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Full text of "Efraim Frisch Collection 1881-1984"

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Leitz No. 484 
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V OA .1 HAG I 







Wenn fremeinhin vom JudentUTn ^resprochen wird, so ^nird mehr oder 
minder hew^sst d&bei an einen .^iinschnitt gedacht, der historisch 
Volk und Glaube der vor- exilischen Zeit von der Hach-exi li sehen 
trennt. Oder an den Beginn der Rückkehr aus dem babylonischen ^xil 
nach Judä.a, an die sich die Restauration des ^sra und seiner Genes- 
sen knüpft. Ss werden aber dabei zv;el Dlnp-e durcheinander ge- 
bracht, deren Klärung mir bedeutunr^svoTl ^^rh ai nt ^lijin^pi 1 it damit 
füemeint, dass ^ir es von da ab mit dem Lan d«* Judäa und seiner Be- 
völkerung zu tun haben, nachdem das Reich der Zehn Stamme aus der 
Geschichte verschwunden ist - und das ist richtig, iüs verbindet 
sich aber mit dieser Trennung: noch eine andere Vorstellung und 
Zwar, als hätten wir es von da an mit einer völlig anderen Geistes- 
Terfassung zu tun, als es die frühere warj gleichsam schon mit ei- 
ner Verfallserscheinung, üis ist wichtig, gleich hier darauf hinzu- 
weisen, dass diese Trennung, die von Theologen und Religionshistori- 
kern oft betont wird, im Grunde das nicht berührt, was uns bei un- 
serer Betrachtung das ^ 7es entlich e ist, nämlich das Verhal ten des 
Volk es zu Gott . V/enn ich hier so direkt spreche, und das 7ort Reli- 
gion vermeide, so geschieht es nicht aus irgend einer Gesuchtheit, 
sondern, weil es mir für die ursprüngliche jjrscheinunfc in diesem 
Fall des Volkes Jsrael viel zu abstrakt ist. Das uns so crelaufige 
^ort Religion schillert als Begriff im Abendlande zumal in allen 
möglichen Farben und Tönen , seit dem es durch so verschiedene Per- 
sönlichkeiten, Zeiten und Völker bis auf unsere Tage gegangen isL. 
üis ist nicht anwendbar auf einen Vorgang, auf einen Zustand^ der ^ 
Entstehung, Werden und Schicksal eines Volkes von .^nfang an so ein- 
deutig bestimmt, wie im pall des Volkes Jsrael. 
I^s Beispiellose, Einmalige ist hier ,r^nn ^^y^ ^in>.rurh 6er. T^end- 



- p - 



liehen ins andliche. des Geisitren in» Jrdische nicht im Laufe einer 
natürlichen YolksentTvicklung vor sich reht, sondern dass es von An- 
ganp an darauf abgesehen ist, den ¥olksleib zu einem Organismus zu 
schaffen, geeiftnet der Trager dieses jirlebnisses zu sein. Uer Zeuge 
dieser Verbindung mit dem Unendlichen. Und ein zweites Moment von 
ungeheurer Bedeutung tritt hinzu: als die Erziehung vollendet 
scheint, ^ird diese seine Bestimmm^r dem Voiv n^^..^^o-t, ^^ /"en^r 
Berith Si na i, ein Wort, das T.ir unzulänglich -enu^ mit dem '«Tort nund, 
Vertrag übersetzen können, wodurch allein zum Ausdruck kommt, dass 
hier zwischen Kenschen una dem Göttlichen, z^nschen dem Endlichen 
und Unendlichen eine unlösliche Beziehung stabilisiert wird, das 
Mythische das Unmythische. Und noch et.,as; üe Erzvater Abraham, 
Jsaac. Jakob die Erzeuger des Volkes, auch sie tragen rein mensch- 
liehe Züge, sie sta.a.en nicht von Göttern ab. sina auch nicht Halb- 
götter, wie die Volksgründer und Herrscher im ganzen Orient un in 
Griechenland bis spät zu den römischen Cäsaren hinab. Denken Sie 
nur an divus Caesar, wo das div^>s durchaus nicht ein schmückendes 
.nd erhöhendes Beiwort ist. sondern ganz real die Bezeichnung des 
..ttlichen Ursprungs meint. ^ Erzväter aber sind Henechen und Sohn.| 
.on Menschen, .s berührt angesichts dieser offenbaren Betonung seU- 
.am. wenn heute noch etwa die moralischen .ualit.ten Jakobs an der 
Oder ^ener seiner Handlungen von ernsthaften Forschern unter d.e 

. „ Gewiss gibt es manche mythische Reste im Pon- 
Luoe genom-ien werden. Gewiss gioi. 

„.„, .„IcHe Oe.chio«. .nd S.Mc.=»l ..= V.l.« ™,e»t.n.Uch 

ei„ so ausserordentliches von Anbe.inn vo. 

..b«n schon die ältesten I>.Vx,mente ZeugniB. «" ^™ 
wurde, davon geben schon , „ .,, der Verk^indung 

„ Ä»,,Tot iinri Tintsetzen bei aer vcj. 
Beispiel der Ausdruck von Annst und ^.nt 



- 3 - 

des Dekalogs, der Zehn Gebote ( lilxodus 20 18-19). Und Talmud und 
lai drasch weben allerhand tiefsinnirre ürzählunc^n und Sprüche un 
diesen Erwählungsvorgang, in \\'elchen immer wieder sowohl der Zwang 
und die 'Vi 11 ifckei t , die Hingabe und die heilige Scheu, das Joch des 
himmlischen Reiches in dieser Welt zu tragen zum AUdruck kommen. 
Beachten Sie auch Pol^^endes; es wird nirgends in der Bibel, wo aas 
Befohlene sehr genau fixiert ist,als Gebot befohlen an Gott zu 
glau ben . Wer^n das '7ort Gla ube durch die paulinische Lehre allmäh- 
lich den Sinn von Gebundenheit, Verpflichtung dazu bekommen hat, so 
haftet ihm im Abendlande doch gefühlsmässig etwas Krampf iges an, et- 
was, das wir gleichdam als Justament empfinden, als müssten wir im 
Geilste einen Sprung, eine iVnstrengung machen, die nicht immer ge- 
lingt. Dagegen fehlt selbst dem späthebrai sehen Wort für Glauben 
Emunah diese Nebenbedeutung vöUigi es ist vom Stamme l^m^ ^^^ 
heisst, sicher, wahr, fest, zuverlässig. Und das als öchlussbekrafti- 
gung - Ja. e s ist wahr bis auf w^s heute geblieben ist. iis wäre 
deshalb fast absurd vom Jsraeliten und auch vom spateren Juden zu 
sagen, er gl aube an Gott. ?.benso wie, um es drastisch zu sagen, 
wenn etwa ein künftiger HiBtorlker unserer 7.it ^n. n.. .n.n^r^^ 
.ollte: wir haben an die mektrizität re.laubt . ^7ir erleben , s.hen , 
..pnnden ihre .Wirkungen .ITun - dle^J_sraeiy|en_empfan^^^^ 
.ahenGott. Alle Aeusserungen in diesem Punkte in den alten Doku- 
IZ^,^ sUnn.„ hier üb,r,ln, Ci. =.f»hr lat nio«. ee ■«„„., i>- 

.1 ^ -i^n 1 c»t überhaupt nicht vor- 
Band an Gott nicht glauben, dieser .all ist u>,ern P 

«r Vönnte at^as falsches, et^v88 Unrichtiges von 
atellhar, sondern er konnte aiiwas 

,.U«,a pra«i,oh .anau ao .afuMUcJ «ra, ,la für u„a ,.* dar 
s„»laitu„. .. naha .u .o.,,. oaar .an AP..ra. lalacK .. .ahan- 



dein 
7a s 



'f-^i + riflR Pentat euch bezeich- 
nun die 7r:ihzeit, die wir als die Jelt des x ent 



- 4 - 
nen von der spateren jüdischen unterscheidet, den ist schwer mit 
dem Bepriff Entwickelung beizukommen. Auch das ist ein europäi- 
scher Betriff und aus dem Gebiet der ^nssenschaft . wahrend wir es 
hier mit anderen Wirklichkeiten zu tun haben, die ihre ^it^engesetz- 
lichkeit ^ in sich besitzen, ü e Wissenschaft von der .ielieion.vom 
Mythus - sonst ist es ihr Vorzug, sie vereinfacht ,hi er kann man sa- 
gen,macht sie alles nur komplizierter, .-eil ihre Werkzeuge nicht 
adäquat sind. I^s entscheidende 7altum ist stets die Gegenwart 
Gottes im Volk, sein Dabei-Sein. die Unmittelbarkeit seines .in- 
^reif-ns. Die Herbeiführung diesBt Gecrenwart .dieses ilingreifens 
ist Gegenstand des üenstes. Der Dienst ist gleichsam die Technik. 
,, ,i,3e Anwesenheit herbeizuführen. Die kultischen Einrichtungen. 
aas Ritual sind die Mittel ^zu. .mmer wieder finden Sie i. Penta- 
,euch die .orte; - ^ch werde unter .uch wohn.n« .ch werde da se.nj 
.ch ,erde mit .uch seinS als die Gewahr eines vollendeten Zustan- 
,.3 des Gleichgewichts zwischen Gott und Volk, .st oies Gleichge- 

A .t^a restort, danntreten die historischen Ka- 
,ioht durch xrgend etwa gest ^^^ 

tastrophen ein. ITun betrachten --ir einmal, wi. 

..,. ,, ..,e Unmittelbarkeit bald .tärker.bald schwacher 
Fruhzeit diese unmn; historischen 

A -(y, ihrpn Verfolit entsprechend die ni 
iuR druck kommt und in ihrem /ei- 
Ausdruck Offenbarung ist der 

T -7,,- durch die Wüste, "'»ch der uiie 
Ereignisse. Jm Z"'- ^""^ =^ „„^ ,,ott 

. 7.1t der Begegnung der ?un-<t. wo vo 
Ohal_M.be_d_. das Zelt der ^^ voranschwe- 

-^•? o Ar-jesenheit v/ird bezuuf.w 

..,„. .a» .-.^«"-« '-^'"'- " ;.., SU^aUo. .er». 

„ «.ä die ütünoe »ucoee.iTe wn ihrer. 
,„... «durch. *ss d>e ,, , ,i„,^nlo**el. ae= tte.- 

„» .,tene. B,.l.. er.rel'e., 1- ^ ^„,,,,. 

.te. .er.V.r.. »e V»r< is. — ^ ^ ,, „„„, ,,,„3.u..h 
.„. .re«en ,lr de, Sti»-» ""^ *' *" = 



- ü - 



heiligen Gerate im üilgal, spater in Silohtdann verteilt sich dar 
Dienst zwischen Siloh, Sichern und Beth-ill, die zugleich Versamn)-. 
lun.trs^unkte für die Aeltesten der Stämme sind» wenn gemeinsame An/te- 
leftenheiten beraten werden. Jch übergehe Taten und järeignisse, die 
Jhnen zum ftrossen Teil aus den histori seh- pro^^heti sehen Buchern ^er 
Kichter, Samuelis undKönice bekannt sind und will nur einige x'unk- 
te hervorheben, die für diese Zeit jenes Grün dverhu,ltnis zwischen 
Volk und Gö)tt in immer gleichbleibender Bedeutung bestimmen. 3r- 
greift der eine oder andere Itann in ^Totzeiten rii« ^'iiin«^ - -'^ hat es 
bei ihm gezündet «Gott ist mit ihm- lautet das '7ort . Ko>ilsrei2h 
Gottes . - JVir sollt mir ein Königreich von Priestern sein und ein 
heili£es Volk - Üe Priester herrschen nicht, sie sind nur liener - 
Sie sind kein höherer Stand - es gibt keine Stande 
I^s Volk ist wie der Prister. Wetteifer und Ehrgeiz der Stä.-nne un- 
tereiander mussten naturgemass sich auch darin äussern, dass Jeder 
Stamm, un innerhalb seiner wieder udi die Führung mit einander wett- 
eifernae oippan und Gruppen sich der göttlichen Gegenwart d^d^rch 
,. ..rsichern suchten. d.ss sie eigene Stätten für den Gottesdienst 
schufen, üe politische Zerrissenheit und Ohnmacht .Teilkriege und 
.inzelaktionen . wie .ir sie im Buche Samuelis geschilfert finden. 

• .K A^r^ 7 c^Tnr)T&r\f^n>x und Verstreu- 
stehen im engsten Zusammenhan. mit der Zersprengu . 

n- V, . «.t^tten DO dass schliesslich dem Pro- 
ung der gottesdienstlichen St<.tten. Do das 

• .r anderes übrig bleibt. als mit der Beremheit- 
,3henten Samuel nichts anderes ubrl, 

*^ -Kt lind nicht «r reicht, den ot^m 

nen politiscn exu.^ verhält- 
i.s zu geben. Und nun sehen wir.wie dieser Vorgang aas Verh 

^ r V staltet- - I»r Herr sprach aber zu 

nis zwischen Gott und Volx gestaltet. I« 

, ^». Volk -8 in allem, das sie zu dir t,s 

v,,^•r^VlP dor Stimme des voik^b j.» 

Samuel, gehorche d-.r b verworfen, dass 

..,. ...,n..e„n .i= .«-" "-- «-' '— " "_,^,. .,,, _,, ' 



- 6 - 
des Herrn d^n Volk, das von ihm einen Kdnifr forderte. Und nun folc:' 
eine l]arst ellunfr des Könirrsrechts, die wohl in keinem Volk der Ge- 
schichte Je erhört wurde. ••Das wird des Konica Recht sein, der ü- 
ber such henschen wird. Eure Söhne wird er nehmen zu seinen Wagon 
und Reitern, die vor seinem Wapen hertraben, Unrf zu Hauptleuten ü- 
ber Tausend und über Piinfzig und zu Ackerleuten , die ihm seine 
Acker bauen, und zu Schnittern in seiner Ernte , und dass sie sei- 
nen Harnisch und r^as zu seinem Wafren p-ehört »machen. Sure TÖchtcsr 
aber wird er nehmen, dass sie Salbenbereit erinnAn , Kö^hirmen und 
Bäckerinnen sei^n. Eure besten Aeoker und Weinbsrfe und Oelgärten 
T?ird er nehmen und seinen Knechten (reben. Das'.u von Eurer Saat und 
Weinbergen wird er den Zehnten nehmen, und seinen Kämmerern und 
Knechten Reben. Und Sure Knechte und Käprte und Eure feinsten Jüng- 
linfte und 3ure Esel ?(ird er nehmen und seine Geschäfte damit aus- 
richten. Von Euren Heeren wird er der lehnten nehmen, unri Jhr müss' 
seine Knechte sein.» Und zun Schluss noch die Warnung;» Wenn Jhr 
dann schreien werdet zu der Zeit über Euren König, den Jhr Euch orj 
wählet habt, so wird Euch der Herr zu derselben Zeit nicht erhöron.| 
Jm Sinne des Berith-Dtnai, des Bundes zwischen Volk und Gott ist 
das ein Kompronlss. der seine Folgen hat, ein Kompromiss. der ei- 
gentlich ein Abfall ist.unH den zu reparieren, die ProphPten uner- 
müdlich bemüht sind - und ohne Erfolg. Ein Kompromiss, aer alle 
Gefahren und Katastrophen schon enthält, .eiche .er israelitschen 
und Jüdischen Staatlichkeit und Politik bevor st eben, Selbst auf 
dem Höhepunkt der ersten königlichen Macht und Herrlichkeit der 
Herrechaft ZDavi ds steht nicht der König als Geslabter des Herrn, 
als Repräsentant der göttlichen Herrschaft vor den, Volk,sondern 
umgekehrt trägt er die Verantwortung vor Gott und vor Volk für 
alles, wa, er tut, und beugt sich dem Spruch Gottes durch den 
Propheten. - zwei werden genannt:- Gad und TTatban - .1. i-- . io 



. 7 - 



weltlicher seine Reftierunrc ■wird, al« Warn-r und Verbieter auftre- 
ten, rrinrren ijvir et-was tiefer ein in die Störunf des Verhaltwis- 
ses Zwischen Gott und Volk, wie sie sich in dieser frühen iipoche 
darstellt. Jra iUlßeneinen finden wir allenthalben , wenn von der 
Vereinzel/ung und der Z er Sprengung der Gott es Stätten und des 
Üensttfs im Lande die Rede ist, meistens den Hinweis auf die Ver- 
mischung mit fremden Diensten, die durch die Umw^ohner »Kachbern 
hinein^etrapen -werden. Der Ausdruck, der sTiät«r in tai'""<'i-cher 
und re chtalmudischer Zeit Götzendienst bezeichnet, heilst Awodah 
Sara, fremder Dienst. Dienst des fremden. In übertragener ßSdeu*«« 
tunc des J-alschen, \yi dersinni -en. Als frer^d und widersinnig in 
diesem Sinne gilt schon im Pentateuch alles Jrrationale . ^^as in 
mythischer Gestalt und Form auftritt und das durch Bild vorge- 
stellt und durch Beschwörung herbeipezwunpen, geneigt gemacht 
und verehrt wird. Finden wir ja schon als eines der dringlichsten 
und am meisten wiederholten Verbote von i Anfang an: '. Ba sollst 
Dir kein Abbild machen Cherubim. Es wird auf alles in der Katur 
ausgedehnt, das als S^hol der Kraft und der Macht dienen könnte. 
Trotz aller Bemühungen der Religionsforscher ist es. glaube 

innr^on rii ese prstsunüche Tatsache auf ir- 
ich. bis jetzt nie gelungen, diese ere..« 

• i,-„fvv>v«Ti. Tde Tatsache ferner, 
^end eine sPäte Abstraktion zurückzuführen. Die 

Mobt». keinen irgend wie wesentlichen 
„Ip . der Schöpfungsgeschichte, Kein .n 

j ^1 » R*lip-ion vermisst. und dj.& 
»^ r-«<ii»hen hat und die lieJ-igJ-"" 
nur das Gesetz gös«nen 

* ,.-ht T>»nn Judentum setzt in das 
^.o* „i^h dar Jrrtun vortgeerbt. Denn 
heute hat sich oer orx ^ ,i,ß.r« Konstante. 

^ ** Ol« Hla pine unwandelbare J^ons^t» 
. 1 1« AaT ^<?f»lt Gott als die bj."- 

Geheimnis der VeiTi rAhpi""^^.- •^■'e^^*.. 

V, i^d freilich nichts errechenbar - <ia« 
Dadurch wird fr eine „«„Hch. kann und 1 

. T b.n ^n der Telt und mit Anderen wird möglich 

aber Leben iri nex 



- 8 - 
und soll in Ordnung können. Auser^ähltheit ist nicht die Ver- 
]3^flichtuncr Gottes, seinen Vertrag einzuhalten, sondern die ^m' 
Yerpf lichtunf: der Gemeinschaf t vo r G ott. Erst das Zusanngn wi rke n 
miteinander kann die Ordnung der Welt realisierön. Lie i'ropheten 
fordern inmer wieder die sittliche Tat , jedoch unter der Voraus- 
setzung der reinen Gesinnung; ladurch erst wird das Gebot erfüllt. 
Jn den Worten des Propheten Jerenias vpn ♦» ITeuen Bund "ist die 
zukiinftige Vollendung des ITenpchen dadurch r^ekennz «1 c^i'^^^t : '^esBtr. 
tritt nicht nehr von aussen an ihn heran, sondern aus der Freiwil- 
ligkeit seines Jnnern. Dieses Gesetz ist aber nicht formal, sonftc 
dern hat einen konkreten Jnhalt und er nennt zum Beispiel Gerech- 
tigkeit :• »» Er schaffe Recht den Armen und Schwachen! Heisst das 
nicht mich erkennen, spricht Gott^». An solchem Beispiel erkennt man 
die religiöse Herkunft dessen, was man als das Soziale oder Ethi- 
sche in der Jüdischen Lehre bezeichnet hat. Das Soziale ist nicht '| 
vom Gesetz abgeleitet, sondern wird von ihm umfasst, wie alles 
Jrdische, wo Alles wichtig ist, innerhalb eines geforderten Vor- 
bilds göttlicher Ordnung. 

*» 3uchet mich und lebttl" ruft der Prophet. Jv) Mittelpunkt der is- 
raelitischen und später jüdischen Lehre st^ht die Heiligung des 
Lebens , des irdischen Lebens um Gottes illen, und di^ Gestal- 
tung der menschlichen Ordnung na^^h göttlichen Gebot um des Le- 
bens willen. 

Jm Falle der Juden aber treffen wir auf eine Ausnehme: schon in 
früher Zeit , als das Ritual noch in seiner ganzen Strenge und in 
seinem vollen Umfang bestand, erwies sich das Gesetz, die Sitten- 
lehre als von ihm a blösbar unj enthüllte damit seine Universali- 
tät, - das heisst seine Fähigkeit, für Alle zu gelten. - Doch auch 
die Ablösung, Abtrennung ist ni<^ht eine \bfltra>tion - «le tritt 
ganz körperlos, ganz konkret in die Erscheinung - im Pronheten^ 
Jm Sinne^des^Juden, unterliegt das Sittengesetz aus diesem Grunde 



- 9 - 



r 



schon rrefühlsTTiässi/T keiner historischen Wandlunfr unr\ keiner Yer- 
änderun^r in der Zeit. Jch "bitte Sie das f est zuhal ten, wenn 7;ir uns 
snäter der traditionellen Auslegun^p.wi e sie das Alte Testament 
im Verlaufe der Zeit gefunden hat ,zu\'?endftn . üebersetzen ^ir die 
Formulierung in de/ Sprache cfe/ modernen Wissenschaft so kann, man 
im Allftemeinen sagen: dass jedes Volk mit einer nationalen Reli- 
gion auch sein eiftenes metaT)hysi sches Tahusystem besitzt, ein Sys- 
tem heisst ^as, m ch -elchem sich Gebote un ^ Verbote ordnen, nach 
..»eichen die ethische Be^^ertum- der Hendlun«-en zu erfolcren hat, al- 
so sein Sitten^esetz. .\nfTesichts d^r Mennif-falt i^kei t und V^r- 
schiedenheit, ja 3ntref.enf^.setztheit dieser Systeme fol,-t notwen- 
dig, dass kein Tabusysten des einen Volkes ohne weiteres auf ein 
anderes Volk passen könne, und in weiterer Konsequenz di. Relativi 
tat jeder 3thik, wodurch jede gleichsam auf einem ihren bestimmten 
Bezirk verwiesen wird. Und in sofern ist es richtig, als in der 

. m X. ^. m^ M^ wir heut^ etwa aus unmittelbarer An- 

Tat die Tabusyste^e > oie wir neuu. eu^yci 

schauun. Icennen bei d.. Primitive, .n. Beispiel von ihren Ritual 
nicht ahlösbar, nicht abzutrennen sin^.'-I^as Ju,..t.n l.t H..ht 

^ f 11 nnri ^c,t es" nicht so, dass et- 
Oesetz - aber es schafft Ges-tz!'» - .Tun ist es 

.. r T^^ähiP'kpit von Anfang an auch der Anspruch „ 
^a auf Crrund dieser i?ahig<ei^ ^^ ^- 

, ^. V,« "h^in Volke eine wesen«- 
auf Ausbreitung seines Gottesgedankens bein 

• it hätte. S-lbst in 'ler SPätzeit besteht in 
liehe Rolle gespielt h^tte. S.ids ^„.h. 

.• ^ino.r. T^hans in Jerusalem und im heiH 
■iii/iToph relirciosen iiei^eno j-i» 
Zentrum des judiscn rexi^ 

.en .ande eine gewisse Abneigung Prosel.ten zu --y-- 
i. .Udisohe aot.esidee zu .erben, aber sie ist es, diese .e. 

V, t n inner nieder hervorbricht und zuletzt 
welche in den Propheten inner ^lede 

. . XbstreifunP aller nationalen Verkleidung und .nge als die 
unter Ab 3t reif ung a ^lie ihre nan- 1 

,•• .5.unr aerV/eltherrschaft Jah^^s ausbricht, die 
VerlaxndigynfT der \<e .., ^ <„ ^er christÜ- 

,..ache Ausbn_.unr in der Jiddischen und spat er ^n der 
ni,racne Aus ^^^^ ^^^ ^^^^^^ ^^ ^^^ ,,^,^„. 

chen sschatologie , /l.h. gei 



- 10 - 



digunfr cier Ir^tztsn .Din;j9. 



Auf -wie schTTßchen müssen das ICönifctum immer im Volke stend »erse- 
hen '.vir daraus, dass schon in der dritten Generation nach Da-vid, 
gleich nach dem Tode Salomos» der mit solchem Glanz das erste Frros| 
se Gotteshaus errichtet hat, der rasche Abstieg beginnt. lie Tei- 
lunK des Reiches , die inneren Kriefte, die Versuche der israelit- 
schen Herrscher in dem grossen poltischen 3piel zwischen Babylon 
und Aefrypten sich diTchzusetzen, indem sie den Gottesdienst an di e| 
veränderlichen staatspolti sehen ITotwendirVrei ten anzupassen suchen, 
zeiren nichts anderes 8ls dien» der zum Träger einer hestimmten, 
nach göttlicher Ordnunr ge-füfcten Lebensordnunf aufgebaute Volkn- 
organisnus widerstrebte allen solchen Anpassungsversuchen seiner 
Fatur nach, er gehorcht einfach nicht den NotwendiK^ceiten eines na- 
türlichen Volkes., Immer wieder vor das iSntweder-Oder gestellt, 
nach dem Gesetz, nach dem es angetreten, zu leben oder ein Volk 
unter anderen zu sein - fällt die Entscheidung im Sinne des 
B^rith - des unlöslichen Bundes. Das wird ihm zum Schicksal! 

Kwhren wir jetzt zu unserem Ausgangspunkt zurück: ich sagte, 
dass an den Berri'f Judentum Jene Wendunr- ge^nü^ft ist,di« mit 
der Rüislckehr aus dem ^y babylonischen Exil nach Judäa berrinnt 
und als die Restauration l^sras uhd seiner Genossen belca.nt ist. 
Hier befinden ^vir uns bereits auf historische.. B.den und können 
„.it einer gewissen Sicherheit im Einzelnen se^.bst verfolgen. wie 
d.r 'Tia^eraufbau des Landes und des Staates auf der Befestigung 
und genauen sorgfältigen Sicherung des Geistigen .rbes vor sich 
geht - auf dies^ .rbe sich gründet. - Von da ab haben wir d.s , 
.as .ir im Allgemeinen die..iüdi_^ch^Tra^i-» "«— '-""^"- « 

was war geschehen. - ^e zehn Stämme un. ihr Anhang waren dam.ls 
längst über ganz Vorderasien verstreut und durch schon frühere 



- 11 - 

Abtrennunc von geneinsamen Üenst, der in Judäa noch verblieben 
war zum prössten Teil wohl in den Völkern untergegangen . (Nicht lan- 
ge vor dnr Vertreibung aus Judäa ist durch die assyrische Voi:<spo- 
litik Jenes anTclave in SchoTnron{ Samaria) geschaffen worden, das zur 
Gründung des samaritischen Volkes führte). Während der j-rossen po- 
litischen \yirren vor der Vertreibung und dem Untergang des ersten 
Tempels, war auch in Juda das ursprüngliche Verhältnis zu Gott 
längst gestört, wenn auch einzelne Könige in Juda die jlinheit des 
üiienstes 7dec^erherzust e"'len versuchten, und iSawkxÄBX unter Josia 
dank der Kahnun-^ der Propheten sogar das Deuteronomium geschaffen 
wurde, auü dem Bedürfnis, die verstreute Kunde der Vorzeit und dos 
Gesetz Mosis dem Volke wiederzugeben. Wobei zu bemerken ist, dass 
hier wohl auf die Einwirkung des Propheten Jereraias um der Rein- 
heit der Lehre willen alles Kosmogonische entfernt wurde. Jm leuto- 
ronomium findet sich Iseine Schöpfungsgeschichte mehr, aus der Ab- 
sicht, die uus Babylon eingedrungenenkosmologischen und astrologi- 
schen Vorstellungen abzuwehren, die zu einer Verehrung aer Stern- 
bilder geführt haben. Dieses Buch und wohl auch noch andere Bücher, 
die die Chronik ausdrücklich nennt, hauptsächlich aber ™ohl dl«, 
grosse hymnische Literatur aus der Zeit Samuels und I»Ti ds befanden 
sich in den Händen der V3rbannten. Jn Babylon, wo das politische 
Leben aufgehört hatte, fanden diese Schriften, als das Jlinzige ,was 
3ie hinühergerettet hatten, sorgfältigstes Studium und Vertiefung. 
I»s Gefühl, an ihnen einen Schatz zu haben, den sie mit grösster 
Sorgfalt behüten mussten, vertiefte sich umsomehr. als die Schrif- 
ten ihnen 'Veg und Sinn ihres Schicksals bisher deuteten - und mit 
äen in ihnen enthaltenen Verheissungan - Hoffnungen für die Zu- 
kunft eröffnete. Bei ihnen .eilte der Prophet Bsekiel, und .ohl |j 

auch Jener grosse ProPhet der Tröstungen, den wir als den zweiten 
Jesaias kennen. ( -ragen des Volkes an d.n Propheten ) . Bei ihnen 



- IP - 

»BiitBx^sixKiH^hrt ^varen in> Gefolge i«s befangenen Königs die Gros- 
sen und die priesterlich^n ?anilien und die Leviten. Damals ent- 
stand T,ohl ein grosser Teil der dann in den Psalmen vereinifrten 
Klagten und Trost^-edichte. ^ie jener auch Jhnen wohlbekannte Psaln 
.. An den Flüssen Babels", bnd nicht nur cäe Fü&rer und Aeltesten, 
oas Volk selbst in seiner iiehrheit dranp:te sich in jene Versanm- 
lun,ren um den Propheten, der der Mittelpunkt der ürneuerung war. 

Esekiell 

•?o *rs' c:er Tuss-Tienbruch des babylonischen Reiches und der Be- 
ginn der persischen Herrschaft ein zum ^o sen Teil mit den alten 
7.rbe seiner Beziehung zu Gott v,ohlver trautes und an sittlicher Hal- 
tung vorbereitetes Volk. Als dann durch Gyrus. den neuen Grosskönig 
von Si»..i- Persien, die Erlaubnis erteilt ..rde.nach Judaa zurück- 
zukehren, machten sich Tausende nach dem ersehnten Heimatlande auf. 
Jch übergehe die in den Büchern ^sra und Nehemia gaschHaerton Er- 
eignisse so.eit sie historisch sind und beschranke mich ciarauf, die 
gestellte Aufgabe und ihre Lösung zu schildern, die an die beiaen 
oa.r vielmehr an die drei nahnhaft gemachten Männer sich knüpfen. 
Serubabel. ..ra. Kehemia. und nicht zu vergessen auch den Hohenrie- 
ste^ Zadok. .e..en Geschlecht bei der ^nederherstellun. des Pr^e- 

^,- IV« ^., l^t klar, dass der Aufbau des Lan- 
gt ertums eine Rolle sPielte. J.s ist 

TT^-K^ n H**c. ödpn verlassenen Lan- 
r.n. die vorauszogen und unter ^er Unbill d«s od,n 

,,., .0,0« als a.c. ..i l^ren „„ter„e«»un..n »n»r oer .,i.s,.o.. 

1 darnach und allmählich durch 

vom Tempel .u .es eh. ei gen. der lange darnach 

^ ^vni ^n r^er dritten oder 
«„ ,.o.,e.d,« Z..". der V.^a^.e. er.« ,ohl In a 

,,,,.,. 0,„e.aUo„ ,«... .er.- — • «•^- '*^' '»'* ■" 

,. -^, Au'-rrpbe »ei der -nedererrich- 

^^^^t reibst uPd ihre -auern. Die Au -a^e 



- 1 



■3 _ 



tun^ des OeTneinrfesens war eine doppelte: es palt einerseits, 
das Ritual des Üenstes a\<f der wi sderps^vonnenen geisitf:en Grund 
lafe aufzurichten und zwar in einer neuen Einheitlichkeit, nach 
der im lilxil nun vertieften einsieht, dass der Bestand der Nation 
davon abhing. Andererseits für diesen lienst wieder aen Orßanis- 
mus , ein (xeschlossenes Volk zu schaffen. 
T/ie diese letzte Aufgabe gelost v<urde, berichten genau die Büchor 
Esra und Kehemia. Bemerken swe'^t T'ir uns ist daran, dass hier ein 
neuer Berith, - Bund reschloBserr und von allen TeilnehTnern b^- 
schivoren vjurde, eine Verpflichtung auf die "feisunp (Thora) und 
auf jede einzelne Satzung der Weisung der Thora , sie sorgfäl- 
tig zu beobachten. Wer nicht diesem Berith bei trat, feit nicht 
als Jude, ^s ist der Restauration des ilsra oft nachftssagt ^wor den , 
sie habe es verschuldet, aus einem lebendigen Volk und mit eifiem 
lebendigen Gott ein Volk des Buches geschaffen zu haben, mit al 
len daraus sich ergebenden ivolgen. üiin Vorwrf, der bis heute sie 
sich durch die christliche Apologethik und die Uskussion über 
jüdische Religiosität sich hinzieht und in neuester Zeit sogar 
im Judentum selbst vielfach Vertreter -efunden hat. 3ehen ^,ir 
^•jjv,^. ^^^^n^f,,," sich dieser Vorwurf gründet: zunächst uid vor 
allem darauf, dass die Sammlunrt der kaponis-hen Schriften .die 
damals begann, jenen Teil, den .ir als den Priesterjcodex ken« 
d 'ler das Ritual und Zeremonialv,esen ordnet- zum integrie- 
renden Bestandteil der autoritären verpflichtenden Heiligen 
Schrift bestimrr.te. ^s wird nun so dargestellt, als sei dadurch 
die Priesterhierurchie , die zur Zeit der Könige eine nur ge- 
ringe Kolle spielte, hier stabilisiert und befestigt worden 
und habe die anderen Gotesvorstellungen .die im Volke lebten, 
verdrängt, ü es e Auffassung starbt aus der Aufklärungszeit .ei- 
ne Au-Bssung.die auf der einen Seite allen religiösen -.rschei 



nen un 



- n 



- 14 - 

nunreti mit Kriti> und Sl<:epsis begegnet, una i^^ Priestsrtrm so et- 
was wie eine Organisation zur Beherrschunr und Vsrdui'inufT des Vol- 
kes sieht, und auf der anderen Seite von Volksrelipiion spricht, 
gleichsam als von einen einer Natur-Religion natürlichen Verhalten 
während doch tatsächlich gerade die volksreligiö.sen illetnente von 
magischen, irrationalen 3eelenkra.ften genährt werden, die dieselbe 
Tendenz der Aufklärung \neder bekö-inpft. Von einer anderen cJeit« 
her wieder wird ein Gegensatz zwischen der prophetischen Gottes- 
idee und der priesterlichen konstuiert, ohne an diesem Punkt auf 
eine Erörterung dieser subtilen Dinpe einzurehen, ist entgegen die 
sen Anw^irfen folgendes Tatsächliche "estzupt eilen: die 3chaffun(3: 
einer autoritären, verpflichtenden Lehre durch Isra und seine Ge- 
nossen, ist nichts anderes als das Brgebnis der Lurchset zung der 
prophetischen Gottesidee, einer immer gereinirten Vorstellung von 
dem einen Gott mit allen Ansätzen ihrer bereits universalen Ten- 
denz, wie sie sich schon im Exil in Volk ausgebreitet hat 
der besten Kenner der Ursprünge jüdischer Religiosität , I^vi d 
ITeumark. äussert sich üb.r cü.sen Punkt mit grösster sachMcher 
Genauigkeit fol^ ndemassen; " der ;iieg der absoluten Monotheister. 
der in dem Berith (Bund) des Deuteronomiums ( die früher erwähnte 
Auffindung des Buches unter Josia, einem der letzten Könige von 

. i 1 " ? + oainian "^.In'fluss ausre'iibt, 

Tu^a ^ >>-«•! «-«Tt ^Tö^le, hat Tarre /,eit seinen .m. 

„„t. ae» Abf.U .1,1er in d,r :!en„ .nd trot. a,™ U„t,r«ne a.s 
I,„p,l, u„a a,. 3,il. iie .n a,. Olau.en an .n.,1 te,.h.ltena.n 
au, aen Kr,ls. ä» Propheten ^.*lel »«ren .*r na* an Zahl un . 
,influ=s »ar.. ai.ao Ornppe M,l. sich auf .er Unle aes :,ntl.en 
«,a.n.,n». .n a,» BuC, aer Kemc<ei. ( HeiU. Un IC un. .el- 
Ue .0X1. Ihr sein") aaa au. aie.er. Krel.e ata«e. aina .ac .e- 
.„>, auf historischen Tatsachen segründet oaer auf a.n Hin,ais 
a.r HelllgKeit Gottes, aher nlrcenas auch nur wlra auf aie 



. 2 



in er 



- 15 - 
Welt schöpf unf: hingedeutet, während im Buche des Pries»; er kodex , dar 
aus dem Kreise des Jeremias sta;init, die Gebote auf der Verpflich- 
tung gegründet sind, die vom ',Yelt schöpf er konmen. jji e dem Glauben 
an iingel Anhangenden, die in Beziehung auf die Schöpfung den altsn 
kosraogoni sehen, wenn auch geläuterten Mythen folgt en,verti eften 
den Grundgedanken eines sittlichen Honotheismus durch einen gestei- 
gerten Begriff der Heiligkeit. iMs Volk besonders im Jixil raochcs 
in seiner Mehrheit dieser Richtung anhangen, doch ebenso stark 
war die ^'/irkung der absoluten Monotheisten, und so kam es, bei 
der Entscheidung der ^rare , T^elches Buch zur Grundlage des neuen 
Beriths unter 2sra aufgeno"imen werden sollte zu einer Art Aus- 
gleich; der Briesterkodex wurde in seiner Gesamtheit in das auto- 
ritäre Buch aufgenommen, während aus uem Buch der Heiligkeit nur 
einire Abschnitte ... aufgenommen wurden... las neue Buch des Bun- 
des gründet in dem Gedanken aer absoluten Einheit GoUes,von den 
alles Sein ausgeht. ( ohne liücksicht e.uf den ^ngelsglauben) . »raus 
wird klar, dass Priesterkodex und Volksglaube durchaus nicht mit 
einander colli dl erten, ferner h^t die .Sntwicklung des Hoheprie- 
stertums zur weltlichen Hacht es fteradezu verhindert, dass es auf 
H.. ai«ub.n 1-H .^^- ^v-'-'-un-en Irrend einen Einfluss gewonnen 
hätte, seitdem die oberste Priest er schaft mit der Verwaltunr be- 
fasst gleichsam die Regierung wurde, ging die Auslegung und :<:rklä- 
rung der Schrift, die unter ^sra begann, auf die Kindigen über, 
auf die Gelehrten, wobei auch hier nicht ein Gegensatz zum Volk 
.«dacht werden darf, ras Wort Sofer .Schreiber. Kundigar.hat 
erst in Laufe der Entwicklung Jenen Nebensinn bekommen. der d«r Be- 
zeichnung .chrift^l.hrt^ anhaftet und vermutlich durch aen Ge- _ 
gensatz Jener messianischen Kreise, aus denen sich spater die „ 

christliche Lehre kristallisierte. 3_sra„der .S,hre-i-^_er_ist .der 
erste, der den Namen Schrift.elehrter trärt. der, wie es in der 



- 16 - 

Schrift heisst, seinen '• Sinn darauf 'erichtet hat, zu erforschen 
die Lehre des Herrn und auszuüben, auch zu lehren in Jsrael Sat- 
zung und Recht." 3t war der erste, der die feisunc Tor versannel- 
ten Vol^ce an Pesttagen des Neujahrs, der Laubhütten, und an den gx 
grossen Pasttagen nicht nur verlas, sondern sie öffentlich auch 
ausls£t^. iJirauf bezieht sich der Satz:" Und sie lasen im jiuche 
der Weisung des Herrn, deutlich, mit Angabe des Sinnes; so erklar- 
ten sie die Schrift.« Kit der Festsetzung und Samrnlung der Schrift, 
die mit ^sra beginnt und von seinen Nachfolr'ern fortgesetzt wird 
tritt nicht ^ie allremeln fälschlich gedacht -vird eine ^^rstarrung 
des religiösen Lehens ein, vielmehr oird CxOtt durch sein Wort aufs 
Heue gegenwartig und ins Volk getragen, ijie Vertiefung und ^rstar- 
kung, die das Verständnis der Lehre im ^xil erfahren hat, erfährt 
in der wiedergewonnenen Heimat ihre breiteste Auswirkung. Die 
Reihenfolge der Männer die im Talmud undMidrasch unter der 3ezeicl| 
nung "Sofrim" Schriftgelehrte .Schriftausleger auftreten , sind 
nicht zu verwechseln mit den Schriftgelehrten einer viel spateren 
Zeit, unter denen wir die Lehrer_äer Jüschna zu verstehen haben: 
sie sind für diese letzteren bereits Autorität, üe eigentliche 
Bezeichnung d.r m..hn.-T...... he^...t .ha_c.5:.in. die -eisen. Jene 

ersten Schrift gel ehrten finden wir in dem heiligen Colle.ium. das 
U.S als die srosse_amaEOC^ oder die ^os- Svnode überliefert 
ist. lie .eberlieferung besagt, dass sie u* Jene Zeit hundert unc 

0.na.nt wer.en besonders Chaggai undKaleachi. Aus der Anwesen- , 
.lit der Propheten in diesem ersten S:^hedrion geht hervor.dU3S 
ein aegensatz zwischen den Einrichtungen, die .sra zugeschrie en _ 
.erden und den Tendenzen der .ropheten nicht bestanden hat. Sie 

, ^rr^ nnH prp-anzte die durch 

blieb mehrere Generationen lan. ein.esetzt und erg.n 

den Toa Ausgeschiedenen mit Schi.lern .sr.s un. sein. 



. 17 - 

Jhre Tatipiceit erstreckte sich bis zur Zeit Simons des Gerechtsn, 
der letzte, der als Sofer " Schri ftgelehrte" dieser Reihe bezeich- 
net wird und der zugleich einer der ersten Lehrer der xialacha ist. 
Jäi nenne diesen Namen .Simon der Gerichte, weil er auch historisch 
einen einschnitt bedeutet: Jn dem Buche •• Jesus Sirach-, das zwar 
nicht in den Kanon aufgenommen .aber in seiner ^griechischen Fassung 
sich unter den Apo^<ry-phen .rhalten hat. ist die Stlmmun. der Zeit, 
de. Ton ihrer besonderen ^römmi^Xeit mit besonderer B.ziehunfr auf 
diese. Mann festgehalten, der .e.en seiner Vorbi IdUch.eit geprie- 
sen .ird. .ini -e der Grossen Synoae zugeschriebenen Einrichtungen 
verdienen hier Kr w.hnung. wegen ihrer institutionellen Bedeutung 

. ,, ^^„„v,.. an bestimmten Tagen Teile 

für alle Zukunft. So die Verordnun.. , an o.su 

. . ^ora ö^' entlich vorzulesen, zu übersetzen ( aamals ins 
aus der i ora ui.oü«-^ 

„ p-rner oie Festsetzung bestimmter ^e- 
Aramkische} und auszulegen, ^«rner ^e 

n V. r= nie, sich bis auf aen heutigen Tag 
bete, so aes Achtzehner Gebets, aas sich 

j^T. c!,map-ot'"^ und auch das /or- 
erhalten hat. D^s ist der Ursrung der_bin_aco^. 

,, . V, i„ 4v,-«ri versamniluTreBn . Jhre wicht.g- 
--^^fi für die frühe Kr ich e in ih- en /er. 
'^' ' , , „_ ..* ...o- 'Me a^.^.m:-h^iche 3am^n 

d nach manchem auch der Abschluss Jenes .erkes. das wir 
1.., und nach manc ^^^^^^^ ^^^ ^^^^^ ^^^^ ^^^. 

unter dem Namen des alten ^es v^ebrai-' 

. -.t in assyrischen Charakteren .das heisst m 3 

^"^" "'" 'Thora( .eisung.Le.re). das ist die Zusamenfassung 
^Ordnung in Thora . ^^ ^^^^^^^^^^ ^^^^^^^^„. ,^, 

der fUnf Bücher .losis. «le ,„,,,.eilung frühe 

H folgen HebiiTn::Pro2heteni "iit der 

^,i,e nach folgen ^^^...^^chen Bücher Josua. Rich- 

,nd spate Propheten, wobei die ^^^^^^^„ ,,^alts dar- " 

ils und Könige wegen ihres prophetischen ^ 

ter, Samuelis und i^ «.v^^in-n, in welchen ein 

„ o^nd.und drittens 3nbrl_L^2i 
it, mit aufgenommen sind.und .^^^^atur resammelt • 

r. -ppii der poetischen und erbau..-- 
grosser lei- Hohelied, die Bücher Ruth, 

ist. die Psalmen, die Spruche, das H 



- 1 



o - 



ISsther, Hiob und dsr Prodiftsr . IBS Buch Leniel, aus verschiede- 
nen Teilen sich zu sannen setzend, und in seinem &pokalyptischen_ 
Teil ein .'■rodulct_^d.er_i4akkabäer-ZeU ist erst später hinzugafüfrt 



wor den . 



Wenn durch die Festleeunn des Kanons alle in dieser Saiomlunc ver- 
einten Schriften bindende verpflichtende Kraft erhielten, so ist 
der arad , die Stufe ihrer ^•fi'.rde und HeiU^Veit in der ireitei- 
lunfT un. in ih.'-er Folre ausredrückt. Le^s also an erster Stelle 
die Lehre, die \7eisunr steht, ^.enn auch die späteren Gesetzesleh- 
rer undAuslerer zur 3e--ründun,Ueden Satz und jede Stelle aus 
den anderen Schriften autoritativ heranziehen . üesem ersten Sy«- 
^edrion .ird auch die Gründun, der Lehrhäuser zu.eschriebn , der 
Ursprun. der späteren .rossen ^ade.ian für alle Ges.tz.ebun. 
.ndGesetzesausle.un.^. ebenso die .insetzun. von Gerichten, ux e 

i^^ T<-rnt7 nps strikten V^r- 
das Vorbild des späteren S^mhearxons sind. Trotz aes 

• >. r. «:.>-hriften et^as hinzuzufüpen , darf man 
botes , den kanonischen Schriften ex .a-s ^ 

< ^-r nnc, heute vorliegt, nicnt 
sich den Abschluss d«s Kanons . wie er uns 

.. „. 7..t v,.>.^'">-,n^ ^,^,te^len. -erschiede- 
als endftiltir aus M.-^"^ 7- . ... . , * H^r 

.nn auch spärliche Zeugnisse , besonders aus der .eit 

Tanaiten, das ist et^a goren ^nde 

,, u:„.-,tpr der Schulen ,die s^cn 

l , „ B,sta„d «»^ *^ H""^'- ^- '='"™= .«.,««.U>0. ... 

fvir den Bestana cjchrift noch 

über die ^ufnahne oder Zurückweisung einer Schri 
ten , über die Aui ,.^«nze fand dio 

t^unren geft^hrt hüben, ^me (^renze 
3pät Auseinandersetzungen ge ^^^^iften, die als 

, ^.n^alls Viel später an jenen bctir-i 
;,ufnahn. jeden.allB ...«erhalb gebliebenen Schrif- 

♦» oder die aussei u» 

, v4 ^-h dpr p-riechi riehen nibeno.i» 
,1^ aann Griechisch der gr p^ladelphus 



^ ^« r r^ip 'her«=^its unter 



Ptolomaus aen Z^^iT^eu 



unternommen 



® /i ^ort ihre l^nter- 

A.^ hinzurefv.-t vfurr^en,und dort inr. 
h«t ^jvurde; ninzuf.wi 



- 19 - 
kunft fand'^n, da dieser Sanmlurirt keine kanonische Bedeutnfr ziukan. 
Soviel von der ftrossen Sjmode, auf die ^(ir noch bei einer anderen 
Gelegenheit zurückkönnen. 

Jch habe bereits früher ancedeutet , wie früh schon die Hörnen der 
mosaischen Lebensor dnunp durch die Ablösbarkeit von Ritual uni- 
versalistische Tendenzen zeigen. Ilan darf wohl sagen, dass diese 
Kraft im jlxil sich bf»',vährt hat, wo Tenpel dienst und Ritual auf- 
ftehSrt hatten. Der Sinn des sogenannten Gesetzes he-jährte seine 
Kraft und seine "/irkunf? in erstaunlicher '.Veise rerade dann, und 
in der Frerade. Üe auf ifsKjcsaitw Verpeistigung fterichtete Kündung 
der Ptopheten geht nit dieser Tendenz Hand in Hand, wenn sie auch 
oft in den Tröstungen noBh unter nationalen Zielen sich zu ver- 
bürgen e cheinen . 33 ist ein Durchbruch, eine Aufgeschlossenheit 
nach oben, .-eiche die ganze Welt stets auf Go t bezieht, una eine 
Tendenz nach der Ausbreitung in die -^elt hin. So heisst es oei 
Jesaias;« Zu gering ist's dafür, dass du nir Knecht wardst, zu er- 
stellen Jakobs Stabschaften, die Be^vahrten J«raels unkehren zu 

lassen - den ^7«ltstHnn»r: "•''^'? - -'^ - 

A A i^o ?-rHT-f>iches'» .Orler » Mein 
Freiheit werde bis an den $and de3_,irdreicnes 

..ht der Herr, nir soll sich jedes Knie beuren, und 
Schwur , spricht der iierr, i.iJ-i 

i^j i^t7t 7U dir übergehen... 
,„ dir einst Schr.oK.r, ,lnflos=.. wir. 0.«^« 

„.,1* .0 ,i.- - -'-— "— ^"- "" " " 

,„.. .„Ue. «-ae. ,1. ^r. ..n.He. Sta-. ..r .IcH nloM .an„- 

,,.., ^„0. a« ProP.,. Zeo-rla. el„,. der »r.ten. «Uo.. e» -n 

r ^^^ An«; • ♦♦ So spricht er, aer umov. 
seiner naiven .Yeise aus . oo i 

• T v< o+oHtp. und die Jnsas- 

isfs. dass Völker können. Jnsassen vxeler ot.dte. 

,..„ zu ein^r anderen und sprechen: den Gang wol- 
een der einen gehen z. ein. ,ntworten:^ 

• ^ -h^r, ^ein Antlitz zu s^nftigen. Un-^ .] .n 
■"•^ V, in -unh ich! Sie können, 

. lim. Charten, aufzusuchen gehen wiU ■'^'^'" 
Jhn, den Unscharten, t„^„o«i .n. sein 



,iele Völker, nüchtif-e Stünne 



j^ ^ ^ v\ Tprusal eTTi, sein 
ihn aufzusuchen m Jerus» 



• Ol - 

Auch am Ausgang der Katastrophe, der Kriege gQf^en aoTn,nach der 
Zerstörung des ziveiten Tempels erleben ^ir die Wiederholung der 
gleichen Situation. Wir werden an reeigneter Stelle noch ausführ- 
licher darauf zu sprechen komnen, wie in jenem Moment der nationa- 
len Miederlage $ die Aufgeschlossenheit, der weiter fortgebildete 
universale G^aanke auf aas Christentum traf, das ihn in die weit 
trug - wohl in die ^;7elt trug, jedoch seine Lurchseczung erst nur 
durch einen Rückfall in den M^^thus ermöglichte, den fernzuhalten 
alle Generationen der jü.aiRchen Lehre^ unablrässig bemüht waren* 



Die Unmittelbarkeit. 



Nationalität - Relir^ion. 



- 2'^ - 



VORTRAG II 



Jch möchte noch einmal zusammenfassen, was ich in der vorigen 
Stunde über aas Wesen der judischen Religiosität im grösseren Zu- 
sammenhang auszuführen versuchte. Halten ^vir daran fest; das Be- 
stimmende, Massgebende, Entscheidende ij^t der gerith-Sinai_^ der 
Bund zwischen Cott und Yol^:, die Gtabilisi erun^ der unmittelbaren 
Beziehung zwischen HenBch und Gott. Hehr und mehr ^vird alles My- 
thische aus diesem Verhältnis ausgeschaltet. Das ist der Sinn des 
Heuen Bundes unter ^ra, nach der Rückkehr aus der Babyloniscjien 
Gefangenschaft. Die Katastrophe, die über Volk und Staat hereinge- 
brochen ^ar, wird in Sinne der Propheten als eine Folge der Stö- 
rung di'eses Verhältnisses angesehen und der i^ntschluss der neu 
sich bildenden Gemeinschaft wird beschworen und besiegelt, an 
dieser Grundlage unverbrüchlich festzuhalten. Jch möchte hier 
noch etwas hinzufügen: was ich Jhnen hier auseinan dersetze,ist 
nicht meine theoretische Auffassung, auch nicht der Ausdruck einer 
subjektiven Anschauunr^ von dlp«»en TT^.nrron, -f? ^ -t die noch heute 
geltende , überall da noch f-eltende Haltung des Juden zur Vergan- 
genheit, Geschichte und Gegenwart, wo eine .jüdische zusammenhangen 
de Gemeinschaft in jüdischen Lebensformen lebt, nlso weder eine 
historische Ableitung noch eine auf Gelehrsamkeit beruhende Ge- 
schichtsphilosophie. Mehr Oder minder bewusst empfindet der Judo 
als solcher diese Unmittelbarkeit von der ich gesprochen,als das 
3nt5cheiaenae seines Welt- und Lebensgefühls. 

Bevor ich meine Ausführungen über die weitere Entwicklung der 
jüdischen Lehre fortsetze,..öchte ich in allgemeinen Zügen den his- 
toripchen Rahmen andeuten, in welchem ^vir uns da bewegen; 
Der Untergang des Judäischen^Staat es und die Vertreibung und Um- 
siedelung eines grossen Teils der Bevölkerung nach Babylonien 



- 23 - 



um 586 V. Chr. 



luit dem Zusammenbruch des Babylonischen Heiches und mit dem Re- 
gierungsantritt des ersten Perserkdnigs Cyrus 539 tritt der Um- 
schwun^: ein; zu seiner Zeit beginnt die RüclCT-van derun«:. jjLe 3pr>che 
vom Beginn der zssra-Restauratinn ("^sra 4.'^8^ bis zu liln de der Tätig- 
keit der grossen Synode umfasst einen Zeitraum von et^^a 200 Jah- 
ren. 

Man muss wissen, dass diese kulturell und materiell als Blütezeit 
der jüdischen Gemeinschaft zu bezeichnende iilpoche nicht et\va auf 
einen unabhctngigen jüdischen Staat sich bezieht. Judäa bleibt wah- 
rend dieser ganzen Zeit eine Provinz des persischen Reiches, al- 
lerdings mit einer sehr weitgehenden Autonomie ausgestattet und 
mit einer für orientalische Verhältnisse bemerkenswerten Freiheit 
der Gemeinschaft, ihre Angel eftenheiten weitgehends selbst zu ord- 
nen nach dem alten Vorbild: Konirtum r.o'tes. Diese ralative ^'rei- 

da - 4. -. -! 

Heit erviärt sich zur. Teil «i>ch H„rcV. ^«- -^^ Cnt-e^-^-rs.e lun- 

gen der Perser von Hyther, sehr ^ereinirt .aren. sie karten keino, 
Bilderdienst. Ua.s gemsse persische . lenente auch in die Jüdi- 
sche Lehre eindrangen, ist schon angedeutet .orden. Jn einem Punlc- 
t. allerdings hat das Judentun nit grösstem Eachdruclc seinen ^in- 
heitsgedan.en gegen den persischen I^aliB.us verteidigt und fest- 

_.. X. ^ ■; D-r.-? Kl- 



geh 



.ccon dass die persische Religion auf zwei Prin- 
^«ualten: Sie wibsen, dass aie yexa 

.ipien sich grunaet. die durch Or.zu. undHari.an s^^hoUsiert 
sind.und eine scharfe Trennung macht zwischen dem Guten und .om 

A ^«v, rranbpp-inn getrennten Ge- 
Bösen Prinzip«, al= r.rffoKe« '-«* "" »-"nDepin 

«»en. r^eeeen "— ^''« ""'' "'"- '" ^'" ■'°^"*'" ""'" 
.„* ,«n 3e.,n,pr„cu «IC« l.u.,.:- «,l,« -is. .n. o H«. 
3cn,pfe, a.= UOH., un. Scn.pf.r .er nne.ernl... 3ine Veran-- 

i» me sehen, in ausgesprochenem Ge 
runs des Jinheitsgedanlcen3,^.ie die sehen, 

gensatz zu der persischen Anschauung. 



- 24 



Jn diese für die Juaen relativ friedlich-. Zeit bricht 



un 330 



der sroberun^szug Alexanders von Hacedonien ein. Abgesehen von 
der ungeheuren politischen Um,.azung in ganzen Orient . den S-all 
des Perserreiches und der Eroberung Aegy.tens. in ai e naturlich 
auch oie jüdische Gemeinschaft mit hineingezojen ^ird. beginnt 
auch in kultureller und geistiger Hinsicht ein Prozess von den das 
JüdlBche 0OT0ln«M«n stsr'< nit erwl 'f sn '■■rd. -.3 Be.inrn 
„leUrun» a.. Orients. .Ine ..onh,. M. «- -- ■'■•-.- -'-'^ ■"-- 
«n .mea.» ^lecM.cher I.oben,forn„n .na .rl.chlsoher I»n:™,ls, 
tea,u.,t, «It denen =le sich ,„„ln,näer.u,et.en h.*en. 3. entste- 
hen dieerossen :4aepora.«e.elnden, d.» heiest ^e Niederlassung 
,„„ .„den m «en hellenistlsehen .rossen Städten, «e in ,Ue.a„- 
,,!,„, das an„.hUcK das Zentren spat .rl sohl scKen Lehens und /.ul- 
,ur 1,.. »rt .eht dieser .ellenlslerun.spro.ess l^.rHln so „it, 
*ss er eine U,herse..ung der Blhel Ins Orlechlsche not«e„dlC 



mac 



ht, offenbar, yj 



eil c3&s llebrais 



he ausserhalb Jud^as vom Volk 



o 



Y?ohl kaum n 



doch , trotz den im z-; 



ch gesprochen oder verstanden ^vir 



d. Jn Judäa selbst j 



ten Jahrhundert v 



Chr. die Hellenisierimg 



dort grosse 



Mrtschritte mac 



ht ( uiö Höh er st 



Phenden und aebilde- 



t en (te 



.hen bereit^villirst au 



f aie Kellenisierun 



gspl^ne des Antio- 



chus ,iCusSbius ein 



175-164) stösst sie 



auf die na 



tür liehen Gren- 



en der geis 



igen jüdischen 



Verfassung.ivm /^nfang 



besteht keine 



•eindseli(Tkeit gegen *is n 



eue Wesen des Gr 



iechentumstim Gegen- 



teil 



es 



kommt zu einer ge 



fcissen Befruchtung 



• V 



en 



d der lang- 



Yjierigen Kampfe 



der lAadochen um die 



Teilung aes Alexano 



er-Hei- 



jhes bleibt 



jud^a erst um er ägyp 



tis 



eher Herrschaft 



un 



d erst als es un 



ter die H 



er r Schaft der s 



yriFchen Könige, der 



Seleuciden 



gerät, ver scharfen s 



ich die ae^ensatze 



• • 



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i st v/i e 



immer; ^' 



stand si 



wird iT^ Juden 



tum der Punkt an^« 



^^i r'^f^Y) ,J^^i 



^ ^ätt» • «^ n 



T>r>- 



ch gründet, so ervja 



cht der \n der stand 



unbändig "" d v»ird 



- 25 - 
zu einem Kampf auf Tod und Leben. lies ist der Sinn der ürhebung 
der Makkabäer um 167 - 130. ITach mahr als fünfundzwanziprjcxhrinen 
Ka3J?ifBnx schweren Kämpfen -«(irft Judäa das Griechenjoch ab und er- 
langt damit zum zweiten Mal auch seine staatliche Unabhfa.ngiglC3it . 
( Chanuka) . irei Jahre nach dem aufstand wird aer Tempel cereini^rt 
und der Dienst Avieder aufgenoiiTnen. Die Dynastie der Makkabä er, wel- 
che die Kehepri esterwürde zusa^imen mit fler Fürstenwürde auf sich 
vereinigt, dauert bis 40 v. Chr. Der vor<1er« Ori »mt, rr^yut 'i- •lioro 
Zeit in den Bereich der römißchen Expansion. Judäa bietet jetzt 
nach Jnnen und nach Aussen ungefährt den gleichen historischen As- 
pekt, wie zur Zeit des ersten Königtums, sowohl an innerer Zerris- 
senheit als auch in dem Versuch seiner j jeweiligen. Herrscher , nit 
den grossen Machten der Politik in ein ertragliches Verhältnis zu 
kommen. Mit Recht haben die .Veisen und i.insichtigem im Volk den 
Glanz etwa der ilero dianischen Zeit als eine Scheinblüte und ei- 
gentlich bereits als Fremdherrschaft empfunden. Nach dem Unter- 
gang der Hasmonäi sehen Dynastie um 40 beginnt die Herrschaft des 
Ilerodes und seiner Tlachfol.er. Der steinende Druck der "/eltmacht 
nom schon seit Tompejus. die Eroberung Jerusalems und des Tempel- 
.er.es macht die Könige Judä.s .u Tribut-PfUchtigen Vasallen. Die 
.ömischen Legaten in der .rovinz Syrien und die LandPfleg.r in J.- 

-Ki o Has Volk in offener Zth- 
^^Hor brechen Rebellionen aus, bis das Jolk 
immer ^/ieder Drecnen ivc ^ ^ 

^nn .teht. Der fürchterliche .ndk^mpf, dessen ausfuhr- 
pdrunfr gecen Ron steht, ^er i ^ 

.••.• «v,^ '<Ti f^p- des Josephus finden, 
* .iinnrr qi P im ludischen ivrieg aeö uv^o ^ 
liehe i>ir Stellung t>i-e j-^^^ j 

r^T« otH>.tc=- und Gremein\»esen, 
„l„g. .l.v6.1l.,V.r„ic«™eJu^as als ...... 

„. , „ „„t.r V-spasiam.» m.J Tltus.las Auf- 
,,le -. J.-»r, -0 noch CUrl.tl. ».t,r ,.=P ^_ 

flackern eine. n,.en .,alde,.= ft.r, u.. V..,-.- ■ " 



wenden, wenn auch die Weltmacht Rom eine ge^valtige Anstrengung: 
noch machen muss um die^^es jähen und verbissenen Gegners Herr zu 
''.werden. li^ll der Fastung Bethar 135 nach Christi, 

/rajan - Hadrian« 

Kehren wir zu unserem Thema zurück. jL e Unmittelbarkeit der Bezie- 
hung zu Gott, die wir als die ei.^ entliche Grundlage für die Ge- 
staltung^ des Lebens erkannt haben, ist, ^vi e wir gesehen haben, in der 
Restauration des Esra und in dem ^veiteren Anstonp, *^ ^y^ «^i ^ rQrrj^er\ 
hat, nach wie vor die C^uelle aller ilrkenntnis. Doch mit dem Schwin- 
den der Prophetie, von deren Geist die Werke der Männer der grossen 
Synode noch durchwegs erfüllt sind - erinnern Sie sich, unter ihnen 
sassen noch die letzten Prppheten - ist es da s vYort Go ttes , das 
von nun ab der Träger dieser Unmittelbarkeit wird- Wenn gesagt wor- 
den ist, das Judentugi ist nicht Gesetz, sondern es schafft Gesetz, 
so treten wir jetzt in eine Periode dieser Schöpfung ein. wir sina l| 
fortan im Bereiche des WortSj|_ jenes Wortes, das als eine neue gei- 
stige V^esenheit in die Geschichte geworfen ist. 3b ist der Logos 
des Philon und der ITeuplatoni^'-er , es ist das .fohannäische ^7ort,das 
rleich^gjewor^n^i^st , es ist immer noch dasselbe Wort, von dem Lu- 
ther sagt, sie sollen es lassen stahn. - 5ß.s Wort_, das nicht auf- 
hört. Die Auslegung des ;/ortes schafft Gesetz, unH mit dieser Tätig- 
keit sehen wir von nun ab die Männer befasst, ann:efangen von d^n 
ITach folgern jisras und den Schülern der Grossen Synode bis hina>^ in 

die spätesten Zeiten des Talmua und der Rabbinen. 

Es ist Jhnen bekannt, dass wir im Judentum zwei quellen haben, 

aus denen die Lebensnormen fli essen, die geschriebene Weisung 

und die mündlich überlieferte Lehre. 

I^s ist nicht so aufzuft^Fsen, als wären sie ^'hr am Ursprung nach v-r- 

schieden. Diene Zweiheit hat einen anderen Grun<^: pr^to..., ^r -it 



der 3amnlun{T und dem Abschluss des Kanons ♦ r\ie ondn:ilti.fr unter 
den Makkabäsrn erfoln-t - ein ausdrückliches Verbot bßtstan d, den 
Schriften irgend welche andere hinzuzufügen, so war die Fortbil- 
dung der Lehre an die Ueberlief erung von Lehrer auf Jünger nicht 
gleichsam sondern buchstäblich von Muna zu Mund gestellt* Bis • 
spät , noch 200 n. Chr. , bis zur Saramlung der Mschna hat offiaei 
ziell das Verbot bestandent die überlieferte Ji«hre aufzuschr eib^-n • 
Jm Laufe der Zeit hatten nöTDlich noch andere Motive dazu beigetra- 
gen, dass nein ^veder 3chri-<^ten noch Ab sehr? -^t en von solchen dulden 
wollte. Jm Verlaufe der Relirionsverf olgung-en so^vohl in der Zeit 
der griechischen Herrschaft, als auch später unter der römip-chen 
und infolge der auftretenden Sektenbildungen, sind, wie es scheint, 
nicht nur apologetische gegnerische Schriften verbreitet worden, 
sondern auch mit Absicht gef^-^lschte Abschriften auch Kanonischer 
Schriften von den Germern in Umlauf gesetzt worden. Der unentwegten 



Sorgfalt und Behütung des Kanons verdanken wir es,aass wir ai e 
bc hrift , das Alte^X^A^ -^.5-^)^1 genau in der Form una in dem V/ort laut, 
ja bis zur Auszahlung jedes einzelnen Buchstabens genau, bis heu- 
te erhalten heben. Der Ursprunr^ der mündlichen Lehre jedoch ist 
viel älter: sie geht auf Gewohnheitsrechte* -HräuchP ury ^ o-r'^ymnjn 
zurück, die in der Schrift keine ausdrückliche j^rwähnung flinken und 
nur durch Ueberlief erung gewahrleistet sind. Es ist aber wichtig 
zu wissen, dass die sogenannte mündliche Ueberli ef erung nicht erst 
durch Auslegung der Kanonischen Schriften entsteht, sie beginnt lan 
cre vorher - Die Priester, die Aeltesten, die Propheten sind die 
zuständifren Gesetzeslehrer auch schon in biblischer Zeit - '• Gehe 
zum Priester •» - - ^s ist klar, dass die Bibel in ihren Satzun- 
gen vielfach deshalb lückenhaft erscheint , weil alte Ordnunc^n von 
jeher und geltende Gewohnheit en , sofern sie keine Aen derung durch 
das Gesetz erfuhren, nicht ausdrücklich erwähnt zu werden brauch- 

ten. 



- P.8 - 
oo zum Beispiel heisst es in Pentateuch: »♦ So du einen hebräischen 
Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre dienen... W^nn er allein ko!>:»rt, 
so (teht er allein freit -^enn er Gatte eines Weibes ist, so wird 
sein Vveib mit ihm frei.*' lieses Gesetz setzt ja bereits manches 
andere voraus, numlich, dass es einem Hebräer erlaubt ist, sich alc 
Slave zu verkaufen, wovon wir nicht;^ aus der Schrift wissen, T/as 
v;ohl aber Gewohnheitsrecht war. Ebenso wird auch schon zur Voraus- 
setzung ^'•ema cht , dass der verheiratete Sklave seine Prau mit in den 
lienst seines Herrn bringen darf. Oder ein anderes Beis.^iel: ]jas 
Gesetz der Schei düng muss ein altes Gewohnheitsrecht gewesen sein, 
zu dem die mosaische Satzung nur nie ergänzende Bestimmung trifft, 
dass wenn die ?rau einen anderen ITann geheiratet hat, sie zu ihren 

ersten Kanne auch n:.'Ch neuer Scheidung nicht zurückkehren ^ÜJtfax 

- Scheidungsbrief - 
darf/ -Vir sehen übrigens, dass schon im Leuteronomium selbst^ all- 
gemein gefasste Best immun ;en aus den alteren Schriften hier erst 
ihre detaillierte iirklurung erfahren, und so mag es auch vielfach 
gewesen sein, dass eine allgemein gefasste Satzung in Bezug auf 
ihre Ausführung überlieferte 7.rläuterun^^en und Auslegungen erfah- . 
ren hüt. Dann aber in späterer Zeit , wird die Ausl Afnmrr ri^p ^vnr- 
tes quelle der Satzung?. 

liese Hinweise, auf die ich mich hier beschränken muss, sol- 
len uns nur dazu dienen, uns mit einigem Verständnis den Grundsät- 
zen und Methoden zu nahern, auf welchen die Auslegung und Erk^a- 
rung der Schrift überhaupt gegründet ist. Wir brauchen das beson- . 

Verständnis der Methode des Talmuaß. Wenn fortab die Re- .' 
de von Verordnungen aer bchriftiielehrten ist, so ist oamit die 
ältere Reihe der Schri ft gelehrt en , der Sofrim, gemeint , der en Sat- 
zungen die^^??ftative Kraft innewohnt ,Wi e der Schrift selbst- 
Teil sie es sind, die die m^'^ndliche üeberli e^erun^ trafen und fort- 
setzen. Üe üethode der Auslegung der Schrift , wie sie fortan an- 



ders zum 



# 



gewandt ^ird> ist im Allge^eii^ö" ^^s Mi d rasch , Porschun,^, iCr^^la- 
runfcjixe^ese bez'wi chn et , einerlei ♦ ob es sich uj die ?inäung yon> 
Rechtssatzungen, die wir Halacha nennen Regel, Gesetz, oder um 
Jene poetische oder erbauliche Auslegung, die Hagada heisst (Ge- 
sagtes) . Die Hagada ist eine freie Auslegung, die vielfach der 
x'hantasie Sidelraura lasst und die dann in die Perm der Predigt 
übergegangen ist. Beachten Sie, öass auch die Verfasser der Evan- 
gelien die Legitinität ihrer Aussarren und einen grossen Teil 
der Sprüche i:ind Gleichnisse ."^esu auf Sätzen der Schrift crrün- 
den, nach der gleichen Methode, wie es die Schri ft gel ehrt en und 
die spateren Rabbinen in der Hagada tun. Ebenso die Apostel, Pau- 
lus besonders, ( nur dass ihnen auch die Apo'^ryphen in der grie- 
chischen Sanmlung ebenfalls als Quellen dienen.) 

Bevor ich daran gehe, Jhnen aber die Formen und die Entwick- 
lung der Literatur darzulegen, die im Talmud zusammengefasst ist 

i 

scheint es mir nötig. Gharaicter und Bedeutung der Rekten zu er- 
örtern, von denen die eine für aie Gestaltung des jüdischen Ge- 

setzes und den ^^eite^en Ausbau entscheidend war. Jm Buche I»- 

^'i'n (^ in '^f»n Mal<'"''<'abäerbüchern ^ _ -u.^, ^+ 

nieV^l^S^-fffaik-sn-?I?-i--TIauhens'.äT.nre. in der Gefolgschaft 

der "asraonäer die Bezeichnung Chassi din, di e Pror.^en 

während die Gegner, die Anhan?Ter der 
Griechen als die Frevler, die den Bund Verlassenden bezeichnet 
werden. Jn diesen Chassi^^rn, in diesen Fronen haben Sie den 
Ursprun. Jener 3e^<te. die dann später sich selbst als .ie l.-_^^ 
ruchljn bezeichnete, das i.t die sich Abs chei den den , danit xst 
gemeint, von de.. i;urchschni tt sich Abscheidenden, aer es mit der 
Befolgung und sorgfältigen Beobachtung der Gesetze . .ie s. e 
aurch die Hasmonäer-Gerichtshöfe neuerdin.s festgesetzt wurden. 
,i,,, ,0 .enau nahmen. I^her der l^ame Pharisäer, der bis auf 
Heute al^din^s mit einer anrüchigen Kebenbedeutun. Mcb .rba,-^ 



f 



- 30 - 



ten hat. 3s ist über Pharisäer , Saduccäer un d üssener so viel ge- 
redet und creschrieben -vor den, dass ihr urspruncüches Bild da- 
durch nur vermischt ist. Jn dem Sinne, v;i e ich es hier versuche, 
Jhnen ai e Vergangenheit , sofern sie für uns gegenwärtigen Wert 
hat, näher zu brin^ren und dabei mich im Wesentlichen auf autoch- 
tone eigene Jüdische (^^uellen 711 beziehen, Ist es ^^ohl »ichtig, 

h hier in diesem 5^11 an die D^rsteUun^^ halten, 



dass T7ir \ins auc 



^ 



ie sie im Josephus steht, der übrigens 



für alle Forscher über 



diesen Gegenstand die quelle ist. Jch^. erde Jhnen deshalb die 



bezüglichen abschnitte verlesen 



Jn den " JüdiBchen Altert\vr 



ern ^ 



heisst es 



Um diese Zeit ( des Hasmonäers 



Jonathan ) gab es bei 



den Juden drei Philosoph. Sekten, ^e 



Iche üT« r die menschlichön 



Verhältnisse verschiedene Lehren au 



f st eilten und von denen die 



jine 



die der Pharisäer, die zv? 



eite die aer Sadduz^er un a die 



dritte die der Essener hiess. iie 



Pharisäer behaupt en , dass man- 



ches, aber nicht alles das 



^^/erk des Verhänfmisses 



(Vorsehung) se: 



manches dap-eren auc 



h frei^villip: ges 



chehe oder unterbleibe 



• . . 



»♦ 



( ::s fo''-gt dann die 



irzählung jenes Vorganges, d 



te, dass der re 



gierende Fürst und Hohepriester 



er zur Folce hat- 

- Johann es Hyr- 
te, aaöö u^-^ * ^t-^- p 

ulDerhciupt lur ^^^ ^., 

. .TTPn ehren sie undmaussen sich nicn 
zukommen, lie Alten enren 

Ordnungen derselben zu widersprechen 

H-v.« nach einem >. stimmten Schicksal, so .ollen 
geschähe nacn ei . _^_^^l,q,T, «ir^h 

. c.Mrksals ( Vorsehung) und die mei 
Kacht d«s 3cm.cKsaj-& ^ 



- 31 - 



zusammen ^vlr]cen zu lassen, so das^ jades es nach seinen j^elieben 
mit den Laster oder der Turend halten könne. 3i e glauben auch,daor 

die Seelen unsterblich sind una dass dieselben, je nachdem der . 
Menßch tufrendhaft oder lasterhaft gewesen, unter der ^r ae Lohn und 
Strafe erhalte, so d&ss aie Lasterhaften in ewiger ..erkerhaft schnacj 
ten müssen, wahrend die Tugen dh..ften die Mächt erhalten, ins Leben 
zurückzukehren. J^nfolge dieser Lehre besitzen sie beim Volk einen 
solchen Slinfluss, dass sämtliche frot tesdi enstliche ^errichtunp-en , 
lebete wie Opfer nur noch ihrer Anleitung darr::ebracht wer den . »»-in so 
herrliches Zeurrnis der Vollkommenheit graben ihnen die Gemeinden, ' 
weil man glaubte, dass sie in Wort und Tat nur das Beste wollten.'» 
Noch eine andere Stelle im »♦ Jüdischen Krieg", wo es heisst: »»Sie 
gelten für besonders kundige Erklärer des Gesetzes, machen alles 
von Gott und dem Schicksal abhc^ngig und lehren, dass Recht und Un- 
recht-Tun zwar grösstenteils dem I/Lenschen freistehe» aass aber bei 
jeü'^r lianalung auch eine i^xi twirkung des Schicksals stat tfin aet . »« 
Kun hat z ar Josephus die Neigung, da er am iCnde des ersten Jahr- 
hunderts der christlichen Zeitrechnun^-r für Griechen und Römer 
schreibt, die spezifisch jüdischen Verhältnisse dem Verständnis sei- 
ner Leser anzupassen( so ist es völlig abwegig, die Sekten als philo-- 
sophische zu bezeichnen und vom Schicksal zu sprechen heimarmene , 
eine dem Juden ganz fremde Vorstellung ), im Wesentlichen jedoch 

stimmen die jüdischen quellen in ihren Aussagen über die Pharisäer 

in _ den 
mit ihm üb er ein. Jn einem Spruch in der7'»»Pirke Aboth» in den 

M Sprüchen der Väter " enthctlten ist, haben die Phcxrisaer in ihrer 
knappen Art ihre Grün dh^^ltung angedeutet: » Alles ibt voreeschaut, ■ 
vor<aug>)e5tiTnrnt( das heisst die Ordnung der Natur und von der Vorse- 
hung) aber die Freiheit wirti frelassen (Taten des freien Willens ) 
und die ^7elt -^-ird in aüte frerichtet . - -5in anderer Spruch besagt: 
«Alles ist in der Hand des Ki'^nels, mit Ausnahme der Gottesfurcht". 



- 3.? - 



Nach der Erläuterung dieser tStelle bei KaiTnonides in seinen Brie- 
fen ,sind in den Begriff Gottesfurcht alle aus freier Wahl her- 
vorgehenden Handlunen des Menschen enthalten. lass die Pharisä- 
er auch mild itn Strafen waren, erweist ein ira Talnud angeführter 
Ausspruch:» iJin Synhedrion, das in Verlauf von siebzig Jöhren lin 
Toaesurteil vollstrecken la-sst, wird ein Totschltiger genannt." 
Jn dem Maasse als die Herrschaft der Hasmonäer sich immer mehr 
verweltlichte, und das Priestertum dadurch gleichsam eine offi- 
ziell staatliche Institution 'wrde, erscheinen die Pharisäerfim 
Gerensatz zu ihnen) als die eigentlichen Lehrer des Volks, 'fi e Sie 
sehen, eine durchaus demokratische volkstümliche Rührung. Nicht 
anders wie noch heute im Ostjudentum. Nicht der offizielle Vertre- 
ter des Ritus und der Ausführers des Zeremonials, der RahVlner 
steht der Gemeinschaft nahe, er ist meist nichts mehr als eine 
Respektsperson, näHer steht ihm der berufslose^ fottesfurchtige 
promme, dessen Lauterkeit von keinen auf/ü^nh Absichten ge - 
trübt wird. Die Pharisäer sind während der Zeit der Makkabaer dij 
Volkspartei in den äusseren wie inneren Kämpfen. Jhnen ist di ey 
^,„ .^esen eingeprägte Verhältnis zu -^ott und seinen Geboten 
j,.v,i..vtv.„ w,i^ aem "atlonalen identisch. Sie sind die klassi- 
schen Repräsentaten derjeni^^en Richtung welche die innere ^nt- 
.iKklung Jsraels in der na chexili sehen Zeit überhaupt einge- 
schlagen hat. Sie haben dabei die Kehrheit nes Volkes stets hin- 
ter si«h und wenden sich sofort und heftig auch gegen den Lan- 

. ^ « offizielle i^riestertum, sobald diese aus Grun- 
deffürsten und das Offiziere rriea 

,,„ d,r Politllc Oder Opportunität den Boden der Lehr, verlas».n. 
,1, ha.en de.Hal. auch den .1 d verweigert, ».ee.ehen ,on einer 
relativ '.urzen Unter.reohnn, .ur Zeit dee Hae^onüers :roh.n„ee 
„,r.a„o„ des Alexander .T.nn.n., ,o .ie i. 3..1^edrion *rc. ,'" 
„e sadduoS-lsoheliehrheit verdräng. ,aren, ein« -i. es.dl, al. 



- 33 - 
Ges^tzeslehrer, Richtar und Vorsteher der Lehrakadeni en, bis zuttj 
Untergang des Staates wirken. Freilich je mehr sich ihre Genein- 
schaft im Verlaufe der Zeit zu einer ausgesprochenen Sekte ent- 
wickelte und in sich selbst vielfach f-espalten neue Absonderungen 
trieb, zumal jene Gruppe unversöhnlicher Zel oten i jjiferer,aie im 
^na^cxmpf gegen die Römer so verhängnisvoll wirkte, geriet sie nacl- 
der Zerstörung des Tempels allmählich in Verfall und fand 
schliesslich ihren Unterganp-. Von dieser "^ndT^hase ist die Rede in 
einer alten überlieferten Tischna, die ausserhalb der Sar^mlunrr rra- 
blieben ist, wo es heisst:'» '']s gäbe sieben Arten von Pharisäern, 



und wo jede einzelne Aufzcihlung einen herben Tadel sirhacit entha.-t. 
Auch über die Sadducaer will ich einige ;:it eilen aus Josephus an- 
führen, wenngleich ihre Bedeutung mehr in der Repräsentanz einer 
regierenden und einflussreichen Oberschicht bestanden h^t, die 
bei ihrer Verweltlichung im Gefühl des Volkes niemals purzeln 
schlagen konnte. -iCeinesfalls «ber sind sie gemeint, wenn etwa im 
Daniel von den Abtrünni-en und den Frevlern die Rede ist. Sie ha- 
ben auch nichts mit jenen cremein, die in den T^akkabäer-Büchern als 
die Parteigänger der Griechen bezeichnet werden.'» Die 3adduzaer 
>,o^oQi- «o >^o4 T^^e-v^je .w,o''-Ten überhaupt nicht vom Verhängnis wls- 
sen und plauben.es gäbe -vedar ein Verhängnis noch richte sich dar 
Menschen Geschick danach, sondern alles geschehe nur nach unsaran 
Willen, 30 dass wir ebenso die Urheber unseres Glückes seien, als 
^ie auch unser Unglück uns durch unseren eigenen Unverstand zu- 
Zopen... Die Pharisäer haben dem Volke durch mündliche Ueberliefe-' 
rung viele Gebote auferlegt, v^elche in die GeseczGsbung «ose 
nicht aufgenommen sind. Liese Gebote nun verwirft ai e Sekte der 
Sadduzker und behauptet , das allein sei massgebend, v.as geschrie- 
ben stehe, .vährend die mündliche TTeberll ef erun^. der Vorfahren 
iceine Gültigkeit habe. Ueber diesen Punkt entstanden on heftige 



t 



t 



- 34 - 
Streitigkeiten, vvobei die Sadduzaer nur die Reichen, die Pharisäer 
aber die grosse I.Ienre des Volkes auf ihrer Seite hatten, "oehr 
bemerkenswert ist auch folgende Stelle;" lie Lehre der Sadduzäer 
lässt die S^öle mit dem Xörpir zugrunde gehen und erkennt keine 
anderen Vorschriften an, als das Gesetz,» Sogar gegen die Lehrer 
ihrer eigenen Schule im wortsireit anzugehen halten sie für rühm- 
lich - )( eine of fenhB r sehr auffallen de Respektlosigkeit ) . Jhrer 
Anhänger sind nur wenige, doch rehö^en sie den besten Ständen an. 
Uebrirens richten sie nichts Bedeutendes aus und ^^-enn sie einmal 
^9-11 crarynt^fTi: 9.^, n '^_ Q^* n A'^t ZU bekleiden, so halten sie es mit den 
Pharisäern, v eil das Volk sie sonst nicht dulden '.vürde.'» 

Die Halacha, die traditionellen Rechtssatzunrren, ^.d e sie durch 
die exegetische Arbeit der Schriftgelehrten ««SÄsBcagt ausgebildet 
und festgelegt worden ist ebenso rechtsverbindlich, ^/vi e die schrift 
liehe Weisung:. .!s heisst im Talmua darüber; Rabbi ^leazar aus Ko- 
dein sagoe: ^Ver die Schrift auslegt im Wiaerspruch mit aer b^ber- 
lieferung hat keinen enteil an der künftigen Welt( das schlimmste, 
das einen Juden .reffen k^nn) . Unter den Ursachen, welche Kriegs- 
stürme über das Land herbeiführen, -werden im Talmud unter anderan 
auch folgende -enannt: Leute, die das r.esetz ausle^^en im 7ider- 
spruch mit der Tradition. Si 3r haben Sie ^vieder die Stdrun.^ des 
unmittelbaren Verhältnisses, die in dieser Zeit durch eine fal- 
sehe Auslegung des V/ortes herbeigeführt .ird, wie im alten Ritus 

falscher Dienst« 

statt Jhne. nun weiter über, die führenden lAcnner des Poru- . 
achi.s zu sprechen, lasse ich .ohl besser eini e bedeu.enae Leh- 
r.r der ml^lH selber a.r.ch.n . .ir besitzen in einem besonoo- 
ren Mi e chna^lerl<_ den PirTce-Aboth (Sprüche der Vater ) eine Sann, 
lune von Sprüche . Lehrsätzen, T,e»ensre,eln und Tendenzen der • 

.rossen Lehrer, die Lbnen die Art. den CharaVter und die Den^.- 



- 35 - 
^eise dieS'ar Ka.nnt3r erschli essen Tverden. 
Jch iwill Jhnen eine ^Vizahl davon vorlesen. 



t 



f 



... Mose enpfing die Gesetzlehre auf den Berg oinai, überlieferte 
sie Jehoschua, Jehoschua den rveltesien, die Aeltesten überlief3r- 



ten sie den Propheten und die Propheten den Manre rn der grosstjn 



a 



j.\ 



yrjüde. ijiese sprachen drei linje aus: oeid vorsichtig beim 
echtssprechen, bildet vi ^1 e Schüler aus und errichtet einen 



Zaun un die Gesetz lehre. 

3iFion der Gerechte ^^^ar ein^r ^er letzten der rrroRsen 3yno'ie; 
er tat den Ausspruch: Auf drei :::ing>^n steht die Telt , auf der 
Gesetzlehre, auf dem Gottesdienst und auf den Liebes^/er'<:en . 

Hillel und SchamaJ empfingen die üeberli ef erurig von jenen 
Ilillel sagte: Sei von den J^^ngern Ahrons, den frieden liebens un 
und nach ]?rieden strebend; die nanschen liebend und sie der Ge- 
setzeslehre zuführend. 

^r sap-te ferner: Wer seinen I^iamen gross machen will,vernich 
tet ihn , ^ver nicht zuninmt, nimmt ah, wer nicht lernt ist ües 
Tocies schuldig, und ^-er sich ^er Krofte he^i ent, sch^vin det hin. 

Reh ninon hen fJanali el säurte: Auf dre5 Sinr-en steht die',7elt: 
a),r T^»<,v,t., "TAV^'-^^^it v-^ -ie^en, denn es heisst- IlBch jrshrheilj. 
R echt yn d ?r i e den, r i cht et „i.n_eu r an _T or en^ 

Hillel saete; Sordere dich nicht von der Gemeinde ah.Biß. 
zu deinen Tod^stac ^l-^e nicht an dich selbst. Richte deinen 
Genossen nicht, bis du in seine Lage pe'^onnen bist. Sprich • ^ 
nichts Unverständliches! in der .vnnahne) . man .erde es sp.ter 
verstehen. Sage nicht, du .erdest .enn du Müsse hast lernen. 

> Hb 

vielleicht hast du nie Kusse. ' : 

^r sah einst einen Schädel auf dem Wasser treiben; da sprach, 
er zu ihm: üe.eil d^> ersäuft hast.hat man dich ersäuft. und 
später ^.erden. die dich ersäu-t haben, ersau-en. 



- 36 - 



t 



9 



Srt Rabbi Jochanan ben 3a^^>aj sprach zu seinen Schülern : Geht 
und seht. ";elches i-t der richtige .7eg, an welchem der Mene ch 
festhalte. R. jJliezer sagte; ^iu ^vohlwollen des Aüße. R. Jehoschua 
sagte: 3in guter Genosse. R. Jose sagte: ^in guter l^Iachbc.r. x\. 3i 
man sagte: las Voraussehen, \'?as kommen werde, ii. jileazar sagte: 
Iiiin gutes Kerz. La sprach er zu ihnen: li e 7orte des R. jileazar 
ben AraVh leuchten mir am besten ein, denn in seinen ^7ort en sind 

eute enthal Ken • 

Rah.hi Jehoschua sarte: D^s böse Aupe, der hose Trieh und Hen- 
schenhass bringen den Menschen aus der Welt. 

Rabbi aleazar aus Bartutha s^gte: Gib ihn von dem 3eininen. denn 

Ueinipen bist ja sein: und ebenso heisst es bei DQ- 



(3u samt dem 



in er Hand haben \vi_r_ es 



x^iä Tid: Denn.. von. _.dkrJ..^?^.:^LeSii^.l2^ 

dir _£'egeben • 

Rabbi Ghanina ben Ijosa sagte; «essen Sunaenscheu seine Vlais- 
Keit vorangeht, dessen V/eisheit hat Bestand, und .essen Weisheit 

1.+ ^ocQPn -JP>^ sh^it hat keinen Bestand, 
seiner Südenscheu Yoranp:eht, dessen ^e-sn.^i. 

, v.^ «-?y. ^ ftT c? «=^ine ^-^eisheit, 

-Sr saPTte fernar: "Tessen "TerVe ^ehr sind a..s ., .i 

., ,„^.^t >,»* -..t,>.., und ^vessen "eie>^eit mehr i^t als 

,.. • -L. A t- VQt v^'^nen Bestand* 
seine Werke, dessen \Veisheit hat <e-nen 

,. ea.te rerner. ^ .en Ken sehen Wohl.ef.Hen rinden, find.. 
/rori.efallen. und an .e. Henechen .ein .ohl^^fallen Tinden.nn- 

det auch Gott kein ;7ohlgefallen . 

,.. Vlies ist vorgesehen und die freie ,Vahl ■ 
Rabbi AKiba sagte; Alles ist. v t, ^ „ ,. . 

• ^ ^r, rnade Ferichtet, nach aem iii*as 
V « Und die Yelt \'vird m Gnade gexx 
ist gegeben, una aj.« ■>'' 

Rf> der guten Werke- 

4 »H»m Menschen lernt, 
^t«. v/er irt weise?-wer von jedem Men 
■R«n Zoma sagte; wer x- <- >'° 

, , V. >,»iphrt»n,bin ichJvelse_ge- 
v, .-( c ,f Von a 1 1 en t_ diej^ich b el ehrt ^n ^ 

denn es heisst. io ._ n>,er.indet , denn es 

.orden. Wer int ein Held«? - .er seinen -ri. 

, , i.t «in Langmütiger aU„ein.Held^u_n d.:.er_se_Ln_ 

heisst: Besser_Lli^-®i-^-~"-^- - 



- 37 . 
5ö^iLl ^eher^iscln.als^ 9in^^ ig^ reich? wer nit 

seinen Teil froh ist, denn es heisst; 'Yenn du deiner Hände Arbeit 
ßeniessestj^rTeil^^r^duJia^t^^ Heil dir auf dieser ^elt,und 

du hast cut in der zukunfti^ün Welt. \7er ist geehrt? - ,Ver ai e 
Menschen ehrt, denn es heisst; Wer_mj^h_ehrt^den_ehre_.i^^ 
Jier_mi^h_ver a^lU et_i_s on . 

7aT saf-te ferner: Verachte Veinen V.f-r)<^oh^ und halte kein ^ir^g 
rViT immobil ov,, ^«^v, ^5 ^*vt ^'Qir^en !'enpchen , der nicht Peine Stunde 
hätte und es ^iht kein i;imr,das nicht seinen Platz hätte. 

Rabbi Zadok sagte: Mache sie ( die Gesetzeskunde) nicht zu ei- 
ner Krone, un damit groBs zu tun, auch nicht zu einer Hacke, damit 
zu graben .JJben so sagte auch Hillel: Wer sich der x^rone bed;f^ient, 
sch-'vindet hin. Du lernst also,dass wer aus den \Vorten der Geset- 
zeslehre Nutzen zieht, sein Leben aus der Welt nimmt. 

Habbi Jannai sagte: Wir kennen weder die Behaglichkeit der ]?rev 
1er, noch die Leiden der Prommen. 

Rabbi Sii^on ben ;:^leazar sarte: "B es ch wichtige deinen Genossen 
nicht im Augenblick seines Zorns, trdgte ihn nicht solan^^e sein 
Toter vor ihm liegt, löse ihm das Gelübde nicht bei seinem Geloben 
und bestrebe dich nicht, ihn zu sehen in der Stunde seines Verder- 
bens. 

Vier Gesinnungen gibt es bei den Menschen: meines ist mein und 
deines ist dein - eine durchschnittliche Gesinnung; manche sagen, 
eine sodomitische Gesinnung; meines ist aein und üeines ist mein 
- ein Mensch au n dem gemeinen Volk ( aer das jüigentumsrecht uicht 
kennt) Meines ist dein und deines ist dein -- ein frommer; meinee 
ist mein und deines ist mein - ein Böse^^icht. 



- 38 - 



VORTRAG III 



f 



Nachdem ich Jhnen die Atmosphäre geschildert und die Vorausset- 
zunten dcrp-estellt habe, unter welchen die Auslegung des Kanons 
( Bibel) und der anderen traditionellen Quellen , die nit ihn pa- 
rallell laufeni sich entwi c'<en te» Viirr-en rlr an die Betrachtung 
jenes unfanpr eichen und so viel beredeten Werkes herangehen, das 
wir den Talmud nennen. Jn der .'/eisung forschen und Lernen lehren, 



das 



allein erschliesst die für die Lebensordnung und für die in- 



dividuelle Haltung aes einzelnen im Leben sich ergebenden Normen. - 
Sie sind nicht starrj im Gegenteil: die Lehrer besitzen Autorität, 
diese ^Tormen dem Leben und den Bedürfnissen des Lebens anzupassen 
auf Grund des Fachi^eises ihrer TlebereinstiT^munP- mit der Weisung, 
mit, ri»r ScViT-i ^t ,y»>-' -1+ ^9*^ Anordnungen des '»3ofrim", denen als 
.. Ueberlieferte Lehre- gleiche Autorität zu^^ommt. Talmud heisst 
wörtlich; B.S Gel.rnte^ und in weiteren Sinne die Sammlung dieses 
Gelernten und Gelehrten und nichts weiter.Und nun müssen Sie sich 
den'<en, da die Verfassung des Gemein-.esens im Sinne des alten Kö- 
nigreichs Gottes theokratisch ist, so besteht keine Trennung zwi- 
schen weltlichem, Religiösem una Stuctsgesetz, in den Zeilen aer 
juaischön Eigenstaatlichkeit, nach der Zerstörung, ^s sina des- 
halb imer diese Lehrer, die das gesamte, das Leben ordnende Y/e- 
sen des Gesetzes zu betreuen haben, .naher die ungeheure Plille 
.»rBchiedenartiger Katerien, die in der talmudischen Literatur 
nebeneinander Platz haben. I.e Aufgabe dieser Lehrer ist dement- 
sprechend eine viel umfangreichere, umfassendere, als wxr sPe- 
zialisiarten Kenschen uns auch nur vorstellen können. Wenn man ^ 
,eshaib von ihner, als von de. 7ei..n schlechthin spricht, .o ... 
., ... Ti-.a o.er eine üb.rtr.ib.a. orientalische .loskel.son- 
,ern entspricht durchaus der Grösse der Aufgabe, die sie zu er- 



- 39 - 
füllen hatten und der sie {tevachsen sein nussten« 

Wie ich schon bei der Besprechen jr* der Se'<ten anpredeutet habe, 
waren es vorzüfrli ch die b edf*iitendst en und führen Männer aus den 
Kr-3isen der Peruschin, -velche diese Lehrtatip-kei t ausübten. Sie 
sassen in den Akademien, sie übten richterliche Funktionen, sie 
süssen iv) grossen Rat der Weitesten- Sie bildeten Schüler aus für 
ihre Nachfolfre, sie sind es, die eifrig darauf bedacht sind, die 
Kette der Ueberlieferung nicht abrdis.sen zu lassen. Wenn wir im- 
lüer wieder davon hören, wie ängstlich, wie peinlich darauf gese- 
hen wurde, dß-ss ein bpruch, eine Satzung im Namen dessen, aer sie 
erlassen und begründet hat, überliefert wird, so ist das nicht Ge-I 
lehrt en -Pedant eri e, Fi e man meinen kennte, Sie müssen zweierlei be-| 
denken, 'Erstens, dass das strenrre Verbot, die Lehrmeinun^en und 
f^;ntflchAi sD-ncron ^c^"**! "^t "^ 1 '^^ ZU -^ixleren, von dem wir schon spra- 
chen, es zur Notwendigkeit machte, das Ueberli ef ert e mit grösster 
Treue un d Genauigkei t festzuhalten und weiter zu überliefern. 
Zweitens die Verfolgungen. Aus den entsprechen jen Stellen im Bu- 
che Daniel und aus den beiden i:&kkub;.3r-Büchern können Sie sich 
eine ungefähre Vorstellung von der Vernichtungswut etwa der sy- 
rischen Massnahmen machen, die gegen die kultischen ^inrichtun- 
^m und die gesamte jüdische iieligionsverfassung gerichtet war. 
Auf jede Befolgung des Gesetzes stand die Todesstrafe. Und erst J 
recht die römische Repression unter TraJ an und Hsiär« Hadrian- 
zielte auf die vöUi -e Zerstörung jedes mörrlichen Ansatzes zur 
Erneuerung ab. Jn der klaren i^rkenntnis, dass der Widerstand des 
jüdischen Volkes sich hauptsächlich auf seiner religiösen Ver- 
fassung sich gründet, sollte jeder Keim dazu vernichtet werden, 
larum wurde jede Lehrtätigkeit und Ausbildung von Schülern , je- 
de Autnrisierung von L^^hrern mit dem Tode bestraft. IßB Wich- 
ticrste nicht zu vergessen, jedesmal beim Ausbruch der neligbns- 



- 40 - 

Terfolftunp-er Turdan zuerst die Schriften fretroffen .Alles was da- 

t^ 
von refurden und aufgessTsf i eben werden Vnnnte, ^vurde verbrannt, 

vernl rih tot . ^< » Y'^vt''>"*r "urj-^nss es ''ein Terlass i^rar au-^ Schrif- 
ten, und auch nicht auf den lebendigen Ueberlief erer, da er, wie es 
oft geschah, der Verfolgung zun O.jfer fiel. 

Der Talmud, so wie er uns vorliect.ist erst im sechsten Jahrhun- 
dert nach Christi abgeschlossen worden, und zwar in 3ura in Baby- 
lon. - 300 nach Christi in Tiberias. Der Jerusalemitische ist an 
Umfang kleiner - dient als tiuelle, es kommt ihm aber nicht üie Be- 
ueutung zu, die der babylonische erlangt hat. - u^r babylonische 
bestht aus 36 Traktaten und umfasst in unseren Ausgaben mit den 
Kommentaren am Rande 294'' Volioblätter . 3eine Grundlage bildet die 
Hi.chna . Kischna heisst wörtlich eigentlich '71 ederholunr. Da die 
Rechtssatzungen und l^ntschei dun -^en der Kischna-Lehrer , um der Sorg 
falt der Ueb erlief erung willen, im "lortlaut mit der grdssten Genauj 
igkeit festgehalten werden nussten, so versteht es sich.dass sie 
von den Ueberlief er ern immer wieder wiederholt werden mussten.Jm 
Sinne ihrer grundlegenden Bedeutung für die weitere Auslegung er- 
hielt die Mischna allmählich auch die Bedeutung von Lehre 
schlechthin, das ^as_z_u_l.hren una zu_l e rn en_i ,t . ^e lÄskussion 
und Auseinandersetzung, sowie i-ortbildun,, der m o e 
Haltenen Lehrsätze und Lehrmeinun.en bildet den .nhalt der a,mara_;| 
aom.r heisst voUenden. entscheiden. Die Oemara ist in aramai- 

V «v..o^«-t. T^-"^-chn. erthr-t eine in ziemlich 
scher SiiracViA s'hrra-Pp=«t . T- - 

• „ n.b.äisoh geschriebene Auslegung und Erweiterung der b- 
reinen neDraiscn b<=^ i^v,^ mif 

; .,, .1...,. .u,U,„ u„. Autoritäten ae. »i-Hn. Geissen a., 

diesen aibe-eii y^ ^ y.«L.hi 

T V,.... Tanaiten, Ueberli ef erer . J^me .oiz-hl 
eigentlichen Mischna-Lehrer Tanaiten, 



- 41 - 
hervorragender Lehrer haben im Laufe der Zeit die ihnen überlie- 
ferten und bekannten in der ■?orrn der Kischa rrefassten Lehrsätze 
und Ent seh ei dunsten, so'wohl halachisohen als hap^discben .Inhalts 
für sieb 7.u-r na^ä^yi*r>^ fft^'t"»; aufftezeicbnet , so dass irn Laufe der 
Zeit die Fülle des Stoffes sich unübersehbar häufte. .is er-wies sich 
als NotTsendig'<eit, dies Material nach bestimmten Gesichtspunict an 
zu ordnen, nach Kassgabe der Authentizität und des Alters des Us- 
b erlief erten, als auch nttch der Herkunft von den bedeutendsten Leh- 
tem. Jiese Sammlung, die letzte, die zur Orundlage des Talmuds 
wurde,hBt eX\s& um 220 nach Christi stattgefunden,. Von aer an die- 
sem kiöchnatext sich anschliessenden j^rörterung un a iisicussion, 
dem eigentlichen Jnhalt der Genara, ist es nicht leicht einen Be- 
griff zu geben. :33 ist nämlich nicht ein systematisches Verfahren, 
das sich genau an die Ordnungen der rischna hält, es 7?erden auch 
nicht allein die Jnhalte, v/ie sie die Titel der 36 Traktate be- 
zeichnen .gesondert behandelt. Und das h-ngt mit der Kethode zusan- 
^en, nach v,elcher die Gemara verfahrt. Üe Uskutirenden Ajnoraim 
stellen nämlich ihre Ansichten nicht in der Form einer motivier- 
ten Behauptung auf, sondern ent^vickeln sie als Exegese- lebei müs- 
sen die zur Stützung herangezogenen Stellen - aie verschiedene Ge- 
^,ite berühren - vorerst miteinunaer in Uebereinstiumung gebracht 
v,erden. I^un bilden aber die üischna-Abschnitte selbst teils 
grundsätzliche :.ntscheisun.en. die der sachlichen Erläuterung und 
Erweiterung bedrüfen, viele aber lassen auch die ün.e in Schiebe 
und verzeichnen n„. ^i <» ^'»- ^^^ ne~3nstand .«äusserten Vontra- 
diktorischen Meinungen und erfordern erst ilntscheisung. 
33 würede zu veit führen, .hnan hier die strukturellen methodi- 
schen und stilistischen Momente, die in der liskussion einander 
durchkreuzen, genauer anzuführen und zu erklaren. I.s ist Ja 
nicht hier unsere Absicht. Aber schon der .nhalt selbst ist,.ne 



- 42 - 



gesap-t, nicht nach Materien geschieden, sondern lauft durcheinan- 
der. Der halachische Teil, das heisst der auf rechtliche und ritu- 
elle .Entscheidungen bezügliche Teil sondert sich nicht streng vom 
Ilagadischen Teil, der Historisches, Sagenhaftes, Legendäres, läch- 
terir,ches enthält und aUes was auf die sittliche Haltung des Men- 
schen sich bezieht, auch ITaxiraen und Sprr^che, ^ie jch «in sie 
Jhnen aus den Pir<e Aboth zitiert habe, ^s '<o'^'^t hinzu, dass es ver- 
oflichtender Brauch ist, nicht nur die Entscheidungen festzustel- 
len, sondern in v.essen Hanen sie überliefert sind, wobei auch Jede 
lleinun^säusserung eines einzelnen Lehrers zitiert und auf ihr Ge- 
wicht geprüft Tjiird. 
- Der Status ?^ Keer des Talmuds. Jch_2m_Illi£-ianit auf die 

Schwierig'ceiten hinvjeisen. - 

AUS diesen Brauch, die einzelne Meinung nanentlich anzufüh- 
ren ist bei Fernstehenden die falsche Auffassung entstanden, als 
habe jeder talrnudische Ausspruch, .jeder ohne -Einschränkung, bindenj 
d. verpnicht.n^« ^»H^ntu- ^-r ier J'^ io-n . ^e-. Ist nicht so. V3r- 
Pflichtend, bindend sind nur di. ilnt seh ei düngen, über welche eine 
^ntschliessung, eine Zustimiraung Her Mehrheit vorliegt. I^s kann 
nicht renug betont .erden. Ss ist nicht neu. und zu allen Zeiten 
.iner Krise für das Judentun wiederholt ,ich der Vorgang, dass der 
sittliche aehalt des Talnuds prozessiert wird und ir..er wieder 
in der Weise, dass eine Anzahl auffälliger oder mi.sliebigar 
.eusserungen herausgegriffen, aus dem Zusammenhang herausgerissen 
,ird, um an ihnen die mindere Sittlichkeit oder gar die IJnsxtt- 
lichkeit zu demonstrie:-en. Mun stehen 3i e sich einmal vor,man 
.Urde aus einer durch Jahrhunderte .erlaubenden Produktion der 
gesamten Literatur irgend eines Volkes, die so.ohl Zeiten der 
Blüte . des Verfalls, innerer und äusserer Kriege durchlebt hnt- 
,3, einzelne Zeugnisse herausgreifen und sie zun LIassstabe der 



f 



♦ 



- 43 - 
sittlichen Verfassun^r des VolVes arheben« Genau das i?.t,wös 
hier geschieht. Gesetzt man wür ae etwa Tendenz und Gesinnunr 
einer flanmenden Kampfschrift aus Kriegszeiten oder eines .Werkes 
etwa wie Kleists Herrraannschlacht , das aus der ;;iituation der Jah- 
re 1809-1310 geschaffen -^vurde, in der '^eit als Deutschland unter 
dem ijruc'k: der napoleonischen :iJro*be2^unfr stand, gesetzt man ^?vürde 
die darin zu^ Ausdruc'^ '^o^^menie Gesinnun^r zum Kaastah der sitt- 
lichen iialtunr des deutschen Volkes nehmen! Lass neben einer 
Unerschütterlichkeit , die in Gott ergenena: Zuversicht , das 
schrecklichste Los ungebrochen hinnimmt, auch leidenschaftliche 
Aeusserungen, heftige Ausbrüche, Klagen, Verwünschungen , zumal 
aus der ^eit der fürchterlichen römischen Religionsverfolgungen 
von einzelnen auch berühmten Lehrern im Talmud enthalten sind, 
braucht nicht geleugnet zu werden. Jch spreche übt- r diese Unge 
nicht nur »wegen der Aktualitcit , die in neuester Zeit gewisse 
Angriffe auf den Talmud, mit ihren Schlüssen auf das Gesamtjuden- 
tum bekommen haben. ^]s /:^ehcrt mit in den Plan dieser Stunden, auch 
zu diesem ^ewaltl^^^n Knnnl .r Tpir.,,^, ^'-O ä^^rn.^ c^ e '^ech sei fälle 
der Geschichte unveränderte Grundhaltunr aufzuzeigen. Jenes aus 
dem Verhalten zu Gott fliessende und dadurch bestimmte Verhalt- 
nis des Juden zur Gemeinschaft und zum Menschen. Jch sage aus- 
drücklich nicht nur zum Juden, sondern zum ^^lenschen. So wenig 
der bildlose Gott eine Abstraktion von Anfang an ist, ebenso we- 
nig ist es der .^ensch, aenn er ist, wie die Bibel sich einfach 
unn geheimnisvoll ausdruckt , nach aem iübenbilde aes ^lohim ge- 
schaffen, ^s wäre leicht,unzahlige Stellen anzufahren, die dafür 
zeugen. Besser vielleicht ist noch,.ie allgemeine Methode zu 

A »..n nach ^.e^ch^r r^^r Talmud seine Sittenlehre aus der 
kennzd ebnen ♦ nacn ,ve-o-j..i j--^ 

. ov.ioitPt Aus Traktat Makoth: '♦ Sechshun- 
TJora, aus der -eisunr ableitPt. Aus ire^u 

dert dreizehn Gebote sind dem Mose gesagt worden... La kam La- 



- 44 - 
vid und stellte sie auf elf; denn es heisst in Psalm;'» :yer darf 
^weilen hei i^uu deinem Zelte? Sein ^eld gibt er nicht auf Zinn, 
auch nicht dem Götzendiener... ija kan Jesaia und stellte sie auf 
sechs: '» Wer in Gerechti{;kei t wandelt und Geradheit spricht , ifv^^r 
Gewinn aurcü ^rpressun^: ver£ch,d.ht, wer seine Hand schüiiielt, 
nicht Bestechung: zu nehmen, ^er sein Ohr versto ft, nicht Blutrat 
zu hören, und seine Aureniverschli esst ,ni cht Unrecht zu schauen.'» 



la kam lacha ( der Pro->het I^icha) und ste'lte sie auf dreiidei 



in 



es heisst: '» ^r hat dir kundretahn, o i'/i.ensch, Tves ßvi ist, und 
was fordert der Herr von dir, als Recht zu üben und \7ohltun zu 
lieben una demütig zu v/andeln mit deinem Gott.'» Jesaia hat sie 
wiederum auf zwei festigt: Haltet auf Recht und übet Gerechtic* 
keit« Da kam Arnos und stellte sie auf eins: Suchet mich, so werdet 
ihr leben. Rabbi Nachman Sohn Jsaacs fran-te; 4 Man könnte meinen, 
suchet, das heisst, forschet in der ganzen Lehre, aeshalb kam 
Habakuk und stellte sie auf eines; denn es heisst:»» Aber der Ge- 
rechte lebet durch seine Treue". 

jAri anderes Beispiel: Rabbi Jose, S-'hn Ghaninas sagte: »' Vier 
Beschlilsse verhünfrtf^ T'orp imaor LeV,^..« <^v«- Jp^^i^e^. ^ '-B-^en 
vier Propheten und hoben sie au^ ..• Hose earte; '^r ahndet das 
Vergehen der Vetter an den Söhnen. Da kam ^sechiel und hob es auf. 
Denn es heisst: " Üe Seele, welche sündigt, die soll sterben. 

Wenn gesagt wor aen isc, das Judentum ist nicht Gesetz, son- 
dern es pchafft Gesetz, so ist: damit eben aie Autorität der L^h- 
rer gemeint, auf Grund ihrer tiefen Verbundenheit und jiinsicht, 
^as Gesetz in Einklang mit der ursprünglichen Binaung zu halten. 
Damit komme ich auch auf die viel beredete Fr emdengesetzgebung 
des Talmuds zu sprechen. Jch muss Sie da mit zr ei Begriffen ver- 
traut machen. Jm Pentateuch heisst der ^rem^Un^: Ger, zuteilen 
^drd das wort durch Beisasse übersetzt; spater erst heisst 3S 



- 45 - 
auch: der Prophet . Lann aber 



. ijer Talnud entiitic^elt 



Qus diesen Begriff des Ger , des fremden, den rschtlichen 3ecriff 
des Sohnes Noahs. Jn der iJelt der Bibel isc aas der Mensch von der 
Sintflut bis zum Be rit h Sinai , bis zu dem Bund am Sinai. Jm Tal- 
mud wira nun stc-atsrecht li ch der Begriff des Ger , aes Premalingü, 
des Beisassen durch den des Noachi den - des Sohnes Noah- ganz ge- 
nau präzisiert, dass er an die üe>^ernahne v 'n sieben Verpflichtun- 
gen gebunden ist, von sechs Verboten und einen Gebot. Las eine Ge- 
bot betrifft: Gericht;e einzusetzen, aie sechs Verbote hgissent 
1.) Lästerung Gottes, ,'%) Götzendienst, 3.) Blutschande, 4.) Mord, 
5.) Haub, 6.) Ganuss des yieisches von einem lebenden V/esen, genau- 
er Genuss eines Gliedes von einen leben aen Wesen. lAe Erfüllung 
dieser Forderung genügt, um ihm das .«eitgehenae Recht des Beisas- 
sen zu sichern. Selbst bei einem Sklaven darf nicht der Glaube an 
den jüdischen Gott erzwun.:en ^.era«n. «er mit Kinoern zum Judentum 
übertritt, d^rf nicht für seine unmündigen minder den Uebartritt 
vollziehe« Bis sie sich selbst zu entscheiden vermögen , bleiben sie 
Ko^hiden . Der 'Toahchi de also ist nicht ein Glaubensgenosse und 
dennoch ein Staatsbürger. Ka.b .i7-c>^i»^ -.v,. e , 
recht bei der Verteilung des Landes, sie dürfen hebrüische S'<la- • 
..n und Sklavinnen .aufen. sie sind rechtlich mit den .ingebora- 

. . t nt in-r der Flüche in fünften Buch liosi lau- 
gleichgestellt. ^lu^T aei - 

r Han Hecht des Fremdlings, des Waisen und 
tet:" Verflucht sei, vjer d^s necnT. a.s 

^ > •,. ^fi^«? im mosaischen Gesetz, • 
der -nt^e beugt". Sie bissen ferner, dass . • ,, . 

wv^r, sechs Freistadte eingerichtet 
um der Blutrache entgegenzu ^ir^an, sechs 



nen 



sind, die aem,der ohne Absicht ge 



tötet hat, Zuflucht bieten. Ueae 



A^r^^'^ TS ist auch - miL 

prel Staat, »mo »-" '^ ^"°''^"'' "'"''"'*■ ,,,,„ 

. . -, ^ -«v,unVi anerkannt. IjQ- e ^oau 
aufgenommen und doca «Xo si^^ 



- 46 - 
chiden Tferden im Talnud als die " Gerechten der -Äker" der V/elt 
oder ♦♦ die ?ronnen der Völker der '^Velt " bezeichne'^ ja als solche 
Gerechte oder ?romne haben sie sogar Anteil an der Seligkei t , o- 
der Tvie der Ausdruck im Talmud lautet; an der "künftigen Welt.»» 
«Jets Gesetz Mosis ^ilt also nicht nur vom Juden zum Judent son aern 
in allen sittlichen und rechtlichen Verhaltnissen ebenso genau 
und besti^rnt Yom Juden zum n nah chl tischen ITichtjuden« 
Soviel üljr diesen Pun^-^t , im Uebrigen treiben '^ir hier nicht Apo- 
logetik und können darauf verzichten, tc^ltriudisohe Stellen ,die 
das bestätigen und den gesamten Charakter der talmudischen Ha^ 
lacha ( 3atzungsfin düng ) bestimmen , hier beizubringen. :^uu 
wird aber gesagt, das treffe \^ohl auf das Heidentum zu, besondere 
gehässige Aeusserungen fanden sich aber gegen Christen. 
- Keine D. u. H.! - Gelegentlich eines Gutachtens in einem Tal- .| 
mud-x'rozess sagte der Marburg sr Professor lur i^hilosophie Cohen 
mit Hecht, es sei vergeblich, darauf mit jüdischer Gelehrsamkeit 
zu antworten: ♦» Gegen die i'f e"^-^er^^örner kann nur ein Reuchlin 

helfen . - 

I}as Christentum ist als eine ^^ekt^ pn« ^^r. Ji.^^-tv- he^Torro- 
gangen. jis bestehen viele 3in sehr ein 'ainren und Verbote und eine 
im Allgemeinen ablehnende Haltung gegen die '» Minim'», die Ketzer, 
Sektierer. Wir kommen damit zu dem historischen Moment jener Sek- 
tenbildung, aus der das Christentum sich entwickelte, zu der Sek- 
te der Essener - 

- Wenn es auch nicht im Sinne unserer Aufgabe hier ist, Jaeen, 
ciie das Christentum fortbildete ausführlicher zu behandeln, so 
können wir bei der jatrachtun^ der weiteren Entwicklung der jü- 
dischen Grundidee ihrer nicht entraten. - 

Üe Sekte der dlssener hat sich nach der Charakteristik ,die Jo- 
sephuö von ihr gibt, noch strenger als die Peruschim von der 



- 47 - 
alli^^em einen Uebung abgesondert. An Anfang nur eine strenge Obser- 
vanz der yeruschim- Anschauungen. -Ycthrend jedoch diese Piihrer 
und Lehrer des Volkes ♦ bei aller Jint'.-vicklung ihrer Auslegungs- 
methoden, der iixegese» peinlich darauf bedc^cht waren, aen Boden der 
us,.)rünglichen i^eziehung von I^iiensch zu Gott nicht, zu verlassen, dac 



4U 



iel stets im Auge behielt, nahm die aus ihnen hervorgegangene 



Absplitterung der r^ssener die 5?schstoloicri9chen 7,lemente , die im 
Laufe der Zeit und der Verfo^/rungen ei nre^lr untren ^aren auf und 
bildete sie weiter aus. Ganz besonuers ciber den messianischen Ge- 
danken. Hier ist nun festzustellen: entgegen allen spateren Inter- 
pretationsversuchen, auch bei uns im Spatjudentum , i. i der Ur- 
sprung dieser Vorst elluh"-,nirgen ds aus den mosaischen .Büchern 
abzuleiten. ?.s fehlt jede Spur davon. Jndessen habe ich bereits 
in der ersten Stunde darauf hingedeutet, wie früh schon die Normen 
der mosaischen Lebensor dnunr: durch ihre ^blosbarkeit vom x-wituai 
universalistische Tendenzen aufweisen. Der Sinn der Weisung hatte 
seine Kraft und seine ^irkun,^ erstaunlich erweise gerade im j;xil 
in der fremde bewährt, als Ritual und Xult Meiern mussten. :ie 

-I ^ •4. J-? « ^v. T»ÄV»/^öriT TJn^'^^, < *** "•>'« ^5 9 wenn 
Kündunr der Propheten reht init (ii«««^- T^r-^o-.^ ., . , 

sie auch oft in den Trdstunren des zweiten Jesaias und seiner 
Nachfolger unter nationalen Zielen noch erscheint. .^]s ist ein 
Dürchbruch . eine Aufgeschlossenheit nach oben, in der die ganze 
V/elt auf Gott bezoren ^,ird, zugleich mit der Ausbreitung der 
aotteserlcenntnis über die Welt, öo heisst es bei Jesaias; 3o 
spricht der Herr der ilrlöser Jsraels;« Zu gering 4 ist es dafür, 
d^ss du mein .necht bist, die 3t^nme Jacobs aufzurichten, die 
Bewahrten Jsraels u^.ehren zu lassen - den ^Teltstar^en gebe 
ich dich zum Licht, aass neine ^eiheit werde bis an den Rand 
des -Erdreiches. Oder : -rein 3ch.ur. spricht der Herr, Mr soll 
sich Jedes Knie heugen. und .er dir ein; 3chrec'<en eingeflosst. 



- 48 - 



T7ird jetzt zu dir über eben... Zuteilen wird dir mancher .3tanra, 
der dich nicht kannte." Ebenso spricht der Prophet Za7»harias: 
» Sie koT»:men, viele Völker, tnachtige otamo, ihn, den Umscharten, 
aufzusuchen in Jerusalem, sein ^ntlitz zu sanftigen... 3o spricht 
der Umscharte: Jn jenen Tagen Ists, da werden fassen zehn Manner 
von allen Gtärmen und ".'eltzunren , anfassen ■len Rockzipfel eines 
Jüdischen ^iannes: Zu euch wollen wir gehen, denn wir hohen' s (te- 
hdrt; Gott ist bei each! " Und den Völkern wird verkUndet;-' jJs 
spreche nicht der Abkönnling der Frenden, der sich an den Herrn 
SK anschliesst: 3er xierr wird mich ausscheiden aus seinem VolK... 
Jch werde ihnen in meinem Hause und in meinen .lauern ein I^ntoal 
stiften und einen Namen... Jch bringe sie nach meinem heiligen 
Berge und erfreue sie in meinem 3ethause... iJenn mein Haus soll 
ein Bethaus genannt werden für alle Völker»... Uer Begriff Erlö- 
ser, Erlösung, hebräisch Goel, Geula, Gaol ist eine Konzeption 
der Propheten und bezieht sich zunächst auf die Befreiung , 3r- 
losunr aus dem ^.xil, aus der Verbannung, kn'lnft aber daran auch 

jene universalistisch gerichtete Ho-nun. ..>< -i^-v" "«^^^ 

der weit, vom Bösen durch die Ausbreitung des Gottesgedankens 
auf Alle. Jm Laufe der schrecklichen Drangsale , die das Volk 
,,,.en, - denken 3ie an die langwierigen Kampfe um die .Uttung 
des Volkes und seines Glaubens .egen die vernichtenden Angriffe 
der griechisch-syrischen Könige, und dann den unmittelbar vom 
Volk empfundenen schweren ^uck der römischen Zeit - nimmt axo 

.A T^inQimP- i^^mer n^^stischere Formen 
Hoffnunb ^^^ cien ^rloser, ai e -^ c 

an. :ie Vorstellungen im Volke wechseln nach Kaassgabe der his- 

-b- «v,v-i- fi^nrh seine (Gestalt 
tori chen u„a vulti.r,n,„ I^-e «nl ,0»*«^, -. auch 

.,!,..,„ ein,- ,»lUi-''- -''"'-- -^ "-"^ "°"'"'"- ■'" 
,» .rl.ser l.ner ™*. «oH.tolo.Ue., .tU.ent, auf. AlU -ha.- 



. 49 - 
tasie, Sehnsucht, Hoffnung wird nun auf eine Gestalt bezoren, 
die in der Apokalypse des Buches jjeniel (Prophezeihunp* von Jnde) 
als die Gestalt des Men s chen in seiner Vision erscheint. lA e 
volkstümliche Hoffnung jedoch knü,;ft sich im ^inne der propheti- 
schen Ueberli ef erune* ön das Haus liBvids und seine ITachfol^-e. Jm 
Gegensatz zu den historischen Erlebnissen der letzten Zeit,\vo 
das Könip-tum im Ge-^ühl des Vol>es nur heillose weltliche Herr- 
schaft war oder Fremdherrschaft, wi « r\if> >)^-m^4 o>-.f c^"ho, -?'*.ch(3 
die Lehrer und geistip^'en Führer verfoL-^rte und tötete - stand die 
Erinnerung und das Bild der jjavidschen Zeit , als der Höhe- 
punkt einer glücklichen Vereinigung von politischer Macht und 
Grösse und göttlichem Wohlgefallen, stand die Jdealgestalt des 
Jsrael einigenden fro-^nen Königs. Jhm, dem König jjävi o uno sei- 
nem Hause galt die Verheissung der Propheten, aas Königtum sollej 
IB nie aus seinem xiause schvdnden. Und so ^connte es auch nur 
ein davidischer Hochkomme sein, auf den die politische und re- 
ligiöse Ko-Tfnunr sich konzentrierte. 7.s ist nicht möglich, die 
Kannigfaltigkeit der messiani Fachen Vorst ellunn-en , die in diesen 
Zeiten der Not aus verschiedensten Quellen ins Volk drängten und 
als die Stimmung einer Zeitwende/ in der jüdischen Hagada, so 
wie wir sie in Talmud besitzen, ihren Niederschlag fand«n,hier 
auch nur anzudeuten. ZLs lassen sich aber in der Hauptsache zwei 
Linien unterscheiden, die sich immer weiter von einander entfer- 
nen, zwei Richtungen, die der Gedanke einschlagt. jL e an der 
Ueberlieferung festhaltende jüdische Vorstellung lasst sich et- 
wa in folgender Weise fassen; kurz vor dem Erscheinen des iles- 
sias steigern sich die ITan^sale Ms zur Unerträglichkei t , si e 
heisBen die -fehen der ressiaszeit ". -.in Umsturz aUer Gesell- 
Bchaftlichen un. sittlichen Ver^ältnl ... v.....--^-. ^^--^-n 



% 



- 50 - 
^erHftn die einzelnen Etappen "bis zn seinem oLrscheinen in den 
apo'<:alypti sehen Bildern vorggst 'jllt , nach den V/ei ssarunren des- 
Daniel. Doch inner bleibt Gott der Erlöser und die jirldsten heis- 
Ben die jirlösten Gottes und nicht J. e erlösten des AÖnigs lAessiotb^ 
wozu ausdrüc'<:lich betont ^vird, d&ss dessen JCrscheinen an den ur- 
sprünglichen Verhältnis ZT\'i sehen Gott und Jsrael nichts ändert. 
Der neue Zustand ^vird als seine Vo'' Ten dunr;* rre^acht. Ganz in 3inne 
der Propheten -^^ird die ErlÖc^un/^ auch pI« ^^o TT^M^^^r, ^^e» «^^^h^^es 
Davids bezeichnet. Seine Besti'-^^mg ist; alle Menschen unter den 
einen einzigen Gott zu vcrsanmeln, sie zu ihn zurückzuführen , denn 
Erlösung ist an die Unkehr geknüpft. Die Herrschaft des einen 
Gottes '.vird für alle Zeiten begründet, für die auf Jlrden der Mes- 



s 



ias hat. lieber das 7i e und über die jireignisse in jiinzelnen , .d e 



das ^ndPi herbeiführ ;in sollen, sind aber die Aeusserunren von auto- 
ritativer oeite sehr spärlich und zurückhält en d> sie galten als 
Geheimnis. Die ältesten Gebete, va e das achtzehner Gebet, so wie 
es in unseren Gebetbuch erhalten ist, dr'icken sehr klar diesen 
Gedanken des I-essias un ^3 ier Irlb'sunp- aus. Das Gebet, alles Bit- 
ten hat zun Ziel die Erkenntnis und die bekehr zu erlangen, die 
x^einheit von Sünde und die Erlösung von Uebel der '.7elt. Danit 
ist verbun^den das V/iederauf erst ehen Jerusalens und aie .Viederer- 
richtung d^s Könirtuns aus d->v\ Hause xBvids. 

Die andere Richtung knüpft ursprünglich ebenfalls an die Vision 
des Daniel an, an die Erscheinung des Sohnes oes Men schien ,y;o zu 

will, aass es wörtlich hei bst ; ^ebar enos.ch, womit 
der oeher ausdrücken will; er habe so etwas wie die Gestalt ei- 
nes Kenschenwesens gesehen. Die Jnterpreten des Daniel und seine 
Auslerer trafen in diese Vorstellunr r-anz neue ^^.lenente hinein, 
die von dpn prophetischen abweichen, ^r r..o^.. ^^ ,.._.v,.^.,. 
stalt tritt aus den vfolken hervor und bekommt ^ottc^nliche Attri- 



ich benerken 



s 




- 51 . 
bute . Las pseudoepic^phische '7erV »t ^^as vierte Buch lüsra" ci"bt 
bereits soine Visionen vom Llessias, denen man ihren Ursprung: au 
»♦Daniel»» ansieht, eine \7endung n uch dem Himmlischen. Jhn ist der 
Mensch bereits ein himmlisches '-yesen, das Go^i lange Zeit verbor- 
gen hielt. Hier tritt uns auxh ui e Bezeichnung Sohn Lottes entge- 
gen. Jn dem apo'<ryphen Buch »♦ Hernoch'» heisst er z\var Menschen- 
sohn, wie im (^rleichnis des Daniel, hat aber seinen 3'tz im Himmel 
ird ist von der 7elt erschaffen, oourpn ^15 pf=^^T» An«'^>^*»^^^'*^'^ ■^iri'^o^. 
sich auch in d er Hagada des Talmuds, T^oraus zu schliessen i3t,dass 
sie nicht nur ins Volk jiingang gefunden hat, sondern, dass ihr 
auch manche der Lehr^^r anhinren. 2s ';7urde geglaubt, der Name des 
Iiessias sei vor der Welt Schöpfung erschaffen \vorden und wegen der 
Sünden Jsraels verborgen gehalten. Hanche meinten, er werae von den 
Toten auferstehen und bezogen das auf eine .Viederkehr des Königs 
I>vid. ijaran knüjft sich die weitere Vorstellung , dass er er- 
scheint, verschwindet und m eder erscheint ; wer an ihn glaubt, wird 
leben und -jer nicht an ihn glaubt wird dei^ Verderben geweiht sein. 
Femer, dass er Oeri chtJ^tar- halten wird, den ^^e^^-oel wieder erbauen 
jedoch nicht durch menschliche , sondern durch göt tliche Hand. Di o- 
se volkstümlichen (Uaubensvorstellun.^en sind hier aber noch na- 
tional gebunden. Von den Taten des Iiessias erwartet man auch eine 
Sammlung der vertriebenen zehn Stämme und ihre Zurückf *;hrung und 
die Befreiung vom Joch der Rpmer. Alle spätere Zutat und Legende, 
die sich an den ]4essiasbegrif f knüpfen, haben in diesen Apokry- 
phen ihre Wurzel una stimmen zum Teil auch mit den Vorstellungen 
überein, wie sie in der talmudischen Hagada und in den Mdraschim 
ihren Niederschlag fanden. Dieser -A^ente hat si^h besonders die 
Essener Sekte b erwach ti gt , und sie ihrer m^^stischen Veranlagung 
nach i^eitgehend aus-estaltet. Ue Oransal H^r 7o5t , 
Hoffnung des Volkes, dass der von den Propheten verh.issene Ret- 





- 5*^ - 




ter aus dem Kauee iBvi ds erscheinen v'erde» "be^üne ti^rt e ihre Aus- 




breicung. 3ie finden im Josephus bestätigt, dass Jeder Rebell, der 




aktiv cremen die rojniz che Herrschaft auftrat, auch wenn er nur po- 




litische Ziele verfolgte, sich auf die Schrift berief und auf dio 




Verheissun.^en , die er auf seine j-erson bezog. Und fand dadurch in 




Volk grossen Anhang. Jch habe bereits erv?ahnt , dass auch von den be- 




rühmten LehröJCüTi aus dem Kreise der Peruschim eine Einzahl den auf- 




stand gegen Rim unterstützten; die Rebellenf^'ihrer wirkten stets mit 




der Berründung, es sei einer^ Juden -»us drv.cVli ch verV^oten , einen ande- 




ren Herrscher als '^rott zu gehorchen, "^s ist ersichlich, dass in 


• 


allen 3ekten zugleich Llca.nnvir aufstanden, die die gespannte Erwar- 




tung des Volks sich zunutze machten, um eirenmächtig Teilrebellio- 



nen ins Werk zu setzen. Verfielen sie dem r()mischen Gericht, so stan- 



^fin5 - 




den gleich andere an ihrer Stelle auf. lie Ausbildung des messiani 
sehen Gedankens im essenischen ilreise, in ihrer charakteristischen 
Reinheit repräsentiert die Gestalt Johannes aes Tc^ufers. " Tue i3u3s 
der Gerichtstag naht, bereitet euch auf aie ^lirscheinung des üies- 
sias, den ich anzukündigen gekommen bin. Korgen schon kann das Him- 
melreich hereinbrechen." 3ine Zeit lang lau<*en die beiden Richtun- 
gen mit- und nebeneinander her, ihre endrriltip-e Trennunp- erfolgt 
nach dem Untergang d^s Tempels und nach der If^tztpn Kat^^t^'^^ho. 
Die Mehrzahl der führenden jüriischen Lehrer hatte schon während des 
Krieges und noch vorher die Aussichtslosigkeit des Kampfes begrif- 
fen und in ihren Kreisen den Boden vorher ei tet, der einen weiteren 
Bestand des Volkes und die Erhaltung der jüdischen Gottesi dee, die 
sie für sie identihch waren, sichern sollte. Rabbi Jochanan ben 
Sakkai - der Begründer von Jamnia. Uort beginnt seine vollste Um- 
stellung im Verhalten zur Geschichte. Der i^essiasgedanke verfestig- 
te sich in dem Sinne der alten Verheissung der Propheten. Die lan- 
ge Zeit beliebte Errechnung des Endeß nach Daniel, in der sich die 



- 53 - 



% 



erregten Oenüter ergingen, wurde von der tiefen Qo t tergebenhei t 
und Zuversicht der grossen Lehrer abgelehnt. I>.s Geheininis des 
Endes darf nicht vorzeitig gelüftet ^verden. 3s gilt jetzt der 
Spruch; •» Der Messias kann nicht herbeigezwungen werden - er konrm 
um so ehor, je weniger wir unsere GedÄnken an ihn hangen.»» Gegen 



dieses Pesthalten an der alten Unmittelbarkeit zwischen Gott und 
Volk wendet sich die neue Sekte der Jedenchristen . Alles, war- wir 
in den ^jVBmr.elien und in den Apost elauss'orüchen gegen die Phari- 
siler finden, l)erurit auf dief», ei" GegensP-t:'' . ^r»^ v.ip^'v,-*- ^„ ir^rirra ^\, 
ne Auseinandersetzung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Die 
ursprüngliche Lehre, wie sie unmittelbar aus den Aussprüchen Je- 
SU in den jlvangelien uns vorliegt, ist ihrem Gehalt nach grundjü- 
disch, in dem Sinne, wie wir es hier auseinanderzusetzen versu- 
chen. Nur in Beziehung auf die üb<^rli e fert e Lehr e neigt sie dem 
sadduzäischen Standpunkt zu, indem sie erklart , diese sei mensch- 
liehe jirfinuung una üebung, durch \velche die Pharisäer das ge- 
schriebene Gebot der '«■»'eisungr aufheben. ( Jch verweise auf ir.o iCt.- 
pitel 15 des Kathäus-'ivanpel^uns) . Jn seiner ?ührun^ und in sei- 
nen Sitten folpte Jesu den esseni sehen Grundsätzen. Li e prophe- 
tische Ilaltunp:, das Heilen der Kran'^en, Leben in Armut und in Gü- 
tergemeinschaft sind ausgesprochen solche Züge. Vielfach aber 
stimmt seine Lehre auch mit aen Grundsätzen der Peruschim, der 
Pharisäer überein.» Jhr sollt nicht wähnen, dass ich geVorr sn >.ir., 
dsp. Gesetz oder die Propheten auf zulosen.iorh bin nicht gekommen 
aufzulösen sondern zu erfüllen." Ja sogar bis zu der Neigung ü 3 
Gebote zu -'.voit^irn un d ;;rschwerunger. zu öchaf f .n.geht zuv^eilan 
diese Uebereinstimmung.;" Denn ich sage euch wahrlich; Bis dass 
Himmel und 2rde z ergehe, ^ird nicht zergehen der kleinste Buch- 
stabe noch ein Titel vom Gesetz." 3elb^t das Lie>^esrebot,in der : 
die Khri5*üoth«xft«l.:.rx christologische Lehre üb.r M. l.-^i-h. 



'I. 



# 



4 



. 54 - 
hinausgewachsen sein ^nll, ist im Jüdischen verankert, in dar 
Lie>)e zu ^rott und seinen aeschöpfen und in der Lehrtätigkeit ei- 
nes Hillel. Doch da wir hier nicht Apologethik treihen, verzieht 3 
ich auf Nachvjeise. die in Fülle zu haben sind. IPch darauf könnt 
es ja hier nicht an. lie Wendung erst, die durch ai e paulinische 
Lehre der jlrscheinung Christi gegeben wurde, führt die endgiltige 
Trennung herbei. ,!;s ist eine vö""!!? andere »Grundlage, die den 
Verhalten zu ^rott von nun an refreben "lird. Der Glaube an Christi 
Gottessohnscbaft, OJIfertcc' u" 3 Ajf erste bunsr, die allnäbH oTn» \v^'- 
hebungder Gebote, der 7e»isung auch für die .Tu den.n'&hr end sie für 
die rleiden von vornherein nicht gelten, nacht die Trennung end- 
giltig und Stenoelt jeden in der jüdischen Geneinschaft verbliebe 
nen Anhanger der neuen Lehre zun Ketzer, zum Abtrünnigen - und 
viele blieben noch lange in der jüdischen Gemeinschaft, l^s Ver- 
halten der jüdischen Gemeinschaft unterscheidet genau zwischen 
dem Ket?,er, aas iot den Juden, der abtrünnig geworaen i5t,una aen 
Heiden, der der christlichen Leh e anhängt. Lamals erscheint zun 
ersten I'al der Ausdruck Hin und TÜnin, Ketzer, Abtrünniger, der 
ausschliesslich auf Judenchristen an.Te-en det -.ird. Viele Anord- 
nungen - llassnahnen haben den Zweck, ih en schädlichen .^influss 

^in Ausschluss findet nicht statt- Der Ausdruc> 
für sie lautet: sie haber. keinen Mteil an künftigen Leben. 30 
«ix:a zum Beispiel finden Sie die Verordnung, man solle beim 
Schama-Gebet ( erstes Morgengebet, an das g^öhnlich ein Rezi- 
tieren der Zehn Gebote sich anschloss. dieses Rezitieren fortan 
auslassen, damit die Ktzer nicht sagen, nur diese zehn Gebote 
sind von Koses am Sinai überliefert worden, ^s bezieht sich auf 
Matthäus 1'^. Vers 13, wo Jesus den reichen Jüngling lediglich 
auf die zehn r-ebote und auf das G.>.ot der Liebe verweist. 



einzudäi^Tnen - 



# 



4 



- 55 - 
Jm Jnteresse der ^lei denbe^^ehninp: hatte Paulus und sein An- 
hang?: Geltunng der Gebote t die ein Tun erforderten auf^rehbben und V 
die Zu{rehörir-''ceit einzig auf den Glauben gestellt - ein Begriff, 
der dem Juden fremd ist. Und da allmählich auch die meisten Per- 
sönlichkeiten der neuen Kirche und ihrer Führer aus den Heiden 
kamen, so ^"/urde die Trennung vom Jüdischen endgiltig. Alle Verord-" 
nunren der V/eisen, die wir im Talmud finden und die eine Abgren- 
zung r^er.er) die Kinim bez-^wec'^en, richten sich aber lediglich gegen 
die im Judentum verbliebenen und der Ketzerei Verdächtigten .Aber 
nicht einen Augenblick gegen die Heiden, die das christliche Be- 
kenntnis angenommen haben. Je mehr diese Trennung sich abzeichne- 
tet und die Judenchristen ver Schavan den, desto neutraler i;?ird dcis 
Verhalten der jüdischen Gemeinschaft, ja man kann sagen, dass 
trotz des schmerzlichen Verlustes in den eigenen Reihen, die Tat- 
sache, dass die christliche Lehre den universalen Gottesgeaanken 
in die Völker trug und ihn ausbreiten half, vom jüdischen Gefühl 
als Tjvillkommen un d mi t Genurrtuunr empfunden wurde. Denn nach jvidi- 
scher Auffassung galt jeder Heide, der den ^rlau>>en an einen himm- 
lischen G^tt annahm, ^enn er >^it ihm auch noch andere voT^atellnn- 
ßen verband, jeder der im Verhalten zum Menschen nach Gerechtig- 
keit verfuhr, Liebe zu aen Geschö,)fen Got ces zeigte, und einen 
sittlichen Lebenswandel führte, als ein Pronmer und Gerechter. 
Und so blieb ihr Verhalten auch gegen die Christ en:ngewor denen Hei- 
den . - A'och mehr, lange Zeit bestand ein ^vohlwollen aes ,gut nach- 
barliches Verhältnis. Zum Beispiel war es in der ersten christli- 
chen .cipoche bei uen Juden noch Brauch, den auf aen Sabbat folgende 
den Tag zu fasten. Seitdem jedoch das Christentum den Sonntag zu ■ 
ihrem Feiertag wählten, gaben die Juden diesen brauch auf , utfi 
nicvt den Anschein zi^ erwecken, dass sie an dem ^eudentarr der r 
anderen fasten. Ja, es scheint vielmehr sich im Judentum damals 



# 



- 56 - 

die Auffassung durchgesetzt zu haben, die grosse Ausbreitung 
des Christentums, das die wichtigsten iLlemente der jüdischen Leh- 
re enthielt, nur ein Schritt weiter sei auf dem Wege der erhabe- 
nen Bestinrnung und Verheissung, der den Tag, an dem die Welt die 
wahre j!]inheit Goites ericennen werde, nähei^ bringe. 

Doch die Geschichte nahm einen anderen Verlauf, üe ihrem We- 
sen nach historischen VölVer,die sich dem Christentum aufschlos- 
senrj} Vormten die neue Glaubenslehre nur in der ^'orm eines Mythos 
sich aneignen, der ihrer eigenen mythischen Vergangenheit ent- 
sprach. Und als solcher tritt das Christentum in die Geschichte. 
Der ursprüngliche jüdische universale Gedanke, für den eine Zeit- 
lag die '7elt geöffnet war,7jurde vom Christentum aufgenommen und 
in die -Veit getragen. Die Kirche aber konnte sich nur durchsetzen, 
durch einen Rückfall in den Mythus, den fernzuhalten alle Genera- 
tionen der jüdischen Lehrer unablässig bemüht waren, üo blieb a^VA 
Judentum seine Aufgabe nach wie vor. 3s muss das Geschick tragen, 
immer wieder mit seinem Leib der Hüter und Bewahr er seines ur- 
sprünglichen Gottesgedan'^ens zu bleiben. 



4 



- 57 



VORTRAG IV 



# 



I 



Mit der Zer^.örung des Zweiten Tempels ist eine Situation geschaf- , 
fen, v/i e sie in der Geschichte v/ohl einzig dasteht und sie sich 
in ihrer Ausvv'irkunc unH in ihren Folgen dem Versta-ndnis der his- 
torischen Völker fast entzieht. ITicht nur ist das Zentri;m des 
jüdischen Lebens, das nationale und '^eisti^'e, endgiltig zerstört, 
sondern auch .ipHe TTöi^T -5. ch>ei t einer neuen "TerneinBchaft sbi Idung 
auf politischer Grund^ ge. ^M r\Qr^ ^f^m Volk so recht vor Augen zu 
führen, lässt der roniche Jnperator nach der ITiederlage Bar 
Kochbas und den Fall der Festung Betar die Pflufcschar über den 
Teinpelberg ziehen, zum Beispiel dafür, dass jede Spur seines i:a- 
seins getiln-t, ausgelöscht \vird. Der Name Jerusalem yerschx'yindet 
für Jahrhunderte aus der Geschichte - die neu erbaute römische 
Uta dt heisst •♦ ^;elia Gapitalina» - iie schreckliche Vernichtung 
der Volkskraft durch Krieg, Vertreibung, Verkauf in die Gefan- 
genschaft und andere :iassnahmen der ■:^roberer sind aus der Ge- 
schichte bekannt. Iie Aufgabe, die den Führern des elenden Restes 
von Volkstum, das, über das verwüstete Land zerstreut, ein Leben 
fristete, das kaum noch diesen Mar»? ITamen verdient, auferlegt ^ar, 
scheint so ungeheuer un d aussichtslos , dass man kaum b-rreift , dass 
sie überhaupt unternommen werden konnte, lind doch - es geschieht - 
3,s grenzt ans ;7underbare, a ss sie eigentlich nichts Äusserer dent- 
liches, nichts Grossartiges unternehmen, es sieht nicht nach ei- 
nem Planen aus ins Weite und Zukünftige , sondern es geschieht 
etwas höchst Einfaches. J^s zusarr.nengeschrumpft e Häuflein der 

♦ ^^•^vn^^vian TaViT-pr un (^ ^Teisen nimmt seine Ar- 
der Katastrophe entronnenen Len er unc .i^^^r, 

beit an den >W.te nieder au^..o sie d.>rc. .ie Zerstörung unter-- 
l^rochen .ur^.. ^i- -tzt ^i e .V-nl.gun^ ^ ^er Ic^rift -ort,nur 
dass jetzt una .ondrlich mit noch frrösserer Sorgfalt die über- r 



. 58 - 



# 



t 



lieferten Satzunfren gesannelt und allmählich codifiziert worden. 

I 
Das Sannelbecken, das den geretteten 7jrtrag an Halachiscner und 

Haeradischer Produktion aufnimmt und zu den grossen Werke sich zu- 
sammenfügt, das wir als Talmud kennen gelernt haben, tritt in der 
^'olge an Stelle von Land und Heiligtum. lAe Bibel, das ,Yort Got- 
tes wird die Heinat für die Heimatlosen, das Gesetz, das die Ver- 
streuten und nicht mehr Haftenden , an den Gott des 3erith-3inai 
■bindet. 1-och einmal und im verstärkten I'aass» als im ersten 'Sxil 
•wird diese Bindung als mit dem Nationalen identif=>ch empfunden.Jn 
der Zeit der heftigsten Verfolgung, als die Opfer sich ohne Haass 



en 



häuften, wurden die Lehrer vor die Trage gestellt, in welch 
Fällen es einem Juden pestatte t sei, ein Gebot zu übertreten, 
wenn er für die Befolgung mit dem Tode bedroht werde. iLine xUch- 
tung vertrat die .\nschauung, man könne dem Einzelnen nicht zumu- 
ten, sein Leben zu o^-fern, da die Weisung ,usdrücklich betone, si e 
sei zum Leben gegeben:- denn es steht geschrieben: " du_sollst 
durch s ie leben. Viele aber oT^ferten in der Ekstase d*^s Glau- 
bens unbesehen ihr Leben auch fiir das gerin^te Gebot, :3s kam da- 
:nals ein Be.chlu«. ..«to^-. -r nu^ -r drei ^älle den unbedinr 
ten Einsatz des Lebens forderte, und zwar: bei der Aufforderung 
zum Blutvergiessen, zu einer unsittlichen sexuellen Handlung und. 
zum Götzendienst. Lamit ist damals der Grund gelegt worden für c 
«in relüriöses Postulat, das bis .uf heute die persönliche kor- ^ 
p.rliche Verantwortung für Jene Urbindung an Gott Jedem Hon- 
achen der Jüdischen Gemeinschaft auferlegt. I.n Ki.dU.s.ch.Ha_schem_, 
oie Heilicung des H.mens . das Leben freudig für die Heilicung 
des .amens hinzugeben. Bie Jüdische Kärtyrerge.chi cht. kann d. e 
.nzähli.en . die für die HeiUrun. des Kamens starben,nicht 



f a s s en • 



Zu j ener 



j^« TTnt^rp-anrs zu deuten. 
Zeit beginnt n^n, den 3inn des Jntergangs 



r 



- 59 - 



* 



< 



Die hagadischeLiteratur ist voll von Geschichten, geheimnisvollen 
An dei3tun(-en, welche df^s Geschehen zu rechtf ertl rr^r ctichtT.. Ji e 
leidenschaftliche Bejahung auch des unerträglichsten und unver- 
ständlichsten, der ^ntschluss, sich im Bösen wie im Guten dem 
Ratschlußs Gottes zu fügen, kennzeichnet die Gesinnung der Zeit • 
und geht Hand in Hand mit einer neuen mystisr- hen Vertiefung 
in den Sinn der Schrift. 

Jch muss Sie nun aufforrjern, m^.t r^ir «l'^en 3-runic? "vher die Jahr- 
hunderte zu machen, in eine Zeit, die von der ■clr^s si Bchen der 
Talmud-Iüpoche weit abgerückt iet, ins dreizehnte und vierzehnte 
Jahrhundert des europäischen und orientali s^-hen Judentums. Meine 
Damen und Herren, 3s wird oft von der Erstarrung des Judentums 
geredet. Damit ist wohl gemeint und ist beßonders von cl-..ri l= Gli- 
chen Historikern und Theologen betont worden, dass mit aem Un- 
tergang des Zweiten Tempels und durch das Auftretendes Christen- 
tUDis zunal die bis dahin so fruchtbare religiöse Schöpferkraft 
des Jüdischen vsrsiefrt sbi , und dass im Grunde weiterhin nichts 
mehr geschah, als ein Codi ^zi eren , zun Gesetz erhärten des Ver- 
standenen, .18 ein eiftensinniges. Starrkopf irres festhalten an 
Buchstaben, spitzfindire Auslegung , Kasuistik. Kurz - ein Ver- 
harren in Alten, Ueberletaten. 

IX.g h.t ebenso^venis Berechti-unr^, ^ne jene .c^ffassunr von der 
Restauration des 2sra, als von einen Jtillstand, einer Abscheu- ' 
chung .einen Verfall, freilich kann in dem Sinne . in d-n er 
im AUfreneinen Gsfa.st .ird, der Baf:riff Entmcklung auf die 
Sntfaltunr: . auf die Gestaltung .er Gottesidee in Judentum.nicht 
angewendet .erden, ^e Pornen,die sie ,1ev.eil3 anninnt. können - 

noch so verschieden sein, sie ändern nichts an den Grundverhält- 
nis. sie entfernen H..h .1-t d.von. .on de-n ^eben der ursnrüngr 
liehen V&rstellung vielnehr Welt.,«ite und Tiefe, ja kosnische 



iV*«»»are*e- -H«li.«^Qjisg^jj^^ 



^^'freiti;^t^u<v4-*Ju^ 



* 



< 



- 60 - 
Ausnaoisse. Reücionsrsschichtlich und auch reliftionsphi losonhisc h 
lHS3t sich ^vohl - und das geschieht ja auch - sine Linie zeichnen 
und durchführen , di e vorn Abschluss des Talmud zu Häimoni_oes führt. 
zu einer neuen Zusanmenfassun^r und iCodifizi erung aes religiösen 
Bestandes und zu seiner Könfrontierung der Gottesvorstellun^.: mit 
dem neurezipierten aristotelischen Rationalismus. Die starke Unter- 
Strömung, die Strömunr in der Tie'^e blieV-e dabei ausser Betracht. 
UnH dies ipt es, aus der das ^ch-Sn^-vi =^v,. v ,^,.^..-,r'. c'nt . ^in ent- 
scheiaendes jreignis von weitest tränenden ?olfren ist der mrch- 
hruch der kabhali^ tischen und mystischen Gedanken- und Vorstel- 
lungs';velt im erscheinen des Sohar am ende des dreizenten Jehrhun- 
derts.IBs 7erk, das üb.-r einen Zeitraum von drei Jahrhunderten, 
vom 15. bis zum IS.Jahrhun dert neben Bibel und Talmud fast als 
gleichberechtigte ^uelle der Lehre und Offenbarung steht, 
»ooha?." heisst Glanz, Strahlen. Jm letzten Kapitel des i^niel 
heisst es: " d- e zur einsieht kommen, v/erden strahlen, ^vie das 
Strahlen des Hinmelsre^ölbes , und die Viele zur Frömmigkeit brin- 
gen -e 3t«rne immerdar- . I^s -ort -Sohar-. sta^.^mt aus diesem 
Satz. .BS Buch taucht .egen ende des dreizehnten Jahrhunderts auf 
und -regt bald nach seinem erscheine, die hefti.s.en Auseinander 
3etzung.n. Mo,,._d._L.- aus Guadel.J.ra. ein spanischer Jude, 

... r^ «t«-rh T505 - verbreitet den Sohar 

Oelehrter und ivalobalioX -.x ^^ 

•♦ ^ Tahrhundert nach Christi. Um 
nudi sehen Lehrer aus dem zv,eiten .ahrhunder 

diesen Rabbi Simon ban Jochax spxnnt schon dx e 

^ • v,.-»t Ha<^s er um aen Verfolgun- 
aa ^.underbare Legenden und berichtet, dass 

, ;, „ ^it «oinem Sohne drei^^ehn Jahre in 
Pe„ der Römer zu entgehen, mi ..^anr-^n 

hat. "His z\y der Zeit clle-es ^^i 

n,,n ndch^e ich Jhnen ftanz 
. . ^ -rhrin jnvahnunr retan. rlun noch .e 
in keiner ocnrii^ ^j- .^ 

j-n ^ji ^ \nrrnh^n Hö oh en • Der 

,urz üb.r den .tand der Forschung eini.a .Xngab.n 

( 



- 61 - 






< 



gelehrte Historisier Graetz hielt r\er) 3ohar noch für eine Palschunrr 
'ZT redet von Betrug und Gharlataneri e und bezeichnet als den Ver- 
fasser des Schar den Moses hen Leon selbst, aer die Fälschung be-" 
gangen hatte, um s einen eigenen wenig beachteten, wie er sich aus- 
drückt , phantastischen Schriften Geltung zu verschaffen. liese }iy- 
pothese, die in historip^ch-rationali ?=ti pcher Uebertreibung ihrer 
zeitbefanrrenen Au^rvi^run ästend enz die p-anze so f olren-^eiche nys- 
tiBche Bewegung bagat e"^. li si eren möcbto, o-ttt^ «e «.■? -"u r^ie- unbaTt- 
bait. Lii t der Zeit hat sich eine besser begründete Auffassun^T vom '^ 
'» Sohar'» durchgesetz '. • I^ach dieser Auffassung ist der Sohar zwar 
ein uneinheitliches, anon^/nes aber in Generationen natürlich ge- 
wachsenes 7er'^, in "/elchem sich die verschi edens t;en , oft wider- 
streitenden Kräfte der kabbalistischen Bewegung niedergeschlagen 
haben. Larnach wäre Hose de Leon als eine Art Heouktor anzusehen, 
der aus alten Schriften und Fragmenten kabbalistischen Gehalts 
das Buch zusammengesetzt, zu w elchem er auch manches eigene hinzu- i 
gefügt haben mag. j;s ist also die Vorstellung- verbreitet, dass im 
Sohar uralte Quellen und Do'nimente sich erhalten haben, zum Teil 



in spaterer Ueberarbeitunr - und v\hr] denkt sich seine Jlntstehung 
etwa so, wie die des Talmud und z?;ar durch mündliche jedoch ge- 
heime Ueberli ef erung. Die neueste Forschung, die von grossen kabba- 
listischen Gelehrten dem junren Gerhard Scholem vertraten ist,der^ 
in diesem Falle mein Gewährsmann ist, steht auf dem Standpunkt unc 
kann mit wissenschaftlicher Begründung nachweisen , dass aer Sojiar 

ein einheitliches ;/erk des 13. Jahrhunderts ist, aessen liaupt- 
verfasser tatsachlich der Moses ae Leon zu sein scheint und einige 
Stücke erst im 14. Jahrhundert hinzugefüifrt wurden. j:s ist wohl 
fragmentarisch in der heuti^^^en GestaU, da die Handschriften 
schon im 14. Jahrhundert verschwunrien «3^n^, 
Bei der Besprechung des messiani.s-hen Ged nkens habe ich bereits 






ang^deiUet, dass die autoritativen Lehrer in .Beziehung: auf die 
eschatolorrischen linre ßvos^e Zurüc'^haltunr beobachteten» und we- 
nig Neigung be'<:uhdeten , über das Geheinni svoile und Verborgene 
mehr als in kurzen Winken zu sprechen, jjass neben uer off entli cVt^i: 
e:,elehrten beberli ef erung eine esoterische, eine Geheimlehre, be- 
stand und gepflegt wurde, ist schon aus der A^rga da deutlich zu 
ersehen, "^ir finden da , ^^»enn vor dem op e'ai T i er en über Ueberirdi- 
scheP ge^".'8rr!t -^vr'rd, oft z^'ei "Bezeichnungen, die z^^-ei ^^ebiete der 
Geheimlehre benennen. JJs sind die Gebiete , di e an den Ursorung 
der lAnge selber rühren, uas eine heisst Ma^^ sso M erk aba , das ande- 
re Haasse .Bereischit Her :aba, ist der Tron^vagen aus der Vision 



t - 



< 



des j]sechiel und Haasse Lierkaba bezeichnet aas Gebiet der gott 
liehe Hierarchie, die als Theosophie ausgebildet ist. Bereischit 
ist das erste Tort der Genesis, heisst im Anfang und Maasse Be- 
reischU ist das Gebiet a-.-r Schöpfungsgeschichte, uebnlich vd e 
die Ilidraschim die kanoni '- >-hen Schriften kommentierten und in ag- 
p-adif^nher 'Teise auslebten , geschah es wohl auch »nit der j3etroch- 
tunp der Vision --Iseohi eip vor" Tron-va^^ei (Tsechiel Tanitel I )- 
aus der eine vosnoftonir^che oder theoso .h^ cr-v,. t«t,^i..^-^. r.ich- 
ent^,ic<elte, aie in spaterer Zeit , als sie si.h lan.n ühar die^ 
ses airie Stüc>. auscehr ei tet hatte, den ::.ar,en " .vabDala" erhielt. 
Tjas z'-aite Geheimnis - Got les Of -en>» runr in der Natur ^ar in 
der schdpfunrsreschichte der Genesis enthalten, aher nicht ent- 
hüllt. D^-rch das ^indrin^en aer t:riechisohen Philosophie v..hr.„d.. 
der hellenistischen Zeit ein.fangt ai e Schöpfungsgeschichte ge^vis- 
.e s.eKulative .lenente, die von Seiten der Jüdischen Weisen in 
Palästina nit grossen I-isstrauen und viel Behutsamkeit behandelt - 
.erden, ".s .ar verhoten,vor der. d^eissi.sten .Tahr,sich nit der 
yi.^or des l^.echiel zu befassen. Vier treten in ..n 
des Glüc'ces. sie 'connen unbeschädigt .urüC. - Andere verlieren 

\ 



t 



- 65 - 
sich und gehen unter. 

Dennoch cenü^ten aie^e Ansät ze;i'in der ^c» d» , danitjsich Tvei-- 
terhin in den Lidraschin allnählich eine Auslegungsart ausbreitete, 
die TTiystische :-:lenente enthielt und sich von der gel^vöhn liehen ^inn- 
auslegung ii-nmer mehr entfernte. Gl e drang besonders in üie freie 
Predigt ein. Jn den \vunaerbaren ii^rzahlungen von Gerechten undüi^^r- 
tyrern und von dem .eingreifen der göttlichen Macht und Vorsehung 
in ihr Schicksal , auc>i in den Versuch die Katastrophe zu verste- 
hen, ihr Sinn un d Hecht fertirunr- zu riehen, -^an ri die Beziehung der 
oberen zur unteren '7elt in v^l'^stümlicbe^ -ro-i ao tt^^o.. K^.Tr^^rvc'", 
dahinter und darüher stand die nystische 3pe'<i^lation und die Aus- 
bildung der in der Geheiralehre überlieferten Vorstellungen, v/i e 
alle esoterij=che Lehre v/irVte sie lange Zeit ohne literarisch in 
jlrscheinung zu treten, joch schon lanrre vor dem .-.rscheinen d<^s 
" 3ohar»» drinrt vereinzelt auch manches in ScViriften durch, Jedoch 



als 



noch nicht rsystemati seh ausgebildete Lehre. Mystische len aenz erj , ji c 
uie im Gegensatz und zum Teil auch befruchtend in der spa.ni seh- Jü- 
dischen Religionsphilosophie hervortreten, knüpfen sich an die ITö- 
menJbn-:^sra, Fpse ben ITachman '^.amban . Vor allem kdunen die grossen 
Üchter der smniscben ■:^poche , vi e Salomon ^•>^n Gabiml und auch 
Jehuda Kalevi als Vertreter kabbalistischer l>enk^veise beze^'chnet 
^^•erden. Auch ein v;erk,das für die volkstümliche Frömmigkeit von 
entscheidendem Jinfluss bis heute geblieben ist»' "lÄe Herzens- 
pflichten'» von Rabeinu Bechaja (unserem Lehrer Bechaja) empfamgt 
von diesen Stimmungen j^arbe un a Ton. Die ganze ?rage der Entste- 
hung des Sohar bekommt dadurch für uns heute einen anderen Aspekt. 
]ibenso ^vie ai e Apokalyptiker una apokryphen Pseudoepigraphen aus ^ 
der Epoche des Zweiten Tempels ihre Visionen und Vorstellungen 
aus den Jdeen der Propheten und ihrer eschatnlofri sehen Verlcündi- , 
gunrten schöpfen. unheV^"-nT.ert unter -.velohem >Tsr,en sie ihre Schrif- ■ 



( 



% 



ten hez.eichnent nicht anders verfuhren anch der oder die Verfas- 
ser des S<^har. T7ir bezeichnen ja auch schon die PseuHoepierra- 
ph^n nicht als falscher - vielmehr besagt schon der x\usaruclc 
eine recntmassige Kategorie des religiösen Schrifttums. Sie 
schÖT)fen wohl aus den Stron der geheimen Ueberli ef erung, di e si 
sich als Ka>>hala durch Hi p Jahrhunderte erstreckt, und geben ih- 
ren V^rst el'^unren \m^ Visinnen ganz unhofan-^'^n 3til un ^ Charak- 
ter der Vergangenheit! an die sie anknüpfen, ebens*^ li essen sie 
die verehrten, heiligen Personen auftreten, die ihnen als die 



3e)ivahrten in der Ueberli ef erung freiten. 



— 4 



Der Yjichtigste Teil des Sohar besteht in einer; fortlaufenden 
Konrnentar, einer jirlauterung zur Bibel» in v; eich er Rabbi Simon 
ben Jochai und dessen j'reunae una Schüler die '^'orte der bcnrift 
nach ihrem geheimen Sinn de'Uen. Ilanches ist in rtitselhaft er 
Kürzet oft aber auch breit in der herVömmli chen Predi^tf orm des 
Kidrasch. 'Aele 3tücVe sind in einem feierlich hohen Stil f-ehal^ 
ten und treten als ?rarmente von Jspirationen imH Anc^oo-^v, ^.. 
heimer OffenT^^ rung auf- Neben dem Wort als Sinn tritt das ".7ort 
als Symbol. li e gewöhnliche Sinnbedeutung bleibt wohl beste- 
hen, darüber hinaus treten aber die 7orte in einen neuen Zusam^ 
rionhanp heiliftsr Kanen. in denon sie eine für uns entrückte re- 
heime ^7ir>lichkeit des Göttlichen bezeichnen. 
:Ae Schdpfunsserz^hlunc, so vde sie in der Bibel dastent.ist 
^ohl an unserer unteren Welt geschehen, an der Veit unserer 
Wirklichkeit. Ler Vorpanp ^jeist aber auf eine andere geheine 
^Wirklichkeit hin. die unserer irdischen hier unten vorangeht, 
als eine ideale Vorr^ernahme ^es "Telt^-anzen irn fröttlichen r^g- 

danken . 

läe ■7eltschö..fung, ^■>ie sie die Thora beri cht ^t , deutet also 



- 65 - 
nach dera Sohar auf ein peheiines, nur in Syrabolen aus druckbar es 
Werden einer anderen Wirklichkeit, die ini Sohar das (fe he JTnn is 
des Glaub ens genannt '.vird. jiin Gebist, däs nur die mystische 
Versenkung betreten kann. Lieser Be reich ist jedoch nicht nit 
der Welt der Wesenheiten un d Jntelligenzen mit der geistigon 
Welt zu verv;echs3ln , auch die frehört no^rh zur unteren \'7elt, son- 
dern (lieser 7?erelch ist das freheine Leben des wirkenden Gottes. 
Kosnogorrie und Theoso^bie - grenzen also ron iiipn anp<nan_ 
der, sind zr;ei oeitjn der selben Sache. ">V8S der Mystiker als 
Vorgang in Gott beschreibt, tritt nach aussen als schöpferi- 
scher Vorgang ("/irkundg) auf. Theoso^hie ist also hier eine 
Lehre oder eine Tendenz, die ein verborgenes Leben der vvirkenden 
Gottheit zu ahnen, sich in sie versenken zu können vermag, ih 
diesen geheimen Leben des lebendigen Gottes gründen, nach ai»- 
ser Lehre ui e Geheimnisse der Scho^^fung. 

Wichtig ist auch wie der Sohar im Sinne der Kabbala die otellung 
des Ken-schen bestimmt . 3a der T'ensch, der menschliche Organis- 
mus aller ::r,turenent™ic^'Tiinc immanent Ist. mi-s^ .^r also auch 
geistig a^^-en Ubri-en Organismen voranre^ran^en sein.Deber seine 
zentrale Bedeutun.. Jch mache bei dieser Gelegenheit darauf auf- 
merksam dass au.h die neueste V/issenschaft vom Kensch.n.die 
Anthronosoohie .dieser Auffassung zuneigt. Huch von Philosophi- 
scher Seite stützt Bergson in der letzten Phase seiner i'hiloso- 
Pbie eine solche Auffassung. Jenes grosse geheime Gebiet, von 
dem ich früher sprach, die Bereiche aes feheimen Lebens des 
.irkenden Gottes ordnet die Kabbala nach zehn SPharen.die hie- 
rarchisch abgestuft sind: dieBezeichnunrheisst: Sefiroth, 
.örtlich bedeutet das Zahlen.f Kan übersetzt '-Be^irof. mit 
Snhären, .örtlich bedeutet es Zahlen. J.^^ neunt- .« 



Jessod, ürftrund 



. lAe-er Urrrund ist der Gerechte, ^r ist das 



- 66 " 
Urbild des Trci{jers der weltumfassenden und weit enzeu^^en den 
Kraft hier unten, d^s ist so zu deuten, dass er eine Wirkunr:s- 
kraft »^rottes isl2 und zur:leich aas Urbild des {rerechten Men- 
schen, iie zehnte lehtzte Sefira heisst: Malchuth, das xieich. 
liier ist die Vorstellunc der Schechina unt erf^ebracht • öohe^ 
.c)4na heisst wörtlich; das j:inwohnen de, das ist identisch mit 
dem Berriff des labeiseins, das in der Bibel seinen Ausdruck 
darin findet:'» Jch werde unter euch wohnen." 3i e erinnern sich 
vielleicht aus demersten Vortrag, dass es den ^tIp»! rth/rpt^l nVit zu- 
stand im Verhciltnis zwi sehen Gott und Volk ausdr'lckte. Hier er- 
scheint der kosmische Gott in dieser Sefira, in diesem Bereich 
Halchuth unter dem Aspekt der Schechina und, wahrend in den ande- 
ren Sefiroth stets eine bestimmte aktive Aeusserun.q: symbolisch 
zum Ausdruck kommt, ist die Schechina /gleichsam das ruhende 



Meer, in das alle jene Potenzen einströmen und als Jinhei b er- 
scheinen, jjie dchech in a hat nichts aus sich selbst, sie empfcxnrtj 
und bewahrt aber alles und waltet mit dieser ihr geliehenen 
Kraft in der unteren 7elt . 3ie ist Gottes Reich im Untern, sei- 
ne Herrschaft in d ^r 7elt.( »»T^inwohnunr '», •♦'Die einwohnende 

Herrlichkeit'». 

Jch hebe diese Z7;ei Vor s ^e Hunden der Kabbala deshalb hervor, 
weil sie in der praktischen j^ortbildunr, die sie im ChasBidis- 
mus erfahren haben für gewisse rrun dlep:en de Anschauungen mass- 
gebend geworden sind« 

An das Buch Schar , das als Reservoir der bis dahin unterir- 
disch strömenden Lehren zu betrachten ist , schli esst sich die 
kabbalistische Literatur der folgenden Zeit in ähnlicher Weise 
an, wie die rabbinische an den Talmud. Sie erscheinen als Ergän- 
zungen und Kommentare zum Sohar. :^.s erfolr^t so zunächst eine 
7ortbildunr der theoretischen Kabbala, die haui^t^ächl 1 .>. \r. 



. 67 - 
Spanien frepfelf^t wird. Hach de^ katastrophalen ::ln de der spanisch- 
jüdischen Blütezeit 1492 niinnt die innere lünt^^icklun^r der jüdi« 
sehen Ilystik eine für das jüdische Leben entscheidende Wendung 
ins Praktische. lie kabbalistische Lehre ergreift die örscnut- 
tertan Geraütier mit einar unerhörten Ge^'valt, und ver drangt für lan 
ge Zeit die rationalistische Richtung der Reli£rionsphilosophen 
der letzten Jahrhunderte. jIs beginnt eine neue inni'-^e Vertiefung 
und Versen kurrr in die Thora , die nun die "^reheiT^ini sse der '7elt und 
des Lebens zu enthüllen Ternag und eine Deutun'^ des Volksschick- 
sals enthält. Der üessianische Gedanke zuinal erführt durch die 
Kabbala eine neue Kräftigung dadurch, dass es nach ihr den ge- 
läuterten, be\'7Hhrten MenscheT? ndrrlich sein soll dos und«*» dos 
heisst das ICrscheinen des ITessios zu beschleunigen, Nach der 
Vertreibunr: aus Spanien finden die kabbalistischen Lehrer Zu- 
flucht in Palastina, in der kleinen ütadt Safed, von wo die 
kabbalistische Volkstradition die -rvnkunft des Ilessias erwartet. 
Aus dem Kreis von Safed ist ein neuer i^ros^er invsti r-.cher Stron 
in das jüdische relirinse Leben geflossen, namentlich sind zu 
nennen; Jsaak Luria um die I'itte des sechzehnten .TahrVnm ^ort?^, 
« der heilit e Lo^e" benannt, llose Gordovero und der Schul er Lu- 
rifc^s Chaim Vital. Jsaa'-c Luria hielt sich an die Tradition , seine 
Leh-e nur mündlich zu üb -r liefern. liese wur d^ jedoch von sei- 
nen Schülern in dessen Haupt^verk '»Ez Chaim»» Lebensbaum schrift- 
lich ^-veiter überliefert und fand gro^.se Verbreitung. Der Charak- 
ter dieser Lehre aus dem Kreise in Safed ist b edeutun^^svoil 
durch ihre pra'^tit che Auswirkung in Leben. 

Jede esoterische Lehre, die nicht im Kreise der Einge^^eiht en 
bleibt, trägt die Gefahr in sich, dass si§ durch die Vieldeutig- 
keit ih-^er s-n^boli sehen Aus drucks'veise und durch die j^ombina- 
tionsmöglichkeiten,die sie bietet, jeder -jUlkiir und Abwegig:- 



'/•« 



- 68 - 
keit ausresetzt ist. Nun ^^rnüp-f'te sich von altersher et^va an die 
Zahlen>ah"bala und die ITanenskabbala die Vorstellunf^ von nauti- 
schen Kräften, mit denen operiert werden könne. Lass zumal im 
Volke solche Vorstellungen verbreitet waren, und zwar in ver£;rü- 
berter ?orm,liecrt nahe. jIs gehäirt jedoch zum Grundcharakter der 
jüdif^chen Crot tesvorstellunr, wie immer sie seifUnd zum '7irkungs- 
bereich der relir:iÖ!=;en 7elt, dass jeder Versuch magischer "Einwir- 
kung, Beschworung oder dergleichen ausreschlossen ist. T.Srstl '^ u^ d 
Magie haben in der jüdischen V/elt nichts gemein miteinander. So- 
oft das Volk ins einer nessiani sehen Sehnsucht enttäuscht worden 
ist, haben die :]:ingo\7eiht en diese Niederlage auf den liissbrauch 
und den ^^al sehen aiauben an solche I^räfte im heilicen Bereich 
hingewiesen. Von d er Safeder ;ichule geht diese v7endung cus, dass 
die magischen Momente der Geheimlehre zurückgedrcingt wc^raen und 
auf die ^rcharingung aller religiösen Hebung und aller Lebens- 
tat überhaupt mit innerster mystischer Jntention das Hauptge- 
wicht .gelegt wird. Keiürrkeit für die "Erlesenen ( Zadi>) »Prömmig- 
keit für das Volk sind jetzt die Ilauptf or derunr-en dieser Lehrer 
und wenn die massferiische Hoffnung wieder aufleuchtet, so kann 
das erscheinen des Ilessias durch das Verhalten d^s Menschen 
wohl r-efördert werden, nicVit jedoch auf mt^gischem Y/^ge, son dem 
dadurch, dass der Mensch als Mtwirkender am Yerk Gottes durch 
seine reine Hingabe und Jntention es näher bringt. I^s ist der 
3inn der kabbalistL rchen Meinung; der Gerechte ste-he über den 
Engeln. li e unmittelbare Beziehung zu Gott bekommt einen neuen 
konkreten .\usdruck, dass der Mensch durch sein Verhalten an der 
Realisierung des ^Yillens der Himmlischen Macht teilhaben kann. 
\7enn ein Leben der Läuterunr dem M**nschen Hen harmonischen An- 
schluss an die obere '7elt bringt, so steht öer^^ GftläutprtPn «in ^ 

Höchstes Ziel vor AUr:en , selbst mitzuwirken am \7erke Gottes. 



• * • 



Chassi dismus. - 



-»■ -t^ 



- 69 - 

J'^.h noch':e noch auf ein Ilonsnt in der Jüdischen I.Ivstik hinwei- 

sen, das sie vnn j eier anderen v/esentlich unterscheidet: das riyz- 

tipcha Erle"hnis ist in Allneneinen das Gott erlebni s des Jiinzol- 

^ ^. Q^ . Cr 1 1 e sn öih e 
nen, seine Sehnsucht/ sowohl als auch der lloment aer Erfüllung 

ha w einen r -nn in di vi diiellen Ausdruck. JJhenso -vi e der j)rlüsun{;G- 
redan'^e der Kirche iTesentlich auf die persönliclie Seele bezo- 
gen ij^t. Judff h eis st st pt s u>-! d i-hera"'-! in der Rpüslehre die 
Jüdische (^-e^einscha "t , di e Kness eh J^israel* Ihenno in ^ipr T.^rst^^^. 
3o wie der urs„>rün^^liche oroohetische Gedanke das Heil des Vol- 



kes 



zum Heil der '.Veit ucs er^veitert, so bedeutet in der mysti- 



schen Gottesnähe mit Jeder Jiinzelne, die Gemeinscha ft , di e Ge- 
samtheit. 2s darf nicht als Ueberheblichkei t missverstanden wer- 
den, dass das Volk, dem die Bin dünn; ans Göttliche unter solchen 
schweren Oofern auferlegt ist, sich als Symbol un d Wirklichkei t 
zu£sltäich in aem Wort Jisrael, im Gesamtplane der neilslehre emp- 
findet .Jisra eis .\rt und Schicksal erscheint in der Kabbala als 
Verdichtung der ITenschhei t gleichsam, als vorbil dU ches,zentra. 
les Beispiel des IJniversalweres der iTen.chhelt, der Herahreicht 
V. zum -rzustan.^e d-s ersten Kenschen und in die Zukunft weist 
his zur Erfüllung des Keiles, bis zur vollkommenen Heiligung 
des me^'schlichen Lebens. 

3iese Piystipche Strömun... die r.ben d er res.tzeBStren -an rabM- 
„i.eh.n' das religiöse Leben durch.i.ht.nündet in j ene aufrüt- 
telnde und erneuernde Be.agunc die Jhnen als Chassidismus 
Chassidut. lie ersten Chassidir. -Ph.risaer ) bekannt ist. ^s 
ist nicht so zu verstehen, als bestünde hier eine direkte his- 

. .+••* aic ipitp 'i^ ch der Chassidisnus direkt 
torische Kontinuität, als leite s.rn o. 

aus der Kabbala ab. . 3o ir,t es nicht. lo^ohl di . ■^ ■ ^ 

V.* oio nnr^•h Hi P p-rnssp PersönlicbVolt 
der Chassidismus er-acbt, als auch d-e f -- 



seines "Berründers 



- 70 - 
Herren fem ab von 



der Welt , in welcher der 



3ohar entstand und seine ;7eit erbildunr vor sich ging. l>as öst- 
liche Judentuin Polens »der Ukraine und der v/alachei , aes heuti^-en 
Rumänien ist aer ßoden, auf dem diese Lehre un a die Praxis sich 



en 



tfaltete und ausbreitete. Jn jenen (Tef^enden, in denen eine halb- 



bauriF>che un d han dwer 'bliche Jiddische T^evolVerunfr lebte»hatte sich 
nit der Zeit ein Zustand h'?rausp-ebildp^t , de ^ ^en relehrten , vom 
Studium des '"a'^muds v-'" Hc absorbierten in seiner Kasuisti'c Tre- 
b enden Juden, die \7elt des rabbini sehen Juden von der des un^A'is- 
senden jüdischen Lan dbe\'70hners un d Hand^verkers trennte. JDas Ler- 
nen vv'ar hier gei:vi3serinassenn ,un d das daran gekn^jfte religiöse 
Leben nit seiner heinlichen Gesetzesbefolgung strahlte l<eine .7urnr. 
und keine Kraft mehr in die Gemeinschaft aus. las ricbtipe rituel- 
le Leben , die heinliche reliciöse x^raxis des Alltags war so sehr 
an das Lsrnen ^rebunden.Hn diesem Punkte setzt die grosse Wirkung 
des Mannes ein, der Begründer des Chassi disnus, des 3 al .Sehen. 3al- 
ochen heisst l'ann des Samens, in der doppelten Bedeutung sowohl' 
'des grossen bedeutenden Rufes, als auch I^ann d.s heiU-en ^Tari«n.. 
schon aie Geschichle seines Lebens, seines Umpamves und die Art 

. • ^ -irkunr lassen ihn als einen Mann erscheinen, 

seiner bepinnenoen .-jirKung lassen 

völlig verschieden von uetn typischen Vertreter hoher Gelehrsam- 
veit und religiösen 'Dissens. Jra.eL.Bal_3chern . ist etwa um -00 
i. einem Dorf .er Bukowina , das man später als das ix^rf Uko 
feststellte, geboren. Bis zu seinem z.eiundvi erzigst en Juhr führ- 
te er ein verborgenes »unauffälliges Leben.Venn er auch die üb- • 
liehe Jüdische .rziehung erhalt,zeirt er doch schon früh die be- 
fremdliche .eigun., sich in die Stille und Einsamkeit der 'Tal der 
aer ITm.ebun. zuri^ckzuzi ehen.Tn seiner ...end scheint er .ele.cnt- 
Mch als Hilfslehrer tKtig ge.eBcn zu sein. Man muss si^h das 
richtig vorstellen, dass ein solcher Hilfslehrer in der Jüdische. 



mm «» 



SchulQ , im Chdder, nicht eigentlich vi ^ 1 mix. Lernten zu tun 
hat, sondern nehr danit,die Kinder in die Schule zu holenund sie 
nach Hause zurü c'^zubrin r^-en . Schon aus dieser Zeit weiss die Le- 
fr ende zu e^Zcihlen , dass er die Kinder am liebsten nit sich zu 3pa- 
zierränf-^en ins Preie,in die Natur mitnahm, ud sich ihnen auf nei 
ne Weise wohl mitteilte. Auch aie weiteren Schicksale bis zu sei- 
nem Hervortrc?oen zeigen ihn als ein inspirierten, aber stillen 
I;Iann,der sich nur .gelegentlich an den üblichen religiösen Diskus 
sionen beteiligt e, d^^nn aber in einer^ knanrien, kurzen Ausspruch 
sein An dersFein jseine r;esonderhei t verriet, "^r -scheint nie als 
o-p-Toyitli c^'^er T^e^ire^ au. "getreten zu sein, noch hat er irgenci 

! 
'1 

ein schriftliches V/erk hinterlassen. Vielmehr mag er die IIethodO| 
verfolgt haben, im Gespräch mit j'reunden und Schülern zu lehren. 
Diese Gespräche und die Gleichnisse, die er dazwischen streu '".e, 
sind es, die seine Schäler und H'-chf olger weiter überliefert ha- 
ben. Bei seinen ITachburn , dem Landvolk, unter dem er lebte, j^lt 
Bai Schein einfach als ein Gottesmann. üiin kleiner Äreis ergebe- 
ner und von seiner Lehre erfüllten Jünger bildet sich um ihn, de 
der sich durch die Reisen Bai Schems im Lande i^^mer mehr erweiter 
te.?]r snll auch eine Reise nach Pai:istina un t ern omvi er) hGber,aie 
er Jeclocli in Kon stentir opel unterbrach, um zu seinem 7erV nach 
Hause zurückzukehren, ^r starb um x^fingsten 1761 in der kleinen . 
Stadt Medchibodsch in der Ukraine. ?/ir können hier die Legenden- 
bildung übergehen, die sich in der Folge an ihn knüpft, im Weser t-^ 
liehen >b tonen sie die Andersartigkeit im Charakter seiner re- 
ligiösen Entwicklung im Gegensatz zu der rabbinibchen . lUcht in 
Lehrhaus, nicht im }3uch fand er seine Jnspiration, son dern araus- 

sen in der Latur, in den Waldern seiner Kindheit, in den Bergen 

> 

und Schluchten der Karpathen, wo er seine reifen Jahre verlebte. 
Kein ber^'lhmter Rabbi wird als sein Lehrer bezeichnet. 



- 72 - 
Der Mittelpunkt von Bai Scheins Lehre ist die Allc:egen\7art Gottes. 
Aus dieser quelle fliesst alles übrige seiner Welt- und Gottauf« 
fassunc. He Vorstellung, dass das ganze Leben in Gottes Gog^n- 
wart ablauft, aurchdringt jede andere Beziehung, c^raus leitet 
sich alle Haltung undllorn in der Lebensf Ihrunp- des Ghassidismus 
ab. DBS 'Tort Gottes, f^'ir .lal 55chem identi^rh nit Gott selbst, ist 
stets sprechend, handelnd, scha-^^'^end in unendlichen Ahstu^^nr-en an 
Werk. Würr^e dös Leben schaffende W^rt einen Aurenblick aufhören, ' 
dann fiele die Welt ins Chaos zurück. ?ür Bai Sehern ist der Glau- 
be an eine einmalire statthabende Schöpfung nach deren Vollbrin- 
gung Gott sich von den fertigen ',7erk zurückgezo. en hat te,ab\vegig, 
ketzerisch. Die Schöpferkraft ist nie unterbrochen worden, die 1 

Schöpfung ist kontinuierlich und eine nicht endende Manifestation 
der Güte Gottes. Alle Lin^e sind der ^lusfluss der göttlichen aH- 
macht, Macht und Liebe. Das ist ai e chassidische Anschauung von 
der Go terfülltheit der 7elt . Gott hat nicht nur geschaffen, son- 
dern bleibt in allen Dir-en verkörpert, doch ebenso ^i e die fBchöpf 
fung nicht aussetzt , ebenso auch die O-^-^er)^^ rung. Diese stete Of- 
fenbarung Gottes in den Dingen kann nur durch glühende liingabe er- 

se 
fasRt Tveraen und nicht durch Lernen. uaruTn sollen V7ir die sich 

offenbarende Güte in allen Erscheinungen suchen und ehren und 



un 



s nicht i\- Rc-clt annassen , über Gut und Böse zu urteilen. Dcr:- 



lic.lb sieht Bai Sehern auch Sün ae und och^vache anders ein, als der 



strenge x^abbinisnus. Dafür ist die überlieferte ürzahlung chra.r- 
teristisch, wi i^al Sehen einem Bussprediger, der in der üblichen 
Weise über Sünde und Höllenstrafe sprach nit den Worten entgeg- 
nete: Weh über dich, der du es -^aprst, ^Iber von Jsrael zu spre- 
chen,v'eisst du denn nicht, dass .jeder Jude,c:er seinen ^:ar nit ei- 
nen Gebet beschli esst , eine Tat vollbringt, vor der sich die 'Jlngel 
in Hinnel verneigen? 






3 - 



»• Die einwohnende Herrlichkeit wf^ltet von oben bis unten ,bis 



zun 



Rand aller Stufen. Dus ist das Creheimnis des Wortes: " Und 



du belebst sie alle" >• Soc:ar ^enn der Mensch eine 3ün ae tut, ist 
die Herrlichkeit darein geklei det , denn ohne sie hu^te er nicht 
die Kraft, ein Glied zu be^wegen. Und dies ist das j^xil der Herr- 
lichkeit Gottes *♦ (Schachina in Verbannun^i- bi s zur Erlösung). 
LDS rerirrste iXnzeichen der röttll eben ITatur im I'enschpn war ihn 
wichtip-er als alles, was sie verdunkeln konnte, "^ine S^'^n '^e int^ira^ 

Stande uns von Gcit zu trennen, da uns der Weg zur xU<ckkehr iis- 

! 
mer offen steht. Loss eien ilenschen auf Je^er Stufe der Leiter, 

mar sie noch so tief sein, Gott suchen. Wenn üiiner nur aie leisem 



1 



te ?]npfindunr davon hat, dass nichts ausserhalb Gottes ist, kann 

er Gott ni^ verlieren. Von hier aus versteht nan Bai Sehens Auf- 

I 
fassunp: von Gebet. Üe hohe Stufe der Vollenduncheisst es, habe 

er nicht durdi i?''orschen, sondern durch sein Gebet erreicht, ijas ^ 
wahre Getet soll auf die Hinnlischer! und nicht auf die Jrdißchen ^, 
Ünce f^-erichtet sein. ITicht unsere "'ünsche urr-INöte sind sein ^' 
Gef-enstand, s ein Z-^ecV ist nur uns Gott nahe ^u ^^rinfren. Jri 'Te- 
het miFS der T'ensch sein Jch-3elbst verlieren \>n d jed'» üln-of in- 
dune davon Miftretoen, denn solan.-e dieses Jch nicht c...sf'elÖ5cht 
ist, kann das zu .-erbittende ( die Nähe Gottes ) nicht erreicht 
'.Verden. I»ruT^v erdan'^en wir es nur der Gnade Gottes .wenn wir 
nach ein^n recht aus.^ericht eten Gebet noch am Leben bleiben. 
( Ausrichtunr Kowohab - Tna,Tisch - hier anders ) 
ZU dieser Auffassung cehdrt es auxh, uass ^ai dchem zu der stren 

rituellen BestimTnunft von Zeit und Ort des Gebetes sich in 
Gegensatz stellte. Nvr ein oberflächlicher Sinn Könne eine^be- 
^,i^^,,^ ort eine re-iss.« HeiUf-Veit zuschreiben, während den ti^ 
tiefer sin drin '-enden a^.le Orte -leich heilir -in^, so d.ss 
ihn kein Untorcchied besteht, ob .r in der Synagoge od^r in de: 



gen 



-P-i i y* 



- 74 - 
Einsamkeit d^s V/aldes betet. Nicht nur vom üinmel können Prophe- 
zeihun{Ten und Visionen, jede raenschli-che Aeusserung ,ricatig ver- 
standen, enthalt eine göttliche Botschaft. Ja, i^er in Gott lebt, 
wird sofrar in den AHta^rsreden d? e er hört, ein göttliches Zlemeni: 
erkennenjFelh'^t wenn der,r?er 5?^richt , si oh def^yen p-ar nicht bewussi 
ist. 



Jn welchen Ginne der Ghassidicnns wahren Gottesdienst auffasst, 

kann an besten an der ^^schauung 3al Sehens von Gesetz aufgezeiglj 

werden. Lie übliche Auffassung neint i-^it Gottesdienst ein Leben 

in ?:rfüllung der Gebote , der geschriebenen und überlieferten l 

Lehre* Bai Sehen aber betont hier eine Haltung den Leben gegen- ^ 

über überhaupt, ja Gott in allen Leben verkörpert ist, so ist docl 

i 
jede Handlung, richtig aufgefasst und aufgeführt , zugleich eine 

llanifestation des Göttlichen und ein lienst an ihn. Auch das 

Vprrrnüren i;=^t eine A^eusserun^- der "^.iebe Gottes. Und so betrach- 



tet ist es zugleich verp-eistirt un 



d veredelt, "Harun so""! der 






h eine h^^^here Itu^^e der -einheit und der Heiligkeit eher vor 

ben. als vor de^ forschen und Studie- 



den Jessen und Trinken anstreben. 



r en 



in der Tor oh, in der Lehre. Denn 



seit den die Thora gegeben 



wor den , 



ist die :7elt, die ganze 



7elt von Gottes Gnade und Güte 



er 



füllt. \7er also zwischen weltlichen un 



d heiligen lingen unter- 



s 



cheidet, als würen sie von Grund au 



nen Augen ein Ketzer, jarun wira von 



s vetsnhi eden, der ist in se 
ihm nicht so sehr Gewicht 



■7 ^ 



ele^t auf einstandiges Lernen i 



n 



der Thora. Wohl ist die Weisunc^ 



iie Offene rung Gottes, da die ^"elt selbst eine ebenso göttliche 

ist, so i^t die -eisunr nur Teil eines r^rossen ^an- 



Offenbarung 



zen. ■7 



Vir nü.Bsen deshalb in die 



Realität eindrinren, als zi? den 



unendlichen L 



icht 






in ihr wo^^t .\7ir sollen in der 3chrift 



n 



icht forschen, a 



1 s we.r e sie eine 



erlangen, sondern un 



Rissen Schaft, un Erkenntnis zu 
dpn wahren Dienst Gottds aus ihr zu lernen 



- "'S - 



ms Porschen ißt nicht 3elb5tZ'.7eck und ist nur deshcilh -nch-ip, . 
weil die 7eisunp als ?/ort Gottes J h n deutlicher und klarer 
offenTs rt und erkennen laset als in anderen Heusseruntren .i,Vohl ist ( 
die V/eisunc ewic- aber ihre Ausletjun^; lieft in ü er Hand der Leh- 
rer und sie muss im ^linklnag mit den das Zeitalter beherrschenden 
Attributen verstanden xverden. >nn ?-al Sehe- hatte die Anschau- 
i,nd,. dasB jedes Zeit^Uer von eine:, anderen \^tribut Glottes be- 
herrscht ..ird. -ine von den Attribut der Liebe, ein anderes von 
den der kacht. ein drittes durch das Attribut der Schönheit -Dr. s 
Ziel der ganzen \7eisunc ist.dass der Kensch selbst eine Thora 
^^.rd. eine 7eisun.. Larun auch hat die iirfüllunc dar .:>ebote nicht 
den 3inn,eich Verdienst vor Gott zu er.erben. sondern zu lernen, 
,,,i3 nan Gott lieben soll und eins ni t ihn ^verden. - 
einzig das ist den Henschen zu lehr.n. ^as aie Einheit Gottes in 
Wahrheit bedeutet. I^s ■.Vichtigsta dieser ungeteilten .Einheit zu 
erreichen heisst sie ^nz erreichen. Larun ist die .rfüllun, 
auch des .erin.sten Gebotes i. wahrer Liebe und in .ahrer Ausrich. 
tunc auf Gott, so viel ^Is hätte nan alle erfüllt. 
AUS dieser durchaus nicht systanotisch aus-eb.utan Lehre ^=i Bai, 
Sehens , ergibt sich..eshalb der Ghassidisnus dreien .igenschaf- 
ten Oder Tugenden kann nan sagen, den höchsten Platz einr.unt : 
üe erste heisst hebräisch SchilLu.i: -as .,ir an besten nit 
:^nut übersetzen, die in chassi dischen Sinne den Begriff, die 
Vor^tel^un. von Bescheidenheit, aücksichtnahne und V/ohl.ollon 
,i. .nth.lt. .s ist der^ scharfe Gegensatz zur Ueberhebung. .itel- 
keit und Selbstgerechtigkeit. gegen welche 3al Sch.n 

*i j vqviv^ TT^iico TTian si^h seilest 
wird anzugehen. Bevor nan ^-ott nn den kann, nu. 



i-:h seine I'lnder lieben. wer Gott liebt 



verli eTQX) . 

'^er den Vater T^-^t.-l-'^ ^"■ 

V, ,^ 'vnsch<^n. Hur die Unkenntnis der ei 'enen Fehler 
liebt auch die ixemscnen. i-^^ ux ^ 

-u •« ^,irri r^as /opt Überliefert; 

lasst uns die des nächsten sehen, ^s -.ird dso i 



. 76 - 



in keiner Sphure der obören xVelt bleibt die Seele kürzere 
Zeit als inder Sphäre öer. Verdienstes und keine, in der sie 
länrrer T^rv/eilt ,als in der Liebe. 

Die zweite '^irenschaft , welcher der höchste r(ang zukommt , hei sst 
hebräisch 3sincha, Freude oder vielmehr Preuaig^eit. Freuaig- 
keit des Herzens, Heiterkeit des Gemüts ist von nö$:en, um Gott 
wahrhaft zu dienen, ^i e kann sich der Kensch, der sich als ü e- 
ner und Kind ^-ottes <""-*hlt ,tr''bs euren ^redanken hingeben! Auch 
die unvermeidliche Sünde darf das Gemüt ni^ht verdüst ern , spricht 
doch Gottes 3tinme aus Jedem reuifen Gedenken. Auch diese Vor- 
stellu'x staT^mt aus der Allregenv^art Gottes, li. e freudi^^e Hal- 
tunc i^t charakt eris tip-ch für die chassidische Anscliauunc:: der 
Welt und steht in scharfem Gecsnsatz zu ^reTvissen asketischen 
Grundsätzen und Hebungen, die im orthodoxen Judentum j^iingeng ge- 
funden haben. 

jjie dritte Ji^-enschait heisst Hi tlaha but und stai .mt von Anzünden, 
ein Feuer entfachen und lässt sich T^ohl am besten mit j]nthusias- 
mus Begeisterung , glühendem '^i^er i'bersetzen . Jede religiöse 
Handlunr soll mit 7>e^eisterunr Geschehen. ^7e^r einer den ranzen 
Kodex der ^e'^'^te reinl-'ch und genau erfüllt hat, ab^r ohne inne- 
res Leben, s^ hat er nichts cetan. Ueberhaupt soll die Furcht 



un 



d die Scheu im Dienen zurückgestellt, überwunden wer den , denn 



sie ist es, die g^'^^^^de Hing-be hindert. Die Jnspiration des 
wahren Gottesdienstes ist das Ziel an sich . Da ist kein Ge- ^ 
danke mehr an diese Welt und auch nicht an die kommende. Jm Tal- 
mud wird oft eines Lehrers des ^lischa ben Abuja erwcxhnt, ge- 
nannt Acher, der angeblich auf nbwege geraten war. Als er auf- 
gefordert wurde, zu bereuen ,nnt^'o-rt et e er, Reue wäre zwecklos, ein e 
Stimme vom Himmel hätte ^'.hm ^'u-^dretan, dass se"^-bst die Umkehr 
ihm nicht hel-^en wü.rde und er ausgeschlossen bleibe Ton d ?r Se- 
ligkeit . Darüber ist ein cha ssi discher Ausspruch überliefert; 



- 7 "^ - 

dieser iiann hat eine einzige herrliche Gele.'-enheit verpasst ,-vio 
rein hätte er Gott dienen Iconnen, df er doch wu3ste,dsss er euf 
keinen Lohn 7.u hoffen habe, /vus diesem Betriff der .-^n tf lannunt; , ( 
der Betteisterunj: ergibt sich jene Ständire Bewegtheit, das Unter- 
wegsein zu einem höchsten jelstieen Ziel. lUe darf sich einer ein- 
bilden, den Grad eines Gerechten erlanpt zu haben. Jininer nuss er 
sich als einen betrachten, der .^, eder) ':ar ein Stück weiter können 
müsse. Die eingelernte reliri^^fe Routine, 'li e tsfrllch auf der 
gleichen -j;bene bleibt, dar ift nichts Rechtes. TTiir ein invm terbro- 
chenes Verlanfen in Gott zu sein, erhebt und verreisüct unsere 
Gedenken und ivbsiclßen un u entv;urzelt jede oünd^. Jm nessieni- 
schen Zeitalter värd es joder llen.".ch empfinden, dass das Gesetz 
ihn nicht von aussen auferlert ist, '^s Gesetz wird dann in ihm , 
Rein, in seinem Herzen. 2b darf ^ber das nicht so atspelert '^er- 
den, als hätte Bai Schem die '.Virklichkci t dieser Veit un a ihre , 
Vichtickeit T^^rnant, durchaus nicht, in Geren. eil. jiese Welt ist 
ihn erfüllt von Gott, panz von ihm durch drun-en und deshalb so 
wirklich "ie Gott selbst, ^s ist ^«nz im ^^.nne des Bai 3chem,..ven^ 
einer seiner Schüler er-lRrt.es sei tcricbt zu sa.-en,die 'Tett se^ 
eitel un. nichtig, l^s ist in Wahrheit eine herrliche '7elt,sact 
er,..ir müssen nur verstehen den rechten Gebrauch von ihr zu ma- 
chen. lAan nenne keine Sache gemein oder prof.n, aurch Gottes Ge- 



ften'vart s 



ind alle ]jin-3e, ist alles heilifr. 



Y^iff»»»»«tTf 



Cimm 



3i,.. Nachfolger hatte der Bai 3chem wohl kaum ernannt oder oe^ 
..lehnet. :ie .^ahrung seiner Anhanc.r übernahm nach seinem Tode 
.ein Schüler Beer von Heseritsch. der die chassioische I^ktrin 
.eit^^r ausgebaut hat.e. An falschem und an ihn knüpft sich der 
^e.i.^ Za.iv. der GerecMe , a,,_ne::^!llte i. Verbindun- mit 



frerecht - eine m 



üherf^etzhare .indische /or??^.-^^ 



"8 
orkannt haben würdet das» becrründete Hoffnung bestand mit Hilfle 
des arabiöchen Heere»» der Unterstützung der Pharisäer und 
▼ieler im Volktnelche die Usurpation das Aristobulos raissbilli^ 
tan , als Köni£;: zurückzukehren, mir de er den J^riedenschluss 
bereuen und seinen ojiid brechen. Und so geschah es auch, und 
zwar Ter sprach Hyrkanos dem Pursten als Lank für seinen Bei- 
stand Zwölf offene Städte, die Jannai , sein Vfcter ron den ara* 
bischen Stännen mit d&n Schwert erobert hatte, zurückzugeben. 
Harad, der Köni^ der Araber, zog darauf rait einem Heere von 
fünfzig tausend Mann aus und gelangte vor Jerusale» ir^ ^Tinter 
des Jahres 247, nachdera er Aristobulos geschlagen und dessen 
Heer in alle Y/inde zerstreut hatte. Das Volk schloss sich Hyr- 
kanos an und Aristobulos, rait ihm der grösste Teil der Prie- 
ster, die im Tempel Üenst taten, flüchteten auf den Tempelberg, 
der längst zu einer j^estung um^:ebaut worden war, befestigton 
ihn noch mehr und setzten sich dort fest. Als der Monat Nissan 
herankcaa,war diöi Verwirrung gro&s, denn das Volk und di«i vie- 
len aus der j?rcande heraufziehenden Pilger ,die gekomrawi waren, 
das Passahfest zu feiern, konnten das Pest nicht nach dem Ge- 
bot begehen, ein böses und dem Volk verderblich erschienenes 
Breignis, wie es seit hundert Jahren, sei^ der grossen Verfol- 
gung nicht mehr vorgekommen war. Josephus erzählt, dass viele 
unier ihnen , die Vornehmen, damals n^ch Aegypten zogen, um 
das Pest der liazzoth dort in Ruhe zu begehen, üs liegt sehr 
nahe anzunehmen, dass manche und vielleicht die meisten in dem 
dortigen T^npel ,(Uikda3ch Chonio) das Passah-Lamm geopfert 
haben. Jn diesen Zeiten der ijrangsal tötete nach dem Zeugnis 
des Josephus, das Volk, das den Tempel belagerte, den Zadik 
( den (Gerechten) Chonio den auch unsere v7eisen 

in der Mischna als einen ^/undertäter erwähnen, und zwar, dass 
er zu der Zeit Simon des Sohnes Sehet achs wegen Verhinderung 
des Regens auch wegen verhört worden sei und dass 



79 
dleoes groB se IlAupt dor Lehrer Ihn wohl-wollend Terwiesen habe» 
jjie Ursache e ein er Ermordung mar folgende: das Volk, das mit 



Hyrkanos drau&sen war und den Tempelberg belagerte, forderte 
Ton ChoniOf er solle auf Aristobulos und seine Genossen, die 
sich drin befanden, den Pluch herbei rufen, und dass er vom 
Herrn erbitten sollet er möge sie in ihre Kände überantivort ein. 
A3-8 sie ihm solchermassen zusetzten, erhob dt^i' Gerechte seine 
Hände gegen den Himmel und sprach i •» Gott, König des V/elt- 
alls, da die jetzt um mich stehenden Dein Volk und die Bela- 
gerten Deine Priester sind, so bitte ich nLch, Du willst weder 
den einen noch den anderen gewahren, was sie über ihre Gegner 
herabflehen« »• Als er sein Gebet beendete, war das Volk dermasset 
sen erbittert, datss es ihn steinigte* Josephus erzahlt von di e* 
der Belagerung noch einen andern Vorfall, der bei unseren 
Weisen, den Lehrern der Halachat vielfach i<;rwahnung findet ȧs 
fehlte nämlich den Priestern an üchafen und Hindern für den 
Opferaltar i^n den i*'e8t tagen, deshalb boten sie den üelagerern 
soviel Bezahlun;;^ als sie haben möchten, T^enn sie ihnen die be- 
nötigten Tiere lieferten. Diese forderten tausend Drachmen. 
Die Priester schickten das Geld sofort, die Belagerer Jedoch 
hielten ihre Zusage nicht und weigerten sich ihnen die Tiere 
zu liefern. Da gerieten die Priester in grossen Zorn und sties 
sen in ihrem Grinmi über solche Schaindtat einen fürchterlichen 
yiuch aus« Jnfolgedessen brach Hungersnot im Lande aus. Soweit 
Josephus in seinen »» Altertümern »*• Wir befinden uns zwar wrst 

in der ernten Generation dieser Verfallszeit und schon können 

f 
wir auf die Ritten dieser Zeit aus den zwei erzählten Vorfäl- 
len schli essen. Wir werden aber noch viel schlimmere und 
schauerlichere Ijinge erfahren, in den Zeiten, die folgen und zdb< 
die sich bis zur Zerstörung des Tefnpels Immer noch steigern« 
Dinge, die das Volk im allgemeinen betreffen oder einzelne 



80 
Gruppen und Jn di vi duen« - W^nn nun much die Sadduzäiiche Sek^ 
ta Jetzt Iramer geringer und einfluseloaer wir dt und äß^B ganze 
Volk fast einig iet in der Beobachtung der Thora und der Gebo- 
te und ziÄBeiet auch der «pateren Verordnuniten und iürveiterun- 
gen» doch sobald der Stolz rerletzt istf die Ruhmsucht getrof- 
feUf iiiv&lit«*t und Uebarleejenheit im Gpiele sind oder stäche* 
gelüste erweokt ve:0denf irvden sofort die guten t sanftm und 
friedlichen Sittent i?ie sie die "J? eisung lehrt, rergessen - •• 
kommt so^'jeit, dass <^s Gesetz des 3inai , der Bund am Choreb 
in sein <Te|?enteil Terkehrt ^ird» Das ist es, nas wir meinten, 
dasa schon zu Beginn dieser lilpoche die Wurzel angefressen und 
^s Gemüt der Gesamtheit nicht mehr rein ist« Und so wird der 
gute Geist des alten Volkes , der die Fähigkeit bssass, die 
Toten des babylonischen Exils wiederzu erwecken und es fertig 
brachte die in all© Welt Zerstreuten zu sammeln und die Ge- 
trennten zusammenzubinden, dieser Geist wird Jetzt zu einem 
sengenden Peuer, das jedes brüderliche Band Ternichü stund 
die beieinander Wohnenden feindselig trennt. Doch kehr« wir 
jetzt dazu zuück der Reihe n-^cTi die l^reigmisse zu erzählewt 
denn wie unsere /eisen sagen, soll man die Katastrophen o^e 



lande stAen nicht roran st eilen. 






Zu dieser Zeit besiegten die Römer die grossen Könige Nord- 
asiens und zwar Tigranus, den König der Armenier und Mitri- 
»tus , den iCönig ron PontuSf und gelangten bis nach Syrien, 



s ihnen gajiz offen stand« 4vristobulos beeilte sich , aus der 
eintxeschlossenen Fastung , den römischen Feldherren, die in 
lAm^skus eingözo «i waren, Geschenke zu schicken. Aus Angst 
Tor den Röiaern, Hessen die >3elagerer yon ihm ab, es gelang 
ihm sogar, den Arabern eine schwere Niederlage beizubrinrten. 



81 
Ala jedoch der Obe b afehl shab er Pompejus in lÄmaskus eintraf 
und dort sich zwölf iiöniga und jg^^^rstön versaKu/iöltenr um sich 
Tor dm Bezuinger Asiens zu beugen und ihm mit grossen iiJiTön 
zu huldif'en, erschienen unter ihnen auch die beiden feindli- 
chen Brüder, um ihm ihren streit um <»8 Königtum rorzutra- 
gen und ihn zum Richter in ihrem Streit um das Königtum anzuru- ■ 
fen. Hyrkanosf durch seinen Freund Antipater rertreten, klag- 
te über die Usurpation seines Bruders, dass dieser ihm die 
Koni gsh er r Schaft mit Geiialt entrissen habe, urorauf Aristobu« 
los erwiderte, Hyrkanos habe Verzicht geleistet und dann seiner 
Sid gebrochen, ausserdem, da sein Bruder schwach und unfähig 
zur Regierung sei, habe #s Volk ihn abgesetzt und durch diese 
Absetzung sei die Würde Beines Vaters rechtmäß sig an ihn ge- 
fallen • Ausser diesen beiden streitenden Parteien, die Zeu- 
sen und Anwälte ins Peld führten, trat Jetzt noch eine dritte 

\ 
Partei auf, rertreten durch eine Anzahl der Aeltesten des Vol- 
kes, die als eipene ihrerseits ebenfalls vor dem Richterstuhl 
des Pompejus erschienen, und folgende Forderungen stellten: 
von altersher habe die Führung bei dem obersten von den Prie- 
stern aottes gelegen, dem alle gott es dien st liehen Handlungen 
unterstünden. ÜLese Priester hätten sie in Frieden und in Ru- 
he regiert und Recht und Billigkeit dem ganzen Volke zu teil 
wtrden lassen» Uies« Brüder aber wenngleich aus priesterli- 
chem Geschlecht hätten ebenso wie ihre Vorfahren unrechtmässig 

und nicht nach der Weisung , auch nach der königlichen Würde 
gestrebt, um das Volk zu knechten. Darum sei ihre Bi^te an den 
Feldherm, er möte beide des Königtums entsetzen. Der römi- 
sche Feldherr, wenngleich er im Herzen die Partei des Hyrka- 
nos wegen dessen achwäche nahm und aus der air wägung, dass die 
römische Herrschaft und ihr Vorteil besser bei ihm aufgehoben 
sein würde, als bei dem tapfera und grosser Taten fähigen Arie 
tobulos oder auch, wann die Regierung in die Hand des Volkes 



-s 



82 
gelefrt wvirdef hielt sie dennoch so lanpe mit vVorten hin, bie er 
alles Land ringsun erobert hattOfUnd rille festen Srädte in Ju- 
aäa von AristobuloB in seine Kand bekam. i0.s dann seine^ Regio- 
nen nah vor Jorusalem 0&lan(5tan und .*iristobuloö wieder vor ihn: 
mit der Bitte erschien, ihm die Herrschaft zu belassen und ihm 
eine gropse ounne anbot, hielt er ihn bei sich zurück und achick'| 
te einifre seiner TIn terfiihrer in die Ctadt, um das ^eld zu ho- 
len. Doch aas Volk hatte die Tore geschlossen und liess sie nich 
herein. La erzürnte Ponpejus und liess Aristobulos fesseln, ge- 
gen die atadt aber richtete er rasch Belagerun^j^siterke auf, ua 
sie zu unterwerfen. IM das Volk verwirrt und geteilt war, ein 
Teilt der hinter Ilyrkanos standt riet die Tore vor den Römern, 
diesen Bezwin^rem der V/elt , zu öffnen, ein anderer Teil^der 
Aristobulos anhing war entschlossen zu kämpfen, konnte sich a- 
bei* nicht durchsetzen, da er in Minderheit war, so flüchteten 
sie denn auf den Tempelberg und brachen die Brücken ab, der 
andere Teil öffViete den Römern die Tore und verband sich mit 
Ihnen, un den Tempel zu belagern. TTachdera die T^ela^trerung nach al- 
len Regeln der Kriegskunst drei Mon-»te fortgesetzt wurde, er- 
oberten sie den Tempel nach den Aufzeichnungen der Schriftge- 
lehrten am grossen i'esttag ( vermutlich am Versöhnungstag) des 
Jahres 243 griechisch r Zeitrechnung, hunderteinunddreissig Jah- 
re vor der Zerstörung durch Titus. - Josephus erzählt, dass im 
Laufe der ganzen Belagerung der Twpel dienst , Prühopf er, Spei- 
seopfer, iiinchaopfer und die Trenkopfer keinen Tag gestorsi wa- 
rerif ja dass sogar während der i^oberung und des grossen Mor- 
dens als ungeheure Hennen Fenschen sowohl durch die Homer als 
auch durch die eigenen Brüder der Anhang des Ilyrkanos getötet 
wurden, hätten die priest er liehen Wachen und die diensttuenden 
Priester ihre Plätze nicht verlassen. Sie sahen ihre Brüder fal- 
len und wussten,dass sie das gleiche er war t et e« Hessen sich 



83 
aber im Dienste nicht stören t so dass Pompejus ron Staunen 
ergriffen niarde und rie^e fon ihnent eile lebendig ergriffen 
ifurdent am Leben liess. t nur die i?*ührer des /vnhangs des Aris* 
tobulos liess er heimlich töten t unter ihnen den Sohn des Jo- 
chanan Hyrkanost Abisalom, den Schwieg^ errat er des Aristobulos, 
der damals noch lebte* iirwähnensi?ört ist aus den Chroniken die- '• 
ser Zeit noch Folgendes: als Porapejus saht diass die Belagerten ' 
auch am Sabath und an Festtagen kämpften und sich tapfer ver- 
teidigten, w«Tin der Kampf uniiflttalbar herantrat, sonst aber an 
den /^ehelll/^ten Ta^en sich Yollig ruhig Terhielten und kein Be- 
lagerung? s^erk hinderten, i9ie es an Wochentagen geschah, be- 
schloss er an den Gabath- und Feiertagen den Kampf auszusetzen 
und in dieser Zeit nur Aussen^erke aufzurichten und auszubauen, 
die Gräben zu füllen , Bäuine zu fällen, Ttirme zu bauen und sie 
mit Stum-und Angriffsnaffen zu yersehen, ^rin er sich röllig 
ungestört fand, ^s irird ferner ermahnt, dass er d^Ä zur Be- 
schleunigung des Sturmangriffs gezwungen nar, vor üjinbruch des 
Winters, da er sonst die Belagerung hätte abbrechen müssen. 
Uebereinstiinmend wird von allen Chronisten berichtet , dass Pon- 
pejus lÄhrend der Eroberung in den Tempel eindrang und bis 
ZWB All erheiligsten kam, dass er es aber dennoch nicht wagte, 
an den Tempelschatz und an die helligen Geräte Hand zu legen. 
Ja sogar liess er am darauf folgenden Tage den Berg von den 
Leichen, die mit zwölftausend beziffert wer den , säub ern , den 
Ti»rpel und die Hallen von aller Unreinheit reinigen und den 
Ttffipel dienst wiederherstellen. JX>ch über das Land verfügte die- 
ser von den feindlichen Brüdern selbstgewählte dichter n^^ch sei- 
nem Willen, Üe in Cölesgrien von ihrem Vater Jannai eroberten 
Städte gab Porapejus an Syrien zurück, *s zur römischen Pro- 
vinz erklärt, und dem Befehl des Caurus , einem seiner Unter - 
feldherrn, Unterst eilt wurde. Üe Ilauer von Jerusalem ^^rurde ge- 



84 
schleift, Hyrkanos wurde zum Hohepriester und Pursten des Vok- 
ke» f jedoch ohne königlichen Titel ernannt t den -^ori8tobulos 
aber und seine oöhne führte PompeJUB nach liom mitt vm sie dort 
in seinem Triuumphzug einzureihen« Auch t1«1 Silber erhielten 
er und seine 5*eldherm Ton Hyrkanost ausser Jenem goldenen 
Weinstock, den ilin Aristobulos zuerst verehrt hatte, ein weih- ; 
geschenk des Königs Alexander jAnnai, das im Tempel ausgestölÄi 
^lar, und den der Sieger unter anderen Trophäen is Tempel in 
Rom aufstellen liess# - 3o beugte unser Volk Ton selbst seinen 
Nacken unter das rönische Joch. Während rjie ersten des Hauses 
der Hasmonäer Jonathan, sein Bruder Simon und Jochanan Hyrka- 
nos sein Sohn manchmal mit den Römern Verträge schlössen, als 
Bundesgenosse! gleichen iianges, um gegen die frevelhaften Ue- 
bergriffe und Bedrangungen der Gyri sehen Könige und der grie-| 
Chi sehen Städte zusannenzuhalten un d V/i derstand zu leisten 
( worüber in der Geschichte und bei Josephus dokumentarische 
Zeugnisse sich finden ), wurden ihre i^uchfolger iknecatti aer 
Römer und ihnen in V/irklichkeit Untertan von der Zeit des Pon* 
pejus «h an und gerieten unter die Botmässigkeit der Römer und 
ihrer syrisch«! IConsuln. ü cht er i seh hat Raschi in seinen Kom- 
mentar des PsalTQTorses: *• Jch kenne mich nicht mehr aus, du 
hast mich zum Wagen der rornehmen Völker gemacht»«, dieses böse 
jreignis ausgedrückt i die Gemeinschaft Jsraels klagt: « Jch 
konnte mich ror der Sünde nicht, wahren, dass ich für meine 
Khre und für meine Herrschaft einstehe, ich bin gestrauchelt 
an grundlosem Hass und an der Zwietracht, die bei den Königen 
des Hauses der Hasmonäer Hyrlianos und Aristobulos demassen 



überhand geno 



haben, d^ss sie das Römische Jmperium über 



uns gebracht hatten, von ihm das Königtum empfinden und ihre 
Knechte wurden« Und seit dew hat du mich zum \lÄren gemacht , 
auf dem die Tomehmen der Völker fahren." 



85 



üeit jenem Zcitpun^ct - dem Jahre :549 • hatte Hyrkanos das Hohe- 
priesteramt und die fürstliche V/ürde noch dreiundz^ranzig Jah- 
re inne, doch die Führung des I^Endes lag in V/irklichkeit in 
der Iland des t<<tkr£,ftigen Antipater, der von den aömern Amt 
und^/ürde und den Titel eines Landpflegers erhielt und seine aöh'j 
Yie in hohe Aemter einsetztet jeden in seinen Gebiet. Zu dieser 
Zeit ^ren die beiden Häupter der zwei Akadetnlen Scheciaja und 
Ahtalion, fromnet gerechte Känner derwtifren HerzenB, die auß 
Proselvten-Panilien ahster^nten. Aus ihren Lehrsv^rüchen, ^vie sie 
in der lUschna Aboth ur. d aus anderen .Erzählungen im Talnud über- 
liefert sind, ist klar zu entiiehjnen, dass sie Verächter der 
Herrschsucht und iTriedenstifter waren und nicht im geringsten 
bestrebt, in politischen An^relegenheiten liinfluss zu gewinnen. 
\Vas noch weiterhin berterkenswert ist ist,dP.S8 sie sogar ihren 
jüngeren Lvchülern , deren iinthusiasmus und .i^inbilduncskraft ihr 
unreifes Wisseii überwog und sie zum x^ifer und Udbertröioön ge- 
neigt Hixchten, mit grosser i^iaoh^icht begegneten. Jiese milden 
Sitten der grossen Lehrer standen in schroffsten Gegensatz zu 
der I-Iandlungö^veise ihrer Vorgänger und Nachfolger • - Und so wäre 
das Land Tielleicht noch jetzt wenirstens zur Ruhe und einiger 
Wohlfahrt zurückgekehrt, hätten die Keine des iTrevels und der 
Wirren zu dieser Zeit nicht im ganzen Römischen Reich üppige 
Blüten ^trieben, besonders im Hailigen I^nde, das seit langem 
Anlass zu jeder ^t Uraöturz und Verderbnis gab. Auf der einen 
3eite waren Aristobulos una seine Söhne Alexander um ^ntigonus 
erbitterte Gegner , *.Vi der sacher, die das Land im Laufe dieser 
ganzen Zeit kriegerisch in nt«ii hielten und und Terheerend dar- 
in einbrachen, einmal flohen sie aus ihrer römischen Haft, ein 
andermal ^vurden sie freigelf^ssen und kehrten mit Hilfe der Par- 
tei In Rom, die bei einem TT«turz von ^11 zu ^11 die Oberhand 
gewann, ins Land zurück. Zuerst durch den Sieg des Juli* Ceasar 



86 
über Pompejus $ dann nach der ISrnordunfr de» Julius Ceasar, ge- 
i^ennen eein© ILörder die Oberhand und er^^riffen de Herrschaft 
auch im Osten, schliesslich veränderte sich der all^refneine Zu-| 
stand noch einmal durch den 3ieß des Antonius und Augustus 
über die Versch^förer» Andererseits aber begannen die ixömer 
selbst mit nepre8salien,jif der Peldherr oder ivonsulf der aus 
dorn nach Syrien kam, bedrückte d^a Volk mit schweren Abgaben, 
ciie ihnen nicht n^-^ch Gerechti^r^rei t u^ nach ein<^r nassvollen Ord| 
nun^ , sondern will^n'^rlichr un-.^ au« Ruahlust auferlegt Y?urden. 
Dabei "war JudJ'.A dem äusseren Anschein nach ?!?^^i irrsten© noch 
ein unabhänpif^es Lend und als römir^^^her "^un desfTononse selbst- 
stabdig, und^enn es zufallen auch ceschnh, dasa der römische 
Staat ein^^riff und einen Befehlshaber abrief und bestrafte, ver 
fuhr sein Nachfol{3:er in dieser Zeit der vVirren nur noch iibler* 
So Tiird von dem j^eldherrn Graasus, der auf Gabinius, dem z-^ei- 
ten Prokonsul in Syrien gefolrt ^«lar erzc^hlt, dasf^ ot untjr dem 
Vorwand drin^^onde ^^ubsidien für e. ein an xCiieg gegen die ir^s-rther 
zu brauch :}n, den ?<»npel schätz besohlagnahmen wollte, und äßQ^ 
Eleazar, der treue '/erwalter pich mit Ihm verfiileichen habe, 
ihm einen grossen r;oldbarrer von siebentausend Pfund t dl e er 
unter der och^j^elle des Tempels r^ry-nTgen r'?halt--n, zu ^eben, 
schliesslich habe aber der beutegierige Tyrann seinen Ji d ge- 
brochen und den ganzen Tenp^lschatz (reraubt# Gold und Silber 
und kostbare Geräte im Werte et;/a von 15 Millionen unseres 
heutir<^n Goldes- lÄS ^mx Jener heilige Tempelschatz, den die 
Priester treulich seit d en Zeiton der Unabhängigkeit itn Vor- 
laufe von fast hundert Jahren gesammelt und der aus den Spen- 
den allr^r iiJcil<T*^einden und au5 den Geschenken und Gaben aller 
Kdnie*e und fr^nden Volker bestand ( es war ilblich, diese Gaben 
vielfach in den berühmten Tempel in Jerusalem zu schicken, "wi o 
der Prophet es vorverkiln clet hatte: ''Die '^»hTfi dieses letzten 
Hauses wird grösser sein, als de« ersten.." { Biesen Schatz 



87 
hat Pompejus bei der £;innahne des Tempelberfres unangetastet 
Gelassen, daPit er zehn Jahre später dem T:,^*nnen Crasaus in ± 
die Hände fiel. 3le Chronisten erzählen, dass CraRSUs und sein 
Heer Ton den Parthern geschlacen iwrde und eine Niederlage er- 
litten hätte, ^ie sie rernlchtender das römische Heer bis da- 
hin nicht erlebt hatte, was als ein Zeichen unu ein wunder an- 
gesehen ^Hurde. Aber auch später, als Cassius einer der Mörder 
Ceasars die Ver-valtune d es Oriente übernahm, belegte er die Lan- 
der, darunter auch Judaa mit so schweren Abgaben, dass vier 
Städte mit ihren -:;inwohnern in die Sklarerei rerkau n wurden, 
T,eil sie ausserstande waren, die ihnen auferlegten Tribute zu 
zahlen, oie wurden erst;^ wieder befreit, nach dem Siege des 
Antonius und des Augustus, der Rächer Caesars. - Was aber den 
ein drinft enden udtaern die Unterwerfung des Volkes erleichterte, 
^r die innere 3"eind8Chaft in ihm selbst und zwar der Hass und 
die Uiralität gepe" Antlpater und seine Üdhne. besonuers abar 
geffen Herodes, aar d«r tatkr;.ftig»te und gewalttätigste untor 
ihnen war. Denn sobald ein neuer syrischer Prokonsul oder einer 
der Oberfeldherren aus Rom erschien, rersainrnelt ^ sich dfts Yolk 
nit seinen Aufhetzem zu hun dert «n , um r-«rm '3en Landpfleeer 
und die aouTerneure , seine Söhne, Klage zu führen und ihre Ab- 
Setzung zu fordern. Und wenngleich sie zu guterletzt kein Gehör 
fanden und die rebellierenden und die Klageführ an den gefanren 
gesetzt und zumeist getötet wurden, so waren Antipater und 
seine Söhne ( deren Rührung um diese Zeit nach Massgabe der 
Umstände eher gut als schlecht war ) .durch eben diese Ankla- 
gen -ezwunpen, sich die Gunst der Römer und die Geneigtheit *o- 
des siegenden Feldherrn zu erkaufen, beTor er sie noch Tor sein 
Gericht berufen hätte und sie Rede und Antwort hätten stehen 
Bussen, indem sie ihnen mit Stellunr von Heeren, ^7affen undLe- 
hensmi teln an die Hand glnrcen und ihnen bei der Ausführung 
ihrer iKnechläge behilflich waren. Jn dessen erschöpfte sich d 



e 



33 



Kraft des Landes auch in diesen dreiundZTianziß Jahren der Re- 
gierung des Hyrkanos allmählich immer mehr, bis zum Jahre 272 
griechischer Zeitrechnung als die Parther den iiuphrat über- 
schritten und ganz Syrien von den Römern, die durch den Bürger- 
krieg geschieht ^ren, erobert an. Üe Parther »etzten .^tigonuo. 
den Sohn des /o-istobulos, der als der einzige ron dessen iQn- 
dern in Judaa übrig peblle>^er ^r, zum König ein und auf seine 
Bitte wurde Hyrkanos ergriffen, es ^r^ien Ihtn die Ohren abce- 
scbnitten, damit er für den Priest er dienst untaugMch ^rde, 
und sie führte ihn nach Babylon fort. Die babylonische Sxilge- 
Qeinde empfing ihn mit Khren und er yerblieb bei ihnen bis er 
beim Regierunesan tritt des Ilerodes aus eigenem Willen zurück- 
kehrte. Paphuel jedoch (Phajael ), der älteste Sohn des schon 
vorher gestorbenen Antipater, der Befehlshaber ron Jerusalem , 
wurde getötet. - Als der Sohn Antipater», Herodes, erkannte ,daos 
er gegen den König Antigonus nichts ausrichten yi-rde una dass 
seinem Hause Untergang drohte, beschloss er seine Frauen und 
Söhne nach der Festung ;5doms, aus dem er abstammte , in den 
Schutz seines Bruders Joseph zu schlcVen, er s elbst tb«r floh 
allein über Alexandrlen nach Rom, in der klugen Srnägung, dass 
die Parther auf der Südseite des iJviphrats sich nicht langd 
»erden Vfclten können und dass die Römer zuletzt die Uebernacht 
■behalten, um die Herren dieser Lancier wieder einzusetzen. Bei 
seiner Ankunft In Rom gedachte er, sich für die Rückgabe der 
Herrschaft an Aristobulos, des Enkels der Söhne Jannais einzu- 
setzen, der noch ein iinabe war ( denn die lochtör das Hyrkanos 
war Termählt mit Alexander dem Sohn des Aristobulos, der eben- 
falls in Kampf gegen seinen "Bruder, den König, gefallen war.) 
Jedoch die römischen grossen oenatiren ■'andffn es ^'»r klftger ei- 
nen tatkräftigen starken Kann, der mit Rom befreundet und Ihm 
Dank schuldig war, zu haben und ihn als König in einem in seinen 



89 

Grenzen nicht zu ein(!:een£rten Lande einzusetzen, daait sein 
Wille und seine Kraft ihnen in gleicher .Vcise dienen und sie 
in ihren Käinpfen geßen die Parther unterstützen sollte. Ites- 
halb lehnten sie es ab, die königliche Würde einem Angehöri- 
gen des Hauses der Hasmonaer zurückzugehen, sondern richteten 
ihr Augenmerk auf den Mann, der ror ihnen stand, dessen Vater, 
und der selbst ihnen stets treu gedient hatte- Nachdem sie deb 
Beschluss gefaöst hatten ihn in Judäa mit Titel und Viürdeij 
eines Königs einzusetzen, mrr de er auf d^s Kapitol, ihren ror- 
nehnsten Tempel gef^-hrt und dort krönten sie Ihn zur? König. 
Und Antonius und Augustus und die anderen römischen Sdlen 
und Praetor en riefen ihn zum König ron Judäa aus. UßB ge- 
scha ira Jahre 273 griechischer Zeitrechnung. Herodes blieb 

(»rauf nur 8 Tage in Rom und kehrte d^nn in die Heimat zurück, 

er 
von zv;ei römischen Legionen begleitet, nachdem mx durch die 

Entscheidung Roms aus einem elenden Flüchtling in einen ge- 
krönten König rer^Ändelt worden war. Bei seineJt* uückk^iiiar nach 
judäa ("kffie Parther imren indessen langst mit ihren Heeren nach 
dem Ostufer des 3uphrats zurückgekehrt) hatte er noch einen 
Kampf auszuk^ünpfen gegen Antigonus, der in Jerusalem regierte, 
der nicht aufhörte ihm Widerstand zu leisten, sowohl in offenem 
Kampf , als d^rch Bestechungen und einnehmenden Reden an die 
römischen Fel<fiie»ren , um sie von der Unterstützung seines Geg- 
ners , dem Usurpator seiner Krone abzuhalten. Schliesslich ge- 
lang es Herodes ein eigenes Heer zu sammeln und den syrischen 
Stadthalter Sbusius mit einem römischen Hilfsheer unter seinem 
Befehl für sich zu g^tjwinnen. Sie vereinigten sich und belager- 
ten Jerusalem. Wenngleich Antigonus seine Kriegsmacht verstärk- 
te, Nahrungsmittel undV/affen häufte, und die Belagerungswerke 
seiner feinde In Brand stechen konnte, YTurde die untere Stodt 
nach z^ei T'onaten dennoch erobert. Die Bela^rerten zogen sich 
auf den oberen Markt und auf den T^pelberg zurück und Herodes 



90 

hörte nicht auf .ihnen Frieden anzubieten und Schafe und Rin- 
der für die Tempelopfer zu schicken. Ale Jedoch die Gegner 
hartnackig blieben und es ablehnten zu öffnen und ]?rieden zu 
»chliessen. entbrannte der Zorn der belagernden .vömer, sie grif- 
fen heftig an und eroberten den Heet der otadt und den Berg und 
<^nn floss *8 Blut so reichlich, daes sogar der an Blut ge- 
lohnte Herodes selbst .nachdem er seine« Rachedurst i« Ueber- 
««SS pefröhnt und to» Blute seiner früheren ^«unde unter irel- 
chen berühmte Gelehrte und Mitglieder des Synedrions aus allen 
drei Sekten sich befanden, gesättigt ,*r. das siegreiche Heer 
bat. das Uorden und Plündern einzustellen, da^it er nicht sein 
icöni^liches MX anträte über einer zerstörten und rer^üsteten 
Stadt, und er gelobte aus seinem eigenen Schatz Jeden .on ihnen 
,u belohnen, ^s er auch tat. S^sius und s.ine Unterführer 
entsühnten sich ihrerseits durch Gaben an den Tempelsohatz, 
der durch den Raub des Crassus TÖllig entleert ^. ü* ^rob- ■ 
rung der 3tadt und des Tempels durch nbsius den R8«er und des 
zu« K5nig in Jsrael eingesetzten Ilerodes geschah In, Jahre 275 
griechischer Zeitrechnung, sechsundz^nzig Jahre nach der Erobe- 
rung der Stadt durch Pompejus, hundert fünf Jahre Tor der end- 
^IXigen Zerstörung, ^r letzte König aus de. Hause der Has^o- 
^,r , Antigonus. der drei Jahre und drei Monate regierte.^r- 
,e .or den Römern gerichtet und getötet, nachden er sich auf 
.en Sieger Sosius gestürzt und ihn beschimpft hatte. I«nit 
„ah. die Herrschaft der Has»on.ar d^ast i • ein ^de. die Oie 
ersten- und Königs^rde und *s Hohepriesteraat ro. J^e 
( als Si.on die ^rsten.ürde durch das Volk übertragen er- 
Hielte bis zu. Jahre ^5 inne hatte, i« — ^-^«'^ ^' 
^ei Jahre in üebereinstim^^ng «it der Berechnung unserer 



91 



So köhrt dwroh göttlichen Retscliluss noch einnel das Königtum 
zu J»r»9l zurück, und zi*r in die Hand ainer (phöni zischen ) ^ 
Pro89lyten-?aniilie aus Aokalon Ton edomitischer Ahatamriunc, die 
erst zur Zeit des Jochanan Hyrkanos zum Judentum übergetreten 
i»r. J)ör erste aus dieser Familie ist Herodes der Sohn dus .*- 
tipater, den seine Prounde den Grossen nennen, er er^ieiterte 
die Grenzen Jsraels und brachte die kleineren und hösen Kach. 
harn d«8 Landes unter seine Bottnässi^kei t,ihm gelang es auch, 
die Ahhängiglceit und die Knechtschaft ron Rom unter der Hülle 
seiner Grösse zu rerbergen, da Rom ihn mit grosser Ehrerbietung 
behandelte, und iwnnglSich auch -uf ihm die Abgaben an Hilfs- 
heeren. Geld und Lebensmitteln für ihre Kriege reichlich las- 
teten, so i*r es doch nicht in der ?orm eines reßelmässigen/ 
Tributs. Sie hörten auch ganz auf . als das römische Imperium 
in die Hand des AUgustus kam und friedlichere Zeiten anbrachen, 
jn die inneren ^gelegenheiten des Landes und der atadt misch- 
ten sich die aömer zur Zeit des Herodes ganz und ef^r nicht 
mehr. Die Geschichte des Herodes, seiner Kriege, seiner ^Wohl- 
fahrt seinrichtungen und seiner PreTel fregen das Volk, seine 
Grausamkeit ge.^en die Familie der Hasmonäer, die er völlig 
ausrottete und auch gegen seinS eigene/« Nachkommenschaft, sei- 
„e St.dtehauten, die Errichtung ron grossartigen Märkten und 
prächtigen Tempeln ( besonders des Tempels in Jerusalem), den 
er von Grund auf in einer unrergl eichlichen Pracht .3cho«heit 

-11^ Mala .Inee sind aus der allge^ 
und Vollendunc erneuerte , alle diese Jlnge 

.einen Geschichte und aus unseror eigenen in ihrer Mannigfal- 
tigkeit bekannt, .ir aber ^Uen im Sinne unserer Betrachtun, 
die den inneren Zustand des Volkes untersuchen soll, uns .ei- 
terhin b emühen. auf zuklär en.,ie sich jährend der lan.en Regie- 
rungszeit des Herodes. --Teg und geistige Richtung ^ai uns im- 
mer «ehr reränderte, „ie Purcht und Hoffnung, diese beiden 



92 
starken Triebfedern,80-.ohl auf die jHihrenden und Vornehmen 
und als auch auf das ganze Volk gtewirlct haben, so dass Ged^n- 
ken und Absichten in Beziehung und Anschauungen . Sitten und 
moralischen Zustand in die Jrre geraten. Wir wollen rersuchen 
durch eine kritische Prüfune der Geschichte dieser Zeit, der 
Geschehnisse und Taten eini e ?est8tellun<'en zu machen, ^ino 
schwieripe Aufgabe, die kaur, r-^Un-en kann bei der Ferne der 
Zeit und bei dem auffallenden üanpel an eigenen schriftlichen 
Zeugnissen . Joaephus, der einzige . der die Geschehnisse auf- 
gezeichnet hat , beschränkt sich bloss auf die politischen, 
und auch diese erscheinen nicht im rechten Zusammenhang ihrer 
Ursachen und Polßen. Bei aller Pulle der Tatsachen sagt er 

, ^^ -w ,. J-« rmint aus. der die Unge in Bewegung setz- 
fast nicht» über den deist aus, aox u^o 

te. 

Bekannt ist dar Ausspruch unserer Weisen;" Den ersten ( den 

Männern des ersten Tempels), da ihre Sünde ( durch die Tom ^ei- 
ligen Geist inspirierten Chronisten ) enthüllt wurde, ist 
auch ihrt ^de offenbart worden; wenngleich an einer anderen 
Stelle diese Sdnde '^ndgetan und zusammenfassend als - grund- 
loser Haes" bezeichnet wird- Jndem wir nun die Augen zu ihm 
erheben, der den in Treu die Vahrheit Suchendan die Wege er- 

leuchtet, wollen wir fortfahren» 

* * A^mm itfLHrtfid der ganzen langen 
■^ir haben bereits angedeutet, dass wahrend ae 

zeit des Bestandes des ..eiten T.npels der materielle Hi^.er- 
,ang Hand in Hand «it d«n goisti.en Verfall ging, ^s Volk hat- 
,e die ^Pfindunc, dass an den Bildern gemessen, in denen die 
ersten Propheten Jsraels .rettung für Weltzeit in ihrer Ver- 
kündigung geschaut hatten, die erfolgte Lösung un^U.ommen 
^r, und aas wiedererstandene K«nlgtu. zu keiner Zeit auch 
„ur im ..ntfemtesten d«. glich, das man nach den Helligen 
Schriften erhoffte. Man muss ferner wissen, dass schon nach ^ 



93 
der «raten Hückkehr der Verbannten aus Babylon und noch eine 
ganze Zeit später eine einzige Ho fnung und iirwartung sich im- 
mer mehr steigerte» dass näinlich ein Hohepriester, auf dem der 
Heilige Geist ruhte, mit den Urim und Tumim geschmückt, er- 
scheinen verde; zumal es das dringendste und unmittelbarste 



Bedürfnis dieses Moments 



, das Heiligtum un a seinen heiligen 



iienst nach den ursprünglichen Vorstellungen einzurichten und 

zu begründen, vas jedoch bei dem TÖllip- veränderten Zustand 

der Hinge nicht gelin>^en Vonnte* 'Tir finden aucVi den Vers in 

dar Schrift I Und es sprach Hataraschta zu ihnen, dass sie nicht 

essen sollen vom Heiligsten, bis der Priester mit den Urim und 

Tumim vor ihnen stünde*'' Zur xingefähr gleichen Zeit stärkt 

und 
diese Hoffnung/^vartung der letzte der Propheten: •♦ Plötzlich 

wird in seinem Tempel erscheinen der Herr, nach dem 
ihr verlang, und der 2n/jel des Bundes, nach deirj ihr üuch seh- 
net •.. Und wird reini-en die liöhiie Levis und sie aufrichten •«• - 
Aber auch von dem allgemeinen politischen Zustand hatten sie 
die starke und unabweisbare ^^pf in düng, dass er im Argen liege; 
wie es auch i^sra, der "^eund und rrünatlin^ des r>ros8königs,in 
seinem Gebet ausgatfrückt hat: « Denn wir sind "-fechte und in 
unserer Knechtschaft haben wir unseren Gott nicht verlassen*'. 
Und als sie den Bund schlössen, die Gebote der V/ eisung wieder 
sorgfältig zu beobachten, heisst es in der Niederschrift dar- 
über; " Wir sind heute Knechte und im Land, das du unseren Vor- 
fahren gegeben hast, seine i^'rüchtie zu essen und »eine Güter 
zu geniessen. nör wir sind Knechte ... Dennoch beschworen wir 
Treue und schreiben dieses auf, und unsere Lewiten und iHirsten 
besiet-eln es-.. "" Aus alled^n und auch aus den Denunziationen 
der Häuptlinge der Samariter gegen TTechemia, den Statthalt er, 
dass er nach der TTerrschaft strebe und Propheten aufstelle. 
Ihn zum König in Juda auszurufen, ersehen wir, dass die heisse 



94 

Liebe zura Land und die Sehnsucht nach seiner Befreiunc so 



tief im Herzen des Volkes eingesenkt 



f dass einzig die 



Hoffnung es belebte» aus seiner :iitte nerde ein grosser Konig 
erstehen! der es erlösen und seinen Kampf kämpfen nerde» er, 
der Terheissene König aus dem Stararae Davids. Denn alle Prophe- 
ten und heiligen Schriften, die sie in der Hand hatten »künde- 
ten übereinstimmend, dass der Herr nur mit Dawi d und seiner 
Nachf elfter den "Rund der iwreltzeltlichen Herrschaft über Jsrael 
geschlossen habe, rrleleh-wle mit Aaron über das Priestertum 
und mit Pinchas über das Hohepriester tum. 

SS darf auch daraUf hingenissen nerden, dass noch lange nach 
der Rückkehr der Verbannten unter den Heimgekehrten im Heili- 
gen Lande Persönlichkeiten lebten, die nicht nur als von Da- 
wid abstanmend, sondern als direkte Nachkommen Salomos bekannt 
Tiaren, wenngleich sie im Laufe der Zeit an Hang rerloren und 
nicht mehr die Bedeutung hatten, nie zur Zeit der Hückköhr* ^^c 
Auch in der Stammtafel , die uns in den Chronika erhalten ge- 
blieben ist, sind uns die Mamen Ton mindestens sieben ( Ter- 
rautlich sogar von zehn > rjeschl echtem Ton 6m TInkel Jechon- 
Jas, 3erubabel»ab überliefert, der der ^hrer des ersten Zuges 
aus Babylon war* Und Aufzeichnung dieser Abfolge ist, nie es 
scheint, bis zum Höhepunkt der Preihei tskäwpfe gegen die Grie- 
chen fortg^ führt norden. Der in Babylon rerbli ebene Zneig der 
Torn ebnen S'arailie hat dort auch seinen Rang dauernd behauptet 
und stand bei allen iixil-Zentren jenseits des x.uphrat in 
höchstem Ansehen. Seine lÄitglieder blieben (nach dem Zeugnis 
der Chronik) Häupter der Zxilgemeinden nährend der ganzen 
Dauer des Z eiten Tempels, auch nach seiner Zerstörung bis 
zu den letzten Zeiten der parischen Dynastie und später noch 
unter den Taliren» fast tausend Jahre lanpr, bis zu "^nde der 
Cxaonim-Zeit. 3o ist es uns Jedenfalls aus der Geschichte be- 
kannt und überliefert. 



95 
Kehren wir nun ziim unserem Thema zurück» Hir haben bereits er- 
nahntfdass selbst als die Hasmonäer sich die Königskrone auf- 
setztentdas Volk keine Preude darüber bezeugte und diese iir» 
höhun^ im Herzen missbilligte» Wenn nun ueder das Volk noch 
die Vornehmen wirkliche Teilnahme enpfandent als d^s Königtum 
Ton den siegruichen r^riestern, die das Joch der C/riechen ange- 
schüttelt hat t en f ern eu er t wurdet wie mochte es erst sein»als 
jetzt ein glatter, rerschla^ener Mann die Herrschaft dadruch 
erlanfrt;^ hattet iass er den Röra^rn Bclmel chelte! Dftzu ein :5^em- 
der der Abstamnung nach, nur Yon der Mutter her vom Samen Jaa- 
kobst ein Mann, der in allen grundsätzlichen Lebensbedingungen 
nicht nach israelitischer Sitte, sondern nach den Gesetzen 
Roms sich richtete, das ihm zur llacht und zur Krone rerholfen 
hatte. Zwar ^ird der einsichtige nicht leugnen können, dass 
Herodest '^erin auch von Natur grausam, sich doch keine solchen 
PreTel fT.ee:Qn das Volk hatte zu Schulden kommen lassen, wie 
Al«x*nder Jannai, auch haben die Nachfolger des xierodes den 
Hacken nicht unter ein neues Joch beugen lassen, wie es die 
Kinder Jannai s retan, vielmehr wa ren alle Aj:«gehörigen des 
Eerodes stets bem^*'ht,aie ^unst des Volkes, ©einer Lehrer und 
Weisen zu gewinnen, indem sie den Tempel und die Stadt aus- 
bauten und erweiterten und zu Zeiten von Hungersnot und 
Kriegsstum für die Wohlfahrt des Volkes nach Möglichkeit 
Sorge tru^ren ( rühmte sich doch Kerodes, dass die Hasmonäer 
im Laufe ihrer Herrsclmft ,die hundertfünfundzwanzig Jahre 
geÄwert hatte, nichts für die Jn s t an dhaltung und Verbesse- 
rung da» TÄÄipas getan hätten) und c^rüber hinaus auch für 
aiile unter römischer Herrschaft gestandenen Üaspora-Gemoin- 
dan sich einsetzten und über sie schützend ihre Hand hielten, 
tTotT alledem seh^ wir einen tiefen erlichen Hass des Volkes 
gegen Herodes und sein Haus entbrennen, einen weit grösseren 
Hass, als er Je gegen die Letzten der Hasmonäer- Dynastie ent- 



96 
facht «rden konnte. Der Orund *für ist einleuchtend, denn 
Wurzel und Anfan{!: der Herrschaft der Hasmonäer nar goit und eh- 
renvoll, und ^enn sie sich mit den beiden höchsten ^Vürden zur 
el(?enen TiJhre und zun Ruhr, des Volkes krönten, so geschah es doch 
ICraft ihres eigenen Axries und mit Hilfe der Profanen und der 



^-iriester, die zu ihnen standen, jjoch der Ursprung der falsch 



en 



arpsse, die jotzt erstand, war von Anfang an ein fremdes Volk, 
das Alle hedrückte, sein Joch allen Völkern aufzwang, und \ier 
die Herrschaft im Lande erstrehte, riusste sie durch Untermlr- 
figkeit, Schmeichelei und Anpassunr an röraiRche Lehensforraen 
von ihn zu erlangen suchen. Hatten schon die H^ismonäer stets 
den Arg^wohn erregt, dass sie der Sekte der Sadduzäer zuneigten, 
um wieviel mehr musste man von Misstrauen gegen diese Prosely- 
ton erfüllt sein, die ra&n für fähig hielt, das Volk von Gooetg 
und Sitten ihrer Vorfahren abwendig zu machen und den Gesetzen 
des fremden fernen Volkes zu unterwerfen, das die Dynastie ge- 
schaffen und'nit Würden und fürstlichen Einkünften beschenket 
hatte. Dabei war der Bestand ihre^ Kerr^nhaft nicht einmal ge- 
sichert, denn die Römer liersen die Kcnig?*.würde in der ^'amilie 
des ITerodes so lanre von einem zum anderri ifan'^lern,hl8 äie Un- 
abhängigkeit vollends verloren ging. 

Perner muss in Betracht gezogen werden, dass mit dem Nieder- 
gang des königlichen .^nsehens im Volke in dieser Zeit auch 
die \Vürde des Hohepriestertums im steten Sinken nar. J)enn seit- 
dem das Haus der Hasmonäer durch Her ödes vernichtet irorden ^nar 
und die lirenennung der Hohepriester in seiner Hand, später in 
der Hand seiner i^achfolger und in der der römischen ^^chthabar 
lag, sank der Glanz des Priestertums in den Staub dahin. Prie- 
ster '<«?urden ernannt und abgesetzt, die -^ahl lag einzig in der 
Willki^r des TTerrsch:»rs und von äusseren TTmständen abhängig, tto- 
bei am wenigstens darauf geachtet wurde, ob di e f^r »s höch- 
ste Amt des Heiligen Dienstes (Gewählten dessen würdig waren 



97 
odeJD nicht. Das kann mit verschiedenen Stellen bai unseren 
Welsen und hei Josephus belerct Tieriön. Vir wollen hier nur 
ein Beispiel anrühren das bezeugt, in T?elchem Eaese die höch- 
ste v/iirde zinri Gespött beim Volke geworden war: Jene Halle des 
TempelSf die zur ^^ri rat -wohn un^ ues Hohepri estvsrs bestimmt T»ar, 
wurde 7.u gewißsen Zeiten di a 'Halle der Buhleulen* genannt, um 
dadurch auszu drückefn, dass der Rani^ de« Hohepri estera zum pro- 
fanen lear'trtntiim herabgesunken nar. Und später nannte man sie 



mit noch ätzendere?^ Hohn die Halle der 



, ein 



e 



Bezeichnung" rar niedere Aufseher auf daa Obstiöarkt, die jeden 
MoriBit vvechselten» Aus alledem können viir schli essen: wenn das 
Königtun, als \fclre es eine ?r em dh err schaf t , derart dem allge- 
meinen ItlBstrauen und der 'lissachtun^r ausgesetzt V9ar,da9 Hei- 
liijste zu Sl'Ott und ochimpf ^^evior den und -Jie Ijyaibole der höch- 



sten 7Airde i?iit Püssen getreten waren - 



v^ u a der • a*a.s s di e 



alte iioffnunt; \^ieder erstand uiid rait noch gröbserer Macht die 
Kerrien ül)3rac;nntei dass bald ein (rrooser imd Helfer erstehen 
■wrirda,der dieser un/reheuren 7orwi::rrunr und solch.^n :?r0Tel ein 
7:nde bereiten und eine neue Ordnunr- schr.^^an ^erde *? TTnd je 



ra 



ehr die Verderbnis in die zeitlichen und geistigen Ünge ein- 



riss, um so sti.rker Tjfuchs und drängte diese Jrwartunp, sowohl 
in d 3r Ilasfso als auch in den religiösen oe^-cten, bei Pharisäern, 
Sadduzäern, ^soäern bis zu den ;>ai!mritanarn. Je nachdem die 
Anschauun6;en diesor 3ekten von einander abv;ichen, erschien der 
vreg, auf den der erhoffte und ^r^ehnte eintreffen sollte, icur- 
7, er oder länger, und aer s^inn seines Koimriens una die Taten, die 
er YollbrinC'in sollte, erhielten ja nach Iletihode und Behandlung 
der üb. röieferten Lehre verschiedene Ausdeutung. Jedoch in al- 
len 3ekten standen plötzlich ITünner au^, welche die allgemeine 
Erwartung und Hoffnung nutzten, uin durch sie sich eine Anhän- 
gaschaft zu schaffen und eine grosse Menge Volkes ura sich zu 
scharen, so deiss die Verwirrung aufs Höchste steig und das 



98 
Land von blutigen Gasöhehnissen erfüllt wurde. £^b kam so weit, 
das» jeder beharzte und rerschlagene .iann, mochte er ein Vieh« 
hirt Oder ein \7egelaßerer seint eich für nicht zu gering hielt t 
als der ersehte Erlöser oder zumindest als sein iVegbereiter 
aufzutreten» li es e Wirren aus einer^i drängenden Gefühl der Zeit« 
wendet wie es iriit solcher Gewalt weder rorher noch sali nachher 
je zun Ausbruch gelan/rt istf begannen gleich nach d«s Tode des 
HerodeSf »'^Is seine schwer leisten !e Hand herabfielfimd .^»ie hör- 
ten bis zu ^:nde des l^ar-TTochba-iVifatandes nicht n^r au^. Das 
ist der Fluch, der diese Zeit besonders zeichnet, seine tiefste 
Ursache, die Niedertracht des ICönigturas, die .Erniedrigung des 
Priestertuns und der überwältigende V»Mnsch nach neuer Ordnung 
innerhalb einer reranderten Weltordnung, ijas und noch anderes: 
der Verfall des Dissens una der .Kenntnisse auf allen Gebieten, 
die Verwilderung des niederen Volkes, infolge Mangels jeder reli-- 
giösen und sittlichen i:;rziehung. üLe ^ueilen der »^leisheit Ter- . 
siegen, *s atudium und die Un t er -^ eisung im Gesetz lasst nach 
infolge der Kriege und Unruhen, die Land und Stadt dreissig 
Jahre lang in Atem halten: rora Jahre ^45 (griechischer Zeitrech- 
nung> an, als der Pawilienstrei t im Hause der Hasmonäer ausbrach 
bis 275f da der Tempel erobert und Herodes König in Jerusalem i 
wurde. Besonders seit dem Tode Schemajas und Abtali ons, der bei- 
den Oberhaupt er der Lehr statten zur Zeit des Hyrkanos, Sohn 
Jannais ,Tnehren sich die deutlichen Zeugnisse, wie erschreckend 
die Zahl der Schulen und der ;:>chüler abnimmt. Und uia das liass 
roll zu machen, hatte Herodes bei der Eroberung der atadt den 
^rrössten Teil der Lehrer und .»eisen, die seine Gegner waren, tö- 
ten lassen. Jiese tiefgreifenden ^rren bewirkten im Verlaufe 
Ton dreissig Jahren, dass die in einheitlicher Sprache und Ord- 
nung auf den hohen Hchulen gelehrten Hal^chott 7m ersten ^'al 
in Vergessenheit gerieten, mehr noch alle esoterische Lehre 
und selbst alles Wissen, das die äusseren menschlichen Verhält- 



99 
nisse regelt. Und wenngleich naeh der Befriedung deB Landes 
und nach •.iederherstellunft der "Monarchie unter der» neuen Kö- 
nig lia^.zuncen und Verordnungen der neuen Lehrer. der Vorstehe: . 
der beiden hohen Lehrhauser Killel und SchMiaj einißermassen 
zur Geltung gelangten ( Herodes lies» sie an Leben ,eil sie 
in .iat aafür stimmten, ihn. die titadt zu öffnen ), blieb docn 
da» vergessene und Verlorene ei« unersetzlicher Verlust, d^ al- 
19 bis zu dieser Zeit gelehrte Satzung und Vorschrift mündli- 
che '>herl^e-erunr ^r. TB.n vomm. das» di>rch die überall ein- 
gerissene Verdernis auch die alte ^^t der Auslegung und die ^ 
Methode zur Gesinnung der Einsichten beim Bestimmen der Sat- 
jungen so sehr zu ihrem Nachteil sich rerandertan. d^ss der 
Streit der Schulen überhandnahn,G9i.alttatigkeiten an der Ta- 
«esordnung ^ren und Mt den Gesinnungen auch die Herzen ein- 
ander entfremdet wurden, und <^ss in einen bis dahin unbelcann- 
ten Ausnass i^ehr noch innerhalb der Gemeinschaft der .ruselin , 
selbst. Ausserde- beschrankte sich die Hingabe an das atudiun 
der erneuerten Satzungen auf die Lehrstätten der beiden .^Jcade^ 
„en und ihre .chü.er. ^s ,1edoch die alT.eneine .rziehun. der 
jurend des zahlreichen Volkes L dichtbevölkerten Lande be- 
trifft, scheint, trotz der bereits erwähnten Bestimn«ng Sitnons 
,en achetach über eine geordnete 3chul.fli«ht. durch die 
.a.pferfüllte Zeit auch hier eine grosse Vernachlässigung ein- 
getreten zu sein. Jn Jerusal«. nag r^n sich noch an Jene Ver- 

^ V.H ia"h Mift Jurend sonst dem Zu- 
Ordnung gehalten haben.dagegen blieb die Juge 

. A . r^let^enheit überlassen, und zun grossen reil u- 
fall und der Geiog0""öxw 

. Hn. rziehung und Unterricht, ^inen eridenten Be- 
toerhaupt ohne ürzienune 

„1. »für lief.« .l.e »lt. ««it.. In d,r ..xi.".. i*.-d. 
.ich .och -«r. ^r a.r z,r..6r»„e «. T,™p.l. Uhcr d.. «a-. 



100 
Land ausbreiten, d^nk der f^etnühung des Hoheprleeters Josua, S 
Sohn Gamlas, der übrigens in den der Zerstörung Torausgegange- 
nen inneren Karipfen ron den Zeloten ermordet i»urde. Und moch- • 
tsn die Knaben auch nach Erlangung ihrer aeife den Peruschin 
necheifern und b^aüht sein, ihre iiandlungen nach den Geboten 
zu richte, ^ie sie es an ihren V^orbildern sahen, so hat doch 
die Erfahrung raancherlei Geschlechter iFitaer -wieder gelehrt, ^ 

diass äusseres Tun ohne tiefere iilrkenntnia ohntriixchtig ist, das 
Herz der Kenge von Verderbtheit zu reini -en, in einer Zeit i'u- 
Tnal, -wo a^les durcheinander n-eriet unr? r^'^'^iel und 'He ^1 f er- 
sucht der Lehrer und Führer überhand nahm. Nicht innsonst hatte 
der Weise unter den jingen, auf denen die weit steht, die Un- 
terweisung dem Handeln vorangesetzt • 



Ferner wird der einsichtig Prüfende bemerken, dass innerhalb 
der drei Generationen von Herodes bis zur Zerstörung des Ten- j 
pels unsere V/eisen immer neue Bestiramungen, Gesetze und Verord- 
nungen erli essen, die als Verschärfungen, rigorose Scheidung i 
zwischen Hein und Unrein und nls isrweiterung der Verbote weit 
über alles bisher Be^-annte und auch alles JlToätere hinausgin- 
gen .Bekannt ist aas " Acht zehn er -Verb et", wie es in der Kisch- 
na überliefert ist, wenn auch die späteren Lehrer über den 
Sinn einiger im Zweifel sind* Dieses Verbot datiert aus d«B 
Anfang der Hegierungszeit des Herodes, und kurz vor seinem 
Tode erfolgte die Verordnung jenes Gerichtshofs, welcher der 
"Gerichtshof der achtzig Jahre vor der Zerstörung« genannt 
wird. Fast in jeden Abschnitt das fortschreitenden Freiheits- 
kampfes bis zum Untergang,likÄ wird immer eine neue Anzahl 
Verbote eri^hnt, und die Talmudkundigen kennen ausserd<«:^ noch 
viele analere mit der gleichen 'T'endenz der Verschärfung, »ge- 
gen >^eden>e man, das« Ir^ dif-nw wr^vcynelir^^ 7elt ^ie Herr- 
scher, seine Beamten und ein beträchtlicher Teil des Voiices 



101 
TÖllig röni!«5che bitten an^jenommen hatten und sich dadurch un- 
ttireinander verbunden rühlten. llAr, T'^iste oft n^^ch dom^ rldrner 
Icanen inf3 Laud» "^^ri hatte sich gawihnt, einanour zu hewirten. 
Die Crossen schickten ihre Ainder 7/ur i^irziehun^; und zun Unter- 
richt in V/i asenßchaft und Künsten nach <iomt die imsaen besuch- 
ten die Theacer un ü andere Ver^nügi]n.';^''sstät tent uie der liönig 
auf seine .•oat^n in JerusaleJTi, Ceasarea und in anderen ütadten 
erbaut hatte. i'nd d^^ freschah frei^il'^i'^f nicht durch Zwangt o- 
öer V^'b'^^Tve^yv.f^f ^i^ ru-** '''«1. t d^r '^'»•1 f»e^^n« ^^f^r? v^irr^ -^'^r die 
V*^eiser also Verständnie ha>»en, wenn ei e in solcher Z^it äus- 
serst bemüht waren > das Volk, da? auf sie hörteivon dem An- 
ßchluss ctn die K ei der nach xAOglichkeit zuruckzuht.lt en un j1 an- 
drerFeitß die Peruschiri, und alle» die in der Befol^unc der 
Gebote besonders riporof; waren, von der unwiseenden Iwenf^e und 
ihrer LeicVitf erti£koit völlig: zu trennen. Zu ihrer liechtf^r- 
tißunc wird der Verstun difo finden, oass sie in oieser, den Ze^4j 
uinstanden ents;>rechen den Haltung unzT^ei f elhoft jene ^''orn (reist 
der iloilir^eit inspi:fri ert «^n l^änn^^r zut^ Vorbild nohnen, ^welche ^ 
die :^''hrfor der ersten He3^^k<*brer aus ■^a^ylo>^ien ^A«ren und die 
Fr oinnen jener r.enere ion, die den siegreichen TCwn-^f rer^n die 
Griechen ni t i:,hnlichen V.3rordnun^er. uri Ver scharf une*en re- 
führt h-tte/. .^jiLse8i*^»^ts der Verhältnisse, die den ]<ulturellen 
Bestand u; i d die .bitten der Vc". ter fHolch.^rmassen ^efo.hr deten, 
kann, so ^esahan, :Unn und. absieht ihrer sch<.rfen :^*^s^nahmen 
fTöbilligt wordjn* ^i e hatr.en cb^r auch ihre schüjinae und schad 
lieh 3 oeite. Jn jenen früheren Zeiten war zwar aer äussere Zu- 
stand schliMa und schwieric, doch die Herzen r/aren rein, und 
der Geist des Volkes in All-«^einen aufrecht , verbin den d und 
9ini{Tend; auch' die Verordnungen der "feigen hielten sich n^ch 
Nast? un'l Art in i?e7i^^en den rtr^r)7,e^ ^v^^ V/%r,nte de«>^'^l'^ forder- 
lich -wirken und für den Bestand und die v/ohlfahrt des Volkes 
positive .:*rgebni3se zeitigen. Anders jetzt, da Herz und Geist 



102 
des Volkes durch ull« Böse und die übermiiti^^ren i'revel »die 

» 

in ganzen Lande und in der iieilifren .Stadt geschahen i im Jnner- 
sten und an der V/urzel verdorben waren, trelanc es auch den Wei- 
BOTf den religiösen Bestand zu ^wahren und das üanaeln in indi- 
riduellen oinne sittlich zu beeinflubsen t so bewies doch di«3 
letzte Prüfung, dMSS u.lle diese erschwerenden i^rlasse und Var- 
or<Jnun en auf die iiiinigun^ aes Granzen und auf uie politiscnen 
Ritten 'weder erhalt end noch festi^rendt sondern geradezu ver- 
heerend -wirkten, so dass durch sie alles ent'e^urzelt und vol- 
len<1« yernichtet w^irie. -»e'^bBt un^er de^e^t'^ie si''*h 1^ all^e- 
meinen in ihrer Lebensweise nach den Lehre;^ der v^eisen und 
jPeruschim richteten, vertiefte sich der Zwiespalt und die cö- 
genseitige Ueber^^chunt': wuchs in ein^ir bisher unerhörten ,veise« 
3o wurden die, welche die Gebote mt peinlicher oorgfalt be- 
folgten und du.3 sogenannte Landvolk fast ziwei verschiedene 
Völker, die einc^nder beargwöhnten, bekämpften unu von tiefem Hass 
gegeneinander beseelt waren. Perner erwies zulet:^.t aie böee 
und bittere -Prüfung, c^ss eben durch diese ü eb er tr ei bunten, de« 
nen Tür und Tor geöffnet ijvaren, innerhalb der Cremeinschaft der 
Weisen se'^bst und in ihrer Jüngerschaft irm^er nehr ^rru-pen ^ 
und Konventi^-^el sich abspaltete, die einander an äii8serlic)ibr 
Frömmigkeit und Heiligkeit zu/ überbieten suchten, bis der Zu- 
stand sich überschlug und sie zur Unmenschlichkeit bis zum 
Mord führte, wobei sie selbst sich als üiiferer 
(Zeloten) und alleinige Gottesstreiter priesen, jene 7aisen 
und Priester dagegen, die die ruhig und friedlich Gesinnten 
führten, sowie alle i'riedli eben den überhaupt, als Heuchler und 
Knechte der Götzendiener verfehiBt wurden. a:.8 i^elang ihnen die 
törichte unwissende Menge nach sich zu ziehen und nach ihraa 
Willen zu lenken, währ end die wahrhaft ^''eisen gerben die aus 
ihren eigenen Preise hervorreganren-^ -^l-^e^*^ nichts ansTju- 
richten vermochten* ^xuch die Homer, die seit der Zeit des He- 



103 
rodes zahlreich ins Land tongn, bcTor sie Q8 ganz unterjoch- 
ten, hatten die inirasr scharfer Tsetonte j<;ntf ernunc und Trennung 
unserer Lebensweise von der ihren nur als ilass gepen sich und 
schliesslich als .-.enschanhfa.88 übijrhaUiJt zu deuten gewtsst.JÄ- 
her clie Verleumdung gepen uns, die seither in jwm »iorfodiura 
generia huraani " so vielfach Verbreitung gefunaen hat, wir seien 
/ein de der Menschheit. Man cinrf sich darüber nicht wjndern, sa- 
hen sie doch nur dfs Aeusserliche der I^räuche, wahrend ihnen 
Wesen und behalt der fora , die nichts als Oute und Liebe ist, 
zur« ^esarnrnten ^fenschenreschlecht ist, und deren alle 'Te<re fri-Jd-^ 
lieh sind, verborgen blieben. Das lilrstaur.lichstQ aber ist fol- 
gendes: hatte in den Tagen des ersten Tempels die iiKirdelor.e 
Angleichung an die Nachbarrölker in Oottesdienst und oitte den 
Untergang des ataates herbeigeführt , so wurde in der letzten 
Zeit des Zweiten Tempels umi^ekehrt die überraHSsit?« .^.btrennung 
und .'^ntf rem dune von der herrschenden Nation zu einer der riaupt- 
ursaohen der .Katastrophe, iäb war es, was ixass una Verachtung 
auf beiden Seiten so raasslos steigerte, dess der Aaum zum Zu- 
saninenleben zu eng ^MVÖe, dieXraft zur^ ^^rtragen versagte, die 
R<j>>enion auffViTRcb ur..i In 'T-rz^ei-flunf' «11 es "It in -^-in Tint er- 
gang riss« 
Kehren wir nun zu unserer uarstellung zuriick. Solange Herodos 

am Leben war, hielt er die Hegierunc f««« i" seinar harten 
Hand. Kau™ aber, dass er von der Krancheit befallen wurd«,an 
der er sterben sollte, warfen die Parteien die Zü^el ab. Judas. 
Sohn des Sariphaus und Mathias, Sohn des iaargaloth, beide Ge- 
setz esl ehr er und Peruschira von der strengen Observanz, stifte- 
ten ihre Schüler an, den Adler, das römische Hoheitszeichen, den 
Herodes über dem Osttor des Tempels hatte anbringen lassen, zu 
«Btfernen und alle Bauten nle-derzureissen, ciie der König ge.^en 
die l^estir'nninrr der 'Veiswng in Jeruaslem erichtet hatte. TA« 
Jünglinge vollführten, wozu sie ih^e Lehrer aufgehetzt, 



104 

Tisrziß von ihnen wurden (Tefasst und auf Befehl des ^Cönigs mit- 
samt ih'-en Lehrern dem Peuertode üb rliefert. Der Hohepriester 
Matathias mirde ah^^eset^.t und »eine vürde auf Joeeer, den Bru- * 
der seiner :^'*rau übertragnen« ivls Herodes endlich starb, war es 
ein ^"reuÄenfest für d^n Volk:, und sein Todestag:, der 7. Kislew 
wurde -^^Is Pesttag bestimmt, ^ie in llef^ilot Taunit verzeichnet * 



ist. Solche Schwach traf nur 7y^ei Herrscher, Jannai, Sohn des 
JlyrkSinnB und Hemdes, der ^vahrlich mir durch harte '^reschehnisso 
in einer harten Zeit zum harten Herrscher wiT'^de. AucVi die ""ilhre 
des /xrchelaos, seines Sohnes, der n ch ihm die Herrschaft antrat, 
schonte das Volk nicht und forderte von ihm d^s Blut der d^^Jrch 
dsas Feuer Hingerichteten, uarauf entsandte Varus, der römische 
Le^at in Syrien den Sabinus rai t einer Legion nach Jerusal^n. 
Dieser setzte sich in die h*QBXunß und spielte durch seine ./ill- 



kür dem Volk so übel mit, dass kurz vor ( 



) 



ein aufstand v^usbr^ch, der viel 31ut kostete unu bei dein aie 
i\UssenViallen fles Tempels turch Peuer zerstört wurden. Die Volks- 
menge bekam Zuzujf** und belagerte 'abinus in der Pestuno:, in der 
er ni ry> ni rbt v>?itt^ ViäT "#n "''•önnen, v9»Y)yi ^hm r\^ e T^ee'^'^iibrer des 
Herodes nicht zu Hilfe reko inien Ovaren, ürn diese Zeit nahm Jud^s, 
der 3ohn jenes Chiskija, den Herodos hatte töten lassen, und 
\'?esiifecen er seincjrzeit vor da^s Sjrnhedrion geforaert worden nar, 
die galilaische Stadt Sepphcris ein. airaon, ein akla^ve des Hero. 
des, ein Mann ron riesiger Körpergestalt, erob rte die Burg von 
Jericho; ^in ViQhhirte,i^thronga.u8 mit Kamen, sammelte mit seinen 
vier i^rüdern ein Heer in der iscthe der otadt jjimiafaus und warf sich 



zum 



Herrn dieser Provinz auf. /\lle diese Rebellen verkündeten. 



die Zeit dss Sturzes der römipchen Herrschaft , der Auferstehung 



un 



d der '?iederau'^rirhtung Israels aus dem staube sei «^eV^mmen. 



Srst üls der Le^^cat selbst mit zwei Legionen und Hilfstruppen 
der feindlichen Hachbarn und der Araber eintraf ,konn ten die He- 
bellen geschlagen und unterworfen werden. Kr drang in Jerusalem 



105 
©in, 11^53 tausende der -sufständi sehen kreuzi(^en und sehr vie- 
le in die Sklayerei verkaufen . Hab una Gut des Volkes wurden 
durch Plünderung: und '^eur^r ▼ernioht9t# jL/>ch .uch nach der üntor- 
drtic'ainfT des Aufstandes un a der scheinbaren Beruhigung schwel- 



te die Hebellion heimlich ^veit(3r. Von diefter/i Zeitpunkt an nenn 



on 



die i^ebeilen sich die 



Eiferer. Sie gab es in allen 



Parteien und 3ekten und a^ meisten uner den frormnen Peruschim, 
rjle sich ^jurch ein rrelöbnis rerbun^len hatten, zu rächen, zu ster- 
>^©n un'i zu >änp<*f»^, iirn Ih-^e^ •'^Tlau'hei^ und ih-^ '?r^ihm^t pnef^t^fn j 9- 
den Pelnd und Widersacher zu Ter tei dif^en. 

Jiese erste ^lirnebun^r gegen die Römer ereigrjete sich im Jahre 
308, zv^eiundsiebzig Jahre vor der Zerstörung des Teripels» .üs 
soll hier noch erwähnt werden, Jass unsere ^Veisen in der Misch- 
na drei Aufstun de gegen die i^ömar aufzählen, die sie 
polefi^os ( ist die griechische Bezeichnung für ICrieg) benennen, 
alle in der gleichen ivbsicht geführt , das Joch der liömer, das 
auf ihnenma so schwer lastete, abzuschötteln. .jen geschilderten 
Aufstand nennen sie den ersten Polemos das oabinus , der Krieg, 
der wit 6eT Z^r Störung des Tempels endet e»heisßt der zw eite Po- 
lenos des Vespas ianus und Titus und der KamT)f um Bethar und 
die ihn vorangegangenen :inzelaktionen der letzte Polemos des 
Trcj an und Hadrian* 



Jn seinem Testaraeni hatte herodes das Königreich unter seine 
Söhne und Paiailienangehörigen gestellt, mit der Bedingung, dass 
sein Verraachtniö an den Gaasar ^v.ugu3tus, dem r «*uch ein gros- 
ses jirbteil an leid hinterliess, erfüllt werde, imq Land Juds^a 
mit der Xönigswürde erhielt f»ein Sohn Archelaos* Als sich je- 
doch alle ^awilienanrehorlren des Herodes nach Rom herben, um 
dem Caesar zu huldigen, erschienen euch die /\bi?esandfen der 
Aalt est en Jsraels dort, um ge'jen die königliche Pamilie und go- 



106 
^en Arche'^-aos Klarre zu fvib^^erif der tt'I e «1« >>eVianT>tet eTi,irj letz- 
ten Aufstand ciie Plünderung rerschuldet hatte. iJar Caesar hör- 
tü ihren otroit, der vor ihm geführt vjurdet im Apollo-Tempel^an^ 
30 erfüllte sich der Fluch unseres Geaetzgebörs in seiner 
Strafandrohung:'* Der Herr wird dich führifn und deinen Xönir:, 
den du über dich a atzen isirst, zu einem Volke, das du nicht 
gfjkannt, du und deine Vater, una dort nagst du fremden Göttern 
dienen, Holz und btein»». Kurz darauf ergin^^ üas brteii des iwu- 
gustus, v;elches das Testa^ient des Kern des nur mit der Aende- 
rung hestHtifTte, dass Archalaos nicht ''-^vonlg, sondern Jthnarch 
( -'i^rRt ^les voTV^ö^ f»*en«>^r»t ^irde« ^^i^e TTe'^'^schHft nn^fasste 
Judäa und Daniaria, rait den ^rrossen St&dten Jerusalem, Jaffa, 
Caesarea, Se'^^esta und das alte .lanari«. Sein Bruder nntipas 
erhi -It die Ilerrscliaft über Peraa und OalilaÄ, der dritte, Phi- 

lippus herrsctite übt^r das Grenzgebiet, j3atancUA und Trachon,so- 

n 
wie Auranitia u'id eini{'*e Teile des Gebietes von JarväKia, Salcn-o, 

die 3ch\f-.^st3r des Herodes, erhielt die Herrschaft im oüden von 
Jannia, ;i.zoth und Phasolis« Auf das Göldvemr^chtuis verzichtete 
der Kaiser zu Gunsten der ^lünigsfaintli e •- Arouc^laos fuhr in 
seiner üblen ',7illkür r.eger) d^-s Volk fort und liess cjie Geset- 
ze der '^elsunr ausser acht, er ginpr in den ^isstanfen seines 
Vaters, foTrrte ihn aber nicht in de'^ Guten, das jener ge"wirVt 
hatte. Volk und Aelteste legten dem Caesar in Rom i^nerfort 
Klagen vor , bis dieser den .Fürsten in Jahre 320 absetzte und 
nach Gallien verbannte. Uadurch geriet das Land Jud*Ȁ unter 
die unmittelbar-^ Herrschaft Roms; eine neue Perm der Herrschaft, 
denn das Land bildete nun einen Teil der Provinz Syrien unter 
einem römischen Legaten und einen Vizestat thalt^^r des Landes 
Judiia, der in Ji^rusalem oder in Caesarea seinen oitz hatte und 
für 'lle politischen Angel ep- enh ei ten des Landes zustandig war. 
Üs religiöse und richterliche Gewalt in den Städten lag in den 
Händen '?es Hahepri '^pter«, ^9r Aelte^te^^ y^^^ 'ler '?ei^^^t ^ie J« 



107 



nach Bedarf zu einani ;iynhedrion zusanraentratan. Späterhin er- 
hielten die Grossen de« Hauses Ilerodes einigen bestimmenden 
Binfluss auf dan Tempel und auf die Besetzung des Hohepriaster- 
aates. Üese Veränderung der otaatsform trat im Jahre 320 ein, 
sechzig Jahre ror der Zerstörung , nachdem Volk und Land unter 
Herodes und seinem aohn fünfundTierzig Jahre lang wenigstens dm 
achein der 3elbstandic:^e£t bemahrt hatten. Jn dem gleichen Jah- 
re noch wurde nach einem bestiF5raten Zensus die ICopfsteuer einge- 
führt, (?ie n-»ch Ror? ahzuTiefem war, wo^irch die T^it<vpwerfunr 
offen'^ndif: und rollstandig wurde* Und ob^rleich das Volk jetzt 
es vorzuziehen schien, sich dorn als dem Hause des Herodes zu un- 
terwerfen, erhoben sich aus dies<»n -rwnlass Judas, der uallilaer, 
und Zadok, die beiden Peruschim und saranelten die im Lande grup- 
penweise rerstreuten viferer zu einem Bund. ji;s ist jene Partei 
der Galilaer, die wir gelecent,li«h der aussagen des Josephus 
über die Lehren der Pharisäer bereits eirwähnt haben. Jn ihr kon- 
zentrierte sich die geheime Verschwörung gegen die römische 
Herrschaft, deren Führung sie bis zur Zerstörung des Tempels 
behielt. Vom Beplnn an blieb diese Partei taub gegen die Vor- 
stellungen des Kohepriesters Joeser und den Rat der ua den Frie- 
den banühten Uanner, der besten unter den Peruschim, die es 
grundsätzlich und als \iifahn8inn bekämpften, dass es einem ikanne 
aus Jsrael Tsrboten sein sollte, sich eine»» fremden Fürsten und 
Herrscher zu unterwerfen. Der Streit darüber hat seine Spuren 
in manchen Halachot hinterlassen. Josephus kann ron dem Starr- 
sinn ihres Fanatismus in diesem Punkte und über die lüraft ihres 
Geistes und den iÄUt,mit dem sie unter den grausamsten Folterun- 
gen den Martyrertod dafür erlitten, nicht genug erzählen, und 
fügt hinzu, es w^'irde nicht für glaubwürdig erachtet, hätten es 
die Röwer nicht o^t «»enur wlt eigenen Mi^eri besehen. 



108 



um 



iiese nau^ ?orra der Hörrschaft dauerte naunun dz zwanzig Jahre, bis 
zuro Jahrs 349» Die I^ndpfleper , die oft wechselten, sind bei 
Josephus einzeln mit Namen £^enu.nnt# 3ie beritfan Hohepriester 
und setz ^. eh sie \iried3r ab , wie dbis .rchalaos getan hatte, 
durch solche 3Gh\Yu,ohung der repr^^sentativen iiacht des Volkes ih- 
re Herrscha. t aufrecrit zu einhalten und ihren i\aub zu dec'<:8n. 
lie Priester, die aus dieser Zeit genannt iierden,sin d: Joes er, 
Sohn des Sohit, Tvahrend dessen Amtszeit die oa^aritaner dag Hei- 
li^ütum mit I'enschenknochen rerunreinigten und der Tempel dienst 
bis zur i\einigunß ausgesetzt werden musste. Auf ihn folgte Js- 
mael, 3aohn des r'abi, der von den Lehrern der Ilalacha mit Lob 
erwähnt und als ein echter Jünger des Pinchas bezeichnet wird, 
i^leasar, 3ohn des Chanin, Simon, 3ohn des Kimchit, schliesslich 
Janathan, 3ohn des Ghanin und sein Bruder Jedidjah. - Auf die 
üblen Praktiken ihrer Berufung , die bereits am s^nde der uegie- 
rung des Herodes eingerissen waren, und bis zur Zerstörune: des 
Tempels fortdauerten, zielt das Wort der Mischna 
♦» llohepri est ersehne'' [ im Ginne einer korrupt en,T9rschv^en dori- 



schen *=>iT^r)8chaft^ , ferner der AusdrucV 



, dienst- 



tuender ( fun gieren der "^ Hohepriester und abge- 

setzter rerabschiedeter Priester • Hatte sich einst die \?ürde 
Tom Vater auf den üohn oder den Bruder rererbt, so ^urde es i^t: 
jetzt zur Gepflogenheit und zur Regel, einige rornehme Familien 
zu beetlmT^en, aus denen die Hohepriester für ein Jahr oder zwei 
ernannt wurden, wodurch, wie wir bereits erwähnten, dieses mt 

seine Bedeutung rerlor und seine Würde röllic einbüsste. Jn der 

» 
Tosephta und im Talmud findet sich eine Baraita aus dieser ^eit, 

die im :5inzelnen diese Famili en charakterisiert , ihre Art und 

ihre Auffi'*^brunp: uns enthüllt und die TÖTTii? mit dem Tilrgebnis 

übereinstimmt, das sich aus dei*. Darstellu^ des Josephns er- 




109 
gibt# Sie lautet: •• ijb sa/rte A>>>)a nan3b , ßohn des Batnit ( er 
le"bte eine (reneration rnr der Zerstörung ) in Namen Ablm Jo- 
seph», SDhn Chanin 8 : Weh wir irom Hauee Bi tue, weh mir von sei» 
HÖH! eisernen otock; yieh mir von Hause Chanint ^eh mir von sei- 
nem GeflvLster (Verleumdung); weh mir vom Haus Katrus ( Simon 
Sohn Kantiras,den der König A^iopa ernannt hatte ) weh mir von 
seiner Schreibf ederd{ D^unziation) ; weh mir vom Haus Jsmaels, 
Sohn Fabis, weh mir von Anrrinpa ( da« Königshaus stebt hier für 
einen Sammelbegriff ) f d?=»arj sie Kohepriester Bind und ihre Söh- 
ne Verwalter und ihre Schwiegersöhne Beamte, und ihre KInecht© 
schlaffen cfc s Volle mit otöcVen*». Vir ersehen daraus, dass trotz 
da« Verfalls dieser Air de die Priester noch genue Gewalt üb- 
rig behalten hatten, das Volk zu bedrücken, um ihre ilinnahmen 
aus der ständigen ^ngst vor Absetzung möglichst zu steigern. 
Unsere iTeisen haben d^ s in dem kurzen Spruch zusarmengefasst : 
«»Sie haben sie ( ihre vVilrde) mit Blut erkauft". 
Jm allgemeinen herrschte wahrend dieser U eb er gang s zeit einige 



Ruhe. i:3as Schulhaupt "»»ar Simon, Sohn Hilleis. Als jedoch der 



ya! - 




letzte Sta^tthalter römische l^'el dz ei <^h en mit dem Bilde dos Ka 
se^s Tiberius nach J<fi^rupiaTem hineinbri^ö-en li ess, begraben sioh 
die Aeltesten des Volkes nach Caesarea und drangen in ihn, sie 
zu entfernen. Sie beteuertr3n, sie wollten lieber sterbentals 
die heiliire Stadt in dieser weise entweiht zu sehen. Kr will- 
fahrte ihrer Mtte und brachte die Feldzeichen fort. Als mr 
dann aus dem Tempelschatz Geld entnahm, um eine Wasserleitung 
für die Stadt zu bauen, erregten die Zeloten einen Aufstand, 
dessen Unterdrückung viel Blutvergi essen kostete. Vermutlich 
stanmt die Halacha im Traktat Schekalim aus dieser Zeit: Was- 
serleitung und Türme der Stadtmauern und alle Bedürfnisse der 
Stadt werden aus den Resten des ?enpel schätz es bestritten, 
Herodes aber hatte es aus seinem eirenen Schatz gezahlt »»%!• 



V 



Als der Kaiser Tiborius t zu dessen jähren Antipas t der Sohn des 
Herodes die ata dt Tiberias erbaut hatte , im Jahre 549 starb, 
und die Statthalterschaften aufgehoben nfcrden $ reiste der syri- 
sche Let^t Vitellius durch d^^s Land Judia, und da er es befrie- 
det fandf erliess er dtfa Volk viele drückende steuern und gab 
die Ornate des Ilohepriesters, die bis dahin im Turm isunja unter 
3iQgel Yer^vahrt lagent den j.-riestern zur i\u fbenahrung im Tempel 
zurück« • 




• 



Jn dem /gleichen Jahr erhob der neue Kaiser Cajus Caligula den 
Snkel des Herodest Agrippa, der in Rom ron Jugend auf mit ihm 
erzogen irorden iiar, zum iithnarchen und Herrscher über den gross-j 
%en Teil des harodiani sehen ^rbes, das er den anderen janilien- 
mltgliedem ahnahra. Zu Jon er Zeit mirde das Land ron grossen 
Leid betroffen. Der nahnsinnige sich selbst vergottende Kaiser 
kam auf den Einfall, sein Bildnis im iieiligtum aufstellen zu 
lassen, auf d&ss es angebetet wurde. Bekannt ist, wie das canze 
V-'lk, auch die Juden AI exan dri en s , si ch dapegen auf lehnten, wie 
TB n in den syriBchen Legaten Petronius mit Bitten drang, das 
Bild 7!" ent-ramen,un4 «r unter eirwer Lehennprefahr anfahrte 
und wie Galigula bald darauf ermordet wurde. Das alles erzählt 
Josephus fast gleichlautend mit der Darstellung dieser Ereig- 
nisse in •' Megilot Taanit", wo der 22. Tainmus zum i^^uden- und 
Gadachtnistag bestimmt wird. - Auch Agrippa, der ?reund des 
Kaisers, bemühte sich.lhn von seiner Absicht abzubringen, wie er 
denn auch sonst viel für die vohlfahrt der Jüdischen Diaspora 
la römischen ueich wirkte. Als nach der ürraorcwng Galigulas 
im Jahre 353 Claudius die Herrschaft antrat, erhielt ngrippa 
auch die Königswürde wieder. »rauf kehrte er aus aom nach JudSaj 
zvirück und trat im Jahre 354 als Koni sc die Regierung über das 
ganze Helllre T'*nd an. 3r opferte auf den Altar, hing im Tem- 
pel eine goldene Kette ron grossem Gewicht auf, die er von sei- 



itnx 



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LEITZ 



Leitz No. 484 
Mad0 In Qermany 



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"Ich bringe meinen Geist in euch,da88 ihr 



lebet ,und siedle euch auf >eurem Boden an\^j9A 
Mit diesen Worten erwiderte d.^r Prophet des Exils fSTrhir] \ 
am :^lu?8e Kebar in Babel df?m Volk,al«^ ef= fr?,gte und sprach 
"Unsere Gebeine sind verdorrt , unsere Hoffnung geschwund' 
und wir sind vernichtet,- können diese trocknen Gebeii^ 



der zum Leben erweckt vrerden?" - In der Tat war diesf 
allem Anschein nach tief begründet, angesichts der für 

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erstreuung Israels über alle Länder J^siens# Ni c ht nu , r ^^ 
Israel — -^ — 







nicht gelungen, unmittelbar nach der Zerstörung vord er im Heili- 



E^n Lande ^tt^^An Aegypten eine neue Gemeinschaft ixKÄRix zu 

s o nd e rn ves ^ i^kV^^^^tJi^ vereinzelte 

scbnl ff^n^xxRJoJwtkiy^l jcx/verst reut ix. und in »Ina^eln^ Gtv£^ 

:p^^n da und dort zerschlagenjnur im Lande der Chaldäer hattf^ 

man es erreicht , sich zu einer grösseren Gemeine zu vereinen, 

welche die Gemeine der aus Juda Vertriebenen genannt vmrde. 

Wie schver musste es 



v^_ von dl eR<^m 



Vertriebenen ankommen - ;^Q glHUüf ' n , 
unbedeutenden Punkt Rxxsrfin neuer ^eist de|6 Volke^ril 
erblühen und in dem Maasse WftrChsmr -«aX3r4r«,dass er es vermöchte 
die Verstreuten zu sammeln, zu Gemeinschaften zu binden undftie 



Exile aun allen T^ck^n 



und E » 4 ^n zu einem geschlossenen Volic^- 
^f^;*^?:^ zus amjn ft nau JaiupiL»i^^^4»" zumal die Wirkung eines solchen 
•eistiÄCÄ stark genug sein würde^die weit auseinander liegen- 
den und innerlich so verschiedenen (jem^Ar\ä,^,r\ durch irgend ©in 
Band zusammen zuferdaasÄn, das sie befähigt« '•ine einheitliche Na-i 



tion,ein Volk zu vjerden,e 4ii Vul> < ^ ^das durch irgend eine neue 

und grösser wäre als vorher, gleichsam ein 



\ 



innere Kraft 



// o A jy . 



grosser geistiger Leib mit vielen Gliedern, die einheitlich uid 



/ 



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(in einerTächtung zu handelii vermöchten .Saß alles 



\\ 



schim 



unmö^l lch,RXXXK±x5tKKK ohne einen stÄrken,zielbewussten Vol'^R- ' 
ge-ist,der den xax durch Leiden BrnÄtteten neues Leben und 



'? 



Kraft elnf lös3te,die Schlafenden ervreckte und die Getrennten 

zusarmnenfüiPte.- Und siehe da, sie traf ein ,die Verheissung 

. , dem Worte 

Y^uuiA^ l^M^U -^^o^H"^ ^^^ Propheten, die wirt- ang e führt ,crägn^, Gottes WfixJk diese Kraft 

innewohnt. Das Geistige in diesem Exil/ erv/ies al?^ Äxxtr^tarJc 
prenu^ und fähig ,die rorbestimmte rrosse Auf^^abe zu Tollbrin- 

^^n.^i)ft,n j^revlern im Volk, die hartnäckig an dem Gedanken der 

unter 
endp-iltigen Trennung und des Verlorenseins xxiKÄkjEX d en XäiJcK 

Völkern festhielten, erwiderte der ?rophet;"Und was ihr meint , 
wird nicht sein,/ ihr die ihr s&gt,lasst uns sein ^*-ie die Hei- 

den.*." jfed unsere Weisen haben vn-d-i«hterii?scher Paraphrase 
k:inzugefügt,dass aie zu ihm pefH^n^t :"lfnser Lehrer Xx Jecheskiel 
besitzt ein Sklave, den sein Herr verkauft hat, irgend etwas, das ^ 
ihm {rehört?ü-.Die Zeit und die Ereignisse, die folgten, erwiesen 
^>i®^"'^^^^^'^^^^^®^^ seiner ProphezeijKimg und dass dRf' Wort des - 
Herrn nicht eitel war^Hier ißt es am Platz, den gewaltigen Un- 
terschied ■Peitt-5Hi^-f-eli-fTr--tTrrd uns zu vergejenv/ärt igen ^zwischen 
dem geistigen Zustand des Volkes, in der vergangenem Kpoche und 
seiner jetztigen Be^^j^ jr 1 enh^e i t ^^ w i e sie sich Schritt um Schritt 



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während]/de r a eit ,d 4A^jgLiii_dar3- t eil e n woll en>enthüllt und zum 

stärksten Ausdruck gelangt. Wir wollen diese Er>oche die 
Periode desy 

^ zwe ite/ Rationalen Blühen s_ und Wachsens ^benennen. 



( 



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^.-:?/ 



Vornal!? war das Leben des Volkes durch se ne Ansässigkeit an 
ein^m, Or"^ bedin^^t^flurch das )esitzwa^H^i^^'^« des Erbtums Gottes 
und dass es Tor Ihm oowohl — i n D e- g4e^ ' H 3H%<g-4i>^f-»--4^w Gottesdienst 



"Sttt^ ^*VH 




l.y^^'C^SL^^^^»^ <^TT 



M/i^AjPUK.ti 




Te/^pol i t i s cheTYe rf as ? unp; eine gunammenhangend c-ga" 
Einheit d*bi'sL§lH,^ ^414»«" un ge te4 1 1-« ungetr c nnt e Einheif 
Deir. Geist dieser : ^nigkei -t wuchs an Kraft durch die Kriege M 
mit den IlachbarTölkern, durch die gewaltige Bemühunr kein yor\ 
aussen auf erlep-;tes Joch zu %vs.p^n und in keiner Saehe einem X 
A j*pe!?id.)ro 



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Ik iu— e«horf«men'. Di^eeie Gefühl der Zusarai.iengehörigkeit 
sass in jedem Einzelnen aus Israel so tief ,dass der im Lande 
Ansässige 



/> ^ ^n der Einf^epflanzte. {genannt wurde^gleich«- 
sam grünender Zweig am Stami-e des Volkes und am ?5rbtur?l^ Gottes 
>>eTlhHrtlK,d.h» mit ihm unlösbar verbunden und verknüof t,B«ge- 
gen zahlte^er aus dem Lande ^t rschla^ren/ii/sich selbst zu den 
Dienern fremder Götter und fühlte sich ,alr«r seinem Volke verlo- 



/.. 



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ren und von ihm ahÄe^i-p^-s-en , w i e ein a^-ee«hR~itteÄ«r Ast vom dem 
iBaun ^Tsn deji^ er se int Leben ^^^«^.Daäö /^ab es noch die Proxjh^t- 
tie,(4-iÄ Urim und Tumim' und anderit uralte/.Heiligtümeridie Fül- 
le der Schriften, die religiöse Lyrik und das frrtrsr&en« Wort, wie 
es T«^ Zeiten in Israel v/altete, und b e öonders seit de^l leiten 
Samuels und Davids. Das v/aren echte Quellen zur Kntfaltung ajmA 
S^^ärjJam^ ^eistiG:erL!texJaiÄ^ Werte in den höheren und vornehmen 
Schichten, von wo aus sie immer mehr Ztigarfi^f ins Volk - fand e n , 
(Von diesen g y oQO » n Gütern jedoch i-a±; in dem neuen Zeitalteri 






Xuii'^i / 



.i.A. Cn^^^-^M-t-^ 



nur i^erinses oder gar nichts %eblieben,Denn an seinem Beginn, 
sickert icKxxmuüi die Prophetie nur noch spärlich und versi^i^ 
ÄMXctXRxx^Ä^^KÄXKÄ Um die Mitte vollends. Ebenso versiegen die 






l 



. M// ^^^"'^^^ Tempelgesänge und die Schriften in der heiligen Ä|i 
Sprache (die dazu in Babylon /in eineti stark mit Aramäisch ?äm 



zu mirdieen;ein/ Geist des Rates und der Kraft, ihre Gemeinden 
/^"^^1auen,aie zu festigen und durch A^f_ VeBthnH -e x i -^n dejltbe- 
fohlenen Gebotej^ der 7/elsunc und «Tideri ^^ alten Brauchen 
der Väter zu krönen. So lieb und teuer waren sie ihnen jetzt 

geworden .dass sie, als die Zeit der Prüfungen kam ,das Leben 
für ihre Erfüllung hin-ahen.-^in Geist der Erkenntnis und der 
Goti.esfurcht - alles was ron den Heiligen Schriften noch übrig 
war zu sammeln, Ä-ttf zuschreiben und zu.Jcopieren,sie zu studier«! 
und in sie mit ünterscheidungsgabe und Scharfsinn einzudringen 

ora in jedem Exil, wo sie eelebrt ^acitfcK aufs Neue !öxx 



bis die Tll 



sich verwurzelte, yerstanden und aufs Sorgfältigste befolgt 
wurde. Dieses grosse 3chauap.iel,über (*aß wir umso mehr staunen 
müssen, je länger wir ea betrachten, war ja bereits die KrfülluiM 
jener Verhei8sung,wie sie wörtlich in der Schrift steht^Deutei; 
7^0) dass nach ihrer Widerspenstigkeit und hal8St««rigen\. V/ider- 
stehen während einer liebergangszeit,M:^ in den Landern der Völ 
ker, wohin sie Verstössen, bussfertigen Herzens zu ihrem Gott 
zurückkehren werden, »©dann der Herr^/ ihre xxxx Herzen,das Herz 
ihres ^amens beschneiden wird, d.h. die Zeit wird komi.en da das 
Geistig-e im Volk einen solchen Aufschwung nimmt, dass es ein 4. 
Ziel erreicht, das den Propheten der Vorzeit s^Xbat zu fern ^«t 
Und so vollzog sich es in jedem der vielen Exile, nicht durch 
geoffenbarte Zeichen und 'Vunder,auch nicht durch die Kraft des 
Arms und die Gewalt des Schwertes -keine Spur davon finden wir 
bei der Be-jründung der Exilgemeinden im Laufe dieser .:<anzen Ä 
Zeit. von der Zerstörung des Tenneis durch Nebukadanezar bis 9 



^ 



zum Beginn der Grlechenherrschaf tTTielmehr geschah alles fried 
lieh und in der Stille, allein infolge einer inneren Erweckung 
in den Aeltesten und im Volk, die übe r das ,was 2&iH- lun w ai ' im "^ 



Herzen einig waren. 



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So wAe wir es im Bericht über die Gemeinde der Heimkehrenden 
ins Land Judäa lesen ;"Und es erweckte der Herr den ^eist Seru- 
ba,bels. • .und den Geist des ganzen übrigen Volkes,, y Und so wie 
e^ ihnen fi^hjcip: der Prophet C^ia«r3ie Hilfe von oben und den 
Sieg über jeden Hinderer und Störer verheissen hat^nicht äät 



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^ .. '. 1 1 ^ . 



durch Heer orJer Gewalt , sondern durch meinen Geist soll es gptx 



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geschehen, spricht der Herr -f^-elj^crM^". . .- Die Kennzeichen und 

dieas-3 — ' 

Merkmale/des neuen Geistes ,wie er xxKk im babylonischen Exil 

sind *' 

wächst und sich entfaltet, ±xt für ^Kcbui den, der mit tieierer 

Einsicht einzudringen vermag, an vielen Stellen der Schrift xx 
verstreut zu finden und werden sich ihm enthüllen. N^«^ zur 
He^l ^rungs ^eit des Königs Joschi jahu,als der '^empel noch stand^ 
gelangt es dem Propheten ct|^S"4If>3f^n die Tolken *e« törichten 
Göizendienstes und d^e- Aberglaubens im Volk zu zerstreuen und 
einige funken der XxHXXEkt Erkenntnis z\y entzünden, wodurch 
es möglich wctrd' 'dass später am Anfang des Exils der reine ,vcn 
jedem Götzendienst freiei' Glaube in //de» Kerzen sich Jüblxäxx 
trex est igt. Dazu kam ,dass die Mehrzahl dienar Exilierten den 
vornehmen und kultiviertesten i'amilien angehörte^^^ie war^ - 
Männer von grossem theoret^ischen und oraktischen Wis^^en. Davon 
abireafthöi^T^a«« BolcHes ausdrücklich in der Schrift ervrahnt k± 
»ixd,ejrsehen wir auch aus den historischen Berichten, dass d'Sc:^ 
j^unter auch jün^rere Münner waren, in jeder Wissenschaft wohl- 
unterrichtet und von ausgezeichneter Bildung. ^^erner da^ die- 

an den Höfen ' 

Ai5.-VTrrmHr7>«ii liixstKuxEscixÄtKn: der Könige von Babylon und -^^ersi- 

en m hohen Würden Dienst taten^imd. e^ wird hervoT^ehobentdass 
der letzte viele Ja.hre gefangen gehaltene König von Juda aus 
dem Gefängnis befreit und bei den mit ihren ^amilien 
t:«ar3rfr von Nebukadanezar ksxx gleichfalls bezwungenen und hslL 
weggeführten Königen i^^W^ÄÄi^^Äj'* ' 



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Die sangeskundipren Leviten unter ih n e ja ^^.ngen ihr'^ Lieder 
zwar leidvollen Herzens, jedoch in SUt ptiller Hoffnung auf !£xä 
Trost und Erlösungt^ie jenen berühmten Gesang "An den Stroki 
Ä^n Babels*^ und viele ähnl i che, gxRKRxkKgBUti^RXRiixXlauigx ffrh xt t 



tkxKXÄttisaaKx. Und wie erklingt ihre Stimme erst, als beim Fall 
Babylons und nachher die Krlösunr erblüht| -driese Gesänge sind 
im Buche der Psalmen verstreut, der V^a?ÄtÄ»^w« wird sie he- 



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inden./.\Vir linden ferner in der Schrift >dass es deg Haup 



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tern des Exils »ur^ Gewohnheit äxää: sich im Hause des unter 



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ihnen lebenden grossen Propheten zu versammeln, wie geschrieb« 
steht :"Und die Aeltesten Israels sitzen vor mir?.. \iüift^^rDar 
i^t auch ein Zug ,von dem wir in alter Zeit keine Spur finden 
-mkml4-e^ dasn sich das Volk aus eifrenem Antrieb mit der Erfor- 
schung der allgemeinen Grundsätze der V/eisung ^jDeiasst KafcX 
^^ätte',^etzt aber hören wir,da8s es über die Wege der Vorseh 
>{ung in Beziehung auf Lohn und Strafe forscht und fragt, über 
den Gerechten, der von seiner Gerechtigkeit und über den Frev- 
ler, der von seiner Sünde lässt ,über die Ahndung der Sünden d 
der Väter an den Kindern oder deren Belohnung für die Gerech- 
tigkeit der Väter, über das Schicksal der icünftigen Geschlecht 
ter und über das Schwinden der Gabe der Prophetie. Nicht nur 
die V/issenden, sondern .iLlo Mohrhoit den Vnl ke a beginnt nach 



•','^ 



der Ankunft in Babylon auf kk±xkh - rhrrm sittlichen V/andel 



^^^ "^ V *^ ^'~ ^^^ 

zu achten und bereut ttir^ alten Irrtümer. B e i iha en^JbBllndet- 



e^ 



gich einS'JLTiederschrif t der göttlichen Weisung, die »ie am 
Ansang noch ohne Uebersetzung verstanden, ebenso wie die Worte 
des Propheten in der heiligen Sprache. In dem Buch waren die 
beiden Strafandrohungen niedergelegt, die alle Geschehenisse, 
d4a= =»4€ VlH yar~^g^eggHwsE y^ gotroffcix»- ihaon e rläuterten. Die 
] im Priesterkodex schliesst mit der Verheissung^^ch dann 



8 



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1 



wenn 3ie im Lande ihrer :'einde sind, habe ich sie nicht- 
So verworfen und Verstössen, da^ss ich sie völlig aufriebe und 
meinen Bund mit ihnen bräche,.." Und im -^euteronomium xbäüäs 
sohl esst die Strafandrohung ebenfalls mit der Zeit des Exils 
:^i nur dass hier der XKxkÄisxÄÄ^ verheissenen T'^rlösung ein 
besonderer Abschnitt p:ewidmet ist; "Wenn über dich kommen all 
diese Dinge, der Segen und der Fluch... ^^Jerm deine Verstossenoi 
zerstreut sein >verden am Ende des Himmels, so wird von dort 
her dein Gott dich sammeln. .. " Aus alledem iJ3t klar zu ersehm 
dass XH&x abgesehen von den materiellen aütern,die sie im 
Exil besassen,me es ausdrücklich in der Schrift heisst, Felder 
und Gärten, Häuser und ICnechte,auch geistige Pflanzstätten vor- 
banden waren, i ti « die Heilkraft ha - ^ten , das gorriooono i^ a nd 7 ^ 
knüpÜÄft— »mi .^usaranenzul'ügen. So wuch s und vergrösserte sich die 
Gemeine der Vertriebenen in Babylon Wcihrend der ganzen Zeit 
der chaldäischen Herrschaft bis zu ihrem Sturz, dem Sieg der 

Perser und der Gründung der grossen persischen Monarchie. Da- 

ihrer 
mals er?5tanden aus atKX Mitte *äx die Propheten der Tröstungen, 



die dem Herzen der Vertriebenen, den Gefesselten der Hoffnung 
Zuspruch brachten, ihnen die Tröstung Zions kündeten und fttr d 
die Rückkehr Israels auf seinen Boden dea Wiederaufbau Ä- 
Jeruaalems und die Heugründung des Tempels v^rhi essen. Diese _ 
Tröstungen, die dem Buche Jesaias von Kapitel 40 an angefügt fL 
sind, waren Kx^x^TCKxotBJuiKnxJKQtQC Israel in ihrer herrlichen Mil- 
de und durchsichtig lehrhaften laarheit wie der Schatten dem 



^ 



H^ 



Müden und 'Vas^jer dem Durstigen und werden es iJMfr ipmft«- bleibei 
Auch aus ihnen wird der Kundige das ungewöhnlich hohe geistige 
Niveau des Exils erkennen. - 
Nim gilt e« auch zu wissen, dass die Perser und Meder ,wenn- 




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fiie an p ^^^ 

gleich ±krxaiacBü5K xxt zwei (>r«nt4^rinzipien (Ormu|d und äarl- 



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an) der Vv'elt glaubten, die aus einem mythischen Ginande Ire r- 



n 



stammen, doch keine) Kult der Gestirne oder der Geschöpfe der 

Erde und des Wassers kannten, geschweige (%%nn niederen Götzen- 

dienst. Im Allgemeinen hatten sie religiöse Vorstellungen, die 

Tom Aberprlauben^ frei waren, und nicht jjsch/der Art der Aegypter 

und Babylonier/über die Jeremias und die Propheten der XxBUdt 

Tröstungen in Babylon ihren Spott ausgiessen.Aus der Gesohicll^ 

te ist ja auch das Verfahren des Kambyses des Sohnes des Cyrus 

gegen die Götzen Aegyptens und ihre Priester bekannt. Ferner 

muss man wissen, dass seit Babel im Niedergange und die medi- 

sehe Dynastie ,a4*« der CyruSi^stammte im Aulstieg v?ar,alle Jäöc 

Völker, die von Nebukadanezar und seinen Nachfolgern un^^rwor- 
j^ir Qü^ v-onTg^ 3^^^ einer 

'^ I en w«i:»€t4» , xxsK besondere/ git n e tig e n Behandlung erfreuten. 

Aus den Erzählungen griechischer Schriftsteller der Zeit geht 

hervor, dass Cyrus seinen Heerführern befohlen hatte, die Völker 

S^rriens besonders zu schonen, das sind jene Völker, von denen 

gp z wungen warde n ^ 
es in der Schrift heisst,das3 sie. -den bittererfTCelch der itXÄl 



/ 



zii_ 



Niederlagei durch Nebukadanazar, bis zur Nei ge leeren 



Nun erst können wir urteilen, wie der Grosskönig sich z-bnaai ge- 



/l^^ 



ii e-n / 



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gen unser Volk verhielt^dae^^ ^r 'auf einer hohen Stufe eatr^mit 
WxxxK einem Wissen und; Glaubensvorstellungen begabt, die völlig 
frei vom Götzendienst wa:^en,und in dessen Hand sich die köst- 
lichen Schriften befanden, die-nach Josephus^ie Aeltesten 
Israels dem Könige vorlegten. Angesichts der Ereignisse , die-- 
dann^fol^t^en, können var wohl sagen, dass die göttliche Führung 
die einst die Väter unter Zeichen und geoffenbarten Wundern 



aus Aegypten befreit, um mit dieser ersten Erziehung 




10 



^w/ 



^^ , des G^'^^m Geschlechts 




Glauben und die echte Wahrheit auf 



"^rFe""/eise^zü^flanzen,wie geschrieben Rteht;"Ich bin es dein 
Gott, der dich^aüa geführt hat aus dem Lande Aegypten. <• . y*--^- 



/f 












? 



fxü A^^^^cAT J-^ r .^ /^;e^ ..j::;) ^'"''"^^orsehung^ . 

^l'.^-^ /^ '^^^'^^dass die göttliche XickriiÄf es jetzt in ihrer unendlichen tox 

Weisheit für gut befand, die Erlösung der Nachkommen und ihre 

Wiedergeburt im Geiste ganz im Stillen und gleichsam durch ^ 

Sö h e'im e ge4«tige :^ührung zu bewirken, ohne Störung der Welt- 

Ordnung, Vielmehr auf eine dem XlÄft^"" der Natur gleichende Art 

und Weise. Wir yor\n%x\ auch sehen, dass bei^^ersten Aeinen der 

Erlösung eine Anzahl Munner /"eichen und Wunder f orderten, ande- 

re wieder auf verborfTenftn Um-8chleichwegen zum Ziel zu celan^ 

^en suchten, wo rauf ihnen der Prophet er^" iöerte:"3p spricht 

s Bildner 
der Herr, der Keilire xn Israei^ymd ^ein 5ücxxJ?:Rx; gxxÄÄXtxxaR 

»xxxäxrxÄkxkKkr um die Zukunft mö^en sie mich befragen, aber 

wegen meiner Kinder und des Werkes meiner Hände lasst mich 

walten. Ich habe die Erde gemacht und die Menschen auf ihr 

geschaffen; meine Hände haben den Himjnel ausgespannt und all 

sein Heer habe ich entboten. Ich habe(Cyrus )eevreckt zum Heil, 



un 



d all seine Weee ebne ich. Er soll meine Stadt bauen und 



meine ^-eggeführten entlassen. nicht u m ICaufpreis und n icht um 
Geschenk , spricht der Herr Zebaoth." Und dĻn in einem der 
nächsten Sätze, wo er in seiner Weise über die Torheit der 
Völker spottet, die ihre Götter mit Augen sehen und mit Hän- 
den tasten wollen ;"Xxä Beschämt und zu Schanden sind sie al- 



jf 



le...die Bilderschnitzer/..." Uß^l er fügt irieichspm j^i^ ^e4fi 



c^>^^) 



Ji 



Bekenntnis ttinzu;" Du bi^t eine rerborgene Gottheit , Israels 
Gott,3ef reier! .. .", um auf die geistige Führung i» dieser 



Erlösung hinzuweisenf verborgene Wunder). 



Und so reschah es, dass im 



trgrT Jalir cT t;! ' Kyie/y 



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11 



4 



$ 



Cyrus,bald nachdem die Hauptstadt Babylon in seine Hände ge- 
fallen und die chaldäische Herrschaft auf (gehört, im Jahr ,das 
in der ochrift dar, er^te Jahr seiner ^err^iernn^ genannt vird, 
p'ep'Chrieben steht; "Im ersten Refjierun^rs jähre des Cyrus,K2LÄX 
Königs von Pers ien,danit jn ?:rl'üllung gehen sollte die Verheis 
sung des Herrn durch Jereraia, erweckte der Herr den Geist des 

CT^rus..." Beachte wohl, das s ähnlich wie beim natürlichen 

< 

Wachstum, so auch das Wachstum der Erlösung am Anfa.ng aus einer 
geringfiÄgigen und kaum beachteten ^aat auf spross.Kur das arme 
Volk mit einigen Häuptern zeigte sich willig mit der Erlaubnis 
des Grosskönigs auszuziehen, im Ganzen etv</a zweiundri erzig tau- 
send Seelen( davon der Xr zehnte Teil Priester und Leviten/t 

wobei zv/ölf Leviten auf einen Priester kainen ) indessen die 

ver ] in 
l'ehrza.hl der Verbannten an ihren Wohnorten bliebeüzumal ao ^ 

grosse und wichtir:Te Gemeinden^ in den^n die Spitzen des judai« 

Sehen Adels und die Nacbkom: en des Hauses ääxä David lebten, 



w 



ie in Bab3^1on,Neharr]pa Mr\(\ /'P'-^^ 

befanden sich 



^>* *^-CL^,^^ 



Die Zurückgekehrten tcscxkk nu Edrinn in Judäa m grosser und 

( 

8Chlim].aer Bedrängnis und ihre Hände ermatteten ,als sie sahen, 



dass all die gün-öArigenft« Verheissungen nicht eintreffen v'ollten. 
Doch die Propheten xrxxKxk mit ihrem inspirierten heiliben 
Weitblick hörten nicht auf ,dig zu tröst.en,u« grosses Heil zu 



künden, wie_ geschrieben ateht; "Das erste ist eingetroffen 
und das -^^eue sage ich an« ••"Das ist doch der wesentliche In- 
hv?.lt der Tröstungen Jesaias ,G hä^ir - und '^acharips. 



darauf/ 



/?"""] 7{ ^A^t^'^o ^'^^ V und er be <«> ährto a ic h, so dass in nicht lange///;?^// aus diesen 



/»«o 



oM »^ ^^ u^t^ >^"-"^ geringfügigen Anfängen in Jerusalem und Judäa ,a.us dem alten 

Erbtum des Herrn die echten i^uellendes ^eiligen und geistigei 
' nach allen Verbannungsstätten hin zu strömen begannen, und um» 



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XX 1^^ 

zurück- zu ihm auf? allen Ec^en unri Enden der Länder in Gedanken 
und in 'Jöri^, und ü?3^ Geist^ hielt an ihm fest ,al8 an den 
Mittelpunkt i-fe«er neuen Si«4f4ee4t* Auch die vielen bpenden una 
Zuwendung/in Erfüllung von Gelübden kommen sowohl deii^f^ Einzel- 
nen ai!* der Allgemeinheit zugute, rodurch Jerusalem ±kxä± n«J4 

^- • ■ aiI6Tr;?5a;t^rl Bll an Gu to^r. ^^«nhfit und a4tt±fflmt. 

Man dar-f' wobl Raffen,rla«s aBt.npr s chend d ^ 
'^Ä;4Ä^ <^eit der, Zuge der erster Rückkehrer aucbroitm . 
und mehr noch seit der Rückkehr Ksran und seiner Begleiter, die 
in der Schrift als der Beginn des Zures von Babel bezeichnet 
wird, die Bilder und XtxxXltx Attribute/^^ in den Pro?hezei- 

hungen und Tröstungen für diege Frlöinne ( ii i „ i. rndnt .„nlvi , 

Hurchaus s-erechtfertifft erf-cheinen.Wenn^lPich in Bezug auf die 




aeVi -eigl li.fiJi'^' 



völlige Freiheit, die politische Unabhängigkeit und den ^teriel 
len ^¥t5t4fH?OTrd des J.^nr^eR unsere Weisen mit Recht für di 



i^fmtHt nur das "'ort >''*^7^f / / 

^ 

chen. 



(Musterung) brau- 



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ivvv. Ht«-».v«-^ * • /^«-r 



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Das Land Judäa, nachdem es zwei Generationen lang verlassen und 
' verödet ohne Mensch iü£x und Tjer blieb, fanden- die Rückkehrer 
vöTliff verwüstet, und das Land der zehn Stämme/von einem Völ- 
kerfemisch aus dem Innern Vorderasiens besetzt, das die Könige 
von Assur dorthin vertrieben hatten,,und in den per -^^est der 
Vertriebenen aus dem Stamme Efraim V-ersank und xsl mit i\m zu 
einem Volk verflehmolz- ,daR nur einen geringen Teil der Gebote 
der Weisung befolgte. ÄÄXtxxÄtni Sie sind K7iKk«x unter dem Kxk 
Namen Samariter bekannt geworden und später urrt^r ^^mr Jörnen 
als Chutäer. Sie xxxKKXiocptxK sind es, die den Zurückgekehrten 
aus Juda und :'^enjamin hart zusetzen und bedrängen, worüber 



noch ausführlicher zu sprechen sein wird. Zwei Uebel sind es 



13 



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Tornehmlich, unter denen die gurüo ir r t e jrftli T tcn ,cU>€ bereits die 



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dritte Generation der Vertriebenen b^rd^n^ wenngleich unter 
ihnen eine Anzahl alter Männer sich befand, die den Tempel >t.>-rJ^ 
erlebt hatten »'schwer zu leiden haben:auf der einen Seite 
hemmten und hinderten' sie die Oede deq Landes und seine Knt- 
? bl(5?=?sung von allem Notwendigen^da¥ unbewohnte ?ILijna,das V/asser 






und die Speisen, die auf aus solcher Ferne ^omiwende F^omde - 

schädlich wirkten yi0 musstet Auf der anderen Seite setzten 

ihnen die bösv/illip:en I^achbarn mit Gewalttätigkeiten und 
Schmähunpren 
:xSKkxiax£xK]teÄ zu. Zu Beginn hatten sie wohl den Opferaltar kxkä 

wieder hergestellt und die täglichen und andere Pflichtopfer 

nach dem Gebot dargebracht (nach der Satzung :man opfert^ auch^ 

wenn kacx kein Tempel da ist). Doch unter der Last vielfacher 

Leiden 

MKkK und Drangsal gaben sie es a^i-'^iden -^'empel zu bauen oder 

auch nur ein Gotteshaus irgendwo im Lande auf zurichten^iKb^ 

djäx^Kö^nig Darius xkxxäricxrxmii^pcäxkxärkxjr den Tron bestieg/^ 

Bamr-eriH ermunterten »l'e/die unter ihnen erstandenen Haupter 

der Propheten Cha^ai und Zacharias,wieder anaufang o i ^ und d^n 

Tempel xK^^u^auen. Sie stärkten sie mit freundlichem Zuspruch 

und Mj: trostreiehen -^^den« ^ie geschrieben steht ;"Und es 

sprach Chagai ,der Bote des Herrn, im Auftrag des Herrn an 

das Volk also; Ich bin mit euch, spricht der Herr?>i Und er 

erläuterte seine ^^orte :"Nach dem Bund, den ich mit euch bei 

eurem Auszug aus Aegypten geschlossen habe,v-eilt mein Geist 

(noch) unter euch, fürchtet euch nicht. .. ".Du-e^ve Propl^et e n 

^^^wie 'att oh die anderen Propheten der Tröstung? in Babvlon 

( 
bestärkten sie in der Zuversicht und sprpchen ihnen zu, den 

D^ - 
Zorn der Bedrücker nicht zu fürchten, verhiessenj^von jetzt ab 

wü r d en Krankheit und Hunger aufhören, das Gelingen alles Wer- 



$ 



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II 



kps ihrer Hände beginnen und lange lange Zeit .,.^4=4.«*-**« 
\ in ihren neuen '^'ohneitz^n verbleiben, Ja,a««h wenn der neue 



^j-€Ju?rx 



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ferner 



erscheine. ..£rdJin t nicht IL^itx Zeit seine Pracht und Ehre ^ 
gross sein.die^Schätze vieler Völker werden ihm zuströmen, und 
aus allen Verbannungsorten^aus Ost und '^est werden noch «*«• 
^:^%'^^^Tl^i?l^eh.en,auch ^ den fremden^kern .-.erden .ehr 
Kele^hW^a^schliessen und sich zu,^iir^b^ehren.Alle diese in 
der Schrift ausdrücklich verkündeten Dinge kx«*x«k£ trafen « 
aufs genaueste ein,nichts von ä^^ Worten der Propheten ^± 

blieb unerfüllt. 

Doch auch nachdem der ^emoel erbaut war,XKthatte man noch 
lange nicht mit dem ]^ Aufbau der^ Stadt und ihrer l&^ern^ 
gonnen.da' Jerusalem unbewohnt blieb. Innerhalb der ganzen ^^eit 
der zwei ersten Hohenpriester, Joschuas, i^, Sohn^ Jozadaks, und 
Beines Sohnes Jo^akim wurden nur Wahns iedelungen errichtet -d 
das::3Ei:^t offene Städte und verstreute Wohnhäuser in d««. 
Feldern und Gärten.Wer sich in die Schrift vertieft kann er- 
sehen,dass es wohl an Bemühun,en nicht fehlte.die Stadt und 
die Mauer zu bauen,doch wurden sie immer wieder ron den tes«. 

/,,^l,tx^y^ ■^. -p„alt. teils durch verleumderische An- 

, Nachbarn teils Anreh .xewalt ,teix8 a r ^^^ ^ .C^;^ ^r 

zeigen bei dem Grosskönig daran gehindert. B« isi d.utlirl*, 
'^^ auch der Prophet Zaeharias sie davon abhielt,dle -^auer 
zu bauen.obwohl er fruk^-r in einer Jis-lTn sogar die ^asse 
der Stadt und die Höhe ihrer Mauern geschaut hatte. Später 
aber heisst es:"Las8 ein Wort zukommen diese« lüiaben. . .Ohne 
Mauern soll Jerusalem bl eiben.regen der rielen Menschen und 
Vieh dort. und ich werde ihm sein.wie eine Mauer Ton^F^u^ 
ringsum und zur Pracht in seiner Mitte.. ."Erst ..^pä^^^^ 
Eliaschib deiviSohncJojakims.äl^ der dritte in der Reihe der 



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W/enyxJ^-^y^^''^'^ 



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15 
Hohepriester amtierte, traf aus Su8a,der persischen //// Haupt- 
stadt der grosse jVohltäter Israels Nehemia w-tM^ m-it. g p.ijoAin 
perßisch^»>ilÄ«Äe^Hat arasch ta genannt, der Mundschenk des Königs 
(womit ein hohes Amt am Hofe bezeichnet wird)-in Jerusalem ein 
und wurde Statthalter in Judäa,v;ie Bein Vorgänjf^er,der erste 
Statthalter Ä Serubabel. Dazwischen mögen noch einige Würden 
träger gewesen sein, deren Flamen in der Schrift nicht erwa/ife^ 
werrien.weil sie nTcHTs für das Volk geleistet , Ticlm e h r seinen 

Zustand iiHF?5r verschlimmert ^ux^sjkblü hatten, wie klar erweislich 

unteiv -— — ^ 



mm^mt"^* 



t-at.Alle aber standen s'e ÄHJtexxitÄM der Oberaufsicht des XkKx 
Achasdarßanrder über alle Länder jenseits des Euphrat kxkxk- 
gesetzt war,(namlich, e^mer persischen Provinzen^die westlich f^ 
XHMxÄJk des Stromes lagen. Seinen Wohnsitz hatte er in der 
Nähe Ton />^5?^^ das cüoKXKÄJckxitKÄxKÄisJi am Euphrat lag.- 
Das erste und a^rtr»«^ H^uptinrerk Kehemias war der Bau der Stadt- 
"^ tl^uerjr und Toren. Zwar hörten auch jetzt die Nachbarn und 
^die mit ihnen rim Ei ' ' 



nverständnis handelnde/t^ a^K^jt x, mit ihnen 

Ju f len nicht auf, ihnen jedes mögliche Hindernis in 

den Weg zu legen. Ja sie gingen so weit,dass sie falsche Prophe 

dazu 
ten und andere im Gotteshause Herumlungernde/^ dingten, wm Ver- 

If-umdungen und falsche Gerüchte g^z^n iJm In Umlauf zu setzen, 

dass er eine Rebellion vorbereite und Propheten angestiftet 

habe , ihn zum König der Juden auszurufen. Dennoch überwand er 

mit seinem unerschrocxenen Mut und vd^X seinem Gottvertrauen 

alle -Schwierigkeiten und Hindernisse und das Werk konnte durch 

ihn, B»d mit Hilfe des gesaipten Volkes, das mit Hingabe sich jL 

der Arbeit widmete, in wenigen Jahren XKüfca vollendet werden. 

Doch auch dann setzte er seine A^?%e4t Tut tilB-Wohlfahrt des 

Volkes unermüdlich fort, und wie es scheint , lastete das Amt der 

Landes Verwaltung auf seinen Schulter ,o»mt^-- daon - p T es mit 



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\r^ ^UJr,*^ 



I 



16 

j^^ mand teilte. Die könielichen Dienste unl die Steuern la o te ^ 

t«n s.rcR'wer auf v4«w Volk, das in «einer riesaramthei t verarmt war 

f 

wie es das Gebet der Leviten aus dieser 2eit bestätigt :"Aber 

hc3ute sind wir Knechte, und da« Land ,da. ss du unseren Vätern £ 

gegeben, dessen :^rucht und dessen Gut zu K«niessen,wir sind 
lihechte d^p-^-n. Sein Ertrag mehrt s-ich für- die Herrscher, die 
du über uns gesetzt ,ob unserer Sünden; sie schalten über äkx 
unsere Leiber und über unser Vieh nach Gei'allen,und in grosser] 
Not sind wirV« Diese Not und Last erleichterte ihnen Nehemia 
jedenfalls , sofern es sich um AbrTaben für die Bedürfnisse des 
Statthalters und seiner Ge^ol^rschaf t handelte. Aber auch durch 
allerhand Miss^reschick <f^leich nach seinem Eintreffen im Lande 
ist die Armut des gemeinen Volkes mit verursacht worden( *^::^,'^ 
>»'./*>'"<' «^^'^-/-^^^^*^ -Cj y ei^^^ x^V*'-^.^-»*.«:—^ )Es scheint^dass es nicht 3UEK 
genu^ Grunde i^^en tum ^je^-eben hat/^, ala nur für jene Familien 
und Sippen, die ihren Stami/ibaum nachweisen konnteh,das h o i o &-t 
»«^ für jene, deren Erbsitze und Städte im Generationsverze ichi- 
nis des ersten Zu.^ es mit Nai..en cTenannt waren t das d«»« ä'B^^^ " 
geschrieben und dem Euche Esra beifcefügt wurde. Vielleicht auch 
noch für 4^ia^_J2gjm' 1 le^die mit den Herrschenden verwandt^ warenT ^ 
Darum borgten in der Zeit der Bedränmis die Reichen, die in 
der Schrift als ^ürsten und Vornehraeri bezeichnet a4i^,dem 
armen Volic auf ihre gerin. en "'eld-und Bodenanteile für ihre 
/ Ernährung und Steuer, oder auch g^ti^n Verpfändung ihres Leibes 

und der -eiber ihrer Kinder und, behielten sie^a sie ihre 

/^ " 

.Schulden nicht zahlen konnten \^K\n >üiechtp und Sklavinnen zur 

Bearbeitung ihrer ausgedehnten Ländereien. Solches traf viele 

Gruppen von Bauern in den neugegründeten Siedelungen, wie 



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uns aus den Chroniken bekannt ist.B^eh Na/hemrar^ulrte »Ixü^t 
unfTt-tyBmü'hlre-McTr^durcTrijein^^^ W irken 






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21 
il die Priester das mit Gewalt hinderten und die Le\riten aus 
Jerusalem geflphen waren, sammelte er sie zum zweiten mal und 
setzte sie wieder in ihren Stt nd ein. Es wurde nun eine neue Anord- 
nung getroffen, dass die Abgabe für die Priester ebenso wie die 
pflichtgeraässen 
Abgaben an das Heiligtum in eine Halle des Tempels einzuliefern 

und von dort zu verteilen seien. Der Zehente jedoch vom Korn, vom 

Most und V) m Olivenöl sollte vom Volk in besondere Speicher gelie- 

fert werden, die von vertrauenswürdigen Mannern der Priesterschaft 

und der Le^^iten geraeinsam verwaltet wurden und ^ e 'das Amt über- 
setzte er 



nahmen es unter ihren Genossen zu verteilen. -Auch 
Pflichspende für den Tempel von einem halben Schekel auf ein Drit- 
tel herab, nach Maassgabe der veränderten Zeiten und Umstände. 
Freilich besteht in J^eziehung auf die erwähnten neuen Verordnungen 
Meinungsverschiedenheit bei unseren Weisen, so wie in manche Ding- 
gen dieser Zeit auch in der Schrift selbst maaaka. Widersprüche 
ujtikxxKlsK wahrzunehmen sind, je nach dem, wie diese Maas name n^ 
fallen gelassen und wieder erneuert wurde nYim Laufe di eser 2eit )» 

wie wir noch erörtern werden. Und da wiry^s uns wichtig schien, 

^ - — > — .^.^^ / 

he rvorgehoben haben) , nachder Bindigkeit der Schrif tstel^en^brauchei 

. ■ — j^ 

wir uns nicht weiter darüber auszulassen. -Nachdem Nechemia an zwöJf 
JahreA sein Amt in Judäa verwaltete, kehrte er zum Könige^seinem 
Freunde zurück, aus Gründen, die uns unbekannt sind, doch erlosch in 
seinem ^erzen die Liebe zu seinem Volke nicht, und nach einigen 
Jahren traf er wieder in Jerusalem ein und ^trarf" Verbesserungen 
überall wo sich noch Lücken und Schäden zeigten. -Nach der Gene- 
ration des Landpflegers Nechemia,Esra8 des Schreite rs und Eliaschla^ 
des Hohepriesters,der der dritte war des Zweiten 'Rempele, finden w 

wir in der Schrift noch weitere drei Hohepriester Tßrze lehnet, 

Regie rungj^ 
Vater, Sohn und Sohnessohn, die dem Priesteramt bis zuiw^eglnn 




der griechischen (Konige vorgestanden haben. (und diesin jen« Teil 



22 



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der Stammtafeln (^ BucheaJEsra,)^ so^ie «^ in den ^Stammtafeln der 
Chronika ganze sieben Generationen verzeichnet sind^und etwa zehn 
nach Serubal)el,wa3 noch erklärt werden sollÄ und zwar die Priester 
JoJada,Jochanan,der auch Jonathan genannt wird und Jaduha.Und ob- 
gleich es klar erweislich ist,dass ihre ^eit etwa siebzig Jahre 
und mehr umfasst, finden wir nirgends eine Erzählung oder eine Ein- 
tragung ^j^/dk% Geschichte ihrer jZJHohenpri esterschaft und über 



die Art, wie sie ck s Volk regiert haben. Auch Josephus^ der sie 
seinen Altertümern XdtRftJt aufzählt und dabei erwähnt, dass in der 
Zeit des letzten Jaduha das B*=ei^e4ttien Alexanders fällt, findest 4 

sich bM-/^ilÄ aus der Zeit der drei erwähnten nur die Mitteilung, 

Amts 
dass J^chua,der Bruder Jochanans,8ich de» Madi^neiaa rtwTrgflrtrgtt 

seines Bruders mit Gewalt bemächtigte,mit Unterstützung des Vize- 
königs von Persien ,rait dem er befreundet war, worüber sein ^ru^ 

der Jochanan so ausser sich geriet, dass er ihn im Tempelhof tö- 

darob / ^ 

tete.Es sei d*Ä«hal)y der Zorn entbrannt gegen, die jüdische Gemein- 
de und der erwähnte Fürst habe sie sieben Jahre lang sehr bedrückt^ 
i'erneB findet sich/^sephus verzeichnet, dass dtf^ Heiraten von 
Frauen aus den Samariterstämmen zu jener Zeit noch nicht ganz auf- 
gehört hal^ und dass Ilanasse, der Bruder Jaduhas des sechsten Hsüi 
Hohepriesters nach der Rückkehr ,2U dessen ^eit das Königreich Per_ 
Sien unterging, Nikusa, eine der Töchter Sai^balats, de* Weiten 
eiia^e Samariterfürsten dieser Zeit{nicht dejrfd^erin den 2d ten 
Nechemias erwähnt wird) zum Weibe nahm und als /jadi^ifi^sein Bruder^ 
ihm befahl, sie zu Verstössen, und er sich weigerte, zog er and mit 
ihm ein Teil der Priesterschaft und des Volks aus und machten 



sich bei den Samaritern ansässig. Einige Jahre da» uf tos erbaute 

sie das Heiligtum auf dem i^rge Garisim mit der Erlaubnis Alexan^ 

ders von Macedonien.Aus diesen zwei Erzählungen geht auch hervor, 

^ul'ern 
dass das Volk an Anaehe n und an Äe-tuULum- gewachsen war, so dass 



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23 

zum "^'eilj und schuldio^erner ist zu erseheiif 
dass von Nechemia ab kein besonderer Äou;»5^i^>ei^i\^ im Lande mit 
politischen Funktion sass und dass die hohepriesterliche Gewalt 
mit der geisV^r^^a- Herrschaf t auch die Verwaltung yirctr'^jTg^ ^i g net ^ 
hatte. Im Allgemeinen wird es klar, dass in dieser Zeit der letzten 
persischen Könige, die mit^/fnneren Wirren und Rebellionen g^aii 
ihre Herrschaft allzu beschäftigt waren und darüber hinaus mit 
schweren Kriegen gegen die Griechen, deren J^acht zusehends wuchs, 
^u4^©-^Zeiten für Israel waren, auch dass sie den Persern aufrich- 
tig dienten, bis zum Ende ihrer Herrschaft sich vermehrten und 
wuchsen sowohl im heiligen Lande als auch in allen asiatischen 
Provinzen des persischen Königreiches bis Alexander erschien und 
im Laufe einiger Jahre das ganze eroberte, Damit «ÄkiJoKXxaaDcfcbtxBm 
finden für uns die Zeiten des Zweiten Blühens und Wachsens der 
Nation dery^bschluss. Innerhalb dieser Zeit und über ihren Ver- 
lauf gibt es schwere Hechenirrtüraer^,weil sich kein Chronist der 
jüdischen yeschichte findet ,der die Ereignisse Geschlecht um Ge- 
schlecht auf zeichiTffte, weder vom Heiligen Geist inspirirte Schrei b«:^ 
wie in der Frühzeit^ noch kmx profane Historiker, wie wir sie von 
den ^asmonäern ab f inden.Höchstens einige Notizen über einzelne 
Ereignisse aus den Zeiten einiger Könige und meist von Privaten. 
Jene Konige von ?ers ien, während ( derer ftegierungszeit ni«itW..4n 
-SrwHig auf das Jüdische Volk/erwähnt wird fehlen in de« Schrift 
Töllig,wenngleich sie bei den griechischen Schriftstellern mit 
ihrem Zeitalter und ihrer Geschichte vorhanden sind. Und von den 
Hohepriestern, deren Jahre nach den Geschlechternfgezählt zu wer- 



I 



den pflegtenCnäcfi^diLDauer ihres Prie3teramtea],kennen wir nur die 
(tu<j — 

}mamen 4» einem einzigen Vers der.Schrift. Deshalb zähli die Barai- 
ta, deren 



nt,sich an die a^*ina^Aj>i> Zahl zu halten. 




24 






WO keine Gewipsheit zu erlangen, für die persische Herrschaft 

Tempels bloss vierunddreissig Jahre, eine Zahl, 




die viel zu gering ist, da sie ganze Generationen ausser Acht 
lässt.Zwar ist alles das in den diesen Dingen gewidmeten Schrif- 



ten besonders dem 



r / 



durchaus bekannt und unsere Absicht 



in diesem Kapitel und in dem vorherigen ist es nicht Einzelnheiten 

allgemeinen 
unserer Geschichte zu erörtern, sondern*'~THreiV2usajnn^ zu 

verstehen, 30 ergibt sich doch aus Sinn und Absicht dieses Vortrags 

dringende 
das Bedürfnis . den Leser hie und da und an getrennten Stellen 

Irrtümer 'in der Zeil^ ^-S^ 

auf die txl± lati^ikÄy^lechnung und das Fehlen ganzer Geschle cfftai 






folgen aufmerksam zu machen in der Zeit zwischentier Zerstörung des 
ersten Tempels und dem Beginn der neuen Zeitrechnung nach den grie 

chischen Königer^(s^rmerk 

^^ / ^ 
ersten Hegierungs jähr lal^s ^eleuco) Nicator drehundert achtzig Jahre 

vor der Zerstörung des zweiten TempelsiStützen wir uns auf sach- 

kundige und genavte Historiker, so können wir diesen Zeitabschnitt | 

/ tums 

vom Tage der Zerstörung des Vi^Wizi^^/tMif^t ^is zum Sturz der per- 
sischen üerrB/chaft auf zweihundertachtzig Jahre bestimmen« 



/? 




25 







1 



2u 



^T'i>h^ 



( 2.Kapitel) , ^^^ 

teur Zeit des r.reisenalters des Hohepriesters JaduÜa.der als der 

sechste seit der ersten Rückkehr der Verbannten bezeichnet wira, 

C geführt j o'^ J 
erschienen die macedonischen GriechM^^äSTm»»««! Komy; Axe^^Q^^jj. 

dem uros«en una ü.oxiluteten den grössten Teil Vorderasiens. 
Nachdem sie das persieche Königreich gestürzt hatten. setzten sie 
sich in allen Ländern Asiens und Afrikas fest, gründeten grosse 
Königreiche, erbauten neue Stählte für ihre Wohnsitze und schmück- 
ten sie mit herrlichen Bauten und prächtigen Kärkten für Verkehr 
und Handel, Akademien und Schulen für Kunst und Handwerk zur Förde- 
rung aller Talente und Fähigkeiten, durch welche sie in ihrem H*- 
te^^g^Aseit zweihundert Jahren xS/^öchsten Blüte gelangt 
».tty^»«<fT*uJ:Lo---»a-^3 artigoto or t ^^l t-st. ^ iart4«»j^ta allen diesen Ländern 



und Städten liessen sich auch die Männer unseres Volkes, die aus 
dem Heiligen Lande und aus allen Provinzen Vorderasiens kamen, nie- 
der und fanden dort ihre He ins. t. Sie begründeten eigene Gemeinden, 
vermehrten sich und wuchsen in jeder Art XKXdtixKKK materielle» 
und geistiger Vollkommenheit, wenn auch zu Zeiteiy besonders später- 
hin die mit ihnen wohnenden Griechen von Neid ergriffen wurden 

f 



Sie 
und xkÄKR, wenn iüäxS Zeit und Umstände ihre Ueberlegenheit be- 
günstigten, fltXKX^KnbSÄ auch xJtÄ arg bedrängten. Im Allgemeinen kaax 

der Beginn^ 
kann man sagen, dass vott-äe^x^ der Herrschaft Alexanders eine/( 

jtmfxtzKi^ Zeit des Aufstiegs und höchster Kraftentfaltung für 
unser Voli: bedeutet und dies zum zweiten mal.E» gleicht da einem 
pi'i>4 jiitrg - gewachsenenjweinstock 



dLKacxanAXxxKXBCüucxe 



P-< h 



(verwurzelvvim He i ligen Lai d g;,aessen J-^rücntc weil, m aie -Terne 

reichten ^ 

, ^^i-m^ i; ün ,Di9 an die Grenze d^^ser neuen Koni^r^^onfi, una t)täatQ_> 

und diese Epoche. während der die ITation an ai len geisti^on und 

raictischen uaben zunahm und oft auch an .Beherztheit und erstaun- 






licher / Macht des Arms ^j^j^jj erstreckt sich bis zum Auftreten 



26 



21 



Glie- 




des römi schen feldherrn/ ^da die Macht Roms auf das 



Keilige Lai id und die Nachbarländer sich ausdehnt« so dass venn 



wir nicht auf ^ 



tlnhei 



und ff-^*^ hfir'^^rrac'='n^fi_^^r^it,ii I Mr^ unse- 



re Aufmerksamkeit richten, sondern auf den geistigen GesamiTitzustand 
der Nation, auf ihr Wachsen und Zunehmen an inneren und äusseren 
Fähigkeiten zur Tat,/fiPal Len XxitEÄXUunct ihren neuen Siedd ungen u 
und Gerne inden,]ixx£ man feststellen darf , dass eine Zeit so grosser 
Wohlfahrt und Leistung dem Volke sei tMe.^ T)jim. .B^ s^t eben nicht be- 
schieden war. Kehren wir zu den Einzelereignissen zurück.Alexander ' 

empfing den greisen Hohe/riester Jaduha,der ihm be4 seinem Marsch 

^ \mit 

nach Aegypten /intgegenicÄm^B» grossen Ehren/,wie im Josephus und an- 1 

deren \><,erichten zu lesen ist, wo dieser Hohepriester unter dem xIscm 

Namen Simon der Gerechte erscheint (Dieser Jaduha,der zum Empfang 

Alexanders auszieht, darf nicht mit seinem Enkel Simon verv^echselt 

werden, der bei Josephus 9'^^eTi^'M^3:B als der Gerechte bezeichBt 

wird und erst recht nicht mit Simon dem Sohn Chonios des zweiten, 

des Hauptes der IVeisen der Mischna.der ebenfalls bei unseren 

Weisen der Gerechte heisst^«*«* ein Enkel dieses ersten Simon war, 

und XKxxXnil; um das Jahr 120 der griechischen i^itrechnung lebte, 

was noch erläutert werden soll). Nach dem Tode Alexanders begründe- 

die beiden 
ten zwa seiner Feldhe rren -asre* grossen W onaj^M«fe y^ia£ dem Heilii — 

gen Lai de benachbarchten Konarchien.^Seleucos Nikator das König- 
reich Syrien mit den Kesiüenzen Seleucia und Antiochia und Ptolo- 
mäus der Sohn des I^gos das Königreich Aegypten mit der Kesidenz 
Alexandrien,die von Alexander erbaut worden war. Sie und ihre 
Nachl^flÄ sind es, die in den Visionen des Propheten Daniel der 
Konig des Norde ns/Syrienf,der König des Südea8(Aeßyptenj genannt ^tr- 
werden.Diese Königreiche sind es, die seit dem Einbruch der Grie- 
chen^am ^e i^en^_jn^3e2iehjm|^u^^ ^^ y^^ 

lauf des ganzen Zeitalters, das wir hier behandeln.^e waxen-^hr 



I 



3 



t\ 



27 
waren im Wechsel der Zeiten unsere Beherrscherjunsere Ghegft^x^ 
und unsere Bundesgenossen. In den ersten hundert Jahren der griechi 
sehen Herrschaft in Asien bildeten Judäa und Jerusalem einen Teil 
der Aegyptischen Monarchie und standen unter der Herrschaft dreierl 
griechischer Könige, die während dieser Zeit regierten. IJixrxXäisää 



jpfa 



Sie heissen alle drei auf hebräisch Jpfalmi auf Griechisch 
Ptolemäus. Zui^ Zeiten des ersten mit dem Beinamen Lagos strömten 
viele Juden nach Alexandrien zu, teils gezwungen teils freiwillig, 

vermehrten sich und lebten ±h dort in Jb«4&-e»^ 




d^r^i' V/ohlfahrt^eiftpfrben d^*^ durch eine iteihe von Geschlechtern 
Ruhm und Ehre, standen den ^riechen an Bildung und Tüchtigkeit 



7V 



nicht nach und waren ihnen an Lebensgrundsätzen und Moral bei 
weitem überleben ,so cfe ss sie bei den Ptolemäern in besonderer -e»^- 
Gmnst standen und zu den höchsten Stellen auf stiegen, als I^'eldherr/j^ 
Finanzverwalter und Festungskoramandanten. gtuu-sAl Ptol^mäus de#yi 
Zweiten Philadelphus vmrde-iteje»^ ins Griechische übersetzt. 



Es ist die Uebersetzung,die unter dem Ifamen Septuaginta belcannt 1 
ist und bei den grichischen Juden als heilig galt, als SAi sie 
vom göttlichen Geist, der die Uebersetzer beseelte inspiriert Word® 
Wir finden darüber auch .^'achrichten bei unseren Weisen in der Hecg^ 
^ä^S^ und in den Midraschim. Später wurden auch die anderen hei- 



ligen Schriften übersetzt und im An^isliluss daran einige Rollen 



und Werke, die dieser ^^^x^^tzung 





auT gen omirien 
3i^d^.wahrend die Juden im Heiligen Lande 1h«\'ebernei:?iaße^ 
ablehnten.^8 sind die unter dem Namen Apokryphen bekannte Schrift« 
^Ä-rt«- 37edoutuHg verborgen oder verhehlt. Die Bezeichnung, die 
unsere Weisen ihnen geben, drückt aus,das8 sie nicht bei uns auf- 



2, "i- genommen wurden, sie heissen 8äKh«x 



(in den heiligen 



Kanon nicht aufgenommene Schriften) , So sehr genügte ihnen diese 
Ueber3etzung,dass die heilige Sprache, das Hebräische, i»-Vaitee-ch«- 



28 



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gJ^WÄtoöWÄ unter den jüdischen i^iewohnern der griechischen Städte 

fast in Vergessenheit geriet und da&s die Kenntnis der Sprache 

sogar bei den grossen (belehrten nur in geringen Maasse zu finden 

In der Tat war damals otuxgxxKSktflUikK und auch noch eine Zeitlang 

nachher das Griechische in allen Landern des Ostens die tacw^gy 

herrschende Sprache bei den vornehmsten Gelehrten und bei allen 

Gebildeten und Kultivierten. Auch im Talmud v/ird xk±rx2.s]b es geprie 

sen mit dem Wort;"Die Schönheit von- Japhet^( Europa) in den l'elten 
^1^ Sems (Asien) •t'^ ^»-o-^/vW^^ >^^ U^^^^t^'^ ( ^-^^-y-, ^^^ ^. 'v/^^y yi,^ 




In den griechischen Ländern, besonders in AlexandrlWvUas^'dälnais 
die Haupt-und Pflanzstätte Akt Literatur und tmx Wissenschaft war, 
bildeten die Söhne unseres Volkes zuerst eine Religionsphil® ophie 



aus, auf der Grundlage der platonischen Lehre und anderer griechs- 
Nr '..scher Weisen., . . - ^^ x^ 

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Esra nach seiner Rickkehi 






.C*' 



. .'W«V*-''" 



'vV 



^Ap^aus Babylon die Priester ,die Fürsten und die grossen des Volkes 
versaminelt und einen Bund vor dem Herrn geschlossen hatte, urrtt ^^ 
eine Schrift darüber niederlegten, in der sie mit ihren Unterschrift* 
ten gelobten und beschworen, die Wege der Weisung zu gehen und otxK 
gegen die Einbrüche dieser Zeit Dämme auf zurichten. Diese wichtige 
und bedeutende Versammlung nannten unsere Weisen tisLx^xx 

"^V^x? v^^7 >^as ^osse«^S;üafiilrianyund e«-4HHw;>^ine^Ueberlief erung 
rtJÄ- ihre^Vorfahreny^ekLSJB/^^ um jene Zeit hundert zwanzig Aelteste 
umiasste, darunter eine Anzahl Propheten »«iöte,da8S es einige Genera . 



-ZZ 



tionen lang eingesetzt blieb^^ie durch den Tod Ausscheidenden 
wurden durch Weise und Schriftgelehrte, Schüler Esras und sa ner 
ersten Genossen lergänzt,und dass es. der Zeit nachjDis zu Simon d 



r\ 



dem Sohn Ghonios des Zweiten bestand, dem letzten der Schrif tgelehr 

benannjten, v v^,^--^^.../:^*^^" -^^^ ^^ 

ten,^ieF^zü^leichder erste war^Sfer^^dTr'llalacha lehrte.Dieses Syned- 



29 



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/^tuf^^ 



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rion wird von den Weisen das Grosse genannt wegen der Grösse 

seines Wirkens und der Fülle der Verbesserungen zur Begründung der 

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Weisung und des Glaubens auf starker und'rechter Grundlage. Von ih- 
s einen ^vk^*»-' — \ 

anfänglichen Wirkungen nennen wir die Verordnung am Sabath und 



Feiertagen-und nachdem ständige Gerichtshöfe eingesetzt wurden 
auch an Tagen der Gerichtsitzungen, aa Montag und am Donnerstag 
die Abschnitte aus der Tora öffentlich in den Synagogen vorzule- 
sen, die am Anfang Versamralungshäuser genannt wurden und in der 
Sprache der Schrift die Häuser Gottes im Lande. An diesen -^agen 
übersetzten die Schriftgelehrten die Tora der Menge ins Aramäische 



/ .>t..-z....j: 



und legten ~s^i-e- aus. Und das ist gemeint in jenem Vers über Esra 
und seine Genossen, die Schriftgelehrten d es ersten Synedrions: 
"Und sie lasen in der Schrift, in der V'eisung des Herrn , auslegend 

" Der Sinn ist,dass sie erst deitL 



und mit Verstand 



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üörset 


ZteXLrd 


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hebräischen Text vorlasen, dann in ihrei^ Sprache üörsetztexLf die 
damals längst aramäisch v/ar und zum Scniuss legten sie sie aus, 
um den Inhalt des Gelesenen und seine i^egrunaung verständlich zu 
machen. Durch diese oedeutende 'Verordnung orei cece siun aas Wissen 
im voiice aus ,und sie e rzügen auf diese .-eise gediegene Schaler / 
für inre i^lachfoige. Ausser aer Auslegung der V/eisung lehrten una 
unterwiesen sie das Volk die XrKKiXÄXH.i?i?^KHxiiÄflLxXKXKiX&:^ßtxRXflutÄ 
auch weiternin menriacn aui erxe^uen Geooi/e una stützten dies wie 



l^ci^ äJj ueicanrn: aui aen Sa uz der Schrif t"Hütet das -L^ehütete". ; . . . 

/jl^J ^ Ebenso wie sie bei neuen Verordnungen sich auf den ^ers bezogen; 



/ti t^\^ 



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r^kt. ^\*^^^ 



^a^t. 



"Frage deinen Vater und er v;ird es dir sagen, deine Aeltesten 



»-v »'■■'*^-- 



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und sie ''^-erden es dich lehren. Und dieses Werk findet man auch 
belegt in der Schrift durch die Verordnung der Entfernung der freu. 



Zk 



den Ehefrauen und über die Holzspende usw. Ferner ist zu nennen 

aus bestehend aus 

die Sinstzung von Gerichtshof enxHÄ drei Mitgliedern und xäk drei 



undzi5anzig in jeder Stadt für Zivil-und Straf saghen. Und sie verord 



30 




«»rfeterdase die Gerichtesitzuneen an I^ontase. und^ Donnerstagen 




v^ \\A 



stattfinden hab.n.dle l-arkttag. «aren.an den viel VolK sich 
„rsamAlte.ale Richter unteniesen sie i» R.chtsprechen und dass 
sie Mt Bedacht und "eberleguns vor^e/hen solfen ^el ihren ürtel- 
len.meses «rk .ird .erelts In alleenelnen Zügen in de. ^rlauhnis 
brief des 7«nigs umrissen' f\^, '^iu^-^ '-^« A 



St-^ 







Das w^ w^^Mw^^ ' . ,/ 

sen des Bynedrion3..ie es spater in der Kischna Aboth zitiert wxrd. 
«Sie haben drei Worte gesagt ;seid -.sichtig i. ^echtssprechen.Kte 
* stellt viele Schüler auf und baut einen Zaun mn die Weisung"Der 

Sinn ist,dass sie mit diesen drei grundsätzlichen V/ericen sich 
gleichsam Richtschnur und .age im Verhalten zum Volk gegeben haben 
und zu anderen grossen und heiligen Werken dieser Manne V&^^-^5F^ 
^r^C^^ nedx^ g*ört auch,dass sie Lehr -und Studienhäuser für die 

weisen ^.egründet habenjauf die Ursprünge dieser Gründung .e.st 
.. - bereits der fers der Schrift Nechemia 8 hin //Zu den Zeiten Jois^ 

Sohns des Joeser.als der ^rieg ge.en die Griechen bereits 






f. - V- 



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entbrannt rar.finden .ir.als .äre es damals__schon landesüblich 
den iatz:«Bein Haus sei ein Ve^rs^am^ung^r^ derJ/eisen-.Aus ihnen 
^-^--^'^-gi^gen die Schrif tgelehrten und^i^r der Tora^für die Gemein- 



■I " .' 






^:"7 lenzes Pentateuch für Private und anderer heiligen Schriften 
'""'' " hervor.sie schrieben mit assyrischer Schrift, die damals an Stelle 

der alten hebräischen trat getreten .ar ,und nachdem sie aufs ^ 
_, Genaueste Jedes Wort der Schrif t'/nach seiner Fülle .« oder nach ^t 
^ seinem .angel mit grösster Kundig.eit gezählt. inspiriert vom hei- 

ligen Geist der auf ihnen ruhte^b^ar^^en -si*i -t der Festsetzung 






2C 



der'.^i?^äie mit Recht ein Za. n f«r die Tora genannt wird, 
.eil sie die Reinheit und Echtheit der Lesarten gewährleiste. 
Barüb.r hinaus bezeugen unoere frühen Weisen in der köstlichen .x 



r 







"Ich brib-:e me i ntn Geä;y 
" Undx±Ktec5axXx»^^fiSil>^»i«^^fiit^^e?Fch geber 

XX 

dass ihr wieder leben sollet, und will 



euch in euer T^nd setzen". 



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■iäf^' 



V^ 



•^ 



Mit diesen ^'^orten erwiederte der Prophet des Dxils am riusse Kebiv 

in Z^bylon dem Volk, als es ^ fragte und sprach:"Unsere Gebeine 

Bind verdorrt, unsere noffnunfj wuA4)öw^ und ist aus mit unsjkönnei 

diese trocknen Gebeine wieder zum Leben erv^eckt werden?" In der Tf^ 

war diese Frage allem Anschein nach tief begründet, wenn sie sah 

wie schrecklich zerstreut Israel über alle Länder Asiens war, und 

dass es nicht gelang, nach der Zerstörung weder im Heilitsen Lande 

noch in Aegypien eine neue Gemeinschaft zu schaf ien,das8 sie vie 

mehr verstreut und in ein .elne/{ Gruppen da und dort zerschlagen 

erreicht 

blieben und einzig im Land der Chaldäer kxJbtKHxscte es Äxfcitioi^Bdir 

hatten, sich zu einer grosseren Gemeind zu vereinen, v eiche die äl 

/■ .1 
Geraeine der aus Juda VI rtriebenen genannt vurde, ie schwer musst 

es ihnen fallen zu glauben, daso von diesem geringen Punkt aus m± 

ein neuer nationä^ler Geist erblühen und in dem Llaasse sollte wac 

',1 

sen können, dass er vermöchte, die Verstreuten zu sain:Tieln,zu Gemei/L 
Schäften zu binden und an allen :cken und landen der Verbannung 

n 

nach Mögl chkeit geschlosBene Volkskörper zusammenzuknüpfen; ob 

zumal eine solche geiötige "irkung stark genug wäre, um die versc 

dene^^^ Gemeinden bei ihrer fassen ^^ntfernung von einander nd be 

ihrer inneren Verschiedenheit durch irgend ein Band zusammenzuh^^ Z^, 

das sie befähigt« wieder zu einer geschlossenen Mation und zu ei 

Volk zu werden, zu einem Volk, das durch irgend eine neue Eigenscl:: 

grösser wäre als vorher, als wäre es gleichsam ein grosser geistj 

einheitlich und 
Leib mit vielen verschiedenen Gliedern, die in einer Richtung zu 

handeln vermöchten« Das alles schien unmöglich(aus Granden, die w: 



\ 



durch en 
früher erörtert habendes sei denn ein starke? und zielbewusste» 

nationale» ^eisttder den von Leiden Brschöpften neues Leben und 
Kraft einflö8ste,die Schlafenden er^-eckte und die Getrennten zu- 
sammenfügte. Und sieh da, sie traf ein ,dle Verheissung des Trophe- 
ten,die wir oben angeführt, dass Gottes ort diese Kraft innewohnt, 

das Geistige in diesem l]xil erwies sich atix stark genug und geeig- 

beabsichtigte -^ 
net,die liÄXÄXstoiRjtÄ grosse Aufgabe zu vollbringen. Und er erwieder- 

te noch den Frevlern unter ihnen, die darauf beharrten, an dem Gedam 

ken der endgiltigen Trennung und des Verlorenseins ^wischen den 

Völkern festzuhalten: "Und was ihr meint, wird nicht sein .y.usw« 



Und wie unsere Weif-en dazu -gedichtet haben,KH±:XKKXıEx dass sie 
zu ihm gesagt :"Un8er Lehrer fecheskiel, besitzt ein Sklave, den sein 



Herr verkauft hat, irgend etwas, das ihm gehört?-"Die ksj&siKKQtHK Zei- 

die 
ten,die dann kamen und 'Ereignisse bewährten die V ahrhaf tigkeit 

seiner Prophezeihung und dass das \-ort des Herrn nicht eitel war» 

uns 
Und hier ist äk es am Ort,d..ss wir krä den machtigen Unterschied 



klar machen und leststelien zwisdi end er Geistesbeschaf i enheit des 

Volkes in der vergangenen Epoche und seinem jetztigen ZustandfUnd 

r 
wie er sich Schritt um Schritt innerhalb der Zeit, die wir dastellc 

Ausdruck 
enthüllt und zum stärksten Xbkxxkxixkip gelangt.V/ir wollen es das Z 

Zeitalter des zvreiten nationalen '31ühen8>inund Vachsens benennen« 



Vormals ^var das Leben des Volkes durch seine Ansässigkeit an ei 



nem 



Ort bedingt, durch das Besitzergreii en des göttlichen T.]rbtums und 
dass es vor Ihm eine festgebundene Einheit, sowohl in Beziehung auf 
den Gottesdienst als auf die politische VerfassungfUngeteilte und 
ungetrennte :inheit.Der -eiifet dieser .-Einheit wuchs an Kraft noch 
durch die Kriege mit den umgehenden Volk rn und durch die gewaltl- 
ge Bemühung Jedes Joch von aussen abzuschütteln und in keiner Ange. 
legenheit einem Tremdvolk zu gehorchsaraen.Und so tief sass dieses 
Gefühl der XtKhiuJ: Zusam/.engehörigkei t in jedem lUnzeln aus Israe 






^^ 



\^ 



\ 



1 



aase der i« Lande .o^sussiBe »^er .ingepf lanzte genannt « 
wrde.gleichsam grüner -eig am Star, e der Nation und am Erbtum 
aottes teilhaftlg.das heisst mit ihm unlösbar verbunden und ver- 
knüpft; dagegen zählte «öc der aus dem Lande Verschlagene sich 
selbst zu^'?ienern fremder Götter und betrachtete sich als seinem 
Volke verloren und von ihm k«m^kvü^^±^ abgeri88en,..ie ein abge- 

ech*if.e«er Ast vom 3aum,aus demer sein -^«J-^f «f^l^-Lef ''' 
. .._ .._ „_.^ „„^ T^min, nnd andere sX1aüKM±i±EaxxXXtxxtsaax 



?: 



die -ülie der 301 rif ten.die religiöse Dichtung/^^ und das erhabe- 
ne 'Äort.wie sie sich besonders seit den -eiten Samuels und Davids 
entfalteten- d.iS ^varen echte -uellen xh unvergänglicher geistig« 
v-erte.an denen auch das Volk teilhatte. J doch von allen diesen 
grossen iütem ist in diesem neuen Zeitalter nur Geringfüges oder 
garnichts gebliebe i.den.i schon zu seinem Beginn y^^/sickert nur 
noch die -rophetie und hört gegen seine Mitte ganz auf.Auch die 
Hymnen und die besänge und die Schriften in der heiligen Sprache 
(die Mira noch in Babylon «tt ein^4 verdorbeneH Aramäisch sich 



v/andelte,v;ie bei den anderen Vertriebenen) wurden mit der ^eit 
imruer weniger, so dass sie in der Kitte des folgendem Zeitalters 
fast ganz MraatotteÄM versiegen.Die «aaa 'Weisung und sie andererj 
heiligen Schriften, die durch die gronse 3ia de des Ilimiiiels noch 
ihnen verblieben, (nachdem viele von ihnen, von denen im Volk keine 
Abschriften sich befanden und im Tempel liegen geblieben v.aren 
mit ihm verbrannten und unwiederbringlich verloren gingen) waren 
damals wie ein versiegeltes .3uch und bedurften der Uebersetzung 
und Auslegung. Das Ichliraraste aber war »dass durch die grosse 
Zerstreuung, die bereits mit der Vetreibuns der zehn Stänune be- 
gonnen hatte und wie deutlich zu erkennen ißt, sich auch in Juda 
immer mehr ver8tärkte,wittxBtErxÄm±jfc vom Tode des Königs Joschijahv 
an und weiter, die i^^xile sich immer mehr von einander entfernten j 
bis ins fernste XcixiiKxastirR Aisen und in Aegypten bis an die 



I 



^v r«»«iten bia in die griechischen Landern und 
Grenze des Kasch.nuch vesten oa-j -i" c 

alle gerieten sie unter die Herrschaft Irerader Vülxer und ihrer 
politischen Hitten, traten in ihre Dienste und in ihre Heere, am 
Anfang bei den Chaldäern und im Verlauf der Zeit zum Teil unter 
der grossen persisdi en Monarchie und gegen ihr Bnde unter die 
Gewalt der macedonischen kriechen, c^ie das Königreich mkx* der 
Perser eroberten.Und trotz aller dieser I-^ngal im ^ergL- ch zu der| 
Zeiten des ersten Tempels erneuert sich Jetzt im Vol. .das heisst 
in allen -.xilen.die sein vresen ausnachen.ein grosses neues ^eisti- 
ges.das sich erhebt und in allen gleichmassig als ein ^eist der 
'■eisheit,der mnsicht.des R* es und der Kraft.ein ^eist des V^is- 
sens und der -.ot esfurcht.l^as v.ill 8agen:ein -^eist der V.eiBheit 
und iinsicht.den V.ert des Schatzes zu erkennen.den sie von ihren 
Vorfahren geerbt haben,im Vergleich mit dem falschen Glauben 
der Völker in deren Tandem sie gelangt v;aren.F,in Geist des "at es 
und der Kraft- ihre -emeinden zu begründen un • sie zu stärken un(^ 
zu krönen durch die anbefohlenen Gebote der V eioung und der gute,. 
fexx«:«T«Kxatt«rH Bräuche der Vater. Und so seh: waren sie ihnen 
jetzt lieb und teuer geworden, dass sie zur Zeit der .^rüfung ihr 
Leben für ihre ^rfüllung hingaben.Ein Geist der Erkenntnis und d 
KH Gottesfurcht, -um alles *a8 von heiligen Schriften noch übrig 
geblieben, zu sam-.eln , auf zuschreiben und zu kopieren.sie zu stu- 
dieren und in sie einzudringen, mit Unterocheidungskralt und 

Scharfsinn, bis die reisung in jedem ]:xil aufs -.'eue sich festigte 

aus Sorgfältigste 
wo sie gelehrt, verstanden und sorgfältig befolgt wurde, in jedem 

Lande wo sie wohnten.T^ieses grosse Schauspiel, über das wir, je lar 
ger wir es betrachten, umso melir staunen müssen, war längst die 
v.rfüllung jener Verhei3sung,v.ie sie ausdrücklich in der Schrift 
steht (:)euteronm. 30 ),das8 nach ihrer viderspenstdgkeit und hart- 
nackigem iderstehen während einer Uebergangszeit sie zu ihrem 
Herzen in den Ländern der Völkern , wohin z sie Verstössen 



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worden und zu Ihrem Gott zurückkehren werdentsodann v ird der Herr 
ihre Herzen und das Herz ihres »namens beschneiden, d»h« die Zeit 
wird komiien,da das C/eistige im Volk einen eolchen Aufschwung nimra1# 
dass es das erreichtfWas äxäx vorher nicht einmal den Iropheten 
geglückt ist.-Und so geschah es in jedem der vielen Hxile nicht 
durch afii^ÄÄkuiwtfcipi geoffenbarte Zei chen und Wunder und auch nicht 
mit der Kraft des Arms und der CJewalt des Schv.erteSfVon welchen 
beiden v;ir auch nicht eine Spur finden bei der Begründung der #r- 
ÄtÄÄX^xt ursprünglichen T^xil^eneinden im Laufe dieser ganzen ^eit 
von der Zerstörung des -^eraoels durch -^ebukadanezar bis zum Beginn 
der viriechenherrschaft, vielmehr geschah alles in ""rieden und in 






5tille und durch eine innere i^rweckung allein bei den Aeltesten 



und im Volk, die im Jlerzen einig waren über das was zu tun wartso 

wie v;ir es lesen über die Gemeinde der ÄBCKkkÄhrxx Heimkehrenden 

ins Land 2rahuda,\Und es erv*'eckte der Herr den Geist Serubabels 

usw. «und den Geist des ganzen übrigen Volkes, usw. Und ebenso wie 

es ihnen Chagi der Trophet verheissen hat über die Hilfe von oben 

und den Sieg über jede Hemmung und Hindernis :"5ttKbtt Hs soll nicht 

durch Heer oder Kraft i;äx, sondern durch meinen Geist geschehen, 

spricht der Herr Zebaoth* •• "»«Diese ..ei ch«a und erianale des neuen 

Geistes, wie wir ihn angedeutet haben, '^'ie er sich entwickelt und 

gewachsen ist im ta babylonischen Exil ist an vielen Stellen der 

verstreut 

Schrift zu JtsaHK finden, und wer mit Verstand einzudringen versteht 

dem enthüllt er sich und wird sichtbar.Hoch zur Zeit des Tempels 

glückt 
von der Regierung des Königs Joschljahu abg^e^bimgt es dem Herrn 

immer 
durch seine Propheten allmählich KtsuuK mehr die Wolken des törich 



ten Götzendienstes und des Aberglaubens zu zerstreuen und im ganz«i 

anzu 
Volk einige Trunken dem Hinsicht zu entfachen, so dass später am An- 

fang des Hxils in dbc seinem -^^erzen der reine ,von jedem Götzendiei^ 

freie Glaube sich be estigt.Dazu kam, dass die Hehrzahl 



# 



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1 

\ 



dieser 'ixllierten den vornehmen XscmtttKK und Ära kultiviertesten 

Mamillen angehörten, :ränner dKxx:?t±xxKKKBicacJ^± von grossem theoret>(i 

sehen und praktischen vissen v/aren. Abgesehen davon dass dies in d 

der Schrift ausdrücklich erwähnt wird, ersehen v ir auch aus der 

jdnc^re waren 
Erzählung, das 3 unter ihnen auch Junge anner wohl unterrichtet 

in jeder ^''if^oenochaf t und von ausgezeichneter Bildung. Auch dass 

ihre Yornehmen in den Palästen der rOJnige von Babylon und Persien 

in hohen amtliche Stellungen UKXKKKnxwxrttwi Dienst taten und dass 

der letzte König von Juda ,der viele Jahre gelangen war, aus seinen 

^efängnis befreit lasxtm und von al den Konigen geehrt wurde, die 

mit ihren amilien gleichfalls von ::ebukadenezar bezwungen worden 

waren.Die sangeskundigen Lewiten ,die unter ihnen waren, snngen ih- 

mit 
re Lieder zwar MKJfcÄXxStaLÄXxKKÄXKtnÄK leidvolLea Herzen, jedoch ge- 

mit 

aixKktxmtt stiller Hoffnung auf "^^^rlösung und Trosttwie jenen be- 
rühmten :}esang an den Strömen Labels und viele andere. Ihre Stimme 
.Besonderen :aang erhält ihre Stimme in der Ankündigung der r.rlÖsur| 
ta vom Sturz Babylons und weiterhin, die Gesänge Bind unter den 2ä 
Psalmen vi rsi reut, der Verständige wird sie erxennen.-' erner fin- 
den wir in der Schrift, dass es den näuptern des F.xils zur :;ewohnh 
heit wurde, sich im Hause des grossen ^ropheten,der unter ihnen 
lebte zu ver8amr-ieln,wie geschrieben steht ;"Und die Aeltesten 
Israels sitzen vor rair".\ underbar ist außh,das8 wir in einer 
früheren 2eit keine Spur davon finden, dass sich das Volk seiner- 
seits mit der ^.rforschung allgemeiner aiaubenssätze der Thora be- 
fasGt hätte, Jetzt aber erfahren wir, dass sie forschen und fragen 

über die " ege der Vorsehung in Beziehung auf j^elohnung und Strafe 

sich von seiner 
(Jesekiel 14) über den ,der xra xKtiiK;!!xttgÄKdxtaucRK §erechtigkei 

wendet und den der sich von seinem / ^ revel wendet^Iesekiel 3,16, 

33) und über die Ahndung der Sünden oder attaxÄÄXÄKktt^kKtt des 

Rechtes der Väter über die Kinder und über das künftige -^eschlecbl 



# 



t 



. „ -ahe der Prophetie.die imr/ier gerin- 
(Jesekiel 20 ,53) und über die -abe der - p 

^er wird(Je8ekLel 12,22)Auch die Mehrheit dee Volkes richtet iffitK 
seinen Sinn auf seine Gewohnheiten MBiutEi«i:JÜ»x±K nach der /Jikunft 
in Babylonien und bereut^ «tes ihre alten Irrtümer.sie haben mit 
sich eine Xüs laederschrift der göttlichen V.eisunß(die s ie am 
Anfang noch ohne Uebersetzung verstanden/ ebenso v;ie sie die 
Worte des Propheten in der heilic^en Sprache hörteni in ihr i^aren 
die beiden Strafandroh.ngen verzeichnet m;t einer Ausleßung aller 
Kreigniiise bio zu dem Seitpunkt, in dem sie sich befanden.und die 
im Priesterkodex schliesst mit der Verhe Issung" Und auch i«enn sie 
im Lande ihrer ^einde v.eilen, verachte ich sie nicht ..."Und im 
Deuteronomium schliesst die Strafandrohung ebenfalls mit der Zeit 
des .xils.nur dass da der Yerheissenen .rlösung ein besonderer 
Abschnitt gewidxaet ist. "Und es vird sein.'^enn über dich kommen 
der Segen und der Fluch... und v.enn deine Verstoss.enen 

daraus ist klar zu ersehen, dass ausser den materiellen Güter die 
sie dort Desasaen.wie es in d er Schrift heisst.-elder und Gärten 
Häuser und <iiechte,sie auch ebenso geistii^e Gärten hatten, die 
fähig waren den Bund zu knüpfen und zusamiaenzuf ügen. So wuchs und 
mehrte sich die Gemeine der Vertriebenen in Babylon über die ganz 
Zeit der chaldäischen Kerr chaft bis Ui zu ihrem Sturz und dem 
Sieg der Perser und der Gründung der grossen persischen Monarchie 
Da erstanden aus der Mitte des :.xils die Propheten der Tröstungen 
die zum Kerzen der Vertriebenen den Gefesselten der Hofinung 
sprachen, ihnen die Trösung Zions zu künden mit allem auten,da8 
ihre viederkehr in das Land ihrer Heimat tröstend zuzusprechen, 
ihnen die Rückkehr Israels auf seine Krde zu künden und dass Jeru 
salem wieder aufgebaut und der Tempel wieder gegründet wird. 



^ 



8 



# 



t 



Diese Tröstungen! die dem Buche Jesaias hinzugefügt sind wkAxAxkX 

besonders von Kapitel 40 und veiter v;aren und werden den Juden 

in ihrer Süssigkeit und IQarheit wie der Schatten dem llüden und 

Vi'asser dem Durstigen sein»Auch aus ihnen wird der Kundige das 

ungewöhnlich hohe Iluveau des geisti^^-en Standes des -üxils entnehmen 

Es gilt auch zu vfissen,da8s die Perser und Meder, v^enn sie auch 

an zvrei Grundprinzipien der V/elt Ormuad und Mk Arhiman glaubten, 

Kult 
die aus eineji mythischen 'irunde herstammen, keinen ^xkkx± der ittcra 

Gestirne oder der Ge chöple der ?.rde und des V'assers kannten, 

geschweige denn Götzendienst« Sie hatten im Allgemeinen Glaubensbe- 

grii'fe,die von Aberglauben frei waren, nicht nach der Art der 

Aegypter und der }^bylonier,über welche Jeremias und die Jropheten 

der Tröstungen in -^iabylon ihren Spott ausgössen, iSekannt ist ja 

auch aus der Geschichte/ das Verfahren des Ivarabisesjdes Sohnea 

von Cyrus gegen die Götzen Aegyptens und ihre Priester»- Man muBs 

auch v/is8en,da8s seit Babylon im Niedergange war und die Könige 

der li'.eder Cyrus und seine Vorfahren im Auf stieg, alle Völker, die 

worden waren 
von ":ebukadenezar und seinen i[achkom.ien unterworfen wurden, mit 

besonderer Gunst behandelt wurden. :iach den Erzählungen griechischer 

Schriftsteller aus der i'eit der ^^ersischen Herrscher geht hervor, 

dass Cyrus seinem Heere befohlen hatte, die Völker SJrriens besonde» 

die 
zu schonen, das sind ixi« Völkeridie in der Schrift als diejenigen 

Kelch 
bezeichnet werden, die den bitteren Becher der Niederlage durch 
gezv/ungen waren zu 

Nebukadenezar bib zur -eige austrini^en Baita:Ät:Km# 



\i 



Aus alledem können v/ir KtäiXtKKKEK urteilen, wie der Grosskönig 
sich zumal gegen unser Volk verhielt, das/ er auf einer hohen 
Stufe sah, gekrönt mit Tisr^en und mit Glaubensbegrirfen,die völlig 
frei von Götzendienst waren und in dessen Hand sich die kostbaren 
Schriften fanden, die nach Josephus in seinen Jüdischen AI er- 



e 



Ae dem 

tümern die ältesten Jsraels Cyrus yorlegten^Angeeichts alier (Ixäk 

dieser Vorgänge können wir wohl sagen, dass die göttliche ..eitung 
die die Väter aus Aegypten mit ZeichBö und geoiienbarten Wundern 
ausfreführt ahatte,umins Herz les alten aeschlechts mit dieser 
ersten Erziehung auf die alte v eise den Glauben undechte V-ahrheit 
einzupflanzen, wie geschrieben steht" Ich bin es dein Gott, der dich 
ausgeführt hat aus dem :>ande ..egypten .••" und v/eiter 



es 



die gleiche führende Vorsehung ist die jetzt 

in ihrer unendlichen Veisheit für gut fand, die ::rlö8ung der liach- 

koraruen und attKXtBiKrffrBtskunif ihre geistige V iedergeburt im 3till« 

und gleichsam durch geheime geistige ::^ührung zu bev;irken,ohne 

auf eine 
Störung der ^raturgesetzstvielmehrin einer dieseir selbst gleichend- 

zu beginn 
den Art und 7/eise. ir können auch sehen, dass ÄmxXRXxng der x«±a 

kei ..enden ^.rlösung eine An.uihl Kanner Zeichen und V under forderten 
andere wieder auf Uta- egen und zum gleichen Ziel zu gelang- 
gen suchten, vorauf ihnen der rophec ervaederte;"3o spricht der 
Herr, der heilige in Israel und ihr ::ei3ter:f ordert von mir die 
Zeichen, "/eiset meine Kinder und das V erk meiner Hände zu mir. Ich 
habe die ]urde gemacht und die enschen darauf geschaffen. Ich bins 
dess llä,n(le den Mimiiel ausgebreitet haben, und habe alle^ seinem 
Heer geboten. ich habe ihn envecket in Gerechtigkeit, und alle sd ne 
Wege will ich eben machen. .'-ir aoil meine Stadt bauen und meine 2tÄit 
Gefangene loslassen. nicht um Geld noch um Geschenke .. ."Ebenso in 
einem der nächsten 3ätze//,v.o er in seiner V eise über die />i 
Torheit der Völker spottet, die ihre Götter mit .LUgen sehen und 
mit Händen tasten wollen. :"Aber die Götzenmacher müssen allesamt 
mit Schanden und Hohn bestehen... "Und er fügt hinzu gleichsam wie 
ein iekenntnis; "Fürwahr, du bist ein Yerbor,^ :n Gott, du Gott Isra- 
els, der Erlöser^.."- um auf die geistige göttliche 3uhrung in die- 
ser 'Erlösung hinzuv/ei8en( verborgene ;under).-Und so ü:eBChah es. 






> ( 



10 



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t 



dass im zwanzigsten Jahr der Kriege des Cyrus bald nach dem 

die i^esidenzstadt Babylon in seine Hände gefallen und die chal- 

im e 
duische Herrschaft aufgehört,itaÄ Jahr, das in der Schrift das 

erste Jahr seiner Ilerrschalt genannt wird,ge8Chreben steht;"Da 

ervv'eckte der Herr den Geist des Cyrus,.."- Und beachte wohl, 

dass ähnlich ' ie bei natürlichem V.achstuin so auch das Vachsen der 

T^rlösung am Anfang aus einer geringfügigen und kaum beachteten 

dass nur 
Saat aufstiegtund das arme Volk mit einigen Häuptern sich villig 

zeigte, mit der .Erlaubnis des Qrosskönigs auszuziehen, im Ganzen 

XK etwa zweiundvierzig tausend Seelen ^wovon der zehnte Teil 

Priester und Lewiten und das Verhältnis der jriester zu den Lewit» 

etv^a wie zwölf zu eins warj, indessen die '^ehrzahl der Verbannten 

und wichtige 

an ihren Vohnorten blieben, zumal MtxK grosse ^Gremeinden, in denen 

die Vornehrastt-n lebten^vom judäischen Adel tnd de^ä, Hachkomiaen 

des Hauses David in 3abylon,!Tehardea und 

Die Heimkehrer vaven zu beginn ihrer ylnkunft in Jud^^a in ^ 

schlimmer und grosser 3edrangnis,so dass ihre Hände müde wurden, 

als sie sahen, dass all die günstigen Verkündigungen noch nicht 

hörten mit 

eintreffen v/ollten.Dennoch Yaxtxn die Propheten xtskt in ihrem 

inspirierten , heiligen Veitblick nicht auf sie zu trösten und tka 
ihnen grosses Heil zu verkünden, wie geschrieben steht ;"Das erste 
ist eingetroffen und das Neue sage ich an... "Und dies ist der 
wesentliche Inhalt in den Tröstungen Jesaias Chagi und /.arhariaa 
Und so war es, dass in nicht langer Zeit aus diesen geringfügigen 
Anfängen in Jerusalem und Judäa die echten O^uellen des "J^eiligen 
und geistigen zu strömen begannen, aus dem alten Erbtums des 
Herrn nach ai en ^erbannungstätten hin und dass es zu strömen an- 
fing zu ihm zurück aus allen Enden des Landes in Gedanken und in 
Tat, und Geist an ihm festhielt als an dem Mittelpunkt ihrer 
neuen Einigkeit. Auch ihre Spenden und Gelübden kommen der Allge- 



I > '■ 



C: 



f 



raemnheit und dem Einzelnen zugute, wodurch Jerusalem in nicht lan- 



ger Zeit auch an materiellen Gütern wächst und zunimmt, So dass 



- V 



p 




man wohl sagen kann, dass i-w-^ijma der,^ grossen geistigen Vcu::tej 



die sich seit der ersten Rückkehr ausbreiten und mehr noch seit 
der Rückkehr Esras und derer mit ihm^ in der Schrift der Grundstock 
der ^ Heimgekehrten aus Babylon genannt werden, die Bilder und Atri- 



'^M>^ 



fKu^i^^^wr^i^ 



bute,die in den Prophezeihungen und Tröstungen für diese Erlösung 

gebraucht werden .durchaus gerechtfertigt erscheinen. Wenngleich 

' politische 

in Bezug auf die völli e Freiheit und Unabhängigkeit und den mate- 

I 
riellen Wohlstand des Landes unsere Weisen recht hatten, wenn sie 

diese Erlösung nur mit dem Wort C ^ i bezeichneten« 




^^. 



^ 



Das Land Judäa , nach dem es zwei Generationen lang verlassen und 

verödet ohne Mensch und Tier war, fanden die Rückkehrer völlig zer- 

von einem 
stört und das Land der zehn Stämme durch e ±n Völkergemisch aus 

dem Innern 'i^^nB besetzt, das die Könige von Assur dorthin vertrie 

ben hal/urfd in' dem der Kest der V^^wer^Ee*»«! aus dem Stamme äibäx 

Ephraim ^^e^^ÄÄ^^und mit ihm zu einen Volk verschmolz, cfe s nur 

einen ^il der Lßfe*^ bef olgte.Es sind die unter dem Namen Bamarit er 

! xA l 

bekannt gewordenen und später unter dem Namen Kut^m^Sie sind es/ 

die dei\zurückkehrten Gem'eTn^eJijJuda und Benjamin zusetzen und be4- 

^ grosse 

bedrängen, wovon noch die Rede sein wird.Zweif ^eUel sind es ,d4=«*- 

diese Rückkehrer treffen, die bereits die dritte Generation der 

Vertriebenen darstellen, wenn auch unter ihnen eine Anzahl Alter 

sich befand, die noch den Tempel gesehen hat^n:auf der einen Seite 

h r m nit.r i l ini hi nr i rrtr/ni _ 



von 




,Üas anderer Klima, das ^^asser und die Speisen, die au: 
Fremde,*«^ aus solcher Ferne kqmmen, schädlich wirljfen «Auf der 



ändern Seite bcJiängten -e4-« ihre bösen Nachbarn mit der Faust 
und mit Schimpf reden f^" 



ö^^ 



j'Y\ 



l/t^f^ 



12 
Nachdem sie m zu Beginn ihrer Rückktor den Opferaltar wieder 
hergestellt hatten und die täglichen Opfer sowie andere nach dem 
Gebot dargebracht hatten( man opfert auch,v/enn kein Tempel da idt) 
gaben sie, Em nachdem sie vielerlei Mühe und Drangsal erlitten, es 
auf den J^empel zu bauen oder auch nur irgendv?o im Lande ein Gottes 

haus aufzurichten, bis der König Darius die Regierung antrat.Da 

wurden von den^ .^4. 

MXOMXkExtxx, Sie di^'Häupter der Propheten, die unter ihnen erstan- 
den c;kag 



p^^mi'd Zac^arias ermuntert, wieder anzufangen und den 



tj?tMi4!^^i^ -^ 1 € 



c 



Tempel zu bauenjwie geschrieben s 

lichem Zuäpruch und mit trostreichen Reden. UnTt--e«---eJUh±:^^ 



»•Und es sprach 



der OeoHi^t -e Got irgs, ijn^ gättli 




loh bin mit euch, spricht der Herr" und er erläuterte sä ne Worte; 

"i^ach dem Wert/f^Ä^^ euch, bei eurem Auszug ays Aegypten 4eÄ 

f ^ 4aM ^^t^^*t ^g,^ tMnju^ 7^^.!^^ 

Bwn^ geschlossen habe, und mein Geist ^rtgflSb-yU»^^^ eueh > yjm±tt furch- 

tet Quoti. nichtiC ..*' Die beiden genannten Propheten, sowie auch 



l 



die anderen Propheten der Tröstung in Babylon 



"versicherten 



sie. nicht zu fürchten d*B Zorn der Bedrücker und dass von jetzt 

ab Krankheit und Hunger aufhören und Sattheit und Gelingen alie^ 

lange 
Werkes der Hände beginnen und da<Nr ıKxZeit ^n ihren neuen Sitzen 



bleiben werden, ja sogar, wenn der neue Tempel^der jetzt ftegründet 

noch so _ 
würde, gegen den ersten ^^ring erschiene, wird in kurzer Zeit seine 



Ehre gross sein, 



und die Schätze vieler Völker werden ihn 



füllen und aus allen Verbannungsorten von Ost und West werden noch 

sehr Zahlreiche wiederkehren und auch von fremden Völkern werden 

viele sich ihnen anscEliess^Pund^i^ Juden werden.Alle diese in 

der Schrift deutlich geoffenbarten Verkündigungen sind aufs Genau- 

VOD (j^ Wpj;ten_jier Frojdl^t^n^ 



este eingetroffen,nichtä|f^lieb unerfuTTT.-Auch nachdem der Tempel 
erbaut war ging man noch lange nicht an den Baud^er Stadt und ih- 
rer Mauern, da Jerusalem unbewohnt blieb.Während der ganzen &»^ 



der ersten zwei Hohenpriester Jos^bua der^ 
Jo jackim 



Jozadaks und. 




bauten sie nur Siedelungen und zwar 



13 



offene Städte und zerstreute Wohnhäuser tED» ihren Feldern und Gart© 
WewCSncöMTin die Schrift vertief t, kann man ersehen, dass sie 
wohl die Absicht hatten ,die Stadt und die Mauer zu bauen ,mwr 

abs«-^e«-4rfw*«rtTO--B*e/^Lar8:n raTt üeiraarb- dr*«« Äi4)ö3en Nachbarn n 



/ / 

mit Gewalt und mit verleumderischen Anzeigen smx« bei dem Gross- 



könig von Pers 



•s i en ««' 



luch der Prophet Zacharia hielt sie davon ab, die 

Mauer zu bauen, obwohl er früher in e ner Vision das Ausmaass der i 

^ Später , 

Stadt und die Höhe ihrer ?iauern geschaut hatte, x acgkkKX aber heissY c 
e3;"Lass ein Wort zukomraen diesem ^ ftabftn »^^ «Oiien 



/ »r. »Z*^ U 



v jt— ^ tV iL«, 



ferusalem 



^^'Iss^ 






VJ^ 



si1rz-^n,und ich we^rde ihmj 




e Mauer von "^euer und zur Ehre irr- 
/eeTTrer m«t5 I^SafT." Erst zu einer spateren Zeit »als Eliaschib , 
der Sohn Jojakims als dritter/Ffoft^rSpriester fungierte, kam aus 
Susa ,der damaligen persischen Residenz, der grosse Wohltäter 
Israei^j^cheraia mit seinem persischen Namen Hataraschta genannt, 
der Mundschenk des Königs zu dieser Zeit war(womit ein hohes 
Hofamt bezeichnet wird) und wurde zum Statthalter in Judäa,wie 
der erste Statthalter 3erubabel^^JS*4^fo«tii*^M mögen noch einige 
Würdenträger gewesen sein, deren Namen in der Schrift nicht erwähnt 
sind, weil sie nichts für das Volk getan, vielmehr seinen Zustand 

verschlimmert haben, wie deutlich zu ersehen ist.Alle aber standen 

Ober 
sie unter der gxmtnerrschaf t des Achaschdarpan,der über 

alle Länder jenseits des Euphrat gesetzt war, nämlich jener persife 

schen Provinzen, die xxot^ttjsk westlich des .Stromes lä/gen. Sein 

Wohnsitz befand sich in der Nähe von ^ ,das oberhalb des 

Stromes lag, -Das erste und grosse Hauptwerk Nechemias war der 

Bau der Stadt mit ^-aauern und Toren und wenn auch dann noch die 

und/ . 

bösen Nachbarn/die mit ihnen verschworenen Juden ,die kxx mit xäk 

ihnen verschwägert waren, nicht aufhörten ihnen jedes Hindernis 
in den Weg zu legen, ja sie gingen soweit, dass sie falsche Prophet ^ 
ten und andere im Gotteshause sich aufhaltende dingten, damit 



14 



sie Verleumdungen gegen ihn verbreiten und falsche Gerüchte in 

seihst 
Umlauf setzen, dass er eine Rebellion vorbertite und Propheten 

aufgestellt hätte, die ihn zum König der ttuden ausrufen sollen- 

80 übe rwand er doch mit seinem unerschroci^enen Mut und mit seineiil 

Vertrauen in Gott äL le Störungen und Hindernisse, so dass das 

Werk in wenigen Jäi ren durch ihn und durch das ganze Volk ,das 

mit Hingabe sich ihm widmete, vollendet v/erden konnte. Darauf »Ktx]l| 

setzte er seine Arbeit für die Wohlfahrt seines Volkes unermüdlic 

lastete das A mt der Landesverwaltung 
fort und wie es scheint kktKXKz die ^^ie^-rBChaf t im Lamle allein 



auf seinen Schultern ,ohne dass er 



es mit jemand teilte. 



/Ye-clv-*-^ 



o 






Die königlichen Dienste und die Steuern, die ik s Volk, das in 
seiner Gesaramtheit verarmt war, sehr besdiwerte,wie es die L^- 
witen auch in^ihrera itet Gebet bestä^ gen i^Das-^^errrdrrrSCTaven^ind 

\<UA^tö4iM^ I '"^^ ^ <^ Xj^c^^a d CL^i U^-UA^AiU\ ^^/Qj(/iCi Oim^Sti^ JjUIAMs 

ti^n- K&55en.'. .Und über 

ftd über unser Vieh^ach thre^g Itxjbt 

ff^cUjikAi 

- diese Lasten^erleÄ>.hterte_Lhnen Nechemia jedenfalls 




sofern 








um Steuern für die Bedürfnisse des Statthalters 
Gefolgschaft / 
, . . ^^^ seiner An^^es^tÄÜisn /handelte. uie grosse Armut im gemeinen Xai 

iiu44-urk/] / p^^^ 




f\'XX 



Ju' ^^rv^L^ 



.eigentui<ge£ä^ben fiatt^alsT^u 



nachweiselK 






;^, ^-^-v^Vt^— 7) nur für jene ^amilien und Sippen, die einen Stammbaum ^n^^IT^^y^) 

konnten, das neissu nu. lür jv.ne,atJxen iürusiuz« und Städte in dem 

y Tl 

r_ ^. :}%K.^^J. ^^*^ Gene±a^ionsverztrxuilUxa ucx cxaocn £ iieimkehrer ^l\ Namen gÄ»6s. 

'■^^ " genannt wa^en una aer aann aogv.sunrx«v>6n una uom ^uune Esra oei- 



/ / 



rßS 



geö-eoen ward. Und viexieicit a^un lür j-ne -•ainAJLA^u,aie mit aer 
Heriscnaft verwandt waren. Deshalb forderten in der Zeit der 
Bedrängnis die ^^ichen ,die in der Schrift Fürsten und Vornehme 
genannt werden irom gemeinen Volk v^»-Brtrag ihre^ geringen 



15 



1 1 

i 



^ 



Bodenanteile für i 



Ernährung und Steuer oder auch gegen Ver- > 



;^pfändung ihres Leibes und des -eibes ihrer Kinder und behielten 
sie, da sie ihre Schuld nicht zahlen konnten XÄxKRKKfcfcÄ >ls Knech- 
te und Sklavinnen, ihre weiten Landereien zu bearbeiten^Dleses 
Solches traf viele Gruppen von Bauern in den jüngst gegründeten 

Siedelungen, Y/ie uns aus der Geschmchte bekannt ist.Nechemia aber 

ruhte nichts 
iKXMMErxRtkxxKkraxiiKÄxraHKgxKÄJix ^emühte sich durch sein Vorbild 

undkohltätiges ^Virken so l3-nge,bis diese iatutKR Schuldlasten auf- 

k A g 

gegeSen und ganz getilt waren.-So weit von seinen Verbesserungen 

im » zivilen -^eben.Was jedoch die Gebote der V/eisung und die 
heiligen Gebräuche betrifft ,fand cTIese^/SJytitkÄlLtKX für die allge 
meine Wohlfahrt tätige Statthalter einen Verbündeten und eine 
grosse Stütze in Esra ,den Schriftgelehrten, der dreizehn Jahre vor 
Nechemia aus Babylon eingetroffen und etwa viertausend Vertrie- 
bene mitgebracht hatte, dazu viele Spenden v-^n d er Gemeine der Ver- 
triebenen in Babylon und auch vom Grosskönig, der ihn eine schrift- 
liche Erlaubnis mitgegeben hatte, Richter und Verwalter in den 

die nötigen 
Städten zu ernennen und aus den Einkünften des Königs AbgaBeh für 

das Heiligtum zu erheben. Es ist jener Esra, der in der Schrift be- 

i . - / C J ,^ .<_/ ■ ... . 

% zeichnet wird als ein ^KXSkxKklKx horrhUnndigef Schriftgelehrter 

' Mi-.-#«»^^ Gottes und /v / und auf den un- 

tA-c ^^^L^^i^ I ^schwengliche wäre 

^ , , " ^ sere l^'eisen das überJcriKiMtHK Yvort ;prägten;"Esra war/Bs wert,dass 

'-i^ /^xv^ ^^ Ä die Thora durch ihn Israel gegeben worden wärCfWäre ihm Moses n« 






r 



nicht zuvorgekommen **.Wir aber garggu,dass er zu seiner Zeit Israel 

aus 
im Geistigen solche Wohltaten brachte, w^ie Samuel jDt Rama zu seiner 



Zeit.Er ist der erste, von dem es in der Schrift ausdrücklichHtenLs 
heisötjdass er nicht nur die Tjorak vor dem ganzen Volk an den 7t#«. 
Festtagen des Neujahrs, des Laubhüttenfestes und an grossen Fastta- 
gen öffentlich verlas, sondern dass er sie ihm auch auslegte.Denn 



es steht geschrieben "Und sie lasei^im Buche der göttl i ch<m Weisung 



^-c/ 



L^ 



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16 ; 



< üTt-? /^# < 



'•"H.-«^ • >xj M^^^C*,'^'--^ 



Es ist hervorzuheben, dass sie die Worte t^standen 

. I 

die er ihnen vortrug, Es steh^'auch geschrieben, dass auch an Wo- 
chentagen die Häupter der Fa.inilien Priester un LeYiten sich bei 
Esra versammelten, um die Worte der Weisung zu studieren - und 
dies ist Cer Anfa-ig und Ursprung der Versammlungsstätten der Wei- , 
sen,wie wir sie im Laufe der Zeit des zv/eiten ^em:pelB und nachher 
f inden.^s wird auch /iH7^ry<arttiy7 gesagt, dass B&r^ sein ^rz bereite- 
te ,/ im Gesetze Gottes iu forschen und in Israel Gesetz und Recht 



zu lehren und zu üben.Der Sinn ist, dass er 






d.en Worten Raw 



Achas( 




)Sd) rif tgelehrter dff 3:. » V/cigmng . und bcnrim;^- 
er Ueberlief erung der v;eisung war.Und somit der erste 
in der ^^eihe der Abfolge von Weisen, die Sophrim genannt werden, 
und die Kxiuuutsx von ihm ab sieben Generationen lang einander 
folgten, bis zu Simon dem Gerechten, der wieder der erste^^Jt-cwr von )dv 
den Manner^der Mischna und damit der erste jener Reihe von V/eisen, 
die Lehrer des mündlichen C^esetzes he issen, aramäisch *Tanaiml' 
(Wie wir das noch näher erörtern werden in dem Kapitel über die 




Grundlagen (öer/'-lIberlieferten Lehre). Kehren wir jetzt zu unserer 



Erzählung zurück, so haben Esra und ^ückem ^^echemia eine Anzahl 
von verbessernden und wohltätigen Maassnamen im Sinne der T; 
begründet und getroffen ,wie amtxx es im Talmud an verschiedenen 



f»^ 



/ 



Stellen erY/ähnt wird/ und auf die wir noch zurückkommen v/erden. 

Hier aber wollen wir nur die äusserst wichtigen Verordnungen 

KKXKKx dieser beiden grosoer Pfleger Israels nennen, die aus- 

drügllich in der Schrift bezeichnet sind und zwar erstens die 

Entfernung der fremden Ehefrauen, zweitens die Ausscheidung des 

Gesindels^KTschlinge) aus Israel und die Entfernung jener Priester 

vom Priesterdienst, die ihren Stamtinbaum nicht nachweisen konnteru 

drittens eine neue Verordnung ii^ J o aiohu n g airf die vorgeschrieben© ij 
Abgaben flür Priester und Leviten« 'H^ie^^'^^ jl 



^ 



17 

Was uns nach einem tieferen Einblick in die Schrift und in die 

Ueberlief erung auffällt ist,dass zu Beginn des Zuströmens der 

rücJcgekehrten Verbannten von allen Ecken und Enden im Laufe einer 

bestimmten Zeit sich ihnen auch verschiedene Giuppen aus fremden 

Völkern ancchl &BTreriiT^f^^^-aus der Nähe und attFjier f^erne oioh ihn#tf^ 
anschlössen und in die Gemeinden im Heiligen Lande unterteu chtent 

wo sie sich zum Judentum bekehrten. Und v/ie beim Auszug aus Ae- 
gypten geschrieben steht"Und viel Pöbel Volks zog mit ihnen. ••" 
so kehrten auch aus allen Windrichtungen der Verbannung Vertrie- 
bene zurück, die den Anspruch erhoben^Priester oder Lew^iten zu sein^ 
ohne es beweisei zu können.Weiter ist festzustellen, dass die Pro- 
pheten der Tröstungen ip der göttlichen Inspiration und in der 



l^^^.i,^ Absicht, die Erschöpften und Entmutigten durch das Wort aufzurich4 



I 



''*L->' 




ten, diese 




: fi^t 



Jflixidigt^fl—und^ÄXL^hnen festhielten 



)>ß^ ^• 



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^c^oA^ sie 



diese 



Ja/^^a^a«. beruhigten /jund bestärk 



7 



^ Volke.." »'üad^Jch 



cheiden 




jgTam en. • • 




.ü.©<Bekehrten,wie es heisst, 
er sich an tox den Herrn angeg ohl o o - 
Bur^wird mich d-fix-Äerr^r^^ja^ seinem 



ihnen in meinen Hause und in meinen Mauern 
ie aaicmeinöB Bunde festhalten (von den 
Fremdvo iicefh ) werde ich zu meinem heiligen Berge bringen.. •/ denn 



mein Heus soll ^i»:^ Haus des Gebetes für alle Völker genannt wer- 
den . . . (Wir finden auch eine Nachrich t,dass der Hohepriester Elia- 
schib dem Ammoniter Tobias einen eigenen Raum in den Höfen des 
Tempels eingeräumt kÄJk±»,Nechemia aber Ibje± nach seiner zweiten 
Rückkehr nach Jerusalem insein Amt ihn daraus vertriben hatte • 



(j) <» 



■'i. 

I 



18 



•5 



Und in Beziehung auf die Priesterschaf t steht ge8chrieben;"Und 

sie werden eure Brüder aus allen Völkern zurückbringen* •. Und ai ch 

von ihnen werde ich zu Priestern und Leviten nehmen, spricht der 

Herr,.yDennoch ergab sidi aus diesem Zustand m di Verlauf zwd er 

dreier Generationen innerhalb dieser neuen grossen Gerne! S^ 

ein nicht geringes Uebel nicht nur dadurch, dass durch die Vermi««- 

schung und die Verderbnis der Praxis und der Bräuche, die im Volk 

sich entwickd te,)i^Äi mit einemjütimal eine grosse Mehrheit aus 

fremden Völkern in 1^ ein8tröri^n,so dB.S8 wohl unsere Weisen mit 

Recht über das Wort sich anschliessen den Satz geprägt haben; 

•«Proselyten wirken in Israel wie eine Ansteckung« , wenn wir auch 

keinen ausdrücklichen Satz in der Schrift finden, ob und in welcher 

Weise damals die fremden und ehrlichen Proselyten ihnen geschadet 

als 
haben mochtenfSO ist doch^ ein posttives Uebel zu betrachten, dass 

sie fremde Frauen ansässig werden liessenjd.h^dass sie Frauen 

nahmen auch aus jenen Völkern, die als Bedränger und Iwi^t Nachbarn 

ihnen bekannt waren^d.h. als Feinde des^-^estandes)der Nat^IoÄ<und 

was schlimmer war, dass sie ihre Töchter in jenen oben erwähnten If. 



Mischmasch »hineinheiraten 




der nur einen Teil 



>i 



der Gebote der Weisung befolgtd^und dor^zJXiit^ rtauchriP ''l^c ss e ! rr 
Und Frauen , deren Sinn bekanntlich leicht ist, haben nie die Sitten 
ihres Volkes ganz auf gegeben, vielmehr zogen sie die Männer zu üir« 
ihrer Art und ihrer Sprache herüber, so dass besonders ^ywäteirlrwird^ 
dass die Kini-er assyrisch sprachen(eine Sprache aus dem hamitis che 
Sprachstamm) und se- jed e s ifl-H*^irref und lernten nicht einmal heb- 
räisch. JBegurnteÄ'^^t^^ diesem Verrat die Fürsten und Vornehmen 
und das Volk folgte ihnen nur nach , wie das zu sein ^pflegt.Als 

die zwei grossen Landpfleger und mit ihnen alle, denen die Weisung 

der^ ^tm^^^^ii^^^m^ 

die Wohlfahrt und /Bestand der neuen ^m.rm% wridtradt am ^erzen la- 



u 



gen, erkannten, dass der Bestand des Volkes an diesem^vvixlUigen / 



19 



y 



•A-- ■ 



Pttrrirt> des Landes Judäa in Gefahr war, wenn dieser Zustand länger 

andauerte und dass^iSI wesentliche Schädigung durch die starke Ver 

da ^ /^ 

mehrung der Eindringlinge drohte,to^auch die in^ die Hmc;QT30ung weg- 

heiratenden jüdischen Frauen die Ma^ t der Bedräi tge>r natürlicher- 
weise verstärkten-fassten sie einen Entschluss und riefen einen 
Fast-und Versamralungstag aus.liie ganze Gerne in'deV ^CS^gg^^Q^ '^^ x-^^^i 
einen neuen Bund zu beschwören und ein Treugelöhnis abzulegen. 
Es wurde niedergeschrieben und die Versammelten setzten ihr Siegel 
darunter undJ^'b^MW*«^^^ Weisung ro ll atän^ ^^^^beobachten, ganz 
besonders aber sorgsam in der Befolgung der einzelnen Gebote zu 
sein, jener zumal, in die eTn" solcher Eiiib£uch_£^sxih»feett'war4/ «eher 

das heiraten fremder Frauen, die Beobachtung des Sabatlis,den Erlass 

die / die 

der Boden^;und"''Gel^^K^^ ttMX Abgab epf 11 cht en,*juc Spende eines 



dritten Sdiekels im Jahr für das Heiligtxim und die Holzspende nach 

Losen.Doch liessen sie es nicht dabei allein bewenden, sondern 

schieden 

CT-kr-gitTig'^gif die fremden Ehefrauen und ihre Kinder aus, die aus dem 

j 

benachbarten bÜB-^Ä Stämmen und ihrer Vornehmen gekommen waren 

was seireCrzeit mit der Absicht geschehen war, den Heuangekommenen 

folgendes 
Abbruch zu tun und sie auf Abwege zu führen. (Damals wurde djg^ Ge- 
setz erneuert: bis jetzt richtete sich die legitime Abstammung na^ 
dem Vater allein und die Verschwägerung war nur mit den sieben 




ausdrückli 



enannten Völkern verboten und auch dann nur, wenn es 



klar erkannt war, jetzt aber wurde 



die Legitimität der 



Kinder nach der Mutter bes- imimt und wenn sie nicht eine aufrich- 
tig Bekehrte war, galten die Kinder nicKt als legitim). Diese Äö«»- 

ffTJlT^TSnaig hsrrr^ dl^~8chwersten^Volgen/lirÄ b'ewirkte grosse Vaa;:* 

Uul^uaIs/^ ^ * ^ c^ V^ . 

wiprung und S trel T in den Familien und «g=3»ar^die Ai|grichtung ei- 
nes besondern Altars auf dem Berg Garisim und anderes, worauf 
wir noch zurückkommen. Der Kundige wird tc r8tehen,das8 dieser z:^^&^ 

-ee Bund, den wir erwähnten, geschloßsai wurde nach dem Vorbild des 
Berit Mosis am Stxxt Sinai und in der ^Vüste Moab nach dem Berit 






I 

» 

* 






\ 



20 



> 



Josuas in Sichern und der Bünde eims Teiles der frommen Könige 
^TO?ßß( zu ihrer Zeit »Die grosse Wohltat dieser Maassnahme bestand 



n i~~ f 



darin, dass hier eine EnlscheirAuftg- für Gegenwart und Zukunft getrc^i 

dieseja^ x-öoä^ aud dem "* | 

f en war, wer nicht in d^ai Bundf^ trat ,war von da ab v««» Volke Got- 



> / A^ 



^ dur^h 
tes ausgeschieden.Sbenso istfai^ I^Iaa s nähme , dass 2k Priester ohne 



Stammtafel von da ab vom Praesterdienst entfernt wurden, dem Ein- 
bruch fremder Priesterschaf t, der bei den zehn Stammen nofcö während 
der ganzen reit ihres Wohnens im Lande nicht aufgehört hatte 
ein für allemal ein lünde berä/tet. 



verfuhr Nechem^ia gegen 



diese Priester mit Milde, indem er ihnen die icJE^scteK pf lichtgemässen 

be; 
Abgaben und den Zehnten yjffiryiiess und ihnen nur den Innern Dienst 

und das Essen vom Heiligen verbot und das Stellen eines Priesters 

h ^^\aaj^/ä/i 
für die Urira und Tumim.-Alle diese Massnamen w#r4#ö in der Schrift 

•«> 
zuaamm^ng^faBBt in dem Satz :**Und sie schje den jeden Mischmasch 

aus aus Israel", • .Von der neuen Verordnung über einige in der Wei- 
sung vorgesc^iebene/{ Abgaben iwt zu sageni da offenbar die Priester 
in Vergleich a^ den Leviten t«- ohi^T Mehryahl- waren (nach der Fami« 
lienanzahl,wie sie ursprünglich in der Weisung verzeichnet ist, 
hätten die Priester nur den vierundzwanzigsten Teil des Stammes 
Leffl ausmachen sollen, doch Tt^^fe -»e4t Ende (aes 




C. ,armten die LeViten immer mehr und gelangten auf die Stufe der j^ ro - 
' . >reiyxSn\und Armen und im Laufe der Zeit sanken sie immer tiefer 

|v.cu^^|v.--/U^ am Anfang 

<^i5.^yitu und wurden dadurch völlig dezimiert) deshalb wurde verordnet, dass 

die Leviten einei grösseren Teil vom Zehnten, wie er in der Weisung 
bestimmt ist. den Priestern abgeben sollten, wie es auch in jenem 
Bund ausdrücklich erwähnt wird:Und den Zehenten unsere^ Brde den 
LeViten und es sei der Priester d e if^S^HnjAron s 



*^- 



J96^ 



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^w^-t^Ä'^.Als jedoch Nechemia das zweite aus Persien eintraf und sah 
dass die Lewiten überhaupt keinen Zeh^nten erhielten, ohne Zweifel 



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"Uncf ich vvi]A meinen Geist in ei/ch geybn, 

7 1 I 

da/s ihr wieder leben sollet, u/d wil^ 
ejich in e^er Land setzen' 



"• J^^^^^w^Z 




Mit diesen Worten ei^i^derte der Prophetrdes Exilsjf am Flusse Kebarr 
in Babylon dem Volk, als es ihn' fragte und sprach;"Unsere Gebeine 
sind verdorrt, unsere Hoffnung ^^«Ti^axsii-,und lot aus - m iir-bHf^a^ können 
diese trocknen Gebeine* wieder zum Leben erweckt werden?" In der Tat 
war diese Frage allem Anschein nach tief begründet ,aFe7Tir"^T5^--»Äii^a|«^ 
wie schrecklich ^ lati' i' vut 'Isratl/über alle Länder Asiens WÄ'r,un4 
dass es nicht gelang,nacir fer'Tierstörung weder im Heiligen Lande 
noch in Aegypten eine neue Gemeinschaft zu schaf f en,da«a^«4^ viel- 
mehr verstreut und in einzelne;^ Gruppen da und dort zerschlagen . 

l^iffc^ erreicht. 

^io^ben-und/^mzig im Land der Chaldäer kxtJüDixxtK es atxkxio^duaut 

HaA>«»>9ich zu einer grösseren Gemein^ zu vereinen, welche die 2ejl 
^em^me der aus Juda ^ r triebenen genannt wurde^ Wie schwer musste 
es ihnen fallen zu glauben, dass von diesem geriag g n Punkt aus 
ein neuer nationaler Geist erblühen und in dem Maasse sollte wach- i| 
sen können, dass er vermöchte, die Verstreuten zu sammeln, zu Gemein- 
schaften zu binden und an allen Ecken und Enden der Verbannung 
nach Möglichkeit geschlossene Volkskörper zusammenzuknüpfen; ob 
7.nm«i .ine solche geistige Wirkung stsrk genug wäre, um die VUUtschi^ 



emeinden >bQi ihror 



■^TFTande^^ -^ftd- bei 



Ä<«^|/G 

ihrer inneren Verschiedenheit durch irgend ein Band zusammenzuhaltei 



y 



das sie befähigte^wieder zu einer geschlossenen ^Tation und zu einem 
Volk zu ^--erden.zu einem Volk, das durch irgend eine neuTH^ÄpeS^U 

grösser wäre als vorher,*ia^vtrtr«/^64^gleic|i3aauein grosser geistiger 

T -v ■ j. . , ,ejjilieitli£li_und^ 

Leib mit vielen verschiedenen Gfliedern.die/inTiner Richtung zu 



handeln vermöchten. tjas alles schien unmöglich(aus Gründen, die wir 



A 






( 

2 

durch en 

früher erörtert habendes sei denn ein/Tta^eP und 2ielbewusste%. 
nationalea.'^eistider den von Leiden Erschöpften neues Leben und 
Kraft einflösste,die Schlafenden erweckte und die Getrennten zu- 
saramenfügte.Und siehYdafSie traf ein ,die Verheissung des Prophe- 
ten,die wir (3^©<iA^)Ai45^C>k^isrrd aJs^^ö^Te s ".ort diese Kraft innewohnt^ 

das Greistige in diesem "^xil erwies sich xix stark genug und , g Q8,A >j ^ 

beabs icht igt e JV5:v^^^ 
Hö^^die jgRygzgkngtg g rosse^Auf gab e zu vollbringen, U nd ' or ■■ Qfv>M.Qd^ r^ 

.te-örechvRen Frevlern w^ tuy ihn e i\ ,die .da^fNÄOJiliisterEiLen^ an dem Gedam.^ 

ken der endg^Jltigen Trennung und des Verlorenseins zwischen den 

Völkern f est auhaltcn^/ TJnd'wagT'TFir meint, wird nicht sein) . l^Hi«w>-^ 

Und wie unsere Weisen dazu gedichtet haben, xaiiÄHXÄXRX dass sie 

zu. ihm gesagt :"Unser Lehrer Jecheskiel, besitzt eirrUklaveC'den sein 

Herr verkauft hat, irgend etwas, das ihm gehört?- "Die iiwxmssi^xx, Zei- 

die ^ 
ten,die dann kamen und ^Ereignisse bewährten die 'Vahrhaf tigkeit 

seiner Prophezeihung und dass das Wort desaCx^tet^iW rficht eitel war* 

fiiAh- uns "^ — ^ 

Und hier ist ää es am ^fgt,d mfa "^Ir^ ^mg: den mächtigen Unterschied 



klar^^hen und fe8;;^ellen zviatipafd^r (Jeistesbeschaflenheit des 

Volkes in der vergangenen Epoch^^UnTTeTH^Tjetztigen Zustand.und 

wie ej sich Schritt um Schritt innerhalb der Zeit, die wir d^telle«, I 

Ausdruck ' " 

enthüllt und zum stärksten Xkuuckxxäs gelangt. Wir wollen ea (jas / 

Zeitalter des zwe iten nationalen Blühen8>fnund '.Vachsens b enennen. 

Vormals war das Leben des Volkes durch seine Ansässigkeit an einem 

Ort bedingt, durch das Besitzergreifen des göttlichen Erbtums und 

dass es vor Ihm eine festgebundene Einheit ^sowohl in Beziehung auf 

den Gottesdienst als auf die politiscyje Verfassung^^ng^eilte und / 

ungetrennte Sinheit.Der üei»t dieser BJÄit wuchs an Kraft noch , '| » 

durch die Kriege mit den umgebenden Völkern und durch die gewalti-' 

ge Bemühung^ jedes Joch von aussen abzuschütteln und in keiner Anga 

legenheit einem Tremdvolk zu gehorchi&feund so tief sass dieses 



Gefühl der Xiiitacti Zusammengehörigkeit in jedem Einzeln aus Israel 



r\^^n ,der Bingep flanat e genannt 



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das3 der im Lande Ansäasige 

wurde.gleichsam'gftiner ^.ei^am Stamne der Nation und am Erbtum 

Gotteg teilhaftig, das heisat mit ihm unlösbar verbunden und ver- 



knüpft; dagegen zählte 



der aus dem Lande Verschlagene sich 



den 



selbst zu,ii,/i5lenern fremder Götter und betrachtete sich als seinem 

Volke verloren und von ihm KÄK^pMÄhcxÄiteÄ a^eris8en,wie ein abge- 

/ f ^^ " ' ' '^— ^■ 

schzkitteiter Ast vom Baum, aus demer sein Leben a4re*it.DHi.u kciiii d^ 

-^ uralte Heiligtümer 

I ^ \ (prophetie .die Urim und Tumim und andere » tt ykKxt: 

die Fülle der Sdirif ten,die religiöse ]&««^u»g/ii/)^ und das erhabe- 



ne Wort, wie sie sich besonders seit den leiten Samuels und Davids 
entfaltet^- daa-^mrmi echte Quellen xa unvergänglicher ^ geistig«- 

V/ertel/an ^^üten 

grossen Gütern ist in diesem neuen Zeitalter nur G 




Jrdoch von allen diesen 

ri iigfü g e s^-^ae 



sickert »ur 



gamichts geblieben, denn schon zu seinem Beginn /^W||^ 

ntreh^ die ProphetiepiÄdhörtA gegen seine Mitte ganz auf.Auch die 

Hymnen und die Gesänge. und die Sdi rif ten in der heiligen Sprache 

in 
(die xKks noch in Babylon ati ^infk^ verdorbene^ Aramäisch sich 






v/andelte^wie bei den anderen Vertriebenen) wurden mit der ^eit 



immer weniger, so dass sie in der Mitte des folgende» Zeitalters 
fast ganz xxxsJSüDciautKic versie^ntHle^-ÖUDOt Veiirtms und sie anderen 
heiligen Schriften, die durch die grosse Gi^e des Himmels ^tloch 
nln^Tr-^verbli eben, (nachdem viele von ihnen, von denen im Volk/lceine 
Abschriften sich befanden und /Im tempel liegen geblieben waren 
mit ihm verbrannten und unwiederbringlich verloren gingen) waren 
damals wie ein versiegeltes Buch und bedurften der Uebersetzung 
und Auslegung.Das Schlimmste aber war ,das3 durch die grosse t 
Zerstreuung, die bereits mit der Betreibung der zehn Stämme be- 
gonnen hatte und wie deutlich zu erkennen ist,»4-oh 'auch in Juda ) 
( immer mehr ▼«iatAik te,KKt±xAgxx3ftKfct: vom Tode des Königs Joschijahu 




an und weiter, die Exirl|f<S^ich immer mehr von einander entfernten 
bis ins fernste ygrtti tr g g tm A%fen und in Aegypten bis an die 



{ 






,nach Westen bis in die griechischen LänderjA^und 



Grenze 

alle gerieten'^ sie unter die Herrschaft fremder Völker und ihrer 

politischen Sitten, traten in ihre Dienste und in ihre Heere, am 
Anfang hei den Chaldäern und im Verlauf der Zeit zum Teil unter 
der grossen persischjjBn Monarchie und gegen ihr finde unter die 
Gewalt der macedonischen Griechen, die das Königreich xroxd der 
Perser eroherten.Und trotz aller dieser T.ängel im Vergleich zu den 
Zeiten des ersten Tempels em^«er^-4^Jetzt im Volk ,das heisst 
in allen Exilet^ldiT^ein Wesen ausnBChen,ein grosses neues ^eisti- 
ges,das sich erhebt und in allen gleichmässig als ein -eist der 
v;eisheit,der Einsicht.des R^ es und der Kraft, ein Geist des Wis- 
sens und der Gotlesfurcht.Das will 8agen:ein Geist der Weisheit 
und iCinsicht.den Wert des Schatzes zu erkennen, den sie von ihren 
Vorfahren l^erbt habim.im Vergleich mit dem falschen Glauben 
der Völker^in deren Länderi sie gelangt waren.Ein Geist des "at es 
und der Kraft- ihre Gemeinden zu begründen -»»* sie zu e^ä^ken" und 
zu krönen durch die anbefohlenen Gebote der ^Veisung und der guten 
toxJOuDciBiDacitKXK Bräuche der Väter. Und so seir waren sie ihnen 
jetzt lieb und teuer geworden, dass sie ^^f-j^ 
Leben für ihre Erfüllung hingaben.Ein Geist der Erkenntnis und dej 
m Gottesfurcht, -UB alles was von heiligen Schriften noch übrig 
geblieben, zu samneln »aufzuschreiben und zu kopieren«sie zu stu- 
dieren und in sie einzudringen, mit Onterscheidungskraf t und 

Scharf Sinn, bis die Weisung i n j e dem B xrt aufs Neue sich festigte, 

^va/vJL^ aus Sorgfältigste ' " 

^wo sie gelehrtU verstanden und sorgfältig befolgt wurde, in jedem 

LandeTwiTliIe wohnten^Dieses grosse Schauspiel, über das wir, je lan 

ger wir es betrachten, umso mehr staunen müssen, war längst die 

Türfüllung Jener Verhei8sung,wie sie ausdrücklich in der^Schrift 

»fov,f rTi-iif.P"rnnTn..^n ') .dasB nach ihrer Widerspenst4gkVrtuna^>ttrt- 




ihr 



.Widers 



3 t^Sr während einer Uebergangszeit sie zu--ihreia- 



Harzen in den Ländern der Völkeri^ , wohin z sie Verstössen 



jf^,_^^^-^.rt^ fI<A'A-^ 



^w^rdTi-^ und zu ihrem Gott zurückkehren werden, sodann wird der Herr 
ihre Herzen und das Herz ihres ^amens beschneiden, d.h. die Zeit 
wird kommen, da das Geistige im Volk einen solchen Aufschwung nimmt^ 

dass es das erreicht,was kxkx vorher nicht einmal d^rf:? Propheten 

^ ^oc-ic-^^— YVTtAAAX/^ eiJ-f^T^ 
(y geg^th^te4^J?»^-Und so geschah es in jedem der vielen Exile nicht 

durch wt ffnr lnrrüi±yK geoffenbarte Zei chen und Wunder und auch nicht 

mi^ d^ Kraft des Arms und dl^Gewalt des Schwertes, von welchen 

beiden wir auch nicht eine Spur finden bei der Begründung der #»- 

ÄdkÄÄxXxx ursprünglichen Sxilgemeinden im Laufe dieser ganzen Zeit 

von der Zerstörung des -^erapels durch Nebukadanezar bis zum Beginn 

.der Griechenherrschaft, vielmehr geschah alles ^yf^-^p¥^^^^u^^in 

^stille Uft4 d«-i*cfe-eine2,innere Erweckung allein bei den Aeltesten 

und im Volk, die im Herzen einig waren über das was zu tun warfSO 



^ 



P-^'C i^(-r 



wie wir es lesen über die Gemeinde der lütskkskxKX Heimkehrenden 
ins Land Jahuda.'und es erweckte der Herr den Ge 



X 



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Serubabels 



4Jr6WT.und den Geist des ganzen übrigen Volkes,uswi^Und ebeflso wie 




er Prophet verheissen hat über die Hilfe von ^ben 



es ihnen 

und den Sieg über jede^ H emi i iu i ig U i iu H i ncTe r?B s^ ; *< Xxgkt Es soll nicht 



durch Heer oder Kraft ^kx, sondern durch meinen Geist geschehen, 
spricht der Herr Zebaoth. .. ".-Diese Zeich© und Merkmale des neuen 



Geistes, 



«2^/ 



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,wie er sich entwickelt und 



Schri 




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gewachsen ist im ta babylonischen Exil ist an vielen Stellen der 
verstreut / 

finden, und wer mit Verstand einzudringen verstehity 

dem enthüllt er sich und wird sichtbar.Noch zur Zeit des Tempels 

^ . 1^ ^(a'i^^ glück W 

von der Regierung des Königs JÄ<iWr-}khu o^ e lir ^fei^-^ dem Herrn 

immer ^ 

durch seine Propheten allmählich sjejucx mehr die Wolken des törich- 
ten Götzendienstes und des Aberglaubens zu zerstreuen und im ganzei 

an zu ^ . 

Volk einige Funken de» Einsicht «r* 4«^lachen, so dass später am An- 

i ^ 
fang des Exils in ±ii seinem ^erzen der reine ,von jedem Götzendie%(^ 

freie Glaube sixtr befestigt. Dazu kam, dass die Mehrzahl 



6 






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,1 .Vlo/^? 



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dieser Exilierten den vornehmen Itsa&xXxMK und Amx kultiviertesten 

Familien angehörten, Manner dÄXxXtjwRXKKhac^ic von grossem theoret>(i 

'\ 
sehen und praktischen Wissen ^äpssmi'» Abgesehen davon^dass dies in 4 

der Schrift ausdrücklich erwähnt wird 1 ersehen wir auch aus der 

^^P-"^"^"^^ jüngere waren 

B f^älil ung - , das s unter ihnen auch. JSag^ Mann er wohl unterrichtet 

l 

in jeder Wissenschaft und von ausgezeichneter Bildung«Auch dass 
ihre Vornehmen in den Palästen der Könige von Sabylon und Persien 
in hohen amtliche 3^ti»lX4,»^«A luüac£KBL>cw:iuubn Dienst taten und dass 
der letzte König von Juda ,der viele Jahre gefangen war, aus seineml 



''X 



efängnis befreit 



und von al l den Königen geehrt wurde, die 



mit ihren Familien gleichfalls von Nebukadenezar bezwungen worden 

waren.Die sangeskundigen Leviten ,die unter ihnen waren, sangen ih- 

mii_ 
re Lieder zwar MWtEirxaiiigtxwrTiixKJam leidvollea Herzen^ jedoch ga^ 

stiller Hoffnung auf Erlösung und Trost^wie jenen be- 



rühmten Gesang JLn den Strömen Babels/und viele andere, X hrg Stimme 

( 
Besonderen Klang erhält ihre Stimme in der Ankündigung der Erlösu: 

be m 
ta irtnir^turz Babylons und weiterhin, die Gesänge sind unter den 2k 

Psalmen ifc rBLreut,der Verständige wird sie erkeimeu* -Perner fin- 
den wir in der Schrift, dass es den Häuptern des Exils zur Gewohnh 
heit wurde, sich im Hause des grossen Propheten, der unter ihnen 



V^:<_<y Ax\.J lebte zu versammeln, wie geschrieben steht ;"Und die Aeltesten 



Israels sitzen vor mir" »Wunderbar ist aufih,da88 wir in einer 
früheren 2eit keine Spur davon finden, dass sich das Volk seiner- 
seits mit der Ei ^oTO6fiUfig .^l.Tg ^'!ioinei miaubemHi äJbze der Thora be« 



/JCVVV 






fasst hätte, jetzt aber erfahren wir, dass sie forschen iind fragen 

Über die. Wege der Vorsehung in Beziehung auf Bt ^lüteiiw ig und Strafe 

^7 )tl)iUA / sich von seiner 

[^49%k^l 14) über den' ,der xjol ULJouj^xXKsndxJuuiui gerechtlgkeit 



VVv 



,>in5»4ftt und den der sich von seinem fi Frevel wendet^ j^sekiel 3,18^ 

über die Ahndung der Sünden tirrt-eTs rit±K?rfl[yyitgtotririgtt des 

_ -...-n^— ^^ idluAM fUf^ 

Rechtes* der Väter~u1ber die Kinder und über 



künftige, Geschlecht 



hl»^ 



<£^-t;^- Prophetie,die immer ecr^ »» 

C^öi^felZO ,33) und über die Gabe der iroi» , f 

J^,:,,H^rtrfieVftkl 12,22)Auch die M*rheit des Volkee richtet «tte 
B^fe^^Sinn auf r^Sj^^l^^oJ^eji^n «ricAEa xici«x±Kj ^ach der Ankunft 

ihre alTen Irrtümer, sie haben mit 



in Babylo nien/und bereut» 

sich eine J*« Niederschrift der göttlichen VTeisungCdies ie am 
Anfang noch ohne Uebersetzung verstanden/ ebenso wie sie die 
Worte des Propheten in der heiligen Sprache hörten^ ^ ihr waren 
die beiden Strafandrohungen verzeichnet mit einer Auslegung aller 
Ereignisse bis zu dem Zeitpunkt, in dem sie sich befanden, und die 
im Priesterkodex schliesst mit der Verheissung"oV^auch wenn sie 
JRa^ (JUwA^^M^eAW'.^ ^^^^ ihrer Feinde wUi««-, verachte ich sie nicht ..."Und im 
^, ^-^ypiL<^ Deuteronomium schliesst die Strafandrohung ebenfalls mit der Zeit 
-r '^ ^ LL - ^ ..,_ ^^^« Ar. A^^ v^Y-Viftiflflenen Erlösung ein besonderer 



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,4v) 



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,^ \ llA^^i^/^^, 



I 



des Exils, nur dass da der Yerheissenen Erlösung ein besonderer 

istfj^d es wird sein, wenn dbei dith iLOüüliLU- 



Abschnitt gewidmet 



der Segen und-der FltrottT. . und wenn deine Vers 




^t/e^ .;C,V>)d^r'aus ist klar zu ersehen, dass ausser de» materiellen Güter^die 
(i ( sie dort ■be«.6*en,wie es in d er Schrift heisst.Felder und Garten. 

Häuser und Knechte, sie auch ebenso geistige Ä«4ren Ja»*t«n,die 
•iiliX«-^,«:axL_d£alÄmd zu knüpfen und zusammenzufügen. So wuchs und 
^'^ mehrte sich die Gemei^ der Vertriebenen in Babylon über die ganzd 
'-■"•^^^ ^^^':^.Z'eit der chaldäischen Herrschaft bis xh zu "tto^ Sturz^-«nä dem 
^' ^^'~ Sieg der Perser und der Gründung der grossen persischen Monarchie.! 

'tr^Da erstanden aus der Mitte des Exils die Propheten der Tröstungei-I^ 
'die zum Herzen der Vertriebenen de^ Gefesselten. der Hoffnung 
sprachen, ihnen die Trösfeng Zions zu künden mit allem Guten ,-4fte5- 
ULij x riarl r rVthr ^" ^-° T^nr^ iVn a r IT o Imnt tr ör t r e ttd zttZTreprSCSenl 
ihnen die Rückkehr Israels auf seine Erde zu künden und dass Jerji 
salem wieder aufgebaut und der Tempel wieder gegründet wird. 



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• 




Diese Tröstungen, die dem Buche Jesaias hinzugefügt sind vxAxjixxX 

besonders von Kapitel 4C und weiter v/aren und werden den Juden 

in ihrer Süssigkeit und Klarheit wie der Schatten dem Müden und 

Wasser dem Durstigen sein.Auch aus ihnen wird der Kundige das 

ungewöhnlich hohe NUveau des geistigen Standes des Exils entnehmen 

Es gilt auch zu wissen, dass die Perser und Meder,wenn sie auch 

an zv^ei Grundprinzipien der Welt Ormuad und Xx Arhiman glaubten, 

Kult 
die aus einem mythischen Grunde herstammen, keinen SxKiudt der üxmm 

/ 
Gestirne oder der Geschöpfe der Erde und des Wassers kannten, 

geschweige denn Götzendienst. Sie hatten im Allgemeinen Glaubensbe- 
griffe, die von Aberglauben frei waren, nicht nach der Art der 
Aegypter und der Babylonier,über welche Jeremias und die Propheten 
der Tröstungen in Babylon ihren Spott au sg.«»^een. Bekannt ist ifk 
auch aus der Geschichte/ das Verfahren des Kambi^6es,des Sohnes 
von Cyrus gegen die Götzen Aegyptens und ihre Priester«- Man muBS 
auch wissen, dass seit .Babylon im Niedergange jkä» und die K e nige - 

4er Me4e- r O y ruo nm^^^--^8^lTe-"TDrfatrrgn im Auf stieg^i^alle Völker, die 

C worden waren 

von Nebukadenezar und seinen Nachkommen unterworfen w«rtr?n,mit 

besonderer Gunst behandelt wurden« Nach den Erzählungen griechischer 

Schriftsteller aus der Zeit der persischen Herrscher geht hervor, 

dass Cyrus seinem Heere befohlen hatte, die Völker Sjrriens besondeBj 

die 
zu schonen, das sind ^juu Völker, die in der Schrift als diejenigen 

Kelch , 

bezeichnet wed?dari|^^^4ie^^den -bl ttcron lgj^jifty der Ni ederlage ^ durch, 
gezwungen waren^I-^^^^'^ "" J^. ^ ^ ^^^^^ 

Nebukadenezar (ßis zur Neige 




Aus alledem können wir k 



urteilen, wie der Grosskönig 



sich zumal g^z^"^ unser Volk verhielt, das/ er auf einer hohen 



Stufe sah, gekrönt mit Wissen und mit Glaubens 



8 b8g y ifia n,aie "v 



völlig 



frei von Götzendienst waren und in dessen Hand sich die kostbaren 
Schriften fanden, die ^imetr Jos ephus in seinen jüdischen Aler- 



Ae 



dem 



türaern die ältesten Jsraels/Cyrus vorlegten. Angesichts alier oLxkx 
dieser Vorgänge können wir wohl sagen, dass die göttliche Leitung 






\t^M^ 



e Väter aus Aegypten mit Zeichaa und geoffenbarten Wundern 



ausgeführt khatte,umiiiy Herz des alten Geschlechts mit dieser 

ersten Erziehung auf die alte Weise den Glauben undechte Wahrheit 

I 
einzupflanzen, wie geschrieben steht" Ich bin es dein Gott, der dich 



/ 



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-H^dPv» ^ ^^«^ die gl ei 




f^ -CH/Vi 



usgeführt hat aus dem Lande Aegypten ..*" und 

0^ Vi 
gleiche führende Vorsehung ist die/^jetzt 



YkJLh^^^^Y^y-Y^ ihrer unendlichen Weisheit für gut fand, die Erlösung de V Nac h-:) 

Iv^/^^'ST^I " — ' ^^^ 

\ ^ji^^kMAJ^ Vj^ ihre geistige Wiedergeburt im Still» 

^^^j^^^wt/^ "~ ~tmd- gleiclisaun durch gehe ime^gei st ige Kihrung zu bewirken, ohne 

^ J\ St5Tnng""^:eK N^tupgG8etflo .»vielmehrin q-Wh^ dioo o g oolbo -t-^gleichen4^ 

? 1 ' zu Beginn 

♦ den Art und Weise.Wir können auch sehen, dass wmxXmtXK^ der kaäaoi 

kei .Tuenden Erlösung eine Anzahl Manner Zeichen und Wunder forderten^ 

andere wieder att#~4feiwegen unti ^ zum gleichen Ziel zu gelang- 

gen Suchten, worauf innen der r'ropiiöo crrVj|f|aeri.e;"So spricht der 

Herr, der Heilige •« Israel/ und ihi - MeiatM ^;f ordert von mir die 

Zeichen, weiset meine Kinder und das Werk meiner Hände zu mir. Ich 

habe die Erde gemacht und die lienschen darauf geschaf f en# Idi bin^Ä 

dess Hände den Himmel ausgebreitet haben, und >y^if» alle^ sein^ 

Heer^^ ^b e^^ ai Tläihabe ^fflyt ^ecke t iJa.:£Lfi£aßli.U«k«4 , und alle sa ne 

Wege w ^ir^lui euei »- machon . Er soix meine Stadt bauen und^ meine to^ 

VJi^^lassen, nicht um O^Jkl rwtrh um Geschenkit^; . '♦Ebenso in 

1 ' — ^— ^— — ■■-■■■! I »1— ^.^ II ■ ■ 1. mmmm-^tm m % t » m f\ 

einem der nächsten Sätze//, »«.^ er^^ seiner ^eise über die f^ 
Torheit der Völker spottet, die ihre Götter mit Augen sehen und 
mit Händen tasten wollen. i^Aber die Götzemnacher müssen allesamt 
^V h laUaxa^^^^^xm ^^^ Schanden und JIobnb«stehen.. . "Und er fügt hinzu gleichsam wie 

einfBeJc^Äirrir;S?1"Fürwahr,du bist ein verborpen /Gott^du Gott Isra- 
els, der Erlöserr.."- um auf die geistige göttliche Führung Ui die- 
ser Erlösung hinzuweisenf verborgene Wunder).i[Jnd so geschah es. 




/ I 



n\ 



9 ^ 



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• 



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dass im zwanzigsten Jahr der Kriege des Cyrus bald nachjiem 

die ^Residenzstadt Babylon in seine Hände gefallen und die chal- 

im e i/^^yö^Lt^- ' 
däiscbe Herrschaft auf gehört, ääk Jahr,d<&s in der Schrift das 



erste Jahr seiner Herrschaft genannt wird,gesch^^^n steht:"Da 



erweckte der Herr den Geist des uyrus».."- Und /beachte wohl, 

dass ähnlich wie bei natürlichem Wachstum so auch das VTachsen der 

Erlösung am Anfang aus einer geringfügigen und kaum beachteten 
..u^>x dass nur' 



Saat auf aJLi£Lg.fUnd (dSsarme Volk mit einigen Häuptern sich willig 
zeigte, mit der Erlaubnis des Grosskönigs auszuziehen, im Ganzen 



etwa zweiundvierzig tausend Seelen Jv/cvon der zehnte Teil 

Priester und Le\Aten und das Verhältnis der Priester zu den Le\fitei| 

etwa wie zwölf zu eins war^, indessen die I.'ehrzahl der Verbannten 

und wichtige 
an ihren V.ohnorten blieben, zumal k±ks grosse Gemeinden, in denen 



die Vornehmsten lebten^vom judäischen Adel iknd den Nachkommen 
des Hauses David in Babylon,lTehardea und j <Ai ^ 
Die Heimkehrer waren zu Beginn ihrer Ankunft in Judaa in ^ 



A 



^ 



schlimmer und grosser Bedrängnis, so dass ihre Hände «ti^e ^wi^Hlßn, 

als sie sahen, dass all die günstigen Verkündigungen noch nicht 

hörten mit 

eintreffen wollten.Dennoch Kkx^kk die Propheten KXKkt in ihrem 

inspirierten , heiligen Weitblick nicht auf sie zu trösten und 

ihnen grosses Heil zu verkünden, v/ie geschrieben steht ;''Da8 erste 

ist eingetroffen und das Neue sage ich an.#,*'Und dies ist der 

wesentliche Inhalt in den Tröstungen Jesaias Chagifund Zarharia^ 

I 

Und so war es, dass in nicht langer Zeit aus diesen geringfügigen 
Anfängen in Jerusalem und Judäa die echten (Quellen des heiligen 
und geistigen zu strömen begannen, aus dem alten Erbtumi des 
Herrn nach allen ^erbannungstätten hin und dass es zu strömen an- 
fing zu ihm zurück aus allen Enden des Landes ii^ bedanken un^ in 
Tat,und7^ist an ihm festhielt als an dem Mittelpunkt ihrer 
neuen Einigkeit« Auch ihre Spenden und Gelübden kommen der Allge- 




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2 



(ä) 



Das Beispiellose ,Binmalige ist hier,cla8S der Einbruch des J 
Unendlichen ins Endliche, des Öeietigen ins Irdische,nicht im Laufe 
einer natürlichen Volksentv^cklung vor sich geht, sondern dass es 
Ton Anfang an darauf abgesehen ist, den Volksleib zu einem Organis- 
mus zu schaffen, geeignet der Träger dieses Erlebnisses zu sein» 
der ^euge dieser Verbindung mit dem Unendlichen. Und ein zv/eitej^s 
Moment von ungeheurer Bedeutung tritt hinzu :alf^ die Erziehung 
vollendet scheint, wird diese seine Bestimmung dem Volk offenbart» 
im jenem Berith Sinai, öbra ein Wort ,das wir unzulänglich genug mit 



dem Wort Bund, Vertrag übersetzen können, wodurch allein zum Ausdruck 

kommt, dass hier zwischen JAenschen und dem Göttlichen, zwischen 

dem Endlichen und Unendlichen eine unlösliche Beziehung stabili- 

siert wird#Und noch etwas: Die Erzväter Abraham .Isaac ^ Jakob/ 

die Erzeuger des Volkes ,auch sie tragen rein menschliche Züge, 

sie stammen nicht von Göttern ab, sind auch nicht Kalbgötter, wie 

die Volksgründer und Herrscher im ganzen Orient und in Griechenland 

bis spät zu den römischen Caesaren hinab.I^enken Sie nur an fkxxwBSix& 

ein 
divus Caesar, wo das divus durchaus nicht kXk schmückendes und 



KxkBJSLKKQtKxx xsxKKJ&KiutK erhöhendes i3eiwort ist, sondern ganz real 
die Bezeichnung des göttlichen Ursprungs meint.Die Erzväter aber 
sind Menschen und Söhne von Menschen.Es \» rührt angesichts dieser 
offenbaren Betonung seltsam, wenn heute noch etwa die moralischen 
Qualitäten Jakobs an der oder jener seiner Handlungen von ernst- 
haften Forschern unter die Lupe genommen werden« Gewiss gibt es 
manche mythische Heste im Pentateuch,aber im Entscheidenden sind 
wir hier auf unmythischem Boden« 



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Cu- 



lxeöcnt\ -c .e 



^(•1 cuiueren nat-irlicli revucQ^j^fien 
iu.i i e-- anner'^cirts v:or--:^4'fi*r^t;a t , sondern 



ncttai'liclicii VO..XV.. ^ n chtr.-t^ndereL^ ii:t,tas 

dass Kirircxt die Vol-^csv erauu^ von Allianz c^n ^j^iffen daraui' ...aejrulrtt., 

allmähliche 3chatiun§ eines en 

die;('VX>^;'>Ji7'A^;^ «?4?^^Volksleib. alB Gp^nipmus :^-^KGh5it.T:sn..-^xT^ 

u sein dnd danii ein zveites 



/ 



eeignet der '^räger dienes IciBtiy^n z 
..oneni: von ungeheurer .^edeutimf . ils es so -eit i^t, diese ; >es-ciirimu: 
;^{>,..t ■ './q uL . i. g li— fr^-^Tr^^-^--^fv/ •] B herrscht hi-^r ei^.u ^^i ch.l .es^^l; chk 



keiL, chon von jinn cin,ohnc 
Yo 1 . ce B un v i-: r s t an d 1 1 



eiche ''resCfLichce uno. ja:- icou 



iu*l vi.es 



^,,^,, >^i-i-)t:,n iaas::-e;i« '^ie sehr die dem Vol.vt^ auf er- 



- 1 i../ .L 



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yrutiv 



le^to: 3 liui.^iii. r.ls ein r/o au«:!erordentliches von Anoe^i, 
Ä**ci von ih.i eloot eno::und:jn urde ,aavcn i,-.wn nxsr.x -chü^^n <^i'^ f 
ait..bocn jjQAuLiii^tinoc ::oU._.nis , ^^o zu/i ^eisjiel der Ausdruc:. von .ui^^t 
und Intnetzen i^xKkxdsrx^^xrx bei äer Verl:dndung des QeicalogSjder 



zehn deboue ( ^xodUb ..v lb-1.; u.... . .muu un-i ,-.m 



ras c Li '" c uö/i ctu. 



en 



nand c i 



in;:i(3e "^r-" 



'zahiunLT'ilhrt d-oruche Uii .desen ;']rv afiiun:isvor^,:.ix. 



^ 



..n t^.LC'.ori in er -.lov^^r sov/ohl der Zv-ang und die Willigi^eit ,das 
Joch des him/filischen (reiches in dieser 7elt zu tragen zum Ausdruck 
können. Bf^achten Sie auöh Folbendes . es v;ird nirgends in der 3ibel 



a 



Is debot befohlen xMX^ai^xxMx^^stiaJiKÄ , v:o das Befohlene ^,^\\.r ^-enau 



N, 



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fixiert ist, an lott zu claubjsn*^?^^^'^ ^^"^^ '''ort dlaube durch die Xi^u^-j 
\j^.^Jy,^--rrr7^r^^ die paulini^che Lehre allKiahlich den dinn 

von Gebundenheit, Verpflichtung dazu bekommen hat, so haftet ihm 

"e'-ühlsrnTssig et^as Krampf it^es an,et^ ci.s ,das vir p'leichsam 



/fTöc ii g 



als Jur:^tament empfinden , als müsi ten vär im Geiste einen dprung, 

Dae'e, en . ehlt 
eine Anstrengung machen, die nicht iriraer r:elinc:t.9=A^^'' selbst dem 

s^athebrai^^chen "'d)rt •. ^- 



n.aubon ^^^^^x^tA^ n^^M^ :'*ese ]Te '';enbedeutung 



^| JJ^, . völlifl:- es if^-t vom 3tami:e ■'Amen"das heisst, sicher, vnahr ,iest, 



l/kl^ '^<^^ 



ic^A^-k'^j - 



zuvorlcisnir» -'if? ^vare deshalb }':,st absurd vom Israeliten und auch 



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y; .1 e 



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om soc^teren Juden zu sagen, er flaul^e an doU. ebenso ,un er. dras^tisf'^ 
.- 'ZxTl^t^^AX na-enr^tY.-a ein KunJtigvr Kistorixer un^.erer /.eitvfTITgen sollte. 



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hi 



^r haben an die ";lektrizit..t geG-laubt. ,,'i Y^iTTe^^ihre •.,irxun^:t.n, 
iW'^ die Israeliten sahen Gott. Alle \eur ^ "vun-.-nn in dieBen riinicte 



in ien alten ^okunenten , 



- i -' j O tt 



u£h stin; en hier aberein;die 



(Gefahr i-t nicht, e?^ könnte jenand f.n ^ott nicht -ylpuben, dieser rall 
ist überhaupt nicht vor^telibar, sondern er xönnte et v c;:. . dsches, 
et^van TTnrLChti:;eB von ito t^lauben, oder zu vdssen meinentv^as in dai 
Fol;:en meines Verhaltens praktisch r^enau ho reiährlich ^-are,vae 
^t^'-a iler Stronlc-utun- zu nahe zu kon. en oder rien Awarat falsch zu 



behcindeln. 



als 



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vyas nun die -^rähzeit ,die v;ir)die 'Veit des lentateuch bei;eichnen 

jüd i ^' chen.^^ c^^»^*^ 4c-A-a»-v/ a^tZ^ 

von der npatererrllntersc'ie dui o >. denaBegrii'f Entv/i- 

ckelun/- beizukOi-L.en. Auch dcb i^^t ein euro^oaiechcr "^erriff und >«ff- 
aus den Gebiet der 'ViRsenschait, wahrend vr'.r es hier mit 



anderen i 



r.a Cchkeiten zu tun haben, die ihre TCigen^resetzlichkei t 



Ji- ; 



X. 



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in r^ich b sitzen^Das entscheidende -Ai-tun i;t ntuts die Ge^. env/art 
Gottes im Vol^c^Bein Dabei-Sein /,die Unrai t Lelbarke ' t seines "^ingrei 
fens.Das Kerbe iführen dieser Ge env/art , dieses .injroiiens ist :?^k:x 



'^ ^ ^^ . ';e-ensta.nd des Dienstes.^er :Oienst int cl^-ichsari die Technik, uiii 
—^ .L. ^'^'*'i;3' ^i®''® äKXKKXxxÄ Anvefienheit herbeizuführen.^ift .kultii:Chen Kinricht- 

F '^'"'' tunren.das :^dtual sind die T-itcel do, zu. Inner v.ieder J..-. i^-i i'entateus 



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ie ":orte:"Ich -erde unter euch v/ohnen'' "Ich v/erde da LU:in" ''Ich v;er 



;,<, 4.'-^-> 



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• de mit "".uch nein" c.ls die Gevilhr eines vollendeten ZuBlanaes aes 
'l^^^,^ Gleichcevic-its zv;i8chen Gott und Volk, Ist dier? Gleichgev/icht durch 

treten die historischen ICatastrophen ein. 



.n<;V^/*' '^""ir end et^'-as (gestört , dann 
"^^ -^ j 

, kx^' vT" TTun betrachten vir einnal,v^ie in Verlaufe der ^^rühzeit dieiu; Unni1j|(' 

telbarkeit xjtx bald stär.'i.-r ,bald Bch^^^acher zui^i Au^-:druck koirurit und 

^en t sj r e chendJftXKxKxxlc 
in ihren Verfolg dteTTiTsTori fachen Erei^'nißse. Im Zug durch die Wüste 

nach der üfl enbarung ist der Ohel ];ohed^das -elt der '^ecegnung der 

Punkt ,wo Voi:: und Gott sich treffen. Die An^''esenheit v-ärd ^oe zeugt 



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III 



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ü' • 



durch dao Voranschv^eben der 'Volke am Tage und de^ .ener^ bei Nacht. 
T)ernentf;prechend daf^ unmittelbare T^inereifen in alle T^reignübe 
bi. zum Tode Hon^^Mit dem ^intritt in. Land iU.naan ict die Situa- 
tion verändert:da4urch,da.B die 3täm>ae suczessive von ihren x^r^x 
verhcir-senen Anteilen Besitz ersreif en ,ir- 1 die EinheitlichkeU 
des Dienstes zerstört. Das Volk iBt an«asBig,dc.8 Keil letum wandert, 
^rst treffen v;ir das 7^^ ,«4-A/^e^ ^"'^ ^'e durch Hoses her.est 
stellten heili. en :Jerate in riilgal, spater in 3iloh,dann verteilt 
-ich der dienst zwischen 3iloh,3ichem und XKtl«i Beth-"l,die z^^lei 
zugleich Versannlun::spunJcte für die Äiterten der Stconne sind, wenn 
gemeinsa.r.e Aneele,^enhei en betaten - erden. Ich übersehe Taten und 
T'lreisnif^ e ,die Ihnen zun grof:f:en Teil au<o den historisch-propheti- 
schen .3üc'nern der Pächter ,o.,mueli^= und Könipe bekannt sind und ^ 
will nur einige Tunkte hervorheben, die f^r diese Zeit '*TT^ -/frr?uJ."t^ 
Ädtx jenes ^rundve rhaltni^ z^.iac^n Vol-c und Gott in im.er glelchtel 
bleibender Bedeutung beBtimaenSt-'.eii'er und -^hrgeit der Stänrie 
untereinander musste'' natureenäss sich auch dari^ aus.ern,duss jede: 
Stamm, und innerhalb seiner ":iedei|^it einander v^etMfernde >toix 
Sippen und .xrup.^en sich der göttlichen .lepenrart dadurch zu ver- 
sichern suchten, dass sie eipene Statten für den Gottesdienst schu- 
len. Auci.;-4%4-eji_£Uälien--i:j^*T**^ '«ie -politis 



che Zerrissenheit und 









Ohnmacht X/ Teilkrie-e und Fänzelaktioncn.^Tie \iiT sie im Buche 3a- 
mueliB r-eschildert f inden„frn-"enGsten Zusammenhang mit der ..ers^^ren- 
punf- und Verstreunc der gottesdienstlichen Statten . ^ - tch^n - . oo dass 
schliesslich dem Propheten Samuel nchts anderes^ übrij bleibt, als 
. ^ „ , mit der Vereinheitlichunp der' ^ienr- tes ,die er anstrebt Träx^hä, 
u.-o^-,\d ^ "- iÄn'^'äH^-'^^i tisch eine einheitliche vührunc in der ^^r-uhlunc e4ß| 
r r^i K^ ^^^ eines Königs zn geben. Und nun b»«tTtrt-.^^^U*, wie dieser Vorgang 
^''^"^ ^,^h. dar. Verhaltni.r zi^iBChen lott und Volk reiXaltet; 



"Der Herr sprpch aber zu Samuel : {jehorche der 3ti/ui/e des Volxes 



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in allem, das sie zu dir i:eBac:t haben, denn sie halben nicht dich, 
sondern mich ver^rorf en,dass ich nicht soll Köni:^' über r-ie sein... 
Und Samuel sagte alle Yorte des Herrn den Volk ,das von ihim einen 
Köni{j iorderte.IJnd nun folct eine Darstellung des Königsrechts, 
die v'johl in keinem Volk der Creschichte je erhört vurde."Das v/ird 
des J^önigs l^echt sein, der über :^uch herrschen v-irdt^^'^ure Söhne 
wird er nehmen zu seinen ^Vagen und Keiitern,die vor seinem Wagen 
hertraben, ^'nd zu Tlauptleuten über Tausend und über "'ünfzig und 
zu Ackerleuten, die ihri seinen Acker bauen, und zu Schnittern in 

te und dass sie seinen Harnisch und was zu seinen V/agen 



seiner ^^rn 



gehört , /'lachen. "^Cure Töchter aber v:ird er nehmen, da,ss sie li^jjxt holLOv h 

^jüm, Koch innen und Becker innen seien, ""Cure besten Aeck^^r und Weinber. ^ 

^e und Oelgcirten kää ^''ird er nehmen und seinen Kjiechten rceben.Dazu 

von eureK Sacit und 'Weinbergen v-ird er den ^ehenten nehmen, und 

seinen Käm...erern und Knechten geben. Und eure I-jiechte und Magde 

und eure feinsten Jünglinge und eure Esel ^^fird er nelimen und seiß- 
seine 

i'^eschäfte da.mit ausrichten. Von euren üeerden v/ird er den Zehnten M 
nehmen ,und ihr müs^^et J^eine Kjiechte neini'Ijnd zum Schluss noch die 
Warnung ;'*V/enn ihr dann schreien verde t zu der Zeit über euren 
König, den ihr euch ervählet habt, so v^drd euch der Herr zu i^Btxal 



derselben aeit nicht erhöre 



r 



n". Im Sinne des rerithjdes Bundes zv-i- 



sehen Volk und CTott ist das ein Kompromiss ,der seine 7olgen ha,t. 
ein Kompromiss ,der eir:entlich ein Abi all ist, und den zu repe.rie- 
ren unermüdlich bemüht sind und ohne Erlplg.Ein i-ompromiss ,der 

I 

alle Gefahren und Katastrophen schon -i^fr-H-^h enthält , reiche der 
israelitischen und judäischen Staatli r:hkeit undPolitik bevorstehen. 



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elbf,t auf nem Höhepunkt der ersten küniglichen .'acht und Herrlich- 
keit der Herrschaft Davidf» steht nicht der :.:önig als Gesalbter des 
Herrn, als fUpräsentant der göttlichen Kerrscha.l t vor deiu VoIk, son- 
dern un-ekevirt tragt er die Ver&nt^7ortung vor r.ott und_yolk für 

Gottes 
alles .was er tut, und beugt sich diTT Spruch, durch den Propheten, - 

2^-eiw v;erden genannt : Gad und Nathan- die ihjs je v^itlicher seine 

Hesierung ^-ärd.als Warner und Verbieter auf treten. Dringen wir etras 

tiefer ein in die Störung der xkx >/erhaltnif«es zv;isc]?en Gott und 

A/ol.<,-";ie Bie sich in dieser ruhen ^ipoche darstellt. In AllgeMeinen 

""" finden ^Hr al enthalben, v.'enn von der Vereinzelunr und der Zersoren- 

gung der Got lesstätten und des Dienstes in Lande die -cde ist.MEXSt 

rne stens den Hin-eis auf die /ernischung nit fremden Diensten, die 

durch die Umivohner, Nachbarn hineingetragen • erden. Der Ausdruck, 

der spater in talnudischer und nachtalriudischer Zeit GötzendienBt 

bezeichnet, hfeis: t /(^- odah i-5ara, fremder Dienr.t , Dienst des -rendcn. 

in dbertr-;ener Jedeutung des -Hlschen/'-idersiniigen. AI ; frend 

und v/idcrsinaig in diesem Sin'ie gilt schon in Pentateuch «.lies 

Ir-'ationale,das in riythi.cher Gestalt und -orrn austritt und das 
-~ vor :ef:tellt k ' herbeigezvungen ,, 

Aa<>- durch Bild/lS^. Jeschworüng^ geneigt g^nr-.cht und verehrt vird. 

Finden v'ir ja schon als eines der dringlichsten und am meisten 

wiederholten Verbote von Anfang an:"Du sollst dir kein Abbild 

g machen wivuiAijae»-'WTf''. Trotz aller Bemühungen der .^eligionsf^i-^^h 

forscher ist es, glaube Ich ,bis jetzt nie gelungen, diese / erstaun- 

t\iZ'^ ^"^ _ liehe Ta Sache auf irgend eine späte Abstraktion zurückzuführen. 

r . - /^i Die Tatsache ferner, dass die Gebote des Dekalogs und die mosaische 

^^ /r^^^ - Lehre JcKXXKX^JfKJCxsxKÄi der Kosmog<)nie ^adej^ der Schöpf ungsge^chichtf 

""^ ^\ i j- AU^-^^OH^üoiLr. ke nen irs^^^^'-i^^ weBcntlichen Anteil an der Begründung 

der von ihr .jeschaff enen Lehensordnunc einräumen , hat zu dem Irrtum 

geführt, dasR nan von ^eviBser oeite nur das ^e^etz 



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-resehen hat und die Rel i •" i on /'ve rrni 3 s t/J l y ;. <^ a^I c, 1 oi i . ' 5cii i ^-1 ■ — Ion ■ cooH er ^ 

^ ^"-^^ — : — ^ ^ A 

•- o 1-^ 1 r: r^h f^.-n J x t u h n rhw.i i^ TTn r\ hi^-- heute hat sich der Irrtum f ort^'^erbt fiUr. 



^iex_jii-e'ittO-r?ai^etie---dEjehre -nlcht^^'^alT^-^'e* ne^ Lt^ üt^ni^ethik ^ein Sit-^^fttr^stir^^t 



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v . o a raboH f dr » 8 . ® » 4 i e <^ • - 1- 



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U»r4i t ff-l h^r,^_i^^, a , i;r.f--^-" ^t* ' Än4»;t.y-ttjft^4i-^l- f-ff-> n.T^r-"g(^l3ir*'rl rm '" Vft rh ; -.1 1 en 2U Jo tt 



l'liesst,4*r«- 

2i.i^^>> <^^ f i e y ' - >^i.li >^ i o n zu 



löofö llO'lbl'TlC ] Ji"r": ' ^? ' i ' ^J ivM 



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gT' ^ ltT, « ; n ;" 'r; ^ig t^-«t5tfKt" '=Ä«lciEX-di-e---?^ i n-^ 



cß«>*i--i ' en| tri linne des Juden unterlie:^t d 



dag Sitten-^'eaetz aur5 diesen Crrunde schon .\'efühlsriässig rceiner histc-i 

ri^^c^en «"-.ndlun/^ und keiner Veranderun^^^^ per ^e it. Ich bitie Sie da,s 

> ^'^'-»■^ ^'''^ ;'^-- > 
j e3tzuhaltcn,'''enn ^-'ir uns spctter der traditio^iellen "^1 c>.u4€-yu« g 1 v; i e 

V ^ 

sie dag Alte Testanent in Verlaufe der '^frnrr^h:4-ehte {jelunden hcit r^*^**'" 
Ir^^jQ^ zu^'.'enden^- JII ^- 1 <iij ui ' lao cht u — i^^^^nr-rroch ...ui' ai.u', a'Uiü.l Lc.Li'ixh-e 
S4J. ■ r pc^^^n ^rn- --e nfdic von • rö^-"-te?:L j:^ leut dih' 



(iiü5 — Jii " l i."- c^ ' ' " ^ — r 



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^T '^ --' ^ ^^nlprach e der n d e r n e n 'v i 8 s e n s c ha it 



yöT " : ' •". i ! .1 i . i 1 j L ei j hy u .U u^ h- e s 



so .kann nan im AlltT^^einen sa.jenjV^isss?^ 

'; j \abu'' ' 3fn t nm '^o g i -t-rt , dag s jedes Volle /nit einer nationalen "^eligion 

auch :- ein ei-^enes netapViysisches Tabusysten besitzt, ein System 

nach. 
heis:-:t äiis", ixy-elchem sich Gebote und Verbote ordnen, miü-I -^i" ^l>>^ 

nach ^'eichen die ethisclie -^evertun^ 





der Handlun^ren zu erlol-a'en hat-also sein/ Sit en^resetzift 
An ^e sieht s der-____ ' f 

"STTTH^alTlHk e i t und Verschiedenheit ^i^-^w.v. -^r^t..,^ ^ j^ Entcje^en£;e- 



sei^heit dieser Systeme folgte/ not^;vendig .dass kein Tabusystem ä.«!^ 
±5cx des einen Volkes 4wi 'M ohne v;eitere8 .-i]! rj^i, .^-h^^n^rpf «.f-^ eines 



Konsenuenz die Relativität jeder ■^thik^;f/ wodurch jede Gl^-ichsam ^ 
auf einen Slk ihren best iroriten Bezirk ver^^-iescn v;ird,Und insofern 
ist es richtig, als in der Tat die '^abusysteme,die wir heute etwa /. 
aus unmittelbarer Anscha.uung ^/i^Viiie.n beim Trimitiven zum .^eiepiel 



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»a«-Religiöi)e «B Judentum setzt in das Geheimnis der Welt Gott als 
*^/eine wädSiäii^^srante. Dadurch wird freilich nichts errechenbar - 
das Geheimnis bleibt, aber Leben in der Welt und mit Anderen 
wird möglich, kann iTTÖFd^ung kommen Jlus erwähl theit ist nicht aie 
Verpflichtung Gottes, seinen Vertrag einzuhalten, sondern die 
ac ot a leerte Verpflichtung der Gemeinschaft vor Qio ttJi/f'l^H'ßU'^/f^ 
^ "^ ^~^ ^'.^ Propheten fordern immer wieder die sittliche Tat,jedoch>^ unter 
_^_ ^ _ A^ der Voraussetzung der reinen Gesinnung; dadurch erst wird das 
.V JU^ ioc^;.^- .ReiäS^e erfüllt. In den Worten des Propheten Jeremias rom «Neuen 

Bund" ist die zukünftige Vollendung-cres Men^HEin) gekennzeichnet j 

4«8 Gesetz tritt nicht mehr von aussen an ihn heran, sondern aus 

_ ^ Dieses Gesetz 

der T'-reiwilligkeit seines Innern.Ba ist aber nicht formal, sondern 



3 

Cnyt '?c^ r^'j 



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t konkreten Inhal t » »^F^^h^^He Recht den Armen und . 



hat einen 

schwachen! Heisst das nicht mich erkennen,^ spricht Gott". An sol- 
chem Beispiel erkennt man die religiöse Herkunft des8en,was man 
als das BW Soziale oder Ehtische in Jüdischen Lehre bezeichnet hat 



Das Soziale s^^eWi-im Jttd€Trtrö»^4ii.clLl 

B^i4^i^^n, sondern wird von ihn umfasst,Y.'ie alles Irdische,: 



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das Bigxiig 



Vorbilds göttlicher Ordnung, 



iat.^Äiö« innerhalb eines geforderten 



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«suchet mich und lebet!" ruft der Prophet. Im Mittelpunkt der #tı: 
,ptıxöt™x£iÄXKXKt«tt israelitischen und später jüdischen Lehre 
steht die Heiligung des Lebens, des irdischen Lebens um Sotteswil 
len,und die Gestaltung der menschlichen Ordnung nach göttlichem 
Gebot um des Lebens willen. 



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1 : 



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von i'^rem Ritual nicht ablösbar , nicht abzutrennen icxtjc sind. 



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i-'4!n-^^P'»?rTT'Tr^^ tUÄl^ Tcr-^" i el r**«^ das 

-::^^d^^ ^^^ ^funi^^versa- 

le Jähigkei^t^id*?*?-^^ ^-^ ®^ 

nicht so,dass etvra aul' .:>rund de ^^er :'''ahigkeit von Anfang an auch 

der AnBoruch auf Ausbreitung seines Gottes jedankens i-fr VolKe eine 

^. im ^enty-um des jud. religioi^n 
^wesentliche Jiolie s^espielt hatte. Selbst in der Spatzeit besteht ei- ^ 
.Lebens in Jerusalem und im heiligen Lande 
^Vne gewis-e Abneigung rrosel3rten zu machen oder für die jüdische 

Gottesidee zu il^^^^jl vrerben,aber cie ist es, diese Idee,velche in dei ^ 

Proph.-ten im/:er wieder hervorbricht und zuletzt unter Abstreifun£; 

aller natioän'pLen Vp.rkleidun-«^ und "-^^nge alf^ die Verkündigung der ^ 

'"elth-rrschaft Jahvres ausbricht , die ihre mannigfache Ausbildung in 

der jüdi53Chen und spater in der christlichen >jechatologie ,d.h. d-sr . 

^efundet hat, das heisr-t in der Verkündigung d.^r letzten j)inge. 



^ 



Auf wie Gch-achen 'Asr^en das Königtum in er p^-oti^ im Volice stand, 
erophPH ••;ir daraus, das -i müsxtxKifexr cchon in der dritten Generatioi 
nach ::)o.vid,glcich nach dem Tode oalomos,der nit F^olchem Glanz das 
erste grosse Gotteshaus errichtet hat, der rasche Abstieg beginnt. 



Teilung des Reiches, die inr.eren Kriege, die Versuche der i 

irischen J3abylon i 



iaraeli 



lie 



tischen Herrscher in dem grossen politischen Spiel r- ■j-fik^.rJ^T-n --- 

und Aegypten sich durchzusetzen, indem sie den Got esdienst an die 
liehen 

veränderten staatspolitischen ITot^'endigkeiten anzupassen suchten, 
zeigen nicht? anderes als ixxxxÄXMJtx dies: der zum Trager einer 
bestimmten nach göttlicher Ordnung gefügten Lebensordnung 
^xk5CÄ aufgebaute Volks organismus>-nXIen solchen Anpassungsversuchen 



seiner Natur nach ^ 




l^^j^ier gehorcht einfach nicht den Not- 
wendigkeiten eines natürlichen Volkes,Tnr f»>r ^•-•ieder vor das ^ntr--i "4m 



^-^"■^ ^nt- eder-Oder gestellt , nach dem C}e8etz,nach dem es angetretai 
zu lebenbder ein Volk unter anderen zu sein — /a*^ v4 ' ^^^ *'^^ ^'^^ 



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''Viederau^'bau des Lande?^ und des otaates ve^ 



/Kehren -ir jetzt zu unr,eren Aurrans^punkt zurii.ck: xirxsx^cxxüL^xxxgi 
ich Baste, dae's x±i Judeitim jeae •YendunfT -e'<nüpft if^t.die y.mi:^_^r 
Riaclocehr *ä aus dern bahyloni-chen 'ixil nach Judäa bc-innt und o.y' 
die Restauration '^.^rn.'^ und seiner .^enor sen be.cannt ir t.Hie.r J^fi- 
den r-ir un^ bereit? auf *«»-«a historischen :>oden und Können mit 
ein.r ,.;ev:is.-,un 3i che rheit'-^lj)^^!^^^^^^^^^^!^ verhol G '^^r ^ 

- - • n y. '• i n ; - und rn/^e" : i-a :' 

"ZZ-ri-^'^ und '■e<(au'-:rt^'srcherunG des/^rbes. Von da ab haben 
-l!P das ,-^'' ^"^r im allTeneinen d l e ^ j üdiBc;^^^^ ^^ö^- 

nen.ian ^mr t^eschehen? -^i^. :'>enr\ ^tamrie und ih>^ Anhang waren da- 
mals län-r^t üb(^r janz Vorderarmen verstreut und durch schon -ruheie 
Ahtrennunr; vom -cemeinBa en Dienst, der in Judaa noch verblieben v/ar:. 
zum r:rö?*'^ten ^eil ^-^ohl in den Vöi;:crn unterge^ran-enpicht lan^je To ^ 

vor der Vertreibung, au?^ Judäa i:^l durch die assyrirche Volxspoliti^ 

c_in SchoPiron ':>Jv^-- i^^^^^^ 
jenes i^nklave« -reschaf f en ^- orden ,daF. zur rrrändun{: de?: ?;anariti-chQn 

Vol.'ces fLlhrte.lvährend der ^rossen politiRChen Girren vor der Xxrix 

Vortreibun-'' und -^en Unter an.-^ de» ersten '^eripels ,/4; s ursprungliche 

Verhältnis zu lott lan^^t ::e;'türt ,v;enn auch einzelne ^Cöni^re in ^Ki 

Juda die Einheit des D en>-tes wiederherzustellen versuchten und 

unter Josia so^ar das -»euterononiun .-^^^eHttr^eÄ^^^^^^-^rlt vurde ^auJ: den 

Bedurfni'^ , die verstreute iCunde der Vorzeit und das Cresetz/ ]lo??is 

de ^ Volke vriederzu-ieoGn, Wobei zu bener.i^en if t,dasB hi^.r vohl auf 

die '^in^"irkuns des Propheten Jerenias(al Les KoRnojoniv-che ent- 

f der ^^~--^~-^ 

:ernt ^-urde^un t*-?^ .Reinheit der Lehre willen^ In ^eutoronomiun 



v_ 




findet i^ich keine Schöpf un'^f^^ep'chichte nehr,au^ der Absicht, die 
aufi Babylonien eingedrun^jenen a??trolor"nchen Vor*^ telluna'en 

abzu^vehren,dio zu einer Verehruno" der St e rnb i Ide r^f uhrt«n, 'Vct^ 

^ ^ -.^nl> nn-h r-irr — 3rA«-» andere Bücher 
Die»«» Buch und ohl aucL no^n c-rrr— ^«-^ ^ 



10 



(/ /(^ vlIV 3«^ / «^ 



die die Chronik au^dr :.c-:lich nennt .hauiot^ächlicln nber -ohl die (j^ 
rroi-^e hymnische Literatur aus der -eit '^T^/irZ'^^'"'^"^'' befanden 
sich in den Händen der Xx Verb.-.nnten. }ftTTT -o dX^it Ische Leben 
aufgehört h,-=,tte ,f p.nden diese Schriften ,alR daa Binzise.was sie 
hinüberrerettet hatten, sorgfältigr,te3 ^tudiun und Vert ief ung.Dae 
'le-'ühl.an ihn'^n einen Schatz zu haben, den sie mit .:-rosu;teB Sorgfalt 
behüten mussten, vertief te sich UMr.-oraehr,alR »a^Tmen Heg und Sinn 



ihres „chiciisals hinher »«- aeulvfni ve- 



h fa"' d-gfe l' 



.^•. 



I 



/ 



V 






Hoffnunren für die Zukunft eröffnete.J-rt /ihnen ^^eilte der Prophet 
Esy^el,und ^7ohl auch jener ^jro^se Prophet der Trü5^tun.^en,den Fir 
al:^^ den z^-e'ten Jesaias kennen. Bei ihnen ^^ai-en in Gei'olge des ce- 
~fanf-cnen Königs die grossen ^ia^ priesterllchen Tamilien und die Le- 
vitra. "Danals ents'.and^/( wohl ein grosser -eil der dann in den xxx 
Psalmen vereinisten Klagen und Trof^tgedichte,vrie jenerauch ihnen 
wohlbekannte Pf^aln^'An den -^lüßsen .3abels".Und nicht nur die Puhrer 



un 



d AeltestenTmaii-i^u^^^--^^*^*^^^^-^^ 



t- ione 



en-i-r^ 



^riöse .Reste kul-^4-^ ^hor ^obunjcn m ^uli zu- 
rrHirrri^*.A-das Volkrt^cOl'eyr^i^^ fersanu lun.^-en um den 



'(!^^^^ » Propheten ^u nGhror>»Ä,der;^ der Llitlelpunkt der ^,rneuerung v^ar, 



a 



3o trrvl der ZuBanirienbruch des bahyloni fachen Reiches und der 
ie^inn der oersischen ^-^errschaft ein zun grossen i'eil mit dem 
Iten :^^]rbe an — .jo 4 ri,r4i i vornt^.] 



23^, 'Itn'sTttlicher Haltung ' ^'ohl 




vorbereitetes Volk, an^ 6{1b -durcTTCyrus , den neuen -rrosskoni,- von 

Persien die .Erlaubnis erteilt wurde, nach Judaa zurückzukehre n , ^ ^ 

na.ch den n^ ^^^ *^'^ ^nuea c:: 

machten -ich pausende 3cxxy.!txx eroehnte^^TIemmatlr.nde auf > Tl r a - bj r 

<;:,^^^e^Ur u-y otr ^den 3üchern Ef^ra und Nehenia Keschi^lderten 

uVv ,. 

'H]reie"ni-r.e/X|/ so--eit sie historisch sind nu ■■ rir.L.hl^ n ,. ^'"^"l J^ t!^^" 
ke mich d..rauf,die iw-rr gestellte Auf-ahe und ihre Lüsungr<fie an 
die beiden oder viel.viehr an die drei nahrahaft oenachten Manner 



>>;;• 



1 



£^ 



11 

,:':!^en ,.erubabel...ra .Ilehe.ia und nicM zu vergessen *. auch äe. 

- ^-ui ..r.^n-1- "hPi der Wiedprherstel -ung a«» 
HoheT^r leBi^er ZaaoK,aes..en 

. 14-^ -« T' t klar.dasB der Aui bau des 
Priestertuns eine Rolle spielte,.^« i- t Klc.r,aa 

. . -t.^t Terusalpn s lir alUiählich und unter -rossen 
Landes und der otadt Jerus.xxtin 

• V. ^.nn.. 7uncl es m^.irt die armen Leute v/aren^ 
Schv.neri^:>ceiten vor sich ging,zumc.l 

unH untpr 'ler linbill des Öden verlassenen Landes, 
die vo-rauBZQ'Xen und unter aci o.iux 

>,n 1, auch bei ihren Unr,erneh..un£en .on der Msngunst und dem 
sowohl ri<ls aucn ot:± ±.^j. I^ 



i 



- ^'o-^^..r.vl vif-1 zu leiden hatten. **««• toa 
Ueoelv;ollen ihrer neuen ..acabarn vici zu ^>,,,,_,,^ 

,.,-^. Tempel, zu .esch.eige„,der ^ L^e^:« «^c^^-^'^ all.ahi.ch 
.urch .e^ .ach.enden Zuzug der Verbannten erst ^--ohl in der dritten 

tion erbaut -erden konnte. Viel siDater erst aie 
oder vierten "en^-ration erbaUT; ex.xc.i 

.^• > i„T -«hp bei -.er ..iedererrichtung 
Stadt ■^elbi.t und ihre -..uern.Jie Au. ,,abf. br.i 

^^,.^pitP' ee -alt einerseits, das ■dtual 
des -e,.änvesens v'ar eine doopelte. ^-b ,,,ax ^ 

4 ' ^p'--V/ J'^^i^ti-en :xrundla.-:e -»i^^r aufzurichten und 
auf der h-;*i— p-on^ien/ eei.-aic-en >ti unax ^ 

■ •„.. -u^^rc,::^^-^- neuen ^Einheitlichkeit ,nach der im 
zv,^ar m einer ^>>u:-^^«^ *- nm ^^^^ 

^-^;f1^ .i...lcHt,aa. .er .^p, der ;• .U 0„ d.,0„ ..hin,. 



rren 



.chaf.en.tl^^r,r-^^^ ^^-- -':,^' ^ ' V^ " ^^ ^^^ ^ ''^^ -" "'^ 

für den Jien^^t . , .^_-<rr--;i«tim, -ten I riester una 
dass die ursprünrlich (i^>^J»::iaVi3J.--«'^xTT:^ '^e-ti 

^-^--^"^^ j' -,^1 i t \c.r^p -Infltunc und ZerKlul tun 
Leviten durci^-^^ir-^^^^^'^^"^ ^■'^^ i.olit\oCLe ..p.-lt . 

..^^„.^^ ^^^a Uil ^erdran^t .•TI?dSiriIn^t--r.rrarr:t-^^ 

,. .• . /.tzt-ere Auf-^abe elöst v.urde »berichten .:enau die ßuch.r 
Wie die^e letz wert. i\uj-.^c>u^- _ 

. . ' V • r..ensv^prt lur uns ist dr>.ran,d..se hier ein 
Es ra und liechemia. i^eit r.-vensveri. 

^ .t>. ^ ^und .^eschlo:-en ^^ und von allen T.ilnehnern 
neuer ..^erith. «-m -^una ^,«f3c.rixu |_ I a.«:. .. .- , 

"^ — ^ . .r r-T ^r>T.tnYi;7 plu-^ d^e '^^cisun^:: und aui' jede 

beschworen .-urde.eine Verp.^lic tung au. 1- 

4. «^r»fTf*:^i t -^ " zu beoDacnten. .er 
einzelne Satzung der /ei^ung,«!« sorgt alt.., zu 

•*!, -wo-i tv-, i-'-cq.lt nicht rlR Jude.7-p i-'t der 
nicht iK diesen -^erith heitr.^^i'^ 

**'^- , . •„^.^»r,.<nfi habe er, ver^chuld 



^^^ * j ^ o -5 ri "hohp p<^ verf^chuldet f 

-i«e ^i-'o-r-:, n-^ch^eRartt vrorden,^!^ ^^••^'^^ ^"^ "^ -^ ' 
Restauration des -'^sra n.^.oa^^^i.r, ^ ^ ^ ^^^^ .^^^ _ ^ ^ ^ ^ 



aus eiaer. lebendigen A/olk^.a 




A^n r^i i' in nrnirrt 



»*• 



mit einen lebendi-en -}ottu.M, id.ams3n ein Volk des Buches geschaffen 
zu h-.ben,rait allen darauf, sich e r. ebenden ^'olgen.'-ilin Vorvurfljder 
bi: heute sich durch die ,-^olo^ethi}: und die Disku:^r,mon uoer 
jüdischt ,.li-;iof.itat hinzieht un i in neuester Zeit sogar in Ju- 
dentun selbst vielfach Vertreter ^-efunden hat. Gehen vdr ^fm-r-imh' r 

,,.■ .. -^^ -^•ipc.P-r VorvmW' randet izunachst und vor allem 
dar..uf ,da3. die 3...dung der kanonischen :.chrilt.n,die danal. be- 
gann, jenen Teil, den vdr ai. den :- rie.ter Kodex kennen.und der das 
Rituli und -.ere..onial.-.e = en ordnetT^^^^n^^^i^^^^"^^^-^ iestandteml 
*«cxXx^«x der autoritären verpflichtet en :ieili,.n 3chrii t ^^^ 

beRtimnte^ ,i.. ^..^ot pii t . 1p ^.r^.i r.ar^urch die 

^^^,,^ ^--. - -^ .^ ^ vT| j - -] ^- ^ -Tjs v'ird nun so d-^.rtiesLej.j. ■:.:•- j.- • — 

Prie.^erhierarchie ,die zur Zeit der Könige eine nur ,.r^n^e Holle 
spielte.hier st..bilisiert und bete.tißt v orden und die ^^l^^^X^ic 



n 




uir i </ 



^n ^^otteHVorstelluncen.die i^J^^l'^^^ bebten ve0Wt_^-i=^«.--- 

:.n:?ie.e Auffassung ^rr?rrli; ;g-r^.fee Auiklurun.xzeit 
h , , ÄXRX3Ui&ÄK7-xR±T.KK eine Äuffassuncdie auf der 
einen Seite ..l^en religiösen ZrBCheinunren mit ritik ^^«^"^" 
be.:e"net,und in Triestertiun .0 et. as vie eine Cr:aniBatioi^ 
Verdu^anuHG des Volkes sieht.und auf der anderen Seite von Volks- 
reliffion ..^richt, gleichkam al. von einei^.natürlichen Verhalten, 
^.ährend doch tatsächlich .':erade die volk^reliciör,en ".lenente von 
na.-iBchen, irrationalen ^eU.enkraf ten ,enahrt rrerden,die dieselbe 
-endenz der Aufklarunc Trier.er bekämpft. Von einer anderen Seite 
her rieder v;ird ein le :enr,atz zvi^hen^^-^roipheti^^chen -otter.idee 
und der .;riec- terlichen konstruiert .Ohne an diesem Funkt auf eine 

i : U i I i i' "T.L r s Tc^ e r 



i^^rorterune dieser subtilen iinje e.lnzurehpn.ttT' 
ÄU*-r-sr»f> , i s t entcecen dienen Anva..rfen folgendes Tatsächliche 
fpc-tzustellenidie Schaffung einer autoritarem^veroriichtenden 
Lehre durch "Isra und seine Genossen. ist nicht, anderes alc das 



13 






^ 



-r,:ebnis der Durchsetzung der pro^heti^ch^^otteBidee , eines inner 



:ere 



universalen T enden z^^, i^t^i rie r. i e ^^-öTr-Tn Ilxil «r4* in Volle 

aun-ebreitet hat.--]iner der besten .xnner der Ursprunce jüdiGCher 

David ITeupinrk vi- v^^. 

lieliF^osUat/au^pert Rieh über die?.en Punxt nit rros-ter öachl.cne. 

1. 
Genauigkeit fols'enderr-iaRPen:"Der Sieg der r.hroluten Ivonotheisten . 

.u, 
der in den :'3erith(3und) des peterononiuPiß (die trüVier en-ahnte 

Auifindunc des Imchea unter Josia, einen der letzten Könire von 

Juda)be=ie,,;elt vurde,hat lanfcce Zeit seinen liniluss aus"eübt, ^ 

trotz de»vAbial:.| vieler in der Kenge und trotz dera Untergang 

der. Tempels und dem Exil.Oio an den Glauben an Hneel festhaltenden 

aus dem I'.reise des Fro,.heten -Isekiel -■ aren zwar noch an Zahl und 

.diese Gruoje 
Einfluss stark,xiK .hielt sich auf der Linie de« anti..en GeaanKcns , 

In ^en "^uche der Heiligkeit (Heilig bin ich und heilig nolit ihr jck 
sein) 3ti das aus diesem Kreise stallte, sind alle Gebote auf histos- 
rissen Tatsachen re -;ründet oder auf den Hinr;ei<= der r.eiliekeit 
Gottes, aber nirgends auch nur vird auf die ' eltGchöofun- hin_edeu 
tet, wahrend im ;3uche des Iriesterkodex.der aur- den .reise des Jere- 
nias stanzt, ei»4 die Gebote f^nv d£>t Verpflichtung gegründet , die 
vom 7eltschöpfer kom.. en.nie xx. der, Glauben an -'.Insel vÄnhanrenden^ 
faaixUKÄ die in 3eziehung auf die .ochöpfung den alten kosnoroniRChan 
venn auch -elauterten Mythen folgten, vertief ten den Grundgedanken 
eines sittlichen Ilonotheismun dur h einen gesteigerten Begriff 
der -eiligkeit.-Ja8 Volk besonders im J^xil mochte in «einer Mehrheit 
dieser .-Richtung anhangen, doch ebenso r,tark - ar die '••irkung der 
absoluten I.'onotheieten.und so kam es , bei der ^Int^cheidung der 
-Präge, welches -^uch zur Grundlage des neuen Beriths unter F.sra 
auf genorv en rerden sollte zu einer Art Aurgleich:der ..-ries terkodex 
wurde in seiner Gesamtheit in jtixxxHX das autoritäre Buch ^f- 



14 









JV 



au.genor..en,.ahrend au. den Buch der ..eiliglceit einige A^^^chnitte , , . 
aufrenorv-en .urden. . .^a. neue .3uch des Bundes .rundet c^i de«. 
Gedan;.c.n der absoluten ^änheit :.otLes ,von dem alles 3ein aun^eht. 
(ohne Tacksicht auf den ^Onrelsslauben) Daraus vird klar,da.s - 
Priesterxodex und Volksslaube durchaus nicht nit einander collidier 
ten,ferner hat die '^^nt^ ic elunc des Kohepriestertums zur ^eltli.'ae: 
rächt e. geradezu verhindert ,dass es auf den '^l^u^ -^ -^- 
iu^: •rK:n":n ninflus. ce.mnnen hätte. seitden die Pfle«terschaf t 
Bit der Verv,.ltun.7'S?-chsaH die Regierung wurde. ging die Aus- 

„.^ -r'-l^runr dpr -.ehr Ut, die unter "sra begann, auf die /:un- 

T -4 -,^r^\^ "hTt^-r nicht ein ^c ensatz 
digen über, auf din Gelehrten, ^-ob^i auch hi..r nicai: 

zum Volk gedacht r^rden darf.iJas 'ort opler, c.ir.i^ei , 
x=^xx£tx^K hat erst in Lau^e der Kntv i~elung jenen ITebeneinn 
bekor^.enYund vermutlich durch den Ge. en«atz Jener nessianischen 
Krei.e,au. def^.^sich spater die chritliche Lehre kristallisierte^ 

U.1 der jy^^^^^lL^^a^-^^*^^^^*^^^ '' ' "'" 

erste, der den Kamen 3chrif tgelehrter trugt ,der,^-ie e. in der 
Schrift hei.Bt.. einen "3inn darauf ^.erichtet hat, zu erforBChen 
die Lebre des Herrn und aus zuüben. auch zu lehren in Israel Satzun, 
und Recht: ^r ■ ar der er.te,der die .'eisung vor versam. .elten VolKe 
an -esttagen ,de. ^eujahrs.der Laubhütten, und an den grossen ?ast- 
ta.en nicht nur verla«, sondern sie öffentlich auch auslej-.te.y 
Barauf bezieht sich .). der Satz:" Und sie lasen im Buche der Wei- 
.und des Herrn, deulich,mt Angabe de. Sinnes; .o erklarten sie 

S^t'r^^k'U&^Xi^r der Scv^r-rt ,die nit ^sra 
die Schrifti'^at der jKG^&t^**-«^*-^ aer o^ i-- . 

beginnt und von .einen Nachfolgern fortgesetzt ."ird tritt nicht 
wie allgemein fälschlich gedacht värd eine^ Erstarrung de. religi- 

rt aufs Heue 



•;'J'--'~p,jc' b = e„ Lebe:., tin.)i vie.lnehr -Ird lott aurehj. ein 10 

7^-""-'.''-^'e.renv,e.rtis m. in- Vol. =etrasen.|/-.,e ™i.e„roU-e der I,.n,..r 



15 



dl. im Talmud und Kidra.ch unter der Äeze chnung-Sofrin" Schrift- 
eelehrte,Schril-tau«lecer auf treten, .ind nicht zu ver-echeeln nit 
den 3c^.riltgelehrten KHXXÄRXXxixl Boateren 2eit ..au^xxxKX«to«x^n 




diesen Ma^en -eil er auch hi^-torisch einen Einschnitt bedeutet: 
in de^. Axci^cr^c .3uche -.Tesu. Sirach", das zwar nicht in den .t^non auf 
.eno;..en,-ber in .einer griechinchen -assuns ^=ich unter^den A^o- 
icryjhen ^^rhalten hatji^t die Stirr^un^ der Zeit .der ^on *«M** 
besonderen -römni..keit r.it besonderer ^eziehun^ aui diesen Mann 
testaehalten.der v,c,en seiner Vorbildlichkeit jeorienen .vird.. 
T.ini.--:e der ^ro^'-en Synode zureschriebenen -inr ' chtuncen verdienen 
hier «r"uhnune/.-"eG«n ihrer institutionellen ledeutunc für alle 



Zukunft. So d\e Verordnung , an beBtir.uiten .a en 



eile huh der iora 



jw-irt,*' 



Vyt fum - ^ '"^Z^'*'^*^, ^i ■'"iTN^ 



■^ 



^ 



16 V 
zu , 2 ^ 

y öl'i'entlich vorr^^fiTesen /ubercetztf da/nal?^ ins Arajnä r^che) und aus- 

7CS±K^xix:±xrt zulee:en, Turner die "^estBetzung bej^^tinnter Gebete, so 
V^ Achtzehner Gebet,da3 sich bir- auj den heutin-en Tag erhalten 
hat» in ^ -'- t - - ^ jerin ür^r T-^fe^:^ui^,^^^-rd^^ ir--t der 

Ursprung der Synar^o^re und auch das ^orbild für die frühe .-ürche in 
ihren V rsarimlunc:en. Ihre -ichtir^?=te und f^in^chneidendste Leistung- 
iRt jedoch die allmühllche Sariiiluntr und nach rmnchem auch der__ 
Ab 



schluf?s jenes "/erker. ,das rir unter dem Naiende, 



. -^ 



Dazu koi^LTit iLß Niederschrift in as^yri selben J^harakteren cm?^ heisst ,^ 

in der hebrai-chen Schrift, in der die '^^ ^ vU ^t d'it. Bibel $^- ^^\ bic ^ 

-t.'^^B iPt die Anordnun.'^j: in "'ho ra( Weisung , Lehre) 

das ist die Zusam. ;enf assung der fünf Bücher I:Osir;v-ie sie uns in jäb 

Pentateuch Yorliegen.Der Reihe nach fol en IlebU m „-"-rophe ten , ^ 

mit der Unterteilung frühe und s^^ate :^'ro,:ethen,TA7obei die K 

Toßua ; . 
histor .:=^c"-;en 3ücher Richter Samuelis und öni{ie v/egon ihres pro- 

pheti?;c^-en Gehalts darin nit a,uf •enomraen sind, und XsJtx 

:^K!?acxXK Schriften, in velchen ein :;rosser '''eil der poetischen und e 



erbaulichen Lit^^-^atur ,ber;onderR die ?8alnen,die Sprüche, das Hoheliea 
die Bücher Huth,'^^Bther,lIiob und der .. i\.iit^er Auffifehnäen Tlabea» 
Das Buch Daniel ,aus verschiedenen Teilen ^-ich zusami;ensetzend, 



und in seinem aookalyotischen T^ü ^in Produkt der ;:akkabäer -Zeit 




ist erst spater hinzugefügt worden,/ ' enn durch die 'estlegung des 
?Canons alle in dieser ^ara/alung voreinten Schriften bindende ^ar^iti 
verp] lichtede Kraft erhielten, so ist der rTrad,die ^^tuie ihrer .urde 
und Heiligkeit :ixraLk in der Dreiteilung und in ihrer ""olge ausge- 
drückt. Dass also a.n erster Stelle die Lehre ,die i7eisung steht, 

8 

'^^'enn auch die späteren 'S-esetzeslehrer und Aujieger zur Begründung 

I auch i 

jeden SaTz und jede Stelle aus den anderen Schriften autoritativ 

heranziehen. Diesen ersten Synhedrion v^'ird auch die Grrundung der 



LehrhcLUser zut:eschrieben,der brsprung der späteren jrosrjen ii^-iade- 
nien für alle Gesetzgebung und ;e8etzesauf=5le:^'ung,Ebenf50 die l^inset 



Einaetzunf: von "erichten,die d:.3 Vorbild de^ späteren Synhedri^sri ^ 
sind.'^QN>b>.isMuf^3 de^sNKknons ?^apl' Kian rAch aber nicU^i^ so ^ienk^^ 
Trotz des strikten Verbotes, den kanonischen "chrii'ten et^-as hinzu- 
zurügen,dari nan sich den Ab^chluss des Kanons ,d-^r/unri fvofTiegt, 
nicht al- endgiltig aus dieser Zeit herrührend vorstel Len, VerBchie- 
dene,-'eni: cj.uch spärliche Zeu.^nis e,beson'ierB aTus der Zeit der Tana- 



li 



II 




J 



h 




iten,das ist etva gegen "]nde der ']poche des Zreiten Temi^els ,1fe^öen 

die Haupt er 
darauf schliesr-enjditSf^ kKxxlRitxXx^^xxra der Schulen, die sich i'ur 

den Zef?tand und die .Reinheit de? anons ve ran t^'^ ort lieh fahlen, 

über die Aufnahme oder ZurLick''"eiPung ein-'-r Schrie t noch sput üUs- 

einsnderr'etzun;:en -ef ührt haben«| !^ ' s.A » v . ' ,siu ..v ^ i ^ i ^ j'ulu Ia L J t^ ^ J i H. inen ' jc dea- 

X«»Yine GrelTifü-'rTm-l^^ an jenen Schriften , die als 

"oder die au? erhalb tif^"bli ebenen ^chrir'ten'y ^uj ' Uii'4 , 



\f 



{slmJ - y tr^Tiaie Apo>crypnen,'aie aann -■ >r ^^-r-r^r^ -v-j f-,n i n h r , , ^ ■. „.. , ^''- '■■ r-;; .. _ u. ^__>_ i ^ , | ^^ 

der griechis^clien ^ibelüberseTzuncv Äxr x:äK/tii/ un t e r Ptolenaus den jöt 

Iphußl^K hinzugefü{rt vurden und dort ihre Unterkunft 



\M 



/j 



r-eiten Ihiladelp 




H 






fanden^TJa dieser oan-ilunf: keine kanoniF^che Bedeutung: zuxan. 




/. -uc^:' ::k'-- oer^lt- Trü'i^.r c^njed^utet , irhi 



nej>- rj imTe'^" -dLi^. ^bltHibii.-r-*. 

Ordnung- 



V^*^ "' </ v.'ie die !^KX3t3üix ITornen der mosaischen Lebens-- 

^-j M "^ r f^urch ihre Ablö^barkeit von /Kitual universalioticche -Tendenzen .z^t 
,/t^ <iJ^^^ ^^eipen.Man dari ^-ohl gacen,dasH diese Kraft im :^xil r^ich bev^ahrt 
X-^ r^ hat/^,v'o ^empeldienst und Ritual aufpehört hatten. Der Sinn des so- 

t^y'^ ^.-s^B^ genannten jer.etzea bewahrte seine PCraft und !«!eine ''irkunG in ^rgt.'> 

erstaunlicher ^,^'eise -erade dann^und in der r-'rende.Die auf Vera'eir- ti 
gunc rerichtete Kündung der Propheten ceht mit dieser rendenz Hand 
in Hand^M-:.nn sie X>«-l-rT)h oft in den Trostuncen noch unter nationa- 
len Zielen sich zu verber.-en scheinen. Es i-^it ein Durchbruch ,eine 




'T^^^ii^r^^^^^_^>ff ^rr^ir'-v^p. 



J 



) 



18 



3 



u-c 



,■? 



AufrescMos-enheit ^ ü'.ohl nach oben,.4-ft44,ia e« die 'Veit m; er TTlsaer 
auf ntott bezieht.uriÄifch der Au-hreitune in die ".'elt hin. So heisst 
es bei Jesaias:"Zu ä'erinü ist's dafür »dass du nir rjiecht vurdst, 



■:y 11 



u 



torstelien Jakobs StP.bschaf ten.die :3ev;ahrten Israels uriKfchren 



zu las:.en ^^en 'Veltstän. en -ebe ich dich zun Licht ,d,:;,sb aeine 
Freiheit -erde biTlT;^;^^ de« V^rdreiches- Oder "Kein Schwur, 
soricht der Herr.nir sollTI^^n^Ä¥?rTSir¥^en, und ..er dir einst 

-n^^c.f v'i-rri iPtzt ZU dir iiiT r.^ehen. ..C^lt-ach so v/irst. 

nanchen 3tanri,den du nicht i-cannteot »ziT^e len v;erden ^ 
eher Starui.der dich nicht kanntei'Auch der :rophet Zecha- ij 



Schrec ;en 



du herbeirur.:n 



sie riir,;i.-..n 

ria, einer der späten, drückt es in seiner naiven ^^efe^e aus;"3o 
spricht er, der UriBcharte,noch ist' s daBsVölKer kora. en .Insassen vie 
ler Uadte, md die Insassen der einen £ehen zu einer anderen und 
sprechen:den ing -ollen -ir gehen, sein Antlitz zu saniti-en.Und 
jene ant^'^orten : Ihn den TJn Charten aufzusuchen pehen r^ili auch ich! 
Sie kon en »viele Völ.cer.machtitte 3tan.:e,ihn aufzutauchen in Jerusa- 
lem, sein Antlitz zu sanftigeni' -"so spricht der Umscharte: in jenai 
Tagen if^t's ,da -erden fassen zehn Panrvr von allen Stämie-Weltzun- 
gen, anfassen den Rockziplel eine? judainchen Hannes und sprechen: 
Zu euch '.vollen '"ir .~ehen,denn v;ir habens eehört,1ott ist bei euch'.' 
Und «m in Beziehung auch aui" die 7reraden hören v;ir:"E9 spreche 
nicht der Abkör.Tilinf; der fremden, der sich an den Herrn anschliesst* 
Der Herr vdrd nich ausscheiden au?^ seinen Volk. .. Ich werden ihnen 
in meinen Hause und in meinen I^auern ein Denkrara stiften und einen 
Nanen...Auch die Abkömnlinoe der :^'^remden,die sich dem Herrn 5vn«€hl 
anr^chlier. en...und alle die leBthalten an meinen j3unde - ich brin^^'e 
sie rr^ ch rneiier; heilijon .ieree und erfreue sie in meinem Bethauae. , 
T)^.r\n mein HauJ^^ soll ein -^ethaus .'enannt ^^erden für alle VölkerV 
Schicksalhaft stösrst diese universale Auf^:eschlof^Behheit 



.,,l'< '^•- '• •>■•' ' ^'^■ 



. TT -^f'^yi^ -■■ ^ ■■'■■■■ ■- V.^ ] 



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19 



auf einen Konent äusp,erster Schwache des Voli<^kör^Ders ,des rganis 
mus und Träp:ers des jot iesccedanken«,»o dc.sr Ef^ra und die s ei .len 



frezruHcTen 



öind,Abschlie8^iungsnassregeln zu tref.enjdie jener Auf- 



/..eBchloBGenheit iurchaus vriderst.veiten.TTier i4f^tf^-u (:. r ti^ j crc 



n 44;^- un d-d^a^-^edetrb ufik der — »^^a>>- foic.r.hp.n -.Rslchi;4^^mnirtrüTr^rno^^ » 
n eru ^n^^-'ir^ e ^-c .'^; H ! l li'': j ' :c"^ t mJi^^a^4-<Hi - n^^rrrmTer Rücx^enr au?-: dtJm'Tlxi 1 
T)ie xia±x-fcxxs:ks::cMotv'endi{rkeit,r!en Bestand des VolAes,das allen ziu- 
sa;r enhan{r xk verloren hatte und den jede ^^;iderstr.ndskral't lehlte, 
zu sichern, führte zu jenen I-iasf^rejeln der Abschliessuno. Keines- ^ 
falls aber ^"urde die Konseruienz^ezoren, damit auch das prophetische 



Schrif ttun , sofern es d^(>e Verheissunren enthielt .auszuschalten. 
XK3nixxxx:<J£x::r.Ä^kfe>:xuxÄRMJtRR:-a7cx^ :^".s sollte räch jodoch e rv.'eisen 

dass die politischen Ziele nie erreicht "werden .kon /ten,v eil sie 
jener -heOi^Äa Abr^icht,die schon riit der Volks p:rü|i dune in dc.s Volk 
gelect r-urde^widerstritt.Vieliiehr filhrteA alle/ Per #:>et ie?j. auch der 
folv^enden Zeit nichts anderes herbei, als stxxx dies; di^s Volk 
musste inner v/ieder unter der Ilulle nationciler Jürhaltung 1 ..r seine 
Gottisidee auf '^od und .Leben känpf en.XHXk 

Auch an Aus;^f..ns der .'ntaBtrophe , der .:riet;e /:e en Korn .nach der 
Zerstörung des zv-'eiten -^'en pels erleben /^ vur die ^Wiederholung 
der gleichen Situation. ^'/ir verden an peeigneter 3tel .e noch 
ausführlicher darauf zu sprechen kon. en,wie in jenem Uoüient 
der natio lalen Niederlao:e die Aufgeschlossenheit ,der -citer 
f ortr:ebildete universale ^edanke auj' das Christentum traf , das ihn 
in die ^Velt trug - v^ohl in die Welt trup;, jedoch r^eine Durchsetzung, 
erst i^iixKkTJK nur durch einen Huckfall in den rythu: ermöglichte, 



den ">rnzuhalten al ' e Generationen r^.^.T jüdisc-en Lehrer Hxxxxxl 
unablarislich bemüht v.'aren. ^ 7 W..^^ * .- ._^^ ^ 



<s^^ ^-Jt^/ 



wmußßime'mntMm 



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Re8Ümi 



^x^V^C^ 



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ich möchte noch einmal ^^ egon a e r- s f .^^y-^ie tieu-Hinzugekomiüenen Ho; 

ich 

j2UisammenfiUiSÄ»^v-as äist in der vorigen Stunde über das V.esen der 



jüdischen Religiosität im ^3•^ösöeren Zusami enhang auszuführen ver- 
such^.Halten wir daran fett;das Bestimr.ende »Maassgebende »Ent- 
scheidende ht«irt der Berith Sinai ,der Bund zvdschen Gott und 
Volk, die Stabilisierung der unmittelbaren .oeziehung zwischen/ 
Mensd] und Gott*Mehr und mehr \vird alles Mythische aus diesem ^^^?rt 
Verhältnis ausgeschaltet. Das ist der Sinn des bleuen Bundes unter 
Esra ,nachd er Jtückkehr aus der rl^byloni sehen ueiangenschaft. 



Die Katastrophe, die über Volk und Staat hereingebrochen Y'ar,vird 

im Sinne der Propheten als eine Folge der Störung dieses Verhältiix 

der neu yyxjgx tgrwr sich bildend en 
nisses angesehen\und der •^tr,chluss;^''3er Gemeinschaft feEK±R^RÜ 

reschvjoren und besiegelt, an dieser Grundlage unverbrüchlich fest- 




zuhalten. Ich möchte hier noch etvas hinzufügen :Was ich Ihnen hier 

auseinandersetze, ist nicht KxracXKBÄXKiitxKKK meine theoretische 

Auffassung, auch nicht der Ausdruck einer subjektiven Anschauung 

von diesen Dingen, es ist die gy^rJcmrciig noch heute geltende, überall 

da noch geltende Haltung des Juden zur Vergangenheit , beschichte 

und Gegen^^art,wo #iii± eine jüdische zusammenhängende Gemeinschaft 

weder eine^^ 
in jüdischen Lebensformen lebt. Also Jiw*llj3"histori8che Ableitung 

\ ( Ji 

noch eineauf Gelehrsamkeit beruhende Geschichtsphilosophie|jJ(j^hr 

oder minder bewusst empfindet der Jude als solcher diese Unmittel-' 

f 
barkeit von derich gesprochen, als das Entscheidende seines Welt-ur] 

LebBnsgefühls. 



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weitere 
Bevor ich in meine Ausführungen über die 5taxfe^ntwickelung de^ 

ÄKXÄJkXÄXX jüdischen Lehre fortsetze , möchte ich den historisc&n ^abc 

^in 
Rahmen andeuten,iÄÄXka±fe Avelchera ÄiÄxfiTKa^ktitötRrtÄrtx^iK^RxXÄXXÄiÄJs 



sckJikä wir uns da bewegen^ 

Der Untergang des judäischen Staates und die Vertreibung und Umsie- 

delung d^i-^^eveiJ^^af^tmg nach Babylonien um 5^^ 4 ^'' ' 

Mit dem Zusammenbruch des Babylonischen '^^'eiches und mit dem Hegie/ 






Vu H^ 



rungsantritt des erten Perserkönigs Cyrug^ tritt der Umschwung ein; 



j 



zu seiner Zeit beginnt die Rückv/anderung.Die Epoche vom Beginn der 



Esra- estauration) bis 



zu Ende der Tätigkeit der Grossen Synode 
umfaRst einen ^eitraum ron (icro f^^' *^ — 



8xKKXtx±Jfck:x:^XH:RXKii*:Äx. Man rauss wissen, dass diese kultereil und xb± 
materiell als Blütezeit der jüdischen Gemeinschaft zu bezeichnende 
Epoche nicht etwa auf einen unabhängigen jüdischen Stait sich ^m^± 
bezieht. Judäa bleibt während dieser ganzen Zeit eine Provinz des 
^//^ persischen t?eiches, allerdings mit einer sehr weitgehenden Autonomie 
V^'l^^/^/^ '-^ausgestattet und mit einer für orientalische Verhältnisse ^ssmxiskm 
r f^ ^ ^Im^ ^ bemerkenswerten :^'reiheit ftrr- diÖB^Gemeinschaft ihre Angelegenheiten 



/U"^/ 



//. 



weitgehends selbst zu ordnen. -^a^s erklärt sich zum -'•eil auch daift*t 
-Äuch 

dass d^e Got^ estorstellungen der Perser xäk kxxkh von Mythen sehr 
/yij kJo^c^nA-- (vAx- /i^iiS fe i>-\fa^ f i \ L y' "* * ( !^ j - g r ü e n fa 1 1 s " 

" gerein igt;^;^ xxust waren) un c t iBL scA ^ t giif nay Yi tfl3F"iag±i Mü i ^ In k ^InBi n auü^e 



/'^-t.A>>. 



'ochenen 



:tz zu tt^rl judiTTChen stand. Dass gewisse Elemente 



auch in die jüdische Lehre eindrangen ist schon angedeutet worden. 
In einem Punkte allerdings hat das Judentum mit grösstem Nachdruck 
seinen Einheitsgedanken gegen den persischen Dualismus verteidigt 



V 



-C\ 



und ±KtK f estgehalten;Sie wissen, dass die persische Religion auf 



Prinzipiell sich gründet, die durch Ormudz und Hariman symbolisiert 
sind,al^ eine scharfe Trennung zwis ehern dem J2uten und dem^^ösen^ÜT^^*' 
als zwei ji von Uranbeginn getrennten Gewalten. dagegen finden Sie 




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noch heute in dem jüdischen ^ehet/buch den ^Äkx Segenspruch wel- 
cher lautef'Gelobt seist du,o Herr, Schöpf er des Lichts und Schöpfer 
der "^insterniss'^Eine Verankerung des }^inheitsgedankens,wie Sie »^ 

sehen, in ausgesprochenem Txegensatz zu der persischen Anschauung. 

für die Juden äv*-» ^ *, i^^ 

In diese/ relativ f riedlichenZeit bricht d§r Eroberungszug 

Alexanders von Macedonien ein. Abgesehen von der ungeheuren politi 
sehen Umwälzung im ganzen Orient ,dem Fall des Perserreiches und 
der Eroberung Aegyptens,in die natürlich auch die jüdische Gemein- 
schaft mit hineisgezo/:en wird, beginnt auch in kultureller und 
geisti,^er Hinsicht e'n Prozess von dem a^^^h das jüdische vVesen 
stark mitergriffen wird.Es beginnt die Hellenisierung des Orients. 
Eine Epoche, die für die Juden nicht bloss den Eingang griechischer | 
Lebensformen und griechischer Denkweise bedeutet, mit denen sie 
Sich auseinanderzusetzen haben. :ö3h-*en' grossen Diaspora -Cxemeinden, 
ä±xxaMÄMRXÄXB[kxxiMÄtiüL±Kn::^JixxÄ das heisst in den hellenistischen 
grossen Sta^ten,w.Q die Juden bereits in grosser Anzahl ansässig 
jrmd,wie in .Uexandrien,das allmählich das Zentrum spätgriechischai 
Lebens undKultut ist*g"eht dieser HellenisierungsprAzess immerhin 
so weit,dass er eine Uebersetzung der Bibel ins Griechische 
notwendig macht, olienbar,^^'eil das Hebräische ausserhalb Judäas 
vom Volk wohl kaum noch gesprochen oder verstanden wird. In Judäa ^^ 
selbst jedochiStösst/Jiie HeJrJre Hisi e ru n ^ auf die naturlichen 
Grenzen der -'eistigen jüdischen Verfassung. jb^Jc^RibbcÄlbc^Sölxl^M^ 
^ iLX^a±^^xX7::&3Lyjss^^^ Am Anfang besteht keine 

Feindseligkeit gegen das neue Wesen des Griechentums, im Gegenteil 
es kommt zu einer gewissen :}ef ruchtung. In den langv. ierigen ICämpfe^ 
der Diadochen um die Teilung des AI exander- Hei che 3 bleibt Judäa 



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und erst als 



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erst unter aegyptischer gerrschaft 

es unter die """"errschaf t der syrischen Könige der Seleuciden 



r '-y yi '^A ji»*» ■< 




CjjL- 



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gerät, verschärfen sich die ^e.^ensätze. .Wie immer >ird im Judentum 
der Punxt an^egriiten,aul dem sein -bestand sich esrundet,so en'^acht 
der Widerstand unbändig und wird zu einem Ivajnpf auf Tod und Leben. 




1^0 



Dies ist der Sinn der Erhebung der Maki<abäer um i- — . ^ ^-^ 
Iff ,u^i,u —" wirft 




/' HaiÄlt fLinfundzwanzigjährigen schweren Kämpfen Ärxirtgt Judaa das 

Griechenjoch ab und erlangt damit zum zweitenmal auch seine staat- 
liehe Unabhängigkeit. (Chanuka ) ^ j-^ "^^^ ''^^ ^^^.^.^^U ^^^ ' 




i e s 8 en -g^^»e/f-i 



en-öoch 



folgön4^-!)a1:Bn:Die Dynastie der Kak abaer, welche die Hohenpriester- 

au i s i oh 
würde zusammen mit der Xbl Pürstenwürde vereinigt ^dauert bis 
. , toräere__ ^ ^ ?2^ ^qj\^^^^ 

(i~L A\ (f^\ Ui\lß Derr^rlent ±K±-iS^^£^ diese 2eiA fli P iinp^greifen^ 

dny-jb^olit JH: der römischen Expansion, Judäa bietet jetzt nach Innen 

und nach aussen ungefähr den gleichen historischen Aspekt, wie zur 

Zeit des ersten i^önigtums, sowohl an innerer Zerrissenheit als 

auch in dem versuch seiner jeweiligen Herrscher^ mit den grossen 

Mächten der Politik in ein er^-apa^ gli ch^e Verhältnis zu kommen. 



\\ 



{ 



Mit Hecht haben die Weisen und Einsichtigen im Volk den Glanz etwa 
der terodianischen 2eit als eine Scheinblüte und eigentlich als 
"Fremdherrschalt emptunden.Stmr^^-J^^At^, Untergang der Hasmonaischen 
Dynastie l^^^ So ^^e -^ierrschaft des herodes und seiner Nachfol- 
ger '^^^•^'^'^Sf ~<:i- 3)er steigende Druck der ireltmacht .Rom schon 

seit ^omp«jusy>i'/^///xxflucxx e rsr i bi i ttert ( Lie sta^y jLu h o n Urundlttgen 






^, 



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wC^ ;Z/v /'^ -^^-A^ '^'^)/u.ß-^ K. AS 



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^ Qrvfaltun^^fueam ten lü\ Lande 



xcütxAÄXacrtöP^jai Jie ^römischen 

( Qeoen im^ier wieder neuen Anlass zu laagen über Druck und Kaub; 

immer wieder breclien gebel -ionen aus, bis das Volk in offener 

Empörung gegen Rom steht, ÄXÄXgxxJiÄJtÄa Der fürchterliche Endkampf 

dessen ausfuhrliche JJarstellung im Jüdische,, Kr leg des Josephus i in- 

den f^ clili eg /t - mit c i er- völlige/ Vernichtung Judaas als 3taats-und 

' ' — Eroberung Jerusalefl^f^-"«Hf^e^.uieIL__^ 
Gemeinwesen, mitltt^r Zerstörung des Zweiten ^empels im Jahre 70 

nach Chri3ti#unter Ves^jaalanus und Titus, i^as Aufflackern eines 



€ 



und ■« rzv,eifelten 
neuen heldenhaften Widerstandes un'er der Führung Bar Kochbas 

Vi'enn auch 

veroag das Schicksal nicht mehr zu v.enden,afe«iKi!Öi STIcR die Veltina 

Weltmacht Rom eine gevmltige Anstrengung machen muss .um dieseö x» 

Zähen und yerbi^-senen ^^m^^ ^^ixei£il^-xu-4^ee»4^fHFall der Festung 



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Bethar r' -^1/ - 



nach Christi« 

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und ^ rzV,eif elten 
neuen heldenhaften v/iderstandes unver der Führun_e Bar Kochbas 



wenn auch 
vemag das achickBal nicht mehr zu wenden, afeRisisöi StlcTi die Weltina 

Weltmacht Rom eine gewaltige Anstrengung nachen muss ,uin diesetf xx 

Zähen und verbir.senen Ka«^ g l egre . i r .h-xu-^eeA4^fH Fall der Festung 

/(j^r^_ nach Christ i« 



Bethar ^' /f^jf^k Lt^L , 



I yrq^f C^ -iv 



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Die Unraittelbari^eit der Beziehung zu Gott, die wir als die eigent- 
liche Grundlage für die Gestaltung des l-ehens erkannt haben ,ist 
w i e w jlr-ge-sehen haben, in der aa^efmi»#cn Restauration des Esra 
und in in dem weiteren Anstoss ,den sie gegeben hat, nach wie vor 
die Quel.-e alier Erkenntnis.Doch mit dem Schwinden der Prophetie, 
von deren Geist die Werke der Männer der grossen Synode noch durch- 
wegs erfüllt sind-erinnern Sie sich , unter ihnen sassen noch die 
letzten Propheten -ist es das V/ort Gottes ,das von nun ab der Trä- 
^ r dieser Unmittelbarkeit wird. Wenn gesagt worden ist, das Judentum 

ist nicht Gesetz, sondern es schafft Gesetz, so treten wir jetzt ^r-st 

<:/:u fortan 

in die Periode dieser Schöpfung ein.Wir ^«^ind im Bereiche des 

Woris, jenes Worti8,das als eine neue geistige Wesenheit in die 

Geschichte ^werfen ist^Es ist der Logos des Philon,es ist das 

johannäische Y/ort,das Fleisch geworden ist, es ist i immer noch 



<^- - 



das Wort vom dem Luther sagt, sie sollen es lassen stahn.-das Wort, 

das nicht aufhört.Die Auslegung des Worts schafft gesetz^und mit 

dieser Tätigkeit sehen wir von nun ab die Männer befasst,angefangai 

von den Nachfolgern Esras und den Schülern der Grossen Synode bis 

hinab in die spätesten Seiten des Talmud und der Rabbinen« 

Im ben 
Es ist Ihnen bekannt, dass wir im Judentum zwei queiXehO 

aus denen die Lebensnormen fliessen ,kÄiMÄ,die geschriebene Y/eisung 

^J^ T^n/js und die mündlich überlieferte Lehre. 



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Das iPt nicht so auf zufassen, als wären sie 



ihrem Ursprung nach verschieden. Diese Zweiheit hat einen andern 

V mit der mft dem "^^ 

Grund; erstens, da luaüfNder Sammlung und Abschluss des -^nons ein 

ausdrückliches Verbot bestand, den Schriften irgend welche andere 



hinzuzufügen, so war die Fortbildung der Lehre an die Ueberliefe- 




yy^^ t/i^Ä^ 



'Öt^-^yA^iLu. 



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^ , ^ r.\^„c.y^ cri eichsam von ITünd'zu Mund gestellt, 
rung von Lehrer auf Junger gxeit.uöcw 

Bis spät* 200 nach Christi, bis zur Sammlung der Mischna hat offi- 
ziell das Verbot/;z(X/ bestanden ,die überlieferte Lehre aufzuschrei- 
ben. Im Laufe der ^eit hatten nämlich noch andere Motitre dazu bei- 
getragen, dass man keine Schriften noch Abschriften von solchen 
dulden wollte. Im Verlauf der Religionsverfolgungen sowohl in der 
Zeit der griechischen Herrschaf t, als auch später unter der römi- 
schen und infolge der auftretenden ^ektenbildungen^sind^ wie es 
sehe int, nicht nur apologetische gegnerische Schriften verbreitet»^ 



■'^«rw-snr 



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1(0^,^,^^ worden, axjKk sondern auch mit Absicht gefälschte Abschrif ten^von 
^^uat jUy^'f^'^ den Gegnern in Umlauf gesetzt worden. ^^^eer unentwegten Sorgfalt 

und Behütung des Kanons verdanken wir esjdass wir die Schrift^;rf 
L i ^^"^ ^^ j. ' das Alte Testament genau in der Form und in dem Y/ortlaut ,ja bis 






y^ 



\^ ^ ' hcc.fvv ~ zur Auszählung jedes einzelnen Buchstabens genau, bis heute er- 



Uebertfe- 



^ ^ 1^ cfv^ halten haben. B§bvea:--abg«e^hen 4ad<yeh- geht d£e mündliche 

(^^M^■^^ ^^" Lehre jjr^ -.' j^ ^^'^ '^'''iJ ^^ ' 

"H^-^ j^o ^KXBOTip^uf Gewohnh^tiisreehte, Bräuche und Ordnungen zurück, die 






^ L [^^^ in der Schrift 



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4 



keine ausdrücl:liche Erv/ähnung finden, und 



^^' 'i ^/.^" durch Ueberlief erung gewährleistet sindiEe ist klar,'das8 die fiidUtlD 



- A 



^;sjÄy:^^xjL Bibel in ihren Satzungen vielfach deshalb lückenhaft 
erscheint, weil alte Ordnungen von jeher und geltende Gewohnheiten 



-V 



//»-, 



sofern sie keine Aenderung erfuhren nicht ausdrüc klich erwähnt 



/ 



l^^;^ r V^i^^ g e nde « uta: 

' />>^* zu werden brauchtenSo zum Beispiel, v.' enu w ir die ^bbelz iri 

V . l^"'*^^ -mtmg im Pentateuch betrarehlreiT^jda— heirs» L eB"So du einen hebräischen 

Sklaven kaufet, soll er sechs Jahre dienen. . .Wenn er allein kommt. 



Ot. 






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so geht er allein frei, wenn er Gatte eines Weibes ist, so wird 
sein 'Veib mit ihm frei. Wenn aber sein Herr ihm ein 7/eib gibt, 






A 






und sie gebärt ihm Söhne oder Töchter, so bleibt das Weib mit ihren 
Kindern dem Herrn". Dieses gesetzt setzt ja bereits manches andere 
voraus, nämlich, dass es einem Hebräer erlaubt ist, sich als Sklaven 



/ 



// 



aus der Schrift w4rei5'eif, 
zu verkaufen, wovon wir nicht/ wissen, v/as wohl aber Gewohnheitsrecht 







/ 



war. Ebenso wird auch schon zur Voraussetzung gemacht, dass der 

seines 
verheiratete Sklave seine Frau mit in den Dienst ömm Herrn bringen 

darf. Oder ein anderes Beispiel xDas Gesetz der Scheidung muss ein 

altes Gewohnheitsrecht gewesen sein, zu dem die mosaische 5?atzung 

die Praii_ 
nur die ergänzende Bestimmung trifft, dass wenn ^^S ffi^en andern 

Mann geheiratet hat, sie zu ihrem ersten Manne auch nach neuen Schei- 
dung nicht zurückkehren d^rf^. Wir sehen übrigens , dass schon im 
Deuteronomium selbst allgemein gefasste Bestimmungen^-i»- den älterei 
Schriften ,4HreT ihre §- detaillierte Erklärung erfahren, Und so mag 

es auch vielfach gewesen sein, dass eine allgemein gefasste Satzung 

überl ief erte 
in Bezug auf ihre Ausführung w^nfT^YwrfrKYtK Erläuterungen und Ausle^--^ 

gungen erfahren hat,BtxÄXKÄÄ 5btxaicx±xÄxiiKM2:rixs£KraÄg 






o^- 



Diese Hinweise, auf die ich mich hier beschränken muss,ata:i± 

uns_____ 
sollen uns nur dazu dienen/rfiiT"eTnigem Verständnis den Grundsätzen 




^ und Methoden zu nähern, auf welchen die Auslegung und Erklärung der 
Schrift ge gründet i st > g an z be su nd e rfap a b or ^wcnn-.w ±3^ 
Samfl^un^ >jur jtMKÄ der_djAr^b.-^«J5Xel-^nBra tionen hinduroh a ngehäufte 
.qt.(vff ftpiriA^ Zu«amm0nf asaung- gefunden 



Y 

nähern^ Wenn 



^ fortab die liede von Verordnungen der Schxiit gelehrten, so ist damit 

\/"'J '- y^f c, 9-^ die^^ ältere Reihe der Schriftgelehrten gemeint , deren Satzungen oiu 
)^ ^^ ^ ' , autatitative Kraft innewohnt. Die' Methode der Auslegung der Schrift, 






'v A ^/ wie sie fortan angewandt wird, ist im allgemeinen als Midrasch ,For- 

8 chung, Erklärung, Exegese bezeichnet , einerlei , ob es sich um die 
Findung von Recht Satzungen sctaz ,die wir Halacha nennen 



Regel , Gesetz, oder um jene poetisphe oder erbauliche Auslegung, 
die Hagada heisst ' (Gesagtes ). Se* ist eine freie Auslegung, die viel- 



fach der Phantasie Spielraum läset und die dann in die Form der 

C auch 
Predigt übergegangen ist. Beachten Sie, dass die Vf^rf asser der Evan- 




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einen grossen 



Evangelien die Legitimität ihrer Auesagen und 

Teil der Sprüche und Gleichnisse Ä Jesu auf Sätzen der Schrift 

gründen, nach d er gleichen ^ethode,wie es die Schriftgelehrten und 

die späteren Rabbinen in der Hagada tun.Ebenso die Apostel , Paulus 

besonders, nur dass ihnen auch die Apokryphen in der griechischen 

l 
SamrrJLung ebenfalls als Quellen dienenJ 

derersterL ^/tTt»-?»» 
Aus der Tatsache, dass aus ai'B^W'Stl; religiös und literarisch sehr 



,de.r ers tea .Sc 

bewegVen Jeit ,die wie acx man aus vielen Andeutungen entnehmen kam 

eine Epoche geistiger und materieller Blüte war, trotz der nolitixÄi 

\. keine Schrift 
sehen Abhängigkeit ,fasst nichts auf uns gekommen ist, darf nicht 

jtWCÄkiaxxÄÄXWxxdtÄÄ auf ein völliges Aussetzen literarischer Produk- 

tion geschlossen werdenlDie 7<eligionsverf olgungen in der griechi- 

fast 
sehen Zeit und die völlige Vernichtung durch die Römer, haben 

natur^emäss diesen wohl vorhanden gewesenen reichen Schatz ver- 

Auf X 

nichtet* Äxx dem Zug von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, zu dem 

religiösen 
besonders jene Kreise gezwungen wurden, die in der IrttggygiytarghitK 

Tradition lebten, ist allmählich alles verloren gegangen, nicht 

nur, was fir die Lehrer als nicht autoritär galt, sondern auch vie,^ 

les,das ein^ notwendiges Glied in der Kette der Ueberlief erung 

bildete.Wir begegnen daher jedesmal nach einer einschneidenden 

politischen Katastrophe dem Ausspruch; "Die Weisung wäre vergessen 

worden, wenn nicht der und der Lehrer sie wieder hergestellt wäre« 

ÄXKser fast idxlliB che Zu»4Land der JLej^zten Epoche der pe^^^sX^ 



ggKmix^inrTyytacfcbrtacn ri-^.sein Ende durch 

Ja, die 5buai]ra|p eindringliche Warnung der Lehrer aus dieser 



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Zeit sich des Bücherschreibens zu enthalten, lässt sogar auf eine 



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s^^hr-r ertliche literarische Produktion schlissen. 



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-ebe, Ihnen d^g^^Attömu und die Entwickelung 
-gä^^Tz;e7q^^eP8ßl5^dSzulegen fdie im 




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Evangelien die Legitimität ihrer Auesagen und ixs einen grossen 
Teil der Sprüche und Gleichnisse 3öc Jesu auf Sätzen der Schrift 
gründen, nach d er gleichen -^ethodeywie es die Schriftgelehrten und 
die späteren Rabbinen in der Hagada tun. "Ebenso die Apostel , Paulus 
besonders, nur dass ihnen auch die Apokryphen in der griechischen 
Sam/iilung ebenfalls als Quellen dienenJ 

Aus der^ Tatja^^^^^^ liter-arisch sehr 

bewegt^en Jeit ,die wie ans man aus vielen Andeutungen entnehmen kam 



eine l^poche geistiger und materieller Blüte war, trotz der politi 

X. keine Schrift 
sehen Abhängigkeit ,fasst nichts auf uns gekommen ist, darf nicht 

SJtxstkiUÄXÄÄXKXxahra auf ein völliges Aussetzen literarischer Produk- 

tion geschlossen v;erdenlDie Religionsverf olgungen in der griechi- 

fast ^^^^ 
sehen Zeit und die völlige Vernichtung durch die Römer, haben 

X 
naturgemäss diesen wohl vorhanden gewesenen reichen Schatz ver- 

Auf X 

nichtet. 8jrx dem Zug von Stadt ^u Stadt, von Land zu Land, zu dem 

religiösen 
besonders jene Kreise gezwungen wurden, die in der JbttKxacKxsjKKjsic 

Tradition lebten, ist allmählich alles verloren gegangen, nicht 

nur, was far die Lehrer als nicht autoritär galt, sondern auch vie/^ 

les,das ein^ notwendiges Glied in der Kette der Ueberlief erung 

bildete.Wir begegnen daher jedesmal nach einer einschneidenden 

politischen Ivätastrophe dem Ausspruch; "Die Weisung wäre vergessen 

worden, wenn nicht der und der Lehrer sie wieder hergestellt wäre. 

SÜucser fast id^lÜBCh« Zuetand d^r^X^piten Rpoohe der j^B^e^&Xf 






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ggKitiLX^inrTy Bf ka±jbdücmL. sein "Rnde durch 



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eindringliche Warnung der Lehrer aus dieser 



Zeit sich des Bücherschreibens zu enthalten, lässt sogar auf eine 



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aßhr-T€T^KLlche literarische Produktion scKiTssen. 

Bevor ich darang e he , Ihnen^ d^g^ AtriHm u und die Entwickelung 



^Sö^^Tz;e:;^^i^8öq^.dÄzulegen »die im 



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Talmud zusaminengerasst ist, scheint es mit nötig, Charakter und Bedeu 
tunf^ der Sekten, zu erörtern, von denen die eine für die Gestaltung 



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^-^'t-<- 'J <6^sa.-*-c 



^dA«-J«riflmt^^ entscheidend war.mxd-.4Mi- 

öX4^4.eh-'dle^t?öTi'nicKe SiTui^tio^^ der sie erwachsen s 

schon 
Äirfwl. Im Buche T:)aniel, finden Sie für die Glaubens kämpf er m der 

Gefolgschaft der Hasmonäer die Bezeichnung Chassidim,die Frommen 

während die Gegner, die Anhänger der 
Griechen als die Frevler, die den Bund Verlassenden texKXKTu: bezeich 
net werden, In diesen Chassidim,in diesen Frommen haben Sie den 
Ursprung jener Sekte, die dann später sich selbst als die Peru- 
schim bezeichneteiljdas ist die sich Abscheidenden, damit ist gemeint, 
von dem Durchschnitt sich Abscheidenden, der es mit der Befolgung 
und sorgfältigen Beobachtung der Gesetze, wie sie durch die ^^asmo- 
näer-Gerichtshöfe neuerdings festgesetzt wurden, nicht so genau müi 
nahmen. Daher der Name Pharisäer, der bis auf heute allerdings mit 
einer anrüchigen Nebenbedeutung erhalten hat/.Es ist über Pharisäer 



■\\ 



Sadducaer und Essener so viel geredet und geschrieben worden, dass 
ihr ursprüngliches Bild dadurch f^wH verwischt ist. In dem Sinne 

wie ich es hier versuche, Ihnen die Vergangenheit , sofern sie für 

mich 
uns ge.^enwärtigen Wert hat, näher zu bringen und dabei aüaüt im 

Wesentlichen auf autochtone eigene jüdische Quellen zu beziehen, 

in diesem Fall 
ist es wohl richtig, dass wir uns auch hier an die Darstellung 

halten, wie sie im Joseohus steht, der übrigens für alle Forscher 
über diesen ^e-enstand die Quelle ist. Ich werde Ihnen deshalb die 
bezüglichen Abschnitte verlesen. In den "Jüdischen Altertümern 
heisst es; Um diese Zeit rDes Hasmonäers Jonathanjgab es bei 
den Juden drei Rekten, welche über die menschlichen Verhältnisse 
verschiedene Lehren aufstellten und von denen die eine, die der 
Pharisäer, die zweite die der Sadduzäer und die dritte die der 



■^ 



* 



Essener ix hiess.Die Pharisäer behaupten, dass majiches »aber nicht 
alles das '^erk des Verhänsnisse8( Vorsehung) sei, manches dagetien 
auch freiwillig geschehe oder unterbleibe, . . "JIs folgt dann die 
Erzählung jenes Vorganges, der zur ^'olge hatte, dass der regierende 
Führst und Hohepriester-^die beiden Würden waren* damals vereinigt^ 
mit den Pharisäern brach.Dann heisst es weiter:"Die Pharisäer lebei 
enthaltsam und kennen keine Annehmlichkeit. Was vernünftige Ueber- 
legung als gut erscheinen lässt,dem folgen sie und halten es über- 
haupt für ihre Pflicht, den Vorschriften der Vernunft nachzukominen. 
Die Alten ehren sie und maassen sich nicht an, den Anordnungen der- 
selben zu widersprechen. Wenn sie behaupten, alles geschehe nach 
einem bestimmten Schicksal, so wollen sie damit dem menschlichen -Wü »| 
Willen nicht das Vermögen absprechen, sich selbst zu bestiminent xoEtix 
sondern lehren, es habe Gott gefallen, die Macht des Schickeais (Vor- 
sehung) und die menschliche Vernunft zusammen wirken zu lassen, 

so dass jeder es nach seinem Belieben mit dem Laster oder der Tu- 
gend halten könne. Sie glauben auch,daBS die Seelen unsterblich sind 
und dass dieselben je nachdem der Mensch tugendhaft oder lasterhalt 
gewesen, unter der Erde Lohn und Strafe erhalte, so dass die toKiÄÄ 
Lasterhaften in ewiger Kerkerhaft schmachten müssen, während die 
Tugendhaften die Macht erhalten ins Leben zurückzukehren. Inf olge ^ 
dieser Lehre besitzen sie beim Volk einen solchen Einf luss,dass 
sämmtliche ^ottesdienstliche Verrichtungen , Gebete wie Opfer nur 



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nach ihrer Anleitung dargebracht werden. /Ein so herrliches 
Zeugnis der Vollkommenheit gaben ihnen die Gemeinden, weil man glaub- 
te, dass sie in Wort und Tat nur das Beste wollten." Noch eine an- 
der Stelle im Jüdischen Krieg,wo es heisst ;"Sie gelten für beson- 
ders idindige Erklärer des ^esetzes, machen alles von Gott und dem 
Schicksal abhängig und lehren, dass Recht und Unrecht-Tun zwar 



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grösstenteils dem Menschen freistehe, dass aber bei jeder Handlung 
auch eine Mitwirkung des Schicksals stattfindety Nun hat zwar Jose- 
phus die Neigung, da er am Ende des ersten Jahrhunderts der christ- 
liehen Zeitrechnung für Griechen und Römer schreibt, die jüdischen 
Verhältnis se/^^llierLeser anzupassenjso ist es völlig abwegig, aie 
Sekten als iDhilosophische zu bezeichnen») im Wesentlichen jedoch 
stimjnen die jüdischen Quellen in ihren Aussagen über die Pharisäer 
mit ihm überein. In einem Spruch der in den Pirke Aboth in den S 
Sprüchen der Väter enthalten ist, haben s4:e inihrer knapi^en Art 
ihre Grundhaltung angedeutet;"Alles ist vorausbestimi':t ((Bas heisst 
die Ordnung der Natur und de«-Sohi:-eke«ti- ) un4"doeh:-4.»t freie Wahl 
gelassen(T^ten des freien Willens) und die Welt wird in Güte gKXXK 



ger 



ichte^^J^in anderer Spruch besagt :"Alles ist in der Hand dei^-^BÄx 
des Himmels, mit Ausnahme der Gottesfurcht»'. Nach der Erläuterung ii± 
dieser Stelle bei Maimonides in seinen Briefen, sind in dem Begriff 
Gottesfurcht alle aus freuer ^^ahl hervorgehenden toKiK Handlungen 
des Menschen enthalten. Dass die Pharisäer mild im Strafen waren^ 
erweist ein im Talmud angeführter Ausspruch :"Ein Synhedrion,da8 in 
Verlauf von siebzig Jahren ein Todesurteil vollstrecken lässt, 
wird ein Totschläger genannt? In dem Maasse als die Herrschaft der 
Hasmonäer sich imrm r mehr verweltlichte/und das Priestertum da- 
durch gleichsam eine offiziell staatliche Institution wurde, er- 
scheinen die Pharisäer im Gegensatz zu ihnen als die eigentlichen 

Lehrer des Volks. Wie Siefs ehen ,eine durchaus Twtkytw demokratische 

Lt'cA^^ CL.^^^ vt'<. ^^-c.< ^^ ^ **^ ^'V ^Vc— v--*-v , 
volkstümliche Führungt die in i^ r^T^ t^el tun ^ inr-Q at g ud o ntuni » piv^ll 




tnrsairfMfflgerB-teir^ erhalt en i^t. Nicht der offizielle Vertreter 

des Ritus und der Ausführer des ^eremonials,// cler ^l^^ ntige I^bbiner 
steht der ^. ri'--* 

±Kfcx±MXfitKldöi±xfltÄXxGemein3Chaft,er ist h4^^ meist nichts mehr als ^ 

eine Respektsperson, näher steht ihm der beruf lose ,gottesfürchtige 










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Fromme, dessen Lauterkeit von keinem auf Gewinn gerichteten XikxJÄ 

Absichten getrübt wird. SiKxxxjcixxÄ Die Pharisäer sind wahrend 
der Zeit der Makkabäer die Volkspartei in den äusseren wie innerei 
Kämpf en. Ihnen ist dies dem Wesen eingeprägte Verhältnis zu Gott 




und seinen Geboten schlechthin mit dem Nationalen identisch 'Tsie 

haben dabei die Mehrheit des Volks stets hinter sich und wenden 

sich sofort und heftig gegen den Landesfürsten und das offizie^lle 

Priestertura, sobald diese aus Gründen der Politik oder Opportunität 

den Boden der liehre v^ 

ÄXKaüKÄxSaiiÄÄ verlassen. Abgesehen von einer relativ kurzen Unter- 

brechung zur Zeit des Hasmorläer Hyrkanos,de9 Tannäus ,wo sie im 
Synhedrion durch eine sadducäische Mehrheit verdrängt waren, sind 
sie es ,die als Gesetzeslehrer, Richter und Vorsteher der Lehraka- 
demien, bis zum Untergang des Staates und noch läilge darüber- hinaus 
l^o^twirken. Freilich je mehr sich ihre Gemeinschaft im Verlaufe 
der 2eit zu einer ausgesprochenen Sekte entwickelte und in sich 



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selbst vielfach gespalten neue Absonderungen eäüxräx:^?:, zumal jene 
Gruppe unversöhnlicher Zeloten /die im Endkampf ßegen die Homer so 
verhängnisvoll wirkte, geriet sie nach de"|ft Uiv^ergang ^äes !fempels 
allmählich in Verfall und fand schliesslich ihren Untergang. Von 
dieser Endphase ist die -^^ede in eineji^ alten liXKskJKaLtxK^msoLX über- 



lieferten Mischna,die ausserhalb der Sammlung geblieben ist, wo es 

heisst;"E3 gib^ sieben Arten von Phari8äern,5UixxxÄ und wo jede 

über 
einzelne Aufzählung einen herben Tadel enthält.Auch #ÖT-T[iT Saddu 

cäer will ich einige Stellen aus Josephus anführen, wenngleich ihre 
Bedeutung mehr in der Repräsentanz einer ^!?€?^is8nBTi regierenden 

und einflussreichen Oberschicht bestanden hat, die bei ihrer ^er- 
weltlichung im Gefühl des Volkes niemals Wurzel schlagen konnte. - 
Keinesfalls aber sind sie gemeint, wenn etwa im Daniel etMSr von den' 
Abtrünnigen und den Frevlern die Rede ist. Sie haben auch nichts' 



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^ganger- 
mit jenen ge ein, die in den Makkabäer-Büchern als die Partei der 

Griechen tvswsxrX bezeichnet scirix werdenl'Die Sadducäer.heisst es !»• 
bei Josephus, wollen' überhaupt nicht vom Verhängnis wissen und 
glauben, es gebe weder ein Verhängnis noch richte sich der Menschen 
Geschick danach, sondern alles geschehe nur nach unserem Willen, so 
dass wir ebenso die Urheber unseres Glückes seien. als wir auch 
unser Unglück uns durch unseren eigenen U nverstand zuzögen... 
Die Pharisäer haben den Volke durch mündliche Ueberlieferung viele 
Gebote auferlegt, weiche in dir Gesetzgebung des Hose nicht aufgenom 
men sind.Diese „ebote nun verwirft die Sekte der Sadduzaer und b«fe 
behauptet,das allein sei maassgebend ,was geschrieben stehe,wahrend 
die mündliche Ueberlieferung der Vorfahr n keine Gültigkeit habe. 
Ueber diesen Punkt entstanden oft heftige Streitigkeiten.wobei 
die .Wuzäer nur die Reichen, die Pharisäer aber die grosse Menge 
des Volkes auf ihrer Seite hatten. "Sehr bemerkenswert ist auch fcüt 
folgende 3telle:"Bie Lehre der >dduzäer lässt die Seele mit dem 
Körper zugrunde gehen und erkennt keine anderen Vorschriften an, 
als das Gesetz. Sogar gegen die Lehrer ihrer eigenen Schule im 
Tortstreit anzugehen halten sie für rühmlich .)eine offenbar sehr 
auffallende Respektlosigkeit)/ Ihrer Anhänger sind nur wenige, 
doch gehören sie den besten Ständen an.Ueberigens richten sie nr bt 
nichts Bedeutendes aus und wenn sie einmal dazu genötigt sind ein 
Amt zu bekleiden,so halten sie es mit den Pharisäern,weil das;^ 
Volk sie sonst nicht dulden würdeV 



Die Hcilacha,da8 traditionellen -ieclitösatzungen,vie sie durch die 
exegetische Arbeit der ^chrif tgelehrten ausjse'bildet und fest.-. «legt 
'forden ist ebenso i echlsverbindli ch,r ie die schriitliche Weisung. 



liiS heisst im Talmud darüber:Rabbi Eleazar ausKodein sagte r<7er 



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die Schrift auslegt im Widerspruch mit der Ueberlief erung hat kei- 
nen Anteil ander künTtigen Welt(das schiim]nste,das einen Juden 

treffen AannjUnter den Ursachen, ^^^elche Kritfgsstürme über, das Land 

folgende 
herbeiführen," erden im Talmud unter anderen auch t^enannt ;Leute ,die 

das 'ie^etz auslegen im ^Widerspruch ifrTt ler Traditiun.Hier haben 

Sie vider die Störung des unmittelbaren Vörhaltnie-^sesjCüe in dieser 



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Zeit durch eine lalsche Auslegung des Worts herbeigeführt wirdf 
wie im alten Pdtus falscher Dienst* 



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Vortrag III 



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Nachdem ich Ihnen die At^feiosphaere geschildert und die Voraussetz 

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tzungen dargelegt habe, unter velchen die Auslegung des Kanons j 
und der anderen traditionellen Quellen ,die mit ihm parallell 3jaM^ 
laufen, sich entvackelt^können wir an die jietrachtung jenes umfang- 
reichen und so viel beredeten Werkes herangehen, das wir den -»-almud 



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nennen. In der Weisung forschenXl ehren und Lernen/, er£CliXi'eö^«L 
ejJiz^ die für die Lebensordnung und für die individuelle Kaltung 
des Einzelnen im Leben sich ergebenden Normen, -laie sind nicht 
starr, im Gegenteil; die Lehrer besitzen Autorität , diese Normen 
^ ^ ^ j " dem Lete n und den Bedürfnissen des Lebens anzui^assen auf urund 

' , ^»/:<:-M/^es .^^achweises ihrer Uebe reinst imraung mit der Weisung, mit der SlK)uc 
IjLrc l"^ . Schrift. Talmud heisst v/artlich ; Da3 Gelernte , und im v/eiteren Sinne 
tf"^^ ö die i^amiiaung dieses Gelernten und Gelehrten und nichts weiter. 

Und nun müssen Sie sich denken, da die Verfassung des .remeinwesens 
im Sinne des alten JCönigreichs Gottes theokratisch ist, so besteht 
keine Trennung zv ischen Weltlichem , Religiösem und Staatsgesetz^ 



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in ^^xi gelten der kx^pek jüdischen Eigenstaatlichkeit.Es sind stÄSStai 
deshalb immer die ^p\Led<^h«n Lehrer, die das gesaramte,da8 Leben äxk 
ordnende V-'esen des Gesetzes zu betreuen haben. Daher die -^Ptrr 
den--AuaBjeja&-t-^€Tid^Tr'-^e- e^hw^ r au v D-r otohcnd o ^ ungeheure Fülle 
kKfeK verschiedenartigtlgr Materien, die in der talmudischen Litera- 
tur neben einander Platz haben. !RiiK5utx3cÄkrKX Die Aufgabe dieser 
Lehrer ist dementsprechend eine viel umfangreichere, umfassendere, 



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als wir Ä spezialisierten Henschen/äuch nur vorstellen können. 

,von ihnen als,/ ' 

Wenn^män~d;eshalb/von den Weisen äKXxXxi schlechthin spricht, so ist 

es ^ 

kein;^ Titel oder eine übertreibende orientalische Floskel, sondern 

der Grösse der Aufgabe, die sie zu erfüllen 
entspricht durchaus ÄBuixfextXÄKkitÄkKKxKrJtaxdtKrKixKÄw::^ 

hatten und der sie gewachsen sein raussten. * 



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Wie ich schon bei der Besprechung der Sekten angedeutet 
habe.vraren es vorzüglich die bedeutendesten und führenden Männer 
aus den Kreisen der Feruschim.v eiche diese Lehrtätigkeit ausübtm 
Sie Sassen in den Akademien, sie übten richterliche Punktionen, 
sie Sassen inVÄ» grossen Ftiit der Aeltesten.Sie bildeten Schüler '^ 

aus für ihre Nachfolge, sie sind es ,die eifrig daraul bedacht 
sind, die Kette der "eberlief erung nicht abreissen zu lassen. 
Wenn wir immer v^ieder davon hören,wie angstlich.v'ie peinlich 
darauf gesehen wurde, dass ein S,)ruch ,eine Satzung im Namen dessen, 
der sie erlassen und begründet überliefert wird, so ist das nicht 
rFedSterI?,wie man meinen könnte, Sie müssen zvveieilei bedenken. 
Erstens dass das strenge Verbot, die Lehrraeinungen und Entschei- 
dungen schriftlich zu fixieren, von dem wir schon sprachen, es zur 
Nof^endigkeit macht e.eteee- das Ueberlief erte mit grösster Treue und 
Genatkigkeit fest^halten und v/eiter^^berlief ert v.*#*e. Z^'eitens 
die Verfolgungen. AUS den entsprecuenden Stellen im i3uche Daniel 
und aus den beiden Makkabäer-Jüchern können die sich eine ungefähre 
VorsteliunrKÜ°^*i« VernichLungswut etv.-a der syr sehen Maassnahraa^. 

machen, die ge.en die kultischen Einrichtungen und die tr au en Be fol- 

gesaminterf^ ^ ^^^« 

p-er-rderMÜdrscheii Helib'ioasverf assung gerichtet -ar. Aul jeae 

Befolgung des Gesetzes stand die Todesstrafe. Und erst die Römische 

Depression unter Trajan &ia« auf die völlige /erstörung j«*« 

möglichen Ansätze zur Erneuerung. In der klaren Erkenntnis, dass der 

des jüdischen Volkes ,) 
Widerstandz-öich hauptsächlich aui seiner rejLigiosen 



( 



Veriassung gründet, ^'^ollte Rom jede NeuMldung dadurch zerstören, 
2^%sjede Lehrtätigkeit und Ausbildung von Schülern, jede Auto- 
V risierung von Lehrern mit dem To .e bestraf te. Das 'fichtigste nicht 

, /.'v »- «^^ zu ^r^essen, jedesmal beim Ausbruch der ^veligionsverf olgungen 
^.^mCc.^ ''^^^ v^urden zuerst die Schriften getroff enYsie ^ rS; ehen nun,XKsiuiito 



■*-r*"'«^^^M 



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dass es kein Verlass war auf Schritten, und auch nicht auf den isln ^ 
lebendit?en *^eberliererer,^*^^ftn er itjRrxkRx^wie es o^.t e^eschah^der V'e 
Verfolgung zum Opfer fiel.^f 
Der Talmud ,so wie er uns vorliegt, ist erst im sechsten Jahrhundert 



v^ 



^"^^nach vJhrißti abgeschlossen vordentund zv'ar in Sura in Babylonien 



1 1 TTTf P^ *^ ^ u 

. ,,_^, ^ ^ Äei;nus 36 Traktaten und «i««t, in unseren Ausgaben mit den 



^ ZtA^jo/-'-^'*^"^*^^^ ^f^y— '^^^ 



ttande 2947 Folioblätter äxiu:. Seine Grundlage bildet 



^.^^^tY- '^ ^^ Komentaren am ><anae ^^^^ ."uxxuuj.«.^ .v.. . — ^ - - 1 

^ ^"t:'tw die Hischna.iaschna heisst wörtlich eigentlich ^iederholung.^^a die 



M' 



K3 



^.^- X ^M-'-^j Recht ssatzuns^n und Ent.scheidunt,-en der KischnaleV^E"!, um der Saxgöt 
.Xu V^J^ aorgfalt der ^eoerlieferung ^.üxen, im 'Vortlaut mit der grössten 
■w. Genamigkeit lestgehalten werden mussten.so versteht es sich, dass 

sie von den «eberlief erern irarr.er wieder ^viederholt werden musaten . 
im Sinne ihrer grundlegender .Bedeutung für die weitere Auslegung 
erhielt;^;! die Mi seh na allmählich auch die .Bedeutung von Lehre ffiöiiB 
schlechthin, das v'as zu lehren und zu_ lernen ist. Die Diskussion und 
Auseinandersetzung, sowie :-'ortbildang der in der Mischna enthalten« 
Lehrsätze und Lehrmeinungen bildet den Inhalt der Gemara;Gomer 
heisst vollenden »entscheiden,;^ Die Gemara ist in aramäischer 
Sprache abgefasst.Die liischna enthält eineyi/;^/ in ziemlich reinen 

II 

Hebräisch geschriebene Auslegung und Erv-eiterung der biblischen 
Satzungen, sovie die Verordnungen und '.resetzervelche auf die lAanner 
der grossen Synode und MX die ersten Soirira , Schriftgelehrten bis 
auf Esras Zeit zurückreichen. Zum Unterschied von diesen alteren ;js 
Quel en und Autoritäten der liischna heissen die eigentlichen 
Miöchna-Lehrer lanaiten ,Ueberlief erer.'Une Anzahl hervorragender 
Lehrer haoen im Laufe der Zeit die ihnen überlieferten und be- 
kannten in der ^'orm der -Uschna geiassle/^ Lehrsatze und .ntöcneiaun 
gen,so^^'ohl lialachi^chen al sJi^ag ad i rächen Inhalts 1 ür sich zur itadÄH 
Gedächtnisstütze auf gezeichnet , so dass im Laufe der Zeit die Fülle 



des StolTes uniibers 



ehDar häufte. ^us erv;ies sich alfj NotT-endigkeit, 



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dies Material nach bestimiaten Gesichtspunkten zu ordnen, nach 
Massgabe deT''S4SSÄeB( und des Alters des Ueberliel erten,als 
auch nach der Herkunft von den bedeutendsten Lehrern.Diese ^arm:i- ^ 
lung,die letzte ,die zur Grundlage des Talmuds T;urde,hHt etv^a 
um 220 nach Christi stattgefunden. Von der an diesem Hischnatext 
sich anschliessenden Erörterung A^und Diskussion, ii^ dem eigentlicher 
Inhalt der Gemara^ist es nicht leicht einen .iegrifi zu '^^o^n. 
Zuffia,a.-v^n seiner schv/ierigBn--s1rtlrr^rt4r^^^^n F;tru]i.tug.-i^s ist nämlich 
nicht ein systematisches Verfahren, das sich genau an die Ordnungen 
der Mischna halt, es verden auch nicht die Inhalte, vie sie ärfr-*?rr 

/ 36 Traktateii g eordnet r . i -tto , gesondert beha.ndelt.Und das hangt 
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mit der Ilethode zusammen, nach velcher die v^emara verfahrt. Xboiä 
Die Diskutierenden.^telLen ei3SrV--Äi=eM; ihre Ansichten^i, 
y§-^flQXB Her ^ ^ 'biT g- e a t if , sondern entv/ickeln sie als Exegese^ 



tsr^..^ ULf 4^>'"^. 



eift-» tiJ ! U!:U!ig gebi'achl ^ erden m ü^H^efitTTun siftd\^aber die Mischna ''selbst 



teils abrr^ff'^hl os^-^ne Entscheidungt;n,die aer sachlichen Erlaute- 
rung und Erv;eiterung bedarf en, viele aber lassen auch die i» » ntüohQi - 
düngen (n Schv.ebe und verzeichnen nur/ die üb^r den Gegenstand ge- 
äusserten_enig£^;ßft^esetz4;en Meinungen und erf- o r d o m -^-e o neu e r 1 i-ch 




hier «JUr« die 2 strukt 
Momente ' 



Es vürde zu veit führen, xrhä Ihnen hier «JUr« die i strukturellen 

methodischen und stilistischen i nne.rftn V j Mro c hiodonhQit o n r^ 

die in der Diskussion einander durchkreuzen, genauer anzuführen 

und zu erklären. Das ist ja nicht hier unsere Absicht. Aber schon 

der Inhalt selbst ist vde gesagt ^nicht m ch Materien geschieden, 

sondern läuft durcheinander-Der halachische und der Hagadische 

rechtliche und rituelle , 
Teil, das heisst der auf Re^J***ßEnt Scheidungen i^Rst bezügliche Teil 




'xm,-'-*» i ****■■■ aw^m^mA* .: .-ir.' i'j^mmtj ^■^■»n^ . .=^- 



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sondertTj^r^h nicht streng vom Hagadischen Teil, der Historisches, 

Sagenhaft es, Dichterisches bwrd 

sittliche Haltung sich bezieh^.Jtordmt hinzu, dass es verpflichtender 



\/ . fcttthal rt 

yarbauliclifiLS und alles v'as auf die 



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1^ /; 

- r VA* v^< ^*^^ Brauch ist, nicht nur die Entscheidungen .zu niti ' r on un(i festzustel- 






auch 



\^ len, sondern in wess^i^n Namen sie ülx^ rl Lef ert sind, wobei ^^m^ jede 



^^^^, ift4^r¥ihtTrei-be Meinungsäusserung ,^'zTtTert ^i r d . und, ihr Gewi cht -4^iÄ-U. 



I >v ,v///^r ^' 



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, ,/ K^ *^c>--^ Aus diesem Brauch, die einzelne Iieinung namentlich anzuluhrai 

-'^ ^__________ — — " bei -i ernst eaenden 

^- ju /'"'^^ ' ist -^ie rälsche~^SuTfassung entstanden, als habe jeuer talmudische 

Ausspruch /^ ohne Jäsc '-^j in schrankung. bindende ^verplliuhtem e ,^edea4 

tung für den Ju^ien^TOem ist nicht so,. Verpflichtend , bindend sind 

eine Zustimnung 
nur die Entscheidunci,en,über reiche eine "^ntschliessung der Hehr- 
heil vorliegt, Jas Kann nicht genug betont ''erden.-^s ist nicht neu, 
und zu allen Zeiten (^e^¥ ivrisen für die jüdisoho l ol t ^^iederholt 
sich der Vort;ang,das3 der sittliche Gerialt des Talmuds prozessiert 
wird und immer wieder in der v,eiöe,dass ein/e AnzeJil auffalliger 
oder missliebiger Aeu.sserungen herausgegrif t en ,aus dem Zusammen- 
hang herausgerissen wird^ äxä an ihnen die ITlndfer^r, iip^4g4€e4rt oder 
a TJnsittlichkeit hpqnnHr-rff im ypr^ ^ lt ^ n g<=>f /<>n ^ r'" m ^ ^ ' d r imonntTii ^^^rtr wi 
:;?Kiriti:, Nun stellen Sie sich einmal vor, man vürde aus äkdi eineiig 
durch Jahrhunderte verlaufenden Produktion der gesaminten Literatur 

/r^^ / sowohl XÄÄ 

eines Volkes, die xtxKktxauix Zeiten der Blüte des Verfalls innerer 
und äusserer i^^riege durchlebt hatte, ein.<> eine i'ftdixLdiifeiie* 
Zeugnisse herausgreifen und sie zum Ilassstabe der sittlichen Ver- 
fassung des Vol-ves erheben. xa3:xBmgjE£akrx±sc± Genau das ist, was hier 
geschieht. Gesetzt man würde etwa tf 1rrt;TTl7:TT^^tf FrTT7TimTW7rnrhrt;jrht>~e i n r 
Tendenz und jesinnung einer flamüienden Kampf g gksdgA ^ sehr ifD, »4 
orV Werkes etwa wie Kleists rLerrmannschlacht,^«' aus der Situation de,^' 



/J>f.- 



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Jahre '1810 



^ 1011 in der Zeit al 



s ctÄ55: Deutschland unter dem -^ruclc 



lu 



der napoleonischen Eroberung stand, ::.c i DChoir:en ^^^ ^y4eft, gesetzt man 
würde die darin ^^4r Oh auncjcrndc Gesinnung zum Kaastab der sittlichai 
Haltung des deutschen Volkes nehinen.Dass /leidenschaftliche Aeusse 
run^jen, heftige Aur.briiche,]aagen,Ver\"ünschunß:en aus der §eit der | 



Jk"- *^ frfc ^^^'^^'^^ fürchterlichen römischen Religionsverf olgungen von einzelnen ^««ii 



berühmten Lehrern im Talmud enthalten sind, braucht nicht geleugnet ^ 
ZU v-erden.tmd Jch 8%^-trH^ diese Dinge hier nur, regen der Aktuali- ' 



tat, die «töeii in neuester Zeit gevcisse Angriffe auf den Talmud^mit 



^^ T 



& 



ihren Schlüssen auf das 'zesamrat Judentum bekoraKien haben« li^Ä^^efe 

/ >,J^r z ur A H. i'jc^ ■^?^- , ÄKEk a^7^ o^ 

gehört -^^ xKXBtxgr Ab e i <>ht dieser Stunden XKXÄKXxMsiwji -au« diesem ^oc 

Talmud l^ - ' "^ ' 

geyraltigen Komplex ^uljj-ii '■ i ^h rj i r i j i irl i -irhu T^h r^ Ifn hnnf- -1-r 

Zeirfe-^ve^ r^^^eaJ^-axLt^ Jiat , A i e durch alle Wechselfälle der (leschichte 1 

unveränderte Grundhaltung auf zuzeigen. Jenes aus dem Verhalten zu 

Gott fliessende und dadurch bestimmte Verhältnis des Juden zur * 

Gemeinschaft und zum ':enschen. Ich sage n-i-eht Zum Juden, sondern 

zum Menschen.5ia2Lx}ixixKiKsnxganz:*QBtiKiin±Ex. So wenig der bildlose 

Gott eine Abstö-ktion von Anfang an ist, ebenso v/enig ist es der 

Mensch, denn er ist v:ie die Bibel sich pe pulär ausdrückt , nach dem 

I^benbild des Elohim geschaf f en. .^s väre einfach genu g, unzahl ige 






Stellen Äx£üx anzuführen, die dafür zeugen. -besser vielleicht ist 

allgemeine 
noch, die Methode zu kennzeichnen, nach v^elcher der l'almud seine 

Sittenlehre aus .dfiiiL. Kanga, aus der Thora,aus der Weisung ableitet, ^ 

Aus Traktat Makoth; "Sechshundert dreizehn Gebote sind dem Mose 

gesagt ^^orden/. .. Da kam David und stellte sie auf elf; denn es 

heisst im Psalm;"Ter darf v:eilen bei demnem Zelte?Sein Geld gibt 

er nicht auf Zins, auch nicht dem Götzendiener. . «Da kam Jesaia 

und stellte sie auf sechs :"'^Ver in Gerechtigkeit v/andelt und Geradh 

heit spricht, ^''er Gewinn durch Erpressung verschmäht , wer seine 



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Hand schüttelt, nicht Jestechung zu nehraen,ver sein Ohr verstopft, , 
nicht Blutrat zu hören, und seine Augen versohliesst, nicht Unrecht 
zu schauen". Da kam Micha(der Prophet Kicha) und stellte sie auf 
drei/denn es heisst; "Er hat dir kundgetahn ,o Mensch, vas gut 
ist ,und v-as fordert der ^^err von dir, als liecht zu üben, und Wohl- 
tun zu lieben und demütig zu v andien mit deinem aott!,' Jesaia 
hat sie %viederura auf zwei gestellt ;IIaltet auf Recht und übet G^reöh 
tigkeit.öal kam Arnos und stellte sie auf eins:Suchet mich, so v;erdett 
ihr leben. Rabbi Nachman Sohn Isaafcs fragte: "Man könnte meinen ,»iic 
suchet, das heisst, forschet »i«iit in der ganzen -^ehre, deshalb 
kam Habakuk und stellte sie auf eines;denn es heisst;"Aber der 
Gerechte lebet durch seine Treue". 

Ein anderes Beispiel: Rabbi Jose ,Sohn Chaninas sagte ;ütxRXXXMÄKia 
"Vier Beschlüsse verhängte Mose unser Lehrer über Israel. -^a kamen 
vier Propheten und hoben sie auf...Moee sagte;Er ahndet das Vergeh« 
en der Väter an den Söhnen. ^a kam T^.sechiel und hob es auf.^enn es 
heisst ;"Die Seele, welche sündiget, die soll sterben. 

'}\^nn gesagt v.^orden ist,daslB Judentum ist nicht i^esetz ,&<>ftd 
sondern es schafft Gesetz,, 'so ist damit ^.«eh die Autorität der 
Lehrer gemeint, auf Grund ihrer tief en/Sinsicht/ j»«4- dcr Auoiecung 



iji4effr-«s--tturüTr''^eTt~T^^ täade-.- 2 LU^' ' gil e fr - gebannt o r n choint ^ 

flarait kom..e ich auch auf die Sutx viel beredete '^remdengesetzgebui 

des Talmuds zu sprechen. Ich muss Sie da mit zv;ei Begriffen ver- 



traut machen. Im Pentateuch heisst der Fremdling-. Ger, zuweilen wird 

t.Ju>er 



das Wort durch oeisasse,3M.fri---&^t«^:^-JiiiJ^^ 



-j of*.^< ^ / \^f< {x^ 



Talmud entv.ickelt aus diesem üegriff des 5er ,des Fremden, den 
rechtlichen begriff des Sohnes Noahs. In der ^.Velt der Bibel ist das 
der Mensch von der Sintflut bis a«*-^B jerith J3inai,bis zu dem 



PI 



8 
Bund am Sinai. Im Talmud v/ird nun te^etgflA grechtlich der riegriff 

des c/er,des ^a4^a« ^f rcmdling 4 3 durch den des Noachiden-des Sohnes 
Noah-ganz genau dÄfe4«-^JH^-b±««t^,da8S er /Öie Uebernahrne von sieoen 
Verpflichtungen yo- raw Be t z t .von sechs Verboten und einem ^ebot. 
Das eine r,ebot teetriff t :^erichtfe einzusetzen, die sechs Verbote, 
heissenj'/Lästerung Gottes, ^{Götzendienst,dxa.iVBlutschande,V«T 
\'i^U:ä^j ^^Kord/Raub e^^tienuss de. Fleisches von einem lebendenV/esen. 
-36^/ i^^*-;. genauer Senuss eines Gliedes von einem lebenden ^Tesen/ ftHr-4«n 
/^y, .:: /W ^^^^^^^^^_^^^_^;,^.^,,,^^,^,e^^ E ii üllung di -esp r ^ord ^ruag. 

ASiT'^'X^t's selbst oei einem Sklaven xxx darr nicht der Glaube an den jüdische. 
A-/.cX.^ . ^^^^ er2^'ungf3n werden. Wer mit Kindern zum Judentum übertritt, darf 

;ixiäil«'umSndisen Kinder den Uebertritt vollziehen.Ms sie sich 
selbst zu entscheiden vermögen, bleiben sie lioahchiden.'^er Noahchide 
also ist nicht ein Glaubensgenosse und dennoch ein Staatsbürger. 
Nach Szechiel haben die Fremdlinge Anrecht bei der Verteilung des 
Landes, sie dürfen hebräische Sklaven und Sklavinnen kaufen, sie 
sind rechtlich mit den Eingeborenen gle ichgestellt. ^.iner der Flücte 
im fünften Buch Mosi lautet : "Verflucht sei, wer das ^^echt des Fremd- 
lings .des #aKX Waisen und der Wittwe beug^'.Sie wissen ferner, 

besetz, um der 
daas im mosaischen ä««»iÄ«x .ylurache entgegenzuwirken,sechs Frei- 

Städte eingerichtet sind, die defti^der ohne Absicht fc4*«-t Zuflucht 
bieten. Diese ^reistädte sind auch dem Fremdling geöffnet. 'ds ist 
auch~mit Ausnahme eini.^er besonders genannter VölKerschaf ten — 
gestattet mit ihnen Ehen e inzugehen. A««-*tee«tr^lelltill '^^i- SUii-ift 



1 p^tfft der Talmud -dsT'^Iese 




*bT*r Der lloachide i«4- 



KiKktxiMHxnKxaiKKiiBii ist nicht in den Bund aufgenomnen und doch 
als sittlicher ^.tensch anerkannt. Die Noachiden werden im Talmud 
als die Gerechten der VölXer der Veit oder die Fromnen der Volmer 
der -''elt bezeichnet, ja als solche Gerechte oder Fromne haben sie 
sogar Anteil an der -»eligkeit ,svie der Ausdruck im ^almud lautet 



V 



U^ 



9 



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, z). -'- Ä ■ 




:)as besetz Llosis gilt nicht nur vom Juden zum anderen- Juden, sonden 

in allen sittlichen und rechtlichen Verhaltnisf^en ebenso genau und 

bestimjTit xk vom Juden zum noachi«ischen Ilichtjuden. 

Tw^»-^p^M:Ui7.nptr'^'' "^ <^^ "i^-t vji r.ht igj im Ueb«<rigen treiben wir hier nicht 

Apologetik und können darauf verzichten,xi±x talraudische Stellen, \ 

d^e das bestätigen und den allg o meine a Charakter der talmudischen 

IJaiKfeat Halacha (oatzungsl'indung) bestimmen ^fce44Jr auf ig -ftia^elnari^iaj-' \ 

2-u- 5 e4^r^7l>:am v-ird aber gesa.gt,das treffe v'ohl auf das Heidentum zu, 

v^^aber 
besondere gehässige Aeus^erungen fänden sichlgegen :ö=^*i Christen, 



^'*^ Das^ stirnmt-^rns^dl&xa,e:jbs viele Einschränkungen und^ soha'rf e "Terbote 



71.^^^ *^ ji^ und eine im allgemeinen gt.rpng ablehnende Haltung gegen die'*Kinim" 



^l.JX^^'i 



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I 



'lu...>v<r<'''^'^'''^^r''>^ ^"^^ Ketzer, Sektierer nich find en, ^Vir kommen dcimit zu demmistorixßj^. 



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sehen I.Ioment jener Sfc;ktenbildung,aus der das Christentura sich ent- 
v'ickelteiJVeÄn es a.uchnicht im Sinne unserer Aufga-be hi*-r ist, den 
^- y*V^>^^^ / QlLXiatX4^h^Tr'(7 0"t"esgedanken zu e.xßxtxj:n , s o kün-.ien v-ir bei der 3e- 

*^ trachtung der ^'eiteren >]ntvickelung der JuaibCuen .rrunaid'ee nich^O 






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K^f^A.^ . ^^^ iiiuPÄf^--Yi9^:hait^iih«n# J)ie oekte der Essener, 4i« nach der Cha 






-> 

■m.* 



rakteristik 



iw Jo s e jphus^ ^4^1 noch strenger als die Peruschim von der aligemeiÄ 
n^n U-nung absondert^, rrrb Iä— ^rrttÄä^ xxxx^m Anfang nur eine stren- 
gere Observanz der Peruschim- Anschuungen^ iVährend jedoch diese Füh- 



rer und Lehrer des Volkes, bei aller ICntvickelung ihrer Auslegungs- 
metoden, der Hxegese^peinlich darauf bedacht Vvaren,den Boden de£ 
ursprünglichen Beziehung von Kensch zu Gott nicht zu ve rlassen,bHa4 
d4-efl^6 Ziel a^*^h stets im Auge -^u.-i» oht r l ton , nahm die aus ihnen KKrxx 
hervorgega^ngene Absplitterung der I^ssener die ]|,schatologischen 
:i;iemente,die im Laufe der Zeit und der Verfolgungen eingedrungen 
waren^ auf und bildete sie ^^eiter aus.Ganz besonders aber den isräxx 
mesoianischen ^edanken#Hier ist nun f estzustellenjentgegen allen 
späteren In t erpre tat ions versuchen, 3» — tmd.^vunl ^-^e. urigi ^vnrniinhnn, 



\ 



\: 



r.M 't'A--^ -'-^ 



10 \ \ 

• j. j^^ Ti-rQnrun££ dieser Vorstellui. 
auch bei uns im Spat Judentum ,iBt der Ursprung aico 

nirgends aus den mosaischen .Büchern abzuleiten. Es fehlt ^ede Spur 
davon. Indessen habe ich bereits in der ersten Stunde darauf hin- 
gedeutet, vde früh schon die ITormen der mosaischen Lebensordnung 

durch ihre Ablösbarkeit vom Ritual universalistische Tendenzen 

,^ ^ ^^^ ^ hatte 

^Äigt^Der Sinn der Vereisung bew^^ferlT^ seine Kraft und seine Wirkung 

./ erstaunlicheen'^eise gerade im T^xil in der Fremde bewahrt. Die Kündug 

.p^f.)^^ ^ der Propheten geht mit dieser Tendenz Hand in nand,venn sie auch 

oft in den Tröstungen des zweiten Jesaias und seiner Nachfolger 

unter nationalen Zielen noch erscheint. Es ist ein Durchbruch, eine 

Aufgeschlossenheit nach oben,we^^i die ganze V/elt auf Gott bezogen 

wird, zugleich. mit der Ausbreitung xkIärx der Gotteserkenntnis 4f% ^ 

die Welt hinei -n./So heisst es bei Jesaias :3o spricht der Herr der 

Erloser Israels ;"Zu gering ist es dafür, dass du mein ICnecht bist, 

die Stämme Jakobs auf zurichten, die /bewahrten Israels umkehren zu 

lassen-den Weltstamraen gebe ich dich zum Licht, dass meine Freiheit 

werde bis an den Hand des Erdreiches. Oder^, "Mein Schwur, spricht der 

Herr, mir soll sich jedes Ijiie beugen, und ver dir ein/'Schrecken 

^ eigeflösst,wird jetzt zu dir übergehen. .. Zueilen wird dir mancher 

Stamm, der dich nicht kannte^.übenso spricht der Propl®ft ZachariasJ 



ssxxxxxRxiisrxKaixEHLxlXRXÄSxaMK "Sie korar.en , viele Völker, mächtige 
Stämme, ihn den Umscharten aufzusuchen in Jerusalem, sein Antlitz 
zu sänf tigen. . . So spricht der Urascharte:In jenen Tagen ist8,da wer- 
den fassen zehn Männer von allen Stämmen und Vveltzungen, anfassen 

den Hockzipfel eines judäischen Mannes ;Zu euch vollen vir gehen, 

Volkern 
denn wir habens gehört ;Gott ist bei Buch!" Und den JöamuiKK wird 

verkündet :"Es spreche nicht der Abkömmling der Fremden, der sich an j 

den ^"ierrn anachliesst ;Der Herr wird mich ausscheiden aus seinem 

Volk. ..Ich werde ihnen in meinan Hause und in meinen Mauern ein 



11 



ein -^enkmal stiften und einen Nanen.^.Ich bringe sie nach ^Jüeinem 

heiligen Berge und erfreue sie in meinem Jiethause« . »Penn mein Haus 

i3egriff I 

soll ein ^ethaus genannt v/erden für alle V^ölkerV .D^ \>e^iV SrTöser, 

Erlösung, hebräisch GoVel,Ge^ula,Ga]f^ol ist eine Konzeption der Proj^ 



/^/K^' 



V.. 






phetfin und bezieht sich zunächst auf die S-rlöRung^us deir^ÄzJaÄÄÄm 
Exil, aus der Verbannung, knüpf t aber daran auch jene universali^tiü 
universalistisch gerichtete Hoffnung der Erlösung vom Uebel der 

WeltjHÄßbcxkxK von, ite^^mn^ü-Ä^n durch die Ausbreitung des Gottesgedai 

! 

kens auf ^lie XBDigī Im Laufe der schrecklichen Drangsale ,die iM^ 
das Volk traf en-denken Sie an die langA'/ierigen Kampfe um die ÄKfcfcÄi 
Rettung des Volkes und seines Glaubens g^z^"^ die iE rnichtenden An- 

i 

griffe der griechisch-syrischen Könige, und dann den unmittelbar 

vom Volk empfundenen schv;eren Druck der römischen J^eit- nimmt | 

i mme r ' un^^M ^^^ c^m '^^-(^ ^^ ^^ '' 
die Hoffnung auf den Erlöser, die Erlösung Jr1mlÄrlfl^t^i^6M3t^i^tfe4^ an 

Die Vorstellungen im Volke vechseln nach Maasgabe der historischen 

und Kulturellen Lage und so schwankt auch seine Gestalt zv/ischen 

einem politischen XDCkxKrxiiK* Befreier und einem Vollender. In der 

apokryphen, nicht .canonischen Literatur nimmt die Vorstellung vom ^ 

Erlöser imiTier mehr eschatologische Elemente auf .Alle Phantasie 

Sehnsucht, Hof fnung ^':ird nun auf äxk eine Gestalt bezogen, die im 

(rrophezeihung vom Ende 
iSKKfeExaauxxRix der Apokalypse des iiuches f^Q.niel als die ^estalt 

des Kenschen in seiner Vision erscheint.Die volkstümliche Hoffnung 
iedoch knüx)i t sich im Sinne der prophetischen Heberlieferung an de 
das -^^at>(S Davids *|und seine ITachf olge.Die Srinrreröng darsi.n,das3 
^nt^^Z^"^ alier Xx±ä historischen Erlebnisses der letzten Zeit, wo 
das Königtum ÄiCtxRMLrxxdsmxismmxttRitexKrixxrH: nur weltliche Herr- 
schaft war oder Fremdherrschaft, wie die herodianische im Gefühl 
des VolKe8,^velche die Lehrer und geistigen Führer des VolKes 
verfolgte und tötete, 



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1 



12 



I^A 



ifiLCU^ 



\1 MO 



Stand die ."ilrinnerung aa^ dr^^Davidische^Zeit ,als der Xkii Höhe- 
punkt einer glücklichen Vereinigung von pol ItiöCher/'Grösse und ^fc 
göttlichem Tohlgef al len ^ in dc y (^Idealgestalt des t'roimnen .Kürngs, 
Ihin dem Cönige David und seinem Hause galt die Verheissung der Pro- 
pheten,dass Königtum solle nie aus seinem ^-^ause schwinden« Und 
so konnte es auch nur ein davidi sehe/" Nachkomi ^e sein, auf den die 
politische und religiöse HofTnung sich konzentrierte.Es i^^t nicht 
möglich die Mannigfaltigkeit //// der messianischen Vorstellungeni 
die in diesen weiten der ;4 Adr;iG ktim g xxxxXaikxatraÄicKii aus verschie- 
densten 'Quellen ins Volk drangenj^ und als die .Stiimnung einer idKXJac 
Zeitv.ende aocjsKxin der judischen Hagada, 7j:a so wie wir sie im Talmud 
besitzen, ihren ]Tiederschlag fanden, hier aucri nur an^^udeuten, > /icHVi g 
i^TTi*«^^— vHrr^2v/ei Linien/, die sich imjaer '-eiter von einander ent- 
fernen uhterscheiden^^v/ei /Kichtun{ren,die d er CJedanke rdboKi: ein- 
schlägt. Die an der üeberlief erung festhaltende jüdische Vorstellung 
lässt sich etvva in fol-:er^ er Weise fassen ;;kurz vor dem Erscheinen 



des T^essias stei.-:ern sich die Drangsale bis zur Unerträglichkeit, 
sie rieissen die ^lo'a^n ie» . .essiaszeit. Sin üm^-^turz :.iier i^>:;sell- 
scriai Llichen und sitLlichen Verhältnisse kennzeichnet sie.Dani v'er- 
den die einzelnen 'utap^. en^bis zu seinem "^r.^cheinen in apokalyptisc 
W Ji^-^t<2>C 3^^-^^^^ .üildern vorgestellt, Be ^h wird - aus drucklich ü u» t t?nt>iiaas Gott 
^ ^ der Erlöser r&4 und die Erlösten heissyen die Erlösten Gottes und 

nicht die Erlösten des Königs Messias, vozu ho oh ausdrücklich is,Kt 
betont \vird,dass &^iH?n Erscheinen an dem ursprünglichen Verhältnis 
fliehte und-Qrt,z v/ischen Gott und Israel nichts ändert.^er neue itasL 
Zustand r^ m^ seine Vollendung« Ganz im Ginne der Propheten ^re«i. 



h^P^ 



auch 



^iei-efc die Erlösung die ^Tü^reTr^hfmftg als das llornjucn des oohnes x)avidfe 
bezeichnet ^«^ii^.Geine .3estimi um' ist ;alle Kenschen unter dem einen 
einzi^'en Gott zu versaniiaeln,sie zu ihm zurückzuführen, denn die 



13 



Erlösung ir,t an die Umkehr ^eimüpf t.Die Herrschaft des einen Gottes 
wird fär alle Reiten begründet , für dM auf ^^rderi, der Messias die 




Fuhrung hat.Uebcjr das 7/ie ^iÄd-rH^ ^r^-^"lypt i-p^^^-^rf ^\nz:^ 
die SissK das Ende herbeiführen sind 'dieAäussereungen von autoritat- 
\ u^ iK^^lUÄUi^ X\^r,v Seite sehr spi^rlichisie -alten als 3eheimnis.JbiXEiHErxKHdx 

Die ciltest.^n lebete, rie &*wa das achtzehner 3ebet ,so v ie es in un- 
serem Gebetbuch erhalten ist, drücken sehr .klar diesen Gedanken des 
Messias und der Erlösung / aus. Alles oitten hat zum Ziel die Bi4f«rtu. 
Erkenntnis und die Umkehr zu erlangen, die I^einheit von Sünde und i 
> ^i^ Erlösung vom Uebel der v'elt. Damit xErkit ist verbunden das Wiset 

«iederauf erstehen Jerusalems und die Wiedererichtung des ivönigtums 
aus dem ^V^use Davids. pie andere Hichtung Knüpft än-^die "vTiion des 
Daniel an, an äxrxxx ataÄXäEssxKki: die ICrscheinung des Sohns des Een- 

sehen, ix^sÄKx v.ozu ich bemerken v.'iii,dass es v örtlich heisst:Kebar 

wie- df?r oohn-^i^-ne^— i^^ft«^ihÄH ^>W^ yu. e^ nv^^u, ^-^ 

enosch, womit der Seher ausdrucken v;ili;er habe so etwas \vie/ıÄÄx^ 

Gestalt eines Llenschenvesens gesehen. Die Interpreten des Daniel 

und seine Ausle:ger tragen in diese Vorstellung ganz neue Elemente 

hinein, die von aen prophetischen v e lli g abv/eichen.Der Mestäas in 



tx 



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LIenschengestalt tritt aus den ^^olken hervor und KxkÄii und DeKomi.-.t 



gottähnliche Xx^K]fiÄEiia:fct!£K Attribute. Das pseudoepigraohieche Werk 
r^yi^c^ gibt breits Visl on^ V f^r^^t r^i }^^p ^^ 

gifefc b%a?«44.B -«T^seine^T^isiaiiaR vom Ilessias^ de- 



"D«^ vierTe'JEsra? 



nen man ihren Ursprung aus "Daniel" ansieht, eine '^endung nach dem 
Himmlischen. Ihm ist der Messias bereits ein himi.lisches Wesen, das 



CL^ c.{^ 



Gott lange Zeit verborgen hielt. Hier tritt uns b^^^s die -^ezeich- 
nung '^oYm Gottes entgeren.In dem apokryphen, lienoch heisst er zwar 
Menschensohn, v;ie im Gleichnis les Daniģ,hat aber seinen Sitz im 
Himmel und ist vor der Welt erschaff en. Spuren dieser Anschauung 
finden sich auch in_der Hagada des Talmuds, ^"oraus zu schliessen 
ist ,dass sie att«4:y ins Volk n^ingang gefunden hatjKxuiÄX A nl^chauin^ gi^ 



ä 



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14 
denen- auch manche der Lelirer anliingen. '^]ö wurde geglaubt, der j^'^ame 
des Messias sei vor der V.'elt Schöpfung erschaffen ^''orden)|und vegen 
der Sunden Israels verborgen geha^^ten^Lanche ra^.irien,er verde von 
den Toten auferstehen und bezogen das auf eine ' 'iederkehr des 
Königs T)av id. Daran knüpft sich die weitere Vors teil ung,dass er er- 
scheint ,verschr;indet und v'ieder erscheintiv-'er an ihn glaubt. v;ird 

leben und ^- er nicht an ihn gliiubt i-s-t dem Verderben gev eiht* erner 
dass er ferichtstag ha-lten vird,den Tempel wieder «±^ erbauen, jedoch ► 
niclit durch menschliche sondern durch göttliche Hand «Diese volivstum'a 

liehen 'llauoensvorstellungen sind hier aber noch national gebunden. - 
Von 
• Xk den Taten des Ilessias er-.artet man auch eine Sammlung der ver- ^ 

V ^ A^ 6^^^ ^^ triebenen zehn Stamiae und ihre Zuräckf uhrung'.Alle spatere^fi Zutat 



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und Z^Q'^en^eri die sich an den ifeesiasbegri i'f knüpf en Tnaben in äiKK 

stiiiiiüen zum Teil mit 
diesen apokryphen ihre "'urzel und ^xxsEnxxxck auch den Vorstellung 

^en ativ^ie sie in der talmudischen Hagada und in den Kidraschira 

vu2^*iie^ri« Ihre r -'t[tt,T sTch besonders die Essener Sekte bemächtigt* 

und /ihrer mysthischen Veranlagung nach veitgehend ausgestaltet. 

Die Drangsal der ^eit,die gespannte ?Ioffnung des Volkes, dass der 

von den Propheten verheissene Fo.nn aus dem Hause Davids a^ f.^ I wC t t-e-r 

erscheinen v;erde, begünstigte ^y-e Ausbreitung. Sie finden im Josephus 



bestätigt, dass j-e4«.airiaj. ^envi: -i^erldT^ 






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at , d e r rebe^ i- 



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srche bedanken ^^re^^e«- d a & r tk'^4^»^h^. -ü eg i ni e . g J L aus.s e i: 



3?-^in politi- 
sche Ziele ij»-TÄ«^^-"^mtTe,-e^ sich^auf die Schrift berief und auf die 
Verhe issungen, die er 4-ft-~6~e4ja- om Sinne a - unr^gtc , iy^^4.s land/ea?- im Volk 
/) / grossen Anhang. Ich habe bereits au^h e rv;ahnt,dass^on den berühmten 
,^ ^/^j" ^ Lehrern aus dem -rreise der Peruschira v i e l- e ıKxiiEiiJgi±XÄ den Aufstau 
nr f^'^-'^^ ^"^ gegen Kom unterstützten ^ m i t der J e g3 ! *nndung , es sei d^Äf^Juden aus- 
\ drücklich verboten, einem andern Herrscher als Gott zu gehorchen. 



h 



ils ist ersichtlich, dass in allen Sekten xu^kxk zugleich Manner auf- 



15 




^^^^^ 



/ j^voX 






standen, die die Gesioannte Er^-artung und Hoffnung des Volks sich 

zunutze machten, um eigenmächtig Teilrebellionen ins ^^erk zu setzen. 

Verfielen sie dem röraisdj en C}ericht,so standen gleich andere an iiix 

ihrer Stelle auf. Die Ausbildung des messianischen Gedankens im 

essenischen JCreise,in ihrer charakteristischen Keinheit reprasen- 

e 
tiert die Gestalt Johannes des Tauf ers. »Tut jiusse ,der Gerichtstag 

'küTm^t, bereitet euch auf die Erscheinung des Kessias,den ich anzu- 
kündig^/ 4e:/Mn. Korgen schon kann _das Himmelreich hereinbrechen. 
l^Vi-e--Si^^--ae^^e»aau£^^'^ne Zeitlang -die" be i den Feichtungen mit und n 
nebeneinander her, ihre endgiltige Trennung erfolgt nach dem Unter- 
gang des Tempels und nach der letzten Katastrophe. Die Hehrzahl der 
führenden jüdischen i^ehrer hatte schon während des ^^rieges und nochj 

vorher die Aussichtslosigkeit des Kampfes begriffen und in ihren 

des voliies 
Kreisen den 3oden vorbereitet , der einen weiteren i3estand und die 

Erhaltung der jüdischen Gottesidee ,die für sie identisch vjaren, 
sichern goiit^ X^^-rühP. r fiin -Att^^h&JPmal.Der Ilessiasgedankeverf estigte 
sichln dem Sinne der Verheissung der Propheten. Die lange Zeiti 
beliebte Errechnung des Endes, in der sich die erregten Gemüter er- 
gingen, v^urde von der tiefen Gottergebenheit und Zuversicht der 

V 



grossen Lehrer abgeiehnt.^s gilt jetzt der Spruch:"Der Messias 
HjsMxtxKiiötfcx kann nicht herbe igezv;ungen v^erden^er konuiit, w«»» wir 

Gegen diese;^ Festhalten an der alten Unmittelbarkeit zwischen Gott 
und Volk Y-endet sich die neue Sekte der Judenchristen. Alles ,was 
v;ir in den Evangelien und in den Apostelaussprüchen gegen die 
Pharisäer finden, beruht auf diesem Öegensatz^imdcÄte bleibt 
e^^bttrr ei ne jTmeye-: Auseina]ia <^y^^t:»Aftg,eine Ause^inandersetzung innerh 
halb der jüdischen^iaücmt O laub e u a.Die <;hi^i¥t lTch e Lehre ,v;ie sie 




unm 



ittelbar aus den Aussprachen ^^iiJs.±Kt±x± Jesu in den Evangelien 



16 






\ 



'l 



^ 



uns vorleigt, ist ihrem swww«ft-Wea«n nach grundjüdisch^^in djm 
Sinne, vie wir es hier auseinanderzusetzen versuchten. I«-/^ziehung 
auf die üherliefertej^hre aEkaiiiixEr neigt sie dem sadduzäischen 
Ä? Standpunkt zu, indem sie erklärt, diese sei menschliche Erfindung 
und Uebung durch reiche die Pharisäer das geschrieoene Gebot der 
Weisung aufheben./lch verweise auf das i^pitel 15 des Mathaus -lücaffl» 
Evangeliums .imd-Jn seinei^ IJs^^i^mgÄ^ und/STtten folgte er ^en 



^. ;^ *^J>•»-<. 



SSKäcBCT ■v:0^esl2uu^"der'^-^ii^. ÄKSEHitexs Die prophetische Hai 
tung.das Heilen der Kranken Leben in Armut und in Gütergemeinschall 



^/trC 



Gebote zu erweitern und xh Erschwerungen zu schaffen geht^ese 



sind ausgesprochen %%^x^^^ Züge. Vielfach aber stimi.t &«i^e 
Lehre auch mit den Grundsätzen der Feruschim ,der Pharisäer überei 
ÄrxxKixrmrxgElcamiKEÄyHMXBt3U[»Ihr sollt nicnl xvähnen.dass ich gekomma 
bin, das Gesetz oder die Propheten auf zulösen, ich bin nicht gekomma 
aufzulösen sondern zu erfüllen". Ja sogar bis zu der Neigung die 

iht/Ulese 

UeDereinstimmung.iru4ia_l^lfisnd«^-««s"Denn ich sage Euch «cteiis 
wahrlichjBis dass Himmel und ..rde /.ergehe.wird nicht zergehen 
der kleinste Buchstabe noch ein Titel vom Gesetz». Da wir hier 
nicht Apologetik triben, verzichte ich auf weitere KachweiBe,i^/X;: 
Selbst das Liebesgebot , in der die christologische Lehre über die 
iudische hinausgev^achsen selil will, ist im Judischen^WrranJsrert^ 
Doch da wir hier nicht Apolog){etik treiben .verzichte ich auf 
»^irBfte Nachweise, die in Fülle zu haben sind.Doch darauf kom^nt 
es ja hier nicht an.Die Wendung erst, die durch '^ulini sehe Lehre 
der Erscheinung Christi gegeben wurde^ führt die endgiltige Sjunnac 
Trennung herbei. Es ist eine völlig andere Grundlage ,die dem Ver- 
halten zu Gott von nun an gegeben wird.Der Glaube an Christi 

allmähliche 

Gottssohnschaft .Opfertod und Auf erstehung,die Aufhebung 4»K 
der geböte, ÄiKkkxKKX der Weisung auch für die Juden.während sie 



17 



für die Heiden von vornherein nicht gelten, macht die Trennung 

stempelt . , 

endgiltig xind setzt jeden in der jüdischen Geraeinschaft verbüeüe. 

nen Anhänger der neuen Lehre -und viele blieben noch lange Zeit 







/cA-,«'! 



t.^^ A*- 



} 



Di 



v>-> 






in der jüdischen Seraeinschaf t , -zum Ketzer, zum Abtrünnigen^ Das 
^ Verhalten der jüdischen Gemeinschaft unterscheidet a wioohen al &^ 
^ genau z^^ischen demketzer,das ist dem Juden, der abtrünnig geworden 
ist, und dem ^^eiden ,der der christlichen Lehre anhängt. Damals er- 






iA. M 



^ 



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Ia^ • 






scheint zum erstenmal der Ausdruck Min und yanim,I-:etzer,Abtrünnigei 
der ausschliesslich aul Judenchristen angev/endet-.-: Ird und ^e^^en -^ 
welche eine genaue AJigrenzung vorgenommen vard.So zum .Beispiel im 



>X^L 



den Sie die Verordnung, ii^w^ man beim Schema-aebet( erstes Ilorgenge« 
bet,an das gev/öhnlich ein nezitieren der Zehn Cxebote sich anschloss 
dieses Rezitieren ^^^ulig^h^ yb e n v/ur de,dajnit die Ketzer nicht sagen, 




nur diese Zehn Gebote sind von Moses am Sinai überliefert worden. 

^ Jesus deit reichen Jüngling- 

? 



■OL V 



Es bezieht sich auf Matthäus 1^ Vers 18,wo^^e.ß_lieiasJ;^ "Vfüient ; 
d«-a tac/ gum Leb e n c J^$£üanx?o >^alte äi_e_Ji5iKit£JLyJiwyftttf-»J^-d 






Im Interesse der Heidenbekehrung hatte Paulus und sein Anhang / 
die ;;cbotG dcrS'orice atrfi^ whubutf T a ilA rjaau r uU üuide dii?_clirifl t.l1 rke 
Lehre zu einer völlig anderj 



li^i^dTencaum noch etv/as mit 



"^c- 
^^'' 



'7^:-v 



/ 




dei:L-Ursj^^4tftg5ri ch jüd iaol iHn gernein nn i. r . g .una da aucn aie me 
Persönlichkeiten der neuen Kirche und ihre :^-^ührer^ koin » Ju den »ehr 
ja^adpen,*^ '.i^r damit die euii^ütte« 'i;^winun[^ VT)iiendet. 



Alle Verordnun 



gen der \Veisen,die vir im Talmud finden und die eine Abgrenzung 

gegen die I^ilinim bez\'ecken, richten sich, lediglfeich gegen die im 

Judentum verbliebenen und der Ketzerei Verdächtigen. Aber nicht ei^ 

pe^en 
einen Augenblick'^aftrr- die Heiden ,die das christliche Bekenntnis 

angenonf<en haben. Je mehr diese Trennung f^ich abzeichnete, und die 



22 



gehurt in die beschichte des Chassidismus ,die uns hier nicht be- 
schäftigen kann. So viel noch;der ^eist ,der von dieser Belegung 
ausging, ist nicht nur nicht erlor3chen, sondern scheint allen Imzei- 
chen nach frische Inpulse im. östlichen Judentum zu geben. Auch 
hier sehen Sie das> seit ;3eginn des volKes nie auf hörende, nie zur 
Ruhe^^koLunende : ^estreben,die lJriijuJ*-t-rft)arkeit des aotterlebnistes, 



ÄKxdscx ' v; i d e rl>eir2u3 teilen. 




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22 



gehurt in die Geschichte des Chassidisrnus ,die uns hier nicht be- 
schäftigen kann. So viel noch;dei^--*ieist ,der von dieser Eev^egüng 
ausging, ist nicht nur nicht erloschen, sondern scheint allen iuizei- 
chen nach frische Impulse im östlichen Judentum zu geben. Auch 
hier sehen 3ie das> seit beginn des volxves nie auf hörende, nie zur 
Ruhe' koiiüiiende ^estreben,die UnmiJL^e'i't)arkeit des aotterlebnisses, 




anxdstx v;i euer r>eT2"us teilen. 






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18 

Judenchristen "vt rschwanden, desto neutraler v;ird das Verhalten der 
jüdischen ^eiieinschaf t , ja man kann sagen, dass trotz des schiaerzli- 
chen Verlustes in eigenen Jleihenidie Tatsache, dass auch die Christ- 



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liehe Lehre den GottesgedankenjU^' die Völker trug und ihn ausbreiten 

half ^ vom jüdischen ^efühl al^ v/illkom.-en und mit Genugtuung am 

empfunden ^"urde.Denn ach/ jüdischer Auf fassung,d ie ich sch o rh -44^uher 

,ause- inand e r9 e tg <» ,galt j<.d^r Heide, der den Glauben aexi hiimnlischen 

mit ihm / 
Gott annahm;^,;- enii er ä üia> - t auch noch andere Vorstellungen verband, 

jeder der dn« Verhalten zuia Menschen i^«ä*i Gerechtigkeit|«^4«T 

i>t»4 Liebe zu Cxe^n Geschöpf en zeigte^ und einen sittlichen Lebensvan«* 

del führte ksckKxääx lim ^±n\i\ ^ de i L-q^^ 'i^'ui' l L i .ii>i - un(;^ ij cr >.'l iari>j* .>aj: 

oTTtrte's^'erluiite uncr~d:Jr( j ^jcb o lc hitjlt r^"^ '^^n :toach±äen 




^-eiti— ^-^.j^emriier und ./erbchLt.r,der Anteil am künf ti- 

gen,.I*©^^^en"^at;jj2i — 1 nh mnr.ht^^ ia-m - ^.O i i n L ^M -yycx^h bemerken, dass I m ' La ufe 

oei'^-'^eirt — hirs^-au- -d em Zeitpunkt — ,v > ü di ^;i -~rh ^'^'^ Zu Be^i i m^ il e i ei ' b ^ l en 

^i^ christlichen ^jpoche war cü . u» bei den Juden -^rauch, den auf den 

Sabbat lolaenden Tag zu f a.sten. oeitdem jedoch, das Christentum den 

Sonntag zu ihrem Peiertag v'ahlten, gaben die Juden diesen Jrauch auc 

auf, um nicht den Anschein zu err:ecken,dass sie an uem yrtJudenLag 

Cier anderen .l asten« Ja, es scheint vielmehr sich im Juden tiui da- 

grosse 
mals die Auffassung durch,.esetzt zu haben,ÄXÄXX2t:KxiRk die Ausbreitm 

des Christentums, das die nichtigsten 'Elemente der jüdischen Lehre 

äaooKix enthielt, nur ein Schritt veiter sei auf dem V/ege der fiOCkaiL 

er'iabenen lestirarnung und Verheis3ung,der aen Tag ,an dem die ;;elt 

die XX ^'arire Tänheit Gottes erkennen verde , naher bringe« 



II 



* I 



19 



Doch d"e Geschichte nahm einen andern Verlauf. Die ihrem Wesen 



nach historischen Vül.!ier,die 



sich dem Christentum aufschlössen, 



konnten die neue Glaubenslehre nur in der ^*'orm eines Mythos sich 

r n 
aneignen, der ihr^ eigene^ mythir-chen Vergangenheit entsprach. Und 

al« solcher tritt das Christentum in die vGeschichte.Der ursprüng- 
lich jüdische universale Cedanice,iur den eine Zeitlang die ,Velt ge- 
öffnet \^ar, V'Urde vom Christentum auf genomiiien und in die Welt ge- 
t ragen, ^xrxÄXK^ Bac Kirche konnte sich kkx nur durchsetzen, durch 
einen Rückfall in den LIythus,den fernzuhalten alle Generationen 
der jüdischen Lehrer unablcisslich oemüht waren.;^///)!^/)^//^/. 3o blieb 
dem Judentu]7i seine Aufgabe nach v;ie vor. Es muss das Geschick tragei, 
immer rieder mit rveinem d. gon e n Leib der Hüter seine's ursprüngliche! 
Gottesgedankens zu bleiben. 




Vortrag IV 



Mit der Zerstörung des 2veiten Tempels ist eine Situation geschai* 

fen,vie sie in der Geschichte v ohl einzig dasteht und die sich ' 

(d^^JlsJJi «rrem v^irkli^h c H Verständnis der historischen Völker 

fast entzi-ht.:N'icht nur ist das Zentrum des jüdischen Lebens^ 

endgilt ig 
das nationale und geistige^ XBtxxaiiRXÄKxiKK zerstört , sondern auch 

jede llöglichrceit einer neuen :;eraeinschaf tsbildung auf politischer 

Grundlage, um das dem VolKe so recht vor Augen "zU" lull rehr^irdoiuih" 

der Niederlage .Bar Kochhas und dem Fall der "'estung Betar 



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8 fett 1 1 e- -^-a^^üh-rt ,zum Zeichen ~dass jede 



#. -dÄJ: Pflug^über 4i 

vfj^A^^J^,^^ T~^ 7H»^-Spur des e rhabon o tr -jtnlT^'c^ierr'1^^ seines Saseins getilgt 

U^^^f;^^ , ausgelöscht ^'ird/ Die un^eiiauxe Vernichtung der Volkskraft durcn / 

^ Äa^^M •^trHiy)64Vertreibung, /erkauf in die Gefangenschaft und andere Kaas s nahmen -d 
'^"^^ . .'' ^'., ^^^ Eroberer ^t I4««m aus der beschichte bekannt. Die Aufgabe 



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die den ^^uhrern des elenden Rests von Volkstum ,das über das 



verv'üstete Land zerstreut eija ^IJaumnnoaFTdi^ :iamen verdient 

ciuf erlegt ( u/^ > ^- reM.^^.^^^ ^ ^ 

I>»^;^^^^i— ^ ' r i c t et e , xJaxgtxscgKn war, i^rt so üng'heur und aussichtslos, 

dasH man kaum begreif t,dciss sie überhauot unternommen werden konnte 

JslriÄxKXKxxxKXKaJ£K3mEC5b(iKrj:xxKxiÄX. ^ Vonn y \r die Ding e'"liaTr er beD'^cht en 

-ö^ grenzt %^ ans ^' underbare,dass sie eigentlich nichts Äusserer- 



dentliches , nichts Grossartiges n: unternehmen, es sieht nicht nach : 

einem Planen aus ins "iTeite und Zukünftige, sondern es geschieht Kix 

etvas höchst Einfaches. "^as zusamjiiengescFirumpf te Häuflein der der 

Katastrophe entronnenen Lehrer und V/eisen »«-fe^t seine Arbeit an 

^'-; V. sie durch d i e u»^«+tfrrnr^ Zerstörung- 
dem Punkte wieder TtrrtjV-ro kx a^ un t e'rBrocTTen wurde, f^ie setzt die 

' Co 

Auslegung der Schrift fort, nur dass jetzt aÜÄr^Mrireh T^omöglich mit 

noch grösserer Sorgialt die überlieferten gatzungen gesammelt und - 

allmählich codifiziert werden, Das »rxk Sammelbecken, das von jutat 

^»^ den geretteten Ertrag an Halachischer und nagadischer Produktionj 



% 






aufnimir.t und zu dem grossem V/erJ<:e sich zusanu len. ugt,das v-ir als 

Talmud r. ifrtrarht < ij> t haben, tritt Jei^ anstelle von Land und Heilig- 

tum*:ms "ort Gottes vird die Heimat l'ür die He imat losen, das uesetz 

llas4-s,das die Verstreuten und nicht mehr Hait'^nden l ^ indet^ tan den 

in^^-^^^. als ^im ersten Exil 

Gott des J^erith^Sinai.Noch einmal un:i Im verstärktem Maas se? wird 

^ / 

diese Bindung als mit dem JTatinalen identisch empfunden |-¥rA» im. 

Sehfm.in der '^tiit der heutigsten Verrolgung,als d e Opler sich 
^ u»^^^=i«Trr häuf ten, wurden die Lehrer vor die Frage gestellt, in iJCKixk 
Vielehen "fallen es einem Juden gestattet sei, ein Gebot zu ubertretai 
^i^nn er für die iefolgung mit dem Tofie bedroht werde. Eine :achtung 
lÄXiracfc vertrat die Anschauung, man \<i6nr\% dem -Jin.ielnen nithi zu- 
muten, sein Leben zu opfern ,da die vreisung aus drü cimlich betone, 
sie sei zum Leben gegeben: denn es steht geschrieben, d]j^^ollst 
lyji^.lL5i£-J-.^k?D»^^'i^ls aber opferten in der ^ktase des Glaubens iülb 
unbesehen ihr Leben auch für dt s geringste Gebot,:^s ktim damals ein 
Beschluss zustande, der nur für drei 7älle den unbedingten Einsatz 
der, Lebens forderte,und zwar; bei der Aufforderung zum ^lutvergies- 
sen,zuÄ einer unsittlichen sexuellen Handlung und zura Götzendienst. 
Damit ist damals der Grund gelegt worden für ein religiöses laxt:H± 
Postulat, das biö auf heute die persönliche körperliche Verantwortir^- 
für jene Urbindung an Gott jedem lAenschen d^er jüdischen Gemeinschaft 
auf erlegt.Den Kidusch Haschern, die Heiligung des x^amens^-s^lch für die 
HeiX^ung dee Namen??— a«r-epf^rH,w^nn deji^^^aoÄ^n-fe-e^ -eirf-o-i^^^i^^.Die jü- 



^^-^ K/i^yxj,^^>4^. dische ITärtyrergeschichte Kann die ünzd,hlit.en,die für die Heiligun 

des "'amens starben nicht fassen. 

Zu jener Zeit^beginnt man, den oinn des Unterganges zu deuten.Die iia 
hagadische Lite-atur ist voll von Geschichten geheimnif^svollen 
Andeutungen, ^^elche das Geschehen zu rechtfertigen suchen. Die lei- 






denschaftliche jiejahung auch des unerträglichsten und unverstandlidi 



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öten,der ^]ntychluös ,sch im Bösen v ie im .^uten o.em tiatachluss 
Gottes zu lügen^ icennze chnet die fJesi inung der Zeit und geht Jland 
in Hand mit einer neuen mysthisciien Vertiexung in r.en Sinn der 
Schri rt. 

Ich muss 3ie nun auf fordern, mit mir einen Sprung über die Jahrhund- 
derte zu machen^ in eine Zeit, die von der klassischen der Talmud-X^ 
Epoche ^-eit au^eruckt ist, ins vierzehnte »Jahrhundert des europaisc 
^ sehen :aHÄKHtioixx und oriental sehen Judentums, ^'^^(1 hiFt.hcn oft vea-^ier 

^^Srstarrung des Judentums P^n^^n-h^&^^n .^ami t ist \^'ohl jiene ..nt und ist 
besonders von Chris tli che r^ 5«4-^ betont vorden,dass mit dem unter- 
gang des Sveiten tempels und durch das Ault;eten des Chi istentums 
zumal die bin dahin so iruchtbare religiöse Schöpferkraft des Jü 
dischen «rfec]iüpft > und versiegt sei^unddass im Grunde weiterhin 
n\chts mehr geschah, als ein Codif ißierBn;^,zum Gesetz ^rharten^ 
des Vorhandenen, ja ein eigensinniges Starrkopf iges yesthalten am 
Buchstaben, spitziindige Auslegung rda^s w^tia man aX a iCasuistik bezeich 

• ft^%e,ein Verharren im Alten, Ueberlebten j ^ *.-i .t .'^ ^ ^ ^ ^n, f^ n^l f^^ ^ A^p^ jri i ,i ^^^ ^^-^ 



^^n Ausgang zui^-JraJrV-tmd— rrt«- -Kui4^^ 



• Ichk^iabe 



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schon wiederholt betont, Tvir treiben hier nicht Apologetik^aber es 
muss mir doch gestattet sein, mit einem ->atz nur f ae'tzustellen;dass 




diese Vorstellung von der J^rstarrung des J d^tltums teils ein inissv 

ist 

Verständnis teils einfach auf Unkenntrprsf^des yb chchristlichen t^tx 

jüdisch-religiösen guhril ttums >efuht,Kein Volk lernt seine Geschif 

k.r 
te und sein "/esen aus den J^stellungen der Historiker eines anderai 

Volkes. "^^^s liege im T^^n des Juden, des religiösen Juden, dass er 

unhistorisch dej^^»!)^^^ v;ie andere Völker zu 

ai:isnx?es:itKiixg:hraiTi?tfcKii'cunctxJ)ar s tsiier 

Das hat ebenso ^-enig Berechtigung, wie jene Auffassung von der 



Restauration des -^sra.als von einem 3tal Lstand, einer Abschwachung 



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eineftvVerfall<.:^reilich kann in dera 3inne , ^^ ji o ^ ier Jegrii'f i^nt- 

v;ickelang(TnrAliGemeinen gefasst ^"irdiauf die P.n t f alt ung^ jtp^y^^y 

auf die -Gestaltung der 'lottesidee im Judent^om^ nicViL ^angev;endet 

v'erden.;)ie Formen ,die sie je^^eils annimi.it ,m €g o n vers chiedenen Aue 

d-y ^ t ji^ ■:'. iJmcnyda oi-e— ««krft-4^Ä. -^rund ve rhal tn i s/ n i oli t ü ^nd e rn i iri^lmehr 
K^^*" -^'^^-Aav Jv-^^-^^^ g^^6^^^y^L^ ^e^t^(^ ^ii/^^r^'.^ ^«-^-o 7Z^ ^ /^. '<:;->^-v..^.,M^^ 
:'/;eA AYT^^wc - oa-J^^— yor3Chir? T±Bnrr£er ":Tr i?^c au v.rt lor o-ft-~aLiaai^y f i at u o --^-^nl-au^n 



Uy^z^ i^ir^i^-^^ r^. o^,t vi^ -1 3ina-y^ i . Jil'- l^- ' iciun^: „u -x^d-aj», ReligiQnsgeE3Chi(-;htlich 



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und auch religionsphilosophisch lässt sich vjohl äks und das -^ 
-eschi'.ht ja auch- eine Linie au f r e i f : e n -un4— i" ar t f ü h r e n , d i e vom tsX 
AbschlusFi des Talmud zu ::aimoniaes, zu seiner neuen Zu^. am. .enfaöBunG 
und -Modifizierung \^t -v^^rp-t^lrtTr h London b atauüg und zu ocr JoDt^u U* 
tuf^^iei-^ Gottesvorstellung irtn^'ilniie- 4©», neurezipierten aristoteli* 
;icl sehen J^ational '--mus. V^eir-a^^ tt - i ^v . -n tuvo Lj üia^^uiraCü^ a.iu _^u . gnoov/ errtinfc 
e^:ic^PSTT7" sch''ei^-ud, ---7^^ i^ -^ '> hibj. ^.aiJilcht ttn y^ei f ^ da.h grrTas ich 

I ^Lir flcij^n jAücl - ;te, i; t eben d . ..i C3 .jchop» crirjC^e rdris Jed^r^T^ 



infc 



eine a-e^-isse 'Grenze liRX/.J^rrsiKktsji uj 



-^rtlgung erreic>it ist, von 



neuen Impulsen her, 




euen wUellen die Unmittelbarkeit des Ver- 



(Tes^ol ves zu rott ^- ie lerkErziisiß:H±5:Rn 




dir mixG^n ' ^ 



^ - an i- rrjli ^h t^ntsciieidendes 'rei^nis von reitest tragenden jlgtr;n 

j^u,ju\^-^'^^ int r^^h^ ^:iirschei;ien -^es Goh-ir 4iardreizehnten Janrhundert, ©4«, ..erk, 
^^ ' 'iSf^- " " von drei Jahrhunderten 



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^\d--^)^ 




das dher einen KmxxxKxren Zeitr^^um 

v^m 15^hir' zum 18 ..Tahrhundert h^y Lli'!^ .eu -^«äöä neben :3ibel und Talmud 

Ä ^^ und Ql'ienöarung , 

^^ ^ . ... ,.^.. „x_ ^,,^^-,.. A^^ ±.^V,^r. .-r^^^^^.. -^Kx.1 ^..^ 1 ^ ' .,l,. Trrl ötellLr 



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Sohar'heisst Dlanz, Strahlen^ und st a rr^i i V bi'uli&oh . 



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eiche :ZTrr--'::ug en rl g p; 1-, it^t, 

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»HTd das V;ort ooTiar stamiit aus dies 



i h^cu^i''^ Satz. Jas Juch taucht g-gen :]nde des 15. Jalirhunderts auf und erregt 
/{iA/uc Ir^^^^'^ £M2Jija^^^Sii reineiu .drscheinen die heftigsten Auseinandersetzungen, 



Lloses de Eeon aus Ä luadelajarct ,.-J-Ä4i ein spaniGCher Jude,tr**-*^-^^^i-^7^ 
J^rK-ö , gelehrter und r:abaliBt verbreitet den Sohar als ein V erk des 

Den Jochai, eines der cjrossten tcamudic-'Cb en Lehrerjf aus 



Rub'oi jimon o 



dei 






n z^ eiten Jahrhundert nach Christi. Ura diesen riah'ii oiinon ben ,Toc 
Jochai spinnt schon die talnudicsclie Agcada ■ underla re Lt^ienden un.. 
berichtet, iasf-: er un den Verfolgungen der Jiöiner zu entce/;^hen ,mi. 
meinem Sohne dreizehn Jahre in einer Höhle verlebt und dort himill- 
sche Geheimnisse empiangen hat..3is zu der Zeit dieses Auftauchens 
des Sohar vdrd seiner in keiner -.crtrift Ermahnung getan.lam möchte 
ich Ihnen ganz kurz über -en 3tand der -'o-schung einige Angaoen 
machen. 3er gelehrte uii4-,SiHtft4i-xüie^ Jii.toriker Graetz fet« den 
Sohar noch für eine -gi«^+^ Fälschung. Er redet von /.etrug und Char- 
latanerie und bezeichnet ale den '^erfast.er des Sohar den Loses de 
Leon selbst, der die T^alschung begangen hatte, um seinen eigenen 
v-enig oeachteten,v^ie er sich ausdruckt .phantastischen -chriften 
Geltung zu verschaf ien. Diese Hypothese, die c«ts historisch rationali 
stischer bebertrelbungldie gäii^. e'^ C^ft'h^'^ rh h. r . ehre i he .i< ^ mysti- 
sche ;ev;egun,cr bagatellisieren mochte, er\.ies sich als unhaltbar. 
äß jia_iiai^*«^;*-^l9o 4ea.-t^.4^eiiüb er p i n p -and^xfi-IIa^a^ftg-^*^^^^^-"^^^ »»^ 
.,^;^iX.,rn.x^.^^^^^^ ,'i^^o^ v^2^^ieT'r:^iai z.var ^ uneinheitli^ 
ches.anonymes'in xenerationen ge^^llchsenes Verk ^.> tri\..clKüüt v . urde .in 
vcelchem sich die verschiedensten, oft t idero..*#eteTT^«« ^^raite der 
kaboalistischen Bevegung niedergeschlagen haben.Darnach v.are i.os^ 
de i-eon als eine Art liedaktor anzusehen, der hus alten o* rif ten 
und Fragmenten kabbalistischen Gehalts das Huch zusanuengesetzt , 
zu '.reichem er -^r^ si*mft««'^Mti5ugefügt haben mag.i.s ist also die 
Vorstellung ve. rbreitet.dass im Sohar uralte uellen und Dokumente 
sich e^rhalten haben, zum Teil in späterer Ueberarbeitung~und man 
denkt sich seine 'Entstehung etv:a so,vie die des Talmud und zv ar 



durch mündliche jedoch ßeheir.e '^^^'oeTliei'ernnß, Die neueste For- 



At ^'•' 






schung,die von uns e r e m ^k :^uk^kr ßros8e"n Kab-mlis tischen -relehrten 

dem jungen Gerhard Scholem vertreten i^a,der in diesem Falle mein 
steht aui' dem Standpun.kt und kann mit v issenschaf t. -i^eoründung 
gevahrsmann ist , vertritT-d-ie Iviemimgjdass der Sohar ein einheitli- 

ches'.'erk des 13. Jahrhunderts ist, dessen Hauptverfas er tatsachlich 
der j:;oses de Leon zu sein sciieint.Es -B^^r v.ohl f rac^mentarisch in 
der eutigen Gestalt, da die Handschrii ten schon im 14. Jahrhundert 
vtrsch^viinden sind und einige Stücke erst im 14. Jahrhundert hinzu- 
gefügt ^'urden. 

iiei der Jesorechung des messianischen -'edankens habe icli lhnü?t w?gy 
bereits angedeutet ,dasö yj^^ ■ l e itr err-rbi^y ciutoritativen Lehrer 2««cti 



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Theosophie ausgebiiaet ist. ereischit ist das erste Wort der Gene- 
sis ,heisst im vUiIang und I'aasse Bereischit ist das Gebiet der 
Schöpfungsgeschichte. Ahnlich v; .e die JJidraschim^^die kanonischen 
Schriften kom .entierten und in aggadischer 'Yeise auslegten , geschah 
es v;ohl auch mit der Betrachtung der Vision Esechiels vom Trohn^/a- 
gen (Esekiel Kapitel l) aus der/e 'ne kosmogonirche oder theosophi- 
sche rhilosophie sich entvickelte,die in spaterer Seit, als sie sich 
I längst über dieses eine Gtück ausgebreitet hatte, den Xamen i'Cabbala__ 
erhielt. -'as z^^eite Gehe mnis '»Goldes C'':^ enbarung in der Na.tur 



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war in der ochöpiungsteschichte der Genesis enthalten, aber nicht 
enthüllt. -iurch das ^^indringen der griechischen Ihilosophie v.ahrend 
der hellenistischen geit empfangt die 'Jchöoi ungsgeschichte ^^ewisse 
spekulative Kleraente,die von 'Seiten der jadirjchen V.eisen in ?al4^ti> 
na mit ^rrossem Kisstrauen und viel Behutsamkeit behandelt \-erden. 
Es war verboten vor dem dreiösigsten Jahr, sich mit der v'ision des 
Esechiel zu belassen« 

Dennoch ^^rmgt^n diese iVnsätze in aer Aggada, damit sich veiterhin 
in den Midraschim allmählich eine Auslegungsart ausbreitete, die 
mystische Elemente enthielt und «:BDCtwixictÄ sich von der gewöhnlichei 
Sinnauslegung immer mehr entlernte, Sie drang besonders in die Xxs 
freie Predigt ein.^^lah^em^ jixÄixxKic ■4«^*e^?i--GUre wund' 



.erbaren jJrzählungai 



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von /Ve rech i.en und ITurtyrern und von den Eingreifen der göttlichen 
Macht und Vorsehung in ihr Schicksal /die Beziehung der oberen zur 



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Jt^ätI^^^^W , 



g^ ; ,7i yof i n p-q n - ^ 44-K^mT?n g IP^Rnr-TTTr — ^rTiHT ^üheimtm Geberl .eierung >er- 
b unden.aus dermale -:esoeisjL -J&uxdg.«Wie alle esoterische Lehre v irkte 
-sie lange Zeit ohne literarisch in Erscheinung zu treten.Doch nsak 
schon lange vor dem Erscheinen des" Soha/ dringt vereinzelt auch 
manches in Schriften durchs jedoch ^ni cht als ausgebildete Lehre, 
Mystische Tendenzen, die im Ge ensatz uno. zum Teil v^ iodc r befruch- 
tend in der spanisch -jüdischen f^eligionsphilosophie hervortreten, 
jcaxRKK knüpf en sich an die "Janen Ibn -Esra,i:ose ben Ilachman Rcunban. 

ie IÜiihjt-er,^vie Salomon ibn Gabirol und auch Jehu- 
da jlalevi als Vertreter kabbalistischer )enk\veise bezeiclinet v'erdei, 
Auch ein ''7erk,das für die volkstümliche Frömmigkeit von entscheidoi- 
dem Einfluss bis heute geblieben ist "Die llerzensp- lichten"von 
Habeinu Jechaja (unserem Lehrer ..^echaja) empfängt von diesen Stim- 



munp: 



i^Xi ^'arbe und Ton. Die ganze Frage der Entstehung des Sohar be- 



8 



icom.it dadurch für uns ci - e v « ;uH.iat 4^n einen andern Aspekt - als es noc h 

v-ar.I^cht anders alsaus dem Inee^TdiFl^rophetiH' und_ilu:«^E— f^cJh^- 
tologischen Vericündigungen,die Pse 



ud 



:raphen der 'iJpoche des 



Zweiten -eraoels ihr^Ji^^^rTen und .bedanken schöpf en.ataKxsiakxxiil 
äarura zu käm^frfnT^er v.-elchera r.'irklichen oder aneenoin.,enen IJai.en 



dJ^ g ihr e ^ ^hril' ^rerr 



6v. 






Ebenso ^Yie die^Pseudoepigraphen aus der Epoche des ^v^eiten Tempels 
ihre Vir- onen und Vorstellungen aus den Ideen kkä der Propheten 
und ihrer T^schatologischen Versündigungen schöpf an, unbektlmia- rt un- 



d'r^ 



...^^^ 



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^^iar?L-C 



^^>,^ «V-/^ j«^ verfuhr^p auch dl« V^rlaSEjer des 3ohar..Ätt^ ^^e schöpfen aas 



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'•^Strom der geheinen lieberl ief erung,die sich als x^bbala durch die 




"^^ ^ t^^ Jahrhunderte erstreckt »w^-jcakim ^n , . pTHn^Tr},^,. ^^ ^^^"- 



I^«::igTT-tni7ra-ygTS7?nen,aie--^?i=:5gi^ii5L 'an 'JlLl. imluUi o .^til-t 










(^V,,^. ^'^ »^ ^^^^^X^ , 




A 



/^-^» J^.-it- ^ -^^ lUK^of^...-^ ^^^,^<XZ 



Der v;ichtigste ^eil des Sohar oesteht aus einem i ortlauf enden i*e**r 
KoiTMiientar^ei.ner --^rlauterung zur Jibel,in reichem .Rabbi Simon ben 
Jochai und dessenTreunde und Schüler die V/orte der Schriit nach 
ihrem geheimen Sinn aeuten.ilanches ist in rätselhafter Kurze, oft ^ 
aber auch breit in der herköm liehen Dredigtforra des Ilidrasch. 
Viele Stücke sind in -;inem feierlich hohen Stil gehalten und tretai 
als Fragmente von Inspirationen und Aussagen geheimer Offenbarung 
auf.^Teoai dera 'Jort als Sinn tritt das Wort als 'Symbol, Die gewöhnli- 
che Sinnbedeutung bleibt vohl bestehen, darüber hinaus treten aber 



( 



9 



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die 'Vorte in einem neuen Zusami enhang heiliger Hainen, in denen 
sie Hine : ur ans t;nLracxte ^tiueine '"irxlicjhKeit des Göttlichen 
bezeiclmen. 

Die ochöpl'ungserzahlungjso wie sfe in öer übel dasteht, ist v/ohl a 
an unserer unteren ^'elt geschehen, an der V/elt unserer ' irklichkeit 
-»er Vor:,'ang '■'eist aber aui' eine flU^dere geheime Wiri^l chkeit hin, 
die unserer irdiscrien hier unten vorane:.;eht »als eine ideale Vorveg- 
nahiae des Welt ganzen im göttlichen ^edan.K;en. 
Die V.eltschöpiung,^"ie sie d.e Hiora ueriOa Let^deutet also nach dem' 



oohar auf e 



in fteheii.aes^nur in Symbolen ausdr.^ckbares V/erden einer 
anderen V'irklich'r it,die im ooh^:,r das ^eh-imnis des 1-laubens ^KRSiit 



genannt ^■:ird.:]in lebietjdas nur die mystisclie versenKung beorel 



en 



kann. Dieser ■>ereich ist jedoch nicht mit der elt der Vvesenheiten 
und Intelli^-enzen ds^ — .^ii4i4r4i^eö--^ verwechseln, auch die grdiört 
noch zur ^" unteren W^^lt, sondern dieser ^^.reic^, ist das c<ef'ieime Xs^ 
Leben des r( rkendcn dutt^.^. 

Kosmogenie und Thcosoohie - :4Kkü^£iiiixxixro!K grenzen also von innen 
aneinander, sind zv;ei Seiten der selben Sache.. -as der Mystiker als 
Vor.^.ang in dott beschreibt , tritt nach aussen als schöpferischer 
Vorgang (■"^irkung; auf . '^heosophie ist also hier eine Lehre oder 



eine 



■ndenz,''ie ein verborgenes Leben der / wirkenden Gottheit 



zu ahnen, sich in sie versenken zu können vermag, rTrr-^ in diesem 

x -ulB Qhl i4 g -tes lebendigen Gottes gründen nach .Vf«r die Gehei/'inisse 

/ 

der '-'chdpfung. 

•Vichtig ist ■xxo'h ■ ie der dohar i'a ünfie der ::ab^ala die Stellung 






des juenschen best iPüMt. da der I.enscTi, rler iienscJ-l icrie ürganismu 
aller Maturent^' ickelung immanent ist,muss er also auch geistig 
allen dbcigen Organismen vorangegangen sein. Daher seine zentrale 
Bedeutung. Ich mache bei dieser Gelegenheit darauf au^m-^rksam 



10 



y2c ü-^-^-^-^^t^iJL^^-^^ ^^K^ 



dass auch di neueste V/isüenschaft vom Ilenschen/TTie's'er ÄufTassung 

zuneigt. Auch von jjhilosophi scher Gelte stutzt /// Jergson^/)!;^ Theo« 

in der letzten Phase seiner rhiioso^hie 

rxÄ eine solche Auffassung. Jenes grosse ;;eheine Lfebiet ^von aem 

ich früher sjro.ch,die "Bereiche des geheimen Lebens des ^- irkenden 
■iottes ordnet die PCabbala n^ich zehn r a^ Q igTmu ii,;iüa.>die hierar- 

ff '''/Ht^ oC^C>^ ^^^i^^"^ abgestuft sind; Die Bezeichnung heisst 3efiroth,v örtlich 
^ / j( i^^«'--^ bedeutet das Zahlenldie neunte Seiira heisst Jessod,b'|Jgrund. Dieser 

^ l^^yCtc^* Urgrund ist der 'rerechte. ]]r ist das Urbild des fragers der veit- 

umfassenden und weltenzeugenden Kraft hier unten, das ist so zu 

deuten, dass er eine \7irkungskraf t .'rot^es ist un ". zugleich das 
^^ letzjte^f 

Urbild des gerechten Menschen.Die zehnte,^'3ef ira heisst .valchuthi 



'>> 



das Reich, Hier ist die Vorstellung der Schechina untergebracht, 
ochechina heisst ■• örtlich ;das f]inv;ohnende, das ist identisch mit 

dem ]jegriff des Dabeiseins , das uk in der Ijibel seinen Ausdruck 

'^ ff 

darin f indet ; Ich ^"erde unter euch wohnen. 3ie eriniiern sich Tirt^lrl-edr 

vielleicht ais dem ersten Vortrag, dass das den dleichgev- ichtzustand 

' 7;er Kosmische 

im Verhältnis zvischen Oott und VolK ausdrückte. J^i^^ erscHeintN^ott" 



in dieser 3efira in diesem -^ereich iialchuth unter dem Asx^ekt der / 
Schechina und ErhaitAetriKn: -and ,v.'ahrend kx in den anderen -»efiroth 



/ 



stets eine bestimiate axtive Aeusoerung symbolisch zum Ausdruck 

komiiit,ist die Schechina gleichsam das ruhende Heer, in das alle 

jene Potenzen einströmen und als Einheit erscheinen. Die Schechina 

•aber 



M 



( 
J 



hat nichts aus sich selbst, sie empfangt und bevahrt alles und X5C±t 
waltet m t dieser ihr geliehenen Kral t in der unteren Welt. Sie 
ist r^ottes Reich im Untern, seine Herrschaft in der V/elt. 
Ich he^^^e diese zvei Vorstellungen der J^abbala deshalb hervor, veil 
sie in der praktischen l^ortbildung .die sie im öhassidismus erfcüiroi 
haben für gev;isse grundlegende Anschauungen maassgebend geworden 
8 ind. 



11 



Hichtang ler .Ublic^ionsphilosophen der letzten Jahrhun 



(lerteAjln 



An das ;uch oohar,da5 als .eservoir der bie dahin unterirdisch 
strömenden wehren «xk^^^ zu betrachten i. t,schlies. t sich die 
icabbalistische Literatur der iolgenden Seit in ahnlicher Weise 
an,v;ie die rabbinische an d en Talmud. 3ie erscheinen als .^:rganzun- 
gen und Komi.entare zum 3ohar.ics er. old^t ho zunächst eine : oilbildUB 
der theoretischen ::abbala,die hauptsachlich in Spanien gtpilegt 
v-ird.NacTi 'lern .katastrpohalen -Jnde der spanisch- judischen Blütezeit 
1492 nimint die innere "Cnt- icke lang der judischen : ystiic eine lur 
das jüdische Leben entscheidende V/endung ins rralctrische.;jie .cabba- 
li-tisc^ie Lelire er>irei. t die erschütterten Gemüter mi L einer uner- 
hörten ie-alt,und verdrängt Tur lan^^e ^eit Ue rationalistische 

e 4rtti 
^innic:e Vertiefung und Versenkung in die Thora,die nun die aeheimni)- 
fge :er elt unl des Lebens zu enthüllen vermag un;! ar^k^^ eine iiaic± 
Deutung -r,w-^:ktfy ^^Jhicksal .^^^3,ieir-^^r ^..essianisd. e Gedanke zumal 
erfahrt durch die Xal^-ala eine neue Krai t^dadurch,dass es nach ihr 
de.m gelauterlen Wüi-,:en Menschen mü£lich .4in voll da« .^nde ^vr-^r^ 
^s.\^±^xixif&mi,a;xs heisst ^ae -;r8ch..in.=n ,Ies J.essias zxx beschl«uni ^u 
Nach ier Vertreibung aus Spanien t .nden die J^ab.ali .st Ischen ^ehrer 
Zuflucht in lalaötina.in ler kleinen 'itadt Safed.voa vo die kabba- 
lioLiscIie Volkstradition die Ankuni t des ..essias er'artet.Aus dem 
-Kreis von 3afed ist ein neuer ^-rosser raysti.=:cher 'Jtrora in das jadi- 
sche religiö^-e Leben c lo«sen,nai.aentlich rind zu nennen;Isaak Äur 
Luria UM lie jritie des sechzehnten Ja'nrhunderts. "der heili-e Löwe" 
benannt. ?'one Cordovero und der .Schüler Lurias Chaira Vital. Isaac 
Luria hielt .ich an die Tradition , seine Lehre nur mündlich zu aber- 
liefern. Diese -urde jedoch von seinen .'Jchuler in dessen Hauptwerk 
»Ez Chaira^' Lebensbaum ;;chriftlich v.eiter überliefert und Tand gzas 
grosse Verbreitung. Der Charakter dieser Lehre aus deia .ä-eise to 



o 
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), ^t ft^ a 



in 53ared ist bedeutungsvoll durch SÄtnK ihre praktische Ausv/iricun 



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/ 



Tede esoterisC'^e Lehre ,die nicht im ._reise der :;inc-t^\v/ihten bleibt 



tract die "refahr in Gicli,dass sie durch die Vieldeutic-^ei t ihrer 
symbolischen Auüdrucksv.eise und durch die Ko/nbinatiünö]nö{^lichii:ei- 
ten,die sie bietet, jeder Winj^-dr und Abve^igkeit ausr'esetzt ist. 



ITun knüpf te sich von altersher etra an läxx de Zahlenxabbala dxe 

und/jtar.ienskabbala die Verstell 

• ^ , . .. / 

rxert ' eraen Könne, "^^hss zumal im Volke solche Vors teliun^'^n verbreir 



unc^nacincbeit Xrai te,mit denen ope- 



tet waren, Iri-etr^-Äa:^^ und zv/ar in veri:;rüberter I'orm, liegt nahe. 
Es gehört jedoch, i.etr-7TitrTjtrt^--4ia^a^ zum irundcharakter der jüdischen 
aottesvorstellung,-ie immer sie sei, una zum V irkungsbereich des 
der religiösen v;elt,dass jede^ solch e r Versuch magischer I^inwirkung 
Beschvörung oder dergleichen ausgeschlo^-r,en ist.Kystik und kagie 
haben in der jüdischen Veit nichts gemein miteinander#ttmt- ^oof t 
dcis Volk in seiner messiani sehen Sehnsucht enttäuscht worden ist, 
haben die l^inge-wjjLhten diese Niederlage auf den Kissbrauch und 
den .alschen .xlauben an solche Kräfte im heiligen Vereich hingewie- 
sen.Von der Safeder Schule geht diese ^;7endung aus ,dass :sd;:^ die 
magisch a«r-^i^i^üa4^i Momente der G heimlehre zurück&^eMt una auf 
die Durchdringung aller religiösen Uebung und al .er Lebenstat über- 
haupt mit iniiersi.er mystischer Intention das Ilauptgev icht 




Ileiligk^:it für die Erlesenen (Zadiky^römidgkeit für das Volk 

sind jetzt die Hauptforderungen dieser Lehrer und wenn die messia- 

nische Hoffnung ^-ieder au:^ leucfci^t , so kann das erscheinen des 

. vqhl^- r j ed c h ^ 

liessias durdr^ das Verhalten des KensdTerr /gefördert Verden, nicht ' 

auf jaagischem Wege, sondern dadurch dass der lensch als Mitwirkender 

am 'Verk Sottes durch seine reine Hingabe und Intention kxhä naher 

bringt. Das ist der Sinn der kabbalistischen >.^einung;der (gerechte 

stehe über den :'!]ngeln.Die unmitelbare jieziehung zu Gott bekoroi^t 



13 
einen neuen konkreten A»i^Jdruck,dass der Llensch durch sein verhalte: 



( 



an der -Realisierung des '"illens der Himiiilischen Ilacht teilhaben 
kann.Tenn ein Leben der Läuterung dem Menschen den harmonischen 
^ Ans^-hluss an die obere \;elt bringtfSo steht dem Geläuterten ein 
(y(/.<^y '^^ö"^ Höchstes Ziel vor Augen selbst mitzuvirken am Vv'erke Gottes, ^ 






Ich möchte; noch;'^! ein/ andcr e- s I'^Ioment in der jüdisc en .?ystik hin- 






^V- 



v'eisen,das/ sie von aniiRrKnx der trystür- dea Ab efi41^R4es vesentlich 

unterscheidet; Das mystische r^.rlebni.s ist im Abendl^ui d-e das Götter^ 

lebnis des ICin^elnen, seine .iehnsucTTlr- nnu] ^ uut lu unah e r7 i indeyt^^aiu Ui 

i^ cn in&AYi& \^i^ll^XL_MkliüT\}^^ 'irfüllu ng.Tr/behso wie 

sgedanke 
der XRix^xäxKx^KXarcKKXJiKr ::^rlösung imrcxfeKHdiaiiEtÄ der Kirche 

wesentlich auf die persönliche Seele bezogen ist. Jude heisst -inu^iv 

und überall in der Jloilolch re die jüdische Gemeinschaf t, die KnesseOi 

Jisrael,A+«54i m der Mystik, So vie der ursprungliche prophetische -& 

.-— ^ Volkes -^^WuC^^ 

Gedanke das Heil dear Xxtiaa: zum. Heil der '^^elt en^'eitert ,so irö^ 

in der mystischen Gottnuhe mit dej^ ..Einzelnen (die Gesamiitheit^die 



Ge. e nschaf t I hb o grlf i ün ,Es darf nicht als ^eberheblichkeit missver 

' <^^n 9 _.^jbttli che J 

standen ^^^er .en,dass das Volk ,dem die .'Un^ung^ /unter solchen ypf);n?fwrr 

schweren Opfern auferlegt ist, sich als Symbol und V. irklichkeit zu- 
gleich in dem '''ort Jisrael im Gesammtplane der Heilslehre empfindet 
Jisraels Art und Schicksal erscheint in der Kabbala als Verdichtung 
der Lienschheit gleichsam, als vorbildliches, zentrales iieispiel des 
Universalweges der Ilenschheit^^er herabreicht bis zum Urzustände 
des ersten Ilenschen und in die Zukunft veist bis zur Erfüllung des 
Heiles, bis zur vollkomi lenen Heiligung des menscVilichen Lebens» 
XxÄxüKKkxxixx / ^iese mystische Strömung, die neben der Gesetzes- 
^ strengen rabbinir chen das religiöse Leben durchzieht, ^mündet in z^bol 
Co-^-^^ ] jene aufrüttelnde und erneuernde 3ev;egung ,die Ihnen als Ghassi- 

j Ua^'^' . dismus" bekannt ist.Das ist nicht so zu verstehen, als bedtünde hier 

e inejhistorische Kontinuität, als leite s tch d er Chassidisraus direkt 




14 — 

aud der :\abbala ab. .So ist es nicht. Sovohl der Qit ,-?ms^~^^^^^ der 

Chasnidismus entspringt »al s auch die grosse -.'ersönli^hkeit seines 

eitstand 
Begründers liegen fern ab von der ,elt,in v elcher der Schar und 

I 
se.ne Weiterbildung vor sich ging«fix&::::gryQSs^ rellglos^e Orig-Jnal-ltBt 

d»4&^S^^i^pi'^^^«--4^s—Cha^i^-di Sinus und t!^e-r!l^■■-ifewel% -Si>i^ XÄ^i 

Das östliche Judentum Polens ,der Ukraine und der Walachei, des heu- 



4^ a^&^^^^7jtXr 



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« t.r*.> , 



tißen Rumänien i^^t der 3odeniau»- ^om dttgT^pnpjrf rTP d nnk o yi^ Qntgjjp - a rft-^ 



In jenen Ge enden, xarxtaifeisi^K in denen eine harbbauor^lTcTie/jüdizia 
sehe Bevölkerung lebte, hatte sich mit der Zeit ein Zustand heraus- 
gebildet , ^der den Qelehrten ,voia otudium des Talmuds völlig absorbio: 
ten und in seinerkasuistik ßß^ebenden Juden, die 7:elt des rabbini- 
sehen Juden von der des unwissenden jüdischen Landbpv; ohne rs und 
Kandv^erkers trennte. Das Lernerr war hier gev-is.-ermaassen zum 
Selbstzv^ck gev:orden,und das daran str e ng g^-^nuplte religiöse Leben 

mit seiner ptnrr^n jeset/.esbei olgung strahlte n4-e^t mehr in die Ge- 

( 
meinschaf t aus.iUi diesem Punkte setzt die grosse \Tirkung des Hannes 

ein, de» -Begründers des Chcissidismus ,des _3al ochem. 3al Sehern heisst 



Mann des iTariens,in der dop^;el ' en Bedeutung sov.'ohl des grossen 
bedeutenden Hufes als auch Hani des Keilgen IT ariens. Schon die stsstaii 
Geschichte seines LebenSjimävdMxtts-J^xt: seines Umganges und die 
Art seiner beginnenden V/irkung lassen ihn als einen »4ft4^ach^n ^^ann 
aiis^''''^^m"~7bl4g5 ersc?ieinen,vül Lig verschieden von dem typischen Ver- 
treter höh* r Gelehrsai'ikei t und religiösen -Vissens. Israel z>al Sehern 



ist et'A-a um 1700 in einem Dorf dt:r jiukovvina,das man spater als das 
Dorf Ukoii 1 eststellte,geborenJis zu seinem i2 zv/eiundvierzigsten 
Jahr führte er ein verborgenes ,unauf fälliges Leben. ,Wenn er auch 



die übliche jadische :]rziehung erhält zeigt er doch schon i ruh die 

^<^fel^ung,sich in die iStille und ^Cinsami<:eit der }i V/älder der Umgebung 

zurückzuz Lehen, in l eijier Jugend scheint er gelegentlich als Hilfsl 






15 



lehrer tatig gev esen zu sein. Man mus« sich das richtig vorstellen, 
dass ein solcher Hilfslehrer in der jüd sehen Schule , im Olirder 
nicht eigentlich viel mit Lehren zu tun hat, sondern mehr damit, 
die rinder ^ in die Schule zu holen und sie nach Hause zuruck- 
zuDrin.^:en. Schon aus der Zeit v/eisB die Legende zu erzählen, dass er 
die '.Inder am liebsten mit sich zu Spaziergängen ins Hreie , in die 
Natur mitna}iin,und sich ihnen auf seine reise - ohl mi Ueil le.Auch 
die v;eiteren S^.hicksale his zu seinem Hervortreten zeigen ihn als 
einen inspirierten ,aher stillen v;ann,der sich nur gelegentlich 
an den üblichen religiösen Diskussionen beteiligte, dann aber in 
einem knappen, kurzen Ausspruch sein Anderssein, seine ;:.esonderheit 
verriet. Hr scheint nie als öffentlicher Prediger aufgetreten zu xs 
sein, noch hat er irgend ein schriltl cheo 7;erk hinterlassen. Yiel- 
ehr mag er die Jaethode befolgt haben, im .iesprach mit Freunden 



m 



un 



d Schülern zu lehren. Diese .bespräche und die Gleichnisse, die 



er dazwischen st-eute^sind es ,die seine Schüler und Nachfolger 
veiter uberlieiert haben. 3ei seinen :iachbarn,dem Landvolk, unter 
dem er lebte, galt kal Sehern einfach als ein Got lesmann.-a-bü^etr^ 
aJ^ab_uiiL-.i-te-,^n kleiner Kreis ergebener und von seiner Lehre Rr£2ci 
erfüllten Janger, der sich durch die weisen r3al ochems im Lande XBUXi| 
immer mehr erv/eiterte.Hr soll auch eine Reise nach Palastina unter 
nom .<:n haben, die er jedoch in Konstantinopel unterbrach und zu 
seinem 'Verk nach Hause zurückzukehren. T^r starb um Pfingsten 1761 
in der kleinen Stadt Hedchibodsch in Ukraine. .Vir können hier die 
Legendenbildung übergehen, die sich in der ^olge an ihn knüpft, 
im Wesentlichen betonen sie die Andersartigkeit im Charakter xeLzuBJ 
seiner religiösen Ent-ickelung >i im Gegensatz zu der rabbinischen. 
Nicht im Lehrhaus, nicht im 3uch fand er r:eine Inspiration, sondern 
draussen in der Natur, in deirr -aldern seiner ][indheit,in den ..ergenl 



16 



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und Schluchten der }Carpathen,vv'o er seine XK./reiien Jahre verlebte, 
Kein berahmter riabbi ivird als sein Lehrer bezeichnet. 
Der Mittelpunkt von "BalsSchems Lehre ist die All-gegenwart Gottes, 
Aus dieser "quelle fliesBt alles übrige seiner ' elt^und llottauflasu 
sung.) e Vorstellung, dass das ganze Leben in Gottes Gegenwart xfeix 
abläuft durchdringt jede andere .Beziehung, daraus leite^n sich alle 
Haltung und 1-Iorin in der Lebensführung des Chassidismus ab. Das V/ort 
Gottes ,f ür .^jal ochem identisch mit Gott selbst ist stets sprechend 
handelnd und schaffend in unendlichen Abstufungen am .7erk# vürde das 
JSLsiÄ Leben schal i.ende V/ort einen Augenblick aufhören, dann fiele 
die Welt ins Chaos zuruck^'^^ür Jal-öchem ist der Glaube an eine ein- 
malige statgehabte Schöpfung nach deren Vollbringung Gott sich von 
dem fertigen ''"erk zur^xCkgezogen hätte , abregig, ketzerisch.Die ^pri^gi-;^ 
Schöpferkraft isl nie unterbrochen worden, die Schöpfung ist xcontiÄ- 

nuierlich und eine nicht ende Mani sie Station der Güte Gottes. Alle 

Allmacht^ ,^ 
Dinge sind der Ausfluss der göttlichen i^-^WT und Liebe. f'as ist die 

chassidische .^Jischauung von der Gotterfüllthei t der \Velt.4J^^4— 4rst 

Gott hat nicht nur geschalt en, sondern bleibt in alten Dingen verkör 

pert,doch ebenso vie die Schöpiung nicht aussetzt, ebenso ebenso-a^. 

auch die Of i enba.rung.Dietje stete Offenbarung Gottes in den Dingen 

glühende 
kann nur durch giaiüai^^x Hingabe erfasst werden und nicht durch 



Lernen. '>4ijftö»^e dieser An^chauimg «alle» T-f^-^alleöMn der >^elt. im 

LiKk:fcxxÄKxxa ^.^r^:^^ L^aniiÖeHtatiouen,. des §öt tlicTien Betrachten , 

I Drum sollen vir diese sich offenbarende Güte in allen Erscheinungoi »I 
' anmassen 

suchen und ehren und un?- nicht das kecht 2niTrp^B€hen,über Gut und 

Böse zu urteilen. Deshalb sieht jal Schein auch Sünde und Schwäche 
anders an ,als der strenge Rab ?inismus. Dafür ist die ueberlief erte 
Erzählung charakteristisch, vie Jal Sehern einem 3us8prediger,der in 
der üblichen Weise über Sünde und Höllenstrafe sprach mit den 
Worten entgegnete ;7eh über dich, der du es v.agst übel von Jssrael 



: 17 ^^ 

veisot du denn nicht, dass jeder Juae,-^ti«fi ei-ttir^nde des- ^'ag&a^-gl: 
kÄizsaxxKXKi mit einem kurzen .^ ,et beschliesst ,eine ,^*öe«e Tat 
,1 ü x^ '^<rU^-^ _ vollbringt, vor ler sich die Ji^n^el ira r.inL_el verneieen? 
/,^>^^-^ .;a3 o.rin.ste An.-.ichen der göttlichen ..atur im Menschen ■: ar ihm 
^^ /^Ic^«^ ^■■iohtiger,als alles .v.as sie Yerdunk- In konnte.i:c.ine Sunde ist 
^'"^^'^^ ''"''^"'' ''''" ^°" '°''^ '" trennen, da uns der '"eg zur ..uckkehr im. ,ei 
^"^'^ ^.T! "°'' '"" ''"'''-"'''' '^^" -enschen auf jeder Stufe der L«iter.mag sie 
': JU ^ Aj^ "^^''^ ""^ ^^^^ sein, fott öuche.n.Tenn 6iner nur die lei.;^ete Zrnpl in- 
^ Uu.^^^^^-^ ^^ns hat ^Iavon,das.- nichts ausserhalb Jottes lE:t ,kann er 'Jott 
iu^o^O-A-^ ^ ^"^ '-ren.Von hier aus versi,e';t man lal ^^cht^ias AufJassune. vom 






?orsc-en, sondern durch sein -ebct erreicht. Das v ahre ".ehet soll aul 
die ::i.i):il Ischen und nicht auf die Irdischen Jin^e ^ erichtet sein, 
tacht unsere -.ansehe und :7öte sind sein :e:;ens':and, sein .^v. eck ist 



^^^^^ a^iMA^''X^.' -eoet.Die hohe Stufe der Vollendun- heis^- 1 es ,habe er nicht durch 

^^ ^J^"^ nur uns '.ott nahe zu bringen. Im Gebet muss der „ensch sein -elbst 

r/u^^v^ -, ^^^^^^^«" ^"^ J'^'^^ ^^pllndung davon au: geben, denn SH&aiä soiaatse Ji 

l/^a..^ ^ '^-'^^«s i^'^ «i-'i- ausgelöscht ist, kann . dÄ'ßu Jrbitlende nicht er- 

^ ^^ ^'^^li^'l^^^rf '"'■■"" «""-^ ^"^^^ -°^t- ^^i^*i«.'' enn ■ ir 



#-^ 



K 



nach einen j^i^^;*^^^« üebet noch am Leben bleiben. Z^^^" 
Zu dieser ^ufiassung gehört es a.uch,dairiJ^cheirTu7er~7trengen 
rituellen iestir.aung von Jeit und Crt des ;;^ebets sich in Gegensatz 
stellte.lTur ein oberilachlicher Sinn könne' einem bestir..ten Ort 
eine gewisse Heiligkeit zuschreiben,vahrend de:;^tiefer Eindringende; 
alle Orte g.each heilig sind,|o daas EKxxgist^hgxitig-.tKt für ihn 
icoin unterschied oeste::t,ob er in der Gynagoge oder in der l,in.^. 
iceit des '..aldes betet.::icht nur vom Hi...el kon..en Prophezeihungen 
und ^-isionen ,jede nenschliche Aeusserung richtig ^.^ rstanden.ent- 

halt eine göttliche votsebaf t. Ta vpt -in -.-,+ + i - * ■ _, "i*^ 
CHtfT^,,,,^,^ jx^ "<- c ,aT;.ja,\ er m .ott leüt,v;ird sogar in*«*- 

aii«^,^ er hört, ein göttliches Illement erkennen, selbst v.ena der. 



18 



der spricht , Sich deö^en tjiarniciit öevusBt ist. 



h. 1 



In v:elchem Sinne der C'^asöidismus v^-ahren rot esdienot auliasst, 

kann ara besten an der Anschauung .jal ocheras vom besetz 

werden. .Die übliche Auflassung me i4it^yein-LeDen in Eriullung der 

aebote,der geschriebenen und uherliei'crten Lehre. _..al Sehern aber 

betont hier eine Jlaltung dem Leoen gegenüber überhaupt^Qa Gott in 

Handlung 
allem Leben w rkörpert ist, so ist doch j f. detr mn , r i c h t ■ g aul'gefasst 

des 
und ausgeiührt^ zugleich eine I'anisf estation KiJLÄxKiiTxI^tRiixfexsGn Gott- 

liehen und ein Dienst an ihm^Auch das Vergnügen i^ot t::ine Aeusserung 

der Liebe Gottes. Und so '^otracVitet ist es zugleich ver^'eistigt und 

veredelt. Drum soll der jlensch eine höhere Stufe der lieinheit und 

der I-Iei Lig.k-ei t o^gie»^^ vor dem j-^ssen und Trinken zu erreichen— auchm 

7CXK als vor dem :^orschen in der ei?.ung|-in der Lehre, Denn seit^dem 

die Thora gegeben v.orden 4*^, ist die Welt ,die gan^ie V/elt von Gott© 
Gnade 

Güte erfüllt. '^er also xkhxxeü: zwischen weltlichen und heiligen 

Dingen unterscrieidet ,als raren sie von grundaus verschieden iet- ejn 

Ketzör. Darum v. ird von ihiri nicht so sehr Gewicht gelegt aui ein Btm- 

Wohl 
ständiges -ernen in der Thora. xxjticxiüjx: ist die V/eisung die üffen_ 

barung Gottes, da die V/elt selbst /ebenso i^ine^öttli che Ofienbarung 

ist, so ist die Teisung nur e4i^ Teil eines grossen Ganzen. V^ir mussoi 

deshalb in die i:ealität eindringen , als zu dem unendlichen Licht, das 

in ihr/ ^"ebt.'Yir solltrm JtxKxSskx in der Schrift nicht forschen ,a 

als ^- are sie eine ^Vissenschaf t ,um Er>.enntnis zu erlangen, sondern 

ÄMX um den wahren Dienst Gottes aus ihr zu lernen. Das Forschen ist 

nicht 3elt>stzveck und ist nur deshalb ^ iohtig,veil !5i:=^" die V.'eisung 

das^Wort Gottes i»^--mTd a la i K ac.;»4^s deutlicher und klarer -iteiof^en- 

hart und erkennen lässt als in anderen Aeusserungen. "ohl ist die 

Weisung ev.ig,aber ihre Auslegung liegt in der Hand der ^xxxifcx^Ä 

Lehrer und sie muss im Einklang mit dem ^üx das Zeitalter beherr- 



y'Verstanden Bein.lenn Bai 3chein hatte die Anschauung, das s die Writ 






XKxäKKxxBLxxKkxK j edes -- 6 i tal t er von einem anderen Attribut Gottes 

beherr-scht rird.?]ins Oüxi^. d^ Attribut der Liebe, ein anderes d«- 
dxuLQh ^r^ der i:acht,ein drittes durch das Attribut der Schönheit. 
Das -^-iel der ganzen 'Weisung ist,dass der Llensch se.-bst eine Thora 
\^ird,eine '.Veisung. Darum auch hat die j^rlüllung der Gebote nicht dQi 
Sinn sich Verdienst vor Grott zu erv erben, sondern zu lernen ,vie man 
Gott li'-ben soll und mxt xkmxÄStkJE^dcaiK eins mit ihm 'erden, 
"iin2:i^:: das ist affio ICenschen zu lehren, vas die ^-^^^omii^un:' 
in »Wahrheit ^ö^i^tx bedeutet. Jiin '^^±1 dieser un^^eteilten xJinheit zu 
erreichen heisst sie ganz erreic'nen. Darum ist rUe y.ri iillung e^uch 
des gerLngs:.en Gebots in ^vahrer Liebe und in wahrer Ausrichtung auf 
Gott, so viel als hatte man al'.e erfüllt. 



"/ 



Aus dieser durchaus nicht systematisch aus,:;ebauten Lehre i3a.l 3chems 
ergibt 

Krxifeta sich jedoo ^q^^-eshalb der Ch.HSsidismus dreien Ligenschaf ten 

oder -ugenden Jcann man sagen, den höchsten Platz einräumt ;Die erste 

heisst herbraisch ochif/lut ;i-as rlr am besten durch :jemut Überset2te,| 

den -Segrill "^ " 




die Vorstellung von Bescheidenheit, 

O f> Vi CJ Y* "f' ft 

Rücksichtnahme und Lohlrrollen mit enthalt. J^s ist der /&e-ensatz zur 
Ueberhebung 

2lXÄ^ÄÄiictstkKxi,Litelkeit und 3elbstgerechtigkeit, gegen Vielehe ^al 
Sehern nimmer xi müde \7ird anzugehen. _^evor man Gott f .nden icann,musj 
man sich selbst verlieren. 

Wer den Vater liebt, v„ird auch seine Jander lieben, wer Gott liebt,/ 
liebt auch die Lenschen.Lur die Unkenntnis der eigenen T^ehler lasst 
uns die des Mächsten sehen. i^s vird das '"ort überl/ ef ert ;in keiner 
Sphaere der oberen ";elt bleibt die Seele kürzere Zeit als in der 
Sphaere des Verdienstes und keine, in der sie langer verv;eilt,al9 in 
der der Liebe. 

Die zv-eite Eigenschaf t,;velche_r der höchste j^ang zukorai.t, heisst 



20 



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hebruisch Ssimchaj^'reude oder vielmehr ^^reudigkeit.Ii» t^ehört eiire^ 

£ew4-»*^ ■^Freudigkeit des ^^erzens, .eitericeit des -^emüts ,uinT^"o^rt v/ahr ^ 

kann \ ~ — --^ 

Jialt zu dienen. 'ne e-eil Bich der Mensch, der sich als Diener und irfft- 

Kind :}otteö ^ ahlt, trübseligen Gedanken hingeben^ Auch die unverraeidj 
liehe Sünde darf das 'remüt nicht verdüstern, sjricht doch ^fot^es 

Itimme aus j-deri reuigen Gedanken. Auch diese Vorstellung stammt 
aus der Allge-enrart Gottes. Die freudige Haltung int chara.cteristiäi 
für die chassidische Anschauung der " elt und steht in scharfem >^«7f 
Gegensatz zu gev/issen as.cetir^chen Grundsätzen und üebungen,die im 
^^"^^^"^ Judentum 'jingang gefunden haben. 

Die dritte ]igenscha t heisst Ilitlahabut und stamrt von Anzünden, s=- 
ein Feuer er^tfachen und lasst sich v.'ohl am besten mit J^nthusiasmus 
.-iegeisterungr uberrietzen. Jede religiöse Handlung soll mit Jegeisterigv 
geschehen. V/enn einer den ganzen Codex der Gebote peinlich und genau ' 
erfüllt hat, aber ohne inneres Le?en,so hat er nichts getan. Iftr-trfpte^ 
Ueberhaupt r^^oll die i^'^urcht und die Scheu im Dienen zurückgestellt, 
über^:un-ien -erden, denn sie ist es, die glühende Ain^^abe hindert. ^ie 
Inspiration des v.ahren Gottesdienstes ist das Ziel an sich.-^a ist 
kein Gedanke mehr an diese Welt und auch nicht an die komir^ende. 
Im -^almud v.ird oft iiXBtx3t&a:&alt eirt s Lehrers des Elischa ben Abuja 
er'/ ahnt, genannt Acher, der angeblichauf Ab^vege geraten ' ar.Als er ä 
aufgefordert vurde ,zu bereuen, antwortete er,Keue wäre zwecklos , ö-aa- 
eine Stirnui vom Himmel kxfe hatte ihm --^.undgetan, ,dass selbst die /^ 
Umkehr ihm nicht helfen würde und er ausgeschlossen bleibe von der 
Seligxcit.Dc-rüber ist ein chassidischer Ausspruch überlief ert ;jixaÄ 
dieser Mann hat eine einzige herrliche Gelegenheit verpasst ,wie m 
tein hatte er Gott dienen können, da er doch russte,dasö er aui xazi': 
keinen Lohn zu hoffen hat.Aur: diesem iegriff aer Lnti lamjaung,der 3^ 
Begeisterung ergibt sich j-.ne standige Bewegtheit, das Unterwegsseil 



i 



21 





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r\vt 



zu einem höchsten r^elQtiren Ziel, Nie dan sich einer einbilden, 
den Orad eines Gerechten erlangt zu haben. Irrjner muss er sich als 
einen betrachten, ler jeden Tag ein Stucic v/eiter Icoiniuen müsse. Die 
eingelernte religiöse Routine, die täglich auf der gleichen J']bend 
bleibt, das ist nichts Rechtes. Nur ^^ n^ "^yi^-^fipf^pjLilL^fi ununterDrochen 
nes Verlan;- n in 'Toot zu oein, erhebt unri vg?rgei^:- tigt un^jere .Gedan- 
ken und Absichten und entwurzelt jede Gdnde.Im nesyianiscl^ en Zeit- 



alter "ird es j der Mensch empfinden, dass da 



aus^^en auferlegt ist, das Gesetz v-ird dann i 



as Gesetz ilmi nicht von 



n ihn sein, in seinem 



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lerzen.-^s darf aber das nlc^-t s 



augelegt -erden, als hatte 3al 



chem 



1 e ^ V 1 Trz\ i c'rike i L d i e 



er 'Veit und ihre 'Jichtir^eit \ 



ei'ni:iiiit 



durchaus nicht, iia Gegen teil.D, 



eil 



ij j. 



st iiijii eriull 



L V 



on Gott 



ganz von ihn durchdrungen und desTialb no '"irklch 



ie Gott selbst 



Is if^t 



ganz im oinne des -^al Sehern, v/enn einer 



seiner ^cnüler er- 



Ys 



lc.rt ,es Rei törischt zu sa^e 



gen,uie Welt sei eitel und nichti 



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l.'t in 



xirneit eine herrliche nelt.dapt 



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er 



,' ir müssen nur 



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Vers cenen den rechten Gebraucli 



von ihr zu mac'-vn.] 



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iceine Gache gemei 



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n i\^nnQ rcxs^ii 



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oder proxan,!^ 



jo t es Ge>^.c-nvart . 'nv. 



aj-'.e _jini:e 



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o cJ^ u. -c c t5 f i c; 



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-^Jinen ::achiol_:er hatte der lal 3ch..i .ohl kaum ernannt, oder bezeiö. 
net.anjih eile -;;hruns .einer ..nhanser uberna^mi nach seinera Tode sein 
Schüler Jeer von :;eser.ilBch,der di dasBldische JoKtrin vceitsr 
au«:rebaut hatte. An ."alrcheo und an if^ i,nu,.i t sich der _rxV, iüccl 
Zadik,der H.rechteir.der in Anlehnune: an die kab ml '«tische Vorstel- 
lung ,von der v ir l^ruher sprachen.der höch.t. men.=;chliche i^~^^ u, 
Bereich des -Jötllichen ist. )i.: v:eitere -.;ntväcKelun(j der .ehre 3al 
ichems ,die * rschiedenen Abz'vei-unc'en.die von auneincen , ,5ela«.VU 
xzrx:i«2shi:sK£«,.Ue Spaltungen und ]i.n..u.e mit ihren -ejnern.das all 



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LEITZ 



Leitz No. 484 

Made In Qermany 




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Die Kacht der SechstaL^-e . 



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von P-al Motand. 






Seit drei Abenden sah raan sie. Sie v/ar allein, aasij-nommen während der 
T^lnze,die sie nichtaaslies53,die sie aber mit dem '»professear" oder 
mit ihresgleichen tanzte. Lad man sie ein, schlag sie cHres ah, mir so 
gat,wie aen andern ,Kohwohl ich ihrethalhen gekommen w- r and sie es 
waöe. Nicht ihres milchweissen Rückens we^en, ihres Jettkleides - 
zitternder schwarzer Regen' - eines Uebermass des Onyxschmackes w^gen, 
dessen aasgezogenen Aagen an die Ohrläppchen gehängt waren;es war 
ihre abgeflachte J\^ase,der Aaf sprang ihrer ßrast,ihr schöner jüdischer 

Teint,geschvfef elter Weinberge , diese ein wenig fragwürdige Ver- 

einsamang.Und aach die seltsamen, im J^aare des Abends mehrfacht wie- 
derholten Manöver in Hichtang des Waschraixras and des Telefons. 

''^^?._..^^^ ^MtxakiiK^ixxBixkÄX verzehrte, sie bezahlte 
^^ selbst and nicht aer Manager des Plotels.Sie ging von short drinks 
za long drinks über. An diesem dritten Abend waren es, zwi.nchen Mitter- 
n^icht and zwei Uhr, zwei Glas Sekt, sechs Anisettes and -ine ivaraffe 



Siebenandsechziger Aaslese , angerechnet die Zahnstocher ana die grünen 
Mandeln. 

Sie stieg ans Tel(-ß)n,ich hinter ihr her. 



ang 



"Hier ist Lea. Ilaben Sie gate liilch für ihn da?.^ keine Veränder 

eingetreten. Hat er ^e^^essen? Aii-Zv^ . , , ?Piüssige Nahri:i,ng?" 
Wir lernten uns hesser kennen im Vierick des Waschraums ohne l^asser, 
der verschmutzt war von Rosenblättern, Strohhalmen, zerbrochanem Spiel- 
zeug, von Kokain, von Rendzvous und "poudre Rachel". Sie betrachtet sich 
mitleidslos im Spiegel, bis aie sich im Glase fact auf die Linien k--o 
te.In den Taa dieses Atems schrieb ich mein Herz.Me zackte eine 






Schalter. 
Sie tra^ eine Gchv/arze Taille, auf der sLl^ei^ß chinesische Beamte 

Vi 

sich auf der Schv/elle einer Pagode bexiiet'dn. 

"Nichts za vermieten?" fragte ich and legte r.ieinen Fin.^er auf die 

Tür der Pagode, so oft sich dieses Ilotiv aaf ihrer Brast wiederholte, 



Sie richtete sich aaf v/ie eine Llajuskel. 

"Mass das noch oft sein$" Pc^c^i" ^'^"^ '''^'^ ^'^ 



./ f 






Die Dame der '['oilette , die sich an ihrem Jackett die H;mde abwischte, 
machte eine halbe Wendang za ans wad verwandte sich für micht. 
"Ja, Sie sehen aas wie ein Gentleman" , sagte Lea."Aber wenn ich ner- 
vös bin\j, täasche ich mich stets." 

Vom Balkon aas '^^^^-ftiani, den halben Körper über die Brüstang,sah man 
die Heger in ^^trandkostümen ins Leere schnappen and zittern vor ei- 



v^>-vvSl.«^ *• 



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nem /sakialen Pleidis^ntam. Irisse aas gehanLmertem Kapfer , Stecklange der 

TJntergrand erhellten die Seine-Landschaf ten, die nan von Fabri' en 
nicht mehr verschandelt waren, die eine Poesie überschwemmte , in denen 
frierende Nacktheiten sich schälten. Körper an nörper ge^resst in dem 
Fass des 'A'alzers blieben die Tänzer einander aaf den Fersen. Der 
Saal roch nach Bouillon - ^>ti tvw ^41. ,l*oeaf e-ornil ( -a^ß^hifa^^^XQ 
4M-), nach dem Schvreiss der Achseln and **Es Lommt ein Ta^/*. 



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"Wo v/ohnen Sie?" sk fragte ich, "Ich liebe Sie". 

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Sie öffnete die Aagen wie Spiegeleier! 

"Bist da neagierig oder verliebt?" 

"Alles beides, wie immer aaf einmal". 

Sie anverm.eirt liehe r Weise: 

"Es scheint, als h^itte ich Sie schon irgendv/o gesehen." 

"!^i sind meintj Schwester , "sagte ich and küssie ihr Kleid, "ana an- 

entbehilich. " 



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Ich musste ihr kühn, verächtlich and meiner nicht ^anz mehr mächtig 
erscheinen. Sie machte sich los. 
"Sie scheinen es eilig za haben." 

"Nein, aber alles was ich :feXÄ,tae,tae ich :-.chnell ana schlecht, aas 
Farcht,dass ich gar za bald aafhöre Last aaza za haben..." 
"Es geht gegen zwei Uhr, ich mass mich davon machen. " 

"Nicht ehe ^ie mir gesagt haben ,v;eshalb Sie jeien Moment verschwinden. 
Wesli±alb also?" 

"Es geschieht, am Nachricht za erhalten von meinem Freande,der ar- 
beitet." 

"Was tat er denn, Ihr Freand?" 
"Er ist Rennfahrer Sechstagemann." 

ff 9 ff 

. Ed^ fährt das Sechstagerennen, Sie haben niemals von Petitmathiea spre- 
chen horen?Wo kommen Sie denn her?" 



.4 



Mit einer Creste wickelte sie sich in achtandneanzig weisse K--ninchen. 

"Ich v/ill mxeinen Katscher nicht wecken. Holen Sie mir eine Droschke. 

i 

Richtang Grenefle." 

Die gekrümmte Seine entlang schlag der Kilometerzähler wie ein tsolles 

Herz. Abgestreifte rosige Beeren den Ooars~la Heine entlang,phosphors- 

zierende Rinnsteine : ihr trockener Hasten,erste Andeatangen Von Ffer- 

zensergiessan^^en. stamme Schv/are,vom Mnisfeld ab, die anentschlossene 

Haitang aaf zageben; Wagen mit Hotkohl. 

"Drollig, dass man die flacht darch die lolizei bewachen lässt ,aer Sitt«^ 



wegen. 



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Grenelle^Äas Wasser biegt sich anter dem Joch der Brücke. Hote Feaer 
als eine Brüstang den Liebenden hingebaat, grüne Feaer für die Ge- 



schäftsleate . ?*^' 



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Ich unruhig .• 
"Sie wohnen in Paris?" 

"Oatil, "sa^te sie, "Wer sagt Ihnen etwas von nach Hause?" 
liih ^r^S« ins "^elodiomdd* hiver, zum Zweistundenprämienfahren. , ^ 

Ein üherwölbter Durchgan^^ führte zivor. Vageplatz. Teppiche v^«-'--e«rr 3 
/Xplace CIichy,vom Zugwind gehoben. Auf halhem Weg geschah ein Donnern 
»ÄUi über unsern Köpfen. Die Tritten »mtr-zlreti. Dann erschiensm der 
Kreis aus Holz und seine Ueberdachung aus Glas, miteinander verbun- 
den- warcn durch ein Gö tose, das wiederiun in leuchtende kegelifiörraige 
^ T^iLe aufgeteilt war. Unter emaillierten Schirmen folgtea r^Oöenlam- 
pen der Fährte 'Leo., kalt und kaiserlich , erhob sich auf den Zehen - 

spitzen. 

"Sehen Sie;Gelb and Schwarz ... ..die Wespe^i^ ^.rosse Kanonen. 

Vc^pHoven ist eben im Rennen. Man wird Fetitmathieu zu den Zweistun- 



h-J 



de np r ämi e n we '^cke n . " 

Spitzige Pfiffe schnitten .den Himmel ^-w^-.üna dann kam viertausend- 

faches Oebrüll^pariser Schrei^aus aer Tiefe der Kehlen. 

Der Australier versuchte auszureisser.. Die ^prinfs fingen an. lieber 

den Reklamen sah ich die gespannten rdenen, di« glilhenden Augen, deifr 

Pöbels. Ein Orchester brach los.Latriche sang.iMn wiederholte im 

Chor "MH ^ d i OH o a '^^ ^^was Ä^ Feld animierte . Die sechpehn Fahrer 

futoren geschlossen alle zwanzig Sekunden wieder vorüber, iiberv/ach- 

ten sich gegenseitig, in geschlossener Schar. 



^eschloj 



Der vviegeplatz na^ m den Perm des V^lodroms ein. An den beiden äa- 
ssersten Enden standen die Kurven steil wie Mauern, die die Fahrer 
in ihren Schvamg bis zu den Reklameworten "die gleichbleibendste 
aller lOssenzen" erkletterten. Die Anzeigetafel belebte sich. Zahlen 

sanken herab. Andere stiegen. ^ 
"^.Nacht.85.Stunde,2;^00aa& km. fr SU 



// 



"Halt,clH ist er, dort iot nein Liebling, der sich ehen aufs "Raci setzt, 



9 






sagte Lea. 



Petitmathiea fahr noch ganz allein dahin, schv^ankte wie kxk. aie 

Streifen seines Sweaters ?"W4S (leib anö vSchwarz, glatt frisiert, mit 

f 

dreckigem Hals, den falschen Augen einer K'itze . 



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"Wie »eh:¥ er doch auf der Höhe ist, für eine '.'ierte x^Iacht ,rLein Kerl", 
as vernickelte MegAphon kündigte zv-iel Prämien zu. hundert Fr. an, die 



Zeiten zum Aasfahren legten Tistolenschusse fest. 

"Gehen wir vor, das Temp^ wird schnjfjfcrfer .Halt ,er hat ans gesehen." 

Er hatte mich gesehen. Ich hielt Leas üand /^;efasst . Wir tauschten in 



5 



V_'} 



eirie^m Wetterstrahl einen Hassblick von Mann za Mann. 

War eÄ- erst wie von einer langsam sich drelienden S|)indel^so ver- 



ä 



kürzte sich mit jeder /Hj^an de das '^emj^o des Lärnjes.Als die G-locke -^ 
/angeschlagen wurde )war er wie vo" dem Stoss einer 'iillardkugel und 
die sechszehn Männer fahren vorüber, von einem rasenden '3-angspiftl auf 



o 



ger- de Linien ge; .chleudert und imraer wieder zam Hittelpunkt ^eris- 

r " 

senL Lea,m.urmelte ich, "Wenn wir in Fretxden schlafen ,_.ingen,wie j'.mer 
alte Gälvinist Agrirpa d*Aubigue sich ausdrückte ?Was trinken Sie 
mor;^;ens?" 



o 






Das Gebrüll der üenge v/urde unmemschlich. 
'Sie sind verrückt" , antwortete sie..Ji;tr sollten ihn betrügen, während 
er hier auf den riank(:>n dahinrollt?'MCs k-ime mir ^'or,als v;44-^uj ich 

eine Krankheit , ein Rinnstein, ein letzter i.'reck,v;enn /clih während die- 

// 

ser sechs Tage imcl sechs Nächte an etwavS anderes dächte als an ih^. 






Auf der Bahn drängten sie sich um die Prämie v/ie Karpfen am ein 
Stück Brot, der wollige Italiener , der Schweizer Riese, die Korsen mit 
den geflickten KÖT;fen und zwischen den rotG:'i Flanjen die Iveger. 
Es ist aus, diesmal hat es der Australier. Petitmathieu hat sich ein- 



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■H a f ijSLj$ÄJXSLii/. /c^e 



Ireisen lassen ^Er. \ÄLixd' t>4ir clieinal auf ^ebre he nL / Oe »- en u'ir zu ihn''. 

Die Unterkünfte der Fahrer "befanden sich 
unterhalb der Bahn. Jeder T^^ilnehj^er, verfügte über eine tische aus 
Latten mit einern Feldbett darin, die durch einen v'orhan;^; abzusperren 
war. Wie mit einem Streichholz geschrieben stand über den Kojen zu 
lesen; STAND VELOX.IvLANNSCHAFT PiOTlT-iUTHIEU-VAN DEN PIOVFiN. 
Ein Soheinv/erfer leuchtete bis in den Grund der Kabinen und ermög- 
lichte es,dass demi Publikum auch nicht eine einzige Bewegung seiner 
Lieblinge, auch ve.rL'a sie schliefen, verborgen blieb. Wärter kam.en und 



o 



ingen in weissen Lazarettkitteln zwischen Teller^ekla-per , Petro- 



leiim-und Fettflecken und bereiteten auf G-artenstühlen aus Eiern und X 
Kampfer , Einlaufe zu.E^ri^zelnÄ 'Haiie^r /Hahmen, wr'^r:i Scheiben, in Blech- 

i 
V 

dosen^lgetränkte schwarze Watte . PetÄtnathieu lagK auf dem Rücken, die 
Arm.e hinter dem. Nacken verschränkt und überliess demi Masseur ciie 
haarigen Beine m^ mdt den starken Adern. Dieser kox?fte und streichel- 
te sie und machte sie weich wie einen Kleiderstoff. 

"Biben^um, erlauben Sie,dass man ihn uraarmt , "sagte jßea zum Manager. 
Petitmathieu tat die Aiigen auf, 

"Es ,^eht mir .-nit , " sagt er schleciitgelaunt und schob sie we^-, /»Stör» 
ihn nicht bei seiner Arbeit." pDu bist nicht rasiert, mein Liebling." 

r 

r'Lass mich in Ruh. " 

Es entstand, ein Schv/eigea. Das langgestreckte Feld schleppte sich 

wie ein Tau vorüber, streif te uns und die Schatten schrieben sich auf 

der Zeltleinwand ein. Die nackten Reine drehten sich vfie Uhrwerke. 

^/"an den Hoven schrie uns «4jJ2 Vorüberfahrer^ zu!^ 

"Lebhaft heute Abend] " n' 

Ich machte die Bekanntschaft Petitmathieus ,aber er tat nicht, als be- 



A4' .-c^. 



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trachtetper mich als anv/esenri . Er hruiiinite . Irninei^haaf i^er, dass man^ihm 
mitteilte, er müsse aarstehen,iirn eine Prämie aiiszaiahren.Unci neue 



j 



hundert Francs. Ein Pablikiun, das einem kar^t macht I Kerle , ctie mit 
ihretit Mädhhen hierher kamen, was immer noch besser war, als wenn 
Leute sich hier einfinden , die anderen ihre Frauen v/e^nehmen wollten. 
Seine Schenkel waren jetzt wie taiibenetztes üllfönbuin. 
"Petitmalhieu, aufstehen ! '^^.chrieen von oben die PeUt.^.ots, die Löwen, un- 
ermüdlich und populär. Aber er machte mit der Hand eine ßev/egung : ihm 



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soJe es genug. 



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Die verschwitzten Mechaniker mit einem Fünftagebart , im Khfcihemden 

umwickelten aie Lenkstangen mit angefeuchtetem ßinaf.iden, zerlegten ± 

die reparaturbedürftigen Räder, zogen v-)chrauben an. 

Petitmathieu fand, es ^inge ihm nichC recht gut. 

"Der Unterleib^. Wann wirr.t du dich entschliessen,mir den Leib zu be- 

arbeiten?" 

Der Masseur streifte das G;ümiiband um die Hemdärmel hoch;man las über] 
dem imbel" 4 . Zuavenregiment . 1 , Kompagnie " und den bpruch"Soweit m.an 
kann", der Masseur strich mit dem Handteller über die i^ingeweiäe. 
"Fette mir (^.Qn Rücken mit Talg ein." 

Die Abgelösten stiegen von ihren Maschine n;^umi zwei .-tunden zu 
schlafen. Die Manager hielten sie am Sattel und an der Lenkstange 
fest, lösten die Riemen an den Pedalen una trugen mit zarter .Be- 
sorgnis die Kampfhähae auf das Lager. 

Dann richtete sich alles auf die Nacht ein. Trotz des Lärms schnar- 
chten aie abgelösten Rennfahrer .Andere, die sich aus ihrem Lager heraus] 
bogen, tauschten von Bett zu ^ett Witze aus wie in Krankensälen. 
Man höfte aen Atem der L^xftpumpen und hin und wieder^ wie pfeifendy 
die Luft aus den Schläuchen entwich. 



8 



schmücktet] Pinger auf der Brast gekreuzt. Lea setzte sich zu seinen 
Füssen nieder und malte sich ^^.or.en auf die Wangen. Ich entfernte mich 
Als [tf^h vor der Baracke stand, hörte ich Tetitmathieu sprechen. 
"Ich hatte dir aoch verboten »während der Renn^^^n auch nur einen Fuss 
ins Maxim zu setzen." Leo. erklärte ihm, sie \^/äre zu nervös gewesen 
sie hätte es zu Haus nicht ausgehalten. Sie könnte nicht einschlafen. 
Sie dächte m**^ an nichts als ihn, an seine schönen Reine, die niciit 
ausruhen dürfen, an seine geliebte Gestalt, das kurze wellige Haar, 
seinen Schnurrbart ^ la Oharlot , seine Wangen, seine Augen, die sich 
aufs Hinterrad des Schrittmachers hefteten, und an seine Granatkreuz 
das an Perlmutter/knöpfen lun seinen Hals hing, War sie vielleicht 
zum ersten Mali auf die Probe gestellt '^Hatte sie nicht im vorigen 
Jahr,± als er im Madison Square mitgefahren v/ar,die ganze Zeit am 



Telegraph gelebt? 

Müde von den 105 Kunden Arbeit und der ^ifz \.bOS km Strecke , zogen 
die Fahrer wie Indianer auf lagern Kriegspfad dahin heim silhernen 
Geräusch der Kugeln. Bin ^'eger lag an der Spitze .Manche hatten Bril- 
len aafgesötzt.Binweilen kippte einer zur Seite oder eine Kette 
sprang. In aller lüle schleppte man seir.en schlaftrunkenen Partner 
heran und hob diesen mit Gevelt in den Sattel ;noch ganz im Schlaf 
klebte er sich an das Feld an.DqS Rennen wurde monoton, wie stets 
gegen Morgen, wenn niemand daran dachte .aanzureissen. 
Lea schloss sich beim Wiegeplatz wieder miiJM.n . 

"Machen Sie sich davon, sonst kann er nicht einschlafen. Er passt 
un8 die ganze Zeit über auf. Es macht ihn verrückt , wenn er v/eias, 
dasB ich mit jemand anderen zusammen hier hin und er nicht aus seinemj 
Loch heraus kann. Je grösser seine Müdigkeit p^.^^nso nervöser 



f 



'dl \ 



wird er. Nicht dass er einen HasR auf ^ie hat, er findet sie recht 

1»', 
nett, wenn aach ein bischen Sodawasser," fahr sie fort, "aber aaf mich 

ist er wild. Er will nicht, dass ich zu llaxirns ^ehe,ana aach nicht, dass 



ich tanze. Er ist ein schlaaer Kerl." 



nar 



Ich erfahr aach noch, dass i-etiitnathiea ihr khä das Excelsior er- 
laabte,wo die Re^J^ahrer verkehrten. Dort konnte sie telefonieren. 
Dort wenigstens wasste er s^i wegen der Kollegen ana der Kellner, gat 

aaf gehoben. 

Vergebens, dass ich Lea eine Ueberraschang ,ein Geschenk versprach 
and sie der Unverletzbarkeit ihrer üihre versicherte , ich kohnte sie 
nicht bestimmen, za mir za kommen. Ich erhielt einzig and allein die 



h: 






Erlaabnis,sie morgen aaf einefc. Axoeritif za besachen.Ich braachte sie 
Sie beschrieb so^h jähe rohe Kurven, bH«i4 ihre^ raahei|5 Stimme^ Znu^r- 
s,p£ucii entzückte mich. Soviel zarte Haut, von Halsamen besunf i^t ,mit 
Salben gewaschen, so viele Juwelen , kostbares üe sc henk. Färb e n, Dx^^aen, 

Zärtlichkeiten, alles im Dienste dieser zottigen starken Beine, ^ 
Pleuelstangen, die Jetzt sorgsam, .imwickelt anter den Decken lagen. 
Es war ein durchaus unlogisches und doch wieder natur liehe s Sjeg^l 
in welches ich nun als der Dritte mich Liischte und das mich er- 
staunte, mich irritierte, auf jeden Fall aber mir einzig und allein 
die Kraft verlieh, jenen grauenvollen Augenblick zu bestehen, wo sich 



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i i^ 



^'•"' die Liebhaber genötigt sehen, sich als besiegt zu erklaren. 



^ 



ytr 



Sonne nuntergang.Grenad ine. Die ^^.nde war leicht wie a«:^ Asphalt. Eine 
Besänftigung senkte sich von oben trotz der Brandmale der Bitternisse. 
Ich erwartete Lea in der Brasserie de la Porte iMaillot.Sie kaa vom 
Montmartre herabgefahren in einem Miets^Oouxjd, in einem llantel aus 



Otterpelz, zur Stande der 
if 



Aperitifs li la l*eau. 



10 



"Das erinnert mich an meine Jagend, aln ich Petitmathieu kennen 
lernte. ich hatte damals ein möbliertes Zim er in aer Rae des 
Acacias. " 

Mein erstes war, nach dem Stand des Rennens za fragen. 
"Ein wenig müde," sagte sie ,Nierensch-merzen.Und Kolikerscheinangen, 
Aber der anderen Spitzenmannschaft geht es nicht hesser. Der Austra- 
lier ist hin, Blutergiiss ins Knie. Er kümmert sich nicht drum. Man ist 



U> 



den ganzen Moi^gen fast aaf der Stelle gebliehen, das ist nichteals 
•Mrenfahren. " < ' 

"Und von den Hoven?" 



s 



"Fährt v/ie ein tVilder . A>)er für das letzte ,weisst du^f Ir die Ent- 
scheidung taugt er nichts. Dafür sind Bibendum und Petitmathieu da." 
Ich stellte fest,dass mein Vergnügen, Lea wiederzusehen, nicht mehr un- 
-^mischt war. Ich liebte ihre plebejischen Hände, ihrer Liier grauen 
Crepe, ihr ausgebranntes Herz, das die Gewalt auf magische üfeise er- 
schloss und das doch nicht den Kampf in Kreisen vergessen könnte, 
der dort drunten weiterging. 

Die Autos der G-äste,die längs der Trottoirs aufgefahren waren, er- 
schöpften fast den Schatz (4«x seit sargen Formen. F.s vj^ren Kanonen, 

Jachten, Badewannen, Luftschiffe^. Andere stellten nichts weiter dar 
als einen in aller Eile mit einer bektkiste überstülpten Rahmen." 

J C' :\ **■ '*' ' - '■ .. 

Ihre Herren waren diese jungen lackierten auch so schönen Leute, 
die hinter einer G-laswand,in der Avenue des Öhamps-El^^sees die 
Stunden erwarteten, in einem mit Fliesen ausgelegten Raum, in dem e 



s 



^;.'''/i 



weiter nichts gab, als eine P^]/Sta, einen G-ebetsteppich und/um alles) 
her feinen vernickelteflf Rahmen. Es erinnert das an die Damen in den un 
teren Vierteln vorj^ \msterdam,vfei!^n sie hinter ihren Schnapsvitrinen 
thronen. 



11 





Zwischen den Tischen flogen die Kellner iina hielten zv/i;-;chen samt- 
lichen Fin^.ern schwarze Aperitits. Mechaniker in blauen rCitteln and 
Hosen,Ractfahrer ,die sich ni t Pneumatiks anwickelt hatten, boser, die am 
Training^standen kamen. ß.. 

Jeder/manBLbegrÜGste den andern mit seiner besonderen Geste. .Die <^"^£l 






gev/ichte stiessen sich kordialerweise in die Seite, die Schv/ergev/ichte 
stiessen sich mit den Knieen. 
•i^ j'Lea war immer wieder schön, belle et rebelle . binzi^ eine Kravatte 
in Gelb and Schwarz, in den Farben der Mannschaft Petitmathiea ^ Van 

* 

Den Hovven,die ^ich eigens iV r sie gekauft hatte , newegte sie. Sie trag 
einen grossen Hut aus weissem Filz. an dem eine Fasanenfeder stak, und 
an d.Qxi Ohren Anhänger aus Filigran, die an IVildwest und die Damen ge- 
^, mahnten, die rücklings nach dem Verdächtigem schliessen,das ^qy im 
I Spiegel erblicken. Ich sagte ihr das. Ich sagte ihr auch , schonungslos, 
dass ich kein Mann wäre wie Petitmathieu mit seiner Devise ;Soweit 
man kann, dass ich es niemals verstanden h-ltte,oechs Tage und sechs 



Nächte hintereinander das Gleiche zu wollen, dass der Arizt mir das 

Kaltbaden verboten hätte, dass mein Herz ein schwaches Ding sei, dass 

aie sehr m/'geren Frauen KHut mit Lockenhaaren ihren Reiz besässen. 

Sie aber schien viel mehr gepHckt,als sie erfuhr, dass ich die pber - 

italienischen Seen und den Verfasser von Tipperary kenne, und dass 

ich AutogtamjTie vom Marschall Joffre besässe.ich rühmte mich auch, 

dass in mieinem Atelier ein echtes Zelt vwi einefi Araberhäuptlin'^< «.of- 

ge>>aa4-sel und dass ich ihr auf der Geige da.e Teufelstriller von Tar- 

tini vorspielen kr'nnte.Sie schaute mich an. 

"Man könnte sagen, dass Sie nicht sind wie alle andern." 

"Dank Lea,^ nur die Frauen^sagen einem dergleichen; und doch ist 



,^ 



man gerade vor ihnen wie alle anaern." 

Man hörte in der Ferne eine Ja^^d hin.-^e'^Len unter n.en Fortif ikationen 

und jenes so nchv/ermütige Morn widerhallen von der Berg_und 'PalhahnJ 

! 
de-s- l*uiia_oai:iLS,di3 V'/ie das G-erüst eines grossen Paketdanprers i-it, 

der auf einer fallierten Verft zur Unbevfeglici;keit verdamr.it liegt. 



\ 



>^ 




„«».•'V&- 




Ich musste,als ich am selben xxbend ins Velodrom kam,imx mir gut ge- 
launt gestehen, dass ich ebenso sehr des Hennens wegen als um Lvi-as 
willen gekorrr.en v/ar;an der Anzeigetafel hatte sich nichts verän- 
dert.vSehr bald aber gab es Veränderungen. Die sechszehn Fahrer xsii 
schleiften dahin wie ein ^and,in welchem Grün , Gelb , .Veiss , Crranat , 0- 
ränge, sich mischten., Im el^tischen Fahren hielten^sich auf den vom 
langen Fahren pjlüerten Planken und achteten gespannt , wenn die 



Ir mit dem linken 



Glocke auf schlug, auf Ausreissversuche. 

Petitma)4^eu war 11': Sattel, er sah ::iich und sandte m 

Lid ein Lachlen^ der Freundschaft zu;bei 3421 ktn in der 131. stunde 

erfolgte ein \/'ersuoh auszubrechen. 



A-"i' ■., •».„ •'■-•'. -JV 



"Die Baluf.traden &etr?^"t^n unter dem Stampfen der .^tmmmzuschauer, die 

beim Diner überrascht worden waren unu mit vollen Backen xheran 

kam.en. 

Der Neger, die iVase auf der Fackstange , sauste wie ein Pfeil davon, 

gev/ftnn eine halbe Stunde , verteidigte seinen Vorrprun^. 

Das gab Verwirrung , diejenigen, aie unliü:! aeü Folgen von Stürzen 



litten, die sich den schmerzenden Magen hi^' Lten, denen ein ochlauch 
geplatzt war, blieben nachein.mder zurück und wurden überrundet. 
Von PetiV^'athieu gefdhrt , stürzte sich das Feld dem^ Schwarzen nach 
der anfing nachzulassen , den Kopf wandte; aber sein Partner schlief 



13 



and kam nicht; die Menge rief ihn zur Unterstii tzang heran. 

"ScMafmütze zu. Pferd?" 

Ein Kellner lies^jvon der ersten Etage ein ^j-las Bier .allen. Die alle 

zittert unter den Pli;chen,aem Lärw von Einderklaijpern and Pfiffen, 

bis der i^e^er wsich aufrichtete , die Hände zusamn^en ''auf die Mitte der 

Lenkstange ^^'cTi ob and za verstehen gah,dass or n^cht nehr v/olle. 

Ich. ging dann in die Unterkanft der Fahrer. 

Petitmathiea fing eben an a\xf zwanglose Art za dinieren. Er war ge- 

waschen and ra/i(sert in einen BaÄdemantel aas Kaschmir ein schöner 

Kerl, er schwenkte in der Hand ein Kotelett, in das er hineinbiss. 

<• 
Auf dem Bettrana sass Lea and sah mit feuchtem, anterwürfigem Blick 

za,v/ie er kaate.Er bot mir eine Tasse vo-li Champagner and in einem 

Becher-^las za Schnee .i^eschlaz-'-ene Eier an. 



Ich vrar stolz aaf die Bekanntschaft KRä mit diesem Hennfahrer 
'^inen^Tenor des Pedals" nannte ihn das rrogramm. Ich fing an stolz 
za werden aaf seine geschmeidigen Beine, seine Aa.sdaaer, seine anver- 
sehrten Kaie . Ich drückte ihm meine Sympathie aas and sprach ihm Mat 
za. 

"Ich habe die lleate zasarmnengefasst ", erklärte er schlicht . "Das hielt 
denn aach der Neger nicht aas.H?iaptsache ist,dass die Verffflgang or- 
ganisiert wird." 

Petitmathiea setzte mich vor allem darch seine Hahe in Srstaasnen, da- 
durch, dass er friedlich wie ein Barger einige v/enig-) Minuten nach 
dieser Hetzjagd speiste , umgeben von seinen flinken Pflegern, der 
liebenden Frau, in Kissen gelagert und vor einem Wandschirm mit Gly- 
zinien, der für ihn aus alier Leere eine Art Interieur herausschnitt. 
fhea hielt ganz zart einen seiner Finger gefasst und sagte kein Wort. 
Ich liebte sie alle beide glei 'h sehr. Ich sagte es ihnen. 



14 



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17 



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Wir stiesaen an. Loa rezitierte folgenden .Sprach; 

"Auf ariwsere Genandhuit , die \in^'. p.o teuer, 

aer wir so r.e/'^ beaürfen, 

aenn nit der Gf^^sandheit verdj(Viet man Geld, 

mit Geld kKnn man Zucker kaufen, 

m.it Zucker fängt man Fliegen." 

Petitmathieu .\:g(lieh mir gegenüber seiner- Glück Ausdruck). 

"Wie fein sie i;";t,wie sie sowas kann, das gute llJldchen.'^nd wenn esxR 

sein !-nuss,Krankenkost ,Korapl7essen, usw.ITnd einen Kutscher ^e^en ^rr^z- 

?Iomtsge halt, der Trompete bläst und der les chai'ipignons kennt. Si^-; ist 



gebildet, sie kann unterhalten ^^idiann eine ganze Gesellschaft zum La- 

chen brin._,en,Und dann,v/issen bie,eine Haut mit Adern wie die Flüsse 

auf den Landkarten, ein Haarschopf , der bis an die Hacken reicht , (nicht 

diese drei Str^ihnen,d-i-e die Frauen von heute haben, die der Kaimm kaum 

spürt) eine fo ine ^-^rust, wahres, ßis# ;putzt sicL die Zä:- ne nach den 

Mahlzeiten, isst Spargel mit einer eigens für sie gemachten Gabel ~ 






und kein Korsett.JBUin and ^ie werden sehen, wenn Sie s^i besser kennen 
lernen" . 

Das Orchester spielte einen Boston, der von russischen Bergen stammte. 
Von erlesenen Gipfeln wurde man in die scfikchtenden Täler der Re- 
frains gestürzt . Schauspieler mit gepuderten Backen trafen ein nach 
Theaterschluss.Sie 'vollten tanzen, aber das Volk schrie : "Windbeutel, 
Wurdbfresser ! " . 
.^^h verabschiedete m.ich von Petitmathieu, der i-»- voller Verve war 
und sein iublik'am amüsierte, indem er tat, als v^äre er mit Lea in sei- 
ner Kabine schlafen geg^^ngen. 

Mich musste versprechen , am nächsten Tag wiederzu.komi;.en zu dem gros- 
sen -^^ip und die I^'acht hier zuzubringen. 



14 



Wir stiessen an.Lua rezitierte fol^,en«'ien ^Jpriich.; 

"Aar ansere G-enundheit , die an.s r^o teuer, 

der wir so n^-^Ji bedürfen, 

denn nit der Gesundheit verdJ^Viet man Geld, 

mit Geld kann man Zacker kaufen, 



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mit Zacker fän^^t man Fliegen." 

Petitmathieu .\jS(lieh mir gegenüber seinem Glück Ausdiuck). 

"Wie fein sie i.;t,wie sie sowas kann, das ^ute l'lädchen.^^nd wenn esxR 



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ein muss, Krankenkost , Kompressen, Uwsw. Und einen Kutscher ge^en b!ctxı.a- 



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Monatsgehalt, der Trompete blfist und der les cha^-pi^nons kennt. Sie ist 

gebildet, sie kann unterhalten ^atann eine ganze Gesellschaft zum La- 
ie 

chen brin ,en,Und dann,v/issen bie,eine Haut mit Adern v/ie die Flüsse 
auf den Landkarten, ein Haarschopf , der bis an die Hacken reicht , (nicht 
diese drei Str5ihnen,4-i-e die Frauen ^ron heute haben, die der Kjaimm kaum 
,46^ -7 spürt) eine f (3 ine ^rast , wahreg, -Eis^ ;putzt sicr. die Zä- ne nach den 
Mahlzeiten, isst öpar^el mit einer eigens für sie gemachten Gabel - 



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wfv ^nd kein Korsett .Jun und ^ie werden sehen, wenn Sie s^i besser kennen 
lernen" . 

Das Orchester spielte einen Boston, der von russischen Bergen stammte. 
Von erlesenen Gipfeln wurde man in die scfö-ichtenden Täler der Re- 
frains gestürzt .Schauspieler mit gepuderten Backen trafen ein nach 
Theaterschluss.Sie wollten tanzen, aber das Volk schrie : "Windbeutel, 
Wurdtfresser ! " . 
/^h verabschiedete mich von Petitmathieu, der Iß- voller Verve war 
und sein iublikain amüsierte , indem er tat, als wäre er mit Lea in sei- 
ner Kabine schlafen gegangen. 

HIch musste versprechen, am nächsten Tag wieder zikomi^en zu dem gros- 
sen -Cetip und die Iwacht hier zuzubringen. 



15 



Sechste Nacht , 158, Stande ,3962,570 'kriy Das gleiche nonotone Hild.Die 
erschöpften Fahrer schlieren im Sattel ein, einer fuhr, als wenn er 
es im Traume entern vfollte,in ein Rad hineinJhtürzte and riss die an- 



dern mit in seinen stürz. Man hörte englisches (reschrei , türksiche 
Fläche, ein Stöhnen bis/seilen, vras bedeutete ,dass einer aufgab, dann 
fing die ilreisfahrt von neuem an. 

Es war sehr spiit.Die %rints der I\[acht vmren zu ii^nde .Das £ 
Feld trat, die Hände auf aem Rücken, am die Fäuste auszuruhen , in Shals 
-evrickelt gegen die nächtliche Kälte an. 
Petitmathieu ruKte in seinem Käf ig. 7oji--den Iloven führte die abskure 



Nachtarbeit durch und überliess seinem Partner^aie glänzende Arbeit 
der letzten Stunden, die bal :^ be.^innen 



musstü.Ich bot Bibendum,ae^sen 
Besicht vor Uebermüdung auseinandergegangen war wie ein geweichter 
Zwieback, meine Dienste an. In Hemdsärmeln tauchten wir einen Schlauch 
in einen Eimer, um fite undichte Stelle zu ermitteln. Lea überraschte 
mich bei dieser Beschäftigung. Ich war so sexhr in Anspruch genommen, 
dass ich kaum mit ihr sprach. Sie beschwerte sich darüber. Ich zuckte 
die Achseln. 

Viele Zuschauer verbrachten die Mrattt im /eloarom.Auf die rosigen 
oder fahlen Flecke der Sportszei tungen gebettet schüren Kinder. Or- 
donnanzen der Hilitäriohale (Ecole militaire , ) Shauffeure -rosser 
R^^'Hiafir, Arbeit er von den Moulineaux-Werken ,ehe ihre Arbeit begann, Ex- 
pedienten vor den Bi'rostunden, Paare aus der Provinz in Trauerklei- 
dem gähnten, hielten sich mit Manillazigarren wach und kallten mit 
Bierseideln. K ^ 

Wir wickelten uns in Decken, den Kopf auf Säcken. Seite an Seite er- 



warteten wir den Tag. Lea nahm mich bei der Hand. 



"Die feinen Knochen^Ich fühle schon, ich werde;! Ihnen verfallen sein 



16 



^,.».v^ -- 



# 



sagte sie, wie in den verlogenen Volksroni^inen. "Sie sind das ^ei^en- 



<r 



rv- ,/ 



teil eine^v Rekordmanns. Sie sehen eher ^ie ein Priester oder wie ein 
Gesamgskomiker aus. Sie unterhalten nicht gerade gut, aber Sie haben 
Schwung. Und dann habe ich inuner schon davon geträumt ,rdch für Je- 
mand za interessieren, der nicht so sehr gesana ist. Für einen jungen 
Kf^nstler vielleicht ,i:xit allzu blauen Adern und einem sptteen, feinen 

Bart Ich gehöre dri^'" 

"Nichts könnte mir mehr Vergnügen bereiter}" antwortete ich, "gestern 
noch.".; Und r.treichelte sie^IInci vielleicht morgen wieder^Heute aber ± 
ist mein ganzes Herz hier, ich bin eine^^einzigen Gedanliesn Beute und 
das ist aer Sieg Petitmathieus . Ich gehöre nicht mir und auch Ihnen 
nicht. '^^ir sind ein Teil des Velodroms ,ein Moment des Renneis, die Er- 
v/artung des Sieges geworden. Ein paar -Xinaer noch, und bedenke doch; 
das Einschnappen der Photographengpparate dann,ddie Menge, die Extra- 



ausgaben, das Bankett mit Fahnen und Deputierten. ^Hr werden ein wenig 
beigetragen haben, dass unser Sieger alles dies errungen hit . " 

4 

"Mein Lieber," sa^^^te L5a verdriiesslich, "Du hast eine sc^höae Seele, 

das ist rührend;das ist delikat. Ich liebe dich nur nor^h mehr. 

EnttäuBchung iiex.(?iss ihr die Lippe iv 

Sie sagte nichts mehr. Sie schloss die ^ugen.Dann nörte ich, aber 

sicherlich im Traum. 

"Ich weiss nicht, v/ie i'etitmathieu das tragen v/ird." 

Zu unserer Rechten, durch die Reklamen des Firnis Eternol, durch e4rn 

Zel-t Hindurch erschien, gegrüsst vom mechanischen Klavier, ein wüster 



:8xHg^ Tag. Ich sagg: 

In die Dämmerung und ihre zweifelhaften Triebe 



■^L 



haut der Hähne schartiger Schrei: 

Verleugnungen, o i'osige Blüten des Vorbei, / 

und da du nchläfnt, verliert sich seltsam neine Lie^e. 



LiYTX 




19 

19 



I* 




LEITZ 



Leitz No. 484 
Made In Oermsny 



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V 




DORN-VERLAG GRETE ULLMANN 

MÜNCHEN 




VERLAGSLEITUNG 
München-Planegg • Irmenfriedstr. 35 

Fernsprecher Nr. 89 8 62 

GESCHÄFTSSTELLE 

München • Leopoldstr. lämß. 3 
Fernsprecher Nr. 35 1 47 

POSTSCHECK-KONTO 
Grete Ulimann iVlünchen Nr. 10G80 



München 26. Juli 3o 



Herrn 



Efralm Frisch 



p.Adr* "Europäische Revue" 
Be3?lin S.W. 68 



Sehr geehrter Herr ! 



Wir gestatten uns die Anfrage, ob der Rom^n von P^ul 
Morand "Champion du monde", in Ihrer üebersetzung für die Buchausgabe noch 
frei ist. Sie werden zweifelsohne alle Rechte für die deutsche üebernetzung 
auch für die evt. Buchausgabe besitzen, und darum fragen wir gleich bei 
Ihnen an. Falls die ßuchrechte noch zu haben sind, wr.ren wir Ihnen für Mit- 

teiltng der Höhe der Autorenrechte sowie des üebersetzungshonorars sehr 
verbunden. 

Mit ganz vorzüglicher Hochachtung 
DORNVERLAG GRETE ULLMANN 
MÜENCHEN 

.-. 4. t. ^uc;^; . 



EfralB FriEcU 



zZt.A8cona(Tessin)Villa Bernar 
31, Juli 1930 



An den Dora Verla« Gret« Ullmn» 



Ifiinohen 



Leopolde tr» 3 



Sehr geehrter Verlag, 

Ihr schreiben von 26. Juli ist ;iir hlarher nachgeschickt worden 
Bas Recht auf die deutsche i firtnmrirtxa iqpdto Buchausgabe von "Ghampior. 
du :aonde" 8t im Ausenblick noch frei. Ich verhandle im Auftrag von 
Paul !Iorand.Seine Bedingunsen sind;lü>J vom Ladenpreis des brocharten 
Exemplars bis zu 10000 Exemplaren und darübr him.UB 12;^.bei Vorauszah- 
lung von 2000Mark an den Autor bei Abachluso des Vertrages. Als Ueber- 
setzungBUonorar für mich schlage ich Hk.1500^ vor und eine kleine per- 
zehntuelie ^eteiligung.wemi das 10 te Tausend überf^cbritten ist.Es 
ein! die gleichen Jedineungen.y;ie ich sie beim Insel-Verlag habe. 

ich mache noch darauf aufmerkoam.dass der Vorabdruck in der 
"Europäischen «evue" mit sehr wesentlichen Sirzungea ar3cheint,aber 
da» Manuskript für die Buchausgabe ist bereits druamnig vorhanden. 

in Anbetracht dessen.das* vpn verschiedener -ei'e an mioli 
Herangetreten wird.bltte ich u» Ihre rascheste EntscherdungUn die 

•ben angegebene Adresse) 

Mii vorzüglicher Hochachtung 



\ 




MEYER & JESSEN G.M.B.H. 

VERLAG / VERTRIEB 
MÜNCHEN 23 /OHMSTRASSE8 

TELEGRAMME: JESSENVERLAG / FERNSPRECHER 34019 
POSTSCHECK: ABT. VERTRIEB 6575 / ABT. VERLAG 34143 



HEINRICH AUERBACH 



Lianchen,den ö. Juni 1951 
A/A t . 



llorrn Ufraiii: ? r i g 
Berlin-i.alenGee 
Kektorst,rrat-o e yiT 



h 



böGton iJ-ink i'ür Iiirc^ frcuiic. liehe K^.irte voiii ü.d.r.i. 
Bv^süglioli I-wul I^onnd ' "/o It'Leister '' h-^ben v/ir uns 
intensivst berriülit; aber leidor mit vollkornii.en negativerr^ 
Krfülß. Die ^iche h.^t sich diaurch solnnge hingezögert, 
v/eil v/ir selbst imiLer wieder mit dem yntsoheid^vertröstet 
v/urden. I'jh v/ollte l...nen daher .nuch sell}St dieser Tage 
schreiben. - Uns Llnnuslo'ipt gelit v/uns chgemass an L-ie 
ib. - 



•>^ — 



liio .yiii'dc ;i.ich sehr 
i}ele^en:ieit des Zus 
verbleibe mit den 



i'reuen, v/enn siuji balu yine nndere 
Knmennrbo itens ergeben v;ürde . Ich 



ii-, H 



sciionsten Grussen 
liir ergebenster 





L/inuGl:r i-)t m. ^g. Joct zurück 



Manuskripte werden von uns mit aller Sorgfalt behandelt, dodi übernehmen wir eine EntsAädigungspflidit für etwa in Verlust geratene 
oder beschädigte Manuskripte nicht. Wir bitten deshalb, keine Original-Manuskripte ohne Zurückbehaltimg eines Duplikates zu übersenden. 



% 



^ 




M E Y E R & J E S S E N G. M. B. H. 

VERLAG / VERTRIEB 
MÜNCHEN 23 / O H M S T R A S S E 8 

TELEGRAMME: JESSENVERLAG / FERN S l'R EG {I ER 34019 
POSTSCHEGK: A in . V E RTR I E B 6575 / AB T. V E R L A G H 1 4 3 



ABTEILUNG: Vertriebe 



München, den 24. Oktober 19:^0 
A/E 



Herrn Efrairn P r i 
Berlin W 15 
loriser Strasse 26 



s c n 



111 



Lieber Herr Frisch, 

besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen vom 21. er. Bitte seien 
Sie doch so nebt und schicken Sie mir das Manuskript von Morrand . 
"Weltmeistor" . Wollen Sie bitte auf einem besonderen Zettel be- 
merken, '.vas davon in der Europäischen Revue erschienen ist und 
v'elche kleinen r^ile noch nicht übersetzt sind. Ich v;erde die Sa- 
che dann sofort ^den interessierten Verlag, mit dem ich inzv/ischer 
auch über die Angelegenheit gesprochen habe, v/eiterleiten. 

Das Buch von Luc Durtaine : "Dieu:-: blance, hommes jaunes" habe 
ich beim Verlag in Paris bestellt. 



Für heute schönste Grüsse 
Ihr. 




Manuskripte werden von uns mit aller Sorgfalt behandelt, doch übernehmen wir eine Entsdiädipungspllidit für etwa in Verlust geratene 
oder beschädigte Manuskripte nicht. Wir bitten deshalb, keine Origiual»Manuskripte ohne ZurückbehaUung eines Duplikates zu übersenden. 



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- 1 . 




'' le viele Nachmittage hiibe ich allein mit Nadine zuge- 
bracht! I oh kam gleich nach Tisch zu einer Plauderstunde, zumeist 
aher verliess ich sie erst hei einbrechender Dunkelheit, Manchmal he- 
gleitete ich sie auch auf ihren Ausgängen • Oft kam es vor, dass 
Brotzky mich noch da fand, wenn er aus der unteren Stadt nach Ilause 

kam« 

"Sie machen also i einer Frau den Hof ? Das ist ja ausgezeichnet! 
Amerika liefert Checks, Italien Mondschein und Drankreich die Liebhat 
her." "Se en Sie nicht eifersüchtig! " - "Ich bin nicht eifersüchtig, 
antwortete er mit einem sonderbaren Lächeln. 

Häufiger noch kam Brodsky überhaupt nicht nach Hause, Seine 
Beziehungen zu Nadine waren schwer zu verstehen. Sicher ist, dass er e 
einmal in sie verliebt war. Fast sicher, dass er es nicht mehr war. 
Lässt man eine so junge und so hübsche Frau so oft allein ? Sagte er 
die Wahrheit, dass er nicht eifersichtig sei ? Zuweilen behauptete er 
scherzhafter Weise, dass der Amerikaner nur wenn er getrunken hat an 
seine Frau zu denken wagt. So musste wohl Brodsky aus der Liebe empor* 
■^aucben, wie aus einer Trunkenheit. Hatte er, der zu früh geheiratet 
hatte auch jene zaghaften Selbstvorwürfe, jene Verstandnislosigkeit 
für das andere Grcschlecht erfahren, die so viel amerikanische Ehen 
verderben ? Jene dem Anschein nach wie die Vereinigung von Halbgöt- 
tern schöne Verbindungen, d e aber im Grunde undukdsam und bitter 

sind. 

Warum verstand er es nicht, mehr aus einer so zärtlichen und 

Oft sagte sie in meiner Gegenwart 
klugen Genossin für sich zu gewinnen ?xßi±txx|ixa:KkxB±KxxHxxisxx Worte a 

, die bev/iesen, wie gut s e ihn verstand ;":)u hast alle Verdienste. 



- 2 - 



# 



# 



Du bist viel bedeutender als die Leute, welche Dich ausbeuten •• 
Tas täten sie, wenn Du nicht da wärest, mit Deinem wSinn für das 
moderne Leben ••• mit Deiner Kenntnis aller Völker und Sprachen« Du 
wirst nicht nach Gebühr entschädigt, und das ist Deine Schuld. Du 
hast mehr Le denschaft für/ Deine Idee als Ehrgeiz ... so lass 
mich doch für Dich ehrgeizig sein ! " 

Ich war überrascht, ja indigniert , dass Brodsky diesem 
glühenden Eifer g £:enübt r sich so zurückhaltend verhielt. 



Der Lift, der nach allen vier Windrichtungen sich öfinete 
setzte mich im 12. Stockwerk ab« In diesem neuen Haus gab es weder ei 
ne Treppe noch einen mehreren 'Vohnungfm gemeinseimen Vorplatz. Sobääd d 
die Nordtüre ich hintrr mir sc loss, trat ich unmittelbar in Brods- 
ky's Vorzimmer ein. Ich betrat den Saion. Es herrschte hier eine 
noch grössere Unordnung als sonst. Am Boden lagen umgestülpte leere 
Schubfächer herum, auf dem Teppich Haufen von Papier, wie für ein 
Audodafe. Brodsky musste hier wie ein Stumwind dahergefahren sein. 
Dennoch hatte er nicht die Gewohnheit, seine ITappen so ht rurjiliegen 
zu lassen. Dieser seltsame Wirrwar machte mir Unbehagen. Indessen 
soll e ich auf Inadine warten und wartete auch, die Nase an der Fenste 
Scheibe. Die Schatten legten sich erst übf r den Fluss, dann stiegen 
sie Stockwerk um Stockwerk über die Fabrikwolkenkr.tzer von Long Is- 
land empor. 

Die Verspätung wurde mir immer unbegreiflicher. Die *^nord- 
nung um mich stieg ^is zur Trostlosigkeit. Und plötzlich überfiel mi 
eine Unruhe, Ich erhob mich, rief, klopfte an alle Türen. Die Woh- 
nung schien le(:T. iiahraÄiiMüakjfcmiiJCQralaah^ 
Ich drehte vorsichtig den iCnopf der •Schlafzimm rtüre um . 



.i 



» 



J 



- 3 - 

Gesicht 
Nadine lag ausgestreckt auf dem Boden , das stxxxtefc in den Händen, unbe- 
weglich, und weinte.. »*Naiine!" Sie v/einte nicht, Ihr Oes icht war ent 
stellt, ab r die A..;en firocken« ' ^nn hi^r ein Unglück gesche?ien v*ar, 
so war unzv-eii elhaf t sie cias Opfer. 7ür jeden anderen als für sich 
seihst hätte Nadine Tränen gehabt. Mit starren Blicken schien sie üoer 
die Qtiir^ wart hinauszuselien» 

Als sie endlich erf aaste, dcissich da war , rieht te sie 
sich verstört mit einem Huck auf un 1 stand aufrecht* Um JCbEXXBtJcxJotfcZÄÄ 
ihr dabei zu helfen zog ich ihren r3tarren }-örper an mich, doch sie 
sah mich mit einem kühlen und ruhigen Blick an. Schon hatte sie sich 
mit ihrer fabelhaften Energie wieder in d r Gewalt. "Inadine", sagte 
ich bef.mgen, haben Sie UnannehmlichKeiten g habt. Kann ich Ihnen in 
iro nd ctv/ar? nützlich sein?" - Sie zögerte lange, als ktunpfe sie in- 
nerlich mit sich, doch ihre Freundschaft, ihr Vertrauen zu mir über- 



wa 



adten eine vielleicht übertriebene Sc eu, über ihr Kheleben zu spre- 



chen. "Es handelt sich um :.ic.x, " gab sie zu. "Er hat mir eine ent- 
set liC'-e Scene gei>acht, und das für Nichts. ♦• - ••V'ieso für nichtb 
SWegen eines Papi^^rs, d s er nicht finden konnte. Er hat das Unt-rste 
zu Oberst gekehrt und ist davongelaufen und ist ohne Hut davongelau- 
fen. Meine Schuld. Ich wollte ihm se ne Notizen ordnen, uin ilun seine 
Arbeit zu erleichtem und war ungeschickt. Ich haoe irgend was verleg 
"Ein wichtigv s Dokument ?" - "Ganz und gar nicht, Einen belnngl« en 
Zettel. Aber für ihn ist nichts unwichtig . K3LXKKX Er ist - wie 
unsere ganze Kasse - von krankhafter Gewissenhaftigkeit, i^'eint 
n in, tadeln Sie ihn deswegen nicht! Er ist so Svh: ecklich nervösp 






i 



- 4 - 

fast schon neuras theni seh ...' - 'Wi h c <„+ .^^ ^ , 

"... - na, d.s Ist. Jedßnfalls nicht heiter 

für Sie. rief ich gereizt durch ihre Re ignatlon. " . «j^in ich 
rächt dazu da. «ein -reund ? sagte sie rdt jenem Bch..erzlichen 
Aufseufzen, d .s ihr so cut stand. 

- Sie schv^ieg versunken. Ihr ge.pann es Gesicht schien einem be- 
drückenden aed..nken «cö^K««hBxxxK:.^Kkkng«, zu folgen. "Es hun^t 
übrig, ns .uch. sagte sie endlich, nit anderen Dingen und missverstand- 
nis.en. die .eh tun. zusammen ..." jetzt strömten ihre Tranen. 
Sie hifac*. horte meine glühenden Tro t.orte nicht .ehr. Es w.r sehr 
k.rz und sehr hef.ig. Doch schon beherrschte sxe si^h. Ja. lächelte 
sogar; ''^«*»n»^3*«m«il«anh^,«a«^.:.;nterrdK.MH.^nüex:a^ 
üfrenbar musst unsere Unterrxchtn.-,tunde nit besonders traurigen 
Worten anfangen. 



ä 



ES war 3chon ?JacM. .Is ich Nadine v-rliess. unten u.a Tor 
stiess ich auf Webb.-Ist ;iax da« , fragte ^r. .-ein! i.r sah sehr ver- 
urgert aus. fasnte mich am Arm. iComrr.en Sie mit mir. Im Auto sag: e 
er Plötzl ch : "Ich .rauche Sie. ich hatte eben eine Auseinandersetzun 
.nit IBrodsky ... ünbegre flieh ," Er wiederholte: «Es ist unbegreiflich 
Benken Sie, Er will sich von mir trennen, .in unsere g.nze Sache 
im Stich lassen. Einen Augenblick, nach den heftigen Worten die ^e. 
fallen waren, schien mir sein Fortgang natürlich. Ja notwendig, aber 
jetzt habe ich überlegt .... und kann es nicht begreifen. IcH mach, 
te mich auf den Weg um ihn zurückzubringen, ab. r en ist im gründe 
doch bes.er. dasa Sie es tun. Suchen Sie ihn doch ..m jeden Preis zu 



1 



# 



$ 



5 

erwihchenl Ee ist Ja reiner Wahnsinn, .r r chtet «ich zu Grunde 
und mir fügt r Schaden zu. • - Er uch.ieg aufgeregt, wir hielten 
V r de. Colu^nMa Clu.; "Sehen .ie zu. asa sie ihn finaen. Und sagen 
Sie ihm", fügte er mt Anstrengung hinzu, "das ich il.n verzeihe." 

ichvrhrachte den A.eai d mit. H»nöexx Brodsky ausfindig 
zu .acheu V rgeoi.ch t U. zwei b-nr .ach.s ka.n ich nach Eause und 
ging zu Beti. Das Haustelefon v,ecktc r.ich eine Stunde sp..ter. Max 
fragte, ob er hrraui koniiiien dürf«-. 

Er tritt ein, den liut ub^r den Au^gn. mit dem von Gurimi- 
sohlen eedaanpften Schrit: . "Geben Sie mir Wasser. ... --nehr hitte ... 
ich ha>e 38 .. " - -lax. sagte ich. Sie sind icr.nic. Gehen 3ie nach 
Kauae. :.or..n früh kon.ne ich mit v;ehb." - Er sah mich starr n, 
..ich s:het'drs: sie nicht verstanden haben. Ich gehe nicht nach 
Hause zurück. Ich habe kein zu Hause. Ich verlasse He. York. Ich v.ill 
web-, nicht wiedersehen.. Ich haoe die Zusamnenarbeit it ihm aufgerie- 
ben, aus einem Anla.a. der nur im Augenblick von Bedeutung ist und 
den ich Ihnen nicht nüh r auseinandersetzen mag . Ab. r die Gründe 
liegen tiefer . Und die sollen si. kennen Urnen. " Es ic«mx sollte 
M.r nichts tieferes geben, als Ihre IJankbarkc t für 0,don. meine 
ich." - "Was er für mich get.m hat, diese Geste seiner Vorfahren . 
die Hand des Pioniors, die er mir entgegengestreckt hat und die 
ich mit wilder iSe.eist rung ergriffen habe .- das alles - ich weis 
es. Eben darum, we U ich se n Brud r war, verlasse ich ihn. " Lassen 
Sie ihn im Stich» - "Gehe ich'vo. iV:m. so , wie ich mich für ihn 
Äütte u^abringen lassenl Ich gehe. denn, da ich aufgehört habe, ihm 
nützlich zu sein, müoste Ich ihm .um Unheil werden. - "Aber d.s ist j 



S 



. 6 - 



# 



t 



unsinnig. Tlr kann Sie nicht entiv hren (Ich berichtete, was mir Wehb 
gefaßt hatte), "Diese Unstimmigkeit zv/isdien Euch iot die reine Ein- 
bil-lungl '.^rodsky grinste: »Die Unstimmigxe t liegt in urxserem We- 
sen RXX, umsoschliram r, v^enn Sie das nicht begreifen. Geat rn früh 

kam 

tX3dk ich wie gewöhnlich ±ÄxSfcCB3txxxxÄg*BUfix zu Ggdon ins lureau. Er sah 

mich mit dem linken Auge in einr Weise ..n,d ass esmich t raf. Man 
jcxnKxscÄXM hat sein linkes Auge nicht in der Gewalt, Es ir>t das 
Auge, das die Wahrheit verrät. Es ist ein strenges, unfreundliches, 
schonuHc^^loses Auge - aber ein Auge, das veiss, was es will und ßagt> 
was es meint. ••Der Augenblick ist v/irklich nicht zum Gpassen geeignet, 
sagte ich unangenehm b> rührt, *'Sie sind Web o eine Erkliirung chul- 
dig. - *'''ir habf n uns bereits zu einer kurzen Un er?ialtung einge- 

schlor^sen als ica ging, war ^"ebb für mich ein T^reiaderj^. " - 

- "Aber das ist Ja unmöglich " - ''Bitte, fragen Sie mich nicht wei- 
ter ... Schon sind von dem Phantom nur noch einige flüchtige, schweben 
de Erinnerungen geblieben. Llit ihm selbst ist alles verschvvunden. 
Ss gibt kein Haus niehr, ke ne "^'rau - - - nicht mal Sie, zu dem ich 
spreche - - - nicht mal die Zeit, in der es geschieht." - "Sie wer- 
den doch nicht Nadine verlassen, rief ich entsetzt. - "Nadine war 
es nicht, was mich hier festhielt. Es war Webb. Es sind nicht die 
Frauen und nicht die Ideen, die mich haften machen - es ist die 
Freuni Schaft, es ist die Kindheit. Von jetzt ab fühle ich midi 
permanent - universal, ^rgen überschreite ich das V/asser. Ich be- 
ziffere meine Pläne nicht mehr in Jollars, sondern in Lichtjahren. 



In diesem Augenblick glaubte ich tatsächlich, Brodsky sei 
veirückt geworden. •• 
"Ich V rlasse fluchtartig Amerika," begann er wieder t "aus den 



• 7 



t 



gleichen Gründen, aun velchen Amerika die Leute in den vergangenen 
Jahrhunderten so anser.ogen hat . Ich brauche Natur. Ich will 
richtige schwarze Nuchte hah«n und nicht die Elektrizität des Broa 
:3roadv;ay, Bäder im eisigen Wasser der Flüsse und nicht im lauen 
meiner .Badewanne ... oder ühethaupt keine Bäder. Den Dreck der 
groosen Zelten, ^es Ghettos. Asiens. Der Ras 1 erapparat , der Kaugummi 
hindern mich daran, den V/erken Gottes in Berührung zu kommen. Nie 
ha^oe ich mich so ruhig gefehlt, als zu der Zeit, 6a. ich in der 
SeilFr-'erkf^tätte des Gefängnisses gearh itet haha . In der idiotisch 
sten Wei^e zu produzieren, um jeden Preis, Ut d..s ^rö.ste V erbrechen 
ich -bereite mich varr, dem zu riderstehen. Ich -ill in Armut leben" 
"Gehen Sie nach T:uropa" rief ich erstaunt ? " Nein, nein, ^uropa 
und Amerika i'.=t lins xüe das Andere. Ich geh nach Russland. Trotz- 
ky dürfte, genau -o vie ich vor zwei Jahren geschv-ankt haben, zwi- 
schen seinen kleinen Hause au der Bronx und Moskau. Zv;i8chen dem B 
Behagen und der Wahrheit. Die Atmosphäre, in der ich leben kann, ist « 
die Wahrheit, der Auffruhr. Das neu« Russland ist das einzige Land, 
in dem ein Umsturz statt :efunden hat. Die Parole "Sicherheit vor 

Allem" der Yankees mordet den Geist. Lenin und Trotzky hab n wie 

Gross ■■,_■, j. 

ich in den ktmoddc angelsächsischen ^Hädten gelebt und fühlten ki 

sich da erstickt. Ich habe na nie zugestanden, ab r seit 2o Jahraa 
le^e ich r-ie ele als Verbarmt, r. Das beständige 
bringt mich uffl! - XxaXxx .Jrodelcy sprach im Fieber und imm-.r ra- 
8c'.-er : "In Columbia machte ich 'Vettlcäufe mit aus Willenskrait. 
Ich war geschmeidig und zutraulich, ein netter Junge, aus Willens- 
kraft, ich machte eine gewaltige Anstrengung um Optimist zu sein. 
Ich hatte den Campusspirit. den Chorgeiet - - aus Willenskraft. 



schöne V/etter 



- 8 - 

Dann naJira ich V<::rsi che rangen auf für Dampfschifi e ♦ Ich speiculierte 
Unterzeichnete Verträj^^e« llahui an Banketten teil, spiel e Poker - 
alles, eil ich mich dazu zv/ang». Daraus bestand die erBte Hälfte 
meineß Lebens, Dieser ^''ille zur Macht hatte mich zunächst ins 
Gefängnis geführt.'* - "Die p V/ille zur Macht hat New Orleans und 
New ork auffi*ebaut" unterbrach ieh« "Und wie dumiaist das# Man 
baut nicht aufs Neue Orleans und York# Doppelgänger von Land- 
schaften! Der ''ille vlrd d'eses Land Gottes zu "Grunde richten, vie 
er mich zu Grunde gerichtet hat," - "Es ist der Wille zur Arbeit 
und Gott hat sie gesegnet." - "Sie arbeiten zu viel. Warum bringen 
iie sich vor Arbelt uM. BS£ Um nicht zu stsnsknx denkafi . Und warum 
wagen Sie er3 nicht zu denken ? Weil Sie schwach sind, kindisch. Ohne 
HaJdirMiahBip^^iaaxHiiiiiai^ Hemiiung und natürliche Moral. 

Sie sagen es nicht, aber ich sage es, ich bin ein Jude und plaudere d 
dac Geheiirinis aus.*' - 

Brods.ky zog mich v:.e inr?B r in eine Diskussion über 
Ideen hinein, v^o ch versank. "Sie wichen nach Moskau ? 'r ozu ? Um 
dort XKi£Z Amerika, die Zaren der "echnik, die Trusts des Xremels 
und die gröos e Armee der Welt zu inden ? 8.. "Ich verde dort bes- 
sere Zeiten abv^arten, glücklich, das ich aufgehört habe, ein Durch- 
schnittsam^rikaner zu sein, mit Stiefeln von Hanan, yximgytXKXttwyigta: 
mit Gilet te radiert, iait Palmolive gewaschen und durch Ford beför- 
dert ... " Um ein Durchschnittsproletarier dort zu werden, von Lenin 
unte richtet, von Trotzky gedrillt und von Sinowjew überv/acht ? " 
" Ich bin dem Alter entwachsen, wo mn spielt. Ich habe dies Para- 
dies für wohlgenährte Kinder satt! Hier spielt man. Man spielt 
mit den Dingen. Man bejjleit^ d sie mit looo Nullen . Aber sie 
bleiben nichtsdeslov/eniger nicht der Rede Vert, diese kleinen Dinge. 



> 



t 



- 9 - 

Ich hasse die Dinge. Ideen will ich halben» Ich will die Strasse an 
Jeder Stelle, die lair pasrt üherschrei en dürfen." - "Gehen Sie 
nach Russland, um dort die T^reiheit zu finden ?" • "Ich vdll Alte 
smSani ich will Unglückliche sehen. Die Leute hier, ewig jung, wie 
sie 3ind, "bringen :'nich auf! Ich vdll vom Künstlichen zum Organi- 
schen übergehen • Ich will unter meinesgleichen ieben, unter Men- 
schen, die alle? verloren haben!" Srodsky stand auf, reckte eich} 
"Ich gehe einem Lichtstrahl entgegen, der nicht aus der Erde und nicht 
aus dem Meere korant! Er legte seine heissen und eisigen Finger auf 
m ine Hand, v/ie einst; "Ich v;ill ihnen mein Geheimnis verraten: Ich 
habe das Bedllrfnis zu lieben. Ich verzichte, ich gehe fort, um zu lieben 
"Max", sagte ich, "haben Sie V/ebb nicht geliebt, nannten Sie ihn 
nicht Ihren Bruder ?" 

TaT sah mich gespannt doch v/ie geblendet an, wie ein 
Palcjiie, dorn man die Plaube abgenonruen hat und plötzlich brach er 
in Tränen aus. Er liens sie rüci^haltlos ströme^^; er empfing den 
Sclimerz nicht, indem r sich g^^gen ihn hart machte, die Bauchmus- 
keln d igegen spannte, sondern er gab sich dem Zusaminenbruche. 
Ich umfasste 'leine Schult' rn, sprach auf ihn ein, bXÄÄEh wandte meine 
ganze Kraft auf, um ihn zu halten« 

Er blieb zusammengeklappt, als v/äre er von einer 
Kolik befallen. • \7enn m n ihn so sah, das Gesicht in den Händen, 
dann hätte man meinen können, er sei zuweilen von einem nicht zu 
unterdrückenden Lachen geschüttelt. Trotz der späten Stunde hörte 
man ein Gramophon im unteren Stockwerk spielen, ^rodsky richtete 
sich schliesslich auf. Stolz rief er aus i "Ich verlasse, was uns ver- 



schlingt und gehe dem entgegen, das nährt • 



Exotisch, K±B 



wie ausgebrannt, zeijghnet 



• lo - 
hob er sich Gcharf von der roten Türe ab. Statt davonzustüjpzent 
T7andte er noch einmal seinen Sch^vung mir zu. Er rief : "S±K]ttmx 
Behalte mich lieh für irnraer!" 



Erst 7ags dan^uf, als ich Uehb Bericht erstattete, wurdt 

ich mir bewucst, '^^ie sehr mir alles missgluckt war. Denn nicht nur 

kmiante5aiiJChxSrxa3aak3ia:^Äbii denn nicht nur, das ich Brodolcys Flucht 

nicht verhindern konnte, v:r.T es mir nicht einiaal gelun^^en, seiiB 

Gründe zu erfassen, Do vollte ich rr.ich wenige tens ITadine nützlich 

erweisen uni suchte sie seitdem öfter auf. Wie schön int eine Frau, 

wenn sie so allein ist, unter 6 Millionen llünneml Sie neigte ihren 

geschmeidigen Hals, senld e die langen Wimpern uni trotz meiner 

reizende 

Zeichnung im :3uffon denkeni 



läihrung musste ich an die 
Die Giraffe ist ein s .nftes Ti r, das man mit einem kleinen Strick 
hinter sich herführen kann." Ich be-zi^underte alles an ihr, vor allot 
aber ihr würdiges SchweigentjThr Leid während dieser beiden Moä te der 
Verlas senheitf Ihre veränderte unc absolut einsame Art zu leben. 
konnte ich mir nur lenken^ denn sie selbst schv/ieg darüber. Eines Ta- 
ges sagte ich zu ihn "Man weiss nicht, was in Ihnen vorgeht, Na- 
dine, der Zufall kannSie nicht unterkriegen • Sie siii in meinen 
Augen viel grösser, aln die Freiheit aus Bronze über dem Meer • 
Sie haben die Haltung, den Blick der Heldinnen aus meiner Studenten- 
zeit, - die gebrechlichen und Stolzen von r^amain, die Sehnsüchtigen 
Verlaine» ••••• eine Leben ohne Illusion, ohne Hoffnung und ohne 
Tränenausbrüche! 

"Die Tränen", er^viderte sie, sind ein?? von den Vergnügen, 

die ich mir versage. 



11. 

"Haben Sie wenigstens eines, das Sie sich gestatten ? " - Ihre Un- 
terrichtsstunden", antwortete sie mit einei. entzückenden Lächeln. 
Mein Tortnchritt in der Liebe zu Ihrem Lande, in der Lektüre Ihrer 
Schriftsteller. In Are rika kennen wir nur i^wei Hamen Ihrer Literatur, 
MoliSre und Cocteau. Ich liehe die französischen Ideen, die sc wohl 
aufgezogen und ansprechend sind. Auch liÄax •••" - Als ihr der Najne 
ent-^chlüpfte, packt-^ ich zu: "Sprechen Si» mir von ihm". - '^Nein, 
noch nicht, sagte sie änj^gtlich. "Dann lassen Sie mich davon sprechen. 
Äja Abend vor seiner Abreise ist er auf meine Bitte zu mir gekommen, 
und hat ;3ich xaajd^öiräitch v/t itläuii^ ausge iprochen. Er hat mit dem begon 
nen, ^vomit Bekenntnisse meist schli esnen: indem er rair sein ganzes 
Herz öffnete, dabei hat --r nichts verraten. Ich erlebte in dieser 
Ilacht in meiner» ZirorrBr die auf rieht igr:te Selbstpreisgabe und zu- 
gleich ein ungemein {^e3i;hickten Verbergen der wahren Motive seiner 
Flucht, •'^t e r Ihnen dem nichts davon v« rtraut ?" Nadine blieb 
unbcweclich, stumm, rie f e^t^T^^nagelt. Nach einigen Augenblicken 
atmete sie tief auf und lodm ergrifr sanft meine Hand; "Ich weiss 
nichts, lieber Freund, ich habe ihn nicht i?^iedergesehai .Die Erinnerung 
an ihn hält mich aufrecht ••• Auch die Vergangenheit ist ein Trost! 
Ich lebe in seiner Wohnung, von seinen Sachen umgeben, er hat nur 
seine Itlcider mitgenommen , er hat mir sogar sein -Bankkonto zu- 
rück :elaBen, er ur-ie Itex" fügte sie mit einem zärtlichen Lächeln 
hinzu. Aber das Konto (sie runzelte die Btirn) ist Jetzt ziemlidbti 



auf Ebbe x 



esunkenl ••Nadine", sar:te ich, ich >)in nicht 



reich, aber ich wäre so glücklich, y^enn Sie mir erlauben würden ... 
Sie lehnte jede Hilfe ab, entschlossen zu arbeiten, wie sie sagte. 
Ich bot ihr an, darüber mit Webb zu sprechen, doch da wurde ihr 
Gesicht zum ersten Mal hatt und verschlossen. "Um keinen Prei» 
lieber FreurÄ . Sprechen Sie nicht zu ihm und nicht zu ihr/ davon! 



li 



12. 



Ich fühle -ich unen lieh weit von AtKXMjcxKeinxjatexmkJtloeii solchen 
, , .. ^_^ . zu zu 

herrrschsu'htigen, unrlul.-isaraen rauen, die nur verbieten, reformieren, 

Pro^elifen zn machen wissen . Ich .ccann auf Ihre Unt-rctützung verzieh* 

ten. Ich ill urhoiton. loh habe nich se t zvrei Mona en sehr verander: 

Ich habe etv/as, wae mich hält ... das nicht von dierer Welt ist und 

doch noch 
das ich nicht Gott raatk nu ne^rmen wace . Ich -^ill Ihnen etv/as bekennen 

i Ein -^eil ineine^ ^^eoena st;hnt noch, ein anderer aber ^ühlt sich von 
einer grossen Last befra t und ^jeniesst es, nicht mshr zu leoen ... 
3enug .. Ich v^;ill 3ie licht länger nit meinen An^i^elegenheiten lang- 
wellen! Adieu. - Auf Wiedersehen, imö. ine!" 

Ich s:.h rie aber nicht -icder. Als ich eine Woche drauf 
bei ihr vorsprach, ar sie plötzlich abgereist , ohne eine AdresBe zu 
hinterlassen. Ich ouch' e sie uherall, ich not nichts anderes als Su^ 
chen, unglücklich, vie ein verlorener Hund. An ein r ünermüdlichiceit 
er^-annte ich, dasa ich sie lie'>t8, 13rei Mona e Irüi,- war ich untröst- 
lich, endlich irr^ng mir Vc.n Norden auf der Durchreise in Xew York 
Yon kleinem Zustand beunruhigt, den er dor Uoberarbeituns zuschrieb, 
das Versprechen ab, ihn in Santa Barbara in J^iilif ornien aufzusuchen 
wo seine Mutter ein Gut besätes. 

Van Norden er ;irtete mich am Bahnhof. Er hatte seinen Pari- 
ser Jargon vero» J^^en, seine Krie^rsauszeichnunjen abgelegt, seine hohen 

mit 
gelben Stiefel und das enge Beinkleid gKSKir einem olideren und ^ried 

löcheren Anzug v rtauscht. l^An ^Aeichge|)olQterter, gerüunchloaer und 

vernilbert'-r Wahlen brachte uns zu einem in forasscn zu ^iner 

die 
Schlucht herabfallenden :?arlc, tax rait * inem von ent:lischen Gärtnern 



gepflegten Rasen bodoc t waren. Vor einer Kopie ^f.Tx^^^^t^irr^^m^'^y.^tnsir^r 
±RxMarteHiii:«K.x eines .icleinc in Hortensien eingebetteten rrlanone 



13. 
wur e ich mit Urs» Van Norden "bekannt gemacht« 'ie war eine von 
Jenen unzerstör^bar .n Ajrerikanerinnen, denen das Alter nicht j ariliaben 
kann und die den Tod vor eich hertreiben. Reich und v rwohnt weinte 
sie, wenn die rcervierten Platze im Zug nicht in der FsJrrrtri chtiing 
lagen und hatte schreckliche An*/r>t vor Epidemien und Gewittern» Sie 
nahJü ihr Bad nie anders als in Geenv art zreier Kmmfjrfrauen f lenn 
man konnte ja in Ohnmacht fallen '-'-n^: in der Ba^^ewanne ertrinken« 



rie die alten Tyrannen lieüo sie alles vor^:osten, vorpro'oiercn, hei 






vor 3ie selber davon as:3 oder Gebrauch inaclite» Sie rührte keine 
andere 3utter an, als die ihrer eigenen Kühe, und schickte davon 
auch ihren Freunden, die nach "i-Juropa sich einschifften, mit der Smp- 
lehlunG, ßich vor ien r^ch recklichen fabriaier'.en Giften in Acht zu 
nehnai »xiiusjiÄiixinxnxanxixiiKÄixfiKiiae denen man unterwe^e ausgesetzt ist.« 
Ich muGßtc ihren iiamergrunen Jl.sen bewundern, der, v/ie sie mir 
Eafite: Aus 



A]s "vrir allein olieben, ilüüterttj o e mir zu: "Ich wünndite rehr, 

dass Sie Glarence vor den Frauen vrarnten. "Sie seuf?te: "Sie sind 

unmöglich • Es ist für eine utter eine crosse Genugtuung, einen 

Sohn zu haben, der xmnra^ecljEhiiLfcnt^nc Mreiindan.' xin^kasriaduEtjpriXr rrnxm 

in einer Umgebung gleichaltriger Freunde lebt.,.. Reizende G cell- 

sehr 
Fchafter, auch für eine alte Dajie... Es var falsch, d-sc ich Glarence 

nicht nach Ox.-^ord geschickt habe. 

Aul' recht und graziös glich yio ilarie AJitoineitei 

wenn es ihr gegtiickt wäre, über die .\reaze zu gelangen. Ihre Perlen 

waren ebenso weiss wie ihr Haar, Augen und 3rauen tief schwarz. 



14 



ll 



Im Tjel^rigen ein ziemlich ,ev--öhnl icher Typ*8 einer gewissen 
Schicht nieder 'eutsohen Dürgerturas, der, jenoelts des Atla >tic, 
zur äu^fjerste- Tüchtic-keit , Vollendung und physisch..r Wohlt-halten- 
heit hocheetriehen ^^orden rar. Sehr jung noch, in dem Besitz eines 
groseen Vermögens, von dem xix.mut a-üsm ihr nur die Zinsfrucht zustan 
verstand sie e» ausgezeichnet, au au -eniessen, wobei sie sich den An- 
schein cah, alo lebte sie nur Tür don Sohn. Sie hätte am Liebsten 
Clar-ice 's Mind rjuhridlceit bis au seinen öo. Juhre fUixzJtüBluuaixxx 
aunsedehnt, imier bemht, ito tx Arbeit, Krankheit und Liebe fem 
;:u halten, Ihn vom Leben zu isolieren, vie den beranwaclisenden Buddha. 
Mit mütterlich- r List hielt sie ihn einseschlos^en in einer kind- 
lichen ',76. t von Soiel, von Pyachern für die reifere Jucend und 
fiachti-jen Freunde ch.jf ton. Der -rieg, der dazv/ischentoon, machte einen 

Fti'ich durch ihre Pläne, 

"Der Krieg var eine sehr harte Prü'.unj für mich, "sagte sie. 
•rklB Ilutter eine» riie-ors... " "Ach Ja, Clareace hat wich sehr vernac 
li:-3ist. T.r hat rai h allein gelassen in ^urir., in dieser fremden 
Stadt, llie R-ihe. Die Bonbon, die Berthas ... die i:±iixx vielen gefahr. 
Ich musste mich. nach San Sebastian flüchten. Clarence dachte nlcH, t 
an mich. Er liätte nie Soldat werden dürfen" - "Er war bewunderns- 
würdig ..." -"-^erundorns- ürdig, oh ja . Ich aber halte mehr dtiruuf , 

dana r,i!-n nett zu mir ist." 

:ner Sohn ar zu ihr zurüc^cce'tehrt, emanzipiert, mit 
r.chlechten ?£anieren, endlich er selbst. Aber Urs. Van Norden wusste, 
d-iss di3 Täti:T^'?i' dor Pr .u ein langsuitiee Aushöhlen ist und so 
machte sie "ich go--ort darun, Clarence wiederzugewinnen, wie damals, 
als er Coliunbia vurlasttn hatte. Doch dao Tinte nehmen nrnss wohl 
nicht leicht gewesen sein und sie stöhnte. 



i 



n ( 



15, 

"Ich lobe ja nur für ihn, sa te sie. «einetwe :en hab. ich der 
Veit entsagt (Sie ,-ing jeden Ab nd aus). Es i» cht mir MW^Wl^ 
keinen Spass mehri Leute zu sehen ( Ihr Haus war stets voller Gaste) 
• •• "^ie angelsächsische .Bewunderung für das lilännliche kam in 
ihren mitt^-rlichen '.Vorten zün Ausdruck ••• •'Glareiicc ist so 
hübsch, Cla ence ist eo £at angt^zogen, Clarence ist so sehr Mann • • • " 
mit eine/n Seuf . er fcq5i:e:x:ıÄxhxxxÄ fuhr sie fort $ '»Alle sind sie 
hinter iliiii her ••• die Frauen .iiit den runden Absätzen (Sie wisseni 
dasj man hier jene daiait bezeichnatt die so leicht fallen) iwA 
alle übrigen, llücklichorweise kat- jKa^- ßdnj^asuLibÄxasia ist er von 
Herz und Geist reinlich, Clean ninded iellov^ thatls wat he is • 
Reinlidhk-it vor allE;in, nae^-te sie jait bedeut-araem Blick auf mich, 
als dorn Hepresüntj.n*.en eines sdirautzi^en Landes, eines ..rot sehen 
von ^likroboM verseuchten Gontincnts« 



T 



•* Ich habe eme Ueberraschung für Sie" , sagie nir Clarence 
ag darauf. Das Auto hielt vor einer in einer blinden Mauer ein- 



gclarseaen kleinen Pforte. >:ine v.eissgekleidete Ilcgerin cflhete um 
Die Schv/ester Oberin ist auf dem Pelde des Ueberflus. es, "sagte 
sie. Wir fojL^ten ihr und durchschritten grosf3e, nac/cte, weiss- 
gekalkte Saülc und gelangten aflf ein t^eiter Grundstück, vro Leute 
in Weiss unter Aufsicht der Ob rin, diri ebt.nfalls in Weiss war, 
auf der Erde herunkratzten* " Diese randte sich un und kam uns entgi 
gen. Als sie schon g .nz nahe v^tr, erkannte ich sie, doch nur an der 
I^öte, die ihr Ge icht überflutete, I]s war lladine. 

Sie legte ihre Hand auf nein Her« und sagte eirf ach i 



,o 



Der Tas ißt rekomrien* ! 

"Sie hätten mir wahrhaft ig eine Nachricht von eich geben können, rief 
ich zugleich glücklich und vnitend. ^^ao machen Sie hier I Sie zeigte 
rait einer Bewegung auf den eingeschlossenen :^aum, uf dem Leghorns 
ihre ahrung suchten, -:o 7;eiabe Zie-en zwischen .^^niuchen Gras 
rupften und Rinder und vroi38e Pferde landv'irtnchaftliche Arheit 
verr ohteten, "">ie sehen", nagte sie, "ich r.rbeite nitan Ueu 3parta« 
«Int es ein Klor.tor ?" - "l^in Lalenklost(ir, vo man die Zweilulnclm- 
heilt, wo iaan die Jurch ihren Coldbesitz erschöpften Heichen wieder 

aufrichtet." 

Nadine hatte ihren alten Schvung wieder gefunden, Sie bot 

mir an, mich durch dap> Gut zu fahren. Ich fol-te ihr, ÄJmÜikxrllKH 

Das 
wid rwillig, unzm^ieden, Tc-stimnt. »»Kt^x i^t 1 r Konferenzsaal; 

links der Saal für den Verkehr lit den Oeistern* Ich habe len 
SchlÜBBel nicht, '^Ur die Kuchen, Der Tieister verlietet daa Fleisch. 
Die Hahrungsmlttol dürfen nur i.it Guiornihand schuhen angeiaßst werden. 
Dagegen beiieno mr.n sich bei Tisch nur der ^irg er# Jeder kehr 
selbst sein« Zelle aus, macht seinBeiit. Das ±x± hier ist das Kranken^t 
haus, wo der Meister heilt, die Schule, wo er das Gesetz lehrt. 
Man k.unn übrigens für sein Heil auch brieflich sorgcax. 

Ein hochgev/achsoner, v/ie ein Romanow bärtiger alter 
Mann, von astraler Schönheit, v/ei»er noch als die Tiere, die ihm 
folgten, kreuzte unseren YJeß. Er begrüsste mich, indem er, \m 
mit dem Inneren 'Yesen in Berührung zu kommen, seinen Kopf an meine 
Brust legte, dann entfernto er sich ohne ein Wort gesprochen zu 

haben. 

Als ir allein gehlieb n v;aren, fasr.te Nadine meine 

Hand: "Seien Sie mr nicht böse deswegen, " sagte sie sanft, "So 



I 



17 



"So erklären Sie a ch doch ..." . "ich würde es Ihnen sagen, wenn 
ich Sie nicht schlecht aufgelegt sähe ... hören Sie, Ich musste 
fort, der Dr. Hägergross, der diese Anstalt hier gegründet hat, 
ist ein Vetter meines Vaters. Er hat mir seine Gastfreundschaft an- 
geboten. Ich habe mich hier aus Armut Kfaqfwashimnaar zurückgezogen 
wo die anderen herkommen, sich von den Ausschweifungen des Reichtums 
zu purgieren. Ich habe durch meine Tranen hindurch richtig gesehen. 
Ich assistiere dem Arzt, den wir hier den Meister nennen. Der mensch- 
liche Schmerz wird hier besänftigt. Ss gibt Heilungen, wunderbare so- 
gar. Ich pflege die Kinder und die Kranken. Seit drei Monaten bin 
ich nicht mehr hinausgekommen. Sie lächelte voll Güte. Ich habe keine 
Wohnung mehr in New York, kein Bankkonto, keine Toiletten - nichts. 
So ist es.." 

Ich war nicht sehr überzeugt. Vor Allem dieses Weiss und 

diese Salbung stand ihr nicht zu Gesicht. Ich tat so, als hätte ich es 

eilig» "Van Korden er artet mich", sagte ich. 

"ich bin erstaunt" sagte sie boshaft, "er komrat alle Tage h 

her und scheint sich doch hier sehr wohl zu fühlen ?" 

"Kommt er Ihretwegen ? "Wegen Rhoda" . 

"Rhoda Ha«? Unmöglich !" . "Ja doch. Rhoda war sehr herunter, hatte 
allerhand Schwierigkeiten. IVir haben sie wieder aufgerichtet. Jäger- 
gross hält darauf, schöne Frauen hier zu haben. Er vertritt Ja auch 
ein Prinzip der Liebe. Auch Rhoda durstete nach Armut. Sie hatte " 
soviel Geld verschwendet und das nahm ein so böses Ende, dass ihr ali 
les zum Ekel wurde. Sie, die einst so leichtsinnig war, führt Jetzt 
ein musterhaftes Leben« 

"Und Van Norden liebt sie ? " • »tvon yifsy^A^^ 4^4. 4 

r • van Norden ist ein verwöhnter Jungt^ 

er war rorsich ig, in der Wahl seiner 



18. 



Eltern, '^r weies nichts was er will. JöckxitausacxMai Nur mag er licht, 
da83 man ihm widerstehe, *♦ - Aber "^ie, Nad-ne, Sie wollen doch v/ohl 
nicht Ihr Leben in Neu Sparta besdi liessen. " - "Warum nicht ? Jeden- 
falls iabfÄX±Kk werde ich v n hier nicht fortgehen i bis raeine La- 
ge nicht endgültig geklärt ist. 

"Was meinen Sie damit ?" - "Nun, sagte iie ruhig , "meine Scheidung"** 
Ich sah sie an» so erschüttert, das ich kein Wort fand . Sie wurde rot 
wandte den Blick ab; "Die Scheidung hindert mich nicht., einem Anden* 
ken treu zu bleiben ... Der Meister hat sehr dar:.uf bestanden. Er lehrt 
die Mystik der "^'reiheit, der 4 Leere , wie er sich ausdrückt. Ich habe 
lan,-^e dagegen gekämpft, aber er sieht einen an mit seinen blauen Augen 
den Bart in aie Luft, mit seinem Gesicht eines chinesischen Weisen ^^ 
und man ehorch* • • • 

"Wie sind Sie yorändert, Nadine! (ich swiyWniw wollte ihr etwas Unan- 
genehmes sagen ). Ich finde Sie sehr obenauf und ... rerjüngt. Schreck 
lieh verjüngt. " - -'Sie sind es, der so verändert ist ", sagte sie 
ärgerlich, "zum Glück fand ich hier einen neuen Freund, einen erge- 
benen Kameraden, einen bev/undernswürdigen Mann. Sie werden ihn kennen 
lernen. " Der Alte ?" Nadine sah mich von der Seite an. "Er ist Jün 
ger, als Sie denken. >:ir ist ein Heiliger, ein Muster an linfachheit. 
Er wird hier mit Geschirrwaschen beschäftigt". - "Und was finden 
Sie daran so Bewundernswürdiges ? " - "Wieso ? Es ist ein spanischer 
tJtlt^fBos, Aristokrat. Er hat auf Kuba gekämpft, später sich der Mathe- 
matik gewidmet, ist ein richtiges Genie. Der Doktor, def ihn auf 



einem raotaphys 



Kongress kennen gelernt hat ••• " - ich unter- 



drückte ein Lachelnv " diese Mann r von so umfassendem Geist teilea 
nicht ihre Ueberlegenheit für das Unsichtbare. )er Doktor hat ihn 
überredet, nach Neu Sparta zu übersiedeln. Er ist ein Arist krat. Er 



) ' 



/ 



19 



ist der GroBsmeister einer ^yyig1r1rygte±fc in Europa sehr bekannten 
Gesellschaft, die nur aus Edelleuten besteht. "Des I^ltheserordens ?•• 
"Ja, ich glaube." - Und IJadine fügte stolz hinzu; "^nd ein Vetter 
des Konica von Spanien". - "Wie heisst er denn ? - "Es ist der 
Herzog von Antifer ... Ich aber nenne ihn meinen Bruder.. 

Das war zu viel. Ich ging Van Norden aufsuchen. 

Zusammen fanden wir I^oda im iarten, wie sie Holz spaltete. 
Sie kam uns entg gen, indem sie auf ihre lüiie blickte, als wäre sie 
von ihrem eigenen Daherschreiten berauscht. (Sie pflegte zu sagen; 
Wenn ich sehr traurig bin, betrachte ich meine Beine). 



K> 



Herrliche, ungezuckerte ">ucht Kaliforniens, das derglei- 
chen in überstrüraender 7ülle zu ver3Ch^^enden weiss, so schön, dass 

sie sogar das Beiwort vollkommen vertrug, das gewöhnlich auf seinem 

Andere 
Wege alles zerstört, akrobatische Phantasie der Vererbung, , ein 

Exemplar, in dem die Natur s ch selbst übertraf., liess sie mit 
Heue und Sehnsucht an die verschvjundenen Preafiaraitischen Ge- 
schlechter denken. 

Sie machte einen Angriff auf Clarence , in einer Weise, die 
sorB t die Männer vertreibt, sie aber hielt sie für besonders geeig- 
net, um ihn damit festzuhalten. Durch Vorwürfe nämlich« 
"Ich habe Sie gestern vergeblich erwartet, wo waren Sie" ? Sicher- 
lich sind Sie begeistert und sentimental mit Karoline oder mit Inei 
Stuart spazierengegangen. "( Der -^oktor v rwendete Rhoda zum Vertei- 
len von Propagandaheften in Santa Barbara, wordurch sie die Mög- 
lichkeit hatte, van Norden zu überwachen.) 

"Liebe 1430 " antv/ortete Van Norden, die Pensionäre von Neu 
Sparta hatten keinen Namen sondern nur eine Numer wie die Solda. 



2o 



ten, die Parfüms und die Kaiser in der Apokalypst« "]Rhoda sah ihn 
mit Augen an, wie sie die Schönheit auf den riesigen Heklaiueplakaten 
hat, Augen, wie gemaltes Papier, die nie zwinkern und in deren Tiefe 
nichts ist». Ein offenes Fenster gleichsam auf dem blauen Himmel 
einen einzigen Ausdrucks,, 

Wir begegneten dem Meister, l^r wa* wohlbeleibt , trug 
einen Schnurbart, hatte kurze Arme und war grob zugehauen , wie 
ein Gott des Kreuzwegs.. Obgleich er 60 überschritten haben mochte, 
mußste man ihn wohl Jugendlich finden, nachdem er einem versiehe rt 
hat, dass er 125 J^^hrc alt werden würde. Er begrüsste uns wie ein 
Abt eilungs Chef und sagte: "Seien Sie hier willkommen, verirrte 
Schafe". Dann kiuuDCKxxiuiK entfernte er s ch plöt/-lich und liess 
uns erstai nt zurück. Einen Augenblick lang e^^^'og ich in Neu Sparta 
einzutreten, doch der neue Ltgurg hatte sein Institut auf geschäft- 
licher Basis be:ründet; Auf d-as Leben verzichten kostete 20 Dol- 
lars tcvglich, as meine Mittel weit überschritt. 



Die folgenden Tage verbrachte ich damit, den dringenden 
Rufen Nadinens zu ^"iderstehen. Hatte ich ein weniger gutes Gedächtnis 
und mehr Eitelkeit bes ssen, so hätte ich mir wohl einbilden können, 
ich wärde geliebt • Ihre telefonischen Anrufe jagten mich den 
ganzen Vormittag irane r wieder auf. 

"Kab ich Sie geweckt ? ... 7'a3 für eine prächtige Sonne heute. 
Sehen Sie doch nur dieses riesige rote Gesicht« Man konnte meinen, 
dasB sie die gfinze Nacht auf dem Anstand gelauert hat, um auf diese 
Stunde zu warten." Hinter diesen nichtssagenden Worten glitt Hadine 



21 

heran, ^le eine Natter In der Wiese. Ich spürte sünEraaaiDndhüiQSntÄßmiaaxm 
HÄi^^dimaiixjaMirdudaMix " wie sie sich aus der Entfernung heranschlänijel 
te. "^/ie komisch dieBer unterirdische Draht, d^x Herz mit Herz 
ver'binlet» Ein^^s Tages wird man vielleicht von hi r nach uuropa tel 
lefonieren können , -*in v/crden dann keine Ausrede mehr haben dafür, 
dass Sie mich v Tße^Ben.... 'vuf die^e Weise fuhr sie mit ihrem Sammt- 
pfctchen ü"ber meine kaiora geöffneten Au^en. Auch am Abend ging ich 
nie schlafen, ohne ihren Segen empiangen zu haben« iJennoch fand 
ich loo Vormnde, um ihren Einladungen aus dem Wege zu gehen. Ja, 
es machte mir sogar ein hinterhältiges Vergnügen, Iladine zu enttäu- 
schen. Ich verzieh ihr nicht die Gleichgültigkeit, mit der sie mich 
in New York verlassen hatte, mehr noch, ich hatte etwas ße^en dies 
neue Wesen, das sie gev;orden war, von einer Güte, die nicht aus ihrer 
Hei(^ung stammte, sondern glelchsf^ra beruflich war • und ohne Gedächt- 
nis für eine Vergangenheit, di^ ich liebte. Aber einem Glauben bei- 
zutreten, hiess das nicht, alle anderen B nde zerreissen, neugeboren 
zu werden und w ar Hadlne denn nicht in ein Kloster eingetreten ? 
Dennoch spürte ich, dass dif^se Zurückgezogenheit nicht lange dau- 
ern vrärde und in Vielem jenen Zeremonien des Japanischen Harikiri 
glich, ^ie nicht mit der Execution schliesst, sogar das \7ei88e Ge- 
wand brachte mich darauf. Nadine stellte sich tot., eine Tote, die 



m 



it halbgeschlossenen Augen ruht und die bald rosiger noch zum Leben 



erwachen würde. 

^och indcsren sprach sie durch* s Telefon. Und wi« gut 
sprach siel Köstlich, d'ese öaftvoUe Rede, die schöne, et^vas rauhe 
Stimme, reiche die Betonungen haften, tönte IIb ss • Ich glaubte, die 
bezaubernden Forte, ^ie s e sprach, waren, wie sie kamen, mit der Hand 



\ 



22 
zu reifen« V/as aolltei die^e Bezauherungeni was wollte sie von 
mir ? om mich einfach zum V' rcnü;ien t??! aderzuhaben ? Oder auch aus 
GrelZf sich nichts entgehen zu laso n» Um diesen Franzosen v/iederzu- 
erwischen, der ihr e nmal in uropa nützlich sein könnte, oder je- 
denfalls eijjen bequemen Vertrauten hier in ABrika zu haben, wo 

die Zeitungen, die Genpräche, die Horzen ^'ohl den Eisenbuhnkatastrophen 

gegen 
den Selbstmorden aulgeGchlosoen tslnd, a.bc;r rerschlossen den kleineu 

1 ingv/eili{^en Aer : r, das Kleinceld unserer" europäi rächen Leoens. 

brinr^t 
Dieses Kleng Id Inrsty*^ man überall den Franzosen entgegen, deshalb 

v:ar auch mir v/ohl die lächerliche Rolle des Beichtigers zugedacht» 



11 



In Santa Barbara musste ich sogar Van Norden die Beichte gtb- 
nehröen« Im Lauie der Tage setzte er mir die Gründe auseinander, 
aus "5^ eichen er hoda nicht, Hhoda doch, Khoda nicht mehr heiraten wol- 
le* • De» x'ichtiz^te/i Grund, den er vergacs , v;ar v^ohl , dass seine 
Llutter dieeer Heir.t durchaus abgeneigt w^p^ Ich hatte üb^r die Uh- ^^ 
abhängißkeit der Amerikaner gegenüber ihren lültern sehr fertige 

und falsche Vorstellungen. Ich hatte die Hemmungen, die auf diesen 

von ihrer frühesten Jugend an 

I^ann».pn lasten , aus einem Wort erraten müsset, mit dem Van Norden 

ajB Häufigsten seine Sätze begann; "Mutter". Ein Wort voll Acht-ung 

und Unterv/erfung, das die puritanischen iQe-nbürger ähnlich :vie ihre 

grossen Vorfahren mit biblischer Salbung auf ihre Gattinnen über- 

''lagge 
tragen; "Mother*. Statt der Sterne raüsst die KäMÄK dieses Landes 

den Llond tragen, das Elmblerae der Prau^ der ÄKfcttK nährenden Qöttln 

der Fruchtbarkeit dieses Landes, ohne alte Jungfern, o ne Prostituier 

te, voll Milch und Blut, wo die Frau abgeschieden unter den Männern 

die einzige Erinnerung an das frühere Vaterland bleibt, der kost- 



bare IiJutterstamm künftiger Welten. 



4l 



23 



Die TerasBe der Villa dehnte sich bi. an den Rand de» i«x««xX«act^ 
lee en Raums. Zv^eih^ondert i'uss darunter rinß der grose Orean an. 
die Ausen blendend vae ein Nickelbad. frischen deri Schlucht und dem 
Heer, sah nan die Stadt von '!en sctaarzen Anphaltstrarsen gestreifit. 
Santa 3ar.,-.ra :ait seinen we nsverputzten Ilausern den orangefarbenen 
^^t,a^.^^n^ Jalousien, mit seinen hol.vo^gitterten Fen.tem, 
die an Spanien erinnerten, war noch von grossen Lundgütern umgeben, 
und die hohen rotr ipfeligen Pinien waren noch zahlreicher als die 

l;ekla/fieplaicate. 

Clarence, die krti^ hinter dem Kopfe gekreuzt, gähnte. 
Eine der Türen aus Drahtgewebe, die das Innere der Villa gegen die 
K;.cken schützte, vmrde geöffnet und ein koreanischer Boy in einer 
Plud. rhose von r^a Pongee brachte Erfrischungen.. 



lUngekleiJut zwiochen der Mutter und der Geliebten, 



Aach- 



te ich, das Opfer des einzig mö^ichen ünglückfalle auf dieser 
fe.'lenUert.n Stra.se , die ihn zum Tode fuhrt, gibt «b für ihn 
kcinenanderenMüsixötk^tt möglichen Ausvveg. als .u.zuwandem . 
-Van IVorden lie.s seine Asche in den Schoss fallen. In einem Zu- 
Btand völliger Schlaffheit, die wed- r durch die Hitze, noch durch 
die üuhe.tunde, noch durch das leichte Wiegen unserer HK,HKt«Kxx 
an Ketten hängenden a.rtensofas ganz gerechtfertigt schien, üeber 
uns lastete eines Jener angelsachsischen Schweigen, die nicht wie 
bei uns kurze Atempausen des Gedankens sind, zwischen zwei rhetori- 
sch-n -endungen, son lern eine beredte Stummheit voller Bekenntnis- 
se. -Vas soll ich machen," iragte er endlich, l^oda ist köstlich 
aber ete ist nicht die, auf die ich gevartet habe. B. ist nicht 
die grosse Liebe, iie une eines Tages packt und das ganz. Lebea 



24 



dauert, "Liebop Freund" 



antwortete ich, "Ihre Melancholie hc^t 



mit Hhoda n44ht3 zu tun* nie otammt daher, dass Sie träge sind 
in einem Ixind, wo es niemand ist» Ich kenne Ihr Uebel - 3ie werden 
in Luropa enden* 



^ 



^ 



Ich war auf Ehodas i3itte gekommen und sehr gespannt. Ich 

mochte ihr doch den Dienst leisten, schrieb sie mir, bei ihrer 

Einweihungszereraonia 

a^t yYy t uy g gY eLiHHtK zug.gen zu sein. Die Anwesenheit eines Preü.den 

v.ar rituell vorgeschrtiben und sie habe nur zu mir /rtrauen, 

IJaJine habe ihr geraten, mich einzuladen und sie meiner Diskretion 

versichert. Vor allem kein Wort darüber zu Van Norden* 

Ich wartete eine Stunde vor einer verschlossenen Türe, 

Auditorium 
über velclB r das Wort "A¥XMIfÄrIia" zu lesen war* Erst wurden 

einige kompakte Gruppen Jener farblosen Leute hineingeführt, die 

man in den Museen bei den Gruppenführungen und auf den Postämtern 

lange Briefe schreiben zu sehen pflegt* Um 10 Uhr vmrde die Türe ge 

öffnet und ich trat in einen dunklen Saal, der voll von Menschen 

var* Auf einer Estrade stand die ausgeschnitten« ir^hotographie 

des Meisters in Lebensgrösse; an den Wänden symbolische l^alereien 

und Kopien von Botschaften aus dem Jenseits, die von den besten 

Geistern aller Zeiten st^immtea. Der Meister erschien als JJagiar 

verkleidet und stand rosig und rund zu Seiten seines grauen 



und flachen Kort erf eis. Er liess seine Hede über die Liebe los 

. ; , . t - / V fr 4 ^ 

die von Zauberformeln und magnetischen begleitet war» den Gebärden 
in den methodistischen Negerkirchen ziemlich ähnlich* Man sang eint 
Hymne an dit r.oralische Schönheit* Dann otie|{ ^-hoda auf die 
Estrade* Sie hatte nie so blass ausgesehen, als in diesem Augen- 
blick, wo sie sich zu ihrer Heilung bereitete* 



- ii 



25 

"i>ie Liebe ist alles"" die Liebe i st die erhabenste Xur" sprach 
der Doktor, indem er ihr die Hände auflegte. Rhoda Sc^h uns mit trau- 
rigen, schläfrigen und phoaphoros-ierenden Au^en an. Sie, lie Fraii 
der ift 150 Toiletten trug eine einfache, weisse Tunika, in der sie 



aussah, als hätte man sie bei einem Erdbeben aus dem Bett gKki 
getragen, "Sprechen Sie", sagte der Meister. Aber Hhoda sprach 
nicht. Ihr Inneres fand keinen Ausc^nc Obgleibch die Orgel, der Ge- 
sang, die Dunkelheit alle« sie dazu anregte. Sie machte kein Be- 
kenntnis, sie entkleidete sich nicht, sie gab kein ^I^eheimnis von 
sich, Ihr Herz öffnete sich nicht, trotz der Bemdhim^en unserer Sym- 
pathie . Vergeblich bewegte der Meister die Finger in der Luft über 
I^odas Gesicht. Sie blieb ötumia. Vergeblich xtKfcJOCtxsrfÄ nannte 
er sie "junger Saft", rief er sie mit einem fordernden Zeigefinger 
mit dem Titel '»Heuer Y/ein" ün. Kr demütigte sie, behandelte sie als 
klein und erbärmlich oder auch er schmeichelte ihr, im^em er sie 
blendenden Schnee nannte; Es half alles nichts, lihoda wurde fahl, 
bedecicte sich dus .esicht. Man sah von ihr nur noch das hellblonde 
Haar mit dem dunkleren Scheitel in der Mitte, v;ie sie vor innerer Bewe 
gung erschüttert wurde. Sie zitterte vor Drang sich auszudrückent vor 
Scham , es nicht zu vermögen* Der Meister versuchte sein /uisehen 
zu retten, indem er erklärte, die Patientin habe eine viel t^rössere 
Seele als unsere und dass nur ler Kontakt nicht funktioniere. 
Er überragte die zusaimnengeklappte Frau mit dem Gesicht In den Hän- 
den, die Hunde auf die iCnie gestützt ... plötzlich >)rach Rhoda in 
Stöhnen aus. Sie richtete sich wild auf , warf ihren Stuhl um, sprang 
von der Estrade herab und entfloh heulend. Frauen drängten hastig 
hinzu. Der Meister hielt sie ab. "Lassen sie sie, ** schrie er, "die 
Tränen sind das schönste Licht. 



ii 



26. 



^ 



In 7Tal>,dunicel Uhlte ich mich am Arme ergriffen. Nadine preas- 
te sich an mich» 

"^''ollen Sie mortren Ahend um sieben Uhr zu nir koinaen ?" flüsterte 
Bie mit tiefer, belegter Sti/.-irae, mir zu. Ich war durch da^ eben er- 
Idot» Schauspiel dtrmabsen verwirrt, djisa ich zusagte. 

Am Abend darauf trat ich in iiadinens Zelle ein. Ich fand 
ele auegeru]it, zutrr.ulich. Sie streckte mir mit einer sanften Gebärde 
beide Hände entsejen. Sie heftete ihren Llick auf mich, ich wandte mich 
ab. ... ,elang .ir, die einfache her.Sh-'jSüSSJ Haltung 
die ich mir urecht elegt hatte, zu bewahren. 

Sie aenJcie den Kopf in scharmanter Melancholie, schwarz 
und weie.3, auf Jaa da^ ganze Zimraor a^-estimmt war. 

"Tias int nchlim^i ...» oagte sie. - "vrie verführerisch. Wie hoch stand 
ÄlancSraztBx ihre -rrazie über dem Char.ae aller andern. 
"Ich. Ue .0 Viel aur Sie hielt ... Sie allein hätten mich be- 
rreifen mLhaen !" - "loh bin in .0 .-uter Stim^uung. dass ich mir alle 
Ihre Vormirl-e gerne gefallen lasse", sagte ich. - "Und ich bin trau- 
rig, ich fühle mich dumm ... ich hoffte, dae Sie mich verstehen wür- 
den. ..." Ich lachte laut auf . «ich nchmeichle mir. alle» zu 
verstehen". . Kannte ich sie nicht schon s eit lo Jahren f Ich 
erinnerte mich an die exotische und bezaubernde Art. wie sie xalch 
einst in ihrer Pamilie eingeführt >inf fo -^^ 2 . . 

ihres T.""^'"'. '^^^^ -it -def Senlelkse? T "'' ''^ "°^ ''' ''^^^ 
xhres kleinen Hauses in Eronx entcegungekommen . -Von allen seinen 



m 
fei 



Freimden 



hat Ifex Sie am Liebsten. Seien Sie willkommen! 



ich sehe noch ihren niedlichen oeoterreich ochen Knlx, die Fülle 
Ihres welllcen schwarzen Haares, ihre flachen Augen und das orientali, 
sehe ihres Teints. ^le^h^Ue mich Injien^ Salon .^eführt, wo die Fa- 
milie Salomon Im Kreise d«J«-e. 'hatte'' mich au/'^rt* Jüdisch 



^1 



27 

ihren Vcrvmndten vorsestelltf indem sie beide Hände des Betreffen- 

sehr 
den in meine lecte, ^7ie gefiel mir diese rituelle Creste, dieses 

hohe Lied mitten in ITew York! Ich trollte mich aber nicht meinen Gre- 
fühlen überlassen« ':ienn mir Nadine einmal gefallen hattet Jetzt liet 
te ich sie nicht mehr« !• h blieb auf der Hutf i h mag nicht d ese 
an :GlGächsische Art, gleich wieder zu s in» als wäre nichts geschehe 
- - und v/ieder Yon vorn anzufangen« Sollte ich wieder anfangen ? 
Nein ! Ich wollte nicht! ^ebrigens haben meine Liebesabenteuer mit 
dieser Geschichie hi r nichts zu tun* \Jenn ich dar .n erinere, so ist 
en nur, v/eil es Nadine in eine interessante Beleuchtung setzt« 

Sie such^.e neine Augen. Sie kam mir entgegen - ich 
wandte mich weg und ging im Zimmer herum, während ich unge.wungeni 
weitersprach. Ich hatte dabei einen einfachen, heiteren, kaiaerads 
schaftlichen Ton/., der sie reizte. 

•♦v:as seh ich da« Z'in P.checkbuch ? Blumrn. Einen Steinway ? Bas 

'Vohltuende 

lass ich mir gefallenl *• - Sie zuckte die Achseln« jUixsoi^ltt^BxAB 

Septemberkühle « :)er ^71nd von der See hatte sich mit der Sonne gelegt 

und eine feierliche Ruhe stieg aus der Meereslandschaf t empor, 

die während des g nzen Tages erregt, gefaltet .nd geschrumpft war« 

Nädine schien mir anbetungswürdiger als je, aber ich versteifte 

mich darauf, durchaus im Besuchston zu bleiben« -ie sprach dumpf, 

liess hie und da ein Vort fallen - ich dagegen reag erte 

darauf klar, in vohlgeformten Sätzen« Was sie am meisten ärgerte, wai 

dasjich lachte« Noch nie habe ich so viel gelacht. Meine Aktien 

stiegen mindestens auf 200. Ih^ Unbehagen ma hte mir Jetzt 

prickelndes 
ein besonders tacfcxaactex Yergnüj^en. Sie streckte sich hin wie für 

eine orientalische Siesta • ich nahm einen Stuhl« Sie legte sich 

ich blieb aufrecht« Sobalfl sie eine schwere Pause einschaltete, 



28 



schneuzte ich mich laut, - 



Man "brachte Früchte, Eingemachtes. Eis , - "Ich dachte, 
nie cpelsen geraelnr:am alt den Anderen," sagte ich. Cie bot mir mit 
c^er .Bewe-juns einnr Her^stgöttin eine schwere Traube an, ich bedien- 
te nlch mit KäeeJcuchen. 



■Die Hacht war bcrei s längst herabgesunken und ich setzte 
diceef5 Spiel noch immer fort., "ch machte mir nichts daraus, sie 
ausser sich zn bringen - im Gfegenteil» i;s machte wir noch Vergnügen. 
Ich hat+e dns Uebercewicht. Ich sparte förmlich, wie aus meinem Körpe 
mimen .^iniem , meinem Kopf e ineMxgÄxüa; magn tioche Kraft 
strömte, die vor mir herjagte, mich mitriBS, sie verwirrte und meinen- 
aiiöbon auslieferte. Mein 'Ville cing durch das Ziidmer. Ich war im 
Verteil! .uies becr.instigte mich. Ich wu«8te, dass Jetzt niemand einti 
ten, das Telefon nicht klingeln, kein Boy sich in de. Türe irren 
w rde, 

"Ich möchte go gerne reisen", iuhr üie foxt, oier besaer noch 

in irgend einem ganz alten Land mich niederlassen, irgendwelche unbek 

kannte Winkel Frankre chs kennenlemon, mit einer Holde , auf der es 

spukt, in einem al en, verfa-^enen Schlosse wohnen ... 

" Ifrin kann sich da«? für 5oo Jollaro s«hon leisten^" . 

'"^ie erhob sich." In der .erführeriochen Dunkelheit konte ich 

kaum ihr weisses IQeid wahrnehmen.' - . Sie spielte eine Fuge 

von Bach. Der Steinway hatte einen gedämpften, erstickten, '.erfäng- 

lich-n Ton. Doch ro ald man sich entlernle, nahm ..r an laang zu, 

wie ein guter Schauspieler, der sehr leiae sprechen und doch überall 

gehört v-erden kann. 

"Spielen Sie was anderes", Hie wissen doch, das3 ich Brahme nicht 






29 

ausstehen kann, sagte ich, um sie zu ärgern. Nadine klappte 
das Piano zu mit einem trockenen Knall. Ss war Isereits so linster 
dasß 6*3 mir vor den Augen fliinmerte. Wir waren für einander un- 
sichtbar, 8Cheirt>ar träge, aber in bedanken ausserodentlicÄ 
lebhaft* Irgendetwas sackte mir, daos ich am Ende meiner '^ual angele 
sei, d^BS sie sich nicht wehren vrurde. Das v/ar von ihrer Seite kein | 
Ilerausford rung mehr, das spürte ich. Bedrückt, /erbittert und 
voll verhaltener Hingabe war s e zu allem bereit. Mir üchwindelte. 
Ic^^ stieg aui tausend. Wae dann geachli, war vielleicht sehr natür- 
lieh, io h wenn ich jetzt nach oo langer Zeit darun zurückdenke, 
x:onn ich diesen Augenblick imZusaüirB nhange mit meinen Beziehungen 
zu Nadine xxKtXKX bringe (»aEtiiiEx idi brauchte 20 Jahre uiü sie r 
tig k'^mion zu lernen) scheint er mir doch sehr auserordantlich. 
Lieb' sie mich ? Sicherlich nicht 1 Hatte sie ein Vorgefühl, 
duss ßie iiich einmal brauchen würde ? Hein ! Sie war klug, aber 
ohne Intuition. Mie coli ich mir al.o den Zustand, indem ich sie 
da sah, diese Art von zärtlicher Haserei erklären. 

Ich konnte sie nicht mehr s h^^n , aoer ich hörte ihren 
Atem. Ich fühlte, dass sie vor der Ilervenkrise Iloh, wie ein 
Tier vor dem Gewitter. Sie näherte ihre Hand, ich zog meine 
zurück (recht so, dachte ich , die Strafe hast Du verdient!) 
Mit zurückgeworfenem Kopf versuch e sie mein Haar zu berühren. 

Ich hatte eine versonnene Haltung anjenomrnen, voller Abwehr und 

dabei 
Diskretion und betrachtete ganz kühl, das Losbrechen der Sinne, 

die s e mir entgesonschleuderte. 

Sie zitterte, /asser sich. Ich sah, v^ass sie eine grosse 
Anstrengung machte, um sich zu halten, zu verbergen, beherrecht 
und versucht zugleich, wie sie war. Plötzlich s nk ^^ie in die 



3o 



Knie, Ilr v;i erstand war zu Ende« "Take me" rieg sie^ mit veroagen- 

der Stimrae, "Du ß4:;hst Ja, dass ich dein bini " 

Ich hai: ihr, sicli aufzurichten, ich hielt sie in meinen 

Armen, -runken von dem Augenblick, von Glück überflutet > bestrebt 

llinnte 
diesejlf Moment zu verläng'.^rn • Ich ve lor nicht den ITopf . In dem 

sicheren Gefü 1, dane es kein Zufall war, ^ondem diu rechte Stunde, 

die Krönung alle^^ meiner Bemühungen, hatteich nicht den Wunsch, 

unmittelbar den gebotenen Vorteil zu nutzen. Ich hatte die Kraft 

meinen Sieg noch vollständir;:er zu wünschen und nichts von meinem 

Glück zu verraten. Tie hing an mir wie eine Tote. Ich machte Licht. 

"Ich komi.ie morgen \riod6r, " sagte ich. Kaum hatte ich das Wort ausge- 

da 
ßprochen, aci^xxish fühlte ich, dass ich zu v/eit weg war« Das Licht 

das pl'itzlich d 'S Zipuier durchdrang, machte der Komödie ein Ende • 

In einer Seku de hatte -^^adine sich wieder gofaest. Sie antwortete 

nicht, beleid '2:t blieb sie aufrecht stehen und axidte mir äien 

Rücken zu. Nach diesem Gewaltausbruch blieb jedes auf seim r 

Stelle unbeweglich. Ich glaubte, meinen takti^^chen Fahler noch gutmacOl 

chcn zu können« Ich tat einen Schritt vorw^lrts ... sie v/andte sich um 

fasste mich scharf ins Auge und schrieii "iasif^en Sie nichl" Ich 



II 



i 



trat zurück und setzte mich 



in einige Entfernung. Ich war 



nichts mehr V/ert« Ein Ding, das man auf der Strasse hand It! Wir 
blieben schweigs::an, erstickt« IMdlich wagte ich mich wieder in 



ihre ITühe. 

"Sagen Sie mir doch irgend etwas, Nadine" flehte ich« 

Sie sah mich an iJind sagte plötzlich, ganz V/eltdaioej "Ich freue 

mich sehr, Ihnen mitzuteilen, dass ich mich mit dem Herzog von 

7\ntifor verlobt hr^-be! " 



31 



Dritter 
1929, 



Teil. 



in weissen 
Mein Wacen hielt einer Txttsx und Öden Strasse des alten 

Verr,ailleB, vor einem dieser alten Hauner, Anbauten des SchlosseB, 
dim einst von den Leibo-ff izieren , rag« , französischen Garden 
tewohnt waren .. Lakaien in flof arV.ener Livree, mit silbernen 
Sclmillen, halfen mir meine Sachen ablegen und üüer-abcn mich einem 
Cro33artisen, en^Ü^ch gekleideten f - anzörisdien Hofmeistor. 
Dieser öffnete mir eine kleine nchlachtengalerio, eine MiniaturBpie, 
gelßalerie , liesn mich eine v;inziGe Kapelle beschreiten, deren 

""^ dMahKnu^a ein roslces 



<i».«llll.-l.%» f«'« 



Decke ein asDkxamiiKiracMcnxnxäiSÄKr 
nytholocisches Gedränge bildete, und brachte mich in eine Biblio- 
thek, in der alle zngelaesenen Dichter irr Kalbsl-eder in Ori.-in.a- 

' ü/,^■5-.>r sah lEh; man einen 

la-ilbsitederbänden dastanden, ^urch die >'-^«*^r^=^^fS " ^^'^^ 
beiaoste Stufen, sanfter Neigung 2U ecometrisch/;^ Jasser ehültern 

hinabsteigen. 

"Icli bin entzückt, dans Sie zu Sssen '^ornMen konnten . Wir haben uns 
viel ÖÄttX häufiger in Ne^ York esehen, als im srhönen P ankreidi, 
wo -."ir jetzt bei le wohnen ! 'A'as darf ich Ihnen z-om Trinken anbiet n ? 
Van ITorden, der sich vor einem alten Kamin aus gelbem Ärraor 
rärmte, 9trecki,e mir eine heisse Hand entgegen, und Hess mich in 
ei» r galanten , 'Chön cefchvunGenen «ergere Platz nehmen j 
"-ünachen Sie etwas Portwein ? \Vo h£iben Sie den Soinncr zu-ebracht ? 

Van Norden sprach lieber französisch als englisk . -in lang- 
8r.mes, gewähltes, sehr betontes Französisch, das, wie sein Haus 
mit AxKlukimBn Altertümern möbliert war. Sein prachtig gewelltes 



I 
I 



fi-t^-ii.' 



32 



ging in Grau üb-r 1 Sein grosses einst glattrasi«- tes, j- tzt von 
einem ^deinen Schnurbart -eschmücktes Gesicht, T^ar citwas in die Brei- 
te zeßrngen, seine Ilande, die er gefaltet hielt, v/are.i von bischöf- 
licher Würde« :":iine zartfarbene Kravatte entstieg den weissen seidene 

lait der D.irnjmaschine 
Hend* Er hatte die v/ie aus Zinkblech liyfltxacHiXKKh jearbeitetea 

gearbeiteten Abzü^je ab.elogt und trug jetzt gee3chineidige Stoffe, 

von ]^;!ttropä in ehern Schnitt, Vo:n dem Ler.onden Flieger und netten Barsch 

Gehen, den ich zehn )toT 10 Jahren nr.ch dem Krieg kannte, war nichts 

nehr übrig. Seinem Vergnügen lebend , nach der Jahreszeit wie eine 

^ R, '^' 1" e 
Schwalbe, CTX ^r ioixabcaxsai^lCRxBBUc seine Zuflucht in :1er: sanften -^urc 



pa gesucht, ohne seine Mutter zu verlassen, die er nicht liebte 

und obne eich von Rhoda zu trennen, die er weder zu heirc'.ten noch zu 

verlassen e ch en:6Chliesren .vonnte. "Keinen Duret," wirklich. Dann 

erlauben Sie mir", 

"Ich kannte sie, als Sie nur .anser getrunken hat'ce]g,Cle.rence. " - 

"Ja", aber das war vor der Prohibition." - "Br schenkte 3 ich mit sanfte 

Btwegungen zu trinken ein. Ich musste denken, c'ass ^ie Handhabung 

einee Polo^ammcrs, eines Goll'clusbs seine einzige BerVdirun^ mit 

der r- uehen Wirklichkeit bildete, die einzige Beziehung, die er noch 

wit Her männlichen Kraft aufrecht erhi -lt. o-echs Ilonatc im Jahr 

Räumen 
lebte er in Vo->-saillen , in diese» erlesenen und veralteten M1±±kä 

voll verblasster Dinge und die a,n^eTen sechs Monate in - itibes, 

d e Au-en zura Himmel gerichtet, au?^ Anf^a vor einer V/olke , die ihn 

hindern könnte, mahagonibraun zu brennen« 

".... ieder ein Frühjahr vorbei .•. Scheuslich wie mvn alt wird. 

Er betrachtete im Spie.;el seine Au^en, seine Lippen; "Hein T^as- 

seur sagte mir heute Morgen, Sie haben einen Körper wie ein Zwanzigjuh 

riger« Nur das Geicihu .... 



) 



33 



-Clarence- begann ich, ich kom/B um Ihnen elnenPlan vorzuiegen. 
Sie lieben Frankreich und ich liebe Anerika. Söit Jahren arbeiten 
wir dxrxax an einer Innührung unserer bei :en Lander* Der beste Teil 
unner 8 Lebeng iv schliesslich daraufgegangen - nd mit welchem Er- 
gebni^' ? Je mehr Sie miteinander verkehren, flestoweni^^er lieben Sie 
3ich !"T)a- i<^t v'ohl --ahr! Ai^o ich dachte an eine Zeitung! Eine Zeitun 
jenneitB von Politik und Han oelsinti^renoen, an ein Organ AxxJomaL^Jz 
für unabhän^ice llen*.:chen und uneicennnutzigo ... ich habe viel darüfe 
ber nachgedacht. Der Auc'enbli k ist jetzt günstig. Ich bin von einer 
l'ranzüsisch • amerikanischen G-uppe b-aufiragt, die Sache zu studierer 
und bin 'ieshalb nach Äuropa gekomen. " - 

Van ITorden hörte mir auL";:ierksara zu • ^'Urri v/omit kann 
ich Ihnen nützliche ein", fragte er ? nur 

"Ich komne nicht, Hrx^Sii3Dxaro±)!LtetCT?7n?lÄSR:röte aitfeü 

tatolMmen nur, um Sie zu bitten, sich finanziell zu beteiligen. 

S e mich 
Ich /nöcbte, das'^ unmittelbarer ±>di unterstützen, dasg Sie diese 

Zei.un^ ein v^enlcj -uch als dio Ihre behandeln, dass Sie da 



Ihr 
Bu- 



ro u habÄfn# 



'»Das interessiert mich. -:rlauben 3ie, dass ich das Radio abstelle. 
Man wird Ja taub! ... Der 7g fei hol3 alle diese amerikcuii sehen Er- 
findan^^en." .Sogar in dieser ruhigen r.trasse hier gibt es jetzt eine Sä 
Fordcarage, währen! :^^ord in Detroit Menuett tanzen lernt] Er täte 
besser, keine \/ag»:n mehr zu fabrizieren. Aber schlies.lich kann ich 
Ja nicht -anz Versaille-^auf kaufen, umKuhe zu ha).n.... Das propheti- 
sehe Urteil Erodskys i-i^iauchz immer in Columbia i "ii^in überfeinerter, 
ein ein Mann des Termilos kam mir in d en Sinn. Als idi ihm sagte. 
dasßich ihm die Sellung eines Diiektor für :Surcnm zuf^^^-t^iM-^^ah^ ^ 
den L'uropai sehen Teil zugedacht kbe, rief er aus ; "Direktor , ich 



34 
kann Ja nicht arbeiten, ich kann's nicht mehr I T)hzu gehört Ja 
ein Wille au» Eisen. Tarura sollten r>ie nicht dazu fähig sein ? 
"Hein, mein Lieber, unsere vraue-i, He hab.^n einen eisernen Willen, 
nie't vir| 

Van Ncrden unter räch .>ich,Deine Cutter ar oirgetreten. 
"ich habe nich verspätet, my dear boy. Ich muss da einen ßrossen Unwe j^l 



machen, nichtr auf der ?elt würde raich dazu vernößen, nach Sonnenun- 
terganG durch diec^on Wald zu fahren. 

Der Ver-chr in Adelekr i en, die TkKE^x Bri Igethees Hessen 

und gaben ihr das Aussehen von 
Mrr,. Vrm forden die alten Ilerzo^innon kopieren,^tngJ«KnaxSBH. \.ie- 

gKEiXK*iixiritra±K -ern. .ehe-ich-^ie- in -den-ov^Ici-Por^ra .trahnien 



.YwJBMipiHtotBti'fa, 



guten- Iten-Zeitl - Vas man je- 



de h nicht zu ernnt nehmen rauose, denn die Jahre ein^;en über sie 
hin, ver3Chmnden ohne eine Spur auf ihr zu lassen. 



T> 



■Sei nicht nervös, larling , lu weisst v/ohl, dass Hhoda 
nicht pünktlich sein kann.» - "*ie kont.' t es. das-i die Ate rikaner 
in Am rika no genau mit der Zeit , sich in :;uro,.a liancr verspä.ern, 
fra-te ich. "Du bist hergekomnen, im hi r zu Ißboi , Ciaronce, fuhr 
Mrs. Van Norden fort, als ein Erlelm-.nn, der sich Müsse gönnen darf. 
A aentlemen o. leisure. Um diesem schrecklichen, gehetzten Leben 
von heute zu entgeh-n. Also, mach- Dir nichts daraun, wenn sin Jast 
B.1 zu spät kommt, ich -.viU nicht, das.-, du dich unnütz erregst, 
mein Lieber, du kennst Ja RKoda. Sie hat nie ein Haus gehabU Sie 
nährt sich von r>andv/ichs8, schlaft -.vo sie ßerade ist, wie ne Katze 
und kennt keine Stunde, wie die Dichter. Trink keinen C erry mehr, 

* 

mein Kdüd. ich bitte dich.... Wir sind ja hier nicht in iner Bar." 



u 



35 
"Lohnt sich wohl in einem Land zu leheni wo das Getränk "Wein" 
höisct und nich Laster !" 

Plötzlich wri3ai»nchiiBinitfiicrÄ jiip^ flgcien 

b^ ide T^ärflügel auf, wie in der Comedie rran^aise. "Icli, verspä 

et, fraf:te IT^ioda errt^unt,. Ihr erntes ;Vort var ntel r^ ich* 

und 
oie hatte len alten harten Niciceltjlanz oe^'vahrt, ihre 

Pr-^chheit ge^^pn die Männ^ r, diese '»Ileos". fUe trat näh^.r, mit ihrem 
un' 3n schmalen, n ch oben sich verbreiternden Leih, von der Form 
eines Sargophags« 

"Hiür sind vir in der Provinz , liebe lihoda, urr. .i/4 8 wird regebsen, 
San e Ilrn, Van Norden, /9iada, die von einem Spiegel gebannt war, ant- 
wortete nicht. Sie "uhr mit der Eand über das Eaar, d'.s so dicht an- 

dasr kein Haarchen hervor:-pranr;« 
lag, iacG ni-^h^p d,-;r-,i3n hiSüimxl^rat., und vie KiJxnDöco3?i^x an ihren Kopf 

gemalt ausah. Ils v/ar in^wlsth en rot geworden, und das r.lf nbein 
der ZUhne etvras vergilbt.. Unter den rasierten Brauen t-chien mir 
ihr :31ick gealtertj denn die Wisr^eüschait der Schönheits Institute 
mucht vor den LiJern halt. 
"V/i3 sehe ich blos aus" Greben 3ie mir raoCh einen Goouo.il, Clarence. 



Dann gehe ich hinauf, um mich ete <b zurechtzumachen, "-^ut mir leid, 
Khcda, aber hir gib t es iceinen Cocktail , sagte Mrr.. Van Ncr den, 
Es ruiniert nur die .Gesundheit und beschmutzt de;« Mosaik. • Pie beiden 
Generationen st nden sich in Kampfstellung geG'enüber. • ^'ie vom 
Krieg ge; en den Rxhm vom Tierensitz /im Sattel des SZylinder^, 
dec, nackten und Haarlems stiess auf die der lan en liLitkleider 
der Lof^en zv/ischen Paulen des si>aniFchen Krieges der 5. Avenue 
und der Spazierfahrten im Landauer ach de]* großen Messe. 

"'leduld, Jxhoda" vermittelte Van Horden liebenswürdig, 
"Sie sollen bei Tisch einen Champafjner halben, der nicht von 



schlechten 
i^lter-n ist. 



36 



Als ich vom Essen herunterkam, fand ich Mrs. Van Norden, 
w e sie am grossen i^aininf euer ihre zarten Füsse eines kleinen Mäd- 
chens Wccrm^ e» 



"V/ie glücklich bin ic >, dass Gie £;ekoa.ien ^ind, lieber Premü . Ich 
habe Gchrecklichen Kuroner. Clarence geht nicht mehr us^ empfänßt nie- 
mand mehr , nicht eimnal zu seiner lartie im Traveller Club ••• 
Er hätte ein Staat :raann werden können, wie Webb, aber ilim hat»8 gefal 
len, auszuwnandem.. Ab-^r selb^^t hier konnte er doch eine Grosse 
Figur der amerikr-ni-chen Kolonie sein. Erinner n Sie sich nur, wie 
er in Columbia bewundert vn^T^e und bei seiner Staffel. Was körnte 
«r doch iar ein J^ihrer sein, "Ja, ein crosBer Pühroi, ein Held! 
Seine Kart-raden v rehroen ihn." ^ "llicht Vvuhr, " sagte sie mit mütter- 
lichem Stolz. Stattdessen Tr±2mn^tr?i«m>q®toiüD]irnm setzt er sich mit 40 
Jahren sur Ruhe !. Menn man Eläclclich ist, sitzt mn gerne still ? 
Glüclclich ? " Sie nei-te sich au mir, nit zuaammenGcbissenen Zähnen." 
"2ie :-risr5t Um daf^ L-iien auf! ... Gestern \)at ich ihn, mich in den 
American ".'omen Club zu begleiten. Er habe keins Z<jit , sagte er. 
Keine Zd t ! Sie schleppt ihn mit eich zu Ei-.ra 
tei allen ihren Schönhei tsexperiraenten dabei sein ! ..ie yern hat e ich 
ihn ein Jujmxx schönes Junges Madchen heiraten sehen. L'r hatte einen 
Kaufen netter kleiner Kidder bekorairBn fcutxtKk w die "Oma" zu mir tragen 
würden ...'''.Vie können Sie denken, dasc er glücklich ist", begann sie 
von Neuem«, er , der so vornehm, so europäisch ist.. Uni sie so so vul 
gär, 30 laut} ihr ?pektaln macht mich rein yerrückt. Dieser Wort- 
sch-nll, dieses Idchprliche ^etue, Sie laj^e-le sich doch erin» rn, 
dass sie nicht in New York ist. ... ^io schreibt nicjt, uie teil t;rapä 
hiert ... !^ e weiss ni ht, vra.^ Ruhe heioot, cie denkt, w.nu mn sehr 



ritieur • Lr rauss 



In 



PI 



37e 



Sie enkt, wenn ^^ie nehr rchnell geht, wird man ihr Hun/^eln nicht 
sehen .♦. sienn ßie Bput Abends zu sich nach Hause komntp dann 
telefoniert sie noch an irgend jemand, um si ch ins Piei3taurant 
ausführen zu lassen. Sie hat zwölfhundert Männernajrnen auf ihrem Reä 
gister ..."Sie lant^reilt sich vielleicht in ?-^.rie ?'^ - '• Jat 
dun'cen Sie, sie lMn^':7"'eilt Blch. 'li r, vo es so scür^üne Ausstellun- 
gen gibt, uie jipfcLn ;e bei der Aristokratie ! Und v:en i Clarence 
ihr zxx Gefallen r;ich nicht ebenso lang .eilt, ist sie "beleidigt • 
Sie ist nicht fähig, an einem Gesprach teilziiuehnen, vienn von etv/as 
Anderem die ~^vedj ist, als von ihr selbst. "^')ann kauert sie sich in 
einen Sessel und schmollt. 
"Ja, schliiun die Zeit, we lU die Schönheit am Verclühi}n ist..,," 



II ri 



ry 



^a-g und liacht legt sie auf Clarence Jieschlag. Sie ist die l^if ersuch 
In Person. Sie kann keine schöiiere Fr^.u stehen, ke'ne jüngere, ohne 
dass sie zum vilden Tier wirr»,'- - Unter dem ]]indruck dieser "besorgter 
Ilutter, Ue richtig sah, sobald es tich um ihren Sohn handelte, 
sagte ich; Warum fahrt s e dtam n^oL nach Amerika zurück ?" 
"Khoda auf Clarence verzieh en ! }lauben Sie, d. .ss sie in ihrem Alte 
einen anderen Mann findet ? iJach llev; York .wirückkehren. Sie sagt 
es! Ja, damit droht le J^^ogar am liebsten. Ab« 7« le lagt! Sie 
bleibt n uns lebenslang kleben. ie wissen vohl, da: s drüben die 
Jungen sich 'f^/ehren und die Alten nicht -^n s ch hereinkommen lasscnl 
Ich lachte. - '•Ja, fuhr sie lort, mag üich }3iodr nur d e V iinpern 

blau und die ITagel silbern färben - - sie ist alt. - "Vielleicht es 

mxiiiiiaghmiixfaSDfaAaH 
imx nx]ixdflgax!Si^idi±i:iRtMixGkili^^ nur an der Stunden- 

differenz .^^ischen den beiden Lun lem . '• - "If in, nein, alt, ich 
sai e es Ihnen , alt !" - --^rs. Vau Norden neig;.e sich zu mir und 



fügte mit gedamarapft r Stii'ime hinzu : "Ich glaube auchf dass sie 



n 



I 



J 



h 



38 
diese rcheugglichen i:au3chgifte nim^iit, die so gefährlich Bind! 



S 



ie hat /^eradez w:ihnöinniiie V'utcinfdXle, lic Clartince bis zur Er- 



echüpfung 2U schallen machen." - Und plötzlich achrie sie nit einem 
Gesicht, wie aus Sicen ;"3ie bringt ihn \m% sie wird ihn umbringen 1" 
- "Jh, sagte ich, beunruhigt, *»fdrchtcn Sie 6.^nn nicht, daesClarence 
si3 heiratet; v hat riiir einmal gesagt, dass sie nicht die grosse 
Liehe-; war, auf die » r gehofft hatte. ' - ":^]8Uo:x Seither dauert das 
schon zehn Jahre«', erv^iderte s.e hü'inisoh . Sr jjpricht davon ... 
v'^wn sie davon spricht, "^r gibt ihr soviel Jeld rils sie will. 
Aher ans Heirat-Ji ■en-.t sie nur, r.(tnn e.i Ihr plctL'.lioh einfällt, 
sei er^ um »nich zu 'h.ri^i^Yn odeä v;ijil sie je'.iMnd beleidigt hat, 

oder vean sie au/ dem iCon^Julat \;egv:n ihres Passes Schwierigkeiten hat. 
Sie wirkt auf ihii g.iinicht als l^iau. Ihr Einfluss auf Clarence kommt 
einzig daher, dass er nicht allein oein kann. Im.'xrunde "/Li^nne.a sie 
ein nder nicht aunsUjhen. 

Ich sagt^ ihr, dass ich die Absicht habe, Clarence für eine 
grosse f ranz ü 13 i seh- a/uerikan loche Zeitung z. gevinnen. " Ausgezeichnet, 
rie-f s^e w.^-Teästert" , wünschen Sie, dasr> ich mit Clarence darüber 
spreche ?" - "Ich habe ihm bereits etwas darüber gesagt, tber ich 
fürchte, dass er bei sein r Zöfl chkeit sicli nur damit nefasoen will, 



ura 



riir einen Dienst z leisten. Ich inoclive ihm g^ rne begreiflich 



nachen, d.iss der Ilatz eines Gordon Lenett i/iim'- r noc frei istf 
dass ITew York und Paris •in und dasselbe sind ... nur mit einer 

L'Icke \on 50 Jahren daz\v^oChu:i. :;iese Lücke eben, die sollten wir 



ausfüllen. '' -'*l5m Jlarence anzuregen 



soll e itu.n am 



besten damit b ^xaxi^a^ das. man ::iQrrn ^iriand ura die :*i;hrenlegion für 
ihn bittet. Jlein Mensch weiss, v/i.: viel Jlarence seit zwei Jahren 
geschenkt hat. ""ünf zigtausend Dollars für Ä^nKiiifiiiJLtxliJiaMÄaÄJttiaiöaxii^^ 
den Gof^enkbrunnen in Antiebes. Die impressionnisten der Schenkung van 



39 



)) 



)) 



Van Norden in Luxoraburg sind ihre 250.ooo«- "noll -tö ' ert« Mdcx 



^H3DC Durand- rxiel 



v-ollte sie kaufen, ':)ie Rftstaurier^ung xsa: 



des Pa^enbadOK in V rsaillet hat uns 25»ooo Dollars gelco^tct und 
^'ir rurden nicht ein al Zt^r TCinweihunc eine :laden. Ohne die 5ooo 
Doll'ir^^ von Clarence ^.are der C t.:t;nrriodhof in K!on):urs geg.tngen« 
Aber kein Mennch rciss oinem D .nk d J'ar. '* Hie ^veintv:, - "Es ist 
traurig , die Tiür erin eines Landes 2-u sein, das alle -Veit "ce- 
neidet und hassti weil e^: das f^röfs^Ui int ... Konnten i>ie nicht 
einen Artikel schreiben, ich hitte Sie, damit Clarence die Uhrenle- 
Cion hekonutjt, ^■^ollen 3ie ? oie vis^en, vras ic?i noino ... so um den 
Hals heruii« '' - Die Mahlzeit v;ar s-'.cherlich sehr e^^lesen u.d ging 
r seh vor sich - riir schien Ble koin ^.ml''. zu nehjaen, und das Essen 
un;^eniej sbar« Ich vaiss e nicht, ^o ich die Augen lassen sollte. Bei 
jedem dissen sah ich den verfetteten Vf.n Horden und die hartgeror- 
^ene Rhoda. "'"ir drei hier v'irke^n durchaus wie aus "20 Jahre 
epater'' sargte Yv.n ''orden und, al^; - ollte er sichselbso trüsteni 
"Zriöch-n '0 und 4C meiert Lian g;ir nicht, v.io die Jiihre dahingehen« 
'^Und z- ischen 40 und 50 ist^s genau ebenso.** - "Und \':enn sie 
beide :ütein-nder addieren, seufzte lihodai dann ir?t d;is Leben vorbei. 
"ja, wer hc;j,ti.e ge'r.cht, ' . "visjen un l kenuun isi. zveie>*lei'' ••• 
^'hätt ich nur •••" lie LTelancholie dieser diei^er bamilen -Redensarten 



n< n u. 



>'*«--*-, 



lastete über rier Tafel. "Wen: rian Euch hört, so könnte laan hw^«, 
dass vir Greise seien, protestier e llv^^. van Herden. Ich habe mich 



nie jün::er geiühlt, ±i5LhxfetKx±HxrtxRxAx.tHrx,T? 



habe das Alter 



erreicht, vo alles erlaaljt ist! 

nur, 'Ois Hie so alt ^.ind \ie ich 
"Dann ^ arten Sie, ^±rxa±Krj!CK±ÄKx>>£rxK±Khi:xhacteKFiJt, antwortete Rhoda, 



40 



» 



) 



mit jener offenen 'rutalität , die den Aiweriicani^: rinnen e gnet, 
renn ??ie unter sich ?ind und die v.o g-nz verschieden io , von der 
lächelnden ^ehässiglceit der 'r'-.nzüs innen • 

"In dem TTasse, inden ich ältsr werde, we de ich innier glücklicher 9 
und ich bin keine AUBnah«e. Sehen Sie zum Peigpiel die Herzogin 
von Antifer. Mit 20 Jähren ^var es ^j ine klc ne Jüdin aus Bronx, 
jet:n mit 40 :öt cie Ine der j;länzendr, ten "^'r-uen von Paris," - 



♦•V'"^^- 



Jer ^ar;e fiel so überrac jhend, daüB mir der At-ia versagte» 
ras, h-'^ben Sie sie noch nicht oenucht ? :\iei:en f.lle drei zugleich, 
dienrnal sehr einig." 

- Ich "bringe Sie hin, *' sagte löio ia entcchlosr3en. . :]tv,'as verwirrt 
v^ehrte tch Luch: '^lenn Iladlne Lust hat, mich zu celien, iCann sie .^ich 
Ja einladen, : > ^ e int ja keine .lönii^in I " • .Üiod.. i^ah rüich mitleidig 



an» : - "v ie yankeohaft r;ie geworden sind, die 'lerzogin von Antifer 
ist mehr Is eine Königin» Alphonee XIII duzt sie . - "Vor allem 
aber", sagte /an Norden, "sie ist kkkxxx .vaa Besseres , als eine Koni 
gin. oie int ±-aris. Alles huldi^'t ihr. oobald sie üich nur lür das 
Erscheinen ih-er Zeitung int ren3iert, dann ..» ".^och eine Zeitung ? 
rier I{hoda ;nit ^^ider- i llen, ' ieder ^0 ein k^fiLina:FL.^2a?iiiaM eteßir .oQiixmxin 
unansehnlicher ?^et7.en, wie er hier üblich ist, unleserlich, auf 
schlechtem Pap er gedruckt, voll lacherlicher JiG/.uc ionen und 
wioderlicher He :1 i-.en für A )8teigqu:trtier e und Hautkrankheiten." - 
"Un-i unsere Zeitungen', en-^iderte :Zt^. Van Norden, ich le ^ e sie 
nicht mehr, vr-n nein nie kaum noch li ll<n ia.nn, :jo schwer sind sie» 
Der Arm ermüdet einem bei:ii llnw^enäcn Uerer miän II i dh feJiXTgyt^TKgoof #i f vX 
2 -hllosen Anzei /enseiten. "Dennoch müscte man was tun, um die De- 
batte zwischen den be den Landein auf ein Niveau zu bringtn", sagte 
ich»- "Zu reichem Zweck", fuhr J^.oda fort, je mehr tir Geld au8b< 



41 



)) 



); 



dr.3 -;ir nicht zurückkriegen, luio.eni-er liebt rvm unn \ ^ie Franzosen 
könn..n uno nicht auostehen ! "les'.ern hat Mich ein Taxiüchauf- 



,T 



uinV;rin::en, 



feur ger:.dezu anger^puckt. " -^ in Lie^e% e-widerte ..rs. van Norden, 

-un-ev ^r^und hier, vor den man ÜTDricrenn nicht .^o un:;ebährlich über 

die -ranzosen roden durfte, hat einen Plnn, der v;ürdi- int, orwogen zu 

werben, "^'erm Sie nxEkixscIiBct^ nur rtet'3 von ^ioh reden v:ollen, komjuen 

Ir nicht ^veiter. '■ - ' Ihh liehe y^man-caich ^eVir, aber i(-h Bebe nicht 

ein, ^arum ich hüriich und nicht autrichtis ^^^ in Ätix^tK darf I Abge-. 

Bf>hen von Cannes, Deauville, Hiarit.z und 7.wei oder drei ÄxöHÄiÄaE 

Ee%:Lrkti in lariB v:ird :^ rankreich von lensdi en bewohnt, die einander 

\ie ^if:re quälen, sich Spitzburte wachsen laeo^n , laaa^p: 

lan e TJn'.erhoscn tragen, Autos Tiaben, die Lärm machen und Telephone, 

die nicht funktionieren. " - f^/^ie ranzosen sind ein Volk, das t-^in'j 

rih.^?^eiche V rß',n enhe t hat, liebe Ji ©da, sa^te Van I;or;ien, > ine 

be''undoi^nn-urdi;:e XHHHtx ^unf^ttradition •..^'Und -^^nn es keine ]'autcui 

teuils Louis XV u hr .^ebon w rd , -/a- ble bt übrig ? " - "lis wird imra 

ner v-elche {jeb ;n, " antv/orteie llr-.. V .n Norden. "Und es ^-rird in 

Frinkrcich i^iaer einzi-jarti e Individualitäten ^eben, ""■ ergänzte 

Vj.n Norden, ine ^eGell^^chaf t , eine lite der. de int er und dec Htrzenc. 

w.., "^es Her ens 1 '■ - ""^b ist das bonartig^^te Volk auf der Welt. 

Eigennat/.ig, alle braueben sie Geld«**!!- g sein, .-mt/- ort jte streng 

Hts, Van Norden^ aber sehr wenig Golr»!*' - "leb habe keinen :^^reund 

in dief:er aecellscb; .f t , keinen T.ienschen, auf den man rxnkiiBafixküciui 

sich verlassen kann, .^.lat^-ch, V rlaurT.-;m en, ne .^Öni,;inn n von 

'rankrtich s nd 'ie lortiersf rauen, .beut* , -^i'^ ein m nachspionieren 

de 1 '^itten 
und nach dKrxXmisci ihrer Strarge beurteilen. • Jhoda klopfte mit ihreir 

Hes^3er auf den Tioch; "Ich bin allein hier-, -anz allein! '' - Und 

die Ilerzocin von Antif- r", '^ragte V- .n Horden lachend ? "Nadine 



42 



) 



j 



» 



ist meine s^^ae'preundin- , 3a,;te Tihoda mit hochmütiser i:iene. 

T£r:J. van llordcms Kinn kl.xppte zu vie nino -aim , "Die 

Her.0Kin ü«^^ 3ie >. sag., cie. l)an. ^-^^^^^^''' '' '^' 
vohl das er t- ".1 ^n ihre.a Lelen. d .,aa *x«e«r.-ciü.^xxi«m±±n» irgend 
ev . lieM. 'Sie schein n a^aer die .inladumten dic.er '.Streberin- 
nio.t oft a zulehnen'. sagte Ri.oda, die endlich e.nen Stich nachte. 

^ '-^ ,^^ ^^^ti7 un iuhr unbeirrbr.r fort; "^>ie 

. vi -+ -i o Äi n ^lief^^^l - sie zeigt 

erinnern nich " oaI c^n inacKord.^ • ^^ 

uno das lesicht, dao .ir^Äen. Ich h..e Erfolg in Frankreich und 
..nn Clar.nca .olL e. vonnt auch r ihn ha.en, a„ r Sie, was ha e„ 
S e ^ür die yranzocen »dion ä«..an ? :ie haben eB noch nicht d'-zu 
ge.rac t E.re Sprache zu ■ rlernen, oie Kennen nur den Oberkellner von 
lorence und di. iard >-o .enSL dur :;.K.a.3aieurs. Ihr balon i.t der 



,M«ricun Hxpree... iii-:&'a^xtr.i£zt..,...umur ..Is ga-e ec in Par.s nur 
Türaurnacher 1 Z .-^oh.a ihrcra ^e.uvllle u.d Ihrem .i^.ritz GiT^t ec, 'on 
zühli e be;.aubernde Landhäuser uo.iall ver.treui, die man vom 
Auto UB 3ioht. v.-enn man sich :ut .el verborgt, rennen v.-ohn^n 
alte XK«*^ sehr hoiliche Leute In schwarz, -^^enn Bie keinen Erlolg 
hrhen, no sollten 3ie das nicht auf die Frans^osen schiehcni 



;xgK£al^ 



tKKX 



Sich beliöht zu Liachen , " enn man reich ist und zahlen .nn, 
sagtenie. "'.^enn Sie das glauben, so beveinen Sie dadurch nur, dass Sie 
Par.s nicht kenr.en. "Van Norden trat dazrischen. , "Meine Mutter 
hat recht. Hhoda, .• ariB ist s hr ko:upliziert und voller Geschichten 
am Tele-on, die m^ cleich nt^ai.miB . kennen muss und einen 
Augenblick später .ich anstellen muos, alB vüeste m.,n nicht, davon. 
"B8 genüet nicht, unauf -arordert sene .^rte ab/u.geben- , fuhr lirs. va, 
Norden bedeutungsvoll fort. « Ich ce e nie Kar^.en ab, " replizierte 



43 



^ 



Khoda ye 



rletxt! " ... "Nur bei der Ilerzojin von Vcn omes, aber dort 
meine Liebe, vure ei-> schicklicher gei-resen, e.' nicht zu tun und sich 



tr:.-^fn zu lassen." - 



Ich sah, daas nhoda nahe daran war, zu explodieren. 

Van Horden stürzt sich rasch dazv/i sehen; "..enn raan bei uns in Aru.^rik 

Erfolg haV.en will, musG rian sich ÜT-.orall zeigen, . ie Laute bei ihrai 

Vornamen nennen und eine '"ence Dinje tun. In Pr,rio dasoi-en, in diesei 

arg^^^ühni.^chen Stadt muss luan es vielmehr zu verneiden, gewisse Leute j 

zu besuchen, in ^ev.isse Ilauaer zu ^ehen, luuoi^ nan einander "Konsieur" 

und •'Kadftjiie» durchs .T'-nzc Le^^en aonnan un I wenn man iO Jahre klug 

und en 'beb run-8 voll G'veren ist, sKtoigtooowixitedixn ;:ann man es errei 

chen ... "H ch eine Si.uation zu e^chaf 'enl" - "Hein, n ch nicht, 
" .... - ^^^ r,pei-net s nd, sich eine Situation zu schuifsn . 
aber Kinder ''.u haben, ^ tos;. adE^i7-e±JiE:ßitua.txm;!»ahaJauen-:hafa^ 
Phoda' zuckte di^ Ach-cln. "Ich bin ke n Snob, sa te sie r.iit 

sch-iller Stirnn 1" - "Es handelt sich hier nicht un r.nobisrtius , Kioda, 
v.-a;j vvir hier (-ef-ast haben, »ezieht sich auf alle Tarioer, die Foaios 
llrittes Verkäufer einjeschlossen, 

Mro. Van 'l^rden stc.nd auf unä zog sich x^räskx iait. einer 
lilntschuldi-ung zurück. 3ie erv;artete m. 10 Uhr ein tele^^honisai em Anruf 
▼on Kalifornien und Ging hinauf. Irr -ar an meine.-n .-^eit m^splan so gele 
gen, dasr- ich dr-.s ae^'-pri-ch darüb r fortzusetzen nich enttchloa , 
fotz der elektrisch -eladenen Atoosphare. "Ich korar.ie auf ineine 
Idde zuräck", sagte ich zu Van '.orden. '.>ie sind zu jung, uu Ihren 
Abschied zu nehmen und ÄKm:o.;iiarJ.UKurr:6injm«rtiTiaÄm'. -<n.^« Mra. sich La 
Luxus einzulullen, ^e^ v ird Ihnen goiz gut tun, das Sie Ih. e Beziehun- 
gen mit ^Je- York aufre-ht erhalten, nicht allein wegen Ihr«r Freunde 
die Sie dann öfter sehen werden, sondern auch «iteatHxaRtSxix Ihrer 
Selbst -egen. V/enn Sie der Direktor der Zeitung sind ...", r^oda 



p 



X 



44 



schnitt mir das v;ort ab, "Vas Ihnen einfallt. Dieser Huoteroohn 
nuss jeden Tag nach Versailles ko...-,en. urr, mit .ein-.r l^^. zu Bpei- 
-el. ^lor ns ist e. seine Aufgabe, d-s Oto.t persönlich ooi XKWdfltn.^ 
de^D-liKat/esshanUer in der icae St. Honoräe aunzuouchen. V/ie ool 
ein ..ann ^«.x..axi.^xKa der mit 40 Jahren an den Unterröcken seiner 

, •• -+ 4r,P rr.-.'aktnone. r^ie um den HauBschlür:el bitten 
Uutter hangt, inu li.ri.'.-.^BÄ-i.nuiit., 

on-i" -ai^iceht. eine grosse Zeitung leiten!" - 
,uf diese ...eise'iääL Jede der bei .e. : rauen in in nn c^^onnenen 
oder verlorenen :emyo .ei.. Kar.px ..it dem Feind ihren '^'riu.aph oder 
ihr-: :;iederlc. :.us. ^'.i. kontrollierten ihre Leidenschaft mit d.r Ih 
in der Hand. Sie empfanden fdr- meinen " eund eine Art P.tundenliebe. 



i e ente 



aiSjiillhxiläxfflictiÄXMX 



rii-33en sich um Tai^e und uin llachta 

von 
und er musste sich in den engen Korri lor *xi äinutcn cinnclorauggoln 

:it*:daa: .xnH^^..«±^^tmtx.to.K.toti «rob.r.e .ich Vier<: Istunden, v,ie befeB- 
tiiite 3lellansnn. die nie ihm buld ■ ieder ^ntris.on. . :Zb endete 
d.^at, das. er v^^ urteilt ..r, a.e erschöpf ende und schlecht bezahlte 
Existenz eines :.4ci«oeo zu führen. Sanft wie ex.ier und darauf bed..ch1 
zu efallen, -lieb er ..chieb.lich kraftlos durch diene nhelichen 
Czenen zKfcJDEh in dieeei weiblichen Urakiammrunc "• ii«3e- in den 
Ad rn . Van llorden hob (.le Schulter., in lie Mdbe, nl. v.oiitG r s 
gen; »--fen ist v.ehrlos s^gen die Frauen. :-]rrest er"iede.rto ich; 
Cla ence ist lie a n Duckiüiiusfir cjeresen ." 



»Uu., dass ist er <b eben gevcorder., er^'iderte lai.di., d. o ist es 
eben.A.9r;.ka h.rt einen -^ann. .urop er -eicht ihn. Ich habe 
richli-e ::Unner geliebt, zupackend und einfr.ch und sio haben mich ge. 
liebt. 3ie <aren jrilt /uir zufrieden. Jas v,Hron iurschen, di einen 
zu nehmen vms.-.ten und zu halten, die hei ihren -äusten eine Lippe 
riskieren durften." 



45 



% 




Sie trank '7hiF,-y o' ne -'aBser und r.tatt Eis hinein>:atun, v;urrate 
sie ihn am T^eu.^r. 3ie sch'vieg, ie Augen -.uf l e aiut -eheftet, dei 
Racken ms un : ler (Jecenvant ;^H3EXsn*Htx zuaelcelirt, verfsunken ir 
Jlrinnerungen ah ihre chaoUr^che Vorsasgenheit : "^dr solche Leute 
Ja, // ';in ich uf die W It (Teko.'Ti.eni' echlosD öle a^«-ii**^-:*rftch. 
"Alle Trauen lieb-n solche Mann r sagte ich. -io AJurikancrinnea 
13 nd darin auc^ nicht ander.i, .1^3 andere ^rauen .... "denen man 
es erlauht hat, schlechte r,H-;ohahe5/ cn ^ich anaueignen, •' ergänzte 



van Norden. 

Ahf r schon der Klang seiner Stii-rme liesc KhoJa hoch - 

fahren ; "Ich liehe lebendige :'::mcr! loh has^e die raf inierten 
Mäcene, r.;it ihr^m 'cxsmlctof -KHcStttteiix blarüerten aevrohnheiten. 
Ich s-pucko au:'- die ,\u3GC3topf ion, <\io"e Leichen. Wenn rioin Lieh- 
haher krepieren r-ollte, rrürde ich un die Polizei telephonieren, dass 
man ihn ahholt und t nzen gehen' Ich furch !e nich wed.r vor iJazillen 
noch vor dem ^'odüch bin eine -'ilde, di- bereit ist, von einem 
Huuptl ng zum Andern üherzugehen. Ich lasoe irir nicht bangen;'.chen% 
Gchrie üre in ste .ender '"ufc. Da-.u uin ich zu nchlechti" 

Bie er- tickte faf^t.. Ue ar in /er gesteigerten Erregung» 
unfähig s;ch auszudrücken, rie alle Leute, die gelernt haben, sich 
Gev-alt anzutxin und ^Ue siKk der ::üinung Bind, nie kSx seien 
Eelhstr-beherrrcht. 

"Ich -eiss '"ohl, ^-.-hp i«:i von j^lr äksxe h-ilte^I njn lo- , I am dull. 
Ja ich habe schlechte Jinier-n, wenn ich er5= icke schreie i'^hl 
»Mrr kann es .-leich sein", en-iderte van Norden indem er sich in 
aller I-äihe eiüe 7i arre anzündete , aher mit Rüc!:sicht auf die 

Dienerschaft ..." 

- "Ich bin aua einem Land.^, ro es keine Dienerüchaft gibtr Ich ' 



% 



^ 



s 



46 
nicht ::it dem .il^ernen Löffel im Hund s boren, ich nicht ! Ich 
hatte nicht eine v.rda^teMuttet. die mir Hüfli.*^t .eige'oracht 
hätte , höflich .u .ein. -nr .u ver.a.en. wonach ich LuBt habe, n.in 

tatt ja .u .a en' ... Oa begann Van^Norden seinerzeit, «ich .u erre- 
geni."3ei Ihnen heiust es iram- r Ja'abo nie danlce . " - "I^--'.nte ? 
U«i v,ofür danken ? -/enn ich im Saloneine Katastrophe bin , ein -ocial 
fuilure, i.t es meine 3ch".ld ? Srehen Sic mir bei ? --o you Btand by m 
ne in life ? Ka-en Sie ir Ihren Jl^m^n g -eben ?" .Sie -ej.^.nn zu 
bräilen:':?.'^'5>iren Kamen von der M-rMower, von -3er 5ten Avenue 
Ihr« flec^^enlosen, distinraiert n, lücherlichen llp.-nen, beahltai Sic 
ihn für die Junt:fr;-ul in, für den -e- York Kerr.ld 1 " 

Hlaoda och- ^eg AJß in Aue -uit Van Horden, der.oen höilichea 
Scb' ei on nie a«^er sich br>..ch^:e. Verdr,n-;iter Bastard und Sohn eines 
-.astards", Bchleuderte «ie ihr: Inn Onr.icht, die schlim^nste amerikani 

sehe Besohimpfunti, die es gjbt.- 

Ich war aus .neiner Erstarrung noch nicht erracht, als 
ein ae, enntHnd an meinen Aue« vorbeiflog; Thodr. haU.e da^ Tablett 
mit ;ilaaurn und Vlaschen ergriffen und durch» s Zlmner jeechleudert . 
.Mlos zorBDlitterte mit Krachen am Kamin, vor dem Van Norden 

stand. 

Ich habe von diesem Abend einen unv irklich e;r{ und doch ge- 

ni^ue Erinnerung bewahrt, es ko-^imt leicht bei mir zu ein r Teilung 

des LeruBotoeing, Üe es mir estattet, hei diesem Ziknzesn vde ein 

Zuc^hauer eine» allta,:iichen ge öhnliC e.i Vorgancos beizu ohnen. 

Ich sehe noch Van Norden, " ie er nich das Blut von der Gtirn tischte, 

Rhoda Ti-ar auf den Veppich hin.-osunken, xKKgMCkTMkt, hat^ e eich 



flach außG^ß-reokt, das Gesicht in en Hunden ; "So want to be 

hscppy 1 Kappy 1 Nur ßlücklich, Glücklich ^ein ! »chluchzS. sie. 



47. 

Aber E>chün ot^nd er über sie gebeugt, nit einsr T^erecune: von 
uhauösiorechl icher, -lüttorlicher Gate . Si erhob sich, sah ihn 
Y.ild an: "Können Ue :o.ir nicht in die Ntlhe , ich fahr<' nach P-.iris 
zurück, "^ehen nie riir ^lich nach oder ich bringe iuich um. Sie 
stürzte hinaus und pchlu^ krachend die Türe hinter oi ch zu. 



% 



^ 



E- " r unertrae;lioT: r-till. '^io ^ünuren ^-riehen hin, 
V^ir hatten keinen Laui: laoljr v«^rnOi..en, oeit dem letzten vufßchröi 
ITliodis und dera Geherbe lirr des zerbrochenen acLicairrB. In der 

Ir^uen Lu::t den Xv eitnzi:-ir:eTQ roch es nach Alkohol. Van Norden ßr.g- 
te sohr bleich, o^n-- -ine ::)ev/ec3unc zu -lachen oder e ne l^iene zu 

« 

verziehen, mit ..rzwuu ener TaRGune; "Lassen Sie uns noch r-eiter uter 

xiiiseren Plan r.preclifm. -^r betiHchtt oo seine Hände, beraer'cte, -iaas 

sie zitterten und vertF rc sie in '\en Taschen sein r Sa.rü ,t jacke. 

Ich herunderte f. ine -e- ia-enh- fte und düstere HöHichkeit, die 

ihn verpflichtete, -ich jott nod- --einem G-^t zu ridmen. Ich entvi.k- 

Icelte /-.einen ri- n ziemlich sohvungloB und sprach nur, xim das 

£:cl-. eiren zu durchh rechen, a-, noch voll vir von ae.-ch:-ei und 

Ccl ier>>''-n>"'e'K:l i rr. 

In reinem "essel iiurückGelehnt, die Beine in den neide- 

nen Strümpfen auf :er Ti-checke, schien Van Korden jetzt ruhiger 
interes-iert zuzuhörnn. Er r.aßte mit bezaubernder Naivität ; »Wenn 
ich eine Zeitung rrün-'e, ir^ochte ich, iass es v;ic ein F st sal." 
"Ceien ?ie i-ein niett nt", sa£tf ich Ir.cheni um Uc drückende 
Anmoophüre endL'ültlü zu reirij.en. , --nrt behalt Brodal^ am Ende 
recht :":^rodsky"... vieöerholte er und s h mich einen Au rnblick 
fra--end sm, rvarum ist er vorsch-und n ? is^en Sie es ? " - 
-weis- Man denn jenals, ■■■as in ans .11 en brodelt Jahre hindurch/ 



f 



^ 



48 
um einea Tagec zu e-plodieren, erwider e ich . Doch bald tat es 
mir leid, es genagt zu ha'ben. Yan Norden war aufgestanden und ging 
durch's ZL^er, in 'ein er mit mechanischer Sorglult die l'ucse genau 
auf das sich Triedn ^holende Caneiio^nuster setzte. Und Is hatto dieses 
nania^'calioche XRrn-nktxKtji Ver^unkenr.ein eine geheime S^.hicht s inös 
Inneren hlcsgelegt, -egann er mit uncewühnlichtrri Jreimut zu spre- 
chen: "'vai3 bin ich denn nnoereb tils ein lUlettarit. in gan^; ausgefdll- 

er , r'lickli'^jher Ulett^j.nt, nicht v:ahr 3or mt oeiyiem üev/iösen ein TÖl 
lig har:alo3e-. Leben lebt ? Nun ^ehen iie. loli v.ill hier eine klei- 
ne dveinkti-^e Oper ^3achu^ and i.uri^^^oneS die einsi: von Prau von 
lompadour cesi;ielt v-v-^Pn i^Ky zur '.af uhrung hrinjon la.ae:!* Was 
ust nun -chlin- dar-n "^ "-elc e Hör :. .>ü11 e mir dao verb eten Y 
"Ich ■'.;icf?te rlrjclich nicVrt", ragteich crc ouunt. ü(ji;ri,.una uker&aHxaxät 
liKtrxi": kori^it ja T^'r^ ml von drl/ en ß t nicht ^ber»& .sayeer. 
"So, f^lauonn Sie ^'arJin K^nn ich räch dann nicht in Irieuen nit jneine 
iclLinen Oper unterhalten ? '' - »''^^err che ich nicht," - • liaturlich 
können ^üe nicht v^rsu hen. -^aBn kein Vergni^en, ^o hiirmlos eü für 
Cie sein ^.ag, mir erlaubt vorkc^x^it: Ic/x oin ein .Jilett..nc, der sich 
ochämt. Hinter mein^:ir zur Schau c^tra. enen Unhcianjcnhei t spiilt sich 
ein "chauerlicher ..aifipf ah, z^A'i?^chen meineui '";ev.issen und iueinv:iü Le- 
ben, " ine puritanischen Vorfahren iscHsrK liegen iirun r auf der L- u- 
er# 'Mc machen d-^.^e^ ich mi^h r,ch«.jri-.. mit jener 3ch?:uii, die sie erfun- 
den habe, ^^^ie hindorn mich d^ran, lücklich zu sein« r:o rie die 
' -hinen, 'ordsr ^^^^ einen l-uritanor: , -aich nicht schlafen las- 



sen, • Ich er- ••-•che •3.- oben, wenn ich no.ch 



ocen in meinein Louis XIV 



Ott einen rTO^^en^ rv-hweren i3ett nd u - ...aaeenf eäern gescbJiiuckt , 
it gerafften Vorhan^r^n , seinen scheren Vr..uiaen, ein iiett von 



:'iani':'-en Aunmassen, ein i3et. für Geburten der PrinBBn, "ür grosse 



49 



^ 



" n.sr^e^künnte, für grosse Coutisanen, y:enn ich in dein Bett ei-wachet 
dann kormien aie alten Ilerrer. v n Horden L'aclitö mit ihren breiten, 
holländischen Hosen an, streichen ihre ?iHurerb:.rte und rufen mir 
mit ihren heiseren Stiiuien su: "Tu Busse, tu Bunge", ^ann, mein 
Lieher, wahrhaftig, dann wun^3Che ich :Tach in :n in ajnorikanisches 
•Be^-.t zurick, i^^. Schi, f rau.n von Col-mbi-., in nein kleines, eisernes 
Bett mit einer Metallmatratse und rieinen su kur;3cn Decken, in dem icl 
mit erfrorenen I?üs?en er\7achte • Un^'. ''ie noll ihh ("cnn diesen 
Genpenstern entkomrien. Ich sttim le aus einem L.^nd olme Tröstung, ohne 
wirkliches .'ohl^-^ollon, oinera unerlösten L-nd, v'o m^-ri (j.xnz allein 
für das Heil sein ^r Seele zu corc^n hat,'""lr blieb pljti^lich vor mir 
stehen. "All-:^^, ^ -ns passi-^rt, un- V'^ rik.-m ^n, :.uch ausserhalb 
Ai^ rilcas, da^^ hat r-tets von der ^^ly^ lover bic: zur ?roliibition 
mir innseren ae'^dssenskonf li.'cten z tun. Da? ist es, v»ao \7ebb kettet, 
Brod^-'oT- vertrie en ,Pw'xi -etötet hat und mich ... mich, den Sie für 
Ih^e Zeitung c ^"innen vollen ..• '* - "!hin also, rief ich aus, 
..^o ich Ihnen bringe, raüsrte ja nur 7.u Ihrer Dcruhic^ung (;eroichen* 
Zehen Sie sich doch selbi t an. Diese reine ^tsxiurkt fast religiöse 
Gesicht, das selbst das Altern nicht r:innlich zu mac?ien vermochte , 
i'-t nicht für das Vereinüjen ^eschri f f en. Die alten Herren Van I^Torden 
haben durchaus recht." - "Ja, die allen Herren sind noch nicht die 
schlimmsten Gespe: • tcr", sagte er diLipf. 

"^r schien auf einmal s^^hr müde zu sein, An die Wand ge- 
lehnt, schweigsnm, mit herabhünjenden An:aen, hatte er den Unbetel- 
ÄR*TXRrrwaua srOi er unb-^eilict und redankenlo^, vio ein aucrulien- 
der ':;oldat aus. Doch pl^itzlich rec^-'e er die Schultern mit einem 
Ruck, scito ihä.totRri±dbB[m3Ml^ ^^'i- ^^^ einen P 

fohl der Pflicht • "ITat^^ohul : Ig^^n 3ie," sagte er, "ich raucs je tz 



% 



5o 



nach Paris ... v^enn FJioda schlechter Laune ist, da habe ich Angst, 
dass nie nicht eine Du.m. eit mr.cht. Me ir,t no einem . . . " 

Ich n h mit Bedauern auf meinen Fr- uni ../as ihn jetzt in 
der li.cht .u -höda trieh. .u einer Stu.de, da der ^riff .einer Mut- 
ter nich rclocicurt hatte. ...r nicht Liehe, ^ar^aevissenhaftiskeit. 

^-:^tt±amn Jone iB.en^ omo iadl ; cnkeit des Arx. rikaners , der sich 
einer Jahrhund., r o alten -radition für alle Sünden der 



in. ü\- 



>au ^cliul^ic f^'^1^-» 



The quecn o-n ^o no -'von^: 



. '«Die Königin kan nichts 



ühles t ii". - 



Ich hielt ihn für vrrloren. 



t ' • 



^ 



ie j n- -.rtchon ..a ■ dem p^rsißchen Kirchen, die «i 
tim^Txin incinrnder.;enchachtelt sind und ron.*«m'" das letzte den 
T.„linmrtnn enthält, ^-o führte eine 3'lucht von -i^i^n on reierli- 
ch-r urxl köni.:licher Stille, ^a.- ich r.ich wunderte, hier keinen Adju- 
tantens.bel klirren .:u hören oder -^on Umhang einer Hofdame zu er- 
blicken, in ein "ie eine K pelle vergoldetes Boudoir, o mch die 
Herzogin vcnAn^i-- b-.v,.m er^irins. iJa.ine.... 3er liebe Name 
der seit lern -oreen in nir ^viedertönte. 3Ch.aad allmählich mir von 
den Lippen. 1. i^h vor ihr stand konnte ich nur .ine tiefe Verbeu- 
ßung machen, ••rrru Iler.oe-in! . . . ^ 'och schon streckte .ie .mir ihre 
w..^.ien - nde zum -mp^* nc entc n, "Stehen die ^oten nach Acht J^airen] 

UU8 ihr. n 'JrP^ TV Mlf ?•■ - X±*OT«iElh (-_, 

Hit velchc- ^••nr-n>,f>n''en Oran^.ie ^'^'Vi nie diese .JitTcnTb 
über den •-bGrund de» Verschvundenr.einos, der Missver.tändnisse, 



^ 



51 
der Jah-e. Ich sc'a.-nte mich Jetzt -ine.^altcn Aerßers,^der mich 
so lan e von ihr f. ngehalten hatte, -ie «oilix ich übricens an dus 
Verean .ne lenken ? ' as ha-.te diese grosne Dane ni t den v:ahrhait her.oß 



liehen Händen, herzoglichem 



Wesen mit (lern 3:leine.n diclcen liäd- 



chen von Columbia unter seinem rosafarbenen kir^chencet^ch^aüclctai 
Strohhut zu tun. mit jener sehetzlen ]rr: u, die an einem Abend in ei- 
nem -el-r^tmorderreceniaantel un^er Liehesinphl im i: ^tel Pensylv^nia 
unterbrochen hatte ? vor der Ker.o-nn von Antifer, ie dur .Cünig von 
Spanien duzte, connte man c^i c^ an Naiine nicht erinnern. Ich verglich 
die .^^rlichK-.it ih- - 'ühnun-, die antiken llö"^- 1, Üe echte Goidtä- 
felun: im Gtil ie. ^v eiten . 'aie^er-dcher -it meinem Wanderlobt^n, 
mit neinem .lessingoett und meinem anonymen Ho- elzir^mer und muGste mir 
ßagen, d^cn:.. ±i:h. hi^iizm ^±-^^ ki^:mi^ ich 3 ei heute 

der Amerikaner und s e die Pariserin. Ich ^•un'^erc mich ::ir nicht, 
nie die honneurs in meiner ei^^cnen Vaterstadt machen zu ziehen. 

.ir.oda hatteihr von meini^-r Zeitunc 'rzahlt. Und ^chon ibt 
sie eifrig bei der ;-ache. Spricht von unperer^Verüchwörung" ,. bietet 

KÖirmKM-;' sat3tr:irtiir-kTßtms . JaxaRXKn mir an, ^-ir den ^:^ec zu bereiten, 

yeinr:iMi{:>:<:^it 
und alle- d IS tut vie '.it äusrerrler M^k:x«^ttaM, ohne die Dinge 

und die I-enechen auch nur zu bROTrrax nennen. -1-- hat ihr "ji.zaubernde 

e'^'ahrt 
und mysteriöse Begabung, mit einer -scheuen ^e^ < sich imrxÄiibar:-:Jni:o: 

xxKtaH^ unnerreichb .r zu .achen. ie Unterhaltunc ^^it ihr vrird zu 

einem C-eheimnis an dem nur wir teilhaben , y^n eiw.r v rtr-uiic"aen 

Zugaiü-enJcunft in inem ein:-ebildeten I^P.um, ^"o man ^leichüijn 

Gef.m-encr auf Slirciuwnört ist. Zu einer ima/ünaren Yer- ch\ Lrung, un 

der v^ie toilnirrimt ^md deren Fiid. en sie in ^-e-»- .'laud im^m Die ^.^uze übrige 

^yelt mit ihren inferioren Ge-chöpfen int auvrgeldrdi t. ;]urcpa passt 

diesem '^:iQBGn auBgezeichnet. ^o viel Vo lendung, p^o viel Halbtüne wttl^ 

(^,en in den Country Clubn, Hotor Clubs, Dining Ol^bs und alles was 



52 



drüben Salon und K-^im vertritt völlig n:Kj^BacKktRt unnütz gev/esen s 
Ihre no gut ru asste i.iebe i' r 'loine He.üaat, ihr feines Veratdndr 
K'TK^Tinc für unsere (jiiL>ellGchaf t und ieren Geiöti ihre universale 
un empfindliche :Jildung, die von Uoanirchh^.ds oib zm Paul Valerie 
reicht ( nie hat e in den 10 Jahren allen seltenen, ullen ver3chlur^ 
und aller f^elernt; iooseln sie dr.u rnd -ner, Y;eit v^'eg von ITew Yor-lt 
nachriera &ke sich ar nicht sehnt« 

**}Iew Yor^:", erklär ; sie, ^" ^ f'd'r idch joner: ZiiTmer dei? 
x:)aD3iven Gchor^c-iüS , o . aories ein^eschlü'o:;en v/ar. 



V... i 



vie verstollt sie doch zu denken un.l i>irjn Jedcuiken eine 
""orm zu geben, 'ie hat sie es be^rriffen, d-isr unsere j3ilduns (Kultur) 
nicht 4in bli^it'^e'^ in die lohe schiesyen ist, non-orn Ausrrnj^i, Ableh* 



nun^, .'1.U0I .öe. 



x\*n:4ö-'ische Jescluri: ^'k, i^v in Freund", sac'te sie 



bes .eht nicht dr.rin, aab:. uim ja sond^^rn nein agt» 

Ihr e nsti{jer Seufzer "Acli, viie ße-^ne vure icli ^in Hrjiu", 

^Tanz 
V'ar nicht"'- als Trotz. Jetzt ist sie "'^rau in ihreia Königreich, Ao^bn 

die .)n''eren '^•^.•aien drüben in 'ien '/orstcidier von .ßro^x oder Brooklyn 
Luüuauto^^ lenken, 3LLK:^^:oilX*i±^^s^!^x/;JX den '^ ■^•if von Jj^tektiven ergrei- 
fen, AßtronO'Tiinon v/crden oder als improvisierte Köchinnen ein Huhn 
2U brat'm versuchen auf iliren elektrislien Oel'en! Nc.dine ist die Prohps 
zeinnr, jenen goldenen Zeitalt^:-rs, d?- die "^rauen aaf^-ohört haben v/erden 
K nder XKXXKtn unc' darauf verzichtet habiTi -erden, Männer zu sein,,, 

Mu3s ich ^v eröt sa/^en, dass ich i iM'^r ^'iedor in die 
Avenuo Montagne kam, so ol't sie mich einlu^^ ? s ich ein ständiger 
Gast in ^iom kloinen Salon v.urde, v;o nur-eni::'^ bedeutende und nützliche 
*KR±.w. und ^^ie ich verzauberte Lernte Zutritt hatten ? ittexa^HiRsiaiÄXx 
*"B fehlte niclit an Gelf jenheit nützlich zu sein. Die Intelli^^enz der 
Her^^'oein erstreckte sich nicht auf die materiellen Probleme des Leben 



53 
vor den Rechnungen Ihres Vei^-alters, den Passvisen, den Empfeh- 
lungen Ihrer Bankiers war sie ratlos und rief uns wie ein klei 
Mädchen, das sich v rlauf en hat, um Hilfe , v/ir aber in unserem i 
verliehten lifer rissen uns darum, unsere ^Herrscherin zu schätzen 
Einen Augenblick darauf sprach sie zu mir noch ebenso verführerisi 
aber viel majentätiBche r über die ausländische Politik, die die vo 
Grund aus kannte, wobei s le sich dagegen verwahrte, irgend etvas 
damit zu tun zu haben.. Von ihr erfuhr ich die fast noch als Staats 
geheimnis gewahrte Nachricht, dass eine Konferenz nach Paris ein- 
berufen würde, TtKiBÄK die wichtigste von den 37 Konferenzen, die 
die Nachkriegaeit bewegten, denn e- sollte der erste Versuch sein, 
Europa t nT Twt^gt^yJHmriiiTn zum Zwecke eines wirtschaftlichen Friedens 
zu verbünden. "Und wissen Sie, wer der Delegierte der Vereinigten 
Staaten sein soll", fügte Nadine hinzu ? ... Ihre \^^impem zuckten 
plötzlich, wie der Schatten eines Vogelflugs 1 )er dem Meer ... 
"Ihr Freund Webb!" 



Europa hatte sich seit zehn Jahren sehr verändert, er 

Bankerott, die Anarchie, Hunger, Verzweiflung und ihre Tochter die 

Münzen verschiedener v;ährung 
Poesie waren durch die neuen auf iteladüfcxgeprägten TUlder verjagt 

worden. Es herrschte jetzt auf dem alten Kontinent enge, wohlgesinn- 
te nationale Ordnung, die an ein Ade rika sehr kleinen Formats erinner 
te. Zudem fand ich Ai» rika überall in Europa wieder, in den See- 
bädern, auf dem 'fheater, in den Autos, Ja selbst in den französischen 
Kneipen, v/o die Austernsuppe un-d der Maiskolben neben dem gedüns- 
teten Kaninchen und der Zwiebelsuppe ihren Platz erobert hatt^. 
In Berlin verbreitete der Kurfürstendamm nachts einen Glanz wie die 
42. Sirasse. In Moskau verachtete man Hower aber man kopierte ihn« 



54 



Paris wurde für Are rika zum AbBteigequartier. ': ie in einem 1^. 
ten aeMet hatte eo hier seine Banken, seine Notare, seine Ae 
se ne Zeitungen, Polizei und Neger. 

in dieses Paris des Jahres 1929 entsandten die vere 

Staaten Wehh. 

zehn Jahre früher war er als Allierter gelcoim.en, auf e. 

Kreuzer mit einem goldenen I^rbnsähel für den Marschall TcB eh. Je 

H*e«5er /3:rosse Verwaltungsmann >ii-frrn"he betraut 

k^^SnSL>xd,mxbiUiBto4tonm.^iA^^ ait««m mit der ..ufgabe hetra 

auf dem Planeten eine neue römische Ordnung zu schaffen Kki unter 
dem -bescheidenen Titel eines technischen Beirates. 

Ogdon ^7ehh wurde er^vartet. 13r hatte seit 10 Jahren die 
grosse v;elt und die Ehren gemi/den. hatte sich die Reporter voxnLeiU 
gehalten und ,BXB±:.Kdxa. es verbanden, im Schatten ohne jene 
internationale Reklame zu hleihen, die von den Beifallshas ehern in 
den Botschaften so he^ehrt ist. S«in Lebenlang hatte er die Oef- 
fentlichkeit geflohen, seine eitelsten Vorgesetzten konnten nicht 
einfersüchtig/^/ sein auf e i nen «mtBxsemxd«a*«» Untergebenen, der 
vollko™ glü klich war, di. geheime Macht zu besitzen. Hie und da 
förderte ein ausgezeichnet abgefasster Bericht, der nur den betref- 
fenden Ministerien, den Kommissionen des Senats . dem Weissen Haus 
zugänglich und verständlich war besser die Carriere meines Freundes 
al. ganze Feldzüge von Intrigu^ und offiziellen Banketten.. Als er 
aber ein Mann der Oef i entlichkeit wurde und all. Schweinwerfer, alle 

;hn für den Rulim reklamier- 



Sonnesdes Broadway und de» Times Square 



ten, begrüsste ihn das amerikanische Volk als Diener der Nation, .u- 
.al als die Strenge seines Privatlebens und die Rolle, die seine Fra.| 

spielte, öffentlich bekannt wurden. 

j v,„ + t« <äip Ankunft des Delegierten 
Die Action Fran^aise hatte die Anjsuna i. 



55 



mit folgender Schlagzeile begrüsst: 

"Die Vereinigten Staaten schicken uns einen Spezialisten für 
"China, um Ordnung in unsere Angelegenheiten zu "bringen." 
In der Tat war China für Wehb nur eine nützliche jtorbKrÄiutuQ^nszßitu 
Lehrzeit. Er hatte da gelernt nicht mit der Faust auf den Tisch zu 
schlagen und ohne die Geduld zu verlieren, im Hintergrunde zu verhai 
dein. Im Uehrigen hatte Asien ihn kaum igsiszKgt entscheidend heein 
flusstt und er kannte auch die anderenWeltteile gründlicho. Das of- 
fizielle "^jnpfangskomite erv/artete an Bahnhof St. L;'.zare einen von Sek 

ratären umringten Aktenheladenen Greis. Zu aller Ueherraschung kam 

seinen 
Webb allein an, im Flugzeug, mit seinen weiten Hosen und Golfgeräten 

Er hatte sich auf der Fahrt erholt und sah weniger müde aus als 

soÄst , trotz seiner gefurchten Wangen und seinem dürren Hals, der 

der in einem Kragen mit grossen umgeklappten Spitzen steckte* Die 

ein-m 

Franzosen hatten sich ihn naiverweise vorgestellt, wie jener Aue ri- 

der den Trust personifiziert o.^«^^ 

kaner in den Karikaturen des Jahres 1900 ; Einen aufgeblasenen Riesen 

in Gamaschen, weisser Weste, eine grosse Kette um den Bauch, mit ei- 
ner Piquekravatte und einer Btsmx^xiR^ dem Jüngst eroberten Havanna 
entrissenen Zftgare zwischen den goldenen Zähnen >/. Paris sah ihn be- 
reits aus seiif-n dicken Taschen Schreibmaschinen, Rechenmaschinen 
Eismaschinen, Autos und Obstkor^serven herausholeni doch die Delegier- 
ten der Presse trafen im Hintergrund eines roi en Salons e nen verstand! 

Ivlann der 
gen, liebenswürdigen, verschlossenen ynbix nur english sprach . Beim 

Empfang im Stadthaus iqcrx erinnerte der Vorsitzende des Stadtrats in 

^ Ausdrücken 
seiner Rede a^ Verdun, Webb antwoj^tete mit Xsz±b3I aus dem Zolltarif 

' '^ 
und der Meist oegünstigungsklausel, ' Auf eine m Galadiner im Ministerium 

des Aeusseren ap,:ellierte der Handelsminister, den Becher in der Hand 

an die Demokratie der Laien, um das Gleichgewicht der Welt wieder- 



/ 



56 



herzustellen. 7/ebb erhob sein Wasserglas g ,en den Himel und 
"Ja. die '.elt ist in völliger Auflösung, doch die a^ Christus , 
dürfen hoffen! " 

Trotz ulier meiner Anstrengungen empfand V7ebb keine 
sonderliche Symphatie für die Franzosen. Er fand sie unklar, ges. 
.lg. übertrieben in der Belegung, voll unnützer Ideen, bolschwest 
und reaktionär, geizi, und versch enderi.h. Fj^'l^a gläubig . 
sobald er die Augen von oeiner Arbeit erho*. verursachte ihm Paria 
ein Physisches Unbehagen, das er sich nicht erklären konnte, ^r kla 
te über Schlaflosigkeit und dass die Luft hier drückend und errege, 
zugleich sei. .enn er sich zum .olf nach Fontainebleau begab, war 
er von dem Schmutz der Vorstädte unangenehm berührt. *H«K.Kh±^.Ht.^ 
Bekü.mmert stellte er mir Fragen über diesen Alt-Eiaen-Markt . über 
diese Sch.-„utzhaufen, über dieses ^ niedrige, moralische Niveau, von 
dem die Baracken und Hütten der P, riphorie Zeugnis ablegten. 
"Tle kann ein grosses Volk in einer derartigen Unordnung leben. ■■ 
fragte er. - 

me .ebüsche im Bois mit ihren nächtlichen Liebenabenteuern erfüll- 
ten ihn mit Entrüstung. In der Gewohnheit, die Handa in den Taschen zu 
halten, an der man die Eisenbahner, die Post und Tel egraphenanges teil- 
ten und überhaupt die Armee d,r Staatsbeamten erkennt, sah Webb. wie 
er mir sagte ^^JaavMiüMMiima:miMibcah^äieKtcKZmixi^mr^r.r«^^ ^ 
einen offenen Prozes gegen soziale Zusammenarbeit, wie er mir 
sagte., ich habe den Verdacht, dass Mrs. w.bb dieser Anschauung 
nicht fernstand. Sie hatte Ihren Mann nach Europa begleitet, aber 
-le war wenig sichtbar. Von neun Uhr morgens bis sebhs Uhr Abends 
war sie ^doüctta« nicht zu sehen. Aber sie ging nicht aus. denn 
sobald W.bb etwas nötig hatte, tauchte sie sofort irgendwoher auf. 



57 



mit ihren "breiten Binden uras Haar und ihrem schweren Knoten, ihre 
reinen, alterolosen Ges cht und ihrem sch^7arzgekleidetenxK:>cÄÄÄXki 
kindhaften Körper. Sie v;ar sein Schatten, se n Echo, vde die Must 
gattin in den chinesi chen Märchen. Der Luxus von Turis , hinter c 
sich dan wahre Paris so gut zu verborgen versteht, schitm ihr für 
ilmerika eine gefährliche Ansteckung. Man erz;.hlte sich, dass sie 
mit jener KrasBheit der Hede ,v;ie rie auf methodistischen Yersar/iial 
ßen ühlich ist, gesagt haben soll : Paris, das ist eine Schenke und 
ein Bordell.'» V;as jedoch die französiGche Kultur betrifft, wie sie v 
unseren Erzieherinnen im Auslande propagiert wird, so war sie für sie 
eine Anzahl zorenonieller Regeln, alter Rezepte für die Sinne und 
verzopfter, akademischer Vorschriften, ausschliesslich für den 
Gebrauch der privilegierten Klassen, Eine Art kindisch r ÄKüKtxaxxx 
unmoralischer und veralteter Gesetze. Sie konnte sich vor allem 
nicht darüber beruhigen, das • wir mit der FeimKÜimeckerei, dem Wein, 
und mit der Wollust, nit diesen ^cheusslichen Aus schrei fangen 
uns so gut und friedlich abfanden, die statt uns umzubringen, wie es 
sich Ä3drätxJbcha±iÄX gebührte, einfach unseren unschuldigen Zeitver -reib| 
bilieten.Sob Id ich a-.f irgend eine französische Gewohnheit an- 
spielte, antwortete sie in ihrer gütigen und nordischen Manier ; 

8 was 
"Bei uns ist Bta« verbiten !" 

r nnWebb aus der Konferenz xMÄBLkkHkrtK nach Hause k.3ia, 

fand er sie im ä^kk R genmantel und in Stiefeln mit XarnJcsoöMÄk 

Gummisnohlcn fertig zi. Ausgehen., ^a spazierten sie zu zweit, zwei 

ihre 

stunden um Longchamps herum, kehrten nach Hause zurück, assen Milch- 
speisen zu Abend (nicht französische Milch etwa, die blau ist, 
voller Bazillen, ohne Sahne, von der ran Xolik bekonunt, sondern 
Milch aus dem amerikanischen Krankenhaus) darauf spielten sie ihre 



58 
ihre i^ridgepartie zu zv/eit und gingen um neun Uhr zu i 
an, sobald er frühstückte, war Webb zu sprechen. Da ich 
gl& chen Hotel i^ohnte, ge^^ohnte ich mich cllmählich darai 

Mahlzeit mit ihm su teilen» Ich glauoe, dass Webb mich rec 



-t-, f. 



,../., 



hatte und sondLirbarerweise konnte ich mich ■irtyitex umhin» 



\7ebb zu jev.undern. Ich hatte genug von der Amerikanerin, die 
der l]he ihren Jungmädchennamen» ihr Bankkonto und ihre liebe 



rcnli hkeit beibehc^lt, die so unbekümmert 



sich für einen i 



verlobt und für eine V/oche verheiratet» sodass diese g genseitig 

Verehrung 

^fe^Tg^yig in dieser Ehe mir wohltat« Eb wirkte beruhigend eine Frau 

zu kennen, die nicht mit einem Auge nach den Aktien und mit dem 

anderen nach den Obligationen schielte, die ihr Leben nichtxiaadtexx 

±ÄXEtiu22a vertat in einem Wirbel von Öas4s Clubs , von Cocoanut 

Groves, V/ohltutigkeitsbällen» Carneval- und Maskenveranstaltungen 

auf dem EiE» 



Web ruft jTiich an» "Ich habe das Be ürfnis spazlerenzü« 
gehen. Schv/ere Sitzung. Kommen Sie mit» 'Und wo i^t Mrs V/eb'o ?•• 
••Meine ^t'±\x ist zum Thee im Elysee*" 

Es war einer jenen fals^ hen Hundstage» die oft plötzlich 

ge^en !^nde ¥ai über Paris hereinbrechen .Unerträglich schwüle Früh- 

Platzregen 
lin(^star:e, die mit einem tropischen vertikalen Äaqpncgaxx enden» 

dte d'is rauchende P-<^laster sofort aufsaugt • Die Sonne kommt wieder 
hervor. V/ebb sieht die Taxis vorbei jagen und int über ihre Geschwin- 
digkeit erstaunt« Der grosse Springbrunnen macht ihm Vergnügen. Er 

X bis nach 



kauft Brot für die Enten. Ich schleppe ihn 
Bagn teile. "Wie"» ruft er aus, gibt es auch hier einBagatelle ?*• • 
"Ich berichtige • "Unseres hier ist das eigentliche", '^/ir zählen 
nun alle Bagatelles» die wir in Aierika kennen an den Fi igem ab. 



59 



# 



das der Mrs. Gerschv/ind in Loggisland , das des Cyrus Rosenblatt 
in Hot Springs, dr.s Doppelschloss des Obersten Cox in Florida und 
die zwei üb reinandergelegenen der Mrs, Arnold Bishop Valshf die 
wie eine Herausforderung gegen den stillen Ozean und ßegen Japan 
über einer Schlucht in Santa 3arbara drohend aufgerichtet sind. 
Nie habe ich Webb so ermüdet gesehen. Er ist nur noch Haut und Knou 
chen. Er gle cht einem Wolkenkratzeri von dem die Mauern verschwun- 
den und nur das Gerüst übrig geblieben ist. Er lässt s ch in einen 
Stuhl nieder, schliesst die Augen, ruht aus. Es ist mehr eine Unter- 
brechung als eine Entspannung. Bin ich auch so alt, so müde wie er ? 
Werden auch meine Haare so grau ? "Er kämpft tapfer gegen den Riesen 
ZeitV pflegen. die amerikanischen Zeitungen zu sagen , wenn sie das 
Bild eines berühmten Athleten veröffentlichen oder ein Photo des 
alten, wie ein Maorihäuptling von %nzeln bedeckten Rockfeller. 
Was nützt diese 3tx|ifKRfetta: Tapferkeit ? ZiaXtxaxiak..JBdxmÄaxralLaia^ 
Ist mein Herz so beklominen, weil ich an mich, an Webb, an iirodsky $ 
an Rain, an van Horden denke ? An unsere Jugend, an die Sonnenuntergä 
gdriße üb r der Hudson, an die mich der heutige erinnert? • .. Mir 
ist, als wäre es gestern gewesen ... 

Webb schlägt mir auf die Schulter. "Erinnern Sie sich, 
wie Sie aus Frankreich in Columbia ankamen ? Sie hatten schmale, 

längliche Knöpfst iefel an, die v;ir JZrokodile nannten." - "Ja, und 

emch 
mnchraals überraschte ich k±» dabei , wie ihr den v rdami.aten Krokodi- 
len, wie Brodsky sagte, im Bassin zu trinken gabt ! - "J^n fühlt 
sich wohl in Ihrem Park ... Ich will Mrs. Webb mal he rführen. Sie hab< 
Glück in Europa so viele Vög 1 da zu haben ... Durch seine grosse 
Nase atmet Webb den Duft der feuchten Blätter ein. 
"Gee 1 Das riecht verdammt gut. Man meint sich in die Prairie 
▼ersetzt." - •• 



60 



Es ist hier noch grüner als die grüne Decke in der Konfereni." 
v:e\^ antv7ortete nicht . Es ist nickt die Zeit von Geschäften zu 

reden. 

An die Stuhllehne geotützt, d^-n Kopf weit zurückgev/orf en, 

Y,ie einer, der Hasenbl ten zura Stillst,-nd bringen will, betrachtete 

'^ebb den Himmel. :^r kniff die Augen ein unter dem wohltuenden Licht 



des Abends, dan sich auf die symetrisch ang ordneten mschpartien 
öcxÄKx auf dem Rasen «rgoss. -in Gärtner mit dickem Schnurbart, 
der seine HolHschuhe nachschleifte , versenkte seine Hand in eiäer 
Ecke der Landschaft . Und plöt^l ch entsjrang aus den gebogenen Armen 
der V.asserleitungsröhren, die über den Pf^^rden des Frieses angebracht 
v^aren ein goldener Dunst von d. r Sonne entzündet, ein W.sserstaub, 
d.r Feuer gefangen hat, dessen Ausbruch, ohne uns zu erreichen, 
uns in Frische tauchte und in den kräftigen Duft von gemähtem Gras. 
Der Gärtner zündete seine Pfeife an und verschwand, rebb widerstand 
nicht mehr angesichts dieses dauernden Glanzes dieser nicht aufhörende 
'A'ohltat. Ganz in Schwarzxx.±chnet eixsteH hob er sich von dem leuchte 
den Hintergrund der Dijonrosen ab. - v;as ist das dort ir ein Hügel, 
auf dem sich der grosse Palast erhebt." - "D. r Mont Valerien . " 
"ich beneide die Leute, die dort auf der Höhe -.vohnen ..." - "Es sind 
Soldaten ... Soldaten, die Tauben züchten. » - "V.ie gerne möchte 
ich mich einmal zur Ruhe setzen und Tauben züchten ?! " - "Für Ihr 
ganzes Leben ?" - "in paar Stunden, wenigstens ..." 

D r Abend sinkt herab. Das Paris meiner Jugend steht so 
deutlich vor mir, wie in der Todesstunde«. Das Grau Whistlers, 
die FlÖ ten Debussys, Cocelain aus Cyrano und ein alter Boulevard* 
Schlager. Ist es d .b reife Alter oder das ferne Exil, die mir bis- 
her xBXB«h««ri«iw langst entschwundene Erinnerungen wieder gegenwär 
tig machen ? Dauer und Entfernung, dieses Schr;esternpaar, dl« e»- 



61 



wie verstehen sie es, uns zu täuschen und damit zu heilen« 

''Aebo legt seine Hand auf meinen Arm» "»-»ie v/erden mir wohl glaubent 

dass ich noch andere Dinge gemacht habe, als über den Atlantic zu 

fahren und nach Paris zu kommen, nicht wahr " Nun sehen »^ie mal« 

Ich hatte noch nie ein so seltsames Gefühl gehabt, wie Jetztp 

seitdem ich hier bin« Ich weiss nicht, wie ich plötzlich darauf 

kom^ne, mit Ihnen diirüber zu sprechen «•• Mrs« Webb habe ich 

nichts gesagt ««• nicht weil man es nicht zugeben mag, weil man es 

gar nicht ausdrücken kann ««« Sehen Sie, es gab einen Augenblick, 

v/o ein Teil meines Körpers in Washiuc^ton in meinem Bureau war 

und der andere hie r auf diesem Stuhl sass ! Ich habe das Gefühl 

als sei ich doppelt« Paris muss ein sehr, 'er wollte wohl ää^äxüh 

sagen, ein sehr ungesundes > verbesserte sich ab<r.r aus Höflichkeit 

"ein sehr besonderes KLima haben« Ich fühle mich viel wohler in 

der Luft von New York, die vor Elektrizitüt knistert« Hier ist es 

K0 manchmal so, als könnte ich mich selbst nur v/ie durch einen 

unbestimmten Schatten wahrnehmen, so, als läge alles in einem 

körperlose 
Dunst, in welchem Gespenster von IdeenxlKhxherumbKWKgBOT herumflat- 



tern. Ich f hie mich hilflos, ruhelos, ohne Erleuchtung 



« « « 



ich hatte noch ke ne angenehme Minute, seitdem ich in Paris ange- 
kommen bin« Oder doch, eine, vor einigen Tagen« Man hatte mich ein- 
geladen, an einem kleinen F st im Studian und Artists Club am 
Boulevard PÄSpail teilzunehmen« Es waren da etwa 100 Junge Mann r 
und junge Mädchen, richtige Jugend, blöd, frisch, das ist Wohltat« 
Die 48 Staaten tanzten miteinander« Jungena aus Wisconsin, Llädels 
aus Ohio, Schüler der Kunstschulen, Studenten der Sorbonne , Georgia 
und Oklahoma« An den Wänden Programme d^r Bachkonzerte in der 
St« Luccaskapelle, alte Anschlaget die zum Weihnachtsee^^en auff order 



ten, -et el von Zimmervermieterinnen un 1 Hundeverkäuf em 



• • • 



62 

Kurz Greenech tfillage on the morning side Hides in Paris 1 
Wieviel Verhei sung in d esein Leben 1 \Vie hatte ich Heimweh ! 
Ich trat an ein grosses, rothaariges Xind mit einem an der Schulter 
geschlungenen Halstuch heran und fragte, ob sie gerne in Paris sei* 
Nun also, die hat mir nicht gea twortet, "Paris is divin«" sindemi 



"Verrückt vor Heimweh" •••• Ich bin Stipendiatin, wenn's schon 

September wäre, dann Chicago ! Ich sage Ihnen, ein ^^del, wie ein 

Pfirsich. Alle Sterne der Union glc-nzten in ihren Augen ••• Sie 

mus3 sich gewxindert haben, dass ich ihr die Hand so fest drückte« 

"Webb", sagte ich verletzt, warum machen Sie auch nicht einen Versuch, 

uns zu verstehen • Ich könnte Ihnen so vieles erklären , ich •••" 

Mit seinem Dedekt ivgesicht envie^^erte Webb ; Nein, alter Freund, 

Sie können mir Prankreich nicht erklären , dazu sind Sie zu sehr 

Franzose. Er liees meinen Arm loß und lachte. "Sicher ist jedendalls, 

dass ich mich in Aiö rika wohlfühlc3 und in Europa nicht . Das ist 

alles. In Europa hat man keine Lust, irgendetwas zu tun, Hafen zu 

bauen, Schiffe vom Stapel laufen zu lassen, sein Geld zu verteidigen, 

und sein Vaterland zu vergrössem. Ich ersticke hier, es ist alles vi 

fuhr ich zu 
zu eng, sehen Sie z. B. "feines Tages ix.mxri^'kx^xxx einem holländischen 

Freund in die Nähe von Nyrafv/egen um dort ü »er Sonntag zu bleiben. 

Innerhalb weniger Stunden musste ich meinen von drei Visas geschmück- 

ten Pass drei Mal vorzeigen, drei Zollrevisionen mitmachen und drei 

verschiedene Gel Sorten mit mir führen 1 Ich versichere Sie, das heu- 

tige Europa ist genau so wie das Heilige römische eich deutscher 

Nation vor Napoleon ! Seit drei Jahrhunderten sind all© Menschen 

die wirklich leben wollen aus diesem Kontinent ausgewandert« 

Brodsky hatte mir einmal gesagt, "liegt unsere Mutter Europa 

wirklich im Sterben, dass wir alle an ihr Bett eilen ? " 



63 
lUenand verstand es so gut vrie Brodsky, mit einem Wort unendliche 
Zusarai.ienhänge aufblitzen zu lassen, nicht v/ahr ? xagxisx ein Wortf 
das aus seinem verzerrten Mundv/inkel entsprang, erinnern Sie sich 
noch ? Ich verdan::e ihm viel, wiesen Sie, viel I deen vor allem, 
wie sehr hat er Sie geliebt 1 Wir sprachen über viele Singe, ohne f^ 
X2nai in Streit zu geraten «•• es sei denn, Y^enn er, was oft gescha 



sein Waschbecken zu leeren vergase und ich schmutziges Wasser darin 

fand 1 " - "Webb seufzte i »*lfie habe ich mich so allein gefühlt, 

nicht einmal in Sibirien« »'Allein, in Paris - - und Ihre 7ran ? 

Und ich, Ihre Freunde ? " • "Wie soll ich es Ihnen sagen ? Manchmal 

träume ich, als wäre ich auf einem anderen Planeten, iaDdCKÄXHacxkäiMDCx 

^KiKtx hin e im Leeren ••• bei uns spart man seine Ellbogen« Alle, 

Richter und Alkoholschrauggler, sie jun en Mädchen die Ukalele &m 

Hudson spielen und die Medizin stuiieren, die evangelischen Deutscher 

von IQinsas und die atundstückspekiilanten in Florida, alle atmen im 

gleichen Hhytmus. Alle Welt lacht oder alle Welt weint. In Paris 

si ht kein Mensch dm andern ähnlich und wenn der eine lacht, weint 

mir 
der andere. Deshalb komme ich nicht dazu, die Lage zuzariQ^nzlaelaBtMxm 

klar zu machen« ^Vo ist das Gute und wo ist das Böse ? Nur die Latei- 

ner scheinen von Grund aui zu v'is3en,was für sie gut ist. "Das ist 

die 3*1 önste Gabe der F-een " - Ganz gewiss und ich beneide aie 

eigene 
darum #Wir aber, mein Lieber, -rir müssen uns e ne Philosophie 

schaffen, im Schweisse unseres Angesichts und mit einer Anstrengungf 

dass uns die Knochen krachen, oder aber sie fertig in Seri^^n erzeugt 

wd beziehen , gleich gut für die Landwirte des Westens, für die Pred: 

gcr und Garagenmonteuere« Aber lür uns die wir denken ist sie voll» r 

dersprüche und unanwendbar« • - "Das kommt daher, v:eil Sie ein Mann 

von vor Hundert Jahren sind, Webb» "Ihre besten Eigenschaften $ Ihr 



•4 

Ehrenstandpunlct, Ihre üeberlieferungen stanii:erx aus einer Zeit, 
als der Dollar noch nicht die Politik vergiftete." - "Stimmt !" - 
^'^nd dadurch sind Sie g':handicapt, wie ?'» - •'Richtig!.., Indessen aber 
mus3 i an doch Ordnunj "brin.^en in Eure verdarrunten Angeleg nheiten 
hier und das ist anst^ eggend. Die Englander sind von einaa hölli- 
schen Starrsinn, die Deutschen richtige Teufel, die Itali ener 
mac Chi avellis tisch, jKiiBaaxx je Idnjer ich xk die jJuropäer hei sich zu 
Hause sehe, umso ver;:ickeltert geheimnisvoller, unverständlicher 
scheinen sie mir. Die Chinesen sind Waisenknaben dagegen. Man muss 
mit solchen Leuten mit verdeckten Karten spielen ! Wenn aber erst 
Ihre f ranzösiGCäien Minist r zu reden anfange*n musB ich mich förm- 
lich ara Mast festbinden lassen, um zu widerstehen. Ohne den eingeschal 
teten Dolraetücher ^:vürde ic;h unterliegen. Aber in d^r Zeit 'vährend man 
übersetzt ... " - "Es war nicht Frankreich, das irainer geredet hat", 
ervuederte ich gereizt, »*Wer hat Reden gehalten in der Stunde, als 
Ro^hambeau die Engländer hinauswarf ? ^"ar» s nicht Washington ? Und 
hat n cht Roosevclt von den Dächern der Zug® geredet, als wir den 
Pana^oakanal gruben ? Und war* s nicht Wilson, der gepredigt hatf währer 



wie bei Verdun s-tarben ? 



tt 



Eine äl te Darae näherte sich uns traurig, indem sie die Füsse 
nachschleifte, eine v^eissgelbe Locke, wie eine Pfäanze, die unter 
dem Schnee geschlafen hatte, k^^jn unter ihrem Crepehut zum Vorschein. 
Sie hiölt in ihren Fingerspitzen ror.afar-ene, blaue und gelbe Zettel, 
auf denen Zahlen aufgedruckt waren, ""^'ünfzehn und lünfundz anzig macht 
vierzig" sagte sie, - ••Was sagt sie," frage Webb und sprang auf. 
"Drei Sous für den Stuhl, meine Herren und fünf Sius für den Sessel." 



6«^^ 



zahlte 
^enn Wtbta '-^nnkreloh nicht ver^t^^md, no jtxii er ihm 'rnnkrelch 

Tilt e^leloher *!ünze zu* Uok. N-ch der hö:!'lich r BerrÜPf'ung der er-^ten 

beff^ nnen 
Tage ]s)KgaRii in den Zeitungen sjBaaaure Bemerkungtn un^ "^endenrsiöse 

C>erach+ e zu erscheinen. M^n f'Jhltj die Vurst immung der Leitartikel 

pchon voraus. Ka frelang Webb nicht mit uns Kontakt zu bthnlten. 

Er w rf uns vor, d^ss mir ihm Fällen stellten, wir "'ieaen auf den 

Ton sein r Noten hin. Seine UNterhaltung mit F -nkreich ging durch 

englipche oder deutsche Dolmet^jcher , die ihm durchau.^ kein Vertrauen 

einflörsten, aber er verPt^nd wenigstens ihre Sprache. 

Webb litt d'^runter, d^sp man ihn fnl.nche beurteilt.;. Ka 

w^'re nicht richti»/ zu aagen, d-^s? er Kuropa verachtete. Er vjar viel 

zu klug, um seine Aufg.^be nach Kilometer-: oder Meterzentnern zu mesaor 

the 
und be^rif'f sehr wohl, dpss der /u^druck "p>^eatünt of tfee world" 

in P^riP keinen Sinn hatte. 

i-t 
"U.S.A. bei seinen riesigen /upmasFen kinderleicht zu V( rwalten'\ 

p^gte er zj mir einige Tage d'ir^'Uf. : uropa irt winzig, empfindlich, 

voll ungewöhnlich'or, unlösbarer i^robleme. So7:ie man etwas b rUhrt , 

stirbt es und z rföllt zu r>tajb unter der Hand. Ueber/all fasat man 

in f.tacheln, ich habe mir die Hfe'n^^e schon blutig .gerissen. 

Je s-h'v'^ieriger sein Unternehmen für ihn wurde, umromehr 

befestigte sich in ihm die Oewi sheit, eine ihm von der Vorsehung 

Columbia 
übertragene Mission zu erfüllen. Zwanzig Jahre vorher hatte er in 

mit einer /rbelt über dar Thema "i^m r.chwierigrt en i t es dort, wo 
eine Pflicht vorliegt** einen Preis errungen. Und auch Jetzt trieb 
ihn sein Bchwung dem Unmöglichen entgegen, ^ie Internationalen Kri- 
sen, die man Konferenzen nennt, beraunchton ihn. Er wollte hier sie- 
gen, mit den gediegensten Waffen, mit den idealsten Motiven. Es ge- 
nügte ihm nicht, der geschicksteate, der kühnste darin zu sein. 



69' 

rondern der b.ste, der g erechteai e vor Gott. Die hohen Beamten, die 

grossen e.chHf tsleute. die Minister die mit Ihm zu tun hatten. 

st las Pen bei ihm auf eine Ihnen unbekannte und sehr steirende Rrschei- 

nung: Er wollte die Ha.Ustlrche und negntlve Macht der Regierungen 

nl(^ht in Betracht ziehen, verachtete die Geldstandpunkt und ,,urde 

rot voll Unwillen bei dem aednnken. die rtrasse könnte ihm Beifall 

kl°tpchen. 

I"h tat wfia ich konnte, um die im Publikum pich bildende Le- 
gende zu z,.rPtören. «iR-ssi Webb sei unmenschlich, e-in Illumln-'t 
der die europ[ii..he Ver.tSndlpung zu hintertreiben suche. Ich v rbr- ch- 
te die Aben(ffü in ^len Hedaktionen , bemüht , ihm persönliche Angriffe 
von ihn. avzuwenden. die in Amerika als Beleidung empfunden werden. 
AmxM^rxenjx iJorgene , beim FrUhstUck, versuchte Ich, Webb die Ihm 
fre.de Psychlolople s.lner Gegner zu erklären, alles ^as i.h von ihren 
helnli^hen Absichten .rf^h. en konnte und überhaupt den ganzen S*adtkiatH 
Stadtklatsch, yrn. Vebb unterbrach mich. B48«*n:tüncier hl.K-n Diesen Lan- 
dern hl r fehlt es an Innerer Erhebung, die Leute sind « «lasenlos. 
•^ebb ^^ehrte Ihr -.It - r H.nd ab , "Ich werde es schaffen. Mutter." sag- 
te er. Ich mues nur Stand halten, r^.le werden sich an eine v.rnUnftlae 
Redeweise gewöhnen. D^-r^uf schwieg Mrs. Webb und nahm ihre unbe..eg- 
llche und ■elnda.ellge H-^ltung der Hüterin der Schwelle wieder an. 

'Vebb Hess sich vom Geiste der am rikanlschen Oesphlchte 
leiten, von der mvstlschen Auf^a.sung des Bundes, wie ihn -Vashington 
hat te. von den ökonomischen Grundsetzen eines Jav, welche die Union 
geptlftet hane, von der Unbeugsamkeit eines Lln-oln. Mit dem Ergbnls. 

"^''zu'cllden"^ '^'''""* Verschwörung der We-teuropSirchen Staaten ge.en 
ihn «)ajbli(i«B begann . In zwei Plenarsitzungen hatte Webb einen Angriff 



^ 



y^usTpll r^egen ^Ue Pe^^simifltcn unternommen und erklärt, dasv« er p ein 

beronneneB \7erk nicht Btc^ren laspen v^Urde. "b'hrend der Sitzung echüch« 

Notizen 
tert dieaer MHnnr ßrosne schwarte ?Zar)n, d-T e^elne Biät1^«K In der 

beg'^nn 
Hand Feine Rede mit tiefem und ruhigem ^ Ifer mit den ?/orten kesriniaijx: 



"I-hh bin fert überzeugt 



■ • 



/^le L: Ute ein. Toch T^ßir dnrnuf 



lachen fIc über f Inelllus'lonen. Die Kommlneloncn und ümtmj^iBömmaiFalffli^m 
HfflBm Aupschüsse fu ten ''Ich erst wohl , wenn d r nmerlk^ nl^^he Beo- 
bachter nicht zugcr'-en war. In ein r Atmorphfire von untätigem Skeptl- 
ziemua und Untc-rhändlerknlffen zer- tc!ren rle In aller Geduld, was er 
r-iufb= Ute. 



Em !^t?3tib And nr^hlechten Geruch dep IXKXöh^höllö AuKtlonn- 
höre ich 
hplle bei ' rojot unt.r '^urt nann»'llen un^-'^ Por-^^ llanfr-kllrr Im 

1 ur.-hein' nder der Verrtelft.^rung rlne rtlmme, die h'^rt wie auf einen 
;^raboPn niedei'ffe'llt: ''20.500"' - "29.000 -ntwortet rechte von mir ein 
Armefcl^r mit Glimmerragen" - " 500.900 ! ' Die Z ffer flackert, 
prhv;nnkt am Wie^rebalken , re^innt wle^^er die Höhe. "5C.000I - 
"31.000 ! '' Ber#kz^<int 'l5?tm^mnriikmn4[yrh I<"h erkenne den Amerikaner am 
Akzcntl" - "ZuseBohla::'.nI "' 

Wer Irt es ? Die menschliche Flut p:ut ^^n^itzogener Bettler 
umdr^'n^'t mich und hindert mich -m 5>ehen. ^Ine Welle von Begehrlichkeit 



treibt ^le hin und her. 



*'Volt' IroG F.L'mtli-he Werke" .-» /'Köhler /'Ung-^ b. " 



-. . . In 



iffinallei-erbänden der Zelt ... Der ^^ukt lonator llert den ganzen Ti- 
tel ^i^, blr^ auf den Text : "Nummer 486, e?'^ Ist die Ausg-^be von 1796 
der Ll'^'i'^on Öangereupe mit Kupfern von Monnet . I-^h beob^^chte 
n ugicrlg des Steigen der Ziffern. Der nmerlknnlsche Bibliophile iPt 



wieder sn den Schr-^nk hlngetreten j 



fi 



500 l" ... 25.000 ... 



\\ 





'•500- ....•■26.000' •27.000-^ .... Jetzt habe loh die Stimme 

erkannt. I t ea möglich, lat es ."/ebb. Ich dW^n^e mich durch die Leute. 
Durch RÜMung.n und Dr.rom.ter Loulr vn , dringe endlich nach vorn 
vor. e. l.t IrklMi ••ebb, er hat meinen L clor in der H^nd , b.trachtet 
Ihn T,lt «eitg.affneten, ver.ch- immend ,n Augen, ohne plch zu rühren 
und Ohne o^l^h zu .eh.n. I .h ziehe ihn m Arm r'Wa«. Ble binden noch Zeit 
unPere ^iten Schmöcker zupammeln J " - "Er sieht mich ve-lef^m und v r- 
«irrt an. Er r.leht -nich aus dem Saal hin^u... sehr rn.ch und .chon .ind 
^ir auf der atrasae. "r g.ht haBtlg. ohne mich .nzuBehon, oder mir et- 
WPB zu Pagen, als sollte er mich loa werden. Doch ich, von Neugier 
und bibleot^hllen Neid getrieben. la«Be nicht locker. Ich musP diese kost 
b^ren E.empl.re in dU Hone nenmen. ich mu«8 erf .h, n, ^arum er rle ge- 
kauft hat. v;sfl iPt dr^s für ein neuer Webb. äerere ^er ^ol-^ho. Verständ- 
nis hat für unsere XVIlleme. -.enn er unsere klasPlochen Schrifteteller 
liebt, dnn kann man erwarten, daas er auch Frankreich lieben -«ird. 
Einövaterland lache Freude erf.ast mich, früher oder -pöter v^erden diene 

AuPländtr rio^h überzeugt und ich bcgSückwUnfiche '"ebb - jfr WKrmste. ■'Va:e^ 

v,o»,, „ r, ^ , „ „ Vcr.'-tHndnia 

hPben . ie gesagt V" - "Ein solch' feine «,*«« bei der -ahl c^ieeer 

BU-her verrät, wie sie in unser Kunathandwerk eingedrungen rind . Die- 
ser L'font-'ine — zeic..,n r-le doch einmal ... der roganannte Gen, rnl- 
pKcht-r L=»rontalne, Ausgabe 1762, mit der Notiz von Diderot : "ewundern 
Sie doch diesen grünen Marocnin, den breiten R^nd, die 2sMk rona Seide 
des Futters, die Rücken Im «jriechiachen Stil mit ^^en reichen Ornamen- 
ten der Trophäen l . . . •' Webb sieht mich ohne ainBii diene S ' Snheiten 
mit einem Blick zu wUrdigon so verblüfft an, daap meine BecelFtcrung 
nlötzl.ch erllPcht. i-.r scheint doch k ine Ahnung zu hab n. Er hat diese 
Bfa-ndo g-nz zufttllig urat-nden ... oder ... de" Inhalts wegen vielleicht' 
. . . "QESKj$KHit?h 



"Ich hätte Ihnen nicht ro viel Liehe für La fönt ^' In-. , füi Lnclof. zuge- 
mutet, daF.p ^le rle besitzen wollen, inx«JcBeKxfR5?t in Jixemplaren, die 
es kaum norh 'Ibt" -~ "^Ind es nicht gute Schriftatelier ? " ... "Was 
nennen r.le einen raten SchriflBteller ? " ... "Einen Sohriftn' eller , 
antwortete er , "i^lt ^rn •"t und T^l nt d- p aundrUnk-n, was Jeder anstän- 
dig !.!en'^-h in meinem Innern denkt. 30 ^ie Ihre klanaischen Dchrif t - 



isen" , 





Atelier Rou^^aeau, Boaruet. !" - ""7aE , Sie haben Bor>Puet gelei 
rief ich un^l^lubig, "Ja, lin v/enig in der letzten Zeit, er h^it mir ge- 
fallen . Und no dr^rhte ich, das?, diese Bücher, die doch aur^h klae lach 
plnd, mir ebensogut f: fallen werden." - 

äs Hoviel nnivef^ gai ea Gev/issen Übe aticg in meinen Augen alle Tyren- 
zen des Möglichen. Oh '-Uent; antj:e:ar>!ialche Heur^helei \ Er machte sich 
über laich luatig. I.-h blätterte im Laclos und grb ihn V/ebb aufgeöchlagen 
an einer Stitt mit f iner entzückendtn , un^natändigen Sepiazeichnung. 
Er tnt einen heftigen Kurk und wurde so rot, als ersticke er . Er rlaa 
mir den Lafont ine aun der Hand, aenkte die Aug. n rmf den Kupfcrr, blieb 
eine Wolle -jnbe^erllch, die vier prächtigen Innct^vOR im Arm. Dann mach 
te er üini^e Schritte zjr ^^eite und "-hmlar sie -it einer brut^-len 
Bewegung in die K-nalöf fnung. Ich alürzte nach, leider zu apät , hörte 
wie er murmelte ; "They are not fit to be p.een by a wottanT' D'^nn ging 
er Tiit roFpen Schritt -n d-^von.". Ich blieb atarr auf dem Trottoir 



stehen; Webb hatte dier^e Bücher für eine "rau gekauft I...** 

Ajguf^t. Die naieon war zu Ende. P-ria leer, doch die Konfe- 
renz dauerte noch immer und die Journalißtun, ^'ie vor dem Hotel 
Crillaume auf und ab gingen vernank n in dem weichen As'phalt. Lle Ame- 



rikaner h^^tten ihre b^ataeidnen i^nzUfre angezogen und p.ahen ml; ih 
Panamas wie Kolloni^tcn von den Philippinen aus, ^ie Delit^lerten 



en 



hatten ihre Familien kommen asaen und Villaß in den Seebädern gemiete 



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Zuweilen ereignete fleh In clen AuBPChüBsen ein Z-lBchenffall, 
ein Konflikt, brachte die TTan ielgänge In Aufruhr, Cle BotBohafter kehrten 
plötzllr-h aus den BMdern zurück, die Zeltungen erfchlenen wieder -^it pros 
sen ftch-laßzellen , 'Ue Kime ^lolen.rie ;^bgepnndten v rfnppton chiffrier 
te vertrsallche Berichte, '.ebb drohte sofort, lleaa sich PlSlze nuf dem 
Schlf: reservieren. Dann wurde geschäftig ein i^rUhstUck Im Freien 
In einem der Ret-.t-ar-'nts' der h- aps Elvseee veranptoltet und aus 'Jflner^l 
waasenn und ein v.urhs v^le^er ein fester Boden auf, auf dem man sich 
verFtKndlgte, die Rente Ptleg wieder. Nun konnte man wieder auf das 

nächste Gewitter warten. 

I h rah lebb Jetzt viel seltener aln im TTUhjahr, ep kam auch 
nur vereinzelt vor, daa-^ Ich mit ihm am Morgen frühstücken konnte, denn 
er Plng Jetzt melatena fort, bevor Ich er-/iachte. An Jed m "'ochenende 
fuhr er Im Zug oder Im ••^lugzeug nach einer europJili^chen H-uptatadt und 
ehrte gebeurt unter der Last aeln er Akt.n^t^5gf-e nach P^ rl? zurück. Lr 
eah entsetzll-h «-hlecbt aus und Urs. "/ebb war vieren seiner Gesundheit 
tief besorgt. Alle Energie, die In Ihm war, schien verbraucht. Und JBX 
löRgxxxir-rior zu eh. nds verlor er an Körpersubatanz. In seinen schwarzen 
Kleidern und den hohen Kragn, die er allein no-h Immer trug, bot er eln- 
nen aonderbf.ren, unv^lrkllchnen Anblick dar , der durch die schwarze 
Brille, -'le Ihn ..In Bluter?4ss Im linken Auge zu trai? n z-^-^ng , noch 
verptS- kt wurde. Mit eingeknickten Knien, mit einem unhör1nKnKnxB«bril»1rti 
durch fielne Gurmilsohl. n unhttrbar pemachten Schritt glne er Jetzt nur 
no-h die wenigen Meter vom Hotel zum Vagen, In^^em er hineinfiel, wie ein 
Schlffbr ;-hlger, -er reit zwei Tagen im Wasser gele^-en hat, In ein Ret- 



■ ung'boot 



"Es wird 



inoer wie'''' er 
pelln-cn, "sagte Webb , Je weniger Erfolg 



er hatte. 



71. 



Ich pah ''?le sehr • r pich bemähte, ua zu verf^tehen 'dnö v ratender, 
^werden . Er lleßs pich unterr lcl:ten, Buchte Be "iehun'?en anzaknüp 
Sich :Tiit dc-i einzelnen abzufinden. 1-r ^vandto sich nlch; mehr an d 
V'-^lker, ßondern --n die elnz:lnen Mit-'H^d r der Doleg^tion. Er wui 
geduldig, llesp sich dar-^uf ein, Herren ?^nzuhören und srDX7itffl3niVmKBi«. 
arfhÄiigm^M"4mdmrniÄ^)a die v .rnchlcdonsten Vorpchläge über pich erp-ehe 
zu läppen, gleichviel, ob sie von xkr^sixiKen ehrbereprenen Geizig 
oder ponntiaer Hen-ehrlichkeit diktiert waren. " NlchtF -/»ae EuropälA 
ist, poll mir frer/l sein " erklärte er mir eines Tages .'Venn er auch 
v,le vo drehte, dpss d^s A"^ rlkani ^^che axich da^^ Menschliche sei, so 



^B te ^.r ep -'lenigstena nicht mehr. 

Mir fiel an ihm eine cr,t wisse Z ifrie^'enhei t cuf, die trotz 
selntrs schlechten Gef^unj hei t s zu Standes von ihm euss^rphlte. Er beklag- 
te sich nicht mehr darübtr, daps er In dem zu kleinen P'iris ersticke. 
Am Abend fuhr er zum EsFon aufs L-^nd hinaus, suchte jene kühlende Ebene 
ausserhalb der Stadt, die die 7/olkenkrai zer auf ihren Plattformen 
bieten. Ob^-leich mich s ein sclilecrt es Aussehen geradezu bestürzte, hörte 
ich ihn nl-ht mehr über unser Klima klaaen. Noch auffallender ^ar, 
dos<^ der sons' von Nntur so sch'^Nelgsame und zurückh.^ltende Webb plötz- 
lich eine gev/lspe Beredsamkeit ent*/ilckelte . Er lachte laut, g-^b seiner 
Freute durch ^ebhafte Bewegungen Ausdruck. Dnnn v»urde er plötzlich 
unvertr^:gllch und begann zu XKb^inQpfsw fluchen. Er empfing Jetzt 
gerne PreS'^ever ' re' er (wie icn es Ihm früher oft vergeblich geraten 
hatte und hielt ihnen Heden. Ende Juni wnrer beim Tt -and Prix zugegen 
und am 14. Juli bei der «;rossen Truppenschau, ohne seine Frau. Hatte 
sie aufrehört, über die GüPundhelt ihre Mannes zu wachen ?/'^o oft ich 
ihn ynh, erklirrte ..r mir Je-^e Stütze der O.rüstos, oft dem seine Poli- 



tik ruhte. Er lobte ihr^ weite Anlage, ihre Festigkeit ; 



ti 



72 



^ 



"li-uropo v?lrd 'lur h dax nnaaüvQicis\arlnzm die n^U'^ Sai zung fäiach wie c 
Prairie v/erdun... keine ö'^hatzzello , '.i.. T/arenz'Jfte .^-rciiri ohne Auf 
hplt von Calais ::)ip nach Odesna durchfahren ... " 

Hielt ov Tiich :'ür * inen Journ^lirten ? Dl£ p.üt Optimismui 
machte Tiir öor^^e . I'^h empff^nd ihn nicht al^ nehr begründet, ich hätt 
mir "^^'ebb ruhiger gev*Unp,cht, mir w^r ^''er überschwengliche MTfitiler , 
der undur^^hdring^li^^he '«/Innn vooq ?.u.t:inn --'er Konfornez lieber. 

Seine Bünn'hunp'en zu einer Versündigung zu gelangen X«W55^t0 

8ri'(?biyaaf^ sintrr^Ebene richteten sich nuf Stellen, wo pie nm Schwierigst 

zu erreichen war und brnchten ihn ::iit Menrchen zu^nmiic n, ^He er besseri 

vtrrAeden ^:m't,te. '^KKxX'®Kx1fMix}?tK V/er leitete ihn jetzt in Paris, wer 

beeinflu^^pte ihn. ^'Ver be- og ihn, di.se Zick Zack i'olLtik zu m.^chen ? 

j:KXSKK:^:i:>'ggXVXai'Ki^X^''SiXl"''^S ^arum bediente sich Vebb , in der Lage , 

direkt mit den r^taritemänn.rn zu ver.iehron , ro zv;eii elhr^fter und kostepie 

liger Vermittler ? ir emnfing wohl Zelt ^ngrleute , ftb. r nicht die richtlg- 

gcn. C7;-undenrl;ch und gewisrenhaf t , wie er war, ve}lor er seine Zeit 

in Ger-nr?i*chen mit z-^Lideutlgen /renten, mit 3ai«R(^^':KeRxicjcR?JHZi«.>itenx 

zweitkla-rigcn l-ln-^ncierr , mit Bluffern. Dieser unbestechliche Richter 

bedeutun-slosest en 
verhandelte mit den ^uiäextMnxaiaRtiiKam Delegierten , mit T^-^e^^politl- 

kern, l^ess sich mit Unbekannten ein, vertraute rieh lächerlichen 
Geldleut.n o' ne Ansehen -n. Ibh bedauerte zwar, dass er sich mit 
cies.r zv;eif.lhafr.n Gesellschaft einliess, aber ich wunderte mich nicht 
.ehr darüber. Ich wus.te, darP die einzigartigen 'Verte meines Landee 
alre eingeborene Tugenden, nich .o gut zu verber^-en wissen, ro stolz 
cinn, .0 rchcu, bo unmodern, daps. ein F>^emder s-^hon allein durch sein Da 
fltin sie in dl.. Fl cht rchlKgt. webb ^ar:Ti.Hafmi^b7^ag«- ^«^r^^^^s^ verlor sich 



imitr m'^hr ?iuf Ab-ege. 



75 



M 



Die- einflussreiche Pref^ne, die ihn überwachte, miestrnut.e ihn . 

ri o p p ^Y 

M-n ;varf ihm vor, trübe, jn verclL'ohtU'e Coaihinat ionc-n boff^nntii^e, 
datis er untir^ünrchf e Leute aufdrlin^re, dnnp ^r den Refrierungcn 
L^-'iWierigkeiten m-i-he. M-n boBchul'Ugtt ihn hinterlistiger Manöver, 
cic- 2UT; Unheil fü:..rc:n mür^-ten. 

in ^len Hintergrund gedrangt, litt i h d -runter, zu pehen, 
v.ie -ein einst unvc-rvrandb.'^rep Prertlf^e unter diesen An.-rrifren xvankte 
und die heftigsten S hläge knaen aup meineTi Lrn.le. Wan konnte ich 
tun ? :jleine Hf^tschlä^e, cle nie 2iH^^®h?iKtx7fDirdaH befolgt wurdon , 
•wurden Jetzt nicht einmal verstanden. 

Trotz der Scheu, die nir Mr^ . 7^ebb elnflö-ste, musste ich 
T.i?h doch einer. Tr-ges entpchliesr. n , ^ i1 ih- zu spre-hen .... 

7;ap nQUf'Stc i^-h dringen, um ein Getprll h von tini:ren Minuten 

zu erlangen, /-her ich versteifte mich dr-r-nuf. Do-h mein Elfer kühlte 

''Ofort ab, 
Kich xfe^ ^nge^ichlH de.^^ nicht f^sar^nrU-n -mpf ' nges Vo einem G-eslcht 



V 



/*" n o 



'•ur-h Pcinen ^nt mi:-^us Vt.rrlefelt Irt, '^ Irkt Je 'es Wort, d 



as 



Aarnen ^^oll, ^^ie eine Unschick chkeit 



Und dennoch, wenn e^^ Mrp. . '.ebbr /bricht war, Jede 

i:intlusanahme cbzuw.hren - w rum ümpi'^-.nd ich für sie eine so wa«tecySlvm?» 

letcndire Zuneigung'? 'Vfirum empfr.nd ich so viel B.forgnir, wenn Ich 

cieperebplchtsvoll rlc-^nzlosen und beruhir^H'^en ^r- u zuhörte. Eine 

unbestimmter von 

/rt Kn^iyre^y Angrt überfiel raich, die dit^.ce korrekter und stets 

im Glelch.-^evJlcht btfindllchen Frpu ^uszugehen cchien. Ich fühlte, dass 
sie auf alle ^rnp;en, die mir der pprunghnfte '^ebb aufgrb, eine heim- 
liche Annwort wus^'te, dasr sie aber nlem' Is dief^e /-ntvjort aussprechen 
w jrd-r« 



/ 



7A 




'^1 ho-hgeklnpptem Kräften ^^ar Ich Im Be -rif fe achlai 

6^-hün. L'-'S I-in.:i d^:r anglo-anerlkflnir-hen Propae hatte tief in 

den Morgen 

KxKxt hinein gedauert, er ^A?a-r bjrcitr sieben Uhr . Ich ging vor. 

7;eichun G-fühl.-n Ll\A.rmpnnt vor iiich hin, at^ete den Duft der Kae 

biUten, f'pr:-ng üb r S«7iKK5r2KM59Ä»if^hren rne P.-'jpenrchlfc'u'^he, Pnrie 
. tili 

7/ar leer, ohne ;^utop - - 6^p P-tlp mein- r Kindheit. Ich erreiche 

/venae Mont-nne. I-h rrrfJpne dar, Pal-Jin der Herzorrin von y^ntifer, d 

Gattin JeB rpr:niPchon Gr^nnden, ''ep ^-ros^meiRtcr? dep **altheserordei 

/llep liegt im i^'Chlaf. Die Henair.'^ancepaßw^-ai?- von 1875 gibt kein 

he'mniF; preip. v;o ipt No ^ine ? In nf oder in P^rip vielleicht ? 

Die Lt<ÄfflH'"Bliwöi' niohtx.cie J^^loueien ^^ind nicht her-Jinterrrelr^PflQn. Im 

err.tcn L:»tock ro e *'orhfin,:^e , im z^^eü en ?^uRrelin''0>^hl'n^^e R^h'^umend \ 

o-ln Spl zen.ierles'-el -- up der Z.it deH Frfr'^-i .ent c-n Qrev* ... ein Auto 

ein Packrird halt... pollte lr>h di^-^en P^ckr^rd nicht kennen ... 

V/obb l jVebb ipl ee, der '^Uv^^ateigt \ 'Vebb drnuPRen, um diese Zeit ? 

Dar Auto flihrt fort. Er geht an mii^ vorbei, ohno mi^h zu neben, ge- 

bUr^kt, heiml'^h. Er hat dem ^hsuffeur keine "Yeinjng ^e^^eben. Er über- 

cuert da? Irottoir, ^u^htloa, wie ein Mann, der er gisv-'öhnt ist. I>ie 

Iure xxhiiexK 'vvird hinter ihm cepchlorpen. 'Vebb bei N^dine ! Der 

erst^ Dcleal^rte d r V^.'- einig' n S"^-ar.t'jn pflo-r-t um rieben Uhr jeden Tag 

Arbeit p Zimmer 
in seinem RiiiJ^Äü zu eeln. Ef wpr Unpinn von mir, dr^R? ieh den KorrevPpo, 

dünten der amer 1 kaniv^chen Zeitungen in P^rio et - ndzuhnlten verauchte . 

Liese Burpchen können trinken \ Ich '•'Jill ein Tari nehmen. Gerade 

st tat elneB gü[-^unübcr --^m Trottoir . "Taxil" /Ec k^t ritzt Jemand 

crlnnl -j-a nieht aus, als wL're e? Rhoda. N'--;türlich irt nie es nicht. 



-.hodc~> hat nicht die.sen .-it-^rren -ilck, bei dem dlt.^ Pupillen vera.-'hwin- 
d^jn ... und docn "ch-ln-.n diepe Aug^n m'ch zu rufen ... "Piaben Sie 
geeehen ? " sagt rfi^, "Haben ^:ie ^r^^esehen ?" - "v/ap denn ?" - "T/ieder 
ist einer dr?=nn, iwie Brodsk^-, wie dAemandearmnm viele andere. Der 



V 



75 

Deckel ir,t über Ihm zug klapnt . Der Mann /tnerlkaP Ist dr drlnn l" 

Die "'orte kom en jn.'eutn-h dur-h die zar^el'lr^fenen Zf^hne 
:1. hat Im Bll-k d^_n ^urnrur^k einef= vvllden Trlumpha . "Ja -n^^ hpben « 
Rhoda ? Ir.t un v»ege-n diere fr:!hen Besuches ? Die He.zoßln «Ird 
Ihnen d.,p Blch.rlich orkltir.n ..." - "Die Herzogin I E^a.'t p>le voll 
Honn. "die Herzogin l -'He l'-.lo^ loh '.ar v.b , -n sie zu ,-laaben» ^^le 
Idlo'L—:. Ihr z.» ■•ien.n J Viper IJ - ie pre.^s-t meine H^n^^ mit, Ihren 
krMlen8rtlj:.-:n Fingern zusammen, -~U rieht noch teriUckter auf!, ala 
r,on"t. "loh, ich ... ihr. «c^veueMe V.r-Jndote 1 Ein -.' r.om unzuaam^en 
hrn.----n-ler ^chimpf-'orte mit r uhcr Dtim-ae, mit keuchendem A1 em hervor- 

«?->-to«"-n. "H-;t Ble -.hi^-oht '"ber Sie pe-proohon ?" - ""le musF 

-■ ' beleidigen 

nicht er t "prec-hen, u'n .in n zu belefil- n , dle'-e d-n . Anspielungen ge- 

nU.^en ... Sie dachte wohl, loh ;=el ein Nichts,, ''r,,^ ^an -uf mich tre- 
ten konn, dHPr man Ubr mich hln.-eff-^hreli en k?inn ... Rhoda, eine 
n ,s^ehr.lt^ne Frnu I Dlemal hnt sie ntch v;>rr.:-chnet . Diesmal IstaSiiH 

orb..i>relungdn . D.-s "sird l'rr 1 uer zu -tehen kommen ... 
Sie vlrd •■■ebb nicht habc-n, df^r. fu-hwöre ich. I-h v:erde er. zu verhin- 
dern ^isron. Denn Ich bin mein.m I.^nde ergeben, i-h bin k. Ine Emigran- 
tin l Ich bin eine Amerikanerin J 

Mit k --mpfl^ren Beviegungen reinst Rhod.- am Fenster. is«agt 
^±rto^iä.-«r-n*tGT:-i.-aTreBtaTi«vtnaicäa! hän-t zur •'•apentUr. h mun. Dann wirft 
Ple Pich pl5izll-h, ohne dar.- Ich -le zurückhalten k^nn, In Ihren 
Sitz zurück, ohne weit.r .in or1 -n 1 h zu richten, j., ohne mich 
yberh-upt no^h zu pehen, spricht .ie 1-ut vor «ich hin, während dna 
JSulo Pich m gewerung netzt und d'--.vonrollt . 



ätSHOWliX V 



\' 



Erchöpft kam i-h um ^^le Mittagszeit nach Hause. I h hat 
mich nicht Pchl'.fen 'elegt. mir kaum die Zelt genommen, mich umzuklel- 
'^^n. Ich verauchte Rhoda zu erreichen, fle viar nicht aufzufinden. 



76 



I 



r ' 



on -ort - Lite Ich n- ch Yi^rpeill-y um V^n Norden zu '-larmleren. 



Doch er wqr seit zvr i Tn^tvin mit Palner L!utler i-n/^uto v^vr^ÜBt , ui 

i-o.Ti^.'ni' -^he Kathedralen zu besichtigen. Er^ gab ihrer r<::nug für elr. 

•^eile. r>oll-^e inh -^ie H rzoftin v.yrnLn ? Do-'h ?(tfi.xSfx vjovor ? 

'"enn i?h ihr die Be schimpf unf^'^n Rhodae b richtete, wäre e^ ebenF 

von allem 
alr bes -himpfte i-'h Pie pelbrt ab^ref-^eb.en (ffürchtete ich fü 

TJobb, ohne '^■.i wirren, wrp. M ine ^-^orge 'rieb mi^h inr Hot .1 zurU-cl 
7/eb^n h?t*e Pich mit ^'em Eotr.chafter der V-reinic^lcn ntn^iten einge- 
be hlo^* • en . 

loh llv,pr lair IrfTL-n^'i etv/ar zü Eepen nura Zimmer bringen, 
c'Dnn i^nrf ich mi-^h nuC^ Bef? . Unm!3nli h, '.-in A\Xi-z zu r-hlior.-en. 
HitZü, Llrm, r.rr^-.^rung« y\n der Decke zo en unzupammenhc*"'n,cron"^e Ereignip 
an mir vorb-1 ; Webb ^Ip Ehebr eher ..• heimlir^h reinr-r Frnu verraten 

... von ihr v.il'-^ppen *:*.f f..ntlich. r S-'z-m'-l in P^ris .... 

die 'l prnpreRPe in New "-'ork, Webb kUlt in öffentlicher SenntPit- 
zunr \n "e^hin^ton - nr^t-rrif f -.n , zjrü- kcer ufen, ^.In erk in "rümmern, 



• • • • 



!l 



Um vi r Uhi hi':lt ich cf nicht lüng^r ^up und verlangte 
'^^'ie tA.lefoni'- he ' erbin^ ung mit We ^^ . Er rei gerf^^e aufl^^ref ngen. 
^iohin ri-h wenden ? "'en aufpuchen ? Ich bef nd mich in Jefiera Zupt nnd 
geschäftig r Ner^'OPlt^t , "riemm^n-i^lia izaxasttsnmKp^TmT^aHÖBicxlülBingaHgem 
hptiÄxix ;xajif rei^aradi:!^ dem min zj. Z'..'!!,-. n -uf e/r.nder Ereignisse unter- 
liegt, mnn ^cann n' -ht ptlllpitz n und mö'-hte lieber ir/^-nd et^/jap 

tun '^Ifi 'Tnrnichtp tun. I*^'" eil^e z\ M,n ine. 

'.7ie vmgtt ich ep, po b i ihr einzu''rin;^on, ohne zu telepho- 



. *Qiere.nft ,ocl,er O' ne mich anzukündi;^en ? Ich warf meinen 
hlh unVl ^let Mlr.kt. vier 5tur.n .u ■ elnm^a n.hni.nd. ^1 



Hut im Vorraum 
e Treppe hin^^uf. 

Ich wu te mit i^Ty.2 tr.umhPftor f^l.he-heU, da., m diesem Augen- 
blick etws.o Entscheidendes eich vollziehe, d-Pr sich Knoten IBsen 



I 




l 



77 

^ ^^™ «^^vi^^irnnl l^h seit <^0 Jahren p.ofolgt v?a-" ... 
unter T-esen, derem SchlcKflax in vioiu « ^ 

ich S*r/.«!:Ä:Ü"oirin.' Boudolr . ich «r a.„,.„ «.»IS., «„, 
.ehh da -ar. .,«. er a. Fcn.t.r .tnnd un. »..Una Ih, «chcnd .uh«rte 

,H, -„rt.. .u a"n nur r,nrochoo ■-.■!.; »nb:r.n KMn m ..t^hsti. 

denn es ^:>iol -tort'j, ^'-l- ^^^ ^'^^ 

K-'m m-n sich a..nn Im Wsan prUt-. In ? 

i„ c™a ich ,U .u*. «ebb vor a.a F,„.tc-.Weuz, --= Blick 
,„f »...-in.n «...ichtol, .1. ala .u..n nicht .an.le. -.a.v er noch .le 
„,h,„„ -on ,„.n.r ,-n.o»en..:lt Sotl». -.•eh. »».ch .1. clnor lonlo.en, 

.-iBl^c-n Ltlm-ae» ' Von ^-llen Ihren Lüg.n 1, t ci - 

^ , „ „ •• ..>.ine hob müde Ihre .chHnen m^n^e ^ -Ach. mel. 

-r.una. l^er noch .-Ucee ,lt.nc.e.cblch-«n 1 

„!,,.„„ ..™hc.n.h „.ch,.X„ , ohh» .u ^„Lcten an. '■« 1». .«- ^ — 
,.,.. ,.„. .ehh .ort. -1. IC« «r olnen Bericht. ... 1^1 1» ^-^ ""■ 
,.„',,1. ,h.chrin eine.. Bcc...la,h.oo.enc ...i-chon . -n V.,«lnlsten -taa- 
::„ „.., .-VC «r.ln„. ein c.ahr «lc.htl.«c .„.u.eht, c-„a „na ,0« Sta-taaepa, 

' ''^^'-^® „. „n«-r,n AH-n vers-h'Aun- . 

t.-nent vcrn.^allch übermittelt ,«re«n:-.Br. ru. unseren A.. n . 

.-•n ,1-- -7er h-t das Dokunent j^c-tohlen ? 1 

t unr n AU" -ruck zu unp r.agte nichts. 
Na 'ine hört, mit ^In.m erptunt.n Aa. 

-, . V, « n;'r-htf"nän Stimme, ons 
■ v, .„loH r it dti' gleichen nucntr n<-n 
-MoBk-u", begann or '.'.l.d.r . ^ „nterrlch- 

^,. en .it ein.n P.in.en ^-on un. abr,e.chlo..enen Abko..en unterrich 
"'" , ,,talle. u. unseren rru^t zu unterminie, 

tel -flurde, xxhicktiKxsicjn.^Hx 

-,. -'"•.,> hnt c-n p-jrtohl.n ? - Nüc^lne 
I-h fra«e noch ina'-l: ,.er hat cn 6- 

. , , .,t . '-••oh r ^011 ich dna .i..en 7 Ich erinnere 

fahr auf, --nnthaft ■:eloid,it . .oh ^ ^ ^^^^^^ 

•^ X t 4- ^MY-^-^irt zu den Leuten 

c^r.^ 7-1 mir. 6rinne;rn bic ßicn j i^- 

,,ln,:cbraeht «ord.n. .U «..«.„gr.. _^ ^^ ^^ ^,, ^^^^^^ 

« at. Tnter£-^=<' an dessen Inh It hatten ... 
an. gr«3.te Interc ^^^^^ ^^ vernichten 

.le bleich vor Bchreclc t Un.ö.lich U ebo.^.r 

^«99 sie plötzlich verstummte, 
aen Bllclc zu, äass sie p 



r 



78 




Dleper polnlicüen 3cene muFSFite ein Ende gGm^(-ht werden. Ich trat 
Jlnen Schritt vor; "iiber Wobb", na^te Ich, ein Sie von ^em Dieb-t-^h: 
fielt 10 J-^hr..n Kenntnin habtn, 'A^-rum p^nrechcn Sie er-t heute d^t)on 



:f 



Weil i?h es errst hxöi^gjxK Jetzt cr^^h-pon hnb-l I'-h ich nach Brodsl 



Abreiye die i\kten nn mich nahm, bcf-^nd rieh d^p Dokument an seiner 
B cllel " - ''Nun f^lso", rief ich. "Nun -Irol" \^ie'^-.^ -holte er h'^.rt, 
ver-t3ben Die d nn ni-ht, dpps dieae Leute er ja nicht zu behalten 
brauchten IDas- es Ihn n fT.rnUiTte, qf für eine Stunde in der H^nd zu 
hnben, um er. zu Icopieren. '^r'hrend dieser Zeit eben, hatte Brodsky beme 
dr.rr^ e:^ verr. -h:\undtrn ?r-ir. Sofort hatte er begriffen, hatte rmxsLUSx all 
^ol^on vorauGr.G- ehen t "T:1ü Ve-^f t^e-tlir^hung durch die So^r]ets, die 
:>len,qung dC'P. TruptM un^ die A^nklp^e ger,en mich, -^e^pen rupsophile 
PoliMk bjkonnt war. däan ich ein J^^taatfln:ehei!nniP preiflcrep^-benhabe ... 
•irodHk.; hatte n )r ein MitV.l, um mi-h zu decken, zu ^'liehen, zu ver- 
sch^^inden, u-n den Vrrdn-ht auf nich -.bzulenken . " 

Ich hörte gierig zu. Ich bei-riff. ^^rodpk hatte gecchrien : 
"Ich gehe Jetzt, v^o \vie ich mich einst für ".ebb h^'t'^e umbringen laa- 
ren." i^.ine tiefe Erregu g bemächtigte sich meiner, i^h wäre ihm am 
lieberen bir. ins ti.fntc RuPFlind gefolgt, um ihn zu Tebb und zu Ns^ine 



zurückzubringen. Ich betrachtet , Nadine, bereit, alle ihre TC-npfin^un 



gen 



zu t:jiien, n-n ^Ph ihr -^n, dar« eie rtr -r vj.-r, v-r'-t'!rt, denn in ihrem 
Tre^lcht, Tii^ n unbev^erlichen A-.UTen rührte pich nichtp. In mir drängte 
^i^h eine ^rnpre "u^ 'He nndere. Vor ^llcn d- r unberr^ifliche Sch^veigen 
rrodsk;'C. "'Va^^um hpt .- ihn^n nichts ^renagt, v;ebb ?" "-eblBP Stimme 
iTl-n- vB>:qydsKb-rv befremdlich; "Er pohwieg, 'veil c>^ keine Wnhl hatte." 



rf 



^arum Frber, warum ? Und die Sowj.ta ?Sie r.ab-n Jn nichts publiziert.? 



i|V 



"J^, in der Tnt, '* a^gte dieselbe ^onlo-e Stimme, "vielleicht fürchteten 
aie ... oder öat am Ende Brodsk auR der Tie "e seiner V^^rbannung 
mir HflÄla r^uch diesen letzten Dienst gelt.iptet ?" - "Er war bf Ihnen 



79 



viohl HchulJlß", '-arcte N- '^ine nanft. ''ob^j nnh r.ie sprachlos an. Und 
pl^'tzl.h 'Aurdo er nehr rot un boß^^nn zu zittern : 'IJinhtn 1-t 'llesem 
Unglücklichen erppnrt geblieben," rchrie v-, ''nichts J Nicht einmal zu 
wlpren, -^\'er der r-chul-UG^- l-t," - Kr ninchte einen Schritt und ^eine aus 
gertrec-vte H'^n--! ri:l ouf N- in ona Behälter h rab. Er hielt rie vor 



rieh, ohne 



fj •) a r 



1 



^ :n y^u ^en zu lar-^^en, diene /'u^en -^in^^en ihr durch 



und durch. ^'elLihmt, ml c^ 'tocktem /tcm, ie ein Ti..r, d^F im Gestrüpp 

lebt un ' in der Ebene hilflos i^t, erbleichte «ie und ihre /-urren verdreh 

^en 'i-h, - ly '^Urde nie in Ohnm^'cht f'-llen, Er ab r rüttelte sie mit 

xxi4r2!l^^''h«^ Ge^^nlt de'- StnrmB i "'7a -um habv-n Sie d^^n g^tan ? ^^arum ? 

Für Gel" ? "Schcecken?blci-h p.trjqnielto Pie i "I-h v/els-^ nichtfl mehr ..." 

- Kram V.^tte 9ie dlo^e Wort. h. r-^^ors-eptospen , ^If «^ebb pie el)enBOr>lötzlih 

lor liepr, v,iö er r,ich 3uf sie f^e-'türzt ha^te. Er liepp sie lor , ihrea (J 

GehtimniP'-^ee. ledig, ':ie ein i*-*rder etnf.Pi -^.iöVrlmsan nKö^^p:-;r hintarnwlich n 

l^s?t,, voq leblosen Körp^--- pich -b'^^endet ... .'^^'r:-?uf folp-te ein tiefes 

£ch:\'ei{Ten, ein Sch-ieigen, ^vie von Schnee pedMmpTt. Webb Ä^«ni^xaia^»v der 

ojfrc-chtPtnnd un^ N-nne, die in ihr-m rtuhl zupnmnengebrochen w^t, wie 

sr^hion.^n 
eine Bettlerin - uf einer Bank, s?hic^n::±n mir v^eit weg , in einer Atmos- 

pbf.;-e \'on Dun-^t ind Scnlaf . ^Hch diesen .entscheidenden Aufpchrelen.Ub. r- 
zo^ ^ich -Hon , viie -It einem Schleier. Ich rah, v.ie Webhg Lipo, n zit- 
tert - jid Pich be^^e^rten , nbr 1-h hörte kein.n Ton. Er -nndte den 
Rücken und frix)ft r.ur Tür, in-em er die Beine naahpchlelfte . 1 ^h folgte ihm 
Ich ve-'-jr^hte eti^nr zu -ag-.n, wu-p^e nicht w-iß, i-h r^ur Ite : "Gehen 
S-.ie nirhv, ... -ie w^r d-mals no -h -o jung ^>lu können ihr ver- 
zeihen, denn -ielieb.-n aie " i^uf dieMe v;ei:^e verpachte ich, uns 

b'.ide -■w 'er Betäub ng zu r ispen. Er hörte mir ab\veaend zu, so, als 
wüp.st. er g<-3r nicht, das- ich sprach, oder vielmehr, alp ^^enn alle?, v7-s 
ge-hehen '^'äre, keine Bedeutung mehr hätte. Dann brn h er in ein kr^mpfi- 
ges Lachen ^^ue, mit einer GrimaBPe von E/kel. ^ch liebte, sie 



• . « 



8o 



v;ic .... ni ht wahr ?" Er « r^h mlnh bl-u und unbentimTit nn, wäh- 
rend er encUo , 'vle oln ^löa^innl^er mit cl..ra Pur- ^n^ c-rt^ r,tufe c 
Treope auchte. linnich f^^md er dc^n Rand deh Trenpenal-rai zefl , beach- 
t-::te meine Hnnd nlrht, 'le 1-h auBgentröokt hatU3, um ihn zu ^'tUtzei 
und ptieß xaw'^co'b^x ernl.nunll'-h.,->-7v'el^^e die Treppe hununt-r, ohne zu 
fallen. 



Im Salon lag No/Une im Fr^uteuil und trocknete i^ch fortwähre 

•Juroh 
die /^up^en. ^"iJeln Treand"', hr^üoht ^le xaxh r^-« Tnf ■ hentuch ' , hören : 



mich ^n\ 



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le hatte ber H-' ihre V-rt^l-^l ang^^-e 



V 



orberelt,3t und ich 



viar uer c-rPtc Zuhc^rer, nn dem Bie sie ^nbrln^en konnte. Ich betrachtete 
ric riiisstraui'^ch. "::ie b^.bt^^n Iro üb:< njr .-gerettet ", pagte ich, '*um 
Ih-; aar. o pAch.r-r zu Grunde zu rieht -n . " r>le zitterte. T'^t ich ihr 
weh, um: o ber-.ser. ich emp-'and nur noch r:mp^:rung an. ^^Ine /rt :^opDeltt-r 
Elf\ r-ucht, Ue anure Klfersucht der Freundschaft. 

"Nein, nein", stöhnte rie, "zu Gründe riclitenl Ich ^-ollte 
nichts, 2lB ihn ^D.^s m^chenl ... M-n hatte mir eingeredet, daso es 
nur naf ebb abr,er.ehen sei, dnes er eine c^f^2wunr.:'-.n 'ein v.Urde, zu demifl- 
eionieren, und auf die.^e \7elpe Ma^< der Herr de^ Trustn v»a-dG.'' - 

"Nun, vienn Sie ihn po liebten, v»arum -ind :-ie ihm nicht 
nach Hu^ -land ge.olrt." - "Er irt ^9 ^ie ein Ve--iirrter davon, nach- 
dem .... ' - ^1^" zitte-te, '.*lu /-ugen in ^tie •'eite gerichtet ... 
"n.^^chdem er "Hfift:<.^iKXc?li:eß- xver^x d^- v-- 'Icuhn.^ P anier bei mir prexun- 
dcn hatte." - ... 'D^p '^"-»le zurückgehrTcht hstt n, um e:- vorsichtig 
vvled^r einzuordnen l " - ''J^^, In der Tat," rp^.t- rie, unempfindlich 
ec A.n injn 5pott , 1 -h "-nd ren Mut, er in lle M'^t^n zurückzulegen, 
oTivjohl ich von der - il-U^n Seme, die er mir genf^cht hatte, g?nz ge- 
brochen war ... ?Äqx iPt PO heftig, hc'':tte er nur me ne Erklärungen an- 
gehört, d^nn hätte ich ihn vielleicht zurückhalten oder mit ihm rel- 



8t 



. rriBen k?5nnen ... Ich habe Ihn nicht wledergeeehen '' .. fügte 

Hit 'iür^terer Tr^Ucr hinzu. "Mich ab-r hr^ben Hie f-oüehen, N-i^^n 
?acrtc i-h, "-m s^^irlb^^n Taf^ un« -a^fcen, c^a?^ax>!Ä:v:s5^c2hn:?e3^(aR-c:±nffi5 
^^^}< h'ibe -i?h 'ügen einep be-\?ut jn^T-lo.-^in P-pL.r.o -uf.^erept." 



;^uf Je\ n Schlag 



^'. r-'nicr re 



L'- ■ * t i;ir-;n ''u^lul'^i^er 



•ern r^r.a z..rrirren. Ge-^lnf^t neu zu iiK^isj? spinnen. 

Hätlt. ich Cie .^b-r ni^»ht , ^^en^ i h Ihn n r^^i-p-'- ^ ncen h 



en S 



t., In ^le Z—^nrnlage gebracht, mi^^h "/ebb zu vorrnUn ? ^Ir-ii-, 
nur, uG hnt nicn g.^nug .ekORte', mi h vor lln.-n zu v,.r^3t' c'-en - 
Cic Ti.:ir: ..inz.- ^ Vr^-•u^ '..^ren, f ügi . ^.i. mit erl.->en-r Granzle 
hinzu, in-.m ^ie mir 'Uc }lnäe ontgeg natreckf^,-«. "Vor '■üldi.r^.en Sic- mi 
i-h h.be PO vl.l Feinde:" - "s^it neu', ^or - n hs,o. n fie einen mehr' 
"^^^^ -"-' "^^^ v?aten.^e Rhodaf' - "RV;od- ? 9cb-le nie -uf, dr^ae ich 

ho'hfuhr Rboda, Rhode.. " -\: ne^^-rhoI^e don N-men in einem 

Ton, r,i3 rir.^e 6 fluvch ein N..bel.chl.l.r :"-as iP en t.ie von Rhoda J 
Ich rzshlte, -^r.o hejte morcr?n ge heben wnr. Hie j^chn-llte aus 
ihrem Sessel empor Hnd':ixa!h-a±:?h:<-an iiV. Einern Rli^>k, bIf^ versinke 
sie. ixh Und ich d'.chte, 6^rr. Webb von oinim -u 'i^chen fi^enten 
unterricntet ^A'orden sei. Nein, -vie viel einf.ch.rr, e- i-nt nur 
Rh3d,^ \ " - Sie -räch in ein tolle:^ L-'hen a\xr, i "Rhodr,, .Ue sich 
r^^cht, veil ich er abgelehnt habe, ölt. im r:ercle der a-y-rikaniflchon 



D.^men vor-.ufitelien - uni Ihr einen rf'roni 



5o 



t zu < >^ppnren, übrigena. am« 



c^iicr^sx^'i^iHH bin ich mein Leb-nl-m^ au ^ die g.här^ Ig-t.: "^eiße an- 
'- -Iffe. 'vorden und fnd f^in^ ni\re nur in mir cielbrt. He^ie det, 
v-rlcumdet, Teh-n^S ve-r^^ten'J Nn.>ine ging Ira Rnum ^uf und ab, nchön 
in ihrem r-hl-nken Zorn, ' tienn an '^ie M'^bel, ' runken -on -iner 
T^rre.Tung, Ue in he:^tigen Vorvvürfen ge^^en mich -ftth Luft rechte. 



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Nr.l517/XVIII Roman: Zolty Krzyz voniAndrzej Strug 



Wenn ein sehr umfassen der, spannender, aber auch 
stark psychologischer -^'riegs-, Spionaf^e- und Gogen- 
spionaer^e-Bot^an zur Ze t fiir die B.J^ oder V.Z. 
grundsätzlich in Betracht kommt, so wäre dieses 
Werk immer bin in Erwägung zu ziehen. - Ein endgül- 
tiges Urteil l^nn aber erst nach Erscheinen des III. 
Bandes (der Tür Mitte Januar angekündigt ist) er- 
folgen. , 



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I'as Buch nimmt unter den mir bekannten V/erken Über 
den Krieg einen hohen Rang ein. Obigeich es in der 
Hauptsache auf freier Erfindung; beruht, dringt es 
tief in die tatsächliche ^riegssituation ein, schil- 
dert mit bemerkenswerter Unparteilichkeit die über 
alle Dimensionen menschlicher Beherrschung hinaus-, 
wachsende, Araft und Berechnung vernichtende Dämonie 
der losgelassenen Verheerun^^ und ihre Rüc-'wirkung 
auf die handelnden Gestalten, die in dem r.ro::sen 
Spiel der Spionage und v'egenspionaje en,:,agiert sind. 
Zu Bedeiücen Anlass geben allerdings die sehr ausführ- 
liche« psycholoiiischt;» Unte Tial^junge« der Gharaiitere 
und eine Loi^jung zu VJiederholungen, die gewisse langen 
verursachen und die Spannung vermindern. (W;is aber 
ich rlich durch starke Kürzungen zu beseitigen wäre). 



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Der vorliegende Band ist der zv;oite eines auf drei 
Bäüde berechneten r.oman-Oyklus unter dem Gesamt-Titel 
as gelbe Kreuz'' (das deutsche Giftgas), von dem mir 
3h der erste bekannt ist. In den Aüittelpunkt sind 
zwei Hauptgestalten gestellt: ein im Dienste der fran- 
zösischen Spionage stehender Offizier, der unter dem 
Naiven eines Deutsch-Aaerikaners in einem grossen che- 
mischen Werk am Rhein arbeitet, um das Geheimnis des 
so gefürchteten deutschen Giftgases zu erkunden, und 
eine ^w^im^r berühmte Filmdiva von grosser Schönheit 
und internationalem Ruf (kanadischer Abstamn:ung) , die 
aus eigener Passion in die Spionage für die Allierten 
hineingezogen wird. Ihr Gogens. ieler ist ein deutscher 
General in Berlin, der Leiter der gesamten Spiona^^.e- 
Organisation. Der zweite -and yc^hliosst Mit der über- 
raschenden Verhaftun^^ der Filmdiva in Paris. 



•üf 



19.12.32 



E^Frisch 



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Band II , Kap, 18 



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Während der ersten Tage ihrer Rückkehr nach Paris verbarg sich jüva 
im Hotel Lut>(etia »machte keine Besuche und icKamied sogar die 
grossen Kaffeehäuser und Theater, wo sie Bekannte hätte trefien 
können, Sie bat im H4>telburo yihren Xaraen auf die Gästeliste jCT^t zu 
setzen, um sich der Zudringlichkeit der Reporter zu entziehen« 
Der ganzen Tag verbrachte sie in der Stadt,Paris berauschte sie. 
Wo imrrier sie sich befand, grüsste sie der Zauber dieser einzigen 
Stadt in der ''reit, jedesmal in anderer Gestalt , i^sj^^einera anderen 
Ausdruck, aber die Stadt blieb immer sie selbst, sich treu. Sie hatte 
Paris inden kalten -»^^ebeln und Regengüssen des Novembers verlassen 



t/U, 



und jetzt grüsste sie^ Sonne und 'Värme,Grün und Blumen, sie war ge- 
schmückt und schön ,au8 Tücken blühte das Lächeln des Frühlings. 
Man hätte sich gern vorgetäuscht ,dass auf der Welt Friede und Gluck 
herrsche und die traurige Wirklichkeit nur der Alpdruck einer 
schlechtgeschlaf enen Nacht sei. 

Zugleich mit dem Atem des -Yühlings drang ran überall dcsx nicht nur 
der Krieg hervor, mit dem das Antlitz von Paris sich bereits xKaamx 
MÄt eingelebt hatte, sondern das Grauen der Niederlage und des Zu- 
sammenbruches, Angst und Verzweiflung.,, .Der ^eind hatte gerade Äkat 
Chateau-Tierry besetzt und stiess mit unaufhaltsamen Wucht über die 
Marne vor. 

"^va wollte von alledem nichtf^ wissen.Was komirien wird, mag kommen. 
Fs schien ihr jedoch unmöglich und Qbouya ,da8s s i e , n^ÄfeitRiaxaLXÄ 



A 






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J 



nach üj*aj- wunderbaren romantischen Errettung aus ^"iQauen 



\ 



1 



Deutschen « Ig o ic lier in Paris wiedertreffen soll-tf. Jedenfalls 
glaubte Eva nicht an die Eroberung von Paris, sie dachte übr diese 
Dinge etwas unreal. Sie bemühte sich die Zudringlichkeit der ILLtiaa,^. 
die sie sah, von sich abzuwehren, inmitten der Verzweiflung , Panik, 
gewaltiger Anstrengungen lebte sie in ihrer eignen, besondern, sich 
selbst genügenden "-elt.Sie trug etwas Geheimes in sich, das ihr noch 
nicht ganz ins JBewusstsein drang, das ihr aber von der grössten liedeu- 
tung für ihr Leben schien.Sie wusste nicht was es war, aber seit ih- 
rer Rückkehr hatte sie das seltsame Gefühl, das unzugänglich ihrem 
Wissen und ihrer Macht ihr Schicksal eine Vendung nehme in eine 
Richtung, die sie noch nicht kannte. Auf ihren Gängen durch die Stadt^ 

mitten in der Menge, wenn sie bekannte Strassen, Gärten, Gebäude wieder 

.. i' 
grusse^ervartete sie unbewusst,dass dieses Unfassliche aiefe- plötzlic^ 

auftauchen würde, xk±xäh in einem Bekannten, den sie treffen^in irgend) 
einem Strassenereignis, in einer Zeitungsnachricht. Sie lachte sich 
deshalb selber aus und beunruhigte sich doch.^uweilen erfasste sie 
ein ungeduldiger 'Vunsch nach diesem Ereignis, ein andermal richtige 
Angst davor. 

Am fünften Tag endlich nach ihrer Rückkehr fühlte sie sich ihrer :!* 
Einsamkeit müde und wollte sich unter Menschen begeben.Die Hoteldirer- . 
^ Uon hatte Tort gehalten^^brigens hatten^ angesichts der drohenden 
^^®^'***^-^^'^^^^^^^=*^--***^^^^^ Zeitungen etwas andei^ 

res zu tun. als sich selbst^ einer so berühmten Persönlichkeit wie 
Eva Eluard zu befassen,wenn a«eh ihre Flucht und glückliche Rückkhhr 



) 



I 



^^^^^^ nirgends ! 

nach xaris eine f^ r oc-Kge Sensation vf»r,Sie fand »XÄkt^ie leiseste Er- 

wahnung davQny Sva stellte sich den Eindruck vor, den ihr Erscheinen 
in den ihr bef reuddeten Häusern hervorrufen würde. Morgen schon wird 
die Nachricht die Stadt durcheilen, die Reporter \verden die Hall des 
Lutetia füllen, sie wird trrt::^OTtTOrs dem :^igaro'und dem Matin'li^ien"''^ 
müssen, vor allem, um itiExSerüchte, und ixixKk Klatsch richtig zu stel- 
len, die die Boulevardpresse fatrizieren wird.... 

Madame Sarment-Durand »deren Mann ein Bekannter ihr Journalist war, ' 
empfing f^va ohne das geringste Anzeichen von Erstaunen oder Freude, 
als hätte sie sie gestern erst gesehen und begann gKhai.ohne nach 
etwas zu fragen und ungefragt geheimnisvoll über den unvermeidlichen 
Abzug des Parlaments und der Armee and al er höheren Regierungsstel- 
len aus Paris zu flüstern. Sie sei schrecklich beschäftigt, müsse Ein- 
käufe vor der Abreise machen, der Kopf ber*te ihr, sie wisse nicht, ob 
sie es bis motgen schaTfey^nd welch ein Gedränge wird im Zug sein, 
uftd ^^ Vi !>/ überhaupt einen -agen bekommen, usw. ÄattaKXKHÄxÄxrHiubixiK 

Baron und Baronin de Schröpf waren nach Chamounix und die Herrschaf- 

b o rcitn 

ten Castelain nach Sx Afx-les Bains verreist. Im Palais Lambesc in 
der Avenue Henry Martin sagte man ihr höflich, dass die Marquise xix 
nicht empfange, obgleich sie vor dem -ause einige Automobile stehen 
sah..T;:va stellte sich vor.vie unglücklich die al tFTaC^t^ti^-a^ , w i e 
sie sie um T^Intschuldigung bitten -erde.wenn sie in einigen Tagen ts^ 
von ihr die ganze 'yahrheit erfährt. ^va fuhr weiter, um Bekannte auf 
dem linken Seineufer auf zusuchen. Yvonne Arbey,eine bekannte kleine 
Schauspielerin der Vorstadttheater, beliebt durch ihr Auftreten in 
Apachenstücken und neuerdings^ auch beim ^ilm beschäftifet, begrüsste 
sie mit ^reudentränenXy^ Yvonne wusste d:es und jenes über sie. 
"Geh nicht/ zu deinen Aristokraten,Eva, nicht zu den Ministern und 
zu den reichen Juden, sie werden dich hetzen für diese Geschichte mit 



) 



) 



i 

dem Berliner Oberst und für deinen deutschen -ilm." 

"Zum aiück bin ich-;-**^ freie Bürgerin eines neutralen Staates und 

mache mir nichts damus", 

" Bravo. ^->a, das ist i apfer, nieder mit de_r Bourgeoisie'. Aber v^ie 

wirst du es aushalten ohne ihre d«»p£^ Salons, du arme hochberuhm. 



te Person! " 



'•vart nur ^ei nige Ta £^noch^ 



und du wirst interessante Din^e ül3e r mxx 



miclJerfahren." 

"Isr"es v:^,dass du einen Roman mit dem jungen rCai ser von Cester- 

reich hattest?/ Wie ist er denn?" 

"Erzähl, Yvonne, v.:as hat ma^n noch über mich geklatscht?" 

"Man sagt, du seist für die Engländer Gereist,um mit der Dop^^elmonar- 

chie e-nen Separatfrieden anzubahnen, aber die Deutschen haben dich 

bestochen/« • ." 
"Y^as habe ich bekommen?" 

"Das v;eiss ich nicht mehr, aber sicher schrecklich viel. Der Deputier- 
te Deperet,du weisst,der letzten Herbst am Theater der Liljy Corbie- 



re bankrott gegangen ist,.*. 
"Ich k^^rt^Hrfe ihn nicht..." 

"...er soll einen Antrag eingebracht haben,*, ss man dir den Ein- 
tritt nach T^rankreich verbietet." 
"Du siehst ,ich bin hier". 

"Ja, das sehe ich.Of f iziell können sie dir nichts tun, aber alle 
Salons der sogenannten Sphaere »^/Würdenträger und das ganze reiche 
Pack haben sich verabredet ,dich zu boykottieren." 
"Oho, Yvonne, du scheinst Karriere zu machen, wenn du über solche 
Dinge so gut unterrichtet bist." 



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) 



) 



Pexoi Thureau- 



"Leider nache ich keine Karriere. fe-, erzählte mir 

Dangin, der mir jetzt tö.glich e^^kelhaft zusetzt. Der weiss immer alles 

"Und was macht unsere alte J3ande aus ia. Hotonde?" 



"Ach,de giht es garnicht mehr. Einige sitzen in der Santb,der 
Tiger hat sie da hineingesteckt." 
"Der Tiger?" 



II 



Na ja, unsere Vorsehung, le premier flic de ■^^rance/,\^?ie er sich 
selbst nennt, mit einen V/ort( Clemenceau. . • " 
"Und dein Odendichter genannt Odeon,v;as macht der?" 
/Die munteren schwarzen Augen Yvonnes füld-ten sich mit Tranen. 

Ihr Mund wurde huf elsenf örmig,v/ie bei einem Kind. 
"Er ist gefallen. . .vrir wollen jetzt die besten (Gedichte sammeln 
und mit/ schönei^^Biographie und öü Bild herausgeben. Aber wir haben 
kein ^eld. Könntest du uns et'^'.^as s ^nden,Eva/ ,von deinen deutschen 
Kapitalien, damit sie nicht zu sehr dein Gewissen belasten". 
"Warum von den deutschen? Ich werde von (^igeneii^ geben". 
Eva wurde in der Tat nirgends empfangen* nicht beim Präsidenten 
des Roten Kreuzes, nicht beim Direktor der Comedie -^aneaise,KXK^i 

Vi- 

auch nicht beim Generalsekretär des Instituts- lauter Männer, die 
sonst äusserst hof liGh> -gfu ihr w; 



/ 



'aren,und von denen der älteste sich 



besonders um sie bemüht hatte. Auch beim früheren Minister Sadron 

bei der ^eneralin Goule war man nxi ht zu Hause. 

In der Hall des Lutetia meldeten sich nur ein paar unbedeuteni e 

wenig bekannter untergeordneter Zeitungen, die von Skandal 




'\\ 



lebten. Als Eva RÄXsdaiRkntK di e Unterhaltung mit ihnen ablehnte, 
begannen kurze ^erx^rxXkükk Notizen von wenigen -eilen aufzutauchen, 
Eva glaubt e ihren e ign em Augen nicht, so niederträchtig und verleum 
derisch waren sie. Die grossen Blätter übergingen diese Ueberfalle 



6 



) 



) 



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it §ch we igen, niemand nahm sie in Schutz, dabei v/ar sie mit ihren ■ 



I 



Redakteuren fast b»:f reuniet ,die ^cs- früher von ihr niemals anders als 
in den höchsten "^'önen schrieben^ D et- b»gann ^ie/zu telephonieren# 
Aber merlcvmrdigervveise gelang es ihr nichtfeine Verbindung mit einem 

f V 

t 

dieser Herren zu bekommen. * 

So vas hatte sie noch nie erlebt.An Huldigungen gev/öhnt stets von 

oio 
i^^'otograf en und Reportern belagert« •• sollte sie ^^älle wirklich verlas- 
sen haben? V,'as für ein unmögliches ]aissverständnis!Ein '''ort ar^^^^'"^-^-- 
der ^A\^eiten Ab' eilung des Jji'iegsministeriums würde genügen, sie nicht 
nur zu rehabilitieren, sondern sie wieder auf die Höhe/f zu tragen/ 
und den ganzen IQatsch verschwinden zu machen.Warum ist sie auch 

nicht sofort nach ihrer Ankunft zu ihrem alten '"reunde dem C^eneral 

allen 
Dubreuil gegangen, der nur zu winken brauchte, um iüksäh Verleumdungen 

/ 

ein "^nde zu machen. Die Kriegszensur war ja allmachtig und ohne ihre 

Erlaubnis würde nrht ein Tort durchdringen, das geßen eine um die Ar- 
mee so verdiente Person wie sie gerichtet ist. Warum - ar sie nicht ^K 
hingegangen? Das war ein -ehler.Denn jetzt wird man richtig stellen 
sich wehren müssen^Erniedrigend genug für sie! Diese Nachlässigkeit 
könnte ihr teuer zu stehen kommenl 

In der rue Saint Dominique, wo sie letzten Herbst noch eine lange 
vertrauliche i3esprechung mit dem Chef der Reiten Abteilikng hatte, 
rief Ihr Erscheinen nicht den geringsten Eindruck hervor. Eine Stun^ 



de fast sass sie im Warteziminer herum, wo d^« Offiziere ständig ab 
und zu gingen, deren jeder sie zudringlich ansah.Sie war sicher, 
dass sie absichtlich aus allen Büros kamen, um sie zu sehen.Der 
Sekretär nahm von ihr kaum Notiz. Endlich ein x^ekannter! Eine- J^ 



ä 



schlanke Gestalt. ^'/inäugiges Gesicht .häaslich verzerrt durch 
Nähte und Narben, Bas^war doch Hauptmann Percin.von dem es hiess .er 
sei vor einem halben Jahr gefallen/Als er sie erhlickte.hinkte er 



»V v^ < 



\ i ^* * < • 



^Ä£&^an seinem Stock zu ihr hin.^*i«^r die Püsse vorschiebend. 



i^ 



unter dem Arm trug er eine dicke Mappe, 

••Sie leben also?" 

"Ich freue mich Sie zu hegrüssen, gnädige Frau. Ja ich lebe, obwohl 4^ 

♦ 

ich in der Verlustliste unter UlL Gefallenen bei Soissons gezahlt 
wurde. Ich bin schwer verbranntLorden und halb erstickt - ^KifekrRÄXX 
icscfc Gelbkreuzgas. Und bis ich wieder nach Paris gebracht wurde,wa- 

ren Sie schon forty I)Z^>{/ 

"Ich war so verzweifelt »vielleicht war das der Grund, dass ich ab- 

reiste zu meinem Unglück. Alles durch Sie!" 

Ein ^ 

»•Sehen Sie, so ist das Schicksal. . .Mäx Irrtum irgend eines Burounter- 

offiziers - und alles wird zu nichts!" 

"ScrSklfoh^ schade, dass damals nicht geschah, was hätte geschehen 

sollen. Aber wir können ja gute :^^reunde bleiben." 

"Gewiss »gnädige ^^rau,ünd jetzt sagen Sie mir doch , bitte, was führt 

Sie hierher in u;riftfu- Institut?" 

Eva begann sich zu beklagen. Er wusste nichts von ihren Berliner 

Abenteuern, nichts von ihrer Flucht und Rückkehr und auch nicht , 

wie man sie hier empfangen hatte. Sif-^ erzählte ihm kurz alles^ÄKii 

twtr^ >4tzt sei sie gekomraen, ihren alten ^reund^den Seneral Dubreuil 

um Hilfe zu bitten, und nun lasse man sie seit einer Stunde warten. 

••Auf den Empfang beim ^eberal Dubreuil können Sie eine E^^/igkeit 



wa 



rten.Seit zriei Monaten ist er nicht mehr Leiter der Abteilung." 



"Warum lässt mich aber der Herr, der dort am l'^enster sitzt , warten , 



8 



~) 



ohne mir ein V.-ort zu sagend*" 

"Hier sind solche .Utten.Er hat Sie aber sicherlich dem neuen Chef 



angemeldet, " 

"Ich habe gar kein Interes?^e für den neuen Chef/.Können Sie mir die 

Adresse des ^xenerals Dubreuil geben?" 

"Ach, gnädige Frau, ich möchte jetzt wirklich nicht scherzen, doch so 

viel ich v'eiss, liegt er auf dem Friedhof in Gentilly.T.^r iHt einfach 

gestorben". 

"Das. ist ein Schlag für mich!/ '::r war der einzige, der von meirE r 
Mission ".'usyte.die aon streng vertraulicher Natur v^ar.Er allein hät- 
te die Presse aufklären können, das8 meine SKEHaHHpküKH deutsch- 
freundlichen Aeusserungen in 3erlin, Oberst Sit enfeld ,mein Film 'i^r 
"Die -Otter -xermaniens» Hmi** und alles übrige mit meiner Aufgabe 

unmittelbar zu8am/:,enhingen.in*saai£iixxsKhtxKe Und da geht er hin und 
stirbt." 

"äiiä*±gRxKraH>iffir sind alle sterbl Ich, gnädige Prau! " 
"J^in Bchwacher '^'rost!" 

"-uch der aeneral wird diese •■■ahrheit c:ekannt h«^«« und tert für den 
Fall ^^-"«^^«^^^i^erlich i^ . o inon Akt u a -Über diese geheimnisvol- 
^^ ^••^^^^°" e tw a n aufG o nci^ bJ^t,.^-6nseren Büros- geht nichts ohne 



Spur und Dokumentierung durch.^JSs existiert ge^viss ein Dossier Eva 
Evard.V.ir werden suchen. '^'ir werden Sie verteifligen./^ien Sie ganz 
ruhig.Doch was die öffentliche Meinung betrifft,da7st allerdings 
sehr schwierig.Die Oef fentlichkeit ist in diesen 2eiten besonders 
ergrimmt^und nach Verrätern gierig.Sie baucht immer neuen ^rass. 
Und man wirft ihr deshalb hi^^tntr^t^wieder ein Opfer hin... Kennen 



^ * - 



Sie die Affaire Caillaux? Ich bedau^e.dass ich gegenwärtig dienst 
lieh nicht zur zweiten Abteilung gehöre,aber man hat/ doch/seine 



Bekanntschaften und 'Vege...Al90 überlassen Sie es mir, gnädige Frau! 2 



'>. 



Paris atmete befreit auf und beruhigte sich.-^er nachtliche Alarm 

der Luftangriffe hi hörte auf, die weitreichende ^atterie verstummte 

^ _en 
die erschöpften deutschen blieben auf dem ^"ege zur Hauptstadt stec. 

und befestigten Gich in ihren m±± unter blutigen Dpfern errune:enen 
Stellungen. Auf den :^ahnhöfen gab es wieder bedränge und Verv'irrung^ 
von al/en Seiten trafen überfüllte Züge ein,v7elche die reichen Fluch 
1 '.nge zurückbrachten. Fines Tages langte unter anderen auch der Sena- 
tor Stk Guillet-Ooudon an und kam noch am gleichen Tage, als er von 
der -vückkehr '^vas erfuhr, ins Hotel Lutetia zu ihr gelaufen, stets 
treu und imii.er derselbe ,mit einem Busch pfachtiger }Iariß:)hal 5tx± Iliet*" ' 
Rosen. ' 

»»Ich '''•'e i s s , i ch vreiss alles» Tragisches Missverständnis , über das man 
in unseren höheren Sphaeren lacht.. .Aber dennoch eine Schemde für 
Frankreich! Tie denn? Die grösste Künstle? in der '.'feit durch Boykott 
zu beleidigen! Tie denn? Mag sein , Krieg ist Krieg, aber hat denn 
Eva Fvard nicht das Hecht. ihrer Kunst zu dienen, wo es ihr gefallt, 
^'as sind wir denn? '^»as hat der Krieg aus uns gemacht?" 




Eva liess ihn schwatzen, erlaubte ihm, ihr vielfa c h beide Hände zu küs — 

sen, schliesslich erzählte sif ihm von ihrer geheimen Mission, üle r- 

zeugt,da8s der alte Herr sofort seinen Rundlauf antreten y i vA und =0 

<^ ao^ morgen ganz Paris von ihren Verdiensten gjancm Frankreich und 

von ihrer Kränkung wissenwerde. 

-^er Senator v/ar s- arr.Der Skandal überstieg alle Grenzen. Was? Die 

Frau ,die ihr Leben für Frankreich aufs Spiel gesetzt hat, wird nach- 

nicht 
dem sie glücklich entkommen ist, nicht im Triumph begrüsst,auf Händen 

die 
getragen, dekoriert , sondern im Gegenteil verfolgt, und Äatx berühmte 

zweite Abteilung lehnt jede Intervention ab und empfängt die grosse 



: A 



10 



^^^fnelAin.kühl und sogar spött 



isch» trief 



^ 



V 



se abscheulichen ^alons... 
diese vom^iger-korrumpierten Uedaktionen. . . Zum ^lück^ein 
Mensch da!'der diesen unmenschlichen Chauvinismus und^Ignoranz die 
Stirne bieten k«*k und seine Stimme über ganz -rankreichWheba: 
.*rd^ Er JTrf die -ahrheit enthüllen und die M#slosigkeit dieser 
hässlichen i^ränkung darstellen.. . 

Auf Evas vragen nach der Lage an der Front und d*B Erwartungen für 
die nächste Zukunft, stürzte sich der Senator in lange weitschweifige 
Ausführungen .mit dem Ergebnis. dass auf diese Frage^ zunächst niemand 
eine Antwort geben könne.Eva hörte zu.langweilte sich.sass versonnen 
und traurig da.Sie dachte an ihre seltsamen Schicksale.als das Glück | 
sie noch mit untervmrf igem Lächeln begleitete und an diesen ersten 
Zusaminenbruch in ihrem Leben.der wohl vorübergehen Kon.te.aber sie 
nahm ihn wie ein böses Omen.wie eine T^rohung auf.In diesem i^aris.das 
sie so liebte.blieb ihr von allen ihren "evmnderern und Freunden 
nur jener Hauptmann. der völlig bedeutungslos war.und dieser etwas 
komische Biedermann von Senator. der alles verspricht und nichts aus- 
richten wird^dafür aber noch eine besondere ..ielohnung zu erv.arten 
scheint.Sie wird sich nicht ergeben.sie wird ihre Ehre verteidigen, 
aber sobald sie i:i;.rlangt V^.wird sie die/;^ Stadt,die sie verra- 
ten hat, für immer verlassen. ohne sich nach irgend jemand umzusehen, 
wohin w'ird sie sehen<?Zwar ^.ar die -.elt weit.und wenn ihre Angelegen- , 
heit -geklärt sein wird.und die Presse und alle Filmzeitungen darüber-ij 
in Argentinien oder bei den Antipo^den in AusttaMen davon berich- 

. o.'''^^K^Äl*»«h der schatten des Skandals, irgend eine äkr 
ten werden. so /bie^Hä* '-*»«« aexov.iicv 

dunkle Kriegsaffaire übrig.^e ««c«m««i^iK göttliche Eva Evard 

.Priesterin der reinen Kunst.die Liebe aller fünf Veitteile-- 

eine ^^^ geheime Agentin.^ Es wird ihr gewiss auch nicht an -eklame 



11 



deswegen fehlen, und an gesteigerter Sensation, aber nie wieder wird 
sie ihren grossen reinen Ruhm zurückgewinnen. 

■")er Hauptmann Percin liess sich nicht sehen.Dafür kam der Senator 
zweimal täglich. Sie musBte seine politischen Tiraden anhören, mit 
ihm die J'ahlzeiten einnehmen, seine jUeutlichen J^ewerbungen ertragen. 



T atigkoi rt ,1 i ef ü 



Er entf<4rC7re3rt-e eine grosse T at i g Ico i ^ , 1 i ef" übefal^ herum, aber überall 

nahm ' 

Km|i£xKg man seine sp udelnde Schönrednerei und seine unwiederleg- 

lichen Beweise für -"]vas Unschuld sehr kühl auf . MxÄXÄxaäRrksiix Er \ 

erhielt immer wieder zur Antwort, dass solange nicht ein aufklarendes 

ComruniquÖ, wenn auch nur halbamtlich von seiten des iCriegsministeri- 

ums erscheine, MHXS die öffentliche Lleinung -vorsichtigste Zurückhai- 

tung wahren muss^^ementsprechend blieben die grossen Leitungen nach 

ab er 
wie vor stumm, dafuih begannen die Skandalblättchen eine recht leb- 
hafte Verleumdungskampagne üb r die Erlebnisse Eva Evards in :Ber- 
lin/ und.vurde^n begierig gelesen. 

Sdiliesslich lehnte das .Kriegsministerium geradezu jede Einmischung 
ab. Alle Vorstellungen des Senators blieben vergeblich. Man wies 



darauf hin, dass :g:Kst/ keine 




Information )in den Akten^ber eine angebli 



che Mission Eva Äfe Evards zu finden sei. An manchen Stellen erklärte 
man ihm, dass Nachforschungen in dieser Richtung angestellt werden, 
XKKixRxaixKk zuletzt 6^kiÄa?t-e man ihm geradeheraus, selbst wenn 



fi 



diese ^Dame" in der Tat vom verstorbenen General Dubreuil eine ver- 
trauliche Kundschaftsmission bekommen hatte, so könnte die zweite 
Abteilung KXKktxmit mit keinem \Vort in dieser Angelegenheit eingrei- 
fen, es sei denn nach ""riegsende oder erst nach "^ried^ nsschluss. 
"Und warum ötRrwixKXÄkt:^ das, Herr Oberst? Vvarum ,um Gotteswilien?»* 
"Das hat seine guten ernothafien Oründe.Wenn wir glatt zugeben, ^ . 
dass "'rau Eva Evard von uns einen Auftrag hatte, so würde das manoh^ 

Personen ,die noch in Deutschland in unseren Diensten B4?fWi »schwer 
kompromittieren. " 



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12 



also 



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bes 



tätigen ÄOTiü endlich, ^iass ?rau Evard na* Berlin geschickt 



■worden ist?" 

"Nein, Herr Senator,, das habe ich nicht gesagt". 

"Wie denn?' a-Z ^ 

"xch habe den Alanen nm, xisx einfach^ afs Beispiel ^ebrauchtl' 

T^araufhin unternahm der -enator auillet-Goudon einen heldenhaften 

schritt und suchte um eine Audienz beim I^riegsrainister selbst nach. 

Nachdem er sich Ük f5ekretariat eingeschr eben hatte, vmrtete er | 

mit Grossem Schrecken in der Seele, schlaflos inden Nachter^f den , 

^iänpfang beim grausamen Tiger. iKkr^xariiK - 

"ich -.verde es ihm schon sagen, er värd von mir Dinge zu hören kriegen 

wie sie in diesen schrecklichen leitender Militärdiktatur und 

der allgemeinen "Erniedrigung niemand ihm zu sagen sich erkühnen vmr- 

de,.." 

und -va musste zweimal am -ag die drohende Ansprache in^n verschie- 
densten Variationen anhören.Sie verlor völlig den Mut.Paris v.urde / 
ihr zu-ider.Sie hatte nicht die geringste Lust mehr zu kämpfen, 

^l^^■^ Qio Viflttp vers-oielt.xun besten wäre es 
mochte geschehen was wollte. Sie Hatte verspi^j-u.x^ 

auf alles zu, verzichten und sich davonzumachen. 

W^ede"»" erschienen n>^^-rc5tpn 

»*»/vfere;lm^i^Ii^e/ Feuilletone über ihren Roman mit dem Obersten 

Sittenfeld, über die deutsche Geheimagentur unter dem Deckmantel 

der -irma MundusTTlm'Iüber einen Hauptspion namens var^rothen,zu 

dem ^va 4ard in den vertrautesten Beziehungen stand, über die 

romantische Komöflie Angeblichen -lucht/über die schv-ei.er 

Gletscher und üoer jene^ünf lüllionen Kark,welche die "berühmte/ 

Freundin Frankreichs" wohl überlegt in der Banca dl)rm.erziale in 

Bern deponiert habe« £^ »f>-/«^v 

S..X..XXK.H«. Die Anspielungen wurden immer deutlicher.fast schon 



Y' ^* 



/,/j . 



13 

Denunziationen.Der Sera tor erschrack so gohi^, dass er trotz sein 

angeborenem Geiz zu der erpresserischen Re^^aktion sich begab und 

nach einer Stunde "^eilschens ein Krkiärk erkleckliches Lose^^eld 

auf den Tisch legte.Damit war zunächst die weitere ^Fortsetzung der 

'•Kriegsv'anderung eines berühmten Filmstars "unterbunden. So deutlich 

die, "Erpressung war, so bewirkte sie doch in a er feindseligen oder 

gleichgilt igen öffentlichen Meinung nicht die geringste Wendung. 

Ausser der Stunden tiefster Entmutigung hatte Eva doc?i auch Momente 

als erwachse sie aus einem bösen Traum. Und dann konnte sie nicht nur 

V'ieder an ihre Zukunft glauben, sondern über diese Tragödie sogar 

1 
lachen, die im 'Grunde doch nur eine Komödie der Irrungen war. Diese iU 

hartnäckige Serie von Ivlisserf olgc^n war doch gleichsam ein Anzeichen 

dafür ,dass es darum ginge, ein Maximum vom '''irkung zu erreichent die 1 



zum Schluss sich einstellen musste,wenn die "Sache ^]va Evard" im ^| 

grossen Triumpfi der 'Wahrheit aM£±RKKkt:Kn^ zum Staunen der ganzen Vvelt 

aufleuchten würde. So hätte ein begabter Regisseur diese SacVie angel 

legt. Doch im Leben konnte das Sinnlose nicht die Achse eines xanaiCLk 

eine ZeJ.tlan^, 
Menschenschicksals sein. Es konnte nur e"ine gevusse jcrkblx Rolle spie 

len ,um;i am Ende der Logik und dem gesunden ■- enschenverstand zu wei- ' 

chen. i 



Eines Tajes erschien der Senator mit völlig verhindertem ^iesicht 



""q )r\\v 



tel- 



"V-^A 



/ 



43CS^'ab^^'ec?iselnd o^rrötete/unri erbleichte, und stiess mit git il rnder 



Stimj^ie stotternd unheilverkündende 




aus, die mit Seh impf - 



v/orten an eine unbekannte Adresse xäx untermischt waren. Er schüttel- 
te sich, drohte und brach fast in Tr^i a^ tt aus. Er bat um ein Glas 



Wasser und hatte 



einen halben Siphon ausgetrunken, bis Eva mxx.x 



14 



wag 



mehr erriet, als verstand, dass er direkt von seinem Besuch beim 
Kriegsminister kam, 

"Das ist ein abscheulicher Verbrecher. . .Dieser Intrigant , dieser 
in 'Gemeinheit, ergraute sclimutzige Panamaimx-Mann! Wie ^agtRrxRs: 

Uv t 

t er es! :^ür Sie habe ich das gross te Opfer meines Lebens gebraS^ 
Aber ich bot ihm die Stirn! Ich fing mit Würde an, fast herzlich, 
Herr Ministerpräsident, dagte ich,X ich komme zu Ihnen nicht als zum 
Beherrscher "Frankreich und zum Lenker des Krieges. .. Ich ötehe vor 
Ihnen als langjähriger Kollege, als Senator xuoc vor dem Senator... 
Er aber unterbricht mich mit seiner unerträglichen sx^te^4ri4ren Stimme 
...Na lassen wir das... Da :&iH^xxK fasste auch ich mich auf andere 

Weise'»... 

"Sprechen Sie doch zur ^ache - was sagteer schliesslich?" 
"Schliesslich?... Nichts sagtf er.^"ollte ich diese Unterredung über- 
trieben karrik.eren,so könnte man sagen, dass er mich gleich na^. den 



ersten ^-orten einfach hinausg«»ii#* hat. Es dauerte unglaublich kurz, 
ein raar Minuten. . .TTan nennt ihn den Tiger... Zu viel Ehre! S**e SJt 
ein schmutziges Tier, mehr schon ein iCrokodil.das seinen Ixachen aus 
Aaa stinkendern -asser herausstreckt." I 

"Was alscfferr 3enator?" 

"Er sagte mit den Worten, die Sie von mir hören werden und nach xix 
allerlei gegen mich gerichtete V'nliebenswürdigkeiten,man begreift 
nicht, wo er das in diesen zv;ei Minuten alles unterbrachte, -das war 



das einzige, das er überhaupt gesafet hat... Also dieser Verbrecher hat 






te die :^>echheit zu sagen oder vielmehr schon zu drohen; 
Dame, nur still sitzen, sonst wird sie was erleb-^n..." 



diese 



"i/irklich?" - > 

"Und auf meine Frage, die ihm im kategorischesten Ton 3telI^,5CiaxKiix 

was ö«im/bedeuten haöip«, antwortete er...." 



"Was?" 



*mmm 



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15 



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"Ich kann das in Ihrer Gegenwart garnicht wiederholen. Uebrigens 
galt das mehr mir s-^i^wst..," 

"Was also?" 

"Ich denke über die Konsequenzen dieser Beleidigung nach. .. Ich 
könnte ja darüber schweigen, da die Unterredung unter vier Augen 
stattfand, aber ich weiss nicht, ob ich das darf... Ich muss mich mit 
Freunden darüber beraten..." 

"Also?" 

t 

•'Unwahrsclieinl Lch, gnädige :^rau! Er benahm sichl^ie eine gemeine itajra 
Kanaille.. .Unter vielen anderen Fdnnsteinausdrücken gißt es ein/;rf 
besonders kurzes ";ort...das war unsere Verabschiedung! Ich konnte _ ^^ 






nicht einmal die Tür mi . einem -oiall hinter mir zuschlagen, wozu 

ich Fresse Lust hatte, denn kaum hatte ich den Türgriff berührt , öffne 

/VT 

te sich die Tür von selbst und draussen hielt sie irgena cm .-.crO^i^ j 

Das, gnädige Trau, ist das Bild Frankreichs unter dem Stiefelabsatz 

< 

Clemenceaus. 



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Band II 



^ap.l) 






Der Oberstleutenant ;0 d» Arland,Chef der zweiten Abteilung/ des ^^aupt 
quartiere lief /hüpf end /die monumentale ireppe kxnala hinunter, vorbei 
an ^rdonanzen »Sekretären, ohne ihren Gruss zu e^\^^iedern.Er grüsste 

nicht einmal den J^eneral Missel ,der mit Mühe seinen schweren Leib 

die Treppe ^ 
T^^hrlrTauf trug* Der General blieb stehen und schnaufte lange vor Vervfunde= 

rung.ger Cberstleutenant blieb im Vestmbül einen Augenblick vor 

dem grossen Barometer stehen, blickte gedankenlos auf die Feder, &ttf 

diodie- Pfeile und Auf Schriften, stiess einen Fluch aus und stürzte 

hinaus« 

Aus dem überheizten trocknen Innern des Palastes geriet er in die 
durchdringliche Kälte des Märznebeiis. Er schritt an der Reihe grau- 
er schmutzbedeckter Automobile mit ihren kotbespritzten Scheiben vor 

bei, vorbei an den Posten der Flugabwehrgeschütze und verlor sich in 

/ 



n Schritten übHLX die k^esbedeckte 

t P^>^=^ 

Allee sche^rnd. Er ging l iaJXlX g ,al8 wartete jemand auf ihn^liinter 



die Tiefe des Parks ,mit 



de^^ Jahrhundertalten Linden am teich, ein Unbekannter, der seine 
SorgeÄ beschwichtigen und ein einziges^ kluges magisches unwahrschein- 
liches 'Vort aussprechen wird,(i«« ihm das unfassliche Rätsel des 
Kriegs enthüllt. 

Der Geist d es grossen Kaisers irrte irgendv/o inden Nebeln des -^arkes 
herum, verjagt aus seinem Palast durch ein halbes tausend Stabsoffi- 
ziere, die mit ihren Mappen, ^leph onen ,3chreibmaschinen/alle kx 
historischen ^emächer füllten, bis zu den Dienerw^ohnungen in den Man- 
sarden. Der ^KMfiraisxtaiiEJk Oberstleutenant im Generalstab d'Arland, 
ein |BkxH fanatischer Anhänger der napoleonisdi en Doktrin, wurde an 
diesem nebligen Ivorgen rein aus Kumi^er zum Träumer und Romantiker 



/ä 



>. 



x'm.i 



:?«t€-t-«-Tü fast erv/artete er in diesem Park eine nicht näher zu tecxRX 

bezeichnende ."nlrecheinung auftauchen zu sehen... Auf einer weiten 

Lichtung im Nebel glaubte er die gedrungene Gestalt des Kaisers zu 

sehen, der sich an einem i^eldfeuer wärmte... 

Nein, es waren nur die Soldaten einer Halbbatterie von Abwehrgt xatoLk 

gegen d en Kim iüel gjRxx 
schützen, die um ihre nar^i^— oirem fge richteten Rohre kRrHiaxJtx wachten, 

Holz 
und im Kreise ein schwelende8/'''^^^'eTrer umstanden. 

Der Oberstleutenant bog nach rechts ein und schritt den teichen zu. 

fort 
Er war aus seinem Büro hinaxxgestürzt nach einer zweistündigen otxfiK 

dienstlichen PConferenz mit dem PCar.oeraden von der dritten/jDperations-.^ 

^fbteilung. Es waren zwei Stunden Zank, gegenseitiger Bosheiten und 

unter iCameradfin — -^ 
Anspielungen, die manchmal dasTj^laubte Maass überschritten. Jene 

beklagten sich, sie können nicht arbeiten, da sie nichts vom Feinde 
vmssten.Die vom ersten Stock des Palastes und den früheren Appartem- 
raents des Kaisers und der Kaiserin, die Offiziere Petains bedrängen 
sie mündlich und telephonisch und schliesslich auch schriftlich, w^l ^ 
welch^e4^ Skandal ,von otock\^'erk zu Stockwerk. .. In der Luft hangt -d 
die grosse deutsche Offensive, wer das nicht fühlt ist kein ^^riegs- 
mann- durchs Land geht ein Schauer tiefer Beunruhigung, Paris v/allt 
auf , die Parlamentarier werden vor Angst kKS± beispiellos frech. Die 
Reserven stehen in kleinen Gruppen hinter der Krax ganzen langen ^^^t- 
^ront auseinandergezogen, kein Plan eines Gegenangriffes ist vorbe- 
reitet, nicht einmal ein Abwehrplan, denn seit zwei Monaten fehlt jed- 
wede Information über die Absichten des i*'eindes.Die zweite Abteilung 
des Hauptquartiers i^^fnicht dazu b e ruf Q n ,go in ^ subtile/ Vermutungen 
auszustreuen, n o ch zu m Afafann^i» spekulative^ Abhandlungen über die 
vermutete 7rühlingsof fensivei'die auf ^^'iktionen beruhig^.. W6 sind die 
Tatsachen* . 



/i 



Es gab ihrer eigtBtlich zu viel^. 

Schränke und Behälter der zweiten Abteilung j[± barsten fast vor dem 
Zudrang an Ueber3ichten,l?egistern »Zusamiienstellunsen, graphischen 
Darstellungen. In das Euro strömten dreimal am Tage mit der Post 

xry 

hunderte dicker Umschläga,und jeder schüttete eine Anzahl dunner 
mit Schreibmaschinenschrift bedeckter Eogeru^iese Flut von Tat- 
Sachen, Tatsachen und immer wieder Tatsachen überschwemmte die über- 
arbeiteten Offiziere, die dünnen Bogen raschelten in ihren Ohren 
bei -^ag und bei Nacht. Dieses verfluchte Rascheln verfolgte den 

Chef sogar in den Schlaf ."^line ungeheure Fülle von Tatsachen und 

* 
eigentlich« • • 

Masse »^-^^ 

Eine unabsehbare Anxaki: '^Bf^^yJ^z^-'^'^^^ ,Kontat^enten, Spionen, Kundschaf- 
ter/ ^ffianatischer Patrioten, edler Idealif'ten, stiller Helden, geris- 
sener Schuf te, Betrüger, "^Crpresrier, Verbrecher aller Nationalitäten, 

wimirelte xiaxliain diesseits und jenseits der Grenze , hinter der 

in 
^ront,acKt den rückwärtigen Ftappenstellungen des veindes,bei den 

Bundesgenossen und in den neutralen Ländern.Die Rapporte aus allen 
Enden der '"elt liefen in bestimmten Zentren zusammen und gelangten 
aus Genf ,aus Bern, Kopenhagen und Stockholm in die zweite Abtei- 
lung des Kriegsministeriums und von dort injK( das Hauptquartier. 

Es kostete Millionen. Mancher Viertelbogen hatte den Wert 
von tausend Franken, aber dreiviertel, wenn nicht neun zehntel dieser 
Papierflut enthielt nichts wie Lügen. Besonders zum Verkauf her- 
erichtetf od.« bestenfalls ^B.rfiii es Klatsch, Vermutung , flüchtig auf- 



S 



gefangene /<^^erüchte [öder absichtlich veränderte/zumeist aber Dokumen- 

*> — - — -^^ — 

te bei den feindlichen Kontragenten für grosse Summen gekauft oder 

wissentlich untergeschoben. Diese Ausbeute der sogenannten fachlichen 



Stabsarbeitj^ war eigentlich die gefährlichste. Durch ihre Genauigkeit 



r, <^< 



war sie zum Irreführen besonders geeignet. 

Tatsachen, Tatsachen, Der Kopf platz te^^'^'enn man aus dieser Sintflut 

Wahrheit _oder v/enigstens - 
von Tatsachen auch nur einen BrucnfeTT^ahrscheinlichkeit heraus- 
fischen sollte. Die gespenstische Maschine des Kundschaftdienstes 
ging in gewaltigen Touren und verschlang unersättlich ganze Pakete 
von Banknoten und Schecks an alle Banken der 'Veit. 
Oherstleutenant d»Arland wusste bereits seit einem Jahre, dass er 
bei all seinem unerhörten Wissen in der Tat nichts wusste. Diese 
in drei und: einhalb Kriegsjahren erworbene wertvolle Erfahrung 
hielt er in sich verschlossen^und unter Vorgesetzten und i:<^ legen 
des Hauptquartiers und Ministeriums galt er mit Recht als der Kö- 
nip des Kundschaf tsdienstes. Jetzt begann sein Ruhm etwas zu verblas- 
sen, obgleich sein Kopf vielleicht nie vorher so exa^ gearbeitet hat- 
te,und vielleicht war es eben diese Exaktheit, die alles verdarb. 
War er früher in Beziehung auf sein Material minder kritisch gewesen 
so war er jetzt umso anspruchsvoller. d'Arland glaubte an nichts 
mehr und traute niemand. Jetzt ging es um den Sieg, um al les /und er 

hatte nichts in d er Hand. h'^^ x ^ '^.'^ e- 

Die grosse letzte verzweifelte deutsche Offensive,e4«-ap4el ö:uf ir»^- 

Leben und Tod rückte näher. In einem Monat, in einem halben, in einer 

en 

V/oche vielleicht oder, wer weiss, morgen wird aus tausend Geschützen 
das deutsche Tromi .elf euer losgehen und an irgend einem Punkt der 
sechshundert Kilometer langen Thront werden die massierten deutschen 
Divisionen losbrechen.WaxTCXx 



Wo werden sie angreifen? 



von 



Fliegererkundungen, Patrouillenrapporte «n tausend Stellen ,Proto- 

von Vernehmungen / . x • i. • ^ 

kolle rfCrTegsgefangener, ^lugzeugauf nahmen/sammelten sich in den 

Kartotheken und die daraus rekonstruierten angeblichen Plane des 

Gegners wurden auf Karten gezeichnet. Diese streng fachliche Methode 



5 



wilrde ergab ein absurdes liesultat. Ue 



brigens versagten alle Methoden 



Ss gab auch e 



ine Lleinung .dass die Deutschen überhaupt auf d^^e^ 



ge 



rrüh^ahrsoffensive verzichten würden.auch dafür konnte eine M.^ 



Beweise angeführt werden^Aber 



das Land lebte in ständiger Unruhe, 



in sorgenvoller Erwartung, 
viel übernenechlicher Arbeit - und als .Ergebnis einer fast vier- 



s 



jährigen T^rfahrung im Moment des grossen Krise.da der Krieg sich ge- 
gen -.nde neigte ^er nicht in der Lage, etwas /icheres zu wissen, 
etwas zu erraten oder zu ertasten. 

.-are also der ganze Krieg ein blindes Spiel.seine Lenkung ein Mythus 
wo blieb die berühmte.unsterbliche JCriegskunst/, ihre eiserne Logik. 
ihre Prinzipien? '^o die zeiten des Kriegsgottes Napoleon? 
Der Oberstleutenant d'Arland machte ;^^hrt. endlich wusste er etwas 
von sich.Er wusste es zu spat.aber ein für allemal/. Schluss damit, 
keinen Tag langerl Er fühlte sich dumm geworden bei den Stäben, bei 
den ^^auptquartieren.im vierten Kriegs Jahr entdeckte er, dass die 
Entscheidung wo anders fällt. An der Front. ^^ 

um nichtsJwuSi^r in seine Büros zurückkehren. zu seinen Kartotheken 
und Spionen.. .Er schüttelte sich vor Widerwillen. Zuerst werde ich 
ein Bataillon überne'omen.später ein itegiment,am besten die % 219. 

Schützen. . . 

"Herr Oberstleutenant, wir haben Sie überiil gesucht. . .Erst von ei- 
nem Soldaten der Luftabwehrgeschütze erfuhr ich...» 

"v.ras gibt's?" 

"Dringende Angelegenheit! Herr Major Duval hat uns nach allen 'leiten 

ausgeschickt... Zwei voll/6 automobile sind angelangt . 
"Was für Leute?" 



\. 



t 



"Engländer-aus Amiens". 



Nach zwe IstündiL^er Diskussion {gebrauchte Oberstleutenant d'Arland^ 

bis zum äussersten un,i;eduldig gemacht , eine et^^'as unßluci<:l Iche 

v^endung,die in der Uebersetzung des erschöpften Dolmetschs noch 

schärfer ausfiel. General Donalds^n sprang auf, reckte sich steif^ 

nach ihm erhoben sich Major Tripp und Hauptmann j3o3r, 

"Wenn die von mir vorgelegten Dokumente, die unwiderleglich beweisen 

geht 
dass es hier um Sein oder Nicht_sein der englischen Armee haiidi^lt, 

für uns verletzt end en ^ jgg^,. 
mit solcher ^^erIngs'chätzuTig^^T5e handelt werden, so bleibt mir nichts 

übrig, als direkt an General Petain zu api^elieren^YÄr dem ich gleich- 
a- 
zeitig kategorischen Pr4;est und begründete Beschwerde ecnlegen xkk± 



"v. 



v^erde über dieses Verhalten der zweiten Abteilung des f ranzö^-/chen 
Haptquartiers/bei "^Entscheidungen von solchem Gewicht." 

Als der Dolmetsch fertig war,wi4^^e^r diesmal den Text des ^enerals 

übe rA'and ^ 

milderte, zvrnng/sTcvT Oberstleutenant d» Arland,sein erschöpftes b^kscxk 

Gesicht nahm den Ausdruck liebenswürdiger Biederkeit an, er legte | 

den Arm halb um den steif dastehenden General , entschuldigte sich 



m 



it Ueberarbeitung, schliesslich Qeä,ng es ihm ,den andern v/ieder in 



seinen Sessel zu zwingen.Nach ihm setzten sich Major Tripp und 
Hauptmann Boy sofort wieder. 

/Der durch ein Wunder anKunstfertigkeit vom englischen Kundschafts- 
dienst erbeutete Plan der entscheidenden deutschen Of/^ensive 



ui".ifaagte für einen noch nicht bestimmten Tag im März einen Angrilf^ 
derin der geheimen ITomenklatur des deutschen Kauptquarti"eiy Mars - 
TTord^nd T'ars-oüd bezeichnet wurde. "Er beabsichtigte eine Umfassung 
der englischen Armee vom Süden her, nicht mehr und nicht weniger als 
nsiri Herabdrängen ans Meer, was so viel k dos » wie ihre Vernichtung 



8 



un 



d Gefan-^ennahme ihrer zerprengten teile/ hiess. Dieser bereits 



im vorigen Jahre auf der grossen Konferenz in Mons entworfene Plan 
befinde sich b eroi -Us xxx seit Neujahr in der Ausfuhrung ,ohne 



'^'' ''%^^t-M?lü in Flandern stehen die Hauptkralta schon 




o 



^3^,i^^„it, e4..^gewaltige;^Artil'-erie,M«± Munition und allem Kriegs 
materi'al versehen, die unter den grössten Vorsichtsmaassregeln zu- 
saJBmengefasnt werden.Die Richtung des Kauptangriffs ist Doulen^^Aboe- 
ville u«^Arras.St.Pol und ^ Bethune.Heute noch raüsstn die strate- 
gischen /fe^erven in .3e'.egung gesetzt w«.4*n und ein Verteidigungs- 
plan ausgearheitet v.-erden.-s sei keine Stunde zu verlieren. 
Ob der Plan authentisch sei? Später v;ird es Zeit sein zu kritisieren 
und Vorstellungen zu erheben, jetzt muss man handeln, handeln. Authen- 
tisch? F.ngland hat teuer genug die Erlangung dieses Planes bezahlt. 
Von den Riesensummen zu schv,.eigen,hat England zu diesem Zv.-eck sei- 
ne besten Agenten in Deutschland geopfert, die in .:^eindeshand ^efali 
len sind. Die Organisation des englischen Kundschaftsdienstes ist 
für lange ruiniert .vielleicht bis zu^Jvriegsende.üer Plan kat tragt 
die charakteristischen Tierkmale deutscher Stabsarbeit. 
"Offensichtlich, das kann ja auch nicht anders sein. ..Den Plan haben 
die Deutschen ausgearbeitet, und wie man sieht , haben sie keine Mühe 
gespart.. .Es fehlt nur jeder 3ev;eis,dass sie ihn auch auszuführen 
beabsichtigen. Ich vall sogar zugeben, dass der Flan durchaus authen- 
tisch sein mag, aber längst verworfen und dem Agenten verkauft, um uns 

kann,.^— - _ 

zu betrügen. IndessenfajiSrgend einem andern Frontabschnitt.... 

"Indessen?/ Indessen verlieren wir die kostbare Zeit, Herr Oberst- 

jtinrtBLÄXRÄ leutenant. " 

"So geht das nicht, Herr Oeneral," 

"Und ich versichere Sie,.." 

"Auch ich versichere 3ie,dass so präzis ausgeführte und authentisch^t 

r^^ÄÄb-eWie Dokumente niemals in die Hände des 3^'e indes gelangen." 



8 



1 



n 



"Warum?" 

"Weil das ausgeschlossen ist, weil sie zu gut behütet v-erden". 
"Sobald aber ein noch so geheimer Plan in der Ausführung sich befin- 
det,tännen ein Dutzend Leute seinen Inhalt, dann hunderte und schlies;. 

lieh tausende," 

"Inhalt? ^Vohl, einige Hauptpunkte des Abschnitts , die vermutlichen Ob- 
jeltte des Angriffs, gewisse Zahlen, aber nicht viel mehr.Doch toxxgjaÄ 
das ganze geleime Dokument?. . .An diesem Liangel an Subtilitat icann 
man gleich äkk die Deutschen erkennen. Sie haben es zu genau gemacht. 

"Mit andern Worten Herr Oberstleutenant ,Sie sind der Meinung, lix wir 

zu 
seien xa naiv!" • . ^ 

"Durchaus nicht ,Herr Genral ^ Im Uebrigen ^im März und bei solchen 
Regengüssen i^n^ eine Oifensive auf dem dortigen Terrain und in so 
kolossalen Ausmassen, wie es der Plan hier angibt, eine krasse Un- 
möglichkeit. Ein unduzKChdringlicher Sumpf! Das wissen die -deutschen 

sich 
so gut wie wir, es lohnt sich nicht darüber zu erregen- wir haben 3ta 

Zeit." 

Vorsichtig schlich ein Adjutant herein, beugte sich zum Ohr des Chefs 

und flüsterte ihm etwas zu.-^er Oberstleutenant üte rlegte einen 

Moment» lächelte. 

"Ich lasse bitten. " 

/ 
Endlich eine Rettung vo^ der englischen Säge.tJer alte ^eneral Du- 

breuil trat herein und begann schon an der Schwelle ein trompetenhaf-<'- 
joviales Gerede von donnerndem Lachen begleitet , voll Pariser -^Neuig- 
keiten und Anekdoten. Sein schändliches englisch, der riesige Bauch 
und seine »ara^v^^OBiederkeit machten dem Ernst der Konferenz ein iiinde. 



u^ 



^ 



n 



9 



Oberstleutenant d'Arland ruhte aus. Nachdem der Alte seine erste Zi- 
garette zu -.nde geraucht hatte.beruhigte er sich etv.-as .xk schwieg, 

wurde amtlich« 

..Gut dass ich Sie hier treffe,-err General.ich habe da eine gewisse 

Sache.aber streng ^e rtraulich? fügte er hinzu.indeme r sich umsah. 

Die englischen und französischen Offiziere erhoben sich. 
..Recht Bo.meine Herren.der Herr General wird seinen ^^erren/ erlauben^ 
sich für eine Weile zu^a^SÄ^^nicht v.ahr?...Ber Herr Dolmetsch 
ebenfalls.Kach mach .mein Junge. ich werde dich schon vertreten.so 

gut es geht.««'* 

General Dubreuil gab sich Mühe zu flüstern. aber sein durchdringender 
Bass war nicht zu dämpfen/ und erklang nur mit der Veränderung, als 
käme er dumpf aus einem i'ass.ÄHmxSiKEkx^xsHxäisxXkrimxkErmEtxaBÄ 
Er warf französische Brocken in sein sonderbares Knglisch und brach 
immer wieder in sein brüllendes Lachen aus.*«* Sein;^;K grosses rotea 
Gesicht leuchtete triumphierend. Endlich holte er und zeigte xKtscsÄ 
zwischen zwei ^^ingern haltend, ein kleines zerknittertes Blatt, das 
von beiden Seiten dicht mit Chiffern bedeckt war. 

"Was ist das?" 

"Was ll^ist? v.'ir haben sie endlich! Heute früh durch besondern Kurie 



i 



aus Genf ßtngelangt.Aber wir müssen uns schrecklich beeilen.Bie 
letzte unwiderrufliche Datum der grossen Olensive ist auf den ^ 

25.März.5Uhr 20 Minuten früh festgelegt.". 

trocknete 
Oberstleutenant d'Arland TnisKklut sich die Stirn .dann drückte er et- 
was zu stark auf den ^lahn des vor ihm stehenden Siphons und bespritz^ 
te den ganzen Tisch.Er tr_ank das ganze Glas leer. 



"Wir haben also ^zwölf TagefnöcH/ vor una'.'Xixii±iKkiKxaniitx(tiKX]iflsr^(3:ahxe 
jtjnacxxxiixiüuauduuui Der Oberstleutenant sah auf die Uhr. schien etwas 
zu berechnen. Dann sagte er< 



"^«rr iT rtersT, 



"> 



10 



o 



"Herr aeneral ,wir haben noch etv'as mehr Zeit. Ich bitte vom heutigen 

Tag bis Mitternacht noch sieben Stunden dazu zu rechnen.'» 

"Ah, Sie wollen sticheln, Gut gut! Ich nehme mit -^ank Ihre sieben 

Sie ahnen of '"enbar/;^ nicht, woher 
Stunden dazu und fahre fovtf^xKzö^^sm'isjsixxK-^&Ty.'^ 

dieses Blatt koraiut." 

"Ich weiss, ich weiss..." 

"Sollten Sie wirklich..." 

"Si'-^ kündigen uns ja seit Dezember schon die Stunde dieses Vv'unders 

an, endlich ist sie wohl gekoimiien« Ich gratuliere!..." 

"Nein, das ist etw^as ganz anderes..." 

"Dasselbe, Herr General! Die geniale E.E. Diana die Jagerin,die nur 

Wild ^ 

auf grossesXxRXÄ geht. Beziehungen bis zu den höchsten Gipfeln, kon- 
feriert mit dem T^aiser ^\arl,ist die geliebte ^hres berühmten Kolleg^ 
in Berlin "^^/inniauptquartier des -Kronprinzen empfangen, mit dem sie 



I 



! 



geschlafen hat, nur wussteter nichts davon..." 

"Ha-ha-ha!" 

"Nun denn ,so schlief sie mit seinem Stabchef ,dem Öeneral von den 

Schulenburg und hat ihm den Plan der ^trix^kx Frühjatorsof ensive heraus 

gelockt, t^ffenbar h2i7 er ü^ff- unter dem Polster..." 

DerGeneral lachte , seines Blattes sicher und v/artete bis der Überst- 

leutenant verstummte und ein zweites Gas \''asser trank. 
Wan 



I 



w 



•ftlTJ 




d Sie heute so böse? Nervös? " 



"Warum?/ Weil der eben hier anv/esende Herr "^eneral Donaldsen 



e men 



zv/eiten Plan der "ruh jahrsof/ensive uns gebracht hat.XK 



Fälltlhnen nichts auf , Herr General. Beide am gleichen Tag und zur 



gleichen Stunde! /ich habe frenug davon! 



wUm 



11 



I 



Wie konnte das so unmöglich, so phantastisch unmöglich ausfallen? 

einen etv/as vorzjeitigen 
"Entweder die beiden Herren woll/en eiīi/Treundlichen Aprilscherz 

^ I unsere beiden 

mit mir machen, oder der Teufel selbst macht sich über di.e-we4 Haupt- 
quartiere lustig", 
"Und yjenn beide Iläne identisch wären? "fragte etwas unruhig gev/ordo^ 

"reneral Dubreuil, 



"Ich sehe,dass ich hier überflüssig bin, "sagte der Engländer steig 
"ITun donn,»e bleibt mir/nichts übrig, als mich in den ersten Stock 
zu begeben, ' 






Er 5CÄ musste wieder beschwichtigt werden.lm Laufe des weiteren Ge- 

sorächs bemühte sich General Dubreuil erfolgreich, dem T^ngländer 

die 
immer mehr beweise dafür beizubringen, Btxax die T]chtheit seines 

Dokuments abschwächten. Die ausgesprochene T'endenz sei auch daran zu 
erkennen, dass man dem englischen Kundschaf tdienibt ein Dokument unter 
schieben wollte, das die :^^)edrohung der englischen Armee enthielt.Saa; 
aas sei besonders verdächtig. 

"Wie konnte xikK d enn KiÄXKaiKkKrx so ein r- iohtig es Bündel Papier 
über die Grenze gelangen? Hat man nicht am TCnde der Grenzpolizei 
einfach befohlen, den Agenten X ungeschoren und gesund hinübe rzu- 

lasseni!^" 

Der "Engländer entrüstete sich. 

"Meine Herren, bei uns befasst sich der Chef der zweiten Abteilung 
nicht mit Kleinigkeiten. Ich v^eiss ,dass unsere Agentin alles auf der 



. . • 



Haut ihrer Schultern mit chemischer Tinte aufgeschrieben bekam 
"Diese Schultern möchte ich sehen. Sie müssen gev/altig sein" 
"Die Herren :^ranzosen ^^-erden witzig, sobald der weibliche Körper 
ins Spiel kommt/. , obgleich es sich mit dem Ernst der Zeit und des 
Orts nicht gut vereinbaren läset... Ich muss noch darauf aufmerksam 
machen, dass der Text des Dokuments nicht nur die Schultern der genan 












12 



T1 



ten Person bedeckte, sondern auch ihren yrrt^r/eib und die Hüften. 

1 
Zum Ablesen und Photographiern brauchte man fast zwanzig Stunden.» 

"Immerhin eine Abwechslung..." 

Doch der Engländer liess sich nicht schlagen/ und hatte noch aller- 
hand Bev;eise für seine Behauptung. Indes rsen interessierte ihn heftig 
auch die französische ^eute und er hörte gesammelt zu, als General 
Dubreuil den dechiffrierten Text vorlas und kommentierte. Auch Oberst 
leutenant d'Arland h ört e- sdi reibend zu,^ Arv<^«. . 
"...Das ist ein Muster eine^ stratbgischen itnijxifcte Ueberraschung. 
Am 25. März ura 5Uhr 20 Minuten gre fen fünfunddreissig deutsche Divi- 
sionen an einen der ruhigsten und völlig unbedeutendsten KxHKtaisaöm 

i ^ausse rsten 
3ntab3chnitt^__an",am SS^iKtam Rande der östlichen Fronteinbuchtung 

ini de» Abschnitt St.Mlhiel. . , •• 

"Also Verdttn?" 

" Ja,eben,Verdun!-iAas sagen Sie dazu?" 

Und aeneral Dubremll erörterte ^.eitläufig die taktischen und morali- 

sehen Gründe dieses Planes für die Deutschen und entwickd te die 

zu treffenden Gegenmassregeln. 

General Donaldson war darüber etwas bestürzt/ und glaubte zum Teil 

an die französische These, hielt aber nicht minder starrsinnig an 

seinem Dokument fest. 

Oberstleutenant d'Arland nahm keinen Anteil mehr an der Diskussion. 
■Rr schrieb. 

"Notieren Sie .Herr Oberstleutenant?^ HäL ten Sie , bitte .auch fest 
dass in der Konklusion des Obersten Wetzel vom Operati onsburo des/ 
Hauptquartiers ausdrücklich hervorgehoben wird ..." 
"Ach so, die schöne E.E, hat auch zu diesem Herrn Beziehungen? Nun, 
was mich betrifft, ich habe nichts notiert .Herr General, ich schreibe 
ein begründetes Gesuch. mich vom Hauptquartier zu beurlauben und an 
<iie -'ront zu versetzen". 



o^ 



(sand 1 7<iap.l4J 




Grete von Menden fuhr aua dem Schlaf, lag lange Ktaua wie erstarrt, 
ungewiss ,wo sie sich befand.Traura und Wachen gingen durcheinander.. 
In ihren Plaid gehüllt befindet sie sich wieder im Halbschlaf im 
Eisenbahnwagen.Die Bewegung, das dumpfe Rollen der Räder wiegt sie 
ein.Der Überreizte,mis3brauchte Körper ruht aus. Die -edanken fliehen 
vor dem .was diese Nacht war.Sie will vergessen. In einer halben Stun- 
de wird sie von dem Alpdruck befreit sein. Sanfter Schlaf senkt sich 
auf sie herab, beruhigend .verzeihend... 

Als sie die Augen öf fnete.wandte der ihr gegenüber sitzende junge 
Mensch im kurzen Pelz mit ^uchskragen /den Blick von ihr weg. Der- 
selbe. Sie sah ihn in Kiel im F^batett "Grüne Maske" und später auf 
dem yorTt,als sie schon halbangetrunken in das Motot_boot stieg, um 
für den Rest der //acht zur Eskader hinauszuflahren.Er macht Miene, ^ 

als wollte er sie ansprechen. Drum schliesst sie die Augen und stellt 

und riihi£_ 
sich schlafend.Sr aber äjum spricht leise^v^rsich hin.Sie hört;die- 



ser Mensch weiss alles von ihr.Er liest ihre Geschichte, wie aus ein^ 

Buch*wo alles aufgeschrieben ist.tlas Buch ist französisch. Aber er 

r 

liest mit so schlechtem Akzent, Br weiss alles von ihr.Sie kann 
nicht länger an sich halten, sie öffnet die Augen. ^er junge Mann 
liest halblaut aus e4i»effl- Buch mit gelben Umschlag. 
"Störe ich Sie vielleicht? Ic*i lese laut, der Webeung wegeno Ich wer- 

de leiser sein»" 

"Bitte sehr, es stört mich nicht«" 

"-^anke!" 



\\ 



zum 



^ 



..•Sie hat sich in der fremden Stadt verirrt. Sie eilt kx±x±isk -Bahn- 
hof und kann ihn nicht finden.-Sie muss fliehen. Um jeden i'reis.Ums 
LelDen muss sie diese i^apiere verstecken, die sie gestohlen hat. Sie 
fühlt die Verfolger hinter sich, alle die ihr begegnen sehen sie miss 
traiisch an. Wo ist nur dieser Bahnhof? Doch der -Bahnhof flieht vor 
ihr, verbirgt sich hinterhältig im Labyrintl^ unbekannter Gassen, 
scheint von da von dort zu rufen, sich mit dem Pfeifen der Lokomoti- 
ven, mit dem herben Kohlendunstgeschmack zu nähernfSSie hört hinter 

sich das I^fen sie verfolgender , laufender Menschen. "Dieb^iü Sie 3 

Ge 
ist'S! Aufhalten! Sie hört das stossende XBcfear^Kräusch eines Poli- 
zeimotorrades hinter sich, das auf sie lossehiesst. Endlich der -^ahn- 

in ^>^y 
hof J Im Gedränge des ^epäckraunes erblickt sie xsa^ i^'erne das 



schreckliche Gesicht mit der karrierten Sportmütze, das über alle Köpß. 
emporrag;^t.V'ann geht der Zug nach Köln?- Endlich! Welche Erleichterung 

..••Sie kleidet sich hastig /, zieht die Strümpfe über die Beine, 
ihre Hände zittern vor Abscheu. Imtiefen Klubsessel sitzt er hinge- 
streckt, die spitzen Ellbogen auf den Lehnentdie kurze Pfeife zwische/^ 
den Zähnen. Sie sieht die kleinen tiefliegenden schwarzen Augen, die 
stumpfe Nase, den borstigstarrenden Schnurbart ,den flachen kahlen 
Sdiädel,das süssliche Lächeln der verbrecherischen Ivanaille. 
"tfrie Sie wollen, aber ich erkläre Ihnen, dass ich für Sie nicht mehr 
stehlen werde. Alles ,was Sie wollen, nur nicht das!*' 
"Du wirst tun, was ich dir befehle;^, verstanden! " 

Sie weiss es und bricht in Tränen aus.Die Kanaille im Fauteuill,da8 
riesige lange Skelett^ mit der haarbedeckten Hautiist ihr Herr und 
Gebieter-l'-as für ein verrückter Traum!... 

Doch länger lässt sich die -i-i-e^ des Träumens nicht aufrechterhalten. 
Durch alle Verwirrung ihrer durcheinander jagenden Gedanken, durch 
alle verzweifelte Anstrengung sich dagegen zu wehren, durch die 



\ 



KJ 



Dämmerung im Zimmer, durch die I>ecke,die sie sich über den Kopf gezo- 
gen hat, dringt die unhartoherzibge Wirklichkeit .Was tun? Weinen, 
Schrein , fluchen, verrückt werden? 

Sie warf die flecke ah und stand auf. Sie schoh den Vorhang zurück, 
zog die Jalousie/f in die Höhe ,der Glanz der Sonne schnitt wie eine 
Rasierklinge in die übermüdeten Augen. Sie wandte sich heftig ab/ 
und fand sich Aug in Aug mit ihrem Bild im grossen Spiegel.Die uner- 
trägliche brutale Wahrheit v;arf sie fast um.Alles war im Spiegel zu 
sehen, überall frische Spuren, in den Augen , im Gesicht, an den Beinen, 






Sie war gebrandmarkt, bedeckt mit Scheusslichkei t.Sie flohAuf der 

Strasse 26g ein Marschbataillon zum Bahnhof.Die Musikkapelle spielte 

Hoch- Rufe drangen zu ihr hinauf. Sie v^andte sich vom Fenster ab, sie 

konnte das nicht sehen. Sie irrte gedankenlos durch die Wohnung, such- (1 

te mechanisch in der Schublade im Schlaf zimraer, obgleich sie wusste, 

dass dort nichts mehr da war. Sie begann in ihrer Reisetasche zu socs: 

suchen, warf hastig die Sachen hinaus, mit dem verzweifelten ^efühl,;^' 

dass sie auch da nichts finden wird... 

Die Klingel. Im Vorzirai.er eine bekannte Stimme. Sie lief hin.Jtacxtxjto 

's ♦ s- 

"Hast (Tilvhast du?" 



tiw 



Wie siehst du aus,yrete? beruhige dich dQchlZich kann nicht mehr, 
Gibs mir gleich! " 

Ftru Hipoer, fünfzigjährig, mit Spuren einstiger Schönheit , umarmte 
sie und druckte sie an sich.Grete liess es sich gefallen, bebend vor 
Ungeduld, dann riss sie sich schnell los und indem sie ihre Freundin 
die Rasche aus Eidechse entriss, stürzte sie ins Sdi lafz immer. Frau 
Hipper setzte sich an den Tisch und liess das Mädchen das -^'rühstück 



'^S^ t~ 



iMi 



<^) 



^yc^^ 



bringen» 

"Nun, wie geht»s ,Klärchen,was gibt^s?" 

p "De gnädige Frau ist um 11 Uhr angekommen, sie war schrecklich 

müde von der ReiseV 

"Und in ihrer Abv/esenheit ist niemand hier gewesen?" 

"^,es war ein älterer Plerr hier, sehr elegant. Ich konnte ihn kaum 

loswerden. Er war sehr zudringlich»^ Als er wegging steckte er mir 

zehn Mark in die Hand". 

"V«as wollte er?" 

"Nichts besonderes , er plapperte wie ein Mühle. -'ann sagte er, er möch- J 



te die ^l'ohnung sehen, die ausgeschrieben ist. Ich zeigte sie ihm." 
"Das hättest du nicht tun sollen. War er auch im Arbeits immer. /JaTich 



.! 



zeigte ihm alle Zimraer. " 



/ 



Bu hast ihn doch hoffentlich nicht allein gelassen". 

"Nein, bewahre, ich bin nur einen Augenblick ans Telephon gegangen]'' 

"Schlimm, er konnte was einstecken!" 

"Aber ,gnädi e ">au,ein so feiner HerrIWeiss ich denn nicht »mit wem 
ich zu tun habe! " 

Aus dem Schlafzimmer hörte man die silbrige Stimme Gretes,die ein 
Xaciixx Eouplet summte. Gleich darauf trat sie in einem schwarzseidena 
Pyjama wxk^ frisch und lächelnd ein. Schlank, langbeinig, mit die» kurz- 
geschnittenem Haar/sah sie wie ein hübscher, etwas verweichlichter 
Knabe aus. Sie warf sich ihrer Freundin ^ä den /^als. 

i 

"Du hast mich gerettet. -»er ganze Flakon für mich/? Ist es wahr?/ iacx 
Lass mir den ganzen. Ich muss Vorrat haben. Se/t fünf Tagen hatte ich 

kein PCÖrnchen mehr...^rum war ich so verrückt. . .Ach, was fur^chwei- 

/ 
nerei! " 

"}5rzähl mir alles." 

"Ich kann nicht. 3s dist ganz unmöglich,schauerlich. " 



•»In Kiel?" 

"Sie haben mich auf ein Torpedoboot geschleppt... 

"Und dann? Erzähl doch, erzähl! " 

Vtfn der Strasse drang Blechmusik herauf. 



^rau von Senden trat lächelnd mit glänzenden Augen aus dem Haus. 
Die Aussprache mit der T:^reundin,(ftas Bad und zwei Prisen der weissen 
Kristalle aus dem venetianischen :^lakon liessen sie allen Schmutz 
Kränkung, Sch recken, vergessen, und brachten ihr den gewohnten Leicht- 
sinn zurück.^ie wollte zum Jahnhof , um die Eltern zu besuchen, die sie 
seit zwei ^"ochen nicht gesehen hatte. Unterv/egs bliteb sie vor einem 
Blumenladen stehen. ^-^errliche Blumen. . .^.^enigstens das fehlte dem ar- 
men TJeutschland nicht^obwohl um diese -eit Blumen schon ein Luxus 

denn ^ 
waren. Ein Luxus und doch dringender Bedarf, Amk täglich mehrten sich 

V 

die Keldengräber. .. In einer plötzlichen Aufwallung trat sie in den 

Laden und liess sich alle ^ Schnittblumen einpacken/, sie raffte kik 

3 ^ stattliche 

einen riesigen StraiTs ^zusammen ,für Jen sie eine ^^shärigK Summe auf 

den Tisch legte. -^er Friedhof war in der Nähe und sie begab sich hin, 
als führe sie eine längst gehegte Absicht aus^gTie wollte sich beu- 
chen von den heiligen Opfern des Vaterlandes und zwischen den schwär- 
zen Soldatenkreuzen den ^chmutz und die Gemeinheit ihres Lebens, ksr, 

Ihre Verbrechen bereuen. -^ann wird sie ein Öelübde ablegen ,ein neues 

wollte 

wiedererstandenes und reines Leben anzufangen. Sie kxtJsiK die schwers- 
te Busse auf sich nehmen. 

Mit Tränen in den Augen ging sie zwischen den ärmlichen Gräbern he- 
rum, auf jeden Hügel eine Blume / legend. Sie verteilte sie sparsam, 

doch schon m der dritten Reihe stand sie mit leeren Händen da^ 



und so viele noch mussten un,:eschmückt bleiben. 



'/ ^ 



lamm- 



o 



Sie kehrte enttäuscht und schrecklich traurig um. Sie vermochte ihr 

||( eihe d ieses 
eiübde ^'eder auszudrücken, nocRT^^TiexMli Aucenhlicks;</;f/X>^^/^X/ ^u 



G 



empfinden.Alles in ihr brach zusammen.Mit gebeugtem Haupt »ver- 
nichtet, ging sie die Friedhof sallee hinab und wusste selbst kaum, 
wie sie plötzlich vor dem marmornen Flachrelief eines zweijährigen 
Mädchens mit Blumen in der ^^and sich stehen fand. Aus dem polierten 
schvrarzen Granitblock lächelte es seiner Mutter zu. 

''V.einjiUiW/jiU'^ff^i liebes, g^/dnes ilind! Varum ast du mich verlas- 
sen? Hättest du gelebt... " 

Lange stand sie da und konnte sich von dem Grabhügel nicht losreis- 
sen.Hier lag eslm Grab, ihr Schicksal. AI les ,v^as sie hätte werden 
könrien. Ihr Glück .ihre '-/ürde.ihre Khre/'are sie nicht so verlassen 

l^'^.c:eblieben,es v.äre alles nicht gesche' en.Mit lügenhafter Selbst- 

^'^ das 

täuschung, obwohl sie es fühlte, klagte sie xkr Schicksal an, seine 

Gewalt und Unbarmherzigkeit.T^och alle ihre Ausreden und Kechtferti- 



gun 



ren stiessen sich vergeblich gegen das versteinerte Lächeln des 



toten Kindes. 

"Verden Sie nicht endlich Scliluss hier machen? Vergeblich schieben 

Sie *scS auf! Je rrt^trh^r , desto bes'-er." 

Sie sah sich um und bevor sie noch den Sprecher erblcfcckte, wusste sie^ 

vom ^ 

wer vor ihr stand. ^er Traum ±m }^isenbahncoupe.Der junge Kensch im 

kurzen Pelz sah sie gleichgiltig und kalt an. Unter diesem Blick er- 
bebte sie vor Schrecken.^^atte sie ihm versprochen auf den -Friedhof 
zu komjiien? Sie hatte es vergessen.V'-'ip konnte sie vergessen?Wer ist 
er, was will er? Traum und Wirklichkeit fluteten durcheinander. Im 
Kopf war nur ein Hauschen und ein Chaos. 

Bald erriet sie und verlor fast die 33esinnungo Jetzt heisst es,zah- 
lenifpie Schande, der Galgen, der Tod! Und übrig blieb nur eine unfaoo - 



^ 



ii 



unsagbare , phantastische Angst, 

Der junge ITensch sprach ruhig und fast höflich.Aber eben in dieser 

Höflichkeit lag etwas Entsetzliches, Sie verstand jedes Wort.Jloch 

je langer sie zuhörte, umso unv.ahrs che inl icher schien alles zu sein. 

Er v/usste wann es begonnen hatte. Ihm war jeder Schritt, jede Keise, 

alle ihre Orgien bekannt, Er nannte die Namen ihrer flüchtigen Jekann 

für 
Schäften, iferer zufälligen ^reunde///e eine Nacht , während sie selbst 

viele nicht JBKfexaidk wusste,und von anderan/// nicht einmal die i^'amen 

kannte, Er zählte ihr einzeln die Offiziere der i^lotte ,der Aviatik 

durch 
der chemischen *^»affe,der Stäbe, der Etappe a.uf,,,Er führte sie/ die 

verwischten Marschrouten und ÄXKxHauptpunkte ihrer verbrecherischen 
Tätigkeit JKiel, -Marinestab, die ITarten der I'icnenf eider, Schilling- 
Unterseebote , Kamburg- die Vulkan»Werf t,i*rankf urt die chemische icaM 
Eabrik Casell^,.Bieberich-die Firma Kalle & C, ferner Dresden - 
Munitionsfabriken, Produktion der Gasmasken, die graphischen Anstalten 
usw,üsw, 

Grete wirbelte wie kxäxSx eine Ertrinkende in der unergründlicVien 
Elut dieser Enthüliungent bemühte sich ve rzweif elt ,xxÄk sich an irgend 
etv>'as f estzuhalten^gegen diese überflutende Welle, Vergeblich, Jedes 
neme Wort hing sich wie eine Last an sie und zog s±Kk sie hinab, Sie 

versuchte Angstbebend, mit einem lockenden Blick den jungen Menschen 

Mit dem 
zu gevrinnen,Sie warf ihm leise Versprechungen hin. Im JK! zuckenden 

mit dem 
Krampf des Mundes,%Ä/3rrnken der Augen versuchte sie ihre Kunst// 



ÄRHxMaHHxxMm d«e Männer in Tiere zu verwandeln, Vor raissglückter An- 
strengung trübten sich ihre Augen^ging ein Schauer der Ekstase 
durch sie, sie hielt ihren ^"wahnsinnigen Blick auf den jungen Mann 



/ 



gehef tet,'nur das konnte sie retten. 

Doch er schien es garnicht zu^ beachten, im gleichmässig ruhige/i, 

unheilkündender Höflichkeit sagte er ihr,dÄe« sie eine ehrlose 



8 



Verbrecherin i»< j j: um » lao « sie /Zehnmal den Galgen verdient hat, dem / 
sie sicherlich auch nicht entgehen wgjde. Aber er verspaach,dass 
ihr nichts geschehen v;erde,v:enn sie alles bekenntt\^^enn sie ihre 
Mitwisser auslief ert, wenn sie behilflich »^4:«-i«^M^ , d i e Centrale des 
englischen Kundschaftsdienstes / a:M:^xMÄKKkKK,ausf indig zu machen. 
Bis jetzt war sie eine elende , subalterne Spionin, eine schmutzige 
a^B^^'?fet^hQrin,die rein zufällig und blind wichtige und nichtige 
Paiere ihren besoffenen Liebhabern stahl, Nachrichten da und dort 
auffing, ohne ^dÄ^«-i!rre etwas davon v^w?e4-«cnti,3is jetzt hat öie nur Mx 






L 



Mist gesamifielt,iRÄBmx in dem sich hie und darg'twas Airertvolleres fand* 
Von jetzt ab aber könny^e sie etwas Ordentliches werden und ihre sisfe 
Schuld wettmachen, sie k^nnf sogar viel :}eld verdienen^sie möge wahien. | 



■^s taS" nicht schwer zu erraten, v/as sie wählen wird. Sie möchte sich's 
aber einprägen, dass auch nur der leiseste Versuch eines falschen 
Spiels, sie s^frrrt an den Galgen bringen w^rd^i^as könae er ihr von 
vornherein als gewiss und unzw^eif elhaf t versprechen... 
'»Und jetzt zur Sache. Sie werden den Plan unserer grossen Frühlings- 
offensive bekommen. Mit dem yeri .in auf Tag und Stunde, Ausfallsabschni ; 

und Angriffsbefehl. Mit einem so wichtigen Dokument in der Hand müs- 

bis_^ X. 7 

sen Sie /-^ur englischen 'T^n^.rBXe. vordringen, ?ch gebe Ihnen eine Woche 

i 
Zeit dazu. Hören Sie auf^ leichtsinnig zu sein und machen Sie von ifeuc 

Ihrem ganzen Hirnsdnmalz gebrauch. [Verlieren Sie keinen Augenblick 
Z«Li±,denn es geht um Ihr Leben. Jede Verzögerung wird Ihnen angerech- 
net werden. Und wenn Sie die Aufgabe zum bestimmten Termin nicht lö- 
sen, steht Ihnen der Struck bevor -und damit Schlussl-Heute begeben 
Sie sich nach Mannheim, Schlossstrasse 27, zweiter Stock rechte ,7Uhrl5 
abends zu Frau Dorothea Meissner. Fragen Sie nach Herrn ^^'illich. 



h 



Wiederholen Sie, bitte," 

"Frau Dorothea Meissner, ^chlosstrasse 27 zweiter Stock rechts, 7ühr 
15. Fragen nach Herrn..." 

••Willich! ^^'illichjdas bin ich. ^Wiederholen Sie". 
"Will ich..." 
"In einer Stunde geht Ihr Zug. Sie wollten ja ohnehin zu Ihren Eltern 



- / 



, flen 3ruder"besuchen,der sich vergiftet hat.V'issen Sie v-arum? Es sind 
ihm die geleimen Zeichnungen fÄXxctxKxKKHmHnfcxK der neumontierten Ge- 
neratoren zur Verbesserung des Öelbkreuzgases verschv/unden. Sie haben 

zurück - j 

sie gestohlen. Haben Sie sie xiRßtRi d«r,um sie wieder unterzuschieben . J 

"Ich hab sie^ein,ich habe sie nicht. . .Barmherzigkeit, ich habe sie 
nicht. .. " 

"Sie englische Pfuscherin! Hier sind sie. Sie sind uns in die Hände 
gefallen." 

Er reichte ihr ein grosses Kuvert, das die Numiit er 12 C. ^xMg und an 
verschiedenen Stellen den Boten Steinpel"geheim" trug. Ssn v/andte sich 
kurz um und ging. 






<'..* 




Genf (Baa4=4f- Kapitel 7) v ^» 
^ ^^' 

In den fäwaui des Hotels Grepon waren alle Tische längst bestellt und 
mit KartchenTeserviert"vsrsehen.Der Mäjre d'Hotel,ein grauer vornehmer 
Gentleman rausste jeden Augenblick bedauernd die Arme ausbreiten und mit 
der seinem Beruf eignen engelhaften Geduld jedesmal in einer anderen 
Sprache den Zudringlichen auseinandersetzen, dass ftrr diesen Abend, für 
den Sylvester/^nen Tisch zu erlangen aicsgeschlossen sei, nicht einmal ^ 

ein Plätzchen, nicht einmal ein halber Sessel s ei frei. Nach auoa(5d o hnt , ftn 

yjj^ ZU eilen 

Verhandlungen entfernten sich die Leute, jti±JaM nadi anderen Ga^sWtatten^ 
und begegneten in der Tür der Halle neue Gäste, die eben von dort zurück- 
kehrten. Ueberall war es überflutet von Menschen. 

Genf war diesen Winter überfüllt wie noch nie während des ganzen x^rie- 
ges.Der Vorstand des MeldeamteslBtaunte angesichts tXK dieses ReiseverkK 
kehrstwoher so viel«i( Touristen in den schweren iCriegszeiten zuströmen 

^ 8 

konnten, WO man sie aufnehmen und unterbringen konnte.Kauf leute , Hotelier. 

treibenden_^ s^ il 

alle einheimischen Gewerbe pTrahlten nur so, die Geschäfte gingen glänzen Jj 

stiegen zu fabelhaften Umsätzen. In der Wirrnis der historischai Breigni»-j 

se bildeten sich neue dringende Augenblicksbedürfnisse aus und schufen 

auf dieser Grundlage Beruf e, Gewerbe und ganze XXÄXiÄKtHKi^Ä» InstitutioÄ 

nen,von denen die meisten sich schamhaft in Privatwohnungen verbargen, 

oder in rätselhaften Büros hervortraten unter irgend einer industrieller 

Bezeichnung, mit einem unschuldigen Messingtäf eichen als Deckung. Ueber 

dem Rnn^hi^n der Stadt, deren Bevölkerung sich v^doppelt hat, wo ä»x i| 

die neuen Ankömmlinge die Gewohnheiten der europäischen Grossstädte jiii±- 1 

kxxKktRn und ein unruhiges Nachtleben mitbrachten, dominierte der schwe- 

n 
re Klang des Goldes und das steife durchdringende ^eraschel der BanknoT^ 

Das Geld strömte in einer wahren ^^lut aus aller Herren Länder herbei. 

Mancher Volrkswirtschaftler, mancher Bankier sah bereits eine drohende Kri 

se in der Schweiz voraus^die väi diesem Geldzuf luss verursacht werden ^ 



c 



würde. Denn nicht anders als in Genf sah es in Zürich ,in Bern, in Basel 



u nd sog ar in H^ni 



i' 



in dem stillen benachbarten Lausanne aus, .• Indessen rieben sich ^lle die 
Hände, angefangen von den Stiefelputzern auf den Strassen und den Gepack- 
trägern auf den Bahnhöfen und segneten den Krieg//- äääk möchte er nur 
kein Ende nehmen« 

Es sah auch danach aus.Der Krieg blieb in den alten Positionen ytwgkwTr 
der Gräben stecken... Kdbxäxmäx 

Um diese Zeit, im vierten Kriegs jähr verstand kein Mensch auf der Welt m^ 
mehr den Krieg.Die Zeit schien still zu stehen. Tage und Monate entgingen 
der menschlichen Aufraerksara::eit.Tag um Tag ereigneten sich schreckliche 

Dinge und es war »als wären sie nicht geschehenes© lief dieses vierte Jöt 

wird 
Jahr seinem Ende ä entgegen. In einigen Stunden, um Mitternacht »xkxi^kk in 

den Sälen des Koteis Grepon das Knallen der Champagnerprogänn das neue 

den 
Jahr begrüfisen,in Reden und Trinksprüchen wird jeder atXKKÄxVrunsch ätÄStaca:- 

äussern ,dass dieses Jahr endlich ...Doch keiar der Trinkenden wird auch 

nur einen Augenblick glauben, dass 1918 den Frieden herbeiführen wird. 

Nach vier Jahren !frieg wäre es zu rasch ,zu unerwartet. 

Durch die weiträumige Hall schoben sich die Gestalten, kamen gingen, ver- 

schwanden in den Aufzügen, die gläserne Drehtür war in ständiger Bewegung^ 

saugte und spie Menschen aus ,wie eine Maschine, Rings unter den Palmen 

schienen 

wxrtKtKR ±ÄXQtÄKXJk±K£ÄÄxX»t viele ^eute in den tiefen Lederfauteuills auf 

etwas zu warten, Manche unterhielten sich miteinander, andere waren in 
Zeitungen vertief t, zumeist aber sassen sie vereinzelt^ blickten hie und 
da auf die Uhr, oder warfen ungeduldige Blicke nach dem Eingang, Es waren 
da mit ausgesuchter Eleganz gekleidete Frauen, kokett hingegossen, altern- 
de oder schon richtig alte Damen, junge Leute XÄxKktKKXÄK mit dem Hut 
auf dem Kopf und arrogant ausgetreckten Beinen, verlebte, von tiefen 

Furchen gezeichnete Gesichter, kahle Köpfe, graue Köpf ^,Gentelmangesichter^ 

Qj^yt'c^j/i/j^ unter 
gewöhnliche(-^ünd xsctxiöiKÄ ihnen verstreut die erstaunlic hen Masken 



f 



k' 



„.,a„.U0.e. «e„so.e„.K. ,a..n ..r„ ,Ule Me. ,i.r. Za.X ü..r,0S j 
unergrunaii gonritt eW»s besonderes. 

,„ ,,r in,„rn,U0„aXe„ „otel.ae,e.*u, . e™ ^^^^^_^ ^^^ 

,.„.e .e„U.He„e„ .. .r..U«en — -^ ;-^_, ^^,^„,,,„, ,„,, 
.xelohsa. ein ver-andacaftlicse, :..er«1.31e — X"" 

. ,wa. Aufreizende, und «„angenehm,.,. t»»» -.heimnlBs.oU.a , 

ihnen erweckte zusleieh Ne.gier und - 

. A ., feder hier fremd «ar und doch D 
.as, .ie einander nicht .annten.daaa — " __ ^„^ ^ 

„r.and sie at,as „iteinander.man hatte auf oeden ze>s 

..und der istle s auch.und der und Jener und noch emer.und da 
'Tdo Li ;.,icheiUi.en..e.an..ei.ten durohdri„.enden..nischen 

und dort... inx - ^^r-rie^en nichts. Man 

^oTiPna^A und versonnenen Augen verrieten ni 
spöttischen, soreenvollen^ft una v 

^»^ ^orm der Gestalten, aus ihre» Xwc j, 
hätte aus diesen Gesichtszügen.au. der orm 

.eidun. und ihrem .nehmen nichts -^---'i:::::—^:..^ 

Ar. wintPr ieder äusseren Hülle lauerxe uc* 
es waren eben sie.Hmter jeaer |j 

••„+« in iedem die Anstrengung, sich zu t 

„ tT,„tf»T-hältipes.Man spurte in jeaem ux 
Unsauheres, Hinterhalt ig«j^^ ^^^.^vt war gespann-' 

.Uine Maske J^f^ri^ir>orzuhalten. in jedem (Besicht 

verbergen, je ine juasKcjucx / 



tes Wachsein. . 

•"^eh ich auch so aus?" / 

.. .. a.it einer V.;oche die Leute im"Grepon ^ 
.oktor Ossian Hei. heohachtete seit einer ^^^^^^^^^ 

und .achte phantastische Kombinationen über die verschi 
,.e er in den He s taurat ions räumen und in der Hall traf.^r war ete 
: ; 1 .ntscheidung des Konsulats, verbrachte die meiste Zeit des 

itzend in einem Kluhfauteuill und ruhte nach den Ereignissen 
Tages sitzend in vergessen, so war 

<iieaes letzten Monats hier aus. Er bemun 

hefoh.e„..a es aher fast unmd.Uch .ar.nicht daran zu den e . 
Uess er es .eh.n.ohne sich mit ihnen zu hefassen. .eder ^a, .on te 
s inem «. «eiter stossen.und ,o„ dieaem .u.enhXic. an wurde 
ihn auf seinem > c^ ^„„.„<ff machen 

nr^n riem er sich noch keinen Begriff macnen 
ein Leben für ihn beginnen, von dem er 



konnte« 



.! 



,, .i,.te a.«,lse„d d»oh »ine Strenge und dureh »eine da,t«, H.e=- 
L..eit.una deon ..r duron die ..o.ee Pro., .die in„ .e,ora.and.e„.. 

.- v.or,«n VPr^anflienheit und dem phan- 
Loo.endee an l,™.Z.ie=hen seiner e.etorbenen Vereane.n 

V, ,. ,,.n lebte er in diesen tat-en des Uebergangee wie auss.rh- 
taetlechen Morsen lebte ^ ^^^^ 

halb der ZeU.'.r fing an, sieb seellscb zu ver,andeln.und 
,eln.s letzten .„tscblusses/zu dleeer Reise vor einigen «oc^en.gb^^ 
„Uobtige .ugenblioKe .in denen sein Wiesen u™ die alte — »r"; 
,an.. zuweilen fasste es ibn wie ein i.u.ob.u-* wie unter Opiu.du„s- 
srhob er sich in eine andere 5i»eneion. Ir.end wober .aus de» HiO«s 
wurden Ereignisse .eboren „it eine» uner»es,li=b,n Heicbt^ und^ut- 
licb.eit der »etail. und fügten sieb in sein «edacbtnie.als »X»»- 
,,„, er Sie selbst erlebt..i, Kindbeit Ossian Hel»s,die abendlioben 
Hebel die aus den ^eicben ^ die .an. von Cbileoot auf.t iegen.der Bu» 
der fangen i. «arten.die alte ^e ,d.e Segerin Oon.titution.die 

4. A^^ 1^-11+ tP-r und ihre letzten Xä^ 
■u rrc. ^r^ der i^erne.die Krankheit der kutter una mic 
Schneeberge m aer eruc,u.j. 

.ugenblic.e.di. lange Heise -; «-i"^-^' — " "'°'' ''''y- ^ 9 

,as UnSpln-^ollege ....ann Zll^ «it der Mutter das .Iternbaus ^ ] 

,le neu, Prau Helm.die .tief-tter .sobwarze -oblang, au. Te«s...das , 

neue l.ndbaus.d>e neue .,d :enung.«er Vater altert sobnell unter der 

„errsohaft der scb.nen .exi.aner.n und l«er seltener .i-.r trüber 

vermag ,r noob ^..x» auf Deutsoh b,r,orzustossen...U,h in die Welt .». 

Oss.an,.eb unter .enscHen.und vergiss nie.dass du der r.obn eines »eut. 

ecben und de, grossen deutschen Vaterlandes bist".. _ 

:„ der : enageri, der gebei»nis„ollen Typen der Hotelball erregte ^. ^ 

.uf^er-san^eit e» .r.ftiger rotblonder Mann „a «rseblafenen .ugen . , 

.r »aobte den .indruc. .al. w.re er ständig betrun.en.g.bnte viel.spracb| 

„.„.„ ..„in. wobei er sich eines eleganten 




„„ franz»si,ob und binicte a. f ein^ 3ein.woOe. er s.cb eines eleganten 
3toc.es oed;ente..r sab ,b,r ««Sbnlicb aue.dooh walcbe» «»stände ver- 



1 



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1 

I 



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damkte er es .dass man ihn zu den Verdachtigen zahlte?Doktor üssian 
Keim konnte sich des -,efühls nicht erwehren, dass er ihn von irgendwo 
feer kannte.Dieses riefühl SLellte sich auf den ersten Illick ein und fast 
hätte er eine grosse Unvorsichtigkeit bedangen und bei der Begegnung 
auf der Treppe ihn angesprochen. üas bleiche, breite .glattrasierte Ge- 
sicht mit den schläfrigen Augen verfolgte ihn auf die unangenehflaste V.ei- 
se.Aus den verschiedensten schichten der Vergangenheit , aus mancherlei 
Orten tauchte dieses Gespenst auf und wollte doch nirgends hinpassen. 
ivie aune Gestalt aus einem alten Traum... 

ES konnte irgend ein beliebiger Herr sein, der im Fjriege auf diese Sand- 
bank geraten war und abgeschnitten von seiner Heimat das Kriegsende im 
Grepon erv^artete.Ss konnte ein Bürger des einen oder des andern kämpfen- 
den Vaterlandes sein, der beschlossen hatte .diesen -rieg gesund und ganz 

zu überleben, ohne s /ch von stem Schlachtenruhm und dem Verdienst erfüllter' 

versüsste 
Pflicht locken zu lasBen.:.]r ixrtixKii sich die Zeit des V,artens Tag um 

Tag mit verschiedenfarbigen Get ranken. SHKiixsKimE Doch seine Bekannt- 
schaften schienen jedenfalls verdächtig, er war zu vertraut mit den dun- 
kelsten Gestalten der Hall. Unter diesen schienen die Agenten irgend wel- 
eher Handllinaffien und politischer Geheimorganisationen in der -ehrzahl 
zu sein, Leute, die im Trüben zu fischen verstanden, Zauberer und Schwarz- 
künstler, die jedes Verbot zu durchbrechen wussten und die Ausfuhr und 
Einfuhr noch so verbotener V.'are unternahmen. Sie -verschafften dem aus- 
gehungerten JJeutschland französischen Zucker und italienische i^laccakoni 
in ganzen V.aggonladungen und Lastzügen, wobei sie eine unerhörte Korrup- 
tion an^ der französischen und italieninchen Grenze und lang und breit 
durch die ganze Schweiz ent fal tet en. Es waren untergeordnete, unof f iziel* 
le diplomatische Agenten, aber ohne i'-re unof fiziellen Bienste konnte ks 
keine politische Af faire durchgeführt werden.Hier v;ar die schwarze 3örse 



I 



/ 






> 



■) 



der >ä-ie68geheimni3se,wo die Preise auf Grund der Operationen der^ deuts- 

schen Unterseeboote gemacht wurden.auf Grund gj^^'^f jj^^^^^^'^^'^""'''''™" ' 
teivfranzösischer rrontabschnitte.auf Srund der KwtigicRitKH aus den 
englischen ivriegshäf en.auf bevorstehende Zeppelinangriffe, auf die Pläne 
neuer Tank^^Mlier handelte man um die authentische Statistiken der 
versenkten 'deutschen Unterseebote und um die Anzm 1 der Schiffe, die im 
Verkehr waren... Hier fabritierte man eijenhändige Briefe und Dokumente, 
um hervorrragende Politiker beider kämpfenden Parteien zu belasten.Hier 
wurde jedes Vort deutscher^SrfTHl.die die -ranzosen brauchten, mit Sau 
Dollars bezahlt und ebensolche französische, ÄxEm die man den deutschen 
i;eferte.Hier wurden unbequeme Spione, die anÄxds in feindlichen Gebieten 
arbeiteten verraten und verkauf t, Hier lieferte man Pässe ±iix«±is für 
alle Länder der '"elt.Hier war das ganze Hotelpersonal angefangen vom , 
majestätischen Fortier bis zum letzten Zimmermädchen mindestens von zwei' 
Seiten bestochen, ungerechnet den Sold/der vi^hweizer Polizei, die diesen 
ganzen Ansturm der Gemeinheit zu üben-achen hatte, um die JixÄgEÄaaaa *«ä 
bedrohte Neutralität der ^liggonossenschaf t zu schützen. »scatx'icacKtanixKKi* 

Das "'"arten wurde Doktor Helm zu lang. Er zwang sich in den Vormit- 
tagstunden in seinem Zimmer eingeschlossen zu sitzen, um mit leiser Stim- 
me deutsche Zeitungen zu lesen, führte lange Selbstgespräche, um den *kxK 
Akzent seiner Muttersprache zu verbessern, die er leider so lange nicht 
mehr gesprochen hatte. Er schämte sich unter seinen Landsleuten seines 
fehlerhaften , vernachlässigten Deutsch. Sonst versank er in ein^jrf halh- 
schläfriges Nichtstun und in träumerische Erwartung, was mit ihm geschhen 
werde. 



-n 
r 



lötzlich wandten sich alle Köpfe nach einer Seite, ^Gewöhnliche Leute, 
ehenso wie die internationalen ^^riegskanaillen blickten angelegentlich 



räkK:: ötBJiixXiÄg5CH:g:^ÄÄ 



nach dem Eingang, wo eine prachtvolle/Gestalt in Begleitung eines ordi- 
när aussehenden dicken Obersten der allierten Armeen auf tauchte, St iimnen- 
gewirr erhob sich, fiele Äjfc standen von ihren Sesseln auf, manche näherten 
sich ohne Umstände dem ungleichen Paar, um die schöne Frau aus der Nahe 
zu betrachten. Der ant6patiische Rothaarige mit den vorgewölbten Augen 
kam hastig aus seiner Ecke herangehinkt und erhob ein grosses ^etue mit 
jovialen Unbefangenheit , indem er der Dame die Hand, oder vielmehr ihre j 
gelben Handschuh küsste, 

Doktor Helm hatte sie schon mehrfach in den -t^es taurat ions räumen des Üs^ 

be 
Hotels gesehen. Sie -lohnte xnxein/^jzl kostspieligeij Appartement im ersten 

Stock und arbeitete an einem neuen Film ,über den die Zeitungen täglich 

etv:a8 zu berichten wussten.Es sollte ein/ überwältigendes Meisterwerk 

Gross 9^tT^*^ 

sein, ein fabelhafter SüsijÄXfilm von Weltruf , von mächtigen Kapitalien y 

und einer Gruppe internationaler Idealisten unternomifien,um veredelnd 

ihnen^ 
auf die Nationen zu wirken und r^en i^rieg zu verleiden. Das Unternehmen 

stand unter dem hohen Protektorat des Präsidenten der vereinigten Ver- 

bände vom Roten Kreuz, der Geiangenenfürsorge und vi e l er hervorragender 

C 
Persönlichkeiten. In dem pazifistischen Filra"Pax mundi" spielte die 

in der Welt als einzigartig bekannte Künstlerin Eva Xii Evard die weib- 
liche Hauptrolle. 

t O^J^ 

Es waren 5eru^he verbreitet ,dar»« Pax mundiAUurch die internationalen 

Freimaurerlogen subventioniert adfri^andere lauteten, dass UokiHter der 



xxxSxa;i^/;jjfX/^;^)^;l^^xxRXi:xKiiiÄX von Eva gefesselte Millionär und Methodist 

Thomas Gibers^NO,-^--^ 
r^:aHTrrter~'St~ehre,der in Montreux sich angesiedelt hatte, indessen seine 

Firma in Amerika über den Atlantik Dynamit und Stahl , Lebensmittel, 

Pferde, Leder und sonst allerhand für "Frankreich , England und Italien 

lieferte. Am meisten aber sprach man von dem w 4ohtis<} n edlen Film im 

Zusammenhang mit der deutschen Propaganda, die man zu jener Zeit yktai^^ 

übrigens überall und auf jedem Schritt zu begegnen meinte, zumal in 



8 



in den neutralen Staaten. In den nächsten Tagen sollte/f eine Anzahl 
Pro-beszenen des ^ilms ir^ einem geladenen Publikum;^ vorgeführt wer* 
den(zwanzig tranken l^ntree pro Person/ zum Besten der belgischen Ä 

Flüchtlinge. 

Tloktor Helm kannte wie jedermann in der ganzen Welt F.va von ihren 
Filraschöpf -ngen vor dem Krieg.Aber der Zauber ihrer vrirklichkeit 
übertraf alle ihre Verkörperungen auf der Leinewand. Keine dramati- 
sche Situation, keine noch so raffinierte Beleuchtung der photogra- 

st© 
phischen Aufnahme gab im entfernten das wieder.was jetzt in ihren 

Blicken in ihrem Lächeln spielte. Ihre persönliche ^^Irscheinung über- 
traf den Mythus von Eva Bvard und sammelte die ungezählten Eindrücke 
von ihrer ^ scheinung wie in einem Brennpunkte. Wnd ^ie war in ü^^em 



plötzlichen Auftauchen.1?och viel phantastischer, als in irgend einer 



( 



ihrer Rollen. ^^^ ^^^ 

Einige '^age darauf wurde Doktor Helm aufgefordert i*yT?onsulat zu 
erscheinen und musste sich da noch einer v^eiteren Prüfung unterwer- 
fen.Diesmal "^ar es ein authentischer .Amerikaner, der nicht ein Wort 



irW 



An- 



Deutsch sprach, der ihm Fragen stellte. Doktor Helm schwitzte 
strengung ,um seinem Gebell zu folgen, aber er antwortete in aller 
Unbefangenheit und ohne zu überlegen.Dann musste er einen sehr 3ara» 
langen und spezialisierten -Fragebogen ausfüllen.Der Sekretär des 
Konsulats '."ar wie immer sehr zuvorkommend und kündigte ihm an,das3 
der liebe Landsmann schon in einigen Tagen sich bei der aesandschaft 
in -5ern wird melden können,wo die definitive Entscheidung erfolgen 
würde. Es war eine unangenehme oeberraschung. 

"Wie schwierig ist es in sein Land zu kommen, Herr Sekretär"... 
"Ja, schwierig, Herr Doktor, wir müssen sehr vorsichtig sein..." 
" iahxxaratRliKyiKhxxKratKlMt Natürlich, natürlich. . ." 
An dem gleichen Tage sprach ihn das rothaarige Individuum aus dem 
"Grepon" auf der ÄsisKice rfione-Brücke an. Er war verschlafen und \ 



nicht ganz nüchtern.Er war zudringlich und herzlich, schüttelte ihm 

die Hände und liess sie trotz des Widerstandes nicht los.schwatzte 

machte 
und schwatzte, Schliesslich x±xk sich Doktor Helm fast mit Gev-alA ia 

frei. 

"Sie sind vollständig im Irrtum! 3ie üaiiRHxmi^KhxSMXXKiHKH:-- verwechs^ 

len mich mit .jwftand anderem. Ich verstehe kein Wort französisch". 

Darauf grosses Staunen .Entschuldigungen, trotzdem liess er nicht 

Sr 
locker.SiKXKprsKhsH üacxsKÄ ging M zum Englischen über, das er 

leidlich sprach. Kr nannte seinen Namen und holte sogar eine Visiten 

karte heraus. 

"Unter Millionen menschlicher Gesichter, so unerschöpflich :jaL ihre 
Besonderheit ist, finden sich doch erstaunliche Aehnlichkeiten.Als 
wenn der Schöpfer der 'Veit und der Ilenschen sich einen Augenblick X 
lang geirrt hätte, nein, es ist rein unmöglich. . .als wenn die Unend- 
lichkeit in der Veränderung der Tform in der Tat nicht vortrefflich 
wäre, und begrenzt. . .als wenn, na ich kann das auf englisch nicht 
ausdrücken, man muss auf geben, das zu ergründen. Nochmals ,ich bitte 
um Entschuldigung..." 

"Leben Sie wohl". 

"Meine Hochachtung! .. .Aber da wir schon denselben V/eg haben..." 

"Wir wohnen sogar im gleichen Hotel, ich kenne Sie sehr gut vom ^tiKÜLK 



Sehen, . . " 



U, 



7 






"Wahrhaftig? Und ich habe Sie überhaupt |ni cht hemerkybis jetzt^.wie 

erstaunlich. . ." 
"^as kommt vor.Dann ergibt sich ein Augenblick. . .Und wenn nicht... 

dann istH weiter auch nichts dabei," 

"^er Augenblick!5)er Augenblick! Gerade jetzt auf der Brücke überfiel 

mich solche Sehnsucht nach der Heimat... Die Last meiner Schande 



drückte mich schrecklich..." 



'^ > 



10 



Und der Rote schluchzte auf.Sein -esicht verzog sich wie bei einem 
^•e nenden Kind.Er zuckte mit den Lidern und wischte sich die Augen 
mit der Ecke des seidenen Schale. das er um den Hals gewunden trug. 

Er ist völlig betrunken, dachte Doktor Kelm.Doch dies grosse 
erv:eichte und ven^-einte Gesicht machte ihm den Rothaarigen jLfifi 
irgendwie noch bekannter.Ss schien ihm.als hätte er ihn gerade so 
einmal gesehen, 

"Sie wundern sich.dass ich so mir nichts dir nichts einem Menschen 
gegenüber.den ich^ wie Sie behaupten, zum ersten mal in meinem Leoen 
sehe.,./ Wkä " 

"•*as weiss ich, jetzt kommt es mir auch fast so vor. . . •' 

"Sehen Sie, sehen Sie%krähte triumphierend der Rote, "ein Wunder ist 

geschehen!/ Denn es ist ja völlig ausgemacht, dass wir uns zum ersten 

mal im Leben treffen, und dennoch bekennen wir uns schon fast zu 

einander..." 

"Na ,was mich betrifft..." 

"Wehren Sie sich nicht! Sie haben es gesagt! Und was sollte es sein? 
Eine geheime Wahlvenvandschaft! Es war uns bestimmt .einander zu tref 
fen.Und wozu? Um auf dieser dummen Brücke wieder auseinander zugehend 
Nein! Sie werden sehen.. .Ich glaube. ich sehe es deutlich. obwohl es 
noch sehr ferne ist. sehr ferne.. .Warum blicken wir beide jetzt nach 

dem Monblanc hin?" 
i 

Doktor Helm blickte in die Richtung.wo der Kamm und die vereisten 
Flanken der Berge vjönder untergehenden Sonne sich rateten. 
Der andere fuhr fort» 

"Dort liegt Vrankreich.mein verlorenes Vaterland. . .Nie mehr werde 
iches wiedersehen... Und wenn auch der Krieg zu Ende ist. und wenn 
es auch eine allgemeine Amnestie g«&if^,kann ich denn mit dem 
Brandmaj^l der Schande zurückkehren?/ Könnten Sie einen elendem^ 






11 



Verräter, einem Deserteur vom Schlachtfeld die Hand geben?Wie? Er 
steht vor Ihnen.Hier b/"n ich - und in Ihren Augen uk lese ich 
Abscheu. Ich Irre mich nicht, ich kann mich nicht irren! XKxtrt Das 



ist so offenbar ...und 



durchaus gerecht..» 



"Ich sagte Ihnen schon, dass ich kein Französisch verstehei'unter - 

brach ihn Doktor "elm nach einer Welle. 

"Ach ja, ich weiss... Mein Unglück bricht aus mir nx herau8,wie ein 

Stöhnen... Es Ist schwer, in einer fremden Sprache zu stöhnen..." 

"i^aben Sie Sorgen, brauchai Sie Hilfe?" 

So lernten sie sich kennen.Doktor Helm hielt sich am Anfang zurück^ 
doch der Franzose schloss sich ihm mit solcher naiven kindlichen 
Herzlichkeit an und wusste so merkwürdige Dinge zu erzählen, dass 
sich zwischen ihnen eine Art Vertrautheit anbahnte. WKonsulat ver- 
zögerte sich die Angelegenheit immer wieder. «er Sekretär lächelte 
nach wie vor zuvorkominend.aber eines Tages UmmmxkX machte Doktor 
Heini die Entdeckung, dass aus seinem ,mlt einem Jeh^mschloss verseh'. 



/■ 



nen kleinen Koffer,wo er seine Dokumente und wissenschaftlichen 
Manuskripte aufbewahrte,»^^ Reisenotizbuch yijKXKx mit *^äi- 
li*en Aufzeichnungen auf dem Kämpfer ,Cincinati,ln MarseiV^und in 
Paris^ verschwunden war. Er wollte gerade die interessante .Bekannt- 
schaft mit dem Franzosen und durch ihn mit Eva Evard eintragen, aber 
vergeblich durchsuchte er sogar seinen grossen Koffer. i^achdem er 
txwKm das festgestellt hatte, beruhigte er slch.Das Vaterland traute 
ihm offenbar^noch nicht.Trotz des Passes und der persönlichen Doku- 
mente, die er i«r Konsulat hinterlegt hatte, trotz aller Empfehlungs- 
briefe, Untersuchungsprotokolle und Fragebogen, kramte man doch in 
seinem Gepäck herum.Wenn sie es wenigstens etwas geschickter machen. 



l' 



^^M^^ 



12 



Sein neuer Bekannter- Jules Mousson "Alimentation, Transpotts" rue 

Acacias 18 - gab /ohne Weiteres zu ,aber mit der Bitte um öTrengste 

Verschwiegenheit, dass dieser Name fingiert war^ 

"Hir droht zwar hier nichts, aber ich muss auf die hiesige öffentli« 

che Meinung Rücksicht nehmen, da man in Genf besonders französisch 

glauben 
gesinnt ist.Wer würde 3c^gQ W,da3s ich^ Kriegsoff izier und glühender 

Patriot, ein Zutreiber für die Deutschen bin. ..Aber man muss doch 
leben.Meine Spezialität ist Mais,^4is,ÄtÄXWÄÄt5xaiiKK teilweise 
auch Kaff ee. Zugegeben, dass es unangenehm ist, so ist es doch nicht 
ganz gemein.STe Deutschen müssen auch essen.Wenn ich entX ein richti- 
ger Verräter werden w411te,so würde ich Ueberfluss schwimmen, könnte 
ein Vermögen erwerben und nach dem Krieg mich irgendwo in Kanada 

ankaufen. . • " 

einexL^ 
Seine Geschichte dauerte fast Ära ganzen Abend^in einer stillen Ecke 

der Res taurat ions räume im Hotel Grepon.Die Anzsh 1 und Vielfältigkeit 

Herr Mousson - 
der Gt;tränke,die *?pydabei in sich hineingoss war geradezu unwahr- 
scheinlich. Es waren gelbe, schwarze, rote grüne , sogar blaue -in Gläs- 
chen, Kelchen, grossen und kleinen, heiss, warm und eisgekühlt« Fabel- 
hafte Mischungen. . .Er trank das alles, wobei er eine gewisse ^^ihen- 
folge einhielt, denn, wie er sagte, raüsate in der Auj§ Schweifung, sogar 
in der Raserei ein gewisses System sein.ßabei wurde er nicht einmal 
übermässig betrunken, fiel nur gegen Ende immer häufiger ins Franzö- 
sische xarüKk und man musste hn mit Gewalt immer ins Englische 
zurückleiten 



"...Croix de guerre...für Charleroi, erste Verwundung, erste Erwähn 
im Divisionsbefehl für Douamont und die Ehrenlegion, dann Somrae-t^TSEJj 



L 



Schla Cht, zweite Verwundung - Medaille militaire und im Lazaret 
die Beförderung zum Leutenant. In den dreitägigen Kämpfen Anfang 



t \ 



11' 



13 



^ 



Dezember vorigen Jahres Verwundung durch einen Granatsplitter und 
Gasvergiftung infolge beschädigter ifeiske» Genesungsheim Evian 
Bain/s, Befehl auszuruhen, weitere Bef örderungtKameradschaf tshankett 
und schliesslich und endlich Tiach zwei Monaten tx iora v;as komiüen 
musste.Die Aerzte fanden, es sei jetzt genug Vergnügen. In einigen Ta- 
g^n sollte ich an die Front zurück. ..Nur noch eine Vergnügungsfahrt 

auf dem See - /rotz des Winters stand dem Genesungsheim in Evian 

// 

die hübsche kleine Segelyacht Amphion zur Verfügung. Ungefähr ein 

// 

Kilometer vom Ufer bliesa^ plötzlich ein heftiger Wind vom Dent de 

Midi herab, gegen den «« k±kK^ hilflos waren. Mousson sass am Steuer 

kämpfte heftig ^^g^n den Wind an, aber bei einem neuen Herumwerfen 

des ^fai-^segels legte sich das Boot mit seiner ganzen I-einewand ~äi2^ 

Wasser. Bis auf den letzten Faden durchnässt, konnten sie sich kaum 

herauswi ekeln. ttīt ^dlich stand das Boot wieder, aber der Sturm nahm. 

K steigerte sich zu solcher "'ut,dass nichts übrig blieb, als vor dem 

Wind herzu jagen mit knapp gerafften Segeln. Sie erreichten das Ufer 

und 
nicht weit von Montreux, meldeten sich dort, trockneten k± erwärmten 

sich und übernachteten in der Herberge. - 

/In dieser Nacht konnte Mousson nicht schlafen. Leise holte er sich 

aus der Küche ctej* die getrockneten Sachen. Er zog sich an und ging 

i^^ langen 

±acÄ dieser juodutr 



-c^>>< e*^ ^^**'^^'^ langen 

5m 'fn t 



verwegen darauf los zu irgead etwas Unbekanntem 
stürmischen ( l 

2t±ÄXX±Äflt±jpKn Winternacht. Als es tagte , hatte er das Gefühl Fieber zu 
haben, war tief erschöpf t, sass eine IrTeile auf der Ufersta^tion und £» 
fuhr mit dem ersten Morgenzug in die Richtung Lausanne. Das ist alles 
eine sehr kurze Geschichte. 



Das vermieste Notizbuch fand sich tags darauf aif seinem alten Platz 



in dem kleinen Köfferchen mit dem Sicherheitsschloss^wieder. Doktor 
Helm schrieb hinein: 



1 



\ 



14 



ich treffe viele Landsleute hier auf jedem Schritt,Die deutsche 
Sprache stösst hier nicht an.Mein amerikanischer Konsul weiss, dass 
ich mich toemühe^nach Deutschland zu gelangen und schickte mir 
eine Auf forderung.mich in seinem Büro einzufinden. Er verbot "^jj^i^^ 
Beziehung z-om deutschen Konsulat, drohte mit Repre^asalien, ja^ veriwtg- 
4^*^inen Passfohne i^ Entrüstung und J*eriini^^dreCte^ic£mi^h um 
und ging fort. Seitdem folgen mir zwei junge Leute Schritt ««* Schrit-. 
Herr Mousson kennt sie, der eine ist ein Schweizer, der andere ein 
desertierter Elsässer, beide in ameriakni sehen Diensten.Heute empfing 
mich der/f.5nsul persönlich und teilte mir mit, dass meine Angelegen- 
heit auf dem besten Wege sei, aber die Botschaft habe ihm nahegelegt, 
mir eine\sehr ernsthn Vorschlag zu machen^ und zwar, dass ich nach 
Frankreich zurück^Äe- und dort auf dem Gebiete d er ii-iegsindustrie 
zu aunsten Deutschlands arbeite. Ich lehnte diese Mission ab, indem 

ich darauf hinwies, dass ±n bei meinem Entschluss Amerika zu verlas- 

n en 
sen,ura meine wissenschaftlic-h:§^ Erf ah^nm^ und Kenntnisse in den 

Dienst des Vaterlandes zu/ stellen dergleichen Möglichkeiten von 

mir nicht in Betracht gezogen worden seien.Daruf v;ar nicht mehr 4« 

davon die Rede, i^err Mousson hat sich hartnackig an mich gehängt 

und erzählt sein Kriegslatein,zuweilen ist es ja recht interessant 

aber mir will scheinen,dass ihn am meisten interessiert, ob ich 

tatsächlich kein «9*4- ^anzösisch verstehe. In seiner Art, plötzlich 

ins Französische zu fallen versucht er mir immer wieder neue Fallen 

zu stellen.Dieser tragische und lächerliche Deserteut un^^ Alkoholik 

ker und angeblicher Franzose ist bestimmt ein deutscher Agent. Mich 

wundert, dass die berühmte Eva seine Zudringlichkeit ertragt. Stets »■ 

von Leuten umringt, scheint sie in ihren Jekanntschaf ten nicht 



15 



sehr wählerisch zu sein.Auch ich empfing einige gnädige Blicke 

und wurde einiger Aufmerksamkeit für wert befunden. Trotz ihrer 

ausgesprochenen Sympathien für die Alli/erten hat sie Anerkennung 

für meinen ji]ntschluss,von dem ihr Herr l'ousson erzahlt hat,. «.Sie 

äusserte ,#8n^p- sie,grosse Lust hät^,nach Berlin hineinzusehen, 

wo sie viele gute Bekannte aus der Vorkriegszeit hati.Im Augenblick 

ist das aber nicht möglich, Vorurteile und Hass sind zu stark und 

der 
obgleich sie nicht gewöhnt ist, sich KXRKr allgHuaeinen Meinung zu iix 

beugen, würde ein solcher Schritt fast ei lera iCKxkxÄ Abbrechen aller 

Brücken nach der anderen 3eite bedeuten. 3ie ist einfach , unbefangen 



und aufrichtig -keine Spur von G^rössenw ahnt keine Spur von üblicher 

ihr /reiz unheimlich und ^kkscüx^ über- 
wältigend. 



Kokett er ie,a.ber etH^ii— SuO — x^X 



/ • » 



®,^ 



Band II Kap. 19 



y 



Endlich gelang es dem genator Guillet-Gaudon nach unendlichen 
Konferenzen und iemuhungen etv^as zu erreichen: eine /\\'er\n auch xKk 
schT^-ache '.>'endung in der öffentlichen TIeinung wurde spürbar. Drei 
bedeutende Tlänner liessen sich herbei d^ Angelegenheit Eva Evard 
näher zu treten/ und sich mit ihr zu befassen. Es sollte eine vertrau- 
liche Kommission sein, die keinesfalls den Charakter eines Ehrenr^'exx 
richts^ trcH:xsHxÄKr:f.tRirhoch auch der -Begutachtung tragen durfte. 
Trotz dieser vorsichtigen Vervahrungen rar es doch imi erhin ein 
Port bringen der oache vom toten Punkt und ein Anfang. Es v'aren das 
die Herren :Hene 3anson,±rükr ehemaliges Mitglied des JCassations- 
tribunals,sehr alt,«^ Patriarch der radikalen Partei, Ilichel Qugast 
Historiker, eine apolitische Ilumie aus der Akademie der Inschriften, 
und Ernest lu^jToy er, berühmter .idvokat,der jüngste unter den ehr\«Air- 
digen Greisen - er v ar gerade sechzigoDer Senator forderte^ dass 
^>a protokolarisch vernom.ien würde, doch das ?vollegiura ksaKikJkaxx 

lehnte nach längerer Beratung diese Forderung ab und erklarte, dass 

Frau Evard 
Xk3cmx??X3c bestenfalls einfach nur"angehört" werden könne, ohne alle 

Notizen, um den privaten uharakter der Prozedur nicht zu verletzen. 
Die Konferenz sollte privat in der Wohnung des Senators bei einer 
Tasse Tee stattfinden. 

Der Senator triumphierte. Eva dankte ihm mit Tränen in den Augen, wo- 
rüber er sehr gerührt war.Er wusste nicht, dass es bittere Tränen der 
Erniedrigung waren. So weit war es mit der vom Glück begünstigten, von 
der ganzen Welt verwöhnten Eva Evard gekommen. . .^^^ohl glaubte sie, 
dass das erst der Anfang der Aktion sei, aber sie war auf so ernied- 



rigende Vorsichtsmaassregeln von t-eiten der drei Mp^tadore nicht 
gefasRtfVon denen übrigens itMwi einer ein altes Mitglied des höchs4 



sten f^rerichtshof war, und auch dieser Stern v-ar jetzt blos noch eine 

Erinnerung aus den Zeiten d^^r Dreyfus/ -Af faire und die seinen i^amen 

kannten, w^n^^e« /öicher,4^i^-» er/Iansst gestorben ^«ax. Jetzt hat^ihn der 

biedere Senator für sie ausgegraben. .. Offenbar wollten andere auto- 
Persönlichkeiten 
ritative ^ÄrÄKUÄK mit der An^relegenheit nichts zu tun haben, aus 

Angst vor der auf»s Höchste /! erregten öffentlichen Meinung. Eva be- 

schloss abzuwarten, was daraus wird, reichte aber, ohne dem Senator 

etwas zu sagen, unter Vorlegung ihrer Dokumente ein Gesuch bei der 

Polizei-Prtfifektur ein und bat um die Erlaubnis zu künstlerischen 



^ 



Zwecken nach der Scb.veiz auszureisen. 

erfolgte 
Indessen:©:r£srxEklfeK wieder ein plötzlicher und mächtiger Verstoss 

der -i^eutschen. Reims, das so oft dem Ansturm wi/derstanden hatte, 
war wieder höchst bedroht. Das gequälte Paris ,das sich von dem 
letzten Ansturm noch kaum erholt hatte, en^'achte eines Tages wieder 
mit dem Alpdruck der Iliederlage auf der Seele. Wieder wartete man zit 
ternd auf die Zeitungen, schlimme , alarmierende Gerüchte/liefen um 
Bombenflugzeuge XMstÄHxsxEkxxxKÄar schwebten wieder über der iLts^äJt. 
erschreckten Stadt. 

Am dritten Tag der üiO-nsive klingelte das 'Telephon bei Eva, eine 
männliche Stimme ,die sie nicht kannte, forderte sie im merkwürdig 
befehlendem Ton auf , heute nochjr^ um vier Uhr im Äxx Jardin dV^cclima- 
tisation sich einzufinden, in der Hauptallee, die Angelegeheit sed 
von dringendster Dichtigkeit, ein ""reund spreche, er nehme an,dass 
Frau Evard ihn an der Stimine erkenne. 



"Ich muss eine soldie J^^inladung al)le?inen". 



Sie hängte ab. 

Es klingelte wieder. 



er - erkennen Sie mich nicht? La gKKa: 



"Gnädige ^rau,daj^ bin ich wied 

gueule cassee. . . " 

"Ach ,8ie Rind»8,/etzt erkenne ich 3ie". 

"Also ich bit:.e drinci:end^ zu koirjnen. . • " 

"Gut, warum nur« • . " 

"i>agen Sie nicht v;eiter. " 

Im seinem Hauberzivil sah Hauptmann Percin fremd und unfreundlich 
aus.^ein einäugiges zerschlagenes Gesicht machte ihn einem Ver- 
brecher ähnlich, der von seinesgleichen ** zugerichtet y.ttr^;Er war 
nervös, grüsste in der Zerstreutheit militärisch, indem er die Hand 
an den Strohut legte.Kr fasste J^va mit einem bösen giftigen Blick 
inr, Auge.Eva v'ar bei Beinern Anblick über sich selbst erstaunt, dass 
dieser Mann sie jemals so begeistern, ja hinreissen' konnte. 

Was für Vorsichtsraaassregeln.Kerr ^^auptraann?/ Ein ich in Paris XKh 
schon so verrufen, dasR ein Offizier ,der sich achtet..." 
"Es muss so sein.Wir haben^tlT^t von Dummheiten zu sprechen, es ist 
nicht die Zeit dazu. Und beeilen 3ie sich, Sie haben keine Stunde zu 
verlieren» " 

"Ja um Gotteswillen,vorait soll ich mich so beeilen*?" 
"Heute, morgen, b^frteiilaa^-'rmi* übermorgen können Sie noch über die 
Grenze. später nicht mehr.Uebermorgen v^erden die Befehle hinausgehen, 
Machen Sie sofort die nötigen 34. ritte im Büro des IC*:««« Gouverneurs 
von Paris. ..Mir ist bekannt, dass Ihr lass ,dort sich, berei'ts befindet 



HW 



Er ist von der Politeipräf ektur 6,^ hingeschickt ^ worden.Das Pass 
büro des Gouvernements wird in den nächsten drli^fen keine mstruk 
tionen in ^ezug auf Sie bekommen. Kümmern Sie sich nur um den milita 



riechen Stempel btftd- dann brauchen Sie nur noch das Schv/eizeriache 



Visum • • • 



reisen Sie ab, Retten Sie sich aus dieser unglückse- 



ligen Af faire, " 

"So lassen Sie mich doch einen Augenblick zur Besinnung komiienl/ 

Was ist geschehen, was droht mir?V'arum sehen Sie mich so sonderbar 



an?" 



zur 



\ _ n 
"Ich möchte nur in ^hnerrNt^e nackt^ 'A'ahrheit vordringen, sie fest- 



stellen,An diesen Ihren Augen erkennen,. •" 
"Ja, ^''as denn erkennen?" 

"■^as,v'as ich schon früher wusste,und jetzt bin ich fest davon über- 
zeugt, dass Sie unschuldig sind. Sonst ,Sif- dürfen mir glauben, hatte 
ich Sie nicht gev;arnt," 
"V;er verdächtigt mich?Und k ^?^-essen?" 

""Erraten Sie es noch nicht? Unser Kontpespionagedienst hat ernst- 
hafte Spuren, dass Sie als geliebte des Obersten Sittenfeld,,," 
"Ich "i^'ar nie seine Geliebte, Ich habe mich ihm genähert, um mir mei- 
ne Mission zu erleichtern, ., Ich habe ihm den Plan der ersten Ofen- 
sive entwendet, , • " 

""^as ^-eiss man , Offenbar war der Plan gefälscht und m it Abei re-h-t un- 
terschoben, , • " 
"^afür kann ich ja nichts." 

"RicVitig! Deswegen klagt Si(. ja auch niemand an, denn es sind keine 
^Be^'^eise vorhanden, dass es mit "bas-ft ^ -Abfrrrht geschah," 
"XiXB[X!JC3Cs:^^ ^Tessen klagt man mich also an?" 
"Dass Ihre Sympathien sich in Antipathien gev^andelt haben und umge- 
kehrt, Dass Sie geßen eine grosse "Geldsumme es unternomirien haben, ge- 
gen Frankreich zu arbeiten, indem Sie geheime Informationen den ^SÄt 
Deutschen auslieferten,,," 



vor ^ 



"\lDer ich musste doch v^/eben diesen -deutschen, vor dem Oberst iitl: 

Sitten.reld selbst plötzlich f liehen,xia[XKiKxiKkx \a//e ich ging und 

stand^KK...TJnd üb? r die Grenze bei ^asel brachte mich ja unsere 

eigene geheime Grenzagentur^ und dazu verhalf mir mit allen latteln 

der Chef unseres Kundschaf tsdienstes und sein Vertreter. •. " 

•'•^er Chef lebt nicht mehr. • .itaHxXrHtKRHx ixt 

"V?.n Trothen ist tot?" 

"■^r v^urde verrückt und dadurch gef ährlich. THr sta- b rechtzeitig..." 

"Abbeglen hat ihn um.-ebracht ,sein^//ertreter! " 

"Das ^''^elSB ich nicht, der sitzt bereits im v}efängnis , verraten. . . 

Eben dessen beschuldigt man Sie". 

"-^as ist ja "'ahnsinn! Ihm verdanke ich ja m.eme :H^lucht und mein 

Leben! " 

"Was hat das zu besagen! Unsere Ge enspionageabteilung behauptet, 



dass Ihre ganze -^lucht nichts -le eine Mystifikation v;ar^ iirrt dem 

Zv-eckjln Paris TctRÄsr - 9«Je gute l.leinung und di?wr Prestige wieder 

zu erlangen, das durch ihr deutschfreundliches Auftreten und d«B 

öffentliche Freundschaft mit Oberst Sittenfeld erschüttert v.ar. " 

"Gut, aber die Unterstützung Abbeglens dabei?" 

"Er soll in die Hände von Provokateuren geraten sein!" 

Eva begann zu lachen , und als sie das finstere schreckliche Gesicht 

des Hauptmanns dabei ansah, das starr blieb und nicht einmal zuckte^ 

lachte sie noch lauter. 

"0, gnädige ">au,Sie werden an dieses unzeitige Lachen noch einmal 

denken^in irgend einer schrecklichen Stunde! Kochte ich nur falsch 

prophezeihen! So bleiben Sie doch ernst!" 

"Wie soll ichernst bleiben, ^/enn Sie, mein alter Freund und hervorra- 

gend gelehrter Psychologe mich in solche^V.'eise aniaaGon . " 



"Ich kts« Sie nicht ö«,ich v;ill Sie ja nur retten Ich sagte es 
Ihnen ja schon, Äxsx ich /(TBer zeugt h±n,dass Sie nicht schuldig sind. 



des 



es se 



i denn schuldig kIkks erstaunlichen Leichtsinns, mit dem Sie 



sich in die gefährlichste Verstrickung hineinhegehen haben , einlach 

um zu spielen, aus Sport..." 

"Und \^^^r\r\ auch aus Sport... Ich v:ollte ^on ganzer Seele Frankreich 

dienen". 

"Ich glauhe es Ihnen ja,aher ras kommt es dahei schon auf mich an! 

deren 
TCs sind da andere und in xkrRH Händen ist ihre Freiheit ,ja Ihr üsfe 

Leben... Die sehen Spuren, den Augenscliein,die suchen nach Schuldigen^ 
für den schrecklichen Zusami'.enbruch de» XRRtrsciK französischen 
Kundschaftszentrale in i5eutschland. . . In der gefährlichsten Phase des 
Kriep:es sind v'ir von dort abgeschnitten worden und eine ganze Anzahl 
xsrtraiKtRr unsere^^^ertrauensleute, wahre Helden, sind in die -and 
dee Rindes gefallen und keiner v/ird mit 6^m Leben davonkomi.ien. Be- 
greifen Sie doch ,dass man jetzt rasend nach dem Verursacher die- 
ser Niederlage sucht ,und der Anschein v^eist auf Sie... Eine schreck- 
liehe Sefahr hängt über Ihrem Kopf , und Sie- lachen." 
"Ich lache nicht mehr, ich überdenke meine ganze Berliner ^eit und 
suche vergeblich jenen Anschein zu linden, ch versuche zu begreifen, 

woher dieser kai-G^ef*-sdt^ Unsinn stammt.".. 

denken /• später 
"Zum ITach:£HXSKksWhaben Sie rTeiT, jetzt müssen Sie nur an eins denken^ 

wie Sie entkomi-ien^^enn v^^xm Sie erst einmal gefasst sind..." 

"Sie n^.y^c.en also an,dass ein französisches Sericht einfach auf den 

blossen Anschacn hin...." 

"Ich tCbl nehme alles an. . . tielleicht sprechen Sie sie frei, aber 

ebenso gut können Sie sie zu zehn Jahren Gefängnis oder zum Tode 

vererteilen und das Urteil innerhalb ^v^a» vierundz ranzig Stunden 



vollstrecken. Kein Iwensch kann voaraussehen, welche \^'endung eine 
solche Tvache nimmt. Ss hängt ganz von zufälligen Umständen ab... 



/ 



/tfexiMg ,Sie haben jetzt nichts anderes zu tun^als über die Grenze 



/f^ 



ZU fliehen. Sie haben drei ^age zur Verfügung ^t«^ nicht eine Stunde 

mehr. " 

"Also vegen irgend welcher Vermutungen dieser Herren soll ich mein 

ganzes /W^ (Oii./*».' J^'^in- , .... £> - ^ 

,^rogramjn^«T?rgtosBen, davonlaufen und dadurch eben für immer auf raemez* 

Rehabilitierung in ier öffentlichen Ic'einung verzichten und den «kxä 

gesellschaftlichen Boykott hinnehmen? F.ben ist eine Grupije ersnthaf- 

mich voivden 
ter Persönlichkeiten zusamruengetreten,um ixK öffentlichen Vor^wür- 

i? ^ ^ 

fen zu reinigen#/etzt lachen Sie..." 

^ in 

"Ja. was soll ich denn mit Ihnen anfangen,ach will Sie retten, und 

Sie wollen^wie ein unvernünftiges Kind/die ;? äxk gefahrdrohende 

Lage nicht begre if en. Ich hätte Sie doch nicht alarmiert »isenn ich 

nicht ganz bestimmte Traten hätte, dass sich ein tötliches Netz um 

Sie zusam,-ienzieht,^ch bin ja so lange ferngeblieben, weil ich am 

Anfang meiner Bemühungen auf deutliches ^ebelwollen gegen Sie bei 

sehr maassgebenden KKRXEkK :^aktoren gestossen bin, drum wollte ich A 

das genau ergründen, es if-:t mir nicht leicht gefallen. Und \n%x\r\ ich 

Sie jetzt warne, so weiss ich wohl warum^ . . " 

"So sagen ^ie mir doch wenigstens irgend was Konkretes..." 

"Begnügen Sic sigh mi ■ dem, was Sie wissen. Ich kann gev/isse Ein- 

zelnh' vi ten,die mir anvertraut wurden, als Offizier nicht preisgeben,.,. 



^s 



/ 



s ist zum Verzv;eif len,das würde Sie überzeugen, aber ich muss 

schv'eigen. . • " 

"Ich danke Ihnen fü:^ Ihr so weitgehendes V'ohlwollen z^z^n mich, 

und ich v;üsste,dass es eine 
aber wenn Sie es mir sagten,k5biKtKxxÄkx5CK^Rw:x3txKSLK gemeine Intrigue 

äm^kKrh ist, die g^z^"^ mich gesponnen wird,v/er weiss , vielleicht wür- 
de ich dann Ihren i'^t befolgen"...." 
"Nein, glauben Sie meinem '^'ort... 

"Nun so sag auch ich; nein, jedenfalls Sx danke ich Ihnen aufrichtig.. 
Auf Wiedersehen!" 



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C-v/i 








t 



"^va arbeitete unlustig^wie um die Sache loszuwerden. Dieser Film in- 
teressierte sie nicht mehr. Sie war von einem neuen bisher noch nicht 
erlebten Spiel ihres persönlichen 4rossfilms gefangen. Dabei spielte 
Direktor van Trothen nur teilweise den Jiegisseur .Die Leiitung ent- 
glitt unversehens seinen Händen ,er musste sich damit \)e^n\xgen 
ihr technische i^iJrleichterungen zu verschal' fen,guten Rat zu ertei- 
len, auf Grund seiner vorzüglichen Kenntnis des terrains und auc^ 
sie ständig immer wieder zu warnen. Evas Spiel betrachtete er mit 
Entsetzen und mit Entzücken zugleich. Ihre Ambitionen lagen ausser- 
halb jeder Berechnung, sie wollte ein vrunder vollbringen - nicht 
mehr und nicht weniger: die Schale des Krieges nach der Seite der 

verbündeten Hächte hinüberzuziehen. Sie sagte ihm das geradezu, Sie 

Erst 
stritten stundenlang. HKnaRKKt scherzte van Trothen, dann wurde er 

böse, schliesslich erschra(Jk er ,als er die Ueberzeugung gewann, 
dass Eva von einer Idee besessen war und in ihrer Ruhe gerade in 
diesem Fall und unter den gegebenen Verhältnissen als eine gefähr- 
liche Verrückte anzusehen war.Schliesslich beruf er sich auf seine 
Vollmachten und verbot ihr aufi»8 Strengste irgend etwas eigenmächtig 
zu unternehmen. Jedenfalls war er ihr Vorsetzter.Doch Eva machte 



sich über »eine VoHmaohten und üli. r »eine Vorsesetzien-Allüren in 




• 



lustig. 

"Herr van Trothen,Sie denken wohl, man hat Ihnen in mir noch eine 
Agentin aus Paris geschickt? Also, mich hat niemand geschickt. Ich 
habe nur an geeigneter Stelle geäussert ,dags ich die Absicht Habe, 

auf diesem interessanten Boden meine Kräften zu erproben. Der l^err 

in 
General Dubreuil war so freundlich, mir afxRXHixtex einigen xssiarKßik 

Bes-orecriungen ausserordentlich nützliche Instruktionen zu geben. 

Ihre v:erte Person 
Zugleich empfahl er mir Kkrk ^.^.aÄi^aljaxCT als technischen Jera er 

und ^Vertrauensmann - sonst nichts." 

/•» Aroer Sie ^^erden zugrunde gehenlund itKKxX±Kiivk elend! Und sehr bald! 
^ ' :^±Rganze^/ 

... Sie sind ja eine DilletantinjT Ist Ihnen bekannt , das s di^^vS^^^eek^ 

.^%:i^£Llaffe Cxegenspionage auf uns gerichtet ist? Sie werden 
sich verlangen, /ie werden ihnen sofort ins Auge fallen! Sie brauchen 
Ihnen dann nur irgend eine sehr künstliche :^-^alle zu stellen ,und 
Sie werden mit Ihrer ganzen i^ugheit und mit allen ihren bewwingen- 
den i^^eizen hereinfallen -und dann ist Schlussl " 
"Bitte zu bedenken, dass ich keine Tethoden und Mittel anwende, die 
jene kennen. Dass ich von :iat ur eine Individualistin bin und eine 
ziemlich undurhhsichtige dazu. Schon der Wiederhall meines .Taniens 

deckt mich völlig.. ••" 

"Ich versichere Sie, dass Sie von ersten Tage ihres Eimtref f ens 
in 3erlin und vermutlich schon von der Grenze an beobachtet werden. 
Ich kann das mit geringster Mühe feststellen." 

"-^a und wenn? Zugegeben, ich habe nichts zu verbergen. Sie können be- 
obachten, soviel sie wollen;» 

"Wie^so?" 

"Mein einziges Geheimnis sind Sie,iJerr van Trothen ,und Ihre -entra- 

« 

le,das ist die ainzige Gefahr. Ich habe auch lange überlegt, ob ich 




t 



Sie zum Mitwisser machen soll. Aber es hat sich von selbst mit die- 
sem -^ilm.den wir geraeinsam machen, so wundervoll ergeben, so dass xk 
selbst wenn Sie herenf allen, mir i:iichts droht." 

••;? Ah, Sie denken wohl, Ihr Ruhm ton Sie -' J^ x TL.i "if r schützen, das ist 
ja Ihr^ entsetzlicher Leichtsinn.Seien Sie Ute rzeugt, dass die yi 
Deutschen nicht einen Augenblick zögern werden, Sie mit allem Pomp 
aufzuhängen. l^s wird übrigens für Sie eine grossartige Reklame sein, 
die T5igentümer der -Iten Filme mit Kva. Evard v.erden glänzende Ge- 
schäfte machen,die ganze Telt wird Sie noch einmal als Opfer und 

Heldin sehen wollen". 

"Sie wollen mich einschüchtern, ab^r Sie kennen mich nicht. Ich habe 

vor nichts Angst. «enn es nicht gefährlich wäre, wäre «b uii nielit im 

hätte es mich nicht "^ , ^ • * • „v, 

KKticsxHatsHXKiH|?R£KiiRK*MXKkx*5cxkEXEix im geri/;5ten gereizt.mich 

darauf hsre Inzulassen. Ich will auf meine preise den ^^rieg erleben, 
an die -'ront kann ich nicht, nun so reizt es mich auf diesem Wege 
mit dem Tode zu spielen.-^er Krieg dauert auch zu lange... Ich wer- 
de mich bemühen, sein :^nde zu beschleunigen". 

"Ums Himmelswillen, -^rau T5va,wissen Sie auch, was Sie da reden? Wol- 
len Sie mich verrückt machen? " 
"General Dubreuil hat mir versichert , dass van Trothen ein starker 

I;!«»??^^ ixt aei..." 

"l.zum Teufel, entschuldigen Sie, das bin ich v/ohl/ und das noch mehr 
/ von ^aus 

als der Herr General Dubreu 1 äkä a^^ft^ pS^Ts^beurt eilen kann. Ich 

habe hier drei 'J'ahre ausgehalten,wisRen Sie, was das bedeutet? Das 

können Sie nicht einmal fassen..." 

"Durchaus, durchaus! " 

"Dieses Ihr^^öurchaus" , gnädigste , beweist am besten, dass Sie keine 

Ahnung haben,was das hier für ein Spiel ist.Hichts wissen von dem 




# 



Boden hier, von seinen Schwierigkeiten und :^allen,Hier ist kein 

Platz für die Improvisationen einer schönen Frau.Und ^^enn Sie ohne 

noch etwas geleistet zu haben, mit Ihren phantastischen Ambitionen 

anfangen, rauss ich mich eben als starker Mann von Ihnen fern halten«^ 

"Ein starker ¥Änn,Herr van T^then, muss vor allem fähig sein, eine 

kühne Idee aufzunehmen Ein starker Mann raisst die XÄKXB:KfexKacÄixx±ar 

Kraft nach der Absicht und nicht umgekehrt." 

"iücht in unserem gach, Gnädigste! " 

"Bitte zählen Sie mich nicht zum Spionagefach!" 

"V^as sind Sie denn?" 

"ich hin ä n freier :iensch,der eine Sache erv^^ogen und bedacht hat 

und vor der Grösse der Absicht nicht erschra^k.Den Jvrieg abzukürzen 



/L-co, 



in Verbindung mit moinom Namen Eva Evard erscheint Ihnen woht lacher 
lich7aber ist nicht das/ras seit drei Jahren an allen ^'ronten ver- 
geblich geschieht nicht ebenso grässlich und lacherlich?" 
"Kurz und bündig"7 sollte man Sie wohl aum Oberkomrnandierenden an ati± 
allen ^^ronten ernennen? Leider gibt es eine solche Stellung nicht^ 
Man müsste sie eben für Sie schaffen. Ich hätte auch nichts dagegen, 
warum nicht? Bloss lasst sich das von Berlin aus nicht machen. 
Aber nun sagen Sie mir, was ist eigentlich Ihre Absicht?" 
"Meine Absicht? Erlauben Sie,dass ich das für mich behalte. Ich 
wünsche nur im Interesse einer förderlichen Zusamiaenarbeit mit 
Ihnen, dass Sie begreif en,welche/^^[olie in diesem xCriegschaos ein 
Mensch ,ein Individuum, das sich seines Zieles bewusst ist, für eine 
o - inc bodoutcnde Roll e ha^oen kann./ Ausser der Technik gibt es 
auch psychische XxsskK Vorgänge, Räusche, schwere Betaubungen, ivriegs 
Psychosen... Eben hier auf diesem ^ebiet bewegen sich meine Absich- 
ten." 
"Ach, Frau Eva , XäüI^äÖOil^ das Begehren nach der Frau oder die ää^kä 




t 



sogenannte Liebe ruft im Manne BetäubunL^^/f und V^ahnsinn hervor. Das 

geschieht schon seit tausenden Jahren, v;ar im dreissigjährigen i^rieg 

nicht anders als heute und wird morgen nach T^'riedenschluss ebenso 

rechnen- 
sein.Aber 7j^fei^ia/3ie in dieser Beziehung nicht zu sehr auf den 

Herrn Oberst von Sittenfeld. Ich warne Sie noch einmal, ich kenne 

ihn zu gut, er ist mein -^reund,wir sehenuns ziemlich oft, aber seit 

einem Jahr kann ich nicht erraten, ob er meine Rolle hier kennt oder 

nur einen unklaren Verdacht hat. Ich beobachte ihn , und das auf die 

sinnreichste V'eise und i^^eiss nichts. Wir trinken zusamraen mal eine 

Flasche Tein und spielen unsere Schachpartie. .Stundenlang sitzen 



Vi 



ir beim Spiel, reden von allem möglichen,/ sehen einander in die 



Augen - und ich weiss nichts," 

"Das ist ja herrlich, Sie müssen sich ja grossartig unterhalten". 

•*^±KiBÄXX7ckxRXRXxinii Ich würde gern verzichten. . .Wenn ich Sie warne. 



s 



oweisB ich wohl, warum ichs tue. Dieser Mann scheint rasend in Sie 



verliebt zu sein, was xkÄ aber nicht hindert, dass Ihre Sachen im 

auf seinen Befehl 
Hotel mindestens einmal in der ^Vochefltufs^gehaueste durchsucht i 

den". 

"bissen Sie das oder vermuten Sie es nur?ÄK3C±" 

"■beweise habe ich keine, aber die Bekanntschaft mit dem Obersten 

4c^.^^r*. falsch 
genügt mir durchaus. Sie Tiab eTr-s^^Wre^^ht begonnen, dass Sie den (^Qn^-^ 




ral Dubreuil im Ministerium becuck -t haben. Diese Besprechungen hätte 
man irgendwo in einer Privatwohnung abhalten müssen. -^er deutsche 
Kundschaftdienst mag Sie beobachtet haben. Dann waren Sie in ^enf 

das ist flieht ohne 



und dan» in Bern beim deutschen Gesandten, 

Unvorsichtigkeiten abgelaugen, . .Seine Häscher werden es schon heraus 



■ > y 



haben! " 

befinde mich /""^^^ 

"Ach, die Häscher haben kein Glück bei mir. Ich b4 n immc iv in einem sol 
chen Gedränge von Menschen , kenne so viele und lerne täglich neue 



6 




kennen»;^ r^ v^ müaoo n d«: ratlos worden . Im Uebrigen kennt mich fast 
jeder Mensch auf der Strasse -sieh, das ist T^va Evardl -»-ch kann mich 
nie und nirgends verbergen und darin gerade besteht raei n Schutz. Was 
aber Sittenfeld betrifft, von dem wir hier so viel reden, so habe ich 
garnicht die Absicht,/aus seinen Gefühlen rai^ Vorteile zu verschaffen. 



Das wäre 



unehrenhaft," 



"^»•as haben Sie gesagt? Unehrenhaft?" Direktor van Trothen skandierte 
das ^''ort mit höchstem Erstaunen. "Unehrenhaft! V.'as soll das heissen? 
So sind Sie also hergekommen, auf dieses schreckliche Gebiet hier, um 
einen sonderbaren romantischen Film aufzuführen? \Tollen Sie sich 
unterhalten? Spielen Sie womit Sie wollen, aber lassen die Finger 
vom J^rieg 1 " 

/Jetzt war die -^^eihe an Eva sich zu wundern. V^as wollte er eigentlich 
von ihr? Er schien wirklich entrüstet, als oei or beleidigt , und auch 
etv/as wie Angst war darin zu spüren. Seine letzten Worte erinnerten 
sie an etwas Zurückliegendes , es schien als hätte sie diese Warnung 



t 



wörtlich schon einmal gehört. Wo war das gKic- wann? 

hatte sich erhoben, eu^^^m^^'-o^^^-^ 

Van Trothen icacKxaK^^ÄKJfcXÄatKÄ, stand steif/tTaT und begann mit einer 

salbungsvollen Stimme feierlich und eindringlich zu sprechen. Seine 
schönen graues Haar, das er nach hinten gekämmt trug, der lange schwär 
ze Rock, die goldene Brille und die gesammelte Getragenheit auf seinA 
glattrasierten Schauspielergesicht machten ihn einem Prediger ahnlic^ 
Xkocbuc "...Es gibt keine ^sx^idtt schmutzige, gemeine und schurkische 
Gestalt der Sie nicht auf diesem ^^''ege begegnen müssen. Alle Arten von 
Zwang , Erpressung, auf jedem Schritt ein verräterischer Hinterhalt,-^ 
überall ein schlaues ^Spiel, zuweilen äxä wahrhaft genial ±ä verbre- 
cherisch. Alles das wird Sie in seine Netze ziehen, die Spionenkünste 
sind von höllischer Art.Hüten Sie sich vor allzu leichter Beute! 
Es werden Ihnen kindisch gewordene Greise,l£xxÄvor Liebe besinnungsl 



lose Würdenträger begegnen 




• 



begegnen, die ^ungef ragt/ Ihnen ystaatsseheimnlsse zu erzählen anfangen 
v/erdentSie werden naive begeisterte Leutenants treffen, die vor Ihnen 
nichts zu verbergen haben v/erden. Hüten Sie sich vor solchen ,wie vor 
dem -^euer! Lassen Sie sich nur nicht anmerken, dass Sie für diese 
Enthüllungen auch nur das geringste Interesse hatt e n ^Sie lauern ja 
nur darauf und am iilnde erweisen sich alle diese interessanten In- 
formationen als erlogen, um kÄxmxXÄ jtacbixxk den Feind ±ÄxatXÄxirxÄ 
irrezuführen. Hüten Sie sich auch vor den öKjcMKi^KrÄXiniiKÄX Verehrerin 
nen hier/^die Ihnen (Geheimnisse auf lüotein^ von den Plänen des Kanz- 
lers,ton den Absichten des Kaisers^^ars kämen sie direkt aus den häx 
höchsten »jisk Sphaeren.Da sind alles Vorgeschickte, ck s ist erst die 
Einleitung zu der Sache. Kaum merken sie, dass Sie gern zuhören oder - 
wovor Sie Gott bewahren möge^^ar auszufragen beginnen und nach mehr 
begierig sich zeigen, dann werden sofort die ernsthafteren Spieler 
die wahren Fachleute auf den Plan treten, Sie haben schon ihre J^ 
Tricks, um das ins Auge gefasste Opfer einzuwickeln, es sind alles 
gesellschaftlich akkreditierte allgemein geachtete gutmütige und 
einnehmende Herren. Wenn Sie auf mich nicht hören, werden Sie bald 
den interessanten Augenblick erleben, dass ein solcher ^^err sich ei- 
nen Umstand zu nutze macht und Sie mit den brutalsten Worten anfährt 
bedroht , erschreckt. • ." 

"1?r wird schlecht bei mir ankoraii.en. • . " 

"Nein, nein, denn er wird Sie schon in der Hand haben, dann beginnt 
das offene zynische Spiel, Sie werden die Sklavin der Kontrespionage 
und müssen unter der Drohung des Gefängnisses ,der Tortur, des To- 
des alles tun,v/as^xK ^biKfsk^sK befiehlt, bis zur tief öten,schänd- 
liebsten Erniedrigung. Ag Anfang Mverden Sie van XxakJkSH Trothen 
verraten und auslief ern, zum Glück nur mich allein, denn ich werde 
Ihnen keinen meiner Untergebenen zeigen..." 



8 




15va lachte« 

"Das macht nichts! Sie seihst x werder^-^üs Angst^ unter dem Stock 

%:he ausliegern, . ." 

"Jeder Mensch ist schwach und für einen solchen ''^all habe ich ja kx 

auch, • • " 

Dabei holte van Trothen aus seiner V/est entasche eine kleine in Cellu 

loid gehüllte Pille. Er hielt sie airt^^zwei Fingern, als wollte er sie 

stolz demonstrieren, 

"Stecken Sie das nur ein. Man darf die Effekte nicht misBbrauchen. " 

"Ja, sehen Sie, das kommt alles von Ihrem ää" unehrenhaft" , daher mein 

Kummer! "^^enn Sie sich etwa vorstellen, dass Sie etwas ausrichten 

können und daraus w« ein weisses Lämmchen hervorgehen. . .Sie v/erden 

' — "" ^ über 

in den Schmutz versinken, bis yCmxx. den Kopf!" 

"Nein, niemals! ^^enn Sie meinen Plan kennten, würden Sie sich die 

Aufregung ersparen. Wäü" 

"Wollen Sie sich nicht doch darüber äussern?" 

Sie zuckte die Achsel. 



# 



"Mein Plan? Ganz einfach, ich will 



einmal nach Paris zurückkehren 



können, die Ehrenlegion oder vielleicht gar die medaille railitaire 

.«•um kann 



für eine männliche Tat ang^ ^chts - deA yeindeg^" »sp bekommen, 
ich Ihnen auch nichts darüber sagen". 

"Vielleicht haben Sie damit schon zu viel gesagt, seien Sie nur vor- 
sichtig!" 

"•^ch habe es mit aller Absicht gesagt!" 

"Und wie steht's mit der Ehre?/ Mit der Lo3''alität gegen>f)^;^/ Ihre/f 
Viljkx Verpflichtungen?" 




# 



"Eben aus diesem Sefühl hielte ich es für angemessen » von der Aub - 
fü hru ng^n mo in ^n -pi.hi^v^ ^.n n.vw/^.hn ffT > , ^D wird violm o hr oo ctwao wie - 

ooin Epilog sein -, " 

^^T.enn er überhaupt zur Ausführung kommt". 

"Wollten Sie das verhindern?" 

"Wenn ich es auch nicht JtxM wollte, so werde ich doch meine Pflicht 



erfüllen müssen und die pflege ich gewissenhaft zu erfüllen", 
"Sie vergessen ,dass ich Morvegerin bin, Bürgerin eines neutralen 
Landes und dass ich das -^^echt habe zu wählen, auf welche/ Seite der 

Kämpfenden ich mich stelle. Noch habe ich die ''ahl nicht getroffen, 

\ 
vieles von dem was ich ^ jetzt in ^Deutschland gesehen habe, macht 

mich /geneigt, meine früheren Sympathien für die Koalition zu revidie- 
renf. Ich habe mich noch nicht entschieden, welche Partei ^^ Interes- 
se der "Veit und der Menschheit siegen müsste. Jetzt neige ich sogar 
zu der Annahme, dasn keine, und in diesem Sinne werde ich handeln". 
"Und Sie wünschen ,dass ich Ihnen dabei helfe?" 
"Ich fordere es von Ihnen!" 
"Mit welchem Recht?" 
"Mit dem Recht des Starkern ,ich habe Sie ja in der Hand, nicht?" 

"Nicht ganz,"^rau ^va! " 

"Auch das genügt, um Sie zu verderben! Haben Sie es sehr eilig mit 
Ihrer Cyankalipille?/ Zwar würde es meine Pläne stören, denn ich 
rechne mit Ihnen, aber als starker Mann , werden Sie die Dumiiheit kxä 
nicht machen.Wir könnten sehr gut zusaiTimen arbeiten. V--elcher Nationa- 
lität sind Sie Herr van Tr othen?" 

"•^ch bin in Deutschland eingebürgert und was meine -Nationalität 
betrifft. .. ja. wisr.en Sie, darüber x«r^XRKkÄ habe ich mir noch nie 

den Kopf zerbrochen..." 

••Wollen Sie mit mir gemeinsam arbeiten oder nicht? 'Loxin Si n n ioht, 

l-^^^-jt si oh blindlingr 



^ 



10 




# 



Wenn Sie sich nicht sofort blindlings er{feben,wird Oberst Sit^enleld 
in einer Stunde v;issen ver Sie sind". 

"In einer Stunde? "wiederholte er spöttisch. Meinen Sie dass Sie le- 
bend noch aus diesem Zim/ner kommen?" 



Eva Xfesc ^vard brach in jenes freie^ brei-fe-e Lachen aus, das auf der gan 

zen 'Veit so bev'undert wurde und das ^mq vieleii ihrer CreschlechtsgeH- 

nossinen vergeblich nachzuahmen sich bemühten. 

beobachtete sie scharf und verlor keine ihrer Bewegungen 
Van '^rothen bRtraKhtKtKxaiRxsxüJ^aHiiYÄkiiKxikre kiKixxJtxKRXTwsrx:^« 



aus dem Auge. 



"Erbarmen ,fierr, wie wollen Sie das vollbringen? Mich hier in Ihrem 
Arbeit/zimjner ermorden, im Walkürenhelm/ mit aufgelöstem Haar, in der 
Sternenbesäten Tunika ,mit blossen Füssen in Sandalen?/ Ringsum 
wimmelt es von Menschen, von Statis ten, Arbeitern, Schausp. eiern ->wie 
wollen Sie die Leiche verbergen? Unmöglich, Herr Direktor! Im Uebri- 
Z^r\ lEck v;erde ich mich wehren, ich habe Schw o rt und Schild!" 



II Q •? 



»I C! i 



5ie müssen sterben und Sie werden sterben!" 
"Jetzt gleich!" 
"Auf der Stelle! " / 

Sie spielen das aus-g«&©4ehrr^t.\' arum sind gie nie aufgetreten?" 
"Ss ist nicht^Zeit zu spacroen! " 

"Ich weiss, ich weiss! Sie drücken auf einen Knopf und ich stürze so- 
fort in ein unterirdisches Gewölbe. Vergessen Sie blos nicht, dass wir 
uns im zweiten Stock befinden und unter uns die Firma Kunke und ÄKk 
Schatz. Einer dieser Herren wird mich sicherlich auffangen und ^ooch 

beschützen. Und von dort telephoniere ich einfach an Sittenfeld. . .fte 

/ 
Herr Direktor. . .Was ist denn^was haben Sie?" 



Van Tro^hen hatte sich von seinem Sessel erhoben und stand wie 2 



um 



Sprung bereit da. Eva hatte das Gesicht eines Verbrechers vor sich. 
Einen Augenblick lang verging Ihr der Scherz. Aber bald öffneten sich 



11 





ihre Lippen zu einem herzlichen und lauten Lachen« 

Doch das dachen erstarh. Van Trothen hatte mit Elitzgeschwindi^^eit 



sich 



i^<u</ 



XKiß. die Pille in d en Mund ge yjjj^f^ i» Eva erstarrte zu/ Stein mit 

offenem Mund, .. Zyankali , der Tod« • • Absurd, absurd! Der sterbende van 

Trothen schnalzte mit den Fingern nach ihr hin, Sie spürte etwas im 

Munde, das mit herbem stark duftendem Harzgeschmack zerfloss.Sie fuhr 
Ay^*^*,«^ verschluckte sich 

a«^,ÄI«^^«^rund fiel in den Sessel zurück. 

Dann sah "^va den Direktor des Mundus -Films rufeig eine Zigarre anzün 

den.Sie kam erst zu sich, als er die erste Rauchwolke ausstiess« Er 

lächelte ironisch und zufrieden« 

"Ich wollte Ihnen zeigen, wie das in Wirklichkeit ausgesehen hätte« •• 

Spucken Sie das angebliche Zyankali nicht aus» es ist kzkkx nichts 

wie eine angenehme, leicht lösliche Eukalyptus-Pastille« •• " 

"Das haben Sie grossartig gemacht« « «Sagen Sie mir blos«.." 

"Ach, wir haben genug Unsinn geredet, es Zeit wieder an die Arbeit zu 

gehen« Haben Sie ausgeruht?" 

möchte 
"Ja«Nur eins Äi±i ich Sie fragen:warura haben Sie so getan als hätten 



Sie selbst die Pastille geschluckt?" 

"So,das;rf interessiert Sie.^a eben«Sie sollten einen Augenblick wenig 
stens denken, dass ich im Ernst«.. es handelte sich eigentlich nur da- 
rum, dass Sie vor Entsetzen den Mund öffneten, sonst hätte ich Ihnen 
das entsetzliche Gift nicht hineinpraktizieren können«.." 
"Und wenn ich den Mund nicht geöffnet hätte?" 

"Jeder reisst vor Schreck den Mund auf, der gewöhnlichste Mensch und 
der grösste Filmstar«" 
"Was hätten Sie aber dann getan?" 

"Nichts hätte ich atacÄHxxK mehr zu tun brauchen, ich hätte um Hilfe 

HleiL__- 
geschrien, Leute herbeigerufen« « .Selbstmord/! ¥or mCtnen ^Il^sol Au- 
gen! Ich hätte gerast vor Entsetzen. • .Man denke, so jung, so schön, auf 



d-er Hohe 



12 




der Höhe ihrer ftarriere ••• Einen Arzt, einen Artt! •• 
•'Dennoch kxJtJtK wäre auf Sie e-iir Verdacht gefallen« ••" 
"Nichts dergleichen, . .Alle wissen, dass Sva Evard exzentrisch ,unbere 
chenbar ist.Die Hauptsache aber - Sie wären nicht mehr lebend Yon 
hier herausgekommen." 

"i^ur noch eine Präge; tragen Sie in der Tat ständig Gift bei sich?" 
"Ja, aber hier in der oberen Tasche". 

"Und wenn Sie sich vor einem Augenblick zufällig geirrt hätten?" 
"Jeder Mensch kann sich irren, aber ich irre mich nur in den drin- 
gendsten Notfällen". 



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Expose über den Romacyklus" Gelbkreuz" von Andreas St rüg 



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Der erste Band heisst "Das Geheimnis des J^eins" (bezieht sich auf die 
grossen chemischen Werke am Rhein, die Kriegsgase erzeugen) Der zweite 

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Band "Die Götter Germaniens" (das ist der Titel eines :^'ilms mit patrio- 



tischen Tendenzen der in Berlin mit der Heldin Eva Evard gedreht wird) 
Band '%ll heisst »Der letzte Film der Eva Evard" und hat im Wesentlichen 



Prozess und Verurteilung der Heldin als Spionin in Paris zum Inhalt, 
Das ganze ist ein sehr umfangreicher Komplex von etv-a 1100 Seiten Text, 
der nicht allein die Spionage und Ge^enspionage der kriegführenden 
Staaten darstellt , sondern auch ICriegsszenen, allgemeine Erörterungen, ro- 
mantisch-seelische Lebensläufe und vieles andere enthält. 
In der Hauptsache lässt sich eine Gliederung nach drei -^iauptmassen 
vornehinen; Geschichte und Roman des französischen Hauptmanns Despaix, 
der vom französischen JCundschaf tsdienst mit Papieren und Ausweisen eines 
Deutsch-Amerikaners Dr.Helm ztir Auskundschaftung der Herstellung der 
Deutschen ' riegsgase in Mannheim entsandt v;irdiseine Erlebnisse und sein 
Roman mit der Tochter des wissenschaftlichen Leiters d^r Gasfabrikation 
Prof .Wäger, der ""rau eines untergegangenen ü-BootskörnjuandanteiJ/Der Verlau*^ 
ist für den ^weck ganz negativ, da der Hauptmann infolge der Verdoppelung 
seiner Persönlichkeit und durch die romantische Beziehung zu der atÄK^ÄÄ 
deutschen '^rau allmählich alle Aktivität einbüsst und schliesslich an ji 
der deutschen ^ront auf dem Rückzug umkomuijt • 

Zweite Ha upthand lung ; ( Eigen tl i eher Mi telpunkt des Ganzen) Rolle und 
Tätigkeit in Berlin und in Paris der berühmten Filmdarstellerin Eva Evart/. 
Von neutraler Nationalität , zwar kanadischen Ursprungs ,doch durch die 
Heirat mit einem ITorAreger zu keinem der kriegführenden Staaten gehörig, 
yi und infolge ihrer Berühmtheit und Schönheit hat sie zu allen Gesell- 
schaftskreisen in den europäischen Hauptstädten ungehinderten Zutritt 
und dadurch die Möglichkeit, in dem -J^iexenkessel der Spionage und Ge:;,en- 
spionage eine grosse , ihrer Persönlichkeit entsprechende Rolle zu spie^^. 




j^r*«^ 




Mit einem Auftrag der zv.'eite n Abteilio ng des französischen Kriegsmini- 
steriuins(Kundschaftsdien8t ) nach Berlin entsandt , tritt sie zwar mit dem 
Hauptleiter der Untentespionage in Berlin van Trothen,der zugleich ein 
bedeutender Tilmproduzent ist/inVerbindung, ist aber selbstherrlich genug 
<fauf eigne Faust und nach eigner »^eberzeugung ihre Unternehmung zu führen. 
Durch die Verliebtheit des ^enerals^ Sittenf eld,iiKX Leiters des deutsche^ 
Kundschaftsdienstes, glaubt sie sich in die Lage versetzt , ihre eignen 
Pläne unabhängig von Direktiven auszuführen. Sittenfeld jedoch, obgleich 
durch seine Leidenschaf t im Banne der Frau, ist ihr in diesem Spiel bei 
weitem überlegen. Er ahnt etwas von den Absichten der Diva und unter- 
schiebt ihr ein zu dem Zwecke zurechtgemachtes Dokument, cfes sie sich 
unvorsichtiger 'Veise wirklich aneignetfUm es durch van Trothen den 
Franzosen zu übermitteln. Van Trothen jedoch, der ebenfalls in -Beziehung 
zu Sittenfeld steht und die }\alte und Ueberlegenheit des Generals besser 
kennt »zweifelt keinen Augenblick, ,dass das unterschobene Dokument nur 
zur Irreführung der französischen Kriegsleitung bestimmt sei. Die Situai- 

tion "^vas v^ird in .Berlin dadurch allmählich immer unhaltbarer, sie flüch- 

erst nach Genf dann nach 
tet mit Kilfe französischer Agenten ÄlstKrxÄxfiLxärB[ÄZÄXH.a&k Paris. Es ist 

im vierten Kriegs jähr, während der grossen deutschen ^rühjahrsof iensive. 
Die Situation in Paris ist für Fva plötzlich ganz verändert .Nach ihrer 
Flucht ais Deutschland ist xacuxXrBüiJtÄK van Trothen zusamiüengebrochen und 
hat Selbstmord begangen, das ganze Spionagenetz in Deutschland von Sitten 
feld zerstört v.-orden,und da Gerüchte im Umlauf sind,da8S Eva in Berlin 
Beziehungen zu Sittenfeld hatte, gilt sie in d er öffentlichen Meinung 
q;Ls deutsche Spionin. Sie verstrickt sich immer tiefer in ein Netz von 
Gerüchten untergeschobenen Dokumenten und gefährlichen Aussagen g^g^n 
sie, wird von der Gesellschaft boykottiertt Auf ihren alten Ätara Ruhm 
Ȁ3t ihren Einfluss, ihre Wirkung auf Menschen und auf ihre Wahrheit iiajtii 
pochend. weigert sie sich allen Warnungen zum Trotz die ihr heimlich be- 
willigte ^rist zur "-^lucht zu benutzen. Sie wird schliesslich verhaftet 



und 



nach längerer Gefangenhaltung vom Kriegsgericht zum Tode verur- 



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teilt und hingerichtet. 

Als dritten Komplex kann man eine ganze Menge spannender Episoden und 
Szenen bezeichnen, die im Wechsel der Kriegsstimmung in den verschiedenen 
Hauptstädten zur Darstellung koranenlfPerner die einzelnen sehr interessan 



v-^^' ^»^ Vc^^-ten J^iguren von Agenten und Agentinnen der Spionage in Genf Berlin und 

/f/^ - /l^t^ zwischen 

"^/^ />t^6c^- ParisTwelch^/den verschiedenen Massen des Werkes die Verbindung herstel- 






len. • 



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Zusamir^enfassend lässt sich sagen; 

Das V<erk ist sensationell auf einer sehr allgemeinen romantisch-geistige/^ 



Grundlage. Es käme nicht nur darauf an, eine verkürzte Uebersetzung herzu- 
stellen, sondern auf eine völlige Umarbeitung, Adaptierung , Umstellung von 

Kapiteln,Weglassung bedenklicher Erörterungen, auch eingreifender textli- 

von Namen, 
eher Xenderungen .bis sogar auf jtamuuiÄfnderungen,die für Deutsche unwahr-^] 

scheinlich klingen, IJxxywjOLtxyiKT^^ 

Man müsste vor allem auf die |uac Pragmatik und zu weit gehende seelisch- 
romantische Motivierung des Ablaufs verzichten. Und das Ganze episodisch^ 
szenisch aufteilen und anordnen, so dass sich die Zusammenhänge von selbs 
ergeben« 

"^enn für das Thema Interesse vorhanden ist, so ist in dem Buch q ualitati v 
alles gegeben, um einen spannenden , dabei aber auch künstlerisch wertvol- 
len Zeitungsroman zu schaffen« 



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Mie saBG am v/eisoen Kdchentisch,die l^ n flijon Finder beider liande 
um die grosse Kaffeeschale geschlungen, ihrer MUtuer gegenüber 
und zwang sich durch hastige 3eschv/.rungen,die sie sich in ie- 
danken^wie Zaubersprüche ^zurief , zu schv/eigen, jetzt nur ja nichts 
mehr zu sagen, nun da der abgeschnellte Pfeil so genau hinge trofen 
hatte.i^as Bischen Angst, dass der legenschlag handgreif lich/i'/ her- 
niederfahren k.nnte fühlte sie fast angenehm, wie ein erregendes 

Prickeln auf der Ilaut.IIur j^itefci^ax nichts sagentwas die \.ir^ung 

mieden 
verstärken oder abschv/uchen konnte. Doch mwillkurlich scxBLKiuiH ihre 

ganz leicht schielenden Augen die ;^ugen der -Butter und blieben aul 

dem brei'en v;eis en Gesicht mit feindseliger Genugtuung hca.ften... 

Das plastische Gesicht der :-aiüinersängerln,der Ort so vieler 

berahmtur .:äasken,v7ar unter dem schwarzen im liuciccn geschlLmgerien 

Seidentuch ein/^vUgenblick wie ausgelöscht ; die weisse Puderschicht 



lag auf den uberlebenscros en -lachen der Wangen, auf dem harten , 



vom nsatz des Doppelkinns geiniljf^derten inn/ wie ein usoelintuch^ 
unter dem selbst die kräftig hervospringende Hase verkürzt und 
stummelhaft blieb« 



X 

Sie sagte letse^ erstickt - im echten ^ülinenpiano: 



/^ 



«Du bist ein Tier..." Und dann mit ein^r Steigerung ;i:;in iier 
bist du! Einsperren raüsste man dich..." 

Mie stärkte sich mit einem Schluck aus ihrer Tasse, stützte 
resolut die nackten Ellbogen auf d.en Tisch. Sie ScOi in ihrer blauen 
Schürze und dem bunten opftuch,aus dem eine l^Ek pechschwar..e iHÄ 
Locke kühn und Lieblich über das e ne Auge fiel, wie eine freche iL 
Kaimnerzofe aus, die sich mit den Dienstboten zu einem ;aatsch nie^ 

derlasst. 

0as sonderbare 08t[Ara ,das ilütter und Tochter trugen, v/ar 



an den,,atavist ischen Tagen, wie sie der Profes.or KieglerfMie' s Jdf 
Vater und Gatte der Xaiiunersungerin Annette Albrecht-Riegler 1u£ZK 
bezeichnete, im Hause traditionell j Tage, an denen die Künstlerin 
und gefeierte Jame ihre jetzt oft schon erzwungene ;Ausöe in einem 
umstürzenden I^umen ,Stübem , Putzen verausgabte, das mit einem 
Kattee in der grossen Kuche des Xellertseschosues seinen Abschluss 
fand.Das atavistische -eine unv.irsch harmlose Anspielung des Pro- 
fessors auf die bäuerliche Abkunft der iiausf rau-machte sich auer 
auch da dtnrcii geltend,dass die :^^eiildseligkeit zwischen >Iutter und 
Tochter, die in den oberen Räumen der Villa nur als gespannte x^e- 
zlehung sich uusrjerte,hier unten oft drastisch und mit natürliche^. 
V'ildheit zum Ausbruch kam» 

"Das ICinsper'en besorge ich schon selbst, "erwiderte jiie 
und setzte mit ihrer jungen sich überschlagenden Altstimme v/ie im 
Sprung über das zum linspruch sich anschickende Atemholen der Mut- 
ter hinweg: "klaubst du^ich mache mir so viel aus deinen widerli- 
chen Abendgesellschaf ten. Im Kinderkrägelchen mitservieren, vor je- 



dem -^engel kniksen und 



brav gute Ilacht sagen, v/enns 



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^>Jv Äal interessant wird« • .Vahthaftig, wenn du mich noch einmal dazu 
«rings t,korame ich nächstens mit der uppe hereingetrip^jelt und 
sage ein Gedicht auf.»." 

Sie brach in ein tolles Lachen aus bei dieser Vorstellung. 
"Bleib doch in lottes Ila/iien bei deinen achtunddreissig so i 
lang du willst und solang die Leute es dir glauben - ich gönne 's 
dir gewiss. Aber ich kann doch nicht deswegen ev/ig fünfzehn blei- 
liK±K ben. . . " 

Die Kammersängerin wehrte das dichte " ortgeprasael wie eine/^ 
Fliegenschwarm ^mit beiden iianden ab. Vom Oarten Xirgiiyatc> drang 



das rhyt^imi che i<ji8illen der Stöcke beim Teppichklopfer!, wie 3chuase| 
herein, die Mie zu übertjnen versuchte. 



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Schrei nicht, achv/eig! "rief sie heiser und streckte lait einer! 
mächtigen Bewegung den weissen runden Arm gecon die Tochter aus. 
Ihr G^esicht be .aia wieder "^'arbe; 

"Oh... (über dieses» Oh» ,d;>.s langgedehnt wie e ne grosse \Veile| 

sich heramvälzte^ geriet Mie jedensi/ial aus^jer sich, sie hasste die- 

• ^. 

ses»0h9 m dir ist nichts jiy^ Zuchtlosigkeit* • »Und dumm bist dul 

Jafduiam wie Bohnenstroh, mit deinen achtzehn " 

•♦Neunzehn und einhalb! "schrie "ie dazwischen. 

"Umso schlimmer! T'eisst du ^^^nn überhaupt ,was eine I-rau ist' 

Denkst du, das schlenkrige Gestell da auf zwei Spatzenbeinen, mit 

dem geleckten Lärvchen und der gemeinen Apachenfrisur, das stellt 

eine "^rau vor?" 

Mie sah an sich herab, strich sich zärtlich übers -Jiie und 
sagte heiter; 

"ich bin ganz zufrieden." 

"öe:!en »stehen, sitzen, "fuhr die utter ,mit dem Anschein äxe 
nicht c^eh rt zu haben fort."i^s ist zum Erbarmen! und auf welchen x 
Erfolg kannst du schon hinweisen, dass du dich /aufspielst?" 
"Erfolg - Wieso? Ich spiel^ ja nicht/Theater!" 
"Aber Gryranastiklehrerin, Säuglingspflegerin, oder wie man das 
heisst- mit dem toten :ind in der Tram.. .Ist es nicht ein Skandal?' 
Mie bekam Tränen in die Augen. 

"Das arme ' urm! ^ sagte sie auf schluchzend, "Es hatte eben Xä 
kein Leben mehr in sich.Der Arzt sagte es doch selbst in der rü-iÄ 
n ik.Aber hab ich mir nicht Mühe gegeben?Drei Nächte hab ich ^eks 
gev/acht. ..." 



In der Tat, da geschah Mie Unrecht. i3as Missgeschick wollte es, 

EK dass gerade ia dem Augenblick, da die übernachtige . ie auf der 
Xak Fahrt in die XliriK von leichtem Schlummer übeirwältigt wurde, 
ihr das v;eisse Bündel unter dem Pflegerinnenschleier herabrutsch- 
te und die l^itlahrenden entdeckten ,das3 das Kind tot war.Ks gab 
einiges Aufsehen« -ae schauderte noch jetzt, wenn sie daran dachte« 

"Jetst heulst du v/ieder,"sa{;te die :iutter, "recht so««« 
Imiiier in Allem es ä.en ^uben zuvortun, aber die :Ierven,die gehen 
Einem durch, nicht v/ahr?" 

IJun hatte sie v.'ieder Cber^f'asser.Mie ?iort/^ nicht.Sie ist 
noch iminer im jlanne jenes Augenblicks, da sie den Tod in den Arxaen 
hielt, etwas, das sich einzeichnete ,unvergesr>lich» • »Ss ist aber ä 
nicht Mie's Art, (bedanken daran zu knüpfen und weiter zu spinnen« 
Es langv;ellt sie, sich dabei auf zuhalten« Sie hirt zu viel geist- 
reiches beschwatz um sich herum« Sie niifimt seit einiger Zeit nur 
noch das für wichtig, v/as ihr heiss und kalt macht, ganz körperlich • 
Die können gut und gern von "lerven reden, auch so ein du.jnes V. ort^ 
womit alles vorheuchelt wird hier im Haus «Venn sie morgens im i^etr 
nicht mehr schlafen kann, friert sie, dass ihr die Zähne klappern, 
und vienn sie durch die liäume geht, die, von den ;)0ramerreisen abgetf^ 
sehen, seit sie geboren ist,unveränderlicnwit die iilwigkeit ^ie ein 
schlies^en, steigt ihr das Jlut zu Icpfe.Auch dieser abscheuliche 
Park gegenüber mit seiner Nachmittagsmusik, seinen Spaziergängern, 
in dem es ewig .Sonntag zu sein scheint, ist eine körperliche rein, 
kaum zu ertragen«"'as iiiraer sie draussen auch tun mag, das ihr das 
Gefühl gibt ,zu leben, zu sein, sobald sie ins Haus zurückkehrt, ist 
es wie ausgelöscht« • • 

Und mitten in die Worte der lutter, die sie nicht h^rt^ 
rief sie mit plötzlichem "Jntcchlussx 



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5 

"Alsj ich gehe morgen einfach zu "'ranz und sage ihm ,er kanii 

mich haben, wenn er will, und je früher, desto besser. ••" 

Professor Hiegler,der eben heimgekommen war und in der Tele- 
fonzelle an der Treppe sich aufgehalten hatte, h^^rte es durch die 
offene Tür und trat ein, 

"Bitte^ ♦♦sagte er in seiner raschen, jugendlichen .-^rt und v^arf 
die Mappe auf den Tischt"3itte^"v/iederholte er mit einem lopfnifir 
cken,das eine ironische Verbeugung sein sollte.-i^r kusste seiner 
Prau die Hand, die sie ihm entgegenhielt^ und sagte i.ait der Ueberle 
genheit des Cannes, der iiiit seiner zugespitzten Jedeweise der Vvir| 
kung sicher ist; 

"Wir belieben durchaus nicht ,alte und junge Generation kx 
hier zu spielen.Dazu sind wir noch zu jung. . •Nicht wahr,iUinette? 
^ir verlangen weder Dankbarkeit noch Gehorsam. •• Ja^ja^ ich v/eiss,^ 
das schickt sich nicht mehr für r.ltern.Aber wir, die etwas können, 
etwas leisten, wünschen nicht durch euch gestört zu wurden. :feÄr3iÄS 
(Er sagte noch gewohnheitsmassig"euch"^ »obgleich dl© Sohne langst 
aus dem Hause ger^angen wa^).]Iier in diesem iiause,das noch mein 
Grossvater erbaut he«.t,)j]aabeu zwei GrenerationeÄlii-Bdeleiö^eijtiiflÄiiÄh 
ung an der Jeisteskultur des Landes mitgeschaffen, erfolgreich mitj 
geschaffen, ^ott sei Dank. . .Sind meine Kinder lübel geworden, so k 
gehören sie nicht hierher. ••" 

»»Papal schrie Mie auf und hielt sich kaum auf ihrem Platz, 
Sie liebte ihren Vater.^ie liebte ihn, weil er ein schöner 
vornehmer iiann war, mit seinem gepflegten^ noch dichten braunen Xa 
Haar und seiner geschmeidigen , schlanken Gestalt, die, in jedem iui- 
zug elegant aussah.Ss war ihr Stolz^ mit ihm auszugehen, sich mit 
ihm zu zeigen und eine be ondere reude, wenn ihr schien, es hielte] 



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6 



sie jemand für seine junge Frau.wis vor :urzeui noch Konnte sie :s^ 
sich so gut mit ihin unterhalten« jCr war so klMC , und witzig^Und 
auf einmal ging es nicht iiiehr^Sobald die "^Ite" dabei war, redete 
er rieht ges Blech, wie jetzt, und war unausstehlich» -i^ie scheuss- 
lieh, dachte sie, wenn er noch zärtlich zu ihr wird, und sie ihren 
jugendlichen Augenaufschlag macht, aus dem RosenkaTalier,v;ie jetzt 
ehen.-Dass sie sich nic-.t jcharnt««* 

Der Prof est', r aber redete sich imiaer mehr in Bitterkeit 
hinein« Er sprach es zwar nie deutlich aus, aber er war tiol davon 
überzeugt, das o die inder nur so aufsässig geworden waren, v/eil dä^ 
ererbte grosse Vermögen, das früher eine fast fürstliche Lebenshal- 
tung gewährte, in den .risen der Zeit bis auf einen kle -nen Kest 
zusamrnengescholzen v.'ar,der mit den rjinnahjrien aus dem jjerui der iS 
Ehegatten bei genauer Oekonoraie notdürftig ausreichte, das Ansehen 
des Hauses ohne viel Repräsentation mehr aufrecht zu erhalten« 
Sein 3tolz und seine ::mpf indlichkeit,mehr als Vater-oder . amilien- 

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gefühle, litten schwer darunter, dass die Linder, aus Trotz und uiü 

ihn persönlich zu kränken, v;ie er meinte, weil er ihnen den neuen 

Luxus nicht mehr bieten konnte, so bereitwillig und leicht sich 

und 
sinken lies^eniais v/äre es ihnen eine boshafte :ienugtuung,ihre 




Erziehung und amilie verleugneten« Jer jüngere 3ohn war vorzeitig;;; 
aus 1er Schule gelaufen und trieb sich mit einer "ilmgesel Lschaf t 
irgendwo in der 'elt herum, der ältere, mit dem er sich durch ma 
kameradschaftliches Verständnis verbunden glaubte, fand sich eines 
Tages als Student in eine politische Attentataffaire verwickelt, 

V 

wobei sich ergab, dass IgütmJoi lieinhold schon auf dem GymnasÄui;! eine^ 
berüchtigten rechtsradikalen '.ampfgruppe angehört hatte. Hach dem 



I^rozess und dem viel erörterten Irei sprach v/ar er la ch einer and- 
deren Landesuniversität gezogen und spielte sv Ltdera eine fuhrende 
Rollen KKÄ in jenen Yerbanden.Der Vater sah auch hier hinter der 
grosssprechorischen leste nur das niedrii:^e nesBentiiiient eines mar- 
teriell benachteiligten als Motiv für das VerhäL^ten des 3ohnes, 
der übrigens den Iruch mit der Familie achseÄzack nd und hochiah- 
rend hin«iinahnuEs va.r zv/ar -e?n/Areisejjcder dem Hause befreundeten 



Familien meist 



3 » tO -f^t viel anders, eher schliiriiaer,doch er, 



Professor Arthur Riegler, -Cunathistoriker von europaischem Ruf, 

mit dem Schimiier unbetonten ::igenheit des früheren grossen ^üjox.^ 

lers und .annes von ' elt,fdhlte sich durchaus nicht zu jenen ihii^ 

widerlichen Äsg Zugeständnissen bev;ogen,v/ie er sie um sich saht 

als ob es gälte, der Jugend damit zu beweisen, dasij man ij selbst j< 

noch jung sei und mitmachen könne, 

"jfch kenne eine Faiailie Baumann ,mit d r man sich auf der 

Strasse grüsst,aber ich kenne keinen '^ranz," fuhr er fort und hat- 

te bei diesen 'orten jenes v/egv^erf ende Zucken um die ...unawinkc.!, 

als, 
das die linder unt^^^^r sicM^Leid , gepaart mit Vorachtung" zu Ioxmx 

bezeichnen pf legten, "ffiit wem du da Tennis spielst, Autoturen machsT 

t^^ und was weiss ich, das geht mich nichts an, ich frage nicht da- 

nach.Aber auf die freudige üeberraschung eines Verlobungstelegraiy 

vom Sem^.ering oder von itzbühl mit irgend einem Hergelaufenen, 

wie das jetzt b liebt ist »verzichte ich,. • ja, verzichte ich,ilie. 

Merk es dir, da brauchst du dich erst garnicht zu bemühen," 

V.T hatte , während er sprach, kaum nach llie und fast imiiier 

zu se ner "^^rau hingesehen, die die Hände unt( r dem .inn geialtet, 

seinen Blick mit einem Ausdruck von Zättlichkeit und jiewunderung 

festhielt, Sic streckte die Hand nach ihm aus, als er am Tisch vor- 



8 



beikam« 



zu 



Er beugte nich xsksrxEHiXÄXEsic ihr, band ihr äxä scherzend 
das Copftach ab und küi33te sie leicht aufs Ilar.r.Er sagte; 
"Komm, Annette, im Garten ist noch 3onne»" 
Mit triumphierndea Blick erhob sie sich* 
♦»Öieh s .e doch blos an. Und das ^'ill heiraten!" 
Mie aber sah ihnen nach, wie sie jÄrra in Arm durch die Tur 
schritten.Sie dachte; "Sauger, duüi.er Pa! Jeden Tag läset er sich A 
aufs Neue von ihr verfähren.V'ic schamlos! Mich sieht er ja gar^Ä 
nicht, auch nenn er schimpf t* "3ie dehnte sich mude,seuizte. "-^^ch, 
wenn doch l'ranz nur halb so Jclug und fein v/äre ,^ie Pa.V/as wäre 
er für ein Llann. " 



-"fr- 






<? 



III 



Zu Leginn des Semesters pflegte ?rofes?3or Riegler t- ruhor 
am Abend nach seiner Vorlesung gerne einige ^leiste bei sich zu 
sehen;engere ' reunde des Ilau3es,na^ihaf te Saiinuler zuweilentdie 
er beriet. und hie und da einen oder den andern seiner bevorzugten 
Gchülerfdie eine solche Auüzeic?inun^ zu würdigen wussten.In den 

letzten Jahren aber '^ar dieser reis immer mehr zusaioLienjeschrumii^ 
C^.^an dem truben^Herllstahend) \ 

und h^irt"Sy''aH'"e7 "aus der Vorlesung f ohne an diese alte Gepflogen- 
heit gedacht zu haben» Unmutig über eine Ma^ssnahme der Untej. rieht 
behürde,die eine weitere Einschränkung des ohnehin kargen kunst- 
hi^^s torischen Apparats bedeutete und ge^^n welche er bei der 
Fakultät keinen einmütigen .Einspruch durchsetzen konnte, fand er 
zu Hause üeine Z'rau unpäsolich auf ihrem Ziruii^er und Llie aliein 
unter der Lc'.mpe an dem zum Abendessen gedeckten Tisch« 



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beiangenf ob^ 



gleich nie 



"Bert und j*rau haben sich Yor einer Stunde angesagt*,'/ sagte 

Mft -1 ii 1 TTTT" I rgri I " ^-nn g steine scnxeciiue 
iKiune lühlte.er nickte schweigend« 

Bert "leissner war ein naher Verv/andter des Professors müt- 
terlicherseits und seit lurzem an der '^ntiken-oamnlung des .xuseii 
angestellt.rrof essor Riegler hatte ihn, der mit seiner jungen i rau 
auf iieisen war, seit seiner Verheiratung nicht ge3ehen.a?]s war ihiu 
nicht unlieb durch den .^esuch von seiner Verstimmung abgelenkt 
zu werden, die das Abendessen allein mit Ixe vermutlich nur ge- 
steigert hatte. 7rüotelnd ging er an die Glastür, die nach dem Gar- 
ten führte und ^^t^^en die ein egenschau r nach dem andern prascel- 



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te,und schloss sie fe8ter.i:r h.rte das nas >e Laub in den ^uMnien 

unter den Windstössen rauschen und fallen. 

"Kalt.liUtter blei-ot oben.Kast du auch für alles oesorc^t?" 
"Pa," erwiderte lie nur mit einem zärtlichen Ton des Vüivu 

wurfs in der Stiiniiie und versuchte ihn auf seinen Gang durchs /^iii>- 

raer auf zulialten. Doch er machte sich unwirsch los, schaltete das 

Oberlicht ein; 

"Spar dir die :.ahel** IZr rückte auf der bauchicen ■Kommode 
einen alten Leuchter zurecht, schritt hastig von Möbel zu iJjbel, 
als vjollte r sich überzeuc^en,dasö die kostbaren Stucke, die den 
langen - aura,wie ehrfurchthei gehende Perruckenträger ujüstanden,Rflt 
noch jeles xa an seiner Stelle sich befand^ ,und fuhr oline Mie an^ 

zusehen fort; 

••Dein Zärtlichke Itsbediirfnis neuerdings steht in einem xä 
merkwürdigen "^egensatz zu deinem unmöglichen Verhalten gegen jed 

den unserer ' ünscheS 

weh! ^ 
^0 Klöi ^dachte Jaie unberührt^a^r koii^üt aus seine» Ton nie he 



raus. Gekränkt oder entrüstet.^ ie kann ich es nur iaachen, dass er 
natürlich mit mir spricht? Warum konnte er's früher.r Q>lo ioh n ci Hf i 
^in inH wny^ >^ Sic stand an den .aminrand gelehnt, sclunal in ihrem 
schwarzen laf tkleid,aus dem der tiefe Halsausschnitt elfenbeinern 
im Licht schimirierte,und sah ihJa mit lächelnden Augen nach. 

"Sieh mich doch an ,Fa,sieh mich doch einmal richtig an, 
ob ich es bin, die du meinst, Yrenn du dich über irgend etwas auf- 
regst ,v;as ich nicht verstehe." Und als er betreten stillstand 
und zu ihr hinsah; '«Itannst du mir nicht besser helfen ,wenr. du 
du gleich zu gleich mit mir sprichst?" 



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II 



«aieich zu gleich? 'f ratete or zurück.Sie sah es an der .o-oia- 
muns des .undes .dasa er sich verletzt i-ühlte.-Ja .das ist es ms. 
eben. Du hältst dich far wer weiss wie erv;achsen,und ich.,- (Die- 
se Kunstpause ,die stets einen besonders scharfen Hieb anzukün- 
digen pfleste, jagte ihr bereits eine BlutwelLe ins Gesicht) ich 

dich für weit unter deinem Alter zurUckijeblieben.'^ür stupid, um 

1 
es mit einem v: ort zu sagen., ahrhaitis.man rau:.3 sich schämen.,. 

"Schämen, weil das land ßross geworden ist! "rief sie zornig. 



II,. 



irosnartig finde ich das gerade nicht! Yarura soll es nur an mi^ 
liegen ,J^ es auf eininal nicht v/eiter -eht?3itte.warum?" 

Brennende '^p.rung und zugleich eine Zärtlichkeit, die kör- 
perlich fast sie selbst und auch diesen lann.der ihr Vater Y:ar,Uir 

uffduu j ui wohltat 



fasste, durchzuckte sie^ Schmerz, der 

und ihr Ueberlegenheit verschaffte. Der Vater s^ürt« es, und es 

stiess ihn nur ab,bot neue Nahrung seiner Bitterkeit. 

"Jedes ■ ort bestätigt nur, was ich weiss. Erwachsen! Hur 
Tülliger "angel an Intelligenz kann so unsinnig auf einum '.Vort 
herurareiten,für das dir offenbar j(;des Verständnis fehlt.V.ie 

geschmacklos!" , 

^ aus';?eglose 

Der Streit hätte seine übliche Fortsetzung gcfunden,wenn 
er durch die /mkunft der 3ä8te nicht umerbrochun worden v;are. 
Das Abendessen verlief etwas einsilbig und beschattet. Doch Jert 
der ohne viel Rücksicht auf ntirar.iungen Inder ur sich erst mit st«4 
Lifib«« Behagen dem üs^jen gcwidaet hat : e, brachte beim Kaffee das 
Gespräch in -lang. das sich ura ältere Ankäufe des iluscums drehte. 



lange> 



uj.oßtrit en in 



ES waren anceblieh spät^^antike Bildwerke, die 

den ::ellern gestanden und erst n.uerdings wieder ans Licht ^ezo- 



\ 



^fmm 



IZ 



ßen worden v/aren^Prof esGor Hiegler iie nte^wie imiaer es uru die 

« 

chtheit bestellt seCh mochte,* er selbst habe ,ohn'.- eigentlich/ 



Ah 



Archäologe zu sein, begründete Z^- :ifel geäussertfso k^nne hicoi ihre 
Aufstellung nur billigen« 

"wi^er mi w^ elriiÄssigste :'opist^v/enn er nur einen Hauch jenes 
Ge^st^a ver^i^ujct liat^der auch noch in der Spätantike lebte^konate 
iflKQer noch Sch^nlieit schar-en,vor der v/ir uns tief verneinen aas- 



sen". 



sie 



"yrrr^B7m^rI'^e'(garni cht, Onkel Arthur, "sagte i3ert,'' können 

t 

nicht sehen«.«" 



Der blc.s3e,unauf lällige junge Mann/ sog gelassen an seiner 
Zigai^rt^AlleG an ihm v/ar inatt,Yon dem farblosen ailond der iiaare, 
der gleichiTiässig leisen 3tiitLMe,deB blas en Augen hinter der ^ruo ^- 
Rornbrilie b-s nuf die verschossene arblosigkeit des .inzugs- 
eine betonte Auodruckslosigkcit des Aeus.ern, hinter der sich uiiiso 
sicherer ein '.clbstbewusstsein bargfdas unangreifbar v/ar» iiert p. 
hatte schon auf der Schule durch dieses Idaakxy Mimikry alJ e ::on- 
flikte mit der Autorität^ aber auch ihre :inriusse abgewehrt« Sein 
Angriff hatle etwas Nachlässiges, Unpersönliches, dem schwer zu L>e— 
gegnen wü.r»~-r hatie allerhand mit s ch selbst aus zuiaachen, wobei 
Einwände von aussen nicht in Jeiracht kamen. 

"Es kann ja 8ein,dasG du das noch siehst, wir sind zu 
voraussetzungslos dazu, weiss Gottj'^fuhr er fort:**Eine junge Baden 
de aia Strand, ein ""anzmädchen in 1er Bar locker in seiner knap^.en 
Hülle, die aus ich v/eiss nicht v/as so en zackend geiaacht isUfist 
für mich griechischer als das ganze ?Iarraorzeug,das wir gelernt 
habcn.Du kannst heute auf der Strasse und im Ziitmuer Bewegungen 



«■ 



r 



B 



Bewegunoen sehen - da ist Tanagra ein -uppenladen dagetsen, " 

Ur blickte dabei v/ohlgefullig auf Mie,die lc;icht uoer 

den Tisch gebeugt,- ine Tasse untur die aiuo i aIh ' IJaschine hielt. 

Seine Trau, eine grosse , blonde XBixitäKMSKki Norddeutsche Yöa re^^el^ 

mäsoigen Zdgen horte mit schüc^ tern aufiaerksaineia Ausdruck zu. 

Professor Riegler rackte unru>iig in seinem oes el. 



tf 



Y'as hat das mit Schönheit zu tun?"warr er in 1-ichiem 



Ton ein.'ir 'vollte nicht mit .i^ert streiten, er v/usste ,die Jxm^^n 
hatten so ihre Art. ^.ber er fühlte sich auch durch :..ies Gegenwart 



gehemr'it. 



gelernten 
«Dir »eineiu SKtxkxUm Kunsthistoriker, werde ich v;ohl 



kaum nötig haben »Grundsätzliches entgegenzuhalten." 

"Tu es nicht, Onkel Atthury bat nert mit so komischem 
Ernst, dass :Jie unwillkürlich lachen rausste. ^* Ich bin heilfroh, 
dass ich es vergessen habe. Ich h..be auf uns rcr Reise s© viel 
und so :iannigfaltiges gesehen, dass mir die Wesenheiten abhanden 
gekorarien sind." 

"Schade für dich'', sagte Professor Rieglur m.t liu'nor, 
"es ist imiTierhin keine :aeinigkeit ,von üouen anfimgen zu müssen". 

"i)a hust du itecht", antwortete 3ert gleichmütig,ä^^^r in 
den matten Augen blitzte es plJtzlich ,al3 er f ortfuhr5"-iichts 
Geringeres, Tfahrhaftig steht uns bevor. Ihr hcibt es leicht gehabt - 
pardon, ich sage nicht, es euch leicht gemacht-:>chjnheit war 
Kunstgeschichte, i^ros/griechische Philosophie, Glaube ^: ittelalter 
und Romantik und dann noch das Klasi.asche Theater für den Abend.. 
Aufrichtig, ich bewundere, wie gut ihr damit ausgekomrüen seid. 
Dort war die geistige Veit, wie ihr so sch..n sagt/^X» ^^^^ hier 



(. 



1^ 



das Leben. Und man ging hin und h- r und vernit elte^Man naliu aus 
d€r :altur,wie aus einem reichhaltigen Laden - warum sind wir jd: 
pljtzlich so nackt, so abgebrannt?" 

**Bäs .ill ich dir sagentBert »weil, o • ** 
"Verzeih , Onkel Arthur, "unt^ rbrach 3ert i«cciceimi.,"es 
war eine rhetorische Frage, auf die ich keine Antv/ort erwartet 
habe, Ihr habt ja offenbar noch den gan':en Laden, ab r v/ir )s.oni\^n 
keinen Gebrauch von ihrn machen, leider.Was nützen nir alle iriarinor- 
nen Venusse,wenn mir meine "^rau nicht in^hr gefällt?" 

"Aber, Bert! • rief der Trofesoor unwillig und versuchte 
nicht nach üerts ?rau hinzusehen, die den Kopf gesenkt aul ihre 
gefalteten Hände ni dcrsah. - . ^ 

_ "iifun, Onkel Arthur, vir sind ja hier en famille sozusagen.«.] 
ein ' ^ e iopi^l aur . Ich kann den i:ros doch nicht im -useum lassen aet 
und zu nkuse die xuntofiel anziehen. Ueberall ,wo}iin du komiast, 
auf der Strasse, in der Trara, in rjeschäften, überall sind diese 
neuen Gottinen^ langbeinig, kurzha.xrig, mit Augen der Sonne, wie der 



Dichter sagt, jode auf ihre Art schön. Die V'cihl wird Einem schv;er" 



•♦• 



Der Professor v.ar aufgesprungen. 

•farura sagst du das Alles ,}3ert?" Er war böse und in J 
peinlichster Verlegenheit. Solitc er Liie hinausschicken, die mit 
verschränkten Amen hinter ihrem Sessel stand und mit unverhohle- 
ner 3enugtuung^ 3ert g t inioktor ^ 

•Warum nicht sagen, ^vie es ist?"jiert liess sich nicht ji. 
aus U.U ijiujir Konzept bringen. "r\ate nimmt es nicht ubel.v;ir haben 
gelernt, das f3 verdrängen von Uebel ist. Man kann Ja ohnehin nicht 
alles tun, 80 soll man es wenigstens sagen. "^ 



\S 



"Wie es ist, "griff Profesr>or r.ieglcr äri^erlich auf, be- 
müht auf ein weniger heickles lieblet hinüberzulen-.en,'*dus iat dco- 
doch wahrhaftig schon zu naiv von dir, Bert! V ie es ist! .s hangt 
doch vor Allem dc^.von ab. von welcher Anschauuung du flabt.i aus^ehst^ 
"Ach so! T'eltanschciuung! Dideldumdeil UnJ hatitman im .Colleg 
eine ganze Kollektion davon vorgelt gt«Wir h'i t. i an nur a*h wählen« 
Ich kann nichts dafür, Onkel rt?iur,inir passt keine.Sie pasL^en<Ä^4. 
nicht in die Zeitlich sehe die ^''elt so an,wi . die Veit mich 
a.nGieht.Das ist auch eine Ansch-^uung! Es ist freilich nicht alle 
Tage das Gleiche, au er es ist vrenigstens unbo fangen»" 

**"enn zv;ei sich nichts zu sagen haben, so hilft ihnen die 
Unbefangenheit nic?it viel, "bemerkte Profesoor I.iegler bissigt 
"Erzähl doch lieb r von lein* r Reise'*» 

Bert zuckte die Achsei. .:äte hat^te in der Provence und 
in Spanien Aufnaiiaen geiaacht,3ie wurden betrachtet und belobt» 




"Ein ^^ jerr;t4-v und ein Ding ^iög bringen mit Hilfe ei- 
hes Sonnenstrahls auch etwas Anständiges zusaüii.en," revanchierte 
sich Bert bei dieser 'jelegen?ieit.Doch der Professor überhorte es. 
Aus einur Ritterl -Chkeit,die licht ohne Selbst^ef allen war, wid- 
mete er sich 3erts junjer Frau, die er vernachlässigt und durch 

< 

ihren ^ih^s^n v rletzt glaubte» Aber zu seinem 'Erstaunen iP«r sie \ve4 
der hilfs-noch trostbedürftig» AÜt einer fast mannlichen, etwas Jbt 
lehrhaften IHarhelt sprach sie über die notv/endigen V^M^ti^L'Lxs^*^ 
in einer Ehe zwischen zwei sell^atoctändi gen Menschen» 

"•••Sonst v/ürden die Jun^^ens überhaupt nicht mehr hei- 
raten, "sagt sie mit oir i ejn schüchternen Augenauf schlag» Jie ero- 
tische Besessenheit spielt heute keine Kolle rnehr»Die Haupt- 



'>i 



(& 



8 a 



clie int, keine lie s s en tl inen ts aufkonuaen zu lassen.Da hat iiert 



Canz !?ocht." 

Der Professor lach ife v^ rbindlich« 

Bert und ^'ie hatten sich indes^3en mit eincra Teller 

Konfekt in die Einbuchtung des groBsen T^ügels zurückgezogen. 

"Du vrirst richtig ßch..n,:ae" »stellte -3ert iest,"Ueb- 

rigens hab ich dich n ulich s3Chon bewundert ,v;le du im Auto an 

aotXÄxrxxJai lair vorübergoflitzt bist. '"er v/c,r denn d-r bärtige IIuüq^| 



knacker neben dir?" 



"Sin -jaron otej3kal,bei dem ich fahren lerne. '♦ 

"Era^o! Und wac nächst du sonst?" 

"-i-ch avanciere allnählich zur Haustochter mit .flich-l 



ten und so.'* 



Bert grinste. "ir sah sich in dem vveitraUiaigen,von 



einem alt.n 'Cristalleuchter erhellten oalon um* Louis XVI ^iobel, 
Vitrinen mit italienischen "^ yencen unc' venetiaaischen Häsern, 
Konsolen, "Ita^eren vol r .\1einplustik,an den '.ünden die vom 
Profesi^or besonders geschätzten grossen I\Xibens-Copien in schweren 
aoldrahmen,daz^vi sehen Portraits der Kara}iersängerin»dann der gy QC- 
4^ schwarze r^lügel^liotenschränkc ,tit.fe dubsessel,- bei aller 
geschmackvoll3n Anordnung ein rrcdränge ,in dem ein Ding dem an- 
dern auf die Püsse trat.Go schien es Bert jetzt »obglctch er 
das Haus kannte. 

"Keine Karriere für dich, "spottete er."Xan muss sich 
blos vorstellen, du mit dem Staubvvedel als ozeptcr in dieser Auk- 
tionshalle, y/elch ein Staat!" 



"1 



u 



Ifie iLttKii lies3 es unberührt» Sie hatte in der letzten -^eit 

Druck gel itten» ^ 

v.eniger unter deLi 'Xirgnk d'.:r Hausathinosphaere/^ie vielaehr zu- 

v/eilen noch eine Art CJeborgenhcit gewährte, wenn sie sich für eine 

Stunde in ihrtim Zir^uer einschlies -en konnte. ♦ Sie sah ^ert auliaerK 



sain ar) »ohne et?»"as zu eagen.'^Die Brille ist wie eine ^Aasice aber 
ihrii^^dachte sie^Vor wem versteckt er sich? Vorhin, als er y(<n nn>i ^i 
hiai L ^jj'i' itiii ySipärte mein etwas '^lahendeB.^'as verbindet ihn mit die- 
ser langweiligen llätejA^ie ?.^ljiner sind so ,als hatten sie ein 
Geheirnniss,daG sie nuijenthüllen, ^.nn sie liebun^ i'^in Verspre- 
chen? '7as versprechen sie? Jetzt ist er wie ausgelöscht , und was 
er spricht i3t,als jr:a.chte er sich über sich selbst lustig« Iwnnte 
sie iSert lieben? iJein,ganz gev/iss nicht, ♦.? 

Bert v;urde es unbehiagl' ch unter ihreiii Jlick. 

"Imn, lie,du sit;hst nicht so aus, als würdest du dich unter- 
kri^n lassen« >ian fängt an, neugierig auf dich zu v/^jrden«" 

"Ja, "sagte L!ie mit einem merk^/^urdig n Aufleuchten in den 

Augen, "da ha^t du Hecht» Ich selbst vor Alleii.'» 

Al£ die GtJste gQ{t,cxXiZ'^n waren und Tlie in den Salon zurück 

kehrte, sagte der Professor: 

"\ienn es nach den Köpfen a»ginge,die heute zwischen zv;an-| 

zig und [reiscig sind, wurde von unserer Jlultur nicht e .n Stein aul' 

« 
dem andern bleiben. Zum Gldck w* rden «ie Ja Rlle äitertdi^* inte*e 

rässen werden wirklicher, und dann lässt sich au ^ h mit dem0e- 

stehenden reden»" ^ 

i 

Er rc.uchte ,im !5txu Sessel zurückgelehnt, eine Zig^.retoe 
und schien gut gelaunt. ?:ie freute sich, ihn so zu finden .Sie hat- 
te es noch nicht auf gegeben, Ui.i « üln iraip ft^^ gififaM"« zu werben, als 



h 



I« 



K 



X 



kämpfe sie {-ecen sich selbst an, ihn endgiltig in die Welt des .al- 
ters zu stosGen,aus der es ke nc Riickiiehr gibt. 

"Und doch,Pa,"^as:s=t. ^"sie, "Wus Jiert ^^^iUtl" ..ftM^jilliri L sag- 

te,dcis - das-^-" 

«Nun?'* fragte er* 

"War doch aufrichtig und sehr ernot.öas musstest du doch 

auch fühlen. '' / , , . , 

/i)er Professor spann rauchend seiner^ucdanKen weiter.; 

"Di Vorkijnpf r der Jujend,die ihr eine Art Sonderrecht 
einrauraen , inen Jeneralpardon fdr alle, ihre vdrklichen und ein^ü 
bildeten Au30chreitun{;en f ordern,v/iösen selbst nicht »wie nutz- 
lich dieses Verf^ihren ist, um j ;den :]influ33 der Jugend in der 
Tat auszuschalten. Sie sperren die juncen .:ensc?.cn und ihre 3e- 
strebun^en damit in^ngezäuntes ochutz^^ebiet.wo sie so lange 
sich selbst aberlas^en bleiben, bis s^e unfichädlich sind.Das Le- 
ben holt sich da/^chon jeden Einzelnen, wenn er reif geworden^ 
und spannt ilm dort ein, wo es ihn braucht« "^ragt sich nur, ob er 

dann noch ras taugt." 

Und als hatte er jetzt erst 'lie»3 P.inspruch vernomi..en; 

•»Schönheit? ::ein3t du,da88 die so billig" ist?i>iicht 
Jederinans Au-jon sind berufen, sie zu schauen, sie so zu schauen, Jte 
dasB sie ihn schöpferisch durchglüht - " 

Und auf einmal spurte er laehr aus ::ie»s Ausdruck den 
künstlichen Schwung seiner \^orte und brach ab. 

"Ich Y;eiss nicht, "sagt er unmutiöt^so wie du dasitz/^üT 



scheint mir jedes Vfort an dir abzuprallen." 

"Aber warum den^fPa?" 



Mie wurde ganz rot. 

"-^ch will doch etv/as von dir horenl" 



/?1 



II 



Er ntand auf; 

"Ich weiss nicht, v/'.s du hcJrst! Ich hJre JTiich plötzlich xk±ä 
selbst nicht mehr. "t)nd dann hrllsl: und ohne sich umzusehen;" ^u- 

te Nacht!" 

Er ging n s- in Schlafzimmer hinauf , sah eine Ueile in ^d^^ 
den dunlclen nassen Garten hin .U3^ bevor er das '^enster schloss. 

Als er später in den Gang hinaustrat, un das ^adeziim.er aulzul 



s 



uch-n, öffnete er versehentlich die Tür zu Zlie's Zinüacrtdas da.ie- 



ben lagtund blleb^die Tür in der Hand prschrociien auf der Schwel- 
l'iftTeitlich vor den hohen Spiegel »unter dem blendenden Licht ^ 
stand 'ae nackt »die Arme aucrj breitet, mit weiten Augen über 
ihr 3ild gobeugt.l^r tcal unwillkürlich oinen r.chritt vor^Er vjar 
überrascht , vielmehr er3chrooi'en,vrie gross ^ie v;ar*Sie wandte 
langsam den opf nach i}im,grifr sich mit der Hand ins Haar und 
sagte ruhi.:* 

"itom}i hurein oder mc^ch zu,Pa! " 

Sr stotterte; 

"i^nnst du nicht die Tür hinter dir z.schliessen?" töawt 
S/ v/nndte sich hasti^; um, die Tür heftig zuschlagend. 

Er war V-llig verw lrrt,r.ls er in sein :">chlaf ziin..xer zu- 
rücklcebrte» 






Z V 



IV 
Rudolf von v^artenberg le te,als er den zvreiten Qried z^- 
leisen, das Papiennesser :::fjriut poitt auf das /'ensterbrett und sah auf 
die bev:egte Strasse/, ohne etv/as wahrzunehi jen.Die mit sp viel Aus- 
dauer geführte Verhandlung :;:i*t dam grossen Zeitunggunternehinen y 
hatte kein Ergebnis.Enttäuschungen solcher Art konnten ihn nicht 
mehr entmutigen, sie v/aren das .jev/öhnliche,und er v:usste v/ie Viele 
in dieser grossen Si^adt Berlin, diesem so tätig^h'-bctriebsamen 



Markt nicht anders als er in einer Art ständi,:em Provi^oriurr! ixk 



o 



leben mustten, Angst vor der Zukunf t ,I;ran^^'*nach Sicherheit, auch 
den Jungen, Anfangenden, und die Neigung der Meisten zum Schema, i 



in 



■^:5=5S5Ät ,zu einer übersehbaren Ordnung, die nach gewissen Kegeln der 
Organisation bequem und ohne viel Verantwortung zu handhaben ist, 
bewirkten, dass selbst Unternehmungen, die auf C^eist »Initiative 
und nicht durchschnittliche Fähigkeiten angev/iesen sind, im Qrund/- 
bereits erstarrende Hierarchien waren , Gebilde ,bei denen das Ge- 
schäft zwar den Geist nicht ausschloss,aber ihn sich völlig unter-^ 



warf ^ 



^^ll 2^rb e i t e r/'jt7ieITr'~ang s 1 1 i ch um ihre Stellen besorgt^ 



Beamte. wiwwMft^€^^i-!^^?gBaMNi^ si'^'-^ein^.^ftöi^Mfwr.Wer aus ei» - 

ner PCarriere heraus war,hatte,yin einem mittleren Alter selbst ka 
kaum noch Aussicht in eine neue hineinzukomi.ien.Er,der selbst Beam- 
ter und Soldat gewesen, beobachtete mit einem gewissen Humor, wie 
das auf seine zivilen Tugenden ehemals so stolze Büggertum sich 
mehr und mehr die Allüren und Gewohnheiten der früher befehdenden 
regierenden Kaste aneignete und in seinen l-^inrichtungen zu ko- 
Pieren sudi te. Bedeutete es die Kroberung^-elheijgrosGen Machtstel- 
lung, die es jener entrissen, oder war es vielmehr ein }^]nde, 



^/ 



ZI 



ein letzter VersucrL^mit den der alten Herrschaft erborgten Ivlit4« 
teln^^sich noch eine 'Veile zu beha,upten, nachdem der Jeist der 
Freiheit und äxr Initiative ,2isnsx deia es seinen Aufstieg ver- 
dankte, langst aus ihm gev/i^chen ?;ar? - Wie bezc.ichnend zum Bei- 
spiel war das ^Vort ^Vittschaftsspionage, gefährlich und ächtend, 
wie einst Vaterlandsv rrat. .. Jedenfalls er, Rudolf von Gartenber, 
vor dem Krieg österreichischer Konsularagent in Kairo, im Kriege 






/t 



ms 



Offizier der Armee Dschemal-^aschas in Syrien und jetzt mit 
acKk±5tn±KXKxxJopc vierundvierzig mublierter Herr und xxxxKrsjLäioi 
stellungsloser Europäer in drei Zim:iern einer Mets±:aserne des 
Berliner '^^estens stand diesem neuen Zeitalter, diesem Jahr/ 
einer unchristlichen Zeitrechnung zwar mit gespannter Keugier, 
doch nicht ohne ein gewisses Kis^trauen gegenüber, das zu uberwin 
den er sich z^'ang. Uffi^^tf^^^ii^ i^eisen und die entscheidenden Lehr- 
jähre im Orient, immer in einer At^aosphaere ,die ihm Welt-und 
Menschen3^enntniss mannigfaltiger Art vermittelte, nicht zuletzt 
gewisse unverlierbare Eigenschaften seiner Kasse toK±rx:tKR iies- 
sen ihn^bei aller inneren Teilnahme an dem i3ewegenden der ^eit 
ihren Schlagworten gegenüber prüfenden Geist und Unerschütterlich 
keit bewahren.Sr lehnte es ab, sich zwischen ein Sntweder-^der ein 
kleraien zu lassen, die beide keine giltigen Übungen waren.^lr lur 
sein Teil v/usste aus irgend einer inneren lirfahrung,dass Zersto- 
runf:en von dem Umfang, wie sie seine Generation erlebt hatte, nicht 
von dieser und auch nicht von der folgenden bewältigt wtrden, 
und dass selbst die erkannten Aufgaben der Zeit erst in weiterer 
Zukunft XHH anderen J'enschen zur Lusung vorbehalten blieben, und 



3 



^Z 



\ 



sehr -ahrscheinlich in einem Sinne, der dem Geiste, der sie heute 
stellte, unerreichbar hleihen rausste.Was nicht hinderte, dass ito 



ggine geistigfc" Leidenschaft, 



menschliche Verpflichtung, die 



sich durch keine betriebsainkei t verriet, ihn ständig anspornte, 
etwas von diesem ueheimnis der Zulcunit zu erraten.Kein Vmnder al- 
so, dass er für den Rest seines eigenen Lehens, für sich seihst mit 
diesem schv;ani:enden Zustand zu rechnen sich gewöhnt hatte, in 
v.'elchera er, seit er V.'ien verlassen, lebte, y/enngleich er als tatige 
ger HH l.:ensch und disziplinierter Europäer auch nichts unterliess^ 
um hei gebotener Gelegenheit in stabilere Vorhaltnisse zu gefe n^ 



gen. 



Boch im Augenblick bov;egte ihn ^7enicer das Scheitern der 



n Ritus festgehalten hatte, war dem 



wochenlangen V rhandlung,als die iTachricht vom Tode seines Gross- 
vaters.T?r hatte im letzten Kriegsjahr / in der argheimgesuchten 
kleinen Stadt in Polen den damals fast achtzigjährigen Jw4^ 
noch gesehen und erinnerte sich ihres Gesprächs miteinander.Der 
kaum gebeugte, grosse, dürre Grei^dcr ^^chrirgelehrte.der sein l^n- 

gas Leben streng am j«i 

schon in seiner Jugend zum Katholizismus übergetretenen Enkel 

in der vertragenen Soldatenunif orra mit grossväterlicher Güte, ja 

n^ ) 

mit Zärtlichkeit begegnet. "Bri/g ihm was Guts, traktier ihn mit Xk 

Wein','hatte er mit zitterndem Eifer seine Dienerin angespornt, 
"tausende Meilen ist er gefahren durch Meere und Wüsten. In unse- 
rem heiligen Land hat er gegen die Moabiter gekämpf t, mein Enkel".^ 
BS nützte nichts, ihn über den türkischen Zusam^.enbruch in Palasti- 
na, den General Allenby und die Balfour -Deklaration aufzuklären. 



' ^' 



<^ ö 



Ss machte ihm ofienlDar keinen Eindruck. Er schwieg dazu, stellte / 
auch keine Fragen.Aber von Russland sprach cr:"Gros5er Frevel c>e- 
schieht in d esein lieich und noch grosserer v/ird ihm folgen. Aber 
den Caesar und die seinen hat Gott verworfen für alle Zeiten". 
Und am Ahend vor Rudolfs Abreise - e}/konntc nur einen Tag bleiben 



./ 



- liess er ihm ^ 



<r^xj 






fr eine Mahlzeit rüsten, So-ss am Tisdi in seiR 



nem Lehnstuhl und sah ihm mit freundlichen iSlicken beim Essen zu. 
Er selbst g'-noss nichts am Abend. "Iss und trink, stärke dich, denn 
du hast noch grosse Mühsahl vor dir, "sprach er ihju zu.v;iu einem 
Kind\Kein 'A'ort der Klage über die plötzliche Verarmung, den Tod 
mancher Jungen in der Familie, über die Wegführung oder Internie*' 
rung anderer, deren Aufenthalt man nicht einmal kannte. Aus dem 
it;enigen,das er sprach, erriet Rudolf, dass der Greis, der in den 
Nächten kaum noch schlief , über die Weltereignisse sann und sie 
in seiner Weise deutete. In seinen fast erloschenen, tief liegenden 
kleinen grauen Augen unter den schneev/eissen Bogen der Brauen 
glonraen winzige Fünlcchen auf ,7;enji er sprach. Die hohe , brüchige 
Stimme sank plötzlich zu einem kaum vernehmbaren Flüstern. '*Gott 
will sein Volk auf einen neuen 7/eg bringen, von allen Enden sei- 
ner Zerstreuung hat Er es m Bewegung gesetzt... Es soll nicht 
mehr in seinen Zelten blc Ibcn, sondern um seines heiligen Naii ens 
willen in die Welt gehes,zu einem neuen Licht... Wer kann sei- 
nen Ratschluss erfor schenk*" 

An diese Worte, die er behalten, weil sie ihn sonderba** 

rerweise bis zu Tränen gerührt hat uen,musGte Rudolf jetzt denken. 

nich^t—- ' n <1 

Was lag -alles dazwischen/' Die wilden„>tinsteren Tage des Rückzugs, 



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fcl^. 



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c^^tfi^-^ 



V 



Mühselige, undankbare Arbeit bei der Ablesung der alten Auslands^' 
funktion^ärc danach. Einige falsche Wichtigkeit in xvon^.issionen, 
Konferenzen des Äusaniaengeschruinpf ten Oesterreich.Das let.:te Deba- 
cJ^l m St.Gerrtiain,bei dem er zugegen wr.r. Vielleicht wäre bei 
etwas tedir Ifeiguns zu partel liohTv /Be triebsamkeit ein bequemer 
Auslandsposten zu erlangen gewesen. Kr verzichtete. Das war nicht 
Oesterreich mehr, sondernein/ von allen seinen lebendigen Funktio^^ 
ft«<>npu t ^ t^r^t^^^^ifTe i n e hässliche kleine ilissceburt ,die xinani 
winselnd neben dem ^^lerschmetterten Riesen Deutschland dalag. Er 
hatte damals bei all seiner politischen Erfahrung zuweilen richti 
ge halluzinatorische ßilder von einem feierlich symbolischen Frie- 
densakt, einem grossen historischen Akt unter der Beteiligung atiix 
aller Vollcer.der die HahKÜrcuiiäxJteiEgKiiaixäitx europaischeste;! d 
deutsche;^ Grossstadt Wien in ihrer Bedeutung zu erhalten garantie/C- 
te und auf eine neue Vveise begründete. Törichte Vorstellung! Er H 
verstand es schliesslich sehr wohl,dass die mit soviel neuem Rede- 
Schwung und Trom^neli^^ in Jetrieb gesetzten neuen Staaten sich 
keinen Vorteil des' alten Staatsrechts und der Gevalt entgehen las- 
sen wollten.Er hatte '.Viens finsterste Tage miterlebt. Doch dann er- 
trug er es nicht ,d«'zubl.. iben und die Gemeinde der tatlos Klagende^ 
zu vermehren oder in den alten Zirkeln mit neuem Witz und wieder- 
..rwachtem Appetit Anmut und Trauer des oesterreichischen Barock/ 
zu repräsentieren.Die Arbeiterführer aber waren verdiente alte K 
Funktionäre, die dem f rühcren"Diplomaten%der dazu mit einer aben- 
teuerlichen ;riegslaufbahn im Orient uelastet war, rais st .aut^.n, ob- 
gleich ihn mit den Geistigen der Jartei aus sein^^n Studienjahren 



b 



2^ 



mancherlei JBeziehungen v* rbanclen.Sr fühlte nur den Ssk Leerlaul 
eines grossen staatlichen Apparats, den iNiieder_.ang ein^r .<eltstaät 
die aus dem Weltzusaoäenhans herausgefallen -«.''arjund sah die Zeit 
voraus, da die Hausmeister ,die klr in^n Geschäftsleute, iCaplane, 
Vi/otananbeter aus der Steiermark und tiroler jiiedermänner gemein- 
sam gegen den v; rhassten Geist der Stadt wüten v/ürden.Hier v-ar 
kein Platz für ihn. 

Mit der ihjn eigenen o(^lbetironie,iaev/ährte Abwehr gegen un- 
nötige Gemütsbewegungen, dachte er:der Alte rollte unter dem ksjim 
Afipckt seiner neuen Geschichtsphilophie meinen Abfall oflenbar 
garnicht gelten lassen^^ls Same Jax-:obs also bin audi ich von der 



Hand r,er Vorsehung unter dieses Volk von :.erlin gestreut Vvorden../ 
Ihm war es recht. Die neuen Lichtbringer /sahen allerdings iw-B^ 



manchmal recht seltsam aus... Er wollte ja, weiss Gott, nicht -er- 
ne nur den Betrachter hier spiclen^ieid 



er blieb ihm imi^er v/ieder 



zuviel Llusse dafür übrig... 



Es kloof te.::olly ,das Hausmädchen, geschminkt , -^'epudert , in 

h 
Pläubchen und tadellosen LL.choChi^^^lien trippelte eilig herein und 

stellte mit einem energischen Ruck den Telefonapparat vor ihm hin. 
"Eine Dame%sa^te sie mit herausfordernder D^;i..i-i>tijn. ' 
"^r nickt e,na}im gi^i-ij:ihgiXt4^- den HOrer in die Hand.liolly 
kniff die L : p^.en zusamj..en und r}egann langsam das Geschirr vom 
Frühstückstisch abzuräumr n. Ihr/ an Filmen und Romanen aus i±lu.s:±: 
illustrierten Zeitungen gebildeter Geist wurde von diesem Iiiieter 
besonders lebhaft in Bewegung gesetzt. Er ^^'ar unstr itig ein feine/^ 
Herr, Generalkonsul oder sov/as,man sagte auch iierr von und Doktor 
zu ih.u,und \.;en:i er C:.qxi Frack anhatte, konnte xxs er richtig wie K 



? 



^& 



M1»**t^ 



A 




V eiclt 
SxJt aus:-:ehen und war ?iini.ilisch vornel'irn. Jetzt v.'ieder in der 

verschossenen Unii oriabl^usc lai-^-dreifi-hocheseöci'ilossenen ivTa^en, die 

er zuhause trug, mit dem über die Schläien ^'Ib.tt he.rab,_,ekamLiten 

ttngügrauten Hac.ren sah er im Profil direkt v;ie Bascermann in 

"Zwei Seelen'*aus. Sie schnupoerte.Es duftete immer nach Eau de Co- 

logne und noch v;as Peinem um ihn. Aber ihre aur dem ITirgendv/o der 

Romane geschäpfte Weltkenntnis v;urde andererseits an ihm irre. 

Sie beobachtete durch die ^'enster des vordem Salons, wie er zu- 

v;eilen in einem grossen Auto abgeholt vmrde.Er vmrde auch viel 2tx 

angerufen, Leute ka^.ien und gingen, aber m.it wem er vermehrte, was jf 

fdr Verhältnisse er hatte, das konnte sie nie herauskriegen. Er 
// 

mus^ite es dick hinter &en Ohren haben. Meist sass er zuhause und 
klap^.erte uf der Schreibmaschine. Eimal hatte sie sogar einen Vor-] 
trag imi Radio von ihjn gehört. '^^r handelte von ir^,endwelch .n i^un- 
den oder --airdgv^'ie er sie später aufklarte, als sie ihn danach X 
f ragt e,^.enn sie war nicht schüchtern oder a,uf den I.iund geiallenf 
durchaus nicht. Sie riskierte schon eine Lip^e und mehr.Er war ja 
auch garnicht eingebildet oder patzig - im Gegenteil,höf lich,so 
abscheulich höflich, dass es Einem kalt den itücken herunterlief- 
e^kelhaf ti^igentlich müsste sie ja jetzt aus dem Ziraiiier gehen, 
denn sie wusste wohl ,was sich schickte. . .Das sah ihm wieder ganz 
ähnlich,v/io er dastand und ihr den Rücken zukehrte, als mache er 
sich nicht das Geringste daraus,das.'L5 sie das Gespräch mit anhörte. 
Fast wäre es ihr schon lieber gewv.sen,er hatte sie direkt hinaus- 
gefichickt. 

"Warum ich nicht cTi gerufen habe?. . . Zv;eimal?. . . ich eiss 
von nichts. . .Bitte, mit wem spreche icyi?...Wie? ...Mx» M-i e?,,^ 
Mie?...Ach so,.7rauloin Riegler aus '.7ien...Ja gewiss, ich k^nne 



27 



/ 





■^ 



Ihren Vater« . ^i^itte vi-.l2äal3 w.x ::nt^cY}uldic^ng...jZin airiei? In 
Ihrer Ane^elegehhcit.. . idchtiG* . .^-ii^en Augenblick '^..I::r suchte un- 
ter den Briefen auf dem Ti3Ch,fand und durchflog ihn hastig« "Ja, 
ja, ich bin unterrichtet »aber i^.rn,ich stehe ihn- n zur Verfügung;* • 
Bitte, wann oio v/ollen«..In einer Stunde? aev.iss, v;enn es so drin- 
gend ist,,." 

Molly zog cnttauöcht ab, doch fest üntGChlosi3en,öich diese 
Mie etv»as gt.nauur anzusehen^r^artenbv. rg durchflog wieder den :)rief 
Mie,Lie etcrt^. . . .'Uns dieser energischen iirls, sicherlich ,die 
stolz auf eine 3elbstandic^«ei t von l^-^O Mark im .lonat ihre Fami- 
lien tvr'.ni.isieren und luit grossem y.rfolg die Ruhelosigkeit der 
.;nännlichen :ovolk rung der xrosrtadte f .irdernf.Di(: taglich die 
}■ ilmatelicrG belagern, die neubuot < ebt^-n v^zschulen und die ver- 
lockenden *:ugasins lait /vktbildern füllen und in den neuen Auto- 
marken llel^l^u:^ ji fal-xrcn.Oit erfreulich szizy.^^.hcn , allerdings. 
^;chrieb dt- nicht neuliOi ein J rof es:>or; ^Aarnend vor einem herauf- 
kjm enden utriarchat, einer 3ynokratie^ j^ojiische Leute manchmal, 
diese Deutschen im fteich.Pei 'j In r zu («reivierteln fast prole- 
tariöierten ^evjlkt rung,mit eine/u steigenden v/eiblichen Geburten- 
überschuss erh ben si>; plötzlich die amerikanische Luxusfrau zum 
v.e blichen Vorbild. . .Und tüchtig/ i- sie nun einmal sind propa- 
gieren sie auch gleich diesen Luxus für t4lJ-ö*»*^^^^ö--'^^^^^^» • • 

.eich ein schvungvollLr Optimis/iusl ♦..Prof essor Liegler. .#reiner 

^^Auch_Gin il9.ui3 im Nied^erganj^.-; . t 

kultivierter Lc-nn, bestes Oestorreich^TT^ eriiiucrte sich an^hre 



1 



gemeinsame Cxcursion nach der merkwürdigen Lumenstadt Petra^.^ 
die ihn zu se non Studien über römische Soldatensif delungen in 
Syrien angeregt hatre^wovon dc:r beste Teil sein in Damaskus veri 
lebtey Urlaub war. )^ 



z? 



Ja ,der rief .also, "in ekannter ijchrie'o.er wls.e , .Irirtenberg 
untorhiclto gute .Seziehunöea zu .3onhardt,Ier die grossen .CostÜiü- 
und DehorationawcrkGLutien der DeV.o A. 3. leitest j ob er Fräulein 
KißGlr.r.ÄS -ochter des auch V.m v.ohn-ekannten rrofessors.die in 
Berlin un eine D.lbstundise :^xi3tün^ ber.üht if,t,da2U vurheJ.l«n 
kJnncin eiauiu der Atoliors dieses Untern«h..ens unierzukoar.,.cny- 
Na,und no -.vcit.ir.dub Uebliche... Jeziehungen! . .Das war auch 3ü ^ 
ein nachdenklichem üipitel im Lebten dieser otadt.:;eine guten vis 
Ber.iehunxen zu oonhi^rdt zum -eibpiel bes Landen darin.daso er .3on~ 



hardts erster "ruu 'in 'ihi'em 3ch.. : dungaprozes» beigestanden und ih- 
ren Ansprachen ,^ejen den zähen Ilann zur 3eltunc; verholfen hatte. 
Im Uebri-en,-.varum nicht.auch lau war «ino ieziehun.i.Ea gab hier 
eine ven.d^venart.die .ifii--*iiTii -Uvon lebte, das- sie mit ir,-end 
einem .lamen.der .cerade Jeltun^ Hatte , in Verbinduns gebracht xvui= 



de,. 



Er f-J-nd uat.^r den ..rieien eine 1 i^gere Zuschrilt der Soaelf 



Schaft für den Vordem Orient, die ihn aufl'orderte an eia-^r 
Knquete ab- r die nationalen Unsiedelunüen teilzunehraen..atten in 
seine Ueberle-ungen darüber und früher .als er sie err/artete ^ 
erschien "de, von iolly mit bedeutungsvollen Blicken angemeldet. 



's 



. i 



ZI 



Bevor er sie noch zum Sitzen auffordern könnt e^Toegü^m Mie 
mit einer -ntßchulrlie'ung,es handle sich garnicht laehr u;u .DoaLardv 
" ••• "-G war unbedacht voi. rairiB^ictCh F,ie übersturiit und & 
&c]iv;ang einen :jelb n Ilandsdi uli in der LuftSwas v erden Sie von p^ 
mir denken? "Rs int eiri 'onat her,dao8lch hi^.t »Ihnen zu GCliif^.iben 
• .•gi:*,s lait Jonhard iöo IüiIc^öl nicht laehr akLue.ll.Ich war dort und 
"bin schon wieder ausgetreten." 

Sie setzte ? lch,nestel .tj an ihrem hellen Jac:;ett,-rohei 
eine v/eisse Ilelke aus dem Anopfloch auf den -er)x)ich i'iel./^eide 
bückten sich danach. 

"Behalten Sie sie", sagte si(#,Hlö er sie ilir reichte. 

Sie hiitte ein von der "^ r.-nche des '"ruhlir.i^s vormittags x» 
zart c^^rötetes C^esi cht, einen /rinJ.lichen :=und,nur die Augen blick- 
ten starr, vorrieten r'chl<.flosii';keit«:]r d.:^chto,vie dringlich sie 
ihren iesuch angelxlndigt hatte,Y;i,rte . e höflich. Der erste ..ändruc^] 
schien seine Vorein-jenorjij .enheit bestatii;:-n zu wollen. Aber die un- 
gewöhnliche ;ch^nheit ,die reinen Linien des jIkke}!: Oesichts aber- 
raschten ihn^und eine gewisse hilligkelt der "Uec;anz,die nicht 
heraus forderiiÄVviriiaelir anzeigte, dass man ^e2Y/unii;en war auf Je- 
diec^enheit zu verzichten, wirkte eher rührend. ^]r versuchte ihr 
durch ^ra^en nach den Altern, nach Vi<.n über die sichtliche Ver- 
le,?:enheit hinwegzuhelfen, doch sie antv/ortete kurz, sah ihn i^bei 
aufmerksam an und schütteltfi den iopf. 

"Ach, das interessiert Sie ja garnicht» "rief sie plotlich 
und etwas ungeduldi-:," vielmehr inich nicht. i^^ein, es geht nicht." 

Sie sprang auf. 



/> 



t 



So 



"Hac^ ,11--,- i'^^ ^^■' ^ It rn üb-r Sie h rte,eD wurde ^ 

üfl: vcm ihne;i -ochcn, ^-^'^^ icV '-i-^ r e^nen altin Herrn untt^r 

Thnen vorcostel 1 1. . . ' ist -eyriBF dunm,dann ich inir ;.enechen,die 
vor dem 'riec: schon cr^rdiren ^^-ren, nicht ^mdorj? alB alt denken 

k-:nii.->-'*-^f^^ -^-^t d>i3 T^cclirnoxemprl doch v:iri:lir:h einfach. Aber Äi^ 



11 



• • • 



r3lnd j.:.. Ju>i:^ 

3ie sah ihn nit offenc^ >?trunen an. 

rt'A,.,^ v-- -i-^-v T,-t53tr5 anc^i,^"- n ich h'' ■ v von Bekannt^.n her 

■ :)r.c"^cn Uld|d'%s • ch ''ir .^enacht habe« Und nun steh ich 



te,^u d.^r 



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jl.V ;u.^np 



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i .-^ n^r^t ■^'".T.cn VoroLellunti;eu 



^^ntni>rec'^ic,rchbin unri -cnn nur an f^-.Ut..e J^jJrir'? jän^e*»^ «.!-> ».^iX' 
-'ni^.r- v-.:-c5 id rji^ri^ s^ (--^c>'^t^ r-rn^ d^-T^'-n? ^ I ch hof^^e nichtt "lenkte 
er F.chcri^^^n"''. ^^ir\,3l- -r l'-rer • .lo-cn :^licV sah,"da30 Sie g— 
hoi-u-en üi;v ,ein^^n ^Uflon'^n ^Ir- ' r- -Mo.;^nr'MT'^>on,und erochrosken isUui 
-:\nnr\ 7,\\ ■ inden,d )r eich z\xt oh"^-* E^etzen hann, ':oniaen oi3,aet^ua 
3iu sich 771 cde;* und n-?:: hlcn '••^^". 

r.^.. 1 i nr • 'Tich in 'en -ccnel zur ick^p.llenjnchloGa die iv'.x- 



./"jn. 



ch hin üo /^i de" 



^r -.tnllt-: noh i -• r.rJ Cosmic , vi nturi t3,Zigarett(?n vor sie 

hInjgoB- ih-^ ein, Sic nippte folr.^ar^ ,entfloan^t. 

"3chinahlich,"3a,ne sie nach einem lanj^n ^oh^v«i^eri,"0o ^ 
gar keine ':aente zu haben.IIier," o jedes :^ldc^'>nn etwas kam''. 

"^7as haben 3ie ^^jrsuch?" 

Hier schien etv;as ^"ohlcosründetes aus dem aleichuSwicht 

(geraten zu sein. Seine Lebensneugler erdachte, violleicht fand er 
das richtige ntichwon.. 



3 



II 



"Lauter Dinge, an die ich nie ^^rAtxcYit habe. . .Theater, Privat- 

sekretärinpiilainenbinderin,Zeichn^ rin. ••" . 

"Theater? ■ o?" 

("Ich Idhlte mich so wohlit2uei*Gt,wie ich hierher kain.-üiS v/ar 



• • • 



ein so netleA Bcliwung untur diesen jungen Leuten, wissen Sie 
Wunderbare :ie8präche bis tief in die Nacht, Liber Alles , worüber i<m 
man früher kaum nachgedacht huLLe^ J'wWTIS^ElMyy ' ^g^tt'-^ --^ ^^^^Wlgj^n ; 

c .••Kfir machten auch neue minicche]^ Versuche zu 



echten Nigcerplatlen. • .alles unjezwungen und .«f xaraeradachaf tlicb,^ 
Dann l<.im. Faclcler,er ist :Aalor, Tänzer, Jün;'^lcjur und Theosoph^auf 
dio Idee das Theater der reinen .ev/c^ung zu gründen. Alle machten 
natürlich bv^geiatert lait.Ko feinden si h auch bald Leute, die einen 
Saal in [.ichtorlelde zur VorfdoUni^ stellten. Ich ^:ollte in dem 
Stuck einen Jun^^en Häuptling von der Südsee spielen.Auf den Pro- 
ben ging 



prächtig; jeder iiaprovisiorte ,v/ie es k ihm einfiel 
Ich hat-e iaanc?iiAal ein so beglückendes GefLüil,al3 könnte ich cJü 
Tav'e die Sterne sehan.Da kam oimaal ein dicker , kugelrunder :j^na 
auf die Probe, Tppler hie»s er, er ist ;:ritiker,gibt eine /leits^JiiO? 
Schrift heraus. ..er schnaufte und schwitzte fürchterlich, sass im 
Hemd mit komisch g^;kreuzten nobunträgcrn neben dem i^egisseur.ä:^ 
Plötzlich sprctng er auf, schlug mit d<- r 'Uuct aufs Pult und brüll- 
te :Aus! Schluss! Ich denk nicht drantdas Geld der Aktionäre zura / 

Fenst r hinauszuv^tjrfen! ■ enn schon 7}ieater,denn Theater! Kt jeht ^ 

daVj 
auch ohne reine Bewejung! Und det Trollein ktKE/Samlt meinte 

er michi'ist ja ein janz ein hibsches Ilachen, aber Yon die Spiftlli- 

stick hat s^ke. nen Dunst. ••"Und so noch eine ganz« Weile. ••Jann 

war eine Sitzung-, ja - und dann war es aus.^" 



>^ 



"ht 



Während sl« sprach oder vielmehr asisrte, zuckten reine , 

W IQ j 

sanfte Licliter lihev ihre b^'-egten ZUge.I-s vrar (elH^Tl eichte/ Ver- 

klr'run>- de^ verlorenen Illvisiontaber kein bedauern« 
^ fuhr/ 15 ie j'ort 

":^]8 wurde ein ^-'andertheater, ÄftJdCÄXXXx±K,"a"ber die Kolle^^en 

selbst fanden mich jetzt zu konventinell.'* 

"Und da ginjen Bie..." üchlo^s or fiir sie. 

Sie nickte. 

^'Finden Sif er ßchlimr^. , ^kam es zögernd und beschämt, "dt,of5 
ich^'s nicht ^-eiter versuchte? ?at ochule und Technik? Ks fehlte^ 
nicht an -ut^n T^atschläß^ n.Aber ich veiüo,ich habe kein Talents 

■^^.r vorGUohte, den aed'm:'.en,der sich hinter der Fratze verbal^ 
zu erraten, .c verlohnt sich, dachte er. 

*'rreillch,v7er lebt, der braucht kein Talent, '»meinte er. 
»Talent hei3.jt oft nichts anderes, als Verzicht auf Alles,mit Aus^ 
nähme dies s einen. Tal' nt ist Schicksal 

"Aber niemand lehrt öinen auch leben, '^unterbrach sie er- 
regt," ersetzt man hätte dazu Talent. ..es ist zu gemein... 

Aus seiner .'^rt zuzuhören^.kam ihr so viel Sympathie entge« 
gen ,das3 sie s jlbstvercesoen fortfuhr: 
"Hören Ue weit r. •• 

Also ,unt r den Aktionären jenes ineaters habe sich ein 
«Iterer Mann gefunden, gepflegt ,von guien Ilani ren,.)iräktor 
eines lextilverks irgendwo in >achsen.^:r ^tl ^ legentlich auch zi 
den Unterlialtungen der jungen Leute gekomi.en und habe auch laan- 
che von ihnen zu sich eingeladen.].^ fand ihn nett und harmlos^ 
ganz b^ 8onders,v/eil er nie den Haeen herauskehrte.Als er eines 



3- 



tt 



^5 



^ 




Abends h.rte,da8S Mie die Trupi^a verla3^3e,habe er sich zu ihr i^e- 

setzt, sie t^efragt ,was sie vorhdte. Sie sa^te,sie masste j».tzt 

wohl etv/aa Prcdctisches unterneh-äen, lerne Schreibiiiachine,3tenoga*' 

13 rief 
t^raphie.j^urz darauf k:^JftKXXxsxKXHSK erhielt aie einen Jüddc von ihm 

in welchem er kaufmanni^iCh höflich, .tocJc xiOK um die Erlaubnis bat. 



■f Ar 



sie zum Escen in ein Restaurant in der Stadt einzuladjsn, ^r v.olio 
bei dieser ioletienheit mit ihr aber ihre weiteren ixlMuiout iiT s_^;re- 
chen, vielleicht ctuch f^tv/as nützliches vort3Chla^en«oie habe zugeA- 
sagt,es sei ihr se^ir ii^QX^ii^xi CGi^omJ:ien« A'älirend des I^ssens ,bei dan 
er guten reschiTiack und TiUK:t bewies - er bestellte keinen franzö- 
sischen ^:;ekt und keine LeckerbiSüen - sei er »ach einigen kurzen 
Fragen nach ihren oprachkün>itnlsoen auf aeinea Verschlag gekomiien^ ' 
ob sie if^^-^MÖA^M als Sekretärin zu ihiü eintreten v.olle;i,e8? ert^ebe 
ö ch zufällig eine Vc^^kanz.Lr ntumte die :.edingungen,sie waren 
nicht übertrieben yifSnt i tj^ "3ie v/erden,^ -enn Sie annehmen, habe er 
sie ermuntert, gleich Crelegenhcit haoen ,eine schJne Pieise zu lüa- 
chen, bevor Sie in den Lureautrott heruinkouüaen. Indes jen sehen v;ir 
wie wir miteinander auokoininen« *' j)iu rveise sollte er^t nach i^eigi- 
en,iiolland,dan/i den Khein hinauf nach der Schweiz und Italien ^ßnk 

♦*Ich -war begeiötert**'i«lie hatte in JUfer der .-.rzählung ihren 
Hut abgenom en und aufs iiie gesetzt, sie war ganz ?»ariu» '^Vasser/ 
den Ferienreisen mit den TOltern kannte ich ja nichts von der .Veit,. 
Ich sagte zu« :^r blieb gemessen, Sftgte mir, was ich zu tun haben -ej^ 
de, Ja xaachte mich sogar darauf aufmerksam, das c> es in Berlin natiir- 
lieh anstrengender sein v.l|rde»Ic?i fand das besonders anstandig« 



Eine ' oche spater reisten wir abwich lernte Brüsselt Antvierp^^» 



^ 



^v- 



.'\m3terdara kcnnenfdic Arbeit ging prograuir.iiCsij vor Gich.Nach dem 



Prühsticii 



•i-?t ^a"b es j?oot,Tolegrajrü..e,airiei"'e,r:Uch Telefcnge«, 



spräche lait Lerl in, nachher zuweilen eine .oni eron^,bei der ich m^ 
mit Stenographitiren muscte.ich nkiChte das v ohl noch nicht sehi- a 
geschickt, *dt?7r^( oft/kam \s) Torfdass ich 60 nc.chher nt^ch dem Jiktat 
des Ghci's neu tichreiben rausbte.r.r v.ar dabei geduldig und unyer^.sp 
drosi^en.IIcLchiiüt ^ag3 c^^ «s nur -^u tun,^,nn bis fünf l^ir etwas 
.Drin£;enaea vorlai^- oder Verträ£,e zu ychreiben Y;aren.7;ir nahmen 
die Liahlzeiteu rseriieinsam in liotel,v.enii der JireJctor nioi t eini^^elc 
deci war,una ui: ergab sich daraus fast von selbst, daao wir am Aba) 



ein Thc-atcr/t^n vinc 



be- 



suchten« Ich cjebe zu, es \:3.t nicUt iiiiiner aehr kurzv.eilig,abcr ich 
hielt es nicht für passend abzuL-lmen» . •freilich, lialte ich rnanch- 
nal vorgezogen allein zu bleiben oder in dieser fremden Veit nach 
Gefallen ^i^pimn • \flmimimi^mm^. Vber im Gründe hatte ich mich ja nicht 
zu bejila(^'en,biö auf die unversclicaxite DiskrctJp der Xellnsr in ton 
Koteis, die läir Ldiunclnaal auf die AerYen ging^Mein Chef blieb stets: 
gleichmässi^^j korrekt »hoflicri, betont höflich, wenn ich mich am Aben^ 
von ihm verabk?chiedete« J^r konnte aber auch XfldbCKxabCKir. nett und ^ 
aufmerksam sein»--lr führte .mich «ö^ in die Strassen mit ele^*antan 
Lud n und urriet vor den afeüiksufl lockenden Schaufenstern ]«B*^är"v;as 




mir gef Lei. **Seien Gie doch nicht kleinlich, hiess es, wenn ich 
etwas für mich zu teuer fand,'*3ie haben doch ausser Ihrem Gehalt 
noch die Reisezulage und können sich's lcisten!f^ir rechnen dann 



schon ab.*^^ .-. 



H 



J ex. 



ndien Sie ihn niclit liebensx^ürdig? "Unterbrach Jai' 



tenberg 



3^ 



'•Liebens\YÜrdig?/Ieinl '.'r genoso die /oinehmli chice it<d es Le- 
bens wie /.in:r,deia es far seiac Tüchtigkeit 3o cebührt^nr hatte 
wohl 30 eino rt komischer Ordnuria drin,^as alles nach einander 
an die; f^i^=t^ ico^araen sollte, stelle/ ich mir vor. 0, er v/ar tachtigf 



- ziJUTi ■ lirchtenl ' en.: er in die Arbeit vertieft ^^'^n Untorl^iefer 
^iiaxiz^n lies:», und die Augen leer durch die arille starrten, sah er 
büß aus .Und alt.Alt »wissen 3ie , vsi3iS5i^=*^^ und (Uerig.ITicht s^^a^n 

jedenrallö." 

•*Aber er beldotigte 3ie doch nicht?'' 

"Ifeintgc-irnicht.iio si^ic^ J^^-^l^r gut ,blo 7;ir nach Zürich iCötiSÄ 
kf:J!ien.Viol arouit c^ab eö da nloht.r^s war herrliches Soiii .erweb ter# 
Der 3ee,die Lichter. ••AbendF' vurde im Iiotel cetani^t. .vir passen in 
der Hall »als ein junger Alensch iiüch auTf ord^rt'^.V.'i:- tanzten, xch 
machte dann mit ihin einen lans durch '^^w Garten, der in einer V.ol- 
3ce von Dult stand. ::.e war ein Ital i.en.:r, ein hübscher Junge.Er e^» 
spr..ch,ich hJruC kaum ^.aG...Ich Juhlte auf oiniial meine ..bhan^jig- 

:„..,.:> ..«.=^„..... .... ... 3„n ... ,....,. .uc. 

lÄit einem Lachcln,aas ich an ihun nicht kannte, lud der Direktor i^ 
meinen ".ealeiter ein, ein Trla^ .<..iL uns 2u Lrinken.Der schien etwa$ 
betreten, trank einen 'ichluck und entfernte sich mit einer Verbeu- 
gunc.^-b'S steht l\\x\<^n zu ^•ut,vcnn 3ic ver^-nügt sind',sagte mein 
Chef, und fuhr-'.iit der üand leidit über meinen iirm^'trinken Sie und 
amüsieren 3ic sich".3ein ^esicht war rot, er schien in b-ste/t, ''a^^| 
•♦ich b^ehe jotzt , sagte er etwas spater,±Ktocr^ta£x;yjifcx bltilcn Sie 
nur,\venn es Ihnen Spaas macht, .iber nicht zu cpätl'lch ?'ar il'n: darJct 
bar,da8ö er mich allein Hess. Ich tanzte noch einigemale, kehrte 
an den Tisch zuruck,wo der Kellner eine neue ^'lasche bereitgesteL 



; 



3^ 



eifrig , 

und mir xkX±xx3^s:k einschenket. Ich trc.rJ<: noch ein Jlus allein, 

unueh ' jlich 
fühlte yuith ubijT plötzlich t^r^f^^x^rt und den C/n leren aet^enüber 

in t;inc;r lalcchen .: i tu:-, t i on*. ♦ " 

»*Wa3 mio.ifieil Ihnen denn?yrracte Gart noorg wieder* 
"J SS Si«. uui sich selbst anj^ti'wiesen waren? .)ie sagen doch, Sie 
warc3n IhiLi daniibu.r,daco er Sie allein lieso«^ 

"Ist hier e.n ".Videröpruchjso liegt es an iair, ck<aü ^ch 



v<A^tdLiidL ^eJu^ 




:i;t besv.er '^ 



• ••Vielleicht -r^re 05 



. ±Qh Scigte ja, es muss ge Lernt sei/t 
►i richti{^c;r (gewesen, ich 



hätte dem jun.i:,cn Italiener meine La^e iib'^irtrie oen und iiim den 3P5 
Kopi so heiss geinacht,danö er irich gleich mit sich a^ilxinVlo i n flt^ 
Cadillac stana vor der .Cur." 

*»Pas \.L.re jedenfalls eine Vereinfachung g^weseUf ••be- 
stätigte Gartenb^ rg und bliclite mit wachsendem V.ohlgeiallen auf 

seinen liscsX celtsamen Besuch» 

aber/ 
'•Ich te>i' v.usstc es nicht besseilund blieb auf Seiten 

der Ordnung.?ch überlegte, wie ich es >ittittatti«Mn^w«H$l' dt^^ 

das:- ich selbst aber meine Xr. Ireie Zeit verfuge una wie ich mich 

am besten ."ii r v zveideuxigen Gesellschaft entziehe ,ohne ihn 7.\x 



Tf:;rletzfcn/xch vurde hart uiid proupt dufur bestraft." 



hob 



ie ,die eine eile stili vor sich hin gebliCKt hatte, 
lctngsa;ü ihre braunen Aug^^n mit einem fragenden Ausdruck zu 



ih • era Gegenüber« 




,wie ein Mit verschwo- 



rener» 



"Als ich mit diesen Ge anken hinaufging und mein Zimiaer 
betrat, "fuhr Mie mit ges nkter otlmiue fort, "fand ich es erleuchte/ 



n 



ZJ 



^ 

^ 



in -.essel vor dem An^leidespicsel sasa mein Chef und l.s di. Zei- 
tun.^.^.:r h.tte .ich frisch r..iert und ein seidenes Pyjaou. .n,...o- 
pen.lch hlie. sprachlos in der Tür .tehen.zog al>er .ech^misch 
.en Vorhan, hinter :uir sorc^^ltiC -.lol^ -s. a.er doch/o-s «l. 
"guten Abend" ..murmelt haben.denn er .tand auf^rüo.te und sagt. 
«it der ih.. eigenen aelaseenh.it :"Ich ..eichte heute Hacht bei t^- 



lhn.n .l..h n.liehee Ilind. " xr .obten de ..icnixr war i^ .bei 
aber ein :orn,der von den :-u..c,.pit.en bis in die Haare .ich durclrj 
dran,-,hiel. .ich auf rocht.wo ich stand.' .™ hat er nie et.a. ge- 
.a,t?.aru.a nicht vie ein .I.nn un mich ,e.orb.n7 aiaubte er n>ic^ 
«ie e.ne -.au. hier ein5er..n,.n ..u haben? »aut »sagte ich .ohne ^^ 
.ich .u rühren,ob.ohl alle, an Mr zitterte.. uf de. Tisch da li.^ 

-, ^ .-.„Tf, ^.--hie-^en r>ie meinen ;jltern,da3s sxx 
gen Tel0Rraiai;iforniUlare.iele^rainic_en 

.^vi;r^ rl-ht ^v^e ich darauf kfun.aber wenn 
heiraten, "ich weiSG -viriaLCi ni-xil^.^.e i^..i , 

er jetzt läiene ^cht.eich an den Ticch zu setzten und zu schrei, 
dachte ich ,,e.u.u und unloei3*x wie in> Traum.dann väll ich ihan a« 
bitten.dass ich ihn in dieoe 3ituation gebracht hatte.. .und dan. 
!:.„. ich ..it ih. sprechen.... och er.i. '.e^riff sich nir zu nahex 
^l.eb darau. wie .^gevrur.elt stehen.zog die brauen hoch und piil 
g«ein durch die Zuhne :'• Hören -ie, sagte er mit gen^chter Strend 
und einen belustigten Auodruc. i. .esicht,Bi.. sind Ja eine gan. I 
gerissene Hochotaplerin,Klein. rie,wer hätte das gedacht?" loh 
gl.ube .er drohte mir so.ar rät den. Pinser.Und dann bedachtic.^ 
T^em er sich das Kinn rieb.:iun ja,es leostet i™.er,wenn n.an seinjd 
Partner unterschätzt..a.sch.>n.ich verdopple T.ren Gehalt.. .Zufil 
den?" ich konnte nicht antworten.sah Ihn nur an und schüttelte 
den Kouf.-ne denn also?-imurrte er un.illi3,doch i^.er noch b€| 
müht den ^cheln heiterer .l..une zu bev.ahren.Er streckte sich in 



10 



2? 



einen Hesf.el aur.jjnaclice init beiden -.unden eine einladende jiawegi;a-,. 

"Imn ^^nn ,venji ich cchon ^''-^riicht mitzähle, bitte, nennen Sie l^xr^ 

Bedlnöunc^en, die Verhr^ndlunjen sind er->frnet«" Da schlug es in mir 

um«')ioQe Voj-öteigeruno n iner an^j'-'blichen Tii:^"end durch einen frean 

den altern Tie.T rn in eineu Iiotel^J.iaMer npxh Mitternacht war doch 

unsa^Ocvr ..ominch - nicht? - Icli l?.chte»Er sah brise und lauernd i 

von dor Seite her auf mich, aber ich konnte mich nicht halten, ich 

lachte:"3ehen Cie d^iva nichtikonüte ich kaum hervorbrinjen,ne:c"r:'in 

Sie '\i:nci nic]it,Y;as Sie so teuer eroteif^ern wollen, ist ja garnici^c 

Vorhand^ nJT7r'denn?"-^^r lici3s den Unterkiefer hängen ,3cih mich jol: 

betiiiten ctn: Ich (lbJC\Ki^ für Ihre ScherzeViTiurmelte er bleich wnC.. 

stand auf , erklären oio nich. •• "/vber er v^artete >:^spr.icht, auf F.einc 

*» trat 

Jirklärung. I(Jh tKXt ßeitwarto von der Tdr ,vo ich imtner noch stand 

und schob ({^n Vorhang zurück« r ^ ta||!'-pJf te nit kurzen koraiöchen ;t:? _ 
Schritten, schv er atiaend,an liir vorbei, ohne mich t^nzusehen» Ich Jtx 
drückte ixif die iClinke und liecs ihn hinaus.lDann fiel ich auf's 
Bett» /m 'lor gen, v/fdirend ich mit e'nen üblen vxefühl im Halse noch 
beiiß rrdhstick 3ass,j::iia ein l^oy heraniresc?io3nen;der Herr Direktor 
iaoeje bi t « n,£^lei ch in da.3 Icleine Xonferenz/iiirii. r zu ihrn zu kom- 
men. In dei : lanrjen ddstern Kaum, der nach kaltem Zigarrenrauch roch 
sass er an de^i nagoiven Ti;jch,von ä^em die grdne Decke entfernt 



war, und sclirieb emsi^^^I^^s aonst feierlich ^vürdige Zimi.er ^war tirrr 
unaufßeräui.it,wü3t wie eine Ä« ITieaterdekoration am Ta^^e^Er sah 
flüchtig auf, als ich eintrat und sagte:"Packen Sie ,bitte,vvapjjen \ 
uni "artothe-v und lassen Sie es zum PortU^r herunterschaffen*" 
^ hl(/jtL JcA/* /ituo u/«>^ •^ Jayft» M,lLa ¥ »»lfc^ anz elend und verfallen zu Ilute.Wenn er i»--44rer-eiTr J 



^1 



39 






"^ 



in dleaem Au^enblic.^ v.rlan.t hätte, ich nolle Eimer und . oen hc, 
len und den -ussboden auf waschen, ich sltmhe ,ich hatte es ^eta.> 
Verstehen Sic dae? "Und nun 'vili ich Ihnen etv;as saßen.-raulein 

, i- * -«v, ^ir Miifcder in der Kand.in dc>n Jesse.l 
Riex'-ler - er lehnte oich.die , aiXieaer 4..1 ^ f 

zuriclc und 3.h nich etrenc .n - Sie rind ein Idiot.oin ^^nv•.hr*.>... 
.cheinlichor Idiot."Und Jetzt pracselte e. vrie ein Haccl .af ^icl| 
nieder;"- haben Sic oic>: oi.entlich sed:.cht?:.ahen 3ie schon 
einnal gehürt.daso man eine ;.nr.agerin,die nicht, kann Mt d.m 
Gehalt einer ersten -rcU t cn^..-gi^ro. cv. | 

ah.rhaupt? ich h..b Sie y. von der Strasse aul.elesen. ..Vas alc.1 
Wenn ich 3i. nach Ihren Leictun.-en honorieren sollte -Sie k.r..ner| 
ja kau,n orthographisch .chreilen.- so hätte ich Jetzt - in ^an. 
gehüri^reo Ciuthahen bei Ihnen., ber ich bin nohl r .Is Sie.Hier. 
Mtte!- .r .arf einige Scheine .uf den rioc'-."3agen Sie.danice iH| 
.chön" ich sasto sehor^ara -^.nlce«. "Und zum A^.chi d in.chte ioh 
I>.nen noch .inen ,^ten Y^. hinterlassenJsehen Sie d^aoen 3eruf 



aul'« Mb 



..erhez^in-Lcrin kon...en Sie nicht in -,eir.cht.:ieute 



R^.U," 



verlangt r...r Peel/ität auf jedeni aehi.t.'Mch ^lau^e.er hatte 
scMos. Me ihre T.-r.ählunc und blickte auf ihre Fu.ospi.zeu. 

..Jetzt oieht ..ie väe ein Schulruidchon aus.das aich einon 
Tadel zu H- rzen nirar.fidachte lartcmherg. 

ES klopfte.l.ioli.y k.an un:er irgend einem Vorwand.ma nach.u| 
BOhen,^var^un der besuch 00 1. n;:o hlieh.Als nie hin..us war.st.,nd 



Mie auf: 

"ich mss jetzt sehen.sonst schlaft sie mir das m.oh.t.| 

raal die Tir vor der Nase zu."Und dann nach einem raschen,ur.,;:re^. 

fenden ^lick durchs Zi....er.das ausser einigen erlesenen Stac^ 



i % 



• 4^ 



Ho 



die Gartenborf< gehür-uen,die dl)liche :.loblierung eines H\iTienziiü^!^rr 

: 'i e ro auiV» i ü c ^ ^i\ nz dcXi.ie nhaf t : 

'»Verseihea Sie, wenn ich m^ain ,nliep:en,mit dem ich h^irkriinfg 
garnicht urct VQr'brin^^*^'^^ ist GC'ion sonderbar, dass v;a3 die Leute 
Einem auch von ihren bebten ^'ekanntcn zu sa-Tcn wissen, niunu ^^^^^-^ 



stiiiiiLt^.'ilan ^jiJalilte lair \on Ihren augg- dehnten Arbeiten lür ^jewis- 



ü 



e >:inrichtunj-n des V/:>erbunds,f j.r die intern^rtionale parlarren. 



tarioche I.nion ,hier steht es in meinem Notizbuch, sonst hätte ich 
'•3 garnicht bi^hal ton.^ch habe mir einen t^^^ Diplomaten Vür,-^.Jö^- 



stellt, der einem ric'itigen u't vorsteht..." 

''hiiy^Sut injarjanävvo, lachte Gartenberg, "Der .ern des 
t^an/-.en /eredee, weil ich eine Zeitlang in einer 'inori täten- Koiii'ä?3-| 
sion ^eseocLn habe...':och \^enn ich Sie in dieser Ueaiehun^^ ent- 
täusche, sc kon.'xte ich doch vielleicht etwas für Sie tun.^=«lr 
i/i^Trtrt^ c s :• ^'h j^-^^jjjp^», . , ' r scheint übrigens ,Sie brauchten jetzt 
nicht 30 sel^r beschäf tigung als • uhe. .. .TiH-4^^S'-^^^ ^i- JSXJKk r-ir 



nur etwas Zeit«" 

Si schie n ihre Zcv gh-.i t und niederfc^egchla gen», 
^'lie dankt e jTr^d eh i eTTTe im Ah s ch i nd il:. r e'^waiTTe iünderhcmd 



eine ACile in rler seinen. 



':iut'is:.cte crl'viel Vill: ist heute im Aufbruch. Auch Sie, 



auch ich^V.ir sind arbeitslo.3r''eil ^^ ^^^ viel /.tjH^Um t i i,jt<r glbt> 

Ais sie ij:eßanjen \v..r,ea,^te ^r sichjdass der Ta^r gut ^eig 
begonnen h£»-tte. 



• • • • 



' 

• 4 



t^i 



^ 



VII 
Mie ist wieder sie selbst und noch etwas irjehr.jbin £:anzes xa 
Haus mit allem Drum -und Dran ist ihr zu/_^ev/achsen. Teiche/ und 
Schwäne i^?o es zv/ar nicht im Lp.nidhaus Behrens , dafür aber das net- 
te kleine ochwiminbassin auf der -uulseite des Hauses, -Auch Manier 
gab es. und prächtif^e soG:ar,den Chauffeur Xxi ^ahlke und den ^^oss- 
a.rti,2;en Diener Jos^^ , einen varklichen opponier, groäsmüti^^e , freund- 
liche L^inner,und das v/iderborstige 'Vurzelmännchen iiE ochlutius,^ 
den Gärtner, mit einem runzligen Bismarkkopf , in weiten blauen, 

erdigen Hosen, tn denen er bis zum Halse steckte, und einem Hut wie 

« 
ein Pilz. -Und d ue j'inder Eva, Anneliese und die kleine lustige ITelC 

jüngere, 
waren drei nagelneue/Tescliwister - Die grjsste Ueberraschung xssx 

von allen aber war Helene Behrens selbst*. In einem kurzen, lavendec-^ 

blaueut Kleidchen, nicht grösser als die vierzehnjährige Eva, mit ^ 

halblangem, schlichtem , silbern übcrsponnenem Xxax schwarzem Haar, 

dem alabasternen lesichtchen, in dem jeder Zug meisterlich bis zur 



äussersten IQarheit herausgearbeitet war,'';iit ab crgrossen,^ dunkel- 



r;ch':.t en^.c Ti 





, ..i-U 






'■ ^-^^-T 



Winzigkeit und Zartheit , gl ich sie eher einer seltsamen, zierlichen 
Kunstf igur,die aus der Vitrine gesti^^-en ist, als einer leibhaftige/t 
Frau und ^'utter dreier Jrtnder.lae hätte fast geschrien vor I-intzü- 
cken,sie war nahe toaR;: daran, dieses gebrechl i che, alterslose Ge- 
schöpf, das mit einer unv/ahrscheinlich tiefsamtenen Stimi7xe sprach, 
in die Arme zu sich hinaufzuheben und vd)n allen Seiten zu betrach«- 



ten. 



Das "kleine Wunder" ist aber auch unheimlich klug, kann 



und weiss Dinge, von denen T'ie sich nicht träumen liess.Iiie hatte 
es auch bald auf gegeben, es nach einem weiblichen oder manniichen 



l. 



l^e 



J.^ass zu raessen. Wovon lebt ec üb -rhaupt? Es schlürft ein winziges 
Tässchen Kräutertee , hat bei der Hauptmahlzeit auf seinem Teller 
ein 'Fleckchen Spinat oder Apf elriusc ,das unvermindert v/ieder abge- 
räumt Vvürd, lutscht an irgend einem sonderbaren oonbon und arbeite?? 
dabei ausdauernd und miethodisch,wie ein satt£;ef ressener jiann.An 
spleeni{i:en Tagen - man kann es nicht Kranksein nerm^nyQ.^nw es ist 
ihr ka-um Schwäche anzusehen, höchstens ,dass der Alabaster einen 
wächsernen üchimi/ier bekoo^.t und die Augen noch grosr.er scheinen,-^ 
raucht es unzählige Zigaretten und nippt xfcKKiiH Fiip: ^ t schwarzen 

V rs nuss injseinem Kaffee dazu, in ein dickes gr/-ues Ikirenpelzchen/;^ eingeKiiüpf tlkDie 
niedrigen i'ciuteuil' 

stillsitzen- und Kind<-r aber gedeihen rundlich und kräftig, sind in allen Leibesu 

f^ie hat dann viel 
zu tun.- Übungen geschickt und haben von dem klein^-n Wunder nur dieses aas 

merlovürdig huschende Licht über Stirn und Augen, die Kurtigkeit 
beschwingter Intelligenz. Jfe.nchma,l denkt ]iie,dass die ITahrung der 
Pander -lie Kutter 8.uf eine geheimnissvolle V.eise miternährt - zu 
erklären ist es jedenfalls nicht. Im l/ebrigen geht der Tag 'rundum, 
die Stunden sind gefüllt, man weiss nicht wie,Abf nd und Korgen kom- 
men wie gerufen, und eine Woche, ein ."onat ist um, man hat nicht 2lK 
Zeit gehabt , einmal den Kopf hängen zu las^-en..- 

i'ls ist ein grauer, Kovembermorgen. Die Luft steht still.Aus 



K- 



den nebligen Wolken sickert lautlos ein nadeldünner li^g^n herab 
und hört wieder auf. "Der feuchte Kies vor der Rampe ist davon oran- 
gen. Bahlke hat den grossenplauen Kercedes vorgefahren und steht 
v/artend an derTFür.Kri seh rasiert "in seinem gelben Trenchcoat)sieh-/ 
er fwie eine lebendige Leklame für V/agen und Chauf f eurdress aus. 
Oben lehnt Kie an der Balustrade , ihr kixiH35iÄ kleines 3uit-case 
in der Kand.Si' sieht unschlüssig in di- graue Luft hitouf.Kelene 



^ 



^^ 



Behrend im ßTiinen Felzchen neben ihr verschwindet last unter der 
massiven sandstei^nen ilrüstun-:. Durch die breite GDa stur dringt 
i^nJi Zwielicht noch das gelbe freundliche Licht des Zira-iers.Iilie w^r- 
wipot mit einem 7uss über dcp oberstei^ Trep ..enstuf e. oie hct ein 
Gesicht, als sollte sie in kaltes ^/*as^-er steigen, uoer dableiben 



m 



nöchte sie auch nicht. 



":''.'ahren Sie, ITie , "redet ihr :''ra.u Behrens zuySeien Sie kein 



Frosch. Sie sind wochenlang nicht richtig aus dem haus gekoimaen. Je - 
des ^Vetter "st gut. Sie können auch nicht im letzten Augenblick 

absagen..." 

Kie v'eiss,dass man Ilelenens sanfter Gewalt nicht v/idersteht. 
^Caum geschlafen, den.i:t sie bewegt, und auf gestanden, um mit iiir zu 
frühstücken^. Sie bückt sich rasch zur Seite und kasst sie cehutsafh 
auf's Haar ;='.Ldieu, Liebes;'. Sie springt die Uuien nmao ,um ihre 






ewegung nicht zu zeigen, ^inkt noch eimaal hinauf. Sie fühlt die 
Warme der J^^acht noch in sich, ist gerührt, vrie jSbei einem richtiö^n 

Abschied. 

Der schv:ere Wagen knirscht über dem ^^ies.jiahlke macht einen 
unbedeutenden Umv;eg, biegt in die Avus ein und legt mit hundert 
Kilometer- üeschv.'indigkeit los.j:]r ^'-lII hie eine "^'reude machen, er 
weiss, sie liebt das. Ein in gleicher Richtung fahrender Stadtbahn- 
zug auf dem Dajni:' oben schleicht eine eckige graubranne Schlange^ 
mit Seklap,,er dahin und springt plv>tzlich in den ^^ebel zurück; 
die bunten Reklametafeln schiessen knallend in verzerrten elien- 
linien vorbei, die nackten I^iefern zur itcchtea^sind eine sausende 
graue Wand mit r -fliehen auf und ab tanzenden Streif en.IIi^ atmet 
erfrischt ien feuchten Sturmwind unr3 erwacht jetzt erst in den "iS 
Tag. 



kf 



A. 



V 



3ie sind bereits Alle da an der verabre<_^en 3t..tiün;"lli^ 
in einer komischen breiten J.utzv, ,die er Über/Ohren ^ezo^en hat, 
einen r;esireiften Schal um den Hals, die Hände in den Taschen sei*, 
ner -indjaclce; Hupe, schlank und elegant, ein zierliches Stückchen 
schringend.hinter ihm v;ie ein Schupo in Zivil ruckt ILerinann Kleh- 
lis.den sie einmal gesehen |^ t te, ein grünes Hütchen zur .e.ras.un^ 
- aber noch ein Vierter kon,nt latschenden 3mges hervor, den sie 
nicht kennt :reiter grosskarierter I antel über schlottriger Ge- 
stalt, lange blourasierte Backen, flache zusam^iengevrachsene _,rauon 
über schonen braunen Augen.^r v:ird als Rechtsanv:alt Bluraauer 

vorgestellt, 

Bahlke i.acht sein vornelimes Besicht. 3ut , -.aso er die Je- 
sellschait nicht fahren muss.Ktv.-as gemischt. Aber wenn l'r^ulein 
Mie es wünschte. vmrde er seine }3edenken zurucksteUen.Der Teufel 
vreiss, konnten auch Millionüre aus Ilew^ork ««.Er hat •.eiche gesefe| 



^n.sah n auch nach nischt aus. Wer s :.eht denn heutigen Tags überk 
h,^ pt nach vas ausV/räuelin r.ie? Ja, die! Da^ is/ Jlusike drinnen^ 
in det l'rauenziirL.er.Von r;o er sie v;ieder abholen soll und v.ann? 
fragt er.Garnicht ,sagt I.Ue und bedankt sich.Bshlke saust ab. 
Also jrosse Landpartie Ldt die .-rider.Coch jut.Un -rau Behrens ,,d 
die doch ^rips im Kop^e hat, schickt sie noch.. .Er ist richtig ei- 
fersüchtig. . 

Mehlis macht den "ührer.Er kennt sich hier aus. Also durch 

den ^.^orst gut eine Stunde bis zur Havel, mit der 7ahre hinüber. 
Gutes, altes ".'irthaus.Dann Havel entlang, schüne offene Gegend. 
Mittags Glienicke oder Potsdara.Atf.n v;ird dann v;eiter sehen. 

"'^Teekend! " ruft er mit einer :^eldv.'ebelstir,/..e und schv.ingt 
Mie's Suit-case, dessen er sich bemächtigt hat.Ivlie stapft munter 



^ 



ll$ 



durch den Scind zwischen ihm und Bert,I^pe folgt in einigem Abstan/^ 



mit Bluraauer, 



I^pes Einv^irkung auf Llehlis ¥/ar der ^^sonderbarsten iirt.V.c-.r 
es V;itz,?ciradoxie oder i rgend---^Tn~'¥izzci;r er Antrieb) just amntt das 
ÄKXKntExi XEHxÄEifi ZU 06 s tat i gen , was im ällp'eineinen Gefühl der äe. 
Zeit fragwürdig geworden?- Der harmlose feHf^irfder noch auf einem 
Fleck kleinbürgerlichen -Daseins haftete, den die .'lutwelle der 
Grossstadt zufällig verschont hatte, v:äre nie auf den Jeaanken ver^ 
fallen, aus seiner Vorliebe für alte Choräle, liadrigale und verschol- 
lene "')ichtungen,die sich im Schrank eines pietistischen Grossvai 
ters fanden, ein Wesen zu machen, v^enn nicht der pariserische i\upe 
ihn mit allen } itteln zur Nachahiiiung angeeifert hätte.Es v/ar für 

diesen eine erregende Genugtuung, in dieser Stadt, die imiiiCr dem 

all erj 
rneuesten nachlief, die .Kontrastfigur eines volkstamlich-bür^i;erli€ 

tj o4^H? 

chen Dichters zu kreiren,nach dei-i ' uster von j orpZ'.rtre und l'on* 

parnasse,v:o man plötzlich ineiner Waschfrau ein neues I.Ialgenie, 

in einem kleinen Nahmadchen eine heilig Inspirierte entdeckte. 

Er hatte es ciuch fertig gebracht .einige Gedichte von Jehlis in \ 

Zeitschriften unterzucringen und diesen selbst in eine Haltung 

hineinzumanövrieren, in der die bescheidene Selbstsicherheit des 

feEscrhExd:am:EH kleixjn aescliäf tsmannes die Geste bprrnht i^^-tr r GefuhlJ' 

Seligkeit annahm. Der Gegensatz zu seiner berlinischen Virrschrö- 

tigkeit v/ar nur Uir^ so belustigeniMer.Das flache Gesicht mit den 

hohen slavi sehen Baden und der aufgeworfenen Na,se , unter der 

zwei dunkle i^ürstenartige Bartfragmente einen dünnlip^.igen j und 

und ein eckiges Kinn militärisch betonten verzog sich vor Vreun- 

lichkeit zu einer pfiffigen Grimasse. Der zu Anfang etwas laute u 



H 



und lärmige Landpartieton dämpfte sich beim Gan^ durch den einto: 
nigen ^-ald.T-ehlis bezeichnete Mie»s Ge^emvart als eine ^or^eniei- 
er,die ihn zur Andacht Gtijmr.e^ welche Andacht j3lur::auer im echten 
berlinisch krähend mit "Y/ieso »Krause?" zu stiren suchte.riei dem 
drauff olgenden IkxMsk ^^HißfexrctK ^-eGcnseitigen j-iomba,indement mit 
derben berliner Redensarten legte sich Rupe ins T^t tel, führte 
aus,dass berliner Ironie und Romantik demi gleichen Boden ent- 
starrL.en und erstere nur durch den Fremdenzuzug die pJblige und ^ 
gemeine Note bekoiu-iien habe. Blumauer, der aus Oberschlesien stamii.te 
fühlte sich dadurch verletzt . und^als fltuanVivon gediegener j:-ildung. 

meinte er, er brc:uche sich von dem windigen Elsässer nicht impo- 

ent, 
nieren zu lasr.en,-s /6ll3:ranrite ein Streit, der iiiimer v;eiter vomi Ge- 

genstcand abirrte, äkr und den niemals einen Hahnenkampf zu ihren 

lehren deutend jindesiH nicht sehr genussreich finden konnte, ioipe 

schnitt schliesslich die Auseinandersetzung mit der Bemerkung ab, 

eingt;borenem 
Fehlic F'llein ,als XKisEiitEmEH .berliner stünde sclcxsxR die :^]nt- 

Scheidung zu, ras hier v;ahrer Volkscharakter sei,zujv.al da ^ ehlis^ 

ihm bekanntlic?i 4-4^1 einfac]-icn und. naiven Aufdruck verliehen habe. 



Bert, der I.ae nicht aus den Augen verlor, hing seinen eigenen Gedan 
ken nach, horte zerstreut zu und d^^chte flüchtig"Die hciben^s hier 
dick mit der Bildung" .I'ehlis aber liesr.i es sich nicht zweimal 



sagen. Er reckte sein» n dicken . opf aus iera Stehkragen; utte U^u^ 

"Kein Vd)lk ohne Vater^.s Berliner Volk sei:. ein vaterloses^ 
y.^,^ verwaistes Volk... Sich selbit überlas ven lebe es recht und 
schlecht, und seine schnodrigen -^^edeneiMS vtr^nhi en nur die Angst 
vor dem Alle in-gelas-en- sein zu bannen. r^^as :''ühle er ^c..nz X£:K±ix£l. 



,.<? 



-t 



V? 



^ 



'4^5/t^.^ 



tief, denn er selbst, so alt er sei, könne c.ucli heute nichts unter« 
nehmen, ohn-: die Zustirmriung seines Vaters. Und das sei i^uü einmal 



plötzlich v'ie eine Erleuchtung aufgegi :ngen,v;ie er als lüaahe i 



n 



"^fU 



^er Garnisonskirche im Chor mitgesungen hatte. Da ^^sw^e es liriüi gewe 
sen,als sähe er ^.^n Grossen jCurfürsten mit seiner wallenden Per- 
rücke leibhaftig in der rotbehangenen lüsche sitzen, über der die 
schwedischen "Bahnen hera,bnickten.Und neben ihm ^riedericus Iiex k 
auf seinen j:rückstock gestützt - und beide hatten ihn so freunalicA 
und xä«;tich vaterlich angeblickt ,dass er vor ^^reude aus u en Takt 
gekojuen v;ar...T.:nd das sehe nan Ja auch ;. n den ^ht Inländern, uie 
ein heiteres Volk seien, weil sie den Vater lihein haben. Kun habe 

V 

man ja versucht den berlinern eine i^rt Mutter zu geben, die Beroli-- 
na, aber das sei doch niecht ]-;echtes gev;esen;die Schuljungen sogar 
hätten sich über sie lustig gemacht, wenn sie über den Alexander^g^-. 
platz kamen. Jetzt sei sie ga auch 8,bgebaut worden und er habe ein 
Gedicht darauf gem.acht... 

Rupe klatschte Beifall und fragte rie,ob sie das nicht ^^. 
Wcihr und originell fände.. Ta, Mie fand es originell, aber die aus 
dem Nebel plötzlich hervo]^eten(|en schwarzen Wachholderstraueher 
standen wie über Gräbern und stimiften sie traurig. Blumauer ciber 
machte Anspielungen, Rupe sei wohl ein verkappter KxKxxsii Fascist 
und gehöre ^?!- denvStahlhelm^ bestritt übrigms die These vom 
Vater... Vaterkomplex, dachte 3ert,mc;n sol te ^len _;urschen analy- 

sxEKÄv-sieren^ileugierig ,v-as da herauskäme, sehr wenig Feier- 
tägliches jedenfalls...r^kanntllch spiele im Leben des Volks die 
nutter die entscheiden.-e ::üi:.c,fiJirtc P.lumauer aus, selbst die^ror 
hartgesottensten Verbrecher riefen im letzten Augenblick noch 



ki 



nach der Mutter. . .jDann verliesr, er die Diskussion, rückte an K±X 
Mie»s Seite auf, suchte ein Gespräch anzuknüpfen. Er hatte so viel 
Rühmens im Kreise der jungen Leute über sie gehört und v/ar neugie- 
rig genacht v/orden.Doch sein geläuterter Gesch^ira ck fand das Lob 
?7ie imj er übertrieLen.Er var überzeugt , tief en EindrucI: auf Trauen 
zu ir:achen,kci? tber vor Angr^t,rüci: in eine zu binden, nie soweit, 
seine i'.riolge aux uic letzte i-robe zu stellen %4L-^<zii(dn reichen^. 
MädcHv^n ts-i-öi'-n „le nicht heiraten, weil jeder a3ev/erber bei ihnen 
xii uen verdacht gerät auf ihr Veriaögen zu spekulieren. Sein Ver- 
mögen auea Vv-ar er selDst.Jür iand /tiie reizvoll "zv;ar,aber nicht Vi -<it \ 
mehr^.m':erhin sollte sie sich nicht langv/eilen ^-uem\ er dabei 
war.Mie eiber, vie jeder echter bpiexer,ue^ aem Schicksal einen 
Einger hinhält, zahlte mit ehrlichem Einsatz. Die Unterhaltung klap- 
perte so ungleich und gab dem männlichen Partner scheinbar eine 



Ueberlcgenheit. 



n 



"Ich v-undere mich, bemerkte Llumauer im Laufe des Ges^jrachs, 
dass Sie an einer Tätigkeit gefallen finden, die sozial belanglos 
ist. Sie kann auch kaum Ihren 'i^hrgeiz befriedigen." 



■as ich 



"Ich bin nicht ehrgeizig, erwiderte ].Iie,"das üischen,V; 
kann ,hat da t.inen '^Vert, vielleicht, v;t,il man i.iich gern hat." 

Blumauer machte sui nen schonen Augenaufschlag; xsxXheixx 

"So kommt es bei allen :iestrebungen uOv.n schliesslich auf 
die bcwährten^gewinnenden v'eiblichen Eigenschaften hinaus." 

"Auf was dena sonst?jpragte Lue. "Oder schätzen Sie besonder^ 
männliche Eigenschaften an einer JraujXao vull er eigentlich?dach 
te sie.-i>'em ist auch nichts recht.' 



/ 



iJlumauer aber zuckte schon zurück, wie die i:aupe vor der 



u^ 



Iladel : 

"0, ich. •.ich koinjue da v/ohl garnicht in Frage..." 
"Sovsagte Vde belu tigt,"^cben Sie mir Jhre Hana,c^amit ich 
üDtir uiese scheusülich glatte V/urzel hiniiberkoimüe. . •' 

Er half ihr linkisch.Llie spürte ordentlich das Widerstre- 
ben durch Reine steifen CjelenKu^XäLK^K^iPL^dL 



"Man kdnwue aas zu lh.rK:^n ürigunsien auslegenVspottete sie, 



»/ ^. 



oder en^'arteten Sie gar ein iroiapliroent darauf?" 

"Bitte sehrysagtc er fast beleidigt , wobei siuh ücin i^s 
esicht noö-nifiuiig in uie Lc^nt^e zog, "man sollte persönliche Anzu^- 



^ 

u 



1 i ch.k<. i t e n lieb t; r v e rme i d en . " 



fi 



"Da.nke, sagte .I.:ie trocken und ksÄkis Kiük liest, geiu^ äü 



Hana lOo. 



ibS v;eni:v. kalt vom offenen -'luss her, der halb im i^ebel 
verschwand. Das alte V. irt^aus an der . 'ahre steckte voller Ausflüg- 
ler . MfBF??^?« Sie saosen ^^arangt in der Warme und larmten.lAu.n üet,ni^z 
te slch/Tl7: einein stehend eingenommenen:#Imbiss ,um rasch vdeder 
ins Freie hinauszukoiiimen. 

Draus:::en hielt Bert Mie zurück und liess die anderen 
vorangehen. Er kümmerte sich kaum um deren l>ab ei sein, obwohl er es 
v.-ar,der den Ausl'lug verabredet und dazu eingeladen hatte. Auf Mie--J) 
Vorhalt meinte er, es sei ü1p&.rf lüssig sich Gedanken zu machen, wie 
jeder hier auf seine Itosten koJmiie.Die Menschen heutzutage hatten 
ihre ctillcn Reserven. Es brauche nicht für ihre Unterhaltung IL 
gesorgt zu werden, und schliesslich sei man ja keine Familie, Gott 
sei dank... Er zündete gemächlich seine Pfeife an. Also 2er habe 
sich den Urlaub verlängern lassen, aber schon in der Absicht nicht 
wieder nach Wien und in seine frühere Tätii^keit zurückzukehren». 



/^ 



50 



Ja, aus vielen «'rüiiclen ...Hier sei i^scK IaIx t , d i e allen alten Llief, 



v/ie sie hier sagen, m.us Einem auftreibt. Hier wolle er bleiben.Er 
habe Aussiebten bei einern modernen Architekturunterneliiuen und 
auch Beziehungen zum Kunsthandel angeknüpf t.Blumauer,der diese 



7 - 




Leute kenne, habe vermittelt. . .Daruxa^flariuii. • •Auch Ku^)w se^ 1^ 



nüt«xxCh^3e<i^üüüN gewesen, dieser Junge habe eine fabelhaft geschiofl 
te Art ,mit den Leuten umzugehen, Heklamefachmann-,gros3artiger 

Bluff. oelbst die Schrulle mit ''ehlis diene ihhi zu bestiiu-ten 

soga: 
Zvecken.Der TTeI>f,-er schien eine Vorliebe für dieses VvOrt gefasst 

zu haben - trete hier in origineller Form auf, als hätte .r;ian ihn 
gerade gemacht. Er sprach mit ^'-gleichmässigeix St ii'.iiie, welche die 
v/orte mehr fallen lies ,als betonte, und sah dabui vor sich aui 
den V/eg. . .Fate? _''^ben mit iüte sei es längst nicht mehr gegangen.. 
Hier blidcte or zum erstenmal auf^Ob }'ie nicht erriete ,v.eshalb? 
ITicht? Darüber suater. Jä,l<ate habe keine Schv/ierigkeiten gemacht, 
sie habe übri^^ens einen i<'reund.Er selbst hätte sie mit ihm zuscuü- 
mengebracht, einem ordentlichen »zuverlässigen Jungen. Die oCheidun^ 
sei im Gange - Auch das besorge Blumauer, . . 

Imitier wieder sickerte der feine Tie^^en durch, der Tag wurde 
grauer und trüber statt sich auf zuhellen. Jüie begann zu frösteln. 
Wie imj^ier barg die g1 i.; 1 r iinii i ^ fliessende P^ede Berts so viel k 
Beunruhigendes unter ihrer 0;^berf lache. 1t Tir nAihtfr r^->^*^^r""^^^^^^ 
Sie sah ihn,vQe er neben ihr daherschritt ,die Zipfel des Schals 
über die Schulter zurückgeworfen, die breite Apachenmütze tief «*U 
über die Stirn, so dass man seine Augen nicht sehen konnte, mit 
einem andern Blick. Br ^'ar ihr unheimlich. Sie ging rascher, die An- 
dern v;inkten und riefen ihnen zu. Man oeschloss ':'e[^en des XKXSEki 



bl 




V/etters den Weg abzukürzen. 

Das ]'.:ittagesoen,rait Ir^uten Tieden begrüsct, unter Küniel \ 
und xotsdaraer Stangen, car/ü.ielte die unterwegs auseinander^ Gerate- 
nen eine rveile zu geineinsaiTiem Behagen, bis ?jlumauer und :':ehlis wie- 
der aiti^öinander s_tiesse«. . .Berliner Kindl sei icein Symbol , höhn- 
te Slunauer, sondern eine V/areniTiarJce.Mehlis wisse wohl überhaupt 
nicht, \-aG ein Symbol sei^^-rUnci JuTlsten^dAÄ, seien ihm schon die 
Hechten mit ihrem Besserv;issen,das Volk habe Hecht, dass es von tr±- 
diesen Tüftlern und xCriminalschustern nichts wissen wolle, i^jje 
kam seinem Schützling zu Hilfe:es könne wohl etwas eine Marke und 
zugleich auch ein Symbol seinfßert aber laeintexein Berliner Kindl 
gebe es in ',Virkli chkeit nicht, ebenso wenig wie das % legendäre X 



Patzenhofer Bergschloss oder jene Brigitte, die von einem 



geflügel 



ten Geist zur Sparsamkeit ermahnt v/ird.lCs seien eben neue kythen, 
die^wie.man sehen könne^sich durchaus praktisch >ewälirten.ÄLehlis 
noch grollend, erzählte breit eine Geschichte von zwei Jungens aus 
dem SGheunenviertel,zwei Freunden/. Der altere sei bei einem Ein- 
bruch vasch/ütl- gegangen und sollte mehrere Bonate absitzen^ der ^ 
Jüngere ,der gerade arbeitslos war, wahrend der altere eine gute 
Stelle hatte, meldete sich für ihn im Gefängnis. Der Schwindel ^Ei 
gelang |,aber ein Prp.uenzirru.er denunzierte x^»^ihn aus Hache. 
Und die Juristen verknacksten ^.en Jungen zu einer schweren Strafe 
und Hessen 'len andern von der Stelle weg verhaften. .:ters£k.ti.^pcKi 
Gerechtigkeit!^, Hupe bewies die Ueberlegenheit der Treue zwischen 



l?reunden , sagte zu l.üe gewendet, er schätze Vorurteile bei d 



em 



Manne, aber Vorurteilslosigkeit bei der Frau. Die Luft wurde dick, 
männlich.Bie fühlte sich isoliert ,benoiiimen, aber es ^var ihr fast 



/Z/ 



it 



m^ 



h t so. 

Der lärmige Aufbruch bei stärkerem -^^erjen li.ess sie etwas vor- 



ausgehen, doch bald stellte sich .olujnauer ein, der einen ochirm auf- 

gespa.nnt hatte.JCr inurinelte etras von v/armen .jrüdern und schien 

Prestige 
bestrebt ,sein /uaiirhjmrvnTeder herzustellen. ::^r habe sie doch wohl 



nicht verletzt mit seiner .Bemerkung vorhin? Einige Rucksicht dür- 
fe er vielleicht "beanspruchen, nicht wahr? .Gerade v/eil er die XKxi 
Beziehungen zwischen den ^>^e schlechtem nicht so simpel nehme... 
Aber ein schönes Jviidchen,und das sei sie doch, er gebe es ohne 
Rückhalt zu, vertrüge es eben nicht, dass ihr nicht unbedingt gehul- 
digt werde, 

"Sie aber möchten das nur bedingt?''sagte ].iie verdrossen. 

Er lachte, selbstgeiällig. 

"■^s freut mich ,dass Sie llumor haben. Da w^erden wir uns 
b.ild verstehen. 3o viele Verbindungen scheitern daran, dass man sicA^I 
über die gegenseitigen Ansprüche nicht klar ist -" 

"Meine sind sehr unbescheiden, "unterbrach Lie, "zweii ein 
Sie nicht daran." 

Er machte ein süss-sauPes T/esichf ; 

"Umso besser, obgleich man 2raus der Wahl Ihres Ver- 
kehrs nicht schliessen sollte. Aber es ist eben so.J.lan oekonL^.t 
eine '^rau - er verbesserte sich- eine Ereundin nicht gleich fer- 
tig aus des Schöpfers Hand, man muss sie sich formen, bilden. .. " 

" Ja, ja,"lr.chte Jlie und :j(..tzte sich in Trab, "lassen Sie 
sich nur Zeit. " 

Er latschte mit schwungvol en Arn^bewegungen hastig ner. 



y3 



^^ 



ne'hen ihr her. 



Ä. 



"Na,Si^ verstehen den Ruiiii.:el, das sieht man. "t:^??^ Aile alie 
schlechten Verlierer konnte er die Niederlande nicht hinnehjaenTarU 
^^lifcoer/ bei mir zieht das Theater nicht, • .V/arten Sie... Im ojjrnst, 
Sie sollten es sich uoerle;:eni jch haoe eine hühscl'ie.manehe sa- 
gen eine sehenswerte -^ileme , ohiiung. .. Rufen 'Ue viuch an,^u.^.eA4 



i^ oiii/n^l z,u\y\ 'i'üt;, . . Tch bin Itberzeugt . . . 



11 



Aber Mie hörte nicht mehr, winkte ohne sich uirizusehen mit 



beiden Händen ab. 

Sie war richtig ins Laufen gekormaen.Da hörte sie hinter 
sich eilige Schritte; es wa.r Bert. 

"Hör mich an, Mie, "begann er etwas atemlos, "und hing sic^ 
an ihren Arm^Er hielt inne,sah entschlossen in ihr nasses ^jreöiciii^ 
"•s^n.. ooin,<i^«.«w» icfr) ciiiü ij>'«««t;ji«i»^.rtr. .rs^ie^;'anheit h.*tte finden 
können, aber es ist ja gleich, dir wohl auch. Du musst es wissen, äx 
dass ich deinetwegen hier geblieben bin^ . .r>och,du weisst es... 
Man kann Gefühle nicht sagen, es ist zu dumra. ..Fan sieht Ja nur t 
die Bilder, die sie erwecken. .. aCh v^ar schon exn grosser Junge, als 
du noch ein 3aby v^arst,ein kleines , nacktes. .. Ich kenne dich seit- 
dem. . . " 



MT? 



ert,hör auf. . . " 



«f ^'7i 



',7ie eine Schv;ester. . . etw^as tief Verwandtes. .. "iir rochc^ 
te fast; "Ich bin davon besessen. .. es ist furchtbar und schon... 
Blut, das nach dem gleichen l-lut verlangt. . .V/elche Nächte! ... Jetzt 
erst weiss ich , warum mit jede Frau bisher fremd geblieben ist...'^ 



Mie äah seine f lim.-:icrnden /vUgen und s 



;equält wieder 



iH 



St 



^'^eg , schüttelte nur abv/ehrend den Kopf, 

"Jch bin natürlich nicht so idiotisch^ zu glauben, das rj du 
riir .gleich un den TT-.ls fällst, '"eil ich es dir sage." }]r fand sei- 
nen gleichmässigen Ton vieder. •■ Ich meine ja auch nicht den Klim'D- 
bim und so, den die Leute mit der so^^enannten Liebe machen« •• Sieh, 



'Tie,v7ir sind heute alle miteinander arme Teufel, nackt und bloss 
in dieser '.elt,in der ('alte Plunder uns amvidert. Aber es ist ja 
auch cut so.Auch dir gehts nicht anders. Sag selbst, Warum sollten 
wir einander das einzige noch unverfälschte ?rlLick versagen, aber 
das unsere KJrper verfügen?" 

Ja,v/arum? dachte Mie stumpf ,vrenn man dcis v/asste. . .Was für 
ein ll .ck übrigons?.,.y:elcher Ueberf all. Hatte sie es nicht doch er- 
wartet? ]Jin--rlei.'7enn sie jetzt nur fort könnte. 

oie varen indessen auf die grosse Chaussee hina-usgekommen, 
die nfich Potsdam führte. Bert erörterte sachlich,^' ie er es sich i 
gedacht hatte... 

''Bert, bat ]:ie , "v.'illst du nett sein?" 



*J ^A, . . . 

"Lass mich jetzt... =• 

"Bist du müde? iComi-.i wir finden hier bald ein Auto -" 

"lTein,lass mich allein gehen." 

Sie wartete seine^ Antv-ort nicht ab, lief voraus. Lief 
und sah nicht mehr zurück.V/enn bloss nicht wieder Einer sich los- 
machte, um sie einzuholen, ■!err Ilehlis zum l^eispiel... 

Auf der Trlienicke^lürücke fühlte sie sich in Sicherheit^ 
Trotz des Hegens hatten sich an dem Sonnabend Machmitiag viele a 



/r 



5i 



Ausflügler auf f^em acht ,un d^er Stadt zu entkomi-ien. Motorräder knat- 
terten, die Lladchen hinten auf^v/ippten stolz im Takt unter ihren 
Baskeninutzen. Andere ;öÄa»^rch bunte Regenhäute ,v;ie durch farbi-l 
ges '^elee hmndurch,FaJuilien lehnten aia Geländer, AUtos hupten... 
hier konnte sie untertauchen. Jenseits ,beiin Pc.rk fand sie ein 1 



ee^ 



res Taxi - genoss Müdigkeit , Ruhe, }^ntspannung. . .Spurte aufsteigen- 
den Hunger. In \7annsee sprang sie im plötzlichen i^intschluss hinaus 
und in einen stadtv/ärts fahrenden Zug,zälilte an den Mitfahrenden 
v-ie an iöi.pfen sin Orakel ab 2 telef onicren^nicht telefonieren,,. 
Dreisöig ivdnuten später stand s : e auf dem dunklen Vorplatz 
im dritten Stock und horchte mit klopfendem ilerzen und einem 
kleinen Schreck in den Augen dem schrillen Läuten nac-i,das in 
der Stille fortzutonen schien. 

Gartenb.-rg selbst öffnete und Hess sie ein. 

"Mie? Das ist schon. .. "n.r v.ur nicht erstaunt , nahm nie bei 

der Kand und führte sie ins Zimaer.E:. -a^ dämi/ierig im Schein der 

niedrigen Lampe auf dem schreibt isch.Er schaltete Oberlicht ein» 

'»frisch und nass,wie aus dem ^Vasser gestiegen%sagtc er,/ 

sie b trachtend. 

"Ja,nass und sctoutzis". 3ie riso die itegenlcappe ter^ 
vom Kopf, stand tief ausatmend nitten auf dem Jepoich und sah an 
Sich hinunter.^Jas Haar fiel ihr wirr in die otirn und Jclebte in 
glänzenden -ingeln wa Ohr und Schlaf en.Der*^^z«nde schwarze 
Ledermantel schloss sie eng ein, spannte sich über der Brust v.-ie 



"Haben Sie Tee?" 
■'Hier.IiJr ist noch heiss." 



\l>>MAA«^»CU 



Er brachte eine Tasse, goss ihr ein.Sie trat zu dew nieuri- 



Si 



rigen TioCh aun Divan, trank stehend, verschlang ?3Chv;eigend liisquits 
und Schokolade durcheinander. 



"Vvollen oie nicht ablegen? 



n 



Sie wehrte, die Tasse in der Hand, ab. Prägt e : 

"Kann ich mich ein bischen v/aschen, zurechtmc.chen?" 

:^^r öffnete eine Tai)etentür, knipste, kam wieder heraus. 

"•^as Wasser ist warm. Sagen 3ie,wen]i Sie etwas brauchen." 

Sie nickte, hob ihr Köfferchen vom Boden auf , verschwand 



hinter der Tür. 



Er goss irisches ^■'ascer in den --^.essel, schnitt sorgfaltig 
dünne Brotscheiben, sas3 dann auf dem Di van, den Kojf an die »iand 
gelehnt und versuchte zu lesen. T^r hörte die Wasserhähne rauschen, 
plätschern, dazwischen pfeifen, leises Singen, wie ein Kichern... 
Dann klinkte die Tür mit einem schv:achen Laut, ein schmaler Spalt 
öffnete sich; 

"Darf ich einen J/antel nehmen?" 

'• Ja, bit(:J. Nehmen Sie den roten, er ist frisch gewaschen," 
sagte r vor sich hin ,ohne sich zu rühren. ~.'Jr sah nicht, v/ie sie 
1U2vp*x2V>Kii>i^ mit gespitzten Lippen den a\opf vorsichtig durch den 
Spalt steckte und v/ieder zurückzog. Die Tür blieb angelehnt. 



"riallo! "kam es nach einui 



-/eil'., von drinnen. 



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Ja?' 



"Gehen Sie noch aus?" 



"Nein! 



Stille. ICLirren von iüs Glcis.Dann: 
"Idi mag gern hier bleiben... ' 






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Einen Ab?:c]'nitt jüdischer beschichte ,aur- den eifcenen ^uel- 



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befkh,;enp/T 'uuzo- 



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1 e n ''■ T«^' ch 1 o p = f'n^'a?. • e i'n 

cht^oner "eschichtrscrirei oung aen Juien heute vor AUt^r^n zu 

^^ 

führen-das v/ar 44-e Absicht, als v;ir e« unterna^hien , die 1 ol- 
genden in .sich ,;enchlor:r-enen }^c..)itel au?-: ITachuan Krochnal« 



rr^ ^.e^^i-^U. L -f m^^ '^^i^-^'^^^-'^-^^- '^"^ i^'-^^^-'^^^ ^^^ V'^rirrten -ier Zeit^, .u 



uher^-etzen.^^arüher hinnus isrt e!=; a.p.^fSFichta der [^ei^^ ti-'en "K-ri 



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siß zuglhichhvillkori/ener Anla,GS,den ITannK und d%Ä Werk, so 

weit dri^^ i/1 lahmen die.cr '"Einleitung möglich i ?^ t , KX?fKxX3^>^^-. 
in 

^^He ihrer ledeutung und ZK^^¥- KXÄkixxKxöcfeKxssakÄliXEiiclaH .^ktu- 

1 ur 
alitat ?ff dieBcfl Moment dei.i jüdischen Bev/usstsa' n naher zu 

"brin>^en« 

i 



Autochl^one "eschichteschreibunr- nichts v^are ver.^ehrter 
C alf: die.^'. 

-^^^*^^^/^ ^ '^^^- stehen. ^"> rochmal^ f.der 1840 i. carb) gc^h ^8 jcein I roblem der 



11 -J-- -^ 
/ , r. . . . "^ ^•^'' ^^e.^^.es :7ort im grob nationalif^tih;cheia Sinne mieszuver- 






* . 7 * 



■1.. >M K» ■»'^ 

>::l^JD;y )^. philoRop' 



**♦•«- 



Tation in unserem Ginnn.lhm ist Israel Wirklichkeit und Ein- 



f-r heit zue^ieichAu • ei:'ene:i :3oden en"ach^^en 



'T^^r. 



iht'nchreibun^ 



VA-ci^rof 



■eeine 'Tp- chichc3. 









y *.^ j aC, 



/'rS ^^-^ a<i„„-c- 



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:.-^tter ' .ii.tiaii*i^ul' 4i 



iU-7 'ii,tn *i /*♦»• 



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i^rCrt fcj 



^-^i^mkH xinv- heute :.>.n .lmi.. 



/^^T-^-^ W.c<^;..- .......„.,_ , zu klaren 

^^.^^l^X^u^ ^. ^^'' ^^-^^^•ter.'cenntnis des Vol ces und de. "Einzelnen -d.. varen 
'P'^-^r /• "^^^- >^ TP-rntIiN..n die Auf c:aben,die Krochmal vor hundert Jahren 



unmittelbar an -cht, und ^^in unseren llickpunkt r^cjct. 

■u • T . . ^ 2u klu"^en 

^rhaltnis des Juden zur ^erchiohte, jüdische JJeschichte 

aun dem -.'esensprinzip des Vol.ces zu crschliesnen -rJeschichte 






/ 




«ich stel'te.'A'as i^i,. es,^»;^.^ cW. Volk konstituiert?„HS bedeu- 
tet ' Volksgeist in unserem oinne? Was sind die unterscheiden« 
den '.:er.'<raale dieser Volkspersönlichkeit? nie Sicherheit und 
Klarheit.mit der ^^rochmalrenn *u«* o;' t in rr.,.. entarischer 



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Kürze^ darauf antwortet , sind von .deinem Spatex ....tilft v'crdbn, 
v/orden. ieine anfTebii-h un den Ideen der deuts^ichen iix.^ Verbun 
orientierte feschichtHphiloeojViie ,clie die Viis; toriechen kjxs.. ^ 

y 




^ 



- . Kö.pitei tJl__jl_:ni --Ti i-Pii i niic einleitet (Tuht faeichuohi ^rtn 

^ - /» ' ^i^« — i' . i.üWiyifyiJ ' ^'J-i ;- urliof oytion V 'i C j i i ai ^;' i :T-(.tnr , iiifir' t . u ; v > U i i r^nr>f=yT 

.^....^^Ca^ 7 /^.ck^:^ -z^v^/^-. - itnd uia es gleich hier vorv^eg zu nehmen; die - W^,' T' r j-:>^.>iau^ ' e 
^<^.2^^ .^^^^-A. ..^.-^ Verbundenheit durch den ivict ck?tr-iifiii4( Sinai fibt iliiu dcob iCkiSU. 

\7e3ensprinzi^j,dar3 ilrir *'rr>^.J 3Xi. ^constituiert und its:^ G-escnichte 






in jewe^ung setzt. '/ir :;ind uns v.ohl be\vuGyt,mit cinc.a o^-.tze 



y 



eindeutig v;ie dieoe^,den Leser, der "^^w allerJfeÄiO.»^^ jüdischer / 
Pr oblematik ein resoonnen ist, in "Erstaunen g,;p_ in 'LiL-iu-^Hj i-*'f'' i !y ' l l 

v^«-r^iti.i..ieii.^och sei hier die "^rarre erlaub t/i-'.vas ^denr^ "^rneuerui. 

l-j- €-i-"- : rr ' ii rioll ? 3rin':en v'ir doch den '^ut auf ,dies3el^!'' rage rait 

der dr^^njenlen Sehnsucht nach 1^ judischer 'Yirxlichi^fe^tl "auszu- 



t 



H^^ 



U 



v./eichen,3a wirci^ uns die ivonstitutionelle Schv/uche unseres Or- 
gan if^inus vielleicht siiai=y*»r ,-.ö^^4lich^dass er aufs religiöse 



a^n^Tosprochen^ unbest imt oder garnicht antv;ortet# 

Alle ":)iG'-cussion über das Jiddische als das Ttelirridse , der 
v,ir heute be;egnen, oi enbart^ diese Schv.x.chei die Beziehung zu 
' ^ijL^x ^»^^^M^^ts/^o^i^ den religiöJ^-en "Trunr^t^ — ^' , d . ^ n ^ - — .^^ ■ . . • , . :.ia:. ^jnMJ'-iy — llij^ 
^'^ '*. • *- ^J'^ .'creist i i^jrn-i i h - i (» uin ein Abgeleitetes , das kein rf-c^-^tes Leben 

gev'innen v.ull."^::s "ehlt die TJnnittelbar :ci t.Das ist zun T^eil 



^ 



f/c'^.x-x ^ 



/ 



I 

die "^oltj:^ '.iner "'.nt- ic::^lung,die im /est Judentum seit der Aul 
iclarung und dem Jlampf um die :'']manzij;ition Ili.tz gegri.len 
hatte^und unbeschadet ro-o^^r^r«^ bedeutender Leistung/jüdischer 
Tipsenschaft die^-iTefbindung^ mit der Ver.<::an.-enheit , itä^gspt^ /' 
für das Kontinuum zarn tört^,zum^l die alte jüdische ^ebens- • 
form aluiiahlich sich aunrir^te. ":!:■- : ] ] Qh ^ie war/<tufch Zvang \» 
und "^epres^'ionen de^. 1- ' j Lij ^epragt , zugleich aber doch niich 
von inner rr^ft der "-eharrung l^^h-^m— ^ r^ .n 1 L r uoi . d 1 r in dcs 
jddische Le-^en ±SÄ:^^,%rrrn'ung und Sinn brachte. Die Spuren 



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dev Z^"anrren,iie Jtignata des >hettOG, sollten getil^n v^erdb.., J 
dadurch a ^er/ rurde auch diese innere feDundenheit und Vertaun 
denheit mit .-^uf prelöRt.T'n^^ no -"andelte 5'ic>^ auch der 3inn der 
Tradition, der di,e p^uen .3emühun(::en der jcldi^chen ^ 'ir.senschalt 
<mlten, cUi!rh.in,dasB die Lehre den ^iedürrnisnen der Zeit und ^ 

der Uiistände angepas^'t v;erden müsse. Jener Grundsatz der über- 

— ) 

lieferten Lehren ''" -^ "" ^^ ^^ ^^ op r^ ^n . ^/ — uUx^c — / u/ . ,^ r v -tt — 4»' 
, *CWaQ immer ein WH3*dir^^--;iehi»^eT in ZuJunft ?if«4Ä«-e verfügen üoll 
t^ ^, ie-t 3 rangn -t JTose^ am ilinai 'v^i4v;ünd-et-^vorden^ ,aui dem die 
^ "43-^1 e- ' ' - ' >' — ^ — ^ 'ür'-eiterun^; der ^atzun^jen und Verordnunei,*en -4 
sich gründete, indem ^.^n -^eue/ ver jflic'-t p^y^ 4ia~das Alte>7xs:xx 



'' '-^^ ^"VMi 



»ii—^ — ^^ 



1 






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\.i'to,rit^t in ix;;.'j.vx-ach 4Ä4^4jtrJ2- t]^onOi'u.it:n v;ur- 



<7 i 

de,:)c..au7i nun den 'linn r.incr .ai" f orderung zur iieJorm und zur 
zeit-^emuBF^en VeraUvlerung mit ai U3n ihren J'onsequenzen.-— z-zm 
^enn ./Teä/i~^'e -enüber die '3emühun-^en orthodoxer ICreise um die 



' /^' 



ötrence Jahrunrr ritueller -^-e^v^nsweise/zum ^"cilx -ich 1 durch- 
setzten, so hatte^fes doch nur zur ^"ole:e,dass 's'i^ch'ieine .^r-irrrrw. 
Spannung zv-i-chen judischer Innenv/elt und der Umv;elt liimüer mx. 
menr luhlbar machte un'i r Le . eT^rte^ eine 3pannun^r, die nur vom 
Wahrhaft Milirioren Einzelnen :clebt und ertra,::en „erden xarin 



iM^ 



iconnte.")!' meinten gincen den '-^q^ des Kompromisses , der zur 
Indifferent und o. t zur völligen Loslosung führte. 

nJin anderer Umstand trat hinzu, der die Problematik y/as^'^J 
Jude^sein ei^^entlich h-dcute noch .-^^ ar traben mus^^te.^Js ist 
bi.h.. zu -eni^ beac>.tet v;orden,v,e die^Terke nicht jüdischer 
Histori.'cer und . .eli^;ions; orsclier/die ^s ^ 



^^ 7% .. '^V.^^'^-^^i 2^ . 3 ty ^^ ^ 



rc4.i sehen binrnt 
nicht meh^ mc.ch£i, .«►^teile de^ ^eJ^ Gebildeten Jud^^tun 
bee 



6 

inrius3ten.:ii 



ums 



e bernhmtf^n :3ibelicrit i.'air und na>{khaft 



Ga >e- 



schichtnschreiber^r .i:;.inc en neli,,xon und der judischen Ur-^ 
geecluchte • Hren(_,aeist chriBtlichc -gelehrte und ■^•hcolo^:en. c=r 






V 



V* 



I 



Aue" _.. . anter ihnen, die '...^^-Lne auGc^esprocben chri^'ciuni- 

öierencie Tendenz vcrl'^lecn ,hürt j.:.ux..c..i^ ■./uüehicLt^^/rio.tur^o^l 



/ . 



m 



uoG mit de:a Lnter;:ang des Zv/eiten l'eiapelo aui^ und d^e j.ieii- 



gionc,:GüchiLhtc X e-G-l^il-lGöBt mit dem Auftreten Christi 
Abendlundiöc^'e "resc/ ichte G.y t lait der i'ürtbchreitend tn Chri- 
st ianiaierunes uux ü -'iuiüc-e vur±cnujji L , b^ dciBb cülxes J..LUxoCue 
iorum Aviö von 8e4.bK^ ausgeöcVicLitet bleibt und nur noch öjj^^ 



z i -: 1 1: o r ^1 ch e r i n r. e r e s ^^ i e r t . I n -iL 

Hu. v{ 



J-i:-*<-^? — T-t-firie eriahren 
aber- auch die al ten relir-^rioej.en ^:)oi:u/nente ihre ;\u^3ler^un.^ und 



•c 



"Deutijm^^T. dei s^i4^t noch ^'o objei^tiven Autoren rindet man 
zvary^iteratur und Tatsachen mit histoi-iacher dor^aalc una 



Treue verzeichnet , sobald es jedoch ans verten,ans ochluss 



e - 



ziehen geht- ^-rlch erstaunliche Janic^ine , -eiche Bemühung, das 
ITe.mtLve zu betonen. Das rrilt besonders * Ir .lenei^ im hclieni^- 
stisc'^en und oalas t inensincht-n Judentum 4« — --^ Zeit der ?]nt- 
Btehmrj: ies ^:>iristentums ^eschai ene reli.:iöse Li teratur,die 
rrtr die^Ausbildune: der ?^^chatolotrischen Vors ■ pllunpen des 
Abendlandes entscheidend v:ar;^.'7iR jird hier alles -leichsam 
um-ebo.-en,aus d (.rr/ ^. cW.^ chen iix^-^a^/ --»fhirc ^^i nMn^i^-Tomlich 
gezi^un,:en,um -^en jüdi: c^ien Anteil nach I^öglichlcei t zu schjnai- 
lern.Cffenbar kann a^t^ J^ein christlicher Hirtoriicer .davon 
freimachen, das« im Sinne der,.:irche dan Judentun ein nonztro- 
ser Anacnroninmup «ei.Auch ifvt die -atsache nun einr.ai nicht 
aus der ■•'elt -^u schaffen, das« die siegreiche Kirche ihre jü- 
dische Herkunft zv-ar nicht verleugnet ,-*^^ den überlebenden 
Träger und -eu~en des f-'Cr<ejaiuyiJ>i«. Vorchristlichen ^Jotte£i^,^a.n. 
kens^ i^ ^^ schlinmer als den ^'eiden verdawat und «aioni'sitj) 
f>n^ damit bi- ^-f;ute dera volJcstümlichen Aifekt ge,-en den Ju- 
den einen religiösen Von-and und Ilintergrund -elirn'-ert^b/>y/ 



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^ vielen ^^:w:k^<a-^ ^ 

Zrr deni Anomalien dotJ judi sehen - U tu t ifj n gehört auch Gt«HB> 



' / 



dciBS ein ^TOö^er Teil, der grös^ie vit^j.Jueic>it , yemer .jebilue;(i 



J{j^ 




7 



ten die eigene -^t^öchichi^e unu u-e GebChichoe «. ' ftuufe ^- ■^la.Uütüb 

vieliacVi nur auö fremden IJarö-cellunt-^en Kennt. Daö Verti'auen "in 
insd ei.ene V/eöt^n aour ^relio verloren » durch eine ici.lBCue Vor- 
stellunt^fdiG von aussen ik»^K)-fl heran-; :ebracht v.^ird. In ''-runde 



hat der moderne Jude auio 3ild von der 



:jy n ^..; .. t-" ^^ \r e i: i jj i e r cj c^ 1 g 



der ^rpJi mit der linde vor den Au^:en und den (jcbroch ^nen :äfcx 



^. 



3taN,'-ie Füe XK die nitt elalterlichen ")ornba,iuaeib ter in ien 
Portv-Llen ihrer hrrchen darstellten. 

äfi^-- ^'einerzeit von endelso^in u.nd seinen /"reine inaurturier 



c 



/^ V<<k/4-«C^ y- 



te ^ev;e.i:ung von ro ^''ei ttragenden ^v.)lfen ^?ie fdr die untofee iLUi- 



^'^''''^^ ^ >'^^^^ .^^^^e. 



der jüdischen '/iss^nschrti t >i^ *1. -.i v r^- "i -^ ,.*-i^- ^-ar, ha c6^ e Ki * j r 

• ' . ^ >• ^ >~ ' -^ — -«-.....ii^^^iü- r e li.-^: jr(^4:;-en--._i ieruentb br^ii -fiI- j. nn i^ ^ 

^ Q^duu,<z-Z4-f ^- Sinne de^ hunamis tischen und v;eltbürr:erlichen lendenz des 

deutschen Idealismus, oie meinte das ^eli,:iöse zu. sublimieren 



'^CL^ 



\ 



und hp.tt'^ es dadurch^nur verflü^^igtt i^J-^- yielen musyte. "die 
Schleiermacher/sche Verinnerlichung den Schritt ins Christen- 
t ira erleichtern/ als die nc^chste nat^Arliche "''ol;'ce. 

Vol-cs-un-i "^eligions^escl'ichte jedenfalls ,^-ie sie der aui - 
geklärte Jude seitdem empianf^t , vermö£:».n ihn nicht von seinem 
Standort aus mit r rt » ri i . -nr »^ t r , -: , ntfi q T3 -^Te7^ Ve r >^a.nfr enhe i t 




den.TiJr sieht wohl (ien Abgrund der -eit,der i'^it von ihnen Xnm 
trennt ,^> doch nicht die ; raf te ,'iie das , jj t, i:i ■■._,] evirkten 



das 7unr=!cr 'Riner ^.Jxistenz bis heute. Oadurch rird Judentum — 
als 3e^^rifl',alB ^^eiuhl^mit allem belastet, was zur Ge enwart 

und ihrer ?:ultur,die christlich ist, im dauernden \Viderspruch 

nur, 
zu stehen scheint ^als Hemmu.np' als "^eschver emofunden^und 

mun^|<p' ^^chliesslic^-- pemJudenT^enn er/ versucht , sich|ernst- 

halt dfUait auseinanderzusetzen zum dcx nualendenri robleia v^er- 



rVFTTr 



Jh 









den. 



"Oa / c 



der HaciCi-^:rii T aui die ei^tiuen bCliver zugc^-n^j-icutu 



;uelien ,ihm^ versaerc bleibt, i^5t er Desteniaiis am die rationa 

1 ■^- el- L ;tb5^'tT-akte Tj .)eA:ulat ion angewie-* 



^s leren de un ? aUo ^ ^^ 



8en,die sicti Demuht ilim das Judentum dadurch plausibel zu 
liiacVien, dctbö ilüü bewiesen ouer vieli.iehr k'Uü zugeredet \vird,ju 



d 1 ^5 c 1 1 e 



, . besti^-nde 



vor der iöiKXxx Prui uug jeder u-hilüSOi^hJe 



/ 




i— — die ItCligionenl^^n^ihren Essenzenlim C-runde glüicti/^eien j 
und das jüdische 7g s e t z^üji huiia ne r und sozialer .jezieliun.': ^ 

-ii^ durcluj.u^. seilen l^.ss-en ^ ..r iLü^^fen jeher in ci.ie o.jjol Oe^eti- 
sehe ^faltu;] • ■•ezv./un^venv*i4r*^"-±ir^ ilcueiü Judentums te- tk^r .^j^^s-Wiiut. 
.- >etönung des ü.'onotheismus volli.: das Jev/usstsein verloren, 

»'S- 

dass 4rrr^ ocU te^' rel i^- i d s u ^.,...,^ aul' einer rational nicht 

zu vermit r.eiincten ^Verbundenheit' Kanz personlicher r-i-cur oeruhi" 



/? 



die niemals nur aul ein Abstraictt:is^üe.^rir. liebes feezo^en sein 



Kann, 



^K^ ^^^^^ ^-^ s ^M^6<j^^''i^K7 






c3-*J^ i2ofc l^<»^:/.-J^ c 



I n Pa r k n t l-i e s e ; v • a 



s 1 



li- r*^a 



usgeiuhrt 



'"urde^ ist iiechenschait 



und keine AnJcla^:e.\Vir / Juden sollten nji besten W.; ^-enjväe 
bil .ig |rückv7urts -)rophezei\cn ^st. ^'^'"^'"'^ ''^^'-^ren llomente in un- 



^Ä^ 






serer .beschichte v;ieder,jKe es den Ansc^-ein hat, als TvoUe sich 
die /erheissunr- oriül\en und der ^ott der Juden der /elten^rött 
rde.Much ^ie Aut'klarunrneooche 1-t -^ir-nv ~'i;:tion erl^--,..-., 

. nn unsere ^^^eir^ti-'n T.nr-p ^piifo Apr'p-rpc / ^^v.^.^.,-»- i i , 

r: ».ui.t. Ancteres / .ordert tift<l- ffo-lcl-i-e-ö* 



•""i c- 



»-»"■ 



Ji^ Ci^eX^ 



jene i ra;:ionen uns n.cdU zu bieten h;ben, so sind v;i 



nichtdestov;eni,;er ihre ^rben „ ir^c-orern alsiie^durch ein kxx 
histbrisc^iTrW^tadium hindMrc> 





'' un^^ ai 



as \t 



;..n^''en vr- inrtc i^n 

s t z e u;r mi t ^e s ch a" \ en ^-m "h^n { r.^ i t .:; pv*7^=^.. ... , , , 

^ ■ ^''^( 1-^ '^i^ 'elt aus^refe't,- 

,,,,..,. ,.,,.,„,.,, .,„,^ .^ ihrÄk±*RH ;.u .können. 3ie deshalb 

■.•izuKl,x-en, eil ri., in einer It l«btr..n,in der der ^nn-^ol da-'^ 
;e8chich.te nach tö^.J^.'.r .anderen 3e;te auf<-c^lu£;,,vavo ..%e„c,o ^-i 
s.innlof. »•• ie ua -creo'^-.Auc!^ 



/ 



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.AU'--:,., uui i ii. c durcu den 



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A^.y.'-^ -,WKD^ tl'^'i*''^ 



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^ loeBeitxguno; vieler 'in.lernisrie 



IUI d e iii v; 6 g e / z u un ö e - 



rer )<-ilbnter :enntiiis3. :'3i • h(.vt jodenfc^lls ferr-^ t ''dris TJiveau ge- 



n r) t. p Th 1 ■; n H p n e ) /n ''^ t "■" '^ n li i ^^ n Au. f; • 



^'^' ' ; j; iw e 1 1^ r.i Ui^l -L eil ' Li r d e • rr^ 



nobp.f f'nn ,n.uf* r^p.r-^ H ■ p. f; o lan "" 

einanderöeti:une; ni ■. ^^^j., j_..i^u..:. 

iw^r x/'. "■.nzij_}at ion. ein not7-endi^:es Di;.rc?iran(].>3 tadium zur 

oel'bstenanzijjation.'DaB darf nicht verp:ej^f-en v-— :::r^. ♦ und/'hach 

wie vor ::^=::^ ^^-^"^ .Z )ZI^^' "^^^nn 'rim^- n^'n"^^t ^'.reisgege^en v;erden.'^ 

bildet ^ebenso ^" ' - die JUick.'cehr zu j^t-i^fr^.-n :if:raent un;.;urcr 

.^uJcunlt. 

■tfar\^ki/ß:^ cxfctc.r ri.ubeinc..iider^e czun^' lUx u der »/ir.^xiicli^^ei t 
deü Vol s-rlebeuü *,c.ab der tri--. i;ülö.in-t: : j gut \vic aus: ebcliiüb'^ 
ben :.'-'j:'cji,noi:vendi{c,daös ^rroese -eile ^^ot>- Juden -ttHii^-' in der 
^ elt ]"'uaG raüsten\^^. Wir..:.. ...y aul den. reli,-:i Ösen ...^o .c.ua 
zerstreuend und aullör:end, go hat ÄXEX^casEtecl^te -je una^ ^e .c.;^tt^. 
d;-r. ivruftRrRRervoir berciti.:estanden,^aB j^Aera die yTlHIJilise iS«- 

ILi- ^i i^)-er - ieder ziuitrüwun konnten. .Ja*; v.;«r j+rt«t das Cst- 

ju'ientUH.IIier tral die frohe :3otr--cl;ai-t der IManzo^ation r ul 
eine kon.jlexe jüdische '•elt von Irmchnr eprugter Lebens! orm, 
dii^r Au-löpun iderntan^^ •— -^^-^ der . ,v un,; des .,xiis 



1 ^ : ■ '^^' 



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, con-erviert.n.y.^ua>.r.ic.,lp d,if^r:er Veit der rabbiniüch 



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£"ro£3.sen 



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;.Li t. .i.,„c a 






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M.X.. r .en,aer e.Ln.ach '>on.,en lind der 

€ y 

der :^raditiün lelote, bestand /ein Problr i -ipr 
Au^einandernetzunr: z'-'c-Pn chrsrudind er und rabninischer 
o-^:hodoxie ^-^nviihrt^f die drunala.-en nicht, die r beide unan- 



CO 



Si>;.5,jL ci'en.jer irundsatz^. 



F 




V 



8 



ein Ganzes , Zei tlosGs ,GLülite ^il^h jedcM verr:uch xri t ir^ciier 



:n.Uncl ^' 



und hir:^torir-'cher '^'or^-chung ent 



It nicht nur % 



für -li^"^ •^,r.^-r-' -^' f ^^n 



,^ -T 



n n 



sehe .iai^ercituT- ^ zur .rt..-en- i..rt . ^■' • - J Int^clieidun^ /. iv :5icb 

r-coniitj^Hj 





^A^/•v♦». 



>>^H|AfKe^ i41 



an einen autori ta>»<VÄ|V )r "un er anlehnen rConiitj>/^ij — L-O-i-i-u^ ^lUi- 



♦ N. 



.CjAJU% 



erBC]r"erende/i .iinti ' i/ ^ i '■ uri bin.len ie 



■7 11 -pnoroGhen.,iicn t nur 



f-^r- 



V 



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ada unl ^lie """ M-r.q j.^oh irn vurrlen 



jx-tl ;'•; ■ rio ;!,:.: ondern -^ — r^. i .^-^oTiFt/ . J. c- ^<o, t. uu.. /.egende 

t 



Y.-: :: -vil-L 



> ^ ko. A j. -* 1 



in /r end einer ■\:;rm im Sclirilftuii (sich^ adr L^rde c.^:. 

•eiii .it eines 



^Ue'oeriie ■ erun,:^ <^T.l.:.ixht.Di e /:ei il 



n ta- 



"^reir^n i f ',er-T , die o' t'enb:-ire Ijn'" <:.^ j'^'C^'^ein.lir^h 'roi t feiner 
siezahl v.ca- rcein •.! n-rnd - "^'"a?? nii- ■. ^:iy ^ r^clc^ren v-tx!*, blieb -j^ 
eben ieneinni:- und soi.Lte es auch bleiben. Das traditionelle 
"Lernen 'bestand ira ^'erentlicben in ^r^^er^ •■ ' // . m^n und 
steti -'lyi if-'^erbolönd ^^en wv.V''(^T^n' 'huren ta,lr'i/! i mVien otofles 

r 

K - • 

un-' c.f^•v.^•v. T^^, ,^,,„,..- . ^p^,,^,, -j. gg jji.jich: i.a , ...llun..: eineb 



lebüte: ychah und einer rot tesdiens tlicrien liandlunr; eher 
r:lich alf^- ernen Studiura,^"ar er, volli-- O^eich,^- ^ lernte, 
")ie:-e ;"esci^ ichtslo ,,ltun^- der Orth orloxi(. - i.i rie;r;ten 
■^^^c'tiß't- lies.« ^lo^-^ jedoch nu]' in ler her.. 



uj-^'^i^ 



e LI ^^crien AO; "e- 



schlu:^... enheit -^e^: J4 jiiUocien Leidens aui^'rcc^it erhalten. Der 
von sen eindrin:7enden Ä^'.'-larung , von -er die um ^"eltliche 

3ilHun • bemühten -'reine Her Jiif^ervi -r-f'-r'-t --''en, konnte ^üe 
nur in c,t^,rr>or A^-c^-v ^^n ^geTnenAe^er Zreifel .It als /.etzey 
--i^unrl rUe 'leiieinden hatten Autorität renug, jeden , er ihrer 
Verdacht! J^ -^^^^^ ;^'-}-ner -Existenz zu trp-nn .^ind doch iehlfe. 
te r! /u ' ^■vr^vT n ^ 



^ ■ ■ I I <i I i 



^iXi^ 



—— al l.nah 1 i c Yi^n^-. • • ^ r 1 i c '-■ d \ ■ — i^fü 
•^ - ' . - ' m'.'/i -jCiUal , einem 



' /i r.:l i c^ '-r^- -' t - xKxi 

& 

.Updruc;..^ ■ :Yjec''' ^'ich ..aum etv^ar? cuidere?^ in i'-)A,als der 



Inr^. 



t" i_.e ..echBel von ]unde und 3tra1-e,.;= iiner «ehr ermtteten 



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iilÜ b v:' iotii -». O ü liVJii i-jjlXu 







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-halten un ciiici^i ^».DüülUoca, ü'nv^i-c-ii^.ui'licl:c:i, .^-.^ 



> i -,- i. - 



v Ji i ' ] ■ 1^ 



.,..n:iüi un ': erlieft: X^i'itirtsT gr^tairiÄ^ jc.doch vernochu 

'^ i *• \ ». % 



«1 ar£/ 



1 / 






aul die ]?rL.tCen,die iurch die ..jer^hrün,: mit der eich e r^ciilieü 
senden Umwelt entüt^^nc:!^^, ^.^^ine Ant\,ort ^u :eben, ...... v,'^^ iieee 



/e^ f ^ ^c^-^-tA^ 



/^^a^' ^-' ''""^.'•■^ ein. 

^c <^% , ^>-<^t- fit- ■ 



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-^ überhciUxjt nicu.t stelxeii .vuniite. 



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-^i>^- 1 H t 1 üi xnap^; e n Un r i e^ r : die , j 1 1 ua 1 1 o n , i n der i^r o c 1 xii\^y. i 

nein ./erk konzijierte. ivX behr jüd i s c h , i-'^jcJi'^t^ g:it ostju- 

/? ' ^^^ ,^ $r d i ^' ch , rl •-- n p, hier e ^ n ':• t n ■ - o i v. ^ >- / 






,U^^~^ 






in::elner/eine Aufgabe auf sich fla.-hßr,die 



^'/^' 






^^ ^ x ..r ein "Outzend WiBf/enschaf tler r:ereic^^t hatten, und dae unter 



/Vu^ 



/ 



^'cJ^'^ 



einer nach euroDuif^-chen ri^ien /geradezu unv.-ahrscheinliorLei 












^r^ Ungunst der Un:- tände,^;ir dürlen niclit ver^^-es en,dciss wir uns 



V 



hier zeitllc^i am ic^inn '\p.v. iijix neun.-.ehnten Jahrhunderts I^Kt. 
befindenden- '"azu|^in Ostgalizien, i^KKanxandx /Sc]: on Allein an- 
lere c:.1b die erlaubten lücher sich zu beschäl x'en, iü t mit .ie- 



ahr verbunden. Der Verxehr mit ^erdacht iren, eine die from. .e 



Ueberein.;<:un;. t verletzende \eu:serung schädigt )X\\i und .-jxisto^. 

/.'V^-'^attel 
TTicht nur mu-- -ic^ ^'er belehrte )[ jedeö ' ;> ivicn e Tig ^-jfede AUohil- 

X^ für se .ne :'^orschung lelb^ ö erst ^-charien,auc}] für Methoden 

und Art iXer Darstellung gibt es Knim Vorbilder. 



fe 



IS Krochmal vorschyrebte , dcivon f'-ibt der in Analo.Tie zui: 




X .„_, _. ,.^... _ _ __^_ 

5U^V5^ ^ , ^>^^/^-ef'- --almoni:^.esj ,_./ ahlte ^itel "llore ">:/uche ia^i 



m/*t-e^* 



M>'" 






';^'''^* ^Tinzufügung des /ortes K^uii)fi .an '-der Zeit zeif?t die verand 



s^K.n-' (die 
e: 



TtA^ 



AM^ 






(/L«r- 



te .'itUHtion an) eine nur Äi-zu c-aigemeine Vorsteliung.T^as k^i 
hat zu iKtnchera I'isBverstanrlnif- f ej'ührt, JVi.imonides hatte lö--i-' 



n 



10 
Trirt Glauben und -.'hlioüopliie in t\t^oüreiru; tihix.iung zu 
veröacl^:t ,iie Seuuhun,^. .. rochnic-lc' ejin.^ darauf, die Trau* . 



'en&- 



auc3 ilircr zis.'^ Heschiclitüloncn 



j. ^ 



tarrun^" zu loccn und durch 



/j^'^ 4^.A^'^ 



/ 



/- 



U-i 



O^^ 



hiotoriych-xwri oiüche -ruiiung zu cichern.Dach auch diese itÄs:^: 

n ^ r -c ^^^ i v/ e i t em 

/^ ^75-1- ^ciüoung erbchöjjlt üück nicht die Iniention aus <,erx.cb und d 

des a-oJiiies. ».rocliLiai will niclit vcrmitteln>^er versucht auch 









^ // >Qvi^S>c i)as er^iiht sicü « ^o^ ' u n aus i^^-e— *-,i cinicioünden x^a^-^itcxn, 

^ /'v.<.*c>v.^^'>< ' v;ü er an eineiii taliiiudiöchcn dleichnis ,daB die ^eiuhr der iciioCi 

Phantastix und der k-^lten teilnahi-islosen ^^.ritixc im ■L^eii.^.iosoa 







beleuc'itetyund den ]"i ttel-'^eeT zu £;ehen enpliehlt , diesen letz- 
tere! 1\i\. t in 6 . n ' r I'ü r i ?i n s e h r c \\a. r ex Je t e r i s t i :-• c ' ; e n • / eise ^rct 

prutt.'^r lehnt es c^o, -j gU-:^^ ] Jattel^-er: zu riehen, unc zv-ar rait/ 



• ol.render. |^e'.?erler:unc< ^as drucict dieser Öat aus? 



_. _ . -4*r(sollen\ 

V>^ " i^ — r' 

'(Oins in (Tlaubensdin(]:en von beiden -^xt.reraen 'gleich i'eriiht-.ltenj. 
Logisch ^je-^acht bedeutet^ das aber auch, uns nicbt zu reit voi 
ihnen entfernen , also etv'as von c^inen vie vom andern beibe- 
halten. ..iesse das aber nictit erst recht das Tdchtige ver^ehi- 
len.\^ill mfi.n -IVe^en Pt.-it beherzigten, st^^j raus s man überhaupt ei- 
nen andern "•/e^T ''-^'äblen , einen (^>.Q.r zu den '^'^'^- r'in-r.n . 'niruci<:fuhit, 
v;o ^lie D:n;Te ihren Ant'^mg nehmen mnd von --^ort erst v; e i t e r?ötiö€ 
p:ehen,so dass aui diese '/eise V/idersprdche und ae;:ensatze vol 
selbst sich auilösenV Auf die Uranfänge zuracJcgehen heisfet 
für .'Irochmal^nicht sich ins Gestaltlose verlieren, sondern zur 
Aielle -^er "^rrirrrTrr^i i;«ruc;v,zur ^^ricenntnis ihres Organismus 
](m ist "^radition das Vlediijun, durch welches fO^i,*^^ x± historisch'^. 
Geschehen in seinem 7esen v/ahrgeno/rraen Verden kann,T<-]r fühlt 
sich dr^r^i^auf sicherem ^^frunde n^L.^T t r^ .. a . ■ >^tt-.^.M,^epffy^y ^, ^ ,., ,.. ^^ ^ ^^^^ 

kritische .^orschung Ort und .^eit .feststellen kann/^ ^Ä^rTHIdu]^ 
im ■^in^^.elnen/^Tlyras ergS^?^,das 



/ 



r 



■^^^J-Luia mit._d£j)t^ 3 -c :.diLiuiiuir ' 



llzi: 



z: 



X 



10 



k 









Ja.-^ 



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Ta^ aiaJbcn un^ '^i : ioüo phie in t\eoüreliK; tim.aung zu bringen 
vci-oac^.]t,iie 3üLi..liun., .. .roclunale'. e^'in.^ darauf, die Tradition 
auü iliror :i:iü r.cGChiclioK^io..cu ^^..-l. ul.:.. rung zu loccn unc. durch 

hiotoriöCli-I^ritiBche -ruiung zu Gichern.Doch auch diese ^2:s:i 

he i veitem . ^ 

y^ ^ISJ^- -asrun^' erbchöjlt iiücii nicht die Inucntion acü ..erx.eü unu a 









a 



ies ..-c.niies.*:rochmal will nicht vormitteln>^er versucht auch 






/ /. ^../..y J xcü.ne . ■, 1 : ci^g ^.ynt,..eöe ,5f^ö-"^^fe§t^kx^3t.vä>^3ax-3ß:ä^^-^ast-Jtia^ 




-•^' /A'^-^ 



>• ^< 



Z^' e-5 <?^ 



^^v-rä 



-c>oS er^^ibt sich «- ^o ' ^ u n aus \y^ ,i cinieiöemen x^uj^i uexUf 






doppelte 
ie "Jeiuhr der ^ 



^ * ^* '" -^ / /.x^c^«^^^*^^ " v;ü er an eineia tccliiiudischcn Gleichnis , das d 

Phantastiic und der Ici.lten teilnahxis losen -'-riti^c im -'weii,_,iüsa2 



beleuc'itetyuni den !.:ittel-^eg zu c^^-C)n enpliehlt , diesen letz- 
terei f^at in 6 .n^-r Tür ihn sehr charaicteris tis chen /eise j^Köt 

prüft.'^r lehnt es ah,'fe==ri Mittel^-e£: zu j^ehenjUnd zv-ar mit.' 
fol :ender. Jjeberle.'Tunf:* 4ras drücJct dieser Sat aus? --!irr(sollen\ 

V'^ ' " 1^ — Y 

'/tins in Glaubensdin(jen von beiden -^xt^^emen ,^7*leic?i lerrjhaltenj. 
Lo£:isch gedacht bedeutet^ das aber a,uch,uns nicht zu v;eit von 
ihnen enti ernen,also etvfa.s von (iinen vie vom andern beibe- 



halten. Iliesse da,s aber nicht erst recht das JacVitige vertfehi- 



/ 

V 



7?ofl-^ 



T 



len.'Till mri.n I^ien Pi;^t beherzi^'en, >^=<*^ muss mein überhaupt ei- 
nen andern '7eg r;ählen , einen ^.Q.r zu ien u"'"" "'^''/n ':n "urucxlahrt, 



v;o die D".nge i?iren An^fing nehmen ^und von dort erst v.eiter; 

eben, so dass aul* diese '/eise V/idersordche und 7e;:ensatze vot 
selbst sich auildsenV Aul' die Uranlange zur..c::._^^^f;hen heisifet 
rw-r > rochmal ^ni cht r-ach ins Gestaltlose verlieren. sondern zur 
^uelle --er -i^rsrrrtnröTi ;(;uruo..v,zur ^"iricenntnis ihres Organismus^ 
Tii ist '"radition das j'edium, durch ^.elches ariJ,^^ x± his toriscli^. 
Geschehen in seinem "/esen v/ahrgenom.:ien v erden kann.^'^r fühlt 
sieb r4^.4,^^i,'^nar^s i oberem '^yrunde n ^ ^^^^^ ^An i \ i t -t^Y\- ■ --^p'^t t Ht 1 > ^ ^-^ r.' n n die 
kritische 7orschung Ort und Zeit /estslellen ..ann/i t^^^^sTTTTuTurch 
im "^in^elnen/^Ttfvas ergS§?>das an . t- b llüh mit..ji£J>t ^ -r c.. di Lioii-jir ' 




K 



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1 . 



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^rttrrrrarrrti >*- 




int.KritikVr^^-ie/?^igio^oe DoKuiaerft. 



nicht Libereinzuf^timi'^en öc^e 
te<!voraussetzun3Blo8> r.H ^ux^ n uo'-.n , zu -comien .«^meuit, 
greift hinter die lestalt ins incr.Xö.;^ verfehlt ihren ae- 
^•enBtana ♦ 



Wenn es hi-torij;ch «rtrxr^^:^ einr-andfrei . eststelLbar tfH:,dass 



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f-j^f 






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r« t r *^ 



-«^i^-H' 









eine Anzahl voQ Isfainen aus den Maiy cabaericrcise siam.; c, ouer 
dass 1er Tsalra "An den ^a.ü*l««-.i*Wi« " niclit von- Kunig David 
sondern von einc4W levitiychcn öan^^er im v^xil ,<!:; o,so ' ol^t 
daraus durchaus nicht, dass die/ sogenannte/ .Echtheit der Scumm- 
lun^ an-f^z^-eif elt verden müsse, ".as ist d enn mit .^Ichtheit cje- 
me^nt? Die innere Wahrheit reli,:iöser Inspiration oder die an 
> j , ,,// '/authentir che Ik r.<:unrt von einer hie torischen Person? '.cS ge- 

wtinnen -ir denn^'^'enn die religiöse Lyrik ,-elchei/clie 7römiiig- 
.keit einer ^--.'elt ^•el'ormtl^4wto=:::x^ x^.^4^ ^ u^ . Cha^ aJfe- 

ter- verli--^'"-en4%«rt, unter eine/ Anzc.hl verschiedener ^terfasser 
aufgeteilt mirde,die vdr dann auch nicht kennen? ICrochmal 



i)V 



\[. ^.^-^ 1? 






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hat rür diesen -all sogar den ?5e'-eis zur Hand ,dasf. die in- 
spirierten I'annerjdie den }:anon festsetzten/ und den iäamü-ilun- 

.<en ihre ^Tarnen gp^hen^sehr v'ohl vussten, ("Uiii n l"].« '^'Ui'.raBiier 

\\\ii Mi ■PMHIi 1 '"'h II II " i r "1 Bt^nmt-en .Und ^r zitiert dafür eine 

+••.•■ 
alte -j^ i p chna -^f^ilig'^^^^^ ^" '*'' '' ' '^^^ I'salmen von zehn Aeltesten 

verfanst ^^?orden s^i«*#«.TJnd re en jene i>ft4uü-Uuit^t^i Tradit ionai- 



listen,die lieher den Umwev; vrahlen^zu sagen JCdn ig David habe ^ 
in ^TTik propheti eher Voraussicht ixil und Hak: abaerkampf e 
voWahnend auch diese Psalmen {jie, dichtet , las st ^sich, JCrochmaly 
in 1 1 g e n d e r '.'e i s e Yern ehjrie n ; '^ ^^^r^- — irf^-^'t^r-'^^nn--^'nT-'%iiß»^ 
v^enn ^'ir feststellen, dass noch in der Abendc^amnerung unserer 
ielhstsytandig-ceit, als auf unser "luck bereits tiefe Schatten 
___ fielen, es noch Heilige »getreue und Jcxi3?ixK bewahrte 



"^-cLj 



♦-t'. 



:■, ^\^1 



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=:i wird am "benten an 



'7e>^rtf^ ^^-f-'' 'Vw. c-rtTonHnTrify :\\M?y nur ^en :3cVuitt von der Tradi- 

tlon ^"ep:raTinen zu la??3en,df^r V'r eilic; -ratjGO ^^\.n.a\)t^r\ die 

'Ä?c:^>r.RH: '/erkzeug ' ^A,^^^ 

mit df^n KPtxItx^siu^ der "^ibel^critik ^l^eu Au?,:-erusteten ^/uft t^^ 

jeder feststellbaren i:;:v'3re LnoarJcei t , das ^.xa^^ .^j^r den -^^au 

i'en "^^erfen zu icünneru-I^rochrial:^^ -^zr 

J. 
^^^ei ^eirijielen zl--^ v/ji/^^}i In funer^ "^xkurr ibr^r^^ ^TTohelet ^ 

untersucht er di^. resinnun-s^ die in dienern .Buche zuin Aufdruck 
kOitL-it, und bener-rct; "Unsere ":ei:-^f:n h.bcn dreierlei Arten der 
LenkunfT der .'elt unter^^cb ieden ; ^ic natur^Ter,etzlich-kausale , 
die freie vr»-! ., ■ ^ ■ ,. rr^^n-r,:. des Iwe.'itc-en ,der xioixxKxi: manchraal 
Ze^z^n den Lauf der TTatur zu meinen '7ohl o.ier V/ehe sieb ent- 
'•;cbeidet ,und da-^ unnitelbare .^inr:rei^"en der Vorsehun{r.Die- 
ne An^'chauung findet er in den i':nap.,;en und .cj.- tlicien ojruci 



aup '^e drück 



.'im V^^^ n.^\^:^^ >n:!)'^3 >^W->^> -siij:>T>_ 



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ß^VVl^^ M. 



Ud. f^" 



I --ri-f-i l'trru. chia 




'. , d e r/ö^ . b b i ak i Ü^cx z u- 



• c >i r i e b h^-^^ ' - i r d / a1 i. ^ -■ i ■ t v o vh ee r '■ e e h e n 




^ 



>rrt-rt ü e • 1. 



Ibt v^ 



;e e '.n, and div; ;>^lt wird in. rute .:cr.lclitcU 



?^^r^" 



..rochijal 6 rlo^utert .^ ^ • i U > . • .. / ^^ ;p -^^ r llaturnot'-endig- 

keit , '/orherbeotin.TanG, T/ '^^ ^> / v - p/ ^ ..rcic ,.ulil j 

/'rJ Pi^/r^ p ^ ^.'- ./t;lGlt-;itLmf^ nach der Idee dea Gucen, unu I 

i6nn,d^.f^:i die:^e M.ui'f/H?:<'-'Un{^.-^ in '::ineM ; 
/rrr oc:rix overs o^^-r^iidet i: t fc.',:..U'^=x-i:5^ ^astfr.!» vwid ^ 

?->n-r,qcb ZU Aj6i A!.i . / ' j ' :i. "1 **^ — ^hnf -V m I ^^ 11 i (^''r ^^■^^■- — J. < N . u-jn y .i H f in v trr- / 

Jift, fU-*ii «re/^v Set%e^ ^t>^dUl*^ (x^.uUJ^u. m^-^ C^^um iv^y^v/) ^ ; 

^ ' ■ f t ■:"* 1 i L. uoii^Tj^^id '- jracb ^-^-^iter; '30-^ aVir ^-*Ha 



A urirt dciiiii 1 ort . .. i 
rauBdri.ic.cj.iu 



» « . j j 



Eß. 



1 'vh; 



,^ ^. ,^^ irrirvi : ü n -4Hf»4--aj;L.^' tjl' r ^ t föder i er zifffl-^t In (^^-w ]>i n , 



IVti VC4\x*t ^Ä. t-fUv K^'wJy4^l{. K/ 



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•^' : '. ■;: 'T -': ( f f:: n de r 



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ehun.''' alö HicViter; , aJuix :-ein 
ori! li/. JH'i er -tirbt 4^nr..tur':er^e tzlich.er y\blauf ,der 



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12 






^^c.b,die eprui't und vmrdie; buiunden wurden, wiLL--de.U4:m. /der xkx 
ieiöt der Heili vic^it /Iraht^e ,-t*^^ dem «ie AUüiirucic ^..^^n m Krfctx 
erhobenen -Ir^rieösuna-en ihres -^erzens , iyi v^ebet und j^nKsagune; 
vor ibre;rj herrscber und Tott,l'ur den ?5ie im Lauie dienes lan- 
gen und ychwuj-un i^-rie.eb Leib und Leben hinf:e u'jen hautin?'* 
^'^'^^TiVi die üedaKtoren de^ i^anons diese Hymnen dennoch unuer atiin^ 
au^^^^'i-t^^srf^^en Na-ien^-in -^n?^ P<^alnsnbu<^h aui renoiiu .en haben, bü Vrexr 



e 



s,' eil die ihnen hxHTsrxx ..eitlich näheren Karnjfe der hasmo- 



naer un-^. ih:>' Miederschlag in ^ieoen Liedern an 'Yürde und 

:j^r Höhe den vorzeitlichen l5^^.vi^dB 3CXK?:r!^krxrnx5is!^± zuz^xgeseiie^ij 

"^ert /tTrs^chienen ' ,um ihnety'jiang und lOauer t ur alle ZuKunl t zu 




A-f^u-i 



ge Jen. 



£^ 



^7ir verstellen heute besrr:er,als /^ur "'eit .Hrochr .;:.lc Mdr;lic]i 
und ^och' fiputer rad -lieh ^"ar,vie- die Hntdec'cung einer Unverein- 



/* w 4<- 



bafc-'ceit oder ein ■alrcheB "Oatum f-qT ort (".^^ra jK.rvdacht vjü -^ -^ — ei- 



y m 



trUj^-^na't.elef-te , d.. sj^^ der relir^idse ^v.ensch des 



Altertum? im v^rient zumal kein Indivi.duiHn in un?."erem Sinne ¥< 
^'ar.Alle -^3==»*^ reli'^iore Tite-ratur bliebe nw-. ein ver^^le 'eltes 
:3uch,'.'enn -■i^ '-in^' den ^Jinzelnen XRrtxxR in ^^einer Jeziehunc* i 
zur "lesaro^theit und ziAja Heiligen andern als in einer Art Ano- 
nymitat vorntel iten, hinter die er zurdcKlr^.'^t;??^ "einen verehr.- 




io^^^U-fU'^^^ 



B-jierKnicht rrie j^;^^ xxaii 



' ^urt.^— •-c *-«^, . ^ tej] und bewahrten Kamen ."u l - m 

g^ 'ÜAMM^'^'-^f "^^^ ^^" 5fxxK authanti'-cber Nane^>'sondern^--er -eiss welcbe)l^'^Ä^-44^ri- 
^ycM^-^M«^ ' "■eili.'^er -erfv;n und Hielte der Inspiration ,die auch ihm zu 



$%'^^Jt^* 



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Z, /Äi 0^<rJC''i'*^ f^ " 



"■eil wurde, bedeute tey -/"^^ 



i . ,ij' or i 



-r- M- 



r> * . 



^ ' O^un , 



XxxItxxXKtxjcxTiJxxJcxi: Unerschütterl icrie religiÖBe aev/issheit 

n i c: e r iii .. d e n rl e if 
mit xnsrMXÄixKkKH Hingabe an / unbestechliche ^xhrkKxteÄar'^cti 

''•V!.hrheitslor3chung trafen in dieser .'Uis-ercrdentlicben fersdn 

lichkeit zusammentue ine uiai asf'ende J'^enntnir^ des i^esaimiten 3:i:tx 



i/. 






io 



^u.^ 



jüdisc--en "chri . t-und '■eiBtuj^is '-^'^.. J^ilz^'^ il^n 



e ' ,vl j. i.^ ^ ■>4^^i-ti;^.iA-:j ift'w i 



'1 . .1-,.^. ' . f . i tj f i »i' i 'r"i' 'nut w . 




"llick für das Wesentliche hol t^ er -ich aus deii entlegensten 



H >V"' 



stellen t:amudischer ^rnidrHöchVxischer Literatur, auJi 7ericen 
der iCabbalc. und (ia^-HH^b-iirinauK u>.n historischen >toii he^r- 
/aus ,um ihn für seinen :3au zu nutzen,loc%(^TZrrschen un-^ 'Vissen 

:=j^,(:r i^-.;t isiein ScVirix txr- 



g '- ■" 



Vinhen e'ne sittliche "rundla^ 
steiler und o'--^r\(i den "^Ihr^^eiz eines solchen. Aeusserst Icarcj und 
behutsara in luhlizi^ren^ i^it die ^"Irf orsc^ning seine eijenste, ^ 
Bünliche An^rele^enhei U^ir:^^ t ■.:\:<t sich seihet die "^lin^e klc^ren 
und dann vielleicht auch zun Ihitzen lur die Anderen. 



i 



/? . 




ai^ 








■'♦.•^iirf-i.W-^djtl.-.r-Jfe;^^,. . ZM 



anae,unT^f 






• ":fllLfrochnal i.t an 17.Pebrunr 1785 ;i in . ,rody, 
einer :3t.dt^i^a ::ordo.ten ^alizien., al. Sohn des .oiahabenden 

.■eboren.I..,a ,,u sdch die V-ohlhafe 
benheit nicht übertrieben vor. oellen. ^er 




au 



•-^ . 1 orr^i ] ■. r o c >] ■ , a 1 



Jun-Prt -rochn 1 eine : or^. dti^e Jürzie 



ug^das- r,ie dei-i ^ixngix 



'lun/: in traditionell 



en 



j 1 n n 



■■icberte,die ihn bei meinen Iriih 7.^x -are 



■■ • a rt i ij.'.v e i t e n ein uni , 



e^treten^Ä 



asr;endes ''irren von tvm'-r>i- ^>i 4- •■•■,. 

vo.-i Lypi;.cri o^tjudiccher 

Art v..rjnittelte.T:s - i r-^i vo„ .^..^ -.. ^ , ^. <^/^-Z^U^ 

von .len lo^raphen d ... . ..u, hi. r—nr 

A ' ~ • ' - • J. >-' — f J I 

^'- — - — ^ »^ ■ a i. ü r 1 , d-^- — -=-^- . .. ;, 



rrrt" 



rr^TTs-^riUart 



lyp-- - ~r-.-.i^»3-. a>i» 



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XHXClKX 



1 ^ 



1. vj 1- 



ui-iU f iw X . Oii Ol'. iiciCii 



, v^ 



r i i ti .. u 8 dehn t e , n i t d eii 



1^^ • -, ^'^-:;^-n;'^^,vn ... — — ^and von decoen ^cctruoai 






Kreis uli ^t..nde]^üohn iri j^Tcrodirune; ^5==^^ 



^- >i..^ , 







■*vf- 



^ 

^ 



gen 'cnauere Kenniimis in cein-o lieir.iat ^ 4 uby-. .Cut - fe «i<uch duiM^iJ.- 



ajU f^ thßfu h^tJ^Klt N^'J^^T Silte wurde der jun.re öü riir~^-' e r ir i rdhz e 1 1 1 gyv c r qc; I r^, t t;r -«^ 

u.id Zü?r zu seinen Sch\Vxe*.:ereltern iicich'^Zulkievv' , i.a öiune aer 
Lebensauf lasBunf.: der 7^-i-t- liatoe ein gelehr ler juii^t-r ochv^ie- 
t^ersohn /irei vori )urax b_^j. ii'jhten und von den i-iitern aer ji'nxxx 
V r? or^t Keine andere Au:,;.:c..öe, als zu^i^-irnen^, rrüchriai nutzte 
die?.e kus^-e zur .'.i^rv/ei cerung seiner taliiiudi^dri en utiu rabbi.ij.- 

öchen .iiidung ,durch das Studiu... der reiigionr:. jhiiofiophi :-chen 

H-^-'^"" ^ b ü d o u t un ^: r v o 1 x u ri 

Schriiten oeg ivir;.imonides ^^-de^ Ibn \lrci", de?3'-'en intriKaten x.i3J;:x 

3chri L ten 

y®i'i&r-:.^:nde«jfe[«ÄXÄÄXÄ5ld:':HiÄtKrXxaÄ5t« mit ihren hinterKrundigen 

Winken und Andeutungen cr/'?^äter besondere Aulraerlcf5cu.x.;ci t wid 
mete.^~;r lorntt dabei auch acutr--ch,b^>4'fi^ cs/^oald ds::3?»5die ^XK» 
groBFJen Schriftsteller der Zeit 

Lenping^jrant ,der sein Lieblingsphilosoph vird<;,:]r : oll auch 
Latein, fra.nzösi?iCh,AräJii«ch und 3yrif^ch i^tudiert haben^wovon 
mancherlei opuren in meinen 3c^-riften zeugen. ^iere Vorberei- 
tun.^rr^zeit dauerte etv;a zehn Jahre.Der Aufvrand an Arbeit ,ICratt 
und geistiger 7inergie,die nur err.iesr^en ]:ann,v:er Rieh von dey^ 

*i*^ C-rthodoxen g>r.;.c: 



"V 



n.'Tvor allem ^^erdcr ,■ 



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r? « V, , 






U*i** C' 



judi sehen j^kti 



Gemeinde im ür- ten zu jener ::eit eine Vorstellung zu /.lachen 
vermag, untergrlJLbit die ohnehin zarte Gesundheit dep jungen 

Mannes für imiier.llit vierundzv?anzig Jahren musr^er^um arztli- 

s ich 
che Hilfe in An??pruch zu r\^Yiv\e.ri ^^^.Ji'KYsy^MXYi'K nach iJemberg be- 

geben, ^vo er längere Zeit ii4-e-th t . h i e r tri^t er zu jenen ^kkxx 

Kreiden in T^;eziehung,die. von der XMJticix Yelle der Aufklarung 

bewegt, Bich in neuo^^-feiste u/i jüdiF;che Wir-enr-^chaf t und Lite- 

ratur bemühten. Die anregende JTraft und die gei=?tige Aivtivitüjt 



KrochmaJ- 



achte J^-ich hit:r zuer^rt -eltend. 5o ; oar liehe. ^Hre ^eug 



/< 






in ;erf?önlir'"he?^ Lehen aul unr^ f^cko^ :• inn .iindfin 



emerKftir.^ien ^ie)(durchaur überein,f'lasn er :"ur die ":.naer 
die der galizioche^i i:c^i:.^ala Tiui und -^—f r:aben,Vün Mugend au. 
der .^^eister war/ und die ;,uelle jeder Anre-un£;.:^r c;ehort zu 
jenen reltenen ^"ersönli v^"h.'cei ten , deren Charakter/^ jMtVi "^ t^^-^n- 



^/'i.<. V»^ ^r>4i^ w<: '.c< 



._^^^__..^_^_^.. ^-^-^^ 



'1-. ^ 



■•'*^''?T"''''**^ 



0. , -' 



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irr^'s^eißem 



vw:.!^-^ 



"^1nr.^j;*.t. 



ij5^. ^"enn man i:rochr::al ^^'' Väter u .r jüdibcien ;tir 



.fcw.» 



• 7i?^3enßchaft c^enannt hat, so i^t erf nicht -c::^ lurch nein .,er-.^ 



rtririre^ 



Iz^:^^ 




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ler TDichte der,. KLaeriai» 






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■-^«^T'-^^f^T-^'^^TTTre^'tä^ 



- i{_4 ^ ixxxfe. 






und der ""ülb^ der Tlinv eise ^Ü-^^-^ 

,^4^.ni^.^^n Lehrtuti£:ke:t im TJnranre nit -Icichstreb^nden 

Ken^cben r.cheint 4jv-^.B4:^«r^^n nich aber re i.n -M^es Leoen 

u^-ri- solange ^vi..*^'^^:^»---^ 

; ^i v-^...^.^>-: :v ZU hcioen. "U^--f-i^t ^-^-^ f-:eine bescheidenen 



^c»-*» 



'x^ 



'^altni::e es ge.itatieten,^^^^^^.^^ f.r^in ; ei:ier ßenerösen Art 
bedürft i-ieiC 3chüler/ und Tat-trebende^ auch materiell ^^r^'r'r^r^- 
alaiat un 4li:2n<-ii-^ ^:olu-u . 'ach de,: x'ode .= e,iner 3chv;leeereltK>: 
tern ma-r^sich Ilrochraal entp chliessen »xtE^^r/selbJ-t^^tundig zu 
,rerden 4ind rieh ?^elb-t um r^eine -er^chärtlichen Ancrele-eioheite: 
-ern.';r ^Urd neiner ganzen Anl-^ge nach dabei nicht viuo. 



z u -Kium 



au^,feriohtete haben , .iedentall^ v;isBen -ir,dass das Unternehim 
in dem nein -^^aoital investiert v:ar, seine Mittel allmählich \v 



^vV» 






^jft&iä-l 



ij'neh^-t 'n h r n^u::j::r2T i Indegf-:en lebte er un bekam., len 



^3.. 



r-^e'ner Auf-abeK*^. ^-rf^^-^'^rrrr^r^ i-*:- /rotz 'Tcinntrauenn der ürtho- 

doxen und mancher Anfeindung von zeltender ^I^b sr-idim^-Tm 
Städchen 'l-f>r^ ,^roB??ten An'jeh.ens und allgemeiner Achtune:^' und 



TlerieA 



o > 



inde einen g\xn r ^ t 4-g-a^ 






übte cLne Zeitlang als Vorsteher der 

und versöhnenden :^inj'luns^ezeu:-t v;ird >*«rr^ iseine Treue zur 

und k^ \.trenice-^-^*^T^4^^-^^C^<*V *^ •^* 

Uenerl leferunc.diiaÄ-Äii. XXEkxniS . :t&.^ ^xxrxJixx.tKnx>^Krx.tQ»Jix?cei;en 

) 

(txK rituclle/f Lebenfi-eise l^-ef^^i^^l^r. ^c^-^-er betrolfen yfitrdd-.^ 
Krochmal 1^7 ' lurch den Tod :^einer "'rau^ un'-i nac'idei-^iyauch 
der /i^est f^eines Vermö^-en.s verloren irMi , r^ öht er s^ich gezwune: 




K ^ V 



«-^-^K^-ie-^iL-' 



(jährigen 3ohn.ilach seiner 



gen mit dem jüng?^ ten,damal!^. 
Meimatstadt 3rody zurUckzuk' hren ,um dort durch irgend eine/ 
Tätigkeit neinen ^e'>en?^unt erhalt zu er/ erben.Die "Einladung 
!?einer in Tarnojol verheirateten "^ochter ; zu ihr zu ziehen^ 
lehnteer a)5 mit der Begründung ab, es passe v;ohl in die 3itten 
der ^eit,das3 ein junger nicht ausgereifter Gchvi er-ersohn 
von Reinen ochv'iegereltern erhc>.lten v/erde, ni'-ht aber umgeXxh::^ 



iüSS. 



'i) 



17 



X\^\ 



\. 



ij 



iie -eni---t er^'r^ alic'ien '^eiac 



j- >^ 



T^r-:: che inen 



}\c> nio' t. -iC'-e?- ,chen,velc^ 



, c'-^ 



-n 



ten in - i->> 

1 r .. ^ ,, ^ ^ .,-, .^_L-i^^;._i>*^ e i n fB r .-in v^ o. , ^ i c^ a 



Ve r ^i 6 n 



vy dort 
einen halb ^ -^n Uiclihulocrjo^- ^ 
^'^^■'-äft in ^n-e t,nr.c .inerr . iclcron 






bt;r .^r ihny-.>6 "eni^ er- 



rrnüMül 



U J- cid 






rieht erteilt h^h^en.Oie L-u^ v;urae a^jcx . ^x ..... |. 
^ias. ^.: - c^ : ei Jahren iü:' ' 'Och nac^ 

.... letzten J^^-^e -ei .ns,die er dort 

den .rieben, dio -a. der -ei^ ^.tn.n. en, iot so 
:iai e .eh..^lic^i..u. . und liuhe un ihn 



Jui 



verlebte, u 

viel zu entneh,-en, 



••n CT:- 



•^.p i -^ en , d er h i cYi f' cVior 



in der 




? ll. ^WtT-X^-*^ 










ItXtß* 



^ ■v..-' P- riov^ 'ler Arbeit an seinera ".'erlc mit :;roK.:t;rfcr iiinr. 

,:abe uu. xu.emiit ■ -i^- - '.-n^nt.,. freilich von 'er sctoeren 
Au-i;en>:rHnkheii. ji •< ciii t reicht i£"'" ; ''' 

.Tu.:end zU;;ezo,;en hatte, hr ^ icirb c^i.x -1 dum l^X^ i^n 

;a^er von 55 Jahren. -Jin Ta^r vor .einr -ode i.t e. m^:^ 

j„y,pi. r..-' -.o-n "ch' ■ i e,;jiiX-S-o^-t*4 ^ . ..^ ._ 

J^^)-^^-— — ^:j^3-T:--.?:Trf^^ in '.erlin B.n ;-trc.ü- 

•v,orden,ob er da« .uit eines ^.xhM— --erneh.en voll^'e. Une 
Tatsache .die bereist .vie •■■enir Verständnis .-ein eigentill^ 
...^_^^ „c'^on zu seinen Lebzeiten land.^ei;c cu)x. .nende ..ntwoit 

1 ^+-7<.vi .•••; -r in Pipern 3rie1 - '■ den .jcnv.i 
un'i ihre iegrunduns >^ pitzen ..r m ei.iera ..ne. 

rer:oh.n. ::■■ i^t einer, der venif-en yerf'önlichen DoXunente.die 
un3 von .einer Art einen recht guten Betriff ver.chafien unc 
,..n .-ir deBv:egen hierhersetzen (er iPt in deutscher spräche 

l^.-"-,ereitf^ vor nchreren Jal^ren war unter den hie- 
.iffen Gebildeten von 7.rr ichtun- eineT- llianznchule für Rabbi- 
ner und '^elirrionslehrer die .;ede; ich nahm rüt TUjfer Teil hh 
und bot meine :;^tv.'irkuns beim Inr-titute Belbrt of.en an.AUch 
al:. vor un 'elahr drei Jahren die Stiftunft einer -^akultat in 
neut^chland so nahe schien, -o ^ann rahmcheinlich - 




(. 



Berlin und de 



en "niverpitut al' der in jeder lür.üicht ange- 



messene Platz ;;eY 



ahlt worden v<ure,da imr ich auch nicht ab-e 
neigt, eine Lehrstelle mit Vorträren über einire "eile der 
';Virrpenncha/t des Judentums, wenn auch nur jrovi-or Isch anzu- 



n 



(j 




ehr^en.lalls .ie mir anreboten v:urde.Dahin,;eGen var rür nie 
in icn 3inn geko.r en, jer.als ein ,^-it als lev/issenBrat zu >.kxx , 
oeXieiden ,oder nich nit Leitung der religiören .aifelegenhei- 
ten einer-eneinde zu befaB.en; .in .olchcr "v eck rar «e der nit 
der -ei'^rneiner th^ologi: chen -or^chun^un noch nit .leinem 
ganzen "fe^en übercin-- ti.. :end. Ich bitte Gie dernach ernstlich 
und inständig, die.e raeine un.edingte Ablehnung dem I.enschen , 
der !=ich an oie gev-endet , kundzutun, und dies ja rchleunie und 
in den bestimntefjtpn Aurdruc.cenl' 

Das iut im „cücatlichen alles, v-as ^vir von aue;:eren^..^.^. 
Krochnals v/is .en.^^rstaunlich ^.enUfc ,dr-Go bei --- - - - - - -^ 

J^ f^:^^<^^ t:" ^.ff^ von Vielen (iri^der /eise benutzt w.«^, 





;res^:e für 
% 1""^^, ,0 i->ald ^e3Ch^vunden zu 3ei n sehe int. otrr±trT^+r-^e 



i^ 



^*^'^ 



rj4J*^^\ 



.< H I > ■ 



r. ^•ehr aus^teÄehnt WcU'en^ 
.i^:7^.der die v,eitseno.neJno^h auch die leidende Generation ,«^ 

e4Äe:*ev.drkt hat ,'^r::=:=::=^ r ich die Ilühe t;enoi.i...en, 



^ezlehunren I'rochmals im 



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h. ß^^ 0^ '^ J r j ^^^f ^le er rUarK 






^ .v^ /-7 



l' 



^O/i «^ 



/'ä^...-^' 



^2aAJ-^ 







da« danals noch reichlich vorhandene bioGraphi::che -aterial 
'zu^^an^e'ln und zu vniblizieren.rr i..'- -l-Ci - iBt^L^^i .lo - ri.u . ^. ' »^ -r ^ä*^- 





V«« 



^ K>-^r'^^* '"^^^ ^ 2--anzi,:: .u^^ayfiya«ufc.^lir^m^e.^^ 



Anteil eiirir 'loemühte 






41 






r. 



die r>uc' 



jLiuChmalf^ aul 



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iy,'ijt^ ^M* /c)t<^^*^ •*> >6r;.v*-^«- ^<y»»^-^ . 










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t^.'tw • y* 



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.un;-; ciiA:.' den an:*^eblich reichen ..achiass 
und aui' die Handscnrii ten ,x:onnte er nur i' cü u^teli.en , cic.^.. ;i-Lx 
alie^ während der Invasion der irassen i.M './eltlcrie^: vcrbrconnt 
\v ü, I- /Ti:: air,c^üiic[i. noch bi:. z(^ die 'Je r /. ti i l v o i*h :-u, n den i , l. \ . e s-; e n e ^ 



« > 






Oll daDei mit vernichtet v orden ?.ein. 



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i.reili'v:ii BcVion dcirai t ,dcv,;:-r |!d^i<^ eröC 



^.r^ Chi CK iu-. 



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1 JaMre/nc\ch 



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rv9(rv^ -^^ 



:^IX?5rt^IIi;.: er'-chicMaen >»^*Sie vurde v:;n dec:;en -^rben und 3chü- 



"sD t^j^ - j-^ -^ ,«"■/ l'^rn h'-r.^ervtel.lt, ^*Tt^ von -rtr!Pi./- ."^un/iz \..er .Irochnial .^ersöxiiich 

■ "* Ne^c-^ '^''h ^^^^ e/arnivdit J^:a.nnte,)' iJö^Ht^t^i. un i luit .^n^^ biocraohic^chen .Jin- 



i ,^<v / ,' ■- 1- t-vvov 1 itun'^ vt:;roenen. lieber leiehrte hat^ß roln ..;achlc :•:; vervalt t^r 






f c^-w «^ ^ , r . ,nur v/a?? nich in C^rdnun.- und zur.i :Oruc:: vorbere^ tet fand,aul's'e- 






'Vwv-'«», 



»/ 



J^. t <-« ^i^-«-«- 



Ä^>ifi^V - 



/<CrcCv' ^'*'< '^ 



n6 . "en und viele ""ra^r^ente^ zum zv;eiten Teil al-« nicht f^eeigw 



'^^ <f//A ^ ^^ ^^' ^^^ -'^rben zur'lc :cfre^'e^e*^)■■'^::i^;^^w^-•4rr^ . i i??te verlöre.: 






:an m 



j. 



/• 



line Z'/eite Au"^ la^^e er?^chien lG5.j ebcnlallr^ in Lern 

/ 

berr,eine drit e 18^4 in ^ 'ar^ichau.^iir die hier vorliegende 

y ^>^^^ 

UeberrietzunrT diente als '"ext die'^rriit einer /p-urAfidirli eben 
'^inleitunc und eineii Lehend-'^ilde vcrseheney ^iT^^ t i . c ' .'or^l"al- 



/ 









tof 



tio: durc}ir:earbeitete vierte Aul la.r'e^ vrni '\i \r . \ 
die m— -^---hrr^ l.)£4 i^-i-VF^'^T^n:"^"^crrT-'-¥frrlr»^^ Ajant 
^^r ^.r3ro t ■' en^Trr^ erBChfub nen it. 



i-^^'ov . i t ' oi^ , 



in- 







Ai^ 



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'^'PVf.H^ 



ri n n 1 



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c'^^t bestritten v'erden,da.ss - ro 



chnaiö veric trotz 



s e i n r- S5^ 1 r s oh al" t e n T.u i 



n' 



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im 



i den inneren Sclmieri :.i:oi tan 



die es bot, von den ::reir-:en, denen es zugan,; 



lieb ■' : r ,besonderi 



1.-., \ 



von 



r. e 



r T»riBBenBChartlichen oeite .ol^ n 



d] Gebühr ;:ewurdiGt 



/r<r. r 



''^i?-r-"'p .lennocl'. i 



-t ihm das ITiss^eBCh ick v;iederia.hten ,ar.,Bs t 



o 



gerade in dem Pun'-tp^ ,'^er um 



heute wesentlich er •cV.eint ,man 



möchte last is c ^ ,, e 1 1 i n 



me 



.u 



-otp:edan^-^n,Hpn r-nltsaiasten 



.1 



vc^rstandnissen und Au^jlegun; "on aay.t^butzt - ar ,vodurch 



e 



§ 



enerationen lang 



:ie ra,d e zu bei i c i t e 



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:esctio 



bcn -;urde."^ie Analo/?ie im '"i 



tel mit dem philoso„-hi^chBi 



er.v '<• 



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es |4c>,iiaoni icB 



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7^ p i. t, p p rv^i...h n t • 3 i e r e n Life t e > uiii 



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1 rar- ^^itionM 



1 i ?: t e n a b z u b u e i • i ^.u-, i n • . » u 



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n -^i'ipplo/ri chen 



;hara.<ter von 



besonderer :i.:enart , eine ■ iicü± 



T-din^'^?^ 



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.t::en bleibt, de. es j-ro 



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chichtsphilo^'^-^^^-'-f^'-^^n 3cro . rinzipicn 



tzuschreiten 



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uni ".'eiti«rhi^; 



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ht^ .jelb^^t.^)^< ^^r auib^dj.en -rcbieten, 



die er 



berührt, Heues und .;ichtir;es zu sag 



iKen Viat, steckt er 



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darauf zuruclc ode 



ir ■•erden das ^-k-. i 



ner 'rol^^'-^'^n 



- t. n c >; v; e i t e r aus - 



ren.'-;r is 



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:ich oit/a. -mit, durch eine ::2:te 



mat er ialdicbtp, präzise un 



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L^"e\vUw.....-..^3oli ocbon eine aJe^^üiclinunt. 

, , I , — * ' -: ""^-n m ■'•^f^nt, an einen 






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" , ij i :i 



^^ «^Ji^d-< (>' c-K^ ^^-»"^^»-^^jt-v J-: einen fe.cina.uii 



l) ^It. bi- toj'i^ clien ^^ijicei,uic üexut^ tu.:ü:. 



i. »^ Li O ■ jj/ i L -i. -i. ^ 




yOjjhie Uli.-. e.;.iiun iibri'"^' 

zeit bif zum :\\^.l ;eb^..:,rs um 



^•^ 1-"^^ i^C'^^n V'^rcV^ icbtc von aer ui- 



^/<-<, 



cn, 



' "^ , ^ , hicjtoriscb-jsiritiscber und bibelAritiscb 



er jjx-:urse er^t^J^^t / 



A^r-r <^^^" »^ ^^-^ <^'^ '^ 4.4^ 



)i V^'-^-ndlung über 
.) ai ,io^;tehun{: un :ntv;ic 'relunc ^er ^ranition m r=: 

^bunc ^^i b.^.^rvtrrie^an^ unu oi.L^an,,.>biidun er mündlich 






rten Lebre. 



/v^. 



z,*^ 






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V • 



r die .^uda und ibre ocbü^ler.^ 



nilur: 
: .. ;.rbciton -uc^^en vor ftl ' r^ro OT-'^niin- i:i die -robleme 

zu bringen, d<.e M^ 



Oi 



vi^n'^^r zeitlicb una ortiic 



.: ibren ricbtijer. 
latz zu yetzenund bleiben docb einem Haupt _.ed^^.n. 



LKt^n unuer 



leiben aocn einei,! .ic^ujjo _ o-i-n^v -.ü ....^^^ 
eeordnet,der^bei ro^w^ .^ ^_^^-^rAur druck m let..^b i 



em 



]j / ^ ^ i-t(^1er ^edan.cefrr^r«^ Juden und ^JiHnntum^on Uranlanc 



/T r) ). i ^^h^f Uf'^ ' y das . '"^ *^ . das ^^,. , »b ^ 

ChrJ^l^Jl^ druck^ann nur iTT^nimTa: id 3§iBti£&/^b- :^^ft)i. ox,,,miiiVGr 



/i.i' 






^ 




aj t z u/iie ist 



•i ii,i Jinne 



'^^; J^ sal- Jeisti -e Liffi rt;etzt -erden/ 

vy.<.^^T[>^i Her ide,.li^-ti;^c-ien Thi^*- ^-ie d- r Seit verstanden worden. 
A^^ '^^\"' ' glr^^iu 5?w/-.vird sicTi (,^^i;en,dass diese Auffassung nicht nur unzu- 



». , /^ .^4 ^^*^'''' ^-^■'^'' län;:lic>*'*6lide 



rn lT-^ 



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i ein . iBBverötandni^i xxtx v,\ir# bn- 
jricberreif^e braT^^^-^i^ZunjEzjder r.eda.ctor der ersten 
Ausgabe des Verkes un'^ der erste Biograpb . rocbmals überdies 
die Aeus£:erunß j allen l.:.ssen; .benno vae ]'aimoniriec, seiner- 
zeit den Txlauben mit der Pbilosopljie des Ari^'toteles in beber 
einst,i:"uiun.r zu brinr^-en versucbte ,babe *4-^ i^rocbru-.l mit der 




K\x^ /V^» • 



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,iA<_i i^ J. ii. -j. XC.:-C*^ 



BC?uirs 9 cles^ 



von dCi. 



ivstem er u . iiiiocopliie der ^ rixxosüj^xixcn 



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hl-'' ^. 



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RäiBC^^en Jv. 



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>tii'ü --. u 'icji.i , ersuche I di ü rj uiiuxcv^c 



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-^'nisbo .A^i '"'^t^en 



... . . vf- r B 1 T o '^: e n , un ^' .:,i r 

'•^^ ■ ±t ,mit dur^^^'V- ' 



ren h::E :no^-icxiung :Ier "rscheinunren des Juden t urns. oOjl euer 
talt inides und " .1 einerr^eits ,andererBeits 



Ana.ria 7^ de ^iOn<^T tivi'^ '^ - p •^r^1-r^•rr->rl '^pi^^+'nn'^n^ 



,, -LoSQt- 



aCri^Jva-b .^. cJö .■ a.-itjii u Oiiifc) j . x"v.>uL,uua. 



leint er h< 



t9C"fe:XiX55:kr. 



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;;tr."«na:dt»k:c5lxft:c::ßai;EfiXS3:as::jCSine;cÄ.r.kitsi; i 



iiilCvX o 



^ üv^as 



abseits iie 



ndlur. 



-le eis che Logiic 



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ui tel baren Zubaiiii.enLiciiito --^ 



s 



. .en,vün )i dieüer .^rbeit lier uiiiun 

^.. h.er/:ustei-en« 



'wiii. --'- - ^'^J.-' ^ 



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iite ein oebtrereö v^rb Lu^iaiiio >^c.i 



X ,L 






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ca.np;'e und v/i'anu- 



onclerb der 






dit:: : ;^.^:len-:ill.leorae in ihrer :Jr..x oo^u-x,,...- >- — • 

v n -r -1 e n , r! r-, r; n -^ -r o c hriisi 1 s ^ c > i ema 



w i^ii 



r^ ■- ri ■ 



^ , ,. etont wird die 
G h. t e i m > e : ■ e 1 1 ü cö ü .o ^ u j. " -»• i ^^ - 



fr^it, 'Gl IG \J.<:iJ.'t^i^-^ i-i-x 

nicht ." dialelctiGch sonaern ^.t/i^^u.:. 

'lolle rier Vorse'nmp; in der 

ese , Antithese zur Synthese. 

/vnrernm'T: von der herrsch 

h^'-^'lÜBren' 



m^- 



-1 ^ ■c.o^^r.-o ^'■^-- i n'^1 irn^ aus 'li' 



. a ej - r G 1 "Uiicoi. -^v. u 1' -^ 



o i.OG 



1- ^ 



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sehenden rhilosopüie (. 



.Cil U-^i 



Vicos oder Jlerderscher "!e langen zuganc-i-i^- 



t V. eil >■- c> j.i.x » 






B 



kö 



u :-at er'^eine oelhRtstandi^^'e it /so entscheiaena .-ewau^, 
dass -ir der zei tgebundenen -errainologie sehr v;ühl entraten 
nnen,ura seinen --eaau.cca unabhängig von ihr dar-'.iir.telien. 

r un y u . j t a b o- nah e 1 a^' e > 
xpcfJfex moü.ernen ü., 
^^ rücken, ^^'l'^ -ie von reinen Zeitgenosse. 



Tpi. --ehe so v/eit zu en,das^: es i 

die Tonzeption ;>nchnals in die _ 



. -\ 



-- ■ r- ..-r. . > lii.^e. ^j» r e'!^<^n h' 'rochractls 
und spateren an - e^vn^Aj:.^ u ;.ui...ö..v.jci c ü , . 

n i ch t iiie i Lr ^ f 

le-'^anhe ist xsiiKX mythisch und . ..r uns ^ug, x.icht philo- 
sophisch- er ist so urjüdisch v;ie nur irgend eine/...üii-.w4.i^i 

. fr'ihp.r. ^ischna-Lehrer und ihrer 
'Yeisheit.Al.e entliehene -urminologie dient ihin ja schliess- 
lich nur dazu,u]n seinen im reli^^iosen .reGüGut.t.uL.n .......Inder. 



aedan':en Au 



.Hr'-r,'- zu rrehen.Das ^-ird hei einer näheren -ru- 



funa aer ZyKl 



• t> r v< 1 



k 



2ir> 



.yf 



.^ 

# 



Philosophie Hebels versucht. ^>as renün:te,um . r(^\^sxeX in Hen 
J^uf e*ines TIe ;elianerB xux^x.mx^n: , und mlt^#fei.i Abiainr--:cn der 




übrr die -ech.Relnden ~v)ochcn im AoicUr' des Volker Leben:^^ ein 
unl ^'ren2:t sie Colcr^^ndernn.ssen rab; 

1) 'voo'^he '^er- chBe.ns und .".lühens 

2) \iJOChu .u>r Kru- tentrcLltano un^^ \^^r ^at 



, 7 




Ap— 



o) :^poche des ^eric-aic-i und des Unter-'-^n-^^s. 
^:)ie er^^ • e xxrl i-t, dadurch -eKennze lehnet ydaur dar: ^*' ^ra^ tW 

ge^,d^.s helB^t im 3inne Krochraals daö ueherwirkliche V.'.^n- 
B ti tuierende^irj Volk erblüht, -'odurcb es hefahirt Y'ird,^ich 
die siLtlLU-ieü um i;ozialen ^7erte zu ^cha: en und zu jeder 
Art VollicOiiiiaenhcit lortzuBchrei ten. In die^ser . criode i.uaii- 
rentiere ßich das unrait telhare ■']inr ir'cen der r^eisti-en Krul- 

4j:.In ^^er 2-eiten-,i^t von dieser T'nnitr elbarkei t nicht laehr 

u T"^ ") "p ri ' " 1 i c 1 1 e 
viel vorhanden, cias:i-*4r^Q^^^eben des -leir^ticen hat sich zu 



e 1 n em 



Zustand ver^'esti^rt ; das Voik löjel'indet :rich d^bei in 



guter CrdnunK,und seine .^ualitaten. deren .ntlaltunt: vir iirÄ 
früher hel^^rniTn^n conntm, 'elanren .jetzt zur Vollendung. l^ie- 



<^t-^ 



se "looche ist jleichsan die ^^rbin \err er-trn,^ 



.1 u 



hrt 



"^nd vollendet. In dera Ilaasse jedoch al- der „Bestand des Vol- 
kes iraraer gesicherter er^^cheint , sind berets die TUeiiente ^a ■ 
^7erk,,die c.ls Ursachen der SchadigunG: und der Verderbnis 

allmählich-' den ^eriall TaiT:txxK^'JtXKÄXiiE:>ix:lKii7CtmtKr?ca:rix her- 

': ' rrei^t die Yerderbuio Uui sich 

bei:> uhren. In -^.er dri L oein^xfeÄXX5^.xixxi!2Msrxx.s:xxKiix und 

führt zuni Verlall und sc^aiesslich zum hnterei:ang.T:)ief^e ■^pocl 
>^-rinr:t die nerativen "aenente d-fr zv-eiten zur Vollendunc. 
An diesem 3chema sollen -ir einen historischen Ilaasstab für 



' > T vi f j -r» 



^^.ntvicicelunci und ?:ustand de^ yVj^.^f^Jt an jedem Punkt ik^t^X 
Ger^chichte gewinnen , und damit auch für den erzi^lehlichen 
'/ert der beschichte überhaupt, als ,^uelle der Selbster.^enntnic 
Volkspersönlichkeit i; t also^cvch llrochmal vor allem die 






'XrCjly'^^' 



L- l>Ay^^ 



y^\A^k -^V 



Schöpfung einer <jeistic:en 'Vesenhe it. "^lo^h. ihre Konkre tisierun£ 
in der beschichte lasst sie dem ^lesetz der Individuation ver- 
leb., iallen, die zv^eckhaft ,endlich|/istf^arum treten die Völker 

vom hi^to^T^^^cbpn -"»chnuplatz ab, sobald die ne^-.-tiven ^^.lemente 
der dritten Ipoche sich aub^.v;irkt haben. Auch r^er bestand de 



'^1 



.1, 



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'kr-, t^'• '"^ /lA^^^^v 



,:-.>J, rJlii<•^■■; 






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24 

des judiHChen Yoi.c. i.t iu .Uge.aeinun nicht "durch Wunder 

unä Jtorun« der natürlichen erdnungV-ewahrlci.tet j .,lu crr^^ 

..^.nrircr VolKal.ib ist e. .beniallB den hiBtori.ch.a -..ctzen 

•"^■^ unsterblichen 

an.^r.or.en.lDoch da e. deu konstitutiven Trin.i^ ae.^.^.oiu- 

ten"^rhafte. ist, .so ,..,,.it--e*^-'.- toti -^ 

chen .;X^xx Daaurch ^-ird e« re . aax...den hi.torxsc.en K.:. 
unter ang zu uDer.-inden und nacL Atolaui aesr VeraerbltS von 
;, ..euern zu oe.rinnen. ^n diesem Punx.e .ritL 3inn und .«ieutun, 
' der Ajdicion erBt in. rechte J.icht.Si" i^t vor axiem und 

. .e.«-t^i^u«^.-u"'^ i^n-r vieder^eufe ^estaticung ^,er to^ 
Ilrtat.acve .er Volksgr^ndun.'al^ Aia de. göttlichen ..ix.ens 
und der unlöslichen «nVcrhundenheit mit itoj^. fe^i^t dieee. 
■nilp.n ".aun in der V'elt zu schalten. 



1 



'Vir konnen^int.t die vielfache Je.r^JiAunG '^en /ortes 



'i'^'''^)j'^nvkkif 



satz 



fache Ver'v.en^ 
fi .zunächst i.t^l^ verstanden im .e,en 
itliche^in^ bedeutet das Ueberzeitii- 



che.'^a.nn heisst 



zun '^e 



hi^ 



^ nT^ 






:.2 _-a das individuelle ^eisti;eYzu- 

,,eic.^^^3';^u:;ale^;i^en;W^O ^.der Natur.r.lte u nd 
nim:clsicöro;.^-"-Au.dr,^<^^fir^et, ^ . ^ 

. ^,. absolut, -^ei^-tir^y-in.' ^ie^.uml-a3sende,,«e.«^hy* 

^i^ i.t i'u. identisch mit den. .Ott Oott I.rael: ^K.«-.^. 



■mit klc-rt -ich uns endlich aucn^.^f^inu 



^;n^>^- 



(\-r^^i T^i^^n) 



"Xt^ \[i>i.ter tind ihv, 



; 1 1 r. r 



f 



.,^4^^,^.v.-., irir.. 



.Tachdene r die natürliche .ntfaltun, t«xrtK« und den 

Ver-nch der ^Volk.kral'te in historischen .hlauf unrl..en 

hau.iuhrt er fort:"TTnd jetzt;^ können wir au<. dem -enaG^-^n 

^'"."v. ..pnn e" v,iec.,d... -esanrite ßeiotice -.chol- ' en eines 
Vf-Tstehen:' enn er, ..ic^^. , 

. ^ ,. .-t-P -üan'^ i^nter f^einen einz.elnen -^'eilQ 
Volkes sei durch ffes, uhte an. 

j'^oi. ••h'-nl-p der rreschlech 
an ^^.-t.iv^j-iten Orten und Zeiten und/Äer ..b. ol.„e ntr 



II 



N 



25 



e^ 



■1 



ter bttdingt^so i^t aocli wieder dieifes Geiötige und 
alieinidas v'uarend de^^ .::.nzen Dasein' — '^ol^-res a^ju^ < 
menhB.lt lesti^'^t und erhält. T:)enn in hrheit i-t das V/esen^ 



cu'a 



d€P Vol'ceB il ^ ^v- Icvien nichts anderes als dan '^epfmdef' stRxit 

r* ^ \ ' " * - \ 

-^pisti-en' in ihn >n(alles leiBti^-e 'chalftf r-ic^ -elb ' , - In 
^'.'irken ir-^t r-ein --nn)..." So-)^ld diese ..ualitaten völiic^ * 
^f£^^S4^en F^olIten,l'^^e sich auch sofort der innere :^uRainmen- 
hmfz, und kein soziales Gebilde könne üterhaupt mehr bestehen, 
'.M«A"ar jCrochmal garhicht vorstellbar 4-^t;denn der i-ensch ^ 
iöt iliiii ''im :^benöilde {^eachafi'en" ,daä heis-1; ^in 5lKtx_ ^ei^ ti- 



rres '-'esen ^ov^V.r-'^vC^m. Url^eginn^ii-^auc^: im primitivsten Zustande^ 



^ann hei^j-'t cg ; 'Tb^leicv -ir sa{Tten,dasc. kein Volk dem Unter- 
■■„nfr -anz vorfalle, ^ülan^. der leistr^cr cg koT?tituiert und 



s e '. n "esen au s d r LI c Je t , n i c 



1 , 



n 



/li OL 



US i lua ." esc hw an a e n i s t , s o 



^_ e r o p r u c h (i ■ u :i i t , da a ir: 



steht doch dieser 'rundöatz nic'rt i. 

alles ^reiBti-^-^^^5tändi-er, dauernder, uncndlic-er 






r ist. 



., tu-r 



yM^t 



/T^ 



X,. 



/ ■'' 




/JA.-'/' ' 



> 



yfjU^i ' 



/ 



..xm aber der Volksjeifit aufhören [oder Vernichte t ^ erden, als 
er an eine bestim.ite Zeit und an einen bestimmten Ort jebun- 
den ist, an ein i.and und an ein ^-^eschleclit* Jn diesem^, ku rper- 
licheyi/G^b^n^'^^'^ö" ■^i^'^^^^7^^^ V^^^ Geistige endlich und ver- 
Can.jlich- al- '7esenheit jedoch v;ohnt iliin Qauer inne^-^^^r- f if / 
kann nicht schv;inden und wird dann einem andern Volke zuteil, 
das ^d:^ gleichsam ablöst. .. Und nun, da^v.'ir in unr^erer XKi:r 






OiA^tk 




|(pr^^fi 



A 



"^.etrnchtunr -o-eit -elangt sind, kann 4J>4*t verstanden und 
einrr^^sehen v;erden| -'as vir als^allr-eneinenfreprarentativen J^ — 
7eist eines je^^.en Volkes -^..eichnet haben >- C)i^-^^en Volks^ie_i gt 
nennt die Heilire 3c^^rilt in r^er .ruhen 3prache der alder / 



.it den './orten der seherisch, xrtxx 



T(:\^i>^v» '^^) 



'»sk^ 'iCtt^p^ le^ ¥e^Ue^ s''bund m. 

inspirierten Fänner un-^ ^'-er /eisen, die ihnen fol^^ten, 

jii^-^^-reHö Uie 



den dch.utzh errn dew VolVt ^ r irr 



Vi/ 



\ib 



II 









1/ 



ter bt:idingt^bo ifct^uoch wieder diei-es Geiöti,ib und ^it.in wefc^ea 
al.ieiniu:ib v.aarend def; --..nzen Dasein -— /olKes rw^-^ — rrt* ...usci,ra 
nenhalt feetif^t und erhalt, Denn in "'-ihrheit i^-t das Weseni d:~ 
kei Vol'ce?' al • -Ic^'^^'^n ril'^'^'^t^' anderer ^l'S das V/e^en der- stKXit 
leisti-en^in IMn >n(alleLi rei^ti-e -Oial'ft/- r^ic^- '-Ibrt ,'^^ein 




l/LA^-i 



/ 




X 



Tc^ 



r\^i>^v» 



-^u^) 



'•/irken ist pein ' -ej^ien ) . . . '* '^oV>^±d diese .Qualitäten völiid- -^ 
Yer*-' ^ p-en sollten,! "^-e Rieh auch sofort der innere Zusaramen- 
hanfü und kein soziales Gebilde könne übrlriaupt mehr bestehen. 
•-.if^/iar ;.rochmal gariiicht vorstellbar 4r^t ;denn der i^ensch ^ 
iöt ilii'ii '»im ^benöilde beschäl l'en" ,daft heisr-t^'m Ttexx jeisti- 



•a»"«- 



^^^ 



■Tili*^*-^ 



geo '•esen von^MrscnäK Urloeginn^^^auch iin primitivsten Zustande^ 
"Oann heis^t ec :"^h'"l^'i r;v ^-ir nä.f;^ten,dase. 1-cein Volle '\^ri ünter- 

, der Geirrt, der es kontituiert und 



^:anr^ ".■..n- verlall^, 



U-L- --I, 



se".n '"e'-vm ausd/ LtC.ct ,nicV b ^vanz aur- iiu.; ^ ■;«chVvUiiv.i^ii iSb,;:3u 
steht doch dieser -Grundsatz nicl-^.t iu ^'/iderspruch d- -iiu,day^: 
alles •>piBti'-'r^'^otändi.;er, dauernder^ uncndl.icher ; = atur iot.iiiö 
.cuin aoer der Volks je iA a/uf hören rodeF''verni cht ^. erden, als 
er an eine bestimrite ^it unr; an umen bestinuiten Ort jebun- 
den if^t,an ein Land und an ein -^eschlecht% (n diesen üorpe r- 



liche/l/'*ebundenen 3i nne,/ ist -Nd4-^-e* Geisti^^e endlich und ver- 
ga,nglich- ^a '"esenheit jedoch v'ohnt ihin Sauer inne^^*«— ^if^ 
kann nichi oChv/inden und v;ird dann einem andern Volke zuteil, 
das jPi^^ gl-iichsan ablöst... Und nun, da/;.;ir in unr^erer r^wtiL 

"Retr^chtunr Rov.eit ;^olangt sind, kann j^^^t verstanden und 

Ujui ,.o -.-enden -7 i. ^ • \^ 

ein/e^ehen v:erden| ^"as vrir al -^allceneinent-reprar-entativen^- — 

"eist eineo jc.un Vol---e8 be^eicbnet haben v E )iesen Volksgei ;^ 

nennt die ITeili ■ '^ inJ t in r^er ..rtuien jprc.che der Ulder / 

-^--^ 'rrrti.^* de^ Vo3fk- ^ - 3*'l,und mit den Porten der c-:eherisch tax-: 

inspirierten l'anner unH rier ';ei-en,die ihnen folgten, 

u.n dchutzherrn de\^ V(^2.\ % i ifr>^^' v_-;.^iiiö---^-U-^-t:- Die 




1/ 



■ f 



r 



'^6 

metaphysischen "/eRenheiten in ihrer individuell nationalen 

^^rscheinun>;,^^^damit bezeichnet zjß^f^d^^^^nd er zitierU-ei-i^ 
Anzahl BelerBtel'.en da \..v aui= der 3chrit t ,\vo lur die Volks- 
persönlichi-ceit i^ r ':;chutzherr oder ihr^ lottert» steh». Im An- 
achlu: ' daran \7ird v;eiter aas;:eführt ,\vie diese n ..t ionui«#i- in- 
dividualisierten rrei'^tisen ]:c.chte in Mildern de;i reschax fenm 
■ i^-re oymbole ^^aheni^und $i;mh inythi?^ch an bestiriinte Himneibxco. - 
V'Ki.H« tfw. ^c^i.lli-*i«;-^nnn ^^'irr^ das We^^entlich ^^nterr^cheidende der 
k. '^vu^nv^n^. ^^"^^^ i-d u • - n1 jüdischen dot '.esvorrs tellung hervorgehoben, die 




, 4VK^ 




v^'^ ^f?:/- 



'D/ 



iot allunrassen/iuniversal,-ennGleich auch nir, in einer Volks- J 



i^J^AJ^i 



f,A, '^f^J,^^th ' oarJHÖnlichkeit sich ma.nifestiert."indet das 



- das 



i '' 



Individuell-'reistirreV'-ein 'Bild in einem deschai'f enen,?JO ^^vm 
ler dott der Juden durch kein 'Uld vorgestellt -erden, denn ei 



r- f 



V AI 

■w-v\ 

''^^•' " "^ ' T'^ iyt der ichöoier de« Alles auch al -er jeistijen 'vesepheit;..n^ . 

^^.4":^ — y^ dtf^s Absolut- deist ige Tv;4-^--4-^r-^.i5--^i^tit iCRXÄ 

,^-; inesfällri der oanlop-i - 1 l^che abs'olute deir:t I^e eis) •Durch 
die Verb ndenheit nit ihn, der unverganf:lich und der i^err der 
deschichte iGt, bestehe l'dr das judiBche Volk di e Möglicla i^ieit 



S-W-l^-uJ-^ v^^i .:•' --'''^ 





^(ji^o^KAt^ y^ 



na 



ch zeitliO^em und materiellem Verfall, nach allou -crijotiei 



^- • ^ä ^' 



Cjr>^ 



ui<^^}\4-^>^^ - 



tt^^ 



clie Bindung 



- durch die das Volk repchaifen und die sein frin - 



^^ ^V^ 



^ ^. •^'^'^^'^^iXj ist,v'if;der lebendig inr ^^,ev;usstsein tritt und ^Wn^t die 






/^^V;-«-, "^^J' ^^,' e^ZaJf^i'-^'^'li^''^*'^"^' *^^''-'*iK '^'^ ^^"^ ^'acht lottes in ler .'elt zu 



^ »:.-% K^r^i^ -i^ >^ wirken und zu zeurren. ^ *- 



^H^' i^ 



/' 



.,g^^^,- Krochmal i^t uns koinp Ausgrabung, un'V es ist xxKki: *r..^4^i 

..^kw^/ { antinuarlscheri Tnteres-e ,das uns zu ihn zurückführt. In rien 

V:!^^v historischen Kapiteln, von denen v;ir hier d f - rs.»4 ." von der 



4 . 



V! 



;<, ivw< 






■n».' 



ickkehr ai 



^R 



5t/ar vvy.r ;.■- 



,15- ^s.t- Bpbvlonisc^-eri .xil bis 
;..■- f-ilf^l-' n-yt'ier ^-eltene ""'r.ll ¥^ 



\Ti1 




i 






,7 



{TevriBsen ^Anne pc'non 



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^ •^AS/is*/ 



jtst^ 



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'jcL^i' 



%c^tlult^ !, fe i 



ar ^as 'Yerk ^-"'oh 



te anr^electjd; 



die Vollendunr in -ich tract.Ur^-^^^runglicy/ 

\ 
1 als eine Philosophie der jadincben^er^chich || 



aber zu llrocVma 



1 s .. e i t ^^ f-rntr-r^Tiir ^leemm 




'^■^^^^«tö^ 



H 



ine jüdi 



sehe ^e??chichte in di i ^^n oi 



nne 



1 1 



nich 



t vorhanden v:ar,rauFnte er rait 



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-i- 



der M^J^i^iAiifi?. ct^r Tr 



tung 



inzi- 






13 



ien und der -jei^tigen 



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paraiaenhange vielfach ^ ich selbst 



t.-</\/' 



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erst die hiBtorif^c-ien 



fatf^achen in ibrem ^bic.ul klaren un 



/. 



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von 



r '^arstellunr "^:rin::en. 3o 'es 



chfih esjdas?^ diese ICapitel wie 



:1b:' t am meisten zur \ 



brundung f:elangten, obgleich si 



HC 



>Cvv..^Hv^<^ i 



^^ /*- ' "^JwiJ^ 



in der Tlonzeption^den "/e 



r -es gleichsam n 



ur 



al: historische .3ei- 



A^c^-.^«^ 



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ple -edacht/"'F ^n '''f v;t>rd un^Vvi 



•f' 



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KXGkxjocHEKxaiix i-rochinal wieder 



. V, • > V 




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h 1 1 au ^= • e r t / =' au ' ' un 



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r.ere '.;ei:se die gei 



ti'::e Lai-e zu beleuch- 



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j 



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ten".")'.ese 



c- 



eR Chi cht lieben fepitel ■ ind ( 



iarun für un^ ^^o hoch 



bedeu 



tend,'"Gil in ibnen sov/ohl c'.er "rrun 



d bereitet und zugleiö^ 



au 



ch der 'lau ^^cbon entsteh 



t.an dem der J^ünftige jüdische xxxt 



t\ 



i i 



HiF^toriker -eiter bauen konnte, hü^cen 



inzel^^i^und acuiche Er- 



^iffu 



vk. ^'^^ 



^;:ebnif^'Se durc 



l L .-^ 



oatere '^on 



chung überholt oder icorrigiert xeI 



»rden --ein, -darauf komiit er- nie 



ht an. Vorbildlich bleibt ,v'ie 









I 



Krochmal für jede feststellbare histori^^O^e - 
traditionelle Ouelle aufspürt und ihren 3 



//- 



V 



die 



vers 



irklichkeit auch 
inn zu deuten :v 



teht.'Vahrend er s ' cl- 



abmühte, der blinden Ge^jchichtsver- 



C^tcn'fL . '^ ^^ 



7^".:) 



ni- 



fiyi-d.-i-^ ^ 



£ lu < ^C^ 



schloß en 



seri ,dasB ric 



heit der orthodoxen bei 



der Obf^ervanz,:^xxx zu be^vei- 



ti^ an --ewandte ritik un^ 



linsen uin 



lu<^ 



(^ 



( 



Ort und 



Seit den llciuben ni 



cht nur nicVit schadigt , 



t: 



ondern 



r 



ti^t ^'-as Viele töric 



n ^ V, 



hter-eise aus einer ge\vissen ocrieu 



I 



und ,'urchtsamkeit -n- ■"p^^'=.nn erklaren '■ ollten), hat er x«x 
2-r-Tnich der^3enchichtclo3ig.cuii de.. Judentumr: er-;t -.r*««« 
,^yT-^ -,inn .rp.-eben. -».-,'■■ jüdipc' e '-rottesbevus^tseinKal^' das 
Konstituierende Clement des Volkes erkannt, . i ^ 'w >n und nicht 
iM erkannt,. ondern nit ^^einem .-an..:en "rer.-en U erfühlt«*, 

1 




28 






' <iU an der 






I 



V 






/^.^ ^ 



'*f/t^«^ 






^ 






A7 /V^/ 



■ J .. i». 



irt 



unterbau 




ir^t die unv rrleicMiche 



x^ei- 



stun 



-:>ocbinalr,die un- unmittelbar anc^eht. 

^r rühr^^^^^-^^all ''in r/ einer /Betrachtung an zv:ei :oin,.c^ 
die den modernen Juden zum Problem '^evord.n sind ;judiBChe 
^Virklichkeit un:^ jüdischer Glaube. JaB eine ohn. ^^- andere^ 
ic-t ihn nicht denkbar. Jiidi^^cher Volk: -ei^^t im. rtu druck der 
urs .rün^clichen reli.iö^^en Yerbundenheit/Wir k^nen da. Juden 



^^ ^ 1 'r^ 



• '5 



tun nicht =:..ir die i4rnun}.t ^^te# n-^. ^i p rt 

■^sondern aut die hi.cori.cl^a ^ahrhei iTac.e V/ahrheit XKmtt>: 

vernittelt richtirj verstandene Tradition, Axk durch die -hxs 



/C-i*.«- 



«< <--t- 



J,B*^)d^ ;ttliche al7g^--iic>^tPbildende .Traft erkaix 
v;ird ,^l^. das Voi:c -eBchaflcn^ von deren (^nade e« lebt. 



-Oa er iAnerr.chut öert an ^lc..uor ^'^""^'^^ V- ^-^ .l/v^Ä^^ 

doch j^H^-k..^ . . ,. ,-,. - p^n 

v^ort Er.ieuerunF nic^^trromxt v.i} aeute ^^T^t 



?r:^fe'über'rird d ' ' ■ jcrv; irk- 



liche ver^er ^-n o^er^ r.it einer re^.i..en hn^^dulo oei oeUe 
.•n.choben; er.u .u... u. . 6in. -in,ia. Andre kom 3Chon 



von 



elbr:L,KrochnalB rie^^chichtHauJ-far-m- ,:-ein. 



Or-'.r? teliun 



b^ 



^P'- "^-^iraori^-chen Verlaufs , lehrt unr^^au./ 



V e r- 



• ,1 . n ^'-^ •' ' "* '^ ."-r.'-T*ir!'^ et > d c 

1 -* A 1 -11 



das Sine nicht ohn^ 



.-LniV' 



T. 



y>^ci^^^ 



«•ein :ann« .J'-i^^ 
r^,v:^ ■■■ . -in:! '; ^ 

Y i, Mi. 1/ 



,^.,.v».."i y'-iic^nn i' t un'= ve: 

ly « / Oll JA - l< ■ ■ 



^nT'dern ...eligio-en identit^ch. 



lichtend von 



in r:-ollj 



) 



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FÄv 



i 







31 
Baraita über die Anordnung der ^^eihe reisung, Propheten, Meili -* 
ScVirilten die ±hM im Talmuci fcr;a,hnt wird,da8S einige der ^leili- 
gen SchriJten von den h'^ünncvn dieser r>ynode zuerst In dem Zusam- 
menhan£r und in der Ordnung, rie wir sie heute in den UtLnden haben 
niedertceschrieben worden ßir.d^ilB Pind dies: Dhb Buch ^g^s^fkiel, 
drj.8 Buch der zv;öll kleinen J'roi^hetent'^^ ^uch :)aniel und Esthrr« 
Als iie* besonderen :Tiederschrif ten jedes einzelnen dieser Bucher 
vollendet \varen, machten die :-Ianner des ^yn*^driona in ihrem heilig 
gen ' issen die c;:rosj3artige XtHfcKXiUÄ^ :^)reiteilung,d«h«die Jegrün- 
dung und Zusa.^ enf/issung der .Schriften nach Inhalt und Xküc Grad 
der ^-eiligKeit in die bekannten drei Abteiluni_'en:V''eisung,rrophete] 
und 5tiä:±Jk:x?gK -chrif ten. Aul' diese V eise samnelten sie jedes abge- 
ferti.^e und frdh abgeschlossene Buch o^er *-3chrif trollen, die sich 



in ihren Ii._;.nden befanden, jede prophetische Verkündigung oder chro 
niatiriche :^rzahlang,t3:ankliederjllymnen und lebete ,3prüche der Wei 
heit und der /.oral, alles das ordneten sie in diese Abteilungen ei 
v;ie es u'e ihre nr-piration lehrte nach Inhalt und seinem *ang an 
Keiligkeit. (Zum Beispiel die historischen jlrzählungen aus der 
Zeit des ersten -empels wurden in die Abteilung der Propheten voLt 



unj^er.febrachtjd.^s Juch : utl; und die Chronixa un^er die Schriften. 



:*^~" bTrAriur^^i^"''l\rp^ in -^-eziehung auf die dtKxiCK Zukunft 

V ie sie in Ilabbakuk und anderen »erscheint ^bc.ainyihren Platz unter 




d(74 ropheten,da.get;en die Visionen der ferrion Zukunft bei Daniel 

ik^JgSL wurden unter die r>chrift n geGan).oo dass durch diese iUntei 

in drei "jnmif^ ^t^{ ^^- * 

lun;;- jucdixctmmxSLz^ju^ der leiligkeit nachfd^er ^^ignung zum ^BiX^KJtRKKn 

Vorlesen vor der !Jenge alles beschriebene, das sich in ihren Hän- 
den Befand seit äen /leiten Mosis bis zu Jenen Tagen zu einer eloi 



an Heiligkeit /uTfi^ 

tj &:i:xg;KÄKXHöJix einheitlichen "esamibwerk zus£LranengaMu*d«ff 



w 

f endgiltig U^vla^U^ 

:rm7i7T>i] , vorliihnen beendet und abgesdilor^sen^-r^^Is war 

nicht erlaubt sie m einer {olie gu i 'o llfc:^! uüi'» 2uoamjiienzunahen,\vj 



/ 



» 



# 



t 



32 

muRste 

rUp. einzeln erL-J^aU-^n^fJondern jede Abteilung für sich bleiben.Die 



/» 



Absicht v.ar,da8ö keine aridem 3ücher mehr hinzugefügt v erden soll 
ten,die är in ieziehunc -^i-uf 'leili-'jk-.it und Ueberlielerung ver- 
pflichtender -atui' v:ärentV/ie gf.schrieben steht: 

T^benso durfte 

nicht den vorh:indenen Abteilungen eine vierte von gleichem i^ng un 
gleicher Verp; 1 chtung hinzugefügt v erden,Tiiese;< gacKXX bedeutenden 
Taten, die Sarm^ung der Schritt, die Einteilung, i>ire Zusainrienfügung 
und Ab3Chlu3S geschah nur durch den "eist, der aul' diesen heiligen 
^ annern ruhte und tera mit Tlil/e des nerm,der sie vrährend der g 
ganzen Zeit dieees ^yn-irions stützte und ohne .''v-eifel hatten sie 
ohne solche Hilfe nicht die J^ra^^t und die >!öglichlceit beses3en,e 
es zu vollenden,::ach der TTeberl leierung unserer V'eisen \varen sie 
ee auch, die den --'rund und den IIr?.M^rung zu den ^e oeten, Regens sprü<>- 
chen, Heiligungen und Hohe:, düngen, die vir ber>itzr-n, gelegt haben 

in einer erhabenen , heiligen, und durch ihre gror^se Jlinfachheit zu 

n 

Herzen dringende P^prache/'r-ionit nicht genug haben diese ITanner van- 

>wvd der, sieben ae.i:eratlonen,l'ahrend deren das Synedrion bestand^ 
nit cröpster "enauijkei t in die Unterr.cheidung der Gebote ein, 
solcher die gebieten und t^olcher die verbieten, vu.rden nicht müde 



}^ 



V 



n 



ie auszulegen, abzugrenr.en racli der Art ihrer oJefolgung und -^^eson- , 



derheit xxnn nach dem Maaes der Verpflichtung und der Verhütung, die :| 
nie auferlegen- und al.'.es dies KnKKjotßLÄ auf )rund der Ueberlie- 
f erun'^enjdie si'^ von Priestern und -ropheten den alten Lehrern d 
der 'eisung enipfangen haben, v;ie sie es auch aur.drückten;"Die 
ProTDheten überl W ."erlen es den :'^a.nnern des grossjen ^ynedrion,auch 



au 



f '^-r^ond ihrer tiefen und v.eiLei ..enntni« der Sprache, da sie noch 



nahe der /^eit lebten, in der die :>prache der v eisung gesprochen 
^-urdf^» Ihre Tesaiittacigkeit fassen unsere V eisen in einem üaiien zu- 



sani. en und n -niien sie 



MI 



orte der Schriftgelehrten"« 



33 



I 



Um da» *^alrir ksuutKXl der {rriechiochen Herrschai t,n iCh welcher .^eit« 

rechnung wir die beschichte dieses Ahochnitteß und einen -»-eil 

der 'eit nach der Zerstörung behandeln werden, n'ar oiraon der Zweite 

der oohn Chonios des :>;eiten Hohepriester und Jlaupt g^ir ry^y IrK 

Judö^, ;r ist eb,der in der Mlschna als ersier in der ^eihe der 

Veisen genannt wird, die als Lehrer der Halacha, - als tanaim 

l)ezeic>inet w^r^.iin^ er ist es auch, der die Schc-den des Heiligtums 

ausbesserte, das ceit Beginn seines Bau zu ^KictKÄ der Zeit des 

Cyrus etvva dreihundert Jahre nach der rieht f-en Itechnung bereits 

dastand und im -^empel und in der Stadt förderliche Verordnungen 

getrof en hatte. Seine -^emut unrl Frömmigkeit int aus den alten 

Baraiten begannt, er war es, der dea Volk 'bissen l'-hrte,da8S das 

■.Vesentliche,von dem alles abhängt, die Unterweisung und die Kennt» 

nis des Göttlic- en sei, von der aus der ::ensch zu {X^n zvei andern 

wichtigsten rinzipien prelange,ala d-^e sind;diG *>füllung der 

Pflicht zv;ischen ihn und seinen F'chöpfer und der zväschen ihm 

und od nan Nächsten, ]Jr ist es ,der das V'ort geprägt hat;auf dreien 

Dingen beruht der :estand der "elt: auf der 'Weisung, auf dem Dienst 

und auf den irorainen Verden, Jesus 8irHCh,der eine Sammlung schöner 

Spräche zum Lobe der "eisheit und zur moralischen Unterv/eisung 

verxassi hatte, lebte zur gleichen Zeit.Bei ihm finden sich viele 

Sätze, die über den geistigen Zuntand und die in lore Verfassung 

diese» lernen und nicht genügend bekannten XRttaclsKKkiiK .-.poche 

anführen 
Aufschluss gebentaus denen " ir einige hierK)^;^ f^fif.^jifiyi wollen ; 



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Im apitel 37 wird vieles zun Lob der Weiöen uni Schriftgelehrten 
ge9a.^t,iia Jejensat/* zu den V erktati^-en an i den ..enschen der Ar- 
beit und der 7raxig,venngle.lch ihr : utzen und • ert im bdr^erli- 
cliofi J.Qben noch bo grosB i5ein mag. Dort heiast es; 



Aun alledem i?3t zu ersehentdass ^Uudieren und orschen zu dieser 
Zeit auf der Tlohe war und daßs das Volk aul eine/ hohe/i Stufe 
theoretiachem und praktische» "" i^isens sich erhoben hatte.Unter der 
Herr^chart der aö£;ypt lachen Vjnige der iriecnen mehr noch als un- 
ter der persicc:iün, jV^doch vom Jahr 120 ab hörte die Zeit der Ruhe 
und der ' ohlf ahrt,die sie unter aer aegyptischen *"er schaft ver- 
lebt hatten,auf ,und räch dem Sieje Antiochus des CJrosoen über atKÄ 

König von Ae-yten 
xtolomaUG den anl ten,tr3lant^e dan leili^e Land und mit ihm die gan 

ze Iceeresküste und ihre bejestigten "^latze unter die lierrschaft 
der eyrischen Dynastie. Uraprünglich verhielt sich Antiochus ireund 

chaftlich und ehrerbietig ^e,.,en ;>d)rnon den v^erechten, jedoch na^ 
seiner Niederlage im i\ai:pfe gegen die ..örner bei ^^.agne6la,als er 
gezv/uncjen war einen grossen Tribut von löOOO Talenten zu zahlenf 
setztr er seinen Landern arg zu und raubte sie aus. Von diesem ^eit 
punkt anfes ist dac Jahr 11^3 beginnt die ^eit der ^edrungnis.Auf 
diesen Antiochus der der Gros e genannt wird, bezieht sich die iCx 



Vision des Daniel ;•• Ale o v.'ird der König ge^en litt* macht daherzieh 
en und Schutte machen und este Städte .gewinnen ,und die Mttages 
Arme -Verdens nicht können wehren... 



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M?3 /ntiochus der Jro33e im Tahre V?.o ermordet wurde iolgte ihm 
ihm sein ^ohn -^eleucos in J'.er ^.e,^^ ri^ng nach* Auch er hatte schve;^ 

re Tribute den ■•:Ö]aern zu 7,ahlen und da er sei ne i^rovinzen bedruck 

te Tempel und Heiligtu .er;( auf unwürdige eise ausraubte »nannte 

ihn Daniel .Nachdei/i auch 

er einem Attentat zum Opfer jref allen var, folgte ihm in der "'egie- 

rung ^ein ..Bruder Antioo})Uf> -^piphanuByder 'Irlle genannt »v/elcher 

ISeiname spater in piraanut. der Verrückte V(ii*vanclelt wurde.Sein Va 

ter AntiochUQ ^.av '>rooF,e Lebte ihn nioht und schickte ihn noch a 

als Knaben als 'xe;isel nach Kom,v>o er erzogen ^urc'.e.Als er durch 

einen .aUfall an die --cgierung kaniibegann auch er einen Irie^' gege] 

rtoloi'iäuGVI ^on Aegypten(im Jahre 17>f ) und ?icxtte fast dk s ganze 

Land erobert ,'.enn die römischen ])elegaten ihn nJ.cht gezwungen 

hatten ..egypten nu verlassen« :'ne ."re&chichtsschreiber ezahlen, 

dass öie ihm eine Jrube rruben und ihn hineinstellten, mit t^:sk 

De' ehl drin zu üle}oen»bis er sich überlegt hatte, ob er Freund 

oder ""d. nd des romischen Volkes sein wolle. ]]r gab nach und kehrte 

in sein L^ind zuraCiu ira 3uche "Daniel wird über ihn und über diesen. 

Vorfall gesagt, 

Chonios 
Und auch ge^ren Cqw Bund (gerne nt ist der Hohepriester der Dritte 

dieses !Ta]riens,dür Gohn Simons des .iwei tfcn,der in der Mischna er- 
wähnt vvirdjdea Antiochus aus seineni ^riesteramt ent lernte, das/f er 
seinen -^rudor 3Jsjo.>ua abertrug);':')arnach wird er wiederum heimziei 
eil mit grossem Trut und sein erz riOiten wider ^fs^n heiligen Bund 
(ar fahrte in Jahr 13^ bereits liöses ge.jen die Juden im Schilde) 
''Danaclj wird er zur gelegenen -et wieder gegen ^littag ziehen, abe: 

03 wird ih;ü zuiq aiidorual nioht geraten« • »l^enn es werden Schiffe a 

das 
aus Chitim wieder 6^z^t\ ihn komrienjclie die ief^andten Roms ,die in 

allüii Untieren Ueber^jetzungen und bei JosephusChitim genannt wird) 

daßs er vertagen \;ird und umkehren muao^:^)a wird er wider den 

heiligen Bund ergrira/^ien und wirds ausrichten (damals überfiel 



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36 
er auf seinem Hickzug den ^emoel uw\ plünderte ihn) und wird sich 

umsehen un^^ an 3ich ziehen, d e den heilicT^n Pund x rlas len." 

te 
Man muRS v'iscen,daso urn däeee /.eit n Israel vollende BÜ8ev;ichter 

sich landen, dl e Tora völlig verwarten und es den Griechen an Welt | 
anschauung und ^''itt.enverderlniß gleichtun wollten, Sie sind es, die 
im Buche "Oanicl die :}ottlo3er die U-bertreter des i^eilieen iiundes 
genannt erden- '^ezelcbnun -er: de tur 3 e durcha.^s pasoend sind« 
Als Antloc^uo von diesem "erlall in srael Kenntnis nahm, verstund 
digte er sich mit den Frr.vl^irn und ns:^m sie freundlich auf. Sie 
varen es a;ch,die