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Full text of "Einige Bezeichnungen für den Begriff Höhle in den romanischen Alphendialekten (Balma, spelunca, crypta, tana, cubulum) Ein wortgeschichtlicher Beitrag zum Studium der alpinen Geländeausdrücke"



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EINIGE BEZEICHNUNGEN FÜR DEN BEGRIFF 

HÖHLE 

IN DEN ROMANISCHEN ALPENDIALEKTEN 

(+BALMA, SPELUNCA, CRYPTA, *TANA, *CUBULUM) 

EIN WORTGESCHICHTLICHER BEITRAG 
ZUM STUDIUM DER ALPINEN GELÄNDE AUSDRÜCKE 



INAUGURAL- DISSERTATION 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

EINGEREICHT BEI DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

UNIVERSITÄT ZÜRICH 

VON 

PAUL SCHEUERMEIER 

AUS WINTERTHUR 



GENEHMIGT AUF ANTRAG VON HERRN PROF. DR. L. GAUCHAT 



-«£>- 



HALLE a. S. 

DRUCK VON KARRAS, KRÖBER & NIETSCHMANN 
1920 



<* N0V25 1968 



MEINEN LEHRERN 



E. BOVET, L. GAUCHAT, J. JUD 



IN DANKBARKEIT UND VEREHRUNG 



GEWIDMET 



Inhaltsverzeichnis. 



Settc 

Einleitung, Quellen i 

I. *Balma 6 

A. Phonetik 6 

B. Die ältesten Belege 7 

C. Bedeutungen II 

a) balma als Geländebezeichnung II 

1. Höhle, Höhlung II 

2. Felswand, Böschung 12 

3. Felsvorsprung, Fels; Grenzstein; Hügel 13 

b) BALMA als Bautenbezeichnung: Stall, Schlafraum, (Teil einer) 

Scheune 16 

D. Ausbreitung 17 

a) Im heutigen Sprachgebrauch nach At. lg., Gl, Id . . . . 17 

b) nach Wörterbüchern 17 

c) nach Ortsnamen und Dokumenten 18 

d) östliche Grenze: Bahn, Balbe, Palfen 20 

E. Herkunft: Rätier, Gallier, Ligurer 22 

n. Spelunca — *Speluca 24 

A. SPELUNCA 24 

B. *SPELUCA 25 

a) Formen, Bedeutungen, Ausbreitung 25 

b) Herkunft 27 

III. Crypta 31 

1. Teil: Phonetik 31 

a) Anlaut 31 

b) Tonvokal 33 

2. Teil : Wortgeschichte 36 

A. crypta im Altertum 36 

a) im Griechischen 36 

b) im Lateinischen 36 

B. Das lateinische Wort als Bautenbezeichnung im Romanischen 36 
a) crypta als Profanbaute 36 

I. Korridor , 36 



VI 



Seite 

2. Unterirdischer Gang ... 37 

3. Tunnel 37 

4. Kloake 37 

5. Vorratsraum 37 

a) Vorratsgebäude, Gewölbe 37 

ß) Felsenkeller 40 

y) Grube, Loch 41 

crot und Ableitungen 42 

clot: Formen und Bedeutungen 46 

Herkunft .- 49 

Erklärung durch Kreuzung 49 

Phonetische Erklärung 50 

Sprachgeographische Erklärung 51 

clot in Italien 53 

6. Stall 53 

b) crypta als Sakralbaute 55 

1. im heidnischen Gottesdienst 55 

2. im Urchristentum 56 

3. Christliche Kirchenbaute, Krypte 57 

crypta als Geländebezeichnung 60 

a) crypta als Höhle 61 

1. im Lateinischen 61 

2. im Romanischen 62 

b) Wie wird crypta zu einem Geländeausdruck? .... 63 

1. Tunnel 64 

2. Felsenkeller 64 

3. Kultstätte 64 

4. Katakomben, römische Ruinen 65 

c) Weitere Geländebezeichnungen 68 

1. Abschüssiger Ort, Felswand 68 

2. Felsen, Felsblock 69 

3. Böschung, Rain 69 

4. Taleinsenkung 70 

d) Grotta in der italienischen Renaissance 71 

1. Erwachen des antiken Naturgefühls 71 

2. Höhlenpoesie der italienischen Renaissanceliteratur . . 72 

e) Grotte in Frankreich 73 

1. Grotte als italienisches Lehnwort 73 

2. Ursprünglich kein Literaturimport, sondern wie ... 73 

3. grotesque als Terminus technicus der bildenden Kunst 

mit der Sache eingewandert 74 

4. Die Grotten in der Gartenbaukunst 75 

a) im Altertum 75 

ß) in Italien 76 

y) in Frankreich 77 

5. Bernard Palissy als Grottenbauer und seine Belege des 
Wortes 79 



VII 

Seite 

6. Grotte in der Literatur 81 

a) Bei Ronsard und seiner Zeit ....*.... 81 

ß) Bei den Spätem 83 

7. Reaktion gegen die Grotten im 17. Jh. und Wieder- 
aufblühen der Mode im 18. Jh 83 

D. Zusammenfassung 84 

IV. *Tana 85 

A. Phonetische Formen, Ableitungen und Bedeutungen .... 85 

B. Ursprung 86 

C. Nebenformen: trona usw • 89 

taniere 92 

D. Zusammenfassung 93 

V. *Cubulum 94 

A. Die romanischen Formen 94 

a) CUBILE, CUBARE USW 94 

b) *cubultjm: Formen, Bedeutungen 94 

B. Die deutschen Formen 98 

a) Gufel 98 

b) Kofel 99 

c) Kobel 99 

d) Die geographischen und lautchronologischen Beziehungen 
dieser Formen IOO 

e) Gubel, Guber, Gufer 103 

C. Zusammenfassung 105 

VI. Übersicht der Bedeutungen 106 

1. Geländeausdrücke 106 

2. Bezeichnungen von Bauten HO 

a) im profanen Hausbau HO 

b) in der Kirchensprache in 

VII. Prinzipielles 114 

VIII. Indices • 122 

1. Wortregister 122 

2. Namenregister 129 

3. Sachliches und Sprachliches 131 



Einleitung. 



Die vorliegende Arbeit war ursprünglich auf breiterer Basis 
als onomasiologische Studie über die aipinen Terrainbezeichnungen 
geplant. In drei verschiedenen, mehrwöchigen Reisen durch Bünden, 
Tessin und die Alpen der französischen Schweiz hatte ich dazu 
in persönlichen Aufnahmen bei Bergführern, Gemsjägern und andern 
berggewohnten Männern Material gesammelt. Die wissenschaftliche 
Ausarbeitung des beständig anwachsenden Stoffes zeigte aber 
immer deutlicher, dafs einer Reihe dunkler Worttypen nur durch 
breitangelegtes Einzelstudium beizukommen war. Wenn diese Arbeit 
darum mehr sein sollte als eine Zusammenstellung von zum grofsen 
Teil fraglichen Ausdrücken, mufste in der Überfülle des Materials 
eine Auswahl getroffen werden. Der Wunsch nach möglichst ein- 
gehender Behandlung bestimmte mich dann, einer onomasio- 
logischen Übersicht aller Bezeichnungen die mit allen zu Gebote 
stehenden Mitteln arbeitende Einzelwortforschung vorzuziehen. So 
beschränkte ich mich auf den einen Begriff „Höhle". Selbst hier 
wäre es über den für diese Arbeit möglichen Rahmen hinaus- 
gegangen, auf die folgende Weise alle Höhlenbenennungen der 
Romania oder auch nur der romanischen Alpen darzustellen. Ich 
habe mich für die fünf Ausdrücke *balma, spelu(n)ca, crypta, 
*TANA, *cubulum entschieden, weil diese die charakteristischen 
Worttypen der Schweiz sind, für welches Gebiet mir reiches Material 
leicht zugänglich war. Dafs bei diesem beschränkten Umfang für 
jeden einzelnen Typus die ganze Romania in Betracht gezogen 
werden mufste, versteht sich von selbst. 



Quellen. 



i. Gedruckte Quellen. 

a) Wörterbücher. 

Die meisten der von mir benützten Wörterbücher, die ich mit 
dem Namen des Autors zitiere, findet man im Quellenverzeichnis 
bei v.Wartburg, Die Ausdrücke für die Fehler des Gesichtsorganes, 
RDRom. III, 496 — 503. 

Für die Wörterbücher der Westschweiz (Barman, Bridel, 
Corbaz, Dumur, Duret etc.) verweise ich auf die von der 
Redaktion des Glossaire des Patois de la Suisse Romande heraus- 
gegebene Bibliographie linguistique de la Suisse Romande. Chap. III. 
Histoire et grammaire des patois. IV. Lexicographie patoise, Neuchätel. 

Aufser den in diesen beiden Bibliographien angeführten dienten 
mir folgende Quellen : 

Meyer-Lübke, Romanisches etymologisches Wörterbuch, Liefg. 1 — 10. 

Heidelberg 191 1— 16. (M.-L., REW.). 
Aguilo i Fuster, Diccionari Aguüö. Materials lexicogräfics aplegats A — F. 

Barcelona 1914 — 18. (Aguilo). 
Atlas linguistique de la Corse. Fase. I — 4. Paris 191 5. (At. lg. Corse). 
Falcucci, Vocabolario dei dialetti, geografia e costumi della Corsica. Cagliari 

1915. (Falcucci). 
Toppino, // dialetto di Castellinaldo. StR. X, I — 104. (Toppino). 
Battisti , Die Nonsberger Mundart. Wien. Sitz. Ber. 160. III. (Battisti, Nbg.). 

— Die Sulzberger Mundart. Anz. phil.-hist. Kl. Wien. Ak., Nr. 16. 191 1. 
(Battisti, Sbg.). 

— Die Mundart von Valvestino. Wien. .Sitz. Ber. 174. I. (Battisti, Valvest.). 
Jossier, Dictionnaire des patois de VYonne. Auxerre 1882. (Jossier). 
Dartois, Coup d'ceil sur les patois de la Franche-Comti. Besancon 1850. 

(Dartois). 
Thevenin, Lexique de Vaudioux. Mem. de la Soc. d'Emulation du Jura, 

6e serie, ße torne, p. 77—178. (Thevenin). 
Fenouillet, Monographie du patois savoyard. Annecy 1902. (Fenouillet). 
Ravanat, Le patois de Grenoble. Grenoble 191 1. (Ravanat). 
Martin, Dictionnaire du patois de Lalle en Bas-Champsaur, Bull, de la 

Soc. d'Etudes des Htes. Alpes. $* serie, Nr. 26 — 32, 1908/9. (Martin). 



Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Spräche. 

Bd. I— VIII. Frauenfeld 1881— 1917. (Id>. 
Fischer, Schwäbisches Wörterbuch. Bd. I — IV. Tübingen 1901 — 14. (Fischer). 
Follmann, Wörterbuch der deutschlothringischen Mundarten. Leipzig 19OQ. 

(Follmann). 
Martin und Lienhard, Wörterbuch der elsässischen Mundarten. Bd. I — IL 

Strafsburg 1897— 1907. (Martin-Lienhard). 
Schmeller, Bayerisches Wörterbuch. Bd. I — II. München 1872 — 77. 

(Seh melier). 
Schöpf, Tirolisches Idiotikon. Innsbruck 1866. (Schöpf). 

b) Alte Belege. 

Thesaurus linguae Latinae. Vol. I — VI. fasc. 3. Lipsiae 1900 — 16. (Thesaurus). 
Du Cange, Glossarium mediae et infimae latinitatis. t. I — X. Niort 1883 

— 1887. (Du Cange). 

Monumenta Germaniae Historica. (Mon. Germ. Hist.). 

Bollandus, Acta Sanctorum. Bruxellis 1786 ss. (Acta Sanctorum). 

Monaci, Crestomazia italiana dei primi secoli. Fasel — III. Cittä di 

Castello 1889 — 191 2. (Monaci, Crest.). 
Wiese, Altitalienisches Elementarbuch. Heidelberg 1904. (Wiese, Ait. El.). 
Bonazzi, // Condaghe di San Pietro di Silki. Testo logudorese dei 

sec. XI — XIII. Sassari 1900. (Condaghe). 
Godefroy, Dictionnaire de Vancienne langue frangaise. 1. 1 — X. Paris 1880 

— 1902. (Godefroy). 

Cotgrave, A dictionarie of the French and English tongues. London 1611. 

(Cotgrave). 
Holder , Alt-Celtischer Sprachschatz. 2 Bde. Leipzig 189 1 — 1904. (Holder). 

c) Ortsnamen. 

Egli, Nomina geographica. Leipzig 1893. 

Geographisches Lexikon der Schweiz. Bd. I — VI. Neuenburg 1902 — 10. 

(Schw. Geogr. Lex.). 
Topographischer Atlas der Schweiz. (Siegfriedkarte). 
Jaccard, Essai de tofonymie. Origine des noms de lieux habites et des lieux- 

dits de la Suisse Romande. Lausanne 1906. M6m. et doc. soc. d'hist. 

S. Rom. t. VII. (Jaccard). 
Mottaz, Dictionnaire historique , geographique et statistique du canton de 

Vaud. t. I. Lausanne 1914. [Die uns interessierenden toponomastischen 

Notizen sind von Prof. E. Muret, Genf.] (Mottaz). 
Annalas della Societä reto-romantscha. Bd. III, XX, XXVI, XXXI. (Annalas). 
Bück, Rätische Ortsnamen. Alemannia XII, 209 — 296. (Bück, Rät. ON). 

— Oberdeutsches Flurnamenbuch. Stuttgart 1880. (Bück, Fl.N). 
Schneller, Beiträge zur Ortsnamenkunde Tirols. Heft I — III. Innsbruck 

1893—96. (Schneller, ON). 

— Tirolische Namenforschungen. Innsbruck 1890. (Schneller, Nfschg.). 
Pieri, Toponomastica della Valle dei Serchio e della Lima. AGIItal. Suppl. 

V* disp. 1898. (Pieri, Top. Serchio-Lima). 



Gnaccolini e Schieppati, Nuovissimo dizionario dei comuni e frazioni di 

comuni del regno d'/talia. Milano 1913. (Diz. com. Ital.). 
Dictionnaire topographique de la France. Paris, Imprimerie Nationale. 

(Dict. top.). 
Das Verzeichnis der bis jetzt erschienenen Departemente (vgl. meine Be- 
merkung p. 18) rindet man bei 
Maver, Der Einflufs der vorchristlichen Kulte auf die Toponomastik 

Frankreichs. Wien. Sitz. Ber. 175. II. (Maver). 
Gröhler, Über Ursprung und Bedeutung der französischen Ortsnamen. 

I. Teil. Heidelberg 19 13. (Gröhler). 

Auf weitere, weniger häufig benützte Wörterbücher, Ortsnamen- 
sammlungen, Abhandlungen, Grammatiken, Dialektmonographien, 
kulturhistorische und sachliche Quellen, sowie auf die zahlreichen 
Belege aus der Literatur besonders der italienischen und franzö- 
sischen Renaissance ist im Laufe der Arbeit verwiesen. 



2. Ungedruckte Quellen, 
a) Eigene Aufnahmen. 

An 64 Punkten habe ich auf wiederholten Wanderungen durch 
fast alle Alpentäler der romanischen Schweiz persönliche Aufnahmen 
gemacht, 30 in der rätoromanischen, 18 in der italienischen und 
16 in der französischen Schweiz. Da diese Materia! Sammlung sich 
auf sämtliche Geländeformen erstreckte, fand in der vorliegenden 
Arbeit nur ein kleiner Teil meines eigenen Materials (E) Aufnahme. 
Dieses stammt für das rätoromanische und italienische Sprachgebiet 
aus folgenden Orten: 

Graubünden: 
Unterengadin : Manas, Fetan, Ardez, Süs, Zernez. Oberengadin: 
Scanfs, Bevers, Celerina, Silvaplana. Mittelbünden: Bivio, Tinzen, 
Stürvis, Tiefenkastei, Lenz, Zillis, Präz, Trins. Oberland: Flims, 
Brigels, Vrin, Disentis, Tavetsch. Misox: Mesocco. 

Tessin: 
Sottoceneri : Muggio, Breno, Cimadera, Isone. Tessintal: Arbedo, 
Chironico, Dalpe, Airolo, Villa. Maggiatal : Someo, Peccia. Cento- 
valli: Borgognone. Verzascatal: Gordola, Mergoscia, Brione, Sonogno. 
Blegnotal: Olivone. 

b) Glossare. 

Äufserst reichhaltige und kostbare Materialien schöpfte ich aus 
dem Glossair e des Patois de la Snisse Romande (Gl), das mir Herr 
Prof. Gau chat mit grofser Freundlichkeit zur Verfügung stellte. 
Ebenso gestattete mir Herr Prof. Pult Einblick in die Materialien 



des Dizionari rumänisch (Diz). Den Herren Prof. Bachmann 
und Dr. Gröger verdanke ich Aufschlüsse aus den noch unver- 
öffentlichten Sammlungen des schweizerischen Idiotikons (Id). Der 
Redaktor des in Bearbeitung befindlichen katalanischen Glossars; 
Herr Dr. Griera, unterrichtete mich schriftlich über sein Gebiet; 
Herr Dr. Michael über Poschiavo; Herr Dr. v. Wartburg persön- 
lich über das Bergeil, und mein Freund Dr. Lutta f über Bergün 
und Münstertal. 

Allen diesen Herren sei für ihr freundliches Entgegenkommen 
hier herzlich gedankt. Zu besonderem Dank fühle ich mich meinen 
verehrten Lehrern Herren Prof. Gauchat und Juc} verpflichtet, die 
mir in grofsmütigster Weise ihre Bibliothek öffneten, und ohne 
deren reiche Anregung und aufmunterndes Wohlwollen diese Arbeit 
nicht zustande gekommen wäre. 

Die Abkürzungen sind, wo sie nicht besonders angegeben 
oder selbstverständlich sind, im allgemeinen diejenigen von M.-L., 
REW. Für die Namen der deutschschweizerischen Kantone ver- 
wende ich die Abkürzungen des Id., für die westschweizerischen 
Kantone die des Gl. 

In der Transkription habe ich mich wenn möglich an die- 
jenige der Quellen gehalten. Wo das aus technischen Gründen 
nicht möglich war, und in meinen eigenen Aufnahmen verwendete 
ich das Boehmer'sche System. 



I. *Balma. 



A. Phonetik. 

In der Form balma tritt das Wort in den westlichen Aipen- 
tälern Oberitaliens auf. 

barma lautet es überall im Wallis, wo es seit dem 13. Jh. 
belegt ist * ; ferner noch heute im Alpengebiet des Kantons Waadt, 
dann bei Dumur (Lavaux), Moratel, Bridel (Vallee de Joux); in 
Genf bei de Saussure, Voy. I, 384, II, 110, bei Duret- Kosen witz, 
heute noch als ON: bä u rma ,.une caverne situee au bord du 
Rhone pres Vernier" (Gl) und e bqrm „aux Balmes" bei Veyrier.' 2 
An dieses r-Gebiet schliefen sich aufserhalb der Schweiz im Süden 
weitere for/zza-Formen ; in Frankreich: Savoyen (At. lg., Constantin- 
Desormaux, Fenouillet), Grenoble (Ravanat), Lyonesisch (Puitspelu), 
Kottische Alpen (Chabrand-De Rochas), Meeralpen (At. lg.) und 
vereinzelt die Franche-Comte (Dartois), Montlucl, Dep. Ain (Monnier- 
Toubin); in Italien: Piemont: Aostatal (Cerlogne; At. lg. 204 „caverne 
dans im rocher" P. 985, 987 ; ON), Torre Pellice (ON), Sturatal 
(ON), Castellinaldo (Toppino), Saluzzo (Rossi). 

bömp, bdm ist die am weitesten verbreitete Form der übrigen 
BALM-Gebiete der französischen Schweiz und Frankreichs. 

bäma, büm lebt im Berner Jura, in Neuenburg im Val de 
Travers und in Cöte-aux-Fees (Gl), ferner im anschliefsenden Dep. 
Jura und Doubs (Thevenin, Contejean, Vautherin). Diese Lautung 
kann nicht aus einem barma entstanden sein ; denn erstens könnte 
hier das r nach haupttonigem a vor einem Labial nicht fallen 
(vgl. im Berner- Jura barba > berb, carba > dzgrb, arma > frm), 
zweitens ist hier der frankoprovenzalische Wechsel / > r nicht be- 
kannt. Wie fä < falce, tsäs < calceas,. dzän < galbinu, pävi 
<C Palma geht also hier auch bäm(a) direkt auf ein -ALM- zurück. 

Alle diese, wie auch die südfranzösischen baumo-Yormen lassen 
sich lautlich regelrecht zurückführen auf eine gemeinsame Basis 
*balma, die auch dem deutschen Balm zu Grunde liegt. Wegen 



1 Meyer, Die Sprache von Einfisch (Anniviers) im 13. Jh., RomF. 
XXXIV, 496, 556, 627. 

2 Keller, Der Genfer dialekt, Diss. Zürich 1919, p. 156. 



/> r im Frankoprovenzalischen vgl. Fankhauser, Das Patois von 
Val (TIMez, RDRom. II, 343. Die eindringende französische Laut- 
form hat also in der frankoprovenzalischen Schweiz das ursprüng- 
lichere barma fast ausschliefslich auf das Hochalpengebiet zurück- 
gedrängt. 

Einige vereinzelte, unregelmäfsige Formen mit n statt m ver- 
dienen noch Beachtung. Das Gl kennt deren folgende: bona 
Arzier (Vd), baue Bourrignon, Charmoille (Berner Jura), bauna, barna 
im Recueil Corbaz (verschrieben?). Weitere solche Beispiele in 
ON gibt Maver, p. 66 : Beune, geschrieben auch Baume (Doubs); 
Les Beaunnes = Les Beaumes (H tes -Alpes) und Banne = a. 1588 
Beaulme (Creuse). Maver betrachtet die Erscheinung als Dissimi- 
lation von b-vi > b~n. Diese Auffassung, für die z. B. auch banne 
neben bäume < balsamum „espece de menthe" in Mons (Sigart) 
spricht, müfste noch weiter belegt werden. Grammont bringt in 
seiner Dissimilation consonnantique keine Beispiele dieser Art; denn 
in span. nümbro, obwald. nember <C membrum steht das dissimi- 
lierende b im Inlaut nach Konsonant. Zur Erklärung des n könnte 
man ebensogut an den Einflufs anderer Wörter denken, vgl. p. 19. 



B. Die ältesten Belege. 

Bis in die Zeit des aufblühenden katholischen Christentums 
zurück führen uns die berühmten, südfranzösischen Namen der 
Sainte Baume i und der Baume de Si-Honorat , 2 d. h. ihr sachlich- 
historischer Inhalt; denn diese Namen selbst sprachlich für jene 
frühe Zeit zu belegen, ist mir nicht gelungen. 

Der älteste, sicher datierbare Beleg stammt aus einem Testament, 
das der Abt des Klosters Flavigny im Jahre 721 geschrieben hat. 
Dort heifst es: „in pago Pauliacinse (sie), Balma et Corniciaco". 3 
Dieser „pagus Pauliacensis" mufs, wie aus dem Zusammenhang 
des Textes hervorgeht, zum alten Pauliacum, heute Pouilly-en-Auxois, 
gehört haben, das am Canal de Bourgogne im Dep. Cöte-d'Or liegt. 

Ein weiteres Testament von 73g belegt „in Baimas , ubi 
oratorius in honore saneti Verani est construetus". 4 Der Ort liegt 
„in valle Maurigenica", der heutigen savoyischen Maurienne, dem 
westlichen Zugangstal zum Mont Cenis. 

1 Die Santa Balma, ein noch heute bis nach Katalonien unter diesem 
Namen bekannter Wallfahrtsort, ist eine Höhle in der Montagne de la Ste- 
Baume nördlich Toulon im Dep. Var, in der die heilige Magdalena 30 Jahre 
lang Bu(\,e getan haben soll. 

8 Im Jahre 375 gründete der heilige Honoratus auf den Lerinen, einer 
Cannes vorgelagerten Inselgruppe, eine Mönchskolonie, aus der später bedeutende 
Schriftsteller der katholischen Kirche hervorgingen. Nach dem Zeugnis von 
Du Canpe soll der „specus divi Honorati prope Lerinensem insulam" den 
Namen Balma getragen haben. 

3 Pardessus, dipl. II, 325; Migne, Patrolog. lat. 88, col. 1269. 

* Pardessus, dipl. II, 371. 



8 

Uni die Mitte des 5. Jh. hatte der heilige Romanus auf beiden 
Seiten des Jura mehrere Klöster gegründet. Nach seinem Tode, 
Ende 5. Jh., war er auf seinen Wunsch in einer höhlenreichen 
Bergwildnis ca. 10 km von St- Claude (Jura) begraben worden. 
Wie Gregor von Tours erzählt, erhob sich bald über dem Grab 
des Heiligen eine grofse, viel besuchte Kirche. In den nahen 
Felsenhöhlen aber wurde ein Nonnenkloster eingerichtet. Der un- 
bekannte Verfasser der „Vita Sancti Romani et Lupicini-', die nach 
ihrem Herausgeber Krusch in den Mon. Germ. hist. (1896) zwischen 
800 — 850 geschrieben worden sein soll, 1 schildert jenen Ort 
folgendermafsen : „. . . in rupe valde edita, quae superiacet naturali 
saxo, prominente quoque cingulo, quod cavernas spatiosissimas 
intus adebat, de affectu parentali instituentes virginum matrem 
centum quinque illic religionis gubernaculo rexisse monachas tradunt. 
Locus ipse ut, praecisa inaccessibili desuper rupe ac sub cingulo 
prolixius naturaliter perexcisa, nulluni ulterius cinguli praestabat 
egressum, ita ab orientis parte, artatis paulisper angustiis, subitum 
in terrestri atque aequali solo laxabat egressum". 2 Die hier erwähnte 
Äbtissin war des Heiligen Schwester, „quam in illo cingulo vel 
Balma — Gallico, ut reor, sermone sie vocitant — monasterio prae- 
fecerant". 3 Noch 1699 sagt Ruinart, der Kommentator Gregors 
von Tours, von diesem Kloster: „De ce monastere il reste, au- 
jourd'hui, seulement I'eglise qui se dresse entre les rochers et qui 
a conserve son ancien nom de Baulme".* Nach dem Zeugnis 
Mabillons ist das alte Kloster Balma in die Prieure St-Romain de 
Roche umgewandelt worden. So heifst auch heute noch die dort 
sich erhebende Kirche. 5 



1 Longnon verlegt in seiner Geographie de la Gaule au VI« siede, 
Paris 1878, p. 222 den Text ins 6. Jh. 

2 Ich füge hier die Übersetzung bei, um klarzulegen, wie ich mir die 
geographische Lage des Ortes vorstelle: „. . . auf einem sehr hohen Felsen 
über nackter Felswand, an der Stelle, wo ein Felsband hervorragte, welches 
im Berginnern sehr geräumige Höhlen bildete, . . . Wie einerseits dieser Ort 
durch das Felsband völlig abgeschlossen war, weil darüber schroff und un- 
zugänglich der Fels emporragte, der unter dem Felsband aber bis tief hinein 
auf natürliche Weise ausgehöhlt war, so gewährte er anderseits gegen Osten 
hin nach Passierung einer kleinen Enge plötzlich freien Ausgang auf einen 
ebenen Boden". Mon. Germ. Hist. Rer. Merov. III, 136. Diese Beschreibung 
erinnert an die ähnlichen Höhlen beim Wildkirchli-Ebenalp, Kt. Appenzell. 

8 „welche dem Kloster in jenem Felsen oder (dem Kloster) Balma — 
so nennen sie es, wie ich glaube, in gallischer Sprache — vorgesetzt worden 
war", op. cit. p. 143; vgl. auch D ottin, Manuel de Vantiquite celtique^ p. 83. 

4 Idoux, Bull. Soc.phüomat. vosg. XXXVI, 121. 

5 Diesen hier in der Toponomastik beobachteten Übergang werden wir 
dann später auch in der semantischen Entwicklung von balma wieder an- 
treffen. Ähnliches finden wir in der von Jean de Bayon im 14. Jh. verfafsten 
Chronik des Klosters Moyenmoutier (Vosges), wo mehrfach ein Balma , der 
Name eines einstigen Bethauses, mit dem heutigen Bergnamen Haute Pierre 
identifiziert ist; z.B. wird von Reliquien erzählt: „transtulere sub Balma quam 
Altam Petram vocant". Idoux, op. cit. p. 126—7. Vgl. ferner unten den ON 
der C6te-d'Or Baulme-La Roche = a. 1147 Balma. 



In einer Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen vom Jahre 
814, welche uns im Cartulaire von Lausanne aus dem 13. Jh. über- 
liefert ist, lesen wir: „Id est quandam cellulam que est in eodem 
pago lausonne super riuulum qui vocatur uenobia nuncupante 
balmeta, que est constructa in honore sancti desiderii". 1 Die Stelle 
bezieht sich auf La Baumette de St-Loup, früher St -Didier am 
Flüfschen Venoge bei La Sarraz, Waadt. Von demselben Ort 
erfahren wir Näheres im gleichen Cartulaire von Lausanne: „In 
pago auuenticense seu Lausannense . . . sanctus Guntrannus (gest. 
593), rex Francorum et Burgundionum, dedit sancto Sigoni spelun- 
cam, que dicitur Bahneta, sitam prope ecclesiam sancti Desiderii". 2 

Die vor 732 durch den jurassischen Mönch Egilbert verfafste 
..Vita sancti Ermenfredi" erwähnt ein „monasterium virginum 
Balmam" . % Die Herausgeber des Heiligenlebens sehen darin das 
heutige Baume- les-Dames, früher Balma Dominarum, Kloster und 
Stadt am Doubs. Wenn aber, wie man annimmt, dieser Ort wirklich 
erst 763 gegründet worden ist, muls entweder die Datierung der 
Vita falsch oder mit diesem Balma ein anderes Nonnenkloster 
gemeint sein. Mit mehr Sicherheit entspricht dem heutigen Baume- 
les-Dames das Monasterium Balma,* welches in einem Erlafs Ludwigs 
des Frommen über Kriegsdienstleistungen der Klöster vom Jahre 
817 neben andern aufgezählt wird. Hier zu lokalisieren ist auch 
das Balmam, h welches die Teilungsurkunde von 870 Ludwig dem 
Deutschen zuweist. 1256 heifst der Name Barne -les-Nonains^ und 
später Baume -les-Nonnes. Eine Legende bringt die Entstehung 
dieses Klosters in Zusammenhang mit einem Traum des Königs 
Guntram, der diesem in einer Höhle einen Schatz gezeigt haben 
soll. 7 Wenn auch nur Fabel, so ist sie doch charakteristisch für 
den Bedeutungsinhalt des Namens. 

Interessant vom Standpunkt der Namengebung ist neben Baume- 
ks-Dames das charakteristische Gegenstück in der gleichen Diözese 
und alten Grafschaft, nämlich Balma Dominorum, dann Baume-les- 
Moines, das zu Baume-les- Messieurs modernisiert wurde. Dieser 
bei Lons-le-Saunier im Dep. Jura in der tiefen Ciuse de la Seille 
gelegene Ort war, wie man aus den dort gefundenen gallischen 



1 Mem. et doc. soc. d'hist. Suisse Rom. VI, 240. 

2 op. cit. p. 30; diese Worte sind dem Text von fremder Hand am Rand 
beigefügt. Das nämliche Cartulaire des 13. Jh. erwähnt die ins 7. Jh. fallende 
Klostergründung beim heutigen waadtländischen Dorfe Baulmes, Bez. Orbe, 
op. cit. p. 28: „construxerunt monasterium in loco Balmensi u . Dieses Balmensis 
erscheint urkundlich zum ersten Mal a. 1013. Vgl. weitere Belege, Geschichte 
und geogr. Verhältnisse des Ortes bei Mottaz, p. 168. 

• Acta Sanctorum 25. Sept. VII, 121. 

4 Mou. Germ. Hist, Leg. Sect. II, 1,250; ferner Pfister, Annales de 
VEst 1891, p. 420, wo auch weitere Belege für a. 831, 870 usw. Andere be- 
ziehen diese Stelle auf Baume-les-Messieurs. 

5 Mon. Germ. Hist., Leg. Sect. II, 2, 194. 

• Philipon, Rom. XLIII, 497. 

7 Dunod, Histoire des Sequanoü, Dijuu 1735, I, 151. 



io 

Antiquitäten schliefsen darf, schon in keltischer Zeit ein Bevölkerungs- 
zentrum. Gegen das Ende des 6. Jh. scheint dort der heilige 
Kolumban das Kloster gegründet zu haben, von dem aus dann 
nach der Reform durch Bernon, Ende des 9. Jh., die Kluniazenser- 
bewegung ausging. Wie das Kloster vor dem 9. Jh. hiefs, können 
wir nicht belegen. Im Jahre 895 aber erteilt der Papst Formosus 
an das Kloster Gigny (Jura) Privilegien über die. „Cellulam quae 
vocatur Balma" * ; a. 903 schenkt König Rudolf I. von Burgund 
dem Kloster Gigny „in comitatu Scutindis quandam cellam, nomine 
Ba/mam, ubi fluvius Salliae (Seille) surgit". 2 Im Testament des 
Abtes Bernon vom Jahre 926 lesen wir ferner: „dilectus noster 
Wido . . . coenobis Gigniacensi, Balmensi . . . praesit". 3 Zur Er- 
klärung des Namens sagt Dunod in seiner Histoire du dioche de 
Besanfon, Besancon 1750, 11,99: Das Kloster Baume -les -Messieurs 
„a pris le nom de Baume des rochers dont il est couronne et 
des cavernes oü plusieurs religieux se retiraient pour pratiquer une 
solitude plus parfaite". 

Diese Beispiele, welche noch leicht zu vermehren wären, ver- 
mitteln folgende kulturhistorisch und sprachlich interessante Er- 
kenntnis, die übrigens durch die Geschichte bestätigt wird: In den 
ersten Jahrhunderten des Christentums lebten später heilig ge- 
sprochene Asketen in Höhlen, 4 wo sie meist auch begraben wurden. 5 
Höhlen dienten oft auch klösterlichen Gemeinschaften in ihren 
ersten Anfängen zur Wohnung. 6 Dann erstanden in der Nähe 
dieser geheiligten Stätten gröfsere Klöster und Kirchen. Auf diese 
Bauten wurde sodann der ursprüngliche Name der Höhle über- 
tragen. 

Wenn also in den ersten Belegen des 8. und 9. Jh. balma 
bereits in dieser sekundären Verwendung als Eigenname vorkommt, 
so darf man nur schon aus dieser Beobachtung heraus das Wort 
in seiner ursprünglichen Bedeutung als viel älter erklären. 

1 Recueü des Historiens des Gaules et de la France IX, 203. 

2 op. cit. p. 692. 

8 Migne, Patrolog. lat. CXXXIII, 854. 

* Vgl. bei Mistral: „Baumado, nom d'un solitaire honore dans l'eglise 
de Tülle", bei Chevalier St-Baumade, 6. Jh. Hieher gehört gewifs auch der von 
Beszard, Origine des noms de lieux habites du Maine, Paris 1910, p. 236 
besprochene ON Saint -Bomert, ~gespr. sf bom$ (Eure-et-Loir), a. 796 Cellula 
S. Baomadi, 840 Cellula S. Baumadz, 1186 de S.Bomero, 1330 Ecclesia 
S. Bometi. Beszard bemüht sich umsonst, diesen ON von einem fraglichen 
germanischen oder keltischen Personennamen abzuleiten. — In Villars-sous-Mont 
(F) bedeutet ermitadzo geradezu „Grotte" (Gl). 

5 Altkatal. balma : „e fonch soterrada en una balma en la quäl stech 
longament amagat lo seu cors". Flos Sanct., 1494 (Aguilö). Du Cange: balma 
„lapis sepulcralis, tumba". 

6 Noch im Jahre 145 1 gründete König Rene 1 bei Angers ein Kloster 
„dans le creux d'une montagne . . . ä Limitation de la Ste -Baume et qu'il 
nomma pour cette raison Baumette'-'- (Menage). Bei Rabelais heifst der Ort 
Bämette. Vgl. Du Cange; Verrier et Onillon I, $1. 



C. Bedeutungen. 
a) balma als Geländebezeichnung. 

Je nach dem Begriff, der jeweilen als besonders kenn- 
zeichnendes Merkmal empfunden wird, können wir hier drei Ent- 
wicklungsreihen unterscheiden. 

I. Reihe: Im Vordergrund des Bewufstseins steht die Vor- 
stellung „hohler Ort". 

Die Bedeutung „Höhle" ist die ursprünglichste. Wir finden sie 
nicht nur in den ältesten Belegen und durch das ganze Mittelalter 
hindurch, sondern sie ist heute noch der weitaus verbreitetste Begriffs- 
inhalt des Wortes balma, vorausgesetzt dafs da, wo dieses auftritt, 
die geologische Beschaffenheit des Bodens auch wirklich Höhlen- 
bildung gestattet, also besonders in den Kalkmassiven Frankreichs. 

So erscheint balma in den oben angeführten Beispielen; dann 
auch bei Du Cange: „caverna in rupe excisa, excavata"; Godefroy: 
„grotte, caverne"; Cotgrave: „a hole, denne, caue, grot"; At. lg. 204: 
„caverne dans un rocher"; katal. „cova", dazu balmat, baumat „buit 
de dens, ex. un roure (Eiche) baumat \ te el pit (Brust) baumat" 
(Aguilö), vgl. unten wallon. abome\ prov. „grotte, caverne" (Raynouard, 
Mistral); ebenso: Dauphine (Charbot); Grenoble (Ravanat); Savoyen 
(Constantin -Desormaux, Fenouillet); (s. unten über die ent- 
sprechenden Bedeutungen in der Westschweiz und Italien); Franche- 
Comte (Dartois) 1 ; Montbeliard (Contejean); im Chätenois (Beifort) 
nur noch in ON (Vautherin); Vaudioux (Thevenin); Sequanie 
(Monnier-Toubin). Der Spezialbedeutung verdankt wohl seine Er- 
haltung wallon. bäume „terrier. En t. de min. : galerie horizontale 
et venant au jour par laquelle on exploite les mines situees dans 
Tinterieur d'une montagne. Ana wall, bome = cave voütee. baumer 
= creuser un terrier. abaume = 1. creux en parlant de la voix, 
p. ex. voix cadavreuse, trop gutturale; 2. enterre, sombre, obscur" 
(Grandgagnage). Für das schwdtsch. Bahn „Höhle" sei von vielen 
Zeugnissen nur das des alten Arztes und Naturforschers Wagner 2 
über die heute noch so geheifsencn Balmen am Rigi angeführt: 
„Regina quoque Montium tales spekincas quas nomine Balm vel 
Palmen indigitant, aliquot obtinet; ut Bruderbahn , Steigelfattbahu, 



1 Dazu in Vill. s. Montbeliard : aibaurmat „se terrer, se cacher"; vgl. in 
Moutier (B) s'äbämä < *inbalmare „se cacher dans un trou" (se dit des 
animaux). De Roche, Les noms de lieux de la Valle'e Moutier - Grandval, 
Beiheft IV, ZRPh. Halle 1906, p. 27); Chaux du Milieu (N) abomä „rester 
dans une taniere" (Gl); prov. (s')embauma v. a. „enfermer ou cacher dans une 
grotte", v.r." ^entrer dans une grotte, se cacher dans une cavite, se terrer" 
(Mistral); Grenoble embartnä „se dit d'un chien de chasse pris dans un terrier" 
(Ravanat) ; Forez s'abourmä „se rapetisser, se pelotonner quand on a la fievre", 
se dibourmd „se redresser, s'etirer" (Gras). Vgl. unten die entsprechenden 
von *tana abgeleiteten Verben. 

2 J. J. Wagner, Historia naturalis Helvetiae curiosa, Tigüri 1680, p. 38. 



12 

quae sua avia habent, in quibus pecora saepe oberrant, ita ut 
candelis accensis investigari debeant". 

Wenn in Belgien bäume einen wagrechten Schacht bedeutet, 
so ist das die Folge der geologischen Verhältnisse. Diese bedingen, 
dafs man im schweizerischen Jura hingegen mit dem gleichen Wort 
die dort in den Weiden vorkommenden Einsturztrichter bezeichnet. 
Die Sprache des Volkes hat hier für zwei verschiedene Dinge, für 
die Höhlen und die karstähnlichen Dolinenbildungen, die aber 
geologisch beide auf dieselbe Weise . entstanden sind, nämlich durch 
die atmosphärische und chemische Erosion, gefühlsmäfsig auch das 
gleiche Wort verwendet, vgl. Mottaz, p. 168. In Vallorbe, Vaulion, 
Chenit, Biere (Vd) bedeutet boma „trou vertical dans le rocher 
tres profond (50 m. et plus)"; Auberson (Vd) und bress.-louh. „creux 
forme par effondrement";! Arzier (Vd) bona „grand creux dans 
la montagne p. ex. oü Ton jette les vaches malades" ; Cote-aux- 
Fees (N) bäma „creux sans fond dans la terre, gouffre" (Gl). 

Diese letzte Bedeutung bildet den Übergang zu einer neuen 
Begriffsgruppe. 

2. Reihe: Im Vordergrund des Bewufstseins steht die Vor- 
stellung „steil abfallender Ort". 

Im Val de Travers (N) ist bäma „precipice" ; in Vaugondry 
(Vd) böma „toute grotte, caverne ou precipice; abime perpendicu- 
laire et inaccessible sans moyens artificiels" (Gl). Zu einem ähn- 
lichen Resultat wie diese jurassische Bedeutungserweiterung „Höhle 
— tiefes, senkrechtes Loch — Abgrund" ist die Entwicklung auf 
anderm Wege auch in dem eigentlichen Hochalpengebiet gekommen. 
Dort wird durch Bedeutungsverschiebung der Name der Höhle 
übertragen auf die schroffe, schwer zugängliche Felswand, in oder 
unter der sich die Balm meistens befindet, 2 z. B. im Val Vigezzo, 
Villette: balm m. „punto inaccessibile della montagna" (Salvioni, 
BStS vital. XIX, 1 44, Stat. di Malesco). Leysin (Vd): barma „paroi 
de rochers plus ou moins elev6e, mais sous laquelle se trouve 
toujours une excavation tenant la longueur de la paroi ou ä peu 
pres" (Gl). Prov. barmo „paroi verticale de rochers, dans les Alpes" 
(Mistral). Savoyen: barma „grotte, rocher escarpe" (Fenouillet). 
Sequanie (= Dauphine-Vosges): bäume „antre, caverne, rochers 
abruptes" (Monnier-Toubin). Chabrand-De Rochas, p. 172, be- 
hauptet, dafs in den kottischen Alpen „plus au nord, les deux mots 
Balzes et Balmes se confondent 3 et Balme sert ä distinguer in- 
diffieremment une grotte ou un rocher ä pic". 



1 Guillemaut, Dict. patois de la Bresse louhannaise. Louhans 1894 
— 1902, s. bäume. 

2 Vgl. oben in der Schilderung der Vita S. Rom. die Lage der Hohlen 
von Balma- St- Romain de Roche. 

3 Wahrscheinlich in den Formen bdux < BALTEOS „Felsgürtel, Felsband, 
Felswand, Felsabsturz" und baumes infolge ähnlicher Lautung. 



13 

Zu eigentümlicher Verwendung, die uns an Dantes grotta 
„argine" erinnert, kommt das Wort im Gebiet von Lyon. Neben 
debarmi s. m. „precipice" bedeutet lyon. börma, bärma „coteau 
escarpe", schon seit dem 1 1. Jh. belegt; bormat s. m. „relief de 
terrain". Dazu gehören die Verben bormö, ä Lyon balmer „profiter 
d'un relief de terrain, en jouant aux boules, pour arriver au but 
par un chemin detourne", borviayi, ä Lyon barmayer „en jouant 
aux boules, diriger sa boule sur un relief de terrain de maniere ä 
revenir sur le but", vgl. unten ital. grotteggiare', endlich debarmd 
v. a. „elaguer, tondre une haie. Comme, dans nos pays de collines, 
les heritages sont souvent a des niveaux differents les haies qui 
les s£parent, sont ce qu'on appelle in barma. De la, confusion de 
sens entre la haie qui couvie la barma et celle-ci" (Puitspelu). 
Ebenso in Letra (Rhone) barma „talus couvert de buissons au fond 
d'un champ, au bord d'un chemin" (RPhFrProv. II, 132) und im 
Forez barmat s. m. „haie formte de gros arbres" l ; dort ferner 
auch debarmi s. m. „vallon, ravin Ci (Gras), vgl. unten synon. krota. 

In der benachbarten Bresse -Louhannaise heifst bäume „bord 
abrupte en riviere; creux forme par effondrement ; en montagne: 
rochers abruptes" (Guillemaut); dazu das im 17. Jh. belegte Verb 
barmetä „suivre les bords, les barmes d'une riviere" („Piedmonteyza", 
ed. Philipon, p. 55, Paris, Champion ig 1 1). So finden wir auch 
bei Cotgrave barme "the bank of a river", was Godefroy mit 
„berge" übersetzt. 

3. Reihe: Im Vordergrund des Bewufstseins steht die Vor- 
stellung „vorspringender Ort". 

Wenden wir uns endlich unserm eigentlichen Gebiete, den 
westschweizerischen Hochalpen zu. Auch hier ist balma in der 
Bedeutung „grotte, caverne" bekannt. Alle Wörterbücher und zum 
Teil auch das Gl geben diese Definition. Fragt man aber an Ort 
und Stelle zuverlässige Männer, die mit dem Leben in den Bergen 
eng verwachsen sind, nach diesem Wort, so erhält man fast immer 
eine andere Antwort. Neben der weniger häufigen französischen 
Verwendung ist hier der bodenständige Begriffsinhalt von barma'. 
„abri sous une röche qui surplombe, toit naturel forme par tout 
roc qui avance et qui peut vous abriter du vent et de la pluie". 
Im ganzen Wallis und den waadtländischen Alpen; Ormont-Dessus : 
sp no riavian pa trovd y na barma por no-z assotä (unterstehen), no-z 
avyan 'na rüde fecha (Regengufs) a essuii" (Gl). Der Geologe 
Renevier 2 schreibt: „Les grottes ne sont pas rares dans la region, 
mais elles se presentent surtout sous la forme de Barmes, c'est ä 



1 Wegen der Verschiebung des Geländenamens auf die Hecke vgl. lothr. 
trcec m. < *TROGiUM „escalier dans un ravin , sentier dans un ravin" und 
daneben trceclt. „Gebüsch, längs eines Weges" (Horning, 65. Beiheft ZRPh.p. 87). 

2 Renevier, Urographie de la partie des Hantes- Alpes calcaires com,' 
prise entre le Rhone et le Rawyl. Jahrbuch des Schweiz. Alpen -Club 
XVI, 75—76. 



H 

dire d'enfoncements dans le roc, qui resultent ordinairement de 
l'erosion d'un terrain plus tendre, recouvert d'un banc plus dur 
formant le toit de la grotte. Ces barmes servent souvent d'abri 
aux chasseurs de chamois, soit pour y passer la nuit, soit pour s'y 
tenir a faffut". Den gleichen Sinn hat auch in den kottischen 
Alpen balmo, barmo = barbacano (vgl. M.-L., REW. 890) „espece 
de grotte formee par une saillie de rocher, abri forme par un 
rocher en encorbellement" (Chabrand-De Rochas). Pral (Germanasca, 
Piem.): balmo „riparo contro l'acqua o il vento formato da roccie 
cave e protendentesi". 1 ßorgognone, Tessin: balm m. „grotta 
naturale formata da un sasso sporgente sotto cui riparansi persone 
e bestie da subita pioggia", Gemsjägerausdruck (E).* Val Anzasca: 
balma „grotta leggermente scavata nel masso e che sopra gli forma 
cappello alquanto sporgente in fuora" (Monti). Val Sesia: balma 
„rupe arcuata, specie di antro nei fianchi della montagna, spelonca" 
(Tonetti). Ligurien, Pigna: balma „ricovero entro terra protetto 
in alto da una sporgenza in pietra", Saluzzo: barma „antro o 
meglio rupe sporgente che viene a formare un antro inferiormente" 
(Rossi). Ganz den alpinen Verhältnissen entspricht auch, im Gegen- 
satz zu den Wörterbüchern, die genaue Bedeutung, die mir Herr 
Dr. Griera für Katalonien angibt: bäume „caverne de poca pro- 
fonditat formada per roques sortints dins la quäl s'hi soplugen eis 
pasturs amb llurs remats". 

Wir haben in allen diesen Fällen wie in spruk < *speluca 
sprechende Beispiele für ein Wort, das in seiner Bedeutung sich 
der Eigentümlichkeit des Bodens angepafst hat. balma in dieser 
Bedeutung ist ein typisches Alpenwort. Weil dieser Zufluchtsort 
im Leben des Älplers eine grofse Rolle spielt, ist diesem auch 
Wort und Begriff sehr bekannt. Das Nützlichkeitsprinzip hat 
also vor allem dieses alte Wort bis auf heute so lebenskräftig er- 
halten. 

Der Grund zur alpinen Spezialisierung der Bedeutung liegt 
natürlich in den eigentümlichen Bodenverhältnissen. Eigentliche, 
grofse Höhlen findet der Älpler bei uns relativ selten, wohl aber 
bieten ihm überall Felsen Schutz. Der Begriff „schützender Ort" 
steht also im Vordergrund des Bewufstseins. Da aber die Einzel- 
vorstellung bei verschiedenen Sprechenden verschieden sein kann, 
d. h. man sich nicht immer recht bewufst ist, ob die Aushöhlung 
oder der Felsen den Schutz gewähre, konnte leicht eine Bedeutungs- 
verschiebung eintreten. Balm- heifst dann nicht mehr die ursprüng- 
liche Höhle, sondern der vorspringende Felsen, der sie bildet. Es 
ist sogar möglich, dafs gar keine Höhle vorhanden ist. So heifst 
in Etivaz (Vd), Grimentz (V) barma, barmetta „bec de rocher qui 
s'avance et sous lequel on peut s'abriter". Vully (F): „rocher 
surplombant sous lequel les chamois se refugient et se mettent ä 
l'abri". Praz-de-Fort (V): „saillie" und dann auch übertragen: 



1 Morosi, Dial. valdese di Pral, AGIItal. XI, 344. 



„neige qui surplombe au bord d'un toit". Damit verbindet sich 
deutlich die Vorstellung des Überragens. Daher in Cbable (V): 
fir? a barma = Lens (V): barmä = Lourtier (V): bärmfyl „sur- 
plomber" (Gl); Mistral: so(u)bauma, su(s)bau?na v. a. „miner, creuser 
la terre", v. n. „surplomber". Im Präfix steckt wohl die Idee des 
Vorspringens bei rebärma in Grimentz, Chamoson (V) „saillie"; in 
Leytron, Mage, Vernamiege, Grone (V) „abri sous une röche qui 
surplombe"; in Miege (V) rtbarmei, rtvarmei re-balma-ellus „Zu- 
fluchtsstätte in den Alpen". Den gleichen Wert hat re- in der ent- 
sprechenden Bildung von Vaugondry (Vd) rdban „vire, ou corniche, 
saillie, epaulement de rocher", Vallorbe (Vd) rzban d? nä- „neige 
qui surplombe", Champ du Moulin, Rochefort (N): reban, replat, 
encrtnaz „pli de roc avec retour sur lui-meme" (Gl). Ebenso bei 
Chabrand-De Rochas : rebanc „saillie de rocher en forme de banc". 
Ferner in rebord, rebra „epaulement, saillie" (Gl). Derselbe Be- 
deutungsübergang ist auch deutschen Formen eigen: schwdtsch. 
Bahn „Felshöhle, spez. stark überhängender Fels, der Schutz und 
Obdach bietet" (Id. IV, 12 15); schwäb. Balm „überhängender Fels" 
(Fischer). 

Da ein vorspringender Felsen sich leicht lockert und herab- 
fällt, weil er eben „underbalme/" ist, wie die Bündnerwalser sagen, 
heifst in Ormont-Dessus (Vd) barma auch „rocher evide ou parfois 
detache" und in Volleges (V) barmetta „1. pierre servant d'abri, 
2. an roc qui bascule". Damit hängt zusammen Lens (V): barmä 
„creuser en dessous pour faire tomber un bloc de pierre", vgl. 
Mistral: baumä, Grandgagnage: baumer. Dazu ist offenbar das 
Part. pass. Salvan (V): barmä m. „bloc, quartier de rocher, pierres 
posees sur la toiture" (Gl). Quercy: baumo „rocher" (Mistral). 
V. Maggia: balm m. „sasso sporgente sotto cui si ricoverano i 
montanari da subita pioggia; sasso che ruina da un' erta" z. B. 
saltä gio on balm "ruinare un sasso" (Monti). Quarna (Novarese): 
bahn "sasso". 2 Katal. bäume „cingle natural tancat amb un.a paret 
de morter" (Dr. Griera). 

Dafs die Vorstellung „Höhle" durch diejenige von „Felsen" 
verdrängt werden kann, haben wir schon an einigen Beispielen in 
der Toponomastik beobachtet, vgl. p. 8 ; weitere Parallelen dazu 
siehe am Schlufs der Arbeit in der Übersicht der Bedeutungen. 

In der Bedeutung eines hervorragenden Felsstückes hat sich 
unser Wort auch erhalten im zentralfranzösischen bäume „banc de 
röche ou de marne solide formant sous-sol des bancs qui existent 
dans le lit d'une riviere, p. ex. son bateau a donne sur la bäume 
(Jaubert). 

Den Schlufsstein in dieser Bedeutungsreihe bildet im Dep. 
Yonne bäume „borne" (Jossier) und im Rouchi (Wallonie) bäume 
„borne en pierre ou en bois (H6cart), vgl. unten p. ig. 



1 r?ban kann hier auch „ruban" heifsen. 

2 Bertoni, Italia diaUttale y Man. Hoepli 1916, p. 61. 



i6 

Die von Du Cange angeführte Bedeutung Balma „collis est 
a valle in vallem protensa in locis montuosis a. 1397" scheint nicht 
mehr zu leben; man müfste sie denn noch erkennen wollen in 
dem vereinzelten schwdtsch. Balm „felsigter Hügel", Balmeli „kleiner 
hervorragender Fels und jeder kahle Hügel, auch wenn er keine 
Höhle bildet" (Id. IV, 1215) 1 ; ferner in barme „monticule, molard", 
das vereinzelt bei Montluel (Ain) in einem bäume „grotte, caverne"- 
Gebiet steht (Monnier-Toubin). 

b) balma zur Bezeichnung von Bauten. 

Die Balm hat von jeher den Bergbewohnern zu verschiedenen 
Zwecken gedient, sei es als Zufluchtsort und Schlafstätte für Menschen 
oder Tiere, sei es zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, Heu usw.; 
vgl. Heubalm (Id. IV, 12 16). Primitive Gebäude, die später in dieser 
Funktion an Stelle der Balm traten, übernahmen dann auch ihren 
Namen. So heifst in Lens (V) und nach Barman: barma „etable 
de porc dans la montagne" (Gl); hieher gehört auch barmeano f. 
„chambre situee au-dessus de la partie de l'ecurie occupee par le 
bercail" bei Chabrand-De Rochas; wohl ähnlich dem primitiven 
Schlafverschlag unter dem Dach in unsern Alphütten. Ferner 
schwdtsch. Balm „Raum in der Scheune zur Aufbewahrung von 
Heu und Getreide"; Bahner „Aufbewahrungsort für die Garben 
neben oder in der Tenne" (Id). Es ist möglich, dafs hier in 
diese deutsche Bedeutungsentwicklung ein ähnliches Wort hinein- 
gespielt hat, nämlich schwdtsch. bare n , in einigen Bergkantonen 
auch barnen, barm(en) (Gl, Gr, Obw, U, W) „Vorrichtung im Stalle 
zur Aufnahme des dem Vieh vorgelegten Futters, Krippe" (Id. 
IV, 1439 — 42); schwäb. Barn „1. Krippe, Frefstrog. 2. Ort, wo 
das Futter aufbewahrt wird," so: Heubarn , Emdbarn, Futterbarn 
(Fischer); bayr. Barn, Barm „1. Frefstrog, Futterkrippe, 2. Raum 
in der Scheune, wo die Garben aufbewahrt werden" (Schmeller); 
lothr. Barm? „Scheunenbarren" (Follmann). Wenn endlich im 
Elsafs neben dem allgemeinen Barmp „Scheunenbarren, Abteilung 
im Scheunenraum" vereinzelt auch ein Bah?i9n vorkommt (Martin- 
Lienhard), so glaube ich deshalb in dieser Form den Rest eines 
in sekundärer Bedeutung erhaltenen Balm sehen zu dürfen. Sprach- 
geographisch wäre für das Elsafs, wie wir später sehen werden, nach 
Westen, Süden und Osten Zusammenhang mit dem BALMA-Gebiet 
vorhanden. 

Das auffällige castellinaldische barma „fieno o paglia che sporge 
dal fienile" (Toppino) hat wohl keinen Zusammenhang mit diesen 
deutschen Formen, sondern verdankt eher seine metaphorische Ver- 
wendung direkt der Vorstellung des „Überragens". 

Vgl. am Ende der Arbeit weitere Belege, die mit dem roma- 
nischen Ausdruck für „Höhle" Bauten bezeichnen. 



1 Götzinge r, Roman. ON. des Kts. St. Gallen, p. 49: „Zte/w bezeichnet 
stets einen Hügel oder Berg". Vgl. unten Gubel in dieser Bed. 



17 



D. Ausbreitung. 

Das Wort balma ist im Rückgang begriffen. Das zeigt seine 
geographische Verbreitung. Es sind hier drei verschiedene Schichten 
festzustellen: I. der heutige Sprachgebrauch, dargestellt für Frank- 
reich durch den At. lg., für die Schweiz durch die Materialien des 
Gl, des Id und meine eigenen Aufnahmen. 2. der Sprachgebrauch 
der letzten Jahrzehnte auf Grund der Wörterbücher. 3. Der 
Sprachgebrauch des Mittelalters, wie er sich in ON und Dokumenten 
erhalten hat. 

1. Heutiger Sprachgebrauch: Ganz sicher ist heute noch 
die appellative Verwendung in den konservativen Mundartgebieten 
der schweizerischen Hochalpen mit Ausnahme von Freiburg, welches 
das Wort nur wenig kennt. Im westschweizerischen Mittelland und 
Jura, wo die französische Sprache mächtig eindringt, beginnt mit 
der Mundart auch der appellative Sinn von bäume zu schwinden. 
Für Savoyen belegt der At. lg. nur den einzigen Punkt 965. Nach 
Constantin-Desormaux (1902) existiert barma ferner in der Gegend 
von Thones, Annecy, Rumilly und ist in ON häufig. Nach dem 
noch isolierten P. 950 des At. lg. folgt dann südlich der Linie 868, 
847, 836, 824, 821 ein grofses, allerdings schon mit andern Aus- 
drücken 1 durchsetztes BALMA-Gebiet, das von den H tes -Alpes gegen 
Westen sich erstreckt bis in die Dep. Lozere, Aveyron, Herault und 
im Süden bis ans Meer reicht. Dieser Grundstock zieht sich also 
von der Schweiz durch die Westalpen bis ans Rhonebecken, wobei 
Savoyen, das auch dazu gehörte, bereits laut At. lg. schwer bedroht 
zu sein scheint. In Italien gibt der At. lg. die Punkte 982, 972, 
985, 987. 

2. Wörterbücher: Durch diese wird das BALMA-Gebiet be- 
deutend vergröfsert. Dazu gehört nach allen Wörterbüchern das 
Bergland Katalonien. 2 Wohl noch in direktem Zusammenhang mit 
dem Kern gebiet lebt es nach Mistral auch im Languedoc, in der 
Gascogne, im Quercy, Dep. Aveyron, Lozere und im Forez. Nördlich 
schliefst sich ans südfranzösische balma des At. lg. die Dauphine 
(Charbot), das Lyonesische (Puitspelu), Savoyen (Const.-Des., 
Fenouillet) mit Grenoble (Ravanat), die S6quanie (Monnier-Toubin), 
die Franche-Comte" (Dartois) mit Vaudioux (Thevenin), Fourgs 
(Tissot), Chätenois (Vautherin), Montbeliard (Contejean). Endlich 
noch die peripheren Splitter mit der meist sekundären Bedeutung: 
in der Wallonie (Grandgagnage), im Rouchi (H6cart), im Centre 
(Jaubert) und im Dep. Yonne (Jossier), vgl. oben p. 11, 15. 

1 z. B, caverne, grotte, trou y borna, At. lg. 204. 

2 Wie mir H. Dr. Griera mitteilt, ist das Wort in Valencia unbekannt, 
trotzdem es M.-L., REW. 912 dort als lebend anführt, bäumt komme über- 
haupt nur im östlichen Katalonien vor und scheine auch dort erst in späterer 
Zeit aus dem Provenzalischen importiert worden zu sein. 



18 

3. Ortsnamen und Dokumente: Westlich und nördlich 
über diese appellative Zone hinaus erscheint balma in Ortsnamen: 
Dep. Dordogne: La Baume 6 mal; Cantal: Les Beaumes, les Beaumas, 
Les Bahnes, La Baimisse', Nievre: La Beaume 2 mal, La Beaume de 
la Taneille, Les Beaumes ; Eure-et-Loir : La Baume (ct. de Cloyes) l ; 
Calvados: La Beaume (arr. de Vire); Hte-Marne: La Baume (com. 
de Corlee) (Dict. top.). Dazu kommt noch das p. 10 erwähnte 
Kloster La Baumetle bei Angers, seit 145 1, und im gleichen Dep. 
Maine -et -Loire noch zwei weitere Baumette.' 1 Ferner a. 1568 in 
Nevers „Rue de la Fontaine de Baumette" (Godefroy); in der 
Cöte-d'Or: Baulme-La Roche = 1147 Balma', Beaumotte = 1148 
Balmota, 1164 Baimet,* und endlich auch unser ältester Beleg von 
721. Cotgraves bäume und barme dürften auch aus einem heute 
zum Teil überdeckten BALMA-Gebiet stammen. 

So schlagen diese Ortsnamenüberreste teils eine Brücke zwischen 
heute getrennten appellativen Zonen, wie die der Cöte-d'Or und 
Nievre zwischen Franche-Comte und Yonne-Centre, teils bilden sie 
weit vorgeschobene, isolierte Punkte. 4 

Auf dem Kartenbild der heutigen Verteilung von BALMa fällt 
das Fehlen des Wortes vom Jura bis in die Wallonie auf. Wenn 
diese Lücke nicht nur der Unzulänglichkeit der mir zu Gebote 
stehenden Mittel zuzuschreiben ist, mufs hier balma aus irgend 
welchen Gründen verschwunden sein. Denn dafs einst auch die 
heutigen Splitter in der Wallonie mit dem Kerngebiet verbunden 
waren, ist nicht nur sprachgeographisch wahrscheinlich ; dafür zeugen 
auch einige alte Ortsnamenbelege in den Vogesen. Das nach 
Pfister zwischen 900 — 950 geschriebene Leben der heiligen Odilie 
kennt einen „locum qui Palma vocabatur", an anderer Stelle 
„monasterium quod dicitur Palma". * Die „Vita Sancti Erardi" 
aus dem Ende des 1 1. Jh. spricht von einem „monasterio Palma" .§ 
Alle drei Stellen beziehen sich auf ein Frauenkloster, das einst 



1 St-Bomert, vgl. p. 10. 

2 Port, Dict.hist., geogr. et biogr. de Maine -et -Loire, Angers et Paris 
1874-78. 

3 Berthoud et Matruchot, Etüde hist. et itymol. des noms de lieux 
habites du dep. de la Cote-d' Or. Semur 1901. 

4 balma konnte von mir also an Hand der ON-Wb. in folg. Dep. fest- 
gestellt werden: Aude, Herault, Gard, Dordogne, Cantal, H te -Loire, Drome, 
Htcs. Alpes, Savoie, Ain, Nievre, Hte -Marne, Eure-et-Loir, Calvados (Dict. Top.); 
Cöte-d'Or (Berth.-Matr-); Maine-et- Loire (Port); Savoie (Vernier). Mein Karten- 
bild wäre wahrscheinlich noch durch weitere BALMA-Namen ergänzt worden, 
wenn es mir möglich gewesen wäre, die bei Maver verzeichneten ON-Wb 
für folgende Dep. einzusehen : Puy-de-Döme, Creuse, Gironde, Charente, Deux- 
Sevres, Loire-Inf., Maine (Mayenne, Sarthe), Indre-et-Loire, Loiret, Seine-et- 
Marne, Saöne-et-Loire. 

5 Analecta Bollandiana XIII, p. 14. Das P von Palma mag die Nähe 
der germanischen Aussprache verraten. Herr Prof. Gauchat macht mich daraut 
aufmerksam, dafs die südöstlich der Stadt Freiburg auf dem rechten Saaneufer 
gelegene, alte Balmgasse unter Einfluis der germanischen Aussprache heute 
offiziell auf dem Strafsentäfelchen zu einer Rue de la Palme geworden ist. 

8 Acta Samt. 8. jan. p. 536. 



19 

am Fufse mächtiger Felsen der heutigen „Pierre d'Appel" an der 
Strafse Senones — Rambervilliers (Vosges) lag. Das Balma der 
Klosterchronik von Moyenmoutier (Vosges) haben wir schon p. 8 
erwähnt. Ferner existiert eine Legende eines Jean des Baumes, die 
sich an das Bot's des Baumes bei Mirecourt (Vosges) knüpft. 1 
Endlich verzeichnet Tarbe ein nicht ganz zuverläfsig scheinendes 
Balme in den Ardennen und ein Beaumc im Dep. Marne. 

Warum in den heutigen Mundarten Ostfrankreichs balma 
offenbar fehlt, ist nicht klar. Die Möglichkeit folgender Erklärung 
scheint mir nicht ausgeschlossen. Im Rouchi und an der Yonne 
heifst bäume „Grenzstein". Hier scheint begrifflich frz. dorne hinein- 
gespielt zu haben. Denn in Orten, wo -rn- > -n- wird, konnten 
die Reflexe von *balma und *bodina' 2 leicht in Konflikt geraten. 
Auf gröfserem Gebiet scheint hon lautlich und begrifflich gesiegt 
zu haben. Mag nun ein innerer dissimilatorischer Vorgang bom 
> bon gewandelt haben, vgl. p. 7, oder mag unter dem Drucke 
des mächtigern bon < *bodina von aufsen das -n eingedrungen 
sein, 3 sobald in der Form bon eine Homonymie geschaffen war, 
wurde balma „Grenzstein" verdrängt. Von dieser Seite angegriffen 
und geschwächt, konnte dann auch balma „Höhle" seinen Kon- 
kurrenten, vgl. At. lg. 204, nicht mehr standhalten, um so mehr, als 
die kulturelle Bedeutung der Sache hier nicht so grofs war wie 
bei den primitivem Älplern. Am Rand des bis heute festen balma 
„Höhle"- Gebietes findet sich im Dep. Doubs der ON Baume = 
Beune, 4 vgl. p. 7. Damit stimmt eine Angabe Barmans überein: 
„Dans le patois de Besancon on dit Bone pour Baume et Borne 
dans quelques endroits de la Franche-Comte". Eine solche Doppel- 
heit der Bedeutung scheint aber nur ein Übergangsstadium zum 
gänzlichen Schwinden von balma in den nördlich anschliefsenden 
Mundarten. 

Das durch Berücksichtigung der Dialekte, heutiger und alter 
Ortsnamen erhaltene Kartenbild legt deutliches Zeugnis ab für die 
einstige gröfsere Verbreitung des Wortes. Wenn also balma von 
den Pyrenäen bis zu Alpen, Jura und Vogesen, in Belgien und 
Mittelf rankreich noch appellativ gebraucht wird, als ON bis in die 



1 Über alle diese Belege handelt eingehend Idoux im Bull, soc.philomat. 
vosg. XXXVI, 121 ss. 

2 bdn in Belmont, vgl Horning, ZRPh. XXXIII, 390; für Chäteau-Salins, 
vgl. Brod, ZRPh. XXXVI, 528. 

3 Ähnliche Mischformen wie in einem bon < *BALMA + *BODiNA hätten 
wir auch in bdna < *BALMA -f- *tana oder *BURN; dauno < *TANA -f- *BALMA ; 
käna <C *TANA -f CAVERNA oder CAVA; tavema <1 *tana (oder tuto}, P. 692, 
668, 636, 785) + caverna vgl. At. lg. 204, P. 804, 919, 922, 936, 940, 973. 
An Kreuzung könnte man auch denken bei cabauma < caverna + *BALMA, 
vgl. Aguilö: „bauma, gruta" ; kaborna < caverna + *burn. Besser sucht 
man aber wohl in diesen Formen das Präfix Ca(la)-CA(ra), vgl. AGIItal. 
XIV, 274 und ZRPh. XXXVII, 351. Zu den obenstehenden Formen siehe 
hinten das Wortregister. 

4 Der durch seinen Wein bekannte Ort Beatme (Cöte-d'Or) hat nichts mit 
balma zu tun, sondern gehört zu belentjs, vgl. Maver, p. 64. 



20 

Nähe der Gironde (Dordogne), an der untern Loire (Angers) und 
in der Normandie (Calvados) vorkommt, so darf man daraus 
wohl schliefsen, dafs das Wort einmal über ganz Frankreich ver- 
breitet war und diese Punkte Reste eines zusammenhängenden 
Gebietes sind. 

Die östliche Grenze von balma. 

In Italien steigt unser Wort hinab bis in die beginnende 
Poebene. Die äufsersten Punkte sind 1 : Pigna (Lig.): ba/ma 2 ; bei 
den Berglern von Saluzzo: barma; Castellinaldo : barma \ Piem., 
V.Sesia, V. Anzasca: balma\ Vigezzo-Villette, Borgognone, V. Maggia: 
balm^\ heute finde ich dieses Wort nur noch zuoberst im Val 
Maggia als ON in Peccia: ba/m; ferner der ON Ba/mo gegenüber 
Spruga im Onsernonetal (Siegfriedatias 502). Ob in den vielen 
italienischen Ortsnamen wie Balma , Barma, Ba/me t Balmella, Bar- 
me tta, Balmctti, Balmassa, Balmassi, Baimuccta, Ba/ma/onesca, Bai- 
matarica, Ba/morei, die in den gebirgigen Teilen der Provinzen 
Cuneo, Turin, Novara ziemlich häufig vorkommen, 4 noch überall 
der Bedeutungsinhalt des Gattungsnamens lebendig sei, konnte 
nicht immer nachkontrolliert werden, ist aber nach obigem sehr 
wahrscheinlich. 

Ba/m erscheint sodann in der ganzen deutschen Schweiz. Nur 
die erst später germanisierten Kantone mit rätoromanischem Unter- 
grund, Deutschbünden mit Ausnahme der Walserkolonien, der 
Kanton Glarus und das St. Galler Oberland 5 kennen das Wort nicht. 
Einfach und in den Ableitungen wird es noch als Appellativ ver- 
wendet in den Kantonen der Hochalpen und Voralpen (Id. IV, 12 15 
— 12 16). Als ON findet man es im Jura und Mittelland bis nach 
Appenzell. Jenseits des Bodensees hat sich Bahn in den Allgäuer- 
alpen sogar noch in der appellativen Bedeutung „überhängender 
Fels" erhalten (Fischer). Trotz der gegenteiligen Ansicht Fischers 
zweifle ich nicht, dafs die übrigen schwäbischen ON mit Ba/m 
zwischen Allgäu und Rhein, die Bück im Oberdeutschen F/urnamen- 
buch p. 200 aufzählt, auch hieher gehören. Damit wäre dann auch 
im Deutschen ein Kontakt hergestellt zwischen den schwäbisch- 
schweizerischen Formen und den Resten in Elsafs-Lothringen. 



1 Vgl. oben Bedeutung und Herkunft der folgenden Formen. 

2 In seinem Glossario medioevale ligure belegt Rossi ein arma als 
ligurischen Ortsnamen und in alten Dokumenten mit der Bedeutung „Höhle". 
In Pigna lebt heute noch arma „cavitä esistente nel sasso istesso" neben balma 
in der angegebenen alpinen Bedeutung. Wenn eine Beziehung zwischen den 
beiden Wörtern besteht, so ist jedenfalls nicht, wie Rossi meint, balma auf- 
zufassen „come appendice di arma u . 

3 Diese männlichen balm -Formen mit meist sekundärer Bedeutung sind 
typisch periphere Erscheinungen. 

* Vgl. Diz. Com. Ital. ; Bignami, Diz. alpino ztal., Hoepli, Milano 1892; 
Siegfriedkarte. 

5 GÖtzinger J. c; Balm in Ragaz u. Mels scheint mir nicht bodenständig. 
Ebensowenig Balmisegg im Schilstal bei Flums. 



21 

Sind wir in den Allgäueralpen im äufsersten Punkt angelangt, 
oder findet unser Wort nach Osten hin weitere Fortsetzung in 
dem anstofsenden Deutschtirol und Bayern? Schöpf bringt im 
Tirol. Wb.: halfen m. ., überhängender Fels" ; Schindler im Bayer. 
Wb.: die, der Balfen (Inn, Salzach) „Felsenstück, das etwas über- 
hängt und eine Art von Schutzdach oder Höhlung bildet; Felsen- 
höhle (Kobell: Boivn = eine Art Felskuppe)". Auch Grubers 
Angabe: „Jetzt wird unter Palfen eine Felswand schlechthin ver- 
standen*' pafst hierher. 1 Dann belegt Riezler den in den bayrischen 
Alpen sehr häutigen Namen Palfen als Palfelnhorn und Rotpalfen- 
mais im Berchtesgadeneiland. 2 

Der geographische Zusammenhang und die völlige begriffliche 
Übereinstimmung sprechen deutlich für die Verwandtschaft dieser 
Formen mit balma. Grofse Schwierigkeit macht aber die Phonetik. 
Diese deutschen Dialekte kennen wohl einen Wechsel von / -J- Labial 

> Im {Alp, Alb > Alm, Schwalb >> Schwalm usw.), wobei -Ib immer 
die ältere Stufe darstellt. Ein innerdeutscher Übergang von -Im 

> -Ib > -// ist aber lautlich völlig ausgeschlossen. 3 Und doch 
besteht zwischen unsern beiden Formen ein nicht zu leugnender 
Kontakt. Wir beobachten ihn klar in den nordöstlichen Kantonen 
der deutschen Schweiz und im südlichen Baden, wo seit den 
frühesten Zeiten an ein und demselben Ort neben balm- auch 
balb- Formen auftauchen. So im Badischen für die Burg Balm 
nordöstlich von Lottstetten a. 870 Palba, 877 ad Balbo, Balba, 
1049 Balba.* Auch ein heutiges Balm bei Waldshut heifst urkund- 
lich a. 876 (Kopie 1126) Balba, 1287 Balbe. b Im Kanton Zürich 
erscheint a. 1032 in der Ba/be; 11 76 Adilbertus de Balbo', 1228 
Ulricus de Balbo', 1286 Otto de Balba', 1273 im gleichen Text 
Balba, Balbe, Balm usw. Im Kanton Schwyz: 143 1 Utli ab der 
Balb. Entsprechend dem Berner Familiennamen Balmer in Zug, 
Aargau, Zürich u.a. Balber. Tegernfelden , Aargau: 1250 fohans 
der Balber usw. (Id. IV, 121 6). 

Von diesen Labialformen ist bayrisch „locus qui an der palfen 
dicitur" von 11 50 (Schindler) gewifs nicht zu trennen. Da aber 
bahna mit -Im- über ein so grofses Gebiet verbreitet und, aus allem 
zu schliefsen, schon sehr alt ist, kann an dieser Grundform nicht 
gezweifelt werden. Hingegen darf man zur Erklärung der süd- 
deutschen -Ib- und -^"-Lautungen annehmen, dafs in dieser Gegend 
schon in vorgermanischer Zeit eine vom Westen verschiedene Aus- 
sprache, ungefähr wie Halw- oder *balfi geherrscht habe. 6 Die 

1 Gruber, Vordeutsche Ortsnamen im südlichen Bayern. Festschrift 
Vollmöller, Erlangen 1908, p. 304—6. 

a Riezler, Die Orts-, Wasser- und Bergnamen des Berchtesgadener 
Landes in der „Festgabe für G. Meyer v. Knonau", Zürich 1913, p. 137. 

8 Mitteilung der Redaktion des Id. 

4 Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich I, 43, 51, 54, 55, 129. 

• Heilig, Die Ortsnamen des Grofsherzogtums Baden, p. 8. 

a Vielleicht spiegelt sich dieser Laut in der Schreibung des deutsch- 
tirolischen Ortsnamens von 1300: Palwiiten = balmetta\ Bück, Rät. ON 312. 



22 

eindringenden Germanen hätten dann dieses Reliktwort 1 in 
schwankender Lautung übernommen. In der Schweiz siegte 
schliefslich unter dem Einflufs des Westens Palm, während das 
bayrisch-tirolische Balfen heute noch eine östliche, dialektale 
Differenzierung der vorgermanischen oder sogar vorromanischen 
Zeit wiederspiegeln würde. 2 



E. Herkunft. 

Welchem Volk ist nun endlich unser Wort zuzuschreiben? 
Cohn, ZRPh. XIX, 51 ss. hat den gelehrten Versuch gemacht, es 
auf lat. *BASSIMA zurückzuführen. Lautlich, historisch, geographisch 
stimmt das aber gar nicht, und begrifflich nur schlecht. Bucks 
Vorschlag balma < palma „Handfläche" pafst ebensowenig. Aus 
allem geht vielmehr hervor, dafs wir es hier mit einem vorroma- 
nischen Wort t zu tun haben. 

Da seien vor allem die alten Rätier ausgeschlossen, balma 
ist ein typisch nicht- rätisches Wort. Es kommt in den heutigen 
rätoromanischen Mundarten nirgends vor. Die immer wiederholten 
Angaben von Steub, 3 Bück, 4 Gruber, 5 Holder 6 u. a. seien deshalb 
hier endgültig verbessert. Die Behauptung, balma heifse im Engadin 
Höhle, ist ebenso falsch, wie jene andere, palfen sei Schweizer- 
deutsch. Die zur Konstruktion eines rätischen *pal-(a)v-a heran- 
gezogenen tirolischen -bayrischen ON Palva, Palven, Palfen stehen 
auf heute deutschem Gebiet und sind von den Deutschen dorthin 
gebracht worden. Auch die Zusammenstellung von balma — balfen 
mit eng. spelm und mit den frz. Bergnamen Pelvo, Pelve, Pelvoux 1 
usw. in den Westalpen ist nicht zulässig; denn lautlich ist der 
Wechsel des Stammvokals und -Im- >> -h-, also bahn- > pelv-, in 
den kottischen Alpen unmöglich. 

Ein Wort, das schon vorromanisch in ganz Frankreich, im 
westlichen Oberitalien, in der ganzen Schweiz aufser Rätien und 
fast ganz Tessin, in Süddeutschland in einem von den Vogesen 
bis zum Inn dem Rätischen nördlich vorgelagerten Gebiete gesprochen 



1 Jud, ZRPh. XXXVIII, 4; Meyer-Lübke, GRM. I, 645. 
a Mitteilung der Redaktion des Id. 

3 In seinem gedanken- und materiaireichen, aber sehr vorsichtig zu be- 
nutzenden Buche Zur rhätischen Ethnologie, Stuttgart 1854, konstruiert Steub 
p. 85 — 86, 198 — 199 zum bündnerischen bova „Erdrutsch" eine rätische Urform 
*palva. Wenn Steub auch in seiner subjektiven Art eine Menge von Orts- 
namen davon ableitet, überzeugt mich doch keiner von der Existenz dieses 
Wortes. Zwar soll es nach Steub in Gröden und Fassa ein Palva geben. 
Keines der einschlägigen Wb., weder Gärtner, Schmeller noch Alton geben 
aber für den dortigen rätoromanischen Dialekt ein solches, sonst nicht belegtes 
Wort. Darum scheint mir auch heute noch ein rätisches Palva unsicher. 

4 Rät. ON, 261. 

5 Festschrift Vollmöller, 1. c. 

6 Alt-Celt. Sprachschatz: balma. 

7 Bück, Rät. ON 261; Gruber, Festschritt Vollmöller, 1. c. 



23 

wurde, muls, soviel wir von den damaligen Siedelungsverhältnissen 
wissen, offenbar ein gallisches Wort sein. 1 

Neben den Galliern könnten nur noch die Ligurer 2 in Frage 
kommen. Dafür spräche das heutige Kerngebiet von balma in 
den Westalpeu. 

Vielleicht könnte auch das Ligurische die oben angenommene 
dialektale Differenzierung des Ostens bestätigen; denn wie in balm-, 
ba!b- haben wir auch im ligurischen Stamm borm- ein Schwanken 
zwischen borm — borb — borv, vgl. Gröhler I, 9 ss. und Maver p. 56 ss. 
Wäre balma ligurisch, was ich nicht zu entscheiden imstande bin, 
dann würde die auffallende Verbreitung des Wortes jedenfalls den 
einstigen Machtbereich dieses Volkes beträchtlich vergröfsern. 



1 Entscheidend spräche hiefür ein balma in ON oder Dialekten Englands. 
Meine hier erfolglos gebliebenen Nachforschungen müfsten von kompetenter 
Seite weitergeführt werden. 

2 Vgl. Jullian, Histoire de la Gaule I, chap. IV. Les Ligures. 



IL Spelunca — *Speluca. 



Das im Romanischen nur noch als ital. Buchwort speco er- 
haltene lateinische specus hatte schon in römischer Zeit unter der 
gefährlichen Konkurrenz griechischer Lehnwörter zu leiden, spe- 
laeum < CjrrjXaior fand zwar in der Romania keine Verbreitung. l 
Um so siegreicher bürgerte sich in Italien das dem griechischen 
Akk. öJirjlvyya entliehene spelunca 2 ein. Dieses tritt in der 
lateinischen Literatur zum erstenmal bei Lucrez auf, dann auch bei 
Cicero, Vergil, Ovid, Properz usw. Noch in klassischer Zeit hat 
es bereits in der Toponomastik als Name eines Landhauses des 
Tiberius bei Terracina Eingang gefunden. Auch Millers Itineraria 
Roma?ia enthalten die ON Spelunca, Speluncas, Spelnncis, Speiunis (die 
beiden letzten auf der Tab. Peuting.) nördlich Brindisi, col. 220, 
in der Provinz Pontus, col. 675, und in Afrika, col. 893. Im 
Mittellatein, wo spelunca = specus allgemein gebräuchlich ist, nimmt 
es dann auch die kirchliche Spezialbedeutung „Grab, Grabgewölbe" 



1 Die Reflexe dieses Wortes am Ostrand der Romauia werden wohl nicht 
über das Lateinische , sondern direkt aus OTifacuov oder ngriech. <mr\*kia ent- 
standen sein, so dalmat. spella, spüla in Dok. des 14. und 15. Jh., der ON 
Spille a. 11 71; illyr., seibo-kroat., slow. spila, spü'a\ alban. spil'e. Für alban. 
speis f. „Felsen, Höhle" hingegen greift G.Meyer, Alban. Wb„ auf ein lat. 
speleum < SPEL/EUM zurück. Vgl. Bartoli/ Das Dalmatische , I. Teil, 
Wien 1906, p. 234. 

2 Die lat. Betonung auf der zweitletzten Silbe entspricht den allgemein 
italienischen Akzentverhältnissen. Wegen der Wiedergabe von griech. v durch 
lat. u vgl. XQVTixi] ^> crupta p. 33. Das -c- in der Endung ist unregelmäfsig. 
Nach dem Beispiele von iynx, -ngis <[ 2vy£, -yyoq (ein Vogel: Wendehals), 
sphinx, -ngis < oiplyi-, -yyoq, syrinx, -ngis <[ avQiyq, -yyoq, phalanx, 
-ngis <^ <pa).ay§, -yyoq hätte man im Lat. ein gelehrtes spelynx, -ngis zu 
erwarten oder dann ein vulgäres spelunca, -ae mit stimmhaftem Palatal wie 
in pop. syringa , meninga <^ /LtrjviyS;, -yyoq (Hirnhaut) oder in fungus < 
acpoyyoq, spongia < anoyyta. Nun rindet sich aber vereinzelt auch menenca, 
und aus dem dorischen aQvyyoq, attisch tjpvyyoq wird aruncus (eine Pflanze: 
Mannstreu, Ziegenbart); ebenso steht neben laxccy- zu Xdxccg (Becherneige) 
lat. latic- zu latex (Flüssigkeit); selbst innerhalb des Griechischen erscheint 
für normales bgxvyoq zu oqxv§ (Wachtel; ein Kraut) vereinzelt auch der 
unklass. Gen. oQXVXoq; vgl. dazu lat. Urtica (Nessel), altin d. vartaka. — Vgl. 
E. Fraenkel, Griechische Denominativa , Göttingen 1906, p. 289. Wegen 
&(i)(jLLyy- u. thomic-, o<piyy- u. <pix- vgl. unten p. 28. Ferner verweist 
Claussen, Die griechischen Wörter im Französischen, RomF. XV, 836 — 7, 
auf die romanischen Reflexe von *palanca. *barranca (vgl. BDRom. III, IO) 
< (puQayya (Kluft), amurca < äfAOQyrj (Ölhefe) usw, 



an; doch diese blieb auf den lateinischen, literarischen Gebrauch 
beschränkt. 

In der allgemeinen, toponomastischen Verwendung haben die 
romanischen Sprachen das Wort übernommen. Dafs es im Italie- 
nischen schon früh volkstümlich war, beweisen zunächst alte Texte. 
So erscheint es im unterital. Codex Cajetanus: a. 890 speloncanus, 
923 Paulo sprfoncano, 994 territorio de spelonce, 1024 spelonke, 
1 135 sancte marie de spelonke (AGHtal. XVI, 12) ; im Codex Cavensis: 
1039 spelonke, 104 2 spelonce, 1064 monte de speiengar u (AGHtal. 
XV, 358); im Novellino: il fecie notricare e guardare in tenebrose 
sJ>elonke (Monaci, Crest. II, 428) ; bei Guittone d'Arezzo: non corte 
de dirittura, ma di latrocinio spiloncha (Monaci, Crest. I, 176); bei 
Barsegape: ca d' oration Fata v' an speronca da latron v. 1061; ferner 
ON: bei Rossi, Gloss. Ligure: dominus Manuel de Speroncora', Prov. 
Piacenza: Sperongia; bei Lucca: Spelonca, wahrscheinlich a. 1260 
Erem. di spelunca, im obern Serchiotal: Spronca, im Kataster: Spilonca 
(Pieri, Top. Serchio-Lima p. 166); Prov. Ascoli-Piceno: Spelonga; 
auf Korsika: La Spelunca, Speluncatu (Falcucci) und altlogud.: 
Ispelunca (Condaghe). Spelunca ist im Rätischen importiert, im 
Altprovenz. selten, ebenso im Französischen von Godefroy nur 
dreimal belegt espelonche, spelonque. Wie weit diese Formen und 
auch span., port., katal. espelunca volkstümlich, und wie weit sie 
blofse Buchwörter sind, ist nach ihrer Lautung und den Angaben 
der Wörterbücher nicht sicher zu entscheiden. Jedenfalls hat im 
ganzen spelunca - Gebiet die gelehrte lateinische oder die gut 
italienische Form immer wieder eingewirkt. In den Alpenmund- 
arten ist spelunca als Appellativ nicht eingebürgert. 

Das Wort ist aber auch noch in anderer, vom klassischen 
Latein abweichender Gestalt in die romanischen Sprachen ein- 
gedrungen. Dafs diese phonetisch wie semantisch volkstümlich 
entwickelte Abart bis auf heute in einzelnen konservativen Gebieten 
von dem sie rings umflutenden spelunca noch nicht erdrückt 
worden ist, liegt wohl darin begründet, dafs sie sich hier begrifflich 
den Eigentümlichkeiten des Landes angepafst hat, zu einem 
alpinen Spezialausdruck geworden ist, vgl. balma p. 14. Das gilt 
einmal für die Dialekte des Südabhangs der Alpen vom Tessin 
nach Osten. Nach Monti bedeutet im Verzascatal sprugh m. „sasso 
naturalmente seavato a volta che serve a piü persone di tetto in 
tempo di subita pioggia". In Arbedo: sprügh „grotta naturale 
formata da sasso sporgente sotto cui riparansi persone e bestiame 
da subita pioggia- (Pellandini); ebenso spriig in Gordola, Mergoscia 
Sonogno, Someo. Olivone, Dalpe: spruk. Chironico: sprütL Villa: 
spray (E). Nach Salvioni im Val Blenio: sbrük, Val Maggia: spliij 
und in andern alpin-lombardischen Tälern : spelüga, sp(e)rüga (Rom. 
XXXI, 292). In Airolo bezeichnet man mit sprüy „alle Vorsprünge 
im Felsen, auch die ganz kleinen, die beim Klettern als Hand- 
griffe dienen". Im Misox ist speluk „ein kleiner, mit Erde und 



26 

Gras bedeckter Felsenvorsprung, wo Ziegen und Gemsen spärliche 
Nahrung finden". So hat bei den Hirten des bergell. Bondo spliik 
den Sinn von „pascolo di poco valore erto quasi come la blese" 
angenommen. In Isone bedeutet sperük „precipizio" (E). Der 
Übergang dieser Alpenformen ins männliche Geschlecht wird mit 
dem Wechsel der Bedeutung zusammenhängen. Es scheint im 
Volk gelegentlich die Beziehung dieser Form zum Buchwort halb 
unbevvufst empfunden zu werden. Wenigstens fängt man in Brione- 
Verzasca jetzt an, für das in der alpinen Spezialbedeutung ge- 
brauchte alte sprüga auch spaluyka zu sagen (E). So verdrängt 
die offizielle Schriftsprache die populäre Form. 

Ortsnamen beweisen, dafs diese einst auf einem gröfseren 
Gebiet lebendig war. So am Südabhang des Tamaro im Sotto- 
Ceneri: „Nei dintorni d' Indemini sono da notarsi alcune profonde 
caverne, fra le quali una chiamata Sprugo" (Brusoni, Guida di 
Bellinzona, Bellinzona 1901, p. 36). Allgemein bekannt ist das 
bündnerdeutsche Dorf Splügen am Splügenpafs, seit dem 15. Jh. be- 
legt als Splügen, im 16. Jh. als Speluca bei Campell, Tschudi, beim 
erstem auch Splügia, beim letztern Splugen (Annalas XXXI, 115), 
1496 — 15 19 Spulco, Splugo, Spluga (BStSvItal. XXIII, 9, 12). Der 
Name dieses Passes ist fast überall in Bünden bekannt und v viel- 
fach volkstümlich entwickelt, so obwald. Splidya, nidwald. Spleja, Splaja, 
oberengad. splüdya neben jüngerem splüga (Diz); aufser diesem einzigen 
Ortsnamen ist aber sonst dieser Typus dem Bündnerrätischen voll- 
ständig unbekannt. Mohr, Cod. dipl. Raet. I, 291, belegt schon im 
11. Jh. einen ON Speluca und identifiziert ihn mit dem Kloster 
Disentis; wie er zu dieser auffallenden Behauptung kommt, ist mir 
trotz Nachforschungen an zuverlässiger Stelle völlig unverständlich. 
Der Name des Splügenpasses mufs zusammenhängen mit den alpin- 
lombardischen Formen. Die Strafse führt ja auch von Splügen am 
Monte di Spluga vorbei v nach Campodolcino mit dem Dörfchen 
Spelughetta, dort — la Spelüdya (Salvioni, AGIItal. XVI, 597). Dafs 
einst auch das Addabecken diese Form besafs, beweisen im untern 
Veltlin der Monte Spluga nördlich Morbegno, im obern v Puschlav 
das Dörfchen Splüga und die Lokalnamen Splügavens und Splügälp, x 
in alten Statuten und Prozefs -Urkunden Splugaveng und Splugalbo 
(Salvioni, RJLomb. XXXIX, 491). 

Endlich weist auch das Südtirol sehr alte Ortsnamenreste dieser 
Form auf. Noch heute fliefst vom Weiler und Berg Spiluck der 
Spiluckerbach nach Vahrn bei Brixen. Bei Redlich, Traditionsbücher 
des Hochstifts Brixen, Innsbruck 1886, finden wir p. 167 zwischen 
1147 °is ca - 1160 belegt: „predium quod habuit in inferiore parte 
montis situm que dicitur Spilukke." Bei Schneller, ON II, 74: 
1277 „Coste, praediolum in monte Spilukke". Endlich in den Mon. 
Germ. Hist. Necr. Germ. 111,47: 1463 „predium in Spiluk". Ich 
zögere nicht, diese ON mit den romanischen spluga -Formen zu- 



1 Mitteilung von Herrn Dr. J. Michael, Chur. 



27 

sammenzustellen. Die Deutschen, welche Brixen und die Sohle des 
Haupttales vielleicht schon seit dem 7. Jh. besetzt hatten, drängten 
sehr früh den abgelegenen Ort von der übrigen Romania ab. Der 
ON konnte so vielleicht die romanische Sonorisierung des -c- nicht 
mehr mitmachen. Darum stellt uns das deutsche Spilukke wohl 
eine ältere Phase der Entlehnung dar als Splügen, welches die 
deutschen Bündnerwalser erst nach dem 13. Jh. von ihren italienischen 
Nachbarn übernahmen. 

In Veronesischen lebt noch appellativisch spjuga „baratro", 1 
das Salvioni mit Recht zu *speluca stellt. 2 Den gleichen Stamm 
mit dem Suffix -ula sehe ich ferner im altvicent. spertigia „spelonca", 
ca. 1590, 3 vgl. den piacent. ON Sperongia. Lautlich ist mir bellum 
spelech (Nazari) unverständlich; doch scheint es ebenfalls mit unsern 
Formen verwandt zu sein. 

Aufser der einst zusammenhängenden sp/uga- Zone des öst- 
lichen Oberitalien lebt diese Nebenform auch in Südfrankreich und 
der anstofsenden ligurischen Küste. Im Altligurischen ist nach 
Rossi speruga, in mittelalterlichen Statuten von Nizza speluca, in 
Dokumenten von Monaco speluga ein Fischerausdruck zur Bezeich- 
nung einer künstlich oder natürlich geschützten Meereseinbuchtung, 
die sich zu einer bestimmten Art des Fischfangs eignet. Mistral 
gibt espeluco, espelucho (perig., dauph.), espelugo, -ungo (gase.) „caverne, 
antre, grotte, event; cratere d'un volcan eteint". Diese Formen 
werden durch einmaliges aprov. espeluca bei Levy bestätigt, be- 
sonders aber durch ON: Dordogne: Espeluche, 1109 Speluca, 1226 
Espelucha und Spe/uchia ; Haute -Loire: Espeluches, um 10 11 Espel- 
lucas, 1358 Espeluchas; Drome: Espeluche, dreimal; B.-du-Rhone: 
Espeluco ; Gard : Espeluque(s), zweimal ; H tes -Pyr. : Espelugues ; da- 
neben B.-Pyr.: Espalungue, dreimal, Espelunguere* (Dict. top., Mistral). 
Im Katalanischen wird veraltetes (e)spluga neben ebenfalls veraltetem 
(e)spelunca A durch cova verdrängt. 

Alle diese oberitalienischen, provenzalischen 5 und katalanischen 
Dialektformen gehen zurück auf eine gemeinsame Basis *speluca. 6 
Ein Übergang von -unca > -uca innerhalb romanischer Entwicklung, 
wofür keine andern Beispiele vorliegen, kann aus lautlichen Gründen 



1 Oli vieri, Saggio di una ülustrazione generale della toponomastica 
veneta, Cittä di Castello 19 15, p. 295 n. 

2 Salvioni, Appunti di toponomastica lotribarda, Arch. stör. lomb. 
XLV, 245, n. 3. 

3 Bortolan, Vocab. del dial. ant. vicent., Vicenza 1894, P- 2 ^8. 

4 Hier ist die gelehrte Form, die wie in Brione, vgl. oben p. 26, mit 
der mundartlichen konkurrierte, selbst nicht erfolgreicher gewesen. 

5 Das lautlich unregelmässige -c- statt -g- in nprov. espeluco, das mit 
espelugo wechselt, läfst sich vielleicht vergleichen mit rueo, arueo neben 
arugo, erugo < ERUCA „Raupe" (cfr. Mistral, At. lg. 267), dessen -c- auf 
Einflufs des Buchwortes zurückzuführen ist. Sonst müfste man hier eine be- 
sondere Basis *spelücca rekonstruieren (Salvioni, Rom. XXXI). espelugo f. 
>► *espelük m. > espelüko f. ist bei dem völligen Fehlen einer Maskulinform 
im Prov. wenig wahrscheinlich. 

6 Ältester Beleg für speluca aus dem 1 1. Jh., Mohr, Codex dipl. Raet. 1, 291. 



nicht angenommen werden. Salvioni (Rom. XXXI, 292) hat darum 
geglaubt, dafs das Wort aus einem Stamm spel- und dem roma- 
nischen Suffix -öca entstanden sei, eine Rekonstruktion, die mich 
nicht überzeugt, da sie *speluca von spelunca trennt, um ein 
seltenes Suffix mit einem in den Alpen sonst nicht belegten Stamm 
zusammenzuhängen. Meyer-Lübke vermutet, dafs ein vorromanisches 
Wort mitgewirkt habe (REW 8140). Dieses müsste dann allerdings 
verschwunden sein; denn was für ein heute bekanntes Wort mit- 
gewirkt haben könnte, ist nicht klar. Auch macht dieser Annahme 
die geographische Verbreitung von *speluca Schwierigkeit, da das 
Wort im Rätischen und Frankoprovenzalischen völlig zu fehlen 
scheint. Da aber doch schon das hochlateinische spelunca, dessen 
Zusammenhang mit *speluca mir unzweifelhaft scheint, ein Fremd- 
wort ist, mag es angezeigt sein, diesem einmal bis in seine Heimat 
nachzugehen. 

Wir haben oben schon angedeutet, dafs frcofziyg, -yyoq (Schnur) 
im Lateinischen als thomix, -icis auftritt, worin nicht nur der stimm- 
lose Palatal, sondern auch der Fall des Nasals eine Unregelmäfsigkeit 
bildet. Schon innerhalb des Griechischen entspricht dem attischen 
Akk. 6<piyya zu <j<piyg böotisch qlxa, auch <piya zu <p/g, das an 
Hesychs „ßiyag ' öyiyyaq" erinnert und an „Macedones ßl§ di- 
cebant". 1 Der Berg 2(piyyiov bei Theben heilst böotisch <Plxior. 
Der Fall des Nasals und die Desonorisierung des Palatals wird also 
durch diesen ON für den Norden belegt. Die erste dieser dialek- 
talen Eigentümlichkeiten ist eine Erscheinung, welche Fraenkel 2 
allgemein nachgewiesen hat. Innerhalb des Griechischen treten bei 
demselben Nomen öfters nasalierte und nasallose Formen auf; in 
der späteren Zeit herrscht vielfache Unsicherheit im Gebrauch des 
Nasals. Nach Phavorinus, ecl. 262, 28 (vgl. R. Meister, Griech. 
Dial. I, 152) wären die Aeolier, also die nördlichen Dialekte 
Griechenlands, für diese Erscheinung verantwortlich zu machen ; er 
sagt von ihnen: „äjioßäXXovöi xal rb y rcov elg 7g Xyyovzwv 
ovofidtcov, oiov iv§, (pogfi'g, tpägv^ xal fivQia roiavra eTsga."' 6 
So finden wir statt nwvy^ (ein Wasservogel), öficoöiyg (Schwiele), 
bei Hesych auch jtwv^, [laJöig ; statt öaZjiiyxTijg eher öaXjtixrrjg ; 
den afrikanischen Inselnamen Mfjvcy^ überliefern Handschriften 
auch als Menix, auch Livius XXII, 3 1 hat Menige statt Meninge usw. 

ÖJtfjZvy§ zählt nun zwar Fraenkel auf unter den Wörtern, 
welche immer nur mit Nasal vorkommen. Als Belege dafür führt 
er an: 1. Dichterstellen und 2. lat. spelunca. Dem ist aber ent- 
gegenzuhalten, dafs für volkstümliche Formen einerseits die Sprache 
der Dichter nichts beweist, und dafs anderseits die Beweiskraft von 



1 Herwerden, Lexic. Graec. Suppl. et Dial. II, 1551. 

9 op. cit. p, 285 s, vgl. dort im Anhang seinen „Exkurs über die Reste 
der Tiefstufe -un- im Griechischen bei den Subst. auf -vyl~, -iy§ u usw. 

3 „in den auf yg endigenden Wörtern lassen sie das y fallen, so in lv§, 
<poQ[JLi§ (ein Saiteninstrument), <paQV§ (Kehle) und tausend andern, ähnlichen 
Beispielen". 



iat. spelunca durch das Vorhandensein von romanischen, nasallosen 
Formen aufgehoben wird. Entsprechend 6<pLy§, ötyiyya neben 
9>/g, <plxa und 4>ixiov und nach der von Fraenkel konstatierten 
dialektischen Tendenz der Entnasalisierung darf man wohl an- 
nehmen, dafs diese Erscheinung auch unser Wort ergriffen habe, 
und dafs noch in griechischer Zeit neben dem gebräuchlichem 
6JZ7JÄvy£ f -yya auch ein nicht belegtes dialektales *<jJtrjZv§ (oder 
OJtijÄv£?), *6JirjXvxa bestanden habe. Demnach wäre das von den 
romanischen Dialektformen verlangte *speluca in dieser Lautung 1 
schon aus den nordgriechischen Mundarten übernommen worden. 

Ein solches Abfärben von griechisch dialektaler Differenzierung 
auf die romanischen Verhältnisse wäre nicht vereinzelt. So hat 
das schriftlateinische mälum „Apfel", welches dorischem fiäXov 
entspricht, sich nur in Süd- und Mittelitalien erhalten, während im 
Ital., Rum. und Obwald. jonisch-attisches firjXov weiterlebt. 2 Ebenso 
steht dem hochlat. prunum in den Alpen ein pruma gegenüber, 
welches wie ersteres aus dem griechischen Balkan stammt. 3 

Die auffallende sprachgeographische Verteilung der *speluca- 
Formen läfst sich bei der Annahme einer griechischen, dialektalen 
Grundlage kulturhistorisch erklären. 

Dafs *speluca eine ältere Schicht darstellt, die teilweise — 
in welchem Umfang, liefse sich vielleicht bei genauer Kenntnis 
der italienischen Ortsnamen noch sagen — von dem klassischen 
spelunca überdeckt worden ist, scheint mir sprachgeographisch 
erwiesen zu werden durch das Vorhandensein der toskanischen 
Ortsnamen Spiluca (Lugliano, Bagni di Lucca), alla Spruca (Casciana, 
oberes Serchiotal; Pieri, Top. Serchio-Lima, p. 219). Und der ge- 
schichtliche Zusammenhang? Von den alten Berührungen, die ja 
wirklich zwischen Römern und Nordgriechen bestanden, spricht 
Qaussen op. cit. p. 830. Auch für das östliche Oberitalien gilt 
dieser Koniakt. Seit dem 5. Jh. hatten die Veneter Beziehungen 
zu den Griechen. Atria soll eine griechische Gründung gewesen 
sein. 301 drangen Griechen bis vor Patavia, um es zu erobern. 
„Die Pyrrhuskriege und die spätem makedonischen Kriege mögen 
den Anlafs gegeben haben, dafs das eine oder das andere Wort 
von Nordgriechenland auf römischen Boden verpflanzt wurde." 
Sprachliche Beweise sieht Claussen in der Wiedergabe des nord- 
griech. ß für (p in altlateinischen Formen, z. B. Bruges statt <pQvyeg, 
ballaena statt (pdXcuva) (pdgayt- erhalten nicht nur in span., port. 

1 Desonorisierung des Palatals und Längung des v infolge Fall des 
Nasals entsprechend <pixa brauchte man nicht einmal schon für das Griechische 
anzunehmen. Auch ein *07irjkvya könnte die gleiche Entwicklung durch- 
machen wie no(Ji(p6X.vya (zu no(ji<p6Xv% Blase) > *fanfaluca = \\s\.fanfa- 
luca\ z.ixz.fanfelue', vgl. Claussen, op. cit. p. 837: „Es unterließt keinem Zweifel, 
dafs griechisch y zu allen Zeiten als tonloser Verschlußlaut gehört werden 
konnte". 

2 vgl. Meyer-Lübke, Einführung 2 , p. 98. 

» vgl. Jud, ZRPh. XXXV11I, 49— 50; Niedermann, Contributions ä 
la critique et ä V explication des gloses lati'nes, Neuchätel 1905. 



30 

barrancoy katal. barranc, sondern auch in öbwald. vraunka, val.-sug. 
barranca. 

Neben dem nordostitalienischen *speluca- Gebiet gibt es nun 
aber auch noch ein südfranzösisches. Da beide voneinander durch 
die frankoprovenzalischen Alpen, in denen keine Spur des Wortes 
vorhanden ist, geschieden sind, mufs angenommen werden, dafs 
*speluca offenbar auf zwei verschiedenen, voneinander unab- 
hängigen Strafsen nach Westen gewandert sei. Auf die angedeutete 
Weise drangen die nordgriechischen Formen direkt ins benachbarte 
Oberitalien, wo ja auch in späterer Zeit durch das vorrückende 
Christentum * und besonders unter der Herrschaft von Byzanz das 
kulturelle Übergewicht des hellenistischen Balkans wieder mächtig 
wurde. 

Auf dem Wege des Mittelmeers aber war schon seit der 
Gründung der griechischen Kolonien 2 und dann wieder in den 
ersten christlichen Jahrhunderten 3 griechischer Geist und griechische 
Sprache nach Südgallien geflossen. Noch bis ins beginnende Mittel- 
alter wurde im untern Rhonebecken griechisch gesprochen. 

So würde die geographische Verteilung der beiden *speluca- 
Zonen noch heute kulturhistorische Strömungen des Altertums 
wiederspiegeln. 



1 Harnack, Die Mission und Ausbreitung des Christentums , Leipzig 
1902, p. 504. 

2 Jullian, Histoire de la Gaule I, eh. V*. eh. X. Claussen, op. cit. 
p. 793 spricht für die Möglichkeit einer zwar noch wenig bekannten Entlehnung 
durch südgallische und galloromanische Dialekte aus dem Griechischen von 
Marseille. Brück erklärt ZRPh. XXXVIII, 679 dalfl „Blitz", dalfind „blitzen" 
in der Ariege aus griech. dfjXov (fqvov „helle Leuchte"; (ftjvoq entspricht im 
phokischen Dialekt dem att. (pävog. Von der phokischen Kolonie Marseille 
nehmen die griechischen Wörter Südfrankreichs ihren Ausgang; über den Ein- 
flufs dieser Griechenstadt in Südfrankreich vgl. Gröhler, 1, 27. 

3 Lavisse, Hist. de la France II, I, 3ss.; Harnack, op. cit. p. 506 A., 543. 



III. Crypta. 



Der Artikel Grotte des Dictionnaire General enthält in aller 
Kürze die Hauptprobleme des Wortes: »Grotte, s. f. (Etymologie: 
Emprunte de l'ital. groita qui est le lat. crypta crypte. A fini 
par remplacer l'anc. fr. crote, er oute, qui represente regulierenden t 
le lat. crypta . . .) Excavation pittoresque, naturelle ou de main 
d'homme". 

Wie vielgestaltig die Geschichte eines Wortes wird, sobald man 
dessen bewegten Schicksalen in näherer Untersuchung nachgeht, 
soll folgende Darstellung zeigen. 

I. Teil: Phonetik. 

Dem Wort liegt, wie bereits bemerkt, die griechische Basis 
xQVJtrrj zugrunde. 

a) Anlauf. 1 

Die lateinische Volkssprache hatte die Tendenz, gricch. x- vor 
a, o, u und r durch g- wiederzugeben. xctQVOtyvlZov wurde zu 
ital. garo/ano, frz. girofle, xvßsgväv zu gubernare, usw. Diese Strö- 
mung drang aber nicht überall durch. 2 Gegen sie kämpften die 
Schule und der gute Ton. So lehrt die Appendix Probi: calatus 
non galatus (— xdXad-oq). W 7 ie bunt schon in früher Zeit k- und 
g -Formen durcheinander gingen, und wie verschieden in den roma- 
nischen Ländern bald die eine, bald die andere siegte, mag folgende 
Zusammstellung zeigen: 

xäfifiaQoq — cammarus, gammarus — siz. cdmmarw, sard. 
kambaru ; ital. cambero ; mail. gamber ; obwald. dyombzr ; fr.-prov. 
tsambero, tsäbro, dzäbro; prov. chambre, gambre; span. gdmbaro; 
portg. camaräo. xo!a<poq — *colpus, *golpus — sard. kolpw, 
ital. colpo', engad. kuolp\ frz. coup; prov. colp\ katal. cop; span., portg. 
gotpe. xoXnoq — spätgriech. xoZffoq — ital., span., portg. golfo ; 



1 Meyer-Lübke, Rom. Gram. I, 33, 353; Einführung' 1 , p. ni; 
ALLG I, 555; II, 442; Grandgent, Lat. volg. § 330; Wiese, Aü. El. p. 81; 
Cl aussen, Griech. Lehnwörter im Frz., p. 839 — 40. 

2 So in neap., kalabr. covernare , siz. cuvirnari (wenn nicht südit. Ver- 
härtung des g-), vgl. StR. VI, 14. 



3* 

üz. golfe, gouj/re. xopfii — GUMMI, Gumma — ital., portg. gomma; 
pro v., katal., span. goma; frz. gomme. xQaßatog — grabatus -+- ula 
— ital. carabattola. 'AxQCtyag — lat. acragas, agragas, agri- 
gentum. xgoxoq — crocus — aital. gruogo ; sard. grogw, katal. 
groch, groga; aprov. croc, groc; ahd. cruogo. öi'QXQoraXoq — ono- 
crotalus — ital. (a)grotto ; span. ocroto. 

Das gleiche Schwanken können wir auch bei der Wiedergabe 
keltischer Wörter konstatieren: 

camba — ital. gamba ; engad. chamtna ; friaul. gambe ; frz. Jambe ; 
champ. cäb ; pikard. cambe ; prov., katal., span. cam(b)a. crama — 
komask., tess. krama ; fr.-prov. kräma ; rät. gramma usw. 

Aus diesen Beispielen geht hervor, dafs für viele Fälle schon 
in vulgärlateinischer Zeit Doppelformen anzunehmen sind. Regeln 
kann man dabei kaum aufstellen und auch nicht feste Zonen für 
die bestimmten Lautungen abgrenzen; denn jedes Wort scheint 
seinen besondern Weg zu gehen. Ganz im allgemeinen kann man 
aber wohl sagen, dafs Italien eher zu den ^-Formen hinneigt. So 
schon in innerromanischen Entwicklungen wie gabbia < cavea, 
gastigare u. a., dann aber besonders auch in Wörtern germa- 
nischer Herkunft: 

krampa > ital. (g)rampa, granfia; frz. crampon; span. grampa. 
kripja ^> ital. greppia) frz. crec/ie; prov. crepc/ia, crepia; katal. 
gripia. krukkja > ital. gruccia, aital. crocäa; frz. Crosse; prov. 
crosa ; span. croza. kruppa > i . (ital. groppa) ; frz. Croupe ; prov. 
cropa. 2. ital. gruppo; (frz. groupe) ; span. grupo. Ferner cattus > 
ital. gatto', frz. chat\ rätgat; prov., katal. gaf, span., ptg. gato usw. 

Die Anlautverhältnisse von crypta, das sich ganz zu den 
obigen Beispielen stellt, zwingen uns, auch bei diesem Wort schon 
für die vulgärlateinische Epoche zwei Formen vorauszusetzen, und 
zwar erlaubt uns hier die geographische Verbreitung der ^--Formen 
*grupta als typische Basis für Italien anzusehen. Von Sizilien 
bis in die Poebene bilden sie eine kompakte Masse. * Dem stimm- 
haften Anlaut begegnen wir schon 887 bei Ughellum (Du Cange): 
gruptas; 960 in der Carta Capuana: grupta (Monaci, Crest. I, 2); 
960 im Codex Cavensis: gripte (AGIItal. XV, 344) und 1064 im 
Codex Cajetanus: gruttelle (AGIItal. XVI, 12). An Hand der Wörter- 
bücher, Abhandlungen und Ortsnamen läfst sich ziemlich genau die 
Grenze dieses Gebietes feststellen, die vom Gardasee in südlicher 
Richtung gegen den Apennin verläuft. 2 Östlich dieser Linie stehen 

1 Die seltenen Ausnahmen mit stimmlosem Anlaut lassen sich begründen : 
altbares, cruptas (Nitti) ist halbgelehrte Schreibung und krota „grotta, rupe" 
in Muggia d'Istria (AGIItal. XII, 295) verdankt sein k wohl dem Einflufs von 
kroda „Fels". 

2 Mit der gleichen Grenzlinie stimmt auch in Oberitalien mit CRYPTA 
annähernd überein das lautlich mit ihm zusammenfallende Wort für „kränklich, 
schwächlich, bartlos": erbt in Reggio, Parma, Piacenza, Cremona, Brescia, 
Bergamo, Mailand; grbt in Romagna, Ferrara, Mantua, Vicenza, Cadore; grotol 
im Nonsberg. Vgl. dazu auch im schwdtsch. grätsch, grätsch (Gr, U, B) 
neben krätsch in Churwalden, Gr. (Id. II, 829). 



33 

mit den £•- Formen Mittelitaliens in Verbindung diejenigen der 
Romagna, von Bologna, Parma, Mantua, Vicenza, ganz Frianl, Val 
Vestino und das nicht einheimische grotta in Bünden. Westlich 
dieser Linie beginnen mit Piacenza, Cremona, Brescia, Bergamo, 
Como, Tessin, Mailand die lombardisch -piemontesischen krota-, 
£r0/-Formen, welche mit den gleich anlautenden frankoprovenzalischen 
zusammenhängen, die wiederum mit dem frz. er oute, crot und prov. 
crota zusammen eine über ganz Frankreich verbreitete, alteinheimische 
CRUPTA-Zone bilden. 

Wie das ital. grotta als Lehnwort nach Frankreich wanderte, 
wird ein späterer Abschnitt darstellen. 

Die Konstatierung dieser schon vulgärlateinischen Doppelformen 
ist sehr wichtig, da dieser lautliche Faktor einen Hauptanhaltspunkt 
zur Bestimmung des Alters der galloromanischen £- Formen bildet. 
Gestützt darauf läfst sich erkennen, dafs die /£- erhaltenden Gebiete 
sich noch in lateinischer Zeit von Italien mit den g-- Formen los- 
gelöst haben mufsten. Einen ähnlichen Schlufs läfst uns auch das 
deutsche Gruft ziehen, welches Kluge eher zu einem vlt. *GRUPTA 
als zu grübe, graben stellen möchte. Gruß, dessen Anlaut deutlich 
eine Entlehnung aus Italien verrät, weist durch die Wiedergabe des 
Labials als f darauf hin, dafs es schon in sehr früher Zeit, d. h. 
noch vor der Assimilation des Labials an den Dental entlehnt 
worden war. i 

Als weitern Beleg für die Existenz eines *grupta neben 
crupta könnte man noch anführen bret. groh, das Loth 2 von 
einem vlt. *grutta herleitet; letzteres müfste in spätrömischer Zeit 
auf dem Seeweg von Italien nach Britannien gewandert sein. 

b) Tonvokal. 

In den griechischen Wörtern, die schon in früher Zeit von 
der lateinischen Volkssprache übernommen worden waren, wurde 
v mit u wiedergegeben. Also: KvflT} >• Cumae', c YÖqovq, -ovvtoq 
> Hydruntum (mit u gesprochen, weil heute Otranto). Bei Ennius 
findet sich Cuclopus, Olumpus, Burrus <C IIvqqoc:, Bruges <C 4>Qvyeq» 
Die romanischen Formen sichern die w-Aussprache für bursa < 
ßvgöa, rnurta <C (.ivqtoq, *buxida <C jrv^iöa usw. 3 So erscheint 
auch crupta, eine volkstümliche Aussprache, die seit dem ersten, vor- 
christlichen Jahrhundert durch Inschriften und Glossen mehrfach 
bezeugt ist, als eine alte Entlehnung. Früh eingewandertes v hat 
sich im allgemeinen als vlt. o in den romanischen Sprachen fort- 
gepflanzt. Ein Reflex dieser Lautung lebt noch im deutschen Gruft. 
Schriftlich belegtes grupta, cruptas vgl. p. 32. Regelrecht blieb das 



1 Wie Schrift << scriptu; Käfter < capitoriu „Bienenstock". 

8 J. Loth, Les mots latins dans les tan§ues britonniques , Paris 1892, 
p. 174. 

3 Weitere Beispiele bei Jeanneret, La langue des tablettes d'execrations 
latines, Paris — Neuchätel 191S, p. 24. 



34 

u erhalten in sard. grutta, 1 alban. grut, siz. grutta, Lecce rutta, 
gegenüber abruzz. grgtte, rotte, neap. grptlaA 

Ebenso gehen lautgerecht auf vlt. o zurück afrz. croute', zahl- 
reiche frz. Ortsnamen wie Croute(s), Croutte(s) ; im Chälenois und 
Plancher-les-Mines groutte^; prov. crota; in Lalle (H tes -Alpes) crola. 
In der Westschweiz fällt der Tonvokal von crypta wie von gutta 
im allgemeinen mit dem Ergebnis von vlt. o in geschlossener Silbe 
zusammen. 4 

Katal., span., port. gruta fafst Gröber, ALLG. II, 442, als italie- 
nisches Lehnwort auf, weil sich dort kein u < vlt. entwickeln 
konnte. Claussen, welcher op. cit. p. 862 — 3 an verschiedenen 
Beispielen nachweist, dafs griech. v nicht selten auch durch lat. u 
wiedergegeben wurde, geht hier von einer dialektal gefärbten Basis 
*grupta aus. Das Wort scheint doch in Spanien einheimisch zu 
sein ; denn schon der Thesaurus belegt crypta in Cartagena als 
„Korridor" (Corp. Inscr. Lat. II, 3428). Wirklich ist auch heute noch 
gruta in Spanien eine veraltete Bezeichnung unterirdischer Bauten 
aus der Römerzeit. Diese Form hätte übrigens nur aus der be- 
schränkten u-Zone Unteritaliens entlehnt sein können, was bei ihrer 
grofsen Verbreitung auf der Pyrenäenhalbinsel wenig wahrscheinlich 
ist. Aus Mangel an alten Belegen und wegen ungenügender 
Kenntnis der Ortsnamen kann ich die Frage nicht entscheiden. 
Jedenfalls aber hatte die Pyrenäenhalbinsel schon u, als sich das 
Judenspanisch loslöste, vgl. salonik. \ruta. 5 

Grofse lautliche Schwierigkeiten bereitet die Tatsache, dafs 
neben den erwähnten regelmäfsigen Formen von Süditalien und 
Altfrankreich weite Gebiete offenes o aufweisen. Ganz Mittel- und 
Oberitalien mit wenigen Ausnahmen, ferner Rätien, soweit sie dort 
überhaupt einheimisch, besitzen Formen wie grptta, krgtta, krgt m. 
Auf Korsika wird offenbar das alte, geschlossene g durch g ver- 



1 Mit Unrecht hält Gröber, ALLG. II, 442 sard. grutta als Lehnwort, 
weil er wie in septe, escriptu ein reguläres -pt- erwartet. Dafs es sich hier 
blofs um etymologisierende Schreibung handelt, zeigt z.B. altlogud. g ructa 
im Condaghe. Vgl. auch Meyer-Lübke, Ital. Gram. p. 128. Auch im 
Altkampidan. ist Assimilation die Regel, StR. IV, 214. 

2 In den Gegenden, wo vlt. p nur vor auslautendem -i und -u zu u wird, 
bildet grutte in Cerignola (AGIItal. XV, 86) und altneap. le grutte (De Rosa, 
15. Jh., Monaci, Crest. III, 555) eine Ausnahme. Sie läfst sich verstehen durch 
den Übergang des Substantivs aus der I. in die III. Deklination, wie er sich 
zeigt in Grotte f. sg. bei Petrocchi, in Orvieto la grotte (StFR. VII, 190) 
und in einem Text aus Chieti von 1418 (ZRPh. XXIII, 117): grocte f. sg., 
multy gructy f. pl., neben donzelly, figury usw. 

8 In der Nähe dieser Form verzeichnet der At. lg. unter „caverne" 204, 
P. 76: gro m., P. 78: grü m., merkwürdige Mischformen, die den alten Vokal 
von croute behalten und von le crot das Geschlecht übernommen haben oder 
noch eher nach Analogie zu benachbartem trou, creux, pertuis männlich ge- 
worden sind. Den Anlaut verdanken sie dem modernen Lehnwort. 

4 Vgl. Keller, Der Genferdialekt, Diss. Zürich 191 9, § 43. 

5 vgl. ZRPh. XXX, 141; feiner Meyer-Lübke, Rom. Gram. 1,30; 
Baist, Grundrisse 1,896. 



.35 

drängt; denn Falcucci gibt gröita und der At. lg. Corse, Karte 275, 
verzeichnet überwiegend grbtä, rata, neben grotä, rotä mehr im 
Innern. Auch nach AGlItal. XIV, 139 steht kors. grptta und auf- 
fall ender weise auch mqrta „Myrte" neben borsa. 

In Frankreich findet sich für die neben croiäe bestehende 
Maskulinform nie ein crout, wie etwa analog zu goßt << gustum, 
sourd < surdum zu erwarten wäre, sondern immer nur crqt. Darüber 
später vgl. p. 45. 

Angesichts des offenen Vokals auch in den ^-Formen kann 
dieser nicht blofs als Eigentümlichkeit des sich ausbreitenden Schrift- 
italienischen angesehen werden. Übrigens ist ital. grqtta selbst 
unklar. Eine Annahme von zwei verschiedenen vulgärlateinischen 
Grundlagen auch für den Tonvokal ist aus historischen und sprach- 
geographischen Gründen unmöglich. Wenn, wie Claussen op. cit. 
p. 864 annimmt, ital. grqtta auf ein vlt. *grota zurückgehen soll, 
so kann das für oberital. krqi(a), frz. crpt wegen des Anlautes, wie 
wir gesehen haben, unmöglich gelten. Die Entwicklung von griech. v 
bietet auch noch in anderen Wörtern ähnliche Schwierigkeiten. 
Unerklärt ist so noch ital. calptta «< xäXvüiXQü ; ital. mpj'a, afrz. 
muire, span. muera < (sal)muRIA < (äX)fiVQig ua. 1 Gesetz- 
mäfsigkeit ist keine abzuleiten, was auch Claussen bemerkt, da fast 
jedes der betreffenden Wörter ein Problem für sich darstellt. Zur 
Erklärung von grqtta könnte man mit Salvioni an Einflufs des 
Suffixes -ottu denken (StR. VI, 14). Das könnte auch gelten für 
ca/qtta, lotta < LUCTA, gqtto < GUTTU. Pieri schreibt die Öffnung 
des Vokals dem Einflufs des folgenden Labials zu wie in cqppa, 
scettro usw. (AGlItal. XV, 473). 

Möglicherweise ist der Tonvokal in grptta von andern Wörtern 
beeinflufst worden. Für Frankreich glaube ich das im Folgenden 
nachweisen zu können. In Oberitalien fällt unser Wort, wie wir 
schon gesehen haben, mit dem Adjektiv „kränklich" usw. zusammen, 
vgl. p. 32, n. 2. Die Bedeutungen dieser Sippe liegen allerdings für 
crypta weit ab. Begrifflich näher stehen aber dort eine Reihe 
von ähnlich auslautenden Geländeausdrücken, deren q z. B. in 
häufigen Verbindungen wie im frz. crots et bosses, vgl. p. 44, auf 
unser Wort abgefärbt haben können. Folgende Wortsippen können 
entweder begrifflich einen Gegensatz bilden oder sich decken mit 
crypta als Geländeausdruck : 

mqt, mqtta „Haufen, Hügel, Abhang", bpt, bqtta „gewisses 
Quantum von etwas, Haufen, Hügel, Höcker, Auswuchs; Stofs; 
Kröte", ciqt, ciptta „Astknorren, Baumstumpf; Kotklumpen; Kiesel- 
stein", zqt, zqtta (tess.) = zpc, zpcca (tess., kom., mail.) „Einsenkung, 
Mulde", fqp, fpppa „Einsenkung, Mulde", fqs, fqssa „Einsenkung, 
Mulde". 



. l Meyer -Lübke, Rom. Gram. I, 138; Ital. Gram. 15; Einführung" 1 
112; Grandgent, Lat.volg. § 187; Wiese, AU. El. 27. 



36 



II. Teil : Wortgeschichte. 

A. CRYPTA im Altertum. 

a) Im Griechischen. 

XQVJtTT] (eigentlich Verbaladjektiv zu xqvjttsiv „verbergen") 
bedeutet „verdeckter Ort oder Gang, unterirdisches Behältnis, Ge- 
wölbe" (Passow, Pape; der Thes. gibt die Betonung xqvjit?}). 

Dem überwiegenden griechischen Kultureinfiufs und besonders 
der Sprache der gräzisierenden Bautechnik wird es zuzuschreiben 
sein, wenn das Wort vom Verb und seiner Bedeutung losgelöst 
als substantivischer Fremdkörper in die lateinische Sprache überging. 

b) Im Lateinischen. 

crypta hatte nach dem Thesaurus folgende Bedeutungen: 

i. via vel ambulatio tecta aedibus addita. 

2. via tecta subterranea. 

3. via qua per montem perfossum itur. 

4. cloaca. 

5. spelunca, antrum. 

6. cellarium, apotheca. 

7. stabulum. 

8. de adytis templorum vel aliis sacris locis, sepulcris sim. 
sub terra factis. 

Seit dem ersten Jahrhundert vor Christus rindet sich das Wort 
in der lateinischen Literatur, zuerst in der Bedeutung 1. bei 
M. Terentius Varro und = 6. bei Vitruv; Inschriften und Glossen 
enthalten es relativ häufig, ferner Seneca, Petron, Juvenal, Sueton 
und die christlichen Schriftsteller der späteren Kaiserzeit, hier be- 
sonders in den Bedeutungen 8., 7. und 5. Bis zum 4. Jh. erfreute 
sich crypta einer ansehnlichen Verbreitung : laut erhaltenen Belegen 
erstreckte es sich von Spanien, Südfrankreich, über ganz Italien 
bis nach Ungarn und Siebenbürgen. 

Jetzt schon sei darauf aufmerksam gemacht, dafs crypta relativ 
erst spät als Geländeausdruck auftaucht. Darum folgt es in unserer 
Darstellung erst an zweiter Stelle. 

B. Das lateinische Wort als Bautenbezeichnung 
im Romanischen. 

a) crypta als Profanbaute. 

1. Korridor: Die crypta war in erster Linie jener Teil des 
Hauses, in dem sich die Griechen und Römer zu „verbergen" 
pflegten, sei es, um sich vor der Unbill der Witterung zu schützen, 
sei es, um der Hitze des Tages zu entfliehen. Es war eine lange, 



37 

enge Galerie ebener Erde, die von beiden Seiten mit Mauern ein- 
geschlossen war und das Licht durch Fensterreihen erhielt. Diese 
Art Kreuzgang oder Korridor war gewöhnlich als Seitenbau den 
Villen der Vornehmen, Tempeln, Prätorianerkasernen angefügt oder 
stand in Verbindung mit Gartenanlagen. 1 Der gleiche Raum wurde 
auch cryptoporticus geheifsen. Nach pompejanischen Inschriften zu 
schliefsen, hiefsen die nur durch Türen erleuchteten Gänge, welche 
rings unter den Sitzreihen der Theater und Amphitheater sich hin- 
zogen, ebenfalls c7-yptae. Nach Momrasen sollen sich hier die 
Gladiatoren unter Aufsicht des cryptarius im Fechten geübt haben. 
Mit der veränderten Bauart ist das Wort in dieser Verwendung 
verschwunden. Ein schwacher Üben est dieser antiken Tradition 
steckt aber noch in neap. grotta „viale coperto da alberi potati a 
modo da far volta e a dare ombra fitta, pergola" (D' Ambra). 

2. Unterirdischer Gang: s. Abschnitt p. 56, 2. 

3. Tunnel: Als Beispiel eines durch den Berg gehauenen 
Tunnels "war im Altertum besonders die crypta Neapolitana 2 berühmt, 
eine mehrere hundert Meter lange, wahrscheinlich unter Augustus 
durchbrochene Galerie, welche Neapel mit Baia verbindet, noch 
heute als Grotta di Posilipo eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Mit 
diesem Gebrauch des Wortes steht heute noch im Zusammenhang 
abruzz. grotte, rotte „via praticata immezzo alla neve" (Finamore). 

4. Kloake: Als solche werden im Altertum besonders die 
cryptae Suburrae genannt. Dazu könnte man das allerdings ver- 
einzelte krota „rigole au milieu de l'ecurie" in Champery (Gl) 
stellen. Aber Beweise eines sachlichen Zusammenhangs fehlen. 
Diese letztere Verwendung hat sich wohl eher aus der Bedeutung 
..creux, trou, fosse 1 ' entwickelt wie genferisch krota vgl. p. 70. 

5. Vorratsraum: Vorratsräume können je nach der Kultur- 
stufe der Bevölkerung und nach der Bodenbeschaffenheit und dem 
Klima des Landes entweder ganz oder teilweise über der Erde 
gebaut oder in diese eingegraben sein. 

a) Vorratsgebäude, Keller, Gewölbe. 

Die zur Aufbewahrung von Vorräten dienenden Räume, welche 
die Römer cryptae hiefsen, waren, soviel wir wissen, besonders ge- 
schlossene Gänge, die rings um die innern Hofräume der Villen 
liefen, oder auch kellerartige, ausgebaute Gewölbe überhaupt. Wie 
weit dieselben unterirdisch waren, können wir nicht sicher fest- 
stellen. 3 



1 Pauly-Wissowa, Realenzyklopädie IV, 1732. 

2 Vgl. Miller, Itineraria Romana, col. 350. 

3 Vgl. Thesaurus; Saalfeld, Tkes. Italograecns, Wien 1884; Pauly- 
Wissowa 1. c. ; Kraus, Realenzyklopädie der christl. Altertümer, Freiburg i. B. 
1886, II, 257—8. 



38 

Die romanischen Sprachen, besonders Frankreich, haben crypta 
im Sinne von „Gewölbe, Kelier" in ziemlich weitem Umfang er- 
halten. Die an sich leicht denkbare Annahme, diese Verwendung 
sei so zu erklären, dafs der Name der kirchlichen Krypte erst 
sekundär auf die Gewölbe bürgerlicher Bauten ausgedehnt worden 
sei, ist abzuweisen. Die Phonetik lehrt uns, dafs in Frankreich das 
Wort direkt auf die lateinische Basis zurückgeht, also hier älter ist 
als der Kryptenbau. Ferner zeigen auch die Belege des Thesaurus 
die grofse und frühe Verbreitung des Wortes, und gerade in der 
Bedeutung von „Keller" tritt crypta in den ältesten lateinischen 
Texten und inschriftlich sogar in der volkstümlichen Art crupta 
auf. Es ist natürlich, dafs im Laufe des Mittelalters sich dann die 
Vorstellung des unterirdischen Kellergewölbes mit der der Krypte 
vermischte, sodafs wir in vielen alten Textstellen nicht entscheiden 
können, ob von einem kirchlichen oder bürgerlichen Bau die Rede 
sei. Nichtsdestoweniger dürfen wir in folgenden Belegen, in welchen 
der Raum deutlich Zwecken des zivilen Lebens dient, Fortsetzer 
der lateinischen Tradition erblicken. Italien: a. 996 in Rom: 
„Concedimus . . . ecclesiam . . . cum terris vineis et criptis et 
casale de Tertio et prata Papi" (Mon. Germ. Hist., Dipl. Imp. Germ. 
II, 621). Altbares, cruptas „sotterranei" (Nitti). Du Cange: Greg. 
Monach. Chron. Farfens.: „Recepit ab eis curtem et domum cum 
puteo aquae vivae et majori cripta post eam sinino opere cooperta 
sicut a parete antiquo circumdata videbatur". Frankreich: Hist. 
Avenion.: „exceptis grota et duabus apothecis desuper". a. 1157 
Gariellum in episc. Magalon. (bei Montpellier): „in crota turris 
majoris". a. 1228 Chart. S. Vict. Massil. : „. . . exaltationem prae- 
dictae crotae turris vestrae". Girard de Roussillon, Appel, Provenz. 
Chrest. : 

v. 64 „Escuder vant cercant crotes (Keller, Gewölbe) e cros, 

N'i remant cruiz ni chasse, gone ne fros, 

Ne bons pailes rodas, dras vielz ne nos. 

aber kirchlich: 

v. 78 Escuder sirvent, gent garce et gloute, 

Ne laissent a robar autar ni croute (Krypte)." 

Aprov. crota „ciypte, cave" (Levy, Petit dict. prov.) ; prov. croto 
„crypte; souterrain voüte, voüte; cave" (Mistral). In einer alten 
Schilderung des Schlosses Voiron (Dauphine) bedeutet nach Charbot 
crota „souterrain". Ebenso bei Froissart III, 23 croute. Noch heute 
bei Jouancoux, Patois Picard: creute „crypte, souterrain". Hier sei 
auch eine Stelle aus Aiol et Mirabel, ed. Förster erwähnt: 

v. 10188 „Che fu a Pentecouste, a une feste haute, 

Tims' ist del moustier et dame Aie la sage. 
Aiols l'en araisone, qui de parier se haste, 
En un consel l'apele en une croute gaste . . . 
A tant en sont monte ens el palais plus grant. 



39 

v. 10851 Mirabel ont iete de la cartre perine 

Et on fait uue cronte desous tere vautie, 
Illuec le tont garder par mout grant signorie. 

v. 10914 Issent fors de la cartre Floquipasse et Propises, 
Mirabel amenerent de la croute vautie." 

Es ist klar, dafs es sich hier weder um eine „Grotte" noch 
um eine ..Gruft" handelt, wie Förster ungenau glossiert, sondern 
in der ersten Stelle um irgend ein „Gewölbe" ; in der zweiten ist 
die Bedeutung „Gefängnisgewölbe" ganz fraglos. In diesem letzten 
Sinne begegnet besonders häufig eine Ableitung. 

Ableitungen. 

Du Gange: Nimes: „. . . crotonum, cameram . . . quae erat ante 
carcer". Godefroy: croton „cachot". Girard de Roussillon: „En 
la chambre qui es volte, tres lo Crohns". Aprov. croton „caveau, 
crypte" (Levy, Petit dict. prov.). Prov. croutoic(n) „caveau, cachot" 
(Mistral). Häufig belegt Godefroy das Wort noch im 16. Jh. und 
vereinzelt im 17. Jh. Heute lebt croton als „cachot, prison mili- 
taire" noch in Savoyen (Fenouillet, Constantin-Desormaux), in der 
Dauphine (Charbot), der Westschweiz (Gl), im Piemont (Ponza), in 
Aosta (Cerlogne), Monferrino (Ferraro) und Genua (Casaccia); d. h. 
in Gegenden, wo es direkt mit dem meist noch lebendigen, ein- 
heimischen krota „Kellergewölbe" zusammenhängt. 

Folgende Ableitungen haben in ihrer Entstehung die Vor- 
stellung der gewölbten Decke der crypta in den Vordergrund ge- 
rückt: Wie prov. croto neben „Krypte, Keller 1 ' auch „Gewölbe" im 
allgemeinen bedeutet, so gelegentlich in der Westschweiz und in 
Aosta crotta, dazu hier das Verb crottJ = „voüter" ; auch in Lalle 
(H tes -Alpes) crotta „voüte", descrontar „briser les voütes" (Martin). 
Schon Du Cange hat crota/us „concameratus, voüte" : Tab. S. Vict. 
Massil. : „pro reparatione . . . cainerae crotatae ac pavimentatae'* ; 
ib. a. 1337: „cameras crotatas". Godefroy: a. 1495 Reims: „la 
chapelle . . ne fut jamais parfaite, car il n'y a de croste synon le 
cueur". Noch ganz deutlich lebt die Vorstellung des Gewölbebogens 
in Brescia: crota ..volta di ponte" (Melchiori). Hierher gehört auch 
in Mantua grota „seno formato da un'acqua corrente" (Arrivabene) 
und Godefroys crot m. „anse d'une riviere" z. B. „en Saine et dedenz 
le crot de l'Eure". Vgl. dazu auch portg. grota „Flufsarm". 

Nach diesem Exkurs kehren wir zu crypta „Keller" zurück 
und wenden uns im besonderen den Alpengebieten zu. Im Franko- 
provenzalischen ist krota „cave, cave voüt6e" bodenständig. Es 
ist in der Westschweiz noch weit verbreitet. Die deutschen Ober- 
walliser haben zur Bezeichnung eines gewölbten Kellers das eigene 
Wort mit dem fremden vermischt zu grotoyeler l und beweisen durch 

1 In St. Niklaus und Raron , entsprechend der käve ä krute in Rechy 
und dem entlehnten wötc = voüte im deutschen Inden, Kippel, Simpeln, 
Münster. Vgl. Ilunziker, Schweizer haus I, 191. 



40 

diese Entlehnung die alte Volkstümlichkeit des romanischen Wortes. 
Im Kt. Freiburg hat sich ein Spezialausdruck entwickelt: krota in 
Villars-sous-Mont „compartiment a ras du sol destine au foin" 
und in Gruyere, Chätel St-Denis „fond de la grange oü l'on met 
le foin" (Gl). 1 Der At. lg. verzeichnet auf Karte 203 „descendre 
dans la cave" für 29 Punkte CRYPTA-Forraen in den Dep. H tes - 
Alpes, B. -Alpes, Alpes-Marit, Var, Vaucluse, Bouches-du-Rhöne und 
in Italien. Im übrigen Frankreich herrscht in diesem Sinne das 
vordringende cave und im Süden cellier. Um ein vollständiges 
Bild vom Verhältnis von Wort und Sache zu haben, wäre es nötig, 
diese alpinen Kellerformen auch sachlich näher zu kennen. Wie 
die Sache besondern Lebensbedingungen und Landeseigentümlich- 
keiten sich anpafst, das Wort aber gleich bleibt, wird durch die 
oberitalienischen Formen illustriert. 

ß) Felsenkeller. 

In den Alpen hat man wohl immer unter Ausnützung des 
Geländes Vorratsräume mit Vorliebe an den natürlichen Felsen 
angelehnt und teilweise in diesen hinein auch künstliche Keller 
gehauen. Solche Keller entsprechen in ihrer Billigkeit und Solidität 
den einfachen Lebensverhältnissen der Alpenbewohner. Dazu bieten 
sie vor allem den grofsen Vorteil einer immer gleich bleibenden 
Temperatur. Diese Eigenschaft ist besonders in den weinbau- 
treibenden Gegenden am Alpenrand der Lombardei, des Tessins, 
des Piemonts von Bedeutung, da ähnliche Räume sich ausgezeichnet 
zur Aufbewahrung des Weines eignen. Lebensfreudige Weinlaub- 
poesie umschwebt hier, wohl seit zwei Jahrtausenden, den boden- 
ständigen Bund von Wort und Sache. 2 



1 Vgl. dazu die ähnlichen Bedeutungen von balma p. 16. 

2 Die berühmten Weinkeller von Chiavenna schildert Camp eil ein- 
gehend in seiner um 1572 vollendeten Raetiae Alpestris Topographica De- 
scriptio. App. IL Comitatus Clavennensis. Quellen zur Schweizergeschichte 
VII, 405 — 6, Basel 1884. Danach wurden dort die Keller unter überhängende 
Felsen gebaut und in den Stein eingehauen, „ubi ex cavernis sive foraminibus, 
quae inter compaetas petras patent, spiritus aestate frigidus, hieme autem calidus 
vel certe tepidus quidam sensibilis et tantum non palpabilis exhalat ... In eius- 
modi itaque cellis promptuariis aestate quis non diu, imo vix semihoram haerere 
potuerit, quin frigore coneutiatur, et vina quae condita ibi servantur, quo major 
ferverit foris aestus, eo frigidiora quin et gelidiora sunt, et rursus in bruma 
hoc tepidiora, (mirum dictu) quo rigidius foris gelu saevierit. Has . . . Italice 
vocant „le crotte", id est cryptas, propter specus. utique illas auras expirantes; 
Raeti dicerent „ilgs cuvels", Germani vero „die Klüft u . — Die deutsch- 
schweizerischen Naturforscher des 17. — 18. Jh. hiefsen die Höhlen Cryptae 
Aeoliae oder Aeolicae, entsprechend ihrem volkstümlichen Windlöcher, Luft- 
löcher. Ähnliche romanische Bezeichnungen sind mir nicht bekannt. Der 
Zürcher J. J. Wagner sagt von ihnen in seiner 1680 erschienenen Historia 
naturalis Helvetiae curiosa, p. 40 — 41 „cavernae Alpium sunt, ex quibus 
ventus continuo spirat . . . Hominibus älpestribus in more positum est, ut ad 
cryptas has Aeolias cellas suas lacteas aedificent, maximo cum suo emolumento ; 
quo nempe in iis, tanquam in locis frigidis ob spiracula haec perpetua lac 
conservetur, ne statim acescat aut coaguletur". Über die Weinkeller von 



. 4 1 

Piem. crbta „cantina, canova" (San t' Albino). Usseglio krota 
„cantina", krot nome loa (AGIItal. XVII, 334). Val Soana krota 
„cantina" (RJLorab. XXXIII, 1047). Aosta crotta di vin „cave du 
vin" (Cerlogne). Valses. crotta „cantina, sotterraneo dove si con- 
serva il vino = truna" (Tonetti). Castellinaldo krutin „lunga grotta 
discendente in piena terra nella parte posteriore della cantina" 
(Toppino). Mail, crott, grotfon da vin „cantina nel masso (Cherubini). 
Komask. erat „cella vinaria, cava fatta nel vivo masso d'un monte 
per tenervi le botti del vino. Cosi chiamasi anche ogni cantina 
che ha la volta a sesto di pietra. Sono celebri nel comasco i 
,crotti ( di Mendrisio, di Caprino, di Moltrasio, e piu ancora quelli 
di Chiavenna. 1252: fra Croto. \ibz\ Croti" (Monti). 

Zu diesen Formen stellen sich die Ortsnamen wie Orot, Crotto, 
Crotti, Crotta, Grotta, Crotte, Croites in den Provinzen Turin, Novara 
und Como. 

Weiter ostwärts in Oberitalien und in den übrigen Teilen der 
Halbinsel, d. h. hauptsächlich im grotta- Gebiet, wo die jüngere 
Bedeutung „Höhle" siegte, tritt an Stelle von crypta „Weinkeller, 
Vorratsraum" das Wort canaba (M.-L., REW. 1566). 1 

In den bis jetzt besprochenen Fällen ist das Wort immer mit 
der Vorstellung eines festgefügten, meist gewölbten Raumes ver- 
bunden. Diese alte Tradition lebt, wie wir gesehen, heute noch 
in konservativen Teilen der Alpen und in Südfrankreich. Auf 
grofsen Gebieten haben aber schon lange andere Wörter wie cave, 
caveau, cellier, canaba dem alten crypta seine Bedeutung „Keller" 
entrissen. Während man diese modernen Benennungen für den 
gebauten Vorratsraum vorzog, sank crypta noch vor seinem 
völligen Schwinden aus diesem Bedeutungszusammenhang da und 
dort zur Bezeichnung der primitivsten Stufe eines Vorratsraumes 
herab. 

y) Grube, Loch. 

Du Cange gibt in einem altpiemontesischen Text crotta als 
„cavum, fossa". Stat. Saluciar. : „Statutum est quod qui fecerit 



Chiavenna, „quas Grotte appellant", macht Wagner die gleichen Angaben wie 
Campell und erwähnt dazu noch weitere derartige Bauten im Gebiet von 
Capolago am Luganersee. J. J. Sc h euchzer fügt in der Itineris alpini de- 
scriptio seeunda. Anno MDCCIII , London 1708, p. 32 — 33, zu den obigen 
neue Belege, gibt aber die ital. Bezeichnung Grotti. Ebenso G. Walser, 
Schweitzer •• Geographie \ Zürich 1770, p. LXXXV. Vgl, in diesem Zusammen- 
hang p. 95 — 96 die alte Schilderung der Weinkeller, cttbala % von Custozza, 
und endlich Anastasi, Vita Ticinese, Lugano 1911, p. 34. 

1 Bergam. erbt „grande cassa dove si ripone il grano; granajo" (Tiraboschi) 
und bresc. erbt „cassettino. Dicesi a quei ripostigli che si fanno talora dentro 
alle cassette o negli armadi", im Anhang „scaffale" (Melchiori) sind nach 
Salvioni, Rom. XLIIT, 577, zur Sippe CALATHUS zu stellen. Wie valvest., 
valcamon. klot < *klolt, so wäre aus derselben Basis durch Dissimilation ein 
*crolt entstanden. Dafs dieses dann zu crot wurde, mag neben der Beeinflussung 
durch klot vielleicht auch durch ein nicht mehr vorhandenes crot „Vorratsraum" 
begünstigt worden sein. 



foveam vel Crottam in viis publicis, . . . teneatur illam vel illud 
reaptare et implere". Nach den Materialien des Gl ist in Oron 
(Vd) crotta ein alter Ausdruck zur Bezeichnung eines sehr primitiven 
Kellerloches, das man unter den Brettern des Fufsbodens in die 
Erde gegraben hat, und in welches man durch ein Loch im Boden 
hinabsteigen kann. In Rossiniere (Vd) ist crotta „pas une grotte 
naturelle, mais un caveau enfonce et aussi un creux fait en terre 
pour y conserver le jardinage pendant l'hiver". Bei Dumur, Bride!, 
in Liddes (V) und der Beroche (N) bedeutet crotta „trou, fosse 
creusee dans la terre pour y conserver les cereales et les 16gumes 
pendant l'hiver"; in Blonay (Vd) ist es eine „Grube für den Käse". 
Diese Materialien, welche genaue Auskunft geben über den 
Wandel und vor allem auch über die Verwendung der Sache, sind 
uns ein Fingerzeig, dafs wir auf diesem Wege die Erklärung suchen 
müssen für die Entstehung der in Frankreich verbreiteten Maskulin- 
form crot in der allgemeinen Bedeutung „Loch, Grube". 

CROT s. m. 

Du Cange: crotum, gall. creux „fossa, lacuna, locus cavus". 
Chartes de Toisey (Ain) a. 1404: „juxta crotum vel foveam vocatam 
la Fosse". Nostris alias crot. Godefroy: crot s. m. „creux". Mace 
de la Chaiite, Bible: „le fit giter ou fons dou crot qui mout estoit 
parfons". a. 1372: „le suppliant et son compaignon prinrent en 
ung crot dedanz terre environ quatre sextiers de seigle". a. 1410: 
„le suppliant feist un crot oü une fosse et y enterrast et couvrist 
la vaiselle d'argent". Cote-d'Or a. 1419: „au dessus du crot dudit 
estang". Chretien de Troyes, Gral v. 6002: crot s. m. übersetzt 
Förster im Glossar mit „Höhle". 1 

Als „creux, trou en terre, fosse" findet sich crot s. m. in 
Savoyen (Fenouillet), La Bresse, Chaussin, Verduno-Chalonais ; im 
Centre: crot = cros, a. 1299: „Crot ou havre" (arret du Parlement 
de Paris), a. 1573 — 4: „crots qui estoient au pave des rues" 
(Bourges); ferner in Clairvaux: crot „petit trou dans la terre, petite 
fosse; en partic. le trou que l'on fait pour planter une pomme de 
terre, des haricots etc." Bei Mistral: crot (dans les Alpes) „apparte- 
ment voüte" ; crot, crouot (Rouergue) „creux, trou"; (dans les 
Landes) „fossette creusee au pied d'un pin pour recevoir la resine 
qui en decoule", ebenso nach Moureau in La Teste (Gironde). Laut 
At. lg. Karte 352 heifst „un creux" in Punkt 085 im Aostatal krot. 

Als Ortsnamen erscheint Crot, Crots allein oder in Zusammen- 
setzungen im Dep. Nievre 41 mal, Yonne 9 mal, Eure-et-Loir 6 mal, 
Aube 6 mal (Dict. top.) ; verschiedene Male im Kt. Waadt, vgl. unten 
p. 52, n. 9. Zusammensetzungen wie Crot-de-deux-Fosses , Crot-du- 
Sablon, Crot-au-Pain lassen hierher gehörigen Bedeutungsinhalt er- 



1 Es war mir nur der von Schülern Baist's besorgte Abdruck der Pariser 
Hs., f. fr. 794, zugänglich. Dort heifst es von einem häfslichen Fräulein 
,,Si oel estoient com dui croü u (zu lesen crot, im Reim mit ot). 



43 

kennen. Es kommen aber auch vor Crot-au-Renard, Crot-ä-/'Ai'g/e, 
Crot-au-Chouan, Crot-aux-Moims y was auf anderen Zusammenhang 
hinweist (Dict. top.). 

Ableitungen von crot „creux". 

Du Cange: croterium, ut crosum, gall. creux „excavationes quas 
fodiunt metallici ad eruendum e fodinis metallum". Dieser Mineur- 
ausdruck aus der Dauphine vom Jahre 1220 hat sich in den 
heutigen Dialekten nicht erhalten. 

Godefroy: crote „cave, creux, enfonce". Fable d'Ovide: „la 
bouche sanz denz, eux crotez et ou front dedenz". Vgl. oben bei 
Du Cange crotatus in anderm Sinne. 

Centre: crotter neben „fienter" auch „creuser, fouiller la terre, 
faire un trou". Dazu im Aostatal crote „voüter" ; in Iserables (V) 
crotä „tailler des marches (dans la glace)" (Gl). La Bresse, Clair- 
vaux, Fr.-Comte, Chätenois, At. lg. Karte 467 in den Dep. Ain, 
Savoie, H te -Savoie und in derWaadt: encrotter „enfouir (une b£te 
morte)", entsprechend unserem „verlochen". 

Troyes: crottot „fossette, petit trou" (Tarbe, Champ.). Verduno- 
Chalonais, Clairvaux: crotot „creux de la nuque". 1 Pierrecourt 
(H te -Saöne) : krcetäco m. „nuque et creux sur la nuque". 2 In der 
Westschweiz: crotet „petit creux", hie und da auch „fossette du 
menton", bei Dumur, Duret, Grangier, in Leysin, Rossiniere (Vd), 
Lessoc, Gruyeres, Granges (F), Dombresson (N) (Gl). Mistral: 
cro(u)tet „petit trou, reduit". Zu crot gehört vielleicht auch im 
Dep. Aisne, Arr. Vervins crutin „terre ou l'eau sejourne" (Brayer). 

An verschiedenen Punkten der Westschweiz (Lessoc, Gruyeres, 
Granges-de-Vesin [F]) ist crotet zugleich die Bezeichnung für die 
„Pockennarben". Damit kommen wir zu einer neuen, ziemlich ver- 
breiteten Bedeutungsgruppe unseres Wortes. Der alpine Spezial- 
ausdruck crotä in Iserables (V), welcher, wie die eben genannten 
Beispiele beweisen, sicher zu crypta gehört, heifst am gleichen 
Ort auch „greler la figure" ; von der „petite veröle" sagt man 
t erbte a pe „eile fait des creux dans la peau". Das Part. perf. 
dieses Verbs ist im Wallis noch erhalten als kroto , -aye f. 
„marque de la petite veröle" (Gl). Das Adjektiv crotn „blatter- 
narbig", ein Provinzialismus, welcher durch J. J. Rousseau in der 
neueren Literatur 3 bekanntgeworden ist, findet sich schon im 
16. Jh. bei Palissy 4 und heute noch in verschiedenen Dialekten, 
so in Savoyen und Lyon: crotu, -usa, in der Bresse und im Morvan: 
crotou, -onse „marque de la petite veröle; barbouille, sali, couvert 



1 Zaun er, Körperteile, RomF. XIV, 425, stellt diese Form fälschlich 
zu creux. Eine Reihe von Körperteilen wird mit unserm Wort bezeichnet. 

2 Vgl. ZRPh. XXXVIII, 177 und LBIGRPh. XXXV, 397. 

3 Nouv. H6Io'ise IV, 8: „Veux-tu que je coure baiser un visage noir et 
crotu u ? vgl. Francois, Les provincialismes de J.-J. Rousseau. Annales de 
la soc. J.-J. Rousseau III, 18, 41. 

4 „Apres cestuy, je vous empoignay la teste d'une croteuse femme d'un 
officier royal", vgl. Littre: crotu. 



44 

d'ordure". Diese letztere Bedeutung mag den Herausgeber des 
Dictionnaire General bestimmt haben, crottu von crotte, „fiente, 
boue" abzuleiten, während es Chambure eher zu crot „troii" stellen 
möchte. Ich glaube, beide haben Recht. Es können sich hier 
ganz gut zwei ähnliche Bedeutungen in derselben phonetischen 
Form vereinigt haben. Auch in der Westschweiz hat sich mit 
*cryptatum ein anderes Wort vermischt. Wenn in Lens (V), wo 
costa > couhe. und crusta > croh$ wird, „blatternarbig" kroha 
(Gl) heifst, so ist das ein deutliches Zeichen, dafs hier mit der 
Vorstellung „löcherig, uneben" die Vorstellung „krustig" zusammen- 
stöfst, eine semantische Konkurrenz, die anderswo nicht zum Bewufst- 
sein kommt, wo *cryptatum und *crustatum lautlich zusammen- 
fallen. Dafs in krohä crusta steckt, wird durch folgende Ausdrücke 
bestätigt: Lens (V) tera crohäyd „terre durcie ä la surface", Trient (V) 
tera crotaye, Lourtier (V) nay krdtäyp „neige croütee dont la sur- 
face est gelee". Andrerseits wird das Hineinspielen von crypta 
„Loch" doch auch gesichert durch krdta/a p. p. „marque de la 
petite veröle, crotu, grele", häufig in Waadt, Freiburg, Neuenburg; 
in Lessoc (F) „creuse", z. B. „votre plancher n'a pas mal de creux" : 
. . . rCe pä mo krotalä', in Chäteau-d'Oex, Etivaz (Vd) : an tsemun 
crotalä „chemin raboteux, plein de creux" (Gl). So sagt man auch 
in Clairvaux von einem unebenen, holprigen Gelände ce riast que 
crots et Bosses. Ähnliche stereotype Nebeneinanderstellung der Aus- 
drücke für Einsenkung und Erhebung zur Bezeichnung des unebenen 
Bodens ist gebräuchlich. 1 Nun ist es eine merkwürdige Tatsache, 
dafs bei Geländebezeichnung gelegentlich „hoch" und „tief" mit- 
einander verwechselt werden können. 2 Darum steckt gewifs auch 
crypta „Loch" im piem. grotola 3 „ronchio, nocchio, bernoccolo, 
bitorzolo" ; piem., valses. grolotii, castellinald. grutulü „ronchioso, 
nocchioso, ruvido, ineguale". Ausgegangen ist diese Entwicklung 



1 Im Bergell heifst man ein holpriges Gelände a zpk e rribt, vgl. Guarnerio, 
RJLomb. XLI, 407; im Engadin sagt man terrain be muots i fouras (E). 

2 Bünden: kqn „Erhebung, Hügel", aber in Flims „Vertiefung, längliche 
Einsenkung". Tessin: tscet „Mulde, Runse"; aber in Dalpe „Höcker, kleine 
Bodenerhebung in Wiesen" (E). Misox: kaürga „Vertiefung, Mulde" (E); 
Veltlin: „mucchio di sassi" (Monti). Oberlin, Ess. sur le pat. lorr. des env. 
de Ban-de-la- Roche, p. 188: colline „valleV. Afrz. terri.r „rempart fait en terre, 
tertre"; Centre: „tertre, colline"; aber nfrz. „trou que certains animaux creusent 
en terre pour s'y cacher". Südfrz., katal.: klapfijer, klapas „(Stein-)Haufen", 
aber arag. clapera „Unebenheit, Geleise", vgl. p. 50, n. I. Zum häufig gebrauchten 
Bild von umgestülpten Gefäfsen vgl. Bück, Fl-.N. p. 263: „Wanne f., häufig 
in ON, man mufs sich aber die Wanne wie die Becher, Näpfe usw., welche 
in Flurnamen vorkommen, stets umgestürzt vorstellen, wie sie auf dem 
Brette stehen, die Wanne an der Wand hängt, d. h. die Erhöhung, den Bauch 
des Gefäfses nach oben zu gerichtet. Wanne ist nicht Vertiefung, sondern sanft 
gewölbte Anhöhe". (Zum letzteren vgl. aber auch unten p. 49, n. 4). So wird 
auch im Kanton Glarus in der Sage vom Vrenelisgärtli die so geheifsene Berg- 
kuppe des Glärnisch als umgestülpter Alpkessel aufgefafst. Vgl. ferner die 
Schweiz. Bergnamen Napf, Pfannenstock, -stöckli, -stiel, Piz Padella u. a. 

3 Der in dieser Gegend in einer Ableitung von crypta auffallende stimm- 
hafte Anlaut ist wahrscheinlich unter Einfiufs von groppo „Knoten" entstanden. 



45 

wohl vom Oberbegriff „uneben", z. B. strä piena d'grotole „strada 
ineguale" (vgl. oben waadtl. tseman crotola) ; dann ist die Ver- 
wechslung von „Loch" und „Buckel" eingetreten. Endlich ist 
crypta „Loch" deutlich zu erkennen im Verb von Rossiniere (Vd) : 
krbtolä "faire de petits creux; se dit des vaches qui en foulant 
un pre humide l'ont rempli de petits creux". 

Wie ist in Frankreich die männliche Form entstanden, und 
wie alt ist sie? Die alten Belege, welche der Dict. top. für die 
heutigen Ortsnamen anführt, weisen sie schon in einer sehr frühen 
Zeit nach: Eure-et-Loir: Les Bui'ssons (bei der foret de Crotais, 
a. 1 185 Foresta Crotensis) hiefs a. 1080 Crotum; Yonne: Les Crou- 
teaux, a. 864 Creptum (sie). Die literarischen Belege werden erst 
mit dem 14. Jh. häufiger, \ereinzelt erscheint crot schon bei 
Chretien de Troyes vgl. p. 42. 

Bei diesem hohen Alter der Spaltung in zwei Geschlechter 
könnte man zunächst an eine morphologische Erklärung denken. 
Wie man im» Altfranzösischen noch Reste des Neutr. pl. kannte, 
z. B. arme < arma, carre < carra, deie, doie < *digita, und dort 
aueh Doppelformen nebeneinander lebten wie braz, bras < bracchium 
neben brace < bracchia, cor < cornu neben corne < cornua, 
grain < granum neben grame << grana, so hätte man in frühester 
Zeit crypta als Kollektivbezeichnung vielleicht für Vorratsgebäude 
auffassen können ; danach wäre dann analog ein *cryptum gebildet 
worden, womit man vielleicht die einzelne primitive Grube, das 
Loch bezeichnet hätte. Im Prinzip wäre eine solche Erklärung 
möglich. 1 Da uns aber dazu die semantischen Belege fehlen, bleibt 
sie eine Vermutung. Vor allem ist diese Ableitung lautlich un- 
genügend: sie erklärt die Öffnung des Tonvokals nicht. 

Eine andere Lösung scheint daher wahrscheinlicher. Wie wir 
schon im phonetischen Teil gesehen, steht auffallend erweise neben 
regelmäfsigem la croute im Altfranzösischen und in Ortsnamen nie 
ein entsprechendes le er out, sondern immer nur le crot. Bei der 
völligen semantischen Zusammengehörigkeit v/ird man crot nicht von 
crypta trennen dürfen. Die lautliche Unregelmäfsigkeit weist aber 
offenbar auf den Einflufs eines andern Wortes hin. Welches ist dieses 
Wort? Viele Wörterbücher wollen einen Zusammenhang mit *crosum 
> creux sehen, das offenbar an vielen Orten gleich oder ähnlich lautet. 
Ein Ortsname im Dep. Eure, geschrieben Croth, a. 1104 Crotensis 
silva, a. 1060 Chroius, a. 1050 Gros (Dict. top.), könnte allenfalls 
zur Verteidigung dieser Ansicht herbeigezogen werden. 2 Im 

1 Ähnliche Doppelformen bieten in den Alpen crista und *CRISTUM, 
Cingula und Cingulum usw., wobei die weibliche Form allgemein , die 
männliche nur speziell als Gelände bezeichnung vorkommt. Im Ital. haben wir 
ja auch Doppelformen wie mot-motta, balz-balza, dirupo-rupe, sprüg-sprüga; 
oberit. krot-krota u. tosk. grotto-grotta würden also morphologisch entsprechen. 
— Auch Keller, Genfer dialekt p. 171, vermutet in kro(t) *CRUPTU nach- 
träglich eine männliche Rückbildung zu krqta CRUPTA. 

2 An eine Kreuzung creux -\- krota denkt zunächst auch Keller, 
Genferdialekt, p. 90, n. 17. 



46 

folgenden Abschnitt soll der Nachweis versucht werden, dafs das 
Wort le cht hi^r entscheidend in das Schicksal von crypta ein- 
gegriffen hat. 

CLOT s. m. 

Wer die Bedeutungen dieses Wortes untersucht, dem mufs 
sofort ihre Ähnlichkeit mit denen von crot auffallen. Wie vielseitig 
und wie eng der semantische Kontakt zwischen diesen beiden 
Wörtern ist, soll durch folgende Nebeneinanderstellung gezeigt 
werden : 

I. Clot. 

a) allgemein: 

Neben crot „Grube, Loch" : 

Du Cange: clotum (unter dolus) „cavea" a. 1052, Tab. S. Vict. 
Massil. : „de vallono . . . usque ad finera clotum Mantelli". Levy, 
Prov. Suppl. Wb.: clot „Höhlung, Hohlraum". Donats proens. clotz, 
glotz „locus cavus". Riscles (Gers): „ab deu clot qui l'ayga abe 
feyt en lo cami". Leys I, 218: „Ades ve le diables . . . l'arma vol 
al clof u (= „Hölle"). Levy, Petit dict. prov.: clot „creux, cavite; 
fosse oü le fondeur enterre le moule". Mistral: clot, dos (langued.), 
crot (gase.) „creux, cavite, enfoncement". Ducht Farn. Namen. 
Verrier-Onillon, Anjou : clot^ „trou". At. lg. Karte 352 (Wallis, 
Pyrenees-Or., Ariege, Gers, Lot-et-Garonne, Vendet>) : ktöt, klot 
„creux" und Karte 1336 „trou" im P. 478 (De de Noirmouüer, 
Vendee). Im Wallis in Gröne: klot', Evolene, Vernamiege, Lens: 
kiot; Nendaz: yio „fosse, creux" (Gl). 1 Labernia, Katal. : clot „con- 
cavitat que's fa en algunas superficies". Aguilo, altkatal. : döt 
„hoyo". Bull. dial. catal. III, 1 5 (19 15): klot „forat a terra, fossa". 
Du Cange, Aragon.: clot „latrina". „Quod habeat . . . facere in 
dieta domo unum clot sive foramen in quo possit solvere tributa 
ventris naturalia et per quod foramen exeant illa fetida". 

b) Spezialbedeutungen: 

1. Neben crotta „Grube für Feldfrüchte": 

Grone(V): klot „creux oü Ton enfouit les legumes en hiver". 
Vernamiege (V) : klot dei pometa „creux oü Ton met les pommes de 
terre" (Gl). 

2. Neben crot „Loch zum Anpflanzen" : 

Vernamiege (V): klot „creux dans une plantation" (Gl). Mistral: 
clot „petit creux fait dans la terre pour semer les graines en touffes". 
Labernia, katal.: -clot „lo que's fa pera plantar arbres". clotar „fer 
colgats" = Rebenschösslinge in den Boden setzen. 

3. Neben crot „Harzgrübchen" : 



1 Vgl. hier auch die von Förster im Glossar zu Chretien zitierte Variante 
clot zu crot(i) m. „Höhle" im Gral v. 6002. 



47 

Motivier, Landais: cht „trou, äuge, recipient; plaie au pied du 
pin resine ou geram6, et destine a recevoir Ia resine molle". 

4. Bezeichnungen von Körperteilen; neben crotet „Nacken- 
gnibe, Kinngrübchen" : 

Aguilo, alikatal. : cht del cupA Im Wallis in Nendaz: yjö 
„fos.sette chez une personne grasse" ; Vernamiege, Mage, Evolene: 
ktot (Je la fonta?ieta), ktotet „creux de l'estomac" ; Vissoye: kiotet 
„aisselle" ; Grimentz : klote dou zonoly, . . . de oourely ; Vissoye : Hot 
„paume de la main" (Gl). At. lg. Karte 980 (Waadt, Tarn-et- 
Garonne, Roussillon) : klot „paume (de la main)". 

5. Neben kroto, krotala, crotiu usw. „blatternarbig" : 

Miege: klot „la claveiee = „Schafpocken". Grone, Vernamiege, 
Mage, Evolene (V): kiotelä „qui a des creux (terrain), marque de 
petite veröle (visage)" (Gl). Katal. Wb., ed. 1839; cht „concavitat 
con los senyals que dexa la verola". Aguilo, altkatal.: chtut\ „cara 
pelada y clotuda; tot gratant-se la clotuda galta" (Febre d'Or.). 

6. Neben krotala „mit den Füfsen Löcher in den Boden 
treten, von Kühen" : 

lle d'Elle (Vendee): c'flos „trou laisse par le pas d'un animal" 
(Rl'hFr. II, 11 1). Labernia, katal: cht „lo que fä algun animal 
quant rasca". 

7. Neben crot im Kinderspiel mit Kugeln (Fenouiüet, Savoie): 
Mistral, katal. jougä au cht „jouer ä la fossette". Labernia, 

katal.: cht „cavitat petita y rodona que fan los noys en terra pera 
jugarhi, tirand a feri ficar las balas, los diners 6 altras cosas sem- 
blants" = chtxa, cloxeta. 

8. Neben krota „rigole" : 

At. lg. Karte 1649 (P. 684 Dep. Landes): klot „orniere". 
Labernia, katal. : cht „lo que fan los carruatges y caballerias en 
los carrers y camins". 

II. Clota. 

Neben crota „Gewölbe" : 

Du Cange: clota „arcus, fornix, locus concameratus" ; Nimes 
a. 1358: chlas; 1387: Clotes. Levy, Petit dict. prov.: clpta „creux 
dans la terre, fosse ; cave ; crypte". Mistral: cloto, cloueto (mars.) 
„fosse, cave; grand reservoir = croto; depression; pente". Orts- 
name und Fam.Name: La Chtte. Aguilo, altkatal.: clota = clot 
gran, in kollektivem Sinn. Name: Clotes. 



1 Vgl. De Montoliu, Bull. dial. catal. 111,43: katal. clatell „darrera 
del cap". De M. bekämpft die Ansicht Taligrens, der in den Neuphilolog. 
Mitteilungen 1912, p. 169 clotell auf Mallorca von clot herleitet. De M. be- 
zweifelt die semantische Richtigkeit, da überzeugende Beweise fehlten. Er 
geht vom Stamm *COT aus, der in span. cogote und aprov. cogotz (vgl. M.-L., 
REW. ; ctjcutium) steckt, und vermutet eine Entwicklung cogot ^> *cogotell 
> *cootell > *cotell ^> clotell unter Einflufs von clot. Das a in clatell bleibt 
unerklärt. Wie unnötig diese erzwungene Ableitung und wie richtig diejenige 
Taligrens ist, wird unser Material genügend beweisen. 



4 8 

III. Ableitungen. 

1. Neben croton „Gewölbe, Gefängnis": 

Du Cange: clotonus „locus subterraneus et concameratus" ; 
Nimes a. 1334. Mistral: cloutou(n) „caveau". 

2. Neben crotet „Grübchen" {ktotet Oberwallis vgl. p. 52): 
Mistral: cloutet, clouteto s. f. „petit creux, fossette; petit plateau". 

Katal.: clotet id., Fam.Name: Clotet. 

3. Neben crote „ausgehöhlt" : 

Anjou: clote (vom Brot, veraltet) „bien leve, perce de nombreux 
trous". Touraine: pain clotte „pain bien leve" (Rom. 1,90). Mistral: 
cloutu(t) -udo „creux, concave". 

4. Neben crotter „aushöhlen": 

Mistral: cloutä, cloussä „former un creux; rendre concave, 
voüter" = croutä. 

5. Neben encrotter „verlochen" : 

Katal.: enclotarse „enfonsarse en lo mataläs", vgl. clot de litt. 
Mistral: encloutä, engloulä (langued.), enclouii „rendre concave, appro- 
fondir; enfoncer, enterrer; bossuer". Limous. encloutir „s'enfermer 
dans son terrier, sa taniere". 1 Frz. enclotir „entrer dans son terrier" ; 
als Jagdausdruck aus dem Provenz. eingewandert. Anjou : (se) clotir 
„se cacher (dans la taniere)". 

6. Neben krota „ravin, combe" vgl. p. 70. 

Katal.: clotada „l'espay de terreno fondo ; la que esta entre 
dos muntanyas; lat. convallis, vallis". enclotat adj, „dit del terreno 
pla circuhit de alturas = profundus". Mistral: engl-, encloutaduro 
„depression, renfoncement ; bosse faite a un chapeau, ä un objet 
de metal etc." 

Bei einer derartigen Übereinstimmung beider Wörter kann es 
keine Frage sein, dafs clot enge Beziehungen mit crypta verbinden. 
Einige Bedeutungen sind immerhin nur clot eigen. 

Begrifflich auffallend sind folgende Formen der Westalpen: 
Chabrand-De Rochas, Alpes Cott.: clot s. m. „terrain horizontal sur 
les flancs ou le faite de la montagne = plan, plateau" 2 ; adj. = plat, 
couch6 sur le dos ä plat". Mistral: c/ouet, -0 adj. (mars.) „piain, 
horizontal, uni; ä plat". Martin, Lalle (H tes - Alpes) : clot „surface 
horizontale" ; accloutir, accloutar „aplanir" ; encloutar „cabosser" (vgl. 
oben prov. encloutä „rendre concave, bossuer") und desacloutar „faire 
perdre l'equilibre d'un vase ou d'une lanze". At. lg. Karte 1029 
„plateau" klöt P. 887, 889 (B.-Alpes). 



1 Laborde, Lexique limousin d'apres les ceuvres de Joseph Roux, 1895. 
* Vgl. dazu in Rossiniire (Vd) crotet „petit creux; petit replat au bas 
d'une cote, d'une pente" (Gl). 



49 

Leichter verständlich ist, wenn das Wort, das doch allgemein 
„Loch" bedeutet, auch zur Bezeichnung eines Wassertümpels dient, 
da nach dem At. lg. auf der Karte 162 1 B „mare" * neben klot 
an 19 und klpio an 3 Punkten häufige Benennungen wie creux, 
fosse, käbd vorkommen. Bei Mistral heifst clot auch „flaque d'eau" 
(Bearn.) und bei Labernia „los sots o tolls que's fan quant plou" 
stagnum, und enclotarse „detenirse l'avgua en algun Hoch fondo" 
stagnarsi. Nach Favre, Poitou existiert in La Reveillere-Lepaux 
(Montaigu, Vendee) ein cliot s. m. "petit trou oü il y a de l'eau". 

Über das Alter des Wortes clot sind wir mangelhaft unter- 
richtet. Die mir zur Verfügung stehenden Ortsnamenbelege reichen 
bis ins 13. Jh. zurück und werden vom 14. Jh. an häufig. Daneben 
erinnere ich an den Beleg im Donat proensal aus dem 12. bis 
13. Jh., besonders aber an die Stelle aus Du Cange vom Jahre 1052 
„usque ad finem clotum Mantelli" in Marseille. 

Herkunft von clot. 

Woher stammt das Wort clot ? Zur Beantwortung dieser Frage 
bieten sich drei Möglichkeiten. 

Zwei Autoren haben das Wort bereits als ein Kreuzungs- 
produkt erklärt. Nach Meyer-Lübke wäre es entstanden aus 
crypta -f clausum. Man könnte sich bei dieser Annahme auf 
die von Mistral angegebene Nebenform dos 2 im Languedoc stützen. 
Aber aus den vielen Bedeutungen des Wortes ist nirgends ein 
sicherer Zusammenhang mit clausum ersichtlich. 3 

Die von Schuchardt, 1. c, vorgeschlagene Kreuzung clot < 
crypta + Cochlea würde semantisch besser passen. Der Name 
von Gefäfsen wird häufig zur Bezeichnung einer Vertiefung des 
Erdbodens verwendet. 4 



1 Vgl. dazu auch At. lg. Karte 3 „ä l'abreuvoir"; Karte 755 „lavoir, 
endroit oü on lave"; Karte 1285 B „fosse ä furnier". Vgl. mit obigem clot- 
Formen auch crutin p. 43. 

2 Vgl. hingegen Schuchardt, Wien. Sitz.-Ber. CXLI, III, 189: dos < 
*clocia < COCHLEA. 

3 Clausum steckt aber gewifs in dem afrz. clotet s. m. „On donnait 
pendant le XIII e, XIV e et XV e siecle le nom de clotets ä des clotures de 
bois que Ton 6tablissait ordinairement dans les grandes salles des chäteaux 
pour garantir contre le vent un lit ou seulement une partie de ces vastes 
pieces. Ce mot s'entend aussi comme petite chambre, cabinet, r£duit ... On 
appelait encore les paravents mobiles des clotets" ', Viollet-le-Duc, Dict. 
raisonne de Varchitecture frangaise du Xle au XVI e s., Paris 1866 — 69, 
III, 459 ; ib. VI, 350 unter „Menuiserie" in einer Beschreibung der Holzgitter 
und Getäfel: „En hiver, des tapisseries etaient suspendues ä ces claires-voies, en 
et6, elles restaient ä jour. Ces divisions mobiles, appelees clotets, Etaient souvent 
fort richement decor^es". Für Godefroys Bedeutung „creux, enfoncement" liefern 
seine Belege keinen Beweis. Mit dem mir zu Gebote stehenden Material kann 
ich nicht entscheiden, ob im afrz. clotet eine Verbindung von CRYPTA + CLAUSUM 
zu suchen sei, oder ob man darin einfach eine Ableitung von CLAUSUM zu er- 
blicken habe analog zu frz. clöture und den frz. Ortsnamen wie Cloterie, Cloteau, 
Clotz'n, Clote'e neben viel häufigem Clos, Closerie, Closel, Clossin, Closee. 

4 Dafür einige Beispiele aus dem Gebiet der romanischen Schweizeralpen: 
für „Einsenkung, Mulde im Gelände" : concha : vgl. Schneller, ON II, 47 — 8, 



5o 

Man könnte auch daran denken, auf phonetischem Wege 
cht über clotta direkt von crypta abzuleiten. Nach den gegen- 
wärtig bekannten Lautregeln ist eine solche Annahme zwar aufser- 
gewöhnlich, aber die lautlichen Beziehungen zwischen er- und cl- 
scheinen mir in vielen Fällen noch nicht genügend aufgeklärt. 1 



Rom. Volksmundarten im Südtirol; Unterforcher, Zur Tiroler Namen- 
forschung, Zeitschr. des Ferdinandeums III. Folge, 1906, p. 218; Bück, Rät. 
ON p. 240 — i; Schlattcr, St. Galt, roman. ON p. 53. Tessin: korjka (überall), 
ON in Arbedo pas data eunga, BStSvItal. XVII, 78, n. 2 u. AGIItal. IX, 257. 
Westschweiz: Conches = Gom(b)s etc. vgl. Jaccard p. 102, Gauchat, Herrigs 
Arch. CXVII, 348; dagegen Muret, Schw. Arch. f. Volkskde. XI, 152. cupa : 
Bünden: unterengad. ON Cubetta (Pallioppi). Tessin: ON: Cuvio, Val Cuvia, 
Cuveglio, Cheglio vgl. Salvioni, BStSvItal. XXI, 90. Westschweiz: ON: 
Cuves etc. vgl. Jaccard, p. 127. CaldariA: Bünden: caldera, chaldera, 
chüdera etc. „grofser Talkessel" (überall. E). Tessin: ON: le Caldaje. 
♦pariolum: Bünden: paridl, prhl, parlett (E). patella: Tessin: i padel du 
dyavsr „gletschermühlenartige Erosionskessel bei Piora" (Airolo. E). SCütella: 
Bünden: Scadella ON Pfäfers , Pra Scudellos, a. 1726, Annalas XXVI, 155. 
Tessin: Scudellate ON, Salvioni, BStSvItal. XXI, 90. Westschweiz: ekwgla; 
Charmey (E), ON : Ecualaz, Ecuellaz, Ecuellettes etc. Jaccard, p. 145. sittjla: 
Tessin: Sigirino ON, Salvioni, BStSvItal. XXIII, 92. trajectoritjm : Bünden: 
dartyyir Cadi, Tavetsch. Tessin: dart&r Olivone, dartu Airolo „trichter- 
förmiger Kessel, Taleinschnitt" (E). 

1 Im Katal. entspricht gelegentlich altem er- ein cl- (vgl. de Montoliu, 
Bull. dial. catal. III, 44) z. B. clamästecs < CREMASTER ; clin = er in <^ 
CRINIS ; clenxa = crenxa < *CRINICULA ; cletxa = crettla (territ.) = escletxa 
und mit gleicher Bed. clivella = clivilla = crivella\ clivell = crivell\ 
clivellarse = crivellarse alle zu CREPARE. Neben frz., prov., katal. croc steht 
ferner span. cloque , cocle. Neben obwald. kries , engad. krös, grödn. kroza, 
afrz. cruise, cruse steht aprov. cIqs, cIqsc, katal. clgsca; vgl. dazu im At. lg. 322 
„coquille" und 926 „noyau" : Mos, kloske neben kros ; kloee neben kroe ; klesko 
neben kresku\ kies neben kres, kree. Die Table de l'At. lg. enthält klusko 
„eräne" neben kruskos „debris". — Über das ganze Alpengebiet ist mit wechselndem 
kr- und kl- Anlaut ein Wort verbreitet, dessen Untersuchung noch interessante 
Probleme bietet, nämlich: bündn., posch., borm., veltl., anzasc. krap, zentral- 
ladin. krap y krep „Stein, Fels", schwdtsch. ON Grappe, Grappli, Gräppelen 
usw., daneben aber friaul. clapp „Stein", nonsbg. ON Klapi^ bayr., tirol. klapf, 
tess. tsap, ts'apel „Felsen", westschweiz. lapek, Tapay <^ *CI.AP-etum, Tapaira 
„Steinhaufen, Geröllhalde, Trümmerfeld", Fam.N. Claparede, Ciapier, Glappey, 
prov. clap, -a, clapier, -a „Steinhaufen", At. lg. 1285 klapas „Misthaufen", 
aklapä „begraben", Table de i'At. lg. klapas „Stein", klapiso, klaparedo, klapye' 
„Erde", katal. claper „Holzhaufen", torlos, clape, mallorc. claper „Steinhaufen", 
aragon. clapa „(steiniger), unfruchtbarer Fleck Land", clapera „Unebenheit im 
Weg, Loch, Geleise". Ferner posch., borm. clap, veltl., komask., valmagg., 
valverz., trent. ciap, ciapel „Napf", komask. ciap, gergo Val Sole clapa 
„Scherben" neben zentralladin. crappa, creppa „Wassernapf", grödn., nonsbg., 
borm., posch., bergam. krappa, judik., valvestin., bresc. grapa, Erto, zentrallad., 
engad. kreppa „Hirnschale, Kopf". — Hier möchte ich auch nochmals hin- 
weisen auf die Begriffssippe „kränklich, schwächlich; unmännlich, bartlos; 
Küchlein ohne Federn, jüngster Vogel im Nest; Letztgeborener"; nämlich 
oberital. ergt, grgt „malaticcio, menno, ultimo nato" ; mail. far el ergtt, far el 
crosc „kränkeln, bes. von Vögeln"; schwdtsch. grätsch, grätsch „jüngstes Kind 
einer Familie" (Grb.), „übel aussehende Person" (Uri), „schlechte, geringe Kuh" 
(Obw.). Es besteht wohl kein Zusammenhang dieser Formen mit borm. klgc „in- 
disposizione passeggiera, malatiuzza" (vgl. mail. far el ergsc), klgtik „male in 
gambe", klgtigar „tentennare", vgl. p. 32, n. I, 53. Hierher gehört vielleicht 
noch eher das ital. Adj. chiotto „di persona che se ne sta li quieta per suggezione, 



5* 

Bevor dieses lautliche Problem auf breiterer Basis gründlich unter- 
sucht ist, möchte ich wenigstens eine ähnliche Möglichkeit andeuten. 
Sie stöfst jedoch hier auf historische Schwierigkeiten und wird, wie 
auch die Annahme einer Kreuzung, unwahrscheinlich, sobald man 
die geographische Verbreitung des Wortes cht genau feststellt. 

Das Kartenbild des Wortes zeigt, dafs die Erklärung auf 
sprachgeographischem Wege zu suchen ist. Das Schwer- 
gewicht von cht liegt heute deutlich in Südfrankreich. In den 
Westalpen belegen es Chabrand-De Rochas und Martin (Lalle) mit 
vielen Ableitungen. Der Dict. top. gibt für das Dep. H tes -Alpes 
nicht weniger als 140 Formen, für Drome 38. Nach dem Zeugnis 
von Mistral, Du Cange, des Dict. top., 1 des At. lg. 2 und der katal. 
Wörterbücher bildet cht ein grofses, zusammenhängendes Gebiet 
von Marseille bis an den atlantischen Ozean, südlich begrenzt 
durch Katalonien und Aragon, nördlich von der Gironde an ost- 
wärts ungefähr durch die Nordgrenze der Dep. Dordogne, Lot, 
Tarn, Herault, Gard, Drome, H tes - Alpes. Aufser dieser Zone taucht 
nun aber das Wort noch auf — und das ist von höchster Wichtig- 
keit — in vereinzelten Splittern im äufsersten Westen auf den 
Inseln Elle und Noirmoutier, bei Montaigu in der Vendee, im 
Anjou und. in der Touraine, endlich noch in den obersten 
Alpentälern der Schweiz, im Rhonetal von Lens-Grone an aufwärts, 
im Val d'Herens und im Val d'Anniviers. Mit andern Worten, 
eine Karte von cht bietet das typische Bild peripherer Über- 
reste eines verdrängten, offenbar vorromanischen Wortes. 
Dessen Gegner ist crypta, welches auf die geschilderte, natürliche 
Weise als „Grube, Loch" zu einem semantischen Konkurrenten 
sich entwickelt hatte. Aus dem Wettkampf des synonymen la croute, 
la crgta und le clgt ging eine neue Form, le crg't, hervor, die vom 
überwundenen clgt den offenen Vokal und das männliche Ge- 
schlecht, von crypta den Anlaut rr- 3 übernahm. Mit andern 



paura" (Petrocchi). M.-L., REW 6608 zweifelt am Zusammenhang dieses 
Wortes mit plöTUS. Offenbar aber hat sich obige 6'r^-Sippe aus lautlichen 
Gründen mit einer andern berührt. Im Monferrin. steht wohl crotta „gallina 
covante" einerseits in Verbindung mit mail. far el crgt, das besonders von 
Hühnern gesagt wird und auch „accovacciarsi" bedeutet, anderseits wird die 
Sippe von ital. chioccia „Bruthenne" semantisch eingewirkt haben. In diese 
mischte sich infolge des Kontaktes das r in castellinald. kruc neben häufigerem 
c'ug „chioccia". Über die Beziehungen von ital. chioccio „kränklich" {chiocciare 
„kränkeln", obwald. clut schar, südfrz. clousseja) zu chiocciare „glucksen" (ital. 
chioccia, borm. kloca, span. clueca, südfrz. clonco , rumän. closca , schwdtsch. 
Gluggere) und zu chiocciare „hocken", vgl. Schuchardt, Wien. Sitz. Ber. CXLI, 
III, 16, 50. Hier möchte ich endlich auch noch erinnern an den Wechsel von 
bresc. clot und crot „Schublade", vgl. p. 53. 

1 In den Dep. Basses-Pyren£es, Dordogne, Herault, Gard, Drome, H tes - 
Alpes. 

2 Karten 352 „creux", 1336 „trou", 1621 B „mare", 3 „abreuvoir", 
755 „lavoir", 1285 B „fasse ä furnier", 1649 „orniere", 980 „paume", 1029 
,-plateau". 

8 Der Anlaut des gleichbedeutenden *crosum ]> creux mag mitgewirkt 
haben. 



5* 

Worten: infolge semantischen Zusamraenfalls fand zwischen 
CRYPTA und clot ein phonetisch-morphologischer Kom- 
promifs statt. Somit unterschied sich das neue crot äufserlich 
und begrifflich vom normalen la croute, das ihm seine Bedeutung 
„Grube, Loch" abtrat. Geographisch schliefsen sich crot und clot 
aus; ersteres erscheint in den zentralen, letzteres nur in den Rand- 
gebieten. Der geographische Kontakt zwischen beiden Formen 
ist zwar heute nicht überall vorhanden. Jedenfalls ist er durch 
den Einnufs fremder Wörter und durch die noch zu verfolgende 
Geschichte von crypta verwischt worden. Spuren von crot reichen 
im Süden bis an die clot- Zone: At. lg. Karte 322 „coquille", P. 717 
(Cantal): krot m. „coquille de noix". Mistral: crot (rouerg.) „creux, 
trou". In den Landes bekämpft crot „Harzgrübchen" ein älteres 
synon. clot. Einen Blick in den Kampf, wie er in der Westschweiz 
gegen das alte clot geführt wird, kann folgende Zusammenstellung 
der Materialien des Gl geben : 





„Keller" 


„(Gemüse-) 


„Grüb- 


„löcherig, 


weitere 




Grube" 


chen" 


blatternarbig" 


Abltg. 


Frz. Oberwallis 


krota * 


kht* 


kfotet* 


kiotelä 4 




Lens, Nendaz 


krota 


Hot, %lo 


kiotet, — 


krohä, krotö 




Unterwallis 


krota 1 


krota 5 




krotö 6 


krotä 
(Is6rable) 


Vd, F, N 


cave 1 


krota 7 
Orot* 


crotet 8 


krotalä 


kroteye 
(Liddes) 


Frankreich 10 




crota * 1 
crot s.m. 




crotu 





I. überall. 2. belegt in Vissoye, Miege, Evolene, Mage, Vernamiege, 
Grone. 3. Lens, Grimentz, Vissoye, Gröne, Heremence (Lavallaz), 
Evolene. 4. Evolene, Mage, Vernamiege, Gröne. 5. Liddes. 
6. bei Barman, in Saviese, Charrat, Bagnes, Lourtier, Liddes, Salvan, 
Finhaut, Trient. 7. bei Bridel, Dumur, in Rossiniere, Blonay, Oron 
(Vd), La B6roche (N). 8. bei Dumur, Duret, Grangier, in Leysin, 
Ormont-dessus (ON), Rossiniere (Vd), Lessoc, Gruyeres, Granges- 
de-Vesin (F), Dombresson (N). 9. waadtländische Ortsnamen bei 
Bex, Ollon, Plambuit, Chesieres, Ormont-dessus, Le Vaud (Jura), vgl. 
Jaccard p. 123; bei Begnins, vgl. Mottaz p. 572 und bei Cheserex, 
vgl. Martignier-de Crousaz, Dict. ki'st., geogr. et staust, du canton 
de Vaüd, Lausanne 1867, p. 282. 10. Savoyen nach Fenouillet. 

II. „grotte, creux." 

Die westschweizerische Übergangszone zwischen dem clot- und 
dem crot- Gebiet, in welcher krota das synonyme clot verdrängt hat, 
besitzt zwar in der lebendigen Sprache kein crot. Dafs ein solches 
aber auch hier einmal gebräuchlich war , beweisen * die waadt- 
ländischen Ortsnamen und die Ableitungen. Jedenfalls zeigt diese 



53 

Tabelle, wie crota als „Grube, Loch" und seine durch andere, 
ähnlich lautende Wörter {crotte, croüte, crete) verstärkten Ableitungen 
das alte Wort immer mehr überdecken. 

Nur schwer ist aus unserem heutigen Material noch erkennbar, 
ob cht einst auch in Italien einheimisch war. Einige spärliche 
Trümmer machen dies wahrscheinlich. In den frankoprovenza- 
lischen Tälern der Westalpen Italiens ist das Wort zunächst noch 
in der Toponomastik verhältnismäfsig häufig vertreten. In den ge- 
birgigen Teilen der Provinzen Cuneo und Turin zählt das italie- 
nische Ortsnamenlexikon 13 Ortsnamen, die für uns in Betracht 
kommen, auf, nämlich : 2 Cht, Chts, Clotesso, Clotti, Chtot, 4 Chhtto, 
2 Chiotti, Chiottetto (Diz. Com. Ital.). Aus genauen Karten liefsen 
sich für diese Gegend leicht noch mehr Beispiele finden. Mög- 
licherweise gehört auch der Ortsname Zotto bei Alba (Cuneo) zu 
unserm Wort, gewifs ferner Ciotto in Varzo bei Domodossola. Die 
letzte Form schlägt eine Brücke hinüber in die alpinlombardischen 
Mundarten, in denen sich ebenfalls noch Spuren nachweisen lassen. 
Ich bin geneigt, irgendwelche Beteiligung eines nicht mehr vor- 
handenen cht darin zu erblicken, dafs neben tess., komask., mail., 
bergell. tsgka, tsgk 1 in dem tessinischen Malcantone, Centovalli, den 
Tälern der Maggia, Verzasca und des oberen Tessins tsgta, tsät 
(E) gebräuchlich ist für „Einsenkung, Mulde" (Breno; Isone, Taverne ; 
Borgognone; Someo, Peccia; Brione, Mergoscia; Dalpe vgl. Bed. 
p. 44, n. 2), „Rinne, Couloir" (Someo), „kleine Terrasse am Ab- 
hang" (Arbedo). Ferner erinnert eine bergamaskische Form ganz 
an oberwallis. kiotelä „blatternarbig", nämlich ciodU e per lo piü 
al plurale ciodei „morviglione, ravaglione. Infirmitä che viene 
ai fanciulli, specie di vajuolo, ma fa vesciche piü grosse ed e 
male manco maligno . . . detta anche vajuolo^ selvatico" (Tira- 
boschi). Dieses Wort könnte aber auch aus clavellus entstanden 
sein, vgl. AGIItal. XII, 30,5. Nicht in Betracht kommt hier bresc. 
cht = crot „cassettino, scaffale d' armadio", valvestin. klgt, valcamon. 
klgt, welche zu calathus gehören, vgl. p. 41, n. 1. Auch borm. 
klptik, klgtigar, klpc werden eher zu claudus „hinkend" als zu 
unserm cht zu stellen sein, vgl. p. 50, n. 1. 

So sind die Belege dieses letzteren in Italien denn sehr spärlich 
und nur in den ans Frankoprovenzalische anschliefsenden Alpen- 
gebieten einigermafsen sicher. 

6. Stall 2 : Auf zwei Arten konnte crypta zu dieser Bedeu- 
tung gelangen. Rein als Teil eines Gebäudes ist der einzige Beleg 
des Altertums aufzufassen: die crypta"* der Rennbahn, in welcher 
die Pferde und Wagen eingestellt wurden, mag ähnlich ausgesehen 



1 Vgl. Salvioni, Krit. Jahresber. VIII. I, 146 und Guarnerio, Appunti 
bregagliotti RJLomb. XLI, 407. 

2 Vgl. oben BALMA in der gleichen Bedeutung p. 16. 

3 Sidonii carm. (vor 470 n. Chr.) 23, 319: „qua est ianua consulumque 
sedes, ambit quam paries utrimque senis cryptis carceribusque fornicatus" (Thes.). 



54 

haben wie die unter i. geschilderten Gänge in den Theatern. Auch 
im alten Frankreich wurde gelegentlich das tiefgelegene Gewölbe 
der croute als Stall benutzt. i 

Anders verhält es sich in einigen modernen Dialekten, wo in 
primitiven, gebirgigen Gegenden der Stall direkt aus einer Höhle 
hervorgegangen ist und dann auch deren Namen übernommen hat. 2 
Die neue Bedeutung ist also sekundär aus dem Geländeausdruck 
entstanden. Diesen Vorgang möchte ich nicht mit Streng 3 als 
bildlichen Ausdruck, sondern als eine durch die Entwicklung der 
Sache bedingte Bedeutungserweiterung auffassen. Einen Einblick 
in diesen Übergang gestattet uns kors. gruttale „macigno che offre 
molte grotte e dove in Capo Corso si appoggia lo „stazzu" (Hütte 
für Hirten und Herde)", daneben a gröttu „al ricovero, ä 1' abri"; 
ferner abruzz. grotte, gruttkelle „capannuccia". In Frankreich, Marne: 
creute „grotte, habitation; bergerie taillee dans le roc" (Tarbe). In 
diesen Zusammenhang gehört auch in Guernesey: croute „petit 
enclos pour le betail" 3 ; Ile d'Yeu: grotael „niche (ä chien)" (At. 
lg. Karte 909, P. 479). Auf italienischem Boden krbta „Kuhstall" 
(At. lg. Karte 451 B) und auch „Pferdestall". 3 Im Wallis, Finhaut: 



1 Im Coronemenz Loois, v. 1634 (ed. Langlois) ist bei einer Einquartierung 
im Kloster dieses so gefüllt 

„Qu'il n'i a volte, ne crote, ne celier, 

Qui ne seit pleine d'armes et de destriers." 

Prise de Cordres et de Sybille (ed. Densusianu, Soc. A. T.): 
v. 11 78 „An une croute s'en antre Baufumes; 

IUI. destriers a molt tost ansel^s . . . 
v. 1722 Les bons destriers ot repont Baufumes 

En une crote de vielle antiquit£; 

Li Sarrazin ont les somiers trov6s, 

Par mi la porte les en ont fors getSs . . . 
v. 1846 Lou chastel ont de tos sens recerchiet, 

Ans n'i trovont palefroit ne somier. 

Si con Deus volt et la vertus do ciel, 

En une croste ont trove lor destriers". 

Dafs es sich hier nicht um eine „Höhle" handelt, zeigen in v. 1725 „porte" 
und v. 1846 „chastel". Hierher gehört auch die von Du Cange aus dem 
„Roman de Garin" zitierte Stelle: 

„Li destrier sont leans el sousterrin, 

En une crote que firent Sarazin." 

Auch andere Worte, die sonst „Keller" bedeuten, bieten weitere Belege für die 
Verwendung von Kellerräumen als Stall , so z. B. bei Du Cange : sotulum. 
Hist. Inquisit. Tolos. „absconditus et oecultus in quodam sotulo in quo faciebant 
stabitlum"; oder sizil. sutterräneu . . . „se ne trovano destinati a chiese e 
eimiterii, a ricetti di armenti" ecc. (Mortillaro). 

2 Vgl. neben den am Schlüsse zusammengestellten Parallelen auch die 
Wortfamilie vom Stamm buc-, die nicht nur in den Bedeutungen „Loch, 
Höhle, hohl; aushöhlen usw." lebt, sondern zu der wohl auch folgende franko- 
provenz. Bezeichnungen für „Stall", meistens „primitiver (Schweine-) Stall im 
Gebirge", gehören: bo, bee, bäo, bwa . . .; boutsa ; boko, botsö ; bweta; bwato ; 
b-wära, bweri, bouairon usw. (Gl, At. lg. 451 „ecurie, etable, toit ä porcs"). 

3 Streng, Haus und Hof im Französischen, p. 60, 68. 



55 

krota „cave; ecurie ä voüte, en pierres, a la montagne" (Gl). 
Endlich in Guesne (Dep. Vienne) : grot „cabane dans les vignes 
pour la surveillance-' (At. lg. 190, P. 416). Wegen mangelnder 
Kenntnis des Aussehens und der geschichtlichen Entwicklung der 
Sache ist übrigens in den letzten Fällen nicht zu entscheiden, ob 
die Vorstellung ..gebauter Raum" oder ,,Höhle" ursprünglich sei. 
Beides ist möglich. 

Der primitive Kulturzustand eines Stalles in einer Höhle spiegelte 
sich lange in der Tradition von Christi Geburt. Nach den alten 
Darstellungen der Kirchenväter und Pilger war Christus in einer 
Höhle zur Welt gekommen. Dafür nur ein Beispiel: 

„Angelicus panis, quem primum perdidit Adam 
Vilibus in stabulis prono reperitur in antro u . x 

So erklärt sich das sardische: Po sa gmtta de is nascimentus „capan- 
nuccia" (Porro) und die Stelle einer Lauda del Natale vom 15. Jh. 
aus Aquila in den Abruzzen: 

„Era appresso alla porta 

Un presepio ch' era socto terra 

Ad modo de una grocta u (Giorn. stör. VII, 350.) 

In der Zeit der Renaissance wurde dann die Geburt Christi aus 
unsicheren Gründen in die Ruinen eines Palastes verlegt. Es wäre 
interessant, näher zu untersuchen, ob und wie weit zu dieser Ver- 
änderung das Wort grotta und seine ihm anhaftende Ruinen- 
sentimentalität beigetragen habe; vgl. p. 67 — 68, 76. 

b) crypta als Sakralbaute. 

Alle die bisher genannten lateinischen Bedeutungen des Wortes 
und ihre romanischen Fortsetzungen sind aus der bürgerlichen, ich 
möchte sagen weltlichen Verwendung der Räume, welche die Römer 
cryptae hiefsen, hervorgegangen. Öffnen wir nun eine neue Per- 
spektive, in der das Wort als Bezeichnung geheiligter, zu Kultus- 
zwecken bestimmter Bauten erscheint. Durch drei aufeinander- 
folgende Zeitalter, in welchen auch mit der Sache der Begriffsinhalt 
sich stark verändert, wächst das Wort aus bescheidenen Anfängen 
zu universeller Bedeutung heran. 

I. Die erste Stufe bildet die Verwendung der crypta im 
heidnischen Gottesdienst. Zwar sind uns in diesem Sinne 
nur zwei Textstellen überkommen. Bei Petronius cap. 16: „ego sum 
ancilla Quartillae, cuius vos sacrum ante cryptam turbastis" handelt 
es sich um ein mysteriöses, höhlenartiges Kultlokal des Priapus. 
Ferner wissen wir, dafs in Ostia eine crypta zu einer Kultstätte 
des Mithrasdienstes eingerichtet worden war. Die diesbezügliche 

1 Mon. Germ. Hist, Poet. Lat. III, 552; vgl. ferner Burckhardt, Kultur 
der Renaissance* I, 203. 



56 

Inschrift lautet: C . VALERIVS HERACLES PAT(E)R E(T) AN- 
(TIS)TES DEl IV(B)ENIS INCONRVPTI SO(L)IS INVICTI 
MITHRA(E) (C)RYPTAM PALATI CONCESSA(M) SIBI A M. 
AVRELIO (Corp. Inscr. Lat. XIV, 66). Über das mutmafsliche 
Aussehen solcher cryptae werden wir im folgenden Kapitel sprechen. 

2. Gröfsere Bedeutung gewinnt das Wort durch das Ur- 
christentum. In der unterirdischen Gräberstadt des christlichen 
Rom spielt es eine grofse Rolle. Besonders durch die Forscher- 
arbeit der beiden Brüder de Rossi 1 sind wir darüber vorzüglich 
unterrichtet. 

Die cryptae in den römischen Katakomben sind lange, schacht- 
ähnliche Gänge, die oft bis 25 m tief in die weiche Tufferde ein- 
gegraben sind. Sie bilden ein weitverzweigtes, planmäfsig angelegtes 
Netz, verbinden die einzelnen Grabkammern, cubicula, und bergen 
selbst links und rechts in ihren Wänden zahlreiche, übereinander- 
liegende Grabnischen. In kurzen Abständen sind diese Gänge 
durch ca. 1 m dicke, brückenbogenartige Mauergewölbe 2 gestützt, 
welche offenbar einst Bretterböden der übereinanderliegenden Stock- 
werke trugen. Stellenweise werden die cryptae auf gröfsere Strecken 
durch ein gebautes Gewölbe überdeckt. Nicht überall sind diese 
Galerien ausgemauert, sondern wo die Festigkeit des Tuffsteins es 
erlaubte, in diesen ausgewölbt. Folgende Inschriften und Texte 
illustrieren diese Verhältnisse 3 : „undecima crupta secunda pila; 4 
quae pridem in cruptis pausabant membra beata ; 5 crypta noba in 
cimiterium Balbinae; 6 cuius corpus . . . sepelivit in crypta iuxta 
cymiterium Callisti via Appia ; 7 hoc (sc. corpus meum) sepelies in 
initio cryptae iuxta vestigia apostolorum ; 8 dum essem Romae puer 
. . . solebam . . . cryptas ingredi quae in terrarum profundo defossae 
ex utraque parte ingredientium per parietes habent corpora sepul- 
torum ; 9 ego Gallicanus domine meae Fatalini coiugi sanctissime 
feci bisomum et mihi in cruptam ad luminalem; 10 Fl. Eurialus v. h. 



1 La Roma Sotterranea Cristiana I, Roma 1864. Anhang über den 
geologischen und architektonischen Aufbau, p. 23 ff. Dort sind auch zahlreiche 
Abbildungen der römischen Katakomben zu finden. 

2 Vgl. oben p. 39 Brescia: crota „volta di ponte". 

3 In der vereinzelten Textstelle: „sepulti sunt in via Appia in loco qui 
vocatur ad arenas . . . quia cryptae arenarum illic erant ex quibus urbis moenia 
struebantur" (Pseudo-Ambros. act. Seb. 22, 84) darf man wohl nicht wie der 
Thesaurus crypta als „Höhle" auffassen, oder als term. techn. für „Sandgrube", 
sondern es wäre nach der auf genaue Ortskenntnis sich stützenden Auslegung 
von de Rossi eine der wenigen Ausnahmen, wo die Galerien der Katakomben 
sich zufällig in dem festern, zum Bau verwendbaren Lavatuff, Pozzolanerde, 
befinden und in ehemalige Steinbrüche eingebaut sind. 

4 Nuov. bull, crist. X, 207. 

5 de Rossi II, 15. 

6 de Rossi I, 1. c. 

7 Lib. pont. 31, 10. 

8 Ps. Ambr. act. Seb. 23, 88 (nicht vor IV. Jh.). 

9 Hieron. in Ezech. 12, 40, p. 468. 

10 Die hl, Lat. altchristliche Inschriften, Bonn 1913, Nr. 227. 



. 57 

conparavit locum sivi se vivo ad mesa beati marturis Laurenti 
descentibus in cripta parte dextra de fossore ; 1 

„Mersa latebrosis crypta patet foveis 

Huius in occultum gradibus via prona reflexis 

Ire per anfractus luce latente docet". 2 

Die ganze unterirdische Gräberstadt mit all ihren Gängen in der 
Gesamtheit konnte auch mit dem Worte cryptae bezeichnet werden. 
So findet man auf einer Inschrift von Papst Pasquale I. in S. Pras- 
sede: „in coemiteriis seu cryptis. u 

Das Wort hatte also bei den Urchristen noch durch Jahr- 
hunderte hindurch seine klassische Bedeutung „Korridor" beibehalten, 
nur war damit unzertrennlich die Vorstellung des unterirdischen und 
geheimen Friedhofs verbunden worden. Der Begriff „Begräbnis- 
stätte" bildet sich nun weiter aus, wobei derjenige des „langen 
Ganges" verloren geht. So findet man im 4. Jh. crypta als „Grab" : 
„inde (sc. a Golgatha) ... est cripta, ubi corpus eius (sc. Christi) 
positum fuit" ; und „cripta, ubi Lazarus positus fuit". 3 

3. Christliche Kirchenbaute. Immer mehr kommt das 
Wort in den Bereich der jungen christlichen Kirche, in deren Ge- 
folge es zum zweiten Male die westliche Welt erobert. Die Gräber 
der Märtyrer waren geheiligt. Als ehrendes Denkmal für den 
Heldentod der Heiligen und zum weithin sichtbaren Zeichen der 
Wunder Gottes erbaute man über dem Märtyrergrab Kirchen. 
„Constantinus Augustus fecit basilicam beato Laurentio martyri via 
Tiburtina in agrum Veranum super arenario cryptae.* Martyris 
sarcophagum ... in cripta . . . detulerunt et . . . conposuerunt; — 
super criptam illam basilicam magnam iussit aedificari." 5 Die Kirche, 
welche sich zu Ehren des Märtyrers erhob, wurde immer so gestellt, 
dafs der Hochaltar genau über das Grab zu liegen kam. Das 
unterirdische Gewölbe mufste sich dabei natürlich architektonisch 
dem Bau der Kirche anpassen. So entstand aus der alten crypta 
eine unter dem Hochaltar und dem Chor liegende, gewölbte Unter- 
kirche, in der das Grab eines Heiligen oder Reliquien verehrt 
wurden. In diesem Sinne finden wir das Wort schon bei Gregor 
von Tours: „Hie in crypta basilicae beati Johannis sub altari est 
sepultus." 6 Bei Du Cange: „In qua basilica est crypta abdi- 
tissima." 7 



1 Diehl, 1. c. Nr. 226. 

2 Prudent. perist. II, 154 (a. 405). Vgl. einige obiger und andere Belege 
in Mon. Germ. Hist. Gesta Pont. Rom. I. 

3 Itin. Burdig. p. 594 und 596 (a. 333). Über die betreffenden Sachen, 
d.h. die heiligen Grabhöhlen Jerusalems unterrichtet uns ausführlich C. Mom- 
mert, Golgatha und das heilige Grab zu Jerusalem, Leipzig 1900. 

* Lib. pont. 63, 28. 
5 Greg. v. Tours, Mirac. I, c. 50. 

8 Greg. v. Tours, Mirac. I, c. 50 ; vgl. ib. c. 8 ; 43; Histor. IV, c. 12. 

7 Eine ähnliche Entwicklung von Sache und Bedeutung ging mit der 

unsrigen Hand in Hand bei [xaQTVQiov oder confessio, eigentlich „Bekenntnis- 



5« 

Der Frankenkönig Childebert I. (511 — 558) soll gelobt haben, 
im Falle eines Sieges über die Westgoten über den Reliquien des 
St-Avit in Orleans eine Kirche zu bauen. Er hielt seinen Schwur. 
Die Reste dieser Krypte sind wiedergefunden worden. Die älteste 
bis jetzt bekannte, noch erhaltene Krypte ist die 641 erbaute des 
Domes von Torcello bei Venedig. Die Bauart der Krypte l wechselt 
je nach dem Ort stark in Gröfse und Anlage. In derjenigen von 
St-Seurin bei Bordeaux (9. Jh.) z. B. befindet sich das Grab mit 
den Reliquien auf der Seite in einer grottenartig in den Fels ge- 
hauenen Nische. Sonst war es im allgemeinen so gelegen, dafs 
die Prozession der Pilger, die durch die eine Treppe hinab und 
eine andere meist gegenüberliegende hinaufstiegen, es umziehen 
konnten. 2 In Europa waren rotundenartige Krypten, z. B. St-Benigne 
de Dijon, seit dem 11. Jh. der sog. Anastasis- Rotunde der Heilig- 
grabkirche 3 in Jerusalem nachgebildet worden. Bei diesem 326 
bis 335 durch Konstantin den Grofsen angelegten Bauwerk war 
rings um die Gruft der Berg derart abgetragen worden, dafs 
schliefslich (in der Mitte der Rotunde) nur noch das Stück des 
Felsens übrig blieb, in welchem das grottenähnliche Grabgewölbe 
mit den heiligen Überresten eingehauen war. Rings um dieses 
Monument wurde dann die mächtige Rotunde erbaut. Anders 
verhielt es sich in Bethlehem bei der Kirche über der Höhle, in 
welcher Christus zur Welt gekommen sein soll. Dort war die 
Grotte direkt als Krypte behandelt worden, indem sie in ihrer ur- 
sprünglichen Form erhalten blieb und die Kirche daraufgestellt 
wurde. 4 Bei den Millionen von Pilgern aus der ganzen christ- 
lichen Welt, die durch Jahrhunderte in verehrender Bewunderung 
diese heiligen Räume besuchten, mufs sich mit der Vorstellung von 
crypta „Unterkirche" auch diejenige einer „Höhle als Grab" ver- 
mischt haben, eine Begriffsassoziation, die in nicht geringem Mafse 
die Verbreitung von crypta „Höhle" unterstützt haben mag. 6 



statte"; darunter verstand man zuerst das Märtyrergrab, dann den unterirdischen 
Raum mit dem sog. Konfessionsaltar, der über oder vor dem Grab und unter- 
halb des Hochaltars der Kirche lag. Die französische Schweiz hat die Er- 
innerung an alte Friedhöfe bei Märtyrergräbern erhalten in ON wie Martheray , 
Marterey, Martray, Martoret, Martelet < MARTYRETUM. Vgl. M. Besson, 
L'art barbare dans Vancien diocese de Lausanne, Lausanne 19Ö9, p. 41 ; 
Jaccard p. 262 — 3 und besonders M. Reymond, Les Martereys dans le 
canton de Vaud, Revue d'hist. eccles. suisse 1909, p. 102. 

1 Viollet-le-Duc, op. cit. IV, 447 ss. : Crypte. 

2 Du Cange: Lanfrancus in decret. pro ord. S. Ben. sect. 12, c. 4: „cir- 
cumeat omnia altaria in cryptis." 

3 Viollet-le-Duc; op. cit. VIII, 276 ss.: Saint Sepulcre und besonders 
Mommert, op. cit. und Die heilige Grabeskirche zu Jerusalem^ Leipzig 1898. 

* Mommert, Golgatha und das heilige Grab, p. 49. 

5 Von den Krypten Jerusalems erzählt der Seigneur d'Anglure in 
seinem Saint Voyage de Jherusalem aus dem Anfang des 15. Jh. (£d. Bonnardot- 
Longnon, Soc. A. T.), p. 29, n. 5: „Item, ä l'issir de laidicte crotte en allant 
au long de l'eglise, ait une chaipelle en laiquelle desoubz l'aulteit est li pelles 
auquelz N. S. J. C. . . .", p. 30, n. 1 : „Item, en dessandant du saint mont . . . 



.59 

Die Krypte wurde zu einer Eigentümlichkeit des romanischen 
Kirchenbaustils. Auch wo die Kirche sich nicht über einem alten 
Grab erhob, wurde ihr das unterirdische Gewölbe beigegeben zur 
Aufnahme von Reliquien oder der irdischen Hülle grofser Persön- 
lichkeiten. So kam mit der Blüte der romanischen Baukunst im 
ii. — 13. Jh. unser Wort in der Kirchensprache zu internationaler 
Verbreitung. 

Als terminus technicus erhielt sich in den modernen Sprachen 
cripta, critta, crypte, Krypte usw., der gelehrte Reflex des spätlatei- 
nischen crypta. Es ist interessant zu sehen, dafs, während heute 
fast nur noch diese Buchformen lebendig sind, im Mittelalter aufser 
dem offiziellen lateinischen Habitus das Wort in kirchlichem Sinne 
auch volkstümlichen Klang hatte. Schon in altchristlicher Verwen- 
dung haben wir populäres crupta belegt. Auf volkstümlicher Basis 
steht sodann unser Gruft, wozu Grupta Imperator is der Carta 
Capuana von 960 und altbares, cruptas zu vergleichen ist. Volks- 
tümlicher Einflufs macht sich im Anlaut geltend in den Schreibungen 
„super gripte ipsius ecclesie" im Cod. Cavensis von 960 und in 
„consecravimus griptam majoris ecclesiae . . . cum majori altari in 
eadem gripta posito" bei Ughellum, a. 1 157 (Du Cange) usw. Wie 
stark im Mittelalter das Gefühl der Zusammengehörigkeit der latei- 
nischen und volkstümlichen Formen gewesen sein mufs, zeigen aber 
vor allem die alten Belege folgender französischer Ortsnamen. * 
Dep. Aisne: Für heutiges Crouttes'. 1208 Cruttes; heutiges Creutte(s): 
1270 Creutis, 1236 Creuptes, 1 176 Creptis, 1153 Cr ipte, 1138 Criptae. 
Dep. Aube: Für LesCroütes: 1222 Crote. Dep. Calvados: Für Crottes: 
1198 Crotae; für Croutes und Croupte: 1350 Cr oute, Cruta, Crupta, 
1234 Crote. Dep. Orne: Für Crouttes'. um 994 Crupta.' 1 Dep. Mayenne: 
Für Cr opte\ 1 096 Cripta; für Grouiüre: 1567 Cr otte, 11 10 Cripta. Dep. 
Vienne: Für Croutelle'. 1276 Crotellis, 11 30 Craptellae. Dep. Dor- 
dogne: Für Cropte: 13. Jh. Cropta. Dep. Gard: Für Crottes: 1207 
Crotas etc. In dem Cartulaire von Cluny finden wir folgende ON 
p. 29: a. 881 (Kop.) Crouptas, in Croptas; p. 228: a. 923 de 
Croptis (Var. Crotis)', p. 237: a. 924 Crottis, Crotis, de Croptas; 



ait une crotte grande et parfonde qui est bien de parfont .XXX. degres et 
plus; et est laidicte crote droit au bout de laidicte esglise du (Saint-Sepulcre) 
devers oriant. De coy en laidicte crote, on fönt, ait un aulteit de Sainte 
Eslainne, meire a saint Constantins empereres de Constantinoble . . . Item, 
ung pot plus baix, a destre pairtie dudit aulteit, en laidicte crotte, en de 
parfont environ .XII. degrds, desus une grant roiche, est lai sainte plaisse 
eurouse ou sainte Eslainne trouvait lai croix sainte a vraie de Nostre Signour 
Jhesu-Cris f, aulci les clos, la lance, l'esponge et lai quainne, celle cotte qui 
fnit judez au des laiquelle 011 puet veoir en Constantinoble en l'esglise Sainte 
Suffie." 

1 Aus dem Dict. top., wo nicht andere Quelle angegeben. Wenn wir 
auch über den Bedeutungsinhalt dieser Ortsnamen nicht sicher sein können, 
dürfen wir sie hier doch als Zeugen anrufen. 

2 Beszard, Origine des noms de lieux habites du Maine, Paris 1910, 
P- 153- 



6o 

p. 749: a. 951 Crogta (vgl. crucfas 1 ); p. 256: a. 926 (Kop.) in 
Crotello. 

Volkstümliche Aussprache für Krypte belegt auch folgender 
Text von 10 17, der sich auf die Kirche von Devres bei Vierzon 
(Berry) bezieht: „monasterium reedificare cepi, cujus monasterii 
cructas ex mea propria facultate . . . perduxi." * Ferner Du Cange: 
a. 1208 bei Uzes (Narbonne) : „in crota Domini Episcopi" ; a. 12 19 
in Marseille: „Crota S. Laurentii" ; Charta a. 13 19 in Chartul. 
S. Maglor. : „si quis . . . suam elegerit sepulturam ... in votis seu 
crotis dictae ecclesiae." Das Provenzalische besitzt ja überhaupt 
bis auf heute nur das eine Wort crota zur Bezeichnung der Krypte, 
eines Gewölbes im allgemeinen und des Kellers. Die gleiche Ein- 
heit bestand auch im alten Frankreich. In der afrz. Literatur 2 
findet man häufig für Krypte croute, crote, crute, creute und nach 
Du Cange hiefs sie noch zu seiner Zeit in verschiedenen Provinzen 
croupte. 

Alle diese zahlreichen volkstümlichen Formen beweisen, dafs 
die kirchliche Verwendung von crypta zu einer Zeit verbreitet 
worden war, da unser Wort in anderem Sinne schon tiefe, volks- 
tümliche Wurzeln geschlagen hatte. Diese neue Bedeutung fügte 
sich an den alten Stamm, dessen Volkstümlichkeit erfolgreich der 
kirchlich - gelehrten Lautform entgegenwirkte. Im Mittelalter bildete 
das Wort also in Frankreich noch in seinen verschiedenen Be- 
deutungen eine starke, formale Einheit. Warum diese gerade hier 
grofs war, aus welchen Gründen sie zu zerbröckeln anfing, und 
von welcher Seite her und unter welchen Bedingungen dieser Zer- 
setzungsprozefs einsetzte, sind Probleme, die wir erst im Folgenden 
werden völlig lösen können. 



C. crypta als Geländebezeichnung. 

Die mittelalterliche Entwicklungsphase unseres Wortes, die ja 
heute noch durch einige verschwindende Dialekte dargestellt wird, 
vereinigt also in ein und derselben Form noch ganz verschiedene 
Bedeutungen. Dieser alten etymologischen Einheit entspricht in 
den modernen Schriftsprachen eine Doppelheit: der gelehrte crypta- 
und der volkstümliche grotta - Typus. Ersterer ist ausschliefslich 
sakral; letzterer ist auf dem Wege, sich als Geländeausdruck eine 
neue, semantische Einheit zu bilden; d. h. das Wort Grotte als 
Bezeichnung einer Höhle wird dadurch, dafs es in diesem Sinne 
in den modernen Schriftsprachen gewissermafsen zu einem inter- 



1 V. Mortet, Rec. de textes relatifs ä Vhist. de Varchit. en France 
au moyen-age, Paris 1911, p. 58. cructas ist offenbar falsche etymologisierende 
Schreibung tür cruptas. 

2 Ch. de Roland, Ms. Oxf., ed. Stengel, v. 2580; Moniage Guillaume, 
v. 132, 563; Wace, Brut Bartsch, Chrestom., v. 376; Rom. de Troie, ed. 
Constans, v. 22099; Thomas le mart., v. 155-, Ch. d'Antioche, I, 820; Raoul 
de Cambrai, v. 1236 etc. 



6i 

nationalen Gemeingut geworden ist, nach Besiegung aller übrigen 
konkurrierenden Nebenbedeutungen volkstümlicher Lautung schliefs- 
lich allein noch übrig bleiben, i Das siegreiche Vordringen dieses 
Typus auf Kosten älterer, bodenständiger Formen und Bedeutungen 
ist in den Dialekten deutlich zu beobachten. Mit andern Worten : 
die alten, primären Bedeutungen müssen einer sekundären end- 
gültig Platz machen. Denn als sekundär mufs der Begriffsinhalt 
„Höhle" betrachtet werden. Zwar kann das griechische xqvjit?} 
als Verbalsubstantiv zu „verbergen" ja jeden beliebigen Ort, wo 
man sich verstecken kann, also auch eine Höhle, bezeichnen. 
Dazu ist aber zu bemerken, dafs in vorchristlicher Zeit weder im 
Griechischen noch im Lateinischen crypta als „Höhle" belegt ist, 
und dafs ferner im Lateinischen das Wort nur als eine aus dem 
sprachlich - formalen Zusammenhang losgelöste Sachbezeichnung über- 

^nommen worden ist und die Zugehörigkeit zu einem Stamm „ver- 
bergen" im Volke wohl nicht mehr empfunden wurde. Solange 
uns nicht frühere Belege zwingen, dürfen wir crypta als Terrain- 
bezeichnung also nicht auch für die vorchristliche Zeit annehmen. 

ta) crypta als Höhle, 
i. Lateinische Belege: Die ältesten Belege für den Ge- 
brauch des Wortes als Geländeausdruck stammen aus dem 4. Jh.: 
a - 333 erwähnt das Itinerarium Burdigalense, p. 58g, eine „crepta, 
ubi Salomon daemones torquebat" (Thes.). Die Stelle der Itala: 
„et fecerunt sibi fili Istrahel . . . speluncas et cryptas in montibus" 
(== Löcher; Gänge, Gewölbe; vgl. p. 56 ss., 64 ss. ; Jud. 6,2: rag 
TQVfiaXiäg rag hv rolg ögsOc xal xa öJtr/Xaia) wird in der Vulgata 
dann übersetzt mit „antra et speluncas". Aufserdem gibt der 
Thesaurus noch weitere Stellen: Cassiodor, var. 4, 51, 4 (a. 507 — 1 1) 
„Caveas illas saxis pendentibus absiditas, ita iuncturis absconditis 
in formas pulcherrimas convenisse, ut cryptas magis excelsi montis 
crederes, quam aliquid fabricatum esse iudicares." Pseudo Matth., 
evang. 35 (5. Jh.?): „crypta . . ., ubi leaena catulos nutriebat." 
Dioscorides III, 71 (6. Jh.): „petroselinum nascitur in Macedonia 
in criptis vel in speluncis." 2 

Auch die lateinische Literatur des Mittelalters liefert Belege. 
So wird in der vor 851 verfafsten Vita Geremari 3 erzählt, der 
reuige Sünder Geremarus habe jammernd die Mönche gebeten, 
„ut illa cripta (sie) que est in vasto ac in solitudine super fluvium 
Sequane, unde Samson serpentem eiecit, ad inhabitandum ei con- 



1 Als einziger Rest kann vielleicht noch an die frühere Vielseitigkeit das 
schriftsprachliche Schwanken von Grotte = „künstliche oder natürliche Höhle" 
erinnern. 

2 Die zeitlich unbestimmten Glossen „xqvtiti] spelunca. spelunca pervia" 
können mich nicht bestimmen, diese Bedeutung allein ihretwegen in frühere 
Zeit hinaufzurücken. 

3 Mon. Germ. Hist., Script. Rer. Merov. IV, 631, 632: viermal cripta. 



62 

cederent." Derselbe Ort wird in der Vita Samsonis * „spelunca" 
und „antrum" geheifsen. Für das von Du Cange a. 887 bei 
Ughellum angeführte „insuper eidem contuli gruptas Eremitarum" 
kann ich mangels des Kontextes nicht entscheiden, ob es begrifflich 
zu „Höhle" oder zu „Gruft" zu stellen sei, ebenso für grupta 
Imperaioris in der Carta Capuana mit der benachbarten cripta 
latronis, vgl. p. 32. Die Stelle des im 9. Jh. im Kloster Reichenau 
lebenden Walafridus Strabo: „cryptae sunt specus subterraneae 
dictae a profunditate abrupta" (Du Cange) kann als Beleg für die 
topographische Verwendung des Wortes nicht in Frage kommen ; 
denn auch specus bedeutet hier nicht „Höhle", sondern „unter- 
irdisches Gewölbe in einer Kirche", wie auch spelunca, speleum und 
antrum, vgl. hinten. Der Kontext verbürgt diese Spezialbedeutung : 
es ist eine lange Erklärung von Kirchenwörtern wie basüica, absida, 
altare, cymiterium, criptae, martyria, sacrarium etc. 

2. Romanische Belege: Für die romanischen Sprachen 
bildet die p. 32 — ^ umrissene grotta-Zone von Mittel- und Süd- 
italien das Kerngebiet der Bedeutung „Höhle". Gewifs hat hier 
der starke phonetische Unterschied zwischen *grupta und crypta 
auch die semantische Spaltung in ein volkstümliches „Höhle" und 
ein kirchlich -gelehrtes „Unterkirche" gefördert, während in den 
übrigen Gebieten gerade die Erhaltung des anlautenden k- die 
phonetische und etymologische Einheit lange begünstigte. Je gröfser 
im £- Gebiet die durch archaistische Form erhöhte Lebensfähigkeit 
der primären Bedeutung war, desto weniger konnte neben ihnen 
die Verwendung als Geländebezeichnung aufkommen, so z. B. im 
Provenzalischen, wo noch croto = „souterrain voüte, voüte, cave, 
crypte". Ein viel wichtigerer Grund, der dem höhlenerobernden 
crypta im westlichen Oberitalien, der Schweiz und Frankreich 
hindernd im Wege stand, ist aber die Tatsache, dafs hier seit 
langem schon ein altes, einheimisches Wort diesen Platz besetzt 
hielt: *balma. In Südfrankreich und im östlichen Oberitalien 
hatte sich zudem, wie wir gesehen haben, als glücklicherer Kon- 
kurrent schon vor unserem Wort *speluca eingebürgert. So kommt 
es, dafs im ganzen k- Gebiet crypta als Terrainwort eigentlich an- 
volkstümlich und verhältnismäfsig selten ist. Wie aber schrift- 
sprachliche Gewohnheit in Form und Inhalt überhand nimmt, zeigen 
Grenzgebiete wie z. B. Bergamo nach Tiraboschi: grota = „Höhle"; 
im Anhang: crbta = grotta. ValSesia: crotta „Keller", grotta „Höhle". 
Castellinaldo : krutin „Teil des Kellers", kruhin „grofses Gewölbe", 
gruta „Höhle". Westschweiz: krota „Keller, Höhle"; überhand- 
nehmend grotta „Höhle". 

Man würde sich aber einer Täuschung hingeben, wenn man 
deshalb in diesen Gebieten crypta „Höhle" nur ganz für fremdes, 
importiertes Sprachgut halten wollte. Zahlreiche Ortsnamen zeigen, 



Mabillon, Acta Sanctorum I, 178. 



6 3 

dafs auch hier Ansätze zum topographischen Gebrauch des Wortes 
bodenständig waren. Das beweisen uns Ortsnamen, welche sich 
unmöglich auf Gebäude beziehen können, wie z. ß. bei La Crottaz 
„passage dans les rochers pres Lavey" (Vd); Les Crotles „ancien 
nom des falaises du Rhone pres Geneve" (Jaccard, p. 123) und 
La Crottaz, rechtes Nebenflüfschen der Broye (Mottaz, p. 572). 

Ob in Frankreich die zahlreichen Ortsnamen wie Croute, trotte, 
Cr eute, Crouteau, Grotieau, Croutelle, Croiellüre, Crotterie, Crottier, 
Cr ott et, Croutette, Crot etc. (Dict. top.) auf ein geographisches Ap- 
pellativ zurückgehen oder auf eine der anderen Bedeutungen, ist 
ohne Untersuchung jedes einzelnen Falles nicht zu sagen. Wo 
wie in den auf Seite 59 angegebenen mittelalterlichen Schreibungen 
so deutlich das Bewufstsein des etymologischen Zusammenhanges 
zum Ausdruck kommt, scheint eher eine kirchliche Krypte zugrunde 
zu liegen. 

Es fehlt aber in der altfranzösischen Literatur nicht an Be- 
legen für er oute im modernen Sinne, obschon diese hier noch 
seltene Bedeutung von den Herausgebern von Textglossarien viel- 
fach mit Unrecht dem Worte beigelegt wird. Zur unselig-glücklichen 
Liebesfreude kommen im Roman d'Enee, v. 15 19, Aeneas und Dido 
a une crote. So heifst auch der Zufluchtsort Reinekes im Roman 
de Renart, sei es, dafs er durch einen unerwarteten Seitensprung 
seinen Verfolgern entwischte: branche I, v. 1573 „entres s'en est 
en une croute u ; sei es, dafs Lion vor der Festung des Feindes in 
ohnmächtiger Bewunderung 

„vit les quernaus desus la mote 
par la ou en entre en la crote". 

br. I, v. 1628; vgl. ferner br. II, v. 1394; br. IX, v. 11 50. 

Auch in frz. Dialekten lebt das Wort vereinzelt in diesem Sinne. 
Neben dem frankoprov. crota „cave, grotte" in den Weslalpen sind 
auch Reste in französischen Mundarten erhalten, so im champ. creute 
„grotte, habitation ; bergerie taillee dans le roc", (vgl. oben p. 54) ; 
Aisne creutte „grotte" (Brayer). Die über ganz Frankreich als einzelne 
Splitter zerstreuten §T0//<?-Formen der Karte 204 des At. lg. halte 
ich für modernen Import. Wenn auch in der Westschweiz für krota 
neben „Keller" immer mehr die Bedeutung „Grotte" sich einbürgert, 
so geschieht das unter dem Drucke der Schriftsprache. 

Hier wäre nochmals hinzuweisen auf den Terrainausdruck le 
crot „creux", dessen Geschichte wir bereits oben zu beleuchten 
versucht haben. 

b) Wie wird crypta zu einem Geländeausdruck? 

Die Möglichkeit, mit dem Worte einen Ort zu bezeichnen, der 
Menschen oder Tieren einen natürlichen Schutz bieten kann, liegt, 
wie gesagt, schon im griechischen Stamm. Wenn auch zunächst 
der Laieiner unter crypta nur einen durch Menschenhand her- 



6 4 

gestellten Raum versteht, so kann aus diesen oben geschilderten 
Bedeutungen doch überall sekundär und spontan die Vorstellung 
einer natürlichen Bodenform hervorwachsen. 

So verliert im klassischen Land der Grotten l die berühmte 
Crypta Neapolitana mit der Zeit den ursprünglichen Sinn einer 
künstlich eingehauenen Galerie und als Grotta di Posilipo färbt sie 
dann ihren Namen ab auf ihre natürlichen Nachbarinnen. 2 Die 
Wundergrotten Neapels werden die Verantwortung dafür tragen, 
dafs heute nach Tommaseo besonders die Höhlen am Meer "piü 
comunemente Grotte che Spelonche o caverne" heiisen. 

Einen kühlen Keller zur Aufbewahrung der Landesprodukte 
bietet an Stelle der gemauerten crypta im kultivierten Rom viel- 
fach, besonders im Gebirge, die Natur in Form eines hohlen Felsens. 
Von der Bezeichnung eines solchen Raumes zur Geländebezeich- 
nung überhaupt ist ein kleiner Schritt. Dafs diese Verallgemeinerung 
in den Alpen und in Frankreich nicht durchdrang, liegt nicht nur 
im konservativen Charakter jener Dialekte, sondern, wie gesagt, vor 
allem im Vorhandensein älterer Terrainwörter. 

In dritter Linie hat crypta als Sakralwort den Begriffsinhalt 
„Höhle" erlangt. Zunächst durch die Bedeutungsentwicklung „Kata- 
kombengang — pl. Katakombengänge mit Gräbern = Friedhof — 
Gräber — sing. Grab — Grabnische — Grabhöhle". Hier wurde 
crypta synonym mit den Geländeausdrücken, die ebenfalls ein Grab 
bezeichneten, vgl. p. 113, n. 1. Der christliche Kult der zahlreichen 
Höhlengräber und wohl besonders die vielbesuchten heiligen Grab- 
höhlen Jerusalems haben diese Entwicklung unterstützt. Vielerorts, 
gerade im Orient, war auch beim Bau von Kirchen über heiligen 
Grotten in der Krypte die alte Gestalt des Ortes bewahrt worden, 
so dafs auch äufserlich die Unterkirche dem Auge als Höhle sich 
darbot. Der gleiche Übergang, den diese christliche Gräber- 
verehrung bedingte, war auch gegeben durch die Verwendung der 
urchristlichen cryptae als geheimer Versammlungsort zu Kultzwecken. 
Ganz ähnlich wie die Katakomben sahen nämlich schon die Lokale 
des orientalischen Mithrasdienstes aus, eines Kultes, der mit seinem 
mystischen Charakter und seinen symbolischen Handlungen viel 
Ähnlichkeit mit dem der Urchristen hatte. Die sog. Mühraspdaea 
aber waren in Form von gebauten cryptae sinnbildliche Darstellungen 
von Höhlen. 3 Hier steht also unser Wort bereits im Vorstellungs- 
kreis von Höhlengottesdiensten einer vorchristlichen Zeit. Die 



1 Victor Börard lokalisiert in seinem interessanten Werk Les Phiniciens 
et V Odyssee, II, chap. II, die Kyklopengeschichte in das phantastische Land 
der Höhlen und der rundäugigen Vulkankrater um Neapel. 

2 Andere ähnliche künstliche Bauten jener Gegend wie z. B. in den von 
Plutarch geschilderten berühmten Gärten des Lucullus am Cap Misenum, wo 
vom Meer gespeiste , in den Berg gehauene Grotten mächtige Fischteiche 
bildeten, mögen auch cryptae geheilsen haben. 

3 Cumont, Die Mysterien des Mithra. Übersetzung von Gehrich, 
Leipzig 1903, p. 121. 



6 5 

Christenverfolgüngen endlich vermehren die Wichtigkeit versteckter 
Zusammenkunftsorte, als welche nun häufig an Stelle der cryptae 
gezwungenermafsen natürliche Höhlen dienen, die aber doch mit 
dem altgewohnten Namen des Kultlokals bezeichnet werden. 1 Bei 
vielen Textstellen kann man oft im Zweifel sein, ob das Wort den 
primären oder sekundären Wert habe, so z. B. wenn Gregor von 
Tours erzählt: „occulebat se . . . ac per criptas et latibula cum 
paucis christianis . . . mysterium solempnitatis die dominica clanculo 
caelebrabat." 2 

Unzweideutig ist hingegen die Stelle eines Briefes des Papstes 
Gregor des Grofsen vom Februar 60 1 : „deverterunt de itinere et, 
ut a sequentibus inveniri minime potuissent, retrusas cryptas iuxta 
Flammineam portam invenientes in eis se occultaverunt . . .; ante 
cryptas illas ... in quibus se absconderant . . . deposuerunt lapides, 
qui in ore cryptarum positi fuerunt; ingressi sunt eosque in eisdem 
tenebrosis latibulis . . . invenerunt." 3 Hier handelt es sich natürlich 
um die christlichen Katakomben Roms. Die Geschichte dieser 
merkwürdigen Bauten spielt in der Weiterentwicklung des Wortes 
crypta eine wichtige Rolle. Da seit dem beginnenden 5. Jh. die 
unterirdischen Gräbergänge immer seltener als Bestattungsraum be- 
nutzt wurden, zerfielen sie zum grofsen Teil. Das Mittelalter 
interessierte sich wenig für diese Ruinen. Der volkstümliche Name 
cruptae, den ja die Römer da und dort noch selber auf Inschriften 
lesen konnten, blieb aber am Orte haften. Der Begriffsinhalt des 
Wortes cryptae — cruptae wurde also nach und nach identisch mit 
halbverschütteten, tiefliegenden Gemächern römischer Ruinen. So 
in der von Du Cange zitierten Stelle Gregors des Grofsen: „con- 
stituit Monasterium SS. Hadriani atque Laurentii, quod ruinis mar- 
cescebat a priscis temporibus, et tamquam crypta a saecularibus 
inhabitabatur." 

Dafs sich in diesen kellerartigen Räumen römisches Volk ein- 
genistet hatte, um sie als Wohnung oder als Vorratskammern zu 
benutzen, zeigt uns u. a. folgende Kaiserurkunde aus dem Jahre 
998. Es handelt sich um eine Klage des Klosters S. Eustachio in 
Rom gegen den Abt von Farfa, welcher beansprucht „duas ecclesias 
. . . que sunt edificate in thermis Alexandrinis cum casis criptis 
hortis terris cultis et incultis arcis colurnnis ... ab uno latere curtis 
et cripta quam detinet Lambertus filius Aldonis, et cripte, quas 



1 „Saepe etiam persecutorum rabiem declinantes in criptis et cymiteriis 
et speluncis atque desertis montibus et vallibus conventicula faciebant". Mon. 
Germ. Hist., Legum Sect. II, 2, 477. Als einzige Beispiele für geheimen Höhlen- 
gottesdienst in neuerer Zeit seien hier nur erwähnt die unterirdischen Ver- 
sammlungsräume gewisser religiöser Brüderschaften Italiens, die sog. buche 
(Rigutini-Bulle) und als Erinnerung an die Wiedertäufer des Zürcher Oberlandes 
im 16. Jh. die sog. Täuferhöhle bei Bauma (E). 

2 Mon. Germ. Hist., Script. Rer. Merov. I, 443. 

8 Mon. Germ. Hist., Epist. II, 289; der gleiche Ort wird auch in andern 
Dokumenten des Mittelalters so bezeichnet. 



66 

detinent heredes Ingebaldi et Azonis, ab alio latere cripta quam 
detinet Theophilactus Neapolitanus cum nepotibus suis sicuti de- 
finitum est per muros et columnas." * Dann ist a. 1027 wieder 
vom gleichen Ort die Rede: „Infra urbem Romam ecclesiam sancte 
Marie et sancti Benedicti cum criptis et muris et cum introitu et 
exitu illarum." 2 

Ganz sicher fährt uns der afrz. Roman von Athis und Pro- 
philias (Ende 12. Jh.) mit folgendem croute in die verschütteten 
Katakomben Roms. In Verzweiflung über sein Elend und die 
vermeintliche Untreue seines Freundes zieht Athis vor die Stadt. 

v. 1938 „Defors as murs d'antequite' 
Trova une croute soz terre." 

Er geht hinein und wünscht den Tod; da hört er drei junge 
Römer sich nähern. 

v. 2026 „Par la porte issent fors de Rome, 
Mout pres d'Athis, pres de la croute 
Chascuns de ces al mur s'acoute". 

In seinem Versteck belauscht Athis den Streit der drei Rivalen, 
in welchem einer getötet wird und die andern fliehen. Athis 

v. 2061 „Issuz est de la croute fors", 

um sich selbst als Mörder anzuklagen. ' 

Die gleiche Geschichte erzählt in etwas anderer Form bekannt- 
lich Boccaccio in der 8. Novelle des 10. Tages seines Dekameron. 
Das Loch, in das der arme Gisippo gerät, hat wieder den gleichen 
Namen: „Et essendo gia notte et esso digiuno e senza denari, 
senza sapere dove s' andasse, piü che d' altro di morir disideroso, 
s' avvenne in uno luogo molto salvatico della cittä, dove veduta 
una gran grotta, et in quella per istarvi quella notte si mise, e 
sopra la nuda terra e male in arnese, vinto dal lungo pianto, 
s' addormento. Alla quäl grotta due, li quali insieme erano la 
notte andati ad imbolare, col furto fatto andarono in sul matutino, 
et a quistion venuti, 1' uno, che era piü forte, uccise 1' altro et 
andö via." Auch hier versteht es sich von selbst, dafs dieser 
römische „luogo molto salvatico della cittä" nicht eine gewöhnliche 
Felsenhöhle ist. 

Wie solche Löcher gern von lichtscheuem Gesindel als Schlupf- 
winkel benutzt wurden, lehrt wohl auch die Cripta latronis, die in 
einer Grenzbestätigungsurkunde des Klosters Monte Cassino vom 
Jahre 1023 neben der schon aus der „Carta Capuana" bekannten 
Cripta imperatoris (dort aber = grupta) als Grenzbezeichnung auf- 



1 Mon. Germ. Hist., Dipl. Imp. Germ. II, 700. 

2 op. cit. IV, 91; vgl. auch Burckhardt, Kultur der Ren} I, 193. 



67 

tritt. 1 Heute noch sagt man auf Korsika grata „si la cave sert 
d' abri ä im bandit", aber tana „si eile sert de refuge ä un 
renard". 2 

Auch aufserhalb Italiens lebt noch das lateinische Wort in 
römischem Gemäuer weiter. So ist im Spanischen nach dem 
Wörterbuch der Akademie gruta ein veralteter Ausdruck für ein 
„edificio subterraneo. Se aplica principalmente a unos edificios 
romanos hechos bajo tierra". 

Das Mittelalter bietet hier nicht gerade reichliche Quellen. 
Sobald aber der forschende Geist der Renaissance wieder die 
Trümmer des Altertums zu durchstöbern beginnt, werden wir klar 
darüber unterrichtet, was man im Volke unter den grotte di Roma 
verstand. Als erster scheint gegen das Ende des 15. Jhs. Morto 
da Feltre in unruhigem Forscherdrang und sentimentaler Begeiste- 
rung sich dem Studium der römischen Ruinen, besonders der 
Titusthermen, hingegeben zu haben. Vasari erzählt in Mortos 
Lebensbeschreibung: „Per il che non resto di vedere sotto terra 
ciö che pote in Roma di grotte antiche ed infinitissime voite. Stette 
a Tivoli molti mesi nella villa Adriana, disegnando tutti i pavi- 
menti e grotte che sono in quella sotto o sopra terra . . . Ed 
ancora a Trullo, vicino alla marina, molti di quei tempii e grotte 
sopra e sotto ritrasse." Morto brachte die grotesken Wandmalereien 
auf, „chiamate grottesche, per essere elleno state*trovate per la maggior 
parte nelle grotte delle rovine di Roma". Ähnlich drückt sich 
Vasari in seiner Vita di Giovanni da Udine aus. Auch der 
Cortegiano erwähnt in gleichem Zusammenhang die grotte di Roma.* 
Am ausführlichsten aber äufsert sich Cellini in seiner Vita, I, 
cap. 31, wo er den Kunstausdruck der Grotesken erklärt: „Queste 
grottesche hanno acquistato questo nome dai moderni, per essersi 
trovate in certe caverne della terra in Roma dagli studiosi, le quali 
caverne anticamente erano camere, stufe, studii, sale ed altre cotai 
cose. Questi studiosi trovandole in questi luoghi cavernosi, • per 
essere alzato, dagli antichi in qua, il terreno e restate quelle in 
basso, e perche il vocabolo chiama quei luoghi bassi in Roma 
grotte', da questo si acquistorno il nome di grottesche" 

Wie deutlich verrät diese Stelle, dafs für das Volksempfinden 
schliefslich kein Unterschied mehr war zwischen caverne, spelonche 
und grotte ! Dafs letztere eigentlich nur die zerfallenen Reste einer 
alten Herrlichkeit waren, kümmerte den einfachen Mann wenig. 
Für ihn waren es eben unheimliche Löcher, denen man besser 
fernblieb, um nicht allerlei phantastischem Unwesen ins Garn zu 
laufen. In der Hypnerotomachia des Dominikanermönchs Francesco 
Colonna, jenem merkwürdigen Zwitterding zwischen antikisierendem 



1 Mon. Germ. Hist., Dipl. Imp. Germ. III, 615; vgl. auch op. cit. p. 343: 
a. 1014 in Cripta imperatoris. 

2 At. lg. Corse, 275: „une caverne dans un rocher", P. 64. 

8 Buch I, cap. LH, 4 (ed. Cian, p. in und Anmerkung); vgl. auch Varchi, 
Lezione 216. 

r* 



68 

Schönheitssehnen und mittelalterlicher Phantasterei, läfst der Ver- 
fasser seinen Polifilo in grottenhaften Gewölben alte Wandgemälde 
mit unheimlichen Höllenschilderungen entdecken; durch ein Laby- 
rinth von unterirdischen Gängen verirrt er sich schliefslich in eine 
dunkle Höhle, wohin ihn ein schrecklicher Drache verfolgt. 

Die Begriffe „Ruinen" und „Höhle" haben auch im Sprach- 
empfinden Dantes etwas Identisches. So erklären die Kommenta- 
toren, indem sie mit dem heutigen grotta eine dem Wort früher 
eigentümliche Bedeutungsphase charakterisieren wollen, mit Recht 
folgende Stelle: 

Purg. XII, 61 : „Vedea Troia in cenere e in caverne" Scar- 
tazzini: „caverne = ammassi di rovine formanti delle grotte u , 
Casini: „bruciata e rovinata; ii nome caverne qui indica mucchi 
delle rovine che sovraponendosi formano come delle grotte" 

So ist, aus verschiedenen Quellen stammend, die Bedeutung 
grotta „Höhle" in ihrer Entwicklung schliefslich zu einem mächtig 
fliefsenden Strom angewachsen. Bevor wir aber den Siegeslauf der 
modernen Grotte weiter verfolgen können, müssen wir zunächst 
noch einigen Nebenbedeutungen des Wortes als Geländeausdruck 
unsere Aufmerksamkeit zuwenden. 

c) Weitere Geländebezeichnungen. 

Wiederum ist es das mittelalterliche Italien, in dessen Sprache 
crypta noch anderen charakteristischen Bodenformen den Namen 
gab, um dabei ebenfalls den ursprünglichen Sinn zu verlieren. Und 
wiederum sind es meines Erachtens die antiken Bautentrümmer, 
die auch hier den Übergang begünstigten. Während anderswo, 
besonders in Rom, die halbverschütteten Hohlräume, die in den 
Ruinen sich verlierenden Löcher als charakteristisches Merkmal 
aufgefafst wurden, erschienen besonders in der Toskana die steilen 
Mauerreste, die in die Tiefe abfallenden Wände typisch. Hier 
stand im Vordergrund des Bewufstseins der Begriff des Hinab- 
gehens, dort derjenige des Hineingehens. Dafs diese beiden Be- 
griffe sich leicht in der Vorstellung des Sprechenden verwirren, 
wissen wir aus der Geschichte anderer Wörter, deren ursprünglicher 
Wert „Höhle" unzweifelhaft ist, z. B. von balma (vgl. oben p. 12 — 13). 
Wir haben es hier mit einem allgemein möglichen Bedeutungswechsel 
zu tun, der in unserem Falle durch das Bild der Ruinen scheint 
gefördert worden zu sein. 

Die toskanische Literatur bietet aufser für die landläufige noch 
für folgende Bedeutungen Belege: 

1. „Abschüssiger Ort, Felswand": Pürg. XXVII, 87 : Der 
Dichter und sein Begleiter legen sich über Nacht in einer grofsen 
Felsspalte zur Ruhe 

„Fasciati quinci e quindi d' altä grotta." 
Purg. III, 90: „Si che l'ombra era da me alla grotta". 



6 9 



Purg. I, 48: „O e mutato in ciel nuovo consiglio 
Che, dannati, venite alle mie grotte} 11 



(Scartazzini : = „cerchi del Purgatorio, che sono dirupi e balzi".) 
Decamerone II, 9: „Pervennero in uno vallone molto profondo e 
solitario e chiuso d' alte grotte e d' alberi." 

Aufser den toskanischen Formen sind hier zu erwähnen die 
von Jaccard zitierten westschweizerischen Ortsnamen La Crottaz bei 
Lavey und Les Crottes bei Genf, vgl. oben p. 63. Von der Be- 
deutung „Felswand" ist der Weg nicht mehr weit zu 

2. „Felsen, Felsblock 1 mit schroff abfallender oder über- 
hängender Wand" : 

Ninfale Fiesol., Ottava 23: „Dopo una grotta si mise ascoltare. 

1. c, ott. 70: con lento 

Passo scendeva giü per quelle grotte. 
1. c, ott. 114: E poi da capo a fugir cominciava . . . 
E grotte e balze passando recide 
Tanto ch'al colle del monte pervenne." 

Ameto, ed. Moutier XV, 69: „In quelle parti ove Alfeo, non lento 
fiume, da alte grotte disceso, bagna ..." Fiammetta, ed. Moutier 
VI, 156: „Egli (Panfilo) non e di quercia, o di grotta o di dura 
pietra scoppiato, ne . . . ha cuore di diamante o d' acciaio." 
Polizian, Stanze per la giostra, ott. 30: 

„giä d'una grotta 

Spunta giü il cavriuol." 

Auch aufserhalb der Toscana begegnet man vereinzelt dieser 
Verwendung des Wortes. Im ladinischen Muggia d' Istria finden 
wir in einer Legende : „Per paüra de la ploa a s' a mitü a ripar 
de una kröta" (vgl. p. 32, n. 1). Laut Battisti lebt im Valvestino 
ein grqt „masso; Felsstück, Felsblock". Auch im Wallis (in Lid des, 
Salvan, nach Barman) bedeutet krqta „rocher, grosse pierre, caillou" 
(Gl). Bezeichnenderweise hat in Salvan balma ein ähnliches 
Schicksal gehabt (vgl. barmä p. 15 und kroteye p. 70). 

Einmal für Fels und Felswand gebräuchlich bleibt der Name 
crypta am Boden haften, auch wenn er nur einen mählich an- 
steigenden Geländestreifen bezeichnet. 

3. „Böschung, Bord, Rain zwischen zwei übereinander- 
liegenden Flächen" : 

Inferno XXI, HO: „Andatevene su per questa grotta". 

Inf. XXXI, 114: „E venimmo ad Anteo, che ben cinqu'alle, 

Senza la testa, uscia fuor della grotta. u 
Purgat. XIII, 45: „E ciascun e lungo la grotta assiso." 



1 Nach Caverni, Voci ' e modi nella Divina Commedia delV uso popolare 
toscano, ein Buch, das mir nicht zur Verfügung stand, soll diese Bedeutung 
heute noch in der Toskana lebendig sein. 



7o 

Fiori e vita di rilosafi: Diogene (13. Jh.): „Una febre . . . li prese 
nela via; et elli sc trasse a uno arbore nella grotta de la via." 
Aus dem Wörterbuch von Tommaseo-Bellini nehme ich folgende 
Belege: Vegezio Flavio, Dell' arte della guerra (das latein. Original 
erschien Ende 15. Jh.): „Di grotta fatta di terra si dee circondare 
(1' oste) e di questa come di muro si dee guernire, alta la grotta 
sopra terra tre braccia." Segr. Fiorent. (ed. 1550): „Erano i fanti 
de' Fiorentini aggravati dalle acque e dalle armi, ne avevano tutti 
superato la grotta del fiume." ib.: „Per trovare il fondo non guasto 
e la grotta piü benigna che gli ricevessi." E. 103: „Tentarono 
(i Fiorentini) far passare la fanteria della parte di sotto del fiume 
. . . Ma sendo le grotte alte e di sopra oecupate dalie genti di 
quello si provarono in vano." 

In toskanischen Dialekten lebt auch die männliche Form im 
gleichen Sinne. Schon der alte Dante-Kommentator Buti (14. Jh.) 
sagt zu Inf. IV, 1 : „Descendesi un grotto, e trovasi una ripa" und 
nachher: „Terminasi all' altro grotto, e ha ben grande latitudine la 
grossezza del cerchio, cioe del grotto. 11 In den Bergen von Pistoia 
sind grotti „rialzi di terra che dividono un podere dall' altro" 
(Tommaseo). So sagt man „sediämoci su questo grotto" oder 
„cascö giü da un grotto" (Petrocchi). 

Aus diesem Zusammenhang ist das ital. Vb. aggrottare „einen 
Damm {grotta) aufwerfen" hervorgegangen. Dazu der Ausdruck : 
aggrottare le ciglia „die Brauen runzeln, ... falten", welcher wiederum 
an das alte far grotte di leone im Centiloquio erinnert = „far viso 
grave e minaccioso". Das Particip aggrottato bedeutet „aufgeworfen; 
finster blickend, ernst, unwillig". In ähnlichem Sinne spricht auch 
Boccaccio im Ameto von grottose ciglia. 

Eine interessante Parallele hat die italienische Redensart des 
„Kugelspiels" dar piü meno grotta alla palla, d. h. „tirar la palla 
in modo che rasenti piü o meno la sponda del pallajo cosicche 
ripereuotendo in essa sponda . . . venga a prendere una direzione 
piü o meno obliqua verso il grillo" (Tommaseo) oder grotteggiare 
„tirar la palla vicino all grillo". Im Lyonesischen, wo das gleiche 
Spiel und die gleichen Kunstgriffe üblich zu sein scheinen, hat 
nämlich das Wort balma im Sinne von „Rain" die Verben dormo 
und bormayi geliefert, die in der Bedeutung genau den italienischen 
Verben entsprechen, (vgl. p. 13). Mit ital. grotteggiare hängt viel- 
leicht auch krottye „lancer des pierres" in Liddes (V; Gl) zusammen, 
wenn es nicht noch eher spontan vom dortigen krota „caillou" 
abgeleitet ist. 

4. „Taleinsenkung": Nur an wenigen Orten ist dieser Sinn 
gebräuchlich. So im genf. krota „trou dans la terre, enfoncement, 
depression de terrain, ravin" (Hermance) und „partie creuse oü 
deux pentes se joignent, sorte de combe" (Aire-la-Ville; Gl). Val 
Antigorio eröt „avvallamento di terreno" (Salvioni, StFR. VIII, 7). 
Brasil, gröta „Schlucht" (Toussaint-Langenscheidt). 



7i 

Eine Reihe von Terrainformationen stritt sich also im Mittel- 
alter um den Besitz des Namens crypta. Noch bei Dante er- 
scheint das Wort abwechselnd in allen möglichen Bedeutungen. 
Aus den besprochenen Gründen trägt der Begriff „Höhle" zwar 
schon von Anfang an am meisten Aussichten auf den endgültigen 
Sieg in sich. Die entscheidende Wendung kam aber gewisser- 
maisen von aufsen, als das Schicksal unseres Wortes aufs engste 
verknüpft wurde mit einer grofsen allgemeinen Strömung der 
Menschheitsgeschichte, mit der Renaissancebewegung. 

d) Grotta in der italienischen Renaissance. 

Mit der Wiedererlernung des plastischen Schauens ging bei 
den Renaissancemenschen, soviel wir wenigstens aus ihren Kunst- 
werken im Vergleich zu den mittelalterlichen schliefsen können, 
eine Erneuerung und Vertiefung des Verständnisses der Natur- 
schönheiten Hand in Hand. Auch hier wie überall folgten sie den 
Spuren ihrer grofsen Führerin, der Antike. 

Das antike Naturgefühl nährte sich aus doppelter Quelle; 
einerseits entsprang es religiöser Empfindung, andrerseits der Vor- 
stellung des nützlichen Genusses. 

In ihrem ausgesprochenen Bedürfnis nach plastischer Formen- 
schönheit belebten die phantasiereichen Griechen die Natur mit 
menschenähnlichen Gottheiten, wie der Kunstliebhaber seinen Park 
mit glänzenden Marmorstatuen füllte. Für die Italiker war die 
Natur von einem geheimnisvollen „Fluten und Weben eines un- 
persönlichen Geistes" erfüllt. „In der Einsamkeit und Stille der 
Natur, . . . vor dämmernden Grotten, alten Bäumen, eingehegten 
Hügeln verweilte der Wanderer oft in unwillkürlicher Andacht." * 
„Erblickst Du", sagt Seneca, Ep. 41, „einen Hain von dicht stehen- 
den, alten, über die gewöhnliche Höhe aufragenden Bäumen, wo 
die Masse des über- und durcheinander sich erstreckenden Gezweiges 
den Anblick des Himmels ausschliefst, dann gibt der riesige Baum- 
wuchs, das Geheimnis des Ortes und die Bewunderung des im 
offenen Felde so dichten und zusammenhängenden Schattendunkels 
dir das Gefühl von der Gegenwart einer Gottheit. Und wenn eine 
Grotte mit tief ausgefressenem Felsgestein sich in einen Berg hinein 
erstreckt, keine künstliche, sondern durch natürliche Ursachen zu 
solcher Weite ausgehöhlt, so wird sie dein Gemüt mit der Ahnung 
von etwas Höherem ergreifen." — Die Grotten, in deren rauschen- 
den Wassern man göttliche Stimmen und Musik zu vernehmen 
glaubte, waren geweihte Stätten von Apollo, Pan, der Egeria und 
Sibylla, vor allem aber der singenden Nymphen. 2 



1 Friedländev, Sittengeschichte Roms*, Leipzig 1910, II, 192— 3. 

2 Über die Grottenheiligtümer am Abhang der Akropolis vgl. Judeich, 
Topographie von Athen, p. 270 — 272, 281 in Iwan Müllers Handbuch der 
klass. Altertumswissenschaft. Über die berühmtesten Grotten des Altertums, 
vgl. Friedländer, 1. c. II, 194. 



72 

Dem praktischen Sinn des Römers entspricht es, wenn er 
immer wieder die Natur vom Nützlichkeitsstandpunkt aus betrachtet. 
Lieblichkeit und Fruchtbarkeit verlangt er von einer idealen Land- 
schaft. Für den gesundheitsstärkenden Frieden, die Einfachheit 
des Landlebens hat er immer eine ausgesprochene Vorliebe gehabt. 
Aus dem Getümmel der Grofsstadt zieht es ihn hinaus in die Stille 
der Felder. In der Waldesluft, am murmelnden Quell möchte er 
sich erfrischen, im duftenden Grase, in kühlen Grotten der Ruhe 
geniefsen. Imme* wieder sehnt sich der Dichter hinaus aus der 
nerv enerschl äffenden Überkultur, um wie der einfache Hirte im 
Schatten einer schützenden Höhle den Mittag zu verträllern, bis 
friedliche Herdenglocken und das Singen der Nymphen ihn in 
Schlaf wiegen. 

Statt all dieser irdischen Pracht bringt das Mittelalter nur 
flache Bilder, magere Konventionen. Aber mit der Entdeckung 
des antiken Geistes beginnt sich der Nebel zu heben ; über einer 
farbigen, sonnigen Welt wölbt sich wieder der blaue Himmel. Auch 
aus unsern Höhlen steigt der Modergeruch des Aberglaubens; und 
während früher in finstern Felsenlöchern schreckliche Ungeheuer 
den andächtigen Einsiedler störten, versucht jetzt in der moos- 
gepolsterten Grotte der Nymphen der junge Hirte ein unschuldiges 
Liebesabenteuer. 

In der Renaissanceliteratur wird gleichzeitig mit dem 
Überhandnehmen der mythologischen Figuren die Grotte zum in- 
tegrierenden Bestandteil der antikisierenden Naturschilderung; ja, 
man kann sogar in gewissem Sinne nach dem Vorkommen dieser 
Höhlenpoesie den Entwicklungsgrad der modernen Kunstrichtung 
feststellen. Es ist kein Zufall, dafs gerade Petrarca's Bucolicum 
Carmen, der Ausgangspunkt der modernen Schäferdichtung, auch 
die Mode der poetischen antra, cavernae, sßecus, saxa concava reich- 
lich wieder in Schwung bringt. Die Bukolik hat ja vor allem diese 
primitiven Zufluchtsstätten mit dem Klange der Leier erfüllt. 

Doch wir sollen ja hier vom Wort grotta sprechen, und nicht 
von der Rolle, die der Begriff „Höhle" überhaupt spielte. Folgen 
wir also seiner Spur in der italienischen Renaissanceliteratur! Sie 
führt uns wieder auf bekannten Boden. Boccaccio, der in seinem 
heimatlichen Ninfale, wie wir gesehen, auch am heimatlichen Sinn 
des Wortes festhält, läfst in Neapel seine Fiammetta klagen : „Niuno 
lito, niuno scoglio, niuna grotta da me non cercata vi rimaneva" 
(ed. Moutier VI, 108) und im Filocolo sucht dieser die in eine 
Quelle verwandelte Neapolitanerin „nelle grotte del duro Monte 
barbaro a man sinistra, passata la grotta oscura" (ed. Moutier 
VIII, 254) (= forata montagna bei Partenope). Schon mit dem 
Florentiner Boccaccio wird man in Neapel wohl in ähnlich beredtem 
Tone gesprochen haben, wie im 15. Jh. de Rosa die Schön- 
heiten seines Landes preist: „Hora dimme: avitence nullo dilietto 
per mare? O, in certe grutte le quäle se chiamano le grutte dello 
re, chence ave una gentile accua che esse de la montangnia; et 



73 

anco avimo certe gratte che se chiama lo Cchiatamone et Sarapia, 
chence ey una mangnia fontana de una accua fresca". x 

Für immer aber waren die toskanischen Konkurrenten, die 
sich, wie wir sahen, mit Erfolg bis in Lorenzos Zeit wehrten, aus 
der Literatur verstofsen, als ein Neapolitaner in einem Werk von 
internationaler Bedeutung im Bedürfnis nach einem neuen Ausdruck 
für eine beliebt gewordene Sache endgültig grotta zum Synonym von 
spelunca, caverna, antro stempelte: Sannazzaro in seiner Arcadia. 
Dadurch waren dem Wort die Tore geöffnet zur klassischen Literatur 
Italiens, ja sogar zur Schäferdichtung von ganz Europa, wo die Grotte 
nun, wie hier, nicht nur Menschen und Tieren natürlichen Schutz 
bieten, 2 sondern auch Gottheiten beherbergen 3 und als personi- 
fizierte Natur die Klagen und Freuden der Sterblichen mitfühlen 4 
soll. Nachdem auch noch die grofsen Oberitaliener, Boiardo und 
besonders Ariost, mit ihrem romantischen Spuk und mit elegischen 
Ergüssen manche grotta erfüllt hatten, ist das Wort in eindeutigem 
Sinne im Italienischen zum Allgemeingut geworden. 

e) „Grotte" in Frankreich. 

Dafs grotte im Französischen als Fremdkörper aus dem Italie- 
nischen entlehnt wurde, ist eine bekannte Tatsache. Der Tonvokal 
und der Anlaut neben dem einheimischen croute, sowie das Fehlen 
dieser Form in den Texten und besonders Ortsnamen des franzö- 
sischen Mittelalters charakterisieren sie deutlich als eine in Frank- 
reich nicht bodenständige Entwicklung. Uns interessiert es hier zu 
wissen, wann, unter welchen Bedingungen dieses Wort übernommen 
wurde, und warum es sich mit Erfolg halten konnte. 

Der Gedanke liegt nahe, grotte ohne weiteres als einen im- 
portierten Modeartikel der italianisierenden Renaissanceliteratur 
anzusehen. So ist es auch gewifs in Bezug auf die Poe.tisierung 
des Begriffs „Höhle" im allgemeinen. Für die Einführung des 
Wortes grotte aber möchte man doch kaum die Dichtung verant- 
wortlich machen, wenn man es um 1555 in der Literatur zum 
ersten Mal findet, während der italienische Einflufs sich ja schon 
viel früher geltend machte. Dazu scheint Ronsard das Wort zuerst 
zu gebrauchen, ein Dichter, der Italien nicht aus eigener An- 
schauung kennt, während die übrigen, die dort wohl bekannt waren, 
ein Marot, Mellin de St-Gelais, Du Bellay, De Baif etc. andere 
Ausdrücke wie caverne, antre, rocher creux, creux de la montagne 
etc. vorziehen. Endlich fehlt grotte da, wo man es unter dieser 
Annahme am ehesten vermuten dürfte, bei den französischen Über- 
setzern dieser Zeit, die entweder italienische Originale oder doch 
frühere italienische Bearbeitungen mit dem Wort grotta vor Augen 
hatten; so in Du Bellay's Übersetzung des vierten Buches der 

1 Lodi in Napoli bei Monaci, Crcst. III, 555. 

2 Egl. II, v. 63; X, v. 72; Prosa XI; XII. 

3 Egl. I, v. 31; Pr. X; XII. 
« Egl. XI, v. 5. 



74 

Äneis, in Arayot's Daphnis und Chloe, in Desportes Roland furieux 
usw. Wo also, wenn nicht hier, war die Eingangspforte? 

Typisch für den fremdartigen Charakter des Wortes ist die 
Tatsache, dafs eine Ableitung vor dem Simplex erscheint. 
Gay gibt in seinem Glossaire archeologique , Paris 1887, aus dem 
Inventar eines Florimond Robertet für das Jahr 1532 folgende 
Stelle: „Une grande cuvette faicte en fontaine, oü sont de ces 
gentilles crotesques nouvellement inventees qui jettent miles fleurons 
ä petits jambages tortus" etc. crotesque erscheint auch bei Rabelais, 
Montaigne u. a. 1 Trotz des auffallenden stimmlosen Anlauts 2 verrät 
das Suffix -esque sofort die italienische Herkunft. Wer die Über- 
bringer des italienischen Wortes waren, lehren uns deutlich die 
Rechnungen der Königsbauten 3 von Fontainebleau. Hier erscheint 
in den Jahren 1540 — 1570 ein einmaliges grotesse* neben grotesque 5 
in vielen Belegen. 

1 Vgl. weitere Belege für crotesque und grotesque bei Gay, op. cit. 
p. 507, 800. Zur Bedeutung vgl. Schneegans, Die Geschichte der grotesken 
Satire , p. 29 — 32; besonders aber Paul Knaak, Über den Gebrauch des 
Wortes „grotesque", Diss. Greifswald 1913. Auf diese Arbeit wurde ich erst 

nach Abschlufs meiner These durch meinen Freund Dr. Hans Werner in 
Zürich aufmerksam gemacht. 

2 Mit Recht hat hierin schon Morf in seiner Besprechung des Buches 
von Schneegans, Herrigs Arch. XCVII, 447 eine bezeichnende, volksetymo- 
logische Hindeutung auf das bei Rabelais beliebte crotte gesehen. (Auch im 
Holländischen hat sich die Volksetymologie dieses Fremdworts bemächtigt, 
wenn dort heute noch groot „grofs", grotesk „grofsartig" bedeutet. Nach 
Mitteilung eines Freundes aus dem Kolleg von Prof. Bally, Genf). So nennt 
sich z. B. Dassoucy einen 

„pauvre poete burlesque 
Non tant crotte comme crotesque" . 
Mit dieser Erklärung kann man sich aber nicht begnügen, wenn man weifs, 
dafs in einer zu erwähnenden Skizze einer Grotte, (vgl. unten p. 81) der franzö- 
sische Künstler seinen Bau handschriftlich mit crotte bezeichnet. Es ist also 
wohl anzunehmen, dafs bei der Übernahme des italienischen Wortes eine Zeit 
lang die alteinheimische Lautung mit c- sich wenigstens teilweise noch erhalten 
hat, ein Zustand, den uns offenbar heute noch Mistral in seinem croutesc neben 
groutesc widerspiegelt. 

3 Labor de, Les comptes des bätiments du roi (1528 — 1571), Paris, 
tome I, 1877, tome II, 1880. 

4 Laborde I, 195 in einem der ersten Belege zwischen 1540 — 50. Das 
noch ungewohnte, fremde Suffix wird einem einheimischen angepafst. Eine 
ähnliche Verstümmelung des Suffixes weist auch die Nebenform croteste auf, 
worin Morf, 1. c, eine weitere Umdeutung nach tete erkennen will. Diese 
Form ist uns im Vorwort zu den Rabelais zugeschriebenen „Songcs de Panta- 
gruel", welche 1565 Richard Breton veröffentlichte, überliefert; der Heraus- 
geber erklärt hier, er habe die phantastischen Figuren für das Publikum ab- 
gedruckt „seulement pour servir de passe temps ä la jeunesse, Joint aussi que 
plusieurs bons esprits y pourrot tirer des inventions tant pour faire crotestes 
que pour establir mascarades". Diese Form hat auch Fischart übernommen in 
seiner Grille Krottestisch Mül zu römischer Frucht, erschienen 1577; ferner 
1586 in der „Daemonomania", p. 178, wo von seltsamen Grillenkrotestischen 
Basilisken die Rede ist; im „Gargantua", ed. 1590, p. 65 wird die „panta- 
grueline pronostication" wiedergegeben mit krotestisch Kluftgrille-, vgl. Schnee- 
gans, 1. c. p. 32. 

5 Laborde I. 191 • II, 2, 3, 48, 67, 96, 127, 129, 179. 



75 

Als Beispiel genüge eine einzige Stelle aus dem Jahre 1559: 
„Nicolas de L'Abbey, raaistre paintre, confesse avoir fait marche et 
convenant avec venerable et discrette personne messire Francisque 
Primadicis dit de BouUongne, abbe commendataire de Saint Martin 
es Ayres de Troyes, commissaire general ordonne et d£pute sur le 
fait de ses ediffices et bastimens, ... de faire et parfaire . . . en 
la grande gallerie de son chasteau et basse court dudit Fontaine- 
bleau, les ouvrages de painture, assavoir: faire les groiesques en 
forme de frizes qui sont dessous les tableaux entre les croisees 
de ladite gallerie ... et au dedans de l'embrasement de chacune 
fenestre de ladite gallerie sera tenu faire les enrichemens en grotes- 
que . . . Item seront faittes unze fenestres paintes et trophees frize 
ä grotesque ... et sera tenu d'achever le bout de ladite gallerie 
du coste du logis de Monseigneur le cardinal de Lorraine, de 
toutes histoires, figures et grotesques qui luy seront ordonnez par 
l'abbe de Saint Martin" (1. c. II, 3). 

Seit Franz I. hatten die Könige von Frankreich mit Vorliebe 
bei ihren Bauten italienische Künstler beschäftigt, besonders lag 
die dekorative Ausschmückung der Schlösser in ihren Händen. Von 
den in den Rechnungen erscheinenden 1 1 Aufträgen für die 
Grotesken von Fontainebleau waren 8 an Italiener vergeben, an 
Fantuzzi aus Bologna, Dominico aus Florenz, Mazerini, Nicola und 
Giulio Camillo deli'Abbate. An 3 von diesen waren für Grotesken- 
malereien in den Jahren 1560 — 70 1340 livres ausgegeben worden, 
gegenüber 525 livres in derselben Zeit und für dieselbe Arbeit an 
2 französische Maler. Mafsgebend für solche Arbeiten wird der 
Geschmack Primaticcios gewesen sein, welcher seit 1532 schon in 
Frankreich tätig war und von 1559 — 70 als Leiter der königlichen 
Bauten amtete. Mit den italienischen Künstlern und ihren Werken 
ist also als terminus technicus der bildenden Kunst grotesque 
nach Frankreich gewandert. 

Versuchen wir nun, auf dem Weg, den die Ableitung ein- 
geschlagen hat, der Wanderung des Grundwortes zu folgen, d. h. 
prüfen wir einmal, ob vielleicht nicht nur das Wort, sondern auch 
die Sache selbst von einem Land ins andere gewandert sei. Aber, 
wird man uns entgegenhalten, eine Bodenform ist doch kein Export- 
artikel ! Gewifs nicht, soweit sie von der Natur geschaffen ist. Die 
Natur kann aber nachgebildet werden. Sie ist jederzeit nachgebildet 
worden und zwar immer so, dafs diejenigen ihrer Schönheiten, die 
der betreffenden Epoche und dem betreffenden Volke charakte- 
ristisch erschienen, in der künstlichen Darstellung besonders hervor- 
gehoben wurden. In diesem Sinne spiegelt sich das Naturgefühl 
einer Zeit gewisserraafsen in ihren Gartenanlagen, in der Mode 
der Gartenbaukunst. Richten wir also dahin unsern Blick! 

Schon im orientalischen und griechischen Altertum bestand 
die Sitte, in Gärten künstliche Grotten anzulegen, um den Körper 
in deren Schatten zu erfrischen und den Geist an der geweihten 



76 

Stätte sagenumwobenen Gottheiten näher zu bringen. Zur höchsten 
Entfaltung kam diese Art Dekoration in den prächtigen Park- 
anlagen der Römer, deren besonderer Schmuck die Wasserwerke 
waren. Von fern hergeleitet sprudelten die Quellen der Gebirge 
rauschend aus statuengeschmückten Grotten, ergossen sich über 
plätschernde Kaskaden in Teiche und stiegen in den Strahlen herr- 
licher Springbrunnen auf, deren kühler Hauch die Sommerluft 
erfrischte und reinigte. 1 Terrassen, Lauben, Säulengänge, „kühle, 
mit Bimsstein, Muscheln und zerfressenem Tuff ausgelegte Grotten" 
zierten die Gärten des Plinius. 2 Ein ähnliches Bild eines Muster garten s 
nach dem antiken Ideal entwirft anno 1450 Leon Battista Alberti 3 : 
„Nelle g rotte & nelle spelonche usavano gli antichi di farvi una 
corteccia di cose aspre, & ronchiose commettendovj pezzuoli piccoli 
di pomice o di spugne, di trevertini, laquale spugna e chiamata 
da Ovidio viva pomice, & ho veduto chi vi ha messo cera verde, 
per fingere quella lanugine di una spelonca piena di muschio. 
Piacquemi grandemente quel che io veddi gia ad una simile spelonca, 
donde cadeva una fontäna d'Acqua, conciosia che e' vi era una 
scorza fatta di varie sorte di nicchi, & di ostrighe marine, Altre 
arrovescio, & altre bocchoni fattone uno scöpartimento secondo la 
varietä de loro colori, con artifitio molto dilettevole". 

Die Gärten der italienischen Renaissance entsprachen 
in ihrem regelmäfsigen , architektonischen Charakter der antiken 
Tendenz, nicht die freie Natur in ihren Zufälligkeiten nachzuahmen, 
sondern sie den Gesetzen der Kunst dienstbar zu machen. Den 
typischen, balustradengeschmückten Terrassen, den mittleren Ab- 
sätzen der symmetrischen Doppeltreppen dienten Grotten mit Brunnen 
als architektonische Ausstattung. Auch hier vermischte sich wieder 
das Grottenhafte mit dem Ruinenhaften im Rustica-Charakter. So 
in einem von Annibal Caro 4 geschilderten Garten: Am Abschlufs 
eines Laubenganges erhebt sich eine Mauer von dunklem, porösem 
Tuff . . . das Ganze stellt „un pezzo d'anticaglia rosa (verwittert) e 
scantonata" dar; in der Mitte eine Türe, zu beiden Seiten mit 
rohen Blöcken, oben mit hängenden Steinmassen wie ein Höhlen- 
eingang. Rechts und links in Rustica - Nischen Brunnen mit 
Statuen . . . überwuchert mit Epheu, Weinlaub usw. Der Charakter 
des Ganzen „ritirato, venerando". 

Gegen Ende des 16. Jh. entwickelt sich in der italienischen 
Gartenbaukunst immer mehr die Mode raffinierter, oft noch mit. 



1 Vgl. Friedländer, Sittengeschichte Roms* I, 18. 

2 Vgl. F. Cohn, Die Geschichte der Gärten s Berlin 1856, p. 28. 

3 V architettura di L. B. Alberti , ital. Übers, von Bartoli, Firenze, 
a. 1550, 1. IX, cap. 4: „Con quai Pitture, con che frutti, e con quai sorti di 
statue si debbino addornare le case de privati, i Pavimenti, le logge, le altre 
stanze & i Giardini". 

4 1538, Lettere pittoriche, V. 91. Vgl. Burckhardt, Geschichte der Re- 
naissance in Italien*, p. 255. Diese durch Türe und Rustica-Mauer abgeschlossene 
Grotte erinnert an die Grotte des Pins in Fontainebleau, vgl. unten p. 78. Zur 
Grotte der Villa di Papa Giulio bei Rom vgl. Burckhardt, 1. c. p. 249« 



77 

Musik verbundener Wasserkünste, die aber bald in barocke Spielereien 
ausarteten. Die Grotten hatten an den wunderlichen Attraktionen, 
mit denen der nichtsahnende Besucher überrascht wurde, einen 
besondern Anteil. Solche Wunderwerke, wie sie z. B. heute noch 
in den Gärten der Villa Pallavicini in Pegli gezeigt werden, gab 
es vielerorts 1 ; berühmt war dafür besonders Pratolino, die nach 
1573 erbaute Residenz des Grofsherzogs Francesco de' Medici. 
Montaigne gibt davon in seinem Reisetagebuch eine amüsante 
Schilderung 2 : „II y a de miraculeus, une grotte a plusieurs demures 
et pieces: cete partie surpasse tout ce que nous ayons jamais veu 
ailleurs. Elle est encrout6e et formee partout de certene matiere 
qu'ils disent estre apportee de quelques montaignes, et l'ont cousue 
a tout des clous impereeptiblemant. II y a non-sulemant de la 
musicque et harmonie qui se faict par le mouvemant de l'eau, 
mais encore le mouvemant de plusieurs statues que l'eau esbranle 
(et porte ä divers actes), plusieurs animaus qui s'y plongent pour 
boire, et choses samblables. A un sul mouvemant, toute la grotte 
est pleine d'eau, tous les sieges vous rejallissent l'eau aus fesses; 
et, fuiant de la grotte, montant contremont des eschaliers du chateau, 
il sort d'eus en deus degres de cet eschalier, qui veut donner ce 
plesir mille filets d'eau qui vont baignant jusques au haut du logis." 
Ähnliches sah Montaigne im Park der Villa von Castello: „II y a 
aussi la une belle grotte, oü il se voit toute sorte d'animaus re- 
presentes au naturel, randant qui par bec, qui par l'aisle, qui par 
l'ongle ou l'oreille ou le naseau, l'eau de ces fontenes" (1. c. p. 196). 
Für die Entwicklung der französischen Renaissance- 
gärten war wie in anderen Künsten auch wieder in vielem Italien 
das Vorbild. Als die Franzosen auf ihren Kriegszügen nach Italien 
kamen, entzückten sie die herrlichen Gartenanlagen mehr als alle 
andern Schöpfungen der Kunst. Ihre Berichterstalter sind voll 
Ruhmes über diese Zauberpracht. 3 Da ist es nur natürlich, dafs 
in den folgenden Jahrzehnten italienische Gärtner und Gartenbau- 
künstler im Dienste der französischen Könige standen. 4 So kommt 
auch die italienische, antikisierende Mode der Grotten in die 
französischen Gartenanlagen. Einige der ersten und wichtigsten 
dieser Bauten, über deren Existenz wir unterrichtet sind, seien hier 
erwähnt. 



1 Vgl. Riat, Vart des jardins, 19OO, p. Il6ss. 

2 Montaigne, Journal de voyage, 1580 — 81, ed. Lautrey, Paris 1909, 
p. 187; vgl. auch p. 195, 271. 

3 Vgl. Lübke, Geschichte der Renaissance in Frankreich, Stuttgart 
1868, p. 259. 

4 Zwischen 1530 — 33 ist die Aufsicht und Besorgung der königlichen 
Gärten von Blois nacheinander einem Jheronyme de Napples und einem 
Parcello de Mercoliano übertragen, vgl. Laborde, 1. c. II, 205, 2r8, 257. 
In den Rechnungen der Catherine de Medicis wird 1571 erwähnt ein „Bernard 
de Carvessequi, . . . Intendant des plantz dudict jardin des Tuilleries, 
. . . conducteur des plantz dudict grand jardin du pallais de Sa Majeste* les 
le Louvre, ä Paris", 1. c. II, 348. 



78 

Die älteste scheint Fontainebleau zu besitzen in der sog. 
„Grotte du Jardin des Pins qui subsiste encore avee son portique 
compose de trois arcades en enormes bossages rustiques, flanquees 
d' Atlas et de Termes fantastiques et, ä l'interieur, sa decoration 
de rocailles et de coquilles ä la maniere des nymphees italiennes". 1 
Die folgenden Grottenanlagen fallen alle in die Zeit von 1550 — 70. 
Vor 1558 läfst der Kardinal von Lothringen, für dessen italiani- 
sierenden Kunstgeschmack die p. 75 erwähnten Groteskenmalereien 
in dem von ihm bewohnten Teil des Schlosses von Fontainebleau 
zeugen, die Grotte von Meudon 2 errichten, wohl nicht durch 
Delorme, den Erbauer seines dortigen Schlosses; denn in diesem 
Fall wäre sie nicht besungen worden von Ronsard, einem 
persönlichen Feinde dieses französischen Architekten. 3 Im Park 
des Schlosses von Gaillon war inmitten eines Wasserbassins auf 
einem künstlichen Felsberg in grottenähnlichen Höhlungen eine 
Einsiedelei angelegt; auch den Park von Chenonceaux schmückte 
eine ähnlich gelegene Felsengrotte mit Kaskaden. 4 Palissy erbaute 
für den Connetable Anne de Montmorency um 1563 eine Grotte 
in Ecouen, andere ähnliche Werke in Chaulnes, Nesles (Pic.) 
und Reux (Norm.), besonders aber die berühmte Grotte im 
Tuileriengarten für Catherine de Medicis. Das Inhaltsverzeichnis 
der verlorenen Bautenrechnungen erwähnt a. 1599 auch eine Grotte 
in Saint-Germain-en-Laye. 5 

1 Vitry, Uarchitecture de la Renaissance en France, Paris 191 1, in 
Michel, Histoire de Vart, t. IV, 2, p. 526. Vitry schreibt die Grotte ent- 
schieden dem Italiener Serlio zu, der 1541 — 54 in Fontainebleau lebte, ent- 
gegen der Behauptung von Palustre, weicher den Bau der Grotte mindestens 
10 Jahre vor dem Erscheinen Serlios ansetzt. Vgl. Palustre, La Renaissance 
en France, Paris 1879, 1. 1, 179 — 180; dort auch eine Beschreibung und Ab- 
bildung der Grotte. 

2 Audiat gibt in seinem 1868 in Paris erschienenen Buch über Bernard 
Palissy, p. 117 — 118 folgende aus dem 17. Jh. datierende Schilderung dieses 
Baues: „A deux lieues de Paris est Meudon, oü se voit dans le bois une 
admirable et merveilleuse grote, enrichie d'appuis et d'amortissemens de pierre 
taillee ä jour, de petites tourelles tournees et massonnees ä eul de lampe, pavee 
d'un pave de porphire bastard, mouchete de taches blanches, rouges, vertes, 
grises et de cent couleurs differentes, netoyee par des esgouts faits ä gargouilles 
et ä muffles de lyon. II y a des colonnes, figures et statues de marbre, de 
peintures grotesques, compartimens et images d'or et d'azur, et aultres coulleurs. 
Le frontispice est ä grandes colonnes cannelees et rudentees, garnies de leurs 
bases, chapiteaux, architraves, frises, corniche et moulures de bonne gräce et 
juste proportion; le vase et taillour soutenu sur les testes des vertus, approchantes 
ä la moyenne proportion des colosses, enrichies de feuilles d'aeante et de 
branche-ursine pour soutenir la pleinte du bastiment, tres-bien conduit et bien 
achev6; mais les troubles y ont fait d'irreparables ruines, et surtout aux tuyaux 
qui ont et6 rompus". Vgl. auch u. p. 81 — 82 Ronsards Schilderung dieser Grotte. 

8 Vgl. M. Vachon, Philibert de ÜOrme, Paris 1887, p. 33. 

* Vgl. Androuet du Cerceau, Les plus excellents Bastiments de 
France, Paris 15 76, Introd. p. 4, 5; tab. 6 von Gaillon; ferner Deville, Comptes 
de depenses de la construetion du chäteau de Gaillon, Paris 1850, p.LXXXIX; 
Liibke, Gesch. d. Ren. in Frkr. p. 264 — 5. 

5 Eine Beschreibung der dortigen Grotten im 17. Jh. gibt Du Verdier 
in seinem Voyage de France, p. 325 (Gay, 1. c). Riat, op. cit. p. 267 u. 269 
gibt zwei Abbildungen von Muschelgrotten, zwar erst vom Jahre 1660, 



79 

Im Dienste der Grottenbaukunst stand eine besondere Technik, 
welche zum Ruhm und der Beliebtheit der Grotten nicht wenig 
beitrug. Dem barock werdenden Geschmack jener Zeit entsprach 
es, das Innere von solchen grottenähnlichen Gewölben mit kunst- 
vollem Fayenceschmuck zu belegen. 1 Diese Mode mag auf den 
zurückgehen, der die farbige Fayenceornamentik überhaupt in 
Frankreich aufgebracht hat, auf Jeröme della Robbia, dessen Väter 
in Italien ja bereits ähnliche Werke ausgeführt hatten.* 2 Dafs della 
Robbia auch Grotten geschmückt habe, ist zwar nicht bezeugt. 
Dafür verdanken wir genaue Schilderungen ähnlicher Kunstwerke 
zugleich mit der Überlieferung des Wortes seinem erfindungs- 
reichen, französischen Nachfolger, dem genialen Töpfer Bernard 
Palissy. 3 

In seiner 1563 erschienenen Recepte veritable, p. 76 ss., entwirft 
dieser den Plan zu einem wunderbaren Garten. An den vier 
Ecken stehen vier pavillonartige, runde Räume, die zum Teil diiekt 
mit der anlehnenden Felswand zusammenhängen, zum Teil nach 
aufsen das Aussehen eines freistehenden, ausgehöhlten Felsblockes 
haben sollen. Die gewölbten Innenwände werden mit einem einzigen, 
farbigen Emailgufs bedeckt, der die verschiedensten Tiere und 
Pflanzen darstellt. Die Friese schmücken weise Bibelsprüche. Das 
Ganze wird von fliefsendem Wasser belebt. Mit einem Wort: 
Räume, die man damals mit grotte zu bezeichnen pflegte. Aber 
Palissy heifst sie cabinets. Nicht dafs Palissy das Wort nicht kenne; 
im Gegenteil, er liefert uns dafür wertvolle Zeugnisse. In der 
Widmung der Recepte an den Sohn des Connetable, p. 11, rechnet 
es sich Palissy zur Ehre an, vom alten Montmorency verwendet zu 
werden „ä l'edification d'une admirable Grotte rustique de nouvelle 
invention". In seinem erwähnten Gartenplan spricht er p. 83 von 
einem Felsen, den er mit merkwürdigen, emaillierten Figuren zieren 
will „ainsi que je fay la grotte de Monseigneur le Connestable". 
Endlich unterzeichnet er am 1. Februar 1564 eine Quittung als 
„Bernard Pallizis, architecteur et ynventeur des grottes figulines de 



1 Vgl. die von Ronsard als untre esmailli, grotte estnaillee geschilderte 
Grotte von Meudon. 

2 Vasari, Vita di Luca della Robbia: „Ora, non bastando a Luca questa 
bella invenzione tanto vaga e tanto utile e massimamente per i luoghi dove 
sono acque, e dove per 1' uraido o altre cagioni non hanno luogo le pitture, 
andö pensando piü oltre; e dove faceva le dette opere di terra semplicemente 
bianche, vi aggiunse il modo di darc loro il colore, con maraviglia e piacere 
incredibile d' ognuno. Onde, il magnifico Piero di Cosimo de' Medici, fra i 
primi che facessero lavorar a Luca cose di terra colorita, gli fece fare tutta 
la volta in mezzo tondo d' uno scrittoio nel palazzo edificato, come si dira, 
da Cosimo suo padre, con varie fantasie, ed il pavimento similmente; che fu 
cosa singulare e molto utile per la State. Ed e certo uua maraviglia, che, 
essendo la cosa allora molto diffkile, e bisognando avere molti avvertimenti 
nel cuocere la terra, che Luca conducesse questi lavori a tanta perfezione, che 
cosi la volta come il pavimento paiono non di molti ma d'un pezzo solo". 

3 Ich zitiere nach der Ausgabe von Anatole France, Les oeuvres de 
Bernard Paliisy, Paris 1S80. 



8o 

Monseigneur le Connestable". 1 Das Idealbild einer Grotte, wie sie 
sich Palissy vorstellt, gibt uns der Berns (Time Grotte pour la Royne 
mere du Roy, p. 465 — 471. Mit diesem Plan hatte sich offenbar 
Palissy bei Catherine de M6dicis anläfslich ihres Besuches in Saintes 
im Jahre 1564 zur Ausführung ähnlicher Arbeiten am königlichen 
Hofe empfohlen. Die lesenswerte Schilderung ist charakteristisch 
für die üppig wuchernde Phantasie und den grotesken Geschmack 
des genialen Erfinders und seiner Zeit. 

Dem Hofmann, der im Auftrag der Königin „quelque devis 
ou portraict ou modelle de quelque ordonnance et fac^on estrange 
d'une grotte" bestellt, macht Palissy eine wortreiche, begeisterte 
Offerte. Die einer natürlichen Felsenhöhle nachgebildete Grotte 
soll überreich und wunderbar geschmückt sein. Säulenartige Termen- 
figuren tragen den simsverzierten Giebel des Einganges. An den 
Wänden des Innern wechseln Säulen mit Nischen, die angenehme 
Sitzgelegenheit bieten. Das Hauptwerk ist eine künstliche Fels- 
gruppe, überwuchert von allen möglichen Wasserpflanzen, darüber 
kriechen Frösche, Krebse, Schildkröten Eidechsen, Schlangen, alles 
in naturgetreuer Nachahmung aus farbigem Email gegossen. Aus 
Ritzen quellen Brunnen, rieseln belebend über die Felsen und 
sammeln sich in Bassins mit schillernden Emailfischen. Zwischen 
diesen Naturwundern Reste antiker Statuen, bizarre Menschenfiguren: 
kurz, ein merkwürdiges Gemisch von antikisierender Kunstmode 
und phantastischer Überladenheit. 

Die Königinmutter scheint Gefallen an den Arbeiten und Ideen 
des originellen Töpfers gefunden zu haben; 1566 läfst sie Palissy 
nach Paris kommen und beschäftigt ihn von nun an in den 
Tuilerien. In den Rechnungen der Königin für den Bau dieses 
Schlosses sind im Jahre 1570 unter drei verschiedenen Daten Aus- 
gaben gebucht an „Bernard, Nicolas et Mathurin Pallissis, sculteurs 
en terre . . . pour tous les ouvrages de terre cuicte esmaillee qui 
restoient ä faire pour parfaire et parachever les quatre pons au 
pourtour de dedans la grotte encommencee pour la royne en son 
pallais ä Paris". 2 ... Palissy hatte wohl schon längere Zeit an 
dieser Grotte gearbeitet. Wie sie ausgesehen hat, ist unsicher. 
Unter den Kunsthistorikern herrschte Uneinigkeit, ob sie eher die 
im Devis entworfenen Ideen verwirklicht habe oder ob sie identisch 
gewesen sei mit einer Skizze, welche Berty- Legrand in einem 
Faksimile abdruckt. 3 Wenn die einen Schnitt durch eine kreisrunde 
Baute darstellende Federzeichnung wirklich von der Hand Palissys 
stammt, so hat dieser seine ursprünglichen Ideen hier stark nach 
den Wünschen der Besteller abgeändert. Für uns ist nur wesent- 



1 A. France, p. XXVII. Bekanntlich hiefs Palissy seine Kunstprodukte 
rustiques figulines nach figülus „Töpfer", FIGULINUS „zur Töpferei gehörig" etc. 

2 Archives de Vart fr. IX, 14SS.; Audiat, 1. c, p. 261 — 3. 

3 Berty-Legrand, Topographie du vieux Paris. Region du Louvre 
et des Tuüeries, Paris 1868, II, 40. 



8i 

lieh, dafs die Skizze handschriftlich bezeichnet ist als „Le portraict 
de la crotte rustique qui sera en terre environt quinze piet, et le 
tout sera faict de rustique, tant les anymault que la massonerye; 
et ladicte crotte a este invente (sie) par Madame la Grant". Auf 
den volkstümlichen Anlaut dieses crotte haben wir schon früher 
hingewiesen (p. 74, n. 2). 

Aus all diesen Beispielen sehen wir, dafs Palissy das Wort 
grotte als terminus technicus seines Handwerks, der italiani- 
sierenden Kunst der Gartendekoration, verwendet. Und zwar 
braucht er zunächst für die gleiche Sache noch den Ausdruck 
cabinet, um dann erst nachher auch seine eigenen Erfindungen 
mit diesem ausländischen Modewort zu bezeichnen, das anfänglich, 
seit der Mitte des 16. Jh., nur in Verbindung mit ganz bestimmten, 
wohlbekannten Bauten, wie z. B. der Grotte de Meudon, fast wie 
ein Lokalname erscheint. Also auch hier ist das Wort im Gefolge 
der Sache eingezogen. 

Kaum ist grotte in der Sprache der gartenbestellenden Fürsten 
und besonders der gartenbauenden Künstler als Fachausdruck 
üblich geworden, als es auch schon die französische Literatur 
zu erobern beginnt. Ronsard mufs hier sein besonderer Gönner 
gewesen sein. Warum erwarb es gerade dessen Gnade? Der 
Dichter sagt es selbst in seiner Art poetique 1 : „Tu practiqueras 
bien souuent les artisans de toüs mestiers ... et principalemet les 
artisans de feu, Orfeures, fondeurs, Mareschaux, Mineralliers, et de 
lä tireras maintes belies et viues cöparaisons, auecque les noms 
propres des mestiers pour enrichir ton oeuure et le redre plus 
agreable et parfait." Als grofser Liebhaber der Gärtnerei hat 
Ronsard, seinem eigenen Rezept folgend, grotte literaturfähig ge- 
macht. Ein Fest, die Hochzeit Karls von Lothringen mit der 
Königstochter Claude, am 5. Februar 1558, gab ihm dazu den 
Anlafs. In der dafür geschriebenen III. Ekloge läfst Ronsard zwei 
Hirten — er ist es selbst mit Du Bellay — in die berühmte Grotte 
von Meudon kommen, die eben sein Gönner, der Kardinal Karl 
von Lothringen, hatte erbauen lassen. 

„Puis grimpans sur le dos d'une colline droite 

Au travers d'une vigne, en une sente estroite, 

Gaignerent pas a pas la Grotte de Meudon, 

La Grotte que Charlot (Charlot de qui le nom 

Est saint par les forests) a fait creuser si belle 

Pour estre des neuf Soeurs la demeure eternelle: . . . 

Pour venir habiter son bei Antre esmaille' 

Une löge voüt6e en un roc entaillee. 

Si tost que ces Pasteurs du rnilieu de la rotte 

Apperceurent le front de la diuine Grotte, 



1 Abbrege de VArt poetique, ed. 1597, vol. X, p. 3. 



82 

S'enclinerent ä terre, & craintifs honoroient 

De bien loin le repaire oü les Soeurs demouroient. 

Apres l'oraison faite, arriuent ä l'entree 

(Nuds de teste & de pieds) de la Grotte sacrie : . . . 

Ils furent esbahis de voir le partiment 

En un Heu si desert d'un si beau bastiment: 

Le plan, le frontispice, & les piliers rustiques, 

Qui effacent Phonneur des colonnes antiques: 

De voir que l'artifice auoit portrait les murs 

De divers Coquillage en des rochers si durs: 

De voir les cabinets, les chambres et les salles, 

Les terrasses, festons, guillochis & ouales, 

Et l'esmail bigarre, qui resamble aux couleurs 

Des prez quand la saison les diapre de fleurs : . . . 

Ici comme iadis en ces vieux tabernacles 

De Delphe & de Delos, se rendront les oracles : 

Et ä ceux qui voudront ä la Grotte venir, 

Phebus les instruira des choses k venir . . . 

Tousiours tout ä l'entour la crespe mousse y naisse, 

Le Thym, le Poliot, la Marjolaine espesse: 

Le Lierre Bacchiq repli£ de maint tour 

Puisse en hault de son front grimper tout ä l'entour, 

Et la lambrunche errante ensemble entortillee, 

Laisse courir ses bras sur la Grotte esmaillee: 

L'auette en Heu du ruche agence dans les Iroux 

Des rustiques piliers sa cire et son miel roux, 

Et le freslon arme qui les raisins moissonne, 

De son bruit enroüe par l'Antre ne bourdonne: 

Mais bien les Gresillons qui de leurs cris trenchans 

Salu'ront les Pasteurs ä leur retour des champs . . . 

Ainsi finist Perrot, & l'un & l'autre ensemble 

Sortent hors de la Grotte ..." 

Ronsard ist froh, einen neuen Ausdruck zur Verfügung zu 
haben für einen Begriff, der in seinem poetischen Inventar immer 
wieder eine Rolle spielt. 1 

Dem mächtigen Beispiel Ronsards folgen rasch andere Dichter. 
Belleau besingt in einem „Epithalame" auf die erwähnte Hochzeit 
Karls von Lothringen, welches er 1566 im ersten Tag der „Bergerie" 
veröffentlicht, die grotte Aonienne' 1 und im zweiten Tag, a. 1572 



1 Neben sehr zahlreichen antre, seltenerm caverne , creux cPune röche, 
creux des montagnes verwendet Ronsard grotte über ein dutzendmal: ed. 1597 * 
Ödes V, 16, v. 63 (ed. Biblioth. Roman. V, 18); Eclogue III, v. 13, 14, 24, 
28, 125, 140, 165; Bocage Royal, Dialogue entre les Muses deslogees et 
Ronsard: v. 66; Bocage Royal, A Charles Card, de Lorraine: v. 86 (Grotte 
deMeudon), 189; Elegies, XXX, v. 46; XXXV (auf den Italiener Barthelemi- 
Del Bene) v. 35; Poemes I. Les armes: v. 57. Vgl. auch zweimal grotte 
in des Dichters Nekrolog von Bertaud. ed. Ronsard 1597, vol. X, p. 284. 

2 Oeuvres, <§d. 1604, p. 144. 



83 

schildert er die „fraische et plaisante grotte ... au fief d'Haplain- 
court, lieu propre pour prendre frais et pour se desalterer. En 
cette grotte nous trouvons mille belies inscriptions Latines et 
Francaises, chiifres, devises". 1 Also wieder Anlehnung der Literatur 
an ein bekanntes Gartenkunstwerk. 

In der folgenden Generation wird das Wort immer gebräuch- 
licher, so bei D'Urfe, Racan, 2 Balzac 3 usw. In charakteristischer 
Umgebung erscheint es 1608 in der „Astree", I.Teil, 2. Euch: Es 
wird der Garten der Nymphen voll schattiger Alleen, spielender 
Brunnen und Zauberkünste geschildert: „A l'autre des quarrez 
estoit la caverne de Dämon, et de Fortune : et au dernier l'antre 
de la vieille Mandrague, plein de tant de raretez, et de tant de 
sortileges, que d'heure ä autre, il y arrivoit tousjours quelque chose 
de nouveau: outre que par tout le reste du bois, il y avoir (sie) 
plusieurs autres diverses grottes, si bien contrefaites au naturel, que 
l'oeil trompoit bien souvent le jugement." 

161 1 belegt Cotgrave nicht nur grotte f. „a grot, caue, denne, 
cauerne, hole"; grote f. „a coole roome Underground for the 
surnmer =: grotte", sondern auch noch die synonymen, volkstümlichen 
Formen croute f. und crot m. Bei Furetiere 4 und Richelet hat das 
Wort den heutigen Wert. 

Das Wort hatte also in Frankreich bereits endgültig festen 
Boden gefafst, als unter Ludwig XIV. im Kunstgeschmack eine 
grofse Reaktion gegen die Sache einsetzte. Mochte auch Le Notre 
mit andern italienischen Zierereien ebenfalls die Grotten aus seinem 
grofszügigen Gartensystem verbannen, 5 der Existenz des Wortes 
konnte das nicht mehr schaden. Übrigens blühte ja im 18. Jh. 



1 Oeuvres, p. 263 — 4. Vgl. dort ferner p. 267: Complainte sur la mort 
de J. Du Bellay: 

„A tant se teut la Nymphe, et toute eschevellee 
S'eslance dans la grotte en un fond recelee." 

2 Dafs in Racans „Bergerie" sehr zahlreiche Höhlen vorkommen, ist 
begreiflich. (Vgl. dazu, was Arnould, Racan, Paris 1896, p. 261, über den 
Höhlenreichtum der Heimat des Dichters, der Touraine, sagt). Bergerie III, 3: 
„Poiistene . . . en ses grottes austeres". 

3 Correspondance, 4. Sept. 1622: „l'ombre que le ciel faisoit de tous 
cotes m'empe'choit de desirer celle des grottes et des forets". 

* Leider war mir der von Furetiere angeführte, sachlich gewifs interessante 
Traite des Grottes et fontaines von Salomon de Caux nicht zugänglich. 

5 D e z a 1 1 i e r d' A r g e n v i 1 1 e sagt in seinem Voyage pittoresque des 
Environs de Parts, Paris 1755, über Le Notre, p. 2: „La vtie des jardins de 
Tivoli, de Frescati, de Colorno, de Sassuolo et de Pratolino, qui passent pour 
les plus beaux d'Italie , echauffa foiblement l'imagination de ce grand homme. 
La plüpart de leurs fontaines ne sont que de petites grottes ou des bassins 
ornes de figures qui jettent des filets d'eau" und p. 14 spricht er über die 
„nouveautes, qui fönt renaitre le petit goüt des grottes et de la m6chanique 
hydraulique; effets d'eau que le bon goüt a proscrits des grands jardins, et 
en particulier de Versailles, oü Ton voyoit autrefois la grotte de Thetis avec 
un jeu d'orgues et des chants d'oiseaux ... et d'autres petites fontaines qu'on 
a supprimees pour n'y rlen laisser que de grand". 

6* 






8 4 

mit der Einführung des englischen und besonders des chinesischen 
Gartens bekanntlich in ganz Europa die Mode der Grotten wieder 
mächtig auf. * 

Wenn heute noch nach der Definition des Didionnaire General 
dem Ausdruck grotte eine poetisch -pittoreske Nuance innewohnt, 
so ist das der Abglanz dieser idealisierenden, sentimentalen Höhlen- 
poesie, die wir nun von der Renaissance bis in die Rokokozeit 
und besonders in der Schäferdichtung in Wort und Sache ver- 
folgt haben. 

D. Zusammenfassung. 

In drei zeitlich verschiedenen Wellen hat sich das Wort in 
der Romania und darüber hinaus verbreitet. Als bautechnischer 
Ausdruck wird das griechische crypta von der bürgerlichen Welt 
des lateinischen Altertums verwendet. Sakralwort wird es in der 
christlichen Zeit, und als Bezeichnung besonders der gewölbten 
Krypte verbreitet es die christliche Kirche, wobei sich die volks- 
tümliche und die gelehrte Form die Wage halten. Die Renaissance 
bevorzugt endlich die italienische, volkstümliche Form und Be- 
deutung grotta und macht daraus einen Ausdruck der inter- 
nationalen Kunst- und Literaturmode. 

Somit decken sich drei übereinanderliegende Schichten: eine 
bürgerlich-antike, eine kirchlich-christliche, eine dichte- 
risch-moderne. 



1 Auch aufserromanische Sprachen haben grotta aus dem Italienischen 
entlehnt. So übernahmen es die Deutschen im Anfang des 17. Jh., zunächst 
nur zur Bezeichnung künstlich angelegter Höhlen. Anfangs hiefs es noch 
häufig Grotta. Aber schon 1627 bildet Furttenbach (Itinerar. Italiae) einen 
pl. Grotten, wonach dann der Singular Grotte gebildet wird, seit 1661 belegt. 
Etwas später, um 1700, dringt grotesk ein, wird zunächst nur als Spezial- 
ausdruck der Malerei, seit der Mitte des 18. Jh. dann aber als allgemeines 
Kunstwort verwendet (Kluge, Etymolog. Wb.; Schulz, Deutsches Fremd- 
wörterbuch, Straisburg 19 13). 

Im Englischen verwendet schon 1506 Guylforde in seiner Pilgerfahrt das 
Wort grotte, bei Bacon lautet es noch Grotta, seit dem Ende des 16. Jh. 
erscheint es in der heute nur noch poetischen Form grot, das heutige grotto 
ist seit 16 17 belegt (Murray-Bradley, New Engl. Dict. IV). 



IV. *Tana. 



Die ital. Formen tana, obwald. tauna, nidwald. ta?]a, ladin. tana, 
fr.-prov. läna, prov. tana gehen alle lautlich auf eine gemeinsame 
Grundform *tana zurück. An verschiedenen Orten widerspricht 
aber die heutige Aussprache dem, was bei normaler lautlicher Ent- 
wicklung dort aus dieser Grundlage zu erwarten wäre. So u.engad. 
tänna neben läna und larja, besonders aber o.engad. tänna neben 
lema, geschrieben launa (Diz). Sav. däna neben tana ist im Anlaut 
unverständlich; ebenso im P. 813 des At. lg. 204 dütmo, dessen 
Tonvokal von bmimo mit gleicher Bedeutung beeinflufst sein kann, 1 
da hier laut At. lg. sonst regelmäfsig capanna > kabäno, lana > 
läno und in der Nähe plana >- plane wird. Unerklärlich bleibt 
mir auch nprov. tuno, besonders häufig in der Dauphine (Mistral, 
Atl. lg. 204), im Dep. Drome seit 1400 als ON Tuna belegt, wo 
Latune ein bekannter Familienname ist. Sollte etwa der Tonvokal 
des synonymen tuto (Mistral, At. lg. 204) darin stecken? Ein -Nr- 
verlangen die vereinzelten Formen limous. tagno, prov. tunio (Mistral), 
tuna (Table de l'At. lg.). 

Die Bedeutung des Wortes ist nicht umfangreich, aber 
charakteristisch. Überall bezeichnet tana die „Wohnung wilder 
Tiere, bes. Lagerstätte des Fuchses, Dachses, Hasen, Wolfes usw.", 
in Sizilien und Sardinien auch „Wohnung der Wespen, Ameisen; 
Höhle, Loch". Seltener deckt es sich mit der Vorstellung „Höhle". 
Auch tritt wieder unter Anpassung an die besonderen Gelände- 
verhältnisse die alpine Spezialbedeutung auf: so gelegentlich in 
Bünden, in Villeneuve (Vd) „abri sous une röche qui surplombe" ; 
in Gröne, Lens (V) „pierre servant de refuge" (Gl); in Castellinaldo 
„grotta per ripararsi dal temporale" (Toppino). Ferner verzeichnet 
Constantin-Desormaux sav. danna „grotte habit6e ou habitacle" 
(wagrecht verlaufend im Gegensatz zu der in die Tiefe gehenden 
balme). Vereinzelt kommt in Bünden tauna, tarja auch zur Bedeutung 
„Felskluft, Schlucht" in Dardin, Ladir, Sagens, Oberkasteis, Brienz; 



1 So ist auch frbg. täne in Glane, Villars-sous-Mont unter Einfluls von 
cave, caverne zu einem käna verstümmelt worden (Gl); vgl. aber auch kän 
„creux, grotte, caverne" in Grand'Combe (Boillot). 



86 

in Reams auch „Hundehütte" (Diz). Dann Rigutini-Bulle: „ärm- 
liches verfallenes Haus, schmutzige Hütte" ; Finamore (Abruzzen) 
„camera piena di furao", dazu 'ndanä (intanare) „tutto ciö che 
toglie la trasparenza dell' aria di una stanza (fumo, polvere)", 
$.sg.'nddna „rende oscuro come oscura e una tana" ; Mistral: 
tuno „hutte". Ähnlichen Sinn hat eine oberital. Zusammen- 
setzung unseres Wortes mit buco : Como, Mailand, Cremona 
(= ianeen), Parma, Ferrara tanabüs s. m., Genua: tanabtuzu „stanzetta 
secreta, nascondiglio, bugigattolo, ripostiglio" ; Bergamo tambüsa 
„tomba", tambüsä = imbüsä „imbucare" ; Poschiavo tambüsna „spe- 
lonca". 1 Mit diesen Formen ist eine andere Zusammensetzung zu 
vergleichen, nämlich cova (Nebenform zu CAVA, das hier lautlich 
nicht pafst, vgl. p. 95) -}- tana im waadtländischen ON Covatannaz, 
schon a. 1357 in dieser Form bezeugt (Jaccard p. 118, Mottaz 

P- 553)- 

Ableitungen: gen. tanon „fornellino" (Olivieri, Casaccia) ; 
siz. tanarizzu s. m. „luogo pieno di tane, di conigli" (Mortillaro). 
Eng an die ursprüngliche Bedeutung schliefsen sich die abgeleiteten 
Verben valses. distanee(si) „toglier(si) dalla tana" (Tonetti); sard. 
istanare „stanare, cavar dalla tana, scovare" ; intanare „chiudere in 
tana, incavernarsi" (Spano) ; gen.« V intdna „nasconde" (AGIItal. 
XVI, 352); Jesi 'ntanado „intanato" (ZRPh. XXXIV, 679); abruzz. 
'ndand „rimanere lungamente chiuso in un luogo" (Finamore); prov. 
tuna „se terrer, rester engourdi dans un trou ; jeüner" (Fourvieres, 
Pichot tresor. 1902); Lall6 (H tes - Alpes) entunar, entunelar „entrer 
dans la tune pour s'y cacher" (Martin). Alle diese Verben sind 
deutlich als Jagdausdrücke zu erkennen. Als solcher müfste se täner 
„s'etendre, se coucher" nach Epinal (vgl. Adam, Les Patois lorrains, 
1881) und nach Metz tane-aye „etendu, ä terre" (Jaclot, Messin, 
p. 33) gewandert sein, da das Grundwort tana in Ostfrankreich 
nicht bekannt ist. 

Eine befriedigende Erklärung des Ursprungs von tana ist 
bis jetzt noch nicht gefunden worden. Diez scheint es wahr- 
scheinlich, dafs afr. taissoniere „Dachshöhle" über taisnüre, tesniere 
sich zu tanüre entwickelt habe (Wb. 684) — der Dict. Gen. hält 
an der Ableitung *taxonaria > frz. tanüre fest — und dafs nach 
dieser letzten Form ein tana als scheinbares Primitiv rückgebildet 
worden sei (Wb. 405). Dem ist aber zu entgegnen, dafs einerseits 
das angeblich im französischen Sprachgebiet durch den Fall des 
'S- entstandene tana hier gar nicht vorkommt, und dafs anderseits 
tana im Altprovenzalischen und Altitalienischen zu einer Zeit belegt 
ist, da es kaum schon von aufsen dort hätte eingewandert sein 
können. Auch in den Mundarten der Westschweiz und Westalpen 
erscheint tana in zahlreichen ON Tanna(z), Tannes, Tannet(s), 
Tanay, Tanny, Tanaire usw. (Jaccard, p. 451). Wortgeographisch 
möglicher wäre die andere Vermutung von Diez, Wb. 405, der 



1 Vgl. darüber Salvioni, BStSvItal. XXI, 88 u. RJLomb. XLI, 490. 



87 

sich auch Körting und Schüler „ä defaut de mieux" anschlössen. 
Danach wäre tana eine Verkürzung von soitana > subtana zu 
sübtus. Meyer-Lübke, REVV. 8554, verwirft diese Erklärung, weil 
sie einen in Italien kaum üblichen Abfall der Anlautsilbe voraus- 
setze ; er betrachtet in der Rom. Gram. I, 46 das Wort als einen 
den Alpendialekten eigentümlichen Rest einer kaum mehr zu be- 
stimmenden, vorromanischen Sprache. So gern man dieser Auf- 
fassung beistimmen und tana neben das ihm so sinnverwandte 
balma stellen möchte, darf man doch die Bedenken nicht ver- 
kennen, welche die Verbreitung des Wortes dieser Ansicht ent- 
gegenstellt. Während balma und mit ihm andere vorromanische 
Terrainwörter der Alpendialekte in Italien das Gebiet der Alpen 
nicht verlassen und kennzeichnenderweise .Rätien ausschliefsen, 
welches sich seinerseits wieder durch eigene Typen charakterisiert, 
findet man tana lebendig oder in ON versteinert vom Limousi- 
nischen bis in die friaulischen Alpen und südlich bis in die Abruzzen 
und Sizilien und auf den Inseln Sardinien und Korsika. * Diese 
grofse Verbreitung in Italien spricht doch eher für romanischen 
Ursprung des Wortes. Dazu kommt eine weitere Erwägung. Die 
deutsch-schweizerischen Alpenmundarten, die doch sonst, besonders 
in Geländeausdrücken, fast ebenso treu wie die romanischen Nach- 
bardialekte vorromanisches Sprachgut erhalten haben, zeigen keine 
Spur von einem tana. Diese Form war also hier zur Zeit der 
Germanisierung wohl unbekannt. Man möchte daher zurückkommen 
auf die relativ späte Ableitung aus subtanus 2 „inferior" bei 
Du Cange. Diese Form setzte sich fort im afr. soutain „inferieur" 
(Godefroy), aprov. sotan „inferieur, ce qui se trouve au-dessous" 
(Levy, Pet. dict. prov.), soutan „inferieur" (Chabrand-De Rochas), im 
veralteten ital. sottano, kors. sottanu ..inferiore, che e giü, in basso", 
in ON : suttana gegenüber suprana z. B. Magna suttana (Falcucci), 



1 Verbreitung im Rätischen: obwald. tauna (Carigiet; E), nidwald. tarja 
(E), tana, tauna (Conradi), engad. tana (E), tanna (Pallioppi), tana (Gärtner, 
Greden; Alton p. 353), tana, tang, teng (Battisti, Voc. A ton. p. 26); hierher 
vielleicht auch die Beispiele bei Schneller, ON IT, 21; in zusammengesetzten 
ON in den friaulischen Alpen : Tanataviele = Taviele (tabella) di Musi 
(Pirona), ferner nach dem Diz. Alp. Ital. von Bignami, man. Hoepli: Tana- 
vuodiza, valico 1758 m., Tanaberi mte. 1602 m., Tanatecpolositi mte. 1625 m. 
Alle oberital. Wb. enthalten tana, wie auch die Schriftsprache; als ON bei 
Pieri, Top. Serchio -Lima, p. 167: Tana, Tanella, Tanocchio. Vgl. oben 
abruzz. tana, 'ndand; ferner spricht Finamore in einem Artikel über abruzz. 
Kinderspiele von einem „coprirsi gli occhi con le mani in un sito qualunque 
che si chiama tana u , Arch. Trad. Pop. II, 538. In Sizilien tana, tanarizzu 
bei Mortillaro, Traina und Roccella. Avolio belegt auch in seiner „Topon. 
sicil." AGIItal. Suppl. VI« disp. 1898, p. 90: 'a Tana, i Tanazzi. Vgl. oben 
sard. tana, istanare , intanare bei Spano, Porru, Wagner {Ag%. e rett.), dazu 
der ON Tana Frizzon bei Sassari. Kors. tana bei Falcucci und im At. lg. 
Corse 275 an sechs Punkten. 

2 Ähnliche Bildungen auf -anus wie subtanus, supranus, subitanus, 
solitanus, longitanus, propitanus usw. siehe bei Du Cange und Gröber, 
Vit. Substrate, ALLG. V. 



88 

ferner in aital. (/are, dare) volta sotana 1 ; subiano, subtana parte.' 1 
In Süditalien heifsen heute sotani „i terreni della case" ; ebenso in 
den Abruzzen suttd?ie s. m. = desötte s. f. = terrate s. f. „stanza terrena, 
fondo ad uso di catina, legnaja, stalla" (Finamore). 3 

Dieses Adjektiv wäre ursprünglich in Verbindungen wie *cava 
subtana, *subtana buca (vgl. oben Covatannaz und tanabils) und 
dann als Substantiv verwendet worden. Von *sotana hätte man 
hierauf durch Unterdrückung der ersten Silbe als des vermeint- 
lichen Präfixes sub- einen falschen Stamm *tana rückgebildet. 
Solche falsche Rückbildungen sind nicht undenkbar. 4 

Als Vorbilder könnten hier Wörter mitgewirkt haben, die in 
derselben Bedeutung bald in Verbindung mit sub-, bald in der 
blofsen Stammform auftreten, z. B.: Neben den allgemein gebräuch- 
lichen cava portg. socava „Höhle, Grube unter einem Berg, unter- 
irdischer Gang" (Michaelis), dazu au gm. socaväo und portg., span. 
socavar „ausgraben, untergraben", ferner span. socava „Graben rings 
um einen Baum, um ihm die Feuchtigkeit zu erhalten" (Tollhausen), 
vgl. dazu die semantische Parallele katal. cht und langued. tano, 
tagno „trou creuse au milieu d'un jardin ou l'on amene et oü l'on 
puise l'eau pour arroser" (Mistral). — subgrunda neben grunda 
„tecti prorainentia" bei Du Cange; ital., engad. gronda, nfrz. sevronde, 
afrz. sovronde < subrunda (Rom. XLI, 254). Man beachte wohl, 
dafs im Lateinischen das gebräuchliche suggrunda = vjioOrsyov 
„Dachvorsprung" noch , nicht begrifflich identisch war mit dem 
seltenen grunda = örtyrj „Dach". Wenn also die heutigen 
gronda-F ovmen „Dachvorsprung" bedeuten, so können sie nur aus 
subgrunda, dessen Präfix unterdrückt wurde, hervorgegangen sein. — 
Südital. suppigno, suppenna „soffitta; capannone di ricovero pegli 
animali e pei lavoratori" ; ON im Serchio- und Lima-Tal : Soppenna, 
Suppinnula, Soppennorz) span. sopefia „incavo sottostante a una rupe 
sporgente". Daneben aber auch neap. pennata, siz. pinnala „gronda"; 
sard. pinnetta „capanna, spec. dei pastori e dei banditi"; pinnacuzza 
„muro a cresta che sporge"; häufiger Bergname in Süditalien und 
im Serchio- und Lima-Tal: Penna, ebenso auf der Pyrenäenhalb- 



1 Monaci, Crest. I, Nr. 46, v. 74; Wiese, Ait. El. p. 224, v. 23. 

2 Bartholomaeis, Dial. ital. merid., vor 13. Jh. AGIItal. XV, 359. 

3 In der Bedeutung den letzten Formen entsprechend, in der Entstehung 
und im Akzent aber verschieden sind katal. sötan s. m. „soterrani" (Labernia); 
span. sötano s. m. „Keller, Kellergeschofs", sotanädo „unter der Erde gebaut" 
(Tollhausen); altastur. suetanu „Keller(geschofs)" (Ake Munthe p. 29); portg. 
sotäo s. m. „Terraco sobre uma torre. Pavimento sobre que se ergue immediata- 
mente o telhado. Väo para arrecadacoes numa casa, por baixo d'um tecto. 
T. provinc. Casa terrea, a mais inferior d'um edificio, loja" (Coelho); prov. 
sptol „sous-sol, appartement inferieur qui peut servir de cave ou d'6table" 
(Levy, Petit dict. prov.). Alle Formen gehen direkt oder mit Suffixwechsel 
hervor aus subtulum „locus inferior" bei Du Cange. Vgl. M.-L., REW. 8401. 

4 Den von Meyer-Lübke in Frage gestellten Fall des Präfixes mufs man 
doch wohl auch annehmen, wenn man, wie er REW 23 angibt, ven. ingrotio, 
afr. engrot neben ven. grotolo , romagn. grot, mail. crot etc. aus AEGROTUS 
ableitet. (Vgl. psychologisch Ähnliches M.-L., Rom. Gram. II, §§ 354 — 355. 



89 

inscl Pcfia\ span.pena, aportg. pena „Fels; Zufluchtsort" (ZRPh. 
XXVIII, 535 — 549). — Weitere Beispiele für den Wechsel von 
Formen mit und ohne sub- in gleicher Bedeutung finden wir ferner 
bei Meyer-Lübke, REW. unter Nr. 8378 sublustris und 5184 

LUSTRUM ; 8405 *SUBUMBRARE Und 9046 UMBRA J 8394a SUB- 

sternere und 8248 sternere (At. lg. 779 „litiere"); 8395 *SUB- 

STRARE, 8396 SUBSTRATUM und 8292 STRATUM; 8348 *SUBARCUATUS 
= lat. ARCUATUS USW. 

Die schriftlichen Zeugnisse für tana setzen erst spät ein 
und zeigen seit den ersten Belegen nie eine Spur eines gefallenen 
sub-; die vermutete Entwicklung müfste sich also noch in vor- 
literarischer Zeit entwickelt haben. Auch die Bedeutung ist gleich 
von Anfang an die charakteristische von heute. So bei Du Cange: 
a. 1235 „Venari ad capriolos, perdices etc. vel capere cum laqueis, 
vel facere lascos, vel stopare vel stopari facere tanas"' . . .; Chron. 
von Monza, 14. Jh.: „vulpis vetula non intrat in tanam novam". 
In den oberital. „Proverbia que dicuntur super natura feminarum" 
aus dem 13. Jh.: v. 9 „La bolpe fai asai boqe a la tana o con- 
versa" (Wiese, Ait. El. p. 224). Es scheint, dafs schon in vor- 
literarischer Zeit mit dem Fall der Anlautsilbe auch eine begriff- 
liche Differenzierung zwischen tana und sotana eingetreten sei und 
zwar so, dafs das erste Wort als Jägerausdruck vom unterirdischen 
Schlupfwinkel des Wildes gebraucht und mit dem zweiten, wie 
heute noch in Süditalien, eher eine tiefliegende menschliche Wohnung 
bezeichnet wurde. Die Möglichkeit, dafs die scheinbar primitive 
Bedeutung „Erdloch, Höhle" auch erst eine spätere Entwicklungs- 
stufe sein kann, hat uns die Geschichte von crypta gezeigt. 

Eine an tana anklingende, synonyme Form des Komaskischen 
darf hier nicht übergangen werden. Monti zitiert trana = tana 
„cavernetta o buca in terra o sasso che serve a ricetto di bestie", 
dazu traneta, iranela, tranascia, tranon, tranoeugia [die letzte Form 
nach Salvioni auch im Puschlav, vgl. RILomb. IXL, 487 n.]. Diez 
sieht darin ein soiUrrana > subterranea. Ich hielt hingegen das 
ebenfalls von Monti gegebene trona für die ältere Form, die unter 
Einflufs des stärkern tana den Tonvokal geändert hätte, trdna 
glaubte ich unter Annahme von Metathese und Fall des Präfixes 
von einem subturxa ableiten zu können, ähnlich wie auch west- 
schweiz. und savoyisch cetour „Keller" auf subturnus zurück- 
gehen soll. * 

Lautliche Bedenken und neues Material brachten mich von 
dieser Auffassung ab. 2 Die auffallende semantische Übereinstimmung 



1 Vgl. Jeanjaquet, BGIPSRom. IX, 26. 

2 Leider ist es mir aus äufsern Gründen nicht mehr möglich, in dieser 
erst während der Drucklegung beigefügten Verbesserung und Ergänzung die 
Untersuchung mit der nötigen Gründlichkeit bis zur klaren Lösung des Problems 



go 

folgender Materialien mit der oben von crypta und balma kon- 
statierten Bedeutungsentwicklung veranlafst mich, die Erklärung der 
fraglichen Form eher in dem Worte tribuna zu suchen. Seit dem 
Urchristentum und im Mittelalter bezeichnete man damit einen Teil 
der Kirche, besonders die Apsis. l Du Cange gibt tribuna, truyna, 
trofina; altgenues. truina, troyna (Parodi, AGIItal. XIV, 16 — 17). 
Die gleiche Bedeutung hat heute noch sizil. tribbuna (Traina), moden. 
tribuna, arch. trufena auch „coro superiore d'una chiesa" (Maranesi), 
bologn. trouna (Ferrari), tribona, trdna (Coronedi-Berti), mail. tribünna 
„loggia o aperta o ingraticolata in cui le persone distinte sogliono 
appartatamente udir messa" (Cherubini), ebenso gen. tribünna 
(Casaccia). In Bünden lebt noch ein einziger Rest in dem peri- 
pheren Inner -Ferrera an der deutschen Sprachgrenze; tarmegna 
heifst dort „der Platz für die ledigen Personen in der Kirche". 2 
Mistral gibt tribuno, trebugno, estrebugno, trebigno, eitrubino „tribune, 
jube". Ganz an die Katakomben (cryptae) Roms erinnert begrifflich 
piem. truna „cappella sotterranea o stanza, parimenti sotterranea, 
dove si depositano i morti, ovvero dove si murano lateralmente 
quelli che non si vogliono interrare" (Sant' Albino, Zalli). So wird 
im Wallis dann die trriöna zu „ossuaire" in Heremence (Lavallaz), 
Lens, Nendaz, Ayent und zu „morgue" in Evolene, Grone, Verna- 
miege, Miege (Gl). Verallgemeinernd sagt man dann im Piemont 
überhaupt „per luogo sotterraneo ed oscuro" truna (Sanf Albino, 
Zalli), trüna „sotterraneo" (Biondelli). Etwas ferner, aber doch 
noch in diesem Zusammenhang liegt trriönü "petite ruelle tres 
etroite et obscure" (V, Gl) und in Lalle (Htes-Alpes) turna „gite 
sombre et enfume" = tuna, entumar „entrer dans sa turne (Martin). 

Auch diese Bezeichnung ist dann wieder auf den Keller über- 
tragen worden. In Vernamiege (V) ist trzbonna auch „cellier, 
cave" (Gl); besonders im Piemont begegnet diese Bedeutung: 
truna 3 = crotta .. (Tonetti), trüna in Ceresole -Reale, Boccioletto, 
Campertogno, trüna in Rossa, triäna in Rueglio „cantina", truyndt 
in Traversella „ripostiglio al pianterreno" (nach persönlichen Auf- 
nahmen von Th. Spoerri, vgl. // dialetto della Valsesia RJLomb. LI, 
p. 697 und von Prof. Jaberg, Bern). 

Wertvoll ist endlich noch eine weitere Bedeutungsparallele zu 
unsern früheren Worttypen. Im Piemont, wo der gelegentlich 
vowtq geheifsene gemauerte, kellerartige Stall charakteristisch ist, 
bezeichnet in Brosso truina den „Stall im allgemeinen", in Traver- 



durchzufiihren. Das sei der Geschichte des Wortes TRIBUNA vorbehalten. Ich 
mufs mich hier begnügen, die für mich in Betracht kommenden Hauptricht- 
linien zu entwerfen. Die Anregung, die Sache von dieser Seite aus anzupacken, 
gab mir Prof. Jud. 

1 Vgl. Kraus, Realenzykl. d. christl. Altertümer s. Apsis I, 69 — 71 ; 
Cabrol, Dict. d'archeol. ehret, s. Abside I, 183 — 197. 

2 Vgl. Jud, Zur Geschichte der bündnerromanischen Kirchensprache, 
p. 48, Chur 1919. 

3 -n- entspricht hier regelmäfsig -N-, vgl. lana, fortuiia, curia. 



9i 

sella truinna „stalla ampia per il bestiame o per materiali p. es. 
delle foglie" (nach freundl. Mitteilung von Prof. Jaberg). Zu ver- 
lockend wäre es ferner, weitere ähnlich lautende Wörter für „Stall" 
hierher zu stellen, so aus Bobi bei Torre Pellice lu iriü s. m. „Ecke 
des Stalles, wo die Schafe untergebracht werden", und aus Crissolo 
(Piem.) „mettere le pecore nel trünf (piem. Mat. von Prof. Jaberg) ; 
daneben prov. trioun s. m. „bercail pour le menu betail; lieu oü 
Ton tient un porc ou une truie" (Mistral, Chabrand-De Rochas) 
und endlich trion s. m. aus Burgund, 16. Jh. „sorte de cage en 
osier" für Vögel (Godefroy). Diese Maskulinform wäre dann aus 
einem sekundären *tribunum entstanden. Prof. Jud macht mich 
aber darauf aufmerksam, dafs triaon auch in Lalle vorkommt als 
„parc de Separation", ferner trialon, trialach „petit parc", entrialar 
„separer les troupeaux dans les triaons", dtstrialar „enlever les 
separations", trialas „triures, debris", tria „trie" (Martin). Ferner 
erinnert norman. trie „haie, petite votiere oü l'on nourrit les pigeons 
domestiques" einerseits stark an trion „Vogelkorb" aus Godefroy, 
anderseits wird es kaum von frier „absondern" zu trennen sein. 
Man wird also Streng Recht geben müssen, wenn er in Haus und 
Hof p. 83 prov. trioun „bercaii" mit triadon „place oü chaque 
particulier d'un hameau separe et retire, sur le declin du jour, 
son betail" (Mistral) zusammenstellt und beide von tria < triare 
„distinguer" ableitet. 

Diese schweren Einwände gegen die männliche Form können 
aber keineswegs in Abrede stellen, dafs heute noch weibliche Reflexe 
von tribuna einen Teil einer Kirche, eine Gruft, einen unter- 
irdischen Raum, Vorratsraum, Keller und Stall bezeichnen. Liegt 
es da nach dem, was wir über crypta wissen, nicht auf der Hand, 
auch Montis trana, tröna, bergeil. trona „Höhle" in Vicosoprano, 
Stampa, Bondo als Reste eines alten tribuna aufzufassen? 
Semantisch ist dieser Übergang belegt ; neben turna = tuna in 
Lalle (Martin) heifst turna in Gap das gleiche wie tuna in Champ- 
saur, nämlich „repaire d'un animal et par extens. grotte, enfonce- 
ment" (Bull. Soc. d'Etudes des H tcs -Alpes I, 284). Für das Veltlin 
bestätigen ON wie Miniera di Trona, Alpe di Trona, Bocchetta-Pizzo 
di Trona südlich von Morbegno in einem Seitental des Veltlin die 
Form auf in der Toponomastik. Den ältesten Beleg finde ich 
bei J. J. Scheuchzer, ltineris alpini descripiio secunda. Anno MDCCI1I. 
London 1708. Dort schildert er p. 34 die Lavezsteinminen von 
Plurs: „Fodinas ipsas Trone vocant". Schon mehr als 130 Jahre 
früher hatte, leider ohne den Dialektausdruck zu erwähnen, Camp eil 
in seiner Raetiae Alpestris Topographica Descriptio, Quellen zur 
Schweizergesch. VII, 400 — 1, die nämlichen Gruben geschildert, 
durch deren oft enge Öffnungen die Bergleute auf allen Vieren 
in den Berg hinein kriechen mufsten, um dann auf Leitern oder 
eingehauenen Stufen tief hinabzusteigen. 

Den historischen Zusammenhang von tröna mit tribuna kann 
ich mangels dokumentarischer Belege nicht sicher beweisen. Noch 



92 

fühlbarer aber ist die Lücke in der lautlichen Entwicklung. Die 
lautlichen Übergänge fehlen. So bleibt mir zur Erklärung nur die 
hypothetische Filiation tribuna > *lmmna > *tra(v)ona > trona 
oder irana. Den ON Traona im Veltlin, den Campell als Trahona 
wiedergibt, als Beleg dafür anzuführen, dürfte erst mit Hilfe beweis- 
kräftiger, alter Formen dieses Namens gewagt werden, was ich jetzt 
nicht imstande bin zu tun. 

Doch kehren wir nach dieser weiten Abschweifung zu tana 
und einem andern ihm verwandten Wort zurück! 

Welches sind die Beziehungen des Wortes tanä zu frz. taniere! 
Wortgeographische und historische Gründe verbieten, wie gesagt, 
ersteres als Rückbildung aus dem letztern aufzufassen. Anderseits 
ist der Zusammenhang von frz. tanilre mit afrz. iaisniere unbestreitbar. 
Lautgerecht wäre zwar im Französischen ein *tainüre zu erwarten. 
Tatsächlich existiert auch diese Entwicklung in der Toponomastik 
in zahlreichen ON wie Taissonnüre , Tessonnüre, Taisnüre, Tesnüre, 
Tailliere, Taigniere, Tenüre usw. (Dict. top. und Berthoud et Matruchot, 
op. cit. II, 166; III, 141). In vielen Mundarten besonders des Nordens 
und Ostens wird aber im Gegensatz zum normalen taisson der 
Vortonvokal dieses Wortes nicht palatalisiert, sondern bleibt a. So 
belegt Godefroy faxe bei Le Fevre d'Etaples (Pas-de-Calais 15. Jh.), 
tasson beim Pikarden Philippe Mousket, tassel im Roman de Renart 
und bei Benoit, Hist. des ducs de Normandie. Auf Karte 134 
„blaireau" gibt der At. lg. Formen mit vortonigem a wie tasd, 1 
tasö usw. in Belgien 6, Dep. Meuse 1, Meurthe-et-Moselle 1, 
Vosges I, Beifort 1, Doubs 5, Jura 4, Cote-d'Or 3, Saöne-et- 
Loire 1, Savoie 4, H te -Savoie 8, Schweiz 20, Italien 4. Natürlich 
bleibt in diesen Gebieten auch in unserer Ableitung das a erhalten. 
So findet Godefroy in Archiven folgende ON: für Cysoing (Nord) 
a. 1244 Tasceniere, a. 1249 Tassongniere, für Cambron a. 1287 
Tassenieres. Die ON Tassinürcs (Eure), Tassenüres (Jura) entnehme 
ich Berthoud et Matruchot, dem Dict. top. für das Dep. Meuse 
Jassonnüre, Tasenüre, Tasnüre, Tagnüre, Tanüre. Oft schwanken 
im selben Dep. die Formen zwischen Tesnüre, Tainüre und Taniere 
(Nievre, Mayenne, Calvados); oft sehen wir im gleichen Namen die 
moderne französische Lautung überhandnehmen, im Dep. Aisne: 
La Taniere = a. 1213 Taisnieres, 1162 Thaisnerie', Tannüres = 
a. 1573 Tagniere, 1542 Taignieres, 1154 Taisnieres; im Dep. Aube: 
Tanüres = a. 1247 Tasnerie, 1243 Taignieres, ca. 1222 Taisnieres, 
Tainieres. Besonders wertvoll sind aber historische Belege von ON 
aus dem Dep. Mayenne; dort heifst das heutige Tannüre a. 1241 
in Thaoneria, 1 158 in Tanneria, 802 Taxinarie. 2 Ferner ist Les 

1 Zu tasd in Grand'Combe vgl. ZRPh. XXXVII, 491. 

2 Laut Dict. top. Dep. Mayenne von Maitre, der den Namen mit der 
Gemeinde Saint Berthevin — La Tannüre, Ct. de Landivy, im äufsersten, 
nordwestl. Zipfel des Dep. M. identifiziert. Vgl. Mon. Germ. Hist., Dipl. Karol. 
I, 387; Taxinarias in einer Urkunde von 802, die sieb auf die Kirchengüter 
von Le Mals bezieht. 



93 

Tesnieres im Testament des Bischofs Bertramnus a. 615 belegt als 
Taxoneria. 1 Aus einer Basis *taxonatus erklären endlich Berthoud 
et Matruchot 1. c. die ON Tanay = a. 1375 Tasnay, 12. Jh. Tasneto, 
1060 — 75 apud Tasnatum, 1043 in Tasna/o; Taniot = um 890 Mi 
villa quae dicitur Taxnatello. Afrz. taniere und tanier s. m. bei 
Godefroy neben taisniere, tainiere, iesniere können in den frz. Mund- 
arten also auch, unabhängig von einem fremden tana, direkt aus 
taxonaria entstanden sein. Das schliefst aber noch nicht aus, 
dafs prov. tana -f- aria sich mit dem entsprechenden frz. Derivat 
von taisson berührte und vermischte, sobald dieses nach eingetretener 
Synkopierung das vorkonsonantische s hatte fallen lassen. Wenn 
im Schriftfranzösischen die dialektische Lautung mit vortonigem a 
schliefslich den Sieg davontrug, so hat hier gewifs auch prov. 
tanier (Mistral), limous. tanieira (Laborde) mitgeholfen, das wie 
se täner, (s')enclotir (vgl. oben p. 86, 48) als Jagdausdruck nach 
Norden wandern konnte. 

Fassen wir unsere Resultate zusammen, so sprechen folgende 
Argumente gegen die Annahme eines vorromanischen Wortes 

taxa : 

1. die Ausbreitung des Wortes, die zugleich Rätien, das süd- 
gallo-romanische Gebiet, Sardinien und Italien bis Sizilien umfafst. 

2. das völlige Fehlen des Wortes in den deutschschweizerischen 
Alpenmundarten. 

3. das späte Auftreten der ersten Belege (13. Jh.). 

4. der geringe Bedeutungsumfang des Wortes neben der reich- 
haltigen und sich gegenseitig entsprechenden semantischen Ent- 
wicklung der übrigen Ausdrücke für „Höhle". 

5. als wichtigstes Argument : lautliche Formen in Bünden, 
Savoyen und Südfrankreich, welche der zu erwartenden, einheimisch 
normalen Lautentwicklung nicht entsprechen. 

Aus all diesen Gründen müssen wir annehmen, dafs das Wort 
erst in romanischer Zeit, offenbar in Italien, sich gebildet habe, 
und von dort als Jagdausdruck gewandert sei. Prov. tanier a kann 
unter Einflufs des Suffixes von afr. iesniere aus tana gebildet sein 
und dann im Verein mit diesem den Kampf zwischen lautgerechtem 
frz. tainiere und mundartlichem taniere < taxonaria zu Gunsten 
des letzteren entschieden haben. 



1 Laut Dict. top. Mayenne. Vgl. hingegen Gallia Christ, t. XIV, ed. 1856, 
instr. col. 120 E: Taxonaria. Beszard, op. cit., p. 130 hat Taxoneria und 
datiert a. 616. 



V. *Cubulum. 



A. Die romanischen Formen. 

Wenn nach Pallioppi cual, cuvelim. Engadin „Höhle; eigentlich 
wohl: Lager in derselben" bedeutet, nach Conradi cuvel in Mittel- 
bünden „Nest" und nach Battisti im Nonsberg kövel „Wildlager" 
und im Val Vestino koijl, kül „piccola caverna, covolo", so ist aus 
diesen wenigen Angaben deutlich zu erkennen, dafs hier, zweifellos 
durch die Jägersprache, eine Geländebezeichnung hervorgegangen 
ist aus der Vorstellung des sichern und versteckten Ortes, wo das 
Wild sich zur Ruhe hinzulegen pflegt. 

Das lateinische Wort für „Lagerstätte sowohl von Menschen 
als auch von Tieren" ist cubile. Dieses liegt zwar den erwähnten 
Formen nicht zu Grunde, ist aber doch in anderen Gebieten der 
Romania lebendig, so in span. cubü „Bett, Lager, Lagerplatz des 
Wildes; Schweinekessel", cubilar „im Pferch übernachten" (Toil- 
hausen); altastur. cobil (Rato); portg. covil „Lager, Höhle, Gebäude 
oder Bau wilder Tiere; flg. Strohhütte, Spelunke, Schlupfwinkel, 
schmutziger Ort" (Michaelis); ital. covile „Lager (eines Tieres); Höhle, 
Nest, Bett; Versteck, Schlupfwinkel" (Rigutini-Bulle). Im altlogudor. 
Condaghe des Silki findet sich in Nr. 206 uuüe, das mit cujllj der 
Carta de Logu, p. 1 30, eher ein cubile als ovile darstellt 1 ; denn 
noch heute heifst logud. adle, campidan. u. sassar. cuili „covile" 
neben den Verben logud. accuilare, accuilettare, campid. acculiäi 
„accovacciarsi" (AGIItal. XIII, 139; XV, 485). Auch im Lothr. hat 
sich der Plural des Wortes als favi, kzväy etc. in der Bedeutung 
„litiere" noch erhalten (At. lg. 779). Mit cnbilja famulorum werden 
in einem alten Plan des Klosters St. Gallen die Lagerstätte für 
Knechte bezeichnet (WS. I, 2^). 

Nach diesem Plural ist im Romanischen ein *cubiliu ent- 
standen, -welches sich unter Berührung mit cupa entwickelte zu 
ital. coviglio „cassetta dellepecchie", covigliare „ricoverare", Covigliajo 
ON in den Bergen zwischen der Toskana und Bologna (AGIIt. 
XIII, 407); bologn. cvei "arnia", romagnol. qua „alveare, coviglio" 
(Biondelli; Rom. XXXI, 509); levent. göi „coviglio" (RJLomb. 
XLI, 487, n. 2; ZRPh. XXII, 472; M.-L., REW 2353 u. 2401). 



1 Meyer-Lübke, Zur Kenntnis des Altlogudoresischen, p. 62. 



95 

Auf einem romanischen *cubium basieren rumän. cuib „Nest", 
obwald. ciivi „Brut", mod. cubi „covo", lomb. köbi „cuccia, covile", 
kubjd „dormire" (AGIItal. II, 338; Salvioni, Note lomb.-süule, p. 265). 
Zu diesem Stamm erschliefst A. Thomas über *cubiolum ein 
*cubiolaris als Grundlage von bearn. cayola, coyala, cuyala „cabane 
sur h montagne, avec un parc pour faire giter le troupeau et un 
päturage d'une certaine etendue pour le nourrir" (Nouv. Essais 
p. 228), dazu aprov. cujolar „cabane de berger; landes boisees, 
paturages, parc a betails" (Levy, Suppl. Wb). Im Suffix erinnert 
dieses Wort an sard. vulvare, gulbare ■ etc. „mandria", das Zanar- 
delli (StGlItal. II, 1 10) über *culbare aus *cubilare ableitet 
(Guarnerio dagegen < *bovilare, KrJB. VI, 190). Einem *cubi- 
laria entsprechen sard. ghilarza = cuilarza „pecorile" (AGIItal. 
XV, 485; KrJB, VI, 1 90), während der altbadiot. ON Chovelaire 
(Battisti, Voc. A ton. p. 50) eher mit den übrigen rätischen Formen 
zusammen zu einer andern, unten zu besprechenden Basis gehört. 

Alle diese Formen sind Ableitungen, seien es lateinische oder 
romanische, vom Verbum cubare „liegen". Zur Bezeichnung des 
Ortes dieser Handlung verwendet mit Vorliebe der Osten das ent- 
sprechende Verbalsubstantiv. Ob das aprov. cqvcl „caverne" auch 
hierher zu rechnen oder eher zur Nebenform covus von cavus 
zu stellen ist (vgl. Covatannaz p. 86), kann ich nicht entscheiden. 
Sicher aber ist sard. ciia „nascondiglio" Verbalsubstantiv zu cuäre 
< cubare „nascondere" (AGIItal. XV, 484); ebenso deverbal ist 
ital. cova „covile". Unerklärtes -/- hat in Subiaco kofa „tana, 
caverna" (StR. V, 277). Im Komask. lebt das Verbum sgova „sni- 
dare" = arbed. zguanä nach einem im Veltlin noch lebendigen 
sguan „fanciullo", welches einem „cova-nido" entspricht (Rom. 
XL11I, 581). Das Vbst. cuba belegt Du Cange als „locus subter- 
raneus" im 13. Jh. für das Gebiet von Piacenza. Dessen Reflexe 
sind besonders im östlichen Oberitalien und Rätien verbreitet. In 
Gröden, Buchenstein, Fassa, Ampezzo heifst cöa „Nest" (Alton; 
Gärtner, Gredner Ma.), in Erto köa „Bett" (ZRPh. XVI, 326), im 
bellum coa „giaciglio", coar „covare" (Nazari), friaul. cov m., cove f. 
„luogo dove riposa un animale" (Pirona). Das anstofsende Alba- 
nesische kennt guve f. „Höhlung" > ngriech. yovßa „Höhlung" 
== mazed. guvä „Loch" (G.Meyer, Alban. Wb). Auch schon ins 
Altgermanische sind von cubare abgeleitete lateinische Lehnwörter 
eingedrungen. Das Altenglische hat in cof das Vbst. cuba „Schlaf- 
gemach" übernommen; für ahd. kubil setzt Paul *cubilus und für 
mittelengl. coul < alten gl. cufol ein fragliches *cubalus an (Grund- 
riß der germ. Phil.' 1 I, 337). 

Kann nun diese letzte, hypothetische Grundlage auch für die 
romanischen Formen, von denen wir ausgegangen sind, Geltung 
haben? Cubalum neben späterem Covalum ist allerdings von Du 
Cange belegt, aber erst im 13. Jh. Es ist der Name einer Höhle 
in der Nähe von Custozza. „Apertum est cubalum de villa quae 
appellatur Custodia. Inter cetera namque cubala sive cavernas, 



9 6 



quae sunt multae per montes illos, haec est caverna prae ceteris 
mirabilior subter montem, longa per milliare et ultra, in altum 
ardua, in latum ampla, hyemali tempore calida, frigidissima in 
aestate, obscura omni tempore, si non illic luceant cerei aut faces; 
hinc vina optima quae tamquam in cellario cuncti de circum- 
stantibus villis tempore vindemiarum reponunt". 1 Das heutige Dorf 
Cöel oberhalb Vezzano bei Trient heifst a. 1205 Cavalo (Schneller, 
Nfschg. p. 49), ein Berg bei Folgareit a. 12 16 ad covalum Cente 
(Bück, Rät. ON p. 241, vgl. dort noch weitere alte ON-Belege); in 
den Bergen der Provinzen Vicenza, Verona, Brescia begegnen 
wir noch heute ON wie Cövolo, Cöal, Coalone, Coatim, Coaletto, 
Covalöra (Diz. Com. Ital.; Olivieri, Topon. veneta. StGlItal. III, 164). 
Aus diesen relativ späten Schreibungen lassen sich allerdings keine 
Schlüsse für ein Etymon ziehen. Das a dieser Formen ist nichts 
anderes als eine graphische Wiedergabe jenes reduzierten Vokals, 
der in der nachhaupttonigen Pänullimä für die betreffenden italie- 
nischen und rätischen Dialekte charakteristisch ist. Da aber lautlich 
ebenso gut wie -alu das gebräuchlichere Suffix -ulu entsprechen 
kann, hat man keinen Grund, von einer andern als der morpho- 
logisch normalen Ableitung *cubulum auszugehen. 2 Dieses Etymon 
wird vor allem bestätigt durch ein urkundliches coboio vom Jahr 
890, 3 dann aber auch durch ital. covolo '— „covo, covile". ON in 
den Provinzen Vicenza, Padova, Treviso zeigen, dafs das Wort 
offenbar aus dieser Gegend in die Schriftsprache eingedrungen ist. 
Tommaseo - Bellini belegt es in einer italienischen Ausgabe der 
Werke des Vicentiners Palladio (16. Jh.). Hier ist noch eine Neben- 
form zu betrachten: Wie ital. ügola < Uvula, frigolo < frivolu, 
nügolo < nüvolo, so konnte auch aus *cöbijlu das von Prati zitierte 
kögolo „caverna, grotta" entstanden sein, woran sich ON anschliefsen 
wie i Cogoleti, Cogolari im Valle dell' Astego „luogo dove la rupe 
si avanza qua e la a formar come delle tettoie". 4 Es ist hier 
drum oft schwer zu entscheiden, ob die Cogolo- Namen zu den 
*cubulu- oder gleichlautenden cucullu- Formen im Sinne von 
„Stein, Fels" gehören. Der Zusammenfall dieser beiden Wörter 
kann eben nicht nur phonetisch, sondern auch semantisch sein; 
denn *cubulu kann auch selbständig zur Bedeutung „Fels" ge- 
langen. 

Wie das lateinische cubare und seine Ableitungen in der 
romanischen Zeit eine pejorative Bedeutungsverschiebung durch- 
gemacht haben, so dafs die heutigen Formen sich im wesentlichen 
nur noch auf das Leben der Tiere beziehen, so gehört auch das 



1 Die letzte Bemerkung erinnert an die „crottz" Oberitaliens. 

2 Vgl. dazu das ähnlich gebildete cubiculum. 

8 Mohr, Cod. dipl. Raet. 1,55; über die Zugehörigkeit dieses mit dem 
heutigen Kobelivald im St. Galler Rheintal identifizierten ON siehe unten p. 101. 

* Prati, U italiano e il parlare della Valsugana, Roma 191 7. Gloss. s. 
c6golo\ Prati, Topon. -veneta in RDRom. V, 103— 4; Meyer-Lübke, Ital. 
Gram. p. 125; ZRPh. XXX, 371. 



97 

neugeschaffene *cubulu hauptsächlich in den Kreis der primitiven 
Natur weit. Es bezeichnet besonders den Ort, wo das Gelände 
einen Unterschlupf zum Schutz vor Unbill der Witterung oder vor 
Verfolgern gewährt. Je nach dem geologischen Aufbau und der 
Geländegestalt einer Gegend wechselt natürlich der Bedeutungs- 
inhalt. Die Cubala von Custozzä waren ausgedehnte Höhlensysteme. 
Merian bringt in der a. 1649 erschienenen Beschreibung von Tirol 
p. 152 die Abbildung einer in den Berg eingebauten, ehemaligen 
Höhlenfestung an der Brenta unterhalb Cismone namens Covelo, 
Cavelo, oder deutsch Kofel, von etlichen auch Kobel und Kobolt 
genannt. Auch anderswo tritt das Wort als Höhle auf. In Bünden 
aber finde ich daneben besonders die Bedeutung „schutzbringende 
Einbuchtung unter einem überhängenden Felsen", so für küPl im 
Unterengadin, 1 küiwl im Engadin und Obwaldischen bis zur Foppa, 2 
cöuat in Mons (Diz), Coul als Fl.n. in Stürvis (Annalas III, 339), 
küan in Sent, Remüs (Pult, Le parier de Sent, p. 124), cuver in 
Schlans, Sagens, Oberkasteis (Diz), mit Übernahme des deutschen 
Suffixes aus den anstofsenden Walserdialekten (vgl. unten p. 105). 3 
Auch im Südtirol heifst edel nach Schneller „Platz unter einem über- 
hängenden Felsen", dann auch solche Felsen selbst, v. Ettmayer, 
in seiner Arbeit über Lombardisch-Ladinisches aus Südtirol, RomF. 
XIII, verzeichnet p. 404 kgvol, kggol in Vezzano, koel, ko u el in Ledro, 
köel in Tione, Rendena, V. Bona, kt{d in Bagolino, ki^ul im Val 
Camonica mit der Bedeutung „kleine Höhle in den Felsen als 
Unterstand der Hirten bei schlechtem Wetter", dazu ferner die 
Gentilnamen Cogol, Cogoli, Cogolam) urkundlich a. 1205 als Covalo, 
Covelo, welche Formen v. Ettmayer alle von *covus für cavus 
herleiten will. S. 396 warnt er vor Verwechslung mit gleich- 
lautendem kgvel, kggol „Felsenkopf, Steinhaufe, grofser Block" (wo?). 
Dieses gehöre neben kgvo, kgva, kgvel „Stroh, Heuschober" im 
untern V. Bona zu lomb. köf, ital. covone „Garbe" usw., für welche 
Wörter Ettmayer eine hypothetische Grundlage *cauput rekonstruiert. 
Ich möchte trotzdem alle diese kgvel auf *cubulu zurückführen, 
da ich weder geographische, noch lautliche, noch begriffliche Gründe 
sehe, sie aus dieser Einheit loszulösen. Denn die Bedeutung 
„Heuschober" d. h. Vorratsraum, ist ebenfalls wie „Felskopf" eine 
immer wieder zu beobachtende sekundäre Entwicklungsstufe des 
Begriffs „Höhle", vgl. p. 107, 110. Unsere typisch dem Gelände 
sich anpassenden Wörter haben nichts gemein mit ital. covone und 
seiner Sippe. 



1 Manas, Fetan, Ardez, Süs, Zernez, hier auch = „Tropfsteingrotte" (E), 
Schuls, Guarda, Cierfs, (Diz), Münster, auch „Höhle". 

2 Schieins, Strada, Brau, Campovasto, St. Moritz, Campfer (Diz), Scanfs, 
Celerina; Trins, Brigels (E), Lumbrein, Ruschein, Ladir, Ruis, Waltensburg, 
Panix, Dardin (Diz). 

3 Aus der Verallgemeinerung des Begriffs „Höhlung" ist in Schieins 
(U-Eng.) cual daneben noch zu den Spezialbedeutungen „Loch im Käse, 
Wabenzelle" gekommen (Diz). 



9 8 

Die heute noch als Appellative lebendigen CUBULU-Formen in 
Bünden, im Südtirol und in dem anstofsenden Venetien bilden 
nur die zersplitterten Trümmer eines einst viel weiteren Gebietes. 
Der altbadiotische ON Chovelaire weist sie auch im Zentralladinischen 
nach. Besonders interessant ist es aber, dem Wort in den be- 
nachbarten deutschen Dialekten nachzugehen und so nicht nur 
altromanische Gebiete wieder aufzudecken, sondern auch noch 
örtlich und zeitlich die verschiedenen Wellen der ' überflutenden 
Germanisierung wiederzuerkennen. 



B. Die deutschen Formen. 

Am deutlichsten kennzeichnen sich die Verhältnisse in den 
spät verdeutschten Gegenden der Ostschweiz und des Tirol. Im 
ganzen Kanton Glarus und im St. Galler Oberland, wo wie in den 
ON Gaster <C castrum, Gulmen <C culmen romanisch c- normaler- 
weise durch deutsches g- wiedergegeben wird, heifst Gufel m. 
„natürliche Höhle in einem Felsen, wo etwa Herden Schutz suchen" 
(Id. II, 132), 1 ganz wie kuvrf im anstofsenden Bündnerland. Jenseits 
des Deutschbündnerischen, das mit seinen Walserkolonien das Wort 
nicht kennt, setzt sich Gufel im Vorarlbergischen fort. 2 Im steilen 
Felsmassiv des Höfats über Gerstruben im obersten Illergebiet heifst 
eine „mannshohe Hornstein (Jaspis) -Höhle mit Quelle" die Gufel. 3 
Im Paznaun und obern Lechtal ist Guß m. als „überhängende Fels- 
wand" gebräuchlich, 4 im Tannheimertal als „Felsennische, Höhlung 
in Felsen". 5 Von Gramais im Lechgebiet führt das Gufelgrasjoch 
hinüber ins obere Inntal; in der Nähe ist der Gufelkopf, VorJer- 
und Hinter -Gufelalp, Gufeljoch, Gufehee-foch. „Am Weg ein 
mächtiger, überhängender Block, der mit seinen primitiv aus Stein- 
blöcken aufgebauten Seitenmauern eine schützende Gufel bildet".* 5 
In Imst lebt güfl als „kleine Felsenhöhle" 7 und soll nach Steub, 
1. c, im Oberinntal bis nach Telfs bekannt sein. Selbst noch an 
der obern Isar versteht man unter Stad-Gufdl eine „Höhlung in 
einer Felswand" (Schmeller). Das von Schöpf erwähnte tirol. güfl f. 
„überragender Fels, worunter man Schirm findet", ist leider nicht 
genau lokalisiert, bezieht sich aber offenbar auf das westliche Tirol. 



1 Vgl. in diesen Gebieten die entsprechenden ON mit Gufel auf der 
Siegfriedkarte: Blatt 401 Elm, 264 Schild, 252 Wesen, 253 Wallenstadt, 
256 Berschis, 257 Mels, 269 Weifstannen. 

2 Bück, Rät. ON, p. 241 ; Steub, Rhät. Ethnologie, p. 179. 

3 Waltenb erger, Allgäu, Innsbruck 1908, p. 61. 

4 Kubier, Die deutschen Berg-, Flur- u. Ortsnamen des Hier-, Lech- 
u, Sannengebiete s, Amberg 1909, p. 59: in Ischgl, Kappel, Grins, Kaisers, 
Holzgau, Bach, Boden, Hinter-Hornbacb, Nesselwängle. 

5 Reiser, Sagen des Allg aus, Kempten 1894, II, 706: in Ob. Tannheim, 
Reutte. 

6 Waltenberger, op. cit., p. 342. 

7 Schatz, Die Ma. von Imst, Strafsburg 1897, P- 7& 



99 

Als ON erscheint Guß noch ziemlich häufig im Stubaital, 1 in Passeier 
als ze Guvel schon a. 1288 belegt und im Vintschgau. 2 Auch in 
den deutschen Enklaven Venetiens ist govel f. neben kovel, kuvel m. 
üblich für „Felshöhle" (Schmeller, Grimm, Wb. V, 1574). 

Betrachten wir nun diese geographisch sich naheliegenden 
Einzelgebiete vom Gesichtspunkte des Ganzen, so erhalten wir 
durch ihre Verbindung eine zusammenhängende Guf el -Zone, die 
nicht nur den Kontakt zwischen den romanischen CUBULU-Formen 
in Bünden und in Südtirol -Venetien herstellt, sondern diese nach 
Norden und Osten beträchtlich vergröfsert. Die stimmhafte Wieder- 
gabe des anlautenden Palatals kennzeichnet das ganze Gufel-Gebiet 
als relativ junge Germanisierung. 

Östlich und nordöstlich schliefst sich unmittelbar daran ein 
Kofel, in den bayrischen Alpen als Eigenname für einzeln sich er- 
hebende Bergspitzen (Schmeller), in Tirol und Kärnten aber noch 
als Appellativ für eine „kegelförmige Bergkuppe". 3 Der Zusammen- 
hang von kofel mit kovel, govel steht aufser Frage. Der Anlaut 
weist auf Entlehnung in einer Zeit, da romanisch c- noch gleich 
wie urdeutsches k- behandelt wurde. Der begriffliche Übergang ist 
normal. Die ältere semantische Entwicklungsphase ist noch erhalten 
im tirol. Schermkofel „Höhle im Felsen zum Schutz gegen Unwetter" 
oder in der bayrischen Bezeichnung Kofelweib für die Hebamme. 
Wenn man den Kindern sagt: n s' Koflwef hat dsr Muzttdr m Kind 
^bracht 1 ''', so steckt darin deutlich der verbreitete Kinderglaube von 
der legendären Frau im hohlen Berg. 4 Zwischen den Vorstellungen 
„Höhle unter einem Felsen" und „Felszacken, Bergkuppe" steht 
als natürlicher Übergang Kofel m. „Felsen, Felskopf" im untern 
Lechgebiet (Kubier, op. cit., p. 77), ferner die zweite, von Schöpf 
zitierte tirolische Bedeutung „einzelner Stein, besonders der grofse", 
dazu im Eisacktal köfeln „einen mit Steinen werfen, steinigen" und 
kämt, kouflu „einen Steinhaufen machen". 5 Kofel und der tirol. - 
kämt. Geschlechtsname Kofler ist seit dem 13. Jh. reichlich belegt. 6 
Sobald wir uns aber in nördlicher oder westlicher Richtung vom 
Alpenmassiv entfernen, nimmt das Wort wieder eine andere Ge- 
stalt an. 

So überliefert eine Votivtafel in Altenötting „gefallen von 
ainem fels oder kobel" (Schmeller); auch der a. 1472 in Nürnberg 
im Druck erschienene A. v. Eybe braucht Kobel für „Fels, Berg": 



1 Hintner, Stubaier- Ortsnamen, Wien 1902, p. 112. 
" Schneller, ON II, 85 ; Ettmayer, RomF. XIII, 597. 

• Das ähnlich lautende Kogel < CUCULLUS mag diese Bedeutungs- 
entwicklung gefordert haber; je nach der Gegend wird bald Kofel, bald Kogel 
zur Bezeichnung der gleichen Sache gesagt. 

* Vgl. BGIPSRom. IX, 4. 

5 Eine völlige Entsprechung scheinen diese Verben in Entstehung und 
Bedeutung im wall, kroteye zu haben, vgl. p. 70. 

6 Lexer, Mhd. Wb.\ Hintner, Gsiesser - Ortsnamen, Wien 1907, 
p. 59 usw. 

7* 



IOO 

„die menschen laufen hin und laufen her, aufsteigen die kobel und 
die berg" (Grimm, Wb.); in Dietrichs erster Ausfahrt (15. Jh.) be- 
deutet das kobel eine „Felsenschlucht" (Lexer, Mhd. Wb.). Zu diesen 
alten Belegen kommen eine Reihe von ON auf Kobel, die der 
alpinen Kofel-Zone nördlich vorgelagert sind. So der an das 
cubalum von Custozza erinnernde, schon a. 1047 belegte Bergname 
Winkobeln bei Passau (Bück, Fl.N. p. 93), der Kobelsberg im 
Salzburgischen, in Bayern ferner Kobel, Weiler bei Rosenheim, 
Weiler bei Wasserburg, Weiler und Einöde bei Vilsbiburg, Einöde 
bei Augsburg, 1 alt Cobolo. Diese bayrischen ON stehen in Beziehung 
zu dem schwäbischen Kobel, das nicht nur in ON und Fl.N auftritt, 
ältester Beleg a. 830: Cobelbach, sondern besonders im Hohen- 
zollerschen noch als Appellativ sehr verbreitet ist und aufser „Berg- 
höhe, Felskopf" auch noch „hohler Fels" bedeutet. 2 Im obern 
Allgäu, wo in der Mundart Kobel, Koblach als „kleiner Hügel, Fels, 
Unebenheit des Bodens" und in ON vertreten ist, 3 bedeutet ferner 
Koblat n. „Felsgewirre ; felsiges, wildes Terrain im Hochgebirge". 4 
Hier, zwischen dem obern Lech und der obern Hier, im Tann- 
heimertal, ist zugleich die äufserste westliche Grenze des Kofel- 
Gebietes und der nördlichste Punkt der Gufel-Zone und an beide 
stofsen westlich Kobel- Formen an. Das Wesentliche dabei ist, dafs 
alle drei Formen sich geographisch ausschliefsen. 

Verfolgen wir Kobel weiter nach Westen, so schlagen uns 
spärliche ON im nördlichen Vorarlberg, wie der Kobelbach bei 
Mellau, eine Brücke vom Oberallgäu hinüber nach einer starken 
Kobel-Schicht in der Nordostecke der Schweiz. 5 Somit haben wir 



1 Meyer, Orts- und Verkehrs-Lexikon des deutschen Reiches, Leipzig 
191 2, 1. Bd. u. Weishaupt, ON der bayrischen Prov. Schwaben, Kempten 1863. 

2 Fischer, Schwab. Wb.; Bück, Fl.n., p. 93, Hohenzollerrtsche ON. 
Sigmaringen 1872 — 77, p. 177 und Vordeutsche ON in Schwaben, Ztschr. hist. 
Ver. Schwaben-Neuburg 1880, p. 11 — 12. 

3 Kubier, ON des Hier-, Lech- u. Sannen -Geb. p. 77: in Oberstdorf, 
SchÖllang, Hindelang; ferner im Lechgebiet: Pfronten, a. 1603 Koblskopf neben 
a. 1670 Kofikopf, Faulenbach, Ehenbichl. (Vgl. auch bei Walienberger, All- 
gäu, p. 307: Kobelweg zwischen Vils u. Füssen). Im östlich anstofsenden 
obern Lechtal in Bach, Elmen, Vorder -Hombach, Bichelbach lautet auch 
STABULUM = Stabl gegenüber Stafl in der reinen Gziß-Zone, Kubier, op. cit. 
p. 120. Die gut angelegte, nützliche Arbeit Küblers gestattet klaren Einblick 
in die Berührungs- und Übergangsverhältnisse dieser sprachgeogr. interessanten 
Gegend. 

4 Reiser, Sagen des Allgäus. II, 715. 

5 Die folgenden st. gallischen und appenzellischen ON und Fl.n. der 
Siegfriedkarte befinden sich meist in der Nähe eines steilen Abhanges oder 
einer Felswand: Kobel: Blatt 82 Rheineck, 223 Trogen, 239 Rüti, 238 Schwendi, 
240 Sänlis, 220 Brunnadern, 75 Nieder -Uzwil, 265 Schilsbach; Kobelswand: 
240; Kobelwies; 225, 265; Kobelwald: 220, 225, 75; Kobelbach 220, 80 ; Kobel- 
boden: 220; Kobelloch: 220; Kobelt: 271; Koblen: 80; In der Köbleren: 265. 
Kübel: 222 bei Bruggen an der Sitter; nach dem Schweiz. Geogr. Lex. Kübel 
oder Kobel, nach dem Postlexikon Kübel mit Kubelbach, -boden, -loch nördlich 
Peterszell (St. G). Hieher stammt wohl das Geschlecht der Kobler, belegt 
a. 1232 „Minigo dictus Chobilare il als Zeuge eines Güteraustausches in Wesen 
(Zürcher Urk.buch I, 353) und a. 1369 „Nicolas dicto Kobler ministro ciuitatis 



101 

wieder den Kreis geschlossen und können aus diesen Trümmern ein 
altes Ä^^W-Gebiet rekonstruieren, das von Passau bis in den schwä- 
bischen Jura und die Ostschweiz jüngeren Formen vorgelagert ist. l 

Wie können wir aber das Alter von Kobel feststellen? Zu- 
nächst sei aufser Frage gestellt, dafs auch diese Form zu unserm 
*ctjbulu gehört. In einer Urkunde über die Bestimmung der 
Grenzen zwischen dem Thurgau, Linzgau und Churrätien im Jahre 
890 wird im Rheingau, d. h. dem heutigen St. Gallerrheintal, ge- 
sprochen von „nemoribus id est Cobolo (Kobel), Thiotpoldesowa 
(Diepoldsau) ... et Palgaa (Balgach)". Zu diesem historischen 
Nachweis gesellt sich eine semantische Bestätigung. Im Appen- 
zellischen lebt heute noch das Wort in seiner ursprünglichen Be- 
deutung, nämlich als chobel m. „überhängender Fels, unter dem die 
Hirten und Weidetiere bei Unwetter Schutz suchen" (Id. III, 109). 

Der Bestimmung des Alters' der verschiedenen Formen kommen 
lautliche Erwägungen zu Hilfe. Je nach der Wiedergabe des an- 
lautenden romanischen c- A « °» u > Kons - kann man im Schweizer- 
deutschen drei Schichten von Lehnwörtern unterscheiden. Schon 
dem ahd. Sprachgut gehörten an yjipßr' 1 < cuprum, yi{rps9 < 
*curbita, yahr < cellarium, yjs < caseum, yestmd < *castinea, 
yabis vgl. mlat. caputitjm, yrizzi, yrifite usw. Eine mittlere Stufe 
der Entlehnung, die bereits ganz aufserhalb der ahd. Periode fällt, 
wird repräsentiert durch gi{kki(?JiPr3 < ital. cocomero\ grlis neben 
yri{s „Kleie" 3 ; glarn. gräppli „Felsbändchen" (E) mit ON wie 
Grappen, Gräppli, Grappelen usw. bis ins Toggenburg zu bündn. 

Curiensis" (W egelin, Regesten von Pf äff er s , Chur 1850, p. 36). Kobel, 
Kobelwies, In der Kahleren im Schilstal ob Flums, Siegfriedkarte Bl. 265, 
d. h. mitten im Gufel-Gebiet, scheint die saubere, geographische Trennung und 
somit unsere Auffassung zu stören. Ein ganz benachbartes Balmisegg, welches 
auf diesem alträtischen Grund unmöglich bodenständig sein kann, lehrt aber, 
dafs beide Wörter mit den einwandernden Deutschen bereits schon als Be- 
standteil in deren appellativem Sprachschatz mitgebracht worden sind. Das 
nämliche gilt wohl auch für Cobel bei Langwies (Grb, Annalas XX, 221). 

1 Nordwestlich des app. chobel liegt in der Lücke zwischen den schweize- 
rischen und schwäbischen Jftj&r /-Komplexen ein thurgauisches chober m. „Heu- 
behälter hinter dem Stall" (Id. III, 110). Angesichts des südtirol. kovel und 
schwdtsch. Heubalm u. a. im gleichen Sinne, bin ich geneigt, dieses chober nur 
als eine weitere Bedeutungsentwicklung des gleichen Wortes mit nicht un- 
gewöhnlichem innerdeutschem Suffixwechsel aufzufassen. Begrifflich liegt hier 
zwar auch der Zusammenhang mit mhd. kobel = Koben im Sinn von „Behälter, 
Hütte, schlechtes Haus" im allgem.', „Stall, Schweinestall" im besonderen sehr 
nahe. Für viele der erwähnten Hobel -ON Deutschlands wird schwer fest- 
zustellen sein, welches ihre ursprüngliche Appellativbedeutung gewesen ist. 
Ob aber Kobel „Fels" und Kobel „Hütte" zwei verschiedene Stämme oder 
ein und dasselbe, aus römischer Basis erwachsene Wort seien, ist eine Frage, 
deren Lösung ich Germanisten überlassen mufs. Ich beschränke mich hier auf 
die alpinen Formen, die dank ihrer Bedeutung und ihrer geogr. Verbreitung 
sicher zum altromanischen Sprachgut zu rechnen sind. 

2 Die folgenden Dialektformen schreibe ich, wo nichts anderes angegeben 
ist, nach meiner eignen zürcherdeutschen Aussprache. 

3 Vgl. AStNSpL. CXXVI, 138—9. 



102 

krap, daneben aber auch Chrappel m. „Weg längs einer Felswand ; 
auch diese selbst, steiler Hohlweg", wohl unter dem Einflufs von 
chrapph „klettern" auch & chrappel n. (Id. III, 841); ferner wall. 
grusta (vgl. oben älteres yri{ste)\ gutsi(bet) n. neben frz. couche', 
galm oder gähn < *calmis, dazu frbg. Charmey = Galmü; ferner 
frbg. Cressier = Grissach ; Cresuz , pat. krezü = gärst * usw. Die 
jüngste Schicht bilden endlich moderne Entlehnungen wie k%afi, 
kyjimedi) fcjaländdr usw. Eine systematische Untersuchung der geo- 
graphischen Verteilung dieser #- und ^--Formen, die uns bis heute 
noch fehlt, dürfte besonders in der Toponomastik interessante Lichter 
in die Besiedelungsgeschichte der deutschen Schweiz werfen. 2 
Wenn sich auch schwerlich eine reinliche Abgrenzung durchführen 
läfst, da viele Lautungen, wie z. B. %umm und guimn < cumba 
„Tal" durcheinander gehen, so kann doch mit Sicherheit behauptet 
werden, dafs im allgemeinen der ^--Anlaut für die später germani- 
sierten Alpengebiete charakteristisch ist. So wird in der Topono- 
mastik früh verdeutschtes constantia > yöstets; curia > %ur\ 

CERESETUM > yersÜ9\ CAPPELLA > %äp9l\ CASTELLUM > yästel(s) 

gegenüber gastete im Toggenburg und St. Gallerrheintal, gesteh im 
Wallis; crena < yrrina, yrinau gegenüber grinau im st. gallischen 
gaster usw. 

Wenn schon durch den Anlaut Kobel der ältesten und Gufel 
einer mittleren Lehnwörterschicht zugewiesen wird, so findet diese 
Feststellung auch in der Behandlung des zu Grunde liegenden 
intervokalen -b- eine Bestätigung. Im ahd. ist romanisch -b- er- 
halten in tribuz < tributum, scriban < scribere, saban, mhd. saben 
„Tuch von feiner Leinwand" < sabänum, zubar < tubus, zabal, mhd. 
zabel vgl. Schachzabel, Wurfzabel < tabula, taberna spiegelt sich 
in dem elsässischen und pfälzischen ON Zabern, im schwäbischen 
Flufsnamen Zaber mit dem aus dem 8. Jh. belegten Zabernachgowe 
und im niederösterreichischen Zabernreul. 3 Auf einer spätem roma- 
nischen Basis mit intervokalem -v- beruhen dagegen seine schwäb.- 
bayr. Reflexe taff'rn „Schenke" (Fischer, Schmeller), elsäss. täfm 
(Martin-Lienhard) und schwdtsch. tafffW „Wirtshausschild" ; ebenso 
das allgem. taflp, tüfil und schwdtsch. stafdl < stabulum, das 
in den Alpen weit verbreitet ist und bis ins Tirol neben Gufel 
vorkommt. Im Anlaut und Inlaut verhält sich also Kobel zu Gufel 
genau gleich wie Zabel zu Tafel und Zabern zu Tafern.* 



1 Stucki, Die Ma. von Jaun (Kt. Freiburg), Frauenfeld 1917, p. 213. 

2 Vgl. einstweilen Schw. Geogr. Lex. Bd. V, 61 — 62. 

3 Egli, Nofnina geographica, p. 1018. 

4 Dürfte man das allgemein süddeutsche Tobel wirklich neben nonsb. 
tövely fassatal. todl, trent., venet. tjöf usw. und so mit einem vorromanischen 
Stamm tob- oder top- zusammenstellen, dann würde es zum tirol. und vorarlbg. 
ON Tufers, Taufers und salzbg. Tuval oder Toffal in ähnlichem Verhältnis 
stehen wie Kobel zu Gufel. Damit würde die Beobachtung übereinstimmen, 
dafs Tobel im Gufel- Gebiet wirklich nicht häufig erscheint. Vgl. dazu 
BDRom. III, io; M.-L., REW 8764; Alemannia X, 64—67; Riezler, ON 
Berchtesgaden, Festgabe Meyer v. Knonau, p. 114; Ettmayer, RomF. XIII, 596. 



103 

Wie zeitlich und örtlich zwischen dem alten Kobel und jungen 
Gufel im Osten ein mittleres Kofel mit archaistischem Anlaut und 
modernerem Inlaut steht, so schiebt sich in der Schweiz zwischen 
die beiden Endstadien eine Übergangsform Gubel mit jüngerem 
Anlaut und archaistischem Inlaut, g- und k- sind hier geographisch 
sauber geschieden, die Berührungsfläche streckenweise deutlich 
erkennbar. Das im oberen Toggenburg als ON häufige Gubel und 
Gübeli reicht östlich bis nach Wildhaus, stöfst südlich an die Gufel- 
Zone jenseits des Walensees und ist gegen Norden von Kobel oder 
auch Kabel begrenzt durch eine Linie, die vom Säntismassiv an 
ungefähr längs dem Flüfschen Necker verläuft. Im untern Toggen- 
burg verschwindet das Wort. Dafür ist es im Zürcher Oberland 
noch als Appellativ = „Felsabhang" heimisch, besonders in der 
Gegend des Hörniis, dessen jäh abfallende Wand mit den kahlen 
Felsköpfen die Hörnligübel heifsen. Das Quartier Gublen der Ort- 
schaft Bauma erscheint schon a. 1261 urkundlich „m villa gubelon". 
Aus dieser Gegend stammen die Gubler und Gubelmann. Auch 
anderswo im Kanton Zürich taucht Gubel als vereinzelter ON auf, 
so bei Schönenberg, Maur, Oerlikon, Kloten, Bülach und nach 
dem Schweizerischen Lexikon von Leu a. 1754 bei Elgg. Im 
aargauischen Wettingen ist es a. 1669 noch belegt. Zur Bezeichnung 
eines „Hügels" * ist sodann Gubel noch lebendig aufser in Zürich 
in den Kantonen Zug, Schwyz, Uri, Unterwaiden (Id. II, 98 — 99). 
Gubelhölzli nordwestlich Thun ist ein ganz vereinzelter bernischer 
ON. 2 Als äufserste Punkte im Westen kommen endlich noch die 
frbg. ON Gubel bei Tafers und Gübla bei St. Ursen hinzu (Post- 
lexikon). Durch einen nicht seltenen innerdeutschen Suffixwechsel 
ist in Schwarzenburg (Bern) und im Entlebuch (Luzern) die syno- 
nyme Nebenform Guber entstanden (Id. II, 98). Diese mufste einst 
weiter verbreitet gewesen sein, wie wir erfahren durch die ON 
Guber bei Schwarzenberg-Malters (Luzern), Gubern bei Beckenried, 
wohl identisch mit der Alp Guber a a. 15 14 (Geschichtsfreund 
XXVI, 61), a. 1648 Guberwald in Nidwaiden (Id), a. 1499 das guber 
F1N bei Ramersberg, Obwalden (Gesch.fr. XXIX, 323 — 324). 

Zur Erklärung von Gubel vermutet das Id, gestützt auf ein 
mhd. gubelnagel „Hufnagel", dafs die ursprüngliche Bedeutung 
„rundliche Anschwellung, Erhöhung" gewesen sei, und dafs Zu- 
sammenhang mit Giebel, Gipfel und Gupf bestehe. Unsere Auf- 
fassung schliefst diese Annahme nicht aus, nur wäre die Vorstellung 
„Erhöhung" nicht primär, sondern, wie wir schon oft gesehen, aus 



1 Vgl. dazu balma in derselben Bedeutung. 

2 Die Siegfriedkarte verzeichnet Gubel im Kt. St. Gallen : Blatt 254 
Wildhaus, 251 Alt-St. Johann, 236 Ebnat, 233 Uznach, 232 Schmerikon, 
229 Rapperswil, 230 Wald, 231 Wattwil, 217 Lichtensteig, 220 Brunnadern; 
im Kt. Zürich: 216 Fischental, 212 Uster, 226 Mönchaltdorf, 176 Mettmen- 
stetten, 43 Kloten, 41 Bülach; im Kt. Zug: 191 Zug; im Kt. Bern: 338 Gerzensee. 
Vgl. ferner urkundliche Belege im Zürcher Urkundenbuch III, 274; im Ge- 
schieht sfreund XXXIV, 276; XLV, 94, 119, 126. 



104 

der Umkehrung von „Einsenkung" hervorgegangen. Das Wort 
Gu/f, das ja seinerseits wohl auch romanisches Lehnwort ist, kann 
mit Gibel zusammen die Erhaltung des -b- in Gubel gegenüber 
Gufel begünstigt haben. Auffallend ist die weite Ausdehnung von 
Gtibel-Ncnnen nach Norden, wo ähnlich anlautende Entlehnungen 
sonst in der Toponomastik ungewöhnlich sind. Es gibt aber doch, 
dem Gubel entsprechend, als nordwestl. Fortsetzer von glarn., st. 
gall. gulmen < culmen auch im Kt. Zürich ein Gul?n-Holz bei 
Wädenswil, einen Wald Gulm bei Hausen a. A.; ferner oberhalb 
Aegeri bei Zug ein uf Gulm (Id. II, 233) und im Aargau einen 
Gulmhof bei Gränichen und bei Teufental. Es ist möglich, dafs zu 
einer Zeit, da hier sonst in Lehnwörtern romanisches c- A> 0> u > Kons - 
wie urdeutsches k- behandelt wurde, in diesen am Boden haftenden 
Namen noch längere Zeit die romanische Aussprache sich erhalten 
konnte, um dann erst später durch g- im Deutschen wieder- 
gegeben zu werden. * Als Geländebezeichnungen haben sich ja 
auch noch einige lateinische Appellative in der zürcherischen 
Toponomastik erhalten, so bei Turbental im Tösstal Fräkmünd < 
fractum montem, dann Forch < furca, Falätsche < vallacia, 
Juch < jugum, urk. Rufinen < ruina, Tablat, Täbleten, Tajfleten < 

TABULATUM, Sust nach SUBSTARE USW. 2 

Unter die Varianten, die sich durch verschiedengradige Mischung 
von Romanisch und Deutsch gebildet haben, rechne ich endlich 
noch zwei Formen, eine vereinzelte und eine verbreitete. Ver- 
einzelt, aber nach Form und Bedeutung doch wohl hierher gehörig, 
ist simmentalerisch Güfel m. „stumpf zugeschnittener Bergkegel, 
Gipfel" (Id. II, 133). Das andere Wort zeigt die gleiche Wieder- 
gabe von romanisch -z>- wie Gufel und Güfel, dazu aber noch den 
deutschen Suffixwechsel von Guber und Ckober, ist also wohl relativ 
eine der jüngsten Bildungen. Es lautet Gufer und ist Maskulinum 
im Berner Oberland, Wallis, in Uri, Chur und im Prättigau; Neutrum 
in Ringgenberg (B), in Langwies (Gr); Sachsein (Uw) und in 
Grächen (W) (Id. II, 132 — 3). Auch die Bedeutung hat sich weit 
von der ursprünglichen entfernt, doch läfst sich ihre Entwicklung 
verstehen. In Sachsein heifst Gufer „kleiner Felsblock", im Wallis 
„einzelner, kleinerer Kieselstein", gufere n , guffre 11 bedeutet „Steine 
werfen; jem. mit Steinen bewerfen", also ganz entsprechend köfeln 
zu Kofel. Denken wir an kämt, kouflu „einen Steinhaufen machen", 
so begreift man auch den semantischen Zusammenhang von Gufer 
„Schutthügel": Wartau (St. G.); „Erhöhung, Hügel": Prättigau; 
„Schutthaufe, welcher über die Gletscher hinunter sich hinzieht": 
Berner Oberland, Graubünden, Uri, Wallis. So ist dann die all- 
gemeine vom Wallis über Berner Oberland, Graubünden, Uri bis 
nach Wartau 3 verbreitete Bedeutung entstanden, nämlich „Geröll; 

1 Vgl. dazu Schw. Geogr. Lex. V, 61—62. 

2 Vgl. Meyer, ON des Kts. Zürich, in „Mittig. der antiquar. Ges. 
Zeh." 1849. 

3 Vgl. Siegfriedkarte Bl. 254 den ON Guferen so. Wildhaus. 



io5 

Schutt aus Kies, Erde und Steinen-' (Id); dazu kommen noch die 
Ableitungen vcrgufere „mit Schutt bedecken", guferig „steinig": 
Ringgenberg, Guferete f. „Endmoräne oder Halde mit gröfseren 
Steinblöcken": Gadmen (B). Auf höheres Alter der Entlehnung 
scheint die Erhaltung der Fortis hinzuweisen in kufer, vb. kufern 
in Visperterminen (W) * und in den Walser dialekten. 2 Es hat den 
Anschein, als ob Gufer in seiner jüngsten Bedeutung, in der es 
übrigens zu einem geologisch-wissenschaftlichen terminus technicus 
geworden ist, sich vom Alpengebiet nordwärts ausdehne. Wenigstens 
besagen nach Friedli in Guggisberg Ggufer, Flüeggüfer, Stt n ggüfer 
in neuerer Bezeichnung dasselbe wie Ganterist, eine Ableitung des 
alten *ganda. Auch in Lützelflüh ist Gufer bekannt als „Flufs- 
geschiebe". 3 Wie wir schon gesehen, hat das Gufer der Bündner- 
walser auch auf anstofsende romanische Dorfmundarten abgefärbt; 
so ist cuver in Schlans, Sagens und Oberkasteis äufserlich dem 
deutschen Suffix angeglichen, hat aber die alte romanische Be- 
deutung „schützende Einbuchtung unter überhängendem Felsen" 
beibehalten. 

C. Zusammenfassung. 

Überschauen wir kurz unser Resultat ! Die sprachgeographisch- 
lautgeschichtliche Betrachtung läfst uns fünf Hauptschichten des 
Wortes *cubulum wiedererkennen. Vier davon gehören als roma- 
nische Entlehnungen den süddeutschen Dialekten an und weisen 
durch ihre zeitlich wenn auch nur annäherungsweise bestimmbare 
Lautform auf verschiedene Etappen des vordringenden Deutschtums. 
Die älteste, nördlich vorgelagerte Lehnwort Schicht Kobel gehört 
noch ganz der althochdeutschen Zeit an und dringt südlich bis in 
die Ostschweiz und ins Allgäu. Dann entsprechen im Osten die 
Kofel- und im Westen die Gubel-Zone spätem Welien der Germani- 
sierung. Erst nach dem 10. Jh. hat sich endlich in den zuletzt 
verdeutschten Alpentälern die vierte, die Gufe/Schicht gebildet, 
wodurch dann auch die heutigen romanischen Formen in zwei 
Gebiete zerrissen wurden, einerseits bündnerisch ku(v)?l, anderseits 
südtirolisch ko(v)el und venet.-ital. covolo. 



1 Wipf, Die Ma. von Visperterminen, Frauenfeld 1908, p. 95. 

2 Bohnenberger, Die Ma. der deutschen Walliser, Frauenfeld 1913, 
p. 185. 

8 E. Friedli, Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums , Bd. I, 
Lützelflüh, Bern 1905, p. 88; Bd. III, Guggisberg, Bern 1911, p. 40. 



VI. Übersicht der Bedeutungen, 



i. Geländeausdrücke. 

Der Begriff „Höhle" wohnt allen behandelten Wörtern inne; 
die einen sind in dieser primären Bedeutung schon aus andern 
Sprachen vom Romanischen übernommen worden, 1 die andern 
haben sich erst in spätlateinischer oder in romanischer Zeit dazu 
entwickelt. 2 Gröfse und Form des diesen Wörtern entsprechenden 
Hohlraumes ist natürlich verschieden. Er kann wagrecht verlaufen, 
wie z. B. ein „Minenschacht", 3 er kann auch „senkrechte Einsturz- 
trichter oder Krater" bilden. 4 Als „Erdloch" bietet er wilden 
Tieren Wohnung. 5 Die letzteren Bezeichnungen verwendet be- 
sonders die Jägersprache, welcher Verben wie „aus der Höhle 
treiben, sich in ein Loch verkriechen, sich verbergen, zusammen- 
kauern, sich hinlegen, sich aufrichten" ihre Verbreitung verdanken. 6 



1 spelunca p. 24 ss., spelonca 25 ss., espeluco 27, spelech 27, speie 24, n. I, 
sperugia 27, balma, barme, bäume II — 12. Das aus dem Griech. entlehnte, 
schon im Lat. mehr poetische antrum scheint nur im Osträtischen und in Süd- 
italien einige Volkstümlichkeit erworben zu haben, vgl. friaul. andri „grotta, 
caverna" (Pirona) und siz. antru „luogo dove i contadini riposano in con- 
versazione a mezzo del lavoro diurno" (Meyer, Neutrum 165). Sonst lebt es 
wie specus im Romanischen nur als Buchwort. 

2 crypta 61 — 62, grotta 62, crota 62 — 63, croute 63, tana 85, däna 85, 
trona 89, 91, tambusna 86; ku(v)el covolo, kogolo 94, 96 — 97. — Weitere 
sekundäre Bezeichnungen für „Höhle": borna, käborna usw., vgl. v. Wartburg, 
RDRom. IV, 25 — 26; Keller, Genferdialekt, p. 78, n. II. Westschweiz, bokgla, 
bugä, bugäna, bwäna, buir?, bwata, bwita, bwitäna, bü\ büta (Gl, E). Diese 
sehr reichhaltige Wortfamilie, die offenbar mit it. buco zusammenhängt, bietet 
zu den in unserer Arbeit konstatierten Bedeutungsentwicklungen viele Parallelen. 
Es ist mir in diesem Rahmen nur möglich, die hier sich darstellenden umfang- 
reichen und schwierigen Probleme anzutönen. Ferner bündn. rqsna ; fo(u)ra, 

furacla (zu forare); Kola (mittelbündn. Neubildung nach übernommenem 
germ. hol) (Diz, E); nach dem At. lg. 204: trou, creux, pertuis, fente, crevasse 
usw. Dann noch bündn. fuarn, tess.jfpm (E), Damprichard fubnlö „petite 
grotte" (Grammont). Bündn. v(i)okt (Diz), tess. volta (E), frz. voüte (At. lg. 204). 

3 bäume 1 1 . 

4 boma 12, espeluco 27. 

5 bäume II, tana 85, turna 91, kuval 94, covile 94. 

6 istanare 86, distanee 86 : intanare 86, (enjtunä 86, enclotir 48 ; s'abamä, 
s'embaumä 11, n. I; se taner 86, se dibourmd II, n. I. Vgl. sard. cuare p. 95 
und ' kuerrare < cavernare „verbergen", Krit. Jahresber. 1911/12, I, 169. 



107 

Da bei dem rauhen Klima der Alpen der Bergler häufig vor Unbill 
der Witterung sich schützen mufs, ihm aber nicht immer eine 
regelrechte Höhle zur Verfügung steht, gibt er deren Namen auch 
der überall sich bietenden, zweckentsprechenden „Einbuchtung 
unter einem vorspringenden Felsen". 1 Die Aushöhlung stellt aber 
gewöhnlich geringern Schutz dar als der „überragende Fels". So 
drängt sich im Wortinhalt an Stelle des Hineingehens das Bild 
des Vorspringens ins Vorderbewufstsein. Durch das Wort und 
seine Ableitungen kann daher selbst „überhängender Schnee, aus 
dem Heustock vorspringendes Heu", das Verb „überragen" im 
allgemeinen ausgedrückt werden. 2 Besonders geht der Name aber 
auf den „Felsvorsprung" über, auch wenn dieser zum „kleinen, 
als Handgriff beim Klettern dienenden Felskopf" oder zum „gras- 
bedeckten, schwer zugänglichen Gemsen- oder Ziegenweideplätzchen 
in einer Felswand" wird. 3 Nicht nur der hervorragende Felskopf, 
eine „im Felsgrund vorstehende Felsbank" oder ein „Grenzstein", 
sondern auch „der einzelne Block, das lose Felsstück", ja ein 
„einzelner Kieselstein" wird mit unserm Wort bezeichnet, 4 dazu 



1 sprüg 25; gruttale 54; barma, balm(a), bäume 13 — 14, Balm 20, 
Balfen 21 ; tana 85; ku(vjpl, kuvdr 97, Gufel 98, Schermkofl 99; Kobel 99 
— 100, chobel 10 1. 

2 barma 15, 16; barma, barmey$ 15. Vgl. dazu im Prättigau cafer 
nälen „Korngarben an die Wand der Tenne schlagen" zu Cafernal m. „über 
den Boden der Tenne hervorspringender Rand der Bohle (Tennenlade) und 
mit welcher die Wand der Tenne so zusammengefügt ist, dafs jener Rand in 
die Wand eingreift" (Id. III, 159. Wegen des «Suffixes vgl. gronzal. Das 
Überhängen betonen auch folgende Ausdrücke für Balm : Bivio prominentsa ; 
Stürvis, Lenz pentsla, Tinzen penla und Borgognone, Peccia, Dalpe grönda 
eigentl. „Dachvorsprung" (E), bergell. gronz, gronzal „rupe sporgente", RJLomb. 
XLV, 277. 

3 sprüy 25, speluk 25. 

4 bäume 15; speie 24, n. I; krota 69, grotta 69, grot 69; barma, 
balm, bautno 15, Balma in ON 8; Kofel, Kobel 99 — 100, kogol 97, Gufer 
104 — 5. Der Übergang von „Höhlung unter vorspringendem Fels" zu „vor- 
springender Fels" ist leicht verständlich. Der weitere Schritt zu „Felsblock, 
Stein" bedarf vielleicht noch folgender Parallelen: Das hauptsächlich in 
der Bed. „schwerzugängliches, vorspringendes Grasplätzchen in einer steilen 
Felswand" in den ganzen Alpen und darüber hinaus weit verbreitete 
Terrainwort CINGULUM erhält die Bed. „Fels im allgem., Felskopf, -zacken, 
-block, der herunterfällt" in trentin., veron. cengio, zengio-, in Bünden: 
Ardez ts'ainty/l, Bergün tsendyal, Tiefenkastei sandypl, Mühlen, Lohn, Zillis 
tsat'rjgjl, Präz tser\g?l, Lenz sentysl, Lumbrein serjk^l (Diz, E), schwdtsch. 
Tschingel „Felsen" Graub., BcrnObl. (Stalder), vgl. ZRPh. XXXVIII, 6—7. 
Die Reflexe von balteus als Geländewort heifsen nicht nur „Absturz, Fels- 
vorsprung", sondern im Verzascatal auch sbalz „sasso che precipita da un' erta" 
(Monti). Umgekehrt bezeichnen auch Wörter, deren Grundbed. „Fels" ist, 
einen „Felsvorsprung", so in Mergoscia s'kel (E) zu M.-L., REW 7738; Isone 
gröp (E), ossol. crpp neben gröp „Felsen" in Arbedo, Mergoscia und vielen 
ON, vgl. BStSvItal. IXX, 151, zu M.-L., REW 2344; vgl. auch tirplerdeutsch 
Knoten „Felsen" (Schneller, Nfschg. p. 62); ferner Chironico tsäpel, Olivone 
tsabluk neben tsap „Felsen" (E) (=• tsap < clap?). Endlich gibt der 
At. lg. 204, P. 508 (Vienne), 510 (Deux-Sevres) röche direkt als „trou oü on 
peut trouver un abri". 



io8 

das Verb „Steine werfen", das Adjektiv „steinig". 1 Wie der 
einzelne Stein, so heifst dann auch dessen Vielheit, das „Geröll, 
der Schutt, das Flufsgeschiebe", selbst eine „mit grofsen Steinen 
bedeckte Halde, eine Gand". 2 Das gleiche Verb bedeutet aufser 
„Steine werfen" auch „einen Steinhaufen machen". Vom Begriff 
Stein kommen wir auf den von „Steinhaufen, Höcker; uneben". 3 
Durch die Vorstellung „Schutt, Geröll", ist der Übergang gegeben 
zu „Schutthügel, Moräne", von hier wieder zu „kegelförmiger Berg- 
kuppe oder Hügel" überhaupt. 4 Zu letztern kann man auch direkt 
über „Fels, Felskopf" gelangen. Oft befindet sich in den Bergen 
der schützende Ort nicht unter einem typisch vorspringenden Fels- 
stück, sondern unter einer ganzen überhängenden oder sehr steilen 
Felswand. Der Jäger kann sagen: „Siehst du die Gemse dort 
unter jener Bahn?" oder „Das Tier ist über eine Balm hinab- 
gesprungen", auch wenn gar keine Höhlung mehr vorhanden ist. 
So stellt sich die Vorstellung „Felsabsturz, Abgrund, unzugängliche, 
exponierte Stelle" ein. 5 Es ist nicht einmal nötig, dafs der Abhang 
immer sehr schroff sei, das gleiche Wort kann auch eine „kleine 
Halde, wo nach einer ebenen Fläche das Gelände sich neigt", 
bezeichnen, also einen „Rain, eine Böschung z. B. am Rand eines 
Ackers, am Flufsufer". Von hier aus entstanden Spezialausdrücke 



1 Kofeln 99, guferen 104, krotey$ 70, guferig 105. 

2 Gufer, Güfer, Gnferete 104 — 5, Koblat 100. 

3 kouüu 99; barme 16, kovol, kogol 97, grötola 44; grotolü 44. Vgl. 
p. 44, n. 2 veltl. caürga „Steinhaufen" (Monti) zu M.-L., REW 1796. 

4 Gufer 104, Guferete 105; Gubel 103, Kofel 99, Kobel 99 — loO; 
Balma 16, Balm(eli) 16. 

5 sperük 26; grotta 68 — 9, Les Crottes 63, 69, cloto 47; bama, barma, 
bahn, debarme' 12 — 13, Palfen 21 ; Guß 98, Gubel 103. Vgl. hierzu die 
Parallelen : in Misox gronda „senkrechter Felsabsturz" (E), in Bergamo 
„Abhang" (Tiraboschi). Ähnlich wird auch cingulum vom exponierten Vor- 
sprung auf die umgebende Felswand übertragen : tschaingels „praecipitia" 
bei Campell, Raetiae Alpestris Topographica Descriptio c. 35 ; in Chamoson 
yl^do = sgrjglo „Abgrund" (E); blen. scenc „burront" (De Maria, Curiositä 
del Vernacolo Bleniese , Bellinzona 1889). Umgekehrt bedeutet falaise im 
P. 478 des At. lg. 204 „Caverne sous un rocher". 

6 grotta 69 — 70, barma, bormat 13, bäume, barme 13. Eine ähnliche 
Reduktion des Bedeutungsumfangs wie von „Abhang" zu „schmaler Streifen, 
Bord" sehe ich in untereng., münstertal. rcevan, nidwald., obwald. rirv3n, 
pl. rpvpns „Rain, langgestreckte Böschung zwischen zwei übereinander- 
liegenden Äckern oder Wiesen", das ich mit dem fast überall in den Alpen 
bekannten ruina „Erdrutsch, losgebrochene oder beständig abbröckelnde 
Halde" zusammenstellen, d. h. als falsche Rückbildung auffassen möchte zu 
einem als kollektives neutr. pl. empfundenen rofna < *r6vina (vgl. büt, 
pl. bptta). Letzteres erscheint als ON im Bergeil, UEngadin, Mittelbünden 
und Oberland. In Vrin ist rofna eine wüste, unebene Grashalde mit 
lockerm, vom Vieh zertretenen Boden. Sie ist wohl eine ehemalige, jetzt 
überwachsene Abbruchstelle, also sachlich wie sprachlich eine alte ruina. 
Ähnlich im Schams. Im Tavetsch heifst man diese Halden nur rofna, „wenn 
je zwei sind", d. h. wo es sich um die beiden gegenüberliegenden Hänge eines 
Taleinschnittes, einer Schlucht handelt. La Rofna heifst ein Tälchen bei 
Dieni im Tavetsch ; las rofnas sind mehrere solche Schluchten; aber ils rovans 
Hänge in den Wiesen, wo keine gegenüberliegende Talseite begrifflich mit- 



109 

des Kegelspiels und Verben wie „einen Damm aufwerfen, die 
Hecken am Rain beschneiden''. 1 Während in den letztgenannten 
Fällen die Vorstellung des Hinuntergehens kennzeichnend ist, tritt 
der Gedanke einer Einbuchtung wieder in den Vordergrund, wenn 
das Wort auch für den „kleinen, ebenen Absatz an einem Berg- 
abhang" verwendet wird. Der durch dieses Plateau dargestellte 
Unterbrach in der gleichförmig sich neigenden Halde wird als 
Einhöhlung aufgefafst, und so erhält — ein nur im Gebirge denk- 
barer Übergang — das Wort „Höhle" auch den Sinn „ebene 
Fläche" und in Ableitungen „eben, horizontal; eben machen". 2 
„Wassertümpel, Wagengeleise, sich stauen" im Flachland ist wohl 
aus „Loch" hervorgegangen. 3 Aus einer Verbindung der Vorstellung 
„Abhang, Bord" und „in die Tiefe gehendes Loch" wird semantisch 
„Rain, Taleinsenkung, Hohlweg, Schlucht" entstanden sein, 4 

Von der Hauptvorstellung „Höhlung" sind bei einigen Typen 
Verben abgeleitet wie „verlochen, begraben; ein Loch (in die Erde) 
machen, aushöhlen, unterhöhlen, wölben" und dazu die Adjektive 
„hohl, löcherig, gewölbt". 5 Durch Verallgemeinerung der Vorstellung 
„Wölbung" überträgt man das Wort sogar auf einen „Brücken- 
bogen", oder eine „Bucht, Krümmung eines Flusses". 6 Aus 
..Höhlung, Loch in der Erde" wird, besonders bei crypta in An- 
lehnung an clot, „Loch im allgemeinen oder Loch, Grube in 
spezieller Verwendung, wie z. B. Gemüsegrube, Höhlung an Körper- 
teilen, Zugloch". 7 Unter Betonung der mangelhaften Beleuchtung 
und schlechten Luft in einer Höhle schuf man die Begriffe 
„dunkler, rauchiger Raum; die Luft verfinstern; dunkel, düster; 
finster blickend". 8 



spielt; rgfna ist also doch wohl kollektiv (E). Wegen RU1NA > *RUINA vgl. 
schwdisch. Rufene, Ruft, wie auch Lauerte, Laut auf *labina zuiückgeht; 
vgl. ferner dazu Salvioni, RJLomb. XLVII, 595; SiFR. VII, 211 n. 1. Wegen 
*RÖVJNA statt KOVINA, vgl. Huonder, Der Vokalismus der Ma. von Disentis 
1900, p. 74 und nonsbg. rueva < RÖVA, Battisti, Nbg. p. 46. 

1 dar grotta , grotteggiare 70 ; bormo, bormayi 13; aggrottare 70; 
debarmö 13. 

2 crotet 48, n. 2 ; tsqta 53; clot 48, cloutet 48; clouet 48, accloutir 48. 
Begreiflich wird uns dieser Übergang von „hohl" zu „flach", wenn wir in der 
Westschweiz für diesen nämlichen replat, replan, planet auch finden creux, 
creuset, revallon (Gl). 

3 clot 49, enclotarse 40. 

4 krota , erbt 70 ; cloto 47; clotada, encloutaduro 48; tsyta, tsaet 53; 
debarme 13; spjuga 27; grata 70 ; kobel IOO; tauna 85. Wie %röta von 
Felswand zu Schlucht werden kann, so sagt man umgekehrt in Tinzen tobal 
für eine sehr exponierte, gefährliche Stelle in einer Felswand (E). 

8 encrotter 43, enclouttä 48; baumer IX, barmä, underbalmen, soubauma 
15; crotter 43, cloutä 48, baumat II, abaume II ; crote 43, clote'y cloutu 48; 
krotalä 44, klotelä 47; crotatus 39. 

6 crota 39. grota, crot 39. 

7 crot 42 ss.; clot 46 ss.; crotftjot, crotet 43; klot, klotet 47 ; espeluco 27. 

8 tana 86; tuma 90 ; 'ndand 86; abaume? n ; aggrottato, far grotte di 
leone 70. Vgl. dazu neben engad. chajuol „tief, hohl", chafuolezza „Tiefe, 
Dunkelheit". 



I IO 



2. Bezeichnung von Bauten. 
a) Im profanen Hausbau. 

Wo das Wort schon im Lateinischen besonders „in der Erde 
liegende, bedeckte Gebäulichkeiten" bezeichnete, ist es natürlich, 
dafs diese Tradition auch im Romanischen sich findet. l Da aber 
einerseits diese Wörter nachträglich den Sinn von „Höhle" an- 
nahmen, anderseits die bodenständigen Ausdrücke für Höhle auch 
aut Bauten übertragen wurden, liefen schlielslich beide Gruppen 
in ihrer semantischen Entwicklung parallel. So erscheinen, ob 
primär oder sekundär, alle Typen als „Vorratsraum, Stall, Hütte". 
Der mit unserm Wort bezeichnete Vorratraum zunächst ist ein in 
den Felsen gehauener oder an diesen angelehnter „Keller, in dem 
meist Wein aufbewahrt wird". 2 Er kann aber auch ein „einfaches, 
grubenartiges Loch unter dem Fufsboden des Hauses" oder ein 
„regelrecht ausgebautes Kellergewölbe" sein. 3 Dann ist, eine Er- 
innerung an frühere Verwendung der Höhle, ihr Name auch über- 
tragen worden auf „Heuschober oder den Teil der Scheune oder 
Tenne, wo Heu oder Garben aufgespeichert werden". 4 Wie heute 
noch bisweilen Vieh in einer Höhle untergebracht wird oder an 
einen überhängenden Felsen ein primitiver Stall sich anschmiegt 
und den Terrainnamen trägt, so kann sich mit der verbesserten 
Sache auch das Wort vom Gelände loslösen und der ehemalige 
Terrainausdruck einen „steinernen Stall im Gebirge, einen Schweine-, 
Kuh-, Pferdestall, ein Hundehaus" benennen. 5 So bezeichnet 
schließlich das Wort für Höhle auch einen „Aufenthaltsort für 
Menschen, einen versteckten oder engen Raum in einem Haus, 
ein elendes Haus, eine Hütte überhaupt". 6 

Wenn heute die Schriftsprache ein fragliches Wirtshaus, eine 
Spelunke oder Räuberhöhle heilst, so ist das natürlich eine bildliche 
Verwendung geworden. Etwas anderes ist aber ein mundartliches 
Heubalm oder eine grolle ä chien. Im allgemeinen werden in den 



1 XQVTixri 36, crypta 36 — 37, crota, croute 38 — 39, croton 39, clota 47, 
clotonus 48, grotta 37; Ruinen von unterirdischen Römerbauten (Katakomben 
Roms): cryptae 56, 64 ss., croute 66, grotta 66, gruta 34; sotani, suttdne 88. 

2 crota, crot, krutin 41 ; truna 90. 

3 crotta 42, crypta 37 — 8, crota 38, grotoyeller, kave ä krute, croton 39, 
clota 47, cloutoun 48; bome 11, truz'na, trsbonna 90. 

4 Heubalm 16; kova, kovel 97, chober 101, n. 1; krota 40, crot 41, n. I; 
Balmer 16, barma 16. Im urnerischen Maderanertal sagte man mir, dafs 
Balm einen Zufluchtsort unter überhängendem Fels bedeute, der aber in 
den Alpen auch zur Aufbewahrung des Futters diene. Dort habe ich auch 
gesehen, wie Schweine in einer Höhle unter einem Felsen neben der Alphütte 
nächtigten. 

5 crypta 53, krota, croute, creicte 54, grotte ä chien 54, tar\a 86, truina, 
triur\ 90 — 91, antrum, grutta „Krippe" 55; barma 16. 

6 barmeano 16; cro(u)tet 43; clotet 49, n. 3; covile, covil 94; tanabüs, 
tana, tuno 86; grbt 55. 



III 

Mundarten die Höhlenbezeichnungen als Gebäudenamen ursprünglich 
wohl keine Metaphern, sondern aus den primitiven Sachverhält- 
nissen hervorgewachsen sein, wo die Geländeform noch die Stelle 
des Hauses vertrat. Dieser Bedeutungsübergang gestattet uns also 
einen kulturhistorisch interessanten Rückblick in die Vergangenheit. 
Der sachliche Übergang von der „von Menschen benutzten Höhle 
oder dem Felsendach" zu „Stadel, Stall, Hütte" ist in den 
Alpen noch vielerorts zu beobachten. Ich erinnere nur an die 
erwähnten Futterbalmen und Höhlenställe in Uri oder z. B. an 
eine von Lawinen und Steinschlag gefährdete Alp im umerischen 
Fellital, wo trockene, geschützte Hohlräurne, die durch mächtige, 
heruntergefallene und übereinanderliegende Felsblöcke gebildet 
werden, vorn durch Mauerwerk und Türen abgeschlossen sind und 
als Ställe oder Alphütten benutzt werden. Ganz ähnliche Verhält- 
nisse aus dem Tessin, besonders dem Bavonatal, schildert Rütimeyer 
ausführlich in Wort und Bild. * 

Ein sprechendes Beispiel dafür, dafs im alpinen Sprachgebrauch 
in einem Wort begrifflich Gebäude und Terrainform sich berühren 
können, ist das schwdtsch. Schopf. Einerseits bedeutet es ursprüng- 
lich „Vordach" und dann besonders allgemein „Schuppen, Remise" ; 
andrerseits bietet es als Terrainbezeichnung im Gebirge Parallelen 
zu unsern Wörtern. Im Berner Oberland und Wallis kommt es 
vor im Sinne von „Balm, Höhle in einem Felsen, als Felsvorsprung, 
Felsabsatz, Felskopf, Felsblock, einzelner Stein, Felswand" (Id. 
VIII, 107 1). 

Ähnlich wird auch das Verbalsubstantiv von substare ver- 
wendet, das im schwdtsch. bekannt ist als Sust, unterengad., nidwald. 
stwsta, obwald. susta, si/sckna, tessin. sosta, westschw. chota, achota. 
Die allgemeine Bedeutung des Wortes ist „Unterstand, schützendes 
Dach oder Schuppen". Es erhält aber den Wert von „Balm = 
schützender Ort unter überhängendem Felsen" im Oberengadin, 
Oberhalbstein, in Bergün, der obwald. Foppa und im Lugnez (Diz), 
im Wallis, Waadt, Bern und Freiburg: asg m. (Gl). 

b) In der Kirchensprache. 

Verschiedene Entwicklungen haben hier sachlich und sprachlich 
zum gleichen Resultat geführt. Zunächst sind aber wieder aus- 
einanderzuhalten: wirkliche Höhlen und gebaute unterirdische Ge- 
wölbe. Die christlichen cryptae, besonders die Roms, waren ur- 
sprünglich keine Höhlen, sondern gemauerte Katakombengänge. 2 



1 Schweiz. Archiv für Volkskunde XXII, 47 ss. u. Tafel XI. Sachlich 
interessante Auskunft über Höhlen, die von Menschen bewohnt wurden, geben 
Mose Bertoni und Salvioni in ihren Artikeln über die sog. „case dei 
pagani" im BStSvItal. V, XV, XX und neuerdings mit ausführlicher Biblio- 
graphie F. Burckhardt, Die Grottenburg bei Chiggiogna [Tessin). Anzeiger 
für Schweiz. Altertumskunde N. F. XXI, 118 — 124 (1919). 

2 cryptae 56, 64 ss., grotte di Roma 67 ss. 



112 

Der erste Schritt zur Vermischung dieses Wortes mit dem Begriff 
Höhle war schon im heidnischen Sprachgebrauch gemacht worden 
durch die Berührung mit den Mithraspelaea, welche symbolisch 
Höhlen darstellten, in Wirklichkeit aber kryptenartige Gewölbe 
waren. Durch die Mithrashöhlen kommen wir in den Vorstellungs- 
komplex der heidnischen Kultstätten in Höhlen, die Apollo, Pan, 
der Sibylle, Egeria, den Nymphen usw. geweiht waren. Durch den 
Zerfall dieser Kulte verschwinden die Höhlen nicht von der Bild- 
fläche des religiösen Lebens. Das Christentum gibt ihnen nur 
eine andere Bedeutung. Den heitern, lebensfrohen Sinn der 
griechischen Gottesverehrung schildert z. B. so recht die Sprache 
in folgenden semantischen Übergängen: neben (pwteog „Schlupf- 
winkel wilder Tiere, Höhle", <pa>Xevoo „sich in einer Höhle ver- 
kriechen, verbergen" bedeutet (pwZsöv, (pcolrjTrJQiov den ver- 
steckten Ort, wo der Schwärm der Bacchanten mit Gelage die 
Gottheit verehrt, den Ort, „ubi clam potatur", „wo sie tanzen und 
lehren", dann einfach „Versammlungsort, Schulhaus". 1 Seit dem 
Christentum aber ist den Höhlen der Stempel der Askese, der 
Weltflucht, der Vorbereitung auf ein besseres Jenseits aufgedrückt. 
Die Christen Verfolgungen hatten bewirkt, dafs die Gemeinde 
der Gläubigen, wo ihr nicht verborgene cryptae zu Gebote standen, 
in natürlichen Höhlen sich zusammenfand zur Predigt, zum heiligen 
Abendmahl, zur Bestattung ihrer Toten und zur Verehrung der 
dort begrabenen Heiligen, wie das ja auch in den cryptae geschah. 2 
Auch in anderer Hinsicht begannen Grotten eine Rolle zu spielen. 
Die allgemeine Weltflucht trieb in grofser Zahl Einzelne und Ge- 
meinschaften in die Einsamkeit der Natur. In Höhlen fristeten 
Einsiedler ein gottergebenes Leben, um dort auch begraben und 
verehrt zu werden. 3 Ganze Klöster nisteten sich in hohlen Bergen 
ein. 4 Da und dort lud den Wanderer ein Bethaus an schützendem 
Ort zu Ruhe und frommer Einkehr. 5 Alle diese Fäden liefen 
schliefslich in einem Punkt zusammen: sei es in gebauten, unter- 
irdischen Katakomben, sei es in natürlichen Höhlen, sei es am 
Grab eines Grottenheiligen, sei es in einem Höhlenkloster oder 
einer Kapelle unter vorspringendem Fels, überall kamen hier die 
Leute zu gemeinsamem Gottesdienst oder Heiligenverehrung zu- 
sammen. Dafs dieser gewöhnlich natürlich oder künstlich höhlen- 



1 (pcoXrjTiiQia, oixot ovfmooLaxol nach Suidas ; (pojXrjriJQia xal (pcoXeal 
= luv öuxocov xal ovvoöcdv oixot; (pwXeov, ov yoQtvovOLV xal diöaoxovaiv, 
ÖLÖaoxaXstov nach Hesych (Thes. Graec). 

2 per criptas et latibida p. 65, criptis et speluncis, Täuferhöhle, Buche 
65, n.J. 

3 Baumado, fonch sotterrada en una bahna, ermüaodzo 10, n. 4; dedit 
sancto Sigoni speluncam que dicitur Balmeta 9; speluncam, ubi quedam 
Liutburg quondam fuit inclusa et ecclesiam ibidem . . . constructam. Mon. 
Germ. Hist., Dipl. Reg. et Imp. Germ. I, 269 usw., die Beispiele könnten be- 
liebig vermehrt werden. 

* Vgl. die Klosternamen der ältesten Belege für Bahna. 
5 in Baimas, ubi oratorius 7 Balma = H*«- Pierre 8, n. 5. 



H3 

ähnliche Ort mit den gewohnten Ausdrücken für Höhle bezeichnet 
wurde, ist verständlich. Da nun aber meistens das charakteristische 
Merkmal dieser Versammlungsstätte eines oder viele Gräber von 
Heiligen war, wurde dann der Name des Raumes auf dessen 
wichtigsten Inhalt verschoben. Die nämlichen Wörter bezeichnen 
nun das Grab. 1 Mit der kulturellen Veränderung schritt die sprach- 
liche Entwicklung. Das Grab wurde ausgebaut zu einem Grab- 
gewölbe, einer Gruft. Diese wurde dem Fundament der darüber 
sieh erhebenden Kirche eingefügt. Der Ort, in dem man jetzt zu 
frommer Handlung sich versammelte, war eine Unterkirche, eine 
Krypte. 2 Der alte Name aber blieb am Orte haften und übernahm 
diesen neuen Sinn. 



1 spelunca 24; specus 24; crypta 57; balma io, n. 5; tambüsa 86. 
Zu antrum „Grab" vgl. im 3. Jh. bei Eusebius: „antrum specus vel sepul- 
chrum" (Corp. Gloss. V, 430) usw., vgl. Thesaurus: Luce Deus qua factus homo 
processit ab antra tumbali id est, die resurrectionis". Carmen de Berengario 
Imp. (Du Cange). „Omnia tecta antraque beati martyris Januarii . . . claris 
ullulatibus personabant", kurz vorher wird gesagt: „cubiculum beati Januarii" 
(Acta Sanctorum 19. Sept. VI, 885). In diesem Sinn auch caverna bei Dante, 
Purg. XXX, 14: „i beati surgeran presti ognun di sua caverna."; 

2 crypta 57 ss., crota, cro(u)te, creute etc. 5q — 60, croton 39, clota 47; 
martyrium, confessio 57, n. 7. In einem Gedicht des Fuldensermoncb.es 
Candidus aus dem 9. Jh. wird crypta, antru?n und sfieleum völlig gleichwertig 
verwendet für eine gewölbte Unterkirche, vgl. Mon. Germ. Hist, Poet. Lat. 
II, 108, 113. Bei Papias, einem lombardischen Grammatiker des 11. Jh., er- 
scheint antrum im Sinne von „Kirche": . . . „ubi famosissimum est antrum, 
id est templum" (Du Cange). tribuna etc. „Apsis", „Gruft", „Beinhaus" 90. 



VII. Prinzipielles. 



Welche prinzipiellen Lehren lassen sich aus der dargestellten 
Bedeutungsentwicklung ziehen? Vom semantischen Standpunkt ist 
der auffallend vielgestaltige begriffliche Wandel der Gelände- 
ausdrücke von Bedeutung. Das gilt besonders für so charakte- 
ristische Typen wie balma, bei denen dank ihrer sprachlichen 
Isoliertheit um so deutlicher zu erkennen ist, dafs die ganze Be- 
deutungsveränderung selbständig in ein und demselben Worte sich 
vollzogen hat. Wir stehen also vor der Frage der psychologischen 
Möglichkeit solcher Übergänge. Auf den ersten Blick möchte es 
befremden, vom Studierzimmer aus betrachtet, unwahrscheinlich 
klingen, dafs das nämliche Wort Begriffe umfassen könne wie 
„Höhle" und „Hügel", „Loch" und „Felswand, ebene Fläche" und 
„Stein, den man wirft". Und doch glaube ich, durch die zahl- 
reichen Belege der Schritt für Schritt sich aneinanderreihenden 
Zwischenstufen den begrifflichen Zusammenhang dargetan zu haben. 
Nun sollte man ja allerdings erwarten, dafs so charakteristische 
Begriffe wie gerade „Höhle" nicht durch andere verwischt und 
verdrängt würden. Da ist es aber von gröfster Wichtigkeit, neben 
der semantischen Veränderung auch die der Sache selbst zu kennen. 
Gewifs ist es eine psychische Erscheinung, wenn der Sprechende 
auf eine „Bahn" in einer Felswand hindeutet, der Hörende un- 
klarerweise nur die „Felswand" meint und doch den Inhalt des 
Satzes richtig versteht. Dieses psychologische Mifsverständnis wird 
aber häufig durch die Gestalt der Sache begünstigt. So liegt es 
natürlich in der Geländeeigentümlichkeit der Gegend begründet, 
wenn balma in Belgien zu einem „Minenschacht", im Jura zu 
einem „dolinen artigen Einsturztrichter" wird, wenn crypta am 
südlichen Alpenfufs „Weinkeller" und Gufer in der Gletscher weit 
des Berner Oberlandes, wo selbst ein Schopf zu „Stein" wird, 
„Moränenschutt" bedeutet. Auf alle Fälle werden wir die Be- 
deutungsgeschichte nur verstehen und befriedigend erklären können, 
wenn es uns gelingt, an Hand der Dialekte, d. h. der lebendig 
schaffenden Sprache, eine möglichst lückenlose Kette der begriff- 
lichen Übergänge herzustellen und diese durch die entsprechende 
Sachkenntnis zu bestätigen. Ein wichtiger Faktor ist die Kenntnis 



"5 

des Wortes in seinem Gebrauchswert, ich möchte sagen in seiner 
sozialen Stellung. Ist es ein vornehmes oder gelehrtes Wort ? Dann 
wird es die internationale Einheit der schriftsprachlichen „Grotte'-'' 
oder der kirchlichen „Krypte" aufweisen. Ist es ein Ausdruck der 
Volkssprache? Dann wird es in der Buntscheckigkeit des Alltags 
einhergehen und sich nach den niedern Bedürfnissen des Lebens 
richten. Da wird dem Nützlichkeitsprinzip entsprechend im Hoch- 
alpenmassiv die Bahn, zum „schützenden Felsvorsprung" und bei 
den Winzern der Touraine zum „ Rebhäuschen". Diese ganze 
Erkenntnis ist aber nur möglich, wenn wir das einzelne Wort 
in allen seinen Lebensbedingungen bis ins Detail ver- 
folgen, wenn wir auf breitester Grundlage angelegte, wort- 
geschichtliche Einzelforschung treiben. Dann führt uns 
dieser eine Faden in das verwickelte Gewebe des sprachlichen 
Geschehens. In dem bis in die Tiefe verfolgten Einzel- 
schicksal erkennen wir den unergründlichen Reichtum, 
das ewige Wirken und Werden des grofsen Lebens. 



Die grofse Entwicklungsfähigkeit und der rasche Wechsel des 
psychischen Wortinhaltes, die wir in den vielseitigen Bedeutungs- 
übergängen der Bezeichnungen dieses einen Begriffs beobachten — 
die W 7 örter für „Höhle" umfassen ja fast alle wichtigen Gelände- 
formen — bilden aber nur die eine Seite des sprachlichen Ge- 
schehens, nicht den dominierenden Gedanken. Ebenso wichtig 
erscheint daneben der entgegengesetzte Faktor, das erhaltende 
Moment der Sprache. Ist es nicht ein bedeutsamer und wunder- 
barer Gegensatz, wenn mitten in dem bunten, schöpferischen 
Spriefsen ein uralter Stamm aus den ältesten Sprachschichten bis 
heute aufrecht geblieben ist, wenn in unsern Schweizer Bergen 
heute noch am nämlichen Flecken Erde das gleiche Wort klebt, 
das vor anderthalb Jahrtausenden die Alemannen dort von den 
Romanen übernahmen, während auch diese es schon vor Jahr- 
hunderten an Ort und Stelle vorgefunden hatten, wo es im Munde 
der Kelten oder wer weifs welcher Völker erklang. Die Gründe 
dieser zähen Lebenskraft liegen wohl in der Sache, d. h. in ihrer 
Unwandelbarkeit und ihrer Bedeutung im Leben des Menschen. 
Solang die Lebensbedingungen des Wortes unverändert sind, kann 
der alte Grundstock fortdauern. Er kann, aber er mufs nicht; 
denn immer droht seinem starren Konservativismus, wie wir ge- 
sehen haben, ein Eingreifen der schaffenden Psyche. So wogt wie 
überall auch im Leben der Sprache der beständige Kampf zwischen 
Erhaltung und Entwicklung; es ist ein unaufhörliches Ineinander- 
wirken von Altem und Neuem. Der Sieger trägt die für Ort und 
Zeit kennzeichnenden Merkmale. 

Was wir aus Gestalt und Inhalt von Sprachformen herauslesen 
können, ist also nicht nur von philologischem Interesse, es spiegelt 
geradezu Phasen der Kulturgeschichte wieder. Das lange Leben 

8* 



n6 

von balma läfst uns auf seine Wichtigkeit im primitiven Leben 
des Hirten schliefsen. Höhlennamen als Baubezeichnungen erinnern 
an Zeiten, wo noch die natürliche Bodenform den Zweck eines 
Kellers, eines Stalles, ja eines Hauses erfüllte. Die Kirchenwörter 
lassen vor uns den Geist des Mittelalters erstehen, da der Mensch 
in der Abgeschlossenheit der Natur Gott und sich selber suchte, 
und die mit der Renaissance einsetzende Grottenpoesie ist ein 
Abbild der wiederaufflammenden antiken Lebensfreude. 

Neben der Erforschung des historischen Nacheinanders der 
verschiedenen Formen und Bedeutungen bietet deren geographische 
Betrachtung im örtlichen Nebeneinander der Sprachgeschichte wert- 
volle Aufschlüsse. Mit Hilfe lauthistorischer Kriterien, gestützt auf 
das Material alter Texte und in Verbindung mit Bedeutungslehre 
und Sachkenntnis rekonstruiert die Sprachgeographie durch auf- 
einanderfolgende Horizontalschnitte zeitlich verschiedene Schichten. 
Wo wir dank reicher Dokumentierung das geographische Zurück- 
weichen eines Worttypus, wie z. B. von cht im franz. Oberwallis, 
konstatieren können, dürfen wir in Rücksicht auf die übrigen peri- 
pheren Reste annehmen, dafs einst auch anderswo auf viel breiterer 
Basis das Wort gelebt habe und durch einen ähnlichen Kampf 
verdrängt worden sei. Bei so typisch und reinlich getrennter Ver- 
teilung von Formen wie Gu/el, Gubel, Kofel, Kobel gibt die sprach- 
geographische Vergleichung Anhaltspunkte für die Geschichte 
der Landesbesiedelung. Oft erlaubt sogar die Kenntnis der 
Verbreitung sprachlicher Typen und Phänomene Einblicke in Zeiten, 
die infolge völligen Fehlens schriftlicher Zeugnisse dem Historiker 
dunkel sind. 



Hier möchte ich am Schlufs nochmals die Verteilung der von 
uns behandelten Wörter und ihre Stellung zu einander überblicken 
und mit besonderem Nachdruck darauf hinweisen, wie sie in ihrem 
Zentralgebiet, der Schweiz, sich gegenseitig berühren. Zunächst ist 
es bemerkenswert, dafs von den echt lateinischen Höhlenbezeich- 
nungen in den Alpen keine wirklich alteingesessen ist. specus ist 
im Romanischen ja überhaupt nicht volkstümlich geworden ; aber 
auch caverna scheint in den von mir untersuchten Gebieten nicht 
einheimisch zu sein, wenigstens sicher nicht in Bünden und auch 
nicht in den westschweizerischen Alpen, crypta ist, wie wir ge- 
sehen haben, erst in sekundärer Entwicklung zum Geländewort 
geworden. Die konservativen Berggegenden haben vorzugsweise 
noch den ursprünglichen Sinn erhalten. An vielen Orten, wie z. B. 
in Bünden, ist das Wort überhaupt nicht eingedrungen. Überall 
aber rückt es jetzt, wie übrigens auch caverna unter dem Schutz 
der Schriftsprache vor. *tana ist unseres Erachtens eine Neu- 
bildung späterer Zeit. Da es aber ursprünglich sich nicht mit 
einem typisch alpinen Begriff deckt — Fuchs- und Dachshöhlen 
gibts ja überall — haben ihm auch die Alpenmundarten keinen 



U7 

besonderen Widerstand entgegengestellt, als es auf breiter Front 
als Spezialausdruck der Kleinwildjagd von Süden nach Norden in 
die Alpen aufstieg. Es bleiben also noch *balma, *spelüca und 
*cubulum als echte, bodenständige alpine Bezeichnungen. 

Betrachten wir die Verbreitung der drei Typen: sie ist 
charakteristisch. Keines der Wörter ist allen Alpenmundarten 
gemeinsam. Jedes hält sein eigenes, genau abgegrenztes Gebiet 
besetzt, ohne im allgemeinen in das des andern überzugreifen. Im 
Zentralpunkt des Gotthardraassivs stofsen alle drei zusammen. Mit 
andern Worten, diese kennzeichnende Sprachverteilung, die nicht 
der einstigen romanischen Einheit entspricht, mufs Siedelungs- 
verhältnisse vorromanischer Alpenvölker wiederspiegeln. 

Der älteste Typus, *balma, deckt sich im allgemeinen mit 
dem keltischen Gebiet. Er beherrscht Frankreich, die ganzen West- 
alpen von der ligurischen Küste bis zum Maggiatal und Centovalli. 
Dort berühren seine östlichsten Vertreter die westlichsten Ausläufer 
von *speluca. Ich erwähne nur das sprechende Gegenüber des 
Dörfchens Spruga links des Onsernone und den Ortsnamen Balmo 
rechts des Flusses. Am höhern Alter von balma ist nicht zu zweifeln. 
Es scheint also, dafs ein aus nordgriechischen Dialekten stammendes 
*speluca zu einer Zeit von Osten nach Westen gezogen sei, da 
seiner Einbürgerung noch kein lateinisches Wort wirksam entgegen- 
trat. An der heute noch so deutlich erkennbaren Grenze aber 
bot seinem weitern westlichen Vorrücken ein vorlateinisches balma 
gebieterisch Halt. Auf Zusammenhang des im Tessin noch äufserst 
lebendigen speluca mit dem Osten weisen die Reste dieses Typus 
im Südtirol, Vicentinischen und Bellunesischen hin. Wie weit 
dieses Wort einst südwärts reichte, ist ungewifs. Toskanische Orts- 
namen lassen gröfsere Ausbreitung vermuten. Die Ableger der 
gleichen Basis an der französisch-italienischen Küste des Mittel- 
meeres scheinen mir unabhängig von dieser östlichen Zone dorthin 
verpflanzt worden zu sein. Nur am Südfufs der Alpen zog speluca 
hin. Es kam nicht hinüber an die nördlichen Hänge. Mit andern 
Worten, wo die Räten safsen, fand speluca keinen Eingang, 
ebensowenig wie balma, von dem dort keine Spur zu entdecken 
ist. Das rätische Gebiet ist charakteristisch in dieser seiner Aus- 
schliefslichkeit. Welches rätische Wort verteidigte die Stellung gegen 
balma und speluca? Wir wissen es nicht. Aber auf dem ganzen 
rätoromanischen Boden entstand in romanischer Zeit die neue 
Bezeichnung nach cubare. Dafs diese romanische Neuschöpfung 
auch auf das SPELUCA-Gebiet übergriff, dafs *cubulum auch im 
Südtirol und Venetischen lebt, läfst erkennen, dafs damals in 
jener Gegend die Grenzen zwischen den Räten und ihren südlichen 
Nachbarn wohl weniger ausgeprägt waren, als in den Tälern der 
Schweiz. Hier entspricht geradezu jeder unserer Typen einer der 
drei grofsen romanischen Sprachgruppen, die in der Schweiz zu- 
sammenstofsen : balma vertritt den französischen, speluca den 
italienischen und cubulum den rätoromanischen Machtbereich, 



n8 

eine offenbar auf vorromanischer Grundlage beruhende Sprach- 
differenzierüng. 

Doch das ganze Gebäude einer solchen Abgrenzungstheorie, 
nur auf diese drei losen Blöcke gestützt, hängt gewissermafsen in 
der Luft. Denn wie wollte man, drei Wörter aus dem ganzen 
Sprachschatz loslösend, nach ihrer Verteilung drei grofse Sprach-, 
ja sogar Rassengemeinschaften abgrenzen können. Ferne von mir 
läge es auch, auf Grund dieser drei vereinzelten Typen etwas Ähn- 
liches zu unternehmen, wenn ich nicht beim Sammeln eines um- 
fassenden Materials durch andere Fälle zu ähnlichen Beobachtungen 
gekommen wäre. Was hier der Einzelfall darstellt, ist kennzeichnend 
für das Ganze. 

Einige Beispiele aus der Terminologie der alpinen Gelände- 
formen mögen für diese Gruppierung der romanischen Alpenmund- 
arten der Schweiz lexikologisches Zeugnis ablegen. 

Von allen mir bekannten, alpinen Gelände Wörtern, die nicht 
zum romanischen Sprachgut zu gehören scheinen, sind nur sechs 
Typen über das ganze Alpengebiet verbreitet: krap, klap, grep 
„Felsen, Stein"; mot-; tom- „Hügel"; grava „Steingeröll". Von 
diesen bilden aber sehr wahrscheinlich krap und klap einen 
Typus, dem sich wohl auch grep änschliefst, und der nicht sicher 
vorromanisch ist ; der Typus mot- könnte germanischen Ursprungs 
sein, und tom- mit lat. tumere zusammenhängen. So bleibt einzig 
noch das keltische grava. Eine vorromanische, gemeinalpine 
Spracheinheit ist also aus der Terrainterminologie nicht abzuleiten. 
Wohl aber zeugt eine Reihe vorromanischer Geländewörter von 
einer scharf ausgesprochenen Trennung zwischen dem Westen und 
dem Osten. Die Grenzlinie geht grosso modo durch das Gott- 
hardmassiv. 

A. Folgende Formen gehören ausschlielslich dem gallischen(?) 
Westen an und fehlen völlig im Rätischen 1 : 

1. *BALMA. 

2. *calmis „ausgedehnte Bergweide"; vgl. die frz. Formen 
chaunie, chaux usw. im BGlPSRom. IV, 3 — 15; ferner Zanardelli, 
App. less. top. II, 55; Herrigs Arch. CXXIV, 92 — 3. 

3. *loce „meist sehr steile Grashalde, gewöhnlich zwischen 
Felsen, Geröllhalden oder Wald, Fluh". Wallis, Waadt: lüi, Itie usw. 
(vgl. Jaccard, p, 231). Dazu vielleicht auch die nordwestoberital. ON 
Loccia, die sich ostwärts ungefähr soweit wie balma erstrecken (E). 



1 Da jedes dieser Wörter neue Probleme stellt, und da es sich hier nur 
um eine Andeutung handeln kann, beschränke ich mich auf die allerwichtigsten 
Angaben. Für die meisten der folgenden Wörter und für das ganze Problem 
der vorromanischen Sprachverteilung verweise ich vor allem auf die Arbeit 
von Jud im BDRom. III, 1 — 18, 63—86. 



ii 9 

B. Folgende Formen sind charakteristisch für den vorwiegend 
rätischen Osten 1 ; sie fehlen ganz im Westen: 

i. *ganda „Geröllhalde, Trümmerfeld" ; Verbreitung und 
Literatur vgl. BDRom. III, 9. Hier möchte ich nur betonen, dafs 
die Formen mit Dental in den dem rätischen Kern näher liegenden, 
konservativen Gegenden vorkommen: in den rätischen Ma., im 
deutschen Gand, ganda im Bergell, Puschlav, Bormio, im Veltlin; 
bergam. ganda? a „bricciola" (Rosa). Daneben gana- Formen im 
Tessin, Val Camonica, Sulzberg, Nonsberg. In der Toponomastik 
erscheint der Typus *ganda häufig auch noch im gana-Gebiet; 
aber nie umgekehrt. Westlich reicht das Wort bis dahin, wo balma 
beginnt, d. h. bis ins Flufsgebiet der Maggia und an den Langen- 
see. Selbst an der untern Tosa ist das heutige Candoglia a. 1496 
als Gandola belegt, vgl. BStSvItal. XXIII, 4. 

2. *blese „ausgedehnte (Engadin) oder als Streifen zwischen 
Wald oder Felsen aufsteigende, immer sehr steile Grashalde" ; 
unterengad. Mais, oberengad. blau, blfis, blei's, mittelbündn. bla/s, blfks, 
bles, blis, obwald. bl§iza, blaiza (E); borm. ON Bleseca, Ables, Lables 
(Longa); posch. sblöisa „pasto magro" ; bergell. bleu; chiavenn., 
campodolc. bjes (Salvioni, RJLomb. XLV, 273); deutschtirol. blaisse 
„in Passeier ein kleiner Wiesgrund mitten im felsigen Boden" 
(Schöpf), Blaus (Kubier, ON des Lech-, Hier- und Sannengebietes, 
p. 31); schwdtsch. Bleis(s) „stotzige, glatte . . . Grasplätze . . . 
zwischen Felsen hinein" ; Grb, St. Gall.-Oberland, Glarus, Luz. (Id. 
V, 154 — 5). Diese Verbreitung macht die Annahme einer Ent- 
lehnung aus dem Deutschen (Id) unwahrscheinlich. 

3. *musna „Steinhaufe"; gemeinbündn., bergell. musna, posch., 
veltl. mosna, borm. möz(e)na, bresc. musna, sulzbg. mozno, nonsbg. 
muema, Musna in deutschtirol. ON (Schneller, ON II, 86 — 7); vgl. 
BDRom. III, 71; M.-L., REW 5800, hingegen Salvioni < machina 
zuletzt RJLomb. XLV, 275. 

4. spflm „Felsen" ; typisch für das ganze Engadin. 

5. tyintßr „Rain zwischen zwei Äckern" ; typisch für das 
Oberengadin. 

6. rusna, rosna „Loch" obwald., nidwald.; unterengad. rossa; 
posch. lüsna, rpsüna (Michael) ; komask. rusnäda „frana" (Monti). 

7. *trogium „Holzries". Die Verbreitung des Wortes, vgl. 
BDRom. III, 6 — 7 vom Friaul bis ins Maggiatal, veranlafst uns, es 
hierher zu stellen ; immerhin belegt Horning auch in den Vogesen 



1 Über die Beziehungen des Biindnerromanischen zum benachbarten 
Lombardischen lese man Salvionis Vortrag Ladinia e Italia vom I I.Jan. 
1917 in der Sitzung des Reale Istit. Lomb. di Scienze e Lettere, Pavia 1917 
und dazu die Antworten von Jud, Ist das Bünderromanische eine italienische 
Mundart"? im „Bündnerischen Monatsblatt" 1917, p. 129 — 143 und von Rob. 
von Planta, Rätoromanisch und Italienisch, Neue Zürcher Zeitung 24. bis 
25. Mai 1917. 



120 

ein tröc (vgl. Rom. XLI, 292 n. 1 11. oben p. 13, n. 1), und v. Wartburg 
glaubt dem Wort ein noch gröfseres Gebiet zuschreiben zu können, 
vgl. Abh. Preufs. Ak. Wiss. Phil.-Hist. Kl. 19 18. 10, p. 21 — 22. 

In der grofsen Zweiteilung sehen wir gelegentlich das Tessin 
deutlich noch als westlichsten Vertreter der rätischen Formen z. B. 
bei *ganda, *trogium, u. a. Wie es sich aber mit *speluca von 
diesen abtrennt, so sichern ihm auch andere, vorromanische, meist 
gallische Wörter eine selbständige Stellung. 

C. Das vorromanische Tessin und andere alpinlombardische 
Täler sondern sich vom Rätischen ab durch: 

1. *br!g-; Dalpe: bn'k, Breno: zbrik, Cimadera: zbrik „Fels- 
wand, Abgrund"; Borgognone, Someo, Mergoscia, Misox, Airolo: 
brik, Olivone: btk 9 rz „gefährlicher, unzugänglicher Ort in den Felsen" ; 
Muggio: bn'k „Schlucht" (E); posch. brik „Fels" (Michael), borra. 
zbrik „luoghi sassosi e quasi sterili" (Longa); valvestin. brek „luogo 
scosceso" (Battisti). 

2. broga; vgl. dazu Thomas, Ess. 98; M.-L., REW 1323 und 
in den kottischen Alpen broue „talus, petite cöte, espace incul'e 
et ä pente raide qui separe deux champs sur le penchant d'une 
montagne" (Chabrand-De Rochas); in Lall6 broua „talus au bas 
d'un champ et oü pousse de l'herbe, puis des buissons, qui con- 
stitueront une tiara (Martin); piem. brga „sponda, ripa, margine, 
orlo (d'un precipizio)" (Salvioni, RJLomb. IXL, 494 n.); Viverone 
brua „orlo, margine", torin. brüa (AGiltal. XVIII, 282); ferner in 
der fr.-prov. Schweiz der ON Les Broues. Von diesen Formen ist 
nicht zu trennen kornask. bruga „prato attorno d'un camp, margine" 
(Monti); Muggio, Cimadera, Isone, Gordola: brüga, Breno: bruga 
„ansteigender Rain zwischen zwei übereinanderliegenden Äckern" 
— limät in Sopraceneri , räJvw, ri9vm in Bünden (E) ; Someo : bruga 
„unbebauter, steiniger Ort" (E); blen. bruga „mucchjo di rottami", 
nä ai brug „morire" (De Maria, Vernacolo bleniese); komask. brusa 
„orlo, precipizio", andä in brusa „andare sull' orlo, essere in pro- 
cinto" (si usa sempre in malaparte) (Monti); Olivone: nä in brüga 
„wütend werden" (weil alles losbricht, wenn man aus einer brüga 
einen Stein herauszieht) (E) ; Olivone, Dalpe, Personico: brüga, 
Peccia, Airolo, Villa: brüya, Chironico: brüdzo „Steinhaufe, wie 
man ihn zum Reinigen der Wiesen zusammenträgt" (E). Wenn 
man weifs, dafs im fruchtbarem untern Kantonsteil die an den 
Berghängen angebauten Terrassen, in denen die abfallenden brüg 
mit den ebenen Stufen des Nutzlandes wechseln, künstlich aus auf- 
einander gehäuften Steinen aufgeführt sind, begreift man den hoch- 
alpinen Übergang zu Steinhaufen. 

3. früta „Bach, Wasserfall"; vgl. BDRom. III, 74 n. Dieses 
Wort, das am Südfufs der Alpen von Bormio bis an die Sesia, 
vgl. M.-L., REW 3545, und in deutschen Ma. und ON bis in die 
Vierwaldstätteralpen vorkommt, schiebt einen von Süden nach 



121 

Norden gerichteten, starken Keil zwischen das westliche und öst- 
liche Nachbargebiet, denen es beiden völlig fehlt. Wenn sich auch 
fruta geographisch nicht ganz mit *speluca deckt, bilden die 
beiden Wörter doch zwei lexikologische Hauptkennzeichen der 
alpinlorabardischen Dialekte. Gröhler, p. 40 sieht in fruta ein 
ligurisches Wort. 

Es ist aber hier nicht unsere Aufgabe, das schwierige Problem 
der vorromanischen Sprachgrenzen zu behandeln. Dies kann doch 
nur auf viel breiterer Basis geschehen. Wenn ich dennoch hier 
die Frage antönte, so geschah es nur aus dem Wunsche heraus, 
durch meine wenigen Monographien über alpine Wörter zur Lösung 
dieses ganzen Problems einen bescheidenen Beitrag beizusteuern. 



VIII. Indices. 



i. Wortregister. 



s'äbamä westschwz. im. I, ioön.6 

abomi wallon. II, 109 n. 5, 8 

accloutir, -ar südfrz. 48, 109 n. 2 

accuüare logud. 94 

aggrottare it. 70, 109 n. I 

aggrottato it. 70, 109 n. 8 

a'ibaurmai trz. II n. I 

aklapä südfrz. 50 n. I 

andri friaul. 106 n. I 

antre frz. 73, 82 n. I 

antro it. 73 

ahtru sizil. 106 n. I 

antrum lat. 55, 72, 106 n. 1, HO n. 5, 

113 n. 1, 2 
-anus 87 n. 2 
artna altligur. 20 n. 2 



*balb-, *balw- 21 

Balfen tirol., bayr. 21, 107 n. I 

ballaena lat. 29 

Äz//w dtsch. 11, 15, 20, 107 n. 1 

*balma 19 n. 3, 62, 117 

balma mit., it. 6ss., 10 n. 5, iiss., 

14, 20, 106 n. 1, 107 n. 1, 113 n. 1 
Balm(eli) schwdtsch. 16, 108 n. 4 
Bahn(er) schwdtsch. 16, 1 10 n. 4 
balmer lyon. 13 
balm(o) it. 12 — 15, 20, 107 n. I, 4, 

108 n. 5 
BALTEUS 12 n. 3, IO7 n. 4 
balz, -a it. 45 n. I 
bäm(a) westschwz., frz. 6, 12, 108 n. 5 



baue westschwz. 7 

bare n , barme*, barnen schwdtsch. 16 
barma westschwz., frz., it. 6, 12 — 16, 
20, 107 n. 1, 2, 4, 108 n. 5, 6, 110 

n. 4. 5 
barma westschwz. 15, 107 n. 2, 109 

n- 5 
barmayer lyon. 13 
Barma süddtsch. 16 
barme 13, 16, 106 n. I, 108 n. 3, 6 
barmeano südfrz. 16, iion. 6 
barmetä südfrz. 13 
bärmeye westschwz. 15, 107 n. 2 
barranca valsug. 30 - 
barrancfo) span., portg., katal. 30 
*BASSIMA 22 
baumä prov. 15 
baumat katal. II, 109 n. 5 
bäume irz., katal. 11 — 15, 106 n.i, 3, 

5, 107 n. 1, 4, 108 n. 6 
baumer wallon. II, 15, 109 n. 5 
baumo südfrz. 6, 15, 107 n. 4 
blais etc. bündn. 119 
bleu etc. bündn. 119 

*BLESE II9 

bo etc. fr. -prov. 54 n. 2 

*BODINA 19 

bokfla westschwz. 106 n. 2 

boko etc. fr. -prov. 54 n. 2 

boma westschwz. 12, 106 n. 4 

böm(pj frz., westschwz. 6, Iiss., HO 

n. 3 
bön ostfrz. 19 
b5na westschwz. 7, 12, 19 n. 3 



23 



BORM- 23 

borm westschwz. 6 

c 

borma lyon. 13 
bormat lyon. 13, 108 n. 6 
bormayt lyon. 13, 70, 109 n. I 
bormo lyon. 13, 70, 109 n. I 
borna frz. 17 D. I, IOÖ n. 2 
borne frz. 19 
bot, -ta oberit. 35 
bova rät. 2 2 n. 3 
*brTg- 120 
brik tess. 120 
brna piem. 120 
BRÖGA 120 
broue fr.-prov. 120 
brüa piem. 120 
brüga tess. 120 
brüya tess. 120 
brusa komask. 120 
BUC- 54 n. 2 

buche, le- it. 65 n. I, 112 n. 2 
buco 106 n. 2 

bü(ta) westschwz. 106 n. 2 
bugä(na) westschwz. 106 n. 2 
*BURN 19 n. 3 

b-wa, -ta y -tö~, -ra etc. fr.-prov. 54 n. 2, 
106 n. 2 

Cfc) 

cabauma katal. 19 n. 3 

cabinet frz. 79 

caferndl(en) schwdtsch. 107 n. 2 

CALA-, CARA- 19 n. 3 
CALATHUS 41 n. I, 53 
CALDARIA 50 D. 
caldera etc. biindn. 50 n. 
♦Calmis 102, 118 
CANÄBA 41 
CAPUT JUM IOI 
CASEUM IOI 
*CASTINEA IOI 
♦CATJPUT 97 

cava 19 n. 3 
cave frz. 40, 41 
cave ä er oute 39, 1 10 n. 3 
caveau frz. 41 

caverna lat., it. 19 n. 3, 72, 73, 113 
n. I, 116 



CAVERNARE IOÖ 11. 6 

caverne frz. 17 n. I, 82 n. I, 85 n. 1 

CELLARIUM IOI 

ce liier frz. 40, 41 

cengio oberit. 107 n. 4 

cetour fr.-prov. 89 

Chdbis schwdtsch. 101 

Chähr schwdtsch. IOI 

chafuol(ezza) engad. 109 n 8 

chaume etc. frz. 118 

Chfs schwdtsch. 101 

Chest^na schwdtsch. 10 1 

chioccia, ~are it. 51 n. 

chioccio it. 51 n. • 

chiotto it. 50 n. I 

Xlfdo westschwz. 108 n. 5 

chobel appenz. 101, 107 n. I 

chober thurg. IOI n. i, 110 n. 4 

Chrappel schwdtsch. 102 

chrapple schwdtsch. 102 

Chrtdsi schwdtsch. 101 

Chrüs schwdtsch. IOI 

Chruste schwdtsch. 101 

Chürps9 schwdtsch. 10 1 

Chutntn schwdtsch. 102 

Chupfpr schwdtsch. 101 

aap, -el oberit. 50 n. I 

CJNGULA 45 n. 1 

cingulum 45 n. 1, 107 n. 4, 108 n. 5 

ciodel bergam. 53 

ciqt, -ta oberit. 35 

clamästecs katal. 50 n. 1 

clap s. klap 

CLAPETUM 50 n. 1 

clapier, -a s. klaper 

clatell katal. 47 n. 1 

CLAUDUS 53 

CLAUSUM 49 

CLAVELLUS 53 

clenxa, er- katal. 50 n. I 

cletxa etc. katal. 50 n. 1 

clin, er- katal. 50 n. I 

elvos westfrz. 47 

cliot westfrz. 49 

clivell(a), er- katal. 50 n. I 

cloque span. 50 n. I 

closc(a) etc. katal., südfrz. 50 n. I 

clot s. klot 



I2 4 



clota mit., prov., altkatal. 47, 110 

n. 1,3, 113 n. 2 
clotada katal. 48, 109 n. 4 
clote westfrz. 48, 109 n. 5 
c lotet afrz. 49 n. 3, HO n. 6 
clotir, se- westfrz. 48 
cloto südfrz. 47, 108 n. 5, 109 n. 4 
clotonus mit. 48, HO n. I 
clotte, pain- westfrz. 48 
clotum mit. 46 

clotut altkatal. 47, 48, 109 n. 5 
clouet südfrz. 48, 109 n. 2 
cloutä südfrz. 48, 109 n. 5 
clo(u)tet, südfrz., katal. 48, 159 n. 2 
cloutou(n) prov. 48, HOn. 3 
cloutu, -udo südfrz. 48 
cöa zentrallad. 95 
cobil ästur. 94 
cobolo mit. 96, IOO, 101 
Cochlea 49 
cocomero it. 101 
cöel südtir. 97 
cof altengl. 95 
colline lothr. 44 n. 2 
concha 49 n. 4 
couche frz. 102 
confessio lat. 57 n. 7, 113 n, 2 
coul mittelengl. 95 
COVA 86, 95 

cova katal., aprov., it. 27, 95 
covalum mit. 95 
cov(e) friaul. 95 
coviglio it. 94 
covil portg. 94, 110 n. 6 
covtle it. 94, 106 n. 5, 110 n. 6 
covolo it, 96, 105, 106 n. 2 
covone it. 97 
crap s. krap 
CREMASTER 50 n. I 
CREPARE 50 n. I 

creutftje frz. 38, 54, 60, 63, Iion. 5 
creux frz. 34 n. 3, 45, 49, 51 n. 3, 73, 

82 n. 1, 106 n. 2 
crevasse frz. 106 n. 2 
*CRINICULA 50 n. I 
crinis 50 n. I 

cripta, critta mit., it. 38, 59 
CRISTA, *CRISTUM 45 n. I 



croc frz., prov., katal. 50 n. I 

crop ossol. 107 n. 4 

erbt oberit. 32 n. 2, 41 11. 1, 50 11. 1, 

HO 11. 4, s. krot 
crot, le- afrz. 35, 39, 42, 45, 5iss. f 

159 n. 5, 7 
"eröt Val Antig. 70 
crota mit., südfrz., it. 34, 38, 39, 60, 

63, 106 n. 2, 109 n. 6, iion. 1, 3, 

113 n. 2 
crotä westschwz. 43 
ctotatus mit. 39, 109 n. 5 
croti afrz. 43, 109 n. 5 
croterium mit. 43 
crotesque frz. 74 
cro teste frz. 74 n. 4 
croton afrz., südfrz., westschwz. 39, 

110 n. 1, 3, 113 n. 2 
crot et bosses frz. 35, 44 
crotta fr.-prov„ oberit. 39, 41, 42, 1 10 

n. 2, 3 
crotte frz. 81 
crotte vb., aost. 39 
er otter frz. 43, 109 n. 5 
crot tot frz. 43 
crotu frz. 43 
crotum mit. 42 
* er out, le- frz. 35, 45 
cro(u)te afrz. 31, 34, 35, 38SS., 51 ss., 

54, 60, 63, 66, 106 n. 2, non.i, 5, 

113 n. 2 
cro(u)tet westschwz., prov. 43, 48 n. 2, 

109 n. 2, 7, HO n. 6 
crueta mit. 60 

crupta lat. 32 n. I, 33, 38, 56, 59, 65 
*CRUSTATUM 44 
crutin frz. 43, 49 a. I 
CRYPTA 31 SS., Il6 
crypta lat. 36 ss., 53, 55—66, 106 n. 2, 

HOn. I, 3, 5, 113 n. 1, 2 
cryptae Aeoltfcjae 40 n. 2 
cryptarius lat. 37 
*CRYPTATUM 44 

crypte frz. 59 

cryptoporticus lat. 37 

*cryptum 45 

cüa sard. 95 

cudre sard. 95 > 106 n. 6 



25 



cuba mit. 95 
cubala mit. 97 
cubalum mit. 95 

CUBARE 95 

cubi oberit. 95 
cubil span. 94 

CUBILARE 95 
CUBILE 94 
*CÜBILIU 94 
*CUBILUS 95 
*CUBIOLARIS 95 
*CUBIUM 95 

♦cubulum 96, 97, 99, 101, 105, ti7 

*cucullu 96, 99 

cucutium 47 n. I 

cufol alteng]. 95 

cuib rumän. 95 

cuilarza sard. 95 

cuile logud. 94 

cujolar aprov. 95 

cuyala etc. bearn. 95 

CUMBA I02 

CUPA 50 n. 

CUPRUM 10 1 

*CURBITA IOI 

cu(v)el s. ku(v)al 

cuver obwald. 97, 107 n. I 

cnvi obwald. 95 

cvei bologn. 94 



dalfi, -ind südfrz. 30 n. 2 

däna savoy. 85, 106 n. 2 

da.rtce.ir tess. 50 n. 

dartyy.tr obwald. 50 n. 

däuno südfrz. 19 n. 3, 85 

debarme lyon. 13, 108 n. 5, 109 n. 4 

dibarmo lyon. 13, 109 n. I 

se debaourmd südfrz. II n. I, I06n.6 

desacloutar südfrz. 48 

descroutar Lall6 39 

dirupo, rupe it. 45 n. I 

distanee(si) valses. 86, 106 n. 6 

E 

ekwela westschwz. 50n. 
(s')embauma prov. 11 n. I, 106 n. 6 
enclotarse katal. 48, 49, 109 n. 3 



cnclotät adj. katal. 48 
encloutaduro südfrz. 48, 109 n. 4 
enclo(u)ta(r) katal., südfrz. 48, 109 n.5 
enclo(u)tir (süd)frz. 48, 93, 106 n. 6 
encrotter frz., westschwz. 43, 109 n. 5 
entunar etc. südfrz. 86, 106 n. 6 
enturnar Lalle 90 
ermitudzo 10 n. 4, 112 n. 3 
espeluca aprov. 27 
espeluco, -go prov. 27, 15611.1,4, 

109 n. 7 
(e)spluga katal. 27 
espelonche afrz. 25 
espelunca span., portg., katal. 25, 27 



falaise frz. 108 n. 5 
fanfaluca it. 29 n. I 
fanfelue afrz. 29 n. I 

fente frz. ic6 n. 2 

FIGULINUS 80 n. I 
fop, -pa oberit. 35 

FORARE I06 n. 2 

forn tess. 106 n. 2 
fys, -sa oberit. 35 

fosse frz. 49 

fo(u)ra bündn. 106 n. 2 

FRUTA 120 — 1 
fu?rn bündn. 106 n. 2 
fubnlb Damprich. 106 n. 2 
furacla bündn. 106 n. 2 

G 

gähn schwdtsch. 102 

galm schwdtsch. 102 

Gand schwdtsch. 119 

*GANDA 119 

gan(d)a oberit. T 19 

göi levent. 94 

govel südtirol. 99 

gräppli schwdtsch. 10 1 

grätsch schwdtsch. 32 n. 2, 50 n. I 

GRAVA Il8 

GREP Il8 

gripta mit. 32, 59 

g ro, gru le- frz. 34 n. 3 

groh bret. 33 

grpnda tess. 107 n. 2, 108 n. 5 



I2Ö 



grgnz(al) bcrgell. 107 n. 2 

grop tess. 107 n. 4 

groppo it. 44 n. 3 

grot oberit. 32 n. 2, 50 n. I, 107 n. 4; 

frz. 55, uon.6; engl. 84 n. I 
*grota 35 
grota oberit., portg., brasil. 39, 70, 

109 n. 4, 5 
grotesche, le- it. 67 
grotesk dtsch. 84 n. I ; holländ. 74 n. 2 
grotesque frz. 74, 75 
g rotesse frz. 74 

grotöfelar dtschwall. 39, Iion. 3 
grotola piem. 44, 108 n. 3 
grotolü piem. 44, 108 n. 3 
grotta it. 31, 34, 35, 37, 55, 62, 66 

— 72, 76, 106 n. 2, 10711.4, 108 

n. 5, 6, 110 n. 1, 5 
grotte, la- it. 34 n. 2 
Grotte dtsch. 84 n. I 
grotte fr. 17 n. I, 31, 73, 77—83 
Sprotte ä chien frz. 54, 1 10 n. 5 
grotteggiare it. 70, 109 n. I 
grotto tose. 45 11. 1, 70; engl. 84 n. I 
g-rotton da vin mail. 41 
gröttu, a kors. 54 
groutte frz. 34 
grueta altlogud. 34 n. I 
grüs schwdtsch. 101 
Gruft 33, 59 
*GRUPTA 32—34, 62 
grupta mit. 32, 33, 59, 62 
grustp schwdtsch. 102 
gruta span., portg., katal. 34, HO n. I 
grutelle mit. 32 
*GRUTTA 33 

(g)rutta südit. 34, 55, HO n. 5 

gruttale kors. 54, 107 n. I 

yovßa ngriech. 95 

Gubel schwdtsch. 103, 105, 108 n. 4, 5 

Guber schwdtsch. 103 

Güfel schwdtsch. 104 

Gufel schwdtsch., tirol. 98, 105, 107 

n. 1, 108 n. 5 
Gufer etc. schwdtsch. 104, 105, 107 

n. 4, 108 n. 2, 4 
guferen schwdtsch. 104, 108 n. I 
guferig schwdtsch. 105, 108 n. I 



gifkkumsr^ schwdtsch. 101 
gulbare sard. 95 
gumm schwdtsch. 102 
gutsi(bet) schwdtsch. 102 
guve alban. 95 

H 

Heubalm schwdtsch. 16, 1 10 n. 4 
Heubarn etc. schwäb. 16 
hol bündn. 106 n. 2 
Kola bündn. 106 n. 2 

I 

*INBALMARE 1 1 n. I 
*INTANARE 86 
intanare sard. 86, 106 n. 6 
istanare sard. 86, 106 n. 6 



kaborna siidlrz. 19 n. 3, 106 n. 2 

Kafi schwdtsch. 102 

Kaländpr schwdtsch. 102 

käna westschwz. 19 n. 3 

kaürga veltl., mesolc. 44 n. 2 

ksvl lothr. 94 

KL AP Il8 

klap(a) friaul., südfrz. etc. 50 n. 1 

klapas südfrz. 50 n. I 

klaper, -a südfrz., katal. etc. 44 n. 2, 

50 n. 1 
klapf tirol., bayr. 50 n. I 
kloc borm. 50 n. I 
klot katal., südfrz., westschwz., oberit. 

46—53, 109 n. 2, 3, 7 
klotet westschwz. 47, 109 n. 7 
klptik borm. 50 n. I, 53 
klot westschwz. 46, 47 
klotelä oberwall. 47, 109 n. 5 
klotet oberwall. 47 
klüfft 40 n. 2 
Knoten tirol. 107 n. 4 
Kobel süddtsch. 99, 100, 105, 107 

n. 1, 4, 108 n. 4, 109 n. 4 
Koblat süddtsch. 100, 108 n. 2 
köfeln tirol. 99, 108 n. I 
kofel bayr., tirol. 99. 105, 107 n. 4, 

108 n. 4 
Kogel tirol. 99 



127 



kpgol südtir. 97, 107 n. 4, 108 0. 3 

kögolo valsug. 96, 106 n. 2 

kort bündn. 44 n. 2 

koTjka tess. 50 n. 

kp( u )el südtir. 97 

kouflu kämt. 99, 108 n. 3 

kpva oberit. 97, 1 10 n. 4 

kovel südtirol. 94, 97, 99, 105, 1 10 n. 4 

kovol südtir. 97, 108 n. 3 

KRAP 118 

krap(pa) rät., oberit. etc. 50 n. I, 

102 
krep(pa) rät., oberit. etc. 50 n. I 
kroda istrisch 32 n. I 
kroha oberwall. 44 
krgt, -(t)a oberit., fr.-prov. 33, 34, 41, 

45 n. I, 1 10 n. 2 
krota fr.-prov. 37, 40, 54, 63, 69, 70, 

109 n. 4, IIO n. 4, 5 
kröta istr. 32 n. I, 69, 107 n. 4 
krötala westschwz. 44, 109 n. 5 
krotestisch dtsch. 74 n. 4 
kroteye westschwz. 70, 108 n. I 
kroto, -aye westschwz. 43 
krbtolä waadtl. 45 
krutin castellinald. 41, 62, HOn.2 
xQvnxeiv 36 
XQvnxri 36, HO n. 1 
Krypte 58, 59 
kroz(a) etc. rät., frz. 50 n. 1 
kuan unterengad. 97 
kubil ahd. 95 
kuerrare sard. 106 n. 6 
kufer(n) schwdtsch. 105 
kül valvest. 94 
kumedi schwdtsch. 102 
kü(v)9l bündn. 40 n. 2, 94, 97, 105, 

106 n. 2, 5, 107 n. 1 



*labina 109 n. 

Lduene schwdtsch. 109 n. 

limat tess. 120 

*LÖCE 118 

Löcher, Wind-, Luft- 40 n. 2 

lue, lüi etc. westschwz. 118 

lapai(ra) westschwz. 50 n. I 

lapek westschwz. 50 n. I 



M 

mälum lat. 29 

MARJTYRETUM 58 n. 

(/.aQXVQLOV 57 n. 7, 113 n. 2 

fxJjXov 29 

mosna etc. veltl. II 9 

MOT- Il8 

mqt, -ta oberit. 35, 45 n. 1 

tnuots i fouras, terrain be- engad. 44 

MUS NA 119 

musna etc. rät. 1 1 9 

N 
'ndand abruzz. 86, 109 n. 8 

*PAL-(A)V-A 22 

Palfen bayr. 21, 108 n. 5 
PALMA 22 

p(a)r'i9l bündn. 50 n. 
*pariolum 50 n. 

PATELLA 50 n. 

penftsjla bündn. 107 n. 2 
pertuis frz. 34 n. 3, 106 n. 2 
prominentsa bündn. 107 n. 2 
prunum lat. 29 
pruma lat. 29 
(pit~, (pixa, <plya 28 
(pü)Xrjzi]()LOV 1 1 2 
(p(ü).eoq 112 
(pcuXsvct) 112 



reban(c) westschwz. 15 

rebärma westschwz. 15 

rebarmei westschwz. 15 

rebord westschwz. 13 

rebra westschwz. 15 

replat westschwz. 15 

revallon westschwz. 109 n. 2 

risvan obwald. 108 n. 6, 120 

röche frz. 107 n. 4 

rqevan bündn. 108 n. 6, 120 

rofna obwald. 108 n. 6 

rösna etc. bündn. 106 n. 2, 119 

rÖva 109 n. 

rovpns bündn. 108 n. 6 

rovina 108 n. 6 



128 



ru(va nonsbg. 109 n. 
Rüfe(ne) sdiwdtsch. 109 D. 
ruina 108 n. 6 
rupe it. 45 n. I 

RUSNA 119 

S (/, z) 
saban ahd. 102 
SABANUM 102 
sbalz tess. 107 n. 4 
zbrik tess. 120 
scenc blen. 108 n. 5 
Scher mko fei tirol. 99, 107 n. 1 
scriban ahd. 102 

SCRIBERE I02 
SCUTELLA 5011. 
ser\glo westschwz. 108 n. 5 
sentföl etc. bündn. 107 n. 4 
sgova komask. 95 
sguan veltl. 95 
situla 50 n. 
sket tess. 107 n. 4 
sötan etc. katal. etc. 88 n. 3 
sottana it. 87 — 89 
sotulum mit. 54 n. I 
so(u)baumä prov. 15, 109 n. 5 
soutain afrz. 87 
sofujtan südfrz. 87 
s'palur(ka tess. 26 
speco it. 24 

specus lat. 24, 72, 106 n. I, 113 n. 1, 
116 

SPELAEUM 24 

onrjXaiov 24 

spelech bellun. 27, 106 n. 1 
speleum 113 n. 2 
onijkia 24 n. 1 
speie alban. 24 n. I, 107 n. 4 
spella dalmat. 24 n. I 
spelm engad. 119 
spelonca mit., it. 25, 106 n. I 
speloncanus mit. 25 
*SPELUCA 27 — 30, II7, 120 — I 
spelüga alp.-lomb. 25 
speluga altligur. 27 
speluk Misox 25, 107 n. 3 
spelunca lat., it. 24, 25, 106 n. I, 
113 n. 1 



onrjkvyya 2^ 

speronca lomb. 25 

spfejrüga alp.-lomb. 25 

sperük tess. 26, 108 n. 5 

speruga altligur. 27 

sperugia altvicent. 27, 106 n. 1 

spüa illyr. 24 n. I 

spj'uga veron. 27, 109 n. 4 

splüj tess. 25 

splük bergell. 26 

sprüg tess. 14, 25, 45 n. I, 107 n. I 

sprüy tess. 25, 107 n. 3 

o<pty§> oylyycc 28 

•Sto£/ süddtsch. 100 n. 3 
STABULUM 100 n. 3, 102 
stafrt süddtsch. 102 
Stafl süddtsch. 100 n. 3 
subtana 87, 88 

SUBTERRANEA 89 

subtulum 88 n. 3 

SUBTURNUS 89 

suttdne abruzz. 88, 110 n. I 
sutterräneu sizil. 54 n. 1 

T 

T ABERNA 102 
TABULA 102 

taf$rn süddtsch. 102 

taßp süddtsch. 102 

tagno südfrz. 85, 88 

ta(i)sson frz. 92 

tats(so)niere etc. afrz. 86, 92, 93 

tambusna etc. oberit. 86, 106 n. 2, 

113 n. 1 
*tana 19 n. 3, 85, 88, 116 
tana, tar\a it., rät., südfrz. 85—87, 

89, 92, 93i 106 n. 2, 5, 107 n. 1, 

109 n. 8, 110 n. 5, 6 
tanabüs etc. oberit. 86, 1 10 n. 6 
tanarizzu siz. 86 
täner, se- lothr. 86, 93, 106 n. 6 
taniere frz. 86, 92, 93 
tanna engad. 85 
tatiön genues. 86 
tarmegna bündn. 90 
tauna obwald. 85, 109 n. 4 
taverna südostfrz. 19 n. I 
*TAXONARIA 86, 92, 93 



129 



*TAXONATUS 92 
terrier frz. 44 n. 2 
todl siidtirol. 102 n. 4 
Tobe/ süddtsch. 102 n. 4 
tobal bündn. 109 n. 4 
tof venet. 102 n. 4 
TOM- 118 
top- 102 n. 4 
tövel nonsbg. 102 n. 4 

TRAJECTORIUM 50 n. 

trana etc. komask. 89 
frsbona westschwz. 90, HOn. 3 
trebugno etc. südfrz. 90 
tria(l)on etc. südfrz. 91 

TRIBUNA 90 SS., II3 n. 2 
*TRIBUNUM 91 
TRIBUTUM 102 

tribuz ahd. 102 

frier frz. 91 

trion afrz. 91 

tri(o)un etc. piem., prov. 90, 91, 110 

"5 
trqec lothr. 13 n. I, 120 
trcect s. f. lotbr. 13 n. I 
trofina mit. 90 
♦trogium 13 n. 1, 119 
trona oberit. 89 — 91, 106 n. 2 
trou frz. 17 n. I, 34 n. 3, 106 n. 2 
trufe?ia moden. 90 
tru(i)na oberit. 90, 110 n. 3, 5 
truna vals:s. 41, 90, 115 n. 2 
tsaintypl etc. bünJn. 107 n. 4 
tsapCel) tess. 107 n. 4 
tsap 107 n. 4 
tschaingels 108 n. 5 



Tschingel schwdtsch. 107 n. 4 

tseqgpl etc. bündn. 107 n. 4 

tsat, ts$ta alp.-lomb. 35, 44 n. 2, 53 

109 n. 2, 4 
TUBUS 102 
tüftl süddtsch. 102 

TUMERE Il8 

tunä prov. 86, 106 n. 6 

tuna südfrz. 85 

tuno prov. 85, 86, non.6 

turna Lalle 90, 91, 106 n. 5, 109 n. 8 

tuto südfrz. 19 n. 3, 85 

tyintyjr oberengad. 119 

U 

underbalmen dtschwall. 15, 109 n. 5 



v(i)okt bündn. 106 n. 2 
volta tess. 106 n. 2 
voüte frz. 106 n. 2 
vöwto piem. 90 
vraunka obwald. 30 



W 

Wanne 44 n. 2 
Windlöcher 40 n. 2 



zabal ahd. 102 
Zabel, Schach-, Wurf- 102 
zok e mot, a- bergeil. 44 n. I 
zoc, -ca lomb. 35, 53 
zubar ahd. 102 



2. Namenregister. 



PN = Personenname, FN 

B 

Balb, -0, -a schwdtsch. 21 

Balber FN schwdtsch. 21 

Balm dtsch. 20 

Bahn, -a, -o, -ella, -etti etc. it. 20 

Balma mit. 7ss., 107 n. 4, 112 n. 5 

Balmer FN schwdtsch. 21 



Familienname, wo keine Abkürzung = Ortsname. 

Balmeta mit. 9, H2n. 3 
Balmisegg schwdtsch. 20 n. 5 
Baulme-La Roche frz. 8 n. 5, 18 
Baumado PN prov. 10 n. 4, H2n. 3 
Baume de St-Honorat frz. 7 
Baume-les Dames frz. 9 
Baume-les Messieurs frz. 9 



130 



Baume, Sie- frz. 7 

Buumette frz. 9, 10 n. 6, 18 

Banne frz. 7 

Bfejaumefs) frz. 18 

Belenus PN 19 n. 4 

Beune frz. 7, 19 

Bornert, St- PN frz. 10 n. 4, 18 n. 1 

Broues, Les- fr.-prov. 120 



Crupta etc. frz. 59 

crypta Neapolitana lat. 37, 64 

cryptae Suburrae lat. 37 

Cubetta engad. 5° n « 

Curia 102 

Cuves etc. westschwz. 50 n. 

Cuvio etc. tess. 50 n. 



Caldaje, Le- tess. 50 n. 

Cappella 102 

castellum 102 

ceresetum 102 

Chappel schwdtsch. 102 

Charmey frbg. 102 

Chdstal(s) schwdtsch. 102 

Chersit.? schwdtsch. 102 

Chiot, -to, -ti etc. it. 53 

Chöstats schwdtsch. 102 

Chovelaire altbadiot. 95, 98 

Chrina schwdtsch. 102 

Chur schwdtsch. 102 

Ciotto it. 53 

Claparede FN westschwz. 50 n. I 

Ciapier FN westschwz. 50 n. I 

Clos etc. frz. 49 n. 3 

Clot, -s, -ti it. 53 

Clotet FN. katal. 48 

Clotte, La- FN u. ON siidfrz. 47 

Cgel trent. 96 

Cogoleti valsug. 96 

Cogol(i) etc. FN it. 97 

Conches westschwz. 50 n. 

CONSTANTIA 102 

Co(vJal(oJ etc. oberit. 96 

Covatannaz westschwz. 86 

Covolo oberit. 96 

CRENA 102 

Creptum mit. 45 

Cr e ssier frbg. 102 

Crisuz frbg. 102 

Crot, -to, -ti, -ta etc. ital. 41 

Crot(s) frz. 42 

Crottaz, La- etc. westschwz. 63, 69, 

108 n. 5 
Crotum mit. 45 
Crout(t)e(s) etc. frz. 34, 59, 63 



Duclot FN siidfrz. 46 

E 

Ecuellaz etc. westschwz. 50 n. 
Espalungue siidfrz. 27 
Espeluche, -que, -gue siidfrz. 27 

G 

Gahnts frbg. 102 
Gan(d)a cberit. 119 
gastar schwdtsch. 102 
gästda schwdtsch. 102 
gestdfo schwdtsch. 102 
Glappey westschwz. 50 n. I 
Gom(b)s westschwz. 50 n. 
Grappe etc. schwdtsch. 50 n. I, IOI 
grinau schwdtsch. 102 
Grissach frbg. 102 
Grotla di Posilipo it. 37 
Gubel etc. schwdtsch. 103 
Gubelmann FN schwdtsch. 103 
Gubcr schwdtsch. 103 
Gubler FN schwdtsch. 103 
Gubel frbg. 103 
Gübla frbg. IOJ 
§-ürsi frbg. 102 
Gufel- etc. schwdtsch., tirol. 98 

K 

Klapi nonsbg. 5° n - r 
Kobel etc. schwdtsch. 100, 101 
Köhler FN dtsch. 100 n. 5 
Kofel bayr., tirol. 97» 99 
Kofter FN tirol. 99 
Kübel schwdtsch. 100 



Latune FN siidfrz. 85 
Loccia oberit. 118 



13* 



M 
Märtet ey etc. westschwz. 58 n. 

N 
Napf 44 n. 2 



päJel, i — du dyav?r tess. 50 n. 
Padella, Piz 44 n. 2 
Palfen buyr. 21 
Palma Vogesen 18 
Palwiften tirol. 21 n. 6 
Pfannenstiel, -stock (li) 44 n. 2 
Pelvoux, Pelve südfrz. 22 
<Plxlov 28 

S 

Scadella etc. bündn. 50 n. 
Scudellate tess. 50 n. 
Sigirino tess. 50 n. 
spelengaru it. 25 
Speluca mit. 26, 27 
Spelughetta = SpelüJya 26 
Spelunca etc. lat., it. 24, 25 
Sp(eJronca, Speroncora it. 25 
Sperongia piacent. 25, 27 
Spille dalmat. 24 n. I 
Spilonca it. 25 
Spüuca tosk. 29 



Spüuck(erbach) südtirol. 26 
Spliiga puschl. 26 
Splilgalp puschl. 26 
Splügivens puschl. 26 
Splügen(pafs) 26 
Spli/ga, Mte di- 26 
Spruca tosk. 29 
Sprugo tess. 26 
2(piyyi0v 28 



Ta(g)niere frz. 92 
Taifgjniere frz. 92 
Tais(son)niere etc. frz. 92 
7b«a etc. it. 87 
Tanna(y) etc. westschwz. 86 
Ta(s)nay etc. frz. 93 
Tasfsonjniere etc. frz. 92 
T(a)ufers tirol. 102 11. 4 
Tes(son)mere etc. frz. 92 
Toffal salzbg. 102 n. 4 
Tra(h)ona vehl. 91 
Trona vehl. 91 
7«wa südfrz. 85 
Tuval salzbg. 102 n. 4 



Zabern etc. süddtsch. 102 
Zo/Zt; it. 53 



3. Sachliches und Sprachliches. 



Bedeutungswandel, umfassender 
und rascher, 114 — 5 

Dialektdifferenzierun g, altroma- 
nische 21 — 23, 29 — 30, 32, 34 

Dissimilation: baune 7 ; crot 4 1 n. 1 

Gartenbaukunst 75 ss. 

Die geologischen Bedingungen 
des Ortes. Spezialausdrücke in An- 
passung an — , 11 — 15, 25 ss., 40 
41, 85, 97» 107SS., 115 

Germanisierung, Etappen der — 
der romanischen Alpen dargestellt 
durch die sprachgeographische 
Schichtung romanischer Lehnwörter 



in den deutschen Alpenmundarten 
99—105, 116 

Höhlen als Kultstätten 112 etc.; 
-bürgen 21, 97, m n. 1 ; -gräber 
1 12— 113; -einsiedeleienii2etc; 
-kell er HO etc.; -klöster 112 etc.; 
-poesie der Renaissanceliteratur 
72 ss.; -stalle 1 10 etc. ; -Woh- 
nungen III etc. 

Homonymie. Semantischer Zu- 
sammenstofs infolge — : baux 12 
n. 3; bon 19; crbt-giüt 32 n. 2, 35; 
croitu 44; kroto 44; kögplo, kogel 
96, 99; Kobel 10 1 n. I 

Q* 






132 

Italienische Künstler in Frank- 
reich 75 ss. 

Katakomben 56, 64 ss. 

Konservativer Charakter der 
Geländeausdrücke 115 

Kreuzungen (Mischformen infolge 
semantischen Zusammenfalls) bon, 
bona, dauno, käna, taverna, ca- 
bawna (?), kaborna (P) 19 n. 3; gro, 
gru 34 n. 3; grotta-krotta 35; 
grotola 44 n. 3; crot 45, 51 ss.; 
clot 49; crotta -kruc 5111.; ts<xt- 
tsQta 53; tuna? 85; trana 89; 
taniere 93 

Kryptenbau 113 etc. 

Lautliches: nordgriech. ß stall <p 
im Altlateinischen 29; D^sonori- 
sierung von griech. -y§, -yyoq 24 
n. 2, 28; Fall des Nasals in griech. 
-y§, -yyoq 28 ss.; griech., kelt., germ. 
K- im Romanischen 31 ss.; griech. v 
im Romanischen 33 ss.; roman. cr- 
und cl- 50SS.; fr.-prov. / )> r 6; 
lat. -B- in den dtsch. Alpen Ma. 
98 — 105; lat. c- in den dtsch. 
Alpen Ma. 102 — 105; lat. -PTU im 
dtsch. -ft 33; westsüddtsch. -Im- 
neben ostsüddtsch. -If- 21 — 22. 

Metaphern: Gefäfsnamen als Ge- 
ländewörter 49 ss.; krbta „Stall" 
keine M. 54; Spelunke 110. 



Metathese: truina etc. 90, tar- 
megna 90 ; gulbare 95 

Ortsnamen als Reste überdeckter 
Wortschichten i8ss M 26, 29, 51 ss., 
98 — 104; — als Belege alter Volks- 
tümlichkeit des Wortes 7ss,, 24 ss., 
59, 63, 91 ss. 

Pejorative Bedeutungsverschie 
bung: crypta 41 ss., tana 89, 
cübare etc. 96 ss. 

Präfixes, Fall des 87—89 

Rückbildungen, falsche, des Ge- 
schlechts: la grotte . 34 n. 2; 
*CRYPTUM, *CRISTUM etc. 45; 
*TRIBUNUM 90— 91 ; *CUBILIU 94; 
rävsn 108 n. 6. — eines Wort- 
stammes: tana 86 ss. 

Sprachgruppierung nach ver- 
schiedenen Worttypen für den- 
selben Begriff innerhalb der Alpen 
117 — 121 

Verwechslung von „hoch" u. „tief" 
in Geländeausdrücken 44 

Vo lksetymologie: crotesque, 

grotesk 74 n. 2 

Wander wörter: crypta 36, 57; 
grotesque 74 ss.'; grotte 75 ss.; 
s'enclotir 48, 93; se tdner 86, 93 

Wortzusammensetzungen: gro- 
tp%eler 39; tanabüs etc. 86; Cova- 
tannaz 86; Tanataviele 87 n. I. 



Karte I. Geographische Verbreitung von BALMA. 




Karte IL Geographische Verbreitung von OROT und CLOT. 



klot und Ableitungen nach dem Atlas ling. 
Gl., Wörterbüchern und Dokumenten 



klot und Ableitungen in Ortsnamen 

crot nach Wörterbüchern, Dokumenten 
und Atlas ling. 

[Es fehlt hier die Querschraffierung in der 
Gironde, vgl. p. 42.] 

Crot in Ortsnamen 

grotte „Höhle" nach Atlas ling. 




Karte III. Formen und Verbreitung von CUBULUM. 



Romanische Formen : kusl, kuvzl, kovolo 
„Höhle unter überhängendem Fels" 



g»f(>)l 



kofl „Fels" 



gub>l „Felsabsturz; Hügel" 



appenzell, chobsl „überh. Fels" 

kobsl „hohler Fels; Berghöhe, Hügel" 



gubar 



gufir „Stein; Steingeröll" 

Kobel in ON 
Gubel in ON 




Curriculum vitae. 



Geboren am 25. September 1888 in Zürich, besuchte ich seit 
1895 die Schulen meiner Vaterstadt Winterthur, wo ich im Herbst 
1907 am Gymnasium die Maturitätsprüfung ablegte. Als Lehramts- 
kandidat studierte ich dann an der Universität Zürich und bestand 
dort im Frühling 1909 das Primarlehrer-, im Herbst 19 10 das 
Sekundarlehrerexamen, nachdem ich mich inzwischen mehrere 
Monate in Italien, der französischen Schweiz und Paris aufgehalten 
hatte. Dann amtete ich ein halbes Jahr als Verweser an der 
Knabensekundarschule Winterthur und zwei Jahre als gewählter 
Sekundarlehrer in Bauma. Im Sommer 191 2 war es mir möglich, 
ein zweites Mal die Ferienkurse der „Alliance Francaise" m Paris 
zu besuchen. Meiner Neigung folgend, kehrte ich im Frühling 
19 13 zu meinen verehrten Lehrern Prof. Bovet, Gauchat und Jud 
an die Universität Zürich zurück, um dort ausschliefslich romanische 
Sprachen zu studieren. Die Sommerferien 19 13 verbrachte ich in 
Siena und Florenz. Durch wiederholte, kürzere Lehrtätigkeit am 
Gymnasium Winterthur, an der Industrieschule und dem Gymnasium 
Zürich, noch mehr aber seit August 1914 durch fünfmaligen, je 
mehrmonatlichen Militärdienst an der Schweizergrenze wurde mein 
akademisches Studium unterbrochen. Ich promovierte im Mai 19 19. 



BINDING SECT. 0£C 3 - 1969 



PC Scheuermeier, Paul 

319 Einige Bezeichnungen für 

S36 den Begriff Höhle 



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