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Full text of "Eigennamen als Gattungsnamen: Lexikographisch-semasiologische Studien zum ..."

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Eigennamen als Gattungsnamen. 

Lexikographisch-semasiologische Studien 
zum französischen Wortschatz. 



Inaugural- Dissertation 

zur 

Erlangung der Doktorwürde 

der 

Hoben philosophischen Ftknltit 

der 

Universität Leipzig. 

vorgelegt von 

Alfred ^mbel 

aus Zschopau. 



Leipzig. 

Druck von Oswald Schmidt. 
1907. 



/JL€-2, £ o]'ß 



Harvard College Library 

DEG 11 1S07 

Fio.^i the Univertit'/ 



Angenommen 
von der I. Sektion auf Grund der Gutachten der Herren 

Birch-Hirschfeld und Wülker. 

Leipzig, den 29. Nov. 1906. 

Der Procancellar : 
Des Coudres. 



Yerzeichnis 
der häufiger benutzten Werke und Abkürzungen. 

Acad. = Dictionnaire de TAcademie fran9aise. (Die beigesetzte Ziffer 

bezeichnet das Jahr der Aufnahme eines Wortes). 
Alexandre, E.: I. Le Mus^e de la Conversation. 3e^d. Paris, 1897. 

~ II. Les Mots qui restent. Paris, 1901. 
Anc. Th. fr. = Ancien Theätre fran9ois. P., 1854—57. 10 Bde. Bibl. elz. 
Andresen, K. G.: Über deutsche Volksetymologie. 6. A. 1899. 
Arnold, E. F.: Die deutschen Vornamen. Wien, 1900. 
Birch-Hirschfeld, A.: I. Über die den provenzalischen Troubadours des 
XII. und XIII. Jhs. bekannten epischen Stoffe. Leipzig, 1878. 

— II. Geschichte der frz. Literatur seit Anfang des XVI. Jahrhunderts. 
I. Bd. Stuttgart, 1889. 

Bökemann, W.: Französischer Euphemismus. Diss. Berlin, 1899. 
Boil. == Boileau: CEuvres, p.p. M. de Saint-Marc. Paris, 1747. 5 Bde. 
Bonnier, Gh.: Über die französischen Eigennamen in alter und neuer Zeit. 

Diss. Halle, 1888. 
Brantöme: (Euvres €d, Laianne (G. E.). Paris, 1864. 11 Bde. 
Br^al, M.: Essai de Sömantique. Paris, 1897. 
Bull, M.: Die französischen Namen der Haustiere in alter und neuer Zeit. 

Diss. Berlin. 1902. 
Büchmann, G.: Geflügelte Worte. 20. A. Berlin, 1900. 
Corneille, P.: (Euvres ^d. Marty-Laveaux (G. E.). P., 1862 -~ 68. 12 Bde. 
Cotgrave: Dictionarie of the French and English Tongues. London, 1611. 
Creizenach: Geschichte des neueren Dramas. Halle, 1893. 
D.-H. = A. Darmesteter, A. Hatzfeld, A. Thomas: Dictionnaire gänöral 

de la langue fran9aise. Paris, 1890—1900. 
Darmesteter, A.: I. Trait^ de la formation des mots compos^s. P., 1875. 

— II. La Vie des Mots. Paris, 1887. 

Delb. Bec. = Eecueil de vieux mots, ouvrage en pr^paration de M. A. 

Delboulle (zitiert von D.-H.). 
Delesidle, G.: Dictionnaire argot-fran9ais. Paris, 1896. 
Delvau, A.: Dictionnaire de la langue verte. 2e6d. 1867. 
Dernedde, E.: Über die den afrz. Dichtern bekannten epischen Stoffe 

aus dem Altertum. Diss. Göttingen, 1887. 
Deschamps, E.: CEuvres (Soc. des anc. textes fran9ais). 8 Bde. 
Diez: Etymol. Wörterbuch der romanischen Sprachen. Bonn, 1878. 
Doncieux: Le Eomancöro populaire de la France. Paris, 1904. 
Du Gange: Glossarium mediae et infimae latinitatis. Paris, 1842. 
Eckhardt: Typus und Individuum in der Literatur. Z. f. d. U. X, 169 ff. 
Encyclop^die, La Grande p. p. Berthelot. Paris, 1885 ff. 
Erdmann, K. 0.: Die Bedeutung des Wortes. Leipzig, 1900. 
Faß, Chr.: Beiträge zur frz. Volksetymologie. Diss. Göttingen, 1887. 
Fest, 0.: Der Miles gloriosus in d. frz. Komödie vom Beginn der Eenais- 

sance bis zu Molifere. Münch. Beitr. Heft XIII (1897). 
Fournel, V.: I. Les Contemporains de Molifere. Paris, 1875. 
. — IL Les Spectacles populaires. Paris, 1863. 
Fournier, Var. = Fournier, Ed.: Vari6t6s historiques et litteraires. Paris, 

1855— 59. 16 Bde. Bibl. elz. 



— * — 

Fournier I: Le Th^ätre fran9ais aVanft' la Benaissance; Fournier 11: Le 

Th^ätre fran9ai8 au XVIe et XVil« sifecle. 
Franke, £dm.: Französische Stilistik. Berlin, 1898. 
Fritsche, H.: Molifere-Studien. Ein Namenbuch zu Moliferes Werken mit 

philolog. und histor. Erläuterungen. Berlin. 2. A. 1887. 
Fureti^re: Dictionnaire universel. La Haye et Botterdam, 1690. 
Gaspary, A.: Geschichte der ital. Literatur. Berlin, 1885. 2 Bde. 
Gautier, L.: Les Epop^es fran9aises. Paris, 1878—94. 
G. E. = Les Grands Ecriyains de la France p. p. M. A. Begnier. 
G^nin, Fr.: B^cröations philologiques. Paris, 1856. 2 vol. 
Georges: Ausführl. lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Leipzig, 1879. 
Godef (compl.). = Godefroy: Dictionnaire de Tancienne langue fran9aise 

avec un compl^ment. Paris, 1881 — 93. 10 Bde. 
Gr. Gr. = Gröbers Grundriß der romanischen Philologie. 
Grimm, DWb = Deutsches Wöiterbuch von J. und W. Grimm. Leipzig, 

1864 fE. 
Grotkass: Beiträge zur Syntax der frz. Eigennamen. Diss. Göttingen, 1886. 
Grünberg, P.: Biblische Bedensarten. Heilbronn, 1888. 
Günther, L.: Das Botwelsch des deutschen Gauners. Lpz., 1905. S. 79 ff. 
H. Arch. = Herrigs Archiv für das Studium der neueren Sprachen und 

Literaturen. Braunschweig, 1846 ff. 
Hist. litt. = Histoire litt^raire de la France. P., 1733—1898. 32 Bde. 
Hübner: Syntakt. Studien ü. d. bestimmten Artikel bei Eigennamen im 

Alt- und Neufranzösiachen. Diss. Kiel, 1892. 
I. F. = Indogermanische Forschungen. Straßburg, 1892 ff. 
Jaberg, K.: Pejorative Bedeutungsentwicklung im Französischen in Z BPh 

XXV, 561 ff.; XXVn, 25 ff.; XXIX, 57 ff . 
Juleville: Les Mystferes. Paris, 1880. 2 Bde. 

Junker, H. P.: Grundriß der Gesch. der frz. Literatur. München, 1905. 
Kjederqvist, J.: Lautlich-begriffliche Wortassimilationen. PBB XXVII, 

409 ff. 
Klöpper, C: Französisches Beallexikon. Leipzig, 1898—1902. 3 Bde. 
Klotz: Handwörterbuch der lat. Sprache. Braunschweig, 1853 ff. 
Körting, G.: Lateinisch-romanisches Wörterbuch. 2. A. 1901. 
Krüger, G.: Eigennamen als Gattungsnamen. Prog. des kgl. Bealgymna- 

siums zu Berlin. 1891. 
K. Z. = Kuhns Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung. 
Lacurne = La Curne de Ste.-Palaye: Dictionnaire historique de Pancien 

langage fran9ois. Paris, 1875 ff. 
Ladendorf: Historisches Schlagwörterbuch. Straßburg und Berlin, 1906. 
Laft (G. E.) = La Fontaine, (Euvres p. p. H. Begnier (G. E.) P., 1884 

bis 1893. 11 Bde. 
Langlois, E.: Table des noms propres de toute nature compris dans les 

Chansons de geste. Paris, 1904. 
Larchey, L.: I. Dictionnaire des noms. Paris, 1880. 

— n. Les Excentricitäs du langage fran9ais. b^M, Paris, 1865. 
Larousse: Grand Dictionnaire universel du XIX« si^cle. P., 1866 — 88. 

17 Bde. 

— Nouveau Larousse illustre. Paris, 1901. 7 Bde. 

— Grammaire litt^raire. 

Lehmann: Über d. Bedeutungswandel im Französischen. Erlangen, 1884. 
Leroux de Lincy: I. Le Livre des legendes. Paris, 1836. 

— n. Le Livre des proverbes fran9ais. Paris, 1859. 2 Bde. 

Littr^, E. : Dictionnaire de la langue fran9aise. P., 1863 — 75. Suppl. 1877. 
Livet, Oh. L.: Lexique de la langue de Molifere. P., 1895—97. 3 Bde. 
Lotheissen, F.: Geschichte der franz. Literatur im XVH. Jahrh. 2. A. 
Wien, 1897. 



Magnin, Gh.: Histoire des marionnettes. Paris, 1852. 

Malherbe: CEuvres p. p. Laianne 'Q. E.). Paris, 1862. 5 Bde. 

Marot, OL: CEuvres. La Haye, 1781. 6 Bde. 

Marty-Laveaux: Etudes de Langue fran^aise. Paris, 1901. 

Meinhoff: Die Vergleiche in den afrz. Karlsepen. Diss. Marburg, 1886. 

Manage, G.: Dictionnaire etymologique. Paris, 1750. 

Meusel: Kirchliches Handlexikon. Leipzig, 1887 ff. 

Meyer: Konversationslexikon. Leipzig, 1893 ff. 

Meyer-Lübke: Grammatik der roman. Sprachen. Leipzig, 1890—99. 3 Bde. 

Meyer, R. M.: Über den Begriff der Lidividualität (Deutsche Charaktere). 

Berlin, 1897. 
MND = Miracle de Nostre Dame (Soc. d. anc. textes fr.). 1876—93. 
Moisy, H.: Noms de famille normands. Paris, 1875. 
Mol. == Molifere, CEuvres p. p. Despois et Mesnard (G. E.). P., 1878—93. 

11 Bde. 
Monnier, M.: Les AXeux de Figaro. Florence, 1868. 
Montaiglon: I. Ancien Th^Atre fran9ais. Paris, 1854. 3 Bde. 

— IL Becueil de pöesies fr^s. des XV« et XVI« sifecles. Paris, 1853 ff. 
Morf, H.: Die frz. Literatur zur Zeit Franz I. in H. Arch. XCIV, 207 ff. 
Morgenroth, K.: Zum Bedeutunirswandel im Französischen in ZFSL 

XV, Iff.; XXII, 39 ff.; XXHI, 189 ff.; XXV, 131 ff.; XXVI, 221 ff. 
Mowat, B.: I. La Deformation dans ]es noms propres (M^moires de la 
Sociöte de Linguistiqüe). Paris, 1868, p. 171 ff. 

— II. Noms propres anciens et modernes. Paris, 1869. 

Münch. Beitr. = Münchener Beiträge zur roman. und engl. Philologie, 

hg. von Schick und Breymann. 1890 ff. 
Murray, J.: A new English Dictionary. Oxford 1888 ff. 
Needon, B.: Vornamen als Gattungsnamen. Z. f. d. U. X, 198—210. 
Nicot, J.: Thresor de la langue fran^oyse. Paris, 2« 6d, 1606. 
Nisard, Ch.: Histoire des livres populaires. Paris, 1864. 
Nitzsche, M.: Über Qualitätsverschlechterung franz. Wörter und Bedens- 

arten. Diss. Leipzig, 1898 (vgl. O. Dietrich, ZFSL XXP, 153—160). 
Nyrop: I. Grammaire bist, de la langue fr9se. I, 2« 6d. 1904; II, 1903. 

— n. Das Leben der Wörter, übers, von K. Vogt. Leipzig, 1903. 
Oudin, A.: I. Becherches italiennes et fran^oises. Paris, 1655. 

— n. Curiosit^s fran^oises. Paris, 1640. 

Parfaict = Frferes Parfaict: Histoire du th^ätre fran^ais depuis son 

origine jusqu'en 1721. Paris, 1745—49. 15 Bde. 
Pasquier, E.: Becherches de la France. Amsterdam, 1723. 
Paul, H.: Prinzipien der Sprachgeschichte. 3. A. Halle, 1898. 
— : Grundriß der germanischen Philologie. 
PBB = Paul und Braunes Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache 

und Literatur. 
Prölfi, B.: Geschichte des neueren Dramas. Leipzig, 1881. 
Quitard: Dictionnaire . . . des proverbes franpais. Paris, 1842. 
Eab. M. L. = Eabelais, CEuvres, 6d. Marty-Laveaux. Paris, 1868—1903. 

6 Bde. 
Babelais: CEuvres, p. p. P. Favre. Paris, 1875. 5 Bde. 
Eacine: CEuvres compl., p. p. Mesnard (G. E.). Paris, 1885 ff. 8 Bde. 
E^gnier, M.: CEuvres, p. p. Jannet. Paris, 1874. 
R. d. D. M. = Revue des Deux Mondes. Paris, 1831 ff. 
Reinhardstöttner, K. v.: Plautus. Spätere Bearbeitungen plautinischer 

Lustspiele. Leipzig, 1886. 
Benart = Roman de Renart, p. 5. E. Martin. Straßburg, 1882—87. 3 Bde. 
Richelet, P.: Nouvea* Dictionnaire fran^ois. Genfeve, I68O. 
Riehm, A.: Handwörterbuch des biblischen Altertums. Leipzig, 1893 ff 
Ritter, E.: Les Noms de famille. Paris, 1875. 



— 6 — 

BLB = Eevue des Laogues Romuues. Paris, 1869 ff. 
•Roll, 0.: Über den Einfluß der Volksetymologie auf die Entwicklung 

der nfrz. Schriftsprache. Diss. Kiel, 1888. 
Rom (ania) = Romania, recueil trimestriel, p.p. P. Meyer et G. Paris. 1872 ff. 
Rom. Forsch. = Romanische Forschungen, nerausgeg. von K. Vollmöller. 

Erlangen, 1882 ff. 
Ronsard: (Euvres, p.p. Blanchemain. Paris, 1857 — 67. 8 Bde. Bibl. elz. 
Röscher: Ausführl. Lexikon der griech. und röm. Mythologie. Leipzig, 1884. 
Rosenstein, A.: Die psychologischen Bedingungen des Bedeutungswandels 

der Wörter. Diss. Leipzig, 1884. 
Roth, Th.: Der Einfluß von Ariosts Orlando Furioso auf das frz. Theater. 

Münch. Beitr. XXXIV, vgl. ZFSL XXIX, R. u. R. 190 ff. 
Sachs -Villatte: Encyklopädisches franz. -deutsches und deutsch -franz. 

Wörterbuch. Große Ausgabe. 1899. Supplement 1894. 
Sain^an, L.: La Cr^ation m^taphorique en francais et en roman. I. Le 

Chat. Halle, 1905 (I. Beih. z. ZRPh). 
Sand, M.: Masques et Bouffons de la com^die italienne. Paris, 1860. 
Scheffler, W.: Die frz. Volksdichtung und Sage. Leipzig, 1885. 2 Bde. 
Scheler, A:: Dictionnaire d'^tymologie fran^aise. 3« M. Bruxelles, 1888. 
Schultz, 0. : Zum Übergang von Eigennamen in Appellativa. ZRPh XVIII, 

130 ff. 
S6v. = Lettres de Mme de S^vign^, p.p. H. Regnier (G. E.). 1862—66. 14 Bde. 
Smith, B. E.: Cyclopaedia of Names. London, 1894. 
Sohns, F.: Die Bibel und das Volk. Z.f.d.U. IV, 9 ff. 
Stengel, E.: Ausgaben und Abhandlungen a. d. Gebiet der romanischen 

Philologie. Marburg, 1881 ff. 
St. vgl. L. = Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte, hg. von 

Max Koch. Berlin, 1901 ff. 
Suchier und Birch-Hirschfeld: Geschichte der frz. Literatur. Lpz., 1900. 
Taine, H.: Histoire de la Litt^rature anglaise. Paris, 1863 ff. 4 Bde. 
Tobler, A.: Verblümter Ausdruck und Wortspiel in altfranzösischer Rede 

(Verm. Beiträge zur frz. Grammatik. Leipzig, 1894. 11, 192-240). 
Tr^voux = Dictionnaiie universel fran^ois et latin. Paris, 1771. 
Vapereau, G. : Dictionnaire universel des litt^ratures. Paris, 1884. . 
Vigoureux, F.: Dictionnaire de la Bible. A.-D. Paris, 1895 ff. 
Villatte, Ges.: Parisismen. Berlin, 1890. 

Villon = Die Werke Fr. Villons, he:, v. W. v. Wurzbach. Erlangen, 1903. 
Voltaire: (Euvres compl. P. (Garnier Fr^res). 1888. 52 Bde. 
Waag, R.: Die Bedeutungsentwicklung unseres Wortschatzes. Lahr, 1901. 
Wackernagel: Die deutschen Appellativnamen. Pfeiffers Germania IV, 

129 ff.; V, 290 ff. 
Webster: Complete Dictionary of the English Language. 1862. 
Weise, 0. : I. Unsere Muttersprache, ihr Wesen und Werden. Lpz., 1904. 
— II. Charakteristik der lateinischen Sprache. 1899. 
Wieck, H.: Die Teufel auf der Mysterienbühne Frankreichs. Diss. Mar- 
burg, 1887. 
Wissowa-Pauly: Realencyklopädie der klass. Alter tum Wissenschaft. 
Wülker, R : Geschichte der englischen Litteratur. Leipzig, 1899. 
Wundt, W.: Völkerpsychologie. I. Die Sprache. 2. Teil. 2. Aufl. Lpz., 1904. 
Z. f. d. U. = Zeitschrift für den deutschen Unterricht. Leipzig, 1887 ff. 
ZFSL = Zeitschrift für französische Sprache und Literatur. 1880 ff. 
ZRPh = Zeitschrift für romanische Philologie, hg. v. G. Gröber. Halle, 

1876 ff. 

Die übrigen der Raumersparnis halber angewandten Abkürzungen stimmen 

mit denen überein, die in dem überall leicht zugänglichen Wörterbuch 

von Sachs- Villatte gebräuchlich sind. 



Die vorliegende Untersuchung hat sich das Ziel gesteckt, einige, 
wenn auch nur bescheidene Beiträge zu einem Kapitel der franzö- 
sischen Sprachwissenschaft zu liefern, das im Vergleich zu dem regen 
und nachhaltigen Interesse, welches man seit längerer Zeit der 
Grammatik und Literaturgeschichte von allen Seiten entgegen ge- 
bracht hat, von der gelehrten Forschung bis jetzt, von geringen 
Ausnahmen abgesehen, ziemlich stiefmütterlich bedacht worden ist. 
Wie schon ein flüchtiger Blick über die in Betracht kommende 
Literatur erkennen läßt, hat die wissenschaftliche Namenforschung 
das Stadium der ersten Anfänge noch nicht erheblich überschritten. 
Denn trotz einzelner, sehr verdienstvoller Abhandlungen, neben denen 
die zwar mit anerkennenswertem Eifer ausgeführten, aber infolge 
der unzulänglichen Methode und mangelnden Kritik wenig zuver- 
lässigen Vorarbeiten für einzelne Dialekte nicht allzu schwer ins 
Gewicht fallen, kann man, ohne sich einer Übertreibung schuldig 
zu machen, wohl getrost behaupten, daß dieser Gegenstand auf 
französischem Boden zurzeit noch keine zusammenfassende, auch 
nur annähernd erschöpfende und wissenschaftlichen Ansprüchen ge- 
nügende Darstellung gefunden hat. Mit Kecht bezeichnete deshalb 
W. Tavernier gelegentlich seiner Besprechung ^) von E. Langlois* 
Table des noms propres de toute nature compris dans les chansons 
de geste. Paris 1904. dieses Buch als wertvolle Grundlage und 
Ausgangspunkt für künftige Forschungen und betonte zugleich mit 
allem Nachdruck, daß ein kritisches Wörterbuch der Eigennamen, 
ihrer Entstehung, Bedeutung und Entwicklungsgeschichte nach ein 
überaus erstrebenswertes Ziel sei. Auf die dringende Notwendig-r 
keit eines derartigen Werkes hatte neben anderen Gelehrten schon 
K. Mowat in seinen Schriften wiederholt hingewiesen: ^11 serait tr^s 
d^sirable que le catalogue entier des noms fran^ais fut dress^ ; mais 
Tentreprise est au-dessus des forces d'un simple particulier; seule, 
l'administration centrale pourrait mettre ä Tex^cution le projet d'un 
Onomasticum francais." ^) Wenn nun in den folgenden Ausführungen 
nach besten Kräften der Versuch gemacht worden ist, aus der Un- 
geheuern Fülle und bunten Mannigfaltigkeit des zu bewältigenden 
Stoffes eine speziell semasiologische Erscheinung, den Übergang von 
Eigennamen in Gattungsnamen herauszugreifen und innerhalb dieses 



1) ZFSL XXVIT2,13fe. 

2) Mowat (I),p. 182. 



— 8 ~ 

Kahmens wieder vornehmlich die Übertragung von Personennamen 
auf Personen in ihren charakteristischen Zügen darzustellen, so wird, 
wie das in der Natur der Sache liegt, selbstverständlich kein An- 
spruch auf absolute Vollständigkeit erhoben. Diese ist weder er- 
reicht, noch auch angestrebt worden. Der Verfasser ist sich wohl- 
bewußt, daß das hier Gegebene lückenhaft und bei genauerer Nach- 
prüfung in vielen Einzelheiten, besonders was die biographischen 
und theatergeschichtlichen Angaben betrifft, sicher mancher Berich- 
tigungen und Ergänzungen bedarf, er hofft aber gleichwohl eine 
brauchbare Materialsammlung zu bieten für eine spätere systematische 
und abschließende Untersuchung von berufener Hand. 

Daß Eigennamen, die doch mit ihrem Träger untrennbar fest 
verbunden und mit dessen innerstem Wesen in engstem Zusammen- 
hang zu stehen scheinen, in Gattungsnamen übergehen, d.h. die 
Mannigfaltigkeit der einzelnen individuellen Gestaltungen auf Grund 
der allgemeinen, wesentlichen, gemeinsamen Merkmale zusammen- 
fassen, könnte vielleicht auf den ersten Blick befremden. Allein 
bei näherem Zusehen erweist sich diese Vermutung als gänzlich 
unbegründet, und man wird bald gewahr, daß im Grunde genommen 
zwischen beiden nur Gradunterschiede bestehen, und daß es unmög- 
lich ist, scharfe, untrügliche Scheidelinien zu ziehen. Je weiter man 
in dem Verlauf der historischen Entwicklung zurückgeht, um so 
fließender werden allmählich die Grenzen, und infolge ihrer ursprüng- 
lichen Zusammengehörigkeit und innigen Verwandtschaft zeigen uns 
die nomina propria und appellativa das Bild einer stetig im Flusse 
begriffenen Wandlung, eines beständigen Austausches. Die Gattungs- 
namen werden unter bestimmten Voraussetzungen zu Eigennamen, 
die nun ihrerseits zu irgend einer Zeit durch die verschiedenartigsten 
Ursachen wieder in appellativischer Verwendung auftreten können. 
Innerhalb einer größeren Gemeinschaft von Menschen führte das 
Bedürfnis nach individueller Bezeichnung zur Entstehung von Eigen- 
namen, die ihren Ursprung neben unendlich vielen, äußerst mannig- 
fachen Anlässen meist den charakteristischen, stark ins Auge fallenden 
Eigentümlichkeiten der einzelnen Personen in ihrem geistigen und 
körperlichen Habitus zu verdanken haben. Dem Drang nach in- 
dividualisierender Bezeichnungsweise und Dingauffassung, wie Ost- 
hoff ^) den Trieb nach Personifikation, der seit den Zeiten frühester 
Sprachschöpfung bis herab auf die Tage der unmittelbaren Gegen- 
wart lebendig ist, treffend charakterisiert, entspringt im letzten Grunde 
auch die Übertragung von Eigennamen auf die Tierwelt, dämonische 
Mächte, ja sogar auf völlig leblose Gegenstände. Andererseits 
handelt es sich bei der appellativischen Verwendung gewisser Per- 
sonennamen, die genau genommen nur einem Individuum zukommen, 
für eine größere Reihe von Personen, in der Regel um einen Akt 



*) Vom Suppletivwesen der indogerm. Sprachen. Akad. Rede. Heidel- 
berg 1899. a 50. 



— 9 — 

bewußter Willkür. Dieser Vorgang fällt in ein Gebiet des Be- 
deutungswandels, für dasWundt^) den Ausdruck »singulare Namen- 
übertragung* geprägt hat, und die er mit folgenden Worten erläutert: 
»Eine besondere Gruppe bilden schließlich diejenigen Namenüber- 
tragungen, bei denen der Name eines einzelnen Gegenstandes zur 
Bezeichnung einer größeren Gruppe verwandter Gegenstände gebraucht 
wird. Diese Erscheinung ist durch eine Assoziation veranlaßt, zu 
welcher namentlich der Eindruck einer Persönlichkeit oder eines 
Ereignisses von sehr hervortretender Eigentümlichkeit und starker 
Affektwirkung herausfordert. Sie hat das Gepräge eines singulären 
Ursprungs, weil der Eindruck, von dem sie ausgeht, keine allgemein 
gültige Bedeutung hat, und weil die speziellen Motive der Assoziation 
auf individuellen Bedingungen beruhen. Doch läßt sich in diesem 
Falle der Eintritt des Bedeutungswandels kaum jemals auf einen 
bestimmten Urheber zurückführen.* 

In den Kreis dieser Betrachtungen fallen nun zimächst die 
Namen aller jener biblischen Persönlichkeiten, die sich dank der 
lebenswahren und eindringlichen Charakterschilderung un vertilgbar 
dem Gedächtnis einprägten und schon frühzeitig im Volksmunde 
allgemeine, typische Bedeutung erlangten. In einer größeren Anzahl 
von Beispielen kann man freilich auch die Beobachtung machen, 
daß offenbar nur willkürliche Anlehnung an biblische Ausdrücke, 
Redensarten, Gleichnisse und Situationen die Veranlassung dazu ge- 
geben hat. Bei dieser Verwendung biblischer Stellen griff ohne 
Zweifel die Verletzung des ursprünglichen Wortsinnes in scherzhafter, 
ironischer oder parodistischer Absicht unterstützend ein. An diese 
Figuren biblischer Herkunft reiht sich dann eine ungemessene Fülle 
von Gestalten aus der antiken griechischen und römischen Mythologie, 
Sage, Geschichte und Literatur, die wegen ihrer hervorragend guten 
oder schlechten Eigenschaften berühmt oder berüchtigt sind und im 
Bewußtsein aller Kulturvölker so starke, unverlösehliche Eindrücke 
hinterlassen haben, daß ihre Namen sprichwörtlich gebraucht werden. 
Dies gilt in gleicher Weise von jenen führenden Geistern, die durch 
die gewaltige Macht ihrer kraftvoll ausgeprägten Persönlichkeit und 
ihren schöpferischen Willen weitgreifenden, tiefschächtigen Einfluß 
auf die Gesamtentwicklung der sie umgebenden Welt ausübten. 
Oft mit souveräner Nichtachtung der historischen Tatsachen von 
der Volksphantasie umgestaltet, leben sie in den Herzen der einzelnen 
Nationen als leuchtende, ideale Vorbilder fort oder gelten als Ke- 
präsentanten bestimmter Geistesrichtungen, Lebensanschauungen und 
typischer Seelenzustände. Zu ihnen gesellt sich aus der Literatur 
in ihren verschiedenen Erscheinungsformen eine reiche Galerie unter- 
einander mannigfaltig abgestufter tjrpischer Charaktere, die von den 
Dichtem unmittelbar dem wirklichen Leben abgelauscht, mit reichen 
individuellen Zügen ausgestattet sind und durch die Kraft der spre- 



1) Wandt, Völkerpsychologie I. 2. S. 579. 



— 10 — 

chenden, lebensvollen Zeichnung getreue Abbilder einer ganzen 
Gattung von Menschen bieten und in einem Vertreter gewisse Stände, 
Berufe und Gesellschaftsklassen treffend kennzeichnen. „Ein Typus 
in der Literatur ist der in einer Persönlichkeit dargestellte Inbegriff 
aller der Eigentümlichkeiten, die einer ganzen Reihe von in irgend 
einer Beziehung gleichartigen menschlichen Individuen gemeinsam 
sind/ *) In dieser Hinsicht ist vor allen Dingen die weitgehende 
Wirkung vielgelesener Romane, durchschlagender Theaterstücke und 
beliebter Opern unverkennbar, die in hohem Grade dazu beitragen, 
die Erinnerung an eine Persönlichkeit wach zu erhalten und ihren 
Namen volkstümlich zu machen. An diese literarischen Typen seien 
endlich eine Reihe von Vornamen angeschlossen, die durch vielfach 
recht verschlungene Beziehungen, deren Darlegung im einzelnen hier 
zu weit führen würde, eine kollektive Erweiterung ihrer Bedeutungs- 
sphäre erfuhren, indem sie ihre Funktion als individuelle Eigennamen 
überschritten und zu * appellativischen, umfassenden Sammelnamen 
für ganze Gruppen von Personen geworden sind. Besonders häufig 
läßt sich dieser Vorgang beobachten an den durch Apokope oder 
Aphärese aus Vollnamen hervorgegangenen volkstümlichen Koseformen 
und ihren zahllosen Variationen, deren man sich im gemütlich-trau- 
lichen Verkehr des alltäglichen Lebens bedient. Über die unüber- 
sehbare Fülle der psychologischen Ursachen und der mehr oder minder 
begünstigenden Umstände, die bei diesem Bedeutungswandel wirksam 
gewesen sind, kann man sich freilich nur unvollkommen Rechen- 
schaft geben. Es bedarf öfter großer Mühe, um die unendlich ver- 
wickelten, nicht offenkundig zutage liegenden Zusammenhänge 
aufzuhellen und die Gründe und Rücksichten mit zureichender Wahr- 
scheinlichkeit klar zu legen, die für die appellativische Verwendung 
der Namen entscheidend waren. Gleichwohl läßt sich im allgemeinen 
sagen, daß neben vielgestaltigen kulturgeschichtlichen Einflüssen, 
die mit einiger Sicherheit direkt nachweisbar sind, vor allem das im 
Volke lebendige Bedürfnis nach sinnlicher Anschaulichkeit, das dunkle, 
unbewußte Streben nach deutlicher Ausdrucksweise und nach Zu- 
sammenfassung und Gruppenbildung innerhalb der Begriffswelt bei 
diesen Wandlungen eine bedeutsame Rolle spielen. Durch den ge- 
wohnheitsmäßigen Gebrauch und ihre weite Verbreitung sinken viele 
Namen in der Wertschätzung herab und erleiden eine Erniedrigung 
in der Qualität sowie eine Abschwächung in der Intensität ihres 
inneren Gefühlswertes und ihres Stimmungsgehaltes. Außerdem ge- 
nügt manchmal schon eine geringe Ähnlichkeit der Bedeutung, der 
äußeren Form oder des Klanges, um lautlich-begriffliche Wortassi- 
milationen der verschiedensten Art hervorzurufen, die man gewöhn- 
lich mit einer das wahre Wesen der Sache wenig treffenden Be- 
zeichnung als Volksetymologien charakterisiert. „Namen werden 
auf sonst anders benannte Personen übertragen, weil sie an Wörter 



1) Ed. Eckhardt, a. a. O. S. 171. 



— 11 -^ 

erinnern, die man auf jene Personen anzuwenden Lust hat", sagt 
daher Tobler ^) mit Recht. Der natürliche Zusammenhang der Rede 
und der Situation wie die dem Sprechenden und dem Hörenden 
gemeinsamen Anschauungen sorgen dafür, daß trotz der mehr 
oder weniger durchsichtigen Anspielungen das Verständnis ge- 
währt bleibt. 

Die in Zeitschriften und Sammelwerken weit verstreuten ein- 
schlägigen Aufsätze wie auch eine größere Reihe von Einzel- 
publikationen, deren Aufzählung hier zu viel Raum in Anspruch 
nehmen würde, sind, soweit sie mir bekannt und zugänglich waren, 
zu Rate gezogen und dankbar benützt worden. Aus der Fülle von 
Spezialarbeiten und Werken, die vorwiegend zu sachlichen und 
sprachlichen Erläuterungen verwertet wurden, finden sich die wich- 
tigsten in beschränkter Auswahl in der Literaturübersicht verzeichnet. 
Im übrigen sei wegen der theoretischen und psychologischen Grund- 
lagen auf die ausführliche Bibliographie, die K. Jaberg seiner Arbeit 
über die pejorative Bedeutungsentwicklung im Französischen voraus- 
schickt, und auf die feinsinnigen Abhandlungen von K. Morgenroth 
verwiesen. Besonders hervorgehoben sei noch an dieser Stelle, daß 
die gebräuchlicheren Lexika im allgemeinen wenig Ausbeute für 
diese Untersuchung lieferten, da in den meisten die Eigennamen 
nur in ganz geringem Umfange berücksichtigt werden, ein Umstand, 
der den Mangel eines historischen und kritischen Namenbuches recht 
fühlbar macht. Als maßgebend für die Auswahl des Materials im 
einzelnen galt der Gesichtspunkt, nur solche Namen aufzunehmen, 
die dauernd in den französischen Wörtschatz übergegangen sind und 
ein gemeinsames Gut der Volks- und Umgangssprache bilden. Es 
handelt sich also um Namen, die zum großen Teil in der Rede des 
gewöhnlichen Mannes gangbare Müüze sind, die aber auch anderer- 
seits in gesteigertem Grade den Angehörigen der sprachlich und 
literarisch höher gebildeten Gesellschaftsklassen zur geläufigen Ver- 
fügung stehen. Alle jene Verwendungen, die sich als mehr oder 
minder ausschließliches Sondergut bestimmter Kreise erweisen, fallen 
außerhalb des Rahmens dieser Betrachtungen. Das Gleiche gilt von 
den unbeständigen, rasch verwehten Augenblicksschöpfungen, denen 
das Gepräge bewußter individueller Übertragung anhaftet. Meist 
bleiben sie auf das Einflußbereich ihres Urhebers beschränkt und 
fallen nach kurzer Zeit wieder der Vergessenheit anheim. Nicht 
allzu selten freilich läßt sich auch bemerken, daß manchen appel- 
lativisch gebrauchten Namen, den Münzen gleich, die im Laufe der 
Zeit bei ihrer Wanderung durch vieler Leute Hände ihre ursprüng- 
liche Deutlichkeit eingebüßt haben, ein gut Teil ihrer anfänglichen 
Frische und sinnlich -anschaulichen Wirkung verloren gegangen ist 
— denn die Abschleifung der äußeren Wortform hat meist auch eine 
Wandlung der inneren Bedeutung im Gefolge — , bis sie durch die 

^) a. a. O. n, 202. 



— 12 — 

eigenartige, bewufite Anwendung eines Schriftstellers wieder einen 
neuen, wirkungsvollen Bedeutungsinhalt empfangen, nach irgend 
einer Richtung eine Erweiterung oder Vertiefung erfahren und 
infolge der dadurch erlangten Schlagkraft schnell in weiteren Kreisen 
Eingang und Verbreitung finden. 

Eine streng systematische Anordnung des so umgrenzten Stoffes 
nach begrifflich scharf geschiedenen Gruppen, wie sie anfänglich 
geplant war, wurde zugunsten der alphabetischen Reihenfolge auf- 
gegeben, da eine sehr große Anzahl von Wörtern sich nicht ohne 
Willkürlichkeiten in ein festes, wohlgeordnetes System einfügen lassen 
würde und überdies zahlreiche Wiederholungen unvermeidlich gewesen 
wären. Die Etymologie der Namen selbst ist nur oberflächlich ge- 
streift und skizzenhaft angedeutet worden, zumal auf diesem Gebiete 
die Ansichten der einzelnen Gelehrten oft noch weit auseinander- 
gehen. Die Feststellung des Anwendungskreises der in appella- 
tivischer Bedeutung vorkommenden Namen nach Raum (Verbreitung 
nach Landschaftsgebieten) und Zeit (erstes Auftreten in schriftlichen 
Denkmälern) ist außerordentlich schwierig und wohl erst auf Grund 
eingehendster, sorgfältigster Studien und an der Hand einer reicheren 
Materialsammlung möglich. Die gegebenen Belege, die sich leicht 
ins Ungemessene vermehren ließen, werden hoffentlich zur Veran- 
schaulichung genügen. Sollten sich in den angezogenen Texten hier 
und da aus Versehen etwa Fehler eingeschlichen haben, so bitte ich 
deshalb um gütige Nachsicht, da es mir leider immöglich war, die 
Zitate mehrere Male nachzuprüfen. Von älteren französischen Schrift- 
stellern sind vorwiegend Rabelais, Marot, Ronsard u. a. herangezogen 
worden. Daß unter den zitierten Klassikern besonders Moli^re stark 
hervortritt, kann nicht wundernehmen. Ebensowenig wird die 
Häufigkeit der Beispiele aus La Fontaine überraschen, von dem 
H. Regnier*) mit Recht sagt: ,Ce qui, chez lui, est beaucoup plus 
remarquable, c'est la dext^rit^ k faire d'un nom propre un simple 
nom commun, une expression collective.** Von einer eingehenderen 
vergleichenden Heranziehung von Beispielen aus verwandten Sprachen 
ist geflissentlich Abstand genommen, denn es würden uns, wie das 
nicht anders zu erwarten ist, überraschend ähnliche, oft sogar die 
gleichen Erscheinungen entgegentreten. Es würde sich zeigen, daß 
die Bedeutungen der Hauptsache nach meist übereinstimmen, während 
sich in Nebenbedeutungen allerdings öfter Verschiedenheiten in der 
Auffassung bemerkbar machen, die in einigen Fällen ziemlich be- 
trächtlich sind. 

Schließlich liegt mir noch die angenehme Pflicht ob, den Ver- 
waltungen der Königlichen Bibliotheken zu Berlin und Dresden für 
das liebenswürdige Entgegenkommen und die große Bereitwilligkeit, 
mit der sie mir ihre Schätze auf längere Zeit zur Verfügung stellten, 
meinen aufrichtigsten Dank abzustatten« 

») La Fontaine, CEuvres G. E. X, LVni. 



I. 

Nafflen biblischer Herkunft. 

Abigail npr. f. Das schöne Weib des reichen und geizigen 
Nabal, das König David nach dem Tode ihres ersten Gremahls zu 
seiner Gattin erkor (1. ßam. 26, 24 — 31). Der biblische Name ist in 
England üblich geworden als Bezeichnung für eine Kammerzofe mit 
allen ihren guten und schlechten Eigenschaften besonders (bsd.) 
durch Beaumont und Fletcher, die in ihrer Scomful Lady (vor 
1616) eine Kammerfrau Abigail (Younglove) auftreten ließen. Eine 
bedeutsame Trägerin dieses Namens war Abigaü Masham (f 1734), 
die durch den Einfluß der Herzogin von Marlborough, in deren 
Diensten sie stand, Kammerjungfer der Königin Anna wurde und 
allmählich ihre einstige Herrin in der Gunst dieser Fürstin ver- 
drängte. In Frankreich ist ihr Name in übtr. Bedeutung F. a-^n. 
app. f. Kammermädchen, Zofe seit Scribe volkstümlich geworden, der 
ihr Schicksal in dem Lustspiele Le Verre d'eau (1840) dichterisch 
behandelte. 

Ahasv^rus npr. m. Der ewige Jude, in den Literaturen aller 
Völker verbreitete sagenhafte Gestalt, der dazu verbannt war, ruhe- 
los, ohne sterben zu können, die Welt zu durchwandern; fig. unstet 
umher irrender Mensch, der nirgends Buhe zu finden scheint. Die 
ursprüngliche Fassung der Sage hat bei den einzelnen Völkern nach 
verschiedenen Gesichtspunkten hin mannigfaltige Umgestaltungen er- 
fahren, und oft sind mit ihr Personen und Ideen in Beziehung ge- 
bracht worden, die der alten Tradition fremd waren. In Edgar 
Quinets seltsam allegorischem Prosadrama Ahasv^rus (1833) erscheint 
der ewige Jude als Abbild des ringenden, strebenden Menschen- 
geschlechts seit Beginn der christlichen Ära (vgl. R.d.D.M. 1®' d^c. 
1833). Der zehnbändige Roman Le Juif errant von Eugene Sue 
(1844—45) gipfelt in einem heftigen Angriff auf die jesuitische 
Moral. Von frz. Bearbeitungen der Sage sei schließlich noch das 
Gedicht Le Juif errant von B^ranger und Pierre Duponts Gedicht 
La Legende du Juif-Errant^ (1862) erwähnt. G. Paris, Le Juif 
errant (Legendes du Moyen-Age. P. 1903. p. 150 ff.); L. Neubauer, 
Die Sage vom ewigen Juden. Leipzig 1884. 

Aman npr. m. Haman, der allmächtige Günstling und ein- 
flußreiche Ratgeber des Perserkönigs Ahasverus, der aus Haß gegen 
seinen Nebenbuhler Mardochai den König zu einer grausamen Ver- 



_ 14 — 

tilgung des jüdischen Volkes zu bestimmen suchte, aber in Ungnade 
fiel und selbst den Tod am Galgen fand (Esther 3, 1); fig. a^^n. 
app. m. treuloser, ränkesüchtiger Minister oder anmaßender Günst- 
ling, der sich überall durch seinen Stolz verhaßt macht. Sein Leben 
wurde auf der frz. Bühne wiederholt dargestellt u. a. von Claude 
Kouillet (1556), Andr^ de Rivaudeau (1566), Pierre Matthieu (1587), 
Antoine de Montchrestien (1602), Pierre du Ryer (1644) und vor 
allem von Racine in seiner Esther (1689); Parfaict IV, 264; Des- 
champs IX, 295. 

A s m o d 6 e npr. m. In der hebr. Mythologie nach Tobias 3, 8 
der Eheteufel Asmodi, ein böser, nach Frauen lüsterner Dämon, der 
Raguels Tochter Sara liebte und sieben ihr angetraute Männer 
tötete, bis er schließlich von Tobias und Raphael überwunden wurde. 
In seiner Novelle El diablo cojuelo, von der Lesage Titel und 
Rahmen für seinen Roman Le diable boiteux (1707) entlehnt hat, 
gibt der spanische Dichter Guevara diesen Namen einem schelmischen, 
spöttischen Diener des Teufels, der die Dächer der Häuser von 
Madrid aufzuheben versteht und dadurch seinen Begleiter einen 
Blick tun läßt in das häusliche Leben und Treiben der Einwohner 
der Stadt. In Anspielung darauf nennt man seitdem Asmod^e eine 
Person, die über alle Ereignisse bis auf die kleinsten Einzelheiten 
imterrichtet ist, ohne daß man die Quelle kennt, aus der ihr die 
Nachrichten zufließen. Ed. Pailleron geißelt in einer Asmod^e be- 
titelten Satire (1860) das lasterhafte Leben der Pariser Gesellschaft; 
über Asmodeus als Teufelsname in Mysterienspielen vgl. Wieck S. 7. 

Balt(h)asar, /-^zar npr. m. Nach dem biblischen Bericht 
(Daniel 5) Belsazar, der letzte König von Babylon, der nach einem 
festlichen Gelage in der Nacht ermordet wurde ; F. n. app. m. Gour- 
mand; P. b^^ reiches, üppiges Mahl; ausgelassenes, tolles Festgelage; 
adj. prächtig. 

Bar(r)abbas npr. m. Nach Matth. 27, 16 ein Aufrührer und 
Mörder, den die Juden in ihrer Verblendung dem Heiland vorzogen, 
als Pilatus nach der Sitte der römiischen Statthalter, aus Anlaß des 
Osterfestes einen vom Volk erbetenen Gefangenen zu begnadigen, 
ihnen zwischen Barrabbas und Jesus die Wahl ließ ; Barrabant per- 
donent la vide, Jesum en alte croiz clausfisdrent , Passion 225. 
Daher bezeichnet Bar(r)abbas einen Menschen von abstoßendem 
Äußeren, einen seltsam wild aussehenden Bösewicht, wie man B. auf 
Gemälden dargestellt sieht. Auch im Don Quixote (I, 5) erscheint 
er als Typus eines Verdammten und wird mit Satan in gleiche Linie 
gestellt; vgl. connu comme Bar(r)abbas bekannt wie ein scheckiger 
Hund. 

Benjamin npr. m. Der jüngste Sohn Jakobs, für seine 
Mutter Rahel ein Schmerzenssohn (Ben-oni, vgl. Deschamps II, 260), 
da sie über seiner Geburt starb, für seinen Vater jedoch ein Glücks- 
sohn (Ben-yämin), weil er als zwölfter seiner Söhne und zugleich in 
Palästina auf heimischer Erde geboren wurde; deshalb war ihm 



— 15 — 

Jakob, zumal nach dem Verluste Josephs, in besonders zärtlicher 
Liebe zugetan (1. Mos. 35, 16; 42, 4; 43, 6. 14). Benjamin nennt 
man daher oft F. das jüngste oder das Lieblingskind, das Nesthäkchen 
in einer Familie; dazu benjamine s. f. Liebste; le benjamin des 
dames; et quelque parfait que puisse ^tre le comte de Nicei, dont 
vous me paroissez faire votre Benjamin S^v. X, 269. 

Caleb npr. m. Kaleb, einer der von Moses nach Kanaan 
ausgesandten Kundschafter, dem es wegen seines unerschütterlichen 
Gottvertrauens von allen Juden, die aus Ägypten ausgezogen waren, 
als einzigem vergönnt war, mit Josua das Land der Verheißung zu 
betreten (4. Mos. 13, 6; 14, 6. 30). Nach einer Person in Walter 
Scotts Bride of Lammermoor (1819) gilt Caleb als Urbild eines alten, 
pflichttreuen und zuverlässigen Dieners. 

Dalila(h) npr. f. Im Buch der Richter 16, 4 Delila, die 
schöne philistäische Geliebte Simsons (s. Samson), die ihm in hinter- 
listiger Weise das Geheimnis seiner übernatürlichen Kraft zu ent- 
locken wußte, ihm während des Schlafes das Haupthaar abschnitt 
und ihn dadurch in die Hände seiner Feinde, der Philister, lieferte. 
Ihr Name bezeichnet ^g, ein verräterisches Weib und verkörpert 
die verheerende Wirkung, den die dämonische Liebesleidenschaft 
einer verführerischen Frau selbst auf willensstarke Männer auszu- 
üben vermag. Octave Feuillet schildert in seinem Dalila betitelten 
Drama (1857), wie die Prinzessin L^onora Falconieri den Kompo- 
nisten imd Schriftsteller Andr^ Koswein durch ihre Liebe körperlich 
und geistig zugrunde richtet; vgl. Nyrop (1) H § 344, 2; Des- 
champs IV, 353; IX, 87 ff.; Rom. d. la Kose H, 193; Montaiglon, 
RecueU XI, 177. 

Eve npr. f. Nach der mosaischen Schöpfungsgeschichte (1. Mos. 
3, 20) Eva, das erste Weib, die Mutter alles Lebendigen, die Adam 
verleitete, Gottes Gebot zu übertreten, und so den unsäglichen Fluch 
über das ganze Menschengeschlecht heraufbeschwor. ^ Eva nennt man 
deshalb jede Frau, bsd. eine neugierige (une fille d'Eve). Ihr Name 
steht dann im weit. S. für eine gefallsüchtige, leichtfertige Frau, die 
die Männer zu verführen sucht, sich aber selbst auch leicht betören 
läßt; une i^ve ou quelque Adam Laft. cont. IV, 4; Kenart II, 336; 
anglo-norm. Adamsspiel v. 204 — 277; G. Le Clerc, Bestiaire 
381ff.; 3234ff. 

Goliath npr. m. Nach den biblischen Berichten (1. Sam. 17, 4) 
ein Riese aus dem Stamm der Philister, der unter höhnischen Spott- 
reden die Israeliten zum Kampfe herausforderte und von dem jungen 
David mit einer Schleuder erschlagen wurde; fig. durch hervor- 
ragende Größe und Stärke ausgezeichneter, hochgewachsener Mensch, 
Biese. Bei Rabelais (M. L. I, 222. 356) erscheint im Stammbaum 
Pantagruels ein Riese Goliath de Secundille; Joachim de Coignac, 
La Desconfiture de Goliath (1551); Louis Des Mazures, David 
fugitif, D. combattant, D. triomphant (1566). 

H^rode npr. m. Herodes der Große (37 — 4 v. Chr.), der 



— 16 — 

Stammvater der letzten jüdischen Dynastie, der als römischer Statt- 
halter trotz mancher hoher Verdienste durch seine rücksichtslose, 
gewalttätige Herrschaft den Unwillen des Volkes erregte. Unter 
seine Regierung fällt die Geburt Jesu und der bethlehemitische Kinder- 
mord (Matth. 2, 16); fig. Tyrann, Wüterich, auf ihn beziehen sich 
auch die Redensarten P. vieux comme H^rode sehr alt, sehr bekannt; 
un ^chapp^ d'H^rode iro. Dummkopf, Gimpel; li fei Herodes Pas- 
sion 209 ff.; XVI. aussi fier qu'ung roy Herode Fournier I, 290. 

Iscariote npr. m. Judas Ischarioth, Li fei Judas Escarioth 
Passion 81 f(., einer der 12 Apostel, der, wie schon sein Beiname 
andeutet, aus Karioth im Stamme Juda gebürtig war. Er verriet 
Christus an die Hohenpriester und soll sich der Sage nach aus Reue 
und Verzweiflung bald nach seiner unseligen Tat erhängt haben 
(Matth. 26, 15). Sein Name ist sprichwörtlich geworden für einen 
Verräter (auch i'-^adj.). Vom mittelalterlichen Drama an bis herein 
in die neuere Zeit ist sein Leben wiederholt Gegenstand dramatischer 
Darstellungen gewesen; vgl. Judas. 

J^r^mie npr. m. Jeremias, einer der großen Propheten, der 
mit glühender Beredsamkeit der Sittenverderbnis des jüdischen Volkes 
furchtlos entgegentrat und den unvermeidlichen Untergang des laster- 
haften Staates verkündete. Später hat der furchtlose Straff "--'^r 
in seinen Klageliedern (Lamentations de J^r^mie) seinem Schmerz 
und seiner Trauer über die Zerstörung Jerusalems und den Fall des 
Reiches Juda ergreifenden Ausdruck verliehen^ Deschamps I, 106; 
Vn, 77; fig. n. app. m. J^r^mie bezeichnet daher einen Menschen, 
der durch sein endloses Jammern und Wehklagen anderen lästig 
wird; j^r^miade s. f. Klagegeschrei, Wehklagen. Acad. 1762. Aeneas 
fit le J^r^mie Et mouilla sa face blemie. Scarron, CEuvres (1752) 
IV, 42; II faut finir cette j^r^miade. Abb^ de Choisy (Trevoux). 

J^sus npr. m. Kosename, den man kleinen Kindern gibt; 
fig. Petit -J^sus kleines, unschuldiges Kind; P. Unschuldiger, Ein- 
faltspinsel; dann auch A. zu Diebereien und Unzucht angelernter 
Bursche; grippe-j&us Gendarm; jfeuite s. m. Jesuit, Mitglied des 
von Ignatius von Loyola gegründeten Ordens Jesu (1540); fig. n. 
app. m. Heuchler, Scheinheiliger, hinterlistiger Intrigant; bis ins 
17. Jh. war die Form j^suiste gbr. 1648 une petite chapelle au 
coin du College des jesuistes Chron. bordel. I. 73 (Delb. Rec); adj. 
j^suitique; j^suitisme s. m. (XVI. j^suisme Pasquier). 

Job npr. m. Hiob, der Held des gleichen alttestamentlichen 
Buches, der als ein Muster wahrer Frömmigkeit und gottergebener 
Geduld erscheint (Hiob 17, 6); II est comme Job sur son furnier, 
k la patience prfes. S^v. X, 607. Trotzdem er von schweren Leiden 
heimgesucht, von seiner Frau verspottet, von seinen Freunden ver- 
lassen und aller seiner irdischen Güter beraubt wird, kann ihn doch 
nichts in seinem lebendigen, unerschütterlichen Gottvertrauen beirren; 
la femme ä Job eine böse Sieben, Hiob II, 9; Deschamps IX, 196; 
les amis de Job Leute, die einem Unglücklichen Vorwürfe machen; 



— 17 — 

5tatl- 

gloft fig. n. app. m. äußerst armer Mann, der in bitterer Not lebt; Marot II, 
Juter 220; Mensch, der alles ruhig hinnimmt, sich anführen und (bsd» in 
der Ehe) betrügen läßt; leichtgläubiger Einfaltspinsel, ßchwachkopf; 
äciiJ adj. dumm, albern; jobisme s. m. pauvret^, denuement, r^signation 
QDt; dans le malheur; P. Job Lüge, Täuschung, Betrug vgl. die Redens* 
arten battre Job sich verstellen, täuschen; monter le (un) Job k 
qn. jem. hinters Licht führen, betrügen; P. se chauffer le Job sich 
selbst betrügen. Von Einfluß auf die Bedeutungsentwicklung war 
njij vermutlich jober verspotten, beschwindeln, zum Besten halten und 
rie[ die davon gebildeten Ableitungen jobelin (vgl. Jobelin brid^ Name 
eines geduldigen Schulmeisters bei Rab. M. L. I, 58; jobelin a«: fou 
M.N.D. 17, 440; enjobeKner Anc. Th. fr. H, 148; VUI, 223, jobiner 
ib. III, 47), jobelot; P. jobard, jobarderie Vertrauensseligkeit, Leicht- 
gläubigkeit, die wohl zu afrz. jobe zu stellen sind, vgl. Godef. jobe. 
Über die von G^nin vorgeschlagene, wenig glaubwürdige Ableitung 
von Jaubert (Jobert) vgl. Scheler, jobard. Im mittelalterlichen 
Drama, bsd. in den Mysterien des 15. Jhs. war Hiob eine beliebte 
Figur vgl. Gr. Gr. II, 1. 659. 761; Juleville II, 370; 377; Parfaict H, 
493; 552; Lepardonneur, geistl. Drama Hiob, Lyon 1556. 
3vrr Joseph npr. m. Ein Sohn Jakobs und der Rahel, der von 
seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde und in die Dienste 
Potiphars, des Obersten der königlichen Leibwache, trat. Von heißer, 
leidenschaftlicher Liebe erfaßt, versuchte dessen Gattin Joseph zu 
verführen, was ihr aber mißlang. Joseph entkam und ließ nur seinen 
Mantel in ihren Händen zurück (le manteau de Joseph ist sprich- 
wörtlich geworden) 1. Mos. 39; vgl. putipharder; fig. F. j^^n. app. 
m. 1. keuscher Jüngling; 2. P. betrogener Ehemann; faire son 
Joseph 1. sehr keusch tun, die entgegenkommende Freundlichkeit 
eines Weibes zurückweisen; weit. S. sich um etwas bitten lassen; 
Dargebotnes ausschlagen; 2. ehelich betrügen; dazu F. josephine 
s. f. sprödes Frauenzimmer; faire sa josephine die galanten Anträge 
eines Mannes entrüstet zurückweisen, die Tugendhafte spielen; P. 
d^josephier jem. den keuschen Joseph austreiben, witzigen. Von den 
zahlreichen dramatischen Bearbeitungen des Stoffes sei bsd. M^huls 
Oper (1807) erwähnt. Eine afrz. Histoire de Joseph, die dem 
12. Jh. angehört, hat W. Steuer, Rom. Forsch. XIV, 227—410 
veröffentlicht; vgl. noch Gr. Gr. 11, 1. 668; Weilen, AI. v.: Der 
ägyptische Joseph im Drama des 16. Jhs. Wien 1887; Genest, 
Joseph (Trag.) 1710. 

Judas npr. m. Einer der zwölf Apostel, der den Heiland 
verriet vgl. Iscariote ; fig. F. n. app. m. hinterlistiger Verräter, heim- 
tückischer Schurke; treuloser, falscher Mensch. Acad. 1798; 1497 
Traitre, larron, judas! Delb. Rec; 1617 Nous demandons du lait 
du truye k Thötesse : Tun fait le mauvais, Tautre le Judas d'Aubign^ ; 
Que voilk qui est sc^l^ratl Que cela est Judas [adj.I] Mol. Bourg. 
Gent. III, 10; P. judacer durch einen Kuß („baiser Judas") unter dem 
Vorgeben der Freundschaft verraten (Matth. 26, 48. 49; Luk. 22, 48), 



— 18 — 

auch allg. betrügen, verrateD, denunzieren; P. judacerie s. f. Ver- 
räterei; falsche Freundschalt, Schurkenstreich vgl. noch judasn. app. m. 
Guckloch in der Tür oder im Fußboden, Sprachrohr aus einem 
Zimmer ins andere. Frühzeitig hat sich die legendenhafte Dichtung 
der Gestalt des Verräters bemächtigt. So wird in einer afrz. Fassung 
der antiken Oedipussage aus dem 13. Jh. Judas zum Träger der 
Handlung gemacht (Gr. Gr. IL 1. 935); Creizenach, Judas Ischarioth 
in Legende und Sage des Mittelalters P.B. B.II, 177ff.; Et chil le 
baise en autel loiaut^ Que fist Judas qui trai Dame d^. H. de 
Bordeaux (6d. Guessard) 8952 (vgl. 2419); K. de Cambrai v. 1381; 
Renart 1, 182, 762; Meinhoff, S. 64; Greban, Passion 7930, 17399; 
Deschamps X, 50; Anc. Th. fr. IX, 30; Judasdrama 1530 in Kouen 
aufgeführt. 

Judith npr. f. Die Heldin des nach ihr benannten apokry- 
phischen Buches, die sich durch ihre Schönheit und listigen Bänke 
das Vertrauen des Holofemes, des obersten Feldherrn Nebukadnezars, 
zu erschleichen wußte, ihn mit seinem eigenen Schwert in der Nacht 
ermordete und dadurch ihre belagerte Vaterstadt befreite und die 
Retterin ihres Volkes wurde ; fig. heldenmütige Frau, die ihr Leben 
für eine gefahrvolle Tat wagt; M.N.D. 17, 5; Deschamps III, 99; 303; 
Fournier I, 240; Du Bartas, Judith (Epos) 1573. 

Lazarus (frz. Lazare) npr. m. Der Name des armen und 
elenden, vom Aussatz schwer heimgesuchten Menschen, den Christus 
in seiner herrlichen Parabel Luk. 16, 19 — 31 dem gottlosen Reichen 
gegenüberstellt; Parfaict IH, 94; Anc. Th. fr. HI, 267 ff.; IV, 262; 
Deschamps III, 17. Auf ihn geht zurück ladre adj. u. s. m. I. Aus- 
sätzig(er). XII. ladre Flore et Blanchefl. V^ vers. 837 ; com li ladres 
en ses ahans Renclus, Miserere XLIX, 5; weitere Belege bei Godef. 
compl. 2. Filz; Knauser(in), Geizhals; ladresse adj. u. s. f. vgl. Godef. 
II. adj. (da der Aussatz die angegriffenen Teile unempfindlich machen 
soll) F. gefühllos, unempfindlich (körperlich und moralisch) : 1 608 cet 
home est bien ladre, il ne sent point quand on pique sa chair 
G. Bouchet, Serees HI, 313; Anc. Th. fr. IX, 17; F. geizig, knausrig: 
riebe come un ladre G. Bouchet, Serees IH, 292; diese Bedeutung 
könnte durch die Begriffe unreinlich, schmutzig vermittelt sein 
vgl. crasseux schmutzig-geizig; es ist nicht unbedingt notwendig, 
dafür mit Scheler Entlehnung aus ital. ladro anzunehmen; ladrerie 
s. f. Aussatz, Knauserei, schmutziger Geiz; im Mittelalter auch 
Hospital für Aussätzige vgl. frz. maladrerie unter Anlehnung an 
ladrerie aus maladerie (malade) entstellt; vgl. ferner ital. lazzarone, 
lazzaretto, davon frz. lazaron ; lazaret (dieses schon 1611 bei Cotgrave 
belegt); nfrz. Lazare n. app. m. jem., der im Elend lebt; Tobler, II, 204; 
Grotkass, S. 17; Haase, Syntaxe fr9se. du XVII« s. P. 1898. p. 66. 

Lilith npr. f. Nach dem hebr. Volksglauben ein weibliches 
Nachtgespenst, das Kinder zu töten und Männer zu beschlafen sucht; 
in den späteren jüdischen Sagen erscheint sie als Adams erstes Weib, 
die ihm nicht gehorchen wollte und von ihm Mutter von Dämonen 



— 19 — 

und bösen Geistern wurde. Luther übersetzt Jesaias 34, 14 Lilith 
mit Kobold; fig. ungehorsame Frau. 

Lucifer npr. m. Lat. Name des Morgensterns. Nach der 
Anschauung Gregors I. der von Gott geschaffene, aber freiwillig von 
ihm abgefallene Engel (Offenb. 12, 9); nach der Interpretation von 
Jesaias 14, 12 Quo modo cecidisti de caelo lucifer qui mane oriebaris? 
mit Satan identifiziert und seitdem Bezeichnung des Teufels (Joh. 12, 31 ; 
Luk. 10, 1 8; Matth. 12, 29) vgl. Godef.; Volt , dict. philos. ange; Forkert, 
Beiträge zu den Bildern aus dem afrz. Volksleben u. s. w. Diss. Heidel- 
berg 1901. S. 62 ff., Wieck, S. 8ff.; F. c'est un vrai Lucifer lärmendes, 
unartiges Kind, wahrer Teufelsbalg. 

Madeleine (Madelaine) npr. f. Im Ev. Luk. 7, 36 wird von 
einem tief gesunkenen Weibe erzählt, die ihren unsittlichen Lebens- 
wandel aufrichtig bereute, in Simons Hause Jesu unter Tränen die 
Füße salbte und von ihm gesegnet wurde. Die spätere Vermischung 
dieser „großen Sünderin" mit Maria Magdalena, der begeisterten 
Jüngerin Jesu aus Magdala in der Nähe des Sees Genezareth, die 
von Christus aus siebenfacher dämonischer Gewalt befreit wurde 
(Luk. 8, 2) und mit Maria von Bethanien, der edlen Schwester der 
Martha und des Lazarus, entbehrt des historischen und biblischen 
Hintergrundes. Gleichwohl herrscht seit Gregor I. in der Kirche 
allgemein die Ansicht, daß diese drei Personen identisch seien. Auf 
einer irrigen Auffassung von Luk. 7, 36 imd 8, 2 beruhen daher 
im Grunde genommen alle jene Vorstellungen von einer büßenden 
Magdalene, die oft in Legenden behandelt und seit Correggio, Tizian, 
Rubens in der Kunst unzählige Male dargestellt worden ist. Das 
Gleiche gilt von dem Sprachgebrauch, der den Namen Magdalena 
(frz. Madeleine, Madelaine) zur Bezeichnung gefallener Mädchen an- 
wendet (vgl. Marguerite), die, ein Opfer der Prostitution, reuemütig 
ihren Sünden entsagen und in einem Magdalenenhause (frz. Made- 
lonnettes) eine sichere Zufluchtsstätte finden vgl. Godef. Madelaine, 
Lacurne Magdelaine; Grotkass 17; Hübner 29; ^g. m^^^n. app. f. 
Büßerin; leichtsinniges, junges Mädchen von lockeren Sitten, mag 
sie nun ihre unmoralische Lebensführung bereuen oder nicht; Magde- 
laine, courtisane in Lariveys Les Jaloux 1579; teile fait aussi la 
Magdalaine Deschamps, Ball. 839; Fournier I, 120; Leroux (II) I, 49; 
pleurer comme une madeleine bitterlich, heftig weinen; il n'est plus 
le temps de faire la Magdaleine Larivey (BJbl. elz. 1835) II, 428, 1 8. 
Erinnert sei in diesem Zusammenhang noch an die meist ironische 
Anspielung auf die biblischen Worte : Ihr wird viel vergeben, denn 
sie hat viel geliebt (Luk. 7, 47). Das Leben der büßenden Magda- 
lena war ein beliebter Stoff der mittelalterlichen Bühne wie der 
Legendendichtung (Gr. Gr. II. 1. 1220. 987); Doncieux, p. 172; 
MND 16, 1157; Deschamps VII, 14; IX, 213; 243. 

Mathusalem (Mathusala) npr. m. Methusalem, ein hebr. 
Patriarch, der Sohn Henochs und Großvater Noahs, der durch seine 
außerordentlich lange Lebensdauer (uach 1. Mos. 6, 27 soll er erst 

2* 



— 20 — 

im Alter von 969 Jahren gestorben sein) sprichwörtlich geworden 
ist, fig. n. app. m. sehr alter, hochbetagter Mann, vivre autant que^^^ 
ein hohes Alter erreichen ; XII. 8es pere (Vespasians) ot non Matu- 
sal^, Ki neuf cens ans et dis veski Sept Sages, hg. Keller v, 50 ff. 
Mathussal^ qui tant fu ancien Deschamps III, 183; XIII. Autant 
come Mathasales Pas ne vauroie estre ves. Anc. po^s. fr. Vatican 
(Lacurne); vivre autant que Mathusal^ Villon, 69; Quatre Mathu- 
salems bout k bout ne pourroient mettre h. fin ce qu'un seul d^ire. 
Laft. f. Vin, 26; vieux comme Mathusalem, wofür das Volk scherz- 
haft oft Mathieu sal^ sagt, das schon im Eoman d'Isaie de Triste aus 
dem 14. Jh. belegt ist vgl. Nyrop (1) I, § 530, 2. Romania XXIX, 422. 

N e m r d npr. m. Nach den biblischen Berichten (1 . Mos. 10, 9) 
Nimrod, Noahs Enkel, ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn und als 
solcher bis auf den heutigen Tag sprichwörtlich; außerdem ist er aber 
auch ein tapferer Kriegsheld , denn er erscheint als Gründer des weit 
ausgedehnten babylonischen Reiches vgl. Deschamps VI, 22; 77; fig. n. 
app. m. ausgezeichneter Jäger, leidenschaftlicher Freund des edlen 
Weidwerks; nemrodique adj. 

nicod^mite s. m. jem., der seinen Glauben nicht offen zu 
bekennen wagt, nach dem jüdischen Schriftgelehrten, der Christus 
während der Nacht besuchte, um von seinen Glaubensgenossen nicht 
erkannt zu werden (Joh. 3, 1; 7, 60; 19, 39). 

Putiphar npr. m. Pharaos Haushofmeister und Kämmerer, 
dessen Weib, von blinder Liebesleidenschaft hingerissen, den keuschen 
Joseph (s. d.) zu unsittlichen Handlungen verleiten wollte (1. Mos. 39); 
daher F. putipharder (Champfleury) , putiphardiser (Delvau) einen 
Jüngling zu verführen suchen. 

Rebecca npr. f. Rebekka, die Tochter Bethuels, die Abrahams 
treuer Diener Elieser für Isaak zur Gattin gewann (1. Mos. 14); fig. 

1. Mädchen, das jem. zu trinken gibt (wie Rebekka am Brunnen); 

2. F. mademoiselle ^^^ mürrische Person, Trotzkopf. Diese Bedeutung 
erklärt sich aus der lautlichen Anlehnung an se reb^quer (bec) wider- 
sprechen, = bellen, = belfern; se reb^quer contre qn. jem. (einem 
Vorgesetzten) trotzig antworten, widersprechen; rebecqueviller dagegen 
einwenden ; il n'y avait pas k /^^ dagegen ließ sich nicht aufkommen 
vgl. rebecher, rebacquer bei Godef., faire sa Rebecca die Tugendhafte 
spielen (vgl. Sophie); Anc. Th. fr. VIH, 285; H, 11. 

S a 1 o m o n npr. m. Der Sohn Davids und der Bathseba, einer 
der hervorragendsten Könige Judas^ dessen glänzende Herrschaft einen 
Höhepunkt in der israelitischen Geschichte bezeichnet (1. Kön. 3. 4, 30; 
2. Chron. 1. 9). Durch seine vielseitige Begabung, seinen Scharfsinn 
und sicheren Blick wie durch sein strenges, aber gerechtes Urteil 
(,,le jugement de Salomon*^) und nicht zum geringsten durch die 
ihm zugeschriebenen Weisheitssprüche (vgl. die häufigen Berufungen 
auf ihn oder die ihm zugeschriebenen Schriften in afrz. Sprichwörtern) 
lebt er in der Erinnerimg aller Völker als das Muster eines reichen, 
prächtigen und weisen Fürsten fort. Solchen leuchtenden Vorzügen 



— 21 -~ 

gegenüber treten seine Schattenseiten zurück. In den verschiedenen 
Zweigen der mittelalterlichen Literatur tritt er uns als UrMld der 
Weisheit entgegen, so vor allem in den weit verbreiteten Gesprächen 
zwischen Salomon und Markulf (Morolf); über frz. Bearbeitungen 
vgl. Gr. Gr. II. 1. 700; fig. n. app. m. weiser König (der sich durch 
eine einsichtsvolle Regierung auszeichnet). II [ErecJ sanbloit Assalon 
de face, Et de langue Salemon. Crestien, Erec 2266; ün Salomon 
en jugemens parfaits Marot II, 222. 309; Frfere Andr^, par cette 
^loquence . . . passa pour un Salomon Laft. cont. IE, 2; sagesse 
salomonienne La Porte, 1571 Epithetes 230^ (Z BPh XXIX, 190); 
Voltaire nannte Friedrich den Großen in seiner Ode: Au roi de 
Prusse sur son avfenement au tröne (1740) und in mehreren Briefen 
le Salomon du Nord vgl. Ladendorf 287; über die Namensform 
Psalemon (volksetym. Angleichung an pseaume (Psalm) vgl. Faß 16; 
Stengel, Rolandslied, Namensverzeichnis. 

Samson npr. m. Simson, der Herkules des jüdischen Volkes, 
nach dem Buche der Richter 13 — 16 der letzte der zwölf Richter, 
der durch seine wunderbare, übermenschliche Kraft sein Vaterland 
vor dem Ansturm der feindlichen Philister beschützte, aber durch 
die Hinterlist der Delila (s. d.) verraten, unter den einstürzenden 
Mauern des Tempels ein tragisches Ende fand; fig. n. app. m. Mensch 
von außerordentlicher Stärke. Samson et Dalila, opera von Saint- 
Saens (1897); Par Daulila, que Dex ne voie Perdit Sanson Fortin 
sa joie. E. de Fougeres, Li vre des maniferes 991; Deschamps H, 150; 
IV, 353; IX, 87; estre riche autant que Job, autant fort que San- 
son Rab. ML. II, 267; puissance sansonienne 1571 La Porte, Epi- 
thetes 221 ^ (ZRPhXXIX, 191); sansonnet (dim. v. Samson) sl m. 
Star; P. Gendarm; männliches Glied; Banville, Ödes funamb. 100. 

Satan npr. m. Der Herr aller dämonischen Mächte, der oberste 
der von Gott abgefallenen Engel, der in der Bibel als Personifikation 
der Bosheit, der vernichtenden Macht der Sünde und als Widersacher 
und Feind des Menschen erscheint; fig. verworfener, ruchloser Mensch. 
XII. Porquei . . . la toudreiz a un innocent Por doner la a un Sathan? 
Benoit 15089 (Littr^); vous n'estes pas si fort Satan Comme vous 
montrez la rigeur Anc. Th. fr. I, 238. 

Satanas npr. m. hat dieselbe Bedeutung wie Satan, wird 
jetzt aber meist familiär und mit einem gewissen komischen Neben- 
sinn gebraucht vgl. die oft zitierte biblische Redensart Vade retro (me), 
Satana Malherbe IV, 10; Laft. cont. IV, 5. 164; wegen Apage, Satana 
vgl. Büchmann 59; Qua el enfem dune asalit. Fort Satanan alo 
venquet Passion 373 (Koschwitz); Lo satanas dol en a grand ib. 489; 
weitere Belege bei Godef.; satanique adj. vgl. Godef. compl.; satan^, 
satanisme; orgueilleux comme Satan über alle Mafien hochmütig, 
ungemessen stolz; One hom ne vit tiel Sathanas R. de Th^bes 
(L. Constans) II, 9 ; Wieck, S. 5 ff. 

Simon npr. m. Wie uns die Apostelgesch, 8, 9 — 24 erzählt, 
suchte der Zauberer Simon für Geld die Gabe der Mitteilung des 



- 22 — 

heiligen Geistes durch Auflegen der Hände vom Apostel Petrus zu 
erlangen, der dieses unlautere Anerbieten aber entrüstet zurückwies, 
daher fig. simonie s. f. unlauterer Erwerb oder Verkauf geistlicher 
Güter und Würden (Sakramente, Pfründen u. s.w.) gegen Geld um 
anderer weltlicher Vorteile willen Deschamps U, 178; Vm, 65; fig. n. 
app. m. Simon Pfründenverkäufer (Beleg bei Godef.) ; simonial adj. 
u. s. .in derselben Bedeutung wird jetzt simoniaque adj. u. s. 
gebraucht; XTT. Ja pur simonials n'en serreient tenu Garnier, 
Thomas 660; simonie s. f. Simonie vgl. ital. span. siraonia; XII. La 
puet le poi vaillant symonie eshaucier, Garnier, Thomas 2460; 
Marot I, 282; Symonne = römische Kirche in Marots Allegorie Le 
Balladin (1543) I, 279. Anm. Der Grund für die Verwendung des 
Namens Simon in der pop. Redensart aller chez Simon zur Tante 
Meier (auf den Abtritt) gehen, entzieht sich einer einwandfreien 
Erklärung; im Argot der Kloakenreiniger bezeichnet Simon den 
Hauseigentümer; in der Sprache der Diebe bedeutet simonner betteln, 
gaunern; simonneur s. m. Bettler, Gauner. 

Thomas npr. m. Einer der zwölf Apostel, der nach Joh. 20, 24 ff.; 
11,16; 14,5 der freudigen Osterbotschaft der Jünger von der Auf- 
erstehung Christi hartnäckigen Zweifel entgegensetzte und sich nur 
durch sinnliche Beweise von der Richtigkeit der Tatsachen überzeugen 
ließ, fig. Thomas n. app. m. ungläubiger Mensch; er ist zum Typus 
des Zweiflers geworden, der wirklich ernstlich nur das glaubt, von 
dessen Wahrheit er sich durch die sinnliche Wahrnehmung genau 
vergewissert hat; §tre comme saint Thomas ungläubig sein; foi de 
Thomas. G. Leclerc, Bestiaire v. 2170; Vous estes des confrferes 
de S. Thomas et ne voulez jamais croire les choses si vous ne les 
voyez Anc. Th. fr. VII, 163. Anm. In der pop. Wendung la m^re 
(la veuve) Thomas Nachtgeschirr; passer la jambe ä Thomas den 
Nachttopf ausgießen (vgl. Charles, Jules), will Villatte, Parisismen 
eine Anspielung sehen auf den Vers der Osterhymne Vide Thomas, 
vide pedes, vide manus (ob mit Recht?), 



n. 
Namen aus dem klassischen Altertum. 

(Mythologie, Sage, Geschichte und Literatur.) 

Achate npr. m. In der Aeneide Virgils „fidus Achates*, der 
treue Genosse des Aeneas, den er auf der Flucht von Troja be- 
gleitete. Virg. Aen. 1, 174 u. ö.; Ov. Fast. 3, 603; fig. treuer 
Gefährter; jem., der seinem vertrauten Freunde in selbstloser Hin- 
gebung und aufopfernder Liebe überall hin folgt; O, gent Agrippe, 
ou, pour te nommer mieux, Fidelle Achatte, estoit donc de mes 
yeux Digne le pleur? Anc. Th. fr. IV, 107; 193; Je vous seray 
un Achates, un Damis et compagnon en tout le voyage Rab. ML. 
n, 218 cf. ib. I, 264; n, 345; mon fidele Achate [M. de Chateau- 
neuf] disposa les choses pour son retour Laft. IX, 293. 381 

Achille npr. m. Homer schildert vor allem in der Ilias 
Achill als den schönsten und tapfersten der vor Troja versammelten 
griechischen Helden, der wegen seiner Unverwundbarkeit und un- 
übertrefflichen Schnelligkeit gefürchtet ist und durch seine gewaltige 
Größe und seinen Heldensinn alle anderen überragt, daher appell. 
schöner, kräftiger Held oder Jüngling, so schon Virg. Aen. 6, 89; 
Plautus, Mil. glor. 1054. Er ist das Sinnbild kraftvoller Männlich- 
keit, kriegerischen Heldenmutes und unerschrockener Tatkraft. 
Öfters steht Achille auch für einen Menschen, der die ganze Schwere 
eines gefahrvollen Unternehmens fast allein auf seine Schultern 
nimmt und den Erfolg durch seine verwegene Kühnheit zu sichern 
weiß. Nicolas Filleul, Achille (Trag.) 1563; Mort d'Achille, trag^die 
von Hardy (1607) und Benserade (1636) , von Th. Corneille 
(1673); Bor^e, Achille victorieux (Trag.) 1626; Achille, trag^die 
von Lafontaine (unvollendet); Achille von Viennet (1841). S'il se 
vante d'estre homme de guerre, je le fais \m Achille Anc. Th. fr. 
Vn, 260; ib. IX, 70. Chaque Achille a son Homfere (Massillon); 
Dans ces temps si f^conds en Achilles (Boil.); XH. Achilles B. de 
Sainte-More, Roman de Troie 188 vgl. Dernedde 36. 129; Nicot 
1606 Achilles (auf der letzten Silbe betont). 

A d o n npr. m. ältere Form für Adonis (s. d.) XVI. En beaut^, 
c'est un Adon, en amour un Cupidon De Brach H, 46 (Littr^ Suppl.); 
Ce bei Adon ^toit le nain du roi Laft. cont. I, 1. 

Adonis npr. m. In der griech. Mythologie ein herrlicher 
Jüngling, den Venus wegen seiner außerordentlichen Schönheit 
leidenschaftlich liebte; urspr. wohl, wie die Etymologie zeigt, eine 
phönizische Gottheit, ein Sinnbild der sterbenden und wieder auf- 



— 24 — 

lebenden Natur. Theokrit I, 109; XV, 127; Virg. Ecl. 10, 18; Ov. 
Met. X, 524 ff.; 705 ff.; Christine de Pisan, Ball. 90; LaftVI, 213; fig. 
n. app. m. auffallend schöner Mensch; iro. Geck; junger Mann, der 
sich ausgesucht fein und stutzerhaft kleidet; faire TAdonis stutzem; 
adoniser putzen, schmücken: Cette m^re se plait k adoniser son fils 
vgl. Ronsard, Amours I, 93; jetzt mehr reflex. gbr.: s'adoniser sich 
mit großer Sorgfalt putzen, fein machen, sich schniegeln (bsd. von 
Männern). Adonis, trag^die von G. Le Breton 1574; Demedde 106. 

Agamemnon npr. m. In den homerischen Dichtungen der 
hoheitsvolle, durch Klugheit und Umsicht hervorragende Ober- 
feldherr der gegen Troja verbündeten griech. Heere, der von seiner 
Gemahlin Klytänmestra mit Hilfe ihres Buhlen Ägistheus (s. l^gisthe) 
nach seiner Rückkehr in die Heimat ermordet wurde ; fig. im Argot 
der Diebe Chef einer Falschspielerbande ; Agamemnon^ trag^die von 
Charles Toutain (1556), Le Duchat (1561), Hardy (1618), d'Assezan 
(1681), Lemercier (1797); Demedde 32. 

Alcibiades npr. m. Alkibiades, der große athenische Feld- 
herr und Staatsmann, ein Schüler und Liebling des Sokrates, in dem 
sich die glänzendsten geistigen und körperlichen Vorzüge mit laster^ 
haften Neigungen, Eitelkeit und Leichtsinn vereinten; fig. jem., der 
sich mit der größten Leichtigkeit und Geschmeidigkeit allen Lebens- 
lagen, in die ihn sein Geschick bringt, anzupassen weiß; Le feint 
Alcibiade, trag. -com. von Quinault 1658; Alcibiade, trag^die von 
Galbert de Campistron 1685. 

Aleide npr. m. Alkide, ein Beiname des Herkules, den er 
als Enkel des Alkäus führte. Virg. Aen. 6, 123; Hör. Carm. 1, 12; 
fig. a/'^n. app. m, xmbesiegbarer Held, starker, kräftiger Mann; Les 
Manes estonnez le croiront un Aleide (1629) Foumier. H, 281; 278; 
comme un autre Aleide Malh. I, 42; Dix mille vaillants Aleides. 
Boil., Prise de Namur (II, 352). 

Alexandre npr. m. Einer der bedeutendsten Heerführer 
aller Zeiten, der durch seine verwegenen Eroberungszüge seine Herr- 
schaft weit über die engeren Grenzen Mazedoniens ausdehnte \md 
ein Weltreich von unermeßlicher Größe gründete, das aber unter 
seinen Nachfolgern bald wieder zerfiel;, fig. Held, kühner Eroberer. A. 
war der preziöse Name König Ludwigs XIV. ; les Alexandres de notre 
sifecle Racine I, 516; il a vaincu comme un Alexandre Laft. I, 6; 
Laft. f. UI, 18 bezeichnet mit diesem Namen scherzhaft eine Katze: 
J'ai lu . . . Qu'un second Kodilard, TAlexandre des chats . . . Für die 
große Beliebtheit der Gestalt Alexanders im Mittelalter spricht der 
Umstand, daß von allen Stoffen der antiken Sagenwelt die Alexander- 
sage in der afrz. Literatur des 10. — 12. Jhs. wohl den breitesten 
Raum einnimmt. Davon zeugen auch die späteren Umarbeitungen 
der Versdichtungen in Prosaromane. Paul Meyer, Alexandre le Grand 
dans la litt, fr^jse du m.-ä. 2 Bde P. 1886 II, 377; Romania XI, 
213; Jacques de la Taille, Alexandre (1562), Hardy, Mort de Daire 
(1619) und Mort d'Alexandre (1621); Alexandre le Grand, trag^die 



— 25 — 

von Racine (1665); Alexandre, tragödie von Viennet (1841); Der- 
nedde 58-75; 138. 

* A m a r y 1 1 i 8 npr. f. Der Name einer Hirtin bei Theokrit und 
Virg. Ecl. 1, 5; 2, 14; Ov. Art. am. 2, 267; ^g. junge Hirtin, Bäuerin. 
Chaque Amarille a son Tityre Malherbe I, 215; Amarillis, Pastorale 
von Du Ryer (1650) und Rotrou (1652). 

A m p h i n npr. m. 8ohn Jupiters und der Antiope, der spätere 
Gemahl der Niobe, durch dessen meisterhaftes Lyraspiel (Virg. Ecl. 
2, 24) und bezaubernden Gesang sich einst die Felsen des Kithäron 
selbst zu einer Mauer um die Stadt Theben zusammenfügten, daher 
la lyre d'A. spielende Bewältigung eines schwer auszuführenden 
Werkes; ^g, n. app. m. großer Musiker. Quelque Amphion nouVeau, 
sans Taide des ma<^ons En süperbes palais a change ces buissons; 
Corneüle, Ment. H, 5; Rab. ML. H, 11; S^v. IX, 32; Dernedde 97; 
Roman de Thfebes (L. Constans) II, 84; Boil. Art. po^t. IV, 149. 

Ant^e npr. m. Nach den mythologischen Vorstellungen der 
Alten, Antäus, ein gewaltiger Riese, der alle sein Land durch- 
ziehenden Fremden im Ringkampfe tötete und von niemandem über- 
wunden werden konnte, da er durch die Berührung mit der Mutter 
Erde immer wieder neue Kräfte empfing. Herkules soll ihn deshalb 
in die Höhe gehoben und in der Luft erdrückt haben. Lucan 4, 
598; Ov. Met. 9, 183; Juvenal. 3, 89; fig. n. app. m. Mann von hohem 
Wuchs und außerordentlichen Körperkräften; Victor de Laprade, 
Antee in Ödes et Pommes 1844. 

Antigene npr. f. Die edle Tochter des Oedipus \md der 
Jokaste, die Schwester des Eteokles und Polynikes, die hochherzig 
aller Entsagung und Gefahr trotzend ihren Vater, der sich nach 
der Entdeckung seiner Blutschande geblendet hatte, in die Ver- 
bannung bis nach Kolonos begleitete, wo er den ersehnten Tod fand. 
Sophokles hat ihren Namen durch seine Tragödien König Oedipus 
und Oedipus auf Kolonos, die in ihrer wahren Größe zuerst von 
Rotrou in seiner Antigene (1638) der französischen Bühne erschlossen 
wurden, unsterblicli gemacht, und sie ist seitdem die Verkörperung 
der heldenhaften, opfermütigen, kindlichen Liebe. Vor Rotrou waren 
schon Antigonetragödien von Ant. de Baif und von Rob. Garnier 
erschienen vgl. Buchetmann, J. Rotrous Antigene und ihre Quellen. 
Münch. Beitr. XXII. 

Antinoüs npr. m. Bithynischer Jüngling, den Kaiser Hadrian 
wegen seiner Schönheit zu seinem Liebling und seinem Reisegefährten 
erkor. Als er im Nil einen plötzlichen, unverhofften Tod fand, 
errichtete man besondere Tempel und Statuen zu seinem Gedächtnis 
und erwies ihm auf des Kaisers Veranlassung göttliche Ehren; ^g, 
n. app. m. schöner Jüngling. 

Apicius npr. m. Der Name von drei berühmten römischen 
Feinschmeckern; der eine wurde wegen seiner Beziehungen zur 
Ritterpartei von P. Rutilius Rufus angeklagt; ein anderer erregte 
unter Trajan großes Aufsehen; am bekanntesten als Gourmand und 



— 26 — 

Gastronom ist aber wohl M. Gabius Apicius, der zur Zeit des Augustus 
und Tiberius Unsummen für ausgesuchte Tafelgenüsse verschwendete; 
fig. n. app. m. Feinschmecker, Schlemmer. 

Apollon npr. m. Apollo, der als Gott der Poesie und 
schönen Künste das menschliche Gemüt zu dichterischer Begeisterung 
erhebt und den künstlerischen Schaffensdrang mächtig entflammt; 
fig. n. app. m. Mann von anmutiger Schönheit; ausgezeichneter Poet; 
iro. erbärmlicher Dichterling. La colere suffit et vant bien un 
Apollon Boil. sat, I; L'Amour est le Mars des guerriers et T Apollon 
des poetes B. de St.-Pierre. Über Apollo als heidnische Gottheit in 
der afrz. Literatur vgl. Dernedde 87; MND 21, 205; 33, 1680. 

Argus npr. m. Nach der antiken Sage der hundertäugige, 
allsehende Argus, den Juno mit dem Amte betraut hatte, Jo, die 
in eine Kuh verwandelte Tochter des Inachus, zu bewachen. Auf 
Jupiters Geheiß wußte Merkur ihn aber doch durch die lieblichen 
Klänge seiner Flöte einzuschläfern und zu töten. Juno säte seine 
Augen auf den Schwanz des Pfaus, der daher den Namen Argus 
führt und jener Göttin geweiht ist. Virg. Aen. 7, 891; Ov. Met. 1, 
625 ff.; fig. n. app. m. scharfsichtiger, mißtrauischer Wächter, dessen 
immer gespannter Aufmerksamkeit und unablässiger Wachsamkeit 
auch nicht das Geringste entgeht; dann lästiger Aufpasser, Spion. 
Xni Si le dona a garder a un vachier qui avoit non Argus, Cil 
Argus avoit cent iols. Rieh, de Fournival (Godef. compl.) XVU. 
J'ai des argus aux coteaux d'alentour Qui feront leur devoir d'y 
veiller nuit et jour. Rotrou, Antig. 4; si je veille, c'est en Argus 
Cyrano, Pedant jou^ I, 1 ; avoir des yeux d' Argus scharfe (Argus-) 
Augen haben; stets wachsam, schwer zu täuschen sein. Dernedde 110; 
Deschamps I, 88; III, 267; Rab. ML. 11, 63; Mieulx voyant que 
Argus. Bovilli Prov. (XVI). 

Ariane (Ariadne) npr. f. Die Tochter des kretischen Königs 
Minos und seiner Gattin Pasiphae, durch deren Unterstützung (le 
fil d' Ariane) es Theseus gelang, den Minotaur (s. d.) zu überwältigen. 
Nach der Sage soll er sie entführt, aber auf der Insel Naxos im 
Stich gelassen haben. Thomas Corneille hat in seinem Meisterwerke, 
der Tragödie Ariane (1672) ihr Schicksal ergreifend behandelt, und 
oft ist sie von Bildhauern und Malern dargestellt worden. Ariane 
ravie von Hardy 1606; Ariane, Roman von Desmarets 1632; fig. 
(oft iro.) n. app. f. von ihrem Geliebten verlassenes Weib. 

Ariele npr. f. In Racines Phedre (1677) eine athenische 
Prinzessin, die als letzte ihres unglücklichen Geschlechtes in stiller 
Zurückgezogenheit im Haus des Theseus lebt. Dessen Sohn Hippolyte 
weist die verbrecherische, sündige Leidenschaft seiner Stiefmutter 
entrüstet zurück und ist heimlich der Ariele zärtlich zugetan, die 
seine innige Liebe auch erwidert; fig. n. app. f. une/^^eine Geliebte. 

Aristarque npr. m. Der berühmte alexandrinische Gramma- 
tiker Aristarchus aus Samothrake (215—143 vor Chr.), der seinen 
Ruhm hauptsächlich seinen kritischen Kommentaren zu griech. 



— 27 - 

Schriftstellern, bsd. zu den homerischen Dichtungen verdankt; vgl. 
Zolle; fig. n. app. m. scharfblickender, strenger, aber gerechter Kritiker 
oder Kunstrichter; Hör. Art. poet. 444; Sauf le jugement de nos 
aristarques Eonsard, Art. po^t. pr^f.; ceux qui se meslent d'aristar- 
quizer 1553 Des Autelz, a 7 (ZEPh XXVIII, 583); aurait-elle 
trouv^ quelque Aristarque Lesage, Gil Blas VII, 3; Argot: aristarque, 
un petit monsieur, qui parle haut au th^atre (Delesalle). 

Aristides npr. m. Aristides, einer der führenden Staats- 
männer Griechenlands im 5. Jh., der sich durch seine persönliche 
Tapferkeit, seine ausgeprägte Gerechtigkeitsliebe und Unparteilich- 
keit die Herzen und das Vertrauen seiner Mitbürger erwarb; allein 
um die kühnen Pläne eines Themistokles richtig zu würdigen, fehlte 
ihm der weite und große Blick seines Nebenbuhlers; fig. n. app m. 
gerechter Mann von unbestechlicher Eedlichkeit. 

Aristippe npr. m. Aristippus, ein griech. Philosoph des 
5. Jhs. vor Chr., Schüler des Sokrates und Begründer der hedonistischen 
Lehre. Selbst ein Virtuos der Lebenskunst, stellte er die sinnliche 
und geistige Lust als höchstes erstrebenswertes Gut hin; fig. n. app. m. 
Mensch, der sich den ausgesuchtesten Genüssen aller Art hingibt. 

Aspasie npr. f. Aspasia aus Milet, die berühmteste der 
griech. Hetären (2. Hälfte des 5. Jhs.), die sich durch ihre anmutige 
Schönheit und geistigen Vorzüge weit über die Frauen ihrer Zeit 
erhob. Sie war die Freundin eines Sokrates und die Geliebte des 
Perikles, an dessen Wirken und Schaffen sie regen Anteil nahm. 
Frühzeitig schon hat ihre nicht vollbürtige Ehe mit dem großen 
Staatsmann dessen politischen Gegnern wie auch den Lustspiel- 
dichtem willkommenen Anlaß gegeben zu allerlei böswilligen An- 
feindungen und Spöttereien; fig. n. app. f. Aspasia gilt jetzt als 
Sinnbild der schönen, geistreichen Kurtisane, der vornehmen Buhlerin, 
eine Auffassung, die allerdings mit den historischen Tatsachen nicht 
völlig übereinstimmt. J. Desmarets, Aspasie (Kom.) 1636; Boyer, 
Artaxerce (Trag.) 1682; Aspasie de Milet von Becq de Foucqui^res 
1873; P^riclfes et Aspasie von Viennet. 

Atlas npr. m. Der Sohn des Titanen Japetos, der nach der 
Anschauung der Alten das Himmelsgewölbe auf seinen starken 
Schultern trug. Ov. Met. 2, 296; Virg. Aen. 4, 240; Eab. ML. II, 
333; fig. Eiese; jem., auf dessen Schultern die ganze Wucht einer 
schwierigen, gefahrvollen Unternehmung ruht, der die alleinige Ver- 
antwortung für schwer lastende Staatsgeschäfte trägt. La machine 
de nos ißtats Qui sans Teffort de cet Atlas Eut fait succomber 
d'autres princes. Laft. IX, 339. Die Verwendung des Namens für 
Sammlungen von Landkarten, Plänen, Zeichnungen usw. erscheint 
wohl zum ersten Male bei Mercator (1595). 

Auguste npr. m. Augustus Octavianus, der erste römische 
Kaiser, dessen glanzvolle Regierung die höchste Blüte in der Ent- 
wicklung der Literatur und Kunst bedeutet; fig. n. app. m. hoch- 
sinniger Beschützer und Förderer der Künste und Wissenschaften. 



„._ 28 — 

Demedde 148; prfes de cet Auguste un illustre M^cfene Vous promet 
son appui Bacine IV, 77; vous le voyez gouvemeur ses peuples 
comme un Auguste. Laft. I, 6; Boil. I, 278, 174. 

Autom^don upr. m. In der antiken Sage, der 6ohn des 
Diores, der Kampfgenosse und Wagenlenker Achills und nach dessen 
Tode des Neoptolemos (Jl. 9, 209; 17, 429), daher co. fig. a^-^^n app. 
m. Wagenlenker, geschickter Kutscher, so schon Juven. I, 61 ; Virg. 
Aen. 2, 477; autom^don de louage Droschkenkutscher. 

B a u c i s npr. f. Eine arme, hochbetagte Frau, die Gattin des 
Philemon, in deren dürftiger Hütte Jupiter und Merkur, nachdem 
sie überall abgewiesen worden waren, gastliche Aufnahme fanden. 
Ov. Met. 8, 620—724; Persius, sat. IV, 21; fig. n. app. f. altes, freund- 
liches Mütterchen: une bonne vieille Baucis; La Fontaine hat sie 
zum Gegenstand seiner reizenden Erzählung Philemon et Baucis ge- 
macht (IV, 145 — 168). Die Namen Philemon und Baucis sind 
sprichwörtlich geworden für ein Paar alte Ehegatten, die trotz ihrer 
bescheidenen Verhältnisse sich glücklich fühlen und einander in 
zärtlicher Liebe zugetan sind. S5v. VI, 302; Philemon et Baucis, 
ballet-h^roique von Chabanon de Maugris (Text) und Gossec (Musik) 
1775; Philemon et Baucis, op^ra-comique von Gounod, Jul. Barbier 
und M. Carr^ 1860. 

B^lisaire npr. m. BeliiJar, der Feldherr des oströmischen 
Kaisers Justinian, der nach einer Beihe ruhmvoller Waffentaten in 
Italien, von seinen Feinden verleumdet, am Hofe in Ungnade fiel 
und aller seiner Würden beraubt wurde. Die Sage von seiner 
Blendung ist völlig unhistorisch, und ebensowenig lassen sich für die 
Wahrheit der Erzählung, daß er als Bettler die Länder durchwandert 
haben soll, geschichtliche Zeugnisse ins Feld führen; fig. n. app. m. 
armer, erblindeter Bettler, der in seinem ganzen Wesen und Tun 
etwas eigentümlich Vornehmes hat; dann auch umherziehender 
Musikant; ^tre r^duit au sort de B^lisaire (Laft. f. X, 15) betteln 
müssen. Von den dramatischen Bearbeitungen seines Lebens auf 
der frz. Bühne sind vor allem hervorzuheben die Tragödien Bölisaire 
von Desfontaines (1641), Jean Eotrou (1643), eine Tragikomödie 
von La Calpren^de (1649) und die Tragödie B^lisaire von Etienne 
de Jouy (1818); bsd. beliebt aber wurde dieser Stoff durch den 
berühmten Eoman B^lisaire von Marmontel (1767). Zahlreiche 
Opern wie von Philidor (1796), von Donizetti (183b) u.a. trugen 
neben Darstellungen durch bedeutende Maler wesentlich dazu bei, das 
Interesse an dem Schicksal Belisars wach zu erhalten. Lebermann, 
Belisar in der Literatur der romanischen und germanischen Völker. 
Diss. Heidelberg 1901. St. vgl. L. I, 136 ff.; H. Arch. 1904, 135 ff. 

Briaree npr. m. In der antiken Mythologie ein hundert- 
armiger Gigant, der sich zwar einst gegen Jupiters Herrschaft auf- 
gelehnt hatte, ihm aber später im Kampf gegen die Titanen hilf- 
reichen Beistand leistete; fig. n. app. m. jem., dessen Kräfte, Tätigkeit 
und Wirken sich zu vervielfältigen scheinen (auch öfter auf Sachen 



- 29 - 

bezogen). Sein Name war schon bei den Griechen und Römern 
sprichwörtlich für alles Riesige und Außergewöhnliche. Virg. Aen. 
6,227; Ov. Fast. 3, 805; Briar^e erscheint auch neben Brisemur, 
Rodomont in einigen älteren frz. Lustspielen als Name eines prahle- 
rischen^ ruhmredigen Helden vgl. matamore; Parf aict IV, 1 69 ; 179; 
tous aussi grands que les Gargantuas et les Briar^es h, cent bras. 
Anc. Th. fr. IX, 42. 

Brutus npr. m. L. Junius Brutus, der Begründer der 
römischen Republik, der selbst das Todesurteil über seine eigenen 
Söhne sprach, als sie sich gegen ihn verschworen hatten; fig. b^^^n. 
app. m. echter Republikaner; jem. , der von der Wahrheit und 
Richtigkeit seiner Grundsätze durchdrungen, ihnen alles, im Notfalle 
sogar sein Leben opfert. Catherine Bemard, Brutus 1691 ; Pr. Jolyot 
de Cr^billon, La Mort des Enfants de Brutus (1709?), Voltaire, 
Brutus 1730. 

Calchas npr. m. Kalchas, der berühmte Seher der Griechen 
vor Troja II. 2, 300 u. ö.; Virg. Aen. 2, 182. Sein Name bezeichnete 
schon im Altertum einen Weissager überhaupt; fig. mit mehr oder 
weniger ironischer Absicht nennt man Calchas einen Menschen, der 
sich einbildet, die Gabe der Weissagung zu besitzen und die Zukunft 
prophezeien zu können; vgl. noch Dernedde 24. 129. 

C a 1 y p s npr. f. Bei Homer, die Nymphe Kalypso, die den 
schiffbrüchigen Odysseus auf der Insel Ogygia gastlich aufnahm und 
sieben Jahre bei sich behielt, aber vergeblich um seine dauernde 
Liebe warb; fig. n. app. f. verlassenes Weib; P. faire sa c^^'Sich zieren, 
wichtig tun, sich sehr haben (auch von Männern gebraucht). 

Caron (Charon) npr. m. In der antiken Mythologie Charon, 
der mürrische, greise Fährmann in der Unterwelt, der die Toten 
gegen einen ihnen mitgegebenen Obolus über den Styx setzte. Virg. 
Aen. 7, 299; fig. n. app. f. häßlicher, habsüchtiger und geiziger Alter. 

Cassandre npr. f. Kassandra , die Tochter des Königs 
Priamus von Troja und der Hekuba, deren Warnungen ungehört 
verhallten. Virg. Aen. II, 246; ^g, Unglücksprophetin, die keinen 
Glauben findet; scharfsichtige Person, deren wohlgemeinte Ratschläge 
nur tauben Ohren begegnen; Rab. ML II, 82: une seconde Cassandre; 
lass^ de faire la Cassandre d'Aubign^ (p. p. Reaum et de Caussade 
P. 1873—77) I, 363, 22; Inutile Cassandre, j'ai assez fatigu^ le 
trone et la patrie de mes avertissements d^daign^s. Chateaubr. 
M^moires d'outre-tombe; Dernedde 27; 125. 

Catilina npr. m. Sergius Catilina, der Anstifter einer weit- 
ausgedehnten Verschwörung in Rom, dessen verräterische Umtriebe 
und Anschläge auf die bürgerliche Ordnung und öffentliche Sicher- 
heit aber durch Ciceros eifrige Bemühungen und schnelles, energisches 
Eingreifen vereitelt wurden; fig. n. app. m. ruchloser Verschwörer, 
Unruhestifter. Le petit Catilina war 1648 der Spitzname des Kar- 
dinal deRetz; Abb^Pellegrin, Catilina (1742); Cr^billon, Catilina (1748); 
Voltaire (mit Cr^biUon) Rome sauv^e ou Catilina (1752) ; catilinaire 



— 30 — 

8. f. BezeichnuDg der vier Reden Ciceros gegen Catilina; weit. S. 
scharfe, beleidigende Bede; Zornesausbruch. 

Ca ton npr. m. Marcius Porcina Cato, der ältere (234 — 149), 
der als Konsul und Censor unnachsichtlich dem überhandnehmenden 
Luxus und der wachsenden Unsittlichkeit in Rom entgegentrat und 
in seinem ganzen Wesen und Tun das altrömische Ideal der per- 
sönlichen Tapferkeit, Sittenstrenge und Einfachheit verkörpert; fig. 
n. app. m. streng tugendhafter Mann; jem., der den Tugendhelden 
spielt. Hör. Ep. 2, 2. 117; Juven. 2, 40; Acad. 1762. Mazarin 
erhielt von den Preziösen den Ehrennamen Caton. XVI. Si nous 
avions beaucoup de tels Catons H. Estienne, Nouv. lang, franc. 
italian. II, 75 ; Un caton k la cour est un triste animal Destouches; 
En gens coquets il [Le jeune Amour] change les Catons Laft. cont. 
III, 6 ; weitere (jüngere) Ableitungen catonien, catonisme, catoniser ; 
Deschamps V, 145; Vm, 149; Mol. Tart. I, 5; Eacine, Plaid. III, 3. 

C e r b ^ r e npr. m. Der vielköpfige, schlangenhaarige Höllenhund, 
der die Unterwelt bewachte. Hesiod, Theog 311; Ov. Met. 4,459; 
Virg. Aen. 6, 417 ; Demedde 101 ; Deschamps I, 251 ; fig. C'^^n. 
app. m. (von Personen und Sachen) grober Pförtner, grimmiger Tür- 
hüter ; strenger, unzugänglicher Wächter, Polizist. XVI. Les cerberes 
que Ton avoit mis k ma porte. Marg. de Valois, M^moires 1576 
(Godet). ; ce Chat exterminateur Vrai Cerb^re ^tait craint une lieue 
h, la ronde Laft. f. IH. 18; über Cerberus als Teufelsname in My- 
sterien vgl. Wieck, S. 9 ; 20. 

C^sar npr. m. Urspr. Beiname der gens Julia (nachweislich 
seit 208 vor Chr.) ; nach Cajus Julius Caesar, dem großen römischen 
Feldherrn und umsichtigen Staatsmann, der sich durch seine außer- 
gewöhnliche Tatkraft und geistige Befähigung allmählich zur höchsten 
Würde in der römischen Republik emporgeschwungen hatte, der 
Titel der zwölf römischen Imperatoren, der Träger der höchsten 
staatlichen Macht. Seit Kaiser Hadrian nannte man auch die voraus- 
sichtlichen Thronfolger Caesaren ; fig. 1 . Kaiser, Herrscher. XVI Les 
princes, roys, c^sars. Marot, colloq. d'ißrasme 1.; Com. Poly. I, 3 ; 
Eacine, B^ren. H, 3; 2. Held, großer Krieger; Mann von außer- 
ordentlicher Tapferkeit und unerschrockenem Heldenmut ; ^tre brave 
comme C^sar; XV. hardi come un Cesar, je suys a ceste guerre 
Ou Ton combat arm^ d*un grand pot et d'un verre. J. Le Houx 
(Godef.); 3. beliebter Hundename: Le premier C^sar que la gent 
chienne ait eu Laft. f. VHI, 24 ; c&arisme s. m. auf demokratischer 
Grundlage beruhende absolute Monarchie; politische Meinung, die 
diese Begierungsform für die beste hält: von Auguste Eomieu in 
seinem Buch L*i]re des C^ars für die Eegierung Napoleons HI. ge- 
prägtes Schlagwort vgl. Ladendorf 40 ; cesariser, se^^^grausam werden 
(wie viele Caesaren); in der afrz. Dichtung bildet Caesar, der nach 
der mittelalterlichen Ansicht als erster römischer Kaiser gilt, zu- 
sammen mit Alexander und Hektor die heidnische Gruppe der sog. 
^neuf preux". Die Teilung derselben in drei heidnische, drei christ- 



- 31 — 

liehe und drei jüdische Helden erscheint zuerst in Jacques de Lon- 
guyons Voeux du paon (um 1312) vgl. Deschamps XI, 225 ; G. de 
Machault, Prise d'Alexandrie; Deschamps I, 86, 200; 11, 50. 100. 192; 
vgLDernedde 58. 145; Renart I, 173, 482; Gr. Gr. II, 766; Mu- 
retus, Julius Caesar (lat.) 1544; Mort de C^sar von Jacques 
Gr^vin (1560), G. Scud^ry (1636), PeUegrin-Barbier (1707) und von 
Voltaire (1735). 

C i c ^ r n npr. m. Marcus Tullius Cicero, röm. Staatsmann und 
bedeutender Redner (106—43 vor Chr.); fig. c/^-^n app. m. großer 
Redner, beredter Erzähler; Leroux (II) 11, 33; Rab. M L. I, 60 u. ö.; 
Un Ciceron quant k l'art d'eloquence Marot II, 222; Que c'est un 
Ciceron Ronsard III, 401. 8 ; Un des Cic^rons de ce temps Dit force 
traits assez plaisants Laft. IX, 431; un passe -Ciceron Laft. f. VI, 
63 ; cic^ronien, ienne vgl. Z R Ph XXVIII, 589 ; frz. cicerone s. m. 
aus dem ital. entlehnt, bezeichnet einen Erklärer, einen Fremdenführer, 
der Reisenden (oft mit ungeheuerm Wortschwall) die Sehenswürdig- 
keiten eines Ortes zeigt und erläutert, in scherzhafter Anspie- 
lung auf Ciceros hervorragende Beredsamkeit, 1735 Encyclop^die ; 
1835 Acad. (nur cicerone für sg. und pl. !); cic^roner qn. jem. als 
Fremdenführer dienen. 

Cincinnatus npr. m. Der römische Konsul Lucius Quinctius, ein 
Muster altrömischer Tugend und Einfachheit, der im J. 458 vor Chr. 
vom Pfluge weg zum Diktator ernannt wurde, aber kurze Zeit darauf 
wieder das arbeitsreiche, anstrengende Amt mit dem stillen Leben 
auf seinem Landsitze vertauschte; fig. oft als Typus eines Mannes, 
der sich von einem hohen Posten zurückzieht und ganz) einfach lebt. 

Circ^ npr. f. In den homerischen Dichtungen Kirke, eine 
Meernymphe, die durch ihre unvergleichliche Schönheit und ihren 
herrlichen Gesang alle Fremden unwillkürlich gefangen nahm und 
auch den Odysseus durch ihre Zaubereien fesseln wollte. Od. X, 
135 — 399; Virg. Aen. VII, 10; fig. n. app. m. Zauberin, ver- 
führerische Schöne; arglistiges Weib, das die Menschen in ihren Bann 
zu ziehen sucht; bereits im griech. als Name für eine verführerische 
Dirne gebraucht. Dernedde 132; Th. Corneille, Circ^ (Trag.) 1675. 

Coriolan npr. m. Cajus Marcius, röm. Feldherr, der seit der 
Zerstörung von Korioli, der Hauptstadt der Volsker, den Beinamen 
Coriolanus führte. In Anspielung auf seine Verpannung und Eache 
bezeichnet fig. Coriolan einen hochgestellten, geistig bedeutenden 
Mann, der seiner Partei abtrünnig wird, in das Lager seiner einstigen 
Feinde übergeht und ihnen seine Hilfe leiht; Coriolan von Hardy 
(1607), Chevreau (1638), Chapoton (1638), Abb^ Abeille (1676), 
La Harpe (1784), S^gur u. a. 

Cr^sus npr. m. Krösus, ein reicher König von Lydien, der 
schon bei den Griechen und Römern wegen seiner unermeßlichen 
Schätze, die er aus den Fluten des goldführenden Paktolus (jetzt 
Sarabat) gewonnen hatte, sprichwörtlich war, Herodot I, 50; Theo- 
krit 8, 53; 10, 32' fig n. app. m. steinreicher Mann, so schon Ovid, 



~ 32 - 

Trist, m, 7, 42; XVI. Un vray Cresus en biens et opulence. Marotll, 
222 ; Plus saiges est que SalemoD, Et plus riches que ne füt Crise ; 
Deschamps II, 164. 

CupidoD npr. m. Kupido, der Liebesgott, der in der röm, 
Mythologie unter dem Einfluß griech. Poesie und Kunst als mut- 
williger, geflügelter Knabe mit ausgeprägt menschlichen Zügen dar- 
gestellt wurde und das zärtliche Liebesverlangen wie auch die heftige, 
sinnliche Leidenschaft verkörpert; in der Literatur ohne erkennbaren 
Unterschied neben Amor gebraucht; c^-^n. app. m. 1. Kind oder 
Jüngling von großer Schönheit; 2. iro. Stutzer, der sich einbildet, 
hübsch zu sein und den Liebenswürdigen spielt; eitler, selbstgefälliger 
Geck; P. Lumpensammler; Car Cupidon li fils Venus Sema ici d'amors 
la graine. Eoman de la Rose 1559; Dernedde91. 

Dana^ npr. f. Die schöne Tochter des argi vischen Königs 
Akrisios und der Euridike, die von ihrem Vater in einen ehernen 
Turm eingeschlossen wurde, um dadurch jede Berührung mit einem 
männlichen Wesen unmöglich zu machen; allein Jupiter besuchte sie 
in Gestalt eines goldenen Regens und zeugte mit ihx den Perseus. 
Ov. Met. 4, 608; Hör. Carm. 3, 16; fig. F. n. app. f. käufliches 
Frauenzimmer, das für Geld jedem ihre Reize preisgibt; De La Font, 
Dana^ et Jupiter Crispin (Kom.) 1707. 

Daphnis npr. m. Ein Hirtenjüngling auf Sizilien, dem Götter 
und Menschen seiner reizenden Schönheit, seines lieblichen Flöten- 
spiels und seiner bukolischen Gesänge wegen hold gesinnt waren. 
Virg. Ecl. 2, 26; 3, 12; Ov. Met. 4, 277; fig. beliebter Schäfer- 
name in der Hirtendichtung nach dem Vorbild des Romans Daphnis 
und Chloe von Longus, der in Frankreich durch Amyot (1559) und 
P. L. Courier (1813), in Deutschland durch Sal. Geßners Idyllen 
volkstümlich wurde. 

D^cius npr. m. Decius Mus, Name zweier römischer Konsuln, 
Vater und Sohn, die ihr Leben freiwillig dem Wohle des Vaterlandes 
weihten und beide auf dem Schlachtfeld einen ruhmvollen Tod fanden; 
fig. n. app. m. (oft iro.) jem., der sich für eine Sache aufopfert. 

D^mosth^ne(s) npr. m. Demosthenes, der größte athenische 
Redner und Staatsmann, der mit glühender Leidenschaft die Freiheit 
Griechenlands gegen Philipp von Mazedonien verteidigte; fig. n. app. 
m. gewaltiger Redner; jem., der durch seine kraftvollen, feurigen 
Reden zur Begeisterung hinreißt. 

Diog^ne npr. m. Diogenes von Sinope, der berühmte griechische 
Cyniker, nach dessen Philosophie wahre Tugend nur zu erlangen sei 
durch Bedürfnislosigkeit, durch die Freiheit von den Fesseln der 
bürgerlichen Gesetze und Sitten, überhaupt durch die völlige Unab- 
hängigkeit von den äußeren Verhältnissen der umgebenden Welt; 
diog^niser als Cyniker leben, den Sonderling spielen; n. app. m. jem., 
der sehr einfach und mäßig lebt; Rab. M. L. H, 5 ff.; R^gnier, sat 
IX; XIV; Boil. sat. X; Racine, Vie de Diog^ne le Cynique VTI, 
505 — 531; B^ranger, Nouveau Diog^ne; Leroux (II) II, 35. 



- 33 - 

ifeg^rie npr. f. Nach der römischen Mythe eine Quellennymphe, 
die die Gabe der Weissagung besaß und als Grattin oder Geliebte 
des römischen Königs Numa Pompilius ihm in heimlichen nächtlichen 
Zusammenkünften an einem Brunnen weise Bat«chläge über religiöse 
und staatliche Einrichtimgen gab. Liv. 1, 19, 21; Ov. Met. 15, 432; 
Virg. Aen. 7, 763; fig. n. app. f. geheime Ratgeberin; Frau, deren 
Hat und Meinung man besonders in politischen Dingen folgt. 

Egisthe npr. m. Ägisthos, Abkömmling des fluchwürdigen Ge- 
schlechts der Atriden, der Sohn des Thyestes und dessen eigener 
Tochter Pelopia, der Agamemnons Weib Klytämnestra zu ehelicher 
Untreue verführte, bis er endlich durch die Hand des Orestes den 
verdienten Lohn empfing; fig. für jeden Ehebrecher (so schon Sueton, 
Caes. 50); jem., der durch seine listigen Ränke eine Frau ihre heiligsten 
Pflichten vergessen läßt, sie von Verbrechen zu Verbrechen treibt 
und sogar zur Ermordung ihres eigenen Gatten verleitet; Rab. M. 
L.. n, 152; IV, 251; B. de Ste. Maure, Rom. de Troie 27925 ff.; 
Deschamps IX, 84 ff.; P. Matthieu, Clitemnestre ou Tadultere 
(Trag.) 1580. 

Encelade npr. m. Enkelados, einer der hundertarmigen 
Giganten, der in dem erbitterten Kampf gegen die Götter unterlag, 
durch die Insel Sizilien von Minerva auf der Flucht gehemmt, von 
Jupiter zu Boden geschmettert und unter den ungeheueren Felsen- 
massen des Ätna gefangen gehalten wurde, der bei jeder seiner Be- 
wegungen in heftiges Zittern gerät. So deutete Virg. Aen. 4, 178; 
3, 587 nach dem Vorbild griech. Dichter die Erdbeben und die 
Eruptionen des Vulkans; fig. der Name des Enkelados charakterisiert 
treffend jene kraftvollen, mächtigen Persönlichkeiten, durch deren 
Eingreifen in den Verlauf geistiger Bewegungen, politischer und 
sozialer Umwälzungen die ganze Welt in Aufregung versetzt und 
erschüttert wird. 

Epicure npr. m. griech. Philosoph, der Gründer der nach 
ihm benannten Schule, der das Wesen der Glückseligkeit in der 
dauernden Lustempfindung erblickte, zu der man nur durch wahre 
Tugend gelangen könne; ^picurien, ienne s. u. adj. m. f. Anhänger(in) 
Epikurs; epikureisch; XVI vindrent disputer avecques luy les Epi- 
curiens Jehan de Vignay, Mirroir historial (Delb. Rec); Acad. 1740; 
fig. n. app. m. jem., der nur dem Vergnügen nachjagt; Mensch, der 
sinnlichen Genüssen frönt; Wollüstling vgl. un pourceau d*Epicure 
(z. B. Mol. Don Juan I, 1) nach Hör. Epist. I, 4, 16 Epicuri de 
grege porcum; XTIT Li home qui parsuient lor volonte sont apey epi- 
cures (var. epichures) ce est a dire qu'ils pensent dou delit dou cors 
seulement Brunetto Latini, Tresor (Godef.); ^picurisme (älter ^pi- 
cur^isme) s. m. philos. System B'^; weit. S. verweichlichtes, wollüstiges 
Leben; XVI epicurisme, ^picuriser Choli^res, Apres disnees 4 (Godef. 
comp!.). 

Epim^nide npr. m. Epimenides, griech. Weiser, der, wie die 
Sage berichtet, einst nach einem fünfzigjährigen Schlaf wieder er- 

3 



- 34 ~ 

wacht sein soll; fig. n, app. m. Politiker oder Staatsmann, der sich 
nach längerer Zurückgezogenheit nicht mehr in den Verhältnissen 
auskennt und der völlig veränderten Lage der Dinge nicht Rechnung 
trägt, nicht mit der Zeit fortgeschritten ist (le r^ve, le sommeil, le 
r^veil d'^pimi^nide ist sprichwörtlich geworden). 

^richtho npr. f. berühmte thessalische Zauberin, die auch 
von Pompejus um ihren Rat befragt wurde, Lucan. 6, 508; fig. n. 
app. f. Zauberin, Wahrsagerin. 

!^rostrate npr. m. Herostratus, ein Ephesier, der in derselben 
Nacht, da Alexander» der Große geboren ward (356 v. Chr.), den 
Dianentempel seiner Vaterstadt in Brand steckte, um berühmt zu 
werden. Obwohl die Einwohner von Ephesus bei Todesstrafe ver- 
boten, seinen Namen zu erwähnen, um die Erinnerung an ihn zu 
unterdrücken, ist uns doch zugleich mit der Tat sein Name von 
Theopompos überliefert worden; fig. n. app. m. Brandstifter, Ver- 
wüster; jem., der eine schlechte Tat, ein Verbrechen begeht, um von 
sich reden zu machen, 

Esculape npr. m. Äskulap, bei den Griechen und Römern 
der Gott der Heilkunde; F. fig. n. app. m. Arzt; überhaupt Per- 
sonen oder Sachen, die imstande sein sollen, irgend ein übel zu 
heilen oder wenigstens zu bessern; nos maladies . . ont trouv^ leur 
Esculape en notre incomparable cardinaJ. Malherbe IV, 104; il le 
regarde comme TEsculape de ce temps Racine VE, 572; S^v. XI, 247. 

l^sope npr. m. Name des bekannten griech. Fabeldichters 
Aesop (6. Jh. V. Chr.), dessen angeblich unförmliche, verwachsene 
Gestalt sprichwörtlich geworden ist; un ^chappe d'^sope; fig. F. n, 
app. m. häßlicher, buckeliger Mensch vgl. Vie d*6sope Laft. I, 26 ff.; 
Laft. cont. III, 13. 

Eucharis npr. f. Eine der anmutigsten Nymphen, die bei 
Kalypso (s. d.) weilte und für die Telemach (s. d.), als er auf seiner 
Fahrt die Insel Ogygia berührte, in heißer Liebe entbrannte. Ihr 
Name ist besonders durch F^nelons Roman Les Aventures de T^le- 
maque (1747) VT bekannt geworden; fig. n. app. f. junges Mädchen, 
das jem. in reiner, kindlicher Liebe zugetan ist; schöne Unbekannte. 
Dumas pere, Maison Rouge I. 2, 4, 

Eum^e npr. m. Eumäus, eine der köstlichsten Figuren der 
Odyssee 14; 15, 402; der göttliche Sauhirt, der den in Bettler- 
gestalt von seinen Irrfahrten heimkehrenden Odysseus gastfreundlich 
bei sich aufnahm; fig. n. app. m. alter, treuer Diener, dessen Leben 
und Interessen ganz im Dienst seines Herren aufgehen. 

Ganymede npr. m. Der Sohn des Laomedon, der Liebling 
des Zeus, der ihn wegen seiner Schönheit durch einen Adler in den 
Himmel erheben ließ und zum Mundschenken der Götter erwählte; 
H. 20, 232; Virg. Aen. V, 255; Ov. Met. X, 155; fig. n. app. m. 
1. Mundschenk; F. P. Kellner; 2. Schandknabe (syn. giton, bardache, 
mignon). Od lui [Jupiter] estoit uns Waux varles Ki avoit non 
Ganymedes Cis estoit maistres sodomites. Gui de Cambrai, Barlaam 



- 35 - 

und Josaphat 186, 13; S^il n'eut ^t^ qu'un jeune sot, Comme sont 
tous les Ganymedes. Laft. IX, 439; L*on scait que les Ganymedes 
Supplantent icy les Lais. Saint -Amant, Rome ridicule 629/30; Et 
j'en connois d'assez peu sages, Pour en ganym^der leurs pages. 
Scarron, A. M. l'abb^ d*Espagny; vgl. noch Demedde 86. 

H ^ b e npr. f. Die Tochter Jupiters und der Juno, die Göttin 
der Jugend, die vor Ganymede (s. d.) das Amt einer Mundschenkin 
der Götter inne hatte. H. 4, 2; Od. 11, 603; fig. n. app. f. junges, 
schönes Weib, das zu trinken reicht; F. P. Kellnerin. ^ 

H^l^ne npr. f. Helena, die wegen ihrer unvergleichlichen 
Schönheit weithin berühmte Gemahlin des Königs Menelaos, deren 
Entführung durch Paris den Anstoß zum trojanischen Krieg gab. 
In den homerischen Gedichten erscheint sie als Ideal vollkommenster 
Schönheit. Bei den Eömem tritt sie, in Gegensatz zur keuschen 
Penelope (s. d.) gestellt, uns als Typus einer verführten oder einer 
schamlosen, unsittlichen Ausschweifungen ergebenen Frau entgegen. 
Martial 1, 62, 2; i'ay grand paour que soit Helene la paiUarde 
Kab. M. L. n, 350; fig. h/^-^n. app. f. viel umworbenes Weib; ver- 
führerische Schönheit, die durch ihren unwiderstehlichen Liebreiz 
alle ihr Nahetretenden bezaubert und eine große Anzahl von Freiem 
in ihren Bann lockt; allg. flatterhafte, leichtsinnige Frau; Elle eut 
regret d'^tre TH^lene D'un si grands nombre de Paris. Laft. 
cont. n, 14; Plus d'une H^l^ne au beau plumage Fut le prix du 
vainqueur Laft. f. VH, 13; in der afrz. Dichtung wurden Helena 
und Paris neben Tristan und Isolde als vorbildliches Muster eines 
Liebespaares von den Dichtem gefeiert vgl. Demedde 30, 120; 
Meinhoff 54. Deschamps HI, 286; 303; 318; XI, 249; prov. Le 
fard ne peut d'H^cube faire Helene. Erinnert sei noch an die paro- 
distische Operette La belle H^l^ne von Offenbach (1865). 

H e r c u 1 e npr. m. Herakles (Herkules), der Nationalheros der 
Griechen, der durch seine unverwüstliche Körperkraft ' und seinen 
unerschütterlichen Mut als Urbild allen Heldentums sprichwörtlich 
geworden ist (les travaux d'Hercule); fig. F. n. app. m. hochgewachsener 
Mensch von außerordentlicher Stärke; hercule(sse) s. m. (f.) oft Name 
des Athleten oder Ringkämpfers, der in den Jahrmarktsbuden aller- 
hand Kimststückchen vorführt, die ein hohes Maß körperlicher Kraft 
und Gewandtheit erfordern; ein in seiner Art einziger Mann; 
XV. Je suis fort come un Arcules et moy vaillant come Achiles. 
Moralit6 Marchebeau. XVI. Sembloit Hercule ayant cueur de lyepart. 
J. Marot, V, 97; mais aussi ^tes-vous un grand Hercule Malh. IV, 
118; herculden, enne adj. Du Dieu Mavors d'ung fier bras Herculique. 
J. Marot, V, 53. Die Schicksale des Herkules sind dichterisch be- 
handelt worden von Euripides, Sophokles und Seneka und z. T. nach 
ihrem Vorbild von Brisset, Hercule furieux (1589), Rotrou, Hercule 
mourant (1632), Jean Pr^vost, La Thuilli^re (1681), Lef^vre, Pierre 
Lafon, Mort d^Hercule (1792) u. a.; vgl. noch Demedde 95. 

Icare npr. m. Ikarus, der Sohn des Dädalus, der mit diesem 

3* 



- 36 ^ 

vor dem Zorn des Königs Minos (s. d.) aus Kreta floh, aber trotz 
der eindringlichen Warnungen seines Vaters den Flug zu hoch nahm, 
so daß durch die allzu große Nähe der Sonne das Wachs seiner 
künstlichen Flügel schmolz und er hinab ins Meer stürzte. Ov. 
Met. Vni, 183 — 236; Ars. am. II, 21 ff.; fig. n. app. m. verwegener, 
waghalsiger Mensch; co. Luftschitfer; in der Literatur erscheint er 
oft als Typus eines Menschen, der sich durch seine Begeisterung 
weit über alle menschlichen Satzungen zu idealen Höhen empor- 
schwingt, aber nach kurzer Zeit mit gebrochenem Geist und gelähmter 
Tatkraft wieder in das Beich der rauhen, nüchternen Wirklichkeit 
zurücksinkt; les ailes dlcare, kühnes, aussichtsloses Streben der 
Jugend nach Dingen, welche den Menschen versagt sind. Demedde 108. 

Iphig^nie npr. f. Die Tochter Agamemnons und der 
Klytämnestra, die auf den Bat des Kalchas (s. d.) der erzürnten 
Artemis als Sühne geopfert werden sollte, als das nach Troja 
ziehende Heer der Griechen durch eine Windstille im Hafen von 
Aulis zurückgehalten wurde; fig. n. app. f. junges, hübsches, fügsames 
Mädchen, das auf ihr eigenes Glück verzichten muß und der rück- 
sichtslosen, kalten Berechnung des väterlichen Ehrgeizes zum Opfer 
fällt. Ihr Schicksal ist in der antiken und modernen Literatur oft 
zum Gegenstand tief ergreifender Dramen erwählt worden. Iphigenie 
von Euripides (frz. von Sibilet 1549), Iphigenie en Aulide, tragi- 
com^die von Botrou (1640), Iphigenie, trag^die von Bacine (1674); 
Iphigenie von Le Clerc und Coras (1675) u. a. 

Iris npr. f. Die jungfräuliche, schnellfüßige Botin der Götter, 
deren Weg durch einen Begenbogen bezeichnet wurde ; als weiblicher 
Name stand Iris im 17. und 18. Jh. in hohen Ehren und bot den 
Dichtern einen willkommenen Deckmantol, um einer wirklichen oder 
nur fingierten Geliebten, deren Namen sie nicht öffentlich nennen 
wollten, ihre Huldigungen darzubringen, so Laft. f. IX, 20 der 
M°*® de la Sablifere. Selbst ein so strenger Kunstrichter wie Boileau 
konnte sich dem Gebrauch seiner Zeit nicht entziehen. Faudra-t-il 
de sang froid, et sans estre amoureux, Pour quelque Iris en l'air 
faire le langoureux Boil. sat. IX, 261; Puisse Tenfant sans merci 
Vous forcer a rendre hommage A quelque Iris de village M™® Des- 
houli^res. Durch allzu häufige konventionelle Verwendung geriet 
dieser Name in Mißkredit, erhielt einen komischen Beigeschmack 
und fiel mehr und mehr der Verachtung und Ironie anheim. Heut- 
zutage ist er fast völlig aus der Mode gekommen und streift, wenn 
er noch gebraucht wird, stark ans Lächerliche. Banville, Les Caria- 
tides p. 64; Coign^e de Bouron, Iris (Pastorale) 1620. 

Jason npr. m. Der Anführer der Argonauten, der auf das 
Gebot seines Oheims Pelias nach Kolchis segelte, um das goldene 
Vließ zu holen Ov. Met. X, 159 — 253; in der Literatur ist er das 
Sinnbild jener kühnen, wagemutigen Abenteurer, die allen Gefahren 
Trotz bietend, ferne, fremde Länder erforschen und wunderbare 
Schätze suchen wollen, die auf die menschliche Phantasie einen 



— 37 — 

tiefen Eindruck machen und den Wunsch auf ihren Besitz rege 
werden lassen. Malherbe I, 167; oft auch allg. jem., der sich auf 
eine gefahrvolle (Entdeckungs-) Reise begibt. 

Jupin npr. m. Jupiter, der oberste Gott in der römischen 
Mythologie, Beherrscher des Himmels und Beschirmer des Staats, 
der Familie, von Haus und Hof; im afrz. die gebräuchliche Form 
für Jupiter; fig. n. app. m. Beschützer, Vormund (1392 belegt vgl. 
Godef.; Dernedde 84); jetzt meist familiär und oft scherzhaft ge- 
braucht, besonders von Fabeldichtern: F. Gebieter; jupit^rien, ienne 
adj. gebieterisch; herrschsüchtig; Th^ritier Du Jupiter de ce bas 
hemisphere [Ludwig XIV.] Laft. ^pitre XIII. le Jupiter Prudhomme 
de son temps der größte Kunstverständige seiner Zeit; vgl. noch 
jovial, e adj. fröhlich, lustig (aus ital. giovale [lat. jovialis] entlehnt), 
da die Astronomen des Mittelalters im Planeten Jupiter die Quelle 
aller Freude, allen Glückes sahen. Jovailles humeurs Purgat. des 
bouchers Fournier, Var. V, 268; Rab. IH, 38; jovialit^ s. f. 1624 
belegt in Caquets de Tacouch^e vgl. Lacume; Acad. 1878. 

J u V ^ n a 1 npr. m. Decimus Junius Juvenaüs (47 — 130), röm. 
Satiriker, ein Zeitgenosse Trajans, der die Laster und Torheiten 
seiner Zeit rücksichtslos geißelte; fig. Satiriker; Schriftsteller, der 
sich durch seine scharfen, beißenden Spottgedichte gefürchtet macht; 
juvenaliser; juvenalique. 

L a 1 s npr. f. Name mehrerer wegen ihrer Schönheit berühmter 
griech. Hetären. Die ältere, eine Zeitgenossin des Aristippus (s. d.), 
war wegen ihrer Anmut und Habgier bekannt und berüchtigt; eine 
jüngere, vermutlich die Geliebte des Malers Apelles, lebte zur Zeit 
des Demosthenes und zählte die bedeutendsten Künstler und Dichter 
zu ihren Verehrern. Lais wurde schon bei den Griechen appell. für 
jede schöne Hetäre gebraucht. Ihr Name bezeichnet jetzt meist eine 
vornehme, geistreiche Buhlerin, die äußerst elegant auftritt; Geliebte. 
Aux temps les plus feconds en Phryn^s, en Lais, Plus d'une P^n^lope 
honora son pays Boil. sat. X^ 39; Et fait pompeusement triompher 
ma Lais, Mol. Fem. sav. IH, 2. 

L u c r e c e npr. f. Lukretia, die Gattin des Tarquinius Collatinus, 
die von Sextus, dem Sohn des letzten röm. Königs Tarquinius Superbus 
geschändet, sich selbst den Tod gab, um die ihr angetane Schmach 
nicht überleben zu müssen Liv. 1, 57; Ov. Fast. 2, 685. Sie ist 
der Typus der römischen Matrone, das Sinnbild echter, edler Weib- 
lichkeit, der Keuschheit und ehelichen Treue. Martial 11, 104; 
Petron. 9, 5; Deschamps U, 336; III, 294; IX, 50; fig. n. app. f. 
tugendhafte Frau, sittsames Weib (oft iro. gebraucht); faire la Lucr^ce 
die Spröde, die Tugendheldin spielen; caste Lucresse Villon 162 ; bei 
Rab. M. L. I, 367 erscheint Lucresse als hospitaliere (= nfrz. 
hötelli^re); A ce garcon la perle des Lucreces Prendroit du goüt 
Laft. cont. III, 52; Tel partit tout baigne des pleurs de sa Lucrece 
BoD. sat. X, 50; Lucrece von Nicolas Filleul (1566), Hardy (1616), 
Du Ryer (1637), Chevreau (1637), Moratin (1770), Arnault (1792) 



— 38 — 

und von Fran^ois Ponsard (1843); Lucrece war um 1600 auch der 
stehende Name für Liebhaberinnen der in Paris auftretenden ital. 
Truppen. 

Lucullus npr. m. L. Licinius Lucullus, ein hervorragender 
römischer Heerführer gegen Mithridates, der durch seine ungeheuren 
Reichtümer, seine Verschwendung und üppigen Gelage sprichwörtlich 
geworden ist; Hör. Ep. I, 6; fig. n. app. m. Schwelger, ungewöhnlich 
reicher Lebemann, splendider Gastgeber; lucullesque adj. üppig. 

Marsyas npr. m. Ein Satyr, Meister im Flötenspiel, der 
sich mit Apollo in einen künstlerischen Wettstreit eingelassen hatte, 
aber besiegt und zur Strafe für seinen frevelhaften Übermut lebendig 
geschunden wurde. Ov. Met. 6, 383; Fast. 6, 705; fig. Marsyas ist 
in allen Literaturen das Urbild der eitlen, selbstgefälligen Dünkel- 
haftigkeit und unwissenden Vermessenheit, der meist eine schnelle, 
furchtbare Strafe auf dem Fuße folgt; dann auch Dummkopf; ein- 
fältiger, trotz seiner Beschränktheit und Unwissenheit anmaßender 
Mensch; le supplice de Marsyas verdiente Bestrafung dünkelhafter 
Unfähigkeit. 

M^cene (M^c^nas) npr. m. Cajus CSlnius Maecenas, ein 
römischer Ritter und Günstling des Augustus, dem es seine uner- 
meßlichen Reichtümer und prächtigen Besitzungen gestatteten, mit 
den auserlesensten Geistern seiner Zeit beständig Umgang zu pflegen, 
und der sich als edler Freund und großmütiger Gönner der Gelehrten, 
Dichter und Künstler einen Namen gemacht hat. Virgil widmete 
ihm aus dankbarer Verehrung seine Georgica, Horaz seine Oden; 
Martial, Ep. 8^ 56; fig. n. app. m. Mäcen, hochherziger Beschützer 
und eifriger Förderer der Künste und Wissenschaften; Acad. 1762; 
m^cenatisme"" s. m. Mäcenatentum; M^c^ne war der preziöse Name 
für Fouquet, den Hofintendanten und Günstling Ludwigs XIV.; Mais 
puisqu'avons un vray M^cenas ores Marot I, 257; Doux, courtois et 
bening, le Moecene et Tappuy Des Muses et de ceux qui s'approchent 
de luy. Ronsard HI, 401. 20; VHI, 290; Mais sans un Mecenas, a 
quoi sert un Auguste? Boil. sat. I, 87. 

Meduse npr, f. Medusa, eine der Gorgonen, durch deren Haupt 
alle, die es anblickten, in Stein verwandelt wurden Ov. Met. 4, 655. 
781; Hist. litt XXX, 40; daher t^te de Meduse etwas Entsetzen 
erregendes; allgemeines Erstarren verursachender Schrecken; mdduser* 
in großes Erstaunen setzen, verblüffen; Meduse, magicienne in 
Lariveys Le Fid^e 1579. 

Magere npr. f. Die häßlichste der drei Furien, die nach 
der antiken Sage als Hüterinnen der heiligen Ordnung in Natur 
und Menschenleben die geringste Verletzung derselben mit unerbitt- 
licher Strenge verfolgten und rächten; Demedde 93; als Name einer 
Teufelin Wieck, S. 10; fig. n. app. f. Megäre; boshaftes, grausames, 
jähzorniges Weib; Acad. 1740; 1610 Furie infernale, orde megere 
J. Le Maire (Delb. Rec); La belle fiUe [de la princesse d'Harcourt] 
6crivit ä une de ses amies les plaintes d'^tre soumise k une m^g^re 



— 39 — 

enrag^e St. Simon 146, 35 (Littr6); Deschamps I, 251; Hors de 
SOS Corps, qu'elle palle M6g^re, Estoit commise en si rare mis^re 
Anc. Th. fr. IV, 138. 

Mentor npr. m. Bei Homer, der Sohn des Alkimos, der 
Genosse und treue Freund des Odysseus, dem dieser bei seiner 
Abreise nach Troja die Aufsicht über sein Hauswesen und die Er- 
ziehung seines Sohnes anvertraut hatte Od. 22, 235; Athene nahm 
seine Gestalt an, um Telemach (s. d.) auf seinen Irrfahrten nach 
Pylos und Sparta zu begleiten Od. 2, 268; 322 ff.; 401; 3, 12. 22; 
4, 645. Diese poetische Fiktion ist in Frankreich bsd. durch F^nelons 
Eoman Les Aventures de T^l^maque (1717) volkstümlich geworden; 
fig. m'^^n. app. m. sicherer, erfahrener Führer; kluger, liebenswürdiger 
Berater; allg. Ratgeber,* Erzieher; co. Hofmeister (bisw. co. mentoresse 
s. f. Hofmeisterin), auch von Sachen, bsd. Büchern gebraucht. Cet 
homme est le meilleur mentor qu*il püt donner k son fils 8t.-Simon 
22, 255; Ce livre est un mentor, dont vous aurez besoin dans le 
monde. J. J. Rousseau, Conf. V. (Littr^). 

Mercure npr. m. Der Götterbote und selbst zugleich Gott 
der Beredsamkeit^ des Handels und Schutzherr der Diebe; fig. m^-^n. 
app. ra. Liebesbote, Kuppler, Unterhändler in Anspielung auf die 
Rolle, die Merkur in Jupiters galanten Abenteuern spielte; auch 
Name von Zeitschriften : Mercure galant 1672 von Donneau de Vis^ 
gegründet; Mercure de France u.s.w. XVI. J*ay faict par art et 
par nature Tout ce qu'un amant peut penser Afin d*arrester ce 
mercure Sans jamais y rien avancer. Desportes, Diverses amours 29; 
XVn. Je fus encore le mercure de cette missive. Sorel, Fraücion 167; 
XVni. Un bon p^re ne doit ^tre ni le tyran de son fils, ni son 
mercure Voltaire, Jenni 4. 

Messalina npr. f. Valeria Messalina, die leidenschaftliche, 
lüsterne Gemahlin des röm. Kaisers Claudius, die wegen ihres zügel- 
losen, ausschweifenden Lebenswandels berüchtigt war; fig. m'^^n. 
app. f. unzüchtiges Frauenzimmer, das sich den schamlosesten, sinn- 
lichen Genüssen hingibt; Acad. 1835; Rab. ML. H, 134; Juvenal, 
sat. VI, 195—209 (115—132). 

Midas npr. m. Ein unermeßlich reicher phrygischer König, 
der nach der Sage die verhängnisvolle Gabe besaß, alles, was er 
berührte, in Gold zu verwandeln. Als er einst in einem musikalischen 
Wettstreit zwischen Apollo und Pan letzterem den Vorzug gab, ließ 
ihm der gekränkte Gott zur Strafe für seine Dummheit und Unfähig- 
keit Eselsohren wachsen Ov. Met. 11, 85; fig. m^^^n. app. m. 1. un- 
verständiger Kunstrichter, der jedes künstlerischen Empfindens und 
Urteils bar ist (avoir des oreilles de Midas); Dummkopf; 2. sehr 
reicher Mensch. 

Minerve npr. f. Minerva, Jupiters Tochter, die Göttin der 
Weisheit und Schutzherrin aller Fertigkeiten und Künste; fig. n. 
app. f. 1. sittsames (auch kluges und geschicktes) Weib; *ältere 
Frau, die eine Liebschaft hat (Nestor Roqueplan); 2. F. m^^-^n. app. f. 



- 40 — 

Kopf, Verstand, Geist; 1626. une minerve forc^e d'Aubign^, Lettre 
a d^Expilly 1. Febr.; Chaque mortel a sa minerve Qui lui doit servir 
de flambeau J.-B. Bousseau; faire qch. maJgr^ Minerve etw. tun, 
ohne dazu befähigt zu sein (vgl. invita Minerva Ge. de off. 1, 31. 110; 
Hör. art. poet. 385); rimer malgr^ Minerve schlechte Verse machen 
Boü. ifepigr. XIV. 

Minos npr. m. König von Kreta, der wegen seines weisen 
Urteils und seiner Gerechtigkeitsliebe mit seinem Bruder Bhadamantus 
und mit Äakus zum Richter in der Unterwelt bestimmt wurde; fig. 
gerechter König. 

minotaure s. m. Ein Ungeheuer mit menschlichem Körper 
und Stierkopf, das aus der widernatürlichen Liebe der Pasiphae, der 
Gattin des Königs Minos (s. d.), zu einem schönen, weißen Stier ent- 
sprossen, im Labyrinth auf Kreta mit dem Fleisch lebender Menschen 
genährt, aber schließlich von Theseus getötet wurde. Virg. Aen. 6, 26; 
Ov. Met. 8, 152; Fast. 3,459; fig. 1. verheerende Landplage, die täglich 
neue Opfer heischt; eine Einrichtung, die die Kraft eines Volkes oder 
aller Menschen aufzehrt, die Wohlfahrt untergräbt und vernichtet; 2. bos- 
hafter, furchtbarer Mensch; 3. Hahnrei (weil der Minotaur Hörner trug); 
minotauriser; minotaurique (Balzac); F. minotaurisme* s. m. Hahnreitum. 

Narcisse npr. m. Narcissus, ein schöner Jüngling, der zur 
Strafe dafür, daß er die Liebe der Nymphe Echo verschmäht hatte, 
sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte, welches er in einer Quelle 
erblickte, und vor unbefriedigter Sehnsucht verschmachtend in eine 
Blume verwandelt wurde, die seitdem seinen Namen trägt. Ov. Met. HI, 
339 — 510; fig. n^^n. app. m. in sich selbst verliebter, sehr von sich 
eingenommener Mensch; Geck; narcisser sich selbst lieben; narcissisme 
s. m. höchste Selbstliebe. L'amour-propre fait bien des Narcisses Guy 
Patin, Lettres H, 556 (Littr^); Plus estoit biaus et avenanz Que 
Narcisus qui dessoz Forme Vit an la fontainne sa forme Crestien, 
Cliges 2766 ff.; Teile erreur si long-tans ne m'eust paß arreste, 
Comme un second Narcis, amoureux de Tombrage. Desportes, 
CEuvres chrestiennes sonnets 64 (Littr^). Schon am Ende des 
12. Jhs. war dieser Stoff, wie der Narcisus (Barbazan-M^on, Fabl. 
et contes IV, 143 ff.) zeigt, Provenzalen und Nordfranzosen geläufig 
vgl. Birch-Hirschfeld (I) 14; Hist. Utt. 29, 499; 761 ff.; Demedde 78. 
111; Rom. d. 1. Rose I, 52; H, 308; Deschamps H, 182; HI, 318; 
Villen 85 Anm.; Laft. f. I, 11; Boü. Art. poa H, 34; HI, 171. 

Neptunus lat. npr. m. Auf den Namen des antiken Meer- 
gottes ist nach Suchiers scharfsinniger Annahme (Gr. Gr. I^ 801) 
nfrz. lutin zurückzuführen, für das man folgende Wandlungen der 
Bedeutung und des äußeren Wortbildes annimmt: Die urspr. afrz. 
Form neutun (netun) Wassergeist ging unter dem Einfluß von nuit 
(und nuire) zunächst in nuiton, noitun über (Kobold, der in der 
Nacht sein Wesen treibt); die weitere Entwicklung führte mit laut- 
licher Anlehnung an luiter dann zu luiton, luton (luiton noch inx 
17. Jh. gbr. Laft. V, 557) und durch Suffix vertauschung zu lutin 



— 41 — 

(Rah, M. L. in, 138. 149); lutin s. m. im Volksaberglauben ein kleines, 
neckisches, teuflisches Wesen, das die Menschen während des Schlafes 
quält, aber auch als Schutzgeist eines Hauses erscheint vgl. Ler. de 
Lincy (I) 253 ff.; Kobold; Poltergeist; fig. 1. unruhiger Mensch; 
2. mutwilliges Kind, Wildfang. Xu Ou il a deus fiz de deable 
Si nel tenez vos mie a fable I Que de fame et de netun furent. 
Crestien, Yvain 5271 cf. ib. 5513; Engendrez de noitun et d'yve, 
Noituns marins estoit ses peres Boman de Th^bes (L. Constans) 11, 74; 
vgl. neitun ib. I, 293; Benoit, Boman de Troie 14680 noituns ne 
monstres perillous. XIII nuituns Philippe Mousket, Chronique 25125; 
luitun Boman de Bou 11, 4591; En guise estoit d'un luiton figures 
H. de Bordeaux 6320 (Godef.), luiton 1507 Jean Molinet vgl 
Laft. 1,210; Fournier I, 225; Anc. Th. fr. V, 243; Si n'est-il loup, 
louue, ne louueton, Tigre, n'aspic, ne serpent, ne luthon Marot U, 50; 
Je vais corame im lutin de ca de lä courant B^gnier, Elegie 2; 
weitere Belege bei Godef. luiton und Littr^ lutin; vgl. noch Gr^ 
Gr. I, 634; BLB XVHI (1880) 304; ZBPhXXIV, 557 ff.; WalloniaX 
(1902) 89; Bom. 1901 p. 152; Bevue des traditions populaires XVII, 
425 ff.; Liebrecht, Des Gerv. von Tilb^ury Otia imperialia S. 29. 131. 
Dernedde 86; Schröder, Glaube und Aberglaube in den afrz. Dichtungen. 
Diss. Erlangen 1886. S. 104; lutiner necken, durch tnutwillige Streiche 
quälen; poltern, Lärm machen; se lutiner sich gegenseitig necken, 
ärgern; XVL lutinant, barbouillant et faisant le loup-garou Nie. du 
Fail. (Delb. Bec). 

N e r n npr. m. röm. Kaiser (54 — 68 nach Chr.), der durch seine 
üppigen Gelage, seine schändlichen Orgien und die schamlose Be- 
friedigung seiner sinnlichen Gelüste wie durch seine ausschweifende 
Verschwendung und unmenschliche Grausamkeit das Sinnbild eines 
blutdürstigen Tyrannen geworden ist. Nach den Zeugnissen des 
Tacitus und Sueton ließ er seine eigene Mutter Oktavia ermorden, 
tötete selbst seine Geliebte Popäa, steckte Bom in Brand, wälzte 
aber die Schuld auf die Christen, die er heftig verfolgte; fig. n. app. 
m. Wüterich, grausamer Mensch; in der afrz. Literatur begegnet 
uns Nero als der gottloseste der Menschen, als Teufel oder als Gott 
der Sarazenen vgl. Dernedde 149; Crueulx Noiron, de grant cruaut^ 
piain Deschamps VI, 145; II, 7; Tu es plus Neron que N^ron, et 
plus cruel que les Sarrazins Brantöme VII, 444; Bacine, Britanniens 
(1669); P^chantres, La Mort de N^ron (1783); Legouve, 6picharis 
et Neron (1793); Soumet, Une fite de N^ron (1829). 

Nestor npr. m. In den homerischen Gedichten, der König 
von Pylos, der älteste und weiseste Held im Trojanischen Krieg, das 
Ideal eines heiteren, lebensfrohen Greises, der durch reiche Erfahrung, 
Klugheit und Beredsamkeit ausgezeichnet (Od. 3, 1244), als Berater 
in der Versammlung der Fürsten und Völker sich die Gunst aller 
erwarb, und trotzdem er drei Menschenalter sah, immer noch uner- 
mücUich überall mit Bat und Tat helfend eingreift. II. 1, 250; 6, 
659; Od. 3, 245. 411; fig. bejahrter, erfahrener Mann Ov. Met. 8, 



— 42 — 

813; Hör. Carm. 1, 15; rüstiger, ehrwürdiger Greis, den man gern 
um seine weisen Batschläge und reifen Urteile angeht; Ratgeber; 
der Älteste in einem Kreise von Menschen; Acad. 1835; XVI. 
Aussi Tappelloit on des lors le viel, sage et fin Nestor des Pran^ois 
Brantöme m, 336. 

O e d i p e npr. m. Ödipus, der König von Theben, der Sohn des 
Laios und der Jokaste, der das ihm von der Sphinx gestellte Rätsel 
richtig auf den Menschen deutete, worauf sie sich von der Höhe ihres 
Felsens herabstürzte. Od. 11, 271; fig. n. app. m. scharfsichtiger 
Mann, der auf die schwierigsten Fragen eine Antwort findet; ge- 
schickter Rätsellöser (vgl. Davus sum, non Oedipus Terenz, Andria I, 
2. 23); Acad. 1798. Das Leben des Oedipus ist mit behaglicher 
Breite schon im Roman de Th^bes erzählt (12. Jh.) vgl. Demedde47 ü.; 
dramatisch behandelt ist sein tragisches Schicksal von Sophokles, 
auf der frz. Bühne von Jean Pr^vost (1614), St. Marthe (1614), 
Ck)meille (1659), Voltaire (1718), Houdar La Motte (1726), Ducis 
(1778, 1797), M. J. Ch^nier u. a. L. Constans, La legende d^Oedipe 
P. 1881. 

O r p h 6 e npr. m. Orpheus, der berühmte Musiker und Weis- 
sager des Altertums, der durch die Macht seines Gesanges und Saiten- 
spiels die belebte und unbelebte Natur bezauberte, und an dessen 
Person die ganze geistige und sittlich-religiöse Entwicklung anknüpft; 
fig. n. app. m. großer Musiker, Dichter; orph^on s. m. Gesangverein; 
Brinon, FOrph^e du jourd*huy En fait bien autant que luy Ron- 
sard VI, 186; Le voilk p^erin chantant comme un Orph^e Laft. 
cont. HI, 13. Wie das Lai de TEspine von Marie de France zeigt, 
gab es bereits im 12. Jh. auch ein frz. Lai von Orpheus, das wohl 
die Quelle zu dem engl. Spielmannsgedicht Sir Orfeo war; Demedde 
104; Hist. Htt. 29, 500. 

P^n^lope npr. f. Die edle Gtittin des Odysseus, Mutter des 
Telemach (s. d.), die während der zwanzigjährigen Abwesenheit ihres 
Gemahls von zahlreichen Freiem umdrängt, alle Anträge zurückwies 
und die Entscheidung dadurch hinauszuschieben wußte, daß sie nachts 
auftrennte, was sie tagsüber gesponnen hatte (vgl. die sprichwörtliche 
Wendung c'est la teile [un travail] de P^nflope vergebliche, nie 
fertig werdende Arbeit) Od. 19, 41; 2, 94 — 109; Malherbe I, 36. Ihi 
Name ist in alle Sprachen als Sinnbild der Keuschheit und ehelichen 
Treue übergegangen; Demedde 132; Deschamps HI, 133; Anc. Th. 
fr. Vni, 401; fig. n. app. f. keusche, treue Frau. Mart. 1, 63; Hör. 
sat. 2, 5; aux temps les plus feconds en Phryn&, en Lays, Plus 
d*une Penelope honora son pays. Boil. sat. X, 39; J. de Champ-Repus, 
Ulysse (Trag.) 1600; Abb6 Genest, P^n^lope (Trag.) 1684. Leroux 
(H) n, 59. 

P h a 6 1 (h) n npr. m. Bei Homer (D. 9, 735; Od. 5, 479) nur 
ein Beiname der Sonne, später (seit Hesiod) Phaeton, der Sohn 
Apollos und der Kljrmene, der auf seine Bitten von seinem Vater 
die Erlaubnis erhielt, den Sonnenwagen zu lenken, aber die Rosse 



— 43 — 

nicht zügeln konnte, beinahe Erde und Himmel in Brand gesetzt 
hätte und, durch einen Blitzstrahl Jupiters getroffen, umkam. Ov. 
Met. 2, 47; 1, 478; Hör. Carm. 4, 4. 25; Rab. ML. I, 227; Marot, IV, 
53 ff., fig. n. app. m. unvorsichtiger, verwegener Mensch, der sich 
in seiner Yermessenheit an Aufgaben wagt, die das Maß seiner 
Kräfte übersteigen; junger Mann, der allen Gefahren eines tollkühnen 
Unternehmens Trotz bietend, seinen unbesonnenen Leichtsinn mit dem 
sicheren Tode bezahlen muß. Malherbe IV, 93; bisw. co. Fuhrmann, 
Kutscher; Le Pha^ton d'une voiture h, foin Vit son char embourb^ 
Laft. f. VI, 18; s. m. vierrädriger, hoher, leichter Wagen (1723 zu- 
erst belegt vgl. D.-H.); über pha^tonniser vgl. ZRPh XXIX, 93; 
Tristan THermite, La Chute de Pha^ton (Tr.) 1639; Quinault, 
Pha^ton (Tr.) 1683; Boursault, Phaeton (Kom.) 1691 und Palaprat, 
Arlequin Phaeton 1692. 

Pharnabaze npr. m. Phamabazes, ein persischer Satrap, 
<ier im Peloponnesischen Kjrieg die Spartaner gegen Athen unter- 
stützte, aber später am Sieg der Athener über die spartanische 
Flotte bei Knidos teilnahm ; fig. n. app. m. verschwenderischer, pracht- 
liebender Mensch. 

P h ^ b u s npr. m. Der Gott des Lichts, der Poesie und Musik, 
<ier in der darstellenden Kunst der Idealtypus männlicher Schönheit 
war; fig. n. app. m. Mann von großer Schönheit. Qu'un beau Ph^bus 
debite ses gentillesses J.- J. Rouss. Emile V.; Schönredner: Pour 
m'apprendre h. faire le Ph^bus avec les dames J.-J. Rouss. Confess. V.; 
n. app. m. (veraltet) Bombast, Schwulst (syn. pathos, amphigouri, 
^alimatias); Que sans parier ph^bus, je ferai le discours. R^gnier, 
sat. X; donner dans le (faire du) ph^bus schwülstig reden, schreiben; 
^e Verwendung des Wortes ph^bus in dieser Bedeutung soll zurück- 
gehen auf das Livre de la chasse, das beliebteste Jagdbuch Frank- 
reichs, ein Werk des Grafen Gaston Phoebus de Foix, dessen un- 
klarer, schwülstiger Stil sprichwörtlich geworden sein soll vgL ZRPh 
XII, 402; Laft. cont. IV, 1, 23 braucht ph^b^ in der Bedeutung um- 
ständliche Erzählung, ausführlicher Bericht. 

P h o c i n npr. m. Phokion , ein athenischer Feldherr und 
Staatsmann (400 — 318 vor Chr.), der sich durch seine Mäßigkeit, 
Pflichttreue und unerschütterliche Rechtlichkeit das Vertrauen seiner 
Mitbürger erwarb, die Erhaltung des Friedens wünschte und deshalb 
aus Mangel an politischem Weitblick den kühnen Plänen seines Zeit- 
genossen Demosthenes (s. d.) scharf entgegentrat; ^g, tugendhafter 
Staatsmann. 

Phryn6 npr. f. Geistreiche, vornehme Buhlerin in Athen 
(4. Jh. vor Chr.), die wegen der seltenen Ebenmäßigkeit und anmutigeu 
Schönheit ihrer Körperformen berühmt war. Sie diente Apelles als 
Vorbild für seine Aphrodite Anadyomene und stand Praxiteles Modell 
zu seiner knidischen Aphrodite. Ihre herrlichen Reize bezauberten 
selbst die Richter, die sie verurteilen sollten; fig. n. app. f. buhlerische 
4Schöne (die für die Gewährung ihrer Gunst hohe Summen fordert). 



— 44 — 

Lee officiers, par politesse, Pour des Phryn^s que nous cotons, Disent: 
, Madame la comtesse^, Au nez rose de ces Gothons. Banville, Ödes 
funambulesques 403; 25, 12; 384, 8; Maurice Donnay, Phryn^^ 
seines grecques (1894). 

Polyph^me npr. m. Der von Odysseus auf Sizilien geblendete 
Cyklop, der nachhomerischen Sagen zufolge in heißer Liebe zu der 
schönen Nymphe Galatea entbrannte, aber von ihr zurückgewiesen 
wurde und den schönen Hirten Akis, seinen Nebenbuhler, zer- 
schmetterte. Theokrit, Idyll. XI; VI; Ov. Met. 13, 740— 884; 14, 167; 
fig. unglücklicher Liebhaber; Ronsard, 6glogue VIT; Lafontaine,. 
Galat^e, op^ra 1682. 

Protze npr. m. Proteus, ein fabelhafter Meergott, der die 
Gabe der Weissagung besaß, aber unter den verschiedensten Ver- 
wandlungen den Fragenden zu entrinnen suchte, um ihnen nicht 
Rede und Antwort stehen zu müssen. Od. 4, 365. 416. 456. Car 
Protheus, qui se soloit Muer en tout quanqu'il voloit Rom. d. 1. Rose 
V. 9850; fig. p'-^-^n. app. m. veränderlicher, listiger Mensch Hör. Ep. I, 
1, 90; sat. H, 3, 71; wandelbarer Mensch, der beständig seine Über- 
Zeugungen und Gewohnheiten ändert, ein wahres Chamäleon; jem.^ 
der in allerlei Gestalten erscheint (auch von Sachen). Vous ^tes 
un Protee qui prenez indifferemment toutes les formes les plus 
contraires. F^nelon, diaL des morts (D.-H.); L'esprit des Fran9ois 
est un veritable Protei Laft. VH, 308. 347; IX, 88. 

R 6 g u 1 u s npr. m. Marcus Atilius ^^^, röm. Feldherr, der als 
Gefangener der Karthager in ihrem Auftrage mit den Römern über 
den Frieden verhandeln sollte, aber doch dagegen riet, obwohl seine 
eigene Freiheit davon abhing und, ein Muster antiker Seelengröße, um 
nicht den gegebenen Eid zu brechen, mit der abschlägigen Antwort 
nach Karthago zurückkehrte, wo er unter den grausamsten Martern ge- 
tötet worden sein soll. Qcero, de officiis 3, 99; Hör. Carm. IH, 5^ 
41; ^g. der edelste Typus eines einfachen, sittenstrengen Menschen, 
der freudig sein Leben für sein heißgeliebtes Vaterland opfert.^ 
R^gulus, trag, von J. de Beaubrueil (1582), Pradon (1688). 

Sardanapale npr. m. Der Sage nach der letzte assyrische 
König, der unermeßlich reich und prachtliebend, ein üppiges, ver- 
weichlichtes Leben führte und sich bei einem Angriff auf seine 
Residenz mit seinen Weibern und Schätzen verbrannt haben soll; 
^g. n. app. m. weichlicher Wollüstling; Mensch, dessen Leben in 
Schwelgereien und anderen schändlichen Ausschweifungen aufgeht; 
schon bei den Römern typischer Name eines Schwelgers. Martial, 
Ep. XI, 11, 6; Juven. lU, 362; Voudrez-vous bien passer vos 
jours A faire le sardanapale Et servir une martingale Scarron^ 
Virg. trav. HI; un vrai Sardanapale Meliere, Don Juan I, 1.; sar- 
danapalisme s. m. weibisches Leben oder Wesen (Cotgr. 1611); sar- 
danapalique adj. weibisch. Menans vie sardanapalique J. Le Maire 
(Godet); Sardanapale, op6ra von Viennet (Musik von Rossini); 
Henri Becque, Sardanapale (1867). 



— 45 — 

S e j a n npr. m. Aelius Sejanus, der allmächtige GünstÜDg des 
röm. Kaisers Tiberius, der, auf die Prätorianer gestützt, nach dem 
Throne strebte und, von glühendem Ehrgeiz angestachelt, den Sohn 
des Kaisers wie auch die Gemahlin und die Söhne des Germanikus 
durch Gift beiseite schaffen ließ. Schon wähnte er sich seinem Ziele 
nahe, als ihn das verdiente Geschick ereilte. Der Kaiser erfuhr 
von seinen verbrecherischen Anschlägen und befahl, ihn, seine Familie 
und viele seiner Mitschuldigen zum Tode zu verurteilen und hin- 
zurichten; üg. n. app. m. grausamer Minister; unmenschlicher Staats- 
mann; Tacite en traits de flamme accuse nos S^jans, Et son nom 
prononc^ fait palir les tyrans (Chenier); Magnon, S^janus (Tr.) 1646. 

S ^ m ^ 1 e npr. f. Tochter des Kadmus und Mutter des Bacchus, 
die durch einen Blitzstrahl Jupiters niedergeschmettert wurde, als 
sie, von der eifersüchtigen Hera überredet, ihren Geliebten gebeten 
hatte, ihr in seiner ganzen Herrlichkeit zu erscheinen; Abb^ Boyer, 
Les Amours de Jupiter et Sem^l^ (Tr.) 1666; fig. Typus einer 
Frau, die mit hochgestellten, mächtigen Persönlichkeiten Umgang 
pflegt, ohne sich der Gefahr bewußt zu werden, daß sie beide nach 
Kang und Stand durch eine unüberbrückbare Kluft geschieden sind, 
ein Mißverhältnis, das dann meist zu einem plötzlichen, tiefen 
Sturz führt. 

Sinon npr. m. Ein treuloser, falscher Grieche, durch dessen 
Hinterlist und Lügenkünste die Trojaner, trotz der Warnungen des 
Laokoon, sich verleiten ließen, das hölzerne Pferd in die Mauern ihrer 
Stadt zu ziehen und so selbst ihr Unglück heraufbeschworen. Virg. 
Aen. n, 79 ff.; fig. n. app. m. geschickter Betrüger (bsd. in der Politik); 
falscher, arglistiger Schurke; Pferdemachaier. 

S 1 o n npr. m. athenischer Staatsmann, einer der sieben griech. 
AVeisen (638—558 vor Chr.), dem es durch seine vortrefflichen Ge- 
setze und klugen politischen Maßnahmen gelang, die zerrütteten 
Finanzen Athens zu heben; ^g. weiser Gesetzgeber (auch iro. ge- 
braucht). 

Spartacus npr. m. Der geschickte, energische Anführer 
der Aufständischen im römischen Gladiatorenkriege, der den Sklaven 
Freiheit und Bückkehr in die Heimat erkämpfen wollte, aber nach 
mehreren erfolgreichen Schlachten, von einzelnen Teilen seines Heeres 
feige im Stiche gelassen, den Streitkräften der Römer unterlag 
(t 71 vor Chr.); fig. Spartakus versinnbildlicht das gute Recht, das 
nach jahrelanger, stiU ertragener Knechtung und Unterdrückung 
einem plötzlichen Drang folgend, mit ungestümer Ejaft alle Fesseln 
durchbricht und sich Geltung verschafft. Das Leben dieses helden- 
mütigen Kriegers hat mehrfach frz. Dramatikern als Vorwurf gedient. 
Hervorzuheben sind bsd. die Tragödien von Saurin (1760), Hippolyte 
Magen (1847) und Edgar Quinets Les Esclaves (1855). 

S t e n t o r npr. m. Ein argivischer Held, der an der Belagerung 
Trojas teilnahm. Sein Ruf tönte so laut wie der 50 anderer Männer 
zusammen. Homer nennt ihn deshalb den Küeger mit der ehernen 



— 46 — 

Stimme (D» V, 785; Juven. XIII, 12); fig. F. s^^n. app. m. jem., der 
eine laute, weithin vernehmliche Stimme besitzt; Schreier; voix 
de '"^ gewaltige , donnernde Stimme; Mensch, der durch zu häufige 
Wiederholung einer Ansicht allmählich lästig wird. Acad. 1735; 
stentor^ adj.: voix stentor^e Kab. ML. m, 203; I, 91; II, 438; 
ZRPh XXIX, 195. 

Tantale npr. m. Tantalus, der als Liebling des Zeus an 
den Göttermahlen teilnahm, aber einst von ihren Tischen Nektar 
und Ambrosia stahl. Zur Strafe für seine Frevel mußte er in der 
Unterwelt angesichts der ihn umgebenden Fülle den qualvollsten 
Durst und Hunger leiden. Od. 11, 582; Hör. Carm. I, 28; Ep. 17, 
66; Demedde 99; le supplice de Tantale bezeichnet sprichwörtlich 
die Qualen unbefriedigten Verlangens; fig. n. app. m. jem., der Un- 
mögliches verlangt. Unerreichbares wünscht; reicher Geizhals^ der sich 
nichts gönnt, an allem darbt. Sois comme un Tantale un mois entier 
entre les viandes Anc. Th. fr. V, 196; Tantales obstin^, nous ne 
portons les yeux Que sur ce qui nous est interdit par les Cieux. 
Laft IX, 184; Vlll, 149. tantaliser: plagen, Tantalusqualen erdulden 
lassen; in jem. Gefühle und Hoffnungen rege machen, deren Ver- 
wirklichung unmöglich ist. 

T a r q u i n npr. m. Tarquinius Superbus, der siebente und letzte 
römische König, den seine unumschränkte Gewaltherrschaft, Grau- 
samkeit und WiUkür beim Volke verhaßt machte; fig. n. app. m. 
schlechter, tyrannischer Fürst; L'exil de nos Tarquins m^me ensan- 
glanta nos terres. Com. Cinna H, 1. 

Terpsichore npr. f. Muse der Tanzkunst und des Chor- 
gesangs; fig. ausgezeichnete Tänzerin (oft iro. gebraucht). 

Thais npr. f. berühmte griech. Hetäre des 4. Jhs. vor Chr., 
die durch ihre bezaubernden Reize alle bestrickte, die ihr nahe 
traten. Wegen ihrer Schönheit erwählte sie Alexander der Große 
zur Geliebten, nach dessen Tode sie die Gemahlin Ptolomäus' I. von 
Ägypten wurde; Leben der heil. Thais (12. Jh.), aufgenommen 
im Po^me moral (13. Jh.), vgl. Rom. Forsch. HI, 145; Hist. litt. 
29, 860; Ro. XHI, 283; Quintus Curtius V, 7; ^g. n. app. m. vor- 
nehme Buhlerin ersten Ranges; Deschamps VI, 216; XI, 90; Villon 
70; Thais, Roman von Anatole France 1890 (vgl. H. Arch. 112, 366). 

Thersite npr. m. Thersites, in den homerischen Gedichten 
(IL n, 212 — 277) , ein schmähsüchtiger , feiger Grieche vor Troja, 
den seine außerordentliche Häßlichkeit und böse Zunge überall be- 
rüchtigt machten. In leichtsinniger, ruchloser Weise streute er die 
schamlosesten Beleidigungen gegen die Könige und Helden aus, um 
sie in den Augen der Menge lächerlich zu machen; Achill schmetterte 
ihn mit einem Faustschlage zu Boden, als ihn Thersites wegen seiner 
um den Tod der Penthesilea vergossenen Tränen verspottete; Hör. 
Art. poet. 120 ; Boil. Art. po^t. HI, 105; fig. n. app. m. häßlicher 
Mensch, Lästermaul; boshafter, schmähsüchtiger Schreier. Et puis 
j'aurais fouett^ d'ardents philippiques Les Thersites fuyards de ces 
combats ^piques. H^g^ppe Moreau. 



— 47 — 

Ti gell in npr. m. Sophonius Tigellinus (f 68 n. Chr.), ein 
gefügiges Werkzeug in den Händen Neros, der wie sein kaiserlicher 
Gönner ein lasterhaftes, ausschweifendes Leben führte, ihn zu den 
schrecklichsten Grausamkeiten anspornte und seine Leidenschaft für 
die unwürdige Popäa anstachelte und begünstigte. Als Neros Macht 
ihrem Ende zuneigte, ward er an seinem Herrn zum Abtrünnigen 
und Verräter. Tacitus, Annales XIV, 9; fig. n. app. m. schlechter 
Minister. 8on sang qui f ume encor vous montre ä quel destin Peut 
exposer vos jours k un nouveau TigeUin. P. Corneille, Othon (1664) 
m, 1. 

Titus npr. m. Titus Flavius Vespasianus (41 — 81 v. Clir.), 
einer der mildesten, fein gebildetsten Herrscher, der je auf dem 
römischen Kaiserthron gesessen hat. Durch seine wohlwollende, maß- 
volle Regierung, seine Einfachheit, persönliche Tüchtigkeit und strenge 
Beobachtung der Gesetze gewann er sich die Gunst aller Herzen. 
Jederzeit auf das Wohl seiner Untergebenen bedacht, ließ er keinen 
Tag verstreichen, ohne dem Volke Wohltaten zu erweisen und Not 
und Unglück zu lindem, wo er nur konnte; fig. humaner, wohltätiger, 
von seinen Untertanen geliebter Fürst; Deschamps V, 118. 

Tityre npr. m. Tityrus, in Virgils Gedichten ein Hirt, der 
behaglich unter schattigen Bäumen ausgestreckt sich dem süßen 
Nichtstun ergibt. Tityre, tu patulse recubans sub tegmine fagi Virg. 
Ecl. 8, 55; Malherbe I, 215; jem., der wie Tityrus die Freuden des 
Landlebens in vollen Zügen genießt; c'est un peu Tityre das ist im 
Stil der Schäferromane. 

Trimalcion npr. m. Die Hauptperson in der durch treue 
Schilderung des römischen Sittenverfalls berühmten Cena Trimal- 
chionis von Petronius, ein reicher, lächerlich eitler, prahlerischer 
Emporkömmling, der trotz seiner Unbedeutenheit und Unwissenheit 
in sich selbst vernarrt ist und den feingebildeten Weltmann spielen 
will; fig. n. app. m. reicher Schwelger, lästiger, unangenehmer Mensch. 
T y r 1 6 e npr. m. Der lahme Sänger Tyrtäus, den die Athener 
den um einen Führer bittenden Spartanern geschickt hatten und 
der durch seine feurigen Kriegslieder einen solchen Sturm der Be- 
geisterung in den Herzen der kämpfenden Spartaner entflammte, daß 
sie den Sieg gewannen; fig. begeisterter Sänger oder Dichter des 
Kriegs. Durch seine Marseillaise (1792) wurde Rouget de Lisle 
der Tyrtäus Frankreichs. 

V e 1 1 ^ d a npr. f. berühmte Seherin aus dem Stamm der Bruk- 
terer, die bei den germanischen Völkerschaften als Weissagerin großes 
Ansehen genoß, an dem Aufstand des Civilis und der Bataver gegen 
die Bömer hervorragenden Anteil nahm und wahrscheinlich in römischer 
Gefangenschaft starb. Tac. Hist. 4, 64; 5, 22; Germ. 8. Chateau- 
briand hat sie in seinen Martyrs (1809) zum Gegenstand einer herr- 
lichen Episode gemacht, fig. kluge, weise Frau. 

V^nus npr. f. Göttin der Liebe und Schönheit, Demedde 91, 
fig. n. app. f. große Schönheit, herrliches Weib. Des Gr&ces, des 



- 48 — 

Venus, avec un grand concours d'Amours Laft. cont. IV, 8, 194; 
Reiz, Anmut; „pour agr6ments du corps* Laft. VULl, 162; «pour 
Charmes de resprif* ib. VII, 8; VIII, 185; 187. venuste ad j. reizend; 
venust^, venustet^ vgl. Godef.; P. v^nus de carrefour Prostituierte; 
venerique adj. Anc. Th. fr. VIT, 490. 

Verrfes npr. m. C. Licinius Verres, der nach einem aus- 
schweifenden Jugendleben während seiner Prätur in Sizilien (75 — 72 
V. Chr.) die öffentlichen Gebäude, Denkmäler und Tempel plünderte 
und ihrer Kunstschätze beraubte, Staatsgelder veruntreute, den 
Städten unerschwingliche Steuern auferlegte und die Einwohner in 
der schamlosesten Weise ausbeutete. Wegen seiner schändlichen 
Handlungen in Rom angeklagt, wurde er von Qcero heftig ange- 
griffen und schließlich des Landes verwiesen; fig. Erpresser. 

Vitellius npr. m. Aulus Vitellius, ein römischer Kaiser, der 
wegen seiner maßlosen Völlerei (Rab. M. L. ITE, 411), übertriebenen 
Verschwendungssucht wie durch seine niedrigen Schmeicheleien und 
fluchwürdigen Greuel berüchtigt ist; flg. Scheusal; schamloser, ge- 
meiner, gefräßiger Mensch. 

Vulcain npr. m. Vulkanus, der Gott des Feuers, Sohn 
Jupiters und der Juno, Gemahl der Venus, dessen Schmiede Werk- 
stätten nach der antiken Sage auf den liparischen Inseln und im 
Ätna lagen; Demedde 90; flg. Schmied. Un affreux serrurier, 
laborieux Vulcain, Qu'eveillera bientöt l'ardent soif du gain Boil. 
sat. VI; vulcaniser zum Hahnrei machen; suivre la banni^re de Vul- 
cain Hahnrei sein, Homer tragen wegen der Liebschaften der Venus 
mit anderen Göttern. 

Xanthippe npr. f. Xanthippe, die Frau des Sokrates, die 
vielleicht mit Unrecht als Typus einer reizbaren, gewalttätigen, zank- 
süchtigen Frau gilt. Xenophon, Sympos. H, 10; Cic. Tusc. 3, 3; über 
die verschiedenen Ehrenrettungen vgl. E. Zeller, Vorträge und Ab- 
handlungen. Lpz. 1875; Deschamps IX, 83. 

Zolle npr. m. Berühmter griech. Grammatiker und Rhetoriker 
des 4. Jhs. v. Chr., der wegen seiner leidenschaftlichen, strengen 
Kritik der homerischen Gesänge von seinen Zeitgenossen den Bei- 
namen Homeromastix erhielt. In der lat. Dichtung erscheint er 
nicht wie in der griech. als schlechter, sondern vorwiegend als 
neidischer, mißgünstiger Kritiker. Martial, Ep. IV, 77; H, 37; Ov. 
Rem. am. 365; flg. z^^-^n. app. m. kleinlicher, böswilliger Kritiker; 
hämischer, schmähsüchtiger Tadler. Acad. 1762; 1564 Vous mourez 
de peur vous autres les zoiles amulateurs et ennieux Rab. ML HI, 
8; 1620 En me moquant de ces zoiles Chron. de Bordeaux (Delb. 
Rec); Celuy lequel aguise ainsi son Stile, Doit k bon droit estre 
appell^ Zoile. Marot H, 206; cf. VI, 147. zoilique adj. belegt aus 
d*Aubign6 vgl. Godef.; Banville, Les Cariatides p. 135. 



m. 

Hamen aos der Geschielite des Mittelalters lud der 
neneren Zelt. Theatertypen. Romanfignren. Tomamen. 

Ab^lard (Abailard) npr. m. Abälard, der bedeutendste 
scholastische Philosoph und Theologe des 12. Jhs. (1079—1142), der, 
auf der Höhe seines Kuhmes stehend, in glühender Liebe zu seiner 
schönen und geistreichen Schülerin Heloise (s. d.), der Nichte des 
Kanonikus Fulbert entbrannte und bei ihr auch Erwiderung seiner 
Leidenschaft fand. Aus Erbitterung über ihre Entführung ließ Fulbert 
ihn ergreifen und entmannen, um ihm den Zugang zu kirchlichen 
Ehren und Ämtern zu verschließen; fig. n. app. m. Liebhaber; E. co. 
ab^lardiser (älter: abaylarder) entmannen; Esbaillart .Villen 71. 

Adolphe npr. m. Adolf; fig. P. a /^^ n. app. m. Liebhaber, Zu- 
hälter (vgl. Alphonse). 

A g n ^ s npr. f. In Moli^res Ecole des Femmes (1662), ein un- 
erfahrenes, unschuldiges, offenherziges junges Mädchen, das in klöster- 
licher Einsamkeit aufgewachsen, von dem eifersüchtigen und arg- 
wöhnischen Amolphe ängstlich überwacht und von der Welt möglichst 
fem gehalten wird, um sie vor Verführungen zu bewahren. Allein 
durch seine übertriebene Strenge und Vorsicht erreicht er gerade 
das Gegenteil. Agn^s verliebt sich in Horace und überlistet und 
hintergeht ihren mißtrauischen Vormund aufs schmählichste. Moli^re 
hat diesen Charakter, den man ihm zum Vorwurf machte, in der 
Critique de FEcole des Femmes (1663) in Schutz genommen. Einen 
verwandten Stoff behandelt Destouches in seiner Komödie La Fausse 
Agn^s ou le po^te campagnard (1736; aufgeführt erst 1759 Com^d.- 
Frijse.), in der Ang^lique de Vieuxbois die „fausse Agnfes* spielt, 
um den schöngeistigen Des Mazures, den ihr der Vater als Gatten 
aufdrängen will, nicht heiraten zu müssen; fig. F. agn^s n. app. f. 
unschuldiges Ding, dummes Gänschen (Anklang an agneau vielleicht 
von Einfluß); une vrai agn^s Einfalt vom Lande, reine Unschuld; 
faire Tagn^ sich ganz unschuldig stellen; th^. jouer les agn^ die 
naiven Bollen spielen. Un bonhomme, ^poux d'une Agn^s Boursault; 
Ces extremes Agn^s Sont oiseaux qu'on ne vit jamais Laft. cont. IV, 
16; an anderer Stelle cont. IV, 2 und 12 bezeichnet derselbe Dichter 
mit dem Namen Agn^s, den eine wegen ihrer Keuschheit berühmte 
Heilige (1304 zu Rom) trug (vgl. Renart H, 64, 173; 172, 671), 
ironisch liederliche Nonnen; j'y m^ne une jolie fille qui me platt: 
c'est une Agn^, au moins h, ce que je pense S^v. 20* Mai 1680; 
Banville, Cariatides p. 155, 175. 

4 



— 50 — 

Alceste npr. m. Der Held in Moli^res Misanthrope (1666), 
den sein übermäßig stark ausgeprägtes Kechtsgefühl und seine rück- 
sichtslose, unbestechliche Wahrheitsliebe, weil er nicht versteht, die 
Menschen so zu nehmen, wie sie sind, dazu treibt^ mit unauslösch- 
lichem Haß und unversöhnlicher Freimütigkeit und Offenheit die 
lächerlichen Verkehrtheiten seiner Umgebung und die gesellschaft- 
lichen Lügen seiner Zeit unerbittlich zu bekämpfen. Durch sein 
schroffes Vorgehen abgeschreckt, ziehen sich selbst seine aufrichtigsten 
Freunde von ihm zurück, und Alceste hofft fern von der heuch- 
lerischen, lasterhaften Welt, die ihn in seinen Erwartungen betrogen 
hat, den ersehnten Frieden zu finden (vgl. Celimfene); fig. n. app. m. 
Menschenfeind; barscher, griesgrämiger Mensch, der den Umgang 
mit seinesgleichen meidet; übertriebener Verehrer der guten, alten 
Zeit. Im griech. und lat. ist Alcestis nur als Frauenname gebräuch- 
lich (vgL Quinaults Oper Alceste 1674 nach Euripides); vor Moliere 
findet sich Alceste als männlicher Vorname bei Quinault im Jaloux 
sans Sujet; wegen der verschiedenen Deutungen Alcestes auf Zeit- 
genossen Moli^res wie auf den Dichter selbst vgl. Fritsche 42. 

Alfred npr. m. M. et M^^^^^^ fig. typisch für zwei Personen, 
die sich am Ende eines Stückes heiraten. 

aliboron (aliborum) s. m. F. 1. jem., der trotz seiner Dumm- 
heit alles besser wissen will; 2. maitre Aliboron dummer, lächerlich 
alberner Kerl, Meister Naseweis. Aliboron soll nach M. Devic 
(Suppl. zu Littr^) auf den arab. Mathematiker, Astronomen und 
Geographen Al-Biroüni (962 — 1048), einen Zeitgenossen Avicennas, 
zurückgehen, der sich im Mittelalter eines hohen Ansehens erfreute. 
Tatsächlich bezeichnet dieses Wort auch zunächst einen klugen, ge- 
schickten, in allen Dingen wohlbewanderten Mann (Anc. Th. fr. II, 
345), und erst allmählich verband sich damit die ironische Neben- 
bedeutung eingebildeter Gelehrter, Dummkopf. Etymol. richtiger 
ist die Zusammenstellung mit elleborum (aliboron = ellebore Nieswurz) 
vgl. Godefroy und ZRPh XTTT, 532; 1440 II fera venir maistre Ali- 
borum („intelligendo diabolum*^) Proces d']&gidius de Rays (Du Gange); 
1450 Or menez feste, Sire, roy, maistre Aliboron (hier auf Christus 
bezogen) Greban, Passion 22931; im Testament de Pathelin (um 
1480) heißt der Apotheker maistre Aliboron; XVI. Que diable veult 
praetendre ce maistre Aliboron Rab. M. L. II, 103 cf. aliborrins ib III, 
220; Anc. Th. fr. HI, 57; V, 238; Cotgrave (1611) erklärt AUiboron 
one that pretends skill in all things and indeed knowes nothing; 
il estoit un maistre Aliboron qu'on employait ä tout faire Brantöme V, 
148 mit Anspielung auf den Marschall Biron. Bei Laft. f. 1, 13 be- 
zeichnet Aliboron schließlich sogar den Esel: Arrive un troisi^me 
larron Qui saisit maitre Aliboron. Voltaire gibt den Namen Maitre 
Aliboron oft seinem Gegner, dem literarischen Kritiker und Publi- 
zisten Froren (vgl. Pauvre diable, Gu^rre de Geneve, PuceUe XVIII; 
CEuvres XLIII, 218); Les Ditz de maistre Aliborum, qui de tout 
se mesle et s^ait faire tous mestiers et de tout rien Montaiglon, 
R^cueil I, 33. 



— 51 - 

Almanzor npr. m. Almansor (arab. Al-Mansour der Sieg- 
reiche) beliebter Heldenname in den spanischen Ritterromanen; fig, 
P. a/^^n. app. m. Liebhaber, Beschützer. In seinem fünfbändigen 
Roman Polexandre (1629) schildert Gomberville (I, 62 ff.) Helden- 
geschichte und Tod Almanzors, des Königs von S^n^ga; ein anderer 
Held gleichen Namens begegnet uns im 3. Bde. In Quinaults tragedie- 
com^die pastorale La Gen^reuse ingratitude (1654) heißt Almanzor 
ein verliebter maurischer Held (vgl. Parfaict VHI, 27) und in Moli^res 
Pr^cieuses ridicules (1659) trägt der Lakai der Preziösen diesen 
außergewöhnlichen Namen. 

Almaviva npr. m. In Beaumarchais' Lustspielen Le Barbier 
de S^ville (1775) und Le Mariage de Figaro (1781), ein vornehmer, 
verführerischer Edelmann, in dem der frz. dünkelhafte, leichtfertige 
Adel des ancien regime mit seiner ganzen sittlichen Verderbtheit, 
seinen Vorrechten und Mißbräuchen in meisterhafter Weise ver- 
körpert ist; fig. a/^^n. app. m. Lebemann. 

Alphonse npr. m. Alfons; a /^> n. app. m. Liebhaber, Zuhälter, 
Louis; alphonsisme s. m. Zuhältertum. Die Verbreitung des Namens 
in dieser Bedeutung soll von der am 26. November 1873 aufgeführten 
Komödie Monsieur Alphonse von Alexander Dumas fils herrühren, 
deren Titelheld seine eigene, uneheliche Tochter Andrienne gewissen- 
los dem Dimenleben in die Arme treibt Von diesem Stück angeregt, 
schuf Lacombe sein ausgelassenes, zügelloses Lied La Familie Alphonse 
du Gros Caillou, das 1888 veröffentlicht, zwar einen außerordent- 
lichen Erfolg erzielte, aber dem Verfasser und dem Herausgeber 
nach dem Bericht der Police correctionnelle vom 17. Oktober 1888 
heftige Verfolgungen zuzog. Ursprünglich beabsichtigte Dumas seinen 
Helden Jules zu nennen, soll aber dann auf Ren^ de Pont-Jests 
Anraten davon abgekommen sein und sich für Alphonse entschieden 
haben. Alexandre I, 7; H, 6. 

Amadis npr. m. Der Sohn des Königs Perion von Gaula 
und der britischen Prinzessin Elisena, der Held des berühmten 
spanischen Ritterromans Amadis de Gaula, der in Frankreich durch 
die Übersetzung von Herberay des Essarts (1540— 48) ein vielgelesenes 
Modebuch wurde, zahlreiche Nachahmungen erfuhr und unberechen- 
baren Einfluß auf Leben und Literatur ausübte. Amadis, das voll- 
kommenste Muster aller ritterlichen Tugenden, erringt sich nach 
vielen glorreichen Waffentaten und wunderbaren Abenteuern durch 
seine unerschütterliche Liebe und unwandelbare Treue Oriane, die 
Tochter des Königs Lisuarte von England, und ihr mächtiges Reich; 
fig. a^^^n. app. m. verliebter, ritterlicher Mann; schmachtender Lieb- 
haber; Et cet hiver k FOp^ra, oü quelque Amadis vous paiera 
Banville, Ödes funamb. 154, 2; amadiser 1. bezaubern, verführen 
(veraltet); 2. gezierte Redeweise führen vgl. Godef. compl. Les 
moindres fantassins sont autant d' Amadis Laft. IX, 470; Ces 
beaux Amadiseurs auroyent faveurs des dames 1599 Laphrise 537 
(ZRPh XXVni, 582); Baret, De TAmadis de Gaule et son in- 

4» 



— 52 — 

fluence sur les mceurs et la litt^rature au XVI® et XVII« si^cles. 
P. 1873. 

Amphitryon npr. m. Amphitryon, der König von Theben, 
der Gatte der ALkmene, der in Moliferes glchn. Komödie (1668), zu 
welcher der Amphitruo des Plautus das Vorbild geliefert hatte, in 
seinem Haus den Offizieren seines Heeres ein glänzendes Mahl gibt; 
fig. a'^^n. app. m. liebenswürdiger Wirt; jem., der Geselbchaften gibt, 
Gastmähler veranstaltet; weit. S. Gast, Tischgenosse, Gesellschafter; 
bisw. CO. amphitryonne s. f. Wirtin; amphitryonisme* s. m. Sucht, 
den Gastgeber zu spielen. Anlaß zu dieser Übertragung gaben bsd. 
die Worte Sosies (s. d.), die entscheiden sollten, wer der wahre 
Amphitryon sei : Le v^ritable Amphitryon Est TAmphitryon oü Ton 
dine Mol. Amph. HI, 5. 1703 ff.; schon in Rotrous Komödie Les 
Deux Sosies (1636) heißt es IV, 4: Point, point d' Amphitryon oü 
Ton ne disne point. Dramatische Darstellungen haben bis in die 
neuere Zeit die Erinnerung an den Namen des Helden wach erhalten: 
Amphitryon, op^ra von Gr^try, Text von Ch. S^daine 15. März 1786; 
noch am 25. April 1875 wurde in Paris eine Oper Amphitryon von 
Lacome d'Estaleux, Text von Beaumont und Nuitter aufgeführt; 
im 18. Jh. erfreuten sich die Amphitryonballets großer Beliebtheit. 
Keinhardstöttner 174 — 186. Banville, Cariatides p. 175, 25; d^s- 
amphitryonner Amph. HI, 7. 

A n a s t a s i e npr. f. Anastasia; fig. n. app. f. einfältiges Frauen- 
zimmer, dem man Liebe heuchelt; im Journalistenargot (Personifikation 
der) Censurbehörde. 

A n a 1 1 e npr. m. fig, im Argot Schwurgerichtspräsident, nach 
einem hervorragenden Träger dieses Namens. 

Ang^lique npr. f. ^g, ungetreue Geliebte Boil. sat. X, 146, 
nach der schönen, bestrickenden Kokette Angelika, eine von Bojardo 
in seinem Orlando innamorato geschaffene Figur, der Ariost im 
Orlando furioso (XIX) erst ihren wahren Reiz verlieh. Kalt und 
stolz weist sie alle Huldigungen der tapfersten Paladine zurück und 
schenkt ihre Gunst dem niederen Kriegsmanne Medoro (s. M^dor), 
einem schönen Jüngling, dessen schmerzvolle Lage ihr tiefes Mit- 
leid und innige Liebe einflößten. Roland, opera von Quinault und 
LuUi 1685; über andere frz. Bearbeitungen dieser Episode vgL 
Roth, 166; Ang^lique war auch der stehende Name der Liebhaberin 
der Commedia delF arte, der durch Vermittlung der italienischen 
Truppen in das frz. Theater überging. 

A n g o (t) npr. m. Jean '-->, im 16. Jh. ein reicher Rheeder in 
Dieppe (f 1551) , der nach dem Tode Franz' L durch waghalsige 
Spekulationen einen großen Teil seines Vermögens einbüßte ; fig, n. 
app. m. jem., der gern den Vornehmen spielt. 

Annette npr. f. beliebter Name von Schäferinnen und Bäue- 
rinnen in der Hirtenpoesie imd verwandten Dichtungen; Laft. f. U, 1; 
IV, 2; Vni, 13; X, 10. Annette et Lubin, op^ra-comique von Benjamin 
und La Borde (Comed.-ital. 15. Febr. 1762), zu der M"^« Eavart nach 



— 53 — 

einer glchn. Erzählung in Marmontels Contes moraux (1760) den Text 
geschrieben hatte; auch am 16. Febr. 1789 mit der Musik von Martini 
(Schwarzendorf) bei Hofe und am 18. April 1800 im Th^&tre Favart 
mit großem Erfolg aufgeführt. 

Ant(h)ony npr. m. Der Held eines gleichnamigen Stückes 
von Alex. Dumas pere (3. Mai 1831), der, auf das Recht der Leiden- 
schaft pochend, seine Geliebte entehrt und sie dann, um ihren guten 
Ruf zu retten , ermordet ; fig. a^^^n. app. m. bleicher Mensch , der 
Schwermut und Leiden affektiert; unverstandener (romantischer) 
Dichter; antonyque adj. schwermütig; antonysme s. m. affektierte 
Schwermut, Wertherei; anthonyste s. m.; F. amoureux de la vieille 
ecole genre Antony sentimentaler Liebhaber, Werther. 

Areas npr. m. häufiger Name von Vertrauten oder Dienern 
im klassischen frz. Drama (Corneille, Racine); fig. scherzhaft für 
eine Nebenperson. 

Arm i de npr. f. Eine verführerische Schöne in Tassos Geru- 
salemmie liberata (1681), die durch ihre unwiderstehlichen Reize und 
Koketterie Rinaldo (Renaud s. d.) zu umstricken weiß und ihn fem 
vom Heere der Kreuzfahrer durch ihre Liebe in ihren wunderbaren 
Zaubergärten zurückhält (XVI, 10. 11); palais d* Armide prachtvoller 
Palast, wahres Paradies; fig. n. app. f. Zauberin; schönes, verführerisches 
Weib. Lulli hat sie in seiner lyrischen Tragödie Armide et Renaud 
1690 (Text von Quinault), Gluck in seiner Oper Armide 1777 ver- 
herrlicht. 

Arpin npr. m. berühmter Ringkämpfer des 19. Jhs., un lutteur 
de la troupe de Rossignol-RoUin, der den Beinamen le terrible Savoyard 
führte; fig. F. n. app. m. Ringkämpfer, Ringer; Banville, Ödes funamb. 
160. 223. 

Arsinoe npr. f. Li Molieres Misanthrope (1666), Arsino^, 
eine bigotte, gewissenlose Kokette, die wegen ihres vorgeschrittenen 
Alters auf die Huldigungen, die man der blühenden, jugendfrischen 
Schönheit darbringt, verzichten mufi und deshalb eine gleisnerische, 
geheuchelte Sittsamkeit und zimperliche Sprödigkeit zur Schau trägt. 
Ihre scheinheilige Verstellung zieht ihr von Seiten der weltlich ge- 
sinnten, frivolen Celim^ne (s. d.) beißenden Spott zu vgl. Mol. Mis. I, 
216, 853—72; 925—26; fig. n. app. f. frömmelnde Kokette, schein- 
heilige Prüde. 

Artaban npr. m. fier comme Artaban überaus stolz, dünkel- 
haft sein. Diese Redensart stammt aus dem Roman Cl^op&tre von 
La Calprenede (1647 — 58), wo Artaban ^le fier, le g^n^reux'* der 
Name eines parthischen Königs ist, der beständig mit seinen Siegen 
über die Römer prahlt. Für die große Beliebtheit des Helden spricht 
der Umstand, daß er in M. de Scud^rys Roman Artam^ne ou le 
Grand Cyrus (1648—53) wie in Cr§billons Xerxes (1714) wieder- 
kehrt. Artaban war in der preziösen Gesellschaft und unter den 
Schöngeistern der Name des Herzogs von Saint- Aignan vgl. S^v. 1, 498. 

Arthur npr. m. Eine von den Romantikern in die Mode ge- 



— 54 — 

brachte Bezeichnung für jene Salonhelden mit langem Haar, bleichem 
Teint und schmachtenden Blicken, die mit schmeichlerischen, honig- 
süßen Worten die Frauen zu bezaubern und zu verführen suchen; 
fig. a^^^n. app. m. jem., der Glück bei Frauen hat; verliebter Mensch; 
Liebhaber; Zuhälter der Loretten; Herzensliebhaber eines von einem 
anderen unterhaltenen Frauenzimmers; P. arthurine s. f. leichtfertiges 
Frauenzimmer; arthurisme s. m. Eugene Sue schrieb 1838 einen Arthur 
betitelten Roman. 

Astr^e npr. t Asträa, die Heldin des berühmten Schäfer- 
romans von Honore d'Urf^ (1610 — 19); fig. n. app. f. schöne, liebens- 
würdige, zärtlich geliebte Frau, die sich mehr aus raffinierter Koketterie 
als aus wahrer Tugend äußerlich übertrieben zurückhaltend und spröde 
zeigt; vgl. Laft. VHI, 154; Astr^e, tragedie lyrique von Lafontaine 
1691; Anc. Th. fr. Vin, 402. 

A 1 1 i 1 a npr. m. Der mächtige König der Hunnen, der durch 
seine kühnen Eroberungszüge und Verwüstungen ganz Europa in 
Schrecken setzte; fig. a^^^n. app. m. Zerstörer. Deschamps VHI, 149; 
Laft. f. HI, 18 gibt seinen Namen einer Katze; Attila, tragedie von 
P. Corneille 1667; A. Thierry, Histoire d'Attila H, 248. 

Auguste npr. m. fig. n. app. m. Zirkuskomiker, der durch 
sein eigenartiges Kostüm (weißes Wams, riesige Krawatte und über- 
mäßig lange, weiße Handschuhe) und seine drolligen Spaße das 
Publikum ergötzt. Dieser Clowntj^us ist angeblich um 1864 von 
dem Engländer Tom Bellings geschaffen; um 1878 soll er dann 
von dem Franzosen Guyon dem frz. Geschmack angepaßt worden 
sein und ungeheure Heiterkeit erregt und großen Beifall gefunden 
haben. Seitdem ist er rasch beliebt geworden. Die frz. Bezeichnung 
für den dummen August des Zirkus ist jetzt meist Gugusse (dim. 
V. Auguste). 

Auriol npr. m. Jean - Baptiste '^^ (1797 — 1870), hervor- 
ragender Seiltänzer und Clown, der durch sein Auftreten im 
Cirque des Champs-]&lys6es, im Cirque des Filles du Calvaire und 
im Hippodrome stets stürmische Heiterkeit entfesselte ; auch fig. ge- 
braucht. 

Baptiste npr. m. fig. P. n. app. m. Dummkopf; Name, den 
man oft dem Hanswurst oder ähnlichen Figuren in den Possen- 
spielen der Jahrmarktstheater gibt, die sich nicht aus der Ruhe 
bringen und alles geduldig über sich ergehen lassen, trotzdem es 
Ohrfeigen und Fußtritte nur so auf sie herabhagelt; deshalb sagt 
man wohl auch P. ^tre tranquille comme Baptiste. 

barbacole s. m. Barbacola, Käme eines ital. Schulmeisters 
in Le Camaval, mascarade, ballet k neuf entr^es von LuUi (Text 
von Moliere) 1675; fig. (Dorf-) Schulmeister, Pedant. Humains, il 
vous faudrait encore h. soixante ans Renvoyer chez les barbacoles. 
Laft. f. Xn, 8. cf. HI, 229. 

Barbe-Bleue npr. m» Baoul, Chevalier'-^, der Titelheld 
des Märchens vom Ritter Blaubart in Perraults Contes de ma mfere 



— 55 — 

rOie (1697), der nach einander seine sechs Frauen wegen ihrer 
Neugier ermordete, weil sie gegen sein ausdrückliches Gebot während 
seiner Abwesenheit ein geheimes Zimmer betreten hatten ; fig. n. 
app. m. grausamer, blutgieriger Ehegatte ; Barbe-Bluette s. f. Frau, 
die die Männer mißhandelt. Ch. S^daine behandelte diesen Stoff in 
seiner Komödie Eaoul Barbe Bleue (eingelegte Arietten von Gr^try, 
Th^ätre Italien 1789), Hal^vy, Meilhac und Offenbach in einer päro- 
distischen Operette 1866. Die historische Grundlage zu dieser Sage 
bilden wahrscheinlich die Lebensschicksale des berüchtigten Gilles de 
Kais, der wegen Vergewaltigung und Ermordung zahlreicher Kinder 1440 
in Nantes hingerichtet wurde vgl. Schefflerll, 158 — 168; E. Bossard, 
Gille de Rais, mar^chal de France, dit Barbe-Bleue P. 1886. 

Barnum npr. m. Phineas Taylor /^^ (18 10 — 1891), amerika- 
nischer Industrieller und Spekulant, der sich durch seine schwindel- 
hafte Reklame einen Namen gemacht und ein riesiges Vermögen 
erworben hat: fig. F. n. app. m. Humbugmacher, Marktschreier (auch 
adj.); Impresario, Unternehmer, der dem Publikum Künstler, Wunder- 
kinder und Abnormitäten vorführt; bamumisme s. m. marktschreie- 
risches Wesen nach Art Bamums. 

Barthole npr. m. Bartolus aus Sasso Ferrato in Umbrien, 
berühmter ital. Rechtsgelehrter (1314 — 57); Studier Barthole war 
ähnlich wie etudier Cujas (nach dem berühmten Juristen Jacques 
Cujas, 1522 — 90) gleichbedeutend mit faire son droit; prov. r^solu 
comme Barthole von entschlossener Willenskraft; vgl. Pasquier, Rech. 
Vm, 14; Anc.Th.fr. IX, 95; Foumier II, 220. Leroux (H), II, 27. 
R^gnier, sat.IV,50; Com. Ment.I, 1. 14; Boil. sat.I, 114; Mol. M. de 
Pourc. II, 11; Leroux, dict. com. 

Bartholo npr. m. Im Barbier de S^ville (1775) von Beau- 
marchais, der alte, eifersüchtige, argwöhnische Dr. Bartholo, der sein 
schönes junges Mündel Rosine (s. d.) gern heiraten möchte und sie 
deshalb von der Außenwelt möglichst abzuschließen sucht, aber von 
Figaro (s. d.), dem verschmitzten Diener des Grafen Almaviva (s. d.), 
der Rosine liebt und schließlich heiratet, überlistet wird; fig. n. app. 
m. geprellter Alter; wunderlicher, eifersüchtiger Mensch. 

Basile npr. m. Don Basile in Beaumarchais' Lustspielen 
Le Barbier de S^ville (1775)* und Le Manage de Figaro (1781), 
der Typus eines willfährigen, geldgierigen Liebedieners, eines schein- 
heiligen Verleumders und betrügerischen Schmeichlers. Galomniez, 
calomniez, il en restera toujours quelque chose (11, 8) lautet seine 
Devise; fig. n. app. m. einfältiger Verleumder, der für Geld feil, 
leicht zu bestechen ist; scheinheiliger Schelm. 

Bayard npr. m. Pierre du Terrail de^^^, frz. Ritter (1473 
bis 1524) mit dem Beinamen le Chevalier sans peur et sans reproche, 
dessen Heldentaten mehrfach im Volkslied verherrlicht worden sind; 
fig. vollendetster Typus aller ritterlichen Tugenden und Vorzüge, 
der in sich die höchste männliche Tapferkeit mit dem feinsten An- 
stände vereint. 



— 56 — 

B^atrice (Beatrix) npr. f. Beatrice Portinari (1266 — 90), eine 
schöne junge Florentinerin, deren Name Dante durch seine Divina 
Commedia und seine Gedichte unsterblich gemacht hat; fig. Urbild 
eines schönen Weibes, dem jem. in reiner, keuscher Liebe zugetan ist. 

Benolt npr. m. Benediktus; fig. n. app. m. alberner, ein- 
fältiger Mensch, Dummkopf; P. Hurenwirt, Zidiälter. Die pejorative 
Begriffsentwicklung erklärt sich wohl zum Teil aus dem Einfluß von 
ben^t, das, urspr. eine normannische Dialektform (aus beneeit kon- 
trahiert), gleichfalb auf lat benedictus zurückführt; dies bedeutet 
zunächst gesegnet, gottbegnadet, wird dann aber auch nach der 
volkstümlichen euphemistischen Interpretation der biblischen Worte 
beati pauperes spiritu Selig sind, die da geistlich arm sind, denn 
das Himmelreich ist ihr (Matth. 5, 3) allmählich im Sinn von einfältig, 
albern, dumm gebraucht; eine ähnliche Verschlimmerung seines Be- 
deutungsinhaltes erfuhr benoit adj., das anfangs nur in Verbindung 
mit Worten wie vierge, terre, eau, autel angewendet wurde, wofür 
nfrz. in diesem Sinne b^nit, e eingetreten ist (vgl. Godef. beneir; 
Vaugelas, Remarques I, 387); jetzt aber meist scheinheilig, frömmelnd 
bedeutet. Je trouve que tu es Benest Marot HI, 164; Un grand 
benßt de fils, aussi sot que son pfere. Mol. Fach. H, 6; Tr^voux 
schreibt benest, benais mit Bevorzugung des ersteren, Furetiere hat 
nur benais. La vraie v^rit^, Cest qules benoits toujours lichent. 
Et se graissent le balot. Jean Richepien, Chans, des gueux. 

Benoiton npr. m. In seiner erfolgreichen Sittenkomödie La 
Familie Benoiton (1865) geißelt Sardou die Putz- und Modesucht 
der Frauen und jene verhängnisvolle Neigung der guten Pariser 
Gesellschaft, durch Lebensgewohnheiten, Tracht und Redeweise die 
Grenzen zwischen den einzelnen sozialen Schichten zu verwischen, 
und bsd. das Bestreben, Ton, Sprache und Manieren der Kokotten 
nachzuahmen. Der Dichter entrollt vor unseren Augen ein düsteres 
Familiengemälde: Eine Tochter kompromittiert, eine insultiert, die 
andere entführt, der älteste im Gefängnis, der jüngste betrunken, 
der Vater in Todesangst und die Mutter ausgegangen; fig. jem, 
aus den besseren Ständen, der (die) im Sprechen und Handeln die 
Sitten der Demimonde nachäfft; une M°*« Benoitonne Frau, die nie 
zu Hause ist (sie erscheint nicht aiff der Bühne, es heißt immer 
nur von ihr: Madame est sortie); benoitonnage , benoltonisme, 
benoitonnerie vornehme Liederlichkeit; leichtsinniges, verschwende- 
risches Treiben; benoltonner sich wie ein(e) Beno!ton(ne) benehmen; 
Fanfan Benoiton aller Kindlickeit barer^ naseweiser, stutzerhafter 
Junge; grammaire Benoiton triviale Ausdrucksweise. 

Bernard npr. m. Dieser Vorname bezeichnete schon afrz. 
als Appellativum einen albernen Dummkopf, einen einfältigen Gimpel 
(die lautlich-begrifQiche Ähnlichkeit mit bemer unterstützte vermut- 
lich diese Bedeutungsentwicklung). On le claime en disant bemart 
Eust. Deschamps, Poesies (Godef.); im Renart (I, 271, 239 u. ö.) 
trägt der Esel den Namen Bemart Tarchiprestre, ebenso heißt der 



— 57 — 

Widder Bemart (H, 251, 9 — 70); or parieren d'autre Bernart Kenart 
(I, 52, 1853) = parier d'un autre ton, changer de language ; chanter 
de bemart = ee d^duire, se r^tracter (Belege bei Godef.); vgl. Timer, 
l'asne espanois Benart I, 323, 1586££.; in den deutschen und nieder- 
ländischen Versionen des Bomans führt der Esel den Namen Balduin 
(vgl. Balduinus im Ysengrinus von Nivardus um 1152). Dieser 
Name war seit 864 bei den flandrischen Fürsten sehr beliebt und 
aus patriotisch-dynastischen Motiven ein weitverbreiteter Taufname im 
Volk (vgl. Wackemagel, Germ. V, 317). In Frankreich war Baudouin 
bsd. im 15. u. 16. Jh. volkstümlich (davon als Dimin. frz. bandet vgl. 
aber Körting 1008, ZKPh VIII, 519); Penotte s'en va au moulin 
Dessus son asne Baudoyn G. Paris, Chans, du XV® siecle p. 137; 
vgl. Martin. Im Haut-Maine sagt man noch heute benard für einen 
Dummkopf. Erinnert sei auch noch an b6narde (für bemarde) s. f. und 
adj. serrure /^ schlechtes (Doppel-) Schloß , dessen Schlüssel nicht 
hohl ist, und das sich von beiden Seiten öffnen läßt; 1442 Icelle 
Marion s'en couvry k Tuis qui fermoit ä serrure benarde et Touvry 
Du Cange, bemarius; vgl. Godef. benardin adj., P. Bernard der 
Hintere (tomber sur son/-^); aller voir (monsieur, madame) Bemard 
auf den Abtritt gehen; ^tre bon pour Bemard (A. Auguste). 

B er quin npr. m. Amaud ^^ (1749 — 91), frz. Kinderschrift- 
steller, der TArmi des enfants (1784), Lectures pour les enfants, 
Le petit Grandison u. a. harmlose, übertrieben moralische Erzählungen 
schrieb, die meist im Triumph der Tugend gipfeln; berquiniser; ber- 
quinisme s. m.; berquinade s. f. kraftloses, abgeschmacktes Machwerk, 
fade Spielerei. 

Bertrand npr. m. Der Name eines berühmten Affen des 
Papstes Julius H. In Laft. f. Le Singe et le Chat IX, 17 cf. IX. 3; 
Xn, 3 schildert der Dichter, wie der listige Affe Bertrand die vom 
Kater Baton (s. d.) mit vieler Mühe aus dem Feuer geholten Kastanien 
sich widerrechtlich aneignet und allein verzehrt. Beide Namen sind 
sprichwörtlich geworden zur Bezeichnung eines Betrügers und eines 
Betrogenen. Von dramatischen Bearbeitungen dieses Stoffes sind 
bsd. hervorzuheben: Bertrand et Baton ou ITntrigant et la Dupe 
von Picard (1804) und das dreiaktige Melodrama TAuberge des 
Adrets von Benjamin Antier, Saint -Amand und Polyanthe (2. Jidi 
1823). In dem Lustspiel Bertrand et Baton ou Tart de conspirer 
(1833) von Scribe erscheint Bertrand als ein Gauner, der von seinem 
Spießgesellen Bobert Macaire (s. d.) immer übervorteilt und in die 
gefahrvollsten Abenteuer getrieben wird, deren sauer erworbene 
Früchte dieser allein genießt; fig. P. Spießgeselle eines Diebes (steter 
Begleiter des R. Macaire) ; P. Bertrand salue Macaire da haben sich 
zwei richtige Gauner gefunden. Alexandre I^ 449. 

B i d a r d npr. m. Ein Packer, der in der Lotterie der Pariser 
Weltausstellung von 1878 das große Los gewann und durch das 
Lied Ces Veinards de Bidards, Text und Musik von ;6mile Mathieu, 
gesungen von M^® Demay (abgedruckt bei Alexandre I, 47) volks- 



— 58 — 

tümlich geworden ist; fig, F. s. m. Glückspilz; jem., dem alles was 
er unternimmt, gelingt; adj. im Glück sitzend. 

Bilboquet npr. m. (etym. bille-f-bocquet vgl. Darmesteter [I], 
133; 136). Der Name des Helden in der dreiaktigen Komödie Les 
Saltimbanques von Dumersan und Varin (Vari^t^s 1838), ein alter, 
ausgedienter Possenreißer und Gaukler, der Direktor einer Seiltänzer- 
truppe ist; fig. Typus eines geschickten, erfinderischen Gewerbe- 
treibenden, der überall seinen eigenen Vorteil im Auge hat, durch 
seine mehr oder weniger rechtlichen Mittel alle Lebenslagen zu 
seinen Gunsten auszunutzen weiß und sobald das Geschäft zusammen- 
zubrechen droht, zuerst die Kasse zu retten sucht (Sauvous la caisse! 
II. Akt). Der für einen Gaukler charakteristische Name ist etymo- 
logisch identisch mit bilboquet s. m. 1. Stehaufchen, Gaukelmännchen; 
La jouoit . . au bille boucquet Rab. Gkirg. XXII; 2. leichtsinniger 
Mensch, Springinsfeld, Allerweltskerl so bei Gui Patin, Sev. ; 
St. Simon; vgl. D.-H.; Scheler; Anc. Th. fr. IX, 48. 

Birotteau npr. m. C^sar- — 'i in seinem Roman Histoire de 
la grandeur et de la decadence de C^sar Birotteau, Parfumeur (1838), 
der dem Cyklus Seines de la vie parisienne angehört, geißelt Balzac 
die törichte Anmaßung der Bourgeoisie um die Mitte des 19. Jhs. 
Der Dichter schildert in seinem Helden, zu dem das tragische Schicksal 
des Jean Vincent Bully das Vorbild gegeben hatte, einen reichen 
Parfümeriefabrikanten, den sein Ehrgeiz verleitet, nach hohen Würden 
und Ämtern zu streben. Er ist der Typus eines schwachen, be- 
klagenswerten Mannes, der von seinem Reichtum geblendet, das Opfer 
falscher Freunde und Intriganten wird. 

Bismarck npr. m. Otto Fürst von Bismarck (1815 — 98), 
der kraftvolle erste Kanzler des Deutschen Reiches; im Argot bis- 
marcker (-quer) überlisten, tüchtig ankreiden; sich etw. um jeden 
Preis aneignen; bismarckiser in Bismarcks Art regieren, verfahren. 

B 1 n d i n npr. m. Blondin, eigtl. J. Fran9ois Gravelet (1824 
bis 97), bekannter Seiltänzer, der sich wegen seiner Gewandheit und 
seines kühnen Mutes einer außerordentlichen Beliebtheit erfreute, 
bsd. seitdem er wiederholt die Wasserfälle des Niagara auf dem Seil 
überschritten hatte; fig. Seiltänzer, Wagehals. 

Bob^che npr. m. Name eines ausgezeichneten frz. Possen- 
reißers und Hanswursts, eigtl. Antoine Mardelard (Maudelard), der 
mit seinem Kameraden Galimafr^ (s. d.) durch seine drolligen, lustigen 
Spaße und geistreichen, witzigen Scherze unter dem Kaiserreich und 
der Restauration eine ungeheuere Zugkraft auf das Publikum aus- 
übte; fig. P. Hanswurst, Einfaltspinsel, Dummkopf; bob^cherie s. f. 
Albernheit. Bob^chiana (^d. Charles, Paris 1800). 

Bompard npr. m. Nach einer Gestalt in Daudets Roman 
Numa Roumestan (1881), der Typus eines kümmerlich, aber beständig 
in Illusionen lebenden, renommierenden Menschen. In Daudets Tartarin 
dans les Alpes (1885) ist Bompard der Name eines Taraskonesen, 
dem Tartarin (s. d.) auf seiner ergötzlichen Schweizerfahrt als Kurier 



- 59 — 

einer peruanischen Familie begegnet und der ihn durch allerhand 
lügenhafte Abenteuer noch zu übertrumpfen sucht. 

Boniface npr. m. fig. b - — ' n. app. m. gutmütiger, leichtgläu- 
biger Mensch; adj. P. dumm; einfältig; Boniface (Boneface) ist zweifel- 
los von Bonifatius abzuleiten (vgl. Mowat, Noms propres), das unter 
dem Einfluß von bona facies umgedeutet worden ist. G. Paris, 
Alexius p. 106; Rom. Forsch. IH, 481; Z RPh XIV, 181. 

B o n n e a u npr. m. Der fingierte Name des Ratgebers König 
Karls VII., der dessen Liebschaften mit Agnes Sorel vermittelte. 
Volt. Pucelle 1,54. 151; fig. F. Fami ~ Kuppler, Unterhändler. 

B o s c npr. m. Bartolomeo '-«-' , ein wegen seiner erstaunlichen 
Geschicklichkeit berühmter ital. Taschenspieler (1793 — 1862); fig. 
jem., der allerhand Kunststücke macht; Politiker, der in den Menschen 
irgendwelche Illusionen erweckt, ihnen Sand in die Augen streut. 

Boum npr. m. Nach g^n^ral Boum in der parodistischen 
Operette La Grande-Duchesse de Gerolstein von Offenbach, Meilhac 
und Hal^vy (1867) fig. unfähiger General, Schaumschläger; boum 
T^achahmung des Lauts einer Trommel, eines Gewehres. 

Bovary npr. f. Madame '-^, die Titelheldin in Flauberts 
^Ichn. Roman (1856), eine unverstandene junge Frau aus der Provinz, 
die sich in den bescheidenen, kleinbürgerlichen Verhältnissen, in die 
sie das Schicksal gestellt hat, unbefriedigt und in ihren Jugend- 
träumen enttäuscht fühlt, ihren Pflichten als Gattin und Mutter 
untreu wird und allmählich auf immer schlimmere Abwege gerät. 
Nach und nach bringt sie Unglück und Ehebruch in ihr Haus, und 
ihr lockerer, sittenloser Lebenswandel läßt sie von Stufe zu Stufe 
43inken, bis sie sich schließlich selbst den Tod gibt; fig. une ^-^ n. app. f. 
leichtsinniges, hysterisches Frauenzimmer; bovariste adj. leichtsinnig; 
bovarisme s. m. 1. Treiben nach Art der Frau Bovary; 2. cynischer 
Realismus; 3. ^le pouvoir departi k Thomme de se concevoir autre 
^u'il n'est.** Gaultier, Le Bovarysme P. 1892. 

Bradamante npr. m. In Bojardos Orlando innamorato (Bran- 
diamante) und Ariosts Orlando furiose (XLIV, 36 — XL VT, 65), die 
Geliebte Ruggieros, den sie, in ihren Bemühungen von Melissa und 
Merlin unterstützt, aus der Gewalt eines Zauberes befreit; fig. schönes, 
heldenmütiges Weib; parestre brave comme une Bradamante on une 
Marfise Brantöme IX, 545. Ihr Schicksal ist in den Tragikomödien 
bez. Tragödien Bradamante von Robert Garnier (1582), La Cal- 
pren^de (1637), Th. Corneille (1696), Ch.Roy (1707) u. a. dramatisch 
behandelt worden. Roth 104; Parfaict IV, 363 ff. 

Brid'oison npr. m. In Beaumarchais' Mariage de Figaro 
(1781), ein lächerlich dünkelhafter, stotternder Richter, dem die Form 
über alles geht und der durch seine Unfähigkeit selbst die durch- 
sichtigsten Prozesse in Verwirrung bringt; fig. n. app. nu anmaßender, 
unwissender, formalistischer Richter (vgl. P. brid'oison s. m. alberner, 
einfältiger Mensch, Gimpel). Das Vorbild zu dieser köstlichen Figur 
war Brid'oie, jener einfältige, treuherzige Richter bei Rabelais (M. L. 11, 



- 60 -^ 

186 iL), dem zwei Würfel genügten, um alle, auch die schwierigsten: 
Prozesse zu entscheiden (les d^s du juge de Rabelais sind sprich- 
wörtlich, Volt. X, 267); on appelle un oison brid^ un sot, un homme 
qui n'a point vu le monde Leroux, dict. com. I, 157; vgl. auch Rab^ 
M. L. I, 31 ; maistre Jobelin brid6 ib. I, 58; Anc. Th. fr. I, 328; 
VII, 384; IX, 25, 335. 

Brillat-Savarin npr. m. Anthelme^^^, frz. Schriftsteller 
(1725 — 1826), der vor allem durch seine witzig und humoristisch 
geschriebene Physiologie du goüt P. 1825 bekannt ist; fig. Schrift- 
steller über Gastronomie, Feinschmecker, Gourmand. 

B r u m m e 1 npr. m. George Bryan ^-^ , der berühmte englische^ 
König der Dandys (1778 — 1840); ^g. n. app. m. Tonangeber für 
Moden. 

Bruscambille npr. m. eigtl. Deslauriers (f 1 634) , ausge- 
zeichneter Possenreißer im Anfang des 17. Jhs., der wegen seiner 
satirischen, witzigen Einfälle großen Zulauf hatte; auch fig, 1751 
Encyclop^die; 1835 Acad.; brusquembille (bruscambille) s. f. Spiel 
zwischen 2 oder 4 Personen mit 32 Karten; Name von Ass und Zehn, 
den höchsten Karten in diesem Spiel. 

cabotin(e) s. m. f. herumziehende(r) Schau8pieler(in); weit. 
S. F. Komödiant(in); schlechte(r) Schauspieler(in). tjber die Etymo-^ 
logie des Wortes herrschen verschiedene Ansichten; die einen wollen 
es mit caboter zusammenbringen: entlang der Küste von einem Hafen 
zum anderen Schiffahrt und Handel treiben, eine Tätigkeit, die 
manche Ähnlichkeit mit dem Wanderleben umherziehender Schau- 
spieler aufweise. Mehr Wahrscheinlichkeit dürfte die folgende An- 
nahme haben. £man Martin zitiert im Courier de Vaugelaa 15. Juli 1873 
p. 43 aus der Vorrede Edouard Foumiers zu den Chansons de 
Gaultier Gkirguille P. 1858 eine Stelle (LXXVII), aus der hervor- 
geht, daß Cabotin der Name eines Marktschreiers und Quacksalber» 
war, der um die Mitte des 17. Jhs. ganz Frankreich durchzog und,, 
zu gleicher Zeit Impresario und Charlatan, Arzneimittel verkaufte 
und Possen spielte. Von cabotin ist eine reiche Wortsippe ausge^ 
gangen: F. cabotinage s. m. Komödiantenleben; schlechtes Theaterstück; 
marktschreierisches, schwindelhaftes Wesen; F. cabotiner schlecht 
spielen, liederlich leben; cabotiniser liederlich machen; cabotinisme s.m. 
Komödiantenwirtschaft; s'encabotiner ins Schauspielerleben eingeweiht 
werden. ^ Acad. 1835; in seinem Lustspiel Les Cabotins (1894) 
geißelt Ed. Pailleron mit scharfer Satire das moderne Strebertum in 
allen Kreisen der Gesellschaft. 

Cabrion npr. m. In den Myst^res de Paris von Eugene 
Sue (1842), ein höhnischer, übermütiger Maler, der den Portier 
Pipelet (s. d.) durch seine Neckereien ärgert und zur Zielscheibe 
seiner derben Spöttereien und unflätigen, groben Witze macht; fig. 
F. ungezogener, spöttischer Gassenjunge, Schelm, böswilliger Spaß- 
macher. 

C a c o 1 e t npr. m. Nach einer Person in Tricoche et Cacolet,. 



- 61 - 

«inem Lustspiel von Hal^vy und Meilhac (1871), der Typus eines 
verschmitzten Betrügers; agence dans le genre de Cacolet Auskunfts- 
bureau, Privatdetektivinstitut. 

Cadet Buteux npr. m. Der von Marc Antoine D^augiers 
(1772 — 1827) geschaffene und in zahlreichen Liedern besungene 
Typus des gemütlichen Philisters, ein Bild des fröhlichen, vergnügten 
Volkes, das sorglos und heiter in den Tag hineinlebt. Die Gestalt 
fand großen Beifall, der 1807 mit dem Potpourri Cadet Buteux 
ä l'op^ra de la vestale seinen Gipfelpunkt erreichte. 

Cadet Boussel (Rousselle) npr. m. In den neueren 
Possen das Urbild eines gutmütigen, unbeholfenen Pechvogels, der 
bsd. in Aufnahme gekommen ist durch ein lustiges Lied aus dem 
Jahre 1792, das zuerst unter den frz. Freiwilligen der Arm^e du Nord 
unter Dumouriez gesungen wurde, deren Kreisen wohl auch der 
Schöpfer des Liedes und der Figur angehört haben mag. Wahrschein- 
lich ist es eine Parodie auf daa aus Brabant stammende Lied von 
Jean de Nivelle (s. d.). C. R. bezeichnet auch einen schlechten 
Schauspieler, einen Gaukler oder Seiltänzer, der ein leichtsinniges 
Bohemeleben führt, in Kaffeehäusern singt usw. Nach dem Vorbild 
der Posse Cadet Bousselle ou le Caf^ des aveugles von Aude und 
Tissot (1793) entstanden eine große Reihe von Stücken, die diese 
beliebte Gestalt zum Helden hatten. 

Caillette npr. m. Schalksnarr am Hofe Karls VEH., Lud- 
wigs Xn. und Franz I., der im Gegensatz zu seinem witzigen Kame- 
raden Triboulet (s. d.) ziemlich einfältig, furchtsam und schüchtern 
gewesen zu sein scheint. Sein Name war sprichwörtlich geworden 
zur Bezeichntmg eines einfältigen, feigen Menschen. So gebraucht 
ihn z.B. Marot H^ 237: Bref, si jamais j'en tremble de frisson, Je 
suis content qu'on m'appelle Caillette. Des P^riers hat ihn in seiner 
Novelle Trois folz (contes H, XLVEI) geschildert, Rabelais erwähnt 
ihn öfter in Verbindung mit Triboulet (M. L. I, 368; HI, 24) und 
Paul Lacroix (bibliophile Jacob) erkor ihn zum Helden seines histo- 
rischen Romans Les Deux fous, histoire du temps de Fran^ois I®' 
en 1524 (P. 1830), in dem die Zeichnung der Charaktere allerdings 
nicht völlig der historischen Wahrheit entspricht Ln Anfang des 
16. Jhs. war der unschuldige Caillette eine beliebte, volkstümliche 
Figur vgl. Anc. Th. fr. VI, 141; Montaiglon (H), X, 379; Bran- 
t6me IV, 366; für die Bedeutung personne d'esprit frivol (D.-H.) 
sprechen Zeugnisse wie die folgenden: XVI. Jamais nous n'avons eu 
que du mal par ces caillettes d'Italians illec. d'Aubign^, Foeneste III, 
19; £t nous grands badaux, et caillettes, sots en latin et en fran^ais, 
de l'avoir endur^ Sat. M^nipp.(^d. 1711) I, 83. 106 (Littr^); caillette 
s. f. schwatzhafte Frau, Stadtklatsche, Plaudertasche gehört wohl eher 
wie cailletage und cailleter zu caille (Wachtel) und ist nicht not- 
wendig vom Eigennamen abzuleiten, der nach Darmesteter-Hatzfelds 
Annahme unter dem Einfluß der Endung zum Fem. geworden wäre; 
caillette = paresse, lachet^ (?) Anc. Th. fr. IX, 26. 



— 62 — 

Calicot npr. m. Der Name eines Ladendieners in dem 
Vaudeville Le Combat des Montagnes ou la Folie Beaujon (1817) 
von Scribe und Dupin, in dem jene Kommis dem Gespött und der 
Lächerlichkeit preisgegeben werden, die in den ersten Jahren der 
Kestauration sich den Bart stehen ließen, militärische Allüren an- 
nahmen und, eine rote Nelke im Knopfloch, mit gespornten Stiefeln 
auftraten, fig, P. c^'U. app. m. Ladenschwengel; P. calicote s. f. Ge- 
liebte eines Kommis, Ladenmamsell vgl. noch calcotier, i^re und die 
pop. Kurzformen calic, calique; calicot bezeichnet urspr. einen baum- 
wollenen Stoff aus der indischen (englischen) Stadt Calicut (Kolikotta); 
über den heftigen Streit, der durch das Stück hervorgerufen wurde 
vgl. Alexandre I, 63. 

Calino npr. m. (etym. calin). In dem Vaudeville Calino et 
Galina von Th. Barriere und Fauchery (1858), der Name eines ein- 
fältigen Menschen, der eine Reihe toller Abenteuer besteht und alle 
Welt durch seine albernen, naiven Betrachtungen zum Lachen zwingt. 
Die eigentlichen Schöpfer dieser komischen Figur, die beiden Brüder 
Edmond et Jules de Goncourt hatten in ihrem Werk Voiture de 
masques 1862 eine treffliche Schilderung des Calinot (sie!) gegeben; 
fig. F. c/^'-^n. app. m. lächerlicher, naiver Mensch, iro. Schlaukopf; fem. 
calinette; calinotade s. f. Albernheit, Schwabenstreich; jetzt an Stelle 
des früher üblichen jocrissiade (s. d.) gebraucht; Variante k la Calino 
Verballhomung. 

C a 1 m e t npr. m. Dom Augustin - — ' wegen seiner umfangreichen 
Kenntnis der orientalischen Sprachen bekannter, gelehrter Benediktiner 
(1672 — 1757); fig. quelque Dom ^-^ irgend ein großer Gelehrter. 

C a p u 1 e t npr. m. Les Capulets et les Montaigus die Capuletti 
und Montecchi, zwei einander feindliche Familien Veronas in der 
1. Hälfte des 15. Jhs., deren Kämpfe von Masuccio (1470), Luigi 
da Porto (1535), Bandello, in Shakespeares Romeo and Juliet und 
Bellinis Oper Capuleti e Montecchi (1830) dichterisch verwertet 
wurden; fig. die Erzfeinde. 

Carabas (marquis de) der Schützling des gestiefelten Katers 
in Perraidts Erzählung Le Chat bott^, die B^ranger die Anregung 
zu dem prächtigen Lied Le Marquis de Carabas (1816) gab, dessen 
Satire gegen die nach 1815 zurückgekehrten Emigranten gerichtet 
ist; fig. F. Großgrundbesitzer, steinreicher Mann; stolzer Edelmann 
voller Eitelkeit und lächerlicher Anmaßung, dessen Adelstitel 
etwas verdächtig sind. P. s. m. große, alte Postkutsche (vgl. Littr^ 
Suppl.). 

Carabosse npr. f. F^e (dame) - — ' eine alte, häßliche, mürrische 
und bucklige Fee, deren Erscheinen alle Freude trübt und Unglück 
stiftet. Ihre verhängisvollen Geschenke und Prophezeiungen werden 
meist durch eine schöne, junge, wohltätige Fee in ihrer Wirkung 
zunichte gemacht; fig. altes, häßliches, zänkisches Frauenzimmer; 
buckliges Mädchen; La Fe^ Carabosse, op^ra von Victor Masse 
(1859). 



— 63 — 

Cardinal npr. m. Ludovic Hal^vy vereinigte 1883 unter 
dem Titel La Familie Cardinal zwei satirische Romane Monsieur 
et Madame Cardinal (1873) und Les petites Cardinal (1880), die 
eine ausgezeichnete Charakterschilderung der politischen Streber imd 
Ausbeuter bieten und deren Hauptgestalten daher sprichwörtlich 
wurden. 

Don Carlos npr. m. im Argot Zuhalter (Anspielung an carle 
Geld!). 

Cartouche npr. m. Louis Dominique/^' berüchtigter, ver- 
wegener Dieb (1693 — 1721); fig. Spitzbube. Cartouche ou les 
Voleurs, Kom. von Le Grand (Musik von Quinault) 1721; Ad. 
Dennery und Ferd. Dugu^ haben ihn in ihrem Drama Cartouche 
(1858) auf die Bühne gebracht; vgl. noch Günther 89. 

Cassandre npr. m. Stehende Person der ital. Komödie, 
der Typus eines einfältigen und leichtgläubigen Greises, der von 
allen verspottet, zum Narren gehalten und hinters Licht geführt 
wird. Mit Arlequin, Pierrot, Colombine und L^andre ging er auf 
die frz. Bühne über. 1780 erschien er zum ersten Male in der 
Posse Cassandre oculiste von Piis und Barr^, der bei der Beliebt- 
heit der Figur Cassandre m^canicien von Goulard (1783), Cas- 
sandre astrologue und eine Menge anderer Stücke folgten; fig. 
n. app. m. lächerlich alberner Greis, der beständig betrogen und ge- 
foppt wird. 

Catau npr. f. dim. v. Catherine vgl. Catin; P. (Hof-) Magd 
auf dem Lande, Dienstmädchen in einem Dorfwirtshaus; leicht- 
sinniges, liederliches Mädchen, das einen lockeren Lebenswandel 
führt. Über Auber^e, Hersent (Name der Wölfin im Renart vgl. 
Deschamps X, 43 ; VH, 336) und ßicheut als typische Namen für 
Dirnen imd Kupplerinnen im afrz. vgl. Preime, Die Frau in den 
afrz. Fabliaux. Diss. Göttingen 1901, 69 ff. 

Catin npr. m. wie Catau, Catiche dim. v. Catherine; oft 
Puppenname; beliebter Mädchenname bsd. auf dem Dorf; n. app. f. 
Mädchen von schlechten Sitten; liederliche Metze, feile Dirne (vgl. 
ZF8L XXVin, R. u. R. 215); catinisme s. m. liederliches Wesen; 
catiniser liederlich werden. Kosename für die Liebste. Je sens nul 
mal, ma cattin. Anc. Th. fr. I, 228 ; Deschamps ES, 130 ; Une Catin, 
sans frapper k la porte Des Cordeliers jusqu'en la cour entra. Marot HI, 
188. In seinem Bocage royal (IV, 99) nennt Ronsard sogar Katharina 
von Medici Catin; n'^tant ni prüde ni catin Volt Ep. 31; in 
Berangers bekanntem Lied La Vivandi^re (1817) ist Catin der 
Name einer Marketenderin; ein munteres, liebenswürdiges, kreuz- 
fideles Weib ist sie immer heiterer Laune und jederzeit bereit, mit 
den Soldaten Leid und Freud zu teilen. Über die gleiche Be- 
deutungsentwicklung dieses Namens im Deutschen vgl. Wackemagel, 
Germania V, 332. 

C a V o u r npr. m. Camillo Benso di ^^ (1810 — 61), bedeutender 
ital. Politiker, der mit aller Energie seinen Grundsatz libera chiesa 



— 64 — 

in libero stato zu verwirklichen suchte; fig. Staatsmann, der sein 
Land groß und angesehen macht. 

C^ladon npr. m. Der verliebte Held in Honor^ d'Urf^ 
Astr^e (1610); fig. C'^^n. app. m. zärtlich schmachtender Liebhaber; 
adj. verliebt, sehnsüchtig schmachtend = c^ladonique ; c^ladonisme 
abgeschmackte, fade Ausdrucks weise; c^ladoniser, se bei den Frauen 
den schmachtenden Liebhaber spielen; als Farbenname bezeichnet 
c^ladon blaßgrün. Celadon heißt bei Ov. Met. 5, 144 der Genosse 
des Phineus, ib. 12, 250 ein Lapithe; Anc. Th. fr. VHI, 402. 

C^lim^ne npr. f. In Moliferes Misanthrope (1666), eine 
hübsche junge, leichtfertige Witwe, deren frivole Koketterie und 
geistreiche Spöttereien viele Freier anlockten. Trotz seiner ganz 
entgegengesetzten Lebensauffassung entbrennt sogar der unerbittliche 
Wahrheitsfanatiker Alceste (s. d.) in leidenschaftlicher Liebe zu der 
falschen, abgefeimten Kokette; allein er sucht sie vergeblich zu 
seinen Anschauungen zu bekehren. Über die verschiedenen Deutungen, 
die diese Charakterfigur gefunden hat, vgl. Fritsche 75; fig. n. app. f. 
schöne, geistreiche, schmähsüchtige Kokette; bereits in La Borderies 
L'Amie de cour 1543 trägt eine herzlose Kokette den Namen C^li- 
m^ne; 1633 hatte Eotrou eine Komödie C^lim^ne, ein im ganzen 
ziemlich schwächliches Machwerk geschrieben (Parfaict V, 7). Im 
Irr^solu von Destouches (1713) tritt auch eine C^limfene auif, die bsd. 
bekannt geworden ist durch den sprichwörtlichen Schlußvers J'aurois 
mieux fait, je crois, d'^pouser C^lim^ne, der in treffender Weise die 
Unentsehlossenheit Dorantes charakterisiert, der in demselben Augen- 
blicke, wo er sich nach langem Schwanken endlich dafür entscheidet, 
nicht C^limfene, sondern ihre Schwester Julie zu heiraten, seinen 
Schritt auch schon wieder bereut. In der Theatersprache ist Celi- 
mene die typische Bezeichnung für die Rollen der grandes coquettes. 
Meilhac, La Vertu de C^limfene 1861 (Posse). 

Cendrillon npr. f. In Perraults Märchen €endrillon ein junges 
Mädchen, das von ihren hartherzigen Schwestern schmählich miß- 
handelt, in schmutziger, vernachlässigter Kleidung in der Küche die 
niedrigsten Dienste verrichten muß; fig. F. Aschenputtel; unsaubere 
Küchenmagd; Frau, die nie vom häuslichen Herde wegkommt. 

Champoireau npr. m. Personifikation eines unbeholfenen 
Tölpels. 

Champollion-Figeac npr. m. Jean Fran^ois '-^ le Jeune 
(1791 — 1832), berühmter frz. Orientalist, der durch die Entzifferung 
der ägyptischen Hieroglyphen bahnbrechend gewirkt hat; F. je ne 
suis pas assez /-^ pour d^chiffrer cela da muß ein Klügerer kommen, 
um das zu erraten. 

Charlemagne npr. m. faire '^> mit vollem Gewinn plötzlich 
mitten im Spiele aufhören. Diese Bedensart rührt jedenfalls daher, 
daß in einem Kartenspiele einer der vier Könige den Namen 
Charlemagne trug und der Spieler gewann, sobald er diese Karte 
in seine Hände bekam. Wenig einleuchtend ist die Annahme, darin 



— 65 — 

wie Genin I, 186 eine Anspielung sehen zu wollen auf Karl den 
Großen, der sich his zu seinem Tode alle seine Eroberungen zu 
wahren wußte, ohne etwas davon zurückgegeben zu haben. 

Charles npr. m. iig. Marktschreier (mit Anlehnung an charlatan 
vgl. Oudin [II], 84) ; häufiger Name von Dienern vgl. Mol. Sicilien sc. 
VI; P. Nachtstuhl, Nachtgeschirr, ebenso Colin, Jules, Thomas, aller 
chez Jules, Thomas etc. 

Charlot npr. m. Name, den das Volk dem Pariser Scharf- 
richter gab (seine Diener hießen les soubrettes de Charlot), vermut- 
lich nach jenem Henker Charlot, der 1757 Robert Fran^ois Damiens 
wegen seines Attentates auf Ludwig XV. hinrichtete; im Argot 
Schlaukopf; listiger, boshafter Mensch. 

Charmant npr. m. Le prince > — ' eine beliebte Märchenfigur, 
ein schöner, jugendfrischer Prinz, der stets im rechten Augenblick 
erscheint, um junge Mädchen aus den Händen ihrer Verfolger zu 
retten; fig. junger, hübscher, reicher, verliebter Mann. 

C h a u V i n s. m. 1. alter Soldat des zweiten Kaiserreichs, über- 
triebener Bewunderer Napoleons I. ; 2. kriegerisch gesinnter, übereifriger 
Patriot, in dessen Augen sein Heimatland der größte und ruhmvollste 
aller Staaten ist; Stockfranzose, der von leidenschaftlicher Feind- 
seligkeit gegen andere Völker erfüllt, sein Vaterland auf Kosten 
anderer Staaten vergrößern möchte; chauvinisme s. m. „Vorein- 
genommenheit für eine bestimmte Ansicht, die keinen Widerspruch 
duldet, aber nicht von sachlichem Urteil geleitet ist, sondern auf 
Gefühl und Leidenschaft beruht ** ; herausfordernde Feindseligkeit 
gegen fremde Völker; chauviniste, chauvinique; chauvinerie. Der 
Ursprung dieser Bezeichnung ist viel umstritten. Die vorherrschende 
Ansicht geht dahin, diesen Typus auf einen gewissen Nicolas Chauvin 
aus Rochefort zurückzuführen, einen Grenadier unter der Republik 
und dem Kaiserreich, der sich durch seine übertriebene Verehrung 
Napoleons und seiner Taten hervorgetan haben soll. In den Litho- 
graphien des Zeichners Nicolas Toussaint Charlet (1792 — 1845) er- 
scheint Chauvin als Urbild eines jungen Rekruten, der erst kurze 
Zeit beim Militär ist und sich noch seine ganze Naivität bewahrt 
hat (vgl. La Combe, Charlet, sa vie, ses lettres. P. 1856). Die 
Volkstümlichkeit Chauvins wurde gewaltig gesteigert durch das 
Vaudeville La Cocarde tricolore von Theodore et Hippolyte Cogniard 
(19. März 1831), wo Chauvin neben seinem Freunde Dumanet (s. d.) 
als junger harmloser, in hohem Grade patriotisch angehauchter 
Soldat auftritt (kurze Inhaltsangabe bei Alexandre I, 90). Seitdem 
ist er in zahlreichen Liedern (Chauvin von Gustave Nadaud) ver- 
herrlicht worden. In den lebendigsten Farben führt uns diesen 
patriotischen Illusionär Daudet vor Augen in seiner in die Contes 
du Lundi aufgenommenen Erzählung La Mort de Chauvin. Wie 
Tobler überzeugend dargelegt hat, rührt der Ausdruck chauvinisme 
nicht, wie vielfach fälschlich behauptet wird, aus dem Scribeschen 
Lustspiel Le Soldat laboureur her, denn ^ weder hat Scribe ein so 

5 



- 66 — 

betiteltes Stück verfaßt, noch findet sich in seinem gesamten Theater 
eine Chauvin benannte Person*; vgl. Alexandre I, 90; Tobler, Her. 
Arch. 86, 293; Figaro 1882 No. 41 =H. Arch. 86, 393; Allgemeine 
Zeitung 29. Mai 1882 No. 149; Ladendorf 45; als Familienname 
kommt Chauvin schon früher vor, z. B. Jean Chauvin, menestrier 
Marot I, 396. 

Chicaneau npr. m. In Kacines übermütigem, satirischem 
Lustspiele Les Plaideurs (1668), der überaus charakteristische Name 
eines rechthaberischen, zanksüchtigen Menschen (er stammt überdies 
aus der Normandie), der oft ohne Grund allerlei Händel sucht und 
sich in Prozesse verwickelt, die sein ganzes Leben erfüllen; fig. n. 
app. m. unermüdlicher Prozeßkrämer. 

Chouette npr. f. La - — 'in den Myst^res de Paris von E. Sue 
(1842), der treffend gewählte Name eines alten, häßlichen, durch ihr 
Äußeres abstoßenden Weibes, das durch ihre gleisnerische Duck- 
mäuserei und unmenschliche Niederträchtigkeit zuerst Fleur de Marie 
(3. d.) und dann den alten, blinden Schulmeister quält und peinigt; 
fig. alte Hexe, gemeine Megäre. 

Chrysale npr. m. In Moliferes Femmes savantes (1672), der 
Gatte der Philaminte (s. d.), der im Gegensatz zu dem pedantischen, 
gezierten Wesen seiner Frau und seiner Schwester Belise den gesunden 
Menschenverstand verkörpert. Er möchte gern dm Zepter im Hause 
führen und seinen Willen durchsetzen, allein sobald seine Frau auf 
dem Platze erscheint, fügt er sich, heißt alles gut, was sie sagt, und 
sieht sich schließlich gezwungen, ihre Befehle auszuführen; fig. ein- 
fältiger, dummer Mensch; jem., der für materielle Genüsse schwärmt, 
eine gute Küche schätzt und ein behagliches Dasein liebt (vgl. 
Chrysales Worte: Je vis de bonne soupe et non de beau lan- 
gage II, 7). 

Ciarisse npr. f. Clarissa Harlowe, die verlassene Geliebte 
des Lovelace (s. d.) in Richardsons gleichn, Boman (1748), der den 
Franzosen durch die Übersetzungen von Pr^vost (1751), Letoumeur, 
Monod, Barr^, Jamin (1846) vermittelt wurde. Sie ist das Sinnbild 
einer keuschen, tugendhaften Frau, die den schändlichen Künsten 
eines ehrlosen, gemeinen Verführers zum Opfer gefallen ist. 

Claude npr. m. fig. c - — ' n. app. m. einfältiger Mensch, Dumm- 
kopf; adj. F. dumm : il n'est pas si claude qu'on le croit (qu'il en 
a Tair). 1771 Tr^voux; 1798 Acad. Maßgebend für den Bedeutungs- 
wandel war jedenfalls die Lautähnlichkeit mit glaude s. m. unschuldiger, 
einfältiger Mensch. Diese Annahme gewinnt noch an Wahrscheinlich- 
keit, wenn man berücksichtigt, daß familiär oft glod für klod ge- 
sprochen wird, eine Aussprache, die noch der P^re Chifflet, Nouvelle 
et parfaite grammaire fr. P. 1722 p. 225 empfiehlt vgl. Ritter 15 Anm. 
Als volkstümliche Entstellung von Godon (auf Claude zurückgehend) 
kann man godiche, godichon(ne) s. m. f. ansehen: Einfaltspinsel, 
Tölpel; dumme Gans; adj. dumm, ungeschickt, linkisch; godichette 
s. f. unerfahrenes Mädchen; godichonner dummes Zeug schwatzen; 



— 67 — 

godiche 1752 Trevoux; 1878 Acad. (-iche vielleicht dial. Form für 
-isse)? Banville, Ödes funamb. 42, 4. 

Clavaroche npr. m. Sinnbild eines Zungendreschers; capi- 
taine- — 'Typus eines Mädchenjägers; ' — 'de caserne verlogener Soldat. 

C 1 e 1 i e npr. f. Klölia,eine edle Römerin, die sich durch Schwimmen 
aus der Gefangenschaft des Königs Porsenna rettete Livius II, 13; 
Mad. de Scudery erwählte sie zur Heldin ihres Romans Clelie, his- 
toire romaine (1654 — 60); fig. Braut, Geliebte, Maitresse. 

Climene (Clymene) npr. f. Name von Schäferinnen in den 
Hirtengedichten ; Maitresse, Geliebte ; einer der häufigsten Theater- 
namen zu Moli^res Zeit; über die in seinen Werken auftretenden 
Personen dieses Namens (11 an Zahl) vgl. Pritsche 81. Banville, 
Les Cariatides p. 64. 155. 160, 15. 

Clorinde npr. f. Klorinde, ein heldenmütiges Mädchen in 
Tassos Gerusalemme liberata, das unerkannt in einem Zweikampfe 
von dem jungen , tapferen Tankred getötet wurde , der ohne ihr 
Wissen in heißer Liebe für sie erglühte ; fig. Heldin ; Frau, die die 
ihrem Geschlechte eigene Furchtsamkeit überwindet und sich unter 
die Kämpfenden mischt; d'Aymand de Veins, Clorinde (Trag.) 1599. 

Coh^ne npr. m. Koh(e)n, häufiger jüdischer Name (hebr. 
Cohen Priester), daher fig. co. Jude. 

Colas npr. m. dim. von Nicolas; Klaus, Nickel; fig. C' — 'n. 
app. m. Dummkopf; alberner, einfältiger Mensch vgl. Nicolas; auch 
Bezeichnung des Kohlraben und Eichelhähers; etre comme un pape 
Colas jem., der Ruhe und Bequemlichkeit liebt; colas, colin A. Hals 
(Anlehnung an col, cou). 

C 1 e 1 1 e npr. f. dimin. von Nicolette. 1 . beliebter Name von 
Schäferinnen; 2. Name einer Heiligen (1380 — 1446), die den Nonnen- 
orden der heiligen Klara reformierte ; Nonne, die diesem Orden an- 
gehört ; fig. P. faire la soeur colette die Prüde spielen ; scheinheiliges, 
zimperliches Frauenzimmer; gekünstelte Manieren, gezierte Sprech- 
weise haben vgl. Sev. HI, 371. 

Colin npr. m. beliebter Schaf emame; in alten Possen öfter 
vorkommend Anc. Th. fr. I, 224; fig. provinc. Vaud: Liebling; Name 
des jungen Dorfliebhabers im Lustspiel und in der komischen Oper 
im Anfang des 19. Jhs. Die Bezeichnung ist bsd. üblich geworden 
seit der komischen Oper Jeannot et Colin (1806 Salle Feydeau), zu 
der Issouard Nicolo die Musik und Etienne mit Benutzung von 
Voltaires glchn. Erzählung (1764), die schon 1780 von Florian zu 
einem Lustspiel verwertet worden war, den Text geschrieben hatte 
(vgl. Jeannot); jouer les Colins; s'habiller ä la colin; cravate k colin; 
fam. Nachtgeschirr (vgl. Charles, Jules, Thomas). 

Collignon npr. m. Jacques ^^^ Pariser Droschkenkutscher, 
der am 24. Sept. 1885 seinen Fahrgast, den Direktor der i^cole nor- 
male von Douais, M. Juge, ermordete imd deswegen am 6. Dez. hin- 
gerichtet wurde; daher c-^s. m. va. donc, h^ '-^ als Schimpfwort: grober 
Droschkenkutscher, Schurke, Schuft vgl. Alexandre IT, 40. Collignon 



~ 68 ^ 

ist etymol. wohl dim. zu Collin, — ignon für — inon ist bsd. in der 
Lorraine beliebt vgl. Mowat (I) p. 180. 

Conrad npr. m. fig, un/^' ein wilder Sohn der Berge, nach 
Konrad, einem verwegenen Piraten in Byrons Consair (I, 9), der bei 
einem räuberischen Überfall von den Türken gefangen genommen, 
aber von Gulnare, der Lieblingssklavin des Pascha Seyd, der er das 
Leben gerettet hatte, befreit wurde. 

Cornelius npr. m. seigneur ' — ' fig. Hahnrei (Einfluß von 
come, porter des cornes, comard usw. Anc. Th. fr. VII, 142; VIII, 234; 
IX, 162). Sganarelle est un nom qu'on ne me dira plus, Et Ton 
va m'appeler seigneur G)meilliu8. Mol. Sgan. sc. VI. vgl. sc. XVI; 
la Cournouaille (eigtl. CJornwall, Grafschaft im südwestl. England) 
euphemistische Bezeichnung des Lands der Hahnreie. Tobler H, 197; 
Bökemann, S. 46. 1640 . . dans six semaines je me marieray A un 
vieux bonhomme que je tromperay; Droit en Comuaille je l'envoyeray. 
Anc. Th. fr. IX, 168; VI, 411. 

C u g u r d a n npr. m. le capitaine Marius ^^^ der von Eugene 
Monton geschaffene Typus eines Haudegens (von cougourde s. f. 
Flaschenkürbis scherzhaft gebildeter Name ?). 

Crac npr. m. Monsieur ^^^ , der frz. Münchhausen, der als 
geborener Gaskogner eine schier unerschöpfliche Phantasie besitzt, 
immer gewaltig aufschneidet und mit seinen wunderbaren, unglaub- 
lich seltsamen Abenteuern prahlt, die er mit unerschütterlichem Ernst 
zum Besten gibt. Collin d'Harleville hat ihn zum Helden seines 
Lustspiels M. de Crac dans son petit castel (4. März 1791) gemacht. 
Jules Moineaux und Charles Lecoq haben ihn in ihrer komischen 
Oper Le Testament de M. de Crac (1871) verherrlicht vgl. Alexandre I, 
119; II, 43. crac „mot exprimant le bruit que fönt les corps durs 
se rompant en s'entrechoquant* (Littr^) ist jedenfalls auch die Grund- 
lage zu craquer krachen, knarren; aufschneiden, lügenhaft prahlen; 
craquerie s. f. craqueur s. m. vgl. auch die euphemistische An- 
gleichung des Städtenamens Cracovie (Krakau^ in cracovie s. f. Lüge, 
Aufschneiderei; aller a (venir de) Cracovie lügen. 

C r a s s e npr. m. baron de la ^^^, ein altmodischer, prahlerischer 
Baron in dem glchn. Lustspiel von Raymond Poisson TAncien (1662 
H6tel de Bourgogne); ^^, ungeschickter, in seiner ungewohnten feinen 
Kleidung lächerlich erscheinender Mensch; crasse (lat. crassus) Schmutz, 
Unrat; steifes, linkisches Benehmen; Rücksichtslosigkeit usw.; faire 
des crasses ä qn. sich sehr unfein gegen jemand benehmen, Qu'il 
[un habit de chasse] est beau pour jouer un baron de la Crasse. 
Laft. Ragotin II, 4. 

C r ^ p i n npr. m. Der heilige Krispinus, der Schutzpatron der 
Schuster, cr^pin s. m. (Sack mit dem) Handwerkzeug eines Schusters; 
saint-cr^pin die ganze bewegliche Habe eines Menschen (der ganze 
Plunder); Ersparnisse, (Privat-) Vermögen; porter tout son saint-cr^pin 
avec 8oi; cr^pin(e) s. m. f. Schuster(sfrau). 



- 69 - 

C r i s p i n npr. m. Einer der bekanntesten Typen der älteren 
frz. Komödie, wahrscheinlich ital. Ursprungs. Crispin ist ein lustiger, 
etwa« unverschämter, schelmischer Diener, der sich über sein Handeln 
nicht die geringsten Gewissensbisse und Bedenken macht, aus den 
Liebschaften seines Herrn Gewinn schlägt, ihn hintergeht und durch 
seine lügenhaften Aufschneidereien und Prahlereien oft in große 
Verlegenheit bringt; fig. c ^^^ n. app. m. spöttischer Spaßmacher, 
Spaßvogel. Auf der frz. Bühne erscheint Crispin zuerst in Scarrons 
Ecolier de Salamanque 1654 (nach dem Vorbild des span. Dichters 
Francisco de Eojas). Seitdem ist er bis in die neueste Zeit herein 
eine außerordentlich beliebte Figur geblieben, die in allen möglichen 
Bollen auftritt, z. B. als hotelier (Le Fou raisonnable von Poussin 
1664), Chevalier (ChampmesM 1671), musicien (Hauteroche 1674), 
gentilhomme (Montfleury 1677), pr^cepteur (La Thuilli^re 1679), 
m^decin (Hauteroche 1681), bei esprit (Abeille 1681) u. a. Be- 
sondere Erwähnung verdient seine Rolle in Lesages Crispin rival 
de son raaitre(l707) und Regnards L^gataire universel (1708). 

D a n d i n npr. m. George Dandin in Moliferes glchn. Lust- 
spiel (1668), ein reichgewordener, ehrgeiziger, dünkelhafter Bauer, 
der in seiner törichten Verblendung und Eitelkeit M^® de Sotenville, 
die Tochter eines heruntergekommenen, eingebildeten Adeligen ge- 
heiratet hat, aber in der Ehe von ihr mit einem Liebhaber schmäh- 
lich betrogen wird. Zu seinem Verdruß muß er überdies noch sehen, 
daß seine Schwiegereltern immer für ihre Tochter Partei ergreifen 
(vgl. M*"® de la Dandini^re I, 4). Seine schmerzliche Selbstanklage 
Voufi l'avez voulu, vous Favez voulu, George Dandin (oft verändert 
in tu Tas voulu) I, 9 ist sprichwörtlich geworden für selbstver- 
schuldetes Mißgeschick. Er ist der Typus aller jener schwächlichen 
Männer, die von ihren leichtfertigen Frauen schnöde hintergangen 
werden. Bei Rabelais ML. H, 194 cf. I, 98 ist Perrin Dendin, der 
Vater Tenot Dendins, ein Bauer aus Poitou „home honorable, bon 
laboureur, bien chantant au letrain, home de credit *, der als Schieds- 
richter (appointeur de proces cf. Laft. f. XH, 27) sehr begehrt ist 
und gütlich alle 2wistigkeiten zwischen seinen Landsleuten beilegt: 
^cestuy home de bien apoinctoit plus de proces qu'il n'en estoit 
vuid^ en tout le palais de Poictiers". Racine gibt diesen Namen 
in den Plaideurs (1668) einem fanatischen Richter, bei dem das 
Rechtsprechen eine wahre Sucht geworden ist, und einige Jahre 
später macht ihn Lafontaine in seiner Fabel L^huftre et les plaideurs 
(f. IX, 9 vgl. Laft. IX, 399) zum Typus eines lächerlich dummen, 
habgierigen Richters; fig. Perrin Dandin unwissender, habsüchtiger 
Richter, der sich auf Kosten der streitenden Parteien bereichert. 
Diese Namen als dim. zu Pierre Andr6 aufzufassen, wie Littr4 an 
einer Stelle will, ist nicht notwendig; die urspr. Bedeutung von 
dandin ist qui se balance vgl. un dandin ou clouchette Du Gange, 
sonailla; dandiner hin und her bewegen, ohne Haltung schlendern, 
schlottern; sich einfältig, albern gebärden; 152U feignant le sot dandin 



— 70 — 

et nyes Bourdign^, Pierre Faifeu (Delb. Rec); il alloit chancelant, 
dandinaut, trebuchant Des Pariere, contes 79; nach Nicot (1606) be- 
deutet dandin celui qui baye (fk et Ih. par sottise et badaudise sans 
avoir contenance arest^e; vgl. engl, dandy, frz. dandiller, dandille, 
dandillon; femer Scheler (Anhang zu Diez 790); dict. dada; Kör- 
ting 2736. 

Dangeau npr. m. Philippe de Courcillon, marquis de /^^ 
(1638—1720), Günstling Ludwigs XIV., feiner, vollendeter Hof- 
mann, Freund Boileaus (V. Sat. 1665); fig. n. app. m. les Dangeau 
(dangeaux) die Tonangeber der Mode. 

Dariolette npr. m. Im Amadisroman (I, 1), Darioleta, die 
Vertraute und Dienerin der britischen Königstochter Elisena, deren 
Liebe zu Perion, dem König von Gaula, sie begünstigte; XVI. — XVII. 
fig. Kammerzofe, Kupplerin; il d^libera de s'aider de quelque dajio- 
lette d^amours qu'ils appellent sauf la reverence de la compagnie, 
une maquerelle Yver, Print. p. 559 (D.-H.); En im cas de necessite 
Elle eüt et^ dariolette Scarron, Virg. trav. 4; Brantöme VHI, 104; 
IX, 534. Das vom Fem. abgeleitete Masc. ist wenig gebräuchlich: 
Donc, la m^me vertu, le dressant au poulet De vertueux qu'il fut, 
le rend dariolet R^gnier, sat. V. Der Name wird in Verbindung 
gebracht mit dariole kleines, feines Backwerk; Sahnentörtchen, Maul- 
schelle, für das Kammerzofen eine besondere Vorliebe haben sollen 
vgl. 1385. Laquelle servante trouva qu'il lui defailloit une dariole 
Du Gange, marritio; M^nagier de Paris 11, eh. 5; Darioles toutes 
entieres in den Bepues franches. 

Darthenay npr. m. frz. Schriftsteller (1805 — 62), der in ver- 
schiedenen Zeitschriften (Siecle, Constitutionnel, Figaro) eine Reihe 
von Theaterkritiken veröffentlichte; fig. F n. app. m. zu nachsichtiger 
Kjritiker. 

Delobelle npr. m. In Alphonse Daudets Boman Fromont 
jeime et Risler aln^ (1874), der Typus des cabotin rate (von rater 
versagen einer Schußwaffe, mißlingen, fehlschlagen), ein Schauspieler, 
der trotz seiner Unbedeutenheit von seiner eigenen Persönlichkeit 
und seinem Können über alle Maßen eingenommen und in der be- 
harrlichen SelbsttÄuschung befangen ist, ein verkannter, genialer 
Künstler zu sein. Von seiner Familie, die ihn abgöttisch verehrt 
und mühsam ernähren muß, wird er in diesem Wahn noch bestärkt. 
Er macht die Welt zum Theater; selbst in den ernstesten Lebens- 
lagen (Begräbnis seines einzigen Kindes) kommt sein theatralisches 
Wesen zum Durchbruch; auch fig. gebraucht. 

Desdemone npr. f. Eine der ergreifendsten Gestalten in 
Shakespeares Othello, das edle, innig liebende, bescheidene Weib, das 
auf die niedrig -gemeinen, teuflischen Verdächtigungen des schurkischen 
Jago (s. d.) hin von ihrem irregeleiteten Gatten in wilder Leiden- 
schaft wegen vermeintlicher Untreue meuchlerisch ermordet wird, 
fig. Typus eines edlen, treuen Weibes, das mit aller Innigkeit und 
Hingebung liebt, aber schuldlos blinder Eifersucht zum Opfer fällt. 



— 71 - 

Desgenais npr. m. Ein in vielen Theaterstücken der neueren 
Zeit wiederkehrender Charakter, der eine ähnliche Rolle spielt, wie 
sie dem Kaisonneur der älteren frz. Bühne zukam. D. verkörpert 
den gesunden Menschenverstand und verleiht seinem unauslöschlichen 
Haß gegen alle Laster und Unsitten des gesellschaftlichen Treibens 
unverhohlen Ausdruck. Der eigentliche Schöpfer dieser Gestalt ist 
v/ohl Alfred de Musset in seiner Confession d'un enfant du si^cle (1836). 
Die außerordentliche Beliebtheit der Figur gründet sich aber aiif 
das Vaudeville Les Filles de marbres von Theodore Barriere und 
Lambert Thiboust (1853), in dem Desgenais ^cet Alceste moderne, 
m^l^ de Figaro et de Diogfene", den Bildhauer Rapha^l mit beredten 
Worten von seiner Liebe zu Marco (s. d.), einer geldgierigen , herz- 
losen Kurtisane, wenn auch vergeblich, abzubringen sucht. Bei 
seinem ersten Auftreten vom Publikum stürmisch begrüßt, wirkte 
D. und seine Moralpredigten schließlich durch die allzuhäufige Wieder- 
kehr ermüdend, unerträglich, ja abstoßend. In den Parisiens de la 
d^cadence von Th. Barriere (1854) verwünscht und bekämpft er in 
derselben Tonart wie früher die vornehmen Wüstlinge mit ihren 
schlechten Grundsätzen und liebenswürdigen Manieren, verkehrt aber 
gleichwohl freundschaftlich mit ihnen und nimmt an ihren Aus- 
schweifungen und lasterhaften Vergnügungen teil; fig. Desgenais en 
chambre gutmütiger Moralprediger, Moralist; faire son Desgenais 
Moral predigen. 

Desgrieux npr. m. In Pr^vosts Liebesroman Manon Les- 
caut (1733), der Chevalier Desgrieux, der aus leidenschaftlicher Liebe 
zu der schönen, jungen Manon (s. d.) ihr überall hin folgt, zu jedem 
Opfer für sie bereit ist und selbst, als sie ihn treulos hintergangen, 
nicht von ihr läßt, ja sie sogar in die Verbannung nach Amerika 
begleitet; fig. P. Industrieritter, liebenswürdiger Zuhalter. 

Dimanche npr. m. Nach einer Person in Moli^res Don Juan 
(1665) IV, 3, der Typus der geprellten, geduldigen Geldverleiher, 
die sich von ihren Gläubigem durch schöne, schmeichlerische Redens- 
arten und artige Höflichkeiten einschüchtern und entwaffnen lassen, 
wenn sie geliehenes Geld zurückfordern wollen und unverrichteter 
Sache wieder nach Hause zurückkehren müssen. Als Familienname 
kam Dimanche ebenso wie Jourdain und Fleurant zu Moli^res Zeiten 
tatsächlich vor, wie Souli^, Recherches sur Molifere 1863 p. 276 
note 1 urkundlich nachgewiesen hat. Die Szene mit Dimanche war 
schnell sehr beliebt geworden (vgl. on peut nomm^ cette scfene la belle 
scene, puisque c'est une peinture du temps Programme-annonce du 
Festin de Pierre Mol. G. E. V, 258); Avez-vous sur les bras quelque 
monsieur Dimanche, Mille bourses vous sont ouvertes h, la fois Laft. 
cont. in, 4. 

Don C^sar de Bazan npr. m. In Viktor Hugos Drama 
Ruy Blas (1838), ein reicher Edelmann^ der durch sein tolles, ver- 
schwenderisches Leben sein Vermögen vergeudet hat und verarmt ist 
,aber trotz seines Unglücks und seiner niedrigen Lebensstellung sich 



— 72 — 

ein feines, würdevolles Auftreten und eine edle, hochherzige Gesinnung 
bewahrt hat. Obwohl er manche schlechte Tat begangen, lassen 
ihn doch sein ritterliches Fühlen, seine aufrichtige Fröhlichkeit und 
heitere, sorgenlose Lebensphilosophie in liebenswürdigstem Lichte er- 
scheinen; fig. Typus eines leichtsinnigen, verkommenen, aber doch 
ehrenhaften und edeldenkenden Mannes. Dumanoir und d'Ennery 
haben ihn 1844 zum Titelhelden ihres Dramas Don C^sar de Bazan 
gemacht. 1872 haben dieselben Autoren zusammen mit Chantepie 
ihr Drama einer glchn. Oper zugrunde gelegt, zu der J. Massenet 
die Musik schrieb. 

Don Juan npr. m. Die span. Legende von dem sittenlosen, 
lasterhaften Kitter Don Juan Tenorio ist zuerst in Spanien von Tirso 
de Molina (Gabriel Tellez) in seinem Stück El Burlador de Sevilla 
y Convidado de piedra poetisch verwertet und seit dieser Zeit von den 
Literaturen fast aller europäischen Kulturvölker übernommen worden. 
1658 führte die ital. Truppe in Paris eine Stegreif komödie Don Juan 
auf und zu gleicher Zeit wurde die ital. Komödie II Convitato di 
pietra (1652) von Onofrio Giliberto in zwei verschiedenen Bearbeitungen, 
von Dorimond (in Lyon 1658) und von Villiers (1659 Hotel de Bour- 
gogne) auf die jfrz. Bühne gebracht. 1665 bemächtigte sich Moliere 
des dankbaren Stoffes in seinem Festin de Pierre, in dem Don Juan 
als herzloser, gemeiner Wollüstling dargestellt ist, der alles Heilige 
lästert, an nichts glaubt und mit skeptischem Lächeln über Gott 
und Teufel spottet. ^ Eine andere Fassung der Sage ist von Merim^ 
in seiner Novelle Les Ames du purgatoire ou les deux Don Juan 1834 
(R d D M 15. Aug.) und von A. Dumas pere in seinem fünf aktigen 
Melodrama Don Juan de Marana ou la Chute d'un ange (1836) be- 
handelt worden; Jean Aicard, Don Juan (Gedicht) 1889; fig. ge- 
>vissenloser Mädchenjäger, dessen ganzes Sinnen und Trachten auf 
galante Abenteuer gerichtet ist; frivoler Lüstling; leichtfertiger, sinn- 
licher Mensch vgl. die Ableitungen don-juanesque (wenig gebr.), 
donjuanique; donjuanet s. m. kleiner Don Juan (Bourget); donjua- 
nisme s. m. leichtsinniges, lockeres Leben; Banville, Les Cariatides 
p. 102. 

Don Quichotte npr. m. Der Held des berühmten Bomans 
El ingeniöse hidalgo Don Quixote de la Mancha (1604 — 14), in dem 
Cervantes mit humorvoller Ironie die Ritterromane köstlich parodiert 
und lächerlich gemacht hat; fig. abenteuernder Ritter; langer, hagerer 
Mann; jem., der ohne persönliche, eigennützige Interessen sich zum 
leidenschaftlichen Verteidiger einer Sache, einer Ansicht macht; jem.^ 
der heftig für Dinge Partei ergreift, die ihn nichts angehen; sich 
zum Rächer der Bedrängten und Unterdrückten auf wirft; donqui- 
chottisme s. m. Abenteuerlichkeit, übertriebenes ritterliches Fühlen; 
don quichottiste s. m. Mensch, der sich wie Don Quichotte benimmt; 
don quichottesque, — ique adj.; C^sar Oudin, Rosset, Filleau de Saint- 
Martin, Aulnay, Viardot, Dor^, Florian u. a. haben durch ihre Über- 
setzungen dazu beigetragen, den abenteuerlichen Helden in Frankreich 



— 73 ~ 

volkstümlich zu machen. Auf Moli^res Bühne wurde ein Don Quichotte 
aufgeführt, in dem der große Dichter den Sancho spielte. Pichou, 
La folie de Cardenio 1629; G. de Bouscal, Don Quichotte (Kom.) 
1638; Don Quichotte, com^die-f^erie von Sardou (1864). 

Don Salluste de Bazan npr. m. In Viktor Hugos Drama 
Ruy Blas (1838), der allmächtige Minister König Karls 11. von 
Spanien, der sich an der Königin, deren Ungnade er sich zugezogen 
hatte, mit Hülfe seines Dieners Ruy Blas rächen will. Dieser ver- 
eitelt aher schließlich seine böswilligen Anschläge, ersticht seinen 
früheren Herrn und tötet sich selbst durch Gift; fig. Typus eines 
schurkischen Verräters und Intriganten; Finsterling, der kalt und 
unbarmherzig auf schreckliche Bache sinnt. 

D o r i n e npr. f. In den älteren frz. Komödien oft der Name 
der verschmitzten Kammermädchen, die gern eine Bolle in den 
Liebeleien ihrer Herrschaft spielen; fig. n. app. f. listige, ränke- 
süchtige, in ihren Mitteln wenig skrupulöse Frau. In Molieres Tartuffe 
ist Dorine eine kluge, treue, entschlossene Dienerin, die freimütig 
über alles ihre Meinung äußert, wenn es sein muß, ihre Herrschaft 
nach ihrer Art in Schutz nimmt und sich über Tartuffe weidlich 
lustig macht. 

D u b a r r y npr. m. Chevalier Jean ^-^, dit le Rou^ (1723 — 94) 
verheiratete seine Geliebte Jeanne B^cu, comtesse Gomard de Vau- 
bernier (1746 — 93), nachdem er mehrere Jahre mit ihr zusammen 
gelebt hatte, 1768 mit seinem Bruder, dem Grafen Guillaume Du- 
barry, um sie am Hofe einzuführen und zur Maitresse Ludwigs XV. 
zu machen; fig. jem., der seine Frau einem andern überläßt. 

Dugazon npr. f. Louise Bosalie Leffevre(1756 — 1821), die 
Grattin des frz. Komikers Jean Dugazon (1743 — 1809), die sich bsd. 
in den röles d'ingenues amoureuses et de soubrettes auszeichnete. 
In der Theatersprache ist la dugazon daher eine stehende Bezeich- 
nung für die erste Liebhaberin und ähnliche Bollen in der komischen 
Oper; fig. une d ^^ eine Frau, die in der Liebe bewandert ist; une 
dugazon mere Bolle einer Alten, weil die Dugazon später diese gab. 

Dulcinee npr. f. Bei Cervantes, Dulcinea von Toboso, die 
Herzensdame des Don Quijote (über die Wahl des Namens vgl. 
Don Qu. Kap. I); fig. d/^ n. app. f. Schatz, Geliebte, Maitresse. 
Acad. 1835. Eine interessante Parallele zu dieser Namenbildung 
zeigen: XV. C'est pitie s'il fönt jojo, Trop matin, les doulcin^s (im 
Sinn von douillets Weichlinge, Zärtlinge) Charles d'Orl^ans, Chan- 
sons (Littr^); Ma doulcinette, ma mignonne, Ma gogette, ma toute 
bonne Anc. Th. fr. II, 199. 

Dumanet npr. m. Nach einer Person in dem Vaudeville 
La Cocarde tricolore von Theodore und Hippolyte Cogniard (1831) 
F. d ' — ' gewaltig leichtgläubiger, unerfahrener, junger Soldat, der die 
unwahrscheinlichsten Aufschneidereien für volle Wahrheit nimmt; 
vgl. Chauvin. 

Ei ff e 1 npr. m. Alexandre Gustave r^, frz. Ingenieur (geb. 1832), 



i 



— 74 — 

der 1889 in Paris den 300 m hohen Eiffelturm erbaute ; fig. toile 
Eiffel riesengroßes Bild ; eiffelien, -ienne adj. fig. großartig, kolossal. 

Elgin npr. m. Lord Thomas Bruce '^ (1766 — 1841), der von 
1803 an zahlreiche Kunstschätze (Statuen, Basreliefs, Skulpturen 
vom Parthenon und Erechtheion) aus Griechenland entführte , die 
seit 1816 im Britischen Museum als Elgin marbles aufbewahrt sind. 
Lord Byron hat im Childe Harold sein rücksichtsloses, barbarisches 
Vorgehen scharf gebrandmarkt ; fig. Vandale, Verwüster von Kunst- 
schätzen. 

l^liacin npr. m. In Racines Athalie (1691), Joas, der un- 
schuldige Enkel der heidnischen Königin Athalia, den der Höhe- 
priester Joad als einzigen Sproß des jüdischen Königshauses unter 
diesem Namen im Tempel verborgen hält und später zum König 
krönt. Mit ihm erschien zum ersten Mal ein Kind in der klassischen 
Tragödie ; ^g. naiver Jüngling ; junger Mensch, auf den man große 
Ho&ungen setzt. 

Ell^onore npr. f. Typus einer bösen Frau. 

E 1 m i r e npr. f. In Moliferes Tartuffe (1666) , eine ehrbare, 
biedere, redliche Frau und ausgezeichnete Mutter, die mit gesundem 
Menschenverstand den törichten Verkehrtheiten ihres Gatten Orgon, 
dem albernen Geschwätz der Pemelle und bsd. allen Streitigkeiten 
im Hause unerschrocken entgegentritt. Vor Molifere begegnet uns 
dieser Name schon in Hardys Tragikomödie Elmire ou Theureuse 
bigamie (1615); fig. Typus einer wackeren, zuverlässigen, rastlos 
sorgenden Frau. 

El vir e npr. f. span. Ursprungs. In Lamartines M^ditations 
po^tiques (1820) und Harmonies po^tiques et religieuses (1831), ein 
fingierter Name für eine geliebte Frau, der der Dichter seine 
Huldigungen darbringt und seinen Dank abstattet für die reichen 
Anregungen, die er von ihr empfangen; fig. co. Geliebte, Schatz. 

Emile npr. m. fig. P. Päderast. 

l^milie npr. f. In Comeilles Cinna (1640), Emilia, die Ge- 
liebte Cinnas, die ihn, um den Tod ihres Vaters zu rächen, zur 
Ermordung des Kaisers Augustus verleiten will ; fig. Liebste. Dumas 
p^re, Maison Bouge I. 2. 3; il seroit beau de vous amener une 
dame romaine, pourvu qu'elle ait les vertus et les inclinations des 
premi^res de cette maitresse du monde, les Lucr^ces, les Emilies, 
les Fulvies Sev. XI, 272. 

Escarbagnas, comtesse d'^ — ^nach der Titelheldin in Moli^res 
glchn. Ballettkomödie (1671), der Typus des armen, lächerlich stolzen 
Landadels. Die Gräfin, die Herrin des von Moli^re erdichteten 
Schlosses Escarbagnas (wahrscheinlich aus den wirklich vorkommenden 
Namen Escars und Bagnac gebildet vgl. Mol. G.E. VIII, 530), war 
kürzere Zeit in Paris und möchte nun nach ihrer Bückkehr in die 
Provinz die feinen Pariser Sitten gern in ihrem Hause einführen. 

E s c o b a r npr. m. Antonio ^^ y Mendoza , ein berühmter 
spanischer Jesuit und Kasuistiker (1589 — 1669), der in seinen Libri 



1 



- 75 — 

theologiae moralis (1656) für die Lehre vom Probabilismus eintrat 
und durch seine spitzfindige Rabulisterei alle erdenklichen Ver- 
brechen und lasterhaften Handlungen zu entschuldigen sachte. Nach 
seiner Anschauung rechtfertigte die Reioheit der Absicht die von 
Gesetz und Moral verworfenen Handlungen. Moli^re, Lafontaine, 
Boileau und vor allem Pascal (Provinciales V, VI) haben seine lockere, 
leichtfertige Moral heftig angegriffen vgl. Ste.-Beuve, Port Royal H, 
167; ni, 117; 133; fig. F. n. app. m. geschickter, scheinheiliger 
Heuchler (der sein Grewissen in Einklang zu bringen weifi mit seinen 
leidenschaftlichen Handlungen und eigennützigen Interessen); zwei- 
deutiger Mensch; hinterlistiger Schleicher; escobarder intrans. esko- 
bardieren, mit jesuitischen Mitteln, in Jesuit. Weise verfahren ; trans. 
durch absichtliche Entstellung, Verdrehung oder Verschweigung der 
Tatsachen, durch doppelsinnige Worte täuschen, um zu einem be- 
stimmten Ziel zu gelangen; sich etwas durch Lug und Trug ver- 
schaffen; escobarderie s. f. Jesuitenkunst; listige Ausflucht, listiger 
Streich; escorbartin s. m. (von Pascal gebildetes und angewendetes 
Wort, jetzt ungbr.) Pensees (Havet) XXIV, 65. 

Esmeralda npr. f. In Victor Hugos Roman Notre Dame 
de Paris (1831) , eine Gauklerin und Zigeunerin , die wegen ihrer 
zauberhaften Schönheit und jugendfrischen Anmut von Claude Frollo, 
Quasimodo, Phoebus geliebt wird und schließlich Pierre Gringoire 
heiratet, aber, ein Opfer schrecklicher Vorurteile, einen tragischen 
Tod am Galgen findet ; fig. ist sie der Typus jener jungen, schönen 
Mädchen, die ein geheimnisvoller, unbestimmter Zufall einem unsteten, 
oft sittenlosen Wanderleben in die Arme treibt. 

e s p i ^ g 1 e adj. u. s. mutwillig, schalkhaft ; Schelm, Schalk, der 
den Leuten mutwillige Streiche spielt; espi^glerie s. f. mutwilliger 
Streich, Schelmerei, Eulenspiegelei. Das Wort geht auf Till Eulen- 
spiegel zurück, den beliebten Helden des deutschen Volksbuches, der 
den Triumph des schlauen Bauern über alle jene Leute versinnbild- 
licht, die sich ihm überlegen dünken und der durch seine tollen 
Streiche (wörtliche Ausführung der ihm gegebenen Aufträge) bsd. 
die Bürger für den Spott heimzahlt, den sie ihm zugedacht hatten. 
Die urspr. wohl niederdeutsche Fassung (um 1483) aufgezeichnet, 
ist frühzeitig ins Hochdeutsche übertragen worden. Als ältester vor- 
liegender Druck gilt die 1515 in Straßburg erschienene hochdeutsche 
Ausgabe. Von dieser (oder von der 1519 gedruckten) veröffentlichte 
Jean Saugrain 1659 in Lyon eine frz. Bearbeitung unter dem Titel: 
Histoire joyeuse et r^cr^ative de Till Ulespiegle, lequel par aucunes 
fallaces ne laissa surprendre ne tromper. Andere frz. Übersetzungen 
(meist nach niederländischen Originalen) 1571 (Orleans), 1579(Anver8) 
u. 8. f. XVI. tous charlatans, ulespiegles Purg. des bouchers Fournier, 
Var. V.; 1642 Espiegle mot corrompu d'Eulenspiegell allemand 
(Oudin); vgl. ülenspiegel, hg. Lappenberg, Lpz. 1854 S, 161ff.; 
305 ff. 

Fadlad^en npr. m. In Thomas Moores Lalla Rookh (1817), 



— 76 — 

der anmaßende, pedantische Hofmarschall Fadladin, der ohne jedes 
tieferes Verständnis für Poesie die Gedichte, die der als junger 
Sänger verkleidete Feramorz der Prinzessin vorträgt, sehr abfällig 
beurteilt; fig. strenger Richter. 

F a g o t i n npr. m. urspr. wohl der Spitzname eines Hanswursts 
oder Quacksalbers, der das Publikum durch seine Spaße belustigte 
(d^biter, conter des fagots pour des cotrets täuschen, läppisches Zeug 
reden; Flausen, Wind machen vgl. Livet unter fagot, fagoter; Anc. 
Th. fr. IX, 27) ; ein berühmter Marionettenspieler auf dem Pont-Neuf 
in Paris trug diesen Namen ; um die Mitte des 17. Jhs. hieß Fagotin 
der Affe des Marionettenspielers Jean Brioche, der durch seinen 
phantastischen Anzug und seine drolligen Kunststückchen das Volk 
ergötzte, bis Cyrano de Bergerac ihn getötet haben soll (fagoter 
Reisigbündel machen, schlecht kleiden, geschmacklos anziehen, seltsam 
ausstaffieren, ältere Belege bei Godef. ; cf. Mol. ]6tourd. IV, 1 * Bourg. 
gent. V, 1 ; Com. Ment. I, 4) ; schon 1664 war Fagotin ein beliebter 
Name für den Affen der Gaukler und Possenreißer, so erwähnt ihn 
Dorine in Moli^res Tartuffe (1664) II, 3 unter den Fastnachtsver- 
gnügen Et parfois Fagotin et les marionnettes ; bei Laft. f. VII, 7 
(1674) heißt es .... un fort grand festin, Suivi des tours de Fagotin. 
Allmählich übertrug man auch den Namen wieder auf Menschen und 
bezeichnete den Hanswurst oder Possenreißer als Fagotin (vielleicht 
schon bei Laft. auf eine Person bezogen ?), daher c'est un vrai fagotin 
das ist der reine Hanswurst; c'est un plaisant fagotin böswilliger 
Spaßmacher. Magnin V, 3, 130. 137; Foumier, Var. I, 283; Fureti^re,. 
Roman bourgeois (I, 159); Fritsche 106. Erinnert sei auch an die 
lächerliche Figur Guillot Fagotins, des Kirchenvorstehers von Gentilly^ 
in der Satire M^nipp^e. (1594.) 

Fahrbach npr. m. Philippe ^«^ (1843— 94) , der wie sei» 
Vater Joseph ein tüchtiger Komponist (Tänze) und ausgezeichneter 
Orchesterdirigent war ; P. comme Fahrbach lustig ; k la joie, polka 
de Fahrbach höchst fidel. 

Falstaff npr. m. In Heinrich FV., der fröhliche Trinkgenosse* 
des Prinzen Heinrich, wohl die vollendetste humoristisch -komische 
Figur, die Shakespeare geschaffen hat. Von gutmütigem Charakter,, 
feig und prahlerisch, wohlbeleibt, ein raffinierter Weinkenner und 
Feinschmecker, ist er durch seinen schlagfertigen Witz, seine lustigen. 
Scherze und Spöttereien, seine Schelmenstreiche ein gern gesehener,, 
unbezahlbarer Gesellschafter, der trotz seiner egoistischen, epikureischen 
Lebensphilosophie durch seine heitere Selbstironisierung in liebens- 
würdigstem Lichte erscheint. Der Falstaff in den Lustigen Weibern 
ist nur ein matter Abglanz dieser köstlichen Figur; fig. lustiger 
Trinker, fröhlicher Zecher; jem., dessen Tun und Treiben an einen, 
oder mehrere Züge in Falstafis Charakter erinnert. 

Fanfan la Tulipe npr. m. Der Typus des tapferen frz, 
Soldaten (schon unter Ludwig XV. vgl. Adieux de la Tulipe 173& 
Jul. Tiersot, Hist. d. 1. Chans, pop. en France p. 176), der gern einen 



— 77 — 

guten Tropfen trinkt, für schöne Frauen schwärmt, ruhmbegierig und 
heldenmütig seine Kraft freudig in den Dienst einer guten Sache 
stellt. Durch ein lustiges Lied von l^mile Debraux (1796—1831) ist 
Fanfan la Tulipe (um 1819 entstanden) außerordentlich beliebt und 
mehrfach auf die Bühne gebracht worden, so noch 1859 von Paul 
Meurice: fanfan, durch Kindermund aus enfant entstellt (cf. ZRPh 
XXII, 270), kleines Kind ; als Kosename Herzchen, Püppchen ; Acad. 
1762 ; Mol. ]6c. d. Mar. II, 9. 

Fatencour npr. m. M. de '-^ Typus eines lächerlich ein- 
gebildeten Landedelmannes nach einer Person in Hautesroches 
Nobles en province (1678). 

Fatma npr. f. Name einer schönen Tänzerin, die in Paris 
den Bauchtanz vorführte; fig. la belle ^^'jem., der sich dreht und 
windet, um zu seinem Ziel zu gelangen. 

F a u b 1 a s npr. m. Der Held des schlüpfrigen Romans La Vie 
du Chevalier de Faublas (1787) von Louvet de Couvray (1760—91), 
in dem das Leben eines jungen Adeligen geschildert wird, der sich 
in Paris in den Strudel des frivolen Welttreibens stürzt, sich leicht- 
fertigen Abenteuern und zügellosen Ausschweifungen hingibt; fig. 
Weiberverführer. 

fesse-mathieu s. m. schmutziger Geizhals, Wucherer, Pfand- 
leiher; C'est un fesse Mathieu Oudin (II) 219; jamais on ne parle 
de vous que sous les noms d'avare, de ladre, de vilain et de fesse- 
mathieu. Mol. Avar. III, 1, vgl. H, 1. Die Etymologie des Wortes 
ist viel umstritten. Noel du Fail, CEuvres facetieuses II, 69 sagt: ce 
pauvre miserable avaricieux de p^re usurier tout soül et tant qu'il 
pouvait (h. Rennes on Feüt appele fesse-mathieu, comme qui disoit 
batteur de saint Mathieu, qu'on croit avoir 6t6 changeur) en mourut 
de depit de rage et tout forcen^, fesser Mathieu meint Littr^ zu 
dieser von ihm zitierten Stelle c'est battre saint Mathieu, lui tirer 
de Targent. Der Apostel Matthäus war, wie Matth. 9, 3 ; 10, 3 zeigt, 
zuerst Zöllner, die damals allg. als scheinheilige Frömmler, Sünder 
und Wucherer galten; vgl. lö84confreres de Saint-Mathieu =susuriers 
Anc. Th. fr. VII, 222 ; Mathieu, cr^ancier ib. IV, 5. Die Annahme 
fesse sei eine Entstellung aus feste, il f^te saint Mathieu oder aus 
faice (face) Gesicht (eines Zöllners) hat wenig Wahrscheinlichkeit 
für sich; fesse ist vermutlich vielmehr, worauf ähnliche Bildungen 
deuten: fesse-maille (vgl. pince-maille, grippe-sou) Knicker, Pfennig- 
fuchser, fesser cahier Abschreiber, Bogenschmierer , lesse-pinte 
tüchtiger Zecher, Saufbold (Rab. ML. I 4, 17 ; 217,11.), fesser la 
messe, le cahier als Imperativ zu fesser aufzufassen, das schlagen, 
peitschen, dann etw. wiederholt, schnell hintereinander tun bedeutet 
vgl. Littr^ fesser 2^; Pritsche, Matthieu 166; D.-H. unter fesse; 
Darmesteter (I) 194. 

Fier-a-bras npr. m. Der Held in der afrz. Chanson de 
geste Fierabras (12. Jh.), ein gefürchteter, heidnischer Riese, der die 
christlichen, fränkischen Ritter zum Zweikampf herausfordert, aber 



— 78 — 

von Olivier besiegt und bekehrt wird ; fig. f^^-^n. app. m. Eisenfresser, 
Bramarbas, Prahlhans Acad. 1718 ; die Schreibung Fier-k-bras beruht 
wohl auf volksetymologischer ümdeutung und Angleichung an be- 
kannte Wortbilder. Für die große Beliebtheit des Gedichtes sprechen 
die zahlreichen Nachdichtungen in verschiedenen Sprachen wie auch 
der Umstand, daß es von allen frz. Bomanen zuerst gedruckt wurde 
(1478 in Genf). Auch Babelais erwähnt den Helden in seiner 
Genealogie Pantagruels (ML. 1,223; 217,12), und die Bibliotheque 
bleue hat nicht zum Geringsten dazu beigetragen, seinen Namen 
volkstümlich zu machen. Über die wahre Etymologie sind die An- 
sichten noch geteilt vgl. Du Gange ferrea brachia, von anderer 
Seite wird fera brachia vorgeschlagen vgl. Darmesteter (I) 41 ; Fiera- 
bras (hg. Kröber und Servois XI ff.); Gr. Gr. 11. 1. 641 anm. Hist. litt. 
XXII. Gautier, ifepop^es 11; XTII. Fierabras, C'est anemis [der 
Teufel] qui maint mal brace Du Gange; vor 1244 fiere brache 
Philippe Mousket, Chronique rim^e; XIV. Trop sunt ambedui soi 
tenant bras et bras. Plus fort ne fut, de voir, de ces deux fierabras. 
Gir. de Bouss. 4649; Pour noble on Test d'abord qu'on fait le fier 
k bras Th. Corneille, Don C^ar d'Avalos I, 1 ; De notre Fierabras 
(var. Eodomont) il s^est mis au Service. P. Corn. Illus. com. 11, 8; 
si le fierabras Bodomont vient pour la courtiser Fournier 11, 233 ; 
le capitaine Fierabras in Lariveys Les Jaloux 1579 ; i. d. Com^die 
des Proverbes Anc. Th. fr. IX, 6 ff. 

Figaro npr. m. In Beaumarchais' Lustspielen Le Barbier de 
S^ville (1775) und Le Mariage de Figaro (1781) ist Figaro ein 
lebhafter, heiterer, mutwilliger Diener, der geistreich und witzig die 
Dummen hinters Licht führt, die feilen Verleumder brandmarkt (s. 
Basile) und die unwissenden, pflichtvergessenen Bichter und an- 
maßenden Advokaten lächerlich macht. Er verkörpert den bis dahin 
rechtlosen, unterdrückten dritten Stand, der durch seine listige Ver- 
schlagenheit und ausgelassenen Streiche den verkommenen Adel 
geistig beherrscht. Mit schlauer List weiß Figaro seine Braut 
Susanne vor den verführerischen Plänen seines leichtfertigen Herrn, 
des Grafen Almaviva (s. d.), zu schützen. Aus der antiken Komödie 
übernommen, gingen die Diener als ständige Figuren durch die 
Vermittlung der commedia delF arte in das frz. Lustspiel über und 
treten uns, den Wandlungen des Geschmackes unterworfen, bald als 
Scapin oder Frontin, bald als Jodelet, Mascarille oder Crispin ent- 
gegen, bis die Bedientenrolle schließlich in Figaro den Gipfel ihrer 
Ausgestaltung erreicht; fig. i^^^n. app. m. boshafter, witziger Barbier; 
weit S. F. überhaupt Barbier, Friseur, schlauer Bedienter, gewissen- 
loser Intrigant, der sich nicht viel Skrupeln macht ; Zwischenträger 
(Figaro, Zeitschrift gegründet 1826). Von dramatischen Darstellungen, 
deren Held Figaro ist, seien erwähnt: 1890 Les Deux Figaros 
von Bich. Martelly; 1802 Figaro tout seul ou la Folie soir^e von 
J. Marty; 1843 La Fille de Figaro von Melesville ; 1853 La Mort 
de Figaro von Bosier, 1850 Figaro en prison von Monrose, 1868 



— 79 — 

Les Premieres Armes de Figaro von V. Sardou; vgl. M. Monnier, 
Les Aieux de Figaro. Florence 1868. 

Fleur de Marie (Fleur de mai, wegen ihrer bezaubernden 
Stimme la Goualeuse, die Straßensängerin, genannt) npr. f. In den 
Mystferes de Paris (1842) von Eugene Sue, ein liebenswürdiges, 
hübsches junges Mädchen, das von ihrer Mutter in fremde Hände 
gegeben, in niedrig -gemeiner, verworfener Gesellschaft aufwächst, 
auf tausenderlei Arten von der alten Megäre La Chouette (s. d.) 
gepeinigt und mißhandelt wird, aber trotz alledem sich eine reine, 
keusche Seele bewahrt; fig. Frau, die inmitten der brutalen Koheit 
und cynischen Verkommenheit ihrer lasterhaften, sittenlosen Um- 
gebung rein und makellos bleibt. P. und im Argot fleur de Marie 
(mari) Jungfer, Jungfrauschaft. 

f 1 o q u e r : Charles Thomas Floquet, frz. Advokat und Politiker 
(1828 — 96), der sich als Seinepräfekt mit der Kegierung in Wider- 
spruch setzte, indem er sich für die städtische Autonomie erklärte, 
die jene nicht zugeben wollte, daher F. -floquer den gestellten Er- 
wartungen nicht entsprechen und dadurch auf beiden Seiten Ent- 
täuschung hervorrufen, die Leute in die Tinte reiten. 

Foeneste npr. m. In d'Aubign^ satirischem Koman Les Aven- 
tures duBarondeFoeneste(1617), ein ärmlicher, eingebildeter, 
schmarotzender Land Junker, dessen ganzes Streben darauf gerichtet 
ist, mehr zu scheinen, als er wirklich ist {(paivBad^ai) ; er möchte gern 
für vornehm und tapfer gelten, ist aber im Grunde genommen wie 
der Miles gloriosus, sein Vorbild in der antiken Komödie, doch nur 
feig und prahlerisch; fig. baron de Foeneste jem., der viel auf 
Äußeres gibt; er ist der Urtypus aller jener prahlsüchtigen, durch 
ihre Wichtigtuerei überaus lächerlich und komisch wirkenden Barone, 
die uns so zahlreich in der frz. Literatur begegnen: Baron de la 
Crasse (s. d ) von Poisson, dessen baron de Calazious im Pofete basque, 
Thomas Corneilles Baron d'Albikrak (1668) u. a. 

Fontanarose npr. m. In Scribes komischer Oper Le Philtre 
(1830) , ein marktschreierischer Charlatan , der durch seine Über- 
redungskünste dem Publikum ein Universalheilmittel gegen alle mög- 
liche Krankheiten aufzuschwatzen sucht; fig. Quacksalber, Schwindler. 

foubert (fobert, foubiert) afrz. adj. und s. leichtgläubiger 
Mensch, der sich täuschen läßt, Dummkopf, wahrscheinlich vom 
Eigennamen Foubert «Fulbert) abgeleitet unter Einfluß von fou 
vgl. Godef. fobert, foberter; Lacume foubert; ZFSL XIX^, 252; 
JF X, 201 ; O. Schultz, ZRPh XVIH, 134. 

francillonner. In dem Drama Francillon von Dumas fils 
(1887), eine wackere, sich vernachlässigt fühlende junge Frau, die 
gegen die Gleichgültigkeit des ihr von Verwandten zugeführten 
Gatten Lucien de Riverolles vergeblich ankämpft und daher liebe- 
dürstend absichtlich einen Fehltritt tut, dessen sie sich noch ihrem 
Manne gegenüber rühmt ; francillonner son mari seinem Mann Hörner 
aufsetzen, mit anderen Männern geschlechtlichen Umgang pflegen. 



— 80 — 

Fr^tillon npr. f. In B^rangers Lied Fr^tillon ein leicht- 
fertiges, feingeputzteß, zierliches junges Mädchen; fig. Grisette der 
besseren Art. Fretillon (von fr^tiller sich unruhig hin und her 
bewegen vgl. Godef. compl.) unruhige, quecksilbrige Person war 
schon im 18. Jh. ein beliebter Übername für Frauen, so trug ihn 
z. B. M"« Clairon (1723—1803). XV. Geffrine, petit fretillon 
Coquillart, Enquestes 11, 118; Ma Fretillon, Cette fiUe qui fr^tille, 
N'a pourtant qu*un cotillon B^ranger, Fretillon. 

Fripe-sauce npr. m. In der älteren Komödie und im Jahr- 
marktstheater oft der Name des Küchenjungen (Rab. ML. I, 140); 
fig. 1. Tellerlecker, Küchenjunge, Vielfraß vgl. Fripe-lipe (Anc. Th. 
fr. Vn, 381), oft Name von Dienern, Marot, Fripe-lippes II, 193; 
Darmesteter (I), 189 ; 2. Sudelkoch unter dem Einfluß von friper 
«^fr6per defraichir en chiffonant D.-H.); XVI. Hector estoit fripe- 
saulce Rab. ML. I, 366 ; Fripesauces , der ewig Hungrige , ist der 
Held in Tristans THermites Lustspiel Le Parasite (1654) vgl. 
Fournel (I), HI, 1—67. 

F r n s a c npr. m. Duc de Fronsac, frz. Diplomat und General 
(1696 — 1788), der Sohn des Herzogs von Richelieu und Großneffe 
des Kardinals, an Ludwigs XIV. Hof der Liebling der Frauen; fig. 
n. app. m. galanter Mann, Lüstling (vgl. Richelieu, Lovelace). 

Frontin npr. m. Im älteren Lustspiel bei Larivey (Les 
Esprits 1579), Dancourt, Regnard, Mariveaux, Lesage, Gresset, 
Vade u. a. ein verschlagener, dreister Bedienter, der, wie schon 
sein Name andeutet, in frecher, unverschämter Weise (effronterie) 
sich überall einschmuggelt und aus seinem listigen Intriguenspiel 
mit Geldleuten für sich Gewinn zu schlagen sucht ; fig. unverschämter, 
kecker Mensch ; vgl. Monnier, chap. X, XI. 

Frou-Frou npr. f. Name einer lebhaften, leichtfertigen Frau, 
bsd. nach der Titelheldin eines glchn. Dramas von Meilhac und 
Halevy (Gymnase 1869); frou-froutisme s. m. ein Freudenleben mit 
Weibern führen; frou-frou bezeichnet onomatopoetisch das Knittern 
von Blättern, das Rauschen seidener Kleider (im Anfang des 18. Jhs. 
brauchte man in diesem Sinne frifilis); froufrouter rauschen; pop. 
faire (du) froufrou sich spreizen, großtun, Staat machen, Windbeuteln ; 
in der Normandie nennt man Madame Frou-Frou ein pretentiöses, 
eingebildetes Frauenzimmer. 

Galaor npr. m. In den spanischen Ritterromanen und ihren 
Nachahmungen (wie auch in Bojardos Orlando innamorato und 
Ariosts Orlando furioso) das Muster eines ritterlichen, unerschrockenen, 
galanten Helden, der als leichtsinniger Liebhaber seinem Bruder, 
dem keuschen Amadis (s, d.), und dessen sittlich reiner Liebe gegen- 
übergestellt wird. In afrz. Gedichten ist Galaor öfters der Name 
eines Pagen, daher fig. g'^^n. app. m. Reitknecht, Page. 

Galimafre npr. m. Name, den Auguste Gu^rin (1791—1870) 
angenommen hatte, als er unter dem ersten Kaiserreich und der 
Restauration mit Bob^che (s. d.) auf dem Boulevard du Temple das 



— 81 — 

Publikum durch seine Possenreißereien und Spaße belustigte; fig. 
Hanswurst, Gaukler. Der Name hängt wahrscheinlich zusammen 
mit galimafr^e s. f. Frikassee von Fleischresten, schlechtes Essen vgl. 
XrV. galimafree ou saulce paresseuse im Mesnagier de Paris II, 233; 
1507 galimaffree vgl. Fournier I, 228 ; bei Rabelais ML. 11, 410 ist 
Gualimafr^ der Name eines Koches; über die verschiedenen auf- 
gestellten Etymologien vgl. Scheler, Littr^ u. Supplem.; Darme- 
steter (I) p. 113; Diez galimatias. 

galopin s. m. In der afrz. Chanson de geste Elie de Saint- 
Gille (13. Jh.) 1162«., 2024 ff. u. ö., Galopin, der Name eines 
Zwerges und Zauberers, der auch in anderen Dichtungen wieder- 
kehrt und als Typus des schnellen, klugen Boten erscheint, der 
seinem Herrn große Dienste leistet (vgl. Godef. compl.; Hist. 
litt. XXII, 416ff.). Im Roman de Renart trägt den Namen Galopin 
der Fuchs le jougleur (I, 67 v. 2380; 69, v. 2459; 70, v. 2508) 
und der Hase (ib. I, 190 v. 1083). Galopin Bote der Blancheflour 
MND 31, 1351; Galopinet, Name des Boten des Olibrius (Jule- 
ville II, 531). In Molieres Critique de Plfecole des Femmes ist 
Galopin der Name eines Bedienten ; fig. 1. Laufbursche, der für jem. 
Gänge machen und Aufträge besorgen muß; Lehrling; 2. Küchen- 
junge; Galopin, nom de marmiton Deschamps VIII, 4 ; 3. Straßen- 
junge, Schlingel, Taugenichts, frecher Patron; galopine s. f. mut- 
williges, viel auf der Straße umher laufendes Mädchen; galopin 
adj. munter, ausgelassen. II li demande, dont es tu, biaux amis? 
De Clermont, Sire, si ai non Galopin. Garin li Loh. II, 99. Du 
Gange, galopinus; Queux, escuiers, li galopins. Eust. Deschamps 
Vni, 104. W. Fischer, Der Bote im afrz. Epos. Diss. Marburg 1888. 

gandin s. m. Nach Paul Gandin, in dem Vaudeville Les 
Parißiens de la D^cadence von Theodore Barriere (1854), ein elegant 
gekleideter, lächerlich eitler, schmarotzerischer Stutzer mit weiber- 
haften Manieren oder nach dem Hauptspaziergang dieser Modeherren, 
dem Boulevard de Gand, wie man 1815 das Boulevard des Italiens 
nannte, weil sich dort die Parteigänger Ludwigs XVIH. trafen, der 
1815 während der 100 Tage (20. März bis 20. Juni) nach Gand 
(Gent) geflohen war; lächerlicher Dandy, Modenarr, Geck; dazu 
gandine s. f. Modenärrin, elegante Buhlerin; gandinisme, gandinerie 
Wesen und Treiben der gandins vgl. Littr^ svppl.; Larchey (II), 
p. 153; H. Schuchhardt, ZRPh XXVIH, 137. 

G a n e 1 o n npr. m. In den afrz. Chansons de geste, der Typus 
des Verräters, der an Karl dem Großen treulos handelte und durch 
seine hinterlistige Falschheit die Ursache zu Rolands Tod bei Rpn- 
ceval wurde; Chrestien, Cliges 1073 ff.; XIII Cil eurent les cuers 
trop felons ; Pis valent ne fist Guenelons Beaumanoir, Salu d'Ainoürs 
244; Deschamps H, 7; IX, 356; fig. Verräter (bsd. im proven9., über- 
haupt im südl. Frankreich^ üblich, wie das sonst wenig gbr. gane- 
lonnerie s. t Treulosigkeit , Verräterei bei M"*® de S^vign^ zeigt : 
si je doute de la sinc6rit6 de votre eonduite et de la ganelonnerie 

6 



— 82 — 

de la nenne. Ber. m^ 12; An m^irdre rar ee tralostie Ganes! Anc. 
Tbn fr. II, 48; KUe est plus tristresBe qne Ganes ib. II, 44. 

Garasse npr. m. P^ Fran^ois ^^ (1585 — 1631), frx. Jesuit 
und satimcher Schriftsteller, dessoi Name wie Volt, dict philoe., 
sein Briefwechsel mit d'Alembert nnd die Briefe Guy Patins beweis^a, 
sprichwörtlich war zur Bezdchnung von Schriftst^em, die trotz ihres 
religiösen Eifers sich nicht scheuen, ihre Gegner mit unflätigen 
Hch mähungen und wilden Zomesausbruchen zu überschütten; jetzt 
wenig gebr. vgl. Racine IV, 481; Malherbe 1, 266. 

Gargantua npr. m. In Rabelais' kraftvollem, genialem Werk, 
der Bohn Grandgousiers und Vater Pantagruels; fig. n. app. m. Riese; 
unersättlicher Fresser, der überdies einen unlöschbaren Durst hat; 
Anc. Th. fr. II, 176; IX, 42; vgL jamais Gargantua n'y fit oeuvre. 
H^billot, Gargantua dans les traditions populaires. P. 1887. 

Garguille npr. m. Gaultier Garguille war nach den Anec- 
«lote» dramatiques (1775) 111,205 der Theatemame, den der Possen- 
»pieler Hugues Gu^ru gen. Flechelies (1574 — 1633 vgL P. de la 
Force, Descript. bist, de Paris lU, 86) angenommen hatte, der in 
Paris zusammen mit Gros Guillaume (Robert Gu^rin, dit la Fleur 
vgl. Parfaict IV, 236 ff.) und Turlupin (Henri Legrand) im Marais- 
theater seit 1598 und dann im Hotel de Bourgogne auftrat vgl. 
Parfaict IV, 320; Anc. Th. fr. H, 404; ib. VHI, 403; E. Foumier, 
Chansons de Gaultier Garguille P. 1858 (Neudruck der Ausgabe 
von 1632); Garguille bezeichnet schon im XV. und XVI. Jh. ohne 
nähere Bestimmung den ersten besten Menschen: prendre Gautier 
))Our Garguille einen Mann für einen anderen halten, sich irren Anc. 
Th. fr. IX, 31; Oudin (H) 248; Scarron, Virg. travest. IV; n'^pargner 
ni Gaultier ni Garguille niemanden, weder Freund noch Feind schonen 
R^gnier, sat. XIII, 189 vgl, Gautier, Guillaume; diese volkstümliche 
Zerlegung derselben Person in zwei, die eine fast in allen Sprachen 
zu beobachtende Erscheinung bildet und bei der sich eine gewisse 
Vorliebe für alliterierende Verbindungen ausgeprägt hat, zeigt auch 
die Redensart envoyer qn. (courir) de Ponce ä Pilate (für renvojer 
qn. de CaYphe ä Pilate) für aussichtslose, erfolglose Bemühungen 
gebraucht (vgl. Luk. 23, 6—11). Zf dU 17, 796. 

G a r npr. ip. Der Held der Lafontaineschen Fabel Le Gland 
et la Citrouille (1671) f. IX, 4; fig. jem., der kritiklos nur nach dem 
äußeren Schein urteilt; Anspielungen auf diese Figur Volt. dict. philoe. 
oalebasse (XXVII, 446) und sur Thomme VI (XH, 93); schon in 
Gyrano de Bergeracs Posse Le Pedant jou^ (1641) tritt ein Bauer 
namens Matthieu Gareau auf (vgl. Guaraut «» vilain, paysan Roman 
de Th^bes 6151) und il ressemble ä Thibaut Garrau(lt), il fait son 
cas h. part sagt ein Sprichwort, das sich auf einen reichen Kauhnann 
in Orleans beziehen soll, der sich durch seine Geschäfte ein großes 
Vermögen erworben hatte, aber es hartnäckig verschniähte, sich mit 
einem Gesellschafter zu verbinden (Leroux, dict. com. I, 556). 



— 83 — 

Gaspard npr. m. Kaspar; fig. F. g ^^ n. ^>p. m. aohlaoer, 
geschickter KerL Les Deux Gaspards (Qaspard FAvis^ und Gaspard 
simplet) zur Bezeichnuiig von zwei geschickten Kerlen geht auf ein 
kleines Theaterstück von Moreau, Gabriel et Capelle zurück, das 
diesen Titel trug. (Vaudeville 1817.) Graspard FAvIb^ war schon 
1812 durch ein glchn. Vaudeville volkstümlich geworden vgl. 
Alexandre I, 221. 

Gaudissart npr. m. In seinem Werk L'Dlustre Gaudissart» 
einem Roman, der dem Cyklus Sc^es de la vie de province an* 
gehört, schildert uns Balzac den Typus eines unverwüstlichen Commis 
voyageur als lustigen, jovialen, liebenswürdigen Menschen, der gern 
ein bifichen aufschneidet und immer zu Scherz und Spaß aufgelegt 
ist; fig. F. gaudissart (-d) aufschneidender Handlungsreisender, Spaß- 
vogel, Lustigmacher. I^innert sei auch an Balzacs Roman Gaudis- 
sart n in den Seines de la vie parisienne. Der Name Gaudissart 
(nach Mowat I p. 180 dim. von Godefroid) zeigt in Bedeutung und 
Form eine Anlehnung an gaudisseur, gaudisserie, gaudrioler usw. zu 
se gaudir sich ergötzen; /^^ de q. sich lustig machen über. 

Gautier npr. m. Walter; von frühe an wird dieser Name als 
Appellativum in den verschiedensten Bedeutungen gebraucht: unter 
Karl Vn. in Dorf und Stadt der typische Name des homme du 
travail (vgl. le Franc-Gauthier unter Ludwig XL); bon Gautier guter 
Geselle; Schlaukopf; listiger, verschmitzter Kerl (bei Manage); Zech- 
bruder, Trinkgenosse: Et ne viendra point ce gaultier Anc. Th, fr. 
I, 232; A moy n'est que honneur et gloire d'estre dit et reputä bon 
gaultier et compaignon Rab. ML. I, 6; ohne Zweifel war der laut- 
liche Anklang an gaudir und die davon gebildeten Ableitungen für 
diese Bedeutungsentwicklung mit maßgebend; Dummkopf (Bourdign^, 
Pierre Faifeu 96); wie Guillaume häufiger Name von Dienern: Le 
mary murmure et quaquette, Puis de Gaultier, puis de Jacquette, 
De son valet, de sa chambrifere Foumier I, 291 ; femer wird Gautier 
für irgend einen Menschen überhaupt ohne eine nähere Bezeichnung 
angewendet, meist in Verbindung mit einem anderen Namen (vgl. 
nfrz. Pierre et Paul): Gaultier et Guillaume der erste beste; Hinz 
und Kunz; Gaultier ne Guillaume niemand wie Gaultier ne Colin, 
ne Martin usw.; vgl. Lacume gaultier; Godef. Gautier; Anc. Th. 
fr. II, 91; vn, 101; IX, 47; Deschamps I, 178; U, 221; IX, 48; 
118; 131; les gautiers m. pl. aufständische normannische Bauern, die 
sich 1589 der Liga anschlössen (vgl. De Thou, Historiarum sui 
temporis Idbri 95 (1620. 1733); über Frfere Gaultier vgl. Foumier 
I, 267. 

Gavroche npr. m. Ein von Viktor Hugo in den Miserables 
(1862) geschaffener Typus des witzigen, spöttischen (Pariser) Oamin; 
fig. Straßenjunge; c'est du pur ^^^ das ist recht albern (im Literaten- 
jargon); gavrochine s. f. liederliche Dirne; P. gavrochiner über den 
Strang schlagen, ausgelassen sein. 

G e o r g e (s) npr. m. Saint-Georges, der Schutzheilige Englands, 

6^ 



— 84 — 

der kühne Drachentöter (23. April); fig. F. feiner Kavalier; F. ötre 
monte comme un saint George sehr gut beritten sein; XIV. II est 
armö come saint Grorge Anc. Th. fr. lÜ, 249; Hs sont vaillans comme 
sainct George ib. 11, 214; La lance au poing mont^ comme un 
Saint George Rab. ML. 1, 107. 154; 11, 161; Ils sont armez comme 
des . Jacquemarts et montez comme des saints Georges Anc. Th. fr. 
IX, 19; V, 19. Puis sur vos grands chevaux mont6 comme un saint 
George Scarron, Jodelet ou le Maltre valet HI, 2; mont^ sur un 
courtaud, Comme un petit saint George Laft. Ragotin I, 10; George, 
— t, — on in Berry beliebter Name des Teufels. 

G ^ r o n t e npr. m. Eine Charakterfigur in den frz. Lustspielen 
des 16. Jhs., wohl nach dem Vorbild des greisen Gerontio in der 
ital. Commedia sostenuta, meist ein edler, ernster Familienvater, ein 
würdiger Alter ohne jeden lächerlichen Anstrich, so noch in den 
Lustspielen L'IUusion comique (1636), und Le Menteur (1642) von 
P. Corneille. Schon in Rotrous Soeur g^n^euse (1654) und in noch 
höherem Grade bei Moli^re im M^decin malgr^ lui (1666) und in 
den Fourberies de Scapin (1671; hier eine treffende Charakteristik 
n, 71) erscheint G^ronte als geiziger, hartherziger, eigensinniger, 
dabei leichtgläubiger Alter. Im Joueur (1606) und im L^gataire 
universel (1707) von Regnard ist G^ronte ein alter, gichtkranker 
Erbonkel, der von seinem rücksichtslosen Neffen und schurkischen 
Dienern ausgebeutet wird. G^ronte im M^chant (1747) von J.-B. 
Gresset nähert sich wieder in einer Reihe von Zügen mehr dem 
ursprünglichen Charakterbild; fig. einfältiger, schwacher Greis; gut- 
mütiger Alter, der sich leicht leiten läßt. 

Giafar npr. m. In Tausend und eine Nacht, der Günstling 
und Begleiter Harun al Raschids; fig. Genosse, Freund. 

G i b o y e r npr. m. In Emile Augiers Komödien Les Effront^s 
(1861) und Le Fils de Giboyer (1862), ein begabter, aber ehrloser, 
literarischer Freibeuter, der ein liederliches, lockeres Boh^meleben 
führt und prinzipienlos seine Feder an den Meistbietenden verkauft. 
Obwohl er im Herzen erzdemokratisch gesinnt ist, arbeitet er doch, 
unbekümmert um seine eigenen XJberzeugungen, für ein klerikales 
Blatt, dabei ist er aber selbstlos bestrebt, seinen Sohn durch eine 
glänzende wissenschaftliche Ausbildung zu einem ehrenwerten, tüch- 
tigen und angesehenen Menschen zu erziehen; fig. Literat, der zu 
allem zu gebrauchen ist, gesinnungsloser Lump. 

Gigogne npr. f. Madame '^', la m^re '^^ fig. eine Mutter 
mit vielen Kindern, eine beliebte Figur der Eandertheater und Jahr- 
marktsbühnen , die nach den Untersuchungen von Parfaict III, 582 
und Magnin zuerst um 1602 von den Enfants sans souci in 
dem Th^ätre des Halles auf die Bühne gebracht wurde. Ein Schau- 
spieler stellte eine riesige Frau dar, unter deren Röcken eine große 
8char Kinder hervorkroch. 1607 erschien diese Figur im Louvre 
in einem Ballett TAccouchement de la foire saint -Germain; von 
1667 — 69 tritt sie dann im Hotel de Bourgogne auf und begegnet 



~ 85 - 

uns 1761 als Partnerin von Polichinelle und Arquelin in dem Ballett 
Ijcs F^tes venitiennes (Opera). 

Gille(s) npr. m. lat. Aegidius vgl. Ro. VI, 133; Name de» 
Hanswurstes auf den Jahrmarktsbühnen (vgl. ital. Gilgio Sand 1, 276)^ 
eine furchtsame, feige Memme, ein Hasenfuß, der, solange er sich 
sicher fühlt, durch seine schnurrigen Possen, schlechten Witze und 
seine Selbstironisierung die ausgelassenste Heiterkeit erregt, aber bei 
dem geringsten verdächtigen Geräusch oder auch nur dem Schatten 
einer anziehenden Gefahr sich eiligst aus dem Staube macht. Um 
1640 gab es in Paris nachweislich einen Possenreißer Gille le Niais 
(vgl. Le Sieur de la Force, dit Gilles le Niais Parfaict VIU, 324), 
dessen Name, wenn er ihn nicht selbst erst von einem hervor- 
ragenden Spaßmacher übernommen hatte, auf seine Nachfolger über- 
gegangen wäre; fig. n. app. m. einfältiger, alberner Mensch; Pinsel, 
Gimpel; gillerie s. f. alberner, dummer Spaß; einfältiges Wesen; 
Laft. cont. XIV, 3 hat einen comp^re Gille und nennt f. HI, 9 und 
Xn, 21 einen Affen Gille. Die bsd. im 17. Jh. geläufige Redensart 
faire gille (Delvau: Gilles) Bankrott machen, davonlaufen, durch- 
gehen könnte man versucht sein mit dieser Figur in Zusammenhang 
zu bringen, wahrscheinlicher liegt aber gile (afrz. guile Betrügerei, 
Täuschung, Tücke cf. Godef.) zugrunde vgl. die gleisnerische Dame 
Guile im Renart nouvel 6öü9 (Tobler H, 212) und das Sprichwort 
tel croit guiller Guillot que Guillot guille mancher glaubt zu hinter- 
gehen und wird selbst hintergangen; je vay bien faire gille Anc. 
Th. fr. Vm, 233; IX, 36; giller = faire gille; Scarron, Gigant, eh. 4; 
Parmi ses appr^ts, la nuit d'auparavent, Vous sütes faire gille, et 
fendites le vent. Com. Suite du Menteur I, 1 ; vgl. noch Du Gange 
guilator; Raynouard, Lexique roman guila ff.; Moyen de parvenir, 
eh. 29 on dit: il ä fait Gille. Protagoras: C'est parce que saint 
Gill« s'enfuit de son pays pour n'estre pas fait roi (ad hoc erfundene 
ätiologische Erklärung). 

Gilette npr. f. reine — ', fig. Grisette, die die große Dame 
spielt; cuisinier de la reine '^^ schlechter Koch; historien de la reine '•^ 
Bücherschmierer. 

Gobseck npr. m. Der Titelheld des glchn. Romans von 
Honor^ de Balzac in den Seines de la vie priv^e (1830), der 
vollendetste Typus eines habsüchtigen Geizhalses und hartherzigen, 
geldgierigen Wucherers; fig. n. app. m. Geizhals, Wucherer. 

G g npr. m. Wie schon der Name andeutet, das Sinnbild 
aller jener einfältigen, leichtgläubigen, kleinbürgerlichen Rentner und 
Aktionäre, die den betrügerischen Machenschaften schwindelhafter, 
gewissenloser Bankiers zum Opfer fallen und ihr sauer erworbenes 
Geld für die unsinnigsten, lächerlichsten Unternehmungen hergeben. 
Auf der Bühne erschien dieser Typus zuerst 1834 im Robert 
Macaire (s. d.) von Frederick Lemaitre, Saint- Amand und Benjamin 
Anthier. 1844 hatte ihn Paul de Kock in seinem Roman La Familie 
Gogo dargestellt, freilich hat er die Gestalt stark karikiert imd ins 



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Groteske gezogen; der Name verdankt seinen Ursprung einer offen- 
baren Anlehnung an gogo s. m. Leichtgläubiger bsd in Geldangelegen- 
heiten (zugober?); gogotisme F s. m. gimpelhafte Leichtgläubigkeit; 
vgl. Alexandre I, 232. 

Gonin npr. m. maltre Gon(n)in verschmitzter Kerl, Eulen- 
spiegel nach Brantdme IX, 298; IV, 66; V, 171 ein gewandter Zauber- 
künstler und Taschenspieler am Hofe Franz I.; unter Karl IX. machte 
sich sein Enkel einen Namen und zur Zeit Ludwigs XIU. zeichnete 
sich ein Taschenspieler gleichen Namens auf dem Pont-Neuf aus; vgl. 
Ay-je pas jou^ un tour de maistre Gonyn Anc. Th. fr. V, 74; maltre 
Gonin est mort, le monde n'est plus grue. Ler. de Lincy, Pro- 
verbes II, 40. Anc. Th. fr. IX, 43; 62. Nach Foumier, Var. V, 209 
geht Gonin auf gönne, gonnelle zurück, das zunächst die Kutte eines 
Mönchs oder Schülers bezeichnet, dann auch auf den Anzug der 
Possenreißer übertragen wurde. Foumier erinnert noch an den Namen 
eines ital. Possenreißers Pietro Gonnella, den Hofnarren des Herzogs 
Borso von Ferrara (1450 — 71); vgl. ital. gonna, gonnella; nach 
Mowat (I) 180 ist der Familienname Gonin durch Aphärese aus 
Hugonin (dim. von Hugon) hervorgegangen. XVI. j'ay aussi voulu 
adjouster a Proteus Maistre Gt)nin. Des Periers (Delb. Rec); II faut 
en devinaille estre maistre Gonin R^gnier, sat. X, 205. 

Gorgibus npr. m. Nach einer Person in Moliferes Precieuses 
ridicules (1659) der Typus eines wackeren, hausbackenen Alten von 
gesundem Menschenverstand; als Personenname (Rolle eines Vaters 
oder Greises) bei Moli^re auch in La Jalousie du Barbouill^, im 
M^decin volant und Sganarelle; über ähnlich gebildete, z. T, ältere 
Namen vgl. Fritsche 114. 

Goriot npr. m. (dim. v. Gr^goire oder Gregory). Nach dem 
Titelhelden in Balzacs Roman Le Pfere Goriot (1835), das Urbild 
eines reiches, bürgerlichen Mannes, der für seine an Höhergestellte 
verheiratete, genußsüchtige und verschwenderische Töchter Vermögen 
und Leben opfert. 

Goton npr. f. wie Margoton (s.d.) dim. v. Marguerite; fig. 
Goton (Gothon Delvau) häufiger Name der Mägde auf dem Dorfe; 
P. n. app. f. goton (gothon) liederliche Dirne, feile Motze, Vettel; 
unsaubere Küche. Banville, Ödes funamb. 403. 

Grandiso II npr. m. In Samuel Richardsons Roman Sir Charles 
Grandison (1753), den Pr^vost durch seine Übersetzung (1775) den 
Franzosen zugänglich machte, ein reicher, edler, von Natur tugend- 
haft veranlagter Mann, der in behaglichen Verhältnissen lebend, frei 
bleibt von Versuchungen und sich durch sein vornehmes Auftreten 
und seine wohltätige Gesinnung angesehen und beliebt macht; fig. 
Chevalier Grandison großer Herr mit gemessenen Formen. 

Gr^goire npr. m. In vielen Theaterstücken und Liedern von 
der frühesten Zeit bis herab auf Piron, Panard, B^ranger, Nadaud 
der Typus eines vollkommenen Trunkenbolds, eines Schlemmers (bon 
comp^re, joyeux luron). Maßgebend für diese Bedeutung war wohl 



— 87 — 

der Umstand, daß der Vorname Gr^goire den Dichtern einen will- 
kommenen Beim auf boire bot (vgl. Laft. cont. I, 11 ; IV, 3 ; f. VIII, 2) ; 
Je pense comme Gr^goire, J'aime mieux boire. S^daine, Bichard 
Coeur du Lion 1784 ; in der beliebten komischen Oper les Visitan- 
dines von Picard (1792) ist Grögoire der Gärtner des Klosters, und 
in Laft. Fabel Le Savetier et le Financier (f. VIII, 2) trägt der 
lustige Schuhflicker diesen Namen ; vgl. noch das volkstümliche Lied 
Confession de Gr^goire und Nadauds Le Docteur Gr^goire. 

Gretchen npr. f. Außerordentlich häufiger deutscher Vor- 
name, der durch seine weite Verbreitung eine bedeutende Senkung 
seines Gefühlswertes erfahren hat (vgl. Hans und Grete). Goethe hat 
ihn im Faust wieder neu geadelt und mit poetischem Zauber um- 
geben. In Frankreich dient er oft zur Bezeichnung eines anständigen 
deutschen Mädchens, dem man seine Huldigungen darbringt, Geliebte. 
Qu'elles sont toujours romantiques Ces Gretchens aux chastes pro- 
fils. Banville, Ödes funamb. p. 432 ; 415, 9. 

Gribouille npr. m. Dummkopf, Einfaltspinsel, Tölpel ; der 
Typus eines Menschen, der immer töricht und verkehrt handelt, 
alberner Tropf, Tor. 1548 Toute femme fillant quenouille Et plus 
sötte que n*est Gribouille. Sermon des foulx Anc. Th. fr. U, 218; 
proverb. fin comme Gribouille qui se jette k Teau crainte de (de 
peur de la) pluie jem. , der um einer Unannehmlichkeit aus dem 
Wege zu gehen, einem größeren Unglück in die Hände läuft vgl. 
XVI. C'est Jean Deurie Qui se met dans Feau pour la pluye. Adages 
fran^ois. Der Name kann in Beziehung gebracht werden mit gribouiller 
sudeln, schmieren, schlecht schreiben; bei Babelais ist Gribouillis 
der Name des Teufels (ML. H, 283) und eines Kochs (ML. II, 412); 
vgl. Alexandre H, 93. 

Gringalet npr. m. Im 17. Jh. Pseudonym eines mageren, 
schmächtigen Possenreißers, der in den letzten Jahren des ersten 
Kaiserreichs und in den ersten der Bestauration zusammen mit 
Guillot Gorju und Goguelu im H6tel de Bourgogne auftrat und 
wegen seiner tollen Spaße und witzigen Einfälle ungeheueren Zulauf 
hatte. Sein Name ist sprichwörtlich geworden für einen Hanswurst 
oder einen Spaßvogel ; XII gringalet (guingalet) zu guinget, ginguet 
schwach, dürftig, knapp (schlechter Wein vgl. Oudin [II] 393)? kleines, 
hageres y schmächtiges Pferd (vgl. Godef.) Galopant sor le gringalet, 
S*an aloit Kens tot un valet Grestien, Erec 3957 : Guuvains Pferd 
,kein Eigenname, sondern erst mit dem Artikel substantiviert wie 
le fauvel, le morel, le baucant u. ä.* W. Förster zu Erec 3955. 
In den meisten nordfrz. Patois und in der Pariser Volkssprache, 
nach Sachs-Villatte auch in der Schweiz^ bedeutet gringalet schwäch- 
licher, magerer Mensch (belegt bei Cotgrave 1611), dann schwäch- 
licher, unbedeutender Mensch; Schwachmatikus; als Eigenname 
Gringoallet Bab. ML. H, 412 ; Gringalet E. Sue, Myst^res (1842) 
V, 24; Gringalet, Bilboquets (s. d.) Diener in d. Saltimbanques von 
Dumersan und Varin; vgl. Bugge, Bom. IH, 150; Zimmer, ZFSL 



— 88 — 

III, 18; Scheler, dict. etym.; gringalisme s. m. Schwächlichkeit; F. c'est 
la faute ä Gringalet das ist ihm schon recht. Hist. litt. XXX, 36. 

Grouchy npr. m. Emanuel, marquis de^^^, frz. Marschall 
(1768 — 1847), der durch sein zu spätes Eingreifen zum Teil Napoleons 
Niederlage bei Waterloo verschuldet haben soll ; fig, F. g'-^n. app. m. 
Person (oder Sache), die nicht pünktlich, einen Posttag zu spät, ein- 
trifft ; Nachzügler. 

Guillaume npr. m. einfältiger Mensch, Narr (auf die Ent- 
wicklung dieser Bedeutung mag vielleicht die Anlehnung an guiller 
mitgewirkt haben); Guillaume, un bon lourdaut (Anc. Th. fr. I, 190) 
der von Alix betrogene Gatte in Jodelles Eugfene (1552) ; c^est ung 
Guillaume, Qui a surnom de Joceaulme (Farce de Pathelin) vgl. Et 
tient-il les gens pour Guillaumes? ib.; faire qc. comme Monsieur 
Guillaume inventait ses couleurs sich mit fremden Federn schmücken, 
enthält eine Anspielung auf den Tuchhändler Guillaume Joceaulme 
in der berühmten Farce TAvocat Pathelin; beliebter Name des 
Dieners (vgl. Com. des Comediens 1633 Anc. Th. fr. IX, 306) im Lust- 
spiel bsd. von Scarron an; le vieux Guillaume (guillou) häufiger 
Name des Teufels in der Bretagne. 

Guillemette npr. f. Wilhelmine, Name der ehrsamen Gattin 
Pathelins; fig. g^^n, app. f. alberne Person; adj. albern; Qui ne 
riroit de ces coquettes En qui tout est myst^rieux Et qui fönt tant 
les Guillemettes Laft. VII, 122 (Les Eieurs du Beau-Eichard, prol. 
12.) vom Herausgeber H. Eegnier „les saint-nitouches, les niaises, 
les innocenls'^ kommentiert; chanter guillemette dire des sottises 
(Oudin 11) ; die Namen Jean , Guillaume und Guillemette haben 
seit der köstlichen Farce de TAvocat Pathelin einen üblen ironischen 
Beigeschmack erhalten vgl. Pasquier VIII, 59 ; Guillemette, maque- 
relle in Lariveys La Veuve 1579 (Anc. Th. fr. V, 104; Deschamps 

IV, 234). 

Guillemin CroquefoUe npr. m. c'est^ — ', carreleur de 
sabots er ist ein Tagedieb ; er taugt zu nichts ; se dit ironiquement 
a un fain^ant, qui n'a qu'un mutier imaginaire. Leroux, dict com. 

Guillot npr. m. Beliebter Name für Hirten (vgl. Beilot, 
Pierrot, Michau bei Eonsard, Bocage royal), Bauern, Diener. (vgl. 
Laft. f. IX, 19; cont.II, 7; HI, 13; XII, 9. 13). Die Worte des 
als Hirten verkleideten Wolfes C'est moi qui suis Guillot, berger 
de ce troupeau in Lafontaines Fabel Le Loup de venu berger (HIj 3) 
sind sprichwörtlich zur Bezeichnung eines Mannes, der mit seinen 
Titeln und Eeichtümern prahlt; Leroux (H) H, 41. 

Gustave npr. m. fig. g/^n. app. m. Liebhaber (vgL Arthur). 

Harpagon npr. m. Der Held in Moli^res Avare (1668), der 
sich durch seine kleinliche Knauserei, Geldgier und Gewinnßucht 
verhaßt macht. Argwöhnisch und über alle Maßen miJStr9.uisch 
wirkt er durch die beständige Furcht, betrogen oder bestohlen: zu 
werden, lächerlich. Selbst seine , Vaterpflichten und die Liebe zu 
seinen Kindern fallen seinem unersättlichen Geiz zum Opfer^ vgl. die 



- 89 - 

tretende Charakteristik, die Moliere La Fleche in den Mund legt 
Avare 11, 4; fig. h^^^n. app. m. Geizhals; habsüchtiger, geldgieriger 
Mensch; harpagonisme s. m. Geiz. Die Anregung zu dem überaus 
charakteristischen Namen empfing Moliere vielleicht aus seinem 
literarischen Vorbild, der Aulularia des Plautus, wo harpagare 
(latinisiert aus gr. aQua^eiv rauben, plündern) im Sinne von stehlen, 
wegkapern gebraucht ist (Aurum mihi intus harpagatum est II, 2, 24) 
lat. harpago, -onis m. Enterhaken, übtr. als Schimpfwort für einen 
Menschen, Dieb (vgl. dtsch. Mausehaken) schon bei Plautus Trinum- 
mus II. 1, 214; Körting 4501 ; in Moli^res Sittenkomödie La Comtesse 
d'Escarbagnas ist Harpin der Name des brutalen Steuereinnehmers; 
in CrestieuB Chevalier au Lion v. 3857 heißt ein Biese Harpins de 
la Montaingne, und im Kenart I, 193, 1192 begegnet Harpin als 
Namei eines Hundes. 

Haussmann npr. m. Georges-Eugene, baron ^^, frz. Staats* 
mann (1809 — 91); haussmanniser umändern, verschönern (ohne das 
Vorhandene oder die Kosten zu achten, wie das Haussmann als 
Seinepräfekt in Paris tat); s'^^^sich bedeutend verändern; hauss- 
raannisation s. f. kostspielige Vernichtung des Alten zugunsten des 
kaum besseren Neuen. 

Heloise npr. f. Heloise, die Nichte des Kanonikus Fulbert 
(1101 — 64), die von ihrem Geliebten Abälard (s. d.) entführt wurde, 
kurze Zeit wieder in das Haus ihres Oheims zurückkehrte, bald 
darauf aber den Schleier nahm und später Äbtissin wurde. In 
Legende, Literatur und Kunst sind Abälard und Heloise zum voll- 
kommensten Typus eines Liebespaares geworden (vgl. J.-J. Rousseaus 
Eoman Julie ou la Nouvelle Heloise 1760). 

H i r u X npr. m. Jean '^^ das Urbild eines cynischen, brutalen 
Spitzbuben und Mördei-s. Kurze Zeit nach dem mit überschweng- 
lichem Beifall aufgenommenen Werk Le Dernier Jour d'un Condamn^ 
(1829), in dem Victor Hugo mit beredten Worten gegen die harten 
Gesetzesparagraphen für Menschenliebe, für Ehrfurcht und Hoch- 
achtung vor dem Leben eintrat, schuf die Neigung zur Übertreibung 
und Parodie des Edelsten und Hehrsten jene Figur; Jules Janin 
schrieb sein l'Ane morte et la femme guillotinee und der Vaudevillist 
Vanderburch widmete Hiroux eine kleine Studie. Seine große Volks- 
tümlichkeit aber erlangte Jean Hiroux erst durch die Karikaturen 
Henri Monniers in den Scenes populaires (1830, 1835— -62). 

Homais npr. m. Nach dem Landapotheker in Flauberts 
Madame Bovary (1857), der Typus eines eingebildeten Menschen, 
der mit literarischen und wissenschaftlichen Kenntnissen prunkt, zu 
jeder Zeit über die letzten, ewigen Fragen ein fertiges Urteil bereit 
hat und beständig allerlei albernes Zeug schwatzt. Er verkörpert 
die seichte, spießbürgerliche Aufklärung, den Dorfpolitiker, den 
engherzigen Feind der Geistlichkeit und Kirche, die er mit 
seinen 1 beißenden Spöttereien überschüttet. Banville, Ödes funamb. 
137.217. 



— 90 — 

Honesta npr. f. In Lafontaines Erzählung Belph^gor (cont. 
Vn, 7), zu der ihn eine Novelle Macchiavellis angeregt hatte, eine 
übertrieben sittsame, tugendhafte Frau, die durch ihre Pedanterie 
und beständige Nörgeleien ihre Umgebung peinigt; fig. madame^^^ 
Tugenddrache. 

Jago npr. m. In Shakespeares Othello, der schurkische, 
tückische Bösewicht, der durch seine teuflischen Intriguen und 
Rachepläne in Othello (s. d.) Argwohn und Eifersucht weckt und 
ihn zur Ermordung seiner schuldlosen Gattin Desdemona (s. d.) ver- 
leitet; fig, cynischer, gewissenloser Schuft; niedriger, gemeiner Ver- 
leumder. 

Ismen npr. m. In Tassos Gerusalemme liberata , . ein heid- 
nischer Zauberer, der durch seine Künste das Heer der christlichen 
Kreuzfahrer in Aufregung und Bestürzung zu bringen sucht, um 
ihre Anstrengungen, Jerusalem zu erobern, zunichte zu machen; 
fig. jem., der allerlei seltsame, wunderbare Taten ausführt. 

I V a n h o ^ npr. m. Der Held eines glchn. Bomans von Walter 
Scott (1819); fig. jem., der durch sein feines Benehmen, seine Schön- 
heit im Leben fortzukommen sucht. 

j a c a s s e (jacace) F. s. f. Plaudertasche , Plappermaul ; adj. 
geschwätzig; dieses Wort wird gewöhnlich zusammengestellt mit 
jacque, jacquot (jacot), jacquette, die Diminutivbildungen zu Jacques 
sind, ein Name, den man oft Elstern, Dohlen, Hähern und Papageien 
gibt; vgl. jaqueter bei Godef.; jacasser 1. schreien (meist nur von 
der Elster gebraucht); 2. plappern, schwatzen; jacasserie s. f. lang- 
weiliges Geschwätz. 

jacobin s. m. Name der Dominikanermönche nach ihrem 
Kloster in der rue Saint- Jacques in Paris; Mitglied des Jakobiner- 
klubs zur Zeit der Bevolution, daher fig. leidenschaftlicher, glühender 
Demokrat, der seinen Ideen mit Gewalt Geltung verschaffen wül 
vgl. Ladendorf 144; F. jacobini^re s. f. Versammlung von Erz- 
demokraten; jacobiniser, jacobinisme. 

Jacqueline npr. f. fig. P. n. app. m. Grisette, Konkubine, 
liederliche Dirne. Nous avons eu une Jacqueline de la Prudoterie 
qui ne voulut jamais ^tre la maitresse d'un duc et pair Mol. 
G. Dandin I, 4. 

j a (c) q u e r i e s. f. frz. Bauernaufstand gegen den Adel (1358), 
dessen Anführer Guillaume Caillet (oder Charlet) war, der den Bei- 
namen Jacques Bonhomme führte; fig. Aufstand der Bauern, der 
niederen Volksklassen, des Pöbels überhaupt ; XVI. Par lequel pre- 
vost la Jacquerie s'emut Chron. norm. (^d. Molinet) p. 130. D.-H.; 
je ne veux pas ^tre le roi d'une jacquerie (Napoleon). Pr. M^rim^e, 
La Jacquerie, seines f Nodales 1828. 

Jacques npr. m. fig. F. n. app. m. Dummkopf, Einfaltspinsel; 
faire le^^^ eine einfältige Rolle spielen; in der Soldatensprache füre 
le jacque 1. sich einer demütigenden Strafe, einer peinlichen Sache 
unterziehen; 2. als Reservist dienen; Name, den die Adeligen den 



— 91 ~ 

Landleuten gaben: les jacques (les jacquiers) die aufständischen frz. 
Bauern (1358). Icellui Gilet dist k Toussains, hostelier ... de Vemon 
qu'il estoit un vilain Jacques et qu'il allast a sa Jaquerie. Du Cange, 
jaquei; weitere Belege bei Godef. compl. jacques. 

Jacques Bonhomme npr. m. bezeichnete schon im 12. 
und 13., bsd. aber im 14. und 15. Jh. kollektiv das frz. Landvolk. 
Lange Zeit hatte es sich von den adeligen Feudalherren knechten 
und ausbeuten lassen; der Versuch, durch einen gewaltsamen Auf- 
stand das verhaßte Joch abzuschütteln, mißglückte vgl. A. Thierrj, 
Histoire v^ritable de Jacques Bonhomme (1820 Etud. bist); Cessez, 
cessez, gendarmes et pietons De pilloter et menger le bonhomme, 
Qui de longtemps Jacques Bon-home Se nomme , Du quel bleds, 
vins et vivres achetons R. de CoUerye, (Euvres p. 239; vgl. Mais 
moy, qui suis Jean Bonhomme, J'endure tout et n'en dy rien Anc. 
Th. fr. IX, 145; bonhomme wird auch für sich zur Bezeichnung 
eines Bauern, eines alten Mannes in vielen Provinzen Frankreichs 
gebraucht^ in euphemistisch -ironischem Sinne ist bonhomme = ein- 
fältiger Mensch; Les francs gontiers et Jacques bonshoms du voy- 
sinage . . . feurent bien estonnez. Bab. ML. II, 265. 

Jacques D^loge(8) npr. m. prendre ^-^ pour son procureur ; 
faire Jacques D^loge (Des Loges) entfliehen, entwischen, sich heim- 
lich aus dem Staube machen (die lautliche Anlehnung an d^loger 
ist unverkennbar); Anc. Th. fr. IX, 74. 

Jacques la Grenouille npr. m. Spitzname, den die Eng- 
länder den Franzosen geben, weil diese nach ihrer Meinung sehr gern 
Frösche essen (frog-eaters). 

maitre Jacques npr. m. In Molieres Avare (111,1), ein 
Diener, der gleichzeitig Koch und Kutscher des geizigen Harpagon 
(s. d.) ist; fig. jem., der mehrere Stellungen zugleich einnimmt, 
verschiedene Dienste verrichtet vgl. un Jean qui se m^le de tout 
Faktotum. 

m^re Jacques Frau, die feine andere bemuttert (Daudet); 
in seinem Roman Le Petit Chose (1868) bezeichnet Alphonse Daudet 
seinen Bruder Emest (in Jacques Eyssette verkörpert) wegen seiner 
zärtlichen Fürsorge als tante Jacques. 

Ja(c)quet npr. m. dim. v. Jacques; fig. n. app. m. Diener, 
Knecht; Schmarotzer (1507 On me doit bien nommer Jacquet 
Foumier I, 234), Halunke, Schuft; Possenreißer; un patilin, im 
jacquet qui suit les lapins it. parasito. Jun. Nomencl. ^d. 1577 
p. 369 (D.-H.); en lui donnant des applaudissements comme les 
jaquets Amyot, CEuvres mor. de Plut. (6d. 1819) I, 179; jacquet: 
m. A pilgrim to S. James of Compostella; also a parasite, syco- 
phant, claw-back. Cotgrave (1606); jaquet, badin m. Tonto, necio, 
adulador Oudin, Thresor 1660; P. jaquet männliches Glied; Name 
der Schnepfen und des Eichhörnchens; über die Redensart F. se 
lever d^ le patron Jacquet(te) oder Minet vgl. Littr^ jacquet; 
Darmesteter (I) 124; Oudin (II) 437. 



— 92 — 

Jacquot (Jacot) npr. m. fig. P. j^^n. app. m. grand j ^^^ 
Dummkopf, lästiger Schwätzer; als Vogelname: Elster, Häher, Dohle, 
Papagei. 

Jan in npr. m. dim. v. Jean vgl. jenin, genin, jeannin, janin, 
jannain bei Godef. jenin; fig. n. app. m. dummer, alberner, einfältiger 
Mensch; Gimpel, der sich leicht an der Nase herumführen läßt; 
betrogener Ehegatte, Hahnrei, eine von den frühesten Zeiten lite- 
rarischen Schaffens bis auf die Tage der unmittelbaren Gegenwart 
in den mannigfaltigsten Wandlungen wiederkehrende traditionelle, 
typische Figur des frz. Theaters, was um so weniger zu verwundem 
ist, wenn man sich an die Unmöglichkeit der Ehescheidung in Frank- 
reich erinnert (vgl. Dumas, Vorrede zur „^trangere"). Pourroit-il 
estre vray ou fainte Que ma femme m'ayt faict Jenin Anc. Th. 
fr. I, 132; Te feroit-elle point janin Ta femme ib. I, 148; 205; 
Foumier I, 406; Qui s*en cuide issir sans debat Pour certain il est 
bien jenin. A. Chartier, (Euvr. (1617) p. 719; Aussi celuy qui 
croit largesse, Estre en aucuns est bien jenin Marot H, 1£4; Estre 
pris pour Jenin et mis au nombre des cocus Montaiglon (II) X, 139; 
Quand on dit un bon jannain que le vulgaire prononce genin cela 
s'entend proprement d'un pitaut qui prend bien en patience que sa 
femme lui fasse porter des cornes. H. Estienne, Apolog. pour H^rod. 
(1566) p. 19; jeninot s. m. Jeninot est le nom d*un sot Mais aussi 
n'es tu pas trop sage. Farce de Jeninot, Anc. Th. fr. I, 293. Janin,^ 
Janot U.S.W, waren in den Farcen des 16. Jh. typische Namen für 
ungeschickte, tölpelhafte Diener vgl. ital. Gianni (dim. v. Giovanni) 
in gleicher Verwendung. 

Janot (Jeannot) npr. m. dim. v. Jean; fig. n. app. m. dummer, 
einfältiger Mensch; Tropf; Janot est le vray nom d^un sot Anc 
Th. fr. I, 182; betrogener Ehemann; Janot, eine komische Figur 
der Posse, der Typus eines wunderlichen, argen Dummkopfes, der, 
von Louis Franijois Archambault gen. Dorvigny (1742 — 1812) ge- 
schaffen, zum ersten Male in dem Stück Les Battus paient Tarnende 
(Vari^t^s 1779) auf der Bühne erschien und Ungeheuern Beifall 
fand; janotisme s. m. komisch wirkende Verwirrung der Konstruktion 
und Satzfolge, z. B. je cherche une m^decine pour mon p^re, qui 
est malade, dans une petite bouteille; janoterie s. f. fürchterliche 
Dummheit; vgl. Janot lapin Laft. f. VH, 16 (Jean lapin ib. f. H, 8);. 
Janotus de Bragmardo nach Eabelais ML. I, 67 ff. im 16. Jh. sprich- 
wörtlich zur Bezeichnung eines langweiligen Kedners. 

jans^nisme s. m. Die Lehre des holländ. Bischofs Cornelius; 
Jansen(ius) 1585— 1638 von der Gnade und Prädestination (Ste.-Beuve, 
Port Royal I, 13. 35; II, 92—119); weit. S. zu große Sittenstrenge; 
jans^niste s. m. und f. Anhänger(in) Jansens; weit. S. sittenstrenge(r) 
Mann, Frau; strenger Richter; adj. sehr einfach, ohne Verzierungen^ 

Javert npr. m. Nach einer Person in Victor Hugos Bomaa 
L6s Miserables (1862), der Typus eines schlauen Polizisten. 

J a V o 1 1 e npr. f. üg. n. app. f. Schwätzerin, Plaudertasche.. 



— 93 — 

Jean npr. m. vgl. JehaD, Jahan, Jean, Jan, Jehan gippon bei 
Godef.; über Jean als Helden von Märchen vgl. P. Sebillots zahl- 
reiche Werke zur frz. Volkskunde und Artikel in der Eevue des 
traditions populaires; Jean beliebter Name für Mönche, Geistliche 
(vgl. engl. Jack Friar ein Pfaffe) frere, pr^tre Jean, messire Jean 
Laft. cont. IV, 6; IV, 7. Anc. Th. fr.IX, 97; IV, 5; Leroux(II)II,44; 
Jean Chouart Laft. f. VII, 10; Kab. ML. I, 325. Es ist nicht zu ver- 
wundem, daß dieser Name durch seine außerordentlich weite Ver- 
breitung schon frühzeitig in der Wertschätzung erheblich gesunken 
ist und eine üble Nebenbedeutung angenommen hat. Nous avons 
deux noms des quelz nous baptizons en commun propos ceulx qu*es- 
timons de peu d'effect, les nommans Jeans ou Guillaumes. Dont soit 
cela provenu, ie m'en rapporte k ce qui en est. Bien vous diray 
ie que dez le temps de ceste farce [l'avocat Pathelin] fut compos^e, 
on se mocquoit des Guillaumes. Pasquier VUI, 59; Deux Jean et 
un Pierre Font un asne entier Gabr. Meurier, Tresor des Sentences 
(XVI); Jean! que dire sur Jean? C*est un terrible nom Que ja,mais 
n'accompagne une ^pithete honn^te. M°*® Deshouliferes; 1475 je t'ay 
fait plusieurs fois Johan [sagt eine Frau zu ihrem Mann] et en despit 
de toy je te le feray encores. Du Gange, Joannes; Procez pour 
avoir appelle un homme mari^ Jan, sot, cocu et parent de Moyse. 
G. Bouchet, Serees 11, 75; eine reiche Fülle von Belegstellen für 
Jean = cocu, comard gibt Eegnier, Laft. IV, 377; vgl. Hans Carvel 
Laft. f. IV, 376; Fanneau de Hans Caruel Rab. ML. I, 8. 35; H, 141; 
in, 28; über arnaut, emou(l)<^ Amoldus im Sinne von Jean «= cocu 
vgl. ZEPh XVin, 130 ff.; Deschamps VI, 336; VHI, 176. 

Jean bouche d'or; c'est un saint ^^ ein Chrysostomus; ein 
freimütiger Redner; Schmeichler; Schwätzer, Plappermaul; jem., der 
alles mögliche verspricht; Jean fait tout: jem., der alles können 
will, aber nichts Rechtes gelernt hat; Jean Farine npr. m. Hans- 
wurst (ganz weiß gekleidet, Haar, Hände und Gesicht mit Mehl be- 
deckt, daher enfarinfe Name der Possenspieler vgl. über diese Sitte 
die von Pritsche 131 angeführten Zitate aus dem 16. Jh.); Laporte, 
Epithetes (farce); vgl. Foumier I, 398; Montaigne IH, 10; über Jehan 
Gippon als Typus des Schotten in Frankreich im 16. Jh. vgl. Four- 
nier I, 303; Jean gu^tre coli. Bauemvolk, Bauern; gu^trer Ga- 
maschen anziehen (Pierre Dupont 1821 —70). 

Jean de Lagny: F. c'est un ^^^ qui n^a point de häte er 
denkt: kommst du heute nicht, so kommst du morgen: diese Redens- 
art soll sich auf den Herzog Johann von Burgund (Jean-sans Peur) 
beziehen, der 14 17 auf königlichen Befehl zwei Monate lang untätig 
in Lagny liegen bleiben mußte, ohne vorrücken oder zurückweichen 
zu können (wahrscheinlicher nur Wortspiel mit lent vgl. lambin, 
longis). Vous estes de Lagny, vous n^avez pas de häte Anc. Th. fr. 
IX, 29; vgl. Chron. du religieux de St. Denis 36, eh. 15. Sat.Menipp. 
(Duchat), 245. 

Jean Lorgne. F. Dummkopf; faire le '^, lo(r)gne den 



— 94 — 

Dummen y den Unschuldigen spielen (lorgne blind, dumm; im Argot 
der Diebe: Einäugiger). Jean lorgneur Maulaffe. Tandisque faisant 
les janlorgnes nous regardions de tout c6t^. Voyage de Br^me 
(Leroux, Dict. com. II, 32). 

Jean Louis Bezeichnung der Vaudois; Jean-qui-ne-peut 
s. m. impotenter Mensch; Moy qui n'ai pas le nez d'estre Jean-qui- 
ne-peut R^gnier, sat. XI. 

Jean de Nivelle npr. m. üg. n. app. m. einfältiger, alberner 
Mensch; Dummkopf, Gimpel. Cachez-vous en ce coin, Jean de Nivelle, 
Sauvez-vous vitement. Scarron, Jodelet ou le Maitre valet; c'est 
(il est comme) le chien de ^^^ qui s'enfuit quand on Tappelle sagt man 
von jem., der davonläuft, wenn man ihn ruft; jem., der in dem 
Augenblick, wo seine Gegenwart nötig ist, sich aus dem Staube 
macht. Die sprichwörtliche Kedensart soll auf Jean de Nivelle, den 
Sohn des Herzogs Johann IL von Montmorency, zurückgehen, der 
mit seinem Bruder Louis von seinem Vater enterbt wurde, weil er 
sich gegen dessen Willen der Partei des Herzogs von Burgund, des 
Gegners Ludwigs XL, angeschlossen hatte. Der Vater ließ seinen 
Sohn mit Trompetenstößen vor das Parlament zitieren, „le maudit, 
le traita de chien*, aber trotz der wiederholten Aufforderungen er- 
schien dieser nicht (sondern begab sich auf die Güter seiner Frau 
nach Flandern?). Über verschiedene andere Deutungen vgl. Quitard, 
p. 225; Laft. f. VIII, 21 bezieht das Sprichwort, wie wohl die meisten 
Leute, auf einen wirklichen Hund vgl. ital. Far com il can d^Arlot- 
to che chiamato se le hatte es machen wie der Hund des Arlotto, 
der ausriß, als er gerufen wurde; Jean de Nivelle, komische Oper 
von Ed. Godinet, Philippe Gille (Musik von L^o D^libes) 1880 be- 
handelt die Liebe Jean de Nivelles zu der schönen Bäuerin Arlette; 
vgL O. Colson, le cyclo de Jean de Nivelle, chansons, dictons, 
legendes et type populaire Wallonia VHI; Parfaict H, 130 — 147; 
XV. alles nyueles (== niais, diseur de niveleries) Marchebeau (moralit^). 
Voilä bien nicqueter, c'est trop niveler (= dire des niaiseries k la 
Jean de Nivelle) Anc. Th. fr. IX, 38; HI, 264; niveler (= s'amuser 
ä des v^tilles, ä des niaiseries, k des bagatelles; terme de mosaiste); 
nivelerie (<=minutie, v^tillerie); nivelier, nivelleux vgl. Laft IX, 273; 
Godef. nivelet, Littr^ niveler 2; Rom. XXXI, 172. 

Jean de Paris npr. m. In dem Prosaroman Jehan de Paris 
(XV. Jh.), für den eine Beihe von Motiven aus Philippe de Beaumanoirs 
Versroman Jehan et Blonde (13. Jh.) verwertet sind, bewirbt sich der 
Held, ein junger frz. Prinz, zugleich mit einem älteren englischen 
König um die Hand einer spanischen Prinzessin imd sticht seinen 
Nebenbuhler durch unerhörten Luxus und Beichtum aus. Aus dieser 
Quelle sind auch Marsolliers Melodrama (Musik von Dazondeau, 1807), 
Boieldieus Oper Jean de Paris (1812) und B^rangers Lied Jean de 
Paris geflossen; fig. verkleideter Prinz, der verschwenderisch mit 
Geld um sich wirft; c'est un train de '-^ der versteht es^ den Großen 
zu spielen; vgl. Nisard, Histoire des livres populaires^ P. Ib64. 



— 95 - 

Jean Potage npr. m. Suppenhans, Spitzname der Franzosen 
nach ihrem Leibgericht (vgl. die Bezeichnung der Lustigen Person 
durch den häufigsten Vornamen und die Lieblingsspeise des be- 
treffenden Volkes: Maccaroni in Italien, Pickelhering in Holland, 
Jack Pudding in England, Hans Wurst in Deutschland). 

Jean Baisin coli. (Volk der) Winzer. 

Jean Bidoux Dummkopf, Oudin (H) 481; ehem. P oui, /^> 
(Name eines alten Küsters von Saint-Cloud) ja prosit, Scheibe. 

Jean de Vert npr. m, F. c^est du bon temps de '^>; je m^en 
aoucie; je m'en mocque comme de ^^^ darüber gräme ich mich nicht 
mehr, in Anspielung auf Johann von Werth, den General der Liga 
und Führer des Heeres Kaiser Ferdinands HI., der sich durch mehrere 
schwere Niederlagen, die er den Franzosen beibrachte, gefürchtet 
machte, aber 1638 bei Bheinfelden von Bernhard von Sachsen- 
Weimar geschlagen und 1642 als Gefangener nach Frankreich ge- 
sandt wurde. Le redoutable Jean des Vers, Qui lors les avoit pris 
sans vert (d. h. unversehens überraschte, heftig angriff; vgl. Anc. Th, 
fr. Vin, 420; Fournier I, 371) Scarron, Gigantomachie (1644), eh. 2. 

Jean des Vignes npr. m. fig, schlecht gewachsener Mensch, 
Hans Tapps, Dämel; il fait comme ♦^', er begeht eine unerlaubte 
Handlung, etw., was ihm teuer zu stehen kommen wird; un mariage 
de '-^ unerlaubte Heirat; Konkubinat unter dem Schein der Ehe. 
Unwahrscheinlich ist es, mit Littr^ in diesem Namen eine historische 
Anspielung sehen zu wollen auf die Niederlage König Johanns gegen 
die Engländer in den Weinbergen bei Poitiers (1336). Jehan des Vignes 
war vielmehr neben Tabarin (Tabary) eine beliebte Marionettenfigur 
des 16. Jhs. vgl. Magnin; G. Beuchet, Serees XVIH; Jehan des 
vignes = Wein, Anc. Th. fr. H, 215. 

Jean-B^te s. m. fig. n. app. m. Hans Dampf; Dummkopf, 
der wichtig tut; quand Jean-b^te est mort, il a laiss^ beaucoup 
d'höritiers die Dummen sterben nicht aus, werden nie alle; Wort- 
spiel mit j'emb^te. 

jean-fesse (jean foutre) s. m. jämmerlicher Kerl, Hunds- 
fott; P, c'est un grand J . . . F euphemistische Abkürzung für uu 
grand Jean Foutre. 

Jean l'Enfum^ der Schinken; Anc. Th. fr. VHI, 239; Jean 
de la Suie P. der Schornsteinfeger; Jean des Houx Stock, Knüttel, 
Hebebaum ; Jean du Houx est itel qu'il est Anc. Th. fr. H, 196; Jean 
du Bos ib. n, 105; Jean de l'Houssine, (Beitgerte) Bohrstock 
(vgL j^röme in derselben Bedeutung), im Argot Stück Holz, das den 
Dieben zum Einbrechen dient; vgl. saint-Jean. 

Gros-Jean npr. m. Dummkopf, Einfaltspinsel; unbedeutender 
Mensch; Mann von niederem Stand (Arbeiter, Bauer); Gros Pierre 
wird in demselben Sinne gebraucht (Mol. ißcol, des Fem. 1, 1); ^tre 
GrojSrJean comme devant seine Hoänungen und Pläne vernichtet 
sehen;: nach kurzem Glück wieder in die alte, mißliche Lage zurück- 
sinken VgL Jean s'en alla comme il ^tait venu; Laft. f. VU, 10; se 



— 96 — 

trouver gros Jean sich in schlechter Lage befinden; c^est Gros Jean 
qui en remontre k son cur^ das Ei will klüger sein als die Henne; 
Gros Jean Bauernname in einem Lied, das Kabelais M L. II, 263 an- 
führt; brave-Jean s, m. Biedermann. 

Jean-Jean P. s. m. Dummkopf, Einfaltspinsel, Gimpel; in 
der Soldatensprache (pl. Jeans- Jeans) junger Rekrut. 

maltre Jean legendenhafte Person in den Vogesen und im 
Elsaß, die mit Hülfe des Teufels wunderbare, phantastische Riesen- 
bauten ausführt, auch Name des Teufels selbst. 

Joanne npr. f. fig. n. app. 1 leichtsinniges Mädchen. Peu de 
Philis, beaucoup de Joannes Laft. IX, 295; Jeanne-fait-tout Mädchen 
für alles. 

jeannette npr. f. fig. F. n. app. f. Kindermädchen; dumme 
Liese (auch von schlafmützigen Männern gebraucht). 

Jeanneton npr. f. dim. v. Joanne, Jeannette; n. app. f. Haus- 
magd, -mädchen; P. Mädchen von zweifelhafter Tugend, leichtfertige 
Dirne, Hure; un vrai pape d^Yvetöt.. avec quelque chose de fin 
dans le rire ... et pas la moindre Jeanneton [nicht die geringste 
Liebelei] Daudet, Contes du Lundi (La Mule du pape); Ils sont 
discrets pour les H^l^nes, Et muets pour les Jeannetons Maucroix 
I, 196; Car il defend les Jeannetons Laft. IX, 436 cf. ib. 447; Par- 
tout on vous rencontre avec des Jeannetons V. Hugo, Ruy Blas I, 2. 54 ; 
Janeton beliebter Name von Schäferinnen, (wie Marion, Thoinon, 
Margot vgl. Ronsard, Booage Royal; Marot, Eglogues; Belleau, 
Bergeries; Boileau, Art. poet. II, 21 — 24; B^rangers Lied Jeannette; 
la muse Jeanneton heitere Muse (Gautier). 

J e a n n o t npr. m. fig. F. n. app. m. Erztölpel, Gimpel, Mucker 
(cf. Godef. jehannot); Hanswurst eines Marktschreiers; häufiger Name 
von Dienern; Laft. f. VII, 16 nennt ein Kaninchen Jeannot (Janot) 
lapin (cf. Jean lapin f. II, 8); auf dem Lande oft Name des Kobolds 
im Pferdestalle; jeannotisme s. m. Tölpelhaftigkeit (vgl. janot). 

Jeffreys, -ries, -ery npr. m. George, Lord ^-^ (1648—99), 
gewissenloser, bestechlicher englischer Kanzler, der durch seine feigen 
Schmeicheleien, seine niedrige Kriecherei wie wegen seiner schamlosen, 
brutalen Urteile und Reden berüchtigt war; fig. ungerechter, bestech- 
licher, grausamer Richter. 

Jockei, -ey s. m. [engl.] Stallbube; sehr junger Bedienter; 
reitender Kutscher, Reitknecht, bsd. Reiter beim Wettrennen; Jockey 
ist dim. zu Jock, das in nordengl* Mundarten bsd. im Schottischen 
üblich ist für Jack; 1747 Le mot^ anglais est Jockey que nous 
pronon^ons comme jacquet Cailhava, Egoisme IH, 6. Acad. 1835. vgl. 
The Academy 1892, 1, 593. 

Joconde npr. m. fig. n. app. m. galanter Verführer; auf 
Liebesabenteuer ausgehender Mann ; jem., der Glück bei Frauen hat. 
Diese Figur ist durch Lafontaines Erzählung Joconde (1665), zu der 
er durch Ariosts Orlando furioso (XXVIII Stanze 1 — 75) angeregt 
wurde, volkstümlich geworden und hat wiederholt als Gegenstand zu 



— 97 — 

dramatischen Darstellungen gedient, von denen bsd. hervorzuheben 
sind: Joconde, com^die von Fagan (1740); Joeonde, op^ra-comique 
von Ch. Cholle (1756); Joconde, op^ra von Desforges (Musik von 
Jadin) 1790; Joconde von Leger (1793) u. a. Am bekanntesten und 
beliebtesten war Joconde ou les Coureurs d'aventures, op^ra-comique 
von Nicolo (Text von ^tienne; Feydeau 1814). Joconde npr. f. fig. 
11, app. f. faire sa Joconde sich zieren; En un mot ce sont les Jo- 
condes, les belies Agn^, et ces conquerants illustres sans qui Henri 
quatri^me avoit ^t^ un prince invincible Laft. f. IX, 269; Tu n'ea 
qu'un mauvais sujet, un Joconde, un Lovelace. Scribe et Maz^res, 
Vatel sc. 6; vgl. Eoth 226 ff. 

Joerisse npr. m. fig. P. n. app. m. 1. Einfaltspinsel; Topf- 
gucker, Erbsenzähler (bsd. von einem Ehemann, der sich zu sehr mit 
wirtschaftlichen Dingen beschäftigt), Pantoffelheld; jem., der sich mit 
unnützen Kleinigkeiten abgibt; zusieht wie andere arbeiten; der sich 
beherrschen läßt; 2. einfältiger, ungeschickter Diener; jocrissiade s. f. 
Albernheit (jetzt dafür meist calinotade gbr. vgl. calino). Zur Be- 
zeichnung eines lächerlich einfältigen, leichtgläubigen Dieners war 
Joerisse schon am Ende des 16. Jhs. üblich. Par le sang d'une 
petite puce, va dire le sieur Patelin, c'est dommage que vous n'avez 
pas nom Joerisse, je croy qu'il vous feroit bon voir mener les poules 
pisser. Choliferes, Apr^s-disn^es P. 1588 I, 23. Joerisse qui meine 
les poules pisser war, wie Oudin (II) 284 zeigt, eine beliebte Bezeich- 
nung für einen Menschen, der unnötige Dinge tut. Si j'avois un 
mari, je le dis. Je voudrais qu'il se fit le maltre du logis. Je ne 
i'aimerais point, 8*il faisoit le Joerisse. Mol. Fem. sav. V, 3 (cf. Sgan. 
sc. 16, 354). Seine außerordentliche Beliebtheit erlangte dieser Typus 
durch den Vaudevilledichter Dorvigny (vgl. Janot), der ihm eine 
Keihe von Theaterstücken widmete: Le D^sespoir de Joerisse (1791), 
Joerisse chang^ de condition (1795), Joerisse cong^di^ (1797), Joerisse 
jaloux (1803) u. a. Nach ihm haben sich eine große Aiizahl von 
Autoren dieses volkstümlichen Typus bemächtigt, so Lauzanne, La 
Soeur de Joerisse 1840, und noch 1865 wurde im Palais Boyal ein 
Lustspiel Les Joerisses de Tamour von Theodore Barriere aufgeführt. 
Littre stellt Joerisse etymol. zu wallen, jobrisse (nigaud), das er mit 
job(ard) zusammenbringt vgl. auch joque sus bei Godef. compl.; 
XVI. Tu m'as villainement Meurdrie, viel coqu joquessu Anc. Th. 
fr. n, 155; Scheler verweist auf vläm. jocken, engl, joke und erinnert 
wegen der vorkommenden Bedeutung ungeschickter Diener, Stall- 
knecht an Schweiz, jockeli; engl. Jockey; vgl. Wackemagel, Germ. 
V, 343 ff.; Pritsche 129. 

Jodelet npr. m. fig. n. app. m. Hanswurst, Kasper, Possen- 
reißer; mutwilliger Schelm, Spaßvogel (vgl. Tr6voux: c'est le Jodelet 
de la compagnie); eine burleske Figur des älteren frz. Lustspiels, 
die nach span. Vorbildern in Frankreich bsd. durch Scarron ein- 
geführt wurde (vgl. Jodelet, valet i. d. Com^die des Chansons 1640 
Anc. Th. fr. IX, 100). In seinen Komödien Jodelet ou le Maitre 

7 



— 98 — 

valet (1645 nachRojas) und Jodelet du^lliste (1646, urspr. u. d. Titel 
Les trois Doroth^es ou Jodelet soufflet^) erscheint J. als der vollendete 
Typus eines gemeinen, niedrigen Dieners, der, leckerhaft und gefräßig, 
unanständige, schlüpfrige Spaße macht, mit seiner Feigheit prahlt 
und allerlei dumme Streiche spielt, die seinem Herrn immer Schaden 
bringen. In dieser Bolle zeichnete sich vor allem Julien B^eau 
(1590 — 1660) aus, der daher den Beinamen Jodelet führte. Seit 
1634 wirkte er am Hotel de Bourgogne, vorher (von 1610 an) und 
nachher (seit 1642) trat er im Th^ätre du Marais auf, wo er auch 
zuerst den Cliton im Menteur (1644) von P. Corneille spielte. Möllere 
erwähnt ihn wiederholt, so D^pit am, I. 1 v. 78 (ebenso Com. Suite 
du Ment. I. 2. 215—218) und läßt ihn 1659 in den Pr^cieuses ridicules 
auftreten vgl. Mol. H, 36 ff.; Com. IV, 123 ff. Jodelet trug ein 
schwarzes Kostüm, das mit dem blassen, mehlbestreuten Gesicht gar 
seltsam kontrastierte vgl. Le meunier semble un Jodelet Laft. VII, 
133. Jodelet astrologue, com^die von d'Ourville (1646); Jodelet prince 
ou g^ölier de soi-m^me von Th.Comeille(1655); G. de la Tessonnerie, 
Le Campagnard (1657); Br^court, La feinte morte de Jodelet (1660). 
Monnier, chap. VI; Pritsche 130; Parfaict V, 239. 

John Bull npr. m. Spitzname, den man den Engländern gibt. 
Zum ersten Mal wurde er von Arbuthnot in seiner Satire The History 
of John Bull angewendet, die ursprünglich unter dem Titel Law in 
a bottomless Pitt 1712 erschienen war. George Colman, John Bull, 
Schauspiel (1805), deutsch von Karl Blum (1825). Büchmann 329; 
Webster, p. 1600. 

Jonathan npr. m. frere Jonathan engl. Brother Jonathan, ein 
Spitzname, den man den Amerikanern gibt. Als General Washington, 
der Gründer der Vereinigten Staaten, 1775 Maßregeln zur Ver- 
teidigung von Massachusetts ergriff, begegnete er schier unüberwind- 
lichen Schwierigkeiten wegen der Verproviantierung seines Heeres. 
Er ging deshalb seinen Freund Jonathan Trumbull, den umsichtigen 
Gouverneur von Connecticut, um seinen Rat an, der durch seine 
klugen Vorschläge auch tatsächlich Abhülfe schaffte. Seitdem sagt 
man sprichwörtlich We must consult Brother Jonathan (on that sub- 
ject) und allmählich wurde Brother Jonathan der Spitzname für die 
Nordamerikaner. Jonathan war ein beliebter Name bei den nach 
Nordamerika ausgewanderten Puritanern. Daß sich der bibelfeste 
Washingthon, wie Büchmann 522 meint, an Jonathan, den treuen 
Freund Davids (1. Sam. 18. 19. 20) erinnert hätte, erscheint wenig 
glaublich. 

Josse npr. m. In Moli^res FAmour m^decin (1665) I, 1 ein 
Juwelier, der Sganarelle (s. d.) geraten hatte, zur Heilung der Schwer- 
mut seiner Tochter ihr einen prächtigen Schmuck von Diamanten, 
Rubinen und Smaragden zu kaufen. Sganarelle verspottet den eigen- 
nützigen Rater mit den Worten vous etes orfevre, Monsieur Josse, 
die seitdem sprichwörtlich einen Menschen bezeichnen, der unter dem 
Deckmantel fremder Interessen seine eigenen geltend zu machen 



- 99 — 

sucht. Der Name Josse, den zu Moli^res Zeiten der Syndikus der 
Buchhändler und Druckerzunft als Familiennamen führte und den 
in Jacques Gr^vins Lustspiel Les Esbahis (1559) ein betrogener 
Kaufmann, in Lariveys Komödie Les Esprits (1579) ein Zauberer, 
in Lariveys Le Fid^le (1611) der Pedant trägt, ist wahrscheinlich 
pikardischen Ursprungs. 8t. Josse wird im Ponthieu verehrt, wo 
mehrere Ortschaften nach ihm genannt sind; MND 2, 971; 6, 253 u. ö. 
Mol. V, 298; über andere in der Literatur vorkommende Personen 
gleichen Namens vgl. Pritsche 132; Parfaict IV, 162; III, 323; IV, 316; 
Lotheissen I, 277; Foumier I, 433; Beauchamps, Recherches I, 228; 
Josset als Dienemame: MND 35, 754; 40, 1982; Josset, orf^vre im 
Myst^re Ste.-Barbe Juleville II, 479; Parfaict II, 67. 

Jourdain npr. m. Monsieur '^^ nach dem Helden im Bour- 
geois Gentilhomme von Moli^re (1670), einem reich gewordenen, 
dünkelhaften Bürgerlichen, der es gern den Adeligen gleich tun 
möchte, der Typus eines biederen, spießbürgerlichen, beschränkten 
Emporkömmlings, der in linkischer, ungeschickter Weise vornehme 
Umgangsformen affektiert, den Adel äußerlich nachäfft, sich von 
Schmeichlern hinters Licht führen läßt und durch sein ganzes ge- 
künsteltes Tun und Gebaren der Lächerlichkeit anheimfällt; wegen 
der Deutung Jourdains auf den Hutmacher Gandouin vgl. Pritsche 1 32 ; 
Jourdain als Familienname MND 2, 705; 29,421; 36,82. 

Juliette npr. f. Nach Shakespeares Tragödie Eomeo und 
Juliet (frz. v. Ducis J 772) der reinste, vollendetste Typus der Schön- 
heit und Macht der Liebe, die die unbefangene, kindlich-naive Julia 
zur entschlossenen Jungfrau heranreifen läßt; alle Schranken durch- 
brechend, schreckt sie vor keiner Gefahr, selbst nicht vor dem Tode 
zurück. 

Labadens npr. m. Familiäre Bezeichnung für einen alten 
Schulkameraden, einen Pensionsfreund, die von dem Lustspiel L'Affaire 
de la rue de Lourcine von Labiche, Monnier und Martin herrührt, 
das zuerst am 26. März 1857 im Palais Royal aufgeführt wurde vgl. 
Alexandre I, 272. 

L a b u 1 1 e npr. m. P. P^re '^^ fig. n. app. m. jem., der sich im 
stillen seines Lebens freut; ein altes Lied soll den Namen dieses 
Bettelmönches populär gemacht haben, 

Lacenaire npr. m. Pierre Fran^ois ^-^ (1800 — 36), einer der 
berüchtigtsten Mörder, den die Annalen der Kriminalistik aufzuweisen 
haben; er war ein kalter, herzloser Schurke, der von Jugend auf 
verwildert, wegen seiner zahllosen Gewalttätigkeiten und mehrfachen 
Meuchelmorde hingerichtet wurde, die er mit der größten Kaltblütig- 
keit und mit wahrhaft teuflischer Berechnung a'usgeführt hatte; fig. 
berüchtigter Verbrecher; P. orpheline de Lacenaire auf dem Boule- 
vard ihrem Gewerbe nachgehende Hure. 

La Farge npr. f. Marie - Fortunee Cappelle, femme Pouch- 
Lafarge (1816 — 52); angeklagt, ihren Gatten vergiftet zu haben, 

7* 



— 100 — 

bestand sie trotz schwerwiegender^ belastender Indizien hartnäckig 
auf ihrer Unschuld, wurde aber zu lebenslänglicher Zwangsarbeit 
verurteilt. Kurze Zeit nach ihrer Begnadigung, die ihve Freunde 
erwirkt hatten, starb sie an Entkräftung; lafarger den Gatten ver- 
giften, ermorden (wie Frau Lafarge). 

Lagingeole npr. m. In dem Vaudeville L'Ours et le Pacha 
von Scribe und Saintine (1820), das mit der Musik von Bazin 1870 
auch als komische Oper aufgeführt wurde, ist L. der Besitzer einer 
Menagerie, ein geschickter, geriebener Betrüger, der kühn und un- 
verschämt vor nichts zurückschreckt, um seine unersättliche Geld- 
gier zu befriedigen. Immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, 
läßt er wie Bobert Macaire (s. d.) meist andere die Kastanien aus 
dem Feuer holen, um dann allein die Früchte der gefahrvollen, 
mühseligen Arbeit zu genießen. Er ist das Sinnbild eines possen- 
haften, gesinnungslosen Lumpen, der andere auszunutzen sucht. 

Lambert npr. m. P. n. app. m. seit 1864 h^ Lambert Sie 
Dingsda; Sie, da Lehmann (wenn man den Namen von jem. nicht 
kennt oder nicht nennen will); appeler qn. Lambert sich auf der 
Straße über jem. in spöttischer Weise aufhalten; as-tu vu Lambert? 
Vexierruf ohne tiefere Bedeutung vgL dtsch. Wo ist Naucke? Hast 
du Schulze nicht gesehen? vgl. Villatte, Parisismen. 

1 a m b i n s. m. auch adj. l.Trödler(in), Faulpelz; trödelnd; 2. Feig- 
ling (Delvau); lambiner zaudern, trödeln; langweilen. Nach der ge- 
wöhnlichen Annahme soll dieses Wort einer Anspielung auf Denis 
Lambin (1516 — 1572) seinen Ursprung verdanken, einen bedeutenden 
Gelehrten, dessen Arbeiten an seinen Kommentaren zu Lukrez, Cicero 
und Plautus durch seine allzu peinliche Genauigkeit und Gewissen- 
haftigkeit nur langsam vorwärtsschritten, so daß sich seine Zeit- 
genossen darüber aufhielten. Demogeot, Histoire de la Litt^rature 
fr98e 1886, p. 268; II me semble, disoit-il, que la paille te convien- 
droit mieux, ^tant un vray lambin, ayant la paille au cul. Bouchet, 
Serees I, 123; lambiner, lambiner: agir avec lenteur (Oudin). Über 
andere, ebenso wenig stichhaltige etymol. Erklärungen vgl. Scheler, 
lambiner. Ohne Zweifel darf man in lambin wohl eine durch Klang- 
ähnlichkeit hervorgerufene Anlehnung an lent erblicken (vgl. Lagny, 
Jean de). 

Lamourette npr. m. Antoine Andrienrw (1742 — 97), frz. 
Abb^ und Politiker, der als Mitglied der frz. Nationalversammlung 
am 7. Juli 1792 in ergreifender^ eindrucksvoller Rede zur Eintracht 
mahnte und tatsächlich auch eine Einigung der streitenden Parteien 
erzielte, deren Führer sich aus Freude umarmten und küßten; allein 
nach kurzer Zeit traten die alten Spaltungen wieder von neuem 
hervor, daher baiser Lamourette scheinbare Versöhnung (A. Thiers, 
Histoire de la Revolution fran^aise 1823 ü. XXII). 

La Palf^rinette npr. f. fig. n. app. f. feine, vornehme 
Buhlerin nach la Palf^rine, einer Romanfigur von Honor^ de Balzac. 



— 101 — 

La Palisse (La Palice) npr. m. Jacques de Chabannes, 
seigneur de^^ (1740 — 1525), ein tapferer frz. Marschidl, der nach 
vielen glorreichen Siegen in der Schlacht bei Pavia einen ruhmvollen 
Tod fand. Sein Leben verherrlichte ein unter den Soldaten sehr 
beliebtes Volkslied, das um 1710 (?) La Monnoye zu neuem Leben 
erweckte. In Anlehnung an einen alten Vers, dem urspr. nichts 
satirisches oder lächerliches anhaftete: Monsieur d'La Palisse est mort, 
Mort devant Pavie; Un quart d'heure devant sa mort, H ^tait encore 
en vie hat man eine Menge Zusätze geschaffen, die voll der komischsten 
Tautologien sind. Auf zwei ernst gemeinte Verse folgen immer zwei 
andere^ die durch ihre Selbstverständlichkeit lächerlich wirken, daher 
üg. une verit^ de Lapalisse Binsenwahrheit; abgedroschene, alltäg- 
liche Keden; lapalissade s. f. Spaß; lapalissien, -ienne adj. selbstver- 
ständUch. Scheffler, H, 95 ff. 

L a r i d o n npr. m. In seiner Fabel L^Education (VIII, 24) gibt 
Laft. diesen von lat. laridum (lardum) gebildeten Namen einem Hund, 
der wie der tapfere Caesar von berühmten Vorfahren abstammt, aber 
entartet ist und in der Küche den Bratspieß dreht. Die Worte 
„Combien des Cesars deviendront des Laridons*" sind sprichwörtlich 
geworden zur Bezeichnung von Menschen, die sich durch Schwäche, 
Verweichlichung und Üppigkeit ihrer Ahnen unwürdig zeigen; fig. 
F. Koch, Küchenjunge; untätiger, unbedeutender Mensch. 

Laubardemont npr. m. Jean Martin, baron de '-^ (1590 
bis 1653), frz. Staatsrat unter Ludwig XIII., ein gefügiges Werkzeug 
in den Händen des Kardinals Richelieu. £r ist berüchtigt wegen 
seiner falschen, hinterlistigen und unbilligen Prozeßführung gegen 
Urbain Grandier, Cinq Mars und De Thou; fig. ungerechter Richter, 
Wüterich. 

L a u z u n npr. m. Antoine Nompar de Caumont, comte, später 
duc dc'^' (1633— 1723), . ein frz. General und Höfling, ein feiner 
Weltmann, der bsd. durch sein Liebesverhältnis mit der M"® de Mont- 
pensier (1625 — 93), der reichen Tochter Gastons von Orleans, be- 
kannt ist. Durch die Verleumdungen seines Nebenbuhlers Louvois 
und der M™® de Montespan fiel er in Ungnade bei seinem Gönner 
Ludwig XIV. und ^nirde längere Zeit in der Bastille und in der 
Festung Pignerol gefangen gehalten, aber durch das Eingreifen seiner 
Geliebten befreit vgl. die Charakteristik von La Bruyere I, 335 
(appendice 534 ff.); fig. Lebemann; air tout h. fait Lauzim feines 
Wesen eines leichtsinnigen Weltmanns. Der historische Roman Lauzun 
von Paul de Musset (1835) deckt ^ich nicht mit den historischen 
Tatsachen, das gleiche gilt von seinem Lustspiel La Revanche de 
Lauzun (1856). 

L e a n d r e npr. m. Nach einer Figur der alten ital. Komödie, 
der Typus des schönen, jugendlichen Liebhabers, le beau L^andre, 
der uns bei Moli^re (L'Etourdi, M^decin malgr^ lui, Fourberies de 
Scapin), Corneille und Destouches entgegentritt. Allmählich erhält 
er einen lächerlichen Anstrich; er erscheint als Maulheld und Prahler 



— 102 — 

und ist trotz seines großsprecherischen Wesens im Grunde genommen 
doch nur ein feiger Hasenfuß, der von allen gefoppt, ja sogar ge- 
prügelt wird. Le beau L^andre, Lustspiel von Theodore de Ban- 
ville (1856). 

L ^ o n npr. m. im Argot der Diebe Schwurgerichtspräsident. 

L^otard npr. m. Wegen seiner Geschicklichkeit und Ge- 
wandtheit berühmter Gjmnastiker im 19. Jh.; fig. jem., der aller- 
hand Kunststücke macht. 

L^torifere(s) npr. m. Vicomte de ^^^ nach einem glchn. Roman 
von E. Sue (1839) und einem glchn. Lustspiel von Bayard (1841) 
das Sinnbild eines jungen Mannes, der es versteht, allen zu gefallen; 
Eug. Sue, Le Marquis de L^toriferes 1839. 

L i n d o r npr. m. Li spanischen Theaterstücken, der Typus des 
Liebhabers, der seiner Geliebten unter ihren Fenstern mit der Guitarre 
Ständchen bringt; fig. Liebhaber; in Beaumarchais' Barbier de Sevilla 
(1775) trägt der Graf Almaviva, der Rosine liebt, diesen Namen. 

L i s e 1 1 e npr. f. traditionneller Name für die Zofe, das muntere, 
verschmitzte Kammerkätzchen, das seit Scarron eine stehende Figur 
im frz. Lustspiel ist; in P. Corneilles Komödie La Galerie du Palais 
1633 tritt zuerst an Stelle der Amme der klassischen Bühne die 
Suivante als Vertraute, aus der sich später allmählich die Kammer- 
zofe entwickelte; Lisette, confidente in du Ryers Vendanges de Suresne 
(1635), Lise in Corneilles Monteur (1644); bei Molifere erscheint 
Lisette in der l^le des Maris 1661 und in TAmour m^decin 1665. 
Außerdem begegnet uns Lisette als Typus des fröhlichen, leicht- 
sinnigen jungen Mädchens aus dem Volke, das oft von Chansonniers 
und Dichtern besungen worden ist. B^ranger hat Lisette zum Ur- 
bild der Pariser Grisetten gemacht, jener munteren, heiteren, lebens- 
lustigen Frauen, denen das Vergnügen über alles geht und die, 
unbekümmert um die Zukunft, sich mit leichtsinnigen Liebeleien die 
Zeit vertreiben. Fr^d^ric B^rat hat ein reizendes, rasch volkstümlich 
gewordenes Lied La Lisette de B^ranger gedichtet und selbst in 
Musik gesetzt; über die Redensart F. pas d'ca, Lisette! so etwas 
verbitte ich mir, nicht doch, nichts da vgl. Alexandre I, 85. 

Lolotte npr. f. dimin. v. Charlotte; fig. F. n. app. f. leicht- 
fertige Dirne, Freudenmädchen. 

L n g i n npr. m. Longinus, der römische Soldat, der die Seite 
Jesu mit einer Lanze öffnete, sich aber später zum Christentum be- 
kehrte und als Heiliger verehrt wird (16. März). Wahrscheinlich in- 
folge eines Wortspiels mit long bezeichnet saint Longin (saint Longb 
casus rectust), longin s. m. einen erzlangsamen, trägen Menschen, 
einen Trödler, der seine Zeit mit Kleinigkeiten vergeudet, wozu auch 
ein fem. sainte Longie träges Frauenzimmer gebildet worden ist; 
Mais toujours vostre grand Longis de mary present y estoit Anc. 
Th. fr. 1, 187; VHI, 475; Acad. 1696; vgl. Godef., Littr^ longis; 
Gautier de Coincy (^d. Poquet) p. 86, 3; Schröder, Glaube und Aber- 



- 103 — 

glaube in den afrz. Dichtungen Disä. Erlangen 1886> 20 H.; MKD22, 
520; Krömer, D. Longinuslegende L d. frz. Lit. Münster, Dies. 1899. 

Louis n. app. f. öffentliches Frauenzimmer, auf dessen Kosten 
der Zuhalter ein vergnügtes Leben führt; fig. Maitresse, Prostituierte. 
Der Name Louis (XV.) soll nach Jean Bichepin, La Chanson des 
Gueux von der Sitte mancher Bordellhuren herrühren, sich die Haare 
zu pudern und Schminkpflästerchen aufzukleben, wie das zur Zeit Lud- 
wigs XV. allgemein übUch war; P. crache-louis s. m. zahlender Lieb- 
haber; im Deutschen bezeichnet Louis nur den Zuhalter, nicht die 
Dirne; JVeux pas chlinguer la peinture Quand j'suc' la pomme k 
ma Louis Bichepin. 

Lovelace npr. m. Li Bichardsons Boman Clarissa Harlowe 
(1748), Bobert Lovelace, ein feingebildeter, eleganter, reicher und 
geistvoller junger Mann, der alle seine hinterlistigen Künste auf- 
bietet, um die tugendhafte, reine, edle Clarissa (s. d.) zu verführen. 
Sie stirbt vor Gram über die ihr angetane Schmach, und Lovelace 
selbst föUt, von Gewissensqualen gefoltert, im Zweikampf mit dem 
Oberst Morden, einem Vetter Clarissas. Er ist der vollendete Typus 
eines leidenschaftlichen, kalt berechnenden Verführers, eines aus- 
schweifenden, liederlichen Wüstlings; fig. n. app. m. 1. jem., der 
jedes Frauenzimmer verführt oder zu verführen sucht; adj. gefall- 
süchtig, weiberfreundlich; 2. gemeiner Lüstling, iro. Geck. Tu n'es 
qu'un mauvais sujet, un Joconde, un Lovelace Scribe et Maz^res, 
Vatel sc. 6. Monvel und Duval ließen 1796 im Th^ätre-Fran^ais 
ein Drama Le Lovelace fran^ais ou la jeunesse du duc de BicheUeu 
(s. d.) aufführen. 

Loyal npr. m. In Moli^res Tartuffe (1664), ein scheinheiliger, 
heuchlerischer, dabei aber sehr selbstbewußter Gerichtsvollzieher, den 
»eine eigenen Worte Je m'appelle Loyal, natif de Normandie, Et suis 
huissier ik verge, en d^pit de Fenvie V. 4. v. 1740 wie die der Dorine 
Ce monsieur Loyal porte un air bien d^loyal v. 1772 treffend kenn- 
zeichnen. Die zur Charakterisierung der handelnden Personen von 
den Dichtem häufig angewandte Namengebung per antiphrasim tritt 
hier offenkundig zutage; fig. Gerichtsvollzieher. 

Lubin npr. m. Name eines Heiligen; im 16. Jh. für Bettel- 
mönch, bsd. Franziskaner gebraucht; vgl. XVL lubin (lat. lupinus) 
als adj. geil, duckmäuserisch von Mönchen; fig. fr^re Lubin un- 
wissender Mönch, der einen unordentlichen Lebenswandel führt und 
zu Schwelgerei und Schlemmerei neigt nach Clement Marots Ballade 
(in) De Fr^re Lubin (H, 234 vgl. auch VI, 236), wo der Dichter 
ein für die Orden jener Zeit wenig schmeichelhaftes Charakterbild 
entwirft: Pour faire plus tost mal que bien, Frfere Lubin le fera 
bien, Mab si c'est quelque bonne affaire, Frfere Lubin ne le peult 
faire (Envoy). Schon im Boman de la Böse (1531 feuillet 69) sagt 
Faux Semblant, als Bettelmönch verkleidet: Je m'em plaindray tant 
senlement A mon bon confesseur nouvel, Qui n'a pas nom Frfere 
Louvel, Car forment se courrouceroit Qui par tel nom Tappelleroit. 



— 104 — 

Bei Rabelais ML. I, 6 (cf . I, 246. 291) les sacremens de Feuangile : 
les quelz un fr^re Lubin vray croqueiardon s'est efforeö de demon- 
strer bezieht sich dieser Name auf Thomas Walleys, einen englischen 
Dominikaner, der ein Werk Metamorphosis Ovidiana moraliter ex- 
planata P. 1509 veröffentlicht hatte; über Lubin als Bezeichnung 
für einen dummen Kerl, sogar für den Teufel in den mittelalter- 
lichen Mirakeln und den Farcen des 16. Jhs. vgl. Fritsche 145, 
der wegen dieser Bedeutung auf lubie (lube) s. f. sonderbarer Ein- 
fall , Grille , fixe Idee hinweist (vgl. G. Paris , Rom. IV, 499) ; in 
Molieres G. Dandin heißt Lubin ein bäurischer, tölpelhafter Be- 
dienter, und in der komischen Oper und bei Fabeldichtem ist Lubin 
ein beliebter Name für Bauern und Hirten vgl. Annette; Lubin, 
laquais in Lariveys Les Esprits 1579. 

LucrfeceBorgia npr. f. Die Tochter des Papstes Alexander VI. 
(1480 — 1519), eine schöne, anmutige, geistvolle Frau, die seit 1493 
in erster Ehe mit Johann Sforza verheiratet, nach der Scheidung 
von ihm (1497) sich mit Don Alfonso, dem Herzog von Biselli 
verband, der ein uneheliches Kind Alexanders VL gewesen zu 
sein scheint und von ihrem Bruder Cesare Borgia ermordet 
wurde. In dritter Ehe mit Alfonso d'Este, dem Herzog von Ferrara 
vermählt, führte sie ein glückliches Familienleben und vereinigte 
um sich einen Kreis ausgezeichneter Dichter, Gelehrter und Künst- 
ler. Nach einer weitverbreiteten Tradition gilt sie als ausschweifende, 
sittenlose Frau, die man der Blutschande mit ihrem eigenen Vater 
und ihrem Bruder Cesare beschuldigt. In Victor Hugos Drama 
Lucrece Borgia (1833) erscheint sie als Sinnbild veredelnder Mutter- 
liebe ; fig. n. app. f. Buhlerin. Gregorovius, Lukrezia Borgia. Stutt- 
gart 1874. 

Lustucru npr. m. fig. n. app. m. armer Teufel; lächerlicher, 
einfältiger Mensch. Du pied d'un arbre, que j'ai vu, Qu'avoit 
plante ce lustucru Poisson, Sot veng^ (Leroux, Dict. com. II, 107) ; 
Le pere Lustucru war ein bsd. unter Ludwig XIII. volkstümlicher 
Typus. Nach den Brüdern Parfaict VUI, 323 führte ein Komiker 
diesen Namen, der seinen Ursprung wahrscheinlich der ständigen 
Redensart Feusses-tu cru des Einfaltspinsels im Theater zu ver- 
danken hat. Über Darstellungen dieser Figur auf Kupferstichen 
und Flugblättern vgl. Klöpper 11, 773. In dem Lustspiel Les V^ri- 
tables pr^tieuses (1660 sc. 7) last Somaize einen Dichter Verse aus 
dem Gedicht La Mort de Lustucru lapid^ par les femmes vorlesen 
Parfait VIII, 323 ; nach Littr^ bedeutet lustucru im wallon. enfant 
remuant, tapageur, im Hainant niais, imb^cile. 

M a c a i r e npr. m. Robert ^-^ fig. n. app. m. abgefeimter Gauner ; 
Halunke, Spitzbube; Geschäftsmann von zweifelhafter Redlichkeit, 
Gründer, Schwindler ; Marktschreier, Gaukler, Seiltänzer, Hanswurst; 
macairer* F. schwindeln ; macairien, -ienne adj. spitzbübisch (Balzac) ; 
von Kleidungsstücken: fadenscheinige ganz zerlumpt; macairisme* 
s. m. Gaunerei, Schwindelei. In einer afrz. Chanson de geste aus dem 



- 105 - 

13. Jh. stürzt Macaire durch seine verräterischen Verleumdungen 
die unschnldige Königin Sebile ins Unglück (in dem späteren Epos 
Macaire tritt an ihre Stelle die Königin Blanchefleur) , die wegen 
angeblichen Ehebruchs von ihrem Gemahl Karl dem Großen ver- 
stoßen wurde. Macaire tötet den Ritter Aub(e)ri, wird aber von 
dessen treuem, tapferem Hunde, der in der volkstümlichen Legende 
vom Chien de Montargis wiederkehrt, im gottesgerichtlichen Zwei- 
kampf überwunden vgl. Macaire, ^d. Guessard p. 312, 818. Macaire 
begegnet uns in einer Reihe von afns. Chansons de geste, so im 
Fierabras, Gui de Nanteuil, Gaydon, Aiol u. a. als der vollendetste 
Typus des schurkischen Verräters und böswilligen Intriganten. 1814 
wurde der Name Macaire in dieser Bedeutung wieder in Aufnahme 
gebracht durch das Melodrama Le Chien de Montargis ou la Forßt 
de Bondy von Guilbert de Pix^r^court. In dem Schauermelodrama 
TAuberge des Adrets von Benjamin Antier, Saint- Araand und Poly- 
anthe (Ambigu-Comique, 2. Juli 1823) erscheint Macaire als ein 
listiger, verwegener Spitzbube, die lebendige Verkörperung des Dieb- 
stahls und Mordes. Der Schauspieler Fr^d^rick Lemattre zog die 
ursprünglich völlig ernst gemeinte Rolle ins Possenhafte und erzielte 
dadurch einen Ungeheuern Erfolg. Dieser bewog ihn mit Antier 
und Saint -Amand eine Komödie Macaire zu schreiben, die am 

14. Juni 1834 in dem Theater Folies-Dramatiques aufgeführt wurde 
(vgl. auch Une l^eute en paradis ou le Voyage de Robert Macaire 
von Dupnis und Guillem^, 18. Juli 1834 Th^tre des Funambules)^ 
Hier tritt in der Charakteristik der Figur der Mörder und Ver- 
brecher ganz zurück, und R. M. ist wie sein Spießgeselle Bertrand 
(s. d.) nur noch ein geriebener Grauner und Betrüger , ein listiger 
Vagabnnd und Bandit, der trotz seiner Schlauheit vom Baron de 
Wormspire (s. d.) überlistet wird. In dieser Auspi^ung errung eich 
der Typus schnell eine gewaltige Popularität Nach Charles Phili- 
pons Vorgang bemäditigte sieh der Karikaturenzeichner Daumier 
des Heldai und hat ihn im Charivari (1836 — 38) als Bankier, Jour- 
nalist, Advokatea usw. in einer großen Anzahl von Blüttern darge^ 
stellt, die mit voDem Recht als eine der beißendsten Satiren auf 
die Allmaeht der Hochfinanz in jener Zeit gelten. Durch ihn wurde 
R. M. som Typus des gewissenlosen Finanzgauners, der als Gründer 
v<Hi KomjutaAditgiesdlseliaft»! und sehwindeUxaften Unternehmungen 
d0D I^ehtglS^ibigeD Kl^nbürger, d^i Äküof^ Gogo (s. d.) um seine 
szMKar erwQihesken Groschen bringt. Gautier 3, 684 und Biblio- 
gnpiiie 143; Hist litt. 26, 373; Fuchs und Krfimer, Karikatur der 
enn^^iaBcheai YöUter I, 354; Alexandre I, 447 ff. ; Gr. Gr. H, 1, 543. 
811; Desdiamps V, 403; XI, 236. 

Maebeth nj»*. mu Der Held der gkhn. Shakespeareschon 
Tsagodie, dessen d&nonisdbea' f^brgeis jedes edle Gefühl in ihm 
überwud>^:t und alle guten, sittlichen Regungen seiner Seele er- 
Btkkt. Sein herrschsüchtiges Weib stadielt noch seine Begierden 
aa und überredet ihn mit leidenschaftlicher Dialektik zur Ermordung 



— 106 — 

König Duncans. Von heftigen Gewissensqualen gefoltert, häuft 
Macbeth Frevel auf Frevel, Verbrechen auf Verbrechen und unter- 
liegt schließlich den Rachegeistern der von ihm Ermordeten; fig. 
Macbeth und Lady Macbeth sind zu typischen Namen geworden für 
jem., der (die) in seinem (ihrem) maßlosen Ehrgeiz und unersätt- 
lichen Streben nach Macht keine Rücksichten und Bedenken kennt, 
nicht vor den schändlichsten Verbrechen zurückschreckt, um ans 
Ziel seiner (ihrer) Wünsche zu gelangen. 

Macette npr. f. In seiner 13. Satire gibt uns Mathurin 
B^gnier ein durch seine überraschende Naturwahrheit packendes 
Bild der scheinheiligen, heuchlerischen Macette, die nach einem 
liederlichen Lebenswandel unter dem Deckmantel der Frömmigkeit 
und Religion die verschlagene Kupplerin spielt; fig. m ^^/ n, app. f. 
Dirne, leichtsinniges Mädchen; diese Charakterfigur war schon der 
lat. Dichtung des 12. Jhs. geläufig vgl. Gr. Gr. II, 1. 612; Ovid, 
Eleg. I, 8; Hist. litt. 29, 488. 

Machiavel npr. m. Nicolas ^-^ N. Machiavelli (1469 — 1527), 
der berühmte ital. Staatsmann und Historiker, der von glühender 
Vaterlandsliebe beseelt, in der Absicht, Italien groß und angesehen 
zu machen, in seinen Werken H principe und den Discorsi eine 
gevnssenlose, unmoralische Politik vertrat, die zur Erreichung eines 
Zieles kein Mittel, auch nicht das ruchloseste, verschmähte. Erfolg 
und Nutzen, nicht die Moral sind nach ihm für die Handlungen 
entscheidend; fig. gewissenloser Staatsmann (der durch hinterlistige 
Schlauheit und Falschheit, durch arglistige Ränke und schurkische 
Betrügereien seine Pläne mit kalter, berechnender Grausamkeit zu 
verwirklichen sucht); machiav^lique adj. gewissen-, treulos. Acad. 1835; 
1578 La cabale machiavelique Mamix de Ste. - Adelgonde (Delb. 
Rec); machiav^liser nach macchiavelistischen Grundsätzen handeln: 
Nos rois qui ont appris a machiaveliser. d'Aubigny, Trag. V ; machia- 
v^lisme s. m. weit. S. gewissenlose Politik, Treulosigkeit, Unredlich- 
keit Cotgrave 1611. Acad. 1835; machiav^liste s.m. und f. Anhänger 
(in) Macchiavellis. Acad. 1835. 1581. Nos machiavellistes Frou- 
menteau, Secret des thresors de France II, 167 ; weitere Belege bei 
Gk)def. compl. 

Malebouche npr. f. Eine allegorische Figur im Rosenroman, 
die die üble, böswillige Nachrede verkörpert; fig. n. app. f. Läster- 
maul, Böse Zunge. XIIL Avec ces deux est Malebouche Qui ne 
suefre que nus i touche. ß. de la Rose 3405. vgl. Godef., Littr^; 
Deschamps I, 131; Chans, du XV« s. (G. Paris) p. 31; 87. 

Man drin npr. m. Louis ^^ (1724 — 1755), berüchtigter Führer 
einer Schmugglerbande unter der Regierung Ludwigs XV.; fig. n. 
app. m. c^est un ^^^ er ist ein Spitzbube, Straßenräuber, Gauner; er 
ist zu allem, zu Gewalttätigkeiten, frevelhaften Ausschreitungen fähig. 
Amenez cette bände de Mandrins pieds et mains li6s k la Conven- 
tion Hubert (aus Larchey 11. zitiert bei Littr^). 

Mang in npr. m. bekannter reich gewordener Marktschreier, 



— 107 — 

4er Bleistifte verkaufte (gest. um 1860); fig. n. app. m. Charlatan. 
BanviUe, Ödes funamb. 118. 210. 

Man OD npr. f. Die Heldin in Prevosts Roman Histoire du 
-Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut (1728 — 31; 1733 als 
Sonderdruck erschienen); fig. n. app. f. F. leichtsinnige Kokette, Mä- 
tresse (vgL Desgrieux); Th. Barriere, Manon Lescaut 1861. 

Marco npr. f. In den Filles de marbre von Theodore Barriere 
nind Lambert Thiboust (17. Mai 1853), eine herzlose^ habgierige 
Kokette, die den Bildhauer Kapha^l körperlich und geistig zugrunde 
richtet; fig. n. app. f. leichtfertige Dirne, Lorette, Kokotte vgl. Margot; 
Desgenais. 

Margot npr. f. wie Margoton, Goton, Gothon, Gogote usw. 
4im. von Marguerite (vgl. Ritter 14); fig. n. app. f. geschwätziges 
Frauenzimmer; flottes Dämchen; Mädchen von lockeren, leichtfertigen 
-Sitten; Kokotte, Beischläferin; vivre avec des margots seine 2ieit 
mit liederlichen Dirnen vertrödeln; über dieselbe appellative Ver- 
wendung von Margarete im Sinn von liederliche (Bauern-) Dirne 
im Deutschen vgl. Wackemagel, Kl. Schriften HI, 130 ff.; Margote, 
Name der Elster Laft. f. XIT, 11. vgl. noch margotin bei Sain^an 57; 
margotter in der Jägersprache das Rufen der Wachteln, ehe sie zu 
schlagen anfangen (Fureti^re 1701). J'ay oingnemens si eschaufCaus, 
Et d'une huylle si tresfort chaulde, Et fusse Margot ou ribaulde 
El sera incontinent prains. Anc. Th. fr. I, 363 cf. ib. 372; le 
margout=ribaud ib. 323; Margot de Mulent, maquerelle MND 18, 90; 
«Die > grosse Margot«, an welche Villons, wegen ihres Cjnismos 
'Und der beispiellosen Roheit der Auffassung viel verschrieene Bal- 
lade gerichtet ist, war die Enseigne mehrerer übelberüchtigter Eßluser 
zu Paris.* Villon 130; über margotin Holzpuppe, die man an Fäden 
^uf den Jahrmarktsbühnen tanzen ließ vgl. mariole, mariolet, ma- 
rionnette Littr^ Suppl.; Ro. 33, 573; AbhandL l Tobler 287. 

Marguerite npr. f. 1. Nach Gretchen (s. d.) in Goethes 
Taust bezeichnet dieser Name ein junges, unschuldiges Mädchen, dait 
-durch ein unglückseliges Geschick vom Pfade der Tagend abirrt 
»und ihren Fehltritt mit dem Tode bezahlen muß; 2. les margaerites 
reumütige Mädchen, die sich in ein Kloster zurückziehen vgl. 
madelaine. 

Marie npr. f. Außerordentlich zahlreich sind die mit diesem 
weitverbreiteten Namen gebildeten Zusammensetzongen , die meäsi 
eine üble Nebenbedeutung haben und oft als Schimpfwörter ge- 
braucht werden: Marie-Bonbec P. s. f. geschwätziges Weib, Piaader- 
tasche; Marie-couche-toi-la P. s. f. co. barmherzige Schwester (von all- 
zu wilHährigen Fraaenzimmem); Marie-graillon s. i Schmatzliese, 
unsaubere Fraaensperson, Sadelkochin; Marie- je-m'emb^ s. 1 faire 
sa ^-^ sich zieren, sich bitten lassen; Marie-dort-en chiant P.; Marie- 
mange-mon prSt P. s. 1 Soldatenliebste ; Marie-pique-rempart Dirne, 
•die sich aof den Wällen herumtreibt; Marie-salope s. 1 Schmatz- 



— 108 — 

ließe, liederliches Frauenzimmer ; Marie Tracas P. s. f. sehr eifriges^ 
Mädchen, das sich um alles kümmert. 

mariol, e (Mariolle Delvau) adj. P. boshaft, schlau; s. m^ 
Schlaukopf; durchtriebener Strick; faire le mariol = faire le malin,^ 
sich breit machen, wichtig tun; in der Soldatensprache: einer, der 
den Feine(r)n spielt (Kommißflitzer); verächtliche Bezeichnung für 
die Jungfrau Maria: Quant uns hon croit que li grant Dens Fust nez. 
de cele mariele G. de Coincy (Godef.); als mariole (mariotte) be- 
zeichnete man im Mittelalter auch kleine Figuren, die die Jungfrau 
Maria darstellten, daneben aber auch andere kleine Heiligenbilder, 
vgl. mariolet als Puppenname. In einem Theaterstück Le Coin du 
rue ist Mariole der Name eines klugen, mutwilligen, verschmitzten 
Kammerkätzchens; in ähnlicher Weise war in der älteren frz. Ko- 
mödie Marinette ein häufiger Name für Dienerinnen vgl. Fritsche 152. 

Maritorne s. f. Im Don Quixote von Cervantes (I, 16), 
Maritomes, der Name einer häßlichen asturischen Dienstmagd, von 
der sich der fahrende ritterliche Held geliebt glaubt; Acad. 1798; 
fig. schlechtgebautes, garstiges, schmutziges Weibsbild, Küchen- 
dragoner (syn. malt6te s. f. Anc. Th. fr. IH, 230) ; zu diesem Wort 
stellt man auch malitome (Oudin 1640. 1656; Acad. 1762) adj. 
plump, ungeschickt; s. m. f. Tölpel; schlecht gebautes, häßliches 
Weib; H^I le Malitome, que cela est maussade Anc. Th. fr. IX, 89; 
nous avons le fils du gentilhomme de notre village, qui est le plus 
grand malitome et le plus sot dadais que j'aie jamais vu Mol. 
Bourg. gent. UI, 12. Der Wechsel der Liquiden hat nichts Auf- 
fälliges an sich; Bedeutung und Form scheinen auf einen Einfluß 
von maletomatus (vgl. versus male tomati Hör. art. poet. 441) hin- 
zuweisen; vgl. Livet, malitorne; Du Gange und Godef. maritorne; 
vgl. noch MaJicome, escuyer tranchant de Gargantua bei Rab. Pant. 
IV, 3. 

Marneffe npr. f. Nach einer ränkesüchtigen Courtisane in 
Balzacs Eoman La Cousine Bette (1848), der Typus einer ver- 
heirateten Frau, die mehrere Liebhaber hat. 

marotte s. f. dim. v. Marie npr. f.; 1. F. Puppenkopf am 
Narrenstab, Narren-, Schellenkappe (vgl. marionnette Figur der 
Puppentheater); 2. ^g. P. Narrheit, Steckenpferd, Marotte; 1468 La 
teste d'une marote ou une idole J. Castel bei Godef. marote 1, In 
der Normandie (Kouen) bezeichnet marotte noch heute ein junges, 
halberwachsenes Mädchen; bei Moli^re trägt die servante der 
Pr^cieuses ridicules (1659) den Namen Marotte vgl. Mol. H, 53^ 
Anm. 3; Fritsche 152; Livet, marotte. 

Martin npr. m. il y a plus d'un äne (plusieurs änes a la 
foire) qui s'appelle(nt) Martin Müller und Schulze kann jeder heißen, 
sagt man, wenn jem. einen sehr gebräuchlichen Namen nennt, ohne 
die damit gemeinte Person näher zu kennzeichnen, il ne faut pas 
affirmer une chose d'apres un seul indice (Littr^); il n'y a pas de 
Martin qui n'ait de Täne (qu'il n'y ait...); F. c'est le pr^tre Martin,^ 



- 109 — 

chantre qui dit le vers et le r^pons (qui chante et qui rdpond) er 
iragt und antwortet zugleich; will sieh in alles mischen (Marot 
n, 130; Oudin [U] 334; faute d'un point, Martin perdit son äJie 
eine geringfügige Sache kann grofie Dinge zum Scheitern bringen; 
Leroux (II) 11, 64; martin-rouant s. m. im Argot der Diebe, Gren- 
darm vgl. Günther 83; Martin generell für den Bauern Deschamps 
II, 221; IX, 118; 152; maistre Martin, nom g^n^rique du clerc, du 
«avant ib. HI, 63; VIII, 65; außerordentlich häufig wird der Name 
auf Tiere (und Werkzeuge) übertragen, so bsd. auf den Esel und 
Bären. Martin ist der stehende Name der Bären im Jardin des 
Plantes in Paris und in den zoologischen Oärten vieler anderer frz. 
Oroßstädte vgl. Bemard (Baudouin); martin-p^heur s. m. Eisvogel, 
Königsfischer (vgl. span. martin pescador; ital. martin pescatore); 
martin-chasseur (erabier) Eisvogel; martin -vieillard eine Drosselart; 
martinolle s. f. F. Laubfrosch; martinet Hausschwalbe. 

martin, martin(-)bäton s. m. 1. Eseltreiber; mit einem Stock be- 
waffneter 8tallknecht;1 2. weit. S. Eseltreiberstock. Martin fit alors 
son Office Laft. f. V, 21, 7—9; ,Holk, Martin -bäton!** Martin-bä- 
ton accourt: Täne change de ton Laft. f. IV, 5, 27 ff. (vgl. noch 
mener qn. Martin-bäton jem. sehr streng halten). Wahrscheinlich 
hat Laft. diesen Ausdruck aus Babelais (ML. U, 64) entlehnt: 
Martin baston en fera Foffice. Littr^ erklärt: Homme arm^ d*un 
bäton, et par extension, le bäton personnifi^. Einen nicht uninter- 
essanten Aufschluß über die Entstehung des Ausdrucks Martin(-) 
bäton gewährt eine Stelle im Renartroman (11, 245, 75 ff.) , wo der 
Priester Martin zu dem in der Grube gefangenen Wolfe spricht: 
Sire Ysengrin, or vous vendrai Ce que je tant pramis vous ai, Apanrei 
vos a cest baston comment prestre Martin a non. vgl. Rom. 
IX, 127; Foumier, Var. X, 181; Germania IV, 152 ff.; Anc. Th. 
fr. I, 278; ib. V, 68; IX, 80; Martin Baston, farce (XV.) vgl. Douhet, 
Dict. des myst^res P. 1854 p. 1405; Darmesteter (I) 122; über 
chanter d'autre Martin vgl. Bemard; Ro. 30, 569; Godef. V, 188. 

Martine npr. f. als s. f. P. weibliches Kaninchen, Zibbe; 
häufiger Name von Dienerinnen im Lustspiel des 17. Jhs. 

Mascarille npr. m. Ein verschmitzter, durchtriebener Be- 
dienter in dem älteren frz. Lustspiel, der sich oft als Marquis ver- 
kleidet; fig. n. app. m. Bürgerlicher, der sich den Adelstitel beilegt; 
Mascarillon"' npr. m. Bürgerlicher^ der den Adeligen spielen will 
(Nestor Roqueplan); Mascanllette"' npr. f. Frau, welche die adelige 
Dame spielen will (id.); enmascariller, s*'^* sich den Adelstitel 
beilegen (id.). Im J^tourdi (1655), D^pit amoureux (1656) und vor 
allem in den Pr^cieuses ridicules (1659) von Meliere ist Mascarille 
ein kecker, dreister Diener, ein lustiger Kamerad, der sich aus 
allen Verlegenheiten zu helfen weiß, durch sein listiges Intriguen- 
spiel alle Hindemisse, die sich ihm in den Weg stellen, siegreich 
überwindet, Zwistigkeiten beilegt und die Ränke anderer hintertreibt 
und vereitelt. Rasch versteht er es, sich in allen Verhältnissen zu- 



— 110 — 

recht zu finden. Mascarille est un fourbe, et fourbe fourbissime- 
11,4,612; Vivat Mascarillus, fourbum Imperator I läßt ihn Möllere 
(n, 8, 794) in köstlichem Latein selbst sagen. Mascarille gilt daher 
als Typus eines schlauen und verwegenen Menschen, der alle mög-^^ 
liehen zweideutigen, verdächtigen Rollen spielt und durch seine be- 
trügerischen Künste sein Ziel zu erreichen hofft. Der Name selbst 
geht nach Fritsche 155 auf span. mascarilla (dim. zu mascara) zu- 
rück und bezeichnet eine Halbmaske, die den oberen Teil des Ge- 
sichts bedeckt. L. Meilhac, Un petit-fils de Mascarille, com^die 1859: 
M erscheint hier als Intrigant der großen Welt; Mascarille, Drama 
von Jean Aicard 1873. 

matamore s. m. Matamoros (matar- Moros Maurentöter^ 
Darmesteter [I], 237) ; im span. Lustspiel der Name eines prahlerischen 
Helden, der sich beständig seiner kühnen, ungeheuerlichen z. T. er- 
dichteten Waffentaten gegen die Mauren rühmte. Matamoros war 
auch der Beiname des Santiago do Compostela, des Schutzherrn von 
Spanien; fig. F. Eisenfresser, Bramarbas, Prahlhans, Maulheld. Acad. 
1740; matamoresque adj. großprahlerisch. Unter dem Einfluß des 
span. und ital. Theaters wurde in der 1. Hälfte des 17. Jhs. der 
Matamor in Frankreich eine sehr beliebte Figur und begegnet uns 
unter den Namen Matamore (Mar^chal, Scarron), Fierabras (s. d.), 
Taillebras (Baif, Marechal im Railleur), Brisemur (in Lariveys Le 
PidMe), Scanderbeg, Chasteaufort (bei Cyrano), Briar^e (s.d.), Ro- 
domont (s. d.) u. a.; Bürgerrecht auf der frz. Bühne erlangte der 
^capitan gascon* bsd. durch P. Corneilles Lustspiel L'Illusion comique 
(1636, noch am 6. Juni 1861 im Theätre - Fran9ais aufgeführt), 
wo er sich selbst treffend mit den Worten (H, 2, 233 — 236) charak- 
terisiert: Le seul bruit de mon nom renverse les murailles, D^fait 
les escadrons et gagne les batailles. Mon courage invaincu contre 
les empereurs N'arme que la moiti^ de ses moindres fureurs. 1640 
erschien dann das Lustspiel Capitan Matamore fanfaron ou le Miles 
glöriosus de Piaute von Antoine Mareschal (Foumel, Contemporains 
ni, 29). Noch in Charles Lecocques Operette Girofl^-Girofla (Text 
von Albert Vanloo und Eugene Leterrier) erscheint der Matamore 
als der weltberühmte Admiral (Nr. 13 und Finale 20) ; vgl. noch 
H. Lucas, Histoire philos. et litt^r. du th^ätre frcjs. P. 1862. IH, 382; 
Lotheissen H, 174 ff.; vgl. noch Olibrius. 

matelineur s.m. Narr, Strohkopf; 1 379 matelin = f ou, insens6 
Godef. V, 200; 202; vgl. mal Godef. V, 106, 3; vgl. mathurin s. m. 
1. Irrsinniger; 2. gemeiner Matrose (v. holl. maat); mathurinade 
s. f. Narrheit. Diese Bezeichnungen rühren daher, daß man dem 
heiligen Mathelin (später St. Mathurin) die Gabe zuschrieb, Narren 
und Irre heilen zu können vgl. devoir une chandelle a saint- Ma- 
thurin irrsinnig sein; envoyer qn. k St. -Mathurin ins Irrenhaus 
schicken; Deschamps IV, 231; V, 27; Anc. Th. fr. H, 415; VHI, 260. 
Brantdme IX, 115; De quoy il ne fut pas joyeux, Cuydant qu'il 
fust mathelineux. Villon, Repues franches; On les jugeoit acariatres, 



— 111 — 

matelineux, yyres, follastres Marot VI, 213 ; Ces hommes m^disants 
ont le feu a la Ifevre Hs sont matelineurs, prompte k prendre la 
ch^vre. B^gnier, sat. XIII, 250. Eriimert sei auch an die sage 
Mathurine, eine von zeitgenössischen Scluriftstellem oft erwähnte 
Närrin am Hofe Heinrichs IV. vgl. Foumel (I), H, 445. 

mayeux s. m.* F.Buckliger, weit. S. mißgestalteter Mensch; 
Mayeux ist ein häßlicher, gefräßiger, buckeliger Trunkenbold, der 
immer einen Fluch auf den dicken, roten Lippen, in seinen groben 
Reden die gemeinsten, unflätigsten Ausdrücke gebraucht, einen leicht- 
fertigen^ liederlichen Lebenswandel führt und lüstern schonen Frauen 
nachstellt. Dabei ist er aber ein eifriger Patriot und glühender 
Naüonalgardist, der gern in die hohe Politik ein Wort mitsprechen 
möchte. Der Schöpfer dieser bsd. von 1830 — 1848 volkstümlichen 
Karikatur, in der sich die selbstgefällige, eitle Anmaßung und Dumm- 
heit der kleinbürgerlichen Kreise verkörpert, ist Charles Travi^, 
nach dessen Vorgang sich Grandville, Kobillard und andere Zeichner 
dieses Typus bemächtigten vgL Alexandre I, 303; vgl. die pracht- 
vollen bunten Abbildungen Mayeux' in Fuchs und Krämers Kari- 
katur der europäischen Völker. 

Michel npr. m. Spitzname der Deutschen im Elsaß (Erckmaon- 
Chatrian) vgL Grimm DWb. Michel; W. Wackemagel, Germania 
IV, 131; vgl. femer mich^, mikel. 

M ^ d i c i s npr. Katharina von Medici (1 519-1589), die Gattin 
König Heinrichs H. von Frankreich, die als leidenschaftliche Gegnerin 
der Hugenotten durch ihre ehrgeizige, ränkesüchtige Politik die 
Greuel der Pariser Bluthochzeit heraufbeschwor; fig. une Medicis 
n. app. f. verschmitzte, tückische Frau. 

M ^ d o r npr. m. Im Orlando furiose (XIX) von Ariost, Me- 
doro, ein anmutiger, junger Krieger, der bei dem Versuche, den 
Leichuam des von Benaud geschlagenen Dardinel zu bergen, schwer 
verwundet wird. Durch seinen Anblick wird die kalte, stolze An- 
gelika (s. Ang^lique) von tiefem Mitleid ergriffen, bringt ihn in eine 
Hütte, pflegt seine Wunden und schenkt ihm. ihre Liebe, die die 
tapfersten Paladine des Heeres vergeblich begehrt hatten; flg. n. app. 
m. Liebhaber. Ce jour-lä, parut un M^dor Et fut un des beaux de 
la fßte. Laft. IX, 325. Ph. Desportes, Angelique et Medor; Gilbert, 
Le& Amours d'Ang^L et M^dor (1664); Dancourt, Ang. et M^or 
(Korn.) 1685. 

M^lingue npr. m. l^tienne Marin — ' , frz. Schauspieler und 
Bildhauer (1808 — 1875); fig. F. n. app. m. schlauer Dummkopf (weil 
sich M. bsd. in diesen Bollen auszeichnete); c'est uu'^^er spielt den 
dummen Jungen mit viel natürlichem Anstände. 

m^nechme s. m. Les M^nechmes, Name zweier einander 
sehr ähnlicher Brüder in den Menaechmi, einem Lustspiel von Plau- 
tus; fig. n. app. m. zum Verwechseln ähnliche Leute; auch sg. c'est 
son m^nechme das ist sein Doppelgänger (vgl. Sosie); m^nechisme 
8. m. täuschende Ähnlichkeit. Die köstlichen Mißverständnisse, Lrr- 



— 112 — 

tümer und Verwechslungen, die sich aus der Ähnlichkeit zweier 
Personen ergeben, sind eine unerschöpfliche Quelle wahrer, packender 
Komik und daher frühzeitig unzählige Male dramatisch verwertet 
worden. Das plautinische Lustspiel hat Trissino in seinen I Simillimi 
(1548) auf die ital. Bühne gebracht, imd Shakespeare schöpfte daraus 
den Stoff zu seiner Comedy of Errors; in Frankreich ist dieses 
dankbare Motiv wiederholt behandelt worden, so von Eotrou in 
seinem Lustspiel Les M6nechmes 1632 , von Regnard in Les M^- 
nechmes ou les Jumeaux 1705. Palissot ließ 1785 sein Lustspiel 
Clerval et Cl^on ou les nouveaux M^nechmes aufführen und noch 
Louis Benoit Picard (1769-1828) schrieb ein Lustspiel Encore des 
M^nechmes, das in Schillers Bearbeitung unter dem Titel «Der Neffe 
als Onkel* über die deutsche Bühne ging (1803); vgl Reinhard- 
stöttner 549—567. 

M^phistoph^l^s (Mephisto) npr. m. fig. wahrer Teufel nach 
einer Gestalt in Goethes Faust, der Typus eines boshaften Spötters, 
eines sittlich entarteten, teuflischen Menschen^ der sich wegen seiner 
schändlichen Handlimgen nicht die geringsten Gewissensskrupeln 
macht, die Opfer seiner verführerischen Künste mit beißender Ironie 
überschüttet und über Gt)tt, Welt und Leben geringschätzig und 
verächtlich urteilt; mephistoph^lique adj. teuflisch, hinterlistig; m^phi- 
stoph^lisme s. m. 

Mercadet npr. m. Li Honor^ de Balzacs Komödie Mercadet 
ou le Faiseur, die um 1830 — 40 entstanden, nach seinem Tode in 
einer Bearbeitung von Dennery 1851 (Th^ätre du Gymnase) und 
1869 (Th^ätre-Fran^ais) aufgeführt wurde, ist M. ein gewissenloser 
Börsenwucherer und betrügerischer Spekulant, der durch die Flucht 
seines ungetreuen Gesellschafters ruiniert ist. Durch die Verheira- 
tung seiner Tochter an einen angeblich reichen Mann sucht er sich 
zu retten und hofft durch zahllose, schwindelhafte Unternehmungen 
sich zu bereichem und seinen Gläubigem zu entfliehen; flg. m./^^ 
n. app. m. jem., der faule Geschäfte macht, Schwindler, Gründer. 

Merlin npr. m. kelt. Myrddhin, ein Zauberer und Prophet; 
fig. n. app. m. Zauberer. Seit Nennius, Gottfried von Monmouth und 
Robert de Boron spielt er in der Artussage und den Grallegenden 
eine bedeutsame KoUe. Ariost (Orlando für. m, 10) und Cervantes 
(Don Quixote in, 11) erwähnen ihn; Kabelais widmet ihm einen 
Teil seines Werkes Les grandes et inestimables Chroniques (1532). 
£d. Quinet hat diese Sage in seinem Merlin FEnchanteur (1860) 
poetisch verwertet; vgl. Birch-Hirschfeld, Die Sage vom Gral. Lpz. 
1877; Hist litt. XXX; Romania XXV, 282. 

mich^ s. m. (aus Michel npr. m. entstellt) F. Tropf, Gimpel; 
allg. scherzhaft: Liebhaber, Potsdamer; jem., der bezidilt; im Ko- 
kottenargot: mich^ de carton (s^rieux) schlechtzahlender (gutauEdilender) 
Liebhaber. P. micheton (dim. v. Michet oder mich^) unreifer, nicht 
vollzahlender Liebhaber; P. Hurenjäger, Zuhalter; avoir les michelets 
die Regel haben (vgl. Sophie); faire le michelet 



— 113 — 

m i k e 1 s. m. (aus deutsch. Michel entstellt) einfältiger, alberner 
Mensch, der sich leicht betrügen läßt vgl. Michel; michaud(t) bei 
Oodef.; Ro. 18, 442; 33, 577. 

Mimi Pinson npr. f. Nach einer glchn. Erzählung von Alfred 
de Musset (Profil de Grisette 1845), das Idealbild einer heiteren, 
liebenswürdigen, anspruchslosen Grisette voll unversieglicher Lebens- 
lust, die trotz ihrer bescheidenen Verhältnisse immer fröhlich und 
guter Dinge ist und sorglos und vergnügt in den Tag hineinlebt. 
Bayard und Dumanoir haben sie in einem Vaudeville auf die Bühne 
gebracht (Vari^t^s, 26. Januar 1845) und Henri Murger hat ihr in 
Scenes de la Vie de Bohfeme (1848) eine prächtige Studie gewidmet. 
Seit Desaugiers, der lustige Chansonnier des Kaiserreiches, die Gri- 
setten in seinen geistreichen, witzigen Liedern (Les Grisettes) so 
entzückend und anmutig geschildert hatte, waren schon vor Musset 
jene reizenden Pariser Mädchen der Poeten und Studenten von 
Beranger in seinen Jeannetten, Musetten und Babetten und von 
vielen anderen Dichtern verherrlicht worden. 

miquelot s. m. f Pilger, der nach Mont Saint-Michel in der 
Normandie wallfahrtet (miquelot norm, pikard. Form für michelot) 
oder es nur als Vorwand benützt, um zu betteln. Acad. 1718; ge- 
strichen 1835; weit. S. P. Vagabund, Bettler; faire le miquelot den 
Heuchler spielen. XVI. toutes foys saultans auec leurs bourdons comme 
fönt les micquelotz. Rab. M L. I, 142 ; über miquelet s. m. Schnapp- 
hahn, Eäuber für die span. Banditen und Räuber (span. miquelito, 
micalete) in den südlichen Pyrenäen vgl. Körting 6148. 

Mirabeau npr. m. Gabriel - Honor^ Riquetti, comte de '-^ 
(1749 — 91), frz. Staatsmann, der glänzendste Meister der politischen 
Rede während der Revolutionszeit, der durch sein begeisterungsvolles, 
hinreißendes Pathos und seine zündende Beredsamkeit tiefen, nach- 
haltigen Einfluß auf die Nationalversammlung ausübte; fig. n. app. 
m. des '^^x geistreiche Redner, Staatsmänner. 

Mirecourt npr. m. J.-B. Jacquot, frz. Publizist (1812—20), 
der unter dem Namen Eugene de Mirecourt gegen Dumas und seine 
Mitarbeiter eine heftige Streitschrift Fabrique de Romans, maison 
Alex. Dumas et C*® (1845) richtete. Die darin enthaltenen groben 
Schmähungen und gehässigen Angriffe trugen ihm sechs Monate 
Gefängnis ein. Seine Galerie des contemporains erregte ebenso wie 
seine Wochenschrift Les Contemporains (1853 — 58) überall Ärgernis 
und Anstoß und brachte die ganze Presse gegen ihn auf; fig. mehr 
leidenschaftlicher als talentvoller Pamphletschreiber. Banville, Ödes 
funamb. 94. 200. 162. 

M n c a d e npr. m. Nach einer Person in dem Lustspiel L'&ole 
4es Bourgeois (1728) von Soulas d'Allainval, der Typus eines (adeligen) 
Verführers. Der Name Moncade begegnet uns schon in den Lust- 
spielen L'Homme k bonnes fortunes und La Coquette et la fausse 
Prüde von Baron (Michel Boyron) 1686. 

8 



~ 114 ~ 

Montjoie npr. iti. Raoul z^, der Held in Octave Fenillets 
glcbn. Komödie (1863)^ ein gewissenloser Intrigant, der durch seine 
Schwindeleien seinen Kompagnon Sorel zugrunde gerichtet und in 
den Tod getrieben hat, selbst aber Millionär geworden ist. Er gilt 
als Urbild des lieblosesten, krassen Egoismus. 

Moraines npr. f. Nach einer Person in den Mensonges (1887) 
von Paul Bourget, der Typus einer leichtsinnigen Frau, die mehrere 
Liebhaber hat, von denen der eine zahlt, der andere nicht. 

Mouquette s. f. In Zolas Roman Germinal (1885), der 
Name einer Frau, die einen lockeren, sittenlosen Lebenswandel führt; 
fig. m^-^ s. f. Buhlerin. 

Mustapha npr. m. Name mehrerer türkischer Großsultane; 
fig. F. n. app. ro. dickes, (bärtiges) Kerlchen (vielleicht liegt Einfluß 
von moustache vor). 

Nanon toquet npr. f. (hypokoristische Form von Anne) n. app. 
f. schnurrig ausstaffiertes Frauenzimmer; toquet (zu toque) s. m. eine 
Art Eonder-, Frauenhaube. 

Nicaise npr. m. fig. n. app. m. alberner, ein&ltiger, leicht- 
gläubiger Mensch; Stoffel; maßgebend für diese Bedeutungsentwicklung 
war vermutlich der lautliche und begriffliche Anklang an nigaud, 
niais und nice (lat. nescius) einfältig, unwissend, unschuldig, vgl. 
Messer Nice bei Laft. cont. III, 2 als Name für einen betrogenen 
Ehemann; Un apprenti marchand ^toit Qu'avec droit Nicaise on 
nommoit Laft. Nicaise 1. 

Nichette npr. f. dim. v. Nichon vgl. Nini; fig. n. app. f. als 
Kosename Liebchen, Kätzchen; F. nichonnette s. f. leichtfertige 
Modepuppe; Nichette, tugendhafte Grisette in Dumas Dame aux 
Cam^lias, als Eoman 1848, als Drama 1852. 

Nicod^me npr. m. fig. n ^-«-^ n. app. m. Einfaltspinsel, Gimpel; 
Erzdummkopf; un nicod^me Gherardi, Th^ätre Italien III, 13. Eman 
Martin führt im Courier de Vaugelas 15. Oktober 1875 p. 9 aus, 
daß der Name in dieser Bedeutung bsd. volkstümlich geworden sei 
durch ein Myst^re, in dem Nicodeme die Worte Christi sehr schwer 
versteht. Das ist möglich, aber nicht unbedingt notwendig, denn 
jedenfalls wird wohl der lautliche Anklang an nigaud ausschlag- 
gebend gewesen sein (vgl. Tobler, K. Z. XXIII, 419). Während der 
Revolutionszeit war Nicodeme eine beliebte Theaterfigur, bsd. seit 
Nicodeme dans la lune ou la r^volution pacifique von Beffroy de 
Reigny (Cousin Jacques) 1791, ein Stück, das ungeheuren Beifall und 
viele Nachahmungen fand. 

Nicolas npr. m. fig. n. app. m. Dummkopf, Einfaltspinsel (auch 
hier war ohne Zweifel die lautliche Ähnlichkeit mit nigaud für den 
Bedeutungswandel bestimmend). C'etet un bon Nicolas qui s'en alet 
tout devant ly, hurlu brelu. Cyrano de Bergerac, Pedant jou^II,2; 
Nicolas, je t'embrouille! Was ich mir dafür kaufei von Kindern ge- 
brauchtes Schimpfwort. Über die scherzhafte, volkstümliche Zer- 
legung von Nicolas in nid-coq-lac vgl. G^min, Des Variations du 



— 115 — 

laogage fran<jais P. 1845, p. 160; Tobler K.Z. XXIH (N.F.IH), 419; 
Ritter, p. 15. 

Nicole npr. f. Nach einer Person in Moli^res Bourgeois 
Gentilhomme (1670), der Typus einer treuen, zuverlässigen, etwas 
vorlauten Dienerin, die freimütig und oHen über alles ihre Meinung 
äußert. 

Nini(e), Niniche npr. f. dim. v. Eug^nie; als Kosewort: 
Liebchen; Niniche, Titel einer dreiaktigen Vaudeville- Operette von 
BouUard; Niniche, Ninoche Namen von Damen der Halbwelt vgl. 
ZRPh. XX, 345; XXH, 270. 

Nitouche, sainte '^^ (etym. n'y touche) scheinheiliges, zimper- 
liches Frauenzimmer, das die Unschuldige spielt; über Nitouche als 
Katzenname vgl. Sain^an p. 76; faisant Fignorant et le non-y-touche 
J. Chastelain (Delb. Rec); XVI. Les aultres saincte Nytouche Rab. 
M L. I, 107; 1584 te voyant si devote et faire tant la saincte Nitouche 
Anc. Th. fr. VII, 177; II, 436; Voyez un peu saincte Nitouche J. A. 
de Baif, Mimes III (CEuvres V, 177); Timide en son respect, sembloit 
sainte Nitouche R^gnier, sat. XIII; daneben besteht schon seit dem 
16. Jh. sainte Mitouche (Entstellung aus Nitoudie oder vielleicht 
von der Katze auf Menschen übertragen: mitouche, fem. zu matou, 
mitou, afrz. mite); Volt. PuceUe V, 21. ZRPh 24, 127. 

Nostradamus npr. m. Michel deNostredame (1503 — 1556), 
ein provenzalischer Charlatan, Astrolog und Verfasser von Prophe- 
zeiungen (Proph^ties, Centuries Lyon ] 555); ^g. Hexenmeister, Zauberer. 

Obermann npr. m. Der Held eines sentimentalen Romans 
von S^nancourt (1804), der unter der mächtigen Einwirkimg von 
Goethes Werther (s. d.) entstanden ist. In einer Reihe schwermütiger, 
trauriger Briefe schildert Obermann all die mannigfaltigen Ent- 
täuschungen, die ihm das Leben gebracht hat. Durch seine Ab- 
spannung und Niedergeschlagenheit, seine Unfähigkeit, einem Gegen- 
stande dauernd sein Interesse zuzuwenden, wird er schließlich das 
Opfer seiner unheilbaren, selbstquälerischen Melancholie. Er gilt 
daher als Typus eines müden Weltschmerzlers, eines unentschlossenen 
Menschen, dem zu heldenhaftem Handeln Kraft und Mut fehlen. 

Olibrius npr. m. Unter Kaiser Dezius (249 — 251), Statt- 
halter in Gallien, der die heilige Margarete vergeblich zu bestimmen 
suchte, ihren christlichen Glauben abzuschwören und seine Gemahlin 
zu werden. Es ließ sie deshalb ermorden und rächte sich an den 
Christen durch heftige Verfolgungen; Acta sanct Julii V. In den 
mittelalterlichen Legenden, Mysterien und Mirakeln wurde er als 
grausamer, prahlerischer Tyrann dargestellt, der immer nur von Mord 
und Niedermetzlung spricht; fig. F. n. app. nu Prahler; Dicketuer, 
lächerlicher Klugsprecher. Acad. 1798. Olibrius, li feaulx traitre 
Ly escrie: Suer Marguerite, Croy moy et fai ma volonte. Vie de 
Ste.-Marguerite, p. p. Holland, p. 7; 1534. Mon mary, passez vostre 
colere, et au lieu de faire ainsy Polibrius Des P^riers, II, 308 (Bibl. 
elz.); Mettons flamberge au vent et bravoure en campagne, Faisons 

8* 



~ 116 - 

rOlibriufl, Tocciseur d'iimoceiits. Mol. !^tourdi III, 4; olibrieux adj. 
ehm. stolz, lächerlich eitel, selbstge&llig, eingebildet; cette-cy ... fait 
de rolimbrieuse, de Talti^re, de la süperbe et de Faudacieuse k Tendroit 
de son mary. Brant6me IX, 173; Lesage, Point d'honneur II, 15; 
Nisard H, 10; Juleville II, 531; Parfaict n, 561. 

Ory npr. m. (Ritter, p. 53). Comte d**--^ der Held einer pikar- 
dischen Legende aus dem 14. oder 15 Jh., der mit vierzehn seiner 
Ritter, die als Nonnen verkleidet waren, in das Kloster Farmoutier 
eindrang und Äbtissin und Nonnen verführte. 1828 wurde eine 
Oper Le Comte d'Ory von Scribe und Delestre - Poirson aufgeführt 
(Musik von Rossini); fig. Typus eines zügellosen Wollüstlings. 

Oscar npr. m. fig. P. n. app. m. Zuhälter, Louis. IJber die 
Entstehung dieser Bedeutung gibt eine Stelle aus Taine (EH, 408) 
lehrreichen Aufschluß: Ossian avec Oscar, Malvina et sa troupe, fit 
le tour de TEurope et finit vers 1830 par foumir des noms de bap- 
t^me aux grisettes et aux coiffeurs. 

Othello npr. m. Der Held in Shakespeares glchn. er- 
schütternden Trauerspiel. Die teuflischen Verleumdungen des schur- 
kischen Jago (s. d.) vergiften ihm Liebe und Vertrauen und ent- 
zünden in ihm das Feuer der Eifersucht. In seiner Ehre aufs tiefste 
gekränkt, ermordet Othello in einer leidenschaftlichen Aufwallung 
seine schöne, arglose, unschuldige Gattin Desdemona (s. d.). Er gilt 
als Typus eines wütenden Eifersüchtigen, den die verzehrende Glut 
seiner Leidenschaft selbst nicht vor dem Äußersten zurückschrecken 
läßt. Othello erschien 1792 auf der frz. Bühne in einer Bearbeitung 
von Jean Fran^ois Ducis, die allerdings an poetischer Kraft weit 
hinter dem Originale zurückbleibt. Die Tragik ist bedeutend ab- 
geschwächt, und die Charaktere sind nur ein matter Abglanz der 
lebensvollen Heldengestalten Shakespeares. Erst Alfred de Vigny hat 
1829 den Franzosen die wahre Größe des Shakespeareschen Othello 
wieder erschlossen; Othello, Versdrama von Jean Aicard 1882. 

P a c o 1 e t npr. m. In dem vielgelesenen Roman L'Histoire des 
deux nobles et vaillants Chevaliers Valentin et Orson, fils de Tempereur 
de Gr^ce et neveux au tr^s-chr^tien roi de France P^pin (erste Aus- 
gabe nach Brunet 1489, bis 1820 wiederholt aufgelegt) der Name 
eines Zwerges, der mit Hülfe seines flinken Zauberpferdes, dessen 
gewaltige Schnelligkeit sprichwörtlich geworden ist, wahre Wunder- 
taten verrichtet; II faudroit avoir le cheval de Pacolet pour aller si 
viste en ce lieu-lä Oudin (11), 93; Ler. de Lincy (I) 11, 58; Anc. Th. 
fr. Vn, 329; Rabelais (ML. I, 336) bezieht, wie es scheint, den Namen 
Pacolet auf das Pferd selbst: „Et ne crains ny traict ny flesche, 
ny cheual tant soit legier, et feust ce Pegase de Perseus, ou Pacolet, 
que deuant eulx ie n'eschappe gaillard et sauf*; Elle est morte et 
si eile court comme le cheval de Pacolet Mol. Jalous. du Barb.sc. 11. 
Wahrscheinch hat „le fameux valet de pied de Monsieur le Prince* 
[des Prinzen von Cond^], den Boileau l^pttre IX, 174 erwähnt, in 
Anspielung auf diese Figur seinen Namen erhalten; fig. n. app. m. 



— 117 — 

reitender Postbote, Eilbote. II faut que Pacolet ou la benediction 
de Montelimar ait port^ tr^s-diaboliquement cette lettre. 8^v. 
28. Aug. 1675 vgl. IV, 102; si je cours, c'est en Pacolet Cyrano, 
P^ant jou6 (1641) I, 1. 

Pampbile npr. m. Der Name des Bj-euzbuben, des Haupt- 
trumpfes in einem Kartenspiel; fig. Lakaienseele; niedriger Mensch 
Yon knechtischer Unterwürfigkeit vgl. die treffende Charakterschilde- 
rung, die La Bruyere in seinen Caract^res de Th^ophraste (I, 358; 
appendice 549) von solchen Naturen gibt : On ne tarit point sur les 
Pamphiles: ils sont bas et timides devant les princes et ministres; 
plein de hauteur et de confiance avec ceux qui n'ont que de la vertu. 

Pancrace npr. m. {nayxgdviov). In Molieres Ballettkomödie 
Le Mariage forc^ (1664), le Docteur Pancrace, ein Scheingelehrter 
von lächerlichem Halbwissen und alberner Anmaßung, der von Sga- 
narelle wegen seiner Heirat um Rat gebeten, gar nicht auf dessen 
Fragen eingeht, sondern, ohne auf ihn Rücksicht zu nehmen, darauflos 
philosophiert; fig. streitsüchtiger Mensch, der sich anmaßt, über alle 
Gegenstände der Unterhaltung urteilen zu können; schon im D^niais^ 
von Gillet de la Tessonnerie (1652) ist Pancrace der Name eines 
geschwätzigen Pedanten. In Somaizes Lustspiel Le Procez des 
Pr^tieuses (1660) tritt ein Pancrace als professeur de la langue 
pr^tieuse auf. Ch^nier schrieb 1797 ein Stück Le Docteur Pancrace; 
als Theatername wird Pancrace von Pritsche 174 unmittelbar auf 
ital. Pangrazio zurückgeführt. Unter dem Namen Pangrazio il Bisceg- 
liese (Bisceglia) spielt diese Figur, meist ein Pedant oder Doktor, 
noch heute eine wichtige Rolle im ital. Volkstheater vgl. Sand H, 35 ff. 

Pftndore npr. m. In dem volkstümlichen Lied Les Deux 
Gendarmes von Gustave Nadaud (1857), ein Gendarm, der seinen 
Vorgesetzten gegenüber nicht den geringsten Widerspruch wagt, kein 
eigenes Urteil hat, sondern alles billigt und gutheißt, was diese an- 
ordnen. Er ist die lebendige Verkörperung des knechtischen Gehor- 
sams. Brigadier, vous avez raison ist seine beständige Rede; fig. p/^ 
Gendarm. 

Panglosse npr. m. In Voltaires Roman Candide ou TOpti- 
misme (1759), ein unverbesserlicher Optimist, der trotz aller Wechsel- 
fälle des Glücks sich nicht beirren läßt und jedermann von der 
unfehlbaren Richtigkeit seiner Doktrin Tout est pour le mieux 
dans le meilleur des mondes possibles zu überzeugen sucht. £r ist 
der Typus jener hartnäckigen Optimisten, die sich in freudiger Hoff- 
nung auf eine bessere Zukunft über die herbsten Schicksalsschläge 
und bittersten Enttäuschungen hinwegsetzen; Philosoph, nach dessen 
Ansicht alles in der Welt so gut wie nur möglich ist. 

Pantagruel npr. m. In Rabelais Werk, der Sohn Gar- 
gantuas, ein Riesenkind von ungeheurer Kraft, ein gieriger Presser, 
fröhlicher, unmäßiger Zecher, ein Freund des heiteren Lebens- 
genusses; pantagru^lique adj., festiu /— üppiges Mahl; pantagru^liser 



— 118 — 

lustig und in Freuden leben; pantagru^lisme s. m. Streben nach 
Lebensgenuß; pantagruelisme, vous entendez que c'est certaine gayet^ 
d'esprit conficte en mespris des cboses fortuites Rab. ML. II, 254; 
über andere Definitionen dieses Begriffs vgl. ML. I, 11; II, 12; pan- 
tagru^liste s. m. Mensch, dessen einziges Streben der Lebensgenuß 
ist: estre bons pantagruelistes (c'est h, dire vivre en paix, ioye, 
sant^, faisans tousiours grand chere Rab. ML. I, 384; als Name des 
Teufels kommt Pantagruel vor Rabelais schon in den Actes des 
Apötres von Arnoul und Simon Greban (1478) und als Penthagruel 
im Vie de St-Louis vor; Juleville 11,529; 461; le Panthagruel be- 
zeichnet auch eine heftige Halsentzündung, bei der man fast erstickt 
und nicht sprechen kann vgl. Anc. Th. fr. H, 235; Rab. ML. I, 243, 
28; n, 235, 12; Parfaict Vm, 324. 

Pantalon npr. m. Pantaleone, eine Charaktermaske der alten 
ital. Komödie, meist ein alter, reicher, eifersüchtiger oder geiziger 
Mann, der verliebt, leichtgläubig und prahlerisch bsd. von Arlecchino 
beständig betrogen und hinters Licht geführt wird. Der Name rührt 
her von san Pantaleone, dem Schutzheiligen Venedigs, dessen Name 
daher auch eine scherzhafte Bezeichnung für die Venetianer ist (pan- 
talone). Da die langen, bis an die Knöchel reichenden Hosen das 
charakteristische Kleidungsstück dieser Figur sind, so übertrug man 
auch den Namen auf diese; frz. pantalon 1680 bei Richelet; panta- 
lonner; fig. n. app. m. Hanswurst, Gaukler, Schalksnarr. 1530. Hs 
firent monter sur le theatre deux clercs Fun vestu en Pantalon, 
Fautre en zani. Chron. bordel. 1,82 (Godef.); Spitzname der Vene- 
tianer: Et apres que les Pantalons avoyent demeur^ demy heure la 
bouche beante. d'Aubign^, Confessions II, 111 ; jem., der in seinen 
Äußerungen nicht aufrichtig ist; jem., der die verschiedensten Rollen 
spielt, um zu seinem Ziel zu gelangen: Tout ce qui a rapport ä ce 
pantalon suisse M™® de Maintenon, Lettres 19. Juni 1710; pantalon- 
nade s. f. 1649 De Retz, M^m. H, 236; Patru, CEuvres (1692) H, 351. 
1. Gaukelei, Posse; 2. lächerliche Ausflucht; 3. Verstellung in der 
Äußerung von Freude oder Schmerz usw.; pantalonnader Narrens- 
possen machen, nur so tun, heucheln. Pritsche 174 stützt seine Ver- 
mutung, Pantalon sei aus Piantaleone (Löwenauf pflanzer) verkürzt, 
durch den Hinweis, daß Venedig den Markuslöwen im Wappen führt; 
XIV. Saint-Panthaleon, Held eines Myst^re JuleviUe II, 281 ; MND 22; 
Pantalon in der Com^d. des Com^diens (1629) Anc. Th. fr. IX, 232; 
Messire Panthaleone, ein großsprecherischer Italiener in Grevins Les 
Esbahis Anc. Th. fr. IV, 324; Parfaict IH, 323. 

P a n u r g e npr. m. Bei Rabelais ein leichtsinniger, gewissenloser 
Abenteurer, der geistvoll, witzig und gelehrt sich durch seine lustigen 
Schwanke und tollen Streiche Geltung zu verschaffen sucht und sich 
auf Kosten anderer aus seiner beständigen Geldverlegenheit zu retten 
weiß. Sprichwörtlich ist seine Rache an dem Schafhändler Dindenaut 
(les moutous de Panurge Rab. Pant. IV, 8); panurgisme s. m. be- 
trügerisches Wesen; panurgiste s. m. (qui saute comme les moutons 



- 119 — 

de Panurge) knechtischer, geistloser Nachahmer, Nachbeter; Mon- 
tauban, Panurge (Kom.) 1674. 

P a s q 11 i n : Pasquino, eine verstümmelte Bildsäule in Rom (an- 
geblich nach dem Namen eines Schusters so genannt, der in der 
Nähe des Standortes seine Werkstätte gehabt haben soll), an der 
im 16. Jh. spöttische Schmähschriften und beißende Epigramme an- 
geheftet wurden, die mit scharfer Satire vor allem die Päpste und 
ihre Herrschaft angriffen. Die erste Erwähnung findet sich in Castel- 
vetros Schrift Ragione d'alcune cose (1660); üg. Schalksnarr, bös- 
williger Spaßmacher Brant6me IX, 515. 484; vgL Godef. compl.; 
pasquin s. m. Schmähschrift, Pasquill. Pasquin ist auch der Name 
eines lügnerischen, schwatzhaften Bedienten, eines Störenfrieds der 
Liebeshändel im ital. und älteren frz. Lustspiel (z. B. bei Destouches, 
Baron u. a.); pasquinade s. f. satirischer Anschlag am Pasquino, 
Schmähschrift; Spötterei; pasquiner vgl. Godef.; Rab. ML. I, 246; 
Mary-Lafon, Pasquin et Marforio. 2® ^d. P. 1877; Revue Britannique 
1861, 3; Körting 6898. 

p a t e 1 i n (etym. patte): Pathelin, der Held der berühmten Farce 
vom Maistre Pierre Pathelin, ein verschmitzter, geriebener Advokat, 
der durch seine betrügerischen Schmeicheleien dem beschränkten 
Tuchhändler Guillaume Joceaulme seine Ware abschwindelt und ihn 
hinters Licht führt, aber von dessen dummschlauen Schäfer Thibaut 
l'Aignelet (s. d.) überlistet wird; patelin s. m. Fuchsschwänzer; 
Schleicher, listiger Mensch, der durch Schmeicheleien und schöne 
Worte an sein Ziel zu kommen sucht; contrefaire le patelin Anc. 
Th. fr. IV, 49; 393; jouer son patelin ib. V, 196. C'est un tour 
de patelin Bouchet, Serees II, 90 (Lacurne); adj. in betrügerischer 
Absicht süßtuend R^gnier, sat. XV; patelinage F. s. m. betrügerische 
Schmeichelei, Fuchsschwänzerei; XV. a point Ay son or par patelinage 
Mir. de St.-Nicolas (Delb.Rec); Rab. ML. II, 167; Anc. Th. fr. VII, 247; 
pateliner F. 1. intr. durch Schmeicheleien betrügen; 2. trans. jem. 
um den Bart gehen; etwas listig einfädeln; 1470 Vous cuidez pateliner. 
Bibl. de T^c. des Chartes 1847/48. p. 259. vgl. Godef.; Anc. Th. 
fr. n, 148; F. patelinerie s. f. = patelinage vgl. Godef. compl.; 
pateüneur, se F. s. m. f. Fuchsschwänzer(in); betrügliche(r) Schmeich- 
ler(in); Schleicher(in) XVL O quel patelineux Rab. ML. II, 112; archi- 
patelin adj. und s. erzschelmisch; £rzschelm(in) Laft. f. IX, 14; Darme- 
steter (I), 226; L'Avocat pathelin von Brueys (1706); Maitre Pathelin 
von Ed. Foumier (Com.-Fran^aise 1872); vgl. Brinkmann, Die Metaphern 
1878 I (einziger) Band. 242 = H. Arch. 46, 440 ff.; Pasquier VHI, 59; 
ZFSL. IX, 1; X, 93 ff.; Montaiglon, Anc. po§sies VII, 7. 

P a t u r o t npr. m. In seinen satirisch-sozialen Romanen Jer6me 
Paturot ä la recherche d'une position sociale (1843) und J^rdme 4 la 
recherche de la meilleure des r^publiques (1848) schildert Louis? 
Reybaud die gesellschaftlichen Zustände in Frankreich nach der 
Juürevolution. J^röme Paturot ist einer jener jungen Leute, die 
trotz ihrer lächerlichen Unfähigkeit, von grenzenlosem Ehrgeiz ange* 



— 120 - 

stachelt, unablässig nach staatlichen Ämtern, Ehren und Würden 
streben, die sich zu allem berufen fühlen, aber doch zu nichts taugen; 
fig. p/^'S. m. ehrsüchtiger, unwissender, anmaßender Mensch; leicht- 
gläubiger Kerl, der oft betrogen wird. 

P ^ p n e t npr. m. Nach der Komödie Les Faux Bonhommes 
von Theodore Barriere und E. Gapendu (Vaudeville 1866), der Typus 
eines Spießbürgers. P. ist ein einfältiger, dummer, lächerlich ein- 
gebildeter, reich gewordener Bürgerlicher, der unter liebenswürdigen, 
äußeren Formen seine Herzlosigkeit und egoistischen Begierden ver- 
birgt; oui, P^pon(n)et! ja, prosit! 

Perdrigeon (Perdigeon) npr. m. berühmter Modewaren- 
händler im 1 7. Jh.; c'est ^^^ tout pur das ist vom feinsten Geschmack, 
sagt z. B. Magdelon in Moli^res Pr^cieuses ridicules IX von einem 
Bande; Foumier, Var. 1,223. 235. 

Ferne 11 e npr. f. M°»« ~ in Moli^res Tartufe (1664), die 
Mutter Orgons, die sich noch mehr als ihr Sohn von dem heuchle- 
rischen Tartuffe (s. d.) hat betören lassen und blindlings für ihn ein- 
genommen ist. Aus ihrer Einmischung in die inneren wirtschaft- 
lichen Angelegenheiten erwachsen Unannehmlichkeiten aller Art. Sie 
ist der Typus jener zänkischen Frauen, die im Hause ihrer Schwieger- 
tochter alles schlecht finden und durch ihr Eindringen das häusliche 
Glück und den ehelichen Frieden zerstören. 

P^ronnelle npr. f. dim. v. P^ronne, Perronne (zu Pierre, 
Per[e]nelle, P^tronelle); lat. Petronilla; fig. p^-*-^ s. f. albernes, schwatz- 
haftes Frauenzimmer, Keiferin. XV. Au'ous point veu la Perronnelle 
Que les gendarmes ont emmen^e? G. Paris, Chansons du XV® siecle 
p. 41. La P^ronelle war ein Volkslied, das sich vom 15. bin hinein 
ins 17. Jh. wie kein anderes einer außerordentlichen Beliebtheit er- 
freute (Rah. M L. HI, 222 zählt es unter den Tanzliedern auf), aber 
allmählich langweilig und lästig wurde, daher pro veno, cantar la 
Peronelo = parier pour rien; Mistral, Mir^io H, 107 : Quand cantavo 
la Peirounello = chanter une chanson joyeuse, chanter ses amours, 
etre heureux Mistral, Tresor prov.-frc; frz. chanter la perronelle, 
dire des sottises, niaiser Oudin (II) p. 316; in dieser Bedeutung 
findet sich das Wort zuerst bei Richelet (1680), dann bei Fureti^re 
(1690) verzeichnet; Acad. 1694; Et c'est un autre ^poux . . . Taisez 
vous peronnelle Mol. Fem. sav. (1672) II, 6 hier in der Bedeutung: 
Klugsprecherin; streitsüchtige, rechthaberische Frau; Plaudertasche; 
dieselbe Redensart bei Regnard, Le Distrait (1694) I, 4; bei Laft. 
ist Perronnelle (wie sonst Perrenelle, Pemette, Perrette, Perrine, 
Perrotte, Perronne, Patrouille usw.) vgl. Mowat I, 180 kollektiv zur 
Bezeichnung der Bäuerinnen gebraucht: Chacun danse, et Guillot 
fait danser Perronnelle Laft. cont. III, 13; vgl. cont. III, 9; f. VII, 10; 
Vad^, CEuvres poissardes (1796) wendet das Wort sogar auf eine 
Hure an: Pour une perronnelle Le gueux m'a plante Ik; vgl. Livet; 
Anc. Th. fr. IX, p. 129; U, p. 154; IX, 67; Anc. po^s. fr. Vm,303; 
Doncieux, p. 43 ff.; Tiersot, Hist. d. 1. chans. pop. p. 12: 340; N. Du 



— 121 — 

Fail, Propos Rustiques (^d. Guichard) p. 41; Chantoient nos edits 
et nos lois Sur le chant de la Perronnelle D'Aesoucy 1655; XVI. Les 
uns chantent la Perronnelle Et les autres sonnent du cor LaMonnoie; 
Bartsch, Rom. u. Past. 103; 105; 261; 268; 324 u. ö. 

Perrette npr. f. Die Heldin in Laft. f. La Laiti^re et le 
Pot au lait (VII, 10): ihr Name ist sprichwörtlich geworden für alle 
jene phantastischen Träumer, die gern Luftschlösser bauen, sich die 
Zukunft in den leuchtendsten Farben ausmalen, aber ihre kühnen, 
hochfliegenden Pläne plötzlich durch ein geringfügiges unerwartetes 
Ereignis vernichtet sehen und in unliebsamer Weise an die nüchterne, 
rauhe Wirklichkeit erinnert werden; boite ä Perrette Sparbüchse. 

Perrichon (P^richon) npr. m. Nach dem Helden von 
Labiches Lustspiel Le Voyage de M. Perrichon (1860), das unter 
dem Titel »Der Lebensretter* öfter auch in Deutschland aufgeführt 
wurde, der Typus eines lächerlichen, philisterhaften Spießbürgers. 
Perrichon (P^richon) ist dim. v. Pierre; — ichon als Endung von 
Kosenamen ist nach Mowat (I), 179 bsd. in Berry beliebt. 

Petdeloup npr. m. F. flg. Schulfuchs, Pedant; les petdeloups 
Spitzname der zur frz. Universität gehörenden Akademiker. Petde- 
loup ist der Typus aller jener reklamesüchtigen Besitzer und Leiter 
von Privatschulen und Pensionen, ,fabricants de forts en th^me et 
entrepreneurs de fours ä bachots*, deren Charakter treffend gekenn- 
zeichnet wird durch das Sprichwort S^v^re, mais juste, comme Tin- 
stituteur Pet-de-Loup. Der Schöpfer dieser Figur, die zuerst 1848 
in der Revue comique auftauchte, ist der Schriftsteller und Karikaturen- 
zeichner Nadar (Felix Tournachon). Von ihm angeregt, haben sich 
Cham im Charivari und Gustave Dor^ im Journal pour rire dieses 
Typus bemächtigt. In seinem Roman J^r6me Paturot (s. d.) hatte 
Louis Reybaud schon 1843 in der Person des Roustignac (chap. 29) 
das Treiben jener Kreise an den Pranger gestellt vgl. Alexandre 
I, 272. 

Petit-Poucet npr. m. Der Held des Märchens vom kleinen 
Däumling in Perraults Contes de ma mfere TOie (1697), der durch 
seine Schlauheit und klugen Einfälle den plumpen, unförmlichen 
Riesen überlistet; üg, schmächtiger Mensch von kleinem Wuchs und 
kümmerlichem Aussehen; vgl. Tom-Pouce Däumling, Name eines 
Zwerges; Les Tom-Pouces, ag^s de quatre centim^tres Banville, Ödes 
fun. 43, 27; als adj. daumenhoch, winzig. Gaston Paris, Le Petit Poncet, 
M^ra. de la Soci^t^ de Linguistique, Paris I (1868) 372—404. 

Philaminte npr. f. Li Moliferes Femmes savantes (1672), 
eine eingebildete, schöngeistige Frau voller Gelehrsamkeit, die ver- 
ächtlich auf alles herablickt, was mit der gemeinen Materie, der 
niedrigen Sinnen weit zusammenhängt, die Ehe verschmäht und ihr 
Interesse ausschließlich der Wissenschaft widmet. Die Namen der 
Philaminte, Armande und B^lise sind ungeachtet der vorhandenen 
feineren Charakterverschiedenheiten zur Bezeichnung von pedantischen, 
bildungseitlen Frauen gebr. worden, die sich einer unnatürlichen, 



— 122 — 

gezierten Ausdrucksweise bedieuen. Über die Deutungen auf zeit- 
genössische Persönlichkeiten vgl. Fritsche 185. 

Philinte npr. m. In Moli^res Misanthrope (1666), der Freund 
des Alceste (s. d.), der, von Natur aus gesellig veranlagt, sich mit 
seiner feinen, geschmeidigen Lebensart gewandt in die Welt zu 
finden weiß, die Menschen nimmt, wie sie sind, nachsichtig ihre Fehler 
und Schwächen beurteilt und oft aus Höflichkeit etwas gutheißt, was 
er im Inneren vielleicht nicht billigt, kurz Tami du genre humain 
wie ihn der unerbittliche Wahrheitsfanatiker Alceste (s. d.) ironisch 
nennt (I, 1) ; fig. liebenswürdiger, höflicher, feingebildeter, nachsichtiger 
Mann; Mensch, der aller Welts Freund ist; Schmeichler. Fahre 
d'Eglantine hat in seinem Philinte ou la Suite du Misanthrope (1790) 
Philinte als einen bequemen, gleichgültigen, selbstsüchtigen Menschen 
Alceste und seinem übertriebenen Rechtsbewußtsein gegenübergestellt. 

Philis npr. f. Neben Chloris, Daphn^, Sylvie, XJranie u.a. 
einer der häufigsten Namen von Schäferinnen in der Hirtenpoesie 
und verwandten Dichtungen; Phyllis, Alexanders Geliebte in Henri 
d'Adelis Lai d'Aristote; Boil. Art. po^t. H, 24; fig. Geliebte, Mätresse. 
De mes Philis vouz seriez la premi^re Laf t. cont. V, 7 ; Peu de Philis, 
beaucoup de Jeannes Laft. IX, 295; J'avais des Philis h, la t^te 
Com. X, 26. 

Pierre npr. m. steht oft in sprichwörtlichen Wendungen für 
irgend einen Menschen ohne jede nähere Bezeichnung (vgl. Gautier, 
Guillaume) prendre saint Pierre pour saint Paul (durch Alliteration 
gebundene Namen) eine Person mit einer anderen verwechseln; Anc. 
Th. fr. IX, 27; d^habiller (d^couvrir) saint Pierre pour habiller (cou- 
vrir) saint Paul einem Übelstand durch einen anderen abhelfen (dem 
einen nehmen, um dem anderen zu geben; neue Schulden machen, um 
alte zu bezahlen usw.). 

Pierrot npr. m. dim. v. Pierre; üg. n. app. m. 1. Eine 
wahrscheinlich der ital. Komödie (dem Pedrolino der Gelosi) entlehnte 
Figur der frz. Jahrmarktsbühne, lustiger, ausgelassener Hanswurst 
in weißem, langärmeligem Anzug, meist geprellter Liebhaber. Sand I, 
263, (vgl. den Bauern Pierrot in Moliferes Don Juan); ötre gai 
comme Pierrot heiter und guter Dinge sein; XVI. Et ainsi print 
cong6, gay come Pierot D^speriers bei Littr^ Suppl. ; Je Tallay visiter, 
et au bout de trois jours le rendi guay comme perot. H. Estienne 
(Godef. compl.); gay come Perot Anc. Th. fr. IX, 85; Oudin(n)248; 
2. kollektive Bezeichnung für Bauern oder Hirten: Laft. f. IV, 2; On 
diroit que Eonsard, sur ses pipeaux rustiques, Vient encor fredonner ses 
idylles gothiques, Et changer, sans respect de Toreille et du son, Lycidas 
en Pierrot, et Philis en Toinon. Boil. Art. poet. II, 21 — 24; 3. pierrot 
n. app. m. Dummkopf, Einfaltspinsel; 4. Spitzname der Soldaten vom 
2. — 4. Dienstjahre; 1691 Tous m^prisent fort les soldats des gardes, 
qu'ils appellent des Pierrots Bacine, VH, 16. Dieser Spitzname, der 
noch bis 1789 bestand, war wohl wegen der Farbe der Waftenröcke 
gewählt; Schüler der ersten Klasse der Kunstschule; 5. gewöhnlicher 



— 123 — 

Name des Sperlings Laft. f. Xu, 2; fem. pierette Sperlings weibchen; 
hardi comme un pierrot frech, unverschämt, keck wie ein Bohrspatz. 

Pimbesche npr. f. comtesse de ^^^ nach einer Person in Racines 
Lustspiel Les Plaideurs (1668), der Typus einer erbitterten Prozeß- 
krämerin; pimb^che (pincer le bec?) s. f. schnippische, hochnäsige 
Person, reizbare, zänkische Frau; faire la '-^ schnippisch sein; XVI. 
ceste petite pimbesche A. Le Ma9on, D^cameron (Delb. Rec). Cot- 
grave (1611) definiert pimbesche: a wilie queane, subtil wench, one 
that confinely execute her mistress knavish devices; Acad. 1694: 
Terme de m^pris dont on se sert en parlant d'une femme impertinente 
qui fait la capable. G^nin 11, 42 bringt das Wort in Znsammenhang 
mit espimbeche, das nach dem Mesnagier de Paris eine Art Ragout 
von scharfem Geschmack bezeichnet. Im Roman Bourgeois von A. 
Furetifere (1666) heiratet Charles Rosel, d. i. Charles Sorel, der Ver- 
fasser der Histoire comique de Francion (1622) eine comtesse de Pim- 
besche; adj.: H faut ^tre ne tout sucre et tout miel pour n'^tre pas 
pimb^che, quand on fait tant que plaider. Bussy-Rabutin. 

P i p e 1 e t npr. m. In den Mysteres de Paris (II, 8) von Eugene 
Sue (1842), der Name eines Portiers, den sich der mutwillige Maler 
Cabrion (s. d.) zur Zielscheibe seiner ausgelassenen Streiche und 
beißenden Spöttereien auserkoren hat; ^g, p ^^ s. m. Pförtner, Portier; 
le Celeste p^^^ Himmelspförtner (Petrus); auch pipelette s. f. Portiers- 
frau; vgl. Alexandre I, 388. 

p i t r e s. m. wahrscheinlich von Petrus abgeleitet; f bon pitre 
gutmütiger Kerl, gute Haut; Gehülfe eines Gauklers, Hanswurst; 
weit. S. Possenreißer, schlechter Spaßmacher; Handlungsreisender; 
P. pitresse s. f. Hure; pitrerie s. f. Gauklerschwank, Hanswurstiade. 

Polichinelle npr. m. 1. Pulcinella, eine Maskenrolle der 
neapolitanischen Possenspiele (Polecenella), die vermutlieh im Gefolge 
der Commedia dell' arte nach Frankreich kam und dort zu einer 
buckeligen Marionettenfigur umgestaltet wurde. Der Name rührt 
vielleicht davon her, daß Pulcinella wie der Maccus der Atellanen 
den Vogelschlag und das Piepen junger Hühner (pulcino, pulcinelle) 
ausgezeichnet nachzuahmen verstand. Bei Moliere tritt Polichinelle 
in einem Intermezzo des Malade imaginaire (1673) auf; vier poli- 
chinelles erschienen schon 1671 in einem Ballett der Psyche; poli- 
chinelle n. app. m. Hanswurst, Pickelhering (buckelige Marionetten- 
figur); Possenreißer, Lustigmacher; F. unbedeutender, schnurriger 
Mensch; P. Kind; Hostie im Argot der Straßenjungen; großes 
Schnapsglas bei den Lumpensammlern. 

Polonius npr. m. Nach dem Vater der Ophelia in Shake- 
speares Hamlet, der Typus eines charakterlosen, diensteifrigen Hof- 
inannes, eines eitlen, gehaltlosen Schwätzers. 

Polyte npr. m. dim. v. Hippolyte; fig. n. app. m. Kuppler; 
Straßenjunge, Bummler (Delesalle). 

Pompadour npr. f. Jeanne Poisson, dame Lenormand d'Etioles, 
marquise de^^' (1721 — 64), die berühmte Mätresse Ludwigs XV.; 



— 124 — 

fig. Mätresse; p'--^ adj. invar. kokett, sehr galant, anspruchsvoll; alt- 
modisch (im Geschmack Ludwigs XV.). 

Ponson du Terrail npr. m. Pierre Alexis '-^ vicomte 
(1829 — 71), frz. Schriftsteller, der mit ungezügelter Phantasie und 
reicher Erfindungsgabe ausgestattet, das Publikum durch zahllose 
Komane fesselte, deren Hauptreiz und Wirkungskraft in den unge- 
heuerlichen, seltsamen Abenteuern, den verblüffenden Schauereffekten 
imd in der geschickten Verknüpfung spannender Intriguen begründet 
ist: Les Exploits de Eocambole 1859; La R^surrection de Rocambole 
1866; Le Demier Mot de Rocambole 1866; La V^rit^ sur Rocambole 
1867 usw.; fig. sensationslüsterner Schriftsteller; ponsonnisme* s. m. 
Stil nach seiner Art (vgl. Rocambole). 

, Pourceaugnac npr. m. Monsieur z^^, nach dem Helden in 
Moli^res glchn. Posse (1669), der in Paris gern ein schönes, junges 
Mädchen heiraten möchte, aber von den durchtriebenen Dienern 
seines Nebenbuhlers schnöde behandelt wird und sich durch ihre 
böswilligen Streiche übertölpeln läßt; fig. einfältiger, biederer, lächer- 
licher Provinzialer. Ein Seitenstück zu seinem Namen ist Cochonzae 
in Hautesroches Nobles de province (1677). Die Beliebtheit des- 
Namens Pourceaugnac, der schnell typisch wurde, zeigt eine von 
Pritsche 191 zitierte Stelle aus GuiÜaume de Br^ourts Lustspiel 
L'Ombre de Molifere (1674). 

P r u d e n t npr. m. Nach einer Person in Sardous Sittensehau- 
spiel La Familie Benotton (1865), der Typus eines nüchternen, prak-^ 
tischen Kaufmanns, ohne jeden Anflug von Poesie, aller höheren,, 
idealen Literessen bar; vgl. Benoiton. 

Prudhomme npr. m. Joseph z^', ein wackerer Bürger, zärt- 
licher Gatte und fürsorglicher Vater, ist er als glühender National-^ 
gardist eifersüchtig auf die Wahrung seiner Rechte bedacht und 
spricht mit komischem Ernst aus voller Überzeugung die größten 
Dummheiten und die albernsten, alltäglichsten Gemeinplätze gelassen 
aus. Er ist die lebendigste Verkörperung des selbstzufriedenen 
Philisters, eines unbedeutenden Menschen, der wichtig tut und sich 
an dem Klang hohler, feierlicher Phrasen berauscht. Der Schöpfer 
dieser köstlichen Figur ist Henri Monnier (1799 — 1877) in einer 
Reihe von Zeichnungen in seinen Seines populaires dessin^es ä la 
plume (1830) und in den Nouvelles Scfenes populaires (1839); seine 
außerordentliche Beliebtheit erlangte dieser Typus seit der Aufführung 
des Lustspiels Grandeur et D^cadence de M. Joseph Prudhomme von 
Henri Monnier und G. Vaez (Odeon, 23. November 1852) und durch 
die Veröffentlichung der M^moires de Joseph Prudhomme (1857); 
style Prudhomme philiströser Stil; prudhommerie s. f. Biedermeierei, 
philiströses Wesen (= calinotade s. calino); prudhommesque alltäg- 
lich, trivial, sententiös; vgl. Alexandre I, 84. 414. Monnier, J. Prud- 
homme, chef de brigands (1860). 

Purgon npr. m. Nach einer Person in Moli^res Malade 



— 125 — 

imaginaire (1673), der vollendetste Typus eines unwissenden, um- 
ständlichen, an den äußeren Formen hängenden Arztes. 

Quasimodo npr. m. In Victor Hugos Roman Notre Dame 
de Paris (1831), der Glöckner von Notre Dame, ein abschreckend 
häßlicher, verwachsener, mißgestalter Mensch, der doch der edelsten, 
zärtlichsten Gefühle fähig ist. Glühende Liebe fesselt ihn an die 
schöne Zigeunerin Esmeralda (s. d.), an deren Grab er eines Tages 
tot aufgefunden wird; fig. Mensch von abstoßender Häßlichkeit, 
Krüppel; Glöckner: Banville, Les Cariatides p. 58. 6ö. 

Rabelais npr. m. Der Name des machtvollen Satirikers der 
Renaissance (1490—1553) ist typisch geworden zur Bezeichnung 
eines Menschen, dessen Leben und Tun, Wirken und Schaffen ver- 
wandte Züge mit dem urwüchsigen Charakter Rabelais' aufweist, der 
geistvoll und gelehrt mit übermütigem Spott und feinem, wohl- 
tuendem Humor Vorurteile, Mißbräuche und Laster seiner Zeit geißelt 
und die Verkehrtheiten in Wissenschaft, Erziehung und Kirche mit 
scharfer Waffe bekämpft; rire rabelaisien spöttisches, cynisches 
Lachen; plaisanterie rabelaisienne derber, frivoler Spaß. 

Ragotin npr. m. In Scarrons Roman comique (11,8) 1651 
bis 57, ein schöngeistiger, den Damen gegenüber ritterlicher und 
galanter Kunstfreund, ein kleiner, untersetzter Mann von häßlichem 
Äußeren, der in seinen Liebeshändeln und Streitigkeiten immer Un- 
glück hat und von einem alten, verschlagenen Schauspieler hinters 
Licht geführt wird. Lafontaine und Champmesl^ haben ihn 1684 
in einer Komödie Ragotin ou le Roman Comique auf die Bühne 
gebracht; fig. lächerlicher E^nirps; mißgestalteter, verwachsener Mensch; 
der Name ist abgeleitet von ragot adj. kurz, dick, untersetzt; s. 
dickes Männchen, kleines untersetztes Frauenzimmer; Klatscherei; 
albernes Geschwätz, üble Nachrede (faire des ragots); ragoter brum- 
men, murren; öfter erscheint Ragotin auch als Name eines Dieners, 
so in der Komödie l'Acad^mie des Femmes (1661) von Samuel 
Chapuzeau, in Chevaliers Kom. Les Barbons amoureux (1662) und 
in Moliferes Don Juan (1665). 

Ramollot npr. m. Colonel > — ' nach dem Helden der Romane 
Le Colonel Ramollot (1883) und Nouveaux Exploits du Colonel 
Ramollot (1884) von Charles Leroy, der Typus eines beschränkten, 
ewig fluchenden Offiziers, dessen ganzes Leben in geistlosem Ga- 
maschendienst aufgeht, daher die Ableitungen ramollotade s. f.; ra- 
mollotique adj.; ramollotisme s. m. polterndes Benehmen nach Art 
des Obersten Ramollot. Der Name ist offenbar gebildet imter An- 
lehnung an ramollir weich werden; verweichlichen; se ramoUir er- 
schlaffen, stumpfsinnig werden; ramoUi, -ie hirnerweicht, schwach- 
sinnig, veidummt. 

Ramponeau npr. m. Jean ^^^, ein berühmter lustiger Schank- 
wirt in der Courtille (Faubourg Montmartre in Paris), dessen Ver- 
gnügungslokal um die Mitte des 18. Jhs. eine große Zugkraft auf 
das Publikum ausübte, trotzdem er ziemlich schlechten Wein zu 



— 126 — 

teueren Preisen verkaufte. Dichter und Maler haben ihn in ihren- 
Werken verherrlicht, und eine Reihe von Theaterstücken und Liedern 
machten ihn zu einer außerordentlich populären Persönlichkeit. Als 
er sich mit dem Theaterdirektor Gaudon in einen Prozeß verwickelt 
hatte, schrieb Voltaire (XXIV, 16; X, 128) zu seinen Gunsten das 
Plaidoyer de Bamponeau prononc^ par lui-m^me devant ses 
juges; fig. Kneipe, in der man sich nicht zu genieren braucht;. 
rampon(n)er zechen, sich betrinken, sich belustigen; Tiersot, Hist. 
d. 1. chans. pop. p. 224. 

rastaquou^re(raBtacou^re) s. m. vermögender, reich,^ 
aber geschmacklos gekleideter Ausländer, bsd. Brasilianer, bisw. auch 
Ausländer, der großen Aufwand macht, in Saus und Braus lebt,, 
ohne die dazu nötigen Mittel zu haben, daher Schwindler, Hoch- 
stapler in der Lebewelt. Über die wahre Etymologie des Worte& 
sind die Ansichten noch geteilt. Nach der einen soll der Ausdruck 
von Don Jago Bastacuero, marquis de Saladoros herrühren, der im 
Caf^ de la Paix in Paris eine große EoUe spielte; andere leiten 
das Wort ab von dem in Südamerika üblichen span. Wort rasta- 
cuero (aus rastrar und cuero) >=» tratnecuir, das ein Spitzname für 
reich gewordene Lederhändler sein soll; über eine dritte, etwas 
abenteuerliche Deutung vgl. Alexandre I, 423. 

Rastignac npr. m. In Balzacs Roman Le Pere Goriot (1835), 
ein eitler, leichtsinniger, junger Mann aus der Provinz, der sich in 
Paris einem flotten, verschwenderischen Genußleben hingibt, „l'homme 
qui arrive par les femmes*; fig. Typus eines Lebemannes. 

Katon npr. m. Li Lafontaines Fabel Le Singe et le Chat 
(IX, 17), der Name eines Katers, der für den Affen Bertrand (s. d.) 
die Kastanien aus dem Feuer holt (vgL die sprichwörtliche Wendung 
tirer le marrons du feu andere für sich arbeiten lassen, den Gewinn 
einheimsen, ohne selbst Hand ans Werk zu legen z. B. Mol. Etourdi 
m> 6); fig. Prügelknabe, Handlanger; Raten (petit rat) als Eigen- 
name auch bei Laft. f. XII, 2 und schon im Rosenroman v. 14243. 

R e n a u d npr. m. Einer der Helden in Tassos Gerusalemme 
liberata, der sich in den Zaubergärten Armides (s. d.) verirrt und, 
von ihrem Liebreiz umstrickt, Ruhm und Kampf vergißt; fig. tapferer 
Krieger, dessen kühner, unerschrockener Mut vor keinem Hindernis 
zurückweicht, der sich aber bisw. von verweichlichenden Genüssen 
und Sinnenlust betören läßt. — renaud s. m. im Argot Lärm, 
Gefahr; Vorwurf, Tadel; ärgerlicher Auftritt, Streit; renauder 1. f 
sich ärgern; innerlich fluchen; 2. P. sich weigern, etwas zu tun; 
schlechter Laune sein; auch: sich beklagen (Delvau). A. Lärm machen, 
toben, renaudeur s. m. A. Schreihals; vgl. dazu amauder P. murren, 
schlechter Laune sein; amaud s. m. P. und A. üble Laune; Schrei- 
hals; feiger Mensch; Godef. amauder (belegt a. d. J. 1410); über die 
Ableitimg dieser Wortsippe von einem Eigennamen vgl. O. Schultz, 
ZRPh. Vm, 130-137, 



- 127 - 

Ressource npr. f. Madame la^^fig. Eleiderhändlerin nach 
einer Person in Begnards Lustspiel Le Joueur (1696). 

Bichelieu npr. m. Louis -Fran^ois, duc de Fronsac, seit dem 
Tode seines Vaters (1716) duc de Richelieu, frz. Marschall (1696 
bis 1788), der Großneffe des allmächtigen Kardinals Richelieu, der 
wegen seiner galanten Abenteuer mit den Töchtern des Prinzen 
Philipp von Orleans und anderen zahlreichen Liebschaften wie wegen 
seiner Teilnahme an verschiedenen Verschwörungen mehrmals in der 
Bastille gefangen war; fig. stolzer Herr, Stutzer; tout ce qu'il y a 
de plus Richelieu faire son Richelieu, überaus galant, kühn, unter- 
nehmend den Frauen gegenüber vgl. Fronsac, Lovelace. Banville, 
Ödes funamb. 46, 293. 

Rigolboche npr. f. Name einer ausgelassenen Kankantänzerin 
im 19. Jh., die eigtL Margu^rite Badel (la Huguenote) hieß; vgl. Ri- 
golette; rigolbochade P. s. f. lustig sein, ausgelassener Streich, Lachen 
imd Tanzen (nach Art Rigolboches); davon rigolboche P. s. m. Ver- 
gnügimgspartie , Tanz- und Kneip vergnügen; adj. munter, lustig = 
rigolbochant, -e; rigolbocher ausgelassen, lustig sein; rigolbocheuse 
8. f. ausgelassene Tänzerin; rigolbochien, -ienne adj. frivol. 

Rigolette npr. f. Name einer heiteren, liebenswürdigen Gri- 
sette in den Myst^res de Paris (1842) von Eugene Sue; fig. F. r '^ 
n. app. f. flottes, lachlustiges Dämchen; Besucherin öffentlicher Bälle 
(Delvau); der Name gehört etymol. zu rigoler spassen, sich be- 
lustigen; se rigoler sich freuen; belustigen; sich etw. zugute tun; 
sich einen lustigen Tag machen; P. rigoleur s. m. Spötter, Spaß- 
vogel, vergnügungssüchtiger Mensch; P. Lach- und Saufbruder; 
rigoleur, -eux adj. munter, lustig vgl Godef. rigoler; Anc. Th. fr. 
1,294; n,116; VIH, 235. 

ripatonner: Monsieur Bipaton, Schneider, einst Kastellan 
ber Äcole Polytechnique in Paris; bei den Polytechnikem: aus- 
bessern (auch von Literatur- und Kunstwerken); P. ripatons s. m. 
pl. alte, geflickte Schuhe; Füße; F. ripatonneur s. m. schlechter Aus- 
desserer von Gemälden. 

Biquet npr. m. Biquet ä la houppe, eine buckelige, ver- 
wachsene Person eines glchn. Märchens in Perraults Gontes de ma 
mere TOie (1697); weit. S. Buckeliger; nach Scheler bedeutet riquet 
in normann.| Dialekten contrefait, bossu vgl. Bevue Germanique 
XVI (1861) p. 381. 

B o b i n npr. m. dim. v. Bobert vgl. Bobinet, Bobe^on; fig. n. 
app. m. unbedeutender Mensch; Tölpel; Bauer, der den Schlauen, 
Pfiffigen spielen will vgl. Godef. und compl.; 1672 Ces robins de 
cour qui veulent tout corriger Bonsard in, 34; weit. S. Lustig- 
macher, Spaßvogel; dummer Kerl. Oh! les plaisants robins, qui 
pensent me surprendre Mol. !^tourdi UI, 8. Oudin (I): un plaisant 
robin, un buffone; robinerie, bouffonerie; Bichelet (1680): on se sert 
quelque fois de ce nom pour dire un sot, niais: vous ^tes encore 
un plaisant robin (vgl. Acad. 1718. Anc. Th. fr. VHI, 261). Bobin 



— 128 — 

war schon frühzeitig neben Kobe9on, Guiot, Perrin, Perrot und 
Simon u. a. ein beliebter Name für Bauern, Hirten vgl. Deschamps 
VI, 288, 80 der stehende Name f. d, Geliebten der Schäferin Marion 
in den Pastourellen des 13. Jhs. vgl. Deschamps II, 212; IH, 1; 
wie auch für den (tölpelhaften) bäurischen. Liebhaber in Theater- 
stücken vgl. das Sprichwort F. ^tre ensemble comme ßobin et Marion 
in vollkommenster Einigkeit leben bsd. nach den Hauptpersonen 
in der ersten frz. Oper, Adam de le Haies Jeu de Bobin et Marion 
1284; noch 1896 in Arras aufgeführt; dann auch ohne eine nähere 
Bestimmung steht Kobin für einen Menschen überhaupt in vielen 
Sprichwörtern: Toujours souvient k Robin de ses flütes jun^ ge- 
wohnt, alt getan; Leroux (H) H, 62; il fit comme Bobin ä la danse, 
tout du mieux qu'il put er tat sein Bestes. Anc. Th. fr. IX, 13; 
XVI. J'en feray ce que Marion fit de dancer; Bobin P. Name des 
(Kommunal-) Stieres; des Hammels (Laft. f. IX, 19), in derselben Fabel 
auch Bobin mouton vermutlich nach Babelais ML. H, 290: Ha, Ha 
[sagt der Kaufmann zu Panurg] vous allez veoir le monde, vous 
estez le ioyeulx du Boy, vous auez nom Bobin mouton. Voyez ce 
mouton lä, il a nom Bobin comme vous. Bobin, Bobin, Bobin! Nach 
anderer Ansicht soll robin in dieser Verwendung von robe oder lat. 
rupinus abzuleiten sein; „c'est* sans doute, sa robe de laine qu'il 
Ta fait appliqu^ au mouton (Littr^); robin (von robe) als „terme 
de mespris dont on se sert en parlant des gens de robe* ist zuerst 
Acad. 1718 verzeichnet, vorher wird es in dieser Bedeutung wohl 
aus keinem Wörterbuch belegt werden können vgl. Livet, robin; 
über den vielleicht aus Prankreich entlehnten Namen Bobin zur Be- 
zeichnung des Knechtes eines Arztes in mittelalterlichen deutschen 
Schauspielen vgl. W. Arndt, Die Personennamen der deutschen 
Schauspiele des Mittelalters. Breslau 1904. 26. 36. 101. 

Bobinette npr. f. für Dienstmagd überhaupt gebraucht: 
Malherbe IV, 360 vgl. Deschamps IV, 234. 

Bocambole npr. m. Der Held mehrerer endloser Schauer- 
romane von Ponson du Terrail (s. d.), in denen er seiner übermäch- 
tigen Phantasie zügellosen Lauf gelassen hat und die daher von 
Un Wahrscheinlichkeiten, seltsamen Verwicklungen und Anachronismen 
strotzen; fig. n. app. m. jem., der vorgibt, interessante, seltsame, un- 
glaubliche Abenteuer bestanden zu haben; rocambolisme s. m.^--' 
litt^raire Stil der Schauerromane (G. Vapereau); F. rocambolade s. 
f. Schauerroman; der Name hängt ohne Zweifel zusammen mit ro- 
cambole (aus deutsch. roggenboUen vgl. Darmesteter (I) 233) s. f. 
wertlose Sache; leeres Versprechen; Schnurre, Aufschneiderei; c'est 
de la rocambole das ist leeres Geschwätz; rocambole s. m. Wind' 
macher, literarischer Possenreißer. 

Boch npr. m. saint-Boch, der heilige Bochus (1295 — 1327), 
der während der Pflege von Pestkranken selbst von dieser Seuche 
ergriffen wurde, sich im Walde in einer Hütte verbarg, wohin ihm 
der Sage nach ein Hund täglich ein Brot brachte vgl. Acta sanc- 



— 129 - 

torum 16. August; Fran9oi8 Di^do, Vie de Saint -Roch; da samt- 
Jßoch auf Gemälden immer von einem Hunde begleitet dargestellt 
ist, so sagt man sprichwörtlich F. c'est saint Roch et son chien die 
(beiden) sind unzertrennlich vgl. c'est sainte-Genevi^ve et saint- 
Marceau in der gleichen Bedeutung. 

Rodomont npr. m. In Bojardos Orlando innamorato (Roda- 
niimte!) und in Ariosts Orlando furioso (Rodomonte) ein tapferer, 
aber hochmütiger und anmaßender maurischer Held^ der mit seinen 
Waffentaten gern prahlt; fig. r ^^ s. m. Aufschneider, Prahler, Eisen- 
fresser; il fait assez du Rodomont Anc. Th. fr. IX, 26; ib. VIII, 236; 
Acad. 1694; adj. prahlerisch; großspurig, ruhmredig; F. rodomon- 
tade s. f. Aufschneiderei, Prahlerei; Großtuerei; lächerliche, über- 
triebene Anmaßung; faire le rodomont, faire des rodomontades renom- 
mieren. Les Espagnols sont tous rodomones de piafe encore que 
gars de courage pour la pluspart Pelerin d'amour 11, 717 (Lacume); 
XVI. Les rodomonds de.Castille Bat. M^nipp. 11, 49; il faut un peu 
parier des rodomontades espaignolles, car certes elles surpassent 
toutes les autres, de quelque nation que ce soit Brantöme VTI, 5. 
La rodomontade de Pierre Baillony (1589 Titel) Godef. compL; vgl. 
le capitaine Rodomont in R. Belleaus La Reconnue (1564), in O. 
de Tumfebes Les Ck>ntents (1584); Ph. Desportes, La Mort de Rodo- 
mont; Charl. Bauter, La Rodomontade (Trag.) 1605; Prölß I, 2, 277 ; 
Lotheissen I, 270 ff. Littr^ hält es nicht für unwahrscheinlich, daß 
die Gestalt des Rodomorus in dem vielgelesenen Trojaroman (v. 7969) 
von Benott de Sainte-More eine gewisse Anregung zu dem Namen 
Rodomont gegeben haben könnte. 

Rodrigue npr. m. F. c'est un «^^^ das ist ein rüstiger, spaß- 
hafter Alter. 

Roger-Bontemps npr. m. fig. F. lustiger Bruder, Lebe- 
mann, Hans Ohnesorgen. Acad. 1878. R.-B. nannte man eine be- 
liebte Theaterfigur, in der das Volk ,,den behäbigen Frohsinn glück- 
licher Zeiten, eine schöne Verganj^enheit und eine rosige Zukunft 
verkörpert hatte*. Er war der Schutzpatron fröhlicher Gesellschaften, 
so der Enfants de Bontemps zu Genf (H. Morf); vgl. Parfaict 11, 118; 
Foumier I, 392; als Typus des behäbigen, sorglosen Bürgers er- 
scheint R.-B. in der polit. Farce Mieulx que devant (nach 1448; 
Anc. Th. fr. in, 229) und in einem 1472 unter Ludwig XI. in Amiens 
aufgeführten Possenspiel (Gr. Gr. 11, 1. 1243); in der Moralit6 de 
rhomme p^heur (1480) tritt Franc -Arbitre auf, habill^ en Roger- 
Bontemps (Parfaict III, 89); die Nebenform Rouge -Bontemps viel- 
leicht mit Bezug auf die Farbe des Kostüms; Foumier Var. VI, 54; 
PasquierVm, 62; Picot, Recueil de Sotties II, 349; bsd. volkstüm- 
lich wurde diese Gestalt durch den Pariser Kleriker Roger de 
CoUerye (1470 — 1540), der als Dichter den Namen Roger Bontemps 
annahm. B^ranger hat eines seiner ersten Lieder (1814) dieser 
heiteren, lustigen und sorglosen Persönlichkeit gewidmet. Rogiers 
Bontemps qui cy tiens Ik saige. Le Roi Ren^, (Euvres III, 174; 

9 



— 180 — 

Gen'est pas de ces gras et ventruzRog^-Bontemps que j'ay rien a 
crain<}re. Vigen. Comm. de Ces. au Roy bei Godef. compl. Estoit 
devenu si gras et enflamb^ qu'il ressembloit au droit Roger bon- 
temps. Nuits de Straparole II, 24 (LacurDe). 

Roland npr. m. Der berühmte Neffe Karls des Großen, der 
im Tale Ronceval den verräterisclien Ränken des schurkischen 
Ganelon (s. d.) zum Opfer fiel. In der afrz. Literatur ist er einer 
der gefeiertsten Helden, den auch Bojardo im Orlando innamorato 
und Ariost im Orlando furioso (XII) verherrlicht haben. Roland 
furieux von Mairet (1635); Roland, op^ra von Quinault und LulH 
(1685); Roth, 166 ff.; fig. faire le Roland den Tapferen spielen. De 
proece sembla RoUant R. de Th^bes 748; onc ne dona meillors 
Rollanz ib. 1678; ains se maintinrent moult vassement d'une part 
et d'autre, aussi bien que si tous fussent Rolands et Oliviers. Frois- 
sart, Chronique {6d. Buchen) P. 1837 I, 294; . . . suis-je un Roland, 
mon maitre, Ou quelque Ferragu ? Mol. D6prt am. V, 1 ; Des- 
champs H, 67. 156; Anc. Th. fr. IX, 42. 

R o 1 e t npr. m. Charles '--^ ein Prokurator im Pariser Parlament, 
der wegen seiner unersättlichen Geldgier und spitzbübischen Be- 
trügereien berüchtigt war. Der erste Präsident Lamoignon ge- 
brauchte seinen Namen zur Bezeichnung eines Erzhalunken; Fure- 
tiere schildert ihn in seinem Roman bourgeois (1666) in der Person 
des Vollichon, und Boileau sat. I, 52 münzte auf ihn den sprich- 
wörtlich gewordenen Vers: J'appelle un chat un chat et Rolet un 
fripon das Ding beim rechten Namen nennen. 

Ronchonnot npr. m. colonel /^^ fingierter Name für einen 
eifernden, knurrenden Obersten, einen bärbeißigen, mürrischen Offizier, 
der übertrieben peinlich auf Beobachtung der Disziplin hält und 
sich beim geringfügigsten Anlaß ohne Grund gewaltig aufregt Der 
Name ist abgeleitet von F. ronchonner knurren; verdrießlich, 
mürrisch sein; ronchonneur, -euse s. m. f. Murrkopf, Brummbär, 
Keifer(in); im Argot dafür oft P^re Ronchon gebraucht. 

Rosine npr. f. Im Barbier de S^ville (1775) von Beau- 
marchais, das schöne, reiche Mündel des alten Dr. Bartholo (s. d.), 
der sie gern heiraten möchte und sie deshalb mißtrauisch und eifer- 
süchtig vom Verkehr mit der Außenwelt abzuschließen sucht; fig. 
junges Mädchen, das unter der tyrannischen Bewachung eines arg- 
wöhnischen, eifersüchtigen Vormundes schmerzlich leidet, aber, wie 
Rosine vom Grafen Almaviva, durch ihren Geliebten aus dieser be- 
klagenswerten Lage befreit wird. 

Ruolz npr. m. Henri, comte de Ruolz-Montchal, frz. Kom- 
ponist und Chemiker, der Erfinder der galvanischen Versilberung 
und Vergoldung (1808 — 1887); ruolz s. m. Neusilber; weit S. un- 
echte Ware; Täuschung; fig. prince en ruolz Pseudofürst; Hoch- 
stapler; baron en ruolz Talmibaron; ruolzer* galvanisch versilbern. 
Rubempr^ npr. m. Lucien de ^^^ nach einem Helden in 
Balzacs Roman Illusions perdues (1843), der Typus eines talentvollen 



-. 131 — 

MAimeg, der durch die Ungunst der Verhältnisse von Stufe zu Stufe 
siakt^ allmlUilich zum charakterioseo Journalisten wird, der gewissen- 
los seine Feder feilbietet und schließlich in das tiefste Elend gerät; 
junger geckenhafter Pichtcir. 

sacripants. m. In Bojados Orlando innamoratp, Sacripante, 
ein großprahlerischer Held, der von seinen Waffentaten ungeheuereil 
Aufhebens macht. Im Orlando furiose von Ariost erscheint er aber 
ak ein wahrhaft tapferer, kühner Krieger im Heere Agramants; 
üg, n. app. m. 1. Benommist, Eisenfresser (wenig üblich in dieser 
Bedeutung); 2. streitsüchtiger Mensch, durchtriebener Halunke; 
Eäuber, Gauner, der zu den heftigsten Oewalttätigkeiten fähig ist. 
Acad. 1835; 1713 Le mari de la belle ^toit un vieux sacripant 
A. Hamilton, M^m. de la vie du comte de Grammont, p. 181 (D.-H.). 

Saint-Jean npr. m. aussi nu qu'un petit saint-Jean splitter- 
nackt; P. faire son (petit) saint-Jean den Unschuldigen spielen; 
saint-jean in der Sprache der Drucker alle Utensilien eines Setzers; 
auch allgem. Handwerkzeug (vgl. cr^pin, saint-cr^pin); prendre soi^ 
saint-jean die Werkstätte verlassen; P. de la saint-jean schlechtes, 
wertloses Zeug. 

Saint-Preux npr. m. In dem Briefroman La Nouvelle 
H^loXse (1761) von J.-J. Rousseau, der Liebhaber der Julie d'J^tange; 
fig. n. app. m. leidenschaftlicher, edelsinniger Liebhaber. 

S&acho Pan^a npr. m. Im Don Quixote (s. d.) von Cervantes, 
der treue Schildknappe, der um erträumten Vorteils willen Weib und 
Kind im Stiche läßt und auf seinem geliebten Esel den abenteuer-r 
liehen Heldenritter begleitet; sein Name bezeichnet einen gewöhn- 
liehen, hausbackenen Mann von gesundem Menschenverstand, der 
zwar manchmal wunderliche, seltsame Ansichten äußert, aber doch 
oft ganz kluge, schlaue Gedanken und gute Einfälle hat; im Argot 
der Diebe heißt Sancho soviel wie Friedensrichter. «Panza bedeutet 
Wanst; Sancho ist ursprünglich ein baskischer Name, der in Kastilien 
erst gebräuchlich wurde, seit sich die Könige von Navarra mit denen 
von Kastilien und von Aragon verschwägerten: er hatte lange Zeit 
einen Nebengeschmack von Gemeinheit pder bäuerischem Wesen.*' 
Don Quixote (übers, von L. Braunfels) 1, 94 Anm.; Du Fresny, 
Sancho Pansa (Kom.) 1694. 

Sangrado npr. m. Nach dem Dr. Sangrado in Lesages 
Histoire de Gil Blas de Santillane (1715 — r35), dessen ganze Heily 
kunst in der Anwendung von Aderlässen und heißem Wasser be- 
stand, das Urbild eines unwissenden Arztes, der ein Universalheil- 
mittel für alle möglichen Krankheiten empfiehlt. 

S a r g i n e s npr. m. Sargines, der Held der Oper Sargines ou 
V^&ihve d'amour von Dalayrac (Text von Monwel, 14. Mai 1788); 
üg, durch den Einfluß der Liebe tüchtig werdender Mann. 

Saumaise npr. m. Claude ^^ (1588 — 1653), ein gelehrter 
Philologe und gewissenhafter Kritiker, der an der Universität Leyden 
lehrte und sich durch seine Kommentare zu Plinius einen Namen 

9* 



— 132 — 

gemacht, überhaupt viel zur Aufhellung und Erklärung der antiken 
Schriftsteller beigetragen hat; fig. n. app. m. Erklärer, Ausleger. 
Et d^jk vous croyez, dans vos rimes obscures Aux Saumaises futurs 
pr^parer des tortures. BoiL sat. IX, 64. Banville, Ödes funamb. 179. 

Scapin npr. m. Scapino (von scappare, so genannt wegen 
seiner Feigheit oder Behendigkeit) eine Charaktermaske der ital: 
Gommedia dell'arte, ein ränkesüchtiger, schwatzhafter, lügnerischer 
Spitzbube und betrügerischer Gauner, der sich mit den Kammer- 
zofen gut zu stellen sucht, für den verschwenderischen, leichtfertigen 
Sohn seines Herrn Partei ergreift und die alten, geizigen Väter 
hinters Licht führt. Moli^res hat diesen Typus mit einigen Ände- 
rungen zuerst durch sein Lustspiel Les Fourberies de Scapin 1671 
auf der frz. Bühne heimisch gemacht. Bei ihm wie später bei 
Regnard und ihren Nachahmern erscheint Scapin als ein schlauer, 
schelmischer, verschmitzter Diener; fig. n. app. m. verschlagener, 
ränkesüchtiger Diener; niedriger Intrigant, Schurke; k la Scapin 
schurkisch. In Theodore Banvilles Komödie Les Fouberies de N^rine 
(Vaudeville 1864) wird der schlaue Scapin selbst von einer mut- 
willigen, durchtriebenen Kammerzofe überlistet; Sand 11, 205 — 256; 
Monnier, 184—187. 

Scaramouche npr. m. (ital. scaramuccio ^petit batailleur* ; 
scaramuccia Scharmützel, kleines * Treffen) eine traditionelle Figur 
der alten itaL Posse (bsd. in Neapel), ein feiger, prahlerischer Auf- 
schneider, der von Kopf bis zu Fuß völlig schwarz gekleidet war 
(vgl. le ciel s'est habiU^ en Scaramouche MoL Sicilien I, 1). Der 
ital. Schauspieler Tiberio Fiurelli (Fiorilli) 1608—94 führte diesen 
Typus um 1640 zuerst in Frankreich ein, wo selbst ein Moli^re zu 
seinen aufrichtigen Be wunderem zählte; Sand 11, 257 f(.; fig. Bra- 
jnarbas, Aufschneider; Acad. 1798. 

Scheherazade npr. f. eine Sultanin, die Gremahlin des Kalifen 
Schahriar, die ihm in Tausend und eine Nacht (erste frz. Über- 
setzung von Galland 1704) eine Reihe prächtiger Märchen vorträgt; 
fig. liebenswürdige, geistvolle fesselnde Erzählerin. 

Sch^rasmin npr. m. Scherasmin, der Klnappe Hüons von 
Bordeaux im Oberen: fig. treuer Diener. 

S^ide npr. m. In Voltaires Mahomet (1742), ein dem Pro- 
pheten willenlos ergebener Sklave, der aus schwärmerischem Glaubens- 
eifer selbst nicht vor den ruchlosesten Verbrechen zurückschrecken 
würde. Acad. 1878; fig. s^ide n. app. m. dienstbeflissener Nach- 
eiferer; blinder Anhänger; s^idisme s. m. Fanatismus sklavisch ge- 
sinnter Anhänger. Defr6mery (Littr^ Suppl.) leitet S^ide von arab. 
zäid Freigelassener Mahomets ab. 

Sganarelle npr. m. Eine bei Meliere mehrfach vorkommende 
und oft von ihm selbst gespielte Komödienfigur. Nach dem Helden 
des glchn. Lustspiels, das den Nebentitel Le Cocu imaginaire (1660) 
führt, gilt Sganarelle als Typus eines argwöhnischen Menschen, der 
sich von seiner Frau betrogen glaubt oder tatsächlich von ihr hinter- 



— 133 — 

gangen wird. Sganarelle erscheint auf der frz. Bühne zuerst bei 
Möllere im M^ecin volant und kehrt in verschiedenen Ausprägungen 
wieder in der l^le des Maris (1661), im Festin de Pierre (1665), 
in TAmour m^ecin (1665) und im MMecin malgr^ lui (1666). Nach 
Fritoche 201, der den Namen zusammenbringt mit itaL sgannare 
(für disingannare) jem. aus dem Irrtum reißen (vgL sgannarsi aus 
seinem Wahn gerissen werden, sich eines Besseren besinnen, seinen 
Irrtum erkennen, enttäuscht werden) bedeutet Sganarelle der aus dem 
Irrtum Gerissene, Enttäuschte; jem., der merkt, daß er das Opfer 
einer Prellerei gewesen ist. 

Shylock npr. m. In Shakespeares Merchant of Venice ein 
schmutzig-geiziger Jude, den seine fanatische Geldgier, seine tückische 
Baehsucht und sein leidenschaftlicher Haß gegen die Christen im 
Prozeß gegen Antonio zu unerhörten, blutigen Bedingungen treibt; 
seine boshaften Pläne werden jedoch durch Porzias kluges und 
mutiges Eingreifen völlig vereitelt; fig. unbarmherziger Wucherer; 
jem., der in unmoralischer Weise auf seinem schriftlichen Bechte 
besteht 

S i d r a c npr. m. In Boileaus komischem Epos Le Lutrin (1674. 
1683) I, 147 ff. der , Nestor de la Sainte-Chapelle* in Paris, der dem 
Prälaten den Bat gab, zur Demütigung des Kantors vor dessen Platz 
ein altes Chorpult zu stellen, um dadurch seinen Nebenbuhler gänz- 
lich zu verdecken. Sidrac erregte durch diesen Vorschlag böses 
Blut und lebhaften Streit unter den Kanonikern und wurde während 
der grotesken Bücherschlacht so unglücklich getroffen, daß er sein 
Leben aushauchte (Lutrin V, 123 ff.); fig- n. app. m. alter, zanksüch- 
tiger, eigensinniger Mensch. 

Sigewart npr. m. Sentimentaler Held einer glchn. rührseligen 
und tränenreichen Klostergeschichte von Johann Martin Miller, eine 
abgeblaßte Karikatur des Goetheschen Werthers (1776); fig. n. app. 
m. empfindsamer Liebhaber. 

Sophie npr. f. fig. n. app. f. faire sa s<^^ die Tugendhafte 
spielen, zimperlich tun; Sophie war der preziöse Name der Frau von 
Scud^ry; im Argot: Sophie de carton Dirne, welche die Tugendhafte 
spielt; P. voir Sophie (von Frauen) die monatliche Beinigung (Begel) 
haben^ vgl. mich^, michelet. 

S s i e npr. m. In seinem Lustspiel Amphitryon (1668) schildert 
Moli^re, wie Jupiter die Abwesenheit des thebanischen Feldherrn 
Amphitryon benützend, dessen schöner Gattin Alkmene in der Ge- 
stalt ihres eigenen Gemahls einen Besuch abstattet Merkur nimmt 
die Gestalt des Sosie an, um die Befehle Jupiters auszuführen; als 
Sosie sich nun plötzlich einer Person gegenüber sieht, die sein ge- 
treues Ebenbild ist, ihm den Eintritt in das Haus seines Herrn ver- 
wehrt und ihn mit Schimpf und Schlägen davonjagt, weiß er sich 
vor Erstaunen und Verwirrung kaum zu fassen, bis endlich die Götter 
<len lustigen Verwechslungen ein Ende machen und sich zu er- 



— 134 — 

kennen geben; d^sosier Amph. DI, 7; fig. n. app. m. Doppelgänger; 
Person, die einer anderen zum Verwechseln ähnlich sieht, auf ein 
Haar gleicht; voilä, mon Sosie da kommt mein Doppelgänger. Moli^ 
war zu diesem StQck durch die Tragikomödie Amphitruo von Plautus 
angeregt worden, die sich vor ihm schon Jean Rotrou zum Vorbild 
für sein Lustspiel Les Deux Sosies (1636) genonmien hatte. Rein- 
hardstöttner 174—186. 

Tabarin npr. m. Jean Salomon ^^ (1584 — 1663), berühmter 
Gharlatan und Hanswurst, der Gehülfe des Quacksalbers Mondor, 
der durch seinen sprudelnden Humor und seine drolligen, ausge- 
lassenen Spaße (die Verwandlungen seines Hutes I) das Publikum auf 
der Place Dauphine erheiterte; Parfaict IV, 323; fig. n. app. m. Hans- 
wurst, (Gaukler, Possenreißer, Lustigmacher, Spaßvogel; faire le Tabarin; 
Ces Tabarins, qui sont des enchanteurs, ne pourroient-ils pas deviner 
Anc. Th. fr. IX, 74; 66; Acad. 1694; sein Name rührt von seinem 
Mantel aus grüner Sarsche her: tabar(d) vgL itaL tabarro, span. 
portug. tabardo; engL tabard. On trouvoit toujours aux badineries, 
bateleries et marionnettes Tabary bei Bouchet, Serees HI, 177 (ed. 
Boybet); Apollon travesti devint un Tabarin Boil. Art. po^t. I, 86; 
m, 398; ... au bout du Pont-Neuf^ au son de tambourin, Monter 
sur des tr^teaux Tillustre Tabarin Laft Ragotin IV, 1 vgl. id. f. VHI, 
12; tabarinage s. m. lustiger Spaß, Schnurre^ Possenreißerei; Hans- 
wurstiade. Acad. 1762; 1717 Plante . . . tombe . . . dans un tabarinage 
effront^ M^m. de Trevoux, avril p. 530. Tabarin, op^ra comique 
von Alboize und Andr^ (Musik von Pessard) 1885; La Fille de 
Tabarin, op^ra-comique von Sardou und P. Ferner (Musik von Gabriel 
Pierr^ 1901; vgl Foumel (U) p. 245—265; Monnier, p. 168—171; 
Foumier H, 228 ff. 

Tamerlan npr. m. Timour-Beg oder Timour Leng (der Lahme) 
1336 — 1405, ein Mongolenfürst von unerschrockenem Heldenmut^ 
der sich durch seine verwegenen Eroberungszüge ganz Asien östlich 
vom kaspischen Meer unterwarf; sein Sieg über den türkischen 
Sultan Bajazet I. ist oft dramatisch verwertet worden, so von Jean 
Magnon, Le Grand Tamerlan et Bajazet (1647), in Pradons Tragödie 
Tamerlan ou la Mort de Bajazet (1677) u. a., jetzt bezeichnet sein 
Name scherzhaft einen zahmen Eisenfresser in der Bürgerwehr, einen 
eroberungslustigen Menschen, der militärische Allüren affektiert. 

Tartarin npr. m. Nach Alphonse Dandets humorvollen 
Romanen Les Aventures prodigieuses de Tartarin de Tarascon (1872), 
Tartarin sur les Alpes (1885) und Port Tarascon (1890), der Don 
Quichotte Südfrankreichs, der Typus eines renommistischen Proven- 
zalen von ungezügelter Phantasie^ Illusionsfähigkeit und ungestümen 
Abenteuerdrang (il ne ment pas, il se trompe), der als kühner Löwen- 
jäger und mutiger Bergsteiger gelten möchte; ursprünglich trug der 
Held den Namen Barbarin, den der Dichter sich zu ändern ge- 
zwungen sah, da es wirklich eine Familie dieses Namens in Tarascon 
gab; tarasconnade s. f. Ulk, Aufschneiderei, Streich nach Art der 



— 135 — 

£mw<^er von Tarascon; tarasconiier anfechneiden; tartariDade* s. t 
aufschneiderisches Wesen nach ArtTartarins; tartariner* aufschneiden. 

Tartempion npr. m. Dingsda (stellvertretend für einen 
Namen). 

Tartufe (Tartuffe) npr. m. Der Held in Moli^es meister- 
hafter Charakterkomödie Tartufe (1664), ein scheinheiliger, religiöser 
Heuchler und betrügerischer Sitteneiferer, der sich auf hinterlistige 
Weise das Vertrauen des gutmütigen, leichtgläubigen Orgon und 
seiner Mutter erschlichen hat und unter dem Denkmantel der Moral 
imd dem Schein der Frömmigkeit höchst selbstsüchtige, unlautere 
Zwecke verfolgt, ab^ bald werden die schamlosen Schwindeleien des 
abgefeimten, ehebrecherischen Lüstlings und Erbschleichers entlarvt, 
und der niederträchtige Schui^e verfällt der gerechten Strafe. Über 
die verschiedenen Ausdeutungen des Charakters vgL Frische 211; 
flg. F. tartuf(f)e n. app. m. scheinheiliger Frömmler, Heuchler, Mucker; 
Acad. 1694; tartuf(Öe de moeurs heuchlerischer Sittenprediger, Tugend- 
bold. Zahlreicher heftiger Angriffe willen hatte Moli^re eine Zeit- 
lang ^ Winter 1666/67) diesen Namen durch M. Panulphe ersetzt 
VgL Sainte-Beuve, Port-Boyal HI, 288. Der Name des Helden, dessen 
Wesen zwar durch die Lebensverhältnisse und Zeitanschauungen unter 
der Begienmg Ludwigs XIV. zeitlich und örtlich begrenzt ist, aber 
so viele allgemein menschliche Züge in sich birgt, dieses überaus 
charakteristische Tartuffe drang aber sehr schnell zur Bezeichnung 
eines Heuchlers sdilechthin in die Sprache ein; als Appellativum 
(les Tartufes) gebraucht ihn schon Moli^re selbst in den ersten beiden 
Bittschriften (placets) an den König (1664). 11 7 a bien des tartnffes 
et des hjpocrites Guy Patin, Lettres 1669 28. Aug. (Delb. Bec.). 
Client deux vrais tartufs, deux archipatelins Laft f. IX, 14; hier 
waren für die Wahl dieser Namensform wohl metrische Gründe maß- 
gebend. Unter den zahlreichen etymoL Deutungsversuchen bietet die 
Ableitung von tartufle, itaL tartuf o Erdschwamm, Trüffel noch immer 
die ansprechendste Erklärung; tartufo in der Bedeutung bösartiger 
Schelm findet sich schcm in Lorenzo lippis komischem Held^igedicht 
n malmantile racquistato, das zu Moli^res Zeiten nadiweislich in 
Frankreich in zahlreichen Abschriften verbreitet war; üb^ Tartnffe 
ähnliche Namen in der ital. Komödie wie Truffaldino, Truffo u. a. 
VgL Fritsehe 209; Sand H, 321; vgl femer Diez tmffe; Körting 9794 
tuber; Schelf tmffe; G&iin I, 293; EL Schuchardt, ZRPh XXI, 203. 
Zur ErklSnmg der Metapher und Begrilbentwicklung sei erinnert an 
lat. fungus Erdschwamm, Morchel, als Schimpfwort Dummkopf bei 
PlantuB, Bacchides IV, 7. 23; H, 3. 49; femer an frz. comidicm, 
dtroaUle; tartnferie s. 1 Heuehelei« Scheinheiligkeit Tr^voux 1752; 
Acad. 1798; Vok., dict philos. tartoffe; tartufier 1. jem. mit einem 
Tartolfe verheiraten: Fais mai . . . Non« vous serez, ma foi! tMitatßSe 
(bez. panolphi^e) MoL Tart. H, 3; durdi heuchlerisches Wea&i ver- 
führen, uberiisten wie Tartufe den biederen Orgon: ils m'<mt tartnfi^e 
S^. 6. Januar 1672; v<m Moli^re gdrildetes Wort Acad. 1798; 



— 136 - 

1835 gestrichen. N^pomuc^ne Lemercier ließ 1795 Le Tartufe 
r^volutionnaire aufführen. Das weibliche Tartuffetum schilderten in 
neuerer Zeit M"*® Emile Girardin (Delphine Gay) in ihrer Lady 
Tartufe (1853 Th^ätre-Fran9ais), Victorien Sardou in seiner S^ra- 
phine (1868) u. a. Ein würdiges Gegenstück zu dem frz. Tartuffe 
bildet die Gestalt des heuchlerischen Pecksniff in Charles Dickens 
Roman Martin Chuzzlewit (vgl. Taine IV, 53 ff.). 

T a u p i n npr. m. Nach Alexandre Dumas' Drama Diane de 
Lys (1853), der Typus eines Künstlers in allen Boulevardblättern 
(Gegenstück zu dem Bapin, dem Farbenkleckser). 

T ^ n i e r s npr. m. David ^^ le Jeune (1610 — 94), wie sein Vater 
ein berühmter holländischer Maler^ der in seinen Werken das hol- 
ländische Volksleben und bsd. oft Bauern, Tänzer, Baucher, Spieler 
und Zecher darstellte; üg,* signer un T^niers tüchtig trinken, 
wacker zechen. 

T h i b a u t npr. m. Thibaut erscheint in der älteren frz. Literatur 
wie St. Amoul (Z R Ph XVm, 134 ff.) als Patron der betrogeneu 
Ehemänner, daher tibaulder = faire le sot vgLLacume; Deschamps 
Vin, 76; Anc. Th. fr. I, 63; in der Hirtendichtung beliebter Name 
der Schäfer, so Thibault FAignelet in der Farce vom Maistre Pathe- 
lin, der seinem Herrn die Schafe stiehlt vgl. Oü sont ceulx de Thi- 
bault l'aignelet Rab. ML. H, 297; Laft. f. X, 5 gibt diesen Namen 
einem Schaf: Thibaut Fagnelet passera; Sans qu'a la breche je le 
mette. In Lustspielen und Possen war Thibaut ein typischer Name 
für Bauern, so z. B. in Lafontaines Lustspiel La Coupe enchant^e 
(1668), in Moli^res M^decin malgr^ lui u.a.; Pritsche 215 erinnert 
auch an Thibaut in Schillers Jungfrau von Orleans; XVI. Je doneray 
cestuy h, Tessay A Pettremand qu'est bon Thybault (Foumier I, 397). 

traupmanniser F.* auf schreckliche Weise ermorden, wie 
dies J.-B. Traupmann oder Troppmann tat, der 1870 wegen sieben- 
fachen Mordes hingerichtet wurde; troppmaniaque adj. blutdürstig, 
mordgierig; troppmanie s. f. Blutdurst, Mordgier. 

Triboulet npr. m. Fevrial oder Le Feurial <-^ , Hofnarr Lud- 
wigs Xn. (vgl. Jean Marot, Voyage de Venise) und Franz L (gest. 
vor 1526); fig. n. app. m. Possenreißer, Harlekin; Marot H, 37; faire 
le (servir de) triboulet die Gesellschaft belustigen, auf seine Kosten 
lachen machen; 1507 J^ayme mieulx faire ung petit sault^ comme 
fait maistre Triboulet Fournier I, 268. In Victor Hugos Drama 
Le Roi s'amuse (1832) erscheint Triboulet ohne Bücksicht auf die 
historischen Tatsachen als Verkörperung der väterlichen Liebe, die 
«die sittliche Mißgestalt läutert*. Je vous iure l'espine de saint 
Fiacre de Brye, que nostre Morosophe l'unique non Lunaticque Tri- 
boullet me remect k la bouteille Rab. ML. H, 218; Triboulet, dist 
Pantagruel, me semble competentement fol. ML. H, l&l. Der Bei- 
name Triboulet gehört etymol. zu tribouiller vgl. Godef. tribol, 
triboler; Körting 8352; Tribolet Name eines Hundes im Benart- 
Toman (l, 166, 121); Tribulet, serjant Lietart ib. 1, 307, 997 ; Triboulet, 



— 137 — 

Name eines Kochs im Hyslere St Louis (XV) JideviUe II, 588; 
Abc. Th. fr. II, 233 ; Je me sens toat tribooiller le corar quand je 
te r^aide HoL G. Dandin U, 1. 

Trim npr. m. In Lawrence Sternes Boman Hie Life and 
Opinions of Tristram Shandy (1759), Korporal Trim, der alte IMoier 
des Qnkel Tobj; üg. treaes Faktotom. 

Trimm npr. m. Thimoth^/^^, Pseudonym Yon lAo Lespte 
(1815 — 75), Ifitarbeiter am Figaro, Petit Jonmal n. a. Zeitsdiriiten; 
trimmer einen leichten Stil (wie Trimm) schreiboi. 

TrisBotin npr.m. Li Moli^res Lustspiel Les Femmes sa- 
yantes (1672), ein dunkelhafter, aufgeblasener Schongeist und pedan- 
tischer, selbstgefälliger Dichterling, der durch den Vortrag seiner 
eigenen, geschmacklosen Poesien seine Zuhörer zu entzücken und 
Beifell zu erhaschen sucht; ^. t/^^n. app. m. schlechter, sehr von 
sich eingenommener Schriftsteller; pedantischer Dichter. Der ur- 
sprüngliche Name Tricotin yeriilt noch mehr als Trissotin (trob 
fois sot), daß das Urbild zu dieser Figur der Salonabb^ Charles Cotin 
(1604 — 82) war, dessen Sonett ,ä la princesse Uranie* (CBuvres 
galantes 1663 ff.; p. 386) Moliere Yon Trissotin den Preziüsen ab 
sein neuestes Werk vortragen läßt (XU, 2). .Meliere joua d'abord 
Gotin, sous le nom de Tricotin, que plus midicieusement, sous pr^texte 
de mieux d^guiser, il changea depuis en Trissotin, Univalent a 
tnns fois sot/ La Monnoye, Additions au M^nagiana m, 23; 
Fritzsche 217 ff.; BoiL sat IX. 

Trivelin npr.m. Trivellino, in der alten itaL Komödie dn 
verschlagener, ränkesüchtiger Diener, der von Domenico Locateili 
(um 1645 in Paris, gest. 1671), später von Biancotelli meisterhaft 
dargestellt wurde; fig. Possenreißer, Lustigmacher, Hanswurst. Acad. 
1835; in Molieres TAmour m^ecin (1665) wird er im Ballett des 
Nations zusammen mit Scaramouches (s. d.) als Balletfigur erwähnt; 
trivelinade s. 1 Posse, Schnurre. Acad. 1835. «Tai huit ou dix 
trivelinades, Que je sais sur mon doigt Laft. £pttres XIV. Der 
Name Trivellin (ital. trivellino), der eigentlich eine Art Bohrer (die 
Leier) bezeichnet, ist vielleicht, wie Pritsche 220. 230 mit Recht 
vermutet^ in Anspielung auf die krummen Beine der Possenfigur 
gewählt. Eine ähnliche Begri&entwicklung zeigt der bei Moli^ 
vorkommende Name Villebrequin, denn vilebrequin bedeutet Trauben-, 
Brustbohrer vgl. jambes en vilebrequin krumme Beine; Sand 1, 113; 
ZFSL XX'^ 246; Körting 10388; Darmesteter (I), 152, 157. 

Truelle npr. m. Abgeordneter im Kongreß 1884, der stets 
Beifall klatschte, daher fig. les Truelles die Jasager^ Kopfnicker. 

T u f i ^ r e npr. m. Le comte de /^^ in N^ricault Destouches 
Lustspiel Le Glorieux (1732), der Graf von Tufi^re, der trotz seiner 
Armut von grenzenlosem Hochmut und Stolz beseelt ist, sich selbst 
gegenüber seinem Vater verleugnet, bis schließlich die kindliche 
Liebe in ihm zum Durchbruch kommt und über den hof&rtigen 
Dünkel obsiegt; fig. n. app. m. ahnenstolzer Mensch, Hochmutsnarr. 



- 138 - 

Turoaret npr. m. Der Held in Lesages glchn. LustqHele 
(1709), ein lächerlicher Emporkömmling, der sich trotz seiner geringen 
Herkunft und schlechten Erziehung durch seine b^rügerisdien Er- 
pressungen und ehrlosen Wuchergeschäfte zu einem der reichsten 
und angesehensten Finanzmänner und Steuerpächter emporgeschwungoi 
hat. Obwohl er verheiratet ist, unterhält er ein Liebesverhältnis 
mit einer koketten, verwitweten Baronin, von der er aber treulos 
hintergangen und schmählich ausgeplündert wird; fig. n. app. m. 
lächerlich eingebildeter, schmutziger Geldmensch, dessen Bildung 
seiner hohen sozialen Stellung nicht entspricht; gewissenloser Geld- 
abschneider; wucherischer Börsenspekulant, der sich auf Kosten des 
allgemeinen Elends bereichert. 

Turlupin npr. m. Der Theatemame des berühmten Schau- 
spielers Henri Legrand (Belleville) 1583 — 1634^ der im Anfang des 
17. Jhs. im H6tel de Bourgogne auftrat und durch seine lustigen 
Possen und Witze (Wortspiele!) stets stürmische Heiterkeit erregte. 
Tallemant des R^aux, Historiettes VH, 171; Monnier 171; Parfaict 
IV, 241; fig. n. app. m. alberner Spaßmacher, elender WitzUng. 
Acad. 1718. Si j'en ^tois juge, je sais bien h, quoi je condamnerois 
tous ces Messieurs les turlupins Mol. Grit, de F^c. des Femmes 
sc. 1. 6; Toutes fois k la cour les Turlupins rest^rent Boileau, Art 
po4t. n, 130; turlupinade s. f. alberne Witzelei , gemeiner Spafi. 
Acad. 1718. Pensez-vous...que je puisse durer k ses turlupinades 
perp^tueUes Mol. Grit, de l'Ec. des Femmes sc. 1. 6; turlupiner 
alberne Spaße machen; jem. aufziehen, foppen, hänseln. Acad. 1878; 
1615 c'est bien turlupin^ Harangue de Turlupin le Souffreteux 
(Foumier, Var. VI, 51); turlupin bezeichnete im 13. und 14. Jh. die 
Angehörigen einer ketzerischen Sekte, denen man Unwissenheit und 
Gynismus vorwarf und die um 1362 wegen ihres angeblich sitten- 
losen Lebenswandels durch die Inquisition in großer Anzahl lebendig 
verbrannt wurden vgl. Du Gange Turlupini, Turelupini; Godef. 
compl.; Diez 694; im 16. Jh. bedeutet turlupin soviel wie coquin, 
gueux, miserable; Autant en dict un Tirelupin de mes liures, mais 
bren pour luy. Rab. ML. I, 6 vgl. auch turelupin ib. ML. 1,245; 
On le prendroit pour Turlupin Anc. Th. fr. VH, 387; Oudin (T) 
1642 turlupin parasite, homme de rien; Gotgrave 1611. 1632 tur- 
lupin: a grub, mushrome, start-up, new nothing, man of no value 
e'est k dire ach^e (ver de terre)^ morille, porteur de guStres, conteur 
de rien, homme sans valeur; vgl. Livet III, 753; B. de GoUerye 
(^d. H^ricault) p. 230; Turlupin, valet i. d. Gom^die des Gom^diens 
(1633) Anc. Th. fr. IX, 306. 

U r s ^ 1 e npr. f. fig. n. app. f. alte Jungfer, Magd. 

V a d i u s npr. m. Nach einer Person in Moli^es Femmes sa- 
vantes (1672), der Typus eines eitlen, pedantischen Scheingelehrten, 
der mit seinem halbverdauten Wissen und seinen angeblich um- 
fassenden Kenntnissen in lächerlicher Weise prahlt und prunkt. 
Un Pedant ... Tout h^riss^ du grec, tout bouffi d'arrogance, Et qui, 




— 139 — 

de nuBe anteoB retane moi pour moi. Dum n tte ftMifa m^ 
jaouus iHt ^vm aot (B<ä. at IV, &) Was Mofifae 
bmben ma^, unter der Mmtke des VadioB den 
«eli«e& GeldnteB Gilles M&Mge (1613— 9S) 
praszQgebcn vnd flm als Vidwiner vnd Plagialor 
madieD, Hft aidi trotz Tersebiedeiier V enttutuB gea, die 
WalmdieiBlicbe fir mA liaben, nidit YSShg sidiar eatac h e i de n t^ 
Fritsdie 227; BenTÜle, Les OuutideB p. 2& 

Yatel npr. m. berfilHBter fn. Kodikonsller im 17. A., der 
in den Diensten des Primen Tcm Cmd^ stand mid sidi 1671 selhil 
ermordete, weil er angriiBdii för ein gttmendes F ee t ee s o n, das der 
Sieger Yon Bocroj Ludwig XIV. in Chantinj gab» nidit recktaat% 
die Vmshe heaorgeai kiMinte. Sein tragisches fiMle rief in aDen 
K rasen leUialtes Bedaoem und tiefes Ifitldd liervor ygL die lebendige 
Schilderong des E^dgmsBes in M"^ de S^vign^ Brief T<nn 26. Afuril 
1671 {86y. n, 187); ^. n. iq>p. m. großer Kochkonstier. 

Vaneanson nfHr. m Jacques de ^^ (1709 — 82X bed«rtender 
irz. Mechaniker, d^ sich dorch eine Reihe knnstvcdlery aotomatis^ar 
Piguren einen Namen gemacht hat (Flötenspieler, Trommle, Sdiadi- 
43pieler, Eote nsw.); ^. eEe est nn pea Vaneanson se ist etwas steif 
in ihren Bew^;angen. 

Yantrin npn. m. (Bitt^, p. 51). £äne der Hanptfignroi in 
Balzacs Bomanen, die su^st im P^re Gk>riot (1835) erscheint» in dem 
Illasions perdnes (1843), den Splend^irs et Mis^res des Goartisanes 
{1843) nnd La derni^re Incamation de Vantrin wiederkehrt Vantrin» 
eigentlich Jacqnes CMin, ist ein Galeerenstrifling, der sich der Pdian- 
anfincht entzieht. £r tritt unter dem Namen eines Abb^ CSarks 
Heriera als Beschützer des Journalisten Lucien de Bupembr^ (& d.) 
auf und wird sdiUeßlich wegen seiner eisernen Willenskraft, seinw 
Schlanheit und Gewandth^t C3ief der Greheimpolizd; ^. Typus eines 
abgefeimten Sdiurken, eines in allen Schlichen und Verbrechen ge- 
übtoi Sträflings. Balzacs Drama Vautrin (1840)» das den Boman- 
beiden auf die Buhne brachte, ^md keinen Anklang und erlebte nur 
eine dnzige Auffuhrung (14. März 1840). 

Vendredi npr. m. In Daniel Defoes Boman The lifo and 
Btrauge surprising Adventures of Bobinson Crusoe of York, Mariner 
(1719), ein junger Wilder, der Yon Bobinson an einem Freitag (daher 
der Name Friday, frz. Vendredi) aus Todesgefahr gerettet worden 
war und sidi ihm aus opf ermütiger, inniger Dankbarkeit angeschlossen 
hatte; fig. treuer Genosse. 

venturiser se^*^ auftreten, sich aufepielen wie Venture de 
Villeneuve, ein Ab^iteurer, der in den Gonfeesions (1788) von Jean- 
Jacques Bouflseau eine BoUe spielt. 

Veuillot npr. m. Louis /^^, hervorragender frz. Journalist (1813 
bis 1883), der als unerschrockenster Verfechter der ultramontanen 
Interessen mit leidenschaftlichem Ungestüm und beißender Satire 



— 140 — 

alle freieren religiösen Bewegungen in Frankreich bekämpfte, und 
sein Leben lang der eifrigste Verteidiger der unbedingten geisüichen 
und weltlichen Macht des Papstes, des Unfehlbarkeitsdogmas und des^ 
Syllabus war; daher faire du veuillot = veuillotiser in Veuillots Stil 
schreiben, eiifem (E. Quinet, La Cr6ation 1870); veuillotisme s. m^ 
ultrakatholisches Zelotentum; veuillotin s. m. katholischer Eiferer. 

W a 1 1 a c e npr. m. Sir Richard Wallace (1810 — 90), ein reicher 
Engländer und Menschenfreund, der sein ungeheueres Vermögen zu 
wohltätigen Zwecken aller Art verwandte. 1872 ließ er in Paris 
auf seine eigenen Kosten für die Armen 100 Brunnen errichten 
(fontaines Wallace) daher wallace s. m. P. Brunnenwasser; P. wallacer 
Wasser trinken; weinen. 

watriner P. ermorden, nach dem Obelrsteiger Watrin in 
Decazeville, der 1886 bei einem Streik getötet wurde; P. watrineur 
s. m. Arbeiter, der seinen Arbeitgeber ermordet. 

Watripon npr. m. Antoine '^^j frz. Journalist (1822 — 64)^ 
lange Zeit Mitarbeiter an einer großen Anzahl kleiner, meist satirischer 
Zeitschriften, daher watriponner für kleine Journale schreiben, kleine^ 
Journale gründen. 

W e r t h e r npr. m. Der Held des Goetheschen Bomans, Leiden 
des jungen Werther (1774) ist in Frankreich sprichwörtlich zur Be- 
zeichnung eines sentimentalen Liebhabers. Von weittragender Be- 
deutung für die Ausbreitung des Wertherfiebers, jener weitschmerz- 
liehen^ melancholischen Lebensanschauung imd sentimentalen Ge- 
fühlswelt waren vor allem die zahlreichen Übersetzungen und die 
noch häufigeren Nachahmungen, unter denen bsd. hervorzuheben sind: 
Atala(1801) und Ben^(1802) von Chateaubriand, Nodiers LePeintre 
de Salzbourg (1803), S^nancourts Obermann (1804), M»"« de Staels 
Delphine (1802) und Corinne (1807) und schließlich Benjamin Con- 
stants Adolphe (1816); noch Mussets Gonfession d'un Enfant duSi^le 
(1836) verrät den nachhaltigen Einfluß dieser Geistesströmung, 
werth^risme s. m. Sentimentalität; werth^rien, — ienne adj. nach 
Werthers Art, wertherisch; werth^riser den Werther, den sentimen- 
talen Liebhaber spielen. 

Wilson npr. m. Daniel ^^y frz. Staatsmann (geb. 1840), der 
während der Präsidentschaft seines Schwiegervaters Jules Gr^vy zahl- 
reiche industrielle Unternehmungen gründete und sich durch be- 
trügerische Machinationen zu bereichem suchte; daher wilsonisme 
8. m. wilsonner unter dem Schutze einer höheren Macht unsaubere 
Geschäfte treiben. 

Wormspire npr. m. baron de ^^ Typus des gaskonischen 
Aufschneiders, der durch seine Klugheit sogar den geriebenen Bobert 
Macaire (s. d.) noch überlistet und ihm seine gänzlich unvermögende 
Tochter aufhängt. 

Le Boi d'Yvetot: nach B^rangers reizendem Lied (1813), 
das den unermeßlichen Ehrgeiz Napoleons I. mit humorvollem Spott 



— 141 — 

^eifielt, der Typus eines bescheidenen, anspruchslosen Herrschers; 
fig. kleiner Herr, der seinem Vergnügen lebt; Duodezfürst. 

zan(n)i s. m. Der Hanswurst in der ital. Commedia dell' Arte; 
auch Possenreißer der Charlatane und Gaukler, der durch seine aus- 
gelassenen Spaße, Narrenspossen und lustigen Schnurren das Publi- 
kum anlockte. XVI. un zani G. Bouchet, Serees HI, 178; Acad. 1762; 
zani ist eine venetianische Dialektform für Gianni (dim. v. Giovanni) 
TgL.Diez 411; Körting 5189. 

Anmerkung: F. = familiär; P. = populär; A. = Argot. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

YerzeiclmiB der häufiger benützten Werke und Abkürzungen . 3 — 

Vorbemerkungen 7—12 

I. Namen biblischer Herkunft 13—22 

n. Namen aus dem klassischen Altertum' (Mythologie, Sage, Ge- 
schichte und Literatur) 23—48 

m. Namen aus der Geschichte des Mittelalters und der neueren 

Zeit. Theatertypen. Bomanfiguren. Vornamen .... 49 — 141 



k 



Lebensgang. 



Ich, Alfred Kölbel, evang.-luth. Konfessioo, wurde als Sohn 
des Bürgerschullehrers Otto Kölbel am 21. August 1884 zu Zschopau 
geboren. Meine erste Vorbildung empfing ich in der Volksschule 
meiner Vaterstadt Ostern 1895 trat ich in die Quinta des Real- 
gymnasiums zu Freiberg ein, das ich Ostern 1903 mit dem Zeugnis 
der Beile verließ. Seit dieser Zeit widmete ich mich an der Univer- 
simt Leipzig dem Studium der neueren Sprachen und Germanistik. 
Vorlesungen hörte ich bei den Herren Professoren und Dozenten: von 
Bahder^ Birch-Hirschfeld, Brugmann, Deutschbein, Heinze, Hofmann, 
Jungmann, Köster, Lamprecht, Schmarsow, Sievers, Stumme, Volkelt, 
Weigand, Windscheid, Witkowski, Wülker, Wundt. Mehrere Semester 
hindurch gehörte ich als ordentliches bez. außerordentliches IkUtglied 
dem romanischen Seminar des Herrn Prof. Birch -Hirschfeld, dem 
englischen Seminar des Herrn Prof. Wülker und den deutschen Pro- 
seminaren der Herren Professoren von Bahder, Köster und Sievers an. 
Femer besuchte ich das philosophisch - pädagogische Seminar des 
Herrn Prof. Volkelt und das praktisch - pädagogische Seminar des 
Herrn Prof. Hartmann. Außerdem beteiligte ich mich an den neu- 
sprachlichen Übungen der Herren Lektoren Dr. Blondeaux, Dr. Cohen, 
Westlake und Davies. 

Allen meinen verehrten Lehrern fühle ich mich für die viel- 
seitige Anregung und Förderung meiner Studien verpflichtet, be- 
sonders drängt es mich, Herrn Prof. Dr. Birch-Hirschfeld, der die 
Entstehung vorliegender Arbeit mit seiner freundlichen Teilnahme 
begleitet hat, meinen wärmsten Dank auszusprechen. 



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