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Full text of "D'r Hoflieferant : elsässische Komödie in 3 Aufzügen"

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PT 2639.T68H6 1906 
Hoflieferant : 




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Eisässische Komödie 
in 3 fiufzikjen von 

Q. STOSKOPf 



Schiester & SchW$&'urrf 
5irassburg $ •■;/, V'ü< 



D'r Hoflieferant 



Im Verlage von Schlesier & Seh w eikhar dt,. Strassburg, 
erschienen in Strassburger Mundart von 

G. STOSKOPF 

D'R HERR MAIRE 

Lustspiel in 3 Akten. 9. Auflage. 1904. Mk. —.60. 
Mit einer Deckenzeichnung von E. Schneider. 

D'R OANDIDAT 

Lustspiel in 3 Akten. 3. Auflage. 1900. Mk. 2.—. 
Mit einer Deckenzeichnung von P. Braunagel. 

DTARISER REIS 

Schwank in 3 Akten. 3. Auflage. 1901. Mk. 2.—. 

Mit einer Deckenzeichnung von L. Schnug. 

D' MILLIONEP ARTIE 

Schwank in 3 Akten. 1901. Mk. 2.—. 
Mit einer Deckenzeichnung von P. Braunagel. 

D'R PROPHET 

Drama in 5 Aufzügen. 1902. Mk. 2.—. 

E DEMONSTRATION 

Elsässische Komödie in 3 Akten. 3. Tausend. 1904. Mk, 1. — . 
Mit einer Deckenzeichnung von P. Braunagel. 

D'R VERBOTTE FAHNE 

Elsässische Komödie in 3 Aufzügen. 
Mit zweifarbigem Umschlag. 2. Auflage. 1905. Mk. 1.50. 

D'R HOFLIEFERANT 

Elsässische Komödie in 3 Aufzügen. 1906. Mk. 1.50. 

^ E DIPLOMAT — E MORDSAFFÄR 

2 Lustspiele in je einem Aufzuge. 1906. Mk. 1.—. 
Mit 7 Illustrationen von P. Braunagel. 

GEDICHTE 

Neue Gesamtausgabe von LUSCHTIGS ÜS'M ELSASS und 

GSCHPASS UN ERNSCHT. 

Mit 57 Abbildungen der ersten elsässischen Künstler. 

2. Auflage. 1905. Mk. 1.80; geb. Mk. 2.50. 

ABENDGLOCKEN 

Oper in 2 Aufzügen. Musik v. M. J. Erb. 2. Aufl. 1901. Mk. —.50. 

Mit einer Deckenzeichnung von Ch. Spindler. 

J. GREBER und G. STOSKOPF 

D'HEIMET 

Elsässisches Volksstück in 3 Akten. 2. Auflage. 1901. Mk. 2.— 
Mit einer Ueckenzeichnung von H. Loux. 



Alsatica-Yerlag Schlesier & Schweikhardt, Strassburg. 



D'r Hoflieferant 



ELSÄSSISCHE KOMÖDIE 
IN 3 AUFZÜGEN VON o£ 

G. STOSKOPF 

o o 2. AUFLAGE o o 



JYlan findt nit einerley sondern mancher- 
ley Volck in diesem Landt. Aus Schwaben, 
Beyern, Burgund und Lothringen lauffen 
sie dareyn und kommen selten wider 
darauss. ooooooooo 
o o Sebastian Münster, Kosmographie, Eis. 




Schlesier & Schweikhardt 
Strassburg o o o o 1906 



Von der ersten Auflage dieses Werkes wurden 
10 Exemplare auf echtem Büttenpapier gedruckt 
und in der Presse numeriert. 

Preis: M. 8.— 



J)em 

jfndenken meines Vaters 






Alle Rechte, besonders das der Aufführung und 
Übersetzung, vorbehalten. 

G. STOSKOPF. 



Personen. 



Besetzung der Rollen bei 
der Erstaufführung. 

Fritz Grinsinger, Konservenfabrikant Adolf Hör seh. 

Caroline Grinsinger, seine Frau Eugenie Criqui. 

Jeannette Grinsinger ) ( . . Charlotte Bode. 

. \ Kinder der beiden < «..«., 

Lisa Grinsinger ) ( . . Noemie Hornecker. 

Auguste Grinsinger, cand. med Josef Dietrich. 

Georges Ehr stein, cand. med Otto Hummel. 

Charles Durand, Sekretär der Friedensliga in Paris, 

Neffe Fritz Grinsingers Hermann Günther. 

D r Kneppchen, Professor der Anthropologie. . . Eugen Criqui. 

Hans Grinsinger, Rentner, früherer Wurstfabri- 
kant in Leipzig Karl Neubert. 

Karl Gauthier, Beamter, Präsident des Sachsen- 
bundes und Mitglied patriotischer Vereine . . Georg Maurer. 

Olga Gauthier, stud. phil., dessen Tochter . . . Susi Meyer. 

Riemer, Präsident der Fanfare Alsacienne .... Adolf Wolff. 

Le baron de Rose, Sohn des Chef-Redakteurs des 

Reveil National in Paris Ernest Weill. 

Marie, Magd bei Fritz Grinsinger • Anna Low. 

Ein Diener Gustav Schulet- **" 

Ein Gendarm Josef Mach. 

Ein Mitglied des Sachsenbundes Georg Poppe. 

Ein Mitglied der Fanfare Otto Pulvermüller. 

Mitglieder des Sachsenbundes und der Fanfare Alsacienne. 

Ort der Handlung: 

I. und II. Aufzug in der Villa des Herrn Fritz Grinsinger in Strassburg, 

III. Aufzug in dessen Landhaus im Barrer Tal. 

Zeit: Um 1900. 



eJ5 



Crstaufführung im Strassburger Stadttheater 

am ßontag, den 27. ßovember 1905. 
Artistische Leitung: LEO ACKERMANN. 



I. Aufzug. 



Der erste Aufzug spielt in einem reich möblierten Empfangs- 
zimmer der Villa Grinsingers. Hinten in der Mitte eine grosse 
Doppeltür, links und rechts im Hintergrund Türen, im Vordergrund 
rechts ein Fenster. Wenn der Vorhang in die Höhe geht, sitzt 
Lisa Grinsinger, ein junges, hübsches Mädchen auf einem Stuhl im 
Vordergrund des Zimmers, ihr Bruder Auguste nimmt mit einem 
Bandmeter anthropometrische Messungen ihres Kopfes vor. Auguste 
macht einen etwas pedantischen Eindruck, er ist sehr kurzsichtig 
und trägt eine Brille. Sein Dialekt ist stark mit deutschen Wen- 
dungen durchsetzt. Georges Ehrstein, hübsche jugendliche Erscheinung, 
notiert die Zahlen, die Auguste ihm angibt. Jeannette die Schwester 
Lisas folgt der Messung mit Interesse und verwendet keinen Blick 
von Georges Ehrstein. Hinter dem Rücken Lisas und Augustes 
werfen sie sich ab und zu verstohlene Kusshändchen zu. 



Auguste (misst und schaut nach dem Metermass) : Sagittal- 
umfang, fünfunddreissig Centimeter. Stimmt ganz 
genau mit d'r Uffzeichnung, wie m'r 's letscht schun 
gemacht han. 

Ehr st ein (notierend): Sagittalumfang, fünfunddreissig 
Centimeter. 

Auguste (steckt das Metermass ein und zieht aus der 
hinteren Tasche seines Gehrockes ein Metermass her- 
vor, wie es von den Schuhmachern beim Massnehmen 
der Schuhe benützt wird) : Jetzt welle m'r doch noch 
emol d'Breite nochmesse, m'r kann nit exakt genue 
sin, wäje de Berechnunge. (misst) 

Auguste (genau das Mass ablesend): Breite, vierzehn 
Komma sieben. 

Ehr st ein (notierend): Breite, vierzehn Komma sieben. 



— 10 — 

Auguste: M'r kann saaue, was m'r will, die anthropo- 
logisch Wisseschaft ischeinivun de-n-interessantschte, 
wie's giebt. 

Jeannette: C'est vrai, ohne die Untersuechunge vun 
de Köpf vun unserer Fameli, ze wüsste mir's hytt 
noch nit, wie d'Fameli Grinsinger herestammt. 

Lisa: E grossi Fraid wurd d'r papa küm han, wenn'r 
vun sinere Reis nooch Paris zeruckkummt, unn mir 
ihm saaue wäre, dass d'r Professor Kneppchen erüs- 
gedüeftelt hett, dass im papa sini Eltre üs Sachse 
sin gsin. 

Auguste: Fraid hin oder Fraid here. In d'r Wisse- 
schaft kann m'r uff so Kleinigkeite kenn Rucksicht 
nemme. — So unn jetzt welle m'r noch emol genau 
d'Länge revidiere, (setzt das Mass an) Länge, sech- 
zehn Komma zwei. 

Ehrst ein (notierend): Länge, sechzehn Komma zwei. 

Auguste: So, nun jetzt noch d' Jochbreite . . (setzt das 
Mass an). 

Fritz Grinsinger (tritt durch die Mitteltüre ein. Er 
trägt Reisekostüm, und hat eine leichte Reisetasche 
in der Hand. Er bleibt einen Augenblick still stehen) : 
Nom dun petit bonhomme, als noch nit ferti mit dere 
Kopfmesserej ? 

Jeannette (auf Fritz Grinsinger zu und ihn umarmend): 
Bonjour papa. 

Auguste: A V instant papa. (schaut das Metermass 
nach) Jochbreite, zwölf Komma vier Centimeter. 

Ehr st ein (notierend); Jochbreite, zwölf Komma vier 
Centimeter. 

Auguste (auf Fritz Grinsinger zu): Bonjour papa! 

Lisa (nachdem sie ihren Papa umarmt hat): Wie 
kummts papa, dass du so unverhofft kummsch? 



— 11 — 

Fritz Grinsinger: Ja, ich war au erseht Morje 
kumme, awwer do hawich im letschte Moment erfahre, 
dass d'r Schah vun Persie mit dem Zug fahrt, wie 
ich hytt g' fahre bin, unn die Pläsier unn die Ehr, 
im nämliche Zug ze reise wie d'r Schah vun Persie 
hawich m'r nit welle nemme Ion. (mit Stolz) Monsieur 
Fritz Orinsinger fabricant de conserves a voyage 
avec le Shah de Ferse ! 

Auguste: Papa, du erlaubsch, dass ich d'r mine Kolleg 
Georges Ehrstein vorstell. (Ehrstein verneigt sich), 
wie im Herr Professor Dr. Kneppchen unn mir arrig 
an d'Hand gange-n-isch bie d'r anthropologische 
Messunge. 

Fritz Grinsinger: So, Sie gän sich au mit so Plan 
ab? 

Auguste: Awwer Babbe, wie du so vun ernschte 
wisseschaftliche Untersuechunge redde kannsch! 

Fritz Grinsinger: Ei, s'isch au wohr. Ich hab ge- 
meint, dass wenn ich vun minere Pariser Reis zeruck 
kumm, dass die Kopfmesserej e-n-End wurd han. 
Für so ebs hawich dich doch nit Dokter wäre Ion, 
for dass du dini Zytt zuebringsch de Lytte d'Köpf 
ze messe! — Wenn ich m'r so ebs gedenkt hätt, ze 
hätt ich dich e gottsnamme Huetmacher wäre Ion; 
dini Studie warte mich viel billiger kumme. 

Auguste: Diss verstehsch du ewwe nit papal 

Fritz Grinsinger: Ei alle wäj ! Woher soll ich's ver- 
stehn?! — M'r hett jo nie nix vun dir unn vum 
Professor Kneppchen erfahre könne, wäje was dass'r 
Gott unn d'r Welt d'Köpf vermesse! 

Auguste: Eh bien, in d'r Wisseschaft ruckt m'r ererscht 
mit d'r Sprooch erüs, zue wellem Zweck m'r e For- 
schung macht, wenn m'r e griff bars Resultat erzielt hett. 



12 



Fritz Grinsinger: Ehbien, hanVs jetzt diss griff bar 

Resultat? Ich mein es war höchsti Zytt! 
Ehrstein: Ja, mir sin so witt. 
Fritz Grinsinger: So?, diss wundert mi. — 
Auguste: Ja, papa, for dass dü's weisch um was 

dass's sich handelt, d'r Professor Kneppchen will e 

Werik schriewe vun ere grosse, wittrauende Bedyttung. 

Er will d' Legende vun de Rasse zerstöre. 
Fritz Grinsinger: Ah?! Was sin jetzt diss widder 

for Plan? — 
Auguste: Er will bewiese, oder vielmehr sini Tabelle 

bewiese's, dass d'Häleft vun de Ditsche Brachicephale 

also Gallier sin! 
Fritz Grinsinger: Ohü! Diss klingt m'r zue gelehrt ! 
Auguste: Unn d'Häleft vun de Franzose Dolichocephale, 

diss heisst Germane sin. 
Fritz Grinsinger: Ah? — 
Auguste: In andere Worte-n-üsge druckt heisst diss, 

dass d'Häleft vun de Ditsche Franzose, unn d'Häleft 

vun de Franzose Ditschi sin. 
Ehrstein: So isch's. 
Fritz Grinsinger (bricht in schallende Heiterkeit 

aus): Was, d'Häleft vun de Ditsche solle Franzose 

und d'Häleft vun de Franzose Ditschi sin?! 
Ehr stein: So isch's. 
Auguste: Ja, papa. 
Fritz Grinsinger: Jetzt glauwich awwer doch ball, 

dass'r e Käfer do owwe-n-im Plafond han! (lacht 

wieder) nein, diss isch jetzt emol zue einfältig! 
Auguste: Do isch nix ze lache, wenn d'r Professor 

sin Buech do drüewwer erüsgitt, ze wurd'r sicher 's 

gröscht Uffsehn's d'rmit mache! 



— 13 — 

Fritz Grinsinger: Diss will i glauwe, dass diss Buech 
succes wurd han ! Bsunders, wenn'r mit warte bis an 
d'r Fasenacht, do wäre-n-r e Bumbegschäft mit mache ! 
(lacht wieder.) 

Olga (Typus einer Studentin kommt mit einer Mappe 
unter dem Arm von rechts) : Pardon, wenn ich derangier. 

Auguste: Sie derangiere nit im geringschte. 

Olga: Sie solle, wenn Sie so guet welle sin, nuff zuem 
Professor kumme uff sin Zimmer. 

Fritz Grinsinger (für sich): Ah, was, der isch als 
noch do? — 

Auguste: Im Auesblick (zu Fritz Grinsinger) Tu per- 
mets papa, dass ich dir d 'Mamsell Gauthier vorstell, 
Studentin der Philologie. Sie helft im Professor 
Kneppchen bie d'r Abfassung vunn sim Werik. 

Olga: D'r Herr Professor diktiert unn ich stenographier. 

Fritz Grinsinger: Gauthier heisse Sie ? Sin Sie ebbe 
in Famili mit'm Herr Gauthier, capitaine enretraite? . . 

Olga: Nein, minner Babbe isch Beamter unn isch e ge- 
borener Sachs, er isch meme Präsident vum Sachse- 
bund. Ej entlich heisse m'r Gauthier, awwer'sisch 
so e fuerichter Namme. 

Fritz Grinsinger: Gauthier! En effet! — Ja, awer 
Sie redde jo elsässisch, wie am Schnürel. 

Olga: Ja, ich bin au im Elsass gebore unn uffgewachse, 
ich bin Elsässere unn füehl mich au ganz als Elsässere. 

Fritz Grinsinger (enttäuscht): Ah, zellewäj. 

Olga: Ja, Sie exküsiere, ich bin arig pressiert, ich 
muess heim, (verabschiedet sich. Ab.) 

Auguste: Ja, unn mir welle nuff zuem Professor! (ab 
mit Ehrstein nach rechts.) 



— 14 — 

Fritz Grinsinger (für sich) : Die Nundedie's Schwowe ! 
Küm sin sie do im Ländel, ze sin sie schon ganz do 
d'heim! Am Heimweh isch noch keiner gstorwe! 

Fritz Grinsinger (zu Lisa): Also d'r Professor 

Kneppchen isch als noch do? — 
Lisa: Ja papa, er isch noch do. 
Fritz Grinsinger: Do hett m'r miner Generalvertreter 

in Leipzig minsex e lätze crampon vum e Yetter 

in's Hüs gschickt! Diss isch m'r jetzt emol e lätzi 

Visit. 

Jeannette: Ja, was isch do ze mache, nüsstelle kann 
m'r 'ne doch nit. 

Fritz Grinsinger: Allewäj kann m'r ne nit nüs- 
schmisse, als cousin vun mim Generalvertreter in 
Leipzig, wo mir mini meischte Konserve an d'sächs- 
isch Armee verkauft unn mir versproche hett, d'rfur 
ze sorje, dass ich königlich sächsischer Hoflieferant 
wurr! 

Lisa: Ej na, was reklamiersch no papa? 

Fritz Grinsinger: Ej wer saat denn, dass i reklamier ! 

(für sich) Ich wur awwer doch bigott noch e Wueth 

derfe hann wie e Hüs, dass m'r der nundedie's Schwob 

nimmi zue d'r Kambüs nüs geht! — 
Lisa: Unn roth emol papa, was m'r noch for e Visit 

bekumme han? 
Fritz Grinsinger (ärgerlich): Roth emol! Roth emol! — 

Es isch m'r jetzt nit drum Räthsle ze löse! 
Jeannette: 's isch d'r cousin Durand üs Paris. 
Fritz Grinsinger: Ah? — (für sich) Bon, der Spott- 

vöujel hett m'r grad au noch gfehlt. Ein lätzi Visit 

noch d'r ander. 



— 15 — 

Lisa: Er kummt direkt vun Genf. Er isch uff d'r 
Friddeskonferenz gsin, wi d'ligue de la paix organi- 
siert hett. 

Fritz Grinsinger: Friddeskonferenz! Ligue de la 
paix! Wie m'r sich numme mit so einfältige, dumme 
Lumbedings abgänn kann! 

Jeannette: Er isch ganz ami mit'm Professor Knepp- 
chen, wie sini Ansicht teilt. 

Fritz G r i n s i n g e r : Kein Wunder ! Zwei Schöüte gän 
halt e Paar! — 

Lisa: Hytt isch'r bie d'r Grossmamme-n-in Kolbse. Er 
hett g'saat dass'r so glüeklich isch, dass'r widder 
emol so recht vun Herze Elsässerditsch babble kann. 

Fritz Grinsinger: Üewerspannti Plan! Ich redd's 
ganz Johr Elsässerditsch, dass ich mich awwer jemols 
extra glüecklich dodurich gfüehlt hab, diss könnt 
i nit bhaupte. 

Lisa: Bie ihm isch's doch ebs andersch, wie'r doch's 
ganz Johr in Paris isch. Diss erinnert 'ne ewwe-n-an 
sinni Kinderjohr, wie'r do im Elsass bie d'r Gross- 
mamme verlebt het. 

Ehr stein (von rechts kommend): Pardon mademois eile 
Jeanne, ich sott ehb dass ich heimgeh notwendi noch 
emol e paar Mess vun Ihrem Kopf noochmesse, wenn 
Sie d'rmit inverstande sin. 

Jeannette: Awwer natierlich Herr Ehrstein. Mit'm 
gröschte Yergnüeje (setzt sich auf einen Stuhl im 
Vordergrund). 

Ehr st ein: Ich saa 'ne vielmol merci (zieht sein Centi- 
metermass aus der Tasche und schickt sich an Masse 
zu nehmen). 

Fritz Grinsinger: Zue verruckt, zue verruckt! 



— 16 — 

Ehr st ein: Breite vierzeh Komma fünf, stimmt, (setzt 
das Mass wieder an). 

Fritz Grinsinger: Ich kann e Gottsnamme denne 
Larifari nimmi ansehn (nach links abgehend) zue 
verruckt, zue verruckt! 

Lisa (schelmisch lachend): Jeannette un ich will d'r 
Mamme telephoniere, dass sie heimekummt. (abgehend 
nach links) Sie wäre nix d'rgeje han! 

Ehrstein (Lisa nachsehend): Bravs Seh wester] e! — 
(küsst Jeannette) Jeannette! 

Jeannette (küsst ihn wieder): Georges! 

Ehrst ein (lachend): Zue verruckt hett d'r Babbe 
g'saat! — Ich hab'm nit welle widderredde. Ich 
find au contraire, dass's ebs vernünftigers, ebs netters 
un ebs bequemers gar nit gän kann! En particulier 
for e Liewespäärel wie mir zwei! — Gell Jeannette? 

Jeannette: Ej jo denn! 

Ehrstein: Wie wär's mit unserem Glüeck schunsch e so 
trüri bstellt, wenn d' Anthropologie nit war. 

Jeannette: s'isch wohr! 

Ehr st ein: Sie hett de Professor Kneppchen do in's 
Elsass gführt, in's Hüs vun minere bien-aimee?! 
Vun minere Jeannette! 

Jeannette: Wer weiss, mir hätte-n-am End nie Ge- 
läjeheit gfunde, uns gejesittig s'Herz üszeschütte. 

Ehrst ein: So, hawich als Student, wo in Leipzig im 
Professor Kneppchen sini Yorlesunge ghöert hett, e 
famose Grund ghett mich do inzefüehre, mini Mit- 
arweiterschaft anzebiete, e-n-intimer Dützfriend vun 
dim Brueder ze wäre, noch e-n-intimerer vun dir, um 
mich mit dir im G'heime ze fianciere . . . Jeannette! 
(will sie küssen). 



17 



Jeannette: Seht! -- (aufhorchend) Es kummt ebber. 
(Die Magd kommt von rechts und geht nach links ab, 
nicht ohne das Paar mit Misstrauen zu beobachten). 

Ehr st ein (ernsthaft messend) : Querschnitt fufzeh Centi- 
meter . . . (schaut sich um) Sie isch drüsse (küsst 
Jeannette). Diss isch der, wo ich dir ewwe hab welle 
gän. (küsst sie wieder) Unn der gilt for de Schrecke, 
wo ich grad üs'gstande hab. 

Jeannette: So ze saaue als Schadenersatz! 

Ehrstein: C'est ca ma cherel 

Jeannette: Um e gueti Exküs bisch du nie verläje. 

Ehrstein: A propos Jeannette, was meinsch, soll ich 
glich hytt mini demande mache bi dim Babbe, odder 
soll ich noch warte? 

Jeannette: Seje m'r vorsichtig, ich will 'ne liewer 
z'erscht sälwer uff diss evenement prepariere. 

Ehr st ein: Wie du witt ma chere. Awwer zue lang 
welle mir's nit nüsschiewle, for dass ich nit mini 
Krächerle d'ganz Zitt im verstohlene hole muess, wie 
jetzt par exemple. (will sie küssen.) 

Jeannette (abwehrend): Georges, isch diss widder e 
Schadenersatz?! — 

E h r s t e i n : Nein, diss isch e-n- Abschlagzahlung uff unseri 
küenftig fiangailles! 

Fritz Grinsinge r (von links die Scene mit ansehend: 
E Dunderlettel noch emol! 

Ehr st ein (auffahrend, mit Hast den Kopf Jeannettes 
messend): Querschnitt fufzeh Centimeter. 

Fritz Grinsinger: Ja, ja, Querschnitt fufzeh Centi- 
meter! — Schmecksch de Büchonf — Ah, do 
wills nüs?! Die Kopfmesserej, diss schient m'r au 
noch die richtig Erfindung ze sin! — Ah, do leijt 
d'r Has im Pfeffer?! — 



— 18 — 

Ehr st ein: Wie meinen Sie Herr Grinsinger? 

Fritz Grinsinger: Verstelle Sie sich nit. Odder 
g'höert am End die scene, wo ich do ewwe Umoin 
bin g'sin, au zue denne wissenschaftliche Experi- 
mente? Isch diss jetzt diss griffbar" Resultat, wo Sie 
ewwe d'rvun geredd han? 

Ehr st ein (verlegen): Herr Grinsinger, Sie müehn ex- 
küsiere, ich hab üwer'm Messe e wisseschaftlichi 
Entdeckung gemacht, un üewwer die hawich mich 
eso g'frajt, dass ich for lütter Pläsier Ihrer Tochter 
e so e ganz kleins unschuldigs Krächerle hab gän. 

Jeannette: Ja, papa, e so isch's. 

Fritz Grinsinger: Eh bien, unn ich hab e-n-Ent- 
deckung gemacht, unn die isch nit wisseschaftlich 
gsin, unn Fraid hett sie m'r au kenni gemacht, so 
unn dass Sie's wisse, vun hytt ab höert m'r die 
Kopfmesserej uff in mim Hüs. Gehn Sie in anderi 
Hieser, unn messe Sie mit Ihrem Schueschtermess 
in andere Famiüe d'Köpf vun de Töchter awwer 
nimmi in minere! 

Jeannette: Awwer Papa, wiel mich d'r Georges doch 
hierothe will! 

Fritz Grinsinger (starr vor Erstaunen): Wie, was? 
Hierothe?! — Was faselsch du do for daub Dings 
vum Hierothe?! — 

Ehr st ein: Au fait, worum do langi Gschichte mache. 
Ja, Herr Grinsinger, so isch's un ich halt domit offi- 
ziell um d'Hand vun Ihrer Tochter an. s' Jeannette 
unn ich mir han uns gern. 

Jeannette; ja papa, arig gern! 



— 19 — 

Fritz Grinsinger: En effet, Sie mache jo kenn 
langi Gschichte, unn ich awwer au nit, unn saa 
Ihne: Nein junger Mann! Do isch gar nit dran ze 
denke ! 

Jeannette; Papa, mach uns nit unglüecklich ! 

Fritz Grinsinger: Unglüecklich! Plan vun Paris! 
(zu Ehrstein) d'abord, wer sin Sie, woher kumme 
Sie, was triewe Sie? 

Ehrstein: Was ich trieb? . . . 

Fritz Grinsinger: Richtig, diss ha wich ewwe gsehn, 
e netti Profession! 

Ehrstein: Was Sie gsehn han, isch im Näweamt als 
Hochzitter gschehn, mim Beruef noch bin ich Medi- 
ziner ! Miner Babbe isch e-n-ehrsamer Bäckemeischter 
in d'r Krütenau. 

Fritz Grinsinger: So, d'r Ehrsteinel, wie diss 
Bäckereijele hett in d'r Krütenau isch Ihr Babbe? 

Ehr st ein: Ja, Herr Grinsinger. 

Fritz Grinsinger: So, un Sie glauwe, junger Mann, 
dass mini Tochter in diss Lädel nin hierothe wurd ? . . . 

Ehrstein: Erschtens brücht Ihri Tochter nit in diss 
Lädel nin ze hierothe, ich bin jo nit Beck, un 
zweitens erlaub ich mir Sie dran ze-n-erinnere, dass 
Sie au nit vun jeher an d'r Spitz vun dere grosse 
Konservefabrik gstande sin, liewer Herr Grinsinger, 
un dass ... — (den Namen deutsch aussprechend). 

Fritz Grinsinger (Ehrstein hastig unterbrechend): 
Pardon, dass ich Sie unterbrech, erschtens bin ich 
noch lang nit Ihr Liewer und zweitens heiss ich 
nit Grinsinger, ich heiss Grinsinger. So unn jetzt 
noch e kleini Fröuj: Könne Sie mir verlicht saaue, 
wo Sie Ihre Huet han unn Ihr Stock oder Paraplui ? 



— 20 — 

Ehr st ein: Drüsse-n-allewäj. Worum diss? 

Fritz Grinsinger: Ah, ich thät ne zue gern die 
Üstensilie gän, for Sie nit länger uffzehalte ... Sie 
könnte sich sunscht ze viel anstrenge üewwer dem 
redde . . . 

Jeannette: Awwer papal 

Ehr st ein: Ich versteh Ihre Wink mit'm Dreschfleijel. 
Ich geh Herr Grinsinger. Sie könne-n-awwer ver- 
sichert sin, ich wur nit ruehje, bis d'Mamsell Jeanne 
mini Frau unn Sie min Schwejerbabbe sin! 

Fritz Grinsinger: Do könne Sie warte, bis dass's 
grüen schneijt! 

Ehr st ein: Wenn ich mich uff Ihri Tochter nit meh 
verlosse könnt, wie uff Sie, gewiss. Awwer so hett 
ewwe-n-Ihri Tochter au e Wörtel mit ze redde! 

Je an nette: ja, Georges! Uff mich kannsch dich 
verlon ! 

Ehr stein: Merci ma chere! Et au revoir! 

Jeannette: Au revoir/ (Georges ab.) 

Fritz Grinsinger: Nix ze-n-au revoir! — Die Plan 
kannsch d'r ein for alli Mol üs'm Kopf schlaaue! 

Jeannette: Unn nein papa ich schlaa m'r sie nit üs'm 
Kopf! Ihne odder keine! (ab nach links die Türe 
zuschmetternd.) 

Fritz Grinsinger: So diss soll m'r jetzt nix sin, diss 
isch m'r jetzt e scheeni Kommission! 

Madame Grinsinger (behäbige Parvenüsgattin im 
Stadtanzug durch die Mitte herein, während sie spricht 
setzt sie ihren Hut ab. Zuvor küsst sie ihren Mann.) 
Bonjour Männel! Wie geht's? 's Lisa hett m'r in's 
Riemers telephoniert, dass du do bisch. Awwer was 
hesch denn, gell du bisch nit guet gelünt? 



— 21 — 

Fritz Grinsinger: E Wunder un e Kunseht! Alles 
im lätze Gleich, wie ich heimkumm! Verwitsch ich 
do e-n-üwwerzwerichene, hergeloffene Student üs d'r 
Krütenau, wie'r unser Jeannette verschmutzt! 

Madame Grinsinger (empört): ca c'est fort\ Diss 
isch awwer e stariks Stück! 

Fritz Grinsinger: Ebb m'r do nit möcht kapüt gehn! 

Madame Grinsinger: Am End isch's d'r in Paris au 
nit guet gange? 

Fritz Grinsinger (freudig): Oho, 's Gejedeil vum 
contraire! Wenn ich an denne Uffenthalt zeruck- 
denk, ze kumm ich meme widder in e ganz anderi 
Lün. Miner sejour in Paris isch grossartig verloffe! 
On m'a fait une reception! C et ait phänomenal, 's isch 
grossartig gsin! 

Madame Grinsinger: Tant mieux! Diss macht m'r 
jetzt Fraid! 

Fritz Grinsinger: D'r Baron de Rose, d'r Chefre- 
dakteur vum Reveil National, hett mich mit der 
Duchesse de Montplaisir bekannt gemacht. 

Madame Grinsinger: Was, e duchesse hesch du 
kenne lehre? E rechti duchesse?/ 

Fritz Grinsinger: Jawoll ! E rechti duchesse ! Sein, 
cela Ven bouche un coin ?! — JEJn suite hawich d' Bekannt- 
schaft gemacht mit zwei frühjere Minischter unn mit 
d'r Diane de Bougival, eini vun de-n-erschte Sängere 
üs Paris. E zue e distinguirti, fini anständigi Person, 
sie isch d'maitresse vum e russische Grossfüerscht. 

Madame Grinsinger: J'espere! Diss soll nix sin! 

Fritz Grinsinger: Ich hoff, dass sie d'r nächste Win- 
ter hie im concert vun d'r Fanfare ufftrette wurd. 



— 22 — 

Madame Grinsinger: Do fraj ich mich schun druff. 
Du ladsch sie no hoffentlich zuem Esse-n-in. Tu l'in- 
viteras ? 

Fritz Grinsinger: Awwer selbstverständli, mit'm 
comite vun d'r Fanfare. JEnfin, wie du siehsch 
hawich d'finscht Pariser Gsellschaft kenne gelehrt. 

Marie (anmeldend): D'r Herr Riemer. 

Fritz Grinsinger: Ah?! Der kummt m'r grad wie 
geruefe, er soll erin kumme. 

Riemer (älterer Herr, würdiges Aussehen): Bonjour 
mon eher ami, bonjour chere madame. Grad hör ich, 
dass du üs Paris zeruck bisch. Du siehsch e bissei 
angegriffe-n-üs. 

Fritz Grinsinger: Kenn Wunder, vun eim diner 
zuem andere, do les emol die Notiz im Figaro, (zieht 
den „Figaro" aus der Tasche.) Do les. (liest. Riemer 
schaut ihm über die Achsel in die Zeitung.) Grande 
soiree hier chez la Duchesse de Montplaisir. Tres 
remarque dans la Societe le grand industriel alsacien 
Grinsinger, le patriote alsacien bien connu. (steckt 
die Zeitung in die Tasche und zieht aus der andern 
Tasche die „Fresse".) Un do les emol denne-n- Artikel 
in d'r „Presse". „Non! La protestation n'est pas 
morte, nous avons eu la bonne fortune d'interviewer 
Monsieur Grinsinger, le patriote alsacien". . . . siehsch, 
sie heisse mich einfach numme noch „le patriote al- 
sacien". (liest weiter in der Fresse.) Unn zuem 
Schluss vun dem Artikel heisst's: „Et dire qu'un 
homme pareil n'est pas encore decore! u 

Riemer: Diss isch e gueter Wink. 

Fritz Grinsinger: C'est vrai, awwer der Satz wurd 

sini Giltigkeit nimmi lang bhalte .... 
Riemer: So, hesch Hoffnung? 



23 



Fritz Grinsinger: Alli Stund kann d'nomination 
kumme. 

Madame Grinsinger: Vun d'r Legion d'honneur? 

Fritz Grinsinger: Nein noch nit, später han sie 
gsaat, es sin noch zue viel vorgemerikt. Einschtwile 
könne sie m'r nur oVpalmes academiques gän. 

Riemer: Do d'rvun sin also noch meh uff Laauer. — 
Fnfin 's isch als besser wie gar nix. 

Madame Grinsinger: Diss saa ich au. Besser e 
Lüs im Krütt as gar kenn Fleisch. 

Fritz Grinsinger: Z'erscht han sie m'r d'r merite 
agricole welle gän, wyll ich Konserve fabrizier, ich 
hab mich awwer nit d'rfor decidiere könne. Nitwohr, 
d'r Merite agricole kann jeder Bür han, unn d'rno 
officier d'academie, diss klingt au besser. Officier 
klingt besser wie merite unn academie besser wie 
agricole. 

Riemer: Fnfin du bisch e veinard, diss muess m'r 
saaue! A propos, hesch au eso e Wörtel en passant 
falle Ion for mich? Nit dass ich m'r bsunderi Ver- 
dienschte zueschrieb, awwer nit wohr als langjähriger 
Präsident vun d'r Fanfare. 

Fritz Grinsinger: Loss mich numme mache. ~Voila 
mon stratageme. Am nächste Sundaa, ze kummt 
d'r Sohn vum baron de Rose zue mir uff Visit uff 
min Landhüs bie Barr. Er blieht ebbe zeh Daa do, 
er will nämlich e Roman üewwer's Elsass schriewe, 
unn bie dere Geläjeheit, ze möcht ich gern Ü Fan- 
fare inlade. 

Riemer: E-n-exellenti Idee! 

Fritz Grinsinger: On organisera une de ces bonnes 
fites alsaciennesy for dass d'r baron de Rose sieht, 
was e-n-elsässischi Societät isch. D'rno kann d'r 



24 



baron de Rose e-n-entreßlet drüewwer in d'Zittung 
bringe. Unn derno welle m'r emol sehn, ob diss 
Pflaschter nit zeijt. 

Riemer: A la bonne heitre! 

Fritz Grinsinger: Unn noch ebs, kannsch e Gheimnis 
for dich bhalte? — D'r Baron de Rose kummt wäje 
unserem Elisa. 

Riemer: Je te felicite. 

Madame Grinsinger: N'est-ce pas, m'r muess sini 
Töchter in Frankrich verhierothe, hie hett's nit viel 
Rar's an junge Lytt! 

Fritz Grinsinger: Unn wenn's Lisa verhieroth isch, 
d'rno kummt s 1 Jeannette an d'Reih, for in's hawich 
e-n-Offizier im Au. 

Riemer: Charmant! 

Fritz Grinsinger: Unn d'rno for mine Sohn, do ha- 
wich gedenkt, dass's an d'r Zytt war, dass m'r diss 
projet realisiere thäte, wie m'r's letscht so en passant 
d'rvun geredd hann unn dass'r sich mit dinere Tochter 
fi andere thät. 

Riemer: En effet, es wäi zue schöen, wenn die zwei 
guete elsässische Familie Riemer unn Grinsinger ver- 
schwägert thäte wäre Ja, hesch'm schiin d'rvun 
geredd? 

Fritz Grinsinger: Nein, noch nit. awwer noch hytt 
will ich'm d'rvun reild<\ 

Riemer: Sais tu quoi? Ich lad 'ne Murje zuem z'Midda- 
esse-n-in 

Fritz Grinsinger: Cest cela, ich acceptier for 'ne mit 
Pra'nle. Diss war wiriklich zue charmant, wenn 
m'r am En 1 <r r am Sunndaa, wenn <VFan are 
kmn "t. i v Doppeihochzitt proklamiere könnte. 

Madame Grinsinger: Diss war emol schön! 



— 25 — 

Fritz Grinsinger: Ce serait une apothdose, wo for 
dich verlicht e violetts Bändele bedytte könnt, denn 
d'r Babbe vum Baron de Rose, wie kämmt, hett e 
lange-n-Arm. 

Riemer: Unn for dich am End gar 's roth! 

Fritz Grinsinger: Wer weiss, qui vivra verra! 

Madame Grinsinger: Hett zeller Blind gsaat. 

Riemer (gibt ihm die Hand): Et au revoir eher ami. 
Au revoir Madame, (ab) 

Madame Grinsinger: Ich thät die Hieroth zue gern 
sehn, die Mamsell Riemer isch jo kenn beaute, eile 
n'est pas belle, mais eile est spiritueuse. 

Fritz Grinsinger: Spiritueuse! ! — Spirituelle witt 
du saaue?! 

Madame Grinsinger: Ah, ja! 

Fritz Grinsinger: Wenn du eso französch reddsch, 
wenn d'r baron de Rose kummt, wurd der ebbs netts 
denke! Du verhunz'sch m'r noch mini ganz carriere! 
Ich bin im Stand unn mach's noch wie d'r Napoleon 
premier, wie'r uff d'r Höh isch gsin, unn loss mich 
vun d'r scheide! 

Madame Grinsinger: Oho! Je ne me laisse pas e so 
wegwerfe! Gell wie du mich for drissig Johr 
ghieroth hesch, ze-n-isch d'r diss Büremaidel guet 
genue g'sin, wo d'r d'Dott mitgebrocht hett, for diss 
Epicerie-l&dol ze kaufe, wie m'r mit angfange han. 

Fritz Grinsinger: Hawich's zellemols könne wisse, 
dass ich's emol e so witt bring ? ! 

Riemer: (zurückkehrend): E, Mildebikl noch emol, wer 
kenn Gedanke hett, der hett Füess. Ich bin ewwe 
ajetlich kumme, for ze fröuje, ob du definitiv deci- 
diert bisch, kenn Kandidatur for de Gemeinderoth 
anzenemme? 



— 26 — 

Fritz Grinsinger: Ganz decidiert ! So lang Schwowe- 
n-uff d'r Mairerie hucke nemm ich kenn Kandidatur 
an ! Niemols ! 

Riemer: Bravo! Tres bien! Hesch ganz recht, diss 
isch au mini Idee. — 
Et bien au revoir alors! (ab) 

Fritz Grinsinger: Wenn ich nur müesst, so dumm 
bin ich jetzt doch nit. Do müesst ich jo 's gröscht 
Hornvieh uff'm Erdsgrundbodde unn de-n-angrenzende 
Weltteil sin! — 's erseht was d'Gejner mache thäte, 
diss war in minere Vergangen eit rumzeschnuifle, wie 
e Herd Söüj uff d'Trüffle, ob sie nix geje mich finde 
könnte. — Ich wurr allewäj wäje-n-eme so einfältige 
Titel uff 's Spiel setze, was ich zitt'r füenfedrissig 
Johr verheimlicht hab (schaut nach den Türen, ob 
niemand lauscht), dass ich ajetlich gar kenn Elsässer 
bin, dass min Vatter unn Mueder ingewanderti Sachse 
sin gsin unn Grinsinger gheisse hann?! — Diss 
Massel vun mini Find wott ich sehn, wenn diss erüs- 
thät kumme! 

Madame Grinsinger: Wer weiss, obs nit doch emol 
erüskummt ? 

Fritz Grinsinger: Wie so?! — Wer kann e-n-In- 
tresse dran han, diss erüszeförschle ? — Üsser dir 
weiss 's kenn Seel unn kenn Mensch, nit emol mini 
Kinder wisse's, dass so e-n-epee de Damocles üewwer 
mir hängt. 

Madame Grinsinger: De quel Sawel parles-tu la? 
Yun was for'me Sawel reddsch du do? 

Fritz Grinsinger: Du hesch jetzt emol doch gar 
kenn Bildung! Yum Sawel vum Damocles. 

Madame Grinsinger: Was isch diss for e Sawel? — 



— 27 — 

Fritz Grinsinger: Was 's isch, weiss i selwer nit, 
awwer m'r saat emol so. 

Madame Grinsinger: Ah, comme ga! — Ah, zelle- 
wäj! 

Fritz Grinsinger: Nein, ich wurr mich hüete ebs 
ze thuen, wodurich diss Gheimnis erüs kann kumme. 
D'r Fritz Grinsinger wurd die Roll vum patriotische 
Elsässer, wie'r bis jetzt so guet unn mit so viel 
succes gspielt hett, wittersch spiele unn als gueter 
Patriot emol in's Jenseits abflattere, (setzt sich) 

Madame Grinsinger (besorgt) : Qui satt ! Wer weiss ! 
Wer weiss! 

Fritz Grinsinger: Ja, d'r Gücksel, was isch denn, 
du machsch jo e Gsicht wie e verresseni Zittung? 
Ich bekumm jo ganz Angscht. — 

Madame Grinsinger: Eh bien, dass's grad weisch, 
in dere Zytt, wie du in Paris bisch g'sin, isch's erüs- 
kumme. C'est hüsse, 's isch alles hüsse! 

Fritz Grinsinger (entsetzt aufspringend, zuerst ganz 
sprachlos): Wie, was, wer hüsse!? — Hüsse, dass ich 
e Sachs bin? Du bisch vun Sinne! — Wie, was, 
wer?! Ei diss isch jo nit möjlich! Nit möjlich! 

Madame Grinsinger: Unn doch isch's eso. 

Fritz Grinsinger: Ja, unn wer isch denn der 
Simpel, wie diss erüsgebrocht hett?! 
Ze redd doch! Denne bring ich jo um! 

Madame Grinsinger: Ei d'r Professor Kneppchen. 

Fritz Grinsinger: Was?! Jetzt bin ich verlöre, ver- 
ratzt, fütti, kapores! — Ja, ze redd doch, wie isch 
denn diss möjlich? 

Madame Grinsinger: Ei, sie han doch dine Kopf 
gemesse, ehb dass du uff Paris bisch, un do han 
sie's an dim Kopf gsehn, dass du vun ditscher Ab- 



— 28 — 

stammung bisch. D'rno hett mich d'r Dokter 
Kneppchen gfröut, ob ich ebs wisst, wie dinni 
Familli herestammt, si je savais quelque chose? 

Fritz Grinsinger: Unn d'rno bisch du so e dummi 
Gans gsin, unn hesch's'm natierlich erüsplappere 
müehn. 

Madame Grinsinger: nein, ich hab an contraire 
gsaat, fai dit, ich weis nit, d'rno hett'r Nooch- 
forschunge angstellt, unn isch am e scheene Daa 
ganz stolz mit de Geburtsschien vun dine-n-Eltere 
angewalzt kumme. Cest comme ga! 

Fritz Grinsinger: Diss soll m'r jetzt nix sin, isch 
m'r jetzt diss e nonvellel Wenn diss d' Fanfare er- 
fahrt, wenn diss d'r Baron de Rose erfahrt, wenn 
diss d'Duchesse de Montplaisir unn d'Diane de 
Bongival erfahre, do bin i verlöre, geliffert, 
s'stüerzt Alles mit m'r zsamme ! D' Welt geht mit mir 
unter! Nein, dass m'r miner Generalagent in Leipzig 
denne lätzgedräijte Professor in's Hüs schicke hett 
müehn. Isch mir diss e lätzi Visit! Isch m'r diss 
e lätzi Visit! — 

Madame Grinsinger: Zue fatal, zue fatal! 

Fritz Grinsinger: Ob's fatal isch! E-n-Unglüeck 
isch's! E Katastroph isch's! Wenn kenn Wunder 
gschieht un denne nundedies Professor mitsammt 
sinere Schäddelmesserej d'r Schinder holt, no isch 
Alles verlöre! 

Madame Grinsinger: Seht! on vient! Es kummt 

ebber. 
Dr. Kneppchen (Typus eines Stubengelehrten, durch 

die Türe rechts herein): Hm! Hm! Verzeihung wenn 

ich störe. 



— 29 — 

Fritz Grinsinger: 0, Sie stören gar nicht, Herr 
Professor, im Gegenteil. 

Dr. K neppchen: Ich habe Sie übrigens schon lange 
nicht mehr gesehen. (Das verwunderte Gesicht 
Grinsingers bemerkend) Ah, ja richtig, Sie waren 
ja in Paris. Verzeihung ich bin so zerstreut. 

Madame Grinsinger: Das kann jedem vorkommen, 
dass er sich einmal verhopasst und verbabbelt. 

Dr. Kneppchen (zu Grinsinger): Sie sind wohl ver- 
wundert mich noch hier zu treffen? 

Fritz Grinsinger: Ja, gerade habe ich meiner Frau 
gesagt, wie sehr es mich freut, dass sie noch hier 
sind. 

Madame Grinsinger: Ja, das hat er gesagt. 

Dr. Kneppchen: Zu liebenswürdig. Ich werde halt 
so verwöhnt hier, dass es mir schwer fallen wird, 
mich von Ihnen zu trennen. Sie können aber sicher 
sein, ich werde wieder kommen, öfters wieder zu 
Ihnen kommen. 

Fritz Grinsinger: So, das freut uns sehr, (für sich) 
Heiliger Bimbamm ! Wenn de nur wüeschtsch wie ! — 

Dr. Kneppchen (nachdenklich): Übrigens, wenn ich 
mich recht erinnere, habe ich Ihnen etwas Wich- 
tiges zu sagen (zieht sein Notizbuch heraus und 
blättert darin) Ach ja, richtig. Ich habe Ihnen 
zwei hocherfreuliche Mitteilungen zu machen. 

Fritz Grinsinger: So? Da bin ich gespannt. — 
(für sich) Es grüüst m'r schun ! 

Madame Grinsinger: Da bin ich jetzt wunderfltzig. 

Dr. Kneppchen: Die eine betrifft Ihre Ernennung 
zum königlich sächsischen Hoflieferanten, welche 
nunmehr bevorsteht, wie mir mein Vetter mitgeteilt hat. 



— 30 — 

Fritz Grinsinger (schüttelt ihm die Hand): Besten 
Dank für die frohe Nachricht. Das ist jetzt schön. 

Madame Grinsinger: Das macht jetzt meinem Mann 
Freude, auf diesen Titel hat mein Mann schon lange 
gespannt. 

Dr. Kneppchen: Und die zweite Nachricht ist noch 
viel erfreulicher. 

Fritz Grinsinger: Noch erfreulicher? Handelt es 
sich am Ende gar um einen sächsischen Orden? 

Dr. Kneppchen: Doch nicht! Um etwas viel Er- 
freulicheres ! 

Fritz Grinsinger: Ja, kann es denn noch etwas Er- 
freulicheres geben?! — 

Dr. Kneppchen: Gewiss, gibt es das! Gewiss! Es 
handelt sich nämlich um Ihre Familie. Hören Sie, 
und staunen Sie, etwas was Sie wahrscheinlich 
selbst noch nicht wissen . . . 

Fritz Grinsinger (zerstreut): Nein ich weiss es 
nicht . . . 

Dr. Kneppchen: Mit einem Wort, Sie haben Familie 
in Sachsen. Heilige Familienbande verknüpfen Sie 
mit Sachsen, der Heimat Ihrer Eltern! 

Fritz Grinsinger (verblüfft): Ah?! . . . So, so . . . 
sehr angenehm. 

Dr. Kneppchen: Ja, nicht ohne grosse Mühe ist es 
mir gelungen zu eruieren, dass Grinsinger, der reiche 
Rentner Grinsinger aus Leipzig, der Begründer einer 
grossen Aktienwurstlerei, Ihr leibhaftiger Yetter ist. 

Fritz Grinsinger: So, so, sehr erfreulich! — (für 
sich) Sapristi. 

Dr. Kneppchen: Der Präsident des hiesigen Sachsen- 
bundes, Herr Gauthier, der auch in verwandtschaftlichen 
Beziehungen zu Ihrem Vetter steht, erwartet jeden 
Tag seinen Besuch. 



— 31 — 

FritzGrinsinger (mit geheuchelter Freude) : Wirklich, 
das ist aber schön ! (für sich) Es grüsst m'r, wenn i 
dran denk. 

Dr. Kneppchen: Sie sehen also, dass es Ihnen in 
nächster Zeit nicht an freudigen Überraschungen 
fehlen wird. 

Fritz Grinsinger: Gewiss! Gewiss! — (für sich) 
Kenn lätzi Uewwerraschung! 

Dr. Kneppchen: Ja, Sie verzeihen, ich muss sehr 
eilig — sehr eilig — (zerstreut) Wohin war es nur? 
(schaut in sein Notizbuch) Was war es nur? Ah, 
richtig zur Bibliothek. Entschuldigen Sie meine Eile. 
Verzeihen Sie, wenn ich aufbreche. Empfehle mich, 
(verabschiedet sich) 

Fritz Grinsinger (wütend im Zimmer auf und ab): 
Na, diss soll m'r emol jetzt nix sin! Wenn nur glich 
e Millionedunderweschbel in die sächsisch Verwandt- 
schaft ninschlaaue tat! Diss sin m'r jo schöeni Üs- 
sichte! (Jeannette und Lisa kommen von links, Au- 
guste von rechts.) 

Madame Grinsinger: Mon Dien! 

Fritz Grinsinger (mit Wärme zu seinen Kindern): 
Jeannette, Lisa, Auguste, Lisa, Kinder! 

Lisa: Was isch jpapa? 

Jeannette: Isch ebs gschehn? 

Auguste (fasst ihm den Puls): Isch's d'r nit guet? 

Fritz Grinsinger: Doch, awwer ich hab e Wueth! 
E Wueth wie e Hüs! Bedenke numme, was Ejer 
Babbe in drissig Johr gschafft hett, um d'Famili 
Grinsinger in d'Höh ze bringe, isch uff's Spiel gsetzt 
durrich denne hergeloffene, üewwerzwärichene Pro- 
fesser üs Sachse! 



— 32 — 

Auguste: Pardon Papa, e Gelehrter wie d' Wisseschaft 
stolz druff kann sin! 

Fritz Grinsinger: Hol d'r Deifel e so e Wisseschaft, 
wie mir mini ganz Familli durichenander bringt! 

Auguste: Oho! — Unn d'rno, dass'r e Hergeloffener üs 
Sachse-n-isch, do d'rgeje kannsch du doch am aller- 
wenigschte ebs saaue, du bisch jo sälwer e Sachs. 

Fritz Grinsinger (verblüfft): So?! 

Lisa: Ja, Babbe, diss hesch du uns jo gar nit gsaat, 
dass du üs Sachse stammsch. 

Jeannette: Dass unseri Grosseltere Sachse sin gsin! 

Fritz Grinsinger (wütend): C'est cela, do han m'r's! 
So, diss hawich m'r jo gedenkt, dass'r m'r diss jetzt 
alle gelte uff de Flade striche wäre! — Guet wie'r 
's doch wisse, ja mini Eltre sin Sachse gsin, awwer 
do hawwich doch e bigott nundebuckel nochemol nix 
d'rfor könnt, mini Eltre könne sin gsin, was sie welle, 
diss gitt mich nix an. Ich hab mine-n-Eltre do drüewwer 
kenn Vorschrifte ze mache ghett, wie sie here han 
solle sin. Awwer was mich anbelangt, ze bin ich kenn 
Sachs, ich bin e-n-Elsässer, ich bin do vor siewwezig 
gebore, miner Geburtschyn wiest's! Unn do d'rmit 
Punktum! Mais n' Importe, es muess alles gemacht 
wäre, for dass die Sach nit erüs kummt van minere 
Abstammung. Grad jetzt, wie ich so noht am Ziel 
steh, derfs nit erüskumme, jetzt wo ich in Paris als 
einer vun de erschte Pfleler vum Elsass gelt, wie ich 
alli Ehre ze-n-erwarte hab, mit Duchesses, Sängere, 
Minischter, kurz d'r elite vun d'r französche Gsell- 
schaft verkehr, jetzt, wie ich offlcier d' academie soll 
wäre! Nein, wenn ich dran denk, ze fahrt's m'r kalt 



— 33 — 

unn warm de Buckel nab! — (entmutigt) 's isch ein- 
dhuen, m'r hett's nit licht e Sachs ze sin! — Mini 
Eltre han m'r schun viel Sorje gemacht! 

Madame Grinsinger: So ze verzwiefle brüchsch jetzt 
au nit grad, pour siir. 

Fritz Grinsinger: Uff alli Fäll muess vorgsorit wäre. 
's Schicksal vun unserer Famuli, wie jetzt am e Nätz- 
fädel hängt, muess an anderi Famillie gekett wäre. Mit 
eim Wort, Ihr Kinder, Ihr könne ellein d' Situation 
sauviere, wenn'r alli drej, so schnell wie e Geis tritt, 
in elsässischi unn französchi Familie nin hierothe. 

Lisa: So uff d'r Extraposcht, papa? 

Jeannette: Diss war jo e Hierothsgschäft en gros! 

Fritz Grinsinger: Do isch d'r Moment jetzt nil 
Witz ze risse, wenn's sich um d'Zuekunft vun d'r 
Familli Grinsinger handelt. — Auguste, was haltsch 
du par exemple vun mim Vorschlaa? 

Auguste: Was mini Person anbelangt, ze steh ich nit 
an ze gstehn, dass m'r d'r Gedanke an e Hieroth so 
wohl vum wisseschaftliche als au vum praktische 
wie vum rein menschliche Standpunkt üs ganz sym- 
patisch isch, unn dass ich schun ernschtlich üewwer 
die Fröüj nochgedenkt hab. 

Fritz Grinsinger: Liewer Auguste, dass du schun 
üewwer die Fröüj noochgedenkt hesch, diss isch 
ganz schön vun dir, awwer ganz unnötig. Do d'r- 
for loss du dini Eltre sorje, et pour en finir, es 
präsentiert sich e-n-exellenti famosi Partie for dich, 
e Wiewele, wie grad for dich passe thät, so grad 
wie express for dich gschaffe. 

Lisa: Papa, wer soll diss sin? 



— 34 — 

Fritz Grinsinger: Es isch d'Mamsell Riemer, 
d'Tochter vum Präsident vun d'r Fanfare. (Enttäu- 
schung bei Lisa und Jeannette.) 

Madame Grinsinger: Dükennsch sie doch, Auguste? 

— Wie gfallt sie d'r? 
Fritz Grinsinger: Eh bien?! — 
Auguste: Ja, was sollich do saaue, bie minere grosse 

Kurzsichtigkeit. Lisa unn Jeannette, wie gfallt sie 

Ejch? — 

Fritz Grinsinger: Im Lisa unn Jeannette brücht sie 

doch nit ze gfalle, wenn sie nur dir gfallt. 
Lisa: Mir gfallt sie offe gstande nur so, so, la, la. 
Jeannette: Min Ideal war sie au nit for fa-n- Auguste. 
Fritz Grinsinger: Jetzt hör ein Mensch do anne, 

ich hab m'r glich gedenkt, dass Ihr mir Dreck unter 

de Leime mache wäre! Was han'r denn an ere üs- 

zesetze? 
Lisa: Papa, ei du wurrsch's jo selwer wisse, so guet 

wie mir, sie hett jo e Buckel. 
Fritz Grinsinger: E Buckel, e Buckel! Wie mir 

nur glich so üewwertriewe unn einfältig redde kann. 

E Büeckele hett sie, nur so e ganz kleins, netts, 

winzigs Büeckele. D'rzue isch's nur uff einere Sytt. 
Madame Grinsinger: Unn es steht ere du reste 

ganz guet. 
Fritz Grinsinger: Unn d'rno m'r deckt's mit Zwanzig- 

marikstüeckle zue, no sieht m'r's nit. 
Auguste: So, so! 
Fritz Grinsinger: Enßn, s'bescht isch, Auguste, du 

nemmsch Morje n-e kleine Aueschyn, so e-n-Art 

Ortsbesichtigung vor. 



35 



Auguste: Ich stimm dem bie, min Gerechtigkeitsgfüehl 

schriebt m'r's vor üewwer denne Punkt Klorheit ze 

schaffe. 
Fritz Grinsinger: D'r.Her Riemer hett Dich so 

wie so ingelade; unn sous pr etexte d'Köpf vun d'r 

ganze Famili ze messe, messen no au d'r Kopf 

vun d'r Mademoiselle Riemer; bie dere Geläjeheit 

kannsch sie no au vun ganz noht betrachte. 
Auguste (verwundert): Tiens, uff so e-n-Idee war ich 

jetzt nie kumme. 
Fritz Grinsinger: Unn d'r Rescht wurd sich no 

schun finde. 
Auguste: Ejetlich sott sich d' Wisseschaft nit zue so 

Manöver here gän; awwer d'Köpf vun d'r ganze 

Familie Riemer messe ze derfe, hett ebs zue ver- 

lockends an sich! 
Fritz Grinsinger: Also angenumme? (streckt ihm die 

Hand hin.) 
Auguste (schlägt zu): Ingepatscht! Somit war der Fall 

erledigt. Et au revoir. Ich muess nämli notwendig 

uff d'Bibliothek (ab durch die Mitte). 
Lisa: E liebs Brüederle. Er intressiert sich nit emol 

drfor, was uns d'r papa for Hochzitter erüsschoissiert 

hett. 
Fritz Grinsinger: Ich hab Ejch Männer erüsgsuecht, 

Ihr Maidle, wie Ihr sie ejetlich gar nit verdiene, 

erschti Qualität, wie sie for Ejch viel ze guet sin! 
Lisa: Eh bien merci! 
Fritz Grinsinger: For dich, Lisa, hawich — tu ne le 

devineras jamais — e Baron im Au. 

Madame Grinsinger: Songe une fois un baron/ E 
Baron! 



— 36 — 

Lisa (laut herauslachend) : E Baron?! (Macht einen 

Knicks) Madame la baronne! — Babbe diss isch 

e gueter Gschpass! 
Fritz Grinsinger: Kenn Gschpass! Do isch nix ze 

lache! — Es isch im Baron de Rose vum Reveil 

National siner Sohn! 
Madame Grinsinger: E Baron! Wenn diss sich 

miner Vater, wenn'r hinger'm Pfluej here-n-isch 

gange, traime hätt Ion! — Wenn ich nur dran 

denk, cela me donne un froisson dans le dos! 
Fritz Grinsinger: Un froisson! Un froisson! — E 

so muesch französch redde, wenn d'r Baron de Rose 

am nächste Sundaa kummt, no sin m'r gemutzt! — 

E frisson heisst's. 
Madame Grinsinger: Ah?! — Ich sott glauwich noch 

e paar französchi Stunde nemme die Wuch?! 
Fritz Grinsinger: Schade könnts nix, awwer nutze 

wurd's au nix! s'isch schwer, e-n-alter Bär tanze 

lehre ! 
Madame Grinsinger: Merci for de Verglich! — 
Fritz Grinsinger: Un dir, Jeannette, hawich e fran- 

zöschs Offezierel erüsgsuecht! 
Jeannette: Papa\ Du kummsch leider ze spoot, du 

weisen jo, dass ich mich mit'm Herr Ehrstein fian- 

cirt hab. 
Fritz Grinsinger: Redd m'r nimmi vun dem lätz- 

gedrähjte, hergeloffene Student üs d'r Krütenau! 

So e Dökterle! 
Madame Grinsinger: Wurrsch doch kenn mesalliance 

comme ga mache welle? 
Je an nette: Ja, Babbe, wenn du nit hann witt, dass's 

erüskummt, dass du e Sachs bisch, ze muehsch dich 

vor allem an de Herr Ehrstein halte. 



37 



Fritz Grinsinger (verwundert): Wie so an denne 
halte? 

Jeannette: Ei wie'r e Dokterarweit üewwer d'Schäddel- 
bildung vun unserer Familli schriewe will, d'rbi 
will'r genau üsführe, dass du üs Sachse stammsch 
unn d'Mamme üs ere ganz alte elsässische Büre- 
familli. 

Fritz Grinsinger (entsetzt): Wie, was faselsch du 
do? — Der kennt unser secret au? — Jetzt trefft 
mich d'r Schlaa! Ja do, do bin ich jo dem lätzge- 
drähjte Burscht, wie ich ewwe nüsgschmisse hab uff 
Gnad unn Ungnad üsgeliffert! misere, m'r hett's 
nit licht, e Sachs ze sin ! 

Durand (tritt durch die Mitteltüre ein. Hübsches jugend- 
liches Aussehen. Charakteristisch ist seine selbstge- 
bundene grosse Halsbinde. Er begrüsst die Anwesen- 
den): Bonjour mes chers. Bonjour oncle. (bemerkt 
die gedrückte Stimmung) Ich glaub gar, ich kumm 
grad im e lätze Moment. 

Lisa: Du kummsch jo im e lätze Moment, cousin. 

Je an nette: D'r Babbe möcht uns nämlich mit aller 
Gewalt verhierothe. 

Durand: Diss isch jo e lätzer Moment! Unn geje 
wenne, wenn m'r fröuje derf? 

Jeannette: Cousin, mir hett d'r Babbe e-n-Offizier 
erüsgsuecht. 

Durand: Oh! . . — E-n-Offiezier? Infanterie? Artillerie? 
Kavallerie ? 

Fritz Grinsinger: Diss spielt kenn Roll. — 

Durand: Oh doch Unkel, d'r Pries, wie m'r dran kehre 
muess, isch unterschiedlich, d'Kavallerieoffezier sin am 
dierschte. 

Lisa (traurig): Cousin, unn ich soll gar e Baron han. 



— 38 — 

Madame Grinsinger (stolz): Le Baron de Rose. 

Durand: Vum Reveil national? 

Fritz Grinsinger: Parfaitement. 

Durand: Was, denne commis-voyageur enpatriotisme? — 

Fritz Grinsinger: Partien, es sin nit alli Franzose 

so wie du. Es gitt au noch Franzose, wie gueti 

Patriote sin! 

Durand: D'r Baron de Rose hätt am wenigste -n-Ur- 
sach sich eso als Patriot uffzespiele, denn der isch 
ewwe so weni e Franzos wie e Baron! 

Fritz Grinsinger: Oho?! 

Durand: Unn wenn's d'r Fraid macht, ze will ich dir 
de Geburtsschyn vun sine-n-Eltre unn Grosseltre 
verschaffe. 

Fritz Grinsinger: Hebs am Oehrel, wenn'r nit vun 
altem französchem Adel war, no thät 'r allewäj bie 
d'r Duchesse de Montplaisir verkehre?! 

Durand: Die isch noch wenjer e Französe, wie er e 
Franzos. Ihr Vater isch e-n-amerikanischer Milliardär 
g'sin, unn ihr Grosvater e-n-armer Söüjhirt üs Kali- 
fornie ! 

Fritz Grinsinger: So, unn mir hett d' Diane de Bougi- 
val, die berüehmt Sängere grad's Konträr gsaat. 

Durand: Was, die cocotte hesch au noch kenne lehre 
in Paris? 

Fritz Grinsinger: Oho?! Cocotte! — Charles tu vas 
trop loinl — Sie isch d'mattresse vum e russische 
grand-ducl Unn wenn sie unn d'r Baron de Rose 
nit gsin warte, wer weis, ob ich sunsch d'palmes 
academiques demnächscht bekumme thät! 

Lisa: Was Babbe, du solisch dekoriert wäre? 



— 39 — 

Durand : (lässt sich auf einen Stuhl fallen): Wa . . . s? 
Onkel, du dekoriert? (Platzt heraus vor Lachen) Nein, 
Onkel, du muesch m'r 's nit in üewwel nemme, wenn 
i lach, wäje was denn, wenn m'r fröüje derf? 

Fritz Grinsinger: Schients d' französch Regierung 
find, dass i Verdienschte hab. 

Madame Grinsinger: Unn d' ditsch Regierung find' s 
aussi, wie's schient, denn diner Unkel wurd au ball 
zuem sächsische Hoflieferant ernennt wäre! 

Durand: Na, Ihr sin au noch guet, also Ihr g'höre 
au noch zue dere Sort Lytte, wie meine, Orde unn 
Titel wäre nooch Yerdienscht üsgeteilt?! 

Fritz Grinsinger: Ja, wäje was denn schunscht?! 
Tiens, weissch du, for was dass ich dich halt, Charles? 
for e ganz gfährlicher Anarchist! 

Durand: (lachend): Oho?! — 

Fritz Grinsinger: Nix isch dir meh heilig, du spöt- 
telsch üewwer d' Offizier, du glaubsch nimmi an d' 
Barone, nimmi an d'duchesses, nimmi an berüehmti 
Sängere, ja du glaubsch nit emol meh an d'Orde unn 
an d'Hoflieferantetitel ! Ja, liewer neveu, ze saa du 
mir e Gottsnamme, an was glaubsch du d'rno denn 
ejetlich noch?! — 

Madame Grinsinger: (Die Augen gen Himmel schla- 
gend) ; jeunesse d'aujourd'hui, wie bisch du ver- 
dorwe ! 

Durand: Unkel, an was dass ich glaub, fröüjsch du 

mich? Ich glaub emol vor allem an (Hält sich 

zurück und bricht ab.) 

Fritz Grinsinger: Saa's nur ditsch erüs, an d'mensch- 
lich Dummheit hesch du saaue welle ! — Eh bien, 
do dran glauwich au, denn wie könnt mir sich's 



40 



schunsch expliziere, dass' s Lytt gitt, wie sich mit 

so Plan wie ere Friedensliga unn alliance franco- 

allemande abthäte gän wie du. 
Durand: Pardon, Unkel, dühesch verlicht ganz recht, 

verlicht isch alles uff dere krumme gebuckelte Welt 

nur e Dummheit! 
Olga: (hastig durch die Mitteltüre herein.) Sie exküsiere, 

e grossi notwelle, e grossi surprise. Sie rothe's nit ? ! 

Er kummt, er kummt ! 
Fritz Grinsinger: Wie was?! — Wer kummt? 
Olga : Er kommt! In zehn Minute kann'r schun do sin? 
Fritz Grinsinger: (ängstlich) Ja, wer denn? 
Olga: Ei, Ihr cousin üs Leipzig. 
Lisa: 

Jeannette i D'r cousin üs Leipzig?!— 
Durand: 

Fritz Grinsinger (für sich): Ei du grosser Alledaa! 
Madame Grinsinger (für sich): E schöni Bscheerung ! 
Olga: Ja, er hett telegraphiert üs d'r Schwyz, dass' r 

uff d'r Reis hiehere-n-isch, d'r Babbe isch gange ne 

abhole-n-an d'rlsebahn, unn ich soll Sie preweniere, 

dass'r direkt mit'm do here ze fahre kummt. 
Fritz Grinsinger: Do zue uns? 
Olga: Ja, zue Ihne ! (trocknet sich den Schweiss von 

der Stirne) Gott, bin ich in ere-n-Uffrejung! Isch 

d'r Herr Professor drowwe ? 
Fritz Grinsinger: Nein, er isch uff d'r Bibliothek, (für 

sich) Diss soll nix sin ! 
Olga: Uff d'r Bibliothek? Do will ich doch glich anne 

for ne au ze preweniere. Sie exküsiere, au revoir 

(hastig ab). 
Durand (ironisch): Diss isch e-n-angenehmi nouvelle ! 



— 41 — 

Fritz Grinsinger (für sich): Hol dich d'r Schinder! 
(Lässt sich auf einen Stuhl fallen.) De mieux en 
mienx ! 's kummt als besser ! E heiliger Dunderstaa 
noch emol ! Do han m'r de Salat ! Was isch jetzt 
do ze thuen ?! — Do muess schnell e decision gfasst 
wäre ! (nachdenklich) Am liebschte thät ich 'ne nüs- 
schmisse, dass'r Hals unn Bein brecht, diss geht 
awwer nit, wäje-n-m Gebabbeis, diss isch klar. Schlecht 
empfange könne m'r ne au nit wäje-n-'m Professor 
D r Kneppchen. In's Hotel derfr ererscht recht nit, 
do thät Alles erüs kumme, do wärde m'r glich ver- 
ratzt . . . 

Madame Grinsinger: Ja was mache? Que faire? 

Fritz Grinsinger: Was mache? — Es bliebt uns nur 
eins üewwri, faisons bonne mine a mauvais jeu. 
Empfange m'r ne so guet as möjlich unn hüete m'r 
'ne wie e-n-Auapfel, dass'r mit niemes z'samme 
kummt. . . 

Lisa (am Fenster) : Jesses, ich glaub do kummt' r schun? ! 

Durand: Ja, diss schient'r ze sin. 

Jeannette: Sie dischpetiere mit'm Kutscher! 

Fritz Grinsinger (verzweifelt) : Isch m'r diss e lätzi 
Visit, isch m'r diss e lätzi Visit ! 

Lisa: Ja, ich mach mich üs'm Staub (ab). 

Jeannette (ihr nach): Ich au. 

Durand: (den beiden nach) Ja unn ich möcht au die 
nett Famillieszen nit derangiere. 

Madame Grinsinger (hinter drein): Unn ich halt au 
nit dran, do ze sin. 

Fritz Grinsinger: Alli wäre-m'r doch nit so desser- 
tiere?. .. (zur Türe hinaussprechend) Frau, schick 
wenigstens e gueti Budell eruff, pour wie donner une 
contenance. 



— 42 — 

Madame Grinsinger (von draussen) : Ja, Mann! 

Marie (durch die Mitte herein zu Fritz Grinsinger): 
Die Herre fröüje, ob Sie sie empfange könne? (über- 
reicht zwei Visitenkarten). 

Fritz Grinsinger: Sie solle-n-erin kumme. 

Marie: Ja, Herr. (ab). 

Fritz Grinsinger: Isch diss m'r e lätzi Visit! Isch 
diss m'r e lätzi Visit! (Marie öffnet die Tür. Hans 
Grinsinger und Gauthier treten ein. Hans Grinsinger 
trägt Touristenanzug. Er ist sehr lebhaft. Gauthier: 
Beamtenfigur, militärisches Auftreten, schwarzes, 
krauses Haar. Gauthier stellt sich anfangs etwas 
abseits, um die Familienszene nicht zu stören. Er be- 
müht sich, korrekt deutsch zu sprechen, hat aber 
sächsischen Accent.) 

Hans Grinsinger (freudig auf Fritz Grinsinger zu) : 
Gott Strambach, ist das ne freid'ge Iberraschung ! 
Vetter, mei lieber Vetter ! (ergreift beide Hände Fritz 
Grinsingers.) Ich bummelte e bischen in d'r Schweiz 
'nun, aber wie 'ch de Nachricht kriechte, da gabs ke 
Haltens mehr. Schwupp dich - ene Depesche, — 
uff de Eisenbahne und da bin 'ch! For de Familje 
is m'r nischt ze schade! 

Fritz Grinsinger: Ja, gewiss! 

Hans Grinsinger (sich zu Gauthier wendend): Das 
habt'r famos gefingert, ihr beeden Sapermenter, d'r 
Professor un du! (Zu Fritz Grinsinger, indem 
er Gauthier vorstellt.) Herr Gauthier, der Pflägesohn 
von meiner säligen Schwester. (Gegenseitige Verbeu- 
gung und Händedruck). 

Fritz Grinsinger: Freut mich. — Wollen die Herren 
nicht Platz nehmen? (Zu Hans Grinsinger) Sie werden 
doch müde sein von der Reise? 



— 43 — 

Hans Grinsinger (jovial): Aber Vetter, kohl doch nich 
eso. Wir wär'n uns doch nicht sietzen? Wie heesste 
denn mit'n Vornamen? 

Fritz Grinsinger: Ich heisse Fritz. 

Hans Grinsinger: Und ich Hans. Komm her Fritz, 
da hast'n Schmatz und nu sagst de egal Hans zu mir. 

Fritz Grinsinger (mit Ueberwindung) : Ja — Hans. 

Hans Grinsinger: Nu lass d'ch aber mal beliebäugeln 
Fritze (mustert ihn). Gottverdimmmich ufs Daus 
d'r olle Grinsinger, unser Grossvater, d'r Sergeant 
bei'n Gardereitern! — Weess Kneppchen, jeder Zoll 
e Grinsinger! 

Fritz Grinsinger: Das freut mich aber wirklich. 

Hans Grinsinger: Jeder Zoll e Grinsinger, jeder 
Zoll e keeniglicher Sachse. Aber noch keene Spur 
verwälscht ! 

Gauthier: Ja darum fühlt man sich gleich so heimisch 
bei Ihnen. 

Fritz Grinsinger (für sich): Diss kann guet wäre! 
(Die Magd bringt eine Flasche Wein und einige 
Trinkgläser und stellt sie auf den Tisch.) 

Hans Grinsinger: Was? Gluckern sollen wir ooch 
gleich eene? 

Fritz Grinsinger: Gewiss! Wir müssen doch Ge- 
sundheit trinken (er schenkt ein). 

Hans Grinsinger: Na allemal derj enige, welcher ! 

Gauthier: Die alten Germanen tranken immer noch 
eins! (Man stösst an.) Die Familie Grinsinger soll 
leben! 

Hans Grinsinger: Un zusammenhalten wie Bech und 
Schwefel. Von jetzt ab derf d'r Draht zwischen 
Leipzig un Strassburg nich mehr zerissen wern! 



— 44 — 

J'tzt leb ich 'n Teil des Jahres in Strassburg bei 
dir und de andere Hälfte kommst du ze mir nach 
Leipzig ! 

Fritz Grinsinger (für sich): weh! 

Hans Grinsinger: Wir Grinsingers können uns das 
leisten! Wir habend ja! 's ist nicht wie bei armen 
Leuten. Da sitzen die Musikanten! 

Gauthier: Prost! (Man stösst an.) 

Hans Grinsinger: Na, un Ihr zwee werd hoffentlich 
auch bald Freunde wem. 

Gauthier: Nu natürlich! Wenn ich eene Ahnung 
gehabt hätte, dass Sie Sachse sind, da hätte ich Sie 
schon längst in den Sachsenbund gelotst. 

Hans Grinsinger: Was? Der Sachsenbund hat bis 
jetzt unsern Fritz ignoriert! — Das ist ja 'ne Affen- 
schande! Da hört die Gemietlichkeit uff! 

Gauthier: Das kann'r ja alles noch gut machen. 

Hans Grinsinger: Das woll'n m'r aber hoffen! 

Gauthier: Was unser Bund bezweckt, werden Sie 
wohl schon wissen. Vor allen Dingen wollen wir 
germanisatorisch hier im Lande wirken. Wie's mit 
der Germanisation noch hapert, können Sie doch 
sicherlich auch bestätigen. 

Fritz Grinsinger: Ja gewiss, es hapert noch sehr 
damit. 

Gauthier: Gleich der Kutscher, der uns daher ge- 
fahren hat, ist ein Exempel. Der freche Kerl spricht 
Ihren Namen französisch aus. (In Aufregung.) 
Monsieur Grinsingee. So 'ne Unverschämtheit ! Einen 
guten, deutschen Namen französisch auszusprechen! 
S'ist um an den Beemen nufzuklettern ! 

Hans Grinsinger: Na reg d'ch nur nich so uff, Karl! 



45 



Fritz Grinsinger: Leider muss man sich so was 
hierzulande gefallen lassen, besonders wenn man 
Geschäfte in Frankreich macht. 

Gauthier: Das liess ich mir eben nicht gefallen. 
Da gäb's keine Wurschteln! Stolz will ich den 
Deutschen! Wozu haben wir denn unser Heer und 
unsere Marine?! — 

Hans Grinsinger: Nanu Karl ! Mach nur nicht gleich 
mobil! Stärk Dich 'mal auf den Schreck! Prost, 
Bismarck soll läm! 

Fritz Grinsinger (abseits): E mildebickel noch emol ! 
Diss soll m'r jetzt nix sin! 

Gauthier: Hoffentlich werden Sie sich nunmehr, da 
Ihnen die Zwecke unseres Bundes bekannt sind, 
beeilen Mitglied zu werden. 

Fritz Grinsinger: Ich lebe wirklich so zurückge- 
zogen, (für sich) E mildebickel noch emol. 

Hans Grinsinger: Da gibts keene Fisemadenten ! 

Gauthier: Als Sachse is es Ihre Pflicht! 

Hans Grinsinger: Nee Fritz, da hat nu Karl Recht! 
Es is deine verfluchte Flicht und Schuldigkeit als Sachse. 

Gauthier: Wir Sachsen müssen zusammenhalten wie 
Pech und Schwefel! 

Hans Grinsinger: Gewiss, m'r Sachsen müssen zu- 
sammenhalten, Gottverdimmmich ! Ist das nicht ooch 
ooch Deine Ansicht Fritz? 

Fritz Grinzinger: Gewiss . . . (Mit Anstrengung.) 
Wir Sachsen müssen zusammenhalten! (für sich) 
E schöeni Kommission! 

Hans Grinsinger: Nu also, (zu Gauthier) Schreib 'n 
nur ein, der Enkel vom ollen Sergeanten Grinsinger 
lässt seine Landsleute nich im Stiche! 



— 46 — 

Fritz Grinsinger: In Gottesnamen denn! (Für sich.) 
Diss isch m'r e lätzi Affär ! Ich Mitglied vom Sachse- 
bund ! Wenn diss d'r Baron de Rose wüsst ! 

Gauthier (macht eine Notiz in sein Notizbuch) : Heute 
Abend ist Vorstandssitzung, und nächsten Sonntag 
können Sie schon unsern Vereinsausflug als Mitglied 
mit Kind und Kegel mitmachen. 

Fritz Grinsinger: Zu liebenswürdig. (Für sich.) 
E scheeni Perspektiv! 

Marie (durch die Mitteltüre herein, bringt zwei De- 
peschen auf einem silbernen Plateau): Do zwei 
Depesche. 

Fritz Grinsinger (bricht eine Depesche auf und 
wirft einen Blick hinein. Er wankt und hält sich 
an einer Stuhllehne fest): E Depesch vum Baron 
de Rose (mit erstickter Stimme lesend) Vive Grin- 
singer, officier d'academie I Vive le patriote alsacien ! 
Vive VAlsacel (er steckt die Depesche schnell ein 
und bricht die zweite Depesche auf. (Laut lesend) 
Herzliche Glückwünsche zu Ihrer Ernennung zum 
königlich sächsischen Hoflieferanten! 

Hans Grinsinger: Was, Hoflieferant bist de ge- 
worden?! Da soll doch gleich eene alte Wand 
wackeln? Das müssen mir begiessen! (ergreift das 
Glas) Der neue Hoflieferant soll laben ! 

Gauthier: Und unser gemeinsames Vaterland, unser 
liebes Sachsen danäben. Hoch! Hoch! Hoch! 
(Man stösst an. Hans Grinsinger und Gauthier 
leeren das Glas bis zur Neige.) 

(Der Vorhang fällt rasch.) 



IL Aufzug. 



Dekoration wie im ersten Aufzuge. Wenn der Vorhang in 
die Höhe geht, stehen Fritz Grinsinger und Hans Grinsinger mitten 
auf der Bühne. Hans Grinsinger steckt seine Cigarre an der Grin- 
singers an. Er trägt dasselbe Touristenkostüm wie im ersten Aufzuge. 

Hans Grinsinger: Nu will ich mich e bischen lang- 
strecken, bis mich Gauthier zum Spaziergang abholt. — 
Schade, dass de Klauenseuche hast und nicht mit- 
gehen kannst. 

Fritz Grinsinger (fährt schnell an sein Bein): Autsch! 

Grad habe ich wieder das Reissen. 
Hans Grinsinger: Armes Luderchen! (abgehend nach 

rechts) Na, uff Wiedersehen Fritze, (ab) 
Fritz Grinsinger: Alli Rank muess m'r do anwende ! — 

Diss dät m'r grad noch passe, mit denne zwei Typ 

in d'r Stadt erumzelaufe. Diss war guet an d'r Fasenacht. 
Marie (meldend): D'r Herr Riemer! 
Fritz Grinsinger: Er soll erinkumme. — (Marie' ab) 

Tuns, wurum kummt der jetzt schun? (schaut auf 

die Uhr) 
Riemer (hastig herein) : Bonjour mon eher ami. Avant 

tont mes sinceres felicitations zue dinere decoration! 

Mes compliments, mes sinceres compliments! 
Fritz Grinsinger: Merci, mon eher, merci ! Bringsch 

am End gar e gueti nouvelle vun mim Sohn, hett'r 

sich guet gschickt? 
Riemer: So unn e so. Er isch noch d'heim bie mir ä 

Vheure qvCil est. Vorm z'Middaaesse hett'r nix 

gemacht, wie d'Köpf gemesse. 



— 48 — 

Fritz Grinsinger: Ja, unn hett'r sich nit üsgsproche 
bie dinere Tochter? 

Riemer: Bis jetzt noch nit, wie's schient. Ich hab 
mini Tochter e bis'l uff d'Sytt geruefe unn sie in's 
Gebett genumme. Sie isch e bis'l desappointiert gsin 
mit dere Messerej, sie hett gsaat, sie hett sich's ganz 
anderscht vorgstellt, wenn m'r Hochzittere soll wäre. 

Fritz Grinsinger: Je comprends. Es fehlt mim Sohn 
halt an d'r nöthige Uewung! 

Riemer: Zuem z'Middaaesse ha wich ziemlich Champagner 
serviert, for dass 'r e bis'l meh Küraasch bekummt. 
Enfin nous verrons le resultat, 

Fritz Grinsinger: Enfin j'ai bon espoir, ich hab 
gueti Hoffnung! Du reste une bonne nouvelle, D'r 
Baron de Rose kummt ganz sicher am Sundaa, er 
hett mir g'schriwwe. 

Riemer : A la bonne heure, diss trefft sich jo grossartig! 
's Programm for de Sundaa isch also kurz noch emol 
diss: am Morje macht d 3 'Fanfare e-n-Üsflug uff de 
Odilieberry, unn am Oowe uif m Ruckwäj kehre mir 
bie dir in an son de „la Sambre et Meuse", diss 
muess e leids Effekt uff de Baron de Rose mache ! — 

Fritz Grinsinger: Bien sür! — Inutile de te dire, 
dass ich e buffet froid dressiere wurr, dass de 
membres vun d'r Societät 's Herz im Lyb lache 
wurd; ich hab schun im e jede sin Lieblingsplättel 
notiert. Zuem trinke kann ich leider nur Champagner 
serviere (Riemer lacht) Awwer wenn m'r emol ewyl 
d'rvun getrunke hett, ze gewöhnt m'r sich nooch unn 
nooch schun dran, (beide lachen) 

Riemer: Ja, ich muess jetzt gehn, ich bin arrig pressiert, 
un welle m'r 's beseht hoffe, et an revoir. — (Riemer ab). 



— 49 — 

Madame Grinsinger (von rechts) : Do sin zwei Lädle 
for dich ankumme, ein's ingschriwwe. 

Fritz Grinsinger (knöpft das erste Schächtelchen auf, 
seine Frau das zweite): Frau, Alles geht nooch 
Wunsch! Vetoile de Grinsinger brille encore au 
firmament! — V? Fanfare kummt am Sundaa! Unn 
was d'Hauptsach isch, bis dort anne isch's Hüs vun 
denne lätze Yisite gsiefert. D'r Dr. Kneppchen 
verreist üewwermorje, min er lätz cousin am 
Samschtdaa, unn so Gott will, ze kummt in ere wielan 
d'r Auguste heim unn isch fianciert mit d'r Mamsell 
Riemer. 

Madame Grisinger: Tant pis. 

Fritz Grinsinger: Dass du diss awwer allewyl ver- 
wechselsch, tant mieux heisst's in dem Fall. 

Madame Grinsinger: Tant mieux — 's isch zue 
schwer ze bhalte. 

Fritz Grinsinger (liesst die Aufschrift des Schäch- 
telchens): Muster ohne Werth. (öffnet das Schäch- 
telchen und zieht ein violettes Ordensbändchen hervor) 
Muster ohne Werth ! — Diss isch jetzt e schlechter 
Witz! 

Madame Grinsinger: Oh, diss isch e Frechheit! 
C'est quelqu'un qui a voulu te prendre in's Gschirr ! 

Fritz Grinsinger: Es gitt halt Lytt, wie glich 
jaloux üewwer eine sin! 

Madame Grinsinger (hat. ihr Päckchen geöffnet): 
A la bonne henre! Envoi du Baron de Rose. E 
ganzes Lädele voll Bändele. 

Fritz Grinsinger: Frau, die kannsch m'r glich an 
mini Kleider mache, wie unseri lätze Visite fürt sin. 
{Madame Grinsinger will abgehen) 
Halt! Ich will eins anprowiere. (zieht eins wohl- 



50 



gefällig an und betrachtet sich im Spiegel). // riy a 
pas ä dire, es geht m'r wie angemesse, es geht m'r 
zue guet. — Was for e Gfüehl dass m'r do hett, 
wenn's heisst : Gr insing er, officier d'academie. Frau 
(umarmt sie) gell, diss hesch du nit gedenkt, dass 
diner Mann 's emol so witt bringt? — 

Madame Grinsinger: C'est vrai, 's isch wohr. 

Fritz Grinsinger: So, unn jetzt mach'sch m'r en 
attendant, e Bändele an mine Schloofrock unn ein's 
an's Schloofhemd. 

Madame Grinsinger: An's Schloofhemd?! — Worum 
denn diss? Im Schloofhemd sieht di doch niemes! — 

Fritz Grinsinger: Was, bin ich unn du d'r Niemes? 
Ja, unn bin ich nit grad so guet dekoriert, wenn i 
schloof, wie wenn i wach?! 

Madame Grinsinger: Diss isch au wohr, ich will 
glich gehn unn's selwer bsorje. (ab) 

Fritz Grinsinger (betrachtet sich wieder mit dem 
Bändchen): Grinsinger, officier d'academie! Cela 
fait plaisir! Cela fait plaisir! (Das Bändchen 
wieder ausziehend) Vorsichtshai wer welle m'r 's vor- 
laifig widder üszeihje. 

Auguste (durch die Mitte, etwas angeheitert und sehr 
gesprächig): Bonjour papa! 

Fritz Grinsinger: Eli bien! Wie isch's üsgfalle, wie 
stehn die Aktie? 

Auguste: Wie's üsgfalle-n-isch papa? Wie d' Aktie 
stehn? So unn so. Vom wisseschaftliche Standpunkt 
üs bin ich mit mim Resultat zefridde, sogar recht 
zefridde, recht zefridde. 

Fritz Grinsinger (für sich) : E merkwüerdiger Frej er ! 
(laut) Was lejt mir d'r wisseschaftlich Standpunkt an! 



— 51 — 

Auguste: Ich hab d'Köpf vun d'r ganze Famili ge- 
messe, vum Babbe, vun d'r Mamme, sogar vun d'r 
Magd .... 

Fritz Grinsinger: Die müehn ebs schöns vun dir 
gedenkt han. (für sich) E so e Hochzitter sieht m'r 
au nit alle Daa! 

Auguste: Oh, sie han's ganz guet begriffe, nur d'Magd 
hett lache müehn. 

Fritz Grinsinger: Diss kann i mir guet vorstelle. 

Auguste: Was du reste im Herr Riemer sine Kopf 
anbelangt, ze hawich e zue e merikwürdige Ent- 
deckung gemacht. Sinere dolichocephale Schädel- 
bildung nooch muess'r sicher üs Nordditschland stamme. 

Fritz Grinsinger: Was saasch du do? — Sott am 
End? Nein, diss isch jo nit möijlich! 

Auguste: Ich hab m'r vorgenomme, Noochforschunge 
drüewwer anzestelle, der cas isch zue intressant. 

Fritz Grinsinger: Unn jetzt wittersch im Text: 
Redd m'r jetzt au vun d'r Mamsell Riemer, wie isch 
do d'Messerej üsgfalle? Enßn, du weisch jo wie ich 
mein. 

Auguste: Babbe, d'r Mamsell Riemer ihre Kopf hawich 
krizwies, üewwerzwärig unn d'r langewäj gemesse 
vor'm z'Middaaesse unn no noch emol nooch'm z'Midaa- 
esse for's dessert. 

Fritz Grinsinger: Ja, unn's Resultat? 

Auguste: Vum wisseschaftliche Standpunkt üs nit 
bsunders intressant, sie hett e gewöhnlicher Durch- 
schnittskopf. 

Fritz Grinsinger (gereizt): Besser e Durchschnitts- 
kopf as wie e Wasserkopf, odder e Schofskopf! — 

Auguste: Pardon papa, e Wasserkopf isch wisse- 
schaftlich unter Umstände sehr intressant. 



— 52 — 

Fritz Grinsinger: D'r Gücksel noch emol, loss m'r 
jetzt doch emol die einfältig Wisseschaft üs'm Spiel, 
unn redd m'r e Gottsnamme doch vum andere Resultat, 
wie du erreicht hesch. 

Auguste: 's ander Resultat, papa, isch glich zero. — 
Papa ich hab mich mit'm beschte Wille numme uff's 
Messe b'schränke könne .... 

Fritz Grinsinger: Was saasch du mir do? — 

Auguste: Que veux-tu papa, wie ich sie so noht be- 
tracht hab, ze hawich gsehn, dass mini Schweschtere 
Recht han ghett. Papa s'isch tatsächlich nit numme 
e Büeckele, wie sie hett ; 's isch e rechter, veritabler 
Buckel! 

Fritz Grinsinger: Plan! 

Auguste: Sicher Babbe, ich hab'ne vor'm Esse im 
nüechterne Zuestand gemesse, hählingerwies, unn 
nooch'm z'Middaaesse, wie ich de Champagner ge- 
trunke hab ghett noch emol. Er hett ungfähr zwanzig 
uff fufzeh Centimeter. 

Fritz Grinsinger: Was isch jetzt do d'rbie? — s'isch 
wohl d'rwerth, dass m'r wäje so e paar Centimeter 
e so e-n-Affär macht! Du bisch im Stand unn ver- 
derbsch m'r noch min ganz Fescht am Sundaa. — 
Enfin, was soll ich denn jetzt im Herr Riemer saaue? 

Auguste: Eh bien, saasch'm, dass i e-n-anderi hierothe 
wurr. 

Fritz Grinsinger: E-n-anderi? Ich glaub, dir rappelt's? 

Auguste: Ganz unn gar nit, papa. Min Hirn funktio- 
niert ganz normal. 

Fritz Grinsinger: Na, die wott ich au kenne, wie du 
erüsschoissiere wursch! Ich sieh schun, du wursch's 
Geriss bekumme, wie e-n-alts Paar Schlappe. 



— 53 — 

Auguste: Brüchsch kenn Angscht ze han for mich, 
papa. Ich hab eini im Au, wie sowohl vum wisse- 
schaftliche, als au vum praktische unn vum mensch- 
liche Standpunkt üsmine-n-Anforderunge entschpricht. 
Unn ich hab hytt de-n-Entschluss gfasst, nur die Frau 
ze hierothe, wie mir passt. 

Lisa (von links kommend): Bravo, Auguste, ganz vun 
minere Meinung! 

Fritz Grinsinger: Dini Aprobation brücht'r allewäj ! 

Lisa: Ich mach's egalement eso. 

Auguste: Bravo! 

Fritz Grinsinger: Alls besser! Eh bien, ich garantier 
Ejch, dass Ihr mine Wille reschpektiere wäre! (zu 
Auguste) Du, Auguste, hiero tsch d'mademoiselle Riemer. 

Auguste (ihn unterbrechend): Papa niemols! Unn wenn 
du bis an de plafond springsch! (nach rechts ab) 

Fritz Grinsinger (wütend): Fallt m'r nit in so hoch 
ze springe! — Geh e Gottsnamme im Deifel zue, 
no rennsch au kein Heiliger um! 

Lisa (vorwurfsvoll): Awwer, papa! 

Fritz Grinsinger: Toi, tais-toi! — Unn du hierothsch 
de Baron de Rose, wie am Sundaa uff Visit kummt. 

Lisa: Niemols, Babbe! Niemols! 

Fritz Grinsinger: So? Eh bien, ich will sehn, wer 
Herr im Hüs isch, ich odder Ihr! (ab durch die 
Mitte) 

Lisa (weint): 0, wie bin ich unglüecklich ! 

Charles, wenn du wüescht, wie ich dich gern hab! 

Durand (von rechts): Lisa! 

Lisa (erschrocken auffahrend): Charles, ich hab dich 
gar nit erüs höre kumme. (trocknet sich die Augen 
ab) Du hesch doch nit ghört, was ich ewe do for 
mich gsaat hab? 



54 



Durand: Nein, ich hab nix ghört. Awwer was gilt's, 

ich glaub gar du hesch gegrinne? 
Lisa: Ej jo, 's isch au wohr, d'r Babbe hett m r schun 

widder d'rvun geredd, dass ich mich mit'm Baron de 

Rose fianciere soll. 
Durand: Unn du witt'ne nit? 
Lisa: Ej allewäj, schunsch tat ich doch nit griene. 
Durand: Gell du hesch e-n-anderer im Kopf? 
Lisa (zögernd): Oh nein, Charles, an contraire, sicher 

nit . . . sicher unn gewiss nit. 
Durand: Ich weiss nit, diss kummt m'r nit eso bstimmt 

erüs. 
Lisa: Ja, hett m'rs gemerikt? 
Durand: Aha, du hesch dich verschnappt?! — (fasst 

ihre Hände) Saa m'r 's, wer's isch, verroth m'r's, liebs 

Cousinel. 
Lisa: Niemols, cousin, niemols! — 
Durand: Jetzt bin ich ganz intriguiert. Oh, ich loss 

awwer nit luck, bis ich's erüsgebrocht hab. 
Lisa: Wenn's rüs bringsch, ze bekummsch e Schmutz 

vun m'r. 
Durand: Do will ich m'r doppelt Müehj gän, for's ze 

finde ! — En attendant bin ich awwer froh, dass du 

nix vun dem lätze Baron wisse witt. 
Lisa: Oh, ich wärt e so unglüecklich, wenn mich d'r 

papa zwinge thät, 'ne ze hierothe ! So unglüecklich ! 
Durand: Arm's Lissele, diss derf einfach nit sin, dass 

du unglüecklich wurrsch ! (mit Eifer) Diss derf nit sin ! 
Lisa: Gell du helf seh m'r cousin, wenn mich d'r papa 

zue dere Hieroth zwinge will!? 
Durand: Allewäj helf ich dir, diss lied ich nit, dass 

du unglüecklich wurrsch, do hawich wajer au noch 

e Wörtel mit ze redde als Mitglied vun d'r Famili. 



— 55 — 

Lisa: Merci Charles! 

Durand (immer wärmer): Wenn ich bedenk, wie ich 
dich uffwachse hab sehn, wie du vun Johr zu Johr 
netter, liewer, herziger worre bisch, wie ich mich 
als gfrait hab, min nett Cousinel widder ze sehn 
in de Vakanze, wenn ich als vun Paris kumme bin — 
unn jetzt soll uff einmol einer kumme, dich weg- 
nemme, dich unglüecklich mache, nein, diss derf ein- 
fach nit sin. 

Lisa: Ehnder hieroth ich de-n-erschte beschte ... — 

Durand: D'r erseht beseht?! — Ehnder war ich im 
Stand unn thät dich minsex selwer hierothe! 

Lisa (freudig strahlend): Du wärsch doch nit d'r erseht 
beseht! . . . 

Durand: D'r beseht bin ich awwer au nit (schaut 

sie an, sie schaut ihm verklärt in die Augen) Odder . . ? 
Lisa! (umarmt sie) 

Lisa: Charles! Doch du bisch d'r beseht! 

Durand: Liebs Lissele, gell jetzt ha wich's doch erüs- 
gebrocht, wenne dass du im Kopf hesch ghett? — 
Jetzt reklamier ich awwer au d'r Schmutz, wie du 
m'r ewwe versproche hesch. 

Lisa: Da, do hesch glich zwei, (sie küsst ihn) 

Durand: Awwer, Lissele, worum hesch m'r's denn nit 
verrothe, wie ich dich gfröüjt hab? 

Lisa: Du Dummenickel, doch m'r wurd's Ejch Manns- 
lytte e so licht mache unn Ejch glich alles uff 
d'Naas binde ! Hättsch du diss nit schun lang selwer 
merike solle? Awwer Ihr Mannslytt sin manichmol 
so dumm, dass'r eine grad düre. 

Charles: "Was witte, Lissel, vor lütter Baum hawich halt 
de Wald nit gsehn. 

Lisa: Siehsch'ne jetzt?! — 



56 



Durand: Gott sej Dank! (küsst sie, Auguste kommt 
von rechts, Jeannette von links). 

Auguste: Oho! Ich glaub Ihr mache Pfänderspiel?! — 

Je an nette: Wer hett verlöre? 

Lisa: Mir han alli zwei gewunne. 

Durand: Do stell ich Ejch mini Hochzittere vor. 

Jeannette: Bravo! Mir gratuliere ! 

Lisa: Mir han uns verlobt üs purer Opposition geje de 

papa. Gell Charles? — 
Durand: Ja, üs purer Opposition. Un wenn ich Ejch 

e gueter Roth ze gänn hab, ze schliesse-n-Ihr Ejch 

dere-n-Opposition an. 
Auguste: Unn mache-n-e Generalstreik unn verspreche, 

dass mir uns nur uff die Hieroth inlon, wie uns 

konveniert. 
Lisa: Ich hieroth de Charles! 
Jeannette: Ich de Georges! 
Auguste: Unn ich ... . (Pause) 
Je an nette: Ems mit d'r Sproch! 
Auguste: Eh bien .... Was thäte-n-Ihr vun d'r 

mademoiselle Gauthier halte ? (grosse Verwunderung 

der Anwesenden) 
Lisa: Löuj do ! Ja, zitt'r wanneh brennt denn diss Fyr ? 
Auguste: Ej, es glunzt schun ewyl. Awwer hytt, wie 

ich in's Riemers bin gsin, ze-n-isch's m'r so uff ein- 

mol wie e-n-Erleichtung üewwer mich kumme. 

jy mademoiselle Gauthier, hett do e-n-innerlichi Stimm 

zue mir gsaat, diss war so e Frau for mich! 
Jeannette: Ah! Do hesch du dich noch nit mit ere- 

n-üsgsp röche? 
Auguste: Nein, awwer bie d'r nächste Geläjeheit wurr 

ich zuem Sturm vorgehn un ere de Puls füehle. 



57 



Lisa (am Fenster): Tiens, do kummt sie grad d'r Hoft 

erin. 
Durand: Do welle m'r dich nit geniere. 
Jeannette: Bonne chance! 

Durand: Et bon conrage! (Alle drei ab nach links) 
Auguste (den Dreien nach bis an die Türe): Ze 

warte doch, eso pressiert's doch nit. (verlegen) Eine 

eso im Stich ze Ion . . . . Sapristi, wie m'rs Herz 

klopft .... ich mein ich hab e grossi Drumme drin . . . 

Wenn ich nur wüesst, wie die Sach anfange .... 

Bah, ich verschieb's uff e-n-andersmol .... (will 

ab nach rechts). 
Olga (durch die Mitte): Bonjour Herr Grinsinger. 
Auguste: Ah, Sie sin's? Bonjour mademoiselle ! . . . 

(für sich) Je suis emuf 
Olga: Isch d'r Herr Professor Kneppchen nit do?Ich 

bring' m d' Abschrift vum Stenogramm. 
Auguste: Ah tres bien, tres bien .... doch, er isch 

do . . . . (für sich) ich fass m'r e Herz, es muess 

erüs! 
Olga: Isch'r uff sim Zimmer? 
Auguste: Ja, awwer warte Sie, ich hätt e Bitt an 

Sie, Sie kumme nämlich wie geruefe, wie nooch Wunsch . . 
Olga: Tant mieux! 
Auguste: Ich hab nämlich ... ich sott nämlich . . . 

ich wott nämlich .... (für sich) Nom d'un petit 

bonhomme, e so geht's nit! 
Olga (für sich): Was hett'r denn, er kummt m'r so 

merikwüerdig vor?! (zu Auguste) Mit was kann ich 

diene ? . . . . 
Auguste: 's isch ... es handelt sich um e kleine 

service ... um e Kleinigkeit ... 's isch nit d'r 

wert, dass m'r dervun redd . . . 



— 58 — 

Olga: Et bien, babble Sie numme. 

Auguste (abseits): Sac ä papier, die Affär macht 

mich schwitze! Wie die Sach angriffe?! Ah, mais 

oui, ich mach's wie bie d'r mademoisselle Riemer. 
Olga: Sie mache mich ganz gspannt. 
Auguste: Eh bien, die Sach isch einfach ... ich sott 

nämlich unbedingt noch emol VMess vun Ihrem Kopf 

verriviziere wäje d'r Berechnung. 
Olga: Ah, wenn's wittersch nix isch, unn do d'rwäje 

mache Sie so e Läwesdaa? 

Auguste: Ich hab gemeint, wie Sie d'r Huet uff han, 
dass verlicht .... 

Olga: Quelle idee, denne zehjt m'r einfach ab (zieht den 
Hut ab und setzt sich auf einen Stuhl). Also, en 
avantl 

Auguste (zieht das Metermass heraus): Quelle 
emotion. Noch nie in mim Läwe hawich e so e-n- 
Uffreijung gspiert! Bie de schwerschte-n-Operatione 
nit! Nit emol bie'm Staatsexame! 

Olga: Wenn Sie welle, notier ich d'Zahle (sie zieht ein 
Notizbuch aus der Tasche). 

Auguste: Wenn Sie so guet welle sin. (für sich) Grad 
d'Frau, wie ich sie mir wüensch! (Er fängt an zu 
messen) Breite vierzehn Komma sieben. 

Olga (notierend): Vierzehn Komma sieben. 

Auguste: Bon dien, quelle emotion! (er misst weiter) 
Länge siebzehn Komma sechs. 

Olga (notierend): Siebzehn Komma sechs. 

Auguste (für sich): Es geht alles mit m'r im Ringel 
erum! Ich mein, ich bin uff'm carrousel! (misst noch 
einmal die Breite) Breite vierzehn Komma sieben. 



— 59 — 

Olga: Awwer, was mache Sie denn? — Sie han jo 

ewwe d' Breite schun gemesse; (Für sich) Was hett'r 

denn numme? 
Auguste: Ah richtig, c'est juste! (Steckt das Meter- 

mass ein, nimmt den Bandmeter und misst) Um- 
fang fünfzig Komma sieben. 
Olga: Umfang fünfzig Komma sieben. 
Auguste (Hält das Metermass fest und umspannt ihren 

Kopf verklärt mit den beiden Händen): Was e 

Gfüehl! Was e Glüeck ihre Kopf in mine Hände 

ze halte! 
Olga: Awwer Herr Auguste, was han Sie denn, dass 

Sie mine Kopf e so fescht hewe? 
Auguste: 's isch wäje-n-'m volume . . . ., wäje-n-'m 

Umfang. 
Olga (für sich): Zue merikwüerdig ! 
Auguste (steckt das Mass wieder in die Tasche, zieht 

das Metermass wieder hervor und misst wieder die 

Breite) : Breite vierzehn Komma sieben. 
Olga: Awwer Herr Auguste, was fehlt 'ne denn, jetzt 

messe Sie d'Breite jo schun zuem dritte Mol? Sin 

Sie denn krank? 
Auguste (vor ihr auf die Knie sinkend): ja, made- 

moiselle Olga, ich bin krank, arig krank! 
Olga: Wo fehlt's ne denn? 

Auguste (wehmütig): Am Herze, mademoiselle Olga! 
Olga: Do müehn Sie awwer schnell zuem Dokter gehn. 
Auguste: Sie sin d'r einzigscht Dokter, wie m'r helfe 

kann! Mademoiselle Olga, Sie müehn mini Frau 

wäre! 
Fritz Grinzinger (durch die Tür links herein): Oho, 

was isch diss? 



— 60 — 

Auguste (hat schnell einen Fuss Olgas erfasst und 
nimmt ernsthaft das Mass): Länge zweiundvierzig 
Centimeter .... 

Fritz Grinsinger (für sich) : Diable, die schient uff 'm 
e grosse Fuess ze läwe ! — (Zu Auguste) D'r Gücksel 
noch emol, Auguste, jetzt bisch du glauw ich au noch 
Schuehmacher worre?! — 

Auguste: Babbe, 's isch . . . m'r han . . . m'r welle- 
n-e Berechnung anstelle üewwer 's Verhältnis vun 
der Grösse vun de Füess zue d'r Grösse vun de 
Köpf. 

Fritz Grinsinger: Ich bin nejgierig, uff was für 
Idee Ihr noch kumme wäre. (Ab durch die Mitte.) 
Der Kerl wurd m'r noch ganz verruckt mit dere 
Messerej ! 

Olga: Sie hätte mich do fascht in e schöni Verläjeheit 
gebrocht. 

Auguste (aufstehend): Mademoiselle Olga, gän Sie 
mir Antwort uff mini Fröuj. Welle Sie mini Frau 
wäre ? 

Olga: Ich muess 'ne g'stehn, dass Sie mich do in e 
grosse embarras bringe. Erschtens muess ich Ihne 
saaue, dass ich im e Jungfraueverein anghör, wie 
d' Mitglieder gelobt han, nit ze hierothe. 

Auguste: Ej trette Sie einfach widder üs. 

Olga: Diss kann ich nit, ich bin im Vorstand, ich bin 
Schatzmeisterin. 

Auguste: Schatzmeisterin?! — Ei, wisse Sie was, 
nemme Sie mich zuem Schatz, un wäre Sie mini 
Schatzmeisterin! — (in anderem Tone) Sehn Sie, 
wie dis nett war, wenn m'r mitnander studiere thäte, 



— 61 — 

unn unseri Kenntnisse in de Dienscht vun d'r Wisse- 
schaft stelle thäte! Ich thät 'ne diktiere, Sie thäte 
schriewe unn redigiere. 

Olga (verklärt) : Sie thäte diktiere, ich schriewe unn 
redigiere, oh ja, diss war schön — sicher. 

Auguste: Unn d'rno, Ihr Kopf thät vum anthropolo- 
gische Standpunkt üs üsgezeichnet zue mim passe. 
Yum wisseschaftliche Standpunkt wär's üsserordent- 
lich intressant ze sehn, welli Kopiformation e-n-even- 
tuelli Noochkummeschaft vun uns hätt. 

Olga: Glauwe Sie weriklich, dass diss wisseschaftlich 
von grossem Werth war ? 

Auguste: Ohne Zwiefel ! — Un bon mouvement, 
saaue Sie ja, mademoiselle Olga. 

Olga: Ich muess 'ne gstehn, dass Sie mir 's Problem 
vun der Eh in e ganz neji Belaichtung geruckt han, 
unn dass die Üssicht eventuell mini Kräfte noch 
meh in de Dienscht vun d'r Wisseschaft stelle ze 
könne, mich vun mim prinzipielle, oppositionelle 
Standpunkt abkumme hett Ion. 

Auguste: Ainsi, do könne m'r uns also als verlobt 
ansehn ? 

Olga: Ich saa nit ja, ich saa awer au nit nein. 

Auguste (will sie umarmen): Olga! 

Olga: Nit, Auguste . . . (wehrt ab). Diss welle m'r in 
unreife junge Lytt üewwerlon. Abgsehn do d'rvunn, 
dass ich 's Schmutze for unhygienisch halt. 

Auguste: Ich bin ganz vun dinere-n- Ansicht, Olga. 
Ich hab meme e-n-Uffsatz üewwer diss Thema 
gschriwwe. Awwer im Moment, do hett's mich 
gepackt — mit aller Gewalt gepackt. 

Olga (vorwurfsvoll): Awwer Auguste, e Mann vun d'r 
Wisseschaft ! 



— 62 — 

Auguste : M'r hett guet e Mann vun d'r Wisseschaft 
sin, m'r isch d'rwäje doch nit von Holz! (bittend.) 
Olga, nur einmol, nur e-n-einzigs Mol, für unsere 
Bund ze bekräftige! (Er küsst sie, sie lässt es ge- 
schehen.) 

Olga: 0, ich hab mir immer gedenkt, wenn ich nur 
emol e Mann vun der Wisseschaft als Mann bekam ! 

Auguste: Olga! (küsst sie wieder und nimmt sie in 
den Arm.) 

Olga (deutsch sprechend): Mir wird ganz seh windlich! 
(Sie lässt sich gehen) Küss mich wieder, August! 
Ich fühle mich so glücklich! 

Auguste (küsst ihn, sie küsst ihn wieder) : Gelt Olga, 
es isch halt doch andersch in d'r Theorie unn in d'r 
Praxis ! 

Olga: ja, liewer Auguste! 

Auguste (lauscht auf) : Seht, es kummt iemes. (Nimmt 
das Metermass und fängt ernsthaft an zu messen.) 

Fritz Grinsinger (zu Ehrstein, mit dem er durch die 
Mitteltüre kommt) : Gehn Sie numme nin. 

Auguste (messend): Breite vierzehn Komma sieben. 

Fritz Grinsinger : D'r Gücksel, sin'r denn noch nit 
fertig mit dere Messerej ! 

Auguste : Doch, papa. Im Auesblick sin m'r ferti 
worre. (Er begrüsst Ehrstein.) 

Olga: Ja, unn ich will im Herr Dr. Kneppchen sin 
Manuskript bringe. 

Auguste: Ich begleit Sie, d'r Babbe hett doch eilein 
mit'm Herr Ehrstein ze redde. (Beide ab.) 

Fritz Grinsinger: Also, Herr Ehrstein, verschone Sie 
mich, ruiniere Sie mich nit, seje Sie vernünftig un 
saaue Sie mir, was soll ich 'ne Abstand bezahle, for 



— • 63 — 

dass Sie die Dokterarweit, wie Sie schriewe han 
welle, nit veröffentliche ? 

Ehrstein: Es thuet m'r arig leid, Herr Grinsinger, 
Eine saaue ze müehn, dass ich for kenn Geld vun 
d'r Welt d'rvun Abstand nimm, die Arweit ze ver- 
öffentliche, unn dass ich nur unter einere Bedingung 
's sacriflce vun minere Dokterarweit bring, unn diss 
isch, wenn Sie m'r Ihri Tochter gän ! 

Fritz Grinsinger: Diss isch in dem Fall schun meh 
e Dokterrechnung, wie e Dokterarweit! 

Ehr st ein: In dem Fall hätt ich selwer e-n-Intresse 
dran, dass 's nit bekannt wurd, dass Ihr e Sachs sin. 

Fritz Grinsinger : E Sachs, e Sachs, wie m'r nur allewyl 
e so growi Wörter in's Mül nemme kann! 

Ehr st ein: Denn miner Babbe thät's als alter Elsässer 
vom alte Schrot unn Korn niemols inwillige, dass 
ich e Tochter vom e Sachs hieroth. 

Fritz Grinsinger (für sich) : Do kreijt m'r bigott e 
Wueth wie e Hüs unn derf's nit emol zarje! — 

Ehrst ein : Enfin c'est ä prendre ou ä laisser ! 

Fritz Grinsinger (für sich): M'r hett's nit licht e 
Sachs ze sin! — 

Auguste (von rechts kommend) : Papa, grad isch der Herr 
Professor mit d'r Berechnung von dim Kopf fertig 
worre. Die Berechnung hett uns e grossi Uewe- 
raschung gebrocht. 

Fritz Grinsinger : Do bekumm ich schun jedesmol e 
Schrecke, wenn vun ere Uewweraschung d'Redd isch! 

Ehrstein : Do bin ich jetzt au gspannt, wäje minere 
Dokterarweit. 

Auguste: Denk d'r nur, papa, du hesch nit nur e 
ganz reiner dolichocephaler Kopf, was im Elsass arig 
selte isch, du hesch meme der klassischt, d'r charak- 



64 



teristischt dolichocephale Kopf, wie m'r bis jetzt 
gemesse unn berechnet han bie lewändige Persone. 
Mit andere Worte, du hesch d'r reinscht germanisch, 
kurz d'r ditschst Schäddel, wie m'r bis jetzt in ganz 
Ditschland gefunde hett. 

Ehrstein: Sehr intressant for mini Dokterarweit ! 

Fritz Grinsinger (entsetzt): Wie .... Was? — 
Ich soll d'r ditschst Schäddel han ?! Du bisch jo 
gschosse! Unn in Ihri Dokterarweit soll's au noch 
kumme ? 

Ehrstein : Ja, Herr Grinsinger, diss isch meine sehr 
wichtig. 

Auguste : Ja, papa, (mit Stolz) die Entdeckung haw ich 
helfe mache ! 

Fritz Grinsinger (sich setzend): Ah?! — Disssollm'r 
jetzt nix sin ! ! Haw ich dich do d'rwäje sechs Johr 
Ion Dokter studiere unn mich e diers Geld koschte 
Ion, for erüszubringe, dass ich d'r ditschst Schäddel 
soll han! — Do möcht m'r jo grad uff d'r Söuj 
fürt, unn wenn m'r glich kenn Büerscht im Stall 
hett ! — Hör emol, Auguste, es isch m'r schun viel 
passiert im Läwe, mais decidement je ne m'aüendais 
pas ä celal 

Auguste: Ei, was isch denn do d'rbie, papa? — 

Fritz Grinsinger: Was do d'rbie isch? Wenn diss 
erüskummt, kann ich mich nimmi in d'r ganze Stadt 
sehn Ion. Do wäre sie mich fröüje, ob ich waje dem 
officier d'academie worre bin. (Dr. Kneppchen von 
rechts kommend) Bon, jetzt kummt der au noch! 

Dr. Kneppchen: Hm! Ihr Sohn hat Ihnen schon die 
überraschende Mitteilung gemacht? 

Fritz Grinsinger: Ja, es war mir eine grosse Über- 
raschung ! 



65 



G au t hier (durch die Mitte herein. Er trägt Gehrock 
und Zylinder, feierlich) : Verzeihung, wenn ich störe. 

Hans Grinsinger (von rechts) : Ei herj ehses, im Braten- 
rock un d'r Esse!? 

Gauthier: Jawohl Onkel. — (sich zu Fritz Grinsinger 
wendend) Ich komme nämlich, um Herrn Hoflieferanten 
Fritz Grinsinger im Auftrag des Sachsenbundes mit- 
zuteilen, dass er einstimmig als Mitglied aufgenommen 
worden ist. (schüttelt ihm die Hand) 

Hans Grinsinger: Da gratulier ich Dir! (schüttelt ihm 
ebenfalls kräftig die Hand) Das war aber ooch de 
höchste Eisenbahne ! 

Dr. Kneppchen: Schliesse mich der Gratulation an. 

Ehrstein: Ich derf 'ne wohl au gratuliere, (giebt ihm 
ebenfalls die Hand) 

Fritz Grinsinger (wütend für sich): E frecher Patron ! 
Dass der üewweral sini Nas ninstecke muess. 

Dr. Kneppchen: Herr Grinsinger, das scheint ja 
heute ein wahrer Glückstag für Sie zu sein. Eine 
freudige Nachricht nach der andern, (zu Gauthier 
und Hans Grinsinger) Ich habe nämlich Herrn Grin- 
singer eben auch eine freudige Überraschung gebracht. 

Fritz Grinsinger (kläglich): ja! 

Dr. Kneppchen: Durch meine Schädelmessungen habe 
ich eine geradezu verblüffende Entdeckung gemacht. 
Unser lieber Herr Grinsinger (legt die Hand auf die 
Schulter Fritz Grinsingers) hat den rassenreinsten, 
germanischen Schädel, der bis jetzt von meinen 
Kollegen und mir gemessen worden ist. Er ist der 
ausgesprochene Typus. 

Gauthier: Ei gratuliere! Das ist ja famos! 

Hans Grinsinger: Ich sag 's, ja wir Grinsingers sin egal 
vorne dran. 



66 



Gau t hier: Das ist wirklich grossartig, dass gerade ein 
Deutscher, der im Elsass lebt diesen ehrenvollen 
Schädel hat! Da muss mächtig Kapital draus ge- 
schlagen werden! 

Fritz Grinsinger (für sich): 's kummt als besser! 

Hans Grinsinger: Gottverdimmig, dei Bild bringe m'r 
in de Woche und schrei'm drunter Hoflieferant 
Grinsinger, mit seim urdeitschen Schädel. 

Gauthier: Donnerwetter, das ist ein Vorschlag! 

Fritz Grinsinger (für sich): Heiliger Sebastian! 

Dr. Kneppchen: Hm! Leider kann ich das nicht zu- 
geben, da wir uns diese Entdeckung für unsere 
wissenschaftliche Arbeit vorbehalten müssen. 

Fritz Grinsinger (für sich): Schöeni Üssichte! 

Ehr stein: Speziell in meiner Doktorarbeit gedenke ich 
den Fall ausführlich zu behandeln. 

Fritz Grinsinger (für sich): Hol dich d'r Deifel mit 
dinere Dokterarweit ! 

Dr. Kneppchen: Hm! Daran ist nicht zu zweifeln, 
diese Entdeckung wird unbedingt Furore machen! 
Herr Grinsinger übertrifft nämlich um ein Erkleckliches 
den Schädel eines sächsischen Staatsanwalts, Prä- 
sident des Generalverbandes der sächsischen Krieger- 
vereine, den ich bisher für den rassenreinsten deutschen 
Schädel gehalten habe. 

Gauthier: Das ist ja wirklich sehr schmeichelhaft, 
sehr ehrenvoll für Herrn Grinsinger. Gratuliere 
noch einmal herzlichst! (schüttelt ihm kräftig die 
Hand) 

Hans Grinsinger: Ja, mir Grinsinger! Mir sein helle ! 
Aber bild d'r nur nich zu viel druf ein, den Schädel 
haste von dein'n Grossvater. 



67 



Fritz Grinsinger: Du brauchst keine Angst zu haben. 

Ehrstein: Gewiss! So wie ich Herrn Grinsinger kenne, 
ist das nicht zu befürchten. 

Fritz Grinsinger (für sich): Frecher Patron! 

Dr. Kneppchen: Interessant wäre es für die Wissen- 
schaft, wenn nach Ihrem Ableben, das noch lange 
nicht eintreten möge, auch noch der Rauminhalt 
Ihres Kopfes gemessen werden könnte. 

Fritz Grinsinger (für sich): Eh ben merci, de mieux 
en mieux! 

Auguste: Die Messung wird nämlich dadurch bewerk- 
stelligt, dass man den hohlen Kopf mit Erbsen aus- 
füllt, und dann die Erbsen im Schoppenmass misst! 

Dr. Kneppchen: Sehr richtig! 

Ehrstein: Wie Sie sehen, ist die Sache sehr harmlos. 

Fritz Grinsinger (für sich): Nit üwel! (zu Dr. Knepp- 
chen) Das ist ja sehr liebenswürdig von Ihnen, dass 
Sie meinen hohlen Kopf mit Erbsen ausfüllen wollen, 
aber offen gestanden, viel Verlangen habe ich nicht 
danach (für sich) Eh bien non, d'r Kopf voll Erbse, 
diss fehlt m'r grad noch! 

Dr. Kneppchen: So eilt die Sache ja auch nicht. 

Fritz Grinsinger: M'r welle 's schwer hoffe! 

Hans Grinsinger: Das muss ich nu sagen, das war 
m'r ooch nich gemiethlich, meinen Kopf voll Erbsen 
zu haben. 

Gauthier: Ja! Was tut man nicht im Interesse der 
Wissenschaft ? (zu Dr. Kneppchen) Verzeihung, Herr 
Professor, wie steht es übrigens mit meinem Kopf? 
Den haben Sie ja auch die kreuz und quer vermessen. 

Dr. Kneppchen: Ah, richtig! — Ihr Kopf, Herr 
Gauthier, ist nicht minder interessant. Denken Sie, 



— 68 — 

Ihr Schädel hat nämlich einen ausgesprochenen klass- 
ischen Negro'identypus, wie er bis jetzt in Deutsch- 
land noch nirgends gefunden worden ist, und wie er 
nur in Südfrankreich, im Rhonegebiet, vorkommt. 

Gauthier: Nanu, machen Sie keine faulen Witze! 

Dr. K neppchen: Im vollen Ernst, Ihr Schädel ist 
ausgesprochen südfranzösisch, ja er kann geradezu 
als typisch in seiner Art gelten. Ich stehe nicht 
an, ihn als Pendant des Grinsingerschen Kopfes hin- 
zustellen und ihn als den klassischsten südfranzösischen 
Kopf zu erklären, der mir bekannt ist. — Ja gewiss. 

Gauthier (auf- und abgehend, in grossem Ärger): Herr 
Dr. Kneppchen, ich kann im allgemeinen Scherz 
vertragen, sogar viel Scherz vertragen, aber ich muss 
Ihnen ehrlich gestehen, dass ich gerade in nationaler 
Beziehung sehr empfindlich bin. Sie haben das ver- 
mutlich nicht gewusst, sonst hätten Sie sich diese 
Bemerkung über meinen Kopf nicht erlaubt, die mir 
hier im Elsass besonders peinlich ist. 

Dr. Kneppchen: Aber ich bitte Sie! Es ist mein 
heiliger, wissenschaftlicher Ernst. Sie haben eben den 
markantesten, südfranzösischen Schädel, der bekannt 
ist; ja, Sie übertreffen sogar noch den Schädel 
Derouledes um ein Bedeutendes. 

Gauthier (wie von der Tarantel gestochen) : Wie sagten 
Sie da?! — Mein Kopf ist noch französischer wie 
der von Deroulede? 

Dr. Kneppchen: Gewiss! Und darum bin ich fest 
überzeugt, dass Sie französischer Abstammung sind. 

Gauthier (wütend): Mein Herr! Sie häufen Beleidi- 
gung auf Beleidigung! Ich protestiere auf das Ent- 



69 



schiedenste gegen eine solche Verhöhnung meiner 
Person! 

Fritz Grin sing er (für sich): Mit de Erbse wurd's do 
au nix! 

Hans Grinsinger (besänftigend): Aber Karl, koch 
doch nich gleich so über! 

Gauthier: Das lasse ich mir einfach nicht bieten. Ich, 
der Präsident des Sachsenbundes, Mitglied sämtlicher 
deutsch-patriotischer Vereine, ich hätte einen aus- 
gesprochenen französischen Schädel! Da hört die 
Gemütlichkeit auf. Ich wollte mal sehen, was Herr 
Grinsinger gesagt hätte, wenn man das von ihm ge- 
sagt hätte. 

Fritz Grinsinger: Ich versichere Sie, es hätte mir 
gar nichts gemacht. 

Hans Grinsinger: Dann ist es schade, dass Ihr eure 
Koppe wess Kneeppchen nicht vertauschen könnt! 

Gauthier (mit grosser Erbitterung): Ich, französischer 
Abstammung, das ist einfach undenkbar, nach Lage 
meiner Gesinnung undenkbar! — Da müssten die 
heiligsten Gefühle in mir lügen! Woher käme dann 
meine Liebe zum Vaterland, meine Treue zu König, 
Kaiser und Reich?! 

Dr. Kneppchen: Sie sind eben das Kind Ihrer Er- 
ziehung. Wären Sie in Frankreich erzogen, so wären 
Sie eben ein französischer Patriot geworden. 

Gauthier: Mein Innerstes dreht sich um bei einem 
solchen Gedanken! Solche Gefühle erzieht man nicht, 
die stecken im Blut! Wenn Ihre Behauptung, ich 
sei französischer Abstammung, sich bewahrheiten 
sollte, so würde ich mir eher eine Kugel durch den 
Kopf schiessen! 



70 



Dr. Kneppchen: Auf alle Fälle werde ich Nach- 
forschungen anstellen. 

Gauthier: Ich werde diesen Nachforschungen mit 
grosser Ruhe entgegensehen. 

Hans Gr in singe r (für sich): Verteufelte Affäre! 

Dr. Kneppchen: Übrigens deutet ja schon Ihr Name 
auf französische Abstammung. Gauthier ist ein ver- 
breiteter französischer Name. 

Gauthier (im Zorn): Jetzt wird's mir aber zu bunt! 
Kann es einen echt deutscheren, urgermanischeren 
Namen geben als Gauthier? 

Dr. Kneppchen: Hm! Es würde Ihnen schwer fallen 
die Etymologie, die Entstehung des Namens zu er- 
klären. 

Gauthier: Ein Kinderspiel! (mit Ironie) Es dürfte 
Ihnen, Herr Doktor, als Gelehrter nicht unbekannt sein, 
dass früher Deutschland in Gaue eingeteilt war. 

Dr. Kneppchen: Stimmt auffallend. 

Fritz Grinsinger: So ungefähr wie das Elsass in 
Kreise eingeteilt ist? 

Gauthier: Sehr richtig. 

Dr. Kneppchen: Ich bin gespannt. 

Gauthier: Und an der Spitze jedes Gaues stand ein 
höherer Beamter, „ein grosses Thier", wie man jetzt 
noch die höheren Beamten zu nennen pflegt, und 
dem gab man scherzweise den Namen Gauthier. 

Fritz Grinsinger: Das wäre demnach also ungefähr 
das, was jetzt bei uns im Elsass ein Kreisdirektor 
ist? — 

Gauthier: Sehr richtig. 

Dr. Kneppchen (mit Ironie): Überzeugt hat mich 
Ihre etymologische Auseinandersetzung nicht. Ich 
werde infolgedessen Nachforschungen anstellen und 



— 71 — 

Ihnen Ihre französische Abstammung beweisen. Die 
Wissenschaft wird Ihnen diese kleine Enttäuschung* 
nicht ersparen können. 

Gauthier: Wissenschaft! Die Drohung mit der Sorte 
von Wissenschaft lässt mich kalt! Wissen Sie, für 
was ich Ihre Wissenschaft halte? Für Mumpitz, für 
puren Mumpitz! 

Dr. Kneppchen (knapp) : So ? ! (Auguste und Ehrstein 
verraten grosse Aufregung) Ist das Ihr Ernst? 

Gauthier: Mein voller Ernst ist es! — für Mumpitz 
halte ich Ihre Wissenschaft, für Mumpitz ! Mumpitz ! 
Mumpitz ! 

Fritz Grinsinger: Adje Pardie! 

Dr. Kneppchen (förmlich im Gegensatz zu Gauthier, 
der sehr aufgeregt ist): Mein Herr, Ihre Äusserung 
könnte meine Kollegen und mich beleidigen, wenn 
Sie von anderer Seite gefallen wäre. 

Gauthier (wütend): Wie verstehen Sie das? 

Dr. Kneppchen: Ich bedenke, dass Ihr Unverstand 
und Mangel an Bildung Ihr Verhalten entschuldigen. 

Fritz Grinsinger (für sich): Qase gäte! Jetzt kumme 
die Schwowe hinterenander! 

Gauthier (der sich zuerst nicht fassen kann): Mein 
Herr! — Auf Ihre Unverschämtheiten kann ich 
Ihnen nur erwidern, dass mir meine Bildung und 
mein Verstand lieber sind als Ihre verrückten Unter- 
suchungen! (geht der Türe zu) Mein Herr, Sie werden 
noch Näheres von mir hören! 

Hans Grinsinger (vertritt ihm den Weg): Na, de 
werst doch nich! 

Dr. Kneppchen (gemessen): Ich stehe zu Ihrer Ver- 
fügung. 



72 



Gauthier: Ich werde Sie wegen Beleidigung* verklagen, 
ich will doch sehen, ob deutsche Richter es zugeben, 
dass man einen in Treue zu König, Kaiser und 
Reich aufgewachsenen Deutschen so in seinen hei- 
ligsten Gefühlen verletzen darf?! 

Dr. Kneppchen: Gut, ich werde Widerklage erheben, 
ich habe in die Vernunft der Richter mehr Zutrauen 
wie in die Ihre! 

Fritz Grinsinger (für sich): Attrape! 

Dr. Kneppchen: Und nun habe ich wirklich keine 
Lust mehr, meine Zeit mit Ihnen zu verlieren (wendet 
sich zu Augiiste und Ehrstein). Wenn ich meine 
Herren Kollegen bitten darf, unsre Arbeit Avieder 
aufzunehmen, (wendet sich der Türe rechts zu.) Ich 
empfehle mich! (alle drei ab) 

Gauthier: Solch ein unverschämter Patron! Der Kerl 
ist verrückt! (Auf und ab in grosser Aufregung.) 

Hans Grinsinger (abseits): Akurat wie'n Löwe in 
seim Käfig! — (zu Gauthier) Aber lieber, gutester 
Karlemann, so sei doch vernünftig. Rej' dich doch 
nicht so uff! Wir Sachsen sind doch sonst so ge- 
mietliche Leute, nich wahr, Fritz?! 

Fritz Grinsinger: Ja, gewiss! Herr Gauthier beruhigen 
Sie sich (Hans und Fritz suchen Gauthier festzuhalten, 
um besser auf ihn einreden zu können.) 

Gauthier: Ich schicke ihm ausserdem noch meine 
Zeugen! Mangel an Bildung hat er mir vorgeworfen 
und Unkenntnis dazu, so eine Gemeinheit! Da hört 
doch alles auf! 

Fritz Grinsinger: Bedenken Sie doch, das gäbe eine 
Skandalaffäre! (für sich) Heiliger Strohsack! 

Gauthier: Das ist mir ganz W T urscht! Ganz schnuppe! 



73 



Hans Grinsinger: Bedenk mal unter Sachsen, unter 
uns Sachsen, nicht wahr Vetter? .. Die Blamaasche! 

Fritz Grinsinger: Ja, bedenken Sie nur unter uns 
Sachsen! Diese Blamaasche! 

Hans Grinsinger: Die Geschichte kam doch sicher- 
lich in alle Zeitungen. 

Fritz Grinsinger (für sich): weh! 

Hans Grinsinger: Was müssen denn de Elsässer von 
uns denken, wenn's heesst, mir Deutsche vertragen 
uns nich enmal unterenander?! — 

Fritz Grinsinger (heuchelnd): Ja gewiss, bedenken 
Sie, was werden die Elsässer sagen?! — 

Gauthier: Das ist mir ganz egal! 

Fritz Grinsinger: Wenn Sie damit einverstanden sind, 
so will ich zum Herr Professor gehen, vielleicht ent- 
schuldigt er sich. 

Gauthier: Wie Sie wollen. Ich verlange jedoch ganz 
kategorisch, erstens: dass er revoziert und depreziert 
und zweitens: dass er seinen „französischen Schädel" 
mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns zurückzieht— 

Fritz Grinsinger (abgehend nach rechts): Die Nun- 
dedie's Schwowe! 's ganz Hüs mache se m'r lätz! 
(ab nach rechts) 

Gauthier (wieder auf und ab). 

Hans Grinsinger (Gauthier an den Schultern anfassend, 
vertraulich) : Nu hör mal lieber, gutester Karl. Mach 
mir keene Schosen. Ich bin dei Onkel und sag d'r, 
's war doch jammerschade, wenn die Überraschung, 
die wir beden gestern für meinen Vetter Fritze im 
Geheimnis ausgeheckt ham, durch die Geschichte 
zu Essig würde. 

Gauthier: Das hat doch nichts mit der Sache zu tun. 
Jetzt muss im Gegenteil die Idee erst recht ver- 



— 74 — 

wirklicht werden, brillant muss sie verwirklicht 
werden. Sie ist übrigens schon so gut wie verwirklicht. 

Hans Grinsinger: So? Sin alle Herrn vom Vor- 
stand d'rmit einverstanden? 

Gauthier: Gewiss, unsere Idee ist einstimmig angenom- 
men worden? Das Programm ist kurz folgendes: Am 
Sonntag wird der Sachsenbund einen Ausflug nach 
dem Odilienberg machen uud am Abend auf dem 
Rückweg werden wir deinen Vetter Fritz mit einer 
Serenade auf seinem Landgut bei Barr überraschen 
und seine Ernennung zum Hoflieferanten feiern. 

Hans Grinsinger: Bravo, uff die Überraschung freu 
ich mich! Weess Kneppchen! Aber nich schwatzen! 
Sonnabend reis ich ab und schwupp dich, bin ich 
am Sonntag wieder da! 

Gauthier: Famose Überraschung! 

Fritz Grinsinger (von rechts): Mein Sohn verhandelt 
eben mit dem Professor. Er hofft die Sache beizulegen. 

Hans Grinsinger: Um so besser. Unterdessen wollen 
wir zwei (zu Gauthier) en kleenen Bummel machen. 
E Licht- und Luftbad kann nach dem Bruderkriege 
nischt schaden. 

Gauthier: Da hast du recht, mir ist der Kopf zum 
Platzen voll! 

Hans Grinsinger: De hast doch keene Erbsen drine? 

Gauthier (sich von Fritz Grinsinger verabschiedend): 
Empfehle mich uuterdessen (mit Hans Grinsinger ab). 

Fritz Grinsinger: Vermaledeiti Gschicht, e so e 
Skandalaffär, die tat m'r jetzt grad noch fehle. 

Auguste (von rechts): Papa, ein Resultat hawich schun 
erreicht, d'r Herr Professor verzieht emol schun uff 
sini Gejeklaau geje de Herr Gauthier. 



— 75 — 

Fritz Grinsinger: Du bisch jo e Deifelskerl! Ja, jetzt 
saa m'r awwer doch au, wie du diss Kunststückel 
fertigebrocht hesch. 

Auguste: Ei ganz einfach, ich hab'm gsaat, dass ich 
mich vor ungfähr ere halwe Stund mit d'r Mamsell 
Gauthier verlobt hab, d'rno . . . 

Fritz Grinsinge r (laut lachend): Haha! Diss isch e 
gueter Witz! 

Auguste: Kenn Witz 's isch miner gröscht Ernscht, 
papa .... 

Fritz Grinsinger (entsetzt): Wie, was? Kenn Witz! 
Diner gröscht Ernscht? Saa's noch emol, mit d'r 
Mamsell Gauthier?! — Mit dere hesch du dich ver- 
lobt?! — 

Auguste: Ja, Babbe! 

Fritz Grinsinger (lässt sich auf einen Stuhl fallen): 
Jetzt saa ich au nix meh! Ja bisch denn du üewwer- 
gschnappt? 

Auguste: Siehsch, papa, ich hab ehnder eini gfunde, 
wie du gemeint hesch. 

Fritz Grinsinger: Die isch au dernooch! 

Auguste: Papa, die Mamsell gfallt mir sowohl vum 
wisseschaftliche, wie vum praktische als au vum rein 
menschliche Standpunkt üs, et cela suffit! 

Fritz Grinsinger (auffahrend und in einer Wut auf 
und ab): Diss soll m'r jetzt nix sin! Ein Stoss 
nooch'm andere! (vor Auguste stehen bleibend) Ja 
bisch denn du von alle guete Geischter verlon, dass 
du diss Schwowemaidel üs Sachse hierothe witt? 

Auguste: Diss Schwowemaidel üs Sachse stammt, diss 
steht nooch unsere Forschunge fescht, ganz sicher 
üs Frankrich. 



— 76 — 

Fritz Grinsinger: Unn wenn sie hundertmol üs Frank- 
rich stammt, ze-n-isch se doch e Schwob! 

Auguste : Unn wenn du hundertmol üs Sachse stammsch, 
ze bisch du doch e Franzos ! Die Logik versteh wer 
will unn kann. — 

Fritz Grins ingei : Ja, ze saa mir e Gottsnamme, wie 
hesch denn du d'r Kürasch hergenumme, for so e 
Dummheit ze mache? 

Auguste: Ei d'r Champagner, wie ich in's Riemer's 
getrunke hab, hett m'r Mueth gemacht. 

Fritz Gr in sing er: Was saaschdüdo?! Diss isch jetzt 
emol e lätzer Champagner, wie du do getrunke hesch ! 
Wenn d'r Herr Riemer sich uff so e Resultat gfasst 
hett, ze will ich Hans heisse! — Enfin, wenn du 
meinsch, dass ich mini Inwilligung zue dere Yieheit 
gieb, ze bisch du lätz gewickelt! 

Ehrstein (von rechts): Sie exküsiere, Herr Grinsinger, 

wenn ich ebb dass ich heim geh, Sie bitt an unseri 

Unterredung vun vorhere anzeknüepfe. 
Fritz Grinsinger: Herr Ehrstein, Sie schoisiere-n-e 

lätze Moment. 
Jeannette (von links): Papa! Wie stehn d'Aktie? 

Derf ich de Georges hierothe? 
Fritz Grinsinger: Wenn's grüen schnejt! 
Jeannette (ängstlich): Ja, sin'r denn nit einig worre? 
Fritz Grinsinger: Nein, mir sin nit einig worre. Do 

wurd nix drüss, ein for alli mol! 
Jeannette (weinend): 0, ich wott, ich war nie uff d' 

Welt kumme! 
Ehrst ein (mit geheuchelter Traurigkeit): In dem Fall 

thät m'r halt e Gottsnamme nix anderseits üewwrig 



— 77 — 

bliewe, als mich in mine wisseschaftliche Studie ze 
vergesse. Mit doppeltem Ifer wurr ich jetzt an mini 
Dokterarweit gehn. 

Fritz G r i n s i n g e r (für sich) : Alterns hon ; an die Dokter- 
arweit liawich, weiss Gift, nimm gedenkt! Bin ich 
in ere Zwickmüehl ! Bin ich in ere Zwickmüehl! 

Madame Grinsinger (von links): Grad ewwe telepho- 
niert mir d'r Herr Riemer, dass schun drissig adhe- 
sion, dejä trente adhesions, ingeloffe sin for de nächste 
Sundaa. — Awwer was hesch du denn Männel, 
qit'as-tu donc, du schiensch dich jo gar nit ze fraije? 

Fritz Grinsinger: Wie kann m'r sich do noch fraije, 
wenn alles drunter unn drüwwer geht unn eine ein 
Schlaa nooch'm andere trifft?! — Ich fang wajer an 
an d' Hexe ze glauwe! Diss sin schöni Üssichte 
uff's Fescht vun d'r Fanfare ! Schöni Üssichte! 

Madame Grinsinger: Ja, ze redd doch ! Was isch denn 
gschehn? — 

Fritz Grinsinger: Was gschehn isch? D'r Auguste 
will d'Mamsell Gauthier hierothe! 

Madame Grinsinger: Diss Schwowemaidel?! 

Auguste: Oui, mamanf 

Fritz Grinsinger: Unn d'r Herr Ehrstein setzt m'r 

d'Pistol uff d'Bruscht. Er möcht 's Jeannette als 

Frau. 
Madame Grinsinger: Mon Dieu! Unn grad saat m'r 

's Lisa, qiielle veut Charles, dass 's sichs mit'm 

cousin Charles fianciert hett. 
Fritz Grinsinger: Mit'm cousin Charles?! Au diss 
- noch! Ja, unn d'r Baron de Rose wie am Sundaa 

kummt! Was wurd der saaue?! — Der Daa soll mir 



— 78 — 

kenn Üwerraschunge gebrocht han! — (Ganz geknickt) 
D'r ditschst Kopf soll ich han! Erbse welle se m'r 
mnmache! E Dokterarweit welle se drüewwer 
schriewe! In e Prozess unn Duell soll i verwickelt 
wäre! D'rzue drej lätzi Hierothe-n-in Üssicht! — 
Ich wurr maschukke, ich kumm üs'm Hiesel! — Ich 
kumm drüewwer nüs! Hebb m'r de Kopf, Frau, 
ich mein, ich höer schun d'Erbse drinne rapple! 



Schluss des II. Aufzuges. 



III. Aufzug. 



Empfangshalle im Landhause Grinsingers. Rechts und links 
Türen. Hinten in der Mitte grosse offenstehende Doppeltüre mit 
Ausblick in den Garten. Die Halle ist gut möbliert und mit Blumen 
und Kränzen geschmückt. Rechts ist ein Büffet mit kalten Speisen 
aufgestellt. Am Boden Körbe und Eiskübel mit Sekt. Wenn der 
Vorhang in die Höhe geht, ist de Rose in ein eifriges Gespräch 
mit Fritz Grinsinger und seiner Frau verwickelt. Lisa und Jean- 
nette halten sich ein wenig abseits. De Rose ist eine jugendliche 
Erscheinung, er trägt Automobilkleidung. Fritz Grinsinger trägt 
das violettene Ordensbändchen im Knopfloch. 

de Rose: . . . Et votre sante madame ? Vous allez 
mienx maintenant? Votre mari m'a dit que vous avez 
ete un peu souffrante ces temps derniers. 

Madame Grinsinger: merci, ga va de nouveau 
mienx. Le medecin m'a fait suivre un regiment et 
prendre des fortifications et maintenant je suis de 
nouveau completement guerite. 

FritzGrinsinger (macht eine verzweifelte Geberde, 
(für sich): Guerite! (zu de Rose). Nous avions dejä 
peur que vous ne viendriez pas, monsieur le baron. 

Madame Grinsinger: Oui je disai comme ca ä mon 
komme, monsieur le baron ne vient pas. 

de Rose: Comment donc, madame, jamais de la vie 
j'aurais voulu manquer Voccasion de faire la con- 
naissance de cette vaillante societe alsacienne. 

Fritz Grinsinger: Enfin vous avez tout juste le temps 
de faire un peu de toilette ; il faudra meme vous 
presser. 

Madame Grinsinger: Je m'en va vous montrer votre 
chambre. (wendet sich nach rechts.) 



— 80 — 

de Rose: (verneigt sich vor Lisa und Jeannette) Mes- 
demoiselles, ä tont ä Vheure! (Folgt Madame Grin- 
singer nach rechts.) 

Madame Gr in sing er (an der Türe stehen bleibend): 

Passez, monsieur le baron. 
de Rose: Apres uous, madame. (Madame Grinsinger 

ab, de Rose ihr nach.,) 

Fritz Grinsinger (sich die Hände reibend): Gott sei 
Dank, dass 'r do isch. Alles isch bis jetzt glatt ab- 
geloffe, bis uff e paar französchi Fehler, wie d'Mamme 
gemacht hett. 

Lisa: Ich mein m'r sötte mache, dass m'r an d'Isebahn 
fahre thäte de Charles, pardon de Auguste abhole, 
wie mit'm Achtührzug üs d'r Stadt kumint. 

Fritz Grinsinger: Ja, unn saaue-n-im Kutscher, dass'r 
e bist flott fahre soll, for dass ; r do sin, wenn & Fan- 
fare kummt. 

Lisa: Oui papa! 

Jeannette: Au revoir papa! (Mit Lisa der Türe zu.) 

Lisa (an der Tür für sich): Er wurd sich wundere, 
wenn'r sieht welli Gsellschaft m'r mit bringe wäre. 
(Beide ab.) 

Fritz Grinsinger: Tout va bien! Tont va bienl Grin- 
singer, je suis content de toi! (zieht seine Rede aus 
der Tasche) ich will doch noch emol gschwind mini 
Redd durchlese, nit dass i Angst hätt awwer. . . 
(Stellt sich in Positur) Messieurs! Chers amis! Je 
ne m'attendais vraiment pas ä tant d'honneurl 
Novation que vous venez de me faire m'est allee 
droit au coeur! (sich unterbrechend) Bravo! Cela 
sonne bien, diss klingt famos, cest ronßant, 's wurd 
guet wirike. 



— 81 — 

Madame Grinsinger (von rechts): Quel charmant 
jeune komme ce barem! Was e netter junger Mann! 
Fritz Grinsinger (seine Rede einsteckend): Hoffentlich 
hesch nit ze viel mit'm geredd, unn merik d'r, was 
ich d'r allewyl saa, je wenjer dass de reddsch, je 
wenjer chance hesch, Fehler ze mache. (Marie durch 
die Mitte. Marie trägt elsässisches Kostüm.) 

Marie: Herr, do bin i, isch's recht so? 

Fritz Grinsinger: Doch, diss Kostüm geht Ejch, wie 
angemesse. 

Marie: Ja Herr, d'r Jean hett's au schun gsaat. 

Fritz Grinsinger: A propos, wenn Sie jemand fröüjt, 
wo Sie here sin, ze saaue Sie vun Schnersche vun 
d'r Schliffmüehl. 

Marie: Ja, Herr! 

Fritz Grinsinger: 's brücht keiner ze wisse, dass'r 
drüwwe-n-üs'm Badische sin. 

Marie: Ja, Herr! 

Fritz Grinsinger: So, unn jetzt tummle-nEjch unn 
saaue-n-im Jean, er soll anfange d'lampions anze- 
zünde im Garte, es fangt schun an ze düschtere. 

Marie: Ja, Herr! (ab durch die Mitte.) 

Fritz Grinsinger (seine Frau an den Schultern fas- 
send) : Frau, diss muess e schöns, e prächtigs Fescht 
gän! Meinsch, wie die diss bnffet-froid verwickle 
wäre? Im e Jede hawich sin Lieblingsplättel gerüescht. 
Wie meinsch, wie d'r dick Müller do die terrine 
verdaxe wurd?! 

Madame Grinsinger: Ja meinsch, packt der die ellein? 

Fritz Grinsinger: Ellein?! — Unn ob, diss langt dem 
grad für in e hohle Zahn! 

Madame Grinsinger: Eh bien merci! 



82 



Fritz Grinsinger: Unn do die langouste, sauce majon- 
naise, diss isch ebs for de Präsident, er fraijt sich 
schun d'ganz Wuch druff, unn do die Crevettle, diss 
isch ebs for de Piston-Fvitz ! — Enfin d'r Baron de 
Rose muess d'Aue uffrisse, wie Pflueijrädle, wenn'r 
dem Spektakel zueluejt ! — Ce sera une belle fete, 
une belle fete! 

Madame Grinsinger: Ich wott es war verbie, ich hab 
nacht e so böesi Traum ghett, j'avais un mauvais 
songe. 

Fritz Grinsinger: Bon, jetzt kummsch du m'r mit 
Altwywerplän! Was soll passiere? Isch nit alles 
im Blej ? D'r cousin de malheur üs Sachse isch uff 
d'r Heimreis ! D'r Dr. Kneppchen rischt sin Gepäck 
in d'r Stadt für abzereise, unn hett m'r gschriwwe, 
dass d'Affär Gauthier e gueti Lösung wurd finde, 
unn was mini Kinder anbelangt, ze hawich e Waffe- 
stillstand gschlosse mit'ne bis nooch'm Fescht ! (pfiffig) 
Unn nooch'm Fescht wurr ich 'ne schun zaije, wer 
Meischter isch im Hüs! — Frau beruehig dich, diss 
Fescht wurd glänzend verlaufe, so wohr ich Fritz 
Grinsinger heiss! — 

Marie (hereinstürmend): Herr, ich glaub sie kumme, ich 
höer Musik vun wittern! 

Fritz Grinsinger (lauschend): Was, schun? — En 
effet, m'r meint m'r hört Musik. 

Madame Grinsinger: Ja, m'r hört Musik! (Man hört 
Musik in weiter Ferne.) 

Fritz Grinsinger (in grosser Aufregung): Sac ä 
papier, unn mini Kinder, wie noch nit do sin vum 
Isebahn! (zieht seine Rede heraus) Marie, spring 
Sie gschwind nuff, d'r Herr Baron soll gschwind kumme. 



— 83 — 

Marie: Herr ich kann nit französch. 

Madame Grinsinger: Unn d'r Baron versteht kenn 
Wörtel ditsch. 

Fritz Grinsinger: Nom d'un petit bonhomme! — 
Mon Dieu, was e-n-emotion ! — (in grosser Auf- 
regung auf und ab.) 

Madame Grinsinger: Mann, ich geh 'ne selwer ruefe. 

(eilt der Türe rechts zu. Marie schnell ab in den 

Garten.) 
Fritz Grinsinger (seiner Frau nachrufend): Yergiss 

awwer nit an d'Thüer ze klopfe, verlicht isch'r noch 

nit angedhon! 
Madame Grinsinger (im Türrahmen): Natur ellement ! 

(schnell ab) 
Fritz Grinsinger: Nom d'un petit bonkomme, jetzt 

weiss ich vor lütter Uffrejung nimmi wie d'Redd 

anfangt. Wie hawich se denn numme ? — (sucht in 

den Taschen) Bon, do hawich se jo in d'r Hand! 

(er öffnet zitternd das Blatt und beginnt mit Pathos) 

Messieurs! Chers amis! Je ne m'attendais vraiment 

pas ä tant d'honneur! — 
Marie (schnell durch die Mitte herein, ihr nach Jean): 

Ja Herr, m'r hört d'Müsik ganz kreit, wenn d'r 

Wind wäijt. 
Jean: Ja Herr, es sin sie. Solle m'r de Champagner 

anfange-n-uffmache ? 
Fritz Grinsinger: Ja, fange-n-an! Unn merike-n-Ejch's 

noch emol ganz genau, wie ich mini Redd ghalte 

hab, no schenke-n-'r in, ohne ze halte, an eim Schnüerel 

fürt. Es derf keiner nüechtere uff Strossburri zerück- 

kumme ! 
Jean: Ja Herr, m'r wäre d'rfor sorje! 
Fritz Grinsinger: Ja, Ejch mein ich nit! 






— 84 — 

Jean: Ja Herr! (Jean und Marie beginnen mit dem 
Öffnen der Sektflaschen.) 

Fritz Grinsinger (für sich): Der Nundediesanfang 
viin d'r Redd! (mit gedämpfter Stimme deklamierend) 
Messieurs! Chers amis! Je ne m'attendais vraiment 
pas a tant d'honneur! 

de Rose (hastig von rechts, ihm nach madame Grin- 
singer): Madame vient de mapprendre que la 
Fanfare arrive. 

Fritz Grinsinger: Ouion Ventend de loin dans la vallee ! 
(sie lauschen.) 

de Rose: En effet! — Quelle douce emotion que fe- 
pr ouve! Comme mon coeur bat joyeiisement! 

Fritz Grinsinger (etwas abseits): Messieurs! Chers 
amis! Je ne m'attendais vraiment pas ä tant 
d'honneur ! 

de Rose: Je me mettrai un peu ä Vecart pour prendre 
des notes pour mon Journal. (Die Musik wird deut- 
lich vernehmbar.) 

Fritz Grinsinger (wiukt mit dem Taschentuch an der 
Türe seine Frau desgleichen. Plötzlich wird er 
stutzig) Die Simpel blose glauwich e ditsche Marsch, 
unn Sie han m'r doch de „Sambre et Meuse" ver- 
sp röche! (Er lehnt sich vor) Oho?! Was isch diss?! 

— (Er hält sich an einem Stuhl, der in der Nähe 
der Tür steht) Isch er's odder isch's siner Geischt? 

— Do kummt jo der verruckt cousin üs Sachse de 

Garte here ! . . . Sott am End ?! (sinkt auf 

den Stuhl.) 

Madame Grinsinger: Um's Himmelswille ! MonDieu! 
Fritz Grinsinger: Mon Dieu! Mon Dien! 
de Rose: Qu'y a-t-il? 



85 



Fritz Grinsinger (nach Atem ringend): Rien, ce n'est 
rien! . . . c'est V emotion! 

de Rose: Cela s'expliquef . . . 

Hans Grinsinger (im Touristenkostüm stolz herein- 
stürmend) : Servus Vetter ! Guten Tag Karline ! Heert 
Ihr die Juwelteene?! Ihr seid sprachlos, was? 

Fritz Grinsinger: ja! ja! Sprachlos! (für sich) 
Un wie! (Die Musik kommt näher. Grinsinger ist 
bestrebt, sein Ordenszeichen zu verbergen.) 

de Rose (für sich): Je suis emu! (er zieht sich in den 
Hintergrund zurück.) 

Hans Grinsinger: So was bringt nur e Grinsinger 
fertig! Was sagste nu?! (eilt an die Türe und winkt) 

Fritz Grinsinger (zu seiner Frau): Verroth im Baron 
nix, er versteht jo kenn Wörtel ditsch! — 

Hans Grinsinger: Heersch nur, mit was vorn er Be- 
geeschterung unn Fehemenz se tuten thun ? ! — (Die 
Musik kommt herein. Hinterher ein Zug von Herren und 
Damen in Ausflugkostümen, Büschel Gräser und 
Blumen in den Händen, Blätter und Zweige auf den 
Hüten. Einige in Hemdärmeln wischen sich den 
Schweiss ab, ziehen sich dann mit Hilfe ihrer Damen 
die Röcke an. Kinder mit Blumenbündeln, Zweigen 
u. s. w. wimmeln zwischen den Erwachsenen herum 
und werden zur Ruhe gewiesen. Eventuell ein Kinder- 
wagen mit Dienstmädchen dabei. Alle sehr fidel und 
lebhaft. Hans Grinsinger kennt sich nicht mehr vor 
Freude, er schlägt den Takt. Die Musik stellt 
sich am Eingang auf und bläst ihren Marsch zu 
Ende. Fritz Grinsinger hält sich, einer Ohnmacht 
nahe, an einem Stuhle.) 

Madame Grinsinger (für sich): Je wie sauve! — Ich 
geh los! (de Rose hält sich in Bereitschaft um No- 



— 86 — 

tizen zu machen. Wenn die Musik zu Ende gespielt 
hat, tritt Gauthier vor und flüstert Hans Grinsinger 
etwas ins Ohr.) 

Hans Grinsinger: Stillentzium ! Der Herr Präsident 
will reden! Stillentzium! (man hilft ihm Ruhe ver- 
schaffen, die Kinder werden zurechtgewiesen u. s. w.) 

Gauthier (vortretend): Verehrte Anwesende! Liebe 
Mitglieder des Sachsenbundes! Ich bitte um die Er- 
laubnis, in Ihrer aller Namen dem jüngsten Mitgliede 
unseres Vereines herzlich zu gratulieren. (Beifall. 
Rufe: Ja! Prosit! Er lebe hoch! u. s. w.) Wie Sie 
alle wissen, hat unser allergnädigster König und 
Herr die grosse Gnade gehabt, unser liebes Mitglied 
Grinsinger zu dero Königlichen Majestät allerunter- 
tänigsten Hoflieferanten zu ernennen. (Lebhafter Bei- 
fall.) Liebe Mitglieder, wir können uns glücklich 
preisen, einen vielgeliebten König als Landesvater 
zu haben, der das Wohl und das Weh jedes einzelnen 
Untertanen jederzeit im Auge hat. (Lebhafter Beifall.) 

Fritz Grinsinger (für sich): Ei du liewer Alledaa ! 

de Rose: Je ne comprends pas un mot. 

Gauthier: Und in diesem Sinne fordere ich Sie auf, 
mit mir auszurufen: Seine Majestät, unser allergnä- 
digster König, er lebe hoch! hoch! (Alles stimmt 
lebhaft mit ein. (Tusch.) Fritz Grinsinger steht wie 
vernichtet da. Alles gratuliert dem Redner und dann 
dem Gefeierten.) 

Fritz Grinsinger (für sich): E Gewitter in e bal 
masque. 

Hans Grinsinger (zu Gauthier): Mei Gombliment! 

de Rose (abseits): Je ne comprends toujours rien, quelle 
langue extraordinaire que cet alsacien! — 



— 87 — 

Hans Grinsinger: Und nun Stillentzium für meinen 

Kousäng! ! (er drängt Fritz Grinsinger zum Sprechen.) 
Fritz Grinsinger (für sich): jemmer, o jemmer! 

Ich fall um! Ich versink in de Erdsgrundsbodde ! 
Hans Grinsinger: Stillentzium!! (zu der Menge, die 

unruhig ist) Nu sein se aber endlich emal stille! 

(Es wird mäuschenstill. Verlegenheitspause.) 
Fritz Grinsinger: Enfin . . . Ihr Herren! (Pause.) 
Hans Grinsinger (der dicht neben ihm steht): Und 

Damen ! 
Fritz Grinsinger: Und Damen! 
Ein Mitglied; Bravo! (Lachen.) 
Fritz Grinsinger: Die Überraschung . . . (ringt nach 

Worten) Sie haben mich sehr überrascht mit Ihrem 

Besuche! (Bravo.) 

Hans Grinsinger (einflüsternd): Und, wees Kneppchen, 
ich danke Ihnen. 

Fritz Grinsinger (spricht mechanisch nach): Und, 
wees Kneppchen, ich danke Ihnen. (Bravo.) Danke 
Ihnen noch einmal . . . danke Ihnen vielmal . . . 
(Bravo! und Beifall.) 

Hans Grinsinger: Gott Strambach, und ich hoffe . . . 

Fritz Grinsinger: Gott Strambach, und ich hoffe . . • 
(Bravo !) 

Hans Grinsinger: Meine liewen Landsleute noch oft 
bei mir begrüssen zu können .... 

Fritz Grinsinger: . . . Meine liewen Landsleute noch 
oft bei mir begrüssen zu können, (kolossaler Beifall 
und Zustimmung.) 

Hans Grinsinger: Und in diesem Sinne: der Sachsen- 
bund lebe Hoch! . . . 

Fritz Grinsinger: Und in diesem Sinne: der Sachsen- 
bund Hoch! Hoch! Hoch! (Tusch. Alles stimmt mit 



— 88 — 

ein. Während der Rede Fritz Grinsingers hat das 
Personal den Sekt serviert. Man stösst an.) 

Hans Grinsinger: Prost allerseits! (Durcheinander.) 

Fritz Grinsinger (für sich): E himmelheilig! . . . Diss 
geht mir doch üwwer's Hemderknöpfel, jetzt süffe 
se m'r au noch de Champagner, wo ich for & Fanfare 
gerüescht hab! — 

Hans Grinsinger (zu Fritz zurückkehrend): Prost 
Vetter ! Weest de, e imbosants Rednerschenie bis de 
nu auch gerade nich, awwer dei Sekt is nich von 
Pappe, barbleeh ! — (lachend) „Ein echter deutscher 
Mann kann keenen Franzosen leiden, aber seine Weine 
trinkt er gern!" sagt unser oller Schiller. (Es wird 
immerzu nachgegossen. De Rose ist mit seinem 
Glase nähergetreten.) 

de Rose (zu Fritz Grinsinger): A votre bonne sante ! 
Cette fete est vraiment charmante! Vraiment reussie! 

Hans Grinsinger (sich vorstellend): Grinsinger! Mein 
Name ist Grinsinger! 

Gauthier (herbeieilend, sich verneigend): Gauthier! 
Mein Name ist Gauthier! 

de Rose: Veuillez me presenter ä ces Messieurs! 

Fritz Grinsinger: Sie gestatten, dass ich Ihnen einen 
Geschäftsfreund, den . . . den Vertreter meiner Kon- 
serven in Frankreich vorstelle, (de Rose verbeugt 
sich ; zu de Rose) : Ces Messieurs dont je vous ai 
parle . . . 

de Rose: Es-ce-que ces Messieurs ne comprennent pas 
le frangais ? 

Fritz Grinsinger: Er fragt, ob jemand französisch 
spricht, (alle verneinen) 

Hans Grinsinger (mit ausgelassener Lustigkeit): Na 
ob, ich spreche perfekt franszösch. (mit auffallend 



— 89 — 

starkem Accent): Moi je parier fr ancaise! Commang 
wu Portemonnä? — Liberte ! Egalite ! Fratemite ! 
Oui! Oui! Allongl (allgemeine Heiterkeit.) 

Fritz Grinsinger (für sich): Gott sej Dank, wenn 
keiner meh kann! (zu de Rose): II riy a plus un 
seid qui sacke convenablement le francais, plus 
un seul. 

de Rose: C'est bien malheureux. Et ce digne Veteran 
dont vous m'avez parle ? 

Fritz Grinsinger: Ah! Ah! . . . tout juste on vient 
de nie dire qu'il est malade, bien malade. 

de Rose: Oh! C'est bien dommage! — Et ce vaillant 
gar de mobile dont vous m'aviez egalement parle? 

Fritz Grinsinger: Ah! Ah! (für sich) Nundebickel! 
Nundebickel ! Le pauvre homme. . . il est mort, on 
vient de me le dire qu'il est mort, bien mort. . . et 
enterre. . . 

de Rose: Ah! Les vieux s'en vont! C'est egal, les alle- 
mands ont bien travaille, mais pourvu que le cceur 
soit reste francais. (sich an die Gesellschaft wendend) 
Mesdames et Messieurs, ne sachant pas V allemand, 
vous me permettrez de vous adresser quelques paroles 
en franqais. Notre aimable amphitryon aura la 
complaisance, j'en suis sür, de se faire Vinterprete 
de mes paroles et de mes sentiments! 

Hans Grinsinger: Was hat er gesagt? 

Fritz Grinsinger: Er will eine kleine Ansprache halten. 

Hans Grinsinger: Bravo! Bravo! Stillentzium für den 
Herrn Franzosen! 

Gauthier (zu seinem Nachbar): Dass sich die Franzosen 
immer so vordrängen müssen! 

Fritz Grinsinger: Diss wurd m'r ebs schöns absetze! 



— 90 — 

de Rose (spricht mit grossem Pathos): Mesdames et 

Messieurs ! 
Fritz Grinsinger (für sich): Wenn einer e Wörtele 

versteht, isch alles ferti, ferti für allewyl! 

de Rose: Chers comp atr totes, si j'ose vous nommer 
ainsi. C'est avec une profonde emotion que fai 
attendu ce jonr Ott je dois enfln avoir l'honneur 
de voir face ä face les nobles representants de cette 
vaillante, de cette courageuse societe alsacienne qui 
porte si haut le drapeau des anciennes traditions! 
Oui, c'est bien ainsi que je wie suis imagine vous 
voir. Est ce n'est pas sans un serrement de cceur 
profond que je vois briller des larmes limpides dans 
vos yeux! Ne pleurez pas, chers amis, et sachez que 
nous songeons toujours a votre eher, ä votre beau, 
ä votre vaillant paysl C'est ä lui que je vide mon 
verre! QuHl vivef (er erhebt das Glas, man stösst 
mit ihm an.) 

Hans Grinsinger: Was hat er gesagt? 

Fritz Grinsinger: Er hat gesagt, dass 

Hans Grinsinger: Stillentzium ! Mei Yetter will's 
uns übersetzen! 

Fritz Grinsinger: Enfln, er hat gesagt, dass — 
dass .... (für sich) E Nundedie noch emol, was 
for Bare könnt m'r 'ne denn anbinde? 

De Rose: C'est diffleile de traduire en alsacien ? 

Fritz Grinsinger: Ah oui . . . bien diffleile! Tres 
diffleile! — Er hat also gesagt, dass es ihn beson- 
ders freut, die Bekanntschaft der Sachsen zu machen. 
(Beifall) 

Hans Grinsinger: Richtig, so hab ich' s ooeh verstanden, 
weess Kneppchen! 



91 



Fritz Grinsinger: Weil die Sachsen ... die freund- 
lichsten (Bravo !) die gemütlichsten . . . (lebhafte Zu- 
stimmung.) 

Hans Grinsinger: Ja, ja, das hat 'r gesagt? . . . 

Fritz Grinsinger: Und . . . Und . . . was hat er 
noch gesagt? . . . 

Hans Grinsinger: De hellsten von 'n deutschen Völ- 
kern sind, glob ich . . . 

Fritz Grinsinger: Richtig, das hat er auch noch ge- 
sagt, (starker Beifall) 

Hans Grinsinger (frohlockend): Da könnt Ihr sehen, 
wie wir Sachsen bei den gebildeten Bublikümern 
aller ärd'schen Hemisphären geestimiert sind? Was 
hat'r zum Schluss gesagt? 

Fritz Grinsinger: Zum Schluss . . . zum Schluss . . . 

Hans Grinsinger: Stillentzium! 

Fritz Grinsinger (für sich): Nundedie, was hett'r noch 
gsaat?! Ah richtig, zum Schluss hat er selbstver- 
ständlich Sachsen .... 

Hans Grinsinger: Unser liebes Sachsen! 

Fritz Grinsinger: Ja, unser liebes Sachsen hochleben 
lassen. 

Hans Grinsinger: Also, noch mal unser liebes Sachsen 
soll laben, Hoch! Hoch! Hoch! (alles stimmt be- 
geistert ein und stösst mit de Rose an.) 

De Rose (schüttelt Fritz Grinsinger die Hand): Et re- 
cevez mes meilleurs remer Clements pour la fagon 
magistrale dont vous vous etes faxt Vinterprete de 
mes paroles ! 

Fritz Grinsinger: II n'y a pas de quoi, il n'y a vrai- 
ment pas de quoi. . . . (für sich) Gott sej Dank, 
dass ich die Folter erum hab! — Was wurd diss 



92 



noch für e-n-End nemme ?! — (es wird eifrig Sekt 
zugegossen. Nach einer kleinen Pause klopft Grin- 
singer an's Glas.) 

Hans Grinsinger: Stillentzium!! Liewe Sachsenbrieder 
uud Sachsenschwestern, der geehrte Herr Vorrädner 
hat unser scheenes Vaterland hoch läwen lassen, 
dadrum fordere ich Sie auf das Gleiche zu tun. 
Worscht wieder Worscht, heest's bei uns. Es lebe 
Frankreich! Vive la Frangss! — 

G au t hier (stürzt sich entsetzt auf Hans Grinsinger zu 
und hält ihm den Mund zu) Um's Himmelswillen 
Onkel keine Dummheiten! (er flüstert Hans Grin- 
singer etwas ins Ohr.) 

Hans Grinsinger (ganz verwundert): Ach Blech? — 
Na meinetwegen, wenn 's so staatsgefährlich is, da 
schreien wir eben nicht: Vive la Frangss! sondern sagen 
ganz eenfach auf gut französch: A vötre Sangtee! 
(Er stösst mit de Rose an, alle folgen seinem Bei- 
spiel und suchen das „ä votre sante" so gut es eben 
geht herauszubringen. De Rose verneigt sich höflich 
mit seinem Glase. Hans Grinsinger wendet sich 
wiederum Gauthier zu, mit dem er lebhaft diskutiert. 
Eine Anzahl Mitglieder gehen in den Garten.) 

De Rose (zu Fritz Grinsinger): Si fai bien compris, 
ce malheureux a voulu entrainer la societe ä crier: 
Vive la France! 

Fritz Grinsinger (nickt bestätigend): Parfaitement ! 

De Rose: Mais c' est insense! Mais il faut que je serre 
encore une fois la main de ce brave (geht auf Hans 
Grinsinger zu und schüttelt ihm kräftig die Hand). 
Cher Monsieur, permettez moi de vous serrer la main, 
et croyez moi que je sais apprecier ä sa juste valeur 
l'acte heroique, Vacte sublime dont je fus le temoinl 



— 93 — 

Hans Grinsinger (verneigt sich liebenswürdig): Oui, 

oui, oui, Allong! 
De Rose (versucht deutsch zu sprechen): Ja, ja, ja . . . 
Hans Grinsinger (zu Fritz Grinsinger) Was hat 'r 

eben gesagt? 
Fritz Grinsinger: Er hat sich bedankt dafür, dass du 

Frankreich hoch leben hast lassen. 
Hans Grinsinger (zu de Rose): Oui, oui, allong . — 

Aber natürlich lass ich Frankreich laben, (schüttelt 

de Rose aufs neue die Hand) Wir Menschen sind ja 

alle Brüder. Oui, oui, oui, liberte, egalite, f rater nite! 
de Rose: Ja, ja, ja! 
Hans Grinsinger: Oui! oui! oui! — Und wie sagt 

der Dichter so schön: „Seid umschlungen Millionen!" 

(macht die Geste des Umarmens). 
de Rose: Ja, ja, ja. (umarmt Grinsinger) Cher com- 

patriote! 
G au t hier (ärgerlich): Diese Franzosen sind von einer 

geradezu widerwärtigen Aufdringlichkeit ! 
Marie (bietet Sekt an): Wenn's beliebt! 
de Rose (ergreift ein Glas): A votre bonne santel — 

Gesundheitlich! Ja! Ja! 
Hans Grinsinger (ebenfalls ein Glas ergreifend und 

anstossend) : Saugte ! — boire, bon boire. (sie stossen 

wieder an) 
de Rose: Ja, ja! 
Fritz Grinsinger (für sich): Die süffe m'r alle mine 

Champagner, wenn sie mir nur nit au noch ans buffet 

gerothe ! 
Hans Grinsinger (verständnisvoll de Rose zunickend) : 

boire . . . manger . . . (macht die Geste des Essens) 

oui, oui, oui . . . 



94 



de Rose: Ja, ja, ja! — Le manger est lä-bas. (deutet 
auf das Büffet) Lä-bas. — Manger! (macht ebenfalls 
die Geste des Essens) Ja, ja, ja! 

Fritz Grinsinger: Weh, jetzt nett 1 ses! 

Hans Grinsinger (der sich umgedreht und das Büffet 
erblickt hat): Alle Wetter! Is das e Bellwi! Auf 
zur Attacke! 

Fritz Grinsinger (für sich): Qa y est! — Adje 
buffet-froid! — 

Hans Grinsinger (mit Humor): Dem Schuft, der 
unsere Ankunft verraten hat, sei verziehen! Weess 
Kneppchen! (Mustert das Büffet) Gott Strambach! 
Hummersalat! Pastete! Lachs! Rebhuhn! Worscht! 
Wieder Worscht! — Da läuft en ja 's Wasser im 
Munde zusamm! Komm in meine Arme, Vetter! — 

Fritz Grinsinger: Es grüüst m'r ganz. 

Hans Grinsinger: Und nu sollst de was erlaben Vetter ! 
(in den Garten rufend) Rein, Ihr Sachsenbrüder! 
Strömt herbei Ihr Völkerscharen! (Die Mitglieder des 
Sachsenbundes strömen herbei) 

Fritz Grinsinger (für sich): weh! 

Hans Grinsinger (lustig): Auf in den Kampf Toreador! 

Fritz Grinsinger (für sich): Adje Partie! 

Hans Grinsinger (mit Pathos): Stillentzium ! Liewe 
Sachsenbrieder ! Ihr habt jetzt 'ne schwere, strategische 
Uffgabe! Hier, (deutet auf das Büffet) dar Tisch 
mit den feinen Sachen is eene feindliche Batterie, die 
Dippeler Schanzen ! (lachen) Jetzt zeigt Eire Cou- 
rage. Das Vaterland verlangt, dass jeder seine Pflicht 
tut! Gewehr zur Attacke rechts! Marsch! Marsch! 
Hurrah! (Er stürzt sich auf das Büffet, alle ihm nach 
unter lautem Hurrahrufen) 



95 



Fritz Grinsinge r (für sich): Ei du liewer Alledaa! 
(verzweifelt zuschauend) E Nundedie! Nundedie! 
Nundedie! Die verdaxe m'r radikal alles! 

Hans Grinsinger (zu den Mitgliedern, die auf ihn ein- 
stürmen): Halt Kinner, nich so dichte ran! (er teilt 
die Platten aus) Hier, wer will diese Gänseleber- 
pastete?! (Zuruf: Ich, ich!) 

Fritz Grinsinger (für sich): weh! Im Müller sini 

terrine! 
Hans Grisinger: Wer will die Hummer-Majonäse? 

(Zuruf: Ich, ich!) 
Fritz Grinsinger (für sich): Im Präsident siner 

Homard! 
Hans Grinsinger: Wer die Krabben! (Zurufe: Ich, ich!) 
Fritz Grinsinger (für sich): Im Piston- Fritz sini 

Krevettle ! 
Hans Grinsinger: Nur immer 'ran meine Herrschaften! 

hereinspaziert. Grosse Fütterung sämtlicher Raubtiere! 

(Grosse Heiterkeit) Kinder und Militär erhalten das 

Doppelte! (erneute Heiterkeit) 
Fritz Grinsinger (wütend): Alles verdaxe se mir mit 

Stumpf unn Stiel! 
de Rose: Läonreconnaitlabonnefourchettealsacienne, 

cela fait plaisir ä voir! 
Fritz Grinsinger: Oui cela fait plaisir. (für sich) 

Wenn'r numme wüesst wie! 
Hans Grinsinger (Nachdem die Menge sich mit den 

Tellern in den Garten verzogen hat, mit einem Teller 

in der Hand zu Fritz Grinsinger): Melde mich ge- 
horsamst zur Stelle! Gelände vom Feind gesäubert! 

Alles mit Stumpf und Stiel verschwunden. Bist de 

zufrieden ? ! 



— 96 — 

Fritz Grin singer: ja! Natürlich! Natürlich! (Für 
sich) Hol dich d'r Deifel! Ja do, wenn jetzt 
& Fanfare kommt! 

Hans Grinsinger (aufhorchend): Was is'n das? — 
Musike? (man hört von ferne den Marsch „Sambre 
et Meuse" spielen) Noch'ne Musike? jetzt wirds fidel! 
(Er begleitet die Musik, indem er den Takt dazu 
schlägt).. 

Fritz Grinsiger (für sich): d' Fanfare! Ich tat liewer 
d'Trumpete vun Jericho oder d'Posaune vum jüngschte 
Gericht höre! — Nein, so e Daa! so e Daa! 

de Rose: On dirait la „Sambre et Meuse" (Fritz Grin- 
singer nickt bestätigend) Ouel bean geste! Encore 
une ovation?! Decidement si le gouvernement savait 
de quelle consideration vous jouissez, il vous aurait 
donne la Legion d'konneur. — Savez-vous que je 
suis etonne de voir que la police ne sen mele pas? 

Fritz Grinsinger (verzweifelt): Ich bin fütti! fichu! 
Lächerli! Verlöre! (Die Musik marschiert auf. Die 
Gesellschaft stellt sich im Türrahmen auf. Die Mit- 
glieder tragen weisse Hosen, dunkle Jacken und 
Mützen mit französischer Fagon. Wenn die letzten 
Töne verklungen sind, tritt der Präsident vor.) 

Riemer: Mesdames! Messieurs! Chers amis! — (er 
wird unterbrochen durch Frau Grinsinger, welche 
hastig von links hereinstürmt.) 

Madame Grinsinger: Ihr Herre, d'r Gendarm 
kummt ! — (zu de Rose) Un gendarme. (Alles sieht 
sich verwundert um). 

de Rose: Un gendarme?! — Ah, vraiment, cela ne 
m' etonne pas, on a pousse Vaudace trop loin! — 
A quelle lutte heroique vais-je assister. 



— 97 — 

Gendarm (durch die Mitte herein, knapp): 'n Abend! 
— (Die Mitglieder der beiden Gesellschaften treten 
in den Raum, rechts kommen die Mitglieder des 
Sachsenvereins, links die der Fanfare zu stehen. 
Einzelne Mitglieder des Sachsenvereins haben noch 
ihre Teller in der Hand und essen stehend weiter). 

Fritz Grinsinger (verbindlich): Mit was kann ich 
dem Herrn Gendarm aufwarten? 

Gendarm: Herr Grinsinger, es ist mir soeben mitge- 
teilt worden, dass „vive la Frangss" hier gerufen 
worden ist. (Die Mitglieder der Fanfare protestieren). 
Wenn Sie mir den Deliquenten nicht namhaft machen, 
so muss ich Sie und den Vorstand der sattsam be- 
kannten Fanfare verhaften. 

Riemer: Mais c' est infecte ! (Die Mitglieder der Fanfare 
protestieren lebhaft). 

Fritz Grinsinger: Nundebuckel! Widder e neiji 
Affär! 

de Rose: Quelle sehne imposante! 

Hans Grinsinger (sich dem Gendarm vorstellend): 
Grinsinger, mei Name is Grinsinger. (mit Humor) 
Ich teile dem verehrlichen Polizeiorganus mit, dass 
meine Wenigkeit „vive la Frangss" gerufen hat. (Die 
Mitglieder der Fanfare verraten grosses Erstaunen). 

Gendarm: So? — Und Sie räumen das so unum- 
wunden ein? 

Hans Grinsinger (gemütlich): Warum soll ich mich 
denn schenieren! Was ist denn da d'rbei, mein 
gutester Ordnungssorger, wem'r andere Leute 
leben lässt? — Warum sollen denn de Franzosen 
nich laben, es sind ja och gute Christenmenschen 
wie mir? 



98 



Gendarm: Der Gendarm hat sich nicht darum zu 
kümmern, ob jemand ein guter Christenmensch ist 
oder nicht. Der Gendarm kennt nur seine Instruk- 
tion! Sie sind somit verhaftet! 

Hans Grinsinger: Awwer hören Sie mal, ich bin e 
gemütlicher Sachse und kann viel vertragen, was 
aber zu viel ist, ist zu viel! (Gauthier eilt herbei 
und überschaut die Situation). 

Gendarm: Spielen Sie nicht den wilden Mann. Sie 
sind so wenig Sachse wie ich Franzose! Sie sind 
ein Mitglied der Fanfare (Lebhafter Widerspruch 
bei der Fanfare). 

Gauthier (sich den Gendarmen vorstellend): Mein 
Name ist Gauthier, Präsident des Sachsenbundes. 
Der Herr ist mein Onkel und tatsächlich Sachse. 

Riemer (zu Madame Grinsinger): Was mache denn 
die Schwowe do? (Madame Grinsinger antwortet 
nicht). 

Gendarm: Aus der Geschichte werde ich nicht klug! 

Fritz Grinsinger (für sich): weh! Jetzt platzt 
die Bumm! 

Gauthier: Der Sachsenbund hat nämlich sein liebes 
Mitglied Grinsinger wegen seiner Ernennung zum 
königlich-sächsischen Hoflieferanten hier auf seinem 
Landgut überrascht, um ihm zu gratulieren. 

Riemer (verwundert): Was faselt der do vum Sachse- 
bund? (zu Fritz Grinsinger) Wenn ich do recht 
verstände hab, ze wärsch du also Mitglied vum 
Sachsebund ? 

Fritz Grinsinger (für sich): Ich bin e Krüppel am 
Wäj! 

Riemer: Ze redd doch! Was soll diss Kumedie be- 
dytte? ! 



— 99 — 

Gauthier: Aber natürlich ist Herr Grinsinger Mitglied 
vom Sachsenbund! 

Riemer (der sich nur langsam von seiner Verwunderung 
erholt): Wie, was?! — (fast Fritz Grinsinger an) 
Ja, Fritz, bisch denn du ganz üwwerg'schnappt, 
dass du so Dummheite machsch? Du bisch Mitglied 
vum e ditsche Verein? Du, d'r Vizepräsident vun 
d'r Fanfare Alsacienne? — Ze redd doch! — 

Gauthier (erstaunt): Was höre ich da?! Herr Grin- 
singer, Sie sind Vizepräsident der berüchtigten Fanfare 
Alsacienne? ! (spricht die letzten Worte mit starkem 
Akzent aus. Grosse Bewegung unter den Mitgliedern 
des Sachsenbundes.) So sprechen Sie doch! — 

Riemer (zu Fritz Grinsinger, der ganz vernichtet da- 
steht): Diss sin mir jo schöni Affäre! Diss isch jo 
e Verroth an unserer Societät ! E Verroth an unserem 
elsässische Vatterland! — 

Die Mitglieder der Fanfare (in grosser Entrüstung) : 
Cest infect! C'est revoltant ! 

Fritz Grinsinger (verzweifelt): Jetzt isch alles ver- 
löre ! 

Gauthier (zu Riemer): Was reden Sie da eben vom 
elsässischen Vaterland? Herr Grinsinger ist doch 
kein Elsässer! 

Riemer: Es kummt als besser! Kenn Elsässer?! Ja, 

was isch'r denn no?! 
Gauthier: Ein Sachse ist er, ein echter Sachse! 
Fritz Grinsinger: Jetzt isch's hüsse, adje Partie! 
Riemer: Was?! Ja isch diss wohr? 
Madame Grinsinger: Ihr müehn mine Mann exküsiere, 

er kann jo nix d'rfor, dass sini Eltre Sachse sin gsin! 



100 



Riemer: Ah, par exewiplel (grosse Entrüstung unter 
den Mitgliedern der Fanfare.) Es leijt uff d'r Hand, 
dass vun hytt an alles fertig unn verbie isch zwische 
d'r Fanfare unn dir. Mir brüehe kenn mouchard in 
unserer Societät! (Lebhafte Zustimmung.) 

Die Mitglieder der Fanfare: A.bas le traitre ! ! 

Fritz Grinsinger: Quel malheur ! Quel malheur ! 
(Lässt sich verzweifelt auf einen Stuhl sinken.) 

G au t hier (feierlich): Ich brauch Ihnen wohl nicht erst 
zu sagen, dass wir auch auf Ihre fernere Mitwirkung 
beim Sachsenbunde verzichten! Für solche Lands- 
leute bedanken wir uns. Für Verräter ist in unseren 
Reihen kein Platz! 

Die Mitglieder des Sachsenbundes (teilweise mit 
vollem Mund) : Schmeisst'n raus aus'm Bund ! Hinaus 
mit dem Verräter! 

Fritz Grinsinger (für sich): D'rNundedie! Jetzt, wie 
sie mir min buffet-froid verdaxt han, ze han sie noch 
e frechi Gösch! 

de Rose (vortretend): Monsieur, onvient de m'expliquer 
tonte Vaffaire, c'est une Infamie! Une trahison ! 
Et fespere que vous n'aurez plus Vaudace de porter 
cette decoration que vous avez si peu meritee ! (Beifall 
bei den Mitgliedern der Fanfare) 

Fritz Grinsinger (zieht den Orden aus, betrachtet ihn 
melancholisch und trocknet sich einige Tränen aus 
den Augen) : Unn ich hab m'r e so Müehj gän ghett 
for'ne zu bekumme! Grandeur et decadence ! — 
(verzweifelt) Isch denn niemes do wie m'r helft?! 

Riemer: So, unn ebb dass ich geh, ze will ich dir au 
noch saaue, dass vun ere fiangaille zwische minere 
Tochter unn dim Sohn nix wäre kann! 



— 101 — 

Auguste (durch die Mitte eintretend, gefolgt von seinen 
Schwestern, Fräulein Gauthier, Durand, Ehrstein 
und Dr. Kneppchen): Was hör ich do? 

Riemer (zu Auguste): Um so besser, wenn Sie's ghöert 
han, no brüch ich's 'ne nimmi ze saaue. 

Auguste: Taut mieux ! No brüch ich au nimmi mit 
minere Verlobung mit d'r Mamsell Olga zeruck- 
zehalte. 

Gauthier: Wie, was, habe ich recht verstanden? 

Riemer: Was hör ich do? E neiji trakison?! 

Olga (zu ihrem Vater): Ja, hier Papa, stelle ich dir 
meinen Bräutigam vor. 

Gauthier: Was, bist du von Sinnen? 

Hans Grinsinger: Du wirst doch nichts dagegen zu 
obonieren haben? 

Gauthier: Aber Onkel?! Nach allem, was vorgefallen 
ist?! Ich gebe meine Tochter keinem Franzosenkopf, 
dem Sohn von einem Landesverräter! (grosse Ver- 
wunderung in der Gesellschaft, die eben angekommen 
ist.) Niemals! 

Olga: Aber papa! Was ist denn vorgefallen? 

Durand: En effet! Was isch denn do passiert, ihr 
mache jo alli Gsichter, wie wenn'r in 's Leid kumme 
wärde?! — 

Gauthier: Schlimmer wie das! 

Auguste: Wie so? Qu' est ce qu'il y a? 

Olga: Was ist geschehen, Papa? — 

Gauthier: Was geschehen ist ? ! Sein sächsisches Vater- 
land hat Herr Grinsinger verraten! (Zustimmung) 

Riemer: Nein, 's Elsässisch Vatterland hett'r verrothe. 

de Rose: Messieurs ! II a trahi la France, sa patrie ! 

Lisa (lachend): So viel Vatterländer gitt's jo gar nit ! 



— 102 — 

Gauthier: Herr Grinsinger ist zu gleicher Zeit Mit- 
glied zweier patriotischer Vereine gewesen, eines 
deutschen, des Sachsenbundes und eines französischen, 
der Fanfare! Was sagen Sie dazu? 

Riemer: Was halte Sie do d'rvun? 

Durand: Was ich d'rvun halt? 

Die Mitglieder der beiden Vereine: Ja?! 

Durand: Eh bien, ich halt d'rvun, dass diss ganz in d'r 
Ordnung isch. (lebhafter Protest bei den Beteiligten) 
Die Haltung vun mim Unkel isch, wenn m'r sini 
Ansichte kennt, ganz logisch, ganz selbsverständlich ! 
(erneuter Protest) 

Riemer: Oho! Comment cela? — 

Gauthier: Nanu! Wie so? — 

Durand (schlau): Es isch manche von Ihne verlicht nit 
unbekannt, dass ich Sekretär vun d'r Friedensliga 
un vun d'r ligue franco-allemande bin. (Alles schaut 
sich fragend an) Zue minere grosse Fraid isch mir's 
gelunge mine-n-Unkel for mini Idee ze gewinne. Unn 
üs dem Grund hett'r selbstverständlich gsuecht in 
de entgejegsetzte Laauer Füehlung ze gewinne. 

Hans Grinsinger: Bravo! Bravo! So ist's recht, Alle 
Menschen sind ja Brüder! 

Fritz Grinsinger (sich stolz aufrichtend): Ja, wie's 
denn doch hüsse-n-isch, ja, Ihr Herre, miner lieb 
neveu (fasst ihn bei der Hand) hett mich zue sine 
menschefrindliche-n-Idee bekehrt. Mini einzig ambition 
isch, e so e-n-Art Friddesaposchtel ze wäre! 

Gauthier: Gegen diese Ideen muss ich als echter 
deutscher Patriot mit aller Energie protestieren! 

Riemer: Unn ich als Elsässer vum alte Schrot und Korn 
protestier egalement! 



103 



de Rose (der von einem Mitglied der Fanfare instruiert 
worden ist) : Et moi, je proteste au nom de la nation 
frangaise! 

Durand: So viel ich weiss, hätte-n-alli drei Herre, wie 
ewwe so kräftig protestiert hau, alli Grüend e bissl 
vorsichtiger ze sin in ihre-n-Erklärunge ! {Riemer und 
Gauthier machen eine abwehrende Bewegung) 

Dr. Kneppchen: Was z. B. Herrn Gauthier betrifft, 
so ist seine Entrüstung zum mindesten sehr unange- 
bracht, denn Herr Gauthier ist, wie ich zu beweisen 
in der Lage bin, das Kind französischer Eltern. 

Gauthier (konsterniert): Das ist nicht möglich! Das 
ist undenkbar ! (grosse Unruhe unter den Mitgliedern 
des Sachsenbundes) 

Dr. Kneppchen (zu Gauthier): Hier Herr Gauthier 
schenke ich Ihnen die Geburtsscheine Ihrer Eltern, 
die als französische Republikaner nach dem Staats- 
streich Napoleons nach Leipzig geflüchtet sind. 

Gauthier: Entsetzlich! (nimmt die Scheine) Ich das 
Kind französischer Revolutionäre ? (hält sich an einer 
Stuhllehne fest) Wie reimt sich das mit meiner Ge- 
sinnung?! Ich werde wahnsinnig! 

Dr. Kneppchen: Ihre Gesinnung verdanken Sie dem 
Schwager des Herrn Grinsinger, der Sie erzogen 
und als sächsischer Sergeant sich eine Ehre daraus 
machte, aus einem revolutionären Franzosen einen 
guten deutschen Patrioten zu züchten und aus einem 
Gauthier ein Gauthier zu machen! 

Gauthier (Hans Grinsinger bei der Hand fassend): Ist 
das wahr Onkel? 

Hans Grinsinger (bestätigend): Stimmt! Stimmt! 

Gauthier (verzweifelt): Die Welt stürzt mit mir zu- 
sammen! Ich bin vernichtet! Verloren! 



— 104 — 

Ein Mitglied des Sachsenbundes: Demnach wäre 
also der Präsident unseres gut deutschen Vereines 
ein Franzose? ! 

Die Mitglieder des Sachsenbundes (durcheinander): 
Das ist ja unerhört, das ist ein Skandal! Das sind 
unhaltbare Zustände! 

Die Mitglieder der Fanfare (schadenfroh): Qa cest 
fameux! Cest rigolo! 

Ein Mitglied des Sachsenbundes: Unter diesen 
Umständen Herr Gauthier oder vielmehr Herr Gauthier 
(mit starkem Accent) .... 

Gauthier (verzweifelt): Sprechen Sie meinen Namen 
nicht französisch aus! .... 

Ein Mitglied des Sachsenbundes (fortfahrend): 
Bleibt Ihnen nichts anderes mehr übrig als Ihren 
Austritt aus den patriotischen Vereinen zu erklären 
und ihr Amt als Vorsitzender unseres Bundes nieder- 
zulegen (lebhafte Zustimmung beim Sachsenbund). 

Gauthier (lässt sich auf einen Stuhl fallen): Nun ist 
alles verloren! 

Dr. Kneppchen: Herr Gauthier, sind Sie jetzt noch 
der Ansicht, dass die Wissenschaft Mumpitz ist? — 

Gauthier: Der Teufel hol die Wissenschaft! 

Ein Mitglied der Fanfare: Qa c'est vraiment fa- 
meux! (Gelächter bei der Fanfare) 

Auguste: Ihr Herre m'r soll nit mit Stein werfe, wenn 
m'r selbscht im Glasdach sitzt unn nit lache, wenn's 
Noochbers Hüs brennt! 

Ein Mitglied der Fanfare: Wie meine Sie diss! 

Auguste: Ei wie Sie ganz genau im nämliche Fall 
sin wie d'r Sachsebund (grosse Unruhe bei den Mit- 
gliedern der Fanfare). Ihr Präsident, d'r Herr Riemer 



— 105 — 

stammt nämlich üs Preisse, sini Eltre han Riemer 
gheisse, un sie sinn üs Magdeburg- gsin (grosse Un- 
ruhe und allgemeine Verwunderung). 

Riemer: Je suis ficku! 

Ein Mitglied der Fanfare: Herr Riemer, isch diss 
wohr?! 

Riemer: Ihr Herre, es isch schun so lang here, dass 
ich's selwer nimmi recht weiss . . . 

Auguste: Do du reste d'Geburtsschien vum Herr 
Riemer sine-n-Eltre (überreicht Riemer die Geburts- 
scheine). Vous permettez. 

Ein Mitglied der Fanfare: Demnooch hätt also 
unseri guet elsässisch Societät johrelang zwei Schwowe 
als Präsidente g'hett? 

Die Mitglieder der Fanfare: Cest honteux, c'est 

degoutant ! 
Die Mitglieder des Sachsenbundes (schadenfroh): 

Tolle Sache! Zu ulkig! 
Die Mitglieder der Fanfare: Demission! Demission! 
Riemer (lässt sich verzweifelt auf einen Stuhl sinken) : 

Demission? Nüskejt üs d'r Fanfare! Diss isch min 

Tod! 
Ein Mitglied der Fanfare: Wie stehn mir jetzt do 

vor'm Baron de Rose! — 
Durand: Ihr Herre, do d'rwäje brüche Sie sich kenn 

gröüji Hoor wachse ze Ion, denn d'r Baron de Rose 

isch ewe so weni Franzos wie Baron? 
Alle (durcheinander): Oho! Was isch diss? — Hört! 

Hört! Wieso? 
Durand: Im Baron de Rose siner Yatter hett nämlich 

Isaak Roos g'heise unn isch üs Berlin gsin! (All- 
gemeine Überraschung). 
Fritz Grinsinger (für sich): E gueter Stoss! 



— 106 — 

Madame Grinsinger: Comment, d'r Baron isch kenn 
baronl? — 

de Rose (der von einem Mitglied der Fanfare instruiert 
worden ist): Je proteste! 

Durand: Do helft alles protestiere nix, do d'r Geburts- 
schien vun sim Yater (überreicht de Rose den Ge- 
burtsschein). Voici Vacte de naissance de votre pere! 

de Rose: Comment?! — Est-ce possible?! — Quel 
coup terrible pour moi! (lässt sich auf einen Stuhl 
niedersinken, so dass er mit Riemer und Gauthier 
eine Reihe bildet). 

Fritz Grinsinger (die drei mitleidig betrachtend): 
Wie steh ich jetzt do? Unn wie sitze-n-Ihr do! 

Durand (ergänzend): Uff de Trümmer vun Ejre patrio- 
tische-n-Illüsione ! 

Fritz Grinsinger: Ejetlich sott ich Ejch, so wie 
Ihr do sitze, nit vergesse, wie Ihr mich ewwe un- 
gerechter Wies bhandelt han. Awwer als Mitglied 
vun d'r Friddesliga will ich mit'm guete-n-Exempel 
vorangehn. Ihne Herr Gauthier verzehj ich, dass 
Sie als Franzos, Präsident vum e ditsche Verein sin 
gsin, dir Riemer, dass du als Ditscher, Präsident vun 
ere elsässische Societät bisch gsin (zu de Rose) Et 
vous, Monsieur le baron, je vous excnse que vous 
ayez mis tant d'ardeur en votre qualite de prussien, 
ä defendre les interets de la France. (Alle bleiben 
geknickt sitzen). Unn wenn ich pour terminer denne 
zwei Societäte e guete Roth derft gän, ze thät ich 
'ne vorschlaaue ihri Präsidente jetzt einfach gejesittig 
üszetüsche. (Widerspruch bei den Mitgliedern der 
beiden Gesellschaften). 



— 107 — 

Durand: Bravo ! Durich die edle Wort zait min Onkel, 
wie schnell dass'r die edle Idee vun d'r Friddesliga 
in sich uffgenumme nett. 

Fritz Grinsinger: Diss will ich meine! 

Durand: Miner Onkel hett awwer noch uff e-n-anderi 
Art sueche ze bewiese, dass er sich denne Idee vum 
Völkerfridde angschlosse hett, indem dass'r inwilligt, 
obwohl dass'r e Sachs isch, dass ich als Franzos sini 
Tochter Lisa zur Frau nimm. 

Lisa (freudig): Isch's wohr, Babbe?! 

Fritz Grinsinger: Ja min Kind, es isch eso. (Für 
sich) Was will i mache ?1 

Lisa: Charles! (Durand und Lisa umarmen sich). 

Ehrstein: Ich kann nur bstätige, was d'r Herr Charles 
gsaat hett! 

Fritz Grinsinger: Bon, jetzt kummt der au noch! 

Ehrstein: Unn Ihne versichere, dass unseri commu- 
naute d'idees mit e Hauptgrund isch gsin, dass d'r 
Herr Grinsinger mir d'Hand vun d'r Mamsell 
Jeannette akordiert het ! 

Fritz Grinsinger: Pince ! 

Jeannette: Do isch's offiziel, Babbe?! 

Fritz Grinsinger: Ei jo, min Kind! 

Jeannette: Georges! (Umarmung.) 

Dr. Kneppchen: Von demselben Gesichtspunkte aus 
wird Herr Grinsinger gewiss auch die Verlobung 
seines Sohnes mit einer Französin Frl. Gauthier mit 
Freuden begrüssen. 

Fritz Grinsinger: Ich hab nix inzewende! — (für 
sich) Dummer Stoss! 

Olga (zu ihrem Vater): Und du Papa, was sagst du 
dazu? 

Hans Grinsinger: Da de nu doch emal e Franzose 
bist, kanns dirsch, wees Kneppchen, auch egal 



— 108 — 

sein, wenn deine Tochter einen Franzosenkopf hei- 
ratet, der dazu noch ein halber Sachse ist! 

Gauthier: Tat was Ihr nicht lassen könnt! 

Olga: Augustel (Umarmung.) 

Hans Grinsinger: Welche gosmobolidische Berschbek- 
dife eröffnet sich da?! — „Jauchze, juble mei Ge- 
miedhe, bald blüht e allgemeiner Erdenfriede!" 

Dr. Kneppchen: Und wenn ich um eines bitten darf, 
heiraten Sie so schnell wie möglich, denn ich bin 
sehr gespannt, die Schädelformationen Ihrer Nach- 
kommen studieren zu können. 

Hans Grinsinger: Und nu sei m'r gemüethlich! 

Gendarm (vortretend): Sie gehen mit mir! 

Hans Grinsinger: Nanu machen Se keene Mährte! 

Gendarm: Keine Beamtenbeleidigung, Sie sind ver- 
haftet. Sie haben „ Vive la Frangss" gerufen. 

Hans Grinsinger: Aber erlauben Sie mal, das kommt 
doch uff de Umstände an. 

Gendarm: Die Polizei hat sich nicht um die Umstände 
zu kümmern (ihn anfassend): Die Polizei kennt 
nur ihre Instruktion. Nun vorwärts Marsch ! (Packt 
ihn am Kragen). 

Alle (protestierend): Aber lassen Sie ihn doch! 

Hans Grinsinger (lebhaft gestikulierend wird abge- 
führt) : Awer hören se mal, ich oboniere, ich prote- 
stiere, ich werde mir beschweren. Da is's in Sachsen 
denn doch gemietlicher ! — 

Schluss. 




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