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Full text of "Englische handelspolitik gegen ende des mittelalters, mit besonderer berücksichtigung des zeitalters der beiden ersten Tudors Heinrich VII. und Heinrich VIII"

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HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 




FROM THB FUND OP 

CHARLES MINOT 

CLASSOFifaS 




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ENGLISCHE HANDELSPOLITIK 



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ENGLISCHE 



HANDELSPOLITIK 



GEGEN ENDE DES MITTELALTERS 

MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG 

DES ZEITALTERS DER 

BEIDEN ERSTEN TUDORS HEINRICH VII. UND HEINRICH VIII. 



GEKRÖNTE PREISSCHRIFT 

VON 

Dr. GEORG SCHANZ, 

A. O. PROFE88OR DER 8TAATSW13SRK8CHAFTEK 
IN ERLANGEN. 



ERSTER BAND. 

DARSTELLUNG. 




^LEIPZIG, 

VERLAG VON DUNCKER & HUMBLOT. 

1881. 




f^T 



HARVARD COLLEGE LIBRMtf 

AUG241883 



Das Uebersetzungsrecht ist vorbehalten. 



Vorrede. 



Vorliegendes Werk wurde durch eine Preisfrage veran- 
lasst, welche von der Beneke'schen Stiftung in Göttingen im 
Jahre 1876 gegeben wurde; dieselbe verlangte: 

„Eine Darstellung der englischen Handelspolitik im Zeit- 
alter Heinrichs VIII. aus den Parlamentsverhandlungen, den 
Statuten, aus der im Druck zugänglichen, besonders auch das 
Ausland betreffenden Correspondenz und einigen «in Betracht 
kommenden Abhandlungen der Zeit. u 

Dem Publicum daif nicht vorenthalten werden, dass das 
Thema und seine Fassung von dem um die englische Geschichte 
so hochverdienten Professor R. Pauli herrührt. 

Die philosophische Facultät erkannte am 11. März 1879 
meiner Arbeit den ersten Preis zu. (Nachrichten von der Königl. 
Gesellschaft der Wissenschaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen 1879 Nr. 5). In Folge meiner Habilitation in Mar- 
burg und Berufung nach Erlangen musste leider die Heraus- 
gabe der beiden Bände bis jetzt verschoben werden. 

Die Arbeit hat im Wesentlichen diejenige Gestalt beibe- 
halten, in der sie der hohen philosophischen Facultät in Göt- 
tingen vorgelegen ist. Wie schon der Titel andeutet, geht sie 



— VI - 

über den Rahmen der Preisaufgabe hinaus. Die Notwendig- 
keit einer Erweiterung stellte sich im Laufe der Forschung 
gebieterisch ein. Es musste, wenn volle Klarheit gewonnen 
werden sollte, im I. Abschnitt bei der Darlegung der handels- 
politischen Beziehungen Englands zum Ausland noch die Re- 
gierungszeit Heinrichs VII. vollständig in den Kreis der Unter- 
suchung gezogen und die vor den Tudors liegende Periode 
wenigstens skizzenhaft behandelt werden. Dagegen schien es 
räthlich, in den die Organisation des englischen Handels und 
vorwiegend die innern Verkehrsverhältnisse betreffenden Par- 
tien des H. Abschnittes alle Zeitepochen bis Mitte des 16. Jahr- 
hunderts möglichst gleichmässig zu berücksichtigen. In dieser 
Weise Hess sich der ganze Entwicklungsgang erkennen und 
ermessen, welchen Antheil die beiden ersten Tudors an dem- 
selben hatten. Handelspolitik wurde in weitem Sinne aufge- 
fasst und deshalb allen Institutionen und Vorgängen Rechnung 
getragen, welche auf die Ausbildung des englischen Verkehrs 
von bedeutenderem Einfluss waren. 

Stets war ich bestrebt, auf die Quellen zurückzugehen; mit 
den Nachweisen glaubte ich nicht kargen zu sollen. Der 
wissenschaftliche Werth des Werkes dürfte dadurch wesentlich 
erhöht worden sein. Soweit Zeit und Kräfte es gestatteten, 
benutzte ich auch ungedruckte Urkunden. Ausgedehnte archi- 
valische Studien in England, den Niederlanden und Deutsch- 
land liegen der Arbeit zu Grunde. Ein Theil des Materials 
wird dem Leser im 2. Band vorgeführt. 

So hoffe ich, dass das vorliegende Werk ein nicht ganz 
unwerther Beitrag zur Geschichte der Handelspolitik und 
wirthschaftlichen Entwicklung Englands überhaupt sein dürfte. 



— vn - 

Zwar ist bei der dominirenden Stellung, zu welcher der eng- 
lische Handel nnd die englische Industrie in der Neuzeit sich 
emporgeschwungen haben, das Interesse mehr auf die modernen 
Verhältnisse gerichtet; um aber die gegenwärtige Entfaltung 
zu verstehen, müssen ihre Wurzeln durch Betrachtung ent- 
legener Zeiten aufgedeckt werden. Sollte es mir gelungen 
sein, eine solche Grundlage, auf der weiter gebaut werden 
kann, zu schaffen, so wäre der Zweck, der mir vorschwebte, 
erreicht. 

Es erübrigt mir noch, meinen Dank allen denen auszu- 
sprechen, die mich bei meinen Untersuchungen unterstützten, 
vor Allem Lord Calthorpe. der mir in liebenswürdigster und 
gastfreundlichster Weise die Benutzung seines werthvollen 
Privatarchivs gestattete, sodann dem Herrn Oberbürgermeister 
Dr. Becker in Köln und dem Vorsitzenden Bürgermeister Dr. 
Curtius in Lübeck, welche mir zahlreiche auf die Verhandlungen 
der Hansen mit den Engländern bezügliche Documente über- 
liessen, um sie in dem Herrn Dr. Könnecke unterstellten Mar- 
burger Staatsarchive zu vergleichen, ferner dem hansischen Ge- 
schichtsverein , von dem mir in zuvorkommenster Weise die 
Einsichtnahme einiger von Herrn Professor D. Schäfer in Jena 
herauszugebenden Urkunden erlaubt wurde. Soweit ich mich 
in der Darstellung auf diese beziehen konnte, citirte ich das 
betreffende Document mit Angabe des Archivs, aus dem dasselbe 
stammte, und dem Zusatz „Hanserec. ed. Schäfer". 

Wie den Genannten bin ich zu Dank verpflichtet den 
belgischen Archivaren Gachard und Piot in Brüssel, G6nard 
in Antwerpen, Gilliodts van Sevem in Brügge, M. Dhoop und 
Bussher in Gent; dieselben erleichterten mir meine Recherchen 



- VIII - 

in jeder Weise. Einige werthvolle Mittheilungen, die ich im 
2. Bande benutzte, liess mir der rühmlichst bekannte Forscher 
englischer Preisgeschichte Thorold Rogers in Oxford zukommen, 
und für den Druck einer portugiesischen Urkunde konnte ich 
mir den Rath des Privatdocenten Dr. C. v. Reinhardstoettner 
erholen. Beiden Herren sage ich hiemit meinen Dank. 

Erlangen, den 4. Dezember 1880. 

Georg Schanz. 



Inhaltsübersicht. 



I. Abschnitt. 

S. 1-324. 

Erstes Capitel. Die Handelsbeziehungen zwischen 
England und den Niederlanden . . . . s. 3— liö. 

Gründe für die frühzeitige Anbahnung eines Verkehrs 3. — 
Rechtliche Ordnung desselben 5. — Uebersiedlung der Merchant 
adventurers von Brügge nach Antwerpen 7. — Die Privilegien der 
Engländer in Brabant und Hotland 8. — Der Warenverkehr 
zwischen England und den Niederlanden gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderte 11. 

Heinrich TU. (1485 — 1509) S. 14-37. 

Heinrichs VH. Ziele. Günstige Gestaltung der burgundischen 
Politik 14. — Erste Versuche, die Handelsverhaltnisse zu regeln 
15. — Zweijähriger Bruch 17. «— Magnus Intercursus 18. — Ver- 
gleich desselben mit früheren Handelsverträgen 21. — Die Tag- 
fahrten von 1497, 1498, 1499 und ihr Resultat 22. — Erfolg der 
Merchant adventurers in Antwerpen 25. — Brügges Lage und sein ' 
Verhältni88 zu den englischen Kaufleuten 26. — Neuer Bruch 
zwischen England und den Niederlanden 1505. 28. — Friedliche 
Wendung 29. — Der Handelsvertrag von 1506. 30. — Seine Be- 
deutung für die englische und niederländische Tuchindustrie 31. — 
Zustand der letzteren 32. — Unwille der Niederländer 33. — Auf- 
schub der Vertragsratification. Philipps Tod 34. — Folgen daraus 
für den Handel 35. — Neue provisorische Bestimmungen 36. — 
Heinrichs VU. letzte Pläne 37. 

Heinrich VIII. (1509— 47) S. 37— 110. 

1. Periode (1509— 20) S. 37 — 58. 

Situation beim Regierungsantritt Heinrichs VIEL 37. — Ver- 
haltnifls Englands und der Niederlande zu Frankreich 38. — Be- 
drückung der englischen Kaufleute in den Niederlanden 39. — 
Ziel der Handelspolitik Heinrichs VIII. hinsichtlich der Nieder- 
lande 39. — Resultatlosigkeit der Unterhandlungen von 1512 und 
bedrohliche Lage 40. — Neuer Congress 1515. 41. — Debatten 
über den Vertrag von 1506. 42. — Pläne in Betreff Brügges 44. — 



— X - 

Kein Fortschritt auf der Tagfahrt 46. — Endliche Wendung zu 
Gunsten Englands. Giltigkeit des Vertrags von 1506 für 5 «fahre 
48. — Conferenz zur Erledigung noch schwebender Einzelbeschwer- 
den 49. — Erweiterung der Privilegien von Seite Antwerpens und 
Bergens op Zoom 51. — Aufschwung des englischen Handels 58. 

2. Periode (1520 — 80) S. 58— 76. 

Neuer Congress vor Ablauf des Vertragsquinquenniums. Gunstige 
politische Situation für England 54. — Umgestaltung des HandeLs- 
tractats im englischen Sinn 55. — Die englischen Handelsinteressen 
vor und bei Ausbruch des Krieges gegen Frankreich 56. — Störung 
der Geldverbältnisse t>8. — Entfremdung zwischen England und 
den Niederlanden nach der Schlacht von Paria 60. — Ablauf des 
Quinquenniums des Handelsvertrags. Unterredung Heinrichs Vm. 
mit dem niederländischen Gesandten über die commerciellen Fra- 
gen 62. — Rücksichtnahme der niederländischen Regierung auf die 
englischen Handelsinteressen 64. — Französisch - englische Allianz 
gegen Carl V. 65. — Verlegung des Marktes nach Calais. Privi- 
legien der Engländer in Frankreich 66. — Repressalien der nieder- 
ländischen Städte 67. — Aufleben der niederländischen Tuch- 
industrie 68. — Allseitige Abneigung gegen den Markt' in Calais 
69. — Unwille des englischen Volks Ober den Abbruch des Ver- 
kehrs mit den Niederlanden 70. — Krisis in England 71. — Wol- 
seys Zurückweichen vor der Volksstimme 72. — Waffenstillstand 
78. — Resultat der darauffolgenden Messen 74. — Der Intercursus 
auf dem Congress zu Cambrai 75. "i 

8. Periode (1580-40) S. 76-86. 

Blick auf die vorangegangene Epoche und den Zustand des 
Handels 76. — Uebernahme der Staatsleitung durch Th. Cromwell 
77. — Wachsende Opposition der niederländischen Schutzzöllner. 
Vertragsverletzungen 77. — Ziel der kaiserlichen Regierung. J Vor- 
bereitungen zu einer neuen Tagfahrt 78. — Verlauf derselben 79. — 
Abbruch der Verhandlungen 81. — Zeitgenössische Denkschriften 
über den englisch-niederländischen Verkehr 82. — Besorgnisse und 
Entgegenkommen der niederländischen Regierung 84. — Privilegien 
der Merchant adventurers in Antwerpen 85. Neue Störungen und 
Gefahren 86. 

4. Periode (1540— 47) S. 86— 106. 

Gleichstellung der Fremden mit den Einheimischen im Zoll und 
die Schiffahrteacte in England 86. — Entrüstung und Repressalien 
der Niederländer 87. — Notenwechsel 88. — Verschärfung des 
Zwistes 89. — Congress 90. — Abermalige Bestreitung des Ver- 
trags von 1506 durch die Niederländer 91. — Ultimatum der eng- 
lischen Gesandten 92. — Verlegung der Verhandlungen an den 
spanischen Hof. Heinrichs VIII. Rückzug und seine Bedeutung 
98. — Neuer Ausfuhrzoll in den Niederlanden. Stellung der eng- 
lischen Regierung und Merchant adventurers dazu 95. — Verhand- 
lungen darüber 96. — Vergebliche Bemühungen des englischen Ge- 
sandten Garne 97. — Verschiedene Auffassung beider Regierungen 
über den Handel im Krieg 98. — Beschlagnahmungen 99. — Gegen- 
seitige Aufhebung derselben. Congress zu Gravelingen, bzw. Ca- 
lais 100. — Beschwerden und Absichten der Niederländer 101. — 
Repliken und Gegenklagen der Engländer 102. — Vertagung des 
Congresses. Nochmaliger Versuch der Niederländer, die privilegirte 
Stellung der englischen Kauf leute zu Fall zu bringen 108. - Neue 
Klagen. Schwankender Zustand beim Tode Heinrichs VIII. 105. — 
Die Merchant adventurers und im Antwerpen Jahr 1548. Die 
weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen 106. 

Rückblick S. 107—110. 



- XI - 

Zweites Capitel. England und die italienischen 
Republiken mit besonderer Berücksichtigung Ve- 
nedigs S. 111—171. 

I. Ursprang der italienischen Handelsbeziehungen zu England 
111. — Bedeutung der Italiener für die englischen Könige und den 
* englischen Handel 112. — Suprematie der Florentiner Verlust 
derselben unter Eduard III. 118. — Genua im Vortheil gegenüber 
Florenz 113. — Genuas commercielle Wichtigkeit für England 
nach dem Libell of Englishe Policye 115. — Eifersucht zwischen 
Engländern und Genuesen. Genuas politische Allianzen mit Eng- 
land 115. — - Hervortreten Venedigs im italienisch-englischen Ver- 
kehr 117. — II. Alter des directen Handels zwischen Venedig und 
England 117. — Förderung der venetianischen Fahrten nach Eng- 
land durch Eduard HI. 119. — Begünstigungen Richards II. und 
Heinrichs IV. 120. — Reaction gegen die Venetianer im englischen 
Volk 122. — Feindschaft des Hauses York 123. — III. Organisation 
der venetianischen Fahrten nach England 124. — Waarenverkehr 
127. — Tatzen des venetianischen Handels für England im 15. Jahr- 
hundert 129. 

Heinrich VII. (1485-1509). ..... S. 130— 142. 

Haltung des Königs gegenüber den Venetianern 130. — Aus- 
bruch eines handelspolitischen Streites 131. — Vorgehen der Ve- 
netianer gegen die englische Schiffahrt im Mittelmeer 132. — 
Wachsthum des englischen Activhandels nach den Mittelmeer- 
gebieten. Das Consulat zu Pisa 133. — Heinrichs VII. Plan, Pisa 
zum südlichen Stapelplatz der englischen Wolle zu machen. Treff- 
lichkeit des Ortes für diesen Zweck 134. — Der Schrecken der 
Venetianer über dieses Project und ihre Schritte 135. — Hein- 
richs VH. Handelsvertrag mit Florenz 136. — Neue Massregeln 
der Venetianer 138. — Vereitelung der Pläne des Königs 139. — 
Englische Repressalie durch Parlamentsacte 7 Hen. VII. c. 7 140. — 
Concession Heinrichs VII. 141. — Verpflichtung der Venetianer, 
des niederländisch - englischen Zwischenhandels sich zu enthalten. 
Ziele Heinrichs VII. 142. 

Heinrieh VIII. (1509—47) S. 142—171. 

1. Periode (1509—30) S. 142-157. 

' Politische Lage Venedigs 143. — Unterbrechung der Galeeren- 
fahrten Folgen für Venedig und England 144. — Anstrengungen 
Venedigs behufs Wiederaufnahme der Handelsexpeditionen 146. — 
Seb. Giustinians vergebliches Bemühen, die Weinzollfrage mitWolsey 
zu regeln 148. — Erneuerung des Grundbriefs und der Licenzen 
149. — Ankunft und Auszeichnung der Galeeren durch den König. 
Stimmung im Volk 150. — Wolseys Klage über das Missverhält- 
niss der venetianischen Ein- und Ausfuhr 152. — Geschenke der 
Venetianer an Wolsey. Enttäuschte Hoffnungen 153. — Guter Ver- 
lauf der zweiten und traurige Schicksale der dritten Galeerenfahrt 
154. — Neue Unterbrechung 157. 

2. Periode (1530—47) S. 157— 168. 

Erwartungen in Folge von Wolseys Fall 158. — Venedigs 
Sinken und Folgen für seinen nordischen Handel 158. — Crom- 
wells Sorge für das englische Consulatswesen im Mittelmeer 159. — 
Absendung einer neuen Galeere. Unwille der Londoner Weber 
160. — Hindernisse in Betreff des Wollexports und des venetiani- 
schen Handels überhaupt 161. — Vorstellung der Signorie 162. — 



- XII - 

Hartnäckigkeit der englischen Regierung. Gründe 168. — Unter- 
handlungen mit Mafio Bernardo wegen eines ihm zu verleihenden 
Wollexportmonopols. Vereitlung des Plans 164. — Entgegen- 
kommendere Haltung der englischen Regierung 165. — Einstellung 
der Galeerenfahrten und Verfall des venetianischen Handels nach 
England 166. 

Rückblick S. 168—171. 

Drittes Capitel. England und die Hansen, s. 172—24»;. 

Vergleich der englisch-venetianischen Handelsbeziehungen mit 
den englisch-hansischen 172. — Die ersten deutschen Verbindungen 
mit England 173. — Köln und Lübeck; West- und Ostsee 173. — 
Aufgehen der Sonderhansen in der Hansa Alemanniens 174. — 
Die den Hansen günstige Politik der Plantagenets und die hansi- 
schen Privilegien 174. — Feindliche Momente. Gespannter Zustand 
im 15. Jahrhundert 176. — Wendung unter Eduard IV. Utrechter 
Vertrag und seine Bedeutung 177. — Beginnende Schwäche des 
hansischen Bundes 179. — Folgen für die englische Politik 182. — 

Heinrich VII. (1485-1509) S. 182— 201. 

Des Königs feindselige Gesinnung. Klagen der Hansen 18$. — 
Benehmen der englischen Stadtbehörden 186. — Heinrichs VII. 
Wunsch nach einem Congress. Seine Annäherung an die Dänen. 
Verfolgung der Hansen 187. — Die Tagfahrt zu Antwerpen 1491. 
Situation 188. — Resultat der Tagfahrt 189. — Mehrmalige Ver- 
längerung des Provisoriums 189. — Die Verhandlungen! in Ant- 
werpen 1497. 191. — Neue Tagfahrt im Jahre 1498 und ihr Ver- 
lauf 193. — Erhaltung des Status quo 197. — Scheinbares Ent- 
gegenkommen Heinrichs VH. im Jahre 1504. 198. — Unbefriedigender 
Zustand für die Hansen 200. 

Heinrich VIII. (1509-47) S. 201-227. 

Gunst des Königs und Oberhauses; feindselige Stimmung der 
Gemeinen 201. — Erbitterung im Volk. Grössere Strenge der 
englischen Regierung 202. — Conferenz zu Brügge 1515. htolzes 
Auftreten der Engländer. Gang der Verhandlungen 204. — Be- 
urtheilung der Lage durch die Hansen. Spinellys Aeusserung 
über dieselben 211. — Neuer Congress 1521 und sein Verlauf 212. — 
Befürchtungen des Londoner Contors 218. — Neue Schwierigkeiten 
219. — Umschwung. Notwendigkeit eines politischen Zusammen- 
gehens der Engländer mit den Hansen. Die dänische Frage 220. — 
Verhandlungen Heinrichs VIU. mit Lübeck und Hamburg 221. — 
Ausgang des dänisch - lübeckschen Streites 222. — Folgerungen 
daraus für England 223. — Bedrohliche Lage der Hansen 224. — 
Gründe, weshalb Heinrich V1H. die Hansen nicht preisgab 225. — 
Verlust der Privilegien unter Eduard VL und Elisabeth 227. 

England und Dan zig . . . , S. 228—244. 

I. Danzigs besondere Stellung 228. — Dasselbe als Ziel eng- 
lischer Niederlassung 229. — Sein Waarenverkehr 230. — Der be- 
deutende Handel der Engländer nach Danzig im 14. Jahrhundert 
231. — Die Beschränkung der englischen Kaufleute 232. — Der 
Utrechter Friede 233. —II. Heinrichs VII. Eingreifen. Spannung 
zwischen Hüll und Danzig 233. — Die Danziger Frage auf dem 
Congress zu Antwerpen von 1491. 234. - Resultat für die Eng- 
länder 237. — Heinrichs Ml. Sonder vertrag mit Riga 238. - 
Folgen für Danzig 239. - Die Tagfahrt zu Brügge 1499. Hart- 



- xni - 

näckigkeit Danzigs 240. — III. 'Wendung in Riga 241. — Un- 
zufriedenheit der Engländer mit Danzig während der Regierungs- 
zeit Heinrichs VIII. Schritte der englischen Regierung 242. — 
Rückblick S. 244-246. 

Viertes Capitel. England und die skandinavischen 
Reiche ; s. 247—267. 

Bedeutung der skandinavischen Reiche für England. Früher 
Handel der Engländer dahin 247. — Wettbewerb der Deutschen 
248. — Uebergewicht der Hansen 249. — Zähigkeit der Engländer 
250. — Die Erhebung Bergens zum einzigen Stapelplatz 251. — 
Der Handel der Engländer nach Island und seine Geschichte 252. — 
Dänemarks Wunsch nach einer Allianz mit Heinrich VII. 256. — 
Handelsvertrag von 1490. 257. — Beschwerden der Dänen über 
die Engländer in Island 259. — Heinrichs VIII. entgegenkom- 
mende Haltung. Vorschläge Christians II. in Bezug auf die beider- 
seitigen Handelsverhältnisse 261. — Unterhandlungen 262. — Ne- 
gatives Resultat Ordnung in Island. Neuer Versuch, Heinrich VIII. 
auf dänische Seite zu ziehen 263. — Plan einer Verpfandung Is- 
lands. Begünstigung Christians II. durch Heinrich VIII 264. — 
Anerkennung Friedrichs I. Freundliche Behandlung der Engländer. 
Neue Störungen in Island und im Sund 265. — Fortdauernde Be- 
vorzugung der englischen Kaufleute. Freundschaft beider Reiche 
unter Eduard VI. 266. — Blick auf die Handelsbeziehungen zwischen 
England und Schweden 267. 



Fünftes Capitel. England und Spanien, s. 268— 282. 

Die Anfange eines regelmässigen Verkehrs zwischen Spanien 
und)England 268. — Besondere Bedeutung der Politik Eduards IV. 
für die englischen Handelsbeziehungen zu Spanien 269. — Art der 
Waaren. Grösse des Umsatzes 270. — Heinrichs VII. Freund- 
schaft mit Ferdinand. Neue Regelung der Handelsverhältnisse. 
Ueberlistung der Spanier 272. — Vergebliche Gegenvorstellung 

273. — Heinrichs VII. sophistische Begründung der höheren Zölle 

274. — Endliche Beseitigung der den spanischen Kaufleuten schäd- 
lichen Vertragsclausel. Folgen für den spanischen Handel 274. — 
Die englische und spanische Schiffahrtsacte 275. — Gewährung 
gegenseitiger Exemption 276. — Widerstand des castilischen Raths. 
Spanische Beurtheilung des Verkehrs mit England 276. — Ver- 
hältnisse in der ersten Zeit der Regierung Heinrichs VIII. 277. — 
Festere Begründung des englischen Handels nach Spanien. Die 
Freiheiten der englischen Kauf leute in San Lucar de Barrameda 
278." — Schwierigkeiten im übrigen Spanien. Anerkennung des 
englischen CotJaulats durch Carl V. 280. — Die Beziehungen in 
der letzten Regierungszeit Heinrichs VIII. 281. — Rückblick 281. 



Sechstes Capitel. England und Portugal, s. 283—290. 

Armuth Portugals im Mittelalter. Seine Waaren. Beginn des 
Verkehrs mit England 283. — Handelsbeziehungen und Verträge 
im 14. Jahrhundert 284. — Bedeutende Privilegien der Engländer 
in Portugal während des 15. Jahrhunderts 286. — Wendung der 
handelspolitischen Stellung Portugals 287. — Folgen für die Eng- 



- XIV — 

linder. Fortdauernde Freundschaft mit England 288. — Wünsche 
Englands in Betreff des portugiesisch -indischen Handels 289. — 
Abschliessendes Urtheil 289. 



Siebentes Capitel. England und Frankreich. 

S. 291-309. 

Der Verkehr Englands mit dem nordöstlichen Frankreich 
291. — Gegensätzliche Verhältnisse in der Bretagne 293. — Bre- 
tonische Producte nnd Manufacte 294. — Blühender Verkehr in 
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts 295. — Die Bretagne ver- 
liert 1491 ihre Selbständigkeit. Einfluss dieser Thatsache 296. — 
Politische und commercielle Gründe für die ersten Handels- 
beziehungen zwischen England und Südfrankreich 297. — Privi- 
legien der südfranzösischen Kaufleute in England 298. — Verkehrs- 
artikel 299. — Vereinigung von Gascogne nnd Guienne mit dem 
französischen Reiche. Folgen daraus für die commerdellen Be- 
ziehungen zu England 800. — Besserung der Lage unter Eduard IV. 
301. — Handelspolitische Erfolge Heinrichs VII. 301. — Erhaltung 
des Status quo unter Heinrich V HL 304. — Der Verkehr Englands 
mit dem innern Frankreich 304. — Uebereinkommen beider Staaten 
in Betreff der Fischerei 305. — Verhandlungen und Verträge zur 
Sicherheit des Seeverkehrs unter! Heinrich VII. nnd VHI. 305. — 
Rückblick 308. 



Achtes Capitel. Englands Handelsbeziehungen zu 
Irland und Schottland s. 310—313. 

Momente, welche die cbmmerciellen Beziehungen beeinflussten 
310. — Zustand Irlands beim Ausgang des Mittelalters 310. — 
Eingreifen der Tudors 311. — Zustand des irisch-englischen Han- 
dels. Warenverkehr von und nach Irland 311. — Sonstige han- 
delspolitische Fragen 311. — Vergleich Schottlands mit Irland 
312. — Geringer Verkehr zwischen Schottland und England 313. 



Neuntes Capitel. Die Stellung der beiden ersten 
Tudors zu den Entdeckungen . . . . s. 318—323. 

Zusammenhang der Entdeckungen mit den handelspolitischen 
Fragen 314. — Columbus und seine Beziehungen zu England 314.— 
Niederlassung der Familie Cabot in Bristol. Entdeckungsversuche 
John Cabots 315. — Patent Heinrichs VII. von 1496. Die Cabots 
betreten das amerikanische Festland 316. — - Ein neues Patent und 
Heinrichs VII. Unterstützung. Des Königs Enttäuschung. Seb. Ca- 
bots Abreise nach Spanien. Eifer der Bristoler 317. — Auf- 
forderung an Heinrich VHL, den Entdeckungen seine Aufmerksam- 
keit zuzuwenden 319. — Wolseys vergeblicher Versuch, Seb. Cabot 
wieder zu gewinnen 319. — Denkschrift Robert Thornes 320. — 
Englische Expedition von 1528 und ihr Misslingen 321. — Der 
englische Handel nach Guinea und Brasilien 321. — Höre und 
die englische Colonie auf Cap Breton und Newfoundland 322. — 
Schlussurtheil 322. 



- XV - 

IL Abschnitt. 

S. 825—670. 

Erstes Capltel. Die Stapelkauf leute und Herchant o 
adventurers s. 327—351. 

Energie des englischen Handelsstandes. Ausdehnung des eng- 
lischen Activhandels 327. — Berühmte englische Kaufleute 328. — 
Anfange der Stapeleinrichtung 329. — Zwecke des Stapels 330. — 
Unfähigkeit des Stapels, dem englischen Handel neue Wege zu 
öffnen. Sein indirecter Einfluss 331. — Die Merchant adventurers 
und ihre Aufgabe 332. — Quellen ihrer Geschichte 333. — An- 
gaben über die Zeit ihrer Entstehung 336. — Zusammenhang der 
Merchant adventurers mit der Stapelgesellschaft 337. — Die Charte 
von 1407. 339. — Anfanglich loser Zusammenhang der Merchant 
adventurers 339. — Hervortreten derselben unter Heinrich VH. 
340. — Majorisirungsversuche der Londoner 341. — Vereitelung 
der Schliessung der Compagnie 342. — Stärkung ihrer Executiv- 
gewalt 343. — Streit der M. a. mit den Staplern. Seine Ursache 
§44. — Sein Verlauf zur Zeit Heinrichs VI. 345. — Der Process 
unter Heinrich VII. 345. — Wiederausbruch des Streites. Stellung- 
nahme Heinrichs VIU. 346. — Die häufigen Gesetzentwürfe in Be- 
treff der M. a. 347. — Beurtheilung der Politik der beiden ersten 
Tudors gegenüber den M. a. 348. — Die wachsende Macht des 
Eaunnannsstandes 349. 

Zweites Capltel. Die Schiffahrtspolitik, s. 352-378. 

Wichtigkeit einer eigenen Flotte für den englischen Handel 
352. — Stellung des Staates zur Flotte 853. — Die Ansprüche 
der englischen Herrscher in Bezug auf die umliegenden Meere 

354. — Einzelne Beispiele einer Fürsorge der englischen Könige 
für die Flotte 355. — Rückgang der englischen Marine. Gründe 

355. — Passive Haltung Eduards III. und anfangs auch Richards H. 
357. — Schiffahrtsschutz in andern Ländern 358. — Die gesetz- 
geberischen Versuche und Vorschläge unter Richard II. und Hein- 
rich IV. 359. — Heinrichs V. Eifer für eine Staatsflotte 363. — 

. Vefcftll der letzteren »ur Zeit Heinrichs Vi. 3Ü4. — Mahnung"* eines 
Patrioten im Libell of Englishe Policye 365. — Ungenügender 
Zustand vor den Tudors 367. — Heinrichs VII. Navigationsacte 
von 1485, ihre Erneuerung und Erweiterung 1489 368. — Bau von 
Kriegsschiffen 369. — Heinrichs VIIL Licenzen 370. — Vorstellung 
der Commoners und Gesetz gegen die Licenzen 371. — - Die Ausführung 
der Statuten 371. — Verstärkte Fürsorge für die Flotte seit 1531 
371. — Bestätigung der früheren Gesetze. Geringer Erfolg 372. — 
Die Acte von 1540 372. — Organisation der Seemannschaft unter 
Heinrich VIU. 374. — Die Hebung der Staatsflotte 375. — Schluss- 
betrachtung 377. 

Drittes Capltel. Das englische Fremdenrecht. 

S. 379-483. 

I. Periode (750— 1272). — Recfitsanschauung des Mittelalters 
in Betreff der Fremden 379. — Ermöglichung des Verkehrs der 
Fremden 379. — Interessen der Grossen 381. — Johanns Erlass 
von 1200 und die Magna Charta 381. — Verschiedene Interpreta- 
tion derselben 382. — Städtische Auffassung. Beispiele 383. — 



— XVI — 

Zuspitzung der Frage unter Heinrich III. 3S6. — Begehrlichkeit 
der Städter 387. — Kluges Verhalten einiger Fremden 388. — 

II. Periode (1272—1377). — Eduards I. anfangliche Stellung zu 
der Fremdenfrage 388. — Des Königs indirecte Förderung der 
Fremden 389. — Streit zwischen den Gascognern und Londonern 

390. — Die Freiheiten der Gascogner, ihre Erweiterung und Aus- 
dehnung auf alle fremden Kaufleute in der Charta mercatoria 

391. — Die Fremdenfrage unter Eduard IL 393. — Eduards III. 
anfängliche Zugeständnisse an die Londoner 395. — Missbrauch 
derselben durch die Städter. Zurückuahme der städtischen Rechte 
896. — Sonstige Begünstigung der Fremden 397. — Gegenströmung. 
Eduard III. gibt einen Theil der Freiheiten zurück 398. — 

III. Periode (1377—1461). — Erfolg der Städter unter Richard II. 
400. — Wechselvoller Kampf mit schliesslichem Sieg der Bürger 
400. — Heinrichs IV. Wohlwollen gegenüber den Städtern 402. — 
Klagen über London 403. — Compromissgesetz. Unzufriedenheit 
der Londoner 404. — Wiederherstellung und Anerkennung des 
Gästerechts 404. — Schwierigkeit der Durchführung des Fremden- 
rechts 405. — Angriff auf das Zusammenwohnen der Fremden 
405. — Die Zurückhaltung der Regierung. Wachsende Erbitterung 
im Volk 407. — Stellung des Verfassers des Libell of Englishe 
Policye zur Fremdenfrage 409. — Ein rigoroses Gesetz 409. üm- 

fehung desselben. Fortwährende Anfeindungen der Fremden 411. — 
iesteuerung derselben 412. — IV. Periode (1461—1547). — 
Eduards IV. Fremdenpolitik 418. — Die in England lebenden 
fremden Handwerker 414. — Das Fremdengesetz Richards III. 414.— 
Die städtischen Rechte und der veränderte Verkehr 416. — Zer- 
bröckelung der städtischen Freiheiten unter Heinrich VU. 417. — 
Petition der Londoner Bürger an den Magistrat 418. — Die Ga- 
leymen. London erkauft seine alten Rechte um hohen Preis 419. — 
Formelle Bestätigung derselben durch Heinrich VI II. 420. — Fort- 
schreitende Zersetzung der städtischen Rechte 420. — Erfolglosig- 
keit einer bezüglichen Bill 421 — Bedrohliche Stimmung wegen 
der fremden Gewerbsleute in England. Der Makler Lincoln und 
der Prediger Dr. Beale 422. — Aufstände 424. — Darauf erfolgen- 
des Gesetz. Klage der Londoner über seine Umgehung. Traurige 
Lage der englischen Schuhmacher 425. — Enquete. Decret der 
Sternkammer 426. — Die Erhebung dieses Erlasses zum Gesetz. 
Abermalige Umgehung. Neues Statut 427. — Mangelhafte Aus- 
führung 428. — Verhalten der Regierung Heinrichs VIII. gegen 
die fremden Kauf leute 429. — Verhalten der Städter 430. — Rück- 
bück 432. 

Viertes Capitel. Der Industriesckutz . . s. 434— 480. 

Streben nach Unabhängigkeit im Gewerbe 434. — Tuch- 
industrie. Reichthum an Rohmaterial 434. — Stand der engli- 
schen Tuchmacberei im frühen Mittelalter 435. — Günstige Mo- 
mente für ihre Entwicklung 435. — Simon v. Montforts Verbot 
der fremden Tücher 436. — Unmöglichkeit, die Schutzpolitik auf- 
recht zu erhalten 436. — Kriegspolitische Ein- und Ausfuhrverbote 



und ihr Einfluss 437. - Die Beförderung der englischen Tuch- 
manufactur durch Eduard III. 438. - Massregeln unter Heinrich VI. 
440. — Hohe Woll-, niedrige Tuchzölle 441. — Kampf der engli- 
schen Tuchindustrie mit der niederländischen in der ersten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts und sein Verlauf 441. — Ausdehnung der 
englischen Tuchindustrie 445. — Ein Pamphlet in Betreff der Woll- 
ausfuhr und englischen Tucbmanufactur 446. — Gesetze nach dieser 
Richtung 447. — Ihre Fortbildung durch Heinrich VII. 449. — 



— XVII - 

Die Statuten Heinrichs VIII. in Betreff des Wollverkaufe 450. — 
Der Schutz für die Norfolker Industrie. Seine Unwirksamkeit 
451. — Strenge Durchführung des Gesetzes in Betreff der ver- 
botenen Ausiuhr ungerauhter, ungeschorner und ungewalkter 
Tücher 452. — Bekämpfung dieses Statuts durch die Merchant 
adventurers und Hansen 452. — Abschwachung der Acte 458. — 
Gesetz in Betreff des Verkaufe der breiten weissen Wolltücher an 
Fremde 454. — Schutzgesetze für andere Industriezweige: Horn- 
arbeiter und Schuhmacher 455; — Seidenarbeiter 456; — Leinen- 
industrie 457; — Kurzwaarenindu8trie 457; — Kappen- und Hut- 
macher, Zinngiesser, Buchbinder und Buchdrucker 459 ; — Kriegs- 
materialien 460. — Charakter der Industrieschutzgesetzgebung 462. — 
Umsichgreifen der Schutzidee gegen Ende des 15. Jahrhunderts 
463. — - Gründe. Politische Momente 463. — Zunitsystem. De- 
placirung der Industrie 464. — Agrarumwälzung 465. — Ruf nach 
Arbeit 468. — Wirthschaftsprogramm Heinrichs VII. 469. — Stim- 
men über den Werth und die Notwendigkeit der einheimischen 
Arbeit unter Heinrich VIII. 470. — Die Motive zu dem Gesetz 
behufs Einbürgerung der Leinenindustrie 475. — Die praktische 
Gestaltung der gesteckten Ziele 476. — Keime des Mercantil- 
systems 478. 

Fünftes Capltel. Die Geld- und Mflnzpolltik. 

S. 481—540. 

Geringer Edelmetallvorrath im Mittelalter 481. — Angaben 
über England 483. — Geld- und Gesammtvermögen Englands zur 
Zeit Heinrichs V1IL 485. — Steigerungsfähigkeit der Geldcirculation 
in England 487. — Ursachen, welche den englischen Geldbestand 
fortwährend schwächten 488. — Die Geldbeschaffung durch den 
einheimischen Minenbau 492. — Geldzufiuss durch den Handel. 
Wechselstellen an der Grenze 494. — Zwang gegen die Woll- 
exporteure, Silber zurückzubringen. Veranlassung dieser Bestim- 
mung 495. — Vergebliche Klagen. Erweiterung des Systems. 
Münzanstalt zu Calais( 496. . — Vorschlage der Stapelbehörde, um 
den Geldzufiuss zu sichern 497. — Beibehaltung der bisherigen 
Gesetze 498. — Nachahmung durch die schottische Begierung „ 
499. — Abnehmende Thätigkeit der Münzanstalt .in Calais. Gründe 
499. —(Neugestaltung und Verschärfung des bisherigen Zufuhr- 
system8t502. — Opposition der Stapler 502. — Letzte unbedeu- 
tende Versuche 504. — Neue Methoden der Regulirung des Geld- 
zuflusses unter Heinrich VIII. 505. — Beurtheilung der früheren 
Massregeln 505. — Verbot der Geldausfuhr 506. — Concessionen 

507. — Einfluss der Kriege Eduards III. auf den Geldexport 508. — 
Gemeinschaftliche Goldmünze für die Niederlande und England 

508. — Fortdauer des Geldexports 510. — Parlamentarische Unter- 
suchung über die Geldnoth unter Richard II. 511. — Fortbildung 
der Gesetze über die Geldausfuhr unter Richard II. und Hein- 
rich IV. 512. — Vorschläge der Gemeinen, um den beim Ausbruch 
des französischen Krieges unter Heinrich V. bevorstehenden Geld- 
export zu vermindern 514. — Goldausfuhr zur Zeit Heinrichs VI. 
Massregeln dagegen 515. — Neue Vorschläge des Parlaments zur 
Erhaltung des Geldvorraths .516. — Die Gesetze Eduards IV. und 
Heinrichs VII. 516. — Die Frage des Geldexports unter Hein- 
rich Vül. 518. — Das Wechselbriefamt 519. -— Beschränkung der 
Wachselfreiheit 522. — Wiederherstellung der letzteren 523. — 
Beurtheilung der Geldausfahrpolitik 523. — Schwierigkeiten im 
Mittelalter in Betreff eines guten Münzwesens 525. — Frühzeitige 
Centralisation im englischen Münzwesen 526. — Einfluss des Par- 



— XVIII — 

laments 527. — Münzbeschneidung und Münzfälschung 527. — 
Fehlen einer eigentlichen Scheidemünze 528. — Einfuhr fremden 
schlechten Geldes. Massregeln in Betreff derselben 528. — Die 
Münzverschlechterungen 530. — Heinrichs VII. Münzpolitik 531. — 
Die Münzverhältnisse und Münzpolitik mit ihren Folgen unter 
Heinrich VIII. 534. 

v/ Sechstes Capitel. Die Credltpolitik . . s. 541—564. 

Sicherstellung der Creditsumme. Schuldbücher 541. — Eva- 
sionen der Schuldner. Asyle 544. — Gesetze Heinrichs VI IL 
545. — Politik in Bezug auf die Creditvergütung 547. — Die 
Juden und ihre Rolle in England 548. — Ihre Vertreibung 550. — 
Die italienischen Gelddarleiher 551. — Die Gerichtsbarkeit in 
Wucherfragen 552. — Vorgehen Londons gegen den Wucher. 
Königliche Ordonnanz 553. — Gewünschte Ausdehnung derselben 
auf das ganze Land 554. — Bestrafung derer, welche den König 
bewuchert hatten. Folgen für den Credit des Königs 555. — 
.Neue Bemühungen, dem Wucher zu begegnen 555. — Concessionen 
der canonistischen Lehre 557. — Ausdehnung des Greditverkehrs 
558. — Heinrichs VII. Wuchergesetze 559. — Neue Wucherpolitik 
unter Heinrich VIII. 560. — Protest dagegen 561. — Ihr Sieg 
unter Elisabeth 562. — Rückblick 563. 

Siebentes Capitel. Fürsorge für die Verkehrswege. 

S. 565—575. 

Englische Gesetzgebung in Bezug auf Wegen- und Brückenbau 
565. — Schwerfälligkeit der Organisation 566. — Einiger Fortschritt 
unter Heinrich VIII. und seinen Nachfolgern auf dem Thron 566. — 
Wichtigkeit der Wasserstrassen für den englischen Verkehr 568. — 
Kampf gegen die Schiffahrtshindernisse in den Flüssen 568. — 
Neue Art der Flussverunreinigung. Anregung dieser Frage durch 
Strode. Folgen für ihn 571. — Statuten gegen die Zinnbergwerks- 
besitzer unter Th. Cromwell 572. — Gesetze wegen Versandung 
der Themse, Severn und Exe 573. — Heinrichs VIII. Fürsorge für 
die Seehäfen 574. 

Achtes Capitel. Mass und Gewicht. Güte der Waaren. 

S. 576-619. 

Schwierigkeiten bei der Ordnung des Mass- und Gewichts- 
wesens 576. — Erste Versuche in England, dasselbe einheitlich zu 
regeln 577. — Stellung der Magna Charta zur Frage 578. — Hein- 
richs III. und Eduards I. Eifer 579. — Gesetzgebung bis Eduard IV. 
579. — Zustand beim Regierungsantritt Heinrichs VII. Neuordnung 
unter ihm 581. — Heinrich VlII. 583. - Gründe, weshalb die 
mittelalterliche Gesetzgebung für die Qualität und Grösse der 
Waaren sich interessirte 583. — Bedeutung der gewerblichen Orga- 
nisation für die Frage. Vergleich deutscher, französischer, eng- 
lischer Verhältnisse 584. — Localaufsicht und Reichsgesetzgebung 
586. — Aelteste Verordnung in Bezug auf die Tücher. Ihr Miss- 
erfolg 586. — Die Magna Charta. Langes Schweigen der Gesetz- 
gebung 587. — Zusammenhang des fiscalischen Interesses mit der 
Beaufsichtigung der Tücher 587. Eduards 111. gesetzgeberische 
Versuche 5ö8. — Verschiedenheit der in Frage kommenden Inter- 
essen 589. — Schwankender Charakter der Gesetzgebung unter 
Richard IL 590. — Verwirrung. Die Broad Cloths. 592. — Er- 



— XIX — 

oente Energie unter Eduard IV. 592. — Die Controle über die 
Worsteds 595. — 'Wachsen der Arheitstheilung in der Tuch- 
Industrie und damit der betrügerischen Manipulationen 596. — 
Gesetz Richards III. 597. — Edm. Dudleys Auslassung über die Auf- 
rechthaltung der Waarengüte. Neues Statut unter Heinrich VIII. 
598. — Eingreifen der Gesetzgebung in Betreif der Worsteds, frem- 
der Barchente, neuer Farbmaterialien, fremden Leinens 599. — Ein- 
flöße der Agrarum wälzung 601. — Neues Gesetz in Betreff der 
Tücher 602. — Opposition gegen dasselbe 603. — Modifidrung 
desselben 604. — Schwierigkeiten und Aufgabe hinsichtlich der 
Tuchgüte in Folge der Deplacirung der Tuchindustrie 604. — 
Kampf zwischen Stadt und Land 606. — Erhaltung der Waaren- 
güte als Vorwand zur Einschränkung unbequemer Concurrenz 
607. — Beispiele 608. — Controle zu Gunsten der Consumenten 
612. — Ueberwachung der Gold- und Silberwaaren 618. — Be- 
sinne' 616. 

Neuntes Capitel. Die Preispolitik . . s. 620—670. 

Veranlassung zur Preisregelung. Verschiedene Beurtheilung 
des Binnen- und Aussenhandels 620. — Vor- und Aufkauf 621. — 
Eingreifen in die Preisgestaltung bei den Lebensmitteln. Allgemeine Or- 
ganisation der Lebensmittelpolizei 622. — Der Fischhande 1624. — 
Der Fleischverkauf und die Fleischtaxe 630. — Regelung des Brod- 
preises 637. — Getreidehandelspolitik 638. — Die Preispolitik in 
Betreff der Weine 642. — Preispolitik bei den Gewerbsproducten 
und sonstigen Artikeln, die in England eingeführt oder im Lande 
verfertigt wurden 651. — Preispolitik bei den Stapelartikeln und 
den Tüchern 656. — Die Lohntaxen 659. — Resume' 667. 

Schlussbetraehtung S. 671—676. 

Anhang s. 677—684. 

1. Excurs über die angebliche Fahrt Seb. Cabots im Jahre 
1517. 677. — 2. Nachträge zum neunten Capitel des zweiten Ab- 
schnittes 680. 



I. ABSCHNITT. 



Beb ans, Engl. Handelspolitik. I. 



Erstes Capitel. 



Die Handelsbeziehungen zwischen England und 
den Niederlanden. 



Seit frühester Zeit bestanden zwischen den Niederlanden 
und England die regsten Beziehungen. Die beiden Gebiete 
waren durch ihre Lage einander sehr nahe gerückt, indem 
nur ein schmaler Meeresann sie trennte. Die beiden Völker 
bargen zudem stammverwandte Elemente in sich, und ihre 
ältesten socialen Einrichtungen und Gewohnheiten deckten 
sich vielfach; namentlich kam bei beiden das Gildewesen zur 
Entfaltung. Fortgesetzte Wanderungen hielten das Gefühl 
der Zusammengehörigkeit aufrecht. Kein Jahrhundert ver- 
ging, ohne dass grössere Massen von Flamändern in Folge 
von Ueberschwemmungen und politischen Unruhen, oder ge- 
trieben von der Sucht nach grösserem Gewinn den heimat- 
lichen Boden verliessen und der britischen Insel sich zu- 
wandten. Hatten einst angelsächsische Missionäre den Nieder- 
ländern die erste Kunde vom Christenthum gebracht und bei 
ihnen den Sinn für Wissenschaft gepflegt, so wurden später 
vlämische Colonisten die Lehrer der Engländer im Ackerbau 
und besonders im Gewerbe. 

Sehr viel rascher als England hatten sich die Niederlande 
seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts entwickelt; besonders 
auf industriellem Gebiet waren sie ersterem weit voraus. 
England "erhob sich nur langsam aus der Barbarei und be- 
wegte sich lange im Geleise des ungefügigen ackerbautreiben- 
den Lehnsstaates. Die Industrie war schwach ausgebildet, 
der Handel vorwiegend in Händen fremder Kaufleute. Die 
Niederlande, namentlich Flandern, waren dagegen schon im 
13. Jahrhundert reich an blühenden Städten, dicht bevölkert, 
voll der besten Gewerbs- und Luxuszweige und im Besitz 



— 4 — 

eines imposanten Weltmarktes 1 ). Nur die Mittelmeergebiete, 
vornehmlich Italien, konnten sich mit ihnen messen. 

Diese Verschiedenheit der Entwicklung war für die Handels- 
beziehungen der beiden Nachbarländer ausschlaggebend. Sie 
bedurften einander. Die flandrische Industrie war auf den 
Reichthum Englands an Rohproducten hingewiesen, vor Allem 
die ausgedehnte Tuchmanufactur konnte die gute englische 
Wolle nicht entbehren. Die Engländer dagegen waren im 
Stand, das bei ihnen erwachende Luxusbedürfniss auf dem 
niederländischen Markt zu befriedigen. 

Die beiderseitige Abhängigkeit war jedoch keine ganz 
gleiche. Die -Engländer konnten allezeit, zwar nicht ohne 
empfindliche Störung, aber doch ohne ernstliche Gefährdung 
der Existenz auf ihrem Eiland sich genügen lassen, die Massen 
der flandrischen Weber und sonstigen Industriellen dagegen 
starben Hungere, wenn sie nicht die englischen Rohproductö 
zur Verarbeitung erhielten. Treffend sagt deshalb ein eng- 
lischer Politiker des 15. Jahrhundeiis: 

Was hat der Flemming denn (wie er auch flache!) 
Als etwas wen'ges Krapp und Qäm'sche Tuche? 
Durch unsere Wolle nur, die sie verweben, 
Können die Städte dort bestehen und leben. 
Sie müs8ten sonst von ihrem Wohlstand scheiden 
Verhungern — oder Händel mit uns meiden 8 ). 

Die Flamänder waren sich dieser Situation auch wohl be- 
wusst. Im Jahre 1338 sprachen sie es z. B. offen dem fran- 
zösischen König gegenüber aus 8 ). 

Selbstverständlich wirkte diese Lage auch auf die all- 
gemeine Staatspolitik zurück. Hier kam aber ein Factor hin- 
zu, der wiederum England auf die Niederlande hinwies. Die 
englischen Könige des Mittelalters konnten der politischen 
Freundschaft mit ihnen nicht entrathen, soweit es sich um die 
Wahrung englischer Interessen und Ansprüche gegenüber 
Frankreich handelte. Um ihre Besitzungen daselbst zu er- 

*) Vgl. Frensdorff, Aus belgischen Städten und Stadtrechten in 
den Hansischen Geschichtsblättern 1878. S. 39 fg.; Warnkoenig, Flan- 
drische Staats- und Rechtsgeschichte I. S. 317 fg.; Kervyn de Letten- 
hove, Histoire de Flandre 1847, 1855; Beaucourt, Brugsche Koop- 
handel; Henne, Histoire du regne de Charles - Quint en Belgique 1859. 
Bd. 5. S. 259 fg. E. van Bruyssel, Histoire du commerce et de la 
marine en Belgique 1861. I. 

*) The Libell of Englishe Po Heye 1436, herausgegeben und 
übersetzt von W. Hertzberg. Leipzig 1878. Vers 120—5. 

8 ) Vray est que des Francois nous viennent bleds, mais il convient 
avoir de guoi acheter et paier; et muy de bled, a denier dolent celui qui 
ne Pa. Mais d'Engleterre nous viennent laines et grands prouffitz pour 
avoir les vivres et tenir grands 6taz, et du pais de Haynau nous venroit 
assez bleds nous a eux d'aecord. Varenbergh, Histoire des relations 
diplomatiques entre le comte de Flandre et l'Angleterre au moyen äge. 
Bruxelles 1874. S. 11. 



— 5 — 

halten oder um gleich als Könige Frankreichs aufzutreten, 
war die Stellung Flanderns und Brabants immer von grosser 
Bedeutung. Namentlich kam die des ersteren in Betracht. 
Die Grafschaft Flandern war theilweise durch feudale Bande 
an Frankreich geknüpft, und es musste das Hauptziel der 
englischen Politik sein, gerade sie von Frankreich zu trennen, 
um ein passendes Operationsfeld gegen den Feind zu ge- 
winnen ! ). 

So begegneten sich die Interessen der vlämischen Städte 
mit den englischen Wünschen. Die Könige von England 
kargten nicht, wenn es galt, durch Privilegien die Freund- 
schaft der Flandrer zu erwerben. Heinrich III., Eduard I. 
und Eduard ni. gaben mit vollen Händen *), und diese reichen 
Begünstigungen namentlich von Seite des Letzteren, der zudem 
eine Niederländerin, die edle Philippa von Hennegau, zur 
Gattin hatte, waren geeignet, die Freundschaft zwischen den 
flandrischen Städten und dem Inselreich fester zu begründen. Die 
Flamänder waren nicht weniger liberal, um die englischen Kauf- 
leute herbeizuziehen 3 ) und traten gerne auf Seite Englands, 
wenn sie zwischen dem Rufe des Lehnsherrn und den locken- 
den Verheissungen seines Gegners zu wählen hatten. Am 
besten entsprach ihren Interessen eine neutrale Stellung, weil 
sie dann keine Opfer zu bringen brauchten und den Handel 
nach Frankreich und England fortsetzen konnten. Nicht selten 
glückte es den Städten, diese Neutralität sich zu sichern 4 ); 
eventuell aber scheuten sie sich auch nicht, England offenen 
Beistand zu leisten; sie schlössen selbständig yiit den eng- 
lischen Königen Handels- und politische Verträge ab, zwangen 
ihre eigenen Herrscher, die französische Gesinnung zu ver- 
läugnen, und schritten zur Gewalt, wenn diese ihren Vor- 
stellungen sich nicht fügen wollten. In solcher Weise wurde 
nicht nur das Aufgehen dieser Gebiete in Frankreich verhin- 
dert, sondern es konnte sich auch der englisch-niederländische 
Verkehr entwickeln und die internationalen Grundsätze 
herausbilden, die zu seinem Gedeihen nothwendig waren. 

Die Geschichte dieser beiderseitigen Regelung des Handels 
zu verfolgen, liegt ausserhalb unserer Aufgabe. Der Gang war 



x ) Der erste politische Vertrag dieser Art zwischen Flandern und 
England ist datirt vom 17. Mai 1101, dem am 10. März 1103 ein zweiter 
folgte. Rymer, Foedera I. S. 1, 4. (Ich citire, wenn nicht anders be- 
merkt ist, nach der Londoner Originalausgabe von 1704/85). Die handels- 
polttische'Bedeutung der im Text skizzirten Situation wurde bereits von 
dem Secretar der Merchant adventurers Wheeler in seinem Treatise of 
commerce etc. Middelburgh 1601. S. 33,34 richtig gewürdigt. 

«) Varenbergh a. a. O. S. 151 fg., 156 fg., 309 fg. 

~ Vgl z. B. Varenbergh a. a. 0. S. 394, 447. 
Varenbergh a. a. 0. S. 130, 260, 282 u. s. w. 



3 



— 6 — 

aber der gewöhnliehe. In der allerersten Zeit rausste jeder 
einzelne Kaufmann sich das Recht des Handels erkaufen 1 ), 
später erwarben sich ganze Städte 2 ) und 'Landestheile einen 
Geleitsbrief. Die Grafschaften Flandern und Hennegau er- 
hielten z. B. am 3. Dec. 1237 die erste allgemeine Licenz, 
nach England zu handeln gegen Zahlung von 400 Mark 8 ). 
Gleichzeitig wurden einzelnen Städten noch weitere Privilegien 
verliehen 4 ). Da ihre Concurrenten dann nicht ruhten, bis 
auch sie derselben theilhaftig geworden, pflanzten sich die 
Freiheiten immer weiter fort. 

Am besten wurden solche Rechte erlangt und gesichert, 
wenn energische und klug operirende Handelsgesellschaften 
die Sache in die Hand nahmen. Das war hier der Fall. Von 
Seite der Niederlande war besonders thätig die vlämische 
Hanse zu London 6 ), die englischen Interessen dagegen wurden 
vertreten von den Staplern, später und vorwiegend von den 
Merchant adventurers 6 ). 

Diese Corporationen hatten den wesentlichsten Antheil an 
der Ausbilduug der rechtlichen Basis für den beiderseitigen 
Handel im 13. und 14. Jahrhundert. Die damals geschaffenen 
Grundzüge blieben auch im 15. und 16. Jahrhundert erhalten. 

Merkwürdig aber ist, dass diese rechtliche Basis in einem 
Vertragsverhältniss zum Ausdruck kam, das hinsichtlich des 
mittelalterlichen Englands in diesem Umfang ziemlich isolirt 
dasteht. Der gewöhnliche Gang im Mittelalter war der, dass 
jeder Herrscher einseitig dem anderen Lande Handelsprivi- 
legien ertheilte. In Verträgen pflegte man meist nur zu sti- 
puliren, dass die beiderseitigen Kaufleute frei handeln dürften, 
d. h. zur Ausübung des Handels im fremden Gebiet nicht erst 
Licenzen zu erwerben brauchten. Hier machte man aber 
ziemlich früh eine grosse Zahl von Bestimmungen allgemeiner 
mehr völkerrechtlicher Art zum Gegenstand des Vertrages, 



*) Zahlreiche Beispiele hiefür bei Wauters, Table chronologique 
des chartes et diplömes imprimes concernant l'histoire de la Belgique 1866 fg. 
namentlich Bd. IV. 

*) So räumte Johann ganzen Städten das Recht des Handels 1199 
und 1208 ein. Varenbergh a. a. 0. S. 91, 98. 

") Varenbergh a. a. 0. S. 131. 

4 ) So zuerst von Heinrich III. 1232 den Kaufleuten von Ypern 
(Diegerick, Inventaire des archives d'Ypre I. S. 47, 64); 1237 und 1259 
denen von Gent (Di eri ex, Mömoires sur la ville de Gand I. S. 148, 149); 
1260 denen von Brügge (Gilliodts-van Severen, Archives de la ville 
de Bruges I. Serie. T. I. Nr.6); 1261 denen vonDouai (Varenbergh a.a.O. 
S. 136). Unter den Eduards wurden diese Freiheiten bestätigt, und die Pri- 
vilegien auch auf andere Städte ausgedehnt; so erhielten gewisse Rechte 
1338/39 die Kaufleute von Leau, Brüssel, Diest, Tienen, Mecheln, Löwen 
(Rymer V. S. 80; Piot, Inventaires des diverses archives de la Belgique 
1879 Nr. 35. S. 12.) 

c ) Ueber diese sieh Varenbergh a. a. 0. S. 146 fg. 

°) Sieh unten Abschnitt II. Cap. 1. 



— 7 — 

ohne aber sich und den Municipalitäten zu verwehren, inner- 
halb dieses Rahmens noch besondere Privilegien zu gestatten. 

Das 15. Jahrhundert, in welchem die zersplitterten Theile 
der Niederlande unter dem burgundischen Scepter in der 
Hauptsache geeinigt waren und deshalb mehr ebenbürtig 
England sich gegenüberstellen konnten, baute den Handels- 
vertrag oder sogenannten Intercursus im Einzelnen aus. Die 
Bestimmungen des Magnus Intercursus von 1496 können als 
typisch gelten *). Jeder Fortschritt im Vertrag kam fast immer 
beiden Theilen zu Gute. 

Ganz anders war es aber mit den localen Privilegien 
gegangen. Wohl hatte auch hier das 15. Jahrhundert ent- 
scheidende Wendungen hervorgerufen, aber mehr und mehr 
einseitiger Natur. Die vlämische Hanse verschwindet noch in 
der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, den niederländischen 
Kaufleuten werden englischerseits die früheren Zollbegünsti- 
gungen mehr und mehr verkümmert 2 ), dieselben sehen sich 
successive in die Stellung der nichtprivilegirten Fremden 
zurückgedrängt; die Merchant adventurers dagegen beginnen 
erst recht um diese Zeit ihr stolzes Haupt zu erheben, 
aber nicht in Flandern, sondern in Brabant 3 ). Die innige 
Freundschaft zwischen den flandrischen Städten und eng- 
lischen Kaufleuten löste sich im 15. Jahrhundert rasch, als 
England sich nicht begnügte, die Wolle zu liefern, und nicht 
mehr seinen Stolz darin sah, dass Flandern ihm seine kost- 
baren Kleider webte, sondern darin, dass seine eigenen Tücher 
einen Weltruf erlangten und die flandrischen auf dem Brügge'- 
schen Markte aus dem Felde schlugen. Es entbrannte ein 
harter commercieller Kampf darob 4 ), die Bedrückungen der 
englischen Kaufleute in Flandern mehrten sich von Tag zu 
Tag, bis ein grosser Theil es vorzog, Brügge zu verlassen und 
Dach dem burgundischen Osten und Norden sich zu wenden. 
Zuerst begaben sich diese scheidenden Merchant adventurers 
nach Middelburg; da dasselbe aber sehr ungesund war, und 
Antwerpen ausserordentliche Privilegien verhiess, so folgten sie 



*) Vgl. die wichtigsten Artikel desselben S. 13 fg. 

*) Die Verleihung der Privilegien, welche früher Dinant besass, an 
die Kaufleute von Middelburc am 9. Nov. 1477 (Rymer XI. S. 729) und 
die Gleichstellung der Kaufleute von Hecheln mit denen der deutschen 
Hansa am 13. März 1480 (Gachard, Collection de documents inedits conc. 
Phistoire de la Belgique II. 45) müssen als vereinzelte Ausnahmefälle gelten. 
Recht markant wird die den Niederländern ungünstige Wendung veran- 
schaulicht durch die Denk- u. Beschwerdeschrift, welche Antwerpener Kauf- 
leute 1485 dem Erzherzog Maximilian übergeben Hessen. Urk. Beil. 4. 

R ) Wie wenig die Merchant adventurers im 15. Jahrhundert mit Flan- 
dern zu thun hatten, zeigt auch der Urkundenstock, den sie beim Tode 
Heinrichs VIII. besassen. In dem Verzeichniss dieser Documenta wird der 
englischen Privilegien in Flandern nur einmal gedacht Urk.Beil.l33.§31. 

*) Vgl. Abschn. II. Cap. 4. 



_ 8 — 

1444 dem Rufe 1 ) und legten so den Grund zu der künftigen 
Grösse Antwerpens, die im 16. Jahrhundert alle Welt in Er- 
staunen versetzen sollte 2 ). 

Was Antwerpen schon Ende des 13. und am Anfang des 
14. Jahrhunderts angestrebt hatte, nämlich Brügge den Handel 
zu entreissen , gelang jetzt nach Verfluss von fast zwei Jahr- 
hunderten. Aus dem frühzeitigen Versuch Antwerpens aber, die 
Kaufleute in seine Mauern zu ziehen, erklärt sich, weshalb 
die Privilegien der Engländer in Antwerpen bis ins Jahr 1286 3 ) 
oder noch weiter 4 ) zurückgingen. Zwar waren diese Freiheiten 
nicht bloss auf die Engländer beschränkt, aber die letzteren 
werden doch besonders in den Privilegienverleihungen genannt 5 ), 
und es wird angedeutet, dass man gerade auf ihr Kommen den 
grössten Werth lege. Sicherlich begannen auch damals eng- 
lische Kaufleute nach Antwerpen zu handeln, wie die gewählten 
Rechte von 1305 6 ) und 1315 7 ) beweisen. Hätten sich die 
Venetianer, die um jene Zeit in der Wahl zwTschen beiden 
Stapelplätzen schwankten 8 ), für Antwerpen entschieden, und 
hätten die Brabanter schon damals den Missbräuchen der 
zeeländisch - holländischen Zollherrn, welche die Mündung der 



s ) Wheeler, A treatise of commerce etc. S. 16. 

2 ) Sieh die merkwürdige, wenn auch übertriebene Schilderung über 
diesen Umschwung bei Wheeler a. a. 0. S. 18, wo behauptet wird, dass 
zur Zeit der Uebersiedelung keine 4 Kaufleute in Antwerpen und selbst 
diese keine „adventurers to the sea" gewesen seien. Ueber Antwerpens 
Bedeutung und Glanz im 16. Jahrhundert vgl. besonders Henne, Histoire 
du regne de Charles-Quint en Belgique 1859. Bd. 5. S. 265 fg. 

■) ürk. Beil. 133. § 27. 

*) ürk. Beil. 134. 

5 ) So heisst es in den Privilegien von 1305: omnes et singuli merca- 
tores regni Anglie necnon cuiuscumque regni seu terre. 

6 ) Dieser Privilegienbrief ist publicirt in Mertens en Torf, Ge- 
schiedenis van Antwerpen Bd. II. S. 543; ein Auszug davon findet sich 
bei Verachter, Inventaire des chartes et Privileges cons. aux archives de 
la ville d'Anvers 1860. S. 23 und in Papebrochii Annales Antverpienses 
ed. Mertens et Buschmann 1. S. 65, 66. 

7 ) Sieh ürk. Beil. 133 § 18. Die Urkunde von 1315 stimmt wört- 
lich mit der von 1305 überein, ohne dass sie sich ausdrücklich als eine Neu- 
bestätigung zu erkennen gibt. Es ist möglich, dass schon 1286 dieselben 
Rechte ganz oder theil weise verliehen wurden. ImBr.M. Cotton Mscrs. 
Tiberius D. fo. 21 findet sich ein englischer Auszug der Privilegien. Der- 
selbe theilt die ersten 21 Artikel dem Jahre 1286, die letzten 17 dem Jahre 
1315 zu. In Antwerpen überzeugte ich mich aber, dass die Verleihung von 
1315 und 1305 die 21 und 1? Artikel zusammen enthält. Nichtsdestoweniger 
mag der erwähnte englische Auszug richtig andeuten, dass zu den 21 Ar- 
tikeln des Jahres 1286 im Jahre 1305 17 neue kamen, welche 38 Artikel 
aber von da an als ein Ganzes galten. Die Antwerpener Annalisten am 
Anfang des 17. Jahrhunderts hielten die Privilegien von 1305 für die 
ältesten. „Gramayus stire se ait, quod primas cum Anglis pactiones Ant- 
verpia concepit anno 1305;" Papebrochii Annales Antverpienses ed. 
Mertens et Buschmann I. S. 65. 

8 ) He yd, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter 1879 IL 
S. 709. 



— 9 — 

Scheide bewachten, ernstlich vorbeugen können 1 ), so hätte 
leicht noch im 14. Jahrhundert die Ablenkung des Handels- 
verkehrs von Brügge eintreten können. So aber mussten die 
Engländer wohl oder übel der Attractionskraft Brügges, wo 
nun einmal der Weltmarkt war, folgen ; der Verkehr mit Ant- 
werpen blieb ein kleiner, aber er erlitt doch keine vollstän- 
dige Unterbrechung. Mit Anfang des 15. Jahrhunderts hob 
er sich, die Merchant adventurers hatten 1407 bereits ein l 
Haus erhalten 2 ). Seitdem vollzog sich ein langsames, aber 
andauerndes Uebersiedeln der englischen Kaufleute von Brügge , 
nach Antwerpen. Jede Störung und Bedrückung in ersterein, 
die politischen Verwicklungen, an denen Flandern so reich war, 
die seit 1432 beginnende 3 ) und von da ab rasch zunehmende 
Verschlechterung des Zwins, gaben dieser Bewegung neue Nah- 
rung 4 ). Man darf sich jedenfalls den Vorgang nicht als einen 
einmaligen, definitiven denken. Um 1430 aber war der Verkehr 
der Engländer mit Antwerpen schon so stark, dass die in 
Brügge noch zurückgebliebenen Kaufleute auf Veranlassung 
der Bürger von Brügge und Gent beim königl. Rath ein Ver- 
bot des Besuchs der Brabanter Messen verlangten 5 ). 1442/44 
scheint die Uebersiedelung am masfeenhaftesten eingetreten zu 
sein 6 ). Aus den nun folgenden commerciellen Verhandlungen 
geht auch klar hervor, dass von da ab der Schwerpunkt des 
englisch-niederländfcchen Handels in Antwerpen lag. 

Die Freiheiten der Engländer wurden 1446 und 1450 von 
der Stadt und dem Herzog ganz neu geordnet 7 ) und erhielten 
die Gestalt, welche sie im Wesentlichen während der letzten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts und während der ganzen Re- 
gierungszeit Heinrichs VIII. sich bewahrten. 

Von grosser Wichtigkeit war namentlich der erwähnte 

Freiheitsbrief des Herzogs von Burgund vom 6. August 1446. 

In diesem stellte der Letztere auf Grund eines Conflicts 

zwischen den Engländern lind seinen Zollbeamten 8 ) die Rechte 

der Engländer fest, die sie fortan in Antwerpen gemessen 
— 1_ 

') Papebrochii Annales Antverpienses ed. Hertens et Buschmann 
I. S. 419. 

*) ürk. Beil. 133. § 19. 

") Belege bei Gilliodts van Severen, Inventaire des archives de 
la ville de Bruges T. V. S. 11 Nr. 984. 

*) Sieh auch Kervyn de Letten ho ve,Hi8toire deFlandreVI.S.79fg. 

*j Sieh die Petition bei Nicolas, Proceedings and Ordiriances of 
the Privy Concil IV. S. 55 ; derselbe wurde statt gegeben. 

•) rapebrochii -Ann. Antverp. ed. Mertens et Buschmann I. S.414. 

') SiehUrk.Beil. 2 sowie die Noten zuürk. Beil. 23; ferner Pape- 
brochii Anna! es Antverpienses ed. Mertens et Buschmann. 1. 8. 446 u. 447. 

*) Ueber die bezüglichen Verhandlungen bind reiche Materialien im 
Antwerpener Stadtarchiv vorhanden, besonders in den Vol. betitelt: Engel- 
sche Natie 1304—1453 und Engeische Coopluvden 1304—1564. 
Ausserdem vgl. Compte rendu des seances de la commission royale d'histoire 
belgique. 3. Serie T. 3. S. 178 fg. 



— 10 .— 

sollten. Dieser Brief wurde so sehr als Gnradbrief betrachtet, 
dass noch unter Heinrich VIII. auf ihn in dieser Eigenschaft 
recurrirt wurde *). Sein wesentlicher Inhalt bezieht sich auf 
Beseitigung aller Zweifel in Betreff der Zölle, die im Vergleich 
zu denen der übrigen Fremden jedenfalls massig gestellt waren, 
ausserdem bezwecken seine Bestimmungen überhaupt eine 
liberale Zollbehandlung und eine rasche und gut geordnete 
Rechtspflege *). Aber auch die nebenhergehende besondere Ver- 
einbarung zwischen der Stadtbehörde und den englischen Kauf- 
leuten war für die Beziehungen beider grundlegend. Die Ant- 
werpener, welche fort und fort bestrebt waren, den englischen 
Handel in ihrer Stadt festzuhalten, und hierin von den burgundi- 
schen Herzögen damals kräftig unterstützt wurden 3 ), erweiter- 
ten bald darauf noch die Rechte der Engländer*), und Ihrem 
liberalen Beispiele folgten Angesichts des Erfolgs andere be- 
nachbarte Städte wie Bergen op Zoom 5 ) und Middelburg 6 ), 
auch die holländischen Grafen 7 ) wetteiferten in der Begünstig- 
ung der Engländer und vollendeten so die Verrttckung des 
englischen Handels vom Westen nach dem Osten. Fast ganz 
trat Antwerpen in die frühere Rolle Brügges ein, als letzteres 



') Als Frankreich 1528 die Engländer zu gewinnen suchte, wollte es 
ihnen die gleichen Rechte gewähren, die sie in deu Niederlanden besassen. 
Bei dieser Gelegenheit wurden ausdrücklich die Privilegien von 1446 als die 
wichtigsten erwähnt. Wheeler hebt diese gleichfalls ganz besonders hervor 
S. 17. Nach ihm scheint es auch, als ob in diesem Jahr die Merchant ad- 
venturers die alte Börse und den Court of Lier von der Stadt erhielten. 

2 ) Sieh die einzelnen Artikel Urk. Beil. 2. 

9 ) Als z. B. die Engländer die St. Bavon's Messe 1450 anderswo als 
in Antwerpen halten wollten, duldete eß der Herzog Philipp nicht; Ver- 
ächter, Inventaire des archives d'Anvers S. 128. 

*) Vgl. besonders die Uebereinkunft zwischen der Stadt und den Eng- 
ländern im Jahre 1474; Papebrochii Annales Antverpienses ed. Mertens 
et Buschmann. 1J. S. 149, 150 und Urk. Beil. 133. 8 38 u. 39. 

6 ) Vgl. Urk. Beil. 133. § 24, 25, 32, 41 insbes. aber in Urk. Beil. 3. 
das Privileg von 1470, das sich auf das des Herzogs von Burgund vom 6. Au- 
gust und das der Stadt Antwerpen vom 12. Aug. 1446 gründet. « 

6 ) Urk. Beil. 133. § 42. 

7 ) Für die ältesten Handelsbeziehungen Hollands und Englands ist 
sehr werthvoll Oorkondenbook van Holland en Zeeland uit ge- 
geven van wege de kon. Akademie van Wetenschappen I Afdeeling tot het 
einde van het hollandsche huis bewerkt door M* van den Bergh. I Deel 
1866. Der Graf Floris war besonders auf die Kräftigung des Handels 
zwischen Holland und England bedacht (Rymer 11. S. 62). Unter den 
holländischen Städten hatte Dortrecht frühe Beziehungen mit England und 
erhielt auch von Edward 111. 1313 Vorrechte und schon vorher einmal sogar 
das englische Stapel (Rymer Hl. S. 358). Eine Urkunde über die Regelung 
der Einfuhr englischer Laken nach Zieriksee durch den Grafen Wilhelm V. 
von Holland v. 8. Mai 1347 hat kürzlich E. Höhlbaum publicirt in den 
Hans. Geschieh tsbl. 1877. S. 133. Ueber die engl. Privilegien, welche 
1413 ertheilt und von Johann 1421 bestätigt wurden, vide Urk. Beil. 133 
$20 und Urk. Beil. 1. Ein weiteres Privileg von 1435 ist in Urk. BeiL 133 
fc 23 erwähnt, wahrscheinlich war dies nur eine Bestätigung des früheren, 
wie das auch bei dem vom 14. Oct. 1491 § 43 genannten der Fall ist. 



- 11 — 

in einen politischen Streit mit seinem Fürsten, dem Erzherzog 
Maximilian, sich verwickelte (1482), der die Zerstörung des 
Hafens Sluis und eine starke Verwüstung Flanderns während 
des fast 10jährigen Kriegs zur Folge hatte. Diejenigen Eng- 
länder, die bisher die Verbindung mit Brügge noch unterhalten 
hatten, gab en si e nun auch auf, und ihrem Beispiel folgten die 
übrigen3 T ationen. Besonders wichtig war, dass auch die Por- 
tugiesen nach Auffindung des Seewegs Antwerpen zum Stapel- 
platz für ihre aus Indien bezogenen Specereien wählten *). 

Was den Waaren verkehr der zwischen England und 
den Niederlanden gegen Ende des 15. Jahrhunderts Statt hatte, 
anlangt, so ist es natürlich unmöglich, denselben genau zu 
bestimmen. 

Unter den englischen Ausfuhrartikeln nahm die Wolle noch 
einen hervorragenden Platz ein 2 ). Sie wurde den Niederländern im 
Stapel zu Calais angeboten. Schaf- und Kaninchenfelle, Blei, 
Zinn, feiner Häute, aber nicht mehr unbearbeitet, sondern 
bereits gegerbt, sodann Bier, Käse, Butter und andere Lebens- 
mittel, Talg, auch Malvasier Wein, den die Engländer eifrig 
von Candia holten, italienischer und spanischer Saffran, Ala- 
bastersteine bildeten Gegenstände der englischen Einfuhr in die 
Niederlande 3 ). Alle diese letztgenannten Artikel konnten an 
Werth sich nicht mit dem Tuch, das die Engländer nach Ant- 
werpen brachten, messen. Dasselbe bildete im Gegensatze zur 
Zeit Brügge'schen Flors den Mittelpunkt des englischen directen 
Imports nach den Niederlanden. Zu Ausgang des 15. Jahr- 
hunderts betrug die Zahl dör in das seit 4. Nov. 1497 von 
Bergen op Zoom nach Antwerpen verlegte Brabanter Tuch- 
stapel gebrachten englischen Tücher jährlich ungefähr 20 000 , 
also c. 30 % der gesammten englischen Tuchausfuhr 4 ), später, 
namentlich unter Heinrich VIH. dürfte der Gesammtexport 
von englischen Tüchern nach den Niederlanden zwischen 
30—40000 Stück sich bewegt haben 6 ). Die von den Eng- 



*) Guicciardini, Descrittione dei paesi bassi S. 84. Ein portu- 
giesischer Handelsconsul war seit 1490 in Antwerpen; Mertens en Torfs, 
Gescbiedenis van Antwerpen III. S. 320. Sieh ferner Gachard, Collection 
de documents inedits conceraant l'histoire de la Belgique II. S. 25 u. 26. 

*) Vgl. B<L II. S. 15, 16 u. 78 fg. 

•) Wheeler a. a. 0. S. 25 und Guicciardini, Descrittione dei 
paesi bassi S. 119 fg. 

4 ) Nach einem im Brüsseler Staatsarchiv vorhandenen Zollregister 
(Chambre des Comptes No. 23250 und 23 251) wurden vom 5. Oct. 
1497 bis 26. Oct. 1498 13207 li. 16 sh 10 d und vom 14. Nov. 1498 bis 
4. Mai 1499 3387 li. 1 s. 6 d. an Tuchzoll vereinnahmt. Da in Folge des 
am 8. Nov. 1497 in Antwerpen publicirten Decrets der frühere St Andreas- 
golden vom Stück Tuch auf „twee scellinge gro. Vläm. dats 12 sh. in munten 
des rekenen" herabgesetzt worden war, so ergeben sich durch Berechnung 
fiir die Zeit vom 5. Oct. 1497 bis 26. Oct. 1498 22013 Stück Tuch, für die 
Zeit Tom 14. Nov. 1498 bis 4. Mai 1499 5645 Stück. 

*) In Folge der vollständigen Aufhebung des Andreasguldens, der 



— 12 — 

ländern selbst verladenen Tücher 1 ) kamen fast alle auf den 
Antwerpener Markt. Weil ein so grosser Theil der englischen 
Tücher nach den Niederlanden ging und da erst wieder an 
Fremde abgesetzt wurde, erhielten sie vielfach selbst den 
Namen „flandrische Tücher- *). Auf zwei Messen wurde dieser 
Verkehr hauptsächlich abgewickelt, nämlich auf der Pfingst- 
und Oktobermesse 3 ). Der reiche Erlös aus all diesen Artikeln 
wurde theils in baarem Gelde zurückgebracht , theils auf den 
Ankauf von Waaren, die aus allen Ländern der Welt zu Ant- 
werpen aufgestapelt waren, verwendet; letzteres nahm um so 
mehr überhand, je schwieriger und unmöglicher es ward, die 
grosse Masse, welche Eugland jährlich auf den Markt warf, 
dauernd mit Edelmetall zu zahlen, ferner je mehr der Sinn 
für einen edlen Luxus in England selbst zur Herrschaft kam, 
und je mehr der kaufmännische Geist sich entwickelte und 
das doppelte Geschäft des Ver- und Einkaufs vortheilhafter 
fand als das einfache 4 ). 

Die Zahl der gekauften Waaren ist, wie der Secretär 
der Merchant adventurers Wheeler schon sagt 5 ), unendlich. 
Unter den nach England gebrachten Artikeln nieder- 



Befreiung vom Antwerpener Tuchstapel (1499) und der grossen Steigerung 
der Tuchproduction. 

l ) lieber ihre Menge unter Heinrich VIII. vgL Zollregister No. V. 
Bd. II. S.86fg. Die Schätzung Guicciardini's, wonach der Import englischer 
Tücher nach den Niederlanden um 1568 mehr als 200000 Stuck mit einem 
Werthe von 1 200000 £ betragen habe, muss als Übertrieben gelten; dagegen 
verdient die Angabe Wheeler's Glauben, der in seinem Treatise of commerce 
S. 25 sagt, dass jährlich 60 000 weisse Tücher im Werthe von 600000 &, 
ausserdem noch gefärbte Tücher aller Art, kurze und lange „Kersies, bayes, 
cottons, northern dossens" und andere, im Ganzen nochmal 40000 Tücher 
im Werth von 400 000 £\ von den Merchant adventurers jährlich ausgeführt 
worden seien. 

s ) „Beside the abundant meat there groweth in England great quantitv 
of wool, the finest of all the world, whereof the kerseys and broad- 
cloths of London are made; and all the fine cloths, which called 
panni diffandra, are also English cloths wrong named by reason of 
the mart at Antwerp in Flanders, where these cloths are most commonly 
bought and sold" ; Wi 1 1. T h o m as, The Pilgrim, a Dialogue on the Life and 
Actions of the King Henry the Eighth 1546; ed by Froude. London 
1861. 8. 7. 

- n ) Selten kamen die Engländer zur Ostermesse, zu der des hl. Remigius 
fast nie. Ob eine von diesen Messen besucht werden sollte, entschieden die 
Vorstände der Merchant adventurers, und diese Hessen sich bei ihren Ent- 
schlüssen davon leiten, ob noch viel unverkaufte Tücher vorhanden waren. 
Hierüber und über die zwischen 1515 — 1588 unternommenen Fahrten ge- 
währen interessante Aufschlüsse Lansdown Mscrs. 170. fo. 138 im B.M. 

*) Wie sehr dieser Umschwung gefühlt, in gewissen Kreisen aber als 
ungünstige Neuerung beurtheilt wurde, davon geben Stimmen aus dem 
16. Jahrhundert Zeugniss. Vgl. Pauli, Drei volkswirtschaftliche Denk- 
schriften aus der Zeit Heinrich's VIII. von England. 23. Bd. der Abh. der 
kgl. Ges. d. W. z. Göttingen. 1878. S. 16, 34 u. s. w. Danach hätten erst 
unter Eduard IV. die Londoner angefangen, fremde Waaren zu importiren(?) 

6 ) A treatise of commerce etc. 1601. S. 25 fg. 



— is- 
ländischen Ursprungs wurden von ihm x ) aufgeführt : Tapeten, 
weisser Faden, grobes Garn (inkle), Leinentuch aller Art, 
Kammertücher („cambrickes"), feine Leinwand („lawnes"), 
Steifleinwand („buckrams"), Krapp. Ausserdem kauften die Eng- 
länder in den Niederlanden Juwelen, Geschmeide, Queck- 
silber, verarbeitete Seide, gold- und silbergewirktes Tuch, 
Serges, Kamelot, Baumwolle, Gewürze, Droguen, Zucker, 
Weine, Salz 2 ), Kümmel, Galläpfel, grosse Quantitäten Hopfen, 
Glas, Salzfische, Kurzwaaren aller Art, in sehr beträchtlicher 
Menge Waffen, Munition und Haushaltungsgegenstände 3 ). 

Als die wichtigsten Massenartikel, die man von den Nie- 
derlanden bezog, wurden zur Zeit Heinrichs V11I. betrachtet 4 ) 
Tuch, Sayes, Barchent, Kamelot, kölnischer Hanf oder Faden, 
Krapp, Mandeln, Korinthen, Nägel, Zucker, Eisen, Pflaumen 
und Datteln, Pfeffer, Hopfen, Brasilienholz 5 ). 

Die jährliche Einfuhr an Leinentuch aus Flandern wird 
auf .100 000 Mark und auf 2 3 des gesammten Leinenimports 
geschätzt 6 ). Der Gesammtverkehr zwischen England und Ant- 
werpen belief sich nach Guicciardini in der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts jährlich auf 12 Millionen Thaler (äcus (Tor) 7 ,) 
nach Marino Cavallo (1551) dagegen nur auf 800 000 Ducaten 8 ). 
Jedenfalls gewährten aber die Antwerpener Messen nicht ein 
Dritttheil des gewöhnlichen Vortheils, wenn die Engländer 
den Verkehr einstellten 9 ). 



') a. a. 0. S. 28. Ueber den Sitz der einzelnen niederländischen 
Industriezweige im 16. Jahrhundert vgl. Henne, Regne de Charles - Quint 
Bd. 5. S. 288 fg., vanBruyssel, Histoire du commerce et de la marine 
enBelgiqne 1861/64. II. S. 290— 292 und Altmeyer, Histoire des Relations 
commerciales de Pays-Bas avec le Nord de l'Europe. Bruxelles. 1840, S. 67. 

*) Libell of Englishe Policye Vers 110—15. In der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts (c. 1569) ist der Bezug von Salz aus den Nieder- 
landen die Regel gewesen, vgl. den Brief von de la Mothes bei Burgon, 
Life of Th. Gresham IL S. 323. 

') Sieh auch Henne. Regne de Charles-Quint en Belgique Bd. 5. S. 283 fg. 

4 ) Dies muss man daraus schliessen, dass in der Parlamentsacte 32. 
Henry VIIL c. 14 (The mayntenance of the navy) für die Ballen, Tonnen, 
Fasser etc. gerade dieser Waaren gesetzlich die Fracht festgestellt wird. 

6 ) In Betreff der Waaren, auf welche sich der englisch-niederländische 
Verkehr gründete, ist auch noch zu vergleichen der Zolltarif in Urk. Beil. 4. 

*) Pauli, Drei volksw. Denkschr. S. 76. 1 Mark = 13 sh 4 d. 

7 ) Henne, Histoire du regne de Charles-Quint Bd. 5. S. 278. 
Um sich eine Vorstellung machen zu können von dem Antheil, den 
dieser Verkehr am niederländischen Gesammthandel hatte, so sei erwähnt, 
dass der Werth der niederländischen Totalausfuhr vom 10. Febr. 1543 
bis 10. Febr. 1544 36577837 CaroJsgulden — 771792360 Francs und der 
des gesammten Warenumschlags in Antwerpen 1662500000 Gulden be- 
trag. Henne, a. a. 0. S. 283; de Reiffenberg, Memoire sur le com- 
merce des Pays-Bas au XV« et au XV1° siecle. 

*) Er gehätzt die englische Einfuhr nach Antwerpen auf 300000, die 
Ausfuhr auf 500 000 Ducaten. Alb er i, Relazioni. Ser.I. Vol. IL S. 202, 203. 

*) Vincenzo Quirini an die Signorie, 1. Juli 1505; Calendar to Eng- 
lisa Affairs ezisting in Venice and in other Libraries of Northern Italy. 



— 14 - 

Die Engländer errichteten 1515 in Antwerpen sich eine 
eigene Börse und vermochten dieselbe selbst noch Jahre lang 
aufrecht zu erhalten, als 1531 die neue allgemeine Börse er- 
öffnet wurde 1 ). 

Henrich m (1485-1509.) 

In der Handelspolitik Heinrichs \IL gegenüber den Nieder- 
landen sind zwei allgemeine Phasen deutlich unterscheidbar. In 
der ersten sucht er überhaupt wieder dem Handel, der in der 
Folge der Rosenkriege sehr darniederlag, Leben zu geben. Er 
begnügt sich deshalb, die alten Vertragsbestimmungen in der 
Hauptsache zu erhalten. Später, als er fest auf dem Throne 
sass und Ordnung im Reich und im Canal geschaffen, fasste 
er die Ausdehnung des Handels ins Auge. 

Von besonderem Vortheile war für Heinrich VII die schon 
unter Eduard IV. eingetretene Wendung der burgundischen 
Politik. Die Abneigung gegen England war ein Erbthejl des 
Hauses Burgund, und wurde diese auch in Folge anderer 
Interessen von einzelnen Trägern zeitweise überwunden, so war 
diese Freundschaft doch immer nur eine künstliche, auf alle 
Fälle hatte man einen starken Nachbarn, der zart behandelt 
werden musste. Das änderte sich, als die Erbtochter Maria 
sich mit Maximilian von Oesterreich vermählte und damit alle 
Hoifnungen Frankreichs auf die künftige Besitznahme dieser 
Gebietsteile vernichtete. , Buvgund war zum Zwecke seiner 
Selbständigkeit auf einen Rückhalt angewiesen und fand diesen 
naturgemäss an England. Die politische Lage dieser Zeit 
bildet somit das Gegenstück zu der des Mittelalters. Damals 
suchte England die politische Freundschaft Flanderns, jetzt 
Burgund die Englands. In dieser Situation war Burgund 
auch durchaus nicht engherzig, und schloss gerne Freundschaft, 
gleichviel ob die weisse oder rothe Rose auf dem Throne 
prangte. 

Als Heinrich VII. den Thron erobert hatte, trat sogleich 
die Frage des niederländischen Verkehrs an ihn heran. Wäh- 
rend der heftigen Kämpfe im Innern Englands hatten die Nieder- 
länder den Versuch gemacht, die seit einigen Decennien ein- 
getretene *) Zollerhöhung rückgängig zu machen und ähnlich, wie 



Edited by Rawdon Brown. Vol. I. No. 846. Ueber Einzelheiten des 
Waarenverkehrs sind auch die Geschäftsbriefe der Kaufleate zu vergleichen, 
soweit solche publicirt sind. Vgl. z. B. Ellis, Original letters. Ser. IL 
Vol. H. S. 173 

3 ) Henne, Regne de Charles-Quint en Belgique. Bd. 5. S. 319. 

% ) C. 1423; wenigstens wurde in diesem Jahre auch ein ernster Ver- 
such gemacht, die Hansen dem Tonnen- und Pfundgeld der Fremden zu 
unterwerfen. Nicolas, Proceedings and Ordinances ofthe Privy Council Hl. 
S. 110, 111, 112, 117. 



■- 15 — 

die Hansen, den Genuss des geringen Zolltarifs sich zu sichern. 
Richard III. hatte sich ihren Forderungen nicht abhold ge- 
zeigt, wenn schon er nicht definitiv, sondern nur provisorisch 
und nur theilweise den Niederländern die geringen Zölle der 
Deutschen in England zugestand *). Heinrich VII. war keines- 
wegs geneigt, den Niederlanden gegenüber auf die hohen Zölle 
zu verzichten. Gleich nach Richards III. Tode kehrten sich 
die "englischen Zollbeamten nicht mehr an die Zusage des ge- 
stürzten Königs. Zwar versprach auf die Beschwerde des Erz- 
herzogs Maximilian Heinrich VII-, die Abmachungen Richards III. 
halten zu wollen, aber factisch verlangte man trotzdem die 
neuen Zölle, so dass die Antwerpener Kaufleute lieber auf den 
Kauf englischer Waaren verzichteten, um kein Präjudiz zu 
schaffen 2 ). Der englische König war aber ernstlich bestrebt, 
seinen Unterthanen wieder die Aufnahme des Verkehrs zu er- 
möglichen. Er drang deshalb auf die Einhaltung der all- 
gemeinen Bestimmungen des Intercufsus und verlangte beson- 
ders Unterdrückung der Seeräubereien, welche in Folge des 
Krieges eingerissen waren 5 ); dagegen wollte er offenbar keine 
Zollnachlässe gewähren. Die Folge war, dass der ganze Cha- 
rakter der commerciellen Vertragsregelung ein schwankender 
war. Man verschob öfter die diesbezüglichen Verhandlungen 4 ) 
und begnügte sich mit einer Verlängerung des Intercursus von 
1478 auf kürzere Zeiträume 5 ). Selbst der Allianzvertrag, den 
Maximilian am 14. Febr. 1489 zur Abwehr der französischen 
Ansprüche mit Heinrich VII. abschloss 6 ), änderte an diesem 
Zustand' wenig. 

Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, dass die 
niederländischen Kaufleute während dieser Zeit in England 
die gewöhnlichen' Fremdenzölle zahlen mussten. Bei der 
damaligen politischen Situation durfte die niederländische 
Regierung kaum hoffen, eine ihr günstige Interpretation des 
Handelsvertrags durchsetzen zu können. Heinrich VII. erzielte 
sogar in den Niederlanden noch einige Vortheile für seine 
Unterthanen, und zwar da, wo in der letzten Zeit die eng- 
lischen Kaufleute wenig Entgegenkommen gefunden hatten, 
nämlich in Flandern. Als Ypern, Brügge und Gent von 
Maximilian hart bedrängt wurden, lebte die mittelalterlich- 
traditionelle Politik wieder auf, wonach diese drei Städte und 
Englands Könige immer gemeinsame Sache machten und sich 



') ürk. Beil. 4. Art. 24 fg. Rymer XII. S. 248. Art. 6. 

*) ürk. Beil. 4. Art 31 fg. 

-) Letters and Papers illustrative of the reigns of Richard III. and 

j VII. ed. Gairdner Vol. I. S. 26; II, S. 21. 25. 49. 53. 

4 ) ürk. Beil. 4. Art 34. 

8 ) So z. B. am 2. Jan. 1487 für 1 Jahr. Rymer XII. S. 320. 

6 ) Rymer XII. S. 359 fg. 



— 16 - 

gegenseitig unterstützten. Noch Eduard IV. stand mit den 
vlämischen Communen auf so freundlichem Fuss, dass er ihnen 
selbst seine Thronbesteigung anzeigte 1 ). Auch jetzt setzten 
sie ihre Hoffnung auf den englischen Herrscher. Brügge hatte 
1486 die Einfuhr und das Zurichten der englischen Tücher 
auf ein Jahr gestattet 2 ), um Heinrich VII. sich günstig zu 
stimmen. Am 19. Juli 1488 baten sie ihn, in ihrem Streit 
gegen den deutschen Kaiser nicht diesem Hilfe zu leisten, sondern 
gegen ihn Partei zu nehmen ; sofort ergriff Heinrich VII. diese 
günstige Gelegenheit, schickte einen Gesandten und Hess er- 
klären, dass er keineswegs verpflichtet sei, den Kaiser oder 
römischen König zu begünstigen, dass er das Unglück Flan- 
derns sehr bedauere, namentlich mit Rücksicht auf die Jugend 
des Erzherzogs und die alten Handelsbeziehungen, die zwischen 
Flandern und England bestanden hätten 3 ). Selbstverständlich 
dachte Heinrich VII. nicht im Entferntesten daran, die Städte 
in materieller Hinsicht zu unterstützen, unterhandelte er doch 
gleichzeitig mit Maximilian wegen eines Freundschaftsvertrags 4 ), 
aber indem er sich den Schein gab, als werde er ihren Wün- 
schen willfahren, brachte er es dahin, dass sie am 3. April 
1489 einen Separathandelsvertrag mit ihm abschlössen, der 
4 1 /» Jahr, nämlich bis zur Volljährigkeit Philipps des Schönen 
dauern sollte. Zwar bewegte sich dieser Vertrag hauptsächlich 
nur in dem Rahmen des Intercursus von 1478 und gewährte 
auch nicht, wie Heinrich VII. gewünscht hätte, die ungehinderte 
Einfuhr englischer Tücher 5 ), aber es war schon die Sicherung 
des sonstigen englischen Handels nach Flandern ein nicht zu 
unterschätzender Gewinn. Einige Bestimmungen des Inter- 
cursus von 1478 wurden übrigens zu Gunsten der englischen 
Interessen abgeändert, namentlich galt dies von der Ausfuhr 
von Edelmetall, worauf Heinrich VII. grossen Werth legte. 
Während 1478 den englischen Kaufleuten nur die Durchfuhr 
von Gold- und Silberbarren unter gewissen Cautelen gestattet 
war, durften jetzt dieselben auch innerhalb Flanderns solche 
ankaufen, wenn sie zum Transport nach England und nicht 
anderswohin bestimmt waren. Im Uebrigen versprach man 
sich gegenseitig die Rechte der meistbegünstigten Nation und 
die Freiheiten, welche vor 60 Jahren bestanden hatten. Die 
Fragen aber, bei welchen es sich um Concessionen von Seiten 



1 ) Gilliodts van Severen, Inventaire des archives de la ville de 
Bruges T. V. S. 431. Nr. 1087. Sieh jedoch auch unten Abschn. II. Cap. 4. 

2 ) Br. M. Cotton Msc. Galba B. XL fo. 11. 

3 ) Diegerick, Inventaire analytique et chron. des chartes et doc. de 
la ville d'Ypre IV. S. 151. Nr. 1198. 

*) Rymer XII. S. 350 fg. 

6 ) Vgl. hierüber auch Prudent van Duyse et Edmond de 
Busscher, Inventaire analytique des chartres et documents appartenant 
aux archives de la ville de Gand 1867. Nr. 764. 



— 17 — 

Englands bandelte, wie die Beschwerde der Niederländer, dass 
die Wollpaekete in Galais nicht die Qualität enthielten, mit 
welchen sie im Stapel ausgezeichnet seien, sowie die Differen- 
zen hinsichtlich der Zölle wurden auf eine andere Tagfahrt 
verschoben, die am 20. Juni stattfinden sollte, aber kaum 
zu Stande kam 1 ). 

Aus Allem ersieht man, dass der englische Handel, der 
durch die Rosenkriege, so sehr gelitten, wenigstens wieder 
lebensfähig gemacht worden war, wenn auch die Neuordnung 
zunächst nur einen provisorischen Character hatte. Immerhin 
war der Zustand für die Engländer erträglich; die nieder- 
ländische Regierung vermied jegliche Bedrückung des englischen 
Kaufmanns und nahm ausdrücklich diesen aus, wenn neue 
Auflagen und Zölle eingeführt wurden *). Gegen etwaige Ver- 
letzungen der von den Städten, namentlich von Antwerpen, 
ertheilten Privilegien vermochten sich die Merchant adventurers 
allein zu sctyltzen*). Leider sah sich aber Heinrich VII. ge- 
zwungen, selbst die nothdtirftig geknüpften Beziehungen wieder 
zu unterbrechen. 

Margaretha; die Gattin des verstorbenen Karls des Kühnen 
stammte aus dem Hause York und lieh ihren Beistand dem 
Prätendenten Perkin Warbeck. In Folge davon hob Heinrith 
allen Verkehr mit den Niederlanden auf 4 ), verlegte das Stapel 
für englisches Tuch, Zinn, Garn, Ledör u. s. w. nach Calais *), 
und vertrieb die Flamänder aus England. 

Die Antwort von Philipp dem Schönen blieb nicht aus 6 ), 
und mehr als 2 Jahre lang seufzten die beiden Völker unter 
diesem Ausschluss der Handelsbeziehungen. Die Merchant 
adventurers hielten sich im Ganzen wacker 7 ), allein der Still- 
stand des Absatzes hatte die Entlassung einer Menge Arbeiter 
zur Folge; die Stimmung wurde in England eine sehr gereizte, 



*) Ein genauer Auszug der Urkunde findet sich in dem erwähnten 
Inventaire de Gand No. 772, ein Abdruck von dem in Brügge befindlichen 
Original beiGilliodts van Severen, Inventaire des archives de Bruges 
T. TL S 316 fg. 

*) ürk. Beil. 133. § 45 u. 46. 

*) So legte am 8. Sept 1491 ihr Gouverneur mit Erfolg Protest gegen 
die Besteuerung der englischen Häuser und Waarenlager ein. Antwerpener 
Stadtarchiv. Toi. betitelt: Engeische Coopluyden 1304—1564 fo. 174. 

4 ) 18. September 1493. Gairdner, Letters and Papers illustrative 
of the reigns of Richard III. and Henry VII. Toi. II. S. 374. 

*) Die Messen sollten dauern vom 15. April bis 15. Juli und vom 
15. September bis 15. December. Proclamation v. 4. April 9 Hen. TU. 
(Copie im Kölner Stadtarchiv unter den Originalbriefen). 

•) Philipp verbot die Einfuhr englischer Tücher am 8. April 1494 und 
drang auf strenge Beobachtung des Verbots am 18 Januar 1495. ürk Beil. 5 u. 6. 

7 ) »The merchant adventurers, being a strong Company at that time, 
and well underset whith rieh men, did hold out bravely, taking off the 
commoditie8 o the kingdom, though they lay dead upon their hands for 
vant of vent" Bacon v. Terulam m kennett, history of England. 
London 1*706. I. S. 617. 

Scham, Engl Handelspolitik. I. 2 



— 18 - 

and als die Osterlinge nach wie vor die niederländischen 
Waaren nach England brachten und die englischen Artikel 
exportirten, überhaupt fast das ganze Geschäft an sich zogen ' ), 
stieg die Erbitterung unter den Londoner Gesellen so weit, 
das* sie den Stahlhof plünderten 2 ;. Noch schwerer litten 
wohl die Niederländer, da sie der englischen Rohstoffe ent- 
behrten, die Fischerei in englischen Gewässern nicht ausüben 
konnten und zur See von den Engländern sehr verfolgt 3 ) wurden. 
Auf die Bitten der flandrischen Kaufleute bot endlich der 
Erzherzog die Hand zum Vergleich. Indem er vor Allem dem 
Wunsche Heinrichs VII. keinen Feind Englands in sein Reich 
aufnehmen zu wollen, willfahrte, war der Boden für die handels- 
politischen Unterhandlungen geebnet. Am 24. Februar 1496 
kam der Intercursus zu Stande, der mit unendlichem Jubel be- 
grüsst, sogar mit dem Namen magnus belegt wurde und in der 
Folgezeit so oft den Gegenstand von Verhandlungen bildete 4 ). 
Die wesentlichen Bestimmungen desselben sind folgende: 

1. Der Handel ist frei, d. h. er ist weder an das Er- 
forderniss einer Licenz noch an das eines Passes ge- 
bunden (Art. 1 u. 10). 

2. Alle Arten von Waaren können Gegenstand des Han- 
dels sein, auch Edelsteine, Wolle und Lebensmittel, 
selbst Waffen und Pferde. Für die ein- und ausge- 

') Zu Anfang verbot das hansische Contor zu London, nach Calais 
zu handeln, indem es für die Privilegien in den Niederlanden fürchtete. 
Das Verbot wurde aber vielfach missachtet, namentlich von den Kölnern 
(Urk. Beil. 86). Im März 1495 versuchten die letztern beim König wenigstens 
die Oeffnung des Hafens Kampen oder Groningen zu erwirken, erhielten aber 
vom Kanzler den Bescheid: woert sake, dat wy (sc. Kölner) to Campen 
segelen wolden, dat wy dan mit den van Lunden tracteren solden; dat 
welke uns nycht profytfixt duchte to synde, umb dat uns so danen uploip 

Seschien was unde vaste ander gebrecke, die wy darinne besorgeden (Brief 
es Contors an den Magistrat von Köln v. 8. April 1495. Kölner 
Stadtarchiv). 

*) The restreint made by the king sore greved and hindered the 
merchauntes , beynge adventurers. For they by Force of thys commaunde- 
ment had no occupiynge to beare their charges and Supporte their conty- 
nuaunce and credyte. And yet one thinge sore nyppea their hartes; for 
the Easterlynges, whiche were at libertie, brought into the realme such 
wares, as they were wont and accustomed to do, and so terved tj>eir 
customers throughe out the whole realme. By reason wherof the masters, 
beyng destitute of sale and commutacion, neither reteyned so many covenaunt 
servauntes and apprentices. as they before were accustomed and in espe- 
ciall mercers, haberdasshers and clotheworkers, nor yet gave to their ser- 
vaunts so great stipende and salarie, as before that restreynte they used 
to do etc. Hall, Chronicle S. 467. Ueber den Angriff auf den Stahlhof 
vgl. auch Urk. Beil. 87. 

a ) Vgl. Gairdner a. a. 0. II. S 58. 

A ) I>er Austausch der Urkunden hatte, nach einer Notiz von L e f e b v r e, 
Histoire generale et particuliere de la viUe de Calais 1766. II. S. 204 zu 
sehlieesen, im Mai 1496 in der Kirche von Notre Dame zu Calais Statt 
gefunden. 



— 19 — 

führten Waaren sind die Zölle zu entrichten, welche 
seit Langem (50 Jahren) üblich sind. Bei eintreten- 
dem Mangel darf die Ausfuhr von Lebensmitteln 
verboten werden. Die Kaufleute dürfen Waaren so- 
wohl einheimischer als fremder Abkunft ein- und 
ausführen (Art. 11). 

3. Die Kauf- und Seeleute können Waffen tragen zur 
Vertheidigung ihrer Schiffe, auch dieselben in ihre 
Wohnungen an's Land bringen, sollen aber nicht be- 
waffnet einhergehen (Art. 12); persönlicher Schutz 
wird allen Handeltreibenden garantirt (Art. 13). 

4. Wie der Handel, so ist auch die Seefischerei frei, und 
für die Fischer nicht erforderlich, vorerst ein Sicher- 
heitsgeleit sich zu erwirken (Art. 14). 

5. Jeder Theil verspricht, die Unterthanen des andern 
Theils in seinen Häfen und seinem Gebiete gegen 
Piraten und feindliche Schiffe zu schützen, auch solchen 
nicht zu gestatten, dass sie etwa gemachten Raub 
oder gekaperte Schiffe daselbst verkaufen (Art. 15). 
Jeder Contrahent bindet sich, ein bestimmtes Ver- 
fahren einzuhalten, wenn Waaren geraubt worden 
sind (Art. 16). 

6. Zur Verhinderung der Seeräuberei soll jeder Schiffs- 
herr beim Auslaufen seines Schiffs gezwungen werden, 
den doppelten Werth von Schiff und Ladung a]£ Caution 
zu hinterlegen (Art. 17). 

7. Befindet sich ein von einem Fremden gekapertes 
Schiff im Hafen eines der beiden Vertragsschliessenden, 
so soll der eine Theil gleichzeitig mit dem andern für 
Bückgabe des Schiffes sorgen, jedoch auf Kosten des 
Geschädigten (Art. 19). 

8. Schiffe sollen im Nothfalle auf der See sich gegenseitig 
mit Lebensmitteln beistehen, aber in solcher Lage 
Bezahlung für das Erhaltene leisten (Art. 18). 

9. Handels- wie Kriegsschiffe dürfen in allen Häfeb und 
Seeplätzen Anker werfen, ganz wie die Unterthanen 
des Landesherrn (Art. 22). 

10. Durch Sturm in einen Hafen getriebene Schiffe dürfen 
frei und unverletzt wieder abziehen (Art. 21). 

11. Im Falle des Schiffbruchs müssen die geretteten Güter 
ein Jahr und einen Tag aufbewahrt und den Eigen- 
tümern auf Verlangen gegen Erstattung der er- 
wachsenen Kosten zurückgestellt werden l ) (Art 24). 

12. Den Schiffen, die vom Orient kommen 2 ), sollen in 

x ) Eß ist also nicht nöthig, dass ein lebendes Wesen (Weib, Katze, 
Hand oder Hahn) darin gefunden werde. 

*) Partibus orientalibus ; jedenfalls sind die Venetianer und Genuesen 
damit gemeint. 

2* 



— 20 — 

keinem der beiden Länder Hindernisse in den Weg 
gelegt werden, es sei denn, dass die Seefahrer und 
Kaufleute einem Volke angehören, das mit einem der 
Contrahenten verfeindet ist (Art. 20). 

13. Es ist unstatthaft, in das Gebiet des Vertragsschlies- 
senden Waaren einzuführen, welche aus dem Lande 
eines Feindes stammen (Art. 23). 

14. Die Kaufleute dürfen eigene Lagerhäuser besitzen und 
sollen überhaupt alle ihre bisherigen Privilegien und 
Immunitäten ungestört gemessen. Jeder Contrahent 
verspricht, dieselben in seinem Lande so freundlich 
zu behandeln, als die Angehörigen irgend einer frem- 
den Nation (Art. 25). 

15. Die Zollcontroleure sollen in höflicher Weise ihres 
Amtes walten, nicht die Kisten, Fässer oder Packete 
erbrechen. Wurden einzelne Stücke ordnungsmässig 
geöffnet, so ist der Sucher verpflichtet, auch beim 
Wiederverschluss anwesend zu bleiben. Die Zollbe- 
amten sollen namentlich auch nicht den Eigentümer 
zwingen, seine Waaren ihnen zu verkaufen oder zur 
Disposition zu stellen (Art. 26). 

16. Verdächtige Schuldner müssen auf Antrags des Gläu- 
bigers zur Zahlung einer Caution angehalten werden 
(Art. 27). 

17. Bei verübtem Schaden oder geschehener Gewaltthat 
soll sich der benachteiligte Theil nicht durch Be- 
schlagnehmung oder Ausgabe von Caperbriefen *) 
schadlos halten, sondern die Sache erst vor den 
Fürsten des Uebelthäters bringen. (Art. 28.) Die 
bereits ausgegebenen Kaperbriefe werden widerrufen 
(Art. 29). 

18. Nur gesetzliche und von Alters her gebräuchliche 
und bekannte Gewichte dürfen in beiden Ländern 
gebraucht werden (Art. 32). 

10. Den Engländern ist erlaubt, Gold- und Silberbarren 
von andern Ländern durch die Niederlande zu führen 
und nach England zu bringen; sie müssen aber Cer- 
tificate von den Beamten der Länder bringen, wo sie 
diese Barren gekauft oder sonstwie gesetzlich erwor- 
ben haben (Art. 31). 

20. Das Betreten der Feste Sluis in Flandern ist den Eng- 
ländern verboten; doch soll bei vorkommender Un- 
kenntniss Einzelner nicht hart verfahren werden 
(Art. 30). 



') Ueber diesen Gegenstand vgl. Märten s, les armateurs, les prises 
et surtout les reprises Göttingen 1795 und auch Carl Wilb. Pau14> 
Lübecks Mangelet und Caperwesen (in den Kriegsjahren mit Danemark 
1510-1511 Lübeck 1875. §. 52 fg. 



- 21 - 

21, Ueberhaupt hebt vertragswidriges Handeln von Seite 
einzelner Kaufleute die Gültigkeit des Vertrags nicht 
auf (Art. 34) 1 ). 

Vollkommen klar ist, dass die Anerkennung dieser allge- 
meinen völkerrechtlichen Sätze vor Allem nöthig war, wenn 
man Handel treiben wollte 8 ). 

Eine wesentlich neue Grundlage wurde aber durch diesen 
Vertrag nicht -geschaffen, auch gewährte er den Niederländern 
keine besonderen Vortheile, wie man vielfach behauptet hat. 
Bei näherer Prüfung stellt sich dieser Magnus Intercursus 
vielmehr im Wesentlichen als eine etwas modificirte Neu- 
redaction althergebrachter Rechte und gegenseitig eingehaltener 
Gewohnheiten dar. Der Fortschritt, den dieser Vertrag gegen- 
über seinem Vorgänger anbahnt *), kann kaum grösser genannt 
werden, als derjenige, der 14Z8 gegenüber dem Intercursus 
von 1468 und 1446 erzielt worden war 4 ), und seine Aus- 
zeichnung ist wohl hauptsächlich der langen Unterbrechung 
des Handels zuzuschreiben, während welcher man erst den 
Werth dieses kostbaren Kleinods einsehen lernte und seine 
Grösse rückhaltlos anerkannte 5 ). 

Wegen des generellen Characters musste der Intercursus 
alle Specialfragen ausscheiden. Solche waren hauptsächlich 
bezüglich des Stapels in Menge vorhanden ; wegen der hierüber 
bestehenden Streitigkeiten sollte auf einer künftigen Tagfahrt 
Beschluss gefasst werden. (Art. 33.) Im darauffolgenden Jahre 
ernannten auch die beiden Souveräne ihre Unterhändler 6 ). 



^Rymer XII. S. 580 fg. 

*) Vgl. seine Beurtheilung bei Hugo Grotius, De mare libero. 
Leyden 1633. S. 215. 

*) Ein Fortschritt war es, dass für beiderseitige Unterthanen über- 
haupt, und also nicht wie bisher blos für die Kaufleute und Pilger, eine 
Art allgemeiner Freizügigkeit ausgesprochen ward. Ganz oder theilweise 
Neues enthalten die Artikel 17, 18, 26. 28, 29, 32, 34. Auch wurden die 
Artikel (1 — 10), welche auf die politische Allianz sich bezogen, gleich mit 
in den vertrag aufgenommen und damit schon äusserlich die Unzertrenn- 
lichkeit der Freundschaft und des Handels zu erkennen gegeben. 

4 ) So war im Vertrag von 1446 noch nicht wie 1478 der Handel mit 
Waffen und Munition gestattet, noch nicht wegen erlittener Beschädigungen 
hinlänglich vorgesorgt, die Behandlung der Schuldverhältnisse und die Ge- 
richtsbarkeit nicht gehörig geordnet, die Durchfuhr von Geld nicht erlaubt, 
eine anständige liberale Zollabfertigung nicht zugesichert, noch nicht der 
Verkehr auf allen Strassen eingeräumt und ähnliches mehr. Rymer XI. 
S. 140: XII. S. 67; XII. S. 605. Zum Vergleich kann auch, um nicht 
über das 15. Jahrhundert hinauszugehen, herbeigezogen werden der Ver- 
trag von 1408, abgedruckt bei Varenbergh. Relations diplomatiques 
S. 548—72: „Copie van de vrede tusschen Viaenderen ende Inghelandt 
ghemaect int jaer XII Ifc acht ende dat voor een jaer." 

*) Ausser dem Vertrag ist auch Urk. Beil. 133 § 47 u. 48 zu ver- 
gleichen. 

•) Der Erzherzoff am 26. Februar (R y m er XII. S. 648), und Heinrich VH. 
am 1. März 1497. (Verachter, Inventaire des anciennes chartes et pri- 



— 22 — 

Aber nicht die Wollfrage, sondern die Verletzung des eben 
geschlossenen Vertrags bildete den Gegenstand der Verhandlung. 
Der Erzherzog hatte nämlich angeordnet, dass man fttr jedes 
Stück Tuch einen sogenannten Andreasgulden Zoll erlegen 1 ) 
und selbstverständlich brachten die englischen Gommissäre den 
Weisungen ihres Herrn zufolge diesen Punkt zuerst zur Sprache. 
Ihre Bemühungen hatten auch den erwünschten Erfolg. Die 
neuen Abgaben wurden zurückgenommen und dem 'englischen 
Tuch wieder der niederländische Markt mit Ausnahme Flan- 
derns vollständig eröffnet. Der Erzherzog räumte gleichzeitig 
Heinrich VII. das Recht ein, alle früheren, mit den Nieder- 
landen! geschlossenen Verträge aufzuheben, wenn dieser oder 
ein anderer Zoll neu auferlegt werde 2 ). Die Anliegen der 
burgundischen Vertreter wurden aber vorläufig auf eine bessere 
Zeit verschoben. Ein dieserhalb zu Brügge im April 1498 ge- 
haltener Congress verlief resultatlos, weil die Niederländer den 
Stapelzoll für Wolle um 1 Mark (13 s. 4 d) ermässigt wissen 
wollten, die Engländer aber, wie es scheint, mit der ihnen ge- 
botenen Compensation nämlich einem Nachlass von 2 sh für 
jedes Stück englischen Tuchs 3 ) sich nicht zufrieden gaben. 

Die Verhandlungen sollten drei Monate später wieder auf- 
genommen werden. Thatsächlich kam man aber erst im fol- 
genden Jahre, nach langen und schweren Debatten zur Einigung. 
Die über dieselben noch erhaltene, leider aber sehr ver- 
stümmelte Correspondenz 4 ) lässt deutlich erkennen, wie eigent- 
lich hier erst die mercantilen Gegensätze auf einander stiessen, 
mit welcher Umsicht und Festigkeit aber zugleich Hein- 
rich VII. die von ihm in's Auge gefassten Vortheile ver- 
treten liess 5 ). 

Um seinen Wünschen den gehörigen Nachdruck zu geben, 
hatte er die englischen Kaufleute veranlasst, vom nieder- 
ländischen Markte sich zurückzuziehen und in Galais ihre 



vileges et autres documents conserväs aux archives d'Anvers 1193—1856. 
Alivers 1860. S. 183; Rymer XII. S. 654. 

*) Der spanische Gesandte De Puebla erzählt in einem Briefe an 
Ferdinand und Isabella, dass diese Zollerhöhung auf der letzten Messe zu 
Antwerpen stattgefunden habe, und dass die Engländer glaubten, der 
König habe dieser Massregel zugestimmt. (Bergenroth, Cal I. 143. 
11. Juli 1496). Wie wenig dieser Verdacht begründet war, zeigt Heinrichs VTL 
Brief vom 21. Juni 1496, wo er einen energischen Protest gegen dies 
vertragswidrige Verfahren erlässt Gairdner, a. a. 0. II. 5. 69—72. 
Ueber die unfreundliche Behandlung der Englander, welche ßich weigerten, 
den Zoll zu zahlen, sieh ebenda. VgL ferner ürk. Beil. 88. 

*) 7. Juli 1497. Rymer XU. 8. 654 fc. 

s ) Sieh oben S. 11 Note 4. 

*) ürk. Beil. 8-13. 

5 ) Rymer XII. S. 713. 



— 23 - 

Messe zu halten 1 ). Zeitweilig machte er sogar Miene zum 
förmlichen Kriege*). 

Bei den Verhandlungen stand die Tuchfrage wieder für 
die Engländer im Vordergrunde. Es galt den protectionisti- 
schen Bestrebungen der Niederländer fest entgegen zu treten 
und den englischen Tüchern den Markt offen zu halten. Zwei 
Wünsche setzte er denn auch durch; der Zoll von 1 fl. für 
das eingefühlte englische Tuch wurde erlassen, auch für den 
Fall, dass die Käufer anderer Nation angehörten (Art. 5) ; ferner 
willfahrte man seinem Verlangen nach Beseitigung der Ver- 
ordnung, dass alle Tücher ausschliesslich in Antwerpen und 
Brügge gestapelt , sowie daselbst neu gesiegelt werden sollten 
(Art. b). Fortan durften die englischen Tücher in alle nieder- 
ländischen Städte geführt werden. Dagegen weigerten sich 
die Niederländer, seiner Forderung zu entsprechen, dass den 
Unterthanen des Erzherzogs ausdrücklich die Befiigniss einge- 
räumt würde, englische Tücher zu tragen oder solche nach der 
Elle zu verkaufen. Die Commissäre des Erzherzogs stellten 
den völligen Ruin der einheimischen Tuchmacherei in Aussicht, 
wenn man dies Zugeständniss machen würde 3 ). So blieben die 
Engländer vom eigentlichen niederländischen Consum ausge- 
schlossen und mussten sich auf Befriedigung des Bedarfs der 
Fremden beschränken, wenn nicht, wie wahrscheinlich, in der Aus- 
führung dieser Bestimmungen ziemlich liberal verfahren wurde. 
Zu einer derartigen Annahme ist man durchaus berechtigt. 
Der Artikel 6 machte schon eine wirksame Controle unmög- 
lich. Nach Aufhebung des Stapelzwangs für englisches Tuch 
war der Detailverkauf und die Einbürgerung der englischen 
Fabricate kaum hintanzuhalten. Die niederländische Regierung 
selbst, welche so sehr sich weigerte, im Vertrag den Detaii- 
verkauf und das Tragen englischer Tücher zu gestatten, hatte 
dies aus freiem Antrieb wenigstens für die geringwerthigen 
Tücher aus Irland, Schottland und sonstwoher 4 ) schon im 
Jahre 1497 (17. Nov.) wieder gestattet, weil diese. Tücher für 
die ärmsten Bevölkerungsclassen unentbehrlich waren. In 
Antwerpen endlich verhielt man sich auch bei den andern 
Tüchern gegenüber den bestehenden Verordnungen ausser- 



*) Dieses Befehls geschieht Erwähnung in einem Briefe Heinrichs VII. 
an Margaretha v.Mai 1507. Gairdner, a.a.0.1. S.329. Es ist unzweifelhaft, 
dass Heinrich VII. die Idee hatte, den englischen Tuchmarkt ganz nach 
Calais zu ziehen und dadurch sowohl diese Stadt zu heben, als auch den , 
Schwierigkeiten mit den Niederländern aus dem Wege zu gehen. Daher 
die wiederholten Versuche, dieses Project zu verwirklichen. 

2 ) Vgl. den Brief Raimondo di Sonimo's an Ludovico Sforza, Herzog 
von Mailand vom 17. November 1498. Brown, Cal. I. 776. 

*) ürk. Beil. 9 und 11. 

*) „Ycrscbe mantels, mantellaken, kerseyt d'Ecosse, chivir, ghewreven 
laekenen, stockbreeden". Placcaerden van VI an deren. I. S. 592. 



— 24 - 

ordentlich lax, so zwar, dass die englischen Commissäre die 
dort bestehende Uebung als einen Berechtigungsgrund für ihr 
Begehren anführen konnten 1 ). 

Den zweitwichtigsten Punkt bildete die Wollfrage 2 ). Hier 
mussten die Niederländer mit einem Nachlass von Vi Mark 
per Sack sich begnügen und selbst auf diesen verzichten, wenn 
eine verheerende Seuche unter den Schafen in England aus- 
brechen sollte, auch war die Vergünstigung nur auf 12 Jahre 
gewährt (Art. l) s ). Dagegen kam man ihren Wünschen ent- 
gegen in Betreff einer sorgfältigen und gewissenhaften Ver- 
packung (Art. 2.) 4 ). 

Eine dritte Frage von Belang bezog sich auf die Geld- 
zahlung, beziehungsweise Geldausfuhr. Heinrich VII. wollte 
möglichste Freiheit in derselben von den Niederländern ge- 
währt wissen. Er erreichte auch, dass die Stapler Geld und 
verarbeitetes Gold und Silber ausführen durften, verlangte aber 
vergeblich, dass auch die Ausfuhr von Barrenmetall gewährt 
werde. Die Niederländer meinten, die Engländer könnten sich 
mit der ersterwähnten Concession zufrieden geben, sei doch 
ihnen nicht einmal so viel in England erlaubt 5 ). Hinsichtlich 
der Durchfuhr von Gold- und Silberbarren blieb es bei der 
Bestimmung des Magnus Intercursus (Art. 31), cl. h. sie war 
gestattet. 

Ferner wurde bestimmt, dass der Voi-stand der englischen 
Kaufleute (Court Maister) keine Preistaxe festsetzen dürfe, viel- 
mehr die Engländer sowohl auf den Messen als zu anderen 
Zeiten in Antwerpen und Brügge nach freier Vereinbarung mit 
denVerkäufem handeln könnten (Art.8) 6 ). Auch sollte die engli- 
sche Nation nicht durch Gesetz den Handel mit bestimmten Per- 
sonen oder Städten verbieten, wenn ihre Angehörigen nicht 
durch diese beschädigt oder misshandelt worden waren (Art. 9). 
Die übrigen Bestimmungen sind vorwiegend rechtlicher Natur 7 ). 



») Urk. Beil. 14. 

*j In Betreff dieser sind auch die früheren Verhandlungen zu verglei- 
chen, besonders die vom Jahre 1478. Die Flamänder erlangten damals 
die Beseitigung der Preistaxe für Wolle, bemühten sich aber vergeblich 
durchzusetzen, dasssie nicht mehr zu je 2 Säcken neuer Wolle auch 
Sack alte nehmen müssten. Ryraer XII. S. 76. 

8 ) Vgl. auch ürk. Beil. No. 11. 

<) Urk.-Beil. 12, 13. 

8 ) Ürk.-Beil. 8. 

°) Dies war schon 1478 durch Artikel 17 statuirt. 

7 ) Solche waren auch im Vertrage von 1478. So z. B. wurde damals 
festgesetzt, dass der Gläubiger den Eid des Schuldners als einziges Beweib - 
mittel ablehnen darf. Rymer XIL S.76. Die bezüglichen Artikel unseres 
Vertrages bestimmen: 1) Moratorien und die Ausgaben von „Breven" und 
sogen. -KynkerneUys" sind unstatthaft (Art. 1). 2) Klagen wegen verdor- 
bener Wolle können nur geltend gemacht werden, wenn dieser Verderb 
innerhalb dreier Monate nach dem Kauf eintritt; ist dies der Fall, 
so müssen die Stapelbehörden in 20 Tagen Recht sprechen, sonst gilt 



— 25 — 

Mit Ausnahme des Artikels 1 hatte der Vertrag a£uf Lebens- 
zeit der Contrahirenden zu gelten 1 ). 

Zieht man eine Bilanz der Vortheile, welche die beiden 
Länder einander abgerungen, so kann es keinem Zweifel 
unterliegen, d ass di e grösseren auf Seite Englands lagen, und 
dass Heinrich VII. hier bereits den ersten Schritt gethan hatte, 
um dem englischen Handel in den Niederlanden ein grösseres 
Operationsfeld zu schaffen. Er war auch über den Ausgang 
der Verhandlungen so erfreut, dass er aus Anlass dieses Ver- 
trags für die Cathedrale zu Antwerpen ein Glasgemälde fertigen 
Hess, auf welchem er und seine Frau knieend und betend dar- 
gestellt sind 2 ). 

Hand in Hand mit ihrem König waren die Merchant 
adventurers thätig. Sie nöthigten die Antwerpener, nicht nur 
die ihnen früher gewährten Rechte und Freiheiten zu bestä- 
tigen, sondern erlangten auch neue. Sie verschafften sich Sitz 
und Stimme im Zollhaus, in dem fortan drei hervorragende 
Kaufleute gemeinsam mit den Zöllnern die Verordnungen fin- 
den Erahnen und die Krahnenarbeiter erliessen. Ebenso wur- 
den sie von der Accise für ihren Wein und anderes Getränke 
befreit, das Scheide.- und Heringsgeld ihnen erlassen, die Be- 
strafung Aller für Schulden Einzelner als unstatthaft er- 
klärt 8 ). 

So zufrieden gestellt, kehrten die Engländer, wieder nach 
Antwerpen zurück, und allgemein war die Freude und der 
Jubel bei ihrem mit grosser Feier veranstalteten Einzug 4 ). 
Die Merchant adventurers konnten sich auch in der aller- 
nächsten Zeit nicht wegen Mangels an Entgegenkommen von 
Seite der niederländischen Städte beklagen. Erhielten sie 
ihre Wünsche nicht befriedigt, so verbot ihr Vorstand den 

der Kaufvertrag für aufgelöst Eine Berufang ist nur an den König oder 
dessen Bevollmächtigte möglich (Art 3). 3) Wird Mangels Zahlung oder 
wegen Nichteinhaltung des Contracts gegen den Schuldner Klage erhoben 
und das Vorhandensein des Contracts erwiesen, so muss der Richter 
sofort das Urtheil fallen, es sei denn, dass der Schuldner eine gesetzliche 
Exception geltend macht; in letzterem Fall muss dieser die fragliche 
Summe deponiren und dem Gläubiger einhändigen, der Richter aber die 
Sache in 6 oder 9 Monaten entscheiden (Art 10). 4) Bei Vergehen ist nur 
der Schuldige haftbar (Art. 11). 5) In den Niederlanden sterbende Eng- 
länder stehen nicht ausserhalb des Gesetzes, ihr Vermögen muss an die 
Verwandten gelangen (Art. 12). 

') Heinrich VII gab am 18. Mai 1499 den Befehl zur Proclamation des 
Vertrags. Gairdner a. a. 0. II. S. 377. 

*) Das Glasfenster wurde 1503 im Antwerpener Dom angebracht und 
ist heute noch erhalten. 

*) ürk. Beil. 133. § 51. Am 11. Juni 1502 wurde befohlen, dass alle 
früher von den Engländern benutzten Waarengewölbe und Kaufhallen in 
der Wollstrasse definitiv zu räumen und diesen wieder zur Verfügung zu 
stellen seien. (Antw. St A. Het oudt Register van diversche mandementen.) 

4 ) Hall, Chronicle **. 483 sagt: The English men resorted again 
into the Archedukes dominions and were receaved into Andwarp with 
generali procession, so glad was the toune of their retumyng, whiene was 



— 26 — 

Handel mit Antwerpen , und wenn auch darauf Repressalien 
erfolgten, so gelangte man doch immer bald zu einer Verstän- 
digung, bei der die Engländer Sieger blieben 1 ). 

Freilich kam diesen dabei sehr zustatten, dass nicht nur 
Middelburg mit Antwerpen und Bergen theilweise in Concur- 
renz trat ') , sondern dass seit einiger Zeit ernstlich versucht 
wurde, dem weiteren Verfall Brügge's vorzubeugen. Antwer- 
pen musste Alles aufbieten, um die Kaufleute so fest an sich 
zu ketten, dass sie K eventuell selbst einem Befehl, nach Brügge 
zurtickzukehi-en, trotzten. In der That hatte man solche Man- 
date erlassen. 1494 wurden die spanischen Kaufleute auf- 
gefordert, in Brügge ihren Aufenthalt zu nehmen 3 ); für 
spanische Wolle war Brügge ohnehin noch immer jler Stapel- 
platz 4 ). 1498 wagte Erzherzog Philipp einen kühneren Schritt. 
Er war persönlich in Brügge gewesen und hatte sich durch 
den Augenschein überzeugt, dass die Stadt dem vollen Ruin 
entgegengehe 5 ). Er befahl, dass fortan alle fremden Kaufleute, 
die im Lande wohnten, in Brügge sich aufhalten und dahin 
ihre Waaren führen sollten, und verbot ihnen, anderswo ihre 
Waaren zu verkaufen. Nur die grossen Freimärkte von Ant- 
werpen , Bergen op Zoom und andern Städten sollten eine 
Ausnahme machen. Auf ihnen blieb der Verkauf für die 
Dauer der Messen gestattet. Feiner bestimmte Philipp auf 
Bitten der Stadt, dass alle Fremden, welche nach Brügge 
kämen, während sechs Jahre nicht wegen Schulden, die ausser- 
halb des fcandes contrahirt worden wären, verfolgt werden 
dürften 6 ). Also selbst vor einem so bedenklichen Mittel schrak 
man nicht zurück, um nur wieder einen festen Kein fremder 
Kaufleute nach Brügge zu ziehen. 

Es scheint nicht, als ob man in dieser Weise eine auch 
nur vorübergehende Besserung hervorrief. Die Aufmerksam- 
keit lenkte sich deshalb auf andere Massregeln. Die eine 
ging dahin, den Zwin wieder in schiffbaren Zustand zu ver- 
setzen 7 ). Eine Commission wurde ernannt, welche eine sorg- 
fältige Untersuchung anstellte und einen umfassenden Regu- 
lirungsplan entwarf. Ypern, Gent und Lefranc erhoben zwar 
Widerspruch, fanden dasProject zu kostspielig und unwirksam, 
Philipp aber beschloss, nachdem er persönlich die Pläne und 
die Terrainverhältnisse in Augenschein genommen, die Aus- 

by their absence sore hindered and empoverished at the time, that this 
unitie and concorde was made. 

*) Vgl. Urk. Beil. 16-18, 133 § 53. 

«) Sieh auch ürk. Beil. 133 § 55. 

°) Kervyn de Lettenhove, Histoire de Flandre VI. S. 79. 

4 ) Henne, Histoire du regne de Charles-Quint en Belgique T. V. S. 
271 und Placcaertboecken van Vlanderen III. S. 969. 

6 ) „en voye de totalle ruyne et dalier du tout ä neant." Diegerick, 
Inventaire des archives d'Ypre T. IV. S. 276. No. 1329. 

«) a. a. 0. No. 1328. 

7 ) 13. April 1501 a. a. 0. T. V. S. 3. No. 1361. 



— 27 — 

führang. Es unterliegt keinem Zweifel, dass thatsächlich an's 
Werk gegangen wurde. Nur macht es den Eindruck, als ob 
die Regulirungsarbeiten viel zu langsam voranschritten *), viel- 
leicht auch wegen der mangelnden Beiträge der verarmten 
flandrischen Städte nicht ganz so ausgeführt wurden, wie 
man es geplant. Mit jedem Jahr, das darüber verfloss, musste 
aber die Wahrscheinlichkeit , wieder einigermassen den alten 
Glanz zurück zu erlangen, geringer werden. 

Von ganz besonderer Bedeutung war endlich eine Ver- 
ordnung, durch welche Brügge zum Stapelplatz für englische 
Tücher in Flandern erhoben wurde 2 ). Die letzteren waren 
trotz früherer Verbote in Brügge, sicher wenigstens seit 1470, 
und ebenso aller Wahrscheinlichkeit nach in anderen flandri- 
schen Städten zugelassen worden, nur durften sie nicht per 
Elle verkauft, überhaupt gar nicht ohne Verpackung vorge- 
funden werden; sie mussten also genau in dem Zustande blei- 
ben, in welchem sie England verlassen hatten; eine Zuberei- 
tung der englischen Tücher in den Niederlanden war nicht 
gestattet; sie durften auch nicht von Bewohnern Flanderns 
getragen werden ; sie berührten nur flandrisches Terrain , um 
von da in die Hände Fremder zu gelangen. An diesem Zu- 
stande etwas zu ändern, dazu konnte man sich nicht entschlies- 
sen: denn allenthalben lag in den flandrischen Städten die 
Tuchindustrie darnieder; wo man hinblickte, zeigte sich ein 
trostloses Bild. Mit der Erhebung Brügge's zum flandrischen 
Stapelplatz für englisches Tuch war auch keineswegs eine 
Concession an die Engländer beabsichtigt. In der Verleihungs- 
urkunde werden ausdrücklich die Beschränkungen, denen die 
englischen Tücher unterworfen sind , hervorgehoben. Das 
Stapel war sogar ganz zweckentsprechend, eine scharfe Con- 
trole zu üben , während man gleichzeitig auf diese Weise 
die englischen Kaufleute* zwingen zu können vermeinte , in 
Brügge_wieder zu residiren. Freilich dürften diese wenig 
Neigung verspürt haben', diesem Zwange sich zu fügen. Es 
ist wahrscheinlich, dass in Folge dieser Stapeleinrichtung der 
englische Handel noch mehr in Antwerpen sich concentrirte, 
wo man auf eine milde Praxis in der Tuchfrage rechnen 
konnte und von wo aus sich das englische Tuch wohl auch in 
Flandern einschmuggeln Hess. 

So sicher nun all diese Massregeln für die Engländer 
nichts Verlockendes haben konnten , so lag doch darin ein 
Factor, mit dem die Brabanter rechnen mussten. Die Mög- 
lichkeit, dass man in Flandern zu liberaleren Concessionen 

*) Noch 1510 ernennt Margaretha Commissäre für die Arbeiten, a. a. 
0. Nene Pläne legte 1546 Lancelot Blondeel vor, wonach Brügge durch 
einen Canal mit dem Meer bei Heyst verbunden werden sollte. (Brügger 
Stadtarchiv.) 

*) 28. 8ept 1501. Urk. Beil. 15. 



— 28 — 

sich herbeilassen, oder dass die Regierung noch weitere 
Schritte thun werde, war keineswegs ausgeschlossen. Antwer- 
pen und Bergen waren auch klug genug, um dies zu be- 
greifen und ihre Interessen mit denen der Engländer möglichst 
zu verbinden. 

Die künftigen Aussichten schienen somit für die Engländer 
ganz gut zu sein. Der Intercursus von 1496 wurde am 19. 
Juni lß02 zu Antwerpen von den beiderseitigen Bevollmäch- 
tigten erneuert und ein neuer Freundschaftsvertrag zwischen 
Maximilian und Heinrich VII. geschlossen 1 ). Dennoch sollte 
das freundliche Verhältniss nicht lange andauern. Wie so oft, 
war wohl auch jetzt wieder die ständige Furcht des Königs 
vor politischen Verräthern der Hauptanlass. Der Graf von 
Suffolk, der sich in den Niederlanden aufhielt, galt als ver- 
dächtig. Heinrich VII. wünschte seiner habhaft zu werden, 
und da die Niederländer hierzu die Hand zu bieten nicht 
sehr bereit waren, so trat eine Spannung ein, die sofort auf 
die commerciellen Beziehungen sich übertrug. Im Jahre 1504 
wurden Klagen wegen neuer Abgaben und wegen Vertrags- 
verletzungen, welche die Engländer sich zu Schulden kommen 
Hessen, erhoben. Den Berichten des venetianischen Gesandten 
zufolge scheint Heinrich VH. zu Calais auf alle Waaren, die 
von England nach Flandern gingen, einen neuen Zoll gelegt 
zu haben, welcher von Philipp mit einem Retorsionszoll beant- 
wortet wurde '). Die zur Bereinigung dieses Streites ernannten 
Comraissäre 3 ) richteten nichts aus. Das Verhältniss wurde immer 
unerquicklicher. Die englischen Kaufleute verliessen wieder Ant- 
werpen und begaben sich nach Calais, wo Heinrich VH. einen 
Freimarkt mit einer in jedem Vierteljahr abzuhaltenden 40tägi- 
gen Messe errichtet hatte 4 ). Der Handel zwischen England 



») Rymer XIIL S. 6 fg. 

*) Vincenzo Quirini an die Signorie. Gent 29. November 1505. 
Brown's Cal. I. 860. 

") Rymer XIII. S. 105. 

4 ) 15. Jan. 1505. Gair dner a. a. 0. II. S.379. Mit dem Freimarkt scheint 
Heinrich VII. diesmal keinen Misserfolg gehabt zu haben, sonst hätte doch 
wohl sein Biograph Bern. Andreas Tholos. das Lob nicht in so über- 
schwenglicher Weise spenden können. Er sagt beim Jahr 1504/5 vom 
Flandriae commeatus: Quid dicam de commeatu illo Flandriae sapienti 
consilio intermisso, cujus rei gratia semel et jam secundo nobilis ad regem 
nostrum legatio venit? Quanta Drudentia, quanta sagacitate, quantove 
consilio suae reipublicae prudentissimus rex noster prospexitl Quod nulli 
antea hujus regni principes praestare potuerunt, quominus nundlnae apud 
HIob in suos ubus quotannis observarentur, hie unus rex effecit, ut Calisii 
forum ejusmodi non suis tantum, sed eunetis nationibus pateret. im- 
mensam tanti regia prüden tiaml eximiam in subditos benevolentiani ! 
maximam denique im omnes exteras eentes mansuetudinem ; qui tot 
commoda, tot libertates tantaque praesidia suopte ingenio comparavit. 
Enimvero illustrissimi regia Castellae Philippi pace ac venia dixenm, tot 
retro imperatores, tot duces, tot principes suis populis nunquam talia pro- 



— 29 — 

und den Niederlanden wurde völlig gesperrt 1 ), die gegen das 
Verbot eingeführten Waaren beschlagnahmt 2 ). Die nieder- 
ländischerseits geschickten Gesandtschaften 8 ) vermochten nichts 
auszurichten, da Heinrich VII. die Beseitigung des Retorsions- 
zolles verlangte, aber keineswegs die von ihm selbst auferlegten 
Abgaben aufheben wollte 4 ). Die Niederländer und Antwerpe- 
ner wurden von der Stockung des Handels sehr empfindlich 
beröhrt und die Regierung sah sich genöthigt, in ihrer Geld- 
noth den Import von 10000 englischen Tüchern gegen be- 
trächtliche Licen^ebühren zuzulassen 5 ). 

Eine friedliche Wendung trat erst ein, als im Jahre 1506 
Philipp, der zugleich König von Spanien geworden und als 
solcher ein Bündniss mit Heinrich VII. gegen Ferdinand von 
Aragonien zu erlangen suchte, auf seiner Reise nach Spanien 
an die englische Küste verschlagen wurde und so Gelegenheit 
zu einer persönlichen Zusammenkunft mit dem englischen König 
fand 6 ). 

Heinrich VH. in seiner nüchternen Weise nützte diese 
Conjunctur nach Kräften aus. Er war aber in der glücklichen 
Lage, nicht blos seine im Grunde doch trügerische Freund- 
schaft in» die Wagschale werfen zu können, sondern er sah 
sich auch noch in anderer Weise unterstützt. Die Brügge'sche 
Frage spielte herein. Philipp der Schöne war, wie oben her- 
vorgehoben worden, dem Verfall der Stadt gegenüber nicht 
gleichgültig und sicherlich von vornherein zu Concessionen 
geneigt, wenn die englischen Kaufleute nach dem ehemaligen 



xorarunt. Nee Marcellos, nee Curiones, nee Fabios, nee Caesar es, nee 
Alexandras quamvis mtüta pro suis gesserint, huic nostro conferam. Hie 
enim solus regni sui solis pacis artibus, sine gladio sive sanguine, tanta 
emolumenta paravit, ut merito pater patriae a eunetis ac rex paeificus 
totam per orbem nominetur. Historia regis Henrici VIL a Bern. Andrea 
Tholosate conscripta. Edit. by J. Gairdner S. 83. 

x ) Vincenzo Quinni an die Signorie. Antwerpen 1. Juli 1505. Brown, 
Cal. I 846. 

*) 5. August 1505. Brown , Cal. I. 860. 

*) So wird eine solche erwähnt, welche Philipp schickte und die meh- 
rere Monate vergeblich unterhandelte '(Brown, Cal. I 648); am 12. Juli 
ging auf des Kaisers Wunsch Hermarch aus Köln zu diesem Zwecke nach 
England (Brown, Cal. I. 848) und im September 1505 reisten Croy de 
Sempy und der Präsident von Mecheln Sauvage nach London, um ein 
Einverständniss zu erzielen (Brown, Cal. I. 855). die letzteren hatten 
eine grosse Zahl von Sachverständigen bei sich. Ueber einige Vorgänge 
in ihren Verhandlungen sind wir unterrichtet. Die Niederländer verlangten 
hauptsächlich die Abschaffung der Abgaben „Ancragia, Balliaga, Skavagia, 
Grakaiga, Paccaiga, Grondaga, Hedmony, Coquetmony ; a vgl Ürk. 
Beil. 69, 70. 

4 ) VincQuirini an die Signorie. Gent 29. Nov. 1505. Brown, Cal. I. 860. 

*) V.Quirini an die Signorie. Antwerpen 19. Juli 1505. Brown, Call. 849. 

•) Fischer, Geschichte der auswärtigen Politik und Diplomatie im 
RdFormationazeitalter 1485 — 1556 S. 49; damit ist zu vgL Gacnard, Col- 
lection des voyages des souverains desPays-Bas. T.I. Bruxelles 1876. S. 498 fg. 



— 30 — 

Handelsemporium zurückkehren wollten. Der Zeitpunkt zu 
einem solchen Versuch war besonders günstig, weil die eng- 
lischen Kaufleute ihren Verkehr mit Antwerpen abgebrochen 
hatten und ihre Messen in Calais hielten. Unter den nieder- 
ländischen Vertretern nahm sich Pierre Anchemont der Brügger 
Interessen an l ). Nichts liess er unversucht , um die Gründe 
der Kaufleute 3 ) zu entkräften, den Rath und besonders den 
König selbst für diese Sache zu gewinnen. Aber auch die 
Leute von Antwerpen, Bergen op Zoom und Middelburg waren 
nicht unthätig 3 ). sondern verstanden es trefflieh, ihren Interessen 
Geltung zu verschaffen. Heinrich VII. machte in geschickter 
Weise den Brüggern einige Hoffnung 4 ) , band sich aber nicht 
im Mindesten die Hände, schützte zunächst den Widerstand 
der Kaufleute vor 6 ) und erklärte, die Frage erst definitiv 
lösen zu können , wenn der Vertrag abgeschlossen sei 6 ). In- 
dem er diese verschiedenen Strömungen benutzte, war er im 
Stande, die meisten seiner Wünsche durchzusetzen. Ein Han- 
delsvertrag wurde vereinbart, der ziemlich einseitiger Na- 
tur war 7 ). 

Die Handelstractate , welche die beiden Contrahenten 
früher geschlossen, wurden, insoweit sie dem gegenwärtigen 
nicht widersprachen, bestätigt (Art. 1), alle unrechtmässigen 
Abgaben aufgehoben (Art. 2) 8 ) und als schuldige Zölle die des 
Intercursus magnus festgesetzt (Art. 6). Die Engländer spe- 
ciell sollten in Antwerpen nur die in dem Philipp'schen Privi- 
leg vom Jahre 1446 specificirten Abgaben erlegen 9 ) und 



x ) Eine Copie seines Berichtes hierüber an den Stadtmagistrat von 
Brügge, datirt London 18. April 1506, ist im Brügger Stadtarchiv erhalten.* 

9 ) Als solche führen sie an 1) „le mauvais port, qu'ils ne peuvent 
bonnemenl arriver sinon en £te ou en plaine lune", 2) das Verbot, Tücher 
im Detail zu verkaufen, 3) die Vexationen von Gent, Ypern und anderen 
Städten, 4) hohes Tonnengeld und grosse Maklergebühren, 5) in Antwerpen 
und Bergen bequeme Landung und die Sicherheit, jederzeit Käufer daselbst 
zu finden, a. a. 0. 

") Sie machen „grands poursuites öftres et pr&entations". a. a. O. 

*j „Monsieur le Secretaire, mon ami. «Tay pieca sceu que le Roy, mon 
bon nls, vostre maistre ayme cördialement sa bonne ville de Bruges, et 
tant pour ceste cause comme pour la bonte, et douceur dicelle, aussy que 
les habitans se monstrent enciins envers moy, je Tay en singulier amour 
et recommandacion plus que nulle des aultres villes de par dela." a a. O. 

5 ) „Les marchands de mon royaume fönt encore quelques difficultes 
et surtout me requierent liberte* et qu'ils ne soient constrains d'aler senon 
ou ils pourront mieulx trouver leur prouffit et commodite". a. a. 0. 

6 ) „Je ne leur (sc. Brugeois) puis bonnement faire response finale 
jusques a ce que ladite conclusion soit prinse". a. a. 0. 

7 )Rymer XIII. S.132 fg. 

8 ) Komisch ist der Beisatz, dass die Kaufleute nur diejenigen Zölle 
zahlen sollen, welche ab origine mundi (!) bestanden. 

*) Sieh den Zolltarif in Urk. Beil. 2. § 1. Wahrscheinlich fixirt der 
Artikel 5 des neuen Vertrags nur klar und deutlich, was der M*J. 
will, der nämlich sagt, dass die Zölle, welche vor 50 Jahren (also 1446) 



— 81 — 

deshalb fortan befreit sein vom sogenannten Sewesschezoll oder 
Zoll von Zeeland, vom Hound Zoll, wenn sie nach Antwerpen, 
und vom Brabanter Zoll, wenn sie nach Bergen und Middel- 
burg führen. Der Zoll von Zeeland sollte auch nicht von ihnen 
erhoben werden, wenn sie nach Brügge sich begäben (Alt 5). 
Wichtige Concessionen waren hinsichtlich der englischen Tücher 
eingeräumt. Der Grossverkauf englischer Tücher in Brügge 
wurde auch im Vertrag zugelassen 1 ), und Beschlagnahmungen 
wegen früher in Brügge erlassener Verordnungen für unstatt- 
haft erklärt. Den englischen Kaufleuten wird das Recht ge- 
währt, im ganzen Gebiete Philipps — - Flandern ausgenommen 
— ihre Tücher auszuschneiden oder weiter verarbeiten zu 
lassen (Art. 4), ebenso soll in den erwähnten Gebieten den 
Niederländern der Ausschnitt oder Gebrauch englischer 
Tücher nicht verwehrt, die. letzteren überhaupt nicht verboten, 
auch keinerlei Lasten den Verkäufern englischer Tücher auf- 
gebürdet werden (Art. 7). Die Zölle für englische Tücher 
sind die nämlichen, wenn fremde Kaufleute dieselben im- 
portiren, und participiren somit diese, soweit es diesen Ar- 
tikel betrifft,, an den Zollprivilegien der Engländer (Art. 8). 
Sollte der jeweilige Herrscher der Niederlande eine Zollände- 
rung eintreten lassen oder sonstige Lasten auferlegen wollen, 
so ist er verpflichtet, vor Jahresfrist dies zur Eenntniss der 
englischen Kaufleute zu bringen, damit diese ihre Geschäfte 
abwickeln und vom niederländischen Markt sich zurückziehen 
können (Art 7). Endlich um alle Zweifel in Betreff der Zölle 
zu beseitigen und willkürliche Erpressungen der Zollbeamten 
zu verhindern, soll an den Zollhäusern von London, Brügge, 
Antwerpen, Bergen und Middelburg der Zolltarif angeheftet 
werden (Art. 16). 



bestanden, für die Engländer in Anwendung kommen sollen. Es ist also 
möglich, dass damit rechtlich gar nichts Neues verliehen wurde; jedenfalls 
wurde aber thatsachlich Neues verliehen, indem die Niederländer die 
Engländer ganz ebenso wie ihre eigenen Unterthanen fortwährend neuen 
Abgaben unterworfen hatten. Zur Beseitigung des Zeeland- und Hound-ZoUes 
war übrigens Philipp bereits 11. October 1504 durch einen Ausspruch des 
grossen Kaths von Malines ermächtigt worden, worin es heisst, dass er die 
gewöhnlichen Zölle aufheben könne, et ce de toutes navieres, denräes et 
marchandises qu'elles soient, de quelle part qu'elles viennent, appartenans a 
narchans non francs, que en allant, venant, montant. descendant et passant, 
ou touchants aucun de cours d'eau et strooms aessusdicts la Honte et 
autres". Bruyssel, Histoire du commerce en Beldque II. 8. 245, der sich 
auf Smallegange Cron. van Zeeland, lste deel 2. book S. 165 stützt. 

') Obwohl man dies schon lange thatsachlich gestattete (sieh oben S. 27), 
so war die ausdrückliche Aufnahme der Bestimmung in den Vertrag doch 
nicht gleichgültig; denn nach dem Intercursus war die Einfuhr aller Waaren 
zwar erlaubt, aber immer exceptis statutis et ordinationibus locorum in 
Omnibus semper salvis. Vor dem Vertrag konnte Brügge oder Flandern 
mr sich jederzeit die Einfuhr verbieten. Dem war jetzt vorgebeugt. 



— 32 — 

Für alle diese Rechte erhielten die Niederländer so gut 
wie Nichts, nämlich eine genaue Classificirung der Wollsorten l ) 
(Art. 14) und die Erlaubniss, Proben aus den Wollsäcken im 
Stapel zu Calais nehmen zu dürfen, wobei jedoch die Kosten 
der Wiederverpackung ihnen zufielen, wenn die Packung eine 
ordnungsmässige war (Art. 15) *). In den Zöllen waren die 
Engländer wohl sogar günstiger gestellt als die Niederländer 
selbst, da diese die den Engländern erlassenen Zölle, wie den 
Zeelandszoll , aller Vermuthung nach zahlen mussten; ferner 
konnten fortan die englischen Kaufleute die Niederlande mit 
ihren Tüchern überschwemmen und die daselbst ohnehin schon 
längere Zeit leidende Tuchindustrie zum grossen Theil ver- 
nichten. 

Man muss sich nur die Lage der letzteren vergegenwär- 
wärtigen, um die volle Bedeutung der Philippschen Concessio- 
nen zu verstehen. Die Hauptblüthe der flandrischen Weberei 
war längst vorüber. Seit den Tagen Philipps von Artevelde 
war die Tuchindustrie in ziemlich raschem Tempo zurückge- 
gangen. Die innere Unruhe und die französisch - englischen 
Kriege hatten das Gewerbe schwer geschädigt Gegen Ende 
des 15. Jahrhunderts bot die flandrische Manufactur im Vergleich 
zu früher einen traurigen Anblick dar. Gent, obwohl noch in 
verhältnissmässig guter Situation, hatte für die Tuchmacherei 
lange nicht mehr die Bedeutung wie etwa im 14. Jahrhundert 3 ). 
Brügges Glanz war ganz verblasst , die Handelswelt hatte sei- 
nen Mauern den Rücken gekehrt und die Industriellen waren 
weggezogen, so dass die Stadt von der man übertreibend 
erzählt, dass sie Ende des 18. Jahrhunderts 40000 Webstühle 
hatte, jetzt das Bürgerrecht gegen eine Kleinigkeit anbot, 
um Gewerbtreibende wieder heranzuziehen *). Ypern war voll- 
ständig verfallen. Während es noch 1408 eine Bevölkerung 
von 80 — 100 000 Seelen und 3—4000 Tuchmanufacturen 



a ) Die Sorten sind nach ihrem Ursprungsort benannt; als solche er- 
scheinen „Lempster, Marche , Cotteswold, Berkshire, in venis Cotteswold, 
Lindesay, Kesten, Rutland, Holand, Lowe Lindesey, Northholand, Norfolk, 
Kent, Lindesey Marsne". Fast alle diese sind dann noch einmal in bonae 
und medioeres unterschieden. Im Ganzen waren es 29 Sorten. In demselben 
Artikel wird erwähnt, dass früher 36—38 Sorten im Handel üblich gewesen 
seien, in der letzten Zeit aber nur 10 oder 12, indem die Kaufleute die 
schlechtere Wolle unter die bessere mischten und auf solche Weise sich 
bereicherten. 

*) Die übrigen Artikel enthalten meist nur Wiederholungen aus frohe- 
ren; so ist Art 9, 10 und 11 identisch mit Art 8, 9 und 10 vom Vertr. 
1499, Art 12 mit 31 des M. J., Art 13 mit 26 des M. J. Der Art. 3 
bestimmt, dass wegen der Zölle oder Beschlagnahmungen früher erlassene 
Statuten oder gefällte Urtheile nicht zur Ausführung gelangen sollen. 

") Vgl. Huyttens, Recherches sur les corporations gantoises notam- 
ment sur Celles des tisserands es des foulons 1861. 

4 ) Henne, iHistoire du regne de Charles -Quint en Belgjque Bd. 5. 
S. 272. 






— 33 — 

besass, standen 1474 V» der Häuser leer, und waren 1486 nur 
mehr 5 — 6000 Einwohner und die winzige Zahl von 25—30 
Tuchgeschäften vorhanden *). Nur auf dem Lande und in den 
kleinen Städten, wo die Commun^llasten geringe waren, konnte 
die Tuchindustrie noch eine schwache Existenz fristen. In 
Brabant war die Situation besser. Einzelne Städte hatten eine 
blühende Manufactur namentlich in feinen Geweben. Zieht 
man Mittel- und geringere Sorten in Betracht, so war auch 
hier die Weberei im Rückgang begriffen *), namentlich in den 
kleineren Städten war die Tuchindustrie erdrückt worden. 
In Lgau z. B., das früher eine nicht unbedeutende Zahl von 
Tuchgeschäften besass, waren sie so vollständig verschwunden, 
«lass die Stadtbehörde vier fremden Handwerkern die günstig- 
sten Bedingungen stellte, wenn sie in Löau sich ansiedeln und 
das Gewerbe wieder treiben wollten 3 ). 

Wenn man die bedenkliche, erschütterte Lage der nieder- 
ländischen Tuchmacherei in Verbindung mit dem auf dem 
Volke lastenden Steuerdruck berücksichtigt, so findet man es 
begreiflich, dass in den Niederlanden die schutzzöllnerische 
Richtung vorherrschte. Man wird auch verstehen, dass der 
Unwille des Volkes ein allgemeiner sein musste, als der von 
Philipp mit Heinrich VII. abgeschlossene Vertrag bekannt 
wurde, um so mehr, als England keinerlei Gegenconcessionen 
gemacht, keinen Schritt von seinem eigenen protectionistischen 
System zurückgewichen war. 

Die öffentliche Meinung verlieh deshalb diesem Tractat 
zum Unterschied vom Intercursus magnus den Namen des Inter- 
cursus malus*). 



x ) Näheres hierüber bei Diegerick, Inventaire des archives de la 
vffie d'Ypre T. DL S. 121-, IV. S. 23, 121, 301; V. S. 242, 289, 305. 

*) Sieh auch Henne a. a. 0. S. 289. 

■) Piot, Inventairea des diverses archives de la Belgique. 1879. S. 9, 
48. Nr. 2, 126, 129. 

4 j, Die vorgeführten Momente genügen, um den Unwillen des nieder- 
länd. Volkes zu erklären, und es ist nicht nöthig, sich nach andern 
Erklärungen umzusehen. Sehr anfechtbar dürfte jedenfalls die in der 
Literatur verbreitete Ansicht sein, als ob durch diesen Vertrag den Nieder- 
ländern die freie Fischerei an den Küsten und Meeren Englands entzogen 
worden sei. Der Ursprung dieser Meinung ist wohl bei Bacon zu suchen. 
Er hat geradezu den ominösen Namen des Vertrages davon abgeleitet, that 
the free-fishing of the Dutch upon the coasts and seas of England, granted 
in the treaty of undecimo, was not by this treaty confirmed, all articles, 
that confirm former treaties being precisely and warily limited and confirmed 
• to matter of commerce only and not otherwise. (Bacon, Historv of Henry 
VII. bei Kennet L S. G34.) Ihm folgten die späteren Schriftsteller, so 
namentlich Anderson, der wie gewöhnlich noch andere Unrichtigkeiten ein- 
schiebt (siehe deutsche Rigaer Ausgabe 1775 III. S.440), Macpherson II. 
$.28 und diesen wieder alle übrigen, so auch noch Henne, Histoire du regne 
de Charles-Quint en Belgique 1858 I. S. 88. und Bruyssel, Histoire du 
commerce et de la marine en Belgique 1861 II S.245. Die Ansicht Bacons 
halte ich deshalb für unrichtig, weil durch Artikel 1 alle früheren Handels- 

?chanz, Engl. Handelspolitik. T. 3 



- 34 — 

Aber auch die niederländische Regierung selbst hatte 
keine rechte Freude an dem im Augenblick der Noth dem 
König Philipp abgepressten Vertrag und ergriff gerne eine 
Gelegenheit, denselben wieder aus der Welt zu schaffen. Ja 
man muss bezweifeln, ob Philipp selbst ernstlich seine Inkraft- 
setzung beabsichtigte, jedenfalls wollte er erst Früchte von 
Heinrich's Freundschaft sehen. Vorsichtiger Weise hatte er die 
Ratification des Handelsvertrages in England nicht vollzogen, 
ebenso nicht die der Urkunde, welche das Versprechen der 
mit dem englischen Hause geplanten Verschwägerung enthielt, 
sondern nur die des Freundschaftsvertrages. Die vereinbarten 
Termine zur Ratification und Auswechslung der Documente 1 ) 
hielt Philipp nicht ein, sondern bat durch seinen Kanzler drei- 
mal um Aufschub, und schliesslich griff man, als damit anstän- 
diger Weise nicht mehr fortgefahren werden konnte, zu dem 
Mittel der Missverständnisse 2 ). Die Lage war dadurch sehr 
ernst geworden, und die Kaufleute wurden so beunruhigt, dass 
de Chifcvres Philipp dringend bat, den Vertrag zu ratificiren, 
damit man ihn übergeben könne , wenn aus der Verweigerung 
ein grösseres Uebel drohe 8 ). 

Da starb inmitten all dieser Verhandlungen Philipp und 
gab durch seinen Tod einen geeigneten Anlass, den noch nicht 
recht zu Leben gelangten Tractat zu beseitigen. Sofort er- 
klärten die Flamänder den Vertrag für null und nichtig; 
derselbe sei, wie sie sagten, nicht ratificirt und erlösche des- 



vertrage, soweit sie nicht den Bestimmungen des Vertrags von 1506 wider- 
sprechen, bestätigt wurden; damit war auch der Magnus Intercursus, auf 
den man zudem in mehreren Artikeln sich beruft (vgl. Art. 6\ bestätigt; 
der Art. 14 des M. I. erlaubt beiderseitig die freie Fischerei, und es ist 
schwer denkbar, dass dieser Artikel, der einen integrirenden Bestandtheil 
des M. I. bildet, von der allgemeinen Bestätigung nicht mit umfasst wor- 
den sei. 

1 ) Der Artikel 18 bestimmte, dass die Ratification in drei Monaten 
erfolgen müsse. Zufolge eines Privatabkommens sollte der Handelsvertrag 
vor dem 31. Juli ausgewechselt werden. Die Bestätigung des Heirathsver- 
trags setzte Heinrich noch durch. 

2 ) Vgl. die über diese Verhältnisse entstandene Correspondenz vom 20. 
Juli und 12. August 1506 bei Gairdner, Letters and Papers etc. II. 
S. 153—164; und Gachard, Lettres inddites de Maximilien S. 305—7. 

*) Nous sommes bien erapeschez de ce que nous escrivez de Pentre- 
cours, car comme nous vous avons adverty, nous avons pieca escrit audit 
seigneur roy d'Angleterre que ä la requeste de vos marchands nous vous 
avions advertis de leurs difficultäs et que sur ce attendions brief avoir 
response de vous, et vous verrez aussy par ses lettres ce qu'il nous en 
escrit, parquoy apres y avoir pense et veu que toujours ledit entrecours se 
peut rappeler en le signifiant ung an devant, ferez bien de nous envoyer 
la connrmation dudit entrecours signee de vostre main, et nous ne le 
deüvrerons point, si ce n'est qu'il faudra qu'il soit pour eviter ung plus 
grand mal. Brief von de Chievres an Philipp den Schönen vom 16. Aug 
1506. Lettres du roy Louis XII. et du cardinal George d* Am- 
boise. Brusselle 1712. IL 8. 76. 



— 35 - 

halb mit dem Tode des Fürsten x ). Der unerquickliche Zustand, 
wie er unmittelbar nach 1498 sich zu entwickeln begonnen 
hatte, mit allen Zollerhöhungen und sonstigen Bedrückungen 
war die sofortige Folge. Die Messen wurden in Calais fort- 
gehalten *;, und der directe Verkehr zwischen England und den 
Niederlanden blieb ganz unterbrochen. 

Die diplomatische Kunst Heinrichs VII. schien somit 
nur negative Erfolge erzielt zu haben. Doch er verzagte 
nicht, er wusste nur zu gut, dass die Niederlande nicht auf 
die Länge der Zeit ohne die englischen Kaufleute bestehen 
können, und wollen. Als Frankreich und Geldern eine feind- 
selige Stellung gegenüber den Niederlanden einnahmen, so war 
Gelegenheit zu einer Annäherung und Aussicht auf eine end- 
liche Lösung der commerciellen Fragen gegeben. 

In einem an Heinrich VH. gerichteten Brief gab Marga- 
retha gleichzeitig mit dem Wunsch nach Herstellung der 
Freundschaft auch der Bitte Ausdruck, dass der Verkehr 
wieder eröffnet werde. Bezeichnend genug erwähnt sie aber 
gar nicht des 1506 geschlossenen Tractats, sondern wünschte die 
Ermöglichung des Handels auf Grund des intercursus magnus. 

So leichten Kaufs gab aber Heinrich VII. seine Wünsche 
nicht auf. War er doch seinem Ziele schon einmal so nahe 
gewesen! Sollte er jetzt zugeben, dass er wirklich sich ver- 
geblich gemüht? Nur Eines durfte er sich nicht verhehlen, 
nämlich die volle Unmöglichkeit, den ganzen Umfang seiner 
früheren Forderungen erfüllt zu sehen. Er handelte dem ent- 
sprechend. Er befahl sofort den englischen Kaufleuten die 
Pfragstmesse, obwohl ihre Abhaltung bereits für Calais publi- 
cirt war, in den Niederlanden zu halten und auf Grund des 
Vertrages von 1496 den Handel wieder anzuknüpfen *). Gleich- 

l ) Vgl. den Brief von Knight und Tregonwell an Hacket aus Anlass 
der commerciellen Verhandlungen im Juni 1532. State Papers VII. S. 376 
Heinrich VII. suchte nach dem Tode Philipp's die Ratification noch zu 
erlangen, naturlich vergeblich Mit unverholenem Unmuth schrieb er 1507: 
Xeantmoins encoires dempuis ce, a este fait, conclu et passe ung nouveau 
entrecours entre les commis et depputez du feu roy vostre dit frere et les 
nostres chacun en vertu de leurs commissions et povoirs, le jour et terme 
ordonne et appoincte pour lentreschange des lettres patentes de confir- 
macion et ratimcacion dune part et daultre; encoires de la parte de dela riens 
na este tenu, fourny, ne accombly, ja soit ce que de la nostre nous avons 
este tousjours prestz de fournir a ce que nous avyons promis et accorde, 
ainsi que le vous avons signiffie par aultres noz lettres. Gairdner 
a. a 0. L S. 327. 

s ) Dies geht aus dem Briefe Heinrichs VII. an Margaretha von Savoyen 
(Mai 1507) hervor. Gairdner a. a. 0. I. S. 327 fg. 

8 ) Gairdner. a. a. 0. I. S. 327 fg ; sieh ferner den Brief Heinrich's 
an den Lord Berghes a. a. 0. I. No. t>l. Heinrich VII. behauptet, die 
englischen Kaufleute hätten nur widerwillig diesem seinem Befehle ge- 
horcht. 14. Juni 1507 gab der König den Merchant adventurers • das 
Recht, ganz wie früher nach den Niederlanden handeln zu dürfen. Record 
Office Pat. 22. H. 7. pr. 3. m. 8 und Br. M. Sloane's Mscrs. 4618 No.72. 



— 36 — 

zeitig unterliess er aber nicht, „für das Wohl und die Sicher- 
heit der englischen Kaufleute und ihrer Waaren" einen Entwurf 
an die Regentin zu schicken , der, wie er schreibt, ihm ver- 
nünftig zu sein scheine. 

In der That legte er hierbei eine ausserordentlich grosse 
Mässigung an den Tag. Das ganze Document enthielt nur 
fünf Artikel, und auch diese sollten nur von provisorischer 
Dauer sein, d. h. in Kraft bleiben, bis die beiden Fürsten 
Neues vereinbart haben würden. Der erste Artikel anerkennt 
den freien Verkehr nach Massgabe des Intercursus vom 24. 
Februar 1496. Der zweite enthält im Wesentlichen die Zoll- 
privilegien, welche den Engländern durch Artikel 5 des Ver- 
trages von 1506 eingeräumt worden waren 1 ). Der dritte 
besagt, dass die Niederländer die Zölle nach Massgabe des 
M. J. zu zahlen haben. Im vierten Artikel versprachen die 
Contrahenten , während der Dauer des Provisoriums keine 
neuen Abgaben oder Zölle verlangen zu wollen. Im fünften 
endlich sicherte man sich gegenseitig dieSistirung derDecrete 
und Urtheile, die gegen Kaufleute wegen Zölle oder Beschlag- 
nahmungen erlassen* und gefällt worden waren, zu 2 ). 

Die Privilegien in Betreff der Tücher hatte somit Hein- 
rich VII. vollständig preisgegeben, und ebenso wurde derVor- 
theile, welche der Vertrag von 1499 gewährt hatte 3 ), nicht 
mehr gedacht. Die niederländische Kegierung machte ange- 
sichts dieser Concessionen und des provisorischen Characters 
keine Schwierigkeiten, sondern stimmte dem Entwürfe bei. 
Der Wunsch des Königs, Margaretha möge das Schriftstück 
innerhalb 14 Tagen unterschrieben und gesiegelt zurückschicken, 
ging fast buchstäblich in Erfüllung. Die Unterzeichnung er- 
folgte am 7. Juni 1507. 

Trotz der Nachgiebigkeit, welche in dem Vertrag sich 
kundgiebt, darf man die Bedeutung desselben nicht unter- 
schätzen. Heinrich VII. hat durch ihn seinen Unterthanen die 
geringen Zölle, wie sie in der Mitte des 15. Jahrhunderts be- 
standen, erhalten und alle Unsicherheit hinsichtlich dieses 
Rechts beseitigt, und es kann keinem Zweifel unterliegen, 
dass diese Klarstellung von ausserordentlichem Werthe war. 
Wenn die ausdrückliche Anerkennung der übrigen Rechte 
nicht erfolgte, so muss man einmal bedenken, dass damit noch 



M Sie sind also vom Zeelandzoll und Houndzoll frei, in Antwerpen 
vom Brabanter Zoll, aber sie sind nicht frei vom Zeelandzoll in Brügge 
und Middelburg; das Privileg war gegenüber dem Vertrag von 1506 schärfer 
gefasst; die Befreiung vom Zeelandzoll in Brügge büssten die Eng- 
länder ein. 

s ) Rymer XIII. S. 168. 

• a j Der Vertrag von 1499 hatte laut Artikel 13 nur bis zum Tode 
eines der Contrahenten zu gelten, war somit nach dem Tode Philipp's 
erloschen. Ich fand nirgends eine Notiz von seiner Wiedererneuerung. 



- 37 — 

keineswegs dieselben wirklich verloren waren, denn die Nieder- 
lande mnssten in ihrem Handelsinteresse den englischen Tü- 
chern einen ziemlich freien Verkehr gönnen, sodann mochte 
Heinrich VIL vielleicht hoffen, bei günstigerer Gelegenheit diese 
besondere Zusicherung der erwähnten Privilegien wieder zu 
erlangen. 

Wäre der Plan, den er am Abend seines Lebens gefasst 
hatte, zur Wirklichkeit geworden, so würde nicht nur dies 
Ziel erreicht worden sein, sondern die Niederlande und England 
würden zu einem fast einheitlichen Verkehrsgebiete , zu wel- 
chem ja alle Ansätze gegeben waren, sich vereint haben. 
Noch als Greis trug er seine Hand der Regentin Margaretha 
an, und der Erbe Karl sollte mit seiner Tochter Maria ver- 
lobt werden 1 ). Allein die Abneigung Margaretha's und der 
bald erfolgende Tod Heinrichs VII. vereitelten das Project. 

Die beiden Länder blieben getrennt, und es schien, als ob 
der commercielle Wettkampf, den Heinrich Vn. so eifrig ge- 
führt, fortdauern werde. 



Heinrich VHL (1509-47). 

I. Periode (1509—20). 

Die Situation, wie sie Heinrich VIII. bei seinem Regierungs- 
antritt vorfand, ist aus der vorstehenden Schilderung klar 
ersichtlich. Er fand eine Ordnung der Handelsverhältnisse 
vor, die zwar materiell ausreichend, aber doch nur provisori- 
schen Characters war. Wird es möglich sein, das Provisorium 
in ein Definitivum überzuführen, wird es ihm gelingen, die 
protectionistischen Rufe der Niederländer zu besiegen, oder 
wird er am Ende die Waffen strecken und das von seinem 
Vater Errungene und mühsam Festgehaltene zum Theil wieder 
preisgeben und so dem nach Ausdehnung strebenden Handel 
Englands empfindliche Wunden schlagen müssen? 

Das sind die Fragen, die sich auf werfen, wenn man in 
die Betrachtung seiner Politik eintritt. Die folgende Dar- 
stellung wird die Lösung geben. 

Die ersten \0 Jahre der Regierung Heinrichs VHL sind, 
soweit die Beziehungen zu den Niederlanden in Betracht 
kommen, von Verhandlungen ausgefüllt, die in Bezug auf Ziel 
und Resultat den gleichen Character tragen. Englischerseits 
war man bestrebt, ein möglichst freundschaftliches Verhältniss 
aufrecht zu erhalten und auch wieder eine definitive Regelung 



*) Bekanntlich unternahm hierbei Wolsev seine erste politische Mission, 
die er mit erstaunlicher Schnelligkeit erledigte. 6 air an er, Letters and 
Papers etc. L App. B. S. 425 fg. 



— 38 — 

des Handelsverkehrs herbeizuführen. Die burgundische Politik 
war aber wenig entgegenkommend, und selbst wenn vorüber- 
gehend eine freundliche Stimmung die Oberhand gewonnen 
hatte, so war der Nutzen für die commerciellen Verhandlungen 
doch unendlich gering. 

So war es gleich in den ersten Jahren der Fall. Hein- 
rich VIII. hatte den Wünschen des Pabstes und der Regentin 
Margaretha von Oesterreich Gehör schenkend gegen Frankreich 
Partei genommen und 1513 dem letztern sogar den Krieg 
erklärt. Aber die Niederlande waren nicht im Geringsten be- 
reit, irgend welche Opfer dem Bundesgenossen zu bringen. 
Heinrich VIII. musste ihnen eine neutrale Stellung zusichern, 
„so vortheilhaft nach Heinrich's Ansicht dies auch für" den 
Feind und schädlich für die Engländer" war 1 ). Ja, als Hein- 
rich VIII. nur eine Gewähr verlangte, dass die Niederländer 
keine Munition und Waffen den Franzosen zuführten, sowie 
unter ihrem Namen nicht französische Waaren einschwärzten, 
stiess er auf den entschiedensten Widerspruch , und es fehlte 
nicht viel, dass dieser Streit ernstere Folgen nach sich gezogen 
hätte 2 ). Alle Handelsvortheile fielen während dieser Zeit den 
Niederlanden zu. Das Haus Burgund erkaltete immer mehr, 
und als Heinrich VHL Tournai eroberte, schloss es einseitig 
Frieden mit Frankreich. Wohl fand, als über die friesländische 
Frage zwischen dem Kaiser Maximilian und dem französischen 
König Franz I. Meinungsverschiedenheiten hervortraten, wieder 
eine Annäherung mit England statt, aber auch sie war nur 
vorübergehender Art. Der Rath Karls, des Erben der Nieder- 
lande, war durch und durch französisch gesinnt, und man trug 
sich sogar mit dem Gedanken, dass die Schwester von Franz, 
die kleine Ren6e, Karl angetraut werden solle. 

Unter diesen Umständen begreift es sich, dass auch in 
commerciell- politischer Hinsicht England einen durchweg un- 
günstigen Boden vorfand ; namentlich wurden niederländischer- 



*) Brewer, Cal. I. 3836. Alllerdings waren die Niederlande in com- 
mercieiler Hinsicht Behr viel abhängiger von Frankreich, als England. Sie 
bedurften - des Weines nicht zu gedenken — französisches Getreide und 
Salz und waren ihrerseits hinsichtlich des Absatzes ihrer Heringe und Ma- 
nufacte auf Frankreich hingewiesen. 

") England forderte, dass jedes Schiff ein Attest aber Beine Herkunft 
und die Art der Waaren, die es nach Frankreich fuhren wolle, dem eng- 
lischen Admiral auf Verlangen vorzeige. Die Engländer setzten trotz des 
Widerspruchs der burgundlschen Regierung, die diese Controle als einen 
ihr zugefügten Schimpf auslegte, in einem bestimmten Fall ihre Anschauung 
in die Praxis über, und zur Repressalie beschlagnahmten die Niederländer 
englische Schiffe und Güter. Doch waren Willküracte auch von englischer 
Seite nicht gerade selten ; vgl. Brief Margaretha's an Heinrich VII. v. 20. 
März 1513. Brewer, Cal. 1 3815. 



— 39 — 

seits die vertragsmässigen Zölle nicht eingehalten, sondern die 
Kaufleute immer wieder mit neuen belastet. Die Zeeländer 
scheinen den Engländern am meisten Ursache zur Klage ge- 
geben zu haben. Die Mündung der Scheide beherrschend, 
konnten sie leicht von den Kaufleuten widerrechtliche Zölle 
fordern. Seit ältester Zeit hatte der Handel nach Brabant 
mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen l ). Nach Vereinigung der 
holländischen und brabantischen Gebiete durch das burgun- 
dische Haus wurde das Verhältniss besser, aber die alte Tra- 
dition lebte in Zeeland immer zeitweise auf. So hatten auch 
jetzt wieder die Zollbeamten daselbst die Zolltafeln beseitigt, 
wie sie durch den Vertrag von 1506 vorgeschrieben worden 
waren, und schalteten dann ganz nach eigenem Willen und 
Gutdünken *). Wurde ihnen ein Befehl in dieser Sache von 
der Regierung ertheilt, so ignorirten sie ihn einfach s j. Wohl 
wurden von den Niederländern auf die Klagen des englischen 
Consuls grossartige Enqueten und Verhöre in Scene gesetzt, 
aber all das hatte wenig Effect. Mochte auch den Beschwer- 
den der englischen Kaufleute Abhilfe in dem einen oder 
anderen Punkte geschehen, so war doch damit nicht dauernd 
den Missbräuchen vorgebaut. Die Engländer suchten deshalb 
auf gemeinschaftlichen Congressen die obschwebenden Fragen 
zu erledigen. 

Die Art und Weise der Lösung, wie sie den Engländern 
vorschwebte, war allerdings nur durch gegenseitiges Pactiren 
möglich. Der Standpunkt, den die englische Regierung ein- 
nahm, war ein höchst merkwürdiger. Heinrich VIII. wollte 
nichts Geringeres, als das Ziel erreichen, nach dem Heinrich VII. 
in der besten politischen Situation vergeblich gestrebt. Der 
Vertrag von 1506 mit all seinen Vorzügen war sein 
Ideal, ihn zur unumwundenen Anerkennung zu 
bringen der Kern seiner niederländisch-commer- 
ciellen Politik. 

Die erste Commission, welche unter seiner Regierung im 
März 1512 wegen der Streitigkeiten mit den Niederländern 
zu Brügge tagte 4 ), beschäftigte sich fast ausschliesslich mit 
diesem von englischer Seite aufgebrachten Thema. Zu einer 
geschickten Einfühlung des Vertrags konnte es nicht an 
passender Gelegenheit fehlen, da die jedenfalls mit Absicht in 
den Vordergrund geschobene Entfernung der Tariftafeln zu den 
Hauptbeschwerden der englischen Kaufleute gehörte. Die 
Engländer behaupteten, der Vertrag von 1506 müsse beobach- 
tet werden, denn derselbe sei trotz der mangelnden Bestätig- 



^Papebrochii Annales Antverpienses ed. Mertens et Buschmann 
I. S. 419. 

*) Sieb in Betreff dieser Zollerhöhungen Urk.-Beil. 20. 
') So die Zöllner zu Yersickenroot. Lrk.-Beil. 19. 
4 ) Brewer, Cal. I. 3053. 



— 40 — 

ung gut und gültig, wogegen natürlich die Niederländer für 
die Nichtigkeit desselben mit aller zu Gebote stehender Kraft 
argumentirten *). Nach langem Streiten und Unterhandeln 
ging man resultatlos auseinander; weder die damals wieder 
etwas zu Leben kommende politische Freundschaft, noch der 
gleichzeitig bestehende Streit zwischen den Niederländern und 
Hansen ') waren stark genug, um die Kluft, die dieses englische 
Theorem gerissen, zu überbrücken. 

Der erste Versuch Heinrich's war also missglückt. Die 
Lage begann bedenklich zu werden. Der Handelsvertrag ruhte 
auf einer unsicheren Basis 8 ). Karl erneuerte bei seinem 
Regierungsantritt denselben nur für kurze Zeit und band sich 
in keiner Weise die Hände. Im Juni 1514 liess er den eng- 
lischen Gesandten Knight und Ponynges durch den Kanzler 
erklären, dass der 1. October der letzte Termin sei, bis zu 
dem er das Vertragsverhältniss aufrecht zu erhalten gedenke 4 ). 
Nach dieser Zeit hätten die Engländer keinen Schutz mehr zu 
erwarten. 

Inzwischen hatte sich auch Antwerpen mit den englischen 
Kaufleuten überworfen, so dass diese die Messen mieden und 
nach Middelburg ihre Tuche brachten 6 ), und Heinrich VHI. hatte 
verschiedene Differenzen mit der niederländischen Regierung 
wegen des Geldcurses, den die letztere in einer angeblich ftir 
England nachtheiligen Weise festzusetzen beliebte, ohne die 
von englischer Seite dieserhalb gemachten Vorstellungen zu 
berücksichtigen 6 ). Im Hintergrunde tauchte die Wahrschein- 
lichkeit einer Allianz zwischen dem französischen König und 
Karl, dem Prinzen von Castilien, auf. Schon sah man im 
Geiste die englische Handelsflotte plötzlich in Beschlag ge- 
nommen und die unerträgliche Last des Zeeland- und Hound- 
zolles „am Nacken der englischen Kaufleute hängen" 7 ), so 
beängstigend war die ganze Situation. 



*) Vgl. State Papers Vol. VII. S. 876. Weitere Details über diese 
Verhandlungen sind nicht erhalten. 

s ) Henne, Regne de Charles-Quint en Belgique I. S. 247, 284. Mar- 
garetha von Savoyen bat, als sie von der Ausrüstung einer hansischen 
Flotte hörte, welche einen Schlag gegen die Heringsfischerei von Holland, 
Zeeland und Friesland fuhren sollten, um Heinrichs VII. Beistand. 11. 
Aug. 1512. Brewer, Cal. I. 8367. 

a ) Ein neuer Vertragsentwurf, über den Margaretha mit den englischen 
Gesandten sich geeinigt, wird in Bergenroth, Cal. II. 84 Januar 1513 
erwähnt. . 

4 ) Knight und Ponynges an Heinrich Vni. 12. Juni 1514. Brewer, 
Cal. I. 5159. 

ß ) Urk. Beil. 21. 

e ) Brewer, Cal. I. 4481, 4917. Urk. Beil. 152, 153. 

7 ) „— it is to be feared, that the Prince of Castile and his Council, 
that now ruleth about him, upon the pride of the said alliance and amity 
woll suddenly arrest the English fleet and cast on the merchants' necks 
all tho arrearages of the Sewestoll and the toll of the Hound, which 



— 41 — 

Wolsey aber, der leitende Minister Heinrichs VIII., verzagte 
nicht; bald war es ihm geglückt, eine abermalige Verlängerung 
des Status quo ] ) und die Zustimmung der Niederlande zu einem 
abzuhaltenden Congress zu erlangen, auf dem alle obsch weben- 
den Fragen erledigt werden und endlich eine definitive Regelung 
des Handelsverkehrs zu Stande kommen sollten. Sorgfältig hatte 
Wolsey die Unterhändler auserlesen *) ; für die handelstechnischen 
Theile den an Erfahrungen reichen Consul der englischen 
Kaufleute John Clyfford, für die diplomatische Leitung und 
Lenkung den als Politiker gewiegten Rieb. Sampson und den 
Master of the Rolls, nachherigen Bischof von Durham, Cuthbert 
Tunstal 3 ), für die gesetzlichen und rechtlichen Fragen die durch 
seltene Bildung, eminente Geistesschärfe, edlen und liebens- 
würdigen Character über Alle hervorragende Persönlichkeit des 
Thomas Morus 4 ). Mit diesen Männern wirkten noch zusammen 
die am niederländischen Hofe mit allen Verhältnissen wohl 
vertrauten Gesandten E. Ponynges und W. Knight, welchen die 
Aufgabe zugetheilt war, die Erneuerung der Liga vom 9. Fe- 
bruar 1506 zu bethätigen 6 ). Als Commissäre des Prinzen 
Karl hatten zu fungiren *): der einflussreiche Guillaume de Croy, 
Seigneur de Chifcvres ; ferner Mich, de Croy, Seigneur de Sempy ; 



amounteth to a marvelous great sum. not able to be paid by our merchants 
without their utter undoing". Suffolk, West und Sir Rieh. Wingfield an 
Wolsey. Febr. 1515. lirewer, Cal. II. 204. 

*) Wahrscheinlich war diese Verlängerung bis Johanni 1515 erwirkt 
worden. Vgl. das Schreiben von Ponynges und Knight an den Privy Council 
vom 24. Mai 1515. Brewer, Cal. II. 498. 

*) 7. Mai 1515. Brewer, Cal. II. 422 und Rymer VIII. S. 497. 

s ) Auch Sir Thom. Spinelly gehörte zu den bevollmächtigten. Er war 
wegen seiner englischen Vorurtheile ein Werkzeug für Margaretha von 
Savoyen, wenn es ihr wünschenswerth war, die englischen Bevollmächtigten 
auf eine falsche Spur zu bringen. Er wurde deshalb bei Seite geschoben 
und von letzteren meist in die Geheimnisse der Unterhändler gar nicht ein 
geweiht Um so bedauerlicher ist es, dass seine schwatzhaften Briefe fast die 
einzige Quelle fiir diese Unterhandlungen sind. Brewer, Cal. II. Pref. 

*) Derselbe hatte sich bis dahin spröde gegen kgl. Gunst gezeigt und 
war deshalb damals noch UntersherhT in London. Auf wiederholte Bitte 
Heinrichs VIII. hat er sich zu dieser wichtigen Mission verwenden lassen und 
war damit zum grossen Bedauern seines gelehrten Freundes Erasmus dem 
politischen statt dem wissenschaftlichen Leben entgegengefahrt. Bekanntlich 
bat er auch hier die Eindrücke der Niederlande und des politischen Zu- 
stande« der Zeit empfangen, die er hernach in seiner Utopia verwerthete. 
Ueber die An ei kennung seiner Thätigkeit von Seite seines kgl. Herrn — 
er sollte eine Besoldung erhalten, schlug sie aber aus — vgl. den Brief an 
Erasmus. London, 31. Octbr. 1516. Thom. Mori Opusc. 308. 

e )7. Mai 1515. Brewer, Cal. II. 423; Rymer XIII. S. 495. Die 
Trennung der Commissionen erwies sich nicht vorteilhaft, und auf Ansu- 
chen der Unterhändler trat eine Vereinigung insoferne ein, als alle Mit- 
glieder fortwährend an den beiderseitigen Verhandlungen sich betheiligen 
konnten. Sampson an Wolsey, 24. Mai 1515, und Ponynges und Knight an 
den Privy Council, 24. Mai 1515. Brewer, Cal. IL 498 und 499. 

6 ) Rymer XIII. S. 495, Henne, Regne du Charles-Quint II. S. 150. 



— 42 - 

Jean de Hallewin, Seigneur de Maldeghem; Philipp Wieland; 
Jean Roussel; endlich der in der Utopia von Thom. More so 
hochgerühmte Provost von Cassel Theimseke x ). 

Keinen Schritt gedachte England von seinem früher ein- 
genommenen Standpunkt zurückzuweichen. Der Auftrag der 
englischen Bevollmächtigten lautete ausdrücklich dahin, dass 
sie mit Rücksicht auf die grossen Zölle, welche man in letz- 
terer Zeit in den Niederlanden von den englischen Kaufleuten 
erhebe, sowohl den Handelsvertrag vom 30. April 1506 als 
den Intercursus magnus vom 20. Februar 1496 zu erneuern 
suchen sollen 2 ). Die Absicht war recht gut, wie durfte man 
aber bei der stark französischen Stimmung hoffen, diese auch 
zu erreichen ? Die Verhandlungen begannen Ende Mai 3 ), 
Ab^^f-it und sofort trat zu Tage, dass man kein Entgegenkommen er- 
warten dürfe. Der Rath des Prinzen zeigte sich weder ge- 
neigt, den Freundschaftsvertrag in der alten Form zu erneuern 4 ), 
noch viel weniger war er gewillt, auf die Vorschläge der 
Engländer hinsichtlich der Handelsverträge einzugehen. 

Mit allen Künsten der Dialektik suchte jede Partei ihren 
Standpunkt zu verfolgen, die eine für, die andere gegen Auf- 
rechterhaltung des Vertrages von 1506 6 ), 

Die Niederländer behaupteten, dass der Handelsvertrag 
von 1506 niemals von den Kaufleuten, nicht einmal von den 
englischen, für einen Handelsvertrag gehalten oder als solcher 
acceptirt worden sei; es fehle demselben die Bestätigung, sowie 
Uebung und Beobachtung ; man habe durch einen andern nach- 
folgenden Vertrag denselben auch aufgegeben. Aber selbst 
angenommen, der mehrerwähnte Tractat sei eine Zeit lang 
beobachtet worden, so könne seine Gültigkeit doch nicht mehr 
behauptet werden, nachdem der abschliessende Fürst gestorben 
sei, denn der Vertrag müsse als ein rein persönlicher betrach- 
tet werden, da in ihm kein Wort vorkomme, das die Erben 
oder Nachfolger irgendwie binden könnte. 

Die Engländer stellten die gerade entgegengesetzte Mei- 
nung von all dem auf. Der Vertrag von 1506 sei mit hin- 
länglicher Vollmacht (sufficienti auctoritate) eingegangen und 
geschlossen worden; man habe beiderseits ihn als wirklichen, 
gültigen und dauernden Intercursus angenommen 6 ), von dem- 



') — non arte solum verum etiam natura facundus ad haec jure con- 
sultissimus, tractandi vero negotii cum ingenio tum assiduo rerum usu 
eximius artifex. Utopia Hamburger Edition 1752. S. 4. 

-) Rymer XIII. S. 497. 

") Zwischen dem 24. und 28. Mai. Brewer, Cal. II. 499 und 520. 

4 ) Spinellys Brief vom Mai 1515. Brewer, Cal. IL 538. 

ß ) Vgl. Rymer XIII. S. 539, wo die Hauptgegensätze vorgeführt sind. 

') Wahrscheinlich stützten sich die Engländer dabei auf Art. 1, der 
den AI. I. bestätigt und in den Vertrag einreiht und beide gewissermassen 
zu einem einheitlichen, unzertrennlichen Ganzen verschmilzt. Darf man 



— 43 — 

selben sei auch nicht durch einen anderen Vertrag abgegangen 
worden, und wenn er in dem späteren Tractate sich nicht aus- 
drücklich bestätigt finde, so könne doch nicht behauptet 
werden, dass nun deswegen der früher geschlossene Vertrag 
aufgehoben sei; endlich könne auch der Tod des einen der 
contrahirenden Fürsten denTractat nicht auflösen, da aus dem 
Wortlaut bis zur Evidenz erhelle, dass die beiden Vertrags- 
schliessenden Fürsten auch ihre Erben und Nachfolger hätten 
verpflichten wollen 1 ). 



den Berichten der Engländer volles Vertrauen schenken, so waren sie mit 
ihren Gründen ihren Gegnern überlegen. In der Sitzung vom 5. Juni /*«* T 
namentlich sollen sie einen förmlichen Erfolg erzielt haben. Tunstal habe, ' 
wie Sampson schreibt, 4 oder 5 so scharfe und bündige Beweise vorge- 
bracht, dass selbst der kluge und nie verlegene Provost von Cassel nichts 
Rechtes zu erwidern vermochte und zu einer schriftlichen Entgegnung seine 
Zuflucht genommen habe. Aber auch diese sei ganz unbestimmt ausge- 
fallen und dem Hauptkern aus dem Wege gegangen. Sampson an Wolsey. 
8. Juni. Brewer, Cal. II. 566. 

*) Hinsichtlich der Einzelnheiten mnss ich auf die Entgegnung der 
englischen Commissäre, Urk. Beil. 22, verweisen, wo der Leser sich 
auf das Eingehendste über die gegenseitige subtile Beweisführung unter- 
richten kann. Hier glaube ich mich auf das im Texte Erwähnte und einige 
Bemerkungen beschränken zu dürfen. Die beiden Parteien stützten sich 
namentlich auf den Wortlaut des Vertrages von 1506. Allerdings ist der- 
selbe so abgefasst, dass er immer nur von den beiden contrahirenden * 
Fürsten spricht; der Art 7 macht eine Ausnahme. In dem ersten Ab- 
schnitt desselben verspricht der Fürst, dass er in seinen Gebieten, Flandern 
ausgenommen, den Detailverkauf und das Tragen der englischen Tücher ■' 
nicht verbieten will; im 2. Abschnitt aber verpflichtet er Bich und seine 
Nachfolger bei beabsichtigter Erhebung eines neuen Zolles die Englän- 
der eine bestimmte Zeit vorher und in voller Form zu benachrichtigen, damit 
diese von den Niederlanden sich zurückziehen könnten. Bei näherer 
Prüfung muss man allerdings zugestehen, dass die Niederländer geschick- 
tere Philologen als ihre Gegner waren, denn die betreffende Stelle beweist 
nicht die Fortdauer des Vertrages. Philipp versprach keineswegs, dass er 
und seine Nachfolger die Zölle nicht erhöhen, oder dass auch seine Nach- 
folger den ganzen Vertrag zu halten hätten, sondern dass er es nur den 
Engländern rechtzeitig notificiren wolle. Ob diese dann zu bleiben oder 
nicht zu bleiben gedachten, war eine separate Frage. Die Engländer 
schützten vor, dass ausser den mercatores fast immer eorum Buccessores 
genannt seien, allein die Niederländer erwiderten schlau, man könne von 
successores der Kaufleute sprechen, ohne dass der Vertrag über die Zeit 
Philipps sich auszudehnen brauche. War somit wirklich nur mangelhaft 
rar die Einbegreirang der Nachfolger gesorgt, so war es auch berechtigt, 
seine Gültigkeit nach Philipps Tode zu bezweifeln; denn damals war — 
wenn die Engländer auch aas Gegentheil behaupteten allerdings die 

Theorie herrschend, dass Verträge und Immunitäten nur für die Dauer des 
Contrahirenden und Gebenden gelten, wofern nicht ausdrücklich anders 
ausgesprochen war. Damals, wo das Regiment ein sehr persönliches war, 
erneuerte man selbst in letzterem Fall, um alle Zweifel zu beseitigen, meist 
die Verträge, und man weiss, wie z. B. auch Corporationen sich nicht 
recht sicher hielten, wenn sie nicht ihre Rechte in fortlaufender Reihe be- 
stätigt sahen. Die Niederländer hatten also selbst den klugen Heinrich VII. 
in diesem Vertrage überlistet 



— 44 — 

Bei diesem scharfen Gegensatze waren die Debatten 
ausserordentlich erregt, und weit entfernt, dass die Verhand- 
lungen eine Annäherung herbeiführten, wurden sie immer un- 
erquicklicher. Nebenher sammelte jede Partei noch Beschwerde- 
material, um durch die Menge der Klagen den Gegner zu 
erschüttern. Aber selbst das verfing nicht. Als eines Tages 
der Provost von Cassel den Engländern die erfreuliche Aus- 
sicht auf 80 Beschwerdepunkte machte l ) , antwortete ihm 

7 3 Sampson, die Engländer hätten so viele, dass er, wenn er die- 

<! g * Ap selben erführe , ganz bestürzt sein werde *). Ging man nun 

wirklich auf diese Klagen gegenseitig ein, war da ein Ende 
abzusehen ? 

Aber nicht genug, dass in dieser Weise Alles möglichst 
verwickelt wurde, die Niederländer waren nie verlegen, um 
immer neue Schwierigkeiten in den Weg zu werfen. Schon 
oben berührten wir, wie Brügge, dessen einstige Pracht vor 
dem neu aufsteigenden Stern der Schwesterstadt Antwerpen 
immer mehr verblasste, den Verfall durch Herbeiziehung der 
englischen Kaufleute hintanzuhalten suchte. Nun traf es sich, 
dass unter den niederländischen Commissären mehrere sogar 
persönlich an dem Gedeihen von Brügge interessirt waren. 
In diesen Kreisen dachte man allen Ernstes daran, ob man 
nicht die englischen Kaufleuter zwingen solle, nur nach Brügge 
zu kommen. Der Provost von Cassel, dessen Bruder einer der 
• bedeutendsten Bürger von Brügge war, förderte ^besonders 
diesen Plan und glaubte auf diese Weise eine Art Compromiss 
| schliessen zu können, durch welches aller Streit beigelegt 
würde. In einer dieserhalb mit Sampson gepflogenen Unter- 
redung äusserte er, es sei doch sehr zu beklagen, dass eine 
so ausgezeichnete Stadt verfallen solle; was einfacher, die 
Engländer entschlössen sich, nach Brügge wieder zu kommen; 
man werde die englischen Kaufleute nicht mehr belästigen, 
auch keine neuen Abgaben ihnen abverlangen, Brügge 
sei sogar bereit ihrethalben einen Canal anzulegen. Der 
Streit wegen der Zölle könne nur so gelöst werden; die 
f \j Brabanter würden sich zum Aufstand erheben, falls man den 

SF^ 1 Engländern die Brabanter Zölle erlassen wollte 8 ). Die engli- 

schen Commissäre wussten aber zu gut, dass in dem stark 

.-...» ' protactionistischen und engherzigen Brügge ihr Handel nicht 

! den richtigen Boden finden werde, und wollten deshalb noch 

*) Unter Andern beschwerte man sich auch wieder über die hohen 
englischen Wollzölle; der Provost von Cassel sagte, diese hätten viele 
Unterthanen des Prinzen schon an den Bettelstab gebracht 

*) Sampson an Wolsey. 3. Juni 1515. Brewer, Cal. IL 553. 

8 ) „Ana rather, than the Englishmen should have remission of these 
tolls , which is the cause of passing their country and leaving them , they 
would rage and be ready to an insurrection". Sampson an Wolsey. 14. 
Juni 1515. Brewer, Cal. II. 581. 



— 45 — 

nicht den Versuch aufgeben, in Brabant zu einem Ausgleich 
zu kommen. Sampson lehnte den CasseTschen Vorschlag ab. 
Er machte geltend, dass, wenn auch Brügge leide, dafür 
Antwerpen wachse, und die niederländische Regierung gar 
keinen Grund habe, der einen Stadt den Handel zu nehmen 
und einer anderen zu geben. Antwerpen sei nun einmal „die 
Blume der ganzen Welt a l ) und England selbst habe das Ver- 
dienst, zu ihrer Blüthe nicht am wenigsten beigetragen zu 
haben 2 ). 

Es war dies wohl das letzte Mal, dass die Frage 
wegen der Rückkehr der englischen Kaufleute nach Brügge 
ernstlicb^angeregt wurde und bei den Verhandlungen zur 
Sprache kam. In Zukunft behelligte die niederländische Re- 
gierung die Engländer nicht mehr mit dieser Zumuthung, ob- 
wohl die Brügger mit ihren Bitten nicht nachliessen a ). und 
die Regentin ihren Wünschen soviel wie möglich Rechnung zu 
tragen suchte. So beschränkte sie die lange Dauer der Haupt- 
messen zu Antwerpen und Bergen op Zoom 4 ), befreite die 
flandrischen Bewohner vom Zeelandszoll 5 ) , bestätigte das 
Stapelrecht von Brügg e für das flandrische Gebiet 6 ), bat 
Karl V. sogar, das Gewürzstapel dahin zu verlegen, was je- 
doch abgelehnt wurde, weil der Kaiser dasselbe bereits mit 
grossem Kostenaufwand und Erfolg in Corufla errichtet hatte 7 ). 
Aber alle Mittel, den Handel zu Brügge wieder zu beleben, 
schlugen fehl. Man versuchte es später mit Hebung der In- 
dustrie^ indem man die Seidenmanufactur daselbst aufbringen 
wollte 8 ) und das Bürgerrecht an Jeden für 5 Schillinge zu ver- 
leihen versprach, der in Brügge ein Geschäft errichtete und 
dort sich dauernd niederliess. Allein auch hier war der Er- 
folg ein geringer. Die Stadt sank in einer geradezu er- 
schreckenden Weise. Vom März 1543-44 betrug der Werth 
ihres Exports 30 726 li. vläm., der von Antwerpen dagegen 

*) „Antwerp is now one of the flowers of the world." Brewer, 
CaL 11. 581. 

*) Nach Bourne, English Merchants I. S. 11(5, 117 wären manche 
Engländer nach Brügge gegangen, hätten wohl sehr schwere Abgaben, aber 
wenig guten Handel getroffen. 

*) So baten sie 18. Aug. 1521 den Kaiser, er möge anordnen, dass 
alle fremden Kaufleute in Brügge wohnen müssten und nur die Messen von 
Antwerpen und Bergen besuchen dürften. Ein Jahr vorher (24. Jan. 1520) 
hatten sie die Venetianer in England aufgefordert, doch ja nach Brügge zu 
kommen, da der Zwin tief genug für ihre Schiffe sei. Brügger Stadtarchiv. 
Tweeden nienwen groenen bocck B. fo. 124 b. u. Groenen boeck 
C fo. 401. 

*) Diegerick, Inventaire des archives d'Ypre T. V. S. 84. Nr. 1453 
u. 8. 125 Nr. 1503. 

£ ) a. a. 0. S. 170, Nr. 1553. 

6 ) 13. Jan. 1532. Brügger Stadtarchiv. Tweeden nieuwen groenen 
boeck B. fo. 282. 

') Henne, Histoire du regne des Charles-Quint en Belgique T. V. S. 72. 
Xr. 4; vgl überhaupt a. a. 0. S. 272 fg. 

•) a. a. 0. S. 271. 



Ktl 



J~4 



7 



— 46 - 

4990255 li. vläm. Der erstere machte 7 2 °/ , der letztere 80% 
des Exports aus den Niederlanden aus 1 ). 

Der einzige niederländischerseits gemachte Versuch, in 
den Handelsangelegenheiten zu einem Einverständnisse zu 
kommen, war gescheitert; die Kluft war eher noch grösser, 
als vorher; alles Reden in Betreff des Vertrages von 1506 
war eitel Mühe. Die Niederländer 2 ) seien, schreibt Sampson 
an Wolsey, gegen alle Gründe taub und unzugänglich, ihre 
Antworten „weder gehauen noch gestochen" 3 ). 

Die englischen Unterhändler hatten übrigens die Aussichts- 
losigkeit schon lange eingesehen 4 ) und wären zufrieden ge- 
wesen , wenn sie nur ein weiteres Provisorium und eine Ver- 
schiebung der schwebenden Frage hätten erwirken können 5 ). 

Nirgends aber zeigte sich ein Fortgang, man zankte sich, 
stritt und kämpfte ohne Erfolg. Schliesslich spielte sich sogar 
die gegenseitige Abneigung auf persönliches Gebiet über, und 
als man Sampson in Brügge und den gesammten Niederlanden 
excommuniciren Hess 6 ) und alle erdenklichen Verläumdungen 
gegen die englischen Commissäre schleuderte 7 ), sowie bestimmt 
erklärte, man wolle die Liga nicht fortsetzen 8 ), war endlich 
auch Heinrichs VIII. Geduld erschöpft. 
f fl l Mitte Juli schreibt der Koni«? an Ponynges und Knight, 

^ ' dass er jetzt ein anderes Verfahren eingeschlagen wissen wolle. 
Tunstal und seine Collegen sollen, nachdem sie sich mit einer 
Creditive versehen, beim Prinzen eine Audienz erbitten und 
in dieser ihm vortragen, Heinrich VIII. wünsche eine freund- 
liche Regelung der Sache, und Karl möge deshalb einige 
Räthe ernennen, welche des Königs Gründe hören und Ein- 
sicht vom Gang der ganzen Verhandlung nehmen sollen. 



') Nach Auszügen aus den Zollrechnungen im Brüsseler Staatsarchiv. 
Chambre des comptes Nr. 23357 u. 23358. 

2 ) Der wenig zuverlässige Spinell j behauptet, die niederländischen 
Commissäre seien so halsstarrig gewesen, weil sie hofften, die Engländer, 
würden der Regierung eine grosse Geldsumme für Wiedererlangung des 
Intercursns anbieten. Jan. 1516. ßrewer, Cal. IL 1468. 

*) „lack neither taunting, nor checks". 7. Juli 1515. Brewer, 
Cal. IL 672. 

*) Spinelly an Heinrich VIII. 2. Juni 1515. Brewer, Cal. II. 551. Die 
Niederländer stellten auch bei jeder Gelegenheit die Aussichtslosigkeit vor. 
Sie pflegten zu behaupten, dass, selbst wenn der Prinz wollte, die R&the 
nicht zustimmen würden. Brewer, Cal. IL 501. Die Engländer schlugen 
deshalb dem König vor, er solle den englischen Kaufleuten befehlen, sich 
von dem niederländischen Markte zurückzuziehen, das werde die Nieder- 
länder bald zu Vernunft bringen. Der König fing aber, wie es scheint, 
nicht auf diesen Vorschlag ein. Ponynges u. Knight an Wolsey. Brewer, 
Cal. IL 649. 

ß j Ponynges u. Knight an Heinrich VIII. 9. Juni 1515. Brewer, 
Cal. IL 568. 

c ) Sampson an Wolsey. 7. Juli 1515. Brewer, Cal. IL 672. 

"') Sampson an Wolsey. 24. Juni 1515. Brewer, Cal. II. 612. 

8 ) Heinrich VIII. an Ponynges etc. Juli 1515. Brewer, Cal. IL 768. 



- 47 - 

Zeigen sich auch diese halsstarrig, so mögen sie ihnen be- 
deuten, welche Schande sie erwartet. Heinrich VIII. will in 
diesem Fall nämlich dem Papst, Kaiser, dem König der Fran- 
zosen und dem von Aragonien und allen anderen Fürsten 
Europas seine gerechte Sache vorlegen. Wünschen die Nieder- 
länder einen Aufschub der Angelegenheit, bis Karl 21 Jahre 
alt ist, so ist er bereit, diesem Wunsche zuzustimmen. Wird 
aber auch dieses Anerbieten nicht gemacht, so soll Ponynges 
die Erzherzogin zu bewegen suchen, dass sie für den Aufschub 
eintrete; geht aber auch das fehl, so soll er eine Urkunde 
über alle Beschwerden des Königs anfertigen, eine Copie da- 
von an Wingfield für den Kaiser schicken und einen Termin 
für den Abzug der englischen Kaufleute erbitten, Tunstal 
aber und seine Collegen nach England zurückkehren und den 
diplomatischen Verkehr ganz aufheben 1 ). 

Dies kategorische Auftreten Heinrichs VIII. verfehlte seine 
Wirkung nicht; es kam wenigstens momentan Fluss in die 
entsetzliche Stagnation. Das Provisorium schien plötzlich doch ^'. >**£ 
zu Leben zu gelangen. In einer Conferenz, die im Juli Statt 
hatte, einigte man sich in Betreff der Klagen der Kaufleute 
wegen der Verletzung des Vertrages von 1506 über die Be- 
stimmungen des Provisoriums. Diese sind die nämlichen, 
welche der Vertrag Maximilians vom 5. Juni 1507 enthielt, 
nur war noch beigefügt, dass der Streit wegen der Giltigkeit 
des Tractats von 1506 auf 5 Jahre verschoben, aber noch 
innerhalb eines Jahres eine Conferenz gehalten werden solle 
zur Vernehmung gegenseitiger Beschwerden; ebenso dass die 
Kaufleute nicht den Handel mit irgend einer Stadt verbieten 
oder hemmen und keine Preistaxen machen dürften, endlich 
dass die Ratification in 3 Monaten zu erfolgen habe *). 

All dies war trügerischer Schein; es ist weder eine Nach- 
richt erhalten, dass die erwähnte Ratification vollzogen, noch 
spricht die Wahrscheinlichkeit dafür. Die niederländischen 
Commissäre wurden plötzlich nach Mecheln, wo der Hof weilte, 
gerufen, angeblich um des Prinzen Absicht zu erfahren 3 ); sie )< t 1, M 
kehrten nicht wieder nach Brügge zurück 4 ). Trotzdem brach 
Heinrich VIII. die Verhandlungen noch nicht ab, er suchte den 
Kaiser Maximilian zu bewegen, dass er seinen Neffen den Händen 
fies französischen Rathes entreisse; Maximilian aber erlaubte 



4' 



t/ 



l ) Heinrich VIII. au Ponynges und Knight Juli 1515. Brewer, 
CaL II. 724. Man wird dies Schriftstück nicht wie Brewer nach dem 
Vi. Juli, sondern vor diesen setzen müssen. 

*) Brewer, Cal. II. 723. 

') Tunstal an Heinrich VIH. 21. Juli 1515. Brewer, Cal. IL 732; 
derselbe an Wolsey, a. a. 0. II. 733. 

4 ) Brewer, Cal. II. 831, 858, 904, 944. 



^ ^ fi 



4- 



12*' 



>7 



- 48 — 

sich, bei dieser Gelegenheit ein wenig ehrenvolles Doppelspiel 
mit Heinrich YIU. zu treiben ')> und so endete auch dieser 
^z zj-Versuch erfolglos. Von Ende August bis Mitte September 
befolgten die Niederländer ihre gewohnte dilatorische Tactik. 

Erst ein Ereigniss in Italien führte eine entscheidende 
Wendung herbei. Franz L war siegreich in Italien vor- 

's/s.3'ft gedrungen, hatte die Schlacht bei Marignano gewonnen und 
seinen Einzug in Mailand gehalten. Da schien das Gleich- 
gewicht gestört, und das politische Interesse schuf endlich 
eine aufrichtig günstige Stimmung für den englischen Hof. 
Eine Allianz wurde schon Ende September gewünscht, und 

•-/ / ebenso war man nun zu einer Lösung* der Handelsfrage bereit. 

/<i/sr>.fj Die Vollmachten wurden ertheilt 2 ) und Mitte Dezember trafen 
Tunstal und Enight mit den alten Bekannten wieder zu- 
sammen 3 ). Zwar konnten sie ihren Widerspruchsgeist nicht 
gleich unterdrücken 4 ), aber eine höhere Rücksicht Hess ihre 
Stimmen bald verstummen. Die Engländer hatten auch in 
geschickter Weise Vorschläge gebracht, denen die Nieder- 
-., länder nach dem vorhergegangenen Strauss wohl zustimmen 

jt* li u konnten. Schon am 24. Januar 1516 waren die Bevollmäch- 
tigten im Stande, das wichtige Instrument zu unterzeichnen 5 ). 
Wochen hatten vollendet, wozu vorher Monate nicht gereicht 
Was waren nun die Resulte? Obwohl der Handelsvertrag 
nichts Definitives schuf, so war er doch ein grosser Erfolg der 
englischen Diplomatie. Der Streit über die Dauer und Wirk- 
samkeit des Tractats von 1506 wird, so bestimmt der Artikel 1 
auf fünf Jahre verschoben. Während dieser Zeit bleibt der 
erwähnte Vertrag aber in Kraft, ohne Schmälerung und ohne 
Zusatz. Nach Verfluss dieses Quinquenniums tritt der Status 
quo, der vor diesem Provisorium zu Recht bestand, wieder 
ein «). 

Zum ersten Male waren die Engländer in den unbestrit- 
tenen Besitz ihres Ideals gelangt, und mochte dieser auch 
nur für kurze Zeit gelten, und die Niederländer auf's Aengst- 
lichste sich gegen alle etwa zu ziehenden Consequenzen 



J ) Brewer, Cal. IL 767. 807 u. s. f. vgl. ferner Pauli, Aufsätze zur 
Geschichte von England. 1869. S. 48 fg. 

2 ) Cuthb. Tunstal und Wm. Knight wurden am 1. October als Ge- 
sandte am Hofe KarPs ernannt mit der Vollmacht, auch Verträge zu 
schliessen. Brewer, Cal. II. 976. Karl ernannte die uns bereits be- 
kannten Bevollmächtigten am 9. Dez. Brewer, Ca'l. II. 1262. 

3 ) Tunstal und Knight an Heinrich VIII. 17. Dez. 1515. Brewer, 
Cal. IL 1262. 

4 ) So wollten sie gleich bei der ersten Begegnung weder den vor- 

Seschlagenen Termin für Verlängerung des Intercursus, noch die Beseitigung 
es Zolls „for breaking bulk" acceptiren. a. a. 0. 
ß ) Brewer, Cal. IL 1427, 1428. 
•) Rymer XIII. S. 539. 



- 49 — 

wehren, der Boden, auf dem man fortan stand, war ein völlig 
anderer. In Zukunft hatte die englische Regierung nur ftlr 
Fortsetzung des Gegebenen zu wirken. Wäre diese Concession 
nicht erlangt worden, so wäre der Vertrag von 1506 für 
immer eiu todter Buchstabe geblieben. 

Obwohl die Entscheidung der Kernfrage in dem erwähnten 
Artikel 1 gegeben ist, so sind doch die übrigen Bestimmungen 
nicht bedeutungslos. So wiederholen Artikel 2—7 zwar nur 
Sätze, wie sie im Juli 1515, beziehungsweise 5. Juni 1507 ver- 
einbart worden waren 1 ), sind aber wenigstens theilweise für 
die Engländer günstiger gefasst*). Der Artikel 8 schliesslich 
war ein beiderseitiger Fortschritt. Um nämlich endlich ein- 
mal die zahllosen Streitigkeiten und Beschwerden specieller 
und allgemeiner Natur, die sich seit Jahren angehäuft hatten, 
aus der Welt zu schaffen und etwa geschädigten Unterthanen 
zu ihrem Rechte zu verhelfen , sollte innerhalb eines Jahres 
ein neuer Congress stattfinden, den Mitgliedern desselben aber 
nicht gestattet werden, auseinander zu gehen, bevor sie 
über die einzelnen Fälle sich geeinigt hätten. Die Ratification 
des Vertrages, die innerhalb drei Monaten zu erfolgen hatte, 
wurde vorgenommen 3 ), und der Tractat somit perfect. Die 
Freude beim Verlauten des Abschlusses war allgemein, und 
selbst viele Niederländer gaben derselben unverhohlenen Aus- 
druck *). 

Der vertragsmässig vereinbarte Congress fand Statt. Wir 
sehen die Commissäre im Dezember des nämlichen Jahres be- 
reits in voller Thätigkeit 6 ), und es unterliegt keinem Zweifel, 
dass sie eine schwere Aufgabe zu lösen hatten. Das mehrere 
Jahre hindurch gespannte Verhältniss hatte viele Gewalt- 
thätigkeiten und Ungerechtigkeiten der Beamten zur Folge 
gehabt 6 ). Auf offenener See war ein unsicherer Zustand ein- 



*) Die Engländer durften danach namentlich weder den Handel mit 
einer Stadt verbieten noch Preistaxen machen. 

*) 1507 bestimmte Art. 4: ab omnibas et singulis theloneis, custumis 
et impositionibus praedictis liberi et immunes habeantur et reputentur, 
dicta provisione durante, sed omnia interim in suspenso remaneant; der 
entspr. Art 5 des gegenw. Tractats dagegen lautet : ab omnibua et singulis 
theloneis custumis et impositionibus praedictis liberi et immunes in per- 
petaum habeantur et reputentur per praesentes ac cautiones et fidejussi- 
ones propter praedicta datae per praesentes simiüter relaxentur. 

') Karl beschwor ihn am 27. Januar 1516 und bestätigte ihn am 13. 
Februar (Brewer, CaL II. 1458, 1538. Heinrich VIII. ratificirte denselben 
am 9. März 1516. Brewer, Cal. II. 1645). 

4 ) Brewer, CaL ü. 1468. 

6 ) Brewer, Cal. II. 2723. 

*) Vgl. Brewer, Cal. II 1714 fg. Besonders viel Lärm machte 
folgender Fall: Ein englisches Schiff war von den grossen Wollexporteuren 
•fohn Allen, Hugo Clopton und Rieh. Fermour mit Wolle für Italien be- 
trachtet worden. Durch Sturm wurde es nach Holland verschlagen und hier vom 

Schanz, Engl. Handelspolitik. I. 4 



— 50 - 

getreten 1 ), und der Intercursus selbst durch eine Menge 
Willküracte ganz entstellt worden. 

Die Beschwerdeschrift, welche die Engländer dem Con- 
gress vorlegten, ist der deutlichste Beweis. Nicht weniger als 
26 Punkte, durch die der M. I. verletzt worden war, brachten 
sie vor 2 ). Mag auch in Wirklichkeit die eine oder andere 
Klage nicht ganz begründet gewesen sein, das eine erhellt 



Zöllner angehalten, den Zoll von Gravelingen und Zeeland zu geben. Da 
die Kauf leute sich dessen weigerten, wurden sie festgehalten, bis sie Caution 
gestellt. In Folge dieser Verzögerung fiel das Schiff später unter die Mauren. 
Brewer, Cal. IL 738; auch 2688 u. 2671. 

*) £nglischerseit8 wurde wegen der Seeräubereien eine Commissi on 
zusammengesetzt. 24. Januar 1516. Brewer, Cal. IL 1429. Einem 
Antwerpener Kaufmann wurde von Piraten ein Schiff in Yarmouth ent- 
fuhrt Tunstal an Wolsey. 4. November 1516. Brewer, Cal. IL 2507. 

*) Die einzelnen Beschwerden lauten: 1) Den englischen Kaufleuten 
ist nicht gestattet, überall hinzugehen; jedem ist ein neuer Zoll von 105 d 
auferlegt worden. 2) Man erhebt 1% von allen Waaren, welche nach 
Italien, Deutschland und andern nichtenglischen Gebieten versandt werden. 
3) Man verhindert die Englander, Waffen und andere Arten von Waaren 
zu kaufen und nach England zu führen. 4) Die Strafe für falsche Zoll- 
declaration wurde vervierfacht und noch die der Confiscation hinzugefugt 
5) Verschiedene Zölle werden für eine und dieselbe Waare widerrechtlich 
erhoben. t>) Man lässt Waffen und Waaren, welche man in Italien oder 
sonstwo ausserhalb des kaiserlichen Gebietes erworben hat, nicht aus- 
fuhren. 7) Die Zollbeamten fügen beträchtlichen Schaden zu, indem sie 
Säcke u. s. w. mit eisernen Instrumenten durchstechen. 8) Man unterwirft 
den Wein und das Bier der Engländer der Accise. 9) Man erhebt einen 
neuen Zoll von geladenen Schiffen, das sogenannte „Galey Gelt" ; 10) einen 
weitern, das sogenannte Tonnengeld. 11) Nachdem man bereits zu Ant- 
werpen oder Brügge die Zölle gezahlt, werden doch noch neue zu Newnort, 
Dünkirchen und Gravelingen verlangt. 12) Andere widerrechtlich geforderte 
Abgaben sind das ^Roergelt", Ankergeld und Ballastgeld. 13) Schiffe, 
welche vom Sturm in die Häfen von Holland, Flandern, Zeeland oder 
Niederdeutschland getrieben werden, müssen den „Swige"-Zoil zahlen. 
14) Man gestattet den Engländern nicht, ihre eigenen Landsleute bei et- 
waigen Hülfeleistungen zu benutzen, sondern zwingt sie, auf Messen u. s. w. 
der Fremden sich zu bedienen. 15) In Ermangelung eines Passes confiscirt 
man die Güter. 16) Man besteuert jeden in den Niederlanden sich auf- 
haltenden Engländer, jährlich mit 20 d. 17) In Andalusien und Spanien 
verlangt man von jedem Schiff 20 d, selbst wenn es von Italien oder dem 
Orient kommt und wegen Mangel an Wasser oder Lebensmitteln vor Anker 
geht. 18) Man schliesst die Irländer von den Privilegien der Engländer aus. 
19) In Andalusien legt man auf Schiffe Beschlag, damit sie dem Kaiser 
dienen, lässt sie aber dann Jahre unbenutzt und gibt sie erst nach grossen 
Kosten frei. 20) Der Zoll von dem Pack Eisenwaaren (balarum de baterie) 
wurde von 6 sh auf 8 sh erhöht, der von Nägeln von 4 d auf 7 d. 21) In 
Antwerpen hat man alle Zölle verdoppelt 22) Die nämlichen Zölle ver- 
langt man in Brabant und Zeeland. 23) Der Beamte von Gheervliet er- 
hebt einen neuen Zoll von Schiffen, welche vom Sturm dahin getrieben wer- 
den. 24) Man gestattet englischen Kaufleuten nicht, ihre Güter von Ant- 
werpen in Schiffen wegzuführen, welche irgend einer andern Stadt gehören. 
25) Von den englischen Seefahrern verlangt man in vlämischen Häfen neben 
dem Ankergelde auch noch das sog. „bekonagium". 26) In Antwerpen 
zwingt man sie, Waaren die nicht zum Wägen sich eignen, nach dem Ge- 
wicht zu verzollen. (Brewer, Cal. IL 2738.) 



— 51 — 

aus der Schrift mit Evidenz , wie schwierig es war, die Verträge 
gegenüber der herrschenden Fiscalität zur Wahrheit zu machen. 

Angesichts der grossen Masse von Fällen und der 
Schwierigkeit ihrer Entscheidung tauchten natürlich viele 
Meinungsverschiedenheiten auf. Aber ein Einverständniss 
kam zu Stande 1 )- 

Es war eine glückliche Zeit für die englische Politik und 
die englischen Kaufleute. Diese sahen fast alle ihre Wünsche 
.erfüllt, und selbst, wenn sie Unbilliges verlangten, wurde 
ihnen nicht selten willfahrt 2 ). 

Die niederländischen Städte ihrerseits wetteiferten unter 
sich, die englischen Kaufleute in ihren Mauern festzuhalten. 
Brügge machte wieder Versprechungen •, Antwerpen und Bergen 
aber beseitigten alUUEÜagen durch ausgedehnte Specialverträge, 
welche sie mit den englischen Eaufleuten und ihrem Consul 
abschlössen. 

Die Antwerpener reyidirten und erweiterten die alten 
Privilegien. Es dürfte vielleicht hier der Platz sein, die 
Rechte der Engländer in Antwerpen, soweit sie auf städtischer 
Verleihung beruhten, zu skizziren. Die Engländer können, 
heisst es in denselben, die Verlängerung der Messen um 8 
oder 14 Tage je nach Bedürfhiss verlangen; sie dürfen die 
Makler wählen und, falls diese ihrer Pflicht nicht genügten, 
sogar bestrafen; ebenso können sie zum Binden, Tragen, Aus- 
packen ihrer Waaren verwenden, wen sie wollen. Sie sollen 
eine prompte Rechtshülfe finden, wenn sie innerhalb des 
Stadtgebiets körperlich verletzt, oder ihre Schiffe und Ge- 
räthe böswillig beschädigt worden sind, oder sie sonst ein 
Rechtsanliegen haben. Ist in einem Rechtsfall die Unter- 
suchung abgeschlossen, so muss das Urtheil in 6 Wochen , 
gesprochen werden. Erscheinen englische Kläger im Schöffen- 
hause, so soll ihnen unmittelbar nach Entlassung der Partei, 
welche geradezu verhandelt wird, Gehör gewährt werden; es 
ist den Engländern unbenommen, bei Abwesenheit einen Ver- 
treter sich zu bestellen. Die bürgerliche Gerichtsbarkeit steht 
bei Streitigkeiten unter Engländern dem englischen Consul zu. 
Englische Schuldner dürfen nicht ins Gefängniss gesetzt wer- 



x ) Dies geht hervor aus Spinellys Brief an Wolsey vom 28. Aug. 
1517. Brewer, CaL IL 3647 

*) Um nur ein Beispiel zu erwähnen. Für jeden Sack Wolle wurde 
ein Zoll von 8 Groschen erhoben. Nichts lag näher, als dass die Engländer 
missbrauchlich die Säcke bedeutend vergrößerten , weshalb die Zollein- 
nehmer von Zeeland nicht mit Unrecht die Säcke wogen, und daran fest 
hielten, dass 2 Zentner einen Sack ausmachten. Aber Karl, der damals 
den Titel des Königs von Castilien annehmen wollte, obwohl seine Mutter 
noch lebte, und auch von England Geld bedurfte, stellte trotzdem die 
-alte- Gewohnheit wieder her. 28. Aug. 1517. (Bergenroth, Cal. 11.261.) 
Brewer, Cal. IL 3649. 



— 52 — 

den, wenn sie Caution leisten wollen ; beträgt die Schuld nicht 
mehr als 20 Schillinge, so ist der Polizeibeamte sogar ge- 
bunden, mit dem Schuldner zum Gonsul zu gehen und zu 
fragen, ob er Sicherheit leisten wolle. Ebenso dürfen Beschlag- 
nahmungen wegen Schulden oder einer anderen Ursache willen 
nicht ohne Zustimmung des englischen Kaufmanns vorgenom- 
men werden. Die zum Selbstverbrauch eingeführten Getränke 
sind , wie schon früher versprochen worden war, accisefrei, des- 
gleichen haben sie bei der Ausfuhr vonOel, Seife und Weinen 
keinerlei Zölle zu entrichten. Die Engländer sind in Zukunft 
nicht gehalten, beim Verkauf auf der öffentlichen Wage zu 
wägen. Die Vorstände der Webergilde in Antwerpen dürfen 
keine Jurisdiction in Betreff englischer Tücher ausüben , son- 
dern diese steht einzig und allein der Antwerpener Stadt- 
behörde zu. Den vereidigten Leintuchmessern sind gewisse 
Vorschriften gegeben, damit die Engländer beim Einkauf 
nicht verkürzt werden. Die Stadtbehörden verpflichten sich, 
dem englischen Consul beizustehen, wenn ein englischer Kauf- 
mann ihm nicht gehorchen will. Es bleibt den Engländern 
unbenommen, ausserhalb der Messzeit ihre Waaren nach Zee- 
land, z. B. nach Walchern zu fahren, wobei die Antwerpener 
Schiffer zu einem bestimmten Tarif ihre Dienste anbieten 
müssen. Niemand darf die englischen Packhäuser, die zum 
Falten des Leinens dienten, betreten. Auch das Recht des 
Kaufs und Verkaufs war durch eine Reihe von Rechtssätzen 
geregelt, die sämmtlich dem Tuchverkaufe der Engländer 
eine günstige Stellung gaben. Aufs Sorgfältigste und Ein- 
gehendste waren sodann die Zollprivilegien der Engländer und 
die Art der gesammten Zollbehandlung festgestellt, ebenso 
JVIassregeln gegen Uebervortheilung getroffen, und genau die 
Taxen für gewisse Dienste bestimmt. Die Engländer erhielten 
ihr Haus zu vollem uneingeschränkten Besitz, und die Stadt ver- 
sprach, auf eigene Kosten die auf demselben noch lastenden Ge- 
rechtsamkeiten ablösen zu wollen. Die gemietheten Häuser soll- 
ten von einer gemeinsamen Commission eingeschätzt und die so 
festgesetzte Miethe in Zukunft nicht abgeändert werden '), es 
sei denn, dass bauliche Veränderungen vorgenommen wurden. 
Endlich versprach noch die Stadt, um die übrigen Privilegien 
zu übergehen, den englischen Kaufleuten in den 8 folgenden 
Jahren zu Pfingsten 100 Pfund flandrische Groschen zu zahlen 2 ). 
Bergen op Zoom, das in den Privilegien von 1469, 1470 
und 1480 die meisten Wünsche der Engländer befriedigt und 
durch sein Entgegenkommen oft den Engländern als Mittel 
gedient hatte, um auf Antwerpen einen Druck auszuüben, war 

] ) Ueber die Höhe der festgesetzten und von 1518 ab zu zahlenden 
Miethsgelder für 31 näher bezeichnete Häuser gibt Cotton Mscrs. Tib. 
D. VIII. f. 30 im Br. M. Aufschluss. 

») Urk. Beil. 23. 



- 53 — 

selbstverständlich auch jetzt gerne bereit, die Rechte der eng-* 
tischen Kaufleute, soweit als nöthig, zu ergänzen, und da- 
durch diese auf gleichen Fuss wie in Antwerpen zu setzen 
(16. Mai 1519) J ). 

Durch diese liberale Gewährung von Freiheiten war es 
gelungen, den englischen Markt stärker denn je in Bergen 
uod Antwerpen festzubannen. Brügge hatte sich vergeblich 
gemüht, und auch Middelburg, das eine Zeit lang grosse An- 
strengungen gemacht *), konnte es mit den Goncurrenten nicht 
aufnehmen; sein Versuch, zum Ersatz die schottischen Kauf- 
leute aus Yere 3 ) in seine Stadt zu ziehen, misslang eben- 
falls*). 

Der englische Handel erfuhr in Folge der zahlreichen 
Vergünstigungen einen beträchtlichen Aufschwung. In den 
zwei folgenden Jahren 1518 und 1519 erreichten die Zölle 
den höchbten Stand während der ganzen Regierungszeit Hein- 
richs VIII. 5 ). 

2. Periode (1520 — 1530). 

Unsere erste Periode hatte wider Erwarten einen günsti- 
gen Ausgang genommen. Die englischen Kaufleute waren gut 
gestellt, und wenn es der englischen Regierung gelang, den 
Tractat von 1506 auch in Zukunft aufrecht zu erhalten, so 
kann man diese Epoche als einen Wendepunkt des englisch- 
niederländischen Verkehrs, soweit Heinrichs VIII Regierung in 
Betracht kommt, markiren. 

Die fünf Jahre, innerhalb deren der Vertrag von 1506 zu 
gelten hatte, begannen ihrem Ende sich zuzuneigen, und die 
Kothwendigkeit einer neuen Regelung trat an England heran. 
Ein Versuch, den man bereits 1518 gemacht, und der auf eine 
Erneuerung des Vertrags für weitere 5 Jahre abgezielt zu 

*) ürk. Beil. 3 und Brewer, Cal. II. 232. Die Merchant ad- 
ventorers «hielten deshalb auch dort sehr zum Groll der Antwerpener ihre 
Messen aufrecht; vgl. auch Urk. Beil. 33, 34. 

2 ) Am 27. Juli 1508 hatte Middelburg den Merchant adventurers zu 
den früheren Privilegien ein neues gegeben (Urk. Beil. 133. §55); die eng- 
lischen Kauf leute hatten sich auch bewegen lassen , eine Zeit lang nacn 
Middelburg zu ziehen und, wie wir früher erwähnt, den Verkehr mit Ant- 
werpen verboten. Sie hatten sich namentlich verpflichtet, die „Sinxon und 
Balmes'-Markte daselbst zu halten. Urk. Beil. 133. § 56. 

s ) Der schottische Handel hatte schon lange seinen Hauptsitz in Yere; 
1508 schwebten Verhandlungen zwischen dem Bailif von Yere und der 
schottischen Regierung, um diese Stadt zum einzigen Stapel für diesen Handel 
zu machen; vgl. den Brief Betons an den Magistrat von Antwerpen vom 
4. April 1508. Gairdner. Letters andPapers of Rieh. III. and tlenr.VII. 
VoL II. S. 263. 

*) Vgl. den Briefwechsel zwischen Paniter, Secretar bei Jacob V. , und 
der Stadt Middelburg im August und Dezember 1518. Brewer. Cal. I. 
4386 u. 4698. 

5 ) Vgl. Bd. IL 8. 12, 13; S. 48 fg. 



— 54 - 

* haben scheint 1 ), fand allem Anschein nach keinen Anklang 
bei der niederländischen Regierung. Ein Jahr vor Ausgan? 
des Termines knüpfte Wolsey desshalb neue Verhandlungen 
an; man einigte sich über einen neuen Congress und ernannte 
die Vertreter: Heinrich VIII. am 8. April den Bischof von 
Durham Ruthai, den uns von der vorigen Tagfahrt bekannten 
Tunstal und More und den äusserst talentvollen Pace; Karl V. 
am 11. April den Bischof von Helvas Bernard de Mesa, ferner 
Gerard de Pleine, Philipp Haneton und Johann de le Sauch *'). 

Ein günstigerer Zeitpunkt war für die Engländer kaum 
denkbar. Frankreich und Spanien buhlten damals um Eng- 
lands Gunst. Die Pracht des goldenen Heerlagers zu Calais 
von Seite Franz L, die Besuche des jugendlichen Kaisera Karl V. 
am englischen Hofe waren ja alle darauf berechnet, den Tudor 
zu bestricken und auf die eigene Seite zu ziehen. Unter solchen 
Auspicien ist es erklärlich, wenn die Engländer nicht auf so 
harten Kampf wie ehedem stiessen. Wolsey war auch gar 
nicht so bescheiden in seinen Forderungen. Er verlangte 
nichts weniger, als dass mit dem 24. Januar 1521, wo das 
letzte Uebereinkommen zu Ende ging, der Vertrag von 1506 
dauernde Geltung erhalte, und gab deutlich zu erkennen, dass 
er und Heinrich VIII. in der Gewährung dieses Wunsches die 
Vorbedingung für die politische Allianz erblickten 3 ). Nicht 
mit Unrecht bemerkte er dem kaiserlichen Gesandten gegen- 
über, um Freundschaft zwischen Nationen zu stiften, sei vor 
Allem nöthig, dass die beiderseitigen Unterthanen frei und 
ohne Hindernisse mit einander zu verkehren vermöchten. Wie 
könne sonst sein königl. Herr glauben, dass Karl V. wirklich 
einen ehrlichen Bund mit ihm schiessen wolle? 

Die Niederländer sahen auch vollkommen ein, dass in 
dieser Situation kein Vortheil den Engländern abgerungen 
werden könne 4 ), und indem sie auf die Zukunft sich ver- 
trösteten, ging ihr ganzes Streben dahin, bei Wolsey wenigstens 



J ) Bei Brewer, Cal.II. 4211 ist ein Schriftstück dieses Inhalts erwähnt, 
das von Cuthbert Tunstal, W. Knight, Sir Th. Spinelly mit den nieder- 
ländischen Commissären vereinbart und von Wolsey unterzeichnet ist. 
Nichtsdestoweniger sprechen spätere Documenta und die ganze Ent- 
wicklung gegen die Annahme, dass das Instrument wirklieh ratificirt 
wurde. Eine Neubestätigung des Vertrags ohne Verlängerung fand erst in 
Folge der Erwählung Karls zum Kaiser statt (11. April 1520). Vgl. 
Brewer, Cal. III. 742, 849, 908. Bergenroth, Cal. iL 274. 

«) Brewer, Cal. III. 731. 739. 

8 ) Der spanische Gesandte in London schreibt, dass dieser Handels- 
vertrag Heinrich VIII. und Wolsey ausserordentlich am Herzen liege. 
Brewer, Cal. III. 741. 

*) Zur Beurtheilung der damaligen Sachlage sind hauptsächlich die 
Instructionen, welche die kaiserlichen Gesandten am 14. April dem an 
Karl V. geschickten J. de le Sauch gaben, heranzuziehen. Brewer, 
Cal. III. 742. 



- 55 - 

eine Form des Vertrages durchzusetzen, welche ihnen nicht 
alle Hoffnung auf eine günstigere Gestaltung in späterer Zeit 
benahm. Dies geschah auch. Nachdem der englische Vor- 
schlag, die Gültigkeitsdauer des Provisoriums auf die folgen- 
den 20 Jahre auszudehnen, fallen gelassen worden war, einigte 
man sich dahin, dasselbe auf die fünf nächsten Jahre zu ver- 
längern. Sollte aber während dieser Zeit weder eine Er- 
neuerung des Vertrags von 1506 noch der Abschluss eines 
neuen Handelstractats zu Stande kommen, so hatte mit Ab- 
lauf des Termins das Provisorium für weitere fünf Jahre zu 
gelten; und so sollte es bei jedem weiteren Quinquennium ge- 
halten werden. Doch versprach man sich, gegenseitig dahin 
zu trachten, dass bald ein Definitivum vereinbart werde 1 ). 

Man sieht, die Niederländer trugen sich mit dem Ge- 
danken, dass man doch in nächster Zukunft eine Gelegenheit 
finden werde, den Vertrag von 1506 wieder umzuwerfen. Die 
Engländer aber hatten nur nöthig, die Niederländer dilatorisch 
zu behandeln, um fortwährend im Besitz des Erlangten zu 
bleiben. Spinelly hatte vollkommen Recht, wenn er auf die 
Kunde des Abschlusses hin mit sichtlichem Behagen ausrief' 
„Der Handelsvertrag ist endlich einmal gesichert" 2 ). Das 
Ende des Jahres 1520 brachte somit in der That einen 
Wendepunkt zu Stande. Wohl musste zu dem vertragsmässig 
Errungenen noch der gute Wille bei der Ausführung von 
Seite der Niederlande kommen; die eigentümliche politische 
Stellung EÜglauds, die grosse Macht, die es gegenüber den 
sich gegenseitig selbst schwächenden Parteien, nämlich Franzi, 
und Karl V. in die Wagschale werfen konnte, Hessen erwarten, 
dass die englische Regierung Druck genug ausüben könne, um 
die Niederländer zum getreuen Innehalten des Versprochenen 
zu zwingen. 

Die Angelegenheit des Handelsvertrages verschwindet für 
einige Zeit vom Schauplatz, und andere Fragen von mehr 
vorübergehender Bedeutung tauchen auf. Der seit der Kaiser- 
wahl zwischen Franz I. und Karl V. unvermeidlich gewordene 
and jetzt nahe bevorstehende Krieg gab den Anlass hiezu. 

England vermied lange seine offene Parteinahme, und es 
gelang Wolsey hiedurch, seinen Herrn als Schiedsrichter über 
die beiden mächtigsten Monarchen anerkannt zu sehen. 
Während der Cardinal im Auftrag Heinrichs VIII. dieses Amtes 
zu Calais, wo er am 10. Aug. 1521 mit königlicher Pracht 
eingezogen war, nun waltete, lenkte er sein Hauptaugenmerk 



s ) Londoner Vertrag vom 11. April 1520, bestätigt von Karl am 23. April. 
Rymer XIII. S. 714. Brewer, Cal. III. 739 u. 772. 

*) Spinelly an Wolsey 3. Mai 1521: „the intercourse is once a sure 
matter, whatsoever for lack of the weather do ensue of the other". 
Brewer, CaL III. 787. 



— 56 — 

darauf, einen Vortheil für den englischen Handel aus der Lage 
zu ziehen. Nur zu gut hatte der kluge Staatsmann gesehen, 
welche V ortheile den Niederlanden zugefallen waren, als Hein- 
rich VIU. allein mit Frankreich verfeindet war. Sollte England 
nicht auch einmal den Nutzen haben können, wofern es ihm 
glückte, aus seiner Neutralität, wenn nicht ganz, so doch eine 
Zeit lang nicht heraustreten zu müssen? Des Cardinais Vor- 
schläge richteten sich auf Anerkennung der neutralen Stellung 
Englands. Er verlangte desshalb nicht nur, dass auf eng- 
lischem Gebiet keine Kriegstbat vollführt und kein Truppen- 
durchzug bewirkt, auf englischer See den französischen und 
niederländischen Fischern Sicherheit gewährt, in englischen 
Häfen und Dünen kein Angriff gemacht werden solle, sondern 
er suchte auch durchzusetzen, dass Lebensmittel von St Omer, 
Newport und Montreuil nach Calais geführt werden dürften, 
und dass die englischen Schiffe überhaupt in kaiserlichen und 
französischen Häfen Sicherheit und Schutz genössen 1 ). 

Der bedeutende Handel namentlich mit Fischen, wie er 
zwischen Frankreich und den Niederlanden bestand, sollte so- 
mit während der Feindschaft ganz durch englische Hände 
gehen. Es machte wenig Eindruck, wenn Wolsey gegenüber 
den Kaiserlichen hauptsächlich geltend machte, dass auf diese 
Weise die Niederländer und Engländer nicht der französischen 
Weine entbehren müssten. Karl V. und seine Minister waren 
Politiker genug, um durch eine so plumpe Aeusserung über 
den wahren Sachverhalt getäuscht zu werden, und Karls Brief 
vom 11. September 1521 an Gattinara gibt auch deutlich 
Zeugniss hievon *). Der englische Handelsgewinn war übrigens 
nicht einmal die einzige Rücksicht, welche Karl V. hiebei leitete. 
Thatsächlich begab er sich eines bedeutenden kriegerischen 
Vortheils, wenn Frankreich der Zufuhr von Lebensmitteln 3 ) 
und andern nothwendigen Artikeln sicher war. Allein Wolseys 
Wille, in dessen Hände jetzt die Geschicke der beiden Völker 
lagen, musste geschehen 4 ). Vergeblich bemühten sich die 
niederländischen Commissäre. dem Handel und Verkehr über- 



>) Gattinara etc. an Karl V. 1. u. 6. Sept. 1521. Brewer, Cal. III. 
1584 u. 1549. 

4 ) Brewer, Cal. III. 1566. Monom. Habsb. 313. 

*) KarlV. wollte aus demselben Grunde auch nicht zugeben, dass die 
französischen Fischer in den englischen Gewässern Sicherheit gemessen, 
sollten. Mit Hilfe seiner holländischen und zeeländischen Staaten hatte er 
eine Flotte ausgerüstet, mit der er seine eigenen Fischer schützen und 
noch den Franzosen bedeutenden Schaden zufügen zu können glaubte. Als 
er am 22. Sept. erfuhr, dass der Neutralitätsvertrag noch nicht unter- 
zeichnet war, konnte er es sich nicht versagen, noch rasch seinem Admiral 
Befehl zum Ausrücken gegen den Feind zu geben. Karl V. an seine Ge- 
sandten zu Calais 22. Sept. 1521. Brewer, Cal. III. 1600. 

4 ) Vgl. Brewer. Cal. III. 1600. 1602. 1616. 1626. 



- 57 — 

haupt eine längere Neutralität 1 ), und dadurch wenigstens 
ihrem Lande den Handelsgewinn zu sichern, am 11. October 
1521 mussten sie mit den Franzosen den Vertrag fast ganz 
so, wie ihn Wolsey gewünscht, unterzeichnen *). 

Ein Jahr lang vortheilte England von der durch den 
Cardinal geschaffenen Begünstigung 8 ); über deren Effect aber 
ist ein Urtheil kaum möglich *). Im October 1522 erklärte auch 
Heinrich VIII. an Frankreich offen den Krieg, und die Situation 
wurde dadurch verändert. Der englische Handel verlor die 
neutrale Stellung, und die Schwierigkeiten in Betreff des Ver- 
kehrs mehrten sich. Schottland ganz von Frankreich geleitet 
erhob sich gegen England, und der directe Handel zwischen den 
vier Nationen schien aufhören zu sollen. Heinrich VIII. ver- 
langte von den Niederländern, dass sie den Verkehr mit seinen 
Feinden einstellten 5 ), auch auf die Heringsfischerei an den 
schottischen Küsten verzichteten. Da die niederländische 
Volksstimme sich sehr stark dagegen aussprach 6 ), machte 
man lange Zeit Versuche, den Handelsabbruch durch allerlei 
Vorwände hintanzuhalten; schliesslich musste man aber doch 
den Wunsch des politischen Freundes erfüllen, indem man 
theoretisch seine Forderungen anerkannte 7 ); in der prak- 



x ) Gattinara und Genossen an Karl V. 5. Okt. 1521. Brewer, 
CaL III. 1685. 

2 ) Brewer, Cal. III. 1660; Rymer XIII. S. 752. Der Vertrag be- 
steht aus 8 Artikeln. Die freie Fischerei wurde nur bis Ende Januar ge- 
stattet (Art. 1.); das war aber für die Engländer eher ein neuer Vortheil, 
als ein Nachtneil. Ueber die einzelnen Phasen der Verhandlungen ist 
heranzuziehen Brewer, Cal. III. 1595, 1598. 1605, 1606, 1608 u. s. w. 

*) Doch blieben trotz der garantirten Neutralltat Zwischenfalle nicht 
aus; vgl. Brewer, CaL IIL 1691, 2193, 2379. 

*) Die Zölle, die in den Jahren 1518/19, 1519/20 die grösste Stei- 
gerung während Heinrichs VII. und VIII. Regierung aufweisen, sinken im 
Jahre 1521/22 auf einen äusserst niedrigen Stand zurück (Bd. II. S. 46, 
58). Die allgemeine Krisis, wie sie namentlich am Anfang des Krieges 
immer eintritt, übte doch ihre Wirkung aus. Gleichzeitig erfuhr der 
Wollexport eine Minderung aus Gründen, die nicht ausschliesslich 
im Kriege su suchen sind. Ferner ist zu erwägen, dass der Vortheil, den 
das Wolsey'sche Abkommen schuf, hauptsächlich in dem Zwischenhandel, 
den die Engländer mit Frankreich und den Niederlanden nun fühlten, lag; 
diese Vermittlung konnte sehr gewinnbringend sein, brauchte aber nicht m 
den englischen Zollen zum directen und sofortigen Ausdruck zu kommen. 
E ) Sir Rob. Wingfield und Spinelly an Wolsey. 1. April 1522. 
Brewelr, Cal. DL 2149. 

*) Wingfield schreibt am 13. September 1522 hierüber an Wolsey von 
Antwerpen aus : „The folks of this country seem ratber to be lords than 
subjects; and moreoyer, where their prince is always furnished of money 
by them frome time to time, they think right stränge, considering the 
Privileges, which they have, that both the prince should have money of 
them and inhibit or Sequester them from their lawful profits." Brewer. 
Cal. ÜI. 2542. 

') Sir Rob. Wingfields Brief vom 27. Sept. 1522 sagt , dass die Ver- 
bannung der Schotten und das Verbot des Verkehrs am 26. Sept. publi- 
cirt worden sei. Brewer, Cal. ÜI. 2575. 



— 58 — 

tischen Ausführung Hess man aber mehr als billige Milde 
walten *). 

Noch viel grössere Differenzen erzeugte die Frage des 
Handels mit Frankreich. Man fasste wieder einen Waffen- 
stillstand ins Auge 2 ). Derselbe kam aber nicht zu Stande, 
und nun suchten Engländer wie Niederländer mittels Geleits- 
briefe einen möglichst grossen Handel mit Frankreich zu 
unterhalten 8 ), indem jede Nation glaubte, sie allein hätte 
den Gewinn. Die Täuschung kam bald an den Tag, und 
beide beschuldigten einander, incorrect gehandelt zu haben 4 ). 
Die Klagen wurden, da sich noch andere Beschwerden hinzu- 
gesellten, schliesslich so heftig, dass die Erzherzogin Ab- 
gesandte nach London beorderte, welche eine Verständigung 
mit der englischen Regierung herbeiführen sollten 6 ). 

Dieselben hatten ihrem Auftrag gemäss dahin zu wirken, 
dass man sicheres Geleit für den Handel zwischen den Nieder- 
landen, Frankreich und Schottland gewähre, und der König 
von Frankreich die Heringsfischerei gestatte, da von dieser 
die Existenz einer grossen Zahl niederländischer Unterthanen 
abhänge 6 ), feiner sollten sie hinsichtlich des Geldkurses mit 
der englischen Regierung ein Uebereinkommen zu erzielen 
suchen 7 ). 

Die Klagen in Betreff des letzten Punktes waren nicht 
neu. Schon früher hatten wir Gelegenheit, auf eine Meinungs- 
verschiedenheit zwischen beiden Regierungen in dieser Sache 
hinzuweisen 8 ). Wie ehedem war der französische Krieg der 
Anlass der Störung. Seit 1522 kamen die Geldverhältnisse 
merklich ins Schwanken, der Ausbrach eines Krieges steigerte 
ungeheuer das Geld in seinem Preise 9 ), wie dies heute noch 
in ähnlichen Fällen sich ereignet und die bekannten Paniken 
in den vom Krieg betroffenen Ländern zu erzeugen pflegt. 
Nur war damals die Krise immer viel acuter; die Rohheit, 



M Vgl. den Brief von Margaretha von Savoyen an Wolaey vom 
18. April 1523. aus dem deutlich hervorgeht, dass zwischen Midaelburg 
und Schottland Handel getrieben wurde. Brewer, Cal. IIL 2953. 

») 12. April 1528. Brewer, Cal. III. 2948. 2998. 

a ) Im August 1523 verlangte der kaiserliche Gesandte, dass die Aus- 
sähe von Geleitsbriefen für den Handel zwischen den Niederlanden und 
Frankreich gestattet wurde, fand aber damit kein Gehör bei der eng- 
lischen Regierung; vgl. Mores Brief an Wolsey v. 26. Aug. 1523. Brewer, 
Cal. in. 3270. 

4 ) Gayangos, Cal. HI. 38. 

fi ) 28. Jan. 1525. Gayangos, Cal. ID. 8. 

6 ) Vgl. auch den Bericht der Commissäre an Margaretha v. 20. April 
1525. Gayangos, Cal. III. 78. 

T ) Gayangos, Cal. III. 8. 

•) S. 40. 

°) Henne, Regne de Charles-Quint en Belgique V. S. 333. 



— 59 — 

mit der die Kriege geführt wurden , trieb die Angst bis aufs 
Höchste, die Zurückhaltung des Geldvorrates nahm viel 
grössere Dimensionen an, als heutzutage; zudem war die cir- 
culirende Geldmasse absolut viel geringer, und Creditmittel 
konnten nicht sofort vermittelnd dazwischen treten. Am 
4. October 1522 schrieb Wingfield von Antwerpen an Wolsey: 
Geld ist so theuer, dass Alles daran zu kranken scheint; 
möge es doch Gott zum Bessern wenden 1 ). Die grossen 
Geldverschiebungen, welche der Krieg mit sich brachte, regten 
zugleich die Agiotage an. Besonders war es das Gold, welches 
ganz enorm im Preise stieg. Die niederländischen Stände 
waren sehr ungestüm, und die Regierung musste ihren Wün- 
schen in Betreff der Geldpolitik willfahren 2 ). Die Folge der 
letzteren aber war, dass ununterbrochen englische Münzen, 
besonders die Angelotten nach den Niederlanden strömten 8 ). 

Diese Erscheinungen gaben natürlich Anlass zu Verband- 
lungen. 

Die Theuerung des Geldes führte dahin, dass die Nieder- 
länder erklärten, sie könnten unmöglich den Stapelkaufleuten 
den früheren Nominalpreis für Wolle zahlen. Man erinnerte 
sich wieder des Vertrags von 1499, durch den die Zahlungs- 
verhältnisse geordnet worden waren. Der für die Nieder- 
länder wichtigste Artikel 1 dieses Tractats war im Jahre 1511 
ausser Kraft getreten. Obwohl die Bürger von Brügge kurz 
vor seinem Erlöschen die Regierung auf die im Wollgeschäft 
beobachteten Mängel aufmerksam gemacht und eine Regelung 
dieser Verhältnisse gewünscht hatten 4 ), so war derselbe augen- 
scheinlich nicht erneuert worden. Das Resultat der nun auf- 
genommenen Verhandlungen 5 ) war, dass man wieder wie 1499 
englischerseits einen Abschlag von Vi Mark per Sack bewilligte. 
Dieser Nachlass galt aber nur für die neue nach Galais ge- 
langende Wolle. Für die bereits in Calais befindliche Wolle 
sollte er nur dann eintreten, wenn sie nicht bis zum 8. April 
1525 verkauft war. Man einigte sich feiner darüber, dass für 
das alte Geld gemeinschaftlich ein Curs festgesetzt und dieser 
bei allen Zahlungen eingehalten werde 6 ). Kein neues Geld 
aus Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich oder sonstwoher 



l ) Brewer, Cal. III. 2593. 

*) Vgl. hierüber D. Groebe, Beantwoording der prysvrag over de 
munten en hetgeen daartoe betreking heeft, sedert 1500 tot den iare 1621 
mgesloten. Memoires couronnes par l'Academie, X, und Henne, Regne de 
Cbaries-Quint en Belgique V. S. 333 fg. 

*) Der Cardinal sagte einmal : Wenn die Dinge so bleiben, so wandern 
noch alle Angelotten nach Flandern. Gayangos, Cal. III. 46. 

4 ) Doleancien van den ghemeene draperie van der Inghelsche wnlle 
binnen Bragghe. Nieuwen Groenenbouc B. B. fo. 48 im Stadtarchiv 
▼on Brügge. 

6 ) Brewer, Cal. III. 2634, 2777. 

•) Die Festsetzung desselben bei Brewer, Cal. III. 2967, 3332. 



— 60 — 

dürfe den englischen Kaufleuten gegeben werden, wenn nicht 
für dasselbe unter Zustimmung beider Fürsten ein Curs fest- 
gesetzt sei. Im Uebrigen sollte der Vertrag von 1499 in voller 
Wirksamkeit bleiben, insoweit er nicht durch spätere Verträge 
modificirt worden war 1 ). 

Auch wegen des Abflusses englischen Goldes 2 ) that die 
englische Regierung Schritte. Nachdem sie hinsichtlich des 
Stapels zu einer nicht unbeträchtlichen Concession sich ver- 
standen hatte, durfte sie mit Recht nun auch eine Berück- 
sichtigung dieser ihrer Wünsche verlangen. Wolsey drang 
wiederholt darauf, dass die niederländische Regierung ihre 
Geldpolitik ändere und ihren Curs mit dem englischen gleich- 
setze, damit der Goldstrom wieder in umgekehrter Richtung 
stattfinde. Man kam aber in dieser Sache vorläufig zu Nichts s ). 
Ebensowenig richtete man in Betreff der Geleitsbriefe aus 4 ). 
Obwohl Wolsey fast unerschöpflich in Vorschlägen 6 ) war, um 
zu einer Einigung zu kommen, so war doch all sein Mühen 
und Combiniren vergeblich. 

Die allgemeine Politik hatte eine entscheidende Wendung 
genommen. Die Schlacht von Pavia (24. Februar 1525) hatte 
den König von Frankreich zum Gefangenen Karls V. gemacht 
und alle Wünsche des letzteren befriedigt. Die englische Re- 
gierung auf die grossartige altenglische Tradition zurück- 
greifend, schmeichelte sich mit der Hoffnung, die Ziele eines 
Eduards III. und Heinrichs V. verwirklichen und die franzö- 
sische Krone auf des Tudors Haupt setzen zu können. Aber 
Wolsey stiess nicht nur auf unüberwindliche Schwierigkeiten, 
als er durch ein sogenanntes freiwilliges Anlehen (amicable 
loan) die Mittel zur Fortsetzung des Krieges zu erlangen 
suchte 6 ), sondern er musste auch bald erfahren, wie des 



*) Brewer, Cal. III. 2777, 2884. 

*) Der Zeitgenosse Hall sagt über diesen in seiner Chronik S. 693 
beim Jahre 16 H. VIII.: all the people of Englande grudged against 
Flaunders for their evill entreatyng in the tyme of warre, and also the 
Kyng was displeased with theim for enhaunsyng his coyne there, which 
was a cause, that money was daily conveighed out of the realme. Sieh 
auch Brewer, Cal. IV. 1101. 

8 ) Gayangos, Cal. III. 46,90, 111. Brewer, Cal. IV. 951, App. 41, 1101. 

*) Die kaiserlichen Commissäre hatten Vollmacht, auf die Ungültigkeits- 
erklärung der ausgegebenen Geleitsbriefe einzugehen, wenn England ver- 
sprechen wolle, die Niederlande mit Wein, Salz, Korn und sonstigen Ar- 
tikeln, an denen England Ueberfluss habe, zu versehen. Wenn Wein und 
Salz besonders genannt werden, so liest der Grund darin, dass der Ab- 
bruch der Beziehungen mit Frankreich diese Waare entsetzlich vert heuerte. 
Der Preis des Salzes war zeitweise von 6 und 7 Livres auf 60 und 80 ge- 
stiegen. Vgl. die Instructionen von Margaretha an ihre Gesandten vom 
28. Januar und den Bericht der Commissäre an Margaretha v. 9. März 1525. 
Gayangos, Cal. III. 3, 8. 

ß ) Gayangos, Cal. III. 78. 90, 97, 111; Brewer, Cal. IV. App. 41. 

e ) Sowohl die Londoner Geschäftsleute, als das Landvolk setzten 
dieser willkürlichen Erpressung den entschiedensten Widerstand entgegen. 



— 61 - 

Kaisers Pläne keineswegs mit den englischen Absichten sich 
deckten, indem Karl V. nicht gewillt war, die errungenen 
Vortheile durch Schaffung eines stärkeren Gegners wieder zu 
verlieren. Misstrauen, gegenseitige Ueberlistung und schliess- 
liche Feindschaft gaben den Verhandlungen der kommenden 
Jahre ihr Gepräge, und es begreift sich, dass von solchen 
Verhältnissen auch die Handelsangelegenheiten afficirt wurden. 
Die politische Haltung des Kaisers veranlasste zunächst 
den englischen König, auf französische Seite zu treten. Als 
Karl seinem Gegner Franz einen fünfmonatlichen Waffenstill- 
stand gewährt hatte 1 ), schloss Heinrich VIII. mit Frankreich 
einen einseitigen Frieden. England kam dadurch hinsichtlich 
des Handels in eine bessere Situation als die Niederlande*). 
Die Holländer wurden so ängstlich, dass sie selbständig mit 
Heinrich VHI. durch Adolph von Burgund über eine Neutra- 
lität für die Dauer eines Jahres ein Abkommen treffen Hessen. 
Die Franzosen begünstigten die Engländer gegenüber den 
kaiserlichen Unterthanen 3 ), und sehr besorgt blickten die 
Niederländer dem Ausgang des Waffenstillstandes entgegen. 
Der Krieg war ihnen „wegen ihrer äussersten Noth" ernstlich 
verleidet und unerträglich , „namentlich seit jetzt dieser eng- 
lisch-französische Friede geschlossen" 4 ). Da jedoch am 15. Ja- 
nuar 1526 zwischen Karl V. und Franz I. der Madrider Vertrag zu 



Die Industriellen schoben schlau die Arbeitermassen vor, indem sie diese 
durch Entlassung zum Revoltiren brachten. Die Erbitterung derselben 
richtete sich gegen die Regierung. Ein Anfuhrer aufständischer Arbeiter 
sprach damals vor dem Herzog Norfolk die charakteristischen Worte: „Sith 
you ask, who is our captain, forsooth his name is Poverty; for he and his 
cousin Necessitv hath brought us to this doing; for all these persons and 
many more, which I would were not here, live not of ourselves; but all we 
live by the substantial oecupiers of this county, and yet they give us so 
little wages for our workmanship, that scarcely we be able to live, and thus 
in penury we pass the time, we, our wives and children; and if they, by 
whom we live, be brought in that case, they of their little cannot help us 
te earn our living, then must we perish and die miserably. I speak this, 
ray Lord : the clothmakers have put all these people and a far greater number 
from work. The husbandmen have put away their servants and given up 
hoosehold;- they say, the king asketn so much, that they be not able to 
do as they have done before this time, and then of necessity must have 
die wretchedly." Hall, Chronicle S. 700; vgl. auch Brewer, Cal. IV. 
Introd. 8. 71. 

') Der Waffenstillstand dauerte vom 26. Juli bis 21. Dez. 

a ) Henne, R&gne de Charles-Quint en Beigigue IV. 8. 49. 

*) Durch den Waffenstillstand war bloss die Fischerei wieder frei ge- 
geben. Der Handel blieb an Geleits briefe gebunden, und obwohl diese 
öiederländischerseits fast kostenfrei gewährt wurden, so hing der Effect 
doch davon ab, ob auch die Franzoben liberal verfahren würden. Wing- 
jjdd glaubt deshalb, dass die englischen Kauf leute vor dem Abschluss des 
französisch -spanischen Friedens grosse Gewinne machen könnten. Sir 
Bob. Wingfield an Wolsey. 2. Nov. 1525. Brewer, Cal. IV. 1737. 

*) Brewer, Cal. IV. 1723. 



— 62 — 

Stande kam, so war die commercielle Benachtheiligung der 
Niederlande eine nur kurz andauernde. 

Inzwischen nahmen die mercantilen Verhältnisse fort- 
während die Aufmerksamkeit beider Regierungen in Anspruch. 
Am 21. Januar 1526 lief zudem das erste Quinquennium des 
provisorischen Intercursus ab, und beide Regierungen hatten 
in Erwägung zu ziehen, ob nicht eine Neuregelung anzustreben 
sei. Die kaiserliche Regierung war zu sehr durch die all- 
gemeine Politik beschäftigt, als dass sie mit gehörigem Ernst 
diese commercielle nur die Niederlande betreffende Frage 
hätte behandeln können. Sie schien die Fortsetzung des Ver- 
trages von 1506 für weitere 5 Jahre ruhig acceptiren zu 
wollen. Dagegen darf man, so wunderbar dies auch auf den 
ersten Blick erscheinen mag, mit einigem Grund annehmen 1 ), 
dass England nicht ganz abgeneigt war, einen neuen Veitrag 
abzuschliessen. Die Regierung ging dabei wohl von der 
Voraussetzung aus, grössere Vortheile zu den früheren hinzu- 
erwerben zu können, namentlich eine vertragsmässige Ordnung 
der Geldverhältnisse in englischem Sinn und Beseitigung des 
Stapelzwanges für die in die Provinz Flandern eingefühlten 
englischen Tücher und Waaren 8 ). Die Zeit war zu kurz, nm 
diese wichtigen Fragen zu erledigen. Sie bildeten aber den 
Stoff für Unterhandlungen im kommenden Jahre. 

Als der früher genannte Jouglet zum Vertreter der Nieder- 
lande bestellt worden war 3 ), nachdem lange Zeit der Kaiser 
den förmlichen diplomatischen Verkehr mit England ganz ein- 
gestellt hatte 4 ), waren die commerciellen Beschwerden die ersten 
Punkte, über welche Heinrich VIII. mit dem Gesandten con- 
ferirte. Er drückte seinen Unwillen aus, dass die Niederlande 
noch immer seinen Wünschen mit Hartnäckigkeit begegneten. 
Alle früher geltend gemachten Gründe seien nun in Wegfall 
gekommen; man könne nicht mehr den unordentlichen Zustand 
der französischen Finanzen, ebenso wenig die Ungewissheit des 
Ausgangs im politischen Streit vorschützen, um die vertrags- 
widrige Weigerung, gemeinsam mit England den Geldcurs zu 
bestimmen, noch länger fortzusetzen. Die Einwendung des Ge- 
sandten 6 ), dass der König ja seinen Unterthanen die Ausfuhr 



*) Sieh den Brief Nikolas Perrenots an Margaretha von Saroyen vom 
19. Okt 1525. Brewer, Cal. IV. 1709. 

*) a. a. 0. 

*) Er überreichte seine Beglaubigung am 9. Juni 1526. 

4 ) Der kaiserliche Gesandte de Praet musste abgerufen werden, weil 
Wolsey dessen Correspondenz hatte auffangen lassen; obwohl der Kaiser 
das allem Völkerrecht hohnsprechende Verfahren Wolseys scheinbar billigt«, 
so hatte er doch den Gesandtschaftsposten ein halbes Jahr lang unbesetzt 
gelassen. 

*) In der Instruction war Jouglet über diese Frage folgende Direc- 
tive gegeben: Et que de ce le Roy et monsieur le legat d'Angleterre pour 



— 63 — 

der Angelott en verbieten könne, lehnte Heinrich VIII. mit dem 
Bemerken ab, dass ein solches Vorgehen ftlr ihn unannehmbar 
sei, da es in die Handelsspeculationen seiner Unterthanen ein- 
greife; die Behauptung Jouglets aber, dass die Stapelkauf- 
leute selbst nicht an den vertragsmäßigen Curs sich hielten, 
sondern fortwährend denselben, je nachdem der Geldcurs steige 
oder falle, abänderten, stellte der König geradezu in Abrede ')• 
Ebenso energisch sprach Heinrich VIII. über die flandrische 
Angelegenheit. Die Kaufleute von Brügge seien nicht befugt, 
ihre Stapelgerechtigkeit *) in Betreff englischer Wollstoffe gel- 
tend zu machen. Der Verkauf dieser im ganzen flandrischen 
Gebiete sei immer geduldet worden, und wenn wirklich ein 
dem entgegenstehendes Verbot in alten Zeiten erlassen worden 
sei, so habe es sich nur auf breite und feine Tücher, nicht 
aber auf grobe und kleine (gros et petits draps) erstreckt. 
Der Vertrag unterscheide zwar nicht dem Wortlaute nach, 
aber Duldung und Uebung kämen einer ausdrücklichen Aus- 
nahme gleich 3 ). Jedenfalls hätten die Niederlande die Pflicht 
eine günstige authentische Interpretation zu geben 4 ). 

Jouglet war ein bejahrter Mann, der den verwickelten 
Fragen und verwirrenden Schachzügen des englischen Cabinets 
sich nicht gewachsen fühlte. Mit rührender Bescheidenheit 
theilt er dies offen der Regentin mit und bittet sie, ihn mit 
Rücksicht auf seine 20 Jahre lang geleisteten Dienste von 
diesem schweren Posten zu entheben und durch eine jugend- 



luy ayent feient difficulte, ne fist toutesvoyes, que madame consente la 
redaction de langelot et aultre monnaie dor et dargent de la forge d'Angle- 
terre au pris quilz ont cours au royaulme, oflrans lesdits srs. roy et legat, 
si madame v voulsist entendre, en ce cas denvoyer commission et povoir 
a lambassadeur Wingfelt den traittier. Que che snr ce combien que eile 
ne puist faire changement au pris des monnaies, mesment en absence de 
lempereur sans ladvis de estaz des payß desirant toutesvoyes complaire au 
roy et audit sr. legat a escript a maistre Jehan de la Sauchz leur dire que 
sil leur piaist envoyer povoir a messire Robert Wingfelt du fait de la 
monnaie, que voulentiers eile entendra ledit changement et y fera ce que en 
eile sera. Staatsarchiv in Brüssel. Papiers d'Etat. Nägociations 
d'Angleterre. T. I. fo. 11 b. u. 12. 

*) Die Behauptung Jouglets durfte trotzdem die grössere Wahrschein- 
lichkeit für sich haben. Nur in gerichtlichen Prozessen scheint man den 
am 17. Januar 1823 im Art. 4 vereinbarten Curs zu Grunde gelegt zu 
haben. Vgl. den Bericht der niederl. Commissäre zu London an Margaretha 
Tom 2±. März 1525. Gayangos, Cal. 111. 46. 

*) Dieselbe war 1499 aufgehoben, 1501 aber wieder eingeführt worden. 
Sieh oben S. 28, 27. 

s ) Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Engländer widerrechtliche 
Ansprüche machten. Den seit einiger Zeit von den Flamändern gutwillig ge- 
statteten Abusus wollten die Engländer nun anerkannt wissen und damit 
das Br&gge'sche Stapel und die flandrische Tuchindustrie vollends zu Boden 
werfen. 

4 ) Jean Jouglet an Margaretha. 17. Juni 1526. Gayangos, Cal. III. 
463. Daselbst ist auch die üble Behandlung, welche die Engländer im All- 
gemeinen durch die Niederländer erfuhren, besprochen. 



— 64 — 

liehe, frischere Kraft zu ersetzen *). Seine Abberufung erfolgte ; 
die Absicht war, mit den diplomatischen Verhandlungen einen 
gewandten Spanier, den Ifiigo de Mendocja zu betrauen. Ent- 
scheidend für seine Wahl war, dass die Hauptaufgabe seiner 
Mission auf dem rein politischen Felde lag. In Handelssachen 
war er nicht bewandert 8 ), und man gedachte deshalb ihm 
einen Specialbeistand in der Person des Niederländers Jean 
Boutton 8 ) zu geben; feiner sollte Mendoga bei der Regentin 
und ihrem Rath genau sich instruiren lassen. Mendoga wurde 
aber auf dem Wege nach England in Frankreich eine Zeit 
lang festgehalten, weshalb der gewandte Provost von Cassel 
Theimseke bis zu seiner Ankunft die kaiserliche Regierung 
vertreten musste 4 ). 

In Folge dieses fortwährenden Personenwechsels scheint 
es Wolsey vorgezogen zu haben, einstweilen durch den eng- 
lischen Vertreter am niederländischen Hofe die handelspoliti- 
schen Beschwerden geltend machen zu lassen. Der Gesandte 
J. Hackett hatte auch vielfach Erfolg. Nach langen Berathungen 
mit den Behörden von Brügge befahl Margaretha diesen, keine 
Verstösse gegen den Intercursus hingehen zu lassen. In Strei- 
tigkeiten, welche unter den Stadtbürgem in dieser Sache sich 
erheben sollten , behielt sie sich selbst das Recht der Entschei- 
dung vor. Dieser Erlass war, wie es scheint, in einem England 
günstigen Sinn auszulegen; denn sofort Hessen, wie Hackett 
berichtet, nach dieser Kundgebung die Brügge'schen Barger 
Kersies und Stockbreds von Antwerpen kommen und kauften 
und verkauften ohne Hindernisse 6 ). Auch die Geldkursfrage 
hatte allem Anschein nach einen Schritt vorwärts gemacht 
Die letzte kaiserliche Valvation muss bedeutende Concessionen 
den Engländern gewährt haben, und die Brabauter und Zee- 
länder, die eine Zeit lang den kaiserlichen Befehl missachteten 6 ), 
machten, nachdem die Stände darüber verhandelt hatten, eine 
neue Ordnung, in welcher sie den Curs für daß englische Geld 
wenigstens theilweise ermässigten 7 ). 



*) 17. Juni 1526. Gay an g ob, Cal. III. 463. 

2 ) So gesteht er selbst ein. Gayangos, Cal. III. P. II. 8. 

*) Gayangos, Cal. III. 616, 682; Boutton kam in London am H.No- 
vember an. 

4 ) Gayangos, Cal. in. 469, 588, 619, 645. 

6 ) 4. Juli 1526. Brewer, Cal. IV. 2300. 

6 ) Desshalb sagte Hackett: The coinage runs in these parte above all 
reason and the Emperor's comandment." Brewer, Cal. IV. 2628. 

"O John Hackett an Wolsey. 15. Nov. 1526. Brewer, Cal. IV. 2628. 
Der Angelott sollte fortan nicht höher als zu 11 ah, def Royal nicht höher 
als zu 16 sh 6 d gerechnet werden. Hackett aber rieth Wolsey, durch den 
Consul den Merchant adventurers und den Staplern zu befehlen, sie sollten 
Gold und Silber nur nach der kaiserlichen Valvation annehmen. Die 
verhangniss volle Lösung, welche die C ursfrage schliesslich in England er- 
fuhr, ist bekannt; sieh Abschn. IL Cap.5; vgl. ferner Hall, Chronide S. 718. 



— 65 - 

Obwohl die Niederlande diese und andere 1 ) Beweise von 
Nachgiebigkeit und Versöhnlichkeit gaben, so begann doch das 
Jahr 1527 mit den trübsten Aussichten für die Beziehungen 
zwischen beiden Ländern *). Eine französisch-englische Allianz 
gegen Karl V. stand in Aussicht und kam auch bald zu 
Stande'). Mendoga durfte sein reiches Programm 4 ) über 
commercielle Fragen und den Handelstractat gar nicht zur 
Sprache bringen, um nicht den bereits bestehenden Gegensatz 
Doch mehr zu verschärfen ). 

Im Frühjahr hielt man schon nicht mehr recht an -der 
Beobachtung der völkerrechtlichen Sätze des Intercursus fest 6 ). 
Mitte Mai 7 ) liess Wolsey den Verkehr mit den Niederlanden 
unterbrechen, indem er den Kaufleuten verbot, die gerade be- 
vorstehenden Messen zu besuchen, und die Schiffe, die auslaufen 
wollten, mit Beschlag belegte 8 ). Um gleichzeitig aber den 
englischen Tüchern und Waaren einen Abfluss zu ermöglichen, 
griff er wieder auf das schon des öfteren von Heinrich VII. 
versuchte Project zurück, den Handel nach Calais zu ziehen 9 ). 



*) Vgl. z. B. Brewer, CaL IV. 2324. . 

*) Schon am 19. Jan. 1527 erfuhr Mendoga, dass man Krieg gegen 
Flandern plane; ebenso am 18. März; am 25. April theilte er mit, dass be- 
reits einige englische Kaufleute aus Furcht vor dem Krieg ihre Güter von 
den Niederlanden zurückgezogen hätten. Gayangos, Gal. in. P. II, 8, 
37, 55. 

s ) Erneuerung des Vertrags zu More. 30. April 1527. Dumont, 
Corps diplomatique du droit des gens. 1726. IV. P. 1. S. 472. 

4 ) In der Instruction, die Mendoca am 2. Mai 1526 vom Kaiser zu 
Sevilla erhielt, waren nicht weniger als 6 Punkte, auf die er sein Augen- 
merk zu richten hatte, erwähnt; an erster Stelle ist genannt der Handels- 
vertrag, dann folgen der Wollhandel, das Stapel von Galais, die Zölle von 
Gravelingen und Antwerpen, das Geldwesen, die Zölle auf Tuch und andere 
Manufacte, die man aus Flandern und Spanien nach England oder von 
England nach Flandern und Spanien führte. Gayangos, Cal. III. 410. 

*) Mendoca an den Kaiser. 19. Jan. 1527. Gayangos, Gal. III. 
P. IL 8. 

*) Englische Kaufimannsgüter, welche an der Küste von Zeeland ge- 
rettet wurden , weigerte man sich zurückzuerstatten , und der brabantische 
Gerichtshof gab „lettres of resspyt" und „kynkernels" aus. Man verstiess 
somit gegen Art. 24 des M. I. und Art. 7 des Vertrages von 1499. — Der 
englische Admiral weigerte sich, ein spanisches Wrack, obwohl es nicht 
verlassen war, herauszugeben. Inigo de Mendoca an Wolsey. 8. Mai 1527. 
Brewer, Cal. IV. 3106. 

7 ) Nach Angabe des venetianischen Gesandten Seb. Giustinian in Paris 
sollen schon im April alle Fläminger aus England vertrieben worden sein. 
Wahrscheinlich war das aber nur ein von den Franzosen verbreitetes Ge- 
rächt, da in Mendocas Correspondenz keine Erwähnung hievon gemacht 
ist Seb. Giustinian an den Dogen. 23. April 1527. Brown, Cal. IV. 97. 

*) Ueber die schwankende Haltung Wolseys im Juni und October in 
Betreff dieser Zurückhaltung der englischen Schiffe sieh Mendocas Briefe 
an den Kaiser vom 4. Juni und 26. Oct. 1527. Gayangos, Cal. III. P. IL 
*3u.224. 

9 ) Im Publicum hatten Manche erwartet, dass Wolsey Montreuil zum 
Stapelplatz creiren werde. Gayangos, Cal. HI. P. IL 69. 

Schanz, Engl. Handelspolitik. I. 5 



— 66 — 

Es war einer der vielen Vorzüge, welche den Besitz von Galais 
für England so werthvoll machten, dass die englische Handels- 
politik diesen Stapelplatz jederzeit als Repressalie gegen die 
Niederlande benutzen konnte, und es hat in der That einige Be- 
rechtigung, wenn der venetianische Gesandte Giovanni Michele 
die Unabhängigkeit des englischen Handels mit dem Stapel von 
Calais in Verbindung bringt 1 ). Es ist nicht unmöglich, dass 
Wolsey mit dem Gedanken umging, Calais überhaupt und 
dauernd zum Stapelplatz sämmtlicher englischer Producte, also 
namentlich auch des Tuchs zu machen. Am 13. Juli 1527 erliess 
Heinrich VIII. eine sehr umfangreiche Proclamatioh 2 ), welche 
nicht blos den einheimischen, sondern auch den fremden Kauf- 
leuten ganz dieselben Freiheiten und Privilegien verlieh, die 
die Engländer in Antwerpen, Brügge, Bergen oder sonstwo in 
den Niederlanden genossen 8 ) ; nur sollten sie versprechen, fortan 
weder aus den Niederlanden irgend Etwas direct in England 
einzuführen, noch Tuch oder andere englische Waaren von 
Calais nach den Niederlanden zu bringen. Die Durchfuhr 
sollte jedoch erlaubt sein, wenn Sicherheit geleistet würde da- 



x ) Michele nennt 1557 Calais Ja chiave e porta principale del regno, 
non potendo gllnglesi avere alcun* altra uscita dal loro agli altri regni 
ne cosi Pentrata piü facile, piü breve, ne piü sicura, talmenteche, se le 
mancasse, resteriano siccome veri isolani, separat! dalla terra ferma, e cosi 
divisi in tutto dal commercio e dalle pratiche dal mondo e degli altri 
principi, e mancheriano per conseguenza di cosa principalmente necessaria 
alla conservazione di un regno, convenendo rimettersi alla diacrezione di altri 
principi, con valersi dei loro porti con piü lunga navigazione, piü pericolo 
e maggiore spesa." Alberi, Relazioni Ser. I. Vol. II. S. 305, 806. 

*) Dieselbe ist ihrem vollen Wortlaute nach wiedergegeben in dem 
von der Camden Society veröffentlichten und von Nie hole besorgten Chro- 
nica of Calais in the reigns of Henry VII and Henry VIII to the year 1540. 
London 1846. S. 102 — 109. Kurze Notizen befinden sich bei Brewer, 
Cal. IV. 3262 und in den State papers, King Henry VIII. 1880-52. VII. 
S.4. Der Titel lautet: „A proclamation for establishing of trade and merchan- 
dizing and traffique within the towne and marches of Callice with divers 
immunities and freedoms concerning the same, u und der Eingang: „The king 
our soveraigne lord, mynding and entending the welth, encrease and enriching 
of his realme of England and of this towne of Callis and the marches of the 
same, and that not only his own subjeets, but also other strangers, of 
what natioja soever they be, might have the more desire and currage to 
repaire to this his said towne and marches, and for other great respects 
and consideracions , with the advise of his counsell, by theis his lettres 
patentes of proclamacion freely geveth and granteth füll libertie etc. tt 

3 ) Als solche sollen die Privilegien des Herzogs Philipp von Burgund 
von 1446 gelten. Die Kaufleute sind ausdrücklich nicht gebunden „hedmony, 
half passnge money, travers mony, sandgelt, wharfgelt, the Flemish toll 
otherwise named brocage of the haven or any other toll whatsoever" zu 
zahlen. Die Zolltarife sollen am Marktplatz im Zollhaus und der kgl. 
Wechselstube angeschlagen werden. Den Merchant adventurers werden die 
nämlichen Corporations - Rechte wie in den Niederlanden eingeräumt Es 
soll Sorge getroffen werden, dass die Einwohner von Calais Schau- und Pack- 
häuser zu billigen Preisen abgeben. Damit an Lebensmitteln immer grosse 
Fülle vorhanden sei , wird die Einfuhr derselben an keine Licenz gebunden 



- 67 — 

für, dass man die Tücher nicht auspacke und in den Nieder- 
landen verkaufe. Da Wolsey auch gleichzeitig mit Frankreich 
Verhandlungen pflog, um den Engländern dort die gleichen 
Privilegien zu verschaffen, die sie bisher in den Niederlanden 
besessen *) , so schien es in der That , als ob dieser gewaltige 
Staatsmann die ganze Handelsblüthe dem brabantisch-holländi- 
schen Gebiete entziehen wollte. 

Der kühne Plan aber misslang. Die Niederländer waren 
natürlich nicht Willens, ein solch verhängnissvolles Unternehmen 
ruhig gedeihen zu lassen. Die verschiedenen Städte von Hol- 
land, Zeeland, Brabant, Flandern, Hennegau, Artois und selbst 
die des rheinischen Oberlandes 2 ) traten zusammen, um ein 
Verbot gegen die Zulassung der englischen Tücher zu be- 
rathen 3 ); die schutzzöllnerischen Kreise, deren Einfluss ge- 
brochenschien, kamen plötzlich wieder zu Ehren. Der ziemlich be- 
deutende Gonsum englischen Tuchs von Seite der Niederländer 
hörte mit einem Schlag auf, die niederländische Tuchindustrie 
nahm einen neuen Aufschwung. Der Agent des Königs, John 
Dymock, schrieb am 15. September an Heinrich VIII., dass da, 
wo man früher 4 oder 5 Tücher per Kopf verfertigte, jetzt so 
viele fabricirt würden, dass 600 und mehr auf den Kopf kämen, 
und in vielen Städten, in denen man bisher kein Tuch gemacht 
habe, treffe man jetzt Anstalten hiezu 4 ). Auch der bei den 
Engländern vielfach verbreitete Glaube von der Unentbehrlich- 



and keinem Zoll unterworfen. Jeder soll Lebensmittel, woher sie auch 
stammen, einfuhren können. Bas englische Schifffahrtsgesetz hat für Calais 
keine Anwendung, die Merchant adventurers wie die Fremden dürfen 
beim Export von Calais englische und fremde Schiffe benützen. Niemand 
darf wegen ausserhalb Calais contrahirter Schulden oder eingegangener 
Verpflichtungen verfolgt werden, wenn er sich auf diesen Freiheitsbrief be- 
ruft u. s. w. 

') Zur Fernhaltung aller Zweifel, welche Rechte damit gemeint seien, 
wurde vereinbart, dass die englischen Raufleute nur die Privilegien bean- 
spruchen dürften, welche 1) in dem Privilegienbrief Philipps von Burgund 
vom 6. August 1446, 2) in dem der Stadt Antwerpen vom 1. Juni 1518. 
3) in dem Vertrag von 1516, bezw. v. 11. April 1521 aufgeführt seien. Alle 
drei Urkunden wurden wörtlich abgeschrieben und von Wolsey und Mont- 
morency unterzeichnet Diese Copien sind erhalten im Br. M. Cotton 
Mscrs. GaJba B. IX. fo. 63 fg. 

2 ) Bekanntlich eiferte man damals in ganz Deutschland gegen die 
überwältigende Concurrenz des englischen Tuches. Auch Luther gab dieser 
Stimmung Ausdruck : „Gott hat uns Deutschen dahin geschleudert, dass wir 
Gold und Silber in frembde Länder stossen müssen, alle Welt reich machen 
und selbst Bettler bleiben. Engelland sollte wohl weniger Golds haben, wenn 
Deutschland ihm sein Tuch liesse tf . J.K.Irmischer, Luthers Werke XXII. 
8. 201. 

*) John Dymock an Heinrich VIII. 15. Sept. 1527. Brewer, Cal. 
IV. 3433 und State papers VII. S. 4. Man könnte meinen, als ob die 
Städte damit nur dem Plane Wolseys in die Hände arbeiteten. Dies scheint 
aber nur so; denn die Proclamation Heinrichs VIII. verbot den Nieder- 
ländern nicht, in Calais sich mit Tuch zu versorgen; nur den Markt für 
Tuch wollte Wolsey verlegen. 

4 ) State Papers VII. S. 4. 

5* 



— 68 — 

keit englischer Wolle wurde stark erschüttert Seit Langem 
suchte die niederländische Regierung die Industriellen zur 
Verarbeitung der spanischen Wolle zu veranlassen, offenbar in 
der Absicht, dadurch die Abhängigkeit von England abzu- 
schwächen. Schon Philipp der Gute hatte Schritte nach dieser 
Rirlitung ,gethan l ). Seit dieser Zeit war auch der Import 
spanischer Wolle nach Flandern stets im Wachsen *). Derselbe 
nahm noch besonders zu, als am Anfang des 16. Jahrhunderts 
Spanien und die Niederlande unter einem Herrscher vereinigt 
wurden und gleichzeitig der englische Wollexport sehr stark 
zu dicken begann 8 ). Die spanische Wolle war auch successiv 
durch Kreuzung der Mutterschafe mit englischen Widdern besser 
geworden 4 ). Die niederländische Regierung machte nun um 
1528 einen neuen Versuch, der spanischen Wolle das Ueber- 
jrewicht zu verschaffen. Sie wagte sogar, die englische am 
28* März 1528 mit einem neuen Eingangszoll zu belegen 6 ). 
E>ic Verarbeitung der spanischen Wolle stiess freilich immer 
noch auf Schwierigkeiten. Dieselbe Hess sich nicht kämmen, 
und die niederländischen Industriellen hoben hervor, dass die 
Spanier selbst die aus ihrer Wolle hergestellten Tücher nicht 
kaufen wollten 6 ). Dymock dagegen erzählt, dass die Nieder- 
länder durch Mischung der einheimischen Wolle mit der spani- 
sches sogar ganz werthvolle Tücher 7 ) herzustellen verstanden. 
Aus all seinen Aeusserungen geht hervor, dass er die Lage 
sehr ernst auffasste 8 ) und bei längerer Stockung sehr um die 
Zukunft der englischen Tuchindustrie besorgt war. 

Das war ein Moment, das für sich allein stark genug sein 
mochte, einen selbst so wenig zaghaften Mann, wie Wolsey es 
war. zu erschüttern ; genügte es aber nicht, so war die Unter- 
stützung, die er bei den fremden Kaufleuten fand, so gering 

') Henne, Regne de Charles-Quint en Belgique. V. 8. 289. Sieh auch 
unten Äbschn. II. Cap. 4. 

I Dies sieht man unter Anderm daraus, dass, wenn spanische, nach 
Flandern gehende Schiffe von Engländern weggenommen wurden, unter den 
Waarätt häufig Wolle genannt wird. Rymer XI. S. 671; Brewer, 
C*L I 3814. Um 1560 wurden nach Guicciardiiii 25000 Sack spanischer 
Wolk< importirt. Ihr Werth betrug 625000 Goldthaler, der der eng- 
lischen 250 000. 

n Sieh Bd. II. S. 15. 

*) „They (the staplere) say also, that Spanysh wolle is so encresid to 
frnftfl goodness and so great plenty, that withowt they holp to seil our 
ßnplish wolle, elles non other reame shuld have nede to bye lt in England. 
And further tney say and hold an opynvon, that by carieng certayn shepe 
out ol England into Spiyn bv kvng Edwardes dayes, that by the bodyes 
<>i Ihr shepe then robbid England, of our speciall gift of fynes and goodnes 
of mir staple wolle." Pauli, Drei volksw. Denkschr. S. 24. 
) Plac. de Flandre I. S. 593. 

*j Henne a. a. 0. V. S. 290. 

'} — »qu* vault bien Thuyt soulz laune de notre monoye sans y metre 
nulle Uyne d'Engleterre." State Pap er s VII. S. 4. 

*) „Vostre grace set bien, che vous draps ne peullent vydier hors de 
iroetn? pays, vous gens de mestyer en seront destruys. u a. a. 0. 



— 69 — 

und die Abneigung der eigenen Landsleute so gross, dass un- 
möglich sein Plan Leben gewinnen konnte. Die ersteren 
wollten natürlich nicht die Privilegien in Antwerpen und an- 
deren Orten, die gesammten Handelsbeziehungen mit dem 
Centrum des europäischen Handels aufs Spiel setzen, um in 
Calais eine Gabe einzutauschen, auf deren Dauer man nicht 
bauen konnte. Die englischen Kaufleute konnten aber des 
Verkehrs mit den Fremden nicht entbehren und sahen zudem 
ihre vitalsten Interessen durch Zerreissung des Bandes, das 
sie nun seit Jahrhunderten mit den Niederlanden verbunden, 
verletzt x ). 

Das Entscheidende aber war, dass die Volksstimme gegen 
den Abbruch der Freundschaft mit den Niederlanden war. Als 
am 22. Januar 1528 die englische Regierung den Krieg gegen 
Karl V. erklärte *) , ging ein Aufschrei durch das ganze Land. 
Nie war ein Krieg unpopulärer; er wurde geführt von den 



*) Die Engländer willfahrten nur scheinbar dem Wunsche Wolseys; 
sie brachten zwar ihre Tücher nach Calais, wo Freunde sie zum Schein 
kauften, verschifften sie aber dann nach Antwerpen. Wenn deshalb Wol- 
sey am 18. Juli seinem Herrn von Calais aus schreibt, dass schon Schiffe 
mit Tuch in Calais angekommen seien , und damit das Gelingen des Projects 
andeuten wollte, so war das eine Täuschung. (State Pap er 8 I. 218. 
Brewer, Cal. IV. 3279). Hall macht in seinem Chronicle 8. 724 u. 729 
folgende Angaben über aas Project: „When it was knowen, that warr was 
like to be betwene the Emperour and the kyng of England, the commons 
of England sore lamentyd the chaunce ; for all marchandise were restrayned 
to passe into any of themperours dominions and the marchauntes wer 
desired by the Cardinal to kepe ther martes at Calais, to the which in no 
wise thei would assent. — The Cardinal imagined al the wayes and meanes 
possible, how to hurte and dommage th emperour; and therfore he sent for 
thenglish marchauntes, willing them to kepe the marte at Caleis, but thei 
answered, that the towne of Caleis was a towne of warre and al marchauntes 
must have libertie at all houres of the night in the marte season, whiche 
they could not have at Caleis: also the haven is not able to receive greate 
hulkes and carikes, that come to a marte: but some marchauntes, to please 
the cardinal, brought their clothes to Calais and so caused their frendes 
of Antwarpe to come to Calais and to say, that thei had bought the mar- 
chauntes clothes, and ther at Caleis paied the custome and so carried them 
to the towne of Andwarp at thenglish meane Charge and ther sold them to 
the great loss of thenglish men. u Halls Angabe wird bestätigt durch D y m o ck s 
Brief; derselbe sagt: „quar ausvtost quil sont dessergiet a Callays vendu 
ou non, yl sont incontynent envoiet en Anvers, a grant dangier et aoumaige 
pour les marchans, et che en le quontynue longhemcnt vous trovrers en 
vostre coustumes grant doumaige pour Vostre Grace. Et sil y a quelque 
questyon entre vous marchans lung contre lautre pour ung modt de Vostre 
Grace les metteres bien accordt" State Papers VII. S. 4. Weitere Nach- 
richten über die Abneigung der Engländer gegen das Project hat Mendoca in 
seinen Briefen an den Kaiser überliefert. Vgl. ' die Briefe vom 18. Mai und 
25. Mai 1527. Gayangos, Cal. III. P. H. 69, 75. 

*) Dass derselbe unvermeidlich sein werde, galt gegen Ende des Jahres 
1527 als sicher. Die englische und französische Regierung verlangten die 
Modification des Madrider Vertrags, und es mag hervorgehoben werden, dass 
unter Anderem auch ganz besonders die Beseitigung der vorteilhaften 
Handelsbedingungen, welche Spanien in dem genannten Tractat Frankreich 



— 70 — 

Cabineten aus Gründen, für die der gemeine Mann kein Ver- 
ständnis hatte, geschweige sich erwärmen konnte. Die zeit- 
weiligen diplomatischen Erfolge gingen an ihm eindruckslos 
vorüber, der Widerwille war so allgemein, dass der Gesandte 
des eigenen politischen Freundes seiner Regierung schreiben 
musste: „Seien Sie versichert, er (Wolsey) spielt ein schreck- 
liches Spiel, ich glaube, er ist der einzige Engländer, der 
einen Krieg mit Flandern wünscht" 1 ). 

Man braucht in der That nur einen Blick in die inneren 
Verhältnisse Englands dieser Zeit zu thun, um die allgemeine 
Opposition zu verstehen. Der kurz vorhergegangene Krieg 
mit Frankreich hatte das Volk sehr erschöpft, er war von 
geringen materiellen Gewinnen begleitet und auch wenig 
ruhmreich für die englischen Waffen 2 ). Eine neue Erhebung 
von Abgaben war einer Erpressung gleich, die vorweg als un- 
erträglich erschien. Das Jahr 1527 war eine Missernte, deren 
Folgen in um so trauriger Gestalt sich offenbaren mussten, als 
die vorangegangenen Jahre nichts weniger als gesegnete und 
auch noch gleichzeitig von stark verheerenden beuchen unter 
den Schaf heerden begleitet waren, so dass der Fleischpreis 
auf das Dreifache des gewöhnlichen stieg 3 ). Die bereits 
längere Zeit vor sich gehende Umwälzung des Agrarsystem 4 ) 
hatte ohnehin viele Familien brodlos gemacht oder doch sehr 



abgerungen hatte, verlangt wurde. (Vgl. Anderson, Annalen des englischen 
Handels. D. A. III. S. 527). Der Kaiser weigerte sieb, diesem Verlangen 
Rechnung zu tragen. In Folge dessen verfolgten sieb gegenseitig bereits 
um diese Zeit spanische und französische Schiffe, namentlich auch in eng- 
lischen Häfen; man ergriff Massregeln, um den Kaufleuten den Abzug zu 
ermöglichen, und die in Spanien weilenden Engländer mietheten sogar bis- 
caysche Schiffe, um noch rasch all ihre Habe und Waaren nach England 
zu bringen. Vgl. Brewer, Cal. IV. 3556, 3620, 3621, 3782;* ferner 3648, 
3844, 3956. 

2 ) Du Bellay an Montmorency 16. Febr. 1528. Brewer, Cal. IV. 
3930. Nicht einmal unter den Mitgliedern der Sternkammer fand der Krieg 
Beifall. Als Wolsey daselbst die Kriegserklärung rechtfertigte, ward sie 
mit frostigem Schweigen aufgenommen. „Some knocked other on the elbow 
and said softly „he lieth". Other said, that the French crowns made him 
speak evill of the Emperor". Hall, Chronicle S.744. Der Versuch des franzö- 
sischen Gesandten, das Volk durch allerlei künstliche Mittel umzustimmen, 
misslang, wie er selbst eingesteht (Brewer, Cal. IV. App. 127). Auch die 
Hansen, welche doch am meisten bei einem Bruch zwischen den Nieder- 
ländern und Engländern zu vortheilen pflegten, mochten die Partei der 
Franzosen nicht nehmen. Brewer, Cal. IV. Introd. S. 194. 

' 2 ) 1525 sagte das Volk, dass alle Summen, welche man bereits auf 
die Invasion ausgegeben, dem König nicht einen Fuss breit mehr Land ge- 
wonnen hätten , als sein Vater bereits besessen , und doch meinten sie, dass 
letzterer „lacked no riches or wisdom to have won that kingdom, if he had 
thought it expedient". Brewer, Cal. IV. 1243. 

") Sieh die „Considerations as to the dearness of all manner of victuals" 
bei Brewer, Cal. IV. 3761. 

4 ) Nasse, Die mittelalterliche Feldgemeinschaft und die Einhegungen 
des 16. Jahrhunderts in England. 1869. S. 55 fg. 



— 71 — 

ins Gedränge gebracht. Zu Hunderten waren allerwftrts Arme 
zu treffen, welche Brod suchten J ). Nun kam noch eine durch 
WoJsey geschaffene allgemeine Arbeitslosigkeit in den eng- 
lischen Manufacturdistricten hinzu. Seit dem letzten April 
und während der ganzen zweiten Hälfte des Jahres 1527 
hatte der Cardinal den Verkehr mit den Niederlanden ge- 
hemmt 2 ), den Absatz der Tücher fast vollständig zu Grunde 
gerichtet und eine Handelsstockung und höchst bedrohliche 
Erisis geschaffen s ). Die Kauf leute in London weigerten sich, 
ihre grossen Tuchvorräthe noch weiter zu vermehren, und als 
die armen Landweber mit ihren Geweben und Tüchern, die 
Bauern mit ihrer Wolle auf dem Markt erschienen, fanden sie 
keinen Käufer vor; ohne Geld und Brod, mit Kummer im 
Herzen, mit Zorn und Groll in der Brust kehrten sie zurück, 
und mit einem Schlag war die Noth eine allgemeine. Die 
grossen Tucher entliessen ihre Arbeiter, von denen die Mehr- 
zahl keine andere Lösung vor sich sah, als grauenvolles Elend 
und sichern Tod. 

Wohl suchte der Cardinal die Krisis mit seinem mächtigen 
Wort zu beschwören; mit Entziehung der städtischen Frei- 
heiten, Monopolisirung des ganzen Tuchhandels 4 ), selbst mit 
dem Tower 6 ) drohte er den Kaufleuten in London, wenn sie 
sich noch ferner weigerten, die Tücher der Weber in Black- 
wellhall und Leadenhall abzunehmen. Er selbst streckte wohl 
Geld zum Ankauf vor 6 ), aber Alles war vergeblich 7 ). Immer 



*) Vgl. auch das unten im Abschn. II. über die Getreidehandelspolitik 
Gesagte, sowie Brewer, Cal. IV. 4012 

*) Heinrich VIII. und Franz I. hatten nämlich in ihrem Allianzvertrag 
versprochen , jeden Handel mit dem Feinde zu unterlassen. Hall, Chro- 
nica S. 745. 

*) Unsere Zollregister über den Tuchexport lassen freilich keine be- 
deutende Aenderung ersehen, dies liegt aber daran, dass durch die Rech- 
nung von October zu October das wahre Verhältniss verwischt wird. 

4 )Hall, Chronicle S. 746. 

*) Brewer, Cal. IV. 3930. 16. Februar 1528. 

e ) Brewer, Cal. IV. App. 158. Der Fall, dass die Regierung in 
Krisen auf diese Weise helfend eingriff, war nicht ungewöhnlich. 1535 z. B. 
verlangte der Aldermann Sir John Aleyn in einem nach vielen Richtungen 
hin merkwürdigen Brief an Cromwell, dass der König ein Darlehen von 
10 000 £ zum Ankauf von Tuch gebe, dessen Gesammtwerth auf der Lon- 
doner Messe sich auf ca. 20 000 j£ belaufe. Die kgl. Casse musste somit 
damals fungiren, wie heutzutage eine grosse Notenbank. State Pap er s 
I. S. 443. 

*) Vierzig Suffolker Tucher hatten sich im März vom Herzog von 
Norfolk überreden lassen, die von ihnen bereits entlassenen Weber wieder 
in Arbeit zu nehmen. Allein schon am 4. Mai erklärten sie, unmöglich 
weiter arbeiten lassen zu können, da in London absolut Niemand Tuch 
kaufen wolle, auch kein Oel mehr aus Spanien zu erhalten sei. (Norfolk 
an Wolsey. 9. März und 4. Mai. Brewer, Cal. IV. 4044 und 4239; 
Hall, Chronicle S. 746). Die Colchester Tucher klagten, dass Niemand 
Tuch nehmen wolle , selbst wenn man es zum halben Kostenpreis abgebe. 



— 72 — 

stärker wuchs die Noth und Abneigung gegen den Krieg 1 ). 
Männer von einiger Bildung liehen ihre Stimmen dem Volk *), 
und der Ausbruch einer allgemeinen Revolution stand bevor 3 ). 
Da wagte Wolsey nicht länger mehr im Gegensatz zum 
Willen des ganzen Volkes zu handeln. Noch im Februar liess 
er bei Margaretha anfragen, ob sie nicht geneigt sei, den 
Handel als neutral zu betrachten und somit auch während 
des Krieges ihn zwischen den Niederlanden und England 
zu gestatten. Die Regentin, immer auf das Wohl ihrer 
Unterthanen bedacht, ging sofort auf das Anerbieten ein 4 ), 
stimmte auch trotz des Widerspruches ihrer sämmtlichen 



Sie hätten nicht Geld genug, um nur die Spinner auf dem Lande zu zahlen. 
Die Kaufleute wollten es auf eine Revolution ankommen lassen. (Der Graf 
Heinrich von Essex an Wolsey. 2. und 5. April. Brewer, Cal. IV. 
1129, AI 45). In „Ledds" glückte es Henry Guildeford nur unter dem Auf- 
wand ; lüer Beredsamkeit, seine eigenen Brüder zu überreden, dass sie bis 
zur Erntezeit ihre Leute fortarbeiten Hessen. (Sir Henry Guildeford an 
Wolsev. 17. Mai 1528. Brewer, Cal. IV. 4276). Vgl. auch Brewer, 
Cal. IV. 4282. 

a ) Brown, Cal. IV. 254. 
*) Brewer, Cal. IV. 4040. 

) Zu Vine in Hampshire versammelten sich bereits die arbeitslosen 
Handwerker, um in Masse zum König zuziehen; ähnliches Zusammenrotten 
fand utich sonst in Hampshire, Berkshire und Wiltshire Statt, wurde aber 
mit ' iewalt unterdrückt. (Lord Sandys an Wolsey. 9. und 13. März 1528. 
Breuer, Cal. IV. 4043, 4058). Die Bewohner von Goudhurst und Cran- 
book, einer blühenden Colonie vlämischer Tuchmacher, planten sogar Wol- 
seys Vernichtung. (Brewer, Cal. IV. Introd. S. 364.) V^L ferner die 
Äusserungen Wolseys gegenüber Du Bellay über die Schwierigkeit, das 
Volk in Unterwürfigkeit zu halten. (Brewer, Cal. IV. App. 158). Um 
jene Zeit entstand auch das bekannte Gedicht „An impeachment of Wolsey, u 
worin er für alles Unheil verantwortlich gemacht wird; in den Strophen 
20 und 27 wird auf die von ihm herbeigeführten wirtschaftlichen Leiden 
dieser Tage hingewiesen: 

By thfc owte of Servyce Many be constraynyd, 

and Cow[r]8e of merchaundyse thou haste restreyned, 

wherefor men syghe and sobbe; 
but and they had as myche money in störe 
as men sey thou haste, they wold syghe noraore 
but purchesse A dyspensacion to Kobbe. 

All pienty and sporte thou haste put dow[n] 
yn cowrte, cete, borow and Towne; 
mennys Corage ys gon yn dede. 
To here of the pepyll the lamentacion, 
and Crying for vengeance with exclamacion 

that hy twold make A manse herte to [blede]. 

Furnivail, Ballads from Mscrs. I. S. 357. 
«J Brewer, Cal. IV. 3959, 3966. Als Iüigo de Mendoca der Re- 
gen tili den Wunsch Wolseys in Betreff Fortführung des Intercursus mit- 
theüte, erklärte sie in ganz verwunderter und geschickter Weise, sie habe 
gar nie an seine Unterbrechung gedacht. (Gayangos, Cal. HI. P. n. 
ä6ü). Sie hatte in der That fast ängstlich vermieden, die englischen 
Kaufieute zu verletzen. Die englischen Schiffe in Newport und Dünkirchen 
wurden erst mit Beschlag belegt, als die Engländer in solcher Weise vor- 
gegangen waren. (Hall, Chronicle S. 744; Brewer, Cal. IV. 3958, 






— 73 — 

Räthe 1 ) dem Abschluss eines Waffenstillstandes zu. Sie zog 
es vor, das alte Freundschaftsband nicht durch Ausbeutung 
der bedenklichen Lage des Gegners vollständig zu zerreissen 2 ). 
Die eigenen Unterthanen hatten doch auch schwer ge- 
litten. Die vom Kaiser beliebte Redewendung: „England ohne 
Flandern kann nicht leben" 8 ) hatte für die Zeit der beiden 
ersten Tudors, wie die obige Darstellung zeigt, allerdings seine 
Richtigkeit. Aber auch der in früherer Zeit übliche Satz: 
„Flandern ohne England kann nicht leben tt behielt seine volle 
Gültigkeit Die Schilderungen der Zeitgenossen bestätigen, 
dass auch in den Niederlanden die Erisis eine acute war 4 ). 
Am 15. Juni 1528 kam der Waffenstillstand auf 8 Monate 
zum Abschluss, die mit Beschlag genommenen englischen 
Schiffe wurden wieder freigegeben 6 ) und der Verkehr ganz 
auf dem nämlichen Fuss gestattet, wie ein Jahr vor Beginn 
des Krieges. Die spanischen und italienischen Besitzungen 
des Kaisers waren nicht einbegriffen G ), und schon daraus geht 
hervor, dass das commercielle Verhältniss zwischen den Nieder- 
landen und England den Ausschlag gegeben hatte 7 ). Natürlich 



4006, 4009, 4011, 4018, 4069, 4147, 4286, 4369). Die englischen Kaufleute 
konnten auch gar nicht über üble Behandlung klagen (Brewer, Cal. IV. 
3928, 3946), man dachte wohl an die Authebung der englischen Zoll- 
Privilegien, man führte sie aber nicht aus (Brewer, Cal. IV. 3928). An 
versöhnlichen Stimmen fehlte es auch sonst in den Niederlanden nicht. 
fBrewer, Cal IV. 4036, 4071). Erst als Wolsey die Feindseligkeiten 
fortsetzte und die versprochene Neutralität (Brown, Cal. IV. 254) des 
Handels nicht zu achten schien, auch keine Anstalten zu einem Waffen- 
stillstand traf, hatte Margaretha am 23. März 1528 den Eingangszoll auf 
Wolle erhöht und gleichzeitig eine Flotte ausgerüstet, um sie an der Themse 
erscheinen zu lassen. 

*) Du Bellay an den Kanzler am 22. Juni 1528. Brewer, Cal. IV. 
App. 179. Auch Mendoca hielt den Waffenstillstand für einen politischen 
Fehler. Gayangos, Cal. III. P. IL 550. 

2 ) VgL auch Brewer, Cal. IV. 4431. 

*) Brewer, Cal. IV. 4928. 

4 ) Hall, Chronicle S.746 schildert die Lage der Niederlande in dieser 
Epoche folgendermassen: ^If this warre was displeasaunt to many in England, 
as vou have hard , surely lt was asmuch or more displeasant to the tounes 
and people of Flaunders, Brabant, Hollande and Zelande and in especiall to 
the tounes Andwarpe and Barrow, where the martes wer kept and where 
the resorte of Englishmen was ; for the saied, that their martes were undoen, 
if the Englishmen came not there, and if there were no marte, their shippes, 
hoyes and waggons might rest, and all artificers, hostes and brokers might 
slepe, and so the people should fal into miserie and povertie; of these 
thynges daily complaintes were made to the ladv Margaret and thEm- 
perors counsaill, wniche wisely pondered the complaintes, and, after long 
comraltacion had , thei appoyntea certain ambassadors to go to the kyng of 
England and associated themselfes with Don Iiiigo de Mendosa, ambassa- 
doure there for the Emperor; the one ambassador was provost of Cassel and 
the other, Master Jhon Lay, sovereigne of Flaunders. # 

*) Brewer, Cal. IV. 4377. 

•) Brewer, Cal. IV. 4425, 4426 und Rymer XIV. S. 258. 

"') Brewer, CaL IV. 4256, 4280, 4285. 



— 74 — 

war damit auch das Calais'sche Project von der Bohne ver- 
schwunden. Wolsey hatte sogar den Abschluss und die Publi- 
cation des Waffenstillstandes in fast fieberhafter Weise be- 
schleunigt, um nur den unzufriedenen Kaufleuten noch Ge- 
legenheit zum Besuch des sogenannten „Syncbyemarktes" in 
Antwerpen zu geben 1 ), und nicht viel hätte gefehlt, so hätte 
er in Folge der Uebereilung die Gunst seines Herrn ver- 
scherzt 2 ). Die Hoffnung Wolseys bezüglich eines guten flan- 
drischen Marktes erfüllte sich freilich nicht. Der Krieg, der 
zwischen Geldern und den Niederlanden noch wüthete, die 
kurze Spanne Zeit, welche den Käufern in Folge des späten 
Abschlusses des Waffenstillstandes zur Vorbereitung für die 
bevorstehende Messe gegönnt war, genügten, eine matte 
Tendenz zu begründen 8 ). Zinn. Blei und Tuch blieben fast 
ganz unverkauft Die darauf folgenden Märkte boten aber 
reichlichen Ersatz. Die Neujahrsmesse von 1529 soll für die 
Engländer zu den gewinnreichsten und glänzendsten seit langer 
Zeit gehört haben 4 ). 



*) State Papers I. S. 290; VII S. 73. 

*) Wolsey hatte vermnthüch ohne Befehl Heinrichs VIII. den Waffen- 
stillstand 10 Tage nach seinem Abschluss proclamiren lassen ; HeinrichVIU 
fühlte sich dadurch verletzt und machte nun verschiedene Ausstellungen 
an den Bedingungen; er tadelte, dass den englischen Unterthanen blos 
Schutz im offenen Meere, aber keiner an den von ihnen vielbesuchten 
Kasten der Bretagne, Gascogne, Guienne, Normandie und in den spanischen 
Häfen erwirkt und im Fall einer Verletzung im offenen Meere diesseits der 
spanischen Grenze keine Entschädigung zugesichert worden sei. So hätten 
die Spanier einen grossen Vortheil, denn diese könnten ungehindert nach 
Flandern kommen, die Engländer aber nicht ebenso nach Spanien. Tat- 
sächlich klagten und lärmten auch die Kaufleute, die nach Spanien zu handeln 
pflegten, sehr. (Hall, Chronicle S.749.) Wolsey und die Unterhändler wussten 
sich aber wohl zu vertheidigen. Unter den obwaltenden Umständen sei es, 
schreibt der Cardinal seinem kgl. Herrn, ganz unmöglich gewesen, mehr V or- 
theile zu erlangen; er erinnere nur daran, welche Muhe es ihm gekostet, 
um das Versprechen für Freigabe der in Spanien festgehaltenen Schiffe ab- 
zuringen, da die Niederländer keine Vollmacht gehabt, über Dinge abzu- 
schliessen, die blos Spanien beträfen. Zudem liege die Sache nicht einmal 
so ungünstig. Die Spanier könnten nur schwer ihre Häfen verlassen, da 
englische und französische Schiffe berechtigt seien, dieselben beim Verlassen 
anzugreifen, über die Grenzlinie zurückgekehrt aber doch wieder straflos 
seien. Die Ersatzpflicht der Regentin bei Angriffen im offenen Meere dies- 
seits der spanischen Grenze, verstehe sich von selbst. Tuke hält es im 
Uebrigen sogar für nutzbringend, wenn die Spanier nach den Niederlanden 
kämen; denn den Engländern sei dadurch die Möglichkeit gegeben, das 
der Weberei nötbige spanische Oel sich zu verschaffen und die englischen 
Tücher an den Mann zu bringen. Brewer, Cal. IV. 4389, 4404. 

*) John Stile hatte in Voraussicht der drückenden Stimmung ge- 
wünscht, die Kaufleute sollten gar nicht absegeln, seine Warnung war aber 
zu spät eingetroffen. Bei der Ankunft der englischen Kaufleute in Ant- 
werpen eröffnete er ihnen im Auftrage Wolseys, sie möchten die Allerheiligen- 
messe in Bergen besuchen, wo ihnen die freundlichste Aufnahme schon 
lange zugesichert war. Brewer, Cal. IV. 4432 und 4638. 

*) Sir Robert Wingfield an Brian Tuke. 14. Januar 1529. Brewer, 
Cal. IV. 5171. 



— 75 - 

So schien denn endlich der Handel wieder in seine nor- 
male Bahn zurückgekehrt zu sein. Aber der Zustand war 
nur ein provisorischer; Niemand wusste noch, ob nicht der 
Ablauf des Waffenstillstandes die kaum geheilten Wunden 
wieder aufreissen und noch schmerzlichere Leiden bringen 
werde; war ja schon der Waffenstillstand schwer aufrecht zu 
erhalten 1 ). Neue Complicationen tauchten auf. Heinrich VHI. 
trag sich mit dem Gedanken, seine Gattin, des Kaisers Tante zu 
Verstössen, und gleichzeitig hatte Wolsey ein Gesetz im Par- 
lament gegen die fremden Gewerbsleute eingebracht und be- 
stätigt erhalten *), durch das bei aller Mässigung, die dasselbe 
verrieth, die am meisten betheiligten Flamänder verletzt werden 
mussten*). Aber die politische Situation Hess den Hass der 
endischen Regierung gegen Karl V. bald zurücktreten. 

Franz I. war vom Krieg erschöpft und begann mit Karl V. 
wegen eines Friedens zu unterhandeln. Wollte Heinrich VHI. 
nicht mit beiden verfeindet sein, so musste auch er den Con- 
gress von Cambrai beschicken, und das geschah. Die Com- 
missäre sind uns alle bereits bekannt: Tunstal, Knight, Thom. 
More und Hackett hatten die englischen Interessen zu ver- 
treten 4 ). Natürlich kam auch der Intercursus zur Sprache. 
Lief doch 1531 wieder ein Quinquennium ab. Wurde die 
jetzt sich darbietende Gelegenheit nicht benutzt, um das un- 
bequeme Provisorium zu vernichten, so musste man auf weitere 
fünf Jahre sich vertrösten. 

Entsprechend war die Politik der Niederländer. Sie 
stellten vorweg die Behauptung auf, der Intercursus sei durch 
die englische Kriegserklärung verwirkt, und von seiner 
Erneuerung könne deshalb keine Rede sein. Sie hätten 
auch gar keine Vollmacht, einen Handelsvertrag zu schliessen. 
Man müsse sich also vorläufig mit Abschliessung des Freund- 
schaftstractats bescheiden und die Neuregelung der Handels- 
verhältnisse erst später in Angriff nehmen. 

Die englischen Unterhändler bestritten die Richtigkeit der 
niederländischen. Auffassung und Hessen sich um keinen Preis 
in die von den Niederländern ihnen zugedachte ungünstige 
Position drängen, auch ein Compromiss wiesen sie entschieden 
zurück. Die Freundschaft und der Verkehr müssten als Ganzes 
behandelt werden. Ein wahrer Friede sei undenkbar, wenn 
die Völker nach dem Abschluss desselben nicht wüssten, wie 
sie mit einander verkehren sollten. Könnten sie einwilligen, 
wenn man die Specialfragen den Gerichten überweisen wolle, 



J ) Brewer, Cal. IV. 4579, 5000, 5016, 5017, 5134. 
*) 21 Henry VIII. c. 16. 

*) Ueber die Bedeutung dieser Acte sieh den Abschnitt II, Cap. 3. 
*) Die Commissäre erhielten ihre Vollmacht am 30. Juni. Brewer. 
Cal. IV. 5744. 



• — 76 — 

so müssten sie doch an der Erneuerung des Intercursus in 
seiner früheren Form als einer Conditio sine qua non für die 
Fortführung weiterer Unterhandlungen festhalten 1 ). 

Die Engländer brachen in der That, als die Gegenpartei 
auf ihrem Standpunkte beharrte, die Verhandlungen ab *). Da 
erwies sich die Freundschaft mit Frankreich doch auch einmal 
nützlich für England. Franz I. weigerte sich, seinerseits noch 
weiter zu unterhandeln , wenn nicht der Kaiser erst mit Eng- 
land sich aussöhne. Derselbe war dadurch genöthigt, auf die 
englischen Wünsche einzugehen, und der Intercursus musste 
in seiner alten Form wieder erneuert werden 3 ). Wie regel- 
mässig, wurden auch hier in den Vertrag die allgemeinen Be- 
stimmungen über den freien gegenseitigen Verkehr, das Ver- 
bot der Repressalienbriefe eingefühlt, ausserdem aber aus- 
drücklich bestimmt, dass der Vertrag vom 11. April 1520 
gerade so in Kraft bleibe, als wenn gar kein Krieg gewesen 4 ). 
Das Provisorium mit der den Engländern günstigen Bestim- 
mung der selbstthätig erfolgenden Verlängerung von 5 zu 
5 Jahren war somit wieder gerettet. 

3. Periode. (1530—1540). 

Die 10jährige Epoche, die wir soeben verlassen haben, 
hatte glänzend begonnen. Freiheiten und Rechte hatte man 
den Engländern zugetheilt, wie sie sich solche nur wünschen 
mochten; herzlicher und freundlicher hatten die beiden 
Nachbarvölker schon lange nicht mehr verkehrt; eine seltene 
Handelsblüthe wurde erwartet, und wie rasch lag Alles 
vernichtet da! Statt 10 Jahre des höchsten Aufschwungs 
waren nur Jahre des Leidens gefolgt. Der Verkehr Englands 
erhielt in dieser Epoche durch die Politik zu den Niederlanden 
schwere Schläge; die Zolleinnahmen zeigen eine entschieden 
fallende Tendenz 5 ), und es war fraglich, ob es gelingen würde, 
die Wunden wieder in Kurzem zu heilen, da auch der ganze 
innere Bau Englands 'in allen seinen Grundvesten erschüttert 



*) Brewer, Cal. IV. 5822. 

*) Brewer, Cal. IV. 5824. 

8 ) Brewer, Cal IV. 5830. 

*) Friedens- und Freundschafts-Vertrag zwischen Karl V. und Hein- 
rich VIII. Cambrai, 5. Aug. 1529. Art 12: Item pro communi bono 
hujusmodi pacis, ligae et amicitiae, et ut subditi utriusque principuin prae- 
dictorum mutuis commerciis assuetis se in dies magis complectantur , con- 
ventum, concordatum et conclusum est, quod circa intercursum mercium et 
mutuum commercium, quo invicem uti consueverunt, tractatus intercursus 
de data diei undecimi Aprilis anno domini millesimo quingentesimo vigesimo 
sit et maneat et eodem statu, quo erat ante insumationem belli, et perinde 
valeat, ac si bellum non fuisset indictum. Dumont, Corps diplomatique 
du droit des gens. 1726 Vol. IV. P. II. S. 44. 

*) Sieh Bd. II. S. 12, 58. 



- 77 - 

wurde. Seit 1530 war das Staatsruder in die Hände eines 
nüchternen und unerschrockenen Mannes übergegangen, der, was 
ihm an Wolsey'scher Feinheit und diplomatischer Kunst abgehen 
mochte, durch eine reichlichere wirtschaftliche Erfahrung 
und Bildung, im Allgemeinen selbst grössere Gewandtheit und 
sicher tiefere Menschenkenntniss ersetzte. Fortan leitete die 
commerciellen Verhandlungen Thomas Cromwell, der einst 
selbst in Aptwerpen und Middelburg gehandelt und noch 
immer den Handelsspeculationen nicht ferne stand J ), mit allen 
guten und schlechten Seiten der Kaufmannswelt vertraut war 
und jedenfalls die commerciellen Verhältnisse der Niederlande 
kannte, wie der beste im Königreich. 

Die Aufgabe war ziemlich klar vorgezeichnet. Die Ver- 
tragsverhältnisse waren für England sehr günstige und konnten 
vorläufig den Bedürfhissen der Engländer genügen. Cromwell 
brauchte sich nur fest zu wappnen gegen die Niederländer, 
falls sie versuchen sollten, diese umzustürzen, immerhin eine 
schwere Aufgabe bei der wachsenden Entfremdung des kaiser- 
lichen und englischen Cabinets 2 ). Thatsache war, dass die 
schutzzöllnerischen Kreise und alle diejenigen, die diesem eng- 
lischen Tractat gram waren, neuerdings ihre Kräfte sammelten. 
Die schon lange andauernde Krisis der niederländischen Tuch- 
mdustrie hatte seit 1506 einen immer acuteren Charakter an- 
genommen, die Regierung selbst trug in unvernünftiger Weise 
noch zur Verschärfung bei, indem sie die englische Wolle zu 
einem ergiebigen Steuerobject zu machen suchte 3 ). Die re- 
actionären Stimmen wurden unter solchen Verhältnissen mäch- 
tiger als je* Gegen Ende des Jahres 1531 waren sie sogar 
in der Provinz Holland so weit zur Geltung gekommen, dass 
man dort die englischen Tücher verbannte 4 ); man verbot 
nämlich das Ausschneiden oder den Ellenverkauf vom eng- 
lischen Tuch, was thatsächlich einer Verpönung gleichkam 5 ). 

')ürk. Beil. 28, 29. 

*) Die Worte Vaughans, die er am 30. December 1531 an Cromwell 
von Antwerpen schrieb, können verallgemeinert als Stimmungsbild gelten: 
It is good [to] loke well aboute and to be furnysshed and armed ageinst 
all stormfes], and that thinges wandering out of theyr due course maye in 
tyme b[e] reduced and brought by discrete counsaylles to their first State 
and condjition]. I perceyve thinges to be shrewdly ment against us in these 
parties. God turn all to good. Urk. Beil. 26. Vaughan scheint ein ge- 
heimer Agent Cromwells gewesen zu sein, der nicht nur sein Geschäft be- 
trieb, sondern auch ein ausserordentlich umsichtiger und zuverlässiger Be- 
richterstatter war. Sein Verhältniss zu Cromwell war sehr vertraulicher 
Art, letzterer bediente sich desselben bei eigenen Speculationen und hörte 
gerne auf den Rath dieses Freundes. Brewer, Cal. IV. 6754. 

3 ) Ordonnanz vom 24. März 1528. Placcaerden van Vlanderen I. 
S. 592. Die betreffende Verordnung wurde von Neuem am 13. April 1529 
eingeschärft. Placcaerden ordonnantien ende brieven 1521—58 
im Genter Staatsarchiv. 

4 ) Urk. Beil. 26 u. 27. 
fi )ürk. BeiL 27. 



— 78 — 

Dass man in den westlicheren Städten und Landestheilen 
schon länger in ähnlicher Weise oder noch schärfer vor- 
gegangen war, dürfte vermuthet werden 1 ). Auch erhob man 
wieder den Houndzoll*). Zwei grobe Vertragsverletzungen 
lafren somit vor. Man kann sich kaum der Ueberzeugung er- 
wehren, dass die kaiserliche Regierung mit diesem Vertrags- 
bruch im Stillen einverstanden war, um die englische Regierung 
lichter und sicherer zu neuen Verhandlungen zu* bestimmen. 
Seit 1529 bemühten sich die Niederländer vergeblich, die Zu- 
stimmung Englands zu einer Tagfahrt zu gewinnen. Auch 
jetzt zeigte sich die englische Regierung wenig entgegenkom- 
mend, als die beiden Abgesandten E. Chapuys und J. de le 
Siiuch im Auftrag der Königin Maria 3 ) die Beschickung eines 
Congresses betrieben. Die englischen Minister, sowie der 
König wollten keineswegs die Notwendigkeit eines solchen 
einsehen 4 ); einzelnen Beschwerden liesse sich, meinten sie, 
auch ohne Congress abhelfen. Es kostete grosse Anstrengung, 
bis die englische Regierung, die sah, was man auf der Tag- 
fahrt beabsichtigte, den Wünschen der Niederländer willfahrte. 
Man vereinbarte eine Conferenz für den 1. März 1533»; die- 
selbe sollte in Bourbourg oder Calais stattfinden. 

Wohl selten rüsteten sich die beiden Gegner zum 
commerciell -politischen Kampf mit grösserer Sorgfalt, als es 
diesmal geschah. Karl V. Hess eine Enquete über die 
Handelslage im Allgemeinen und die Beschwerden der Bra- 
banter, Holländer und Flandrer gegen die Engländer und 
ihre Privilegien, sowie die Behandlung in England im Beson- 
deren in Scene setzen; es war nicht zu bezweifeln, dass 
rlie Niederländer ihrer Regierung eine Masse Materialien 
suppeditiren würden 5 ). Die Ernennung zweier Flamänder, des 



*) Es scheint, dass Heinrich VIII. als wenig vernünftige Repressalie 
^■milchst eine Acte beabsichtigte, kraft welcher die Kersies, welche nach 
ihm Niederlanden gebracht wurden, durchweg Fremdenzölle tragen sollten. 
Ks blieb aber offenbar bei dem Befehl, eine Bill hierüber zu fertigen 
State Papers I. S. 381. (Oct. 1581.) 

a ) Nämlich „12 pence of a fardell" Hall, Chronicle S. 786. (23 Henr.VIÜ.i 
, 8 ) Instruction v. 31. Oct. 1531. Staatsarchiv in Brüssel. Papiers 
.rfttat. Vol. betitelt N^gociations d'Angleterre fo. 30-Slb. 

*) „Le roy leur maistre et eulx se donnoyent grant merveilles dont ceste 
poursuite poore proceder allegans pluseurs raisons a leur intencion et 
ans a fin nous donner a entendre , quil nestoit nullement besoing de 
\^nir a tenir auleune journee sur ceste affaire.* Als Chapuys und le Sauch 
< 1 miuf hinwiesen , dass keine Keciprocität bestehe, indem die Englander in 
d»jn Niederlanden günstiger behandelt würden, als die niederländischen 
Kaufleute selbst, so fand auch das der König canz natürlich „car les pavs 
de pardela ne peuvent sans les commoditez de mon royaulme a . Bericht 
der beiden niederländischen Abgesandten an den Kaiser über ihre Bemüh- 
ungen in England, um den Congress zu sichern. A. a. 0. fo. 33—47. 

5 ) „It is to be thought, that they will come stuffed withe matter agenst 
ua* Vaughan an Cromwell 26. Februar 1532. Urk. Beil. 29. Vgl. auch 
Urk. Beil. 28 und 30. 






— 79 — 

Provosten von Cassel und des Präsidenten von Flandern, 
Pierre de Capell *), zu Unterhändlern bekundete offen, dass die 
Politik eine protectionistische sein sollte 2 ). Vaughan kann 
Cromwell gar nicht genug Vorsicht empfehlen und nicht genug 
mahnen, die besten Vertreter 8 ) zu ernennen. Die Wahl fiel 
auf Dr. Knight, John Hackett, Dr. Tregonwell, denen noch 
einige Geschäftsleute beigesellt wurden. Was man für dieCon- 
ferenz gefürchtet hatte, trat ein. Gleich beim ersten Zu- 
sammentreffen der Unterhändler kam der verschiedene Stand- 
punkt der beiden Regierungen zu Tage. Die gegenseitigen 
Vollmachten waren ganz abweichender Natur. Während der 
Auftrag der Engländer dahin lautete, in Betreff der Ver- 
letzungen, die gegen die Verträge vorgekommen, sowie hin- 
sichtlich der wirklich erweisbaren Beraubungen, welche Eng- 
länder an Niederländern verübt hatten, Endgültiges zu be- 
schließen, war nichts von alldem in der Vollmacht der 
kaiserlichen Gesandten zu finden. In derselben war vielmehr 
erzählt, dass seinerzeit zwischen dem König von England und 
dem Kaiser Karl V. Handelsverträge geschlossen worden seien, 
welche zum Theil missbraucht worden, und unbeachtet ge- 
blieben, zum Theil positiv schädliche, dem allgemeinen Wohle 
nachtheilige Bestimmungen enthielten, so dass die niederländi- 
schen Unterthanen zusehends verarmten. Dieser Zustand könne 
nicht mehr länger geduldet und ertragen werden, und die 
einzige Aufgabe des Congresses sei deshalb, einen neuen Ver- 
kehrsvertrag zu verhandeln und abzuschliessen. Wie sich die 
Niederländer diesen ungefähr dachten, darüber sind wir durch 
die Instruction der kaiserlichen Commissäre und andere Acten- 
stücke unterrichtet 4 ). Gleichheit in den Zöllen mit den Eng- 



*) Ausserdem wird noch La Sac als Secretär genannt. 

*) „They wyll strongly contende and to theyr uttermost labour to lett 
the trafnque of the Kynges marchauntes in these parties for thadvaunce- 
ment of the drapery of Flandres.* 4 St. Vaughan an Cromwell, 20. Febr. 1532. 
ürk. Beil. 28. 

") „The polytikist felows in all this londe shfal] be deputed here 
agen8t them. (Urk. Beil. 27). It were therfore good, that yow counsaylled 
the King ? [s maiestie] to depute wyse discrete and men of gre[at] lernyng. 
I promyse yow thimportance of the matter. (Urk. Beil. 30). The Kynges 



i promyse yow tmmportance oi tne matter. (Urk. u eil. öv). ine Jvynges 
magestie for his pafrty] be there counsaylled to depute such honourable 
sage gravous and efxtpert personages, as arn in all pointes meate and 
expedyent fo the 8am[e] purp ose; for 1 suppose veryly, there will rise 
bitwene them matters of great weight, whiche wolde be treated reasoned 
and debated by men of g[reat] wisdome and lernyng. And by such men, 
if it wer possible , as hereto have had intelligent in semblable treaties of 
intercourses." (Urk. Beil. 29). St Vaughan bespricht in seinen Briefen 
auch die Persönlichkeiten, die der harrenden Aufgabe gewachsen wären. 

*) Urk. Beil. 32, auf die ich überhaupt zur näheren Infonnirung 
über den niederländischen Standpunkt im Einzelnen verweise: ferner vgl. 
ürk. Beil. 80, 33, 34. 



— 80 - 

landein oder wenigstens in Bezug auf das Tonnengeld mit 
den Hansen in England; Vermehrung der kaiserlichen Zölle; 
Herabsetzung des Preises und der Auflagen bei der englischen 
Wolle, dagegen Erhöhung der Zölle auf englisches Tuch in 
England oder in den Niederlanden waren die Hauptforderungen. 
Dagegen sollte es den niederländischen Städten unbenommen 
bleiben, die englischen Tücher zu verbieten. Bei solcher Sach- 
lage war natürlich an ein Uebereinkommen nicht zu denken. 
In der Debatte drehte sich fast der ganze Kampf um den uns 
wohlbekannten Artikel 8 des Vertrages vom Jahre 1520. Die 
Niederländer hielten sich an den Schlusssatz desselben, der 
dahin lautete, dass beide Theile aufrichtig bestrebt sein sollen, 
das Provisorium in ein Definitivum umzuwandeln, sei es durch 
vollständige Anerkennung des Vertrages von 1506 oder durch 
Abschluss eines neuen Handelstractats; von dieser Alternative, 
erklärten die kais. Commissäre, komme natürlich die erstere 
gar nicht in Betracht, da der ganze Vertrag von 1506 un- 
geheuerlich („enorme") und ihrem Staatswohl schädlich sei, also 
nicht vom Kaiser bestätigt werden könne. Die zweite Alter- 
native müsse somit Wahrheit werden ; weigerten sich die Eng- 
länder, hiezu die Hand zu bieten, so verstiessen sie gegen die 
offene Absicht des Vertrages, und dem Kaiser stehe dann frei, 
neue Auflagen zu bestimmen und den Vertrag von 1520 als 
nicht bindend und als überhaupt nicht vorhanden zu betrach- 
ten. Dagegen wehrten sich die englischen Commissäre mit 
aller Kraft, bestritten namentlich die letzte Behauptung und 
hielten den Niederländern fortwährend die Worte des frag- 
lichen Artikels entgegen: quod 1 ) si non fecerint, nichi- 
lominus tarnen praesens tractatus et provisio de quin- 
quennio in quinquennium eo modo et forma, qua supradictum 
est, exnunc prout extunc per praesentes habeatur, sit et cen- 
seatur prorogatus et continuatus et tamdiu durabit, donec vel 
novus tractatus inter reges praedictos fuerit super hoc factus 
vel vetus tractatus Philippi regis millesimi quingentesimi 
sexti anni, de quo praedictum est, confirmatus. Vergeblich 
bemühten sich die englischen Unterhändler, die kaiserlichen 
Commissäre von dieser absolut unfruchtbaren Debatte ab- 
zuziehen. Mit grosser Mühe brachten sie die Niederländer 



1 ) Voraus geht: Et praeterea dicti reges durante praesenti tractatu et 
provisione curabunt et operam dabunt bona fide, quod vel dictus tractatus, 
mtercursus bonae memonae Philippi Castellae regis confirmetur, Tel quod 
aliquis alius novus tractatus pro commercio mercatorum et intercursu 
raercium pro subditis utriusque eorum fiat et concludatur. Die Engländer 
konnten nun das quod si non fecerint auf die vorangehenden Nebensätze, 
aber auch auf den Hauptsatz beziehen und im letzteren Fall behaupten, 
dass selbst eine böswillige Weigerung von ihrer Seite, einen neuen Tractat 
zu schliessen, den Vertrag nicht aufhebe. 



— 81 — 

dazu, ihre Beschwerden- vorzulegen 1 ). Schon schien es ge- 
glückt, dass diese Puncte den Gegenstand der Discussion 
bilden würden — denn man war engliseherseits bereits zur 
Abgabe einer zweiten Replik gelangt — als plötzlich die 
Niederländer jede weitere Verhandlung hierüber abbrachen 
mit der Begründung, dass alle darauf verwendete Zeit ganz 
verloren sei; sie hätten keine Vollmacht zur endgiltigen Be- 
gleichung der Beschwerden und würden sich auch nur dann 
eine solche erwirken, wenn die Engländer ihrerseits zum Ab- 
schluss eines neuen Vertrags ermächtigt würden. # 

Heinrich VIII. weigerte sich, eine solche Vollmacht zu 
ertheilen, da er, wie er sagte, keinen vernünftigen Grand 



') Vor Allem beklagten sich die Niederländer über die Zölle. Früher 
hätten sie nur 3 gr. vom jg zu zahlen gehabt jetzt müssten sie 23 gr. er- 
legen. Die Zollbeamten setzten willkürlich den Werth der Waaren fest. 
Man zwinge sie, für den Erlös wieder Waaren auszuführen und dabei 
abermals Zoll zu entrichten. Auf diese Weise gehe der fünfte Theil des 
ganzen Geschäftes verloren. Die Englander dagegen zahlten in den Nieder- 
landen kaum den 50sten Theil des Waarenwerths für Zölle. Ausser den 
gewöhnlichen Zöllen würden in England noch eine ganze Reihe von un- 
gehörigen Abgaben erhoben, als: „cßckagium. paccagium, grondagium, sca- 
vagiom, balvagium, gardgium, ancoragium , Kopfgeld, Königsgeld und 
Schreibergeld. Diese Erpressungen erschöpften ihr Land bis auf den 
Grand; von einem einzigen kleinen Städtchen habe man 44300 Goldcarole 
gezogen; der grösste Theil der Kaufleute sei zu Grunde gegangen. 

Dann hatte man verschiedene Anstände wegen der Wolle; der Woll- 
preis sei zu hoch und höher als der Preis der von den Engländern ge- 
brachten Tücher, so dass den kaiserlichen Unterthanen alle Nahrung ent- 
zogen würde. Früher habe man 7 a Mark nachgelassen, jetzt geschehe nicht 
nur dies nicht mehr, sondern man nöthige sie, alte zerfressene Wolle zu 
nehmen ; wolle man diese wegen ihrer Unbrauchbarkeit trotz des gezahlten 
Preises zurücklassen, so zwinge man sie noch zur Zahlung der „gabella". 
Durch solches Vorgehen wolle man bewirken, dass die Weberei in England 
blühe, und die Tücher aus reinerer Wolle gefertigt würden, als für den 
Durchschnitt der englischen Käufer tauglich sei; die niederländischen 
Weber kämen aus den Strafen wegen des schlechten Rohstoffs nicht mehr 
heraus. 

Endlich gab es noch eine ganze Reihe von Unbilden, über die man 
sich aufhielt Dazu gehörte die Verordnung, dass die Schiffe mitten im 
Flosa Anker werfen sollten, dass man in London nur mit Bürgern handeln 
dürfe, dass der Preis für die gebrachten Lebensmittel von dem Londoner 
Bürgermeister festgestellt werde, ferner gehörten dazu die Erpressung der 
Aichbeamten , die Verabredungen der Merchant adventurers, von dem oder 
jenem nichts mehr zu kaufen und während der Messe von Bergen in Ant- 
werpen nicht zu handeln, endlich die willkürliche Verhinderung der Käse- 
ausfuhr und mehrere Angriffe gegen niederländische Schiffs- und Fischer- 
leote. 

Sicherlich waren die Beschwerden begründet, insofern sie den Nieder- 
ländern Fesseln im Handel nach England anlegten ; aber wirkliche Vertrags- 
verletzungen kann man, soweit die einzelnen Punkte wirklich auf Wahrheit 
und nicht, wie die Engländer darzuthun vermochten, auf Uebertreibung 
beruhten, nicht recht sprechen. Die wesentlichen Klagepunkte beziehen 
sich auf Zustände, wie sie im englischen Handelssystem bereits zur Zeit 
des M.. L begründet waren. Die Entgegnungen des Königs und der Com- 
missare geben denn auch deutlich Zeugniss hievon. Urk. Beil. 30,32,33,34. 

Scham, Engl. Handelspolitik. I. q 



— 82 — 

sehen könne, weshalb man die alten, von seinen Unterthanen 
sorgfältig beachteten Verträge durch neue ersetzen solle. Vom 
englischen Standpunkt aus hatte er natürlich auch vollkommen 
Recht. Eine neue Zusammenkunft zu Dünkirchen (30. Mai) x ) 
verlief abermals resultatlos, da die Niederländer auf ihrem 
Verlangen beharrten 2 ). Knight und Tregonwell erhielten von 
Heinrich VIII. den Auftrag, ein Promemoria über die bisherigen 
Verhandlungen und über die Entstehung der Verträge, die 
stüt 1506 abgeschlossen wurden, auszuarbeiten und dem Ge- 
sandten am niederländischen Hofe Hackett 3 ) zu seiner Orien- 
Ürung zu überschicken 4 ) , mit der Weisung, dass er dem 
Kaiser Heinrichs VIII. Wunsch für Fortsetzung des bisherigen 
freundschaftlichen Verhältnisses und Handelsverkehrs vortragen 
solle. 

Gleichzeitig beschäftigte man sich aber im englischen 
Ministerium mit der Frage, ob man nicht doch dem Verkehr 
andere Bahnen anweisen sollte. Die fortwährende Abhängig- 
keit von den Niederlanden wurde schwer empfunden und be- 
gann bei dem immer stärker werdenden Antagonismus, den 
die religiöse Frage und die Verstossung Katharinas hervor- 
gerufen, zu einer Gefahr für England zu werden. 

Dazu kam, dass kluge Männer aus rein wirthschaftlichen 
i r runden eine Aenderung nach dieser Seite hin wünschten und 
i romwell ihre Ansichten in ausführlichen Denkschriften dar- 
legten. Man fing an, die Vortheile der Niederländer und 
Nachtheile der Engländer sorgfältig zu discutiren, welche aus 
der blossen Thatsache, dass das Tuchstapel ausserhalb des 
Landes sei, erwüchsen. Stephan Vaughan arbeitete eine 
grössere Denkschrift aus 5 ), in der er nachwies, wie die 

*) Br. M. Cotton Mscrs. Vitellius B. XXI. fo. 63 enthält die 
kürze Notiz, dass die kaiserlichen Commissäre am 25. Mai von Dünkirchen 
aas Auf8chlu8s von der englischen Regierung über verschiedene Punkte 
verlangten, bevor sie mit den englischen Unterhändlern zusammen trafen, 
her Brief ist nicht erhalten, wie man auf Grund der Notiz in den State 
Pap er s VII. S. 387. Anm. glauben könnte. 

*) JFor the last daye of Maye late passed we mett togydre at Dune- 
kyrk in Flaunders and offred unto theym all, that ye may see in our 
protestation. that we do send with this ; which for justyfyeng of the kinges 
Graces good disposition and offre of justice we were compelled to make, 
m asmoche as themperours commissioners refused to entend upon redresse 
of enormytes or restitution of spoyles, oonlest we had a more ample com- 
ruibsion and wolde first treate upon a new intercourse." State Papers 
Vn. S. 376. 

3 ) Hackett war seit Haryys Zurückberufung (13. Februar 1531) als 
lischer Gesandter in den Niederlanden bestellt. State Paper s. VII. 

I 386. 

4 ) State Papers VII. S. 374—378. Das Schreiben Knights und 
1 regonwells an Hackett ist vom Juni 1532 und diente uns als Grundlage. 

ß ) Die Denkschrift erwähnt Vaughan in seinem Brief an Crom well 
vom 16. März 1532. Urk. Beil. 31. Die in dem Brief erwähnten Momente 
lussen darauf schliessen , dass die im Texte angegebenen Punkte ungefähr 



— 83 — 

gegenwärtige Organisation nur dazu diene, die fremden Länder 
zu bereichern, und wie man doch leicht die Undankbarkeit 
der Niederländer mit Vernichtung ihrer Industrie bestrafen 
könne *). 

Ob die von R. Pauli edirten Denkschriften aus der Zeit 
Heinrichs VIII. mit der Vaughan'schen in ursächlichem Zu- 
sammenhang stehen, muss noch als offene Frage gelten 8 ). 
Jedenfalls bewegen sich viele Ausführungen in denselben 8 ) in 
gleicher Richtung. Der Verfasser bringt die Stapelfrage in 
Zusammenhang mit der gesammten wirtschaftlichen Lage 
Englands und plaidirt nicht ungeschickt für die Verlegung 
des Tuchstapels nach London. Er will dieserhalb die Privi- 
legien der Londoner beschränkt und die Fremden hinsichtlich 
der Zölle mit den Einheimischen gleichgestellt wissen und 
verspricht sich dann eine Reihe der grössten Vortheile für 
das Land. An Stelle der Wechsel werde wieder das baare 
Geld im Handel zur Geltung kommen, und England solches 
wieder zugeführt werden. Die Ausgaben der englischen Kauf- 
leute auf den niederländischen Märkten für Lebensbedarf, 
Waarentransport und Beihilfe im Geschäfte fielen hinweg, und 
statt dessen würden die Fremden die gleiche Summe in Eng- 
land verbrauchen, was einem Gewinn von 40000 £ gleich zu 
rechnen sei, gleichzeitig werde damit den Niederländern die 
Möglichkeit genommen, die englischen Tücher erst zu strecken 
und dann allen Schimpf den englischen Webern zuzuschieben; 
denn die Fremden würden wegen der Herabsetzung der Tuch- 
zölle direct die guten und gesiegelten Stapeltücher in London 
beziehen. Die englische Tuchindustrie werde neu aufblühen, 
zumal wenn auch das Wollstapel nach England verlegt und 
die Wollpreise wieder auf ihren alten Stand zurückgeführt 
würden, wie der Verfasser will. 

Solche Raisonnements tauchten auf und verfehlten nicht 



den Hauptinhalt der Denkschrift betrafen. Am 22. Jan. 1532 schickte er 
dieselbe an Cromwell, bat aber seinen Namen geheim zu halten, denn es 
seien Dinge darin niedergelegt, welche ihm den Hass der Menge, (wahr- 
scheinlich der Merchant adventurers) zuziehen könnten. „I suppose it not 
necessary, but rather hurtefull to seke occasion to enter into the con- 
tempte of a multitude." Br.M.Cotton Mscrs. Galba B.X. fo. 2. Dieser 
Brief gibt aber keinen Aufschluss über den Inhalt. 

x ) Vaughan findet es besonders unbillig, dass die Engländer in Flandern 
das Leinentuch, die „says." „bokrams" die „Brügge patterns" etc. mit baarem 
Geld kaufen müssen, während diese die englischen Tücher verbannen, und 
*enn eines gefunden wird, verbrennen, "ßetze man diesen Niederländern 
nicht scharfen Widerstand entgegen, „it wer well likely, they wolde in short 
tyme bring our hedds under theyr girdells." Vaughan an Cromwell 16. März 
1532. ürk. Beil. 31. 

*) Vgl. meine Recension im Lit. Centralbl. 1879. Nr. 4. S. 112—114 

*) Namentlich kommt die erste Denkschrift „A treatise concerninge the 

staple and the commodities of this realme", und die dritte „How to reforme 

the realme, in settyng them to worke and to restore tillage" hier in Betracht 

6* 



— 84 — 

Eindruck zu machen. Jedenfalls gelangten Nachrichten über 
die neue Bewegung an die niederländische Regierung, da die 
Sache aller Wahrscheinlichkeit nach auch im englischen Par- 
lament zur Sprache kam 1 ). Die Niederländer wurden ängst- 
lich, und sie hatten um so mehr Grund dazu, als sie fast 
gleichzeitig den Bezug der englischen Wolle ernstlich bedroht 
sahen. Die nach Calais gelangende Wollmenge hatte seit einer 
Reihe von Jahren beträchtlich abgenommen und erreichte beson- 
ders im Rechnungsjahre 1532/33 den tiefsten Stand während 
der ganzen Regierungszeit Heinrichs VIII. *). Ob diese letzte 
Erscheinung ausschliesslich mit dem Gesetz 22. Hen. VIII. c 1, 
welches die Tuchindustriellen im Wollkauf begünstigte, zu- 
sammenhing, oder ob daneben Abmachungen der Stapelkauf- 
leute existirten, oder ob die Regierung Repressalien gegen die 
Niederländer wegen der Beschränkung englischer Tücher auf 
diesem Wege ins Leben rief, oder endlich ob Heinrich VIII. 
bloss durch das Vorgehen Karls V. in der Ehescheidungs- 
frage 8 ) zu diesem Schritte sich bewogen fand, lässt sich nicht 
ganz klar übersehen 4 ). Jedenfalls musste die niederländische 
Regierung jetzt eine andere Politik befolgen, als es auf dem 
Gongress geschehen war, sie war ernstlich bemüht, den Status 
quo aufrecht zu erhalten. Die Regentin Maria sandte ihren 
eigenen Secretär Joh. de le Sauch an Heinrich VIII. 5 ), damit 
er in Verbindung mit dem kaiserlichen Gesandten die Woll- 
frage bereinige und überhaupt ein Einverständniss erziele. 
Sie nahm auch die stolze Sprache des englischen Königs hin, 
der die Niederländer wiederholt fühlen Hess, wie abhängig sie 
in commercieller und industrieller Hinsicht von England seien *). 
Gegen Ende des Jahres 1533 konnte die englische Regierung 
überzeugt sein, dass man niederländischerseits den ernstlichen 
Willen habe, die Verträge fortzusetzen und zu halten 7 ). Der 
Kaiser befahl der Regentin, die Ehescheidungsfrage von der 



') Vaughan wünscht, dass seine Rathschlage offen im Parlament dar- 
j. würden, damit des Königs Unterthanen erfuhren, welcher Ertrag 
lenf König entgehe. Vaughan an Cromwell. Urk. Beil. 81. 

*) Bd. IL Zolltab. IV. S. 76 fg. 

8 ) Henne, Regne de Charles-Quint en Belgique VI. S. 74 fg. 

*) Vgl. hierüber Urk. Beil. 35.i 

*) ürk. BeiL 35. Sieh auch Brown, Cal. IV. 965. 

«) Urk. Beil. 35. Schon 1531 hatte der König de le Sauch gegen- 
über Bemerkungen in diesem Sinn fallen lassen. Vgl. oben S. 78 Note 4. 

7 ) Hackett schreibt am 15. December 1533, dass man in den Nieder- 
landen sehr besorgt sei, der König möchte die Freundschaft kündigen. 
Buren habe ihm gesagt, er kenne des Kaisers. Meinung so genau als seine 
eigene; die Niederlande würden nie zuerst mit England brechen, er wisse 
nur zu gut, wie eine solche Thorheit die Niederländer zu Grunde richte. 
State Papers VII. S. 529. In einem gleichzeitigen Brief an Cromwell 
spricht Hackett seinen Unwillen aus, weil die Merchant adventurers aus 
Furcht vor Feindseligkeiten einen Safeconduct vou der Regentin sich er- 
wirken wollten. (R. 0. State Papers.) 



— 85 - 

Handelsfrage streng zu sondern. Erstere solle nicht die 
Handelsbeziehungen stören 1 ). Mit leichter Mühe und sicherer 
Hand hatte England den Ansturm gegen die Privilegien der 
englischen Kaufleute und gegen die englische Industrie be- 
schworen. Gleichwohl waren, wie sich denken lässt, die Be- 
ziehungen zwischen den beiden Nachbarn keineswegs herzliche, 
was freilich zum Theil Folge der politischen Situation war; 
man legte gegenseitig die grösste Vorsicht an den Tag *) ; aber 
es unterblieb ein Angriffe auf den Handel der Engländer *). 
Dem Kaiser wurde zwar 1534 abermals eine Denkschrift 
unterbreitet, in der er aufgefordert wurde, doch wieder auf 
die 1464 von Philipp dem Guten und 1494 von Maximilian 
beobachtete Politik zurückzugreifen und die englischen Tücher 
entweder ganz zu verbieten oder sie wenigstens mit einem hohen 
Zoll, etwa im Betrage eines Goldguldens, zu treffen, nachdem 
man vorher einen grossen Vorrath von spanischer Wolle für die 
Manufactur herbeigeschafft habe 4 ). Karl V. war aber gegen 
alle derartigen Mittel, „die Engländer zur Raison zu bringen" 
taub. Er hielt es schliesslich doch für unräthlich, sich mit 
England zu überwerfen. Sieht man von einem zu Ungunsten der 
Engländer ausgefallenen Urteilsspruche in einer verhältniss- 
roässig untergeordneten Zollfrage ab 5 ), so hatten die Kauf- 
leute keinen Grund zur Klage. Der 1536 — 38 zwischen 
Franz I. und dem Kaiser neu entbrannte Krieg rief ebenfalls 
keinen Bruch der Freundschaft hervor. Der Krieg spielte 
sich im Süden ab, England und die Niederlande beobachteten 
strenge Neutralität Der Kaiser liess, um alle Bedenken der 
Engländer zu beseitigen, eine Ordonnanz publiciren, worin 
ausdrücklich hervorgehoben wurde, dass die englischen Kauf- 
leute wie in Friedenszeiten nach den Niederlanden handeln 
könnten 6 ). 

Der Verkehr erlitt somit keine ernstliche Störung 7 ). Ant- 
werpen erfüllte in einem neuen Arrangement die Wünsche der 



*) „Cette question ne doit nullement interrompre les relations commer- 
ciales entre mes peuples et les Anglois." Henne a. a. 0. VI. S. 75. 

*) State Papers I. S. 413. 

*) 1535 konnten die englischen Kaufleute ihren Markt ohne Hinderniss 
halten; Alleyn schrieb deshalb am 22. Aug. 1535 an Crom well: „Gott sei 
Dank, die Zeelandsflotte ist glücklich heimgekommen, wohl beladen und 
mit theureren Waaren, als je in diesem Lande gekauft wurden. State 
Papers I. S. 443. 

4 ) Brüsseler Staatsarchiv. Pieces restituäes par l'Autriche 
1862. XVII, B. § 21. 

*) ürk. Beil. 45. § 4; 40. § 3. 

') Befehl an den Rath von Flandern, diese Ordonnanz zu publiciren 
vom 25. Aug. 1536. Gr. v. Duyse et E. de Busscher, Inventaire des 
archives de Gand Nr. 927. 

*) Ueber angebliche Verletzungen durch die Kriegsschiffe sieh State 
Papers Vü. 8. 670 u. 677. 



— 86 — 

begehrlichen Engländer 1 ), und dasselbe erhielt auch am 
22. December 1537 die Sanctiou des Kaisers 2 ). Das Project 
der Verlegung des Stapels schien vorläufig auf die Seite ge- 
stellt. 

Aber kaum war die Gefahr beseitigt, so fingen auch die 
Niederländer wieder an, neue Vertragsverletzungen sieh zu 
Schulden kommen zu lassen. Der Gouverneur der englischen 
Eaufleute sah sich noch im October desselben Jahres ver- 
anlasst, eine ausführliche Beschwecdeschrift der Regentin zu 
überreichen, die Abhilfe versprach; der Präsident des ge- 
heimen Raths J. Carondelet, Erzbischof von Palermo, und der 
Kanzler P. L. Nigri hatten ihr Bericht über die Angelegen- 
heit zu erstatten 3 ). Im Jahre 1539 drohte allen Ernstes ein 
vollständiger Abbruch des Handels, da Karl V. einige Zeit mit 
dem Plane sich trug, Heinrich VIII. für die schmähliche Behand- 
lung seiner Tante zu züchtigen. Allein die Rührigkeit des 
Königs und seines Ministers Hessen den Kaiser nicht wagen, 
auf englischem Boden zu landen. Die Wolke ging vorüber. 

4. Periode (1540 — 1547). 

Die 10 Jahre, während welcher Cromwell die Handels- 
politik geleitet, waren dem Verkehr günstig. Er erhielt dem 
Lande den äussern Frieden, dessen es so sehr bedurfte, und 
er bewahrte ihm auch die Freiheiten und Rechte, welche die 
Engländer in den Niederlanden besassen. Aber sein Wirken 
gipfelte nicht blos im Erhalten dessen, was er überkommen, 
sondern er schuf positiv neue Verhältnisse, welche der letzten 
Periode, die wir zu behandeln haben, das Gepräge aufdrückten. 

Ein Jahr bevor auch ihn das tragische Geschick erreichte, 
veranlasste der einflussreiche Minister Heinrich VIII., durch 
eine Proclamation versuchsweise auf sieben Jahre die Fremden 
den Einheimischen in allen Zöllen gleichzustellen 4 ). Damit 
hatte Cromwell das in den oben genannten Denkschriften dar- 
gelegte Project sich zu eigen gemacht, wenn er auch durch 
eine bessere Gombination dasselbe erst practisch zu gestalten 
suchte. 

Die Beweggründe für die Proclamation, die Gesetzeskraft 
hatte, waren jedenfalls complexer Natur. Die Hebung der 
einheimischen Industrie durch Förderung des Exportes bildete 
in Anbetracht der inneren Noth unzweifelhaft das Haupt- 
motiv 5 ); die Hoflnung auf eine grössere Zolleinnahme mag, 

*) 8. Aug. 1534. Papebrochii Annales Antverpienses ed. Mertens 
et Buschmann DL S. 179, 180. 

2 ) ürk. Beil. 36. 

3 ) Hutton an Cromwell 20. Oct. 1537. State Papers VII. S. 713. 
*) ürk. Beil. 144. 

ß ) Vgl. auch 4. Gap. des IL Abschn. 



— 87 — 

wenn auch die Proclamation das Gegentheil behauptet, gleich- 
wohl nicht gan? ausgeschlossen gewesen sein 1 ). Sicher ist 
aber, dass man mit dieser Massregel allein das Antwerpener 
Stapel nicht schädigen konnte; im Gegentheil war jetzt die 
niederländische Flotte und der niederländische Kaufmann im 
Stande, den Merchant adventurer ganz bei Seite zu schieben 
und noch den Vortheil des Einkaufes im Lande und des 
Transportes an sich ziehen. 

Das war aber nicht Gromwells Plan; den Engländern 
war das Aufblühen der niederländischen Marine schon lang 
ein Dorn im Auge 2 ). Gleichzeitig mit dem Inkrafttreten der 
Proclamation legte er dem Parlament eine Bill vor, welche 
die Zollprivilegien nur dann den Fremden gewährte, wenn sie 
in englischen Schiffen die Ausfuhr bewerkstelligten. 

In der That war gegen das Stapel zu Antwerpen damit 
ein erster harter Schlag geschehen, der Schwerpunkt des 
Tuchhandels lag fortan in England, beziehungsweise in Lon- 
don; der Tuchexport der Fremden stieg um mehr als die 
Hälfte 3 ). Mit wahrer Meisterhand hatte Gromwell bei dieser 
Gelegenheit allen englischen Interessen Rechnung getragen, 
der Industrielle wie der Kauffahrer war berücksichtigt, und 
auch dem englischen Kaufmann blieb noch Thätigkeit .genug 
über. Was aber besonders wichtig war, die Handelsverträge 
hatten keine förmliche Verletzung erfahren. 

Ein Schrei der Entrüstung und des Entsetzens erhob sich 
in den Niederlanden, wie noch nie zuvor. Man fühlte die 
tiefe Wunde, welche der verwegene englische Minister dem 
Lande versetzt, und der Schmerz war um so grösser, als der 
Kaiser gerade um diese Zeit auf Bitten der Stadt Brügge da- 
selbst das Zurichten aller englischen Tücher, wenn auch noch 
nicht den Detailverkauf in Flandern gestattet, also den eng- 
lischen Interessen eine neue Goncession gemacht hatte 4 ). 

Sofort setzte man alle Hebel in Bewegung, um diese 
Schöpfung Croinwells wieder, zu zertrümmern. Der Umstand, 
dass die Feinde Cromwells eben die Oberhand in England 
erhielten, seine Gefangennahme und schliessliche Enthauptung 



■) Aus den Zollregi&tern geht hervor, dass die Zolleinnahmen trotz des 
Nachlasses wenigstens keine Verminderung erfuhren. Sieh Bd. II. S. 13, 
48 fg. 

*) Vgl. hierüber besonders Piot, La diplomatie concernant lea affaires 
maritimes des Pays-Bas vers le milieu du XVI« siecle jusqu' ä la treve de 
Vancelies in den Bulletins de l'academie royale des sciences, des lettres et 
des beaux-arts de Belgique. II™ Serie. T. 40. 1875. S. 818 fg. 

*) Vgl. Zollregister Nr. V, sowie die Einleitung zu den Zolltabellen. 
Bd. IL S. 18, 19, 86 fg. 

4 ) 10. Aug. 1540. Urk. Beil. 35. Im Jahre 1501 war dieses Hecht 
noch ausdrücklich versagt geblieben. Sieh oben S. 27. 1543 wurde es auf 3 
weitere Jahre verlängert. Brügger St. A. Nieuwen Groenenbouc 
B. B. fo. 110 fe. 



- 88 — 

durchsetzten, kam als ein günstiges Moment hinzu. Man 
hoffte, seit der kluge Lenker der Wirtschaftspolitik gestürzt 
war, durch ausdauernde Opposition die nun etwas zerfahrene 
engliKche Regierung wankend zu machen. Sogleich schritt 
man zu Repressalien. Am 22. November 1540 befahl der 
Kaiser der Stadt Antwerpen, nicht zu dulden, dass ein eng- 
lisches Schiff irgend welch« Rückfracht nehme *)> und am fol- 
geren 1. December erliess er ein Edict, welches das erwähnte 
Verbot auf die gesammten Niederlande ausdehnte. Nach einer 
nicht zuverlässigen Nachricht hätte Karl V. in dem genannten 
Jahr auch den Import der englischen Tücher verboten 2 ). 

Der Kampf auf beiden Seiten war eröffnet Ein reger 
Schriftwechsel zwischen den beiden Regierungen begann s ), der 
aber vorerst kein anderes Resultat hatte, als die Auffassungen 
der zwei Cabinete in ein helleres Licht zu stellen. Als Typen 
kann man den Brief Heinrichs VIII. vom 5. Mai 1541 an die 
Königin Maria, Regentin der Niederlande 4 ), und deren Antwort 
vom 18. Mai 1541 betrachten 5 ). Heinrich VIII. beklagt sich 
über die Belästigungen, welchen seine Unterthanen in Folge des 
kaiserlichen Edicts in den Niederlanden begegneten. Der 
Kaiser sei hinsichtlich des englischen Gesetzes offenbar schlecht 
unterrichtet. Dasselbe Verstösse keineswegs gegen die be- 
stehenden Freundschafts- und Handelsverträge, auch sei eine 
derartige Verletzung nie beabsichtigt worden, wie überhaupt 
englische Gesetze niemals den Verträgen präjudiciren dürften. 
Die englische Acte 6 ) fordere Nichts, was nicht schon im eng- 
lischen Rechte begründet sei, sie betreffe eine Bestätigung 
einiger alten Statuten vom Jahre 1381 und 1382 7 ) und eine 
Erklärung über ihre Ausführung. Ferner enthalte sie ein 
Geschenk, das er zu Gunsten der fremden Kaufleute, die nach 
England handelten, gemacht, indem er die Zölle herabgemindert 
habe; der niederländischen Schifffahrt sei aber nicht das ge- 
ringste Leid zugefügt worden; nicht einmal die Geld- und 
sonstigen Strafen der alten Navigationsacten seien geändert 

\i Ve rächt er, Inventaire des archives d'Anvers 1860. S. 214. 

1 ) Dies wurde von dem nieder] ändischen Gesandten Vaissonleville 1563 
in ei oer Replik behauptet, von den Engländern aber bestritten. Brasseler 
St A. I'ieces restituees par l'Autjriche 1862. VII. B. § 24, 25. 

*} bereits am 21. December 1540 war wegen der Angelegenheit der 
kaiserliche Gesandte bei Heinrich VIII. in Audienz und verhandelte mit 
dem köniffl. Rathe. Nicolas, Proceedings and ordinances of tbe Priw 
Council VII. S. 95. 

*) Htate Papers VIIL S. 673. 

*) State Papers VIIL S. 676. 

3 Heinrich VIIL legte eine abgekürzte Uebersetzung der Acte bei. 

■j Stäit 5 Rieh. II. c 3, wonach englische Unterthanen Waaren nur 
in englischen Schiffen verfuhren dürfen; und Stat. 6. Rieh. IL c 8, wonach 
von der vorhergebenden Bestimmung eine Ausnahme gemacht werden soll 
iur daß Fall, dass englische Schiffe nicht zu haben sind. Beide Gesetze 
waren /war nicht zurückgenommen, wurden aber schon lange nicht mehr 
angewendet. Sieh Abschn. IL Cap. IL 



— 89 - 

worden. Nur Wohlthaten habe er gespendet an Leute, die 
nicht zufrieden , die Waaren Englands zu erhalten , in ihrer 
Undankbarkeit auch noch das Wohl und den Bestand der 
englischen Schifffahrt zu Grunde richten möchten. Ganz an- 
ders verhalte es sich mit der kaiserlichen Proclamation; sie 
gründe sich nicht nur auf eine eitle Voraussetzung, sondern 
sei eine Neuerung und verletzte wegen der hohen Strafen die 
bestehenden Verträge aufs tiefste. 

Die Antwort der Königin war sehr bestimmt gehalten. 
Dir steter Wunsch, schreibt sie, sei gewesen und sei es noch, 
die besten Beziehungen zwischen England und ihrem Reiche 
zu unterhalten ; die englischen Unterthanen seien deshalb nicht 
nur immer human, wohlwollend und freundlich behandelt, son- 
dern mehr als irgend eine Nation, ja selbst mehr als die 
eigenen Unterthanen privilegirt worden. Man habe gehofft, 
dass von englischer Seite die gleichen Zugeständnisse an die 
Niederländer gemacht würden. Aber das Gegentheil sei der 
Fall, wie diese Acte lehre; denn man zwinge durch diese, die 
kaiserlichen Unterthanen, entweder das unerträgliche, grosse 
Tonnengeld zu zahlen oder leer mit ihren Schiffen von Eng- 
land heimzukehren. Die Bitte des Kaisers, das Statut wieder 
zurückzunehmen, sei höhnend abgewiesen worden mit der Be- 
merkung, der englische König könne in seinem Lande Statuten 
geben, welche er wolle, und man werde es nicht befremdend 
finden, wenn man von Seite des Kaisers ein gleiches oder 
ähnliches Gesetz zum Wohl seiner Unterthanen erlassen werde. 
Diesen Rath habe dieser denn beherzigt und vernünftig ge- 
funden, nachdem Heinrich VIU. so grossen Vortheil seinen Unter- 
thanen zum Schaden der Fremden zuwenden wolle, auch an 
die Unterstützung und Förderung der Seinigen zu denken. 
Ganz irrelevant sei Heinrichs VIII. Bemerkung, dass nur alte Sta- 
tuten erneuert worden seien -, denn wollte der Kaiser alle alten 
Gesetze, die von den niederländischen Fürsten hinsichtlich der 
englischen Wolle und anderer englischen Waaren, sowie in 
Betreff der Zölle und des Waarenverschleisses gemacht worden 
seien, erneuern, so werde sich bald zeigen, auf wessen Seite 
der grössere Vortheil liege. 

Indem die Königin die Sache als der Entscheidung des 
Kaisers angehörend darstellte und deshalb nichts als ihre 
eifrige Unterstützung zur Schlichtung des Streites versprach, 
war noch kein Schritt zur Verständigung geschehen. Im 
Gegentheil wurde der Zwist noch verschärft, als man englischer- 
seits 1541 die Ausfuhr von Metallen erschwerte *). Auch hier 
übten die Niederländer Repressalien, indem sie nicht gestatteten, 
dass das Kriegsmaterial, welches der König in den Nieder- 



JJ 88 Hol VIII. c. 5. 1588 war auch der Export englischer Häute 
zum Verdrußs der Niederländer beschränkt worden. Urk. Beil. 178. 



— 90 - 

landen hatte ankaufen lassen, ausser Landes gehe, und damit 
auch die Absicht des Königs, noch grössere Ankäufe zu machen, 
vereitelten 1 ). 

Endlich griff man zu dem schon oft erprobten Mittel 
i-irios Congresses. Maria hatte zuerst den Vorschlag gemacht 
Heiniich VIII. ernannte als seine Gommissäre Eduard Carne 
und den uns wohl bekannten Stephan Vaughan*). Ihre 
Reden machten in den Niederlanden nicht den geringsten 
Eindruck. Erst versuchten sie es mit den Commissären s ), 
dann bei der Königin selbst 4 ), der Effect blieb immer der 
nämliche und die Argumentation immer dieselbe. Neu war 
nur die Behauptung der Niederländer, dass der Kaiser die 
kehraverträge zu beobachten sich nicht für gebunden er- 
achte. Indem aber die Engländer auf eine noch vor Kurzem 
durch Granvella geschehene Aeusserung sich beriefen, wonach 
alle mit Heinrich VIII. abgeschlossenen Verträge als fortdauernd 
betrachtet werden sollten, und ein Abschluss neuer sich als 
unnöthig erweise, und indem sie deswegen Veränderlichkeit 
und Unzuverlässigkeit dem Kaiser und der Regentin zur Last 
legten, entstand eine niederländischerseits absichtlich an den 
Tag gelegte und auch noch durch ähnliche Vorkommnisse ge- 
nährte Gereiztheit, welche das Unterhandeln immer mehr er- 
sehwerte. 

Was die Niederländer wollten, war klar. Sie waren fest ent- 
schlossen, auf die Widerrufung des Edicts nur dann einzugehen, 
wenn sie von der Schiffahrtsacte eximirt würden. Am erwünsch- 
testen aber wäre ihnen eine Lösung derart gewesen, dass das 
alte Vertragsverhältnis8 beseitigt und ein neues eingegangen 
worden wäre. Die Instructionen Marias an Chapuys 6 ) in 
London lassen dies deutlich erkennen, und dieser bot auch 
all seinen Einfluss auf, die englische Regierung hiefür zu ge- 



) John Osborn hatte auf Befehl des Königs diese Einkäufe zu be- 
sorgen. Er hatte, nachdem er zuerst den Preis für Kupfer möglichst zu 
drucken gesucht, 1000 Zentner ä 31 sh 6 d und 38 sh, ausserdem 200 Paar 
Reiterliarnische ä 30 sh 9 d angekauft. Sein Auftrag lautete auf 2000 Ztr. 
Kupfer. Die Verweigerung der Licenz niederländischerseits verletzte um 
so m ehr, als man gleichzeitig den König von Portugal 14000 Ztr. und den 
König von Frankreich 10 000 Ztr. Kupfer ausfuhren liess. Thatsächlich 
wurde England in seiner Wehrkraft durch dasTerbot geschwächt. State 
Papers I. S. 665—666 und VIII. S. 680. Weil trotz wiederholter Bitten 
Heinrich VIII. sein Verlangen nicht erfüllt sah, Übte er auch seinerseits 
neue Repressalien. Als einige Leute aus Dankirchen durch den Gesandten 
die Kitte stellen Hessen, Holz für Packung getrockneter Heringe ausfuhren 
zu dürfen, wurde sie abgeschlagen. Staterapers VUL S. 581. 

■) Sieh die Instruction derselben in den State Pap er s VIII. S. 683 fg 

*) Diese waren Philipp de Croy, Scepperus und Schore. State 
Papers I. S. 668—71. 

*) Der Vortrag bei der Königin fand am 8. Juli Statt Am 19. Juli 
inst ruhte der König auch den Gesandten, damit er für den Widerruf des 
Edicts arbeite. State Papers VIH. S. 581 u. 582 Anm. 

*) 5. Aug. 1541. State Papers VHI. S. 588—92. 



/ 



— 91 — 

winnen 1 ). Er machte geltend, dass die Gründe für die Un- 
gültigkeit des Handelsvertrages geradezu zwingender Natur 
seien. Der Vertrag von 1506 sei zwischen Heinrich VII. und 
Philipp abgeschlossen worden, als letzterer durch seine Ver- 
schlagung nach England in einer Zwangslage sich befunden 
und mehr aus Furcht, denn aus freiem Willen seine Zusage 
gegeben habe; die niederländischen Staaten hätten deshalb 
nach Philipps Ankunft denselben nicht nur nicht bestätigt, 
sondern als null und nichtig, kraftlos und unvollendet (im- 
perfaicte) betrachtet; der Vertrag von Cambrai (5. Aug. 1529) 
habe keine Aenderung in dem Thatbestand hervorgerufen; 
man habe ihn erneuert, so wie er gewesen, er konnte somit 
nicht für kräftiger und gültiger erklärt werden, denn zuvor. 
Die englischen Gesandten Hacket* und Dr. Enight hätten zu- 
dem in Bourbourg *) selbst den Tractat öffentlich für erloschen 
erklärt und 1532 die kaiserlichen Gesandten dessen Fortdauer 
ganz consequent bestritten. Die königl. Räthe waren ganz 
erstaunt, als der kaiserliche Gesandte mit seinem Rüstzug 
aufmarschirte. In ihrer ersten Verlegenheit waren sie dreist 
genug zu behaupten, sie wüssten gar nicht sicher, ob irgend 
ein Vertrag in England geschlossen worden sei ; aber sicherlich 
sei Philipp als Freund behandelt und kein Zwang ausgeübt 
worden, nach seiner Rückkehr und seitdem sei der Verkehr 
immer auf Grund dieses Handelsvertrages gefühlt worden. 

Am 22. August hatte man in der ganzen Sache noch 
nicht einen Schritt vorwärts gethan. Natürlich weigerte sich 
Heinrich VIII. seine Zustimmung zu einem neuen Handelsvertrag 
zu geben und nannte ein solches Verlangen Zudringlichkeit. 
Er läugnete die Möglichkeit, diesen und den Freundschafts- 
vertrag gesondert zu behandeln, da, wie der Vertrag von 
Cambrai zeige, beide unzertrennlich verkettet seien. Der 
Protest niederländischerseits nütze nichts, da nach dem Wort- 
laut eine einseitige Lösung des Vertrags unmöglich 8 ). 

Gegen September hatte es den Anschein, als ob die ersten 
Anzeichen zu einer Annäherung vorhanden. Osborn wurde 
die so lang erwünschte Licenz zur Ausfuhr des Kupfers er- 
theilt 4 ), und auch Heinrich VIII. schlug in seinen Briefen einen 
versöhnlicheren Ton an. Gleichzeitig hoffte man durch de Praet, 
der gerade damals nach den Niederlanden gekommen war, 
leichter zum Ziele zu gelangen ß ). Allein der gewandte Diplo- 

') Vgl. State Papers I. S. 668—671; 674-679. 

*) In den State Papers ist anmerkungsweise beigefugt, dass Hackett, 
Tregonweü und Enight im Frühling 1529 zu Bourbourg waren. 

*) Brief Heinrichs VI1L an Carne und Vaughan vom 22. Aug. State 
Papers VIII. S. 690. 

') State Papers VIII. S. 597. 

*) Am 5. September instruirte Heinrich VIII. seinen Gesandten, de Praet 
zu besuchen und diesen bei dem Kaiser einflussreichen Mann von der Güte 
der englischen Sache zu überzeugen. De Praet entschuldigte sich aber dem 



— 92 — 

raat hatte auch nichts Besseres, als artige nichtssagende 
Redensarten zu bieten. 

Schliesslich gaben die englischen Gesandten, wie Hein- 
rich VIEL gewünscht, ein Ultimatum ab, worin sie nochmals den 
englischen Standpunkt darlegten und auf 5 von ihnen hervor- 
gehobene Punkte eine endgültige Antwort verlangten, welche 
dem König von England als definitiver Beschluss und als 
Richtschnur für seine weiteren Massregeln dienen könne. 
Lange liess man die Gesandten warten, von Tag zu Tag 
wurden sie vertröstet, bis man denn am 7. September die ge- 
wünschte schriftliche Erklärung abgab *). Die Engländer waren 
enttäuscht, sie behaupteten, zwei der wesentlichsten Punkte 
habe man übergangen, es fehle ebenso sehr eine Antwort auf 
ihre Frage, ob der Kaiser den Verkehr aufrecht erhalten 
wolle, als eine Rückäusserung über die niederländische 
Auffassung bezüglich des Vertrages von Cambrai und der in 
demselben vorgenommenen Verknüpfung von Freundschaft und 
Handel. Die Königin liess ihnen aber bedeuten, dass ihre 
Antwort klar genug sei. Zu weiteren Aufklärungen könne ihr 
Gesandter in London dienen. 

Das Ultimatum hatte seinen Zweck verfehlt. Auch sach- 
lich brachte diese letzte Phase wenig Neues. Interessant ist 
aber die Wendung, welche die Niederländer in ihrer Ver- 
zweiflung der Acte zu geben suchten. Da Cromwell in der 
raffinirtesten Weise Alles so geordnet, dass ein Vertragsbruch 
juristisch nicht leicht zu construiren war, so musste natürlich 
aller Scharfsinn aufgeboten werden, um dennoch einen solchen 
herauszubringen. Die Niederländer stützten sich einmal auf 
die in allen Verträgen, auch im Vertrag von 1529 vor- 
kommende Phrase, dass sie gleich frei in England Waaren 
verladen könnten, wie die Engländer selbst, diese Freiheit sei 
ihnen nun thatsächlich genommen; sodann holten sie zum Be- 
weis ein altes Privileg Eduards I. vom Jahre 1296 hervor, 
demzufolge sie die gleichen Vergünstigungen in England haben 
sollten, wie die Engländer oder irgend eine andere Nation 2 ). 



Gesandten gegenüber damit, dass ihm die ganze Sache fremd sei. Vor 17 
Jahren sei er allerdings in England gewesen and habe damals während 
seines dreijährigen Aufenthaltes oft von den Handelsverträgen Einsicht ge- 
nommen j inzwischen habe er sich aber immer bei dem Kaiser aufgehalten 
und sei m Folge, dessen gar nicht auf den Laufenden. Er wolle sich aber 
bei der Königin nach dem Stand der Sache erkundigen und dafür sorgen, 
dass baldige Antwort erfolge. Carne und Vaughan an Heinrich VIIL 5. Öct 
State Papers VIIL S. 698. 

*) Vgl. La somme de ce que les Ambassadeurs de la Majeste du Roy 
d'Angleterre, reseantz en la court de la Royne d'Onffrie Regente du Pays- 
Bas ont nagueres declaire a la dicte Royne de par la Majeste dudict Roy 
leur Seigneur; sowie die Reponse de la Royne Douagiere de Hongrye etc 
in den State Papers VIIL S. 620—24. 

*) Natürlich konnten sie sich nicht verhehlen, dass sie thatsächlich 
das Privileg schon lange nicht mehr besassen; sie betrachteten aber die 



Dass sie mit ihren Argumenten auch nicht den geringsten An- 
klang fanden, lässt sich denken; sie mussten es erdulden, dass 
Heinrich VIII. ihre Allegationen frivol nannte. 

Letzterer beauftragte am 8. December seinen Gesandten nach 
nochmaliger Anfrage bei der Regehtin die Niederlande zu ver- 
lassen, falls die Weigerung, das Edict aufzuheben, fortgesetzt 
würde. Die Abreise des Gesandten scheint auch stattgefunden 
zu haben. Der Winter ging vorüber, ohne dass man sich 
einander genähert hatte. Die Verhandlungen wurden nun an 
den spanischen Hof verlegt; die englischen Gesandten Boner 
und Knyvet hatten die Angelegenheit zuerst mit dem Kaiser 
und Covos 1 ), später mit Granvella zu discutiren. 

Der ganze Charakter der Verhandlungen änderte sich 
damit. Bisher hatte man vorwiegend mit Gründen handels- 
politischer und rechtlicher Art gekämpft, jetzt sprach die all- 
gemeine Politik das letzte Wort. Der Bischof von London 
stellte gleich in der ersten Unterredung mit Granvella die 
Frage, ob der Kaiser die Freundschaft fortsetzen wolle, bei- 
fügend, dass, wenn dieser kalt und zögernd vorgehe, er es 
nicht sonderbar finden dürfe, wenn der König von England 
ihm anderweitig gemachte Anträge acceptire 8 ). 

Damit war klar formulirt, um was es sich handelte. Krieg 
war in Sicht. Franz I. plante mit Hilfe der Türken den ver- 
hassten Kaiser zu vernichten; ein Bündniss Heinrichs VIII. mit 
Frankreich war angedroht, falls man länger die Retorsion^ 
massregel aufrecht erhalten wollte. Granvella versprach eine 
Reformation des Edicts, behandelte aber die Gesandten hin- 
sichtlich dieses Punktes dilatorisch, der Versuch der englischen 
Regierung, Chapuys zu gewinnen und durch dessen Vermitt- 
lung die Regentin zum Nachgeben zu bewegen, misslang 
ebenfalls s ). 

Die flandrische Regierung wankte und wich nicht; Hein- 
rich VIII. fand es nicht für räthlich, auf Frankreichs Seite zu 
treten; sein Drohmittel versagte den Dienst Am 29. Juni 
wurde zu Hampton Court ein Protokoll unterzeichnet, dem- 
zufolge England versprach, das Statut für die Niederlande 
and Spanien ausser Kraft zu setzen, unmittelbar nachdem die 
Niederländer mit Zurücknahme des Edicts vorangegangen sein 



Entreissung als ein viele Jahrzehnte hindurch verübtes Unrecht. Sie behaup- 
teten, ursprünglich dasselbe Tonnengeld wie die Osterlinge und Kölner ge- 
zahlt zu haben, hernach habe man sie gezwungen, ebenso viel wie die Eng- 
länder zu zollen, später sie auf gleiche Stufe mit den nichtprivilegirten 
Fremden gesetzt, so dass sie seit 20 Jahren (1522) gar kein Privileg mehr 
genössen. State Papers V11I. S. 620—24. Sieh auch oben S. 14. 

*) Bis 5. April 1542. 

*) Boner et Knight an Heinrich VIII. Yalladolid 8. Mai 1542. State 
Papers IX. S. 1—17. 

») State Papers IX. S. 23 u. 24. 26. 64. 



— 94 - 

würden *). Dass dem Protocoll gemäss gehandelt wurde, kann 
als sicher gelten 2 ). Durch Parlamentsacte wurde die Aus- 
nahmestellung der Niederländer nicht decretirt. Heinrich VIII. 
muss somit durch Licenz aus eigener Machtvollkommenheit 
dieselbe gewährt haben 3 ). 

Englands Handelspolitik hatte, seitdem das Scepter in 
die Hände der Tudors gelangt war, die erste Niederlage von 
den Niederlanden erlitten. Die Schiffahrtsacte war zum grossen 
Tlieil werthlos geworden, denn die Hansen waren* ihr ohnehin 
nicht unterworfen, und die Niederländer mit den Venetianern 
die Einzigen, auf die sie eigentlich abgezielt war; mit der 
politischen Unterstützung 4 ) war den Niederländern noch ein 
beträchtliches Zollgeschenk zugefallen und ein grosser Theil 
des Handels, den bisher die Merchant adventurers als einzige 
Domäne besessen hatten. 

Wohl mochte die zeitliche Beschränkung des Privilegs bis 
8, April 1546 und der Wiedereintritt des alten Zustandes nach 
4 Jahren nicht unwesentlich der englischen Regierung die 
Coocessionen erleichtert haben; allein die volle Bedeutung lag 
eben nicht in der zeitlichen Begrenzung; die englische Re- 
gierung hatte definitiv eine Politik aufgegeben, welche zu 
einem Markstein in den Beziehungen zwischen England und 
don Niederlanden geworden wäre; der provisorische Bau, den 
Crom well für 7 Jahre errichtet hatte, konnte nicht ausgebaut 
nicht erhalten werden, seitdem die Grundpfeiler aus dem- 



*) Das Protocoll lautet: Nomine illustrissimorum principum domino- 
rura nostrorum paciscimur convenimus, invicem promittimus et stipulamur, 
quod edictum in Flandria, factum contra mercatores et nautas Anglos. 
videlicet ne ex portubus Flandrie et aliarum inferiorum ditionum Cesaree 
M;4Jo8tati &pectante8 et pertinentes naves Anglie mercibus quibuscunque 
Hut alio quovis onere onerate discedant, sed vacue omnino atque inanes in 
Angliam revertantur, quamprimum fieri potent, revocabitur et abrogabitur; 
tta quod mercatores Anghae in eo jure eint, quo ante dictum edictum 
m grünt Post quod edictum [ita] revocatum et hujusmodi revocatione 
realiter facta, serenissima Anglie Majestas statutum in Parliamento anno 
reani sue Majcstatis tricesimo tertio de re navali editum, quatenus videlicet 
subditos Cesaree Majestatis inferiorum ditionum et Hispaniarum concernere 
quovis modo aut tangere poterit, remitti prorsus et relaxari statim efßciet, 
ut dicti subditi Cesaris in eo jure sint, in quo ante dictum statutum fuerunt. 
In quorum fidem et testimonium hijs subscripsimus. Datum apud Hampton 
courte 29. die Juny, anno Domini mülesimo quingentesimo quadragesimo 
ndo. Signatur. Orator ac commissarius Cesaree Majestatis Eustachius 
Cbapuys. State Papers IX. S. 65, 66. 

a ) Vgl. ürk. Beil. 41 gegen Scbluss und State Papers VIII. S. 623 
u. 676. 

•) Von der im Mai 1539 durch das bekannte Ges. 31 Hen. VIII c. 8 
dem König übertragenen Gewalt konnte gesetzlich in diesem FaU keine An- 
wendung gemacht werden, weil die mit Zustimmung des Privy Council er- 
lassenen Proclamationen nur dann als Gesetz zu ' gelten hatten , wenn sie 
nicht schon bestehende Statuten aufhoben. Es blieb also nur der Gnaden- 



weg übrig. 

4 ) State Papers IX. S. 125. 



— 95 - 

selben entfernt waren. Noch waren die Bande, welche Eng- 
land und die Niederlande zusammenhielten, zu stark, als dass 
man wagen konnte, mit Gewalt sie zu zerreissen, ohne sich 
nicht selbst zu verletzen. Erst Elisabeth und ein neuer 
Cromwell sollten dieses Werk vollführen. 

Der moralische Eindruck bei der kaiserlichen Regierung 
in Folge des Sieges war ungeheuer. Schon glaubte man, noch 
mehr von England erlangen und auch den Intercursus in 
niederländischem Sinn reformiren zu können. Der Krieg des 
Kaisers gegen Frankreich gab willkommene Gelegenheit zu 
einem neuen Versuch. Um die nöthigen Gelder aufzubringen, 
fasste man unter Andern auch eine Zollerhöhung ins Auge. 
Am 2. April 1543 wurde eine Verordnung proclamirt, wonach 
bis auf Weiteres Jeder bei Ausfuhr 1% des Waarenwerthes 
Zuschlagszoll zu zahlen habe 1 ). Natürlich wollte man die 
Engländer hievon nicht befreit wissen; denn es war zu be- 
fürchten, dass sie, allein ausgenommen, fast den ganzen Steuer- 
effect verhindern 2 ) und den sämmtlichen Handel an sich ziehen 
würden; gleichzeitig war, wenn es gelang, die Engländer ins 
Netz zu ziehen, ein vorzüglicher Präcedenzfall für die Zukunft 
geschaffen und eine* Bresche in den Intercursus geschossen; 
mit dieser Besteuerung war aber Karl V. nicht einmal zufrieden, 
sondern er befahl, auch die eximirte Stellung der Engländer 
in Antwerpen zu beschränken und sie der Accise für die 
von ihnen verbrauchten Bier- und Weinmengen zu unter- 
werfen. 

Die Regentin, des vertragswidrigen Vorgehens sich wohl 
bewusst, theilte dem König mit, dass diese Abgabe nur für 
die Dauer des Krieges beabsichtigt sei; dieselbe betrage sehr 
wenig, und er möge ihre Erhebung gestatten, namentlich mit 
Rücksicht auf die anderen Fremden, welche sicher sehr 
murren würden, wenn die Engländer ausgenommen würden. 

Die Haltung der englischen Regierung war eine schwan- 
kende 8 ). Beinahe gelang es den Niederländern , dieselbe zu 
überreden. Nur die Merchant adventurers in London leisteten 
energischen Widerstand 4 ). Sie wollten sich höchstens zur 



*) State Paper s IX. S.377. Wenige Monate später wurde auch ein 
Urtheil gefallt, welches den Unfug der Engländer, durch Fertigung recht 
grosser Packete den Zoll theil weise zu hinterziehen, verbot. Urk. Beil. 45. 
§22, 23. 

*) Aus 2 Gründen, 1) weil die Ausfuhr der Engländer an sich schon 
sehr bedeutend war, 2) noch bedeutender geworden wäre, wenn sie auf 
Grund ihres Privilegs für Fremde Waaren ausgeführt hätten. 

*) State Papers IX. S. 377 fg. 

4 ) In den mit der Regierung geführten Verhandlungen sagten die 
Merchant adventurers unter Anderm: Andere Nationen hätten gar keine 
Veranlassung, sich über eine etwaige Ausnahmestellung der Engländer auf- 
zuhalten, da sie nicht die gleichen Rechte und Freiheiten wie die Engländer 
sich erworben hätten. Solche Versuche, neue Abgaben einzuschmuggeln, 



— 96 — 

Zahlung einer einmaligen Pauschalsumme von 1000 vläm. Pfund 
= 750 j£ verstehen 1 ). Der kaiserliche Gesandte gab sich 
nicht mit diesem Compromiss zufrieden, er drohte im 
Weigerungsfälle mit rigorosen Massregeln 8 ) und selbst Auf- 
hebung des Intercursus. Die Kaufleute ihrerseits erklärten, 
dass sie nur der Gewalt weichen würden. Das war in der 
That der Fall; denn da sie sich nicht fügten, wurden ihre 
Schiffe und Waaren in den Niederlanden bei der Ausfuhr mit 
IteM'hlag belegt, beziehungsweise die englischen Schiffe ge- 
nöthigt, leer nach Hause zu kehren. 

Am 14. Juni versuchten nochmals die Räthe in London, 
den kaiserlichen Gesandten von seiner Hartnäckigkeit ab- 
zubringen. Sie stellten ihm vor, wie die Kaufleute bei Hof 
gewesen und sich bitter beklagt hätten, weil man ihre Schiffe 
nicht auslaufen lasse; dieselben hätten sich über den Abschluss 
der Allianz so sehr gefreut, und nun müssten sie sich von den 
Niederlanden wie von Feindesland zurückziehen. Wie könne 
man denn unter solchen Umständen überhaupt noch an Freund- 
schaft glauben? Erregt und fast dramatisch wurden die De- 
batten, die sich daran knüpften 3 ), am Ende brachte man den 
Gesandten so weit, dass er auf die angebotene Pauschalsumme 
einging oder doch in diesem Sinn wirken zu wollen versprach. 
Gleichzeitig Hess der König ähnliche Vorstellungen durch 
seinen Gesandten machen; er betonte namentlich, dass auch 
der Grund wegen des gegebenen Beispiels nicht mehr vorhalte, 
da die anderen fremden Kaufleute bereits den verlangten Zoll 
gezahlt hätten 4 ). 

Noch immer aber zögerte die Königin, zu Allem war sie 
bereit, nur nicht zur Aufhebung des Zolles. Sie erbot sich, 



nicht von gestern; sie hätten immer und immer dagegen zu kämpfen 
geballt und die Verteidigung ihrer Freiheiten ihnen schon mehr als 
40 000 £ gekostet. Dank Sr. Majestät und deren Vater habe man glücklich 
alle Angriffe abgewehrt, und auch fortan setzten sie ihre Hoffnung und ihr 
Vertrauen auf den Schutz ibres königl. Herrn. Als gehorsame Unterthanen 
würden sie Sr. Majestät in Allem gehorchen, was man ihnen befehle, sie 
konnten aber Nichts freiwillig gewähren. State Papers I. S. 742 u. 743. 
Aeimlich äusserten sich die Kaufleute schon früher; nicht um den Betrag 
an sich sei es ihnen zu thun, sondern um die Consequenzen (for thexample 
and entree prejudicial to such entercourse as by tue leages is concluded) 
State Papers IX. S. 377 u. 378. 

2 So noch am 26. Juni 1543. State Papers IX. S. 430. 

*) Man werde dio Engländer zwingen, afie ihre Packete öffnen zu 
lassen p nachforschen, von wem sie Waaren gekauft und dann die Verkäufer 
an BteJle der Engländer zur Zahlung der Auflage zwingen. Diese Drohung 
machte die Kaufleute sehr betroffen; sie meinten, es sei gar nicht dem 
Königreich förderlich, dass man Alles öffentlich sehe, was sie von den 
Niederlanden wegschafften. Nichts destoweniger müssten sie Widerpart 
halten* „Denn einmal begonnen, nehme das nie wieder ein Ende." State 
Papers I. S. 749 u. 750. 

a ) State Papers L S. 753 u. 754. 

•) State Papers IX. S. 407. 



- 97 - 

ein Document ausfertigen und in demselben den englischen 
Kaufleuten zusichern zu lassen, dass ihreh Privilegien durch 
diese Abgabe nicht im Mindesten präjudicirt werden solle; 
eventuell war sie auch bereit, diese Auflage nicht in der Form 
des Zolls, sondern als eine sogenannte Benevolence anzunehmen. 
Endlich als sie auch hiemit nicht durchdrang, ging sie auf den 
früheren Vorschlag der Kaufleute ein und wollte sich mit einem 
einmaligen Geldgeschenk begnügen x ). Die Schiffe sollten ohne 
Zoll freigegeben werden, die Engländer aber versprechen, dass 
sie die Waaren nicht in andere Länder bringen würden 2 ). 

Wirklich durften die Schiffe auslaufen, aber die Engländer 
mussten schwören, dass sie nur eigene Güter führen, und 
auch diese blos nach England bringen, dort verschleissen und 
verkaufen wollten 3 ). Hierin lag aber wieder eine Vertrags- 
verletzung. Die Engländer anerkannten, dass eine Bestim- 
mung nothwendig und erlaubt sei, durch welche verhindert 
würde, dass ihre Kaufleute fremde Güter verführten, aber 
man habe keine Befugniss, diesen zu verbieten, Waaren, die 
sie selbst gekauft, in andere Länder zu bringen, das sei 
ihnen immer gestattet gewesen 4 ). Sie hatten, juristisch ge- 
nommen, natürlich auch Recht, factisch war aber den Nieder- 
ländern mit dieser feinen Distinction nicht gedient; denn sie 
wollten eben auch nicht haben, dass die Engländer den Eigen- 
handel auf Grund des Privilegs über Gebühr, zum Schaden 
des Staatsschatzes und zum Nachtheil der einheimischen Kauf- 
leute ausdehnten 6 ). 

Es hatte in der That den Anschein, als ob diese Zollfrage 
eine „endlose Angelegenheit" werden wolle. Am 5. September 
stand sie noch immer im Vordergrunde 6 ). Wohl hatte die 
Königin die Ausnahmestellung der Engländer zugegeben, aber 
die Zollbeamten erfuhren nichts davon und erhoben die Zu- 
schlagstaxe, wie sie sich auch weigerten, die genommenen 
Pfänder und Cautionen zurückzustellen. Als Garne nun ener- 

J ) Seymour und Wotton an Heinrich VIII. 17. Juni 1543. State 
Pap er s IX. S. 415—417. 

*) Seymour und Wotton an Heinrich VIII. 18. Juni 1543. State 
Papers IX. S. 418. 

*) Die Zollbeamten wollten auch immer wissen, was die Engländer weg- 
sandten, ebenso den Preis der einzelnen Stücke, um den sie jedes gekauft, 
wahrscheinlich um zu sehen, welcher Zollentgang eingetreten. Ferner ver- 
langten sie die Zuschlagstaxe von allen denen, welche vor dem Erlass des 
Decrets die Waaren verfuhrt hatten. Seymour und Wotton an den Privy 
Council 22. Juni 1543. State Papers IX. S. 424—427. 

4 ) Vgl. Art. 11 des Magnus Intercursus Absatz 2. Rymer XII. S. 582. 

*) Der Präsident Schore sagt dies einmal ganz offen dem englischen 
Gesandten Came. „Wenn die Königin den Hundertzoll abschaffen würde, 
wie Ihr wollt, dann würden die Engländer aUe beliebigen Güter allerwärts 
verfahren, und der Kaiser um alle schuldigen Zölle kommen." State 
Papers X. S. 55—61. 

6 ) State Papers IX. S. 55—61. 

S e h i n z , Engl. Handelspolitik. I. 7 



gisch die Sache der Engländer vertrat, erhielt er nichts 
als Ausflüchte und Ausreden. Die Bückgabe der Cautionen 
wurde verweigert, weil man eine Garantie haben müsse, dass — 
man sieht, wie die Niederländer auf ihrem früheren Standpunkt 
beharrten — die englischen Kaufleute keine Waaren anders- 
wohin, als nach England brächten; die Wein- und Bieraccise 
will der flandrische Präsident Schore für erlaubt halten, weil 
die Verträge nicht von Getränken oder von dem Verbot der 
Neubelastung derselben sprächen, und als der Gesandte ihn 
damit widerlegte, dass auch Getränke Güter seien, von denen 
doch die Verträge handelten, so suchte der Präsident die 
Schuld Antwerpen zuzuschieben, da nur dieses und nicht der 
Kaiser befugt sei, die Accise aufzuheben, bis denn Garne auch 
noch hier ihn entlarvte und nachwies, dass der Befehl zur 
Erhebung der Abgabe vom Kaiser und nicht von der Stadt 
ausgegangen sei. 

Als der Gesandte sah, dass er bei dem immer heftiger 
werdenden Minister Nichts ausrichte, wandte er sich noch an 
die Königin und verlangte in einer Schrift ganz präcis und 
bestimmt die Abschaffung der Zölle und Rückgabe der Cautionen. 
\ ober 14 Tage hielt man den zudringlichen und unbequemen 
Gesandten hin; endlich kam der Kanzler selbst zu ihm und 
erklärte, die Unterthanen des Königs müssten in den Nieder- 
landen nach den Gesetzen des Kaisers leben, und die des 
Kaisers in England nach denen des Königs; hinsichtlich der 
Verträge hatte er Nichts zu sagen. 

Die bestehenden Differenzen wurden somit nicht beglichen, 
im Gegentheil noch schwierigere Fragen gesellten sich hinzu. 
Wie in jedem Kriege noch heute der Mangel eines inter- 
nationalen Kriegsrechtes und einer genauen Begrenzung und 
effectiven Beschützung des neutralen Handels gefühlt wird, so 
und in noch viel stärkerem Masse war es damals. In unserm 
Jahrhundert sind doch gewisse Normen allgemein anerkannt 1 ). 
in der vergangenen Zeit war aber jeder Satz schwankend, und 
je nach der politischen Lage und Macht wurde beim nämlichen 
Fall bald dieses bald jenes Verfahren beliebt. Der Anlass 
zum Streit ergab sich dadurch, dass die katholischen Unter- 
thanen Karls V., welche ohnehin Frankreich wohl wollten, seit 
dem einseitigen Frieden, den Karl V. mit Franz I. zu Cr£py am 
ls, September geschlossen, Schiffe in der Scheide ausrüsteten 
und Waaren in die französischen Häfen schafften; ferner dass 
die französischen Kaufleute vlämische Schiffe zu ihrem Handel 
mietheten und auf diese Weise ihre Ladungen durch die neu- 
trale Flagge gegen die Engländer schützen zu können glaubten; 

6 ) Vgl. die Verhandlungen und Beschlüsse des Pariser Congresses von 
1*56, die Genfer Convention von 1864 mit Zusatzartikeln von 1868, die 
Abmachungen auf der Brüsseler Conferenz 1874. 



— 99 — 

denn der englische König hatte sich geweigert, das von ihm 
eroberte Boologne herauszugeben und den Frieden einzugehen. 

Heinrich VIII. bestritt, dass ein Feind unter neutrale Flagge 
handeln könne, hielt sich berechtigt, unter Strafe der Con- 
fiscation Blocade zu erzwingen und erachtete es namentlich 
für unzulässig, den Feind mit Lebensmitteln zu versehen 1 ). 
Karl V. gestand zu, dass Munition der Confiscation zu unter- 
werfen sei, aber nicht Lebensmittel, welche man in eine Ge- 
gend bringe, wo sie möglicher Weise von fremden Heeren an- 
geeignet würden. 

Die englischen Kaperschiffe handelten den Vorschriften Hein- 
richs VHI. gemäss und ergriffen 16 oder 17 Antwerpener Schiffe 
als gute Prise, brachten sie nach Dartmouth und Fowey und 
Hessen ein Urtheil gegen sie aussprechen 2 ). Mit der Wende 
des Jahres 1544 wurden weitere 36 reichlich beladene flan- 
drische Schiffe, welche mit Heringen und anderen Waaren 
nach Frankreich gehen sollten, in England mit Beschlag be- 
legt 8 ). Der Kaiser Hess nun gleichfalls zum Ersatz aile Eng- 
länder mit Schiff und Gut festhalten 4 ), welche gerade zum 
Besuch der Messe nach Bergen op Zoom zahlreicher, als in den 
letzten 7 Jahren gekommen waren 5 ). 



*) Durch Art 28 des M. I. war es allerdings verboten, dem Feinde 
irgend welche Waaren zuzufahren; die Königin Maria und ihr Gesandter 
waren deshalb ganz im Unrecht, wenn sie glaubten, es seien hiezu beson- 
dere Abmachungen nöthig gewesen. State Papers IX. S. 589. 

«) Fronde, History of Henry VI1L IV. 8. 385. 

*) Papebrochii Annales Antverpienses ed. Mertens et Buschmann, 
IL S. 289; Brown, Cal. V. S. 325. 

*) State Papers X. 8. 248. üeber die Wirkung dieser Beschlag- 
nahme für die einzelnen englischen Kauf leute gibt Pagets Brief vom 3. März 
1545 an Petre in Brüssel Aufschluss; er sagt: „Some in dede shall wynne 
by it, as William Lok, Sir Richard Gressam and his sonne (Thomas) and 
William Gressam with such other for the most parte, that occupie sylkes, 
who owe more, than they have here. But Mr. Warren, Mr. Hill, Chestre 
and dyverse others a greate nombre ar like to have a greate swoope by 
it, having much here and owing nothing or little" Burgon, Life of Sir 
Th. Gresham. I. S. 49. 

*) Die Panik, die in Folge dessen an der (seit 1531 bestehenden) Ant- 
werpener Börse eintrat, war ungeheuer; die Niederländer fürchteten schon 
einen Brach mit England, und allgemein war die Bestürzung. Vaughan 
schrieb an den Privy Council: „Sythen tharrest made here by thEmpefour, 
all the merchauntes of this town have remaynvd in a marveylous staye; 
the burse unhawntyd, their hartes dampyd ana made cold with the great 
feare, that they had , never to recouver ageyn such thinges as wer taken 
upon the sees, all thinhabitantes of this town shronk at it, fearyng the 
ntter decaye of theyr trafficke, great numbres of fullers, sheremen, dyers 
and others, thought theyr lyvings wer utterly berevyd from them: so that, 
if it had contvnued a letle lenger, it wold have brought a wonderfull al- 
teration of thinges here. This letle arrest hathe made many to confesse to 
me, that it wer better for this Contrey to have 20 yeres warres with 
France then one with Englond; in so great feare they were of it" State 
Papers X. S. 257. 



— 100 — 

Damit war das Mass des Erträglichen auf beiden Seiten 
voll. Man erkannte, dass man sich gegenseitig wieder die 
Hand bieten müsse. Am 6. April 1545 kam man überein, 
alle Beschlagnahmungen * aufzuheben und alle schwebenden 
Streitigkeiten durch eine am 1. Mai 1545 zu Calais oder 
Gravelingen zusammentretende Commission entscheiden zu 
lassen. Die Unterthanen des Kaisers durften inzwischen keine 
Lebensmittel und Kriegsmunition Frankreich zuführen; dagegen 
musste Heinrich VHI. zugestehen, dass sie mit Schiffen, die 
weniger als 120 Tonnen fassten, nach Frankreich freien Handel 
trieben L ). 

Es war das letzte Mal, dass Heinrich VIII. Unterhändler zu 
einem commerciell- politischen Kampf mit den Niederländern 
zu ernennen hatte. Seine Wahl fiel wieder auf den sachkun- 
digen Stephan Vaughan, ausserdem auf den seit 1541 in 
Flandern als königlichen Agenten thätigen und durch frühere 
diplomatische Sendungen in Rom und Frankreich geübten 
Edward Carne, auf den Bischof von Westminster Thomas 
Thiilby, der 1538 in Frankreich und 1542 in Spanien den 
englischen Gesandtschaftsposten inne gehabt, endlich auf den 
Gouverneur der englischen Kaufleute in Antwerpen, Namens 
Thomas Chamberlain, und den Kanzleisecretär Will. Petre. 
Ihnen standen gegenüber der uns wohlbekannte spanische 
Gesandte E. Chapuys, der fein diplomatische Ordenskanzler 
Ph. Nigri, ferner H. de Wynghene und der Secretär M. Strick *). 

Die ganze Situation war eine sehr gespannte 3 ), und gleich 
der Anfang widerwärtig. Nachdem die englischen Commissäre 
zuerst in Gravelingen zu einer Zusammenkunft mit den Nieder- 
landen! sich eingefunden, betrachteten die ersteren es als eine 
Ehrensache, dass das nächste Mal die kaiserlichen Bevoll- 
mächtigten zu ihnen nach Calais kämen. Heinrich VIII. war 
aber vernünftig genug, dieser Weitläufigkeit ein Ende zu 
machen, und befahl, dass seine Commissäre, nachdem die 
Niederländer einmal nach Calais gekommen seien, dauernd in 
Lvelingen zu bleiben hätten 4 ). 

Die Verhandlungen nahmen eine ungünstige Wendung. 
Die kaiserlichen Commissäre waren zunächst bestrebt, die De- 
batten von den durch die Beschlagnahme entstandenen Ent- 
schädigungsansprüchen auf allgemeinere Fragen zu lenken, 
was ihnen auch vollständig glückte. Sie stellten an die Spitze 



l ) State Papers X. Nr. 1130, 1134; IX. Nr. 948; X. Nr. 1095, 
10&7, 1098, 1099. 

*) State Papers X. S. 412. 

*) Die englische Regierung erwog deshalb, ob man nicht besser den 
Tuchexport nach Flandern unter den bedrohlichen Verhältnissen einstellen 
üolle. Der Privy Council zog Richard und John Gresham sowie SirRowland 
HM] hierüber zu Rath. 16. Mai 1545. Br. M. HarL Msc. 256. fo. 4. 

*) Urk. Beil. 39. 



- 101 — 

die Behauptung, dass die Fundamentalsätze des Intercursus 
ihnen gegenüber nicht zur Wahrheit geworden. Dieser sichere 
ihnen zu, so frei handeln zu dürfen, als die Engländer selbst, 
aber davon merke man nichts, man zwinge sie vielmehr, be- 
deutend höhere Abgaben als die Engländer zu entrichten *) 
und lege ihnen überall Fesseln an, so dass sie thatsächlich 
unter allen Völkern am härtesten behandelt würden. Das 
Verlangen , mit den Engländern auf gleichen Fuss gestellt zu 
werden, sei gerecht und billig, denn die Engländer seien in 
den Niederlanden durch den Vertrag mehr als die eigenen 
Unterthanen privilegirt, und solle die Gegenseitigkeit, welche 
doch in einem Handelsverträge liege, nicht ganz werthlos für 
sie werden, so sei dies gewiss eine bescheidene Forderung. 
Man müsse deshalb englischerseits eine Reihe Missbräuche 
und Lasten abstellen, welche bisher verhinderten, dass den 
Niederländern Gerechtigkeit geschehe. In mehreren Gruppen 
trugen nun die Niederländer ihre Beschwerden vor; theils 
betrafen dieselben die Zöllerhöhungen, welche angeblich seit 
den letzten 100 Jahren eingetreten, theils die Behinderung im 
freien Handel, welche entgegen dem Wortlaut des M. I. be- 
liebt worden sei, theils Hemmnisse, die sich auf den Schiff- 
fahrtsverkehr bezogen, theils Angelegenheiten, die mit dem 
Wollstapel zusammenhingen *). 

Mit schlauer Berechnung Hessen die Niederländer dieses Mal 
den unfruchtbaren Streit wegen des Vertrags von 1506 bezw. 1520 
bei Seite. Sie verzichteten darauf, die Vortheile, welche den 
Engländern durch diesen Tractat zugesichert waren, in Frage 
zu ziehen. Es war den Commissären auch in ihrer Instruc- 
tion eingeschärft worden, den Vertrag von 1520 zwar nicht 
ausdrücklich zu bestätigen, aber doch stets die Worte so zu 
wählen, dass er in Kraft bleibe. Nur die Position des nieder- 
ländischen Kaufmanns in England sollte verbessert, die im Lauf 
der Zeit eingetretene Behandlung der Niederländer als Fremde 
wieder redressirt und die Gleichstellung mit den Engländern, 
wie sie in der mehrerwähnten Zollproclamation eingeräumt 
worden war, eine dauernde werden. Die Commissäre hatten 
sogar Auftrag, die vollständige Befreiung der Engländer von 
dem lOOsten Pfennig auch für die Ausfuhr der Engländer 
nach anderen als englischen Gebieten eventuell als Compen- 
satdon gewähren zu dürfen 8 ). Auf diese Weise hoffte man 
einen Erfolg zu erringen. Schon die Schwierigkeit, ihre Be- 
hauptungen in Betreff der Zölle zu widerlegen, war bei dem 
grossen Zeitraum von 100 Jahren, auf den die Untersuchung 



*) Die Engländer zahlten an Zoll in den Niederlanden V/ des 
Waarenwerths, die Niederländer in England 20 °/ . Brewer, CaLlV. 3928. 
Sieh jedoch auch ßd. IL S. 6. 

«) ürk. Beil. 40. 

8 ) ürk. Beil. 38. 



— 102 — 

sich zu erstrecken hatte, keine geringe. Man schob den Eng- 
ländern eine grosse Beweislast zu ; aber diese schreckten nicht 
zurück. 

Die Unterhändler schrieben sogleich um Information, der 
Privy Council ordnete auf den Rath der beiden Gresham 
(Richard und John) und des Rowland Hill eine Enquete über die 
Zölle und sonstigen Abgaben der Kaufleute an 1 ), die uns noch 
zum grossen Theil erhalten ist 9 ), und mit dieser ausgerüstet 
traten die englischen Gommissäre fest und entschlossen den 
Niederländern entgegen. In vielen Punkten vermochten sie 
denn auch die Angaben der kaiserlichen Commissäre zu be- 
richtigen 3 ). Sie hielten sich aber nicht blos in der Defensive, 
sondern setzten den Niederländern fast gleichviel Beschwerde- 
punkte entgegen. Auch in diesen kehrten alte Klagen wieder, 
waren Uebertreibungen und unrichtige Verallgemeinerungen, 
welche von den Niederländern auf das rechte Maass zurück- 
geführt wurden 4 ). 

Den gegenseitigen Repliken folgten wieder andere, man 
stritt und debattirte, ohne dass man vorwärts kam. In dem 
einen oder anderen Punkt machte man eine Concession, in 
der Hauptsache blieb jede Partei hartnäckig. Die Engländer 
waren nicht gewillt, zu Gunsten der niederländischen Kauf- 
leute auf die Fremdenzölle zu verzichten; damit war der 
Zweck des Congresses vereitelt. 

Die gegenseitige Missstimmung übertrug sich auch auf 
die zu erledigenden Specialklagen; hier wuchsen die Be- 
schwerden ungeheuer an 5 ), einzelne Fälle wurden namentlich 
von den kaiserlichen Unterhändlern entsetzlich aufgebauscht 
und das Resultat war nicht viel besser als bei den all- 
gemeinen Anständen, nur über einige dieser Beschwerden 
kam man zu einer Einigung. Die englischen Gommissäre 
hatten in der That Recht, wenn sie an Wotton in Brüssel 
schrieben: In früheren Zeiten habe man geglaubt, dass, wenn 
nur einmal ein Congress beisammen sei, grosse Krankheiten 
geheilt würden , jetzt aber müsse man den Verlauf zweier 
Congresse als einen vorzüglichen betrachten, wenn diese nicht 
mehr Krankheiten hereinbrächten, als zuvor da waren 6 ). 



x ) Acts of the Privy Council v. 16. Mai, 25. Mai, 27. Mai in Harl. 
Msc. 256. fo. 4, 10, 11. 

8 ) ürk. Beil. 60 fg. 

s ) ürk. Beil. 40, 41, 42, 43. 

*) ürk. Beil. 45,46, 47. 

5 ) Urk. Beil. 52, 54, 55; ferner sind zu vergl. State Papers X. 
S. 264, 449, 450. Ausserdem beschäftigen sich Doch ungedruckte Briefe der 
Commissäre des Congresses an Heinrich VIII. mit den Specialklagen. Solche 
sind noch erhalten im Br. M. Cotton Mscrs. Galba B. X. fo. 221, fo. 223. 
Lansdown Mscrs. 171 fo. 69. 

«) ürk. Beil. 56. 



— 103 — 

Dazwischen fiel eine Reihe von Vorgängen, die durchaus 
nicht geeignet waren, die streitenden Parteien versöhnlicher 
zu stimmen. Karl V. gab nach dem 6. April 1545 Kaperb riefe 
aus, weil Heinrich VIII. sich geweigert hatte, einen Engländer 
zu strafen , der von Spaniern beraubt sich am ersten ihm be- 
gegnenden spanischen Schiff entschädigte 1 ). Heinrich VIII. seiner- 
seits nahm zwei reich beladene von Westindien kommende Schiffe 
weg. Die politische Situation war eine fortwährend wechselnde, 
das Misstrauen auf beiden Seiten ein wachsendes und der gegen- 
seitige Groll nur ein verdeckter. Und damit die düstere Lage 
die persönlichen Gefühle der Unterhändler nicht verschone, 
brach auch noch die Pest in ihrer Nähe aus. Wohl setzte man 
die Verhandlungen in Bourbourg fort, aber schliesslich kam 
man beiderseits zu der Ueberzeugung , dass es besser sei, 
diese vorläufig zu vertagen. Die Commissäre verabschiedeten 
sich am 16. Juli 8 ), sprachen gegenseitig ihr Bedauern aus, 
dass man so wenig ausgerichtet, freuten sich aber im Stillen, 
dass wenigstens „dieses Gezanke ein Ende hatte" *). 

Die Gabinete suchten nun direct zu erlangen, was die 
eigens ernannten Commissäre nicht zu Stande bringen konnten. 
Da wenigstens scheinbar auch in politischer Hinsicht Hein- 
rich VUI. und der Kaiser sich wieder näherten, so dachte 
man, hiebei die Sache begleichen zu können. Die Nieder- 
länder machten sich besonders viel Sorgen. Die Zeit verfloss, 
und nur noch wenig mehr als ein Jahr, so lief der Tennin 
der Zollproclamation ab, welche so höchst gewinnreich für die 
Niederländer war 4 ). Es musste nochmals energisch versucht 
werden, ob nicht wenigstens die privilegirte Stellung der Eng- 
länder in den Niederlanden zu Fall gebracht werden könnte. 

Am 12. November überreichte die niederländische Re- 
gierung eine Anzahl von Artikeln, welche der Kaiser dem 
politischen Vertrag einverleibt zu sehen wünschte; sie ent- 
hielten so ziemlich alle Hauptforderungen, welche sie früher 
gestellt; aber all dies wollten die Niederländer fallen lassen, 
wofern die englische Regierung gestatte, dass die Engländer 
in den Niederlanden die gleichen Zölle zahlten, welche die 
kaiserlichen Unterthanen in England entrichten müssten 6 ). 
Als man damit nicht durchdrang, machte man den Versuch, 

x ) State Papers X. S. 474, 506 u. Nr. 1172. 

*) State Papers X. S. 517. 

s ) Thirlby an Paget 15. Juli 1545. Die Unterhändler erhielten fol- 
gende Direktiven, seit der Congress abgebrochen. Der Bischof von West- 
minster musste zu Calais auf seine Absendung an den kaiserl. Hof warten, 
der Secr. Will. Petre zurückkehren, Carne an seinen Gesandtschaftsposten 
bei der Regentin sich begeben, Chamberlain mit Vaughan in Flandern sich 
aufhalten bis zu weiterer Verwendung. Acts of the Privy Council 19. Juli 
1545 Br. M. Harl. Mscrs. 256 fo. 43. 

*) Sieh Bd. IL S. 19. Note 2. 
5 )Urk. Beil. 57. 



- 104 - 

gewisse Punkte als zu Bourbourg zugegeben und vereinbart 
hinzustellen, man stiess aber auch hier auf den Widerspruch 
der Engländer 1 ). Alle derartigen Pläne mussten misslingen. 
Abgesehen davon, dass die englische Regierung die errungenen 
Privilegien, solang nur möglich, zu erhalten suchte, blos weil 
man sie besass — denn wer verzichtet gerne auf das Be- 
sessene? — die Tragweite einer solchen Concession wäre auch 
eine ungeheure gewesen. Man darf nie vergessen, dass die 
Privilegien der englischen Kaufleute gewissermassen ein Gegen- 
gewicht gegen die Privilegien der Hansen in England bildeten. 
Dadurch, dass die englischen Kaufleute auf dem niederländi- 
schen Weltmarkte so begünstigt waren, konnten sie überhaupt 
die Concurrenz der Hansen ertragen. Hätte die englische ; 
Regierung dem kaiserlichen Wunsche willfahrt, so wären die j 
Engländer dem vereinigten Wettbewerb der Niederländer und ] 
Hansen erlegen, wofern man nicht schon damals der Be- | 
günstigung der Hansen in England ein Ende machen wollte. 1 

Heinrich VIII. wünschte deshalb jede Debatte über diese j 
schwierige und lange Zeit erfordernde Sache verschoben 2 ), 
aber der Kaiser wollte dem neuen Freundschaftsvertrag 8 ) 
mindestens eine allgemeine Clausel beigefügt wissen, dass die 
einzelnen Privatangelegenheiten der Kaufleute beiderseitig er- 
ledigt werden müssten 4 ), und dass hinsichtlich der Zölle inner- 
halb der folgenden 6 Monate von den Zollbüchern gegenseitig 
Einsicht genommen werden solle, damit man ersehe, welche 
Abgaben vertragsmässig zu entrichten seien 5 ). Die englische 
Regierung stimmte zu. Noch immer gaben, wie man sieht, 
die Niederländer die Hoffnung nicht auf, in Betreff der Zölle 
einen Vortheil zu erreichen. Die Privilegien der Engländer 
waren ihnen unerträglich, so lange, bis nicht auch ihreUnter- 
thanen ähnliche in England besassen. 

Noch beim Abschied der Engländer, welche das letzte 
Arrangement zuwege gebracht hatten, wies der flandrische 
Präsident Schore mit eindringlichen Worten auf diese Ver- 
schiedenheit hin und bat, seine Landsleute in England günstiger 
denn bisher zu behandeln, worauf die englischen Abgesandten 
die bedeutsamen Worte hören Hessen: „Eure Vorfahren waren 
weise Leute, welche mit Privilegien uns veranlassten, unsere 
Waaren auf ihren Markt zu bringen, und dadurch sich be- 

*) Urk. Beil. 58. Die Artikel, welche die Niederländer als zagegeben 
erachteten (28. Not. 1545), sind enthalten im Br. M. Cotton Msc Galba 
B.X. fo. 238, Lansdowne Msc. 171 fo. 69; diejenigen, welche die Eng- 
länder am 28. Nov. 1545 einreichten, in Lansdowne Msc. 171 fo. 59. 

a ) State Papers X. S. 760. 5. Dez. 1545. 

*) Um einen neuen Freundschaftsvertrag handelt es sich insofern, als der 
bisherige durch authentische Interpretation sehr verändert ward. Vgl den 
Brief des Privy Council an Gardiner. 30. Nov. 1545. State Papers X. S.733. 

<) State Papers X. 786. 18. Dez. 1545 u. X. S. 20. 8. Jan. 1546. 

*) Urk. Beif. 78 u. State Papers XI. S. 26. 26. Jan. 1546. 



— 105 — 

reicherten. Die Engländer mit ihren Privilegien sind zu Hause 
träge geworden und liessen unsere Städte an den Küsten ver- 
fallen. Eure Landsleute aber haben gearbeitet, ihre Städte 
gebaut und sind reich geworden, was sie den an die Eng- 
länder verliehenen Privilegien zuschreiben mögen; nur durch 
uns seid ihr zur Wohlhabenheit gelangt. Denkt aber der 
Präsident, wir sollten den Niederländern ein neues Privileg 
ertheilen, so beschimpft er sich selbst, denn man wird sagen, 
der König von England sei genöthigt gewesen, diesem Volk 
mit der Gewährung eines neuen Privilegs zu schmeicheln u 1 ). 

Die vereinbarte Einsichtnahme der Bücher fand Statt. 
Der spanische Gesandte Scepperus und einige Beigeordnete 
sahen sowohl die Documenta des Exchequer, als der Stadt 
London; man legte ihren Nachforschungen überhaupt nicht 
das geringste Hinderniss in den Weg, auch Abschriften er- 
hielten sie überall, wo sie es verlangten, und nach Aussage 
der Engländer wurden sie in den meisten Punkten hinsichtlich 
ihrer Bourbourger Beschwerden überwiesen und zufrieden ge- 
stellt 8 ). 

Garne und Dr. Bede beauftragt, ähnliche Becherchen hin- 
sichtlich der niederländischen Zölle vorzunehmen, fanden nicht 
das gleiche Entgegenkommen; man hielt sie absichtlich hin, 
und förmliche Zollregister hatte man überhaupt nicht, da mah 
die meisten Zölle in den Niederlanden zu verpachten pflegte. 
Ob sie die alten Handschriften, welche man ihnen als Ersatz 
anbot, wirklich zur Einsicht erhielten, wissen wir nicht 3 ). 

In der kurzen Zeit, während welcher das Scepter in Hein- 
richs VIII. gewaltiger Hand ruhte, blieb, wie es scheint, Alles 
in der Schwebe. Die Anklagen verschwanden auch jetzt noch 
nicht; die Niederländer beschwerten sich über die Engländer 
wegen Belästigung und Behinderung beim Herings- und Fisch- 
fang; die englischen Kaufleute aber waren in Antwerpen gar 
nicht mehr sicher, solche Verfolgungen mussten sie erdulden, 
seit ein Niederländer wegen eines Angriffes auf sie hingerichtet 
worden war 4 ). War man auch bemüht, gegenseitige Abhilfe 
zu schaffen 6 ); als Heinrich VHL starb, war der ganze Verkehr 
im Wanken. % 

Die Niederländer griffen wieder zurück auf die angeb- 
lichen Zugeständnisse, welche die Engländer zu Bourbourg ge- 

») Gardiner etc. an Heinrich VIII. 2. Jan. 1546. State Papers X. 
S. 827. 

*) Der Privy Conncil an M. Carne 29. April 1546. State Papers XI. 
S. 118. 

*) Garne an den Privy Council. 2. Juni 1546. State Papers XI. 
S. 197—199. 

4 ) Karl V. an.Heinrich VIII. 1. März 1546. State Papers XL S. 65. 
Garne an Heinrich VIII. 1. Aug. 1546. State Papers XI. S. 256-58. 

5 ) Der Privy Council an Carne 7. Aug. 1546. State PapersXI. S.264 
und Carne an den Privy Council 21. Dez. 1546. State Papers XI. S. 379. 



— 106 — 

macht 1 ); die Merchant adventurers aber zogen vor, in Folge 
der fortwährenden Belästigungen Antwerpen wieder zu ver- 
lassen. Erst diese scharfe Massregel, welche der Gouver- 
neur den Kaufleute getroffen, hatte Erfolg, und obwohl die 
Niederländer zankten und schimpften 1 ), so waren sie doch 
herzlich froh, als ein Abkommen zwischen England und Ant- 
werpen am 20. August 1548 3 ) zu Mecheln zu Stande kam. 
Wenige Jahre darauf wurde auch wieder eine umfassende 
Reform der Privilegien von Bergen op Zoom vorgenommen 4 ). 
Die weitere Entwickelung unter Eduard VI., Maria und 
Elisabeth liegt ausserhalb unserer Aufgabe. Der Kampf wurde 
unter ihnen noch viel heftiger und leidenschaftlicher geführt *), 
als in der von uns behandelten Epoche; neue wirthschaftüche 
Momente allgemeiner und besonderer 6 ) Art änderten die com- \ 
mercielle Stellung der Länder zu einander, und die politische I 
Abneigung zwischen dem katholischen Beherrscher der Nieder- j 
lande und der protestantischen Königin Elisabeth in England ; 
war schliesslich stark genug, das Band, das Jahrhundert lang - 
die beiden Nachbarn verbunden hatte, zu zerreissen und end- 
gültig den Intercursus in das Reich der Geschichte zu ver- 
weisen. Seit 1584 kamen die Engländer nicht mehr nach 
Antwerpen 7 ). 



*) Vgl. Chamberlayns Brief an Paget v. 24. Juli 1548. ürk. Beil. 73. 

*) Der frühere Rechtszustand wurde wieder hergestellt; nur mussten 
die Engländer versprechen, in Zukunft erst die Regierung zu benachrich- 
tigen, ehe sie zum Aeussersten schreiten und das Land meiden wollten; 
auch hatten sie den gegenwärtigen Gouverneur zu entlassen, ürk. Beil. 74. 

") Nach einer Notiz in den Pieces restituäes par l'Autriche 
1862. XVII. B. des Brüsseler Staatsarchivs wäre am 10. April 1549 auch 
der Vertrag von 1522 für weitere 10 Jahre von Karl V. und Eduard VI. 
erneuert worden. 

4 ) Nämlich 1555. B. M. Cotton Mscrs. Galba B. XL fo. 186 b.— 194 
abgekürzt und englisch iu Tiberius D. VIII. fo. 83. 

5 ) Wie vielfach noch dieselben Fräsen, welche die Regierung Hein- 
richs VIII. beschäftigten, den Gegenstand des Streites bildeten, darüber vergl 
2 Proben Urk. Beil 76, 77. Auch der Kampf um die Seeherrschaft dauerte 
fort Wichtig war besonders, dass 1549 durch kaiserliches Edict den Nieder- 
ländern verboten wurde, beim Import oder Export fremde Schiffe zu be- 
nützen , so lange nationale vorhanden waren. (Placcards de FlandreL 
S. 360—74). Wahrscheinlich hingen damit die Beschlagnahmungen der 
Schiffe in Antwerpen zusammen, über die sich am 10. October 1551 die 
Engländer beschwerten. Br. M. Cotton Ms er. Galba B. XII. fo. 160. 

6 ) Namentlich kommt das Schuldverhältniss Englands zu den Nieder- 
landen in Betracht, dadurch wurde der ganzen Handelsbilanz ein anderer 
Charakter verliehen. 

7 ) G6nard, Antwerpsch Archievenblad. VI. S. 310 fg. Ueber 
diesen Theil der englischen Handelspolitik unterrichtet auch gut das Stu- 
dium der Biographie von Thom. Gresham, der den hervorragendsten An- 
theil an allen handelspolitischen Fragen während diejser Epoche nahm. 
Sieh J. W. Burg on, Life and Times of Sir Thomas Gresham 2 Vol. 1839. 
Go wer, Genealogical memoranda of the familv of Gresham 2 Parts London 
1874—75. Ausserdem vgl. noch Piot, La diplomatie concernant les affaires 



- 107 — 



Rückblick. 

Wenden wir noch einmal den Blick zurück auf die ganze 
Entwicklung, die wir auf langem Wege durchschritten haben, 
und suchen uns einen Gesammteindruck von der hier be- 
folgten Politik der beiden ersten Tudors zu verschaffen. 

Ihr Hauptgepräge erhielt dieselbe durch die Wandlung, 
welche im 15. Jahrhundert hinsichtlich der wichtigsten Ver- 
kehrswaare, der englischen Wolle, eintrat. Die Wolle hatte 
die ersten Beziehungen geknüpft und den Engländern grosse 
Freiheiten in den Niederlanden gebracht, und solange sie mit 
der bescheidenen Bolle der Wollproduction und Wollfracht 
sich begnügten, waren sie auch allen Niederländern genehm. 
Seit Eduard III. traten die Engländer aber mehr und mehr 
aus dieser Rolle heraus, eine sich täglich vervollkommnende 
Tuchindustrie verbreitete sich über das ganze Land, und nun 
erschienen auch die englischen Tücher auf dem niederländi- 
schen Weltmarkte. 

Von da an vollzog sich in den Niederlanden eine Schei- 
dung der Interessen. Die freihändlerische Partei, welche den 
flandrischen Universalstapelplatz als das Werthvollste erachtete, 
musste natürlich für die ausgedehnteste Zulassung der eng- 
lischen Tücher sich erklären. Die industriellen Kreise aber, 
welchen die einheimische Weberei die Hauptsache war, wollten 
eine Beschränkung des neu auftauchenden Concurrenten. Der 
Kampf entbrannte. Die niederländischen Industriellen erwiesen 
sich in den Niederlanden als die mächtigeren; hinter ihnen 
stand die Masse des Volkes. England seinerseits konnte je- 
doch des grossen Marktes nicht entbehren nnd war auch zu 
schwach, um ihn nach englischen Plätzen zu ziehen. So war 
der beste Ausweg, zunächst das Stapel für englische Tücher 
von Brügge nach Antwerpen zu verlegen. 

Den englischen Kaufleuten glückte es, in Folge der städti- 
schen Eifersucht in Brabant ebenso sehr oder noch mehr pri- 
vilegirt zu werden, als in Flandern; aber die merkwürdige 
Thatsache, dass im grössten Theil der Niederlande, wo der 
Hauptmarkt für englische Tuche war, diese selbst so gut wie 
verpönt waren, blieb fortbestehen. Die schutzzöllneriche Pha- 
lanx zu durchbrechen, war die Gompagnie der Merchant ad- 
venturers zu schwach. 

Burgund wuchs zur ersten Weltmacht empor, und es war 
zu befürchten, dass selbst die bestehenden Freiheiten ge- 



maritimes des Pays-Bas vers le milieu da XVI« siecle jusqu'ä la treve 
deVaucelles in den Bulletins de l'academie royale des sciences, des lettres 
et des beaax arts de ßelgique flme Serie T. 40. 1875. S. 817—868. 



— 108 — 

schmälert und verkümmert würden. Nur eine starke kräftige 
Hand, welche über die Macht einer geeinten, reichen Nation 
gebot, konnte hier helfend eingreifen. Diese Mission erkannte 
Heinrich VH. Er befestigte und erweiterte vor Allem die 
überkommene vertragsmäßige Grundlage und frnrte genau 
den Zollbestand, welchen die Engländer von Alters her ge- 
nossen. Das geschah im Intercursus magnus. Dann suchte 
er den englischen Tüchern ein grösseres Feld zu verschaffen. 
Das wurde am wirksamsten erreicht, wenn es glückte, den 
Krieg in die niederländische Textilindustrie hineinzutragen: 
denn sie hemmte nicht bloss durch ihren Abschluss gegen 
englische Producte, sondern ebenso sehr dadurch, dass sie 
einen grossen Theil englischer und spanischer Wolle ver- 
arbeitete und ihre Tuche dann den fremden Völkern anbot. 
Gegen sie galt es zu Felde zu ziehen. Das geschah durch 
den Vertrag von 1506, welcher der niederländische Schutzpolitik 
den ersten wirksamen Schlag versetzte. Aber eine Reihe von 
seltsam zusammentreffenden Umständen hatte das völlige Per- 
fectwerden des Vertrags verhindert. Ernste Zweifel tauchten 
auf, und die Niederländer bestritten geradezu die Gültigkeit 
des Tractats. Heinrich VII. musste sich vorläufig mit einem 
Provisorium behelfen, das nur ganz wenige Concessionen von 
den Niederlanden verlangte. 

Heinrich VHI. und sein Minister Wolsey steckten sich 
sofort als Aufgabe, den bestrittenen Tractat zur unumwun- 
denen Anerkennung zu bringen. Dies war das Ziel, das die 
englische Regierung während der ersten 10 Jahre sogar trotz 
der französischen Gesinnung des burgundischen Hofes constant 
verfolgte; es gelang 1516, wenigstens für 5 Jahre das Ge- 
wünschte durchzusetzen. Die Gültigkeit des Tractats war auch 
der Preis, den neben andern Wolsey stellte, als er die poli- 
tische Freundschaft Englands dem Kaiser und nicht dem fran- 
zösischen König gewährte; er erhielt sein Begehren in einer 
Weise erfüllt, welche einer dauernden Anerkennung gleichkam 
(1520). Weder im folgenden Krieg gegen die Niederlande 
(1527/28), noch durch den eigens von den Industriellen zum 
Sturz des Vertrags in Scene gesetzten Kampf (1532) liess die 
englische Regierung das einmal Erlangte sich entreissen. Die 
Verträge standen wie Felsen; jeder Sturm misslang, so heftig 
er auch um dieselben tobte. 

England verliess die Defensive und ging zur Offensive 
über. Cromwell glaubte die Bande zerreissen zu können, von 
welchen beide Länder umschlungen waren. Die gefährliche 
Position sollte beseitigt, der Tuchmarkt nach England gezogen 
und gleichzeitig der englischen Flotte dauernd das Ueber- 
gewicht Ober die niederländische verliehen werden (1540). 
Der Plan scheiterte. Sei es, dass die Repressalien der Nieder- 



— 109 — 

länder so empfindlich gefühlt wurden, oder dass seit dem Tode 
Cromwells der englischen Wirtschaftspolitik eine zusammen« 
haltende Kraft fehlte, oder dass man nicht wagte, den voll- 
ständigen Bruch mit dem Kaiser bei der bedenklichen schwan- 
kenden innern Lage des Reiches auf sich zu nehmen, die 
Engländer mussten offen ihre Niederlage eingestehen (1542). 

Sofort benutzten die Niederländer diese Blosse, um die 
Engländer in eine ungünstigere Position zu drängen. Sie ver- 
suchten Zollerhöhungen durchzusetzen und den Intercursus 
nach dieser Richtung hin wirkungslos zu machen, konnten 
diese aber gegenüber dem energischen Widerstände der Mer- 
chant adventurers , welche bald Unterstützung bei der engli- 
schen Regierung fanden, nicht aufrecht erhalten. Ebenso 
misslang ihre dann ergriffene Taktik, wenigstens die Gleich- 
stellung der Niederländer mit den englischen Kaufleuten 
durchzusetzen. Seit dem 6. April 1546 waren sie den Lasten 
der Fremden unterworfen, wie ehedem, ohne jedes Privileg, 
ohne irgend eine Begünstigung. 

Sieht man von dem etwas verfrühten Project, England 
von den Niederlanden unabhängig zu machen, ab, so war die 
ganze commercielle Politik Englands unter den Tudors eine 
Reihe von Siegen. Die beiden Heinriche wahrten in kräftigster 
Weise die Interessen des englischen Handels und der engli- 
schen Industrie, und ein solches Resultat muss merkwürdig 
erscheinen, wenn man bedenkt, dass das kleine Reich den 
Kampf aufnahm mit dem höchst civilisirten Theile der Welt, 
dessen Herrscher über den halben Erdkreis gebot. 

Der Grund für diese Erscheinung liegt darin, dass Eng- 
land in industrieller Beziehung ein jugendlich aufstrebender 
Staat war, dem immer eine frische und unverwüstliche Kraft 
eigen ist; es glich einer Colonie, welche gegenüber dem ab- 
sterbenden Mutterland sich zu emancipiren suchte; in der 
That überschritten damals die Niederlande den Zenith ihrer 
Blüthe und fühlten bereits das Erstarken des Nachbarn. Mehr 
aber als das war es der Gegensatz der kaiserlichen und eng- 
lischen Staatspolitik. Die kaiserliche war ihrer Wesenheit 
nach immer eine auf ein Universalreich gerichtete, die der 
Tudors trotz einiger Inconsequenzen ihrem Grundzuge nach 
eine nationale. Die Länder des Kaisers waren alle unter sich 
verschieden, ihre Interessen unter einander gänzlich abweichend, 
nicht einmal die Niederlande waren aus einheitlichem Guss; 
nur die Persönlichkeit Karls V. hielt die einzelnen Theile zu- 
sammen. Für den Kaiser standen niemals die Interessen eines 
einzelnen Landestheils in erster Linie, er opferte diese, selbst 
wenn sie sein Mutterland betrafen, galt es nur, dadurch seine 
allgemeinen politischen Ziele wirksam zu fördern. Die eng- 
lischen Gebiete dagegen waren wohl klein, aber ziemlich fest- 



— 110 - 

* 

geschlossen und begrenzt und von einer einheitlichen Nation 
bewohnt. Es gab nur englische Interessen, des Herrschers 
Politik verkörperte nur die Wünsche seines Volkes oder riss 
dasselbe mit sich, wenn er ihm neue Ziele steckte. 

Die Siege stellen sich somit in letzter Linie als Siege des 
nationalen Princips über das universale dar. 



Zweites Capitel. 

England und die italienischen Republiken mit 
besonderer Berücksichtigung Venedigs. 



Von den Niederlanden, deren Verkehr mit England zur 
Hälfte moderne, zur Hälfte mittelalterliche Züge an sich trug, 
wenden wir uns zu den italienischen Gebieten, deren Handels- 
beziehungen zu England wesentlich anders gestaltet waren. 
Die Art der Entstehung, die Grundlage, auf der der Verkehr 
beruhte, die Organisation desselben, die Betheiligung am 
Handel, die politischen und allgemeinen ihn berührenden Ver- 
hältnisse waren verschieden. Das Ziel der Tudor'schen Politik 
war zwar im Allgemeinen dasselbe, unterschied sich aber doch 
von dem gegenüber den Niederlanden verfolgten dadurch, dass 
nicht sowohl die Industrie als vielmehr der Handel und die 
Schiffahrt das Streitobject bildeten. 

I. Der Ursprung der Handelsbeziehungen zwischen den 
italienischen Staaten und England ist, so paradox das auch 
scheinen mag, nicht in erster Linie in dem Productenverkehr 
zu suchen. Zwar konnten diese südeuropäischen Länder im 
frühen Mittelalter Schätze bieten, wie kein anderes; allein das 
Bedürftiiss für solche Kostbarkeiten war bei den rauhen Be- 
wohnern der britischen Inseln nicht genug geweckt. Was von 
diesen seinen Weg nach England fand, wurde auch nur durch 
Zwischenhände dahin gebracht. 

Den ersten Eingang fanden die Italiener auf der nordi- 
schen Insel in Folge der kirchlichen Schätzungen. Der Papst 
verwendete italienische Kaufleute, namentlich Bürger von 
Siena 1 ), später von Florenz und Lucca zur Einsammlung der 

*) Edw. Bond, Extracts from the Liberate Rolls relative to loanB 
supplied by Italian Merchants to the kings of England in tbe 13^ and 
Utfc Centuriee with an introductory memoir. Archaeologia Vol. 38. Lon- 
don 1840. S. 214. 



- 112 — 

von ihm beanspruchten Beträge. Da dies allerwärts geschah, 
so war der Anstoss gegeben zu dem Geldsystem, das die 
Italiener so trefflich und frühzeitig entwickelten. In Kurzem 
gelang es ihnen, in England das ganze auswärtige Geldgeschäft, 
und als die Juden vertrieben worden waren, auch das ein- 
heimische an sich zu ziehen. 

Ende des 11. Jahrhunderts kamen bereits Ansässig- 
machungen von Italienern vor 1 ). Bald fanden sie es vortheil- 
hafter, mit dem Geld- auch den Waarenhandel zu verbinden; 
ihrem Erwerbstrieb und ihrer Klugheit glückte es, in Kurzem 
die Quellen des Landes in Circulation zu bringen 2 ). Den 
Königen wussten sie sich geradezu unentbehrlich zu machen, 
sowohl durch ihre Darleihen 3 ), wie durch ihre diplomatische 
Kunst 4 ); in öffentliche Aemter, namentlich soweit solche 
die Zölle und die Münze betrafen, nisteten sie sich ein. Mitte 
des 13. Jahrhunderts begann England von italienischen Platz- 
leuten zu schwärmen, und schon war die Klage über die 
italienischen im Dienste der Kirche stehenden Geldsauger eine 
laute 6 ). 

Von welcher Bedeutung aber bereits der Waarenhandel 
war, ergibt sich daraus, dass, als Eduard I. an einem Tage 
wegen seiner Kriege alle Wolle, Wollfelle und Häute in Be- 
schlag nehmen Hess, in den Händen der italienischen Com- 
pagnien sich nicht weniger als 2380 Säcke Wolle befanden. 
Das Capital, das sie in diesem Zweige angelegt, belief sich 
wohl auf 30 000 £ damaligen Geldes. Es sind vorwiegend 
Florentiner, deren Namen uns bei dieser Gelegenheit be- 
gegnen 8 ). Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese damals 
die Sienesen und selbst Luccaner überholt hatten. Die 
Frescobaldi, Bardi und Peruzzi standen abwechselnd in be- 
sonderer Gunst bei den englischen Königen 7 ). 

*) So von dem Florentiner Otho degli Gherardini, der Eigenthümer 
von Land in nicht weniger als acht Grafschaften wurde; von ihm stammte 
das nachmalig so berühmt gewordene Haus Fitzgerald ab. The Marquis 
of Kildare, The earls of Eildare and their ancestors 1858. S. 2. 

*) Im 13. Jahrhundert finden wir den Florentiner Gherardi und mit 
ihm eine ganze Gesellschaft Italiener in ausgedehntem Wollhandel beschäf- 
tigt. Vgl. C anale. Istoria della repubblica di Genua, del suo commercio 
etc. IV. S. 287. 

*) Vgl. Bond a. a. 0., sowie S. L. Peruzzi, Storia del commercio 
e dei banchieri di Firenze in tutto il mondo conosciuto dal 1200 al 1345 
compilata su documenti in gran parte inediti. Firenze 1868. S. 16*7 fg. 
Eduard I. hatte den Liberate Rolls zufolge von 34 verschiedenen florenti- 
nischen Banquiers und Gesellschaften Geld geliehen. Daneben werden 
noch andere Italiener als Gläubiger genannt Peruzzi a. a. 0. S. 174. 

*) Namentlich wurden Genuesen häufig als Gesandte verwendet 

5 ) M. Paris, Historia minor ed. Madden III. S. 272. Th. Wal- 
gin gh am, Ypodygma Neustriae ed. Rilev 1876. S. 144. Eine Klage des 
Abtes Bordesley gegen Florentiner Kaufleute wegen betrügerischen Ver- 
fahrens findet sich in den Rot Pari. I. S. 1. (1273). 

«) Bond a. a. 0. S. 221. Peruzzi a. a. 0. S. 175. 

7 ) Peruzzi a. a. 0. S. 178. 



— 113 — 

Aber auch die Florentiner büssten ihre unbestrittene 
Suprematie bereits unter Eduard III. ein. Sie hatten dem 
Könige bei seinen Kriegen zu viel geliehen ; Eduard sah sich, da 
seine Quellen alle erschöpft waren, ausser Stande, die be- 
dungenen Zahlungstermine einzuhalten, und nach wiederholter 
Verlängerung derselben brachte er über die Häuser Bardi, 
Peruzzi und eine grosse Zahl kleinerer Geschäfte eine so 
schwere Katastrophe, dass deren Folgen die Blüthe des floren- 
tinischen Handels in England und im übrigen Europa voll- 
ständig vernichteten, sowie die gesellschaftlichen und staatlichen 
Verhältnisse in Florenz bedeutend veränderten 1 ). Blieben die 
Florentiner auch die Lieblinge am englischen Hof bis in die 
Zeit der Tudors hinein, hatten sie als Geldhändler noch immer 
Bedeutung*), wurden zur Glanzzeit der Medici, wo Florenz 
sich erholt hatte, die Beziehungen zu England ausserordentlich 
freundliche, erschienen seit 1425 3 ) die Florentiner sogar auf 
eigenen Galeeren in den englischen Häfen: der Waarenhandel 
und das Hauptgeschäft war nichtsdestoweniger seit dem 
14. Jahrhundert an Genua und Venedig tibergegangen. 

Genua war Florenz gegenüber schon um deswillen im 
Vortheil, weil ihm eine bedeutende Flotte zu Gebote stand. 
Solange keine Florentiner Schiffe existirten, waren die floren- 



*) Allerdings war die Zahlungsverweigerung Eduards III. nicht allein 
wirksam. Auch Robert von Neapel hatte gleichzeitig die Rückzahlung der 
ihm gemachten Darlehen sistirt, so dass Florenz mit einem Schlage 70 Mil- 
lionen Francs verlor; ausserdem hatte der französische König 1345 die in 
Frankreich verweilenden Florentiner ihrer Habe berauben lassen. Es be- 
greift sich, dass ein solcher Verlust zahlreiche Gesellschaften und die De- 
ponenten der grossen Häuser in Mitleidenschaft ziehen musste und den 
Credit der Florentiner aufs tiefste schädigte Die allgemeine Katastrophe, 
welche der Zeitgenosse Giovanni Villa ni, Storie Fiorentini Buch 11. Cap. 87 
so lebendig schildert, wurde noch verschärft durch die Hungersnoth 1347 
und die darauf folgende Pest. Ueber den Verlauf und die Folgen der eng- 
lisch-florentinischen Finanzoperationen vergleiche Peruzzi a. a. 0. Buch VI. 
(Eduardo III. e i banchieri Fiorentini) S. 483 fg. 

2 ) Als 1415 Heinrich V. von den Italienern Geld leihen wollte, er- 
schienen vor dem Rath „sys persones de la compaignie des marchantz de 
Florence demorantz en Lounores, de la compaignie des marchantz de Ve- 
nice habitantz en mesme la citee quatre persones, et de la compaignie des 
Lukes deux persones/' Nicolas, Proceedings and Ordinances of the 
Privy Council IL S. 165. 

8 ) Die Florentiner hatten damals den Hafen Livorno erworben, wo- 
durch sie in den Stand gesetzt wurden, einen directen Schiffahrtsverkehr 
mit England herzustellen (Heyd, Geschichte des Levantehandels im Mittel- 
alter II. S. 711). Im Jahre 1425 wurde ihnen auch in England ein Han- 
delsprivileg ertheilt Für die späteren Beziehungen kommen in Betracht 
die vielen Licenzen, die in Brewers Cal. und in den Enrolled Accounts 
of the Customs erwähnt sind. Bekannt ist auch das Schuldverhältniss , in 
welchem Eduard IV. zu den Medici, Portinarii u. Gudetty stand. Rymer 
XII. S. 7. / 

Schanz, Eng]. Handelspolitik. I. 8 



- 114 — 

tinischen Kaufleute genöthigt, der genuesischen 1 ) und wohl 
auch pisanischen Schiffe sich zu bedienen. Es wird allgemein 
angenommen, dass von den italienischen Seefahrern die Ge- 
nuesen zuerst England besuchten. Richard Löwenherz war 
ihnen sehr gewogen *), und die politischen Beziehungen zwischen 
England und Genua von da an die besten 3 ). Gegen Ende 
des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts mehren sich die 
Beweise für einen rege unterhaltenen Handel 4 ). Im 15. Jahr- 
hundert aber wurde der Höhepunkt desselben bereits über- 
schritten; einen festen Rückhalt hatte nur Genua in seiner 
Stellung im schwarzen Meer. Solange die Türken hier seine 
Herrschaft duldeten 5 ), war Genua der beste Vermittler für 
englisches Tuch bei den dortigen Anwohnern 6 ). Ausserdem 
aren sie im Besitz von Chios und Phokaea , den Hauptquellen 
r Mastix und Alaun 7 ). Wegen der Nähe von Toulouse war 



*) Wichtig wurde ein in dieser Hinsicht zwischen Genua und Florenz 
abgeschlossener Vertrag vom Jahre 1281. Peruzzi, Storia del commercio 
e dei banchieri di Firenze S. 502. 

*) Beer. Handelsgeschichte L S. 199. 

8 ) Heinrich in. wurde z. B. in den Vertrag von Ninfeo, der zwischen 
Genua und Michael Palaeologus abgeschlossen wurde, mit aufgenommen. 
C anale, Nuova Istoria della Repubblica Genova IV. S. 288. 

*) In der Zeit von 1291—1807 gab der König Eduard I. Befehle in 
Betreff der Genuesen (Liber Albus ed. Riley I. S. 540); 1316 geschieht 
der genuesischen Kauffahrteischiffe und um dieselbe Zeit ihres Alaun- 
imports Erwähnung (Rymer III. S. 564 u. 565, vgl. jedoch auch Hevd 
a. a. 0. S. 708). 1336 erlässt der König den Genuesen 8000 Mark Zölle 
als Entschädigung für ein weggenommenes Schiff und gewährt ihnen 
ausdrücklich das Recht des Handels mit den Worten: „Volentes insuper 
toti communitati vestrae gratiam facere specialem, ut ex hoc vos in- 
veniamus in nostris opportunitatibus promptiores et ut ad partes nostras 
mercatores communitatis vestrae declinent eo libentius, quo majori fuerint 
ibidem privilegiorum praerogativa muniti (si quitationem nos feceritis habere 
praetactam) talenTin regno nostro habere volumus libertatem, ut ad dictum 
regnum nostrum cum navibus vel vasis aliis accedentes possitis libere salvo 
et secure cum dictis navibus et vasis in quocumque loco regni nostri quo- 
tiens et quandocumque volueritis applicare, mercandisare ac vendendo et 
emendo proficuum vestrum facere, solvendo custumas debitas in hac parte. 
Et si in uno loco applicaeritis , liceat vobis mercibus non plene Tel in 
nullo venditis ex hinc libere recedere et quocumque volueritis vos trans- 
ferre." (Rymer IV. S. 702.) 1379 machte ein genuesischer Kaufmann der 
englischen Regierung den Vorschlag, in Southampton ein Stapel für alle 
orientalischen Waaren zu errichten, welche die Genuesen bisher nach Flan- 
dern, Normandie und Bretagne brachten. Die englischen Kaufleute sollen 
dies Project mit Misstrauen aufgenommen haben, und der Genuese wurde 
ermordet Endlich ist bekannt, dass England im 14. Jahrhundert viele 
Schiffe von Genua bezog. Beer, Handelsgesch. I. S. 199; sieh auch Th.Wal- 
singham. Hist. Angl. ed. Riley IL S. 83, 146. 

5 ) Vgl. W. Heyd, Geschichte des Levantehandels II. S. 365 fg. 

6 ) Ueber die Verschiffung abendländischer Tucher nach dem Orient 
vgl. # auch Heyd a. a. 0. H. S. 696. 

7 ) Heyd a. a. 0. H. S. 551. Der Bezug von Alaun aus dem Orient 
wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts wichtig, weil die Curie den Preis 
des römischen Alauns sehr erhöhte und überhaupt den Alaunhandel zu 



— 115 — 

auch der Verschleiss des berühmten Toulouser Waids fast 
ganz in ihre Hände gegeben. Endlich scheint es nicht un- 
möglich, dass sie einen Theil des Handels zwischen den 
Niederlanden und England besorgten. 

Das Libell of Englishe Policye schildert Genuas commer- 
cielle Bedeutung für die britische* Insel gegen 1436 folgender- 
massen : 

Die Genuesen kommen in dies Land 

Verschiedentlich, mit Waaren allerhand, 

Mit grossen Galeonen voller Pracht; 

Goldstoff und Woll-Oel fuhren sie als Fracht, 

Potasche, schwarzen Pfeffer auch und Seide, 

Baumwolle, Genueser Goldgeschmeide, 

In grosser Menge Waid und Steinalaun, 

Wofür sie hier denn ihre Schiffe stau'n 

Mit WolP und Wollentuch von jeder Art 

Und Farbe: — dann geht oft von hier die Fahrt 

Nach Flandern mit dem aufgekauften Schatz 

Der Waaren; denn hier ist ihr Stapelplatz. 

Und sollten sie als Feinde sich gebahren, 

So schlössen wir sie aus mit sammt ihren Waaren 1 ). 

So schlimm, wie die Schlussworte angeben, stand es nun 
in Betreif der Abhängigkeit Genuas von England nicht. Im 
Gegentheil war die politische Stellung Genuas der letzte und 
nicht geringste Grund, weshalb es im 15. Jahrhundert neben 
Venedig in England sich noch halten konnte. Bei der fort- 
währenden Feindschaft zwischen Frankreich und England war 
es ein grosser Gewinn, wenn es den englischen Königen glückte, 
das von Frankreich ins Schlepptau» genommene Genua we- 
nigstens neutral zu erhalten. Der grosse Heinrich V. hat in 
richtiger Erkenntniss der Lage auch dies zu erreichen ge- 
sucht und selbst die damals nicht gewöhnliche Concession ge- 
macht, dass die Genuesen mit seinen Feinden handeln durften 
(1421)*). 

Dieser politischen Lage hatten sie es vorwiegend zu 
danken, dass sie fortwährend von den Königen beschützt 
wurden-, denn zeitweise war die Volksstimmung gegen sie eine 
sehr erregte. Einzelne Kaufleute wie Barantyn, Waldern 



monopolisiren suchte. Der Herzog von Burgund und Heinrich VII. von 

England waren aber bestrebt, das Monopol zu brechen. Vgl. Gairdner, 

Letten and Papers of Richard IH. and Henry VII. II. S. 167 u. 255; da- I 

mit ist in Zusammenhang zu bringen Rymer XIII. S. 159. Im Jahre | 

1451 hatten die Genuesen für 8000 £ Alaun in England. Rot. Pari. V. 

S. 21 ff. 

') Wilh. Hertzbergs Uebersetzung S. 77 u. 78; Vers 330—343. 

a ) Rymer X. S. 717. Ueber die Verhandlungen zu vergl. Nicolas, 
ProceediDgs etc. n. S. 236, 245, 255 fg. Diesem Tractat wird von An- 
derson (deutsche Ausgabe III. S. 98) eine hervorragende Bedeutung zu- 
gewiesen, indem er behauptet, in Ryraers Foedera begegne man hier zu- 
erst der Garantirung einer längeren Frist, während welcher die Kaufleute 
im Falle des Ausbruchs von Feindseligkeiten unter den contrahirenden 

8* 



— 116 — 

Cotton, W. Walderma aus London, Sturmyn aus Bristol, Ta- 
verner aus Hüll und deren Genossen hatten seit Beginn des 
15. Jahrhunderts einen Handel nach dem Mittelmeer organi- 
sirt 1 ). Die Genuesen sahen dies Eindringen mit eifersüchtigen 
Augen an 8 ) und suchten den Engländern durch wiederholte 
Wegnahme ihrer Waaren die Fahrten zu verleiden. Die eng- 
lischen Kaufleute verlangten strenge Massregeln. Nach ihrem 
Wunsch sollte Nichts an die Genuesen verkauft werden, noch 
irgend Jemand etwas nach Genua führen 3 ). Sie versuchten 
auch, beim König ihre Stellung zu untergraben, indem sie 
darauf hinwiesen, dass die Genuesen durchaus nicht so viel 
Zölle zahlten, als deren Freunde gewöhnlich verbreiteten. Die 
Aufzeichnungen des Exchequer wiesen vielmehr aus, dass sie 
während 2 Vi Jahre nur 4500 £ Zoll entrichtet hätten 4 ). Die 
Regierung Hess sich aber dadurch nicht irre machen, sie 
zwang zwar die Genuesen, den Schaden zu ersetzen 5 ) und 
hielt darüber, dass diese den Engländern freien Verkehr in 
ihren Häfen versprachen 6 ), hütete sich aber irgendwie sonst 
feindselig gegen sie vorzugehen. Die Genuesen fanden im 
Gegentheil an ihr immer einen starken Rückhalt. Als z. B. 
1434 die Zollbeamten den Werth zu Grunde legen wollten, 
den die von den Genuesen gebrachten Waaren in England 
besassen, genügte die Drohung der sechs Schilfe, wieder ab- 
fahren zu wollen, um den König zu einer Intervention zu ihren 
Gunsten zu veranlassen 7 ). Im Jahre 1460 schloss die Regie- 
rung einen neuen Handelstractat und eine politische Allianz 
mit Genua ab 8 ). Als 1470 Heinrich VI. noch einen Versuch 
gemacht, den Thron gegen Eduard IV. sich zu sichern, war 

Parteien ihre Geschäfte abwickeln durften. Jedenfalls sind aber ähnliche 
Stipulationen sehr alt. So heisst es tichon in dem Privileg von 1259, wel- 
ches der Stadt Gent von Heinrich III. verliehen wurde: . . . etiam, quod 
si inter regem Francorum aut alios et nos vel heredes nostros aliquo tem- 
pore guerra fuerit, ipsi praemuniantur , ut infra quadraginta dies regnum 
nostrum cum bonis egrediantur. L. Di er i ex, Memoires sur la ville de 
Gand. 1814. T. I. S. 148 u. 149. 

*) Rymer VIII. S.717; X. S. 117; XL S.258: Rot Pari. IV. S.50; 
V. S. 31. 

*) Die bedeutsame Thatsache, dass Engländer in den Gewurzhandel 
sich zu mischen wagten, wurde von der Sage entstellt. So heisst es bei 
Fabyan, Chronicle ed. Ellis 1811. S. 633: „In this ytre (1458) after some 
auetours a marchaunt of Brystowe, named Sturmyn, which with his shrp 
had trauaylyd in dvuerse partyes of Leuaunt and other partyes of the kst 
for so moche as the fame ranne upon hym, that he hadde gotten grene 
pepyr and other spycys to haue sette and sowen in Englonde, as the fame 
went etc. u 

8 ) Rot, Pari. IV. S. 14 (1413). 

*) Rot. Pari. IV. S. 50 (1414). 

*) Rymer VIII. S. 717, 773; X. S. 117. 

°) Nicolas, Proceedings etc. IL S. 256. 

7 ) Rymer X. S. 584. 

8 ) Rymer XL S. 441. 



— 117 — 

es wieder Genua, bei dem er neben Frankreich um eine Stütze 
warb. Er begünstigte die Genuesen nicht nur durch Erlass 
der hohen directen Abgaben, die ihm 1452/53 vom Parlament 
bewilligt worden waren, sondern er ermässigte für 6 Jahre 
ihnen die Woll- und Zinnzölle derart, dass keine grosse 
Differenz mehr gegenüber denen der einheimischen Kaufleute 
bestand *). 

Unter Eduard IV. verloren sie zwar nicht diese Privi- 
legien, mussten sie aber mit den übrigen italienischen Kauf- 
leuten theilen 2 ). 

Die mittelalterliche Politik Englands gegenüber Frankreich 
lebte in der Folge nur vorübergehend auf, und Genua selbst 
verlor mehr und mehr alle Selbständigkeit und sank zu einer 
Provinzialstadt herab. So begreift sich, dass zwar Genua an 
der Schiffahrt nach England sich noch immer betheiligen 
konnte 3 ) , aber in handelspolitischer Hinsicht , kein Interesse 
mehr gewährt. 

Venedig, das Mittelmeer schon lange beherrschend, war 
an Genuas Stelle getreten; sein Name verdunkelte den der 
übrigen lombardischen Städte 4 ); in den Händen der venetia- 
nischen Signorie lag fortan die Leitung. Da Venedig auch 
das italienische Handelssystem am schärfsten ausgeprägt hat, 
so ist es gerechtfertigt, wenn wir jetzt ihm unser ausschliess- 
liches Interesse zuwenden. 

H. Das Alter eines directen Verkehrs zwischen Venedig 
und England ist ebenso schwer zu bestimmen, wie dies bei 
dem der übrigen Republiken der Fall. ' Die erste bestimmte 
Erwähnung Venedigs in den öffentlichen Documenten Englands 
ist aus dem Jahre 1201 (18. Jan.) 5 ). König Johann verlieh 
damals dem Sohne des Leonardus Sucuhull von Venedig einige 
Ländereien 6 ). Allem Anscheine nach waren dieser „Johannes 



x ) Für den Sack WoUe hätten sie nämlich zu zahlen gehabt 66 8h 
8 d, nun aber entrichteten sie 58 sh 4 d, also nur 10 sh mehr, als die 
Engländer; für Zinn war der FremdenzoU vom £ Werth 2 sh 8 d, sie 
aber zahlten nur 1 sh 3 d, also 8 d mehr als die Einheimischen. Privileg 
v. 22. Febr. 1471. Rymer XI. 8. 696. 

*) Vgl. Kymer XII. S. 255. 

■) Dies beweisen die der genuesischen Gesellschaft gewährten Geleits- 
briefe; z. B. im Jahre 1496 und 1503 (Br. M. Sloane Mscrs. 4617 Nr. 162; 
4618 Nr. 39). 

4 ) Unter diesem Sammelnamen verstand man in England Florenz, 
Genua, Lucca und Venedig. 

*) Hardy, Kotuli Chartarum in Turri Londinensi asservati. S. 84. 

) Die „certain commercial Privileges of high importance", welche Jo- 
hann demL. S. verliehen haben soll, sind jedenfalls von Hazlitt (History 
of the Venetian Republic etc. London 1860. IV. S 240) ebenso erfunden, 
wie der Sucubus statt Sucuhull und der 18. Jan. statt des 13. Jan. 



— 118 — 

de Venetia" und seine Nachkommen 1 ) ähnlich wie die Floren- 
tiner in erster Linie Banquiers, welche durch Gelddarleihen 
und Ansichziehen der verpfändeten Objecte sich bereicherten. 
Ich glaube nicht, dass man aus diesem einzigen Beispiel auf 
„einen regelmässigen und ausgedehnten" Verkehr in damaliger 
Zeit schliessen darf 2 ). Durch die Kreuzzüge könnte ein gegen- 
seitiger Waarenaustausch herbeigeführt worden sein. Es ist 
sogar einige Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass die Engländer 
damals einen Activhandel nach dem Orient entwickelten und, 
wenn auch nur vorübergehend, eine Handelsniederlassung in Accon 
besassen 3 ). Doch darf man füglich bezweifeln, ob die 1265 
in den venetianischen Zolltarifen erwähnten „englischen Stam- 
fords" 4 ) auf dem Seewege nach Venedig gelangten, wofern 
überhaupt diese Stamfords englisches Fabrikat waren und 
nicht blos eine gewisse Tuchsorte bezeichneten, welche der 
in England getragenen ähnelte 6 ). Jedenfalls weisen alle uns 
erhaltenen Nachrichten darauf hin, dass damals noch der Ver- 
kehr grösstenteils ein mittelbarer war und zu Lande, nämlich 
über Frankreich, Köln und Flandern sich vollzog 6 ). 

Keinem Zweifel unterliegt aber, dass mit Anfang des 
14. Jahrhunderte die regelmässigen directen Fahrten zwischen 
Venedig und England begannen. Damals gewann auch der 
Seeverkehr nach Flandern das Uebergewicht über den Land- 
handel. Ein politisches Zerwürfhiss zwischen Frankreich und 
Flandern (1315, 1316) trug hauptsächlich dazu bei. Die 
Flamänder besuchten nun nicht mehr die Messen von Cham- 
pagne. Dadurch wurden auch die Italiener veranlasst, auszu- 



*) Die Söhne des Leonard von Venedig Bind in den Rotuli Liter. Pa- 
tent. S. 134 unterm 22. April 1215 erwähnt, indem sie den Befehl erhielten, 
schleunigst beim König zu erscheinen. 

*) Hazlitt a. a. 0. IV. S. 238—52 nimmt einen solchen frühzeitig 
entwickelten Handel an. Die Momente, die er hiefur beibringt, sind alle 
nicht zutreffend. Sie beweisen in der Kegel nur für die Florentiner oder 
für andere Fremden, wie die Deutschen. So führt er als Beleg auch an, 
dass Kaiser Friedrich 1. 1157 ein Privileg von Heinrich II. erwirkt habe. 
Nun ist richtig, dass Heinrich II. an Friedrich I. schrieb: „Lasse Freundschaft 
zwischen uns und unsern Unterthanen und sichern Handel erhalten" (De 
gestis pontificum Anglorum II. S. 133). Dass aber hier die deutschen und 
nicht die venetianischen Kaufleute gemeint sind, liegt auf der Hand. 

a ) Heyd, Geschichte des Levantehandels IL S. 714. 

4 ) Ein ganzes Stück „englischen Stamford" hatte 24 sh Zoll, ein Rest 
13 sh. die Mailänder Stamfords von Monza 5 sh zu zahlen. Brown, 
Galen dar of State Papers and Manuscripts relating to English Affairs 
existing in Venice and in other libraries of Northern Italy. 1864 fg. I. 3. 

6 ) In dieser Vermuthung möchte man um so mehr bestärkt werden, 
als auch gefärbte Stamfords genannt werden, während doch die Färberei 
selbst unter Heinrich VIII. noch wenig gedieh; vgl. die Ausfuhr gefärbter 
Tücher. Bd. IL S. 105. 

c ) Das beweisen auch Nachrichten über die ersten directen Beziehungen 
zwischen den italienischen Staaten und den Niederlanden. Heyd a. a. 0. 
H. S. 707 fg. 



- 119 — 

bleiben und direct zur See Flandern wie England aufzusuchen l ). 
Der Seetransport war zudem wohlfeiler, und die Seegefahr auch 
nicht viel grösser als die zu Lande, wie aus der Höhe der 
üblichen Versicherungsprämie sich erkennen lässt 2 ). Mit 
Eduard IL wurden die ersten Verhandlungen wegen eines 
geordneten Verkehrs geführt 3 ). Den Hauptschwerpunkt ihres 
nordischen Handels wollte die venetianische Regierung jedoch 
nach Brügge verlegt wissen 4 ), der Verkehr mit England sollte 
nur einen Ableger bilden. Die ersten Fahrten waren von 
lauter blutigen Scenen begleitet, und der König hatte Mühe, 
diese verderblichen Fehden hintanzuhalten 5 ). 

Die gelegten Keime kamen erst unter Eduard III. zu 
grosserer Entwicklung. Die ganze Handelspolitik dieses Königs 
war eine fremdenfreundliche ; für Venedig war kber noch von 
besonderer Bedeutung, dass der Plantagenet die herrlich auf- 
blühende Seemacht der Republik in seinen französischen Kriegen 
sich dienstbar zu machen suchte. 1340 bat er um eine Unter- 
stützung von 40 Schiffen, beziehungsweise um blosse Enthaltung 
einer Parteinahme für seinen Gegner 6 ) und bot grossherzig 
den venetianischen Kaufleuten die gleichen Immunitäten an, 
welche die Engländer genössen, und ein dauerndes Privileg, 
das alle ihre Wünsche enthalten solle. Die Venetianer ent- 
zogen sich vorsichtig jeder politischen Unterstützung, die an- 
gebotenen mercantilen Vortheile aber säumte man nicht dank- 
barst anzunehmen 7 ). Auch ein zweiter, dreissig Jahre später 
unternommener Versuch Eduards III., Venedig politisch enger an 
England zu fesseln, misslang. Die venetianische Regierung 
betonte, dass ihre Beziehungen vorwiegend commercieller Natur 



*) Heyd a. a. 0. II. S. 704. 

*) Peschel, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. S. 44. 

*) Circa 1317. Brown, Calendar I. 9; Marin, Storia del Commercio 
Venez. V. S. 313. 

4 ) 1319 erhielt ein venetianischer Gesandter die Mission, in Brügge 
ein Consulat zu beantragen und Handelserleichterungen zu erwirken, nicht 
aber in London, wie Hazlitt a. a. O. IV. S. 243 und sogar Brown in der 
Vorrede zum 1. Bd. seiner Calendars S. LIX. behaupten. Vgl. das Decret 
der Pregadi bei Marin a. a. 0. V. S. 304. 

*) Als 1319 ein Venetianer Lauredano nach London 10000 U Zucker, 
1000 U Candis und 4 £ in Tours geprägter Groschen gebracht und den 
Erlös, sowie das Geld zu Boston in Wolle angelegt hatte, wurde er bei 
seiner Rückfahrt nach Flandern beraubt und ermordet. (Brown, Cal.1. 11.) 
Eduard II. erliess ein Decret zur Sicherheit der flandrischen Flotillen 
(Marin a. a. 0. V. S. 313). Am 10. April 1323 wurden die englischen See- 
leute von 5 venetianischen Galeeren üherfallen; die Angreifenden sollten 
deshalb das Leben verwirkt haben; der König Hess aber Gnade walten 
(Brown, Cal. I. 18. 19). 

') Damals wurde auch der erste englische Gesandte, von dem man 
sichere Kunde hat, am venetianischen Hofe accreditirt. Brown, Cal. I. 
Pref. 8. LIII. 

7 ) Brown, Cal I. 25. 



— 120 — 

und enge politische Bande we^en der grossen Entfernung un- 
möglich seien 1 ). Trotzdem blieb der König ihnen gewogen. 
Er unterwarf die Venetianer nicht dem strengen Gästerecht 2 ), 
gewährte ihnen Schutz gegen die ihnen feindlichen Engländer 8 ), 
befreite sie vom Stapelzwang 4 ), und gab ihnen in den politi- 
schen Wirren gerne Geleitsbriefe 6 ). 

Von dieser Zeit an war der venetianisch-englische Handel 
fortwährend im Wachsen 6 ). Der letzte der Plantagenets und 
die drei folgenden Heinriche aus dem Hause Lancaster blieben 
auf der von den Eduards eingeschlagenen Bahn. 

Richard IL gewährte den Venetianern grössere allgemeine 
Freiheiten, als sie bisher besessen, gestattete den Passagieren 
ihre „kleinen Artikel", nämlich Glas- und irdenes Geschirr, 
auf dem Verdeck zollfrei zu verkaufen, ebenso sollten sie über 
ein Fass Wein von 10 Gallonen Gehalt frei verfügen dürfen 7 ). 
Eine versuchte Beschränkung des Detailverkaufs und Fest- 
setzung des Preises der italienischen Weine wurde in aller- 
kürzester Zeit wieder beseitigt 8 ), das Gesetz, wonach ein- 
geführte Gewürze nicht wieder ausgeführt werden sollten 9 ), 

*) 24. Aprü 1370. Brown, Cal. I. 43. 

s ) Bond, Extracts from the Liberate Rolls etc. Archaeol. XXVIII. 
S. 232. 

*) Brown, Cal. I. 74. 

4 ) In den Statuten ist ihre Stapelfreiheit allerdings erst im Gesetz 
2. Ria II. st. 1 c. 3 (1378) erwähnt; die Wahrscheinlichkeit spricht aber 
sehr dafür, dass sie schon unter Eduard III, eximirt waren. 

5 ) Pat Rolls 44 Edw.III.; Brown, Cal. 1.52; Rymer VI. S.11,92, 
120. Die ersten 7 Fahrten der venetianischen Flotülen fielen in die Jahre 
1317, 1319, 1322, 1325, 1334, 1336. Unterbrochen blieb der Verkehr von 
1336—1357, 1359-1372, 1374—1385, 1388-1404. Die letzte Pause war 
durch die mohammedanischen Piraten Kordafrikas verursacht, indem diese 
die Meerenge von Gibraltar blockirten und von den Venetianern wie Genu- 
esen hohe Zölle erpressten. (Heyd a. a. 0. II. S. 711.) Im 15. Jahrhun- 
dert wurden die Fahrten sehr regelmässig und fast jedes Jahr unternommen. 
Brown, Cal. I. Pref. S. CXXXII. 

6 ) Das zeigt unter Anderm auch das Verhältniss der flandrischen und 
englischen Schiffsladung. So wurde 1392 der Packraum eines ganzen 
Schiffes und der fünfte Theil von dem der übrigen (4) Schiffe den Waaren 
in London reservirt. Ende desselben Jahres ging von 3 Schiffen eines 
nach London, und falls es hier nicht volle Ladung fände, so sollte es 
das Fehlende durch flandrische Güter ergänzen dürfen. (Brown, Cal. I 
106 u. 109). 1394 und 1396 gehen von 4 Galeeren bereits 2 nach London 
(Brown, Cal. I. 114. 221); seit 1398 besuchen von 5 Galeeren bald 2, 
bald 3 die Insel (Brown, Cal. I. 126). Ja es sollte sogar einmal die Zeit 
kommen, wo die venetianische Regierung, wenn auch nur vorübergehend, 
wünschte, dass die Flotillen bloss nach Southampton oder Sandwich sich 
begeben sollten, da die flandrischen Märkte mehr Schaden als Nutzen 
brächten. Sie gewährte jeder Galeere zu diesem Behufe 1300-Ducaten 
Prämie. (28. April 1501. Brown, Cal. I. 815.) 

7 ) All diese Privilegien wurden 17. Sept. 1399 auf 10 Jahre gewährt. 
Brown, Cal. I. 130. 

») 5 Ric. II. st. 1. c. 4. (1381); 6!Ric. II. st. I. c. 7 (1382) und 7 Ria IL 
c. 11. (1383.) 

*) Rot. Pari. III. S. 308. 1392/93. 



— 121 — 

kaum lange aufrecht erhalten, wenn überhaupt nur vollzogen. 
Heinrich IV. sicherte gleich bei seiner Thronbesteigung den 
Venetianern die nämliche Behandlung zu, wie sie die eigenen 
Unterthanen erfuhren 2 ) , bestätigte darauf die Privilegien 
Richards IL und erweiterte sie noch 2 ). Er überHess insbesondere 
den Schiffsherren und Capitänen die Civilgerichtsbarkeit in 
ihren Angelegenheiten und traf auch die Bestimmung, dass 
ohne Sicherheitsleistung von Seite eines Dritten einem Matrosen 
keine Lebensmittel geborgt werden dürften, damit nicht Lotter- 
credit die Abreise verhindern könne 3 ). Als die venetianischen 
Kaufleute, dem Gesetze zuwiderhandelnd, ihr Geld zu einem 
höhern Curs als dem legalen in Umlauf bringen wollten , be- 
fahl er, ihren Fehltritt milde zu bestrafen 4 ) und bot ihnen 
zum Schutz an der englischen Küste seine besten Kriegsschiffe 
an, wenn missgünstige Feinde nicht dulden wollten, dass die 
venetianischen Galeeren nicht blos nach Plymouth, sondern, 
wie der König wünschte , auch nach London kämen 6 ). 1406 
nahm er die Venetianer von der allgemeinen Steuer aus 6 ). 
Aus Dankbarkeit für die täglichen Wohlthaten, die der König 
den Kaufleuten zu Theil werden Hess, wurde im Auftrag des 
venetianischen Senats dem König und der Königin ein kost- 
bares Geschenk überreicht 7 ). Die grössten Betrügereien , die 
sie sogar dem königlichen Schatze gegenüber unter Zustimmung 
der venetianischen Regierung verübten 8 ), vermochten nicht 
die ihnen zugewendete königliche Gunst zu entreissen. Immer 
wussten sie sich durch Gelddarlehen 9 ) an den König oder 
durch Geschenke zu rehabilitiren 10 ) , die alten Zollprivilegien 

*)4. Oct 1399. Brown, CaL I. 131. 

2 ) Rymer VIII. S. 542; vgl. auch Rymer IX. S. 26. 

*) 3. Dez. 1400. Brown, Cal. I. 138. 

*) Nicolas, Proceedings and Ordinances of the Privy Council I. 
S. 120. 

«) a. a. 0. S. 121. 

*) Rot. Pari. IU. S. 595. 

*) Brown, Cal. I. 155. 

"J Schon 1402 wurde hauptsächlich mit Rücksicht auf sie geboten, 
alle Waaren nur in den grossen Hafenplätzen ein- und auszuschiffen, nicht 
aber in den kleinen Buchten (Rot. Pari. III. S. 506); 1406 wurde den Lom- 
barden eigens eingeschärft, dass sie nur in den offnen Häfen Wolle ver- 
laden möchten, und zu grösserer Sicherheit verlangt, dass fortan jeder 
Italiener und Fremde, der das Königreich betreten wolle, einen Geleitsbrief 
vom König besitze. (Nicolas, Proceedings etc. I. S. 289.) Als auch das 
nicht half, mussten sie sich mit 2000 Mark von ihrer Schuld loskaufen. 
Antient Kaiendars and Inventories of the Exchequer II. 
S. 77—78. — 20. Nov. 1456 gestattete die venetianische Regierung der 
Factorei in London, 20 £ an die Zollbeamten zu verausgaben, damit diese 
die Güter bei der Verzollung niedrig taxirten. Brown, Cal. I. 335 

■) So 1412, 1415. Nicolas, Proceedings etc. II. S. 32 u. 214. 

10 ) Mit deutlichem Hinweis auf diese Geschenke sagt der Verfasser 
des Büchleins von der Englischen Staateklugkeit : 

Warum lässt man nicht die Geschenke sein, 
Die sichtlich hemmen unsers Volks Gedeihn? 



— 122 — 

zu erhalten 1 ) und noch neue Freiheiten zu erwerben. So ist grosse 
Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, dass ihnen um diese Zeit 
das Recht ertheilt wurde, nur für persönliche Schulden haftbar 
zu sein 2 ), und vielleicht erfüllte man auch ihre Bitte, dass 
man ihnen einen Richter für alle Processe, die Italiener und 
Engländer oder Italiener allein betrafen, bestellte, damit sie 
nicht zu den Gerichten nach London gehen mussten 3 ). 

Aber bereits begann die Reaction, die gegen diese ausser- 
ordentliche Begünstigung der verschlagenen Italiener in den 
bürgerlichen Kreisen sich erhob, eine bedrohliche Gestalt an- 
zunehmen. 1439 brachte das Unterhaus eine Bill ein, durch 
welche. den Venetianern verboten werden sollte, Waaren ein- 
zuführen, die nicht venetianischen Ursprungs waren. Der 
ganze Zwischenhandel der Venetianer nach England stand auf 
dem Spiel. Noch aber war der Einfluss der Italiener zu gross, 
sie bestachen die Minister, und die Bill wurde abgelehnt 4 ). 
Dagegen wagte die Regierung nicht, das Verlangen des Parla- 
ments zurückzuweisen, wonach fortan die Lombarden dem 
Fremdenrechte unterworfen werden sollten 5 ). Die Londoner 
Handwerker und Krämer und mit ihnen die Stapler waren 
von tödtlichem Hass gegen die geschäftsgewandten, aber auch 
gewissenlotsen Italiener erfüllt 6 ). Leben und Eigenthum der- 
selben waren nicht mehr sicher, und am 23. August 1456 
vereinbarten die Venetianer, Genuesen, Florentiner und Luccaner, 
jeden Handel nach London einzustellen. Sie trafen auch be- 
reits Anstalten zur definitiven Uebersiedelung nach Winchester 
und Southampton. Das Vorhaben wurde nicht ausgeführt 7 ). 
Noch war der Rückhalt bei dem Hofe stark genug, um in 
London in gewohnter Weise fortleben zu können. Der Aus- 
bruch der Rosenkriege lenkte die Aufmerksamkeit auf andere 



Denn Solches sehn wir klärlich alle Tage: 
Das Volkswohl schäd'gen Gaben und Gelage. 
Nun mögen Narren sein — sie oder wir: 
Am schlechtesten fahren wir doch immer hier. 
Vers 500 — 505. Hertzberg, üebersetzung des Libell of Engiishe Po- 
licye. S. 83. 

! ) Rot. Pari. IV. S. 249. 
*) Brown, Cal. I. 172 u. 197. 

a ) Dies Verlangen wurde gestellt wahrend ihres Aufenthaltes in Win- 
chester 23. Aug. 1457. Brown, Cal. I. 339. Die meisten Streitfalle er- 
ledigten die . Venetianer unter sich. 1446 war sogar den venetianischen 
Bürgern in London und Brügge verboten worden, an die localen Gerichts- 
höfe zu recurriren. Brown, Cal. I. 284. 
4 ) Rot Pari V. S. 31. 

*) Gregory, Chronicle ed. Gairdner. S. 182. Vgl. fernerAb6chn.il. 
Cap. Hl. 

6 ) Vgl. eine andere Petition der Bürger gegen die Lombarden 1455. 
Rot. Pari. V. 334. 

7 ) Gregory, Chronicle S. 199 und Brown, Cal. 331 und 339. 



— 123 — 

wichtigere Fragen 1 ). Aber Thatsache blieb es, die goldenen 
Tage der Venetianer waren vorbei. 

Die Politik des Hauses York war der der Lancaster'schen 
Könige entgegengesetzt und eine den Fremden ungünstige. 
Der verständige Eduard IV. war keineswegs den Venetianern 
in Allem zu Willen. Namentlich machte er ihnen viele 
Schwierigkeiten hinsichtlich der Wolle 2 ) und wollte zuletzt gar 
nicht mehr gestatten, dass sie solche auf ihren Galeeren nach 
Venedig brächten, sondern der italienische Wollexport sollte 
nur den Florentinern vorbehalten bleiben 3 ). Ebenso waren 
manche Gesetze der Eduard'schen Regierung zum Nachtheil 
der Venetianer 4 ). Noch schärfer als Eduard IV. ging der um 
die Volksgunst buhlende Richard III. gegen die venetianischen 
and sonstigen italienischen Kaufleute vor. Tagtäglich, klagten 
die Venetianer. erlasse der König neue Bestimmungen gegen 
ihren Handel, so dass man wohl noch gezwungen werde, ganz 
und gar den Verkehr mit England einzustellen 5 ). Sieht man 
von den althergebrachten massigen Zollnachlässen für Wolle 
und Zinn ab, welche auch Richard III. auf zehn Jahre den 
Italienern bewilligte 6 ), so hatten allerdings die Venetianer 
manche Ursache zur Beschwerde. Der König achtete die Geleits- 
briefe nicht 7 ), liess die den Venetianern bisher gestattete freie 
Bewegung beschränken und das mittelalterliche Gästerecht 
theilweise gegen sie in Geltung bringen 8 ), verwehrte ihnen 
auf Bitten der einheimischen Weber das Auslesen der guten 
Wolle beim Einkauf 9 ), erneuerte das Verbot, fertige Seiden- 
waaren und gewisse Kurzwaarenartikel einzuführen 10 ) und 
zwang sie, für jede Butte Malvasier Wein nicht wie bisher 
bloss 4 Bogenstäbe, sondern noch 10 weitere mitzubringen n ). 

Gleichzeitig erlitt die Achtung, die man den nach dem 
Norden gehenden venetianischen Flottillen bisher gezollt, den 



1 ) Am 9. Juli 1461 war wieder ein Schiff der Handelsflottille bestimmt 
worden, nach England zu fahren, und die Fahrten gingen längere Zeit un- 
unterbrochen fort. Vgl. Brown, Pref. zu Cal I. S. CXXXIL 

*) Im Jahre 1472 wollte er die Berechtigung des Wollexports nach 
Venedig an einen einzigen Venetianer verkaufen; aber die Signorie wusste 
es zu verhindern. Brown, Cal. I 440); welcher grausame Weg hierzu 
gewählt wurde, darüber vgl. Brown, Cal I. Pref. S. LXXIII. 

s ) Brown, Cal. I. 479. 480. Jan. 1482. Die Beziehungen zu Rom 
scheinen hiebei nicht ohne Einfluss gewesen zu sein. 

4 ) 4. Edw. IV. c. 1 ; c. 4. u. s. w. 

*) 30. April 1485. Brown, Cal. I. 495. 

•) Rymer XII. S. 256. 

*) 31. März 1484. Brown, Cal I. 487. 

*) 1 Ria in. c. 9. 1483 84. Vgl. unten Abschn. IL Cap. III. 

*) 1 Ric. III. c. 8. 1483 84. 

10 ) 1 Ric III. c. 10 u. 1 Ric. III. c. 12. 

n ) Ric. III. c. 1 1. Früher zwang man auch die Kaufleute der Ostsee 
4 Bogenstäbe per Tonne einzufuhren. 12 Edw. IV. c. 2. 1472. Das 
Richard'sche Gesetz war aber ganz einseitig gegen die Italiener gerichtet. 



— 124 — 

ersten empfindlichen Stoss. Die Franzosen wagten mit 7 be- 
waffneten Schiffen 4 Galeeren anzugreifen, und es gelang 
ihnen, alle 4 zu kapern 1 ). So schien in der That dem 
venetianisch- englischen Handel eine trübe Zukunft bevorzu- 
stehen. 

Doch ehe wir in die Weiterentwicklung eintreten, mögen 
zur Vervollständigung der Einleitung noch einige Bemerkungen 
über die Organisation des venetianisch - englischen Verkehrs 
und über die Waaren, auf die gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderts der beiderseitige Verkehr gegründet war, eingeschaltet 
werden. 

III. Gleich von Anfang an ^pheint man von Seite Venedigs 
und der übrigen italienischen Republiken die weiten Fahrten, 
gleichviel ob sie nach dem Orient oder nach dem europäischen 
Westen und Norden gerichtet waren, ebenso sehr zu einer An- 
gelegenheit des Staates als der Privaten gemacht zu haben. Es 
war damals die Ueberzeugung tiberwiegend einerseits, dass der 
einzelne Private den allerwärts drohenden Gefahren nicht trotzen 
könne, vielmehr der Staat seinen schützenden Arm den Handels- 
unternehmungen leihen müsse, andererseits , dass ohne eine 
bestimmte Ordnung, ohne, ich möchte sagen, militärische 
Reglements über die Art und Weise, wie der Handel be- 
trieben werden sollte, nichts Gedeihliches zu Stande kommen 
könne. 

Den energischen Einfluss wahrte sich nun die venetianische 
Regierung dadurch, dass eine beträchtliche Privatflotte neben 
der Staatsflotte nicht geduldet wurde. Die Handelsschiffe 
waren der Hauptmasse nach Staatsschifle. Die Kriegs- und 
Handelsflotte war ein Ganzes. Ihre Benutzung wurde jährlich 
von der Regierung an den Meistbietenden verpachtet 2 ), und 
damit war dann dem im Handel lebendigen Privatinteresse 
der nöthige Spielraum gewährt. Die Vorschriften und Be- 
dingungen, welchen die Pächter sich zu fügen hatten, waren 
meist weise und wohl durchdacht 8 ). Die Schiffsmiether mussten 
an der Fahrt Theil nehmen; natürlich fiel ihnen das ganze 
Frachtgeld bei der Hin- und Rückreise zu, sie mussten aber 
davon den vom Staat ernannten Capitän 4 ) und das Schiffs- 



*) 1485. Bergenroth, Call. 2. Fortan wiederholten sich Angriffe 

fegen die venetianischen Schiffe sehr oft. Vergl. auch Brown, Cal. I. 
99. 739. 503. 658. 813. 

2 ) 1347 betrug der mittlere Preis dreier Galeeren ungefähr 67 Lire 
grosse per Stück. Brown, Cal I. Pref. S. LXII. Ein Versteigerungsdocu- 
ment vom Jahre 1332 ist abgedruckt bei Romanin IV. S. 375—376 und 
auch bei Hazlitt IV. S. 431. 

8 ) Vgl. die den Capitänen ertheiiten Commissionen, namentlich die 
erste ausfuhrliche von 14 ö 5 und dann die äusserst umfassende vom 12. Fe- 
bruar 1517. Brown, Cal IL 841. 

4 ) 1516 betrug die Besoldung des Kapitäns Andr. Priuli 600 Gold- 
ducaten für eine Reise. Brown, Cal. IL 841. 



— 125 - 

volk l ) zahlen, ausserdem auch einen Arzt, eine gewisse Anzahl 
Soldaten und Beamten und endlich 4 junge Edelleute, welche 
die Welt sehen sollten, mitnehmen und unterhalten. Nach 
Beendigung der Reise hatten sie auch ein Darlehen von 
400 Ducaten zur Ausbesserung der Galeeren zu geben. Im 
Uebrigen war alles bis ins Einzelnste geordnet. Die Richtung 
der Fahrt, die Dauer des Aufenthalts, die Landungsorte, die 
Frachtgrösse 2 ) waren vorgeschrieben 3 ). 

Eine Concurrenz von Seite der Privatschiffe wurde so gut 
wie unmöglich gemacht, selbst dem Landhandel der Wett- 
bewerb verwehrt. Schon im Jahre 1331 hatte man, „damit 
die Galeeren für die flandrisch- englische Fahrt volle Ladung 
erhielten und in Betreff der Wolle durch die zu Lande im- 
importirte keinen Verlust erlitten", bestimmt, dass für die 
während der Fahrt bis zur Ankunft der Flottille eingeführte 
Wolle 25% Zoll statt 3% gezahlt werden sollte 4 ). Als man im 
15. Jahrhundert auch Tücher, namentlich englische, zum 
Färben einführte, wurden auch diese den Galeeren re- 
servirt. Diejenigen, die solche zu Lande importirten , mussten 
eine hohe Abgabe an die Galeeren zahlen (30 Ducaten für 
n 1000 weight Troy tt ), und es sollte ihnen nicht erlaubt sein, 
mit den Schiffsherren eine geringere Summe zu vereinbaren 6 ). 
Privatschiffe, die nach Flandern und London gehen wollten, 
durften erst Waaren an Bord nehmen nach Verfluss von 
2 Monaten, von der Abreise der Galeeren an gerechnet 6 ). 
Als man 1413 eine Ausnahme bei einem halbgeladcnen Schüfe 
machte, gestattete man ihm doch nicht, Gewürze mitzu- 
nehmen 7 ). 

Selbstverständlich wurden aber auch die Pächter der 
Staatsschiffe gehalten, die Interessen der venetianischen Kauf- 
leute wahrzunehmen und bei der Befrachtung sie vor den 
Fremden zu berücksichtigen. So durften während der ersten 
35 Tage in Flandern und London gar keine Güter, welche 
Fremden gehörten, angenommen werden 8 ); in Venedig selbst 



*) Eine venetianische Galeere hatte 180 Ruderer; es wurden dazu 
meist Sclaven der venetianischen Besitzungen verwendet Dieselben hatten 
in der Nähe von Southampton eine Brüderschaft Brown, Cal I. Pref. 
S. LXIV. 

*) 1485 sollte z. B. jede Galeere 120000 „weight light goods a und 
nicht mehr als 80000 „weight of copper and tin u verladen. Brown, Cal. 
1 492. Beispiele dafür, wie die venetianische Regierung rasch eingriff, 
wenn bei den Galeeren ein Missstand sich zeigte, sind sehr zahlreich; vgl. 
z B. Brown, Cal I. 156. 209. 312. 

*) Vgl. die Commissionen der Capitäne a. a. O. 

*) Brown, Cal I. 21 und 23. 

B ) Brown, Cal. I. 253; 264. (18. Febr. 1438). 

e ) Brown, Cal. I. 158. (11. Juni 1407) und I. 158. (3. Febr. 1408.) 

') Brown, Cal. 1. 193. 

*) Brown, CaL I. 221. 15. Jan. 1398. 



— 126 — 

hatten Gewürze und Baumwolle der Venetianer den Vorzug 
vor andersartigen Gütern der Fremden 1 ). Ob in späterer Zeit 
bei den Fahrten nach England jede Handelsgemeinschaft mit 
den Fremden verboten wurde, ähnlich wie es bei denen nach 
dem Orient 1524 und 1526 geschah 2 ), wissen wir nicht. 

Dass das ganze System zugleich eine bequeme Handhabe 
für die städtische Schutzpolitik bot, liegt auf der Hand. Ich 
erinnere nur daran, dass z. B. am 6. März 1456 den Galeeren 
verboten ward, gewisse englische Tuche, sowie Wolle, „blacktnr 
und Krapp in Hafenplätze, die zwischen Flandern und Venedig 
lagen, zu bringen, um Venedig den alleinigen Vortheil der 
Rohproducte zu sichern 3 ). Die Erhebung Venedigs zum 
Stapelplatz für die hauptsächlichsten Waaren des westlichen 
Europas wäre ohne die Galeeren kaum möglich gewesen: 
denn kein venetianischer Kaufmann würde die englischen und 
französischen Tücher, die Serges, den Bernstein, die Pelze 
und das Zinn erst nach Venedig und von da etwa nach Corfu 
gebracht haben, wenn nicht das System eine strenge Controle 
möglich gemacht hätte. 

Sicher ist, dass das kleine Venedig auf diese Weise er- 
folgreich alle Concurrenten im Mittelmeer niederschlug und 
von einem armen Schifferorte, das mit dem einzigen Producte 
seines Bodens, dem Salze, seine Laufbahn begonnen, zum Sam- 
melplatz und Handelsemporium im mittelländischen Meere sich 
emporschwang 4 ). 



*) Brown, Cal. I. 265. 16. Mai 1441. 

2 ) Brewer, Cal. IV. 263; Br. M. Cotton Msc. Nero B. VIL fo. 42. 

") Brown, Cal. I. 348. Ueber den Stapelzwang siehe auch Marin, 
Storia civile e politica del commercio de Veneziani VII. (Venedig löOÜ« 
S. 335. 

*) Der Doge Moncenigo sagte 1423 : „Ihr (Venetianer) seid die Einzigen, 
denen Land und Meer offen stehen. Ihr seid der Canal, durch den alle 
Reichthümer gehen. Ihr versorgt die ganze Welt; überall hat man Inter- 
esse an unserer Wohlfahrt, alles Gold auf der Welt fliesst hier zusammen." 
Üeber die Bedeutung Venedigs gegenüber den übrigen italienischen Städten 
äusserte sich derselbe Doge: „Wöchentlich erhalten wir aus Mailand 
17—18000 Ducaten; aus Monza 1000; aus Como 3000; aus Alessandria 
1000: aus Tortona und Novara 2000; aus Pavia ebensoviel; aus Cremona 
und Parma ebensoviel; aus Bergamo 1500. Die Banquiers stimmen alle 
darin überein, dass das mailändische Gebiet jährlich 1600000 Ducaten uns 
baar herauszuzahlen habe. Tortosa und Novara kaufen jährlich 6000 Stück 
Tuch, Pavia 3000, Cremona 40000, Como 12000, Monza 6000, Brescia 5000. 
Bergamo 10000, Parma 4000 — im Ganzen 90000 Stück. Diese Städte 
senden uns ausserdem 1558000 Zechinen an feinem Golde. Wir treiben 
mit der Lombardei einen Handel im Werthe von 28000000 Ducaten. Die 
Lombarden kaufen von uns jährlich 50000 Ztr. Baumwolle, 2000O Ztr. 
Garn, 40000 Ztr. catalonische Wolle und ebensoviel französische Wolle. 
Gold- und Seidenstoffe für 250000 Ducaten, 3000 Lasten Pfeffer, 400 Bunde 
Zimmet, 2000 Ztr. Ingwer, für 95000 Ducaten Zucker, 30000 Ducaten 
Näh- und Strickwaaren ; für 40000 Ztr. Farbholz und für 50000 Ducaten 
andere Farbwaaren; für 250000 Ducaten Seife und 30000 Ducaten Sclaven. 



— 127 — 

Was die Waaren anlangt, auf die sich der Verkehr Vene- 
digs mit England gründete, so waren sie ebenso zahlreich, als 
werthvoll. Da Venedig bis zur Entdeckung des Seewegs nach 
Ostindien den Handel der orientalischen Producte hauptsäch- 
lich in Händen hatte, selbst eine grosse industrielle Thätigkeit 
entfaltete x ) und auch den Verschleiss der übrigen italienischen 
Manufacte beherrschte, war es im Stande, den Engländern 
eine grosse Summe von Bedürfnissen zu befriedigen und bei 
ihnen auch neue zu erwecken, gleichzeitig war es fähig, die 
englischen Exportartikel, theils für seine Industrie, theils zum 
Verschleiss im Orient in fast unbegrenzter Zahl anzunehmen 2 ). 

Die von Venedig nach England nachweislich gebrachten 
Waaren bestanden einmal aus Artikeln venetianischer Industrie, 
dahin gehörten Seidentuch, Baldachine aus Gold und Seide, 
schwarzer Damast und Atlas, doppelt gedrehter Zendeltaffet, 
Töpferzeug und alle Arten von Glaswaaren ;i ), Bücher, sowohl 
geschriebene als gedruckte, gemalte Werke und Karten; sodann 
aus Producten der Mittelmeerländer, hieher sind zu rechnen 
Bogenholz 4 ), unbearbeitete Baumwolle, auch Malteser Baum- 
wolle genannt, gesponnene Baumwolle, feine gefärbte Kamelots, 
unverarbeitete Seide und verschieden gefärbtes Seidengarn, 
grobe sicilische Korallenknöpfe und Rosenkränze, apulische 



Dabei ist die Salzausfuhr noch gar nicht in Rechnung aufgemacht. Be- 
denket wie viele Fahrzeuge der Transport dieser Waaren in Thätigkeit 
setzt, theils am sie nach der Lombardei zu schaffen, theils um sie aus 
Syrien, Romanien, Catalonien, Flandern, Cypern, Sicilien. überhaupt aus 
allen Theilen der Welt zu holen. Venedig gewinnt 2 1 /* bis 3% an der 
Fracht. Und wie viele Menschen leben nicht von diesem Verkehr: Mäkler, 
Handwerker, Seeleute, Tausende von Familien und endlich die Kaufleute, 
deren Gewinn nicht weniger als 600000 Ducaten beträgt. Verona nimmt 
jahrlich 200 Stücke Gold-, Silber- und Seidenstoffe; Vincenza 120; Padua 
200; Treviso 120; Friaul 50; Feltre und Belluno 12: und ausserdem be- 
ziehen sie 400 Last Pfeffer, 120 Bunde Zimmet, 1000 Ztr. Ingwer, 1000 Ztr. 
Zucker und 200 Scheiben Wachs jährlich. Florenz sendet uns Waaren 
zum Werthe von 16000 Zechinen und 350000 Zechinen in Gold, wofür es 
spanische und französische Wolle, Getreide, Seidenwaaren, Gold- und Sil- 
berdraht, Wachs, Zucker und Biiouterieen erhält. Ueberhaupt setzt der 
Handel von Venedig jährlich 10000000 Zechinen in Umlauf. Romanin 
IV. S. 94 fe. 

') Vgl. Ungewitter, Geschichte des Handels, der Industrie und 
Schiffahrt. S. 157. 

*) Die folgenden Angaben gründen sich auf die fleissige Zusammen- 
stellung R. Browns in der Pref. seines Cal. 1. (Ital. Ausgabe L'Archivio 
di Venezia S. 280V, er benutzte sowohl archivalische Quellen, wie den 
Prezzo corrente, als gedruckte, wie das bekannte Büchlein : Tarina de pexi 
e mesure del prestantissimo miser Bartholomeo di Paxi 1503 und ein 
ähnliches vonDino, betitelt: El libro di tutti i chostumi : cambi : monete : 
pesi : misure : et usanze di lectere di cambi : et termini di decte lectere che 
oe' paesi ai costoma et in diverse terre Firenze 1481. 

3 ) Murano war der Sitz dieser Fabrikation. 

4 ) Vgl. Brown, Cal. II. 71, 78, 102, 522, 524. 



— 128 — 

Lammfelle; ferner Wein aus Candia und Tyrus, sowie Süd- 
früchte als getrocknete sicilische Pflaumen , eingemachte 
Mirabellen, Knorpelkirschen, Johannisbeeren, Datteln und 
Saffran 1 ), endlich alle Arten sicilischen Zuckers *) (raffi- 
nirter Zucker, brauner Zucker, Melasse und feines Confect), 
• sicilischer Salpeter, chios'sches Terpentin und Mastix; weiter 
führten sie ein die fast unendliche Zahl der kostbaren süd- 
asiatischen Droguen und Gewürze, die aus Persien, Ostindien, 
Malakka, Borneo, Aegypten, Ceylon, Malabar und Syrien 
stammten und zu Damascus, Aleppo, Alexandria und Constan- 
tinopel gekauft worden waren. Ich nenne hier Wermuth, 
Seraphharz, Borax, Rhabarber, Auripigment und Operment; 
Kassiarohr (Mutterzimmt), Rothholz, Galgant, Narde, Mutter- 
harz, Diachenharz, Belzounharz, Elichoysum, Bitterrohr (Ca- 
lamus verus amarus); Muskatnuss; Kampher; Ammoniaksalz; 
Zimmt, gereinigten Wender; Ingwer; raffinirtes Scammonium- 
harz, Manna, Storax; endlich Pfeffer, Nelken, rothes Sandel- 
holz, Opponaxharz, Aloe, grauen Ambra, Bisam 3 ). 

Die von den Venetianern aus England exportirten Waaren 
bestanden der Hauptmasse nach aus Wolle, die zum Unter- 
schied von der orientalischen fränkische genannt zu werden 
pflegte 4 ); ferner aus Stangenzinn und Blei, gegerbten Ochsen- 
und Kalbsfellen 5 ), zugerichteten Pelzen, endlich aus der grossen 
Masse englischer Tucharten 6 ). 

r ) Der Saffran stammte aus Aquila, Sulmona, Romagna, Toscana, 
Cremona, Lombardei, Apulien und Bari; sein Gebrauch in Europa begann 
1288; man fing an, in England ihn zu pflanzen seit 1582. 

*) Seit der Entdeckung von Madeira 1450 sank der Zucker von 
Cypern, Alexandrien, Syrien, Damiette, Sicilien, Valencia und andern Theilen 
des mittelländischen Meeres sehr im Preise. Seit 1486 kamen jährlich 
5—6 Schiffe mit je 200—500 Fass von Zucker aus Madeira. Bis 1503 
scheinen aber in England die sicilischen Zuckerarten denen der Levante 
und von Madeira vorgezogen worden zu sein. (Brown, Cal. I. Pief. 
S. CXXXVI. fg. 

*) Vgl. auch die werthvollen Forschungen über die Gegenstände des 
Austausches zwischen Morgenland und Abendland bei Heyd, Geschichte 
des Levantehandels im Mittelalter IL S. 543 fg. 

*) Früher ging ein grosser Theil der englischen Wolle von den Nie- 
derlanden aus nach Italien. Seit die Italiener aber selbst nach England 
und Calais fuhren, nahm dieser Betrag immer mehr ab. 20. Nov. 1434 bis 
22. Dez. 1435 wurden 165 1 /*; 1436: 84: 1437: 158; 1438: 11; 1. Oct 1483 
bis 1. Oct 1485: 247 1 /,; 1. Oct. 1491 bis 1. Oct. 1495: 341; 1. Oct. 1495 
bis 1. Oct. 1497: 7207*; 1. Oct. 1503 bis 24. Dez. 1507: 252 „poken u , 
von denen 2— 2 1 /* einen Sack ausmachten, über Brabant „zu Wasser und 
zu Land" nach der Lombardei gebracht. (Brüsseler Staatsarchiv. Chambre 
desComptes No. 23249); vgl. auch Hernie, Histoire du regne de Charles 
Quint. Bd. 5. S. 272. No. 2. 

*) Ueber die hohe Wertschätzung englischen Leders 1545 in Venedig 
vgl. Brown, Cal. V 358. 

6 ) Die verschiedenen englischen Tuchsorten, die nach Venedig gingen, 
sind erwähnt bei Brown, Cal. I. S. CXL fg. Dieselben waren meist zum 
Verschleis8 im Orient bestimmt. Seit 1444 und noch früher suchte man 
Venedig zum Stapelplatz dieser Tücher zu machen; die venetianischen 



— 129 — 

Die Gesammtgrösse des venetianischen Imports und Ex- 
ports nach und von England ist unbekannt. Hinsichtlich des 
Malvasierweins, der Wolle und des Zinns geben unsere Zoll- 
register einigen Anhalt, auf die ich verweise. Für die Zeit 
Heinrichs VIII. darf als wahrscheinlich gelten, dass der vene- 
tianische Export den venetianischen Import überwog 1 ). Im 
Uebrigen mag die Bedeutung des venetianischen Handels für 
England genugsam daraus erhellen, dass das Frachtgeld der 
venetianischen Galeeren für die von England nach Venedig 
1505 gebrachten Waaren allein 17 000 Ducaten betrug 2 ), und 
dass Southampton, seitdem die venetianischen Staatsflotillen 
ausblieben und statt ihrer die vereinzelten Kaufleute nach 
England und meist nach London kamen , vollständig verarmte 
und Hilfe beim Parlament suchen musste 3 ). 

Mögeu die Italiener auch in Folge ihrer grösseren Ge- 
wandtheit und mit ihrem weiten Gewissen die grösseren Ge- 
winner gewesen sein, mögen in Folge der starken italienischen 
Concurrenz die englischen Gewerbsleute auch noch so viel ge- 
jammert haben, alles zusammengenommen war der venetianische 
Handel für das England des 15. Jahrhunderts in cultureller 
und materieller Beziehung ein grosser Segen. Ich halte die 
Beurtheilung des venetianischen Handels durch den Verfasser 
des Büchleins der englischen Staatsklugheit zum grössern 
Theil für einseitig und für einen Ausfluss der ihn umgebenden 
damals sehr erregten Londoner Stimmung und der im Mittel- 
alter herrschenden engherzigen Anschauung vom Luxus *). 

Schiffe, die Tücher dieser Art nach Venedig brachten, durften dieselben 
exportiren, ohne den Zoll von 1% zahlen zu müssen. Brown, Cal. L 271. 
In einem venetianischen Senatsbeschluss worden die englischen Kersies 
geradezu „die Grundlage des Welthandels" genannt Brown, Cal. IV. 1050. 
8. Juli 1,514. 

*) Vgl. Brown, Cal. II. 1042 und unten die Verhandlungen im Jahre 
1518 und 1580. 

*) Giustinian, Four years at the court of Henry the Eighth. Dis- 
patches transl. by R. Brown II. S. 46. 

») 22 Hen. vni. c.20, ferner Urk. Beil. 176 und 176a. Vgl. unsere 
Zollregister, welche den Verfall des Southamptoner Hafens und die Jahre, 
in denen die Flotillen kamen, deutlich markiren Uebrigens war auch die 
Schiffiahrtsacte schädlich für Southampton. Seit deren Erläse konnten die 
Genuesen keinen Waid mehr nach Southampton bringen; die englischen 
Kaufleute aber stapelten den ihrigen in London. 
4 ) Die Stelle heisst: 

Die von Venedig und Florenz verkehren 
Mit uns auf den gewaltigen Galeren. 
Sie bringen Luxuswaaren, Specerein, 
Gewürze aller Art und süssen Wein, 
Meerkatzen, Fratzen, Tand für Laffen, Affen 
Und Kinkerlitzchen, die nicht Nutzen schaffen, 
Dinge womit die Augen sie verblenden 
Und die nicht werth sind Geld daran zu wenden. 

Schani, Engl. Handelspolitik. I. 9 



— 130 - 



Heinrich VIL (1485-1509.) 

In der vorangeschickten Einleitung bemerkten wir, wie 
eine Wendung in der englisch -venetianischen Handelspolitik 
unter dem Hause York eintrat, die sehr verhängnissvoll für 
die venetianischen Kaufleute zu werden schien. Die einheimi- 
schen Wünsche und Stimmen waren zu Wort gelangt 

Wohl mochten die Venetianer gejubelt haben, als 
Richard III. vom Thron gestürzt ward, wohl mochten sie hoffen, 
dass der neue Thronbesitzer auch die Gesetze des Usurpators 
für null und nichtig erklären würde; aber es zeigte sich bald, 
wie sehr man sich da getauscht; man wurde in Kurzem gewahr, 
dass auch Heinrich VH. ein Bürgerkönig war und sein wollte. 
Allerdings konnten die Venetianer Heinrich VII. zu einigen Con- 
cessionen bewegen, er Hess das Richard'sche Wollstatut auf- 
heben und die Suspension der in der rigorosen Acte 1 Rieh. III. 
c. 9 enthaltenen Strafen aussprechen x ) ; allein schon die letzte 
Gabe war von sehr zweifelhaftem Werth; die materiellen Be- 



Das meiste von dem Zeug geht bald dahin, 
Ist sehr entbehrlich und bringt nie Gewinn. 
An Mitteln aber gegen Körperschwächen 
Wird's auch datier in England nicht gebrechen. 
Es thut nicht noth, noch Fremdes zu erkunden; 
Rath und Erfahrung haben schon gefunden, 
Wie man recht abführt alle bösen Säfte. 
Dazu genügen unsrer Heilkunst Kräfte. 
Und wir bedürfen nicht Scammonium, 
Turbit, Euphorbium, Agrimonium, 
Rhabarber, Senna; nützlich ist das Alles, 
Doch kenn' ich Kräuter hier, die jeden Falles 
Gleich nützlich sind und die bei uns gedeihn; 
Mag Keiner mir deswegen böse sein. 
Man braucht nicht, um Krankheiten zu vertreiben, 
Sich über's Meer her Kräuter zu verschreiben. 
Nehmt Eins ihr aus, so dürfte dies allein 
(Verlasst euch auf mein Wort) der Zucker sein. 

So führt dies Volk für Leckerei'n und Tand 

Uns unsre besten Waaren aus dem Land, 

Die wir am schwersten missen, wie vorhin 

Ich auch schon sagte: Wolle, Tuch und Zinn. 

Denn jedes andre Land wird von den drei'n 

Etwas zu kaufen stets benöthigt sein. 

Hertzbergs Uebersetzung S. 78 fg. 
Vers 844—379. Aus den folgenden Versen geht hervor, dass der Verfasser 
hauptsächlich die Geldgeschäfte der Venetianer und Florentiner verab- 
scheut, und dass er das Fremdenrecht gegen sie angewendet wissen will. 
Ferner ist ersichtlich, dass er eine Einschränkung der Italiener auch mit 
Bezug auf die einheimische Schiffahrt wünscht 

') 1 Hen. VII. c 10. 1585. Aus den Rot Pari. VI. S.289 geht her- 
vor, dass die Venetianer die vollständige Zurücknahme der Acte gar nicht 
zu verlangen wagten. 



— 131 - 

Stimmungen der erwähnten Acte wurden keineswegs ausser 
Kraft gesetzt, die Venetianer machten sich bei jeder Zuwider- 
handlung eines Rechtsbruchs schuldig, und es blieb ausdrück- 
lich dem Könige vorbehalten, die genannten Strafen verhängen 
zu lassen oder nicht. Sie waren ganz der Willkür Heinrichs VII. 
überliefert. Noch mehr aber, trat zu Tage, dass der Tudor 
ihnen nicht zu Willen sein wolle, als er durch Gesetz den 
grossen Gewinnen der in England ansässigen Italiener vor- 
beugte und alle Fremden, die das englische Bürgerrecht 
hatten, zwang, die Zölle der Fremden zu zahlen 1 ), ferner 
durch eine Schifffahrtsacte den Venetianern unmöglich machte, 
auf dem Hinwege Waid und französische Weine für England 
mitzunehmen, und endlich den Import der verarbeiteten Seide 
und den Export der Wolle erschwerte *). 

Als die Signorie die feste Ueberzeugung gewonnen, dass 
der neue Herrscher die venetianischen Interessen nur so weit 
wahrnehmen werde, als sie seinem Lande selbst erspriesslich 
zu sein schienen, zögerte sie nicht länger, aus der passiven 
Politik herauszutreten. Noch stand Venedig im Glänze seiner 
Macht, und leicht bot sich ihm ein Punct, an dem es eine 
kräftige und ihm selbst erwünschte Repressalie ausüben zu 
können hoffte, das war die englische Schifffahrt im Mittelmeer. 
Der erste grosse handelspolitische Streit zwischen England und 
Venedig stand bevor. 

Den Anlass bot der sogenannte Malvasierwein. Die Vene- 
tianer waren seit 1208 im Besitz der Insel Malvasia (Monem- 
basia) und damit auch* des darauf wachsenden Weins. Der 
Name wurde aber mehr und mehr verallgemeinert und auch 
für das Gewächs von Cyprus, Morea, Spanien und der den 
Venetianern ebenfalls gehörenden Insel Candia gebraucht 3 ). 
Die Beliebtheit des Malvasiers in England im 15. Jahrhundert 
war für den venetianischen Handel von wesentlicher Bedeu- 
tung; denn er bot zu den leichten Gewürzen und Manufacten 
die nöthige Belastung der Schiffe. Von diesem Gesichtspunkt 
aus wurde auch der Weinhandel von den Venetianern nach 
England betrieben. Sie Hessen es an Zufuhr nicht fehlen, der 
von ihnen gestellte Preis war gering (50 sh. — 53 sh. 4d per 
Butte = Vi Tonne), sie massen reichlich zu (132—140 Gallonen 
und nur selten 126 auf eine Butte) und nahmen sogar */ 3 des 
Preises in Tuch anstatt in Münze 4 ). 

Das änderte sich gegen Ende .der 70 er Jahre. Die Nach- 
frage nach Malvasier wurde immer allgemeiner, die Rücksichts- 
losigkeit der Engländer aber immer grösser. Diese boten fort- 



') 1 Hen. Vn. c. 2. 

*) 1 Hen. VII. c 8, 9, 10. 

*) Vgl. die Parlamentsacte 23 Hen. VIH. c. 7. 

4 ) Nach dem Preamble der Acte 1 Eich. in. c. 18. 1483/84. 



— 132 — 

während schlechteres und betrügerisches Tuch l ) an, die Vene- 
tianer aber entschädigten sich durch Herabsetzung des 
Masses 2 ), dann durch Beschränkung der Einfuhr und dadurch 
bewirkte Hochhaltung des Preises, und zuletzt verweigerten 
sie auch die Annahme des Tuchs *). 

Die Engländer aber setzten bei Richard III. eine die 
Venetianer schmähende Acte durch, der zufolge die Butte ein 
für allemal 126 Gallonen enthalten sollte 4 ). Der künstlich 
hinaufgetriebene Weinpreis veranlasste die englischen Kauf- 
leute und Schifffahrer, selbst in grosser Zahl nach Candia zu 
kommen, und sie waren im Stande, die Venetianer zu unter- 
bieten. Der entgehende Gewinn, die ihnen zugefügte Schmach 
und die ganze Summe fortwährender Bedrückungen und Be- 
schränkungen ihres bisherigen Handels drängten die Signorie 
zum Eingreifen. 

Am 18. November 1488 wurde im venetianischen Senat 
folgender Beschluss gefasst: „Man muss dafür sorgen, dass 
alle fremden Schiffe und Barken, welche jedes Jahr nach Candia 
kommen, um Malvasier für den Westen zu laden, zum grossen 
Nachtheil der venetianischen Schiffe, nicht länger handeln, 
sondern jenen venetianischen Schiffen, welche die flandrische 
Expedition unternehmen, den Platz räumen; und da die ge- 
nannten Schiffe niedriges Frachtgeld nehmen, d. h. nur vier 
Ducaten per Butte, während die venetianischen Schiffe nicht 
unter sieben Ducaten laden können, so wird beschlossen, dass 
diejenigen, welche Weine in Candia einnehmen, um sie an Bord 
fremder Schiffe nach dem Westen zu bringen, vom 1. Man 
1489 an einen Zuschlagszoll von vier Ducaten per Butte zahlen 
sollen; diese Abgabe muss zur Befestigung Candias verwendet 
werden" 6 ). Gleichzeitig suchte man den Weintransport gross- 
artiger zu organisiren. Die bisherigen Schiffe wurden für den 
Weintransport zu klein erachtet, da keines 1000 Tonnen fasste. 



') Venedig war deshalb sehr darauf bedacht, dass englische and 
venetianische Tücher geschieden blieben. Als man englisches ungeschorenes 
Tuch einführte und erst in Venedig appretirte derart, dass es wie rene- 
tianisches Tuch aussah, wurde die Einfuhr solchen Tuchs ganz und gar 
verboten, damit der Ruf des venetianischen Tuches nicht leide. 17. Dez. 
1444. Brown, CaL I. 271. Allein damit wurde das Uebel nicht beseitigt. 
Die Engländer waren geschickt genug, die italienischen Tücher tauschend 
nachzumachen, namentlich die sog. panni garbi und florentinische Muster 
(1457. Brown, Cal. I. 346), und damit {ring das Betrügen erst recht an. 
Vgl. auch Giustinian, Four years at the court of Henry the Eighth. 
Dispatches transl. by Brown, London 1854. IL S. 46. Note 2; ferner 
Abschnitt II, Cap. 8 unserer Darstellung. 

*) Wenn man den Anschuldigungen der Weinschenker glauben darf, 
so setzten die Venetianer dass Mass der Butte auf 108 Gallonen herab. 

3 ) Nicht ohne Einfluss war wohl hiebei die Rücksicht auf das den 
venet. Tuchhandel hemmende Gesetz 4. Edw. IV. c. 1. 

*) 1 Rieh. in. c. 13. 

6 ) Brown, Cal. I. 544. 



— 188 — 

Man setzte eine Prämie für die Erbauer grösserer Schiffe aus 
und zwar für 1000 Tonnen Gehalt 3000 Ducaten *•). Endlich 
um den Kaufleuten die Concurrenz mit den Engländern noch 
mehr zu erleichtern, sollte fortan das Salzamt für jeden Bushel 
Ivjza'schen Salzes statt eines Ducaten vier geben. Da Iviza 
auf dem Rückweg von England berührt wurde, so galt die 
Prämie hauptsächlich den nach England handelnden Vene- 
tianern. So glaubte man „der Vorväter würdig dem Ruin der 
venetianischen Schifffahrt vorgebeugt zu haben" '). 

Die Massregel wurde englischerseits bitter empfunden. Es 
war altenglische Tradition, die Schifffahrt ins Mittelmeer zu be- 
fördern. In der angelsächsischen Zeit wurde demjenigen das 
Thanenrecht verliehen, der drei Fahrten dahin unternahm 3 ). Es 
fehlte auch in keinem der folgenden Jahrhundeile an einzelnen 
kühnen Kaufleuten, welche den Handel mit Italien betrieben. 
Im 13. Jahrhundert liess sich ein Theil der Thorne ganz in 
Italien unter dem Namen Spina nieder und wurde sehr von 
den Päpsten begüns^t 4 ). Die englische Handelscolonie in 
Accon während der Kreuzzüge wurde oben erwähnt 5 ). Ebenso 
machten wir bereits auf die kräftigen Versuche aufmerksam, 
welche die englischen Kauffahrer seit dem Beginn des 15. Jahr- 
hunderts entwickelten 6 ). Eduard IV. selbst betheiligte sich 
mit Kapital an diesem Handel seiner Unterthanen nach Italien 
und erwarb sich dadurch Vermögen 7 ). Diese lang fortgesetz- 
ten Versuche hatten auch Erfolg. Der englische Handel nach 
dem Mittelmeer hatte zur Zeit Richards HI. einen solchen 
Umfang angenommen, dass die Bestellung eines Consuls wün- 
schenswert!] erschien. Ein solcher wurde auch 1485 in der 
Person des Florentiners L. Strozzi mit dem Wohnsitze in Pisa 
ernannt 8 ). In dieser Weise war den englischen Kaufleuten 
ein Vereinigungs- und Stützpunkt gegeben. Schon knüpften 

') In Folge der Prämien wurde diese Bauart später übertrieben. 
Brown, Cal. LH. »0. 

*) Brown, Cal. I. 545. 

s ) Thorpe, Ancient laws and institutions of England. 1840. 8. 81; 
Schmid, Die Gesetze der Angelsachsen S. 389, 481. In der betreffenden 
Stelle ist blos vom Passiren des „mare magnum u die Rede, aber man pflegt 
dies in obigem Sinn zu deuten. 

*) Bourne, English Mercbants I. S. 158. 

«) S. 118. 

«) 8. 116 und S. 122. 

') Macpherson I. S. 196. 

") Rymer XII. S. 271. Es spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, 
dass Strozzi der erste englische Consul in den Mittelmeergebieten war. 
Völlige Sicherheit hiefür gewährt jedoch auch die Verleihungsurkunde nicht 
Der etwas täuschende Eingang : Quia nonnulli mercatores et alii subdrti 
btyus regni nostri Angliae habent intentionem Deo volonte partes exteras 
maxime ipsas Italiae cum suis propriis seu conductis navibus bonis et 
mercibus frequentare etc. war eine stehende Formel und ist auch den spä- 
teren VerleihungBurkunden gemeinsam; siehe die Ernennung von Spene 1486 
und die von Ben. u. Lor. Somucci 1494. Rymer XII. 8. 271, 553. 



— 134 — 

sich die schönsten Hoffnungen an die zahlreichen Wagnisse 
der englischen Geschäftsleute, als plötzlich die venetianischen 
Beschlüsse durch Entziehung der Schiffsbelastung den Erfolg 
in Frage stellten. 

Aber noch brauchte man nicht ganz zu verzagen. Ein 
kräftiger Monarch sass auf dem Thron, der fest entschlossen 
war, fremde Kaufleute gegen Gewalt zu schützen, wenn es 
sich nöthig erwies, aber niemals zustimmte, wenn man den 
englischen Handel einschränken wollte. Heinrich VH. liebte 
es nicht, in solchen Fällen Gewalt zu gebrauchen, suchte viel- 
mehr auf irgend eine Weise einen indirecten Druck zu üben. 
Als Vorbote seiner feindlichen Gesinnung erschien das Gesetz 
gegen das betrügerische Verpacken und Wiegen des Goldfadens 
von Seite der Italiener 1 ). Dann aber erwog er den Plan, dem 
Weinmonopol der Venetianer ein Monopol anderer Art, ein 
Wollmonopol entgegen zu stellen. Naturgemäss richtete sich 
der Blick hiebei auf Florenz. Keine !*todt schien geeigneter 
für die englischen Absichten. * 

Florenz war für den englischen Handel nach den Mittel- 
meerländern vorzüglich gelegen und im Besitz des Hafens von 
Pisa, zu dem England seit Errichtung des Consulatß die freund- 
lichsten Beziehungen unterhielt War ja sogar schon früher 
einmal von Pisa die Errichtung eines Wollstapels in Anregung 
gebracht worden. Dazu kam , dass es Florenz gelungen war, 
nicht nur in Constantinopel die Venetianer ziemlich bei Seite 
zu schieben, sondern auch die seit einigen Decennien be- 
gonnenen Handelsbeziehungen zu Aegvpten fester zu begründen. 
Es konnte also England in Bezug auf die Producte des Orients 
vollständig befriedigen und gleichzeitig die englischen Waaren 
im Orient verschleissen *). Das Wichtigste aber war, dass 
Florenz eine liberale Schifffahrtspolitik inaugurirt hatte. Als 
es eine Seemacht geworden, hatte es zwar anfangs die heimische 
Flotte in ganz ähnlicher Weise, wie Venedig und Genua be- 
günstigt und die Rhederei wie Frachtschififahrt von Staats- 
wegen förmlich monopolisirt 8 ). Die hiebei gemachten Er- 
fahrungen waren aber ungünstig. 1465 hob man die Navi- 
gationsacte auf und stellte die fremde Flagge der einheimi- 
schen gleich 4 ), 1480 wurde vom Staat sogar der Schiffbau 
freigegeben und auf die Aussendung der Staatsgaleeren ver- 
zichtet 5 ). Zum nicht geringsten Theil hatte gerade die Woll- 



■) 4 Hen. VII. c. 22; vgl. ferner 4 Hen. VII. c. 10, 11. 

*) Vgl. über die Beziehungen von Florenz zur Türkei und Aegypten, 
Heyd, Levantehandel IL S. 336 &., S. 477 fg. und 485 fe. 

^Pöhlmann, Die Wirtschaftspolitik der Florentiner Renaissance 
und das Princip der Verkehrsfreiheit. 1878. (Preisschriften der Fürstlich 
Jablonow&ki'schen Gesellschaft. Nr. 21.) S. 123 fg. 

*) a. a. 0. S. 129 u. 151. 

5 ) a. a. 0. S. 130. 



— 135 — 

beschaffung zu diesem Schritt gedrängt. Die letztere soviel 
wie möglich zu erleichtern, war mit Bücksicht auf die hoch- 
entwickelte Tuchindustrie und auf das neuerungssttchtige Pro- 
letariat dringend geboten. Die florentinischen wie englischen 
Interessen trafen bei diesem Projecte zusammen. Jedenfalls 
durfte Heinrich VII. nirgends grösseres Entgegenkommen er- 
warten als hier. Konnte der Plan ausgeführt werden, so war 
der venetianische Handel nach England geknickt, der der 
Engländer ins Mittelmeer dagegen fest begründet. 

Der Schrecken der Venetianer beim Lautbarwerden der 
englischen Pläne war kein geringer, wie ein Brief der Signorie 
an den venetianischen Gonsul in London ersehen lässt. Ihre 
Direktive lautete dahin, dass er auch das Aeusserste nicht 
scheuen dürfe, um die Ausführung des Projects zu verhindern ; 
aber er möge ja äusserlich keine Aengstlichkeit verrathen, 
sondern den Engländern mit völliger Buhe und einer gewissen 
Gleichgültigkeit die ganze Sache als eine unkluge Geschichte 
darstellen; er solle als seine Ansicht äussern, dass die Vene- 
tianer ihren Wollbedarf aus den venetianischen Provinzen und 
andern Plätzen mit Leichtigkeit decken könnten, man werde 
vermuthlich den Venetianern verbieten, von Pisa Wolle oder 
sonst etwas zu holen, und die Pisaner und Florentiner möchten 
dann zusehen, wie sie ihre Tücher an den Mann brächten. 
Das Ganze werde für England schädlich ausgehen >). In dem 
gleichzeitig an den König gerichteten Brief schlugen sie vor- 
sichtiger Weise vorerst einen bittlichen Ton an ; denn nur zu 
gross war die Gefahr, dass man durch Androhung von Gegen- 
massregeln die Brücke hinter sich sofort abbrechen könne. 
Dem König sollte der Rücktritt von dem Project erleichtert 
werden, er brauchte nur den Bitten der Venetianer gegenüber 
gnädig sich zu zeigen. Von dieser Rücksicht geleitet, konnten 
die Venetianer auch nur schwache Argumente geltend 
machen. Sie wiesen darauf hin, dass sie und die übrigen 
Fremden dann nicht mehr im Stande sein würden, nach Eng- 
land zu kommen; nehme man ihnen den Wollexport, so wür- 
den wegen des englischen Verbots des Geldexports auch die 
in reichlicher Menge von ihnen zugebrachten Gegenwerthe, als 
Specereien, Weine und sonstige italienische Waaren ausbleiben. 
Sodann hoben sie hervor, dass sie den König ganz und gar für 
unfähig hielten, die von den Vorfahren gewährten und von ihm 
selbst bestätigten Privilegien zu brechen und die nun schon 
so lange Zeit bestehenden Galeerenfahrten zu vernichten 2 ). 

Der König liess sich weder durch die Bitten der Signorie, 
noch durch die Gründe des Gesandten überzeugen, sondern 



') 11. März 1490. Brown, Gal. I. 561. 
*) 11. Mte 1490. Brown, Cal. L 562. 



— 136 — 

begann ernstlich mit Florenz zu unterhandeln. Das letztere 
schickte Thorn, Folchi de Portmaris, Christoph. Joan. und 
Anton, de Spinis nach England ab, während als Vertreter der 
englischen Regierung der Dr. der Rechte und geistliche Rath 
Johan. Baldsivell und der Alderman der Stadt London Radulpb 
Austriebe fungiren sollten. Bei der gegenseitig freundlichen 
Stimmung wurde rasch ein Einverständnis erzielt, und es kam 
ein Handelsvertrag zu Stande, der zu den denkwürdigsten 
Handelsverträgen der Regierung Heinrichs VH. gehört. Seine 
Bestimmungen x ) sind folgende : 

1. Die englischen Kaufleute können frei und ungehindert 
nach Florenz und dessen Territorien kommen und dahin 
alle Arten von Waaren, gleichviel, ob sie einheimischen 
oder fremden Ursprungs sind oder sogar aus feindlichem 
Lande stammen, bringen, auch daselbst mit Florentinern 
und Fremden handeln. Waaren, die bereits verboten 
sind, dürfen nicht zum Gegenstand des Handels gemacht, 
aber von den Engländern durch florentinisches Gebiet, 
wohin immer geführt werden. 

2. Die Florentiner versprechen, keine in England producirte 
Wolle zuzulassen, wenn sie nicht von englischen Schiffen 
importirt wird; die Engländer ihrerseits aber verpflichten 
sich, jedes Jahr nach Pisa soviel Wolle zu bringen, als 
die durchschnittliche Einfuhr für alle italienischen Staaten 
mit Ausnahme Venedigs bisher betrug. Ob Umstände 
die Einfuhr unmöglich machen, darüber steht die Ent- 
scheidung einzig und allein dem König von England zu. 

In Pisa sollen die Engländer alle Vorrechte und 
Freiheiten geniessen, welche die Pisaner und Florentiner 
jetzt und künftig besitzen. 

Wollen die Engländer in einem eigenen Gebäude zu- 
sammenwohnen, so sollen sie den von ihnen dazu auser- 
sehenen Boden frei zu Eigenthum erhalten. 
8. Die Engländer sind frei von allen persönlichen Diensten 
und Lasten, Abgaben und Zöllen, namentlich von jenen, 
welche man etwa des Handels wegen von ihnen verlangen 
könnte; auch dürfen diese nicht auf diejenigen, welche 
mit ihnen handeln, abgewälzt werden. Nicht befreit sind 
sie von der städtischen Accise für Lebensmittel, wenn solche 
nicht für die Schiffe gekauft werden, und von den florentini- 
<cheu Stadtrollen. Hinsichtlich der erstem sollen sie wie die 
in Pisa lebenden Studenten iscolares stadentes). ausserhalb 
Usa wie die einheimischen Bürger behandelt werden; 
hinsichtlich der letztern wird eine neue mit grosseren 

% rvr Y*itr*$ ist wu hv April 1490. Kraer XBL Sl 3S9. 



— 137 — 

Vollmachten ausgestattete Gommission erwägen, ob nicht 
eine Herabminderung für die Engländer eintreten könne. 

4. Den englischen Kaufleuten bleibt unbenommen, in Pisa 
eine Corporation zu bilden mit einem oder mehren Vor- 
ständen, denen ein Verordnungsrecht zusteht In diesem 
Falle wollen die Florentiner auf eigene Kosten ein Local 
zur Verfügung stellen, in welchem die Gesellschaft ihre 
Berathungen und Verhandlungen pflegen könne. 

5. In bürgerlichen Streitigkeiten und Geldprocessen, die 
unter den Engländern entstehen, ist der Vorstand der 
englischen Kaufleute der zuständige Richter, in Rechts- 
fällen, die einen Engländer und einen Nichtengländer 
betreffen, entscheiden die Stadtbehörde und der englische 
Consul gemeinsam, in Criminalsachen die Stadtbehörde 
allein. 

6. Die Florentiner wollen dahin streben, dass an allen Han- 
delsYortheilen, welche den Florentinern durch Abschluss 
eines Vertrags mit irgend einer Nation zufallen, die Eng- 
länder Theil nehmen dürfen. 

7. Die Wünsche der Engländer in Bezug auf neue Privi- 
legien, Freiheiten, und Vortheile innerhalb des florentini- 
schen Gebietes sollen möglichst berücksichtigt werden. 

8. Der König von England wird keinem Fremden gestatten, 
Wolle aus ^England in nichtenglisches Gebiet zu führen. 
Nur den Venetianem soll gestattet sein, 600 Sack Wolle 
nach Venedig zu bringen. Sollte die Lieferung der Wolle 
durch Engländer unmöglich sein, oder auch nur der König 
die Ausführ in der vorgeschriebenen Weise für seine Unter- 
thanen nicht zuträglich halten, so tritt der Zustand, der 
vor dem Vertrag war, wieder ein. 

9. Die nach Florenz gebrachte Wolle soll von guter Qualität, 
gut verpackt und gut gereinigt sein, auch sollen die 
Kaufleute zu einem billigen und annehmbaren Preis ver- 
kaufen, wie es eben dem Ergebniss der Jahre und den 
Zeitumständen entspricht 

Der Vertrag spricht so klar, und seine Bedeutung ist so 
leicht zu erkennen, dass ich nicht für nöthig halte, denselben 
noch näher zu erläutern; das einzige Zugeständniss, wonach 
die Florentiner sogar selbst auf den Wollimport zu Gunsten 
der Engländer verzichten, beweist genug für den Grundzug 
des Tractats. 

Merkwürdig ist die Vorsicht, mit der Heinrich VH, wie 
immer, so auch hier vorzugehen beliebte. Soviel war sicher, 
dass man einen Modus finden musste, der die Venetianer von 
offener Feindseligkeit abhielt. Mit der grossen ihnen zu Ge- 
bote stehenden Flotte konnten sie jedes ins Mittelmeer kom- 
mende englische Schiff aufbringen, ein Krieg Englands mit 



- 138 — 

Venedig war aber eine reine Unmöglichkeit. Heinrich VIL 
band sich deshalb in gar keiner Weise die Hände. Er schloss 
den Vertrag nur auf 6 Jahre, sicherte sich die Freiheit, selbst 
innerhalb dieser Zeit, wenn er nur will, vom Tractat zurück- 
zutreten, und hütete sich ängstlich, die Venetianer zu reizen, 
bedang vielmehr im Vertrag selbst, dass sie bei jeder Expe- 
dition 600 Säcke Wolle für den eigenen Consum exportiren 
dürften x ). Auf diese Weise dachte er, ihrer Opposition die 
Spitze vorweg abzubrechen und die venetianische Regierung 
zu versöhnen. Hatte nur der Plan erst einmal Leben gewon- 
nen, dann liess sich ja sehen, wie man weiter die Venetianer 
zu behandeln habe. Aber so leicht Hessen sich die venetiani- 
schen Diplomaten nicht von Heinrich VIL dupiren. Venedig 
wollte den ganzen englischen Wollimport im mittelländischen 
Meere beherrschen und war auch nicht gewillt, das milder 
aussehende Project zu Leben kommen zu lassen. 

Vorläufig aber enthielt die Signorie sich jeder Gewaltthat 
und versuchte noch immer mit Hilfe der Weine den Kampf 
zu führen. In einer wegen dieser Frage abgehaltenen Senats- 
sitzung vom 26. Mai 1490 kam man allseitig zu der Ueber- 
zeugung, dass vorerst das einfachste und beste Mittel sei, allen 
fremden Schiffen, welche englische Wolle nach Pisa brächten, 
die Rückfracht, namentlich den Wein zu entziehen. Zuerst 
wollte man durch Separatabkommen in jedem gegebenen Fall 
die Weinzufuhr verhindern. Als die venetianische Regierung 
erfuhr, dass ein gewisser Ser Piero Contarini einen Auftrag 
von 400 Butten Wein für Pisa übernommen, von wo aus er 
dann auf fremde (englische) Schiffe geladen werden sollte, so 
verboten sie ihm, seine Weine zu Livorno oder Pisa zu landen. 
Sie Hessen ihm die Wahl, ob er seine Weine den Galeeren 
übergeben oder nach Venedig bringen wolle, und versprachen 
zur Schadloshaltung ihm und Allen, die Weine von Candia 
nach Pisa liefern sollten, ein Geschenk von 1 Ducaten per 
Butte. Der von den Engländern zu erwartende Gewinn scheint 
aber grösser gewesen zu sein, als die Belohnung von Seite der 
venetianischen Regierung. Ser Piero Contarini war unpatrio- 
tisch genug, das Statut zu umgehen, und der Gonsul in London 
wurde deshalb beauftragt, ihm mitzutheilen, dass er Schiff und 
Ladung verwirkt habe 2 ). 

s ) In einem Senatsbeschluss vom Jahre 1513 wird erwähnt, dass der 
jährliche Verbrauch der venetianischen Manufacturen 4000 Ztr.« 1099 Säcke 
betrug. Brown, Cal. IL 236. Wenn nun davon auch ein guter Theil 
auf spanische und orientalische Wolle treffen mochte, so weisen doch die 
Zollregister darauf hin, dass bei einer Expedition beträchtlich mehr als 
600 Säcke von den Venetianern aus England ezportirt wurden. In den 
Jahren, in welchen wenigstens während der Regierungszeit Heinrichs VIII. 
die Galeeren in England erschienen, betrug die Ausfuhr mehr als das 
Doppelte. Vgl. Bd. II. Tab. IV. S. 76 fg. 

*) 26. Mai 1490. Brown, Cal. I. 569. 



1 



— 139 — 

Nach dieser üblen Erfahrung setzte man die Prämie noch 
höher. Am 17. August 1490 wurde beschlossen, jedem vene- 
tianischen Schiff, das nach dem Westen fahre, eine solche von 
2 Ducaten per Halbtonne zukommen zu lassen. Ging ein 
venetianisches Weinschiff bei der Fahrt zu Grunde, so ge- 
wählte man sogar meist eine Entschädigung 1 ). 

Damit waren den Engländern alle Zufuhren verstopft; 
direct konnten sie nicht von Gandia den Wein holen wegen 
des hohen Zolls für Fremde 2 ), die venetianischen Kaufleute 
fanden es unvortheilhaft, Wein nach Pisa zu bringen, da bei 
der Fahrt nach England die Weinprämie, die Salzprämie und 
jedenfalls noch am gestiegenen Weinpreise zu verdienen war, 
die venetianischen Galeeren handelten ohnehin nur nach dem 
Willen des Staates. Die englischen Schiffer und Kaufleute 
arbeiteten mit Verlust, Heinrich VII. sah, dass seine Hoffnung 
hinsichtlich der Nachgiebigkeit Venedigs sich nicht erfüllte und 
gab den Plan auf. Schon im Juli war er wankend geworden ; 
als der politische Agent des Herzogs Sforza von Mailand 
Benedetto Spinola ihn auszuforschen suchte, schwieg er sich 
aus 3 ), und am 27. Dezember konnte jener bereits schreiben: 
„Diese Engländer scheinen ihren Missgriff eingesehen zu haben; 
man sagt, der König wolle in diesem Unternehmen nicht weiter 
vorgehen" *). 

Wohl mochten die Venetianer glauben, dass der Kampf 
zu ihrem Gunsten endgültig entschieden sei. Das war aber 
ein Irrthum. Unmöglich konnte Heinrich VII. nach diesem 
kühnen Fluge sich für völlig besiegt erklären. Etwas musste 
geschehen; nicht blos um Englands Vortheil, sondern um Eng- 
lands Ehre und Achtung handelte es sich. Von nun an führte 
der König den Krieg gegen die Venetianer in England selbst 
und mit den nämlichen Waffen wie diese. Bevor er aber zum 
Angriff schritt^ schrieb er zwei Briefe an die Signorie und 
verlangte die sofortige Abstellung der neuen Weinzölle, widri- 
genfalls er Gegenmassregeln ergreifen werde 5 ). Als er sah, 
dass man nur leere Vorwände und Entschuldigungen brachte 6 ), 
aber keinen guten Willen zeigte, zögerte er nicht länger und 
Hess dem Parlamente eine Bill, tiberschrieben „An Act to paye 
Custome for every butt of Malmsey" vorlegen, welche auch die 



') Z. B. 1498. Brown, Cal. I. 766a. 

*) Nur sehr selten sah man von dem erhöhten Fremdenzoll ab; so 
z. B. 1500 bei Ca da Pesaro und Tiepoli von London, denen gestattet 
wurde, grössere Quantitäten von Wein zum gewöhnlichen Zoll auf fremde 
(jedoch nicht auf ragusanische) Schiffe in Candia zu laden. Brown, 
CaL I. 806. 

*) Brown, Cal. I. 572. 

4 ) Brown, Cal. I. 603. 

*) Febr. 1491. Brown, Cal. I. 606. 

6 ) Brown, Cal. L 609. 



— 140 — 

Zustimmung der beiden Häuser erlangte. In den Motiven 
zum Gesetz *) wird darauf hingewiesen, dass seit unvordenk- 
lichen Zeiten englische Schiffe die Küsten von Marokko 2 ) und 
die mittelländischen Häfen besucht hätten und dass man eng' 
tischen Schiffen nie verboten habe, Candierwein zu laden, 
bis vor 2 Jahren die Venetianer ein Statut erlassen hätten, 
das ihnen, ihrer Herrschaft und Seemacht allein zum Vortheil. 
England aber zum Schaden gereiche. Mit Rücksicht darauf 
werde Folgendes gesetzlich bestimmt: 

1) Jede Butte muss wenigstens 126 Gallonen enthalten; 
bei geringerem Gehalt tritt ein entsprechender Preisabzug ein; 
2} der Preis per Butte darf 4 £ nicht übersteigen; 3) jeder 
fremde Kaufmann, der Malvasier einfühlt, muss 18 sh 
(= 4 Ducaten) Zuschlagszoll zahlen, und 4) dies dauert so 
lange, bis die Venetianer ihren neuen Exportzoll von 4 Du- 
ralen zurückgenommen haben werden. 

Die Nachricht von dieser Parlamentsnote rief eine grosse 
CoüBternation in Venedig hervor. So rasch hatte man nicht 
ein Vorgehen der Engländer erwartet, am allerwenigsten in 
dieser Form; der venetianische Weinhandel konnte keinen Ge- 
winn mehr abwerfen, nicht blos wegen des Zolls, sondern auch 
wegen der niedrigen Preisgrenze; denn schon zu Richards IE 
Zi'it war der Preis 5 ig 7 6 sh. 8 d und war unterdessen noch 
mehr gestiegen und bewegte sich zwischen 6—9 £*). Sofort 
setzten sie alle Hebel in Bewegung, um diesen Schlag abzu- 
wenden. Der Consul erhielt Befehl, mit allen Mitteln die Ab- 
schaffung dieses die Kaufleute ruinirenden Zolles zu versuchen. 
Gelinge das binnen 20 Tage nicht, so sollten die Schiffe nach 
Zeeland gehen und da den Wein verkaufen. Die Kaufleute 
müssten sich weigern, dem Gesetz gemäss zu handeln; im 
schlimmsten Fall solle man ein Compromiss versuchen, bei 
dem aber höchstens 40 oder 50 Butten geopfert werden dürf- 
ten ; der Rest müsse ganz so wie früher verkauft wenden 4 ). 

Dass man eine Parlamentsacte nur ohne Weiteres wieder 
aufhebe, war freilich eine etwas naive Anschauung. Die Be- 
mühungen der Venetianer fruchteten zunächst gar nichts. Der 
nach England geschickte Gesandte Andreas Trevisan konnte 
die persönliche Zuneigung des Monarchen gewinnen, auch den 



») 7 Hen. VII. c. 7. (17. Oct. 1491.) 

*) Dass Marokko besonders hervorgehoben wurde, scheint darin seinen 
Grund zu haben, dass gerade damals die Engländer einen regen Handel 
nach Marokko unterhielten. So behauptet wenigstens den Aufschwang 
dieses Verkehrs Anderson, der sich auf Ludewig Roberts, Charte des 
Hundeis, stützt. Sieh Anderson, Annalen unter dem Jahre 1492. 

) Vgl. 1 Rieh. III. c. 13 und Brown, Cal. I. 798 auch Bd. IL S. 84 
»in- rer Darstellung. 

*) 14. Dezember 1492. Brown, Cal. L 627. 



— 141 — 

Ritterschlag von Heinrich VII. empfangen, aber nicht die völlige 
Aufhebung der Acte erwirken *). Wohl hatte der König Trevisan 
zuletzt versprochen, die Auflage von 4 Ducaten wieder auf den 
früheren einen herabzusetzen *), wofern die Venetianer nur zur 
Zurücknahme des später auferlegten Exportzolles sich verstehen 
wollten; als aber am 1. Juli 1499 die venetianische Regierung 
sich bereit erklärte, die gestellte Bedingung einzugehen, hielt 
er doch nicht ganz, was er zugesagt. Er liess nur eine be- 
deutende Ermässigung der Zuschlagstaxe, nämlich von 18 sh 
auf 6 sh 8 d eintreten; diese Zollminderung war aber nicht 
durch Gesetz, sondern nur durch Licenz gewährt. Der König 
behielt sich also vor, die Erhöhung zu jeder Zeit wieder vor- 
zunehmen 3 ). 

Mit dieser Concession war den Venetianern nicht gedient 
Da der normale Fremdenzoll für Malvasier schon das Doppelte 
von dem, den die Engländer zahlten, betrug 4 ), so hatten diese 
im Ganzen einen Vorsprung von 8 sh 2 d per Halbtonne, und 
den Venetianern war es sicher schwer, hier erfolgreich zu con- 
curriren. Sie baten und flehten, der König war unerbittlich 6 ). 
Er war gerne bereit, sie von Parlamentsacten zu entbinden 6 ), 
welche sehr drückend für die Venetianer hätten sein können, 
und zu deren Anwendung er vollkommen berechtigt gewesen 
wäre, war aber unerschütterlich in diesem Fall, wo doch der 
Wortlaut des Gesetzes gegen ihn sprach 7 ). Venedig drohte, 



*) Brown, Cal. I. 764. Zu Gunsten de9 Schiffes Pandora, das der 
Firma Pisani gehörte und bereits nach Candia abgegangen war, gewährte 
der König einen Nachlass von 1000 Ducaten. Brown, Cal. I. 765. 

*) Der Ausdruck, dessen sich Trevisan bedient, ist ungenau; gemeint 
ist wohl die Wiederherstellung des früheren Zolls von 6 sh per Tonne, be- 
äehungsw. von 3 sh per Halbtonne. 

*) Urk. Beil 78. 

*) Die englischen Kaufleute zahlten per Tonne süssen Weins 3 sh, 
die fremden 6 sh. Bd. II. S. 6. 

*) Der König antwortete meist, seine Unterthanen hätten keine Lust 
mehr, die Fahrten nach Candia zu machen, er könne und wolle nicht die 
Abgabe aufheben. Während früher der Preis 8 £ 18 sh per Butte ge- 
wesen, sei er jetzt 6 £ 8 sh (Brown, Cal. I. 798). Brown glaubt des- 
halb, dass, nachdem die Venetianer ihren neuen Exportzoll von 4 Ducaten 
aufgehoben, der König eine hinreichend grosse Zufuhr von Malvasier als 
möglich erachtet habe, ohne dass der Preis zu hoch gehalten oder seine 
rnterthanen gezwungen würden, zu den schädlichen Spirituosen zu greifen. 
'*eb. Giustinian, Four years at the court of Henry theEighth. 11. S. 46 
Note 2). Danach wäre also der finanzielle Gewinn für Heinrich VII. aus- 
schlaggebend gewesen, eine Ansicht, die ich nicht theile; vgl. später. 

6 ) So gestattete er ihnen, Zolleinträge auch unter fremdem Namen zu 
machen (vgL 3 Hen. VII. c. 7) und Wolle zu jeder Jahreszeit zu kaufen 
<TgL 4 Hen. VII. c. 11), gewährte für letztere sowie für Zinn fast regel- 
mässig sogar einen Zollerlass. Copien von diesen Gewährungen sind er- 
halten im Br. M. Sloane Mscrs. 4617 Nr. 97 anno 1491; Nr. 133 anno 
U93; Nr. 185 anno 1497; ebenda 4618 Nr. 17 anno 1499; Nr. 71 anno 
1505. 

7 ) Vgl. Bestimmung 4 des oben angeführten Gesetzes. 



— 142 - 

falls Heinrich VII. länger sich weigere, dem Gesetze Geltung 
zu verschaffen, in Candia ein Weinstapel errichten zu wollen l l 
Auch diese Drohung verhallte wirkungslos. 

Der Grund dieses unüberwindlichen Widerstandes ist sicher 
nicht sowohl in dem Zollgewinn, der kaum 300 £ überstiegt 
zu suchen 3 ), als vielmehr in der Absicht, die einheimische 
Schiffahrt zu befördern. Er zwang deshalb die Venetianer so- 
gar noch zu einer weiteren Concession. Als die Gültigkeits- 
dauer des venetianischen Grundbriefs ablief, der nicht nur 
einen allgemeinen Pardon für alle in der Vergangenheit be- 
gangenen Gesetzesverletzungen, sondern auch das wichtige 
Recht enthielt, kraft dessen die Venetianer in England mit 
Allen, Fremden wie Einheimischen direct und ohne Vermitte- 
lung der städtischen Bürger handeln durften, verlängerte er 
dies Patent nur unter der Bedingung auf weitere 10 Jahre, 
dass die Venetianer sich verpflichteten, keine Waaren aus dem 
Gebiete des Erzherzogs von Oesterreich, d. h. aus den Nieder- 
landen nach England zu bringen, sie mussten vielmehr diesen 
Import ganz den Merchant adventurers überlassen 4 ). 

Heinrich VII. starb, und die Parlamentsacte war noch 
immer nicht beseitigt. Ob die Venetianer den Exportzoll von 
4 Ducaten wieder einführten, ist eine offene Frage 6 ). Die- 
selben gingen, soviel ist sicher, geschlagen aus dem commer- 
ciellen Kampfe hervor. 

Heinrichs VII. Politik erweist sich ihrer Tendenz nach 
vollständig als eine Fortsetzung der von Richard III. begrün- 
deten. Weiser im Plane, milder in der Ausführung, verfolgte 
sie ganz beharrlich die Wegdrängung der Venetianer vom 
englischen Handel zu Gunsten der, englischen Kaufleute und 
Schifffahrer. 

Heinrich YUL (1509-47). 

1. Periode (1509 — 30). 

Zwei Momente geben den commerciellen Beziehungen 
zwischen Venedig und England in der Zeit Heinrichs VID. 



*) 19. März 1503. Brown, Cal. I. 832. 

*) Diese Schätzung ergibt sich auf Grund unserer Zollregister ans der 
Zeit Heinrichs VIII.; dabei ist aber nicht berücksichtigt die grössere Ein- 
nahme an Zoll iür sonstige Waaren, wenn die Venetianer in der Betheili- 
gung an der Einfahr nicht beschränkt worden wären. 

*) Das geht auch daraus hervor, dass Heinrich VII. bei Wolle sogar 
Ermässigungen gewährte. 

*) Rymer XIII. S. 161. De pardonatione pro mercatoribus Vene- 
tiarum 24. März 1507. Art. 14. Es spricht wenigstens alle Vermutkung 
dafür, dass erst unter Heinrich Vü. die Venetianer diesen Artikel eingehen 
mussten. Vgl. Rymer XII. S. 255. 

s) Für die Wiedereinführung spricht Brown, CaL H. 524. 



— 143 - 

den Hintergrund: die verwickelte politische Lage Venedigs im 
Anfang des 16. Jahrhunderts und die grossartige Revolution 
im commerciellen Verkehr in Folge der Entdeckungen. Das 
erste Moment wiegt vor bis zum Jahre 1580 und begrenzt die 
Epoche, in welcher Wolsey der leitende englische Staatsmann 
war. Das zweite Moment beginnt zwar schon in der ersten 
Periode eine merkliche Wirkung zu zeigen, übt aber seine 
entscheidenden Schläge für den venetianischen Handel nach 
England erst in der Cromweirschen und der folgenden Periode 
aus. Der Grundton der commerciellen Politik Englands gegen- 
über Venedig war aber ganz der nämliche, wie ihn der erste 
Tudor angeschlagen hatte, wenn auch die Färbung nach den 
jeweiligen Zeitumständen sich etwas verschieden gestaltete. 

Als Heinrich VIH. den Thron bestieg, stand der venetia- 
nische Freistaat am Rand des Untergangs durch den Bund 
von Cambrai, in welchem sich (1508) Kaiser Maximilian, Lud- 
wig XIL von Frankreich, Ferdinand der Katholische von Ara- 
gonien und Papst Julius II. zu einer Theilung des venetiani- 
schen Gebietes vereinigt hatten. In Folge dieser Situation 
musste der Handel nach England unterbrochen werden. Der 
Versuch, von den feindlichen Westmächten für die venetiani- 
schen Handelsschiffe Geleitsbriefe zu erwirken 1 ), schlug fehl, 
and auch die Bitten Heinrichs VIII. bei dem spanischen und 
französischen Hof fanden kein Gehör 2 ). Die glückliche Tren- 
nung des die Existenz Venedigs bedrohenden Bundes und das 
Zustandekommen der „Heiligen Liga" (1511) Hess hoffen, dass 
der Verkehr mit dem politischen Freunde, der nun England 
war, wieder aufgenommen werden könne. Aber auch diese 
Hoffnung erwies sich als trügerisch 8 ) ; bei allem guten Willen 
konnten die Venetianer doch nicht der allerwärt« auftauchenden 
Schwierigkeiten Herr werden. Als nun 1513 Venedig sich mit 
Frankreich aussöhnte, während England letzteres bekriegte, 
war wieder die Aufnahme der Expeditionen unmöglich gewor- 
den; die Republik hatte sich die ganze englische Nation ent- 
fremdet 4 ). Wohl machten die Venetianer seit den Erfolgen 
der englischen Waffen in Frankreich, namentlich seit der Er- 
oberung Therouannes und Tournays Versuche, um wieder die 
Gunst des englischen Königs zu erlangen 6 ). Aber ernstlich 

*) VgL die Bemühungen des venetianischen Gesandten Cornaro am 
spanischen Hof. Brown, Cal. IL 1338. 1334. 1335. 1341. 20. Febr. 1508 
- 31. Oct 1508. 

*) Brown. Cal. IL 52. 61. Bergenroth, Cal. IL 25. 27. Als 
Heinrich YIIL den Frieden mit Frankreich scheinbar erneuerte (1510), so 
wollte er in denselben auch eine Clausel aufgenommen wissen, wonach den 
Veneüanern der Handel nach England gestattet sein sollte. Brown, Cal. IL 
«6, 67 u. 70. 

*) Brown, Cal. IL 132 u. 179. 

4 ) Brown, Cal. IL 254. 

6 ) Vgl. auch Brown, Cal. IL 365. 524. 



— 144 - 

konnte Venedig doch erst daran denken, den früheren Flotten* 
verkehr zu organisiren, als der Vertrag von Noyon zwischen 
Frankreich und Spanien (13. Aug. 1516) geschlossen war, nach 
welchem Venedig in kurzer Zeit fast ganz wieder in den Be- 
sitz seines ehemaligen Ländergebietes gelängte. 

Seit acht Jahren waren die venetianischen Galeeren nicht 
mehr nach dem brittischen Eiland gekommen — eine unerhört 
lange Zeit, wenn man die Stetigkeit der Fahrten im 15. Jahr- 
hundert in Betracht zieht Viele der sonst in London sich 
aufhaltenden venetianischen Eaufleute hatten sich ganz nach 
Haus begeben 1 ). Dass eine so lange Unterbrechung deutliche 
Spuren ihrer Wirkung hinterlassen musste, wofern nur der 
Handel zwischen Venedig und England ein wirklich intensiver 
war, ist selbstverständlich. 

In der That fehlen solche nicht. In Venedig waren die 
Folgen ernstester Art, und es ward recht augenfällig, wie Ve- 
nedig Englands mehr benöthigt war, als umgekehrt England 
Venedigs*). Den Motiven eines Senatsbeschlusses zufolge leb- 
ten 30 000 Leute in Venedig von der Verarbeitung der Wolle, 
und bereits am 24. Juli 1511 waren nach einer veranstalteten 
Schätzung nur noch 562 Säcke Wolle vorhanden, selbst mit 
Einrechnung der zerfressenen, alten und verdorbenen. Bis 
zum 27. Februar 1512 verkaufte man 200 Säcke, und der 
schlechte Rest reichte kaum hin, die Leute noch 3 Monate zu 
beschäftigen. Es wurde ein Beschluss publicirt, dass vom 
27. Februar bis Ende October die Einfuhr der Wolle zu 
Wasser wie zu Lande, auf einheimischen wie fremden Schiffen 
bei Zahlung halber Fracht an das Arsenal gestattet sei, und 
dass die in fremden Schiffen gebrachten Güter auch in Venedig 
versichert werden könnten 8 ). Diese Verordnung wurde bald 
darauf bis Ende Februar 1513 verlängert und auch auf Tuch 
und Zinn ausgedehnt 4 ). Allein die Noth wurde nicht be- 
schworen 6 ). Im Frühjahr arbeiteten von 80 Fabriken nur 
noch 8, massenhaft waren die Auswanderungen, die allgemeine 



*) Brown, Cal. IL 63. 

*) Das zeigte sich schon theilweise unter Heinrich VII.; vgl. Brown, 
Cal. I. 503. 739. 818 (26. Nov. 1485; 9. Mai 1497; 13. März 1500). 
8 ) Brown, Cal. IL 146. 

4 ) Brown, Cal. IL 201. 31. October 1512. 

5 ) Am 23. April 1513 waren nur noch 50 Ballen Wolle vorhanden. 
Obwohl dieselbe äusserst geringer Qualität war, so war ihr Preis fast un- 
erschwinglich, und bei alledem nahm ihre Verarbeitung kaum 15—20 Tage 
in Anspruch. In den letzten 14 Monaten habe man, hiess es in einem 
Senatsbeschluss, nur 300—350 Ztr. (30 000-35000 weight?) etagefuhrt, wah- 
rend der jährliche Verbrauch der Manufacturen 4000 Ztr. (400000 weight ?) 
betrage. Brown, Cal. IL 236. Besonders schlimm war es, wenn man 
zugleich mit dem Kaiser verfeindet war, weil dann die englischen Waaren 
auch nicht auf dem Landweg nach Venedig gelangen konnten, a. a. 0. 11. 
229. 283. 



— 145 — 

Geschäftskrise eine schreckliche. Man gewährte noch grössere 
Erleichterungen, befreite namentlich die Importeure von der 
Entrichtung des halben Frachtbetrags und vom Zehnten und 
erneuerte diese Verordnungen so lange, bis man wieder Hoff- 
nung schöpfte, die flandrischen Galeeren absenden zu können 1 ). 
Wenig gefühlt wurde dagegen diese Stockung der venetia- 
nischen Flottillenfahrten in England. Eher war der Einfluss 
ein günstiger; für die englischen Kaufleute war ein mächtiger 
Sporn gegeben, jetzt wieder den Handel ins Mittelmeer kräftig 
zu betreiben *). Der Onkel des durch Gründung der Londoner 
Börse so berühmt gewordenen Thomas Gresham, nämlich 
William Gresham griff hier energisch ein 3 ), und Hakluyt, 
dessen Angaben auf Einsichtnahme der Kaufmannsbücher sich 
gründen und als zuverlässig gelten können, erzählt 4 ), dass 
seit 1511 fünf Londoner Schiffe und andere von Southampton 
und Bristol einen regelmässigen Verkehr nach Sicilien, Candia, 
Chios und zuweilen auch nach Tripolis und nach Beirut in 
Syrien unterhielten 5 ). Diese Angabe wird auch durch andere 
Thatsachen bestätigt. Wir lesen nicht nur wiederholt von der 
Wegnahme englischer Schiffe im Mittelmeer 6 ), sondern wir 
wissen auch, dass die Regierung, weil der englische Handel 



') Brown, Cal. IL 236. 358. 418. Die eine Verlängerung wurde am 
28. Not. 1513 beschlossen und sollte für 6 Monate gelten; die andere war 
am 3. Juni 1514 für Wolle auf unbestimmte Zeit, für Tuch und Zinn bis 
einen Monat nach der Auction der flandrischen Galeeren festgesetzt. Wie 
die Engländer aus diesen Beschlüssen Vortheil zogen, darüber vgl. Brown, 
Cal. II. 738. Dagegen wurde gleichzeitig der Zoll für die von den Deutschen 
zu Lande eingeführten englischen Kersies beträchtlich erhöht. Brown, 
Cal. IV. 1050. 

s ) Dass die übrigen Italiener und Fremden diese Lage sich ebenfalls 
zu Nutze machten, lässt sich denken. Vgl. Brown, Cal. II. 93. 629. 461. 
Dabei ist erwähnt, dass das eine Mal 7000 Stück gefärbte Kersies, das an- 
dere Mal für 300000 Ducaten Tuch aus London für Chios und Konstanti- 
nopel bestimmt waren. Manche Venetianer mietheten englische Schiffe. 
Brown, Cal. II. 216 u. 217. 18. u. 19. Dez. 1512 und 20. Jan. 1513. 

3 ) Burgon, Life and times of Sir Thom. Gresham I. S. 8 u. 12.; 
ausserdem betheiligten sich besonders John Alen, Hugo Clopton und Richard 
Fermour. Brewer, Cal. II. 738. 

*) Hak luvt, The principal navigations, voyages, traffiques and dis- 
coveries of the English Nation. London 1599—1600. Vol. II. S. 96. 

5 ) Hakluyt IL S. 96 erzählt, dass die englischen Kaufleute feine 
and gewöhnliche „kersies, white westerne dozens, cottons, certaine clothes 
called Statutes and others called cardinal whites, calue skins" (die in 
Sicilien verkauft wurden) führten; dafür brachten sie zurück „silks, chamlets, 
rubarbe, malmesies, muskadels and other wines, sweete oyles, cotten wo oll, 
torkie carpets, galles, pepper, cinamon and some other spices b ; sie handelten 
direct mit Juden und Türken etc. Sie benutzten nicht immer einheimische 
Schiffe, sondern auch „Candiots, Ragusans , Sicilians , Genouezes, Venetian 
galliasses, Spanish and Portug. ships". 

6 ) So wird im Mai 1515 ein englisches Schiff erwähnt, das mit 470 
Sacken Wolle (pokes of wool), 2400 Stück gefärbter Kersies, 500 Ztr. Zinn, 
vielem Blei, 500 Stück breiten Tuchs, 1000 Dutzend Kalbfellen im mittei- 
le h a n z , Engl. Handelspolitik. I. 10 



. ' — 146 — 

nach Chios sich damals sehr hob, ein Consulat dort errichtete 1 ) 
und die englischen Handelsinteressen daselbst kräftig wahr- 
nahm 2 ). An Gewürzen und Droguen konnte somit England 
keinen Mangel leiden. Das etwa Fehlende war leicht vom 
niederländischen Markte, wo die Portugiesen mit ihrem Gewürz- 
rek'hthum erschienen, zu erhalten. Die italienischen Manufacte 
erwarb man in Florenz, und dahin brachten auch wohl die 
Engländer die nicht unbeträchtliche Menge Wolle. 

Wie oben bereits erwähnt, machte Venedig gegen 1510 
ernstliche Anstrengungen, den alten englischen Markt wieder 
zurückzuerobern. Die hiezu nöthigen Verhandlungen mit der 
englischen Regierung sollte Sebastian Giustinian führen. In 
der That konnte man kaum die Sache in besseie Hände legen. 
Er war durch die Bekleidung der verschiedensten hochwichtigen 
FtiStetr reich an practischer Erfahrung, ein durch frühere Ge- 
sandtschaften gereifter Diplomat, geistig höchst begabt und 
durch und durch ein feiner Weltmann 3 ). Freilich waren die 
Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, sehr 
gross. Heinrich VIII. und Wolsey wünschten um jeden Prek 
Venedig von Frankreich zu trennen, wogegen dies eine zu- 
wartende Stellung bei der eigentümlich verwickelten Lage 4 ) 
tür lMtlilicher hielt, beziehungsweise ein Bündniss mit England 
ohne Veränderung seiner Stellung zu Frankreich wünschte. 
Auch in commercieller Hinsicht fand Giustinian keinen günstigen 
Boden vor. 

Kurze Zeit nach seinem Regierungsantritt hatte Hein- 
rich VIII. hinsichtlich der Weinzollaffaire sich ganz auf den 
Standpunkt seines Vaters gestellt. Durch Patent vom G. März 
1510 erklärte der König, dass die Fremden für die Halbtonne 
Malvflsier 6 sh 8 d Zuschlagszoll zu entrichten hätten : ). 
Ausserdem waren zu den früher erwähnten schädlichen Parla- 



Iiuidischen Meer sich befand und besonders für Malipieri grosse Kersey- 
Hefcrungen hatte. Drei andere englische Barken waren in Messina mit 
Wahren für Chios angekommen. Im Juni 1514 hört man von der Weg- 
niihtoe eines englischen Kauffahrteischiffes durch die Türken bei Livorno. 
lirown, Cal. II. 428. 029. Wegen der Kriege und provencalischen 
Corsnren war die Schiffahrt ins Mittelraeer sehr gefährlich. In London 
wollte man die Schiffe, die „westwärts" fuhren, schon 1512 (3. Aug.) nicht 
mehr gegen 10 °o versichern. Brown, Cal. II. 186. 

l i Sie ernannte zum Consul B. Justinian am 4. April 1513. RymerXIII. 
S. Ö- 

*\ So unterstützte Heinrich VIII. 1515 den Protest der Engländer, als 
die Genuesen, denen diese Insel gehörte, einen neuen Zoll einführten. 
Ryrn^r XIII. S. 493. 5*9. Brewer, Cal. IL 339. 340. 3289. 

| Einleitung von R. Brown zu Giustinian, Four years at the court 
of Henry the Eighth. 

J i Lanz, Actenstücke zur Geschichte Kaisers Karl V. Einleitung zum 
ersien Band. S. 196 fg. 

*i Urk. Beil. 78. 






— 147 — 

menteacten zwei weitere gekommen; ein Gesetz gegen den 
Kleiderluxus J ) verminderte sicher wenigstens für einige Jahre 
den Absatz von Sammt, Seide, Damast, gold- und silber- 
gewirkten Stoffen; ferner übte man wenig Rücksicht mehr ge- 
genüber den in London sich aufhaltenden Venetianern bei Er- 
hebung der Steuern, sondern zwang sie sogar, zu den Kriegs- 
steuern beizutragen *). 

Doch waren das Kleinigkeiten. Die Hauptsache war, den 
Verkehr nur einmal wieder in Gang zu bringen, dann aber 
die schädliche Zuschlagstaxe auf den Malvasierwein zu besei- 
tigen, und dahin lautete auch Giustinians Auftrag 3 ). 

Die Schwierigkeit für Aufnahme der Galeerenfahrten lag 
in der Feindschaft des Kaisers, beziehungsweise in der Gefahr, 
die den venetianischen Schiffen von dem mit dem Kaiser ver- 
wandten spanischen Hause drohte. Man musste also für einen 
guten Geleitsbrief sorgen, und Giustinian wünschte Wolseys 
Vermittelung und auch die Verbürgung des englischen Königs 
für Einhaltung des Geleitsbriefs zu erlangen. Je nach dem 
Stand der politischen Dinge war Wolseys Benehmen ver- 
schieden. Während er anfangs die Wiederkehr der Flottillen 
gewünscht und seine Beihilfe zugesagt 4 ), weigerte er sich doch 
bald der Uebernahme der Bürgschaft 5 ), und als Venedig an 
Frankreich festhielt und sogar Erfolge gegen den Kaiser er- 
zielte, drohte er den Venetianern die Vernichtung ihres ganzen 
Handels an] 6 ) und suspendirte sogar den Grundbrief derselben 7 ). 
Inzwischen hatten die Venetianer ohne Wolsey in Spanien er- 
langt, was sie wünschten 8 ), und die Absendung dreier Galeeren 
beschlossen (12. Febr. 1517) 9 ). Man erliess die Verfügungen 10 ), 
wie sie das ganze System verlangte, fand aber, als die definitive 
Absendung derFlotille in Vorschlag gebracht wurde, die Stimmung 
des Senats dem Plane abgeneigt, und nur der entschiedenen 



*) 1 Hen. VIIL c. 14. 

*) Man begründete es damit, dass sie das Land nützten und daselbst 
Geld gewännen, und deshalb auch zum Gedeihen und zur Ehre des König- 
reichs beitragen müssten. 26. April 1514. Brown, Cal. II. 397. Erwähnt 
sei, dass am jene Zeit auch dem Oberhaus eine „biüa concernens mercatores 
de Italia" zuging, ohne dass wir über deren nähern Inhalt Etwas wissen. 
iLordV Journals 6 Hen. Vm. 58° die Pari.). 

■) Brown, CaL IL 604. 605. 

*) Giustinian, Four years etc. I. S. 247. Brown, Cal. IL 744. 
6. Juli 1516. 

*) 3. Oct 1516. Brown, Cal. IL 781. 

6 ) Giustinian, a. a. 0. IL S.1S. Brown, Cal. IL 823. 7. Dez. 1516. 

*) Giustinian, a. a. 0. IL 4. 133. Brown, Cal. IL 807. 811. 
978. Das Patent wurde am 18. Nov. 1516 aufgehoben, 8. Oct. 1517 wieder 
ertheüt. 

>) Giustinian a. a.O. IL S. 40. Brown, Cal. II. 855. 9. März 1517. 

■) Brown, Cal. IL 843. 

ld ) Am 1. März 1517 wurde der Capitän gewählt u. s. w. Brown. 
CaL IL 841. 843. 1898. 

10* 



— 148 — 

Rede Marin Sanutos, der hauptsächlich von politischen Erwägun- 
gen sich leiten Hess, gelang es, die Senatoren umzustimmen 1 ). 

Unterdessen hatte Giustinian den Weisungen seiner Re- 
gierungen zufolge *) allen Eifer auf die Weinzollfrage verwen- 
det, damit doch diese Angelegenheit bis zur Ankunft der Ga- 
leeren geregelt sei. Aber die Erfahrungen, die der Gesandte 
hier machte, waren nicht besser. Wolsey, des ungesetzlichen 
Vorgangs sich wohl bewusst, ging jeder Entscheidung aus dem 
Wege. Giustinian hatte grosse Noth, nur eine Audienz 
für diese Sache zu erwirken 3 ). Als es ihm endlich geglückt 
war, dem Cardinal vorzutragen, wie der venetianische Handel 
nach England nicht schwunghaft betrieben werden könne, so- 
lange diese Zuschlagstaxe bestehe, und dass die Vortheile des 
erstem vorwiegend den Engländern zu Gute kämen 4 ), war 
Wolseys Antwort, dass man in dieser Sache erst die Kaufleute 
und Commoners hören müsse 6 ). Später wollte er die Angelegen- 
heit einem der eben errichteten vier Untergerichtshöfe 6 ) zur 
Berathung überweisen 7 ). 

Die zweite Audienz, welche am 31. März stattfand, lieferte 
kein besseres Resultat. Vermuthend, Wolsey möchte durch 
eine neue Behauptung zu überraschen suchen, hatte Giustinian 
den Lorenz Pasqualigo und D. Antonio Bavarino mitgenommen, 
um gegen alle Schachzüge gewappnet zu sein. In der That 
trat Wolsey mit einer unerwarteten Begründung des englischen 
Verfahrens auf; der Parlamentsbeschluss komme nämlich gar 
nicht mehr in Betracht und sei ganz werthlos; die Kaufleute 
hätten sich in der Folge gefügt, es sei ein Compromiss zwischen 
dem König und den Venetianern zu Stande gebracht worden, 
in Folge dessen die englische Regierung den Zoll von 4 Du- 
caten auf 1 Nobel herabgesetzt habe. Dieses freiwillig beider- 
seits eingegangene Compromiss sei einzig massgebend, und die 
venetianische Regierung selbst habe ihre Zustimmung dadurch 
gegeben, dass sie so viele Jahre hindurch Stillschweigen beob- 
achtet und keinen Einspruch erhoben habe. Der venetianische 
Gesandte liess diese Gründe nicht gelten; von einem Com- 
promiss sei nie die Rede gewesen; allerdings hätten zwei ein- 



') Brown, Cal. II. 899. Die Abneigung des Senats erklärt sich durch 
ilie zweifelhafte politische Situation und die Unsicherheit der Fahrt wegen 
Barbarossas Seeräubereien. 

*) Brown, Cal. II. 604. 842. 

3 ) Giustinian, Four years etc. IL S. 40. Brown, Cal. II. 855. 
R, März 1517. 

4 ) Vgl. Brown, Cal. II. 842. 14. Febr. 1517. 

T >) Giustinian a. a. 0. II. S.42. Brown, Cal. II. 859. 19. März 1517. 
6 ) Ueber diese sieh Browns Note bei Giustinian a. a. II. 

L " 7 ) Giustinian a. a. 0. II. S. 53 — 55. Brown, Cal. IL 866. 
• A März 1517. 



— 149 — 

zelne Kaufleute sich herbeigelassen, das zu zahlen, was der 
verstorbene König von ihnen erpresst, deswegen könne man 
aber noch nicht behaupten, die Gesetzesworte seien nichtig 
und aufgehoben. Was aber das Stillschweigen der venetiani- 
schen Regierung anlange, so erkläre sich dieses durch die 
Kriege, Unruhen und sonstige Leiden, die den Freistaat ge- 
troffen hätten, hinlänglich. Wolsey versprach, dass Giustinian 
in der Rathssitzung persönlich gehört werden solle 1 ). Aber 
der venetianische Gesandte gab die Hoffnung bereits auf, er 
gesteht offen ein, dass man bei diesem Manne gegen Strom 
und Wind segele. „Ich kann tt , schrieb er an seine Regierung, 
-durch Argumente überzeugen, aber ich bin machtlos, um 
durch Gewalt zu erzwingen" *), Der König ist der Einzige, 
auf den Giustinian noch sein Vertrauen setzt; sein freier, 
ritterlicher und aufrichtiger Sinn, meint er, würde sicher, falls 
es gelänge, ihm den Fall vorzutragen , dem Recht zur Geltung 
verhelfen 3 ). Wol6ey aber war geradezu unerschöpflich in 
Mitteln, um den venetianischen Gesandten hinzuhalten 4 ). Die 
Galeeren kamen, und die Sache war nicht um einen Zoll 
Breite vorgeschritten, sie fuhren ab, und es war noch ebenso. 
Giustinian selbst verliess England, und sein Wunsch, den er 
in der Verzweiflung ausgerufen: „Möge Gott gewähren, dass 
wir endlich das Ende dieser Ghicanerie bezeugen könnten" 5 ), 
war nicht in Erfüllung gegangen. 

Zum Theil lag der Misserfolg in den Schwierigkeiten und 
Misshelligkeiten, die immer neu auftauchten und Wolsey immer 
neue Waffen in die Hand gaben. Am 24. März 1517 erlosch 
der früher erwähnte Grundbrief, den Heinrich VII. den Vene- 
tianern verliehen, beziehungsweise neu bestätigt hatte. Ebenso 
mussten neue Licenzen erworben werden, damit man in der 
Woll- und Zinnausfuhr nicht behindert, auch in Betreff der 
Zölle etwas günstiger gestellt wurde. Beide Dinge waren 
wesentlich für den Erfolg der Fahrten und viel dringender 
noch als die Weinzölle. Der Cardinal verlangte nun für die 
Wiederbestätigung des ersteren d;e exorbitante Summe von 
300 £, wogegen die Venetianer nur die Gebühren und Stem- 
peln entrichten wollten 6 ). Er zeigte sich aber nachgiebig und 
händigte den Brief aus, nachdem Giustinian sich verbürgt, 
dass die Galeeren in 8 Monaten kommen würden 7 ). Offenbar 



*) Giustinian, Four years etc. II. S.53— 55. Brown. Cal. II. 866. 
31. März 1517. 

*) Giustinian a. a. 0. IL 8. 68—77. 

s ) Giustinian a. a. 0. II. S. 58—55. Brown, CaL II. 866. 

*) Brown, Cal. II. 908. 980. 934. 1009. 1010. 1022. 

*) Giustinian a.a.O. IL S. 199. Brown, Cal. IL 1042. 21. Juni 1518. 

°) Giustinian a. a. 0. IL S. 68—72. Brown, CaL II. 879. 
5. Mai 1517. 

*) Ohne diese Bürgschaft wollte er den Freibrief nicht um 5000 Du- 



— 150 — 

war es Wolsey darum zu thun, dass auch die Staatsschiffe 
den Weinzoll bald wenigstens practisch anerkannten »). Ebenso 
wurde die Woll- und Zinnlicenz ertheilt 2 ). 

Als endlich die Galeeren am 19. Mai 1518 in Southampton 
anlangten s ), war die Stimmung über dieses Ereigniss eine sehr 
getheüte. Sicher war die Freude über das Wiedererscheinen 
der venetianischen Flagge in den aristokratischen und land- 
besitzenden, Regierungs- und Hofkreisen eine aufrichtige. Der 
König liess es sich nicht nehmen,- durch einen äussern feier- 
lichen Act der Thatsache, dass die alte, von Eduard III. be- 
gründete Handelsfreundschaft wieder practisch geworden, einen 
freudigen und anerkennenden Ausdruck zu geben. Trotz des 
Gerüchtes, es herrsche die Pest auf den Schiffen, stieg er mit 
einem Gefolge von 300 Personen an deren Bord. Die Galeeren- 
mannschaft, schon vorher von der Intention des Königs be- 
nachrichtigt, hatte Alles aufgeboten, um den mächtigen Mo- 
narchen zu ehren. Mit verschiedenen Seiden- und Tapeten- 
sorten hatte man das Verdeck verziert. Vier Tischreihen 
waren mit allerhand feinen Zuckerwaaren besetzt. Schwamm- 
kuchen (sponge cakes) und sonstige Producte südländischer 
culinarischer Kunst liess man den König und sein Gefolge 
verkosten; die Glasgeftsse, die den Wein enthielten, ver- 
teilte man unter die Trinkenden; ein grossartiges venetia- 
nisches Kunststück, das von der Schiffsmannschaft zur See aus- 
geführt wurde und allgemeines Staunen bei den Engländern 
hervorrief, und ein glänzendes Feuerwerk am Abend krönten 
das Fest 4 ). 

Andere Gefühle beherrschten einen grossen Theil des 
Volkes. Der ernste Aufstand des Jahres 1517 gegen die 
Fremden in London war kaum beschwichtigt 5 ). Neun Jahre 
hatte jetzt England ohne die Galeeren bestanden, warum nicht 
auch in Zukunft? Wozu diese unbequemen, verschlagenen 
italienischen Händler, die den einheimischen Gewerbsleuten 
und Kaufleuten den Gewinn verdarben und den Reichthum 
aus dem Lande zogen? 6 ) Ist es recht , dass die Venetianer 



caten geben. Giustinian, Fouryearsetc.il. S. 106. 111. Brown, Cal.II. 
984 u. 941. 23. o. 31. Juli 1517. 

*) Wie sehr die englische Regierung die Ankunft der Galeeren 
wünschte, darüber vgl. auch Brown, Cal. II. 905. 

>) Brewer, CaL II. 3794. 12. Nov. 1517. 

B ) Brown, Cal. II. 1034. Ueben die Verzögerung der Ankunft der 
Galeeren und deswegen in Venedig getroffene Massregeln vgL Brown, 
Cal. IL 976. 

4 ) Giustinian a.a.O. IL S.195. Brown, Cal.II. 1041. 16. Juni 1518. 

*) Giustinian a. a. 0. II. S. 68 — 72. Brown, Cal. II. 879. 
5. Mai 1517. Sieh Näheres hierüber unten im Abschn. IL Cap. EU. 

•) Es ist bekannt, wie einzelne Beispiele vom Volk immer verall- 
gemeinert werden. Das Reichwerden verschiedener in England etablirter 
Kaufleute konnte allerdings dem blödesten Auge nicht entgehen. Auch 



— 151 — 

jetzt den Nutzen haben von dem Unglück, das die zahlreichen 
Schiffbrüche der letzten Zeit über die englischen Kauffahrer 
gebracht? 1 ). Ist es billig, dass diese Italiener alle gute Wolle 
exportiren und die einheimische Tuchindustrie schädigen? So 
etwa dachte man im Volke, und schon beim Empfang des 
Königs sah Giustinian sich genöthigt, die Gnade und Huld des 
Monarchen für die venetianischen Kaufleute zu erbitten 2 ). 

Die Venetianer hatten kaum begonnen, ihre Waaren zum 
Verkauf auszubieten, als man entdeckte, dass sie nicht, wie 
das Gesetz (1 Rieh. III. c. 11) vorschrieb, 10 Bogenstäbe für 
jede Halbtonne Malvasier mitgebracht hatten s ), und diese 
Gesetzesverletzung sofort bei den Gerichten und der Regierung 
denuncirte 4 ). Sei es, dass die Kaufleute wegen der grossen 
Verbreitung der Feuerwaffen glaubten, die englischen Statuten 
wegen der Bogenstäbe seien ausser Uebung gekommen 6 ), oder 
sei es, dass sie absichtlich wegen des aus dem Bogenholz- 
handel erwachsenden Schadens 6 ) den Import unterlassen hatten, 
formell waren sie im Unrecht. Gleichwohl gelang es hier der 
Geschicklichkeit Giustinians, das Unglück abzuwenden. In 
einer glücklichen Stunde, in der Wolsey besonders gut gelaunt 
und gegen Giustinian sehr zuvorkommend war, erwähnte der 
schlaue Venetianer die Angelegenheit in solcher Wendung, 
dass Wolsey die Versicherung gab, keine Hindernisse dulden 
zu wollen 7 ). 

Giustinian erwähnt in seinem Bericht, den er am 10. October 1519 an den 
Senat erstattete, dass mehre Venetianer wieLorenzo Pasqualigo, Nicolo Duodo 
and Andere sich grosse Vermögen erworben hätten, fugt aber auch bei, 
dass einer Bankerott machte. Brown, Cal. II. 1287. 

*) Giustinian schreibt am 10. Dez. 1517, dass die Venetianer in Folge 
der zahlreichen Schiffbrüche einen guten Markt zu erwarten hätten. Brown, 
Cal. II. 994. 

«) Brown, Cal. II. 1041. 16. Juni 1518. 

*) Wie streng die Zollbeamten dies Gesetz zn handhaben pflegten, 
zeigt die Acte 6 Hen. VIII. c. 11. 

4 ) Schon durch Acte 12 Edw. IV. c. 2 (1472) wurden die Venetianer 
gezwungen , für jede Tonne auf venetianischen Schiffen importirter Waaren 
4 gute Bogenstäbe mitzubringen bei Strafe von 6 sh 8 d. Da die Venetianer 
dennoch den Preis hochzuhalten vermochten, so erliess Richard III. auch 
noch das obige Gesetz und setzte die Strafe auf 18 sh 4 d fest. 

*) Dies war nicht der Fall -, die Masse der englischen Fusssoldaten und 
lindlichen Bevölkerung bediente sich noch immer des Bogens, und Hein- 
rich VIII. suchte diese Nationalwaffe zu erhalten; vgl. 33 H. VIII. c. 9. 

e ) Keinen Vortheil brachte der Import, seit Heinrich VIL (3. Hen. Vn. 
& 13) den Preis der langen Bogen auf 8 sh 4 d fixirte und damit auch dem 
Rohmaterial eine Preisgrenze setzte. 

*) Giustinian, Fouryears etc. IL S.183. Brown, Cal. II. 1028. 2. Mai 
1518. Brown (in der Uebersetzung der Giustinian' sehen Briefe a. a. 0.) 
wundert sich, dass Wolsey nicht die Gelegenheit benützte, die gesetzliche 
Strafe von 13 sh 4 d gegen die 18 sh Zuschlagstaxe vom Wein zu com- 
pensiren. Ganz abgesehen davon, dass es sich, wie wir wissen, nicht um 
18 sh, sondern nur 6 sh 8 d handelt, würde Wolsey doch ein schlechtes 
Geschäft gemacht haben, da der Zollbetras für Wein in der Summe be- 
deutend mehr ergab, als die Strafe für die Bogenstäbe. 



— 152 — 

Ernster nahm dagegen Wolsey eine andere Frage auf. 
Eines Tages theilte er dem venetianischen Gesandten mit, 
rtass er sich den ihm zugegangenen Berichten zufolge sehr in 
seinen Erwartungen getäuscht sehe; die Venetianer hätten nur 
eine Galeere zu Southampton ausgeladen, dagegen zwei nach 
Flandern geschickt 1 ). Ueberhaupt sei ein grosses Missverhält- 
uiss zwischen Import und Export beobachtet worden; früher 
habe ein kleiner Zuwachs zum Werth ihrer Importe genügt, 
uin die Kosten des Exports zu decken, diesmal aber betrage 
die Einfuhr nicht den sechsten Theil der heimwärts gerichteten 
Ladung, letztere müsse sonach mit andern als venetianischen 
Capitalien bezahlt werden, und das sei für den König schäd- 
lich 2 ). 

Giustinian war förmlich durch diese Anklage überrascht 
worden. Obwohl seine „Erfahrung in andern Dingen grösser 
als im Handel" war, so besass er doch diplomatische Gewandt- 
heit genug, um Wolsey s Argumente theil weise zu entkräften. 
Er bemerkte, dass der erste Punct blos von niedrigen und 
bösen Leuten suggerirt sein könne. Die Venetianer hätten 
vertragsmässig nur 1 Galeere in Southampton auszuladen. 
Die venetianischen Schiffe seien auch keineswegs so ärmlich 
befrachtet, als manche Verläumder verbreiten möchten. Das 
p lie schon daraus hervor, dass von Venedig beständig Wechsel 
nach London gezogen würden. Er fürchte, die Galeeren wür- 
den gar nicht hinlänglich Fracht finden, denn verschiedene Kauf- 
leute, die sonst diesen Markt besuchten, seien über den Con- 
rinent gereist und dadurch den Galeeren zuvorgekommen. Das 
.sei allerdings richtig, so reich beladen wie früher könnten die 
venetianischen Schiffe nicht mehr in den englischen Gewässern 
erscheinen; einmal seien die Gewürze nicht mehr zu dem 
früheren Preise verkäuflich, sodann sei zu bedenken, dass seit 
dem letzten Hiersein der Galeeren neun Jahre verflossen 
und die Kaufleute naturgemäss im Ungewissen gewesen 
seien, was ihnen Vortheil bringe. Jetzt, nachdem sie die Be- 
dürfnisse des Marktes kennen gelernt, würden die Galeeren 
bald ein anderes Bild gewähren. 

a ) Vgl. auch die dem Capitan Priuli gegebene Commission (Brown, 
C*L II. 841. S. 864), in der bestimmt ist, dass 2 Galeeren von Southampton 
zurück nach Helvoetsluys oder Antwerpen zu kommen haben. 

% ) Giustinian, Four years etc. IL Ö. 196 fg. Brown, CaL IL 1042. 
21. Juni 1518. Diese Schlussfolgerung ist wohl danin zu verstehen, dass die 
W-nctianer für den Ueberschuss der Ausfuhr über die Einfuhr Wechsel 
auf niederländische Plätze an die Merchants adventurers oder an die 
Nitnsen verkauften. Da beide hinsichtlich der Zölle gegenüber den 
Yenetianern im Vortheil waren, so ergab sich eine Zollminderung, wenn 
'U ose für die Wechselbetrage Waaren aus den Niederlanden oder den 
Hansegebieten importirten, anstatt dass die Venetianer venetianische Waaren 
einführten. Aus den folgenden Verhandlungen darf man aber schliessen, 
dass Wolsey im Interesse der Weber auch den Wollexport unter dieser 
Maske beschrankt wissen wollte. 



— 153 — 

Wolsey liess sich aber durch diese Argumentation nicht 
von dem geäusserten Entschluss abbringen, die Grösse und 
Beschaffenheit der Export waaren prüfen zu lassen, behielt sich 
auch vor, in Zukunft die Bedingung zu stellen, dass der Aus- 
fuhrwerth der Galeeren dem Einfuhrwerth gleich sein müsse *). 

Zum ersten Male hatten hier die Entdeckungen auch 
ihren Schatten auf die commerciell- politischen Verhandlungen 
zwischen England und Venedig geworfen. 

Am 19. April 1519 segelten nach vielen Qualen, Leiden 
und Unannehmlichkeiten *) die Galeeren der Heimath wieder 
zu 5 ). Auch Giustinian hatte die Genugthuung, von seiner 
Legatio oder, wie er auch sarkastisch zu sagen beliebte, Re- 
legatio entbunden zu werden und in Surian einen Nachfolger 
zu erhalten 4 ). Wenig ermuthigend für die Zukunft war der 
Abschied- Der Cardinal versprach nicht nur gar Nichts be- 
züglich der Weinzölle, sondern stellte noch neue Verhandlungs- 
objecte, nämlich die Fragen des Wollexports, der gefälschten 
Tücher und der Einfuhr von venetianischen „Halfpence" 6 ) in 
Aussicht 6 ). 

Die alten Immunitäten waren bedroht, von allen Seiten 
griff man die Venetianer an. Noch einen letzten Versuch hin- 
sichtlich der Weinzölle wollte man jedoch nicht unterlassen. 
Man hatte bemerkt, dass der Cardinal Geschenken durchaus 
nicht unzugänglich war 7 ), und Giustinian hielt es für sehr 
räthlich, wenn man ihm die Teppiche, die er bestellt, zum 
Geschenke mache. Wirklich beschloss auch der venetianische 
Senat, 60 schöne Teppiche zum Preis von 600 Ducaten für 
Wolsey anzukaufen 8 ). Der Cardinal war aufs Höchste ent- 
zückt 9 ); aber der Zoll blieb nach wie vor. Jetzt waren sie 
endlich überzeugt, dass die Regieruiig Heinrichs VHI. nie und 

*) Giustinian Four years etc. II. S. 196. Brown, Cal. IL 1042. 
2. Juni 1518. 

*) So ist noch zu erwähnen, dass der Capitan Andreas Priuli in Ant- 
werpen am 16. September 1518 starb (Brown, Cal. II. 1078). in Sout- 
hampton im März 1519 die Pest am Bord eines Schifies ausbrach und den 
Vicecapitan und einen Theil der Mannschaft wegraffte (Brown, Cal. II. 1186), 
endlich dass die Flandrer sie mit allerlei Erpressungen verfolgten. So 
sollten nach dem Wunsche „der Präsidenten" die Galeeren dies Mal 500 
und in der Folge immer 200 Ducaten Hafengeld behufs Ausbaggerung 
zahlen. (Brown, Cal. II. 1102. 9. Nov. 1518.) 

*) Brown, CaL II. 1211. 29. April 1519. 

4 ) Giustinian a.a.O. II. S.279. Brown, Cal. II. 1244. 30.Junil519. 

*) Vgl. Abschn. II. Cap. 5. 

•) Giustinian a.a.O. IL S.292. Brown, Cal.H. 1259. 21.Julil519. 

') Koch als Giustinian in England war, gelang den venetianischen 
Kaofleuten, den wegen eines Streitfalls über sie höchst aufgebrachten Wolsey 
durch sieben Damascener Teppiche wieder zu besänftigen. (Brown, Cal. IL 
1105. 11. Nov. 1518.) 

*) Brown, Cal. III. 85. 110. 

•) Brown, Cal. III. 138. Wie interessirt Wolsey boi dieser Gelegen- 
heit sich zeigte, darüber vergl. Brown, Cal.IIL 118. 



— 154 - 



nimmermehr den fraglichen Weinzoll aufheben werde. That- 
sächlich gelang auch seine Beseitigung erst unter Jacob I. zu 
einer Zeit, wo dieselbe ganz bedeutungslos war 1 ); denn der 
Malvasier war ausser Mode gekommen und vom Sherry ver- 
drängt worden 2 ). 

Fortan richtete man sein ganzes Augenmerk auf Erhaltung 
und Fortsetzung des Handels, die Kaufleute aber suchten, so 
gut es ging, mit den gegebenen Verhältnissen sich abzufinden 
und aus der jeweiligen Lage Vortheil zu ziehen. 

Die -nächste Galeerenfahrt ging glatt von Statten; noch 
im selben Jahre hatte man sie abgeschickt und gerade gegen 
die Wende des Jahres (1519) kam sie „zur allgemeinen Freude 4 * 
in England an*). Allein auch diese Fahrt deckte den Woll- 
bedarf nur für kurze Zeit 4 ); im Frühjahr 1521 beschloss man 
die Absendung einer neuen Handelsflotille, und diese ging auch 
im August 1521 unter Segel 5 ). 

Grosse Gefahren drohten dieser Fahrt. Zwischen Frank- 
reich und Spanien war ein Streit ausgebrochen, und der Kaiser 
T\ie Heinrich VIII. bestrebten sich, Venedig zu offener Partei- 
nahme gegen Frankreich zu drängen. Als eines der drei ve- 
netianischen Schiffe, die Donata, in Folge eines Sturmes an der 



*) Vgl. Giustinian, Four years etc. II. S. 100 fg. 

2 ) A. a. 0. IL S. 23. 

*) Brown. Cal. III. 1. 3. Brown hat in seiner schätzenswerthen 
Tabelle Nr. 4 über die Expeditionen (Cal. I. Pref. S. CXXXIV) diese nicht 
erwähnt. 

*) Brown, Cal. III. 120. publicirt die Licenz über die aus dem Hafen 
von London auszuführende WoUe: 



Zahl 




Die Wolle 






der Säcke 


Steine 

1 


verpackt 
in Bündel 


Eigenthümer der Wolle 


46 


20 


43 


Bartolomeo Marcadello 


von Venedig. 


«s</fl 


23V« 


44 


1 Pancrazio Capello 


T) 7) 


60 


12 


56 


Giovanni Meravile 




23'/ 8 


17 ' 


22 


Paolo Meliano 




30 


24 ! 


28 


Lodovico Trevisan 




»1% 


24 


27 


Andrea Nicolö de Molin 




8V2 


13 


9 


Alessandro Alberto 


„ Florenz. 


BVi 


17 


8 


Andr. Giustinian 


„ Venedig. 


*/t 


17 


3 


Filippo Alberto 
Lodovico Valaresse 


„ Florenz. 


8 


12 


8 


„ Venedig. 


5 


18 j 


5 


Giorgio Capella 
Francesco Trevisan 


» » 


i 


1 ' 1 


4 




— 


17 i 


1 


Antonio Venia 


n » 



Die Summe für London betrug somit 279 Sack 7 2 /i Stein Wolle, die 
in 258 Bündel gepackt war: dazu kamen noch 70 (vermuthlich) dacre oder 
700 Stück gegerbte Häute des Nicolö Trevisan aus Venedig. Jedenfalls lud 
dasselbe Schiff noch Wolle und Waaren in Southampton. Sieh jedoch auch 
Bd. IL S. 76, 109. 

*) Brown, Cal. IIL 303. 



— 155 — 

biscayschen Küste gezwungen war, in den Hafen von St. Se- 
bastian einzulaufen, zeigte sich sofort, was man zu erwarten 
hatte. Trotz des eben bestehenden Waffenstillstandes 1 ), durch 
welchen die Sicherung der Fahrten garanürt war, und trotz 
des Geleitsbriefes wurde die Galeere mit Beschlag belegt, an- 
geblich weil man den Waffenstillstand gebrochen und Fonte- 
rabia habe unterstützen wollen *). Nach langen Verhandlungen 8 ) 
glückte es der Donata zu entkommen und sich mit den beiden 
andern Gefährtinnen in Southampton zu vereinigen 4 ). 

Aus dem Regen kamen die Venetianer nun in die Traufe. 
Der Kaiser weigerte sich, den Geleitsbrief zu verlängern 5 ), der 
englische König entzog ihnen seine Unterstützung. Mit einer 
Fluth von Anklagen, Beschwerden und Insulten wurden sie 
von Wolsey überschüttet 6 ) und zuletzt wurde auch auf die 
Schiffe Beschlag gelegt 7 ). Dieselben mussten wieder ausgeladen 
werden 8 ). Man verbot allen venetianischen Unterthanen, 
Waaren aus England zu exportiren, erlaubte auch nicht, zu 
Lande oder im Namen anderer Fremden 9 ), Waaren nach Ve- 



') Vgl. Brown, Cal. IIl!»351. 
*) Brown, Cal. III. 381. 384. 385. 

3 ) Brown, CaL III. 391. 394. 399. 408. 419. 434. 458. Bergen- 
roth, Cal. HL 896. 

4 ) Diese beiden andern Schiffe waren am 6. Jan. 1522 in England an- 
gelangt Nach Flandern durften sie sich dieses Mal kaum wagen. 

ö ) Brown, Cal. III. 447. 

6 ) Wolsey eröffnete dem Gesandten, dass er auf die Sendung weiterer 
Galeeren ganz verzichte, da sie so ärmlich beladen kämen, dass der frühere 
Gewinn in England nicht mehr gemacht werde. Brown, Cal. III. 406. 
408. 410. 424. Ferner beschuldigte er die Venetianer, einen englischen 
Kaufmann getödtet und seiner Baarschaft von 40 000 Ducaten (!) beraubt 
zu haben; er beklagte, dass sie ihre Wolle nicht mehr baar bezahlten, 
sondern im Tausch erwerben wollten und ihre Weinmasse immer kleiner 
machten. (Brown, Cal. III. 440; 441.) Gelegentlich betitelte er sie „Pro- 
mise breaker and tbe lowest of all potentates u (Brown, Cal. III. 555). 

7 ) Vgl. darüber Brown, Cal. III. 457. 463. 465. 474. 480. 486. 495. 
498. Bergenroth, Cal. IL 473. 482. 487. 491. 

*) Brown, Cal. III 484. Dass die venetianischen Kaufleute wie 
▼üthend sich geberdeten, lässt sich denken. Als Wolsey sehr unwillig 
darüber ward, entschuldigte sie der Gesandte mit der Aeusserung, es seien 
eben Privatpersonen, bei denen thatsächlich ein grosser Theil ihres Ver- 
mögens auf dem Spiele stehe. Die Kauf leute behaupteten, dass selbst nach 
Freilassung der Galeeren der erwachsene Schaden auf mehr als 50 000 Du- 
caten sich belaufe. Bergenroth, Cal. II. 500. Wie aus Browns 
Cal in. 506 und unseren Zollregistern (Bd. II. S. 84) hervorgeht, hatten die 
Venetianer dies Mal besonders viele Wolle eingekauft. 

') Die Venetianer bedienten sich hiebei besonders der Schiffe der 
Ragusaner, Florentiner und Genuesen. Allein * das Unglück verfolgte sie 
auch hier. Von 6 italienischen Schiffen, die sie auf diese Weise befrachtet 
hatten, scheiterten zwei auf der See, zwei andere strandeten und wurden 
schadhaft, das fünfte wurde vom Sturm nach Southampton zurückgeworfen, 
und das letzte wurde in der Bretagne von einem Capitan des französischen 
Königs angehalten, jedoch das Eigenthum wieder zurückgestellt. Brown, 
CaL HI. 644; Brewer, Cal. III. 2427. 



— 156 — 

nedig zu bringen *) und decretirte neue Abgaben zum Schaden 
der Venetianer *), wollte überhaupt die Verfolgung nicht ein- 
stellen, bis der Freistaat sich offen als Feind Frankreichs er- 
kläre und seine Feindschaft auch durch Thaten erweise 3 ). 
Alle Bitten wurden zurückgewiesen 4 ). Vergeblich war es, 
wenn man daran erinnerte, dass der König den Staat ein- 
geladen habe, die Schiffe wieder zu schicken und sogar beim 
Kaiser um Geleitsbriefe sich verwendet 6 ), vergeblich, wenn 
man aufmerksam machte, dass Schiffsherr, Kaufleute und Ru- 
derer zu Grande gingen, vergeblich, wenn man bedeutete, der 
Handel sei für die Engländer ebenso vorth eilhaft, wie für die 
Venetianer selbst 6 ), vergeblich, wenn man den englischen Ge- 
sandten Rieh. Pace in Venedig mit Liebenswürdigkeiten über- 
häufte 7 ), vergeblich, wenn man dem König gegenüber keine 
Repressalien übte, sondern sogar noch zollfrei seine in Florenz 
bestellten goldgewirkten und seidenen Kleider durch venetia- 
nisches Gebiet gehen Hess 8 ), vergeblich, wenn das Haupt der 
Christenheit sich für Freilassung der Galeeren verwendete 9 ). 
Die Schiffsleute verliessen verzweifelnd den englischen Boden, 
um über den Gontinent mittels Betteln bis in die Heimath 
sich durchzuschlagen, gingen aber grösstenteils auf dem Wege 
elend zu Grunde 10 ). Den venetianischen Galeeren drohte der 
Untergang durch Motten und Würmer 11 ), in Venedig selbst 
begann wieder die Wollnoth 18 ). 

Endlich als die venetianische Regierung der englischen 
Politik mehr entgegenkam, zeigte sich auch Heinrich VIII. 
den Kaufleuten gegenüber versöhnlicher. Er war bereit, den 
Venetianern nicht nur den Export der Waaren zu erlauben, 
sondern auch die Galeeren freizugeben, wenn die Signorie 
100 000 Ducaten hinterlegen wolle zur Garantie dafür, dass sie 
nicht auf Frankreichs Seite trete, wenn sie ferner verspreche, 
jedes Jahr eine Handelsflotte zu schicken, wenn endlich die 
Zollabgaben baar bezahlt und nicht mehr creditirt würden 
und der König die Kanonen der Galeeren für sich behalten 

*) Brown, Cal. HL 522. 555. 

*) Brown, Cal. III. 562. 

8 ) Brown, CaL III. 522 und sonst; auch Brewer, Cal. IIL 2497. 

4 ) Brown, CaL IIL 513. 

5 ) Dem endischen Gesandten Pace erklärten die Venetianer, dass das 
ganze vorgehen Englands eine Verletzung des „jus gentium" sei. Brown, 

•) Brown, Cal. IIL 517. 

') Brown, CaL IIL 559. 587. 610. 611. 626. 706. 707. 
8 ) Brown, CaL IIL 503. 24. Juli 1522. 

') Brown, Cal. in. 582 und Brewer, CaL III. 2529. 2721. 10. Sept 
und 23. Dez. 1522. Auch Cardinal Medici wandte sich deswegen anWoleey. 
Brewer, Cal. in. 2516. 

10 ) Brown, Cal. in. 567. 637. 
») Brewer, Cal. IIL 2684. 
'*) Brown, Cal. IU. 515. 



— 157 — 

dürfe 1 ). Doch liess er sich zu einem Compromiss herbei, in 
welchem er fast alle diese Bedingungen fallen liess 2 ) und am 
4. Juli 1523 konnten endlich die Galeeren von St. Edwards 
absegeln 8 ).. 

Das waren die Geschicke der dritten unter Heinrich VI1L 
erfolgten venetianischen Flottenfahrt. 

Sicherlich waren diese Erfahrungen nicht geeignet, den 
Handel der Venetianer nach England zu ermuthigen. Obwohl 
man der englischen Wolle sehr dringend bedurfte und wegen 
des Mangels an solcher wieder zu den alten Massregeln zurück- 
kehren musste, wollte man doch die Staatsgaleeren keiner 
neuen Gefahr aussetzen '), und da es bei der verwickelten und 
rasch wechselnden politischen Lage nicht gelang, sichere Ga- 
rantien gegen die Wiederkehr derartiger Vorkommnisse zu er- 
langen 6 ), so kam man über die Beschlüsse neuer Sendungen 
nicht hinaus 6 ). 10 Jahre lang blieb der staatliche Flotten- 
verkehr wieder ausgesetzt. 

2. Periode (1530—47). 

Während der Zeit Wolsey'schen Einflusses war es trotz 
aller Bemühungen den Venetianem nicht geglückt, dem Ver- 
kehr mit England die frühere Stetigkeit, Gleichmässigkeit und 
Sicherheit wieder zu geben. Die Unterbrechung war Regel, 
die Staatsflotillen, ehedem eine Gewähr für das Gelingen der 
Fahrt, waren jetzt nur der Zielpunkt des Angriffs für die sich 
consoHdirenden nationalen Grossstaaten geworden. 

Doch der Cardinal, der ihnen so viele Leiden zugefügt, 
war inzwischen gestürzt worden, ein neuer Staatsmann an 



! ) Brown, Cal. III. 608. 1. Jan. 1523. Diese Bedingungen erregten 
grosses MißBf allen, und Pace bekam im Collegium schwere Vorwürfe zu 
hören. Brown, Cal. III. 621. 

') Nor 6 Stacke der Artillerie behielt die englische Regierang zurück. 

*) Brown, Cal. III. 701. Einige Schwierigkeit hatte das Fehlen der 
Seelente hervorgerufen, als die Galeeren abfahren wollten. Brown, Cal. III. 
637. 656. 671. 

*) Wie auch venetianische Privatschiffe fortwährend auf den englischen 
Fahrten, sogar durch die Franzosen zu leiden hatten, darüber vgl. Brown, 
CaL III. 836. 838. 1022. 

*) Im Jahre 1524 dachte man an die Wiederaumahme der Galeeren- 
toten; es wurde aber im Senate darauf hingewiesen, dass man das letzte 
Mal grossen Verlust erlitten habe, und dass es nicht recht sei, Staats- 
angelegenheiten mit denen der Privatleute in solcher Weise zu vermischen. 
Der Consul in London solle deshalb den König benachrichtigen, dass der 
Staat gerne den gewöhnlichen Handel mit England vermittels der Galeeren 
fortsetzen würde, wenn der König die misstrauisch gewordenen Kaufleute 
gegen jegliche Belästigung sicher stellen wolle. Er möge deshalb Hein- 
rich YIII. veranlassen, einen Geleitsbrief und öffentlich das Versprechen 
jn geben, dass fortan kein Leid den Flotillen und Venetianern geschehe» 
Brown, Cal. 1H. 877. 

*) Vgl. z. B. Brewer, Cal. IV. 5265. 



- 158 — 

seine Stelle getreten. Schon lebten die Venetianer der an- 
genehmen Hoffnung, dass es unter Cromwell gelingen möchte, 
den flandrischen Galeeren wieder zu ihrem alten Glänze zu 
verhelfen, die nöthige Fühlung mit den nördlichen Märkten und 
den allmälig verloren gegangenen Zwischenverkehr wieder zu 
gewinnen. 

War es aber wahrscheinlich, dass diesem gewiegten Han- 
delspolitiker entgangen, welch' grosse Veränderungen der ve- 
netianische Handel in den letzten Decennien erfahren? Hatte 
nicht gerade das erste Vierttheil des 16. Jahrhunderts die Ent- 
wicklung, die am Ende des 15ten begonnen, endgiltig zum 
Nachtheil Venedigs entschieden und auch für den Blödesten 
ausser allen Zweifel gestellt, dass dessen Position und Macht 
vollständig verrückt worden war? 

Aus einem eigentlichen Handelsstaate, der den Umtausch 
der Producte verschiedener Verkehrs- und Industriegebiete 
vermittelte und die hiebei entscheidende Wasserstrasse be- 
herrschte, sank Venedig mehr und mehr zu einer in engere 
Grenzen gebannten Industriestadt herab. Die pisanische, cata- 
lonische und genuesische Seemacht hatte Venedig überdauert, 
aber nun verfiel auch die venetianische Pracht ihrem Schicksal, 
und alle Klugheit und diplomatische Kunst half hier nicht aus. 
Der Verkehr mit Aegypten, die Grundlage des venetianischen 
Handels, krankte zusehends, seit die Portugiesen den neuen See- 
weg aufgefunden hatten und mit grossen Mengen indischer Ge- 
würze auf dem Markte erschienen. Als die Osmanen Aegypten 
und Syrien eroberten (1517), schwand auch der letzte Hoflnungs- 
strahl, den Gewtirzhandel je wieder auf seine ehemalige Blüthe 
zu bringen 1 ). Nicht als ob er ganz aufgehört hätte. Die Ve- 
netianer unterhielten noch immer einen nicht unbedeutenden 
Seeverkehr mit Aleppo, das nun der Hauptstapelplatz des 
Orients geworden war. Noch grösser vielleicht war seine Ver- 
bindung mit dem Orient mittels Carawanen, die von Constan- 
tinopel nach der venetianischen Küste zogen. Sein Handel 
nach Deutschland dauerte ohnehin ungeschwächt bis zum 
30jährigen Krieg fort. Auch mit Spanien und Portugal blieb 
es im Verkehr. Von Spanien bezog Venedig den Hauptbedarf 
an Wolle, seit es auf die englische und französische verzichten 
musste; denn die levantinische und italienische Wolle war 
nicht fein genug 2 ). An sich machte auch Venedig durchaus 
nicht einen verödeten Eindruck, es herrschte noch immer da- 
selbst reiches Leben, und man kann am Ende ihm selbst für 
die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Weltstellung vin- 



*) Vgl. besonders He yd, Geschichte des Levantehandels II. S. 505 fg. 
530 fg. 

2 ) Discorso della fragilitk di Venezia 1605. 



— 159 — 

diciren 1 ). Aber im Vergleich zu früher war Venedigs Glanz 
doch ganz entschieden im Verblassen. Ebenso war es von 
andern Handelsplätzen weit überflügelt 2 ). 

Die italienischen Staaten büssten jetzt, dass sie in gegen- 
seitigem Zank und ewiger Eifersucht zu keiner Nation sich 
zusammengeschlossen hatten, sondern zerbröckelt, zerrissen da- 
lagen, als allerwärts mächtige Staatseinheiten emporwuchsen 3 ). 
Langsam, aber sicher ging Venedig seinem Verfall entgegen, all' 
seine Versuche, denselben aufzuhalten, scheiterten 4 ), schliess- 
lich verzweifelte es an sich selbst. 

Mit dieser Umwandlung war auch Venedigs Verhältniss zu 
England auf eine ganz andere Grundlage gestellt. Die frühere 
commercielle Abhängigkeit Englands von Venedig hatte sich 
gerade umgekehrt. Fortan war es nicht mehr eine Not- 
wendigkeit, dass die englische Regierung die Venetianer be- 
günstigte und allen ihren Wünschen willfahrte, fortan dictirte 
sie vielmehr die Bedingungen, unter denen die venetianischen 
Kaufleute nach England kommen konnten. Von der herr- 
schenden Strömung in England hing es ab, welcher Art diese 
seien. 

Die damalige Stimmung war nun durchweg feindselig. Die 
englische Schiffahrt sah im Kommen der venetianischen Ga- 
leeren ein Hemmniss, die einheimische Industrie in dem durch 
diese bewirkten Export der Rohstoffe eine Beeinträchtigung. 
Wie Cromwell diesen Zuständen gegenüber verführ, wird aus 
unserer folgenden Darstellung sich ergeben. 

Die stete Aufmerksamkeit, die man dem englischen Con- 
sulatswesen im Mittelmeer zuwandte 5 ), ist ein deutlicher Beleg, 
welchen Werth Cromwell und Heinrich VIII. auf die Erstarkung 
des englischen Handels in diesen Gebieten legte. Das Con- 

') Sieh über die allgemeine Lage der Republik um die Mitte des 
16. Jahrhunderts Ranke, Zur venetianischen Geschichte 1878. S. 21 fg. 

*) Marino Cavalli sagt z.B. von Antwerpen 1551: „Anversa'e terra 
di settanta owero ottanta mila anime, e fa tante faccende di cambi e d'ogni 
altra sorte di mercanzia, che in vero mi son stupito di maraviglia in veder 
ciö pensando certissimo che superi assai questa citta (Veneria)." Alberi, 
Relarioni 8er. L Vol. II. S. 202. 

*) Dies wird sehr gut betont von Lafaurie, Geschichte des Handels 
in Beziehung auf politische Oeconomie und öffentliche Ethik (Neue Ency- 
dopadie der Wiss. und Künste. 5. Bd. Nr. 1. 1848) S. 99 fg. 

*) So namentlich die Unterhandlungen mit Portugal wegen des Gewürz- 
handels 1521; Stevens, Geschichte von Portugal 1698 und Giustinian, 
Four years etc. II. S. 82 u. 85 Note 6; sieh auch Heyd a. a. 0. II. S. 539. 
Die vernünftige Beurtheilung der Lage durch den Venetianer Gasp. Contarini 
in seiner Unterredung mit Beb. Cabot sieh bei Brown), Cal. III. 607: vgl 
auch IIL 612. 

5 ) 1530 wurde für Candia Dion. Harrys aus London, 1582 abermals 
ein Consul ernannt, 1543 dem Luccaner Kaufmann Nicholo de Nicholais 
die Function übertragen. Rymer XIII. S. 766; XIV. S. 389; XV. S. 10. 
Brown, Cal. IV. 832. Für Chios wurden 1531 der Genuese Ben. Justi- 
niano ernannt Rymer XIV. S. 424. 704. 



— 160 — 

sulat auf der Insel Chios wie Candia wurde aufrecht erhalten, 
und es ist nicht ganz unmöglich, dass unter Cromwell sogar für 
Venedig ein englischer Consul ernannt wurde 1 ). Gleichzeitig 
lässt sich aber auch daraus schliessen, dass die Anstrengungen 
der englischen Kaufleute nach dieser Richtung hin wirklich 
Erfolg hatten*). Ganz entsprechend war die Politik gegen 
die Galeeren eine unfreundliche. 

Mit dem Beginn des Jahres 1529 hatte man wieder ernst- 
lich die Absendung einer Flotille betrieben 3 ). Am 80. Man 
1530 war dieselbe zum Auslaufen bereit, aber erst am 12. Sep- 
tember 1531 wird ihr Erscheinen im Hafen von Southampton 
gemeldet. Die venetianische Regierung wollte dieses Mal sich 
erst nach allen Seiten sicher stellen und verschaffte sich so- 
wohl vom Könige von Frankreich 4 ) als von Heinrich VIII. •) 
Geleitsbriefe. Auch war sie ängstlich darauf bedacht, die Li- 
cenzen für Wolle und Zinn und die Ausnahmestellung gegen- 
über den Parlamentsacten 3 Hen. VII. c. 8 und 4 Hen. ML 
c. 11 in der früher üblichen Weise und rechtzeitig wieder zu 
erlangen 6 ). Am 12. März 1530 wurde dieser Licenzbrief auch 
auf 5 Jahre ausgestellt 7 ). 

Trotz aller Vorsicht, die man angewendet, blieben den 
Galeeren die Schwierigkeiten in England nicht erspart Gerade 
damals waren die Stimmen gegen die forcirte Ausfuhr von 
Wolle in den bürgerlichen Kreisen lauter denn je, und Crom- 
well trug ihnen Rechnung dadurch, dass er eine Acte Hein- 
richs VII. (4 Hen. VII. c. 11) erneuern liess, welche den Frem- 
den vom Mai, wo die Schafschur zu sein pflegte, bis 2. Februar 
den Wollverkauf verbot ). Als nun die venetianischen Kauf- 
leute gestützt auf ihre Licenz, sei es für Privatschiffe, sei 
es bereits für die zu erwartenden Galeeren, Einkäufe bewerk- 



*) Vgl. das Dankschreiben Duodos an Cromwell. Urk. BeiL 61. 
Möglich ist allerdings, dass Duodo für Gandia als Consul bestimmt war; denn 
auch dieser musste immer erst von der venetianischen Regierung anerkannt 
werden (vgl. Brown, Cal. II. 832). War abefDuodo in Venedig ansässig, 
wie dies der Fall zu sein scheint, dann ist wohl die im Text geäusserte 
Ansicht die richtige. Brown, Cal. I. Pref. S. LVI. datirt das englische 
Consulat erst vom Anfang des 17. Jahrhunderts an. 

9 ) Hakluyt, The principal navigations, voyages etc. II. S. 96. 98.99. 

8 ) Brewer, Cal. IV. 5265. 

4 ) Dies erwieß sich nothwendig in Anbetracht der Feindseligkeiten, 
welche sich französische in Marseille gut ausgerüstete Schiffe in den levan- 
tinischen Gewässern erlaubt hatten. Brown, Cal. IV. 571. 575. 607. 

5 ) Brown, Cal. IV. 493. 599. 619, Die englischen Geleitsbriefe wur- 
den am 19. September 1530 ausgehändigt. 

8 ) Die Signorie glaubt, eine Neubestätigung selbst etwa noch geltender 
Licenzen wurde das grosse Misstrauen der venetianischen Kaufleute besei- 
tigen und diese veranlassen können, mehr Capitalien nach England zu 
schicken. Brown, Cal. IV. 624. 28. Sept. 1530. 

7 ) Brewer, Cal. IV. 6270. 

8 ) 22. Hen. VIII. c. 1. 1530. 



— 161 — 

stelligten, erhob sich im März 1530 unter den Londoner We- 
bern ein Aufstand, dessen Ziel die Ermordung der venetiani- 
schen Kaufleute war *). 

Die Regierung wagte nicht, der grossen Gährung im Volke 
zu trotzen und verlangte, dass auch die Kauf leute der Galeeren 
dem neuen Gesetze sich fügten. Vom 12. September bis 2. Fe- 
bruar sollten sie unthätig in England sich herumtreiben 2 ). So 
hart diese Massregel war, die venetianische Regierung scheint 
wenig Hoffnung gehabt zu haben, dass man eine Milderung 
eintreten lassen werde 8 ). Nur den unermüdlichen Anstrengungen 
des Gesandten Carlo Capello war es zu danken, wenn der König 
endlich den Einkauf von 1600 Säcken gestattete*). Man liess 
den Venetianern aber deutlich merken , dass die Galeerenfahrten 
auch der Regierung nicht mehr angenehm waren. Es erregte nicht 
nur grosses Missfallen, dass man das Eduard'sche Gesetz wegen 
der Bogenstäbe wieder verletzt hatte 6 ), sondern noch grösser 
war der Unwille über die ganze Art und Gestalt, welche der 
venetianische Handel nach England angenommen hatte. Die 
königl. Räthe warfen dem venetianischen Gesandten die Nichtig- 
keit ded Imports vor. Man bringe nur Glas und sonstige 
werfhlose Dinge; von Gewürzen, Seide, Kamelotzeugen und 
baarem Gelde sehe man nichts. In der Weise dürfe der Ver- 
kehr nicht mehr weiter geführt werden. Wolle die venetia- 
nische Regierung noch fernerhin Galeeren schicken, so müsse 
erst eine Convention mit England über die Ladung, nament- 
lich auch die Gattung und Qualität der Waaren und den 
Betrag des mitzubringenden baaren Geldes abgeschlossen 
werden 6 ). 

Sehr ernst wurde diese Drohung in Venedig aufgenommen, 
und in ausführlicher Darlegung suchte die Signorie die eng- 
lische Regierung von der Unannehmbarkeit dieser Bedingungen 



*) Brown, Cal. IV. 569. Ludovico Falier an die Signorie. 23. März 
1530. Dem rasdien Eingreifen des Mayors, der 60 Rädelsführer festnehmen 
liess, war es zu danken, dass der Aufstand keine, grösseren Dimensionen 
annahm. 

*) Brown, CaL IV. 683. 

a ) Brown, Cal. IV. 695. 

*) Brown, CaL IV. 686. 687. 

•) Im October 1531 erliess Heinrich VIII. den Befehl, dass der königl. 
Staatsanwalt gegen die Eigenthümer der in Southampton vor Anker liegen- 
den Galeeren wegen dieser Gesetzesverletzung vorgehe. (State Papers 
Vol. L Pars II. S. 380.) Merkwürdig ist, dass der König auf das Gesetz 
12 Edw. IV. c. 2 und nicht auf das strengere Richard'sche Gesetz sich 
stützte; wahrscheinlich ist es so zu erklären, dass die Venetianer 10 Bogen- 
stäbe per Butte mitbrachten, wie die Richard'sche Acte vorschrieb, aber 
vergassen, auch noeh die 4 Bogenstäbe, welche das Eduard'sche Statut pec 
Tonne verlangte, zu importiren. Denn dieses letztere war durch das 
Richard'sche Gesetz nicht aufgehoben, wurde überhaupt erst 1822 endgültig 
abgeschafft 

•) Brown, Cal. IV. 703. 

Schanz. Engl. Handelspolitik. L 11 



— 162 — 

zu überzeugen. Sie wisse nie, wer die Galeeren pachten 
werde, meist könne sie nur durch bedeutende Beihilfe ihre 
„Edlen" veranlassen, das Geschäft zu übernehmen. Diese ver- 
möchten aber weder die Qualität noch Quantität der Güter zu 
kennen, da die Kaufleute aus verschiedenen Beweggründen 
erst dann ihre Geschäfte und Capitalanlagen offenbarten, wenn 
die Galeeren im Begriffe ständen auszulaufen; ja viele Kauf- 
leute sendeten Geld nach Sicilien und andern Plätzen, welche 
die Schiffe berührten und Hessen erst dort verschiedene Waaren 
ankaufen. Der Abschluss einer Convention über die Befrach- 
tung sei schlechterdings unmöglich, und falls man darauf be- 
stehe, müsste der Handel, der doch beiden Ländern Vortheil 
bringe, aufhören. Was das baare Geld betreffe, so werde 
eine beträchtliche Summe durch die Galeeren, sowie in Packeten 
durch Couriere und durch Remittirung von Wechselbriefen aus 
Flandern in England eingeführt. Wolle, Tuch und Zinn ver- 
möchten die Kaufleute blos für Geld zu erhalten. Der König 
könne nur den Betrag nicht mehr so genau berechnen, wie ehe- 
dem, weil die Venetianer Kauf leute keine Goldgulden mehr nach 
England schickten, die an der königl. Münze gegen Nobel aus- 
getauscht werden müssten , sondern Kronen , die auf der Insel 
cursirten. Dadurch entziehe sich die ungeheure Summe Gol- 
des, die von den Venetianern gebracht werde, seinem Blick. 
Hinsichtlich des geringen Imports an Gewürzen müsse die ve- 
netianische Regierung bemerken, dass nicht ihr, sondern den 
veränderten Zeitverhältnissen die Schuld hiefür beizumessen 
sei. Die grosse Menge, welche man von Portugal erhalte, 
drücke den Preis so, dass die »Gewürze billiger seien als in 
Venedig selbst. Ihre Einfuhr von Venedig sei ohne Verlust 
unmöglich. Was die Kamelotzeuge J ) betreffe, so sei richtig, 
dass sie nicht mehr die frühere Menge brächten. Der grösste 
Theil werde von Flamändern und Engländern, die nach Ve- 
nedig handeln, importirt. Der Grund hiefür sei ein sehr ein- 
facher. Da diese einen viel niedrigeren Importzoll zahlten, als 
die Kaufleute der Republik, so zögen sie fast den ganzen 
Kamelothandel an sich und profitirten dabei den Gewinn der 
Extraabgabe, der die Venetianer bei der Einfuhr unterworfen 
seien. Die geringe Menge eingeführter Seide erkläre sich 
durch die langjährige Unterbrechung des Verkehrs mit Eng- 
land; inzwischen habe die Seide, die sonst von Sicilien ge- 
bracht worden sei, neue Märkte gefunden; sie werde aber 
jetzt wieder ihrem früheren Weg folgen, wofern nur die SchifF- 
fahrt gesichert und ungestört bleibe. Gewähre man kräftigen 
Schutz den Venetianern, so würden die werthvollen Waaren 
sich schon einstellen 2 ). 

r ) Ueher die Manufactur und Erzeugungsorte dieser Stoffe vgl. Hevd, 
a. a. 0. II. S. 693 fg. 

*) Brown, CaL IV. 704. 



- 163 — 

Die englische Regierung war aber schwer zu überzeugen. 
Sie beharrte in den neuen Verhandlungen nicht nur auf ihrem 
Standpunkt, sondern stellte immer grössere Forderungen. Der 
neue Kanzler Thomas More eröffnete dem im königl. Rathe 
erschienenen venetianischen Gesandten, dass, wofern die nächsten 
Galeeren Wolle, Tuch und Zinn exportiren wollten, angegeben 
werden müsse, welche Art Waaren man einfahren wolle und 
in welchem Betrag, sowie mit was für Geld die Käufe gemacht 
werden sollen; ferner hätten sich die venetianischen Kaufleute 
zu verpflichten, eine bestimmte Menge gefärbter Tücher und 
feines wie grobes Leinen exportiren zu wollen; endlich ver- 
langte er, dass sie die Wolle fortan blos von den Staplern in 
Calais kauften 1 ). 

Der rührige Gesandte Capello wehrte sich mit allen Mitteln 
dagegen. Er machte geltend, dass ein solches Verfahren gegen 
das Privileg Verstösse, das der König den venetianischen Kauf- 
leuten auf 5 Jahre ertheilt habe. Auch die Zölle würden sich 
mindern; das Geld für die Wolle werde in Calais bleiben, in 
London würden keine Verkäufe mehr gemacht werden. Der 
König und die ganze Insel müsste grossen Schaden erleiden, 
wenn die Venetianer nicht ihre gewöhnliche Fahrt machen 
könnten; denn zur Zeit der Ankunft der Galeeren pflegte der 
Werth aller Exportwaaren in London um 15 bis 20 °/ zu stei- 
gen*). Eifrig wurde die Sache im königl. Rathe debattirt, der 
König nahm persönlich an den Berathungen Theil; schliesslich 
wurde dem Venetianer der von Heinrich VIII. unterzeichnete 
Bescheid, dass für dieses Jahr keine neuen Galeeren geschickt 
werden sollten, da keine Wolle da sei. Auch ein nochmaliger 
Appell an den König blieb erfolglos; denn derselbe erklärte: 
Jt is well to take the wools from the Staplers." 

Um den Standpunkt der englischen Regierung zu begreifen, 
reichen die bereits früher von uns berührten Momente nicht 
aus. Beförderung der einheimischen Industrie und die Einfuhr 
von Baargeld durchziehen zwar auch hier die englischen Ein- 
wände, aber selbst der letztere Grund bekommt ein theilweise 
anderes Gepräge. Früher wünschte man dieselbe hauptsäch- 
lich deswegen, dass die Venetianer nicht mit« Wechseln s ) auf 
die Niederlande, beziehungsweise durch die Hand der engli- 
schen und niederländischen Kaufleute zahlten und dadurch 
den englischen Fremdenzöllen auswichen 4 ); nun aber kam 

l ) Brown, Cal. IV. 718. 

*) Brown, Cal. IV. 718 u. 751. 

s ) Dass die Wechsel Zahlung den Hauptstein des Anstosses bildete, 
geht namentlich aus einem Briefe der Signone hervor. Brown, Cal. IV. 
857. Dagegen glaube ich nicht, dass mercantilistische Grundsätze oder Ge- 
danken, wie Bie der Acte 8. Henr. V. c. 2 (1420) zu Grunde liegen, mass- 
gebend waren. 

*) Je besser dies gelang, um so schwerer wurde gleichzeitig den Eng- 
landern das Concurriren im Mittelmeer gemacht; namentlich beim Malvasier- 

11* 



- 164 — 

noch hinzu, dass Cromwell überhaupt den Handel von den 
Niederlanden weg nach England verlegen wollte und doppelt 
ungern sah, wenn die Venetianer dort den Hauptmarkt hatten. 

Daneben spielten sich aber — um yon der Stellung Ve- 
nedigs zur Ehescheidungsfrage und sonstigen allgemeinen Ver- 
hältnissen ganz abzusehen — hinter den Coulissen Vorgänge 
ab, die das Benehmen der englischen Regierung, namentlich 
hinsichtlich, der Wolle, beleuchten x ). Einer der reichsten ve- 
netianischen Kaufleute, Mafio Bernardo, der in der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts in England domicilii! war, knüpfte 
um jene Zeit mit der englischen Regierung Unterhandlungen 
an, um das Monopol des Wollexports nach Italien zu er- 
werben 2 ); er erbot sich, nicht nur hohe Summen für das 
Recht zu geben, sondern er war auch bereit, alle Wolle von 
den Staplern zu beziehen. Cromwell scheint dem Projecte 
nicht abgeneigt gewesen zu sein, wie die oben dargelegten 
Debatten zeigen. Welches Motiv das stärkste hiebei gewesen, 
ob der finanzielle Gewinn, den Mafio in Aussicht stellte, oder 
ob die Beseitigung der Feindschaft der Stapler gegen die 
Italiener, oder ob die damit vielleicht beabsichtigte Ver- 
drängung der Venetianer von den nördlichen Märkten den 
Ausschlag gab, wissen wir nicht 

Auch hier war es wieder Capello, der die Pläne des ge- 
winnsüchtigen Mafio durch seine stete Wachsamkeit vereitelte, 
dadurch freilich dessen Hass sich 8 ) und dessen Rache den 
noch in England befindlichen Galeeren zuzog 4 ). Mafio wurde 
in Anklagestand versetzt, und der grosse, damals ganz Venedig 
interessirende Process endete damit, dass Mafio auf 10 Jahre 
von England, Galais, Antwerpen, Brügge und ganz Flandern, 
also dem Felde seiner Handelstätigkeit verbannt und noch 



wein war ein Unterbieten leicht möglich, wenn der Wein in die Nieder- 
lande eingeführt und dort von den Merchant.adventurers nach London ge- 
bracht wurde. 

*) Brown, Cai. IV. 751. 

a ) Brown, CaL IV. 751. Ueber einen ähnlichen Versuch 1472 vgl. 
Brown, Cal. I. 440. 

s ) Brown, CaL IV. 864. 

4 ) Anlass hiezu gab die Löhnung der Schiffsmannschaft. Früher 
musste bei der Auszahlung der laufende Curs zu Grunde gelegt werden. 
(Brown, Cal. I. 114. anno 1394). Das führte wohl zu Streitigkeiten, und 
man normirte deswegen später einen festen Geldcurs (Brown, Cal. L 230. 
anno 1421). Dieser war nun im Laufe der Zeit der Schiffsmannschaft und 
besonders damals nachtheilig geworden. Einer der Schiffsmeister schreibt, 
er habe bei Bezahlung der Schiffsmannschaft 20% blos in Folge des Curses 
gewonnen (Brown, Cal. IV. 725. 730. 733. 744). Mafio Bernardo benützte 
nun diesen Umstand und zahlte den Leuten des von ihm gepachteten 
Schiffes einen besseren Lohn bezw. legte einen besseren Curs zu Grunde 
.Brown, Cal. IV. 91 1) und erzeugte dadurch den Aufstand der Matrosen auf den 
andern Galeeren (Brown, Cal. IV. 725). Daran reihte sich dann eine Summe 
weiterer Unannehmlichkeiten vgl. Brown, Cal. IV. 719. 727. 730. 739. 745. 



- 165 — 

mit einer beträchtlichen Geldstrafe belegt wurde 1 ). Damit 
war dem Projecte der Boden entzogen. 

Als im Juni 1532 die Galeeren ihren Heimweg antraten 2 ), 
konnte man schon ziemlich beruhigt in die Zukunft schauen. 
Carlo Capello, von dem Dogen Andreas Gritti aufgefordert 8 ), 
that die nöthigen Schritte, um die völlige Anerkennung der 
früheren Privilegien zu erwirken 4 ). Die venetianischen Kauf- 
leute ihrerseits legten in einer Bittschrift an Cromwell dar, 
wie ihr Handel zum Vortheil Englands sei, und ersuchten ihn, 
sich für sie zu verwenden und die gewünschten Erleichterungen 
ihnen zu verschaffen 6 ). Nach langem Zögern Hess sich Crom- 
well bewegen, noch einmal von einer Convention abzusehen 
und dem König die Ratification des Privilegs bis Ende März 
1535 6 ) vorzuschlagen 7 ). Von da an aber, hiess es, sei die 
Erfüllung der drei Bedingungen eine unumgängliche Not- 
wendigkeit, falls man den Verkehr fortsetzen wolle. Die Ga- 
leeren müssten sich verpflichten 1) einen bestimmten Betrag 
baaren Geldes, 2) näher zu beschreibende Gewürze, 3) eine 
bestimmte Quantität Bogenstäbe jedes Mal einzuführen. Die 
Hauptsache sei das Baargeld 8 ). 

Inzwischen suchten die Venetianer von der noch gewährten 
Frist Vortheil zu ziehen und trafen schleunigst alle Massregeln 
für die Absendung einer neuen Flottille. Ende März oder Anfang 
April 1533 lief sie aus 9 ). Die venetianischen Kaufleute in ihrer 
unbegrenzten Gewinnsucht Hessen sich aber manche Vergehen zu 



*) 1546 wurde Mafio wegen seines Reichthums auf Anstiften seiner 
Verwandten ermordet Brown, Cal. IV. S. 414 Anm. und auch V. 413 fg. 

«) Brown, Cal. IV. 767. 771. 773. 

*) Urk.Beil. 79. 

*) Brown, Cal. IV. 881. 

5 )Urk BeiL 80. 

*) Statt 76 sh 16 d hatten sie wieder nur 67 sh 4 d für den Sack 
Wolle Zoll zu zahlen. Pat v. 4. Jan. 23 EL VIII. eingetragen in Queen's 
fiemembrancer'B Memoranda scaccarii inter Record. term. St. Mich. 28 
Hen. VIII. rot. 28. R. 0. Die in der Zwischenzeit zu viel verlangten Zölle 
wurden den Venetianern nachträglich erlassen. 28. Dezember 1537. Sieh 
den Befehl des Königs und die darauf erfolgten Urtheile bei Madox, 
Firma Burgi S. 91. 

7 ) Der Herzog von Norfolk und der Graf von Wiltshire waren vom 
Gesandten durch Versprechung schöner Helme aus Venedig gewonnen wor- 
den. Der erstere war den Venetianern immer sehr abgeneigt gewesen. 
Lodovico Falier sagte in seiner Relation vom 10. Nov. 1581 von ihm: 
„mostra mal' animo veno stranieri, e contra la Venezia nostra nazione no- 
minatamente u . Alberi, Belazioni Ser.I. Vol.HL S.14. Brown. Cal. IV. 
694. 838. 857. 

8 ) Brown, Cal. IV. 837. 

■) Die Wahl dreier neuer Schiffsherrn" fand am 24. März 1533 statt. 
Brown, CaL IV. 866. Dass diese Fahrt wirklich erfolgte, schliesse ich 
ans Brown, Cal. IV. 884 u. V. 52. Es ist schlechterdings unwahrschein- 
lich, dass der Beschluss des Senats vom 3. Juni 1535 auf eine Fahrt von 
1531/32 sich beziehen sollte. 



- 166 - 

Schulden kommen und riefen dadurch neue Complicationen 
hervor. Sie missbrauchten nicht nur die ihnen gestattete 
Freiheit der Wollausfuhr, indem sie ebenso sehr entgegen dem 
Interesse des englischen Fiscus als zum Schaden des venetia- 
nischen Staates Ragusaner, Florentiner und Genuesen in ihrem 
Namen Wolle exportiren Hessen 1 ), sondern sie betrogen auch 
im Gewicht der Wolle derart, dass sie noch die Summe von 
1000 £ nachzahlen mussten 2 ). 

Man begreift, dass unter solchen Verhältnissen die Unter- 
handlungen wegen Erneuerung der Patente ausserordentlich 
erschwert wurden. Die venetianische Regierung wollte zudem 
auch jetzt wieder keine der früher gestellten drei Bedingungen 
acceptiren 8 ). Die Bemühungen Capellos hatten keinen Erfolg, 
am 19. Juni 1534 war die Fortsetzung der Patente von 1535 
ab noch nicht wieder gewährt 4 ). 

Die Galeeren aber, „die", wie es in einem Senatsbeschluss 
von 1500 heisst, „nicht nur die Schiffahrt ermuthigt, sondern 
auch Venedig mit fränkischer Wolle — eine Quelle für die 
Annen — versehen hatten" 6 ), verliessen 1534 England, um 
nie wieder zu kehren. 

Schon lange hatte die venetianische Regierung gesehen, 
dass England die Galeerenfahrten nicht nur nicht vermisste, 
sondern allen Ernstes nicht mehr wünschte; so fügte sie sich 
endlich in die unvermeidliche Nothwendigkeit. 1535 berief die 
Republik ihren Gesandten Gapello ab. Dies war hauptsächlich 
wegen Heinrichs VIIL Bruch mit Rom geschehen. Nothwendig 
wuchs dadurch die Entfremdung der englischen Regierung und 
machte die Erneuerung der Galeerenfahrten unmöglich. Die 
venetianische Regierung wagte auch gar nicht, in der nächsten 



') Brown, Cal. IV. 884. 

2 ) Die schuldigen Kaufleute wollten den Betrag der Strafe dem Conto 
der Londoner Factorei zuschieben, der venetianische Senat wies aber dies 
Ansinnen mit aller Entschiedenheit zurück. Brown, Cal. Y. 52. 

s ) Hinsichtlich der Gewürze, schreibt sie, wisse der König selbst, dass 
die Venetianer nicht mit den Portugiesen zu concurrircn vermöchten. Die 
Bogenstäbe aus ihrem Gebiete seien nicht so gut, als die von Dänemark 
und Flandern; die Kaufleute erhielten deshalb keinen lohnenden Preis, so 
dass man eine bestimmte Anzahl nicht versprechen könne. Hinsichtlich 
des Geldes seien aber die Kauf leute mehr geneigt, den englischen Wünschen 
zu willfahren, als Wolle mittels Wechselbriefe zu zahlen, und wenn bei der 
letzten Fahrt einige Kaufe mittels Wechsel gemacht worden seien, so sei 
es geschehen, wefi nicht eine genügende Menge Goldes beschafft werden 
konnte, oder aus sonstigen Gründen. Die vorgeschlagenen Bedingungen 
seien nutzlos, oder die Kauf leute würden zögern, ihr Eigenthum aufs Spiel 
zu setzen. Brown, CaL IV. 983; auch IV. 857 und V. 17. 

4 ) Die Zollbeamten versuchten deshalb, auch die Venetianer zur Zah- 
lung des vollen Zolles zu zwingen. Die venetianischen Kaufleute aber 
stützten sich auf das Patent vom 12. März 21 Henr. VHI. und verlangten, 
da dasselbe doch 5 Jahre dauern sollte, von dem Rest befreit zu werden. 
Der König gewährte ihre Bitte. Madox, Firma Burgi S. 91. 

») Brown, Cal. I. 818. 



— 167 — 

Zeit die Wiederaufnahme derselben zu betreiben. Erst 1542 
tauchte nochmals der Gedanke auf, die Handelsexpeditionen 
wieder herzustellen; die Verwirklichung derselben aber unter- 
blieb 1 ). Fortan lag aller englisch-venetianische Handel in den 
Händen der Engländer und einzelner reicher Venetianer und 
sonstiger Italiener; aber auch diese letzteren sahen ihren di- 
recten Handel gehemmt, als Th. Cromwell die uns bekannte 
Schiffahrtsacte schuf. 

Die nothwendige Folge war, dass Licenzen für den Export 
der Wolle, welche noch immer ganz im Vordergrunde stand, 
jetzt noch schwerer zu erhalten waren ; ja Cromwell wollte, 
seit dem venetianischen Handel die durch die Galeeren ge- 
gebene Einheit fehlte 3 ), gar nicht mehr mit der Signorie dar- 
über pactiren, sondern nur einzelnen venetianischen Kaufleuten 
das Recht verkaufen 8 ), und die venetianische Regierung hatte 
grosse Mühe, um wenigstens diese Absicht zu vereiteln 4 ). Im 
Uebrigen war natürlich Venedig jetzt gezwungen, die früheren 
Ausnahme - Massregeln , die beim Stocken der Galeerenfal rten 
erlassen zu werden pflegten , mehr und mehr zum stäm igen 
System seiner Handelspolitik zu machen und auf diese Weise 
wjder seinen Willen selbst noch den englischen Handel ins 
Mittelmeer zu befördern 6 ). 

Zug um Zug rissen die Engländer den Handel an sich, 
und unter Eduard VI. suchte die englische Regierung auch 
noch die berühmte venetianische Glasindustrie auf englischen 
Boden zu verpflanzen 6 ), und Elisabeth nahm schliesslich durch 
Monopolisirung des Rosinenhandels den venetianischen Kauf- 



>) Brown, Cal. V. 281. State Papelrs VÜI. S. 698. 

*) Ueber die lose Organisation des venetianischen Consulats in Lon- 
don vgl. Brown, Cal. IV. 884. 

*) Brown, Cal. V. 212. 

*) Ueber Verhandlungen wegen der Wolle in den 40er Jahren vergl. 
Brown, Cal. V. 295. 316. 520. Sehr bitter war es für die venetianische 
Regierung, dass der Lohn für ihre Bemühungen häufig gar nicht Venedig 
zukam. Die Kaufleute, blos von ihrem Gewinn geleitet, führten sehr oft die 
Wolle in andere italienische Städte. Da die Controle. welche die Galeeren 
gewahrt hatten, nicht mehr existirte, befahl die Signorie, dass jeder 
venetianische Exporteur im Consulat zu London seinen Namen eintrage, 
schwöre und Sicherheit gebe, die Wolle nur nach Venedig bringen zu 
wollen. Brown, Cal. V. 211. (1540). 

*) Brown, Cal. V. 78. 85. 139. 210. 215. 260. Im Jahre 1540 Hess 
man in Anbetracht des geringen Vorraths fränkischer Wolle, des „so sehr 
geschmälerten, dem äussersten Verfall ausgesetzten" venetianischen Handels 
sowie in Anbetracht der vielen Armen sogar das Dritttheil Frachtgeld , das 
an das Arsenal zu zahlen war, fallen; ebenso erleichterte man in dieser 
Periode die Einfuhr englischer Tücher. 

•) Vgl. Brown, Cal. V. 574. 578. 648. 669. Den Anlass scheint eine 
Aussperrung der Arbeiter in Murano durch die Fabrikanten gegeben m 
haben. Es gelang Flandern und England, die dem Hungertode nahen Ar- 
beiter zur Auswanderung zu veranlassen. Eduard VI. nahm dieselben in 
seinen eigenen Dienst. Auf Antrag der Fabrikanten wurde den Ausgewan- 



— 168 — 

leuten und Schifffahrern die letzte Stütze. 1586 weiss die 
Signorie bereits nicht mehr, ob überhaupt noch ein venetiani- 
scher Consul in London existirt, während gleichzeitig der eng- 
lische in Venedig eine grosse Thätigkeit entfaltete *). 

So rasch hatten die Tudors ihr Ziel erreicht, so schnell 
war die einstige über ein Jahrhundert anhaltende Pracht des 
venetianischen Handels nach England verblüht. Das venetia- 
nische Volk hat aber die Erinnerung an diese herrliche Zeit 
bewahrt. Noch heute spielt das Marionettentheater in Venedig 
die Geschichte von Bevis, dem Helden von Hampton 2 ). 



Rückblick. 

Ein ziemlich in sich geschlossenes Bild bieten die Handels- 
beziehungen der italienischen Republiken zu England dar, so- 
weit sie unsere Aufgabe berühren. Versuchen wir uns die 
Hai ptzüge des Ganzen nochmals zu vergegenwärtigen. 

Die päpstlichen Schätzungen knüpfen die ersten Fäden 
zwischen der einsamen britischen Insel und dem blühenden 
Italien. Die Florentiner Banquiers machen sich heimisch und 
organisiren auch den englischen Waarenhandel, vermögen aber 
nur für kurze Zeit die Suprematie zu behaupten. 

Florenz wird bald abgelöst durch Genua, das seine Ver- 
bindungen im Orient und später selbst die Ursache seiner 
Schwäche, nämlich die Abhängigkeit von Frankreich zu be- 
nützen vermag, um die Gunst der englischen Könige im 14ten 
Jahrhundert sich zu erwerben und im 15ten zu bewahren. 

Aber in demselben Masse, als die venetianische Seemacht 
in dem mittelländischen Meere die genuesische überflügelt und 
immer mehr alle für die südasiatischen Producte massgebenden 
Verkehrswege und Stapelplätze beherrscht, in demselben Masse 
kommt Venedig in England zu commercieller Geltung. 

Eduards III. Staatspolitik gegen Frankreich wird für Ve- 
nedig ein Förderungsmittel und hilft ihm die ersten schwierigen 
Anfänge des directen Verkehrs nach England überwinden; die 
feste staatliche Organisation der Fahrten gewährt sofort dem 
Unternehmen die nöthige Stärke und Sicherheit. Richard IL 



derten anter Androhung der schrecklichsten Strafe befohlen, zurückzukehren. 
E* scheint nicht, dass die englische Regierung die Venetianer zurückhalten 
konnte. Sonst hätte nicht Camden unter Elisabeth schreiben können: 
„glassmakers were scant in the land; yet one there is as I do widerstand 
in Sussex at Cheddingfold." 

*) Brown, Cal. L Pref. S. LVn, LX, CLL In Betreff des Handels 
bis zur Zeit der Elisabeth vgl Brown, Cal. V. 322. 323; 731. 746. 902; 
359; 358; 831; 713. 714. 715. 

a ) Sebast. Giustinian, Four years at the court of Henry Vlli. 
Dispatches transl. by Brown. IntrocL S. XV. 



— 169 — 

und die Könige aus dem Hause Lancaster begünstigen den rasch 
aufblühenden Handel theils wegen der Zölle, die von den 
mit grosser Eegelmässigkeit erscheinenden Galeeren reichlich 
fliessen, theils wegen der italienischen Darleihen und Geschenke, 
theils auch mit Rücksicht auf die durch die Fahrten in ihren 
Interessen geförderten machthabenden Lords. 

Mitten in den Begünstigungen taucht aber bereits eine 
ernste Reaction aus den Kreisen der englischen Bürger (1441) 
auf, die nicht wieder erlischt. Das Haus York stellt sich an 
ihre Spitze und die Venetianer mit den übrigen Italienern 
sehen sich strengen und unfreundlichen Massregeln ausgesetzt. 
Gleichzeitig wird Italien das Streitobject der sich consolidiren- 
den Westmächte, und Venedig ist plötzlich in eine höchst ver- 
wickelte Politik gezogen, welche die Galeerenfahrten ernstlich 
gefährdet 

Unter diesen Verhältnissen gelangt der erste Tudor Hein- 
rich VH. auf den Thron, er acceptirt vollständig die Richard'sche 
Politik, geht weniger schroff, aber sicherer und bedächtiger 
vorwärts. Venedigs Geduld ist nun erschöpft, es greift das 
Mark der Politik des Königs an und verübt einen Schlag 
gegen die nur langsam sich entwickelnde englische Schiffahrt 
im Mittelmeer, indem es durch Zollerhöhung die Engländer 
vom directen Bezug des Malvasierweins ausschliesst und so 
den nördlichen Schiffen die Grundbedingung eines gedeihlichen 
Handels nimmt Der Plan Heinrichs VII., durch Creirung 
eines englischen Wollmonopols in Pisa, Venedig zum Nach- 
geben zu zwingen, gleichzeitig dadurch dem englischen Ver- 
kehr im Mittelmeer eine breitere Basis zu schaffen , misslingt. 
Venedig fährt fort, den englischen Kauffahrern direct und in- 
direct jegliche Weinfracht zu entziehen. Heinrich VH. rächt 
sich, indem er nun auch seinerseits den Zoll auf den von 
Fremden eingeführten Malvasierwein erhöht, und er lässt sich 
nicht bewegen, selbst als die Venetianer den ihrigen aufhoben, 
die Zuschlagstaxe wieder ganz zurückzunehmen. Er hält an 
dem Differenzialzoll fest, um seinen Unterthanen die Begrün- 
dnng und Ausdehnung der Schiffahrt ins Mittelmeer zu sichern 
und zwingt die Venetianer, auch auf den Import aus den 
Niederlanden nach England fortan zu verzichten. 

Unter Heinrich VIII. verschlimmert sich die Situation des 
englischen Verkehrs für Venedig immer mehr. Neun Jahre 
lang gestatten die politischen Complicationen überhaupt nicht, 
die staatlichen Handelsflottillen nach England zu schicken; der 
englische Markt wird ihnen entfremdet, Venedigs grosse Ab- 
hängigkeit von England in Betreff der Wolle wird offenbar, 
gleichzeitig erhält durch diese Unterbrechung die englische 
Schiffahrt einen neuen kräftigen Impuls. 

1517 wird von Venedig die Absendung neuer Galeeren 
betrieben und nochmals ein ernster Versuch gemacht, um mit 



— ■ 170 — 

Heinrich VIII. die Weinzollfrage zu regeln. Dieser aber stellt 
sich ganz auf den Boden seines Vaters und alle Bemühungen 
des gewandten venetianischen Gesandten Giustinian bleiben 
erfolglos. Auch die Wiederankunft der Galeeren wird mit 
sehr getheilter Stimmung aufgenommen und selbst die Regie- 
rung sieht sich zuletzt in ihren Erwartungen auf eine grosse 
Zoll einnähme getäuscht, da die Venetianer ihren Import nach 
den Niederlanden zu richten für vorteilhafter finden. Eine 
dritte Flottillenfahrt (1521) ist von einer Summe von Leiden 
und Qualen begleitet. England benutzt die Galeeren, um 
durch ihre Verfolgung auf Venedig einen politischen Druck 
auszuüben. 

Wieder bleiben die Expeditionen neun Jahre unterbrochen, 
und seit Cromwell und Norfolk die Leitung der englischen 
Politik erhalten, schwindet alle Hoffnung, die Blüthe des ehe- 
maligen Verkehrs nach England wieder herzustellen. Crom- 
well erkennt Venedigs unaufhaltbares Sinken, berücksichtigt 
die Stimmen der einheimischen Industriellen und Schiffer und 
strebt dahin, durch fortgesetzte Schwierigkeiten den Venetianern 
die Absendung neuer Galeeren zu verleiden und den Handel 
ins Mittelmeer den einheimischen Kaufleuten zuzuführen. Die 
Flottillen kommen noch 1531, 1532 und 1533, stellen dann 
aber ihre Fahrten für immer ein. 

Von da an verschwindet die venetianische Flagge mehr 
und mehr aus den englischen Gewässern; nach Verhältnisse 
massig kurzer Zeit war auch die von Privaten betriebene 
Schiffahrt so gemindert, dass nicht einmal ein Gonsul in Lon- 
don mehr nöthig war. 

Es sind hauptsächlich zwei Gründe, weshalb Venedig so 
leicht und vollständig bei Seite geschoben werden konnte. 
Der eine liegt in der allgemeinen politischen und commerciellen 
Schwächung, welche durch die ständigen höchst erschöpfenden 
politischen Verwickelungen im westlichen, die wachsende Macht 
der Türken im östlichen Europa und die gleichzeitige Ent- 
deckung des neuen Seewegs durch die Portugiesen geschaffen 
wurde. Das allein war aber nicht entscheidend; denn auch 
trotz dieser trüben Verhältnisse wäre Venedig im Stande ge- 
wesen, dem Handel nach England reichen Inhalt zu geben. 
Noch boten die Länder des Mittelmeers Stoffe und Producte 
genug, um einen Import nach England zu ermöglichen und 
die Aufnahmefähigkeit Venedigs von englischen Rohstoffen für 
die eigene Industrie und von englischen Manufacten für den 
Verschleiss stand ja ohnehin ausser allem Zweifel. Aber Eng- 
lands mächtige, durch die verschiedensten Momente begünstigte 
Expansionskraft, sowie der Umstand, dass die rechtliche Ord- 
nung des venetianisch-englischen Handels trotz seines blühenden 
Zustandes im Mittelalter nur eine einseitige war, wurden aus- 
schlaggebend für die fast spielend vor sich gehende Verdrängung 



- 171 — 

der Venetianer vom englischen Boden. Zwischen dem Frei- 
staat und England hatte sich, weil Venedig den mittelländisch- 
englischen Handel so lange mit fast völligem Ausschluss der 
Engländer führte, kein Vertrags-, kein auf Gegenseitigkeit be- 
ruhendes Verhältniss gebildet, die mittelalterliche Uebung der 
Ertheilung von Privilegien blieb hier erhalten. England war 
Mos Geber, Venedig blos Empfänger, und es war ganz natür- 
lich, dass England, nachdem es erstarkt, die uneigennützige 
Geberrolle aufgab und nun auch seinerseits nur allein empfangen 
und Vortheil ziehen wollte. 



Drittes CapiteL 

England und die Hansen. 



Die handelspolitischen Beziehungen Englands zur deutschen 
Hanse ähneln in mancher Hinsicht denen Englands zu Venedig. 
Wie das Mittelmeer von den Venetianern beherrscht wurde, so war 
die Ostsee die Domäne der Hansen, wie Alexandria die Grund- 
lage des venetianischen Handels bildete, so lag der Schwer- 
punkt des hansischen Verkehrs zur Zeit seiner Blüthe in "Now- 
gorod, wie der Ausschluss der Engländer von den Mittelmeer- 
ländern genuesische und venetianische Politik war, so war die 
Femhaltung derselben aus der Ostsee hansische Politik. Wie 
für die Venetianer es wichtig war, den Weg nach dem Norden 
durch kluges Benehmen gegenüber den Staaten am atlantischen 
Ocean sich zu sichern, so war der hansische Handel abhängig 
von der Herrschaft im Sund. Ebenso waren die Ziele der 
englischen Politik ungefähr dieselben, die sie gegenüber Venedig 
verfolgte. Wie sie die Italiener nach zeitweiser Begünstigung 
zu beschränken, dem englischen Kaufmann ihre Rolle zuzuweisen 
und ihm den Eintritt ins Mittelmeer zu erobern sucht, ebenso 
denkt sie daran, die Privilegien der Hansen in England zu 
zertrümmern und der englischen Flagge in dem östlichen 
Meere grösseren Raum zu verschaffen. 

Lässt sich in dieser Weise eine Parallele zwischen Venedig 
und der Hansa ziehen, so fehlt es doch auch nicht an Ver- 
schiedenheiten. Die den Engländern stammverwandten Hansen 
wussten frühzeitig bei der einheimischen Bevölkerung und 
den Königen wirkliche Sympathien sich zu erwerben, dem eng- 
lischen Gemeinwesen mehr als irgendwo sich zu nähern l ), der 



x ) Lappenberg, Urkundliche Geschichte des hansischen Stahlhofes 
zu London. 1851. S. 18. 



— 173 - 

Italiener dagegen war dem Engländer immer fremd und anti- 
pathisch geblieben. Der deutsche Handel war mehr ehrlich 
und schlicht, der italienische mehr auf Ausbeutung und List 
gegründet. Die Hansen vermochten ihre Rechte scharf aus- 
zubilden und in fast ununterbrochener Folge zu bewahren, sie 
handelten sehr bald gemeinsam, hatten einen Bund, wenn auch 
keine einige Nation hinter sich, die Italiener dagegen besassen 
nur vereinzelte Rechte, machten unter sich gefährliche Con- 
currenz und besassen in Folge der politischen Zersplitterung 
keinen festen Zusammenschluss. So kommt es wohl, dass die 
Hansen etwas länger als die Venetianer auf englischem Boden 
schalten und walten durften. 

Die ersten nachweisbaren Beziehungen der Deutschen zu 
England gehen bis in das 10. Jahrhundert zurück *) und sind 
von den Bewohnern der zunächst gelegenen und früh ent- 
wickelten Küstengebieten der Nordsee geschaffen worden. Vor 
Allen gebührt Köln, dessen Gemeinwesen über das der übrigen 
deutschen Städte sehr bald emporragte, das Verdienst, den 
schwierigsten Schritt gethan, die Landsmannschaft mit der 
Gildehalle in England fester begründet und |den Deutschen 
den zum Handel nöthigen Rechtszustand auf dem fremden 
Boden gesichert zu haben. Die übrigen westfälischen und 
deutschen Städte des Nordseegebietes, die nach England han- 
delten, mussten sich Köln unterordnen, um an dessen Frei- 
heiten in England zu participiren. 

Das Wesen und die Hauptbedeutung dieses durch die 
Städte der Nordsee geschaffenen Handels lag zum Theil in 
dem directen Austausch der beiderseitigen Producte, noch 
mehr aber in der von den Kölnern und ihren Genossen über- 
nommenen Vermittlung des Handels zwischen England und den 
niederländischen Märkten, endlich in dem ausschliesslich von der 
deutschen Genossenschaft auf Gotland, an welcher Köln und 
die übrigen Nordseestädte ursprünglich den grössten Antheil 
hatten, beanspruchten Verkehr zwischen der West- und Ostsee. 

Im Laufe des 13. Jahrhunderts erhob sich, unterstüzt vom 
deutschen Kaiser, gegen die ausschliessliche Herrschaft Kölns 
die neu aufgekommene Ostseestadt Lübeck. 26. August 1238 
gestattet Heinrich HI. den Lübeckern, England zu besuchen 2 ), 
1266 27. Dezbr. gewährt er ihnen ein grösseres Privilegium 3 ) 

') Ueber die ältesten Beziehungen der Deutschen zu England bis zum 
Ende des 13. Jahrhunderts vgl. K. Höhlbaum, Hansisches Urkundenbuch. 
Halle 1876. Band I. und dess. Aufsatz „Zur Geschichte der deutschen 
Hanse in England" in den Hansischen Geschichtsbl. 1875. S. 22—30: ferner 
Koppmanna Einleitung zum I. Band der Hanserecesse 1870 S. XXVI fg.; 
auch I). Schäfer, die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark. 
Hansische Geschichte bis 1376. Jena 1879. S. 60 fg. 

*) Höhlbaum, Hans. ürkb. I. Nr. 292. 

s ) Heinrich UI. verspricht, dass die Lübecker wegen Schulden, für die 
sie weder Bürgen noch Hauptschuldner sind, nicht inhaftirt werden sollen, 



— 174 - 

und 1267 Jon. 5. das Recht, eine eigene Hansa zu bilden l ). 
Das Dazwischentreten Lübecks liess im Handel eine Scheidung 
eintreten. Der Verkehr zwischen Ost- und Westsee ging mehr 
und mehr in die Hände der Ostseestädte über; von Gotland, 
später mit Beiseiteschiebung Wisbys direct von der neuen 
Niederlassung Nowgorod aus führen sie die Producta des 
Ostens nach England und Flandern und bringen dafür Pro- 
ducte des niederländischen Marktes und englische Manufacte 
und Rohstoffe nach Osten zurück. Trotz dieses beginnenden 
Umschwungs erfolgt nicht auch eine Trennung der Deutschen 
in England« Lübeck im Bunde mit Hamburg gelingt es, den 
Vorrang Kölns daselbst zu brechen; die Sonderhansa. der Kölner 
und die anderer Städte wurden in den Hintergrund gedrängt; 
mehr und mehr Städte schaaren sich unter Lübecks Banner, 
unter seiner Führung schwingt sich gegen Ende des 13« Jahr- 
hunderts in England die „Hansa Alamanniens" empor 8 ). Da- 
mit war ein gemeinsamer, fester Vereinigungspunkt gegeben 
und der bedenkliche Gegensatz zwischen den Städten der Ost- 
und Westsee wenigstens nacji Aussen verdeckt. Je mehr unter 
Lübecks Einfluss die Hansa im 14. Jahrhundert sich consoli- 
dirte und ausbreitete, eine je ansehnlichere Macht sie den 
englischen Königen gegenüber repräsentirte, um so grössere 
Sicherheit war gegeben, nicht nur Privilegien zu erhalten 3 ), 
sondern dieselben auch zu bewahren. 

Die fremdenfreundliche Politik der Plantagenets kam ihren 
Wünschen entgegen. Von weitaus nachhaltigstem Einfluss war 
das Eingreifen Eduards I. Am 1. Februar 1303 erliess der 
König die bekannte Charta mercatoria, durch welche er den 
freien Handel der Fremden in England proclamirte 4 ). Indem 
es von allen Fremden nur den Hansen gelang, diese Charte 
sich dauernd zu sichern und über zwei Jahrhunderte lang die- 
selbe immer von Neuem bestätigt zu erhalten, ward dieser 
ursprünglich allgemeine Freibrief ein wahrhaft hanseatisches Pri- 
vileg und das Fundament des hanseatisch-englischen Handels 5 ). 

ausgenommen den Fall, dass die zahlungsfähigen Schuldner ihrer Stadt an- 
gehören, oder der Rath von Lübeck Engländern das Recht verweigert; ferner 
verspricht der König wegen Vergehen ihrer Diener die Waaren und Güter, 
welche sie als die ihrigen auszuweisen vermögen, ihnen nicht zu nehmen, 
a. a. 0. Nr. 635. 

*) a. a. 0. Nr. 636. Hamburg erwarb sich dies Recht bereits im No- 
vember 1266. a. a. 0. Nr. 636. 

*) Für das Folgende kommen hauptsächlich in Betracht: Sartorius, 
Urkundliche Geschichte des Ursprungs aer deutschen Hansa, herausgegeben 
von Lappenberg 2 Bd. Hamburg 1830. I. S. 274 fg., ferner die Hanse- 
recesse von 1256—1430, herausg. von Koppmann (publ. bis 1400) und 
von 1430—76 herausg. von Goswin Freiherrn von der Ropp (publ. bis 
1443), endlich HansischesUrkundenbuch herausg. von Höhlbaum 1S79. 
Bd. IL 1300—1842). 

8 ) Vgl besonders Höhlbaum a. a. 0. I. 902. 

4 ) Ueber die Charte Näheres unten im 3. Capiel des II. Abschn. 

*) Aehnlich eigneten sich die Hanseaten in den Niederlanden einen 



- 175 — 

Eduard II. bestätigte den Hansen den erwähnten Brief 
(1811) und fügte noch ein neues Privileg hinzu, indem er die 
ausschliessliche Haftbarkeit des Hauptschuldners und seines 
Bürgen statuirte (1817) *), sowie das Maklerrecht ihnen er- 
theilte (1316); Eduard III. verwehrte den englischen Bürgern, 
die Rechte der Hansen durch städtische Verordnungen zu ver- 
kQmmem *). 

So hatten die Hansen eine Reihe von Privilegien sich 
verschafft, auf Grund deren ein schwunghafter blühender 
Handel betrieben werden konnte. 

Unter den folgenden Königen hatten sie nur dafür zu 
sorgen, dass ihre Rechte immer in aller Form anerkannt und 
ausgebaut wurden. Das war aber eine sehr schwierige Auf- 
gabe, da mannichfache Gefahren ihrem Besitze erwuchsen. In 
erster Linie war es die Fiscalität der Könige selbst. Auf die 
Zölle als auf eine Hauptfinanzquelle angewiesen, dachten sie 
fortwährend an Erhöhung derselben. Schon Eduard HL machte 
wiederholte Versuche, ihnen neue Lasten aufzunöthen. Noch 
in den ersten Regierungsjahren , führen die Hansen darüber 
Klagen 8 ). 1869 wollte der König sie zur Zahlung der ihm 
vom Parlament bewilligten Subsidie veranlassen, und als sie 
sich dieser Neuerung weigerten und nur eine einmalige 
Pauschalsumme von 100 Mark Sterl. gaben, erhöhte er den 
in der Charta mercatoria festgesetzten Zoll von 3 d per jß 
Werth auf das Doppelte (1372). Doch gelang es den hansi- 
schen Gesandten, den früheren Schutz und die Abgabenprivi- 
legien, wie sie König Eduard I. den Kaufleuten der deutschen 
Gildehalle zu London ausgestellt hatte, wieder zu erwirken 
(1375). Eine härtere Probe hatten die Hansen unter Richard U. 
zu bestehen. Noch zu Lebzeiten Eduards IH. hatten die Hansen 
auf Schonen und Norwegen die englischen Kauf leute sehr miss- 
handelt. Da sie den bezüglichen Beschwerden der Engländer 
kein Gehör schenkten, so wurden ihre Priviligien durch Parla- 
mentebeschluss anerkannt (1377). Vier Jahre lang mussten 
sie sich schwere Abgaben und sonstige Nachtheile gefallen 
lassen 4 ). Einige Zeit blieb der Verkehr ganz unterbrochen. 
Obwohl sie 1381 ihre Privilegien zurückerhielten , war der 
dauernde Besitz derselben doch nichts weniger als gesichert. 

allgemein geltenden brabantischen Freiheitsbrief von 1815 im Laufe der 
Zeit als Specialprivileg an. Sartorius, Geschichte des hanseatischen 
Bandes I. S. 274 

') Wie dies Recht bereits 1844 and 1346 praktisch wurde, darüber 
▼gl Sartorius, Urk. Gesch. des Ursprungs der Hansa S. 802—804. 

*) Vgl. die Massregeln der Burger zu Lynn gegen die Hansen 1303. 
Sartorius, Urkundenbuch zur Geschichte des Ursprungs der deutschen 
Hansa. Nr. CXIII. Es scheint, als ob die Lynner ersfr^nach Erlass der 
Charta mercatoria dieses Vorgehen beliebten. ^N. 

*) Rot. Pari. II. S. 46 Nr. 64. 1330. \ 

4 ) Vgl. auch Tr atz ig er, Chron. der Stadt Hamburg hsg. voni^appen- 
berg. S. 101. ad an. 1379. 



— 176 — 

Je mehr Schwierigkeiten die englischen Kaufleute bei ihren 
Versuchen, in der Ostsee sich festzusetzen, begegneten, um so 
schwankender war der Zustand in England. Schon 1391 ge- 
währte der König die Privilegien wieder nur auf zwei Jahre. 
Aus Verhandlungen kam man nicht heraus. Aber Richards II. 
Nachfolger. Heinrich IV., erneuerte ihre Rechte 1 ). 

Mittlerweile war ein Gegner entstanden, die Merchant 
adventurers, welchen die Zollprivilegien der Hansen noch ver- 
liasster als den Königen waren. Beeinträchtigt durch den 
Zwischenhandel der Hansen zwischen England und den Nieder- 
landen, stellten sie den Satz auf, dieselben hätten überhaupt 
kein Recht am Zwischenhandel oder wenigstens keine Zoll- 
freiheiten für diesen zu beanspruchen. 

Heinrich IV. trat auf die Seite der englischen Kaufleute, 
beschlagnahmte (1411) einige Hanseschiffe und erklärte sie 
nicht herausgeben zu wollen, bis sie für alle Waaren, welche 
sie „ad partes transmarinas u verschifft, nicht nur die „custu- 
mas u , sondern auch die „subsidia et deverias" gezahlt hätten-). 
Aber der Nachfolger, Heinrich V., in seinen französischen 
Kriegen der finanziellen und politischen Unterstützung der 
Hansestädte benöthigt, musste ihnen ihre Rechte wieder be- 
stätigen (1413) und feierlich für sich und seine Nachkommen 
versprechen, keine neue Auflagen ihnen aufbürden zu wollen 8 ). 

Die Gefahren waren jedoch nicht beschworen. Die Be- 
drückungen des die Fahrten in die Ostsee betreibenden eng- 
lischen Kaufmanns durch die Hansen waren eine unversiegliche 
Quelle von Differenzen. Das englische Bürgerthum wurde zu- 
dem mächtiger und mächtiger und die Zeiten schwanden immer 
mehr, in denen die Lords und die Geistlichkeit allein das ent- 
scheidende Wort sprachen. 

Seit 1432 war das Verhältniss ein sehr gespanntes 4 ) und 
unter Eduard IV. wurde ihre Lage bereits bedrohlich. EduardIV. 
war der Liebling der Londoner und holte gerne auf deren 
^YUnsche. Die Merchant adventurers fanden bei ihm eine 
kräftige Stütze; die Hansen mussten sich schwere Schätzungen 
1 1 3 520 { £) vom königl. Rath gefallen lassen, und bei all dem 
wurden sie nicht gegen die Räubereien der Engländer ge- 
schützt. Da kam wie so oft im Norden einer jener Momente, 

2 ) Vgl. die Verhandlungen hierüber bei Koppmann, Hanserecesse 
lld. IL u. III. besonders die orientirende Einleitung zu Bd. IH. S. VII— X; 
auch Häberlin, Analecta medii aevi Nürnberg und Leipzig 1764 S. 61 
biö 82; ferner R. Pauli, Zu den Verhandlungen der Hansa mit England 
(1404—1407) in den Hans. Geschichtsbl. 1877. S. 125 fg. 

2 ) Justus Moser, Patriot. Phantas. I. S. 275. 

*) Häberlin, Analecta Nr. 13. S. 82-99. Auf dies Versprechen 
i uirirten die HanBen noch unter Elisabeth. 

4 ) Namentlich mit Rücksicht aufDanzig. Vgl. Hirsch, Handels- und 
Gewerbegeschichte Danzigs; ferner Sartorius, Gesch. des hans. Bundes 
und T ratziger, Chron. der Stadt Hamburg hsg. von Lappenberg S. 172, 
178, 184, 204, 206, 207, 209. 



i 



— 177 — 

wo die Hansen in ihren Händen die Königskrone trugen. Sie 
hatten, als Eduard IV. vertrieben wurde, zu entscheiden, ob 
Heinrich VI. den Thron behalten oder wieder verlieren sollte. 
Mit seltenem politischen Scharfblick vergassen sie der Be- 
drückungen, die ihnen Eduard IV. als König zugefügt, ver- 
schlossen sich den Bitten der Margaretha von Anjou und 
führten im Verein mit den Vlamen und Holländern Eduard IV. 
auf den Thron zurück. Sie hatten dem germanischen Element 
zum Siege verholfen; denn wäre es Heinrich VI. gelungen, sich auf 
dem Thron zu erhalten , so wäre die Abhängigkeit Englands vom 
Hause Valois besiegelt gewesen, und nicht nur die Niederlande 
wären sehr bedrängt worden, sondern auch der vom hansischen 
Kaufmann geführte Dreizack wäre wohl an die romanischen 
Seemächte übergegangen, und die ganze Entwicklung des west- 
europäischen Handels wäre eine andere geworden 1 ). Sie hatten 
sich von einer schweren Gefahr befreit, gleichzeitig den König 
zu grossem Danke sich verpflichtet. 

Unmöglich konnte Eduard IV. ihnen die endliche Regelung 
der vielen seit drei Decennien herangewachsenen Beschwerden 
versagen. Im Bewusstsein ihrer Macht und geleisteten Dienste 
waren die Hansen sehr hartnäckig in ihren Forderungen, und 
nur schwer gelang es, in den zahlreichen Sitzungen vom 
14. Juli bis 18. September 1473 zu Utrecht wenigstens die 
Grundlage eines Friedens zu vereinbaren 2 ). Freilich waren 
diese nicht den Wünschen Eduards gemäss ausgefallen, und 
viele Punkte wollte er abgeändert wissen, aber die letzte end- 
gültige Weisung des Königs an seine Commissäre lautete doch 
dahin, mit den Hansen nicht zu brechen, sondern lieber nach- 
zugeben, wenn es anders nicht gehe 3 ). 

Die Hansen wurden nicht nur wieder in ihre früheren 
Rechte durch Parlamentsbeschluss eingesetzt 4 ), sondern sie 
erhielten durch die Vermittlung Karls des Kühnen von 
Burgund auch ihre sonstigen Wünsche erfüllt. Februar 1474 
ratificirte Eduard IV. den berühmten Utrechter Veitrag. 



J ) Pauli, Die Haltung der Hansestädte in den Rosenkriegen; Hansi- 
sche Geschichtsbl. Jahrg. 1874. S. 77—105. 

2 ) Unter Lord Calthorpes Mscrs. befindet sich in Vol. VII. P. 1 
foL 82-—114 ein Tagebach eines der englischen Commissäre über den Fort- 
gang der beiderseitigen Verhandlungen. Die vorgebrachten Argumente sind 
von dem Verfasser sehr gut zusammengefasst, so dass dieses Tagebuch 
eine äusserst vollständige Aufklärung Über den englischen und hansischen 
Standpunkt gibt Der definitive Abschluss des Friedens auf Grund der 
allgemeinen Hauptzüge sollte im December erfolgen (a. a. 0. fo. 113). Der 
zweite Congress wurde aber erst im Januar 1474 abgehalten. 

*) Das Original dieser Instruction ist erhalten im Brit. Mus. Cot ton 
M sc. Nero B. IX. Da dasselbe auf kürzestem Wege über die Streitpunkte 
orientirt und die englische Auffassung sehr gut charakterisirt, so ist eine 
Abschrift genommen worden. Urk. Beil. 82. 

4 ) 1473. Rot. Pari. VI. S. 65 fg. 

Sclianz, Engl. Handelspolitik. I. 12 



— 178 — ; 

Ausser einer Reihe von Bestimmungen zur Wiederherstellung 
des Friedens und der Festsetzung von Entschädigungen (Art. 1, 
2, 3, 9, 10) enthält dieser Vertrag nicht nur die Anerkennung 
der bisherigen Rechte und Privilegien, sondern noch mannich- 
fache Erweiterungen und authentische Erklärungen derselben. 
Der König verspricht, den Wortlaut der hansischen Frei- 
heiten in allen englischen Häfen publiciren zu lassen, und zwar 
so oft die deutschen Kaufleute es verlangen, damit den Ein- 
griffen der Behörden begegnet werde (Art. 6) ; die sich gegen 
die Hansen verfehlenden Beamten will er zur Strafe zieheu 
(Art. 7), Die Stadt London muss alle Freiheiten, welche von 
den Hansekauf leuten erworben wurden, sowie alle Verträge, 
welche sie mit den Königen abgeschlossen haben, anerkennen, 
auch wenn manche Privilegien ihren Freiheiten widerstreiten 
(Art 12). Wer von der Association der Hanse sich trennt, 
gilt dem König als Fremder (Art. 11). Ausser der Gildhalle, 
welche die Deutschen schon länger eigenthümlich besassen, 
wurde auch der Stahlhof in London mit allen Pertinenzen den 
Hansen als Eigenthum zuerkannt 1 ); ebenso der Stahlhof in 
Boston-, und auch in Lynn soll ihnen ein Haus nahe beim 
Wasser zum Gebrauch und ewigen Besitz angewiesen werden; 
sie sind jedoch verbunden, alle Lasten, welche zu frommen 
Zwecken auf diesen Gebäuden haften, zu tragen (Art. 8). In 
allen Rechtsfällen (Capitalverbrechen ausgenommen), bei denen 
die Hansen betheiligt sind, soll der König zwei oder mehre 
Richter bestimmen, welche ohne alle Formalitäten sofort 
Recht sprechen sollen. Die Kauf- und Seeleute der Hansa 
sind gänzlich von der Jurisdiction der englischen Admiralität 
und anderer englischen Gerichtshöfe befreit. Aehnliche Vor- 
kehrungen sollen in den Hansestädten getroffen werden 
(Art. 5) 2 ). Falls die Hansen triftige Klagen wegen betrügeri- 
schen Wagens oder Tuchmessens vorbringen, soll ihnen ein 
eigener Wäger und Tuchmesser bestellt werden (Art 15). Die 
Zollbehörden müssen die Hansekaufleute ohne Verzug ab- 



*) Ueber die Modalitäten, unter welchen die Deutschen das Eigentums- 
recht haben sollten, vgl. Rot. Pari. VI. S. 123. (1475). 

*) Schon frühzeitig gestanden die Londoner die Ernennung eines Alder- 
manns zur Schlichtung der Streitigkeiten zu. In einem Vergleich von 12b2 
heisst es: „Concesserunt eciam eisdem, quod habeant aldermannum suum, 

Srout retroactis temporibus habuerunt, ita tarnen quod aldermannus ille sit 
e libertate civitatis predicte, et, quociens per predictos mercatores electus 
fuerit, majori et aldermannis civitatis presentetur et coram eis sacramentum 
faciat rectum et jnsticiam in curiis suis quibuscumque faciendi et se habendi 
in officio suo, prout salvo iure et consuetudine civitatis se habere debebit 
et consuevit Hans. Höhlbaum, Urkundenb. Nr. 902. Offenbar wurde 
die ausdrückliche Anerkennung dieses ältesten hansischen Rechts im 
Utrechter Vertrage verlangt, vyil die Engländer immer dieses Recht miss- 
achteten. Wie sich noch weiter die Hansekaufleute gegen die englischen 
Gerichte schützten, darüber vgl. Art. 14 des ütr. Vertr. 



— 179 — 

fertigen, auf dass sie nicht zum Vortheile der englischen Kauf- 
leute am schnellen Umsatz ihrer Waaren gehindert werden 
(Art. 16). Die Beschauer dürfen keine ungegründeten Hinder- 
nisse in den Weg legen (Art 17). Wenn sie mit ihren Pelz- 
werken, kostbaren Fellen und andern Gütern vom Ufer aus 
ins Land sich begeben, so dürfen sie nicht weiter von den 
Zöllnern, auch nicht in Canterbury, Rochester und Gravesend 
belästigt werden (Art. 18). Sie werden befreit vom „Prince 
money" oder „lufFkoep", sowie von den 4 Pfennigen, welche 
der „Prikker" abzuverlangen pflegte (Alt. 19). Der König 
soll gegen Mängel in der Länge und Breite der Tücher oder 
in der Qnalität der Wolle einschreiten (Art. 22). Nach ge- 
gebener Sicherheit sollen gesetzliche Beschlagnahmungen auf- 
gehoben, und den Kaufleuten der Hanse gestattet sein, über 
ihre Waaren zu verfügen (Art. 28). Das Recht des Detailver- 
kaufs von Rheinwein wird bestätigt, auch soll der Mayor 
keinen Theil ihres Salzes wie bisher beanspruchen dürfen 
(Art. 24). Schiffbrüchiges Gut muss zurückerstattet werden, 
wenn ein lebendes Wesen glücklich das Land erreicht (Art. 20). 
Ebenso wird eine Parlamentsacte 15 Rieh. II. für sie bestätigt, 
wonach dem englichen Admiral keine Jurisdiction oder Ent- 
scheidung zusteht über Menschen oder Sachen, die in Folge 
eines Unglücks aus dem Schiffe in das Meer fallen (Art. 21). 
Endlich wird ihnen die günstigste Interpretation der bisherigen 
Verträge und Privilegien zugesichert (Art. 27). 

Man sieht, der Vertrag ist ganz einseitiger Natur; nur 
in einem Artikel (4) wird auch des Handels der Engländer 
nach Preussen und den Hansestädten gedacht, aber keineswegs 
die in diesem Punkt bestehende Unklarheit vollständig be- 
seitigt. 

Dieser grossartige Sieg, wie er sich in diesem Vertrage 
kundgiebt, ist von entscheidendem Einfluss gewesen. Der 
Utrechter Tractat blieb die Basis für die Folgezeit. Fast ein 
ganzes Jahrhundert war noch nöthig, bis dieser Bau zusammen- 
brach. Mit ihm hatten die Hansen in England ihren Höhe- 
punkt erreicht. Langsam und sicher haben die folgenden 
Jahrzehnte fort und fort genagt, bis die Privilegien zer- 
bröckelten und von den Wogen eines nationalen Lebens fort- 
geschwemmt wurden. 

Grosse Veränderungen gingen in und bei dem hansischen 
Bunde gegen Ende des 15. Jahrhunderts vor sich. Ringsumher 
bildeten sich einheitsvolle Gemeinwesen, nur die Hansen hatten 
es versäumt, dem lockeren Bunde zu richtiger Zeit eine kräf- 
tigere Organisation zu geben. Die centrifagalen Kräfte nahmen 
überhand, und man musste es erleben, wie in grossen und 
nichtigen Angelegenheiten einzelne bedeutende Glieder ab- 
trünnig wurden. England vergass es nicht mehr, dass es ihm 

12* 



— 180 — 

in den Streitigkeiten vor dem Utrechter Vertrag gelungen 
war, Köln auf seine Seite zu ziehen. 

War nach Aussen die Gemeinsamkeit nicht mehr aufrecht 
zu erhalten, so war dies noch viel weniger nach Innen der 
Fall. Seitdem das Reichskammergericht (1495) aufkam, ent- 
zog sich eine Stadt nach der andern dem Gericht der Hansen. 

Der Geist der Gemeinsamkeit begann zu weichen, und 
damit war auch der Fall der Contore zur Notwendigkeit ge- 
worden. Seit der grösseren Rechtssicherheit im Auslande 
waren sie entbehrlich, jede Stadt entledigte sich des un- 
bequemen Zwangs und folgte nur ihrem Interesse. In den 
früh entwickelten Niederlanden war das Contor zu Brügge in 
voller Auflösung 1 ) und auch in dem prächtigen Neubau zu 
Antwerpen hatten sich die Hansen nur ein Grabdenkmal ge- 
setzt. Es gelang nicht mehr, die Handelsgemeinschaft mit den 
Fremden, namentlich den Niederländern fem zu halten *). Die 
holländische Flotte begann emporzublühen und der hansischen 
in der Ostsee eine kühne Concurrenz zu bereiten. 

Was in den Niederlanden die Macht der öconomischen 
Verhältnisse, das vollführte im Osten despotische Gewalt. 
1478 verlor Nowgorod seine Freiheit, und 1494 wurden &uch 
die Besitzungen der hansischen Factorei daselbst eingezogen. 
Wohl suchten die Hansen den Handel mit Russland über Liv- 
land zu führen, mussten dabei aber mit Schmerzen erfahren, 
wie die preussischen und livländischen Städte, einst ihre 
Bundesgenossen, jetzt sie wie Fremde behandelten 8 ). 

Diese Niederlage war ein unermesslicher Verlust; denn 
darauf war ja der ganze hansische Handelsbau gegründet; der 
östliche und westliche Pfeiler trugen das ganze Gebäude. 
Feste Säulen in der Mitte gab es nicht, es fehlte der Politik 
des Bundes die kräftige Stütze eines nationalen Reichs, es 



*) 1501 erklärten auf einer Versammlung der sächsischen und wendi- 
schen Städte die ersteren, dass sie ihre Tücher nicht mehr auf das Stapel 
zu Brügge bringen wollten, da andere Hansen sich auch nicht mehr daran 
hielten. 1507 und 1511 sagte Danzig Aehnliches. Sartorius, Gesch. des 
hans. Bundes HI. S. 252. Ein Jahrzehnt später war das Contor zu Brügge 
so missachtet, dass die Niederländer die Zölle bald um das Drei- bis Fünf- 
fache steigern konnten. Sartorius a. a. 0. DI. S. 264. 291. 

2 ) \iele Niederländer nisteten sich in den Hansestädten ein. weshalb 
die Hanse 1497 verbot, dass fortan Fremde in einer Hansestadt als Bürger 
aufgenommen oder auf den Contoren zum Dienst zugelassen würden. Fremde, 
die bereits in einer Hansestadt ansässig waren , sollten jederzeit auf Ver- 
langen beweisen, dass sie keine Gemeinschaft mit einem Fremden hätten, 
bei Verlust des Rechts zum Handel in der betreffenden Commune, um- 
gekehrt verheiratheten sich viele Hanseaten nach den Niederlanden und 
setzten gleichwohl ihre Verbindungen mit den Hansen fort. 

s ) Zwar gelang es der Hansa 1582 nochmals, in Narwa ein Haupt- 
contor zu gründen; aber den Alleinbesitz des in Folge gänzlicher Zoll- 
treiheit früher so gewinnreichen russischen Handels konnte sie nicht wieder 
erwerben. 



- 181 — 

fehlte seinem Handel die industrielle Basis eines grossen 
Staates. Das Emporkommen der deutschen Gewerbe war 
dem Bunde gleichgültig; er nahm die Producta, wo er sie 
fand, ja der hansische Zwischenhandel verfolgte, wenn auch 
unbewusst, das Ziel, die Industrie in fremden Ländern zu 
befördern; neben dem kaufmännischen Interesse kam das 
national -industrielle wenig in Betracht, jedenfalls blieb die 
Weiterentwicklung der gewerblichen Blttthe, wie sie die nord- 
deutschen Städte um die Mitte des 14. Jahrhunderts auf- 
wiesen 1 ), hinter dem Fortschreiten des Zwischenhandels im 
15. und Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Die deutschen 
Städte lieferten zum Export vorwiegend Bier und im Westen 
Wein, ausserdem aus dem Innern des Landes Leinwand 8 ). 
Unter den sonstigen Industriezweigen war die Appretur der 
in der Fremde gekauften Wolltücher wohl der wichtigste 3 ). 
Der eigene Fischfang verlor seine Bedeutung, als gegen Ende 
des 15. Jahrhunderts der Zughering sich in die Nordsee und 
an die britischen Küsten zog 4 ). Unter diesen Umständen be- 
greift man, wie verhängnissvoll Nowgorods Fall sein musste. 
Die Hansen fühlten das auch nur zu gut, und mit grosser 
Einsicht gebrauchten sie den Ausdruck, dass aus diesem Con- 
tore „gleich als aus einem Brunnquelle alle übrigen geflossen 
und darauf gegründet gewesen" ß ), auch gab es Gescheute 
genug, die später meinten, das neue Contor zu Antwerpen 
könne nichts nützen, so lange Nowgorod fehle *). 

Im gegenüberliegenden Norden, in Dänemark, Schweden 
und Norwegen waren die Hansen noch ziemlich stark, hatten 
sie es ja auch hier mit eiserner Gonsequenz , brutaler Gewalt 
und den gefährlichsten Mitteln verstanden, sich zu Herren zu 
machen. Aber die Reaction begann auch hier schon sich zu 
regen. Bereits Christoph hatte eine dänische Handelsgesell- 
schaft errichtet, um dem Monopol der Hansen entgegenzuwirken, 
und Christian I. hob zu ihren Gunsten sogar die deutsche 
Handelsgesellschaft 1475 auf und suchte durch mancherlei Be- 
stimmungen die Dänen zu bevorzugen 7 ). Ebenso verbot der 

x ) D. Schäfer, Die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark, 
Hansische Geschichte bis 1876. Jena 1879. Gap. VII, bes. S. 215 fg. 
*) Sartori us, Gesch. des hans. Bundes L S. 317. 
*) Sartorius IL a. a. 0. S. 721. 

4 ) Wenn auch der Hering nach Sartorius (a. a. 0. IL S. 418) 1487 
noch nicht vollständig in die Westsee gezogen war, so fand dies doch 
mehr und mehr im 15. Jahrhundert statt. 100 Jahre später schreibt 
Bonnus in seiner Chronik: „Anno 1588 im Herbst ist ganz kein Hering 
auf Schonen gefangen und der Kaufmann hat grossen Schaden dadurch ge- 
litten, und ist kein Zweifel, dass solche grosse Gnade Gott hinweg genom- 
men hat in diesem Jahr, der grossen Sünde und Undankbarkeit halben." 
Waitz, Jürg. Wullenwerer III. S.850. 

5 ) Sartorius a. a. 0. L S. 197. 
') Sartorius a. a. 0. L S. 203. 
') Sartorius a. a. 0. IL S. 398. 



— 182 — 

schwedische Reichsvorsteher (1470), fortan die Hansen in die 
Stadtbehörden zu wählen 1 ). Freilich waren diese Massregeln 
nur vorübergehender Natur, und ein grossartiges, fast tragisches 
politisches Schauspiel musste sich im Laufe des nächsten Jahr- 
hunderts noch abspielen, bis auch hier die nationale Kraft die 
Fremden hinausdrängte. Die beginnende Regung allein ist 
bemerkenswert!! genug. 

So lagen die Verhältnisse, als das kraftvolle Haus der 
Tudors zur Regierung gelangte. Der Antheil des englischen 
Aussenhandels, der in den Händen der Hansen sich befand, 
war zwar nicht so gross, als man gewöhnlich annimmt, aber 
immer noch bedeutend genug, um der englischen Regierung 
zu denken zu geben. 22 Procent des Tuchexports, 97 Procent 
des Wachsimports und nicht ganz 7 Procent der übrigen 
Warenbewegung trafen auf die Hansen 8 ). Successive hatten 
sie ihren Handel ausgedehnt, und rascher als sonst schien er 
jetzt zu wachsen 3 ). Diese Steigerung war gewiss den engli- 
schen Interessen nach vielen Seiten hin nur erwünscht. Un- 
möglich aber konnten sich der hellsehende Heinrich VU. und 
die klugen Minister Heinrichs VIII. der Frage verschliessen, 
ob man eine solche auf Kosten der Zollkasse und des Handels 
der einheimischen Kaufleute noch begünstigen dürfa Die Zoll- 
Privilegien der Hansen gegenüber den Engländern und übrigen 
Fremden 4 ) waren eine Anomalie 6 ), die um so unerträglicher 
ward, je mehr der Betrag des hansischen Handels sich ver- 
grösserte. Sobald die Regierung zu der Ueberzeugung ge- 
langte, dass die Entziehung der Privilegien keinen Rückschlag 
zur Folge haben werde, die englischen Kaufleute vielmehr 
stark genug sein würden, um den bisher von den Hansen be- 
triebenen Handel zu bewältigen, und sobald sie sicher sein 
konnte, dass der hansische Bund zu schwach sei, um ihr 
Widerstand zu leisten, war die Catastrophe unvermeidlich. 
Diese Ueberzeugung gewann während der Zeit Heinrichs VII. 
und VIII. in der That mehr und mehr an Boden, wie die fol- 
gende Darstellung darthun wird. 

Heinrich Vü. (1485-1509.) 

Sicherlich kann man es nicht auffallend finden, wenn 
Heinrich VIL bald nach seiner Thronbesteigung den Utrechter 



*) Sartorius, Geschichte des haus. Bandes IL S. 426. 

*) Bd. IL 8. 27. 

s )Bd.II. S. 18, 19. 

*) Vgl. Bd. IL 8. 6, 7. 

5 j Sadermann berechnete 1554 den Gewinn, den die Hansen gegen- 
über ihren Concurrenten in Folge der Zollfreiheiten und anderer Vortheile 
hatten, auf 61254 £ für 10 Monate. Sartorius, a. a. 0. III. S. 334. 



— 183 — 

Vertrag bestätigte (29. Juni 1486). Das Land blutete noch, 
es musste erst wieder beruhigt werden und wieder erstarken, 
der Thron war noch unsicher, und der König konnte nicht 
wagen, mit der Hansa sogleich offen den Kampf zu beginnen. 

Es unterliegt aber keinem Zweifel, dass er nur not- 
gedrungen die Confirmation der Privilegien vollzogen hatte; 
auch war klar, dass er keineswegs den Hansen zu Willen sein 
werde, wenn er mächtiger geworden. Hatte er sich doch nicht 
den Versuch versagen können, gleich am Anfang seiner Regierung 
die Hansen der Subsidie und dem hohem Tuchzoll zu unter- 
werfen und dadurch einen Process hervorzurufen, aus dem 
freilich — vielleicht durch Geschenke an den König — die 
Hansen als Sieger hervorgingen 1 ). Liess man von dieser 
offenen und klaren Verletzung der hansischen Privilegien ab, 
so wurde doch den Hansen auf andere Weise ein Schlag nach 
dem andern versetzt. 

Wir sind hierüber unterrichtet namentlich durch die Ver- 
handlungen des Hansetags zu Lübeck vom Jahre 1487 *). Der 
Kaufmann zu London führt bittere Klage, „wo dat se dar- 
sulvest tegen ere unde recht, tegen ere privilegia unde vry- 
hyde, en vorlenet van konynghen, swarliken unde jamerliken 
overvallen unde vordrucket werden" und die Vertreter von 
Köln und Danzig waren in der Lage, die Wahrheit derselben 
vollauf zu bestätigen. Vor Allem wurde es schwer empfunden, 
dass englische Gesetze, soweit sie nicht gegen die Zollprivilegien 
verstiessen, auch auf die Hansen angewendet wurden. Es galt 
dies namentlich von zwei Parlamentsacten, welche schon unter 
den Vorgängern zu Stande gekommen waren, aber von Hein- 
rich VH. sanctionirt und verlängert wurden; die eine Acte 
verbot die Einfuhr fertiger Seidenwaaren, die andere die Aus- 
fuhr ungeschorner Tücher. Das erstgenannte Gesetz war 
zwar vorwiegend gegen die Italiener gerichtet, traf aber auch 
sehr empfindlich die Kölner Seidenindustrie. Man drückte 
wohl zuweilen ein Auge zu, wenn die Kölner Seide importirten, 
aber sicher waren diese nie vor den königl. Zollbeamten 3 ). 

x ) Diese Entscheidung wurde für so wichtig gehalten, dass noch während 
der ganzen Begierungszeit Heinrichs VIII. von den Zollbeamten auf sie 
hingewiesen wurde, um die Befreiung der Harnien von der Subsidie und dem 
höheren TuchzoU zu rechtfertigen. Die stehende Formel in den Enrolled 
Accounts of Customs lautet: „. . . d de subs. non redit Der processum inde 
habitum et' consensu baronum annotatum in memoranais nuius scaccarü, 
videlicet inter Status et visus compotorum de termino sancti Michaelis anno 
secondo nuper regis Henrici rotulo VII^o e x parte remem. thes." 

') Für das Folgende wurden besonders die Beschwerden des deutschen 
Karfmanns vom Juni 1487 benutzt (B. A. zu Beval, Stralsund, Rostock. 
H&nserecesee ed. D. Schafer). Vgl. auch Köhler 'sehe Sammlung S. 236 
und Urk. Beil. 83. 

*) 1486 wurden z. B. einem Kölner 4 &. Seidenwaaren von einem 
Zollbeamten confiscirt (Kölner StA. Acta Anglic. 1434—1521 fo. 231). 
Später kam es noch häufiger vor (a. a. 0.). 



— 184 — 

Das andere Gesetz war für einen grossem Kreis von Hanse- 
städten von Nachtheil. Wie die Niederländer, so pflegten auch 
viele deutsche Städte das Scheeren und die Appretur der eng- 
lischen Tücher. Diesen wurde somit ein Nahrungszweig ent- 
zogen. Das grosse Scheergeld vertheuerte nicht nur die 
Tücher, sondern die letzteren wurden, wie die Hansen be- 
haupteten, auch verdorben. Viele Tücher hätten nicht die 
gehörige Länge und Breite, seien unvollkommen gemacht und 
vertrügen deshalb das Scheeren nicht 1 ). Ueberhaupt stand 
bei den Hansen der Glaube fest, dass diese Acte nicht zur 
Hebung und Vervollkommnung der englischen Tuchmacherei 
und zum allgemeinen Besten gemacht sei, sondern nur um 
den deutschen Kaufmann aus England zu vertreiben und seiner 
Nahrung zu berauben. Dies schlössen sie namentlich daraus, 
dass die englische Regierung keine ernstliche Anstalten treffe, 
um die Verfertigung schlechter Tücher zu verhindern, gleich- 
wohl aber von ihnen den Export von nur gut gearbeiteten 
und geschorenen Tüchern verlange, die Tücher erst dann con- 
fiscire, wenn sie in den Besitz der Deutschen übergegangen 
seien, bei den englischen Exporteuren sehr grosse Nachsicht 
zeige, indem die englischen Kaufleute in Antwerpen und Bergen 
zufolge ihrer Privilegien dem Käufer für schlechtes Tuch keinen 
Ersatz schuldig wären 2 ). 

Die englische Regierung ging noch weiter. Als der König 
mit dem Parlament beschlossen hatte, dass Weine von Gascogne 
und Toulouser Waid nur in englischen Schiffen importirt wer- 
den dürften, dauerte es nicht lange 3 ), als man auch dieses 
Gesetz bei den Hansen zur Anwendung brachte. Auch sonst 
wusste der König Mittel und Wege, um die einheimischen 
Kaufleute etwas dafür, zu entschädigen dass die Hansen so 
grosse Privilegien besassen. Wollten die Deutschen ihre Laken 
für die Antwerpener, Bergener oder Frankfurter Messe ver- 
schiffen, so liess er sie anhalten und verschaffte dadurch den 



') Aehnlich lauteten die Ausführungen der Hansen auf der Tagfahrt zu 
Brügge 1491 : „panni infideliter facti non hincelantur et sie raduntur, eumque 
posthumorem sentiunt contrahuntur in rugas, nam fila non sunt ejusdem 
generis, et ideo nostri potius solverent peeuniam de non radendo quam ra- 
dendo etc." (St. A. Danzig XXVII. Hanserecesse ed. D. Schafer). In ihren 
Specialklagen von 1491 führen die Hansen an, dass sie seit 1435 13 651 Tücher 
hätten scheeren lassen; an jedem Stück hätten sie 2 sh für das Scheeren 
und wegen schlechteren Verkaufs 2 rhein. Gulden, in Summa 5915 £ 4 sh 
4 d verloren (Kölner St A. Acta Anglicana 1434—1521 fo. 235). 

l ) Vgl. ürk. Beil. 83. 

") In den Klagen des Londoner Kaufmanns von 1487 ist hievon noch 
nichts erwähnt, obwohl die bezüglichen Gesetze aus dem Jahre 1485 und 
1487 stammen. Die erste Confiscation von Gascogner Wein, den die Hansen 
importirten, linde ich 1490 verzeichnet (Kölner St A. Acta Angl. 1434—1521 
fo. 232). 



— 185 — 

englischen Exporteuren nicht nur einen bessern Markt, sondern 
erschütterte auch den Credit der deutschen Kauf leute, die auf 
den Messen viele eingegangene Verpflichtungen zu lösen ver- 
sprochen hatten. Er gab den Zollprivilegien eine bisher nicht 
beliebte Auslegung; diese sollten nur für diejenigen Waaren 
gelten, die hansischer Herkunft waren. Man stützte sich dabei 
auf den in den Eduard'schen Privilegien vorkommenden Aus- 
druck „cum mercandisis suis" und suchte auf diese Weise die 
Bevorzugung der Hansen, die auch bei der Einfuhr von Spe- 
cereien, holländischen und braban tischen Leinentuchs keine 
Subsidie, sondern nur die geringe Costume von 3 d vom £ 
Werth zahlten, zu beschränken 1 ). Ueberhaupt Hess der König 
eine strengere Controle bei der Verzollung gegenüber den 
Hansen eintreten. Die Zollbehörden begnügten sich nicht 
mehr, wie bisher, mit dem Eide des Kaufmanns oder der 
von seinem Stellvertreter übergebenen schriftlichen Erklärung, 
sondern gleich nach Ankunft des Schiffes musste noch 
ein genau specificirtes Verzeichniss übergeben werden, von 
dessen Richtigkeit der Beamte durch Visitation sich über- 
zeugte. Ferner taxirte er die Güter und Waaren noch für 
sich und legte diesen Werth bei der Zollberechnung zu Grunde, 
wodurch der Eid der Hansen missachtet wurde. Auch beschul- 
digten die letzteren die Zollbehörden, dass sie den englischen 
Kaufleuten mittheilten, wie viel und was für Waaren die Hansen 
gebracht hätten, damit sie sich mit ihrem Einkauf danach ein- 
richteten. Bei Zollklagen zwang der König sie, vor den Barons 
of Exchequer zu erscheinen, während kraft ihrer Privilegien nur 
der Lordkanzler oder der königl. Rath der zuständige Richter 
sein sollte. Selbst die Bestimmung, dass Keiner für des An- 
dern Missethat haften sollte, dieser „allerkostlikeste puncte, 
dat de kopman lieft in synen Privilegien", wurde nicht ge- 
halten, sondern die Stahlhofskauileute mussten für den Schaden, 
den ein Hanse einem Engländer zugefügt, in ihrer Gesammtheit 
einstehen. 



') lieber diese Frage wurde fortan auf jedem Congress debattirt. Der 
Ausdruck kommt im Art. 1. des Privilegs Eduards III. vor: n — veniant cum 
mercandisis suis quibuscumque , de muragio, pontagio et pavagio liberi et 
quieti etc. u Dass die englische Interpretation falsch ist, unterliegt keinem 
Zweifel; wenigstens konnte von Eduard III. dieser Sinn nicht unterlegt 
werden; denn da er für das Privileg eine Zollerhöhung von den fremden 
Kaufleuten bewilligt erhielt, so war eine der spätenglischen geradezu ent- 
gegengesetzte Interpretation in seinem Interesse. Wenn die Absicht zu 
Grunde gelegen hätte, wie sie später von den Engländern in Anspruch ge- 
nommen wurde, so hätte sich Eduard III. anders ausgedrückt, etwa so, wie 
Heinrich III., als er am 20. März 1237 den (deutschen) Kaufleuten von 
Gotland Zoll- und Abgabenfreiheit in England ertheilte „de rebus et mer- 
candisis suis, quas ducent de partibus suis in Angliam, quam de Ulis, quas 
ernennt in Anglia ducendas versus partes suas." Höhlbaum, Hans, 
ürkundenbuch L S. 94. 



— 186 — 

Selbstverständlich liess auch der Londoner Mayor keine 
Gelegenheit vorübergehen, die Hansen zu schädigen. Waren 
es doch gerade die Londoner Kauf leute, welche die Opposition 
gegen den deutschen Kaufmann leiteten und immer schärfer 
ausprägten. Der Mayor zwang die Hansen, ihre Heringe in 
London umzupacken, und zwar soll er eine Verpackung an- 
geordnet haben, die ihnen schädlich war; er setzte für ihre 
Weine und ihr Salz niedrige Preistaxen fest und duldete nicht 
höhere Preise zu verlangen 1 ), er liess nicht zu, dass sie ihr 
Wagenschott oder Klappholz ausserhalb Londons verkauften, 
sondern zwang sie, dasselbe in London zu stapeln; er war 
säumig, wenn er für zu verhaftende Hansen Bürgen stellen 
sollte, wie dies die Privilegien verlangten 2 ). 

Nicht viel besser erging es den Hansen in andern Städten. 
Die Bürger von Hüll z. B. legten die seit lange bestehende 
gesetzliche Bestimmung, wonach der Erlös der eingeführten 
Waaren auf den Ankauf englischer Producte verwendet werden 
musste, dahin aus, dass die in Hüll gewonnene Einnahme auch 
in Hüll zum Einkauf benützt werden müsste. Nun fanden 
aber die Hansen nicht das, was sie brauchten, in Hüll, nament- 
lich nicht die von ihnen gewünschten Tuchsorten; als sie sich 
deshalb dieser Bestimmung weigerten, wurden ihre Schiffe und 
ihre Waaren in Beschlag genommen. 

Dazu kamen die fortwährenden Zwischenfälle zur See und 
die ständigen Beraubungen. Die Stimmung wurde immer feind- 
seliger. 



*) 1484 führte ein Kölner 4840 Bushel Salz nach London. Der 
Werth des Busheis war nach Angabe der Hansen 16 d, die Taxe aber 12 <L 
Da der Kölner sein Salz so nicht abgeben wollte und bald darauf 
grosser Salzüberfluss eintrat, sah sich der Kaufmann schliesslich genöthigt, 
sein Salz zu 6 d per B. abzulassen; ein anderer Fall wird aus dem 
Jahre 1486 registrirt üeber die Weintaxe beklagte sich H. Rink 1488. 
Er hatte 80 Tonnen (vasa) Rheinwein eingeführt Der Mayor setzte die 
Taxe auf 10 d von einer Gallone fest. Die Hansen behaupteten, zu diesem 
Preis nicht ohne Schaden verkaufen zu können, Der Mayor liess 4 Keller 
bauen, in welchen die Weine aufbewahrt werden mussten. Zehn Tage lang 
gestattete er den Hansen keinen Zutritt; da sie nicht nachfüllen konnten, 
so drohte der Wein schlecht zu werden. Nur einer dem König und Par- 
lament eingereichten Klage hatten die Hansen es 'zu danken, wenn der 
Mayor nicht ihre Fasser einschlug und den Wein als verdorben ans- 
goss. Inzwischen war aber die Flotte von Bordeaux gekommen und der 
Preis gesunken. (Klagen der Hansen 1491. Kölner St A. Acta Anglic 
484-1521 fo. 235 u. 286.) 

8 ) „want de sardianten van Lunden unde ander officio«, wan se enen 
Engelsman arresteren sullen van des copmans wegen, so maken se deme 
konmanne wys, dat se gude borgen davor hebben, unde hebben es nochtan 
nicht ,| unde wan men dat vervolget tegen de sardianten na dem rechte 
van Londen, so en kan de kopman geyn recht krigen, dardorch de copman 

f roten schaden lydet gelick nu kortes noch gescheen ys twysschen eynen 
opmanne van Colne genant Henna Rynk unde eneme Engelsman genant 
Daniel, de fyrgreven was van Londen. a. a. 0. u 



— 187 — 

Als im Jahre 1487 in Folge des Beschlusses der Städte 
Lübeck dem König, Parlament und der Stadt London die Be- 
schwerden mitgetheilt hatte *), erklärte der König sich bereit, 
einen Congress behufs Beilegung der Z wistigkeiten zu beschicken. 
Damals wurde das Anerbieten von Lübeck ausgeschlagen 8 ). 
Aber Heinrich VII. Hess nicht ab, denn sein Plan war, auf 
einem solchen Congress den Hansen einige Goncessionen ab- 
zudrängen. Mit gesundem Blick hatte er erkannt, auf welchem 
Wege den Hansen beizukommen sei. Während er fortfuhr, 
die deutschen Kaufleute zu bedrücken, hatte er versucht, den 
Dänen sich zu nahem, und es war ihm auch gelungen, einen 
Freundschafts- und äusserst günstigen Handelsvertrag mit der 
dänischen Regierung abzuschliessen 3 ). Hier lag die empfind- 
lichste Stelle für die hansische Macht, „der bedrohlichste Punct 
im ganzen Geflecht hansischen Verkehrs." Gewiss wäre es 
dem König am erwünchtesten gewesen, wenn er unmittelbar 
nach oder noch während der Verhandlungen mit Dänemark 
eine Tagfahrt mit den Hansen zu Stande gebracht hätte; er 
erneuerte deshalb auch am 18. März 1489 seine Bitte 4 ) an 
die Hansen, einen Congress zu beschicken. Diese gingen aber 
nicht unmittelbar darauf ein, sondern agitirten in Island und 
Dänemark, so sehr sie vermochten; gegen die Engländer. Die 
Folge war, dass die Erbitterung gegen den deutschen Kauf- 
mann eine ausserordentlich heftige wurde; auf der See sahen 
sich die Hansen schwer verfolgt, und in London durften sie 
sich im Sommer 1490 kaum auf den Strassen sehen lassen 5 ). 
Der Zustand glich mehr dem Kriege als dem Frieden. Die 
Schadenssummen,welche die Engländer wie die Hansen vorrechnen 
konnten, waren sehr beträchtliche, die Klagen der Geschädigten 
wurden immer lauter. Eine gemeinsame Tagfahrt war unaus- 
bleiblich geworden 6 ). Dieselbe wurde auf den 1. Mai 1491 
anberaumt. Heinrich VH. ernannte 7 ) zu seinen Unterhändlern 



*) Köln liess noch eine besondere Beschwerdeschrift übergeben (Das 
Londoner Contor an Köln 14. Jan. 1487. Kölner St. AX 

*) Wein reich, Danziger Chronik ed. Hirsch S. 78 Anm. 

*) Yd. nächstes Capitel. 

*) weinreich, Danziger Chronik S. 73 Anm. 

") „Item diesen sommer hatten die englischen unserm kofman in der 
sehe grossen schaden gethon, vnd dem kofman war nicht al velich zu 
wanken in landen auf der Strossen". Weinreich, Danziger Chronik ad 
an. 1490. S. 68. 

6 ) Tratziser, Chronika der Stadt Hamburg hsg. von Lappenberg 
(1865) 8. 240, cnarakterisirt die Veranlassung kurz folgendermassen: „Die 
ursacn dieser tagleistunge war diese, daz sich der teutsche kaufman viel- 
fältiger beschedigunge, die inen auf der sehe von den Englischen zugefuget, 
item daz inen ire privilegia und ireiheit im reiche Engelaut entzogen wurden, 
beklageten; darkegen wendeten die Englischen für, daz sie merklichen von 
den Denen beraubt und beschediget, mit welchen die stette eine heimliche 
verotentnus hatten/ 

*) Kymer XIL S. 441. 



— 188 — 

den später als Bischof von London, Siegelbewahrer und Lord- 
kanzler bekannt gewordenen W. Warham, ausserdem Edm. 
Martyn, Rieh. Yorke und Wilh. Rosse, von Seiten der Hansa 
dagegen erschienen nicht weniger als 26 Deputirte 1 ) in Ant- 
werpen. 

Auch jetzt wieder versäumte Heinrich VII. nicht, mit der 
Möglichkeit eines engeren Bündnisses mit Dänemark zu drohen. 
Die Verhandlungen mit dem letzteren waren nicht lange 
vor dem Termin der Tagfahrt wieder aufgenommen worden 2 ), 
und der König scheute sich nicht, die hansischen Abgesandten 
vier Wochen lang in Antwerpen auf die englischen Bevoll- 
mächtigten warten zu lassen, bis er Antwort aus Dänemark 
erhalten hatte. Selbstverständlich drang die Kunde von diesen 
Schachztigen des Königs auch nach Antwerpen 3 ), und die 
Hansen mussten den Gerüchten um so mehr Glauben bei- 
messen, als die von dem König und die von seinen Bevoll- 
mächtigten gegebenen Entschuldigungsgründe sich wider- 
sprachen. Die hansischen Deputirten sahen denn auch ein, 
dass unter diesen Verhältnissen jedes schroffe Auftreten ver- | 
mieden und ein versöhnlicher Ton angeschlagen werden müsse. 
Die Lübecker, welche durch die dänischen Angelegenheiten 



*) Aus Lübeck der Bürgermeister Herrn. Wickede und Rath Th. Horse 
mit den beiden Secretären Alb. Erantz und Joh. Bersenbrugge; aus Köln 
Bürgermeister Tydemann van Segen, Dr. J. Bare, gewöhnlich vastrart oder 
Fastiardi genannt, die Rathsherren Ger. van Wesel, Joh. van Straelen, der 
Secretär H. v. Duyts; ans Hamburg der Bürgermeister Dr. Herrn. Lange- 
becke, der Rathsherr D. Bremer und der Secretär Renistede ; aus Danzig 
Bürgermstr. Heinr. Falk, Rathsherr G. Mauth mit Secr. F. Neve; aus 
Münster der Bürgermeister Ev. Bispvng mit dem Secretär Joh. Eakesleke; 
aus Deventer der Bürgermeister Wilh. van Sweten mit dem Secretär 
St. Irwirdt: ausserdem waren zugegen drei vom Brüggeschen und 4 Kauf- 
leute vom Londoner Contor. (Kölner Stadtarchiv. ActaAngl. 1434 — 1521 
fo. 145.) 

9 )In Weinreichs Danziger Chronik heisst es S. 74 beim Jahre 
1491: „Item zu derselben zeit, do die englischen sendtbotten sich mit dem 
konige von denmarken vereinigten, do war ein sagen, das der englische 
sendtbotte im gelobte 12 schiffe von orley in die ostsehe zu hülfe kegen 
die stedte vnd auch etlich volk zu hulffe. Item zu derselbigen zeit, do der 
englische sentbote sich mit dem hern konige von denmark vergleichte, so 
sigelten sie wider in engelandt; do sante mit inen der konig von denmark 
einen von seinen Schreibern, meister laurentium an den konig von engelandt 
mit brifen vnd auch an schotlandt, vnd was es ynen hildt, das wüste nie- 
mands." 

s ) In dem Deventer Bericht über die Tagfahrt zu Antwerpen 1491 
(St A. Deventer Nr. 1127. Hanserecesse ed. D. Schafer) heisst es: „Quidam 
vaga relacione dixerunt vel saltem presumpserunt, quod rex Anglie haberet 
suos ambasiatores ad regem Dacie, et ideo presumptio eorum esset, quod 
prirao rex Anglie expeetaret responsum a rege Dacie antequam mitteret 
suos nuncios et oratores. Quidam putabant delacionem seu protractionem 
hujusmodi ex nimia superbia Angiicorum esse, alii quidem auaierunt, quod 
essent Calicie, sed quidquam sit, expeetatio eorundem dominis de Hanza 
fuit nimis tediosa et gravis in sumptibus." 



— 189 — 

zunächst berührt waren, und auch stets das allgemeine In- 
teresse im Auge behielten, waren besonders bemüht, einen 
Brach mit den Engländern zu vermeiden. 

Die Engländer erzielten denn in der That einen diploma- 
tischen Eifolg. Hinsichtlich der Entschädigungsfrage banden 
sie sich nicht im Mindesten die Hände, sondern nahmen nur 
eine Reihe von Artikeln ad referendum *), so dass die Hansen 
ganz im Ungewissen blieben, was schliesslich der König thun 
werde, in Betreff der Privilegien Hessen sie zwar die dolose 
Interpretation von den Worten „suae merces u fallen, dafür 
mussten aber die Hansen den englischen Kaufleuten dem 
Wortlaut des Utrechter Vertrags entsprechend in ihren Städten 
die Freiheit, mit Jedwedem zu handeln, ausdrücklich zugestehen, 
und selbst Danzig wenigstens einige Concessionen machen 2 ). 
Im Uebrigen blieb der Status quo erhalten. Erst am darauf- 
folgenden 1. Mai sollten endgültige Beschlüsse gefasst werden 3 ). 
Die zahlreichen Beschwerden des deutschen Kaufmanns in 
London fanden zunächst keine Erledigung. 

Die Unterhandlungen der englischen Regierung mit den 
Dänen dauerten in der Zwischenzeit fort; die letzteren ver- 
säumten Nichts, um den englischen König über die Hansa auf- 
zuklären, wenn es überhaupt dessen bedurfte, und England zu 
einem Vorgehen gegen die Städte zu bewegen 4 ). Die Tagfahrt 
im Frühjahr 1492 hätte eher noch eine günstigere politische 
Constellation hinter sich gehabt, als die von 1491, wenn nicht 
der Prätendent Warbeck damals den König in Unruhe versetzt 
hätte. Heinrich VH. zog vor, die Verlängerung des provisori- 
schen Zustandes auf ein Jahr vorzuschlagen, worauf die Hansen 
sowohl wegen der dänischen Verhältnisse als wegen der ein- 
getretenen Erhöhung des Zolls für englisches Tuch in den 

*) Kölner Stadtarchiv. Acta Angl. 1434—1521 fo. 147 fg. Der In- 
halt derselben auch kurz angegeben in der Köhler' sehen Sammlung 
S. 238, 239. 

s ) Vgl. den letzten Tbeil dieses Gapitels. 

3 ) ürk. Beil. 84. 

*) Zu den denkwürdigsten Zeugnissen über ihre Machinationen gehört 
ein anonymer an Lübeck aus England gerichteter Brief v. 3. Sept. 1492, 
worin es heisst: „Item tydinge is so, dat hyn synt gewest sendebaden vt 
dennemareken, als de kanseler vn j doctor mit enen anderen eddelen manne 
vn hebben hyr gelegen vmme trent VIII wecken vn er werff js gewest 
pryncipael, dat de koninck van dennemareken begeren js van deme koninge 
van engelant, dat he syck myt em vorbynden solde jn eyn vast vorbünt opp 
de stede van der hense vn se hebben nyrmyt alle grote schendelvke sake 
jngebracht ouer de stede, dat also nicht to schryuende js. se hebben hyr 
gudt rundt gesecht, dat jd dem konninge to dennemareken ser vorwundert, 
dat de her koninck van engelant den steden alsülke prevylege gyfft jn synen 
rycke, dat he anderen heren groten schaden mede doet, dat de stede dar 
aso mede gestereket werden vn setten syck tegen or eygen heren vn vortmer 
seggende, dat de stede van der hensse nicht so grote macht hebben, so en 
wert togelecht, darum me dat en alsolke prevelgye solde geuen ; vn ock als 
van den orloghe dat lest tuschen der kröne van engelant vn den steden 



— 190 — 

Niederlanden gerne eingingen 1 ). Die Verwicklung Englands mit 
den letzteren hatte, wie wir wissen *), im Jahre 1493 den An- 
griff der Londoner Lehrlinge auf den Stahlhof zum Gefolge, 
den Hansen wurde der Tuchexport nach den Niederlanden 
verboten, sie mussten zur Sicherung Obligationen ausstellen, 
die sie zahlen sollten, wenn sie das Verbot überträten 8 ). Die 
Verhandlungen, die Dr. Albert Krantz im Auftrag der Hanse 
1494 führte, hatten kein weiteres Resultat, als eine abermalige 
Verlängerung des provisorischen Zustandes um zwei Jahre 4 ). 

Die Lage der Hansen in England war in dieser Zwischen- 
zeit nichts weniger als erfreulich. Die Bedrückungen, über 
die sie früher geklagt hatten, wurden fortgesetzt, indem man 
die Worte des letzten Uebereinkommens , wonach der Status 
quo erhalten bleiben sollte, dahin auslegte, dass die angefan- 
genen Angriffe gegen die hansischen Privilegien fortzusetzen 
seien 5 ). Zu den früheren Beschwerden der Hansen hatten 
sich noch neue gesellt 6 ). Gleichzeitig war ein Streit zwischen 
der Hansa und der Stadt London ausgebrochen 7 ). 

Die Vorstellungen beim königl. Rathe hatten keinen Er- 
folg 8 ). Ein Congress schien immer notwendiger zu werden. 



was, dat dat nicht geforet en wort by den steden opp engelant sonder by 
hülpe des koninghes van dennemareken, den de sbepe tohorden, dar de 
schade mede gedaen wart Merket dyt wol, war dyt spyl nennen wyl. vn 
wat dat jnne heilt, vn latet dyt by jw; Sünder ghi mögen dyt vormelden 
dar dat hört to vormelden, de coppmann wert dat der stat van lubke vor» 
wytt lyken. De deynen syn van hyr gereset na schoüant vn de doctor js 
by wegen gestoruen, aldns de kenseler wert wedder hyr komen; se hebben 
noch geyn antwort; de almechtige got sende den steden eyndracht Wes 
jk hyr schryue js der warheyt vn gen fabel." Wein reich, Danziger 
Chronik ed. Hirsch S. 74. Anm. 6. 

a ) Weinreich, Danziger Chronik S. 78; Ennen, Geschichte der Stadt 
Köln m. S. 719. 

*) Vgl. oben S. 18. 

*) Vgl. Urk. BeiL 85. Diese Recognicio wurde für die Folgezeit 
sehr wichtig, weil die Merchant adventorers unter Eduard VT. und unter 
Elisabeth dieselbe benutzten, um zu beweisen, dass die Hansen nicht be- 
rechtigt seien, Tuch nach den Niederlanden zu bringen oder überhaupt am 
englisch-niederländischen Handel sich zu betheiligen (Br. M. Cotton Msc. 
Claudius E. VII. fo. 96 u. 108b). Es scheint zwar, als ob die Recognitto 
nur vorübergehend gedacht war, indem sie nur während der Feindschaft 
mit Burgund den Handel nach den Niederlanden verhindern sollte; da aber 
merkwürdiger Weise jede zeitliche Beschränkung in derselben fehlt, so 
weigerten sich Heinrich VE. und VIIL, dieselbe wieder herauszugeben und 
behielten sie als stets bereite Waffe zurück. 

') Köhler'sche Sammlung S. 241. 

*) „quod cepte infractiones privilegiorum in suo cursu continuantur*. 
Bericht über die Verhandlungen von 1497. Kölner Stadtarchiv. Acta Angl. 
1484-1521 fo. 517. 

•) Urk. BeiL 87. 

T ) Bericht über die in Betreff verschiedener zwischen der Hansa und 
Stadt London streitigen Punkte zu befolgenden Grundsätze (London City 
Records. Journal 10 fo. 87, 88). 

8 ) Das Londoner Contor schreibt 6. März 1496 an Köln: „— wy sen- 



— 191 — 

Da Heinrich VH. gegen Ende des Winters 1497 wegen Ord- 
nung der Beziehungen zu den Niederlanden ohnehin Gesandte 
auf den Continent schicken musste, so erklärte er sich bereit, 
auch filr eine Tagfahrt mit den Hansen Bevollmächtigte zu er- 
nennen 1 ). Der Entschluss kam für die Hansen zu plötzlich, 
so dass diese nicht genügende Vorbereitungen für den Congress 
treffen konnten. In Antwerpen waren ausser einigen hansischen 
Kaufleuten des Brügger*) und Londoner 3 ) Contors nur drei 
kölnische Rathsherren 4 ) eingetroffen, mit denen sich noch der 
Lübecker Secretär Dr, Albert Krantz, dar eben aus Frank- 
reich zurückgekehrt war, vereinigte 5 ). Dr. Krantz war schon 
von zu Hause abgereist, als der königl. Brief wegen des Con- 
gresses in Lübeck ankam, und hatte in Folge dessen keine 
Generalvollmacht für die ganze Hanse, die Kölner hatten ohne- 
hin nur für die eigene Vaterstadt Auftrag. Selbstverständlich 
waren die englischen Deputirten nicht geneigt, mit den Hansen 
zu pactiren, wenn es diesen nicht gelang, als officiell Beauf- 
tragte sich zu erweisen. Die Lage war eine peinliche. Am 
liebsten hätten die Städtevertreter die ganze Verhandlung ver- 
schoben, aber es war zu befürchten, dass der König Argwohn 
schöpfen und glauben werde, das Ganze sei nur ein Vorwand 
gewesen. Leicht könnte es, meinten sie, dann sein, dass die 
Engländer sich nie wieder zur Beilegung der Streitigkeiten 
bereit fänden, sondern den ganzen Stahlhof mit sammt seinen 
Privilegien einfach aufhöben 6 ). So entschlossen sie sich, einen 
eigenen Eilboten nach Lübeck zu schicken. Die englischen 



den juw hyr by Verwart des heren konynees breiff van Engelande, waruth 
gy syner genauen mevnynge wol verstaende weerden der dachforde halven 
to Antwerpen to holdende, unde als gy dan in den selven schiyfften ver- 
Btaen mognen, dat wy harde up die dageforde vervolget suüen bebben; dat 
moit men synen genaden togeven; dan unse vervolcb es gewest ene 
schryftlike antworde nnde remedie to hebbend unser gebreche halven 
inneholde juwer heren und den anderen heren van den steden schryfte 
nnde oick unser supplicatien gelych die heren van dem hoghen raide uns 
montliken vor eyn antworde geven, dat uns allet nycht hefft helpen 
" moghen etc. a (Kölner St. A. Originalbriefe). 

*) Die Ernennung derselben erfolgte am 28. April. Byrne r XII. 
S. 651 ; es waren beauftragt worden der später zum Bischof von Durham, 
Staatssecretar und Lord Privy Seal aufsteigende „Dr. Thom. Rowthale, 
Dr. R. Middelton, Joh. Trublefield", welche am 24. Juni in Antwerpen ein- 
trafen. 

*) Valentin Lam, Everchard Eeck und Secretär Heinrich Loer. 

*) Joh. Greveroden, Arnold Meteier und Secretär Gracianus Brakervelt. 

4 ) Dr. Joh. Vastard, Dr. J. Ring, Arnold Westerbarch. 

*) Für das Folgende wurde der wahrscheinlich von dem Mitgesandten 
von Köln, Doctor legum Joh. Fastart abgefasste Bericht über diese Ver- 
handlung benfitzt. Kölner Stadtarchiv. ActaAnglicana 1434— 1521 fo. 156 
bis 162. 

6 ) „periculum esse rebus et corporibus mercatorum in Anglia, formi- 
dandnm , ne totum coUegium cum suis juribus ac privilegiis dissiparetur". 
a. a. 0. fo. 158. 



— 192 — 

Bevollmächtigten erklärten, nicht warten zu können, waren 
aber bereit, wenigstens in Discussion zu treten. 

Die Sprache der Engländer war eine sehr selbstbewusste. 
Hinsichtlich der zur See erlittenen Schäden verlangten sie, 
dass die Betreffenden an den englischen Gerichtshöfen Recht 
suchen möchten, und waren sehr aufgebracht, als die Hansen 
diese der Parteilichkeit ziehen. Bei den allgemeinen Be- 
schwerden eröffnete ihnen Dr. Ruthai und zwar, wie er sagte, 
ausdrücklich auf die Weisung seines Herrn hin, dass der König 
die Vergünstigungen (concessiones), soweit sie zum offenbaren 
Schaden gereichten, wieder zurücknehmen könne, wie es denn 
auch durch einige Gesetze und Massregeln bereits geschehen '). 

Nach mannichfachem Redegeplänkel, das sich einige Tage 
fortsetzte, reisten die englischen Bevollmächtigten nach Galais 
ab (4. Juli), indem sie den Hansen anheimstellten, dahin zu 
kommen, sobald das Mandat eingetroffen sei. Dort könnten 
sie mit anderen Abgesandten unterhandeln, wenn es dem König 
gefalle, solche zu ernennen. Der Status quo solle nach Ab- 
sicht des Königs bis zum nächsten Jahre bleiben, eine schrift- 
liche Vereinbarung hierüber wurde englischerseits abgelehnt 
Offenbar waren die englischen Deputirten nicht ganz von der 
Wahrhaftigkeit der Hansen überzeugt. Diese waren deshalb 
ernstlich bestrebt, wenigstens den Verdacht, dolose gehandelt 
zu haben, zu beseitigen und die möglicher Weise hieraus ent- 
springenden Gefahren zu verhüten. Sie warteten deshalb den 
Boten ab, der nach einer 18tägigen Reise die Vollmacht 
brachte. Sofort schickten sie dieselbe nach Calais mit einem 
Recess, den die Engländer unterschreiben sollten, und der die 
Fortdauer des Status quo, wie er vor 6 Jahren bestand, die 
Sicherheit in England, den Gebrauch der Privilegien, die An- 
beraumung einer neuen Tagfahrt fürs nächste Jahr gewähr- 
leisten sollte. Das Unglück spielte aber auch hier den Hansen 
übel mit Sechs Stunden vor der Ankunft des zu diesem 
Geschäfte beorderten Secretärs der Brügger Kaufleute Gerard, 
hatten die englischen Commissäre sich eingeschifft. 

Die verschiedenen Episoden dieses Congresses geben be- 
reits ein deutliches Bild , wie mehr und mehr bei den Hansen 
die Ueberzeugung Platz griff, dass sie in England nur noch 
von der Gnade des Königs lebten. Sie wussten, woran sie 
waren 2 ). 



*) „de non invehendo serico,ne multi suorum omni questu fraudarentur; 
de navibufl Anglicanis, ne classis interiret; de tondendis pannis, ne omnis 
questus transiret ad alienos ; de obligationibus, quas rez iniecisset, ne mali- 
voli eius in suo proposito indurarent" etc. a. a. 0. fo. 160. 

*) „Et de privilegiis satis erat compertum, quid (Angli) sentirent." a.a.O. 
fo. 162. 



— 193 — 

Beide Parteien rüsteten sich zur nächsten Tagfahrt. 1498 
wurde auf dem Hansetag zu Lübeck die Beschickung einer neuen 
Conferenz mit den Engländern beschlossen 1 ). Heinrich VII. 
bevollmächtigte wieder Wilh. Warham, Rob. Middelton und 
ausserdem Samson Norton. Von Seite der Hansa waren mit 
Einschluss der Secretäre 14 Vertreter in Brügge erschienen, 
Dr. Albert Krantz und Dr. Packebusch aus Lübeck im all- 
gemeinen Auftrag, ausserdem je 3 von Köln 2 ), Danzig 8 ), 
Brügge 4 ), London 6 ). Es lag in dieser immer so zahlreichen 
Vertretung auch eine gewisse Absicht. Schon äusserlich sollte 
die Macht der Städte den Engländern imponiren. 

Die eigentlichen Besprechungen begannen erst am 13. Juni, 
da die Kölner und Danziger nicht zu dem bestimmten Termin 
(1. Juni) eingetroffen waren. Die Prüfung der Mandate war 
die erste Aufgabe. Die Engländer bemängelten das hansische 
als unvollkommen, eine Taktik, wie sie damals sehr üblich 
war, indem sie die Möglichkeit gab, jeder Zeit von den Ver- 
handlungen zurückzutreten. Nur mit Mühe brachten die Hansen 
sie zu einem Zugeständniss. Darauf wurden in sehr umständ- 
licher Weise wieder die 1491 unerledigt gebliebenen Ent- 
schädigungsfragen zum Gegenstand der Erörterung gemacht. 
Die Hansen wie die Engländer brachten verschiedene Vor- 
schläge, wie diese Klagen endlich aus der Welt geschafft 
werden könnten. Die Meinungen gingen hier sehr auseinander; 
nur über das Mittel, wie man in Zukunft den häufigen Raub- 
anfällen vorbeugen wolle, waren beide Parteien einig. 

So sehr nun auch die Hansen eine unparteiische Ent- 
scheidung, der Klagen sich zu sichern suchten, so gewiss ist 
es, dass sie in dieser Frage nicht den Schwerpunkt der Ver- 
handlungen sahen. Die Verkürzung der Privilegien war ihnen 
die weit wichtigere Angelegenheit. Die Beschwerden, die sie 
in dieser Hinsicht hatten, sind so ziemlich die nämlichen, wie 
1487, und uns bekannt. Selbstverständlich wussten die Eng- 
länder für alle einzelnen Punkte eine Erklärung und Recht- 
fertigung, wenn sie dieselben auch zuweilen etwas" weit herholen 
mussten, um das Verfahren gegen die Hansen zu maskiren. In 
Betreff der Preistaxen, welche der Mayor von London auf Salz, 
Wein, Heringe und sonstige Lebensmittel setzte, verwiesen die 
Engländer auf den Diensteid des Bürgermeisters. Hinsichtlich 



') Köhler' sehe Sammlung S. 241. Für das Folgende wurde der 
wahrscheinlich von dem berühmten Dr. Albert Erantz verfasste Bericht 
über die Verhandlung von 1499 benutzt. Kölner Stadtarchiv. Acta Angli- 
cana 1434-1521 fo. 180—199 mit Ausschluss von fo. 191—94, welche Ver- 
handlungen der Hansen mit Brügge betreffen. 

*) Bürgermeister „Gern. Wesell, Dr. jur. Gerh. de Cempen, Joh. Ryng. a 

*) „Math. Tymermann, Joh. Usler, Secr. Joh. Wolterj." 

*) »Joh. Brüns, Joh. Bisschopnick, Secr. Gerh. Brüns." 

8 ) „Joh. Greverode, Detardus Brandt, Secr. Gerwing Brekerveld." 

Schanz, Engl. Handelspolitik. I. 13 



- 194 - 

des Verbots, oder, wie man es wohl richtiger auffasst, hinsicht- 
lich der Erschwerung der hansischen Woll- und BJeiausfuhr 
stützten sie sich auf das häufig gebrauchte Recht des Königs, 
den Export der Waaren überhaupt zu verbieten. Bezüglich 
des Gebots, Gascogner Weine nur in englischen Schiffen, fer- 
tige Seidenwaaren überhaupt nicht zu importiren, machten die 
Engländer besonders auf die Absicht aufmerksam, welche den 
Fürsten bei Ertheilung der Privilegien geleitet? dieser habe 
nämlich nicht gewollt, dass die letzteren auch für alle Arten 
von Waaren, welche die Hansen von Italien und den fernsten 
Theilen der Erde holten , sondern nur für die eigenen gelten 
sollten. Wohl entgegneten die Hansen , eine solche Interpretation 
des Ausdrucks „sue merces" sei aller Wahrheit widersprechend; 
„sua esse, quecumque sunt empta et undecunque nata. — Quid 
Lubecae nasceretur? Certe ex Russia, Livonia, Prucia petuntur, 
que inde veniunt. Ita vina, non que Colonie, sed in principum 
electorum terris nascuntur, solent evehi; sericum de Italia, de 
Tarso, de India peti." In ihren Privilegien sei für Seiden- und 
andere Waaren, deren Einfuhr man ihnen jetzt verbieten wolle, 
sogar die Gostume festgesetzt. Aber all diese logischen Gründe 
waren für die Engländer ohne Werth. Hatte man doch mit 
vieler Mühe überhaupt solche Interpretationen erfunden, um 
das, was man wollte, rechtfertigen zu können. Noch weniger 
fanden die Hansen Entgegenkommen, als sie die Rückgabe der 
ihnen abgedrungenen Obligationen und die Ausnahmestellung 
von dem Gesetz in Betreff der verbotenen Ausfuhr ungeschor- 
ner Tücher verlangten. Die Engländer vertheidigten das Ver- 
fahren 'des Königs hinsichtlich der ersteren, da die Privi- 
legien den Handel nach feindlichem Gebiet ausschlössen, 
und erklärten , zur Stipulirung der Rückgabe nicht ermächtigt 
zu sein. Was die ungeschornen Tücher betreffe, so führe der 
König nur ein Statut Eduards III. aus, in „profectum regni, 
non in derogationem privilegiorum"; die Acte präjudicire ihnen 
nicht, sie müssten ja die Tücher nicht kaufen, sie würden also 
weder an ihrer Person noch an ihren Waaren belastet, und nur 
das gewährten die Privilegien. Weshalb sie denn zu ihrem 
Schaden wendeten, was für den allgemeinen Nutzen des Reiches 
bestimmt sei, und weshalb sie dem König die Hände binden 
wollten *). 

Mit solcher Sophistik schlug man die Beschwerden und 
Gegengründe der Hansen todt. Diese erklärten denn auch, 
sie sähen, dass man zu Nichts komme. Die Fragen wegen 
der Parlamentsacten und der Obligationen seien 2 Punkte, 



') „panni non esseut nostri, nisi empti, et ideo neque persona neque res 
no8trorum essent onerate. Cur ad iniuriam nostram traheremus, quod in 
communem regni utilitatem esset constitutum, et regiam manum clauderemus ?* 
a. a 0. fo. 186. 



- 195 - 

ohne deren Erledigung für sie ein Ueberein kommen unmöglich 
sei, man solle also die Unterhandlungen abbrechen. Mit Bitter- 
keit hoben sie hervor, wie die Engländer an ihrer Vollmacht 
alles Mögliche bemängelt hätten, wenn aber es zur Entschei- 
dung kommen solle, dann behaupteten sie, selbst keine Voll- 
macht zu haben, und doch hätten die Hansen schon vor acht 
Jahren ihre Beschwerden vorgelegt. 

Die abrupte Wendung kam den Engländern doch un- 
erwartet. Als sie sahen, dass die Hansen wirklich zur Abreise 
sich rüsteten, erboten sie sich, an den König schreiben und 
seine Meinung erfahren zu wollen. Da die Hansen wegen 
gleichzeitiger Verhandlungen mit den Niederländern Grund 
zur Verlängerung ihres Aufenthalts hatten, so nahmen sie den 
Vorschlag an, richteten aber auch ihrerseits am 25. Juni ein 
Schreiben an den König, worin sie baten, er möge seine Ge- 
sandten dahin instruiren, dass die Hansen durch Proviso gegen 
die Parlamentsacten geschützt sein sollten. 

Man verhandelte zunächst noch über die englischen Be- 
schwerden*, die sich auf Danzig bezogen. Hier trat die eng- 
lische Politik noch schärfer hervor. Die Engländer verlangten 
geradezu Verzicht auf die Privilegien, wenn man nicht den eng- 
lischen Kaufleuten in den Hansastädten, namentlich in Preussen, 
gleiche Vorrechte gestatten wolle. Sie versäumten auch nicht, 
die Hansen aufmerksam zu machen, dass der König die ihnen 
gewählten Vergünstigungen zurücknehmen könne; zwar beab- 
sichtige er das nicht, aber der Prüfung der Frage habe er auf 
Anregung seiner juristischen Räthe sich nicht entziehen können. 
Sie luden sie deshalb ein, mit ihnen auf Grund der Rechts- 
literatur ebenfalls eine Untersuchung darüber vorzunehmen. 
Sie wollen ihnen alle Bücher zur Verfügung stellen, welche sie 
zur Vertheidigung ihrer Ansicht brauchten , wie den Paulus 
de Castro und andere. Aber weder davon noch von einem 
unparteiischen Schiedsrichter wollten die Hansen etwas hören. 
Sie seien nicht gekommen, um nur ein Jota von ihren Privi- 
legien zu verlieren oder dieselben in Zweifel ziehen zu lassen. 
Diese seien so beschaffe*, dass sie weder aufgehoben noch ver- 
mindert werden könnten. Lieber, als dass sie ein Pünktchen 
von ihren Privilegien preisgäben, würden sie sich vertheidigen, 
wie es Männern geziemt. Die Meinungen der Gelehrten gingen 
überdies auseinander; sie hätten einen italienischen Doctor um 
sein Gutachten gebeten , das sie vorlegen könnten. Sie hofften 
zu dem König, dass er ihnen ihre Privilegien nicht entziehen 
werde. 

Auf Wunsch der Engländer wurden sodann die Verhand- 
lungen auf 20 Tage ausgesetzt. Sie wollten, wie sie erklärten, 
selbst nach England gehen. Wahrscheinlich wurde aber nur 
ein Congressmitglied oder ein Bote an den König geschickt, 

13* 



— 196 - 

um ihm den Bericht 1 ) über den bisherigen Verlauf des Congresses 
vorzulegen und eine Instruction für das weitere Vorgehen zu 
erholen. Diese erfolgte in einem den Hansen durchaus un- 
günstigen Sinn. Die Wahl des Bischofs von Cambrai zur Ent- 
scheidung der Entschädigungsklagen wird als der königl. Ehre 
und dem Vortheil der Unterthanen zuwider abgelehnt. Statt 
dessen wird eine gegenseitige Compensirung der Schäden ge- 
wünscht. Im äussersten Fall will der König gestatten, dass ein 
englischer und hansischer Richter ernannt werde, von denen der 
erstere die hansischen, der letztere die englischen Fälle ent- 
scheide. Hinsichtlich des Artikels 4 des Utrechter Vertrags, 
des Hauses in Danzig, der Parlamentsacten wird jede.Concession 
versagt. Ein plötzlicher Bruch soll vermieden werden , da für 
einen Krieg man zu schlecht gerüstet sei, vielmehr soll eine 
neue Tagfahrt in Aussicht genommen werden, die aber erst in 
2 Jahren stattfinden dürfe. 

Am 15. Juli traten die Bevollmächtigten wieder zusammen. 
Die englischen Gesandten erklärten, auf ihren Wünschen be- 
züglich Preussens beharren zu müssen. Damit wurde hansischer- 
sei ts eine Verständigung als unmöglich erkannt, man schlug 
die Abschliessung eines Provisoriums vor. Beide Parteien ent- 
warfen einen Recess. Aber auch hier standen sich die beider- 
seitigen Anschauungen und Wünsche schroff gegenüber. 

Der englische Entwurf will, dass mit Ausnahme der bei 
den Richtern in England anhängigen Processe und der Parla- 
mentsacten bis 1. Juli 1501 der Status quo erhalten werde; 
der hansische dagegen verlangt, dass bis zu diesem Termin 
der ganze Verkehr in bono statu bleibe, jeder Theil beim an- 
dern seine Freiheiten geniesse so, wie seit Menschengedenken, 
und dass man sich gegenseitig kein Leid zufüge. Die Eng- 
länder wünschen, dass die englischen Kaufleute inzwischen 
aller Rechte des Utrechter Vertrags theilhaftig sein sollen und 
aller übrigen Vergünstigungen, die sie zur Zeit in den Hanse- 
städten gemessen; die Hansen dagegen verlangen, dass die 
englischen Kauf leute in Danzig nur die Freiheit beanspruchen, 
welche den Forensen aus den Hansestädten zukommt. Im 
englischen Recess ist bestimmt, dass die Hansen in England 
ihre Freiheiten in der Weise gebrauchen sollen, wie sie es 
jetzt thun; im hansischen wird dagegen die Forderung ge- 
stellt, dass die Freiheiten so wie seit Menschengedenken 
gelten, indem zur Bekämpfung gegentheiliger Statuten das 
königl. Proviso in Anspruch genommen wevden dürfe. Die 
englischen Bevollmächtigten gestatten, dass, falls man sich in- 
zwischen wegen der Entscbädigungsklagen über einen Richter 
einige, dieser endgültig erkennen könne-, die hansischen Ab- 
gesandten wünschen, dass zu London der König einen Com- 

5 ) Urk.Beil. 94. 



— 197 — 

missar bestelle, der die Dodümente der von den Engländern 
beraubten Hansen prüft und innerhalb eines Jahres ein Urtheil 
herbeiführt. Das Gleiche soll in einer Stadt der Hansen ge- 
schehen. Ausserdem verlangen die Hansen, dass jedes aus- 
laufende hansische und englische Kriegsschiff Bürgen stelle, 
dass es die Verbündeten nicht schädige. Endlich zeigen die 
Hansen die Wiederaufnahme von Riga in den Bund nach der 
im Utrechter Frieden stipulirten Form an. 

Man wies beiderseits die Entwürfe zurück, und schon 
glaubten die Engländer, verzweifeln zu sollen, als die Hansen 
eine kurze, möglichst neutrale Formel vorschlugen, die nur 
sicheres Geleit versprach. Zwar wollte Warham eine verfäng- 
liche Clausel eingefügt wissen, welche die Beschlagnahme aus- 
laufender Schiffe ermöglichte, und die Hansen hätten im 
äusserten Fall ihr auch zugestimmt, aber die Engländer 
gaben schliesslich doch ihre Opposition nach dieser Seite auf. 
Die Hansen concedirten die Bestimmung, dass der jetzige 
Status quo erhalten bleibe, wogegen die Engländer zugaben, 
dass im Recess die beiderseitige Sicherheit gewährleistet werde 1 ). 

Das war das ganze Resultat des am 20. Juli 1499 be- 
endeten Congresses. Kurz und treffend charakterisirt ihn 
Tratziger: „Die handlunge erstrecket sich eben lange Zeit mit 
vieler vergeblicher disputation; zuletzt zogen die gesanten un- 
beschafter ding von einander" a ). Trübe waren die Aussichten 
für die Hansen. So sehr der König jeden Krieg scheute, so 
wenig er sich verhehlte, dass es nichts Geringes sei, mit den 
seetüchtigen Hansen einen Kampf aufzunehmen, so war doch 
der Gedanke, gegen sie eventuell mit Gewalt vorzugehen, vor- 
handen. Der für 1. Juli 1501 stipulirte Congress fand nicht 
statt, sondern wurde, wie es scheint, auf Bitten der Hansen 
bis 1502 und dann nochmals bis 1. Juli 1504 hinausgeschoben. 
Aber auch in letztgenanntem Jahre war Lübeck wegen einer 
gleichzeitig bevorstehenden Tagfahrt zu Münster und einer 
solchen mit den Schweden zu einer Beschickung nicht geneigt, 
suchte beim König eine, abermalige Verlängerung des Termins 
zu erwirken und Hess gleichzeitig ihn und das Parlament noch- 
mals um Abhilfe wegen der hansischen Beschwerden bitten 8 ). 

') * — quod omnes res in eo statu, in quo nunc sunt, a data presentium 
osque ad primam diem Julii 1501 conquiescant Et quod intenm veniant 
mercatorea Anglici in omnes civitatis Anze Teutonice ibidemque secure 
eonveraentur et mercentur et ab eisdem salvo et secure cum bonis mercibus 
et rebus ad quecunque alia loca libere recedant. Et vicissim mercatorea 
Anze Teutonice in regno Anglie secure conversentur et mercentur, et ab 
eodem salvo et secure cum bonis mercibus et rebus ad quecunque alia loca 
libere recedant." Nach der letzten Bestimmung durften die Hansen Tuch 
nach den Niederlanden exportiren. 

*) Cbronika der Stadt Hamburg hsg. von Lappenberg. S. 244. 

*) Das Obige ist einem Briefe Lübecks an Danzig vom 4. Jan. 1504 
entnommen (St. A Danzig XXXI. 437 a. Hanserec. ed. D. Schäfer). 



— 198 — 

Die Hansen fanden bei dem 'König plötzlich ein Entgegen- 
kommen, wie sie sich es kaum geträumt hatten. Am 24. Mai 
theilte er in einem Schreiben an Lübeck mit, dass die Bitte 
der Hansen, sie gegen die Beamten und Engländer zu schützen, 
welche auf Grund gewisser Parlamentsacten den deutschen 
•Kaufmann täglich mehr bedrückten, von ihm sorgfältig erwogen 
worden sei. Vom Wunsche beseelt, ihrer Petition gerecht zu 
werden, habe er ihre Angelegenheit im Parlament vorbringen 
lassen, und obwohl man dort sehr viele Klagen gegen die 
Hansen geltend gemacht, und in der Sache viele Schwierig- 
keiten hätten überwunden werden müssen, so habe er doch 
Alles erreicht, was sie gewünscht hätten; er glaube, sie und 
ihre Stellvertreter, die in England handelten, dürften zufrieden 
gestellt sein. Da er nun in ausreichender Weise für die In- 
teressen der Hansen gesorgt, so sei für ihre Klagen in Zu- 
kunft kein Raum mehr; die englischen Kaufleute drängten 
zwar mit Rücksicht auf die Begleichung ihrer erlittenen 
Schäden sehr auf Fortsetzung der Tagfahrt, er glaube aber, 
dass diese zu verschieben sei, bis er einen Antrag hierüber 
stelle »)• 

In der That schien der König diesem Briefe zufolge in 
seiner Politik gegenüber den Hansen eine Schwenkung gemacht 
zu haben. Die Frage ist, was Heinrich VII. zu diesem Schritt 
veranlasste, und welche Tragweite demselben beizumessen ist. 

Die Parlamentsacte •), von welcher der König spricht, be- 
stimmt, dass alle vordem erlassenen Statuten, soweit sie Kauf- 
leute, Waaren und sonstige Sachen betreuen, sich nicht in 
nachtheilger Weise auf die genannten Hansekaufleute erstrecken 
sollen entgegen ihren alten Freiheiten und Gewohnheiten, son- 



■k^^i^^ 



') Der Hauptpassus des Briefes lautet wörtlich : „cupientes, in quanram 
possumus, vestris honestis petitionibus annuere horum omnium justa con- 
sideratione babita causam ipsam in parliamento nostro proponi fecimas, et 
quam quam plurima inibi contra et adversus vestros mercatores obiicereDtnr 
multeque in ea re fierent difficultates , nihilominus nos ex spetiali nostra 
gratia et favore, quem erga tos semper habuimus, non minorem effectum 
cause vestre sunt sortiti. quam ipsimet vestri mercatores postularant, immo 
et ipsa vestra i egotia in omnibus juxta eorum vota magis , quam antea 
unquam optineri potuerint, sint expedita, ita ut non modo ipsos vestros 
negotiatores et eorum deputatos in hoc nostro regno negotiantes putemus 
esse "contentos, sed optimam quoque de re ipsa vobis relationem nctnros. 
Quod vero ad instantem dietam pertinet, existimandum est per ea, que in 
predicto nostro parliamento pro vestro commodo et utilitate acta sunt, ita 
negotiis vestris consultum ac provisum esse, ut future alicujua pro parte 
vestra querele non sit amplius relictus locus. Et licet mercatores nostri 

äuotidie penes nos instent pro hujusmodi dieta continnanda ac illatis sibi 
amnis resartiendis. eam tarnen putamus esse differendam, donec et usaue 
quo a nobis superinde fueritis requisiti." (St. A. Danzig XXXI, 438a; Xvl t 
144 b. Hanserecesse ed. D. Schärer.) 

2 ) YJ Hen. VII. c. 23, auch abgedruckt bei Lappenberg, Stahlhof 
S. 168. 



— 199 — 

«lern dass jede derartige Acte, soweit sie eine Aufhebung der 
hansischen Privilegien enthält, für die hansischen Kaufleute 
keine Wirkung haben soll, und dies gilt sowohl hinsichtlich 
der bereits bestehenden als der in Zukunft zu erlassenden 
Statuten. Ich bezweifle nicht, dass auf Grund dieser Exemption 
auch thatsächlich die Hansen von einigen Parlamentsacten 
entbunden wurden, namentlich, dass man ihnen den Export 
ungeschorner Tücher erlaubte. Der Besitz dieser Vergünstigung 
war aber trotzdem nicht garantirt. Man weiss, wie leicht die 
Engländer über die Gesetzesvorbehalte sich hinwegsetzten, in- 
dem sie einfach behaupteten, die Privilegien, beträfen blos 
Zollsachen, die Statuten verstiessen nicht gegen ihre Frei- 
heiten. Es konnte also leicht eine Zeit kommen, in welcher 
Heinrich VII. wieder eine andere Praxis beliebte. Zunächst that 
er dies nicht und zwar aus guten Gründen. Um jene Zeit 
beunruhigte den König der in den Niederlanden sich auf- 
haltende Graf Edmund von Suffolk, von dem er eine Ver- 
schwörung befürchtete, dessen Auslieferung er aber schon 
längere Zeit vergeblich betrieb. * In Folge dessen wurde das 
Verhältniss Englands zu den Niederlanden ein sehr gespanntes, 
womit gleichzeitig commercielle Verwicklungen verbunden waren. 
Um nun einen wirkungsvollen Druck auf die Niederlande aus- 
üben und den Handel dahin abbrechen zu können, musste er 
der Hansen sich versichern. Die oben ihnen gemachte Con- 
cession diente nur dazu, dieselben seinen Zwecken dienlich 
und sie ihm willfährig zu machen. Eben deswegen hatte er 
auch die Obligationen herauszugeben verweigert und die Hansen 
mit einer allgemeinen Phrase darüber zu beruhigen gesucht 1 ). 
Im November desselben Jahres kamen seine Absichten zu 
Tage. Gleich nachdem er den Kaufleuten aller Nationen ver- 
boten, aus England Waaren nach den Ländern des Herzogs 
Philipp von Burgund zu führen, will er zwar dem deutschen 
Eauönann die Ausfuhr der Laken ins Ostland, d. h. in die 
Heimath gestatten, verlangt aber zur Sicherheit dafür, dass 
sie weder direct von England, noch indirect von ihren Gebieten 
aus englische Tücher nach den Niederlanden verkaufen wollen, 
wiederum wie früher die Verbürgung mit einer grossen Geld- 
summe. Wie bedenklich war eine solche „Recognisance" ? An 
eine Rückgabe derselben war nach den früher gemachten Er- 
fahrungen nicht zu denken, man legte also dem König eine 
neue Waffe in die Hand , die um so gefährlicher war, als sie 



*) n nnde van der recognisantie, darinne wy vorbanden stan to deme 
heren koninge, möge wy noch anders geyne antworde hebben, dan wy dus- 
lange gehat hebben, dat is, wo des heren koninges gnade uns muntliken 
gesacht helft, wy dar geynen schaden by hebben sollen; wat he darmede 
menet, kone wy nicht geweten." Der Kaufmann zu London an Lübeck 
81. Mai 1504 (St. A. Danzig XVI. 144 c. Hanserecesse ed. I). Schafer). 



— 200 — 

dazu dienen konnte, den hansischen Tuchhandel nach den 
Niederlanden zu Gunsten der englischen Kaufleute überhaupt 
zu verbieten; denn meist wurde die zeitliche Beschränkung in 
diesen Obligationen absichtlich verdunkelt, oder man kümmerte 
sich hinterher nicht um dieselbe. Dazu kam, dass es für die 
Hansen geradezu eine unmögliche Aufgabe war, darüber zu 
wachen, dass nicht ein oder der andere Kaufmann Tücher 
nach den Niederlanden von Deutschland aus verkaufte, so 
dass die Verwirkung der Summe im Voraus als sicher gelten 
konnte. Der Kaufmann zu London sträubte sich nicht mit 
Unrecht gegen die Zumuthung des Königs und kann, als er 
Danzig um Rath fragt, die Bemerkung nicht unterdrücken, 
dass die Engländer täglich darauf ausgehen, die Privilegien 
des deutschen Kaufmanns zu vernichten *). Aber schon vorher 
hatten die Hansen manche Ursache zur Klage. Im August 
z. B. beschwerten sie sich, dass sie in Hüll 5 sh Zoll für das 
Fodder Blei zahlen müssten, während man in London nur 
12 d zahle 8 ), wurden aber vom König abgewiesen, angeblich 
weil nach Aussage aller seiner Zollbeamten in Hüll seit 
Menschengedenken soviel für Blei gezahlt werde 3 ). 

Auf dem Hansetag von 1506 wurde der Brief des Königs 
vom 24. Mai 1504 verlesen, gleichzeitig aber über Klagen 
gegen England verhandelt, und ein Bericht an den König, das 
Parlament und den Kanzler beschlossen. 1507 wurde sogar 
die Abschickung einer Gesandtschaft an Heinrich VII. ins Auge 
gefasst 4 ). 

Im Jahre 1508 Juli 8 erklärte der König die am 21. Oct 
1493 den Hansen aufgedrungene Obligation im Betrag von 
20 000 £ für verfallen 6 ), indem er behauptete, die Tuch- 
ausfuhr der Hansen nach den Niederlanden sei unstatthaft, wie 
er gleichzeitig auch den Venetianern zu Gunsten der Merchant 
adventurers dieWaareneinfuhr aus den Niederlanden auf 10 Jahre 
verbot 6 ). 

Das Ziel, den Handel der Hansen zu beschränken und 
ihn mehr und mehr in die Hände der einheimischen Kaufleute 
zu lenken, stand nach dem Brief von 1504 für den König 
noch ebenso unverrückt vor Augen, wie vor dieser Zeit. Ob 
die im 22. Jahre der Regierung Heinrichs VII. angeordneten 
und im 1. Regierungsjahre Heinrichs VIII. beendeten Unter- 



l ) Brief des Kaufmanns zu London an Danzig vom 18. Nov. 1504 
(St A. Danzig 145. Hanserecesse ed. D. Schäfer). 

*) Dabei ist „achter 4^ sterlinge idt voed erblyes geratet" (Beschwerden 
des Londoner Contors. 1535 Lübecker Archiv). 

8 ) Brief des Königs Heinrich VII. an die wendischen Städte vom 
12. Dez. 1504 (St. A. Danzig XXV A. 41. Hanserecesse ed. 1). Schäfer). 

*) Köhler' sehe Sammlung S. 244. 

*) Br. M. Cotton Ms er. Claudius E. fo. 103. 

6 ) Sieh oben S. 142. 



— 201 — 

suchungen 1 ) über das Eigenthum des Stahlhofes vielleicht 
auch im Zusammenhang mit der allgemeinen Politik des 
Königs gegen die Hansen standen, mag dahin gestellt bleiben. 
Ueber die Absichten des Königs und die Lage der Hansen 
gibt das Erzählte genügenden Aufschluss. Die Tage der Macht 
der Hansen in England waren vorüber. Die Hansafrage in 
England war eigentlich schon jetzt entschieden. Wer weiss, 
was geschehen wäre, hätte der König noch ein weiteres De- 
cennium gelebt. 

Heinrich VHI. (1509-47). 

Es war eine bekannte Taktik der Hansen, bei jedem Re- 
gierungswechsel dem neuen Herrscher ganz besondere Hul- 
digungen darzubringen und durch Erhöhung der Krönungs- 
feierlichkeiten, wie durch Geschenke den König zu gewinnen. 
Auf diese Weise gelang es ihnen meist leicht, von dem eben 
gekrönten Herrscher ihre Privilegien bestätigt zn erhalten. 
So geschah es auch unter Heinrich VIII. Die Confirmation 
der Freibriefe erfolgte am 20. Februar 1510 *). 

Das Haus der Lords zugleich seinem Interesse folgend 
kam gerne der Neigung des Königs für die Hansen entgegen. 
Als die Gemeinen im ersten Parlament die Subsidie bewilligten 
und hiebei ausdrücklich verlangten, dass die Hansen ebenso 
wie alle übrigen Fremden 1 sh vom £ Werth aller ein- und 
ausgeführten Waaren zahlten, hoben die Lords diese Bestim- 
mung wieder auf, indem sie das Proviso beifügten, dass die 
Acte den Hansen nicht schädlich sein sollte. Das Unterhaus 
musste dann wohl oder übel ebenfalls seine Zustimmung geben 8 ). 
Aber die bürgerlichen Kreise wurden durch solche Vorgänge 
in ihrer Feindseligkeit gegen die Hansen nur bestärkt. Bald 
darauf waren die Commoners keck genug, um mit einer be- 
sonderen gegen die Hansen gerichteten Bill hervorzutreten 4 ). 
Dass dieselbe vom Oberhaus nicht angenommen werde, das 



x ) Sieh dieselben bei Lappenberg, Stahlhof S. 169. 

*) Marquard, De jure mercatorum Beil. L. D. S. 183. 

s ) Lords' Journals I. S. 7, 8. Aus diesem Vorgang erklärt sich der 
eigentümliche Widerspruch, den der Wortlaut der Acte 1 H. VIII. c. 20 
enthalt Die Bestimmungen der Acte selbst stehen in vollem Gegensatz zu 
dem Proviso. Es war übrigens nicht das erste Mal, (in 88 die Gemeinen 
bei Gelegenheit der Subsidienbewilligung die Hansen zu schädigen suchten. 
Schon früher hatten sie öfters verlangt, dass die Hansen von Her Subsidie 
von 1 sh Der £ nicht ausgenommen sein sollten. Die Könige bestätigten 
aber die oubsidienacte meist nur unter einem die Hansen ausnehmenden 
Vorbehalte, so namentlich Richard III. und Heinrich VII. Rot. Pari. VI. 
S. 238 fg. u. 268 fg.; vgl. jedoch auch V. S. 228, 269, 50S u. VI. S. 154. 

4 ) Lords' Journ. I. 3 Hen.VlI 83°, S6 W , 40« die Pari. Das Ober- 
bans überwies nach der ersten Lesung die Bill einer Commission, in der 
dieselbe dann begraben wurde. 



— 202 - 

verhehlten sie sich wohl auch nicht, aber sie wussten, dass 
man nur ausdauernd und unermüdlich Aehnliches zu wieder- 
holen brauche, um schliesslich auch die Opposition der Lords 
zu brechen. 

Die Erbitterung im Volke gegen die Hansen war sichtlich 
im Wachsen. Gesteigert wurde sie besonders, als die Eng- 
länder die Conjunctur des Krieges von Lübeck gegen Däne- 
mark (1508—16) ausnützend häufiger als früher in der Ostsee 
erschienen, aber auch eben deswegen von den Hansen mehr 
Angriffe als sonst zu erleiden hatten 1 ). Gleichzeitig gaben die 
Deutschen durch ihr unordentliches Leben allgemeines Aerger- 
niss *), und auch im kaufmännischen Verkehr trat an die Stelle 
der deutschen Solidität das System der Betrügerei 8 ). 

1517 (1. Mai) fand der bekannte Aufstand in London 
gegen die Fremden statt, und der allgemeine Hass gegen letz- 
tere war ein Factor, mit dem die Hansen und noch mehr die 
englische Regierung zu rechnen hatten. 

In der That hat es den Anschein, als ob die letztere 
jetzt etwas energischer gegen die Hansen einzuschreiten ent- 
schlossen war. Man sah wieder strenge darauf, dass die 
Hansen keine wollenen Tücher exportirten, die nicht geschoren 
waren; selbst Hermann Rink 4 ) verfiel der Strafe, wenn 
er gegen das Statut sich verfehlte 6 ). Wolsey duldete nicht, 
dass sie andere Waaren, als solche hansischer "Abkunft zu den 
in den Privilegien zugesicherten niedrigen Zöllen importirten 6 ). 
Die Schiffahrtsacte wurde gleichfalls ge^en sie fortgesetzt 
geltend gemacht. Die den Hansen aufgedrungenen Obligationen 



') Brewer, Cal. II. 1082. In England wurde es nachgerade Mode, 
für ieden Angriff, der zur See stattfand, die Hansen verantwortlich zu 
machen; selbst bei den Schotten mnssten sie immer im Spiele sein. Brown, 
Cal. II 715. 

*) Vgl. Lappenberg, Stahlhof S.93— 95 und speciell Köhler'sche 
Sammlung S. 248 u. 244 ad an. 1501 u. 1507. 

") 1511 beschloss man auf dem Hansetag, dass den Englischen gegen 
ihre Schuldner schleunig Recht verschafft werden solle, auch fortan kein 
Hanse Güter aus England schicken dürfe, wenn er nicht zuvor vor den 
Alderleuten schwöre, dass er die Güter bezahlt oder noch gleichwertige 
unverkauft in England habe. Kohl er 'sehe Sammlung S. 244. Schon 
frühere Recesse, wie der von 1447, 1506 beschäftigten sich mit dieser Sache. 

4 ) Ueber seine Beziehungen zu Heinrich VIIL sieh Ennen, Geschichte 
der Stadt Köln IV. S. 240; Pauli in den Forschungen zur d. G. 1862. 
S. 415 fg. 

8 ) Brewer, Cal. I. 5008; IL 1018; IV. 4623. 

<) So theilen die zu Lübeck versammelten Städte in einem Schreiben 
an Heinrich VIIL mit 4. Juli 1517. Brewer, Cal. III. 3436. Auf der 
Tagfahrt von 1520 suchten die Englander dies abzuläugnen, die Hansen 
aber behaupteten, „certum esse, quod idem dominus Cardinalis quibusdam 
mercatoribus nostris sub gravi pena prohibuerit, ne merces alias, quam in 
civitatibus Anze ortas vel natas invehant,*et propterea rem istam iam ab- 
solvendam et deeidendam fore. u (Kölner Stadtarchiv. Acta An gl. 1434 
bis 1521 fo. 834); vgl. auch ürk. Beil. 97 § 6. 



— 203 - 

wurden unter Heinrich VIII. eben so wenig herausgegeben, als 
unter dem Vorgänger. Für 40000 j£ waren die Hansen so 
verhaftet und sie sollten diese Summe erlegen, bevor die„Re- 
cognisances" ausgehändigt würden. Die garantirten gericht- 
lichen Privilegien wurden nicht mehr beobachtet. Man erhob 
höhere Zölle, höheres Admiralsgeld und machte mit den 
Hansen kurzen Process, wenn Klagen gegen sie laut wurden. 
Als z. B. 1511 im Kriege zwischen Dänemark, Schweden, Nor- 
wegen und Schleswig die Stralsunder ein Schiff der Lynner 
Kaufleute aufbrachten, aber in der Schadensersatzleistung sich 
säumig zeigten oder doch nicht die von den Engländern ver- 
langte Summe geben wollten, Hess Wolsey auf Antrag der 
englischen Schiffsherrn sogleich Beschlag auf die Güter der 
deutschen Kaufleute in London für ein ganzes Jahr legen, 
ohne auf die von den Stahlhofskaufleuten gemachten Vor- 
stellungen zu achten, dass ihren Privilegien zufolge kein Hanse 
für die Vergehen eines andern Hansen zu haften brauche. 
Zwei deutsche Kaufleute, Th. Schuttenbecker und Ludolph 
Butinick mussten 500 { £ Caution leisten, auf dass keiner der 
Kaufleute von Lübeck, Rostock, Stralsund und Wismar, die im 
Stahlhof residirten, England verlasse oder Güter exportire, bis 
für das genannte Schiff eine Compensation geleistet worden 
sei. Eine versuchte Vermittlung ihres Herzogs brachte den 
Stralsundern, wie dem Herzog selbst nur die grössten 
Demüthigungen ein 1 ). Mehre Jahre lang wurden die Stral- 
sunder Kaufleute in London festgehalten, und erst als das 
Contor eine bedeutende Summe zur Strafe an den König ge- 
zahlt 8 ), wurde der Handel wieder ganz frei gegeben 3 ). Die 
Londoner endlich bestritten systematisch den Hansen das Recht, 
den Wein im Detail zu verkaufen, obwohl der Art. 24 des 
Utrechter Vertrags 4 ) den Kleinverkauf wenigstens des Rhein- 
weins klar und deutlich bestätigte 5 ). 



J ) Brewer, Cal. III. 1082 Selbstverständlich ist die von Brewer 
vorgenommene Ergänzung des Adressaten als des Herzogs von Geldern un- 
möglich. Wolsey sagte zu den Abgesandten in feierlicher Audienz, den von 
ihnen genannten Fürsten kenne er gar nicht, man wolle auch nichts mit 
ihm zu thun haben. Sein königl. Herr sei nicht gewohnt, die Freundschaft 
von so gelingen und unbekannten Fürsten zu 6uchen. 

*)Sieh auch Köhler sehe Sammlung S. 247. 

*) Vgl. Urk. Beil. 97, 98, 102 Das Lübecker Archiv enthält mehre 
Concepte eines Briefes, wonach Lübeck noch am 15. Sept. 1516 Wolsey bat, 
doch wegen dieser Sache nicht Schuldige und Unschuldige ohne Unterschied 
leiden zu lassen. Das eingeschlagene Verfahren Verstösse vollständig gegen 
die Privilegien. 

') „Providebitur eisdem mercatoribus, quod vina Renensia minuatim et 
&d retauiam futuris temporibus vendere valeant, prout ab antiquo soliti 
sunt et consueti." Rymer XI. S. 799. 

*) 9. Nov. 1514 bestimmt der Londoner Rath einen Termin, an 
welchem die Stahlhofskaufleute ihr Recht des Detailverkaufs von Wein 
erweisen sollen. Diese produciren eine bezügliche Urkunde am 4. Dez. 1514 



— 204 — 

Es half den Hansen Nichts, wenn sie sich auf ihre Frei- 
heiten beriefen, es nützte auch Nichts, wenn sie mit peinlicher 
Sorgfalt und unter Aufwendung grosser Geldsummen in jeder 
Parlamentssession sich sogenannte „Provisoes" l ) gegen etwaige 
Benachtheiligung zu erwirken suchten ; denn war die Regierung 
schon nicht mehr im Stande, diese Vorbehalte auf dem ge- 
wöhnlichen formalen Wege zum Gesetz zu erheben *), so durfte 
sie auf keinen Fall wagen, auf Grund dieser eingeschmuggelten 
Exceptionen Gesetze, die ausdrücklich auf die Hansen ab- 
zielten, unwirksam zu machen und deren Anwendung zu ver- 
hindern. Die Gunst des englischen Bürgerthums um der 
Hansen willen zu verscherzen, war sie nicht gewillt, betrachtete 
vielmehr, anknüpfend an die von Heinrich VII. überkommenen 
Traditionen, die Gesetzesvorbehalte für wenig mehr als eine leere 
Formel 3 ). Waren die Hansen mit ihren Klagen gar zu un- 
gestüm, wies man ihnen einfach die Thüre mit der Bemerkung, 
der König sei Herr in seinem Lande und könne nach Gut- 
dünken Verordnungen machen 4 ). 

Nachdem die Hansen vergeblich versucht hatten, in Lon- 
don die Situation für sich günstiger zu gestalten, baten sie 
wieder um eine gemeinschaftliche Conferenz. Diese wurde ge- 
währt, und englischerseits Will. Knight, John Husee, Thom. More 

(London City Records Reports 2. fo. 199; 204 b). Im Jahre 1520 verbot 
der Mayor den Stahlhofskauf leuten neuerdings den Verkauf von Wein, be- 
sonders auch von Rheinwein im Detail. Die Hansen weigern sich dessen 
und erhärten ihr Recht durch Vorzeigung des unter Eduard IV. ertheilten 
und vom Parlament bestätigten Privilegs. 18. Dez. 1520 (London City Re- 
cords Liber N. fo. 150 b). 13. Dez. 1523 erneuert der Londoner Rath in Folge 
der von den Londoner Burgern erhobenen Klagen das Verbot, wogegen 
am 15. Dez. die 2 Stahlhofssecretäre in Begleitung eines juristischen Bei- 
standes den Detailverkauf von Rheinwein in der Londoner Rathsversamm- 
lung abermals vertheidigen (L. C. R. Repert. 4 fo. 215 u. 215 b). Derselbe 
Vorgang wiederholte sich am 13. u. 15. Dezember 1524 (L. C. R. Repert. 7 
fo. 21 u 22. 

*) Vgl. 1 Hen. VIII. c. 20; 4 Hen. VIII. c. 20: 6 Hen. VIII. c. 25; 
14 u. 15 Hen. VIII. c. 29; 22 Hen. VIII. c. 8; 26 Hen. Vin. c. 26: 
32 Hen. VIII. c. 14. 

*) So war dies der Fall gerade in der Session, in welcher das Gesetz 
3 Hen. VII. c. 11 wegen der Ausfuhr ungeschorner Tücher durch die Acte 
3 Hen. V11I. c. 7 erneuert ward. Die Regierung liess dem Hause der Lords 
ein Proviso zugehen; als sie aber gewahr wurde, dass dasselbe im Hause 
der Gemeinen sicher und vielleicht sogar im Oberhaus abgelehnt werden 
würde, zog sie es zurück, und der Kanzler erklärte im Namen der Re- 
gierung, es genüge, wenn der König allein das Proviso unterzeichne, es 
bedürfe weder der Zustimmung der Lords noch der Gemeinen. Lords' 
Jo urals Vol. I. 3 Hen. VIIL 45° die Pari. So kam das Proviso 4 Hen. VIII. 
c. 20 in die Reihe der Gesetze. Eine ähnliche Anomalie hatte Statt bei 
dem nächsten Proviso 6 Hen. VIII c. 25. Auch hier stimmten die Ge- 
meinen nicht zu; die Lords aber fassten den Beschluss, das Proviso, da 
dasselbe schon durch ihre Zustimmung gültig sei , gar nicht ans Unterhaus 
gelangen zu lassen. Lords 1 Journ. 6 Hen. VIII. 58° die Pari. 

*) Sieh oben S. 183, 184, 199. 

*) Köhler'sche Sammlung beim Jahre 1521. S. 246. 



— 205 — 

und der Vorstand der englischen Kaufleute John IJewster er- 
nannt 1 ). Die Hansen sandten 12 Vertreter ab 2 ). Die Ver- 
handlungen sollten zu Brügge geführt werden. 

Die Hansen hofften, sicher mit ihren Forderungen durch- 
zudringen. Sie beachteten nicht, dass die Verhältnisse in 
England für sie täglich schlechter wurden, und dass für 
ihre Hoflhungen jede reale Unterlage fehlte. Wie hatten sich 
die Zeiten gegen früher geändert! Aus einem schwachen und 
im Innern zerklüfteten Reiche war England ein Staat geworden, 
der in der europäischen Politik eine gewichtige Stimme besass. 
Auf dem Thron sass diu Herrscher, dessen Ansprüche an die 
Krone von Niemand bestritten wurden und der das vollste 
wusstsein königlicher Gewalt in sich vereinigte. Im Lande 
selbst war eine Summe von wirtschaftlicher Energie und 
von Kräften zur Entwicklung gelangt, die nach weiterer Aus- 
dehnung strebten und unaufhaltsam vorwärts drängten. 

Man begreift, wenn die englischen Bevollmächtigten mit 
erhöhtem Selbstgefühl auftraten, um so mehr, als wenige Mo- 
nate zuvor selbst die Niederlande zu bedeutenden commerciellen 
Concessionen England gegenüber sich herbeigelassen hatten. 

Die englischen Deputirten kamen am 19. Juli nach Brügge. 
Die Verhandlungen wurden im Carmeliterkloster geführt. Die 
Hansen legten ihre Klagen 8 ) vor, und nach längeren unwesent- 
lichen Präliminarien trat man in die Besprechung der einzelnen 
Punkte ein 4 ). Mit besonderer Sorgfalt vertheidigten die Hansen 
ihre Forderung in Betreff der Ausfuhr ungeschorner Tücher, 
weshalb sie auch diesen Artikel an die Spitze ihrer Beschwerden 
gestellt hatten. Knyght und Thomas More bemühten sich, 
ihre Gründe zu widerlegen. Der erstere machte geltend, man 
müsse bei dieser Frage die Absicht des Privilegienertheilers 
berücksichtigen; es sei nicht zu präsumiren, dass dieser die 
Meinung gehegt, in Zukunft nicht etwas statuiren zu dürfen, 
was zum allgemeinen Wohl, aber zum Nachtheil der Hansen 
sei. Der König sei also vollkommen im Rechte gewesen, wenn 



') Calais 10. Juni 1520. Rymer XIII. S. 722. 

*) Bürgermeister Nie. Bromse, Dr. Math. Packebusch, Lamb. Witing- 
hoft, Secretar Paul von Velde aus Lübeck; Bürgermeister Ad. Rinck, 
Herrn. Rink, Dr. Jodocus Wilpurg von Erpach, Alb. v. Gueyss, Thom. 
Burchmann aus Köln; Bürgermeister Gerh. von Holte, Joh. Reinike, Joh. 
Halp aus Hamburg. Kölner Stadtarchiv. Acta An gl. 1484—1521 fo. 292. 

^Urk. Beil. 97. 

*) Für das Folgende wurde benützt der wahrscheinlich von dem 
Lübecker Syndicus Dr. M. Pakebusch verfasste Bericht über die Verhand- 
lungen in den Acta Angl. 1434—1521 des Kölner Stadtarchivs fo. 293 
bis 318. Eine zweite, von derselben Hand geschriebene, am 1. August vor- 
genommene oder begonnene Registrirung einer ersten Besprechung der han- 
sischen Beschwerden findet sich ebenda fo. 329 fg. und wurde gleichfalls 
mitverarbeitet 



— 206 — 

er das Verbot der Ausfuhr ungeschorner Tücher zum Gesetz 
habe erheben lassen. More dagegen führte besonders aus, 
wie das Statut nicht zum Privatvortheil der Londoner Scheerer 
und Walker, sondern zum öffentlichen Nutzen gereiche. Hebe 
man es auf, so erwüchsen dem Reiche grosse Kosten. Auch 
könnten ohne dasselbe die genannten Gewerbsleute in England 
sich nicht so vortheilhaft erhalten und ernähren. Ueber die 
Frage, ob das Gesetz dem Lande nütze, hätten übrigens die 
Hansen gar nicht zu urtheilen, das sei Sache des Königs. 
Man könne nur Billigkeitsrücksichten geltend machen. Aber 
gerade diesen entspreche es, dass der König seine Unterthanen 
unterstütze, nicht aber dass er zu seinem Schaden und auf 
seine Kosten den Hansen Vortheile zuwende. Nur wenige 
Jahre habe der deutsche Kaufmann das Recht, ungeschorene 
Tücher ausführen zu dürfen, ausgeübt, er könne nicht die 
Gewohnheit für sich geltend machen. Dazu komme, dass an 
diesen Punkt sich viele Folgen knüpften ; es sei zu befürchten, 
dass, wenn man hier den Hansen nachgebe, sie dann auch die I 
übrigen Statuten reformirt wissen wollten, wie das Statut, dass ! 
man den Hansen nicht in Gold zahlen, das Statut, dass man j 
gewisse Waaren nur in englischen Schiffen verfrachten dürfe, j 
die Gesetze über die Ausfuhr von Wolle und anderen ; 
Waaren. Das werde zur Folge haben, dass die Hansen \ 
das Stapel des Reiches untergrüben, allen Erwerb Englands ; 
an sich zögen und einen grossen Theil der Krone Englands \ 
entfremdeten 1 ). Nur wenn diesen Consequenzen vorgebeugt 
würde, die Hansen also alle übrigen Statuten in Kraft lassen 
wollten, könne man die Zurücknahme des mehrerwähnten Ge- 
setzes in Erwägung ziehen. 

Davon wollten die hansischen Bevollmächtigten Nichts 
wissen. In diesem Compromiss sehen sie nur eine Falle. Sie 
meinen, da sie diese „anderen" Statuten nicht kannten, so 
könne e& leicht sein , dass diese ihren Freiheiten nachtheiliger 
wären, als dieses Gesetz. Knights Ansicht sei unrichtig. Seit 
200 Jahren und noch länger hätten sie das Privileg des freien 
Verkehrs und der freien Ausfuhr. Eduard IV. und das Parla- 
ment hätten alle ihre Rechte anerkannt und versprochen, dass 
ihnen keine neuen Beschwerden auferlegt werden sollten. Ihr 
Privileg sei unwiderruflich und ein dauerndes. Was die In- 
tention des Privilegiengebers betreffe, so stehe hinsichtlich 
dieser Nichts fest. Man müsse sich an die Worte der Privi- 
legien halten. Diese seien aber klar und deutlich und be- 
dürften keiner Interpretation. Wo komme man überhaupt hin, 
wenn die Theorie von Knight richtig wäre, wonach nicht das 
geschriebene Wort, sondern eine verborgen bleibende Absicht 



') „omnem questum Anglie nobis usurpemus magnamqae partem corone 
Anglie auferamus." a. a. 0. fo. 303. 



— 207 - 

entscheide? jeder Contract werde zur Unmöglichkeit. Auch 
mit dem öffentlichen Nutzen sei es nicht weit her. Ausser- 
halb Londons gebe es gar keine Walker und Scheerer im 
Königreich, nur auf Bitten der Londoner sei das Gesetz er- 
lassen worden. Den Sondernutzen der Londoner Walker und 
Scheerer mit dem öffentlichen Gemeinwohl zu identificiren, sei 
unstatthaft; man dürfe nicht jenen als Grund zur Schädigung 
ihrer Privilegien vorschützen. Mit demselben Recht könnte 
der König ihre Privilegien zerstören, weil Etwas den Schuh- 
machern oder Fellbereitern nützlich sei. Wenn der englische 
Gesandte ihnen das Recht abspreche, über den Nutzen des 
Reiches zu urtheilen, dann solle man nicht einen angeblichen 
Nutzen als Beweisgrund vorbringen, zumal ein solcher indirecte 
Vortheil ganz irrelevant sei und nicht ihren Statuten präjudi- 
ciren könne. Die Deductionen der Engländer seien absurd und 
grenzten fast ans Kindische. Das Statut sei überwiegend 
schädlich. Man brauche nicht zu besorgen, dass, wenn das- 
selbe ausser Kraft trete, die Scheerer- und Walkerzunft zu 
Grunde gehe und nicht genug zu leben habe; aber selbst 
wenn, so seien die Hansen, nicht gehalten, jene in Nahrung zu 
setzen und ihre Privilegien einzubüßen. Der Kaufleute, denen 
dies Gesetz prajudicire, gebe es weit mehr, als Walker, denen 
es Vortheil bringe. Aller Tuchhandel und daraus resultirende 
Erwerb gehe den Hansen verloren; denn sie könnten ihre 
Tücher nicht zur rechten Zeit zur Messe bringen und nicht 
die in ihren Absatzgebieten beliebten Sorten bekommen, da 
man bei den Engländern keine solche Farben finde und die 
Tücher unrichtig und betrügerisch appretirt würden. Der König 
hätte doch wenigstens verordnen sollen, dass die Tücher ge- 
schoren und zugerichtet werden müssten, bevor sie von den 
Engländern zum Verkauf ausgestellt würden. Wenn man den 
Hansen gestatte, von den Engländern ungeschorene Tücher zu 
kaufen, weshalb nicht auch, dass man sie exportire? Man 
müsse vermuthen, dass nur Hass gegen die Hansen der Grund 
dieser Acte sei. 

All das machte keinen Eindruck auf die Engländer, sie 
waren nicht zu überzeugen. Die englische Regierung hatte ihren 
Bevollmächtigten untersagt, hier eine Concession zu machen. 
Aus den Zollregistern sah sie, dass der Tuchexport nicht 
unter diesem Gesetze litt. Die Ausfuhr der Hansen selbst 
war trotz desselben fortwährend im Steigen 1 ). Den übrigen 
Beschwerdepunkten wurde beiderseits geringes Interesse zu- 
gewendet Nur bei der Frage, ob die Hansen auf Grund 
der Privilegien auch vom Gerichtshof des ' Exchequer befreit 
säen, fahrte zu einer eingehenderen Debatte. Die Hansen 
hatten guten Grund, hier streng ihr Recht zu ver- 

*) Sieh Bd. IL S. 18, 19. 



— 208 — 

theidigen. Der Exchequercourt wurde wie die Hölle gefürchtet. 
Wer in seine Gewalt gerathen, für den gab es kein Entrinnen 
mehr 1 ). Obwohl der Artikel 7 des Utrechter Vertrags deut- 
lich stipulirte, dass, wenn die Hansen vor Gericht belangt 
würden, der jeweilige Kanzler und Schatzmeister den Process 
inhibiren und selbst entscheiden sollten, so wollten doch die 
englischen Bevollmächtigten die Exemption der Hansen von 
der Jurisdiction des Ex che quer nicht anerkennen. Ueber die 
übrigen Artikel gingen die Engländer rasch hinweg, indem sie 
die Klage als unbegründet zurückwiesen oder Unkenntniss 
vorschützend erst die Sache untersuchen lassen wollten, wofür 
sie aber lange Zeit beanspruchten, so dass keine Aussicht vor- 
handen war, dass die von den Hansen vorgebrachten Be- 
drückungen bei Gelegenheit dieses Congresses aus der Welt 
geschafft würden. Die hansischen Bevollmächtigten kamen 
auch selbst immer wieder auf die beiden ersten Artikel zurück 
und drangen darauf, dass man hinsichtlich dieser zuerst ab- 
schliesse und dann erst über die übrigen weiter verhandle. 
Es war dies ein tactischer Kunstgriff, es sollte dadurch klar 
werden, was die Engländer im Schilde führten. Die Klärung 
der Situation wurde erreicht, aber in der Weise, dass die 
Engländer bei dem ersten Artikel, „in welchem die ganze 
Gewalt des Streites lag\ nicht nachgaben. 

Unter den hansischen Delegaten entstand darüber grosse 
Bestürzung. Die Hoffnungen, die man gehegt, waren zu Wasser 
geworden. Man stand vor der Wahl, ob man ganz abbrechen 
oder wenigstens eine Prorogation anstreben solle. In der Be- 
rathung, welche die Hansen unter sich pflegten, wurde auf die 
Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der den Engländern zu geben- 
den Antwort hingewiesen 2 ). Die einen wollten von einer Pro- 
rogation Nichts wissen; die Tagfahrten seien kostspielig, die 
jedesmalige Reise sei mühsam und voll von Gefahren, und 
schliesslich verlaufe Alles ohne Resultat. Was die Engländer 
beabsichtigten, sei ja klar. Sie dächten nur daran, die Hansen 
aus dem Königreich zu treiben oder durch Kosten und Drang- 
sale zu ermüden und dadurch gefügig zu machen 8 ). Andere 

*) Vgl. Brinklow, Complaynt of R. Mors ed. Cowper S. 24. Aehnlich 
ungünstig über den Exchequer äusserte sich 1551 der venetianische Gesandte 
Barbaro Daniele, der hiebei das Spruch wort citirt: „Quod non capit Christus, 
rapit fiscus." Alberi, Relazioni Ser.I. Vol. IL S.235; Browu, CaLV. 934. 

*) „In hoc responso leges et prophetas pendere neque posthac in pre- 
senti dieta unquam bene responsuros, si nunc male respondeant, jam ulcus 
acu tangendum fore, et multa hiis non dissimilia. Quibus auditis oratores 
Anze toto animo consternati et bonam partem spei, quam antea conceperant, 
concidisse arbitrati diu* ac varie inter se colloquebantur." a. a. 0. fo. 304. 

3 ) „Anglicos versutos et callidos nichil aliud querere t quam ut nostros 
vel regno expellant vel laboribus yiarum discriminibus ac impensis fatigatos 
in sua vota pertrahant. Similia istis sepe antehac tentata ab eis. nichil un- 
quam eorum, que promisere, servatum vel impletum. Grave dispendium 
ac periculum promptum in Anglia degentes subituros." a. a. 0. fo. 304. 



— 209 — 

meinten, eine Vertagung sei doch von zwei liebeln das kleinere. 
Breche man ab, so würden die Engländer nie wieder die Hand 
zu einem Vergleich bieten, und die Kaufleute müssten Eng- 
land verlassen. Die letztere Meinung behielt die Oberhand. 

Nach einem nochmals vergeblich gemachten Versuch, die 
Engländer zur Aenderung der Parlamentsacten zu veranlassen, 
wobei die Debatten äusserst erregt wurden, fasste man beider- 
seits einen Recess für die Vertagung ins Auge. Nur mit Mühe 
und Noth kam dieser zu Stande. Die englischen Bevollmäch- 
tigten verlangten einen Wortlaut, der den Hansen sehr ver- 
fänglich schien. Die beiden Wortführer der hansischen Ver- 
treter, Dr. Packebusch und Dr. Jodocus, wandten alle ihre 
Beredungsgabe auf, um wenigstens das Zugeständniss zu er- 
wirken, dass bis zum folgenden Congress alle Feindseligkeiten 
unterblieben und die Anwendung der Parlamentsacten mit 
Bezug auf die Hansen ausgesetzt werde. Der Termin sei 
ja nur kurz, dem König werde nicht präjudicirt, das Ver- 
langen entspreche der bona fides und auch der Billigkeit, 
da sie nicht die Ursache seien, weshalb der Congress re- 
sultatlos verlaufe. Aber alle Mühe war vergeblich. Th. More 
erklärte, die Suspensivclausel sei für die Engländer un- 
annehmbar. Wie dürfe man in solcher Weise dem König 
die Hände binden 1 ) und verlangen, dass ihm während der 
Vertagung Etwas untersagt sei, was er vorher thun konnte? 
Jetzt und seit Langem sei der König im Quasibesitz des Rechts, 
die Ausfuhr ungeschomer Tücher zu verbieten und Aehnliches 
mehr zu thun, bei Annahme der Suspensivclausel würden die 
Hansen in ihren Quasibesitz eingesetzt, dem König aber das 
Seinige entzogen. Der Status quo, so wie er jetzt zur Zeit des 
Googresses bestehe, müsse erhalten werden. Der König werde 
gewiss keinen Gebrauch von seinem Rechte machen, wfe er ja 
auch seit Festsetzung des Termins für diese Tagfahrt von der 
Verfolgung der schwebenden Processe abgestanden sei, nur 
verpflichten könne man ihn nicht. More gab seine Hand, dass 
er für eine loyale Behandlung wirken wolle. Die Hansen 
mussten wohl oder übel sich fügen; denn sie meinten: „cum 
aliud haben nequeat, tucius esse, ut haec dieta suspenderetur, 
quam quod omnino dissolveretur, ut saltem interea unusquisque 
periculo et dampno suo consulere et prospicere possit." Genau 
so, wie die Engländer den Recess abgefasst hatten, mussten 
die Hansen ihn acceptiren, obwohl jene sogar Aenderungen 
vorgenommen hatten, denen die Hansen vorher nicht zu- 
gestimmt 2 ). 



*) „hoc modo manus sue claudantur" a. a. 0. fo. 312. 

*) Der -Tenor quarti et ultimi recessus inter legatos Anglicos et 
Hanseaticos Brugia habiti" vom 12. August ist publicirt bei Lappenberg, 
Urkundliche Geschichte des hansischen Stahlhofes S. 173. Hinsichtlich der 

Schani, Engl. Handelspolitik. I. 14 



— 210 — 

Durch diesen Ausgang waren die Hansen in eine Zwangs- 
lage gebracht worden. Für die nächste Tagfahrt aber waren 
die Aussichten eher schlechter als besser. 

Während der Verhandlungen über die Suspensivclausel 
hatte Th. More Gelegenheit genommen, die Hansen auf- 
merksam zu machen, worauf man das nächste Mal hinziele. 
Scheinbar als gedenke er ihnen einen besondern Gefallen zu 
erweisen, erzählte er in einschmeichelnder Rede und mit 
liebenswürdiger Miene 1 ), dass er ihnen für den nächsten Con- 
gress eine geheime Eröffnung machen wolle. Gleich bei Be- 
ginn der jetzigen Verhandlungen habe er ihre Vollmacht nach 
England geschickt. Der König sei nicht in London gewesen, 
aber einige Räthe hätten dieselbe geprüft und sie unzulänglich 
gefunden, und zwar in dreifacher Hinsicht. Der Vollmacht 
zufolge seien die hansischen Deputirten nicht befugt, über den 
Missbrauch der Privilegien und einer deswegen zu verwirken- 
den Strafe zu unterhandeln, ebenso nicht über die Form, in 
welcher die hansischen Kaufleute in Zukunft ihre Privilegien 
in England und die englischen Unterthanen die ihrigen in 
den Städten und Ortschaften der Hansa gemessen, und wie 
sie behandelt werden sollten, endlich nicht darüber, welche 
Städte und Bürger aus der Hansa zum Genuss der Privilegien 
zuzulassen seien. Dieser letzte Punkt sei der wichtigste, über 
ihn müsse unter allen Umständen eine Abmachung statt- 
finden. Der König und die Räthe seien der Ueberzeugung, 
dass die Hansen einige Städte, die nicht zur Hansa gehörten, 
aufgenommen und so die Grenzen ihrer Privilegien über- 
schritten hätten. Auch darin sei die Vollmacht unvollstän- 
dig, dass die Deputirten nicht ausdrücklich ermächtigt seien, 
Neues zu vereinbaren. Dies sei deshalb nothwendig, weil 
in den ^Privilegien viele Worte enthalten seien, welche anders 
aufgefasst werden mtissten, als dies von Seite der Hansen 
geschehe, er erinnere an die Worte „mercandisis suis", an 
die Clausel, dass der König Nichts statuiren dürfe, das den 
Privilegien präjudicire, was eine unerträgliche Beschränkung 
der königl. Macht involvire 2 ). Das seien Fragen, die gründ- 
lich erörtert und die entschieden werden müssten ; und er wolle 
es ihnen nur gestehen, wegen der ungenügenden Vollmacht 
hätten sie Befehl erhalten, nicht mit den Hansen abzuschliessen. 
Sie hätten es unter diesen Umständen für das nützlichste er- 
achtet, im Interesse des Friedens und der Freundschaft den 



A enderangen heisst es im hansischen Bericht fo. 317: preter et ultra con- 
ventionem nostram adiecerant clausulam illam „plena auctoritate suflulti" 
relicta et omiBsa quadam alia, quam nos apposueramus. 

*) „blando sermone et placido vultu, prout Angiitis mos est" a.a.O. 
fo. 31$. 

*) „ut omnem potestatem regi adimamus et pretextu priviiegiorum 
nostrorum regias manus claudamus." a. a. 0. 



— 211 — 

gegenwärtigen Congress zu vertagen. Die Hansen möchten 
deshalb dafür sorgen, dass sie das nächste Mal mit hinläng- 
licher Vollmacht ausgerüstet seien, sonst werde der nächste 
Congress wieder fruchtlos verlaufen 1 ). Gegen Unkenntniss 
seien sie jetzt geschützt. 

Man sieht, wie die Engländer immer mehr zur Offensive 
übergiengen, wie sie systematisch, Schritt für Schritt die Hansen 
bedrohten. 

Als die Engländer abgereist waren, riefen am 13. August 
die hansischen Bevollmächtigten die Londoner Alderleute mit 
ihrem Secretär zu sich, und bemerkten, sie hätten nun gesehen, 
in welcher Weise man sich von den Engländern getrennt, wie 
listig und heimtückisch diese ihnen gegenüber gehandelt, wie 
sie Anfangs Schönes versprochen , dann aber wenig gehalten 
hätten. Es scheine deshalb gerathen, dass der Londoner Kauf- 
mann die Gefahr erwäge und sein Eigenthum mit sammt den 
Privilegienbriefen ausser Landes schaffe. Den Engländern sei, 
wie sie selbst wüssten, nicht zu trauen; denn diese dächten 
an die Vertreibung der Hansen *). 

Nach aussen führten die Städter freilich eine andere 
Sprache. Da liessen sie durchblicken, dass man die Hansa nicht 
so leicht, als man vielleicht denke, bei Seite schieben könne. 
Man glaubt in der That noch die Kraft früherer Tage zu 
spüren, wenn die Hansen die stolzen Worte fallen liessen, mit 
ihrem Geld und ihrem Blut hätten sie in England ihre Privi- 
legien erkauft, sie seien auch fest entschlossen, das theuer Er- 
worbene aufrecht zu erhalten 3 ). 

Der englische Gesandte Spinelly in Brüssel kann seinen 
Missmuth gegen dieselben nicht verbergen und legt Wolsey 



*) Im Recess wurde diesem Punkte insoweit Rechnung getragen, als 
es hiess: „oratores magnificae commanionis Anzae in dicto opjpido Bruggensi 
convenient, suffulti authoritate et potestate sufficienti ad com- 
municandum, tractandum, transigendum et concludendum super omnibus 
querelis, differentiis et dissensiombus, dampnis et iniuriis, specialibus et 
generalibus, vicissim propositis et proponendis." 

9 ) „ut, si vellent, suo periculo consulerent et res suas cum privilegiis 
exportarent; partim Angiicis, quemadmodum et ipsi scirent, fidendum esse, 
iogeotia illos promittere, exilia prestare" a. a. 0. fo. 317. Ausserdem hielt 
man für angezeigt, dass Stillschweigen über die Verhandlungen beobachtet, 
nichts gegen die Form des Recesses unternommen, alle Privilegienbriefe be- 
hufs Instruction abgeschrieben, und bei auftauchenden Klagen genau nach- 
geforscht und für Beweise gesorgt werde. Der Kölner Bürgermeister empfahl, 
die Form und Art, wie die Vollmacht abzufassen sei, zu erwägen und einen 
Theil der Städte zur Berathung über die nächsten Verhandlungen einzu- 
berufen, a. a. 0. fo. 317. 

') „The Lorde Berghes shewed me, that the Stiliardes saith to have 
booght with ther money and blöde suche preveleges and liberties, they 
have within the realme of Endonde, and that they be so determyned to 
defende and conserve yt. u Spinelly an Wolsey. 15. September 1520. Br. M. 
Cotton Msc. Galba B. VI. fo. 207. 

14* 



— 212 — 

nahe, dass man energisch vorgehen müsse. Sie trieben es gar 
zu unverschämt. Er sei neulich zu Antwerpen gewesen und 
habe gesehen, wie da an den verschiedenen Häusern der 
Stahlhofsleute die englischen Wappen prangten und daneben 
grosse Placate glänzten zur Kunde, dass man hier englisches 
Tuch verkaufe. Auch habe er in Erfahrung gebracht, dass 
die hansischen Deputirten zu Brügge auf der nächsten Con- 
ferenz nicht einzulenken gedächten. Ueberall klage man jetzt 
über die Hansen, und da er wisse, wie sehr Wolsey auf das 
Wohl und den Vortheil der Engländer bedacht sei, so wolle 
er nicht verfehlen mitzutheilen, dass besonders der König von 
Dänemark über sie erbittert sei, weil sie gegen ihn intriguirt 
hätten, als er eine Stadt in Schweden belagerte x ). Der Kaiser 
sei nicht weniger empört über sie in Folge der Erpressungen 
und Beraubungen, welche sie zu verschiedenen Zeiten gegen 
die Holländer, Zeeländer und Brabanter sich fortwährend zu 
Schulden kommen Hessen, da sie nicht gestatten wollten, dass 
diese ostwärts handelten. Würde man mit dem Kaiser und dem 
König von Dänemark 8 ) gemeinsame Sache machen, so könnte 
man wohl, ohne in einen Krieg zu gerathen, den Stolz und Hoch- 
muth der Stahlhofsleute niederdrucken und sie veranlassen, 
sich genügen zu lassen, wie es das Recht verlange. Der 
Kaiser sei nach seinen Erkundigungen dazu gerne bereit 3 ). 

Die Möglichkeit einer Trippleallianz zur Bekämpfung der 
Hansen war sonach nicht ausgeschlossen. Die Feindschaft 
zwischen Franz I. und dem Kaiser verhinderte sie. Allein 
England konnte auch so den Hansen imponiren. 

Der in Aussicht genommene neue Congress fand nicht am 
1. Mai 1521 statt, sondern der Termin wurde auf Bitten der 
Hansen 4 ) auf den letzten August verschoben. Die Verhand- 
lungen fielen also in eine Zeit, in der Wolsey den höchsten 
Triumph seiner auswärtigen Politik feierte und zu Galais den 
Schiedsrichter zwischen den zwei grössten europäischen Mächten, 



1 ) Offenbar Stockholm, welches die Gemahlin Sten Stures (Christine 
Gyllenstjerna) lange mit Unterstützung Lübecks gegen Christian IL hielt 

*) Christian IL befand sich damals beim Kaiser in den Niederlanden. 

■) 29. Aug. 1520. Brewer, Cal. III. 964 und State Papera VI. 
S. 65. Aehnlicn schreibt er am 15. Sept. 1520 und hebt abermals die 
Geneigtheit der Niederlande, mit England gegen die Hansen vorzugehen, 
hervor : „And putte no doubte, if the king highnes wolde encrease to his 
amyties and treaties with the king of Romaynes some comon beneficiall 
article towching the seid stiliardes, the mater on this aide wilbe thankftril 
accepted; for theee Countrees haith receyved and receyve daily wrongis of 
them in navigacions estwarde." Br. M. Cotton Ms er 8. Galba B. VI. 
fo. 207. (Die Stelle ist bei Brewer III. 978 ganz verdorben). 

4 ) Dies geht hervor aus einem Schreiben des Londoner Contors vom 
14. Aug. 1521, worin dasselbe seine Vertreter für die Tagfahrt delegirt. 
(Lübecker Archiv). 



— 213 — 

dem König von Frankreich und dem Kaiser Karl V. spielte. 
Hatten schon 1520 die Hansen das steigende Machtgefühl der 
Engländer zu beobachten Gelegenheit, so musste die allgemeine 
politische Lage dies jetzt noch stärker hervortreten lassen. 
Wenn Kaiser und Könige vor der englischen Krone sich 
beugten und ihre Unterstützung suchten, wie sollte man da 
diesen Städtern noch besonders willfährig zu sein Lust haben ? 
Wozu diese Goncurrenten des englischen Kaufmanns noch 
länger in unbilliger Weise bevorzugen, während sie selbst in 
ihrer Heimath keinerlei Concessionen machen wollten? In der 
That war die Offensivstellung der englischen Bevollmächtigten 
auf dieser Tagfahrt noch weit ausgeprägter, als es bei der 
vorigen der Fall war. 

Englischerseite wurden die Verhandlungen geführt von 
W. Knight, Th. More, J. Hewster, welche schon 1520 in 
Brügge mit den Hansen tagten, ausser diesen waren John 
Wiltshire, Ric. Sampson, Th. Hannibal neu ernannt 1 ). 
Deutscherseits waren Vertreter von Hamburg, Lübeck und 
Köln abgeordnet worden, unter ihnen wieder Dr. Packebusch 
und Dr. Jodocus Wilpurg. 

Die erste Sitzung fand am 13. September statt. Gleich 
nach Ueberreichung der Vollmachten steuerten die Engländer 
auf ihr Ziel los. „Ihr behauptet", sagte einer der englischen Depu- 
tirten in kurzen, aber scharfen Worten 2 ), „die Bevollmächtigten 
der gemeinen Hansa zu sein, so gebt uns an, welches die 
Hansestädte sind und bezeichnet sie uns mit Namen". Damit 
war eine von Th. More im letzten Congress angedeutete Haupt- 
frage aufgeworfen. Man begreift leicht, weshalb die Engländer 
gerade diesen Punkt nicht nur nicht fallen Hessen, sondern 
sogar an die Spitze stellten. Waren die Zollprivilegien der 
Hansen den Engländern schon lange zuwider, so war es ihnen 
geradezu unerträglich, dass sie niemals wussten, wer denn 
eigentlich dieselben besitze, und dass die Hansen ihren Bund 
immer mehr erweitern und das aus den Zollfreiheiten ent- 
springende Missverhältniss ins Ungemessene steigern konnten. 
Es war auch dies Verlangen nicht erst in den Tagen Hein- 
richs VIII. enstanden. Schon lange wollte man englischerseits 
über diese Frage Aufschluss haben. Wir begegnen z. B. dieser 



*) Ein kurzer Bericht der Abgesandten vom 1. October ist erwähnt 
beiBrewer, Cal. II. 977, der fälschlich dem Jahr 1515 zugerechnet ist. 
Ebenso irrthumtich ist die Datirung von Cal. III. 974 u. 979, welche beide 
Kummern nicht dem Jahre 1520, sondern den Verhandlungen von 1521 an- 
gehören. Ausser diesen wurde für das Folgende der hansische Bericht der 
Verhandlungen, der von Dr. Jodocus Wilpurg herrührt, benutzt, nach den 
Acta Anglic. 1434—1521 fo. 255—76 im Kölner Stadtarchiv. Vgl. ferner 
ürk. Beil. 97, 98, 99, 101, 102. 

*) „brevibus quidem, acerrimis tarnen v er bis" fo. 256. 



— 214 — 

Forderung schon im Jahre 1379 *) ; ebenso .wollte 100 Jahre später 
Eduard IV. beim Utrechter Vertrag diesen Punkt klargestellt 
wissen *). 

Den Hansen kam die Frage sehr ungelegen. Dr. Jodocus 
erklärte, sie seien ausser Stande, dieser Forderung zu ge- 
nügen. Die Hansa bestehe nicht blos aus einzelnen Städten, 
sondern es gehörten auch einige Fürstenthümer (principatus) 
dazu; die einzelnen Ortschaften mit Namen anzugeben, sei 
ihnen ebenso unmöglich, als es den englischen Gesandten sein 
würde, wenn sie alle Orte des Königreichs nennen sollten. So 
richtig dies nun auch war 3 ), die Engländer gaben sich damit 
nicht zufrieden. Alle Versuche der Hansen, die englischen 
Bevollmächtigten von diesem Thema abzubringen, scheiterten. 
Die Engländer gingen nicht eher zur Besprechung der Querelae 
generales über, als bis man ihren Wunsch erfüllte. Unter 
dem Vorbehalt, dass den nichtgenannten Orten kein Schaden 
erwachse, übergaben die Hansen ein Verzeichniss von 45 
Städten. 

Die hansischen Beschwerden waren schon 1520 vorgelegt 
und besprochen worden. Die abermals über" sie geführte De- 
batte bewegte sich in denselben Bahnen. Neue Momente 
wurden wenig vorgebracht 4 ). Wir können auf ein näheres 
Eingehen verzichten und uns begnügen, auf die registrirten 
Reden und Gegenreden in den Urkundenbeilagen zu ver- 
weisen 5 ). 

Weit grössere Bedeutung hatten für die diesmalige Tal- 
fahrt die englischen Beschwerden 6 ). In ihnen laer die Wucht 
der englischen Anschauungen. Früher waren die Querelae 
generales eine lose Aneinanderreihung und Erzählung von ein- 
zelnen Missständen, für die man Abhilfe verlangte. Diesmal 
aber beherrschte ein gemeinsamer Grundgedanke alle Einzel- 
heiten, und dieser war: die hansischen Privilegien sind ver- 
wirkt, eine neue Grundlage muss für die beiderseitigen Handels- 



*) Koppmann, Hanserecesse II. S. 253 Nr. 212 § 4 und S. 25ö 
Nr. 213 § 4. 

*) ürk Beil. 82. 

s ) Sieh in Betreff dieser Frage auch Ennens Aufsatz über Sader- 
mann in den Hans. Geschichtsblättern 1876. S. 14. 

*) Neu war z. B. der Hinweis von Seite der Hansen, dass man zu- 
weilen auch den Engländern, Lombarden und sonstigen Fremden (durch 
Licenz) die Ausfuhr ungeschorner Tücher erlaube. Neu war, dass die Eng- 
länder die Berufung auf den Vertrag von Utrecht hicbei nicht zuliesseu, 
weil dieser nicht mehr zu Kraft bestehe. Neu war auch das sophistische 
Kunststück des Dr. Sampson, der das Verbot der Ausfuhr ungeschorner 
Tücher damit rechtfertigen zu können glaubte, dass er sagte, die un- 
geschornen Tücher seien „imperfecta, eine „res imperfecta" aber „non sit res 
sui generis", worauf Dr. Jodocus mit Recht erwiderte, das Scheeren, Färben 
beeinflusse blos die Qualität, Tuch sei auch ohne diese Tuch. 

ß ) ürk. Beil. 97, 98, 99. 

°) Urk. Beil. 100. 



— 215 — 

beziehungen gewonnen werden. Alles Detail diente nur dazu, 
diesen Satz zu begründen. Die Privilegien, sagten die Eng- 
länder, sind nur unter der Voraussetzung ertheilt worden, dass 
auch die englischen Kaufleute in den hansischen Gebieten gut 
behandelt werden und gleichfalls Privilegien haben. Das 
geschieht nicht. In den Städten der Ostsee werden diese 
bedrängt und täglich misshandelt, ebenso im Westen; Köln 
z. B. lässt die Engländer nicht nach Frankfurt handeln; ja so- 
gar auf fremdem Gebiete, wie in Island, suchen die Hansen 
den englischen Kaufmann zu verdrängen. Da die Voraus- 
setzung nicht erfüllt ist, so sind auch die hansischen Privi- 
legien nichtig (Art. 1—18). Die Gesellschaft der Hansen gibt 
nicht privilegirte Güter für privilegirte aus, indem sie neue 
Städte in ihren Bund aufnimmt, welche zur Zeit der Privilegien- 
ertheilung keinen Antheil an der Gildehalle in England hatten, 
und indem sie für Köln, das zur Zeit des Utrechter Vertrags aus 
der Hansa ausgeschlossen war, ja sogar für nichtdeutsche Städte, 
wie Dinant 1 ), die Privilegien beansprucht (Art. 22—24). Die 
Hansen haben somit „sua culpa et abusu tf ihre Privilegien ver- 
wirkt Indem der König aus lauter Güte sie im Besitz ge- 
lassen hat, ist England berechtigt, den dadurch entstandenen 
Schaden vergütet zu erhalten: für Zollentgang an kostbaren 
Waaren, welche sie aus Italien und andern Ländern importirten, 
100 000 '£\ für Obligationen, durch welche sie sich verpflich- 
teten, keine Tücher in den Niederlanden zu verkaufen, die sie 
aber nicht hielten, 41000 jß\ für Uebertretung von Statuten, 
indem sie ungeschorne Tücher exportirten , Waaren im Detail 
verkauften, verbotene Waaren importirten, den Import in ver- 
botenen Schiffen bewirkten etc. 100 000 jg\ für Nichtzahlung 
von Waaren, welche die Engländer ihnen creditirten, 100 000 ( £ . 
Diese Summen müssen erlegt werden, und die Privilegien 
hängen einzig und allein von der Gnade des Königs ab. 
Wollen sie überhaupt noch Freiheiten in England geniessen, 
so muss ein neuer Vertrag geschlossen werden , der alle diese 
Punkte regelt (Art. 25—32). 

Diese Sprache war bestimmt und deutlich genug. Solche 
scharfe Forderungen hatte man kaum erwartet Sie trafen 
um so mehr, als sie erst auf diesem Congress übergeben 
wurden. Zehn Tage brauchten die hansischen Deputirten, bis 
sie ihre Antworten berathen und schriftlich fixirt hatten. Die 
Engländer gingen auf keine anderweitigen Verhandlungen ein, 
bevor die Hansen nicht ihre Erwiderung abgegeben hatten. 

Die Hansen bemühten lieh, das englische Beweismaterial, 
aus welchem man so schwere Folgerungen gezogen, möglichst 



21 Ueber Dinant und sein Verhältniss zu einzelnen Hansestädten Tgl. 
ers den Abschnitt „Dynant in der Hanse" bei Lappenberg, Stahl- 
bof S. 36, 36; auch Höhl bäum, Hans. Urkb. I. 5, 22, 61, 86, 432. 



— 216 — 

zu entkräften oder als irrelevant darzustellen. Sie beharrten 
dabei und suchten zu beweisen, dass ihre Privilegien voll- 
ständig gültig und kräftig seien, nicht von der Güte des Kö- 
nigs abhingen, sondern der Gewalt des Rechts (iuris necessi- 
tati ) unterlägen l ). Man disputirte hin und her *), ohne natür- 
lich einen Schritt vorwärts zu thun 8 ). Als man gegenseitig 
hi nl anglich seinen Standpunkt verfochten, wurde deshalb von 
Monis die Frage aufgeworfen, was nun weiter geschehen solle. 
Jodocus erklärte, man verlange Nichts weiter, als dass man 
ihnen ihre bisherigen Freiheiten und Rechte gemessen lasse, 
worauf Monis erwiderte : „Regia nostra maiestas convocato se- 
pius buo consilio et privilegiis vestris exarninatis deprehendit 
id suo consilio, ut adeo iniustus in suos esse non velit, quod 
privilegiis nostris (sc. Hanseaticis) omnino servatis res suorum 
salvo esse non possunt Neque tarnen illius omnino esse animi, 
quod vos omnino velit propellere, quaquare iure regni, ubi 
regio buo consilio deprehendit nostra (sc. H.) privilegia deper- 
dita optime posset. Tantaque regia est benignitas in vestros, 
ut omnimodo dementia et favore vos prosequi velit hecque in 
vos optimo suo affectu ostendere, si tractatura aliquem nobis- 
aiin iuieritis utrique parti satis commodum et ferendum, imo 
adeo comodum, ut vos videatis regem vobis omnino dementem. 
nuoilsi novi tractatus nobiscum ineundi vobis non sint, aimus, 
com antiqua vestra privilegia pro convulsis ac pro deperditis 
lialieamus, tunc sicuti non misit nos ad denunciandum vobis, 
quod vos ex Anglia expelleret, ita neque vobis, nisi nobiscum 
novum tractatum inieritis, promittere possimus, quod vos per- 
petuo in Anglia pacietur" 4 ). 

Die Hansen sahen in dem Vorschlag eine Falle. Sie 
meinten, wenn man zustimme, gebe man stillschweigend zu, 
class ihre Privilegien verwirkt seien. Dr. Jodocus bat deshalb 
die Engländer, man möge, da man beiderseits hinsichtlich der 
Gültigkeit der Privilegien entgegengesetzter Meinung sei, einen 
unparteiischen Richter zur Entscheidung dieser Frage bestim- 
men. Dem Urtheil desselben wollen sich dann die Hansen 
unterwerfen. Dieser Vorschlag wurde von Th. More zurück- 



'. Für das Einzelne vgl. ürk. Beil. 101. 

9 Sieh die Repliken Ork. Beil. 99, 102. 

") Eine eingehende Discussion entspann sich namentlich in Betreff der 
benemerita, auf welche sich die Hansen als auf den Rechtsgrund ihrer 
Privilegien beriefen. Sie fähren als Beispiel besonders ein Privileg Hein- 
richs iL (?) an, worin es ausdrücklich heisse, dass die Vergünstigungen 
ertbnilt würden aus Dankbarkeit wegen der Verdienste, die sie sich um ihn 
erworben. Daraufhin behauptete Sampson, auch das genüge nicht, die 
Im iir uiprita müssten speeificirt sein, sonst seien sie nicht „commensurabilia 
priviiegio", was natürlich wieder von den Hansen bestritten wurde. a.a.O. 
k 253 u. 264. 

*) a. a. 0. fo. 265. 



— 217 — 

(gewiesen 1 ), der englische König sei ein solcher, „qui neque de 
iure neque de facto conoscat superiorem a 2 ). Schliesslich wollen 
die Hansen zur Besprechung und zum Eingehen eines neuen 
Tractats sich verstehen unter dem Vorbehalt, dass durch den- 
selben den Privilegien nicht präjudicirt werden dürfe, und 
diese für den Fall, dass man zu keinem Resultat gelange, be- 
stehen blieben. 

Damit erklärten sich die Engländer einverstanden, brachen 
aber die weiteren Besprechungen zunächst ab, indem Dr. Knight 
und Th. More nach Galais zum Cardinal Wolsey sich begaben 
und an den Unterhandlungen mit dem Kaiser sich betheiligen 
mussten. Vier Wochen lang (v. 8. Oct. bis 8. Nov.) Hess man 
die hansischen Bevollmächtigten warten. Erst nachdem die 
letzteren einen besonderen Boten nach Galais geschickt, und 
Dr. Teler bei Wolsey Fürsprache geleistet hatte, kehrte 
Knight am 16. Nov. wieder zurück. Er entschuldigte den 
langen Verzug und eröffnete dann den Hansen, der König 
mit seinen Käthen halte an der Ansicht fest, dass die Privi- 
legien wegep des Missbrauchs verwirkt und ganz in das Be- 
lieben des Königs gestellt seien, und dass den König kein 
Recht binde, ß» zu halten. Aber mit Rücksicht auf die Ein- 
tracht und Freundschaft, welche Jahrhunderte hindurch zwischen 
England und den Hansen bestand, will derselbe auch in Zu- 
kunft sein Wohlwollen beweisen, wofern die Hansen nur bereit 
wären, bis zum 1. Mai in England zu einem neuen Vertrags- 
schluss sich einzufinden. Dies sei nothwendig, weil der König 
a von England Niemand über 1 sich anerkenne und durch keine 
" auswärtigen -Gesetze verpflichtet weiden könne. Nur auf dem 
englischen Territorium dürften die Verhandlungen geführt wer- 
den. Unter dieser Bedingung wolle der König inzwischen alle 
Processe sistiren, dem deutschen Kaufmann die Zollprivilegien 
lassen und ihn so günstig behandeln, wie dies unter irgend 
einem seiner Vorfahren geschehen sei. Verweigerten aber die 
Hansen die Zusage, so werde der Cardinal von dem königl. 
Rechte Gebrauch machen 3 ). 

Die Hansen waren von dieser Eröffnung wenig erbaut. 
Sie bemerkten mit grosser Besorgniss, dass man englischer- 
seits den Vorbehalt, unter welchem sie zu neuen Verhandlungen 



*) Er sagte auch bei dieser Gelegenheit, nicht durch ein gerichtliches 
Unheil, sondern in Folge einfacher Betrachtung mit seinem Rath sei der 
König zum Schluss gekommen, dass die Privilegien verwirkt seien und in 
seiner Hand lägen „ob intollerabilem suorum iacturam, <jue Bürgeret ex 
observantia privilegiorum , tum etiam ex nostro circa pnvilegia abusu." 
fo. 2b7. 

*) fo. 268. 

*) Eine Copie des Briefs vom Cardinal an die Hansen, worin er den- 
selben seine Unterstützung verspricht, wenn sie auf den Vorschlag eingehen, 
aber die Drohung weglasst, findet sich im Lübecker Archiv. 



— 218 — 

sich bereit erklärt hatten, ganz verschwiegen, vielleicht nicht 
einmal dem Cardinal mitgetheilt hatte. Auch entging ihnen 
nicht, wie man nur darauf abzielte, die Verhandlungen hinaus- 
zuziehen und für die Hansen recht unbequem und kostspielig 
zu machen. Sie machten nochmals den Vorschlag, einen un- 
parteiischen Schiedsrichter, etwa den Papst, zu ernennen, 
drangen aber weder hiemit noch mit dem Wunsche, die Tag- 
fahrt später anzusetzen 1 ) durch. Die englischen Bevollmäch- 
tigten verwiesen sie an den König und reisten ab (25. Nov.). 
Ein Recess wurde gar nicht abgefasst, die Hansen waren voll- 
ständig in die Hände des Königs gegeben. 

Den Städtern war wohl alle Lust für weitere Congresse 
vergangen. Sie erkannten, dass sie auf diesen nur Etwas zu 
verlieren, aber Nichts zu gewinnen hätten. Dire Lage war 
eine kritische. Im December hatte das Contor einen ausführ- 
lichen Bericht der Hansestädte übergeben. Der Cardinal ver- 
sprach zwar Antwort, war aber nicht zu einer solchen zu 
bringen 2 ). Er hielt sie mehre Monate lang hin. Die Kauf- 
leute in London fürchteten schon das Schlimmste. Ostern 1522 
schickten sie zur grosseren Sicherheit das von Heinrich VII. 
bestätigte Privileg 8 ) an Lübeck und verlangten Anweisung 
darüber, was mit den Kleinodien geschehen solle 4 ). Man 
konnte sich nicht mit der englischen Regierung über eine 
Tagfahrt einigen, weil diese darauf bestand, dass die Verhand- 
lungen auf englischem Boden geführt würden, die Hansen aber 
dagegen sich sträubten. Die unfreundliche Behandlung der 
Kaufleute dauerte fort, es blieb „dat gudhe kunthor to Londen 
in Engelland vaste in der kopenschup, handeln und Privilegien ' 
der gemenen stede gesweket" 5 ). 

Nun traf es sich aber, dass am 25. Mai 1522 Karl V. 
dem englischen König einen Besuch abstattete. Die Hansen 



l ) Die hansischen Gesandten beklagten sich in Folge dessen in einem 
Briefe vom 30. Nov. 1521 an den König über die englischen Bevollmächtigten 
und baten in Anbetracht der weiten Entfernungen anter den Hansestädten, 
welchen sie über Verhandlungen erst Nachricht geben müssten, um Ver- 
längerung des neuen Termines „interim nostris rebus quiescentibus" (Copie. 
Lübecker Archiv). 

*) Brief des Contors an Lübeck vom 7. Febr. 1522 (Lübecker Archiv). 

8 ) Wir senden „eyn der jüngesten Privilegien under ko. m., nU is, 
synes vaders Hinrick des sevenden, wes sele god gnade, brede segeil, dar 
w\j vorder vormerkende worden, der copman in grote fernisse gestalt worde, 
solle wy sodane privilegie noch in unsser bewaringe synde nae besten rade 
alsso bestücken, darvor geyn gebreck invallende worde". (Brief des Londoner 
Contors an Lübeck. Lübecker Archiv). 

4 ) „Begeren ok jüwe wisheiden uns berichten wolden, dar id tor qüader 
handt kamende worde, dat god affkeren moeche, wo id myt des copmanns 
clenoeden und ander dingen Bollen geholden werden, angeseyn wij noch 
breve ofte andt werde nicht irlangen können." a. a. 0. 

5 ) Brief Hamburgs an Lübeck vom 23. März 1522 (Lübecker Archiv). 



— 219 — 

gingen den Kaiser um seine Verwendung an *), und wissen wir 
auch nicht, ob dieser wirklich eine Fürsprache einlegte, jeden- 
falls genügte die Entente cordiale, wie sie zwischen Wolsey 
und Karl V. damals bestand, um es ersterem nicht räthlich er- 
scheinen zu lassen, gegen die Hansen einen letzten Schlag zu 
führen oder ihr Gontor aufzuheben. Aber nur vor einem ihre 
Existenz bedrohenden Vorgehen blieben die Hansen bewahrt. 
In der Ausführung der gegen sie gerichteten Gesetze trat da- 
gegen augenscheinlich kein Stillstand und keine mildere Praxis 
ein. Sonst hätte nicht am 9. Juni 1524 Lübeck abermals über 
die fortgesetzten Belästigungen und Erschwerungen Klage 
fahren und die oft (semel atque iterum) gethane Bitte um 
den Schutz und die Fürsorge des Königs erneuern können *). 
Als nach der Schlacht von Pavia die Allianz zwischen Karl V. 
und Heinrich VIII. sich zu lösen begann , brauchte man ohne- 
hin keine Rücksicht mehr auf die Hansen zu nehmen. Die 
Situation wurde für diese bedenklicher als je; denn zu den 
alten Verwickelungen hatten neue Schwierigkeiten sich gesellt. 
Der Beginn der Reformation und die Theilnahme der 
Hansen an derselben konnte leicht den Verlust der Gnade des 
Königs herbeiführen. Schon rieth der Papst dem Cardinal 
Wolsey (9. Mai 1524), den Hansen mit Verlust ihrer Privilegien 
zu drohen, wenn sie nicht die Häresie in ihren Städten aus- 
rotteten 3 ). Dass der Rath ein williges Gehör fand, dafür 
zeugen die bekannte Untersuchung, die Thom. More im Stahl- 
hof wegen der lutherischen Schriften anstellte, und die ernst- 
lichen Klagen und Verfolgungen, die sich daran reihten 4 ). 
Kam noch die zweifelhafte Stellung der Hansen in dem fran- 
zösisch-spanischen Krieg, beziehungsweise die Befürchtung hin- 
zu, die Hansen möchten des Kaisers Partei ergreifen, während 
England auf Frankreichs Seite stand 6 ), stiessen endlich bei 
dem Verkehr nach Island Hamburger und Engländer wieder 
feindlich auf einander, dann war allerdings ein Bruch keine Un- 
möglichkeit; und wie leicht konnte ein solcher für die Handels- 
beziehungen bei den gegensätzlichen Anschauungen eine ver- 
hängnissvolle Entscheidung nach sich ziehen. 



l ) Hambnrg forderte am 23. März 1522 wenigstens Lübeck auf, dem 
H. Osehussen, der in Geschäften von Lübeck an den Kaiser geschickt 
wurde, einen derartigen Auftrag zu geben, a. a. 0. 

*) Concept eines Briefes von Lübeck an Heinrich VIII. (Lübecker 
Archiv). 1525 klagen 8 Rostocker in einem Schreiben an Lübeck, dass 
sie in Sache ihres in Hall beschlagnahmten Schiffes noch immer nicht zu 
ihrem Rechte gelangen könnten, obwohl der Fall schon zweimal auf den 
Tagfahrten zu Brügge verhandelt worden sei. (Lübecker Archiv). 

•) Brewer, Cal. IV. 820. 

4 ) Vgl. hierüber Lappenberg, Stahlhof S. 1 26 und besonders R. P a u 1 i, 
Die Stahlhofskauf leute und Luthers Schriften in den Hans. Geschichtsblättern 
1871. S. 155—162; 1878 S. 158-172. 

s ) Brewer, Cal. IV. 3940. 



— 220 — 

Aber die Wolken zogen vorüber. Mit dem Beginn der 
dreissiger Jahre traten politische Verhältnisse ein, in Folge 
deren Englands Interesse erheischte, die Feindschaft mit den 
Hansen zu sistiren. 

Heinrich VIII. war in seiner Ehescheidungssache schon so- 
weit gegangen, dass Umkehr nicht mehr möglich war; er be- 
gann jene Reformation der englischen Kirche , die ihn in 
offenen Conflict mit dem Papst und allen Anhängern des alten 
Glaubens in Europa bringen musste, gleichzeitig aber ein Zu- 
sammengehen mit den protestantischen Elementen *), besonders 
mit den seemächtigen Hansen räthlich erscheinen Hess. 

Noch mehr gebot die dänische Frage, die damals einer 
Lösung harrte, einen Anschluss an Lübeck 8 ). Sie gab den 
Verhandlungen der dreissiger Jahre geradezu das Gepräge. 
Wohl hätte Heinrich VIII. leicht die allgemeine Bedrängniss 
der Hansen in ihrem Kampf gegen die scharf concurrirenden 5 ) 
Holländer und in ihrem schweren Krieg gegen die Dänen be- 
nützen und dieselben vom englischen Boden vertreiben können; 
aber das fruchtete wenig, solange man nicht wusste, wer 
schliesslich den Sund beherrschen werde. Die Bedeutung 
dieser Wasserstrasse wurde wohl erkannt, und man pflegte zu 
sagen, dem Besitzer Kopenhagens und Helsingborgs sei der 
Schlüssel zu allen Ostseeländern in die Hände gegeben, und 
weder Schweden, noch Polen, noch die östlichen Städte könnten 
ihm gefährlich werden 4 ). Diesen Weg den englischen Kauf- 
fahrern zu sichern und nicht in den Besitz eines vom katholi- 
schen Burgund abhängigen Fürsten oder gar des Kaisers selbst 
gelangen zu lassen, war die nächste Aufgabe der englischen 
Regierung. Gelang es, Lübeck in englischem Sinn zu leiten, 
so war sogar die Möglichkeit gegeben, dass die englische Krone 
im Sund zur Herrschaft komme. 

In der That wurde von dem Heerführer der Lübecker, 
Marcus Meyer, der Gedanke angeregt 6 ), dass Heinrich VIII. 
der dänische Thron zufallen solle. Dämpfte auch Heinrich VIII. 
bald seine diesbezüglichen Hoffnungen, so war er doch darauf 
bedacht, sich den Einfluss bei Entscheidung der wichtigen 
Frage zu wahren 6 ). Er war deshalb klug genug, in dem 

*) Bekannt ist des Königs Sendung an die protestantischen Fürsten 
und Städte im Sept. 1533. 

*) Schon 1523 und 1528 hatte England sich einigen Einfluss auf die 
Entscheidungen zu sichern gesucht (Br. M. Cotton Mscrs. Nero B. 1IL 
fo. 64 u. 105). 

») 400—500 holl. Schiffe fuhren jahrlich durch den Sund. Waitz, 
Jürgen Wullenwever I. S. 166. 

4 ) So sprachen es 1532 die Holländer aus. Waitz a. a. O. I. S 156. 

B ) Vgl. besonders Wurm, Die politischen Beziehungen Heinrichs VIII. * 
zu Marcus Meyer und Jürgen Wullenwever Hamburg 1852. 

°) So schickte er eine eigene Gesandtschaft an den dänischen Reichs- 
rath und suchte auch Franz I. in der Angelegenheit zu gemeinschaftlichen 
Schritten zu bewegen (Waitz, a. a. O. 11. S. 110). 



— 221 — 

Zwist mit Hamburg wegen Island eine versöhnliche Stimmung 
zu erkennen zu geben 1 ) und sich dadurch die Möglichkeit 
eines Bündnisses mit den Hansen offen zu halten. 

Dem Wunsche Heinrichs VIII., Gesandte nach England zu 
schicken, wurde von Lübeck und Hamburg entsprochen (31. Mai 
1534) 2 ). Gross waren die Forderungen, die der König ihnen 
durch Lee stellen liess ; die Städte sollten ihn in seinen geist- 
lichen Angelegenheiten und auch mit Kriegsmannschaft unter- 
stützen, keinen Veitrag ohne ihn schliessen, überhaupt ihn 
immer zu Rathe ziehen. Natürlich blieben die Handelsfragen 
bei dieser Gelegenheit nicht unbesprochen ; an Wünschen fehlte 
es hier auf beiden Seiten nicht. Heinrich VHI. verlangte, dass 
die Engländer in den beiden Hansestädten die gleichen Rechte, 
wie die Einwohner gemessen sollten 3 ). Hamburg 4 ) upd Lübeck 
dagegen hatten 4 Beschwerden. Sie betrafen: 1) das Verbot 
der Ausfuhr ungeschorner Tücher; 2) die Verletzung ihrer 
Privilegien durch Parlamentsacten ; 3) die Haftbarmachung des 
ganzen Contors für Missfethaten einzelner Mitglieder; 4) die 
Verhinderung der Ausfuhr von Korn, Kupfer und anderen 
Waaren. 

Die Verhandlungen änderten nichts an dem Status quo, 
der hinsichtlich des Handels bestand, v Hamburg entzog sich 



*) Vgl. Lappenberg in der Zeitschr. des Vereins für Hamburg. Ge- 
schichte Bd. III. S. 188. Auch die Wegnahme eines engl. Schiffes durch 
die Lübecker Flotte bei Sandwich suchte Cromwell in freundlicher Weise 
zu begleichen. Brief vom 24. Mai 1534. Br. M. Gotton Mscrs. Vitell. 
B. XXL fo. 98. 

»)RymerXIV. S. 539. # 

3 ) „Fourthlie that they shall graunte sauff conduct to the marchaunts 
subjects and all duellers of this realme of England, and also fre libertie 
and power to bie and seil their merchaundize and wäre and to ezercise 
mntuall intercourse or interchaunge of merchaundize together, quietly and 
gently, and as frely and sauffely as they, that are subject to their dominion, 
shall have in this our realme, warre being with the Emperor or any other 
prince. And that it maye (be) lawfull to theym and to any other with 
their shippes comyng thether in our name and by our commaundement, to 
s&flle over, lade and unlade their shippes, to lande and to purveye all 
things there for their moste prouffit and commoditie; and that they may 
have as fre licence to treate and finishe all things necessarie, as yt they 
▼ere in this realme of England or were subject to their dominion. And 
that the Citizens of your cities to take none other toll or gabell of theym, 
hat suche as is due and hathe been accustumed. And that there shalbe 
no newe exaction levied of or upon our subjects so reparying to any of 
the said cities." Sodann will er bei Beraubungen eine Regelung auf fried- 
lichem Weg. Lappenberg, Actenstücke über die Verhandlungen Königs 
Heinrich VIII. mit Lübeck und Hamburg 1533—38 in der Ztschr. des Ver- 
eins f. Hamb. Gesch. III. S. 201. 

*) Wie ängstlich man für die Privilegien fürchtete, zeigt der Umstand, 
dass Hamburg nicht einmal mit den Beschwerden sich hervorwagte, bis die 
englische Regierung ausdrücklich anerkannte, dass die Verhandlungen sich 
Mos auf Hamburg und Lübeck bezögen und keinen Nachtheil für die Hansa 
im Ganzen haben sollten. 



— 222 — 

überhaupt jeglicher Verpflichtung und ging den Forderungen 
des Königs vorsichtig aus dem Weg. Lübeck, sehr bedrängt, 
erhielt von Heinrich VIII. ein Gelddarlehen, und seine Ge- 
sandten vereinbarten mit dem König wenigstens einen Ent- 
wurf, in welchen zwar die grosse Bedingung aufgenommen war, 
dass Lübeck dem König das dänische Reich zur Disposition 
stellen werde, der hinsichtlich des Handels aber nicht die geringste 
Concession machte, vielmehr ganz den Standpunct des Ut- 
rechter Vertrags festhielt *)• Zudem wurde der Tractat nicht 
perfect, da Wullenwever doch ein besserer Politiker war, als 
dass er sich so hätte binden können. Heinrich VIII. seiner- 
seits liess die Dinge in England, wie sie waren; auch das 
neuerliche Proviso (26. Hen. VIII. c. 26) dürfte kaum grössere 
Wirkung als die früheren gehabt haben. 

Dem verwickelten Gang des dänisch-lübeckschen Streites, 
den fortwährendfen Verschiebungen, welche die Sache beim Auf- 
treten der zahlreichen Kronpraetendenten nahm, zu folgen, 
liegt ausser unserer Aufgabe. Genug, wenn wir betonen, dass 
Heinrich VIII. bis zum letzten Moment die Ereignisse im Auge 
behielt 2 ) und fort und fort in Lübeck den englischen Ein- 
fluss zu erhalten suchte, und selbst dann, als das Unglück 
bereits hereingebrocheir, den hochherzigen Wullenwever von 
seinem tragischen Geschick, wenn auch vergeblich, zu erretten 
sich bemühte. Nicht England, „nicht die kühnen und trotzigen 
Bürger von Lübeck, aber auch nicht die klugen und gewandten 
Staatsmänner des burgundischen Hofes haben die Herrschaft 
über den Sund und die nördlichen Meere gewonnen. Die ein- 
heimischen Gewalten trugen über alle Fremde den Sieg 
davon" 3 ). • 

Die Macht der Hansen in der Ostsee war gebrochen, der 
letzte heroische Kampf sie zu erhalten gescheitert, die Hoff- 
nung, dass in Deutschland unter dem Banner Lübecks eine 
starke Einheit sich bilde, vernichtet. 



*) Den Engländern wurde nicht eingeräumt, in der Hansestadt die 
Rechte zu gemessen, wie die Einwohner selbst, sondern beiderseitig gestand 
man sich die Freiheiten zu, „quibus unauam aliquo tempore rationabiliter 
usi sunt et gavisi." Dieses Wörtchen „rationabiliter" verursachte aber immer 
den Streit, und schon Eduard IV. wollte es aus dem Utrechter Vertr. aus- 
gemerzt wissen. (U r k. B e i 1. 82.) Der fragliche Vertragsentwurf findet sich 
in latein. Sprache bei Waitz, Jürgen Wullenwever II. S. 319 und in nieder- 
deutscher Sprache bei Altmeyer, Histoire des rel. commerc. et diploma- 
tiques des Fays-Bas avec le Nord de l'Europe S. 276. 

*) 1534 suchten die Engländer den Frieden zu Stockeisdorf zwischen 
den Hansen und Niederländern zu vereiteln, aber vergeblich. Sodann waren 
Rieh. Candish und Chr. Marwis als diplomatische Agenten in Englands 
Interesse thätig. Im Frühling 1535 hatte eine hansische Gesandtschaft, 
(Bernh. von Melen und Ad. Pack) Heinrich VIII. zum Eingreifen zu ver- 
anlassen gesucht, und Marcus Meyer liess in Warberg bereits Steine mit 
englischen Wappen aushauen. Waitz III. a. a. 0. S. 180 und sonst 

8 ) Waitz, a. a, 0. HI. S. 308. 



— 223 — 



Zog England nicht aus dieser Katastrophe für sich seine 
Folgerungen? War nicht jetzt der rechte Augenblick gekom- 
men, in welchem die Regierung der allgemeinen Volksstimmung 
nachgeben und gegen die Bevorzugung- der Hansen vor den 
Einheimischen zu Felde ziehen musste? An Anlass konnte es 
wahrhaftig dem König nicht fehlen. Mehr denn früher erhoben 
sich wieder die Klagen der Merchant adventurers gegen die 
Hansen, die ihnen in den Niederlanden allen Gewinn verdar- 
ben 1 ). Lauter und mächtiger sprach der allgemeine Unwille 
gegen die Monopolpreise der Hansen für östliche Producte 2 ), 
mit Entrüstung und Protest nahmen Volk und Regierung die Ent- 
ziehung des Aufenthalts in den deutschen Communen für die 
Dauer des Winters hin 3 ) ; mit immer neuen Beschwerden traten 
die Fishmonger adventurers gegen die Hansestädte auf 4 ). 



*) Vgl. Urk. Beil. 104. 

*) 1545 z. B. hatte ein Hansakaufmann, Peter vanJHelden, den Handel 
mit Bogenstäben förmlich monopolisirt; er wollte zu dem ihm vom Privy 
Council festgesetzten Preis von 1 £ 10 sh nicht verkaufen, und die Bogen- 
macher geberdeten sich in Folge dessen so tumultuarisch, dass der Hanseate 
seines Lebens nicht mehr sicher war. Urk. Beil. 169. Ueber das Hoch- 
halten der Preise östlicher Producte durch die Hansen giebt folgende Tabelle 
Aufschluss, die ich dem Vol. XX. f. 123 der Mscrs. des Lord Calthorpe 
entnommen habe. Ob die Tabelle zu einer Petition der englischen Kauf- 
leute gehörte, oder ob sie aus Regierungskreisen stammte, Hess sich nicht 
feststellen. 





Preis 


im Jahre 


Freie 


im Jahre 


1 Freie 


im Jahre 


Waaren, 


1551 (ein Jahr ror 


1558 (während 4er 


1554 (nach Wie- 
derherstellung 
der hans. Priri- 
1 legien). 


welche ron den Osterlingen 
eingeführt wurden. 


Zurnclcn. der hans. 
Privilegien). 


; Sieiirnng der 
i haue. Privilegien). 




' * 


sh | d 


Ä 


sh | d 


£ 


sh 


d 


Wachs,das Hund. (—100 U ?) 


4 


__ | _ 


3 


_ 


— 


4 


— 


—. 


Flachs, der Pack 


28 


1 


16 






28 






Anderer Flachs, der Gentner 


— 


40 !- 


— 


26 


— 


— 


45 — 


Hanf, der Centner 


t 


50 — 


— 


40 


— 


— 


50 — 


Preuss. Eisen (spruse iron), 




■ 






a 


i 






die Tonne 


i io 


— . — 


6 


10 


— ! 


9 


— 


— 


Stabeisen (ffagot iron), d.Ton. 
Vitriol, das Hundert 


' 6 


15 — 


6 


10 
12 


__ 


7 


28 


_^ 


Kupfer (copperas), d. Hund. 





11 — 


— 


10 


— ' 


— 


11 


— 


Bogenstäbe, das Hundert 


8 


— 


— 


12 


— 


1! 


13 


— 


— 


Stockfische, die Last 
Pech, die Last 


12 


— 


_^ 


13 


6 


14 


-^ 


— 


3 


— 


___ 


4 


5 


— 


6 


10 — 


Theer, die Last 


3 


— 


— 


; 3 


10 


— 


7 


— , — 


Preu88. Asche (spruse ashes), 
















1 < 


die Last 


3 


— 




i 2 


12 


— 


6 


— — 


„Thran of de greate bonde" 
„Stiele the half barrel" 


1 


15 — 


i 2 





— , 


2 


<} 8 


10 


• — 


12 





— 


15 




»Ossenbrigges the C 


40 


— 


— 


1 29 


— 


— ! 


42 


— 


— 



s ) Auf dem berühmten Hansetag von 1535 mitten in der Katastrophe 
des lubisch-d&nischen Streites wurde eine dahin zielende Satzung gemacht. 
Sartorius. Gesch. des hans. Bundes HL S. 321. 

4 ) 4. März 1542. „The nsshmongers adventurers appered before the 



— 224 — 

Freilich blieben Heinrich VIII. und seine Minister nicht 
theilnahmslos gegenüber diesen mit immer grösserer Wucht 
gegen die Hansen herandrängenden Wogen. Die gegen die Stahl- 
hofekaufleute gerichteten Gesetze wurden unnachsichtig aus- 
geführt. Man sieht dies deutlich aus der Beschwerdeschrift, 
welche das Contor in London den 1535 in Lüneburg versam- 
melten Vertretern der Hansestädte überschickte. *) Alle die 
alten Klagen, denen wir 1520 und vorher begegneten, kehren 
hier wieder. Neu sind nur manche Belege oder Beispiele, 
welche zur Bekräftigung angeführt werden, sowie die Erwähnung 
einer Greuelthat, welche sich Leute aus Bremen und Hamburg 
1532 gegen englische Kauf- und Seeleute erlaubt hatten, wo- 
durch dem Contor bei Untersuchung der Sache einige Kosten 
erwachsen waren. 

Der Hansetag beschloss ein Intercessionsschreiben an den 
Kanzler des englischen Reiches als an den „ordinarium protec- 
torem" wegen Ablegung dieser „publica gravamina" abzusenden*). 
Wie sich erwarten liess, erreichte man damit Nichts. In Folge 
des Krieges mit Dänemark hatten die Engländer wieder manche 
neue Ursache zur Klage gegen Gewalttätigkeiten der Hansen 
erhalten, und wurden die Freiheiten in England zeitweilig be- 
schränkt, und das Contor zur Zahlung einer bedeutenden 
Strafsumme verurtheilt. 1538 einigten sich die Hansestädte 
dahin, dass eine stattliche Legation nach England zur Behaup- 
tung der Privilegien abgeschickt werde 3 ). Es scheint aber, 
dass dieser Beschluss entweder nicht ausgeführt wurde, oder 
dass doch diese Gesandtschaft keinen Erfolg erzielte. 1542 
finden wir abermals hansische Vertreter beim König von Eng- 
land mit dem Zweck; um die Ansetzung einer Tagfahrt zur 
Begleichung der gegenseitigen Streitigkeiten zu erwirken 4 ) 
Diese Bitte wurde gewährt, der Congress hernach aber auf 
Ansuchen Lübecks verschoben und kam dann zu Heinrichs VIII. 
Lebzeiten überhaupt nicht mehr zu Stande 5 ). 

Die Hansen lebten aber während dieser ganzen zehn- 
jährigen Epoche in steter Besorgniss. Sie fühlten nur zu gut, 
dass ihre Position in England ernstlich gefährdet sei. Die 
schon früher vom Londoner Contor angeregte Frage, ob es sich 
nicht empfehle, den Schatz in Sicherheit zu bringen, wurde 
von Hamburg wieder aufgegriffen (1540), und dringend gerathen, 
den Vorrath an Baarschaft und Silbergeräthe aus dem. Lande 

Cownsell and exhibited on bocke off complaynts ageynst the men off Ham- 
burg and Bresmen and another to be enacted towching theyre shypping." 
Nicolas, Proceedings and Ordinances of the Privy Council YIL S. 318. 

*) Dieselbe findet sieb im Lübecker Stadtarchiv AngUcana Vol. II. 

s ) Köhlersche Sammlung S. 248. 

*) Sartorius, Geschichte des hans. Bundes III. S. 313. 

*) Acts of the Privy Council in the Privy Council Office (ungedr.) I. 
S. 351 und Urk. Beil. 105. 

*) State Papers IX. S. 221; Urk. Beil. 105. 



— 225 — 

zu entfernen, ehe sie unverhofft verscherzt würden. Der Vor- 
schlag wurde denn auch in der That theilweise ausgeführt l ). 

Trotzdem unterblieb die Vertreibung der Hansen und 
ebenso die vollständige Entziehung der Privilegien, im Gegen- 
theil, wir stossen sogar auf einen Fall, in denen wir die Hansen 
noch begünstigt sehen. Sie wurden von der im Jahre 1540 
erlassenen Schiffahrtsacte durch einen im Hause der Lords hinzu- 
gefugten Vorbehalt 2 ) ausgenommen. Freilich konnte diese Ver- 
günstigung, wie man auf den ersten Blick meinen sollte, nur 
wenig bedeuten; denn eine Gleichstellung der Fremden mit den 
Einheimischen im Zoll für den Fall, dass erstere englische 
Schiffe benützten, wie das die Acte vorschreibt, hatte für die 
Hansen gar keinen Sinn, weil sie geringeren Zoll zahlten, als 
die Engländer selbst. Da aber nicht anzunehmen ist, dass das 
Proviso nur eine leere Formel war, so vermuthe ich, dass das- 
selbe eine Ausnahmestellung der Hansen von den älteren Na 
vigationsacten, welche in diesem Statut auch bestätigt wurden, 
bezweckte. Ist diese Vermuthung richtig, so wurde damit 
eine Klage beseitigt, welche sie bei allen Verhandlungen 
vorgebracht hatten. Das eine Moment würde dann auch 
genügen, um wahrscheinlich zu machen, dass die englische 
Regierung um jene Zeit nicht die gefürchtete endgültige Ver- 
treibung der Hansen, wenigstens nicht für die allernächsten 
Jahre beabsichtigte 3 ). An dieser Meinung wird man auch nicht 
irre werden können, selbst wenn man liest, dass gegen ein- 
zelne Hansen oder gegen die einer ganzen Stadt 4 ) oder sogar 
gegen das ganze Contor zur Ahndung von Gesetzesübertre- 
tungen oder zum Zweck der Repressalie strenge vorgegangen 
wurde. 

Heinrich VIII. hatte auch seine Gründe, weshalb er die 
hansischen Privilegien dem englischen Bürgerthum nicht opferte. 
Diese waren vorwiegend politischer Xatur. Der Protestantis- 



1 ) Köhler 7 8cheSammlungS.249;Lappenberg, StahlhofS.96undllO. 

*) Lords Journals Vol. I. 32 Hen. V11I. 82° die Pari. 

3 ) Ennen macht in seinem Aufsatz „Der hansische Syndicus H. Suder- 
mann aus Köln" (Hans. Geschichtsbl. 1876 S. 24) auf Grund der Copien- 
bücher eine Mittheilung, welche der geäusserten Ansicht widerspricht Er 
schreibt: „Im Jahre 1540 erging der erste kgl. Erlass, durch welchen der 
Stahlhof in seiner Existenz aufs Ernstlichste bedroht wurde: Heinrich VIII. 
verbot den deutschen Kaufleuten Waaren aus England auszuführen. Das 
kölnische Drittel rief gegen dieses Edict den Schutz des Kaisers an, und 
durch diplomatische Vermittlung erreichte es die Hansa, dass diesem Ver- 
bot keine weitere Nachachtung gegeben wurde. u Ich konnte in dem Co- 
menbuche von 1540—1541 nichts finden , was dieser Stelle entspräche, so 
dass zu vermuthen ist, die angegebene Jahreszahl sei irrig. A. a. 0. sind 
nur einige Schriftstücke, aus denen hervorgeht, dass der Herzog von Suffolk 
die Güter der Kölner beschlagnahmt hatte und zwar wegen Vergehens der 
Gebruder Born; („ein rosinunt, so die hertogis van Suffolk up unse koip- 
luden gelecht, herkomen van Johan und Derick Born gebroedere"). 

*) VgL vorstehende Note. 

Schanz, Engl. Handelspolitik. I. 15 



— 226 — 

mus führte Heinrich VIII. immer wieder zu den Hansestädten. 
Sie waren die natürlichen Bundesgenossen Englands gegen den 
Kaiser und die katholischen Mächte. Im März 1538 gingen 
auf Cranmers Antrieb Gesandte Heinrichs VIII. nach Hamburg, 
um ein engeres Bündniss herbeizuführen 1 ). 1542 machte die 
englische Regierung abermals Versuche, die Städte fester an 
sich zu ketten. 1543 sollte Secretär Buckler und Dr. Mount 
mit Hessen, Dänemark, Holstein, sowie mit Lübeck, Hamburg 
und Bremen eine Allianz schliessen *) , und noch 1545 suchte 
der König durch John Dymock von Hamburg und, wie es 
scheint, auch von Lübeck und Bremen Truppen, Schiffe und 
Geld zu erlangen 3 ). Solange Heinrich VIH. und seine Minister 
von den Hansen politische Unterstützung erwarteten, mussten 
sie auch ihre Rechte schonen. 

Gleichzeitig vermieden die Hansen mit ängstlicher Sorg- 
falt ADes, was einen offenen Bruch herbeiführen konnte, such- 
ten vielmehr jede Gelegenheit, dem König und der Regierung 
ihren guten Willen an den Tag zu legen, wofern es sich nur 
nicht um positive Aufgabe ihrer Ansprüche und Privilegien 
handelte. Als z.B. 1545 die kgl. Räthe in Erfahrung gebracht 
hatten,, dass 14 Rostocker und Stralsunder Schiffe mit Korn 
und L bensmitteln nach Frankreich und Schottland fahren 
wollten, und in Folge dessen eine Verwarnung ergehen Messen 4 ), 
wurde, wie man aus den noch vorhandenen Briefen ersieht 5 ) 
hansischerseits alles gethan, um die projectirten Fahrten und 
den darin liegenden Verstoss gegen die Privilegien , zu ver- 
meiden 6 ). Als im Jahr darauf in JEngland ein fühlbarer Korn- 
mangel entstand, waren es wieder die Hansen, welche durch 
eine ausserordentlich rasche Hülfe sich auszeichneten, so dass 
der König nicht umhin konnte, ihnen bei dieser Gelegenheit 
das Zeugniss auszustellen: „they of the Styllyarde had at all 
tymes, when they were calld upon, shewed themselves very 
willinge jud redye to execute, whatsoevere his highnes required 
of them, which besides thankes deserved such gentlenes and 



L 



*) Lappenberg in der Zeitsch. des Vereins für hamb. Geschichte 
in. S. 138—216. 

*) Lappenberg, Stahlhof S. 95. 

8 ) Hamburg schreibt 4. August 1545 an Lübeck, ein Abgesandter des 
Königs sei da und verlange, dass man Heinrich VIII. im NothfaU 2000 
Landsknechte und etliche ausgerüstete Schiffe zur Verfügung stelle. Ham- 
burg wünscht Lübecks Meinung darüber zu erfahren. (Lübecker Archiv). 

*) Der König will nicht, dass seine „feinde von denen von der Anze 
gestärket und bespeiset werden solten, in ansehung wes staüich begnadung. 
freiheit und Privilegien die gemeine Anze in dem reiche Engelandt bekomen 
und noch hetten u . Hamburg an Lübeck Sonnabends post Laetare 1545 
(Lübecker Archiv). 

*) Darüber sind sechs Briefe von dem Londoner Contor, von Ham- 
burg, Lübeck, Rostock im Lübecker Archiv. 

«) Das Contor schickte sogar den betreffenden Passus des Privilegs. 
Das Contor an Lübeck 8. Mai 1545 (Lübecker Archiv). 



— 227 — 

favore to be shewed. them, as might retayne them styll in like 
promptitude" *). Lübeck vollends war namentlich, so lange 
es zum König im Schuldverhältniss stand, gezwungen, sich ge- 
fügig zu zeigen. Bei jeder Gelegenheit wurden die Wohlthaten, 
die ihm englischerseits erwiesen worden, in Erinnerung ge- 
bracht 2 ). Bei etwaigen Verletzungen, welche von Lübeckern 
Engländern zugefügt worden waren, musste der Magistrat rasche 
und strenge Justiz üben s ). Ja er musste sogar den englischen 
Kaufleuten alle Rechte und Freiheiten einräumen, welche die 
Lübecker in England genossen. Der Druck, den die englische 
Regierung auf Lübeck ausübte, war so gross, dass das Lon- 
doner Contor die letzten 10 000 Gulden vorstreckte, nur um 
der bedrängten Stadt wieder Actionsfreiheit zu schaffen (1543) 4 ). 

Die Momente, welche zur Zeit Heinrichs VIII. den* Fall 
des Stahlhofes noch verhinderten, verloren nach seinem Tode 
meist ihre Bedeutung. Selbst das gemeinsame religiöse Band 
erwies sich jetzt zu schwach. Die einheimischen materiellen 
Interessen trugen endlich den lange vorbereiteten Sieg davon. 
Nur weniger Jahre bedurfte es: „Tunc quoddam coeptum est 
cogitari consilium, cuius felix eventus tot divitias in Angliam 
derivavit eamque commercii ac rerum nauticarum adeor^ritam 
et potentem effecit u 5 ). Eine Zeit , welche Revolutionen auf 
allen Gebieten der Gesellschaft hervorbrachte, die selbst die 
ererbte Religion einer Reform unterzog, wie sollte sie an die 
vergilbten Briefe sich kehren, die nichts enthielten, als Wider- 
sprüche mit den Verhältnissen der neu angebrochenen Epoche? 

Noch schwankte der Kampf, zeitweilig gelang es, für kurze 
Zeit in die alten Rechte wieder einzutreten, bis schliesslich 
Elisabeth für immer das letzte Gebiet der Handelsherrschaft 
den Deutschen entriss 6 ). 

*) Acts of the Privy Council vom 18. Juni 1546. Br. M. Harleian 
Mbcs. 256 fo. 222. 

*) Als z. 6. 1545 mehre Lübecker ihr Schiff nicht dem König ver- 
kaufen wollten, weil das ihnen bei schwerer Strafe verboten sei, sagte der 
Kanzler: „Et hedd de Eonyngk der Stadt Lübeck woll so vele tho gude 
gedaen, dat man sick billich so nicht tho soken machen solde". Lübecker 
brhifislente an den Lübecker Rath Sonnabend vor dem Sonntag Laetare 
1545. (Lübecker Archiv). 

*) Ein Lübecker and mehre Dithmarschen , welche ein mit lombardi- 
schen Waaren beladenes englisches Schiff angefallen hatten, wurden auf 
Anklage des Königs 1539 zum Tod verurtheilt, obwohl die Uebelthäter 
Repressalien vorschützten. (Die Processacten im Lübecker Archiv.) 

*) State Papers IX. S. 221—223. Lappenberg, Stahlhof S. 174. 

5 ) Bischof B um et, Histor. ref. eccles. Angl. II ad. an. 1553. 

^ Vgl. für diese Zeit ausser Sartori us, Geschichte des hans. Bundes 
auch Ennen, Der hansische Syndikus Heinrich Sudermann aus Köln in 
den Hans. GeschichtsbL 1876 besonders S. 23 fg. 

15* 



— 228 - 



England und Danzig. 

I. Schon im Vorausgehenden wurde wiederholt des Ein- 
flusses, welchen die Beziehungen Englands zu Danzig auf die 
englisch-hansische Politik ausübten, gedacht. Es geschah aber 
immer nur ganz kurz. Die Frage, wie man die Hansa eng- 
lischerseits behandelte, oder welche Politik man gegenüber den 
nach und in England verkehrenden Hansen beobachtete, war 
in den Vordergrund geschoben worden. Es erübrigt noch, zur 
Vervollständigung auch das Gegenbild zu skizziren und klar- 
zustellen, wie die englischen Kaufleute ihrerseits in den han- 
sischen Städten, besonders in Danzig dasselbe Ziel anstrebten, 
das die Hansen lücksichtlich Englands erreicht hatten, auf 
welche Schwierigkeiten sie hiebei stiessen und in welcher Weise 
die englische Regierung die Bestrebungen der vorwärtsdringen- 
den Kaufleute unterstützte. Schon der Uebersichtlichkeit wegen 
musste darauf verzichtet werden, alles diesen Gesichtspunkt 
betreifende Detail der vorausgehenden Darstellung einzuflechten. 
Es ist aber nicht blos ein äusserlicher Grund, der hiezu ver- 
anlasste, sondern es ergiebt sich die Notwendigkeit dazu aus 
dem Verhältniss Danzigs zur Hansa überhaupt. Danzigs Stellung 
gegenüber den übrigen Hansastädten war sowohl zur Zeit der 
Ordensherrschaft als zur Zeit polnischer Oberhoheit (seit 1454) 
eine äusserst selbständige. Mehr als andere Hansastädte hat es 
eine Sonderpolitik verfolgt. Die ganze Art und Natur seines 
Handels deckte sich nicht mit der seiner westlichen Genossen. 
Der uralte Gegensatz zwischen Ost- und Westsee, dem das ver- 
mittelnde Dazwischentreten Lübecks die Spitze genommen hatte, 
wurde von Danzig und aut der andern Seite von Köln, wenn auch 
in verändertem Sinn, lebendig erhalten. Auch die Engländer 
pflegten deshalb sehr scharf den preussisch-englischen Handel 
von dem der übrigen Osterlinge zu unterscheiden. Ich erinnere 
z. B. an den Libell of Englishe Policye, der den ersteren wegen 
seiner Vortheilhaftigkeit preist, da Preussen nicht nur viel 
Edelmetall nach England bringe, sondern auch ein guter Ab- 
nehmer der gefärbten englischen Wollentücher sei. x ) Noch 
schärfer wird der Unterschied gezogen im 16. Jahrhundert 
/ 

1 ) Dann kommt die Ausfuhr Preussens in Betracht, 
Die auf zwei Wegen wird von dort gebracht. 
Zwei Arten Leute treiben den Versand: 
Die Oberdeutschen aus dem Preussenland 
Und Osterlinge; 

Bei uns auch führt der Preusse Waaren ein: 
Silbergeschirr und Barren, echt und fein; 
In Menge kauft er die in Böhmen auf 
Und Ungarn und bringt her sie zum Verkauf. 



— 229 — 

Der Verfasser der Denkschrift „Treatise concenringe the Staple 
and the Commodities of this Realme a bezeichnet geradezu den 
Handel der Preussen für nützlich, den der übrigen Osterlinge 
für schädlich, indem er den Zwischenhandel der westlichen 
Hansestädte namentlich zwischen den Niederlanden und Eng- 
land verurtheilt J ). 

Frühzeitig bildete Danzig 2 ) einen Anziehungspunct für die 
englischen Kaufleute. Es war das wohl begründet. Keine Stadt 
war für eine englische Colonie geeigneter; als Beherrscherin 
des Weichselgebietes war sie das natürliche Depot für die 
Producte der hinter ihr liegenden Länder. In Folge der 



Daraas erwächst viel Vortheil unserm Land: 
Die Preussen nehmen nämlich, wie bekannt, 
Vielfarb'ges Wollentuch als Fracht zurück, 
Das hier man färbt mit vielem Kunstgeschick. 

Vers 276—280 und 816—323. üebers. von Hertzberg. Vgl. auch die Ein- 
leitung von R. Pauli daselbst S. 10. 

2 ) „To understand ther are two Haunces of the Esterlyngs : oon is the 
olde Haunce of the Sprusyners , that owt of the cold contreys in the este 
partes, wher is frost and snow on eight monthis in the yere. They come 
bat oons in the yere, bryngyng ther nedfull comodites for England : pitche 
tarre bowstavis wex flesh and such other. And what they hadd nede of 
more wollen clothe th%n Englond hadd nede of ther comodites, therfor 
they wer wont to bryng gold and silver uncoyned, wherof the name 
of sterlyng silver rose. But to understand that other Haunce is of the 
Esterlyng merchaunts of the Hansteddes in Almayn. They do England 
moche hurt, as they be so sufferd, wer wont to bryng most gold and Su- 
asburgh logges of silver into England. They carye owt of England clothes 
great quantitie all the tymes in the yere. And comonly they will non bve 
bat white only spone weyvid and fullid withowt any other werkmanship, 
wherwith they sett ther own peple to werk. And wher they have no co- 
modites of Almayn to bryng into England for all such clothes , for which 
they were wont to bryng great plenty of gold and silver. they have usid 
more than thirty yers for ther clothes to bryng over all maner straunge 
aliaunt merchaundisez of all contreys : wode of Spayne . alyme of Ytaly, 
mader of Flaunders, yhe, and silke lynyn clothe and all other merchaun- 
disez from the marts in Flaunders to delyver to clothemakers for clothes 
and to seil to Londoners to pay clothemakers, so as they never bryng no 
more gold and silver into the reame. So is England in such maner alwey 
stuffid storid and pesterid so füll of straunge merchaundise , that as well 
English merchaunts and Esterlyngs hathe so usid the clothmakers to giff 
mony and wares for clothes,' that clothmakers so takyng wares hathe 
pesterid all pore comon peple with wares and litle money, that litle money 
is to be fownd in the holl reame , which must nedes cause litle störe of 
money to the use of the kyng and of his lorda". In der Denkschrift 
„How to reforme the Realme in settyng them to worke and to restore 
Tillage" ist derselbe Gedanke anachronistisch ausgedrückt: „Esterlvnges 
of Spruse and of other parties in the Estcontrey hath been profitable 
mercnauntes for the realme in olde tyme, before they toke Coloners 
into their Haunce." R. Pauli, Drei volksw. Denkschr. S. 36 und S. 77. 

*) Für die Zeit bis Ende des 15. Jahrhunderts ist zu vergleichen 
Hirsch, Danzigs Handels- und Gewerbsgeschichte unter der Herrschaft 
des deutschen Ordens 1858. S. 97 fg. 



— 230 — 

Yortheilhaften Lage war es Danzig in Kurzem gelungen, die 
andern preussischen Städte Kulm, Thorn, Elbing, Königsberg, 
Braunsberg von dieser Rolle auszuschliessen und zu blossen 
Landstädten herabzudrücken 1 ). Danzig war so der Haupt- 
platz im Osten geworden, der die den Engländern genehmen 
Producta aus Polen, Schlesien, Reussen (Galizien) und Ungarn 
sammelte 2 ) und gleichzeitig die englischen Manufacte in eben 
diese Gebiete bis hinunter an die Grenzen des osmanischen 
Reiches zu verschleissen im Stande war 3 ). 

Daraus erklärt sich auch, wie die Stadt seit Nowgorods 
Fall in so glänzender Weise emporsteigen konnte, Lübecks 



x ) Hirsch, Danzig S. 187. 

2 ) Für die Art dieser Waaren haben wir neben oben (S. 229 Nr. 1) 
genannter Denkschrift mehrere Quellen, den Libell of Englishe Policye, die 
des Oeftern von uns herangezogene Parlamentsacte 32 Hen. VIII. c 14 § 2. und 
die den Urkunden entnommenen Angaben von Hirsch in seiner Geschichte von 
Danzig S. 116, ausserdem kommt auch C. Sattler, Der Handel des deut- 
schen Ordens in Preussen zur Zeit seiner Blüthe in den Hans. Geschichtsbl. 
1877 S. 71 und Wheeler, Treatise of Commerce S. 27 in Betracht Was 
zunächst den Libell of E. P. betrifft, so giebt derselbe zwar nur die Ein- 
fuhr Preussens nach Flandern an, es ist aber selbstverständlich, dass die 
Artikel fast dieselben für England sind: 

Von Preussen dann wird Bier und Speck gebracht 
Nach Flandern, als weithin beliebte Fracht, 
Stahl, Eisen, Kupfer, Bogenstäbe, Wachs, 
Grauwerk, Pelzwaaren, Pech, Theer, Dielen, Flachs, 
Pack- und Steifleinen, Barchend, Karden auch 
Und Garn von Cöln, so wars seit Alters Brauch. 

Vers 306—310. Uebers. von Hertzberg. Die Statuten stellen für fol- 
gende Waaren, die von „Daunske" nach London (die bekannte Gesetzes- 
ausg. übersetzt am Rand Daunske mit Dänemark, was wohl irrig 
ist; vgl. ürk. Beil. 107) gehen, den Frachttarif fest: Weizen und Roggen, 
Flachs, Canvass, Pech, Theer, Osemond, Bogenstäbe, Stabeisen, Asche, Störe, 
Aale, Federn, Wachs (und nest of Compters?) Hirsch nennt Weizen, 
Roggen, Holz (als Wagenschoss, Klappholz, Knarrholz aus Litthauen, 
Koggenborten aus dem mittleren Weichselgebiete und Masovien, Riemen- 
holz, Masten, Eiben- und Bogenholz aus Polen, den Karpathen und dem 
Salzburgischen): Schiffsbaumaterialien wie Anker, Schiffstaue, Segelstangen, 
ganze Schiffe; Hauch waaren, insbesondere „Litthauisches Werk", Grauwerk, 
Hermelin und Biberwannen; ferner Wachs, Flachs, Asche, Pech und 
Theer, alles aus Preussen, Litthauen und Masovien: Kupfer aus Ungarn, 
Bütower Landeisen, preussiscbe Leinwand und Pferde. Wheeler fuhrt als 
Artikel , welche die Mercbant adventurers von den Osterlingen kaufen, auf: 
„flaxe, hemp, wax, pitche, tarre, wainscot, dealbordes, oares, corn, furres, 
cables and cable yearne, tallow, ropes, mastes for shippes, sopeashes, 
estrigd wool and almost, whatsoeuer is made or groweth in East countries". 
*) Die Parlamentsacte nennt als englische Ausfuhrartikel, die nach 
Danzig gebracht wurden, blos „brode cloth u , „sctt cloth" und Kaninchen- 

Selze. Hirsch hebt Wolle und Wollenzeuge, namentlich Laken aus Lon- 
on, Beverley, Colchester, Londoner Scharlachtuch, Ulster Leinwand, Me- 
talle, besonders Zinn und Osemond, sowie Heringe hervor. Die englischen 
Tücher wurden erst durch die Engländer selbst im Osten zur Geltung ge- 
bracht, da die Hansen ursprünglich flandrische Tücher vorziehen mussten. 
Vgl. Sartorius II. S. 441 und 487. 



— 231 — 

Hegemonie aber nicht aufrecht zu erhalten war 1 ). Lübeck 
war seit dieser Zeit auf Danzigs Stapel angewiesen. 

Die Engländer, welche die Ostsee schon befahren, als 
noch Wisby auf Gothland blühte s ), besuchten in regelmässiger 
Folge Danzig seit dem Anfange des 14. Jahrhunderts. Die 
freundliche Aufnahme bewog viele, sich daselbst niederzulassen, 
und die Freiheiten, die man ihnen stillschweigend einräumte, 
waren gross genug, um ihren Handel zu bedeutender Ausdeh- 
nung gelangen zu lassen. Die Kaufleute von London, Hüll, 
York, Lynn und Boston waren hauptsächlich an diesem Ver- 
kehr betheiligt. Der Werth ihrer Ein- und Ausfuhr belief sich 
jährlich ungefähr auf 400 000 i£. 8 ) Allein schon 1370 hatte 
die Eifersucht der einheimischen Bürger sich so gesteigert, dass 
die Stadtbehörde den Engländern die Hausgenossenschaft mit 
den Eingebornen und den Tuchhandel im Detail verbot. Aber 
im Frieden zu Marienburg 1388 4 ) wurde die alte Gewohnheit 
wieder hergestellt, und in Folge dessen wuchs die Zahl der 
Engländer derart, dass sie bereits 1391 eine Art Gemeinde 
bilden und sich einen eigenen Consul wählen konnten 5 ). 

Die Erbitterung der Danziger Bürgerschaft nahm eine 
bedrohliche Gestalt an, und der Hochmeister kündigte 1398 
den Engländern den günstigen Vertrag 6 ). Nicht eher als bis 
1409 gelang es, den^Frieden wieder herzustellen 7 ). Das Recht, 
mit allen Fremden m Preussen handeln zu dürfen , wurde den 
Engländern zurückgegeben, alle andern Fragen blieben unent- 
schieden. Bald darauf brach zwischen Polen und dem Deutsch- 
orden Krieg aus. Danzig trat auf Seite Polens, wurde aber 
von dem Hochmeister Heinrich von Plauen wieder unterworfen, 
und nun gestattete dieser den Engländern den Ankauf eines 
Hauses 8 ); letztere konnten auch ihre Genossenschaft wieder 



*) Schon 1499 sagte der Labecker Magistrat, dass die Londoner 
Factorei hauptsächlich den Angelegenheiten Danzigs diene, und dass es 
kaum fünf Kaufleute gebe, welche mit den Danzigern in London concur- 
rirten. Weinreich, Danziger Chronik S. XL 1532 klagt Wullen- 
werer, dass Lübeck zu Grunde gehe, und dass die Gesellen mit lübschem 
Capital sich ganz in die östlichen Städte setzten, jahrelang directen Handel 
mit dem Westen trieben, ohne dass man von Kapital und Zinsen etwas 
höre. Waitz, Jürgen Wullenwever L S. 138 fg. 

*) Man kann dies daraus schliessen, dass die Städte Kampen und 
Zwolle c 1235 an Lübeck die Bitte stellten, den Engländern die Ostsee 
gänzlich zu verschliessen. Lübecker Urk, Buch I. Nr. 486. 

*) Hirsch, a. a. O. S 145. 

*) Koppmann, Hanserecesse III Nr. 406. 

5 ) Rymer VII. S. 693. 

e ) Vgl. Koppmann, Hanserecesse IV. Nr. 424, 433, 503. 

') Ueber die Verhandlungen sieh Koppmann, Hanserecesse Bd. IV 
und Pauli. Zu den Verhandlungen der Hansa mit England 1404 — 7. 
Hansische Geschichtsbl 1877. S. 125 fg. 

8 ) Daselbst wohnten die Engländer gemeinschaftlich, machten ihre 
Geschäfte und Hessen ihre gerichtlichen Handlungen durch den Gubernator 
vornehmen. Hirsch, a. a. 0. S. 104. 



— 232 — 

herstellen. Der Danziger Rath benutzte aber das Ausbleiben 
der vom englischen König früher versprochenen Entschädigungs- 
gelder, um das englische Haus kurz darauf wieder zu sperren 
und den Engländern die Ausübung aller Corporationsrechte zu 
verbieten (1414). Die Engländer mussten nun in einzelnen 
Häusern wohnen. Doch gelang es ihnen, 1428 vom Hoch- 
meister die ausdrückliche Erlaubniss zu erwirken , sich einen 
Aeltermann oder Gubernator wählen zu dürfen. Es währte 
nicht lange, so wurde ihre Concurrenz von den Danzigern 
abermals schwer empfunden; man verfolgte sich gegenseitig, 
der Zustand war fortwährend gespannt. 

Nach mehrfacher Unterbrechung des Verkehrs knüpfte 
man Friedensunterhandlungen 1 ) an, und der englischen Diplo- 
matie war es hierbei gelungen, den Danziger Vertreter zu 
überlisten und sich alle Rechte zu sichern, die sie zu irgend 
einer Zeit besessen 2 ). Der Hochmeister setzte aber auf den 
energischen Einspruch Danzigs und die nun von den Englän- 
dern gestellten Forderungen hin die Ratification aus (1438) 8 ). 
Die Engländer wurden in Danzig strenger denn je behandelt. 
Sie verloren das Recht des unmittelbaren Verkehre mit den 
Fremden, wurden mit neuen Abgaben belastet, mussten ihre 
Häuser räumen und mit unterirdischen Gewölben sich begnügen, 
sowie andere Leiden ertragen 4 ). Die natürliche Folge war ein 
feindseliges Verhältniss nicht nur zwischen Danzig und Eng- 
land, sondern überhaupt zwischen der ganzen Hansa und Eng- 
land während mehrerer Jahrzehnte. Ein Glück für die Hansen 
war es , dass gerade damals die englische Krone hülfloser und 
schwächer war, denn je, und es nicht wagen konnte, die von 
dem englischen Volk 6 ) gewünschten energischen Massregeln 
gegen die Hansen auszufuhren. 

*) von der Kopp, Hanserecesse I. S. 874 fg. und II. S. 18—95. 

*) A. * 0. II. Nr. 84. 

3 ) A. a. 0. II. S. 175—184. 

«) A. a. 0. II. S. 456—64, besonders Nr. 589 > ferner S. 537 Nr. 664, 
jedoch in Verbindung mit Nr. 638, 639, 655. 

ft ) Vgl. Rot. Pari. IV. S. 493-, V. S. 64, ferner Rot. Pari. VI. S. 66, 
wo der König gewissermassen nur unter der Bedingung einer günstigen 
Behandlung der Engländer in Preussen die alten Rechte der Hansa wieder 
anerkennen lässt (1473) Wie diese günstige Behandlung gedacht war, zeigt 
der Wortlaut deutlich : „ — the kjng's subgetts shall mowe as ofte as theym 
shall like, repare and resorte unto the londe of Pruce, and other places 
of the Hanze, freely and suerly entre the same, there abide and departe 
fro thens at their pleasure, to byeand seile with all maner persones, 
as frely and largely as any tyme heretofore they have t>e wonte to 
doo, with enjoying all and everyche their liberties and free custumes, which 
they have used and enjoyed resonably eny tyme nassed; and no prises, 
exactions nor prestations shall be sette uppon their persones or goodee, 
otherwise, then have be sette uppon theym any tyme afore this C yere nowe 
last past or above: Wherunto the seid merchauntes of the Hanze by their 
oratours have assented and agreed(?) tf . 



— 233 — 

Der Utrechter Friede führte endlich den langersehnten Ab- 
brach des Krieges (1474) herbei. Die Umstände, unter denen 
er zu Stande kam *) , waren den Hansen und besonders den 
Danzigern günstig 2 ). Trotzdem konnten die Städte von dem 
König nicht die Concession erlangen, dass die Bestimmungen be- 
züglich des Verkehrs der Engländer in Preussen ganz in der 
von ihnen gewünschten Weise redigirt wurden 8 ). Die Eng- 
länder, sagt der einschlägige Artikel, dürfen nach allen Orten 
in Preussen kommen, daselbst verweilen und wieder abziehen, 
frei einkaufen und verkaufen, mit Jedwedem handeln, so 
frei wie zu irgend einer Zeit. Alle Freiheiten und Rechte 
sollen sie geniessen, welche sie vormals billiger Weise (rationa- 
biliter) besessen und gebraucht haben 4 ). Steuern und Zölle, 
die vor 100 und mehr Jahren üblich waren, sollen allein be- 
rechtigt, neue Abgaben unzulässig sein. Das Wort „morari" ist 
nicht so zu verstehen, dass man sich dauernd niederlassen oder 
die Rechte eines Bürgers sich anmassen darf, sondern es be- 
deutet nur den Aufenthalt für kürzere Zeit 6 ). 

Eine Hauptforderung der Engländer, nämlich mit den 
Fremden in Danzig handeln zu dürfen, schien dem Wortlaut 
nach gewährt zu sein. Freilich hing der Erfolg der Bestim- 
mung immer noch davon ab, ob sie im Sinne Englands aus- 
geführt wurde. Danzig war nicht gewillt, dies zu thun. So- 
lange England nach Aussen nicht stark aufzutreten vermochte, 
war eine wirkliche und dauernde Besserung nicht zu erwarten. 
Immerhin war es, wenn man die damalige Lage des englischen 
Reiches und der englischen Regierung ins Auge fasst, von 
einiger Bedeutung, in einem so wichtigen Tractat, wie es der 
Utrechter war, einen Hauptpunct wenigstens theoretisch be- 
willigt und klar ausgesprochen zu sehen. 

IT. So lagen die Dinge, als der Tudor die Lenkung der 
englischen Handelspolitik übernahm. Mit der ihm eigenen Ge- 
schicklichkeit griff er auch hier ein. 

Wie ungünstig gleich nach der Thronbesteigung Hein- 
richs VII. die Beziehungen zwischen den Hansen und England 
sich gestalteten, haben wir oben bereits angedeutet. In Bezug 
auf Danzig war die Entfremdung grösser, als bei den anderen 
Hansestädten. Namentlich war zwischen den Bürgern von Hüll 



') Sieh oben S. 177. 

*) Eduard IV. war den Danzigern besonders verpflichtet. Vgl. R. 
Pauli, Die Haltung der Hansestädte in den Rosenknegen. Hans. Ge- 
schichtet) 1. 1874. S. 90. 

*) Vgl. die Instruction an seine Gesandten. Urk. Beil. 82, namentlich 
Artikel 3. 

*) Diebelbe Clausel mussten sich freilich auch die Hansen gefallen lassen. 

ß ) Diese Bestimmung war zunächst nur für die Engländer practisch, 
vnrde aber doch später auch von diesen gegen die Hansen ins Treffen 
geführt 



— 234 — 

und Danzig seit 1488 bittere Feindschaft entbrannt. Die zur 
See verübten Gewaltthaten trafen fast zur Hälfte auf Danzig. 
Den seit dem Utrechter Frieden von den Engländern er- 
littenen Schaden berechnete Danzig auf der Antwerpener Tag- 
fahrt 1491 auf 5963 r £ 14 sh 1 d 1 ). Schon um deswillen 
traten bei diesen Verhandlungen die Danziger Angelegenheiten 
sehr in den Vordergrund. Weit mehr war es aber noch aus 
einem andern Grunde der Fall. Gerade auf Danzig und 
Preussen bezogen sich die Hauptwünsche des englischen Kö- 
nigs. Hier dem englischen Kaufmann grössere Rechte zu ver- 
schaffen, war das Ziel, das Heinrich VII. fest im Auge hatte, 
sie waren das eigentliche Object, das für ihn bei den Ver- 
handlungen von 1491 in Betracht kam, dieses Zieles wegen 
hatte er zu Dänemark eine freundliche Stellung eingenommen, 
auf diese Weise wollte er einen wirksamen Druck auf die 
Hansen ausüben*). 

Während der Berathungen über die Schäden ergab sich 
bald Gelegenheit für die Engländer, diese Frage einzuführen« 
Als die Hansen baten, die englischen Gesandten möchten dem 
König vorstellen, dass er ihre Privilegien halte, erwiderten jene, 
der König habe mündlich versichert, dass er dies thun werde, 
wenn seine Kaufleute die gleiche Freiheit in den Städten ge- 
messen dürften, wie die Hansen in England. Der Utrechter Artikel, 
dass die Engländer sicher und frei in die Städte kommen und 
mit Jedermann frei handeln könnten, werde aber nicht gehalten, 
sondern man vertreibe die Engländer aus den Städten. Hier 
müssten feste Garantien geschaffen werden, dass den Engländern 
ihr Recht werde. Die Satzung der Danziger, wonach die eng- 
lischen Kaufleute nur mit den Danziger Bürgern handeln 
dürften, sowie die Satzung 8 ) des deutschen Kaufmanns, wo- 
nach die Hansen mit den Engländern, welche wegen Gut- 
habens vor dem Austrag klagten, nicht handeln sollten, seien 



x ) Die Klagen der Danziger gegen England 1491 (St. A. Danzig XVI. 
7 8a Hanserecesse ed. D. Schäfer). Die Kölner berechneten für dieselbe Zeit 
10966 £ 18 sh 11 d (Kölner Stadtarchiv. ActaAngl. 1434-1521 fo. 225 
bis 43). Daneben beanspruchten die Kölner eine fast gleich hohe Summe 
(9129 £ 15 sh 7 d) für die seit 1427 bis zum Utrechter Vertrag erlittenen 
Schäden und Nachtheile, ohne freilich bei Lübeck und den andern Städten 
dafür grosse Unterstüzung zu finden. Die Engländer gaben ihren Schaden zu 
14 670 £ 18 sh 6 d an (St. A. Danzig XXVII. 72 Hanserec. ed. D. Schäfer). 

') Für das Folgende wurde hauptsächlich benützt der Danziger Recess 
über die Verhandlungen mit den Engländern zu Antwerpen 1491 (St A. 
Danzig XXVII. 70. Hanserecesse ed. I). Schäfer). 

*) „dat de kopman to Londen eün Statut gemakt hadden, zo eün 
Engelssche, de eünem Dudesschen süne gudere vorkoft unde vorborged 
hadde, wente dat overslagen were vor erem uthage, dat de Engeischen en 
baven 40 000 U. vorborget unde vortruwet hadden, den Dudesschen manede 
unde sün geldt adir betalinge hebben wolde, denne were ere vorbunth, dat 
nümandt van der natien mitten Engeischen adir sünen frunden kopslagen 
mußte, dat denne grote bittercheüdt makede." a. a O. 



— 235 — 

es hauptsächlich, welche unter den Engländern Erbitterung 
gegen die deutsche Nation hervorrufe. 

Indem die englischen Bevollmächtigten in geschickter Weise 
in der Frage der Entschädigung sich sehr zurückhaltend zeigten, 
namentlich den Wunsch der Hansen, dass der König in vielen 
Fällen für den zugefügten Schaden aufkommen solle, nicht be- 
willigen, sondern entsprechend ihrer Vollmacht nur dem König 
anheimstellen zu können erklärten, wurde für die Städte 
die Lage in jeder Hinsicht bedenklich, wenn man nicht dem 
Wunsche des Königs möglichst willfuhr. 

Unter den Abgesandten der Städte kam es, wie sich 
denken lässt, in Folge dessen zu häufigen und erregten De- 
batten. Der Danziger Bürgermeister erklärte seinen Collegen, 
Danzig werde niemals zugeben, dass die englischen Kaufleute 
mit allen Nationen in Danzig oder in Preussen , wie mit den 
Russen, Polen, Ungarn, Litthauern, Böhmen Kaufgeschäfte 
trieben. Das wäre für Danzig der ewige Verderb 1 ). Seine 
Vollmacht laute auch ausdrücklich dahin, dies nicht zu ge- 
statten 2 ). Nur das könne er versprechen, dass die. Engländer 
in Danzig Verkehr treiben dürften, gerade wie die Mitglieder 
einer andern Hansestadt. Selbst wenn er ein Mehres ein- 
räumen wollte, so würde es nichts nützen, zu Hause werde 
man sich nicht daran kehren, und er verwahre sich gegen die 
Folgen, die dann entstehen könnten. Viele seiner Collegen 
fanden diese Erklärung für berechtigt. Sie sagten, dass sie 
auch nicht den Engländern zu gestatten dächten, mit Jedwedem 
in ihren Städten zu handeln; es werde überall so gehalten, 
dass „de borgere unde inwonere der stede jummers meer vor- 
deels musten hebben, wen andere van buten", selbst die Ham- 
burger müssten in» Lübeck und umgekehrt die Lübecker in 
Hamburg sich eine solche Beschränkung gefallen lassen 8 ). 



*) „dat de van Dantzike keünerleü wüse den Engeischen inrumen adir 
gönnen wurden, sulkt ere vornemen, alse ze vormeneden, mit ailerleü natien 
mit en to kopslagen to to laten, ock sunderges boveel darvan hadden, dat 
mit richte to staden , wente de Engeischen dar lange na gestaen hadden, 
et hadde en nilwerlde mögen geboren, wente solden de Engeischen to 
Dantzike adir in Prussen mit allerleü natien als Russen, Palen, Letawen, 
Hangaren, Bemen unde anderen kopslagen, dat were der borgere to Dantzike 
ewige vorderff, de Engeischen solden de neringe hebben, wente ze geldt 
unde guth hebben, de borgere unde inwaner solden moten vorderven; 
dammme dat wü dat solden to laten, steüt uns mit nichte to doende et is 
en upt land to Prussen to doende, ze hebben vormaels in vorgangenen jaren 
zere darna gewesen, de herenn homeister unde dat landt hebben ze darto 
nicht willen laten komen." a. a. 0. 

*) Dies war nach dem vorliegenden Wortlaut der Instruction thatsäch- 
Uch der Fall (St. A. Danzig XXVII. 66, 70. Hanserecesse ed. D. Schafer). 

*) Einen interessanten Einblick in die Art und Weise, wie Lübeck 
Hamburg gegenüber das Gästerecht handhabte, erhalten wir durch eine 
wahrscheinlich in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts fallende Bittschrift 
der Lübecker Bürger und coplude in Engelandt hantirende an den Lübecker 



— 236 — 

Die Engländer bestanden auf ihrer Forderung; die Ver- 
suche der Hansestädte, die Danziger Vertreter zur Nachgiebig- 
keit zu veranlassen, misslangen. • Selbst die Drohung der 
Schwesterstädte, man werde den fraglichen Artikel in den Re- 
cess setzen und den Engländern gegenüber sich dadurch sicher 
stellen, dass man die Städte, welche den Artikel nicht halten 
wollten, den Engländern anzeigen (verkuntschoppen) werde, 
verfehlte seine Wirkung. Die Danziger erklärten, der Artikel 
sei nur dann für sie annehmbar, wenn er in der von ihnen oben 
angegebenen Richtung specificirt würde. Nach dem Utrechter 
Frieden hätten die Danziger ausdrücklich gegen den 4. Vertrags- 
artikel protestirt, die Schwesterstädte, namentlich Lübeck, 



Rath. Es wäre möglich, dass in Folge der Petition, die gerade durch die 
englischen Laken veranlasst wurde, eine Verschärfung des Gästerechts ein- 
trat. Obwohl, heisst es in der Vorstellung, nicht nur im Jahre 70 (1470) 
die Hansestädte in einem Recesse gemeinsam die Normen für den Verkauf 
der Laken in den Städten festgesetzt, sondern auch die Vorfahren im Re- 
giment zum putzen der Bürger noch besonders eine Verordnung publitiit 
haben, wonach allen Fremden und Gästen geboten wurde, „dat se kerne 
Engeische oft ander lakene,'als se hir in de stat bringen, anders verkopen 
scholen, dan by helen terlingen und helen packen, als de in der lynnen 
beslagen unde se van buten inbringen, und desulven laken nicht delen Wen 
der lynnen by stucken to verkopende, ock d arme de neyne opene kellere 
edder boden holden by pene eyner marck goldes, item dat alhie in der 
Stadt neyn gast mit gaste schall kopslagen by teyn marck sulvers, mith 
mer anderen notturftigen und todrechtliken artickelen , wie .ungetwivelt uth 
angetogenen reces ock iwer erb. w. upgerichten ordinantien unde wedde- 
boke wider une clerlyker to befinden : So isset dennoch int verlop der titt, 
dar hen gereden, dat sollicher ordinantii dorch de frombden und geste nicht 
allene in ethliken artickelen ungepynet entkegen gehandelt, sundern ock nu 
so farn gekamen, dat gar nichts darvan geholden wert, und so depe ist 
ingeret, dat de geste und frümbden mit sollichen ingebrachten laken opene 
kellere holden, desulvigen kellere unde hüsere so mennichfoldich syn, dat 
se de so woll an der Wakenitze in der Erlockger strete als der'Traven 
in der Marlessgreven to kope hebben und de laken dem loslicken reces 
der steder und iwer erb. w. verfaren upgerichter ordinantii unde wedde- 
boke to entkegen nicht allene dem eynen und anderen bynnen der stat 
wonende, Sündern ock gesten und frombden von buten uth Dennemarken, 
Sweden, Lyfflant, Preuteren, ok van Rosstock, Sundt, Wissmar und anderby 
inkomende offentlick verkopen, und also als gast mit gaste handelen und 
koepslagen. Und geschüt des also vele, dath wy alle, so vele unsrer in 
Engelaut mit laken härteren , dith vorgangen yar den wantsnideren alhir 
bynnen der stat baven twe off 6 laken nicht verkofft hebben, welche vor- 
war desser güden stat und uns, de wv de last und borden mede dragen 
moten, nicht eyn geringer, Sündern treffentlich groter schade ist. Und ge- 
schult sollich schade vornemlich und am meisten dorch de Hamborger und 
lakenboreder darsulvest, de so wydt her indrengen, dat se ock de laken, 
als se hir bringen von büten von Fleshi[ng]en (?) botteref?), damede 8e ore 
huser und schepe Vorsorgen, den frombden und gesten by rocklacken, by 
stücken up tide vorkopen und also desulven lacken in Lyfflant und andere 
orde gefort werden, welchs allenthalven upt hogeste beswerlich wile, dar- 
dorch de lakenhandelt uns gar to nichte und vorderve geitt". Die Petenten 
verlangen deshalb, das Verbot des öftern einzuschärfen und die Uebertreter 
zu bestrafen. (Lübecker Archiv. Das Schriftstück ist vielfach corrigirt, also 
wahrscheinlich ein Concept der Petition). 



- 237 - 

hätten aber sie beruhigt, indem sie erklärten, der Artikel 
enthalte nichts Neues und solle den Danzigern nicht schädlich 
sein. 

Zu einer Specification ähnlich der beim Worte morari im 
Utrechter Vertrag hatten die übrigen Hansen keine Voll- 
macht, auch wollten sie an dem Utrechter Vertrag um keinen 
Preis rütteln; ihn äusserlich ganz unverändert zu erhalten, 
schien nothwendig, wenn man wieder zu den Privilegien in 
London gelangen wollte und dem Kaufmann kein Schaden er- 
wachsen sollte. Würde man, sagten die Schwesterstädte, den 
Utrechter Artikel den Engländern versagen, so werde das bei 
dem englischen König böses Blut machen. 

Aber die Danziger waren nicht umzustimmen, sie hielten 
starr an ihrer Instruction fest. So beschloss man, den eng- 
lischen Commissären die Meinung der Danziger vorzutragen. Die 
Hansen machten die Engländer darauf aufmerksam, dass das 
Land Preussen zur Zeit getheilt sei, ein Theil gehöre zu Po- 
len, ein anderer dem Hochmeister; hinsichtlich des letzteren 
hätten die Danziger keine Macht. Auch in Danzig selbst 
stehe die Sache nicht so, dass die Engländer von Altersher 
mit Jedwedem gehandelt hätten, und die Danziger wollten dies 
auch nicht zugestehen. Als die Engländer erwiderten, sie 
könnten durch Zeugen erhärten, dass, wenn ihre Schifte zu 
dem Dominikmarkt kämen, sie mit Jedwedem Kaufgeschäfte 
abschliessen könnten, erklärten die Hansen, das solle ihnen 
auch künftig gestattet sein, ebenso sollten sie den Artushof 
besuchen dürfen 1 ), aber sie sollten nicht das ganze Jahr mit 
Jedermann handeln. 

Die Engländer waren damit zufrieden. Zwei Rechte we- 
nigstens waren dadurch für sie ausser allen Zweifel gestellt 
und von den Danzigern selbst wirklich einmal zugesagt. Die 
Bestimmungen des Vertragsentwurfs wurden jedoch nicht ab- 
geändert, sondern der Utrechter Artikel, wonach die Engländer 
in den Hansastädten mit Jedermann handeln dürften, wurde 
in dem Recess belassen. Man findet es deshalb wohl erklär- 
lich, wenn die Danziger, um irrige Folgerungen zu vermeiden, 
ein öffentliches Document über die Concessionen herstellen 
Hessen, die den Engländern gemacht worden waren 2 ). 

Die Engländer sahen zwar nicht das Ziel ihrer Wünsche 
befriedigt, aber ein besserer Zustand als früher war geschaffen. 



') Der Besuch desselben war ihnen unmittelbar vorher versagt gewesen. In 
den Verhandlungen von 1499 erklärten deshalb die Hansen, über dieses Haus 
„Antwerpie sit responsum. Nam eam esse Arcturi, a qua propter turbationem 
esaent eiecti, ab illo die tractatus denuo adinissi, in qua esset honestorum 
conventio mercatorum, nee in eam scothi admitterentur" (Kölner St. A. Acta 
Angl. 1434-1521 fo. 189). 

*) Kölner StA. Acta Anglicana 1434-1521 fo. 153. Weinreich, 
Danziger Chronik Beil. III. S. 123 und S. 73 Anm. 5. 



— 238 - 

Besonders werthvoll war für sie die Zulassung zum Artushof. 
Zu diesem hatten nur die einheimischen Kaufleute, wie die 
Grosshändler, Gewandschneider, Krämer, Seefischer, Brauer, 
sowie die von diesen eingeführten Hansen Zutritt. Der Artus- 
hof gewährte nicht nur viele gesellige Freuden, sondern er 
war auch eine Art Börse. Zu gewissen Stunden trafen sich 
hier die Handeltreibenden, um gegenseitig Geschäfte ab- 
zuschliessen. Auch wurden hier alle amtlichen Mittheilungen 
in Betreff des Handels zuerst publicirt 1 ). 

Heiniich VH. genügte das Errungene nicht. Die Stellung 
des englischen Kaufmanns an der Ostsee sollte noch mehr ge- 
festigt, sein Wirkungskreis noch bedeutender erweitert werden. 

Zunächst lenkte der König seinen Blick auf die Inländi- 
schen Städte. Diese standen mit dem Hansabunde nur in 
loser Verbindung und scheuten sich keineswegs, im eigenen 
Interesse gegen die Mitglieder des letzteren eine rigorose 
Handelspolitik zu befolgen. Das seit einiger Zeit verhanste 
Riga schien besonders geeignet. Der Ordensmeister Wolter 
von Plettenberg und der liebenswürdige Erzbischof Michael, 
welche den leitenden Einfluss in Riga hatten 8 ), konnten leicht 
für den englischen Plan gewonnen werden. Das gegensätzliche 
Verhältniss zwischen Danzig und dem Deutschorden, sowie die 
damalige Lage der Stadt, die nach langen Streitigkeiten wieder 
etwas zur Ruhe gelangt war und eine Wiederbelebung des 
Handels sehr bedurfte, Hessen es ganz im Interesse Rigas er- 
scheinen, wenn es mit England engere Beziehungen an- 
knüpfte. 

Gelang dem König sein Plan, so liess sich Danzig ganz 
bei Seite schieben oder doch über dessen Hartnäckigkeit 
gleichgültig hinwegsehen; gleichzeitig war die Möglichkeit ge- 
geben, einen Verkehr mit den Russen anzubahnen 8 ), ein Punkt 
von kapitaler Wichtigkeit, seit 1494 die Hansen ihr Contor 
zu Nowgorod verloren hatten. 

Riga kam den Wünschen Heinrichs VH. mit Freuden ent- 
gegen. Johannes Prange wurde nach London gesandt, und 
dieser schloss mit dem Bischof Thomas von London und Wilh. 
Warham am 26. Nov. 1498 einen Vertrag ab, der geradezu 
glänzende Bedingungen für die Engländer enthielt. Dieselben 
waren : 4 ) 
1) Zwischen den Angehörigen beider Contrahenten soll ein 
ewiger Friede herrschen. 



x ) Ueber den Artuehof vgl. Hirsch, Danzig S. 204. 

*) S. C. £. Napiersky, Rigas ältere Geschichte in Uebersicht, Ur- 
kunden und alten Aufzeichnungen (4. Bd. der Monumenta Livoniae Antiquae). 

8 ) Ueber die frühen engen Handelsbeziehungen Rigas zu Russland 
vgl. Hildebrand. Das Rigische Schuldbuch 1286—1351. St Peters b. 1872. 

*) Rymer XU. S. 701. 



_ 239 — 

2) Den Engländern ist gestattet, in alle Orte, die zur Stadt 
Riga gehören oder mit ihr zusammenhängen, zu kommen, 
Waaren englischer Herkunft dahin zu bringen, daselbst 
zu verweilen, mit Borgern der Stadt sowohl, als mit jed- 
wedem Andern zu handeln und Güter jeglicher Art 
überallhin zu expoiüren. Die von den Engländern ein- 
und ausgeführten Waaren sind zollfrei 1 ). Den Kauf- 
leuten aus Riga ist erlaubt, mit Waaren Rigaer Ursprungs 
nach England zu kommen, dort zu handeln und die er- 
worbenen sowie andere Güter überallhin zu führen. Für 
Waaren Rigaer Ursprungs zahlen sie die Zölle der 
Hansen, für Waaren fremden Ursprungs die Zölle 
Fremder. 

3) Alle früheren Obligationen und Geldversprechen, durch 
welche die englischen Kaufleute oder der englische 
König vom preuss. Ordensmeister oder von den Ruthenen 
oder Riga^rn beschwert werden könnten, weiden für 
null und nichtig erklärt-, namentlich gilt dies von einer 
vom Jahre 1404 (?) stammenden Obligation im Betrage 
von 10 637 Nobel 2 sh 2 d. 

4) 'Johannes Prange verspricht im Namen Rigas die eben 
erwähnte Obligation dem Vorstande der englischen Kauf- 
leute Johannes Wiltshire in Antwerpen, Brügge oder 
sonst in den Niederlanden innerhalb 4 Monate aus- 
zuliefern; geschieht dies nicht, so gelten alle Artikel 
dieses Tractats, soweit sie die Rigaer betreffen, für nicht 
geschlossen 2 ). 

5) Die Ratification, beziehungsweise der Austausch der Ver- 
tragsdocumente soll innerhalb 5 Monaten zu Calais statt- 
finden. 

Alle Forderungen, die Heinrich VII. gegenüber Danzig 
und den übrigen Hansestädten so oft vergeblich gestellt, waren 
hier erfüllt. Ein ganz klares Recht war hier den Engländern 
gewährt. 

Der Vertrag wurde vom König ratificirt, und das Gleiche 
war von Riga beabsichtigt 3 ). Danzig scheint auch die ein- 
getretene Wendung sofort empfunden zu haben. Das Aus- 
bleiben der Engländer erwies sich in kürzester Zeit für die 
Stadt und für Preussen verderblich. Ihr Schutzherr, der König 
von Polen, Johann Albert, machte einen Vermittlungsversuch. 
In einem Brief an den König Heinrich VII. und die englischen 

*) „a solutione omnium et singulorum vectigalium pedagii, augariagiae 
aut costumarum praestatione quacumque perpetois futuris temporibus liberi 
erunt et quieti". 

') Die Freiheiten der Engländer bleiben also auch in diesem Fall 
bestehen. 

^Vgl. Urk. Beil. 99, 102. Die Ratification von Seite Heinrichs VII. 
ist in Kymers Foedera a. a. 0. enthalten. 






— 240 — 

Bevollmächtigten versprach er, den Engländern in seinen Ge- 
bieten Handelsfreiheit zu gestatten, wenn man auch den Hansen 
in England ihre Privilegien wieder geniessen lassen wolle 
(April 1499). Freilich der Kernfrage, ob die Engländer mit 
Jedermann Handelsgeschäfte abschliessen dürften, wich er vor- 
sichtig aus, wenn er auch, wie aus einem gleichzeitigen Brief 
an Lübeck hervorgeht, die Handelsfreiheit eher weit als eng 
aufzufassen schien 1 ). 

Unter diesen Verhältnissen war Englands Position eine 
ziemlich günstige, als die Tagfahrt zu Brügge im Sommer 1499 
stattfand 2 ). Der König hoffte wohl, dass er bei dieser Gelegen- 
heit die Danziger zu weiteren Concessionen veranlassen könne. 
Volle Reciprocität war das Ziel, das Heinrich VII. anstrebte. 
Die Freiheiten der Engländer in Preussen sollten ganz die- 
selben sein, wie die der Hansen in England. Wie diese den 
^tahlhof in London besassen, so sollte auch den Engländern 
das Haus in Danzig, das sie früher einmal inne hatten und aus 
dem sie gewaltsam vertrieben worden waren, wieder eingeräumt 
weiden. Wie die Hansen in London mit Bürgern und Nieht- 
bürgern Handel treiben durften, so sollte auch den Engländern 
gestattet werden, mit Jedwedem Handelsgeschäfte zu schliessen. 
Der König hielt die volle Innehaltung des Artikels 4 des 
Utrechter Vertrags für so selbstverständlich, dass er sogar 
seinen Commissären auftrug, eine Entschädigung zu stipuliren, 
welche die Danziger wegen Nichtbeobachtung der erwähnten 
Vertragsbestimmungen zahlen sollten 3 ). 

Die Erwartungen des Königs erfüllten sich jedoch nicht. 
Es scheint, dass die Hansen Riga wieder auf ihre Seite zu 
ziehen wussten 4 ) und Aussicht hatten, den englischen Handel 
daselbst etwas zu beschränken, so dass das Pressionsmittel der 



*) ürk. Beil. 89. 90. 

*) Das Folgende nach dem hansischen Bericht. Kölner St A. Acta 
Angl. 1434—1521 fo. 189 fg. und ürk. Beil. 91; ferner wurden benützt 
Klagen der Engländer gegen Danzig und Antworten der Danziger auf die- 
selben (St. A. Danzig XVI. 132 b. Hanserecesse ed. D. Schäfer). 

3 ) Urk. Beil. 94. 

*) In dem hansischen Bericht über die Verhandlungen mit den Eng- 
ländern zu Brügge 1499 finden sich folgende Stellen: „Nuncius quoqueRi- 
gonsium literas forte ratificationis ad ea, que pridem secretarius eorum com 
rege tractavit afferens. Sed cum in scriptis eorundem ad consulatum Lubi- 
cousem haberetur, quod staret concilio hie congregatorum oratorum, deposuii 
esis apud mercatores, presertim cum in preiudicium tendere putarentur pu- 
blice utilitatis". Im hansischen Vertragsentwurf ist folgender Fassus : „Item 
cum sit traetatu Traiectensi inter alia provisum, quod si que civitas ab Ulis 
pactis se subtrahet, ea regie maiestati insinuabitur liberumque sit tali sub- 
t niete civitati ad ceterarum communionem aeeeptatis pactis remeare. 
Que res cum sit de Rigensi civitate practicata, cuius gubernatoribus räum 
est ad ceterarum communionem redire approbatis placitis Traiectensibus, 
i il regie celsftudini per presentia sit liquidatum , ut in reliquum mercatores 
eius ceteris Anze membris parificentur". Nach einer Unterredung mit den 






i 



— 241 — 

Engländer seinen Dienst versagte. Die englischen Bevoll- 
mächtigten versäumten nicht, mit dem grössten Nachdruck 
ihre Wünsche zu vertheidigen. Die Debatten führten aber zu 
keiner Verständigung. Wenn die Engländer darauf hinwiesen, 
dass zur Zeit Eduards IV. die hansischen Deputirten Johann 
Vanrad, Johann Stengenbergh und Wilke van Houghs ver- 
sprochen hätten, dass den Engländern ihr Haus in Danzig 
zurückgegeben werden solle, so schützten die Hansen ein Miss- 
verständniss vor, indem man den Artushof im Auge gehabt 
habe, zu dem ihnen seit 1491 der Zugang gestattet sei, eine 
Untersuchung habe auch nicht einmal Spuren für einen der- 
artigen Besitz eines Hauses ergeben, Niemand könne sich 
einer Wegnahme desselben durch die Bürger erinnern, worauf 
die Engländer erwiderten : „Gedanenses obliti rerum, ipsi, qui 
passi sunt, non obliti. Qui enim infert, scribit in pulvere, sed 
qui patitur, notat in marmore." Wenn die Engländer freien 
Handel mit Jedwedem in Danzig und Preussen verlangten, wie 
es der Utrechter Vertrag aussprach, so recurrirten die Danziger 
auf ihre Erklärung von 1491. Die Forderung, dass dann auch 
die Hansen keine Privilegien vor den Einheimischen in Eng- 
land beanspruchen sollten, sondern sich ganz dieselbe Behand- 
lung wie die englischen Kaufleute gefallen lassen müssten, da- 
mit volle Reciprocität bestehe, wurde energisch zurückgewiesen ; 
die Freiheiten der Hansen seien verbrieft, die der Engländer 
in Preussen dagegen beruhten nur auf Gewohnheit; der Utrechter 
Vertrag habe nichts Neues stipulirt; zudem zahlten die Eng- 
länder geringere Zölle in Preussen, als umgekehrt die Hansen 
in England. 

So eindringlich die englischen Bevollmächtigten ihre Sache 
verfochten, so stark sie drohten, die Danziger Bevollmächtigten 
M. Tymmermann und Johann Huxer hielten sich an ihre In- 
struction 2 ), die irgend eine Concession zu machen verbot Der 
Widerstand Danzigs war die Ursache, weshalb der Congress 
in der Hauptsache resultatlos verlief. 

HI. Unter Heinrich VIII. änderte sich der Charakter der 
Beziehungen zu den Ostseestädten in der Hauptsache nicht. 
In Riga trat mehr und mehr eine Wendung zu Ungunsten der 



Engländern heisst es : De Rigensibus convenit, ut, quam in tractatu Traiec- 
tensi haberetur, quod civitas retracta redire cupiens regie maiestati per 
literas insinuaretur, non per hoc scriptum. Itaque susceptum est, ut ea de 
re ßcriberet consulatus lmbicensis. Tum Rigensibus bene consuleretur, 
quamvis famulus eorum indigne ferret, sibi literas non reddi. (Kölner 
Stadtarchiv Acta Angl. 1434—1521 fo. 190, 198.) Sollten die Hansen die 
Wiederaufnahme Rigas in den Bund nicht davon abhängig gemacht haben, 
dass es sein Verhältniss zu England löse? Das Bestreben war jedenfalls 
da, wenn auch bezweifelt werden muss, dass Riga vollständig den Wünschen 
Danzigs entsprach. 

l ) St A. Danzig XVI. 182 b. Hanserecesse ed. D. Schäfer. 

Schinz, Engl. Handelspolitik. I. Jß 



— 242 — 

Engländer ein. Der Ordensmeister hatte allen Grund, Danzig 
gegenüber möglichst zuvorkommend sich zu zeigen, seit diese 
Stadt es bereute, dem König von Polen sich verschrieben zu 
haben 1 ). Die Bevorzugung der Engländer in Riga auf Kosten 
Danzigs trat etwas zurück. Die englischen Kaufleute mussten 
auch in Riga dem Gästerecht sich fügen, man duldete nicht, 
dass sie in der Stadt mit Fremden handelten, und scheute 
sich nicht, schwere Strafen über die Engländer zu verhängen. 
Noch weniger waren die letzteren mit ihrer Behandlung in 
Danzig zufrieden. Sie beschuldigten die Danziger, bei Schuld- 
klagen nicht ihre Pflicht zu thun, hatten sie im Verdacht, dass 
von ihnen gegen die Engländer Räuber ausgeschickt würden, 
um sie von der Fahrt in die Ostsee abzuschrecken, waren un- 
gehalten über das hansische Verbot, dass ein Hanse die Waaren 
eines Engländers nach England führe, sowie über die Erhöhung 
der Zölle, namentlich des Weinzolls, indem die Danziger ganz 
ebenso wie die Engländer behaupteten, die Zollprivilegien 
gälten nur für Waaren englischen Ursprungs. Die Rückgabe 
des englischen Hauses wurde selbstverständlich noch ebenso 
wie früher verweigert *). Es kam nicht selten vor, dass Hein- 
rich VIH. sich unmittelbar für einen seiner Unterthanen ver- 
wenden musste 8 ). Unter diesen Verhältnissen ist es nicht zu 
verwundern, wenn auf der Tagfahrt zu Brügge 1521 die eng- 
lischen Commissäre die ungleiche Behandlung ihrer Landsleute 
als einen Hauptgrund hinstellten, weshalb die Hansen ihre 
Privilegien in England verwirkt hätten. 

Die ganze Folgezeit dauerte die Unzufriedenheit der Eng- 
länder an. 1523 beklagte sich der König von Neuem über 
die Misshandlung seiner Unterthanen. Die Antwort der Dan- 
ziger zeigt, wie wenig sie ihr Vorgehen rechtfertigen konnten; 
sie wissen Nichts vorzuschützen, als dass sie dem mit ihnen 
verfeindeten Könige von Dänemark nicht Gelegenheit geben 
dürften, die englischen Schiffe zu kapern und auf diese Weise mit 
Kriegsmaterial und Lebensmitteln sich zu versehen. Klug fügen 
sie bei, der König möge ihnen nur in Dänemark zu ihren Privi- 
legien verhelfen, dann wollten sie seine Unterthanen möglichst 
liberal behandeln und ihnen die frühere Handelsfreiheit wieder 
gewähren 4 ). Die beginnende Verfolgung der Hansen in Eng- 
land wegen ihrer Zuneigung zur evangelischen Lehre traf be- 



1 ) Anfangs der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts suchte Danzig ernst- 
lich nach Bundesgenossen, um mit deren Hilfe das polnische Joch abzu- 
schütteln. So schickte Danzig 1522 Schonbergk zu diesem Behufe nach Eng- 
land, wo dieser aber gar keinen Anklang fand. Der ausführliche Bericht 
Schonbergks über sein Vorgehen in England ist im geh. Archiv zu Königs- 
berg erhalten. 

*) ürk. Beil. 100. Art. 8, 4, 5, 8, 10, 11, 12, 27. 

») ürk. Beil. 96. 

*) ürk. Beil. 108. 



— 243 — 

sonders die Danziger und war sicherlich nicht geeignet, diese 
den Engländer freundlicher zu stimmen 1 ). Zehn Jahre später 
gaben sie neuerdings ihrem innern Groll gegen die Engländer 
Ausdruck, indem sie während des Krieges zwischen Lübeck 
und Dänemark dahin trachteten, die englischen Schiffe den 
Dänen in die Hände zu spielen *). 

Mit aller Schärfe geriethen die Engländer gegen Ende der 
30er und Anfang der 40er Jahre mit den Danzigern in Streit. 
Seit dem Zusammenbruch der Lübeckschen Hegemonie ver- 
doppelten die Engländer ihre Anstrengungen, um von den Vor- 
theilen in Danzig zu profitiren. Wiederum beanspruchten sie 
das so viel bestrittene Hecht, mit den nach Danzig kommenden 
Landbewohnern direct zu verkehren, und pochten um so mehr 
darauf, als die Hamburger und Lübecker die gleiche Concession 
bereits gemacht hatten 3 ). Die englische Regierung unterstützte 
ihre Unterthanen in diesem Ansprüche und drohte gleich der 
ganzen Hansa mit Repressalien. Lübeck schickte Joh. v. Verden 
nach Danzig, um die Sache zu untersuchen und gab nach ge- 
wonnener Information eine Antwort, die an Bestimmtheit und 
Klarheit nichts zu wünschen übrig liess 4 ). Niemals sei, lautete 
Lübecks Bericht, den Engländern ihr wirkliches Recht ver- 
kümmert worden; der directe Kauf von Fremden stehe ihnen 
nicht zu, das sei ein Recht der Bürger, aber nicht der Gäste. 
Seit Gründung der Stadt sei so fest daran gehalten worden, 
dass nicht einmal den Unterthanen ihres Schutzherrn, den 
Polen, dies Privileg zugestanden worden, und die Annalen der 
Stadt Hessen auch nicht eine Spur entdecken, die auf den 
Besitz dieses Rechtes von Seite der Engländer hinweise. Die 
jetzige Uebung in Lübeck oder Hamburg könne für Danzig 
weder beweisend noch massgebend sein 6 ). 

Aber die englische Regierung begnügte sich mit dieser 
Auseinandersetzung nicht. So oft sich eine Gelegenheit ergab, 
forderte sie die Ansprüche der englischen Kaufleute. Als die 



M Der König von Polen musste sich wiederholt der Danziger anneh- 
men. Vgl. die bereits oben citirten Aufsätze vonR. Paul.i, Die Stahlhofs- 
kanfleute und Luthers Schriften in den Hans. Geschichtsbl. 1871 S. 155 bis 
162 a. 1878 S. 159 fg., auch Brewer, Cal. IV. 2168, 2169, 2179 etc. 

*) ürk. Befl. 107. Man muss den Verdacht für begründet halten in 
Anbetracht der offenen Parteinahme Danzigs gegen Lübeck und für den 
König von Dänemark. Christian III. wurde sogar mit Geld von Danzig 
unterstützt. Vgl. Waitz, Jürgen Wullenwever UI. S. 5 fg. 18, 57. 

*) Vgl. oben S. 227. 

*) Es ist dies einer der vielen Züge, die Lübecks Geschichte jener Tage 
so ausserordentlich anziehend machen. Niemals stellt Lübeck sein eigenes 
Interesse allein in den Vordergrund, immer ist es für die Schwesterstadte 
bedacht und ergreift energisch für sie das Wort, selbst wenn sie es Bind, 
die Lübecks Macht untergraben helfen, wie Danzig es that. 
^ *) Der Senat der Hansa an Heinrich VIII. Lübeck 7. Juli 1540. State 
Papers VIII. S. 382. 

16* 



— 244 — 

Eaufleute von Hüll, die immer im Kampfe gegen Danzig an 
der Spitze standen, am 4. Oct 1541 eine neue Klage vor- 
brachten, versprach das Privy Council Abhilfe 1 ), und bei Ber 
ginn des folgenden Jahres forderte es sogar die englische 
Kaufmannschaft auf, ihre Beschwerden gegen Danzig in einer 
umfangreichen Denkschrift niederzulegen und ihm dadurch 
eine starke Handhabe gegen die hartnäckigen Preussen zu 
geben 2 ). 

Im Besitz dieses Materials ging die englische Regierung 
auch sogleich gegen die ganze Hansa vor. Am 18. Februar 
lud man die Kaufleute des Stahlhofes vor und erklärte sie 
insgesammt für verbindlich für alle Uebelthaten der Danziger; 
es nützte nichts, wenn die Hansen behaupteten, der Bericht 
der englischen Kaufleute sei voll van Unwahrheiten, oder zur 
Kenntniss brachten, dass kein einziger Danziger momentan unter 
ihnen sei. Man gewährte ihnen nur eine längere Frist, inner- 
halb deren sie sich zu rechtfertigen hatten 3 ). Möglich, dass 
das kräftige Einschreiten Heinrichs VIII. den Zustand in 
Danzig wieder für einige Jahre verbesserte; eine dauernde 
Gewährung der verlangten Rechte vermochte er sicher auch 
nicht durchzusetzen. 

Unter Eduard VI. wogten die Klagen gegen Danzig stärker 
denn je 4 ), und Danzigs constante Weigerung, den Engländern 
volle Reciprocität zu geben, verursachte nicht zum geringsten 
Theil den darauf folgenden Fall des englischen Stahlhofs, wie 
es auch früher Lübecks und damit der Hansa Einfluss hatte 
erschüttern helfen. 



Rückblick. 

Fassen wir die Hauptmomente des dritten Gapitels noch 
einmal zusammen. 

Der Beginn der hansischen Beziehungen zu England zeigt 
gleich einen auffallenden, aber für die ganze Geschichte der Hansa 
charakteristischen Zug. Es ist der Gegensatz zwischen den 
Städten der West- und der Ostsee. Führte auch die Not- 
wendigkeit dazu, im fremden Lande diesen Gegensatz etwas 
zu mildern, ganz war er nie zu unterdrücken, und hier lag 
bereits der Keim der Schwäche. Natürlich war dieses Moment 
von geringer Bedeutung, solange die englischen Könige eine 
fremdenfreundliche Politik einzuhalten ihrem Interesse und dem 
des Landes für erspriesslich erachteten; es konnte den Deut- 



8 ) Nicolas, Proceedings and Ordinances of the Privy Council VI. S. 252. 

*) A. a. 0. S. 801. 

5 ) A. a. 0. VII. S. 308. 

4 ) Sartorius, Gesch. des bans. Bundes III. S. 822. 



— 245 — 

sehen darum leicht gelingen, eine Reihe grosser Privilegien 
sich zu sichern. 

Allein früh brach sich die Opposition gegen die Hansen 
Bahn, das englische BQrgerthum stand hier im Bunde mit 
seinen Herrschern. Die Feindschaft wurde eine ausgesprochene 
und war nicht mehr zu beseitigen, als der Versuch der Eng- 
länder, im Osten eine den Hansen in London ähnliche Stellung 
zu gewinnen, in seinem glänzenden Anfang durch das Ein- 
greifen der mächtigen Städte gestört, und das Gedeihen der 
Colonie verkümmert ward. 

England wehrte sich die ganze erste Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts hindurch; im Innern zerklüftet, war es aber nicht 
im Stande, einen entscheidenden Schlag auszuführen, und 
Eduard IV. musste schliesslich, so schwer es ihm auch wurde, 
die hansischen Freiheiten nicht nur in ihrem vollen Umfange 
wieder herstellen, sondern auch noch erweitern und derart 
festigen, dass noch viele Jahrzehnte nöthig waren, bis dieser 
Wall zerstört wurde. 

Die Elemente begannen aber bereits wirksam zu werden, 
welche den Fall des Stahlhofes bedingten. Der Bund fing an, 
sichtlich zu kranken und an seinen innera Gegensätzen zu 
zerbröckeln , während die ringsumher liegenden Gemeinwesen, 
vor Allem England, sich consolidirten. 

Schon unter Heinrich Vn. müssen die Hansen, ohne dass 
England auch nur einen Tropfen Blutes vergoss, Niederlage 
auf Niederlage erleiden. Keine wirkliche Ausnahmestellung 
von einer Reihe von Gesetzen wird ihnen gewährt, ihr Zwischen- 
handel nach den Niederlanden wird geschmälert und fortwährend 
bedroht, Danzig muss seine Opposition nach 100 Jahren zum 
ersten Male wenigstens theilweise aufgeben, schliesslich durch- 
bricht der König das ganze hansische Handelssystem durch 
das Handelsbündniss, das er mit der Hansestadt Riga schliesst. 

Nur kurze Zeit vermögen die Hansen beim Thronwechsel 
die Gunst Heinrichs VIII. und seiner Minister sich zu erhalten. 
Die Stimmen der Bürger und die neuen Einschränkungen 
Danzigs zwingen die Regierung, gegen die Hansa Stellung zu 
nehmen. Nur die Bedeutung der deutschen Städte bei Lösung 
der dänischen Frage, sowie die Notwendigkeit Englands, pro- 
testantische Bundesgenossen zu suchen, rettete noch trotz der 
wachsenden Erbitterung den deutschen Kaufmann. 

Die ganze Regierungszeit der beiden ersten Tudors er- 
scheint als eine Vorbereitung zum letzten Schlage gegen die 
Hansa, und selbst Heinrichs VIII. Reformation, obwohl noch 
eine Zeit lang der Hansen Schutz, war doch ein Grund mit, 
der auch die Achtung vor dem echt mittelalterlichen Rechte 
der Deutschen in England untergrub und unter Eduard VI. 
und Elisabeth den einheimischen Gewalten den Sieg ermög- 
lichte. 



— 246 — 

Der einst so mächtige deutsche Handel verlor seinen 
letzten Stützpunkt 

Mehr als irgendwo hatte hier die englische Politik für 
eine billige Sache gestritten. So wehmuthsvoll auch des 
Deutschen Herz durch das Sinken der einstigen hansischen 
Grösse gestimmt wird, die Gerechtigkeit erheischt ein Urtheil, 
das gegen die Hansen lautet. Es war unvernünftig, die Gleich- 
stellung mit den Engländern zurückzuweisen, und es war un- 
billig, den letzteren die Reciprocität in den Ostseestädten zu 
versagen. Solche Anomalien liessen sich nur aufrecht erhalten 
durch Gewalt, die der Bund nicht mehr besass und die auch 
ein Wullenwever nicht mehr zu schaffen im Stande war. Das 
nicht erkannt zu haben, war der politische Fehler der Hansa 
im Laufe des 16. Jahrhunderts. 



L 



Viertes Capitel. 

England und die skandinavischen Reiche. 



In dem vorangegangenen Capitel hatten wir bereits Gele- 
genheit, von der Bedeutung der skandinavischen Länder für 
England zu sprechen. Dort wurde hervorgehoben, dass diesen 
Ländergebieten die Natur ihrer Lage die Macht in die Hand 
gegeben, den Verkehr zwischen der Ost- und Westsee zu 
sperren. Die Engländer mussten diesem Umstände Rechnung 
tragen, weil sie ernstlich darnach strebten, in den Ostseege- 
bieten sich festzusetzen. Die Rücksicht auf diese Verbindungs- 
strasse war aber nicht das einzige Motiv, welches die Eng- 
länder veranlasste, mit Dänemark in freundliche Handels- 
beziehungen zu treten. Namentlich war sie nicht entscheidend 
für das erste Auftreten eines englischen Verkehrs mit dem 
skandinavischen Norden. Vielmehr war der Handel mit Däne- 
mark und besonders mit Norwegen um seiner selbst willen 
ursprünglich gesucht. Die nordischen Staaten verhielten sich 
hinsichtlich ihrer industriellen Gesammtentwickelung zu England, 
wie etwa dieses zu den Niederlanden; sie entbehrten in noch 
viel höherem Grade als England eines ausgedehnten selbst- 
ständigen Gewerbebetriebes, besassen aber gleich diesem einen 
grossen Reichthum an Rohproducten. Darunter sind beson- 
ders zu nennen Fische, Fettwaaren (Thran, Wallfischspeck), 
gesalzenes und geräuchertes Fleisch, verschiedene Holzarten, 
sowie Theer, Pech, Asche und Harz. Es waren vielfach die- 
selben Erzeugnisse, die man in Preussen vorfand. Diese Waaren 
dienten als Gegenzahlung für Getreide, das in Norwegen nicht 
blos einen zeitweiligen, sondern einen ständigen Importartikel 
bildete, ferner für Honig, Mehl und Getränke, namentlich Bier 
und Wein, endlich für Industrieproducte aller Art. 

Vor dem 13. Jahrhundert waren die Engländer diejenigen, 
welche unter allen Fremden wohl am zahlreichsten im skandi- 
navischen Norden verkehrten. Umgekehrt kamen auch die 



— 248 — 

Dänen und Norweger fleissig nach England. Die Eroberung 
Englands durch Knut hatte wesentlich dazu beigetragen, die 
beiden Völker auch in commercieller Hinsicht einander zu 
nahem. Der äussern Herrschaft der Dänen in England folgte 
die geistige der Angelsachsen in Skandinavien. Die Cultur 
der letzteren drang namentlich in Norwegen vor, der englische 
Einfluss war daselbst lange massgebend. Engländer brachten den 
Nordleuten das Christentum , Engländer bauten ihre ersten 
Kirchen, englische Handwerker verbreiteten die elementaren 
technischen Kenntnisse und englische Kaufleute organisirten 
den Handel 1 ). 

Für den sich ausdehnenden Verkehr waren Privilegien und 
Handelsverträge die Voraussetzung. Die ersten Freiheiten 
sollen schon von Olaf Kyrre den Engländern ertheilt worden 
sein 2 ). Zur Zeit des Plantagenets Heinrich III. gestand man 
sich gegenseitig freien Handel zu; in Folge dessen brauchten 
die Kauf leute nicht Handelslicenzen zu erwerben 3 ). In dieser 
Periode überwogen noch in Norwegen sowohl der englische 
Kaufmann, als die englische Waare. Das Letztere ersieht man 
deutlich aus dem einen Factum, dass König Hakon, als er er- 
fuhr, dass der vom Papst zu seiner Krönung geschickte Cardinal 
Wilhelm unterwegs sei, sogleich ein Schiff nach England ab- 
gehen liess, um dort einzukaufen, was sich für die Festlich- 
keiten irgendwie nothwendig erweisen könnte 4 ) 

Kurz darauf begann jedoch der Verfall des englischen 
Einflusses. Die Deutschen traten massenhaft in Norwegen auf; 
rasch überholten sie die Engländer; der Reichthum, die Cultur 
der deutschen Seestädte erlangten das Uebergewicht, ihre 
Lage war günstig, die Fülle des Hinterlandes an Getreide 
machte sie den Norwegern bald unentbehrlich; noch unter 
Hakon rückten deutsche Handwerker, wie man sagt, sogar in 
dieselben Quartiere zu Bergen ein, welche früher Engländer 
und Schotten inne gehabt hatten 5 ). Bald wurde auch der eng- 
lische Zwischenhandel von diesem Umschwung berührt. Schon 
1228 musste Heinrich III. gestatten, dass sächsische Kaufleute 
auf norwegischen und mit norwegischer Schiffsmannschaft aus- 

1 )J. Harttung, Norwegen und die deutschen Seestädte bis zum 
Schlüsse des dreizehnten Jahrhunderts. Berlin 1877. S. 5 fg., S. 8 fg. 
Für diese und die folgende Periode ist auch zu vergleichen Lindsay, 
History of merchant shipping and ancient commerce. London lö74. IL 
S. 629. 

2 ) J. Nielsen, Bergen fra de aeldste Tider indtil Nutiden S. 137; 
Harttung, Norwegen S. 14. 

s ) Rymer I. S. 74. Höhlbaum, Hans. Urkundenbuch I. Nr. 
227, Anm. 1 und Nr. 169; Harttung^ Norwegen S. 14. Die speciellen 
Privilegien der Dänen und Norwegen sieh im Liber Custumarum ed. 
Riley. S. 63, 64. 

4 ) Harttung, Norwegen S. 17. 

fl ) Harttung, Norwegen S. 15 fg. 



— 249 — 

gerüsteten Koggen überall an die Küsten seines Reichs, ka- 
men und daselbst frei verkehrten l ). 

Dieser Process, einmal begonnen, machte im Laufe der 
Zeit immer weitere Fortschritte. Die politische Freundschaft 
zwischen den norwegischen Herrschern und den englischen 
Königen im 13. Jahrhundert 2 ) konnte höchstens die Umge- 
staltung verlangsamen, aber nicht verhindern. Man arbeitete 
sogar englischerseits den Hansen, wenn auch vielleicht unbe- 
wusst, kräftig in die Hände, indem man ihnen auch in England 
ausgedehnte Privilegien ertheilte und dadurch den englischen 
wie norwegischen Kaufleuten die Concurrenz erschwerte. Zu 
Anfang des 14. Jahrhunderts konnten die Hansen schon als 
Ziel die alleinige Herrschaft auf dem Markte ins Auge fassen; 
sie dachten darauf, den Handel der Norweger nach deutschen 
Ortschaften zu erdrücken und den englischen Kaufmann all- 
mählich ganz aus Norwegen zu verdrängen. Für letzteren 
Zweck kamen ihnen Zerwürfhisse der norwegischen Könige mit 
der englischen Regierung sehr zu statten 3 ). 

Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts schwankte der Kampf. 
1370 erlangten die Hansen das politische Uebergewicht im 
Norden 4 ). In dieser Periode wurde auch der englische Verkehr 
nach den mehrerwfrhnten Gebieten am schwersten geschädigt. 
Während des zweiten Kriegs der Hansen gegen Waldemar 
hatten die Engländer zwar die Gelegenheit wahrgenommen, um 
in Bergen, wo die Hansen ihren Stapelplatz für Norwegen 
hatten, sich wieder auszubreiten und die Rolle derselben sich 
anzueignen 5 ); aber die Hansen suchten eine solche Stärkung 
des Feindes mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu 
hindern 6 ), und als sie wieder in den Besitz ihrer Rechte und 
Macht gelangt waren, zwangen sie die englischen Kaufleute 
zur Flucht 7 ). Die diplomatischen Verhandlungen der eng- 
lischen Regierung hatten, wie es scheint, keinen nennenswerthen 
Erfolg. 

Mit jedem Jahre verschlechterte sich die Lage der eng- 
lischen Kauffahrer. Der Handel nach den skandinavischen 
Reichen gewann stossweise eine grössere Ausdehnung, so oft 
die Hansen mit den dänischen oder norwegischen Königen sich 
entzweiten, schrumpfte aber jedesmal stärker als vorher zu- 



l ) Höhlbaum, Hans. UrkundenbuchJ. Nr. 227; Harttung, Nor- 
wegen S. 18. 

*) Harttung, Norwegen S. 32 fg., 37 fg., 51 fg., 60 fg., 64 fg. 

8 ) Harttung, Norwegen S. 95, 102. 

*) D. Schäfer, Die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark. 
Hansische Geschichte bis 1376. Jena 1879. 

6 ) Koppmann, Hanserecesse III. Nr. 818. § 1. S. 311. 
*) Schäfer, Hansestädte S. 487, 488. 

7 ) Koppmann, Hanserecesse III. Nr. 318: II. Nr. 89. § 3. S. 104. 
Me Engländer schätzten ihren Schaden auf 10000 Mark. 



— 250 — 

sammen, wenn diese wieder das Feld beherrschten. Nichts 
unterliessen die Hansen, um ihnen den Handel zu verleiden; 
sie steckten ihre Häuser in Brand, nahmen ihre Waaren weg, 
verabredeten unter sich, den Engländern keine Lebensmittel 
oder sonstige Waaren zu verkaufen, schonten selbst ihr Leben 
nicht 1 ). Mögen die Engländer zuweilen auch Anlass zur Ge- 
walttat gegeben haben 2 ), an der systematischen Verfolgung 
von Seite der Hansen kann nicht gezweifelt werden. Dazu 
kamen die Gefahren, welche zur See dem Kauffahrer drohten. 
Die Vitalienbrüder machten mehrere Decennien hindurch die 
Ost* und Nordsee unsicher, überfielen selbst Bergen mehrere 
Male, wobei namentlich die Engländer schwer betroffen wurden 8 ). 
Die Verluste, welche die englischen Kaufleute auf diese Weise 
fortwährend erlitten, standen in keinem Verhältniss zu den 
Gewinnen, und man muss sich in der That wundern über die 
Zähigkeit, mit welcher dieselben den Handel fortzusetzen 
suchten. 

Der Hauptgrund für diese Erscheinung ist wohl darin zu 
suchen, dass man mit der Preisgabe des Verkehrs nach Skan- 
dinavien gewissermassen auch auf den nachPreussen verzichtet 
1 Lütte. Wie wenig die Engländer gesonnen waren, den Kampf- 
platz zu räumen, sieht man unter Anderm daraus, dass Hein- 
rich IV. noch 1408 seinen TJnterthanen, welche mit Dänemark, 
Norwegen und Schweden verkehrten, das Hecht verlieh, sich 
aus ihrer Mitte Vorsteher oder Consuln zu wählen 4 ). Man 
wollte offenbar durch diese Organisation die bedrohte Wider- 
standsfähigkeit der Kaufleute stärken. Auch sonst nahm die 
Regierung die Interessen der letzteren wahr. Im Jahre 1400 
hatte Heinrich IV. wegen der 1390 und 1399 in Bergen gegen 
die Engländer verübten Gewaltthaten sechs in Boston wohn- 
hafte Hansen zur Verantwortung ziehen lassen, und als 1411 
die lynner Kaufleute, welche überhaupt als die Pioniere dieses 

isch - skandinavischen Handels anzusehen sind , abermals 
über Misshandlung in Bergen klagten, zwang Heinrich IV. die 
Hansen in Boston, Sicherheit bis zum Betrag von 2000 Mark 
zu leisten und gab diesen Cautionsschein nicht eher heraus, als 
bis die Vertreter der Hansen in Bergen eidlich versprochen 
hatten, die englischen Kaufleute in Zukunft freundlich behan- 
deln zu wollen 5 ). 



J ) Koppmann, Hanserecesse II. Nr. 41. S. 51; Nr. 89. S. 104; Nr. 
210, S. 244, 245; sieb ferner die Klageschrift der Kauf leute aus Lynn über 
die seit 1890 erlittenen Misshandlungen bei Rymer VIII. S. 701. 

2 ) Vgl. z. B. v. d. Kopp, Hanserecesse I. Nr. 385. S. 801, 302. 

8 ) Koppmann, Hanserecesse IV. Einleitung. Sieh auch v. cL Kopp, 
Zur deutsch-skandinavischen Geschichte des 15. Jahrhunderts. 
Leipzig, 1876. S. 50. 

4 ) Rymer VIII. 8. 511. 

6 ) Rymer VIII. S. 684, 701, 736; sieh auch IX. S. 325. 



— 251 — 

Trotz alledem konnte der englische Verkehr nach diesen 
Gebieten sich nicht recht entwickeln. Im eigentlichen Däne- 
mark bedeutete derselbe ohnehin niemals viel. Auf Schonen 
betheiligten sich zwar die Engländer an dem einträglichen 
Heringsfang und Heringshandel 1 ), aber auch hier hatten die 
Hansen in frühester Zeit das Geschäft in ihre Hände zu bringen 
gewusst 2 ). Mit ihnen war eine Concurrenz unmöglich. Der 
norwegisch-dänische Handelsstand war schon lange ganz ab- 
hängig von ihnen geworden; dänische und norwegische Schiffe 
kamen gar nicht mehr nach England 8 ). Nicht mit Unrecht 
stellt deshalb 1436 der Verfasser des Libell of Englishe 
Policye das Beispiel Dänemarks seinen Landsleuten warnend 
vor Augen: 

In Dänmark gab's wie die Geschichten melden 
Gar wackre Krieger einst und Siegeshelden 
Anch dort, nachdem der Handelsstand zerstört, 
Riss Armuth ein; die Macht hat aufgehört; 
Recht klaglich geht es dort, wie ein Bericht, 
Den jüngst ich las, besagt; sie leugnen's nicht. 
Nehmt euch in Acht, ich kann nichts bessres lehren, 
Als dass euch fremder Schaden mag bekehren 4 ). 

Besonders schädlich für die englischen Kaufleute war die Er- 
hebung Borgens zum einzigen Stapelplatz und die dadurch be- 
dingte Ausschliessung der Engländer vom Handel nach Island. 
Stapelrechte bald grössern bald, geringern Umfangs hatte 
Bergen seit Alters besessen. Die norwegischen Könige waren 
immer bestrebt, den Verkehr nördlich von Bergen den eigenen 
Unterthanen zu sichern 6 ). Die Lage an sich machte diese 
Stadt schon zu einem Emporium geeignet. Doch möchte Allen 
Recht haben, wenn er annimmt, dass der volle Stapelzwang 
erst seit dem 15. Jahrhundert üblich ward 6 ).. Die norwegische^ 
Regierung fand darin ein zweckmässiges Mittel, den Gewalt- 



*) Koppmann, Hanserecesse IL Nr. 210—14. S. 238 fg.; III Nr. 
319. S. 314 fg.; Rymer VII S. 693; Rot. Pari. IL S. 306, 391. 

*) Vgl. auch Schaf er, Die Hansestädte S. 243 fg., 423 fg., 557. 

*) „nul de eux veignount deinz le Roialme d'Engleterre, ne riens ount 
en ycelle u Rot. Pari. IV. 8. 403 (1432). Anders war es noch 100 Jahre 
früher. Rot Pari. I. S. 200. Nr. 56. 

4 ) Hertzbergs Uebereetzung. Vers 474—81. Ucber die damaligen 
Verhältnisse in Dänemark vgl. v. d. Ropp. Zur deutsch-skandinavischen 
Geschichte des 15. Jahrhunderts. Leipzig 1876. 

B )Harttung, Norwegen S. 26, 101. 

*) Allen, De tre nordiske Rigers Historie under HanB, Christiern 
den Anden, Frederik den Forste, Gustav Vasa, Grevefeiden 1497—1536. 
1864 fg. II. S. 132, 133. Damit stimmt überein, Finn Magnusen, Om 
de Engelskes Handel og Foerd paa Island i det 15de Aarhundrede, isoer 
med Hensyn til Columbus's formeentlige Reise dertil i Aaret 1477, og hans 
Beretninger des angaaende. Nordisk Tidskrift for Oldkyndighed 1833 
Bd. IL S. 114. 



— 252 — 

thaten der Kaufleute vorzubeugen und überhaupt den Handel zu 
beaufsichtigen, die Zoll-Erhebungskosten wurden dadurch ver- 
ringert und der Schmuggel beschränkt. Möglich wäre jedoch, 
dass die norwegischen Könige durch Concentration der Fremden 
in Bergen zugleich ein Gegengewicht gegen die Hansen schaffen 
wollten, welche daselbst ihr Contor hatten und wie eigene 
Herren schalteten. 

Als Erich in den dreissiger Jahren des 15. Jahrhunderts 
mit den Hansen verfeindet war, räumte er den Engländern in 
Bergen sogar dieselben Rechte wie den Hansen ein, mit der 
Massgabe, dass sie nicht mehr nach Island handelten *). Diese 
Concession hatte jedoch nicht den erwarteten Erfolg. Die Eng- 
länder richteten nicht, wie sie versprochen, das von den Hansen 
zerstörte Stapel auf, sondern mussten auch bald, namentlich 
nach 1435, den Hansen wieder den Platz räumen *). Bei dem 
nach allen Seiten gefestigten Uebergewicht der letzteren und 
bei der Schwäche der norwegischen Regierung, welche die 
Engländer nicht gegen die Hansen in Bergen schützen konnte, 
war das Verlangen der englischen Kaufleute nach andern 
Orten als nach Bergen handeln zu können, in Folge dessen 
ebenso stark als zuvor. Es war dies besonders der Fall hin- 
sichtlich Islands. 

Seit Island unter die norwegische Herrschaft gekommen 
war, wurde es als eiu sogenanntes Schatzland oder unmittel- 
bares Kronland angesehen. Neben andern Rechten leitete 
daraus der König auch das ab, über den Handel ganz nach 
eigenem Gutdünken bestimmen zu dürfen. Der Handel wurde 
entweder mit des Königs eigenen Schiffen und für eigene 
Rechnung betrieben, oder das Recht zum Handel an einzelne 
Kaufleute verkauft. Weit entfernt, dass der Fremdenverkehr 
seit dem Uebergang Islands unter die norwegische Herrschaft 
erschlossen worden wäre 3 ), suchte diese ihn erst reetyt zu 
binden. Es galt als grosses Verbrechen, wenn ein Fremder 
ohne Erlaubniss nach Island zu kommen wagte. Das Verbot 
durchzuführen, war schwierig, der Reiz, dasselbe zu umgehen, sehr 
gross. Den Isländern waren die fremden Kauf leute willkommen, 
weil sie von diesen im Allgemeinen bessere und billigere Waare 
erhielten, wenn sie kauften, und bessere Preise erzielten, wenn 
sie verkauften, als wenn Alles durch die Hände der Monopol- 
inhaber ging. Die fremden Kaufleute fanden ihr Interesse 



*) „— concedendo dictis Angiitis, quod ipsi ibidem gauderent in Om- 
nibus et per omnia eisdem favoribus, privilegiis et praerogati vis , quibus 
gaudebant ipsi de Hansa." Proclamation v. 1432. Rynfler X. S. 503. 

2 ) v. d. Ropp, Zur deutsch-skandinavischen Geschichte des 15. Jahr 
hunderte. S. 51. 

s ) K. Maurer, Island von seiner ersten Entdeckung bis zum Unter- 
gang des Freistaates. München 1874. S. 421, 431. 



— 253 — 

ebenfalls befriedigt. Sie entzogen sich den Zöllen und sparten 
die Ausgabe für die Licenzerwerbung *). 

Keine Nation betrieb den Schleichhandel in grösserem Mass- 
stabe als die Engländer. In der ersten Zeit waren es haupt- 
sächlich die See- und Kaufleute von Scarborough, welche regel- 
mässige Fahrten dahin unternahmen 2 ). Später, etwa seit 1424, 
wurden solche auch von den Kaufleuten anderer Hafenplätze 
wie Yarmouth, Norwich , London , Boston , insbesondere Bristol 
organisirt d ). Die Isländer waren Käufer fast für Alles. Tuch, 
Mehl, Brod, Wein, Wachs, Gewerbsprodukte jeglicher Art 
waren ihnen genehm 4 )-, als Gegengabe konnten sie ausser 
Thran und Stockfischen den Engländern nicht viel bieten, 
aber Stockfische waren in reicher Fülle vorhanden und nicht 
nur in England 5 ), sondern in ganz Europa sehr gangbar 6 ). 
Zum Theil betrieben die Engländer selbst den Fang an der 
isländischen Küste. 

Die norwegische Regierung hielt aber an der Stapelein- 
richtung fest. Schon das finanzielle Interesse musste dazu 
drängen, da die Einnahmen der Krone durch den Schleich- 
handel sich minderten. Die Könige sahen sich zudem in ihrem 
Bestreben von den Hansen unterstützt, als diese erkannten, 
dass ihnen aus dem Stapel von Bergen nicht Schaden sondern 
Vortheil erwachse 7 ). Lübeck besonders war stets bemüht, die 
Stapelgerechtigkeit in Bergen nach keiner Seite hin, auch nicht 



*) Allen, De tre nordiske Rigers Historie IL S. 131 fg. 
*) Sie gehn und kommen ohne Seegefahr, 

Wie die von Scarborough schon der Fahrten pflogen, 
Die vormals zu den kalten Küsten zogen. 
Libell of Englishe Policye, üebers. v. Hertzberg Vers 803 fg. 
*) — — — — — in Wahrheit treiben 

Von Bristol und manch anderm Küstenort 
Mit Stein und Nadel Schiffahrt sie nach dort 
Seit kurzem erst; es ist das zwölfte Jahr. 

A. a. O.Vers 799 fg., sieh auch Allen, De tre nordiske Rigers Historie ü. 
S. 134; Finn Magnus en, Om de Engelskes Handel etc. S. 113, 114 
fc; 18* fg. 

4 ) 1440 klagt der Bischof von Island, dass es ihm an Brod, Wein, 
Bier und Tuch fehle, und lässt solche Waaren von England kommen. 
Rymer X. S. 762. 

*) Unter Heinrich VIII. musste jedes nach Island gehende Schiff jähr- 
lich eine bestimmte Zahl Fische auch an den Hof abliefern. Brewer, 
Cal. IV. 2220 (1526). 

*) Island giebt weitern Stoff mir nicht zum Schreiben, 

Als von Stockfischen 

Libell of Englishe Policye. üebers. v. Hertzberg Vers 798, 799; 
sieh auch Maurer, Island S. 412 fg., 425 fg. Stockfische vertraten in Is- 
land auch Geldesstelle. Finn Magnus en a. a. 0. S. 147. 

') Allen, De tre nordiske Kiger Historie IL S. 133. 



— 254 — 

von den eigenen Schwesterstädten durchbrechen zu lassen 1 ). 
Schwer fiel auch ins Gewicht die Rücksichtslosigkeit, mit der die 
Engländer den Schleichhandel nach Island trieben. „Es waren in 
der Mehrzahl Leute der schlimmsten Art, ruchlose Gewaltmenschen, 
denen kein Gesetz heilig war, denen ein Mord eine Kleinigkeit 
und fremdes Eigenthum eine gute Prise war. Sie führten sich 
auf wie Seeräuber und waren in vielen Fällen nicht viel besser. 
Die isländischen Jahrbücher sind voll von Berichten über die 
Gewaltsamkeiten, welche die Engländer auf dieser abgelegenen 
und wehrlosen Insel ausübten. Sie plünderten und mordeten, 
raubten Hornvieh und Schafe, entführten bisweilen die Ein- 
wohner mit Gewalt. Bessestadt wurde im Laufe von wenigen 
Jahren viermal von ihnen geplündert. Selbst wenn sie sich 
den Schein des Handels zu geben versuchten, geschah das oft 
in der Weise, dass sie die Einwohner zwangen, ihnen die 
Waaren zu einem Preise zu verkaufen, den sie selbst ansetzten, 
und der weit unter ihrem Werthe war. Auf diese Weise wurde 
der Handel der Engländer auf Island oft eine wahre Plage für 
die Einwohner"*). 

Die englische Regierung begünstigte anfangs den Schleich- 
handel. Als aber die Klagen der norwegischen Könige immer 
heftiger wurden, so dass es einige Male beinahe zum offenen 
Krieg kam, konnte jene nicht länger dem Andrängen wider- 
stehen, zumal die eigene politische Lage oft eine bedenkliche 
war. Als 1415 die norwegische Regierung von neuem zu 
einer Cooperation in dieser Angelegenheit aufforderte, ging 
der englische König Heinrich V., dessen Schwester Philippa 
an den norwegischen König Erich vermählt war, auf die Bitte 
ein und proclamirte auch seinerseits das Verbot des Han- 
dels nach Island 3 ); eine im Parlament eingereichte Gegen- 

*) Es waren besonders Hamburg und Bremen, seit 1479 auch Danzig, 
welche mit königl. Erlaubniss direct nach Island handelten. Lübeck brachte 
die Sache auf den Hansatagen vor, ohne aber etwas auszurichten. Lübecks 
Einfluss war aber gross genug, um in seinen Bestrebungen Unterstützung 
bei dem norwegischen Reichsrath zu finden. 1481 missbilligte dieser die 
Ertheilnng von Handelslicenzen, welche einzelne Städte erlangt hatten, und 
forderte deu Hansabund selbst dazu auf, mitzuwirken, dass der un- 
mittelbare Handel mit Island verhindert werde, der, wie er sich aus- 
drückte, Norwegen und Lübeck gleich schädlich sei. Zwei Jahre später 
wurde sogar in die Handfeste von König Hans die Bestimmune aufgenom- 
men, dass die Hansastädte nicht mehr nach Island fahren dürften. Da 
einzelne Städte nichts desto weniger diese Fahrt fortsetzten, kam ein neues 
Verbot. Auf Lübecks Begehr und nach Berathung mit dem norwegischen 
Reichsrath verbot Christian II. abermals im Jahre 1513, Bergens Hafen zu 
umgehen. Allen, De tre nordiske Rigers Historie IL S. 133, 134, 225. 

2 ) Allen, De tre nordiske Rigers Historie II. S. 135. 

8 ) Das Verbot war zeitlich begrenzt. In demselben heißst es; „quod 
nullus ligeus noster usque ad finem unius anni — ad partes insulares 
regnorum Daciae et Norwegiae et praesertim ad insulam de Island piscandi 
causa seu aliis causis in preiudicium regis regnorum praedictorum accedere 
praesumat aliter, quam antiquitus fieri consuevit. Rymer IX. S. 322. 



— 255 — 

Petition der Fischer wies er zurück x ). 1429 wurde die Pro- 
clamation zu einem Gesetz erhoben 2 ), 1432 die Beobachtung 
des letzteren eingeschärft 8 ), 1434 besonders den Kauf- und 
Seeleuten von Chepstow bei Bristol ans Herz gelegt 4 ), 1444 
dasselbe abermals publicirt 6 ). In den Verträgen verachtete 
man in der Folgezeit darauf, ausdrücklich die stricte und aus- 
nahmslose Einhaltung des Stapels von Bergen zu stipuliren; 
die englischen Kauf leute, die nach Preussen fuhren, konnten fast 
alle Orte in Norwegen besuchen 6 ), aber das Verbot des islän- 
dischen Verkehrs wurde in allen Tractaten ausdrücklich bei- 
behalten 7 ), und die Strafe für Uebertretung im Laufe der Zeit 
noch erhöht. Eduard IV. gestand 1465 zu, dass diejenigen, 
welche, ohne einen Erlaubnissschein vom norwegischen König 
zu haben, nach Island, Helgoland und Finnmarken führen, mit 
dem Verlust ihrer Habe und ihres Lebens den Fehltritt büssen 
sollten 8 ). 

Demnach musste jeder Islandsfahrer zwei kostspielige Li- 
cenzen erwerben, eine vom englischen König, um von der 
Pariamen tsacte entbunden zu werden, und eine vom König 
in Norwegen. Wir besitzen auch Beispiele dafür, dass dies 
wirklich geschah 9 ). Trotz dieser Erschwerungen trat kein 
Stillstand im Verkehr Englands mit Island ein, ja der Libell 
of Englishe Policye berichtet, dass 1436, also sechs Jahre nach 
Erlass der Parlamentsacte und nach zweimaliger Einschärfung 
derselben, soviel Schiffe nach Island gingen, dass sie nicht 
genügende Rückfracht fanden 10 ). Was man sich unter dem 
„soviel" ungefähr zu denken hat, dafür mag als Beleg dienen, 
dass 1419, also zu einer Zeit, wo nach dem genannten Libell 
Bristol und einige andere Orte mit Island noch gar nicht 
verkehrten, bei einem Sturme im Laufe von drei Stunden 
an der isländischen Küste 25 englische Schiffe zu Grunde 
gingen "). 



s ) Rot Pari. IV. S. 79. 

*) Rot. Pari. IV. S. 347; 8Hen. VI. c. 2; die Kaufleute und Fischer 
petitionirten um Aufhebung des Gesetzes; der König versprach sie für den 
Fall, dass die schwebenden Verhandlungen mit Dänemark einen günstigen 
Erfolg hätten. Rot. Pari. IV. S. 378. (1430/31). 

IRymerl S. 503. 

4 ) Nicolas, Proceedings etc. IV. S. 208; Rymer X. S. 578. 

5 J Rymer XI. S. 57. 

«) Rymer XI. S. 273. 

^ Rymer XL S. 267, 551; XU. S. 26, 57, 100, 119. 

*) Rymer XL S. 522. Art. 3. 

9 ) Rymer XI. S. 273, 277. 

la ) Doch jetzt ziehn so viel Schiffe hin : sie machten 

In diesem Jahr Verlust an ihren Frachten. 
Island bot nicht die Fracht, sie vollzuladen 
Für ihre Häfen, und sie litten Schaden. 
Hertzhergs Uebersetzung. Vers 806 fg. 

!1 ) Allen, De tre noraiake Rigers Historie H. S. 134. 



— 256 — 

Die englischen Könige liessen wohl auch sehr bald trotz 
aller offiziellen Zusicherungen wieder eine mildere Praxis 
walten. Sie scheinen wenigstens die Ertheilung ihrer Licenz 
nicht von dem Nachweis abhängig gemacht zu haben, dass der 
norwegische König vorerst seine Erlaubniss gegeben 1 ); das 
hatte zur Folge, dass die Einholung der letzteren häufig unter- 
blieb. Richard III. bot sogar den Islandfahrern den Schutz 
der königl. Schiffe an und hielt nur darauf, dass seine Licenz 
gekauft wurde 2 ). Wenn im Uebrigen die Fahrt wirklich ge- 
lang und ohne Zwischenfall ausgeführt wurde, so war es ihm 
wohl gleichgültig, ob die norwegische Regierung ihre Einwilligung 
gegeben hatte. Erfreulich war ein solcher Zustand nicht. Nur 
zu leicht konnten Verwicklungen daraus entstehen. Ziel der 
englischen Regierung musste sein, den Verkehr mit Island 
und die Fischerei in dem umgebenden Meere zu öffnen. 



Heinrich VII., der dem englischen Handel so vielfach 
neue Grundlagen gab, fasste frühzeitig auch die Neuregelung 
der Handelsbeziehungen zu Dänemark ins Auge. Die nationale 
Regung im Innern der hartbedrängten und sehr zerklüfteten 
skandinavischen Reiche kam ihm als ein günstiges Moment 
entgegen. Bereits 1481 hatten die Reichsräthe aller drei Reiche 
verlangt, dass in Zukunft den Kaufleuten von allen Ländern 
erlaubt sein sollte, nach Bergen oder einem andern Orte des 
Reichs gegen den üblichen Zoll Handel zu treiben, und dass 
der König ohne ihre Zustimmung weder die Privilegien aus- 
ländischer Kaufleute bestätigen noch neue zugestehen möge. 
Mehr denn früher suchte sich dem entsprechend das dänische 
Königshaus von der Vormundschaft und dem Joch der Hansen 
zu emancipiren, und naturgemäss musste sein Blick sich auf 
die Westmächte, namentlich auf Schottland und das sichtlich 
erstarkende England richten. | 

Als 1488 Heinrich VII. bei Johann über die Bedrückungen, 
welche die Deutschen in Bergen sich gegen die Engländer er- 
laubten, ernstliche Klage führen Hess, war es nicht zu verwun- 
dern, wenn dieser ein sehr williges Gehör geschenkt wurde, 
und mit Freuden ging man auf den Wunsch des Tudors ein, 
einen neuen Handelstractat zu schliessen. Die günstige Stim- 
mung benützend, betrieb Heinrich VH. mit allem Eifer die 
Verhandlungen. Am 6. August 1489 war der Boden soweit 
geebnet, dass der englische König dem Dr. jur. Jac. Hutton, 
dem Wappenherold Thom. Benolt und zwei Lynner Kauf leuten 
Joh. Beles und Thom. Carter die Vollmacht zum Abschluss 



*) Rymer XII. S. 94, 180. 

a ) Crairdner, Letten and Papers of Richard III. and Henry VH. 
Vol. IL S. 287. 



— 257 - 

eines Vertrages ertheilen konnte 1 ). Diese, in der Lage, sich 
auf die eben von Heinrich VII. gewährte Allianz stützen zu 
können, brachten auch einen Handelsvertrag zu Stande, der 
die Wünsche Heinrichs in der Hauptsache befriedigte und 
geradezu einen Wendepunkt in den Handelsbeziehungen zwischen 
beiden Reichen und die Grundlage für die Folgezeit bildet. 
Die Artikel dieses wichtigen Tractats sind folgende 2 ) : 

Den Engländern werden alle Privilegien und Freiheiten 
zugesichert, die sie zu irgend einer Zeit im dänischen Reiche 
besessen haben (Art. 3 und 25). 

Der Handel nach den Inseln des Sunds, nach Seeland, 
Dragor und allen andern Theilen des dänischen Reiches ist an 
keine Licenz gebunden (Art. 5); auch in Island ist den Eng- 
ländern der Zutritt gestattet sowohl zum Zwecke des Han- 
dels als auch der^Fischerei 3 ), nur sollen sie von 7 zu 7 Jahren 
beim König von Dänemark um Erneuerung dieses Rechtes 
bitten und damit die königl. Prärogative anerkennen *) (Art. 4). 
Die Engländer geniessen das Recht der meistbegünstigten 
Nation in allen Gebieten des dänischen Königs (Art. 8). 

Es ist ihnen ferner gestattet, zu Bergen in Norwegen, zu 
Lund und Landskrona in Schonen, zu Dragor auf Seeland, zu 
Loysa in Schweden oder irgendwo in Dänemark Grundbesitz zu 
erwerben und darüber ganz nach Belieben zu verfügen (Art. 8). 

Die Engländer dürfen unter sich Gesellschaften errichten 
and Aldermänner erwählen, welche ihre Streitigkeiten schlichten, 
und wer dieser Autorität sich nicht fügt, soll aller Privilegien 
verlustig gehen. Hinsichtlich der Kriminalfälle stehen alle 
Engländer, so lange sie im Königreiche weilen, unter dem be- 
sondern Schutz des dänischen Königs (Art. 9). 



*) Der Befehl, die Gesandten sollten ihre Reise so sehr als möglich 
beschleunigen, zeigt, wie wichtig der gewählte Zeitpunct in den Augen 
Heinrichs VII. war. Sieh den Zahlungsbefehl vom 25. Juli 1489 bei 
Campbell, Materials for a history of Henry VII. Vol. IL Offenbar 
bangt der Wunsch nach Beschleunigung mit den bevorstehenden Verhand- 
lungen mit der Hansa zusammen. Sieh oben S. 187. 

2 )Rymer XII. S. 381 fg. 

3 ) Unverständlich bleibt dem gegenüber eine Stelle bei Rafn, Anti- 
qoitates Americanae sive scriptores septentrionales rerum antecolumbia- 
narura in America. Ed. Societas Regia Antiquariorum Septentrionalium. 
Hamiae 1837. S. 451 : „Hie (J. Cabot) in oppido Angliae Bristol commer- 
cialis mandatarii munere fiinctus anno 1495 transactione cum Danorum 
rege facta Bristoli mercatoribus Islandicae mercaturae partieipationem pro- 
coraverat. Hujus transactionis felix successus Caboto tandem regis Anglie 
Henrici VII Ini fiduciam comparavit, ut hie, Londini et Bristoli mercatorum 
awrilio faltus ei procuraret naves, quibus instruetus expeditionem terras 
caurum versus indagandi causa instituit." Sollte es statt 1495 vielleicht 
1485 heissen müssen? — 1490 erhielten auch Amsterdam und andere hol- 
ländische Städte die Erlaubniss, in Island zu handeln. Handveste der 
Stadt Amsterdam 1748. S. 55. 

*) Auch von dieser Verpflichtung wurden die Engländer von Friedrich IL 
1-VJ5 entbanden. 

S ■* a m , Engl. Handelspolitik. I. * ' 



— 258 — 

Wegen Contracte, die ausserhalb des dänischen Reiches 
geschlossen worden sind, können die englischen Kaufleute in 
Dänemark nicht zur Rechenschaft gezogen werden (Art. 9). 

Es ist den Engländern unbenommen, in Kopenhagen, Malraö 
und Landskrona Agenten und Factoren zu bestellen, und soll 
diesen sogar gestattet sein, die englischen Tücher im Detail 
zu verkaufen, wofern sie nur mindestens ein Jahr lang am 
betreffenden Orte verweilen und den Städten nach Sitte an- 
derer Kaufleute willfahren (Art 12). 

Die liberalste Zollbehandlung wird denen, die nach Däne- 
mark und Norwegen kommen, versprochen (Art. 11); auch 
sollen englische Schiffe, die durch Sturm in den Belt getrieben 
werden, den Weg frei passiren können, nur sollen sie zu Ky- 
borg dieselben Zölle zahlen, die sie zu Cronenborg hätten er- 
legen müssen, wenn sie durch den Sund gefahren wären 1 ); 
entgegenstehende Gesetze haben für sie keine Geltung; die 
Schiffsleute müssen aber durch Eid bekräftigen, dass ein ausser- 
gewöhnlicher Anlass sie gezwungen, diesen Weg zu wählen, 
auch dürfen die Schiffe Nichts ausladen (Art. 6). 

Nur Beamte dänischer und norwegischer Abkunft sollen 
zur Zollerhebung verwendet werden, damit möglichst alle 
Privatrücksichten bei Abwickelung der Zollgeschäfte vermieden 
werden (Art. 14). 

Die englischen Schuldner und Uebelthäter sind nur per- 
sönlich haftbar (Art. 13). 

Stirbt ein Engländer in Dänemark, so darf dessen Ver- 
mögen nicht confiscirt werden (Art. 10). 

Bios vier Artikel finden sich im ganzen Vertrag, die auch 
den Handel der Dänen berühren; der eine betrifft den freien 
Verkehr (Art. 2), der andere die Caution, welche die beider- 
seitigen Schiffe vor dem Auslaufen leisten müssen, auf dass sie 
kein Unrecht verüben wollen (Art. 7); der dritte Punkt be- 
zieht sich auf den Fall des Schiffbruchs, indem die Waaren 
nicht dem Herrscher des Landes anheim fallen sollen (Art 15); 
der 17. Artikel endlich trifft Vorkehrungen gegen die See- 
räuber *). 

Im Besitz dieser Rechte und Freiheiten konnten die Eng- 
länder mit den Hansen den Kampf aufnehmen. Es dürfte 
ihnen auch gelungen sein, ihren Handel in Dänemark und 
Norwegen etwas zu festigen. So oft die Unionskönige mit den 
deutschen Städten im Hader lagen, verstärkten die Engländer 
ihre Position. Die Periode, während welcher nach dem Tode 



') Der sogenannte Sandzoll ist hier gemeint, der in der Zeit von 
1425—29 errichtet worden zu sein scheint D. Schäfer, Zar Frage nach 
der Einführung des Sundzolls. Hans. Geschbl. 1875. S. 31 fg. 

*) Art 18—25 und Art. 16 sind politischer Art und bereits im Friedens- 
vertrag vom 6. Aug. 1489 (Eymer XII. S. 374) enthalten. 



— 259 — 

des schwedischen Regenten Sten Sture (1504) die Schweden 
im Streite aber die Nachfolge von den Hansen unterstützt 
wurden, war für die Engländer jedenfalls vortheilhaft; denn sie 
wurden wie die übrigen Fremden für die Dauer des Zwistes 
von allen Zöllen in den dänischen Häfen befreit. 

Der Verkehr mit Island aber gab trotz des Vertrags noch 
immer Anlass zu Klagen, allerdings weniger den Engländern, 
als den Dänen. Dadurch, dass Jahrzehnte lang der Handel 
nach Island nur auf ungesetzlichem Wege und in gewalt- 
samer Weise möglich gewesen, wurde es schwierig, denselben in 
geordnete und friedliche Bahnen hinüberzuleiten. Die Eng- 
länder geberdeten sich an den schutzlosen und ausgedehnten 
Küsten Islands so rücksichtslos wie zuvor. Hierin ist wohl 
auch der Hauptgrund für die auffallende Erscheinung zu 
suchen, dass trotz des Vertrags, welcher den Handel nach 
Island freigab, Heinrich VH. sich nicht zur Zuiücknahme des 
Gesetzes, welches den Handel dahin verbot, bewegen Hess. 
Er verlangte nach wie vor, dass jeder Islandsfahrer von ihm 
eine Licenz erwerbe 1 ). Mag auch die Neigung des Königs nach 
Gelderwerb dabei nicht einflusslos gewesen sein, entscheidend 
für die Beibehaltung des Licenzensystems war sicher, dass das- 
selbe den König in den Stand setzen sollte, den Verkehr 
einigermassen zu überwachen und die Ansammlung gefähr- 
lichen Gesindels in Island hintanzuhalten. 

Freilich zeigte die Folgezeit, dass auch dieses Mittel nicht 
ausreichte. Seit 1501 tauchten die alten Leiden in immer 
wachsender Menge auf 2 ). Wiederholt, namentlich 1507 und 
in den folgenden Jahren wandte sich Christian IL, der im 
Namen seines Vaters die Regierung in Norwegen übernommen 
hatte, an Heinrich VII., erhielt aber immer die stereotype 
Antwort, er möge die Namen und den Wohnort der Schuldigen 
angeben, so werde man Abhilfe schaffen 8 ). Das war aber eine 
reine Unmöglichkeit, der dänische König konnte die Misse- 
thäter nicht fassen ; wenn sie auch wiederkehrten, so lagen sie 
doch das eine Jahr im Norden, das andere im Süden und 
hatten nie Legitimationspapiere bei sich. Man sieht aber 
daraus, dass Heinrich VH. entweder nicht abhelfen wollte, 
oder, was wahrscheinlicher ist, dass die Licenzenerholung eine 
mangelhafte war, und der König nicht die Namen aller der- 
jenigen kannte, welche nach Island fuhren. 

! ) In den Bot Pat Franc. 21 Hen. VII. m. 2 des R. 0. ist eine 
ganze Reihe solcher Licenzen verzeichnet Die daselbst genannten Schiffe 
hatten meist einen Gehalt von je 60—120 Tonnen. 

*) Gairdner, Letters and Papers of Richard III. and Henry VII. IL 
8.249. 

*) Allen, De tre nordiske Eigers Historie IL S. 136. 



17 < 



j 



- 260 - 

In ein neues Stadium trat diese Angelegenheit unter 
Heinrich VIII. Gleich nach seinem Begierungsantritt hob er 
in Uebereinstimmung mit dem Parlament die mehrerwähnte 
Acte, welche den Handel nach Island verbot, auf 1 ). Es mag 
ein populärer Schritt gewesen sein, die Reihe der Gesetze 
gerade mit diesem eröffnen zu lassen, es unterliegt auch kaum 
einem Zweifel, dass der Verkehr und die Fischerei der Eng- 
länder in Island sich sehr ausdehnte 9 ), .aber ebenso gewiss ist, 
dass die daraus entspringenden Gomplicationen immer umfang- 
reicher werden mussten. Die englische Regierung scheint zu- 
nächst aber diesem Moment keine Bedeutung beigelegt zu haben« 
Auf die Schwäche des dänischen Reichs rechnend gewährte sie 
keinerlei Abhilfe. Die Engländer setzten sich nun sogar im 
Lande fest und erbauten sich ein Blockhaus. Christian II. 
schickte (1510 oder 1511) Hans Rantzow als Befehlshaber nach 
Island und Hess sie daraus vertreiben. Die Engländer flohen 
auf ihre Schiffe, eines wurde ihnen aber genommen, ein. an- 
deres in den Grund gebohrt. Das nächste Jahr erschienen 
die Engländer unter Führung eines gewissen George King aus 
Yarmouth in um so grösserer Zahl und fingen ein dem König 
Christian H. gehöriges Schiff ab, das die vereinnahmten Zoll- 
und Steuerbeträge und eine kostbare Ladung Waaren an Bord 
hatte, ermordeten den Secretär des Königs und 8 — 10 Leute 
von der Mannschaft Die norwegische Regierung berechnete 
den Schaden, den die Engländer auf Island angerichtet 
hatten, auf 10 000 j£ 3 ). Aber auch über andere Schäden und 
Gewalttätigkeiten hatte Christian II. zu klagen. So hatten 
die Engländer ein Schiff weggenommen und geplündert, welches 
der König in Folge eines Gelübdes zu einer Pilgerfahrt nach" 
St. Jago de Compostella in Spanien gesandt hatte, ebenso ein 
anderes, das von dem südwestlichen Frankreich, nämlich von 
Bruvasien, mit Salz, Wein und andern Waaren befrachtet kam, 
und endlich ein drittes, nach Bruvasien gehendes Schiff, an 
dem ausser zwei Kaufleuten von Kopenhagen die vornehmsten 
Männer des Landes, wie Bischof Niels Clausen in Aarhuus, 
Dr. Morten Krabbe, der königl. Hofmarschall Niels Eriksen 
Rosenkrands, die Reichsräthe Predbjöm Podebusk und Mogens 
Giö Eigenthumsantheil hatten, und das sie auch gemeinschaft- 
lich mit Waaren hatten beladen lassen 4 ). 

Der Anfang der Regierung Heinrichs VIH. war somit für 
die englisch-skandinavischen Handelsbeziehungen nichts weniger 

') 1 Hen. Vm. c. 1. 

s i Ein einziger Hafen in Island, Havnerjord, wurde am diese Zeit in 
einem Jahre von 3—400 englischen Handels- und Seeleuten besucht Allen, 
De tre nordiske Rigers Historie IL S. 184; über die Art des englischen 
Verkehrs dahin vgl. 25 Hen. Vin. c. 4. 

»j Allen a. a. 0. H. S. 137. 

4 ) Allen a. a. 0. II. S. 138. 



— 261 — 

als günstig. Christian II. verlangte Entschädigung, hütete sich 
aber in wohlverstandenem Interesse, mit England wegen der 
Zögerang zu brechen. Selbst als 1513 England von den 
Schotten angegriffen und Heinrich VIII. der Allianz gegen 
Frankreich beigetreten war, benützte Christian IL, der nun 
auch den dänischen Thron inne hatte, diese Situation nicht zur 
Repressalie. Dass er grosse Verlegenheiten England hätte 
bereiten können, wenn er auf Frankreichs Seite getreten wäre, 
ist sicher. Dies sieht man auch daraus, dass Papst Leo X. 
ihn dringend ermahnte und bat, England nicht anzugreifen 1 ). 
Dessen bedurfte es nun nicht. Christian IL wusste zu gut, 
dass als etwaiger künftiger Bundesgenosse England besser als 
Frankreich und Schottland war, und um die Gewinnung eines 
starken politischen Freundes handelte es sich ja bei der un- 
sichern Lage in Schweden und der feindlichen Gesinnung der 
Hansestädte. Er war daher nur darauf bedacht, wie er unter 
Benützung der gegebenen Verhältnisse sich die Stütze Englands 
für die Zukunft sichern könnte. Der beste Weg hiezu war, 
das englische und dänische Handelsinteresse möglichst eng zu 
verknüpfen. Jede Kräftigung des dänischen 2 ) und fremden 
Handels war gleichzeitig ein Schritt, die Herrschaft der Hansen 
zu brechen. Man weiss ja, wie Christian U. eben deswegen 
auch Beziehungen zu Russland anknüpfte, mit den Fuggera 
verhandelte, eine skandinavische Handelsgesellschaft gründete, 
Kopenhagen zum Stapelplatz erhob und schliesslich durch Er- 
hebung neuer Zolle und Erhöhung der alten direct in die 
Privilegien der Hansen eingriff 3 ). 

Der Situation entsprechend musste Heinrich VIII. eine 
entgegenkommende Haltung einnehmen. Als Christian IL den 
Thron von Dänemark bestieg (1513), Hess Heinrich VHL ihm 
alsbald durch einen Herold seinen Glückwunsch überbringen 
und die Erneuerung des Bündnisses vorschlagen, das ihre Väter 
zu beiderseitigem Nutzen und Vortheil ihrer Reiche geschlossen 
hätten 4 ). 

Christian IL erklärte sich bereit, das Bündniss zu er- 
neuern und zu befestigen; er machte gleichzeitig eine Reihe 
von Vorschlägen, die, wenn verwirklicht, die englisch-skandi- 
navischen Handelsbeziehungen vollständig umgestaltet hätten. 
Christian II. versprach, die englischen Unterthanen, welche zum 
Oresund kämen, um in Helsingör oder Kopenhagen zu handeln, 
von dem Zoll befreien, sowie überhaupt verschiedene Fesseln, 
die auf dem Handel der Ausländer lagen, beseitigen zu wollen. 

l ) Allen a. a, 0. II. S. 130. 

*) Ueber das aUm&lige Erstarken desselben zu Ende des 15. und Anfang 
des 16. Jahrhunderts sieji Allen, a. a. 0. IV. Abth. I. S. 137, 143. 
•) Allen a. a. 0. IL S. 253 fg., 269 fg.; III. Abth. I. S. 346 fg. 
4 ) Allen a. a. 0. II. S. 130. 



— 262 — 

Dafür verlangte er aber folgende Gegenconcessionen. Hein- 
rich VIII. sollte sich verpflichten, dass er, wenn Lübeck und die 
Ostseestädte wieder den Frieden mit Dänemark brächen, auf 
ihre in England befindlichen Waaren Beschlag legen und ihnen 
für die Dauer des Krieges allen Handel in England verbieten 
werde. Christian U. meinte, die Fürsten hätten ein gemein- 
sames Interesse, gegen die republicanischen Städte zusammen- 
zustehen. Selbst wenn Fürsten nicht Bundesgenossen seien — 
und weit mehr dann, wenn sie es seien — , hätten sie schon 
um ihres königlichen Standes und ihrer königlichen Würde 
willen eine Verpflichtung, sich gegenseitig zu helfen, um diesen 
plebejischen Trotz, der jetzt stärker als je sich geltend mache, 
niederzuhalten. Er werde auch seinerseits jeder Zeit Hein- 
rich VIII. unterstützen, wenn Adel oder Katifmannsstand sich 
gegen ihn aufzulehnen wagten. Feiner sollten die Waaren 
zweier Schiffe, welche er jährlich nach England zu senden 
dachte, frei sein von Zoll und andern Abgaben und den 
von ihm Beauftragten erlaubt werden, Tuch in der Lon- 
doner Tuchhalle einzukaufen. Weiter wünschte Christian IL, 
dass die dänischen Kaufleute in England mit den hansischen 
auf ganz gleichen Fuss gesetzt würden, also dieselben Zoll- 
vergünstigungen und Privilegien erhielten, wie die Stahlhofs- 
kauf leute. Endlich um auch den Streitigkeiten auf Island vor- 
zubeugen und eine von dieser Seite kommende Störung der 
Freundschaft zu verhindern, schlug Christian IL vor, dass 
fortan jeder englische Schiffsführer oder Händler, [der nach 
Island fahre, einen lateinisch abgefassten Pass von seiner Obrig- 
keit bei sich führen müsse. Ueberhaupt solle nur, wer einen 
solchen vorlegen könne, als Engländer betrachtet werden and 
die den Engländern zugestandenen Rechte beanspruchen 
können 1 ). 

Christian II. betraute mit den Unterhandlungen Hans Holm 
und Ditlev Smither. Der erstere war Kaufmann und Schiffs- 
rheder, ein Mann von reichen Erfahrungen und persönlich da- 
bei interessirt, dass die Verhandlungen zu einem glücklichen 
Ende geführt würden. Ditlev Smither, Brabanter von Geburt, 
war Professor der Rechtswissenschaft an der Universität und 
zweimal deren Rector, zugleich geistlicher hoher Würdenträger. 
Wegen seiner Umsicht und seines diplomatischen Geschickes 
wurde er fortwährend von Christian II. zu Sendungen in Staats- 
angelegenheiten benützt *). 

Bis zum Spätsommer 1514 zeigte sich Heinrich VIQ. den 
dänischen Wünschen sehr geneigt. Er entschuldigte die Gewalt- 
taten der englischen Kreuzer, war zum Schadensersatz bereit 
und sandte John Backer nach Dänemark mit Vollmachten zum 



») Allen, De tre nordiske Rigers Historie II. S. 139, 140. 
*) Allen a. a. 0. H. S. 141. 



— 263 — 

Abschluss eines neuen Bündnisses (14. März 1514) 1 ). Am 
17. März 1514 ratificirte er einstweilen den alten Freundschaft^ 
vertrag von 1489 a ); ob der Handelsvertrag darin mit ein- 
begriffen war, ist ungewiss. Sobald aber Heinrich VIII. mit 
Frankreich Frieden geschlossen hatte und Schottland voll- 
ständig niedergeworfen war, hörte auch das Entgegenkommen 
auf. Er fand die Ersatzforderungen nun für übertrieben und 
unbegründet, schob die Schuld auf die Amtsleute des Königs 
und die Isländer, kurz suchte Ausflüchte und zog die Sache in 
die Länge. Ebenso wenig wollte er sich verpflichten, den 
Hansestädten im Falle eines Krieges den Handel in England 
zu verbieten, und auch die zum Besten der Kaufleute vor- 
geschlagenen Veränderungen in den Zollbestimmungen gefielen 
ihm nicht 3 ). So blieb zunächst Alles beim Alten. 

Als Christian H. seine Hoffnungen vereitelt sah, zögerte 
er nicht länger, wenigstens in Island Ordnung zu schaffen. Er 
ernannte einen energischen, kühnen und schnellen Seekrieger, 
den Sören Norby zum Hauptmann in Island und verlieh ihm 
die ausgedehntesten Vollmachten. Um sein Interesse für 
scharfe Wahrnehmung seiner Amtspflichten zu erhöhen, über- 
liess ihm der König den ganzen Zoll als Theil seiner Einnahmen. 
Er war verpflichtet, zwei starke Blockhäuser an den am meisten 
gefährdeten Punkten, das eine auf Vestmanö, das andere auf 
dem Festland in der Nähe von Kongsgaarden zu errichten. 
Es scheint denn auch in der That, dass er während seines 
zwei- oder dreijährigen Aufenthalts die Isländer gegen die 
Gewaltsamkeiten und Erpressungen der Engländer vollständig 
zu schützen vermochte 4 ). 

Als die Schweden von Christian IL abfielen, machte dieser 
einen neuen Versuch, England für sich zu gewinnen. Aber 
Heinrich VIII. weigerte sich nicht nur, irgend welche Hülfe 
gegen die Aufständischen zu versprechen 6 ), sondern that auch 
keinerlei Schritte, um die Handelsbeziehungen zu regeln. Im 
Jahre 1518 schickte Christian II. abermals Hans Holm nach 
England, um die- 1514 abgebrochenen Verhandlungen wegen 
der commerciellen Fragen aufzunehmen. Es wiederholte sich 
das frühere Spiel. Heinrich VIII. hielt Hans Holm mehre 
Monate hin, und wartete nur auf den Ausfall der Unterhand- 
lungen, die sein Kanzler Wolsey zur selben Zeit mit Frank- 
reich führte. Als diese einen günstigen Ausgang nahmen, gab 



*) Allen a. a. 0. IL S. 141, 142. 

*) Brewer, CaL I. 4889. Allen hält die dänische Bestätigung (1515) 
fcr unsicher. IL S. 143. 

^ Allen a. a. 0. IL S. 142, 143. 

*) Allen a. a. 0. IL S. 143, 144. 

5 ) Heinrichs VUL Antwort vom Jahre 1516 ist abgedruckt bei Dahl- 
mann, Geschichte Dänemarks III. S. 393 fg. 



— 264 - 

er eine ablehnende Antwort 1 ). Christian IL wollte natürlich 
in seiner Geldnoth nicht auf die Entschädigungen verzichten, 
Heinrich VIII. war aber nicht geneigt; diese zu leisten, solange 
Dänemark machtlos war. 

Nichtsdestoweniger dürfte es politisch unklug und kurz- 
sichtig gewesen sein, die Wünsche Christians II. so schlecht- 
weg zurückzuweisen. England hätte bei richtiger Benutzung 
der Situation die grössten Vortheile sich verschaffen können. 
Der dänische König, aller Geldmittel entblösst, war damals 
entschlossen, Island an eine fremde Macht zu verpfänden. Den 
Hansestädten Island auszuliefern, konnte nicht Christians II. 
Wunsch sein, er dachte an die nordholländischen Städte und 
England. Beide hatten ja in der That den grössten Verkehr 
nach Island und deshalb das nächste Interesse an seinem Be- 
sitz. Amsterdam war auch geneigt, auf das Anerbieten ein- 
zugehen , aber es war nicht im Stande, allein die Mittel auf- 
zubringen und die Schwesterstädte konnten sich nicht einigen. 
England sollte Hans Holm die Insel nur anbieten, wenn Hein- 
rich VIH. die übrigen von Christian H. gemachten früheren 
Vorschläge in Betreff der commerciellen Angelegenheiten ac- 
ceptire. Diese Voraussetzung trat aber nicht ein. Hätte die 
englische Regierung die günstige Gelegenheit wahrgenommen, 
so wäre sie um 50—100000 Gulden in den Besitz der Insel 
gelangt, und, soweit man das Schicksal verpfändeter Länder 
kennt, Island wäre wahrscheinlich heute noch englisch, ähnlich 
wie die Orkneyinseln auch *). 

Abermals Versuche, an England einen Rückhalt zu ge- 
winnen, machte Christian IL 1521. Er hatte persönlich mit 
Wolsey, als dieser in den Niederlanden mit Kaiser Karl V. 
eine Allianz gegen Frankreich abschloss, unterhandelt 3 ). Auch 
als Christian H. 1523 seine Herrschaft verloren und Dänemark 
verlassen musste, war es wieder England, auf das er seine 
Blicke lenkte. Mehr als eine moralische Unterstützung aber 
war Heinrich VIH. nicht geneigt zu geben. Er beschränkte 
sich darauf, am 13. Juni 1523 einen Vertrag mit Christian IL 
zn bestätigen, wonach alle Streitigkeiten wegen Seeräuberei, 
Fischerei und Handel beigelegt und ein Einverständniss wegen 
gegenseitiger Hilfeleistung erzielt werden sollten 4 ). Am 30. Juni 
wurde der Vertrag von 1490 erneuert 5 ) und 1524 schickte 
Heinrich VIII. Gesandte nach Hamburg 6 ), wo die Wieder- 



J ) Allen, De tre nordiske Rigers historie 11. S. 492, 493. 

>) Allen a. a. 0. IL S.502: III. Abth. 1. S. 113. 

s ) State Papers I. S. 36 fg.; Allen a.a.O. III. Abth. 2. 8. 115 fg. 

*) Brewer, Cal. II. 3101. 

*) Rymer XIII. S. 798. 

e ) Rymer XIV. S. 12. 



— 265 — 

einsetzung Christians IL betrieben wurde 1 ). Der letztere 
scheint noch zu weiteren Goncessionen in Bezug auf den 
Handel bereit gewesen zu sein, für den Fall, dass die eng- 
lische Regierung ihm helfen wollte 8 ). Heinrich VIII. ver- 
weigerte aber nicht nur jeden materiellen Beistand an Schiffen 
und Mannschaft, sondern wies auch die von Christian II. aber- 
mals angebotene Verpfändung von Island zurück, und zwar 
diesmal mit Recht, da Christian U. das Pfand zu besitzen sich 
gar nicht mehr rühmen konnte 8 ). 

Der Wunsch Heinrichs VIII., Christian II. wieder auf dem 
Thron zu sehen, ging nicht in Erfüllung. Friedrich I. blieb 
im Besitze der Macht. Die englische Regierung gab auch 
bald ihre Opposition auf und gewählte ihm die anfangs ver- 
sagte 4 ) Anerkennung 6 ). Friedrich I. aber hütete sich, dem 
englischen Handel irgend welche Schwierigkeiten in den Weg 
zu legen. Hatte er auch im Anfang seiner Regierung nicht 
verhindern können, dass die Hansen, denen er den Thron zu 
danken, in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1528 gegen 
die nichtdeutschen Kaufleute einen Ueberfall ausführten, so 
erkannte er doch sein Interesse zu gut, als dass er später die 
Hansen weiter hätte begünstigen sollen. Er weigerte sich 
nicht nur, die Holländer vom Handel auszuschliessen , sondern 
war ernstlich bemüht, auch die Engländer wieder herbei- 
zuziehen. In einem Brief an Heinrich VIH. sicherte er feier- 
lichst den Engländern ungestörten Handel zu 6 ), und es ist 
kein Grund, weshalb man die Aufrichtigkeit seiner Worte in 
Zweifel ziehen sollte. Englands Freundschaft war bei den un- 
sicheren Zuständen ebenso willkommen als werthvoll. 

Nur Island hätte beinahe wieder das gute Einvernehmen 
ernstlich gestört. Während der inneren Kämpfe in den skandi- 
navischen Reichen konnten die Engländer auf Island ganz nach 
Willkür schalten. Brutaler als je war ihr Benehmen. Sie ver- 
jagten die Dänen von den ergiebigsten Fischplätzen, beraubten 
und bedrängten die Einwohner und zahlten keinen Zoll. 
Schliesslich verlor der dänische Gouverneur die Geduld. Die 
anwesenden Bremer und Hamburger, welche ohnehin wegen 
eines räuberischen Anfalls auf eines ihrer Schiffe erbost waren 7 ), 



x ) Ueber sonstige Unterstützungen des Königs von Dänemark durch 
England vgl. auch Brewer, Cal. IV. 2548. 

*) Brewer, Cal. III. 2773; IV. 748. 

•) Allen a. a. 0. IV. Abth. 2. S. 115, 525. 

4 ) Brewer. Cal. IV. App. 76. 

B ) Lord Calthorpes Ms. Vol. XL fo. 120. 

•) Urk. Beil. 106. „We do permytt and suflre vour subiectes for 
the aundente custome to nave free use and haunte of mercbaundise in 
oar realmes and domynions, and so we doo right hartelie favor and love 
theym. u Vgl. über diese Periode auch Capitel 3. 

7 ) Brewer, Cal. IV. 4740. 



— 266 — 

zu Hilfe rufend, setzte er der Gewalt Gewalt entgegen, es kam 
zum Kampfe, in welchem mehre Engländer ihr Leben ver- 
loren. 

Liess es auch der dänische König bei einer ernsten Vor- 
stellung bewenden ! ), so musste sich doch ein etwas gespanntes 
Verhältniss entwickeln, da in Folge der fortwährenden Un- 
ruhen und Kriege in und um Dänemark, schwer zu vermeiden 
war, dass auch die neutralen Engländer bei ihren Fahrten in 
dem Sund Unbilden erlitten. 1535 schickten die englischen 
Kaufleute, die auf der Reise nach Danzig und auf ihrer Rück- 
kehr um ihr Eigenthum kamen und gefangen gehalten wurden, 
einen grossen Beschwerdebrief nach London, der auch Hein- 
rich VIEL veranlasste, diplomatische Verhandlungen einzuleiten 2 ). 
Christian III. , der nun den Thron inne hatte, stellte Hein- 
rich VIII. nicht nur in dieser Sache zufrieden, sondern an- 
erkannte auch die früheren Handelsfreiheiten der Engländer, 
soweit der Kriegszustand es zuliess. Der englische Gesandte 
George Everat, der an den dänischen Hof abgeschickt wurde, 
erhielt nämlich die bestimmte Zusicherung , dass der freien 
Fahrt der Engländer durch Sund, Skagerak und Belt, sowie 
ihrem Handel nach Lübeck nichts im Wege stehe, wofern sie 
kein Korn und keiner anderen Leute Güter, sondern nur die 
ihrigen führen, feiner zu Elsenor, wo die Zölle zu zahlen 
waren, Sicherheit geben wollten, dass sie Nichts in das kaiser- 
liche Gebiet, sondern Alles nur nach England , Schottland und 
Cleveland bringen würden 8 ). 

So ward der englische Handel immer bevorzugt, und es 
ist sicher anzunehmen, dass derselbe, soweit Dänemark in 
Betracht kam, unter Heinrich VIII. zu einer nicht unbedeu- 
tenden Entwicklung gelangte 4 ). 

Nach Heinrichs VIH. Tode wurde die Freundschaft zwischen 
England und Dänemark noch inniger. Als Eduard VI. den eng- 
lischen Thron bestiegen, bat Christian HI. um Fortsetzung des 
guten Einverständnisses und sichelte den englischen Kaufleuten 
eine liberale und freundliche Behandlung zu 6 ). Es ist bekannt, 
wie man damals sogar verschiedene Heirathsprojecte ins Auge 



*) Urk. Beil. 106. Friedrich I. entschuldigt seinen Gouverneur und 
bittet, den Hamburgern und Bremern ihre Beihilfe nicht entgelten zu lassen, 
betont aber auch, dass er bei aller freundschaftlichen Gesinnung gegen Eng- 
land Acte brutaler Unterdrückung nicht dulden könne. 

*) Urk. Beil. 108. 

*) State Papers DL S. 502—5. Dauernd wurden die Handels- 
beziehungen wohl erst wieder 1543 geordnet, als Watson und Eduard in 
Dänemark im Auftrag ihres Herrn wegen des Durchgangs durch den Sund 
mit dem dänischen Könige verhandelten. Die Mission beider in dieser An- 
gelegenheit ist erwähnt Br. M. Cotton Ms. Nero B. III. fo. 136. 

*) 1535 waren 13 Handelsschiffe zu gleicher Zeit in Dänemark. Urk. 
Beil. 10a 

*) Urk. Beil. 109. 



— 267 — 

fasste, um die Dynastien einander näher zu bringen, und dass 
die in den Zeiten der Tudors angebahnte Freundschaft zwischen 
den beiden Reichen bis in unsere Tage sich erhalten hat. 



Unsere bisherige Darstellung hatte immer nur Norwegen 
und Dänemark zum Gegenstande. Es erübrigt, mit einigen 
Worten noch Schwedens zu gedenken. 

In handelspolitischer Beziehung hatte Schweden für die 
Periode, deren Betrachtung wir uns zum Vorwurf gemacht 
haben, ausserordentlich geringe Bedeutung. Der Handel 
zwischen beiden Ländern war so schwach, dass sich kein 
Vertragsverhältniss herausgebildet hatte. Im Laufe des ganzen 
15. Jahrhunderts wurde derselbe noch auf Grund von Special- 
licenzen geführt 1 ). Auch dann, als Schweden aus der calmari- 
schen Union sich herauslöste und zu eigener politischer Selbst- 
ständigkeit gelangte, war noch einige Zeit lang kein Platz 
für engere handelspolitische Beziehungen. 1536—45 war der 
Haupthandel in den Händen der Lübecker; erst nach dieser 
Zeit gelang es, das commercielle Joch derselben abzuschütteln, 
nachdem ihr politisches schon früher beseitigt war. 

1545 forderte G. Wasa die schwedischen Kaufleute auf, 
Schiffe für das atlantische Meer zu befrachten und ging selbst 
mit seinem Beispiel voran, indem er zwei Fahrzeuge nach 
Holland und Lissabon ausschickte. Im Jahre 1548 verbot er 
den Handel mit Lübeck ganz und gar, 1550 erfolgte auf sein 
Betreiben eine Uebereinkunft der Städte, keinen Handel mit 
Lübeck zu unterhalten. Damit war den Engländern wie an- 
dern Nationen der Markt eröffnet Tegel sagt: „Nach diesem 
Beschluss begannen Bürger und Kaufleute hier im Reiche ihre 
Schiffahrten nach Frankreich, Spanien, England und in die 
Niederlande und besuchten nicht mehr so viel wie früher die 
Städte an der Ostsee, dieweil sie grossen Vortheil hatten, dass 
sie westwärts ausländische Waaren von der ersten Hand kaufen 
konnten, welche die in Lübeck und anderen Städten an der 
Ostsee aus der dritten und vierten kaufen mussten. tt 

Von da an datiren die eigentlich ersten directen Verbin- 
dungen mit England. Dass der Schiffahrts- und Handels- 
verkehr ein gegenseitiger und nicht, wie es nach Tegel 
scheinen könnte, ausschliesslich in den Händen der Schweden 
war, davon zeugt der Handelsvertrag, der zwischen Schweden 
und England 1551 zum Abschluss gelangte '). 

x ) Vgl. die Erwirkung eines 'Schutebriefes von Heinrich VI. durch 
Karl qua König von Schweden, als 1455 ein schwedisches Schiff nach Eng- 
land kommen wollte, um schwedische Waaren zu verkaufen. Bymer XI. 
S. 364. 

*) Geyer, Geschichte Schwedens II. 8. 120 u. 121. 



Fttnftes Oapitel. 

England und Spanien. 



A\ ir haben die handelspolitischen Beziehungen Englands 
zu den nördlichen und südlichen Ländern des europäischen 
Continents abgeschlossen, und es erübrigt uns nur noch, den 
dazwischen liegenden Staaten Spanien, Portugal und Frank- 
reich unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir beginnen mit 
Spanien. 

Der Anfang eines regelmässigen Verkehrs zwischen Spanien 
und England fällt wahrscheinlich in die letzte Hälfte des 12. 
oder in den Beginn des 13. Jahrhunderts. Die Initiative 
ging von dem entwickelteren Volke aus, und das war un- 
streitig Spanien, wo die maurische Industrie in ihrer schönsten 
Blüthe stand, und gleichzeitig die Catalonier namentlich die 
Barcelonesen durch ihre Seetüchtigkeit, die Ausdehnung ihrer 
Schifffahrt und die Grösse ihres Handels ausgezeichnet waren. 
Barcelona, das gleich Venedig mit der Berberei, Aegypten und 
Syrien verkehrte 1 ), gebührt wohl auch das Verdienst, die 
ersten Bande mit England geknüpft zu haben. Die Zeugnisse 
aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts weisen alle darauf hin, 
dass sein Verkehr nach England schon ziemlich lange bestanden 
haben muss. Die Kaufleute aus Barcelona besitzen zu London 
ihre eigenen Banken, 1303 werden Catalonier zu Schieds- 
richtern berufen, 1303 und 1328 wird ihrer in den Privilegien- 
briefen der Fremden gedacht 2 ), 1333 von ihrer Beraubung 

*) Ausser Capm|anv, Memorias historicas sobre la marina comercio 
y artes de la antiqua cradad de Barcellona. Madrid 1779 — 92. 4 YoL und 
H. Schäfer, Geschichte von Spanien m. S. 397 fg. ist jetzt zu vgl. 
Heyd, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter L S. 359 fe., 465 fg., 
521 fg.; K. S. 35 fg., 290 fe. 

*) So auch am 28.0ct. 1331, als Eduard IR die in der allg. Charte von 
Eduard L gewährten Privilegien bestätigte, insoweit die spanischen Kauf- 



— 269 — 

durch die Engländer erzählt. Dass sie feste Niederlassungen 
in mehren Häfen Englands besassen, und dass sie unter den 
Wollexporteuren eine hervorragende Stellung einnahmen 1 ), 
steht ausser allem Zweifel 8 ). 

Neben Catalonien und Aragonien war aber auch Gastilien 
frühzeitig bemüht, einen Antheil am Handel nach England sich 
zu sichern. Seine Lage weist ohnehin mehr nach dem Norden, 
und es ist nicht unwahrscheinlich, dass, wie behauptet wird 5 ), 
die Gastilianer früher nach England als nach den mittelländi- 
schen Seehäfen handelten. Entscheidend für Gastilien wurde 
die Vermählung Eleonores von Castilien mit Eduard L; auf 
ihre Bitten werden die „mercatores regis Hispaniae" d. h. Casti- 
lianer zugelassen (1267), und damit ihnen das Land geöffnet 4 ). 

Reger musste der Verkehr zu Castilien sich gestalten, seit 
England durch den Erwerb von Gascogne und Guienne gewiser- 
massen sein Nachbar geworden 5 ). Der schwarze Prinz hätte 
gerne, als er in Bordeaux seine Residenz aufsehlug, Biscaya 
mit seinen französischen Landein vereinigt 6 ). Fand dieser 
Plan auch keine Verwirklichung, so ward doch damals der 
Grund zu einer engeren Handelsverbindung mit den Nachbar- 
gebieten gelegt. In dem zunächst auf 20 Jahre geschlossenen 
Vertrag vom 1. Aug. 1351 gestand man sich gegenseitige Be- 
schützung der Kaufleute, freien Verkehr mit Waaren jeglicher 
Herkunft, rasche Bestrafung etwaiger Uebelthäter und un- 
gehinderte Fischerei zu 7 ). 

Die Beziehungen wurden im 15. Jahrhundert eifrigst fort- 
gesetzt 8 ). Der englische König Eduard IV. war besonders auf 



leate von dem städtischen Pflaster-, Mauer- und Brückengeld frei sein 
sollten. Delpit, Collection'gänerale des documents Francais, qui se trouvent 
en Angleterre. Paris 1847. Nr. 117. S. 61 u. 62. 

s ) Dies erhellt ans ihrer Ausnahmestellung in Bezug auf das Stapel 
(2 Rieh. n. Stat 1. c 3 1378 etc.), sowie aus dem Gesetz , das die bare. 
Municipalbehörde noch 1438 erliess, um für die feineren Manufacte die 
Vermischung der guten englischen Wolle mit anderer zu verhindern 
(Macpherson, Annais of Commerce I. S. 654). 

*) Ueber den Verkehr der Barcelonesen nach dem Norden vgl. Gap- 
many a. a. 0. HL S. 193 fg. 

*) Beer, Geschichte des Handels I. S. 218. 

*) Vgl den urkundlichen Beleg bei Pauli. Geschichte Englands m. 
S. 845 u. Anm. 3. Wie sich Spanier, wohl Castilier. über unbilliges Wägen 
in 8outhampton beschweren (1290), sieh Bot Pari. I. S. 47. 

*) Vgl. Rymer ID. S. 79. 170. 894. 561; IV. S. 118. 768. 839. 

9 ) Ranke, Engl. Gesch. I. S. 95. 

Ti Rymer V. S. 717. Den Anlass zum Tractat gab ein vorangegan- 
gener Zwist, der in Folge des Uebermuths der castilianischen Handelsmarine 
entstanden war a. a. 0. V. S. 556 u. 679. 

•) Vgl. Rymer VIII. S. 617. 1418 gewahrte Alphons von Aragonien 
den englischen Kaufleuten auf 3 Jahre Geleit (Rymer IX. S. 663). Daraus 
moss man schliessen, dass dieselben, jedenfaus aber von Südfrankreich 
aus und zu Land, auch nach Barcelona kamen. Zur See besuchten 
sie selbst gegen Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts 



— 270 - 

ein gutes Einvernehmen mit dem castilischen Herrscher be- 
dacht und schloss am 6. August 1466 mit König Heinrich nicht 
nur einen allgemeinen Freundschaftsvertrag, sondern stellte 
die castilianischen Kaufleute ganz seinen eigenen Unterthanen 
gleich 1 ), wofür auch in Castilien den englischen Kaufleuten 
Aehnliches gewährt wurde *). Die Bemühungen Eduards IV., 
seine Tochter Katharina dem castilianischen Thronfolger an- 
zutrauen und dadurch die Handels- und Freundschaftsbande 
enger zu knüpfen 8 ), führten zu keinem Abschluss. Dies war 
wohl auch der Grund, weshalb sich Eduard IV. hütete, in den 
folgenden Handelsverträgen, unter denen besonders ein mit 
den Bewohnern der Provinz von Guipuscoa, zum grössern 
Schutz der Kauffahrer, geschlossener Tractat hervorgehoben zu 
werden verdient 4 ), diese Gleichstellung der spanischen Kauf- 
leute mit den einheimischen ausdrücklich zn wiederholen 5 ). 

Hinsichtlich der Waaren, die die Grundlage des Verkehrs 
zwischen England und Spanien bildeten, ist, soweit das 15. Jahr- 
hundert in Betracht kommt, vor Allem auf den Libell of Eng- 
lishe Policye 6 ) zu verweisen: 

Ihr, die ihr's wissen wollt, mögt jetzt erfahren, 
Was aas Hispanien an brauchbaren Waaren 
Zorn Handel kommt. Es sind dem Lande eigen 
Rosinen, Datteln. Bastardwein and Feigen, 
Sevilla-Oel, Süssholz zu bürgen Preisen, 
Castü'sche weisse Seife, Wachs und Eisen 7 ), 



Barcelona so gnt wie nicht Capmany, Memorias etc. IV. S. 49 App. Nr. 8 
nennt nur einen Engländer, W. Brous, der während des ganzen Zeitraums 
von 1497 — 1537 im Jahre 1535 von England kommend in Barcelona einlief. 

1 )j,~ pertractentur et habeantur (sc mercatores Cast.) vere et sine 
aliqoa actione quoad hospitationem solutionemqae consuetudinem custa- 
maram et juriam quorumcumaae et caetera omnia quaecumque proinde in 
omnibus et per omnia, ac si essent originarii et subditi nostri 
proprii et naturales, juribus libertatibas, privilegiis et consaetadinibas 
oppiais, viUis, uniTersitatibas, collegiis et societatibus quibuscumque retro- 
actis temporibos concessis seu competentibus in omnibus salvis." Rymer XL 
8. 569. 

*) Rymer XL S. 587. 10. Sept. 1467. 

») Rymer XIL 8. 110 u. 147. Vgl auch Rymer XIL S. 86. 42. 

*) Rymer XIL S. 148 u. 193 (198). 

*) Tnats&chlich wurde aber das froher Bewilligte gehalten. Auch 
Richard UL liess keine Aenderong eintreten. Rot ParL Vi. 8. 238. 

•) V. 50—58. Hertzbergs Uebersetzong. 

*) Dasselbe wurde in den Gebirgsbezirken gewonnen and verarbeitet 
and ging so stark nach England ab, dass zu Zeiten Heinrichs YIL der 
Eisenpreis in England für den in Spanien massgebend war (vgl. den Brief 
eines Lagerhalters in Tortosa an den Agenten des Diego de Soria in Lon- 
don 1495 in Bergenroths GaL 1. 117). Weshalb das spanische Eisen so 
hoch geschätzt wurde, darüber gibt ans der merkwürdige dem Herzog Karl 
Ton Orleans zugeschriebene and zwischen 1458—1461 verfasste Dialog „Le 
De~bat des heraolx d'armes de France et d'Engleterre" Aufschluss. Der 
französische Herold sagt: „You have iron in England and we have abun- 
dance of it in France; but the best iron that there is for shipbuilding is 
the iron of Biscay of Spain, since it bends and does not easily break. 



— 271 — 

Korn, Wolle 1 ), Fries, Ziegen und Lammsfell auch, 
Für Laschenmacher trefflich zum Gebrauch, 
Quecksilber 8 ), Schwefel. 

Ausserdem kamen, solange Barcelona mit Venedig noch 
concumren konnte, von Spanien aus die bekannten orientali- 
schen Waaren und Früchte nach England, später im 16. Jahr- 
hundert auch amerikanische Producte. Die Bückfracht bestand 
aus den oft erwähnten Stapelartikeln, namentlich aus Tuch 3 ). 

Ueber die Grösse des Verkehrs ist eine genaue Angabe 
unmöglich; auch das lässt sich nicht feststellen, ob er mehr 
in den Händen der Engländer oder Spanier war 4 ). Soviel ist 
aber sicher, dass gegen Anfang der dreissiger Jahre des 
16. Jahrhunderts die gesammte jährliche englische Ein- und 
Ausfuhr den Werth von 428 571 Ducaten nicht überstieg 6 ). 
Auch scheint der Gang der Entwicklung der Art gewesen zu 



Now we dwell near Biscay and are allies of the king of Spain, so we can 
procure it readily and cheaply. But for your part you cannot procure it 
except by meanes of safe conduct and with great aifficulty." H. Pyne, 
England and France in the fifteenth Century 1870. S. 52. Im 13. Jahr- 
hundert bezog man einen Theil Eisen aus der Normandie. Le domesday 
de Gippewyz bei Tr. Twiss, The black book of the admiralty II. S. 191. 

x ) In Betreff der spanischen Wolle verweise ich auf S. 63. Dass die 
spanische Wolle im 14. Jahrhundert in England verarbeitet wurde, darüber 
haben wir ein|Zeugniss an der Ordinance of the tapicers von 1331, wo ge- 
sagt wird, dass man in der Gilde nur gute englische und spanische Wolle 
verarbeiten dürfe. Riley, Memorials. S. 179. Sieh auch Li b er Albus 
ei Riley S. 125, 423. 

*) Sehr interessante und werth volle Angaben über die Ausbeutung und 
den Ertrag des spanischen Quecksilbergruben sind enthalten in dem Brief 
des Bon Martin de Saunas an den König von Böhmen und Ungarn vom 
19. Aug. 1527. Gayangos, Cal. HL Pars II. S. 160. 

*) Die Parlamentsacte 32 Hen. VIII. 14 bestimmt, dass für je 5 Tonnen 
Waaren ein Pack von 15 breiten Wollentüchern frachtfrei nach Spanien 
verschifft werden müsse. Im Uebrigen gewährt dieses Gesetz für die Art 
der Waaren keine Ausbeute, wohl aber hinsichtlich der Haupthafen, die 
von den Englandern besucht wurden. 

4 ) Nach dem Libell of Engl. Pol. könnte es scheinen, als ob aller Ver- 
kehr über Flandern gegangen wäre (Vers 59 fg.). Allein dem widersprechen 
2a viele Zeugnisse. Dass namentlich die Spanier im 15. Jahrhundert nicht 
blos nach Brügge, sondern auch nach Sandwich, Dartmouth, Southampton, 
Fowey u. s. w. kamen, dafür vgl. nur Rymer XI. S. 671. 720. 767; ferner 
die zahlreichen Licenzen bei Bergenroth, Cal. I. passim; vgl. S.272N.1. 

*) Im Jahre 1545 gaben die Engländer zu Bourburg (vgl. Urk.Beil. 44) 
an, dass seit 1528 ihre Schiffe und Waaren 1% Zoll zahlen müssten, was 
in 7 Jahren 30 000 Ducaten betragen habe. Auf Grund dieser Angabe ist 
die Zahl im Texte berechnet. Selbstverständlich darf dieselbe nur als eine 
Grenzsumme angesehen werden. Aus 2 Gründen ist die Zahl zu hoch, ein- 
mal weil auch die Schiffe, die aus Italien und dem Orient kamen, diesem Zoll 
unterworfen worden sein sollen, sodann weil die Kaufleute in ihren Beschwer- 
den regelmässig den erlittenen Schaden zu übertreiben pflegten. Einigen 
Anhalt gewähren auch die erhaltenen Notizen über erlittene Beschädigungen. 
So wurde der Schaden der Kauf leute von Guipuscoa für 1472 auf 5000 Kro- 
nen, und von Beginn 1473 bis 28. Mai auf 6000 Kronen (1 Krone = 3 sh 4d) 
geschätzt (Rymer XL S. 841). Vgl. ferner Rymer XL S. 671. 



— 272 — 

sein, dass der englisch - spanische Handel allmählich mehr von 
den Engländern als Spaniern geführt wurde. 

Heinrich VH. hatte grösseres Glück als Eduard IV. in 
Bezug auf eine Verschwägerung der englischen und spanischen 
Dynastie. Heinrichs und Ferdinands Geistesrichtung war eine 
so ähnliche, ihre allgemeinen Ziele deckten sich so wunderbar, 
die moralische Stütze, die sich beide Reiche durch einen engern 
Bund gewähren konnten, war so gross, dass die beiden Mo- 
narchen bereits 1489 sich über einen Allianz- und Heiraths- 
vertrag zu verständigen vermochten. 

Dieser Tractat enthielt auch vier auf den Handel bezüg- 
liche Artikel: Die Unterthanen der contrahirenden Parteien 
dürfen in den beiderseitigen Gebieten frei, d. h. ohne speciellen 
Geleitsbrief verkehren l ) und sollen ganz auf dem nämlichen 
Fusse wie die Bürger desjenigen Landes behandelt werden, in 
welchem sie sich gerade aufhalten. Die Zölle und Privilegien 
sollen gelten, wie sie in Friedenszeiten vor 30 Jahren waren 
(Art. 1). Alle Kaperbriefe sind zu widerrufen. Die auslaufen- 
den Schiffe müssen Sicherheit bis zum doppelten Werthbetrage 
des Schiffes und seiner Ladung geben. Die etwa Geschädigten 
sollen aus der genannten Sicherheitssumme befriedigt werden. 
Wird dies Recht verweigert, so muss der König der geschädigten 
Partei zweimal Abhilfe vom andern Souverän verlangen (Art. 13). 
Im Fall einem geschädigten Unterthan trotz seiner Bitte keine 
Abhilfe zu Theil wird, können Kaperbriefe ausgegeben werden 
(Art. 15). Verletzungen und Zuwiderhandlungen, welche ein- 
zelne Unterthanen begehen, können den Vertrag nicht auf- 
lösen (Art. 14) 2 ). 

Der Kernpunkt lag in Artikel 1. Es stellte sich bald 
heraus, dass er eine Falle für die Spanier war. Zuerst er- 
klärte die englische Regierung, dass nur die Unterthanen der 
Krone Castüien die im Vertrag gewährten Rechte zu geniessen 
hätten, dann, als Ferdinand gegen diese Auslegung Protest 
einlegte s ), benützte Heinrich VII. die Klausel mit den 30 Jahren, 
entzog den Spaniern alle Privilegien und erhöhte noch den 
Zoll 4 ). Der König konnte nachweisen, dass vor 30 Jahren die 
spanischen Kaufleute höhere Zölle zahlten 5 ). Er hatte zudem 

*) Eigentümlich muss es erscheinen, wenn gegenüber dieser Bestim- 
mung so viele Licenzen und Geleitsbriefe an die spanischen Kaufleute bis 
ins Jahr 1494 hinein ertheilt wurden (vgl. Bergenroth, CaL I. 50. 48. 
65. 76. 84. 87. 88 u. s. w.). Entweder waren die spanischen Kaufleute sehr 
misstrauisch oder Bergenroth hat wesentliche Bestimmungen der Licenzen 
übersehen. 

*j Bymer XII. S. 421 fg. Der Vertrag wurde erneuert 8. März 1493. 
a. a. 0*517. Bergenroth, Cal. 1. 20 u. 34. 

n ) Ferdinand an Heinrich VII. 27. Mai 1489. Bergenroth, Cal. I. 8.37. 

4 ) Bergenroth, Cal. I. 107. 

*) Vor 30 Jahren zahlten nämlich die Spanier Fremdenzölle, seit 
5 Ed. IV. (1466) aber blos die Zölle der Einheimischen. 



- 273 — 

die Vorsicht gebraucht, im Gegensatz zu Richard III. in der 
Bewilligung der Waaren-Subsidie durch das Parlament über 
die Rechte der Spanier mit Stillschweigen hinwegzugehen, so 
dass er auch gesetzlich ihnen gegenüber nicht gebunden war *). 

Es war vergeblich, wenn Ferdinand und Isabella bedeu- 
teten, die Intention beim Abschluss des Vertrags sei nicht die 
gewesen, die Zölle zu erhöhen, sondern zu erniedrigen, und sie 
hätten denselben nur bestätigt, weil sie der festen Ueber- 
zeugung gewesen, dass alle Auflagen während der letzten 
Bürgerkriege gestiegen seien *). Ebenso fruchteten die Vor- 
stellungen des Gesandten Dr. de Puebla 8 ) nichts 4 ). Selbst 
bei der Erneuerung des Allianz- und Heirathsvertrages ver- 
mochte die spanische Regierung keine Aenderung durch- 
zusetzen 6 ). Heinrich VII. behauptete rundweg, die spanischen 
Kaufleute hätten überhaupt nie die von ihnen jetzt beanspruchten 
Privilegien besessen, und die letzteren seien ihnen auch nicht 
durch den Vertrag eingeräumt worden, welchen König Edu- 
ard IV. kurz vor seinem Tode geschlossen habe 6 ). 

Als die spanische Regierung Heinrichs VH. Hartnäckig- 
keit 7 ) gewahrte, so dachte sie durch Androhung eines Retorsions- 
zolls ein grösseres Entgegenkommen von Seite des Königs zu 
erzwingen. De Puebla erhielt Auftrag, bei den neuen politi- 
schen Verträgen in einem Separatinstrument zu stipuliren, dass 
man von englischer Seite es nicht als einen Bruch der politi- 
schen Freundschaft ansehen dürfe, wenn Spanien gleich hohe 
Zölle für die Engländer festsetze 8 ). 

Diese Drohung hatte wenigstens soweit Erfolg, dass Hein- 
rich VIT. das Versprechen gab, alle neuen Lasten des spanischen 



«)Rot Pari. VI. S. 238, 270. 

s ) Ferd. u. Isab. an Diego de Guevara und Dr. de Puebla. Jan. 1490. 
Bergenroth, Cal. I. 41. 

*) Ueber diesen sieh E. Fischer, Geschichte der auswärtigen Politik 
und Diplomatie im Reformationszeitalter S. 159. 

4 ) Bergenroth, Cal. I. 93. 

8 ) Art 1. Rymer XII. S. 517. 

€ ) Heinrich VÜ. an F«rd. u. Isab. 1495. Bergenroth, Cal. I. 94. 
Nicht nur hier, sondern auch in einem andern Briefe (vgl. Bergenroth, 
tal. I. 17) erwähnt Heinrich VII. den Vertrag Eduards IV. An letzter Stelle 
bebt Heinrich VII. hervor, dass er durch die Eaufleute von Bristol Kennt- 
niss von diesem 21 Edw. IV. auf 10 Jahre geschlossenen Tractat erhalten 
habe. Soweit die zeitlichen Bestimmungen in Betracht kommen, könnte 
der Vertrag mit den Bewohnern von Guipuscoa gemeint sein, dem wider- 
spricht aber die Behauptung Heinrichs VII., durch den Vertrag Eduards IV. 
seien die Engländer berechtigt, in alle Theile Spaniens Handel zu treiben 
(Bergenroth, Cal. 1. 17). Man wird deshalb auf die Vermuthung geführt, 
dass noch ein Vertrag zwischen Spanien und England aus dieser Zeit 
existirt 

*) Vgl. auch den Brief Ferdinands und Isabellas an Dr. de Puebla v. 
30. Jan. 1496. Bergenroth, Cal. I. 121. 

, •) Isabella an de Puebla 12. Sept. 1496. Bergenroth, Cal. I. 158. 
Ferdinand und Isabella an dens. 15. Jan. 1497. a. a. 0. I. 172. 

Bilanz, Ehr]. Handel spolitilc. I. lg 



— 274 — 

Handels entfernen und selbst noch besondere Privilegien er- 
theilen zu wollen 1 ). Merkwürdig ist die Art und Weise, wie 
Heinrich VII. seinen bisherigen Widerstand zu rechtfertigen 
suchte. Vor Allem kann er gar nicht begreifen, dass die Spa- 
nier dieser Angelegenheit eine so grosse Bedeutung beimässen. 
Die Franzosen, Vlamen, Bretonen, Portugiesen, Venetianer, 
Florentiner, Genuesen, Sienesen, Luccaner und andere lombar- 
dische Kaufleute führten grosse Quantitäten Waaren ein, ohne 
im Mindesten über diese Zölle sich zu beklagen. Sodann was 
Eduard IV. anlange, so sei richtig, dass dieser Heinrich von 
Castilien ganz specielle Zugeständnisse gemacht, allein das sei 
eine geheime Abmachung gewesen, und die Voraussetzung der- 
selben nicht erfüllt worden. Endlich scheine es ihm, als ob 
die Spanier sich die Wirkung dieser Zölle nicht vergegenwärtigt 
hätten. Es sei doch klar, dass um den Betrag der Zölle und 
mehr die Spanier ihre Waaren theurer verkaufen, ''die engli- 
schen Artikel wie Tuch u. s. w. aber billiger einkaufen könnten. 
Die Zölle würden somit, bei rechtem Licht besehen, von den 
Engländern und nicht von den Spaniern bezahlt 9 ). 

Der englische Wirthschaftspolitiker fand jedoch mit dieser 
Theorie der Steuerabwälzung keinen Anklang bei der spani- 
schen Regierung. Bei den Verhandlungen über die Ueber- 
siedlung der Infantin Katharina liess sie sich von Heinrich VII. 
einen schriftlichen Attest über des Königs Versprechen aus- 
stellen 3 ), und im Vertrag vom 10. Juli 1499 wurde endlich 
die Klausel wegen der 30 Jahre fallen gelassen, und der Wort- 
laut des Eduardschen Tractats wieder hergestellt 4 ). Indem 
auch noch den übrigen Klagen der Spanier Rechnung getragen 
wurde 5 ), gelang es, die grosse Unzufriedenheit der spanischen 
Kaufleute zu beschwichtigen. 

Der Erfolg der neuen Verträge zeigte sich sofort. Die 
Spanier, in der Schiffahrt den Engländern überlegen, kamen 
nun so zahlreich nach England, dass die Errichtung eines Con- 



') Ferdinand u. Isabella an dePuebla 28. März 1497. Bergenroth. 
Cal. I. 175. 

*) Heinrich VII. an Ferdinand u. Isabella 25. Juli 1497. Bergenroth, 
Cal. I. 182. 

s ) Vgl. den Brief von de Puebla an Ferdinand u. Ißabella v. 25. Aug. 
1498. Bergenroth, Cal. I. 221. 

4 ) Art. 4. Bergenroth, Cal. I. 244 und Rymer XIL S. 744. 
Arnold, Chronicle or Customs of London ed. by F. Douce, London 1811. 
S. 193 enthalt einen ausführlichen Zolltarif, worin die Spanier immer den 
Einheimischen gleich gestellt sind. Da eine Abfassung dieses Chronicle 
unter Eduard IV. unwahrscheinlich ist, so ergibt sich, dass dieselbe in die 
Zeit von 1499—1504 zu setzen ist, nicht, wie vielfach geschieht, ins Jahr 
1490; seine erste Publication erfolgte, wie mit ziemlicher Sicherheit an- 
genommen wird, 1504. 

») Vgl. Art. 7, 8, 10 a. a. O. und Bergenroth, Cal. 1. 110, 182, 175; 
auch 189, 147, 158. 



— 275 — 

sulats in London nöthig wurde. Ferdinand und Isabella über- 
trugen es dem Gesandten de Puebla 1 ). 

Allein die spanischen Kaufleute und Schiffahrer waren noch 
keineswegs zufrieden. Sehr hinderlich war ihnen die englische 
Schiffahrtsacte von 1489, da sie zufolge derselben keinen Tou- 
louser Waid, namentlich aber keinen Wein von Gascogne und 
Guienne nach England bringen konnten. In Spanien war aber 
noch mehr als in England der Flottenschutz Tradition*), und 
es konnte den Schiffahrern nicht schwer fallen, die spanische 
Regierung für ihre Wünsche zu gewinnen. Man erliess den 
Befehl, dass bei der Ausfuhr spanischer Waaren den spanischen 
Schiffen der Vorzug vor den fremden gegeben werden müsse. 
Der Handel der Engländer nach Spanien war unmöglich. Der 
Protest Heinrichs VII. blieb ohne Erfolg, indem ihm entgegnet 
wurde, es sei geschehen mit Rücksicht auf die vielen und 
schweren Abgaben, welche die spanischen Schiffe zu tragen 
hätten. Uebrigens geniesse ja die nationale Schiffahrt in allen 
andern Ländern das gleiche Privileg 3 ). 

Ein neuer commerciell- politischer Kampf stand bevor; 
Heinrich VII. scheint sofort einen Extrazoll auf Tuch und son- 
stige Waaren gelegt zu haben, welche in spanischen Schiffen 
exportirt wurden 4 ). Die Spanier aber rächten sich, indem sie 
die englischen Unterthanen auf dem Meere belästigten und be- 
raubten*). 

Doch nahm die Sache keine weiteren Dimensionen an, da 
inzwischen der Prinz von Wales Arthur gestorben war (2. April 
1502), und die ebenso sehr von England als Spanien gewünschte 
Neuverlobung der Princessin mit dem nunmehrigen Thronerben 
Heinrich Gelegenheit zu einer gütlichen Beilegung des Streites 
gab. Isabella bevollmächtigte den Herzog von Estrada, Fer- 
dinand zu erklären, dass man, falls Heinrich VII. zur Verlo- 
bung seine Zustimmung gebe, die englischen Schiffe vom Schiff- 
fahrteedict eximiren und sie ganz ebenso, wie die eigenen 



*) Juni 1500. Bergenroth, Cal. I. 273 u. 274. 

*) 1420 verbot z. B. Johann n. von Castilien den Hansen, in sein 
Reich zu kommen, da der Transport von und bis Brügge den eigenen Unter- 
thanen vorbehalten bleiben sollte. (Anderson IIL S. 88 und Werden- 
hagen II. Pars. IV. S. 509). Im Vertrag von 1448 mit Danzig wurde den Preossen 
zwar der Zutritt gestattet, aber sie durften nur für den Betrag der ge- 
brachten SchiffBbaumateriaUen ihre eigenen Schiffe mit Rückfracht versehen, 
im franz. Rochelle gar nichts auf die eigenen Schiffe laden und mussten 
sich überhaupt verpflichten, unter fremden Schiffen immer den spanischen 
den Vorzug zu geben. Vgl. Art. 8, 4, 10 der Urkunde, abgedr. bei Hirsch, 
Danzig S. 272—74. Vgl. femer von der Kopp, Hanserecesse, II. S. 
5-7 fc. 

") Isabella an de Puebla 28. März 1501. Bergenroth, Cal. I. 298. 

*) Vgl. Brief Heinrichs VH. an Ferdinand, Herzog von Estrada, und 
an de Puebla 10. Juli 1508. Bergenroth, Cal I. 867. 

») Bergenroth, Cal. I. 377. 

18* 



— 276 — 

behandeln wolle 1 ). Heinrich VII. ging auf dieses Anerbieten 
ein und nahm auch seinerseits die spanischen Unterthanen von 
der englischen Schiffahrtsacte aus 2 ). 

Trotz dieser Gegenseitigkeit stiess in Spanien die Aus- 
führung des Decrets auf grosse Schwierigkeiten. Der Rath 
von Castilien geberdete sich „wie vom Teufel besessen" und 
wollte um keinen Preis dulden, dass fremde Schiffahrer in An- 
dalusien ihre Schiffe befrachteten. Dem königl. Erlass liess 
der erwähnte Rath sofort einen Gegenbefehl folgen, und als 
die Engländer im Vertrauen auf die neuen Abmachungen nach 
Sevilla Tuch und andere Waaren brachten und dafür Wein 
und Oel einnehmen wollten, untersagte man es und zwang 800 
englische Schiffsleute, ihre Schiffe leer zurückzufahren, während 
die Kaufleute einen Verlust von 20 000 Ducaten erlitten. Die 
Aufregung in England war so gross und der König über ein 
solches Verfahren so erbittert, dass die spanische Regierung 
ungesäumt den castilischen Rath zum Vollzug des Verspro- 
chenen nöthigen musste 3 ). 

Das Verfahren des castilischen Rathes erklärt sich aber 
nicht blos aus dem Streben, die einheimische Schiffahrt zu 
schützen; es gab eine sehr starke Partei im Lande, welche 
überhaupt den Verkehr mit England für schädlich hielt und 
seinen Abbruch wünschte. Keine Frage, dass seit der Ver- 
treibung der Juden und Mauren (1492) die englischen Kauf- 
leute in Spanien einen äusserst ergiebigen Markt vorfanden 
und durch die Steigerung ihrer Einfuhr eine Reaction bei den 
Spaniern erzeugten. Mit grosser Unzufriedenheit nahm man 
wahr, wie die englischen Tücher die Tuchmacherei in Castilien 
vernichteten 4 ), wie die englischen Kauflente viel Geld aus dem 
Lande zogen, die Spanier aber für spanische Waaren nichts 
als englische Manufacte zurückbrachten. Unmittelbar nach 
Arthurs Tode setzte diese Partei am spanischen Hofe alle Hebel 
in Bewegung, um den König von Aragonien zu bewogen, dass 
er keinen Eingebomen des Königreichs Castilien nach England 
handeln lasse 5 ). Da dieser Plan misslang, so suchte man 

J ) Isabella an Ferdinand, Herzog von Estrada 11. und 12. April 1503. 
Bergenroth, Cal. 1. 360. 

*) 12. März 1505. Bergenroth, Cal. 407, 424 und Kymer XIIL 
S. 114. Der Erlass des spanischen Decrets war am 16. November 1504 er- 
folgt und am 24. November wurde das Patent an Heinrich VII. geschickt 
(Bergenroth, Cal. I. 405), 407). Dieser fand auffallig, dass d»s 
Document in castilianischer Sprache abgefasst, nicht auf Pergament ge- 
schrieben und nicht mit einem bleiernen Siegel versehen war. (Bergen- 
roth, Cal. I. 394). 

*) Vgl. über diese Angelegenheit die Briefe von de Puebla an Ferdi- 
nand von Spanien 11. u. 17. August Bergenroth, Cal. L 488, 439, 442. 

*) „by the reson of tlie muche Yngelysche clothe hether comeyng, 
that the cfothemakes nue ys lost in Castvl". Brief Stiles; sieh f. N. 

5 ) Ueber diese Machinationen werden wir unterrichtet durch einen 
Brief Stiles vom 26. April 1509, dem diese Vorgänge von dem Bischof Don 



*- 277 — 

«astilischerseits auf eigene Faust die Engländer zu bedrücken 
und benutzte dazu die früheren Schiffehrtsdecrete. 

Es war kein Gnffld gegeben, weshalb Heinrich VIII. die 
commerciellen Beziehungen zu Spanien hätte ändern sollen. 
Die Behandlung der Kaufleute auf dem Fusse der Einhei- 
mischen wurde von ihm fortgesetzt und ihm Aehnliches spa- 
nischerseits gewährt, und man konnte füglich sich gegenseitig 
nicht mehr geben und nicht mehr verlangen l ). Aber die Streitig- 
keiten dauerten nichtsdestoweniger fort und drehten sich auch 
wie früher hauptsächlich um die Schiffahrt. Zwei Fälle mögen 
das illustriren. 

Als der König von England und seine Unterthanen von 
den im Schiffbau wohl erfahrenen Spaniern Schiffe kaufte, be- 
nutzte die spanische Regierung das Vorhandensein eines alten 
einheimischen Gesetzes, wonach der Verkauf eine Licenz er- 
forderte, um schwere Strafen über die Verkäufer zu verhängen. 
Erliess man auch hinterher diese Bussen mit Rücksicht auf 
Heinrich VIII, so glaubte doch Ferdinand das Verlangen stellen 
zu dürfen, dass der englische König sowohl als seine Unter- 
thanen jeglichen Schiffskaufs in Spanien sich enthielten *). Der 
andere Fall ging von den Engländern aus. Als die spanischen 
Kauffahrer in England Waaren für den „Osten" laden wollten, 
fingirten die Engländer die Existenz eines alten Statuts, wo- 
nach hiezu eine besondere Licenz vom Könige erforderlich sei. 
Dieser wolle, theilte der Rath mit, 6 Schiffe nach dem „Osten" 
schicken, welche das Privileg hätten, zuerst soviel Waaren zu 
laden, als sie könnten. Nur der Ueberschuss könne den Spa- 
niern zum Export eingeräumt werden 3 ). 

Doch blieben solche Differenzen ohne nachhaltige Wirkung. 
Auch die politische Kälte, die zwischen beiden Höfen eintrat, 
als Ferdinand frühzeitig von dem Bündniss mit England sich 
trennte, mit Ludwig von Frankreich sich aussöhnte und da- 



Pedro erzählt wurden. Dieser merkwürdige Brief ist von J. Gairdner heraus- 
gegeben in der Historia regis Henrici septimi a Bernardo Andrea Tholosate 
conscripta AppencL €. S. 436. London 1858. 

*) Vertrag zwischen Heinrich VIIL und Ferdinand 18. April 1513. 
Bergenroth, CaL II. 101. Art 1. Auffallend ist, dass in den Zollcom- 
puti ans der zeit Heinrichs VIII. die Gleichstellung der Spanier mit den 
Einheimischen im Zoll nicht erwähnt wird. 

*) Ferdinand an seinen Gesandten Diego de Quiros. 'Juli 1513. Ber- 
genroth, Cal. IL 122. 

3 Luis Caroz de ViUaragut, spanischer Gesandte in England, an 
nan de Eztuniga, Provincial v. Aragon. 6. Dez. 1514. Bergenroth, 
CaL IL 201. Dass die Engländer hier vertragswidrig handelten, da ein 
solches Gesetz nicht existirte, steht ausser allem Zweifel. In dem bekannten 
Patent von 1505 hiess es ausdrücklich: „ipsasque merces et mercimonia sie 
onoBta ad regna sive dominia dicti Serenissimi fratris nostri seu ad alia 
regna sive dominia praedieta absque impedimento ducere et transferre, 
exceptiß tarnen rebus prohibitis per leges statuta et consuetudines regnorum 
et dominiorum nostrorum." Rymer XHI. S. 115. 



— 278 — 

durch alle kriegerischen Pläne des jugendlichen Königs von 
England gegen Frankreich durchkreuzte, war vorübergehend. 
Am 19. October 1515 kam ein neuer Fteundschaftsvertrag zu 
Stande, der den Status quo in Betreff des Handels bestätigte 1 ). 

Bald darauf starb Ferdinand (Febr. 1516), und Karl kam nach 
ihm auf den spanischen Thron. Thatsächlich wurde im Anfang die 
Regierung von einem spanischen Rathe geführt, der sofort den 
Stimmen des Volks in Bezug auf die englischen Kaufleute Ge- 
hör schenkend einen neuen Schiffszoll erhob, namentlich auch 
von solchen Schiffen, die von Italien und dem Orient kamen 
und nur wegen Sturm oder aus Mangel an Lebensmitteln die 
spanische Küste anliefen. Ebenso sah man es auch ganz be- 
sonders auf englische Schiffe ab, wenn es sich um Dienste für 
den Herrscher handelte *). Doch darf als sicher gelten , dass 
Karl Y. im Jahre 1521 zu Galais, als er Englands Freundschaft 
gegen Frankreich erhielt, die Privilegien der Engländer in 
ihrem vollen Umfange bestätigte und wieder herstellte 3 ). 

In jenen Jahren war es den Engländern 4 ) auch gelungen, 
in Spanien festeren Fuss als bisher zu fassen, ihrem Handel da- 
hin eine bessere Organisation und einen sicheren Rückhalt zu 
geben. Nicht als ob sie erst jetzt ein Gonsulat in diesen Gebiete- 
theilen errichtet hätten, ein solches bestand bereits, sondern die 
Festigung des Handels lag in einer Reihe von Specialprivilegien, 
welche sie von Don Alonso Perez de Guzman, dem Herzog 
von Medina Sidonia für seine Stadt San Lucar de Barrameda 
verliehen erhielten. 
1) Er giebt ihnen einen Bauplatz nächst dem Flusse und 
seinem Lagerhaus behufs Errichtung einer Kirche zu 
Ehren des heil. Georg 5 ). 



*) Bergenroth, Cal. II. 215, 229; Rymer XIIL S. 524. 

») Brewer, Cal. IL 2788. § 17 und 19 auch § 2. Diese Beschwerde- 
puncte kamen zur Erledigung auf dem in den Niederlanden tagenden Con- 
gress, an dem Knight und Thom. More sich betheiligten. Sieh oben S. 49. 50. 

*) Der bezügliche Artikel des Vertrags v. 13. Februar 1516 (Rymer 
XIII. S. 583) und der gleichlautende Artikel im Vertrag vom 18. Juli 1519 
(Br. M. Harl. Ms. 86. fol. 19) sind nicht mehr so bestimmt und klar nament- 
lich in Betreff der Zölle, wie die froheren Vertrage. 1521 regten deshalb 
die englischen Kauf leute die Frage ihrer Privilegien an, und der König befahl 
Wolsey, bei dem kaiserlichen Kanzler dahin zu wirken, dass der Kaiser 
den Engländern dieselben Privilegien in 8panien gewahre, als sein Vor- 
ganger Taut des von dem Londoner Burgermeister überschickten Schriftstücks 
zugestanden habe. Pace an Wolsey 81. Oct 1521. State Papers VoL L 
S. 81. 

*) An dem spanischen Handel betheiligten sich hauptsächlich die Bris- 
toler. Nach einem Portbook (Mem. of the Q. R. of Exch. Bdle. 198. J. P. 
R. 2202) im Public Record Office gingen im Jahre 4—5 Hen. VIII von 
Spanien nach Bristol 12 und von Bristol nach Spanien 8 Schiffe. Unter den 
in Spanien handelnden Bristolern waren die Thornes sehr thatig. 

*) DaBS diese Kirche gebaut wurde, geht hervor aus Brewer, Cal. 
IV. 6654. 



— 279 — 

2) Wenn die Zöllner von Sevilla, Cadix und Xeres die eng- 
lischen Kauf leute misshandeln sollten, weil sie -ihre Waaren 
nach San Lucar bringen, so will der Herzog alle daraus 
erwachsenden Processkosten und Schäden tragen. 

3) Er verspricht die Beibehaltung der bisherigen Zölle und 
erklärt sich jederzeit bereit, etwaige Zweifel durch Ver- 
ordnungen und schriftliche Tarife zu beseitigen 

4) Die Richter sollen fortan in Schuldklagen sofort die Ur- 
theile fällen und vollstrecken lassen. 

5) Die englischen Kauf leute können von den Weinverkäufern 
Bescheinigungen der Steuererheber verlangen zum Be- 
weis, dass diese dem Herzog nichts schulden; im Besitz 
eines solchen Scheines können sie Beschlagnahmungen 
ihrer Ladung von Seite der Steuererheber für die Schul- 
den der Weinverkäufer zurückweisen. 

6) Zum Verladen ihrer Waaren können sie sich jedes Kahns 
in der Stadt bedienen, sind also an keine bestimmte 
Reihenfolge gebunden. 

7) Gäste der englischen Kaufleute dürfen während ihrer 
Abwesenheit für- diese kaufen und verkaufen, ohne als 
Makler besteuert zu werden, wofern sie nur keine Makler- 
gebühr erheben. 

8) Die Engländer stehen unter dem besonderen Schutz des 
Herzogs und dürfen in keiner Weise belästigt werden. 

9) Die Engländer dürfen Waffen tragen bei Tag und bei 
Nacht. Jeder Excess soll von den Stadtrichtern in Ge- 
meinschaft mit dem Gouverneur und Rath der Engländer 
verhandelt werden. 

10) Das Haus des englischen Gouverneurs und acht andere 
von ihm bezeichnete Häuser brauchen Nichtengländer 
nicht zu beherbergen. 

11) Civilfälle, welche die Engländer betreffen, sollen von dem 
Gouverneur und Rath der englischen Kaufleute abgeur- 
teilt werden. In Criminalftllen dürfen die Richter 
keinen Engländer ins Gefängniss setzen, ohne den Gou- 
verneur und Rath der englischen Kaufleute vorher be- 
nachrichtigt zu haben. 

12) Sie können ihre Waaren ein- und ausladen zwischen dem 
Kloster S. Dominic bis zu der Alacaseria. 

13) Sie dürfen im Keller alle Weine lagern, welche nach der 
Beladung ihrer Schiffe übrig geblieben sind *). 

Durch diese grossen Freiheiten und Rechte war San Lucar de 
Barrameda zu einem wahren Asyl für die englischen Kaufleute 
geworden 2 ), und seine Bedeutung wuchs um so mehr, als im 



x ) 14. März J517. Brewer, Cal. IV. wo«. 
') Wie die Engländer von San Lucar aus auch Tuch nach den cana- 
riicben Inseln gelangen Hessen, vgl. Hakluyt, The principal navigations 

a*i* IT Q Q 



etc. IL S. 8. 



— 280 — 

übrigen Spanien den Engländern viele Schwierigkeiten in den 
Weg gelegt wurden. Ganz abgesehen von den vielen Misshand- 
lungen, welche erfolgten, wenn die englische und kaiserliche 
Politik verschiedene Wege ging, schmälerte man die englischen 
Freiheiten, wann man konnte. 

So erhob man seit 1528 in Andalusien 1 Procent von allen 
englischen Schiffen und Waaren zum Schutz und zur Erhal- 
tung der indischen Flotte, und alle Bemühungen der englischen 
Kaufleute, die Zurücknahme dieser Abgabe beim Kaiser zu 
erwirken, blieben ohne ein wirkliches Resultat x ). Ebenso wurde 
in den dreissiger Jahren ein Gesetz, „prematicha" genannt, 
gegen die Engländer wieder in Anwendung gebracht, wonach 
die einheimischen Schiffe bei der Verfrachtung den fremden 
vorgezogen werden mussten 2 ). 

Noch weniger richtete man hinsichtlich der Tuchzölle aus. 
Von Rechtewegen hätten die englischen Tücher gleich den 
spanischen von Zoll ganz frei sein sollen, und als der englische 
Gesandte Lee auf Anregung eines spanisch^ Kaufmanns diese 
Frage zur Erörterung brachte, gab der Stellvertreter des spa- 
nischen Kanzler^ Almain die Berechtigung des englischen Ver- 
langens mit Rücksicht auf die von Ferdinand und Isabella ge- 
währten Privilegien auch zu und erklärte, dass Don Jfligo de 
Mendoga bereits einen Auftrag zur Regelung dieser Frage 
habe 3 ). Wir wissen, dass die politischen Verhältnisse nicht 
gestatteten, diesen funct in Gemeinschaft mit vielen andern 
zu ordnen 4 ). Besonders schwer wurde eine spanische Acte, 
von den Engländern empfunden. Dieselbe war von den spani- 
schen Tuchmachern durchgesetzt worden und bestimmte, dass 
jedes Tuch eine gewisse Anzahl von Fäden besitzen solle. Die 
Engländer behaupteten, die vom Statut vorgeschriebene Zahl 
nicht zu kennen und selbst wenn sie dieselbe kannten, kein 
Tuch eigens für Spanien machen lassen zu können ; allein unter 
der zur Hälfte trügerischen Begründung, Spanien müsse sich 
gegen das verfälschte schlechte englische Tuch schützen, wies 
der Kaiser die Vorstellung der englischen Kauf leute ab *). 

Nur ein Recht blieb den englischen Kaufleuten unver- 
kümmert und gelangte erst in dieser Periode zu voller Gel- 
tung, und das war das Consulat Heinrich VHI. bestä- 
tigte dasselbe so, wie es aus der Initiative der Kauf leute 
selbst hervorgegangen ") , und war gleichzeitig darauf bedacht, 

") Vgl. die Verhandlungen zu Bourbourg 1545. Lrk. Beil. 44. 
~ Harrys an William Castelyn in London. 2. Juli 1534. 



Urk. Beil. 138. 

s ) Lee an Wolsey, 25. Mftrz 1527. Brewer, Cal. IV. 2987 und 3052. 

4 ) Sieh oben S. 64, 65. 

6 ) Hall, Chronicle S. 706 und 707. Hall legt irrthomlich dieser Acte 
den Namen Premetica bei; vgl. oben. 

6 ) Das Wahlrecht der Kaufleute blieb auch unangetastet; dieselben 
konnten sich in Sevilla, Cadix, San Lucar de Barrameda oder im S. Maria- 



— 281 — 

dass auch Kaiser Karl V. dieses durch ein Patent anerkannte 
(1530) O- 1588 wurden die Confirmationen erneuert 2 ), und 
das Consulat vermochte sich auch gegen alle Eingriffe zu 
schützen 3 ). 

Die übrigen Nachrichten über den spanischen Handel ent- 
behren eines allgemeinen Interesses. Sie betreffen meist Klagen 
und Verhandlungen über Gewaltacte gegen einzelne Kaufleute. 
Der Grundton der spanisch - englischen Beziehungen in der 
letzten Periode der Regierungszeit Heinrichs VIII. war in An- 
betracht der bekannten Vorgänge in England und der streng 
katholischen Richtung der Spanier ein unfreundlicher, und die 
Inquisition, welche sich nicht scheute, auch die Engländer in 
ihr Bereich zu ziehen, führte zwar nicht zum Abbruch des 
Handels, war aber doch eine nie versiegende Quelle von Leiden 
für die englischen Kaufleute 4 ). 

Wenn wir dem Gang der gegebenen Entwickelung folgen, 
so tritt recht augenlällig zu Tage, welche Energie die eng- 
lischen Kaufleute -gegen Ende des Mittelalters entwickelten. 
Lange beherrschten die Catalonier und Gastilianer im gegen- 
seitigen Wettbewerb den Handel nach und von England, Schritt 
für Schritt eroberten aber die Engländer im 15. und 16. Jahr- 
hundert einen grossen Antheil vom spanischen Verkehr. Dies 
Streben kräftigst zu unterstützen, war der Hauptkern der Politik 
der beiden ersten Tudorsr 

Heinrich VH. kämpfte fast während der ganzen Regierungs- 
zeit, um die von Eduard IV. bewilligte Gleichstellung der spa- 
nischen Kaufleute mit den englischen rückgängig zu machen und 



hafen versammeln und auf Anregung und mit Zustimmung der Kauf leute, 
die in London wohnten, zweier aus Bristol und zweier aus Southampton 
einen oder mehrere Rathe erwählen und wieder entfernen nach Beliehen. 
Diese Rathe durften 12 alte und erfahrene Personen zu Beisitzern ernennen 
und diese zusammen waren ermächtigt, Steuern zu decretiren, Verordnungen 
zu machen etc. 1. Sept 1530. (Brewer, CaL IV. 6654). 

l ) 28. Sept 1530. Brewer, CaL IV. 6640. 

*) Von Karl V. am 2. September 1538. (Br. M. Cot ton Ms. Vesp. 
C VII. fo. 59b, 60 und Harfeian Ms. 36 fo. 28). Die darauffolgende 
Wahl fand am 6. Dez. 1538 statt, und die Kaufleute, zum grösseren Theil 
wohnhaft in Cadix, erschienen am 24. April 1539 vor einem Notar und er- 
klärten, dass sie dem gewählten Consul in Allem gehorchen, auch die fest- 
gestellte Abgabe von 1 % für alle ein- und ausgeführten Waaren zahlen 
wollten. (Br. M. Cotton Ms. Vesp. C. VII. fo. 100.) 

•) ürk. Beil. 110. 

*) Vgl. die Erzählung des Tho. Perry über seine Verfolgung beiEllis, 
Original letters illustrative of English history II. Ser. Vol. II. S. 139 
nnd Nicolas, Acts of the Privy Council VI. S. 86; ferner den Brief Wiats 
an Heinrich VIII. v. 7. Januar 1540, den Basyngs an Essex vom 15. Juni 
1540 und an Lord Southampton vom 15. August 1540. State P ap ers VHI. 
S. 219, 352, 426. 1545 wurden die Waaren von Rieh. Gresham und an- 
deren Kaufleuten in Spanien beschlagnahmt; auch beraubten englische und 
spanische Schiffahrer einander auf der See in diesem und im folgenden 
Jahre. Br.M.Harl.Ms.256, fo. 15. 68. 69. 70. 182. Sieh auch obenS. 103. 



— 282 — 

gleichzeitig die Navigationsacte gegen die Spanier aufrecht zu 
erhalten. Die nahen verwandtschaftlichen Beziehungen, die 
spanischen Repressalien, sowie die ungünstige Beurtheilung des 
englischen Handels durch eine grosse Zahl Spanier überhaupt, 
bewogen endlich Heinrich Vn., seinen Widerstand aufzugeben. 
Der König durfte dies um so unbesorgter thun, als durch die 
Entdeckung und Eroberung der neuen Welt der spanischen 
Schiffahrt eine neue sie hinlänglich beschäftigende Aufgabe zu- 
gewiesen wurde. 

Man darf als sicher annehmen, dass dieses Moment auch 
die in der Zeit Heinrichs VIEL immer wieder lautbar werden- 
den spanischen Stimmen für Flotten- und Indusrieschutz be- 
deutend abschwächte, und dass es in Folge dessen den englischen 
Kauf leuten so leicht glücken konnte, eine Handelsniederlassung 
auf spanischem Boden zu gründen. Eben dieser Umstand befä- 
higte zum nicht geringsten Theil die englische Regierung, die Pri- 
vilegien der Engländer in der Hauptsache zu erhalten und ins- 
besondere das englische Consulat zur unumwundenen Anerken- 
nung zu bringen. Diese von der Macht des Inselreiches ge- 
haltenen Schutzmauem vermochte weder die oftmalige zwischen 
beiden Ländern ausbrechende Feindschaft noch die Inquisition 
hinwegzuschwemmen. Die englischen Kaufleute blieben im 
Besitz eines Marktes, der wegen der Ansammlung der aus der 
neuen Welt herüberströmenden Edelmetalle und der in Spa- 
nien zuerst eintretenden Preissteigerung für den Absatz der 
englischen Manufacte immer vorteilhafter sich gestaltete. 



Sechstes Capitel. 

England und Portugal. 



Portugal besass im mittelalterlichen Verkehr bei weitem 
nicht die Bedeutung wie die spanischen Gebiete. Das Land 
hatte mit der Armuth zu kämpfen, und die Bewohner waren 
frühzeitig genöthigt, zur See, namentlich durch Fischerei sich 
einen grössern Unterhaltsspielraum zu verschaffen 1 ). Doch 
hatten die Portugiesen einigen Ueberfluss an gewissen Waaren, 
die zum Austausch gegen die Producte Englands sich eig- 
neten. Der Verfasser des Büchleins von der englischen Staats- 
klugheit sagt: 

Sie führen Oel, Wachs, Feigen, Korn und Wein 
Rosinen, Corduan. Honig bei uns ein, 
Salz, Datteln, Felle, derlei Waaren mehr. 8 ), 

Der Verkehr zwischen beiden Ländern begann sehr früh. 
1274 werden portugiesische Kaufleute erwähnt, die auf 
einer Reise nach England begriffen sind, und gleichzeitig kamen 
englische Händler nach Lissabon 8 ). Der verständigen Gesetz- 



*) Hierin lag auch ein Grund mit für die späteren Entdeckungen der 
Portugiesen. Bereits Karl V. erkannte das, wenn er auch seiner Anschau- 
ung in Folge der Umstände, unter denen sie ausgesprochen wurde, eine 
ögenthumliche Wendung gab: „The very povertie of your countrey of 
Portagale is suche, that of yourselfes you oe not able to live, wherefore 
of necessitie you were driven to seke livyng; for landes of princes you 
were not able to purchase and lande of lordes you were not able to con- 
qnere. Wherefore on the sea you were compellea to seke that, which was 
not found. And where you say, that you have found landes, I say those 
ludet found you by shipwrekes of the sea beyng cast theron, before you 
thontht of any such ground, and so sought farther for succours in necessitie, 
jet they say not, that you have them wonne, but they ha?e wonne you etc. 
Hall, Chronicle S. 677. Brewer, CaL III. 2735. 

*)HertrbergB Uebers. Vers 182—184. 

^) Schftfer, Geschichte von Portugal IL S. 308—18, gibt eine Ent- 
wicklung des englisch-portugiesischen Handels bis zum 15. Jahrhundert 



— 284 — 

gebung des Königs von Portugal Diniz durfte wohl das Haupt- 
verdienst für die Anknüpfung dieser Handelsbeziehungen zu- 
fallen 1 ). 

Der einmal begonnene Verkehr wurde nicht wieder unter- 
brochen 8 ), und 1308 konnte der König von England bereits 
von einer alten Freundschaft zwischen englischen und portu- 
giesischen Kaufleuten sprechen 8 ). 

Die englischen Besitzungen in Südfrankreich trugen dazu 
bei, das politische wie commercielle Band zwischen beiden 
Reichen fester zu knüpfen. Besonders fördernd wirkte auch 
die Berufung des Genuesen Manoel Peganho zum Admiral der 
portugiesischen Flotte, da die nächsten Verwandten desselben 
in England sehr angesehen waren und einflussreiche Aemter 
bekleideten 4 ). Dadurch war den portugiesischen Schiffen eine 
gute Aufnahme in England garantirt 5 ). 

Der erste eigentliche Handelsvertrag auf Gegenseitigkeit 
datirt vom Jahre 1353; er war auf 50 Jahre abgeschlossen, 
enthielt jedoch nur allgemeine Zusicherungen und bezog sich 
nicht auf ganz Portugal, sondern umfasste blos die beiden 
Städte Lissabon und Porto 6 ). Die fünfzig Jahre waren noch 
nicht verflossen, als man 1386 einen neuen Tractat einging, 
der sich auf ganz Portugal erstreckte und eine noch innigere 
Feundschaft zwischen beiden Reichen bezweckte 7 ). Diese 
wurde kurz darauf durch ein Ehebündniss des portugiesischen 
Königs Johann mit der Tochter des Herzogs vonLancaster vom 



*) Vgl. Schäfer a. a. 0. I. S. 807—17 über die Staatsverwaltung 
des Diniz. 

*) Rymer II. S. 627. 691. Ueber das 1 Benehmen der Londoner gegen 
die Portugiesen vgl. jedoch Lib. Alb. ed Riley S. 720; sieh auch S. 540, 
541, 628. 

*) „De foedere unionis et amoris, quod inter vestros et nostros merc&- 
tores hactenus extitit". Rymer III. S. 107. Daselbst wird den portugie- 
sischen Kautleuten die Erlaubniss zum Handel ertheilt. 

*) Rymer IIL S. 676 und IV. S. 524. 

*) Rymer IV. S. 517, 769; V. S. 372, 402, 740, 756. 

e ) Die Artikel lauten: 1) Gutes Einverstandniss und Bündnisa soll 
auf 50 Jahre bestehen. 2) Keine Partei soll der andern irgend weichin 
Schaden zufügen oder eine Allianz zum Schaden der , andern eingehen. 3) 
Gegenseitig freier Verkehr mit jeglichen Waaren. Alle Zwistigkeiten sollen 
abgethan sein, und geschieht ein Unrecht, so soll es von den Regenten 
oder „Grauntz" wieder gut gemacht werden. Die geschadigte Partei muss 
für die Verfolgung der Klage ihre Auslagen ersetzt erhalten, und ist Nichts 
vorhanden, so soll der Uebelthater mit seiner Person büssen. 4) Einzelne 
Verletzungen haben keinen Vertragsbruch zur Folge. 5) Bei Eroberung 
einer Stadt oder Wegnahme von Schiffen wird man die Güter dar Portu- 
giesen, bezw. Englander schützen. 6) Die Bewohner von Lissabon und 
Porto dürfen in den Hafen Englands und der Bretagne frei und ungehindert 

Segen Zahlung der Zölle und Abgaben fischen. Rvmer V. S. 763. Wie 
er Vertrag bald praktisch wurde, vgl. Rymer VI. S. 14. Neubestitigongen 
erfolgten 16. Juni 1373 und 5. Juli 1380. Rymer VIL S. 15. 262. 
*) 12. August 1386. Rymer VIL S. 561. 



— 285 — 

2. Februar 1387 besiegelt. Die Bestimmung, dass der Vertrag 
bei jedem Regierungswechsel neu bestätigt werden müsse, 
wurde genau erftfflt *). Sprechen schon diese Documente deut- 
lich für die Existenz eines regen Verkehrs, so wird uns der- 
selbe doch auch noch von anderer Seite bestätigt. In der „In- 
quisition taken at Queen borow" vom Jahre 1375 sind auch die 
Matrosenlöhne für die gewöhnlichsten Routen festgesetzt. Ausser 
Bayonne, Bordeaux, Rochelle, Bourgneuf Bay , Irland, Calais, 
Flandern, Skone (in Schottland), Newcastle-upon-Tyne, Berwick 
ist nur noch Lissabon als eines der Reiseziele aufgeführt *). 

Selbstverständlich konnten bei so lebhaften Handelsbe- 
ziehungen die allgemeinen völkerrechtlichen Sätze, wie sie die 
Verträge enthielten, den Engländern nicht genügen. Die Ver- 
tragsbestimmungen waren nur der äussere Rahmen, innerhalb 
dessen sie erst bestimmte positive Vortheile sich verschaffen 
mussten. Das letztere war aber um so notwendiger, als der 
englische Activhandel ohne solche Stützen die Goncurrenz mit an- 
dern Seefahrern und Kauf leuten noch nicht ganz bestehen konnte. 

Drei Umstände kamen mit der Wende des 14. Jahrhun- 
derts den Wünschen der Engländer entgegen. Einmal war 
die portugiesische Regierung seit längerer Zeit bemüht, durch 
verschiedene Massregeln Kaufleute aus den blühendsten See- 
städten nach Portugal zu ziehen, den Verkehr und damit die 
Zolleinnahme zu steigen! 3 ). Sodann waren die beiden Dy- 
nastien verschwägert, insofern der König von Portugal eine 
Schwester Heinrichs IV, Philippa, zur Gemahlin hatte. Endlich 
zeigte sich England immer bereit, Portugal gegen seine Feinde 
zu schützen und hatte sich ihm besonders in dem Kampfe gegen 
Castilien angeschlossen 4 ). 



*) 16. Februar 1404. (Rymer VIII. S. 34); 18. Februar 1486 durch 
Heinrich VI. von England. (Rymer X. S. 631); 11. September 1439 durch 
König Alphons V. von Portugal und 28. Januar 1440 durch Heinrich VI. 
von England. (Rymer X. 735 und 752); 11. März 1472 durch Eduard IV. 
Ton England und 30. August 1472 durch Alphons von Portugal. (Rymer 

XI. S. 741): 8. Februar 1482 durch Johann von Portugal und 13. Sep- 
tember 1482 durch Eduard IV. von England. (Rymer XII. S. 145 
und 163); 25. Juni 1484 durch Richard III. von England. (Rymer XII. 
S. 228); 18. Dezember 1489 durch Heinrich VII. von England. (Rymer 

XII. S. 380). In den Bestätigungen werden Eduard III. uud Heinrich IV. 
faat immer erwähnt. 

*) TraversTwiss, The black book of admiraltyl. 139— 143. — Ueber 
den Handel der Portugiesen nach Irland sieh Rot. Pari. III. S. 86. 
(137980). 

*) S. Wappaeus, Untersuchungen über die geographischen Ent- 
deckungen der Portugiesen unter Heinnch dem Seefahrer. Ein Beitrag zur 
Geschichte des Seehandels und der Geographie im Mittelalter. Bd. I. S. 
3o4fg. 

4 ) Daher kommt es , dass England auch in den Waffenstillstand 1404 
mit aufgenommen ist; vgl. besonders Walsingham, Historia Anglicana 
ed. Riley 1864 II. S. 134 und 135. 



— 286 - 

Johann ertheilte mit Rücksicht auf diese innige Freund- 
schaft den englischen Kaufleuten am 10. August 1400 das 
Recht der meist begünstigten Nation und stellte sie mit den 
Genuesen gleich 1 ). Da Genua eine sehr alte Handelsmacht 
war, die sich ihre Privilegien erhalten und fortgebildet hatte, 
so ist der Schluss berechtigt, dass die den Engländern er- 
wiesene Gunst keine geringe war. Der König hebt auch aus- 
drücklich hervor, dass er den Engländern damit einen neuen 
Beweis seiner Huld geben wolle, nachdem er ihnen schon vorher 
Privilegien ertheilt habe. 

Wir kennen nicht den ganzen Umfang dieser Freiheiten, 
aber wir wissen, dass sie von jeglicher Steuer und von allen 
persönlichen Diensten befreit waren, dass kein Polizeibeamter 
in ihre Wohnungen eintreten durfte, es sei denn, dass die 
Justizbeamten einen Uebelthäter verfolgten, der auf frischer 
That ertappt worden war; dass nur der vom König ihnen spe- 
ciell zugewiesene Richter sie ins Gefängniss setzen und über- 
haupt Mandate gegen sie erlassen und vollstrecken durfte; 
dass sie zu jeder Zeit des Tages und der Nacht Waffen tragen 
und mit ihnen überall hin sich begeben konnten 2 ). 

Allein trotz dieser und ähnlicher Rechte verstummten die 
Klagen der Engländer nicht. Namentlich waren sie mit den 
Zollbeamten und den Bediensteten der Lagerräume gar nicht 
zufrieden. Die Bestellung oder Neuernennung eines eigenen 
Richters, der über alle Dinge, die das Zollhaus und Streitig- 
keiten der Engländer mit den Portugiesen betrafen, entscheiden 
sollte, und der ausdrücklich angewiesen war, die Engländer 
soviel wie möglich zu begünstigen (1450) s ), scheint nicht den 
erwarteten Erfolg gehabt zu haben. 

Erst im Jahre 1458 wurde vollständig das geschaffen, was 
die Engländer wünschten. In einer ausführlichen Bittschrift 
von 42 Artikeln hatten sie ihre Beschwerden, die meist die 
Willkür der Beamten betrafen, dargelegt. Indem der König 
fast all ihren Klagen Rechnung trag, bildete diese Bittschrift 
mit den dazu gefügten Erlassen gewissermassen den Schluss- 
punet der englischen Privilegien in Portugal. Das Document 
wurde, wie dies die späteren bis gegen Ende des 16. Jahr- 
hunderts fortgesetzten Bestätigungen bekunden, als eine der 
wesentlichsten Grundlagen und Voraussetzungen für den eng- 
lischen Handel nach Portugal betrachtet 4 ). 

*) Postlethwayt, The universal dictionary of trade and commerce. 
4th ed. London 1774 unter dem Artikel Treaties. 

») A. a, 0. 

8 ) A. a. 0. 

*) Indem ich auf Urk. Beil. 112 verweise, begnüge ich mich, ftr 
diejenigen Leser, welche des Portugiesischen nicht machtig sind, kurz einige 
Puncte anzudeuten, über welche die Englander Beschwerde rührten: Die 
Zollbehörden visieren in Abwesenheit der Kaufleute die Waaren und ent- 
wenden dabei einen Theil derselben. Man bevorzugt bei der Zehntent- 



— 287 — 

Von grösster Bedeutung war es, dass die Engländer be- 
reits gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts in den Besitz so 
umfassender und ausgedehnter Rechte gelangt waren. Eine 
grosse Wendung der handelspolitischen Stellung Portugals trat 
in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein. Durch die 
Entdeckungen, welche die kühnen Seefahrer des kleinen Lan- 
des machten, schwang Portugal sich zum ersten Handelsstaat 
der Welt empor, der ebenso sehr angestaunt als beneidet 
wurde 1 ). Der Verkehr, den die Länder des Mittelmeers bisher 
inne hatten, ging jetzt in seine Hände über. 

richtung andere später gekommene Kaufleute und läset die englischen oft 
8—14 Tage warten. Der Hausmeister für das Waarenlager verwehrt den 
Engländern den Eintritt, so dass sie nicht zu ihren Waaren kommen können, 
schliesst das Thor und prügelt sie sogar. In Folge der Fahrlässigkeit 
des Hausmeisters wird häufig ihnen Tuch gestohlen. Viele zum Theil an- 
gesehene Leute besuchen die Bediensteten im Lagerhaus, und suchen sich 
entweder im Voraus die besten Waaren aus oder ziehen die Beamten von 
der Erfüllung ihrer Obliegenheiten ab. Die Bediensteten halten ihre Stun- 
den nicht ein. Man hat eine Verordnung erlassen, wonach nur 4 Käufer 
und 4 Verkäufer gleichzeitig im Waaronhaus sich befinden dürfen. Dies 
wird benutzt, um bekannte Kaufleute zn bevorzugen, während Andere 
warten müssen. Die Juden werden von den Beamten auffallig begünstigt. 
I>ie Bediensteten schädigen die Kaufleute, indem sie den Käufern statt 
10 Ellen auf 100 oft 15, 18 oder 20 zugeben. Sie bitten dahin zu wirken, 
dass die Makler (correitores) jeden Verkauf notiren, die Waaren innerhalb 
8 Tage nach dem Verkauf abgeholt und nach weiteren 8 Tagen bezahlt 
werden. Oft kauft ein Angehöriger des Waarenhauses für sich Tuch, wobei 
ihm der Beamte reichlich zumisst, was Raub ist. Gerichtstermine werden oft 
nicht angesagt Man verlangt für den Wein zu viel Zoll, oft 1500 Reis, und 
das erst im Augenblick der Abfahrt, wo man Alles zahlt, um nur nicht 
aufgehalten zu werden. Man verzögert in sonstiger Weise die Abfahrt, gibt 
den Dechargeschein nicht zur rechten Zeit. Die Beamten verweigern die 
Annahme mancher portugiesischer Münzen. Die Kaufleute werden, wenn 
sie Nachts heimkehren, oft insultirt und wie Landstreicher behandelt. Sie 
verlangen eine Uferwache. Sie bitten, künftig nicht mehr für englische 
Diebe Schadensersatz leisten zu müssen, werden aber hiemit abgewiesen. 
Sie verlangen die Aufstellung eines von ihnen bezahlten Rechtsanwaltes. 
Wenn die Kauf leute ankommen, wissen sie nicht, wer die kgl. „rendeiros" 
sind, als die sich besonders die Juden geriren, diese kaufen, und wenn sie 
zahlen sollen, leugnen sie ab. Die „rendeiros" suchen sich das beste Tuch 
aas, 10—12 von ihnen sind die Pächter des Waarenhauses und beeinflussen 
die Richter. Der Richter des Waarenhauses will den Juden zu lieb am 
Samstag nicht seines Amtes walten. Die Käufer wollen sich nicht beim 
Kaufe, sondern erst hinterher über die Qualität des Tuches informiren. 
Tuch, über das Streit entsteht, soll vor den Richter gebracht werden. Der 
Streit soll sofort geschlichtet werden. Bei den grossen Tuchmessen soll 
sich der Richter selbst in die Verkaufshalle begeben. Man bittet, dass auch 
im Winter die Bediensteten um 6 Uhr früh kommen, weil in den Winter- 
monaten der meiste Verkehr ist. Man hält nicht, wie bestimmt ist, die 
Zahlungstermine ein; 'einige zahlen 2—3 Monate nicht, der Richter aber, 
im Einverständniss mit den Schuldnern, hält die klagenden Kauf leute noch 
länger hin. 

*) Bekannt auch Luthers Worte: Engelland sollte wohl weniger Golds 
haben, wenn Deutschland ihm sein Tuch Hesse. Und der König von Por- 
tugal sollt auch weniger haben, wenn wir ihm seine Würze Hessen. 
Irmischer, Luthers Werke Bd. 22. S. 201. 



— 288 — 

Es bedarf keiner nähern Ausführung, welche Folgen aus 
dieser Thatsache für den Handel der Engländer entsprangen. 
Ausgestattet mit so grossen Freiheiten konnten sie jetzt, wo 
Portugal das Emporium der viel begehrten indischen Producta 
wurde, dem bisher schon gewinnreichen Handel bedeutend 
grössere Dimensionen geben. Die Zahl der englischen Kauf- 
leute in Portugal war fortwährend im Wachsen *) und nicht 
selten waren ihre Geschäfte so ausgedehnt, dass sie selbst noch 
portugiesische Schiffe miethen mussten *). 

Dabei kamen so gut wie keine handelspolitischen Diffe- 
renzen vor. Die Engländer hatten ja alle Vortheile, die sie 
sich nur wünschen konnten, und in Portugal war bei den 
grossen Unternehmungen in die man verwickelt war, auch nicht 
im Entferntesten eine Beschränkung der Freiheiten zu fürch- 
ten 3 ). Anstandslos bestätigten die Könige von Portugal die 
Privilegien der Engländer 4 ). Aber umgekehrt wurden auch 
die Portugiesen freundlich und liberal in England behandelt 6 ), 
und die Worte, mit denen der Libell of Englishe Policye den 
englisch-portugiesischen Verkehr preist, kann man auch für 
die Zeit der Tudors gelten lassen: 

Dem Portugiesen schenken wir Vertraan; 
Er lässt sich oft am Markt in England schaon. 
Mit uns befreundet sind die Handelsherrn. 
Und wir Englander gehn zu ihnen gern 6 ). 

Das Monopol Portugals auf den indischen Handel hätte 
zwar auch England gerne beeinträchtigt. Die Theilnahme der 
Engländer an den Entdeckungen hatte ja hierin ihr Haupt- 



*) Als 1489 eine englische Gesandtschaft nach Lissabon kam, traf sie 
Thom. Smith, Thom. Tirry, Will. Cabol, Thom. Baker und andere Kauf» 
lente aas London, dazu noch eine Anzahl Bristoler, die sich vorzugsweise 
mit Verladung von Zucker abgaben und theils eigene, theils fremde Schiffe 
hiezu benatzten. Machados Tagebuch über die Gesandtschaft nach Spanien 
und Portugal, abgedr. in der Historia regia Henrici VII. a Bern. Andrea 
Tholosate conscripta ed. Gairdner S. 196. 

*) Sieh auch Hakluyt, The principal navigations etc. IL S. 9 6. 

") ürk. Beil. 112. Die eine Bestätigung unter Heinrich VIII. ist 
von 1516, die andere von 1536. Die portugiesische Gesandtschaft, die 
wir 1517 in England finden und deren Vertreter bei dem bekannten Auf- 
stand in London fast sein Leben verlor, war wohl behufs Bestatigungder 
alten Vertrage gekommen. (Rymer enthalt diese noch von Heinrich vH, 
aber nicht mehr die von Heinrich VIII. Ebenso giebt Brewer in seinen 
Calendars keinen Ausschluss). 

*) Ich erinnere nur daran, wie damals auch die Deutschen ihre meisten 
und besten Privilegien von Portugal erst erhielten. Ph. Cassel, Privflegia 
und Handlungsfreiheiten, welche die Könige von Portugal ehedem den 
deutschen Kaufleuten zu Lissabon ertheilet haben. Bremen 1771. 

*) Zur Zeit als die Venetianer noch in England prävaürten, war dies 
besonders der Fall. Als 1503 nicht weniger denn 5 portugiesische Schiffe 
in der Themse mit 380 Tonnen Specereien von Calicut zum grossen Gram 
der anwesenden Venetianer Galeeren lagen, war die Schadenfreude in England 
sehr gross. Giustinian, Four years at the court of Henry VHI transl. 
by R. Brown IL S. 76. Anm. 1. 

6 ) Hertzbergs Uebers. Vers 128 — 1:31. 



— 289 — 

motiv. Direct störte jedoch dieses Streben nach einem Antheil 
des Gewürzhandels keineswegs die guten Beziehungen. Der 
portugiesische König forderte die Engländer auf, nach Portugal 
zu kommen und sich selbst da die Gewürze zu holen, anstatt 
sich dieselben von Venedig zubringen zu lassen *). Eng« 
lands Wünsche gingen über bescheidene Anforderungen nicht 
hinaus. 1516 bat Heinrich VIII. Manoel , dem Engländer Jo- 
hannes Wallop zu gestatten, dass er unter portugiesischer Fahne 
in den neuen Ländern kämpfe 2 ). 1530 stellte Heinrich eine 
ähnliche Bitte in Betreff des Kapitäns Franciscus de Matonte 3 ). 
1541 aber benützte die englische Regierung das Nachsuchen 
Portugals um eine Licenz für Getreideausfuhr 4 ), um die For- 
derung zu stellen, der König von Portugal möge als Compen- 
sation einigen englischen Kaufleuten gestatten an der nächsten 
Fahrt nach Calicut Theil zu nehmen und England mit Ge- 
würzen zu versehen 5 ). 

Die im Vorstehenden dargelegten Handelsbeziehungen Eng- 
lands zu Portugal sind abermals ein Beweis für die ener- 
gische Thätigkeit, die englische Kaufleute im Beginn des 15. 
Jahrhunderts entwickelten, um sowohl am Handel einen grossen 
Theil sich zu sichern, als auch hier wie in Spanien eine pas- 
sende Haltstelle für die ins Mittelmeer segelnden Schiffe zu 
gewinnen. Indem die Engländer , von ihren Monarchen und 
der traditionellen Freundschaft Englands mit Portugal kräftigst 
unterstützt, in ihrem Streben Erfolg hatten, so ist auch offen- 
bar, dass die Handelsherrschaft Englands in Portugal nicht 
erst vom Methuenvertrag datirt. Bereits im 15. Jahrhundert 

2 ) Dieser Aufforderung geschieht Erwähnung in einer Depesche der 
venetianischen Signorie an Sanudo in Kairo vom 14. Dezember 1502. 
Fulin, Archiv, venet. II. S. 184. Uebrigens brachten auch die Portugiesen 
selbst Gewürze nach England; bereits 1504 erschienen 5 portugiesische 
Schiffe in London mit 380 Tonnen Pfeffer. Brown, Cal. I. S. «00. 

*) Eine Copie des Briefes findet sich imR. 0. unter Rymers Trans c. 
Forein Countries. Portugal 154. Nr. 60. 

*) A. a. Ö. Offenbar war der Zweck, dass beide genau über die Ver- 
hältnisse sich unterrichten sollten. 

*) 1541 ist eines der vielen Nothjahre (vgl. auch Rymer XV. S. 84), 
die Portugal hatte, seit im 16. Jahrhundert durch den Zufluss der grossen 
Reichthümer von Aussen im Innern Portugals eine stete Abnahme der ein- 
heimischen Production eintrat, insbesondere der Boden, den frühere 
Herrscher theils durch weisen Zwang hatten cultiviren lassen, verdorrte 
und in Folge der mangelnden Arbeitskräfte wüste ward. 

*) Nicolas, Proceedings and Ordinances of the.Privy Council. VI. 14. 
October 1541. Der portugiesische Gesandte hielt die Sache für so wichtig, 
dass er erst bei seinem Herren anfragen wollte. Ob die Bitte gewährt 
wurde, und ob die Beraubungen und die Heimsuchung der portugiesischen 
Kaufleute mit Preistaxen (Nicolas a. a. 0. VI. S. 110, 174) mit Ver- 
weigerung früherer ähnlicher Wünsche der Engländer zusammenhingen, muss 
unentschieden bleiben. Ueber die Schwierigkeiten, die der portugiesische 
König von Anfang an machte, wenn Kaufleute an den von ihm ausgerüs- 
teten Expeditionen sich betheiligen wollten, vgl. He yd, Geschichte des 
Levante-Handels im Mittelalter 1879. II. S. 521 fg. 

Schanz,. Engl. Handelspolitik. I. 19 



/ 

— 290 — 

gehören die Engländer zu den meistprivilegirten Nationen in 
Portugal, und im 16. Jahrhundert wurde ihre Suprematie nur 
noch vollendet Die schwachen industriellen Keime wurden 
damals zerstört und der englischen Industrie die Thore ge- 
öffnet 1 ). Die häufige, in der Folgezeit geleistete politische 
Hilfe Hess sich England mit immer grösseren Rechten be- 
lohnen, und die Entwicklung der modernen Zeit war damit 
vorgezeichnet. 



1 



*) Wie nach dem Tode Manoels die Portugiesen Alles aus dem Steg- 
reif kauften, sieh Schäfer III. S. 323 fg. 



Siebentes Capitel. 

England und Frankreich. 



Es ist bekannt, dass der französische Staat zu dem Um- 
fange, den er zur Zeit der Tudors besass, aus vielen ehedem 
mehr oder weniger unabhängigen Theilen zusammengewachsen 
war. Diese Gebiete knüpften zur Zeit ihrer Selbständigkeit 
je nach ihren natürlichen und politischen Verhältnissen mit 
England sehr verschiedene Beziehungen an, die von der fran- 
zösischen Regierung nicht sofort geändert werden konnten, 
sondern im Zustande der Verschmelzung sich befanden, seit 
diese Landestheile im französischen Reiche aufgegangen waren. 
Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, nicht ganz Frank- 
reich auf einmal in der bisher eingehaltenen chronologischen 
Reibenfolge abzuhandeln, sondern zunächst denjenigen Theilen 
der französischen Monarchie, welche ein politisches Eigenleben 
oder eine besondere Entwicklung und gleichzeitig hervorragen- 
den commerciellen Verkehr mit England hatten, eine gesonderte 
Darstellung zu widmen und erst zuletzt diejenigen Verhältnisse 
zu berühren, die ganz Frankreich betrafen. Nur in dieser 
Weise dürfte es gelingen, diese eigentümlichen Beziehungen 
leicht zu überblicken. 

In Folge der geographischen Lage musste der Verkehr 
mit dem nördlichen Frankreich der älteste sein. Schon die 
um das Jahr 1000 gemachte Aufzeichnung de institutis Lon- 
doniae führt unter den Kaufleuten, die in England verkehrten, 
die Leute von Ponthieu, von der Normandie und dem Herzog- 
thum Francien auf 1 ). Die Herrschaft der Nonnannen in Eng- 
land war geeignet, diesem Verkehr eine gewisse Ausdehnung 
und Stetigkeit zu geben. Von einem eigentlichen Handelsflor 



*) Lappenberg, -Stahlhof S. 4 und Urk. Nr. 1. 

19 * 



— 292 — 

kann man jedoch erst im 13. Jahrhundert sprechen. In jener 
merkwürdigen Zeit, in der der Handel allerwärts die engen 
Fesseln sprengte, waren es die Städte des nordöstlichen Frank- 
reichs, welche feste Beziehungen zu dem einsamen Inselreich 
begründeten. 

Die Erscheinung, dass gerade hier die Initiative ergriffen 
wurde, kann nicht auffallen, wenn man sich erinnert, dass 
diese Städte in Gultur und industrieller Entwicklung ganz auf 
gleicher Stufe mit Flandern standen und hinter sich die be- 
rühmten französischen Messplätze, wie Troyes, Paris, Provins, 
Lagny-sur-Marne, Rheims,' Bar-sur-Aube hatten, wo Flamänder, 
Italiener, Deutsche, Franzosen und sonstige Europäer sich be- 
gegneten *). 

Als es galt, in England einen festen Haltepunkt zu ge- 
winnen, reichten sich die Städte der Picardie und Flanderns 
die Hand und vereinigten sich unter dem Namen der vlämi- 
schen Hansa von London*). Die meisten der französischen 
Städte hatten in England noch specielle Vortheile und Frei- 
heiten, über die man aber noch ganz mangelhaft unterrichtet 
ist 8 ). Die ältesten Rechte konnten wohl Amiens, Corby und 
Nesle geltend machen 4 ), deren Handelswaaren Waid, Knoblauch, 
Zwiebeln, Wein, dann und wann auch Korn sie den Engländern 
unentbehrlich erscheinen Hessen. 



*) Vgl. namentlich Bourquelot, Etudes sur lea faires de Champagne 
(Memoires präsentes pars divers savants a la l'Academie des inscriptions. 
Part 2. Antiquit& de la France T. V. part. 1. 2.) 

*) Folgende Städte waren hiebei betheiligt: „Bruges, Dixmude, Ypres, 
Ardenbourg ou Rodenbourg, Oudenbourg, Tournai, Lille, Orchies, Farnes, 
Oostbourg, Yzendyke, Ter Muiden, Damme, Thouront, Bergues, Bailleul et 
Poperinghe; Gand, Douai, Chalons, Rheims, Saint -Quentin, Cambrai, 
Arras, JPeronne, Huy, Couvin, Valenciennes , Saint Omer, Montreoil, Abbe- 
ville, Amiens, Beauvais, A üben ton et Provins." Varenbergh, Histoire 
des relations diploroatiques entre le comte* de Flandre et l'Angleterre an 
moyen age. Bruxelles 1874. S. 149. 

8 ) Sieh auch oben S. 6. 

*) Dieselben reichten mindestens bis ins Jahr21287 zurück; sie wurden 
von den Londonern um hohe Summ verkauft. Lib. Cust ed. Rüey, S. 64 fg. 
Als in Folge der Unduldsamkeit der Londoner Bürgerschaft diese Franzosen 
in viele unangenehme Zwistigkeiten verwickelt wurden, fixirte man die 
Rechte derselben am 18. Juli 1884. Dieselben lauteten: 1) die Bürger von 
Amiens, Corby u. Nesle dürfen ihren Waid. Knoblauch und ihre Zwiebeln 
in der Stadt ausladen und aufstapein, 2) solche ebensowohl an Fremde als 
an Londoner Bürger in London verkaufen, Überhaupt damit in der für sie 
vorteilhaftesten Weise handeln. 8) Das Gleiche gilt für ihre übrigen 
Waaren mit Ausnahme von Wein und Korn, die nur an Londoner Borger 
verkauft werden dürfen. 4. Sie können Gast wirthschaft halten und ihre Ge- 
nossen aufnehmen, müssen aber nach Jahresfrist London verlassen. 5) Die 
Kaufleute sollen ihre alten Freiheiten gemessen, d. h. sie wählen mit den 
Londonern gemeinsam die Messer und Makler für Waid. 6) Der Mayor ist 
verpflichtet, sie bei Erlangung ihrer Schuldgelder zu unterstützen. 7) Es 
steht ihnen das Versammlungsrecht zu. 8) Sie sind frei von Mauer- und 
Pflastergeld. Lib er Albus ed. Riley I. S. 418. 



— 293 — 

So sehr nun auch der französische Nordosten im englisch- 
französischen Handel zu Ende des 13. und Anfang des 14. Jahr- 
hunderts hervorragte, so ist es doch unzweifelhaft, dass er in 
der Folgezeit auch nicht im Entferntesten diesen ehemaligen 
Glanz aufrecht zu erhalten im Stande war. 

Der Ursachen hiefür gab es mehre. Einmal steckten sich 
der Handel und die Schiffahrt im Lauf der Zeit weitere Ziele 
und suchten über die nächste Nachbarschaft hinauszukommen, 
sodann verödeten Mitte des 14. Jahrhunderts die Messen von 
Champagne, und es verschwind, wie wir bereits wissen, die 
vlämische Hansa in den zwanziger Jahren des 15. Jahrhunderts, 
wodurch die französischen Städte den Bückhalt verloren, end- 
lich verkümmerte die häufige Feindschaft zwischen Frankreich 
und England gerade diesen Städten die gewährten Freiheiten. 
So kommt es, dass diese Pioniere des französisch - englischen 
Handels unter den Tudors keine handelspolitische Bolle spielen. 



Ganz anders entwickelten sich die Beziehungen zu Eng- 
land im Nordwesten Frankreichs, in der Bretagne, Hier liegt 
ein Landestheil vor, der nicht blos wie der Nordosten in Folge 
der allgemeinen und wirtschaftlichen Zustände eine gewisse 
Einheit bildete, sondern wir haben es zugleich mit einem 
Kleinstaat zu thun, der bis in die Zeit der Tudors hinein 
seine Selbständigkeit wahrte. 

Wie im Osten, so war sicherlich auch hier die Lage für 
den ersten Verkehr entscheidend. Während aber dort die all- 
gemeine Staatspolitik als ein Hemmniss für die gedeihliche 
Weiterentwicklung sich erwies, so zeigte sie sich hier als ein 
im höchsten Grade begünstigendes Element. Die Bretagne 
gehörte der ganzen geographischen Configuration zufolge not- 
wendig zum grossen französischen Staatsgebiete. Der Erhaltungs- 
trieb zwang ihre Herrscher, dieser Naturnothwendigkeit sich 
„entgegenzustemmen. Aus sich war die Bretagne zu schwach, 
sie konnte der Attractionskraft des französischen Beiches nur 
so lange Widerstand leisten , als ein mächtiger Freund ihr 
seinen Schutz bot. Diesen suchte und fand sie naturgemäss 
in England. 

Aus diesem Schutzbedürfniss entwickelte sich eine poli- 
tische Freundschaft heraus, die für die Bretagne fast Abhängig- 
keit genannt werden konnte. Aehnlich wie in den Niederlan- 
den das Zusammenhalten mit dem englischen Könige gegen 
Frankreich für den Handel so bedeutsame Folgen hatte, so 
war es auch in der Bretagne der Fall. Es bildete sich ins- 
besondere ein Vertragsverhältniss *), das nahezu mit dem 
der Niederlande sich deckte. Die mit der Bretagne ab- 

») Yd. für das 15. Jahrhundert Rym er VIIL 8.542(1408); IX. S.5U 
1417); XI S. 618 (1468). 



— 294 — 

geschlossenen Tractate kann man als Copien der niederländi- 
schen Intercursus betrachten 1 ). 

Die Zahl der von der Bretagne gelieferten Artikel war 
nicht gross: 

Als Waaren gehn von dort und gingen ein: 
Batist und Segeltuch und Salz und Wein '). . 

Aber diese Producte und Manufacte waren sehr wichtig- 
Für Leinen, grobes wie feines 8 ), war die Bretagne Haupt- 
bezugsort; ebenso für Salz, das an der Meeresküste daselbst 
gewonnen wurde 4 ). Zu diesen Waaren gesellten sich zur Zeit 



] ) Vgl. den Tractatus de intercursu mercandisarum, der am 2. Juli 
1468 zwischen Eduard IV. und Herzog Franz auf 30 Jahre abgeschlossen 
und von Heinrich VII. 1486 erneuert wurde, mit dem Vorgänger des Magnus 
Intercursus, dem Vertrag vom 5. Juni 1467. Rymer XII. S. 67—86. 

*) Libell of Engl. Policye, Hertzbergs üebers. V. 152— 54. 

1 VgL Parlamentsacte 21 Hen. VIIL c. 14 und 28 Hen. VIH. c 4. 

') Das Salz wurde namentlich im Hafen Bay, dem heutigen Bourgneuf 
Bay geladen; vgl. Travers Twiss, The black book of the admiralty I. S.139. 
lieber die Bedeutung der Salzproduction in der Bretagne mag folgende 
Notiz orientiren: „Les ventes du sei y (= ä Nantes) depassaient chaque 
annee avant la Ligne le chiffire de cinq cent mille tonneaux, ce qui suppose 
un mouvement de plus de deux cent mille tonneaux." Pitre Chevalier, 
La Bretagne ancienne et moderne 1844. S. 498. Ausser der Bretagne 
kamen für die Salzproduction auch die übrigen an der See gelegenen Pro- 
vinzen in Betracht. Rochelle, sowie Brouage in Saintonge waren Haupt- 
platze für den Salzhandel. Es mag gleich hier darauf hingewiesen werden, 
wie selbst in den Vertragen das französische Seesalz eine Rolle spielt Dem 
Tractat von 1527 (Aug.) zufolge musste Frankreich einen jährlichen Tribut an 
grobem Salz im Werth von 15 000 Kronen (1 Krone =- 35 Tours'scher Schil- 
linge) während der Monate Mai, Juni und Juli zu Brouage in Saintonge 
geben (Dumont, Corps diplom. IV. 1. S.476. Art. 11. Brewer, Cal Iv. 
3080). Es scheint, dass Franz nicht im Stande war, diesen Betrag zu 
liefern. Nachdem die englische Regierung mit ihrem Vorschlafe, Frank- 
reich solle England 40 Jahre lang jährlich mit 40 000 Zentner (der Zentner 
=- 40 Bushel) versehen, wobei England sich mit einem Gesammtzoll von 
20 d per Ztr. begnügen wollte, und das Salz zu 5 d per Bushel verkauft 
werden sollte, nicht durchgedrungen war, verwandelte man die Natural- 
lieferung in eine Geldlieferung (Dumont IV. 2. S. 74). — Sehr merk- 
würdige Vorgänge spielten sich wegen des Salzes 1542 in Rochelle ab. Da 
ihr Verlauf rar die Engländer nicht gleichgültig war. so dürfen dieselben 
nicht übergangen werden. Franz, dem die grossen Einnahmen, welche die 
Venetianer aus ihrem Salze zogen, nicht entgangen waren (vgl. auch Marino 
Cavallis Bericht 1546 bei Tommaseo, Relations etc. I. 8.260), wollte zwar 
nicht das Salzmonopol einführen, aber eine grosse Salzsteuerreform ins Leben 
rufen. DieProducenten sollten 20 Sous vom Ztr. zahlen und die Steuer auf den 
Preis schlagen; dadurch rechnete er auf eine bedeutend höhere Einnahme; 
denn bisher war die Salzsteuer um 4000 Mark verpachtet Aber alle seine 
Bemühungen, den Producenten das Einleuchtende seiner Theorie beizubringen, 
scheiterten. Er drohte, er versprach Freiheiten, es war Alles vergeblich. 
Wahrscheinlich fürchteten die Salzproducenten , der Salzhandel Portugals 
werde den ihrigen dann überflügeln. Schliesslich wandte der König Waffen- 
gewalt an, und die Zollfrage wurde dann so gelÖBt, dass die Producenten 
rar 100 Ztr., die im Kgr. verkauft wurden 812 J /i Francs, für 100 Ztr., die 
an Fremde abgegeben wurden, nur 12 1 /* Francs zahlen mussten. Die ganze 
Last war somit auf die Franzosen abgewälzt; England hatte sein billiges 
Salz wie früher (State Papers IX. S. 236 fg.). 



— 295 — 

der Tudors in Folge der von Franz IL zu Vitro und Rennes 
errichteten Manufacturen noch «Seidenwaaren und Tapeten 1 )« 
Umgekehrt dienten die englischen Producte und Gewerbs- 
erzeugnisse in vorzüglicher Weise den Bedürfhissen der. Bre- 
tonen. 

Im 15. Jahrhundert, namentlich in der zweiten Hälfte, war 
der Verkehr zwischen beiden Ländern für damalige Verhält- 
nisse ein blühender 8 ); die Bretagne machte um jene Zeit 
unter ihrem Herzog Franz H. in commercieller Hinsicht grosse 
Fortschritte, sie dehnte ihren Handel bis in die Levante aus, 
knüpfte neue Beziehungen mit Portugal (1459 und 1471), mit 
den Hansastädten (1476 und 1478) und mit Spanien (1483) 
an 3 ). Sodann verlor sich auch gegen Ende des bezüglichen 
Jahrhunderts der böse Ruf, in dem die Bretonen wegen ihrer 
Seeräubereien standen, und der vom Verfasser des „Büchleins 
der Englischen Staatsklugheit u in so grellen Farben geschil- 
dert wird 4 ). 

Heinrich VH. war stark genug, um Zucht und Ordnung 
im Canal zu schaffen. Nichtsdestoweniger sollte unter ihm in 
den Beziehungen zur Bretagne eine völlige Wendung eintreten. 



*) Pitre Chevalier a. a. 0. 

*) Als 1487 ein Waffenstillstand zwischen dem Herzog von Bretagne 
and England abgeschlossen wurde, gab der englische König 10 Kauf leuten 
von Lentoiguer, 6 Kauf leuten von St Malo und 6 Kauf leuten von „Henbout" 
in der Nahe von -Blanet" die Erlaubniss, für 1 Jahr nach England zu han- 
deln (Campbell, Materials for a history of Henry VII. II. S. 150 u. 151). 
Aehnlichen Licenzen begegnen wir später (5. Juli 1498. Br. M. Sloane Ms. 
4618 Nr. 1 bezw. R. 0. Fr. Rot. lSHen. VII. m. 3). Wenn also in solchen 
Zeiten, wo die Zahl der an dem Handel sich betheiligenden Kaufleute ab- 
sichtlich beschrankt wurde, der directe Verkehr als ein nicht unbeträcht- 
licher Erscheint, so darf man für normale Zeiten ihn blühend nennen. 
*) Pitre Chevalier a. a. 0. 
4 ) Wahr aber ist es: die Bretagne enthalt 

Die grössten Dieb' und Räuber in der Welt 

Seit Jahren schon durchkreuzen sie das Meer 

Und mancher unsrer Kaufherrn büsst es schwer. 

Viel Güter haben uns an diesen Küsten 

Die Plündrer schon geraubt mit bösen Listen, 

Die alle — von St Malo sind die meisten — 

Dem eig'nen Herzog keine Lehnspflicht leisten. 

So 8chäöVgen sie mit Arglist unser Land 

Und falscher Frieden wird kein Krieg genannt 

Sie laufen selber Englands Küsten an, 

Bald hier, bald dort, mehr als ich sagen kann. 

So haben Norfolk und manch andern Ort 

Sie heimgesucht mit Raub und Brand und Mord, 

Und Stadt um Stadt verheert die Küst' entlang, 

Dass laut zum Himmel schon ihr Wehruf drang 

Zu Schand' und Schmach für uns; der Tadel fallt 

Auf sie, in deren Schutz die See gestellt 

Je wen'ger man aus der Bretagne macht, 

Je mehr hat euch St. Malo Schimpf gebracht 

Hertzbergs Uebers. V. 159—177. 



— 296 — 

Die Bretagne war nicht mehr im Stande, der Uebermacht 
Frankreichs länger zu widerstehen , 1491 verlor sie — nicht 
ohne Schuld Heinrichs VII. — ihre Selbständigkeit und hörte 
damit auf, ein kräftiger Stützpunkt englischer Politik auf dem 
Cop^inente zu sein. 
^<r Der Einfluss dieser Thatsache zeigte sich sofort.* Man 
~ behandelte englischerseits die Bretonen als Franzosen. Das 
bisherige Vertragsverhältniss wurde zwar nicht gelöst, allein 
das Fremdenrecht und die englischen Gesetze gegen sie strenger 
geübt. Allerwärts begegnete man ihnen illiberal und feind- 
selig. Im Jahre 1507 kam es darüber zu diplomatischen Ver- 
handlungen; nicht weniger als 18 Beschwerdepunkte brachten 
die bretonischen Kaufleute vor. Darin heisst es : 

Die im Vertrag den Bretonen garantirte Freiheit des 
Verkehrs wird in England nicht beachtet, die Einfuhr *von 
Gascogner Wein und Toulouser Waid in eigenen Schiffen nicht 
gestattet, beim englischen Küsten verkehr jede erdenkliche 
Schwierigkeit bereitet. Der Kauf und die Ausfuhr von Zinn, 
Wolle, rohen Häuten, ungeschomen Tüchern (panni crudi) 
Wollengarn, Zinnsteinen (stannum in stannifodina), Käse, 
Pferden, Ochsen und anderen Thieren ist an eine Licenz ge- 
bunden, die sie nur um schweres Geld erhalten können. Der 
Export des Gelderlöses ist ihnen untersagt. Man verlangt von 
den Kaufleuten für jede Namenseintragung einen Groschen. 
Man zwingt sie, bei der Einfuhr eine Obligation auszustellen 
und abermals einen Groschen zu erlegen, wodurch der Grund- 
satz, dass die Zölle nur nach dem Werth der Waaren sich 
w bemessen sollen, verletzt wird. Man nöthigt sie, Bürgschaften 
^ zu stellen, dass sie den gesaramten Erlös der eingeführten 
Waaren auf den Einkauf englischer Artikel verwenden wollen; 
auch sollen sie das Königreich von demselben Hafen aus ver- 
lassen, in welchem sie eingelaufen sind. Sie dürfen Waaren, die 
mehren Kaufleuten gehören, nicht unter einem einzigen Namen 
verzollen, wenn sie nicht die Confiscation riskiren wollen. Für 
ihr Leinentuch zahlen sie 20 % mehr Zölle als die Engländer. 
Flandrische Waaren und Malvasierwein sollen sie nur in eng- 
lischen Schiffen importiren. Für den Ballen Waid verlangte 
man früher 10 d, jetzt fordert man 15 d. Seit ungefähr 
sieben Jahren zwingt man sie, für jeden Zentner Waaren 
1 d Wägegeld zu entrichten. Hinsichtlich der Tücher behan- 
delt man sie nicht wie die Engländer, diese zahlen 10 gr und 
3 d weniger Zoll als die Bretonen. Bei gewissen Tuchsorten, 
wie den Bridgewater Kersies und anderen, wurde eine höhere 
Belastung theils durch Steigerung des zu Grunde gelegten Zoll- 
werths, theils durch Kürzung der bisher üblichen Tuchlänge 
herbeigeführt. Die Zinnzölle sind für die Bretonen um die 
Hälfte höher als für die Engländer. Sie müssen bei der Aus- 
fuhr einen Schein, das sogenannte „quocquet" sich verschaffen 



— 297 — 

und 3 Groschen dafür zahlen. Der Sucher von London er- 
presst von ihnen bei jedesmaliger Ausübung seines Amtes be- 
liebige Summen. Für Aufrechthaltung des Friedens müssen sie 
4 Bürgen stellen, welche edler Abkunft sind und ein Einkom- 
men von mindestens 100 ( £ besitzen. Man lässt für Vergehen 
eines einzelnen Bretonen alle haften 1 ). 

Die Engländer waren zwar im Stande, manche Beschwer- 
den zu berichtigen, in den meisten Fällen mussten sie aber 
doch den Hauptkern der Klage umgehen und zu nichtssagen- 
den Entgegnungen ihre Zuflucht nehmen 8 ). Aus Allem geht 
hervor, dass die Bretonen aus mehr oder weniger Privilegirten 
für die Engländer Fremde geworden und in Zoll- und sonstigen 
Fragen alle daraus sich ergebenden Gonsequenzen zu tragen 
hatten 8 ). 

Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass unter Hein- 
rich VIH. die von seinem Vater angebahnte commercielle Po- 
, litik der Bretagne gegenüber fortgesetzt wurde 4 ). 

Eine der eben geschilderten ähnliche, aber viel schärfer 
ausgeprägte und auch reichere Entwickelung finden wir, wenn 
wir die Gebiete des südwestlichen und südlichen Frankreichs 
ins Auge fassen. 

" Die Rolle, welche diese Gebietsteile, namentlich Gascogne, 
Guienne und Poitou in der englischen Geschichte spielen, ist 
bekannt. Calais ausgenommen, waren die genannten Provinzen 
langer im Besitz der englischen Krone, als die übrigen franzö- 
sischen Landestheile. Das gemeinsame administrative Band, 
das durch diesen Umstand um die britische Insel und Süd- 
frankreich geschlungen wurde, wäre schon allein genügend ge- 
wesen, trotz der grossen Entfernung rege Beziehungen zu be- 
gründen. Aber auch das commercielle Moment war für diese 
von nicht geringem Belang. England besass so gut wie keinen 
oder doch einen kaum geniessbaren Wein 6 ). Im 11. Jahr- 
hundert, als England noch sehr vereinsamt war, musste man 
aus Mangel an Wein beim Abendmahl nicht selten zu Bier 
und Wasser greifen 6 ). Das Weinbedürfniss der Engländer war 
aber stets im Wachsen begriffen, und im 14 Jahrhundert war 

l ) ürk. Beil. 115. 

*) Urk. Beil. 115. Die Entgegnungen der Engländer sind für viele 
Handelfifragen sehr instructiv, weshalb ich nachdrücklichst auf dieselben 
verweise. 

*) Ob die Engländer ebenfalls Klagen gegen die Bretonen hatten, 
bleibt dahin gestellt. Es scheint, als ob der Handel der letzteren nach 
England bedeutender war, als der der Engländer nach der Bretagne. 

4 ) Die Acte 24 Hen. VIII. c. 4 ist hauptsächlich gegen die Bretagne 
gekehrt. 

*) Nähere Angaben hierüber bei Michel, Histoire du commerce et de 
la navigation ä Bordeaux sous l'administration Anglaise 2 Vols. 1867 — 70. 
1. S. 34 fg. Vgl. auch Rot. Pari. I. S. 315. 

*) Kiesselbach, Gang des Welthandels im Mittelalter. S. 47. 



— 298 — 

der Wein bereits ein ziemlich verbreitetes Getränk und nicht 
blos unter „den Weisen und Greisen" 1 ), sondern überhaupt 
unter den Vornehmen und Reichen. 1350 gingen von Bordeaux 
141 Schiffe mit 13429 Tonnen Wein nach London 8 ). Der süd- 
französische Wein gab den bereits künstlich geschaffenen Be- 
ziehungen die natürliche Unterlage 3 ). 

In Folge der beiden Momente hatten sich die südfranzö- 
sischen Kaufleute mancher Bevorzugung bei den englischen 
Königen zu erfreuen. Im 13. Jahrhundert gewählte Johann 
ohne Land den Kaufleuten von Poitou, Gascogne und Pärigord 
die Freiheit, mit allen Waaren ihres Landes nach England zu 
handeln, und bewilligte auch sonst manche Erleichterungen 4 ). 
Seinem Beispiel folgte Heinrich III.; allein die Gewalttätig- 
keit der Barone und königl. Beamten erwies sich unter ihm 
und unter seinem Vorgänger noch zu gross, ihre Bedrückung 
der Kaufleute war zu empörend, als dass diese nicht hätten 
abgeschreckt werden sollen 6 ). 

Die Eduarde erzielten besseren Erfolg. Ueberhaupt be- 
strebt, den fremden Kaufmann zu schützen und ihm das Land 
zu öffnen, waren sie doch ganz besonders geneigt, die Bewohner 
von Gascogne und Guienne 6 ) durch freundliche und liberale 
Behandlung zu gewinnen und dadurch den entfernten Besitz 
fester an die englische Krone zu knüpfen. Trotz des Wider- 
standes der Londoner erhielten die Bordolesen und übrigen 



*) Vgl. die Antwort des Kaufmanns Colloque d'Africo, als ein Spass- 
yogel ihn fragte, warum er den Wein nicht selber trinke. Th. Wright, 
Yocabularies. London 1857. S. 8, 14. 

*) Michel I. S. 402. Ueber den Weinimport nach England unter 
Heinrich VIII. vel. Bd. II. S. 22, 23, 128 fg. 

*) Von Einnuss für den Verkehr waren auch die Fahrten der Pilger 
nach St Jago de Compostella, welche meist zur See blos bis nach Süd- 
frankreich gingen. Im 13. Jahrhundert hielt man eine Marine ohne Pilger 
für undenkbar, und es war geradezu Spruch wort: „Point de marine sans 
pelerinages". Michel I. S. 503 und Freviile, Memoire sur le commerce 
maritime de Ronen I. S. 141. Sieh auch Sir Travers Twiss, The black 
book of the admiralty VoL I. S. 157. Nr. 37. 

4 ) Michel I. S. 39 fg. 

5 ) Michel I. S.41. vgl. auch Abschn. II. Cap. 3 unserer Darstellung. 
e ) Ausser den Kaufleuten von Gascogne und Guienne unterhielten 

auch die von Languedoc, namentlich die Burger von Montpellier und Nar- 
bonne directe Handelsbeziehungen mit England und besassen sogar Contore 
in London. Doch darf man verxnuthen, dass die Kauf leute von Languedoc 
meistens den Weg über Bordeaux und die Niederlande nahmen. Solange 
der directe Verkehr der Italiener nach England gering war, war Languedoc 
wichtig, weil ein grosser Theil der italienischen Waaren von hier aus nach 
England gelangte; umgekehrt gingen im 12. und 13. Jahrhundert die für 
Florenz bestimmte englische Wolle und sonstige englische Producte nach Li- 
bourne, von da zu Land nach Aigues-Mortes und dann zu Schiff nach Pisa. 
Vgl. Germain, Histoire du commerce de Montpellier 1861. I. S.4, II. S.18, 
38 u. 40; Port, Essai ßur 1 'histoire du commerce maritime de Narbonne 
Paris 1854. Peruzzi, Storia del commercio e dei banchieri di Frenze 
S. 324. 



— 299 — 

französischen Provinzialen eine Reihe nicht unbeträchtlicher 
Freiheiten 1 ). Den Engländern als dem herrschenden Volk 
durften ohnehin keine Hemmnisse in den Weg gelegt werden, 
und es begreift sich, dass der Verkehr bald grössere Dimen- 
sionen annahm. Ausser den Weinen waren auch Früchte*), 
Waid, Eisen, Waffen und Messerschmiedewaaren, im 16. Jahr- 
hundert auch Harz, Schiffstheer, Terpentin, Brasilienholz, Tau- 
werk, Hanf und Böttcherholz diejenigen Artikel 8 ), welche die 
englischen Kaufleute zu erwerben suchten. Als Gegenzahlung 
brachten die englischen Häfen London, Hüll, Exeter, Dart- 
mouth, Bristol und ehester 4 ) Korn, Fleisch, Käse, Butter und 
Talg, Heringe, Stockfische, gesalzene Salmen, Wolle, Zinn, 
Häute, Tuch und Worsteds 6 ), ferner eine ganze Reihe von 
Mercerwaaren, wie Handschuhe, Hüte, lederne Schnüre, Kappen, 
Beutel, Ledergürtel und Nesteln, endlich behufs Schiffbelastung 
.Quadersteine 6 ). 



*) Michel L S. 98—97 u. 103 fg. Bordeaux hatte auch zu London 
einen eigenen Weinkeller; vgL Stow, Survey of London 8. 188. Neben Bor- 
deaux genoss noch Bayonne viele Rechte in London, wenngleich auch hier 
die Londoner Ar sich mehr beanspruchten, als sie umgekehrt zu gewähren 
gewillt waren. London wollte 1415 und 1488 namentlich sein Privileg der 
Zollfreiheit im Gebiete des ganzen englischen Reiches auch für Bayonne 
geltend machen, gab aber nach langem heftigem Streit seine Opposition in 
einem Vergleich auf, da sich herausstellte, dass Bayonne wegen seiner Grenz- 
lage zu seiner Vertheidigung einer bedeutenden finanziellen Einnahme nicht 
entbehren konnte. Rot Pari. IV. S.68, 77. 500; Delpit, Collection des 
documents francais en Angleterre S. 255. 260. 262 und Michel a. a. 0. 

*) In der Relation des Marino de Cavalli (1546) heisst es namentlich 
mit Rücksicht auf Languedoc und Provence: „La mercanzia di frutti e in 
yoto di maggior importanza di quel che al primo tratto si possi credere; 
perche essendomi stato accertato che il dazio de* susini secchi, che 6i 
traeno di una parte di Francia nerilnghilterra , Scozia e Fiandra, si ha 
affittato dieeimifa seudi; l'anno, mi persuado che tanti altri frutti di tanti 
paesi importino quasi un estremitä/ N. Tommaseo, Relations des Am- 
Dauadeurs Venitiens sur les affaires de France au XVI. siecle. I. S. 259. 

*) Michel L S. 817. 458, 475, 483 fg. 

*j Nähere Details über den Verkehr dieser Häfen mit England sind 
bei Michel a. a. 0. zu finden, besonders ausführlich seine Notizen über 
den Verkehr mit Hüll im Jahre 1440. S. 845-58; vgl. auch Rot Pari. 
IV. S. 85. 

*) Ueber die vorübergehende Reaction gegen das englische Tuch im 
14. Jahrhundert vgl. Michel I. S. 298; ebenda sieh die Bemerkung über 
die noch Jahrhunderte andauernde Herrschaft des englischen Tuchs auf 
dem französischen Markt 

*) Michel L S. 258 fg. 885. Dazu darf man auf Grund der Re- 
lation von Marino de Cavalli (1546) auch noch Blei fugen. Der venetiani- 
sche Gesandte sagt nämlich: „tutti li piombi sono portati d'Inghilterra" 
Tommaseo, Relations etc. L S. 254. Man vergl. auch sonst über die 
französischen Producte und Hülftquellen diese Relationen. Vorzüglich 
ist ferner nach dieser Seite hin Le Debat des heraulx d'armes de France 
et d'Engleterre. übersetzt von H. Pyne, England and France in the 
fifteenth Century. 1870. Da jeder Herold die Vorzüge seines Landess schil- 
dert, so tritt der Unterschied zwischen den Producten beider Länder be- 



— 300 — 

Ein Riss kam in die regen und freundlichen Beziehungen 
zwischen Südfrankreich und England, als diese Gebietsteile, 
namentlich Guienne und Bordeaux an die französische Krone 
verloren gingen. Die Handelspolitik seit Mitte des 15.- Jahr- 
hunderts ist deshalb das völlige Gegenbild zu der des 14. Jahr- 
hunderte. Das Freundschaftsband war zerrissen, die Bordolesen 
und ihre Nachbarn waren aus englischen Unterthanen Fremde 
geworden, die Engländer aber galten in Bordeaux und Guienne 
nicht nur als Fremde, sondern als allezeit gefährliche Feinde 1 ). 
Zur Festhaltung des Eroberten waren die Franzosen gezwungen, 
gegen die englischen Kaufleute eine höchst strenge Controle 
auszuüben 2 ).-, der Hafen von Lune wurde ihnen lange ver- 
schlossen, das Weingeschäft ihnen sehr erschwert 3 ). Die Eng- 
länder wandten sich in Folge dessen dem französischen Norden 
zu; in Rouen und Calais tauschten sie die Wolle gegen die 
Weine von Niederburgund aus und gaben so den Impuls zur 
Entstehung der Tuchfabriken in der Normandie, während die 
von Bordeaux zu Grunde gingen 4 ). 

Gascogne und Guienne verödeten; viele Bewohner wan- 
derten aus und zogen nach England, um sich dort in den 
Unterthanenverband aufnehmen zu lassen 5 ); der Handel ging 
zum grossen Theil an bretonische und deutsche Schiffe über. 
So kehrten sich die Folgen der rigorosen Politik ganz gegen 
das eigene Land. 

Natürlich erregte dieser Zustand die Besorgniss der fran- 
zösischen Regierung. Mit Freuden ging Ludwig XL auf 
Eduards IV. Wunsch ein, dem Handel nach Südfrankreich 
wieder etwas Luft zu schaffen, sobald er sich versichert hatte, 
dass Eduard IV. nur formelle Ansprüche auf Frankreich mache 
und gern den Frieden sich abkaufen lasse 6 ). 

Am 19. August 1475 wurde ein Waffenstillstand auf 7 Jahre 
abgeschlossen, und am 8. Jan. 1476 kam ein Vertrag zu Stande, 
in welchem die bisherigen Beschränkungen beseitigt T ) und der 



sonders hervor. Zudem war der Verfasser, Herzog Karl von Orleans, in Folge 
seines 25jährigen Aufenthalts in England und in Folge seines Talentes ganz 
der Mann, der hier ein sachkundiges Urtheil abgeben konnte. Erwähnt sei 
noch, dass der Dialog 1500 gedruckt und besonders zur Zeit der Tudors 
eifrig in England gelpsen wurde. 

1 ) Vgl. Beispiele hei Michel I. S. 372 fe. 

2 ) Wie lange es dauerte , his England au seine Ansprüche auf diese 
Gebiete vollständig und auch formell aufgab, ist bekannt. Noch Jahre 
lang wurde für diese Provinzen vom englischen König ein SeneschaU in 
partibus ernannt 1529 war es ernste Absicht Heinrichs VIII., dieselben 
wieder zurückzuerobern. 

*) Michel I. S. 361. 
*) Rot. Pari. V. S. 118 fg. 
*) Michel I. S. 366. 

e ) Pauli, Geschichte Englands V. S. 428—431. 
7 ) Wie man französischerseits Bordeaux wieder auf seinen alten Glanz 
bringen wollte,' darüber vgl Michel I. S. 370. 



— 301 — 

Verkehr fast ganz unter denselben Bedingungen wie früher er- 
laubt wurde 1 ). Während der sieben Jahre konnte der eng- 
lische Handel in dem früheren Markte sich wieder heimisch 
machen. Der ganze Besitz dieser Rechte war aber bedroht, 
als Richard III. gewaltsam den englischen Thron an sich riss. 
Schon wagte kein englischer Kaufmann, nach Bordeaux zu 
fahren, wenn er nicht vorher einen Geleitsbrief vom französi- 
schen König in Händen hatte 9 ). 

Doch die kurze und trübe Regierungszeit Richards III. 
lief rasch ab. Heinrich VH. eroberte die Krone. Jetzt musste 
sich zeigen, was aus den englischen Freiheiten werden sollte. 
Nüchternen Sinnes, wie der erste Tudor war, und die Stärke seines 
Reiches in der insularen Lage erkennend, gab er alle ernsten 
Gedanken an die Eroberung der französischen Besitzungen auf. 
War er politisch zu vielen Cüicessionen bereit, gestattete er 
selbst Gebietsvergrösserungen : in Bezug auf den Handel war 
er fest entschlossen, seinen Unterthanen zu retten, was zu 
retten war, und keck auf Frankreichs Interessen loszuschlagen. 
Die Fremdenzölle gegenüber den Südfranzosen in Anwendung 
zu bringen, hatte Heinrich VII. nicht erst nöthig. Es war dies 
gleich nach der Eroberung der Provinzen durch Frankreich 
geschehen 3 ). Sein Angriff lag auf einem andern Gebiete. 
— * — 

*) 1. Der Handel der Engländer ist an keinen (kostspieligen) Geleits- 
brief mehr gebunden. 2. Die Engländer werden nicht mehr bei der Mihi 
dang der Gironde zu Nötre Dame angehalten, bis sie eine Licenz erwirkt, 
dass sie nach Bordeaux kommen dürfen; ebenso fällt die Untersuchung ihrer 
Schiffe zu Blaye und der dadurch oft Monate lange Verzug, die Wegnahme 
ihrer Waffen« Zahlung von Gebühren hinweg. 3. Ebenso soll von dem 
nur 1 Monat geltenden Berechtigungsschein, den jeder Engländer haben 
muss zum Ausweis, dass er die Stadt betreten darf, und von den damit 
verbundenen hohen Gebühren in Zukunft Abstand genommen werden. 
4. Sie können sich einlogiren, wo sie wollen. 5. Der Bürgermeister von 
Bordeaux darf nicht mehr die Vorzeigung des Geleitsbriefes fordern, auch 
keine bezügliche Gebühr verlangen. 6. Die englischen Schiffe dürfen so 
lange vor Bordeaux verweilen, als sie wollen (nicht blos 14 Tage wie 
früher). 7. Die Schiffsgebühr wird ermässigt. 8. In der Gironde dürfen 
die Engländer ihr Schiff ganz allein fuhren. 9. Die Polizeistunden für die 
Engländer werden aufgehoben. 10. Gewisse Gebühren für Schiffe, die 
flussabwärts fahren, werden ermässigt. 11. Die illiberale Behandlung in 
Betreff des Tuchmessend soll aufhören. 12. Für Eisen, das die Engländer 
aus Spanien holen, sollen sie keinen Zoll zahlen, wenn sie solches nicht 
ausladen. 18. Die englischen Kaufleute dürfen über das Weichbild von 
Bordeaux hinausgehen wie früher. 14. Der Zoll wird auf die Hälfte herab- 
gesetzt; ebenso das Tonnengeld bedeutend ermässigt; die Costumen von 
Rouea, de la Tour, Cordouan bleiben wie früher. Pardessus, Ordonnances 
des Rois de France de la troisieme race Vol. XVIII. S. 160 fg. 

m *) Vgl. den Brief Richards III. an Ludwig XI. vom 18. Aug. 1483. 
Gairdner, Letters etc. I. S. 34; sieh auch die Instructionen an Grafton 
etc. Juli 1483. a. a. 0. I. S. 18 und das französ. Schreiben an Richard III. 
vom 12. Aug. 1484 bei A. Bern i er, Proces verbaux des slances du conseil 
de Rlgence du roi Charles VIII. pendant les mois d'aoüt 1484 ä janvier 
1485 S. 15; endlich Pauli, Geschichte Englands V. S. 499. 

s ) Der erste Versuch hiezu wurde sogar schon 1450 von den Zoll- 



— 302 — 

Kurz nach Heinrichs VII. Regierungsantritt wurde die 
Schiffahrtsacte erlassen, welche die Bordolesen und ihre Nach- 
barn fast g&nzlich vom Weinhandel nach England ausschloss; 
die Weine von Gascogne und Guienne durften nämlich nur in 
englischen Schiffen importirt werden >). Damit nicht zufrieden 
war er bestrebt, auch noch die Freiheiten der englischen Kauf- 
leute in diesen Provinzen zur Anerkennung zu bringen. Schon 
in die Verträge, die behufs Aufrechterhaltung des Friedens 
geschlossen wurden, liess er Bestimmungen aufnehmen, welche 
nicht nur die Freiheit des Handels, sondern auch die Besei- 
tigung aller in den letzten 22 Jahren neu erhobenen Zölle 
und Abgaben garantirten *). Als man aber diese Vertrags- 
artikel in England ungünstigem Sinn interpretirte und in 
Bordeaux die englischen Kaufleute bedrückte, benützte Hein- 
rich VII. die Verwicklung Karte VIIL in auswärtige Händel, 
um auch diese Unklarheit zu beseitigen. Noch während seiner 
Anwesenheit in Neapel musste der französische König ein De- 
cret unterzeichnen 8 ), worin er den englischen Kaufleuten alle 
Rechte zusicherte, die sie unter seinem Vater genossen. Damit 
waren offenbar die oben von uns erwähnten Privilegien tob 
1476, sowie andere althergebrachte Freiheiten 4 ), wie das Recht 
des Detailverkaufs, der Anspruch auf Erledigung der Streit- 
fälle innerhalb dreier Tage und ähnliche Begünstigungen ge- 
meint Auf Grand dieses Zugeständnisses gelang es auch 
Heinrichs VII. energischen Protesten, jeden neuen Versuch der 
Bürger von Bordeaux, durch den die Engländer mit höheren 
Zöllen belastet werden sollten, abzuweisen 5 ). 

Angesichts dieser Rechte der Engländer in Bordeaux und 
der gleichzeitig harten Behandlung der Franzosen in England 
begreift man den Missmuth und die Unzufriedenheit, die jetzt 
unter den Bordolesen und ihren Nachbarn sich erhoben •). Hit 
Wehmuth denken sie an die Zeiten zurück 7 ), wo der englische 
Kaufmann nur mit einem rothen Kreuz auf dem Rücken das 



beamten gemacht, obwohl erst 1451 die Franzosen die Eroberung vollführten, 
Rot Pari. V. S. 200. 

*) 1 Hen. VIL c. 8 und 4 Hen. VE. c 10. 

2 ) Vgl. den Vertrag v. 17. Jan. 1486 Art. 8 u. 4. Rymer XIL S. »1 
und die Erneuerung v. 14. Juli 1488. Rymer XII. S. 344. 

8 ) Das Decret ist erwähnt in einer (bei Michel I. S. 876 Anm. ab- 
gedruckten) Ordonnanz vom 16. Nov. 1495. 

«) Michel I. S. 889 u. 392. 

*) Befehl Karls VIIL v. 16. Nov. 1495. Michel I. S. 876. 

fl ) ürk. Beil. 113. Brewer, Cal. II. 8521. 

7 ) ürk. Beil. 114. Brewer, Cal. II. 8521. Die ürk. BeiL 113 und 
1 14 sind ohne Datum. Brewer glaubt sie in die Zeit vom Juli 1517 setzen 
zu müsse*. Michel I. S. 377 hat seine Abschrift den Archives d'Empir« 
entnommen und nimmt für die Zeit ihrer Abfassung das Ende des 15. Jahr- 
hunderts an. Ich schliesse mich hier Michel an, da Ende des 15. Jahr- 
hunderts sicher der Contrast noch lebhaft in der Erinnerung war und eben 
deswegen drückender empfunden werden musste, als 20 Jahre spater. 



— 303 - 

Land betreten, nur in der Stadt handeln oder doch nur in der 
Begleitung eines Polizeidieners aufs Land gehen durfte, wäh- 
rend jetzt die Engländer zu Tausenden x ) in Bordeaux umher- 
schwärmten, das Land auf- und abgehen, den Wein aus erster 
Quelle kaufen und alle bürgerliche Nahrung zu Grunde 
richten konnten 8 ). 

Der Jammerruf verklang ungehört In einem Punkte nur, 
nämlich in Betreff der Navigation, gab die französische Re- 
gierung der Volksstimme theil weise Gehör. 1504 erliess Lud- 
wig XII. eine Art Schiffahrtsacte, indem er allen einheimischen 
Kauf leuten verbot, in den Häfen Frankreichs ein fremdes Schiff 
zu befrachten 3 ). Man muss füglich bezweifeln , ob dies den 
Engländern irgendwie geschadet. Man darf sogar vermuthen, 
dass die Acte den englischen Kauf leuten noch nützte; die 
Fracht des Weins war den Engländern schon reservirt, jetzt 
wurde ihnen auch der Weinhandel in die Hände gegeben. 

Sieht man von dem vernünftiger Weise nicht wieder ein- 
zubringenden Gebieteverlust ab, so war England durchweg der 
gewinnende, Frankreich der verlierende Theil. Heinrich VII. 
hat den zweifelhaften, schwankenden Zustand, den er beim 
Regierungsantritt vorfand, zu Englands Gunsten entschieden. 



\) Ihre Zahl wird auf 6—8000 (!) angegeben. 

*) Nur ein Vortheil erwuchs den Bürgern von Bordeaux unter der 
Herrschaft der Tudors; Bordeaux wurde im 16. Jahrhundert der Hauptplatz 
für Waid, und es exportirte jährlich 200 000 Ballen, während dieser Handel 
früher ganz in den Händen der Italiener war (Michel I. S. 308). Ich glaube 
mich nicht zu täuschen, wenn ich diese Veränderung hauptsächlich der 
englischen Navigationsacte zuschreibe. Da neben dem Wein von Gascogne 
und Guienne auch der Toulouser Waid nur in englischen Schiffen nach 
England gebracht werden durfte, so war es ganz naturlich, dass der Tou- 
louser Waid Bordeaux als Stapel suchte. 

*) Miltitz, Manuel des Consuls I. S. 261, der sich auf Martens, 
Gesetze und Verordnungen LS. 1 stützt Das Verbot wurde erneuert von 
Heinrich II. am 8. Februar 1555. Aber erst Karl IX. sab der Acte eine 
grössere praktische Bedeutung, indem er auch den Fremden verbot (8. Febr. 
1-567), französische Waaren in den französischen Häfen auf fremde Schiffe 
zu verladen, a. a. O. Erwähnung verdient, wie der mehrerwähnte Herzog 
Karl von Orleans bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts erkannte, dass 
Krankreich eigentlich seine Schiffahrt schützen und nicht länger mehr dul- 
den sollte, dass sich die englische auf Kosten Frankreichs vergrössere. 
„You must of necesßity have such wine and salt from the kingdom of France 
either by safeconduct or by smuggling, otherwise your ships would have 
no employment and would perish in the mire. Besides you would have 
nothing wherewith to salt yeur fish, which is the chief source of wealth 
and employment for ships, that you possess. By these two articles of 
merchandise your great Stripping is supported, and that solely by means of 
the kingdom of France, for otherwise you would not have a sutficiencv of 
them. And if upon good consideration of the matter the king determined 
so to employ bis ships, he would derive a great revenue from them; for 
bis ships would gain by freight or otherwise, what foreigners now gain in 
i>is kingdom , which would be a great profit to his people, and the money 
*onld remain in his country; since it is reasonable, that his ships should 
be first served." Pyne, England and France in the 15 th Century S.53. 



— 304 — 

Unter diesen Verhältnissen war es dem Sohne Heinrichs VII. 
nicht schwer, die commercielle Politik gegenüber Frankreich zu 
leiten. Er hatte nur nöthig, zu erhalten, was er überkommen. 
Das geschah auch. In dem ersten Tractat vom 23. März 1510 
wurde gleich ausbedungen, dass diejenigen Zölle und Abgaben 
zu gelten hätten, welche vor 47 Jahren bestanden 1 ), und im 
Jahre 1514 bestätigte Ludwig XII. noch besonders die Rechte 
der Engländer in Bordeaux 2 ). Man darf mit Sicherheit an- 
nehmen, dass auch Franz I. in Friedenszeiten und namentlich 
dann, wenn er der englischen Hilfe bedurfte, die englischen 
Freiheiten in Guienne achtete und schützte, zeitweise wohl 
noch vermehrte 8 ). 

Die französischen Gebiete, denen wir bisher unsere Auf- 
merksamkeit zuwendeten, sind alle am Meer gelegen und 
schliessen Frankreich nach der Seeseite ein. Es ist selbst- 
verständlich, dass der Verkehr mit dem inneren Frankreich 
schon in Anbetracht der Verkehrswege, wie in Folge der un- 
zähligen Wege-, Fluss-, Provincial- und Stadtzölle zu keiner 
Bedeutung gelangen konnte. Wohl fehlte es, auch nachdem 
die Messen von Champagne verfallen waren, im Waarenverkehr 
nicht an einem Gliede, das leicht eine commercielle Verbin- 
dung Englands mit den Binnenstädten hätte begründen können, 
und das war die schon damals wie noch heute hervorragende 
Luxusindustrie 4 ). Allein es gab eine Menge indirecter Wege, 

*) Rymer XIIL S. 271. 

*) Art 23 lautete: Conventum est, quod praefatus christianiBsimus 
rex Ludovicuß tempore confirmationis nraesentis tractatus omnia et singula 

Srivilegia mercatonbus Angiitis intra civitatem Burdegalensem eis per eun- 
em regem aut ejus praedecessores antehac concessa et per eum confirmata 
ratificabit et confirmabit; et si et quatenus petatur, de novo concedet in 
tarn amplis modo et forma, quam aliquando habuerunt aut usi fderunt. 
Rymer XIIL S. 420. Der Artikel wurde unmittelbar darauf practisch. 
Am 9. Aug. 1514 hatte Ludwig XU. eine Zuschlagstaxe von 4 ecus d'or 
soleil auf jede Tonne Wein, die ausgeführt werden wurde, gelegt, ohne die 
Engländer ausdrücklich auszunehmen. Als in Folge der Beschwerden der 
Franzosen diese Abgabe auf 1 ecu ermässigt wurde, erklärte man. dass die 
Engländer auch diesen kleinen Zoll nicht zu tragen brauchten. (Ordonnances 
etc. XXL S. 557 u. 564). Als dennoch die Zollbeamten die Weine des 
Herzogs von Suffolk dieser Steuer unterwerfen wollten, erkannte daa Parla- 
ment von Guienne auf dessen Klage die Ausnahmestellung der Engländer 
an. Michel I. 3. 390. 

*) Um so schlimmer erging es den Engländern, wenn Krieg zwischen 
Frankreich und England entbrannte. Wie der Handel nach Bordeaux 1521 
u. 1522 gefährdet und geschädigt wurde, darüber vgl. State Papers L 
52. 68 und Brewer, Cai. IIL 1577. 1544. 1734. 1935. 194a 2022. 2155. 
2156. 2028. 2076. 2109. 2224. 2229. 2232. 2241; Hall, Chronicle S. 633. 

4 ) Ueber die französische Industrie macht treffende Bemerkungen der 
Herzog Karl von Orleans: „As you boast. Sir Herald, that you have a greater 
number of mechanics and common people than there are in France, I shall 
show you the contrary; since for one walled town that you have, we have 
more than a dozen well peopled with mechanics and other inhabitants. 
Also we have all the mechanical crafts, which you have, and we have others 



— 305 — 

auf denen die Engländer diese Waaren beziehen konnten, und 
die hundertjährige politische Feindschaft zwang dazu, jede 
Anbahnung des directen Verkehrs zu vermeiden. So erklärt 
sich, dass von eigentlichen handelspolitischen Fragen mit ganz 
wenigen Ausnahmen 1 ) in Bezug auf die noch übrigen Theile 
Frankreichs so gut wie keine Rede sein kann. 

Nur zwei auch das commercielle Gebiet streifende Fragen 
durchziehen in geradezu ermüdender Weise die Verhandlungen 
der beiden Cabinete. Die eine bezieht sich auf die Fischerei. 
Die ganze Politik hinsichtlich derselben lässt sich in den einen 
Satz zusammenfassen, dass die Franzosen die Theilnahme an 
derselben sich zu sichern und auch für die Zeit des Krieges 
derselben eine Art Neutralität zu verschaffen suchten *). Die 
andere Frage berührt die Sicherheit auf dem Meere. Durch 
die ewigen Kriege zwischen beiden Nationen war die Seeräuberei 
zu einem förmlichen Gewerbe geworden. Es mag gestattet 
sein, diese Verhältnisse, die mit diesem Punkte zusammen- 



besides; for we have people employed in the superior kinds of textures, 
such as Arras tapestry, which is much esteemed and highly ornamental in 
the courts of kings and princes. We have also linen of the most excellent 
quality, which a kingdom can possess, at Troyes in Champagne, in the city 
of Greton and generally throughout France. We have iikewise the best 
jewellere, who produce the most beautiful specimens of workmanship, which 
can be imagined. Also we make paper and verdigris in France, and you 
make none in England. You have no workmen to make the things betöre 
mentioned, and if you have anv of the things themselves, they are counter- 
feit and of little value. Therfore I teil you , we have more of all things, 
th&n you have ; and whenever vou can procure any articles of elegant work- 
manship, they are made in France 11 . Pyne, England and France in the 
fifteenth Century S. 76 u. 77. üeber die französischen Tücher vgl. a. a. 0. 
3. 79 und Tommaseo, Relations des Amb. Yen. etc. I. S. 254. 

') Für die Zeit Heinrichs YHI. kommen hier zunächst die Friedens- 
vertrage in Betracht, welche die Freiheit des Handels und die Erhaltung 
der bisherigen Zölle bestimmen; vgl. Rymer. Sodann sind die Verhand- 
lungen von 1527 zu erwähnen, in denen Frankreich für den Fall des eng- 
lischen Beistandes sich bereit erklärte, den Engländern für die Dauer des 
Krieges dieselben Rechte einzuräumen, die sie in den Niederlanden ge- 
nössen. Vgl. Rymer XIV. S.209, 232, 237. Brewer, Cal. IV. 3449. 3466. 
Gayangos, Cal. HI. Pars II. 211. Ferner verdienen genannt zu werden 
die Bestimmungen des Vertrags von 1532, welche gegenseitige Beschützung 
des Handels nach den Niederlanden bezwecken. Rymer XIV. 8. 434, 
Art 3, 5, 6, 7. Endlich gab es in den 30er und 40er Jahren eine Reihe | 
von Punkten, an denen die Franzosen Anstand nahmen. Dahin gehörten ! 
das Gesetz, dass zwischen Michel- und Lichtmess kein französischer Wein ' 
eingeführt werden sollte (vgl. State Papers IX. S. 236 fg.), sodann die 
widerrechtliche Erhebung des Scavagiums, die Acte wegen des Verbots der 
Einfuhr von französischen Hüten und Kappen (21 Hen. Vni. c. 9. State 
Papers I. S. 858 u. 854), die Heranziehung der Franzosen zur Zahlung der 
Sabsidie (State Papers I. S. 647—50; 652, 682. Nicolas, Proceedings 
of the Privy Council VI. S. 44, 48, 63, 101, 109), die Acte gegen die Frem- 
den (vgL unten Capitel 3 des Abschn. IL), die bekannte Schiffahrtsacte 
(State Papers Ia. S. 236 fg.). Keiner dieser Punkte scheint jedoch zu~\ 
aasgedehnteren Verhandlungen geführt zu haben. 

*) Rymer VHI. S. 336. 451 u. s. w. 

Schanz, Engl. Handelspolitik. I. 20 



— 306 -r 

hängen, für die Zeit der Tudors kurz darzustellen; sie stehen 
so sehr im Vordergrund, dass unsere Darlegung unvollständig 
wäre, wenn wir diese allerdings wenig interessante Materie 
ganz mit Stillschweigen übergingen. 

Wir haben bereits früher erwähnt, dass Heinrich VIL nie 
ernstlich daran dachte, mit Frankreich einen Krieg zu begin- 
nen. Er musste deshalb mehr als alle seine Vorfahren das 
Bedürfniss fühlen, dem Unwesen auf der See im Bunde mit 
Frankreich zu steuern. Der Friede von Etaples (Nov. 1492) 
und die getreue Einhaltung desselben durch Frankreich bot 
die Brücke auch zu diesen Verhandlungen. Dieselben führten 
zu dem Vertrag, der betitelt ist: Tractatus contra spolia mari- 
tima et pro depredatoribus cohercendis l ). 

Dieser am 18. Juli 1498 erneuerte Tractat fasst zwei Ziele 
ins Auge, einmal will er die bereits wegen Seeraubs anhängigen 
Prozesse durch ein summarisches Verfahren rasch aus der Welt 
schaffen 2 ), sodann trifft er eine Reihe von Vorkehrungen, um 
inskünftig dem Seeraub Einhalt zu thun 8 ). Die energischen 



*) Abgeschlossen am 24. Mai 1497. Dumont, Corps dipl. T. III. 
2. S. 876. Die Ernennung der englischen Commissäre sieh bei Rymer 
XII. S. 650. 24. April 1497. 

2 ) Darauf beziehen sich die Artikel 1—4: 1) Um den kostspieligen 
Processen zu begegnen und gleichzeitig dieselben beizulegen, ohne dass die 
Betheilisten das vertrauen verlieren, hat man beschlossen, dass in jedem 
der beiden Königreiche in passende Städte und Seeplätze Richter abgesandt 
werden sollen, welche die Klagen summarisch und ohne Förmlichkeiten 
mindestens vor Ablauf eines Jahres entscheiden. Das gefällte Urtheil 
müssen die Beamten sofort vollziehen, und, wenn nöthig, selbst militärische 
Macht requiriren. Die Appellation kann den Vollzug nicht verzögern. 
Halten sich die Parteien durch das Urtheil für beschwert, so können sie 
an die obersten Räthe der contrahirenden Fürsten recurriren; diejenige 
Partei aber, welche die Execution des Urtheils verlangt, muss hinlängliche 
Caution für den Fall eines gegenteiligen Urtheils stellen. Der Recars 
muss in 6 Monaten verbeschieden werden. Im Fall der Aufenthalt der 
Seeräuber nicht ausfindig zu machen ist, so genügt vierzehntägige Bekannt- 
machung, damit das Urtheil rechtskräftig werde. 2) Um rasch eine Ent- 
scheidung der im Appellationsweg bei den obersten Gerichtshöfen anhängigen 
Processe herbeizuführen, wird bestimmt, dass wenn bereits ein Beschluss 
gefasst wurde, den Parteien in sechs Monaten das Urtheil zugestellt werden 
soll; andernfalls werden für die Voruntersuchung und die definitive Er- 
ledigung je 6 Monate bewilligt. 3) Um ebenso cue Processe, welche in 
diesem Betreff bei den niederen Gerichtshöfen anhängig sind, möglichst 
abzukürzen, sollen die Betheiligten verlangen dürfen , dass die Processe an 
die sub 1 erwähnten prov. Gerichtscommissionen verwiesen werden. Weigern 
sich die Gerichtshöfe, diese Ucberweisung innerhalb 10 Tagen vorzunehmen, 
so trifft sie die Strafe von 30 Mark ; eine etwaige Fortsetzung des Processes 

fegen den Willen der Betheiligten ist wirkungslos. 4) Den streitenden 
arteien wird im fremden Lande kraft königl. Autorität von den abgeord- 
neten Richtern persönliche Sicherheit garantirt. 

8 ) Die hieher gehörigen Bestimmungen lauten: 1) Jedes Schiff, das in 
See gehen will, muss für seinen Gesammtwerth eine Caution stellen. 2) Die 
Annahme noch nicht verpflichteter Mannschaft ist verboten. Die Verpflich- 
tung geschieht durch die Admiralität und besteht in der Einzeichnung des 
Namens in ein öffentliches Register und Abnahme eines feierlichen Eides, 



— 307 — 

Massregeln und Bestimmungen des merkwürdigen Tractats, 
sowie das aufrichtige Streben auf beiden Seiten, die schweren 
Misstände bei der Wurzel zu fassen, lassen vermuthen, dass 
den Worten des Vertrags auch die That folgte, und keine 
Frage, der Einfluss und Erfolg muss ein grossartiger gewesen 
sein. Getrost und ohne Furcht konnte jetzt der Kauffahrer 
der See mit seinen Schätzen sich anvertrauen. 

Der Fortsetzung des Verfahrens lag natürlich eine not- 
wendige Voraussetzung zu Grunde, das war der Wille nach 
einem aufrichtigen Frieden. Dieser Wille fehlte dem Regiment 
Heinrichs VIII., und es erklärt sich, dass die Errungenschaften 
des Vaters bald zerbröckeln mussten. 

Entschlossen, aus der insularen Zurückgezogenheit heraus- 
zutreten und England in der europäischen Diplomatie Sitz und 
Stimme zu verleihen, gleichzeitig die romantischen Eroberungs- 
pläne seiner Vorfahren wieder erweckend, sah Heinrich VIII. sich 
bald veranlasst, an Frankreich den Krieg zu erklären (1513). 

Die Folge war, dass sofort die alten Leiden sich einstellten. 
Im Frieden von 1514 schuf man nur ungenügende Garantien 1 ); 
1515 nahm man zwar die Bestimmung wegen der Gautionsleistung 
der auslaufenden Schiffe wieder in den Vertrag auf 2 ). Allein 
auch diese Massregel fruchtete nichts, das wieder eingerissene 
Uebel wucherte in der entsetzlichsten Weise weiter. Die 
eigens ernannten Commissäre, welche die vielen schwebenden 
Klagen beilegen sollten, richteten Nichts aus 3 ). Da erinnerte 

während der Fahrt kein Unrecht zufügen, im Fall eines stattgefundenen Raubes 
zwei oder drei höhere Beamte des gekaperten Schiffes vor den Admiral 
zur Vernehmung bringen und an den Waaren keine eigenmächtige Ver- 
änderung vornehmen zu wollen. 8) Die Schiffsbeamten stellen im Einzel- 
falle dem Admiral Über diese Verpflichtung eine öffentliche Urkunde aus 
und dieser auch umgekehrt den Schiffsbeamten, auf dass sie überall hin 
frei ziehen können. 4) Die Schiffsbeamten haben auch hierüber vor der 
Ausfahrt eine Caution zu stellen; geschieht dies nicht, so haftet der Ad- 
miral. Durch öffentliches Edict wird den Kauf leuten bei Gefängniss und 
Coofiscation verboten, eigenmächtig und ohne vorherige Entscheidung der 
Admiralität geraubte Güter anzunehmen oder zu verheimlichen. 5) Ist eine 
Beraubung eingetreten, so hat die Admiralität innerhalb 40 Tage nach ge- 
machter Anzeige die hinterlegten Cautionen für verfallen zu erklären; wurde 
die Beute in das Gebiet eines der Contrahirenden gebracht, so soll die 
Rückgabe befohlen und sofort der 'Fall summarisch entschieden werden. 
Die Execution kann durch eine Appellation nicht aufgehalten werden. 6) Den 
Streitenden wird für die Zeit des Processes volle Sicherheit garantirt. 7) 
Diese Bestimmungen werden in allen Häfen und Seeplätzen der beiden Egr. 
veröffentlicht In der Bestätigung von 1498 sind noch 2 weitere Artikel 
über die Beendigung der Processe in bestimmten Zeitfristen beigefügt. 
Bymer XU. S. 690. 

l ) Die Friedensbürgen wurden in erster Linie als Richter aufgestellt; 
können sich diese nicht einigen, dann sollte die Streitsache an den Rath 
eines der Fürsten gehen. Das Verfahren musste summarisch sein. Art 24 
Bymer XIIL S. 420. 

*) Art. 5. Rymer S. XHI. 476. 

8 ) Vgl. hierüber Brewer, CaL IL 8520. 3634. 8750. 3762. 8766. 3772. 
3786. 3803. 3805. 3861. 3968. 

20* 



— 308 — 

man sich wieder des unter Heinrich VII. geschlossenen Ver- 
trags *), und man vereinbarte nicht nur dessen völlige Wieder- 
herstellung, sondern stipulirte auch, dass wenn ein Urtheils- 
spruch innerhalb dreier Monate nicht zur Ausführung gelange, 
die contrahirenden Fürsten selbst zur Restitution verpflichtet 
sein sollten 2 ). Die noch während der Verhandlung sich er- 
eignenden Gewalttätigkeiten 3 ) zeigen, wie noth wendig die 
Wiederinkraftsetzung des alten Tractats war. 

Die kurze Friedenszeit war nicht genügend, den Vertrag 
ins Bewusstsein und in die Gewohnheit des Volkes einzuprägen. 
1521 brach der Krieg von Neuem aus, und drei Jahre lang 
dauerten die gegenseitigen Schädigungen fort. Als nach der 
Gatastrophe von Pavia das englische und französische Cabinet 
sich wieder einander näherten, setzte man auch den Tractat 
wieder in Kraft 4 ), schwächte aber seine Bedeutung wenigstens 
in soweit ab , als man die Haftung der Fürsten im Fall der 
Rechtsverschleppung beseitigte. Der Krieg von 1542—44 mit 
den zahlreichen Beschlagnahmungen, die von den Regierungen 
ausgingen 6 ), gab dem Seeraubsgewerbe wieder neuen Boden. 
Im Frieden vom 7, Juni wird des Tractatus contra spolia etc. nicht 
gedacht 6 ). Es bleibt eine offene Frage, ob er in speciellen 
Verhandlungen wieder erneuert wurde. Vom englischen Stand- 
punkt aus war die Erneuerung nicht dringend geboten, Hein- 
rich VIII. hatte inzwischen nicht nur durch zweckmässigem 
Einrichtung des Processverfahrens die Bestrafung der Seeräuber 
sehr erleichtert 7 ), sondern auch eine Staatsflotte geschaffen, 
welche im Stande war, dem englischen Kaufmann in Friedens- 
zeiten den nöthigen Schutz angedeihen zu lassen. 

Sucht man sich einen Gesammtüberblick über die eng- 



2 ) In der Einleitung desselben heisst es: Cum inter dictum christi* 
nissimum Francorum et potentissimum ac serenissimum Henricum Dei 
gratia Angliae reges nonnulla statuta ordinaüonesque pro bono pack 
utriusque regni maritimisque ac piraticis depraedationibus cohercendis, 
dampnis et injuriis illatis resartiendis jam olim edita fuerint, ac per illustris- 
simos principes Ludovicum quondam bonae memoriae Francorum doo- 
decixnum et Henricum octavum Angliae reges confirmata et innovata cum 
quibusdam praeteritarum depraedationum abolitionibus, quibus nolumns 
per praesentes derogare, tarnen cum eadem statuta et ordinationes pronter 
utriusque regni subditorum insolentiam judicumque. quibus eorumaem 
statutorum executio commissa est, tum injuriam tum difficultatem Tel nnlio 
modo vel parum diligenter provide executioni demandata extiterunt, usque 
adeo ut e mentibus subditorum erasa quasique abolitaeiis- 
timentur, nos etc. convenimus etc. Rymer XIII. S. 649. 

2 ) Art 14. a. a. 0. 

3 ) Ueber dieselben vgl. Brewer II. 4580. 4581; III. 129. ferner auch 
D. 4613. 4663. 4664. III. 56. 57. 114. 129. 212. 276. 320. 340. 875. 531. 

4 ) Rymer XIV. S. 48. 70. 148. Brewer, Gal. IV. 2100. 

*) Vgl. State Papers IX. Nr. 793. 802. 800. 808. 810. 811. 812. 
827. 828. 867. 887 u. s. w. 
c ) Rymer XV. S. 93 fg. 
"•) 27 Hen. Vni. c 4; 28 Hen. VIII. c 15. 



— 309 — 

lisch-französischen Handelsbeziehungen zu verschaffen, so er- 
gibt sich ungefähr Folgendes : 

Obwohl die Lage der beiden Reiche für commercielle Be- 
ziehungen wie geschaffen war, so Hess die traditionelle Feind- 
schaft dieselben im Allgemeinen zu keiner Entwicklung ge- 
langen. Die schönen Airfänge im Norden wurden bald zerstört, 
und auch im Süden ging der Handelsflor, den die Engländer 
zur Zeit ihrer dortigen Herrschaft entwickelt hatten, seit der 
Unterwerfung dieser Gebietstheile unter die französische Krone 
zu Grunde. Nur in der noch unabhängigen Bretagne gedieh 
der Verkehr, nicht zum geringsten Theil in Folge der daselbst 
befolgten Handelspolitik. 

Das Ende des 15. Jahrhunderts brachte eine Wendung in 
diese Verhältnisse. Zwei Momente waren bestimmend. Von 
englischer Seite war von grossem Einfluss, dass noch während 
und besonders nach Beendung der Rosenkriege die englische 
Politik den Gedanken an eine Eroberung Frankreichs mehr 
und mehr aufgab. Von französischer Seite war von entschei- 
dender Tragweite, dass die grössere innere Concentration zwar 
fortgesetzt, gleichzeitig aber die gewonnene Stärke zu Frank- 
reich schwächenden Eroberungen verwendet wurde. In Folge 
dieser Umstände war es möglich, dass Eduard IV. und Hein- 
rich VH. die alten Privilegien im Süden wieder zurückerobern 
und befestigen und gleichzeitig den französischen Kaufleuten, 
namentlich den inzwischen Franzosen gewordenen Bretonen, 
ihre bisherigen Rechte entziehen oder doch eine ungünstigere 
Position aufzwingen konnten. Ebenso war der Boden geschaf- 
fen, um eine die Interessen beider Länder berührende und 
brennend gewordene Frage zu lösen, nämlich gemeinsam das 
Unwesen auf dem Meere zu unterdrücken. 

Im 16. Jahrhundert, namentlich während der Regierungs- 
zeit Heinrichs VIII. trat ein etwas schwankender Zustand ein. 
Die häufigen Kriege Heinrichs VHI. gegen Frankreich waren 
die Ursache. Uebrigens vermochten diese Zwischenfälle nicht 
eine dauernde Einbusse der englischen Handelsprivilegien zu 
veranlassen. Heinrich VHL erhielt seinen Kaufleuten die alten 
Rechte, insbesondere auch die Zölle, die vor einem halben 
Jahrhundert und länger bestanden hatten, ein Vortheil von 
grosser Bedeutung, wenn man die in jener Zeit von den fran- 
zösischen Königen forcirte Fiscalpolitik *) und die eintretende 
Geldentwertung in Betracht zieht 

In den Tagen der beiden ersten Tudors wurden die Keime 
zur Handelssuprematie Englands über Frankreich gelegt. Da- 
mals versäumte Frankreich, sich wirtschaftlich zu kräftigen, 
und vergeblich war all sein späteres Ringen, gegen die englische 
Handelsherrschaft aufzukommen. 

*) Charles Gouraud, Histoire de la politique commerciale de la France 
LS. 122. 



Achtes Capitel. 



Englands Handelsbeziehungen zu Irland und 
Sehottland. 



Irland und Schottland sind zwei Gebiete, von denen 
das erstere nur äusserlich der englischen Krone unterworfen 
war, das letztere, noch unabhängig, der Attraction des grössern 
Staates sich entgegensteramte 1 ). Diese politischen Momente, 
noch mehr aber die eigentümliche Industrie- und Culturstufe, 
auf der beide Länder standen, waren für die commerciellen 
Beziehungen zu England entscheidend. 

Irland war gegen Ende des Mittelalters im Zustand völliger 
Barbarei. Von einer administrativen Ordnung war kaum eine 
Spur ersichtlich. Die Häuptlinge lagen beständig untereinander 
im Krieg, und die englische Krone war nicht im Stande, Ord- 
nung zu schaffen. Es war ein Land, das auf der Entwicklungs- 
stufe des 6. — 9. Jahrhunderts stehen geblieben war. Der Acker- 
bau lag völlig darnieder, die Gewalttätigkeit der Grundherren 
und die zahlreichen aus der Clanwirthschschaft entspringenden 
Missbräuche, die ausgedehnten Jagden erstickten jede Sorgfalt 
und jedes Interesse für den Feldbau. Industrie konnte sich bei der 
allgemeinen Rohheit und Unsicherheit natürlich auch nicht ent- 
falten. Grobes Leinentuch, das man in den Städten machte, 
war das einzige irische Manufact. Die Bevölkerung war be- 
jammerungswürdig. „Wo in aller Welt, sagt ein amtlicher der 
englischen Regierung übersandter Bericht 8 ), ist das gemeine 
Volk so arm, so schwach, so erbärmlich anzusehen auf dem 
Land wie in der Stadt, wo ist es so viehisch, so gänzlich nie- 
dergedrückt und zertreten, wo geht es ihm so schlecht, wo 

l ) Bekannt ist das prophetische Wort Heinrichs VIL : „Schottland wird 
an England kommen, denn das Kleinere geht dem Grösseren nach". 
Pauli, Geschichte von England V. S. 600. 

*) Derselbe ist ans dem Jahre 1515 und für die Erkenntniss der da- 
maligen irischen Zust&nde geradezu grundlegend. Brewer, Cal. IL 1367. 



— 311 — 

befindet es sich in so grossem Elend und führt ein so jammer- 
volles Leben als in Irland? Keine Zunge vermag es zu er- 
zählen, Niemand kann es beschreiben. tf 

Auch die energischen Tudors zeigten sich unfähig, diese 
chaotischen Zustände zu bemeistern, die Versuche Heinrichs VIII., 
der sich den Titel eines Königs von Irland beilegte, schufen 
eher noch eine Reihe neuer, fast unentwirrbarer Verwick- 
lungen *). 

Was den Handel betrifft, so lässt sich aus dem Gesagten 
das Meiste ableiten. Von einer Handelsblüthe konnte natürlich 
bei der allgemeinen Unsicherheit keine Rede sein; doch war 
bei der Insellage nicht aller Verkehr unmöglich; der Kaufmann 
fand Mittel genug, der Gewalt auszuweichen; das irische Volk 
selbst war dem Handel mit den Engländern nicht abgeneigt 8 ). So 
roh ein Volk auch sein mag, für eine Art Luxus ist es nie 
unempfänglich; und im Grunde genommen waren ja alle eng- 
lischen Artikel für die Iren Luxuswaaren. Die irischen Pro- 
ducte der Jagd, des extensiven landwirtschaftlichen Systems 
und der Fischerei waren genügend, den Austausch zu bewirken. 
Nach dem Hafen Bristol allein kamen in einem Jahr (Mich. 
4—5 Henr. VIII.) nicht weniger als 106 Waarenschiffe und 
Fischerboote, von Bristol nach Irland gingen 58 Schiffe 8 ). 

Die irische Einfuhr nach England bildeten folgendeWaaren : 
Salm, Aale, gesalzene Fische, Wachs, gesalzene Häute, Ziegen-, 
Bocks-, Schaf-, Lamm-, Marder-, Wolfe-, Otter-, Fuchs- und 
sonstiger wilder Thiere Felle, Leinentuch, weisse Decken, 
Falken, Schiffsborden u. s. w. 4 ) 

Die Ausfuhr aus England nach Irland erstreckte sich auf: 
Eisen, Bohrer, Messer, Stecknadeln, Spiegel, Tuch, Barchent 
(fustian), Steifleinwand (buckrams), Faden, Quecksilber, Salz, 
Alaun, Hopfen, Liqueure, verdorbenen Wein (vinum corruptum), 
Pfeffer, Gewürznelken, Zimmt, Muscatnüsse, Zucker, Honig, 
Weidengeflechte u. s. w. 4 ). 

In handelspolitischer Hinsicht ist wenig zu bemerken. 
Dem Ausland gegenüber beanspruchte die englische Regierung 



*) R Pauli, Zur Geschichte Irlands unter den Tudors. In Sybels 
ffistor, Zeitschr. 1869. Bd. XXII. 8. 257—269. 

*) Dass der Verkehr Irlands mit dem Ausland nicht ganz unbedeutend 
war, geht daraus hervor, dass die Zölle desselben sich jahrlich auf 100 000 
Mark beliefen. Brewer, Cal. IL 1367. 

*) Nach einer Zählung, die ich auf Grund eines Bristoler Portbooks 
(R. 0. Mise of Queen's Remembr. of Exch. Bdle. 193. J. P. R. 2202) 
vornahm. 

') Nach einem von mir gemachten Auszug aus oben genanntem Port- 
book. Ausser den angeführten Waaren sind bei der Einführ nach England 
noch verzeichnet: „mantell, choker, allec alb. et rubr., corc. niger, cope- 
multon, calowe, bremis"; bei der Ausfuhr nach Irland: „croc, pflor. tinet, 
legul., anues, stokkard, orchell operat, pell, aur., zonae, grocis cuttis, batr., 
comyn, Redlesshe, vurch. oper, gaide, filom blöd., wode . 



— 312 — 

als selbstverständlich, dass alle Privilegien der englischen Kauf- 
leute auch für die blander gälten, unter sich verkehrten aber 
Irländer und Engländer wie zwei fremde Nationen. Die Irländer 
zahlten für ihre Producte in England Zölle, gerade als ob sie 
dieselben aus der Fremde gebracht hätten *). Das Gleiche galt 
in Bezug auf die Engländer 2 ). Eigentliche handelspolitische 
Verhandlungen kamen so gut wie nicht vor 8 ). 

Schottland war um Vieles besser als Irland, aber es hatte 
doch viele Berührungspuncte mit demselben, namentlich hin* 
sichtlich der industriellen Verhältnisse. Im Ganzen stand es 
auf einer Culturstufe, die ungefähr die Mitte hielt zwischen 
der von England und Irland 4 ). 



*) Vgl. 17. Edw. IL c. 3. 

*) Ob Art. 10 des Vertrags vom 26. Juli 1535 zwischen O'Neyll und 
England so auszulegen ist, dass man sich gegenseitig Zollfreiheit zuge- 
stand, muss ich bei dem unbestimmten Wortlaut der Cal. unentschieden 
lassen. Brewer and Bullen, Cal. of the Carew Manuscr. L 56. 

3 ) Sie betreffen mindestens untergeordnete Puncte. Vgl Brewer Ü. 
996. III. 1182. IV. 81 u. s. w. 

*) Eine ganz vorzügliche Schilderung über Schottland gegen Ende 
des 15. Jahrhunderts besitzen wir von einem sehr gesunden Beobachter, 
dem spanischen Gesandten Don Pedro de Ayala. Er schreibt an Ferdinand 
und Isabella (25. Juli 1498. Bergenroth, Cal. I. 210): Schotüand ist 
in seiner Beschaffenheit nicht sehr von England verschieden; aber die 
Schotten sind nicht betriebsam, und das Volk ist arm; sie verwenden alle 
ihre Zeit auf Krieg, und ist keiner, so fuhren sie solchen unter einander. 
Es mag jedoch bemerkt werden, dass seit der gegenwartige König auf den 
Thron gelangt ist, sie nicht so sehr mit einander zu streiten wagen, wie 
früher; namentlich ist dies seit seiner Grossjährigkeit ersichtlich. Sie haben 
aus Erfahrung gelernt, dass er das Gesetz übt, ohne Rücksicht ob es 
Reiche oder Arme betrifft Man hat mir gesagt, dass Schottland während 
seiner Regierung einen grossen Aufschwung genommen und jetzt dreimal 
mehr werth ist, als früher, weil Fremde in das Land gekommen und ihnen 
gelehrt haben, wie man lebt. Sie haben mehr Fleisch von grossen und 
kleinen Thieren, als sie brauchen, eine Menge Wolle' und Häute. Spanier, 
die in Flandern leben, sagen mir, dass der Handel Schottlands jetzt weit 
beträchtlicher als früher und noch immer in der Zunahme begriffen ist 
Unmöglich ist es, die ungeheure Quantität Fische zu beschreiben. Ein altes 
Sprüchwort spricht bereits von der „piscinata Scotia". Man exportirt grosse 
Massen Salm, Heringe und eine Art getrockneter Fische, welche sie Stock- 
fische heissen. Die Quantität ist so gross, dass sie für Italien, Frankreich, 
Flandern und England hinreicht. Sie haben so viele wildwachsende, ess- 
bare Früchte, dass sie nicht wissen, wo mit hin. Es gibt ungeheuere 
Heerden Schafe, hauptsachlich in den wilderen Theilen Schottlands. Häute 
verwendet man zu vielen Zwecken. Man findet alle Arten Gartenfrüchte, 
welche ein kaltes Land produciren kann. Sie sind sehr schmackhaft Orangen, 
Feigen und dergleichen findet man hier nicht Das Getreide ist sehr gut, 
aber sie produciren nicht so viel als sie könnten, weil sie das Land zu 
wenig bebauen. Ihre Methode ist folgende: Sie pflügen das Land nur 
einmal und zwar wenn Gras darauf ist das Manneslänge hat; sodann säen 
sie das Korn und bedecken es mit Erde, welche sie durch Eggen erzeugen. 
Dann geschieht nichts mehr bis zum Getreideschnitt Ich habe nach der 
Ernte das Stroh so hoch stehen sehen, dass es bis an meinen Gürtel reichte. 
Eine Art Korn wird gegen Johanni gesäet und im August geschnitten. Die 
Städte und Dörfer sind volkreich. Die Häuser sind gut, alle gebaut aus 



- 313 — 

Für den Handel waren deshalb zum Theil dieselben Be- 
dingungen gegeben, wie bei Irland, zum Theil trat aber Schott- 
land auch als Concurrent Englands, namentlich in den Nieder- 
landen auf 1 ). 

Der Verkehr zwischen England und Schottland selbst war 
hauptsächlich ein Grenzverkehr. Zur See hatte aber der 
Handel mit Fischen nach England grosse Bedeutung; diese 
waren es auch hauptsächlich, mit denen Schottland die eng- 
lischen Manufacte zahlte. 

Zu einem gehörigen Staats- und völkerrechtlichen Ausbau 
der Handelsbeziehungen konnte es jedoch bei den ewigen 
Kriegen nicht kommen. Die Vertragsbestimmungen gingen über 
die allgemeinsten Dinge nicht hinaus, und der ganze diplo- 
matische Verkehr betraf fast nur Beraubungen, Entschädigungs- 
forderungen und Gewährung von Geleitsbriefen 2 ). 



behauenen Steinen, mit vorzüglichen Thüren versehen, ebenso haben sie 
Glasfenster und eine grosse Zahl Kamine. Alle Möbel, die man in Italien, 
Spanien und Frankreich gebraucht, findet man auch hier. Es ist nicht 
erst in der modernen Zeit, gekauft, sondern von früheren Jahren her ererbt. 
Die Schotten sind nicht "reich; die Schuld an diesem Mangel tragt nicht 
das Land; auf der andern Seite sind sie aber auch nicht so arm, dass sie 
nicht ebenso gut lebten, als andere, die viel reicher sind; sie haben nur 
Nichts in ihre starken Beutel zu thun. 

l ) Vgl. z. B. Brewer, "Cal. I. 3320. III. 1022. 2784. 3071. IV. 1110. 
1590. 2126, 2781. 2787. 3248. 3249. 3582. 3612. 3613. 3798. 3868. 4101. 
4178. 4671. 4926. 5045. u. s. w. Die verhältnissmässig bedeutendsten Be- 
schwerden drehten sich meist um das Stapel zu Berwick, wohin die Schotten 
ihre Waaren bringen sollten; vgl. darüber auch Rot Pari. VI. S. 224. 



*) Pedro de Ayala gibt die Einnahmen Schottlands aus den Zöllen auf 
25000 Ducaten per Jahr an. Bergenroth, Cal. I. 210. 



Neuntes CapiteL 

Die Stellung der beiden ersten Tudors zu den 
Entdeckungen. 



Wenn wir die Frage, welche Stellung die englische Re- 
gierung zu den Entdeckungen einnahm, im Anschluss an die 
Betrachtung der Handelsbeziehungen Englands zum Ausland, 
kurz zu beantworten suchen, so geschieht es, weil auch die Ent- 
deckungsfahrten ein commercielles Ziel verfolgten. Seit der 
Weg um das Cap der guten Hoffnung gefunden, war doch das 
Problem so gestellt, wie man durch eine Fahrt nach Westen 
ebenfalls zu den Gewürzländern gelangen und den Portugiesen 
den Reichthum oder doch das Monopol entreissen könne. Die 
ganze Frage war von vornherein nicht eine rein wissenschaft- 
liche, sondern eminent handelspolitisch-practische , und eben 
deshalb gewinnt sie für unsere Aufgabe ein erhöhtes Interesse. 
Sie bildet aber auch zugleich den natürlichen Schluss für diesen 
Abschnitt; denn die neuen Welten waren die letzten Grenzen, 
bis zu denen der englische Kauffahrer vordrang und vordringen 
konnte. 

Heinrich VII. hatte das Glück , das englische Scepter zu 
führen, als der grosse Cristobal Colon seine kühnen Ideen zu 
verwirklichen suchte. Aber nicht blos dessen Thaten zu er- 
leben, war ihm beschieden, das Schicksal stellte ihm auch 
anheim, ob er bei diesem folgenschweren Ereigniss das schönste 
Ruhmesjuwel gewinnen wollte. 

Man weiss, dass Christ. Columbus nicht nur als 2ljähriger 
Jüngling in Bristol war (1477) und von dort aus Island be- 
suchte *), sondern auch zur Ausfuhrung seiner Pläne die Blicke 
auf England richtete. Als in Portugal und Spanien Columbus 
mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, beauftragte er 



') P esc hei, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen S. 101. 



— 815 — 

seinen Bruder Bartolomeo, den englischen König zu gewinnen 
(1487). Heinrich VII. war eine nüchterne und vorsichtige 
Natur und schwer zu bewegen, seine Casse zu öffnen, dass er 
des Erfolgs nicht völlig sicher war. Man begreift, wenn er 
auf die Projecte Bartolomeos r ) nicht einging. Doch benutzte 
er dessen Geschicklichkeit im Kartenzeichnen, um ihm einen 
Unterhalt an seinem Hofe zu gewähren. 

Als 1493 die Kunde der grossen Entdeckung an den eng- 
lischen Hof gelangte, bereute der König freilich seine Zurück- 
haltung und wäre gerne „dieses göttlichen Wunders" *) auch 
theilhaftig gewesen. Sofort liess er den Bartolomeo rufen und 
schloss, ohne dass er diesem von dem, was vorgefallen war, et- 
was mittheilte, einen Vertrag ab, worin er alle Forderungen 
Cristobals im Voraus bewilligte. Er hoffte Columbus vielleicht 
noch auf seine Seite ziehen zu können. Aber es war zu spät. 
Schon in Frankreich erfuhr Bartolomeo von Karl VUL, was 
sich ereignet hatte 8 ). 

Die Belehrung, die Heinrich VII. bei dieser Gelegenheit 
empfing, scheint genügt zu haben, um ihn bei neuen Fällen 
dieser Art etwas zugänglicher zu machen. 

Wie so viele Italiener hatte sich auch ein Genuese John 
Cabot 4 ) mit seinen drei Söhnen Sebastiano, Lodovico, Sansio 
in England und zwar in Bristol niedergelassen. Der Entdeckungs- 
trieb und der damals durch die Menschheit gehende divina- 
torische Zug hatte auch ihn erfasst, und in der That hat er 
sich mit seinem Sohne Sebastian nicht den geringsten Platz 
unter den Entdeckern erworben. In Bezug auf Originalität 
gebührt John und Sebastian Cabot die nächste Stelle nach 
Columbus 5 ). 

Die Versuche des John Cabot, im Westen Land zu finden, 
gehen vermuthlich bis ins Jahr 1480 zurück. Sicher ist, dass 
er seit 1490 mit Unterstützung von Bristolern Fahrten unter- 
nahm, und am 24. Juni 1494 auf einer Reise das amerikanische 
Festland erblickte. Vermuthend, dass das neuentdeckte Land 

l ) Dieser war" auf dem Wege den Seeräubern in die Hände gefallen; 
seit Febiuar 1488 war er an Heinrichs VII. Hof. A. a. 0. S. 118. 

*) In London hielt man die Entdeckung mehr für ein göttliches 
Wunder als eine menschliche That. Hakluyt, The principal navigations 
etc. III. S. 7. und Brief des Legaten Galeatius Butriganus. Aiesselbach, 
Gang des Welthandels im Mittelalter S. 316. 

*)Pe8chel S. 260. 

*) Von Geburt war John Cabot Genuese; durch Einwanderung war 
er venetianischer Bürger geworden. Friedrich v. Hellwald, Seb. Cabot 
Vortrag geh. 17. Mai 1870 in der k. k. geograph. Gesellschaft zu Wien, 
in der Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge heraus- 
gegeben von Virchow und Holtzendorff Berlin 1871. Heft 124. S. 4. 

*) So lautet das ürtheil Peschels über Seb. Cabot (S. 281). Allein 
schon mit Rücksicht auf das Alter ist man nicht berechtigt, John bei 
Seite zu schieben. Hellwalds Deductionen halte ich in dieser Frage für 
ganz richtig. S. 18. Vgl. auch den Excurs am Ende des Bandes. 



— 316 — 

mit dem von Columbus gesehenen in irgend einem Zusammenbange 
stehe , suchte John bei Heinrich VII. um eine Art Schutz Ar 
seine eigenen Entdeckungen nach. 

Am 5. März 1496 erhielten die Cabots von Heinrich VH. 
ein Patent, kraft dessen er ihnen gestattete, mit fünf Schüfen 
nach allen Ländern, Meeren und Golfen auf Entdeckungen aus- 
zugehen x ). Eine materielle Hülfe wurde versagt. Die Unter- 
nehmer mussten auf eigene Kosten sich ausrüsten. Die einzige 
Belohnung, die er ihnen zusicherte, bestand in dem Versprechen, 
dass sie für den Handel nach den neu entdeckten Ländern ein 
Monopol und auch die Herrschaft über diese Gebiete unter 
englischer Oberhoheit erhalten sollten. Dagegen bedang sich 
der König gleichzeitig den fünften Theil des Handelsgewinns 
aus *). 

Die Mittel der Cabots und ihrer Unterstützer waren ge- 
ring, und erst im nächsten Jahr konnten sie und zwar mit 
nur einem einzigen Schiff, dem Matthew, einen neuen Versuch 
machen 8 ). 

Die Cabots betraten auf dieser Reise das Festland von 
Amerika, 14 Monate früher als Columbus. J. Cabot glaubte, 
das Territorium des Grand Cham gefunden zu haben 4 ), seine 
beredten Schilderungen blendeten den König. Heinrich VTL 
zeigte sich sehr erfreut, versprach, im Frühling 10 Schiffe und 
zur Bemannung dieser Flotte ihm alle Gefangenen (ausgenommen 
Hochverräther) zur Verfugung stellen zu wollen 5 ). Er sorgte 
für den Unterhalt John Cabots 6 ) und zollte „dem grossen 
Admiral" die seltensten Ehren. Das englische Volk aber ver- 
götterte fast den Helden, der England so grosses Glück ge- 
schenkt 7 ). 



') Rymer XII. S. 595—596. 

*) H. v. Hellwald. S. 8 glaubt, dass die Verhandlungen des Königs 
mit Dänemark im Jahre 1495, bei denen John Cabot betheiligt war (vgL 
oben S. 257, Note 8) bereits mit dem Plane der nordwestlichen Fahrt zu- 
sammenhingen, und dass Island zu einem Stapelplatz auf halbem Wege nach 
Chatai gemacht werden sollte. 

8 ) Ausser Sebastian und John Cabot bestand die Bemannung ans 18 
Seeleuten, worunter ein Burgunder, ein Genuese, die andern aber Eng- 
lander und zwar meist aus Bristol selbst waren. ▼. Hellwald S. 15. 

4 ) Cabot war am Lande auf ungeheuere Baume, auf ThierfaUen und 
auf Nadeln zum Netzestricken gestossen, die, wie die Seefahrer nicht zwei- 
felten, den Unterthanen des chinesischen Grosschans angehörten. 

«) Vgl. Brown, Cal. 750 und 752. 

«) Der König gab ihm(tohym that found the New Isle) 10 jf . Biddle, 
Meraoir of Cabot London 1831. S. 80. Aus Browns Cal. I. 752 geht 
jedoch hervor, dass diese Unterstatzung nur für die Zeit bis zur Ausrüstung 
einer neuen Flotille dienen sollte. 

*) Wie rasend . schreibt Lorenzo Pasqualigo an seine Brüder Alrise 
und Francesco, laufen die Engländer ihm nach, so dass er ausheben kann, 
wen er nur will, und eine Zahl unserer eigenen Schurken dazu. 28. Aug. 
1497. Brown, Cal. L 752. 



— 317 — 

Am 8. Februar 1498 erhielt John Cabot ein neues Patent 
zur Fahrt nach den neuentdeckten Ländern. Zwei Schiffe mit 
300 Mann liefen aus. Da John entweder vor dem Beginn 
oder während der Fahrt starb, so lag die Leitung nun in Sebas- 
tians Händen. König Heinrich hatte dieses Mal wirklich einiges 
Geld vorgestreckt, und auch Londoner Kaufleute betheiligten 
sich mit Vorschüssen. Bereits war eine Ansiedlung geplant, 
wie aus der zahlreichen Mannschaft zu schliessen ist. Auf 
dieser Reise berührte, wie es scheint, Cabot Newfoundland und 
suchte wohl auch im Norden noch weiter vorzudringen. 

Als Heinrich VH. sah, dass Seb. Cabot keine Gewürze 
brachte, und auch der Colonisationsversuch misslungen sei 1 ), 
war es mit seinem Eifer vorbei. Ein neues Anerbieten Cabots 
1499 ward von ihm abgewiesen. Nachdem Sebastian noch ein 
Schiff ohne öffentliche Hülfe ausgerüstet und auf dieser neuen 
Reise noch weiter südlich vorgedrungen war 2 ), verliess er Eng- 
land und begab sich in die mehrverheissenden spanischen 
Dienste 3 ), ohne dass wir im Stande sind, ein genaues Jahres- 
datum für die Abreise von England anzugeben. 

Der G&hrstoff war aber einmal unter die Engländer ge- 
worfen. Keck und unternehmungslustig, versuchten sie das 
Werk, das Cabot begonnen, fortzusetzen. Zunächst verbanden 
sich vier Bristoler (Richard Warde, Hugo Elyot, Johann Thomas 
und Thomas Ashehurst) mit drei Portugiesen oder richtiger 
Eingebornen von den Azoren (Joäo Fernandez, Francisco Fer- 
nandez und Joäo Gonzalez) *) zu weiteren Unternehmungen. 
Der König ertheilte den Unternehmern das Handelsmonopol 
nach den neu zu entdeckenden Ländern auf 10 Jahre und ver- 
lieh den genannten Portugiesen das englische Bürgen-echt 
(19. März 1501) ß ). 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die Fahrt un- 
ternommen wurde. Fraglich bleibt, ob die 20 jg\ welche der 
König am 7. Januar 1502 den in Newfoundland gewesenen 
Kaufleuten von Bristol anweist, den obengenannten Unter- 
nehmern oder andern Bristolern zufielen. Letztere entwickelten 
den denkbar grössten Entdeckungseifer. Nach dem Zeugnisse 
des spanischen Gesandten Pedro de Ayala schickten die Bürger 
von Bristol von 1492—98 jedes Jahr zwei bis vier leichte Schiffe 



! ) Die Colonisten kamen in Folge der Kälte bereits im Juli sammt 
and sonders um. v. Hellwald, S. 18. 

*) Die Existenz der Fahrt wird angenommen von Biddle (S. 91) 
und Peschel (S. 277), dagegen bezweifelt von Hellwald (S. 18). 

') Nach dem Tode Amerigo Vespuccis wurde er in Spanien am 20. 
October 1512 zum Reichspiloten ernannt und hatte als solcher die amtlichen 
Seekarten herzustellen, v. Hellwald, S. 19. 

4 ) Vgl. auch Rymer XIH. S. 41. 

*) Gairdner, Letters and Papers of Rieh. HI. and Henry VIL II. S. 
378. Bacon, History of Henry VII. bei Kennet I. S. 624. 



— 318 — 

nach der neuen Welt *), es wäre denkbar, dass 1501 zwei Unter- 
nehmungen Statt fanden. * 

Doch wie dem auch sei, als gewiss kann gelten, dass unter 
der früheren Gesellschaft ein Streit ausbrach, der die Ausschei- 
dung einiger alten Mitglieder zur Folge hatte. In dem neuen 
Patent vom 9. Dezember 1502 werden Rieh. Warde, Joh. Tho- 
mas und Joh. Fernandez ausdrücklich von den neuen Privi- 
legien ausgeschlossen. Der ganze Tenor des Freibriefs zeigt 
zugleich, dass die englische Regierung die Möglichkeit einer 
Handelscolonie in der neuen Welt bereits fester ins Auge fasste. 
Directe Unterstützung versagte der König auch jetzt wieder. 
Die ganze Belohnung die er versprach, bestand in zeitlich sehr 
vorsichtig beschränkten Vorrechten in den zu entdeckenden 
Ländern, in gewissen Steuerfreiheiten für 5 Jahre; ausserdem 
wurde das Patent tax- und stempelfrei ertheilt*). Das Re- 
sultat, das diese Unternehmer erzielten, ist nicht bekannt 
Dass aber fort und fort Fahrten nach Amerika Statt fanden, 
davon geben des Königs Ausgaben Zeugniss 8 ). Der Verkehr 
der Engländer nach Newfoundland und ihre Fischerei daselbst 

*) Bergenroth, Cal I. 210. 25. Juli 1498. 

*) Zur Characterisirung des merkwürdigen Patentes mögen die wich- 
tigsten Bestimmungen desselben hervorgehoben werden: 1) Die Unter- 
nehmer dürfen überallhin fahren; doch sollen sie bereits in Besitz genom- 
mene Lander des Königs von Portugal oder anderer befreundeter Fürsten 
intact lassen. 2) Den englischen Unterthanen (männlichen und weiblichen 
Geschlechts) steht das Recht zu, in die neuentdeckten' Länder und Inseln 
überzusiedeln und unter dem Schutz der Entdecker und deren Herrschaft 
zu verweilen, sich anzubauen und dem Erwerb nachzugehen. 3) Den Ent- 
deckern steht die Regierung und Strafgewalt in den neu entdeckten Lan- 
dern zu. 4) Der Handel nach diesen Gebieten ist während der ersten 40 
Jahre von der Licenz des Königs und der Entdecker abhängig. 5) Bei 
jeder Fahrt sollen die Waaren eines 120 Tonnen haltenden Schiffes während 
5 Jahre (keinen Einfuhrzoll zahlen. 6) Der Capitän hat 4 Tonnen, der 
Unterkapitän 2 Tonnen und jeder Matrose 1 Tonne zollfrei. 7) Die übrigen 
Kaufleute müssen von allen aus den neuentdeckten Ländern eingeführten 
Waaren den zwanzigsten Theil an die Entdecker abtreten. 8) Das Recht 
der Factorei steht blos den Entdeckern zu. 9. Wenn Fremde oder sonst 
Unberechtigte sich einnisten wollen, so dürfen die Entdecker dieselben ge- 
waltsam vertreiben, selbst wenn die Fürsten dieser Fremden mit dem eng- 
lischen König in Freundschaft stehen. 10) Die Bewohner dürfen sich unter 
der Oberaufsicht der Entdecker ihre Local- und Justizbehörden wählen. 
11) Die 4 Unternehmer werden zu Admirälen auf Lebenszeit ernannt. 12) 
Nur die Oberhoheit Englands sollen die Entdecker anerkennen; sie sollen 
nicht zur Zahlung eines Tributs verpflichtet werden. 13) Der ungestörte 
Besitz wird den Entdeckern und ihren Nachkommen garantirt 14) Stellt 
sich heraus, dass sie Länder entdeckten, für welche bereits Andere Patente 
erhielten, welche aber von diesen nicht gefunden wurden, so haben 
die Entdecker alle Rechte des gegenwärtigen Patentes zu beanspruchen. 
15) Rieh. Warde, Joh. Thomas und Joh. Fernadez werden von diesem 
Patente ausgeschlossen. 16) Joh. Goncalez und Fr. Fernandez haben auch 
für ihren übrigen Handel die Zollprivilegien Einheimischer- zu beanspruchen. 
Rymer XIII. S. 37. 

8 ) 17. Nov. 1503 zahlte Heinrich YIL l£ „to one, that brought hawks 
from the new-found island". 8. April 1504 gab er einem Priester, der 



— 319 - 

entwickelten sich so rasch, dass dadurch fremde Nationen sich 
aufgefordert fühlten, auch dahin ihre Schiffe zu lenken*). 

Mehr als Heinrich VII. liess sein Sohn Heinrich Vm. hin- 
sichtlich der Unterstützung von muthigen Entdeckern erwarten. 
Freigebig, jugendlich kühn, enthusiastisch, für alles Grosse be- 
geistert, sollte ein solcher Monarch diesen weltbewegenden 
Fragen unzugänglich gewesen sein? 

Sicher ist zu bedauern, dass um diese Zeit Seb. Cabot 
nicht mehr in England war. Keine Frage, dass er leicht beim 
König kräftige Unterstützung gefunden hätte. Es gab auch 
hellsehende Männer, welche Heinrich VIII. in diese Bahn zu 
drängen suchten. Als Heinrich VIH. gleich seinen Vorfahren 
Frankreich zu erobern beschloss, mahnten einige Lords ab und 
zeigten im Hinblick auf die Vergangenheit nicht nur das Un- 
vorteilhafte des Planes, sondern auch den zweifelhaften Er- 
folg, da die Feuerwaffe den englischen Bogen überholt habe. 
„Lassen wir", fuhren sie fort, „deshalb in Gottes Namen von 
unsern Angriffen auf das Festland ab, da die natürliche Lage der 
Inseln zu Eroberungen dieser Art nicht geeignet ist. Oder, 
wenn wir uns ausbreiten und vergrössern wollen, so lasst es in 
der Richtung sein, in der wir können, und zu der, wie es 
scheint, die ewige Vorsehung uns bestimmt hat, nämlich zur 
See. Die indischen Länder sind entdeckt und reiche Schätze 
werden von dort täglich gebracht. Dahin lasst uns also unsere 
Bestrebungen richten, und sollten die Spanier und Portugiesen 
nicht gestatten, dass wir uns mit ihnen vereinigen, so gibt es 
noch immer Land genug für Alle" *). 

Die Worte verhallten unbeachtet. England unterliess es 
nicht, unter Wolsey in das politische Getriebe der europäischen 
Staaten einzutreten. Wolsey war aber ein viel zu umfassender 
Politiker, als dass er völlig in die diplomatischen Schachzüge 
jener Zeit aufgegangen wäre. Bereits 1516 machte er den 
Versuch, England einen Theil an den rasch einander sich 
folgenden Entdeckungen zu sichern. Der Cardinal lenkte zu 
diesem Behufe seine Blicke wieder auf den in Spanien wei- 
lenden Seb. Cabot; er machte diesem die günstigsten Be- 
dingungen und wollte nicht nur die Schiffe, sondern noch 
30 000 Ducaten behufs Ausrüstung zur Verfügung stellen. Se- 
bastian Cabot ging wohl Anfangs auf das Anerbieten ein, liess 



nach dem neuen Eiland sich begeben wollte, 2 £. August 1505 kaufte er 
«wild cats and propinjays of Sie new-found island" für 13 sh 4 d. R 
Biddle, Memöir of Cabot S. 234. 

') So erschienen 1504 Bretonen in Newfoundland; von ihnen stammt 
der Name der Insel Cap-Breton. Später (1519 und 1527) kamen auch die 
Portugiesen und sollen eine Compagnie zur Colonisation Newfoundlands ge- 
bildet haben. Peschel, Entdeckungen S. 278 und 334 Anm. 1. 

*) Lord of Cherbourg Herbert, The life and raigne of King Henry 
the Eighth. London 1649. S. 17 u. 18. 



— 320 — 

aber im letzten Moment nichtsdestoweniger den Cardinal im 
Stich. Mit Rücksicht auf seine Vaterstadt Venedig war es haupt- 
sächlich geschehen. Cabot hatte den Kaiser gebeten, die Erlaub- 
niss zu seiner Entlassung aus spanischen Diensten nicht zu er- 
theilen, und kehrte nach Sevilla zurück *). Ob die Expedition 
dann überhaupt erfolgte, muss vorläufig dahin gestellt bleiben. 

Zehn Jahre später widmete die Regierung dieser Frage 
wieder grössere Aufmerksamkeit. Damals tauchte nicht nur 
das Project auf, die Ansprüche des Kaisers auf den ostindischen 
Gewürzhandel an den englischen König zu verkaufen *), sondern 
es lief auch bei der englischen Regierung eine Denkschrift ein, 
welche die verdiente Beachtung auf sich zog 8 ). Dieselbe ging 
von einem intelligenten Kaufmann Robert Thorne von Bristol 
aus 4 ), der in Spanien sich aufhielt. Der unternehmende Geist, 
der in den fernsten Ahnen dieses Geschlechts schon zur Zeit 
der Kreuzzüge sich kundgab, war auch den späten Nachkommen 
eigen. Der Vater des R. Thorne hatte sich mit Hugo Elyot an 
den Fahrten nach der neuen Welt betheiligt 6 ). Der Sohn Robert 
war einer der ersten, der der von Seb. Cabot 1525 gegründeten 
Association für den spanisch-westindischen Handel beitrat und 
gehörte sicher auch zu den Kaufleuten aus Bristol, welche 
nach Hakluyts Zeugniss von San Lucar aus den englischen 
Handel nach den canarisehen Inseln organisirten 6 ). 

Gleich dem Vater verfolgte und studirte R. Thorne den 
Gang der Entdeckungen und hatte wohl in Folge des häu- 
figen Umgangs mit Cabot die Gründe kennen gelernt, die 
für das Gelingen der nördlichen Fahrt zu den Molukken 
sprachen. Er ist fest überzeugt, dass die Portugiesen auf 
diese Weise überholt werden könnten, und wünscht, dass sein 
Vaterland diese gewinnreiche That vollbringe. Instinctiv fühlt 



*) Sieh hierüber den Ezcurs am Ende des Bandes. 

*) Brewer, Cal. IV. 2813. Lee an Wolsey. 20. Jan. 1527. 

*) Gleichzeitig musste die kurz vorher von einem Engländer Tison 
(der ein Factor von M. Thorne und anderen engl. Kauf leaten gewesen sein 
soll) unternommene Fahrt die Aufmerksamkeit erregen. Hakluyt, The 
principal navigations etc. 111. 3. 500. 

*) R. Thorne übergab dieselbe dem englischen Gesandten am spani- 
schen Hofe Dr. Lee. Das Schriftstück berührt alle damals nach dieser 
Richtung hin brennenden Fragen und gehört zu den merkwürdigsten Docu- 
menten der Entdeckungsliteratur. Dasselbe ist abgedruckt bei Hakluyt I. 
S. 214 fg.: auch bei Lind 8 ay, History of merchant shipping and anrient 
commerce IL S. 541 fg.-, vgl auch Brewer, Cal. IV. 2814. 

*) Der Sohn beansprucht sogar für seinen Vater die Entdeckung New* 
foundlands. 

ö ) Hakluyt U. P. 2. S. 8 nennt besonders Nich. Thorne undThom. 
Spacheford und hebt hervor, dass 2 Factoren des Nich. Thorne ständig in 
Santa Cruz sich aufhielten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Nich. Thorne 
ein Verwandter des Bob. Thorne und von diesem beeinflusst war. Die Eng- 
länder brachten dahin alle Arten von Tuch, Packfaden, Seife und nahmen 
dafür entgegen Farbmaterialien, Zucker und Bockhäute. 



— 321 — 

er heraus, dass die Entdeckung der nordwestlichen Fahrt ein 
vorwiegend britisches Problem ist 1 ), und bietet dem König 
seine Dienste an, wenn er ihm eine kleine Anzahl von Schiffen 
zur Verfügung stellen wolle. 

Heinrich VIII. ging auf Thornes Vorschlag ein. Man 
darf hieher die von dem zeitgenössischen Geschichtschreiber 
Hall erzählte Notiz rechnen, wonach am 20. Mai 19 Henr. VIII. 
(1528) zwei stattliche, gut bemannte und mit Lebensmitteln 
wohl versehene Schiffe vom König unter Leitung geschickter 
Männer auf Entdeckungen ausgeschickt wurden. „If they 
sped well", fügt der Chronist bei, „you shall here at their 
retorne" 2 ). Er meldet aber später Nichts mehr von ihnen. 
Hakluyt will von Frobisher und Andern erfahren haben, dass 
das eine Schiff, der „Dominus vobiscum", in einem Golf schei- 
terte, das andere, die „Meta incognita", im October zurück- 
kehrte 3 ). 

Das Misslingen der Expedition lähmte wieder den Eifer der 
englischen Regierung für einige Jahre. Die Thatenlust der 
englischen Kauffahrer erlosch aber nicht, wuchs vielmehr von 
Tag zu Tag. 1530 unternahm Hawkins von Plymouth eine 
Fahrt nach Guinea und segelte von da nach Brasilien 4 ). Er 
machte so gewinnreiche Geschäfte, dass er 1532 den Besuch 
von Brasilien erneuerte 5 ). Der englische Handel dahin und 
nach Guinea war damit begründet. 1536 brachten Engländer 
neuerdings Waaren, unter Anderm 100 u Gold^taub von Guinea 
zurück, 1540 und 1542 gingen auch Kaufleute von Southampton 6 ) 
nach Brasilien, und die Beziehungen zu diesem Lande blieben 
ungestört, bis 1580 Spanien Portugal und seine Besitzungen 
sich botmässig machte. 

Auch die Versuche, den nördlichen Weg nach Ostindien 
zu finden, ruhten nicht ganz. Wie hätte eine so kräftige 
Nation, wie die englische war, sich beruhigen können, ehe 



l ) „Now rest", schreibt R. Thorne an Heinrich VIII., „to be discovered 
the north parts, to which it seemeth unto me is onely your highnes6 
Charge and dutie, because the Situation of this your realme is there- 
unto neerest and aptest of all other." Hakluyt, The principal naviga- 
tions, voyages, trafnques and discoveries of the'English nation. London 
1599. L S. 212. 

*) Hall, Chronicle S. 724. 

a ) Hakluyt IU. 129. Derselbe fügt auch^bei, dass ein grosser reicher 
Mathematiker an der Spitze des Unternehmens stand. Ob Thorne an der 
Fahrt selber sich betheiligte, ist unbekannt; die Anregung muss man aber 
sicherlich ihm zuschreiben. 

4 ) Hakluyt III. S. 700. Es ist unrichtig, wenn Beer, Gesch. des 
Handels III. S. 363 behauptet, an der Westküste Africas sei das erste eng- 
lische Schiff erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts erschienen unter Füh- 
rung des Th. Wyndham. 

b ) Hakluyt a. a. O. 

«) Rob. Reniger, Thom. Borey, Poudley und Andere. Hakluyt III. 
S. 701. 

Schanz, Engl. Handelspolitik. I. 21 



— 322 — 

dieser grossartige Gedanke auf seine Realisirbarkeit geprüft 
war? 1536 munterte Höre von London verschiedene Leute 
(„gentlemen") auf, mit ihm nochmals eine Lösung des Problems 
zu versuchen; Heinrich VIH. begünstigte das Unternehmen 1 ). 
Das gesteckte Ziel erreichte auch Höre nicht; aber seinen Be- 
mühungen gelang es trotz fast unüberwindlicher Hindernisse, 
auf Cap Breton und Newfoundland eine kleine englische Co- 
lonie zu gründen und dadurch der vorteilhaften englischen 
Fischerei daselbst einen sicheren Rückhalt zu geben 2 ). 

Wir brechen hier ab. Aus der Darstellung ergibt sich ein 
Doppeltes. Sie ist auf der einen Seite ein letzter und glänzender 
Beleg für die Energie und den Unternehmungsgeist der engli- 
schen Kaufleute und Seefahrer, auf der andern Seite zeigt sie 
ganz entschieden, dass die beiden ersten Tudors den Ent- 
deckungen nicht die Sorgfalt zugewendet haben, die man von 
ihnen erwarten könnte. Die Rolle, die Heinrich VII. hinsicht- 
lich der Entdeckungsfahrten spielte, war eine kleinliche. Kein 
Monarch der Welt besass damals die Mittel wie er, um hier 
kräftig einzugreifen. Wie sehr sticht von seinem Benehmen 
das der edlen Isabella ab, die behufs Ausrüstung der Schiffe 
selbst ihre Juwelen verpfänden wollte, als Colon im Begriffe 
stand, Spanien den Rücken zu wenden! Die Nachwelt würde 
dem König seinen Geiz und seine Erpressungen verziehen 
haben, wenn er zu dieser Aufgabe einen Theil der gesammel- 
ten Schätze geopfert hätte. 

Bei Heinrich VIII. war der Wille vielleicht grösser, das 
Vermögen sicherlich geringer. Zu schwere Aufgaben ruhten 
bereits in seiner Hand, und alle Kraft des gebieterischen Kö- 
nigs reichte beinahe nicht aus, das Volk und den Staat in die 
von ihm beliebten Bahnen zu leiten. Nach Aussen bestrebt 
England im europäischen Völkerbunde zu einem angesehenen 
Gliede zu machen, wurde Heinrich VIII. in endlose Schwierig- 
keiten verwickelt; nach Innen entschlossen, eine folgenschwere 
religiöse Bewegung ins Leben zu rufen, hatte er fast zwanzig 
Jahre seines Lebens zu wachen und zu kämpfen , mit guten 
und mit schlechten Mitteln, um immer an ihrer Spitze zu 
bleiben. 

Da war kein rechter Raum für Entdeckungsfragen und 
Colonialpolitik. Die ersten passenden Momente gingen vorüber, 
in denen es möglich war, England einen grossen Theil der 
neuen Welt zu gewinnen. Und dennoch war vielleicht Hein- 



') Hakluyt in. S. 129. 

*) Anderson, Historical and chronol. deduction of the origin ot 
commerce etc. sub anno 1536. Dass Fische seit dieser Zeit nicht selten 
von Newfoundland („Newland") nach England gebracht worden, erhellt aus 
33 Hen. VIII. c. 2 und 2—3 Edw. VI. c. 6. 



i 



— 323 — 

richs VII. und seines Sohnes Politik in dieser Frage für Eng- 
land ein Glück. Wenn unter englischer Flagge die Ent- 
deckungen und Eroberungen in Amerika gemacht worden und 
die grossen Reichthümer und Schätze England statt Spanien 
zugeflossen wären, wie leicht hätte es sein können, dass auch 
in England, ,wie in Spanien, die industrielle Blüthe von dem 
giftigen Hauche getroffen erlahmt wäre, und wer weiss, ob 
die in der Fülle eintretende Schlaffheit des Geistes nicht auch 
der Reformation den Weg in England versperrt hätte. Aber 
es traf sich, dass England an den unseligen Folgen der aus 
den Entdeckungen emporströmenden Reichthümer glücklich 
vorbeisteuerte und gleichzeitig die wichtigsten inneren Volk 
und Geist reformirenden Fragen in der Hauptsache entschied. 
Jetzt bedurfte es nur des belebenden Rufes einer Elisa- 
beth, um von Neuem den Muth der Entdecker anzufachen, die 
im Norden Amerikas bereits gelegten Keime zu entwickeln 
und dem kühnen thatenlustigen Volk jene Colonialmacht zu 
verschaffen , auf der Englands Reichthum, Macht und Stolz 
sieh erhob. 



21 ■ 



IL ABSCHNITT. 



Erstes Capitel. 

Die Stapelkaufleute und Merchant adventurers. 



Der ganze erste Abschnitt legt Zeugniss davon ab, wie 
der englische Handelstand seit der Mitte des 14., besonders 
aber im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts eine kräftige Ini- 
tiative entwickelt, die frühere Passivität mehr und mehr ab- 
schüttelt und selbstthätig, mit vollster Energie den Kiel in 
ferne Meere lenkt. 

Das Mark des englischen Activhandels lag in dem Ver- 
kehr mit den Niederlanden. Hier bildete der englische Kauf- 
mann den wesentlichsten Bestandteil des grossen Weltmarktes, 
mächtig und achtunggebietend stand er da, die wichtigsten 
Fäden des ganzen Handelsgeflechtes in Händen haltend. Er 
begegnet uns weiter im Innern Deutschlands, namentlich auf 
den Frankfurter Messen, den zürnenden Kölnern zum Trotz x ), 
er tritt uns entgegen im fernen Osten, mit den tüchtigen 
Hansen auf skandinavischem und preussischem Boden im Kampf, 
zeitweise geschwächt, nie aber ganz unterliegend, immer wieder 
sich emporraffend. Er besucht den höchsten Norden, in Is- 
land handelnd und in seinen Meeren fischend. Wir finden ihn 
im nördlichen und südlichen Frankreich, in Portugal und Spa- 
nien und beobachten, wie er da Fuss fasst, einen regelmässigen 
Handel dahin organisirt und unterhält. Selbst die Meerenge 
von Gibraltar sehen wir ihn überschreiten und in kühnem 
Fluge mit den alten und gewandten italienischen Handels- 
mächten sich messen. Auch die neue Welt ist ihm nicht zu 
fern, auch sie wird aus commerciellen Gründen immer wieder 
besucht und zur Colonisation in Aussicht genommen. 

Es waren thatkräftige Männer, welche den Bann brachen, 
der lange Zeit auf dem Handel der Engländer lag, und der 
englischen Flagge und dem englischen Kaufmann eine angesehene 
Stellung im Weltverkehr verschafften. Bescheiden ist anfäng- 

^ürk. Beil. 100 fg. 



- 328 - 

lieh ihre Rolle, da die Fremden einen beträchtlichen Vorsprung 
hatten. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts sind in ganz 
England nur 169 reiche Kaufleute, an die der König