichte von Schiff und 
Maschine selbst, sowie von der bedeutenden Menge Kohlen, die mit- 
genommen werden müssen, aufgebraucht, und alle Mittel wurden bei 
ihrem Baue zur Erreichung einer möglichst hohen Geschwindigkeit auf- 
gewendet. Endlich mufsten nun wieder Dampfer beschafft werden, 
welche neben den Schnelldampfern nur der Beförderung von Ladung 
dienen, wodurch die Arbeit, welche von den ersten Schiffen allein aus- 
geführt wurde, jetzt von zwei ganz verschiedenen Arten Schiffen ge- 
leistet wird. 

Die Werft- und Anlageeinrichtungen des Lloyd, welche in Bremer- 
haven liegen, sind sehr grofsartig. Die im J. 1857 angelegte Reparatur- 
werkstatt bildete sich mangels ähnlicher Fabriken bald zu einer Maschinen- 
fabrik aus. Das Docken der Schiffe geschah in England, bis 1862 das 
von Lange in Bremerhaven gebaute Trockendock fertig gestellt war: 
erst von jetzt ab konnten die gröfseren Ausbesserungen auch hier voll- 
zogen werden. 1872 wurde ein weiteres Trockendock in Bremerhaven 
fertig, welches den Lloyd endgültig von England unabhängig machte. 
Für die Schnelldampfer, namentlich die grofse Lahn, genügt aber auch 
dieses grofse Dock nicht mehr; besonders ist es die Wassertiefe auf 
der Sohle der Dockeinfahrt, welche bei dem grofsen Tiefgange gerade 
dieses Schiffes und bei ungünstigem Wasserstande in dem Hafenba^-in. 
mit welchem das Dock in Verbindung steht, das Ein- und Ausdocken 



17ii Neuerungen in der Gasindnstrie. 

verhindert. Zur Abhilfe dieses Uebelstandes ist 1888 ein grofses Pump- 
werk angelegt, mittels dessen der Wasserspiegel im Hafenbassin um 
etwa 30 cm innerhalb einer Stunde erhöht werden kann. Dann ist die 
Durchfahrt durch das Dockthor auch für die Lahn möglich. 

Auch die Wassertiefe auf der Sohle des Einl'ahrtsbassins genügt 
jetzt nicht mehr, so dafs die grofsen Schiffe nicht völlig ausgerüstet den 
Hafen verlassen müssen, um auf der Rhede erst ihren Kohlen vorrath 
einzunehmen. Jetzt sehweben Verhandlungen mit dem Bremer Senat, 
um diesen Uebelstand dauernd durch Vertiefung der Einfahrt zu beheben. 

Die gesammten Dock- und Werftaulagen sind mit elektrischer Be- 
leuchtung versehen, so dafs die Arbeiten auch Nachts weitergeführt 
werden können. Die Werkstätten sind jetzt so eingerichtet, dafs auch 
alle Neuausrüstungen mit Kesseln und Maschinen hier bewirkt werden. 

Grofsartige und kostspielige Einrichtungen mufsten im Interesse der 
Passagiere, sowie zum schnellen Laden und Löschen der Schiffe ge- 
troffen werden. Eine Eisenbahn führt die Passagiere unmittelbar vor 
die Schiffe, wo auch noch ein grofser Wartesaal u. s. w. vorgesehen ist. 

Mit der Reparaturwerkstatt ist eine grofse Waschanstalt für die 
Wäsche der Schiffe verbunden. Ebenso sind in Bremerhaven die Vor- 
rathshäuser für den Schiffsbedarf errichtet. Welche riesigen Vorräthe 
zur Ausrüstung eines Dampfers für eine Ueberseereise erforderlich sind, 
zeigt die Bremer Ausstellung, wo ein solcher einmaliger Reisevorrath 
seitens der Lloyd-Verwaltung ausgestellt ist. — 

Die Bremer Ausstellung ist ferner von der Deutschen Gesellschaft zur 
Rettung Schiffbrüchiger beschickt, welche die auf Schiffen und an den 
Küsten zur Rettung vorgeschlagenen Einrichtungen in sehr hübschen 
Modellen und Naturausführungen veranschaulicht. 

Hinzuweisen ist ferner auf die Bedeutung, welche die Elektrotechnik 
für die Marine gewonnen hat und welche sich in zahlreichen Ausstel- 
lungsgegenständen bemerkbar macht. Wir linden aufser allgemeinen 
Beleuchtungseinrichtungen die bekannten Scheinwerfer für die Kriegs- 
schiffe und auch einen Signalapparat von Kaselotvsky, welcher durch 
farbige Glühlampen wirkt, welche in beliebiger Reihenfolge von einer 
Stellscheibe aus bethätigt werden können. (Fortsetzung folgt.) 



Neuerungen in der Gasindustrie. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 128 d. Bd.) 
Mit Abbildungen aur Tafel 9. 

Verfahren und Apparat zur Herstellung von brennbaren bezieh. Heiz- 
gasen. Von B. Loomis in Hartford, Connecticut, Nordamerika (D. R. P. 
Kl. 26 Nr. 49224 vom 4. November 1888). Während bisher bei der 
Herstellung von Heizgasen die Luft von unten durch den Boden des 



Neuerungen in der Gasindustrie. 177 

Ofens in den Brennstoff mittels Gebläsemaschinen eingeführt wurde, 
wird bei vorliegendem Verfahren die Luft durch die Wirkung einer mit 
dem Boden des Ofens bezieh. Generators A (Fig. 13) in Verbindung 
stehenden Saugvorrichtung T von oben in den oben offenen Ofen ein- 
geführt, geht durch den glühenden Brennstoff nach unten, und werden 
die daraus entstehenden Gase am Boden des Ofens unter dem Aschen- 
behälter B abgesaugt und von hier durch den Ventilator hindurch nach 
dem Gasometer geführt. Ehe jedoch die Gase den Sauger passiren, 
werden dieselben zuvor vom Boden des Ofens ab durch einen zwischen 
Ofen und Ventilator eingeschalteten röhrenförmigen Kühler H geleitet, 
wodurch dieselben dermafsen erkalten, dafs sie beim Durchgang durch 
den Ventilator letzteren nicht beschädigen können. 

Dieses neue Verfahren hat folgende Vortheile: Dadurch, dafs Asche 
und Staub in den Aschenbehälter eingesaugt werden, wird die Bildung 
von Herdschlacke beinahe vollständig vermieden, ferner werden fette 
und theerige Dämpfe, welche sich in den oberen bezieh, frisch ein- 
geführten Kohlenlagen bilden, gezwungen, durch die unteren heifsen 
Kohlenlagen zu gehen, wodurch dieselben in sehr werthvolle Kohlen- 
wasserstoffgase umgebildet werden, endlich kann der Ofen mit gröfserer 
Geschwindigkeit beschickt und der Brennstoff so gelagert werden, dafs 
sich keine Löcher im Brennstoff bett bilden können, wobei auch der 
Wärter direkt oberhalb des Ofens arbeiten und den letzteren von oben 
besichtigen kann, weil der Rauch und die Gase von demselben durch 
die Saugvorrichtung nach unten entfernt werden. 

Das beim Dampfblasen entstehende Wassergas wird in einen Be- 
hälter geleitet und kann carburirt und fixirt werden zur Beleuchtung 
oder auch nicht leuchtend zu Heizzwecken dienen. Das beim Heif-- 
blasen entstehende Generatorgas kann dem Wassergas beigemischt oder 
auch unter den Dampfkessel geleitet werden, um denselben, mit Luft 
gemischt, zu heizen. 

Nach einem Vortrage von R. N. Oakman in der Institution of Me- 

chanical Engineers zu Sheffield (Gas World vom 9. August 1890 S. 157) 

haben die erzeugten Gase folgende Zusammensetzung: 

VnMKM Generatorgas beim 

\Nasscrgas Heifsblasen 

Wasserstoff .... 57,4 Vol.-Proc. 22,5 Vol.-Proc. 

Kohlenoxyd .... 36,6 „ 13,2 

Kohlensäure .... 4,5 „ 7,4 „ 

Stickstoff 1,5 „ 56,9 

Ofen zur Erzeugung von Leuchtgas und Wassergas, von W. S. Wright 
(Amerikanisches Patent Nr. 414470). Verf. destillirt in schief liegenden 
Retorten (vgl. Fig. 14 bis 16 Taf. 9) Kohle, wenn nöthig unter Zusatz von 
Canneh der erzeugte Koks wird noch glühend in den unter dem Ofen C 
liegenden Schacht B gestürzt und dort Wassergas erzeugt. Bei dem 
Heifsblasen des Generators werden zugleich die oben im Ofen liegenden 

Dingler's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 4. 1890/lV. 12 



178 Neuerungen in der Gasindustrie. 

Retorten C, geheizt; Leuchtgas und Wassergas können getrennt auf- 
gefangen oder auch gemischt werden; letzteres allein oder auch das 
Gemenge kann nachfolgend carburirt werden. 

Fig. 14 ist ein senkrechter Schnitt durch den Ofen nach c c in 
Fig. 15: Fig. 15 ist ein wagerechter Schnitt nach d d in Fig. 14: Fig. 16 
ist ein senkrechter Schnitt nach e e in Fig. 14 und 15. B l ist der Rost, 
B 3 eine Aschenthüre darunter, Z? 4 ist der Eintritt des Luftgebläses, ß- 
ist das Dampfrohr unter dem Rost, an demselben sind Düsen b 5 an- 
gebracht. Das Rohr Z? 5 ist um seine Achse drehbar, so dafs während 
des Heifsblasens die Ansätze nach unten ragen und nicht durch Asche 
verstopft werden können. Während des Dampf blasens stehen die Düsen 
nach oben gedreht, der strömende Dampf verhindert ein Abschmelzen 
oder Verstopfen. 

Die Retorten im oben erweiterten Theil des Schachtes reichen 
innen bis zur mittleren senkrechten Kammer C 2 , gegen diese geneigt. 
Aufsen tragen die Retorten einen Schraubverschlufs, nach der inneren 
Kammer sind sie offen, nur durch einen gemeinsamen Schieber zum 
Theil verschliefsbar. Das Gas tritt also durch den etwas geöffneten 
Schieber in die Kammer und durch das auf dieselbe aufgesetzte Rohr 
in die Vorlage Z7, oder wenn die Gase getrennt bleiben sollen, in eine 
eigene Vorlage. Das Wassergas geht durch den Aufsatz mit dem 
Rohr G aus dem Ofen in die Vorlage. Am unteren Theil der Kammer C 2 
ist eine oder mehrere Oeffnungen L, jede durch einen Kegel L { aus 
feuerfestem Material verschliefsbar. Letztere schliefsen die Kammer 
nach unten dicht ab, lassen sich aber auch senken, um den Koks nach 
unten in die Heizkammer fallen zu lassen. Die Kegel L { hängen an 
den Führungsstangen L,, welche oben über den Ofen hinausragen und 
hier mit dem Hebel Lg verbunden sind. Da die Retorten schief liegen, 
so mufs der Koks vor dem Herausfallen geschützt sein, es geschieht 
dies durch die Verschlufsthüren M, welche an den inneren Retorten- 
köpfen anliegen und die Oeffnungen M\ tragen, letztere auf die Mund- 
stücke passend, wenn die Thüre gesenkt ist. Wird dieselbe gehoben, 
so ist der untere Theil der Retorte geschlossen, durch die obere Oeffnung 
entweicht das abdestillirte Leuchtgas. Die Thüren hängen an den dreh- 
baren Hebeln Af 2 ', M 3 . 

Gastnesser mit einer neuen Vorrichtung zur Selbst nachfüüung von 
O. Peischer in Bozen; von Ch. F. Schweickhart (Vortrag in der Versamm- 
lung des Vereins der Gasindustriellen in Oesterreich-Ungarn 1890). 

Bekanntlich sinkt in Folge von Verdunstung iu den Gasuhren der 
Wasserspiegel nach und nach; man war nun schon lange bestrebt, 
durch verschiedene Mittel ein selbsthätiges Auffüllen zu erreichen, in- 
dem das Herabsinken den Mefsraum zum Nachtheil der Gasanstalt 
erweitert. Die bisherigen Vorrichtungen haben sich aber nicht bewährt. 
Öafe Gasquantum, welches jährlich in Folge eines unter dem normalen 



Neuerungen in der Gasindustrie. 



179 



Stand stehenden Wasserspiegels ungemessen die Gasuhren passirt, ist 
nicht unbedeutend. Es folgt hier eine Tabelle, welche die Durch- 
schnittsresultate mit 3-, 5-, 10- Flammen-Gasmessern angibt: diese Gröfsen 
sind die häufigst vorkommenden. Es ergibt sich hieraus der Fehler, 
welchen eine Minderfüllung veranlafst. 



5-Flaramen 


■Gasmesser J = 


31.57: V (stiindl. Durch] 


afs) = 0cbm i 43 


Druck am 
Eingang 


Stündlicher 
Durchlafs 


Wasserhöhe 


Fehler 


40m di 


4301 


volle Höhe 


— 






—01,1 


—1,5 Proc. 






—01,2 


-3,0 „ 






—01,4 


-5.0 „ 






-0'.5 


-7,75 „ 


40mm 


6601 


volle Höhe 


— 






—01,1 


—1,75 Proc. 






-01.2 


-3,75 „ 






— OU 


-6,0 „ 






-0',5 


-8,75 „ 


20mm 


430' 


volle Höhe 


+ 1,5 Proc. 






—01,25 


—3,25 ., 






—0',5 


-7-5 „ 


20mm 


6601 


volle Höhe 


+1,5 Proc. 






-01,25 


—3,0 „ 






—01,5 


-8,0 „ 


5-Flaminen 


-Gasmesser J = 


= 71,1 ; V = Ocbm^Ö. 




40m m 


8601 


volle Höhe 


— 






-01,25 


—2,0 Proc. 






—01,5 


-3,25 „ 






-01.75 


—4,27 „ 






—11,0 


-6,27 „ 


40mm 


13201 


volle Höhe 


— 






—01,75 


— 5 Proc. 


20mm 


860' 


volle Höhe 


+0,75 Proc. 






-01,75 


-4,0 „ 


20mm 


1320' 


volle Höhe 


+1,0 Proc. 






-01.75 


-4,0 „ 


10-Flaramen-Gasrnesser J 


= 141,11 ; V = lcbm^l. 




40mm 


17101 


volle Höhe 


— 






—11 


—4.4 Proc. 






—21 


—8,8 „ 


40mm 


25801 


volle Höhe 


— 






—11 


— 4.9 Proc. 






-11,5 


-7,2 .. 


20m ni 


1711' 


volle Höhe 


—4 Proc. 






—21 


-7,2 „ 


20mm 


25801 


volle Höhe 


—0.45 Proc. 






—H.5 


-6.4 



Bis zum Abschliefsen des Schwimmers in Folge des gesunkenen 
Wasserstandes kann einem 3-Flammen-Gasmesser etwa 0',6 Wasser, 
einem 5-Flammen-Gasmesser Ü',8, einem lO-Flammen-Gasmesser 2',2 
Wasser entnommen werden oder auch verdunsten. Der Peiscker sehe 
Nachfüller, D. R. P. (Fig. 17 bis 19), läfst nun dies Wasser stets wieder 
in die Uhr einlaufen. Das Nachfüllreservoir ist über dem Gasmesser 



180 Ni'ut irnngen in der Gasindustrie. 

angebracht , das Wasser wird mittels des Gasdruckes nötigenfalls 
ubergeprefst. Die Hauptbestandteile de- Nachfüllen (Fig. 17 bis 19) 
sind: l>a- Reservoir li mit der Füllschraube F { und dem darunter be- 
hufe Verhinderung absichtlicher Wasserentnahme angebrachten Siebe S: 
ferner das Gasdruckrohr G, welches bei sinkendem Uhrwasserstand 
in das Reservoir // treten läfst, um aus demselben durch das doppel- 
Bchenkelige Rohr W Wasser in den Gasmesser so lange überzupressen, 
bis das Rohr mit .-einein unteren Ende wieder in Wasser taucht und 
abschliefst, d.h. bis der richtige Wasserstand wieder hergestellt ist. 
Die Scheidewand S und die Oefihung O haben den Zweck, den Wasser- 
stand in dem abgetheilten Kaum, in welchem sich das die Nachfüllung 
bewirkende Wasserrohr G befindet, unabhängig zu machen von dem 
Wasserstand des übrigen Vurderkastens, welcher bei geändertem Gas- 
durchlafs. bei plötzlichem Oeffnen des Haupthahns, vielfach wechselt. 
Durch die Oeffnung wird in dem abgetheilten Raum der weitaus 
stabilere Wasserstand des Mefsraumes hergestellt, der dann allein für 
das Oeffnen und Schliefsen des Gasdruckrohres mafsgebend ist; so wirkt 
der Apparat sehr exaet und veranlafst keine Ueberfüllung. Das Rohr W 
ist durch die Kapsel L mit der atmosphärischen Luft in Verbindung, 
um eine Heberwirkung' dieses Rohres zu vermeiden. Der Peischer sehe 
Nachfüller vermag bei den meist üblichen Gasmessern bei höchstem 
Druck Wasser nachzufüllen wie folgt: 





bei 


35mm 


45mm Druck 


3-Flannncn-Uasmesser 




2,03 


21,61 


5- 




3,15 


41,05 


0- 




4.37 


51.62. 



Diese Wassermengen dürften in den meisten Fällen auf etwa ein 
halbes Jahr genügen. Das Auffüllen hat bei geöffnetem Haupthahn 
oder Flammenhahn zu geschehen wie folgt: Zuerst fülle man den Gas- 
messer bei Füllschraube F 2 wie einen gewöhnlichen Gasmesser; man 
gehl damit sicher, dafs beim Oeffnen der Füllschraube F { nie Gas aus- 
treten kann. Alsdann fülle man bei F i so lange Wasser ein, bis das- 
selbe bei Rohr W überläuft und sich neuerdings Wasser am Wassersack 
zeigt: dann schliefst man f, gasdicht und der Gasmesser wie der Nach- 
füller sind ordnungsgemäfs gefüllt. 

Auf der Versammlung des bayrischen Gasfachmänner- Vereins sprach 
L. Diehl über Versuche mit dem / , ewAer"schen Selbstnachfüller; er 
-teilte den Fehler fest bei 40, 30, 20""" Druck, als ständig aus der Uhr 
Wasser abtropfte. Derselbe war z. H. : 

Druck 40 

Durchgang in der Minute 7,5 

Fehler bei voller Füllung +0,1 

während des Auslaufens von 0',1 . . . — 0,2 

„ „ ,. .. weiteren 1 ,! —0,75 

u. s. w. 



30 


20mm 


7,0 


71,0 


+0,25 


—0,4 Proc. 


—0,3 


-0,5 „ 


— 


—0,5 „ 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 181 

Das Wasser wurde tropfenweise aus dem Gasmesser abgelassen, 
so dafs während jeden Versuches 200 1 Gas durchgingen uud iu dieser 
Zeit 0',1 ablief. Der Fehler war nie gröfser als —0,9 Proc. Als zwei 
3-Flammen-S/rj/-L/zars-Gasmesser nach einander aufgestellt wurden, 
der letzte mit Nachfüllung, zeigte in der Zeit von 3 Monaten 5 Tagen 
derjenige ohne Nachfüllung 423 cbm , der mit Nachfüllung 441 cl,ni . also 
4,25 Proc. mehr an. Bei nachheriger Prüfung zeigte ersterer — 4 Proc. 
Fehler, der letztere — 1 Proc. L. Diehl machte auch auf eine bei dem 
ursprünglichen Peischer'schen Apparat mögliche Defraudation von Gas 
aufmerksam, welche nunmehr durch Anbringung der Scheidewand S { 
beseitigt ist. (Gastechniker, 1890 Bd. 14 S. 147.) 

Apparat zur schnellen Controle des Ganges von Gasgeneratoren von 

W. T hörner. 
Zur fortlaufenden Controle des Generatorbetriebes genügt im All- 
gemeinen eine schnelle und häufige Bestimmung der in den Gasen ent- 
haltenen Kohlensäure; bei 2 bis 3 Vol.-Proc. ist der Betrieb sehr gut. 
bei 5 bis 6 Proc. mäfsig, bei 10 und mehr Proc. sehr schlecht. Zur 
Ausführung der Kohlensäurebestimmungen benutzt Verf. den Apparat 
Fig. 20. Ein Kölbchen A, welches bei 17° C. 100 cc enthält, mit Glas- 
stöpsel und den aufgesetzten Zu- und Ableitungsröhren B und C mit 
Glashahn. , Ferner trägt der Stöpsel die in Vio 00 getheilte Bürette D 
von 15 bis 16 cc Fassungsraum. Man läfst mit einem Aspirator (oder 
Kautschukpumpe) das zu untersuchende gekühlte Gas durch das Kölb- 
chen streichen und öffnet zur Herstellung des gewöhnlichen Druckes 
einen Augenblick einen Hahn. Nun wird der Bürettehahn geöffnet und 
unter Umschwenken eine 20proc. Kalilauge einlaufen gelassen. An- 
der Menge der verbrauchten Cubikcentimeter läfst sich unter Benutzung 
einer für jeden Apparat und für die betreffende Laugenconcentratiou 
aufzustellenden Correcturtabelle der Gehalt des Gases an Kohlen- 
säure mit ausreichender Genauigkeit bestimmen. K (Stahl und Eisen, 1890 
Nr. 1 S. 33.) W. Leybold. 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

Ueber neue Süfsstoffe berichtet Dr. Kronberg (Deutsche Zuckerindustrie. 
Bd. 15 Nr. 31. S. 959). 

Nachdem einmal seit der Einführung des Fahlberg'schen Saccharins 
die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt darauf gerichtet ist, 

8 Will man überhaupt. Untersuchungen der Art anstellen, so arbeitet 
man noch am einfachsten mit Buntes Bürette und bestimmt Kohlensäure. 
Kohlenoxyd und Wasserstoff, was in wenigen Minuten geschehen ist. Dann 
ist man besser über den Gang des Generators unterrichtet als mit Kohlen- 
säure allein. 1). Ref. 



182 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

dafs die Zuckerarten bei weitem nicht als die Träger des höchsten 
Grades von Süßigkeit anzuseilen sind, werden fort und fort, bald hier, 
bald da, neue Stolle von grofser Süfsigkeit beobachtet, und man könnte 
bald eine ganze Tabelle von ^Saecharinen" (in allgemeinerer Bedeutung) 
zusammenstellen und Versuche wagen, den Zusammenhang zwischen 
der Eigenschaft der Süfsigkeit und der chemischen Constitution dieser 
interessanten Stolle zu erforschen. Beispielsweise beriehtete Herr Ber- 
linerblau, Professor an der Universität in Bern, in der Sektion für Chemie 
bei der Französischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1 
über einen neuen Süfsstoll' der aromatischen Reihe von der Formel 
C 6 H 4 .OC 2 H 5 .NH.CO.NH 2 , welche er durch Einwirkung von Kalium- 
cyanat auf die Salze des Amidobenzols (?? soll wohl heifsen „Amido- 
phenetols", vgl. unten) erhalten hat, Die isomere (d. h. hier: sowohl 
procentual als auch nach Atomgruppen gleich zusammengesetzte, aber in 
ihren Atomgruppen anders angeordnete) Orthoverbindung ist geschmack- 
los, und der analoge schwefelhaltige Körper C fi H 4 .OC 2 H 5 .NH. CS. NH., 
bitter. Herr Berlinerblau glaubt, dafs es kein zweites Beispiel für eine 
so ausgesprochene Verschiedenheit in den Eigenschaften der Sinnes- 
wahrnehmung zwischen Isomeren oder Homologen gibt. Bei der Dis- 
cussion über diese höchst eigenthümliche Thatsache bemerkte Herr 
Cazeneuve , dafs er einen Amidocampher von ausgesprochen süfsem 
Geschmack erhalten habe; Herrn Grimaux war der süfse Geschmack 
schon vor 15 Jahren an einem von ihm dargestellten Nitropyruvinurei'd 
(,.ureide pyruvique nitree) aufgefallen, und Herr Franchimont erinnerte 
bei dieser Gelegenheit daran , dafs auch der DimethylharnstofF (,«di- 
methyl uree") süfs ist. 

Das Nitropyruvinurei'd, welchem die Formel C 4 H 3 N 3 4 oder 

™ iN : C . CH 2 (N0 2 ) , ,,„.,. . t *> . „ A a 

)"NTH C(\ zukommt (vgl. Heilstem, organische Chemie, 2. Aurl. 

1886, Bd. I S. 1038, sowie Wurlz, Dictionnaire de chimie pure et applique'e, 
Band III, Paris 1878, S. 579, 580: „monoureide pyruvique nitree- 
C 4 H 3 (Az0 2 )Az 2 2 2 , erhält man aus dem „Pyruvil ic durch Kochen mit 
4 bis 5 Th. gewöhnlicher Salpetersäure, Verdampfen zum Syrup, Er- 
kaltenlassen, Waschen des Rückstandes mit 2 bis 3 Th. Wasser und 
Lösen in 25 Th. siedendem Wasser, in Form hellgelber glänzender 
Blättchen, welche in kaltem Wasser nur wenig löslich und auch erst in 
25 Th. kochendem Wasser löslich sind. Das Pyruvil für diese Darstel- 



1 Association francaise pour Vuvancement des scienres, /'usionnee arec l'association 
scientifique de France (lbndee par Le Verrier en 1864); Compte rendu de la 18m° 
Session (1889—90), 1, p. 278. 

1 Oder: CH 2 (Az0 2 ) 

C = Az _ „ Ä 
>CO. 
CO . AzH ^ 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 183 

Jung gewinnt man aus Harnstoff* und Brenztraubensäure, indem man 
2 Th. von ersterem und 1 Th. von letzterer 1 bis 2 Stunden auf 100° 
erhitzt, dem erhaltenen Gemenge gleichzeitig gebildetes brenztrauben- 
saures Ammoniak und unveränderten Harnstoff durch kochenden Alkohol 
entzieht und den Rückstand aus 10 Th. kochendem Wasser krystallisirt. 
Der Harnstoff', ein wesentlicher Bestandteil des Harns, ist bekanntlich 
nach der so berühmt gewordenen Entdeckung Wähler s auch künstlich 
darzustellen, nämlich aus cyansaurem Ammoniak durch Molekularum- 
lagerung, und man führt diese Darstellungsweise in der Regel so aus, 
dafs man Kaliumcyanat mit der äquivalenten Menge Ammoniumsulfat 
versetzt, das Gemisch, in welchem sich durch Wechselzersetzung neben 
Kaliumsulfat Ammoncyanat bildet, im Wasserbade zur Trockne ver- 
dampft und den Rückstand mit Alkohol auszieht, in welchem der Harn- 
stoff in der Hitze leicht löslich ist, während das Kaliumsulfat zurück- 
bleibt. Die erforderliche Brenztraubensäure stellt man durch Destilliren 
von Weinsäure mit saurem schwefelsaurem Kali und Fractioniren als 
Flüssigkeit vom spec. Gew. 1,29 dar. 

Man gelangt also hier von relativ einfachen Rohstoffen: cyansaurem 
Kali, schwefelsaurem Ammoniak, Weinsäure und Salpetersäure zu dem 

, ^ ( N : C . CH,(N0 2 ) . , 

Atomcomplex CO • , wieder einer jener so eigentüm- 

lichen complicirten Atomconfigurationen , welche, bis jetzt noch nicht 
näher erklärbar, die Eigenschaft bedingen, in den Geschmacksnerven 
die Empfindung der Süfsigkeit hervorzurufen. 

Der Dimethylharnstoff, welchen Franchimont im Auge hat, ist der 
von ihm dargestellte unsymmetrische Dimethylharnstoff NH 2 . CO.N(CH 3 ).), 
welchen man aus Kaliumcyanat und Dimethylaminsulfat in sehr süfsen 
grofsen Krystallen erhält, nicht der von Wurtz aus Methylcyanat und 
Methylaminsulfat erhaltene symmetrische Dimethylharnstoff. 

Die Angabe des Herrn Berlinerblau bezieht sich namentlich auf die- 
jenigen Körper, welche er im Journal für praktische Chemie, Bd. 30 
S. 97 bis 115 (vgl. Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, Jahrg. 17 
[1884] Referate S. 609 bis 610) als Aethoxyphenylharnstoff und Aethoxy- 
phenylthioharnstoff* erwähnt. 

Der Para- Aethoxyphenylharnstoff" 

C 9 H 12 N 2 2 = C 2 H 5 O.C fi H 4 .NH.CONH> 

<vgl. Beilstein 1888 Bd. 2 S. 466; J. pr. Chem., N. F. Bd. 30 S. 104) 
wird aus salzsaurem p-Amidophenetol und Kaliumcyanat in schwer lös- 
lichen, sehr süfs schmeckenden Blättchen erhalten. 
Der Para-Aethoxyphenvlthioharnstoff 

C 9 H 12 N 2 SO = C 2 H 5 O.C 6 H 4 .NH.CS.NH 2 
oder Aethyläther des Oxyphenylthioharnstoffes (vgl. J. pr. Chem., Bd. 30 
S. 108: Beilstein 1. c. S. 466) entsteht aus salzsaurem p-Amidophenetol 



184 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

und Rhodanammonium und schmeckt nach der Angabe von Berlinerblau 
(1. c. J. pr. Cltem., Bd. 30 S. 108) sehr bitter (nach BeiUtein dagegen 
suis — jedenfalls zu berichtigen, da dieser Berlinerblau citirt). 

Die zugehörige Ortho-Verbindung (vgl. J. pr. Chem., Bd. 30 S. 106, 
Beilstein S. 460: Aethyläther des o-Oxyphenylthioharnstoffes) entsteht aus 
salzsaurem o-Amidophenetol und Rhodanammonium bei 2- bis 3 maligem 
Abdampfen und schmeckt nach Berlinerblau ebenfalls sehr bitter. 

Die Stellungen der Atome zu einander (in den verschiedenen 
isomeren Verbindungen), der Ersatz eines einzigen Atoms unter zahl- 
reichen anderen durch ein anderes ähnliches Atom (Schwefel durch 
Sauerstoff) u. dgl. Dinge, welche von Haus aus nur für die abstrakte 
Theorie überhaupt von Interesse zu sein scheinen, spielen also für die 
Eigenschaft der Süfsigkeit, welche zuerst die Aufmerksamkeit des 
Menschen gerade auf den Zucker gelenkt hat, eine ganz hervorragende 
Rolle und fordern zu weiterer Vertiefung in dies für den organischen 
Chemiker schon an sich so hochinteressante Gebiet auf. 

Lindet empfahl eine Methode zur Darstellung von Raftinose aus 
Melasse, insbesondere zur Trennung von Raffinose und Rohrzucker 
(Comptes rendus, Bd. 110 S. 795), welche sich durch Schnelligkeit und 
Sicherheit des Erfolges auszeichnet und aufserdem den Vorzug hat, 
sich auch noch auf andere Stoffe als die Raffinose anwenden zu lassen. 

Bevor man die Raftinose abscheiden und von der Saccharose trennen 
will, mufs man (abweichend von allen bisherigen Methoden) die Melassen 
reinigen und entfärben, um sie von der Hauptmenge der den Zucker 
verunreinigenden und am Krystallisiren hindernden Stoffe zu befreien. 
Dies bewirkt der Verfasser nicht durch Bleiessig, sondern durch schwefel- 
saures Quecksilberoxyd. Wenn man eine Lösung von Melasse im 5- oder 
6fachen Gewichte Wasser in der Kälte mit schwefelsaurem Queck- 
silber schüttelt, so sieht man neben der Bildung eines Niederschlages 
von basisch schwefelsaurem Salz eine solche einer flockigen, braunen 
Verbindung, deren Zusammensetzung verwickelt ist, die aber Ulmin- 
stoffe, Stickstoffverbindungen und Quecksilber enthält. Die Flüssigkeit 
klärt und entfärbt sich manchmal vollständig, manchmal theil weise. 
Man tiltrirt, sättigt die aus der Zersetzung des schwefelsauren Queck- 
silbers herrührende Schwefelsäure und läfst kochen unter Beibehaltung 
einer geringen Alkalität. Die entfärbte Lösung wird dann in Luft- 
leere zu einem dicken Syrup eingedampft und dieser mit starkem 
Methylalkohol vermischt, wodurch abermals Unreinigkeiten abgeschieden 
werden. 

Die Behandlung mit dem Quecksilbersalz, dem Baryt und dem 
Methylalkohol hat die Melasse so gereinigt, dafs nur noch die Raffinose 
von der Saccharose getrennt zu werden braucht. Dies kann entweder 
durch nachstehend beschriebene Behandlung der methylalkoholischen 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 185 

Lösung oder auch so geschehen, dafs mau den Alkohol verjagt, die 
nunmehr leicht sich abscheidende Saccharose krystallisiren läfst und den 
Ablaufsyrup im Methylalkohol löst und weiter behandelt. 

Zur Trennung der Saccharose und Raffinose wird dann die ver- 
schiedene Löslichkeit dieser Zucker einerseits im Methylalkohol, anderer- 
seits im Aethylalkohol benutzt. 

Scheibler hat gezeigt, dafs die Raftinose viel löslicher in absolutem 
Methylalkohol ist, als die Saccharose (100 Th. Methylalkohol lösen 
9,5 Raffinose und 0,4 Saccharose), allein die Löslichkeit der Saccharose 
nimmt sehr rasch mit dem Wassergehalte des Alkohols zu, so dafs die 
Trennung der beiden Zucker durch unmittelbare Behandlung des beide 
enthaltenden Syrups durch starken Methylalkohol sehr schwierig ist. 
Der Löslichkeitsunterschied wird so benutzt, dafs nicht der Syrup vordem 
Vermischen mit wasserfreiem Methylalkohol, sondern die methylalkoho- 
lische Lösung selbst entwässert wird. Man sieht dann, in dem Mafse 
wie sie ihr Wasser verliert, die Saccharose ihre normale Löslichkeit in 
concentrirtem Alkohol wieder gewinnen und sich krystallinisch ab- 
scheiden. 

Man bringt die methylalkoholische Zuckerlösung in einen Kolben 
und erhitzt diesen im Wasserbade. Die Alkoholdämpfe mit Wasserdampf 
gehen in einen ersten Kühler, unter welchem ein zweiter mit Kalk ge- 
füllter und ebenfalls im Wasserbade erhitzter Kolben sich befindet. Die 
condensirte Flüssigkeit wird durch den Kalk entwässert und entweicht in 
Gestalt alkoholreicher Dämpfe, die sich in einer zweiten Kühlschlange 
condensiren, woraus diese Flüssigkeit in den ersten Kolben zurückgeht. 
Beim Abkühlen krystallisirt die Saccharose gröfstentheils aus. 

Auf diese Arbeit, welche die Flüssigkeit an Raffinose anreichert, 
folgt eine zweite, welche im Zusätze von Aethylalkohol besteht. 

Die Raffinose ist im Methylalkohol von 95° G. L. zu 11.4 Proc. 
löslich, in Aethylalkohol derselben Dichte aber nur zu 0,06 Proc. Wenn 
man also zu einer methylalkoholischen Lösung gewöhnlichen Alkohol 
hinzufügt, so fällt ein syrupähnliches Product nieder, welches so viel 
Raffinose enthält, dafs man diese leicht entweder durch Krystallisation 
aus Wasser oder aus gewöhnlichem Alkohol gewinnen kann. 

Letzteres ist vorzuziehen, nur mufs man dazu nicht starken Alkohol, 
sondern solchen von höchstens 80 bis 85° anwenden. Es nimmt näm- 
lich die Löslichkeit der Saccharose im Alkohol rasch mit dessen Wasser- 
gehalt zu, während diejenige der Raffinose unter diesen Verhältnissen 

sich kaum verändert. 

Saccharose Raffinose 

Alkohol von 950 .. . löst Proc. 0,30 0,06 

„ 900 . . . „ „ 1,00 0,08 * 

„ 850 .. . „ „ 2,23 0,10 

„ 800 .. . „ „ 6,20 n.>l 

Man kann also, ohne grofsen Raffinose verlust befürchten zu müssen. 



186 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

derart verdünnten Alkohul anwenden, dafs die Saccharose in die Mutter- 
lauge der Krystallisation übergeht. 

Es sind hiernach folgende vier Arbeiten nach einander auszuführen, 
um Raftinose aus Melasse abzuscheiden: 

1) Reinigung und Entfärbung der Melassen durch schwefelsaures 
Quecksilber, Baryt und Methylalkohol. 

2) Entwässerung der methylalkoholischen Lösung mittels Kalk beim 
Siedepunkt dieses Alkohols. 

3) Fällung der methylalkoholischen Lösung durch gewöhnlichen 

Alkohol. 

4) Krystallisation des Niederschlages in Aethylalkohol von 80 bis 85°. 
Das Direktorium des Vereins für die Rübenzucker-Industrie des 

Deutschen Reiches erliefe ein Hundschreiben an die Handelschemiker 
(Zeitschrift des Vereins 1890 Bd. 40 S. 439 ff.), aus welchem wir den 
von einer Sachverständigen-Commission vereinbarten Entwurf für eine An- 
leitung zur Bestimmung des Gehaltes an Raftinose und Invertzucker in 
den Producten der deutschen Rübenzuckerfabrikation entnehmen. Zweck 
derselben soll sein, den Herren Handelschemikern bei ihren Unter- 
suchungen als Norm zu dienen, da die Noth wendigkeit eines überein- 
stimmenden Verfahrens nicht wohl bestritten werden kann und im 
Interesse der Zuckerfabrikanten sowohl wie der Herren Handelschemiker 
selbst liegt. 

1) Polarisation. 

a) Erwärmung der Proben. Gegen das Erwärmen der Proben sind 
wissenschaftliche Bedenken nicht zu erheben, es ist bei Einzelunter- 
suchungen vielmehr vorzuziehen. Bei gleichzeitiger Inangriffnahme einer 
gröfseren Zahl von Analysen wird die Rücksicht auf Zeitersparnifs über 
die Wahl zwischen der Arbeit mit kalten bezieh, mit erwärmten Proben 
entscheiden. 

b) Anwendung von Bleiessig bei Erstproducten ist, besonders bei 
Benutzung der Ventzke-Soleil- Scheibler 'scheu Apparate, nicht wohl zu 
entbehren. Der Bleiessig ist aber nach der Vorschrift der deutschen Phar- 
macopoe II. Ausgabe S. 170 zu bereiten: Spec. Gew. 1,235 bis 1,240- 
aufser Bleiessig soll überdies in allen Fällen zur Klärung noch col- 
loidale Thonerde, nach Sc/teibler's Vorschrift bereitet, zugesetzt werden. 

c) Klärung dunkler Nachproducte. Die Anwendung anderer Klär- 
mittel als Bleiessig und colloidaler Thonerde ist möglichst zu vermeiden. 
Von Kohlensorten darf nur extrahirte Kohle angewendet werden, welche 
nach Vivien's Vorschrift aus guter Knochenkohle durch Auswaschen mit 
Salzsäure und Wasser mit nachfolgendem Glühen bereitet ist. 

d) Polarisation der Melasse. Das halbe Normalgewicht Melasse 
gelöst, wird mit thunlichst viel Bleiessig geklärt und zu 100 aufgefüllt; 
das Ergebnifs der Analyse wird, ohne Correctur für das Volumen des 
Niederschlages, berechnet durch Multiplication der im 200 mm -Rohre be- 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 187 

■ bachteten Ablenkung mit 2 bezieh, der im 100 mm -Rohre beobachteten 
Ablenkung mit 4. 

2) Bestimmung des Invertzuckers. 
a) Qualitativ. 
Behufs Ausführung der qualitativen Invertzuckerbestimmung wird 
bezüglich der Menge der Substanz und der Fehling'schen Lösung, sowie 
der Dauer des Kochens genau so verfahren, wie bei quantitativen Be- 
stimmungen. Ergibt sich dabei keine oder eine nicht wägbare Aus- 
scheidung von Kupferoxydul, so ist die Untersuchung nicht weiter zu 
verfolgen; anderenfalls wird sie quantitativ zu Ende geführt. 

b) Quantitativ. 

Wird für Rohzucker oder Melasse die Bestimmung der reducirenden 
Substanz gefordert, so kann, falls die Beschaffenheit des Musters dazu 
nöthigt, dieselbe in einer vorher mit Bleiessig geklärten Lösung vor- 
genommen werden. 

Die Bestimmung soll auch ferner erfolgen nach dem Verfahren, 
welches die im J. 1885 eingesetzte Invertzucker- Commission angenommen 
hat und welches in der Vereins-Zeitschrift Jahrg. 1886 S. 6 und 7 ver- 
öffentlicht ist. Bei Anwendung dieses Verfahrens ist jedoch ganz be- 
sondere Aufmerksamkeit auf die Reinheit der zur Herstellung; der Feh- 
/tr»<?"schen Lösung benutzten Reagentien zu richten. Gute Fehling'sche 
Lösung soll gegen chemisch reinen Zucker bei Innehalten der Arbeits- 
vorschrift ein Oxydationsvermögen von mindestens 16 und höchstens 
22 m 8 Kupfer zeigen. Die Verwendung der Soldain /"sehen Lösung ist 
für Handelsanalysen zu vermeiden. 

Wird bei der quantitativen Analyse weniger als 50 m ? Kupfer ge- 
wogen, so gilt Invertzucker als ,.quantitativ nicht bestimmbar'. 

Melasse mit nicht mehr als 1 Proc. Invertzucker ist wie fester 
Zucker zu untersuchen und das Ergebnifs nach der Her zfeld' sehen 
Tabelle zu berechnen. 

Melasse mit mehr als 1 Proc. Invertzucker wird zwar in gleicher 
Weise untersucht, jedoch unter Anwendung von weniger Substanz von 
der zur Analyse genommenen Melasse entsprechend dem steigenden 
Gehalte an Invertzucker, nach der in den Ausführungsvorschriften zum 
Zuckersteuergesetze Anlage B unter I gegebenen Anleitung. Bei Be- 
rechnung des Ergebnisses sind die Tabellen von Meissl bezieh, von Biller 
zu benutzen: siehe den B er zfeld' sehen Bericht in der Vereins-Zeitschrift 
1890 Märzheft S. 191, bezieh, die als Anhang hier beigefügte Arbeits- 
vorschrift 

3) Zuckerbeslimmung in der Melasse nach Clerget. 
Eine Klärung durch Bleiessig findet nicht statt. Das halbe Normal- 
«rewicht an Melasse wird direkt im 100 cc -Kolben nach der Vorschritt 



188 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

in Anlage B der Ausführungsbestimmungen zum Zuckersteuergesetze 
(vgl. die als Anhang beigefügte Arbeitsvorschrift) invertirt; nach Auf- 
füllen bis zur Marke wird, falls nöthig, mit extrahirter Kohle geklärt. 

Das Ergebnifa wird nach der Formel lg9 6g für 20° C. Temperatur be- 
rechnet: bei abweichender Temperatur erfolgt die Correctur entweder 

100 S .. r? i 

nach der Tuchschmidt' sehen Formel 1 on aa r— - oder nach der Formel 

loZ,bo — ' ., t 

J20 = Jt + 0,00385(20 — t). 

4) Bestimmung der Bafßnose. 

a) Die Bestimmung der Raffinose erfolgt nur bei Producten der 
Melasseentzuckerung. Zu verfahren ist nach der obigen Inversionsvor- 
schrift bezieh, nach Anlage B der Ausfuhrungsbestimmungen zum Zucker- 
steuergesetze. Das Ergebnifs ist jedoch nicht nach der dort angegebenen 

, _ 0,5124^ — 7 
Formel zu berechnen, sondern nach der Formel: z= » qqoo — 

P — Z 

und R = y^t. Vgl. die Tabelle II im Herzfeld' sehen Berichte, Vereins- 
1,852 

Zeitschrift 1890 Märzheft S. 199. 

b) Bei Producten mit mehr als 2 Proc. Invertzucker ist von Be- 
stimmung der Raffinose mittels der Inversionsmethode Abstand zu nehmen. 

Diesem Entwürfe ist als Anhang nachstehende Arbeitsvorschrift für 
die Invertzuckerbestimmung beigefügt: 

Bereitung der Fehling'schen Lösung, a) 34§,639 krystallisirter Kupfer- 
vitriol werden mit 500 cc Wasser übergössen und gelöst, der Kupfer- 
vitriol darf nicht verwittert sein. 

b) 173? Seignettesalz werden mit 400 cc Wasser übergössen, dann 
100 cc Natronlauge, welche 500s Natronhydrat im Liter enthält, zugesetzt 
und nach dem Lösen filtrirt. 

Ausführung der Analyse. Zur Invertzuckerbestimmung wird man 
im Allgemeinen die mit Bleiessig und Thonerde oder mit letzterer allein 
geklärte Flüssigkeit benutzen können, ohne dafs das Blei entfernt zu 
werden braucht, nur bei Anwendung eines sehr grofsen Ueberschusses 
von Blei oder im Falle die Flüssigkeit viel alkalische Erden enthält, 
ist es noth wendig, dieselbe noch nachträglieh mit Soda zu behandeln. 
Im ersteren Falle verwendet man zur Analyse 38 cc ,4 der Polarisations- 
Hüssigkeit (26-,048 : 100) , welche man durch Wasserzusatz auf 50 cc 
bringt, im zweiten z. B. 18" Substanz, welche mit Bleiessig auf 75 auf- 
gefüllt werden, davon werden 50 mit kohlensaurem Natron zu 60 cc ver- 
dünnt und hiervon wiederum 50 zur Analyse verwandt. Oder man 
nimmt 46 cc ,07 der Polarisationsflüssigkeit, füllt mit kohlensaurem Natron 
zu 60 cc auf und verwendet 50 cc davon zur Analyse. 

Stets mufs die Zuckerlösung behufs der Invertzuckerbestimmung 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 189 

filtrirt werden. Enthält ein Zucker keine mit Bleiessig fällbaren Sub- 
stanzen, so löst man beispielsweise 20? zu 100, filtrirt und verwendet 
vom Filtrate 50 cc . Die Filtration darf nie unterlassen werden, da Holz- 
theile und andere mechanische Verunreinigungen das Resultat beeinflussen 
können. — Es müssen stets 10? Substanz zu 50 cc gelöst zur Analv^e 
verwendet werden, falls die Herzfeld'sche Tabelle benutzt werden soll. 

50 cc der wie eben angegeben bereiteten Zuckerlösung werden mit 
50cc Fehling' scher Lösung (25 cc Seignettesalz-Natronlauge und 25 cc Kupfer- 
lösung) in eine Erlenmeyer' sehe Kochflasche gebracht, gut umgeschwenkt 
und möglichst rasch über einem Drahtnetze, welches eine Asbestpappe 
mit kreisförmigem Ausschnitte von 6 CC ,5 im Lichten bedeckt, unter Be- 
nutzung eines Dreibrenners zum Sieden erhitzt. Sobald in 3 bis 4 Minuten 
der Kochpunkt eingetreten ist, den man von dem Moment an rechnet, wo 
Blasen nicht nur aus der Mitte , sondern auch am Rande des Gefaf.se> 
aufsteigen, wird genau 2 Minuten mit der kleineren Flamme eines Ein- 
brenners im Kochen erhalten. Zur Zeitbestimmung bedient man sich 
zweckmäfsig, wenn man viele Bestimmungen ausführen mufs, statt einer 
gewöhnlichen Secundenuhr einer kleinen Sanduhr, welche nach 2 Minuten 
eine Glocke ertönen läfst. Alsdann wird die Kochflasche sofort von der 
Flamme entfernt und 100 cc kaltes, luftfreies, destillirtes Wasser in die- 
selbe gebracht, um den Inhalt rasch abzukühlen und so nachträglicht' 
Abscheidung von Kupferoxydul zu verhindern, und von einer guten 
Luftpumpe sofort durch das gewogene Asbestrohr abfiltrirt. Man be- 
feuchtet den Asbest vorher mit etwas Wasser. Nachdem die Flüssig- 
keit abgelaufen ist, bringt man den Niederschlag zweckmäfsig mit 
kaltem Wasser unter Zuhilfenahme einer Federfahne auf das Filter, 
weil bei solcher Behandlung das lästige Anhaften des Kupferoxyduls 
an den Gefäfswänden nicht in dem Mafse eintritt, als bei der Anwen- 
dung von heifsem Wasser, und wäscht erst, nachdem der Niederschlag 
vollständig in das Asbeströhrchen gespült worden ist, mit 300 bis 400 C( 
siedend heifsem Wasser aus. Während des Abfiltrirens thut man gut. 
einen kurzhalsigen Trichter lose auf das Asbeströhrchen zu setzen, den 
man beim Auswaschen durch einen gröfseren ersetzt, welcher durch 
einen dicht schliefsenden Kautschukstopfen auf dem Rohre befestigt wird. 
Während des ganzen Filtrirens hat man Acht, dafs die Flüssigkeit im 
Asbeströhrchen niemals ganz abläuft. Ist das Auswaschen vollendet, 
so deckt man noch mit etwa 20 cc absolutem Alkohol, nach Belieben 
darauf auch noch mit Aether ab und bringt das Röhrchen in einen auf 
130 bis 200° erhitzten Trockenschrank. 

Sobald dasselbe genügend getrocknet ist, erhitzt man denjenigen 
Theil, wo das abfiltrirte Kupfer über dem Asbest liegt, über einem 
Brenner bis zum schwachen Glühen, um die Oxydation des Kupfer- 
oxyduls zu Kupferoxyd zu bewirken und dabei vorhandene organische 
Substanz zu verbrennen. Diese Procedur darf nicht unterlassen werden. 



190 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

da bei Bestimmung geringer Invertzuckermengen im Zucker augen- 
scheinlich stets eine organische Kupferverbindung neben Kupferoxydul 
ausfallt, deren Natur noch nicht bekannt ist. 

Das auf diese Weise präparirte Rohr wird sodann mittels eines 
Kaulschukstopfens vor einen Wasserstoff» pparat gespannt, welcher 
möglichst arsenfreies Gas entwickelt. Zweckmäl'sig verlängert man die 
verengerte Stelle des Kohres durch Ansetzen eines Kautschukschlauches 
und Glasröhrchens, um den Luftzutritt zu verhindern, und reducirt das 
Kupferoxyd durch langsames Erwärmen im Wasserstoffstrome. Sobald 
die ReductioD vollendet, was in wenigen Minuten der Fall ist, läfst 
man im Wasserstoffstrome erkalten, wobei das gebildete Wasser, welches 
sich zum Theil im Halse des Rohres angesetzt hat, völlig verflüchtigt 
wird, ohne dafs besonderes Erwärmen der betreffenden Stellen nöthig 
wäre. Das erkaltete Rohr wird in den Exsiccator gebracht und nach 
einer Viertelstunde gewogen. Als Exsiccator benutzt man ein hohes 
Standgefäfs, zum Wägen befestigt man das Rohr in einer Drahtschlinge. 

Statt über Asbesttilter kann man den Niederschlag auch über ein 
mit Flufssäure ausgewaschenes Papierfilter tiltriren. Man wäscht den- 
selben zunächst mit kaltem Wasser, darauf mit 300 bis 400 cc heifsem 
aus, verascht im Platintiegel und reducirt das Kupferoxyd in demselben 
im Wasserstoffstrome, welchen man in der bekannten Weise in den mit 
einem durchlöcherten Thondeckel bedeckten Tiegel leitet. 

Wenn man in dieser Weise verfährt, wird von dem Papiere nur 
sehr wenig Kupfer aus der Lösung zurückgehalten. Um über diesen 
Punkt Klarheit zu gewinnen, eventuell auch eine Correctur anzubringen, 
führt man bei Verwendung neuer Papiersorten jedesmal zunächst eine 
blinde Bestimmung aus, wäscht das Filter wie vorgeschrieben aus und 
bestimmt die Menge des in der Asche verbleibenden Kupferoxyds. 
Von den bekannten Schleicher und Schult" scheu aschenfreien Filtern von 
9 cm Durchmesser wird in der Regel nicht mehr als 1'»- Kupferoxyd 
zurückgehalten. 

Beträgt die Menge des reducirten Kupferoxyduls nicht mehr, als 
06,1 Kupferoxyd entspricht, so kann man bei Handelsanalysen die 
Reduction zu metallischem Kupfer unterlassen und sich damit begnügen, 
das Oxydul durch Glühen behufs Wägung in Oxyd überzuführen. 
Zur Benutzung der auf S. 191 stellenden Tabelle mufs die gefundene 
Menge des letzteren selbstverständlich zunächst auf Kupfer umgerechnet 
werden. 

Die Untersuchung von Melassen wird genau so ausgeführt wie die 
fester Zucker, d. h. es werden 10^ Substanz zu 50 cc gelöst mit 50 cc 
luhling' scher Lösung behandelt. Das Entbleien, welches hier selten 
wird unterbleiben können, hat mit Rücksicht auf einen Kalkgehalt stets 
mit kohlensaurem, nicht mit schwefelsaurem Natron zu erfolgen. 

Gewisse Melassen geben, auf diese Weise untersucht, Abseheidungen 



Kleinere Mittheilungen. 



191 



Tabelle zur Berechnung des Procentgehaltes an Invertzucker aus dem ge- 
fundenen Kupfer bei Anwendung von 10g Substanz zur Analyse. 



Cu 


Invertzucker 


Cu 


Invertzucker 


mg 


Proc. 


mg 


Proc. 


50 


0,05 


185 


0,76 


55 


0,07 


190 


0,79 


60 


0.09 


195 


0,82 


65 


0,11 


200 


0,85 


70 


0,14 


205 


0,88 


75 


0.16 


210 


0,90 


80 


0,19 


215 


0,93 


85 


0,21 


220 


0,96 


90 


0,24 


225 


0.99 


95 


0.27 


230 


1.02 


100 


0.30 


235 


1,05 


105 


0,32 


240 


1.07 


110 


0.35 


245 


1,10 


115 


0.38 


250 


1,13 


120 


0,40 


255 


1,16 


125 


0.43 


260 


1.19 


130 


0.45 


265 


1,21 


135 


0.48 


270 


1,24 


140 


0,51 


275 


1.27 


145 


0.53 


280 


1.30 


150 


0.56 


285 


1,33 


155 


0,59 


290 


1,36 


160 


0,62 


295 


1.38 


165 


0.65 


300 


1,41 


170 


0,68 


305 


1,44 


175 


0,71 


310 


1.47 


180 


0,74 


315 


1.50 



von grünen Kupferverbindungen, wodurch die Bestimmung des Invert- 
zuckers nach der üblichen Methode darin unmöglich gemacht wird. In 
der Regel läfst sich in solchen Producten die Invertzuckerbestimmung 
ausführen, wenn man verdünntere Lösungen der Substanz anwendet, 
also z. B. nur 5? statt 10g Melasse zu 50 cc gelöst mit 50 cc Fe hling' scher 
Lösung behandelt. Man multiplicirt das erhaltene Kupfer alsdann mit 
2 und benutzt erst darauf die Tabelle, um den Invertzuckergehalt zu 
berechnen. In Ermangelung eines besseren und genaueren emptieblt 
es sich, dieses Verfahren für die Untersuchung derjenigen Melassen, 
welche bei der Untersuchung von 10s zu 50 cc den erwähnten Uebel- 
stand zeigen, allgemein anzuwenden. (Fortsetzung folgt.) 



Ein amerikanisches elektropneumatisches Eisenbahn-Blocksignal. 

Die Union Switch and Signal Co. in Pittsburg, Pa.. hat ein ganz selbs- 
thätiges alektropnemnatisches Blocksignal erdacht, welches auf der Bahnstrecke 
zwischen Jersey City und Bergen Point der Central Kailroad of New Jersey in 
Gebrauch ist; es ist dies eine viergeleisige Bahn, auf welcher täglich eine grofse 
Anzahl von Zögen verkehrt. Um alle Verkehrsarten zu schützen, ist die Block- 



192 Bücher-Anzeigen. 

Signalanlage auf alle vier Geleise erstreckt worden. Wegen der grofsen Zahl 
der sehr schnell fahrenden Züge sind die Blockabsehnitte nur kurz gemacht 
worden; Bie lial.cn 300 bis 750m Länge (1000 bis 2500 Fnfs). 

Die Signale werden nach dem Scientific American. 1890 Bd. 62 * S. 209, mit 
je 2 Signalflügeln für jedes Geleise gegeben, welche auf demselben Mast über 
einander angebracht sind. Der obere Flügel ist am freien Ende glatt abge- 
schnitten, der untere ist schwalbenschwanzförmig. Wenn der obere Flügel 
wagerechi Steht, zeigt er an. dal's ein Zug im nächsten Blockabschnitte ist; 
wenn derselbe seinen Weg fortsetzt, wird auch der untere Flügel auf „Gefahr" 
oder „Vorsicht" gestellt. Wenn der Zug diesen so geschützten Abschnitt ver- 
läfst . fällt der obere Flügel herab, der untere, schwalbenschwanzförmige aber 
bleibt auf ..Vorsicht" stehen, bis der Zug auch den nächstfolgenden Abschnitt 
verlassen hat, also um zwei Abschnitte vom Signal entfernt ist. Das obere 
Signal heilst deshalb das Nahsignal (bome signal). das untere das Fernsignal 
(distant Signal). 

Jeder Flügel ist mit einem Gegengewichte versehen und wird von diesem 
wagerecht, d. h. auf „Gefahr" gestellt, wenn er sich selbst überlassen ist. Genau 
unter jedem Flügel ist ein pneumatischer Stiefel mit einem einfach wirkenden 
Kolben, dessen Kolbenstange auf den zweiten Arm des Gegengewichthebels 
wirkt. Wenn daher das Gegengewicht den Flügel wagerecht stellt, so ist der 
Kolben in seiner höchsten Stellung im Stiefel : dies ist also die Normalstellung 
des ganzen Apparates. Oben am Stiele] befindet sich ein Ventil, welches 
elektrisch geöffnet wird, durch eine Feder aber sich selbsthätig schliefst. Zu 
dem Ventile führt ein Rohr aus einem Druckluftbehälter. Oberhalb des Ventils 
ist ein Elektromagnet, dessen Anker mit der Ventilstange verbunden ist. 
Wenn ein elektrischer Strom durch den Elektromagnet gesendet wird, öffnet 
sich demnach das Ventil, die verdichtete Luft wird oberhalb des Kolbens zu- 
geführt, der Kolben niedergedrückt und dabei zugleich der Flügel gesenkt, 
das Gegengewicht aber gehoben. 



Bücher-Anzeigen. 

Lehrbuch der Gotischen Constructionen von (Jngewiüer (vgl. 276 600). 

Lieferung 4. 

Mit dieser Lieferung, welche das Kapitel über Pfeiler abschliefst, und die 
Grundrifsbildung der Kirchen und Thüren enthält, liegt der erste Band des 
Werkes fertig vor. 

Die galvanische Metallplattirung und Galvanoplastik. Gründliche An- 
leitung für galvanische Vernickelung, Verkupferung, Vermessingung, 
Versilberung, Vergoldung. Verzinnung, Oxydirung u. s. w. und Gal- 
vanoplastik. Anleitung zum Glanzschleifen. Von W. Pfanhauser. 
3. Aufl. Wien. Spielhagen und Schurich. 341 S. 6 Mk. 
Der Schwerpunkt des Werkes ist in der praktischen Anleitung zur Aus- 
übung der einschlagenden Arbeiten zu finden; hier zeigt sich der Verfasser 
zu Hause und versteht es, seine Darstellungen verständlich zu machen. Die 
theoretischen Erörterungen entsprechen nicht immer dem neuesten Standpunkte 
der Wissenschaft, weder im elektrischen noch im chemischen Theile : dadurch 
wird jedoch die praktische Brauchbarkeit nicht beeinträchtigt. 



Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger iu Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 1.-:. 

Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889; 
von Fr. Freytag, 

Lehrer der Technischen Staaislehranstalten in Chemnitz. 

(Schlafs des Berichtes S. 16'> d. Bd.) 

Mit Abbildungen auf Tafel 12 und 13. 

Jean und Peyrusson in Lille (Nordfrankreich) hatten eine liegende 
Condensatiunsmaschine von 350 mm Cylinderdurchmesser und 900 mni 
Kolbenhub ausgestellt, welche mit 70 Umdrehungen in der Mimik'. 
6 at Dampfspannung und ' B L'vlinderfüllung einen Effect von 62 LP er- 
gab (Fig. 36 und 37). 

Die auf dem bayonuetförmigen Balken angebrachte Aufsensteueruug 
bethätigte zwei auf dem Rücken des Cylinders liegende Einlafsschieber. 
welche von den unterhalb desselben angeordneten Auslafsschiebern voll- 
ständig getrennt arbeiteten. 

Durch die von der Schwungradwelle aus betriebene doppelt Ge- 
kröpfte Steuerwelle A wird, wie in Fig. 36 und 37 Taf. 12 ersichtlich, 
mittels je einer angreifenden Stange a eine mit der letzteren verbundene 
Fallklinke hin und her bewegt und nimmt hierbei durch die in ihrer Mitte 
schwalbenschwanzförmig eingelassene Stofsplatte einen stählernen Würfel- 
anschlag mit, welcher im oberen gegabelten Ende eines auf der Welle c 
befestigten Doppelhebels liegt, dessen unteres Ende mit dem betreffenden 
Einlafsschieber durch eine Stange verbunden ist. 

Der vom Regulator beeinflufste Anschlag d bewirkt je nach der 
Geschwindigkeit der Maschine ein früheres oder späteres Heben der 
Fallkliuke und damit ein Lösen der Verbindung zwischen dem Stahl- 
würfel und Stofsplatte, so dafs unter Mitwirkung eines durch die Stange / 
und Hebel s mit der Welle c verbundenen Luftbuffers die Schieber 
schnell in ihre ursprüngliche Lage zurückkehren. Die Auslafsschieber 
werden von einer am Kreuzkopf befestigten, eigenthümlich geformten 
Knagge in der Weise gesteuert, dafs, bevor der erstere das Ende seines 
Hubes erreicht, die Knagge gegen je eine stets in Oel getauchte Rolle 
schlägt, welche das Ende eines am Bayonnetbalken gelagerten Doppel 
hebeis bildet, dessen anderer Arm mit der Stange des betreffenden 
Auslafsschiebers verbunden ist. 

Von der Form und Befestigung dieser Knagge hängt der Com- 
pre^sionsgrad bezieh, die Gröfse der Vorausströmung des Dampfes im 
Cylinder ab. 

Eine mit cyliudrischen Drehschiebern ausgerüstete, nach dem Hammer- 
system gebaute Maschine der Firma Me'gy. Ecfitverria et Bazun in Paris 
zeigen die Abbildungen Fig. 38 bis 43 Taf. 12 und 13. Der durch das 
Einlafsventil A vom Kessel kommende Dampf strömt zunächst in die mit 
einem vom Regulator bethätigten Drosselventil versehene Büchse B und 

Dingler's poljt. Journal Hd 278 Nr. 5. 18901V. | .: 



194 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 

geht von hier durch die beiden ansohliefsenden Rohre CC\ nach den 
an den ('vlinderenden gelegenen Schiebern D Z>, , welche sich um je 
einen mit zwei gegenüberliegenden schmalen Oeffnungen für den Ein- 
strömdampf versehenen kleinen Cylinder bewegen. Die Drehbewegung 
wird den in ihrem mittleren Drittel mit vier Ausschnitten versehenen 
Schiebern durch innerhalb der Gehäuse E /s, liegende conische Räder 
mitgetheilt, welche unter Zwischenschaltung einer senkrechten Welle /•'. 
sowie wagerechten Welle G mittels Zahnräder von der Schwungrad- 
welle aus betrieben werden. Da jeder der in den beiden Drehschiebern 
angebrachten Ausschnitte abwechselnd mit dem zugehörigen Dampf- 
einströmrohr und gemeinsamen Ausströmkanal communicirt, wird auf 
eine Umdrehung des Drehschiebers die Schwungradwelle so viel Drehungen 
ausführen als im Schieber Ausschnitte vorhanden sind und es deshalb 
möglich sein, die Maschine mit hohen Tourenzahlen laufen zu lassen, 
ohne dafs dabei die Drehschieber ebenfalls entsprechende grofse Ge- 
schwindigkeiten annehmen miifsten. 

In der in Fig. 38 ersichtlichen Stellung öffnet der obere Schieber 
den Einströmkanal im Cylinder und gestattet durch die in dem kleineu 
Innencylinder angebrachten Oeffnungen die Zufuhr frischen Dampfes 
über den Kolben so lange, bis der in der gezeichneten Pfeilrichtung 
sich drehende Schieber diese Oeffnungen wieder geschlossen hat: der 
untere Schieber /), hält dagegen in derselben Zeit die Oeffnungen seines 
Innencylinders geschlossen und läfst den vordem im Cylinder wirksam 
gewesenen Dampf austreten. 

Solange nun die kleinen, innerhalb der Schieber liegenden Cylinder I 
in derselben Lage bleiben, ist die Expansion eine feste, ändert man 
dagegen die Relativlage derselben hinsichtlich der Schieber, so lassen 
sich auch mit dieser Steuerung veränderliche Expansionen bewirken. 
Zu dem Zwecke sitzen auf eingeschraubten Zapfen der kleinen Cylinder 
conische Räder, welche mit ebensolchen auf der senkrechten Welle K 
befestigten Rädern in Eingriff stehen und eine Drehbewegung ausführen, 
sobald der auf der senkrechten Welle K befestigte wagerecht liegende 
Bebe! J von Hand verstellt wird. 

Diese Aenderung des Expansionsverhältnisses wird man indefs nur 
dann vornehmen, wenn die Maschine unter ganz von einander ab- 
weichenden Bedingungen eine gewisse Leistung entwickeln soll, da die 
Regelmäfsigkeit der Bewegung in gewöhnlichen Fällen schon durch 
den in Fig. 42 Taf. 12 abgebildeten Regulator gesichert ist, welcher, 
wie bereits oben bemerkt, ein in der Büchse li untergebrachtes, ent- 
lastetes Drosselventil bethätigt. 

Der in einer am äufsersten Ende der Schwungradwelle sitzenden 
Scheibe L untergebrachte Regulator besteht aus den beiden Gewichten »i. 
welche sich gegen aus Stahlblechen gebildete Federn r legen, deren 
stärkere Enden am inneren Umfange der Scheibe L festgeschraubt sind 



Dampfmaschinen der Pariser Weltansstellung 1889. 195 

und durch je eine über die mit entgegengesetztem Gewinde versehenen 
Stangen / »reifende Hülse n mit der Mulle p verbunden sind, so dafs, 
wenn sie sich in Folge gröfserer oder geringerer Geschwindigkeit der 
Maschine von der Achse entfernen oder sich derselben nähern, auch 
die Mittle /> in dem einen oder anderen Sinne eine Drehbewegung er- 
leidet; da die letztere als Schraubenmutter über einem mit vier nicht 
fortgesetzten Schraubengängen versehenen Ringe q liegt, so wird sie 
sich parallel der Achse fortbewegen, worauf dann der über ihr liegende 
Bügel s diese Bewegung mittels der Hebel t und u auf das in Fig. 43 
Taf. 12 veranschaulichte Drosselventil überträgt. Durch Drehung der 
Hülsen n läfst sich auch die Spannung der Federn regeln und damit 
die festgesetzte Geschwindigkeit der Maschine ändern. 

Alle mit einander arbeitenden Theile der Maschine werden von 
einer contiuuirlich arbeitenden, durch ein kleines Excenter von der 
senkrechten Welle F aus betriebenen Schmierpumpe mit Oel versorgt. 

Die ebenfalls mit einem Drehschieber ausgerüstete, von den Con- 
structeuren A. L. et C. Taverdon entworfene rotirende Ausstellungs- 
maschine zeigen die Abbildungen Fig. 44 und 45 Taf. 13. 

Die Steuerung besteht hier aus einem conischen, mit zwei schlitz- 
artigen Oeffnungen versehenen Hahn a, welcher durch zwei gleich 
grofse Stirnräder von der Schwungradwelle aus seine Drehbewegung 
erhält, demnach dieselbe Anzahl von Umdrehungen macht wie die 
letztere und in einem Gehäuse b untergebracht ist, welches fünf gleich 
lange Ausschnitte besitzt, von denen der folgende stets nur einen ge- 
wissen Betrag breiter ist, als der vorhergehende. 

Der vom Kessel kommende Dampf strömt in den ringförmigen 
Kaum V des Schieberkastens und von hier durch Löcher n in die Aus- 
bohrung einer mit dem Hahn a fest gemachten, ebenfalls mit zwei 
schlitzartigen Oeffnungen versehenen Welle g. 

Wenn der Ausschnitt 1 im Hahngehäuse mit dem nach dem Cjlinder 
führenden Dampfeinströmkanal c communicirt, so wird erst dann Dampf 
in den ersteren eintreten können, wenn einer der beiden Schlitze des 
Drehschiebers mit dem Ausschnitte / zusammentrifft, und die Dauer der 
bei jeder halben Umdrehung der Maschine stattfindenden Dampf- 
einströmung je nach der Breite des mit dem Kanal c in Verbindung 
stehenden Ausschnittes des Hahngehäuses eine veränderliche sein. 

Bringt man deshalb mit Hilfe eines Handrades B den einen oder 
anderen dieser Ausschnitte mit dem Kanal c in Verbindung, so läfst 
sich die Dauer der Dampfeinströmung in den Cylinder, welche ihr 
Maximum erreicht, wenn die Oeffnung 5 mit dem Kanal c communicirt, 
nach Belieben regeln. 

Der Regulator besteht aus einer Kautschukbirne C, welche bei v 
auf der hohlen Welle g des Drehschiebers und bei x auf der ebenfalls 
hohlen, innerhalb der ersteren liegenden Welle l befestigt ist: die letz- 



196 Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung- 1889. 

tere trägt an ihrem einen Ende einen kleinen, in der Ausbohrung der 
Welle g sich führenden Kolben d. 

Bläht «ich die Kautschukbirne in Folge wachsender Geschwindig- 
keit der Maschine auf, so tritt eine Verschiebung der hohlen Welle l 
nach rechts ein und der kleine Kolben d schliefst die Dampfdurchlafs- 
< »Urningen n mehr oder weniger, so dafs der Dampf mit entsprechend 
niederer oder höherer Spannung in den Hohlraum der Welle g gelangt. 

Die bei Geschwindigkeitsänderungen eintretenden Bewegungen der 
Kautschukbirne werden auch dazu benutzt, dem in den Cylinder tretenden 
Dampf eine gewisse Menge Oel beizumengen: zu dem Zwecke liest das 
mit Ventil versehene Ende der Stange t in einem kleinen, mit Oel ge- 
füllten Cylinder e und sowie sich die Birne C öffnet, saugt die in diesem 
Cylinder als Kolben fungirende. nach rechts gehende Stange aus einem 
oberen mit Rückschlagventil versehenen Behälter eine entsprechende 
Menge Oel an, welches beim darauf folgenden Schliefsen der Birne, 
wenn die Stange t sich nach links bewegt bezieh, wieder in den Cylinder 
eindringt, aus diesem verdrängt wird, und in die Bohrung der ersteren 
tretend, sich mit dem durch die Oeffnungen n eintretenden Dampf mischt. 

Der bei jeder halben Umdrehung der Maschine durch den Kanal c 
in den Cylinder tretende Dampf bringt durch zwei den Kolben bildende 
Abdichtungsklappen eine in diesem excentrisch^ liegende Scheibe in 
Drehung. 

Mit der kleinsten Füllung und 1000 Umdrehungen in der Minute 
leistet der Motor 2,33 rP und verbraucht ungefähr 5 k Dampf für Stunde 
und Pferd, während mit voller Füllung eine Leistung von 7,55 rP erreicht 
und an Dampf 14 k ,6 für Stunde und Pferd gebraucht wird.] 

Die Maschine läfst sich auch mit Druckwasser betreiben, wobei 
dasselbe durch den auf Fig. 45 ersichtlichen Kanal ff in den Cylinder tritt. 

Die von der Compagnie de Fives- Lille in Paris ausgestellte, liegende 
Condensationsmaschine hatte 350 mm Cylinderdurchmesser und 1100 mm 
Kolbenhub: sie soll mit 5 at ,3 Dampfspannung im Schieberkasten, einem 
Füllungsverhältnisse von 0,1, sowie 50 Umdrehungen in der Minute 
115 Indicatorpferd entwickeln und zeigte dieselbe Construction, wie die 
1886 260*49 beschriebene, von der Firma für das Wasserwerk in Lille 
erbaute Maschine von 850 mm Cylinderdurchmesser und 1600 mm Kolben- 
hub, nur erfolgte die Bewegung der Auslal'sschieber hier nicht ruck- 
weise durch ein Daumenexcenter, sondern unter Zwischenschaltung eines 
am Bayonnetbalken gelagerten Vuugleicharmigen,! Doppelhebels mittels 
Stangen von einem auf der Schwungradwelle befestigten Excenter aus. 

Chaligny et Cie. in Paris hatte eine liegende, j 55pferdige Verbund- 
maschine mit 280 bezieh. 485 mni Cylinderdurchmesser und 500 mni Kolben- 
hub zur Ausstellung gebracht, welche, mit Condensation arbeitend, bei 
normalem Betriebe 90 Umdrehungen in der Minute machte und sowohl 
auf ein gemauertes Fundament festgelegt, wie auch als Locomobil- 



Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889. 



19« 



maschine auf einen Dampfkessel montirt werden konnte. Im ersteren 
Falle ruht das Maschinenbett auf zwei kastenförmig gegossenen, mit 
dem Fundament verschraubten Sockeln, von denen der die beiden 
Cylinder stützende in seinem Inneren die zur Ein- und Ausströmung 
des Dampfes dienenden Rohre aufnimmt. Aus der untenstehenden 
Tabelle sind die Leistungen, der Dampfverbrauch für Stunde und Pferd 
bei einer Kesselspannung von 6 at , die Gewichte, der gegenwärtige Preis 
und einige Abmessungen dieser Maschinen zu ersehen: 





L e i s 
it 


t ung 






sser 
ades 


Mit Condensation 


Ohne Condensation 


m 


ohne 


o sc 2 














Condensation 


Condensation 


= ? Ä 


*~ «0 zl • 2 <0 e 


tf O 


Preis 


^_u 2 o. 


IS 


Preis 





"cO 


M 


*c3 


•£?>«- 




SS 


o-S-a oj 




S 
o 
25 


S 

X 


o 
Z 


H 
>< 

a 


Anz 
in de 


Durc 

Schw 

Dam 

verbr 

für 

Stund 


Ob 


in Fr. 


Dan 
verbr 

für 
Stund 


CS = 


in Fr. 


an 


28 


18 


26 


110 


1,750 


11,5 


5,1 


10000 


14 


4,1 


7800 


26 


38 


24 


34 


105 


1,800 


11 


6 


11300 


13.7 


5 


9000 


32 


46 


28 


40 


100 


2,000 


10,5 


7 


12800 


13.3 


5,8 


10200 


44 


62 


40 


55 


95 


2,250 


10 


8,2 


14600 


12,5 


< 


12000 


55 


80 


50 


72 


90 


2.500 


9 


11 


17800 


11,5 


9,5 


15000 


70 


100 


65 


90 85 


2,750 


8,7 


12,7 121000 


11 


11,2 


18000 


100 


150 


90 


130 


i 80 


3,500 


8 


15,5 


25500 


10.2 


13.3 


22500 



Die Dampfvertheilung des kleinen Cylinders regelt ein einfacher 
Muschelschieber, dessen Hub von Hand veränderlich eingestellt werden 
kann: zu dem Zwecke ist das auf der Schwungrad welle befestigte 
Steuerungsexcenter mit dem untersten Ende einer mit dem Ma- 
schinenbett gelenkig befestigten Coulisse verbunden, in welcher sich 
ein am Ende der Schieberstange sitzender Stein bewegt, dessen jedes- 
malige Lage durch eine mit der Coulisse verbundene Schraube be- 
stimmt wird. 

Der Regulator beeinflufst ein kleines entlastetes Drosselventil und 
die hinter dem grofsen Cylinder liegende Luftpumpe wird von der ver- 
längerten Kolbenstange betrieben. 

Eine wenig Platz einnehmende und mit grofser Regelmäfsigkeit 
laufende, deshalb für elektrische Beleuchtungszwecke vorzüglich ge- 
eignete 100 bis 150pferdige stehende Verbundmaschine hatten Buffaud 
et Bobatel in Lyon ausgestellt. 

Die Cylinder werden, wie die Abbildung (Fig. 46) erkennen läfst, 
von einem kräftigen, hohlen Ständer getragen, der auf seinen vier 
Seitenflächen mit grofsen Durchbrechungen versehen ist, damit man die 
bewegten Theile leicht erreichen bezieh. Reparaturen an denselben gut 
vornehmen könne. 

Der Hochdruckcylinder arbeitet mit einer ttider- Steuerung, welche 
von einem Regulator (System ßuss) eingestellt wird; der letztere stützt 
sich auf ein an der Vorderfläche des Ständers angeschraubtes Consol 
und wird mittels eines Riemens von der Schwungradwelle aus betrieben. 



L98 



Kreutzberger's Fräserschleifuiaschiue. 



Buffaud et Hobatel bauen diese Maschinen in vier Gröfsen, deren 
Hauptabmessungen und Preise aus der nachstehenden Tabelle ersicht- 
lich sind: 



Leistung 


Durchmesser 

der 

Cylinder 


Kolbenhub 


Umdrehungen 
in der Minute 


Preis 


in IIP 


Ohne 

Condensation 


Mit 
Condensation 


10- 20 

25— 45 

50— 80 

100-150 


130 bez. 230 
175 „ 300 
230 „ 400 
300 ., 520 


200 
250 
300 
350 


250-300 
200—750 
180—230 

150-200 


.Mino Fr. 
9000 .. 

Kit MIO .. 
1 Mit II) „ 


6000 Fr. 
10000 „ 
15000 .. 
21000 „ 



Die Maximalleistung ergibt sich bei der gröfsten Geschwindigkeit 
und einer Dampfspannung von 8 k . 



F. G. Kreutzberger's FräserscMeifmaschine. 

Mit Abbildungen auf Tafel 1i. 

Eine wohldurchdachte Maschine zum Schleifen jeglicher Fräsewerk- 
zeuge, Reibstähle und gewundener Bohrer hat Kreuzberger, Direktor 
der Artillerie-Werkstätten in Puteaux gebaut, deren Beschreibung nach 
Revue generale, 1890 Bd. 4 Nr. 5 * S. 33, folgt: 

Gerade Cylinderfräser, einfache und doppelte Kegelfräser mit schar- 
fem oder kreisförmig abgerundetem Uebergang, überhaupt alle Fräser- 
arten, deren Formquerschnitt mit Kreisen oder Geraden begrenzt ist, 
können regelrecht, Zahn um Zahn ohne Schwierigkeiten nachgeschlillen 
werden, während zum Schleifen der Formfräser Schablonen verwendet 
werden müssen, die je nach der Formentwickelung des Fräserquerschnittes 
entweder bei rechtwinkeliger Schlittenverschiebung oder bei Drehung 
der Tischtheile zur Mitwirkung gelangen. Im ersten Falle findet eine 
einfache (orthogonale) Uebertragung der Berührungstellen statt, im 
zweiten Fall dagegen erfolgt eine Uebersetzung zwischen Formschiene 
und Fräserkante bei einer günstigeren Lage des Schleifrades zur schär- 
fenden Zahnschneide, weshalb diese Art Schablonenführung bei stark 
ausweichendem Formquerschnitt vorteilhafteste Verwendung findet. 

Die Maschine zum Fräserschleifen (Fig. 1 bis 4) besteht aus einer 
Tischplatte A mit entsprechend hohem Standfufs, aus dem Triebwerk- 
ständer B für das Schleifrad und dem Schlittenwerk F bis K mit den 
Einspanntheilen M N O für das Fräsewerkstück. 

Das im Ständer B lagernde Triebwerk enthält auf der ersten 
Welle D Fest- und Losscheibe X und A", und die Stufenscheibe Y für 
den erforderlichen Wechsel der Umlaufszahlen, ferner auf der Zwischen- 
welle z die zugehörige Stufenscheibe y und die auf w wirkende An- 
triebscheibe Z, und endlich im seitlich abgekröpften Vorderarm T (Fig. 4) 
das Klemmlager für einen kurzen Zapfen, auf welchem die Riemen- 



Kreutzberger's Fräsersehleil'maschine. 199 

rolle w frei aufläuft, während die Schleifradspiudel x an die Rolle u- 
leicht beweglich angekuppelt ist. Durch diese Anordnung wird die Schleif- 
radspindel x vom Riemenzug entlastet und das so wichtige Rundlaufen 
derselben gesichert. 

Auch ist der Wechsel der Schleifräder in der Weise erleichtert, 
dafs die verschiedenen Schleifräder nicht unmittelbar auf die Spindel x 
aufgeschoben, sondern durch Vermittelung eines Zwischenstückes (Fig. 5) 
aufgesetzt werden, wodurch der Rundlauf an Genauigkeit gewinnt. 
Jedes in Verwendung befindliche Schleifrad ist auf einen solchen Hilfs- 
zapfen (Fig. 5) centrisch aufgespannt und jederzeit gebrauchsfertig bereit- 
gestellt. Vermöge des im Mitteltheil des Kegelzapfens eingeschnittenen 
rvlindrischen Gewindstückes erfolgt die Festklemmung. wie Centrirung 
auf die Spindel w rasch und sicher. Die Riemengabel m gleitet mit 
Hilfe eines angegossenen Klemmringes u auf der äufseren La<iernabe, 
eine Anordnung, welche ebenso einfach als bequem zur Einstellung ist. 

Der zweite sehr bemerkenswerthe Haupttbeil dieser Maschine ist der 
Aufspannsupport für das zu schärfende Fräserwerkzeug. 

Während das Sehleifrad in festgelegter Lagerung läuft, sind sämmt- 
liche Einstell- und Arbeitsbewegungen in den Support verlegt, deren 
Kreuz- und Rundschlitten mit Noniustheilungen versehen sind, welche 
Ablesungen bis zu mm ,l zulassen, wobei die Einrichtung getroffen ist, 
dafs der Nullpunkt des unteren Stellschlittens G mit der geometrischen 
Achse des Drehstückes L und mit der Achsenebene der Schleifradspindel 
zusammenfällt, während die Nullpunktstellung des Kreistisches L die 
winkelrechte Stellung der Schlittenbahnen H und J bestimmt. 

Hierdurch wird nach erfolgter vorheriger Abmessung des Schleifrad- 
und Fräserdurchmessers jede noch so feine Einsteilung und Abschaltung 
ermöglicht. 

Der Support besteht aus dem Untertheil F (Fig. 1 bis 3), welcher 
mittels eines einzigen Schraubbolzens an die Tischplatte A befestigt 
wird, darauf verschiebt sich das Kreuzstück G vermöge einer feinge- 
schnittenen Schraubenspindel b, welche durch Mitverwendung der kleineu 
Krei>theilscheibe g Verschiebungen bis mm ,l anzeigt. 

Eine Theilschiene c, welche an den Nonius d spielt, gibt die Ein- 
stellung bezieh, die Entfernung des Nullpunktes dieser Theilung vom 
Schleifradmittel in positiver und negativer Richtung an. Auf der oberen 
Bahn von G wird der Schlitten H mit der Schraubenspindel i in rascher 
Gangart bewegt, was in sinnreicher Weise dadurch ermöglicht wird, 
dafs diese Spindel zur Hälfte mit rechts , zur anderen Hälfte mit 
linksgängigem Gewinde versehen ist. Indem nun die entsprechenden 
Muttern im Schlitten H und im festgelegten Kreuzstück G angebracht 
sind, findet bei einmaliger Drehung dieser Spindel i eine Schlitten Ver- 
schiebung B von der doppelten Steigungsgröfse der Spindel statt, wa« 
in Anbetracht der Selbsperrung dieser Bewegung von Wichtigkeit ist. 



200 Kreuzbergers Fräserschleifmaschine. 

Zur Hubbegrenzung dienen die Klötzchen /?, welche an eine vor- 
stehende Seitenleiste von H geklemmt werden, deren Stellschrauben an 
einen festen Ansatz von G anschlagen. 

Auf dem Schlitten U ist eine kreisrunde Auflage angegossen, zu 
welchem ein Drehstück mit gerader Führungswange L gehört. Beide 
Theile werden vermöge eines Klemmhebels k (Fig. 1), welcher an einer 
vorstehenden Ringleiste der Auflage H ansetzt, mittels einer Griff- 
schraube /f, in jeder beliebigen Winkelstellung festgestellt, während bei 
Lösung dieser Schraube eine freie Drehbewegung ermöglicht wird, die 
durch ein stellbares Klemmstück f die etwa gewünschte Hubbegrenzung 
erhält. Dieses Klemmstück f befindet sich ebenfalls auf der vorer- 
wähnten Ringleiste, während der Hebel k als Anschlag wirkt. 

Auf der Führungswange L gleitet frei der Schlittentisch 7, welcher 
an seiner linken vorspringenden Seitenleiste ebenfalls ein stellbares An- 
schlagstück 5 bekommt, welches an einem Zapfen von L anschlägt. 

Die Verbindung des Schlittentisches J mit dem Drehstück L ist 
durch einen Handhebel P mit der Hebelschiene P x in der Weise bewerk- 
stelligt, dafs bei gelöster Schraube k l sowohl Drehung, als auch Ver- 
schiebung möglich ist. Die Aufeinanderfolge dieser Bewegung ist durch 
die entsprechenden Anschlagklötzchen f und S bestimmt, welche in 
diesem Fall gleichsam die Stützpunkte für die Hebelkraft abgeben. 

Wird hingegen durch die Klemmschraube k { der Drehtisch L in 
irgend einer Winkellage festgelegt, so kann mit dem Handhebel P nur 
eine geradlinige Verschiebung des Schlittentisches J hervorgerufen 
werden. 

Auf dem Schlittentisch J ist eine getheilte Kreisauflage K vor- 
handen, welche das Drehstück E trägt, das wieder zwischen Seitenleisten 
gefühi't ist. Mit der Schraube m werden diese Theile in der gewünschten 
Winkelstellung und Ausschiebung zum Drehstück L festgelegt. Der 
obere, mit einem Längsschlitz versehene Theil M bildet mit der Quer- 
stange /* und den beiden Klemmarmen N die Aufspannvorrichtung für 
die auf einem Dorn geschobene Fräserscheibe. An den Armflügeln A 
sind Lappen für die Befestigung der Stellfeder n vorgesehen, mit welcher 
die Fräserscheibe in Lage erhalten wird. 

Um nun die Achsenlage des Fräserdornes zur Schleifscheibe zu 
regeln, bezieh, eine kleine Verdrehung der Trägerarme N N zu ermög- 
lichen, ist ein Klemmring auf die Querstange h angebracht, welcher 
mittels einer Stellschraube { und zweier Seitenschrauben (Fig. 1 und 2) 
gehalten wird. 

An Stelle der Spitzen wird hingegen ein Kolbenfräser mit Ansatz- 
zapfen unmittelbar in einem der beiden Trägerarme fliegend eingespannt 
und ebenso die Stellfeder n behandelt. 

Sollen hingegen Fräser mit gewundenen Riffen geschliffen werden, 
so mufs die Stellfeder an einem festgelegten Ort, am besten in der 



Kreatzbergers Fraserschleil'rnaschine. 201 

Spannnuth V des Kreuzschlittens G angebracht seid, soll mit der axialen 
Verschiebung zugleich eine Drehung des Fräsers verbunden sein. 

Wie bereits bemerkt, werden Formfräsen bei Mitverwendung vou 
Lehren (Schablonen! geschliffen und hierbei je nach der Ausgestaltung 
der Fräser zwei Verfahren in Anwendung gebracht. 

Nachdem durch Auslösung der Spindelmutter von b der Stell- 
schlitten G freibeweglich gemacht ist, wird derselbe vermöge eines über 
die Schnurrolle C geführten Gewichtes beständig nach rechts geschoben, 
diese Bewegung aber durch die am Schlitten J angeordnete Formlehre Q 
bezieh. Q { begrenzt, indem diese mit ihrer Formkante an die Stellrolle j 
sich legt. Der Rollenträger besteht aus einem Schraubstift mit feiner 
Einstellbewegung, einem Gabelsupport / und dem Winkelschlitten t. 
welcher am Vorgelegeständer B befestigt wird. 

Wird ferner mit der Schraube k { das Drehstück L mit dem Schlit- 
ten H verkuppelt, so dafs jede Verdrehung ausgeschlossen und nur eine 
rechtwinkelige Kreuzverschiebung zwischen G und H möglich bleibt, 
so wird eine genaue Uebertragung der Schablonenform auf den Fräser 
statthaben, sofern die Leitrolle j und der Schleifscheibenrand gleiche 
Begrenzungskreise besitzen. 

Dieses Schleifverfahren würde aber bei Fräsern mit stark ausweichen- 
dem Formquerschnitt, wie Zahnradfräsern u. s. w., ein ungenaues Er- 
gebnifs liefern, weil die Schleifscheibe abwechselnd mit den Rändern 
in Wirksamkeit tritt, wie es in Fig. 6 angedeutet erscheint. 

Um diesen Uebelstand zu umgehen, wird auf die Querverschiebung 
mittels H verzichtet, dafür aber hauptsächlich die Verdrehung des Dreh- 
stückes L, J in Anwendung gebracht, wobei der Schlitten G frei beweg- 
lich bleibt. Hierdurch gewinnt man eine bedeutende Uebersetzung 
zwischen Formquerschnitt des Fräsers und Schablone und den weiteren 
Vortheil, dafs die Schleifscheibe sich annähernd winkelrecht zur Tangente 
im Berührungspunkte der Fräsercurve stellt. 

Alsdann wird der Hebel /*, P l an den Schlitten G und an die Tisch- 
platte .4 gekuppelt, während an J der Griffknopf P zur Betätigung 
belassen bleibt. Der Schleifvorgang wird Zahn um Zahn in der Weise 
durchgeführt, dafs die Formfräse mit dem abzuschaltenden Zahn an die 
Stellfeder n gedreht und mit derselben gehalten wird, während entweder 
durch Bethätigung der Schraubenspindel i der Schlitten H sammt den 
beschriebenen Theilen sich längsseits des Schleifrades bewegt, wobei 
durch Einwirkung des Belastungsgewichtes au G derselbe der Form der 
Schablone gleichzeitig folgt, oder indem durch Drehung des Obertheiles J 
mit der linken Hand bei gleichzeitigem Andruck an die Schablone 
mittels des Handhebels P der Fräsezahn am Schleifrad vorbeigeführt 
wird. Umständlich bleibt immerhin bei Formfräsern mit gewundenen 
Fräsezähnen die Anbringuiiij; der Stellfeder n. In diesem Fall wird die 
in Feingespannte Stellfeder möglichst breit zu machen sein, damit bei 



202 Kreutzbergert Fräaerachleifmaschine. 

der relativen Verschiebung oder Verdrehung der Eingriff mit dem Präse- 
z;i!ni niclii verloren geht. 

Als Erklärung, wie die Einstellung durchzuführen ist, möge das in 
Fig. 7 zur Anschauung gebrachte Beispiel dienen. 

Mit einem Schleifrade von 50 mm Durchmesser sind die Zähne einer 
Fräserscheibe von 81 mm Durchmesser, deren Mantelfläche nach einem 
Kreise von 50 mm Halbmesser geballt ist, auf so""" Durchmesser nach- 
geschliffen worden. 

I »a der Nullpunkt der Schlittentheilung (d c) genau die Lage des Dreh- 
Btiick8mittel8 L unter der Spindelachse x angibt, so mufs bei der convexen 
Form des Fräsermantels dieses Mittel in die Entfernung 50 -f- 25 = 75 
gebracht werden. Alsdann wird der Fräserträger K bis zur Berührung 
der Fräse an das Schleifrad angeschoben und mittels der Schraube m 
festgestellt. Hierauf wird der Schlitten G mit der Schraubenspindel b 
um mm ,5 vorgerückt, was bei g abzulesen ist. Dieser Vorschub ent- 
spricht der Abminderung des Fräsedurchmessers von 81 auf 80 mm . Nun 
wird für jeden Fräsezahn der Drehtisch mittels des Handhebels /' in 
Schwingung versetzt und derart Zahn um Zahn nachgeschärft. 

Ist ferner an diesem geballten Fräsetheil noch ein kegelförmiges 
Stück angesetzt, so wird die Ausschwingung mittels eines Stellklötz- 
chens f begrenzt und die geradlinige Verschiebung des Oberschlittens J 
eingeleitet. Wenn aber der Fräser aus zwei Kegeltheilen zusammen- 
gesetzt, die scharf (also ohne Abrundung) zusammenstofsen, so wird das 
Mittel des Drehstückes L in den Abstand -f 25 = 25 eingestellt, und die 
Schlittenverschiebung mit P und i auf einander folgend durchgeführt, 
wobei für den einen Kegeltheil die Schräglage des Aufspanndornes gegen 
den Kreuzschlitten H und für den andern die Lage des Stellklötzchens f 
auf der Leiste der Kreisunterlage mafsgebend ist. 

Wenn aber der Fräser aus einem Hohlkehlen-, einem Cylinder- 
und einem Kegeltheil (Fig. 8) zusammengesetzt ist, so mufs der Schleif- 
vorgang für einen Zahn in zwei Abtheilungen zerlegt werden, und zwar 
entweder Kegel mit Hohlkehle, oder Hohlkehle und Cylinder auf einmal. 

Vorrichtung zum Schleifen gewundener liohrer (Fig. 9 und 10). 

Die soeben beschriebene Maschine wird auch zum Schleifen von 
Spiralbohrern eingerichtet, indem an Stelle des Fräserträgers Ä, Zs, M 
die in Fig. 9 und 10 dargestellte Vorrichtung auf den Oberschlitten J 
gesetzt wird. 

Diese besteht aus der Gabelplatte D und eiuer Platte C mit den 
Lagern A und B für den Bohrer und der Gegenspitze b. In das Vorder- 
lager A wird eine, dem Bohrerdurchmesser entsprechende Büchse a ein- 
gesetzt, während der Bohrer mittels eines aus c und / zusammengesetzten 
Klemmrahmens an die Gegenspitze gekuppelt wird. 

Diese Gegenspitze l> ist in die Büchse (/ eingeschraubt und kann 



Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. 203 

vermöge des Handhebels O gleichzeitig gedreht und vorgeschoben werden, 
sofern diese Büchse d festgehalten wird. Dies geschieht sowohl durch 
einen Eiulegehebel e, als auch durch einen kleinen Stift /", welcher im 
Lagerauge B eingeschraubt ist und der in einem Ausschnitt des Hinter- 
bordes der Büchse eingreift. Wird der Einlegehebel e herausgedreht, 
so kann die Büchse d sammt Bohrer zurückgeschoben und um 180° ver- 
dreht werden, so dafs der gegenüberliegende Bordeinschnitt in die Rich- 
tung des Stiftes f gelangt. 

Hierdurch wird die Einstellung der beiden Bohrerschneiden zur 
Schleifscheibe ermöglicht. Um aber diese Schneiden in die Scheitelstelle 
der Schleifscheibe einzubringen, wird die um den Bolzen g schwingende 
Lagerplatte C vermöge einer Daumenwelle h in die Schräglage (Fig. '.») 
gehoben, durch die Klemme i an das Führungsstück m geprefst und 
dadurch in der gewünschten Lage erhalten. 

Geschliffen wird die Bohrerschneide, indem man den Hauptschlitten H 
mit der bereits beschriebenen Spindel i (Fig. 8) bethätigt. Damit aber 
diese Schneide vor dem, die Bohrerspitze bildendeu Grundkegel vorsteht, 
genügt nicht eine einfache axiale Drehung des Bohrers, sondern es mufs 
gleichzeitig damit ein kleiner Vorschub in der Achsrichtung des Bohrers 
verbunden sein. 

Dies wird in sinnreicher Weise dadurch erreicht, dafs bei festgelegter 
Büchse d die Gegenspitze b mit dem Handgriff O gedreht und zugleich 
vorgeschraubt wird, wozu das Gewinde in d bezieh, b vorgesehen ist. 
Ein in dem Hinterbord der Büchse d angebrachter Zahn p spielt ferner 
in einem halbkreisförmigen Ausschnitt der Nabe von 0, wodurch diese 
Drehung auf einen halben Kreisbogen beschränkt bleibt und die zweite 
Bohrerschneide vor Beschädigung durch das Schleifrad gesichert wird. 

Soll auch die innere, durch die Schraubennuth gebildete Schneid- 
tläche des Bohrers nachgeschliffen werden, so wird die Lagerplatte C 
durch Verdrehung des Daumens h in die Wagerechtstellung gebracht 
und eine dem Nuthcjuerschnitt des Bohrers entsprechend abgerundete 
Schleifscheibe auf die Maschinenspindel gesteckt. 

Diese Schleifscheibe greift von oben her in die Auslaufstelle der 
Bohrernuth ein, und es wird durch eine sanfte Drehung des Bohrers 
mittels des Griffhebels O die Schärfung der inneren Schneidfläche, bezieh, 
der Schneidkante des Bohrers ohne Umspannen durchgeführt. Die zweite 
Nuthfläche wird in der vorbeschriebenen Weise bei einer Drehver- 
stellung des Bohrers mit der Büchse d um 180° angeschliffen. Zu diesem 
Behufe wird vorher der Kreuzschlitten G zurückgestellt und somit der 
Bohrer vom Schleifrad entfernt, alsdann wird der Einlegehebel e heraus- 
gedreht, die Büchse d sammt dem Bohrer zurückgeschoben, wobei der 
hintere Bordrand aus dem Stellstift f tritt, wodurch eine Verdrehung 
der Büchse um 180° erst ermöglicht wird. 

Damit das Schleifrad in die gewundene Bohrernuth eingreifen kann, 



204 Baase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 

mufe selbstverständlich das Drehstack L mit der ganzen Vorrichtung 
bo weil verdrehl werden, dafs die Ebene des Schleifrades mit der Aus- 
laufstelle der Nuth übereinstimmt, was gegen die Lage (Fig. 10) eine 
annähernd winkelrechte Einstellung bedingen würde. Prege'l. 



Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen; von 

F. H. Haase. 

Mit Abbildungen. 

1. Zimmeröfen. 

In Frankreich findet man bekanntlich auch heute noch vielfach die 
alten Chemiuees vertreten, an deren strahlende Wärme und hellen 
Feuerschein Viele noch so sehr gewöhnt sind, dafs sie sich nur ungern 
davon trennen und lieber eine grofse Brennmaterialienverschwendung 
in Kauf nehmen, als zur Aufstellung unserer modernen zierlosen, aber 
weit wirtschaftlicheren Zimmeröfen verstehen würden, wenn sie nicht die 
Annehmlichkeiten der Cheminees bei anderen Heizungseinrichtungen 
(Oefen) wieder gefunden hätten, welche, ohne die erstere Eigenschaft — 
mangelhafte Erwärmungsfähigkeit für gröfsere Räume — zu besitzen, als 
sehr sparsam bezeichnet werden können, da ihr Brennmaterialverbrauch 
in der That ein verhältnifsmäfsig sehr »erinsier ist. 

O OD 

Solche Oefen, die dem — auch im südwestlichen Deutschland vor- 
herrschenden — Bedürfnifs möglichst strahlender Wärme entsprechend, 
vorwiegend in Eisen ausgeführt und, um sie an beliebiger Stelle auf- 
stellen und ihren Standort leicht verändern zu können, vielfach auf 
Rollen montirt sind, haben sich unter der Bezeichnung langsam bren- 
nender Oefen (Poeles ä. combustion lente) rasch eingebürgert und auch 
in einigen Gegenden Süddeutschlands insbesondere als Koksfüllöfen 
Eingang gefunden. 

Mit dem wachsenden Bedürfnifs nach hygienisch zweckmäßigen 
Einrichtungen haben diese Oefen aber Veranlassung zu mancherlei 
ärztlichen Bedenken gegeben, da man — in wie weit mit Recht oder 
mit Unrecht möge hier unerwähnt gelassen werden — der Ansicht 
Raum gab, dafs sie die Erzeugung von Kohlenoxydgas begünstigen, das 
leicht theilweise in die erwärmten Räumlichkeiten gelange. 

Indessen mufe hier bemerkt werden, dafs diese Ansicht wohl wesent- 
lich durch die in Frankreich und auch in Deutschland noch an den 
meisten Orten gebräuchlichen Ofenklappen, oder richtiger gesagt v Rauch- 
rohrklappen" verschuldet worden sein mag, deren unrichtige Einstellung 
oder gar zeitweise vorkommender selbsthätiger Ahschlufs natürlich sehr 
geeignet ist, Kohlenoxydgasvergiftungen herbeizuführen, weshalb die 



Haase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen, 



205 



Polizeibehörden einzelner Städte — wie beispielsweise diejenige Ber- 
lins — in richtiger Erkeuntnifs der Sachlage die Anbringung besagter 
Klappen direkt verboten haben. 

Die Ursache der mifsgünstigen Beurtheilung der erwähnten Oefen 
mag übrigens gewesen sein, welche sie wolle, man hat auf einmal — 
wohl hauptsächlich durch eine lebhafte Erörterung der Sache in der 
Acad&mie de medecine veranlafst — gefunden, dafs die bis dahin be- 
liebten Sparöfen gesundheitsgefährliche Kohlenoxydgaserzeuger und des- 
halb besser durch weniger sparsam brennende Oefen zu ersetzen seien, 
in welchen eine, die Entwickeluug von Kohlensäure sichernde mög- 
lichst lebhafte Verbrennung, wenn auch mit grofsem Ueberschufs an 
Verbrennungsluft erfolge. 

Da erschien im vorigen Jahre in der Weltausstellung in Paris, nach- 
dem bereits die Preisverteilung durch die Jury stattgefunden hatte, ein 
Ofen von J. Baißac , welcher eine sichere Kohleusäureproductiou bei 
sehr sparsamem Brennmaterialaufwand in Aussicht stellte und deshalb 
allgemein eine sehr günstige Aufnahme fand. 

Das Grundprinzip, nach welchem Baißac seineu Ofen construirte. 
von dem Fig. 1 eine perspectivische Ansicht und Fig. 2 und o Höhenschnitte 
zeigen, wird gekennzeichnet durch das Bestreben, allen bisher üblichen 



Fig. 3. 



Fi?. 1. 



Fig. 2. 




Maisnahmen entgegen, die im Feuerherde entwickelte Hitze möglichst 
von dem im Füllschacht aufgespeicherten Brenustoll' abzulenken, gleich- 
zeitig eine förmliche Verbrennungskammer zu schaffen, in welcher sich 
die sich entwickelnden Verbrennungsgase möglichst innig mit der nö- 
rhigen Verbrennungsluft mischen, und endlich einen reichlich grofsen 
Feuerraum zu schallen, in welchem sich die vollständige Verbrennuug 
der Feuergase vollziehen kann, bevor diese in das Kauchrohr einströmen. 
Zum erstcren Zweck ist am Fufse des Füllschachtes unmittelbar 



206 Haa.-r. Neuheiten in Beizungs- und Feuerungsanlagen. 

über dem Herdraume des Ofens ein gewölbter Schirm aus feuerfestem 
Material derart angeordnet, dafs derselbe den Herdraum bis auf einen 
engen Spult überdeckt und die Feuergase zwingt, sich gegen die vordere 
Cy linderfläche des Ofens hinzubewegen, an welcher ein Zuschufs an 
Verbrennungsluft durch die Spalten eines senkrechten Rostes in den Ofen 
einströmt. Die gröfste Hitze der Feuergase wird hierbei der vorderen 
Wärmestrahlungsfläche des Ofens zugelenkt und zugleich vermieden, 
dafs die Temperatur des Brennmaterials im Füllschachte so hoch steige, 
dafs dasselbe schon hier zu destillireu und Kohlenoxydgas zu ent- 
wickeln beginne, und dadurch andererseits erreicht, dafs die ganze 
Gasentwickelung in unmittelbarer Nähe der seitlichen Luftzuströmungs- 
öffnung erfolgt. 

Zum Zweck der Beschallung eines genügend grofsen Verbrennungs- 
raumes im Ofen ist der Füllschacht so bemessen, dafs er nur den halben 
Inhalt desselben einnimmt. Zugleich ist derselbe möglichst nahe an die 
Rückwand des Ofens herangerückt, so dafs sich die Verbrennung aus- 
schliefslich an der Vorderwand des Ofens vollzieht. 

Die Fläche des unteren wagerechten Rostes über dem Aschen- 
fallraum beträgt den dritten Theil der Gröfse des Ofenquerschnittes bei 
1 5 freier Durchgangsöffnung, für welche ein mindestens gleichgrofser Aus- 
schnitt in der Vorderwand des Aschenschiebers als Lufteinströmungs- 
öffnung vorgesehen ist. 

Die Fläche des senkrechten Rostes t>, durch welche die Flamme 
sichtbar ist, erstreckt sich über !/ 3 des Ofenumfangs und ist durch Schiebe- 
thüren überdeckbar. Sind diese vollständig zusammengezogen, so dafs 
der senkrechte Rost nach dem Zimmerraume hin verdeckt ist, so kann 
man von dem Aschenfallraume her die nöthige Luft durch einen — in 
Fig. 2 ersichtlichen — wagerechten Registerschieber dem senkrechten 
Roste zuströmen lassen. 

Der Querschnitt des von Klappe und Schieber vollständig freien 
Rauchrohres beträgt Y 4 der Oberfläche des wagerechten Rostes (oder 
1 ' 12 des Ofenquerschnitts). 

Zum Entzünden des Brennstoffs und Entschlacken des Herdraumes 
befindet sich in der senkrechten Rostfläche eine gröfsere, durch besondere 
Thüre verschliefsbare Oeffnung. 

Der Füllschacht, welcher bei langsamer Feuerung einen Brennstoff- 
vorrath für 18 Stunden fafst, ist für gewöhnlich durch einen mit Sand- 
abdichtung luftdicht schliefsend gemachten Deckel abgedeckt, über 
welchem — wie aus Fig. 2 ersichtlich — noch ein zweiter den ganzen 
Ofencylinder überdeckender Deckel liegt. Das in Fig. 1 an dem letzteren 
vorgesehene Ringgeländer entspricht einer besonderen Anordnung für 
sehr niedrige Oefen. 

2. Kesselfeuerungsanlagen. 

Es existirt wohl kaum ein anderes technisches Gebiet, in welchem 



Haase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 207 

der Fortschritt sich, trotz eines höchst anerkennenswerthen Aufwandes 
von Scharfsinn und Mühe, gleich' langsam vollzieht, und in welchem die 
Ansichten der Fachleute und die von denselben erzielten Erfahrun«*s- 
resultate einander in gleichem Mafse widersprechen als in dem der 
Feuerungsanlagen ; aber es existirt wohl aueh keine andere Art tech- 
nischer Erzeugnisse, deren Nutzeffect in dem Mafse von ihrer Be- 
handlung abhängt, dal's zwei himmelweit von einander verschiedene 
Ausführungen in gleichen Verhältnissen gleich gute oder gleich schlechte 
Resultate zu ergeben vermögen, wenn sie dementsprechend verschieden 
oder gleich schlecht behandelt werden. 

Unter solchen Umständen kann man streng genommen einer Neu- 
construction in der Feuerungsbranche nur dann das Prädikat eines Fort- 
schrittes zuerkennen, wenn sie einen hohen Nutzeffect bei gleichzeitiger 
Verminderung der Anforderung an Umsicht , Sorgfalt und Mühe des 
Heizers oder — bei gleicher Anforderung in dieser Richtung — mit 
geringwertigerem Brennmaterial gewährt. 

Das Bestreben der Feuerungstechniker ist in der Regel nur der Er- 
zielung einer rauchlosen — also vollständigen — Verbrennung zuge- 
wandt, die unter günstigen Umständen ja allerdings zugleich auch einen 
guten Heizeffect gewährt, hierzu aber nicht nur besonders geschulter 
und gewissenhafter Heizer, sondern auch eines guten Brennmaterials 
bedarf. Wo dieses letztere hierzu aber nicht vorhanden ist, wird auch 
in den sonst mit Recht als vorzüglich sehenden Feueruugsanlagen eine 
rauchfreie Verbrennung nicht selten nur auf Kosten einer bedeutenden 
Schmälerung des Heizeffectes erzielt und oft auch noch eine sehr rasche 
Zerstörung der Roststäbe constatirt. Ja nicht allein das — es kommen 
sogar auch Fälle vor, in denen sonst als vorzügliche Rauch verbrenner 
geltende Feuerungsanlagen sich als arge Rauch- und Rufsproducenten 
erweisen, wenn bei ihrer Ausführung nicht auf die Beschaffenheit des 
in ihnen zu verfeuernden Brennmaterials Bedacht genommen wurde. 

Was die Verfeuerung geringwerthigen Brennmaterials betrifft, so hat 
die Erfahrung gelehrt, dafs es allerdings immer möglich ist, auf jedem 
Roste — selbst in Feuerungseinrichtungen, die nur für die Verfeuerung 
von Prima-Nufskohle bestimmt scheinen — auch backende Kleinkohle 
zu brennen und sehr gute Resultate zu erzielen, ohne die Roststäbe 
allzurascher Zerstörung preiszugeben, wenn der Heizer nur den nöthigen 
guten Willen hat, sich dem hierbei erforderlichen Mehraufwand von 
Mühe zur Bewirkung und Erhaltung des nöthigen Durchzuges und zur 
Entschlackung des Rostes zu unterziehen. Für gewöhnlich erweist sieb 
jedoch der Versuch, solche Kohlen zu brennen, in Folge fortgesetzten 
Widerstandes des Heizers als wenig nutzbringend: und nur da. wo man 
sich dazu versteht, den Heizer an dem mit seiner Hilfe erlangten Nutzen 
theilnehmen zu lassen, werden ausnahmslos gute Erfolge erzielt. 

Man hat. um diese letzteren zu erleichtern, bei den mit sehnig- 



Haase. Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 

liegendem Flachrost versehenen Feuerungsanlagen die Neigung dieses 
Rostes je nach der Beschaffenheit der Kohle gewechselt; aber es zeigt sich 
dabei immer, dafs damit im Grunde nur wenig gebessert wird, indem 
man wohl in einzelnen Fallen gute, in vielen anderen Fällen aber auch 
sehr ungünstige Resultate unter gleichen Verhältnissen beobachten kann. 

Schwieriger ist es. mit nichtbackendem Kohleugrufs günstige 
Heizeffecte zu erzielen, weil hierbei leicht eine Menge Brennstoff" un- 
verbramit zwischen den Rostbalken hindurch in den Aschenfallraum 
niederfallt. 

Um diesen Verlust zu vermeiden, ist es nicht nur nöthig, überhaupt 
eugspaltige Roste zu verwenden, deren Spaltbreite nicht mehr als 3 mm 
betragen darf, sondern es mul's auch für Unveräuderlichkeit der Rost- 
stäbe Sorge getragen werden, um zu verhindern, dafs sich die Spalt- 
breite an einzelnen Stelleu nach einiger Zeit erweitere. Um diesen Zweck 
zu erreichen, werden — wie der Märzbericht 1890 der Societe des in- 
genieura eivils mittheilt — in Frankreich mehrfach hohle Roststäbe an- 
gewendet, durch deren Innenraum Kühlwasser streicht. 

Diese Einrichtung soll sich vollständig bewährt haben und aufser 
der Möglichkeit, beliebigen mageren Kohlengrufs überhaupt zu brennen, 
auch noch einen besonders hohen pyrometrischen Effect ergeben, den 
man der Einwirkung des durch die Poren des Eisens der Roststäbe 
durchdringenden Wasserdampfes zuschreibt, ohne dafür eine Erklärung 
geben zu können. 

Wenn eine Erhöhung des pyrometrischen Effectes durch die Wir- 
kung des Wasserdampfes wirklich nachgewiesen worden ist, was aus 
dem besagten Berichte nicht mit Sicherheit hervorgeht, so kann die- 
selbe nur einer im Eisen der Kohlenstäbe selbst vor sich gehenden Dis- 
sociation und einer alsbaldigen Wiederbildung des Wassers aus dem 
freigewordenen Wasserstoff im Feuerherde selbst zugeschrieben werden. 
Jedenfalls aber kann hierbei nicht von einer Steigerung des calorischen 
Effectes durch den Wasserdampf die Rede sein, da diese ja selbst — 
ähnlich wie in dem Falle, in welchem der Boden des Aschenfallraumes 
mit Wasser benäfst wird — zunächsl auf Kosten des calorischen Effectes 
gebildet wird und vermöge einer Wärmecapaeität . die weit höher ist 
als diejenige aller im Ofen befindlichen permanenten Gase, den calo- 
rischen Effect bei weiterer Temperatursteigerung noch in erheblichem 
Mafse weiter vermindert. 

Die bekannten Vortheile der Benässung des Aschenfallraumes (ins- 
besondere als Schutzmittel zur Verhütung rascher Zerstörung der Rost- 
balken bei starkem Durchfall glühender Funken) finden übrigens nach 
dem obengenannten Bericht bei Verfeueruug von Kleinkohle noch einen 
bisher unbekannten Zuwachs, welcher die Wahrscheinlichkeit nahelegt, 
dafs die vorhin erwähnten bohlen wasserdurcbflossenen Kohlenstäbe 
entbehrlich sind. 



Haase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 209 

Nach einem Vortrage des Ingenieurs A. Lencauchez soll es sich 
nämlich herausstellen, dafs wenn man den Boden des Aschenfallraumes 
durch stetigen Wasserzuflufs immer unter Wasser hält, die Schlacken 
auf dem Roste befähigt werden, sich zu einem einzigen grolsen luftigen 
Schwamm zu vereinigen, über welchem man sehr gut jede trockene 
pulverförmige Kohlenmasse verbrennen kann. 

Diese neuentdeckte Eigenschaft eines im Aschenraume unterhalteneu 
Wasserbades im Vereine mit den übrigen allgemein bekannten Eigen- 
schaften desselben gewährt so grofsen praktischen Nutzen, dafs demgegen- 
über der auf 1 bis 2 Proc. Verminderung des Heizwerthes des Brenn- 
stoffs zu veranschlagende Wärmeaufwand für die Verdampfung des 
Bades nicht wohl in Betracht kommt, zumal derselbe auf Kosten eines 
Brennmaterials fällt, dessen Einführung als gutes Kesselheizmaterial 
einen effectiven Fortschritt in der Feuerungsbranche bedeutet, — 

Um die Arbeit des Heizers beim Verfeuern backender Kohle zu 
erleichtern und um die Feuerung überhaupt zu forciren, hat man in 
Frankreich auch Gebläseluft zur Anwendung gebracht, dabei aber die 
Entdeckung gemacht, dafs man mit diesem den Heizern allerdings sehr 
bequemen Hilfsmittel den Heizeffect bedeutend vermindert, wenn man 
uicht den Druck und die Geschwindigkeit der Luft den wirklichen Be- 
dürfnissen anpafst. 

Ueber diese Bedürfnisse liegen zwar zunächst bestimmte Erfahrungs- 
resultate noch nicht vor, der nöthige Druck läfst sich jedoch für beliebige 
Schütthöhe leicht annähernd ermitteln, und würde man das Ergebnifs 
der Rechnung nur mit einem der Natur des Brennstoffs entsprechenden , 
durch Versuche unschwer zu bestimmenden Sicherheitscoeffieienten zu 
multipliciren haben. 

Nach der Ansicht des bereits erwähnten Ingenieurs Lencauchez 
mufs der Druck nicht nur der Backfähigkeit, sondern auch dem Ge- 
wichte des Brennmaterials entsprechend gesteigert werden, und hält es 
derselbe für nothwendig, bei Verfeuerung von Anthracit bei sonst üb- 
licher Schütthöhe schon unter allen Umständen einen Ueberdruck von 
I5 mm Wassersäule anzuwenden. 

Hat man die Höhe des erforderlichen Ueberdrucks bestimmt und 
derselbe vermag durch die Feuerung allein „als Zugwirkung" nicht 
hervorgebracht zu werden, so ergibt sich die Nothwendigkeit, den au 
der Zugwirkung fehlenden Betrag durch Gebläse aufzubringen und zu 
diesem Zweck, gegebenen Falles, den Aschenfallkasten luftdicht zu ver- 
schliefsen, durch eine Wasserleitung mitHahnregulirung das obenerwähnte 
Wasserbad constant zu erhalten und das ganze zur Verbrennung er- 
forderliche Luftquantum mit einem der Feuerungsanlage angepafsten 
Luftüberschufs von 20 bis 50 Proc. in den Aschenfallkasten unter dem- 
jenigen Druck einzuführen, der nach Abzug des dem natürlichen Zug 

Dingler's polyt. Journal Rd. 278 Nr. 5. 1890/1V. 14 



21i> Haase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 

entsprechenden von dem im Ganzen erforderliehen Ueberdruck von 
letzterem noch verbleibt. 

Die lichte Rostfläche aber darf nicht kleiner bemessen werden, als 
sie ein einfacher natürlicher Zug, der das gleiche Luft<|iiantum beschaffen 
würde, bedingt, weil sonst die Geschwindigkeit der eingeführten Luft 
zu grofs werden und diese demzufolge leichte Theilchen unverbrannt 
durch den Schornstein hinausführen würde. 

Welche Wirkung das Aufserachtlasseu dieser Bedingung zur Folge 
haben kann, darüber bringt der obenerwähnte Bericht der Societe des 
Ingenieurs civils eine lehrreiche Mittheilung des Inhaltes, dafs in einem 
Hüttenwerk ein Versuch mit Gebläselufteinführung gemacht wurde, der 
zur Folge hatte, dafs trotz eines 120 ni langen Fuchskanals und eines 
40 ni hohen Schornsteins aus der Mündung des letzteren Flammen her- 
vorschlugen — ein Beweis dafür, dafs die Verbrennung sich noch theil- 
weise im Schornstein selbst vollzog und eine Menge Brennstoff unvoll- 
kommen verbrannt abgeführt wurde. Bei solchem Vorfall konnte es 
natürlich keine Verwunderung erregen, dafs die Verdampfungsfähigkeit 
der verfeuerten Kohle von 7 bis 8 k auf* 4 k vermindert wurde. 

Man wird sich sagen, dafs die Gröfsenbestimmung des Rostes nach 
den angegebenen Mafsnahmen der forcirten Feuerung sehr bald eine 
Grenze setzt , da man hierbei leicht auf Gröl'senverhältnisse kommen 
kann, die sich praktisch schwer ausfuhren lassen; aufserdem bietet aber 
auch ein grofser Rost noch keineswegs eine Garantie für guten Heiz- 
effect des Brennmaterials, insbesondere wird Fettkohle, sowie auch 
halbfette Kohle durch genügende Luftzuführung allein, unter keinen 
Umständen rauchfrei verbrennen, und selbst die magerste Kohle ent- 
wickelt, wenn sie in einigermafsen dicker Schüttung gebraunt wird, auf 
einem wagerechten Planrost immer gröfsere Mengen Rauchgase, die un- 
verbrannt durch den Schornstein entweichen, wenn besondere Vorkeh- 
rungen zur innigen Mischung derselben mit der nebenher unbenutzt ab- 
strömenden Luft nicht getroffen sind. 

Zur Erziel ung vollständiger Verbrennung sind zwei Verfahren in 
Gebrauch, von denen das eine darin besteht, dafs man — bei einfacher 
Luftzuführung (in der bisher erwähnten Weise) durch den Rost — den 
verbrennenden Theil der Brennmaterialien von dem sich vorwärmenden 
trennt und die Destillatiousgase der letzteren so leitet, dafs sie sich an 
geeigneter Stelle mit den an Luftüberschufs reichen Verbreunungsgaseu 
der ersteren innig vermischen und in Folge dessen verbrennen müssen, 
bevor sie mit der kühleren Kesselwandung in Berührung kommen, 
während das zweite Verfahren in einer Theilung der Verbrennungsluft 
in zwei Theile besteht, von denen der eine durch den Rost und der 
andere über dem Feuerherde den aufsteigenden Feuergasen möglichst 
direkt entgegen, oder doch wenigstens in senkrechter Richtung ent- 
gegen, in den Feuerraum einströmt. 



Haase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 211 

Beide Verfahren sind in zahlreichen Ausführungsarten bekannt, von 
denen man immer geneigt ist anzunehmen, dafs sie — nachdem 
sie in einem Anwendungsfall bewährt befunden wurden — auch in allen 
anderen Anwendungsfällen einen gleich guten Erfolg ergeben müfsten. 
Hierin findet man sich jedoch nicht selten getäuscht und macht sehr 
häufig die Erfahrung, dafs eine möglichst getreue Copie doch noch 
keine Gleichheit der Verhältnisse herbeizuführen vermag, dafs man 
vielmehr bei Uebertragungen von Constructionsausführungen weniger 
auf die Form derselben sein Augenmerk zu richten hat, als vielmehr 
auf die Ermittelung der Verhältnisse bedacht sein mufs, zu Folge deren 
eine bestimmte Ausführungsform in einem speciellen Anwendungsfall 
einen guten Erfolg gewährt. 

Ganz besonders tritt die Nothweudigkeit dieser Beachtung in den 
Vordergrund bei Ausführungen, die sich auf die besagte Theilung der 
Verbrennungsluft beziehen. So ist es z. B. bekannt, dafs man bei den 
vielfachen Nachahmungen der Ten&nVi/c-Feuerungseinrichtuug mit Hin- 
weglassung der charakteristischen Tenbrink- Kessel immer in Verhält- 
nisse gelangte, die jeweils für sich wieder ganz specielle Erfahrungen 
erforderten, bevor man Ausführungen ermittelte, die bei gleicher Art 
der Bedienung einen gleich guten Erfolg gewähren, und dafs man in vielen 
Fällen diesen Erfolg bis zum heutigen Tage noch nicht erreichen 
konnte. 

Der Grund dafür ist ziemlich naheliegend. Es handelt sich dabei 
nicht nur um die Herbeiführung einer gleichen Intensität der Vermischung 
der von den vollständig verbrennenden Brennstofi'theilen emporsteigenden 
Feuergase mit den Destillationsproducten der vorgewärmten und um die 
Herstellung eines gleichen Verhältnisses der Quantitäten beider Gasarten, 
sondern auch um die Zuführung und Theilung der Verbrennungsluft 
unter und über dem Feuerherde in gleichen Verhältnissen und endlich 
um die Zuführung der oberen Frischluft in einer Wärmezone von be- 
stimmter Temperaturhöhe, deren Lage wieder von der Art der Ent- 
wickelung und Einschnürung der Flammen abhängt. 

Abstrahirt man dagegen von der Einhaltung einer vorbildlichen 
Ausführungsform, so hat man sich beider Neubestimmung einer Feuerungs 
anläge nur nach dem allgemein gültigen Prinzip zu richten, welches 
lediglich eine innige Vermischung der Rauch- und Verbrennungsgase 
mit einander und mit der den theoretischen Bedarf um 20 Proc. über- 
steigenden Luftmenge in einer die Erzeugungstemperatur des Kohlen- 
oxydgases (d. i. 13750 C.) möglichst übersteigenden Temperatur vor- 
schreibt. 

Aus solch allgemeinen Betrachtungen ergibt sich die Zweckmäfsigkeit, 
anstatt einen übermäfsig grofsen Rost zu verwenden (der sich unter 
Umständen nach den oben erläuterten Bestimmungen als nothwendig er- 
geben könnte, wenn man alle Verbrennungsluft durch den Rost zuführt), 



212 



Baase, Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen. 



und anstatt einer Drucklufteinriehtung für den Aschenfallkasten, eine 
Theilung der Lufteinführung vorzunehmen und durch den Rost nur 
dasjenige Luft<[uantum in den Feuerraum zu fördern, welches in den- 
selben vermöge der sonst zweckmäfsig befundenen Zugeinrichtung ein- 
gesaugt wird. Das noch als nothwendig restirende Luftquantum aber 
wird man dann am besten oberhalb des Feuerherdes entweder frei oder 
geeigneten Falles unter Druck (wie bei Giefserei- und Hüttenöfen) durch 
in der Seitenwandung des Feuerraums gleichmäfsig vertheilte Düsen ein- 
führen und zwar in solcher Richtung und mit solcher Geschwindigkeit, 
dafs die obenbesagte erforderliche innige Mischung der Feuergase mit 
der Verbrennungsluft sicher bewirkt wird. Dabei wird es sich aber 
unter Umständen, wenn die oberhalb des Rostes zuzuführende Luft- 
menge über ein gewisses Verhältnis zu der durch denselben hindurch 
angesaugten Luftmenge wächst, als nothwendig herausstellen, die ersten- 
mehr oder weniger vorzuwärmen, um die Wahrung der an der Mi- 
schungsstelle notwendigen Temperaturhöhe zu sichern. 

Eine Anlage dieser Art hat der wiederholt erwähnte Ingenieur 
Lencauchez in der Socie'te des Ingenieurs civils in der Ausführung vorge- 
führt, welche in Fig. 4 illustrirt ist. Durch die in Halbkreisform um 

den Feuerraum gruppirten 
Düsen, deren Mündungen einen 
Durchmesser von 30 mm haben, 
werden 5 bis 10 Proc. der Ge- 
sammtverbrennungsluft unter 
einem Druck von 100 bis 160 mni 
Wassersäule eingeblasen, um 
eine recht innige Mischung der 
Gase mit der Luft über der 
l m ,25 breitenQuerschnittsfläche 
des Feuerraumes zu bewirken. 
Die Düsen liegen in wage- 
rechter Lage 250 bis 300 mm 
über der obersten Brenn sto ff - 
schicht, so dafs die aufsteigenden Feuergase eine hohe Temperatur 
haben, wenn sie von dem Gebläsewind getroffen werden. 

Um die aus feuerfestem Thon bester Qualität bestehenden Düsen 
vor der direkten Berührung der Flammen zu schützen, liegen ihre Mün- 
dungen 100 bis 110 mni hinter der Senkrechttläche des Feuerherdes zu- 
rück. Uebrigens können alle Düsen in einem gemeinschaftlichen Thon- 
ring vereinigt werden, was ihren Einbau sehr erleichtert. 

Zum Schlüsse der vorliegenden Betrachtungen ist noch auf einen 
in den Fig. 5, <> und 7 illustrirten Kost aufmerksam zu machen, welcher, 
in dem Etablissement von Goyuel, Die/il u. Co. in Sainte-Marie-aux-Mines 
in Gebrauch befindlich, bei einer Spalt breite von 4 mm die Verfeuerung 




Zerstörung einer Schiffsrnaschüie. 



218 



von Kleinkohle und die Zuführung geprefsten Windes durch den Rost 
gestatten soll. Die aus den Fig. 5 und 6 erkennbaren Kerbungen der 
Rostbalken durchschnei- 
den diese schräg und 
zwar so , dafs die Rost- 
balken mit einander ge- 
radlinig fortlaufende zu 
ihrer eigenen Richtung- 
schräge Luftkanäle 
(Fig. 7) bilden, welche 

zur Conservirung des Rostes und zur guten Mischung der Destillations- 
gase des Brennstoffs mit Luft wesentlich beitragen. 




Zerstörung einer Schiffsmaschine. 

Mit Abbildung. 

Ein beispielloser Unfall hat die Maschine eines der gröfsten Schnell- 
dampfer betroffen, welche den Ocean durchkreuzen. Das stattliche 
Schiff der Inman-Line, die City of Paris, deren Maschinen 20000 IP 
leisteten, hat während ruhiger Fahrt einen vollständigen Zusammen- 
bruch der einen und zwar der Steuerbord-Maschine erfahren, ein Unfall, 
der in unserer Technik völlig ohne Vorgang dasteht. Das Fahrzeug 
galt für einen der stolzesten Vertreter der englischen Schiffsbaukunst 
und wurde gerade bezüglich seiner gewaltigen Dampfmaschinen seiner 
Zeit besonders gerühmt. 

Bevor wir auf den Unfall eingehen, sei das Schiff, welches ein 
Schwesterschiff der City of New York ist, in seinen Abmessungen kurz 
beschrieben. 

Die City of Paris ist ein völlig neues Schilf, welches seine glänzend 
verlaufene Probefahrt erst am 27. Juli 1888 vollzogen hatte. Das Schilf 
ist 565 Fufs lang, 64 Fufs breit und 62 Fufs hoch. Das Fassungs- 
vermögen beziffert sich auf 13500 1 . Für 1000 Fahrgäste ist Unterkunft 
vorgesehen. Erbauer des Schiffes wie auch der Maschinen sind J. und 
G. Thomson in Glasgow, denen besonders tüchtige Erfahrungen im 
Schiffs- wie auch Schiffsmaschinenbau zur Seite stehen. 

Die City of Paris ist mit Doppelschraubenpropellern versehen, deren 
jede durch eine besondere Dreifach-Expansionsmaschine von 10000 IP 
betrieben wird. Die drei Dampfcylinder jeder Maschine haben bei 
5 Fufs Hub die Durchmesser von 45, 74 und 113 Zoll. Der Dampf- 
druck beträgt 150 Pfund (etwa ll at ), die Schraubenwellen erhalten 
85 Umdrehungen in der Minute. Zur Oberflächen Condensation dienen 
wagerecht augeordnete Cylinder. 




214 Zerstörung einer Schiffsniasehine. 

Die Cylinder jeder Maschine haben folgende Anordnung. Die drei 
Cylinder sind mit A, B und C bezeichnet. Der Hoehdruckcylinder A 
besitzt im Kolben den Mitteldruckcy linder 2 und den Niederdruck - 

cylinder 7. Die Lager dieser 
S Ventile sind mit dem Buchstaben / 

bezeichnet. Jeder Cylinder wird 
Xovt' v0 ° zwe * A-Rahmen getragen. 
deren jeder aus einem Stück Guß- 
stahl von 6 l Gewicht (!) besteht. 
3W.9ci.tc. Die Cylinder sind unter einander. 

wie auch die beiderseits der Kiel- 
linie angeordneten beiden Dampfmaschinen mit einander durch kräftige 
Streben verbunden. Die Maschinen hatten eine Höhe von 45 Fufs. 

Am 25. April 1890 lief die City of Paris etwa 216 Seemeilen von 
der irländischen Küste bei voller Geschwindigkeit und schönstem Wetter 
ruhige Fahrt. In jedem Maschinenraum befanden sich 3 Mann. 

Plötzlich zertrümmerte kurz nach 5 Uhr Nachmittags unter un- 
geheurem Getöse an der Steuerbordmaschine der Niederdruckcylinder 
von 113 Zoll = 2870 mm Durchmesser. Ebenso zeigten sich die mäch- 
tigen A-Ständer sowie der Condensator völlig zerstört. Die umher- 
fliegenden mächtigen Bruchstücke hatten die wasserdichten Schott- 
wände und die Bordwände durchschlagen und die Seeventile zerstört, 
so dafs sofort Wasser in riesiger Menge in beide Maschinenräume drang 
und das Schiff anfüllte zum Entsetzen der Fahrgäste, für deren Rettung 
sofort Alles in Bereitschaft gesetzt wurde. Da die Dampfpumpen sämmt- 
lich unter Wasser standen, mufste das Schiff 40 Stunden lang mit den 
Handpumpen flott gehalten werden, bis ein anderer Dampfer zu Hilfe 
kam und das seiner Maschinenkraft beraubte Schiff, welches trotz ge- 
setzter Segel trieb, nach Queenstown schleppte. Hier wurden die 
Löcher in den Bordwänden durch Taucher geschlossen und das Schiff 
bis auf seinen normalen Tiefgang von 26 Fufs ausgepumpt. Die Back- 
bordmaschine erwies sich als so weit unbeschädigt, dafs die City of Parit 
mit Hilfe derselben nunmehr nach Liverpool dampfen konnte. 

Ein Fahrgast auf der City of Paris schildert im Engineering den 
Unfall mit folgenden Worten: 

„Das erste Geräusch war, wie wenn ein Excentrikreifen oder ein 
anderer kleiner Maschinenteil gebrochen wäre; das nächste klang, wie 
wenn der Cylinderdeckel herausflog; und dann folgten ununterbrochen 
Krach auf Krach, untermischt mit dem schleifenden und polternden 
Getöse, welches den Zusammenbruch einer Maschine charakteristisch 
macht . . . 

„Später erfuhr ich, dafs die Steuerbord-Maschinenkammer über- 
schwemmt war, dafs der Niederdruckcyliuder bei seinem Zusammen- 
bruche den Condenser zertrümmert hatte, dafs das Injectordruckrohr 



Zerstörung einer Schiffsmaschine. 215 

mit dem Kingston-YentW und den Bordwechseln zerstört war, dafs die 
unmittelbar unter dem zusammengebrochenen Cylinder gelegene Dampf- 
pumpmaschine ebenfalls beschädigt, und dafs die, die beiden Maschinen- 
räume trennende Längsschottwand von den umherfliegenden Stücken 
durchschlagen worden war. 

..Es scheint, dafs unmittelbar vor dem Cylinderbruche — 7 oder 
höchstens 10 Secunden zuvor — der Kolben des Niederdruckcylinders 
eine Anzahl von Hüben mit einer fürchterlichen Geschwindigkeit ge- 
macht hat, und wenn, wie vermuthet wird, die Pleuelstange sich vom 
Kurbelzapfen getrennt hatte, so mufste die erstere wie ein Dreschflegel 
nach links und rechts wirken. Die beiden A-Ständer unter dem Cylinder 
wogen jeder 14 l — sie sind verschwunden. Der Kolben wog 10 l , die 
Kolbenstange 3', der Kreuzkopf 2 l , die Pleuelstange 7 r , die Kurbelachse 
14 1 und der Cylinder 45 l . 

„Im Augenblicke des Bruches befanden sich 7 Maschinenwärter und 
Heizer in der Maschinenkammer. Einer befand sich auf der obersten 
Plattform über den Cylindern, zwei standen an der Umsteuerung auf 
der mittleren Plattform, und die übrigen waren zerstreut in dem 45 Fufs 
langen und etwa 30 Fufs breiten Maschinenräume. Mannlöcher mit 
Plattenverschlufs führen zu den Wasserballastzellen: die Entfernung 
vom Fufsboden des Maschinenraumes bis zum Boden dieser Zellen be- 
trägt 4 Fufs 6 Zoll, die Stärke der Fufsbodenplatten 5 S Zoll, jene der 
Schiffsplatten l»/ 8 Zoll. 

„Die Steuerbordmaschine blieb nach dem Bruche von selber stehen. 
— der Dampf wurde erst später abgeschlossen. Der nebenseitige Ma- 
schinenraum E (der unversehrt gebliebenen Maschine) füllte sich binnen 
5 bis 7 Minuten mit Wasser. Die gröfste Gefahr lag in der mittels 
blecherner Streben mit den Kesseln verbundenen Querschottwand, welche 
sich um 4 Zoll federte und um 2 Zoll verschoben war. Drei von den 
Kesseln wurden ausgeblasen in der Hoffnung, dafs sie als Schwimm- 
zellen gegen die Ueberfluthung wirken würden. 2800 1 Wasser, die 
sich später auf 3000 1 vergröfserten, befanden sich in den Abtheilungen 
hinter den Maschinen." 

Ueber die Ursachen des beispiellosen Unfalls wird schwerlich eine 
sichere Angabe gezeitigt werden. Die wunderbarer Weise geretteten 
Maschinisten haben bei ihrer wiederholten Vernehmung behauptet, dafs 
bis zum Augenblick der Zerstörung die Maschine gut und ohne auf- 
fällige Nebenumstände gelaufen sei, dafs die Zerstörung also völlig- 
plötzlich erfolgt ist. 

Im Allgemeinen neigt man sich der Ansicht zu, dafs ein somit als 
zweifellos anzunehmender plötzlicher Bruch dem beim Aufbau der 
Maschine ausschliefslich verwendeten Stahl zuzuschreiben ist. Stahl 
ist nun einmal kein Stoff, der auf die Dauer einer so ungeheuren Be- 
anspruchung gewachsen ist, wie sie der Betrieb einer so gewaltigen 



216 Zerstörung einer Schifl'sniaschiiu-. 

Schiff'smaschine mit sich bringt. Weiches zähes Eisen ist jedenfalls 
besser in der Lage, die Millionen starker, unelastischer Stöfse aufzu- 
nehmen, als der spröde Stahl, der hier bei den Maschinen der City of 
Paris für alle beweglichen Maschinenteile, ferner aber auch für die 
Dampfkolben und die Lagerschrauben Verwendung gefunden hat. Mau 
berechne nur die wahrhaft riesige Beanspruchung der Schraubenbolzeu 
an den Pleuelstangenköpfen bei der Kolbengeschwindigkeit von bei- 
nahe 4 m , dem Kolbendruck von 95 l beim Aufgange und von 130' beim 
Niedergange des Kolbens! 

Ueber den Befund des Maschinenraumes, als das Schiff' im Liver- 
pooler Dock etwa 14 Tage nach erfolgtem Unfälle eingebettet war, gibt 
Engineering, 1890 Nr. 1268, einen längeren Bericht, aus welchem wir 
folgende Mittheilungen hier wiedei-geben wollen, um über den Vorgang 
der Zerstörung einige Aufklärung zu erzielen. 

Man fand nach der Entleerung des Schilfes vom Wasser, dafs die 
Schraubenwelle der Steuerbordmaschine nicht richtig liege. Um nun 
die Ursache der Unordnung zu erkennen, mufste die zur Umhüllung der 
Schraubenwelle von der hinteren Schiff'swand bis zur Schraube sich er- 
streckende Stahlblechhülse abgestreift werden. Als dies kaum geschehen 
war, rutschte die Schraube sammt ihrer Welle in Folge der geneigten 
Bettung des Schiffes im Dock nach hinten heraus. Es ergab sich, dafs 
die über 20 Zoll starke Schraubenwelle hart hinter der Kuppelung, 
welche ihren äufseren Theil mit der im Schilfe liegenden Welle ver- 
bindet, abgebrochen war. Das hintere Lager der Schraube hat 6 Fufs 
lange Lagerbacken und wiegt 26 l . Während die mit der Schiff'swand 
verbundenen Arme des Lagers unversehrt waren, erwies sich in der 
oberen 3,5 Zoll dicken Lagerbacke die nur 1 Zoll starke mit Pockholz- 
ausfütterung versehene Büchse, welche zerbrochen im Schiffsräume lag. 
stellenweise völlig durchgerieben. Auch die Welle selbst war stark 
abgerieben. Dieselbe mufs sich, wie die stark unrund ausgeriebene 
untere Lagerbacke nachweist, fast 8 Zoll unterhalb ihrer normalen Achse 
befunden haben. Aus diesem Befunde kann geschlossen werden, dafs 
die Futterhülse längst zerbrochen war und dadurch der starke Ver- 
schleifs der Welle stattfinden konnte. 

Als nun der oben bemerkte Bruch der Welle an der Kuppelung 
erfolgte, mufste die Maschine uothgedrungen durchgehen, weil — wie 
jetzt durch verschiedene Zuschriften nachgewiesen ist — kein Regulator 
zur Verhinderung des Durchgehens au der Maschine angebracht war. 

Im Tunnel der Steuerbordschraubenwelle liegen ferner vier Lager, 
deren Deckel sich sämmtlich zerbrochen vorfanden, während sich jedoch 
die Lagerstellen der Welle unversehrt erwiesen. Die den Schrauben- 
wellentunnel nach vorn begrenzende Blechwaud, sowie auch die Wand- 
schotte zwischen Tunnel und Maschinenraum waren über der Welle 
eingerissen und nach oben gedrückt, so dafs aus diesem Befunde mit 



Zerstörung einer Sehift'smasehine. 217 

Sicherheit auf ein gewaltsames Aufwärtsdrücken der Schraubenwelle 
geschlossen werden mufs. Innerhalb des Maschinenraumes sind die 
Lager völlig zerstört. 

Der Maschinenraum selbst gewährt folgendes furchtbare Bild der 
Verwüstung: 

Auf der Kurbelwelle lag der Niederdruckcvlinder in zwei Hälften 
zersprungen. Die beiden Theile enthielten die zerrissenen kupfernen 
Dampfzulafsrohre von dem Mitteldruckcylinder. Die Kolbenstange war 
völlig verbogen und enthielt nur noch einen kleinen Theil des Dampf- 
kolbens. Vom Mitteldruckcylinder war einer der grofsen Verbindungs- 
flanschen zum Niederdruckcvlinder weggebrochen. Die Kurbel des 
Niederdruckcylinders stand auf dem oberen Todtpunkte: sie war noch 
mit der abgebrochenen und stark verbogenen Pleuelstange verbunden. 

Die Deckel der Kurbelwellenlager waren sämmtlich zerbrochen. 
Am hinteren Lager war die eine Lagerdeckelschraube von 5,5 Zoll, 
also 140 mm (!) Dicke glatt abgebrochen. Ebenso waren die A- Ständer 
von etwa l 3 / 4 Zoll Fleischdicke glatt abgebrochen. Dabei wird ver- 
schiedentlich betont, dafs sämmtliche Bruchstellen völlig gesundes Aus- 
sehen zeigen und auf bestes Material schliefsen lassen. 

Der Niederdruckcvlinder ist an seinem schwächsten Punkte, näm- 
lich zwischen den Steuerungsgehäusen parallel zur Achse geborsten. 
Der Deckel ist mehrfach zerschlagen vorgefunden. Der Kolben selbst 
ist von der Nabe abgerissen und in zwei Theile zerbrochen. — 

Die Ursache der Zerstörung findet der Berichterstatter des Engi- 
neering in dem Durchgehen der Maschine, veranlafst durch den Bruch 
der Welle. Er bemerkt hierzu aber sehr richtig, dafs eine weitere 
Veranlassung vorgelegen haben müsse, welche den Einflufs des Durch- 
gehens der Maschine beschleunigt und erheblich verstärkt haben müsse. 
Er sagt, dafs unter gewöhnlichen Umständen ein Durchgehen der Ma- 
schine immer noch zeitig genug bemerkt und durch Abstellung des 
Dampfzulasses rechtzeitig behoben werden kann, wenn nicht eine andere 
Ursache auf Beschleunigung des Durchgehens hinarbeite. 

Als solche Ursache bezeichnet der Berichterstatter die übergroi'se 
Compression des Dampfes, welche an dieser Maschine eingetreten sei. 
Er sagt, dafs die besonders angeordnete und betriebene Maschine für 
die Umlaufspumpe ihren gewöhnlichen Gang nach dem Durchgehen der 
Schraubenmaschine beibehalten habe, so dafs der benutzte Dampf nicht 
hinreichend habe condensiren können, dafs ferner in Folge der über- 
mäfsigen Geschwindigkeit der Schraubenmaschine die Ableitungsrohre 
nicht genügend Dampf haben fortschaffen können, so dafs sich hieraus 
ein übermäfsiger Gegendruck im Cylinder habe entwickeln müssen. Au.-. 
diesem Umstände ergibt sich eine hohe Anfangs- und Endspannung des 
Dampfes, welche die Sicherheitsventile am Cylinder nicht auszugleicheu 
fähig waren, so dafs ein Sprung des Cylinderdeckels die Folge war. 



218 Zerstörung einer SehilTsmaschine. 

Dieser Auffassung des Berichterstatters vom Engineering tritt 0. H. 
Malier in der Zeitschrift des Vereint deutscher Ingenieure entgegen, indem 
er gerade zu den gegenteiligen Schlufsfolgerungen kommt. 

In Folge des riesig grofsen schädlichen Kaumes bei Kolbensteue- 
rungen schnellgehender Maschinen (er betrug beim Niederdruckeylinder 
des Meteor von J. und G. Thomson schon bei zwei Steuerungskolbeu 
8 Proc, mufs also bei vier Steuerungskolbeu, wie bei der City of Piiris. 
mindestens 10 Proc. betragen) läfst sich die Compression bei Vollgang 
und gewöhnlicher Cuulissensteuerung, wie hei der City of Paris, nicht 
über das Dreifache des Anfangsvolume bringen (Meteor 2,5), und wegen 
der geringen Anfangsspannung, 0,2 bis 0^,25 abs., erreicht die End- 
spannung der Compression beim Niederdruckeylinder durchschnittlich 
nicht über ;,, ,7 (Mittel von 35 untersuchten Dreifach- Expansionsschiffs- 
maschinen), während die Anfangsspannung des Admissionsdampfes bei 
natürlichem Zuge der Kessel 1,1 bis 1,65, bei künstlichem Zuge (ge- 
schlossenen Heizräumen) 2 bis 2 ;,t ,5 (Meteor 2,5) beträgt. Da die City 
of Paris sieh im letzteren Falle befindet — wenigstens früheren Be- 
richten des Engineering gemäfs — und da aufserdem der Dampf mit 
dem Condensat sämmtlicher drei Dampfmäntel als Arbeitsdampf in dem 
Niederdruckeylinder mitwirkte, so sollte man die Anfangsspannung hier 
zu wenigstens 2 at ,75 annehmen dürfen, welchem Drucke doch auch der 
Cylinderdeckel gewachsen sein mufste. Gröfser kann aber auch die 
Compressionsendspannung nicht gewesen sein. Denn nehmen wir an. 
dafs sich der Gegendruck beim Durchgehen von 0,2 selbst bis zu einer 
ganzen Atmosphäre gesteigert hätte, so konnte die Endspannung doch 
nicht über 1 X 3 = 3 :lt sein. Aber wie hoch mufste dann da die Com- 
pression im Mittel- oder gar im Hochdruckcy linder gewesen sein?! 
Kehrt man die Diagramme um, so dafs die Unterlinie des Dia- 
gramms der anderen Kolbenseite eingezeichnet wird, so stellt sich 
der Unterschied noch viel günstiger für den Anfangsdruck des Ad- 
missionsdampfes. 

Müller ist der Ansicht, dafs gerade das Gegentheil, nämlich der 
Mangel an gehöriger Compression, schuld war. Die flache, ganz un- 
verrippte Form ist wohl die denkbar schwächste, die man einem Kolben 
geben kann. Stellt man sich diese 10 l schwere Masse mit einer Ge- 
schwindigkeit von sage: 200 Umdrehungen oder 400 Hüben in der 
Minute, mit einer ganz ungenügenden Compression bei einem Hube von 
5 Fufs vor, so sagt das Gefühl, dafs so ein Kolben den jähen Wechsel des 
Trägheitsmomentes bei der Umkehr der Bewegungsrichtung nicht er- 
tragen kann. Wächst das Trägheitsmoment mit dem Quadrate der Ge- 
schwindigkeit, und war der Bruchsicherheitscoefficient für 75 Um- 
drehungen sage: 9, so mufste derselbe bei 215 Umdrehungen schon 
auf 1 herunterkommen; und dies in dem Augenblicke, wo diese Ge- 
schwindigkeit erreicht war, wozu 7 bis 10 Secunden ganz genügend 



Zerstörung einer Schiffsmaschine. 219 

waren. (Mao beobachte eine Reversirmaschine, binnen wie wenigen 
Secunden bei offenem Dampfveutile sich die Geschwindigkeit in unheim- 
licher Weise steigert, bevor die Walzen packen.) Denkt man sich nun. 
dafs ein Trümmer des Kolbens nach oben flog und zwischen Cylinder - 
deckel und das noch an der Kolbenstange festsitzende Stück des Kolbens 
gerieth, so konnte bei der Gewalt des Stofses nicht nur der Cylinder- 
boden herausgesprengt, sondern gleichzeitig auch die A-Ständer zer- 
rissen werden, worauf im nächsten Augenblicke der 45 l schwere Cy- 
linder aus seiner Höhe herab auf die Kurbelachse stürzte, während die 
mit rasender Geschwindigkeit weiter arbeitende Pleuelstange mit dem 
Kreuzkopfe und der Kolbenstange so lange nach oben und nach rechts 
und links in den Trümmern weiter umherschlug und stach, bis diese 
sich zwischen Kurbeln und Grundplatte derrnafsen eingekeilt hatten, 
dafs die Maschine sich nicht weiter drehen konnte. So wurde sie auch 
bei offenem Dampfventile nach dem Bruche gefunden. 

Den Bruch eines Cylinderdeckels hat Müller zweimal beobachtet. 
1860 in der Görkauer Baumwollspinnerei bei einer wagerechten 75 EP- 
Corlifsmaschine, bei deren Anlassen Müller vergessen hatte, sich davon 
zu überzeugen, ob der Wärter den Einspritzhahn, dessen Leitung vom 
Oberwassergraben des Wasserrades kam, nicht etwa zu früh geöffnet 
hatte. Richtig war dieses geschehen, so dafs Condensor, Luftpumpe 
und der Cylinder auf der Vorderdampfseite ersäuft waren. Kaum hatte 
die Maschine nach Oeffnung des Dampfventils etwa eine halbe Um- 
drehung gemacht, als auch schon der Cylinderboden unter einem dumpfen 
Krache mit einem Wasserschwalle hinterher gegen die Wand flog. 

Genau dasselbe war einem Monteur fast zur gleichen Zeit und unter 
ähnlichen Umständen — ebenfalls bei einer Corlifsmaschine — in Lom- 
nitz passirt, wobei auch noch die Pleuelstange riesig verbogen wurde. 
In beiden Fällen hatte sich der (doppelwandige) Cylinderboden fast 
kreisrund vom Flansch getrennt, und dieser safs mit allen Schrauben 
als unversehrter Ring am Cylinder fest. Nun berichtet Engineering aber, 
dafs am Umfange des C} r lindei'deckels ein grofses Stück fehle; folglich 
konnte der Stofs nicht, wie in obigen Fällen, ein centraler, auf die ganze 
Fläche des Deckels gleichmäfsig vertheilter gewesen, also auch nicht 
durch Uebercompression verursacht sein. Er mufs vielmehr ein ex- 
centrischer, wie bei obiger Annahme durch Trümmer veranlafster ge- 
wesen sein, vorausgesetzt natürlich, dafs das fehlende Stück nicht etwa 
später, durch Fall o. dgl., weggeschlagen worden ist. 

Die Schiffshaut wurde im Deck unversehrt gefunden. Die gegen- 
teilige Vermuthung des Engineering, ebenso die Annahme, dafs sich die 
Pleuelstange vom Kurbelzapfen getrennt habe, sind also irrthümlich. 

Aus dem Unglücke der City of Paris lassen sich jetzt schon folgende 
Lehren ziehen: 

1) Die Anbringung eines verläfslichen Regulators ist für Schrauben- 



220 Zerstörung einer Schiffsmaechjne. 

Bchiffsmaschinen eine Notwendigkeit, sowohl hei See- als auch bei 
Flufsdampfern. 

Bei Raddampfern kann man das äufsere Hauptlager ebenso wie das 
ganze Rad während der Fahrt beobachten und Reparaturen oder An- 
brinsun»; von Ersatzstücken auch auf hoher See ohne Weiteres aus- 
führen. Dahingegen sind die Schraube, das hintere Wellenlager und 
das Stopfbüchsenrohr sowohl während der Fahrt als im Hafen unzu- 
gänglich und nur im ausgepumpten Trockendock zu besichtigen. Nach 
diesem Unfälle mufs jeder Kapitän eines Schraubendampfers fürchten, 
dafs jeden Augenblick irgend etwas Unverhofftes eintritt. Hat man nun 
schon mit einer Schraube und einem Hinterstevenlager Sorge genug, so 
ist diese Sorge eine doppelte bei zweischraubigen Dampfern, und darum, 
sowie auch aus manchen anderen, hier nicht weiter zu erörternden 
Gründen glaubt Müller 

2) dafs die Doppelschrauben-Schnelldampfer doch nur ein Experi- 
ment sind. 

Die Schraube hat unbestreitbare Vortheile gegenüber dem Schaufel- 
rade, schon im Effecte allein, da sich der Slip bei gleicher Geschwin- 
digkeit und sonstigen gleichen Verhältnissen etwa wie 11 zu 25 ver- 
hält; allein die Gefährlichkeit ihrer Unzugänglichkeit ist doch eine so 
dunkle Schaltenseite an ihr, dafs sie, wenigstens für Dampfer mit langer 
Fahrt, sehr ernstlich in Betracht gezogen werden sollte. 

Es ist wohl auch mit aus diesem Grunde, dafs die sämmtlicheu 
Postdampfer, welche den Verkehr zwischen England und dem Conti - 
nente, Irland u. s. w. versehen, bisher nur als Raddampfer ausgeführt 
sind. Denn der Tiefgang allein kann das Motiv dazu nicht gewesen 
sein, da viele continentale Häfen Wassertiefen von mehr als 14 Fufs das 
ganze Jahr hindurch besitzen. Andererseits gestattet die Schaufelrad- 
maschine allerdings eine viel zweckmäfsigere Ausnutzung des Schiffes 
für die Unterbringung massenhafter Passagiere bei geringer Schitfstiefe, 
da die Schraubenwelle gerade die werthvollsten Räume des Schiffes 
durchbricht, und da Postdampfer sich nicht für Cargoräumlichkeiten 
einzurichten brauchen, die sich bei Schraubendampfern wegen der 
sonstigen Unverwendbarkeit in den unteren Schiffsräumen von selbst 
ergeben. Aufserdem sind die Schiffsvibrationen bei Raddampfern fast 
Null, bei schnelllaufenden Schraubenmaschinen aber so lästig, dafs .sie 
manchem Passagier die ganze Fahrt verderben. 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 221 

Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung; von 
Forstassessor R. Rittmeyer. 

Von den in dem Artikel in D. p. J. 1889 271 228 geschilderten 
Holzimpräguirungsverfahren sind auf der diesjährigen allgemeinen land- 
und forstwirthschaftlichen Ausstellung zu Wien das von Pfistcr seinem 
Verfahren zu Grunde gelegte Boucherie 'sehe Flüssigkeitsdruckverfahren 
und das im Allgemeinen wohl „Burnet sehe" genannte Dampfdruck 
verfahren vertreten, von den dort angeführten Holzimprägnirungsstoffen 
das Chlorzink in überwiegendem Mafse. der Kupfervitriol, das carbol- 
haltige Theeröl und das Carbolineum. 

Ist das „Agramer Consortium für Verwerthung des patentirten 
Pfister sehen Imprägnirungsverfahrens'' die jüngste Imprägnirungsgesell- 
schaft der Monarchie, so wird das 1868 in Oesterreich eröffnete Im- 
prägnirungsgeschäft von Guido Rütgers eines der ältesten sein. 

Wie schon gesagt, preist Pfister ebenso wie Boucherie die Impräg- 
nirungsflüssigkeit an der unteren Seite des zu durchtränkenden Blockes 
in denselben ein und läfst sie das im Holze vorhandene Saftwasser an 
der anderen Seite des Blockes hiuaustreiben. wobei die Durchtränkung 
beendet ist. wenn an dieser vorderen Seite die Imprägnirungsflüssiskeit 
so herausdringt, wie sie am unteren Ende hineingeprefst wurde. 

Wie bekannt, bedient Boucherie sich eines etwa 10 m hoch ange- 
brachten Behälters für die einzupressende Flüssigkeit und läfst den hier- 
durch erzeugten Flüssigkeitsdruck wirken: dieser ist natürlich nicht be- 
deutend, so dafs eine längere Zeit vergeht, bis die Durchtränkung 
vollendet ist. 

Pfister bedient sich des stärkeren Druckes einer Pumpe und kürzt 
somit die Imprägnirungszeit für den einzelnen Block ganz bedeutend. 
Dann bringt Pfister nicht, wie Houcherie^ die zu durchtränkenden Stämme 
und Stammabschnitte zu der Imprägnirungsanstalt zusammen, sondern 
geht mit seiner Maschine in den Holzschlag zu den zu durchtränkenden 
Stämmen und imprägnirt diese dort, wo sie nach dem Fällen des Baumes 
gerade liegen. Schliefslich durchtränkt Pfitter den Stamm nicht in 
seinem ganzen Durchmesser, sondern nur den inneren Holzcvlinder, so- 
weit er verarbeitet werden und also imprägnirt sein soll. Je nach diesem 
wählt er von seinen eisernen Verschlufsplatten verschiedener Durch- 
messer die entsprechende aus. Ist der Stamm in der ganzen Fläche 
seines Durchmessers zu imprägniren, so wird das Verschlufsstück in der 
Gröfse gewählt, dafs nur ein etwa 1 bis l cm ,5 breiter Rand aufserhalb 
der Scheibenschneide stehen bleibt. 

Das gewählte Verschlufsstück wird mit der Schneide gegen das 
gut eben geschnittene untere Stammende angelegt und mittels eines 
eisernen Dornes, welcher durch die in der Mitte der Scheibe befindliche 
Oeffnung in das Holz getrieben wird, in dieser Lage gehalten. Dann 



222 Die Holzhupräynirung auf der Wiener Ausstellung. 

wird ein starkes eisernes SpanD kreuz mittels zweier Klammerketteu 
so über das Verschlufsstüek gelegt, dafs einer der drei Arme des Spanu- 
kreuzes nach oben, die beiden anderen nach den Seiten und unten vom 
Klotze wegstehen, auf welche dann die Haupt klammern aufgesetzt 
werden. Die Haken dieser werden dann beiläufig bis zu ihrer halben 
Länge in das Holz geschlagen, iu welcher Lage sie durch Hilfs- 
klammern, welche je nach Bedürfnifs tiefer einzutreiben sind, erhalten 
werden. Sind die Klammern gut fest, so werden die Hauptklammer- 
schrauben mit einem langen Schraubenschlüssel so lange angezogen, 
bis die Schneide des Verscblufsstückes überall am Holze aufliegt, worauf 
durch Schläge auf die Kante desselben die ganze Schneide in das Holz 
eingetrieben wird, in welcher Lage der Verschluss durch weiteres An- 
ziehen der Hauptklammerschrauben noch mehr befestigt und gehalten 
wird. Dann wird der Dorn aus der Mittenöffnung des Verscblufsstückes 
entfernt und ein mit einem Hahne versehener ..Stutzen" eingeschraubt, 
welcher den Druckschlauch aufzunehmen hat. 

Alle diese Arbeiten werden nach Pßster von zwei Mann ausgeführt 
und sind bei jedem Klotz in 3 bis 4 Minuten beendet. 

Sind Klötze vor dem Imprägniren bis zur Rinde gerissen und setzt 
sich dieser Rifs etwa gar nach der Länge des Klotzes fort, so wird vor 
dem Ansetzen des Verscblufsstückes an der Peripherie von der Stirn- 
seite aus ein so breiter Holzkeil in denselben getrieben, dafs dieser noch 
von der Schneide des aufzusetzenden Verscblufsstückes erfafst wird. 
Der Längsspalt wird aber mit einem gefetteten Filzstreifen geschlossen, 
über welchen eine Spange gelegt wird, die mit einer entsprechenden 
Anzahl hierzu eigens construirter Klammern festgezogen wird. 

Hat der Klotz Kernrisse, welche durch seine ganze Länge führen 
und die Imprägnirungsflüssigkeit unbehindert durchlassen würden, so sind 
diese mit einem oder mehreren, der Form des Risses entsprechenden 
und eigens hierzu construirten Verstemmern zuzuschlagen, damit der 
entsprechende Druck erhalten bleibe. 

Da es bei kürzeren und nicht zu abholzigen Klötzen übrigens gleich 
ist, ob sie vom stärkeren oder schwächeren Ende aus imprägnirt werden, 
so haben derartige Risse z. B. für Klötze von Babuschwellenlänge keine 
Bedeutung. Doch ist es somit wichtig, dafs stets nur so viel Stämme 
gefällt und Klötze ausgeschnitten werden, als an demselben Tage noch 
imprägnirt werden können, um einmal ein Reifseo vor dem Imprägniren 
unmöglich zu machen, dann aber auch, um die Imprägnirungsflüssig- 
keit durch die noch frische Schnittfläche leichter in das Holz eindringen 
zu lassen. 

Als Imprägnirungsstoff wendet Pfister in der Kegel eine Chlorzink- 
lösung von 1,0080 spec. Gew. bei für trockene Räume bestimmten 
Hölzern an, von 1,0100 bei im Freien und im Boden zur Verwendung 
kommenden. 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 223 

Stärkere Lösungen vertheuern die Ware, ohne die Dauerhaftig- 
keit entsprechend zu erhöhen, es wirkt ja nicht allein das eingeprefste 
Chlorzink erhaltend, sondern auch die in dieser Weise gründliche Ent- 
fernung der die Fäulnifs fördernden Stoffe aus dem frisch gefällten Holze 
kommt mit in Betracht. 

Am zweckrnäfsigsten wird die Lösung im Walde, im Holzschlage 
selbst in Bottichen hergestellt, wozu flüssiges Chlorzink in möglichst 
starker Concentrirung mitgenommen und das Wasser durch Träger 
oder mittels einer einfachen Druckpumpe und Schläuchen herbeigeschafft 
wird. Es versteht sich von selbst, dafs diesbezüglich in jedem einzelnen 
Falle die Frage zu entscheiden ist, ob das Wasser in den Schlag zu 
schaffen, oder das Holz durch Riesen u. s. w. dem Wasser näher zu 
bringen ist. Trübes Wasser ist mit einem einfachen Sand- und Kohlen- 
filter, je über den zu füllenden Bottich gestellt, zu reinigen. Dann ist 
in jeden Wasserbottich je nach seinem Inhalte die entsprechende Menge 
flüssigen Chlorzinks unter gutem Umrühren beizumischen. Bildet sich 
hierbei ein flockiger Niederschlag, so ist dieser, vom Kalkgehalte des 
Wassers herrührend, durch tropfenweise Zugabe von Salzsäure unter 
stetem Umrühren zu beseitigen, die basisch gewordene Mischung wieder 
zu neutralisireu. Es ist dies sehr vorsichtig auszuführen, damit dit 
Lösung nun nicht den entgegengesetzten saueren Charakter erhält, wo- 
durch sie für die Conservirung des Holzes an Werth verliert. Ein- 
getauchtes Lackmuspapier gibt dieses zu erkennen. Ist die Lösung nun 
mittels eines Aräometers unter Berücksichtigung der Temperatur auf 
ihr specifisches Gewicht nochmals geprüft und wenn nöthig durch Zu- 
gabe von Wasser oder Chlorzink verbessert, so füllt man das Gefäfs, 
in welches der Saugsehlauch der Saug- und Druckpumpe eingelegt wird, 
und schraubt das Leitungsrohr des Apparates an den Stutzen des an 
dem Klotze befestigten Verschlufsstückes. Dann werden die Leitungs- 
hähne geöffnet und die Pumpe in Thätigkeit gesetzt. Schon nach wenigen 
Kolbenhüben beginnt bei kürzeren Klötzen am freien Stammende der- 
selben der Baumsaft mit dem aus der Lösuus, abfiltrirten W'asser ^e- 
mischt auszurinnen, und zeigt diese Flüssigkeit je nach Jahreszeit, 
Holzart, Alter und Standort ein gröfseres oder geringeres specifisches 
Gewicht, welches oft bis zu 1,0045 beträgt und von den durch das 
abfiltrirte und mit Gewalt durch das Holz dringende Wasser mitgerissenen 
und ausgewaschenen Stoffen, welche zum gröfsten Theile organischer 
Natur sind, herstammt. Nach wenigen Minuten jedoch, kaum dafs sich 
der Druck im Windkessel des Apparates auf 2 bis 3 at gesteigert hat, 
sinkt das in das ausgeflossene Saftwasser gehalteue Aräometer wieder 
auf 0, ein Beweis, dafs das durchdringende Wasser bereits den gröfseren 
Theil des Holzsaftes ausgewaschen hat. Nach wiederum einiger und 
je nach der Länge des Klotzes mehr oder weniger langen Zeit beginnt 
das Aräometer wieder zu steigen, und zwar in Folge des mitaus- 



224 Die Holzimprägiiirung auf <ier Wiener Ausstellung. 

tretenden Chlorzinkes, welches sich am besten durch Schwefelammonium 
nachweisen läfst. 

Soll die abrinnende Flüssigkeit nun nicht noch einmal benutzt 
werden, so hat man dieselbe nur von Zeit zu Zeit zu wägen und die 
Arbeit dann einzustellen, wenn das specifische Gewicht derselben gleich 
oder nahezu gleich dem der eingeprefsten Lösung ist. Da jedoch schon 
lauge bevor das Aräometer Chlorzinkspuren nachweist, alle organischen 
Stoffe bereits aus dem Holze entfernt sind, 80 wäre es eine Verschwen- 
dung, wenn man die abrinnende Ziuklauge nicht nochmals verwenden 
wollte, zumal alle in dieser Weise vorgenommenen Proben nichts gegen 
die nochmalige Verwendung der Lösung Sprechendes erkennen liefsen. 
Man wird sie also auffangen und entweder vor der nochmaligen Ver- 
wendung in oben beschriebener Weise rectiticiren oder gleich so ver- 
wenden. In letzterem Falle wird die zu verwendende Lösung um 
50 Proe. schwerer zubereitet und erst durch die Wiederverwendung der 
abrinnenden Flüssigkeit, von dem Zeitpunkte an, wo sie einen Chlorzink- 
gehalt von mindestens 1,0010 besitzt, nach und nach auf das gewünschte 
und bestimmte specifische Gewicht, bei stets wiederholtem Einpressen 
durch sich selbst verdünnt, gebracht, in welchem Stadium der Impräg- 
niruugsprozefs als beendet anzusehen ist. Bei diesem Vorgehen erzielt 
man eine Ersparnifs von 50 Proe. Wasser, was um so mehr in das Ge- 
wicht fällt, je schwieriger die Wasserbeschaffung ist. Durchschnittlich 
werden zur lmprägnirung eines Cubikmeters Buchenholz 360' Lösung- 
gebraucht. 

Für den Fall, dafs die aus dem Stammende abrinnende Zinklösung 
nicht wieder zur Verwendung gelangt, betragen die Kosten für das 
Imprägniren eines Cubikmeters Buchenholz einschliefslich Arbeitslohn 
53 Pf.; für den Fall, dafs die abrinnende Lösung nach Rectification wieder 
verwendet wird, -44 Pf., und für den Fall, dafs sie ohne Rectification 
wieder verwendet, ursprünglich also um 50 Proe. schwerer gemacht 
wurde, 41 Pf., alles für das spec. Gew. von 1,0100 (nach l' fister). 

Die imprägnirten Rundhölzer könnten zwar sogleich verarbeitet 
werden, doch ist es besser, wenn das für Eisenbahnschwellen bestimmte 
Klotzholz einige Tage, das für Schnittwaare bestimmte einige Wochen 
oder Monate lagert, damit sich der wichtigste Prozefs der lmprägnirung, 
die Bildung unlöslicher Verbindungen der im Holze noch vorhandenen 
Proteinstotle mit dem Chlorzinke, unter der im Klotze noch einige Zeit 
wirkenden Spannung ungestört vollzieht. 

Dafs mit der P/Jjrter'schen Pumpe jede Flüssigkeit, und bis zu einem 
gewissen Grade dünne Lösung in das Holz ebenso gut eingeprefst werden 
kann, wie die Chlorzinklösung, braucht kaum erst gesagt zu werden. 
Pßster wendet allein aus finanziellem Grunde Chlorzink an, welches ja 
auch ziemlich die weiteste Verbreitung gefunden hat. Gleichwie die 
Conservirungslösungen können selbstverständlich auch Farblösungen ver- 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 225 

wendet werden. Will man das Holz durchweg roth gefärbt haben, so 
prefst man eine wässerige Schwefelsäurelösung ein, welche um so con- 
centrirter genommen werden mufs, je dunkler der rothe Ton werden 
soll. Mahagoniroth erhält man durch wässerige Salpetersäurelösung, 
welcher man je nach Bedarf des braunen Tones eine sehr dünne 
Jodlösung nachfolgen läfst. Schwarzgrau und schwarz erreicht man 
durch eine dünne Tanninlösimg, welcher eine schwache Eiseuchlorid- 
lösung nachgeprefst wird. Besonders die Buche kann man mit Eichen- 
extract, Tannin, durchtränken; will man das Buchenholz braun dämpfen, 
so braucht man in den, wie beschrieben montirten Klotz nur gespannten 
Dampf einzuleiten, welcher sich im Holze verdichtet, den Klotz gleich- 
zeitig entsaftet und je nach der Dauer des Vorganges mehr oder weniger 
dunkel färbt. Sehr wichtig ist auch das Impräguiren mit feuerstickenden 
Stoffen, um das Holz feuersicher zu machen. Am besten bewährte sich 
hierzu bis jetzt, wenn man einer leichten Lösung von gewöhnlichem 
Alaun noch 10 bis 25 1 concentrirtes Chlorzink für l hl zugab, und zwar 
um so mehr, in je dünneren Stücken das feuersichere Holz verwendet 
werden soll. 

In den Verhältnissen, in welchen dieses Verfahren der praktischen 
Verwerthuug zugeführt ist, wird es wohl eine gröfsere Verbreitung- 
linden. Diese Verhältnisse sind die des österreichisch-ungarischen Grofs- 
waldbesitzes und des in diesem Lande noch mehr üblichen Verkaufes auf 
dem Stocke mit Ausführung der Fällung und Ausformung des Holzes 
durch den Käufer. Der Käufer kann seine Stämme in Klötze bestimmter 
Mafse zerschneiden und mit einer bestimmten Lösung imprägniren , da 
er weifs, wozu er sie verwenden wird. Ebenso ist es ihm möglich, 
das Holz gleich nach dem Fällen zu imprägniren, und stets nur so viel 
fällen und zersägen zu lassen, als an dem Tage noch imprägnirt werden 
kann, eine der Hauptbedingungen des Verfahrens. Das Gleiche trifft 
bei der Wirthschaft der Grofswald- und daneben meist auch Sägebesitzer 
zu, welche nur wenig rohes Holz, sondern zumeist die fertige Ware 
verkaufen. Diese übernehmen z. B. die Lieferung von so und so viel 
imprägnirten Bahnschwellen, von so und so viel imprägnirten Tele- 
graphenstangen, Rebpfählen, Zaunpfosten u. s. w. und haben in dem 
Pfi st er" sehen Apparate eine recht praktische Imprägnirungsanstalt. Auch 
bei ihnen ist das Fällen, Imprägniren und weitere Verarbeiten des 
Holzes in einer Hand, so dafs sich diese Arbeiten nach einander richten 
können und wie zeitlich, so auch örtlich einer Beschränkung nicht 
unterliegen. 

Anders verhält sich dies in dem deutschen Forstbeuutzungsbetriebe: 
die Grundbedingung, dafs das Holzfällen, Imprägniren und weitere 
Verarbeiten in einer Hand liegen und damit gegenseitig von einander 
abhängig gemacht werden können, trifft hier, wenn überhaupt, so doch 
nur als seltene Ausnahme zu. Der Waldbesitzer — zumeist ja der 
Dingler' s polyt. Journal Bd. 278 Nr. 5. 1890/1 V. 15 



226 Die Eolzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 

Staat — wird nur als seltene Ausnahme eine Bestellung auf imprfignirte 
Hölzer annehmen und damit selbst imprägniren können, weil er bezüg- 
lich der bei der Abnahme zurückgewiesenen Klötze in grofse Verlegen- 
heit kommen würde: bei jeder Abnahme bestellter Hölzer werden aber 
Stücke wegen dieses oder jenes kleinen Fehlers zurückgewiesen. Nicht 
imprägnirte zurückgewiesene Ware kann, wenn sie nicht an den Wagner 
und Holzschuhmacher abgesetzt wird, immer noch zu Brennholz ge- 
schnitten werden; die Verwendung des imprägnirten Holzes ist jedoch 
eine bedeutend beschränktere, so dal's der Verkäufer zur Annahme der 
von dem Käufer gebotenen Aussen ufspreise gezwungen sein wird. 

Für den österreichischen Grofswaldbesitzer kommt dieser Punkt 
kaum in Betracht, weil dieser für die vielleicht zurückgewiesenen Stücke, 
welche auch durch gehaltvollen Händedruck nicht angebracht werden 
konnten, in der eigenen Forst- und Landwirtschaft fast stets irgend 
welche Verwendung hat. 

Der Waldbesitzer, die Staatsforstverwaltung, wird das lmprägniren 
also kaum übernehmen können, auch nicht, wenn unter den Käufern 
über den Imprägnirungsstoff keine Verschiedenheit der Ansichten be- 
stände. 

Was nun aber die Ausführung des lmprägniren s durch den Käufer 
anbetrifft, so kann von einem lmprägniren gleich nach dem Fällen oder 
gar von einem Ineinandergreifen des Holzfällens und des Imprägnirens 
nicht die Rede sein; der Waldbesitzer verkauft das Holz in bestimmten 
Mafsen ausgeformt und läfst die Stämme möglichst lauge liegen, damit 
der Käufer sie, wie er sie braucht, zertheile. Dabei wird frühestens 
erst dann zum Verkaufe geschritten, wenn wenigstens der eine Schlag 
ganz fertig ist. 

Trifft es aber einmal zu, dafs einem Grofskäufer alle anfallenden 
Nutzhölzer eines Schlages vor der Fälluug verkauft werden, so ist es 
doch sehr fraglich, ob die Staatsforstverwaltung bezieh, der Waldbesitzer 
diesem das lmprägniren im Schlage gestattet und die Bottiche, Säuren, 
Lösungen u. s. w. und die fremden Arbeiter in deu Forst und vielleicht 
gar in den Verjüngungsschlag hineinläfst; dabei würde aber stets die 
Holzfällung durch die Holzhauer des Waldbesitzers ausgeführt werden 
und ein Ineinandergreifen der beiden Arbeiten nicht durchführbar sein. 

Wird aber im Forste imprägnirt, so ist auch die weitere Verarbei- 
tung der Hölzer an Ort und Stelle auszuführen, da sonst die Bringungs- 
kosten bedeutend höhere sein würden, denn eine buchene Mittelschwelle 
z. B. — 2 m ,5 lang, 25 cm breit und 15 cm hoch — nimmt, wenn das Holz 
frisch ist, durch das lmprägniren um 12 bis 30 k au Gewicht zu. 

Uebrigens ist die Durchträukung nach diesem Verfahren doch keine 
so gleichmäfsige, wie man es wünschen sollte. Die k. ungarische Staats- 
bahnverwaltung machte mit demselben Versuche, bei welchen nach 
Pfister's Angabe die unter Aufsicht ausgeführte Imprägniruug als be- 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 22 i 

endet betrachtet wurde, als die am entgegengesetzten Ende des Blockes 
ausfliefseude Flüssigkeit das specifische Gewicht von 1,015 hatte. 

Die chemische Analyse der Schwellen ergab dann folgende Zahlen : 

r ,.,( Q r,H Q 7ohi ,n den Schwellen gefundenes Zinkchlorid in Proc. am Abschnitte 

der Schwellen am dickeren am dünneren 

der Schwellen Ende deg ?tammes 

1 1,12 0.27 

II 1,21 0,59 

III 1,09 0,80 

Bei Boucherie's zwar langsamerer, aber gleichzeitig an einer grofsen 
Anzahl von Stämmen ausführbarer Durchtränkung, bei welcher übrigen*, 
gerade wegen des geringen Flüssigkeitsdruckes keineswegs eine unver- 
letzte Rinde und ein von Rissen freier Klotz erforderlich ist, hat die 
Imprägnirungsflüssigkeit mehr Zeit, das Holz nach allen Seiten hin zu 
durchdringen, während der Druck des Pfister'schen Apparates dieselbe 
in das Holz der 3 bis 4 Klötze schnell hinein-, aber auch schnell den 
Längsfasern nach hindurchprefst, wobei Rindenverletzungen und Holz- 
risse bedenklich sind. Es würde Boucherie's „langsam und sicher", 
Pfister's „schnell und weniger vollkommen 1 '' gegenüberstehen. Dann kann 
sich mancher eine Imprägnirungsanstalt nach Boucherie mit geringen 
Kosten errichten, der sich einen Pfister'schen Apparat für mehrere 
Tausend Gulden nicht kaufen kann. 

Schliefslich ist das Pfister'sche Verfahren doch uicht so einfach : es 
sind verschiedene eiserne Verschlufsplatten, einige Bottiche, Filter, Salz- 
säure. Lackmuspapier, Chlorzink in concentrirter Lösung, ein Aräometer, 
Schläuche u. s. w. nöthig, dann ist das Verstopfen etwaiger Risse um- 
ständlich, und schliefslich mufs der durchaus erforderliche ..Tränker u , 
welcher die Montirung der Klötze leitet, die Lösung mischt und den 
Apparat handhabt, auch so viel mechanische Kenntnisse besitzen, um 
denselben mit seiner Saug- und Druckpumpe, seinem Windkessel und 
Manometer wieder in Stand setzen zu können, wenn die Maschinerie 
einmal versagt. — Diesen höchstens für die ganze, aber immerhin doch 
kurze Zeit des Holzfällens nöthigen Imprägnirer in der übrigen Zeit 
des Jahres zu beschäftigen, ist nun, wenn das Imprägniren als gün- 
stigerer Fall vom Waldbesitzer (in Deutschland) ausgeführt wird, 
sehr schwer; ihn wie die Waldarbeiter zum Grabenreinigen, Wege- 
bessern u. a. m. zu verwenden, geht kaum, und „höhere 11 Arbeiten sind 
nicht immer da. In dem gröfseren Wald- und Feldwirthschafts- 
nebst Sägewerks-Betriebe österreichischer Grofsgrundbesitzer und auch 
in dem Geschäfte gröfserer Holzhändler ist schon eher eine anderweite 
Verwendung dieser Leute möglich. 

Das Verfahren hat also, wie schon gesagt, in denjenigen Verhält- 
nissen eine Zukunft, für welche es ja auch in die Praxis eingeführt ist. 
wo die Holzfällung, das Imprägniren und die weitere Verarbeitung in 



228 Die Holzimprägnirung auf de* Wiener Ausstellung. 

einer Hand ruhen und örtlich wie zeitlich zu einander in Abhängigkeil 
gebracht werden können; dem bei uns zur Zeit üblichen Forstbenutzungs- 
betriebe entspricht es nicht und wird deshalb bei uns nur wenig Ver- 
breitung finden. 

Zwar sollte schon immer mehr darauf hingewirkt werden, das Holz 
bereits an seinem Erzeugungsorte, im Walde mehr zu veredeln, weiter 
zu bearbeiten, um einmal die Bringung auf das Nutzholzstück zu be- 
schränken — während zur Zeit noch Borke, Schwarten, Uebermafs und 
andere tote Last mit verbracht wird — und dann das Verhältnifs der 
Briniiiingskosten zu der schon mehr verarbeiteten und damit bereite 
werthvolleren Ware günstiger zu gestalten: doch sträuben sich zur Zeit 
noch die Mehrzahl der Waldbesitzer und namentlich die Forstverwal- 
tungeu wegen der dann erschwerten Aufsicht, fremde Arbeiter für 
längere Zeit in dem Forste zuzulassen. Dabei würde mittels des Wald- 
hammers eine genügend scharfe Controle durchaus nicht so schwer 
durchführbar sein, und es wird — das ist zweifellos — , wie die soeben 
noch übliche althergebrachte Schwerfälligkeit im Holzverkaufe einem 
anderen Verfahren weichen mufs l , einst auch dem Zimmermanne und 
vielleicht sogar einer derartigen fliegenden Imprägnirungsanstalt der 
streng exclusive Forst erschlossen werden. 

Die von der k. ungarischen Staalsbahn ausgestellten, zum Theil alten 
Schwellen sind auch mit einer Lösung von Zinkchlorid imprägnirt, und 
zwar nach dem 1889 271 230 geschilderten Dampfdruckverfahren. Die 
je zwei Imprägnirungskessel haben einen inneren Durchmesser von l m ,9 
und eine lichte Länge von 10 m ,5, so dafs jeder Kessel vier Bügelwagen 
mit 150 bis 160 Mittelschwellen (2 m ,5 lang, 25 cm breit und 15 cm hoch) 
aufnehmen kann. Die Dämpfung währt bei Eichen- und Buchenschwellen 
aus trockenem Holze 1 Stunde, aus frischem bis 1 ' ., Stunden, wobei 
edoch das trockene Holz wenigstens h 2 Stunde, das frische wenigstens 
1 Stunde dem Dampfe von l at ,5 Ueberdruck ausgesetzt sein mufs. Der 
zur Dämpfung, sowie zum Betriebe der Dampfmaschine der Saug- und 
Druckpumpe nöthige Dampf wird in einem eingemauerten 45'i ni Heiz- 
fläche haltenden und auf 4 at Druck concessionirteu Bouilleur- Dampf- 
kessel erzeugt. Die Luftpumpe arbeitet dann bei trockenem Holze 1, 
bei frischem 1 ' ., Stunden, und zwar so, dafs der Vacuummesser bei 
Imprägnirung von trockenem Holze mindestens 1 Stunde hindurch 60 C1 " 
Luftleere zeigt. Die Luftpumpe ist mit Ventilen aus (jrummiplatten, 
welche unter Wasser arbeiten, versehen. Das Einpressen des lmprägui- 
rungsstolles dauert bei Buchenholz bis zur Erreichung eines Ueber- 
druckes von 8 a -' ' ., Stunde und nach Erreielmiiii desselben bei unver- 
ändertem Drucke noch 1 Stunde, bei Eichenholz bezieh. 20 Minuten und 



1 Vgl. meinen Artikel in der „Deutschen Forst- und Jaydzeitung 1 ' vom 

i:>. August 1887. 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 



229 



3 Stunden. Die Saug- und Druckpumpe ist für Dampfbetrieb mit 
nominell 12 IP eingerichtet. Das Imprägnirungsmittel wird in einem 
eisernen Behälter unter den lmprägnirungskesseln aufbewahrt. Als 
Imprägnirungsstoff* dient Zinkchlorid mit Wasser verdünnt, welches bei 
17° C. ein specifisches Gewicht von 1,015 besitzt, Da derselbe bei ver- 
schiedener Luftwärme auch verschiedene Wärmegrade hat, so mufs 
auch das specifische Gewicht desselben dieser entsprechend geändert 
werden, und zwar so, dafs bei jedem Grade unter 17° C. das specifische 
Gewicht um 0,0003 gröfser, bei jedem Grade über 17° C. um 0,0003 
kleiner sein mufs, als es für 17° C. vorgeschrieben ist. 

Je nach der Holzart, nach der Güte und dem Zustande (frisch oder 
trocken) des Holzes nehmen die zu imprägnirenden Schwellen gröfsere 
oder geringere Mengen Imprägnirungsflüssigkeit auf; um diese auf- 
genommenen Mengen nachzuweisen, werden die mit den Schwellen be- 
ladenen Bügelwagen vor und nach dem Imprägniren gewogen. 

Da die Schwelle durch die Dämpfung nämlich durchschnittlich 1 bis 2 k 
zunimmt, durch das Auspumpen aber ebenso 0,5 bis l k verliert, ent- 
spricht das Mehrgewicht der Schwellen nach dem Imprägniren beinahe 
dem Gewichte des aufgenommenen Imprägnirungsstoffes. 

Durchschnittlich nimmt eine Mittelschwelle aus frischem Eichen- 
holze 4 bis 8 k , aus trockenem 8 bis 12 k au Gewicht zu, eine solche 
aus frischem Buchenholze 12 bis 30 k , aus trockenem 30 bis 45 k . Damit 
jene Buchenschwellen, welche weniger als 30 k Mehrgewicht erreichten, 
auch trotz dieser geringeren Aufnahme dieselbe Menge von Zinkchlorid 
in sich aufnehmen, wie die bei 30 k mit dem spec. Gew. von 1,015, so 
wird der Imprägnirungsstoff im Verhältnisse der kleineren Gewichts- 
zunahme stärker genommen, und zwar: 

bei einer Gewichtszunahme von 12k mit einem Materiale vom spec. Gew. 1,0375 



13 k 
14k 

15 k 
16 k 
17k 
18 k 
19k 
20k 
21k 
22k 
23k 
24k 
25k 
26k 
27k 
28k 
29k 
30k 



1,0346 
1,0321 
1,0300 
1,0281 
1,0264 
1,0250 
1,0236 
1,0225 
1,0214 
1,0204 
1,0195 
1,0187 
1,0180 
1.0173 
1^0166 
1,0160 
1,0155 
1,0150 



Die 

folgende 



chemische Analyse der imprägnirten Schwellen zeigt nach 
Tabelle: 



280 



Die Hulzimpragnirung auf der Wiener Ausstellung. 



nde 

er 

eilen 


Ort der 

I m p r ä g ii i r u n g 


Gewichts- 
zunahme in 

Folge der 

Impragnirung 

in k 


In der Schwelle gefundenes 
Zinkchlorid im Abschnitte 


s ffi s. 

■F, " = " 


- -~ 


an den in der 
Schwellenenden Schwellenmitle 


sf&s 

- cu ~ 


£ «5 


in l'rocenten. Durchschnitt 


00 Öl 5 


1 


Lepavina .... 


13.5 


1,055 


0,323 


1,034 


2 

3 
4 


Nagyvärad 

n ... 


25,0 
30.5 
34 1 


0,864 
1,053 

1,286 


0,412 
0.358 
(1.47;. 


1,018 
1.015 
1.015 


6 


Lepavina .... 
Nagvvärad . . . 


34,8 
38,8 


1,222 
1,463 


0,364 
0,481 


1.015 
1.015 


7 


n ... 


39,0 


1.510 


0,460 


i.oi.-) 



Das Zinkchlorid wird aus altem eisen- und arsenfreiem Zink und 
Salzsäure von 1,75 spec. Gew. in mit Blei ausgefütterten Eisengeschirren 
von 3 cbm Gehalt und in Stein- und Holzgeschirren, letztere ebenfalls 
mit Blei ausgelegt, von l cl,m Gehalt gewonnen. Diese Erzeugung ge- 
schieht in einem Gebäude, dessen Dach mit Ventilationsöfinungen ver- 
sehen ist, die Salzsäure wird jedoch wegen der Gefährlichkeit der sich 
entwickelnden Gase von Aufsen durch Bleitrichter eingefüllt. Das 
specifische Gewicht des gewonnenen Zinkchlorids ist durchschnittlich 1,7. 
und vergehen von der Einfüllung an 8 bis 10 Tage, bis das Zinkchlorid 
in säurefreiem Zustand verwendbar ist. 

Für die k. ungarischen Staatsbahnen, sowie für die verstaatlichten 
Bahnen wurden nach der bei Gelegenheit der Wiener Ausstellung her- 
ausgegebenen Druckschrift vom Jahre 1884 bis Ende des Jahres 1889 
imprägnirt : 











c 




-1 £ 




O 


Art der 


bCO 
_ ec 


£ 


<D 

o 


Siehe 
'ichte 


Zerr 
Biene 

Zu- 

inim 


Anmerkung 


2- 


Impragnirung 


'S 






*" 


I <*> 






Schwellen 




i. 


In eigener Regie 


Gr.-Wardein 


1884 


1810 


20411 


1 


22221 






„ 


„ 


1885 


973C3 


11113 






108476 






7I 




1886 


180374 








185374 






., 




1887 


140747 


19710 






160467 








.. 


1888 


276519 


7638 






283057 






Mit Mitwirkung 


Zusammen 
Ajka. . . 


1889 


240161 


2 


| 100 


240263 




i. 


1884-89 


940U7I 


58774| | 100| 999818 




n. 


issr, 




24657 






24657 


Firma LöicenMd 




von Unterneh- 


ii • • • 


1887 


25369 








25369 






mern 


n 


1888 


68483 








58483 








llerend 


lSX'.l 


12744 


1430 


1900 




16074 








Lepavina . 


1889 


104700 








104700 


Alex, IVei.-i 




" 


Kriväny . 


1889 


1716 




1716 


I'ßster 


u. 


Zusammen 


1886-89 


203012 


26087119001 | 230999 




I.U.II 


Hauptsu 


nnie . . . 


1884-89 


1143986 


84861 


1900 


100 


1230847 





Um die Dauer und Verwendbarkeit der impragnirten und besonder^ 
Buchenschwellen festzustellen, wurden verschiedene Versuchstrecken 
mit fortlaufend wenigstens 1000 Stück neuen Schwellen gelegt, über 
welche erhoben wird: die Zahl der ausgewechselten Schwellen wegen 
Fäulnifs auf Dämmen und in Einschnitten, wegen Rissen, Schwellen mit 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 



231 



und ohne Unterlagplatten, wegen Eindruck der Schienen und Platten. 
Schwellen mit und ohne Unterlagplatten, und aus anderen Gründen. 
Zur Zeit liegen 54 Versuchstrecken mit 107 011 Stück imprägnirten 
Buchenschwellen und 11 Versuchstrecken mit 12 089 Stück imprägnirten 
Eichenschwellen. Die Untersuchungen ergaben, dafs von den impräg- 
nirten Buchenschwellen einige wegen Fäulnifs schon nach den ersten 
Jahren ausgewechselt werden mufsteu, wobei die chemische Analyse 
auch in den gefaulten Holztheilen Zinkchlorid nachwies, und zwar 



Fortlaufende 


Am Schwellen- 


In der 


In den aefaulten 


Zahl der 


ende 


Schwellenmitte 


Ahfällen 


untersuchten 








Schwellen 


gefundenes Zinkchlorid in P 


rocenten 


1 


0,677 


0.232 




2 


0,514 


0,320 




3 


0.642 


0.388 




4 






0.334 


5 






0.164 


6 






0.081 



Die imprägnirten Schwellen faulen bald, wenn sie gleich nach dem 
Imprägniren verwendet werden, bevor sie ordentlich ausgetrocknet sind 
— die k. ungarische Staatsbahn läfst sie 3 Monate austrocknen — , 
oder wenn der Keim der Krankheit schon vor dem Imprägniren im 
Holze war. Krankes und besonders rothfaules Holz läfst sich nur 
schlecht imprägniren, und zeigt die chemische Analyse in den gleichen 
Querschnitten folgende Aufnahmen von Zinkchlorid. 





Im gesunden Im rothfaulen 


Querschnittzahl 


Theile gefundenes Zinkchlorid in 
Procenten 


1 

2 
3 

4 


0,884 
0.842 
0.563 
0.152 


0,221 
0.125 
nichts 
0.078 



Aul'ser imprägnirten Schwellen u. A. sind die Zeichnungen des in 
diesem Jahre in Betrieb genommenen ambulanten Imprägnirungsapparates 
ausgestellt, welcher nachfolgend beschrieben wird. Das Verfahren ist 
mit diesem dasselbe, nur wird der erforderliche Dampf in einem auf 
einem Eisenbahnfahrzeuge montirten 60'im Heizfläche haltenden und 
auf 6 at Druck concessionirten Fairbairn scheu Dampfkessel erzeugt. Der 
Imprägnirungsstoff ist in zwei zerlegbaren Behältern aufbewahrt. 

Den patentirten ..ambulanten Impräguirungsapparaf 1 setzte Felix 
Löwenfeld von der Holzimprägnirungstirma G. Löa-enfeld, Wien, zu- 
sammen. Derselbe besteht aus zwei Eisenbahnfahrzeugen, von denen 
das eine den Imprägnircylinder trägt, in welchen die normalspurigen 



282 Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 

Bügelwagen auf Laufschienen eingeschoben werden: während das andere 
in dem mit Fenstern und Thüren versehenen geräumigen Wagenkasten 
die gesammte maschinelle Einrichtung einschließlich Locomobilkessel 
enthält, und zwar eine Dampfmaschine, Luft-, Lauge- und Wasserpumpe, 
sowie alle für die Einleitung und Abstellung der verschiedenen Ope- 
rationen erforderlichen Ventile, Manometer, Barometer, Thermometer 
u. s. w.. daun die Wasserbehälter und Behälter für die lmprägnirungs- 
flüssigkeit. Die beiden Fahrzeuge werden neben einander gestellt und 
mit den entsprechenden Rohrleitungen verbunden. So kann jedes freie 
Bahnhofsgeleise zur Errichtung der Imprägnirungsanstalt benutzt werden, 
wobei nur ein Geleise erforderlich ist, da der Maschinen wagen auf 
einem provisorischen 5 bis 6 m langen Geleisestücke steht. Die Anstalt 
benöthigt einen Raum von etwa 12 m Länge und 8 m Breite. Dafs dieser 
Apparat dicht neben dem Schwellenlagerplatze sei, ist dabei nicht 
nöthig, da die Bügelwagen normale Spurweite haben und somit zum 
Verbringen der Ladung von dem Schwellenlagerplatze bis in den Kessel 
hinein verwendet werden können. 

Im Uebrigen imprägnirt die Firma G. Löuenfeld auch mit Zink- 
chlorid, von dem ja der Bericht des Vereines der deutschen Eisenbahn 
Verwaltungen vom Jahre 1884 (Organ für die Fortschritte des Eisenbahn- 
wesens^ 9. Supplementband, S. 7 1884) sagt: 

..Da der Erfolg des Tränkens mit Chlorzink dem des Tränkens 
mit Ereoeol und Quecksilber- Sublimat nach den 25- bis 30jährigen Er- 
fahrungen mehrerer Bahnen gleich zu schätzen ist, das Tränken mit 
Chlorzink !/ 2 bis */ 4 soviel kostet als das Tränken mit Kreosot und 
Quecksilber-Sublimat, so sind nach und nach immer mehr Bahnen zu 
der ersteren Methode übergegangen. " 

Die Schwellen werden durch 1 Stunde der Einwirkung von Wasser- 
dampf von 100 bis 112° C. ausgesetzt, das Vacuum wird je nach dem 
ursprünglichen Feuchtigkeitsgehalte des Holzes auf 1 bis l 1 /^ Stunde 
ausgedehnt und fort und fort gesteigert, bis es 60 bis 65 cm Quecksilber- 
säule erreicht, und die Zinkchloridlösung von 1 J . 2 bis 3° B. wird dann 
unter einem Drucke von 6 bis 8 ;,t bei Buchen- und weichem Holze, 
durch l 1 /^. bei Eichen durch 3 Stunden eingeprefst. 

Unter den von der Firma ausgestellten Gegenständen ziehen die 
photographischen Abbildungen des ambulanten Imprägnirungsapparates 
die Aufmerksamkeit auf sich, dann die Schwellenabschnitte der mit 
Chlorzink imprägnirten Kiefern- und Buchenschwelleu, welche seit 1870 
ununterbrochen im Bahnkörper gelegen sind. Auch die aus impräg- 
nirtem Buchenholze gefertigten Stühle und die imprägnirten Holzmuster 
sind sehr interessant. Neu dürfte die „Dübelung behufs Verhinderung 
des Reifsens" sein; an der Stelle, wo die Abschrägung der Schwelle 
nach oben beginnt, wird in einer entsprechenden Entfernung vom Ende 
derselben beiderseits ein Loci» der Breite nach wasserecht durch die 



Die Holzimprägnirung auf der Wiener Ausstellung. 283 

Schwelle gebohrt und durch dieses dann ein Holzpflock von gleichen 
Abmafsen hindurchgekeilt. 

Das Holzimprägnirungsgeschäft von Guido Rütgers in Wien brachte 
Bahnschwellen und Pflasterklötze, welche theils ebenfalls mit Chlorzink, 
theils mit Chlorzink und Carbolsäure, theils mit Theeröl und theils mit 
Chlorzink und carbolsäurehaltigem Theeröl imprägnirt sind, und zwar 
aus Eichen-. Buchen-. Kiefern-, Fichten- und Tannenholz. Nach den 
Aufschriften haben etliche dieser Schwellen bereits 20 Jahre im Bahn- 
körper gelegen, sind jedoch durchaus noch nicht unbrauchbar. 

Das lmpräguirungsgeschäft von J. B. Blyihe in Jedlesee bei Wien 
hat sowohl nach dem Rurnel'schen Verfahren theils mit Zinkchlorid, 
theils mit Kupfervitriol imprägnirte Hölzer ausgestellt, als auch solche, 
und zwar besonders Pflasterklötze, welche nach dem eigenen Verfahren 
mit Dampf, gesättigt mit kreosothaltigem Theeröl, behandelt sind (vgl. 
1889 271 S. 233). Das in dem heifsen Dampfe in feinst zerstäubtem 
Zustande enthaltene Oel dringt leichter und tiefer in das Holz ein. als 
wenn es in flüssigem Zustande zugeführt wird. Der heifse gesättigte 
Dampf wird in den Apparat geleitet, dann herausgelassen, von Neuem 
erhitzt und gesättigt und dann wieder zugeführt. Nach dieser Behand- 
lung wird das Holz noch mit Theeröl oder Ziukchlorid imprägnirt. Die 
Firma leistet für Kiefernschwellen 8, für Eichenschwellen 12 Jahre 
Bürgschaft in der Weise, dal's sie für jede in dieser Zeit angefaulte 
Schwelle eine neue Schwelle unentgeltlich imprägnirt. 

Aufserdem hat die Firma das bekannte ..Carbolineunv und mit 
ihm behandelte Hölzer ausgestellt. 

Auch die Firma Avenarius und Schranzhofer in Wien sandte un- 
bekanntes ..Carbolineum Avenarius- und bietet es in einem eigenen Pa- 
villon im Ausstellungsparke zum Kaufe an. 

Neues brachte der fürstlich Johann Liechtenstein sehe Buchhaltung>- 
Official Kubelka in Butschowitz (Mähren). Wenn seine Behandlungs- 
weise des Holzes auch kein Imprägniren in dem Sinne ist, wie das 
Boucherie' sehe. Burnet'sche u. a. Verfahren, sondern mehr ein vielleicht 
die äufsersten Theile des Holzes durchdringender ..Anstrich", so soll 
über dasselbe doch an dieser Stelle Mittheiluug gemacht werden. 

E- ist bekannt, dafs das ..Reifsen" des Holzes die Verwendungs- 
fähigkeit desselben bedeutend einschränkt und eine nicht unbeträchtliche 
Menge Ausschufs liefert, die Dauer desselben bedeutend vermindert und 
durch alles dieses auf den Preis der Holzware einen nicht unbeträcht- 
lichen steigernden Einflufs äufsert. Kubelha hat nun ein Mittel gefunden, 
welches das Holz vollständig vor dem Reifsen bezieh, vor dem Weiter- 
reifsen bewahrt. Es sind behandelte und nicht behandelte Wagner- 
hölzer (Radnaben, Deichselstangen u. s. w.). Holzscheiben (entrindete 
und nicht entrindete), Schnittmaterial u. a. m. aus Roth- und Weifs- 
buchen-, Eichen-. Ulmen-. Birken-, Akazien-. Kiefern- u. >-. w. Holz 



±o\ Die Holzimpr&gnirang au 1" der Wiener Ausstellung. 

ausgestellt, welche allerdings überraschen. Zeigen die nicht behandelten 
Stücke viele und bedeutende Hisse, welche keineswegs befremden, wenn 
man bedenkt, dafs diese im Frühjahre gesandten Gegenstände durch 
nunmehr schon viele Monate in einem heifsen Winkel der in der Thal 
nicht unbedeutenden Hitze ausgesetzt waren, so sind die behandelten 
Gegenstände von jedem Risse völlig frei geblieben, so dafs dieser Holz- 
behandlungsweise entschieden ein bedeutender Werth beizulegen ist 
und an der Zukunft und wohl bald erfolgenden weilen Verbreitung des- 
selben nicht gezweifelt werden kann. 

Bewahrt das Mittel die Hölzer vor dem Reifsen, so macht es an- 
dererseits das längere Austrocknen derselben überflüssig. Benöthigt 
man bis jetzt z. B. zum Austrocknen der Bauholzstämme, Bohlen u. a. m. 
entsprechende Lagerplätze, so ermöglicht die Kubelka sehe Erfindung die 
sofortige Verarbeitung des frisch geschlagenen Holzes, welcher die Be- 
handlung folgt, eine gewifs nicht minder beaebtenswerthe Seite des 
Verfahrens. 

Der Holzzüchter wie der Holzhändler, welche somit hinfort die 
bezieh, im Schlage und auf dem Lagerplatze liegenden Stämme und 
Blöcke vor dem sie entwertbeuden Reifsen schützen können, ebenso 
wie der Holzverarbeiter bis zum Holzschnitzer hin, werden diesem 
Mittel gegen das Heifsen des Holzes das ihm gebührende Interesse ent- 
gegenbringen und zwar um so mehr, als dasselbe, wie schon gesagi, 
einfach in einem Anstriche besteht. Es sind weder Maschinen noch 
besondere Gebäude oder sonstige Einrichtungen nöthig, so dafs das Ver- 
fahren ein uügemein billiges ist. 

Nach Mittheilung des Erfinders wird derselbe kein Patent auf seine 
Erfindung nehmen, sie jedoch vielleicht verkaufen, in erster Linie jedoch 
der fürstlich Liechtenstein" nahen Holzindustrie zu Gute kommen lassen. 

Aufser diesem Mittel gegen das Reifsen des Holzes brachte Kubelka 
noch Holzklötze und Holzscheiben, welche zur Verhinderung der Fäul- 
nifs mit Asphalt- Harz färbe angestrichen sind. Diese soll sehr billig sein 
und tiefer in das Holz eindringen, ohne von der Witterung verdunstet 
bezieh, ausgewaschen zu werden. Der Anstrich läfst die Structur des 
Holzes sichtbar und färbt das Holz je nach der Wiederholung desselben 
gelb bis braun, ein folgender Anstrich ist erst dann zu geben, wenn der 
vorhergehende eingetrocknet ist. Waschen mit Seifenwasser schwächt 
den Anstrich nicht. 



Ueber die praktische Verwendbarkeit der Zirkonerdeleuchtkörper. 235 

Ueber die praktische Verwendbarkeit der Zirkonerde- 
leuchtkörper in der Leuchtgas - Sauerstoffflamme ; von 
Dr. W. Kochs, Privatdocent an der Universität Bonn. 

Seit Einführung des elektrischen Bogenlichtes in die Beleuchtungs- 
technik hat man sich eifrig bemüht, die bisher durch Oele oder Gas 
erzeugten Leuchteffecte erheblich zu steigern, um den hohen Licht- 
intensitäten des elektrischen Lichtes möglichst nahe zu kommen. 

Grofse Lichtintensität kann aber nur durch sehr hohe Temperatur 
des lichtausstrahlenden Körpers erzielt werden. Feste Körper beginnen 
bei 400° im Dunkeln schwach zu leuchten, sogen, dunkle Grauglut, bei 
etwa 600° werden sie rothglühend, bei 900° bis 1000° weifsglühend, 
während Gase selbst bei 1500° bis 2000° noch nicht leuchtend werden, 
wenigstens nicht unter gewöhnlichen Verhältnissen. Man hat daher 
durch Zuführung heifser Verbrennungsluft und Erhitzen der zu ver- 
brennenden Gase die Flammentemperatur wesentlich erhöht. Die Flamme 
selbst wird dadurch kürzer, heller und heifser, weil der Verbrennungs- 
prozefs schneller verläuft und weniger kalte Luft mit den verbrennenden 
Gasen in Berührung kommt. Der in den Flammen, ob Oel oder Gas 
ist gleich, glühende feste Kohlenstoff strahlt in der heifseren Flamme 
mehr Licht aus und, da er in der kleineren Flamme auf einem kleineren 
Räume zusammengedrängt ist, wächst die Intensität des Lichtes be- 
trächtlich. 

Die verschiedenen jetzt gebräuchlichen Regenerativlampen haben 
nach dieser Richtung hin zumeist so ziemlich das Maximum des Mög- 
lichen erreicht. Jedoch ist das Licht dieser Lampen immerhin so stark 
gelb, dafs es in dieser Hinsicht mit dem elektrischen Bogenlichte, wel- 
ches dem Tageslichte in seiner Qualität gleichkommt, nicht verglichen 
werden kann. 

Nach dem Gesagten mufs zur Erzeugung von intensivem weifsem 
Licht die heifseste herstellbare Flamme mit einem festen Glühkörper, 
welcher in dieser Temperatur beständig ist, die theoretisch vollkom- 
menste Gasbeleuchtung geben. 

Die höchste auf dieser Erde durch chemische Prozesse erreichbare 
Temperatur besitzt nun eine Kohlenoxydgasflamme, welche in reinem 
SauerstofFgase verbrennt. Sehr nahe dieser Temperatur kommt unter 
gleichen Verhältnissen eine Wasserstoff- oder eine Leuchtgasflamme. 
Seit langer Zeit benutzte man solche Flammen zur Erzeugung des Kalk- 
lichtes, welches seiner Zeit in den Vereinigten Staaten für Leuchttürme. 
Signale und grofse Bauten, sowie im Secessionskriege bei der Belage- 
rung einiger Forts mit Nutzen verwandt wurde. Grofse Mängel hafteten 
jedoch diesen Einrichtungen an. Die Erzeugung des Sauerstoffgases 
war sehr mühsam und viel zu kostspielig. Die verwendeten Brenner 



J.'U; Heber die praktische Verwendbarkeit der Zirkonerdeleachtkörper. 

waren ungeeignet ßODStruirt, so dafs viel zu viel Gas verbraucht wurde, 
und die Leuchtkörper, cylindrische Stücke Aetzkalk, mufsten fortwährend 
gedreht werden, hielten nur wenige Stunden und waren bei feuchter 
Witterung nicht zu gebrauchen, da sie zu Staub zerlielen. Ihre Auf- 
bewahrung inulöte in hermetisch verschlossenen Gefäfsen geschehen. 
Nichts desto weniger hat man immer auch noch nach Verbreitung des 
elektrischen Lichtes, besonders in England, für viele Zwecke sich des 
Kalklichtes bis heute bedient. 

In den letzten Jahren hat durch die Errichtung von Sauerstoff- 
fabriken, auf die ich weiter unten zurückkomme, der Gebrauch des 
Kalklichtes besonders in England sehr zugenommen. Da jedoch jedes 
Kalklicht in Folge der schnellen Abnutzung des Leuchtkörpers einer 
fortwährenden Beaufsichtigung und Regulirung durch einen Menscher 
bedarf, so ist es nur für kurze Beleuchtungen auf der Bühne und zu 
Projectionszwecken in Anwendung. Besonders geeignet und schon viel- 
fach angewendet ist das Kalklicht für ärztliche Zwecke zum Beleuchten 
von Körperhöhlen. Die hohe Intensität macht es möglich, mit passenden 
Reflectoren auch in der Tiefe enger Körperräume noch alle Einzelheiten 
zu erkennen, und die weifse Farbe des Kalklichtes läfst feine Farben- 
veränderungen der röthlichen Schleimhäute so hervortreten, dafs krank- 
hafte Vorgänge in Stadien diagnosticirbar sind, wo dieses mit dem gelben 
Lampen- oder Gaslichte nicht möglich ist. 

Als ich vor einigen Jahren genöthigt war, derartige Studien an mir 
selber eingehend zu betreiben, sah ich mich wegen der Mängel des 
Kalklichtes veranlafst. Versuche mit Zirkouerde zu macheu, und bin ich 
dann schliesslich zu den weiterhin zu beschreibenden Zirkonerdeleucht- 
körpern gekommen. 

Schon in den fünfziger Jahren soll der französische Techniker 
Tessie du Mothay durch aus Zirkouerde hergestellte Stifte und Erhitzen 
derselben im Knallgasgebläse bedeutende Lichtwirkungen erzielt haben. 
Spätere praktische Versuche auf der Ausstellung in Paris 1867, sowie 
auf dem Westbahuhofe in Wien 1870 mufsten in Folge der schnellen 
Abnutzung der Leuchtkörper, sowie des hohen Preises des Sauerstoff- 
gases bald aufgegeben werden. Wie Tessie seine Glühkörper herstellte, 
ist nicht bekannt geworden. 

Die Zirkonerde ist von Kla{>rot/i Ende des vorigen Jahrhunderts 
entdeckt und dargestellt worden, aber erst Berzeliu» machte auf das 
überaus hohe Lichtemissionsvermögen dieser Erde aufmerksam. Das- 
selbe wird auch jetzt nur noch von der kaum je in gröfseren Mengen 
beschaffbaren Erbinerde etwas übertroll'en. Die Zirkonerde ist absolut 
unschmelzbar bei den durch chemische Vorgänge auf unserer Erde er- 
reichbaren Temperaturen. Ihr hohes Lichtemissionsvermögen ist aber 
au ihre chemische Reinbeil geknüpft, und ^<> konnte man bisher nur 
durch starkes Zusammenpressen unter hohem Drucke Glühkörper er- 



Ueber die praktische Verwendbarkeit der Zirkonerdeleiichtkörper. 237 

halten. Die Linnemann sehen Zirkonerdeplättchen ', welche in einen 
Platinteller eingelassen werden, sind so hergestellt. Selbstverständlich 
springen dieselben in der Hitze sehr bald und schmilzt dann der Platin- 
teller leicht ab, wodurch die ohnehin ziemlich kostspieligen Glühkörper 
noch erheblich theurer werden. Aehnlich war Caron' 1 verfahren. Linne- 
mann hat jedoch das Verdienst, die Grundsätze erkannt und hervor- 
gehoben zu haben, nach denen ein guter Brenner für Leuchtgas-Sauer- 
stoffflamme construirt sein mufs, um mit möglichst wenig Gas bei 
möglichst geringem Drucke die gröfsten Wärme- und Lichtefi'ecte zu 
geben. Er will, dafs die chemische Vereinigung der beiden Gase etwa 
0,5 bis l cm vor der Brennermündung stattfinde, dafs also die Flamme 
vor dem Brenner und nicht am Brenner brennt. Damit dieses dauernd 
stattfindet, mufs die Ausströmungsgeschwindigkeit des Gasgemenges 
gröfser sein als die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Explosion in dem- 
selben. Bei richtiger Brennerconstruction mufs der Druck des Sauer- 
stoff'gases 15 mal so grofs sein als der des Leuchtgases, dann befindet 
sich etwa l cm vor der Brennermündung eine kugelförmige hellblaue 
Stelle — die eigentliche active Flamme — , welche die höchste Tempe- 
ratur besitzt, und das Metall des Brenners wird kaum warm, geschweige 
an der Spitze angegriffen. Ist der Sauerstofi'druck geringer, so schlägt 
die Flamme zurück, d. h. dieselbe beginnt trichterförmig an der Sauer - 
stoffausströmung, ist weniger heifs und erhitzt den Brenner in kurzer 
Zeit sehr stark. Ist die Flamme, wie oben angegeben, richtig gebildet, 
dann concentrirt sieh die ganze producirte Wärmemenge auf einen 
kleinen, vom Metalle entfernten, Punkt und kann ohne Verlust auf den 
Glühkörper wirken. 

Der Linnemann sehe Brenner eignet sich iu Folge der guten Regu- 
lirbarkeit der Flamme für Experimentirzwecke ganz vorzüglich, für den 
Gebrauch des Arztes oder zur Beleuchtung von Wohn- oder Arbeits - 
räumen ist er, abgesehen von seiner Kostspieligkeit, durch seine Gröfse 
und Complicirtheit unbrauchbar. 

Herr Mechaniker Max Wolz in Bonn hat nun einen compendiösen, 
einfachen und billigen Brenner hergestellt, welcher die Vorzüge des 
Linnemann'schen in hohem Mafse besitzt und so construirt ist, dafs, 
selbst wenn der Druck des Sauerstoffgases um >/ 4 bis V m Quecksilber 
wechselt, die Flamme nicht wesentlich alterirt wird. Diese durch die 
wechselnde Reibung des Gases an der eigenthümlich construirten Aus- 
strömungsöffnung bewirkte Selbstregulirung macht den Brenner erst 
praktisch brauchbar. Die Dimensionen desselben sind so gewählt, dafs 
mit dem kleinsten Gasquantum ein Maximum von Licht erreicht wird. 



1 Sitzungsberichte der Kaiserliche* Akademie der Wissenschaften Wien (mathem. 
naturw. Klasse). 1885 Bd. XCU S. 124, Monatshefte d. Chemie, Bd. 6 S. 899, 
and Chem. News, Bd. 52 S. 222. 233. 240. 

'2 Comptes rendus. Bd! 66 S. 1040. und Jaluesb. /'. Chemie. 1868 S. 979. 



238 Ueber die praktische Verwendbarkeit der Zirkonerdeleuchtkörper. 

Gröfsere Brenner zu eonstruiren wird jedenfalls nicht ökouomisch sein. 
da bei einem dickeren centralen Sauerstoff'strahle die Mischung der Gase 
immer unvollkommener wird und sehr leicht unverbrannter, im Ver- 
gleiche mit den übrigen Theilen der Flamme kalter Sauerstoff* gegen 
den heifsen Glühkörper geschleudert wird. Man erkennt ein solches 
fehlerhaftes Brennen der Flamme, wenn man die leuchtende Fläche des 
Glüh kör pers durch ein schwarzes Glas betrachtet. Die Stelle, wo un- 
verbrannter Sauerstoff den Glühkörper trifft, ist als schwarzer Punkt 
kenntlich. Selbstverständlich müssen so erhebliche Temperaturdifferenzen 
den Leuchtkörper bald rissig machen und zerstören. Uebrigens wird 
selbst bei fehlerhaftem Brennen der Flamme stets nur eine 1 bis 2 mm 
dicke Schicht des Leuchtkörpers nach einiger Zeit abbröckeln. Durch 
eine geringe Vorwärtsbewegung des Leuchtkörpers, dessen Fläche nicht 
glatt zu sein braucht, ist die Lampe wieder in Ordnung. 

Die von mir dargestellten Zirkonerdeleuchtkörper sind durch Fritten 
der reinen Zirkonerde mit einem Minimum anderer Substanz erhalten. 
Dieselben sind porös, um den heftigen, schnellen Temperaturwechseln 
besser zu widerstehen, und sind doch so hart, dafs man sie gut an- 
fassen und befestigen kann. Nach meinem Verfahren können homo- 
gene Zirkonerdekörper jeder Form und Gröfse erhalten werden. Am 
besten bewährt sich ein cylindrischer Körper von m ,02 Länge und 
m ,008 Dicke, und gibt derselbe an einem Ende angeblasen mit 30' 
Leuchtgas und 30 1 Säuerstoff" in der Stunde ein Licht von 40 bis 
50 Kerzenstärken. 

Ich habe diese Bestimmungen vielfach wiederholt mit einem mir 
von der Bonner Gasfabrik freundlichst zur Verfügung gestellten Photo- 
meter mit Amylacetat-Normallampe. Ferner zeigte sich, dafs 30 1 Gas 
in der Stunde aus runder Oeffnung ausströmend fast genau eine Kerzen- 
stärke geben. Durch Hinzufügung von 30' Sauerstoff und Verwendung 
des Zirkonerdeleuchtkörpers wird die Lichtmenge für die Praxis jeden- 
falls 40 mal gröfser, ohne die Wärmemenge zu vermehren. Im Ver- 
gleich mit einem Argandbrenner, der 250 1 Gas in der Stunde gebraucht. 
ist dieselbe sehr gering. Das Licht ist genau so weifs wie das elektrische 
Bogenlieht, und da die einzelne Flamme des Zirkonerdelichtes nur gegen 
50 Kerzen gibt, so ist die Lichtvertheilung speciell in Arbeitsräumen 
eine weit bessere wie bei den starken elektrischen Bogenlichtern, wo 
in Folge der störerirJen starken Schalten bei jeder einzelnen Maschine 
noch besondere Beleuchtung nölhig ist. 

Genaueres über die Zusammensetzung des Lichtes meiner Leucht- 
körper, sowie ihre Verwendung zu spektroskopischen Untersuchungen 
tindet. sich in einer Arbeit von ßetlendurf 3 , welcher die hohe Inten- 
sität, sowie die Ausdehnung des Spektrums nach der Seite des Violett 



:< Liebig's Annalen der Chemie. Bd. 256 S. 167. 



Ueber die praktische Verwendbarkeit der Zirkonerdeleuchtkörper. 239 

hin hervorhebt und zu seinen Messungen von Absorptionsspektren be- 
nutzt hat. 

Das elektrische Licht bietet den grofsen Vortheil, dafs von einem 
Punkte aus alle Lichter auf einmal in Thätigkeit gesetzt bezieh, ge- 
löscht werden können. Bei Zirkonerdelichtern kann man durch allei- 
niges centrales Absperren des Sauerstoffgases sozusagen Dunkelheit 
herstellen und durch Wiederöffnen des Sauerstoffhahnes sofort wieder 
volle Helligkeit herbeiführen. Da die Leuchtgas-Sauerstoffflamme eine 
Stichflamme ist und der Sauerstoffstrahl auch bei Lageveränderungen 
des Brenners die Flamme immer in der Achse des Brenners hält, so 
kann man die Lampen ohne Weiteres invertiren bezieh, das Licht von 
der angeblasenen, hellglühenden Fläche des Leuchtkörpers leicht in jede 
Richtung bringen. In Folge der Kleinheit der intensiv leuchtenden 
Fläche läfst sich das Licht durch Linsen oder Hohlspiegel sehr günstig 
concentriren und auf weite Entfernungen hin wirksam machen. Ist der 
Zirkonerdeleuchtkörper einmal im Brennpunkte eines Linsensystemes 
genau fixirt, so behält er diese Stellung stundenlang unverändert bei, 
während die besten Kalkcylinder so stark sintern, dafs in kürzester 
Zeit die hellste Stelle bis cm ,5 weit verschoben ist. Es braucht wohl 
nicht besonders hervorgehoben zu werden, dafs für feinere Projections- 
apparate und mikrophotographische Aufnahmen dieser Umstand Kalk- 
glühkörper fast unbrauchbar macht. 

Obwohl nun das Zirkonerdelicht vom theoretischen Standpunkte 
leicht als das rationellste Beleuchtungssystem zu rechtfertigen ist und 
viele Vortheile selbst gegenüber dem elektrischen Lichte für manche 
Zwecke und Verhältnisse bietet, so ist seine praktische Verwendbarkeit 
doch lediglich von dem Preise und der bequemen Beschaffbarkeit des 
Sauerstoffgases abhängig. Selbst für Naturforscher, welche Laboratorien 
haben, und für Aerzte ist die Darstellung des Sauerstoffgases auf die 
Dauer zu mühsam und zeitraubend. Seit einigen Jahren hat man nun 
in England in grofsem Mafsstabe nach dem Z?nV sehen Verfahren Sauer- 
stoff aus atmosphärischer Luft dargestellt und in Stahlcylindern com- 
primirt versandfähig gemacht. Zur Zeit hat in Berlin Herr Dr. Theodor 
Elkan eine Sauerstofffabrik nach Brins System errichtet und liefert der- 
selbe sehr reinen Sauerstoff auf 100 ut comprimirt in leichten, sicheren, 
amtlich geprüften Stahlcylindern. Die vorzügliche Construction des Ver- 
schlufshahnes gestattet durch einfache Drehung eines Schlüssels so 
kleine Gasmengen ausströmen zu lassen, dafs man die Lampen direkt 
mit der Flasche verbinden kann, ohne Zwischengasometer oder Gummi- 
sack. Erst nach mehreren Stunden wird es nöthig, den Hahn etwas 
mehr zu öffnen. In neuester Zeit werden aufserdem Reducirventile 
geliefert, welche so vollkommen funetioniren, dafs der Gaszuflufs von 
Anfang bis zu Ende ganz gleich bleibt. 

Hierdurch ist erst die praktische Verwendbarkeit des Zirkonerde- 




240 Kleinere Mittheilungen. 

lichtes gegeben. Gesetzt auch, man legte neben den Gasl'abriken Sauer- 
Btofifabrikea an, um dem Leuchtgase die Concurrenz mit dem elektri- 
schen Bogenlichte zu ermöglichen, es wird kaum möglich sein, in 
längeren verzweigten Röhrenleitungen den erforderlichen Druck des 
Sauerstotlgase.» von 2 cnn (Quecksilber zu halten, und werden die Verluste 
bei jeder Undichtigkeit unverhältniismäfoig grofs werden. Durch das 
Piaschensystem ist es lernet- möglich, an jeder Stelle einer Gasleitung 
vorübergehend ein intensives Zirkonerdelieht anzubringen, und läfst sich 
die Leistungsfähigkeit der bestehenden Gasleitungen auf diese Weise 
40mal gröfser machen. 

Wellenkernerschläger. 

Um das Achsenmittel an Wellen, Bolzen u. dgl. bequem zu ermitteln, wird 
der in nebenstehender Figur abgebildet^ Kernerschläger mit Vortheil benutzt. 

indem der etwa 100 mm lange Ilakenschenkil 
an die Welle längsseits angelegt und der 
im Abstände von 15 bis 20mm befindliche 
Kerner mittels eines Hammerschlages in die 
Stirnfläche der Welle eingeschlagen wird. 
Aus drei oder mehrern solcher Kerner- 
gruben kann sonach leicht mittels eines Spitzzirkels das Wellenmittel angerissen 
und der Hanptkerner nach gewöhnlicher Art vollendet werden. {Am. Machinist. 
1890 Bd. 13 Nr. Ü*S. 5.) 

Glättepulver für Fufsböden. 

Diesing (D. lt. P. Nr. 50468) mischt Talkpulver mit geschmolzenem Paraffin 
und bürstet das Gemenge in warmem Zustand durch ein feinmaschiges 
Drahtsieb. 

Reinigung von Baumwollsamenöl. 

Nach G. Tall und W. Ph. Thompson (D. R. P. Nr. 49012) reinigt man Baum- 
wollsamenöl in bekannter Weise mit Alkalikarbonaten und rührt dann das 
Oel in i i der gleichen Menge eines schwach milchigen Kalkwassers an. Man 
läfst absitzen, trennt vom Kalkwasser und erhitzt nun das Oel mit ti-ockener 
Walkerde auf 150 bis 180". wobei sowohl die letzten Spuren Farbstoff wie auch 
unangenehmer Beigeschmack verschwinden sollen. 

Bestimmung des Siliciums in Eisen. 

Nach der Vorschrift von Clere erwärmt man Lg der gepulverten Probe 
mit 15 bis 20« Wasser. 8 bis 10 l( Brom und 75cc Salzsäure auf 100°. Nach- 
dem sich die Probe gelösl hat, verdünnl man mit 200 bis 300cc heifsem Wasser, 
liltrirt. wäscht den "Rückstand, glüht und wagt die Kieselsäure. (Zeitschrift 
für angewandte Chemie. L890 Hell & S. 49, nach V. r. industr. Min.. 1889 S. 107.) 

Anwendung von Thierkohle bei der Bestimmung des Fettes in Futter- 
stoffen. 
Da der Aetherextract der Futterstoffe neben den Fetten öfters noch andere 
Substanzen enthält, so empfiehlt //. J. Patterson im Americ. Chtm. Jourtt. die äthe- 
rische Lösung über Thierkohle zu filtriren. Ks soll beim Verdunsten des Fil- 
trates ein Rückstand mit den Eigenschaften eines reinen Fettes verbleiben und 
die Thierkohle keine Fettverluste veranlassen. {Berichte der Deutschen Cham. 
Gesellschaft. 181)1) Heft 12 Referate S. 170) 



Verlag der .T. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart 
Druck der Uuion Deutsehe Verla^sgt-sellscliaft in Stuttgart. 



Nord westdeutsche Gewerbe- und Industrie- Ausstellung in Bremen. 241 

Von der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung in Bremen 1890. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 167 d. Bd.) 
Mit Abbildungen auf Tafel 15. 

Das Maschinenwesen. 
Wie in unserer einleitenden Betrachtung dargelegt ist, war die 
Industrie und insbesondere das Maschinenwesen sehr mäfsig vertreten. 
Es kann weder von einer Vollzähligkeit der Industriebetriebe aus dem 
Ausstellungsgebiete, noch von einer angemessenen Vorführung des heutigen 
Standes unserer Maschinenindustrie gesprochen werden. Nichtsdesto- 
weniger darf nicht übersehen werden, dafs die ausgestellten Einzel- 
leistungen namentlich im Dampfmaschinenwesen sehr würdig waren, 
dafs ferner manche bisher noch nicht öffentlich gezeigte Neuerung be- 
sonders im Gasmaschinenwesen zu bemerken war. Da es aus obigen 
Gründen nicht gerechtfertigt erscheint, die vorgeführten Leistungen an 
dieser Stelle im Einzelnen näher zu erörtern, so sei unsere Besprechung 
auf die beobachteten neuen Erscheinungen bezieh, neuen Abänderungen 
beschränkt. 

Dampfkessel. 

Die ausgestellten Dampfkessel sind sämmtlich zum Betriebe der Dampf- 
maschinen und Pumpwerke für die Springbrunnen und Wasserkünste 
herangezogen. Dieselben sind in einem, Kesselhaus genannten, Schuppen 
untergebracht und müssen den Betriebsdampf theilweise sehr weit fort- 
liefern. Wenn die Dampfmaschinen in der Ausstellung auch wenig 
Dampf brauchen, so ist doch der Verbrauch für die Betriebsdampfmaschine 
zur elektrischen Beleuchtung, für den Betrieb der die Wasserwerke spei- 
senden gewaltigen Worthington-Fampen sehr bedeutend, so dafs eine 
starke Anstrengung der Kessel augenscheinlich vorhanden ist. 

Der gröfste Dampfkessel mit 200Q m Heizfläche ist von der Düssel- 
dorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik vormals Dürr und Co. geliefert. Dieser 
Kessel zeigt die typischen Eigenthümlichkeiten, wie sie früher hier be- 
schrieben worden sind (vgl. 1889 274* 115), doch weicht die allgemeine 
Anordnung nicht unwesentlich von der früheren ab. 

Der Kessel hat zwei cylindrische Oberkessel von je 6 m ,875 Länge 
und l m ,5 Durchmesser, welche nur am vorderen Ende durch zwei je 
l m ,l weite Stutzen mit dem gleichmäfsig unter beiden Oberkesseln 
liegenden, nach hinten abgeschrägten Röhrenkessel von 3 m ,190 Breite, 
l m ,2 Höhe und 5 m ,l Länge in Verbindung gesetzt sind. Die Heizung 
bewirken drei unter dem Röhrenkessel gleichmäfsig neben einander ver- 
teilte, schräge Planrostfeuerungen von je 1600 mm Länge und 847 mm 
Breite. Zur Hervorbringung des Wasserumlaufes sind die 105 Röhren 

Dinners polyt. Journal Bd. 278 Nr. 6. 1890/IV. 16 



242 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

des Unterkessels mit Field'schen Rohreinsätzen versehen, wie dies schon 
früher beschrieben wurde. Beide Oberkessel, welche übrigens auch 
durch einen weiten Stutzen im Dampf- und Wasserraume in Verbindung 
stehen, sind mit einem über ihnen liegenden Dampfsammler von 700 mni 
Durchmesser bei 6 m ,<o Länge durch je einen 350 mm weiten Stutzen ver- 
bunden. Sämmtliche Kessel, auch der Dampfsammler, welcher noch 
einen Wasserabscheider enthält, sind ummauert, so dafs die Feuergase 
auch noch den Dampfsammler beeinflussen können. Der Betriebsdampf 
hat 8 at Ueberdruck. Die gesammte Höhe des Kessels beläuft sich auf 
5 m ,2 bei 4 m ,360 Breite und 5 m ,8 Länge. Der Röhrenkessel besitzt 
Chamottezungen zur Leitung der Feuergase. 

Der vom Blechwalzwerk Schulz- Knaudt in Essen ausgestellte Seit- 
rohrkessel von 60i m Heizfläche ist für 12 at Ueberdruck berechnet. Der 
Kessel hat eine gesammte Länge von 8 m ,815 bei 2 m ,2 Durchmesser, das 
Wellrohr l m ,3 Durchmesser. 

Die Eigentümlichkeit des Kessels besteht in der Leitung der Heiz- 
gase innerhalb des nach hinten schwach verjüngten Wellrohres. Dicht 
hinter der Feuerbrücke des l m ,6 langen Planrostes (Innenfeuerung) liegt 
eine gemauerte 900 mm lange Kammer, welche über der Feuerbrücke die 
Gase aufnimmt, um sie unterhalb der Rohrachse weiter ziehen zu lassen. 
Von der Kammer geht eine das Wellrohr dem Querschnitte nach in 
drei Theile zerlegende Mauerung, so dafs im Wellrohre drei Feuerzüge 
entstehen, so zwar, dafs die oberste Zunge senkrecht nach oben, die 
beiden anderen Zungen je im Winkel von 120° nach rechts und links 
unten abzweigen. Durch den untersten Zug gehen die Gase bis an das 
Ende des Wellrohres, um dann durch den einen Seitenzug vorwärts 
bis an die Kammer und von hier durch den anderen Seitenzug wieder 
nach hinten zu gehen. Hier treten die Gase aus dem Wellrohre heraus, 
um nun den Aufsenkessel durch zwei weitere Unterzüge von unten zu 
umspülen, welche durch eine in der Längsachse des Kessels angeordnete 
Mauerung in bekannter Weise gebildet werden. 

Eine neue Kesselconstruction tritt uns bei dem von der Firma 
ßehne und Hertz in Harburg a. d. Elbe ausgestellten Kessel entgegen. 

Der Kessel hat 57^ m Heizfläche und ist mit rauchfreier Feuerung 
versehen. 

Der in Fig. 1 und 2 dargestellte Dampfkessel ist ein senkrechter 
Röhrenkessel, mit in den Boden eingehängten Fte/tf sehen Röhren und 
durchgehenden Feuerröhren. Von den letzteren dienen einige zugleich 
als Ankerrohre. Der Kessel lagert auf zwei sich einander gegenüber- 
liegenden gufseisernen Rahmen, welche, mit Thüren und Regulirschiebern 
versehen, im Inneren die korbrostartigen Feuerungen aufnehmen. Die 
Feuerung wird einerseits durch leicht auswechselbare Roststäbe und 
andererseits durch eine Reihe Field'scher Röhren gebildet. Die Field- 
schen Röhren sind mit einem Chamottemantel umzogen, welcher aufsen 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 243 

mit einem Blechmantel umgeben ist. Im Inneren des Kessels befindet 
sich ein durchbrochener Glühkörper. Zur Reinigung und Erneuerung 
des Glühkörpers dient eine unter der Kammer angebrachte Thür mit 
Schieber für den Luftzutritt. Die unteren Enden der Field'schen Röhren 
ragen durch eine gufseiserne Platte und sind der Reinigung und des 
Wasserablasses wegen mit Metallschrauben versehen. Das Speisen und 
Abblasen des Kessels geschieht durch einige FieW-Rohre. Die Reini- 
gung, sowie die Auswechselung der Rohre kann leicht bewerkstelligt 
werden und sind die Rohre dementsprechend angeordnet. Die frei- 
liegenden Kesselmanteltheile sind mit einer Isolirmasse umkleidet. Die 
Constructionstheile des Kessels lassen nach jeder Richtung eine freie 
Bewegung zu. 

Vom geschlossenen Einschüttrumpf gelangt der Brennstoff unter 
langsamer Vergasung und Vorbereitung zur Verbrennung auf den Rost, 
woselbst unter regelbarem Zutritte von warmer Luft aus dem Aschen- 
falle eine vollkommene Verbrennung stattfindet. Die Verbrennungsgase 
bestreichen zunächst die Field- Röhren, stofsen dann auf den in der 
Kammer befindlichen Glühkörper, um unter Zuführung von Luft aus 
dem Aschenfalle vollkommen zu verbrennen und weiterhin durch die 
Feuerrohre in den Schornstein zu entweichen. Durch die gegenüber- 
liegende Anordnung zweier senkrechter Feuerungen in Verbindung mit 
einem Glühkörper ist die Verbrennung eine fast rauchlose. 

Die Gröfsenverhältnisse des ausgestellten Kessels ergeben sich in 
nachstehender Weise: 

148 Field-Rohre = 43,956qm 

72 Feuerrohre = ll,275qm 

Boden = l,596qm 

Direkte Heizfläche = 56,827qm 

Indirekte „ = 16,913qm 

Totale Rostfläche = l,25qm 

Verhältnifs der totalen Rost- zur Heiz- 
fläche = 1 : 45 

Dampfraum = 2,45cbm 

• Verdampfungsoberfläche = 2,72q m 

Verhältnifs von Durchgangsfläche der 

Feuerrohre zur Rostfläche . . . = 1:4 

Wasserinhalt = 2,523cbm 

Betriebsdruck = 8at 

Gewicht ohne Mauerung = 12500 k 

„ der „ = 3400k 

Leistung = 100 ff 

Ohne auf die übrigen Kessel weiter einzugehen, unter denen sich 
übrigens noch ein Seitenwellrohrkessel der Firma Beslenbottel und Sohn 
in Bremen befand (65q m Heizfläche, 6 at Ueberdruck, 2 m Durchmesser, 
8 m Länge, Wellrohrdurchmesser 1200 mm ), sei hier die Besprechung einer 
rauchfreien Feuerung von Cario in Magdeburg angeschlossen, welche an 
einem nur mittelbar zur Ausstellung gehörigen Dampfkessel von Petry- 



244 Nord westdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

Dereux in Düren angebracht ist. Letzterer Kessel gibt den Betriebs- 
dampf für die Maschine der Dynamo zu einer elektrischen Eisenbahn, 
welche den Verkehr der Stadt Bremen nach der Ausstellung bewirkt 
und auf welche später noch eingegangen werden soll. 

Die 6'an'oFeuerung ist in ihrer neuesten Gestalt durch Fig. 3 bis 6 
dargestellt. Dieselbe ist von der Firma Otto Thost in Zwickau aus- 
geführt. 

Die Hostflächen habeu dem Böschungswinkel des Brennstoffes ent- 
sprechende Neigung nach beiden Seiten. Daraus ergibt sich eine grofse 
Rostfläche, wie sie für Innenfeuerung sonst kaum zu erreichen sein 
dürfte. Eine Kohlenthür in der Mitte und zwei Seitenthüren D an der 
Stirnplatte dienen zum Beschicken und Entschlacken der Feuerung in 
folgender Weise. Die Thüren sind zweitheilig und um einen oberen 
Zapfen C beweglich; eine muldenförmige Schaufel oder besser Rinne Ä, 
die an einem Ende keilförmig in eine Spitze b ausläuft, am anderen 
Ende mit einem Griff d versehen ist, wird mit Brennstoll" gleichmäfsig 
angefüllt und dann auf einer dazu vorhandenen Führung B durch die 
Kohlenthür A in den Feuerraum hineingeschoben und oberhalb des 
Rostes F durch Umdrehen um die Längsachse entleert. Die Flügel der 
Kohlenthür gehen dabei nur so weit aus einander, als der Durchgang 
der Schaufel dies erzwingt, so dafs also jede überflüssige Eröffnung und 
damit ein Zutritt kalter Luft zur Feuerung verhindert wird. Nach dem 
Herausziehen der Schaufel fallen die Thüren selbsthätig zu. 

Im Feuerraume ist in Folge des Zusammenschürens der Glutmassen 
die Temperatur so hoch, dafs eine Entzündung und vollkommene Ver- 
brennung der dem frischen Brennmaterial entströmenden Gase u. s. w. 
stattfindet. Der Heizer hat demnach nur das periodische Auftragen des 
Brennmaterials zu besorgen. — Der Verbrennungsprozefs geschieht dann 
unabhängig von der Geschicklichkeit des Heizers, dessen Beschäftigung 
noch dadurch erleichtert wird, dafs er der ausstrahlenden Hitze bei den 
bisher offenen Thüren nicht mehr ausgesetzt ist. Die seitlichen Thüren D 
dienen zum Entfernen der Schlacken, die sich unten ansammeln. Eine 
vollständige Uebersicht über den ganzen Rost gewähren die mit Glimmer- 
platten versehenen Schaulöcher e. 

Bei Uuterfeuerungen kann man auch (zumal bei geringwerthiger 
Kohle) die Rostfläche so legen, dafs die unteren Flächen an einander 
stofsen (V)- Die Beschickung erfolgt hier mittels Trichters von oben 
oder mittels Handschaufel von vorn aus. Ein so eingerichteter Rost 
würde seiner gröfseren Zugänglichkeit wegen einem Treppenroste vor- 
zuziehen sein. Die Leistung der Carlo- Feuerung läfst sich sehr gut 
steigern, und verbrannte man auf l'i m Rostfläche 70, aber auch schon 
140 k Steinkohle. 

Zur Bestimmung des Wassergehaltes von Dampf hat M. Gehre in 
Rath bei Düsseldorf die in Fig. 7 abgebildete Vorrichtung ausgestellt. 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 245 

Wird der in dem Räume a nach Schliefsung der Ventile b abgeschlossene 
Dampf, sowie das übergerissene Wasser weiter erwärmt, so wird das 
Wasser nachverdampfen. Solange der Dampf gesättigt bleibt, wird 
Spannung und Temperatur stets in einem bestimmten Verhältnisse stehen, 
wie dies in den bekannten Tabellen angegeben ist. Ist jedoch sämmt- 
liches im Dampfe enthaltene Wasser verdampft, so wird, wenn man die 
Erwärmung fortsetzt, die Temperatur dieses Verhältnifs verlassen und 
höher werden, da nun der Dampf überhitzt wird. In diesem Augen- 
blicke, wo die Temperatur höher wird, als sie bei gesättigtem Dampfe 
und gleichem Drucke sein müfste, ist alles Wasser verdampft. Da nun 
die Scala des Manometers mit Temperatur- und Gewichtsangaben für 
die verschiedenen Dampfspannungen versehen ist, so wird der Zeiger 
des Manometers sowohl, als auch der Quecksilberstand des Thermo- 
meters so lange dieselbe Temperatur anzeigen, bis der Dampf in den 
überhitzten Zustand tritt. Von diesem Zeitpunkte ab werden die Tempe- 
raturangaben des Thermometers und Manometers verschieden sein, da 
der Dampf jetzt anfängt, sich zu überhitzen. Man hat alsdann auf dem 
Manometer nur abzulesen, bei welcher Spannung des Dampfes dieser 
Zeitpunkt eintrat. Da nun bekanntlich gesättigter Dampf für jede Span- 
nung eine bestimmte Temperatur und ein bestimmtes Gewicht hat, so 
kann man durch den Unterschied zwischen den aus den Tabellen be- 
kannten Gewichten eines gleichen Volumen gesättigten Dampfes von 
verschiedener Spannung ohne Weiteres den Procentsatz des nachver- 
dampften bezieh, im Dampfe enthaltenen Wassers bestimmen. 

Dampfmaschinen. 

Die ausgestellten Dampfmaschinen zeigen durchschnittlich die neueren 
Anordnungen der Einzeltheile. Als besonderes Kennzeichen sei darauf 
hingewiesen, dafs die meisten Dampfmaschinen für Dynamobetrieb be- 
stimmt sind und dafs namentlich mit Dynamo gekuppelte Dampf- 
maschinen mehrfach vertreten sind. Sogenannte Schnellläufer sind eben- 
falls vertreten. 

Eine Maschine von A. Knoevenagel in Hannover ist als liegende 
Verbundmaschine in Zwillingsanordnung mit Bayonnetgestellen con- 
struirt für einen Dampfdruck von 9 at und eine Normalleistung von 100 
bis 120 effective EP. Die Dampfcylinder haben 360 bezieh. 550 mm 
Durchmesser und 650 mm Hub. Die Zahl der Umdrehungen beträgt 100 
in der Minute. Das Schwungrad ist zum Zwecke des direkten An- 
triebes einer Dynamomaschine mit Riemenscheibenkranz construirt. Die 
Dampfcylinder, sowie das Zwischenrohr sind mit Dampfmänteln ver- 
sehen, welche mit frischem Kesseldampfe gespeist werden. Erstere 
haben eingesetzte auswechselbare Büchsen aus besonders hartem Gusse. 

Beide Cylinder zeigen Ventilsteuerung. Die der Abnutzung unter- 
worfenen Theile, als Schneiden und Büchsen, sind leicht auswechselbar. 



246 Nordwestdeotsche Gewerbe- und Industrie- Aasstellung in Brem 

Diese Theile, sowie die Hauptsteuerungstheile sind glashart, so dafs die 
Abnutzung sehr gering ist. Die Einlafs- sowie die Auslafsventile werden 
durch Kreisexcenter bewegt. Die Auslafssteuerung ist so construirt, dafs 
die Hubgeschwindigkeit der Ventile beim Anhübe sehr klein ist und 
sieh dann rasch vergröfsert. Die Kegulirung ist sehr empfindlich, was 
sich besonders beim Betriebe von elektrischen Lichtanlagen vortheilhaft 
geltend macht. 

Die drehbar angeordneten Ventile bleiben im Betriebe ohne Nach- 
hilfe dauernd dicht, und ist zum Beweise dafür ein Ventil ausgestellt, 
welches 7 Jahre lang im Betriebe war und dessen spiegelblanke Sitz- 
flächen keine Abnutzung bemerken lassen. 

Die allgemeine Anordnung der Maschine ist die übliche. Der An- 
trieb des Regulators erfolgt mittels Schraubenräder, die Schmierung der 
Cylinder mittels Molleruji sehen Schmierapparates. Die Schmierung des 
Kurbelzapfens geschieht durch durchbohrten Kurbelzapfen mittels eines 
einstellbaren Bach'schen Patentschmierapparates, welcher ein Nachfüllen 
während des Betriebes gestattet. 

Die eigenartige Steuerung der Maschine sei unter Hinweis auf Fig. 8 
besonders beschrieben. 

Der Regulator wirkt mittels des Hebels h auf den excentrisch 
sitzenden Zapfen z, verschiebt dadurch die Schneide s und verändert 
damit den Expansionsgrad der Maschine. Der Körper /c, welcher die 
Schneide s trägt, ist drehbar um den Bolzen z { und kann durch einen 
angebrachten Draht- oder Seilzug plötzlich ausgelöst werden, wodurch 
der Dampfzutritt zu dem Cylinder abgeschnitten wird. 

Es löst diese Construction somit auch die Aufgabe, von einem ent- 
fernten Orte aus die Dampfmaschine möglichst rasch zum Stillstande 
zu bringen, und verdient dieselbe als Sicherheitsvorrichtung Beachtung. 

Die von der Firma Hannoversche Messing- und Eisen- Werke in Wülfel 
vor Hannover ausgestellte, im Betriebe befindliche schnelllaufende Dampf- 
maschine, System Dautzenbcrg, ist eine doppelt wirkende, eincylindrige 
Hochdruckdampfmaschine von 100 effectiven BP mit 275 Umgängen in 
der Minute, 350 mm Cylinderdurchmesser und 350 mm Hub. 

Die Welle ist einfach gekröpft und trägt rechts und links vom 
Kurbelzapfen zwei Kurbelscheiben, deren Gegengewichte zum Aus- 
balanciren der schwingenden Massen dienen. An beiden Enden der 
Welle sitzen die als Riemenscheiben ausgebildeten Schwungräder. Die 
Lager sind symmetrisch zur Cylindermitte angeordnet und mit Weifs- 
metall ausgegossen. 

Die Kreuzkopfführung im Frame ist cylindrisch und der besseren 
Zugänglichkeit wegen oben ollen. Der rückwärtige, zur Aufnahme des 
freitragenden Cylinders bestimmte walzenförmige Theil des Frames ist 
sehr kräftig gebaut, so dafs Federungen gänzlich ausgeschlossen sind. 

Zwischen der Rundführunsr und den Lagern ist ein Aufbau an- 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 247 

geordnet zur Aufnahme des Central-Schmiergefäfses: derselbe dient 
aufserdem als Widerlage für den die Kurbelscheibe umgebenden Oel- 
fänger. 

Für die Pleuelstange mit offenem Gabelkopfe bei dem Kurbelzapfen 
und gabelförmiger Umfassung des Kreuzkopf bolzens wurde des geringen 
Gewichtes wegen der Schafttheil mit rechteckigem Querschnitte gewählt. 
Die Zapfenschalen sind mit Weifsmetall ausgegossen. 

Der Kreuzkopf ist mit senkrechter Keilnachstellung ausgeführt und 
mittels eines Zapfens mit dem darunter befindlichen Schuhe, welcher 
reichliche Auflagefläche bietet, verbunden. Zur Sicherung gegen das 
Abheben des Schuhes sind über diesen zwei Führungslineale angebracht. 

Der Kolben ist mit elastischen Dichtungsringen (Selbstspanner) ver- 
sehen und ist wie alle übrigen Gestängetheile nach Thunlichkeit leicht 
gehalten. Zur Vermeidung des einseitigen Anzuges der Stopfbüchse ist 
solche mit einer Schneckenvorrichtung versehen. 

Die Dampfvertheilung erfolgt durch einen entlasteten Kolbenschieber 
mit veränderlichem Hube und Voreilung, welche beide der jeweiligen 
Belastung der Maschine entsprechend vom Regulator durch Verdrehung 
des Excenters eingestellt werden. Der Kolbenschieber, sowie die Büchsen 
sind aus Gufseisen hergestellt und dampfdicht eingepafst. Die Erlangung 
geringer Abmessungen war die Anwendung von Trick' sehen Kanälen 
bestimmend. 

Der in einem der beiden Schwungräder gelagerte Regulator besteht 
aus zwei langgestreckten, die Stäbe umschliefsenden Fliehgewichten und 
aus zwei über den Schwerpunkten der letzteren radial angeordneten 
Spiralfedern. Die Fliehgewichte sind an je einem Ende durch gänzlich 
entlastete Drehbolzen gehalten und durch Gelenkstangen mit dem Ex- 
center verbunden. Sie bewirken durch Verdrehung des Excenters die 
Veränderung des Voreilungswinkels und der Excentricität. 

Die Excenterscheibe besteht aus zwei einander excentrisch sich 
drehenden Scheiben. Die innere Scheibe ist auf der Schwungradwelle 
mittels einer nabenförmigen Verbreiterung lose gelagert und besitzt an 
der dem Regulator zugekehrten Seite zwei diametral gegenüber stehende 
Zapfen, an welche die oben bereits erwähnten zum Regulator führenden 
Gelenkstangen anschliefsen. Die äufsere Scheibe wird durch eine mit 
der Welle rotirende radial gestellte Gradführung mittels Zapfen und 
Schuh in ihrer relativen Lage erhalten. 

Die Schmierung der sämmtlichen Theile wird von einem automatisch 
thätigen Central-Schmiergefäfse bewirkt. Dieselbe ist unter Hinweg- 
lassen der leicht sich verstopfenden und complicirten Ventilchen oder 
Hähnchen durch Anwendung von saugenden Filzstreifen auf die gröfste 
Einfachheit zurückgeführt und äufserst zuverlässig. 

Die scharfe Regulirung, der ruhige Gang, sowie der geringe Raum- 
bedarf, aufserdem die Einfachheit und leichte Zugänglichkeit machen 



248 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

diese Maschine für den elektrischen Betrieb ganz besonders geeignet. 
Der Dampf verbrauch ist so, wie man ihn von einer durch Verhältnisse 
gegebenen eincylindrigen Hochdruckmaschine verlangen darf, und schwankt 
zwischen 12 bis 19 k für die effective Pferdekraft und Stunde je nach 
Gröfse der Maschine — 150 bis 10 EP — und der Kesselspannung von- 
10 bis 6«t. 

Der Oelverbrauch ist in Folge reichlicher Abmessung der Reibungs- 
flächen, richtiger Legirung des Lagermetalles, sowie des sicher und 
gleichmäfsig wirkenden Central-Schmierapparates äufserst gering. 

Von der Firma L. W. Bestenbostel und Sohn ist eine 100 pferdige 
Verbundmaschine mit Einspritzcondensation ausgestellt; dieselbe leistet 
100 effective EP bei 7 at Ueberdruck, 80 Umdrehungen in der Minute 
und 0,26 Füllung im kleinen Cylinder. Der dampfummantelte Hochdruck- 
cylinder ist mit Ridersteuerung versehen und der Niederdruckcylinder 
hat durch Hand verstellbare Meyer sehe Expansionssteuerung. Die 
Kolbendurchmesser betragen 370 mm und 550 mm , der Hub beider Cylinder 
ist 700 mm . Die Regulirung erfolgt durch einen Regulator mit Frictions- 
energie, welcher die Füllung des Hochdruckcylinders je nach der Bean- 
spruchung von bis 70 Proc. des Hubes einstellt. An der durchgehenden 
Kolbenstange des Niederdruckcylinders ist die Luftpumpe angekuppelt. 
Die Maschine dient zum Betriebe einer grofsen Dynamomaschine von 
Schuckert und Co. in Nürnberg. 

Bezüglich der Schnellläufer sei noch erwähnt, dafs eine seitens der 
Berliner Maschinenbau- Actiengesellschaft vormals L. Schwarzkopff in Berlin 
ausgestellte, eincylindrige, mit Dynamo gekuppelte Dampfmaschine von 
40 EP bis zu 450 Umgänge in der Minute machen, dafs eine zweite 
von derselben Firma ausgestellte, ebenfalls direkt mit der Dynamo ge- 
kuppelte Eincylindermaschine von 18 B? sogar 500 Umläufe in der 
Minute erreichen soll. Beide Maschinen haben Expansionsteuerung mit 
Drehschieber nach System Dingler. 

Die Vertheilung der Beleuchtungsapparate auf die verschiedenen 
dabei betheiligten Firmen ist in folgender Weise bewerkstelligt worden : 
Die Firma Schuckert und Co. in Nürnberg beleuchtet den vor dem P;irk- 
hause belegenen Theil des Ausstellungsgebietes, das Innere des Kessel- 
hauses, der Maschinenhalle und des Architektenhauses, sowie einige 
sonstige in diesem Gebiete liegende Ausstellungspavillons. Aufserdem 
hat die genannte Firma auf der Kuppel des Parkhauses einen Schein- 
werfer ausgestellt, welcher an schönen Abenden in Thätigkeit gezeigt 
wird. Die beiden zur Beleuchtung dienenden Dampfmaschinen sind die 
von L. W. Bestenbostel und Sohn und A. Knoevenagel. Den Strom für den 
Scheinwerfer liefert eine Grä&ner- Maschine mit direkt angekuppelter 
Dynamo; die 6rrü'6ner-Maschine ist von der Firma K. und Th. Möller in 
Brackwede ausgestellt. Dynamo, Lampen nebst den zugehörigen Theilen 
entstammen der Fabrik der Firma Schuckert und Co. in Nürnberg. 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 249 

Den übrigen Theil des Parkes, mit Anschlufs des Carousselplatzes, 
der Altbremerstrafse, sowie des Platzes vor dem Forsthause, beleuchtet 
die Firma Siemens und Hahke in Berlin, und zwar stellt die Firma 
aufser der allgemeinen Platzbeleuchtung gleichfalls einen Scheinwerfer 
an der Parkseite des Parkhauses im Betriebe aus, beleuchtet das Innere 
des Parkhauses, sowie die Marinehalle und die in diesem Gebiete 
liegenden Ausstellungspavillons und Restaurationen, und liefert die 
farbige Beleuchtung der Wasserkünste auf dem Platze hinter dem 
Parkhause, sowie die Beleuchtung der Facadencontouren des Haupt- 
ausstellungsgebäudes. 

Es ist eine von G. Kuhn iu Stuttgart gelieferte Dampfmaschine von 
300 EP aufgestellt, welche nach dem Schlüsse der Ausstellung für eine 
städtische Centralanlage bestimmt ist. Diese Maschine treibt zwei an 
ihrer Seite befindliche mächtige Dynamo, jede von 120000 Volt- Ampere, 
die 160 Umdrehungen in der Minute machen. Beide Dynamo sind 
direkt mit der Dampfmaschine verkuppelt. Da die um die Elektro- 
magnete rotirenden Ringanker einen sehr grofsen Durchmesser haben, 
auch die sechs schleifenden Bürstenpaare sehr genau regulirt sind, so 
ist dadurch ein funkenloser Gang der Dynamo gesichert. Eine zweite 
Verbunddampfmaschine, welche C. Daevel in Kiel lieferte, besitzt 
60 FP, ist besonders für Schiffszwecke eingerichtet und mit einer Dy- 
namomaschine gekuppelt. Letztere macht in einer Minute 330 Touren 
und leistet 35000 Volt-Ampere. Der 94 cm im Durchmesser haltende 
Scheinwerfer auf der Höhe des Parkhauses erhält seinen elektrischen 
Strom von diesem Maschinensystem. Eine dritte, kleinere Maschine von 
16 FP dient ähnlichen Zwecken. 

Ein wichtiger Theil der Anlage ist der Schaltapparat, der besondere 
Aufmerksamkeit verdient. Derselbe ist als typisches Modell einer 
städtischen Centrale für ein Dreileitersystem mit Accumulatoren, Gleich- 
stromtransformator und Apparaten zur Umschaltung und Spannungs- 
messung hier aufgestellt. Das ganze Schaltbrett macht wegen der vor- 
züglichen Anordnung und sauber gearbeiteten versilberten Instrumente 
und Federn einen vorzüglichen Eindruck. Der Beamte hat mittels dieser 
Apparate stets einen Ueberblick über die Stromlieferung der Maschine, 
sowie über die Spannungshöhe in den entferntesten Theilen der Leitung. 
In einem Anbaue der Halle finden sich zwei Accumulatorenbatterien 
zu 60 Zellen nach dem System 7Wor, gebaut von der Firma Müller 
und Einbeck in Hagen, aufgestellt, welche zum Aufspeichern der bei 
Tage von den Dynamo erzeugten Elektricität dienen. Die Ladung er- 
folgt während des Lichtbetriebes nur dann, wenn die Dynamo von 
letzterem nicht ganz in Anspruch genommen werden. Eine Wolf 'sehe 
Verbundlocomobile speist einen Scheinwerfer in einer Stärke von 
6000 Volt-Ampere oder auch 8 bis 10 Bogenlampen mit Licht. 

Der übrige Ausstellungsplatz wird von der Fabrik für Elektrotechnik 



250 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

und Maschinenbau Bamberg beleuchtet. Die zu dieser Beleuchtung ge- 
hörige Dampfmaschine ist die von den Hannoverschen Messing- und Eisen- 
werken in Wülfel vor Hannover. Die Dynamo, Lampen und die zu- 
gehörigen Theile sind von der Fabrik für Elektrotechnik und Maschinenbau 
Bamberg geliefert. — Sämmtliche Dampfmaschinen erhalten ihren Dampf 
aus der gemeinsamen Kesselanlage im Kesselhause. 

Gasmaschinen. 

Wohl alle im Bau von Gas- und Erdöl- bezieh. Benzin-Maschinen 
thätigen Firmen sind auch auf der Ausstellung vertreten. Während die 
vorjährige Berliner Ausstellung keine Neuheiten in den üblichen Con- 
structionen der einzelnen Firmen zeigte, kann man hier verschiedene 
Abänderungen in den Einzelheiten der Maschinen bemerken, welche 
deren praktische Verwendbarkeit wesentlich verbessert erscheinen lassen. 
Die Gruppe der Gasmaschinen, so zerstreut sie auch auf der Ausstel- 
lung untergebracht ist, mufs unbedingt als der Kernpunkt der Maschinen- 
ausstellung angesehen werden. 

Die älteste Gasmaschinenfabrik — die Gasniotorenfabrik Deutz — 
hat einen neuen Typus ihrer bekannten liegenden ÖMo'schen Maschinen 
ausgestellt. Diese neue Maschine soll unter Beibehaltung der liegenden 
Anordnung möglichst kurz sein, und ist deshalb — unter Fortlassung des 
Kreuzkopfes, dessen Führung und der Pleuelstange — die Kolbenstange 
unmittelbar an die Kurbel angeschlossen. Um die Kreuzkopfführung zu 
ersetzen, hat der Kolben eine besondere Länge erhalten. 

Als weitere Neuerung ist die Anwendung von Schraubenrädern an 
der Steuerwelle für den Betrieb von Schieber und Regulator zu er- 
wähnen, wodurch die Maschine mit gröfserer Geräuschlosigkeit arbeitet. 

Eine neue Gasmaschinenconstruction ist nach Lutzkifs Patenten von 
G. Koebers Eisenwerk in Harburg ausgestellt. Die stehende Maschine 
arbeitet auf die dicht über dem Fundamente gelagerte Schwungrad- 
welle, indem die Kolbenstange des mit dem kräftigen Fundamente ver- 
schraubten Cylinders nach unten unmittelbar an die Kurbelwelle an- 
greift. Die Lagerung der mit zwei Schwungrädern ausgestatteten 
Schwungrad welle unterhalb des Arbeitscy linders sichert einen ruhigen 
Gang der Maschine. 

Der Kolben saugt durch ein auf den oberen Cylinderboden auf- 
gesetztes Mischventil Luft und Gas ein, welches beim Rückhube ver- 
dichtet und am Hubende in dem auf dem Cylinderboden befindlichen 
Rohrzünder entzündet wird. 

Gas- und Luftventil in dem Mischventilgehäuse sind auf das ge- 
wünschte Mischverhältnifs einstellbar. Unterhalb beider Ventile ist ein 
Flügelrad angeordnet, welches durch den Gemengestrom in Umdrehung 
versetzt wird und dadurch eine innige Mischung der Ladung hervor- 
bringt. 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 251 

Die Regulirung erfolgt durch Offenhaltung des Auspuffventils, welches 
seitlich am Cylinderende angeordnet ist. Die Offenhaltung findet unter 
Vermittelung einer Sperrklinke durch einen Pendelregulator statt. 

Die Schmierung des Kolbens mufs von unten her erfolgen und ge- 
schieht von einem seitlich am Cylinder angeordneten Schmiertopfe aus, 
welcher das Oel durch ein Loch im Cylindermantel in schraubenförmige 
Riefen des Kolbenkörpers einführt. 

Die ausgestellte 4 IP-Maschine soll nur cbm ,68 Gas für die Stunde 
und Pferdekraft gebrauchen. 

Die früher bereits (1889 274* 10.* 182) beschriebene Gasmaschine 
von Dürkopp und Co. in Bielefeld hat bei den ausgestellten Maschinen eine 
Aenderung in der Steuerung erfahren. Durch die wagerecht umlaufende 
Daumenscheibe, welche am unteren Ende der Regulatorstange liegt, 
werden nur noch die Ventile für Einlafs und Auslafs gesteuert, während 
für die Steuerung des Zünders am oberen Ende der Regulatorstange 
eine besondere Steuerscheibe vorgesehen ist. 

Die interessanteste Gasmaschine ist seitens der Firma Gebr. Körting 
in Hannover für den Betrieb durch einen ebenfalls aufgestellten Doivson- 
Gasapparat der bereits in diesen Blättern beschriebenen Bauart geliefert. 
Die Maschine weicht in vielen Punkten bezüglich der Steuerung von den 
bisher mafsgebend gewesenen Anschauungen völlig ab und dürfte als 
wesentlichster Fortschritt im Gasmaschinenbau anzusehen sein. 

Die Gasmaschine, welche über 18 B? leistet, ist in Fig. 9 bis 12 
dargestellt. 

Der Motor arbeitet im Viertakt. Das Einbringen des Gas- und Luft- 
gemisches, das Entzünden desselben und das Herauslassen des ver- 
brannten Gemisches geschieht durch Ventile. Die Regelung des Ganges 
bei wechselnder Belastung erfolgt selbsthätig mittels eigenthümlicher, 
patentirter Steuerung und Bewegung des Auslafsventils für die ver- 
brannten Gase. 

Bei der Construction des Motors ist in erster Linie Werth darauf 
gelegt worden, dafs alle beim Betriebe auftretenden Kräfte nicht nur 
sicher, sondern ohne die geringste Vibration der beanspruchten Theile 
aufgenommen werden können. Der Rahmen ist so ausgebildet, dafs 
eine möglichst direkte Verbindung zwischen Cylinder und Wellenlager 
erreicht wird. Die Anordnung von der Mittellinie des Cylinders aus 
ist symmetrisch, hat daher den Vorzug, eine gleichmäfsige Inanspruch- 
nahme zu ermöglichen und aufserdem der ganzen Maschine ein ge- 
fälliges Aeufsere zu verleihen. Der durchweg in Hohlgufs ausgeführte 
Rahmen ist wesentlich kräftiger gehalten, als bei den meisten Maschinen 
ähnlicher Bauart, und hat eine sehr grofse und vorteilhaft ausgebildete 
Grundfläche. 

Ganz besondere Sorgfalt ist auf die Kurbelwelle und ihre Lagerung 
verwendet. Die nach beiden Seiten hin svmmetrisch ausgebildete Welle 



252 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

trägt an jedem Ende ein Schwungrad, welches einen Angufs im Kranze 
zur Ausbalancirung der hin und her gehenden Massen (Kurbelarme, 
Pleuelstange, Kolben) besitzt. Nur durch diese symmetrische Anord- 
nung ist es möglich, eine vollkommene Ausbalancirung und damit ein 
Minimum der Beanspruchung und Abnutzung zu erreichen, sowie einen 
absolut ruhigen Gang der Maschine herbeizuführen. 

Der Cylinder ist als besonderer Gufstheil in den am Rahmen an- 
gegossenen Kühlmantel eingesetzt. Der Kolben ist ungewöhnlich lang 
gehalten, um schädliche Abnutzungen durch den Kolbenzapfendruck zu 
vermeiden. 

Einlafs- und Auslafsventil befinden sich in einem am Cylinderdeckel 
angegossenen Gehäuse, und sind beide mit Wassermantel umgeben. 
Das Mischventilgehäuse ist als besonderes Gufsstück ausgeführt. Sämmt- 
liche Ventile sind mit gröfster Leichtigkeit zugänglich, ohne dafs eine 
Demontage der Steuerungstheile nöthig ist. 

Die Ventilanordnung zeigen Fig. 9 und 10; rechts befindet sich das 
Mischventilgehäuse 7. Dasselbe enthält einen leicht auswechselbaren, 
in Rothgufs ausgeführten Sitz 2 und den ebenfalls aus Rothgufs be- 
stehenden Ventilkegel 5. Der gröfsere Eingang ist für die Luft be- 
stimmt, der mittlere, kleinere für das Gas. Der doppelsitzige Ventil- 
kegel schliefst mit der grofsen Sitzfläche die Luft, mit der kleineren das 
Gas gleichzeitig ab. Das Gas strömt in der Mantelfläche des Kegels 
durch Schlitze 5 aus. Diese Schlitze stehen zu dem Umfange des luft- 
abschliefsenden Theiles in einem durch die betreffende Gasart bedingten 
Verhältnisse, so dafs stets, wie weit auch das Ventil geöffnet und wie 
auch der Gang der Maschine sei, das gleiche Gasgemisch in den Cylinder 
gelangt. Das Mischventil wirkt selbsthätig, wird aber in seiner Bewe- 
gung nach oben durch eine Steuervorrichtung 6 geführt, so daf9 ein 
lästiges Klappern nicht stattfinden kann. 

Auf dem Wege zum Cylinder passirt das Gasgemisch das Einlafs- 
ventil 7. Dasselbe ist aus Stahl, wirkt wie das Mischventil selbsthätig, 
wird aber auch, wie letzteres, in seiner Bewegung nach oben gesteuert, 
damit ein stofsfreier, ruhiger Gang erreicht wird. Das Auslafsventil 8 
ist wie das Einlafsventil aus Stahl gefertigt. Dasselbe wird durch das 
der Firma patentirte Schaltwerk so gesteuert, dafs bei jedem zweiten Ein- 
gange des Kolbens (vierter Hub) das Ventil sich kurz vor dem äufseren 
toten Punkte der Kurbel öffnet und nach erfolgtem Eingange des Kolbens 
am inneren toten Punkte sich schliefst. Die Verschlufsdeckel 74 sind 
aufgeschliffen und mittels Bügel und Druckschrauben festgehalten. Der 
Deckel 4 des Mischventils hingegen ist mit Gewinde versehen. 

Der Glühzünder besteht aus dem Porzellanhütchen 80, welches 
durch einen Bunsenbrenner 79 rothglühend erhalten wird. Im Zünder- 
körper 77 ist ein Platinröhrchen 81 eingeschraubt, welches bis in den 
vorderen Theil des Hütchens hineinragt und die Fortsetzung einer Bob- 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 253 

rung im Zünderkörper 77 bildet, welcher nach aufsen hin durch das 
Ventil 55 abgeschlossen wird. Am anderen Ende des Röhrchens ist 
eine feine üeffnung angebracht. 

Die Wirkung des Zünders ist folgende: 

Bei Beginn des Verdichtungshubes öffnet sich Ventil 55; es tritt 
Gasgemisch durch die Bohrung 82 in das rothglühende Hütchen 80, 
entzündet sich dort, und die Verbrennungsproducte gehen durch die feine 
Bohruno- 57 des Platinröhrchens und durch das Ventil 55 nach aufsen. 
Hierbei ist die Geschwindigkeit des durch die Bohrung 82 strömenden 
Gasgemisches so grofs, dafs ein Zurückschlagen der Flamme nicht statt- 
findet. Soll die Zündung stattfinden, so schliefst sich Ventil 55; die 
Bewe°un°- des Gasgemisches nach aufsen hört auf und die vor der 
Oeft'nuno- 82 brennende Flamme schlägt in das Innere der Maschine 
hinein. 

Das Schaltwerk (Fig. 11 und 12) dient zur Steuerung des Auslafs- 
ventils. Auf der Kurbelwelle befindet sich ein Excenter 9, welches 
seine Bewegung auf die Stange 10 überträgt. Letztere ist hohl und 
umschliefst eine zweite Stange 11, welche an einem Ende mit dem 
Auslafsventilhebel 12 durch Bolzen verbunden ist, an dem anderen Ende 
einen Bügel mit Stift 15 trägt, welcher je nach Stellung der Schalt- 
trommel 14 bei der Bewegung der Stange 10 nach links entweder in 
eine Vertiefung der Schalttrommel oder auf diese selbst stöfst. Im 
letzteren Falle wird die Stange 1 1 mit nach links genommen und durch 
Vermittelung des Hebels 12 und Stange 59 das Auslafsventil 8 gehoben. 
An der Schalttrommel 14 ist ein Zahnrad 15 befestigt, welches acht 
Zähne besitzt. Dieses Rad führt, weil es sich an der Stange 10 befindet, 
eine angenäherte Kreisbewegung aus und kommt während eines Theiles 
seiner Bewegung nach rechts zum Eingriff mit einem Stifte 16, welcher, 
durch Hebel 17 geführt, ausweichen kann, aber durch Feder 18 stets 
gegen das Rad 15 gezogen wird, bis die Anschlagschraube 19 wieder 
fest gegen den Knaggen 20 stöfst. Hierbei dreht sich das Rad 15 sowohl 
als auch die Schalttrommel 14 um eine Zahntheilung, also um % seines 
Umfanges. Es ist klar, dafs abwechselnd nach jeder Umdrehung der 
Kurbelwelle eine Vertiefung und darauf folgend eine volle Stelle der 
Schalttrommel 14 vor den Stift 15 zu stehen kommt, mithin bei jeder 
zweiten Umdrehung der Kurbelwelle das Auslafsventil bethätigt wird. 
Die Feder 2/ hält das Auslafsventil in den Zwischenzeiten geschlossen; 
dieselbe mufs so stark sein, dafs beim Ansaugen des Kolbens kein 
selbsthätiges Oeffnen des Auslafsventils stattfindet. 

Die Steuerung der Einlafsventile. Ein zweites Excenter auf der 
Kurbelwelle bewegt mittels seiner Stange 25 den Hebel 24; dieser über- 
trägt zunächst mittels der Stange 25 seine Bewegung auf den Hebel 6. 
Die Führungsstange des Mischventilkegels 5 folgt beim Ansaugen dem 
vorderen Ende des Hebels 6. Ein Fortsatz 26 des Hebels 24 um- 



254 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

schliefst eine Hülse 27. Durch diese Hülse ist eine Stange 28 gesteckt, 
die am oberen Ende ein Kugelgelenk bildet und dadurch mit dem 
Hebel 29 verbunden ist. Das äufsere Ende, rechts, des Hebels 29 liegt 
auf einer Verschraubung 50 des Einlafsventils 7; eine Feder 51 drückt 
die Hülse 27 fest gegen den Ansatz der Stange 28. 

Saugt nun der Kolben an, so hebt sich das Einlafsventil 7 und ist 
bestrebt, mittels des Hebels 29 und der Stange 28 die Hülse 27 fest 
gegen den Fortsatz 26 zu drücken. Das Einlafsventil kann daher nur 
der Bewegung des Hebels 24 nach oben folgen. Die Feder 51 ist not- 
wendig, um dem Hebel 24 die Bewegung nach unten zu gestatten. 
Hierbei verschiebt sich Hülse 27 einfach unter Zusammendrücken der 
Feder 51 auf der Stange 28, während Hebel 29 unbeweglich auf der 
Verschraubung 50 des Einlafsventils ruht. 

Da sich die Einlafsventile nur nach jeder zweiten Umdrehung der 
Kurbelwelle zu heben brauchen, so macht die Steuerung eine Bewegung 
nutzlos. Dies schadet aber nichts, da die Ventile ja nicht genöthigt 
sind, zu folgen. 

Die Steuerung des Zünders wird durch Hebel 24 bewirkt (Fig. 9 
und 10). Der Fortsatz 26 geht durch eine Aussparung des lose um 
seine Achse 35 drehbaren Hebels 52. Dieser ist am äufseren Ende 
durch die Stange 54 mit dem Zündventile 55 verbunden; eine Feder 56 
prefst den Zündkegel gegen seinen Sitz. Hebel 24 stöfst nun bei seiner 
Bewegung nach unten gegen die Stellschraube 57 und öffnet bezieh, 
schliefst dadurch das Zündventil. Letzteres macht hiernach bei jeder 
Umdrehung der Kurbelwelle eine Bewegung, während jedoch nur bei 
jeder zweiten Umdrehung eine Zündung erfolgt. 

Die Regulirung ist in Fig. 11 dargestellt. An der Excenterstange 10 
ist mittels einer Feder 58 ein Gewicht 59 aufgehängt, welches mittels 
Stange 40 in Verbindung mit einem Winkelhebel 41 gebracht ist, dessen 
Drehpunkt 42 sich an einem Ansätze 45 der Stange 10 befindet. Eine 
Feder 44 zieht das Gewicht 59 stets gegen den festen Ansatz 45 an 
der Stange 10. Um einen am Gestelle der Maschine befestigten 
Zapfen 46 ist eine Klinke 47 drehbar, welche am Ende eine Stahl- 
schneide 48 besitzt. 

Die Kraftregulirung der Maschine soll nun in der Weise bewirkt 
werden, dafs ganze Ladungen ausfallen. Dies wird dadurch erzielt, dafs 
das Auslafsventil bei zu schnellem Gange der Maschine offen gehalten 
wird. Letzteres kann geschehen, wenn bei der äufsersten Stellung des 
Hebels 12 nach links die Klinke 47 gehoben und dadurch die Schneide 48 
vor eine andere Schneide 49 am Hebel 12 gerückt wird. Der Hebel 12 
kann nun nicht wieder zurück, und das Auslafsventil bleibt geöffnet, 
bis die Klinke 47 wieder ausgerückt wird. 

Das Gewicht 59 beschreibt eine angenäherte Kreisbahn, hat somit 
eine entsprechende Centrifugalkraft. Diese ist in der Richtung der 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 255 

Stange 40 nach links aufgehoben durch die Feder 44. Steigt die Um- 
drehzahl der Maschine, so steigt auch die Centrifugalkraft des Ge- 
wichtes 59, überwindet die Federspannung, die Stange 40 verschiebt 
sich nach links und das Röllchen 50 drückt den Hebel 47 nach oben. 
Durch die Muttern 51 läfst sich die Umdrehzahl aufs genaueste regu- 
liren; durch Rechtsdrehen (Zusammendrücken der Feder 44) vergröfsert 
man die Umdrehzahl, durch Linksdrehen verkleinert man dieselbe. 

Damit bei geöffnetem Auslafsventile nicht auch das EinlafsveDtil 
sich öffnen kann und dadurch Gasverluste herbeiführt, drückt die Mutter 22 
(Fig. 9) gegen die Feder 60, wodurch der Hebel 29 fest gegen die 
Mutter 50 des Einlassventils 7 liegt. 

Die Schmiervorrichtung für den Kolben und den Kolbenzapfen ist 
vorn auf dem Cylinder angebracht. Aus dem mit Glaswand versehenen 
Behälter 52 (Fig. 11) gelangt das Oel durch einen Dreiwegehahn 55 in 
zwei Tropfdüsen, von welchen die eine (58) den Kolben, die andere 
(54) den Fangtrichter 55 für den Kolbenzapfen speist. Das Fangrohr 56 
ist mittels der Schrauben 57 so einzustellen, dafs die Fangmulde am 
Kolben beim äufsersten Stande nach links das Rohr 56 eben berührt. 
Die Menge des Oeles für den Cylinder ist durch Drehen der Düse 56' 
so zu bemessen, dafs derselbe ringsum eine gleichmäfsige und reichliche 
Fettschicht aufweist (30 bis 70 Tropfen in der Minute); für den Kolben- 
zapfen braucht man nur sehr langsam tropfen zu lassen. Das sich im 
Cylinder etwa ansammelnde Oel o. dgl. mufs beim Stillstande der Ma- 
schine durch Oeffnen des Hahnes 66 abgelassen werden. 

Das Kühlwasser für den Arbeitscylinder tritt durch Rohr 60 (Fig. 11) 
in den Mantel des Cylinderdeckels ein, steigt nach oben und gelangt 
durch ein Vertheilungsrohr, welches sich in dem Augufs 62 befindet, 
in den Cylindermantel: durch das Ueberlaufrohr 65 kommt das Wasser 
zum Abflufs. Ein Rohr 64 läfst die sich etwa im Inneren des Mantels 
ansammelnde Luft entweichen. 

Die Kühlwassermenge ist durch Hahn 61 so zu reguliren, dafs das 
Wasser mit etwa 60° zum Abflufs kommt. Man kann etwa 40' Wasser 
für die Stunde und Pferdekraft rechnen. 

Hahn 61 hat einen dritten Seitenausgang, durch welchen bei ge- 
schlossenem Hahne das im Cyiinderdeckelmantel befindliche Wasser 
selbsthätig zum Abflufs gelangen kann. Für denselben Zweck ist im 
Ueberlaufrohre 65 an der tiefsten Stelle ein kleines Loch gebohrt, 
welches bei Stillstand der Maschine das Wasser aus dem Cylindermantel 
ausfliefsen läfst. 

Diese Einrichtungen haben den Zweck, bei Frostwetter das Ge- 
frieren des Wassers in den Mänteln zu verhüten, weil im anderen 
Falle leicht durch die Ausdehnung bei der Eisbildung die Wände zer- 
brechen könnten. 

Sollte das Kühlwasser viel Kesselstein absetzen, so empfiehlt es 



256 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 

sich, eine gewisse Wassermenge immer wieder zu benutzen und das- 
selbe in Kühlgefäfsen abzukühlen, wozu wir unsere Rippenkühler als 
ganz besonders geeignet empfehlen können. Gestatten die Räumlich- 
keiten, den Kühler genügend hoch (unter das Dach des Maschinenraumes 
oder in einer Etage über demselben) aufzustellen, so kann man durch 
selbsthätige Circulation das Wasser umarbeiten lassen; mufs der Kühler 
jedoch neben der Maschine Aufstellung finden, so ist eine kleine Centri- 
fugalpumpe erforderlich. 

Beim Betriebe durch gewöhnliches Leuchtgas hat sich der Gasver- 
brauch auf 2 / 3 cbm für die stündliche Pferdekraft gestellt, während beim 
Leergange nur 2500 bis 3000 1 Gas verwendet wurden. 

Die elektrische Eisenbahn. 

Aus dem Inneren der Stadt Bremen nach dem Ausstellungsgebäude 
führt eine elektrische Bahn nach dem System Thomson- Houston, deren 
Betriebsquelle in der Ausstellung sich befindet. Die Bahn ist in stän- 
digem lebhaftem Betriebe und scheint sich gut zu bewähren, wenn auch 
noch das beim Fahren auftretende Geräusch, sowie das ungemein leb- 
hafte Funkeusprühen störende Mängel sind. 

Der Ruhm, die erste elektrische Eisenbahn überhaupt gebaut zu 
haben, gebührt der Firma Siemens und Halske, indem am 16. Mai 1881 
eine solche nach der Kadettenanstalt zu Lichterfelde bei Berlin dem 
Betriebe übergeben wurde. Für den durch eine Dynamomaschine er- 
zeugten elektrischen Strom diente anfangs die eine Schiene zur Hinlei- 
tung, die andere als Rückleitung. Dadurch entstand bei feuchtem Wetter 
ein beträchtlicher Stromverlust. Eine zweite elektrische Bahn wurde 
bald nachher von derselben Firma zwischen Charlottenburg und dem 
Spandauer Bock eingerichtet. Ferner ist in der neueren Zeit Frankfurt 
mit dem benachbarten Offenbach durch dieses moderne Verkehrsmittel 
verbunden. In Nordirland wurde im J. 1882 eine elektrische Bahn nach 
einem ganz anderen Prinzip angelegt, indem man die Betriebskraft in 
Accumulatoren aufspeicherte, die unter den Sitzen angebracht waren. 
Eine zweite derartige Bahn zwischen Beesbrook und Newry in Irland 
dient sowohl dem Güter- wie Personentransport; ihre Dynamomaschine 
wird durch Wasserkraft mittels einer Turbine betrieben. Auch in 
Holland versuchte man den Uebergang zum elektrischen Betriebe durch 
den Bau der Bahn von dem Seebade Zandvoort nach dem benachbarten 
Park. Brighton an der englischen Küste besitzt schon seit längerer Zeit 
eine elektrische Bahn längs des Meeresufers und im vorigen Jahre wurde 
eine weitere zu Gravesend dem Betriebe übergeben. Vor kurzem erst 
weihte der Lordmayor von London die elektrische Eisenbahn ein, welche 
von Charing Crofs, dem Herzen der Weltstadt, nach der südlich von der 
Themse belegenen Vorstadt Camberwell führt. 

Diese kurze Uebersicht der hauptsächlichsten Bahnen mit elektri- 



Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Bremen. 257 

schem Betriebe in Europa läfst erkennen, dafs die befahrenen Strecken 
nur kurz sind und die Entwickelung langsam und zögernd sich vollzog, 
so dafs die Locomotive diese Concurrenz nicht zu scheuen brauchte. 

Weit zahlreicher sind in den Vereinigten Staaten die elektrischen 
Bahnen. Die Elektricitäts-Gesellschaft Thomson- Houston, an deren Spitze 
Elihu Thomson sich befindet, hat ihren Sitz in Boston, während die 
Fabrik in dem dieser Stadt benachbarten Lynn sich befindet. Am 
1. April dieses Jahres hatte die Gesellschaft bereits 61 Bahnen mit einer 
Gesammtbahnlänge von 746 k ,3 im Betriebe, auf der sich 665 mit Elektro- 
motoren versehene Wagen bewegten. Unter diesen hat die von Min- 
neapolis ausgehende Bahn über 100 km Länge. Die Westend Street Rail- 
way Co. in Boston befährt 180 km Gleis mit 127 Motorwagen, während 
eine von Brooklyn ausgehende Bahn 187 km Länge erhält. Weitere 
39 Linien waren an dem genannten Tage im Bau begriffen, welche 
618 km Länge haben, zu denen 431 Motorwagen gehören. 

Den ersten erfolgreichen Versuch, elektrische Energie zum Eisen- 
bahnbetriebe zu benutzen, machte in Amerika Charles van Depoele, 
der sein System im Februar 1883 in Chicago ausstellte und 1884 den 
Betrieb daselbst eröffnete. Im J. 1888 erwarb die Thomson- Houston- 
Gesellschaft zu ihrem Patente dasjenige von van Depoele und sicherte 
sich die Dienste dieses Ingenieurs. 

In der südwestlichen Ecke des Ausstellungsplatzes ist in einem 
eigenen Gebäude eine Zwillingsdampfmaschine von 150 EP aufgestellt, 
welche die Maschinenbauanstalt von Robert Küchen in Bielefeld lieferte. 
Diese Maschine treibt die Dynamo A (Fig. 13), welche 88 englische Zoll 
lang und 46 Zoll breit ist. Der positive Strom wird von zwei Metall- 
bürsten aufgenommen und durch einen Kupferdraht von 8 mm ,3 Durch- 
messer fortgeleitet, der in beträchtlicher Höhe oberhalb der Schienen 
längs der ganzen Bahn ausgespannt ist. Rechtwinklig zur Richtung der 
Bahn an hohen eisernen Pfählen sind Drähte ß befestigt, welche den 
kupfernen Leitungsdx*aht tragen. Der unter diesem Kupferdrahte be- 
findliche Personenwagen nimmt den Strom durch eine Rolle T auf, die 
unter dem Drahte hingleitet, indem sie durch einen federnden hebel- 
artigen Metallarm O gegen den Leitungsdraht B gedrückt wird. So 
gelangt der elektrische Strom nach seiner Zweitheilung gut isolirt an 
die Enden des Wagens zu den zwischen den Rädern liegenden beiden 
Motoren M. Jeder der Motoren treibt eine der beiden Wagenachsen 
unabhängig von der anderen. Von den Rädern gleitet der Strom auf 
die Schienen Z), die in leitender Verbindung mit einem zwischen den- 
selben liegenden Kupferdrahte stehen. Diese unterirdische Metallleitung 
sichert überall den Contact und führt den Strom nach dem negativen 
Bürstenpaare der Dynamo zurück. Derselbe elektrische Strom vermag 
mehrere hinter einander herlaufende, mit Motoren versehene Wagen zu 
bewegen, indem er sich theilt. Jedem Motorwagen lassen sich aufserdem 
Dingler's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 6. 1890/1V. 17 



258 Neuerungen in der Aufbereitung. 

noch zwei gewöhnliche Pferdebahnwagen anhängen. Mit Ausnahme der 
kurzen Strecke in dem engen „Schüsselkorb a ist die ganze l km ,6 lange 
Bahn zweigleisig angelegt, so dafs fortwährend die auf der Hin- und 
Rückfahrt befindlichen Züge vorbei fahren können. 

Die elektromotorische Kraft, welche ungefähr 500 Volt beträgt, ist 
proportional der Spannung des erzeugten Dampfes oder der Menge der 
verbrannten Steinkohle. Durch Handhabung des Regulators läfst sich 
jede o-röfsere Belastung des Wagens doch mit gleicher Geschwindigkeit 
bewegen, welche von der Polizeidirektion in den belebten Stadttheilen 
auf 9 bis 12 km für die Stunde festgesetzt ist. Die elektromotorische Kraft 
der Maschine würde jedoch eine Geschwindigkeit bis zu 30 km in der 
Stunde möglich machen. Für den Betrieb eines einzelnen Zuges sind 
15 £P erforderlich. Jeder Zug läfst sich ebenso leicht zum Stillstande 
bringen, als auch durch Umschaltung des Stromes in entgegengesetzter 
Richtung bewegen. Die Wagen sowohl wie ein Theil der Bahnstrecke 
werden durch Glühlampen erleuchtet, deren Licht ebenfalls von der 
Dynamomaschine erzeugt wird. Für den Theil der Strecke, welche 
Bo»enlicht erhält, wird von der Dampfmaschine eine besondere Dynamo 
in Betrieb gesetzt. Die Dynamo, sowie das Untergestell der Wagen 
mit den Motoren sind in der Fabrik zu Lynn, Mass., erbaut, während 
der obere Theil der Wagen in der Fabrik zu Walle bei Bremen her- 
gestellt wurde. (Fortsetzung folgt.) 



Neuerungen in der Aufbereitung. 

Mit Abbildungen auf Tafel 16. 

a) Mechanische Aufbereitung auf trockenem und nassem Wege. 

Die Firma F. C. Glaser in Berlin benutzt behufs trockener Aufbe- 
reitung von Zinkblende, wenn sie mit Grünstein zusammen vorkommt, 
nicht, wie sonst üblich, den Unterschied im specifischen Gewicht der 
beiden Körper, sondern vielmehr den Unterschied zwischen der Cohäsion 
der Blende und des Grünsteins. Durch den Unterschied zwischen dem 
Cohäsionsgrade der Blende und demjenigen des Grünsteins wird es er- 
möglicht, lediglich unter Benutzung eines Siebes von z. B. ^i 111111 Maschen- 
weite die durch Quetschen des Roherzes entstandenen Mehle derartig 
zu trennen, dafs das Zinkblende haltige Mehl unmittelbar geröstet und 
dann zur Zinkhütte gegeben werden kann. 

Durch dieses trockene Absieben der Blende gehen die feinsten Blende- 
theile derselben nicht verloren, während bei der Concentration der zer- 
kleinerten Masse auf nassem Wege leicht die reichsten Blendetheil- 
chen fortgeschwemmt werden können (vgl. D. R. P. Nr. 52901 vom 
23. Januar 1890). 



Neuerungen in der Aufbereitung. 259 

Ein ähnliches Verfahren wurde bereits früher von Thomas A. Edison 
vorgeschlagen (D. R. P. Nr. 51503 vom 11. December 1888). 

Handelt es sich nämlich um Aufbereitung von Oolitheisenerzen, so 
werden dieselben zunächst zwischen den Walzen A A (Fig. 1) soweit 
zerkleinert, dafs die Täfelchen derselben von einander getrennt sind:, 
dann werden diese Täfelchen von dem erdigen Material durch Abreiben 
in einer sich drehenden Trommel C gereinigt und schliefslich die Täfel- 
chen von dem feinen erdigen Material durch eine geneigte Siebtrommel E 
getrennt. 

In Fig. 2 und 3 ist ein Sandsieb von Goerke dargestellt ; dasselbe 
hat eine Doppelbewegung, die dadurch hervorgerufen wird, dafs das 
geneigt gelagerte Sieb 5, welches auf dem festen, senkrechten Zapfen e 
gehalten, am oberen Ende durch einen oder mehrere rotirende Daumen m 
zeitweilig auf dem Zapfen e gehoben wird, um dann beim Abfallen von 
der Nase der Daumen auf ein elastisches Band des Zapfens e nieder- 
zufallen, während das untere Ende durch die Lenkstange deiner Kurbel h 
hin und her gezogen wird, wodurch das Sieb um den Zapfen e schwingt. 

Diese eigenthümliche Doppelbewegung ist besonders wirksam und 
soll verhindern, dafs die niederrollenden gröfseren Steine feine Sandtheile 
ungesiebt mitreifsen. 

Das Sieb wird vorn, um allen Bewegungen frei folgen zu können, 
durch die in einen Metallschuh eintretende Stütze z getragen (vgl. D. R. P. 
Nr. 48 385 vom 28. Februar 1889). 

Die Halle'sche Maschinenfabrik und Eisengiefserei in Halle a. d. Saale 
baut Schüttelsiebe, durch welche bezweckt wird, das Sichtgut in einer 
bestimmten Bahn über das Sieb hinwegzuführen bezieh, zu transportiren. 

Die Einrichtung besteht in der Anbringung von Zickzack- oder 
wellenförmigen Seitenwänden. Das Sichtgut stöfst durch die hin und 
her schüttelnde Bewegung des Siebes auf diese Wände und wird in Folge 
der eigenthümlichen Form derselben so wieder zurückgeworfen, dafs es 
selbst dadurch in einem zickzackförmigen Weg über das Schüttelsieb 
hinwegtransportirt wird. Die Fig. 4 bis 6 veranschaulichen mehrere 
solcher Plansiebe mit zickzackförmigen Seitenwänden, die so neben 
einander gelegt sind, dafs sie das Sichtgut von einander erhalten. Diese 
Siebe, zu einem Ganzen vereinigt, werden mit einander in der Pfeil- 
richtung A hin und her bewegt. Der Einlauf ist in diesem Falle bei a 
und wird das Sichtgut durch die Seitenwände im Zickzackweg in der 
Pfeilrichtung b weitergeschoben und bis zum Auslauf transportirt. Die 
Zusammenstellung der Siebe kann aber auch eine andere sein und 
kann z. B. der durch die zickzackförmigen Wände erzielte Vorschub 
des Sichtgutes in einer Spirale verlaufen. Man erhält für diese An- 
ordnung ein rundes Sieb (Fig. 7), welches das Sichtgut z. B. im Mittel- 
punkt empfängt und an der Peripherie abwirft oder umgekehrt, oder 
beides zugleich, wie dargestellt ist. Das Sichtgut wird auf das gezeich- 



260 Neuerungen in der Aufbereitung. 

nete Sieh bei ß und bei 2?, aufgegeben, folgt der Pfeilricbtung und 
verläfst das Sieb bei C und L\. Die Bewegung solcher Siebe kann ver- 
schieden sein, eine schüttelnde, wie bei A angegeben, eine um einen 
Mittelpunkt schwingende oder auch z. H. eine derartige, dafs jeder 
Punkt des Siebes eine Epicykloide beschreibt (D. R. P. Nr. 51349 vom 
30. Juli 1889). Diese Siebe dürften auch in der Müllerei zweckmäfsige 
Verwendung finden. 

Unter Nr. 53101 ist der Actiengesellschaft für Locomotivbau Hohen- 
zollern, in Düsseldorf-Grafenberg, ein vom 6. December 1889 ab gültiges 
D. R. P. auf ein Sortirsieb mit Vorrichtung zum Zerkleinern des Sieb- 
gutes ertheilt worden. 

Durch die Schüttelwirkung des geneigt liegenden Sortirsiebes wird 
das genügend zerkleinerte Gut zwischen den gröfseren Stücken direkt 
nach unten abgeführt und dadurch vor weiterer Zerkleinerung gesichert. 

Diese Zerkleinerung erfolgt durch eine gegen die Siebfläche hin 
und zurück sich bewegende Backe mit Ansätzen, Vorsprüngen oder 
Spitzen. Das Sieb kann, um ein wirksames Abführen des zerkleinerten 
Gutes zu ermöglichen, schwingende oder Längsbewegungen ausführen. 
Wesentlich ist nur, dafs eine Bewegung der Backe gegen das Schüttel- 
sieb hin und rückwärts erfolgt. Durch diese Anordnung eines Siebes 
als Ersatz der einen Backe untei-scheidet sich der vorliegende Apparat 
also auch wesentlich von den gewöhnlichen sogen. Steinbrechern. 

Die Fig. 8 bis 9 zeigen schematisch verschiedene Ausführungsarten 
des Sortirsiebes, während die Fig. 10 und 11 ein praktisches Ausführungs- 
beispiel solchen Apparates darstellen. 

In dem Beispiel Fig. 8 macht das geneigt liegende Sortirsieb A eine 
Längsbewegung, Pfeile /, unter schwacher Hebung und Senkung dadurch, 
dafs dasselbe an Hängeschwingen $ gelagert ist. Die oberhalb des 
Siebes A angeordnete Zerkleinerungsbacke B führt eine Kehrbewegung 
gegen das Sortirsieb A hin und rückwärts aus, Pfeile 2. Die Bewegung 
erfolgt von der Antriebswelle F aus auf die am Gegenlenker a aufge- 
hängte Backe ß mittels der beiden Excenter H und auf das Sortirsieb A 
mittels des auf der Welle b befestigten Hubdaumens L, welcher an einen 
oberen Arm der einen Schwinge s anschlägt. 

In dem Beispiel Fig. 9 erfolgt, die Längsbewegung des Sortirsiebes A 
von der Antriebswelle Faus mittels Excenters £, dessen Stange an eine 
der Stützschwingen s { angreift. 

Bei dem in Fig. 10 und 11 dargestellten Alisführungsbeispiel end- 
lich ist auch die untere Stütze s, für das Sieb A und das untere Ex- 
center H für die Backe B fortgefallen und Sieb und Backe greifen hier 
gemeinsam an der Stützachse C an. 

Die Backe ß ist mit Vorsprüngen versehen, die nach der Natur des 
jeweilig zu zerkleinernden Materials passend geformt werden. Die Be- 
wegung von Sieb und Backe erfolgt durch die auf der Antriebswelle F 



Neuerungen in der Aufbereitung. 261 

befestigten Excenter G und i7, und dabei schwingt sowohl die Backe 
als das Sieb um die Stützachse C\ die mit der Antriebswelle F auf dem 
geschlossenen Rahmen J gelagert ist. Um den Schwingungsmittelpunkt 
der Backe ß und dadurch zugleich die Maulweite bei D verändern zu 
können, ist die Stützachse C in der Mitte excentrisch und an einem Ende 
mit einer Stellvorrichtung E versehen. 

Unter dem Sortirsieb A ist zur weiteren Klassirung des durch das- 
selbe fallenden Materials ein Stofssieb K angeordnet, das durch den 
auf Antriebswelle F befestigten Hubdaumen L bewegt wird. Der ganze 
Apparat ist mittels einer mit einem Einwurftrichter O versehenen Be- 
kleidung M dicht abgeschlossen. 

Die Windsetzmaschine von W. L. Card in Saint-Louis kann ab- 
wechselnd als Setzmaschine und als einfaches Rüttelsieb benutzt werden. 
Sie besteht im Wesentlichen in der Combination des aus Schrot oder 
ähnlichem Material auf wellenförmiger Siebunterlage gebildeten hin 
und her bewegten Bettes B (Fig. 12) mit der regulirbaren Vacuumkammer C\ 
der Luftkammer D und der Luftbüchse E vor dem Exhaustor F (vgl. 
D. R.P. Nr. 49260 vom 26. Februar 1889). 

Unter Nr. 52656 ist der Firma F. C. Glaser in Berlin ein vom 
16. Januar 1890 an gültiges D. R. P. auf einen Verbundstofsherd ertheilt 
worden. 

In Fig. 13 ist die Einrichtung im Grundrifs dargestellt. 
Die durch Fluther, Menschenhand oder Schaufeln über die Aufgabe- 
tafel a dem Herd I zugeführte, Mineralien enthaltende Trübe wird durch 
die diagonal dem Herd angeordnete Brausevorrichtung d und das in sich 
selbst zurücklaufende Band g zu drei Klassen verarbeitet, und entstehen 
auf demselben zunächst Abgänge arm an Mineralien, bei B die weniger 
reichen, mittleren Producte und bei C die reichen, edlen Producte. 

Die von B durch ein Rohr über die Aufgabetafel b dem Herd II 
weiter zugeführte, weniger reiche Masse erfährt hier nochmals eine 
gleiche, wie oben angegebene Verarbeitung, während die erste ärmere 
Masse durch ein Rohr über die Aufgabetafel c dem Herd III zugeführt 
und hier gleichfalls derselben Verarbeitung unterworfen wird. Auf diese 
Weise entstehen dann auf den Herden II und III bei DEFG bessere 
und reichere Producte, während die Abgänge auf denselben Herden je 
bei H und J abgezogen werden. 

Der gemeinsame Antrieb erfolgt durch die Welle h. 
Die Maschinenbauanstalt Humboldt in Kalk bei Köln a. Rhein hat 
Nr. 51685 ein vom 28. Juli 1889 ab gültiges D. R. P. erworben, welches 
sich auf ein hydraulisches Klassir- und Aufbereitungsverfahren nebst 
zugehörigem Apparat bezieht. 

In einem durch regelmäfsigen Wasser-Zu- und Abflufs gleichmäfsig 
hoch gefüllten länglich viereckigen Kasten o (Fig. 14) ist ein denselben 
der Breite nach ausfüllendes, der Länge nach hinten und vorn bezieh. 



262 Neuerungen in der Aufbereitmu. 

link.- und rechts je etwa */ 6 und l/ 5 der ganzen Länge freilassendes 
Sieb B derartig aufgehängt, dafs es an einer der schmalen Seiten in 
Zapfen oder Gelenken 6' scharnierartig in der Senkrechten drehbar ist, 
während die andere, kürzere Seite mittels eines Bügels D und einer Zug- 
stange E mit einem Excenter F in Verbindung steht. 

Das Excenter F sitzt am Ende einer Achse £, welche — im dar- 
gestellten Falle — auf dem Gerüst H über der Maschine der Länge 
nach montirt ist. Man erkennt also sofort, dafs das Sieb durch die 
Drehung des Excenters eine um den Zapfen C schwingende Bewegung 
erhält. Die Excenterstange bezieh, die Bügelschenkel D sind so lang, 
dafs das Sieb vom Drehpunkt C nach D hinfallend geneigt ist. Mittels 
Schraube und Stellmuttern kann der Neigungswinkel geändert werden. 
Aufser der schwingenden oder rüttelnden Bewegung durch das Excenter 
erhält das Sieb noch eine elastisch stofsende, indem Schraubenfedern / 
zwischen auf die Setzkasten wände aufgeschraubte Winkelarme und um 
die Bügelstaugen auf Gegenmuttern aufgelegte Stützplatten eingesetzt sind. 

Das Sieb befindet sich ganz unter Wasser. Durch eingesetzte 
Zwischenwände L L unterhalb desselben ist der Kasten a in zwei, drei, 
eventuell mehr Abtheilungen eingetheilt, in welchen sich das Gut, klassirt 
und separirt, absetzt, indem in die dem Kopfende des Siebes zunächst 
liegenden Abtheilungen das durch das Sieb hindurch fallende schwere 
Gut sich ansammelt und in die andere Abtheilung der leichte Siebrück- 
halt abgeführt wird. 

Am linken oberen Ende des Siebes ist der Kasten ferner durch 
eine von oben etwa bis i j 3 seiner Tiefe hinabreichende Querwand M 
abgetheilt, in den so gebildeten, unten mit dem übrigen Theil des Kastens 
und dem Siebraum communicirenden Raum wird ein Stofskolben N ein- 
gehängt, der mittels Stange und Excenter von der Welle G aus seine 
auf und ab gehende Bewegung erhält. Eine schräge Wand P unterhalb 
des Kolbens lenkt die durch den Kolben verursachte intermittirende 
Strömung unter gleichem Winkel seitlich ab und nach oben. 

Ventile R im Boden des Kastens, die durch Hebel und Zugstangen 
aufwärts geöffnet werden können, gestatten den Abflufs des Inhalts jeder 
Kastenabtheilung. 

Schliefelich sei noch der Wasserzullufs U durch einen Spalt auf 
die ganze Breite des Siebkastens und das Wasserabflufsrohr V erwähnt, 
um den Apparat in seinen wesentlichen Theilen zu vervollständigen. 
Die Wirkungsweise des Apparates ist die folgende: 

Das continuirlich bei U einströmende und bei V abfliefsende Wasser 
macht der Hauptsache nach den Weg von rechts nach links durch den 
Apparat hindurch und wirkt entschlämmend auf das Siebgut. Die 
Küttelbewegung des Siebes veranlafst ein stetes Vorwärtsrücken, Auf- 
lockern und Flottiren des Gutes auf dem Sieb, das noch wesentlich durch 
den hydraulischen Stofs des Kolbens gefördert wird. 



Neuerungen in der Aufbereitung. 263 

Der Hauptzweck des hydraulischen Stofses durch die Kolben- 

bewe°ung ist jedoch das Siebsetzen des Gutes, wodurch die specifisch 

schwersten und mithin feinsten Körnchen sofort in die unterste Zone 

unmittelbar auf die Siebfläche separirt werden und den Durchfall der 

betreifenden Körnchen durch das Sieb erleichtern, da gröbere Körner, 

welche den Durchfall hindern könnten, in die oberen Zonen gesetzt 

wurden. 

b) Magnetische Aufbereitung. 

Fritz Beuther in Fonda de los Banos de Azufre in Ponferrada in 
Spanien (Leon) scheidet magnetische Theile von nichtmagnetischen und 
taubem Gestein in der Weise, dafs das zu sortirende Matei-ial in einen 
mit Wasser gefüllten Behälter eingeführt und dort an einem gebogenen 
Blech vorbeigeleitet wird; hinter demselben rotiren starke Magnete, 
welche die magnetischen Theile an der convexen Seite des Bleches 
haften machen. Sie gleiten längs dieses Bleches hin, bis sie über einen 
besonderen Behälter angelangt sind. In diesen fallen jene Theilchen 
hinein, nachdem der Magnet den betreffenden Theil des Bleches ver- 
lassen hat. 

In seiner einfachsten Einrichtung ist der zur Ausführung jenes Ver- 
fahrens erforderliche Apparat in Fig. 15 dargestellt. 

In einem Kasten liegt eine wagerechte Welle W-, auf welcher eine 
grofse Zahl Magnete M radial befestigt ist. Die Achse dreht sich in 
der Richtung des Pfeiles ; ab c d ist ein Messingblech, welches in beiden 
Längswänden des Kastens und an dessen Rückseite wasserdicht be- 
festigt ist, so dafs die Magnettrommel ganz im Trocknen läuft. Dieses 
Messingblech verläuft von o bis b geradlinig, von b bis c genau in 
Kreisform gebogen und von c bis d wieder geradlinig in Richtung der 
Tangente. Der Abstand des Bleches von den Kopfenden der Magnete 
soll möglichst klein, auch die Blechstärke möglichst gering sein. 

Die zu trennenden Substanzen laufen entweder trocken oder in einem 
Wasserstrom in einem Trichter auf, welcher durch eine zweite Blech- 
platte e und die vorhergenannten ab c d gebildet wird. Die unter dieser 
Platte befindlichen Magnete halten die magnetischen Theilchen an der 
Aufsenwand der Platte fest; die nichtmagnetischen fallen in der Ab- 
theilung m nieder.' 

In Folge der regelmäfsigen Rotation der Magnetwelle W folgen 
die aufsen anhaftenden Erz- oder Metallkörner der Peripherie des Blech- 
streifens bis b. Bei dieser theilweise rollenden Wanderung derselben 
fällt alles etwa zu Anfang mitgerissene nichtmagnetische Korn oder 
fallen auch Körper, die nur zum Theil magnetisch sind, z. B. diejenigen, 
welche noch halb aus Eisenstein, halb aus Blende bestehen, ab. Dieses 
Gut wird in einer bestehenden Abtheilung n aufgefangen. Das auf 
diesem Wege vollständig gereinigte magnetische Product gelangt gleich 
hinter 6, weil der rotirende Magnet nun von dem Messingblech sich 



;2r>4 Neuerungen in der Aufbereitung. 

entfernt, aufserhalb des Anziehungsbereichs des Magneten und fällt in 
der Abtheilung o nieder. 

Es ist selbstverständlich, dafs man an Stelle der constanten Magnete 
auch Elektromagnete verwenden kann; ferner, dafs die Menge des 
aufzugebenden Materials genau geregelt und für stetige Abführung 
der sortirten Producte Sorge getragen werden mufs. 

Das Wesentliche der Erfindung besteht also darin, dafs die Trennung 
der betretlenden Theilchen im Wasser vorgenommen wird, so dafs die Ar- 
beiter nicht durch Staub zu leiden haben und dafs, da die Theilchen 
im Wasser langsamer als in der Luft fallen, die Anziehung der magne- 
tischen Theilchen leichter erfolgt (vgl. D. R. P. Nr. 52292 vom 3. Sep- 
tember 1889). 

Gurdon Conkling in Glenfalls (New York) führt ebenfalls die zu 
trennenden Theilchen in einem Flüssigkeitsstrome an den Magneten 
vorbei. Die letzteren sind feststehend und innerhalb eines endlosen 
Transportbandes angeordnet. Die magnetischen Theilchen werden aus 
der Flüssigkeit heraus und an das Transportband gehoben, um von diesem 
fortgeführt zu werden, während die Flüssigkeit mit den nichtmagne- 
tischen Theilchen abfliefst. Fig. 16 zeigt eine zur Ausführung dieses Ver- 
fahrens erforderliche Einrichtung mit dem endlosen Transportbande C, 
der geneigten verstellbaren Rinne J, den Magneten G und der Abstreif- 
vorrichtung J, deren Wirkungsweise ohne Weiteres aus der Zeichnung 
zu ersehen ist (vgl. D. R. P. Nr. 52007 vom 10. September 1889). 

Fig. 17 und 17a zeigen eine andere Einrichtung von Conkling^s magne- 
tischem Scheideapparat (D. R. P. Nr. 52188 vom 10. September 1889). 

Das Eigenthümliche dieser Construction wird durch die Patent- 
ansprüche ausgedrückt, welche folgende Fassung haben: 

„1) An einem magnetischen Scheideapparat, bei welchem die Schei- 
dung auf einem geneigten, endlosen Transportband erfolgt, die Anordnung 
von Rinnen b in der oberen Treibrolle B des Bandes, in welche die 
Pole der Magnete G eingreifen, indem diese Pole durch Stücke F ver- 
bunden sind, welche in besagte Rinnen hineinragen, zu dem Zwecke, 
die an dem Band durch die Magnete haftenden Theile an ersterem so 
lange zu halten, bis sie den höchsten Punkt der Rolle passirt haben. 
2) In Verbindung mit der unter 1 gekennzeichneten Einrichtung die 
Anordnung eines nahe dem höchsten Punkte des Bandes liegenden 
durchlöcherten Rohres S zur Waschung der vom Band fortgeführten 
Theilchen." 

Clinton Manning Ball in Boston und Scheldon Norton in Hoken- 
danqua (Pennsylvanien, Nordamerika) haben unter Nr. 52411 ein vom 
28. Mai 1889 ab gültiges D. R. P. auf ein Verfahren und eine Vorrichtung 
zur Trennung magnetischer Erze von ihren Gangarten erworben. Das 
Verfahren besteht darin, dafs dieselben in zerkleinertem Zustande an 
zwei oder mehr Magneten von wechselnder Polarität vorübergeführt und 



Neuerungen in der Aufbei'eitung. 265 

dadurch die einzelnen inducirten Theilchen veranlafst werden, sich zu 
überschlagen bezieh, um sich selbst zu drehen. 

Bei der zur Ausführung dieses Verfahrens ausgeführten Maschine, 
Fi£. 18, wird das gepochte Eisenerz oder dergleichen in einen trichter- 
förmigen Rumpf a eingefüllt und gelangt durch die mittels Stellschieber b 
abschliefsbare Oetfnung auf die geneigte Bahn c. Oberhalb und parallel 
zu der letzteren wird in geringer Entfernung ein Band ohne Ende E 
über Walzen e und f in der Pfeilrichtung bis über den Saugtrichter S 
und die denselben unterhalb begrenzende Scheidewand geführt. Der 
Saugtrichter S mündet in das Gebläse G, welches z. B. von der Achse g 
der Rolle f aus mittels der Riemenscheiben h und k und des Riemens r 
seinen Antrieb erhält. 

Unmittelbar über dem der Bahn c zunächst liegenden Theil des 
Bandes ohne Ende E sind eine Reihe natürlicher Hufeisenmagnete oder 
besser Elektromagnete mit wechselnder Polarität angeordnet, welche 
vorzugsweise die in Fig. 18a dargestellten verschiedenen Querschnitts- 
formen erhalten können und die Erztheile, wie in Fig. 18b in vergröfser- 
tem Mafsstabe schematisch dargestellt, gegen das Band E ziehen. 

Das zunächst anlangende Erztheilchen wird von dem Nordpol des 
Elektromagneten M { M 2 erregt (inducirt) und an seinem Südpol ange- 
zogen. Bei der Weiterbewegung des Bandes E wird sich dasselbe Erz- 
theilchen zunächst senkrecht zur Polachse einstellen, dann sich mit 
seinem Nordpol gegen den Südpol M. 2 neigen und endlich mit dem Nord- 
pol gegen letzteren herumschwingen, um wieder aus der einen geneigten 
Stellung in die andere überzugehen und dann wieder mit seinem Süd- 
pol sich gegen den Nordpol des Elektromagneten M 3 itf 4 umzulegen 
und so fort. Durch diese Einrichtung wird jedes einzelne Erztheilchen 
dem in der Pfeilrichtung p eintretenden Windstrom von allen Seiten 
ausgesetzt und daher von den feinsten Theilen der Gangart befreit, um 
endlich über die Scheidekante des Saugtrichters S hinaus von dem Ein- 
flufs der Elektromagnete frei zu werden, von dem Band E abzufallen 
und getrennt von der durch das Gebläse G abgesaugten Gangart über 
den letzten Theil der geneigten Bahn c aus der Maschine zu gelangen, 
wobei die letzten Spuren der noch zurückgebliebenen Gangart noch 
durch den in der Pfeilrichtung p eintretenden Wind abgesaugt werden. 
Richard Moffatt in New York will {nach dem D. R. P. Nr. 50930, 
gültig vom 17. September 1889 ab, metallische und nichtmetallische, 
magnetische und nichtmagnetische Theilchen eines Gemenges trennen. 
Das Verfahren soll sich auch zum Trennen von Gold und anderen Me- 
tallen von Erde und Sand eignen. 

Das Hauptmerkmal dieses Verfahrens besteht in der Anwendung 
von Elektromagneten, welche durch elektrische Wechselströme erregt 
werden und in Folge dessen einen raschen Wechsel der magnetischen 
Polarität bewirken, so dafs die in den Bereich des Magnetfeldes kommen- 



266 Neuerungen in der Aufbereitung. 

den magnetischen Metalltheile angezogen und die nichtmagnetischen 
Metalltheile abgestofsen werden, während die nichtmetallischen Theile 

von den magnetischen Krallen gar nicht beeinflußt werden. 

Durch geeignete Hilfsmittel werden die ausgeschiedenen Metalle in 
besondere Behälter geleitet, während die nichtmetallischen Stolle in Folge 
ihrer eigenen Schwere durch das Magnetfeld in den für sie bestimmten 
Behälter fallen, ohne abgelenkt zu werden. 

Es ist bekannt, dafs nichtmagnetische Metalle, wie Gold, Silber, 
Kupfer etc. (welche gute Leiter sind), wenn sie dem Eiuflufs einer rasch 
wechselnden Polarität in einem starken Magnetfeld ausgesetzt werden, 
durch Induction elektrisch geladen und in einer Richtung quer zu den 
magnetischen Kraftlinien abgelenkt bezieh, abgestofsen werden, fallo Bie 
sich frei durch die magnetischen Kraftlinien bewegen können. Zur Aus- 
führung dieses Verfahrens können beispielsweise die in den Fig. 19, 20 
und 21 angedeuteten Constructionen dienen. 

A ist ein Elektromagnet, dessen Kern am besten aus weichem Eisen- 
draht oder dünnen Eisenblechen besteht, welche von einander isolirt 
sind, um die Bildung FoucauW scher Ströme in denselben zu verhindern, 
sowie die Maguetisirung und Entmagnetisirung des Kernes zu erleich- 
tern. Die Magnete A sind in wagerechter Lage fest angebracht. Jeder 
derselben ist von einer Trommel B umgeben, welche in beliebiger Weise 
in Umdrehung versetzt wird und am besten mittels centraler Naben 
auf den hohlen Schildzapfen e des Magneten A läuft. Der cylindrische 
Theil der Trommel B besteht zweckmäfsig aus dünnem Eisen- oder 
anderem Blech und ist mit einer Lage von weichem Eisendraht ver- 
sehen, welcher um ihren Umfang herumgewunden ist. Die Masse dieses 
Eisendrahtes darf nicht so grofs sein, um alle magnetischen Kraftlinien, 
welche von dem einen Pol des Magneten nach dem anderen verlaufen, 
in sich aufzunehmen (und als Conductor für dieselben zu wirken), sondern 
sie hat nur den Zweck, mit genügender, inducirter, magnetischer Kraft 
zu wirken, um die magnetischen Stolle, welche durch den Magnet A 
an den Eisendraht angezogen werden, festzuhalten und dieselben sodann 
aus dem magnetischen Kraftfeld heraus bis zu einem neutralen oder 
nahezu neutralen Punkt zu bringen, wo sie durch Bürsten veraulafst 
werden, in einen geeigneten Behälter c zu fallen. 

Die Leitungsdrähte, welche von der Elektricitätsquelle nach der 
Umwickelung des Magneten A führen, gehen durch hohle Zapfen 
hindurch. Ueber der Trommel B ist behufs Einfüllens des zu behan- 
delnden Materials ein Trichter C (oder eine andere geeignete Vorrich- 
tung) angeordnet. Aus diesem Trichter fällt das Material iu Folge 
seiner eigenen Schwere auf die Trommel B und wird von derselben 
bei ihrer Drehung in das magnetische Kraftfeld geführt. Hier wirkt 
die rasch wechselnde magnetische Polarität auf die Materialien ein und 
ruft in den nichtmagnetischen metallischen Bestandteilen derselben 



Neuerungen in der Aufbereitung. 267 

einen elektrischen Zustand hervor, in Folge dessen diese Theile in einer 
Richtung quer zu den magnetischen Kraftlinien abgelenkt werden und 
sodann in einen Behälter a fallen. Diejenigen Metalltheile des Gemenges, 
welche ihrer Natur nach magnetisch sind, werden kräftig gegen die 
Trommel B angezogen, haften an derselben an und werden von ihr bis 
zu den Bürsten D getragen. Letztere drehen sich und lösen die masne- 
tischen Metalltheile von der Trommel B ab, so dafs dieselben in einen 
Behälter c fallen. Die nichtmetallischen Stoffe der Mischung fallen in 
senkrechter Richtung aus dem Magnetfeld, durch welches sie in keiner 
Weise beeinflufst werden, in einen Behälter b. 

Gewünschten Falles kann das dünne Eisenblech, welches den Umfang 
der Trommel B bildet, mit vorstehenden radialen Rippen oder Yor- 
sprüngen versehen sein, welche verhindern, dafs die nicht metallischen 
Theile des zu behandelnden Gemenges bei der Bewegung des letzteren 
von dem Trichter C nach dem Magnetfeld von der Trommel abgeschleudert 
werden. In diesem Falle braucht die Aufsenfläche des Trommelmantels 
nicht aus magnetischem Material zu bestehen. 

Bei Anordnung von zwei Magneten und Trommeln, wie in Fig. 21 
gezeigt, sind die magnetischen Kraftfelder an den Polen iV und S stärker. 
Die beiden Magnete A A wirken als ein einziger gerader Elektromagnet, 
dessen beide Pole N und 5, wie dargestellt, nutzbar gemacht werden 
können, indem man einfach die Trommeln ß B sich in entgegengesetzter 
Richtung drehen läfst, wie durch die Pfeile angedeutet ist. 

Man kann auch Hufeisenmagnete anwenden. Trommel und Magnet 
können auch in senkrechter Lage angeordnet werden, so dafs in diesem 
Falle die Trommel sich in wagerechter Richtung drehen mufs. 

Th. A. Edison 's Vorrichtungen zur magnetischen Aufbereitung von 
Erzen während des freien Falls sind in den Fig. 22 bis 27 erläutert 
(vgl. D. R. P. 51272 vom December 1888). 

A ist ein geradwandiger Kasten oder Trichter, dessen Boden aus 
einer dünnen Metallplatte B besteht. Dieser Kasten wird entweder an 
oder nahe einer geschlossenen Kammer C angebracht: oder man kann da* 
Material in freier Luft fallen lassen. Unter dem Trichter ist ein Elektro- 
magnet D angebracht, so dafs das Material beim Fall aus dem Trichter 
an den Polen des Magneten vorbeifallen mufs. Unter dem letzteren 
befinden sich zwei Behälter oder Kasten E und E l . 

Wenn nun ein Strom von gemischten magnetischen und unmagne- 
tischen Partikeln aus dem Trichter fällt, ändern die magnetischen Par- 
tikel in Folge der Anziehungskraft des Magneten ihre Fallrichtung, so 
dafs sie in den Behälter E fallen, während die nichtmagnetischen Theile 
des Gemenges in senkrechter Richtung in den Kasten E { gelangen. 

Der Boden des Trichters hat entweder quer über dem mittleren 
Theil eine Reihe von kleinen Oeffnungen a (Fig. 22, 23, 25, 27) oder 
eine einfache schmale Spalte b (Fig. 24 und 26). 



jjl Neuerungen in der Aufbereitung. 

In den Fig. 22, 23, 25 und 27 sind die Oeffhungen über die ganze 
wirksame Breite angebracht, aber es ist klar, dals dieses sich ganz 
nach den Verhältnissen der Seite des Trichters richtet, d. h. der Trichter 
wird bedeutend gröfser sein müssen im Verhältnifs zur Gröfse der Oeff- 
nungen, und es werden in der Wirklichkeit auch bedeutend mehr Oeff- 
nungen in der Reihe angebracht, als wie dargestellt. 

In den Fig. 24 und 26 ist die Spalte in ihrer wirksamen Breite 
gezeigt, aber es ist natürlich, dafs sie verhältnifsmäfsig viel länger sein 
mul's. Fig. 27 veranschaulicht noch annähernd, wie das Material durch 
die Dehnungen fällt. In dieser Figur sind die Oeffhungen über zweimal 
gröfser dargestellt, als für 100 Maschen Material nöthig ist. Das ge- 
mischte Material, mit welchem der Trichter gefüllt ist, fällt durch jede 
Oeffnung in einem geraden Strahl. Diese Strahlen sind zuerst von ein- 
ander getrennt; aber diese Partikel breiten sich aus, so dafs bei einer 
Entfernung von über 1 Fufs von dem Trichter sämmtliche Strahlen 
eine ausgedehnte dünne Masse bilden, in welchen die von einander 
getrennten Partikelchen vereinigt sind. An dieser Stelle ist der Magnet 
angebracht , der die magnetischen Partikel von dem übrigen Theil des 
Materials weg zur Seite zieht, wie Fig. 22 zeigt. Die Gröfse der Spalte 
bezieh, der Oeffhungen im Trichterboden richtet sich nach der Art des 
zu separirenden Materials. Wenn dieser sehr fein vertheilt ist, so müssen 
selbstredend auch die Oeffhungen entsprechend sehr klein sein. Da in 
solchem Falle die Partikel oft schwer hindurchgehen, so mufs, um 
dennoch das Austragen zu ermöglichen, der Bodenplatte des Trichters 
eine vibrirende Bewegung ertheilt werden, welche sich den Partikeln 
mittheilt. (Vgl. die in Fig. 22 und 25 dargestellte Vorrichtung.) 

F ist eine Rolle mit einem mit Harz versehenen Lederüberzug. 
Ueber dieselbe wird eine Anzahl Drähte c gezogen, die mit ihrem einen 
Ende an der Bodenplatte des Trichters befestigt und deren andere Enden 
durch Schrauben d adjustirbar sind. 

Bei einer Drehung der Rolle erhalten die Drähte eine Längsvibration, 
wodurch der Trichterplatte und dadurch den Materialpartikeln eine 
Molecularvibration ertheilt wird, welche die Partikel veranlafst, frei 
durch die Oeffhungen zu fallen. 

Eine andere Art, dem Trichterboden eine vibrirende Bewegung zu 
ertheilen, ist in Fig. 26 veranschaulicht. 

Mehrere kleine Elektromagnete G G besitzen bewegliche Armaturen, 
die mit dem Boden des Trichters mechanisch verbunden sind. Eine 
rotirende Scheibe schliefst und unterbricht die sämmtlichen Stromkreise 
dieser Magnete, in Folge dessen vibriren die Armaturen und ertheilen 
der Platte B durch den auf sie ausgeübten Zug eine vibrirende Be- 
wegung. Wenn das aus dem Trichter fallende gemischte magnetische 
und unmagnetische Material viele sehr leichte Partikel enthält, wie z. B. 
bei gewissen Eisenerzen, welche leichte Partikel von Phosphor- und 



Darby's Verfahren über Rückkohlung des Eisens. 269 

Siliciumerzen enthalten, so ist es äufserst schwierig, diese leichten Par- 
tikel von dem magnetischen Material vollständig zu trennen, weil sie 
durch Einflufs des Luftstromes in den zur Aufnahme der magnetischen 
Partikel bestimmten Behälter geführt werden, wodurch dann ein un- 
reines und für spätere Hüttenprocesse untaugliches Product entsteht. 

Durch einen schwachen Luftstrom, welcher gegen den Strahl des aus 
dem Trichter fallenden Materials wirkt, werden diese äufserst leichten 
Partikel von dem Rest getrennt und in einen besonderen Behälter geführt. 

Handelt es sich um die Aufbereitung von Hämatit, welcher nicht 
magnetisch ist, so wird derselbe zunächst fein pulverisirt, dann stark 
erhitzt und hierauf abgekühlt, um magnetisch zu werden. 

Dieselbe Wirkung soll auch durch Erhitzen der Erze bis zur Roth- 
glut in einem reducirenden Agens, z. B. Kohlenoxyd, erzielt werden 
können. 

Um Edison s magnetischen Separator auch bei Gold- oder Silbererzen 
benutzen zu können, wird zunächst das Material aufs feinste gepulvert 
und darauf in eine Lösung eines Eisensalzes, welche sich in einer elek- 
trolytischen Zelle befindet, gebracht, um die Gold- oder Silbertheilchen 
auf galvanischem Wege mit einem schwachen Niederschlag von Eisen 
zu überziehen. Nach dem Entwässern des Materiales in einer Centri- 
fuge können dann die Goldeisentheilchen bezieh. Silbereisentheilchen 
durch den beschriebenen magnetischen Erzscheider abgesondert werden. 

W. K. 

Ueber Rückkohlung des Eisens nach Darby's Verfahren. 

Den in Pittsburg auf dem internationalen Congrefs der Eisen- und 
Stahlhüttenmänner gehaltenen Vortrag des Hüttendirektors A. Thielen- 
Ruhrort über Darby's Rückkohlungsprozefs geben wir nach der Kölner 
Zeitung um deswillen ausführlicher wieder, weil derselbe ein bedeutsames 
Verfahren bespricht, das, auf einem deutschen Werke aus- und durch- 
gebildet, eine grofse Zukunft haben dürfte. Redner weist darauf hin, 
dafs die Versuche, Stahl herzustellen, von jeher in der Hauptsache die 
Lösung der Aufgabe betrafen, dem Eisen eine bestimmte Menge Kohlen- 
stoß' zuzuführen oder abzunehmen. Dies geschieht, indem man entweder 
an einem Punkte, wo das Converterbad den gewünschten Kohlenstoff- 
gehalt besitzt, den Prozefs beendet oder ihn bis zur gänzlichen Entkoh- 
lung fortsetzt und dann den gewünschten Kohlenstoff in Form von Spiegel- 
eisen, Ferromangan u. s. w. hinzufügte. Für Deutschland kam nur die 
letztere Methode in Betracht und wurde auch dann beibehalten, als 
das Thomas-Gilchrist sehe Verfahren im basischen Converter zur Auf- 
nahme gelangte. Sie mufste es um so mehr bleiben, als die Natur des 
Prozesses eine der Entphosphorung vorhergehende völlige Entkohluug 
bedingt. Nach Einführung der Stahlerzeugung in basisch ausgekleideten 



270 Darby'B Verfahren über Riickkohlung des Eisens. 

Apparaten wurden die schon früher vereinzelt aufgetauchten, aber er- 
folglos gebliebenen Versuche, die Kohlenstoffzufuhr ohne Zuhilfenahme 
von Spiegeleisen zu bewirken, von verschiedenen Seiten wieder auf- 
genommen. Diese Versuche gründeten sich auf das bekannte Bestreben 
des Kohlenstoffs und Eisens, sich in den höchsten Wärmegraden zu ver- 
binden. Man suchte durch Zuführung von schweren Kohlenwasser- 
stoffen, durch Hinzufügung von Theer, Erdöl u. 8. w., sowie mannig- 
fachen Gemischen dieser Körper mit festen Substanzen, z. B. mit 
gebranntem Dolomit, reducirend und kohlend auf das Stahlbad einzu- 
wirken; indefs waren die Erfolge aller Versuchsmethoden nicht derart, 
um die dauernde Einführung einer derselben in den praktischen Betrieb 
zu gestatten, bis es John Henry Darby, dem Direktor der Brymbo- 
Stahlwerke, gelang, einen sicheren Weg zur Lösung dieser Frage zu 
linden. 

Aufmerksam gemacht durch die Anreicherung von Kohlenstoff, 
welche in der Schweifsstelle zweier Stäbe während der Erwärmung im 
Feuer stattgefunden hatte, brachte er flüssigen Stahl mit festem Kohlen- 
stoffe in innige Berührung, und eine rasche Aufsaugung von Kohlenstoff 
durch den Stahl war die Folge. Gestützt auf diesen Versuch bildete 
er das ihm (D. R. P. Nr. 47215 vom 28. September 1888, Nr. 51353 
vom 11. August 1889, Nr. 51963 vom 23. Juni 1888) patentirte Ver- 
fahren aus, wonach flüssiger Stahl dadurch gekohlt werden kann, 
dafs man ihn durch stückförmige Kohle, am besten in Form von 
Graphit, Holzkohle o. dgl., filtrirt. Er benutzte zu diesem Verfahren 
einen Apparat, welcher aus einem Eisenblechcylinder besteht, der oben 
offen, unten durch eine feuerfeste, vielfach durchlöcherte Platte ge- 
schlossen und im Uebrigen mit feuerfestem Material ausgekleidet ist. 
Dieser wurde mit Kohlungsmaterial angefüllt und zwischen die beiden 
Stahlpfannen oder auch zwischen den Martinofen und die Stahlpfanne 
eingeschaltet. Der flüssige Stahl nahm seinen Weg durch die Zwischen- 
räume der Kohlenstückchen und wurde dabei durch Absorption des 
Kohlenstoffs auf den gewünschten Kohlungsgrad gebracht. Weitere 
Versuche bewiesen, dafs die Aufnahme des Kohlenstoffs rasch genug 
erfolgte, um eine längere Einwirkungszeit, wie sie bei der oben be- 
schriebenen Filtration stattfindet, uunöthig zu machen. Darby construirte 
deshalb einen zweiten Apparat, bei welchem der cylindrische Filter 
durch einen Kessel ersetzt ist, welcher in geeigneter Weise zwischen 
Martinofen und Stahlpfanne oder zwischen zwei Stahlpfannen angebracht 
wird. Er ist ebenso wie der Filter feuerfest ausgekleidet und besitzt 
einen mehrfach durchlöcherten feuerfesten Boden. Die Kohlung erfolgt 
nun in der Weise, dafs aus dem oberhalb befindlichen, mit einen» 
Schieber verschlossenen Behälter das zerkleinerte Kohlungsmaterial nach 
Bedarf langsamer oder schneller durch das Oeffnen des Schiebers in 
den Kessel gelassen wird und dort mit dem flüssigen Stahl zusammen- 



Darby's Verfahren über Rückkohlung des Eisens. 271 

trifft, welcher dadurch gekohlt wird und durch die Bodenlöcher abfliefst. 
Die Kohlung erfolgt in der Regel während des ersten Drittels der Charge. 
Der Rest weichen Stahls mischt sich alsdann mit dem schon gekohlten 
Stahl in der Pfanne zu einem in sich gleichartigen Ganzen. Der Ver- 
lust an Kohlungsmaterial (Graphit) beträgt etwa 15 bis 20 Proc; wird 
Koks zum Kohlen gebraucht, fo ist der Verlust gröfser. Um sein 
Verfahren auch auf den Converterprozefs zu übertragen, trat Darbt/ 
1889 mit der Actiengesellschaft Phönix in Laar bei Ruhrort in Verbin- 
dung. Die Versuche wurden dort zunächst in der Thomashütte an- 
gestellt, und zwar mit einem derart angeordneten Apparat", dafs der 
Kohlungskessel zwischen zwei über einander stehenden Pfannen ange- 
bracht ist und der Stahl beim Durchlaufen aus der ersten in die zweite 
Pfanne durch den zutretenden, mittels einer Schieberstange regulirbaren 
Kohlenstoffstrom gekohlt wurde. Es zeigte sich indessen sehr bald, dafs 
Thomasstahl, selbst aus den besten Rohmaterialien hergestellt, sich aller- 
dings kohlen liefs, aber dadurch seine Walzfähigkeit in einem solchen 
Grade verlor, dafs die Blöcke in der Walze in Stücke fielen. Nachdem 
festgestellt worden war, dafs der Grund dieser Erscheinung in der Art 
und Weise der Vornahme des Prozesses lag, indem nämlich das zu mehr 
als 60 feinen Strahlen während 4 Minuten aus einander gezogene Stahlbad 
durch den Sauerstoff der Luft stark oxydirt wurde, suchte man den 
Uebelstand dadurch zu heben, dafs man statt der 60 im Boden des 
Kessels befindlichen Löcher deren nur eins von entsprechendem Durch- 
messer anbrachte, wodurch denn auch eine erheblich bessere Walzbar- 
keit der gekohlten Blöcke erzielt wurde. Immerhin erreichte dieselbe 
aber nicht diejenige der gewöhnlichen Thomasblöcke gleicher Härte, 
weshalb der Apparat ganz verlassen und durch eine neue Einrichtung 
ersetzt wurde, bei der man den Kohlungskessel durch einen feuerfest 
ausgekleideten, mit einer Bodenöffnung versehenen Trichter ersetzte 
und den letzteren zwischen Pfanne und Coquille anbrachte. Eine seit- 
lich am Träger angebrachte Vorrichtung ermöglichte es, das gemahlene 
Kohlungsmaterial allmählich in bestimmten regulirbaren Mengen in den 
Trichter gelangen zu lassen. Hierbei stellte sich nur der Uebelstand 
heraus, dafs die Genauigkeit und Gleichmäfsigkeit der Kohlung wesent- 
lich von der Zuverlässigkeit des betreffenden Arbeiters abhing. Diesen 
Uebelstand beseitigte man durch eine Anordnung, bei welcher das Koh- 
lungsmaterial direkt zu dem aus dem Converter austretenden Stahlstrahle 
tritt, während die Schlacke durch ein vorgehaltenes, entsprechend ge- 
formtes, mit feuerfester Masse umkleidetes Blech oder feuerfesten Stein 
bis nach erfolgter Kohlung im Converter zurückgehalten wird. Die 
Menge des ausfliefsenden Kohlungsmaterials ist wie gewöhnlich durch 
einen den Behälter abschliefsenden Schieber regulirbar. Auf diese 
Weise wurden im Monat Juni d. J. auf dem Phönix etwa 70 Proc. aller 
Schienenchargen hergestellt; ebenso eine Anzahl Chargen für hart- und 



272 Darby's Verfahren über Rück kohl ung des Eisens. 

schweifsbaren Thomasstahl, welche sämmtlich durchaus zufriedenstellende 
Ergebnisse hatten. Uebrigens erfordert das Kohlungsverfahren beim 
Thomasprozesse denselben Zusatz an Ferromangan, wie für weiche 
Flufseisenchargen oder für die Herstellung von harten Stahlsorten mit 
Spiegeleisen nothwendig ist. Nachdem in dieser vereinfachten Weise 
eine Reihe sehr befriedigender Ergebnisse gewonnen waren, wurde das 
Verfahren auch im Martin- und Bessemerbetrieb angewandt. Auch 
hier waren die Ergebnisse aufserordentlich günstig. Redner fafst zum 
Schlüsse die Vortheile, welche der Kohlungsprozefs für Stahlerzeugungs- 
methoden im Einzelnen darbietet, kurz folgendermafsen zusammen: 

1) Für den Thomasprozefs. Die Kohlung geht bei völliger Abwesen- 
heit der Oxyde und phosphorsäurehaltigen Schlacken vor sich, verläuft 
in Folge dessen sehr sicher, ist von keiner Rückphosphorung begleitet 
und ist bis jetzt zu jeder in der Praxis gewünschten Höhe ausführbar, 
ohne gleichzeitige Anreicherung des Mangangehaltes. Durch Wegfall 
des Spiegeleisens iindet eine erhebliche Ersparnifs statt. 

2) Für den Bessemerprozefs. Die Kohlung erfolgt bis zu den höchsten 
Härtegraden mit bei weitem gröfserer Sicherheit als unter Zuhilfenahme 
von Spiegeleisen und ohne die mit letzterem Verfahren verbundene An- 
reicherung von Mangan. Auch hier findet durch Wegfall des Spiegel- 
eisens eine bedeutende Ersparnifs statt. 

3) Für den Martinprozefs. Für den sauren und basischen Martin- 
prozefs sind die erreichten Vortheile fast gleich den vorstehend für 
Bessemer- und Thomasprozefs beschriebenen. Aufserdem kommen die 
sehr erheblichen Kosten für Ferromangan und Ferrosilicium ganz oder 
gröfstentheils in Wegfall. Die Verbindung des Verfahrens mit dem 
basischen Martinprozefs gestattet die Erzeugung eines Stahles, der für 
manche Verwendungszwecke sich erfolgreich mit Tiegelstahl messen 
kann. Auch läfst sich auf diesem Wege ein Material erzeugen, welches 
in der Zukunft sehr vortheilhafte Verwendung als Rohmaterial für den 
Tiegelprozefs finden dürfte.;' 

Die Ueberlegenheit des Kohlungsprozesses hinsichtlich des Kosten- 
punktes macht sich um so mehr geltend, je höher der Härtegrad des 
herzustellenden Materials steigt. Zu dem Vortheile, die härteren Stahl- 
sorten mit weit gröfserer Leichtigkeit und Sicherheit herstellen zu können, 
tritt also auch noch die sehr erhebliche Verbilligung der Herstellungs- 
kosten, während bei dem alten Verfahren die letzteren mit dem Härte- 
grade beträchtlich steigen. 

Schliefslich gedenkt Redner noch einer Abänderung des Verfahrens, 
die erst in den letzten drei Wochen des Juli 1890 auf dem Phönix zur 
Anwendung kam. Auf dem genannten Werke werden zur Eisenbahn- 
radreifen-Herstellung Blöcke verwandt, die, nachdem sie zu flachen 
Scheiben ausgeschmiedet sind, in der Richtung der Mittellinie gelocht 
und dann weiter verarbeitet werden. Diese Fabrikation bedingt, dafs 



Tumber's mehrseitige elektrische Klingel. 273 

die Oberfläche des Blockes vollkommen glatt und dicht ist, da sonst 
Fehler in dem fertigen Radreifen zu sehen sind. Da der direkt gekohlte 
Martinstahl, obwohl verhältnifsmäfsig ruhig, doch nicht sofort nach Be- 
endigung des Giefsens völlig ruhige Oberfläche zeigt, so wurde davon 
Abstand genommen, das Material für Eisenbahnradreifen nach dem neuen 
Verfahren zu erzeugen. Vor kurzem wurden nun versuchsweise Zu- 
sätze von metallischem Aluminium zu dem fertigen Bade gemacht, und 
es gelang, durch Hinzufügung von etwa 0,04 Proc. Aluminium einen 
vollständig blasenfreien Block zu erzielen, der gleich nach Beendigung 
des Gusses ruhig stand und sich zur Eisenbahnradreifen-Herstellung 
vorzüglich eignete. Im Anschlüsse hieran wurden mehrere Facongufs- 
stücke aus gekohltem Stahle gegossen; auch diese waren vollkommen 
blasenfrei. 

Der Vortrag wurde mit lebhaftestem Beifalle aufgenommen und 
bezeichnet einen grofsen Erfolg für die auf wissenschaftlicher Grund- 
lage vorgehende deutsche Technik, welche auch beim Rückkohlungs- 
prozesse wiederum den Ruhm der praktischen Durchbildung derselben 
für sich in Anspruch nehmen kann. 



Tumber's mehrseitige elektrische Klingel. 

Mit Abbildung. 

Nach dem Londoner Electrica! Engineer, 1890 * S. 397, liefern 
Tumber und Co. die nebenstehend abgebildete elektrische Klingel, welche 
eine mehrseitige Verwendung zuläfst. Wenn dieselbe als gewöhnliche 
Tischglocke benutzt werden soll, so dient der Druck knöpf A dazu, um 
den Strom der im Sockel untergebrachten 
Batterie B durch den Elektromagnet zu 
schliefsen. Um B ist eine gewisse 
Drahtlänge C untergebracht, welche 
herausgenommen wird, wenn die Klingel 
als Krankenklingel benutzt werden soll; 
in diesem Falle hat der Knopf E die 
Stromschliefsung zu ermöglichen und 
zwar bei der in der Abbildung dar- 
gestellten Lage des Griffes; dabei hat 
die Feder die in der Mitte sichtbare 
Stellung und wird durch einen Druck 
mit dem Finger in die untere punktirte 
Stellung herabgedrückt. Soll endlich die Klingel als Diebesklingel 
gebraucht werden, so wird der Griff zurückgezogen und kommt da- 
durch in die obere punktirte Stellung; wird dann die Feder in ein 
Fenster oder in eine Thür eingeklemmt, so wird die Feder nach 

Oingler's polyt. Journal Rd.278 Nr. 6. I890/1V/ 18 




274 Chibout's Metallthermometer mit elektrischer Uebertragung. 

unten gedrückt, beim Oeffnen der Thür oder des Fensters hingegen 
hört der Druck auf die Feder auf, letztere geht daher empor und 
schliefst den Strom; das Läuten dauert dann so lauge, bis Jemand den 
Contact wieder unterbricht. 



Fig. 1. 



Chibout's Metallthermometer mit elektrischer Ueber- 

tragung. 

Mit Abbildungen. 

Die Leistungen dieses empfindlichen Instrumentes, welches die Tem- 
paraturanzeigen auf beliebige Entfernungen überträgt, beruhen nach 
Genie Civil 1890, S. 300, auf der Combination zweier Apparate: des 
eigentlichen Thermometers oder Senders und des elektrischen Empfängers. 

Die Fig. 1 und 2 stellen eine Skizze 
des Senders in zweierlei Form dar. 
B (Fig. 1) ist ein Stab aus einem 
Metall von sehr grofsem Ausdeh- 
nungscoefticienten, z. B. gewalztem 
Zink, dessen unteres Ende an einen 
kleinen Marmorblock befestigt ist. 
Das obere Ende wirkt auf den kurzen 
Arm eines Hebels L, welcher die 
Längenveränderung von B vergröfsert 
auf einen ähnlichen zweiten Stab B { 
überträgt, Dieser theilt sie, um 
seine eigene Längenänderung ver- 
mehrt, einem zweiten Hebel L { mit. 
Durch elastische, an den Verbin- 
dungspunkten x angebrachte Stahl- 
streifen ist eine getreue Ueber- 
tragung der geringsten Bewegung 
\ ohne irgend welche Reihung ge- 
sichert. Eine mit dem Hebel L { 
federnd verbundene Zahnstange T 
greift in das Getriebe a, dessen Achse 
einen Zeiger A trägt, welcher auf 
einem graduirten Zitl'erblatte die 
Aenderungen in der Ausdehnung der 
Stäbe B und B { anzeigt, 
In Fig. 2 belindet sich der Fixpunkt des Stabes B und die Achse 
des Hebels L { an einem Querstücke />, während eine an das letztere 
gelöthete Metallstange M von sehr geringem Ausdehnungsvermögen an 
ihrem unteren Ende die Achse des Hebels L aufnimmt. An der Achse 




Kig. 4. 



Verwendung des zersetzten Uranitsandes als natürlichen Mörtel. 275 

des Hebels L l sitzt ein Zeiger A { , dessen Spitze über einem Bogen S 
gleitet. Dieser Bogen besteht aus einem System voneinander isolirter, 
mit der Thermometerscala correspondirender Kupferlamellen. Die Be- 
rührung der letzteren mit dem über sie hinweg gleitenden Zeiger A { 
schliefst für jeden Thermometergrad einen besonderen Stromkreis, dessen 
Stärke durch Vermittelung einer eingeschalteten Widerstandsrolle R 
von dem des vorhergehenden Thermometergrades verschieden ist und 
an irgend einem entfernten Orte zum Betrieb des elektrischen Em- 
pfängers verwerthet wird. Der gröfseren Einfachheit wegen kann man 
auch, wie Fig. 3 zeigt, den Bogen S in der Mitte des Zifferblattes an- 
ordnen und den Zeiger A selbst mit den Kupferlamellen in stromschliefsen- 
den Contact bringen. 

Der elektrische Empfänger besteht aus einem Solenoid C (Fig. 4), dessen 
Mitte die mit einem Zeiger s versehene Drehachse b einnimmt. Aufserdem 
ist an diese Achse mittels leichter und steifer Drähte ein Stäbchen f 
aus weichem Eisen befestigt. Letzterem gegenüber befindet sich ein 
ähnliches, aber unbewegliches Stäbchen /\. Unter dem Einflüsse jedes 
durch den Sender geschlossenen Stromes werden diese beiden Stäbchen 
gleichnamig magnetisch, weshalb sie sich abstofsen. Da aber das eine 
fest ist, so beschreibt das andere und mit ihm der Zeiger s einen um 
so gröfseren Bogen, je gröfser die Stromstärke: und da die Theilung 
des Zifferblattes in Fig. 4 die gleiche ist, wie die des Senders, so stimmen 
seine Anzeigen mit denen des letzteren genau überein. Ein Fabrikant 
kann in seinem Bureau so viele derartige Empfangsapparate aufstellen, 
als es Werkstätten, Magazine oder sonstige Räume gibt, von deren 
Temperatur er zu jeder Zeit Kenntnifs zu haben wünscht. 



Ueber den Gebrauch des zersetzten Granitsandes als 
natürlichen Mörtel in Japan; von Dr. J. Takayama. 

In einigen Provinzen Japans flndet sich viel zersetzter Granitsand, 
der mit zu Staub gelöschtem Kalk vermischt ebenso hart wird, wie die 
in einigen Theilen Europas vorkommenden vulkanischen Tuffe, die sogen. 
Puzzolane oder Trasse. Wegen dieser Eigenschaft ist der erwähnte 
Granitsand seit den ältesten Zeiten, obwohl nicht in ausgedehntem 
Mafse, in Japan für mancherlei Zwecke verwendet worden, wie z. B. 
zur Dichtung der Brunnenwände, zur Anlage von Springbrunnenbecken, 
zu Gossen u. s. w. 

Neuerdings hat ihn auch der Unternehmer Haitori als eine Art 
Concret beim Brückenbau und bei der Anlage von Mühlgräben, ebenso 
als Mörtel bei Seehäfenbauten mit Erfolg verwendet. Aber um den- 
selben praktisch im gröfsten Mafsstab zu verwerthen, ist es wünschens- 



276 Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 

werth, vorher aufser seinen chemischen Eigenschaften, wie z. B. seiner 
Löslich keit in Salzsäure oder Schwefelsäure, auch seine Fähigkeit sich 
zu verhärten, zu studiren. Welches ist z. B. das beste Verhältnifs 
zwischen Sand und Kalk? Wie grofs ist bei richtiger Mischung mit 
Kalk seine Zugfestigkeit? Kann er als Mörtel zu maritimen Bauten 
verwendet wirklich dem Seewasser Widerstand leisten? 

In Bezug auf obige Fragen habe ich im Laboratorium des kaiserlich 
japanischen Ministeriums für Ackerbau und Handel verschiedene Unter- 
suchungen angestellt und gebe im Folgenden einen Auszug meines 
japanisch geschriebenen Berichts. 

Der Sand wird hauptsächlich in Chukoku, d. h. Mitteljapan, gefunden, 
und ich habe die von mir zu meinen Experimenten verwendeten Proben 
selbst an denjenigen Stellen gesammelt, wo er am häufigsten vorkommt 
und in Fol";e dessen auch am häufigsten benutzt wird. Es sind im 
Ganzen 7 Proben, alle von mehr oder weniger braungelber Farbe. Sie 
bestehen aus gelbgefärbtem thonigem Stoff, Quarz, Feldspath, Glimmer, 
womit grobe Körner von noch nicht ganz zersetztem ursprünglichem 
Granitfels vermischt sind. Seine Fundorte sind folgende: 

1) Sand aus Ninoshima in der Provinz Aki. Derselbe wurde vor 
einigen Jahren als Mörtel bei dem Bau des Hafens von Ujina in der- 
selben Provinz verwendet. 

2) Sand aus Tenjinyama, Provinz Bizen. Er wurde ebenfalls bei 
einigen Seebauten verwendet, die jedoch vor ihrer Vollendung ein- 
gestellt wurden. 

3) Sand aus Toyoura, Provinz Suwo. 

4) Sand aus Shinkawaguchi, Provinz Mikawa. Derselbe wird nicht 
nur an seinem Fundorte benutzt, sondern deckt auch zum gröfsten Theil 
den Bedarf Tokios. 

5) Sand aus Maruyama, Provinz Owari. 

6) Sand aus Akuragawa, Provinz Ise. 

7) Sand aus Komukai, Provinz Ise. 

Die unter 3, 5, 6 und 7 genannten Arten wurden schon in alter 
Zeit an den betreffenden Fundorten und in der Umgegend derselben 
bei kleineren Bauten, wie Brunnen, Wasserleitungen u. s. w. verwendet. 

Die unter 1 bis 3 genannten Proben mögen sedentäre Sande genannt 
werden, d. h. sie werden noch auf dem ursprünglichen Granitfels ge- 
funden, während 4 bis 7 transportirten Sand darstellen, der mehrere 
Meilen von dem ursprünglichen Granitfels entfernt gefunden wird und 
mehr oder weniger mit Kieselstein vermischt ist. 

Mechanische Analyse. 
Diese geschah nach dem bei Bodenanalysen gebräuchlichen Ver- 
fahren, d. h. durch Sieben und Schlämmen. Zuerst wird ein gewisses 
Quantum an der Luft getrockneten Sandes gewogen und in verschiedenen 



Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 277 



Sieben, deren Maschenweite von 10 mm bis 4 mm variirt, gesiebt, worauf 
der in jedem Siebe bleibende Rückstand gewogen und dessen Quan- 
tum bestimmt wird. Dazu wurden von dem durch das Sieb von 4 mm 
Maschenweite gegangenen Sande 60° abgewogen und mittels Schöne's 
Schlämmapparat gewaschen und der in dem Cylinder des Apparats 
zurückgebliebene gröbere Theil nochmals mit Orth's Sieb gesiebt. Es 
ergaben sich folgende Resultate: 

Tabelle I. 




Nummer 


GeschwindigKeit 
des Wassers 


Durchmesser 


der abgesiebten Körner 


der 


0,2 


2.0 | 7,0 


0.1—0.25 


0,25— 0.5] 0,5— 1 


1—2 


2-3 


3-4 




mm 


mm | mm 


mm 


mm 


mm 


mm 


mm 


mm 


1 


1,26 


2.87 


4.93 


0.52 


13.05 


17,20 


36,96 


18,29 


2.33 


2 


3.01 


17.19 


34,80 


1,09 


13.58 


13,79 


14.09 


0,43 


— 


3 


4.55 


21.37 


16,74 


0.41 


15,11 


12.83 


18.33 


8,34 


0,65 


4 


0.73 


11.15 


10.51 


0.24 


18.70 


21.51 


9,15 


23,19 


1,73 


5 


2.48 


9,80 


13.58 


0.47 


20.87 


24,18 


18.11 


7.62 


1,65 


6 


0.64 


6.86 


4.51 


0,64 


19.39 


22.86 


28,61 


11,59 


2,67 


7 


1,03 


3.59 


9.89 


1.51 


20.08 


22.99 


24.08 


10.50 


1.34 



Der in den oben genannten groben Sieben zurückgebliebene Theil 
besteht aus zerfallenem ursprünglichem Granitfels, Feldspath, Quarz; 
der in dem Cylinder des Schlämmapparates verbleibende Theil sowohl, 
als der mit Wasser in einer Geschwindigkeit von 7 mm ausfliefsende 
Theil besteht hauptsächlich aus feinem Quarzsand, feinem Feldspath 
und Glimmer. Als diese Theile mit Kalk gemischt wurden, zeigten sie 
gegen alle Erwartung keine Spur von Erhärtung. Der durch Wasser 
von 2 mm und mm ,2 Geschwindigkeit getrennte Theil bildete ein gelb- 
liches feines Pulver, ähnlich gewöhnlichem Porzellanthon leiner Qualität. 
Mit Kalk vermischt wurde derselbe wie natürlicher vulkanischer Tuff. 

Wenn wir demnach den in Untersuchung betindlichen Granitsand 
mit Concret, der gewöhnlich durch Vermischung mit Portlandcement, 
Sand und Fragmenten von zerbrochenen Steinen hergestellt wird, ver- 
gleichen, so können w 7 ir sagen, dafs der feine gelbliche, thonige Stoff, 
der als Portlandcement wirkt, das Wesentliche des ursprünglichen 



278 Verwendung de6 zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 

Sandes ist, während der im grofsen Schlämmcylinder und der in Orlh'h 
Sieb Nr. 1 — 2 zurückgebliebene Theil Sand ist, der übrige grofse Theil 
nur Steinfragmente. 

Chemische Analyse. 

Die durch Wasser von 2 mm Geschwindigkeit getrennten Theile 
wurden im Luftbad von 100° C. getrocknet und untersucht. Die Quan- 
tität der durch Wasser von mm ,2 getrennten Theile war, wie aus der 
Tabelle zu ersehen, zu klein uud wurde deshalb aufser Betracht gelassen. 

Tabelle 11. 



Nummer 

der 
Proben 


Si0 2 


A1 2 3 


Fe 2 3 


Mn-Oxyd 
(MnO) 


CaO 


MgO 


K 2 


Na^O 


H 2 


1 


50,82 


31,92 


2,94 


0,39 


0,32 


0,47 


0,67 


1,20 


10,93 


2 


52,91 


26,82 


6,39 


0,33 


0,77 


0,72 


1,09 


0,90 


10,34 


3 


47,74 


34,14 


4,62 


n. b. 


0,28 


0,12 


0,26 


0,19 


12,55 


4 


45,12 


34,01 


4,80 


0,19 


1,58 


0,79 


0,51 


0,55 


12,44 


5 


52,14 


26,88 


5,26 


Spur 


1.21 


0,51 


0,35 


0,61 


12,87 


6 


43,92 


34,62 


5,21 


— 


0,95 


0,98 


0,41 


0,37 


13,35 


7 


53,00 


30,07 


3,14 


Spur 


0,55 


0,76 


0,27 


0,43 


11.50 



Behandlung mit Salzsäure. 

1) Ein gewisses Quantum dieser Probe wurde gewogen und in 
einer Platinschale mit einer genügenden Menge concentrirter Salzsäure 
übergössen. Die mit einem Uhrglas bedeckte Schale wurde auf dem 
Wasserbad 8 Stunden erhitzt. Es wurde bis zur Trockenheit ver- 
dunstet, dann ein kleines Quantum Salzsäure und eine genügende Menge 
Wasser hinzugegeben und filtrirt. Im Filtrat wurden A1 2 3 , Fe 2 3 , 
CaO u. s. w. bestimmt und der Rückstand im Filter in der Platinschale 
mit Natriumcarbonat behandelt, um abgeschiedene Si0 2 aufzulösen. 

2) Der dabei bleibende Rückstand wurde nochmals in der gleichen 
Weise behandelt. Die in beiden Fällen sich ergebenden Resultate 
werden in der Tabelle unter 1 und 2 angeführt. 

Tabelle III. 



Nummer 
der Proben 


Nummer 
der He- 
hnndlung 


A1,0 3 


Fe 2 3 


CaO 


MgO 


K 2 


Na 2 


sio 2 


1 


1 


25,64 


2,89 


0,30 


0,32 


0,19 


0,37 


26,88 




2 


0,25 


Spur 


— 


— 


— 


— 


1,95 


2 


1 


19,55 


5,69 


( 1,35 


0,37 


0,13 


0,24 


25,00 




2 


1,70 


0.12 


— 


— 


— 


— 


2,15 


3 


1 


28,29 


3,75 


0,22 


0,10 


0,23 


0,16 


31,03 




2 


1,57 


0,26 


— 


— 


— 


— 


2,01 


4 


1 


30. 1 I 


1.1! 


0,52 


0,67 


0,26 


0,27 


34,15 




2 


0,77 


— 


— 


— 


— 


1,40 


5 


1 


22,82 


4,87 


0,32 


0,30 


0,11 


0,10 


28,01 




2 


1,88 


Spur 


— 


— 


— 


— 


3,75 


6 


1 


31,52 


4,65 


0,20 


0,40 


0,30 


0,21 


33,08 




2 


0,45 


0,12 


— 


— 


— 


— 


1,62 


7 


1 


25,32 


2,19 


0,17 


o,n 


0,14 


0,27 


28,06 




2 


1,00 


0,19 


— 


— 


— 


— 


2,01 



Vervrendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 279 

Man ersieht, dafs der thonige Stoff durch Salzsäure leicht zersetzt 
wird. Schon bei der ersten Behandlung wurde der gröfste Theil der 
Al 2 3 (Fe 2 3 ) zur Lösung gebracht, aufserdem schien der im Rückstand 
verbliebene Theil sich bei wiederholter Behandlung allmählich zu zer- 
setzen. 

Es ist bekannt, dafs der gewöhnliche Thon unter solchen Ver- 
hältnissen nicht sehr durch Salzsäure beeinflufst wird, während einige 
Arten Xormalthon (A1 2 3 , 2Si0 2 . 2H 2 0). z. B. weifser Thon. wie er 
für das berühmte Kioto-Porzellan gebraucht wird, nach meinen Ver- 
suchen zwar sehr von Salzsäure angegriffen werden, aber keineswegs 
so leicht zersetzbar sind, wie die untersuchte Thonsubstanz. Es unter- 
liegt demnach keinem Zweifel, dafs die Ursache des leichten Erhärtens 
des Granitsandes mit Kalk in der Fähigkeit des zersetzten Thones, 
Aluminium- und Kalksilicate zu bilden, zu suchen ist. 

Behandlung mit Schwefelsäure. 
Der Prozefs ist ungefähr derselbe wie bei der Behandlung: mit 
Salzsäure, d. h. ein gewisses Quantum der Probe wird in einer Platin- 
schale gewogen, reichlich concentrirte Schwefelsäure hinzugefügt, durch 
Umrühren mit einem Platindraht gut vermischt und auf dem Sandbad 
ungefähr 6 Stunden erhitzt. Wenn keine schwefelsauren Dämpfe mehr 
aufsteigen, wird Wasser hinzugegeben, die Flüssigkeit filtrirt und weiter 
behandelt, wie bei dem Versuch mit Salzsäure angegeben. Das Er- 
gebnifs der Versuche ist folgendes: 

Tabelle IV. 



Nummer 
der Proben 


A1 2 3 


Fe 2 3 


Si0 2 


1 


26.82 


2.19 


26.09 


2 


25.08 


3.73 


26.49 


3 


28/23 


2.69 


27.91 


4 


33.01 


3.3S 


36.37 


5 


25.24 


4.09 


26.62 


6 


32.42 


4.1S 


31.78 


7 


28,83 


1.29 


31.12 



Da die thonige Substanz etwas Feldspath enthält, ist es natürlich, 
dafs nicht alle Thonerde in Lösung geht. 

Ich habe auch durch Behandlung mit Natriumcarbonat festzustellen 
versucht, ob der Thon amorphe oder lösbare Si0 2 enthält oder nicht, 
und habe gefunden, dafs ihr Betrag sehr gering ist, z. B. in Xr. 1 nur 
0.29 Proc, so dafs diese nicht die Ursache der Erhärtung sein kann. 

Bestimmung des dem Sande hinzuzufügenden Kalkes und der Zugfestigkeit. 

Da der im Sand enthaltene Thonstotf sich, wie oben gesagt, mit 

Kalk verbindet und erhärtet, so hielt ich es. um die hinzuzufügende 



280 Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 

Menge CaO ausfindig zu machen, für besser, die löslichen Si0 2 , A1 2 3 , 

Fe 2 3 nochmals durch direkte Behandlung de* Sandes mit Salzsäure 

zu bestimmen und die Menge des Kalkes au.- der angenommenen Formel 

zu berechnen. Auf diese Weise habe ich durch Behandlung des Sandes 

Nr. 4, der auch in allen folgenden Experimenten verwendet wurde, 

gefunden : 

A1 2 3 . . . 6,14 Proc. 
Fe 2 3 . . . 1,16 „ 
Si0 2 .... 6,95 .. 

Für die Verbindung dieser drei Hauptbestandteile mit Kalk nahm 

ich folgende fünf Formeln an: 

1) 1/3 CaO . A1 2 3 (Fe 2 3 ) + V 3 CaO . Si0 2 , 

'2) V 2 CaO • A1.,0 3 (Fe 2 3 ) + V 2 CaO . Si0 2 , 

3) 1 CaO . A1 2 3 (Fe 2 3 ) + 1 CaO . Si0 2 , 

4) 2 CaO . A1 2 3 (Fe 2 3 ) + 2 CaO . Si0 2 , 

5) 3 CaO . A1 2 3 (Fe 2 3 ) + 3 CaO . Si0 2 . 

Ich will nicht sagen, dafs Kalk und Thon sich in Wirklichkeit so 
verbinden, dafs sie die in den Formeln ausgedrückten Verbindungen 
bilden. Die Formeln sind vielmehr nur zur Bequemlichkeit aufgestellt, 
um die relative Menge des hinzuzufügenden Kalks berechnen zu können. 
Nach diesen Formeln gestaltet sich das Verhältnifs von Sand und 
Kalk wie folgt: 

Sand Kalk 

1 100 3,41 

2 100 5,12 

3 100 10.24 

4 100 20,48 

5 100 30,72. 

Der bei meinen Experimenten verwandte Kalk ist derjenige, wel- 
cher in Tokio am allgemeinsten gebraucht wird. Er kommt aus der 
Provinz Mino und ist sogen, luftgelöschter Kalk. Er ist ein feines 
Pulver, enthält aber gewöhnlich mehr oder weniger grobe Bestandtheile, 
die ich sorgfältig mittels feiner Siebe entfernt habe. Bei der Analyse 
ergab sich : 

CaO 68,12 Proc. 

CaC0 3 5.00 .. 

H 2 26,87 „ 

Unlösbarer Rückstand . . Spur 

Der nutzbare Kalk beträgt 68,12 Proc, den Formeln entsprechend 
sind daher an luftgelöschtem Kalk hinzuzufügen: zu Nr. 1 5,01; zu 
Nr. 2 7,51: zu Nr. 3 15,03; zu Nr. 4 30,06; zu Nr. 5 45,09 Th. Kalk. 

Die beim Formen der Briquettes gebrauchte Form, ebenso die 
Maschine zu deren Prüfung sind dieselben, wie sie beim Formen und 
Prüfen des Portlandcements verwendet werden, dagegen ist die Methode 
der Briquettesformung wegen der Natur des erforderlichen Sandes 
durchaus verschieden. Bei den folgenden Untersuchungen mufsten sehr 
viele Briquettes angewandt werden und zu diesem Zwecke beschäftigte 



Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 281 

ich einen sehr geschickten Arbeiter des Unternehmers Hattori und liefs 
ihn diesen Theil der Arbeit ausführen. 

Sand und Kalk wurden nach dem oben erwähnten Verhältnifs ab- 
gewogen und sorgfältig vermischt: dann wurde die nöthige Menge 
Wasser hinzugegossen und das Ganze nochmals gründlich gemischt. 
Die Form wurde gut auf einem Holzblock befestigt, das Material nach 
und nach in kleinen Mengen hinzugefügt und nach jedem erneuten 
Zusatz mit einem hölzernen Stöfsel bis zur Füllung der Form fest- 
gestampft. Hierauf wurde die Oberfläche mit einem Metallspatel 
abgestrichen und die Masse vorsichtig aus der Form genommen. Nach 
der Erfahrung japanischer Arbeiter darf die hinzugefügte Quantität 
Wasser nicht zu grofs sein, sondern nur so viel, als nöthig ist, um 
ein Adhäriren der Theile zu bewirken. Wenn zuviel Wasser hinzu- 
gefügt wird, so vermindert sich die schliefsliche Erhärtungsfähigkeit. 
Es genügt also nicht, um der Masse eine Form zu geben, dieselbe 
nur mit dem Spatel einzuschlagen, wie dies beim Portlandcement 
geschieht, sondern sie mufs tüchtig gestampft werden. Daher nennt 
man in Japan diese Art Sand Tatakitsuchi, d. h. Stampferde, und 
den Mörtel Tataki, Stampf(-Mörtel). Beim Bau von Brunnenmauern 
z. B. verfährt man fast ganz auf dieselbe Weise, aber natürlich in 
gröfserem Mafsstabe. Zuerst wird eine der Gröfse des Brunnens ent- 
sprechende hölzerne Mauerform angefertigt, sagen wir z. B. von l m 
Durchmesser für die innere und l m ,20 für die äufsere Wand und in der 
Höhe von l m . Dann wird der hohle Raum zwischen den zwei Wänden 
nach und nach mit präparirtem Material ausgefüllt und hartgestampft, 
worauf die Form entfernt und das festgewordene Rohr bis zur voll- 
ständigen Erhärtung stehen gelassen wird. 

Von den nach der obigen Methode angefertigten 5 Klassen Bri- 
quettes habe ich die eine Hälfte, nachdem dieselbe 24 Stunden an der 
Luft gelegen, in Wasser, und die andere in einen seichten Holztrog 
gelegt, der mit einem Holzdeckel bedeckt wurde, um zu sehen, ob sich 
daraus ein Unterschied in ihrer Zugfestigkeit ergeben würde. 

Tabelle V. 
Zugfestigkeit der in der Luft erhärteten Briquettes. 
Die Zahlen in Tabelle V und VI bedeuten Kilo auf lqc und sind die Durch- 
schnittszahlen yon 6 Experimenten. 
Briquettes angefertigt nach Formel : 



Dauer der 
Erhärtung 


i 


2 


3 


4 


5 


2 Wochen 


2,79 


3,32 


4,00 


3,88 


3,47 


4 „ 


3.27 


4,78 


6,97 


5,21 


5,09 


6 ,, 


3.21 


4,41 


7,88 


6,30 


4,81 


9 


2.97 


4,80 


4.92 


5.61 


5,51 


n „ 


2.99 


5.03 


6.58 


5.80 


5,22 


15 „ 


2.95 


4.82 


6,Ü3 


5.38 


4,89 



282 Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mnrtel. 

Tabelle VI. 

Zugfestigkeit der im Wasser erhärteten Briqnettes. 

Briquettes angefertigt nach Formel : 



Dauer des 
Verbleibens 


1 


2 


3 


4 


5 


2 Wochen 


3,17 


3,86 


:,:>! 


3,92 


3.94 


4 „ 


3,42 


5,89 


6,50 


5.53 


4,52 


6 


3,58 


5,40 


5,98 


5,86 


4,74 


9 ,. 


3,34 


4,86 


8.33 


5,58 


4,93 


12 


3,47 


5,53 


8,36 


4,92 


5,71 


15 „ 


3,49 


5,00 


7,85 


5,43 


5,02 



Aus diesen Ergebnissen darf ich schliefsen: 

1) Als das beste Verhältnifs des Kalkes zum Sande erscheint das 
von Formel 3, d. h. eine Mischung von 100 Th. Sand und 15,03 Th. 
Kalk, da nach 9 Wochen die Zugfestigkeit 8,33 und nach 12 Wochen 
8,36 betrug, welches die gröfsten bei den Experimenten erreichten 
Zahlen sind. Wenn wir die Kalkmenge auf l j 3 vermindern nach For- 
mel 1, so wird die Zugfestigkeit bedeutend geringer; die gröfste er- 
reichbare Festigkeit beträgt dann nur 3,58 nach 6 Wochen. 

Die nach Formel 2 bereiteten Briquettes lieferten ein besseres 
Resultat als die der Formel 1, aber sie waren entschieden schwächer 
als die der Formel 3. 

In den Proben der Formel 4 ist die Menge des zugesetzten Kalkes 
doppelt so grofs als bei Formel 3, aber das Resultat war nicht besser, 
und durch Erhöhung der Kalkmenge nach Formel 5 wurde die Festig- 
keit allmählich geringer, wie aus Tabellen V und VI deutlich zu er- 
sehen ist. 

2) In Bezug auf die zur Erhärtung erforderliche Zeit habe ich ge- 
funden, dafs nach Verlauf einer Woche die Masse noch zu weich ist, 
um mit der Maschine geprüft zu werden; nach 2 Wochen jedoch ist 
dieselbe schon bedeutend härter und nach 4 bis 6 Wochen scheint die 
Erhärtung vollständig zu sein, wie die obigen Tabellen zeigen. 

3) Die unter Wasser gehaltenen Briquettes zeigten eine etwas 
gröfsere Festigkeit, als die an der Luft gelegenen. Der Unterschied 
zwischen beiden Behandlungsweisen ist jedoch kein erheblicher. 

Wirkung des Seewatsers. 
Die Thatsache, dafs der oben besprochene Granitsand dem Einflufs 
des Süfswassers widersteht, ist in Japan wohl bekannt und man kann 
sich von deren Richtigkeit an zahlreichen Brunnenwänden u. s. w. 
überzeugen, die noch nach vielen Jahren keine Spur des Verfalls zeigen. 
Für Seewasser jedoch gibt es kein derartiges Beispiel, und es ist frag- 
lich, ob der besprochene Mörtel seine Festigkeit in Seewasser ebenso 
gut behält, wie im Süfswasser. Ein Besuch der submarinen Bauten in 



Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 283 



der Provinz Hiroshima zeigte, dafs dieselben schon etwas unter dem Ein- 
flufs des Wassers gelitten hatten. Bei der kurzen Zeit von einem Jahr, 
die seit dem Bau verstrichen war, bin ich jedoch nicht im Stande, ein 
bestimmtes Urtheil über seine Widerstandsfähigkeit abzugeben. 

Ich habe diesbezüglich verschiedene Experimente angestellt, indem 
ich die Briquettes in Seewasser legte und die Menge des sich auf- 
lösenden Kalkes nach Verlauf von je 2 Wochen, wenn das Seewasser 
erneut wurde, bestimmte. Das gebrauchte Seewasser wurde aus der 
Bucht von Shinagawa (Tokio) gebracht, das nach der Analyse in l 1 Wasser 
enthält: NaCl 21,42, KCl 0,37, MgCl 2 2,63, MgS0 4 1,52, CaS0 4 1,12. 
Die verwendeten Briquettes hatten bereits 3 Monate lang in Süfswasser 
gelegen, das während dieser Zeit nicht erneuert worden war, so dafs 
also der Erhärtungsprozefs vollendet war. 

Tabelle VII. 

Die Zahlen dieser Tabelle und der Tabelle VI sollen in Gramm die Menge 

des in 1' Seewasser von je 100Q C Briquettes aufgelösten Kalkes zeigen. 

Briquettes angefertigt nach Formel: 



Dauer 












der 


1 


2 


3 


4 


5 


Aussetzung 












2Woehen 


0,166 


0.189 


0,028 


0,092 


0,155 


4 „ 


0,212 


0,031 


0.057 


0,182 


0,252 


6 ,/ 


0,212 


0,206 


0,012 


0,2021 


0,263 1 


8 „ 


0,223 


0,237 


0.157 


2 


2 


10 „ 


0.296 


0,218 


0,157 


1 


/ 


12 „ 


0,217 


0,216 


0,185 




14 „ 


0,244 


0,221 


0,189 


f 


16 „ 


0.259 


0,235 


0.215 


i 


[ 


18 „ 


0,3623 


0,2283 


0,2663 


\ 


\ 


20 „ 


0,190 


0,179 


0,185 




' 


22 „ 


0,185 


0,170 


0,173 







1 Zeichen des Verfalls. 

2 Ganze Oberfläche angegriffen und Zeichen des Verfalls. 

3 Es zeigten sich Sprünge. 

Zu gleicher Zeit habe ich das Experiment mit destillirtem Wasser 
wiederholt und gebe zur Vergleichung die Resultate in folgender Tabelle: 

Tabelle VIII. 
Briquettes angefertigt nach Formel: 



Dauer 












der 


1 


2 


3 


4 


5 


Aussetzung 












2Wochen 


0,032 


0,054 


0,111 


0,071 


0,206 


4 >, 


0,009 


0.015 


0,044 


0,170 


0,170 


6 „ 


0,006 


0,003 


0.008 


0,068 


0,068 


8 „ 


0,003 


0,003 


0,001 


0,003 


0,003 


10 „ 


Spur 


Spur 


Spur 


Spur 


Spur 



Wie aus den obigen Tabellen ersichtlich, haben die Briquettes im 



284 Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 

Süfswasser ihre Gestalt vollständig behalten, obgleich eine geringe 
Quantität Kalk in Lösung gegangen war. 

Sobald jedoch der ungebundene Kalk von der Oberfläche weg- 
gelöst ist, findet keine weitere Einwirkung des Wassers statt, während 
die in Seewasser gehaltenen Briquettes zeigten, dafs es keine Grenze 
für die Einwirkung desselben gibt, d. h. die Lösbarkeit des Kalkes 
dauerte auch noch nach 22 Wochen fort, und ohne Zweifel würden 
sich bei fortgesetzter Einwirkung noch weitere Kalkmengen lösen. 
Wie in Tabelle VII erwähnt, zeigten die Briquettes der Formeln 4 und 5 
nach 5 oder 6 Wochen Bruchzeichen und wurden nach 8 Wochen un- 
geeignet, der Wirkung des Wassers zu widerstehen. Die Widerstands- 
kraft der Briquettes der Formeln 1 bis 3, welche weniger Kalk ent- 
halten, gegen Seewasser ist gröfser als die der Formeln 4 und 5; sie 
zeigten jedoch nach 17 oder 18 Wochen Sprünge an den Rändern und 
überdies löste sich der Kalk fortwährend auf. Demnach werden alle 
Proben vom Seewasser angegriffen, aber ich möchte erwähnen, dafs 
zwischen den Briquettes der Formeln 4 und 5 und denen der Formeln 
1 bis 3 der Unterschied besteht, dafs bei den ersteren die ganze Ober- 
fläche von dem Wasser corrodirt wird, bei den letzteren dagegen nur 
die Ränder Risse zeigen. 

Es ist behauptet worden, dafs der Zerfall manchen Mörtels im 
Seewasser dem Einflufs der in demselben enthaltenen Magnesiumsalze 
zuzuschreiben sei, und die Wahrheit dieser Behauptung wird in Bezug 
auf Granitsandmörtel durch das folgende Experiment bezeugt. 

Ich habe fünf nach den fünf Formeln angefertigte Briquettes in 
Lösungen von Magnesiumsulphat gelegt. Die Oberfläche der Briquettes 
war bei allen fünf gleich grofs, d. h. ungefähr 283 ( i c . Es stellte sich 
heraus, dafs die Briquettes der Formeln 4 und 5 nach einer Woche 
Zeichen des Verfalls zeigten, die der Formeln 1 und 3 erst nach 
3 Wochen Risse. Nachdem ich diese fünf Proben im Wasser 5 Wochen 
hatte liegen lassen und dann den Magnesiumgehalt des letzteren be- 
stimmte, fand ich: 

Menge der Magnesia Menge der nach 5 Wochen 

in der ursprünglichen Lösung in 1 1 Lösung ver- 

in 11 Wasser bliebenen Magnesia 

K985 
lg,420 
Lg,U0 
OM35 
Spur 

Die obigen Zahlen zeigen, dafs die Wirkung der Magnesiumsalze 
des Wassers der in den Briquettes enthaltenen Kalkmenge entsprechend 
zunimmt. 

Wirkung des Frostes. 

Bei der Untersuchung zahlreicher Bauten, wie Brunnen, Senk- 
gruben u. dgl., in Tokio und an anderen Orten fand ich, dafs einige der 



1) 


3g,28 


2) 


3g,28 


3) 


3g,28 


4) 


3g,28 


5) 


3g,28 



Verwendung des zersetzten Granitsandes als natürlichen Mörtel. 285 

Einwirkung des Reifes und Frostes Widerstand leisten, während andere 
sehr unter deren Wirkung zu leiden hatten, ganz abgesehen natürlich 
von dem mechanischen Verfall unter dem Einflufs der Zeit. Es scheint, 
dafs die sorgfältig, besonders mit dem richtigen Verhältnifs des Kalkes 
gebauten unserem Klima gut widerstehen. Die durch den Mörtel ab- 
sorbirte Wassermenge hat natürlich Einflufs auf diese Wirkung und 
um diese Menge festzustellen, legte ich Briquettes der fünf Klassen (jedes 
Briquette hatte etwa 283'ic Oberfläche), nachdem sie ungefähr 2 Monate 
der Luft ausgesetzt gewesen, in Wasser und fand, dafs 
die Briquettes der Formel 1 8,22 Proc. 

» » « « 2 6,~0 „ 

n » )) « *> 4,4b „ 

)? » » » * 5,o0 „ 

„ )) » » 5 o,25 „ 

Wasser absorbirten. 

Nachdem ich diese Briquettes zu fünf verschiedenen Malen dem 
Frost ausgesetzt hatte, zeigte Nr. 1 leichte Sprünge an den Rändern, 
während die anderen keinerlei Veränderungen zeigten. Der für den 
Zweck gebrauchte Apparat ist ein doppelter Cylinder; der innere aus 
verzinntem Blech, grofs genug, um fünf Briquettes aufzunehmen, der 
äufsere aus dickem Holz. Zwischen den beiden Cylindern war ge- 
nügend Raum zur Aufnahme von Eis und Salz. Die Oberfläche der 
zu diesem Experiment bestimmten Briquettes war bei der Anfertigung 
durch Reiben mit dem Spatel geglättet worden und dieser Umstand 
trug wesentlich zu ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Frost bei, da ich 
fand, dafs Briquettes, deren Oberfläche durch Kratzen mit einem Messer 
rauh gemacht worden war, und die dann fünfmal dem Frost aus- 
gesetzt wurden, alle, mit Ausnahme von Nr. 3, etwas beeinflufst waren, 
da sich beim Reiben mit dem Finger eine pulverige Masse ablöste. 
Nr. 3 zeigte, wie gesagt, keinerlei Veränderung, und seine gröfsere 
Widerstandsfähigkeit ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dafs die 
Probe eine geringere Menge Wasser absorbirt hatte. 

Zusammenfassung. 

Ich habe gezeigt, dafs der Granitsand eine thonige Substanz ent- 
hält, die durch Säuren, besonders durch Salzsäure, leicht zersetzt 
werden kann, und die in der Vermischung mit Kalk das Hartwerden 
des Sandes verursacht. Bei der Probe Nr. 4 ist das beste Verhältnifs 
des hinzuzufügenden Kalkes das der Formel 3. 

Dasselbe darf nicht willkürlich vergröfsert oder verkleinert werden. 
Manche Arbeiter sind der Meinung, durch Vermehrung der Kalkmenge 
werde gröfsere Festigkeit erzielt und es werde nur deshalb weniger Kalk 
hinzugesetzt, weil derselbe theurer sei als Sand. Diese Ansicht ist, 
wie ich gezeigt, ganz falsch; ein Uebermafs von Kalk vermehrt nicht 
die Festigkeit, sondern vermindert dieselbe. Aus der Arbeit ist ferner 



286 Ammonin-Cellulose. 

ersichtlich, dafs* der Mörtel dem Seewasser nicht widersteht, also bei 
submarinen Bauten nicht verwendet werden kann. Wenn die richtige 
Menge Kalk zugesetzt wird, so widersteht der Mörtel der Verwitterung, 
wie zahlreiche Bauten zeigen. Die Zugfestigkeit des Mörtels ist geringer 
als die des Portlandcementes. 

Der Preis des Granitsandes ist unverhältnifsmäfsig niedriger als der 
des Portlandcementes, indem l l von 400 Pfund englisch auf 4 bis 5 Yen 
(1 Yen ungefähr 3 M.) zu stehen kommt, und es dürfte sich deshalb 
die Verwendung desselben bei den gegenwärtig in Tokio geplanten 
Unternehmungen, einer verbesserten Wasserleitung und einer Kanalisation, 
empfehlen. 

Ammonin-Cellulose. 

(Mittheilung von dipl. Ingenieur A. Eaussner, Privatdocent in Leoben.) 

Gelegentlich meines Referates in D. p. J. 1890 277 119 wurde die 
Wirkung von Ammonin auf Fasern erwähnt. Angedeutet wurde auch, 
in welcher Richtung eine ausgiebigere Verwendung von Ammonin mög- 
licherweise geschehen könnte, indem dasselbe bei der Cellulosedarstel- 
lung- nützlich gemacht werden kann. 

Von der chemischen Fabrik des Herrn v. Kalkstein in Heidelberg 
wurden mir Proben zweier Sorten von Ammonin zur Verfügung gestellt, 
von denen Nr. 1 das a. a. 0. beschriebene Aussehen zeigt und auch 
zur Lumpenwäsche dient, während Nr. 2 von bräunlicher Farbe zum 
Kochen von Holzabfällen u. dgl., also zur Gewinnung von Cellulose hergestellt 
ist. Desgleichen erhielt ich Muster von auf diese Weise gewonnenem 
Zellstoffe. Das äufsere Ansehen des fertigen Stoffes zeigt eine blendende 
Weifse. Unter dem Mikroskope erschienen die einzelnen Fäserchen, 
so weit beobachtet werden konnte, mit stumpfen Enden, so dafs ich 
den Eindruck gewann, als ob schöner, langfaseriger Holzschliff gebleicht 
worden sei. Auch schien es mir, als ob, wenigstens an einzelnen Stellen, 
noch Inkrustentheilchen, wenn auch nur in Spuren, vorhanden wären. 
Nach Angabe des Erfinders ist die Patentirung des Verfahrens, das 
vermöge seiner Billigkeit geeignet sein soll, Holzschliff vollständig zu 
verdrängen, eingeleitet. 1 Sollte sich das Verfahren in der Praxis be- 
währen, so wäre ein solcher Erfolg auf das freudigste zu begrüfsen. 
Es ist dies ja durchaus nicht unmöglich, besonders wenn wir den 
Natrongehalt des Ammonins berücksichtigen, wodurch das Verfahren 
eine Verwandtschaft mit der Darstellung von Natroncellulose erhielte. 
Das letztere Verfahren konnte nicht genügen, um Holzschliff zu ver- 
drängen; dieser kam noch immer viel billiger zu stehen, was ja 
wenigstens noch für gewisse Papiersorten das allein Ausschlaggebende 

1 Das Verfahren ist in der Fabrik von Palm eingeführt. 



Kleinere Mittheilungen. 



287 



ist. Ob das Ammonin zu den so sehnlichst erwarteten glücklicheren 
Resultaten tauglich sein wird, kann wohl jetzt, bevor das Verfahren 
nicht genau bekannt ist, noch nicht entschieden werden. Jedenfalls 
löblich ist aber jeder Veruch, der darauf abzielt, uns vom Holzschliffe 
unabhängig zu machen. 



Einschenkliger Gasdruckmesser. 

Bei einschenkligen Gasdruckmessern besitzt bekanntlieh eine der com- 
municirenden Röhren einen bedeutend kleineren Querschnitt und dement- 
sprechend gröfsere Höhe. Es verhalten sich also bei einseitig wirkendem 
Druck auf die in den Rohrschenkeln befindliche Flüssigkeit die Fall- bezieh. 
Steighöhen umgekehrt wie die Querschnitte der Schenkel. 

Friedr. Lux in Ludwigshafen hat bei seinem Apparate ver- \J7 

schiedene Uebelstände des Lanpen'schen einschenkligen Druck- 
messers vermieden, so das Durchsickern der Füllflüssigkeit an 
der Dichtungsstelle des Glasrohres, sowie die grofsen Ab- 
messungen und das wenig gelallige Aussehen des Apparates. 

Das weite Glasgefäfs des Lutschen Apparates (vgl. die 
nebenstehende Figur) hat einen lichten Durchmesser von 
30mm. das enge dagegen einen solchen von 5mm- das Ver- 
hältnifs des Querschnitts beträgt also 1 : 36. Die nutzbare 
Länge des Steigrohres ist 20 cm . 

Ein 20mm breiter Holzstreifen, welcher die Theilung trägt, 
ist mittels zweier Drahtösen an dem langen Schenkel leicht 
verschiebbar angebracht; in der Mitte ist ersterer mit einer 
flachen Nuth versehen, in welche sich das Rohr hineinlegt. 
Als Füllflüssigkeit wird Erdöl benutzt. Um dieses leicht 
einfüllen zu können, ist das Steigrohr oben mit einer trichter- 
förmigen Erweiterung versehen. Man giefst so viel Erdöl ein, 
dafs der Spiegel in dem Steigrohre um 2 bis 3 mm höher 
steht als der Nullpunkt der Scala in der tiefsten Stellung. 
Man ist dann immer im Stande, durch Verschieben der Scala 
den Spiegel auf einzustellen , wenn auch etwas von dem 
Erdöl verdunstet ist; sollte der Flüssigkeitsspiegel unter 
sinken, so braucht man nur wenig nachzugiefsen. Um das 
Einfallen von Staub und Schmutztheilen in das Steigrohr zu 
verhindern, empfiehlt es sich, das Rohr oben durch einen 
losen Wattepfropfen zu verschliel'sen ; derselbe beeintlufst nicht 
im Geringsten die Genauigkeit des Resultates. 

Erdöl wird benutzt, weil dasselbe auch bei niederer Tem- 
peratur flüssig bleibt; es kann also der Apparat auch bei 
grofser Kälte im Freien benutzt werden. 

Das zu verwendende Erdöl soll ein spec. Gew. von 0,8 
haben, dadurch wird die Theilung um 25 Proc. gröfser, die 
Ablesung also genauer. Man verbraucht wenig Erdöl, da nur 
12 cc ,5 = 10s zum Füllen nothwendig sind und der Verlust durch 
Verdunstung sehr gering ist. 

Das untere Ende des Apparates ist in eine Messinghülse 
befestigt und letztere in einen kleinen Hahn von 6mm Oeffnung 
eingeschraubt, so dafs der Druckmesser leicht an irgend einer Stelle an die 
Gasleitung angeschlossen werden kann. Der Hahn ist als Dreiwegehahn con- 
struirt, in Folge dessen durch Drehung desselben der innere Druck sich gegen 
die Atmosphäre ausgleichen, der Apparat also jeden Augenblick auf richtige 
Nullstellung geprüft werden kann. (Uhland's technische Rundschau^ 1890 Bd. 4 
Nr. 43 S. 306, nach gefälligst eingesendetem Sonderabdrucke.) 



288 Bücher- Anzeigen. 



Bücher-Anzeigen. 



Monatshefte für Mathematik und Physik von Lscherich und Weyr. 
Heft 7: Ueber Strombrechung in flächenförmigen Leitern von Haubner. 
Ueber den Fundamentalsatz der Theorie der Differentialgleichung 
von r. Lichtenfels. 

Der Entwurf einer Patentnovelle, besprochen von A. Bolze, Reiche- 
gerichtsrath. Leipzig. Rofsberg's Verlag. 173 8. 4 Mk. 
Der Inhalt des Werkes erhellt aus nachstehendem Verzeichnis: 1) Un- 
anfechtbarkeit des Erfinderpatentes. 2) Gerichtliche Verfolgung des Patent- 
rechtes, insbesondere die Klage aus dem Patente. 3) Die Nichtigkeitsklage 
und die Klage auf Zurücknahme eines Patentes. 4) Abhängigkeitspatent und 
Entwendung. 5) Die Klage auf Ertheilung des Patentes. 6) Verfahren und 
Product. 

Die Herleitungen des Verfassers erhalten dadurch einen besonderen 
Werth , und werden entsprechend nicht wenig zur Klärung beitragen, dafs 
die Bestimmungen der ausländischen Patentgesetzgebungen, sowie die aus 
denselben hergeleiteten Rechtsauffassungen und Entscheidungen wiedergegeben 
und mit dem vorliegenden Entwürfe in Beziehung gebracht werden. 

Die Formulirung von Patentansprüchen und die Anfertigung von 
Patentbeschreibungen und -Zeichnungen von W. Sterken, Ingenieur 
und technischer Hilfsarbeiter im Patentamt. Nebst einem Anhange, 
enthaltend die patentamtlichen Bekanntmachungen über die An- 
meldung von Erfindungen, den Bezug von Patentschriften und die 
Patentklassen. Berlin. Jul. Springer, broch. 73 S. 1,40 Mk. 
Eine Schrift, von durchaus berufener Seite zu dem Zwecke verfafst, eine 
genaue, zweckentsprechende Fassung der Patentansprüche zu erzielen. Wegen 
ihrer allgemeinverständlichen , durch Anwendung auf bestimmte Fälle er- 
läuterten Fassung ist das Werk als eine willkommene Ergänzung des Hartia- 
schen Werkes (1890 276 288) zu begrüfsen. 

Wesentliche Bestimmungen betr. die Invaliditäts- und Altersversiche- 
rung nebst Formularen, von Fr. Hdze, Land- und Reichstagsabgeord- 
neter. Preis 20 bezieh. 25 Pfg. mit 5 Formularen zum praktischen 
Gebrauch. Verlag von A. Riffahrt. M. -Gladbach. 
In dem Büchlein ist alles das erläutert, was Arbeitgeber, Dienstherr- 
schaften, Gutsbesitzer u. s. w., sowie sonstige Arbeitnehmer, Arbeiter, Gesellen, 
Mägde, Gehilfen u. s. w. über die betreffenden neuen Gesetze wissen müssen. 

Wie organisirt man eine gemeinnützige Bauthätigkeit? Ein Leitfaden 
zur Gründung von Baugenossenschaften, Bauvereinen und Actien- 
baugesellschaften von Walther Lange. Lübeck. Dittmer. 70 S. 1,20 Mk. 

Die Rauchplage und ihre Abhilfe von Dr. E. Glinzer. Hamburg. 

Boysen und Maasch. 34 S. 0,50 Mk. 

Die kurze Schrift entwickelt die Veranlassungen zur Entwickelung des 
Rauches, Menge und Kosten desselben, und empfiehlt als bestes Mittel gegen 
die Rauchplage die Heranbildung tüchtiger Heizer und Einrichtung von 
Lerngelegenheiten für dieselben. Wir theilen die Anschauungen des Ver- 
fassers und wünschen, dafs diese Anregung weitere Schritte zur Erreichung 
des Zieles zur Folge habe. 



Verlag der J. G. Cotta'sclien Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck <W Union Deutsche Vorlagsgesellschat't in Stuttgart. 



Neuerungen an Koksöfen. 289 

Neuerungen an Koksöfen. 

Mit Abbildungen auf Taf. 17. 

Bei denjenigen Otto-Koksöfen, welche gemäfs dem Patente Nr. 18 795 
mit Siemens-Regeneratoren versehen sind, wird das zur Heizuno- not- 
wendige Gas mit der zur Verbrennung desselben nöthigen Gesammt- 
menge der heifsen Luft an einer einzigen Stelle zusammengeführt. In 
Folge dessen entwickeln sich hier durch die vollkommene Verbrennuno- 
der von der Condensation zurückkehrenden Kohlenwasserstoffe Stich- 
flammen. Letztere haben so hohe Temperatur, dafs das sogen, feuer- 
feste Mauerwerk einer zu häufigen Zerstörung ausgesetzt ist. Um daher 
Ausbesserungen und Betriebsstörungen zu vermeiden, soll die heifse Luft 
nunmehr dem zu verbrennenden Gase nicht mehr an einer, sondern an 
mehreren Stellen zugeführt werden. 

Die dazu erforderliche Einrichtung ist in den Fig. 1 und 2 dar- 
gestellt und durch das D. R. P. Nr. 50982, gültig vom 17. September 1889 
ab, geschützt. 

Das von der Condensation zurückkehrende Gas strömt in den 
Kanal a, die heifse Luft aus dem Regenerator R tritt in den Kanal c. 
Diese Luft tritt durch die Oeffnungen b in der Zwischenwand d der 
Kanäle a und c in den Kanal a. Die Verbrennung der Gase in dem 
Kanäle a findet also in einer sehr vertheilten Weise, nämlich an all den 
Stellen statt, wo sich die Oeffnungen b befinden. 

Der Kanal a liegt unter der Seitenwand des Ofens, die Verbren- 
nungsproducte steigen in Folge dessen aus dem Kanäle a in den senk- 
rechten Zügen der Seitenwände auf und gelangen in der bekannten 
Weise durch den wagerechten Kanal oben in der Seitenwand, welcher 
hier nicht gezeichnet ist, nach der anderen Seite der Seiteuwand, fallen 
dort durch die senkrechten Kanäle in diesem Theile der Seitenwand 
wieder herunter, sammeln sich in a { und gelangen durch b { nach c t , 
von wo sie in den Regenerator R { treten. 

Beim Wechsel ist die Richtung des Ganges der Verbrennungs- 
producte die umgekehrte. 

Wdhelm Fritsch in Zabrze (O.-Schl.) hat unter Nr. 52 134 ein vom 
24. August ab gültiges D. R. P. für eine Einrichtung zur Regelung der 
Zuführung vorgewärmter Verbrennungsluft bei wagerechten Koksöfen 
erworben. Das Eigentümliche besteht darin, dafs unterhalb der Kammer- 
wände und zwischen den unter der Sohle der Kokskammern gelegenen 
Kanälen für die abziehenden Verbrennungsproducte Lufterhitzungskam- 
mern angeordnet sind, die mit den in den Kammerwänden befindlichen 
Verbrennungsräumen für die enttheerten oder direkt aus den Koks- 
kammern kommenden Gase durch eine Anzahl Oeffnungen von zu- 
nehmendem Querschnitte verbunden sind , von denen die gröfste der 

Dinglers polyt. Journal Bd. 278 Nr. 7. 1890 lr. 19 



290 Neuerungan an Koksöfen. 

Eiuströmung der Gase zunächst gelegene Oeffnung durch einen Schieber 
nach Bedarf mehr oder weniger geschlossen werden kann. 

In Fig. 3, 4 und 5 ist die Einrichtung dargestellt. 

Die einzelnen Kokskammern p arbeiten vollkommen unabhängig 
von einander und werden wie üblich beschickt und entleert. Sollen 
Nebenproducte gewonnen werden, so leitet man in bekannter Weise 
die in den Kammern sich entwickelnden Gase durch Rohr a in die 
Vorlage b und von da nach der Condensationseiurichtung. Die von 
Theer und Ammoniak befreiten Gase gelangen durch Rohr c nach dem 
Ofen zurück und werden mittels senkrechter Rohre d in die einzelnen 
Verbrennungsräume r geleitet, welche in den Zwischen- oder Kammer - 
wänden q vorgesehen sind. 

Die Gase treten an den beiden Enden der Kammerwände ein, um 
auf dem durch senkrechte Zungen s s t gebildeten zickzackförmigen 
Wege bis zur mittleren Scheidewand t zu gelangen, an der sie nach 
abwärts fallen, um sich alsdann zu vereinigen und durch einen gemein- 
schaftlichen Kanal v unterhalb der Sohle u der Kokskammer p entlang 
nach dem Kanäle f und von da in den für alle Kokskammern gemein- 
schaftlichen Abhitzekanal F abgeleitet zu werden. 

Von hier aus können die Gase den Kesselfeuerungen oder Wind- 
erhitzern zugeführt wei-den. 

Die Lufterhitzungskammern k sind unterhalb der Verbrennungs- 
räume r und zwischen den Kanälen v für die abgehenden Verbrennungs- 
producte angeordnet. Die Luft wird mittels Ventilators in den Kanal g 
und nach dem Kanäle h befördert, aus dem sie durch einzelne Kanäle i 
den Lufterhitzungskammern k zugetheilt wird. Hier wird sie durch 
wagerechte Zungen /, welche einen langen Kanal m bilden, gezwungen, 
hin und her zu strömen und sich dabei an den die Kammer von den 
Kanälen v trennenden Wandungen, sowie an der Sohle des Verbren- 
nungsraumes r hoch zu erhitzen. 

Der Weg der Luft ist nun so beschaffen, dafs dieselbe in dem unter 
der Sohle des Verbrennungsraumes r liegenden Theile des Kanales m 
der Richtung der Gase im Räume r entgegen sich bewegt und durch 
Oeffnungen o, o 2 o 3 o 4 in jenen Raum r gelangen kann. Die erste dieser 
Oeffnungen o { besitzt den kleinsten, die letzte o 4 den gröfsten Quer- 
schnitt. Diese Oeffnung o 4 befindet sich unmittelbar an der Stelle, wo 
das Gas in den Verbrennungsraum r eintritt. Mittels eines Schiebers n 
kann diese Oeffnung o 4 regulirt werden. Ist die Oeffnung o 4 ganz ge- 
öffnet, so wird bei weitem der gröfste Theil der vorgewärmten Luft 
in die von der äufseren Begrenzuugswand und der ersten Zunge s, ge- 
bildete Abtheilung des Verbrennungsraumes r einströmen und eine 
lebhafte Verbrennung der durch Rohr d eingeführten Gase bewirken. 
Durch die übrigen Oeffnungen o :} und o 2 von abnehmendem Querschnitte 
wird entsprechend weniger Luft in die von den folgenden Zuugen s { 



Neuerungen an Koksöfen. 291 

gebildeten Abtheilungen des Verbrennungsraumes r gelangen, während 
durch die Oeffnungen o { Luft in die senkrechten, nach den Kanälen v 
führenden Züge tritt, um die vollkommene Verbrennung der Gase her- 
beizuführen, bevor dieselben in die Kanäle v gelangen. Je mehr man 
nun die Oeffnung o i durch den Schieber n schliefst, desto mehr Luft 
wird durch die übrigen Oeffnungen o 3 o. 2 o x in den Verbrennun°-sraum r 
eintreten, so dafs an den betreffenden Stellen die Verbrennung lebhafter 
wird. Man hat es also vollkommen in der Hand, mittels der Schieber n 
die Verbrennung in der gaozen Ausdehnung des Raumes r zu regeln 
und gleichmäfsig zu gestalten, damit also auch die Kokskammer p in 
ihrer ganzen Ausdehnung gleichförmig zu erwärmen. 

Wird aus irgend einem Grunde eine Ofenkammer p kalt oder will 
man keine Nebenproducte gewinnen, so öffnet man den Schieber e. 
Alsdann gelangen die in der betreffenden Kokskammer entwickelten 
Gase durch Oeffnungen x in die Kammer w und von hier aus direkt 
in den Verbrennuugsraum r, und zwar an derselben Stelle, wo sonst 
die von Theer und Ammoniak befreiten Gase durch Rohr d eingeleitet 
werden: die Verbrennung dieser direkt aus den Kokskammern ein- 
strömenden Gase vollzieht sich also in derselben Weise wie die der 
aus der Condensationsanlage kommenden, von Theer und Ammoniak 
befreiten Gase. 

Wie sich aus der beschriebenen Anordnung ergibt, werden Gas, 
Luft und Verbrennungsproducte stets gezwungen, den nur durch eine 
Zugöffnung vorgeschriebenen Weg zu verfolgen, ohne dafs es möglich 
ist, dafs in einem Theile der Kanäle die Strömung zur Ruhe kommt 
und in Folge dessen der betreffende Theil des Ofens kalt geht, dafür 
aber in einem anderen Theile der Kanäle eine zu heftige Strömung: 
und Wärmeentwickelung stattfindet und der Ofen an dieser Stelle zu- 
sammenschmilzt. Diese Regelung läfst sich hierbei dank der gewählten 
Anordnung der Lufterhitzungskammern k und der Oeffnungen o { o o 3 o 4 
in denkbar einfachster Weise mittels eines einzigen Schiebers n für jede 
Kammer k bewerkstelligen. 

Franz Brunei: in Dortmund stellt in dem gefüllten Verkokungs- 
raume röhrenförmige Hohlräume her unter Ausübung eines vom Inneren. 
der Füllung gegen die Heizflächen hin wirkenden Druckes. Auf diese 
Weise wird es ermöglicht, dafs möglichst viel Destillationsgase durch 
die Destillationsmasse ziehen, ihren Theer an letztere wieder abgeben 
und somit ein gleichmäfsig in der Masse vertheiltes Bindemittel abge- 
lagert wird. 

Ein Apparat zur Herstellung solcher Hohlräume ist in Fig. 6 dar- 
gestellt. 

Es sollen die beiden über einander liegenden Hohlräume A und B 
hergestellt werden. Zu dem Ende werden drei Kolben ä',,jK 2 und K 
verwendet. K { und K 2 erzeugen bei der Vorwärtsbewegung die röhren- 



292 Neuerungen an Koksöfen. 

förmigen Hohlräume A und H. wahrend K 3 den nach oben erforder- 
lichen Widerstand bietet und zugleich die Oberfläche ebenet. Sämmt- 
liche drei Kolben rücken gleichmäfsig vor. Indefs kann Kolben h 3 
auch für sich allein beweglieh gemacht und .so eingerichtet werden, dafs 
auch eine vorgängige Planirung bezieh. Vertheilung des Materials mittels 
dieses Kolbens bewirkt werden kann. (D. R. P. Nr. 51518 vom 18. Juni 
1889.) 

Koksöfen, welche nach Art der in der Patentschrift Nr. 18935 be- 
schriebenen aus einer Anzahl von Einzelöfen unter Trennung derselben 
durch dünne Wandungen zusammengesetzt sind, bedingen eine sehr 
regelmäfsige bezieh, gleichmäßige Beheizung. Diese Gleichmäfsigkeit 
ist direkt abhängig von der Vertheilung des gasförmigen Brennstoffes 
auf die Einzelöfen. Da nun der gasige Brennstoff eine gleichmäisige 
mittlere Zusammensetzung besitzt, so genügt es, zur Herbeiführung einer 
gleichmäfsigen Beheizung jedem Einzelofen dauernd genau dieselbe Gas- 
menge zuzuführen. 

Zur Herbeiführung einer stets gleichbleibenden Vertheilung des Gas- 
stromes auf die Eiuzelöfen wird von dem physikalischen Grundsatze aus- 
gegangen, dafs die durch eine Oeffnung ausströmende Menge eines sich 
gleichbleibenden Gases abhängt vom Durchmesser dieser Oeffnung und dem 
Druckunlerschiede, der zwischen der Zuströmseite und Abströmseite 
derselben herrscht. Es kann also der Gasstrom gleichmäfsig dadurch 
vertheilt werden, dafs man die Vertheilungsöffnungen sämmtlich von 
gleicher Weite macht und die Druckdifferenz zwischen beiden Seiten 
dieser Oeffnung dauernd auf der gleichen Höhe erhält. 

Im vorliegenden Falle genügt es, um die obigen theoretischen Be- 
dingungen zu erfüllen, an der als Reservoir anzusprechenden Gashaupt- 
zuleitung H (Fig. 7) die Einrichtung so zu treffen, dafs sich darin ein 
gleicher Druck constaut und selbsthätig aufrecht erhält, und jedes der 
nach den Einzelöfen O abzweigenden Vertheilungsrohre V mit dem 
gleichen Durchströmquerschnitte zu versehen. 

Zu dem Ende wird in jedem Vertheilungsrohre Fein Diaphragma D 
mit Loch d angeordnet und den Löchern d aller vorhandenen Diaphrag- 
men D die gleiche Weite gegeben. Die Löcher d können mittels Re- 
gulirventile v (Fig. 8) um gleiche Beträge bezüglich ihrer Weite ver- 
ändert werden. 

Zur stetigen Aufrechterhaltung eines gleichmäfsigen Druckes in der 
Hauptleitung H wird diese mit einem Druckregulator H bekannter Con- 
struetion versehen-, derselbe gestattet, den nöthigen Druck in der Haupt- 
leitung herzustellen, und erhält dann diesen Druck selbsthätig aufrecht. 

Durch die beschriebene Combination soll mau im Stande sein, auf 
Grund des angegebenen physikalischen Gesetzes eine beliebige Anzahl 
(z. B. 25) in Thätigkeit stehender Einzelöfen O dauernd mit unter sich 
gleichbleibenden Mengen von gasigem Brennstoffe zu versehen. 



Neuerungen an Koksöfen. 293 

Es ist klar, dafs eine gleiche Einrichtung auch für die Luftzufuhr 
benutzt werden kann. (D. R. P. Nr. 52 538 vom 15. August 1889.) 

Die Koksöfen von Th. v. Bauer und Rüderer in München (D. R. P. 
Nr. 41901) sind auf Grund weiterer Erfahrungen vereinfacht worden. 

Der Rost R (Fig. 9) dient zum Anheizen bezieh, bei sehr schwer 
gasenden Kohlen, Braunkohlen, Torf u. s. w. zur Unterstützung der 
Destillationsgase durch besondere Feuerung. 

Der grofse Gas- und Luftsammeiraum wird durch Zwischenwände, 
entsprechend den einzelnen Kammern, abgetheilt. Im oberen Ofentheile 
ist eine direkte Verbindung mit dem Kamine hergestellt. Die Ver- 
brennungsräume bleiben am Fufse der Sohlen in Zusammenhang, aber 
dieser Zusammenhang kann am Ende der Sohlen leicht aufgehoben 
werden, wonach also jede Kammer mit den ihrer Beschickung ent- 
strömenden Gasen für sich allein arbeiten kann, indem die Gase am 
oberen, der Mitte der Gruppe zu gelegenen Ende der Sohle durch eine 
mittels Registersteine (Ä R R) verschliefsbare Oeffnung, nachdem sie für 
sich innig mit regulirbarer eventuell vorgewärmter Luft gemischt, unter 
der Sohle nach abwärts ziehen. Unten angekommen, gehen sie, in dem 
zur einen Seite der Kammer gelegenen Verbrennungsraume circulirend, 
nach oben zum Verbrennungsraumregister (V R R), während die Gase 
der Nachbarkammer, in derselben Weise ziehend, die andere Kammer- 
wand erhitzen. 

Durch den im Grundrisse Fig. 10 ersichtlichen Fuchsstein (F St) ist 
die vorerwähnte Trennung einfach hergestellt, und da dieser Stein leicht 
entfernbar, so kann man nach Belieben eine Kammer mit der neben 
ihr liegenden oder mehrere oder alle mit einander verbinden, in wel- 
chem Falle die Gase jeder Kammer am Fufse derselben nach beiden 
Seiten abziehen und aufwärts bis zum Verbrennungsraumregister streichen. 

Ferner ist die Anordnung getroffen, dafs die aus dem Verbrennungs- 
raumregister kommenden verbrannten Gase, ehe sie in den Kamin ge- 
langen können, in einen kreisförmigen, durch Zwischenwände in beliebige 
Sectoren getheilten Sammelkanal (S K) kommen, aus dem sie je nach 
Schlufs oder Oeffnen eines Kaminschiebers {K Seh) in den Abzug nach 
oben (aufgesetzter Kamin) oder nach unten (seitwärts stehender Kamin 
oder Kesselheizung) abziehen können. 

Das Theilen des Sammelkanales gewährt die Möglichkeit, die Re- 
tourgase eines beliebigen Theiles der Kammern oder einzelne derselben 
für Kesselheizung zu benutzen und die übrige Gasmenge ins Freie ent- 
lassen zu können. 

Ferner ist auch die Möglichkeit geboten, einen Theil der Kammern 
oder alle ohne Gewinnung der Nebenproducte zu betreiben und 
ebenso in den verschiedenen Sectoren verschiedenartige Kohlen zu ver- 
koken. 

Im Anschlüsse an die vorbeschriebenen Koksöfen soll noch auf den 



294 Renshaw's dreifache Expansionsmaschine. 

Modischen transportabelen Verkohlungsapparat hingewiesen werden. 
Derselbe besteht im Wesentlichen aus dem Eisenblechcylinder a (Fig. 11), 
welcher einen kupfernen Boden besitzt. Das Heizrohr b ist mit Chamotte 
gefüttert. Die zu verkohlenden Stoffe (Holz, Torf, Knochen u. s. ve.) 
werden durch Thüren h und Oefl'nungen e eingefüllt • in die Feuerung 
wird durch Oeffnung f atmosphärische Luft eingeblasen; die Heizgase 
treten durch Oeffnungen c in den Verkohlungsraum und die entwickelten 
Dämpfe, Destillationsproducte und gasförmigen Verbrennungsproducte 
werden durch g abgeleitet. W. K. 



Dreifache Expansionsmaschine von W. R. Renshaw in 
Kidsgrove, Staffordshire. 

Mit Abbildungen auf Tafel 18. 

Diese in stehender Anordnung ausgeführte dreifache Expansions- 
maschine besteht nach den, Industries, 1890 S. 574, entnommenen Ab- 
bildungen (Fig. 1 bis 4 Taf. 18) aus sechs, auf zwei Seiten zu je drei un- 
mittelbar über einander stehenden einfach wirkenden Cylindern A, B, 6\ 
von denen die Hochdruckcylinder A in der Mitte zwischen den darüber 
liegenden Niederdruckcylindern C und den am unteren Ende offenen 
Mitteldruckcylindern B angeordnet sind; die letzteren stützen sich auf 
einen, die Kurbeln einschliefsenden und mit Oel angefüllten kasten- 
förmigen Sockel. Die zu den drei über einander stehenden Cylindern 
jeder Maschinenseite gehörigen Kolben sind durch eine gemeinschaft- 
liche Stange verbunden und die mit kugelförmigen in den Mitteldruck- 
kolben gelagerten Köpfen versehenen Kurbelstangen übertragen die 
hin und her gehenden Bewegungen mittels zweier um 180° gegen ein- 
ander versetzter Kröpfungen der Schwungradwelle auf diese letztere. Der 
vom Kessel kommende Dampf gelangt durch das Einströmrohr D zunächst 
auf die obere Fläche des Hochdruckkolbens der einen Seite, hierauf nach 
zurückgelegtem Hube in den Mitteldruckcylinder der andern Seite, dessen 
Kolben somit nach abwärts geht, während der genannte Hochdruck- 
kolben eine Aufwärtsbewegung ausführt; von hier geht der Dampf nach 
beendigtem Hube in den Niederdruckcylinder derselben Seite, in wel- 
chem er auf die untere Kolbenfläche wirkt. Zur Regelung der Dampf- 
vertheilung in den Hochdruckcylindern dient ein vollständig entlasteter 
Kolbenschieber /i, dessen Achse wagerecht lieg! und welcher seine 
hin und her schwingende Bewegung von dem Excenter F aus erhält; 
der in diesem Schieber liegende Kanal G gestattet den Dampfeini ritt 
abwechselnd in den einen oder anderen Hochdruckcylinder, und die zu 
beiden Seiten desselben angebrachten Aushöhlungen H schaffen bei der 
Drehbewegung des Schiebers eine Verbindung zwischen dem im Cylinder 



Daw's Dampfturbine. 295 

liegenden Kanal und dem Ausströmkanal. Bei jeder Bewegung des 
Schiebers gelangt der Dampfdurchlafskanal G von dem nach dem einen 
Hochdruckcylinder führenden Dampfweg bis zum andern, und während 
dieser Bewegung steht derjenige Cylinder, welcher den ersten Dampf 
erhalten hat, mit dem Ausströmrohr so lange in Verbindung, bis der 
Schieber am Ende seines Hubes angelangt ist. Die Dauer der Dampf- 
einströmung in die Hochdruckcylinder ist veränderlich und wird von 
einem zweiten, in einer cylindrischen Aushöhlung des ersteren liegenden 
Kolbenschieber J geregelt, dessen Bewegungen von der Stellung des 
von einem im Schwungrade L untergebrachten Regulator beeinflufsten, 
frei beweglichen Excenters K abhängig ist. 

Die Schieber der Mittel- und Niederdruckcylinder besitzen eine ähn- 
liche Construction wie diejenigen der Hochdruckcylinder. Fr. 



Dampfturbine von J. H. Daw in Cleveland, Nordamerika. 

Mit Abbildungen auf Tafel 18. 

Die bedeutenden Erfolge, welche die von C. A. Parsons in Gates- 
head-on-Tyne erfundene Dampfturbine (1886 260 * 294) aufzuweisen 
hat, veranlafsten J. E. Daw in Cleveland, Nordamerika, sich mit der Con- 
struction eines ähnlichen schnelllaufenden Motors zu befassen, bei welchem 
im Gegensatz zu Parsotw Turbine der auf die Schaufeln wirkende Dampf 
nicht in der Richtung parallel der Wellenachse, sondern senkrecht hier- 
zu, von der Mitte der Schaufelräder aus nach deren Umfange hin sich 
arbeitsverrichtend ausdehnt, und wenngleich dieser Motor bis jetzt noch 
nicht den Grad der Vollkommenheit besitzt, der Parsons' Turbine aus- 
zeichnet, so ist doch kaum zu bezweifeln, dafs er namentlich in ökono- 
mischer Beziehung bald erfolgreich mit diesem concurriren wird. 

Der feste Theil des Motors von Daw ist, wie die, Revue industrielle 
1890 21 * 201, entnommenen Abbildungen Fig. 5 bis 8 Taf. 18 erkennen 
lassen, von einem Mantel B umgeben und bildet in seiner Mitte einen 
mit Innengewinde versehenen Ring a, in welchen zwei auf ihren Aufsen- 
flächen mit concentrisch zur Wellenachse stehenden Leitschaufeln cc 
versehene Scheiben G G eingeschraubt sind , während der bewegliche 
Theil aus zwei Scheiben EE besteht, die auf ihren Innenflächen ähn- 
liche Schaufeln tragen und bei ihrer Drehbewegung die Welle D mit- 
nehmen ; die Anordnung der Leitschaufeln c, sowie diejenige der 
beweglichen Schaufeln e veranschaulicht Fig. 6. Der vom Kessel 
kommende Dampf tritt zunächst in die zwischen der sich drehenden 
Steuerscheibe Fund den festen Scheiben G verbleibenden Spielräume it u 
geht von hier nach den beiden mit Schaufeln versehenen Scheiben Zs, 
sich gleichmäfsig auf deren mittlere Flächen vertheilend, sodann in den 



296 Bristöl's tragbare elektrische Lampe. 

durch die Schaufeln gebildeten ringförmigen Bahnen nach dem Umfange 
der letzteren und endlich durch das Rohr A 2 ins Freie: das seitliche 
Spiel zwischen den festen und beweglichen Schaufeln beträgt unge- 
fähr 10 nim . Die Scheiben E sind mit den auf der Welle D leicht dreh- 
baren Hülsen d, sowie durch die in ihre Naben eintretenden Stifte </, 
mit der Welle selbst verbunden: letztere führt sich mit geringem Spiel- 
raum in zwei langen, in angegossenen Büchsen B { des Mantels unter- 
gebrachten Schalen, deren Bund fi { genau in die innere Bohrung jeder 
Büchse eingepafst ist und welchem durch Federn b 2 eine leichte seit- 
liche Bewegung ermöglicht ist. Erleidet die Welle D durch irgend ein 
Vorkommnifs eine Verschiebung in ihrer Längsachse, so wird dadurch 
entweder die Weite des Spaltes i oder i l geringer bezieh, gröfser, ebenso 
die Entfernung zwischen den Scheiben D und E eine andere, und durch 
die nun entstehenden Spann ungsdifferenzen die Welle D sofort wieder 
in ihre mittlere Lage zurückgeführt, da nur in dieser die auf die Scheiben 
ausgeübten Dampfdrücke sich gegenseitig aufheben. Um eine Aus- 
dehnung des Einströmdampfes innerhalb der sehr engen Spalten ii { zu 
verhüten, sind die an den Scheiben G befindlichen Ansätze c 3 noch mit 
Bohrungen c 4 (Fig. 7 und 8) versehen, welche den Dampf in zahlreiche 
Aushöhlungen c> derselben treten lassen und so, fast unabhängig von der 
Weite der Spalten »tj, den nöthigen Durchgangsquerschnitt bieten. 

Die Steuerscheibe F ist über eine auf der Welle D befestigte Scheibe 
geschraubt und mittels Druckschrauben gegen Verdrehung gesichert. 
Eine derartige Turbine mit Scheiben aus Aluminiumbronze von 150 nim 
Durchmesser und 6 Reihen Schaufeln soll nach Angabe von Daw mit 
25 000 Umdrehungen in der Minute 10IP leisten. Fr. 



L. Bristöl's tragbare elektrische Lampe. 

Mit Abbildung. 

Die von L. Bristol angegebene elektrische Lampe soll vorwiegend 
an gefährlichen Orten, wie in Kohlenbergwerken, Pulvermühlen, Pulver- 
häusern, chemischen Laboratorien u. dgl., benutzt werden. Den Strom 
liefert nach dem Electrician, 1890 Bd. 24 * S. 581, eine Speicherbatterie, 
welche in einen polirten Holzkasten eingeschlossen ist, an dessen Vorder- 
seite, wie die zugehörige Abbildung sehen läfst, die Lampe innerhalb 
eines festen Glasdomes D angebracht ist; hinter der Lampe befindet 
sich ein Spiegel. Der Kasten besitzt einen metallenen Deckel mit einem 
Ansätze, welcher die eine zum Laden dienende Klemme verdeckt, so 
dafs bei geschlossenem Deckel die Batterie nicht kurz geschlossen 
werden kann. Der Deckel kann mittels des Schlosses a versichert 
werden; ein Stift an diesem Schlosse sichert den Glasdom gegen das 



Elektrische Tabellirmaschine für statistische Zählungen. 



297 



Abschrauben. Einer der Halter der Lampe ist an der positiven 
klemme P der Batterie angebracht, der andere an einer unabhän 
Platte, welche mit der negativen Klemme 
der Batterie in oder aufser Verbindung gesetzt 
werden kann durch einen federnden Gleit- 
umschalter, welcher durch einen Schlitz hinter 
der Platte c geht. 

Die Batterieplatten B sind von eigener 
Einrichtung; sie sollen einen so grofsen Zu- 
sammenhalt in sich selbst und Steifheit 
besitzen, dafs weiter kein metallener Träger 
nöthig ist. Mit dem wirksamen Stoff ist eine 
passende Menge Faserstoff vermischt, und 
das Ganze ist zu einer Paste verarbeitet; 
letztere wird in Formen gegossen und dabei 
in jede Platte ein Leiter eingesetzt, um das 
Fliefsen des Stromes zu erleichtern. Ein 
hohler Stöpsel b gestattet das Entweichen der 
Gase während des Ladens. 

Es werden für diese Lampen folgende Zahlen angegeben: 



Pol- 

gigen 




Kerzenstärke 


Brennstunden 


1,5 


10 


1,5 


15 


1 


5 



Gewicht 

1531g 

2383g 

794g 



Höhe 
139mm 
165mm 
101mm. 



Hollerith's elektrische Tabellirmaschine für statistische 

Zählungen. 

Mit Abbildungen. 

Mittels der Tabellirmaschine Hollerith's sollen irgend welche sta- 
tistische Angaben gruppenweise zusammengetragen und summirt werden, 
und zwar werden dazu die auf jede Person bezüglichen Angaben in 
Blätter oder Karten eines elektrisch nicht leitenden Stoffes (Papiers) als 
Löcher eingestanzt und dann einzeln oder vereinigt mittels mechanischer, 
durch Elektromagnete bethätigter Zählwerke gezählt, deren Stromkreise 
durch die gelochten Karten beherrscht werden. Die Anordnung ist von 
dem Committee on Science and the Arts des Franklin Institutes in Phila- 
delphia einer Prüfung unterworfen und für sie die höchste Auszeichnung 
des Institutes, die Elliot Cresson Medal, beantragt worden. Ihre Be- 
schreibung enthält das Journal des Institutes Bd. 129 * S. 300. 

Wenn die Zähl- oder Meldescheine, welche die Angaben über jede 
Person enthalten, von den Zählern bei der Volkszählung eingeliefert 
werden, so wird jede Angabe in eine Manila-Karte von 168 x 76 mm 



298 



Elektrische Tabellirmaschine fiir statistische Zahlungen. 



eingestanzt. Von diesen Karten ist eine Ecke querüber abgeschnitten, 
so dafs die Karten richtig liegen, wenn sie auf einander geschichtet 
werden. Die Nummer der Angabe wird zuvor auf die Karte geschrieben, 
so dafs eine Vergleicbung jederzeit möglich ist. Der Staat, der Bezirk 
des Zählers u. 8. w. sind auf der Karte durch eine gewisse Gruppirung 
von 4 oder 5 Löchern an dem einen, dazu frei gelassenen Ende der 
Karte vermerkt. Eine besondere Maschine stanzt diese Löcher ein, in 
je 4 oder 5 Karten zugleich. Diese Löcher sichern, dafs jede Karte 
gerade in ihren Bezirk gelegt wird und jede verlegte Karte unter 1000 
herausgefunden werden kann. 

Die persönlichen Angaben werden in jede Karte einzeln auf einer 
geeigneten Stanzmaschine eingelocht. Diese Maschine enthält eine 
Metallplatte mit zahlreichen Löchern, die in gewisser Gruppirung den 
verschiedenen Angaben entsprechen, und die Gruppen werden genau 
den Löchern in der Platte entsprechend gestanzt. Die verschiedenen 
Angaben (Rasse, Geschlecht, Alter u. s. w.) werden von links her in 
derselben Reihenfolge gestanzt, in der sie auf den Zählscheinen stehen. 
Wird es gewünscht, so kann die gestanzte Karte leicht gelesen und 
geprüft werden, indem man sie über zu diesem Zwecke hergestellte 
gedruckte Formulare legt. 

Die Tabellirung erfolgt nun mittels der in Fig. 1 bis 3 abgebildeten 
Maschine. Diese Presse enthält eine Hartgummiplatte mit geeigneten 
Anschlägen oder Führungen, an welche die Karten nach einander ge- 




Fl*. 1. 



Fig. 2. 



Fig. ::. 



legt werden. Die Platte enthält eine Anzahl von Löchern oder Näpf- 
chen, welche in Zahl und Anordnung denen entsprechen, welche in die 
Karte eingestanzt sein können. Jedes Näpfchen ist nach Fig. 2 z. Th. 
mit Quecksilber gefüllt und mit einer Klemmschraube an der Rückseite 
des Rahmens verbunden. Ueber der Hartgummiplatte ist ein zu un- 
gehöriger Kasten mit einer Anzahl vorstehender, federnder Contactstifte, 
die in ihrer Anordnung zu'Jden Quecksilbernäpfchen passeu. Wird nun 
eine Karte in die Presse eingelegt und deren Schwengel nach unten 



Elektrische Tabellirmaschine für statistische Zählungen. 



299 



bewegt, so schliefseu die durch die Löcher der Karte hindurchtretendeu 
Stifte der Lochung entsprechend gewisse Stromkreise. 

In einen geeigneten Rahmen sind nun in Reihen neben einander 
eine Anzahl von Zählwerken aufgestellt, deren jedes bis 10000 zählen 
kann. Diese Zählwerke werden durch Elektromagnete in Gang gesetzt, 
deren Windungen an Klemmschrauben an der Rückseite enden. Um 
daher die verschiedenen Angaben auf den Karten zu tabelliren, braucht 
man nur die zu ihnen gehörigen Klemmschrauben mit den Klemmen 
der Zählwerke zu verbinden und darauf die Karten durch die Presse 
leiten. Die Zahl der jedesmal zu summirenden Arten von Angaben 
wird nur durch die Anzahl der Elektromagnete beschränkt. 

Will man beim Summiren zugleich die Karten nach einer der auf 
ihnen enthaltenen Angabe sortiren, so benutzt man noch den in Fig. 4 
rechts abgebildeten Kasten, welcher passend 24 Fächer enthält, deren 
jedes mittels eines Deckels verschlossen ist; der Deckel wird von einem 
Haken festgehalten, der 

den Anker eines Elektro- Flg - 4 - 

maguetes bildet; jeder ^— .- — — — — — 

Elektromagnet wird mit 
den betreffenden der 
Klemmschrauben der 
Presse verbunden, wel- 
che zu den für die Sor- 
tirung mafsgebenden An- 
gaben gehören. Wird 
eine Karte in die Presse 
gelegt, so wirkt der zu 
der auf der Karte stehen- 
den Angabe gehörige 

Elektromagnet, der Deckel springt auf und bleibt offen, bis er nach 
dem Einlegen der Karte in das Fach mit der rechten Hand wieder 
geschlossen wird; während dessen wird mit der linken Hand eine andere 
Karte in die Presse gelegt. Die Seitenwände des Kastens sind um Ge- 
lenke beweglich, damit man die Karten leicht aus den Fächern wieder 
herausnehmen kann. Das Sortiren kann zugleich mit dem Tabelliren 
irgend welcher Gruppen von Angaben erfolgen. 

Zu gröfserer Sicherheit läfst man ein Zählwerk alle eingelegten 
Karten zählen; dessen Zeiger mufs dann eine der Summe der Angaben 
aller anderen Zählwerke gleichende Zahl zeigen. 

Ferner läfst man bei jedem Zählen eine Klingel ertönen, deren 
Versagen es meldet, wenn einmal aus irgend einem Grunde bei einer 
Karte die Zählung nicht erfolgt. Die Maschine versagt auch die Zäh- 
lung, wenn einmal eine Karte in die Presse gelegt wird, worauf eine 
zu der eben zu zählenden Klasse gehörige Angabe nicht steht. 




300 Herstellungsweise für Elektrodenplatten für tipeicherbatterien. 

Alle Karten, welche wirklich in ein bestimmtes Fach gehören, 
haben mindestens ein Loch gemein (aufser denen, welche den Bezirk 
bezeichnen); man kann daher sie alle leicht auf einen Draht aufreihen, 
fügt sich dabei eine Karte nicht, so ist sie in ein falsches Fach gelegt 
worden. 

Das Committee hat Holleritfrs Maschine in ihrer Leistung mit der 
Zwickmaschine (chip system) C. F. Pidgins und der Kerbmaschine 
W. M. HunCs zu vergleichen nicht unterlassen; es wurden gewisse 
Angaben aus der Zählung von 1880 tabulirt, welche 4 Bezirken mit 
10491 Einwohnern angehören; die Vorbereitung erforderte nach Hollerith 
72 Stunden 27 Minuten, nach Hunt 144 Stunden 25 Minuten, nach 
Pidgin 110 Stunden 56 Minuten, das Tabelliren aber bezieh. 5 Stunden 
28 Minuten, 55 Stunden 22 Minuten und 44 Stunden 41 Minuten. Dabei 
übertraf Hollerüh*s Maschine die beiden anderen auch an Genauigkeit 
des Tabellirens. Die Kosten des Tabellirens bei einer Volkszählung 
dürften sich bei Holleritfis Maschine nur auf ein Drittel der bei einer 
Tabellirung mittels einer anderen Maschine entstehenden Kosten belaufen. 



J. L. Huber's Herstellungsweise für Elektro denplatten 
für Speicherbatterien. 

Mit Abbildungen. 

Zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit der Elek- 
troden von elektrischen Sammlern oder Speicherbatterien bettet J. L. 
Huber in Hamburg nach seinem österreichisch-ungarischen Patente gitter- 
förmig hergestellte Elektricitätsleiter so in die zur Aufspeicherung von 
Elektricität dienende wirksame Masse ein, dafs nur die einzelnen Stäbe 
des Gitters bezieh, die Wandungen der von ihnen gebildeten Hohl- 
räume mit wirksamer Masse überzogen sind, die fertige Elektrodenplatte 
also wie ein Sieb aussieht. Abweichend von einer älteren Anordnung 
befinden sich dabei die Durchbrechungen oder Löcher in der wirksamen 
Masse selbst; es werden also nicht in dem gitterförmig hergestellten 
Bleirahmen unausgefüllte Zwischenräume gelassen, wobei die Berührungs- 
fläche zwischen der wirksamen Masse und dem Elektrolyt vermindert 
wurde; vielmehr wird diese Berührungsfläche bei den nach dem neuen 
Verfahren hergestellten Platten vergröfsert und dadurch eine bedeutend 
gröfsere Nutzwirkung erzielt. 

Um die in Form von Gittern hergestellten Elektricitätsleiter und 
Träger der wirksamen Masse, bezieh, die einzelnen Stäbe a (Fig. 1) 
der Gitter in wirksame Masse einzubetten, oder die Wandungen der 
einzelnen Felder mit solcher Masse zu bekleiden, werden diese Gitter, 
deren Stäbe a vorzugsweise den aus Fig. 2 erkennbaren Querschnitt 



Elektrische Fackeln in der Pariser Oper. 



301 



Fig. 1. 



erhalten, auf mit Zapfen versehene Unterlagen in der Weise gelegt, 
dafs in die Gitteröffnungen Zapfen hineinragen. In die zwischen den 
Zapfen und den Gitterwandungen 
verbleibenden Hohlräume wird 
dann, entweder durch Knet- oder 
Mischmaschinen , oder durch 
Pressen, Walzen oder Streich- 
methoden, oder mit der Hand, 
die als wirksame Masse zu ver- 
wendende Füllung b hinein- 
geprefst. Durch Herausziehen 
der Zapfen, bezieh. Abheben der 
Platte von den Zapfen verbleiben 
in der Platte au Stelle der Zapfen 
Oeffnungen c, deren Wandungen 
die mit dem Elektrolyt in Be- 
rührung kommende Oberfläche 
der Elektrodenplatte entsprechend 
vergröfsern. 

Umgekehrt kann man aber auch die Hohlräume von den Elek- 
tricitätsleitern zunächst vollständig oder nahezu vollständig mit wirk- 
samer Masse ausfüllen und alsdann die Löcher c durchdrücken, durch- 
stofsen oder durchbohren: natürlich könnte man auch blofs einfach 
Vertiefungen in die wirksame Masse eindrücken. 




1=FT 



Fig. 2. 



Elektrische Fackeln in der Pariser Oper. 

Mit Abbildungen. 

Am 21. März d. J. hat in der Pariser Oper die erste Aufführung 
des „Ascanio u stattgefunden, welcher von Camille Saint-Saens componirt ist. 
Die Scenerie ist sehr schön, besonders aber der von Lavastre und Carpezat 
gelieferte Garten von Fontainebleau, mit dem Walde darüber; hier wird 
das eigenthümliche Ballet getanzt, welchem der Verfasser des Textes, 
Louis Galtet, die Form einer mythologischen Phantasie im Renaissance- 
stil gegeben hat. Bei diesem Ballet trägt die Tänzerin, welche Apollo 
inmitten der Musen darstellt, eine Götterfackel, die mit elektrischem 
Licht versehen ist. 

Entsprechend den Wünschen der Direktoren der Oper hat G. Trouve 
(nach dem Genie civil, 1890 * S. 495) die in den Abbildungen dar- 
gestellte, leichte und kleine Fackel hergestellt, welche die Elektricitäts- 
quelle, sechs Speicherzellen nach Gaston Plante', in ihrem Inneren enthält, 
sowie eine elektrische Glühlampe, welche ihr Licht durch verschieden- 



302 



Elektrische Fackeln in der Pariser Oper. 



farbiges geschlilfeues Glas strahlt. Drei Zellen sind im oberen Theile 
der Fackel, drei im unteren untergebracht; die sechs Zellen sind hinter 
einander geschaltet und vermögen auf 15 bis 20 Minuten 3 Ampere bei 
10 Volt (= 30 Watt) zu liefern. Jede Zelle wiegt mit ihrer Hülle 706, 

alle sechs somit 420s. Die 
Pol platten sind 5 (m hoch 
und 7 cm lang; jede hat also 
35 f ic seitliche Oberfläche. 
Sie sind um einander ge- 
rollt, damit beide Flächen 
wirksam werden; die wirk- 
same Fläche in jeder Zelle 
beträgt daher etwa ln dc . 
Jedes Element bildet ein 
Gefäfs von 7 cm Höhe und 
2cm Durchmesser; der Ab- 
stand der Polplatten ist zu 
l mm ,5 gewählt worden; bei 
einem gröfseren Abstände 
wären die Platten zu klein 
geworden im Verhältnifs 
zu der von ihnen zu lie- 
fernden Leistung, bei einem 
kleineren dagegen wäre der 
Widerstand zu klein ge- 
worden, so dafs die Zellen 
ihre Ladung sich nicht zu 
erhalten vermocht hätten. 
Bei dem gewählten Ab- 
stände reicht die Ladung 
für eine Vorstellung aus, 
ja selbst für zwei Vorstel- 
lungen, zwischen denen 
2 Tage liegen. Die Ladung 
der Zellen mufs wegen deren Kleinheit sehr vorsichtig erfolgen. 

Bei der Ladung wird der — Poldraht der ladenden Quelle oben, 
der -{-Poldraht unten an die Fackel angelegt. Der -fLadungsstrom 
geht durch die untere Batterie, durch die Metallmasse der Fackel zur 
oberen Batterie; die Glühlampe ist bei der Ladung ausgeschaltet, denn 
diese ist einerseits mit dem — Pol an der oberen Batterie verbunden, 
andererseits aber mit einem langen Leiter, welcher bis zum -f-Pole der 
unteren Batterie reicht, gegen diesen aber isolirt ist und mit ihm erst 
durch den Druck auf einen am unteren Theile der Fackel angebrachten 
Knopf in leitende Verbindung gebracht wird; dieser Knopf ist gegen 




Bolton. über Wetterbeständigkeit der Steine. 303 

die Metalltheile der Fackel ebenfalls isolirt. Die Fackel leuchtet also 
nur so lange, als man auf den Knopf drückt. 

Bei einer anderen Fackel hat Trouve seine galvanischen Sturz- 
batterien angewendet: solange die Fackel nach unten gerichtet ist, 
sind die Zellen aufser Thätigkeit: erst wenn man die Fackel aufrecht 
trägt, tritt die Erregungsflüssigkeit durch das Umstürzen der Zellen zu 
den Elektroden, die Lampe brennt aber auch dann nur, während man 
auf den Knopf drückt. 

üeber die Prüfung der Gesteine auf ihre Wetterbeständig- 
keit mit besonderer Berücksichtigung der Sandsteine; von 

Werner Bolton. 

Während die Prüfung der natürlichen Bausteine auf ihre Druckfestig- 
keit gegenwärtig allgemein nach wissenschaftlich begründeten Methoden 
geschieht und durch Anwendung geeigneter Apparate einen gewissen 
Grad von Vollkommenheit erreicht hat, bleibt die Bestimmung der Wetter- 
beständigkeit erheblich hinter den berechtigten Anforderungen zurück. 
Im Wesentlichen beschränkt man sich hierbei auf folgende Untersuchungen: 

1) Bestimmung der Wasseraufnahme: 

2) Auslaugung durch Salzsäure; 

3) Krystallisationsversuch mit Natriumsulfat. 

Wenn die Feststellung der Wasseraufnahme stets als ein wesent- 
licher Theil der betreffenden Untersuchung zu betrachten sein wird, so 
gestattet das gewonnene Resultat doch keineswegs einen direkten Schlufs 
auf die Wetterbeständigkeit des Materials. Jedem Techniker ist es 
bekannt, dafs eine grofse Zahl poröser Gesteine nichtsdestoweniger als 
sehr widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse sich erweist. 

Erst unter Berücksichtigung aller übrigen Eigenschaften des Gesteins 
wird in jedem einzelnen Falle der Einflufs festzustellen sein, welchen 
die Porosität auf die Wetterbeständigkeit des Materials auszuüben vermag. 

Der Krystallisationsversuch mit Natriumsulfat soll nach dem Vor- 
schlage von Brard dazu bestimmt sein, das Gefrieren des Wassers in 
den Poren nachzuahmen. Thatsächlich ist dieser Versuch völlig be- 
deutungslos, denn während das Wasser beim Gefrieren durch Volumen- 
vergröfserung wirkt, nimmt das krystallisirte Glaubersalz einen kleineren 
Raum ein als seine Auflösung in Wasser. Hier wird also nur das wirk- 
liche und häufiger wiederholte Gefrierenlassen des imprägnirten Wassers 
einen mafsgebenden Anhalt gewähren können, und die in neuerer Zeit 
auch in kleinerem Mafsstabe ausgeführten Eismaschinen dürften wohl 
geeignet sein, diese Versuche zu erleichtern. 

Was endlich die Behandlung mit Salzsäure betrifft, so werden fast 
alle Gesteine dabei mehr oder weniger angegriffen , am meisten die 
sedimentären Felsarten, wie namentlich die Sandsteine und Thonschiefer. 



304 Bolton, über Wetterbeständigkeit der Steine. 

Die Auslaugungsfähigkeit an sieh vermag deshalb einen direkten 
Anhalt für die Feststellung der Wetterbeständigkeit nicht zu gewähren. 
Ein Kalk- oder Mergelsandstein kann ein recht wetterbeständiges Ge- 
stein darstellen, trotzdem dasselbe unter der Einwirkung von Salzsäure 
vollständig zerstört wird. Erst wenn reichlich Eisenkies oder andere 
derartige zersetzbare Mineralien als Imprägnation darin vorkommen, 
wird das Gestein der Einwirkung der Witterung nicht widerstehen 
können. Nicht auf die Auslaugungsfähigkeit des Gesteins durch Salz- 
säure, sondern auf die chemische Zusammensetzung des ausgelaugten 
Bestandteiles wird deshalb das Augenmerk bei derartigen Unter- 
suchungen zu richten sein, und da es zur Zeit an jeglichen Vorarbeiten 
für die Beurtheilung der einschlägigen Fragen fehlt, so erscheint es erforder- 
lich, zunächst eine gröfsere Anzahl natürlicher Gesteine auf ihre chemische 
Zusammensetzung und zwar besonders auf die des in Salzsäure löslichen 
Bestandtheiles zu prüfen und die gewonnenen Resultate mit den Er- 
fahrungen zu vergleichen, welche hinsichtlich der Wetterbeständigkeit 
jener Materialien bekannt geworden sind. 

Erst wenn auf diese Weise die Abhängigkeit der Wetterbeständig- 
keit von der chemischen Zusammensetzung des Gesteines erfahrungs- 
gemäfs festgestellt ist, wird es gelingen, eine allen wissenschaftlichen 
Anforderungen entsprechende, praktische Untersuchungsmethode auf- 
zustellen. 

Als ein Beitrag zu jenen Voi'arbeiten mögen die nachfolgenden 
Sandsteinanalysen dienen, welche ich unter Berücksichtigung des ge- 
dachten Zweckes ausgeführt habe.[5 

Bekanntlich bestehen die Sandsteine im Wesentlichen aus Quarz- 
körnchen, die durch ein Bindemittel von mannigfacher Zusammensetzung 
cementirt sein können. Bestimmend für die Wetterbeständigkeit dieser 
Gesteine ist daher vor allem die chemische Natur des Bindemittels, dessen 
Zusammensetzung deshalb bei der Analyse besonders berücksichtigt 
worden ist. 

Folgende Methode ist hierbei zur Anwendung gekommen: Von 
jedem Sandstein wurden aufser den Controlanalysen zwei verschiedene 
Analysen ausgeführt: eine Analyse des Gesammtsteins und eine solche 
des in Salzsäure löslichen Bestandtheils. 

1) Geaammlanalyse. 

Die staubfein gepulverte Substanz wurde in gröfserer Menge, bis 
zu 3^, abgewogen, da viele Bestandteile nur in sehr geringer Menge 
vorhanden sind, und darauf mit reiner, unkrystallisirter Soda geschmol- 
zen. In der salzsauren Lösung der Schmelze wurde zuerst die Kiesel- 
säure durch mehrmaliges Eindampfen bestimmt und in dem von der 
Kieselsäure befreiten Filtrat die löslichen Bestandteile. 
2) Analyse Jen in Satzsäure löslichen Tlivilez. 

Ungefähr 40^ des staubfeinen Materials wurden mit rauchender 



Bolton, über Wetterbeständi^keit der Steine. 



305 



balzsäure gekocht und mehrmals eingedampft, der Rückstand auf ge- 
wogenem und getrocknetem Filter bestimmt, die löslichen Substanzen 
im Filtrat. Zur Bestimmung von Chlor und Phosphorsäure wurde die 
Soda schmelze des Minerals in Salpetersäure aufgelöst, mehrere Male zur 
Trockne gedampft uud in der von der Kieselsäure befreiten Auflösung 
Chlor und Phosphorsäure bestimmt. 

Die Bestimmung der löslichen Kieselsäure geschah durch ein halb- 
stündiges Kochen der feingepulverten Substanz mit einem grofsen Ueber- 
schufs an Salzsäure, worauf schnell in der Hitze filtrirt und durch 
mehrmaliges Eindampfen des Filtrats mit HCl die lösliche Si0 2 be- 
stimmt wurde. 

Die Bestimmung des Eisenoxyduls geschah durch Kochen der pulve- 
rigen Substanz in einem Kolben mit Bimsen scheva Ventil und Titriren 
mit KMn0 4 . 

Bei den folgenden Analysenresultaten ist der Procentgehalt der 
verschiedenen Substanzen in dem in Salzsäure löslichen Theil auf das 
Gewicht der in Salzsäure löslichen Menge der Substanz berechnet. 
Aufserdem sind die Bestandtheile des löslichen Theiles auch auf den 
Gesammtstein berechnet, was, von dem Procentgehalt des Gesammtsteins 
abgezogen, die Zusammensetzung des Rückstandes gab. 

Von jedem Sandstein wurden zur Controle drei Analysen ausgeführt. 



Chemische Analysen der Sandsteine. 
1. Gelber Sandstein von AU -Warthau. 







Analyse des in 


Analyse des in 








HCl löslichen 


HCl" löslichen 




Bestandtheile 


Gesammt- 
analyse 


Bestandteiles, 
berechnet auf 
das Gewicht 
des gelösten 


Restniidtheiles, 

berechnet auf 

das Gesammt- 

gewicht 


Rückstand 




Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 • . . 


96,663 


— 


— 


96,663 


lösliche SiO) . . 








0.24 


17,158 


0,24 


- 


A1 2 3 . . . 










0,925 


— 


— 


0.925 


Fe- 2 3 














1,108 


22,749 


0,305 


0,803 


FeO . 














0,134 


2,991 


0,042 


0,092 


MgO. 














0.12 


7,895 


0,11 


0,01 


CaO . 














0.18 


2,631 


0,037 


0.143 


C0 2 • 














0,029 


2,105 


0,029 


— 


P 2 5 . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


MnO. 














— 


— 


— 


— 


Cl 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


S0 3 . 














0.295 


5,421 


0,076 


0,219 


Alkalien 












0.236 


14,008 


0,236 


— 


H 2 bei 1200 C. 






0,29 


25.185 


0,29 


— 


Glühverlust . . 






0,464 


— 


— 


0,464 


Summa 




100,684 


100,243 


1,365 


99.319 






100.6S 


4 Proc. 


DinsW 


>r's 


po 


yt. 


JOL 


rna 


1 E 


d. 278 Nr. 7. 181 


0/1V. 




20 



306 Bolton, über Wetterbeständigkeit der Steine. 

II. Weifser Sandstein von All -Warthau. 







Analyse des in 


' Analyse des In 






Gesammt- 
analyse 


HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandteile 


Bestandtheiles. 
berechnet auf 


Bestand t heiles, 
berechnet auf 


Rückstand 




das Gewicht 


das Gesimmt- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . • . 


98.206 


— 


— 


98,206 


lösliche S*i0 2 . 








: 257 


ui; 


0,257 


— 


A1 2 3 . 








0,365 


— 


— 


0,365 


Fe 2 3 . 










0.272 


14.7.-, 


0,086 


0,186 


FeO . . 










0,045 


2,92 


D.017 


0,028 


MgO . . 










0,102 


16,102 


0.093 


— 


CaO . . 










0.22 


2,409 


0,014 


0.200 


MnO . . 










— 


— 


— 


— 


C0 2 . . 










0.009 


1.606 


0,009 


— 


p 2 o 5 . . 










— 


— 


— 


— 


Alkalien 










0,068 


11,887 


0.068 


— 


Cl . . 










U.132 


22,747 


0.132 


— 


SO, . . . 










0,299 


22,056 


0.128 


0471 


Efi bei 1200 C. 






0,11 


2.497 


0,11 


— 


Glühverlust . . 






0,472 


— 


— 


0,472 


Summa 






100,557 


101,391 


0.914 


99,443 
















100,557 


Proc. 



EQ. Graugelber Sandstein von Alt -Warthau. 







Analvsp des in 


Analyse des in 






Gesammt- 
analyse 


HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandtheile 


Bestandtheiles, 
berechnet aul 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 


Rückstand 




das Gewicht 


das Gesammt- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . . . 


94,07 


— 


— 


94,07 


lösliche Si0 2 . 








0,17 


32.102 


0,17 


— 


A1 2 3 . 










2,29 


— 


— 


2.29 


Fe 2 3 . 












— 


— 


— 


— 


FeO . . 












0,13 


15,374 


0,085 


0,045 


MgO. . 












0,223 


5,096 


0,027 


0,196 


CaO . . 












0,38 


2,547 


0.013 


0,25 


MnO. . 












— 


— 


— 


— 


COo . . 












0,01 


2,003 


0,01 


— 


P 2 5 . . 












— 


— 


— 


— 


Alkalien 












0,042 


8,051 


0.043 


— 


Cl . . 












— 


— 


— 


— 


SO, . . 












0,524 


13,559 


0,072 


0,452 


H.,0 bei 1200 C. 






0,107 


20,408 


0,107 


— 


(i luli verlust . . 






0,8 


— 


0,8 


— 


S 


IUI 


ma 






1 


98,746 


99.14 


0.527 


98.219 



1)8.746 Proc. 



Bolton, über Wetterbeständigkeit der Steine. 
IV. Heuscheuer Sandstein von Cudowa. 



W, 







Annlvse des in 


Analvse des in 






Gesammt- 
analvse 


HCl löslichen 


HCl" löslichen 




Bestand theile 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 


Rückstand 






das Gewicht 


das Gesammt- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . . . 


98,302 


— 


— 


98,302 


lösliche Si02 • 








0,108 


20,632 


0,108 


— 


A1 2 3 . . 










0,419 


— 


— 


0.419 


Fe 2 3 














0,266 


16,235 


0,085 


0,183 


FeO . 














0,048 


3,607 


0,019 


0,029 


MgO. 














0,03 


5,555 


0,029 


— 


CaO . 














0,112 


14,195 


0,074 


0,038 


C0 2 . 














0,058 


11,041 


0,058 


— 


P 2 5 . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


MnO. 














— 


— 


— 


— 


Cl . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


S0 3 . 














0,246 


26,746 


0,19 


0,056 


Alkalien 












— 


. — 


— 


— 


H 2 bei 1200 C. 






0,096 


2,863 


0,096 


— 


Glühverlust . . 






0,408 


— 


— 


0,408 




S 


im 


in; 








100,093 


100,874 


0,659 


99,334 



Proc. 













V 




Weifser Sandstein von Rackwitz. 




Bestandteile 


Gesammt- 
analyse 


Analyse des in 
HCl" löslichen 
Bestandtheiles, 
berechnet auf 
das Gewicht 
des gelösten 


Analyse des in 
HCl" löslichen 

Bestandteiles, 
berechnet auf 

das Gesammt- 
gewicht 


Rückstand 




Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . . . 


96,94 








96,94 


lösliche SiO-9 . 








— 


— 


— 





A1 2 3 . . 










1.256 


— 


— 


1.256 


Fe 2 3 












0.437 


17,251 


0,437 


— 


FeO . 












0,059 


2,694 


0,011 


0,048 


MgO. 
CaO . 














Spur 
0.048 


Spur 
8,31 


Spur 
0.04 


0,008 


MnO. 














— 


— 








co 2 . 














0,028 


6.09 


0,028 


— 


P2O0 ■ 

Cl . 
Alkaliei 














Spur 
Spur 


Spur 
Spur 


Spur 
Spur 


— 


S0 3 . . 












0.697 


58,172 


0.303 


0,394 


H 2 bei 120ü C. 






0.06 


8,157 


0.06 


— 


Glühverlust . 






0,62 


— 


— 


0.62 




S 


an 


m; 








100,145 


100.674 


0,879 


99,52 



100.145 Proc. 



Bolton, über Wetterbeständigkeit der Steine. 
VI. Beller Sandstein von Cotta. 







Analyse des in 


Analyse de in 






Gesammt- 
analyse 


HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandteile 


Bestand theiles, 
berechnet auf 


Bestandteiles, 
berechnet auf 


Rückstand 




das Gewicht 


das Gesammt- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . . . 


92,447 


— 


— 


92,447 


lösliche Si0 2 . 








0,221 


6,565 


0.221 


— 


A1 2 0, . . 










3,544 


— 


— 


3,544 


Fe,0 3 














U,338 


16,015 


0,34 


— 


FeO . 














0,115 


8,008 


0,114 


— 


MgO. 














0,473 


2.535 


0,07 


0.403 


CaO . 














0,576 


Spur 


Spur 


0.576 


MnO. 














— 


— 


— 


— 


C0 2 . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


P 2 5 . 














0,016 


0,671 


0,016 


— 


Cl 














— 


— 


— 


— 


Alkalien 












— 


— 


— 


— 


S0 3 . . 












0,326 


12,684 


0,312 


0,014 


H 2 bei 12U0 C. 
Glühverlust . . 






0,407 
1,152 


i 53,21 


i 1,559 


— 


Summa 






99,61.-) 


98,688 


2,632 


96,984 




















99,615 Proc. 



VII. Gelber Sandstein von Cotta. 







Analyse des in 


Analyse des in 








HCl löslichen 


MCI löslichen 




Bestandteile 


Gesammt- 
analyse 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 
das Gewicht 
des gelösten 


Bestandtheiles, 

berechnet auf 

das Gesammt- 

gewicht 


Rückstand 




Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . . . 


91,09 


— 


— 


91,09 


lösliche SiO) . 








— 


— 


— 


— 


A1 2 3 










4,494 


— 


— 


4.494 


Fe 2 s 














1,056 


45,357 


1,059 


— 


FeO . 














0,152 


7,689 


0,16 


— 


MgO. 














0,209 


1,924 


0,044 


0,165 


CaO . 














0,234 


3,596 


0,083 


0,151 


MnO. 














— 


— 


— 


— 


C0 2 . 














0,066 


2,877 


0,066 


— 


P 2 5 . 














0,149 


6,475 


0,149 


— 


Cl . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


Alkalien 












— 


— 


— 


— 


SOo . . 












0,189 


4,316 


0.103 


0,086 


H 2 bei 1200 C. 
Glühverlust . . 






0,475 
1,384 


l 28,637 


l 1,859 


— 




S 


IUI 


Uli 


l 






09.498 


1 in).87l 


| 3,523 


95,986 



99.498 Proc. 



Bolton, über Wetterbeständigkeit der Steine. 309 

VIII. Grauer Sandstein von Postelwitz. 







Analyse des in 


Analyse des in 








HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandteile 


Gesammt- 
analvse 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 


Rückstand 




das Gewicht 


das Gesa mm t- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche SiO.j . . . 


97.006 


— 


— 


97,006 


lösliche SiO.) . 








— 


— 


— 


— 


A1 2 3 










0.804 


— 


— 


0.804 


Fe 2 3 














0,998 


42.393 


0.26 


0.738 


FeO . 














0.073 


3,475 


0,021 


0,052 


MgO. 














0,016 


3,643 


0,016 


— 


CaO . 














0,513 


10,118 


0,042 


0,471 


MnO . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


co 2 . 














0.034 


8,09 


0,034 


— 


P 2 5 . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


Cl . 














Spur 


Spur 


Spur 


— 


Alkalien 












0.082 


20,569 


0,082 


— 


S0 3 . . 












0,13 


Spur 


Spur 


0,13 


H 2 bei 1200 (J. 
Glühverlust . . 






0.085 
0,285 


l 11,054 


l 0.36 






S 


im 


ms 


1 






100,026 


99,342 


0.815 


99,201 



100.026 Proc. 











IX. 


Grüner Sandstein von Baierfeld. 








Analyse des in 


Analyse des in 








HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandtheile 


Gesammt- 
analyse 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 
das Gewicht 
des gelösten 


Bestandtheiles, 

berechnet auf 

das Gesnmmt- 

gewicht 


Rückstand 




Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche Si0 2 . . . 


73,203 




— 


73,203 


lösliche Si0 2 . 








5,988 


26,622 


5,988 


— 


A1 2 3 . 










13,208 


11,427 


1.48 


11,888 


Fe 2 3 . 












0,076 


0,666 


0.076 


— 


FeO . . 












1,665 


13,927 


1.595 


0,07 


MgO . . 












1,233 


5,51 


0.652 


0,581 


CaO . . 












0,742 


0,441 


0,052 


0.69 


MnO. . 












0,36 


3.705 


0,4 


— 


C0 2 . . 












0,042 


0,352 


0.042 


— 


P 2 5 . . 












0,067 


0,569 


0.067 


— 


Alkalien 


















— 


— 


Cl . . 












Spur 


Spur 


Spur 


— 


S0 2 . . 










0.58 


1,213 


0,143 


0,437 


H 2 bei 1200 C. 




1,279 


34,396 


1.279 


— 


Glühverlust . . 




1 2,04 


— 


— 


2,04 


S 


um 


rna 


i 






100,483 


98,828 


11,774 


88,709 



100.483 Proc. 



310 



Bolton, über Wetterbeständigkeit der Steine. 
X. Rother Sandstein von Dornberg. 







Analyse des in 


Analyse de* in 






Gesammt- 
analyse 


HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandteile 


Bestandteiles, 
berechnet aul 


Bestandteiles, 
hnrechnet auf 


Rückstand 




das Gewicht 


das Gesammt- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


unlösliche SiO> . . . 


80.947 








80.947 


lösliche SiG 2 . 








— 










A1 2 3 . . 










4,013 


1,72 


0,838 


3,175 


Feo0 3 














4.815 


28,454 


1,35 


3,465 


FeO . 














1,235 


9,812 


0,465 


1,17 


MgO. 














2,215 


Spur 


Spur 


2,215 


CaO . 














0,267 


5,78 


0,257 


0,01 


C0 2 . 














0,206 


4,32 


0.206 





P 2 5 














0.,351 


6,807 


0,351 





MnO. 














— 











Cl . 














0,033 


0,766 


0,033 





S0 3 . 














0,491 


3,246 


0,155 


0,346 


Alkalien 












2,504 


19,002 


1,15 


1.354 


H 2 bei 1200 C. 






0,376 


20,054 


0,376 





Glühverlust . . 






1,455 


— 


— 


1,455 




S 


in 


in; 


1 






98,908 


99.961 


5,181 


93,727 



98,908 Proc. 



XI. Hother Sandstein von Annweiler. 







Analyse des in 


Analyse des in 






Gesammt- 


HCl löslichen 


HCl löslichen 




Bestandtheile 


Bestandtheiles, 
berechnet auf 


nestandtheiles, 
berechnet auf 


Rückstand 






das Gewicht 


das Gesammt- 








des gelösten 


gewicht 






Proc. 


Proc 


Proc. 


Proc. 


unlösliche SiO.> . . . 


87,22 








87,22 


lösliche Siü 2 . 








0,188 


5,551 


0,188 


— 


A1 2 3 . . 










8,386 


33,953 


1,374 


7.012 


Fe 2 3 . 












0,005 


0,217 


0,005 


— 


FeO . . 












0,74 


15,809 


0,639 


0,101 


MgO. . 












— 


— 


— 


— 


CaO . . 












0,705 


19,656 


0,71 


— 


MnO. . 












Spur 


Spur 


Spur 


— 


C0 2 . 












0,62 


15,337 


0,62 


— 


P 2 5 . . 












0,164 


4.058 


0,164 





Alkalien 
























Cl . . 
























S0 3 . . 












0,12 


3,173 


1,119 


— 


H 2 bei 1200 C. 






0,26 


2,21 


0,26 





Glühverlust . . 






1,25 


— 


— 


1,25 


S 


in 


in; 


t 






99,658 


99,964 


4,079 


95,583 



99,658 Proc. 



Zur Technologie des Glases. 311 

Aus den vorstehenden Analysen ersieht man die chemische Zu- 
sammensetzung des Gesammtsteins, seines in Salzsäure löslichen Be- 
standteiles und des Rückstandes. Bestimmte Gesetze für die Wetter- 
beständigkeit lassen sich nach den Analysen allein aber nicht aufbauen : 
es müssen mit denselben auch die praktischen Erfahrungen verglichen 
werden, die mit den betreffenden Steinen gemacht worden sind. So 
ist z. B. der gelbe Rackuitzer Sandstein, aus dem ein Theil der Tech- 
nischen Hochschule in Charlottenburg aufgebaut ist, an vielen Stellen 
auf der Oberfläche ganz verwittert und es lösen sich Schichten wie 
Papier von dem Steine ab. Worin ist nun die Ursache für diese Er- 
scheinung zu suchen? Betrachten wir die chemische Analyse, so fällt 
es sogleich auf, dafs in dem Stein viel Schwefelsäure und Thonerde 
vorhanden sind. Trafs und Mörtel, welche beim Zusammenfügen der 
Steine zwischen die Fugen gegossen worden sind, enthalten aber eine 
beträchtliche Menge, bis zu 4 Proc, Alkalien. Der poröse Stein saugt das 
alkalihaltige Wasser in sich auf und die Alkalien verbinden sich mit 
der Schwefelsäure des Steines, die an Eisen gebunden ist, bei der Aus- 
lausuno; aber zum Theil frei wird, zu Kalium- und Natriumsulfat, die 
ihrerseits die Thonerde des Bindemittels heftig angreifen, wodurch das 
Abbröckeln der Oberfläche bewirkt wird. Es ist derselbe Prozefs, der 
bei der l?rard'schen Probe vor sich geht, denn das krystallisirende 
Glaubersalz sprengt nicht den Stein, sondern es zerstört die Thonerde 
desselben. Hieraus ersieht man also, dafs es auch nothwendig ist, beim 
Bau einen Trafs oder Mörtel anzuwenden, der dem Bindemittel des Sand- 
steins nicht gefährlich wird. 

Auf diese Weise wird man dazu gelangen, aus der chemischen Zu- 
sammensetzung des Steines auf seine Beständigkeit Schlüsse zu ziehen 
und auf dieselben bestimmende Gesetze aufzubauen. 

Den Herren Professoren Dr. Hirschwaldt, Dr. Rüdorff und H. Koch, 
sowie den Herren Dr. von Knorre und Dr. A. Müller sage ich für die mir 
gewährte Hilfe meinen besten Dank, ebenso auch den Hoflieferanten 
Herren P. Wimmel und Co. für das mir bereitwilligst zur Verfügung ge- 
stellte Material zur Analyse. 



Zur Technologie des Glases. 

Im Journal of the Society of arts bespricht Dr. Guido Salmati die Ge- 
schichte der venetiam sehen Glasindustrie von ihren ersten Anfängen bis 
in die allerletzte Zeit. Das Venetianer Glas wird bekanntlich nicht in 
Venedig, sondern auf der Insel Murano, etwa eine halbe Meile von 
dieser Stadt entfernt, hergestellt. Der vorzügliche weifse Quarzsand, 
welcher in grofser Menge auf Murano zu finden ist, hat die Entwickelung 
der dortigen Glasindustrie in hohem Mafse begünstigt. Anfangs wurden 



312 Zur Technologie des Glases. 

in Murano nur Gebrauchsgegenstände gewöhnlicher Art hergestellt. 
Aus dieser Periode der ersten Anfange hatte sich die Industrie in> 
13. Jahrhundert schon so weit entwickelt, dafs im J. 1223 die Dogen 
und Senatoren von Venedig den Auftrag gaben, die Namen der be- 
deutendsten Maestri 1 in öll'entliche Listen einzutragen, als die Namen 
von Leuten, die hohe Achtung verdienen. 

In den darauflblgenden Jahrhunderten stieg diese Achtung so weit, 
dafs die Künstler von Murano an europäischen Höfen gastlich empfangen, 
und dafs der venetianische Adel es nicht unter seiner Würde hielt, sich 
mit Kindern der muranesischen Maestri zu verheirathen, wobei die aus 
der Ehe entsprossenen Kinder alle Vorrechte der Nobili genossen. Mit 
dem Niedergange der Macht Venedigs ging auch der Verfall der Glas- 
industrie von Murano Hand in Hand. Im 17. Jahrhundert war daa 
Verständnifs für Form und Farbe verloren; schwerfällige, ungestalt und 
auffallend bemalte Vasen gingen damals in den Handel; auch Wieder- 
belebungsversuche der alten Kunstfertigkeit durch Guiseppe Briasi im 
J. 1700 hatten wenig Erfolg. Es war erst dem Rechtsgelehrten Dr. Sal- 
viati' 1 gelungen, durch Studium alter muranesischer Aufschreibungen, 
durch Herstellung des alten goldigen, silbernen und farbigen Schmelzes 
zunächst die Mosaiktechnik wieder zu beleben und dadurch den Anstofs 
zu geben zur neuen Entfaltung venetianischer Kunst. 

Er wurde in diesen Bestrebungen durch N. Shaw, W. Cooke, G. Scott. 
ferner Clayton und Bell unterstützt. Die Schwierigkeit, welche mit der 
Schulung der Glasbläser, deren Hände nur mehr an die schwerfälligen 
und plumpen Formen der letzten Decennien gewöhnt waren, verbunden 
war, wird jeder begreifen, der nur einigen Einblick in die Technik der 
Glasbläserei besitzt. Der Name „Venetianer Glas- 1 umfafst nicht nur 
Vasen und Becher und verzierte Gegenstände, sondern auch Armleuchter, 
Spiegel, Tafelglas, Butzenscheiben zu Fenstern u. s. w., in welchen 
Venedig einen Namen hatte. Die verschiedenen Gattungen Glas werden 
mit besonderen Namen bezeichnet: „ritorto" ein verschiedenfarbiger 
Streifen auf hellein Grunde; „fiamma 1,1 eine Mischung von mehreren, 
verschiedenen Farben, die ihrer flammenartigen Erscheinung halber so 
benannt wird; das „reticello", welches ein köstliches Spitzenmuster 
darstellt; das „aventurin 1 - 1 mit metallischem Glänze: das „festoncino w 
mit fadenartigem Aussehen; das „Calcedon^, dem milchweifsen Quarz 
ähnlich, u. s. w. 

Die von den Arbeitern verwendeten Werkzeuge sind einfach: eine 
hohle, lange Eisenröhre zum Blasen, eine Schere, einige Mefsinstrumente 
und ein Prägestempel mit Matrize, die die Form einer Erdbeere besitzt, 
sind alle Instrumente, welche zur Herstellung der complicirtesten Glas- 
waren dienen. 



1 Der geschicktesten Glasbläser. 
'i Dem Vater des Verfassers. 



Zur Technologie des Glases. 313 

Die Glasgegenstände werden zunächst in der üblichen Weise ge- 
blasen und geformt, und wenn dieselben in ihrer Hauptgestalt fertig 
sind, dem Maestro übergeben, der mit grofser Geschicklichkeit die Ver- 
zierungen daran anbringt. Die Mannigfaltigkeit derselben ist erstaunlich: 
Schlangen, Drachen, Blumen, Blätter, Handhaben u. s. w., nichts ist 
dem Maestro zu complicirt oder zu schwierig. Einige Vasen erfordern 
die Aufmerksamkeit von vier Künstlern gleichzeitig und oft eine zwei- 
stündige Arbeit, während welcher dieselben 30- bis 40mal ununter- 
brochen in den Ofen eingeführt und daraus wieder herausgezogen werden. 

Zur Herstellung von „reticello", „ritorto", „filigran" u. s. w. wird das 
Material in besonderer Weise vorbereitet, was oft 3 Tage beanspruchen 
kann. Die farbigen Glasstreifen werden auf eine Schaufel gelegt und 
mit Krystall bedeckt. Auf einem, am Ende der Pfeife sitzenden Glas- 
stück wird das so erhaltene farbige Glas zu einem Cylinder (Canna) 
aufgerollt, der zum Schutze noch mit Krystall überfangen und durch 
Rollen und Blasen fertiggestellt wird. Von diesem Glase wird ein 
Stück abgenommen und auf Krüge, Vasen u. s. w. verarbeitet. Durch 
Drehen und Verziehen der Masse während des Blasens erhält man 
spiralförmig gewundene Streifen. 

Die Flamme wird folgendermafsen präparirt: Auf eine hohle, ge- 
rollte Masse werden Streifen von farbigem Glase gelegt und spiral- 
förmig aufgewunden. Man erhitzt und überführt es, während es im 
Ofen, und ehe die Verschmelzung sehr weit vorgeschritten ist, mit 
einem scharfkantigen Stück Eisen mehrere Male, so dafs Wellen ge- 
bildet werden. 

Die Herstellung von Aventurin, welches als Verzierung vielfach 
Verwendung findet, ist in Venedig nur einigen Maestri bekannt, und 
soll sehr schwierig sein. Der Name ist nach Salviati von Aventurina 
in der Bedeutung „Wagstück" abgeleitet, wegen der Schwierigkeit 
seiner Herstellung. 

Beim Eintritt der Künstler wird denselben zugestanden, dafs sie 
eine bestimmte Zeit des Tages auf Studien verwenden dürfen, wobei 
sie bestrebt sind, neue Formen und Farben zu schaffen. Sie arbeiten 
gemeinsam in bewunderungswürdiger Eintracht. Einer springt dem 
anderen bei in der Entwickelung und Vervollkommnung neuer Ideen 
und alle erwarten mit Aengstlichkeit den Zeitpunkt der Vollendung 
einer neuen Vase. Eifersucht ist den Glaskünstlern von Murano fremd; 
schlimme Worte werden nie ausgetauscht und bei der Arbeit sind sie 
glücklicher als an Feiertagen. Ende Juli oder August werden die 
Oefen wegen der grofsen Hitze für einige Zeit gelöscht. Einem trau- 
rigen Schicksale gehen die Glaskünstler von Murano leider meistens 
entgegen, und das ist die Erblindung, die sich bei vielen im 40. oder 
50. Lebensjahre einstellt, eine Folge der übermäfsigen Arbeit bei blen- 
dendem Feuer. Sie leben mäfsig, verdienen viel und haben meist bis 



314 2ur Technologie des Glases. 

zur beginnenden Arbeitsunfähigkeit genug erspart, um bequem aus- 
kommen zu können. — 

Ueber das Zerspringen der Lampencylinder sprach Direktor Fischer 
in der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin. Es ist eine bekannte That- 
sache, dafs Cylinder nach dem Verlöschen der Lampe manchmal plötz- 
lich, scheinbar ohne Ursache, mit lautem Knall zerspringen. Solche 
Cylinder sind nach Fischer entweder durch ungleiche Wandstärke, durch 
mangelhafte Kühlung oder durch unpassende Zusammensetzung von 
vornherein gegen Temperaturwechsel sehr empfindlich, oder es wurden 
Spannungen im Glase hervorgebracht durch ungleichmäfsige Erhitzung 
oder Abkühlung derselben. In einer auf den Vortrag folgenden Dis- 
cussion tbeilte Regierungsrath B. mit, dafs von gewöhnlichen Lampen- 
c.ylindern oft 6 bis 7 Stück hinter einander sprangen, dafs er jetzt 
2 Sorten in Gebrauch habe, die eine zu 50, die andere zu 75 Pfg., die 
erstere aus Milchglas, die zweite matt geschliffen, welche sich beide 
seit einem halben Jahre bewährt haben. Die Güte der Arbeit und des 
Glases sind entscheidend. Auch auf Leuchtthürmen, wo Cylinder bis 
zu 5 Zoll Durchmesser vorkommen, hat man Erfahrungen gemacht, die 
dafür sprechen. Die schönst gearbeiteten Cylinder, aus der gewöhn- 
lichen deutschen Masse (?) hergestellt, sehr gut gearbeitet und gekühlt, 
sogar oben und unten abgeschliffen, sind doch stets leicht gesprungen. 
Die Erfahrung hat gelehrt, dafs ein richtig gewählter Zusatz von Blei- 
superoxyd die Gefahr des Springens auf ^3 bis J | 4 vermindert hat. 
Seitdem Bleikrystall für Cylinder auf Leuchtthürmen verwendet wird, 
hat das Springen derselben nach dem Löschen der Lampen aufgehört. 
Die Cylinder werden, wenn die Lampen gelöschf sind, mit einem Tuche 
umwickelt stehen gelassen, bis sie kalt sind ( Veitmeyer). 

Eine noch zu wenig berücksichtigte Ursache des Springens von 
Lampencylindern ist jedenfalls in dem Wassergehalte der Oberfläche 
des Glases zu suchen. 3 Referent sah 6 Cylinder derselben Sorte beim 
Anwärmen hinter einander springen; die Cylinder waren gleichmäfsig 
gearbeitet und dünn in der Wandung; sie stammten aus einer Fabrik, 
in welcher für gute Kühlung gesorgt wird. Hier ist wohl der Wasser- 
gehalt der Oberfläche die Ursache des Springens. Eine Glasröhre, in 
welcher längere Zeit feuchte Substanzen auf höhere Temperatur unter 
Druck erhitzt worden waren, sprang bei raschem Erhitzen sofort in 
kleine Splitter, während die gleiche Sorte — unbenutzt — bei gleicher 
Erhitzung intact blieb. Wurde die Röhre langsamer erwärmt, so zeigten 
sich zahlreiche Risse an der Innenseite der Röhre, die jedoch kaum 
mm ,10 tief in die Glasmasse eindrangen; bei noch langsamerem, all- 
mählich bis zur Rothgluth gesteigertem Erwärmen konnte man die 
interessante Erscheinung des Auftretens von äufserst dünnen Gas- 



3 Verl. 188<i IV* V> 



Zur Technologie des Glases. 315 

bläschen der verschiedensten Gröfse auf der Innenwandung der Röhre 
bemerken, ein sicherer Beweis, dafs die Feuchtigkeit bis zu einer ge- 
wissen Tiefe in die Oberfläche des Glases eingedrungen war. 

Da besonders die alkalireichen Gläser der Gefahr ausgesetzt sind, 
beim Liegen an der Luft Wasser anzuziehen, so dürfte sich ein Glas- 
satz, der der Normalfonnel nahe kommt, für die Herstellung von Lampen- 
cylindern empfehlen. Natron dürfte sich besser eignen als Kali, der 
Kalk könnte theihveise durch Zink- oder Bleioxyd ersetzt werden, 
aufserdem dürfte ein Zusatz von 2 bis 3 Proc. Thonerde in Form von 
Kaolin u. s. w. sich als vortheilhaft erweisen. Es wäre sehr zu wün- 
schen, dafs Versuche in dieser Richtung angestellt und die Resultate 
derselben gelegentlich publicirt würden. 

Um dem Uebelstande abzuhelfen, der bei Anwendung von Kühl- 
öfen älterer Construction für die Erzeugung von optischem Glase da- 
durch veranlafst wird, dafs durch zu schnelle Kühlung Spannungen im 
Glase eintreten, welche die Gläser für grofse Fernrohrobjective u. s. w. 
unbrauchbar machen, haben Schott und Genossen in Jena schon seit 
längerer Zeit an der Ausführung einer neuen Kühlmethode gearbeitet 
(vgl. 1889 ^73 129). Die Vorarbeiten dafür habeu Veranlassung ge- 
geben, den Einflufs der Spannung auf das optische Verhalten der Gläser 
zu untersuchen. 4 Die wichtigsten Ergebnisse sind folgende: 

1) Jedes Glas ist gespannt, d. h. die kleinsten Theilchen im Innern 
befinden sich in einem Zustande der Dehnung bezieh. Pressung, wenn 
der Uebergang aus dem erweichten in den festen Zustand nicht sehr 
langsam vor sich geht. 2) Der Brechungsexponent ein und desselben 
Glasstückes ist um so niedriger, je schneller der Kühlprozefs verläuft: 
der Unterschied kann mehrere Einheiten der dritten Decimale betragen. 
3) Zeigt eine Linse oder kreisrunde Scheibe bei sorgfältiger Unter- 
suchung im polarisirteu Lichte während einer vollständigen Drehung 
um ihre optische Achse ein regelmäfsiges, in keiner Stellung verzerrtes 
schwarzes Kreuz, so ist die Spannung als eine regelmäfsige anzusehen. 
Durch die symmetrische Anordnung zur Achse ist sie ohne nachtheiligen 
Einflufs auf die Beschaffenheit des Bildes. 4) Zeigt eine Linse oder 
kreisrunde Scheibe bei der Untersuchung im polarisirten Lichte während 
der Drehung um ihre Achse in einer oder in mehreren Stellungen ein 
verschobenes schwarzes Kreuz oder eine sonstige verzerrte Figur, so 
ist die Spannung unregelmäfsig, was denselben Einflufs ausübt, wie 
wenn das Glas an verschiedenen Stellen der Linse ein verschiedenes 
Brechungsvermögen hätte. Derartige Gläser sollten für etwas gröfsere 
Objective überhaupt nicht verwendet werden. 

Die Abhandlung enthält noch die Beschreibung einer Vorrichtung 
von Mach, um planparallele Platten und Positivlinsen auf Spannungs- 
erscheinungen zu prüfen. 

4 Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1890 Heft 2 * S. 41 



31tf Zur Technologie des Glases. 

Einige Versuche, welche behufs Gröfsenberechnung eines, Ober- 
lichtes in der photometrischen Anstalt von Fr. Siemens und Co. in 
Berlin mit Glassorten zur Prüfung ihrer Lichtdurcfilässigkeit angestellt 
wurden, ergaben folgende Resultate, die zwar keine grofse Genauigkeit, 
aber doch praktischen Werth besitzen (vgl. 1889 274 45): 

1) Einfaches mattes Glas undurchsichtig, nur Licht durchlassend, ergab 
einen Verlust an Licht von 27 Proc. 

2) Einfaches Kathedralglas von etwas grünlicher Färbung 12?/g Proc. Verlust. 

3) Einlaches Kathedralglas von weifser Färbung L22/ 3 Proc. Verlust. 

4) Einfaches weifses rheinisches Doppelglas 10V 3 Proc. Verlust. 

5) Einfaches dünnes Spiegelglas 10 Proc. Verlust. 

6) Die unter 4) und 5) genannten, rheinisches Doppelglas und dünnes 
Spiegelglas zusammen, in 6cm Entfernung in einen Rahmen gespannt, ergalieu 
21 Proc. Verlust. 

7) Kathedral- und rheinisches Doppelglas zusammen in einem Rahmen in 
etwa 6cm Entfernung von einander, ergaben einen Verlust von 23 Proc. 

8) Eine matte Glasscheibe mit gemaltem Stern, zusammen mit einer weifsen 
Dachscheibe, letztere bestaubt, beide ans dem Oberlicht eines in Benutzung 
befindlichen Saales. Die Scheiben, in einer Entfernung von 101,6 von einander, 
ergaben einen Verlust von etwa 60 Proc. 

9) Eine neue, nicht bestaubte, matte Glasscheibe ohne Stern zusammen 
mit der bestaubten, weifsen Glasscheibe des vorigen Versuches, Entfernung 
der Scheiben von einander l ni ,6, ergaben einen Verlust von 40 Proc. 

Dr. A. Jolles hielt in der Wiener cheniisch-jitiysikalischen Gesellschaft 
einen Vortrag über die Ursache des Irisirens von Tafelglas. 5 Alle iri- 
sirenden Glasplatten zeigen die Eigenschaft des Farbenspiels nur an 
einer Flächenseite. Die Untersuchung ergab, dafs diese Seite mit einem 
Netz mikroskopisch feiner Krystallnadeln behaftet war. Ein Theil dieser 
Krystalle (lange, baumförmig verzweigte Nadeln) war in Wasser voll- 
ständig und leicht löslich und bestand, wie später die Untersuchung 
zeigte, aus kohlensaurem Natron; ein anderer Theil war, weil in das 
Glas eingeschmolzen, nicht vollständig löslich und hatte die Form dicker 
Prismen mit keilförmigen, abgestumpften Enden. Durch Analyse des 
Spülwassers konnte man Natron, Schwefelsäure und Kohlensäure nach- 
weisen. Der irisirende Ueberzug selbst konnte durch das Wegwaschen 
der Krystalle nicht beseitigt werden; er verschwindet nicht durch Kochen 
mit Salzsäure, geht aber, mit 7proc. Natronlauge gekocht, in kurzer 
Zeit in Lösung. 

Kalk konnte in der salzsauren Lösuug nicht nachgewiesen werden. 
Der Ueberzug besteht demnach höchst wahrscheinlich aus amorpher 
Kieselsäure. 

Der Vortragende gibt über deren Entstehung folgende Erklärung: 
Das Irisiren tritt einseitig auf; im Streckofen wird das Glas einseitig 
von Flammen umspült. Im Streckofen ist die Ursache des Irisirens zu 
suchen. Die schwefelige Säure der Feuergase wirkt nach langjährigen 
Erfahrungen der Glasfabrikanten schädlich auf das Glas ein (vgl.O. Hirsch 
1887 264 503), sie macht dasselbe oberflächlich matt. Die schwefelige 

5 Die Arbeit wurde in Gemeinschaft mit F. Wallenstein publicirt. 



Zur Technologie des Glases. 317 

Säure ist im Stande, bei Gegenwart von Sauerstoff unter Umständen 
Kochsalz zu zersetzen, die Kieselsäure vermag dies selbst bei Weifs- 
gluth nicht. Ersterer Prozefs vollzieht sich am besten bei etwa 400° C. 
Die Kieselsäure ist bei 400 bis 500° C. eine schwache Säure, um so 
leichter wird sie bei dieser Temperatur durch Einwirkung der schwe- 
feligen Säure bei Gegenwart von Sauerstoff ausgetrieben unter Bildung 
von Natriumsulfat, welches das Glas oberflächlich überzieht (Sulfat ist 
im Glase schwer löslich und wird als Galle von diesem ausgeschieden). 
Das Tafelglas durchwandert den ganzen Ofen; relativ kühle Stellen 
wechseln mit heifsen, oxydirende Gase wechseln mit reducirenden. 
Wir können annehmen, dafs in der gröfsten Hitze, während welcher 
das Glas sich auf der Streckplatte befindet, unter dem Einflüsse redu- 
cirender Gase das gebildete Natriumsulfat lösend auf die darunter be- 
findliche Schichte Kieselsäure wirkt. Es wird dann aus der Haut von 
Natriumsulfat eine Haut von Wasserglas entstehen. Im Kühlofen bleibt 
dieselbe erhalten. Auf das kalte Glas können die Atmosphärilien nach- 
träglich unter Bildung von Natriumsulfat, Carbonat und amorpher Kiesel- 
säure wirken. 

Im Anschlüsse an die Broschüre von Dr. W. Schnitze 6 : „Warum Bier 
nicht aus Gläsern getrunken werden solP, bespricht Referent die Löslichkeit 
von Glassubstanz in sauren und neutralen Flüssigkeiten. ' Schultze bestimmt 
u. a. die Gewichtsabnahme von Gläsern, welche er in Lagerbier ge- 
bracht und 15 Tage in demselben belassen hat. Aus dieser Gewichts- 
abnahme und aus der Analyse der Biergläser bestimmt derselbe die 
Menge von Bleioxyd, welche bei 5 Minuten langem Verweilen des 
Bieres im Glase aus diesem vom Biere aufgenommen wird. Eine der- 
artige Berechnung läfst sich nur anstellen unter der Voraussetzung, dafs 
das Glas auf seiner Oberfläche gleichmäfsig, im Verhältnifs seiner pro- 
centischen Zusammensetzung, gelöst werde, eine Voraussetzung, die 
durchaus falsch ist. 

Führen wir zunächst die Versuche von H. Schwarz über die Löslichkeit 
von Glas in verdünnter Salzsäure an (Glasstudien, Verhandlungen des Vereins 
zur Beförderung des Gewerbfleißes, Berlin 1887 , vgl. 1888 Bd. 267 S. 223, ferner 
Mylius, 1889 Bd. 270 S. 85). Die Glasproben wurden so fein zerrieben, dafs 
sie die feinste Müllergaze passirten. 5g des so erhaltenen Glaspulvers wurde 
mit 50cc HCl von 10 Proc. 24 Stunden lang bei 100 C. digerirt ; 45cc wurden 
abfiltrirt, verdampft, der Rückstand wurde gewogen und analysirt. Das Glas 
Nr. I, ein reines Blei-Kaliglas von der Normalformel KiO, PbO, 6SiO«2 hatte 
folgende Zusammensetzung: 

Kieselsäure = 53,3 Proc. 
Bleioxyd = 32,7 „ 
Kali = 13,8 „ 

Von 1? Glas gingen in Lösung: 

Bleioxyd . . . 0g,0003 
Eisenoxyd . . . 0g,0010 
Kali 0g,0022 



6 Vgl. 1890 276 277. 

T Wochenschrift für Brauerei. 1890 S. 530. 



0g,0035 = 0,35 Proc. gelösten Glases 



318 Zur Technologie des Glases. 

Das Glas Nr. IV. ein reines Kali-Kalkglas von der Zusammensetzung: 

70.7 Proc. Kali 

10.8 „ Kalk 
18,3 „ Kali 

gab ebenso wenig an Salzsäure ab wie das vorhergehende Glas. Von lg Glas 
gingen in Lösung: 

Kieselsäure . . . 0g,00022 

Kalk 08,00132 

Kali 0g,00112 

Eieenoxyd .... 0g,00066 

"-.00332 z: 0,33 Proc. 

Glas Nr. VII, ein Blei-Kalk-Kali-Natronglas von der Formel PbCa^Na^Si^C^ 
und der Zusammensetzung: 

Kieselsäure . . . 62g,5 
Bleioxyd .... 19g,2 

Kalk 4g,8 

Kali 8g,6 

Natron 5g,3 

gab für ig an HCl ab: 

Kieselsäure . . . Og,00034 
ßleioxyd .... 0^.00049 

Kali 0g,00022 

Eisenoxyd .... 0g,00055 
Kali Natron . . . 0g,00140 

0g,00299 = 0,299 Proc. 

Auch Gläser von der Formel 5SiÜ2, K"0, R' 2 liefsen bei dieser Be- 
handlung nur 1 bis 1,5 Proc. in Lösung gehen. Gegen Wasser verhält sich 
die Glassubstanz analog. Mylius bringt Gläser von bestimmter Zusammen- 
setzung durch Zerklopfen und Sieben auf gleiche Korngröfse. 18 bis 20° 
dieser Glaskörnchen mit einer Gesammtoberlläche von annähernd 760ic wurden 
in einem Platinkolben 5 Stunden lang mit 70 cc Wasser gekocht und in 60 cc 
das Gelöste bestimmt. Aus dem Glase GSiO^ 1 '^K.jO 3 4 CaO nahm das 
Wasser auf: 5^8,4 Kieselsäure und 26mg,7 Kali aus dem Glase 6SiÜ2 lV^jNa^O 
3/4 CaO aber: 5g Kieselsäure und 11,5 Natron, ferner aus dem Normalglase 
6SiC>2, Na2Ü, CaO : 3.2 Kieselsäure und 4.2 Natron. Man vergleiche ferner die 
Arbeit von Mylius (1889 273 132). 

Aus diesen und ähnlichen Beispielen geht hervor, dafs Glas durch 
neutrale und saure Flüssigkeiten durchaus nicht im Verhältnifs seiner pro- 
centischen Zusammensetzung gelost wird, dafs vielmehr Alkalien und alka- 
lische Silicate in Lösung gehen, während saure Silicate und freie Kiesel- 
säure als schützende Schicht zurückbleiben, welche das Glas vor der 
weiteren Einwirkung des Lösungsmittels bewahren. 

Wie dünn aber die Oberflächenschicht eines gut zusammengesetzten 
Glases ist, in welche chemische Agentien eindringen können, bis ihnen 
durch die Natur des Glases Halt geboten wird, geht wieder aus den 
Versuchen von H. Schwarz hervor. Trotz der feinen Zertheilung des 
Glases blieben 99,7 Proc. desselben nach der Behandlung mit Salzsäure 
ungelöst zurück: die Dicke der Oberflächenschicht, in welche die Säure 
eingedrungen ist, kann also nur einen kleinen Bruchtheil ^j 50 oder * mo) 
des Durchmessers der einzelnen Theilchen betragen. Wäre die Glas- 
schicht, in welche die Flüssigkeit durch Zersetzung des Glases ein- 
dringen kann, nicht so aufserordentlich dünn, so würden unsere in 



Zur Technologie des Glases. .",l»i 

Glastlaschen aufbewahrten Reagentien für die qualitative und quan- 
titative Analyse nur zu bald verunreinigt und somit unbrauchbar 
werden. Die Flaschen selbst müfsten trübe und undurchsichtig werden. 
Dafs dies für gewöhnlich nicht der Fall ist, lehrt die tägliche Erfahrung. 
Schlechter zusammengesetzte Gläser setzen allerdings der zer- 
setzenden Wirkung von Wasser u. s. w. keinen so grofsen Widerstand 
entgegen. Nach R. Weber erweisen sich thonerdefreie oder -arme Gläser 
im Gebrauch und bei der Prüfung mit Salzsäuredampf als gut, wenn 
ihre Zusammensetzung dem Verhältnifs R 2 0, CaO, 6Si0 2 entspricht, 
wenn sie also auf 2 Mol. Base. 6 Mol. Kieselsäure und Kalk und Natron 
zu gleichen Molekülen enthalten. Die Menge der Kieselsäure kann 
ohne Beeinträchtigung der Eigenschaften nur dann von 6 auf 5 und 
beim Spiegelglase selbst auf 4,75 Mol. für 2 Mol. Base sinken, wenn 
gleichzeitig das Verhältnifs von Kalk zu Natron sich so ändert, dafs 
gleichzeitig 6 Mol. Natron auf 10 Mol. Kalk vorhanden sind. 

Andererseits erträgt gutes Glas eine Steigerung des Alkaligehaltes 
dem Kalk gegenüber auf 3 : 2 und selbst auf 2 : 1, falls gleichzeitig die 
Kieselsäure bis auf 7 oder im zweiten Falle auf 8,3 Mol. für 2 Mol. 
Basis vermehrt wird. 

Referent weifs, dafs bleifreie Prefsgläser, welche diesen Anforderungen 
entsprechen, möglich sind und im Bändel vorkommen. 

Derartige Gläser sind nach mehrmaliger Berührung mit Flüssig- 
keiten — wie oben dargethan wurde — so gut wie unlöslich, sie 
schützen sich selbst. Uebrigens wird auch durch einen nicht unbeträcht- 
lichen Bleigehalt des Glases bei richtiger Zusammensetzung die Wider- 
standsfähigkeit desselben nicht oder nur wenig beeinflufst (vgl. R. Weber, 
Poggend. Ann. [2] 6 455, ferner H. Schwarz a. a. 0.). 

Die Fehler des Glases, die Mittel, dieselben zu erkennen und zu prüfen. 
werden von L. Appert eingehend besprochen (Memoire* et Compte rendu 
des traveaux de la societe des inge'nieurs civils, 1890 S. 310 bis 326). 
Die Masse eines fehlerfreien Glases soll durchaus homogen sein; alles 
was diese Gleichartigkeit unterbricht, ist als Fehler des Glases zu be- 
zeichnen. Solche Fehler können bedingt sein durch Auftreten von Gas- 
oder Luftblasen, von ungelösten Sandkörnern, kristallinischen Aus- 
scheidungen u. s. w. Appert befafst sich nicht mit Fehlern der ersteren 
Art. Sie sind leicht zu erkennen und entstehen in Folge unvollkommener 
Läuterung des Glases oder durch nachträgliches Einbringen von orga- 
nischer Substanz in die flüssige Masse. Dagegen unterzieht der Ver- 
fasser die festen Einschlüsse des Glases einer einsehenden Untersuchuno. 
Das bei derselben gebrauchte Instrument war ein Polarisationsmikroskop 
in der von Fouque und Le'ci beschriebenen Form mit einer Vergröfserung 
von 300 bis 800 (linear). Man schleift Lamellen von mm ,03 Dicke aus 
dem zu prüfenden Glase und kittet dieselben mit Kanadabalsam auf 
den Objectträger. Man untersucht zunächst bei gewöhnlichem und dar- 



320 



Zur Technologie des Glases. 



auf bei polarisirtem Licht. Die Prüfung der Glasfehler mit Flüssig- 
keiten von hohem specitischen Gewicht ergab, dafs dieselben stets an- 
nähernd die gleiche Dichte haben, wie die umgebende Glasmasse. Als 



Kig. 1 



Fig. 2. 




häufigste Verunreinigung des Glases tritt der Quarz auf und ist leicht 
zu erkennen, auch ist seine Doppelbrechung leicht zu bestimmen. Bei 
Gegenwart von Quarz hat man die Frage zu beantworten, ob derselbe 
von Thonsubstanz umgeben ist oder nicht. Im ersteren Falle erscheint 



Fig. S. 



Pia 4. 




der Krystall umgeben von einer graulichen, das Licht stark zerstreuenden 
Masse. Die Kieselsäure stammt dann aus den Wänden der Gefäfse, in 
welchen das Glas geschmolzen wurde. Tritt der Quarz allein auf, so 
ist anzunehmen, dafs der Sand im Glassatze zu grob, oder dafs die Masse 
nicht genügend gemischt war. 

In vielen Fällen hat die mikroskopische Untersuchung als Ursache 



Zur Technologie des Glases. 



321 




des Fehlers im Glase die nachträgliche Ausscheidung von Krystallen 
verschiedener in der Natur vorkommender Mineralien zu erkennen ge- 
geben. 

Sehr häufig trifft man Kryställchen oder krystallinische Aggregate 
von Wollastonit an. Als Calciumbisilicat ist sein Auftreten an kalk- 
reiche Alkali -Kalkgläser ge- 
bunden. In Fig. 1 ist der Radial- 
schnitt eines Sphärolithen aus 
Wollastonit dargestellt, wie er 
im polarisirten Lichte bei ge- 
kreuzten Nicols erscheint; in 
Fig. 2 der Tangentialschnitt eben- 
falls bei gekreuzten Nicols. 
Gleichzeitig mit Wollastonit oder 
für sich allein tritt häufig auch 
Diopsid in der Glasmasse auf. In 
Fig. 3 und 4 sind Entglasungen 
dargestellt, welche dem Auftreten 
von Diopsid zuzuschreiben sind. 
Der Melilith tritt in unregel- 
mäfsigen Gruppen auf, als Sphä- 

rolith oder auch in Aggregaten anderer Form. Wir geben in Fig. 5 die 
Darstellung eines solchen Aggregates. Die hier beschriebenen und ähn- 
liche Entglasungsproducte treten meist in kleinen, mikroskopischen 
Krystallen auf. Manchmal trifft man aber auch gröfsere Krystalle an. 
Appert hatte Gelegenheit, derartige schön ausgebildete Wollastonitkry- 
stalle zu beobachten gelegentlich des Bruches einer Glaswanne von 400' 
Inhalt (vgl. Fouque weiter unten). Das ausgeflossene Glas erstarrte sehr 
langsam, so dafs die Krystalle Zeit hatten, sich auszubilden. Wenn 
Wollastonit in ganz kleinen Krystalldrusen sich ausscheidet, wird er 
mit freiem Auge oft erst bemerkbar, wenn die Flächen des Glases sorg- 
fältig geschliffen und polirt sind ; durch diese Eigenschaft kann er nicht 
unbeträchtlichen Schaden verursachen, indem die Beobachtung derartiger 
Glasfehler sich lange Zeit oft den geschicktesten Arbeitern entzieht. 
Sein Auftreten wird naturgemäfs begünstigt durch Vermehrung des pro- 
centischen Kalkgehaltes im Glase. Auch der Magnesiagehalt des Glases 
begünstigt die Entglasung, indem er zur Entstehung von Wollastonit 
und von Diopsid gleichzeitig Veranlassung gibt. 

Die Temperatur, bei welcher sich Krystalle im Glase bilden, liegt 
stets unterhalb des Schmelzpunktes der Glasmasse. 

Krystalle von Feldspath bilden sich selbst bei Einhaltung der gün- 
stigsten Temperatur äufserst langsam und schwer. Sie erfordern zudem 
die gleichzeitige Anwesenheit von Kali, Thonerde und Kieselsäure, und der 
Melilith sogar die Anwesenheit von Kali, Thonerde, Magnesium und Eisen 
Dinsder's polyt. Journal Bd. 278 Nr. 7. 1890/IV. 21 



.j22 Zur Technologie des Glases. 

in bedeutenden Quantitäten, Bedingungen, welche bei Hochofenschlacken 
viel häufiger erfüllt sind als bei Glassorten. Eine natürliche Folge dieser 
Erscheinung ist die grofse Beständigkeit thonerdereicher Gläser, welche, 
selbst wenn die Summe der Erdalkalien bei weitem die Menge des Kalkes 
übertrifft, die in einem einfachen Glase Entglasungserscheinungen her- 
vorrufen würde, durchaus glasig und amorph bleiben. 

Appert empfiehlt den Glasfabrikanten (was ja vielfach schou ge- 
schieht; vgl. Schott und Frank, 1889 273 90; ferner Zsigmondy, 1889 271 38 
und 40), Thonerde ihrem Glassatz zuzusetzen, wodurch nicht nur an 
Alkalien gespart werden kann, sondern auch ein Glas gewonnen wird, 
welches wenig Neigung hat, zu krystallisiren. 

Appert bespricht schliefslich die Theorie der Entglasung im An- 
schlufs an die Ansichten älterer Autoren. Berzeliu* hält das Re'aumur sehe 
Porzellan für Glasmasse, welche durch Krystallisation neue Eigenschaften 
erlangt hat. Pelouze bekräftigt diese Ansicht in einer Arbeit, die der 
Pariser Akademie der Wissenschaften vorgelegt wurde ; auch er hält die 
Entglasung für eine einfache Aenderung der physikalischen Beschaffen- 
heit der Glassubstanz. 

Dumas kam der Wahrheit schon näher, indem er die Ursache dieser 
Erscheinung der Bildung von Körpern bestimmter Zusammensetzung 
zuschreibt, deren Schmelzpunkt die Temperatur, bei welcher sie ent- 
stehen, bei weitem übertrifft. Er schrieb diesen Körpern die gleiche 
Zusammensetzung zu, aus welchem Glase sie auch immer sich gebildet 
haben mögen. Das ist entschieden unrichtig, indem die Krystalle stets 
dem Glase, aus welchem sie entstanden sind, in der Zusammensetzung 
nahe stehen. 

Nach Appert bestehen die Gläser aus mehreren Körpern bestimmter 
Zusammensetzung, deren Moleküle ohne bestimmte Richtung neben ein- 
ander liegen, und die sich daher nicht einem krystallogvaphischen Raum- 
netze einfügen lassen, wie das bei den krystallisirten Körpern mög- 
lich ist. 

In gewissen Fällen können diese Körper identisch sein mit den 
Krystallen, welche nachher sich in der Glassubstanz bilden, in anderen 
können sie davon verschieden sein, die Bildung solcher aber begünstigen. 
Ein Beispiel der letzteren Art ist die Bildung von Magneteisenstein in 
einem eisenreichen Glase. Während die ursprüngliche grüne Glassub- 
stanz nicht die geringste Einwirkung auf die Magnetnadel zeigt, wird 
dieselbe nach der Entglasung stark magnetisch. 

Die Arbeit von Appert ermöglicht es, in kurzer Zeit zu entscheiden, 
welcher Art die Fehler eines Glases sind, und damit auch die Mittel 
an die Hand zu geben, denselben wirksam entgegenzutreten. Es ge- 
nügt, aus dem Glase dünne Plättchen zu schleifen und dieselben der 
Reihe nach im gewöhnlichen und hierauf im polarisirten Licht zu be- 
frachten. 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 323 

Es mag hier Erwähnung finden, dafs D. Herman und F. Rutley 
vor einigen Jahren eine Arbeit über die Bedingungen , unter welchen 
die Entglasung auftritt, und den mikroskopischen Charakter derselben 
veröffentlicht haben. (Proceedings of the Royal Society of London, 1885 
Bd. 39 S. 87.) Es wurden Glasstücke verschiedener Dimension in Sand 
eingebettet mehrere Tage lang zur dunklen Rothglut, etwa 650° C, erhitzt. 
Die Autoren kamen wie Appert zu dem Resultate, dafs die Entglasungs- 
temperatur unter dem Schmelzpunkte des Glases liege. Die Entglasung 
schreitet gewöhnlich von der Oberfläche, woselbst sich zunächst kleine 
Sphärolithen bilden, gegen innen fort. 

Ist die Anzahl der Sphärolithen grofs, so wachsen sie in einander 
und man erhält das für die gewöhnliche Entglasung charakteristische 
Gewirre von Kryställchen. Ueber die Zusammensetzung der verwen- 
deten Glassorten und die Natur der gebildeten Mineralien finden sich 
in der citirten Abhandlung keine Angaben. 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

(Fortsetzung des Berichtes S. 181 d. Bd.) 

Untersuchung von Zucker und Melasse, die mehr als 1 Proc. l Invertzucker 

enthalten. 

Für die Untersuchung solcher Producte hat Meissl früher eine Ta- 
belle aufgestellt, welche jedoch nicht auf den Fall der Anwesenheit 
sehr grofser Mengen Invertzucker ausgedehnt ist, sondern mit dem Ver- 
hältnils 90 Zucker zu 10 Invertzucker abschliefst. Im Vereinslabora- 
torium ist seine Tabelle von Dr. Hiller auch für die Bestimmung gröfserer 
Invertzuckermengen wie folgt erweitert worden. 

Zum Gebrauch der Tabelle werden genau 50 cc von der Lösung 
der Substanz verwendet, deren anzuwendende Menge man nach der 
Vorschrift der Anlage B der Ausführungsbestimmungen leicht ermitteln 
kann, welche also lautet: „Man mufs, da für 10§ Substanz hier die 
Fehliny' sehe Lösung nicht ausreichen würde, erst ausprobiren, welche 
Substanzmenge genommen werden darf. Es geschieht dies am be- 
quemsten, indem man 10? Syrup zu 100 cc löst, in mehrere Reagens- 
gläser je 5 CC Fehling'sche Lösung bringt und successive je 8, 6, 4, 2 CC 
der Syruplösung in die einzelnen Reagensgläser mit Fehling'scher Lösung 
aus einer graduirten Pipette laufen läfst, bis schliefslich derjenige Punkt 
erreicht ist, wo die Fehling'sche Lösung nicht mehr entfärbt wird. Ist 
dies beispielsweise bei 6 CC der Fall, so verwendet man 6§ Substanz zur 
Analyse : bei 4 CC 4? Substanz u. s. w. tf 

1 Die Herzfeld' sehe Tabelle reicht bis 1,5 Proc. Invertzuckergehalt herauf, 
man könnte dieselbe also bis dahin auch benutzen. Meissl reicht bis 1 Proc. 
herunter. 



324 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

Tabelle von Hiller zur Bestimmung von mehr als 1 Proc. Invertzucker im Zucker. 



R :•! 


J = 
200mg 


175mg 


150mg 


125mg 


100mg 


75mg 


50mg 


0:100 


56,4 


55,4 


54,5 


53,8 


53,2 


53,0 


53,0 


10 


90 


56,3 


55,3 


54,4 


53,8 


53,2 


52,9 


52.9 


20 


80 


56.2 


55,2 


54,3 


53,7 


53,2 


52,7 


52,*; 


30 


70 


56,1 


55,1 


54,2 


53,7 


53,2 


52,6 


52,6 


40 


60 


55,9 


55,0 


54,1 


53,6 


53,1 


52,5 


52. 1 


50 


50 


55,7 


54,9 


54,0 


53,5 


53,1 


52,3 


52.2 


60 


40 


55,6 


54,7 


53,8 


53,2 


52,8 


52,1 


51,9 


7U 


30 


55.5 


51,5 


53,5 


52,9 


52,5 


51.9 


51,6 


80 


20 


55,4 


54,3 


53.3 


52,7 


52,2 


51,7 


51,3 


90 


10 


51,6 


53,6 


53.1 


52,6 


52,1 


51,6 


51,2 


91 


9 


51,1 


53,6 


52,6 


52,1 


51,6 


51,2 


50,7 


92 


8 


53,6 


53.1 


52,1 


51,6 


51,2 


50,7 


50.3 


93 


7 


53,6 


53,1 


52,1 


51,2 


50,7 


50,3 


49,8 


94 


6 


53,1 


52,6 


51,6 


50,7 


50,3 


49,8 


48,9 


95 


5 


52.6 


52.1 


51,2 


50.3 


49,4 


48,9 


48.5 


96 


4 


52,1 


51,2 


50,7 


49,8 


48,9 


47,7 


46,9 


97 


3 


50,7 


50,3 


49,8 


48,9 


47,7 


46,2 


45,1 


98 


2 


49,9 


48,9 


48,5 


47,3 


45,8 


43.3 


40,0 


99 


1 


47,7 


47,3 


46,5 


45,1 


43,3 


41,2 


384 



Zur Lösung der Substanz werden 50°° Fehling'sche Lösung gesetzt 
und nach der Herz feilschen Vorschrift 2 Minuten im Sieden erhalten. 
Die Art der Berechnung des Resultats ergibt sich aus folgender Be- 
trachtung : 

Cu 
Die Menge des Invertzuckers kann angenähert = -5- angenommen 

u 

Cu 
werden, es ist also in p Gramm Substanz -=- Gramm Invertzucker vor- 
handen, in 100 Gramm 



3 = 



xoof 
p 



Die Substanz enthält aufserdem nach Mal'sgabe der Polarisation P Gramm 
Rohrzucker, also Gesammtzucker 

Cu 

100 T 

R + J=P-| — . 

100^ 100 °" 

Es ist demnach auf P 4 Gesammtzucker — Invertzucker 

p p 

vorhanden, 



100 



Cu 



auf 1- Gesammtzucker 



Cu 

p . P + 100 T 



Invertzucker 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 325 

100 ^ . 100 

auf 100S Gesammtzucker ~- Invertzucker. 

p.P + 100-^ 

Der Gehalt an Rohrzucker ist die Differenz zwischen 100 und dem 
Invertzuckergehalt, es ist demnach das Verhältnifs von Rohrzucker zu 
Invertzucker bekannt und man hat nur in der Tabelle den für dieses 
Verhältnifs und die betreffende annähernde Menge Invertzucker be- 
stimmten Factor nachzusehen. Diesen Factor F setzt man dann in die 

Cu 

Gleichung J = — . F ein und man hat den genauen Procentgehalt an 

Invertzucker in der zu untersuchenden Substanz. 

Arbeitsvorschrift für die Inversionsmethode. 

Es wird das halbe Normalgewicht (13?,024) abgewogen und unter 
Zusatz von 75 cc Wasser im 100 - Kolben gelöst. Darauf werden 
unter Umschütteln 5 CC Salzsäure von 38,8 Proc. HCl-Gehalt (1,188 spec. 
Gew.) zugesetzt, möglichst schnell in einem etwas über 70° C. warmen 
Wasserbad auf 67 bis 70° angewärmt, wozu etwa 2 bis 3 Minuten er- 
forderlich sind, und darauf unter Umschwenken des Kolbens 5 Minuten 
die Temperatur auf 67 bis 70° C, dabei aber nach Möglichkeit immer 
auf 69° erhalten. Dann wird rasch abgekühlt, zur Marke mit destil- 
lirtem Wasser aufgefüllt, event. geklärt, und in Glasröhren mit Wasser- 
mantel in bekannter Weise die Beobachtung der Linksdrehung aus- 
geführt, indem man vor und nach jeder Ablesung das Thermometer 
einige Minuten in den Tubus des Rohres einführt, um die Temperatur 
der Flüssigkeit zu ermitteln. 

Endlich ist auch ein Tarif für Untersuchungen von Zuckern, Sy- 
rupen, Füllmassen u. s. w. nach den Ausführungsbestimmungen zum 
Zuckersteuergesetze vom 9. Juli 1887 unter Berücksichtigung der er- 
gänzenden Nachtragsbestimmungen (a. a. O. S. 452) hinzugefügt. 

Ein Verfahren zur Reindarstellung von unvergährbarem krystalli- 
sirtem Zucker bezieh, einem dem Gummi arabicum ähnlichen Klebstoff 
aus Kleie und anderen Getreideabfällen liefsen sich Dr. E. Steiger in 
Unterstrafs-Zürich , Dr. E. Schulze in Hottingen-Zürich und R. Auer- 
Schollenberger in Unterstrafs-Zürich patentiren (D. R. P. Kl. 89 Nr. 51943 
vom 13. August 1889). 

Grundlage des neuen Verfahrens bildet die von den Erfindern ge- 
machte Entdeckung, dafs in der Kleie und anderen bei der Verarbeitung 
der Getreidearten (Cerealien) sich ergebenden Abfällen eine bis dahin 
noch nicht beschriebene und nicht zur Verwerthung gelangte Substanz 
sich vorfindet, welche zu den Kohlehydraten gehört und von den Er- 
findern Metaraban genannt wird. 



;J:M Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

Das Metaraban zeigt folgeude Eigenschaften: 

Es ist unlöslich in kaltem und heifsem Wasser, in kalten ver- 
dünnten Mineralsäuren, in kalter lproc. Alkalilauge, in warmem ver- 
dünntem Ammoniak, in Kupferoxydammoniak, in Verdauungsflüssigkeiten 
und in Diaslaselösung. Beim Erhitzen mit Phloroglucin und Balzsäure 
gibt es eine rothe Flüssigkeit. Beim Erhitzen mit verdünnten Mineral- 
sauren sowie mit Alkalien oder alkalischen Erden geht es in Lösung, 
wobei es indessen eine Umwandlung erleidet. 

Die bei Einwirkung von Kalkmilch entstehende Lösung gibt auf 
Zusatz von Salzsäure und Alkohol eine starke Fällung. Das gefällte 
Product, durch wiederholtes Auflösen in Wasser und Wiederausfälleu 
mit Weingeist gereinigt und sodann über Schwefelsäure getrocknet, 
bildet eine weifse zerreibliche Masse, welche in Wasser aufquillt und 
dann nach und nach in Lösung geht. Die Lösung zeigt im Polarisations- 
apparate schwache Linksdrehung. Bei der Oxydation mittels Salpeter- 
säure liefert das Metaraban keine Schleimsäure. Durch diesen Umstand, 
sowie durch seine Unlöslichkeit in kaltem und heifsem Wasser, sowie 
in kalter verdünnter Alkalilauge unterscheidet es sich von den mit ihm 
verwandten Kohlehydraten, so z. B. von der Metaarabinsäure, vom 
Bassorin, vom Kirsch- und Pflaumengummi u. s. w. 

Das Metaraban liefert beim Erhitzen mit verdünnter Säure durch 
Hefe nicht vergährbaren krystallisirbaren Zucker; durch Behandeln mit 
Alkalien oder alkalischen Erden in der Hitze aber kann es in einen 
dem Gummi arabicum ähnlichen Klebstoff übergeführt werden. Um 
aber diese Producte rein und frei von anderen löslichen und ver- 
gährungsfähigen Stoffen herzustellen, ist es nöthig, die metarabanhaltige 
Zellschicht von den übrigen in der Kleie enthaltenen Stoffen zu befreien, 
da die Gegenwart derselben den Zucker färben und unkrystallisirbar 
machen, den Klebstoff aber zum Mindesten verunreinigen und seine 
Lösungen der Gefahr der Gährung aussetzen würde. Ferner mufs bei 
der Ueberfiihrung des Metarabans in Zucker bezieh. Klebstoff der um- 
schliefsende Zellstoff unverändert bleiben, damit nicht seine Zersetzungs- 
producte diese Stoffe verunreinigen. 

Um dies zu erreichen, werden die specifischen Eigenschaften des 
Metarabans, sich mechanisch von der Zellschicht nicht trennen zu lassen, 
in der Kälte durch schwache Säuren oder Alkalien oder alkalische 
Erden oder kochende Ammoniak- oder Kochsalzlösung nicht angegriffen 
zu werden, in der Hitze dagegen durch schwache Säuren, fixe Alkalien 
oder alkalische Erden, welche den Zellstoff selbst nicht angreifen, in 
lösliche Formen übergeführt zu werden, benutzt. 

Man verfährt nämlich in folgender systematischer Weise: 

Die Kleie wird zunächst durch Auswaschen mittels kalten oder 
mäfsig warmen Wassers, indem man mechanische Vorrichtungen zu 
Hilfe nimmt, von Stärkemehl befreit. Sodann erhitzt man sie zur Ent- 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 327 

fernung der Protei'nstoffe und anderer Nebenbestandtheile etwa 3 Stunden 
lans mit einer ungefähr lprocentigen Lösung von Ammoniak oder von 
Kochsalz. Die zurückbleibende metarabanhaltige Zellschicht wird hier- 
auf von der Flüssigkeit abgeprefst und gut ausgelaugt, so dafs sie völlig 
frei von der den späteren Prozefs störenden Ammoniak- oder Koch- 
salzlauge, sowie von den in Lösung gegangenen Nebenbestandtheilen ist. 

Die auf diese Weise genügend von den anderen Stoffen befreite 
metarabanhaltige Zellschicht wird hierauf mit verdünnter, aber min- 
destens 1- bis 2procentiger Schwefelsäure ungefähr 6 Stunden lang 
gekocht: hierdurch wird das Metaraban von der Zellschicht abgelöst 
und in Zucker übergeführt. 

Der rückständige Zellstoff wird von der Lösung abgeprefst, letztere 
aber mit kohlensaurem Kalk neutralisirt , mit Thierkohle entfärbt und 
eingedampft. Aus der concentrirten Lösung krvstallisirt alsdann weifser 
unvergährbarer Zucker aus. 

Um aus der Zellschicht das Metaraban in Form von Klebstoff ab- 
zuscheiden, erhitzt man mit Kalkmilch oder verdünnter etwa lprocentiger 
Alkalilauge unter Druck. 

Die erhaltene Lösung wird von der Zellschicht abgeprefst, neutra- 
lisirt, durch Eintragen von Bleioxydhydrat oder durch Zusatz von Kalk- 
milch und nachheriges Einleiten von Kohlensäure oder in anderer Weise 
entfärbt und hierauf eingedampft. Der sich ergebende Körper, welcher 
auch aus der concentrirten Lösung durch Weingeist ausgefällt werden 
kann, ist dem Gummi arabicum ähnlich und besitzt sehr grofse Klebkraft. 

Die beim Kochen der von Stärkemehl befreiten Kleie mit Ammoniak- 
lösung erhaltene Flüssigkeit kann mit Phosphorsäure neutralisirt und 
eingedampft werden. Man erhält alsdann ein phosphorsäurehaltiges 
Futtermehl von hoher Nährkraft. 

Die nach dem Abscheiden des Metarabans zurückbleibende Zell- 
schicht kann auf Papier verarbeitet werden. 

Patentanspruch. 
Systematisches Verfahren zur Reindarstellung von durch Hefe nicht 
vergährbarem krystallisirten Zucker, sowie einem dem Gummi arabicum 
ähnlichen Klebstoff aus Kleie und anderen beim Verarbeiten von Ge- 
treide sich ergebenden Abfällen, darin bestehend, dafs man die Kleie 
oder dergleichen zuerst durch Auswaschen mit Wasser vom anhaftenden 
Stärkemehl befreit, dann mit einer Ammoniak- oder Kochsalzlösung 
kocht und endlich die von der Flüssigkeit abgeprefste und vollständig 
ausgelaugte metarabanhaltige Zellschicht zur Darstellung des Zuckers mit 
einer mindestens 1- bis 2procentigen Schwefelsäure, zur Darstellung des 
Klebstoffes aber mit einer alkalischen oder erdalkalischen Lauge kocht, 
die sich ergebenden Lösungen vom Zellstoff abprefst, neutralisirt, klärt 
und eindampft. 



328 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 



Ueber die alkoholische Gährung des Invertzucker*. Nach U. Gayon 
und E. Dubourg (Sucrerie indigine, Bd. 35 Nr. 17 S. 419). 

Wenn man die alkoholische Gährung des Invertzuckers mit dem 
Polarisationsinstrument verfolgt, so findet man bei den gewöhnlichen 
Hefen, dafs die anfängliche Linksdrehung der Flüssigkeit zunimmt, ein 
Maximum erreicht, dann nach und nach bis Null abnimmt (Dubrunfaut, 
Soubeiran, Maumene\ Bourquelot). Dies kommt daher, dafs die beiden, den 
Invertzucker zusammensetzenden Zucker ungleich vergähren, indem mehr 
Glucose als Lävulose zerstört wird. 

Die meisten aus den gewerblichen Hefen hervorgegangenen reinen 
Fermentarten verhalten sich gleich. Wenn man das Verhältnifs zwischen 
der polarimetrischen Drehung und der Gesammtmenge des vergohrenen 
Zuckers graphisch darstellt, so erhält man eine parabolische Curve, 
deren Gestalt für ein und dieselbe Hefe unter denselben Bedingungen 
constant, dagegen für die verschiedenen Arten in ziemlich weiten 
Grenzen wechselnd ist. Die folgende Tabelle zeigt das Mafs der Ab- 
weichungen, wie sie verschiedene, bei 25° eultivirte Hefen ergeben 
haben : 



Bezeichnung der Hefen 



Anfängliche 

Links- 
diehung in 
Polarisations- 
graden 



Höchste 
Links- 
drehung in 
Polarisations- 
graden 



Höchste 
Zunahme 

der 
Drehung 



1) R. Nicht invertirende Hefe . . . 

2) M. Bierhefe, invertirend .... 

3) P. Saccharomyces pastorianus, in- 

yertirend 

1) C. Oberhefe, invertirend .... 

5) H. Invertirende Hefe 

6) A. Invertirende Hefe 

7) B. Bierhefe, invertirend .... 

8) Z. Invertirende Hefe 

9) Mycohefe von Duclaux, nicht in- 

vertirend 

10) Mucor alternans, nicht invertirend 



100 
100 

100 

100 
100 
100 
100 
100 

Kid 

100 



103 
105 

107 
108 
110 
112 
122 
125 

129 

165 



10 
12 
22 
25 

29 
65 



Bei der Mucorhefe verschwindet die Glucose viel rascher als die 
Lävulose, während z. B. bei der Hefe R beide Zucker ziemlich gleich- 
mäfsig vergähren. Die mit dieser Hefe erhaltenen Curven sind also 
mehr oder weniger flach, haben aber alle gleich gerichtete Krümmungen 
und die Drehung ist immer links. Sie werden wenig durch Temperatur! 
Concentration, Säuren und andere Umstände beeinflufst. 

Es gibt andere Hefenarten, die, anders wie die bezeichneten, die 
Lävulose rascher als die Glucose vergähren lassen. Wenn sie auf 
Invertzucker einwirken, so nimmt die anfängliche Linksdrehung rasch 
ab, wird Null, dann rechts, erreicht ein Rechtsmaximum, wird wieder 
Null, ohne nach links zu gehen. Die entsprechenden Curven sind eben- 
falls parabolisch, aber umgekehrt wie die vorhergehenden gekrümmt. 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 329 

Man kennt augenblicklich vier Hefen, welchen diese neue Eigenschaft 
zukommt; eine der kräftigsten ist eine Art Saccharomyces exiguus, und 
invertirend. In einer nährfähigen Lösung im Invertzucker ergab sie 
bei 25° 



Dauer 


Drehung in 


Nichtvergohrener 


Nichtvergohrene 


Nichtvergohrene 
Lävulose 


des Versuches 


Polarisations- 


Gesammtzucker 


Glucose 


Stunden 


graden 


g im l 


g im 1 


g im 1 





—190 


102.0 


51.0 


51,0 


24 


—154 


97,1 


51.0 


46.1 


34 


— 53 


79,4 


46.7 


32.7 


48 


-i- 38 


61.3 


43.0 


18.3 


58 


+ 61 


38.1 


28.9 


9.2 


72 


+ 57 


26.3 


21.2 


5.1 


82 


+ 20 


10,9 


8.4 


2.5 


96 





0,0 


0.0 


0.0. 



lnvert- 


Anfänglicher 


Gährungs- 


zuckergehalt 


Säuregehalt 


temperatur 
( 10 


10 Proc. 


0.0 


\ 25 
f 40 


10 „ 


2.4 


25 
ilO 


25 „ 


0.0 


25 
f 40 


25 H 


2.4 


25 



Diese Hefen sind also in ihrer Auswahl bei der Gährung gerade 

den schon bekannten entgegengesetzt; sie werden auch viel stärker 

durch die Temperaturunterschiede und durch die Zusammensetzung des 

Nährmittels beeinflufst. Wenn man die Anfangsdrehung 100 nennt und 

die bezüglichen Drehungen hierauf berechnet, so findet man für die 

höchsten Drehungen bei den vorstehenden Versuchen folgende Zahlen: 

höchste 
Rechtsdrehung 

81 

41 
S 

23 
123 
102 

73 
104 

Aus diesen Untersuchungen folgt, dafs die Alkoholhefen nicht allein 
in der Gestalt, der Wirkung auf Rohrzucker, der Kraft der Ferment- 
thätigkeit, sondern auch in ihrer Wirkung auf die Bestandteile des 
Invertzuckers verschieden sind. Diese neuen Eigenschaften erklären 
gewisse Anomalien in den Drehungsgröfsen der gegohrenen Getränke 
und bei der Analyse der Rohzucker und der Melasse. 

Die Handelsuntersuchuns: der Melassen auf Zucker und Raftinose 
nach der Lindetscheu anstatt nach der Clerget' sehen Inversionsmethode 
ist von B. Courtonne empfohlen und gleichzeitig die Lindet'sche Methode 
noch etwas vereinfacht worden (Sucrerie indigene, Bd. 35 Nr. 17 S. 430). 

Die Lindet'sche Methode hat das Bemerkenswerthe, dafs man sich 
weder um die Säuremenge, noch um die zur Inversion erforderliche Zeit 
zu kümmern braucht, weil die Einwirkung der Säure auf den Rohr- 
zucker und die Raffinose genau mit der Inversion aufhört und niemals 
über dieselbe hinausgeht, mögen die Säuremenge und die Erhitzungs- 
dauer auch noch so grofs sein. 

Lindet's Arbeitsweise ist folgende : 16?,20 (oder ein Vielfaches dieser 
Menge) vom Zucker oder der Melasse werden abgewogen, in Wasser 



380 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

gelost, mit Bleiessig geschieden, zu 100 cc (oder einem Vielfachen) auf- 
gefüllt und polarisirt: Direkte Ablesung (A). 20 cc der filtrirten Lösung 
werden in ein Kölbchen von etwa 50 cc gebracht, worin sich genau ab- 
gewogen 5s Zinkstaub befindet; das Kölbchen wird in das Wasser oder 
den Dampf eines kochend erhaltenen Wasserbades eingehängt, und nach 
und nach in 4 oder 5 Antheilen, etwa in Zwischenräumen von 5 Minuten, 
10 cc verdünnte, d. h. also 5 CC concentrirte Salzsäure zugesetzt. Einige 
Minuten nach dem letzten Zusatz kühlt man ab, giefst die Flüssigkeit auf 
ein sehr kleines glattes Filter ab, welches auf einem auf 50 cc gemesseneu 
Gläschen steht, wäscht mehrmals mit sehr wenig Wasser das unan- 
gegriffene Zink aus, bis man genau 50 cc bei 20° erhält. Nun wird 
polarisirt, und die Ablesung mit 2,5 multiplicirt gibt die auf die reine 
Lösung bezogene Inversionsablesung. 

Die von Courtonne etwas vereinfachte Arbeitsweise ist folgende: 
Mau wägt 2- oder 3mal das Normalgewicht (16^,20) Zucker oder Melasse 
ab und löst in Wasser zu 200 oder 300 cc ohne Bleiessigzusatz. Um 
nun die direkte Ablesung (A) zu erhalten, nimmt man eine bestimmte 
Menge der Lösung ab (50 oder 100 cc ), setzt i j iQ Bleiessig zu, mischt, 
iiltrirt, beobachtet und vermehrt die Ablesung um l l {0 . Um die In- 
versionspolarisation (B) zu erhalten, nimmt man 20 cc der ursprünglichen 
Lösung (ohne Bleiessig) ab, bringt sie in ein 50 CC -Gläschen, fügt 5? Zink- 
pulver zu, erhitzt wie oben gesagt im kochenden Wasserbade, fügt die 
Säure in beliebig kurzen Zwischenräumen zu, wobei nur darauf zu 
achten ist, dafs die Flüssigkeit nicht überschäumt. Dann wird abgekühlt, 
auf 50 cc aufgefüllt, filtrirt und polarisirt. 

Da das Volumen des nicht angegriffenen Zinkes 1 | 2 CC beträgt, so 
ist die abgelesene Zahl mit 2,475 zu multipliciren, um die Inversions- 
ablesuug B für die reine Flüssigkeit zu finden. Ist nun 
A die direkte Ablesung, 
B die Ablesung nach der Inversion, 
C die Summe beider, 
so findet man die Saccharose S und die Raftinose R in dem unter- 
suchten Product durch die Clergef sehen Formeln 
C — 0,489 A R _A_— S 
b ~~ 0,81 ~ 1,54 * 

Die so invertirten Lösungen sind farblos, es ist also keine Knochen- 
kohle erforderlich und die Ablesung fällt genau aus. 

Eine Centrifuge zum Ausschleudern von Zuckerbroden in Hutform 
liefsen sich Carl Steffen (Wien) und die Firma Langen und Hundhausen 
(Grevenbroich) patentiren (D. R. P. Kl. 89, Nr. 49120 vom 16. Juni 1889). 

Bei den bekannten Centrifugen zum Ausschleudern von Zuckerbroden 
sind die Brodformen mit ihrer Spitze gegen die Lauftrommel gestellt, 
so dafs bei einem bestimmten Durchmesser derselben nur eine relativ 
kleine Anzahl von Brodformen verwendet werden kann, was den Uebel- 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 331 

stand im Gefolge hat, dafs solche Centrifugen im Verhältnifs zu ihrer 
Leistung an fertig geschleuderten Broden theure Anlagen sind. 

Die vorliegende Centrifuge ermöglicht durch die neue Einrichtung, 
nach welcher die Brodformen mit ihren Spitzen nicht mehr auf die Lauf- 
trommel aufgestellt sind und sich im Innern der Lauftrommel befinden, 
sondern in Einstecköffnungen der gitterartig durchbrochenen Lauftrommel 
hineingesteckt werden, in welchen sie Halt finden und sich so in dem 
Räume zwischen der Lauftrommel und dem äufseren festen Mantel 
derselben befinden, eine möglichst grofse Ausnutzung des Umfanges der 
Lauftrommel zum Unterbringen von Hutformen: hierdurch wird also die 
Leistungsfähigkeit einer Centrifuge gegenüber den bisherigen Construc- 
tionen aufserordentlich erhöht. 

Der Patentanspruch lautet: Bei Zuckerhutbrodcentrifugen die Con- 
struction der Lauftrommel derart, dafs die auszuschleudernden Hutformen 
durch Oetfnungen in der Lauftrommelwand hindurchgeschoben sind und 
in diesen Einschieböffnungen ihre Auflage finden, so dafs diese gitter- 
artig durchbrochene Centrifugentrommel das Gewicht der Zuckerformen 
aufnimmt, und der durch die Trommelwand hindurchtretende Theil der 
Brodformen sich in dem Raum zwischen der Lauftrommelwand und dem 
äufseren festen Mantel der Centrifuge befindet. 

Die Handelsgesellschaft Brost und Schulz (Breslau) liefs sich ein Ver- 
fahren zur Herstellung von Krystallzucker in Rohzuckerfabriken mittels 
Centrifugen und Neuerung an letzteren patentiren (Oesterreich. Patent 
Nr. 50100 vom 15. November 1888 an). 

Als Deckmittel dient filtrirter roher Rübenrohdicksaft, welcher im 
Vacuumverdampiäpparate so weit (auf das specifische Gewicht von 
etwa 1,325) eingedampft ist, dafs er bei der Concentration und Tempe- 
ratur seiner Verwendung weder Krystalle absetzt, noch von dem zu 
deckenden Zucker auflöst: der Zucker wird beim Decken erwärmt, um 
das Ausschleudern des Deckmittels zu erleichtern. An der Aufsen- 
seite des Mantels der Centrifuge wird als Syrupsprober eine mit Aus- 
lauf versehene Auffangetasche angeordnet, deren Auffangeöffhung einer 
Oeffnung im Centrifugenmantel entspricht und durch Drehen abgesperrt 
werden kann, sowie ein zugehöriger Auffangtrichter, welcher den aus 
der Auffangetasche ablaufenden Syrup in den Innenraum des Mantels 
zurückführt. 

Eine Einrichtung von Zuckercentrifugen zum systematischen Decken 
von Zuckermassen wurde für Friedrich Demmin (Berlin) im Deutschen 
Reiche vom 13. Februar 1889 ab (D. R. P. Nr. 50412) patentirt. 

Diese Erfindung bezweckt die Durchführung der systematischen 
Deckung von Zuckermassen in Centrifugen unter Anwendung von Luft- 
druck oder einer Pumpvorrichtung für die Zuführung der Decksyrupe 
zur Zuckermasse (bezieh, für die Abführung der Decksyrupe aus der 
Centrifuge) behufs Ausdeckens von Zuckermassen mit möglichst ge- 



332 Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 

ringem Aufwände von frischer Deckkläre und in möglichst geringer 
Zeitdauer. 

Bei dem bisherigen systematischen Decken von Zuckermassen in 
Centrifugen, mögen sie aus gekochter Füllmasse oder aus mit Syrup ein- 
gemaischtem Rohzucker bestehen, könnte man d;is systematische Decken 
in der Regel über eine einmalige Wiederverwendung der Deckkläre nicht 
ausdehnen, da das hierbei bisher als bekannt in Anwendung kommende 
Aufsammeln des aus der Centrifuge ablaufenden Decksyrups in besondern 
Gefäfsen (Eimern) und Zurückentleeren derselben in die Centrifugen- 
trommel schon bei der einmaligen Wiederverwendung der Deckkläre ein 
beschwerlicher und auch unreinlicher Arbeitsvorgang ist. Mit den neuen 
Einrichtungen hingegen läfst sich die Wiederverwendung der Deckkläre 
ohne jede Schwierigkeit im Betriebe ganz beliebig ausdehnen, und zwar 
auch so lange fortsetzen, bis schliefslich ein Ablaufsyrup erhalten wird, 
welcher in seiner Beschaffenheit dem an denZuckerkrystallen ursprünglich 
anhaftenden Syrup nahezu gleichkommt. 

Die eingangs erwähnten Zwecke werden hierbei dadurch erreicht, 
dafs die aus der Centrifuge abfliefsenden Decksyrupe während der Be- 
wegung der Centrifugentrommel in einem hierfür geeigneten Apparat 
in einer Anzahl einzelner Portionen, von einander getrennt, aufgesammelt 
werden, so dafs dieselben bei den folgenden Schleuderungen während 
der Bewegung der Centrifuge in derselben Reihenfolge der Zuckermasse 
wieder zugeführt werden können. Erhält hierbei der Apparat die erforder- 
liche Anzahl Abtheilungen (Kammern), so kann die Wiederverwendung 
der Deckkläre als Decksyrup ohne jegliche Schwierigkeiten im Betriebe 
in der Weise fortgesetzt werden, dafs der Zuckermasse in der Centrifuge 
zuerst ein Syrup zugeführt wird, welcher in seiner Beschaffenheit dem 
an den Zuckerkrystallen noch anhaftenden Syrup nahezu entspricht, wäh- 
rend hierauf aus dem Apparat immer bessere Syrupe in die Centrifuge 
gelangen und durch die Zuckermasse hindurchgeschleudert werden, wobei 
der an den Zuckerkrystallen haften bleibende Syrup immer reiner wird. 

Zur Durchführung dieser Arbeitsweise kann die relative Anzahl der 
Wechselgefäfse und Centrifugen, welche man unter einander verbindet, 
nach Belieben wechseln. 

Bei Behandlung schlechterer Zuckermassen, bei welcher also die 
zur Anwendung kommende Deckkläre die Zuckermasse bei einer ganzen 
Reihe von Schleuderungen passiren soll, kann es erforderlich sein, den 
bei einer jeden Schleuderung immer unreiner werdenden Decksyrup in 
einem solchen Zustande zu erhalten, dafs er noch leicht durch die Zucker- 
masse hindurchcentrifugirt. Dies kann durch zwei Umstände behindert 
werden. Erstens läfst sich der bei einem vielfachen Gebrauch immer 
unreiner und somit zähflüssiger werdende Decksyrup durch die Zucker- 
masse nur dann noch leicht hindurchschleudern, wenn er auf einer ge- 
eigneten und nicht zu niedrigen Temperatur gehalten wird. 



Neuere Verfahren und Apparate für Zuckerfabriken. 333 

Andererseits tritt es bei Behandlung gemaischter (im Besonderen 
feinkörniger) Zuckermassen zuweilen auf, dafs mit dem Decksjrup gleich- 
zeitig feine Zuckerkrystalle durch die Lochungen der Centrifugensiebe 
hindurchschleudern und dann den Decksyrup dickflüssig oder gar brei- 
artig werden lassen. 

Wird bei Ausübung der beschriebenen Arbeitsweise gleichzeitig in 
bekannter Weise Wasserdampf in die Centrifugentrommel oder ihren 
Mantel zugeführt, so kann der Decksyrup auch hierdurch auf der ge- 
eigneten Temperatur erhalten bleiben. Diese Zuführung von Wasserdampf 
ist aber nicht immer und namentlich dann nicht statthaft, wenn ein 
Auflösen von Zucker oder eine Verdünnung des Decksyrups vermieden 
werden soll. 

Die Erwärmung kann entweder durch Dampf (Retourdampf) oder 
heifses Wasser erfolgen, und es läfst sich bei dieser Anordnung unter 
Anwendung eines entsprechend angebrachten Thermometers stets leicht 
und bequem die gewünschte Temperatur einhalten. Der Eintritt für 
das Wärmemittel erfolgt durch einen Stutzen, während für den Abflufs 
ein anderer Stutzen dient. Damit keine Wärme verloren geht, kann 
der umschliefsende Mantel eine Bekleidung von Holz oder sonstigem 
Wärmeschutzmaterial erhalten. 

Um das erwähnte Hindurchschleudern von feinen Zuckerkrystallen 
bei Behandlung von feinkörnigem, mit Syrup eingemaischtem Rohzucker 
nach der beschriebenen Arbeitsweise mit Sicherheit zu verhindern, können 
an Stelle der einfachen Centrifugensiebe combinirte Siebe in Anwendung 
kommen, indem man zwei oder mehr von den gewöhnlichen, fein ge- 
lochten Centrifugensieben mit Zwischenlagen von Filtermaterial an- 
wendet. 

Bei Ausführung der Erfindung wird also unter Anwendung von com- 
primirter Luft oder einer Pumpvorrichtung der bei einer Schleuderung 
ablaufende Decksyrup der nächsten zur Schleuderung kommenden Zucker- 
masse wieder zugeführt. Gibt man dem Wechselgefäfs die genügende 
Anzahl Kammern, so kann diese Zuführung so lange fortgesetzt werden, 
als ein rationeller Betrieb es überhaupt vorteilhaft erscheinen läfst. Da 
nun aber bei dieser Arbeitsweise der bei der einen Schleuderung ab- 
laufende Decksyrup in systematisch immer zunehmender Reinheit in den 
Kammern des Wechselgefäfses aufgesammelt und der nächsten zur 
Schleuderung kommenden Zuckermasse in gleicher Reihenfolge wieder 
zugeführt wird, so kann bei der fortgesetzt erneuerten Verwendung 
der Deckkläre ihr gegenwärtiger Verbrauch von 30 bis 50 Proc. der 
Füllmasse leicht auf 5 bis 15 Proc. herabgemindert werden, wobei dann 
in der Regel auch die Zeitdauer bis zur Erlangung des fertigen Productes 
geringer wird und, entsprechend dem geringen Verbrauch an Deckkläre, 
eine nur sehr geringe Menge Ablaufsyrup von der Beschaffenheit der 
Melasse abfällt. 



334 Kleinere Mittheilungen. 

Patentansprüche. 

1. Einrichtung von Zuckercentrifugen zum .systematischen Decken 
von Zuckermassen, gekennzeichnet durch die Verbindung beliebig con- 
struirter Zuckercentrifugen mit Wechselgefäfsen, welche letzteren aus 
einer beliebigen Anzahl neben oder unter einander angeordneter und 
um eine Steuerungsvorrichtung für den Zu- und Abflufs (oder eine solche 
für den Zuflufs und eine zweite für den Abflufs) drehbarer oder längs 
derselben in wagerechter oder senkrechter Richtung verschiebbarer 
Kammern besteht (wobei auch das Wechselgefäfs feststehend und die 
Steuerungsvorrichtung beweglich angeordnet sein kann), welche Kammern 
nach einander mit der Ablaufölfnung oder einem Ablaufbecken an der 
Centrifuge bezieh, mit der Zuführungsleitung der Decksyrupe zu der 
Schleudertrommel in Verbindung gebracht werden. 

2. Bei der unter 1 gekennzeichneten Einrichtung: 

a) die Anordnung eines Dampfmantels an dem Umschlufsmantel der 
Centrifuge, zum Zwecke, durch Heizen derselben mit irgend einer Wärme- 
quelle die immer wieder zur Verwendung gelangenden Ablaufsyrupe 
auf einer geeigneten Temperatur zu erhalten; 

b) die Anordnung eines combinirten, mit Zwischenlagen aus Filter- 
material versehenen Siebes neben dem gebräuchlichen Unterlagesieb, 
zum Zwecke, ein Abschleudern von feinen Zuckerkrystallen bei schlecht 
zu verarbeitenden Füllmassen zu verhindern. (Fortsetzung folgt.) 



Festigkeit des Eisens bei niedrigen Temperaturen. 

Die landläufige Annahme, dafs Eisen bei niedriger Temperatur erheblich 
an Festigkeit einbüfse, ist vor kurzem von A. v. Frank einer Untersuchung 
unterzogen, und hat sich dieselbe, wenigstens für die in unserem Klima vor- 
kommenden niedrigsten Wärmegrade, nicht bestätigt. Durch genaue Versuche 
hat sich heraus gestellt, dafs die Festigkeitszahlen des Eisens innerhalb der 
bei uns vorkommenden Grenzen unverändert bleiben. Sogar für die Brücken 
der Alpenbahnen, die den Temperaturen von —22° bis 25° ausgesetzt sind, 
hält Frank es nicht für erforderlich, andere Festigkeitszahlen einzuführen. Diese 
Thatsache wird von Greely bestätigt, welcher berichtet, dafs im hohen Norden 
eiserne Werkzeuge, Schiefsgewehre u. dgl. bei — 56^ vollständig zuverlässig 
seien. (Stahl und Eisen, Nr. 10 1890.) 

Vergleichende Verdampfungsversuche zwischen glatten Röhren und 
Serve'schen Rippenröhren. 

Nach The Engineer vom 31. Oktober wurden auf den Atlas Works in 
Sheffield Verdampfungsversuche mit Serre-Röhren angestellt. Um ein möglichst 
lichbares Ergcbnifs zu erzielen, waren für den Vergleichungsversuch 
zwei in allen Tbeilen gleiche Kessel eingerichtet, und diese, da sie in einen 
Kamin mündeten, auch unter möglichst gleiche Zugverhältnisse gebracht. 
Der einzige Unterschied bei den Kesseln bestand darin, dafs in dem einen 
derselben glatte und in dem anderen Röhren nacli Serve, mit acht innen 
Liegenden Längsrippen zur Verwendung gekommen Bind (über Serro's Röhren 
vgl. 1890 275*395). Heide Arten Röhren haben :ü , Zoll (8'?mm : 5) äufseren 
Durchmesser, 2300mm Länge und l/ 8 /.(dl (3mm,17) Wandstarke, ihre Anzahl 
ist in jedem Kessel 126. Die Versuchskessel haben die Form gewöhnlicher 



Kleinere Mittheiluncren. 



335 



Schiffskessel, 4572m n i Länge, 4572mm Durchmesser, 2 Feuerungsröhren von 
876 mn i Durchmesser. Durch die Verwendung der iSe/re"schen Röhren ist ein 
Ueberschufs von 10.42 bis 5.95 Quadratfuis = 4.47 Quadratfuis = Oqm,694 für 
jedes Serre-Rohr erzielt, so dal's sich die GesammtheizÜäche der Röhren zu 
1312,9 Quadratfuis und 732,7 Quadratfuis und die der Kessel zu 1536,4 Quadrat- 
fuis und 956,2 Quadratfuis, also zu 142';m.7 und 88qm,8 berechnet. Ueber 
die Versuche gibt nachstehende Tabelle Auskunft: 



Kessel mit Serie-Röhren 



Kessel mit statten Röhren 



> SS 



= O 73 
= X 5 



3 — 

<o o 






, c 



I 03 

C B k 

5 5.5 

:«X ^ 



Oktober 


in Pfund 


in Pfund 


21 


3808 


32500 


21 


1808 


18200 


22 


11872 


114600 


23 


6496 


61500 



8,5 
10,2 
9.65 



60 



9.47 



62 



in Pfund 


in Pfund 






4144 


31000 


7.5 


— 


2240 


20100 


8.97 


— 


11872 


103000 


8,67 


60 


6496 


53200 


8.2 


62 



mit 1.5 Zoll Was- 
sersäule 

mit natürlichem 
Zug 

12 Stunden. Der 
Zug wurde so 
geregelt, dafs in 
beiden Kesseln 
gleicheVerbren- 
nung stattfinden 
sollte 

7 Stunden mit 
0.75 Wasser- 
säule. 



Zur Kenntnifs der Einwirkung von Chlorschwefel auf trocknende Oele. 

Die gegenwärtig als Gummi-Ersatzstoffe in der Kautschukindustrie ange- 
wendeten Mittel werden hergestellt entweder durch Zusammenschmelzen von 
trocknenden Oelen mit Schwefelblumen. Elemi. Campher, Sandarak. Kauri- 
gummi, Schellack, Harzölen u. s. w.. oder durch Einwirkung von Chlorschwefel 
auf fette Oele. Bei der Herstellung letzterwähnter Producte verdünnt man 
den Chlorschwefel und das Oel mit Benzin, mischt beide Lösungen, erwärmt 
unter gleichzeitigem Verreiben des Productes, wäscht letzteres und trocknet es. 

F. Ulzer und F. M. Hörn untersuchten sowohl ein englisches wie ein 
deutsches Fabrikat und nehmen auf Grund ihrer Analysen an, dafs die bei 
Einwirkung von Chlorschwefel auf fette Oele gebildeten Producte Glycerinester 
mit eigenthümlichen Schwefel- und chlorhaltigen Fettsäuren sind, und dafs 
bei der Verseifung mit alkoholischem Kali (wobei Geruch ähnlich dem Chlor- 
äthyl auftritt) und der Abscheidung der Fettsäuren mit Schwefelsäure die 
Hauptmenge des Chlors aus der Fettsäure, die noch den ganzen Schwefel ent- 
hält, abgespalten wird. 

Bei einem Versuch der Verfasser, durch Einwirkung von Chlorschwefel 
auf reine Oelsäure eine Fettsäure herzustellen durch Lösen der Oelsäure in 
der 20fachen Menge Benzol, Zutropfenlassen des Chlorschwefels (1 Mol. auf 
1 Mol.) und Abdestiiliren des Benzols nach einstündigem Kochen am Rück- 
fhifskühler resultirte eine dickflüssige, braune Fettsäure, die den aus Gummi- 
substituten abgeschiedenen sehr ähnlich war. {Mittheilungen des k. k. techno- 
logischen Gewerbe- Museums in Wien. Sect. für chemische Geweihe. 1890 Bd. 4 S. 43. 
nach Chemiker-Zeitung. 1890 Bd. 14. Chemisches Reperlorium. S. 223). 



336 Bücher-Anzeigen. 



Bücher-Anzeigen. 



Der Betrieb und die Schaltungen der elektrischen Telegraphen. Unter 
Mitwirkung von mehreren Fachmännern bearbeitet von K.Ed.Zetzsche. 
Zugleich als 2. Hälfte des 3. Bandes des Handbachs der elektrischen 
Telegraphie. Heft 2. Mit 89 Abbildungen. Verlag von Wilhelm 
Knapp in Halle a. S. Preis 5 Mk. 

Unter Bezugnahme auf die in D. p. J. 1890 276 240 enthaltene Besprechung 
des 1. Heftes des in der Ueberschrift genannten Buches wird es hinreichen, 
wenn hier der Inhalt des soeben erschienenen (10 Bogen umfassenden) 
'2. Heftes etwas eingehender angegeben wird. Das in Gemeinschaft mit 
Prof. Tobler bearbeitete 2. Heft behandelt als dritte Abtheilung des Ganzen 
„die Einrichtungen und Schaltungen für die mehrfache Telegraphie". Nach 
einer den U eher blick über das zu behandelnde Gebiet gewährenden Einleitung 
folgt zunächst die Besprechung der gleichzeitigen mehrfachen Telegraphie 
und zwar des Gegensprechens und des Doppelgegensprechens. Die zahlreichen 
neueren Gegensprecher werden gruppenweise geordnet auf S. 208 bis 282 
vorgeführt und zwar zuerst, die Gegensprecher für kürzere Linien, dann die- 
jenigen für lange Luftlinien, endlich die für Kabel. S. 283 bis 297 be- 
schäftigen sich mit den Doppelgegensprechern von Smith, sowie von Muirhead. 
Briggs und Winter, und schliefslich linden die von Sieur und von Ludewig eine 
kurze Erwähnung. S. 297 bis 356 bringen zunächst kürzere Mittheilungen 
über die Einrichtungen von Laborde, Munier, Brown, La Cour, darauf ausführ- 
lichere über die Telegraphen von Meyer und von Delanp, und beginnen dann 
eine erschöpfende Behandlung von Baudot's mehrfachen Typendruckern, welche 
in dem im Druck begriffenen Schlufshefte beendet werden wird. 

Auch im 2. Hefte sind Druck und Abbildungen klar und deutlich, die 
Stromläufe möglichst übersichtlich. 

Katechismus der Spinnerei, Weberei und Appretur oder Lehre von der 
mechanischen Verarbeitung der Gespinnstfasern. 3. Auflage unter 
Benutzung des Grot Ansehen Originals von Dr. A. Ganswindt. Leipzig. 
J. J. Weber. 1890. 338 S. Geb. 4 Mk. 

Das reich illustrirte, bedeutend erweiterte und gut durchgearbeitete Werk- 
chen gibt eine allgemeinverständliche, allerdings sehr kurze Uebersicht über 
das ganze Gebiet der Textilindustrie, und wird dem angehenden Fachmanne 
zur ersten Einführung, sowie dem Freunde der Technik zur allgemeinen 
Orientirung gute Dienste leisten. 

Dampf, Kalender für Dampfbetrieb. Ein Hand- und Hilfsbuch für 
Dampfanlagen-Besitzer, Fabrikleiter, Ingenieure, Techniker, Werk- 
führer, Werkmeister, Monteure, Maschinisten und Heizer. Bearbeitet 
und herausgegeben von R. Mittag, Ingenieur und Chefredacteur der 
Zeitschrift „Dampf". Vierter Jahrgang 1891. Verlag von Robert 
Tessmer. Berlin. Brieftaschenformat. 4 Mk. 

Abgesehen von kleineren Verbesserungen weist der neue Jahrgang ver- 
schiedene neue Einfügungen für die Praxis des Dampfbetriebes wesentlicher 
Erfindungen und Erfahrungen des letzten Jahres auf, der Text ist stellenweise 
schärfer geläfst, viele Abbildungen neu hinzugefügt und die Tabellen wesent- 
lich erweitert. Eine Beilage enthält u. a. die Gewerbegesetze und Polizei- 
verordnungen, sowie einen Auszug aus dem Alters- und Invalidengesetz. 

Wir können den Kalender auf das wärmste empfehlen, da er in der That 
l'ür die /wecke des Dampfbetriebes eine bewährte Unterstützung bietet. 



Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart. 
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



Neue Drnckluf fc-Kraftm aschinen. 337 

Neue Druckluft-Kraftmaschinen. 

Kitentklasse 46. Mit Abbildungen auf Tatel IV. 

Die Stellungnahme der Elektrotechniker gegen die Druckluftver- 
theilung hat die günstige Entwickelang der Einzelheiten für die An- 
wendung des DruekluftsysteniB nicht zu hemmen vermocht. Es liegen 
nunmehr namentlich Kraftmaschinen für den Betrieb durch Druckluft 
vor. welche gegenüber den in Paris in Anwendung befindlichen Aus- 
führungen ganz wesentliche Fortschritte aufweisen. Eine Beschreibung 
einiger neuer Maschinen dieser Art ist in folgendem beabsichtigt. Als 
springender Punkt einzelner Ausführungen ist die Verlegung der Be- 
beizung in das Innere de.- Druckluftevlindei\- zu bezeichnen, bezieh. 
der Ersatz der äufseren Heizvorrichtung durch innen stattfindende Gas- 
explosionen. 

Fig. 1 und 2 erläutern eine rotirende Maschine für Prefslufl von 
S. Scharfberg und E. Fränkel in Paris (*D. R. P. Nr. 52959 vom 19. Sep- 
tember 1889). 

Die Maschine zeigt die Ausbildung einer älteren rotirenden Ma- 
schine (*D. R. P. Nr. 27474). Führungsstaugen u, «., » 3 u. s. w. und auf 
Leitschienen a b c d gleitende Kolben Ä", K, A 3 sind vorhanden. Die 
Kolben treten beim Aufsteigen de* rotirenden Theiles aus diesem heraus 
und werden beim Niedergang in denselben zurückgezogen. Die Maschine 
ist oben abgeschlossen und übt in Folge dessen auch die treibende 
Kraft ihre Wirkung im oberen Theil der Maschine aus. Der Körper A 
des Motors ist auf dem ganzen Umfang seiner hervorstehenden Theile 
mit Rinnen oder Einschnitten versehen, in welche Gummiringe von 
entsprechendem Querschnitt eingelegt sind. Der obere Theil des Motors 
ist durch ein endloses, auf der Innenseite mit Kautschuk belegtes 
Stahlband abgeschlossen, welches ebenso breit ist wie der bewegliche 
Körper des Motors, und welches unterhalb des Motors über eine beweg- 
liche Rolle läuft, welche vermittels Stellschraube höher oder tiefer ge- 
stellt werden kann, um das endlose Stahlband M mehr oder weniger 
fest gegen den Motorkörper bezieh, gegen die Gummiringe anziehen zu 
können. Das endlose Stahlband M folgt der Bewegung des drehenden 
Theiles A und bewirkt einen hermetischen Abschlufs des oberen Theiles 
der Kanäle G und B. welche auf den beiden Seiten durch die Platten m 
und n abgeschlossen sind. 

Die vom Behälter L kommende Druckluft ti-itt durch das Rohr o in 
den kleineren Kanal G und wirkt mit voller Kraft auf den gerade auf- 
steigenden Kolben, welcher an der Platte in vorbeigegangen ist und 
durch die Leitschiene a in den Kanal getrieben worden ist. 

Wenn der Kolben A seinen Lauf auf der eoncentrischen Leit- 
schiene /' beendet hat. wird er von der excentrischen Leitschiene c in 
den Motorkörper A zurückgezogen, bevor er an der Platte n anlangt: 

Dingler's polvt. Journal Bd. 278 Nr. X. 1S90 IV. 0) 



338 Neue Drucklaft-Kraftma6ehinen. 

die Drucklufl tritt dann durch das Rohr p aus, welches sie auf der 
entgegengesetzten Seite in den Kanal H einführt. Hier wirkt dieselbe 
von Neuem auf den gerade aufsteigenden Kolben, bis sie auf der ent- 
gegengeselzten Seite wieder austritt. Da sich die Druckluft nicht con- 
deusirt. wie; der Dampf, so können statt zweier Kanäle G und // meh- 
rere Kanäle angeordnet werden, in welche die Luft der Reihe nach 
von einer Seite eintritt und auf der anderen wieder austritt, um von 
Neuem in den nächstfolgenden Kanal eingeführt zu werden. 

Da die Reibung der Kolben auf den Leitschienen eine rollende 
und auf dem Stahlband M eine elastische ist, so kann der Motor stets 
vollständig dicht gehalten werden, da die eventuelle Abnutzung bezieh, 
die Entstellungen in der natürlichen Form des Stahlbandes durch An- 
ziehen der Stellrolle geregelt werden können. 

Bei der in Fig. 3 dargestellten Maschine von E. Josse und J. Rosing 
in Aachen (" :; D. R. P. Nr. 53899 vom 30. Januar 1890) soll die Eis- 
bildung verhindert und die Verminderung des Luftverbrauchs herbei- 
geführt werden durch eine mit Hilfe der arbeitenden Druckluft bewirkte 
Verbrennung von Gas. 

Diese Wärmezuführung wird dadurch bewirkt, dafs bei jedem Hub 
die Expansionsperiode der bereits zur Kühlung des Verbrennungsraumes 
benutzten Druckluft durch eine Periode der Druck- und Temperatur- 
steigerung' unterbrochen wird, welche die Druckluft zu einer zweiten 
Expansion ohne Eisbildung befähigt. Diese Druck- und Temperatur- 
steigerung geschieht durch Verbrennung eines luftarmeu Gasgemisches, 
welche durch die im Cylinder befindliche Druckluftmenge bewirkt wird, 
so dafs eine Vermischung der Verbrennungsproducte mit der nicht 
durch die Verbrennung verzehrten Druckluft eintritt. 

Der Vorgang wird durch das Diagramm Fig. 4 dargestellt, ab be- 
deutet die Zuströmungsperiode der Druckluft, die aus einer Leitung von 
der Verdichtungsstelle entnommen wird, bc die erste Expansionsperiode, 
cd eine Periode, in der die Druck- und Temperatursteigerung' erfolgt, 
de die zweite Expansionsperiode. 

Die Ausführung dieses Vorganges wird bewirkt durch die dar- 
gestellte Einrichtung des Steuerungsmechanismus. Derselbe besteht aus 
zwei Schiebern, welche aufser der Vertheilung der Druckluft und der 
Zuführung des Gases auch die Entzündung desselben bewirken und die 
Druck- und Temperatursteigerung dadurch einleiten, dafs sie das ex- 
pandirende Druckluftquantum mit der entzündeten Gasmenge in Ver- 
bindung bringen, wodurch dieselbe zur vollständigen Verbrennung gelangt. 

Die zwei Schieber 1 und LT werden durch die Deckplatte A mittels 
des Druckes der comprimirten Luft auf einander geprefst und abge- 
dichtet. 

Die Druckluft gelangt direkt aus der Leitung durch den Stutzen B 
in die hohle Deckplatte A und von da durch die Kanäle C und D an 



N< le Druckluft-Kraftmaschin 339 

den Wänden des Verbrennungsraumes vorbei in den Cylinder. Der 

Abschlufs der Admission erfolgt durch den Steg a des Schiebers 7, 
welcher den Kanal so lauge geschlossen hält, bis die gewünschte Ex- 
pansion erreicht ist. In diesem Augenblick kommt der Raum I) und 
damit der Cvlinderinhalt in Verbindung mit der Verbrennungskammer E. 
In derselben befindet sich ein entzündetes luftarmes Gasgemisch, das 
durch Hinzuströmen von Luft aus dem Cylinder vollständig verbrennt. 
Die Füllung der Kammer E mit diesem Gasgemisch geschieht dadurch, 
dafs die Oetfnung g der Kammer E mit dem Schlitz f in der Schieber- 
deckplatte A in Verbindung steht, wodurch Gas (Leuchtgast, mit etwas 
Luft gemischt, unter Druck mittels einer Pumpe oder eines Strahl- 
gebläses zugebracht wird. Zu derselben Zeit steht der Zündraum Z 
mittels de- Kanals h und der Schlitze i und Ä mit der Verbrennungs- 
kammer E in Verbindung und füllt sich dadurch ebenfalls mit dem 
zugeführten Gasgemisch. Beim Weiterbe wegen der Schieber wird die 
Verbindung von Z und E unterbrochen und der Inhalt des Zündrnumes Z 
an der Zündtlamme entzündet, indem die Mündung m den Schütz / 
passirt. Nachdem die obere Oetfnung m des Zündraumes Z wieder 
ue-c blossen ist, kommt der glühende Inhalt demselben durch die Mulde h 
mit dem Raum E in Verbindung. Hierdurch wird das in demselben 
befindliche Gasgemisch entzündet, so dafs es, wie vorhin erklärt, bei 
Hinzutreten der Luft aus dem Cylinder vollständig verbrennt. 

Beim Rückgange der Schieber wird der Raum ü { mit der Ver- 
breunungskammer E { in Verbindung gebracht, und funetioniren in der- 
selben Weise die Zündkammer Z t mit den Oeffnungen m und ä, des 
Schiebers I, der Kanal Ä t mit dem Schlitz i, des Schiebers II und der 
Schlitz g { mit dem Schlitz f^ der seinerseits in Verbindung steht mit 
der Zuleitung It [ des Gasgemisches in der Deckplatte A. 

Besonders hervorragende Ausführungen stammen von Dr. II. Prall 
in Dresden her. Die in Fig. 5 dargestellte Maschine bezweckt die Mög- 
lichkeit einer Arbeit der Luft durch Volldruck und durch Expansion 
(*D. R. P. Nr. 53581 vom 1. Januar 1890). Die Wärmezufuhr erfolgt 
durch äufsere Beheizung der Maschine mittels einer Gasflamme. 

Der Motor hat an tiefster Stelle, und zwar unter dem Boden B des 
gröfseren Cylinders, in welchem die Kältebildung hauptsächlich vor sich 
geht, eine Heizquelle H. bestehend in einer Gasflamme oder der Flamme 
eine- flüssigen Brennmaterials, in welche eventuell zur Erzeugung 
gröfster Heizkraft Luft von atmosphärischem oder höherem Drucke ein- 
geführt wird. 

Der Boden des Cylinders ist nach Fig. 5 eingestülpt oder mit ge- 
raden oder kreisförmigen Rippen verseilen, welche in entsprechende 
Aussparungen im Kolbenkörper treten, um der im grofsen Cylinder haupt- 
sächlich durch Expansion wirkenden Luft während derselben in möglichst 
intensiver Weise Wärme zuzuführen. 



340 Neue Druckluft-Kraftmaschinen. 

Um den Heizherd läufl ein Kanal a, den die Druckluft durchströmt, 
bevor sie in den oberen kleineren Cylinder tritt. Sie nimmt dabei ein 
gewisses Quantum Wärme auf, welches gestattet, sie bereits im kleinen 
Cylinder durch frühzeitigen Abschlufs expandireu zu lassen, worauf sie 
dann durch den Kanal b in den grofsen Cylinder tritt, um hier weiter 
zu expandiren. 

Ein Regulator li verstellt ein Regulirorgan *-. welches die Druck- 
luft passiren mufs, ehe sie in den kleinen Cylinder A gelangt, und l>e- 
herrschl dadurch den Gang des Motors. 

Aufserdem verstellt der Regulator gebotenen Falls noch ein Regu- 
lirungsorgan r im Gaszuleitungsrohre oder dem Zufuhrungsrohre für 
flüssiges Brennmaterial. 

Bei Einführung von Druckluft in die Flamme erfolgt dieselbe aus 
dem Schieberkasten. Sie strömt dabei durch ein Ventil oder Hahn */, 
wodurch sie entsprechend abgedrosselt werden kann. Die Regulirung 
der Admissionslufl durch das Regulirorgan v bestimmt auch die Span- 
Dung der Heizluft, so dafs durch die beschriebene Construction der 
Heizeffeci abnimmt, wenn der Motor weniger Kraft entwickelt, und um- 
gekehrt. 

Fig. 6 zeigt eine Ausführung des genannten Constructeurs, welche 
nach Art der Kleinkraftmaschinen die Maschine C und Ofen 0. über- 
haupt sämmtliche für den Betrieb erforderlichen Stücke auf einer Grund- 
platte vereinigt enthält. 

Der Ofen enthält ein doppelspiralförmig gewundenes Heizrohr A. 
welches von der Druckluft in der durch Pfeile angedeuteten Richtung 
durchströmt wird. Die Heizgase steigen in dem durch die Heizschlange 
gebildeten Cylinder in die Höhe und ziehen dann aufsen auf spiralförmig 
gewundenem Wege G um denselben herum nach der Esse: hierbei ge- 
ratheu sie durch eingesetzte Rippen r in Wirbelungen, wodurch sie 
genöthiet werden, in kräftigerer Weise, als es ohne diese der Fall wäre, 
ihre Wärme an die Heizfläche abzugeben. 

/'' ist der Feuerraum, in welchem das Brennmaterial brennt, und 
l) x l) 2 sind Regulirvorrichtungen zur Zulassung von Luft. W ist die 
Welle des Motors. Das Luftrohr L führt die kalte Druckluft in die 
Heizschlange des Ofens, während die erwärmte Luft durch das Ventil r 
und Rohr // dem Motor zuströmt. Die Abluft vom Motor geht durch 
das Rohr //, in die Esse und facht hier wie das Blasrohr der Locomo- 
tive den Zug an. Die Anfachung ist desto stärker, je mehr Luft ver- 
brauchl wird, also auch abbläst. In Folge dessen wird auch mehr 
Wärme im Ofen gebildel und umgekehrt. Es entsteht also auf diese 
Weise eine selbsthätige Regulirung. 

Als Motor ist eine Maschine mit .Schwungradregulator und Hahn- 
steuerung nach dem patentirten System Doerfel-Proett in Aussicht ge- 
nommen. Dieselbe arbeitel bereits in zahlreichen Exemplaren höchst 



Neue Druckluft-Kraftmaschinen. o4l 

ökonomisch mit gröfserer Geschwindigkeit (200 bis o00 Umgänge in der 
Minute) uud zeichnet sich durch grofse Einfachheit in allen ihren Theilen 
aus. Die dem System eigenthümliche grofse Oekonomie, Ruhe des 
Ganges uud genaue Regulirung ist eine Folge der unmittelbaren Ver- 
stellung der Expansion durch den Regulator und Bildung sehr starker 
Compression, wodurch der Einflufs des schädlichen Raumes fast voll- 
ständig ausgeglichen wird. Dieselbe würde bei Verwendung des Systems 
für Luftmaschineu insofern noch sehr nützlich sein, als die dadurch er- 
zeugte Wärme nicht verloren gehen, sondern bei der darauf folgenden 
Luftfüllung und Expansion entsprechende Verwerthung finden würde. 
Aus diesen Gründen darf bei angemessener Vorwärmung und Wasser- 
einspritzung der Luftverbrauch bei Maschinen dieses Systems zu etwa 
10 bis 12 cl,m für die indicirte Pferdekraft und Stunde angenommen 
werden. 

Nach der Idee des Betriebsingenieurs Fischinger der Firma Kummer 
und Co. in Dresden hat Prall die in Fig. 7 uud 8 abgebildete vereinigte 
Gas- und Druckluftmaschine entworfen. 

Während bei der Gasmaschine in Folge der im Cylinder statt- 
findenden Gasexplosion eine grofse Verbrennungswärme frei wird, welche 
durch kräftige Kühlung des Cylinders beseitigt werden mufs, macht die 
Kältebildung bei der Expansion der Druckluft eine Vorwärmung der- 
selben nöthig. Durch die Vereinigung beider Maschinenarten und eine 
entsprechende Leitung der Druckluft bezieh. Verwendung der Verbren- 
nungsproducte der Gasmaschine kann der gröfste Theil der jetzt bei 
der Gasmaschine verloren gehenden Wärmemenge für den Arbeitsprozefs 
der Druckluftmaschine nutzbar gemacht werden. Durch die Construction 
wird die Vorwärmung der Luft in die Maschine verlegt. Es bedarf 
also keiner Heizanlage, und die damit verbundenen Uebelstände kommen 
vollständig in Wegfall. 

Es ist A der Cylinder einer Gasmaschine, G der Cylinder einer 
Luftmaschine, welcher in irgend einer Weise wie der Cylinder einer 
Dampfmaschine gesteuert wird, z. B. dui*ch zwangläufig gesteuerte Ventile. 
Die Vortheile dieses Steuerungssystems sind unmittelbar auf Luftmaschinen 
übertragbar. Sie bestehen bekanntlich in einer selbsthätigen Verstel- 
lung der Expansion durch den Regulator und der zwaugläufigen Bewe- 
gung «1er Ventile auch während der Schlufsperiode. 

Für den Gasmotor ist das System Benz gewählt, weil dasselbe im 
Zweitakt arbeitet und aufserdem die hierzu erforderliche Druckluft un- 
mittelbar zur Verfügung gestellt werden kann. Die Arbeit im Zwei- 
takte verleiht der Maschine auch eine gröfsere Gleichförmigkeit im 
Gange. 

Die Druckluft tritt aus der Rohrleitung am hintersten Ende bei a 
in den Mantel r des Gaseylinders, nimmt unter gleichzeitiger Kühlung 
des Cylinders die Wärme des letzteren auf und gelangt, durch die Steue- 



342 Neue Di i :k I ift-Kraftmi 

ruog vertheilt, vorgewärml in den Cylinder (i der Luftmaschine^ in 
demselben durch Expansion wirkend. 

Die parallel der Achse beider Cylinder befindliche und von der 
Schwungradwelle der Maschine mit gleicher Geschwindigkeil an- 
getriebene Steuerwelle tCj betreib! sowohl die Steuerung des Luft- 
cylinders als Gascylinders. 

Für ersteren seht die Bewegung durch die conischen Räder r,r, 
auf die kleine Hilfswelle xv über, welche in einem Gehäuse, das den 
Ständer des Federregulators H (Patent Prodi) trägt, wagerecht und 
senkrecht zur Maschinenachse gelagert ist. Aid' dieser Welle befindet 
sich ein Excentermechanismus E mit prismatischer Führung c. auf 
welcher eine Hülse verschoben werden kann, von der die Ventilbewe- 
gung abgeleitet ist. Letztere und die Verstellung der Coulisse durch 
den Regulator erfolgt durch das aus Fig. 7 ersichtliche Hebelwerk. Die 
Ventile c, c, werden durch dasselbe unter Aufwand der geringsten Zahl 
von Gelenken gehoben und gesenkt, und zwar gelangen sie, abhangig 
von dem Stande des Regulators, früher oder später zum Schlüsse, wäh- 
rend ihre Voreröffnung constant ist. Es ist dies eine wichtige Eigen- 
schaft dieser patentirten Steuerung. Der Auslafs wird durch Corlifshähne 
von der Hilfswelle w aus gesteuert. 

Bei der gezeichneten Stellung des Kolbens, der sich nach links be- 
wegt, erfolgt durch elektrische Zündung bei z eine Explosion des im 
Cylinder enthaltenen Gasgemisches, in Verbindung mit dem Drucke 
der Druckluft auf die ringförmige Fläche des Kolbens im Luftcylinder 
(zwischen diesem und dem Gascvlinder) erfolgt eine Arbeitsübertragung 
auf die Kurbel der Maschine. Gegen Ende des Kolbenhubes öffnen sich 
die Ventile r, c v Durch ersteres tritt Druckluft von geringerer Span- 
nung, zu deren Ansammlung der Behälter B im Fufse des Gascylinders 
dient (die Luft wird der Ummantelung r entnommen und strömt au! 
ihrem Wege nach B durch das Reductionsventil u), in den Cylinder 
und treibt die hier angesammelten Verbrennungsproducte durch das 
Ventil r. 2 , Kanal /•, Verbindungsrohr f in den Behälter (.'. Bei etwa 
halbem Kolbenhube schliefst sieh das Ventil Cj, dann das Ventil c 2 , es 
tritt eine Verdichtung der Luft ein, worauf schließlich , aber noch vor 
Beendigung des Kolbenhubes, durch das Ventil e Q etwas Gas (soviel als 
zur Bildung eines explosibeln Gemenges erforderlich ist) in den Cylinder 
hineingelassen wird. Im Todlpunkte erfolgt die Zündung mittels eines 
elektrischen Funkens, der durch einen /f«/<Hj/io>-/"-Apparat und Dynamo- 
maschine im gegebenen Moment erzeugt wird. Diese Zündung hat sieb 
bei den ßenz'schen Motoren als eine Zuverlässige bewahrt. 

Aus der Zeichnung ist unmittelbar ersichtlich, wie die Steuerung 
der Ventile am Gascvlinder erfolgt. Auf der Steuerwelle u^ (Fig. 8) sitzt 
ein Excenter e { mit kuglig abgedrehter Fläche zwischen Scheibe und 
Excenierring. so dafs dasselbe mittels eines Kugelzapfens die Welle /> 



Neue Druckluft-Kraftmaschinen. 343 

in oscillirende Drehung versetzen kann. Ein auf derselben befindlicher 
Daumen öffnet und sehliefst mittels des Hebels d die Ventile c { und c». 
Die Eröffnung des Gasventils erfolgt durch ein besonderes Excenter e 2 . 
Eine am Ende der Welle u\ von der Kurbel g betriebene Graspumpe 
prefst eontinuirlich Gas in einen Behälter C, aus dem dann dasselbe in 
den Arbeitscylinder A strömt. Der Druck wird so regulirt. dafs der- 
selbe im Behälter C etwas grölser ist als der zuletzt durch Verdichtuno 
der eingeschlossenen Luft im Arbeitscylinder entstandene. Um auch bei 
variabler Arbeitsleistung der Maschine stets diejenige Luft- und Gas- 
menge zur Speisung des Cylinders zu erhalten, welche der erforder- 
lichen Explosionsarbeit entspricht, sind sowohl in die Luft- als Gasleitung 
nach den Ventilen c { und c 2 Drosselventile bezieh. Hähne eingesetzt, 
welche durch Gestänge mit dem Regulator verbunden sind und von 
diesem entsprechend verstellt werden. 

In den Raum, der von Druckluft erfüllt ist, kann Wasser eingespritzt 
werden, um die in den Auspuffgasen enthaltene Wärme zu binden. Der 
durch die Hitze der Auspuffgase erzeugte Wasserdampf mischt sich mit 
der Arbeitsluft und kommt der Wirkung der Luft bei ihrer Expansion 
im Luftcylinder zu Gute. Erstere treten durch das Rohr m in die Um- 
mautelung des Luftcylinders und geben hier noch den Rest ihrer Wärme 
an die Cy linderwände, welche von innen durch die expaudirende Luft 
stets abgekühlt werden, ab. Auf diese Weise ist ein fast vollkommener 
Wärmeaustausch erreicht. Nebenbei wird aber noch, was sehr wichtig 
ist. die im Gase steckende Explosionsarbeit im Prozesse gewonnen. — 

Gröfsere Druckluftanlagen sind beabsichtigt in Rixdorf- Berlin, 
Dresden uud Görlitz, in Süddeutschland ferner in Würzburg, Bamberg. 
Fürth und Offenbach. Die Stadt Würzburg, welche etwa 500000 M. 
zur Subvention eines Flofshafens bewilligt hatte, aber den Antrag im 
bayerischen Abgeordnetenhause abgelehnt sah, wünscht den einmal 
bewilligten Kredit als Beitrag zu einer Druckluftanlage und zwar in 
Selbstbetrieb zu verwenden. In Folge dessen würde, falls, wie wahr- 
scheinlich ist. ein Vertrag zu Stande käme, die Gesellschaft Biedinger 
die Ausführung erhalten und. da natürlich 500000 M. für eine solche 
Anlage nicht ausreichen, auch einen grofsen Theil der Kosten mit über- 
nehmen und dann an dem Gewinn theilnehmen. Bereits hat sich in 
Würzburg ein Privatcomite gebildet, das eine rührige Thätigkeit ent- 
faltet und sogar gröfsere Geldmittel aufbringen will. Der Bedarf hat 
bis jetzt schon auf 400 EP festgestellt werden können. — Auch in Bam- 
berg finden Unterhandlungen statt. Die Nachfrage hat bis jetzt ein 
Bedürfuifs für 600 LP Druckluft ergeben. — In Fürth ist der Vertrag 
bereits unterzeichnet, und zwar am 6. Mai vom Magistrat und am 13. 
vom Gemeindecollegium. Nach diesem Vertrag hat die Firma Biedinger 
die Concession für den Betrieb einer von ihr zu erbauenden Druckluft- 
anlage auf 40 Jahre und zwar als Monopol erhalten. Als Maximalpreis 



344 Neue Druckluft-Kraftmaschinen. 

ist ein Satz von 1,20 Pf. für t 1 "" Luft vorgesehen. Nach Abzug einer 
Jahresabgabe von 1 M. für 100 m Rohrlänge ist die Stadt am Gewinne des 
Unternehmens betheiligt, sobald die Verzinsung des herangezogenen 
Kapitals 6 Proc. übersteigt. Vom elften Jahre an kann die Stadt die 
Anlage für den ltJfachen Betrag der reinen Durchschnittsrente käuflich 
erwerben, wobei dieser Preis jedoch niemals unter 15 Proc. über die 
Anlagekosten betragen darf. Angemeldet sind dort schon 2300 EP Druck- 
luft. Fürth, 7 4 Stunde Bahnfahrt von Nürnberg entfernt, gehört zu den 
wichtigsten und bevölkertsten Industrieorten Deutschlands. Ganze Bran- 
chen, wie z. B. Goldschlägerei, Bronzefarben- und Spiegelfabrikation, 
werden fast nur in Fürth gepflegt. Die dort vorhandene Pferdekraft, 
auf den Kopf berechnet, ist neben Mülhausen die höchste in Süd- 
deutschland. Die Anlage mufs spätestens in zwei Jahren beendet sein, 
und so wird diejenige Stadt, welche einst die erste Eisenbahn in Deutsch- 
land hatte, auch in den Besitz der ersten Druckluftanlage kommen. — 
In Offenbach steht mit geringen Unterschieden derselbe Vertrag vor der 
Unterzeichnung. Es wird dort mehr Werth auf die elektrische Be- 
leuchtung gelegt als in Fürth; aufserdem hat die Stadt im Gegensatz 
zu anderen Städten bei einer Verzinsung über 10 Proc. ihren ganzen 
Luftdruckbedarf frei haben wollen, allein die Gesellschaft ist nur auf 
l 1 ., Millionen K.-M. jährlich eingegangen. Angemeldet an Druckluft sind 
dort schon 1000 H\ Die Ausführung der Anlage ist ebenfalls auf 
höchstens zwei Jahre bemessen, allein man wünscht damit bereits bis 
zum nächsten Sommer fertig zu werden, um so den Besuchern der 
elektrischen Ausstellung in Frankfurt Gelegenheit zur Besichtigung zu 
geben. Inzwischen hat die Gesellschaft Riedinger auch wegen Sachsen- 
hausen Schritte gethan. zunächst bei der Berliner Druckluftgesellschaft, 
zu deren Rayon (ehemaliger Norddeutscher Bund) Sachsenhausen ge- 
hört, und als ihr sodann der Ort wirklich überlassen wurde, auch beim 
Frankfurter Magistrat. An diesen hat die Augsburger Gesellschaft das 
Ersuchen gestellt, in ihr Offenbacher Rohrnetz auch Sachsenhausen ein- 
beziehen zu dürfen, da die dortige Industrie dem Anlagesystem geneigt 
sei und weder technische Bedenken entgegenständen, noch voraussicht- 
lich, soweit die Erkundigungen bis jetzt ergeben hätten, irgend ein 
staatlicher Einspruch. Die Entschliefsung steht also nunmehr bei 
Frankfurt, dessen Trennung von Sachsenhausen in diesem Falle, an- 
gesichts der höheren Lage Sachsenhausens, nicht ungünstig wirken würde. 
Für letzteren Ort aber, wo, abgesehen von anderen bedeutenden In- 
dustrien, allein 7 grofse Brauereien betrieben werden, braucht die 
Wichtigkeit einer Druckluftanlage nicht weiter erörtert zu werden. — 
Aus Paris wird gleichzeitig gemeldet, dafs die eingestellten officiellen 
Versuche der neuen grofsen Compressorenanlage [2000 1P) sehr gute 
Resultate ergeben haben. Erstens ist der Kohlenverbrauch geringer 
gewesen, als in dem „Lastenheft 1 * vorgeschrieben, und zweitens ergaben 



Weidknecht's Laufkrahn für Steinblocke von 35' Gewicht. 345 

die Maschinen einen grofsen mechanischen Nutzeileet (0,856), wie er 
bisher noch nicht erreicht wurde. Es sind dies die Compressoren, welche 
die Sockte Cockerill, Seraing, geliefert hat, von deneu einer auf der vor- 
jährigen Ausstellung in Betrieb war und von der internationalen Jury 
mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde. 



F. Weidknecht's Laufkrahn für Steinblöcke von 35 f Gewicht. 

Mit Abbildungen auf Tafel 19. 

In den neuen Hafenaulagen von Vera-Cruz in Mexico wird zum 
Versenken der künstlichen Steinblöcke (Beton) von 4 zu 2 m Länge und 
Breite, l m ,75 Höhe und 35 l Gewicht ein Laufkrahn mit Dampfbetrieb 
verwendet, welcher, von F. Weidknecht in Paris gebaut, nach Revue 
generale, 1889 Bd. 3- Nr. 10 * S. 77, die in Fig. 9 und 10 dargestellte An- 
ordnung zeigt. 

Das aus kastenförmigen Blechträgern zusammengesetzte Krahngerüft 
l>e>teht aus zwei doppelten Längsträgern von 4020 mm Länge und 410 mm 
Höhe, zwei Seitenschilden von 1660 mm Höhe, 3000 Qim Mittelentfernung, 
deren Stützen 2700 mm Mittelentfernung besitzen, über welche zwei Quer- 
träger von 790 mm mittlerer Höhe, 360 mm Gurtbreite und 160 mm Steg- 
weite gelegt sind. Auf diesen sind die Wellenlager für das Windwerk 
angeordnet und während auf der Plattform der Dampfkessel von 18'im 
Heizfläche mit 52 Siederöhren und 9 at Ueberdruck längs eines Quer- 
trägers liegt, sind die Cylinder der Zwillingsdampfmaschine quer dazu, 
getrennt an die äufseren Querbalkenenden verlegt. Bei 200 mm Cylinder- 
durchmesser, 300 Qm Hub und 120 minutlichen Umläufen ergeben die- 
selben 25 effective H\ 

Dieses Krahngerüst ruht auf acht Rädern von 720 mm Durchmesser, 
3 m äufserem Radstand und ebenso viel Spurweite. Von diesen ist je 
das erste und dritte mittels gallescher Ketten zu Triebrädern verkuppelt, 
während die Keilbremse auf die inneren Spurkränze der mittleren Räder 
wirkt. Die mittlere Fahrgeschwindigkeit des Krahngerüstes ist auf 5 km 
die Stunde bemessen. 

Auf die Kurbelwelle der Zwillingsdampfmaschine, welche in drei 
Lagern von 3414 mm äufserer Mittelentfernung läuft und von denen das 
mittlere als Kammlager ausgebildet ist, ist lose eine Triebschnecke a 
(Fig. 9), ein Getriebe b für den Fahrbetrieb und auf einem Längskeil 
laufend zwischen beiden eine doppelte stellbare Zahnkuppehingsmull'e 
geschoben. Der Hebebetrieb wird gewöhnlich mit 30 mm secundlicher 
Geschwindigkeit durch Vermittelung des eben erwähnten Schueckeu- 
triebwerkes a durchgeführt, dessen Rad 770 mni Durchmesser und bei 
80 mm ,6 Theilung 80 Zähne besitzt, und durch zwei Stirnräder gleicher 
Gröi'se von 993 mm Durehmesser. 80 mm Theilung und 38 Zähnen auf eine. 



346 Teleplion-Ein8chalt Vorrichtung füi 

im Gerüstmitte] lagernde Welle, auf welcher die Kettennufsräder sich 
befinden, übertragen. 

Die Steinblöcke werden von zwei Wagebalken mittels Schlingketten 

vom Standplatze gehoben und nach dem Staden. Molo überführt. 

Der Fahrbetrieb wird darch Einstellung der Zahnkuppeluno c in 
das Getriebe 6 eingeleitet und mittels Stirn- und Kettenräder auf die 
Laufrad er übertragen. 

Um da« Durchfahren von Geleiscurven zu ermöglichen, isl jedes 
Kettenrad auf der oberen Welle selbständig ausrückbar. Die Abmes- 
sungen der Stirnräder sind bei 20 bezieh. 36 Zähnen und 65 mm ,5 Thei- 
lung 417 bezieh. 751 mm Durchmesser, jene der Triebkettenräder bei 
18 und 29 Zähnen und 66 [litv - Theilung 37* und 609 mm Durchmesser, wäh- 
rend die Kuppelräder bei gleicher Theilung von 66 nur 17 Zähne er- 
halten. Sämmtlicbe Ausrückkuppelungen sind selbstredend vom Stand- 
plätze des Maschinisten aus durch Hebelgestänge zu bethätigen. Pr. 



Deckert und Horuolkas Telephon-Einschaltvorrichtimg 
für Eisenbahn-Wächterhäuser. 

Mit Abbildungen auf Tafel 20. 

Mittels der unterm 8. März 1890 für Deckert und Homolka in Wien 
in Kl. 21 für Oesterreich- Ungarn pateutirten Einschaltvorrichtung läfst 
sich in einfacher und bequemer Weise ein von dem Zugführer eines 
Eisenbahnzuges mitgebrachtes Telephon und Mikrophon, behufs Ver- 
ständigung von einem Wächterhause aus nach den benachbaiteu Bahn- 
stationen, oder von einem Wächterhause aus zu irgend einem anderen, 
in eine Läutewerksleitung einschalten. 

Fig. 19 zeigt die schematische Verbindung des Einschalten S. Der 
Strom der Signalleitung kommt bei L an, geht über die Klemme b des 
Läutewerksausschalters A durch die Windungen des in den Draht </. <l l 
eingeschalteten Elektromagnetes des Läutewerks und dann nach der 
Klemme a des Ausschalters, von hier nach dem Contactpunkt co und 
im normalen Zustande über die Feder /", die gewöhnlich auf c aufliegt, 
nach der Klemme y I in die Leitung L { weiter. 

Soll jedoch das Telephon und Mikrophon eingeschaltet uud ge- 
sprochen werden, so wird der Doppelstöpsel P bis zum Anschlag in 
das Loch des Einschalten S gesteckt. In diesem Falle ist, wie in Fig. 19, 
die Contactfeder /" von c abgehoben und der Strom nimmt folgenden 
Lauf: 

Von der Leitung L, über die Platte b des Ausschalters .4 nach der 
Platte h von 5, über die Stöpselhälfte e des Stöpsels P und von }> aus 
nach der Platte und dem Kohlenklotze des Mikrophons, durch die 



Telephon-Einsehaltvorrichtung für Eisenbahn-Wächterhäuser. : : >4, 

zwischen p und p { eingeschaltete primäre Wickelung des luductors iu 
die Stöpselhälfte e,, über die Platte /; und das Stück y I weiter nach L,. 

In diesem Falle sind die Elektromagnet wind imgen des Läutewerks 
ausgeschaltet und der Strom der beiden benachbarten Statiousbatterien 
erregt die primäre Spirale des Mikrophoninductors. dessen secundäre 
Spirale ihre inducirten Ströme durch die Elektromagnetwickelung des 
Telephons sendet. 

Fig. 20 zeigt den Einschalter in einem festen eichenen Kästchen K 
mit Plomben verschlufs r, v { : D ist der Deckel des offenen Kästchens, 
welches mittels zweier durch die Löcher u. u gesteckter Holzschrauben 
an den Läutewerkskasten augeschraubt wird: h und k sind zwei mit 
einem Loche versehene halbkreisförmige Metallplatten, welche mit Holz- 
schrauben am Boden des Kästchens befestigt werden. Die zweite A- 
trägt einen Ansatzkörner, der mit seiner kegelförmigen Spitze in das 
runde Loch der Platten hineinragt, wie es der Durchschnitt (Fig. 21 i 
sehen läfst. 

Dieser Körner wird durch die Feder n stets nach dem Loche hin- 
gedrückt, er hat in eine Vertiefuug des Doppelstöpsels P einzuschnappen 
und diesen so vor dem Hinausdrängen aus dem Loche der Platten kji durch 
die Feder f zu schützen. Die Platte y trägt die Contactfeder f und die 
Verbindungsschraube'/, die zugleich mit k in leitender Verbindung i.-t: 
die Contactplatte c trägt einen Platincontact, welcher der Feder f gegen- 
übersteht, und eine Verbindungsschraube o. Ferner besitzt die Platte /> 
die Verbinduugsschraube i, deren Zweck aus Fig. 19 ersichtlich wird. 

Fig. 22 zeigt den Doppelstöpsel im Längenschnitt und in der Längs- 
ansicht. 

In einem Hefte g von isolirender Masse sind die beiden durch ein 
isolirendes Stück i von einander getrennten Metallplatten e und e { 
mittels der Schrauben rr { befestigt. Das Stück i ragt sowohl nach 
oben als auch seitlich vor den Platten e und e { hervor. Der oben her- 
vorragende Theil hebt beim Hineinstecken des Stöpsels in das Loch die 
Feder f vom Contact c ab, während die seitlichen Vorsprünge das Ein- 
stecken des Stöpsels nur in zwei Lagen gestatten. Die Oesen p und ]\ 
dienen zur Aufnahme einer doppelten, zum Mikrophon und Inductor 
führenden leonischen Schnur. 

Die Handhabung des Einschalters erfolgt so: falls ein Zug auf der 
Strecke liegen bleibt, so nimmt der Zugführer das in einem Kästehen 
befindliche Mikrophon sammt dem an der Doppelschnur hängenden 
Stöpsel P zum nächsten Wächterhause mit, dort gibt er am Läutewerk 
mit dein Läutetaster das Zeichen: »Zug liegt auf der Strecke", dann 
befreit er das dort befindliche Kästchen K von der Plombe und öffnet 
es, worauf er den Stöpsel P in das Loch der Platten k und h bis zum 
Ansatz steckt. 

Da obises Streckeuzeichen für den Stationsbeamten die Aufforderung 



348 Benutzung derselben Telegraphenleitung durch mehrere Personenpaare 

enthalt, auch sein Mikrophon einzuschalten, so kann «las Sprechen nach 
dem gewohnten Anruf erfolgen. 

Es können mittels solcher Einschal ter und zweier Apparatsätze 
ganz bequem auch zwei Wächterhäuser zum Sprechen mit einander 
verbunden werden. 



Delany's Einrichtung zur abwechselnden Benutzung der- 
selben Telegraphenleitung durch mehrere Personenpaare. 

Mit Abbildungen ;iul Talel 20. 

In Amerika macht sich in ständigem Wachsen das Bedürfnifs fühl- 
bar, dafs Personen, welche in verschiedenen Städten wohnen, in geeig- 
neter Weise in unmittelbare telegraphische Verbindung mit einander 
gebracht werden, damit sie zu jeder Zeit rasch in Verkehr mit einander 
treten können. Wenn nun zur Befriedigung des vorhandenen Bedürfnisses 
besondere Privatlinien gebaut werden , so erweist sich der Betrieb der- 
selben als sehr kostspielig, wenn an jedem Ende einer jeden Leitung 
nur eine Person mit dieser Leitung verbunden werden kann. Deshalb 
sah man sich dazu gedrängt, dieselbe Leitung für mehrere Personen 
verfügbar zu machen und hat bereits mehrfach Einrichtungen getroffen, 
welche sich der mehrfachen Telegraphie anschliefsen. So hat D. H. Downer 
dazu eine Verwendung des Doppelgegensprechens vorgeschlagen \ und 
auch der Elektriker H. G. Brown der Standard Multiplex Telegraph 
Company, welche mit der Ausführung der Delamf sehen mehrfachen 
Telegraphen betraut ist, hat zwei verschiedene Anordnungen dazu an- 
gegeben'^; die eine derselben ist eine Erweiterung der absatzweisen Tele- 
graphie und es wird bei ihr aus der Hauptlinie in die aus deren Endämtern 
abgehenden und beliebig viele Telegraphenstellen enthaltenden Zweig- 
leitungen mit Uebertragung gearbeitet. Neuerdings hat ferner P. ß. Detany 
einen wesentlich anderen Weg bei einer sowohl für Telegraphen, wie 
für Telephonanlagen bestimmten Anordnung eingeschlagen, welche er 
kürzlich in Amerika hat pateniiren lassen. In dieser Anordnung, welche 
in dem am 30. Juli 1890 ausgegebenen Hefte des in New York erschei- 
nenden Electrica! Engineer, 1890 Bd. 10 *S. 109, beschrieben ist und 
geeignet erscheint, in vortheilhafter Weise die Handumschalter zu ersetzen, 
zu denen die Long Distance Telephone Company in ähnlichen Fällen 
ihre Zuflucht genommen hatte, kann man ebenfalls eine eigenartige 
Durchführung der absatzweisen Vielfachtelegraphie finden, insofern die 
Leitung selbsttätig in regelmäßiger Abwechselung einer Anzahl von 
Personen auf eine bestimmte Zeil zugewiesen und zu beliebiger Be- 
nutzung überlassen wird; die Länge dieser Zeiten aber, auf welche 

1 Vgl. auch Marer und Huris. The. Quadrupler. New York 18N.V'S. L05. 
-' Vgl. Lumiere Eltetrique, 1881 Bd. 23*S. 391 und Bd. 25 * S. 290. 



Benutzung derselben Telegraphenleitung durch mehrere Personenpaare. 349 

die Leitung den einzelnen Personenpaaren zur Verfügung gestellt wird, 
ist aber wesentlich gröfser, als sie sonst bei den Vielfachtelegraphen zu 
sein pflegt, und sie braucht auch nicht bei den verschiedenen Paaren 
die nämliche zu sein. 

Diese Anordnung bildet in gewissem Sinne ein von einer Uhr in 
Gang erhaltenes selbsthätiges Umschalterpaar, durch welches mittels 
einer Leitung die einzelnen Personenpaare nicht beständig, sondern in 
jeder Stunde des Tages der Reihe nach einmal oder auch mehrmals 
auf eine bestimmte Anzahl von Minuten in telegraphische Verbindung 
mit einander gesetzt werden. Ist z. B. eine Leitung zwischen New York 
und Boston vorhanden, so kann sich irgend eine Person in New York 
gegen eine bestimmte jährliche, verhälfnif'smäfsig niedrige Miethe stünd- 
lich auf 5 Minuten mit einer Person in Boston verbinden lassen, ein 
anderes Paar etwa auf 10 Minuten stündlich, oder auf 5 Minuten in jeder 
halben Stunde u. s. f. bis die Leitung auf die volle Zeit vergeben ist. 
Beamte zur Bedienung des Umschalters werden nicht gebraucht, die 
Umschaltung aber erfolgt dabei regelmäfsiger, weil die Uhren alle Stunden 
von selbst richtig gestellt werden. Die Uhren liegen nur während der 
einen Minute, in welcher ihre Regulirung zu erfolgen hat. in der Leitung: 
es sind daher keine sich bewegenden und kratzenden Contacte vorhanden, 
und die Uhren werden von Leitungsstörungen nicht beeinflufst. 

Die Leitung L (Fig. 23u.24) legt Defany in deren beiden Endämtern A 
und B mittels einer Schleiffeder an die Achsen der Contaetarme zweier 
Vertheiler F, und F 2 , welche in ihrer sonstigen Einrichtung ganz den 
in der Vielfachtelegraphie gebräuchlichen gleichen und deshalb in den 
Figuren nicht angedeutet sind. Jeder Vertheiler enthält 12 gleiche 
Contactplatten. welche mit den Apparatsätzen von 12 Theilnehmern 
verbunden werden können: jedem Apparatsatze wird dann die Leitung 
in jeder Stunde auf 5 Minuten zur Verfügung gestellt: die Minute, welche 
zur Uhrenregulirung erforderlich ist, kann von der Zeit des ersten, oder 
des letzten Apparatsatzes in Abgang gebracht werden unter entsprechender 
Ermäfsigung der Miethgebühr. Sind weniger als 12 Theilnehmer vor- 
handen, so können einzelnen mehr als eine Contactplatte zugewiesen 
werden. Für sämmtliche Sätze ist der Betrieb mit amerikanischem 
Ruhestrom gewählt: in den vom Ankerhebel des Relais zu schliefsenden 
Lokalstromkreis kann mittels eines gewöhnlichen Kurbelumschalters der 
Klopfer oder eine Rasselklingel eingeschaltet werden, welch letztere 
den Theilnehmer sofort benachrichtigt, wenn die Leitung ihm zugewiesen 
wird. Die Batterie wird in den beiden Endämteru zu gleichen Theilen 
aufgestellt. 

Wegen ihrer Mitbenutzung für die Uhrenregulirung darf jedoch die 
Leitung L nicht unmittelbar an die Contaetarme geführt werden. In 
dem die Correctionsströme empfangenden Amte A (Fig. 23) wird sie an 
die Achse des Ankerhebels // eines gewöhnlichen Relais /?, gelegt: der 



350 Benutzung derselben Telegraphenleitung durch mehrere Personenpaare. 

Batterietheil wird in den von der Ruhecontactschraube r des Relais nach 
der Achse des Vertheilerarmes führenden Drahl x eingeschaltet, von 
der Arbeitscontactschraube " dagegen führt ein Droht c durch die Hollen 
eines polarisirten Relais p zur Erde. In dem die Correetionsströme ent- 
sendenden Amte B (Fig. 24) hat der Ankerhebel k des gewöhnlichen 
Relais li, zugleich die Rolle eines Stromwenders für den dort aufge- 
stellten Theil B der Linienbatterie zu spielen, daher ist die Linie L an 
einen isolirten Theil i gelegt, welcher abwechselnd die eine und die 
andere der beiden mit den Polen von li verbundenen Federn v und u 
v.m dem Contactstücke s abhebt; auch die Achse von k liegt nicht un- 
veränderlich an Erde, sondern sie kann von der Ruhecontactschraube <j 
aus durch den Draht y mit der Achse des Vertheilerarmes in Verbindung 
treten, während von der Arbeitscontactschraube f aus der Draht e einen 
Weg unmittelbar zur Erde eröffnet; bei ruhendem Ankerhebel ist der 
Batterietheil' in B gleichsinnig mit dem in A befindlichen geschaltet und 
dabei spricht das Relais p nicht auf ihren Strom an, l'alls demselben 
etwa von /?, der Weg durch die Rollen von ;; eröffnet wurde, weil der 
Strom jetzt in gleichem Sinne mit der Abreifsfeder auf den Anker wirkt. 

Die Contactarme von V { und V 2 sind nun aber nicht in stetiger 
Bewegung, sondern sie bewegen sich sprungweise und beide zugleich 
auf das nächste Contactplattenpaar, stets nach Ablauf von 5 Minuten. 
Deshalb ist auf die Achse eines jeden Armes ein sechszähniges Steigrad 
aufgesteckt, auf welches die beiden Gabelzinken am Ende des Anker- 
hebels eines polarisirten Relais P { bezieh. P 2 abwechselnd verschiebend 
wirken, wenn die Stromrichtung in den Rollen der Relais sich ändert. 
Den Wechsel der Stromrichtung veranlassen die Contactarme zweier 
selbstbätiger Umschalter /7, und 6^, welche Vertheilern ähneln. Die 
Achse jedes Contactarmes ist durch die Rollen des Relais /* ( , bezieh. P z 
hindurch mit den ungleichen Polen zweier Lokalbatterien verbunden: 
der von der Uhr in regelmäfsiger Bewegung erhaltene Coutactarm trägt 
an seinem freien Ende eine Contactfeder und schleift mit dieser auf einer 
Contactscheibe hin, welche in bekannter Weise aus zwei gegen einander 
isolirten runden Metallplatten so hergestellt ist, dafs die 6 gleichen Vor- 
sprünge am Umfange der inneren Platte in 6 Ausschnitte der äufseren 
Platte hineingreifen und umgekehrt; die eine Platte ist mit dem freien 
Pole der einen, dje andere mit dem der anderen Lokalbatterie verbunden. 
Da nun die Uhr den Contactarm in jeder Stunde eine volle Umdrehung 
machen läfst und die Vorspränge und Ausschnitte der Platten gleich 
grofs sind, so wird die Richtung des Lokalstromes jedesmal nach Ver- 
lauf von 5 Minuten umgekehrt und dadurch das nächste Apparatsatzpa;ir 
an die Leitung L gelegt. 

Es bleibt nun nur noch übrig, die Durchführung der Uhrenreguliruug 
zu beschreiben. In die Contactscheibe von U l in A ist für die Regulirung 
noch eine isolirte Correctionsplatte eingelegt, welche so breit ist, dafs 



Lüftungsanlagen im Anschlüsse an die gebräuchlichen Heizungssysteme. 351 

der Contaetarm sie in 1 Minute überstreicht; dieselbe liegt im Strom- 
kreise n n und ist durch die Rollen des Relais R { und eine Lokalbatterie 
hindurch mit der Schleiffeder des genannten Contactarmes verbunden; 
am Ende jeder Stunde legt also der über die Correetionsplatte gehende 
Contaetarm von i\ durch das Relais H x die Leitung L über a und c an 
das Relais />, unter Ausschaltung des in A vorhandenen, in x liegenden 
Theiles der Linienbatterie. Solange nun der Batterietheil in B noch 
einen Strom von der Richtung der Telegraphirströme liefert, spricht p nicht 
an: wenn dagegen dieser Linienbatterietheil durch das Ansprechen des 
Relais #., umgeschaltet wird, zieht /) seinen Anker an die Arbeitsconlact- 
schraube heran und schliefst dadurch eine andere Lokalbatterie durch 
die Rollen eines Elektromagnetes M. Der Ankerhebel dieses Elektro- 
magnetes tragt aber ein keilförmiges Stück, welches beim Anziehen des 
Ankers nach oben bewegt wird und in einen ihm entsprechenden keil- 
förmigen Ausschnitt in einem auf die Achse des Contactarmes von U v 
aulge.-teekten Armes eintritt und dadurch den Contaetarm genau auf 
die Mitte der Correetionsplatte einstellt, sofern er zur Zeit nicht schon 
genau in der Mitte steht. In die Contactscheibe des in B befindlichen 
Umschalters U, ist an der Stelle, welche der Correetionsplatte in U l 
entspricht, eine isolirende Platte eingesetzt: dieselbe besitzt aber genau 
in ihrer Mitte eine schmale, von dem Contactarme in etwa 5 Secunden 
überstrichene Metallplatte, mittels deren der Contaetarm eine Lokalbatterie 
in dem Stromkreise : ; und durch die Rollen von /?., zu schliefsen ver- 
mag, und es wird also, während dies geschieht, der Linienbatterietheil 
B im Amte B umgeschaltet und ein Correctionsstrom nach A entsendet, 
woselbst daher /) durch M die Stellung des Contactarmes von U { zu 
berichtigen vermag, sofern derselbe nicht über eine halbe Minute vor 
jenem von C 2 vorausgeeilt, oder hinter ihm zurückgeblieben ist. 



Lüftungsanlagen im Anschlüsse an die gebräuchlichen 
Heizungssystenie und eine kritische Beleuchtung dieser 

letzteren. 

(Eine Artikelfolge von F. H. Haase^ gepr. Civilingenieur. Patentanwalt in Berlin.) 

(.Fortsetzung des Berichtes Bd. 277 S. 597.) 

Mit Abbildungen. 

III. Allgemeines über Drucklüftung. 
Wenn die Frischluft unter Druck in die zu lüftenden Räume ein- 
geführt wird, so gelten bezüglich der Lage der Zuströmungs- und Abzugs- 
öffnungen der Luft in den Räumen unter sonst gleichen Verhältnissen 
die gleichen Bestimmungen wie bei der Zuglüftung, und nur in aufser- 



852 Lüftungsanlagen im Anschlüsse an die gebräuchlichen Heizungssysteme. 

gewöhnlichen Fallen von der Art. wie sie unter 1. als der Drucklüftung 
unbedingl benöthigend bezeichnet wurden, müssen andere — den an 
derselben Stelle gemachten Erörterungen entsprechende — Mafsnahmen 
platzgreifen. 

Auch die bei Besprechung der Zuglilftung unter 11. im Falle der 
Einführung von Frischluft durch in der Nähe des Fufsbodens befind- 
liche, direkt ins Freie führende Oeffnungen als oothwendig bezeich- 
neten Vorkehrungen sind bei Drucklüftung empfehlenswertb und immer 
oothwendig, wenn die Druckluft mit verhältuil'smäfsig grofser Geschwin- 
digkeit in der Nähe des Fufsbodens in die Räume eingeführt wird, und 
zwar nicht allein wegen der hierbei unangenehmen Empfindung eines 
Windstromes seitens in der Nähe der Einmündungen befindlicher Per- 
sonen, sondern auch wegen der damit verbundenen Staubaufwirbelung, 
welche unter Umständen einen sehr schädlichen Einflufs auf die Gesund- 
heit der in den Räumen befindlichen Personen und Thiere haben kann, so 
dafs die Lüftung aus einem Hilfsmittel zur Luftverbesserung zu einem 
Luft Verschlechterungsmittel wird. 

Der gleiche Uebelstand kann allerdings auch bei Zugluftanlagen 
eintreten, wenn bei solchen die Zuströmungsöffnungen nicht weit genug 
gewählt sind: indessen wählt man dieselben hier im Allgemeinen schon 
mit Rücksicht auf möglichst gute Wirkung der saugende