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Full text of "Ergebnisse der in dem Atlantischen Ocean von Mitte Juli bis Anfang November 1889 ausgeführten Plankton-Expedition der Humboldt-Stiftung. Auf Frund von gemeinschaftlichen Untersuchungen einer Reihe von Fach-Forschern"

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X ,^yri n^  om^^n^.  n  n  n^n  n^n^n  rv n 


Ergebnisse*) 

der 

in  dem  Atiantischeu  Ozean 

von  Mitte  Juli  bis  Anfang  November  1889 

ausgeführten 

riiüiktoii-UxpcditiondcrHiinilioldl-Stildiiig. 

Auf  Grund  vou 
geinetnselukft liehen  Untersuchungen  einer  Reihe  von  Fach -Forschern 

herausgegeben  von 

Victor  Hensen, 

Professor  der  Physiologie  in  Kiel 


Bd. 


I.  A.  Reisebesclireihung  von  Prof,  Dr.  0.  K  riimmel,  nebst  An- 
fügungen einiger  Vorberichte  über  die  Untersuchung 

R.  Methodik   der   ('ntersuchnngen    von    Prof.  Hr.  V.  Hens.-n, 

''.  Dt-ophysikali-rhe  Beobachtungen  v.  Prof.  Dr.  O.  KrihuinH. 
II    it.  Fische  von  Prof.  Dr.  G.  Pfeffer. 
K.  a.  A.  Thaliaceen  von  M.  Trausted t. 

B.  Verteilung  der  Salpen  von  Dr.  C.  A  ps  I  *■  i  n. 
i '.  Verteilung  der  Doliolrn  von  Dr.  A.  Boi  ^-- i  i 
b.  Pyrosoiiifu   von   Pud.    Dr.  u.  Seeliger! 


e.  Appendieularieu  von  Prot.  Dr.  II.  1." h  ni anii, 
'.  a.  Cephalopoden  von  Prof.  Dr.  G.  Pfeffer. 

b.  Pteropoden  von  Dr.  P.  Schiemenz. 

c.  Heteropoden  von  demselben 

d    Gastropoden  mit  Ausschluß  der  Heteropoden  und  Ptero- 
poden von  Prof.  Dr.  H.  Simroth. 

e.  Acephab-n  von  d'-m>.dbrn. 

f.  BnirtiJOlindMii    y,»i    demselben . 

.  a.  g.  ilalohandeu  y<.m  Prof.  Dr.  Fr.  Dahl. 

ß.  Halacarinen  von  Prof.  Dr.  H.  Lohmann. 
h.  Deflapoden  und  Schizopoden  von  Prof.  Dr.  A.  Ort  m  min. 

e.  Isopoden,Cumaceen  u.  Stomatopoden  v.  Dr.  n.J.  Hansen. 

d.  Clacloeeren  und  Cirripedien  von  d'-uisadht-n. 
6.  Ampliipoden  von  Prot.  Dr.  J.  Vosseier. 

f.  Copepoden  von  Prof.  Dr.  Fr.  Dahl. 

g.  Ostracoden  von  Dr.  V.  Vävra. 

[.  a.  Rotatorien  vou  Prof.  Dr.  Zelinka,  Graz. 

b.  Aleiopiden  und  Tomopteriden  von  Dr.  C.  A  pst  ein. 

c.  Pelagiscbe  Phyllodoeiden   und  Tyhloscoleciden   von  Dr. 


J.  Reibisch. 

d.  P'.ilyelia>jter-  und  AchaeU-nlarvt-u  vmi  Prof.  Dr.  H  iic  ke  r 

e.  Sagitten  von  Dr.  O.  Steinhaus. 

f.  Polycladen  von  Dr.  Marianne  Plehn. 

:.  'I'uvIk  llaria  aco.da  vou  Dr.  L.  B  o  h  in  i  g  . 
J.  Kcliinodi-rui'-'iilarven  vmi   Dr.  Tit.  M  n  rt  ■■  n  vr  n 
K.  a.  Ctenophoren  von  Prof.  Dr.  C.  Chun. 
b.  Siphonopböven  von  demselben. 
e.  t'rasprdute  Medusen  von  Prof.  Dr.  O.Maas. 
■  I.  AkahpliHU  vöiTpruf.   Dr.  E.  Vanhoften. 
*■■  Antliny.iM'ii  von  Prnf.  Dr.  E.  van   Dem-don- 
Dd.  III    L?  a.  Tintinnen  von  Prof.  Dr.  K.  Bra  ndl. 


b    Holotriche  und  peritriche  Infusorien,  Acineten  von  Prof. 
Dr.  IMiumbler. 

-  o.  Foraminiieren  von  demselben, 

d.  Thalassicollen.   koloniebüdende   Radiolarien   von  Prof. 
Dr.  K.  Brandt. 

Spuni' Uarien  von  Dr   F    Dreyer 
-f.  et-  Aoantuoifietriden  von  Dr.  A.  Popofsky. 

■*    ß.  Acanthophraotiden  von  demselben. 
Ifonopylarien  von  Prof.  Dr.  K    Brandt 
""   h.  Tripyleen  von  Dr.  F.  Imme  rma  n  n. 

i.  Taxopoden   und   nein-  Prutozorn-Abieiinngen    von  Prof. 
Dr.  K.  Brandt. 
Bd.  IV.  M.  a    A    P^iidno-i-n.  all-.-niLin.-rTeil  vonProf.  Dr.  F.  Seliiit  t. 

B.  S])ezielli-r  Teil  von  demselben. 
b.  Dictyooheen  von  Dr,  A.  Borgerl 

-  c.  P^TOcysteen  von  Prof.  Dr.  K.  Brandt. 

d.  BacillariaceeE  von  Prof.  Dr.  F.  Schutt. 

e.  Halosphaereen  von  demselben 

-  f.  Sciiizophyreen  von  Prof.  Dr.  X.  Wille. 


—  g.  Bakterien  des  Meeres  von  Prof.  Dr.  B.  Fischer. 
N.  Cysten,  Eier  und  Larven  von  Prot.  Dr.  H.  Lohmann. 
Bd.   v.    0.  Uebersioht  and  Resultate  der  quantitativen  Untersuchungen , 
redigiert  vou  Prof.  Dr    V.  Hensen. 
P.  Ozeanographie    des   Atlantischen    Ozeans    unter   Beiüek- 
sichtigung  obiger  Resultate  von  Prof-  Dr.  0.  Krümmel 
unter  Mitwirkung  von  Prot'.  Dr.  V.  Hensen 
Q.  Gesamt-Registez  zum  ganzen  Werk. 

*)  Die  unterstrichenen  Teile  sind  bis  jetzt   tfoi    L904)  erschienen. 


Eier  und  sogenannte 
Cysten 


der 


Plankton-Ex  pedition. 


Anbaus": 


Oyphönantes 


vou 


H.  Lohmann, 


Kiel. 


Mit  7  Tafeln. 


KIEL  und  LEIPZIG. 
V  E  KLAG  VON  LIPSIUS  &  TISCH  E  R. 

1904. 


X  u  XKXtüüvifTQ^^^^VT  ü^xjxrxi  xr  ir  u*ü  u  ü\T Cr Cr  ö ~u "  u  xr u  i>-Cr  u  v'oxYJS^y 


Ergebnisse  der  Plankton-Expedition  der  Humboldt-Stiftung. 

Bd.  IV.     N. 


Eier  und  sogenannte  Cysten 
der  Plank  toii-Ex  pedition. 


Anhang: 


Oyphonautes 


von 


H.  Lohmann, 


Kiel. 


Mit   7  Tafeln. 


"£=♦  •^•FS=^=;^^  »*=fr» 


Kiel  und  Leipzig. 


Verlag  von  Lipsius  &  Tisch  er. 

1904. 


£ 


'fcj   L  I  *  P  *  R  Y 


I 'ie  vorliegende  kleine  Arbeit  beschäftigt  sich  mit  den  von  der  Plankton-Expedition 
gefangenen  Eiern  und  solchen,  ihrer  Bedeutung  nach  unbekannten  Organismen,  die  man  meist 
nur  provisorisch  als  »Cysten«  bezeichnet  hat.  Zwischen  beiden  Formen  ist  in  Wirklichkeit 
keine  Grenze  zu  ziehen,  da  sich  bei  genauerer  Untersuchung  die  meisten  sogenannten  Cysten  als 
Eier  nachweisen  lassen. 

Ursprünglich  bezeichnete  man  als  Cysten  nur  Ruhezustände  von  Protozoen  oder  Proto- 
phyten,  die  zum  Schutze  gegen  äußere  Schädigungen  mit  einer  mehr  oder  weniger  derben  und 
oft  eigenartig  strukturierten  und  geformten  Hülle  ausgestattet  waren.  Im  Meere  sind  solche 
echte  Cysten  im  allgemeinen  nur  spärlich  vorhanden.  Doch  kommen  bei  den  Tintinnen  unter 
den  Tieren  (Hensen,  Über  das  Plankton  1887,  Taf.  IV,  Fig.  21)  und  bei  den  Peridineen 
unter  den  Pflanzen  (Schutt,  Peridineen  der  Plankton-Expedition,  1.  Teil,  Taf.  25,  Fig.  808 
und  andere)  echte  Cysten  vor. 

Später  sind  die  verschiedensten  Organismen,  die  sich  nicht  in  bisher  bekannte  Abteilungen 
einreihen  ließen,  besonders  wenn  sie  auffällige  Schalenstrukturen  aufwiesen  und  sonst  Ähnlichkeit 
mit  echten  Cysten  hatten,  als  Cysten  beschrieben.  Hierher  gehören  vor  allem  die  sogenannten 
»Dornigen  Cysten«,  die  auch  als  Xanthidiuni  Ehrbg.  oder  als  Trochiscia  Kütz.  in  das  Pflanzen- 
reich eingeordnet  sind  und  wahrscheinlich  ausnahmslos  Eier  von  Wirbellosen  (Copepoden)  dar- 
stellen. Dasselbe  gilt  von  der  »Umrindeten  Cyste«  Hensens  und  einem  Teil  der  »Statoblasten« 
(Barbierbecken-,  Sternhaarstatoblast),  welch'  letztere  wahrscheinlich  Molluskeneier  sind.  In 
allen  diesen  Fällen  sind  die  Eier  durch  eigenartige  Umbildungen  der  Schale  dem  pelagischen 
Leben  in  zum  teil  ausgezeichneter  Weise  angepaßt  und  verdanken  diesem  Umstände  ihr 
abweichendes  und  merkwürdiges  Aussehen.  So  wird  die  »Unirindete  Cyste«  von  einer  dicken 
blasigen  Rinde  umgeben,  die  nur  als  Schwimmapparat  zu  deuten  ist  (Taf.  V,  Fig.  15,  1(3  und  19); 
bei  den  »Dornigen  Cysten«  trägt  die  Schale  mannigfach  gestaltete  Fortsätze,  die  bei  der  auf 
Tai'.  III,  Fig.  20  abgebildeten  neuen  Form,  dem  Ei  eine  große  Ähnlichkeit  mit  manchen 
Radiolarien  geben.  Um  das  Gewicht  des  Eies  durch  die  Ausbildung  dieser  Schwebapparate 
möglichst  wenig  zu  vergrößern,  sind  diese  Anhänge  ausnahmslos  hohl.  Die  seltsamste  Aus- 
gestaltung nehmen  diese  Anhänge  vielleicht  bei  dem  auf  Taf.  V,  Fig.  5  wiedergegebenen  Ei, 
das  durch  zwei  diametral  einander  gegenüberstehende,  ebenfalls  hohle  Fortsätze  von  enormer 
Länge  wie  an  einer  Balanzierstange  schwebend  gehalten  wird.  Am  wunderbarsten  ist  aber 
der  trichterförmige,  durch  zahlreiche  Hippen  gestützte  Schwebapparal  der  von  Hensen  abgebildeten 

L  M  li  im  a  ii  n  .  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


L  o  li  m  a  n  n  ,   Eier  und  sogenannte   Cysten. 


Sternhaarstatoblasten  (Über  das  Plankton,  Taf.  IV,  Fig.  24).  Auch  die  von  Cleve  als  Fungella 
aretica  (Kongl.  Svenska  Vetensk.  Akad.  Handling.,  Bd.  32,  Nr.  3,  p.  22,  Taf.  1,  Fig.  1),  von 
Vanh  offen  als  » Chinesen hut«  (Grönland-Expedition  der  Gesellschaft  für  Erdkunde,  Bd.  II1",  Fauna 
und  Flora  Grönlands,  p.  287,  Taf.  6,  Fig.  1  u.  2)  beschriebene  Eiform  ist  mit  einem  ausgezeichneten 
Schwebapparat  ausgerüstet.  Diesen  Eiern  schließt  sich  dann  ein  merkwürdiges  kleines  Ei  an, 
das  in  der  Sargasso-See  vielfach  gefunden  wurde  und  in  einer  becherförmigen,  weit  abstehenden 
glashellen  Hülle  aufgehängt  ist  (Taf.  Y,  Fig.  6).  Zweifellos  werden  sich,  sobald  man  auf 
diese  Verhältnisse  etwas  mehr  als  bisher  achtet,  noch  viele  andere  Anpassungen  der  Hüllen 
der  pelagischen  Eier  wirbelloser  Tiere  an  das  Schweben  im  Wasser  ergeben.  Daß  auch  bei  den  Fischen 
ähnliche  Umgestaltungen  vorkommen,  zeigt  das  Taf.  IV,  Fig.  1  abgebildete  Scomberesociden- 
Ei,  bei  dem  die  Fadenanhänge  nicht  mehr  wie  bei  Betone  zum  Befestigen  der  Eier  unter 
einander  und  an  Algen  dienen,  sondern  zu  steif  abstehenden  Borsten  umgestaltet,  die  Schweb- 
fähigkeit der  Eier  erhöhen. 

Während  der  statistischen  Verarbeitung  der  quantitativen  Fänge  der  Plankton-Expedition 
wurde  eine  große  Anzahl  von  Eiern  und  sogenannten  Cysten  ausgesucht  und  die  größeren 
in  Alkohol,  alle  anderen  in  Glyzerin  konserviert.  Die  mit  Sicherheit  erkennbaren  Formen 
wurden  während  der  Zählungen  berücksichtigt,  sodaß  für  diese  die  Verbreitung  auch  quantitativ 
festgestellt  wurde.  Bei  der  Sichtung  des  Materiales  ergab  sich,  daß  zwar  nach  der  verschiedenen 
mikroskopischen  Struktur,  der  Anzahl  und  Dicke  der  Hüllen,  sowde  nach  der  Gestalt  der  Eier 
und  Cysten  eine  weitgehende  Sonderung  der  Formen  möglich  ist;  aber  bei  der  Unmöglichkeit, 
die  einzelnen  so  unterschiedenen  Organismen  zu  deuten  und  mit  bestimmten  Gruppen  oder  gar 
Arten  selbständiger  Organismen  in  Beziehung  zu  bringen,  erschien  es  zwecklos,  diese  Formen 
hier  einzeln  aufzuführen,  umsomehr  als  auch  über  ihr  Vorkommen  meist  keine  brauchbaren 
Angaben  zu  machen  waren,  weil  die  Unterscheidung  während  der  Zählung  nur  selten  möglich 
war.  Daher  habe  ich  mich  auf  eine  Auswahl  solcher  Formen  beschränkt,  die  sicher  nach  der 
hier  gegebenen  Beschreibung  wieder  zu  erkennen  sind,  und  bei  denen  überdies  die  Verbreitung 
von  Interesse  ist,  oder  deren  Untersuchung  neues  über  den  Bau  oder  die  Bedeutung  der 
Formen  ergab. 

Wer  Gelegenheit  hat,  lebendes  Material  von  diesen  Eiern  oder  Cysten  zu  untersuchen, 
wird,  soweit  meine  Erfahrungen  reichen,  sicher  durch  Kulturversuche  mit  einzelnen,  im 
hängenden  Tropfen  in  der  feuchten  Kammer  isolierten  Exemplaren  in  vielen  Fällen  weiter 
kommen.  Aber  von  vielen  der  hier  in  Betracht  kommenden  Organismen  findet  man  meistens 
nur  wenige  Exemplare;  und  an  Bord  eines  Schiffes  dürften  sich  Kulturen  nicht  so  leicht  wie 
auf  dem  Lande   erfolgreich   durchführen  lassen. 

Jedenfalls  ist  es  für  das  Verständnis  des  Lebens  im  Meere  von  großer  Bedeutung,  daß 
es  uns  gelingt,  die  Ruhe-  und  Keimzustände  der  einzelnen  Plankton-Organismen  genau  zu 
unterscheiden,  ihr  Auftreten  festzustellen  und  die  Bedingungen  ihrer  Bildung  zu  erkennen. 
Die  Unterscheidung  wird  nach  meinen  Erfahrungen  an  dem  Materiale  der  Plankton-Expedition 
durch  ein  genaues  Studium  der  Hüllen  sehr  wahrscheinlich  ohne  große  Schwierigkeit  möglich 
sein;  über  die  Bedeutung  der  verschiedenen  Formen  aber   werden   fast  nur  Untersuchungen   an 


Einleitung'.  5 


lebendem  Material  und  in  erster  Linie  Kulturversuche  Aufschluß  geben  können.  An  dem 
Inhalte  der  kleineren  Eier  und  der  sogenannten  Cysten  ist  nach  der  Konservierung  nur  in  den 
seltensten  Fällen  noch  etwas  zu  erkennen;  nur  wenn  man  ihrer  Entwicklung  nach  bekannte 
Foi'inen   vor   sich    hat,    pflegt   es   noch    zu   gelingen,   auch   den    konservierten   Inhalt    zu    deuten. 

Die  Arbeit  zerfällt  in  drei  Teile,  von  denen  der  erste  über  die  Fischeier,  der  zweite 
über  Eier  wirbelloser  Tiere  und  der  dritte  über  pflanzliche,  z.  T.  wahrscheinlich  den  Peridineen 
nahestehende  (Ptero Spermen),  z.T.  zu  den  Palmellaceen  zu  stellende  Organismen  handelt. 

Als  Anhang  sind  schließlich  die  von  der  Expedition  erbeuteten  G/phonautes-Formen 
beigefügt. 


Luh  m  an  ii,  Eier  and  sogenannte  Cysten.     N. 


I.  Fischeier. 

Während  der  Plankton-Expedition  wurden  im  Ozean  sehr  wenig  Fischeier  gefangen. 
Nimmt  man  die  Zahl  der  mit  dem  quantitativ  fischenden  großen  Planktonnetz  erbeuteten  Eier 
als  Grundlage,  so  wurden  Fischeier  sogar  nur  im  warmen  Wasser  und  auch  hier  in  nennens- 
werter Anzahl  nur  nördlich  der  Brasilianischen  Küste  von  Fernando-Noronha  an  beobachtet. 
Zwischen  den  Kapverden  und  Ascension  kamen  ziemlich  regelmäßig  einige  Eier  vor;  ganz  ver- 
einzelt wurden  Fischeier  auch  in  einem  kleinen  Teile  der  Sargasso-See  erbeutet.  Die  Maximalzahl, 
die  überhaupt  gefischt  wurde,  war  10  Eier  im  Fang  (PI.  95;  westlich  Fernando-Noronha); 
9,  8,  7,  6  und  5  Exemplare  im  Fang  wurden  je  einmal  vor  der  Brasilianischen  Küste  gefischt; 
überall,  sonst  überstieg  die  Zahl  nicht  2   im  Fang! 

Bei  einer  solchen  Seltenheit  der  Fischeier  hätte  offenbar  ein  größeres  Netz  ein  klareres 
Bild  von  der  Verteilung  dieser  Organismen  gegeben;  während  so  nur  die  Spitzen  der  Kurve 
festgestellt  werden  konnten,  wären  sonst  auch  die  von  Station  zu  Station  sich  hinziehenden 
Täler  nachgewiesen  und  nicht  der  Anschein  erweckt,  als  ob  der  größte  Teil  des  Ozeans  zur  Zeit 
der  Fahrt  «anz  frei  von  Fischeiern  qewesen  sei.  Hier  können  die  Vertikalfänge  mit  den  Vertikal- 
netzen  aushelfen,  die  freilich  keine  quantitativ  brauchbaren  Werte  ergeben,  aber  bei  dem  11-  bis 
3 1 -fachen  Netz-Eingange  die  Eier  auch  da  noch  nachweisen,  wo  das  so  viel  kleinere  Planktonnetz 
kein  Ei  mehr  erbeutet.  Auch  wurde  dieses  Netz  fast  immer  bis  400  m  hinabgelassen,  während 
das  Planktonnetz  meist  nur  bis  200  m  versenkt  wurde.  Aus  ihnen  ergibt  sich  nun,  daß  im 
warmen  Gebiete  vom  Eintritt  in  den  Floridastrom  ab  (PI.  27)  bis  nördlich  der  Azoren  (PI.  123) 
fast  überall  einzelne  Eier  vorkamen,  während  im  Labradorstrom,  den  Grönlandströmen 
und  dem  westlichen  Teile  der  Irminger-See  auch  mit  diesen  Netzen  keine  Eier  nachweisbar 
waren  und  nur  südlich  Island  (J.-Nr.  9),  nördlich  Rockall  (J.-Nr.  4)  und  nördlich  der  Hebriden 
Eier  gefangen  wurden.  Aber  selbst  mit  diesen  großen  Netzen  wurden  im  Warm  wassergebiet 
nur  einmal  18  und  ein  anderes  Mal  14  (J.-Nr.  159  und  173)  Eier  im  Fang  erbeutet,  sonst 
blieb  die  Ausbeute  stets  unter  10,  meist  unter  5  zurück.  Von  75  Fängen  im  warmen  Gebiete 
enthielten  52  (=  69°/0)  Eier,  davon  aber  19  (=25%  aller  Fänge)  nur  1  Ei,  36  (=48%  aller 
Fänge)  weniger  als  4  Eier.  Dagegen  wurde  im  Nordosten  des  durchfahrenen  Gebietes  in  den 
Ausläufern  des  Golfstromes  mit  dem  großen  Vertikalnetz  (Eingangsöffnung  3,1  qm)  nördlich 
Rockall    55    und    südlich    Island    gar    Hi2    Fischeier   mit   einem   Netzzuo-e    erbeutet.      An    beiden 


Fischeier. 


Stationen  hatte  das  bis  zur  gleichen  Tiefe  hinabgelassene  Planktonnetz  (Eingangsöffnung  0.1  qm) 
keine  Eier  gefangen,  obwohl  man  den  Größenverhältnissen  nach  noch  2  resp.  3  Eier  hätte  erwarten 
müssen,  wenn  die  Verteilung  eine  ganz  gleichmäßige  gewesen  wäre.  Hier  müssen  also  notwendig 
Unregelmäßigkeiten  der  Verteilung  vorhanden  gewesen  sein,  wie  sie  in  diesem  Gebiete  der 
Golfstromausläufer  anscheinend  überhaupt  nicht  selten  sind.  So  fing  Hensen  am  29.  Juli  1885 
zwischen   8   und    1  1    Uhr  Vormittags   bei    Hockall  an  ein   und   derselben   Stelle: 


Durchfischte 
Wassersäule 

Plankto n  netz    1 . 
(Netzzeug    Nr.  5  1),   Öffnung   0,5  < | u i. ) 

Pia  n  k  t  o  n  netz   2. 
(Netzzeug   Nr.  20').   Öffnung  0,1  qm.) 

1.  0—   5(1  in 

2.  0—200  in 

ii  Eier  =     0   pro  qm.  Oberfläche 

8      ■■>     =   22     »      » 

8  Eier  =      96  pro  qm.  Oberfläche 

ls      »     =  203     »       »             » 

In  diesem  Falle  fing  also  das  kleinere  Netz  erheblich  mehr  als  das  größere,  obwohl  der 
Unterschied  in  der  Maschenweite  keine  Verschiedenheit  bedingen  konnte;.  Es  ist  also  nur  die 
eine  Erklärung  möglich,  daß  innerhalb  der  2  Stunden,  welche  zwischen  den  zuerst  ausgeführten 
Zügen  mit  dem  gröberen  Netze  und  den  später  angestellten  Fängen  mit  dem  feineren  Netze 
liegen  (J.-Nr.  23  u.  25  von  8h— 8r,ü;  J.-Nr.  26  u.  28  von  10u — 10:'°  Vm.),  eine  Änderung  in  dem 
Gehalt  des  Wassers  an  Eiern  sich  eingestellt  hatte,  die  bei  der  hier  herrschenden  Strömung 
auch  leicht  verständlich  ist,  wenn  die  Eier  in  wolkenartigen  Ansammlungen  im  Wasser  treiben. 
Etwas  ähnliches  wird  auch  während  der  Plankton-Expedition  an  den  beiden  Stationen  bei 
Rockall  und  südlich  Island  der  Fall  gewesen  sein. 

Vergleicht  man  die  Fangerträge  der  Plankton-Expedition  mit  der  Anzahl  der  Fischeier. 
die  in  nordischen  Küstengebieten  gefangen  sind,  so  kann  man  natürlich  nur  solche  Resultate 
zum  Vergleich  verwenden,  die  in  derselben  Jahreszeit  erhalten  wurden,  und  da  bieten  sich  als 
bestes  Material  die  Fänge  dar,  welche  Hensen  linde  .Juli  und  Anfang  August  1885  auf  der 
Fahrt  in  den  Ozean  mit  quantitativen  Planktonnetzen  in  der  nördlichen  Nordsee  und  westlich  von 
Schottland  ausführte.  Sie  sind  nur  1  —  3  Wochen  später  ausgeführt  als  die  in  demselben  Gebiete 
gemachten  Fänge  der  Plankton-Expedition,  während  sonst  nur  aus  dem  Frühjahr  oder  Herbst  Beob- 
achtungen vorliegen.  Auf  Tafel  II  sind  die  Erträge  dieser  Fänge  für  das  Planktonnetz  der  Expedition 
umgerechnet  und  daher  unmittelbar  mit  den  Fangresultaten  der  letzteren  vergleichbar  eingetragen. 
In  der  westlichen  Ostsee  war  danach  die  Zahl  der  Fischeier  noch  sehr  niedrig  (2  Eier  pro  Fang), 
im  Kattegat  stieg  sie  aber  bereits  auf  77  und  vor  dem  Skagerrak,  südlich  vor  der  norwegischen 
Küste,  erreichte  sie  ihr  Maximum  von  347  Eiern  im  Fang.  Weiter  nach  Westen  hin  sank  die 
Zahl  am  Nordausgange  der  Nordsee  auf  19  und  25,  westlich  der  Hebriden  im  Ozean  sogar  auf 
7  und  9,  stieg  aber  dicht  vor  Hockall  wieder  auf  15  Eier  pro  Fang.  Nur  in  der  Ostsee  war 
die  Eizahl  also  ebenso  niedrig  wie  im  allgemeinen  zwischen  den  Kapverden  und  Ascension, 
während  selbst  die  ärmsten  Fänge  aus  dem  Ozean  noch  den  reichen  Fängen  der  Expedition  vor 
der  Brasilianischen  Küste  gleichkommen. 


'i    Maschenweite  (=  Seitenlänge)   von   Netzzeug  Nr.  6:   210  u.,   von  Netzzeug  Nr.  20:   53  J»t. 

Lohmann,   Eier  und  sogenannte  Cysten.     X. 


L  o  h  m  a  n  n  ,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


Um  den  Reichtum  der  einzelnen  Gebiete  an  Eiern  zur  Zeit  der  Expedition  untereinander 
noch  klarer  vergleichen  zu  können,  habe  ich  die  Eizahl  berechnet,  welche  sich  für  ein  jedes 
derselben  unter  Berücksichtigung  der  Länge  der  durchforschten  Strecke  und  der  Anzahl  der 
gemachten  Fänge  nach  der  von  Hensen  angegebenen  Methode  (Über  die  Eimenge  der  im 
Winter  laichenden  Fische,  Wissenschaftliche  Meeresuntersuchung,  Bd.  II,  H.  2,  p.  8)  für  den 
Quadratmeter  Oberfläche  ergibt  und  in  nachfolgender  Tabelle  zusammengestellt : 


Eizahl 

Ort   der  Beobachtung- 

Zeit  der  Beobachtung 

Zahl    der 
Fänge 

pro  Quac 

maxim. 
Zahl 

ratmeter 
durch- 
schnitt!. 

Zahl 

Tiefe  der 
Fänge 

1. 

Westliche   Ostsee: 

a)   Bülk,   Kieler  Bucht 

Jan.  bis  März   1884/85 

13 

103 

32 

17  in 

b)  Bülk,  Kieler  Bucht 

April  bis  Juni   1884/85 

8 

272 

65 

17  m 

c)   Bülk,   Kieler  Bucht 

Juli  bis  Sept.   1884/85 

7 

24 

5 

17  m 

d)  Bülk,  Kieler  Bucht 

Okt.  bis  Dez.   1884/85 

3 

— 

— 

17  m 

2. 

Kattegat 

2.  August  1885 

1 

(934) 

— 

30  in 

3. 

Nordsee,    Norwegische    Rinne    am    Eingange    in 
das   Skagerrak: 

a)  Nordsee-Expedition   1895 

27.  April   1895 

1 

(10) 

— 

195  m 

b)   Ozeanfahrt   1885 

26.  Juli   1885 

1 

(5069) 

— 

550  m 

4. 

Nordsee,  nördlich   58°  Br.,  hohe  See 

a)  Nordsee-Expedition   1895 

19.  Febr.   1895 

5 

273 

138 

90  m 

b)  Ozeanfahrt   1885 

27.  u.  28.  Juli   1885 

2 

303 

181 

140  m 

5. 

Nordsee ,  südlicher  Teil  in  52°  9'Br.  und  2°  6'  Ö.  L. 

Plankton-Expedition    1887 

4.  Nov.   1887 

1 

— 

— 

28  m 

6. 

Golfstromtrift  zwischen   58°  und  60°  Br.  und 
zwischen   Schottland  und   Rockall: 

a)   Plankton-Expedition   1887 

19.  u.  2t».  Juli   1SS7 

3 

— 

— 

100  u. 

400  m 

b)   Ozeanfahrt  1885 

29.  u.   30.  Juli    1885 

8 

203 

60 

■>b0  bis 

7. 

Golfstromtrift  in   gleicher  Breite   aber  westlich 

2500  m 

Rockall.      1887 

21.  Juli   1887 

1 

— 

— 

400  m 

8. 

Golfstromtrift  südlich  50°  Br.,  Heimreise  1887 

27.  Okt.  bis   1.  Nov.   1887 

3 

— 

200  m 

9. 

Irminger-See  in   etwa   60°  Br. 

22.  bis  25.  Juli  1887 

4 

— 

— 

400  m 

10. 

Grönlandströme,    1887 

25.  bis   28.  Juli  1887 

2 

— 

— 

200  in 

11. 

Labradorstrom   (inkl.  Neufundlandbank)    1887 

29.  Juli  bis  1.  August  1887 

6 

— 

— 

200  m 

12. 

Floridastrom 

2.  bis  4.  August   1887 

6 

— 

— 

200  m 

13. 

Sargasso-See: 

a)  Ausreise 

5.  bis   25.  August   1887 

28 

13 

1 

200  m 

b)   Heimreise 

16.  bis  21.  Okt.   1887 

4 

— 

— 

200  m 

14. 

Nordäquatorialstrom: 

a)  Ausreise 

26.  August  bis  2.  Sept.  1887 

6 

80 

11 

200  m 

b)    Heimreise 

13.  Okt.   1887 

1 

— 

200  m 

Fischeier. 


Eizahl 

Ort  der  Beobachtung 

Zeit  der  Beobachtung 

Zahl    der 

Fühl;'1 

pro   Quadratmeter 
|    durch- 
maxini.    !  schnitt!. 
Zahl            Zahl 

Tiefe   der 
Fänge 

15. 

G  uineastrom: 

a)   Ausreise 

2.  bis  5.  Sept.   1887 

4 

13 

8 

200  in 

b)   Heimreise 

11.   bis  12.  Okt.   1887 

2 

— 

— 

200  m 

16. 

Süd  äquatorial  ström: 

a)    nördlich  Ascension 

6.  bis   10.  Sept.   1887 

10 

27 

17 

200  m 

1))  westlich  Fernando-Noronha 

18.  Sept.   bis  9.  Okt.  1887 

11 

134 

51 

200  m 

c)   Zwischengebiet 

13.  bis  17.  Sept.   1887 

9 

— 

— 

200  in 

17. 

K  a  n  a  1 

2.  Nov.  1887 

1 

— 

94 

Um  diese  Zahlen  richtig  zu  bewerten,  ist  vor  allem  nötig,  daß  wir  den  Einfluß  der 
Küste  und  Hochsee  auf  der  einen,  den  der  Jahreszeit  auf  der  anderen  Seite  genau  zu  beurteilen 
vermögen.  Scheidet  man  zunächst  die  Küstengebiete  von  denen  des  offenen  Meeres,  so  ergibt 
sich  sofort,  daß  die  letzteren  im  allgemeinen  viel  ärmer  als  die  ersteren  sind.  Im  kühlen  Gebiete 
(nördlich  vom  Floridastrom  und  Azoren)  stehen  dann  die  Gebiete  Nr.  1  (24  Fischeier  im  Maximum 
zur  Zeit  der  Expedition),  Nr.  2  (934),  Nr.  3  (5069),  Nr.  4  (303)  und  Nr.  G  (203)  den  Gebieten 
Nr.  7  ( — ),  9  ( — ),  10  (— ),  (11  ( — )  gegenüber,  so  daß  hier  die  Hochsee  gar  keine  Fischeier 
geliefert  hat,  während  die  europäischen  Küstenmeere  sehr  reich  an  ihnen  waren.  Auffällig  ist 
aber,  daß  an  der  amerikanischen  Küste  in  der  Gegend  von  Neufundland  ebenfalls  keine 
Eier  gefangen  wurden  (zu  Nr.  1 1  gehörend).  Hier  kommt  ganz  sicher  die  Jahreszeit  in  Frage ; 
ein  oder  zwei  Monat  früher  würde  die  Expedition  hier  zweifellos  große  Mengen  von  Fischeiern 
gefangen  haben. 

Im  warmen  Gebiete  wird  die  Küste  durch  den  westlich  von  Fernando-Noronha  gelegenen 
Abschnitt  des  Südäquatorialstromes  nördlich  der  brasilianischen  Küste  repräsentiert.  Litorale 
Krebslarven  (Decapoden),  litorale  Appendicularien  (Oikopleura  dioica),  Polypomedusen  und  andere 
Küstenformen  des  Planktons  weisen  hier  auf  das  Deutlichste  bis  350  Seemeilen  östlich  von 
Fernando-Noronha  den  Einfluß  der  südamerikanischen  Küste  nach;  nicht  minder  kommt  derselbe 
in  dem  Fehlen  ozeanischer  Arten,  wie  des  Lucifer  reynaudi  zum  Ausdruck.  In  diesem  unter 
Küsteneinfluß  stehenden  Gebiete  fand  die  Expedition  im  Maximum  ]  34  Fischeier  pro  Quadrat- 
meter Oberfläche;  das  ganze  übrige  Gebiet  warmen  Wassers  vom  Floridastrom  ab  durch 
Sargasso-See.  Nordäquatorial-  und  Guineastrom  bis  zu  Ascension  im  Südäquatorialstrom  hat 
ausgesprochenen  Hochseecharakter  und  hier  fanden  sich  im  Maximum  nur  80  Eier.  Dabei  ist 
aber  noch  bedeutungsvoll,  daß  der  südöstliche  Hand  des  Gebietes  (Nr.  14a,  15%  16a),  der  der 
afrikanischen  Küste  nicht  fern  liegt  und  vor  allem  der  nordäquatoriale  landnächste  Abschnitt 
(80  Eier  im  Maximum)  reicher  ist,  als  die  zentral  gelegenen  Teile  (Nr.  13,  14",  15b,  16c),  für 
welche  das  Maximum  nur   13  Eier  beträgt. 

Sowohl  im  Norden  wie  im  Süden  ist  also  das  Küstengebiet  reicher  an  Fischeiern  als 
die  Hochsee;  aber  im  warmen  Gebiete  erscheint  der  Unterschied  geringer. 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N, 

2 


10 


Loh m  an«,   Eier  und  sogenannte   Cysten. 


Der  Einfluß  der  Jahreszeit  spielt  jedenfalls  im  nördlichen  Abschnitte  des  Gebietes  eine 
erhebliche  Rolle.  Am  genauesten  unterrichtet  sind  wir  durch  Hensens  Untersuchungen  über 
das  Verhalten  in  der  westlichen  Ostsee.  Vom  Januar  bis  Juli  und  ab  und  zu  noch  im  August 
wird  man  stets  Eier  fangen  und  im  Frühjahre  sogar  reichliche  Mengen;  vom  August  ab  aber 
bis  Ende  Dezember  sind  die  Fischeier  aus  dem  Auftrieb  verschwunden.  Über  die  Nordsee 
und  die  angrenzenden  Meeresteile  liegen  quantitative  Bestimmungen  aus  verschiedenen  Jahres- 
zeiten in  ganz  ungenügender  Anzahl  vor.  Soweit  aber  die  Ergebnisse  der  internationalen 
Terminfahrten  aus  dem  Jahre  1903  erkennen  lassen,  ist  im  November  im  Skagerrak,  in  der 
Nordsee  und  im  Kanal  die  Zahl  der  Fischeier  am  geringsten,  im  Mai  dagegen  am 
größten  gewesen.  Nur  bei  den  Mai-Terminfahrten  wurden  in  allen  diesen  Gebieten  an 
einzelnen  Stationen  zahlreiche  Fischeier  (cc.  oder  c.)  gefangen  und  in  der  Mehrzahl  aller 
Positionen  wenigstens  einzelne  Exemplare  erbeutet,  während  auf  den  November-Fahrten  die 
Eier  fast  stets  fehlten  und  nur  hier  und  da  wenige  Stücke  sich  fanden.  Im  Kanal  wurden 
aber  auch  im  Februar  bereits  an  drei  Stationen  Fischeier  häufig  (c.)  beobachtet.  Es  stimmt 
demnach  dieses  Ergebnis  durchaus  mit  dem  der  Hen senschen  Untersuchungen  in  der  west- 
lichen Ostsee  überein,  nach  denen  in  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  bis  in  den  August  hinein  die 
Fischeier  regelmäßig  im  Auftrieb  vorkommen  und  im  Februar  und  Mai  ihr  Maximum  erreichen, 
dagegen  im  Herbst  und  am  Ende  des  Jahres  schwinden.1)  Es  war  daher  die  Jahreszeit  der 
Ausreise  der  Expedition  (zweite  Hälfte  des  Juli)  für  die  Fischeier  insofern  ungünstig,  als  sie 
bereits  reichlich  spät  war,  und  ein  Schwanken  der  Entwicklung,  wie  es  von  einem  Jahr 
zum  anderen  bei  allen  Planktonorganismen  vorkommt,  entweder  noch  einen  reichen  Ertrag 
oder  aber  bereits  sehr  arme  Ausbeute  verursachen  konnte.  Auf  der  Ozeanfahrt  1885  ist  noch 
ein  spätes  Maximum  der  Fischeier  im  Juli  aufgetreten,  worauf  auch  die  Zahlen  für  die  west- 
liche Ostsee  schließen  lassen;  während  der  Plankton-Expedition  dahingegen  war  Ende  Juli 
bereits  die  Fischeiperiode  beendet,  ähnlich  wie  1884  in  der  westlichen  Ostsee.  Ähnliche  Ver- 
hältnisse werden  auch  Schuld  daran  sein,  daß  die  Expedition  auf  der  Neufundlandbank  keine 
Eier  antraf. 

Es  läßt  sich  aber  aus  dem  Auftreten  der  größeren  Auftrieborganismen  nachweisen,  daß 
sicher  bis  etwa  zum  40°  nördlicher  Breite  hinab,  wahrscheinlich  aber  noch  weiter  südlich 
jahreszeitliche  Unterschiede  im  Plankton  sich  einstellen,  die  wahrscheinlich  durch  das  ver- 
schieden weite  und  verschieden  starke  Vordringen  des  Labradorstromwassers  nach  Süden  bedingt 
werden  (Lohmann,  Sitzungsberichte  der  Akad.  Wissensch.,  Berlin  1903,  p.  567 — 569).  Es  sind 
daher  jahreszeitliche  Verschiedenheiten  auch  für  die  treibenden  Fischeier  im  ganzen  Gebiete 
der  Golftrift   bis  zu   den  Azoren  und  vielleicht   bis  Madeira   hin   wahrscheinlich.     Es    ist   ferner 


1 )    Hensen    fand    vor    der  Kieler  Bucht    folgende   Eimengen    pro   1  qm   Oberfläche    (Über    die   Bestimmung  des 
Planktons   1887,   nach   den  Tabellen   zusammengestellt): 


i 

n 

III                                            IV 

V                      VI 

VII 

VIII 

IX 

X 

XI 

XII 

1        13     L'l 

2  1  8      14    i'-l 

7  1  15  1 20    21    28    30    12    19 

26 

11    24    W  15    2!» 

13 

2      2 

6 

19 

11130 

16 

15 

1U 

1884 

12 

28    32 

51 

8     19    59 

12    —    14     3     17    13 

13 

91   272  —    61    27     9  | 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

1885 

78 

103 

M 

24 

— 

Fischeier.  11 


sicher,  daß  die  Expedition  in  dem  europäischen  und  nordamerikanischen  Küstengebiete  eine 
Fischeier-arme  Zeit  getroffen  hat  und  daher  die  hier  gewonnenen  Zahlen,  vielleicht  auch  die 
für  die  hohe  See,  nur  für  diese  Jahreszeit  gelten. 

Im  Gebiete  der  warmen  Ströme  fehlen  uns  bis  jetzt  Beobachtungen,  die  während  ver- 
schiedener Jahreszeiten  durchgeführt  sind,  gänzlich.  Der  sehr  stark  ausgesprochene  Wechsel 
des  Mittelmeerauftriebs  im  Laufe  des  Jahres  kann  hier  keinen  Ausschlag  geben,  da  die  hydro- 
biologischen  Verhältnisse  dieses  Randmeeres  zu  sehr  von  denen  des  Ozeanbeckens  abweichen. 
Die  Plankton-Expedition  durchquerte  die  östliche  Sargasso-See  fast  an  gleicher  Stelle  auf  der 
Ausreise  bei  PI.  56  am  22.  August  und  auf  der  Heimreise  bei  PI.  11!)  am  19.  Oktober,  also 
zwei  Monat  später.  Beide  Male  war  die  Ausbeute  an  Fischeiern  die  gleiche:  das  Planktonnetz 
brachte  aus  0 — 200  m  Tiefe  gar  keine,  das  Vertikalnetz  aus  0 — 400  m  Tiefe  1  Fischei  herauf. 
Eine  Änderung  war  also  nicht  nachweisbar.  Die  Fänge,  welche  bei  der  zweiten  Durch- 
querung des  Guinea-  und  Nordäquatorialstromes  gemacht  wurden,  waren  soweit  von  den 
Septemberfängen  auf  der  Ausreise  entfernt,  daß  der  Unterschied  zwischen  Küstennahe  und 
Hochsee  etwaige  jahreszeitliche  Unterschiede  verwischen  mußte.  Anhaltspunkte  für  die  Annahme 
eines  Wechsels  des  Planktons  und  speziell  der  Fischeier  in  diesem  südlichen  Gebiete  fehlen 
also  noch  vollständig.  Vielleicht  kommt  daher  hier  in  den  Fängen  der  Plankton-Expedition 
der  typische  Gehalt  des  Meeres  an  Fischeiern  zum  Ausdruck. 

In  den  Schließnetzfängen,  soweit  sie  in  mehr  als  200  m  Tiefe  ausgeführt  wurden, 
wurden  nur  zweimal  Fischeier  erbeutet.  Einmal  im  Guineastrom  aus  390 — 190  m  Tiefe 
(J.-Nr.  165)  zwei  Eier,  und  dann  in  der  Irminger-See  (J.-Nr.  10)  zwei  Eier  aus  1000 — 800  m 
Tiefe.  An  beiden  Stationen  brachte  das  Planktonnetz  (PI.  70  und  75:0 — 200  m;  PI.  10: 
0 — 410  m)  kein  Ei  herauf.  Die  Eier  aus  J.-JSTr.  165  wurden  nicht  aufbewahrt,  stammen 
übrigens  auch  aus  keiner  größeren  Tiefe  als  alle  mit  den  Vertikalnetzen  erbeuteten  Eier.  Von 
Interesse  sind  daher  nur  die  beiden  aus  J.-Nr.  10  aus  beträchtlicher  Tiefe  stammenden  Eier, 
welche  beide  dem  weiter  unten  beschriebenen  Macrurus(?)  oder  »Zackenei«  angehörten  und 
dessen  Verbreitung  dort  besprochen  wird  (p.  17). 

Eine  Auflösung  der  Kurve  aller  Fischeier  in  diejenigen  der  einzelnen  Arten  habe  ich  aus 
3  Gründen  unterlassen.  Zunächst  ist  die  Zahl  der  zur  Untersuchung  vorliegenden  Eier  eine  so 
kleine,  daß  sich  ein  zuverlässiges  Bild  von  der  Verbreitung  der  verschiedenen  Spezies  nicht 
daraus  ergeben  würde,  um  so  weniger  als  sich  alles  quantitativ  verwertbare  Material  auf  das 
Gebiet  der  warmen  Strömungen  beschränkt  und  sich  innerhalb  desselben  auch  bei  anderen  durch 
ein  ungleich  reicheres  Material  vertretenen  Organismengruppen  besondere  Provinzen  kaum  unter- 
scheiden lassen.  Der  viel  wichtigere  zweite  Grund  alier  liegt  in  der  von  Ehrenbaum  und 
Heincke  in  ihrer  Arbeit  über  die  Bestimmung  der  schwimmenden  Fischeier  und  die  Methodik 
der  Eimessungen  (Wissenschaftl.  Meeresuntersuchungen,  Bd.  III,  Abt.  Helgoland  1900)  ausführlich 
dargelegten  Schwierigkeit  nach  konserviertem  Materiale  die  Eier  verschiedener  Fischarten  sicher 
voneinander  zu  trennen.  Zwar  lassen  sich  leicht  bestimmte  Gruppen  von  Eiern  aussondern,  die 
sich  entweder  durch  auffällige  Strukturen  der  Schale  oder  durch  zerklüfteten  und  scholligen 
Dotter  oder  den  Besitz  einer  oder  mehrerer  Olkugeln  auszeichnen,  aber  innerhalb  dieser  Gruppen 

Lohmann,   Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


12 


Loh  mann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


bleibt  dann  als  einziges  weiteres  Trennungsmerkmal  die  außerordentlich  wechselnde  Größe  der 
Eier  und,  wo  der  Embryo  bereits  weit  entwickelt,  Gestalt  und  Pigmentierung  dieses  letzteren 
übrig.  Der  Eidurchmesser  aber  muß  bei  der  Untersuchung  von  Eiern,  die  ans  einem  so  aus- 
gedehnten Gebiete  des  Ozeans,  wie  dem  von  der  Expedition  durchforschten,  stammen,  fast  ganz 
ausgeschieden  werden,  da  zu  den  wechselnden  Einflüssen  der  Konservierungsart  und  der  individuellen 
Variabilität  innerhalb  der  Art,  hier  auch  die  Möglichkeit  von  klimatischen  Varietäten  kommt. 
Schließlich  aber  würde  uns  selbst  eine  derartig  durchgeführte  Sonderung  der  Eier  noch  keineswegs 
Aufschluß  über  die  Fischarten  geben,  von  denen  sie  herrühren.  Denn  die  Unterschiede  oder 
Übereinstimmungen  im  Bau  der  Eier  gehen  durchaus  nicht  immer  der  geringeren  oder  größeren 
Verwandtschaft    der   Fische    selbst  parallel.     So   haben   unter   den  Pleuronectiden   die  Eier  von 


Mit  dem  Planktonnetz  gefangene  Fischeier  der  Expedition. 


PL 

39 

1  Fischei 

im 

Fang 

0—200  m 

1 

» 

41 

1 

» 

» 

» 

/  Sargasso-See 

» 

45 

1        » 

» 

» 

* 

1 

» 

67 

6  Fischeier 

» 

» 

» 

Nor  d  äquatorial  ström 

» 

68 

1   Fischei 

» 

» 

» 

L  • 

» 

69 

1         » 

» 

» 

» 

(.Tumeastrom 

» 

73 

2  Fischeier 

» 

» 

» 

» 

74 

2        » 

» 

» 

» 

» 

76 

2       » 

» 

» 

» 

Südäquatorialstrom 

» 

SO 

1    Fischei 

» 

» 

» 

a)  nördlich  Ascension 

» 

81 

2   Fischeier 

» 

» 

» 

» 

83 

2        » 

» 

» 

» 

» 

95 

10 

» 

» 

0—105  m 

» 

96 

5       » 

» 

» 

0—200  m 

» 

97 

8        » 

» 

» 

» 

» 

101 

5       » 

» 

» 

» 

» 

102 

1    Fischei 

» 

» 

» 

b)  westlich  Fernando-N 

jriinlni 

» 

103 

7   Fischeier 

» 

» 

» 

» 

1(14 

9        » 

» 

» 

» 

» 

112 

2        » 

» 

» 

0—207  m  (?) 

» 

113 

6        » 

» 

» 

0  —  200  m 

Solea  und  Rhombus  Oltropfen  im  Dotter,  Solea  zahlreiche,  Rhombus  einen  einzigen  Tropfen,  die 
Eier  von  Drepanospetta  dagegen  und  Pleuronectes  entbehren  derselben  und  während  bei  jener 
Gattung  die  Schale  weit  vom  Dotter  absteht,  liegt  sie  bei  Pleuronectes  eng  demselben  an.  Ferner 
ist  der  Dotter  bei  Solea  segmentiert,  bei  den  übrigen  Formen  homogen;  die  Eier  von  Rhombus 
haben  geflechtartige  Schalenstruktur,  die  Schale  der  anderen  Pleuronectiden  ist  glatt  (H  e  i  n  c  k  e 
und  Ehrenbaum,  1900,  p.  294 — 296).  In  jede  dieser  Gruppen  der  Eier  der  Plattfische  ordnen 
sich  aber  auch  Eier  ganz  anderer  Fische  ein,  denn  jene  Gruppen  repräsentieren  eben  die  ver- 
schiedenen Ausbildungsformen  pelagischer  Fischeier  überhaupt.  Nur  eine  natürliche  Familie 
der  Fische,    die  Scomberesocidae,    scheint  durch   einen  ihr  eigentümlichen  Bau  der  Eischale 


» 


Fischeier.  18 


ausgezeichnet  zu  sein,  so  daß  die  Bier  derselben  leicht  erkannt  werden  können.  Da  auf  der 
Plankton-Expedition  pelagische  Bier  gefunden  wurden,  die  ihrer  Schale  nach  durchaus  mit  den 
bisher  beschriebenen  Eiern  dieser  Fische  übereinstimmen,  aber  in  der  speziellen  Ausbildung 
derselben  interessante  Verhältnisse  zeigen,  so  will  ich  auf  diese  Eier  etwas  näher  eingehen. 

1.  Scomb  eresociden-Ei  mit  borstenförmigen,  etwa  600  u  langen,  zerstreut  stehenden 
Anhängen;  Durchmesser  der  konservierten  Bier  1566 — 1915  |a.  Dotter  ohne  Ülkugeln, 
homogen  (Taf.  IV,  Fig.  1  u.  la). 

Von  diesem  sehr  auffälligen  Ei  wurden  3  Exemplare  gefischt  und  zwar  alle  in  dem 
südöstlichen  Abschnitte  der  Fahrtlinie:  zwei  an  der  Nord-  und  Südgrenze  des  Guineastromes  im 
Nord-  und  Südäquatorialstrom,  eins  westlich  von  Ascension  (J.-Nr.  151,  172  und  203).  Wie 
ich  von  Van  hoffen  erfuhr,  sind  auf  der  Ausreise  der  Deutschen  Südpolar-Expedition  im  Guinea- 
strom selbst,  südöstlich  von  dem  Fundorte  J.-Nr.  151  der  Flankton-Expedition  dieselben  Eier 
gefunden;  außerdem  aber  wurde  1  Ei  auch  in  Porto  Grande  auf  den  Kapverden  erbeutet.  Da 
ich  die  Eier  selbst  habe  vergleichen  können,  ist  die  genaue  Übereinstimmung  sichergestellt. 

Die  Schale  trägt  80 — 100  borstenförmige,  spitz  auslaufende,  über  die  ganze  Oberfläche 
gleichmäßig  verteilte  Anhänge  von  580 — 870  n  Länge,  die  stets  kürzer  als  der  Radius 
des  Eies  sind  und  an  ihrer  Basis  eine  kleine,  scharf  gegen  den  distalen  Teil  abgesetzte,  etwa 
30  n  lange  Verdickung  zeigen.  Die  Borsten  sind  homogen,  stark  lichtbrechend,  und  völlig 
glatt;  nirgends  habe  ich  Unebenheiten  oder  Auflagerungen  gesehen. 

Ein  Teil  der  Eier  enthielt  einen  anfangs  schlanken,  später  gedrungener  werdenden  Embryo 
mit  dickem  Kopf  und  vorquellenden  Augen;  die  Brustflossen  waren  nicht  auffällig  stark  entwickelt. 
Schwarze,  zum  Teil  reich  verästelte  Pigmentzellen  ziehen  zu  beiden  Seiten  der  dorsalen  Median- 
linie entlang  und  breiten  sich  auf  dem  Kopfe  weiter  aus. 

2.  Scomberesociden-Ei  mit  kurzen  dornenförmigen,  30 — 60  u  langen  Anhängen; 
Durchmesser  der  Schale  bei  konservierten  Eiern  1200 — 2450  n;  Dotter  ohne  ülkugeln,  homogen 
(Taf.  IV,  Fig.  2  u.  2a). 

Während  der  Plankton-Expedition  wurden  nur  2  Exemplare  gefunden,  das  eine  nördlich 
der  Bernluden  in  der  Sargasso-See  (J.-Nr.  61),  das  andere  im  Nordäquatorialstrom  südlich  der 
Kapverden  (J.-Nr.  146).  In  dem  Material  der  Deutschen  Südpolar-Expedition,  das  mich  Van- 
h  offen  freundlichst  einsehen  ließ,  befanden  sich  3  Bier,  die  im  Guineastrom  (zirka  7°  N.  Br. 
und  20°  W.  L.,   24.  Sept.  1901)  gefangen  waren. 

Die  Eier  fallen  sofort  durch  ihre  dornige  Schale  auf;  die  kurzen,  meist  leicht  gekrümmten 
und  zugespitzten  Dornen  zeigen  dieselbe  Struktur  wie  die  Borsten  des  vorhergehenden  Eies ; 
ihre  Basis  ist  ebenfalls  verdickt,  aber  nicht  gegen  die  Spitze  scharf  abgesetzt,  doch  wird  die 
Grenze  meist  durch  die  erste  Krümmung  oder  Knickung  des  Dorns  markiert.  Die  Zahl  mag 
im  Maximum  etwas  über   1  OD  betragen. 

Sowohl  die  sehr  starken  Größenunterschiede,  wie  die  Verschiedenheiten  in  der  Zahl  der 
Dornen  und  vielleicht  auch  in  der  Beschaffenheit  der  Embryonen  lassen  es  zweifelhaft  erscheinen, 
ob  alle  Exemplare  zu  einer  einzigen  Fischart  gehören.     Das  kleinste  Ei  von   1200  |u  Durchmesser 

Lohmanu,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N, 


14  Loh  mann,  Eier  und  sogenannte  Cysten. 


stammt  von  der  Plankton-Expedition;  es  hatte  zahlreiche  Dornen,  eine  doppelt  konturierte  Schale 
(10  m  dick)  und  enthielt  einen  schlanken  Embryo  mit  breitem  Kopf  und  2  Längsreihen  rechts 
und  links  neben  der  Medianlinie  des  Kückens  entlang  laufender,  kleiner,  rundlicher  Pigment- 
zellen;  auch  auf  dem  Dotter  bilden  neben  dem  Kopf  und  der  vorderen  Rumpfpartie  gleiche 
Pigmentzellen  je  einen  großen  Fleck.  Mit  diesem  Ei  sind  offenbar  zwei  der  von  der  Gauss 
erbeuteten  Eier  von  1595 — 1653  m  Durchmesser  identisch,  da  sowohl  die  Bedornung  wie  Form 
und  Pigmentierung  des  Embryos  übereinstimmen. 

Dagegen  war  ein  3.  Ei  der  Südpolar-Expedition,  das  2457  m  Durchmesser  besaß,  nicht 
nur  durch  die  sehr  geringe  Zahl  der  Dornen  ausgezeichnet  (etwa  60),  sondern  es  war  auch  der 
bereits  weit  entwickelte  Embryo  vollständig  pigmentlos. 

Diese  2  oder  3  neuen  Arten  von  Scomberesociden -Eiern  schließen  sich  nun  sehr 
gut  an  die  bisher  beschriebenen  Eier  dieser  Familie  an,  zeichnen  sich  aber  von  ihnen 
allen  durch  die  Verkürzung  der  Anhänge  aus. 

Häckel  hat  zuerst  nach  Eierstockeiern  von  Betone  vulgaris  L.,  Scomberesox  rondeleti  Val., 
Hemiramphus  commersoni  Ouv.  und  far  Kupp,  sowie  Exocoetus  exiliens  Cuv.  die  langen  fadenförmigen 
Fortsätze  der  Eischale  beschrieben  (Über  die  Eier  der  Scomberesoces,  Archiv  für  Anatomie  und 
Physiologie  1855,  p.  2 3 ff.,  Tab.  4  u.  5).  Zwar  hielt  er  die  Fortsätze,  die  so  lang  waren,  daß 
sie  das  Ei  dicht  umhüllten  und  deren  Lagerung  für  die  verschiedenen  Arten  charakteristisch 
ist,  für  rätselhafte,  dem  Dotter  aufliegende,  von  der  Innenseite  der  Schale  entspringende  Anhänge. 
Aber  schon  Kö  11  ick  er  wies  (1858,  Verhandlungen  d.  physical.-medicin.  Gesellschaft  in  Würzburg, 
Bd.  8,  p.  80  u.  81)  nach,  daß  sie  der  Außenfläche  der  Eischale  aufsitzen.  Die  Basis  der  Fäden 
setzte  sich  stets  deutlich  als  dickerer  und  charakteristisch  geformter  Wurzelteil  von  dem  übrigen 
Faden  ab.  Nach  Hack  eis  Abbildungen  ist  die  Zahl  der  Fäden  nur  gering  (vielleicht  20 — 25!), 
sie  stehen  daher  weit  auseinander,  sind  aber  so  lang,  daß  sie  das  ganze  Ei  in  einfacher  oder 
selbst  mehrfacher  Lage  umhüllen.  Ryder  (Bulletin  United  States  Fish  Commission,  vol.  1, 
1882,  p.  283/84)  beobachtete  dann  bei  Betone  longirostris,  daß  bei  dem  Austritt  der  reifen  Eier 
in  das  Wasser  die  Fadenanhänge  sich  vom  Ei  abheben  und  miteinander  verklebend,  die  Eier 
dieses  Fisches  zu  Klumpen  verbinden  und  an  Algen  und  anderen  Gegenständen  festheften.  Nach 
Ryders  Abbildung  (Tab.  19,  Fig.  1)  trägt  die  Schale  von  Betone  longirostris  etwa  80 — 90  An- 
hänge, die  sehr  dünn  und  etwa  zweimal  so  lang  wie  der  Eidurchmesser  sind.  Nach  Ehren- 
baum  (Fische  mit  festsitzenden  Eiern,  Wissenschaftl.  Meeresuntersungen,  Abt.  Helgoland,  Bd.  VI, 
Heft  2,  1904,  p.  177ff.)  beträgt  auch  bei  Betone  vulgaris  L.  die  Zahl  der  »haarförmigen  Anhänge«, 
viel  mehr  als  man  nach  Hack  eis  offenbar  stark  schematisierten  Abbildungen  annehmen  muß, 
nämlich  60—80  statt  36.  Die  Eier  selbst  sind  3  mm  groß  (2,98  —  3,17  mm),  die  Fäden 
4 — 10  mm  lang,  also  bis  mehr  als  dreimal  so  lang  wie  der  Eidurchmesser.  Auch  Ehren- 
baum beobachtete,  daß  die  austretenden  Eier  mit  ihren  Anhängen  an  jedem  Gegenstaude 
festkleben  und  meist  einzeln  oder  zu  2 — 3,  seltener  zu  7 — -8  vereinigt  an  Algen  und  Hydroiden 
sich  finden.  Nach  Ehrenbaums  Abbildungen  sind  die  Fäden  nur  in  dem  proximalen,  etwa 
Eiradius-Länge  besitzenden  Abschnitte  kräftig,  laufen  dann  aber  in  einen  ganz  dünnen  feinen 
Faden  aus.      Offenbar  ist  es  dieser  distale  Teil,  der  die  Festheftung  besorgt. 


Fischeier.  15 


Ähnliche  fadenförmige,  zerstreut  stehende  Anhänge  sind  sonst  nur  noch  bei  den  Atheri- 
niden  beobachtet,  wo  sie  aber  eine  ganz  andere  Anordnung  besitzen.  Hier  (Chirostoma  notata 
Ryder,  loc.  cit.,  p.  284)  sind  nämlich  nur  vier,  fast  achtmal  den  Eidurchmesser  an  Länge 
übertreffende  Anhänge  ausgebildet,  die  dicht  nebeneinander  an  dem  einen  Eipole  stehen.  Ein 
abgesetzter,  verdickter  Wurzelteil  fehlt  diesen  Fäden.  Sie  dienen  wie  bei  Belone  zur  Verklebung 
der  aus  dem  mütterlichen  Körper  austretenden  Eier. 

Vergleichen  wir  diese  Befunde  mit  den  oben  beschriebenen  pelagischen  Eiern,  so  fällt 
vor  allem  auf,  daß  bei  Belone  die  Schalenanhänge  zur  Befestigung  der  auf  den  Boden  nieder- 
sinkenden Eier  dienen  und  dem  entsprechend  sehr  lang  sind  und  in  ein  sehr  dünnes,  feines 
Ende  auslaufen,  während  sie  bei  jenen  eine  sol  che  Bedeutung  ihr  er  Kürze  wegen 
gar  nicht  haben  können.  Zwar  wäre  es  denkbar,  daß  bei  dem  Fange  und  der  nach- 
folgenden Konservierung  die  feinen  dünnen  Endfäden  der  Anhänge  abgerissen  wären;  aber  es 
lassen  sich  nirgends  Bruchstellen  auffinden,  vielmehr  enden  die  Anhänge  meist  mit  scharf 
begrenzter  Spitze  und  dann  wäre  auch  vor  allem  eine  Verfilzung  und  Verklebung  der  Eier 
schon  während  des  Fanges  mit  den  zahlreichen  anderen  Planktonorganismen  gar  nicht  zu 
vermeiden  gewesen,  wenn  dieselben  wirklich  im  Leben  derartige  feine  Endfäden  besessen  hätten. 
Aber  stets  sind  die  Eier  völlig  frei  von  anhaftenden  anderen  Organismen,  und  selbst  dann,  wenn 
mehrere  in  einem  Fange  enthalten  waren  (24.  Sept.  1901,  15  Eier!),  war  keines  mit  den 
anderen  verbunden.  Mit  Ausnahme  des  einen  Fundortes  bei  Porto  Grande  auf  den  Kapverden 
liegen  endlich  alle  anderen  Positionen,  an  denen  die  Eier  gefunden  wurden,  so  weit  vom  Lande 
entfernt,  daß  an  ein  zufalliges  Verschlagen  einzelner,  sonst  an  Küstenpflanzen  festgehefteter 
Eier  nicht  zu  denken  ist,  um  so  mehr  als  Eier  von  der  immerhin  beträchtlichen  Größe  von 
1 '/„ — 21/„  mm,  wenn  sie  wie  die  Eier  von  Belone  schwerer  als  Wasser  sind,  recht  bald  in 
große  Tiefen  hinabsinken  müßten.  Trotzdem  wurde  gerade  der  reichste  Fang  (24.  Sept.  1901) 
mit  einem  Brutnetz  gemacht,  das  an  der  Oberfläche  des  Meeres  hingezogen  wurde 
und  zwar  in  der  Mitte  des  Guineastromes,  etwa  700  km  vom  nächsten  Lande  entfernt  und  in 
einem  Strome,  der  aus  dem  zentralen  Ozeanbecken  auf  dieses  Land  zuströmt.  Gerade  hier 
erscheint  demnach  jede  Verschleppung  ausgeschlossen.  Nimmt  man  dazu  die  Reduktion  der 
Anhänge,  so  wird  man  zu  der  Überzeugung  kommen,  daß  diese  Eier  echte  pelagische  Eier 
sind,  die  auf  offener  See  von  einem  Scomberesociden  abgelegt  werden. 

Abgesehen  von  den  zahlreichen  Exocoetus-Arten  (über  40  Spezies)  sind  ganz  besonders 
junge  Scomberesox  im  Auftrieb  der  hohen  See  häufig.  Bereits  Günther  betont  dies 
in  seinem  Bericht  über  die  pelagischen  Fische  der  OHALLENGER-Expedition  (Reports  Zoology, 
vol.  31,  p.  34,  1889)  und  Van  hoffen  bestätigte  mir  diese  Erfahrung  nach  seinen  Beob- 
achtungen auf  der  Aus-  und  Heimreise  der  deutschen  Südpolar-Expedition.  Es  dürfte  daher 
vor    allem  Scomberesox    zunächst    als  Erzeuger    dieser  pelagischen  Eier  in  Frage  kommen.1) 

1)  Auf  Tat'.  V  in  Fig.  E  (loc.  cit.)  bildet  Günther  ein  Scomberesociden-Ei  ab,  das  offenbar  mit  dem  ersten  der  oben 
beschriebenen  Eier  identisch  oder  nächst  verwandt  ist,  obwohl  es  2,5  mm  Durchmesser  hat  und  die  Anhänge  keine 
Basalanschwellung  besitzen  sollen.  Nach  Günther  waren  die  Anhänge  wie  bei  unserem  Ei  in  Parallelkreisen  angeordnet, 
jedoch  standen  außerdem  je  zwei  polai*.  Günther  hält  es  für  ein  Exocoetus-Hi  (p.  34).  Es  wurde  an  der  Oberfläche 
des  tropischen  atlantischen  Ozeans   am   29.  Febr.  1876   gefunden. 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     >'. 


16  Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten. 


Bemerkenswert  ist,  daß  nach  Häckel  auch  bei  Belone  vulgaris  L.  die  fadenförmigen 
Anhänge  im  Eierstock  zuerst  als  kleine  dornenartige  Bildungen,  die  ganz  an  das  Ei  Nr.  2 
erinnern  (Häckel,  Tab.  IV,  Fig.  3),  angelegt  werden,  dann  zu  kurzen,  spitz  auslaufenden 
Fäden  auswachsen,  wie  sie  das  Ei  Nr.  1  im  fertigen  Zustande  trägt  (Häckel,  Tab.  IV,  Fig.  4) 
und  erst  allmählich  zur  definitiven  Länge  sich  ausbilden.  Die  borstenförmigen  Anhänge  von 
Ei  Nr.  1  bilden  sicher  einen  vorzüglichen  Schwebapparat,  der  die  Sinkschnelligkeit  ganz  bedeutend 
herabsetzt,  aber  die  kurzen  Dornen  von  Ei  Nr.  2  können  kaum  irgend  eine  Bedeutung  für  das 
pelagische  Leben  haben.  Es  liegt  daher  am  nächsten  anzunehmen,  daß  die  so  eigenartige 
Schalenstruktur  sich  bei  den  Scomberesociden  entwickelt  hat,  als  sie  ihre  Eier  wie  Belone  an 
der  Küste  absetzten,  und  daß  später  bei  einigen  Arten  die  Eier  flottierend  wurden  und  sich 
nun  ihre  für  das  Anheften  und  Festkleben  bestimmten  Anhänge  zurückbildeten. 

Noch  ein  3.  Ei  verdient  nähere  Besprechung,  das  keine  Anhänge,  sondern  eine  waben- 
artige Struktur  der  Schale  besitzt,  fast  noch  mein-  aber  durch  die  Dicke  seiner  Hülle  von 
allen  übrigen  pelagischen  Fischeiern  abweicht.  Hensen  hat  dasselbe  zuerst  beobachtet  und 
beschrieben.  In  seiner  Arbeit  über  das  Plankton  CV.  Bericht  der  Kommission  zur  Unter- 
suchung der  Meere  1887,  p.  44  und  Taf.  4,  Fig.  20)  führt  er  ein  Ei  an,  »welches  eine  sehr 
dicke  und  durchsichtige  Schale  hatte  und  an  der  Oberfläche  mit  Zacken  besetzt  war«  und 
das  er  als  »zackiges  Ei«  bezeichnet.  Das  Ei  kam  im  Süden  von  Norwegen  in  der  Nordsee 
und  später  auch  im  Ozean  östlich  von  Rockall  vor.  Der  Durchmesser  des  Dotters 
betrug  500 — 600  n;  aber  die  »Gallerthülle«  war  geschrumpft,  im  frischen  Zustande  mochte  sie 
fast  die  gleiche  Dicke  wie  der  Dotter  besessen  haben  (p.  105,  in  der  Figurenerklärung).  Im 
dichten,  feinkörnigen  Dotter  war  deutlich    ein  ringförmig   gekrümmter  Fischembryo  erkennbar. 

Später  beobachtete  Raffaele  (Mitteilungen  Stat.  Neapel,  Bd.  8,  1888,  p.  65;  Sp.-Nr.  4 
[Macrurus?])  dasselbe  Ei  im  Golf  von  Neapel,  wo  die  Eier  in  großer  Zahl  im  Januar,  Februar 
und  März  auftreten,  aber  nur  in  gewisser  Entfernung  von  der  Küste  und  bei  einer  Tiefe 
zwischen  80  und  100  m.  Die  Eier  sind  sehr  empfindlich,  sodaß  es  Raffaele  nur  selten 
gelang,  sie  bis  zum  Ausschlüpfen  des  Fischchens  am  Leben  zu  ei'halten.  Der  Embryo  und 
auch  die  Fischchen  selbst  sind  durch  ihren  völligen  Pigmentmangel  ausgezeichnet. 
Auch  schwimmen  die  Eier  in  dem  schweren  Mittelmeerwasser  nur  in  den  ersten  Entwicklungs- 
stadien des  Embryos.  Der  Eidotter  ist  etwas  kleiner  als  der  Schalenraum  und  besteht  »di 
grosse  vescicoli  a  contorni  molto  accentuati« ;  auch  umschließt  er  einen  farblosen  Öltropfen  von 
276  )li  Durchmesser.  O.  G.  Costa  hat  Eierstockseier  von  Macrurus  coelorhynehus  mit  einer 
ganz  ähnlichen  Schalenstruktur  beschrieben,  weshalb  Raffaele  auch  diese  Eier  für  solche  von 
Macrurus  hält.  Die  Schale  soll  bei  den  Eiern  Raffaele s  außerordentlich  durchsichtig  und 
sehr  dick  gewesen  sein;  sie  wird  bedeckt  von  sechseckigen  konkaven  Grübchen,  die  dicht 
aneinander  stoßen,  und  ist  in  deren  Ecken  spitzenförmig  vorgezogen.  An  der  dicken, 
wabigen  Schale  sowohl  wie  an  dem  groß  scholligen  und  mit  einer  Olkugel 
versehenen  Dotter  sind  diese  merkwürdigen  Eier  also  leicht  kenntlich. 

Eine  wabenartige  Struktur  der  Schale  ist  auch  bei  anderen  Fischeiern  beobachtet.  So 
haben    Mclntosh    und    Masterman    (British    Marine    Food-Fishes,    London    1897,    Tab.  I, 


o 


Fischeier.  17 


Fig.  15)  das  Ei  von  Callionymus  lyra  abgebildet  und  beschrieben,  dessen  Hülle  von  einem  sehr 
unregelmäßigen  Maschenwerk  (»for  the  most  part  of  hexagonal  reticulations  like  those  of  a 
honeycoinb«)  bedeckt  wird,  das  nach  der  Beschreibung  aus  dünnen  membranartigen,  aufrecht 
der  Schale  aufsitzenden  Septen  gebildet  wird.  Bei  Helgoland  fand  Ehren  bäum  (Heincke 
und  E  h  r  e  n  b  a  u  m ,  Bestimmung  der  schwimmenden  Fischeier,  Wissenschaftl.  Meeresuntersuchungen, 
Bd.  III.  Abt.  Helgoland,  p.  270ff. )  zwei  durch  verschiedene  Maschengröße  unterschiedene 
<  'allionymus-Eier,  von  denen  er  die  größere  auf  lyra,  die  kleinere  auf  maculatus  Bonap.  bezieht. 
Eine  dritte  Callionymus- Art  (festivus)  hat  aber  eine  einfach  glatte  Eischale.  Alle  diese  Eier 
unterscheiden  sich  von  dem  »Zackenei«  Hensen 's  durch  die  Dünnheit  ihrer  Schale  und  durch 
das  Fehlen  der  Oltropfen. 

Raffaele  zweifelte,  ob  das  von  ihm  im  Mittelmeer  gefundene  Ei  identisch  sei  mit  dem 
von  Hensen  in  der  Nordsee  beobachteten  Ei.  Aber  ich  habe  das  Ei  bei  Messina,  sowie  aus 
den  nordischen  Stromgebieten  und  dem  Warmwassergebiet  untersuchen  können  und  überall  nur 
ein  und  dasselbe  auf  die  Beschreibungen  beider  Forscher  passende  Ei  gefunden.  Vermöge  der 
außerordentlich  leicht  quellbaren  Schale  schrumpft  allerdings  das  Ei  bei  der  Konservierung  sehr 
stark  und  erscheint  dann  nicht  nur  sehr  klein,  sondern  auch  ganz  vom  Dotter  ausgefüllt  und 
oft  undurchsichtig.  Setzt  man  aber  dasselbe  in  destilliertes  Wasser,  so  nimmt  die  Schale  schnell 
Wasser  auf,  hebt  sich  mehr  und  mehr  von  dem  Dotter  ab,  wird  klar  durchsichtig  und  zeigt 
eine  sehr  regelmäßige  wabige  Struktur ;  die  einzelnen  Maschen  sind,  offenbar  infolge  der 
Konservierungsmittel,  sehr  scharf  und  deutlich  begrenzt  und  fast  stets  sechsseitig.  Doch  variiert 
Größe  und  Form  der  Maschen  von  Ei  zu  Ei  erheblich.  Die  wabige  Hülle  ist  auch  nach  der 
Überführung  aus  Alkohol  in  Wasser  nur  etwa  50  m  dick,  während  sie  bei  den  lebenden  Eiern 
nach  Raffaele  310  m  dick  sein  soll.  Die  Wände  der  Maschen  sind  sehr  kompakt  und  der 
Hohlraum  der  Maschen  hat  Becken-  oder  Schalenform.  Hier  und  da  trifft  man  auf  dem  Schnitt- 
punkt dreier  Wände  knotige  Anhäufungen  der  Schalensubstanz,  die  am  frischen  Ei  die  Zacken 
bilden  werden.  Der  Embryo  ist  schlank  und  dünn,  zusammengekrümmt;  unter  ihm  liegt  eine 
Olkugel.  Konserviert  hatten  die  Eier  einen  Durchmesser  zwischen  550  und  6U0m;  aber  ein 
Ei  von  500  m  quoll  im  Wasser  bis  zu  1170m  Durchmesser,  ein  anderes  Ei  von  630  m  zu  1300  m 
Durchmesser  auf.  Bei  diesem  letzteren  Ei  löste  sich  dabei  die  Wabenmasse  als  selbständige 
Hülle  vollständig  von  einer  darunter  liegenden  dünnen  und  glatten  Schalenhaut  ab.  Erstere 
ist  also  eine  sekundäre,  wahrscheinlich  von  Follikelzellen  gebildete  Hülle. 

Die  Verbreitung  dieses  Eies  ist  nicht  ohne  Interesse  (Taf.II).  Hensen  fand  das  Zackenei  zuerst 
in  der  Nordsee  über  der  Norwegischen  Rinne  am  Eingange  in  das  Skagerak  (Über  das  Plankton, 
p.  44),  aber  nur  vereinzelt.  Häufiger  wurde  es  erst  westlich  von  Schottland  im  Atlantischen 
Ozean  zwischen  Hebriden  und  Rockall.  Benecke,  der  die  Fahrt  mitmachte,  erinnerte  sich, 
dasselbe  Ei  bereits  früher  im  Mittelmeer  bei  Neapel  gesehen  zu  haben,  wo  es  einige  Jahre 
später  von  Raffaele  wiedergefunden  wurde.  Während  der  Plankton-Expedition  wurde  es  an 
zwei  weit  voneinander  getrennten  Stellen  gefischt,  nämlich  erstens  in  dem  Mischgebiet  von  Golf-  und 
polarem  Wasser  auf  etwa  60"  N.  Br.  zwischen  Süd-Grönland  und  Schottland  in  der  Irminger 
See  (J.-Nr.  9,   10  und   15;   0—400  m,   800—1000  m,  0— 600  m)  und  zweitens  im  Südosten  des 

Loh  mann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


18  Lohmanu,   Eier  und  sogenannte   Cysten. 

Expeditionsgebietes  im  Nordäquatorialstrom  (PI.  67,  J.-Nr.  145,  146 ;  0—200  m,  0—400,  0—400  m) 
und  im  Guineastrom  (PL  69,  J.-Nr.  155,  167;  0—200,  0—200,  0—400  m).  Fast  stets  war 
nur  1  Exemplar  im  Fang  enthalten,  nur  in  J.-Nr.  145  wurden  nicht  weniger  als  8  Eier  mit 
dem  Vertikalnetz  erbeutet.  Diese  auf  den  ersten  Blick  sehr  überraschende 
Verbreitung  findet  wahrscheinlich  ihre  Erklärung  in  den  Temperatur- 
verhältnissen des  Tiefen wassers.  Schon  Hensen  beobachtete  nämlich,  daß  das 
Zackenei  im  Norden,  östlich  von  Rockall,  nur  dann  gefangen  wurde,  wenn  das  Netz  bis  200  m 
Tiefe  hinabgelassen  war,   denn  seine  Fänge  ergaben  folgendes  Resultat : 


1. 

J. 

.-Nr. 

23, 

0—  50 

m 

— 

Fischeier, 

davon 

Zackeneier : 

— 

pro  Qi 

tadrai 

2. 

» 

28, 

» 

96 

» 

» 

» 

— 

» 

» 

3. 

» 

38, 

» 

3 

» 

» 

» 

— 

» 

» 

4. 

» 

39, 

» 

— 

» 

» 

» 

— 

» 

» 

5. 

» 

41, 

» 

38 

» 

» 

» 

— 

» 

» 

6. 

» 

24, 

0—100 

m 

— 

» 

» 

» 

— 

» 

» 

7. 

» 

25, 

0—200 

» 

22 

» 

» 

» 

1!) 

» 

» 

8. 

» 

26, 

» 

203 

» 

» 

» 

192 

» 

» 

9. 

» 

34, 

» 

112 

» 

» 

» 

112 

» 

» 

10. 

» 

35, 

0—500 

» 

117 

» 

» 

» 

112 

» 

» 

Leider  wurden  keine  Temperaturmessungen  ausgeführt ;  die  Deutsche  Tiefsee-Expedition 
aber  fand  am  8.  Aug.  in  fast  gleicher  Gegend  (aber  etwas  nördlicher,  auf  dem  60.  Breitegrad) 
in  400  m  Tiefe  noch  9,6°,  in  500  m  Tiefe  noch   9,0°  0. 

Auch  im  Mittelmeer  fand  Raffaele,  daß  das  Ei  nie  im  flachen  Wasser  vorkam,  sondern 
meist  zwischen  80  und  100  m  gefischt  wurde.  Neuerdings  hat  LoBianco  diese  Erfahrung 
nochmals  gemacht  (Le  pesche  abissali  de  la  Maja,   1904). 

Auf  der  Plankton-Expedition  ist  das  Zackenei  nie  an  der  Oberfläche  gefangen,  obwohl 
zahlreiche  Horizontalzüge  gemacht  wurden  und  dieselben  zum  Teil  reich  an  Fischeiern  waren.  Nur 
vertikale  Netzzüge  aus  400  oder  200  m  Tiefe  brachten  dieselben  herauf.  Auch  hier  bestätigt 
sich  also  die  Beobachtung  von  Hensen  und  Raffaele. 

Im  Norden  ist  das  Zackenei  einmal  in  einem  Schließnetzfange  aus  1000 — 800  m  Tiefe 
erbeutet  (2  Exemplare  J.-Nr.  10),  wo  die  Wassertemperatur  4,4°  C.  betrug.  Da  im  Mittelmeer 
bereits  bei  100  m  Tiefe  die  jährliche  Temperaturschwankung  nur  noch  1°  C.  beträgt,  also  zwischen 
13  und  14°  0.  auf-  und  niedergeht  (Hann ,  Die  Erde  als  Ganzes,  5.  Auflage  1896,  p.  264),  so  würde 
unser  Ei  im  nördlichen  Gebiete  des  Atlantischen  Ozeans  bei  Wassertemperaturen  von  4 — 14"  0. 
beobachtet  sein.  Nun  ist  im  Floridastrom  wie  in  der  Sargasso-See  die  Temperatur  des  Wassers 
bis  zu  200  m  Tiefe  noch  über  17°,  bis  zu  400  m  noch  16°  C,  und  nur  in  dem  Nordäquatorial- 
und  Guineastrom,  sowie  im  Südäquatorialstrom  nimmt  die  Wasserwärme  so  schnell  mit  der 
Tiefe  ab,   daß  man  bei  200  m  schon   12,7°,  bis  400  m  nur  noch   9,3°  C.  antrifft. 

Es  führt  uns  also  das  eigentümliche  Auftreten  des  Zackeneies  zu  der  Überzeugung,  daß 
dasselbe  erstens  an  eine  Tiefe  unter  100  m  gebunden  ist  und  zweitens  nur  Temperaturen  unter 
etwa   15°  C.  verträgt.     Daß   es  noch  in  erheblichen  Tiefen  vorkommt,  beweist  der  Fang  in  der 


Fischeier.  19 


Irminger  See  (J.-Nr.  10)  aus  800 — 1000  m  Tiefe.  In  den  übrigen  Schließnetzfängen  ist  kein 
Zackenei  gefunden.  Da  aber  nur  10  Fänge  (aus  den  südlichen  Stromgebieten)  in  Frage  kommen, 
beweist  das  Fehlen  des  Eies  in  ihnen  nicht  allzuviel. 

Sehr  eigentümlich  ist  aber,  daß  das  Zackenei  nun  gerade  in  demjenigen  Stromgebiete, 
das  den  größten  Reichtum  an  Fischeiern  während  der  Expedition  aufwies,  im  Südäquatorial- 
strom, vollständig  gefehlt  hat.  Bei  der  großen  Zahl  der  Fänge,  die  gerade  hier  ausgeführt 
wurden,  ist  an  einen  Zufall  nicht  zu  denken.  Auf  der  Strecke  von  Ascension  macht  sich  im 
Auftrieb,  wie  vor  allem  die  litoralen  Decapodenlarven  (Ortmann  in  den  Ergebnissen  der 
Phinkton-Expedition)  /.eigen,  weit  nach  Osten  über  Fernando-Noronha  hinaus  der  EinHuli  der 
Brasilianischen  Küste  geltend.  Aber  für  das  Fehlen  des  Eies  auch  im  Osten  nördlich  Ascension 
bleibt  kaum  eine  andere  Erklärung  übrig,  als  daß  zu  jener  Jahreszeit  oder  überhaupt  das 
Zackenei  im  südäquatorialen  Stromzirkel  fehlt  und  dem  nordäquatorialen,  die  Sargasso-See  um- 
strömenden Stromzirkel  eigentümlich  ist.  Auf  jeden  Fall  dürfte  eine  genauere  Verfolgung  der 
Entwicklung  und  der  Verbreitung  dieses  Eies  von  Interesse  sein. 


Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


IL  Eier  von  Wirbellosen. 

1.  Sogenannte    Dornige  Cysten ;  und  verwandte  Formen. 

Als  »dornige  Cyste«  wurde  1887  im  Kommissionsbericht  von  Hensen  ein  kleiner 
kugeliger  Organismus  aus  der  westlichen  Ostsee  beschrieben  (p.  79,  Taf.  IV,  Fig.  31),  der  etwa 
70  ix  Durchmesser  besaß  und  auf  seiner  dünnen  Schale  allseitig  hohle  stachel-  oder  dornenartige 
Fortsätze  trug.  Diese  »Cyste«  war  das  ganze  Jahr  hindurch  im  Auftrieb  vorhanden,  kam  aber 
im  Frühjahr  und  Herbst  besonders  zahlreich  vor. 

Diesen  Formen  stehen  in  der  Bildung  der  Schale  in  Schnüren  vorkommende  Organismen 
sehr  nahe,  die  Möbius  in  demselben  Jahre  als  Xanthidium  brachiolatum  im  Kommissionsbericht 
beschrieben  hat  (p.  124,  Taf.  VIII,  Fig.  60  u.  61)  und  die  ebenfalls  in  der  westlichen  Ostsee, 
aber  auch  in  der  Nordsee  und  im  Ozean  vorkommen. 

Ferner  beobachtete  Cleve  (SvenskaVet.  Ak.  Handling.,  vol.  34,  Nr.  1,  p.  19,  1900)  bei 
den  Azoren  und  an  der  Nordküste  Süd- Amerikas  eine  isoliert  im  Auftrieb  vorkommende  dornige 
Cyste  mit  wenigen  enorm  großen  und  eigenartig  geformten  Anhängen,  die  er  Xanthidium paucispinosum 
nennt.  Auch  die  Hensen  sehe  dornige  Cyste  stellte  C 1  e  v  e  als  X.  hystrix  in  die  Gattung  Xanthidium 
(Svenska  Vet.  Ak.  Handling.,  vol.  32,  Nr.  8,  p.  21,   1899). 

So  waren  also  in  der  Gattung  Xanthidium  sowohl  isoliert  wie  in  Schnüren  vorkommende 
pelagische  Meeresorganismen  zusammengefaßt,  die  eine  kugelige,  ungeteilte,  holde  Fortsätze 
tragende  dünne  Hülle  besitzen  und  deren  plasmatischer  Inhalt  zwar  oft  gelblich  gefärbt  er- 
scheint, aber  Chromatophoren  nicht  erkennen  läßt. 

Ehrenberg,  welcher  die  Gattung  Xanthidium  geschaffen  hat  (Abhandlung  Berlin.  Akadem. 
1833,  p.  317),  hat  in  derselben  2  Gruppen  von  Organismen  vereinigt,  die  sicher  nichts  mit- 
einander zu  tun  haben,  nämlich : 

1 .  Süßwasser}) f  1  a  n z e n  ,  1833,  deren  einzelliger  Körper  von  einem  zweischaligen  Panzer 
umhüllt  wird  und  wandstellige,  lamellenförmige  Chromatophoren  enthält;  die  beiden  Schalen 
stoßen  in  einer  mittleren  Einschnürung  aneinander  und  tragen  bestimmt  angeordnete  steife 
Fortsätze.  Die  Fortpflanzung  geschieht  durch  Teilung,  wobei  einreihige  Ketten  von  vier  oder 
mehr  Individuen  gebildet  werden  können,  oder  durch  kugelige  und  meist  dornige  Zygoten. 
Durchmesser  der  Schalen  63 — 93  m. 

2.  Marine  Organismen,  die  in  der  Kreide  von  Moen  und  Rügen,  sowie  in  Horn- 
steinen  von  Krakau  und  von  Delitzsch  (in  Sachsen)  zusammen  mit  marinen  Foraminifei'en, 


\z- 


»Iiurni'ji'   Cysten  •     und    verwandte    Formen.  '2\ 

Spongiennadeln  und  Peridineen  gefunden  wurden  und  sich  schon  dadurch  vor  den  übrigen  Xanthidien 
auszeichnen.  Außerdem  aber  haben  sie  alle  eine  einfach  kugelige  oder  eiförmige,  allseitig  mit 
stachel-  oder  dornenförmigen  Fortsätzen  bedeckte  Schale  von  27 — 50  n  Durchmesser  (mit  Fort- 
sätzen 71 — 96  u).  Diese  Fortsätze  sind  entweder  fein  borstenförmig  (pilosum)  oder  einfach 
stachelförmig  wie  bei  Xanthidium  hysirix  Cleve  (hirsutum),  oder  an  der  Spitze  gegabelt  (furcalum) 
oder  unregelmäßig  verästelt  (ramosum),  oder  endlich  tubenförmig  gestaltet  mit  trompetenförmig 
erweiterter  Mündung  (tubiferum  und  penicillatum)  oder  aufgeblasenem  Basalteil  (bidbosum)  (Taf.  29, 
30  u.  37).  Offenbar  sind  die  Fortsätze  der  dünnen,  gelblichen,  hornartigen  Schale  wie  bei  den 
oben  beschriebenen  rezenten  Formen  hohl. 

Schon  Ehrenberg  selbst  ist  die  Ähnlichkeit  dieser  fossilen  Formen  mit  Eiern  von 
Wirbellosen  aufgefallen  und  Turpin  erklärte  1837  diese  Xanthidien  für  »Eier  (richtiger  Stato- 
blasten)  von  Cristatella  vagans  oder  muct'do«.  Aber  wie  Ehrenberg  richtig  bemerkt,  sind  die 
Statoblasten  dieser  jetzt  jedenfalls  nur  im  Süßwasser  lebenden  Bryozoen  nicht  nur  sehr  viel 
größer  (1  mm  Durchmesser),  sondern  auch  linsenförmig  und  nur  am  Bande  mit  Stacheln  versehen. 
Viel  näher  läge  nach  Ehrenberg  ein  Vergleich  mit  den  Eiern  von  Hydra  aurantiaca,  die  kugel- 
förmig, allseitig  mit  Borsten  besetzt  seien,  und  auch  gelblich  hornartig  gefärbt  wären.  Aber 
an  Größe  überträfen  auch  sie  die  fossilen  Xanthidien  bedeutend  (563  ju  Durchmesser).  Endlich 
bildet  er  auf  Taf.  18,  Fig.  124  in  der  Microgeologie  einen  kleinen  Organismus  aus  dem 
Tripelfels  (Miocän)  von  Richmond  in  Virginien  (Nord-Amerika)  ab,  der  durch  seine  kugelige 
und  mit  einfachen  spitzen  stachelförmigen  Fortsätzen  bedeckte  Schale  sehr  an  Xanthidium 
hystrix  Cleve  erinnert,  allerdings  nur  32  m  im  Durchmesser  (ohne  Fortsätze)  mißt,  und 
bezeichnet  denselben  als  »Eierchen  (Ovulum  hispidum)«.  In  demselben  Gestein  kamen 
Dictyochen  und  Gymnaster,  sowie  zahlreiche  Diatomeen  und  Spongiennadeln  vor,  also  hatte  dasselbe 
ebenfalls  marinen  Ursprung. 

Dennoch  kommt  Ehren berg  zu  dem  Resultat,  daß  diese  fossilen  Xanthidien  keine  Eier 
sein  könnten,  weil  erstens  die  Größe  bei  einer  und  derselben  Form  um  das  Vierfache  variiere 
und  zweitens  verschiedene  Grade  der  Teilung  von  ihm  beobachtet  seien,  wodurch  Doppelbildungen 
entstehen  sollen.  Bei  2  Arten  wird  deutlich  eine  gürtelförmige  Halbierungslinie  gezeichnet  und 
auch  die  Teilung  durch  Halbierung  in  dieser  Linie  wiedergegeben  (Taf.  37,  Fig.  7ÖU!'  und  71"). 

Wenn  diese  Beobachtungen  in  der  Tat  richtig  sind,  so  beweisen  sie  natürlich,  daß  es 
sich  in  diesen  Organismen  um  keine  Eier  handeln  kann.  Aber  es  erscheint  mir  nicht  ausgeschlossen, 
daß  Ehrenberg  sich  durch  zufällige  Deformierungen  und  Übereinanderlagerungen  der  offenbar 
aus  einer  weichen  Haut  gebildeten  Schalen  hat  täuschen  lassen.  Jedenfalls  ist  die  Ähnlichkeit 
der  Meeres-Xanthidien  Ehren  berg  s  mit  den  »dornigen  Cysten«  der  jetzigen  Meere  sehr  groß, 
und  bei  den  letzteren  finden  sich  nicht  nur  stets  viele  leere,  mit  weitem  Riß  aufgesprungene 
Schalen,  die  dann  in  mannigfachster  Weise  bei  der  Sedimentierung  in  sich  zusammen  fallen  können, 
sondern  auch  die  mit  Plasma  erfüllten  Formen  werden  leicht  durch  geringe  mechanische  Ein- 
wirkungen deformiert.  Es  ist  mir  selbst  begegnet,  daß  dabei  eine  Cyste  eine  äquatoriale  Ein- 
knickung  erhielt  und  nun  täuschend  einem  Teilungszustande  glich.     Endlich  kommen  wenigstens 

Lolimauu,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


V!2  Lohmann,  Ekt  und  söge inte   Cysten. 


die  größeren  Formen  der  heutigen  dornigen  Cysten  auch  in  den  am  Boden  der  Ozeane  sich 
bildenden  Sedimenten  vor,  wie  ich  an  Globigerinenschlamm  aus  dem  Atlantischen  Ozeane  nach- 
weisen konnte. 

Es  dürfte  hiernach  also  das  wahrscheinlichste  sein,  daß  die  marinen  Xanthidien  Ehren- 
bergs mit  den  heute  lebenden  »dornigen  Cysten«  auf  das  nächste  verwandt  sind;  aber  von 
den  Süßwasser-Xanthidien  sind  sie  durchaus  zu  trennen. 

Mob  ins  hat  in  die  Gattung  Xanthidium  nun  aber  noch  einen  anderen  Organismus  gestellt, 
der  pelagisch  in  den  heutigen  Meeren  vorkommt  und  den  er  Xanthidium  multispinosum  genannt 
hat  (Kommissionsbericht  1887,  p.  124,  Taf.  8,  Fig.  62—65).  Dieser  Organismus  hat  im 
Gegensatz  zu  den  übrigen  Meeres-Xanthidien  eine  äußerst  dicke  Schale,  die  dicht  mit  borsten- 
förmigen,  soliden,  nicht  hohlen  Fortsätzen  bedeckt  ist.  Neben  großen  Individuen  von  45  m  Durch- 
messer kommen  auch  kleinere  Zellen  bis  zu  23  m  Durchmesser  herab  vor.  Wahrscheinlich 
handelt  es  sich  also  hier  um  einen  selbständigen  Organismus. 

Fassen  wir  jetzt  kurz  das  Vorhergehende  zusammen,  so  sind  unter  dem  Namen  Xanth  idium 
Ehrenberg  drei  verschiedene  Organismengruppen  beschrieben:  1.  Zu  den  Desmidiaceen  gehörende 
Süßwasseralgen,  2.  ihrer  Bedeutung  nach  unbekannte  Meeresorganismen,  die  isoliert  oder  in 
Schnüren  pelagisch  auftreten  und  durch  die  dünne,  kugelige,  allseitig  hohle  Fortsätze  tragende 
Schale  sich  auszeichnen  (Xanthidium  der  Kreide  und  des  Tertiär,  Xanthidium  kystrix,  paucispinosum, 
brachiolatum  der  jetzigen  Meere),  3.   Xanthidium   multispinosum  Mob. 

Da  der  Name  Xanthidium  1833  von  Ehrenberg  für  die  Süßwasseralgen  aufgestellt  ist, 
muß  er  für  diese  reserviert  bleiben  und  für  die  beiden  anderen  Gruppen  neue  Namen  geschaffen 
werden.  Lemmermann  hat  dieselben  durch  ganz  äußerliche  Ähnlichkeiten  verleitet,  in  die 
Kützin  g 'sehe  Algengattung  Trochiscia  gestellt.  Diese  Gattung  umfaßt  kleine  (8 — 35  m  Durch- 
messer) kugelige  Zellen  mit  grünem  Inhalt  und  dicker  Wandung,  deren  Oberfläche  bald  mit 
soliden  Dornen  und  Stacheln,  bald  mit  dicken,  zu  Maschen  verbundenen  Leisten  bedeckt  ist. 
Bei  der  Vermehrung  teilt  sich  der  Inhalt  mehrfach,  worauf  die  Tochterzellen  durch  Auflösung 
der  Schale  frei  werden.  Kützing  stellte  diese  auf  Baumrinde  und  im  süßen  Wasser  lebenden 
Algen  zu  den  Desmidiaceen  (Species  Algarum  1849,  p.  162),  Hansgirg  (Hedwigia  1888,  p.  126) 
und  De  Toni  (Sylloge  Algarum   1889,  p.  693)  führen  sie  unter  den  Palmellaceen  auf. 

Mit  den  Meeres-Xanthidien  haben  diese  Algen,  wie  die  oberflächlichste  Vergleichung 
zeigt,  gar  nichts  zu  tun,  und  es  zeugt  von  einer  sehr  geringen  Sorgfalt  des  Arbeitens,  wenn 
Lemmerma n n  mit  diesen  Palmellaceen  sogar  die  ganz  anders  gestalteten  Pterospermaceen 
zusammenwirft,  offenbar  nur  deshalb,  weil  bei  einigen  derselben  auch  Maschenbildungen  auf 
der  Hülle  vorkommen.  Durch  solche  Einordnung  von  Organismen,  deren  Bedeutung  bisher 
noch  vollständig  dunkel  war,  in  ganz  bestimmte  Gattungen  des  Systems  wird  aber  der  Schein 
erweckt,  als  ob  nun  die  systematische  Stellung  dieser  bis  dahin  rätselhaften  Organismen 
aufgedeckt  sei  und  weitere  Untersuchungen  unnötig  wären;  umsomehr  als  Lemmermann 
(Nordisches  Plankton,  2.  Lieferung,  XXI,  p.  16 — 19)  nirgends  einen  Zweifel  an  dieser  Ein- 
ordnung ausspricht  und  sogar  die  Meeres-Xanthidien  in  die  Sectio  Acanthococcus  (Lagerh.)  Hansg. 


»Dornige  Cysten«   und   verwandte  Formen.  .  23 

und  die  Pterospermaceen  in  eine  neue  Sectio:  Plerosperma  (Pouchet)  Lemm.  stellt.  Aufgabe 
wissenschaftlicher  Arbeit  ist  es  aber  nicht,  die  Lücken  unserer  Kenntnisse  zu  verschleiern, 
sondern  vielmehr  umgekehrt  scharf  herauszustellen,  was  wir  wissen  und  was  noch  weiterer 
Nachforschungen  bedarf. 

Durch  Kulturversuche  ist  es  mir  nun  gelungen,  die  Bedeutung  wenigstens  einer  Art  der 
Meeres-Xanthidien  aufzuklären.  Im  Frühjahr  dieses  Jahres  fing  ich  eine  größere  Anzahl  von 
Xanthidium  hystrix  vor  dem  Kieler  Hafen  auf  dem  Stoller  Grunde  und  brachte  die  isolierten 
Exemplare  je  in  einen  hängenden  Tropfen,  der  an  einem  kühlen  Orte  in  feuchter  Kammer  auf- 
bewahrt wurde.  Der  erste  Versuch  einer  Kultur  mißlaug,  führte  aber  zur  Entdeckung  eines 
x-förmigen  tiefroten  PigmentÜeckes  an  dem  Cysteninhalte.  Eine  2.  Serie  von  12  Cysten  ergab 
aber  das  sehr  überraschende  Resultat,  daß  aus  denselben  kleine  Nauplien  (Taf.  IV, 
Fig.  11,  13,  14)  ausschlüpften,  die  in  ihrer  Körpergestalt  dem  Nauplius  von  Calaniden  sehr 
ähnlich  waren.  Ihre  Länge  betrug  100 — 120  u:  der  Rumpf  ist  eiförmig,  vorn  breit  gerundet, 
das  Abdomen  deutlich  vom  Oephalothorax  abgesetzt  und  leicht  ventral  gebogen;  die  Mund- 
partie tritt  stark  wulstig  vor.  Am  Hinterleibsende  stehen  2  Borsten.  Die  Gliedmaßen  zeigen 
keine  Klammerapparate  und  einen  mäßigen  Borstenbesatz,  bei  deutlicher  Gliederung.  Magen 
und  Darm  sind  oft  tief  orange,  bald  hell  rosa,  bald  farblos.  Das  Medianauge  ist  durch  die 
tiefrote  Farbe  ausgezeichnet.      Eine  Weiterzüchtung  der  Nauplien  gelang  mir  leider  nicht. 

Die  dornige  Cyste  ist  also  ein  Krebsei  und  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  ein  Cope- 
podenei.  Kar  Cirripedien  würden  noch  sonst  in  Frage  kommen;  doch  sollen  deren  Nauplien 
von  Anfang  an   eine  sehr  abweichende  Rumpfform   haben. 

Die  Eier,  aus  denen  ich  Nauplien  der  oben  beschriebenen  Art  züchtete,  waren  in  der 
Ausbildung  ihrer  Dornen  sehr  verschieden.  Die  Mehrzahl  derselben  hatte  lange  finger- 
förmige Fortsätze,  die  nahe  dem  freien  Ende  oft  kleine  Zähnchen  und  Zacken  tragen  oder 
unregelmäßig  gestaltet  waren ;  ihre  Länge  betrug  etwa  '/->  des  Schalendurchmessers  (Taf.  IV, 
Fig.  12  u.  12a). 

Einige  Exemplare  hatten  dagegen  ganz  kurze  und  dicke  Fortsätze,  die  fast  ausnahmslos 
an  ihrem  freien  Ende  unregelmäßig  ausgezackt  waren  und  kaum  ]/io  ^es  Schalendurchmessers 
erreichten  (Taf.  IV,  Fig.  8  u.  8il). 

Wieder  andere  Schalen  trugen  lange  und  stumpfe,  aber  deutlich  keulenförmige  Fortsätze 
von  derselben  Länge   wie   bei  der  erstgenannten  Form   (Taf.  IV,  Fig.  10  u.  10a). 

Und  endlich  eine  4.  Gruppe  trug  sehr  lange,  spitz  auslaufende  Fortsätze,  die  etwa  dem 
Radius  der  Schale  an  Länge  gleichkamen,  aber  bald  gerade  gestreckt,  bald  leicht  wellig  gebogen 
und  glatt  waren,  bald  an  ihrer  Spitze  kleine  Zähnchen  trugen,  wie  bei  der  1.  und  2.  Form 
(Taf.  IV,  Fig.  9  u.  9a). 

Eine  5.  Form  bildet  Hensen  ab,  ihre  Fortsätze  waren  fast  so  lang  wie  der  Radius  der 
Schale,  sehr  kräftig,  wenig  zahlreich  und  zum  Teil  einfach  oder  mehrfach  gegabelt  (Kommissions- 
bericht 1887,  Taf.  IV,  Fig.   31). 

Lohmann,   Eier  und  sogenannte  Cysten.     >'. 


24  Lohmann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


Schließlich  findet  sich  eine  6.  Form  (Taf.  IV,  Fig.  7),  welche  auf  ihrer  Schale  alle 
diese  verschiedenen  Fortsatzformen  nebeneinander  trägt,  und  damit  den  Beweis  liefert, 
daß  es  sich  hier  nicht  um  Eier  verschiedener  Arten,  sondern  nur  um  eine 
ganz  außerordentlich  starke  Va riabilität  einer  einzigen  Art  handelt. 

Auch  die  Größe  variierte  zwischen  70  und  80  \i.  Nur  die  1.  Furchungsstadien  von 
2  und  4  Zellen  waren  erkennbar.  Später  war  es  mir  unmöglich  mit  Sicherheit  bestimmte 
Stadien  zu  unterscheiden.  Jene  ersten  Teilungen  waren  total  und  äqual.  Man  unterschied 
eine  periphere  farblose,  homogene  Plasmamasse,  von  einem  dunkeln,  feinkörnigen  zentralen 
Plasma.  Später  trat  in  dem  letzteren  ein  gelbliches  bis  tief  orangefarbenes  Pigment  auf,  das 
bald  sich  an  bestimmt  geformte,  zellartig  begrenzte  Massen  band  und  dann  einen  kolbenförmigen 
Körper  bildete,  der  mit  dem  schmäleren  Ende  die  Oberfläche  des  Keimes  berührte.  Diese 
pigmentierte,  den  späteren  Darm  und  Magen  bildende  Masse  variierte  aber  in  ihrer  Färbung 
außerordentlich.  Außerdem  trat  einen  Tag  vor  dem  Ausschlüpfen  der  Augenfleck  auf.  Konturen 
der  Extremitäten  und  des  Rumpfes  sowie  Borsten  waren  bei  der  gleichmäßigen  Färbung  und 
Lichtbrechung  aller  Teile  nur  hier  und  da  erkennbar. 

Das  Ei  reißt  mit  weitem  Spalt  auf;  in  2  Fällen  mißlang  das  Ausschlüpfen,  wahrscheinlich 
dadurch,  daß  eine  zarte  dünne  innere  Eihaut  nicht  zerriß  und  dem  Nauplius  bei  seinen  Bewegungen 
hinderlich  war.  Die  eine  Larve  blieb  im  Schalenriß  eingeklemmt,  die  andere  verließ  zwar  die 
Schale,  blieb  aber  von  der  mächtig  ausgedehnten  inneren  Eihaut  (140  n  Durchmesser,  während 
die  Schale  nur  72  m  Durchmesser  hatte)  wie  in   einem  Käfig  umschlossen. 

Die  Entwicklung  dauert  sicher  mehr  als  4  Tage,  da  7  Eier  erst  4  Tage  nach  dem  Fang 
ausschlüpften. 

Die  genauere  Untersuchung  aller  anderen  Meeres-Xanthidien,  die  mir  allerdings  nur  im 
konservierten  Zustande  vorgelegen  haben,  ergab  nun,  daß  sie  nicht  nur  in  dem  Bau  ihrer  Hüllen 
auf  das  engste  sich  dieser  »dornigen  Cyste«  anschließen,  sondern  auch  ihrem  Inhalte  nach  nur 
als  Eier  zu  deuten  sind.  Auch  kommen  bei  allen  neben  unverletzten  Individuen  leere  Hüllen, 
die  mit  klaffendem  Riß  aufgesprungen  sind,  vor.  Nur  Xanthidium  multispinosum  Moeb.  weicht 
von  den  übrigen  Formen  so  erheblich  ab,  daß  es  eine  Sonderstellung  beansprucht;  auch  ist 
bisher  keine  leere  Hülle  beobachtet  und  die  sehr  großen  Unterschiede  in  der  Größe  der  Individuen 
lassen  keine  Deutung  als  Ei  zu. 

Somit  würden  also  nach  Ausschaltung  der  echten  Süßwasser-Xanthidien  und  der  als  Eier 
erkannten  dünnschaligen  Meeres-Xanthidien  nur  noch  das  X.  multisjnnoswm  als  völlig  rätselhafter 
Organismus  übrig  bleiben.  Um  nun  jede  Täuschung  von  vornherein  auszuschließen  und  doch 
kurz  und  bestimmt  solche  ihrer  Natur  nach  noch  unbekannte  Organismen  zu  bezeichnen,  schlage 
ich  vor,  alle  diese  Formen  Bimi  zu  nennen,  wobei,  wenn  die  Pflanzen-  oder  Tiernatur  erkannt 
ist,  zwischen  Phyto-  und  Zoobion  unterschieden  werden  kann.  Die  Möbius'sche  Art  würde 
also  jetzt  Bion  multispinosum  Moeb.  heißen. 

In  ähnlicher  Weise  wird  man  aber  auch  mit  den  Eiern  verfahren  müssen,  deren  Zugehörigkeit 
zu   einer   bestimmten   Tierform   noch   nicht   nachgewiesen   ist.     Wegen   der   großen   Zahl   solcher 


>Dornige   Cysten«    und    verwandte    Formen.  25 


Eier  wird  es  sich  alter  empfehlen,  hier  Gruppenbezeichnungen  einzuführen  und  /..  B.  alle  Eier 
mit  hohlen  Portsätzen  der  Schale  als  »Oman  hispidum«.  zu  bezeichnen;  die  verschiedenen  Arten 
wären  dann  als  Ovum  hispidum  hystriv  Cleve,  pancisptiiosum  Cleve,  brach iolatum  Moeb.  usw. 
aufzuführen. 

Hiernach  gestaltet  sich  nun  die  Übersicht  der  sogenannten  »dornigen  Cysten«  oder  »Meeres- 
Xanthidien«   folgendermaßen : 


'S 


I.  Ihrer  Bedeutung  nach  unbekannte  Formen. 
Bion  multispinosum  (Moeb.)  Lohm. 

L887,    X'iiitliitliniii   multispinosum   Moebius,  V.  Bericht  der  Kommission,  p.  1^4,  Taf.  8,  Fig.  62 — 65. 
1903,    Trochiseia    multispinosa  Lemmermann,  Nordisches    Plankton,   2.  Lieferung,   XXI.  p.  17,   Fig.  60. 

Isoliert  im  Meere  treibende  kugelige  Zellen  von  23 — 44  u  Durchmesser,  mit  dicker  homogener 
Schale,  die  allseitig  dicht  mit  borstenartigen,  soliden  Anhängen  bedeckt  ist.  Die  Borsten  sind 
nicht  länger  als  der  halbe  Zellenradius  und  tragen  an  ihrem  freien  Ende  fast  rechtwinkelig 
abstehende   kurze   Spitzchen.      Die    kleinen   Individuen   haben    weniger  Borsten  als   die  größeren. 

Wahrscheinlich  selbständiger  Organismus. 

Fehlt  in  der  Ostsee;  Skagerrak  (C 1  e  v  e),  Nordsee  (Schottische  Küste,  Internationale  Meeres- 
forschung 1903),  Kanal  (Int.  Meeresf.),  Nordatlantischer  Ozean  (Cleve,  K  n  u  d  s  e  n  ,  0  s  t  e  n  f  e  1  d ). 

II.  Eier  von  Wirbellosen,  jedenfalls  zum  Teil  Copepodeneier. 

(Ova  hispida.) 

Dünnschalige  kugelige  Eier  von  40 — 390  m  Durchmesser,  deren  Schale  mit  hohlen,  an  der 
Basis  mit  dem  Schalenlumen  frei  kommunizierenden,  meist  stachelartigen,  aber  in  Gestalt  und 
Länge  äußerst  variabelen  Fortsätzen  bedeckt  ist.  Die  Schale  ist  bei  den  kleineren  Formen 
farblos  und  nachgiebig,  bei  den  größeren  Formen  starr  und  gelblich  oder  bräunlich  gefärbt. 
Der  Inhalt  besteht  bei  den  größeren  Eiern,  wenn  die  Entwicklung  noch  nicht  weit  vorgeschritten 
ist,   aus   einem   scholligen   Dotter  und   sehr  kleinen   Einbrvonalzellen. 

Ein  Teil  der  Eier  treibt  in  langen  Schnüren  im  Meere,  wobei  die  Eier  stets  paarweise  zusammen- 
gelagert  sind  und  entweder  von  einer  schlauchförmigen  glashellen  Membran  oder  einer  schleimigen 
Substanz  zusammengehalten  werden.     Auch  können  die  Eier  durch  ihre  Fortsätze  verbunden  sein. 

Andere  Eier   werden   dagegen   stets  isoliert  treibend  gefunden. 

Wahrscheinlich  gehören  auch  die  von  Ehrenberg  in  Kreide-  und  Hornsteingesteinen 
entdeckten  »Xanthidiumr-Fonnen  hierher.  Einige  derselben  halten  große  Ähnlichkeit  mit  den 
rezenten  Formen,  so  X.  hirsutum  mit  Ovum  hispidum  hysirix  Cleve.  A.  ramosum  mit  Ovum  hispidum 
brachiolatum  Moeb.,  aber  alle  sind  erheblich  kleiner  (25 — 50  |u  Durchmesser  der  Schale  ohne 
Fortsätze)  (Microgeologie,  1854,  Taf.  29,  Fig.  48  u.  49;  Taf.  30,  Fig.  43;  Taf.  37.  Fig.  7  •■ 8-  ", 
84,  9,  10).  Auch  das  in  der  Microgeologie  auf  Taf.  18,  Fig.  124  aus  dem  Tripelfeis  in  Virginia 
(Miocän)  abgebildete  »Eierchen«  (Ovulum  hispidum)  von  32  u  Durchmesser  gehört  wahrscheinlich 
hierher.  Alle  diese  fossilen  Formen  sind  zusammen  mit  Dictyochen,  Gymnaster,  Spongiennadeln, 
Peridineen   usw.   also  in   Ablagerungen   marinen  Planktons  gefunden. 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     >'. 

4 


26  Lohmann,   Eier   und   sogenannte   Cysten. 

Eine  Übersicht  der  rezenten  Formen   habe  ich  nachstehend  zu  geben  versucht: 

I.    Durchmesser  der  Eier   ohne  Fortsätze    100  u   nicht  oder 
nur    wenig   überschreitend,    meist   erheblich   kleiner: 

1.  Eier   isoliert   treibend: 

.i )  Schale  mit  wenigen,  sehr  grollen,  gesägten  Fortsätzen,  die 
länger     als     der     Zelldurchmesser     sind.      Durchmesser     der 

Schale  ohne  Fortsätze   55  f.i 1.   Ovum   fiispidum  paucispinosum   <  'leve. 

b)  Schale  mit  wenigen  bis  zahlreichen,  sehr  verschieden  gestalteten 
Fortsätzen,  die  aber  stets  kürzer  als  der  Zelldurchmesser 
Weihen: 

aa)   wenige  Fortsätze:   Durchmesser  der  Schale   ohne  Fort- 
sätze 60  (Li 2.   Ovum  hispithim  atla>iticum  nov.  ov. 

lili)    zahlreiche    Fortsätze;     Durchmesser    der    Schale    ohne 

Fortsätze   70 — 80  u. 3.   Oman,  hispidum  hy&rix  <  'leve. 

2.  Eier  in   langen,   zweireihigen   Schnüren   treibend: 

a)  Fortsätze  allseitig  gleichmäßig  entwickelt,  nicht  zur  Ver- 
bindung der  aufeinander  folgenden  Eier   dienend: 

aa)  Durchmesser  der  Schale  ohne  Fortsätze  70 — 100  \x  .     4.   Ovum   hispidum  bracläolatum   Moeb. 

bb)  Durchmesser  der  Schale  40  —  50  M 5.   Ovum   hispidum   nationale  nov.  ov. 

b)  Fortsätze  an  den  Polen  anders  gestaltete,  sehr  dicht  stehende 
kurze  Borsten,  mit  denen  die  aufeinander  folgenden  Eier 
miteinander  verbunden   sind:    Durchmesser    der  Schale    ohne 

Fortsätze  70 — 80  \x 6.   Ovum  hispidum  capense  nov.  ov. 

IL    Durchmesser    der    Eier    ohne    Fortsätze    ü  h  e  r    100    und 
unter   200  u: 

1.  Schale   zwischen   den  Fortsätzen   glatt,   ohne  Leisten;    Durchmesser 

der  Schale   1 3<  > — 170  ju 7.   Ovum  hispidum   magnum   nov.  ov. 

2.  Schale    zwischen    den    Fortsätzen    mit  Leisten,    welche    polygonale 
Felder  abgrenzen,   in   deren  jedem    1    Fortsatz   steht;   Durchmesser 

der  Schale   150  — 160  ,u  .     .    .         8.   Ovum  hispidum  reüculatum   nov.  ov. 

III.    Durchmesser    der    Eier    ohne     Fortsätze     gegen     40  0  fl; 

Schale   zwischen   den  Fortsätzen  glatt:    Durchmesser   der  Schale   390  u     9.    Ovum   hispidum   gigas  nov.  ov. 

l.  Ovum  hispidum  paucispinosum  Cleve. 

1900,   Xanthidium paucispinosum  Cl.,   <  'leve  in:   Kgl.  Svensk.  Vet.  Handlgr.,  Bd.  34.  Nr.  1,  p.  19  u.  pl.  7,  Fig.  24. 
1903,    Trochiscia  paucispinoso  (Cleve)  Lemm.,   Lemmerniann,   Nordisches  Plankton,    2.  Lfg.,   XXI,   p.  17,   Fig.  59. 

Schale  etwa  55  \x  Durchmesser,  mit  wenigen  (nach  der  Abbildung  Cleves  ungefähr  10) 
sehr  großen,  unregelmäßig  sägeartig  gezähnten  Fortsätzen,  die  länger  als  der  Schalendurchmesser 
sind  (etwa  65  n). 

Nach  Cleve  bei  den  Azoren,  an  der  Nordküste  Süd- Amerikas,  im  südatlantischen  Ozean, 
im  Indischen  Ozean  und  im  Malayischen  Archipel.  Also  offenbar  eine  Form  des  warmen  Wassers. 
Bei  den  internationalen  Meeresuntersuchungen  wurde  sie  daher  auch  nur  im  Kanal  (Mai  1903) 
und  auch  hier  nur  selten  beobachtet. 


».l>nrniye   Cysten«    und   verwandte    Formen. 


2.  Ovum  hispidum  atlanticum  nov.  sp. 

(Taf.  IV,  Fig.  6.) 

Schale  60  ,u  Durchmesser;  die  borsten-  oder  stachelartigen  Anhänge  stehen  in  weiten 
Abständen  (etwa  36)  und  sind  kaum  so  lang  wie  der  Radius  der  Schale. 

Auf  der  Plankton-Expedition  in  PL  30  (Grenze  von  Floridastrom  und  Sargasso-See)  und 
PL  69   (Guineastrom)   in    einigen   Exemplaren   gefunden.     Wohl   ebenfalls   eine  Warmwasserform. 

3.  Ovum  hispidum  hystrix  Cleve. 

(Taf.  IV,  Fig.  7-14.) 

1887,   »Dornige  Cyste«    Hensen,   5.  Bericht  d.   Kommission,   p.  79   und  Taf.  4,   Fig.  31. 

L899,   Xanlhidium  hysbrix  Ol.,   Cleve,    Kgl.  Svensk.  Vet.   Ak.   Handig.,   Bd.  32.   Nr.  8,  p.  21,  Fig.  5. 

191)3.    Trocldsäa    Clevei  Lemm.,   Lemmermann,   Nordisches  Plankton,   2.  Lf'g.,  XXI,  p.  17. 

Schale  70 — 80  n  Durchmesser,  Fortsätze  sehr  zahlreich,  aber  in  ihrer  Gestalt  von  einer  erstaun- 
lichen Variabilität.  Es  kommen  Formen  mit  ganz  kurzen  dicken,  distal  gezähnten  Fortsätzen 
(Taf.  IV,  Fig.  8)  mit  fingerförmigen  (Taf.  IV,  Fig.  12)  und  keulenförmigen  (Taf.  IV,  Fig.  10)  Fort- 
sätzen vor;  ferner  findet  man  Formen  mit  langen  stachelförmigen  Fortsätzen  (Taf.  IV,  Fig.  9), 
endlich  solche,  die  auf  ihrer  Oberfläche  alle  jene  verschiedenen  Formen  gleichzeitig  neben- 
einander tragen,  wobei  oft  eine  räumliche  Zusammenordnung  der  ähnlichen  Fortsätze  sehr 
deutlich  hervortritt  (Taf.  IV,  Fig.  7). 

Es  ist  das  Ei  eines  Copepoden,  wie  Kulturen  ergaben  (Nauplius  Taf.  IV,  Fig.  11,  13,  14). 

Die  Plankton-Expedition  fand  von  dieser  Form,  die,  wie  es  scheint,  auf  die  nordischen 
Küstenmeere  beschränkt  ist,  keine  Exemplare.  Hensen  traf  sie  in  der  Ostsee  und  im  Nord- 
atlantischen Ozean  westlich  Eockall.  Cleve  im  Skagerrak  und  Kanal  (Plymouth),  Knudsen  und 
Ostenfeld  im  Nordatlantischen  Ozean  an.  Nach  Cleve  (Seasonal  Distribut.  Atlant.  Plankton- 
Organismen  1901.  Additional  Not.  1902.  p.  359)  reicht  im  Nordatlantischen  Ozean  ihr  Ver- 
breitungsgebiet von  der  europäischen  bis  zur  amerikanischen  Küste,  wo  sie  noch  südlich  der 
Neufundlandbank  (44°  N.   Br.   und   57°  W.   Lg.)   von   ihm   beobachtet  wurde. 

Durch  die  das  ganze  Jahr  hindurch  fortgeführten  internationalen  Meeresforschungen  (Con- 
seil  permanent  international  pour  l'exploration  de  la  mer,  Bulletin.  Annee  1902/03  und  1903/04, 
Kopenhagen)  wurde  nachgewiesen,  dal.)  die  »Dornige  Cyste«  nur  an  2  Stellen  häufig  gefunden 
ist:  im  Englischen  Kanal  (im  August  1903)  und  vor  allem  in  dem  westlichen  Teile 
der  Ostsee  und  an  der  deutschen  Küste  des  östlichen  Teiles  (Mai,  August) 
bis  60°  8'  N.  Br.  Im  finnischen  und  bottnischen  Meerbusen  fehlt  sie  vollkommen.  Spärlich 
ist  sie  im  Skagerrak,  in  Nordsee  und  östlichem  Kanal,  /.wischen  den  Shetland-  und  Faröer- 
Inseln,  an  der  Westküste  Schottlands  und  im  Nordmeere  bis  61°  34'  N.  Br.  beobachtet.  Stets 
ist  sie  nur  im  Mai  und  August  (2.  und  3.  Terminfahrt)  nie  im  November  und  Februar 
(4.  und  1.  Terminfahrt)  beobachtet.  Fast  immer  war  sie  unter  der  Oberfläche  häufiger, 
als  an   der  Oberfläche   selbst. 

Die  Verbreitung  von  Ovum  hispidum  hystrix  ist  also  im  nördlichen  Teile  des  atlantischen 
( »zeans  eine  sehr   weite;  ihr  Vorkommen  südlich  der  Neufundlandbank  beweist  ihre  Verbreitung 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 

4* 


28 


Lob  mann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


auch  au  der  amerikanischen  Küste;  auf  hoher  See  zwischen  Europa  und  Amerika  nördlich 
50°  Br.  ist  sie  bisher  nur  spärlich  gefunden;  an  den  nordeuropäschen  Küsten  scheint  sie  überall 
vorzukommen,  soweit  der  Salzgehalt  nicht  wie  im  finnischen  und  bottnischen  Meerbusen  auf 
ein  Minimum  herabsinkt.  Bemerkenswert  ist  jedenfalls  ihre  große  Häufigkeit 
in  der  Ostsee  und  das  Vo r  k  o  m  inen  w ä h r  e n  d  des  g a n z e  n  J a h  r  e s.  Bei  Kiel  fand 
Hensen  durch  quantitative  Untersuchungen  für  die  verschiedenen  Monate  folgende  Zahlen1) 
(5.  Bei'icht  d.   Kommission   1887,  p.  80): 


ZahlfürlOcbmW, 

(abgerundet) 


3000 


2000  I  2500 


2000     »ÖOO     1.100    -Ulli)     20011    21000    26000    26000    65000    16500 


1000    5500   7400(1   2000    1000    1.100 


Es  tritt  also  das  Ei  das  ganze  Jahr  hindurch  auf,  ist  aber  im  Frühjahr  (März)  und  im 
Herbst  (Oktober)  sehr  viel  häufiger  als  sonst. 

Nachdem  sich  herausgestellt  hat.  daß  die  dornige  Cyste  ein  Krebsei  ist,  gewinnt  die 
Verbreitung  natürlich  ein  ganz  neues  Interesse.  Vor  allem  wird  die  groß e  Häufigkeit 
in  der  Ostsee  und  ihr  gänzliches  Fehlen  im  finnischen  und  bottnischen 
Meerbusen  Beachtung  verdienen.  Dies  spricht  durchaus  gegen  die  Annahme,  daß  die 
Eier  Oirripedien  angehören,  da  diese  im  Kattegat,  Skagerrak  und  an  allen  brittischen  Küsten 
sehr  gemein  sein  müßten,  aber  nicht  in  der  Ostsee  das  Maximum  ihres  Vorkommens  haben 
könnten.     Es  bleibt  also  nur  die  Möglichkeit,   daß  die  Eier  Copepodeneier  sind,  übrig. 

Von  den  freilebenden  Oopepoden  der  Ostsee  kämen  (nach  Griesb recht,  4.  Kommissions- 
bericht  1882)  nur  Dias  und  Centropages  in  Betracht  als  Formen,  bei  denen  bisher  nie  Eier- 
säcke beobachtet  wurden,  und  da  die  Eier  von  Dias  bifilosus  und  longiremis  keine  Schalen- 
fortsätze tragen,  käme  nur  Centropages  in  Frage.  Die  einzige  Art  der  Ostsee,  C.  hamatus 
Lilljeborg,  zeigt  nun  nach  den  Fanglisten  der  Internationalen  Meeresforschung  in  der  Tat 
eine  sehr  merkwürdige  Übereinstimmung'  in  ihrer  Verbreitung  und  ihrem  Vorkommen  mit  der 
dornigen   Cyste. 

Häufig  oder  sehr  häufig  (c.  cc)  ist  Centropages  hamatus  nur  in  der  Ostsee  und  im 
Englischen  Kanal  und  den  Zugängen  zu  beiden:  Skagerrak,  Kattegat,  Belte  und  in  dem 
Belgischen  Teile  der  Nordsee  unmittelbar  vor  dem  Kanal.  Im  finnischen  Meerbusen  und 
im  bottnischen  Busen  fehlt  er  vollständig;  nur  am  südlichsten  Ende  des  ersteren  ist  Centropages 
hamatus  im  Februar  und  Mai  als  rr.  notiert.  Sonst  kommt  er  noch  in  der  Nordsee,  im  südlichen 
Teile  des  Nordmeeres  und  in  der  Umgebung  der  brittischen  Küsten  vor;  weiter  im  Norden 
vertritt  ihn  C.  typicus  Kroyer. 

So  gut  nun  auch  im  allgemeinen  Verbreitung  und  Auftreten  von  Centropages  und  dem 
Ei  stimmen,    im  einzelnen  weist  das  Vorkommen  keine  derartige  Übereinstimmung  auf,   daß   da, 


])  Ovum  hispidum  brachiolatum  soll  in  diesen  Zahlen  mit  inbegriffen  sein:  es  hat  diese  Art  aber  in  der 
westlichen  Ostsee  keine  Bedeutung;  wahrscheinlich  hat  Hensen  sich  durch  die  große  Verschiedenheit  in  der  Ausbildung 
der    Fortsatze   täuschen   lassen  und    nur   die   Schalen  mit   glatten   langen  Anhängen   als    »dornige   Cyste«   gelten   lassen. 


»Dornige   Cysten«    und  verwandte   Formen.  29 

wo  der  Copepod  häufig  ist,  auch  das  Ei  häufig  sei  usw.  Zwar  ist  ein  solches  Parallelgehen 
beider  Zustände  einer  Art  nicht  notwendig,  aber  doch  zunächst  zu  erwarten.  Bedenklicher  erscheint 
mir,  daß  die  Eier  bei  Kiel  das  ganze  Jahr  hindurch  im  Plankton  sich  linden  und  2  Kulminationen 
ihres  Auftretens  erkennen  lassen.  Ein  solches  Verhalten  von  Eiern  würde  eher  auf  die  Zugehörigkeit 
zu  mindestens  2  Arten  schließen  lassen.  Endlich  ist  es  nicht  ausgeschlossen,  daß  die  Eier  über- 
haupt nicht  von  freilebenden,  sondern  von   parasitischen   Copepoden  abgelegt  werden. 

Beobachtungen  an  Weibchen  von  Centropages  hamatus  führten  mich  bisher  zu  keinem 
sicheren  Resultat;  die  Eier,  die  ich  durch  Isolierung  befruchteter  Weibchen  in  Uhrschälchen 
erhielt,  besaßen  zwar  die  Größe  des  0.  fiispidum  hystrisn,  zeigten  aber  eine  völlig  glatte  Oberfläche 
bei  einem  grauen,  feinkörnigen  Plasma.  Aber  sämtliche  Eier  gingen  bereits  kurze  Zeit  nach 
der  Ablage  zu  Grunde,  indem  die  kaum  als  gesonderte  Membran  wahrnehmbare  Eihaut  riß  und 
sich  darauf  gänzlich  auflöste.  Offenbar  war  also  die  Bildung  der  Eihülle  ganz  unvollkommen 
abgelaufen;  und  da  nach  Grobbens  Beobachtungen  an  Cetochilus  (Arbeit.  Zool.  Inst.  Wien 
1881,  Bd.  3,  p.  17)  die  Schalenbildung  erst  nach  der  Eiablage  vom  Eiplasma  selbst 
ausgeht,  läßt  sich  aus  diesen  Vorgängen  kein  Schluß  auf  die  Hülle  normaler  Centropages- 
Eier  machen.  Es  sind  vielmehr  noch  weitere  Untersuchungen  mit  möglichst  frischen,  befruchteten 
Weibchen  auszuführen. 

4.  Ovum  hispidum  brachiolatum  Moeb. 

(Taf.  IT,  Fig.  3,  :i:i     .) 

1887.   Kanthidium   brachiolatum   Moeb.   (nicht   Stein),  Moebius,   5.  Ber.  d.  Komm.,  p.  124,  Taf.  8,    Fig.  <io.  61. 
1903,     Trochiscia    bracldolata    (Moeb.),    Lemmermann.       Nordisches    Plankton.     2.    Lfg.,     XXI,    p.   16     und     17. 
Fig.   57,  58. 

Schalen  70 — 80,  nach  Moebius  bis  100  p.  Durchmesser,  dicht  bedeckt  mit  kurzen 
(etwa  ]/4  so  lang  wie  der  Schalenradius),  an  der  Spitze  verästelten  Portsätzen.  In  Schnüren 
im  Meere  treibend;  die  Eier  sind  dabei  in  eine  schleimige  Masse(?)  eingebettet  und  paarweise 
angeordnet,  so  daß  eine  dichte  doppeltreihige  Eierkette  entsteht.  Es  sind  Schnüre  von  mehr  als 
20  Paaren  beobachtet. 

Moebius  bildet  neben  den  Eiern  normaler  Größe  auch  ganz  kleine  Individuen  ab.  die 
aber  stets  außerhalb  der  Eierschnur  und  außerhalb  der  Ordnung  als  überzählige  Eier  liegen. 
Ich   habe  nie  solche  offenbar  pathologischen,  abortiven  Eier  gesehen. 

Die  Schalen  der  Eier  waren  zum  Teil  leer,  zum  Teil  mit  Eiplasma  erfüllt;  aber  stets 
zeigten  die  Eier  einer  Schnur  den  gleichen  Zustand.  An  den  leeren  Schalen  hei  sofort  ein 
breiter,  klaffender,  unregelmäßiger  Riß  auf  und  eine  zarte,  farblose,  zusammengefallene  Membran 
in  der  leeren  Schale.  Bei  genauerer  Zerzupfung  mit  der  Nadel  stellte  sich  heraus,  daß  in  Wirklich- 
keit 3  Hüllen  vorhanden  sind;  eine  äußere,  die  hohlen  Fortsätze  tragende  und  2  glatte,  innere 
Membranen.  Der  Inhalt  wird  von  Moebius  als  körnig,  mit  hellem  Kern  beschrieben  und 
abgebildet.  Das  konservierte  Material,  das  mir  zur  Verfügung  stand,  zeigte  einen  sehr  feinkörnigen, 
dichten  plasmatischen  Inhalt,  der  zentral  mehrere  stärker  lichtbrechende,  ölartig  glänzende 
Tropfen  enthielt,  so  daß  die  Eier  sehr  an  konservierte   Eier  von  Copepoden  erinnerten. 

Lohmanü.   Eier  und  sogenannte  Cysten.     >". 


:{0  Lohmann,   Eier  und  sogenannte   Cysten. 


Ovum  hispidum  brachiolatum  gekört  dem  nordischen  Gebiete  an.  Es  wurde  in  der  west- 
lichen Ostsee,  Nordsee  und  im  Ozean  westlich  von  den  Hebriden  beobachtet,  aber  von  Heus en 
nicht  immer  von  der  »dornigen  Cyste«  getrennt.  Es  ist  daher  wahrscheinlich,  daß  diese  Funde 
in  der  Ostsee  auf  solcher  Verwechslung  beruhen,  da  es  später  nie  wieder  dort  beobachtet  ist. 
In  der  westlichen  Nordsee  wurde  das  Ei  reichlich  gefunden;  Cleve  fand  es  im  Skagerrak  nur 
sehr  selten.  Auf  der  Plankton-Expedition  wurde  es  wiederum  nördlich  von  den  Hebriden  (in 
PL  2)  beobachtet. 

5.  Ovum  hispidum  nationale  nov.  ovum. 

(Taf.  IV,   Fig.  4.  | 

Schale  sehr  klein,  nur  42 — 50  \x  im  Durchmesser,  allseitig  dicht  mit  feinen  borstenförmigen 
Portsätzen  von  12 — 15  |u  Länge  bedeckt.  Da  die  Stacheln  von  einer  schleimigen  Masse  umhüllt 
waren,  vermute  ich,  daß  auch  dieses  Ei  in  Schnüren  vorkommt.  Es  wurde  leider  nur  1  Exemplar 
auf  der  Plankton-Expedition  in  PI.  23   (auf  der  Neufundland bank)  gefunden. 

6.  Ovum  hispidum  capense  nov.  ovum. 

(Tai'.  IV.   Fig.  5  u.  5a.) 

Schale  70 — 80  u  im  Durchmesser;  Portsätze  sehr  vielgestaltig,  kurz,  zum  Teil  denen  von 
brachiolatum,  zum  Teil  denen  von  hystrix  gleichend.  Die  Eier  liegen  wie  die  von  brachiolatum 
in  einer  langen  Schnur  zu  einer  regelmäßigen,  dichten  Doppelreihe  angeordnet,  sind  aber  nicht 
in  eine  schleimige  Masse  eingebettet,  sondern  von  einer  schlauchförmigen,  farblosen  Membran 
zusammengehalten.  Am  vorderen  und  hinteren  Pole  trägt  jedes  Ei  ganz  dicht  stehende  borsten- 
artige Fortsätze,  die  zwischen  diejenigen  des  vor  und  hinter  ihm  liegenden  Eies  hineingeschoben 
sind  und  so  eine  festere  Verbindung  der  Eier  einer  Reihe  bedingen.  Es  wurden  Schnüre  von 
49  Eierpaaren  beobachtet.  Die  Zahl  und  Beschaffenheit  der  Eihüllen,  das  Vorkommen  leerer 
Schalen,   die  Art  des  Aufreißens  der  Schale  waren   dieselben   wie  bei  brachiolatum. 

Dies  interessante  Ei  wurde  in  Auftrieb  aus  dem  Indischen  ( >zean  bei  Port  Elisabeth  gefunden. 

7.  Ovum  hispidum  magnum  nov.  sp. 

(Taf.  V.   Fig.  11—T2.) 

Die  Eier  sind  130 — 170  n  groß  und  besitzen  eine  dünne,  aber  im  konservierten  Zustande 
feste,  bräunliche  Schale,  die  mit  10  u  langen,  höhlen  Fortsätzen  dicht  bedeckt  ist.  Meistens 
sind  die  letzteren  an  ihrem  freien  Ende  in  mehrere  tangential  gerichtete,  gezähnte  Astchen 
gespalten,  so  daß  die  Zähnchen  benachbarter  Fortsätze  sich  berühren.  Aber  die  Gestalt  ist  sehr 
wechselnd  und  unter  ihnen  finden  sich  auch  einfach  grade  glatte  Stacheln  von  verschiedener 
Länge.  Unter  dieser  äußeren  Schale  liegt  eine  farblose,  dünne,  aber  ebenfalls  starre  innere 
Membran,  die  glatt  ist  und  wahrscheinlich  vor  der  Konservierung  das  Plasma  unmittelbar 
umhüllt  hat.  Der  Eiinhalt  besteht  aus  einem  gelbbraunen,  homogenen,  in  große  unregelmäßig 
gestaltete  Schollen  zerklüfteten  Dotter,  dem  zahllose  kleine  tropfenartige  Einschlüsse  eingelagert 
sind.      Keimanlagen   wurden   nicht  gefunden. 


Dornige  Cysten«   und  verwandte   Können. !>1 

Auf  der  Plankton-Expedition  wurde  diese  Eiforin  im  warmen  Gebiete  ziemlich  regelmäßig, 
aber  immer  nur  in  wenigen  Exemplaren  gefunden.  Zur  Untersuchung  lagen  mir  Individuen 
aus  dem  Floridastrom  (PI.  30  und  J.-Nr.  48),  der  östlichen  Sargasso-See  (PI.  120),  aus  dem 
Guineastrom  (J.-Nr.  168)  und  dem  Südäquatorialstrom  (PI.  103)  vor. 

Wie  es  scheint,  variiert  hier  die  Ausbildung  der  Schalenfortsätze  in  demselben  erstaun- 
lichen Grade  wie  bei  Ov.  hispid.  hystrix,  da  ich  in  J.-Nr.  48  vier  im  übrigen  ganz  gleiche  Eier 
fand,  von  denen  nur  eins  voll  ausgebildete  Fortsätze  besaß,  während  bei  den  anderen  die 
Fortsätze  nur  kurze  Stäbchen  oder  gar  nur  stumpfe  Höcker  bildeten.  Natürlich  ist  es  aber 
auch  möglich,  daß  dieser  verschiedenen  Ausbildung  eine  Herkunft  von  mehreren,  einander 
nahestehenden  Tierarten  entspricht.  Nach  Grobben  mißt  das  isoliert  abgelegte  und  mit 
vorspringenden  Falten  auf  der  Schale  versehene  Ei  von  Cetochüus  septentrionalis  170  \x  Durchmesser; 
es  ist  daher  nicht  ausgeschlossen,  daß  auch  diese  Eier  von  verschiedenen  großen  Copepoden- 
Arten   herrühren. 

8.  Ovum  hispidum  reticulatum  nov.  ov. 

(Taf.  V.  Fig.  9—  KP.) 

Kugelige  Schale  von  150 — 160  u  Durchmesser,  hell  bräunlich  gefärbt  und  von  einem 
unregelmäßigen  Maschenwerk  dunklerer  Leisten  überzogen.  Im  Mittelpunkt  jeder  Masche  erhebt 
sich  ein  hohler  Fortsatz,  der  meist  unverästelt,  an  der  Spitze  nur  gezähnelt  und  bedornt  ist, 
aber  wie  bei  der  vorigen  Form  außerordentlich  variiert  und  durchschnittlich   30  ja  lang  ist. 

Der  Eiinhalt  fällt  leicht  in  eine  große  Zahl  unregelmäßig  gestalteter  Dotterschollen  aus- 
einander, die  viel  kleiner,  aber  meist  ebenso  wie  bei  Ov.  hisp.  magnum  beschaffen  sind.  Neben 
diesen  Schollen  kommen  aber  sehr  kleine,  aus  feinkörnigem  Plasma  bestehende  Epithelzellen 
vor,  die  6 — 8  \x  groß  sind,  einen  kugeligen  Kern  besitzen  und  kleine  Platten  bilden,  die  offenbar 
auf  dem  Nahrungsdotter  einen  zusammenhängenden  Keim  gebildet  haben,  der  bei  dem  Aus- 
einanderfallen des  Dotters  auseinandergerissen  wurde.  Gegenüber  der  Masse  verschwinden  diese 
wenigen  Zellen  vollständig. 

Das  Ei  wurde  im  warmen  Gebiet  des  Atlantischen  Ozeans  wiederholt  von  der  Plankton- 
Expedition  gefangen;  in  dem  ausgesuchten  Materiale  fand  es  sich  im  Nordäquatorialstrom  bei 
den  Kap-Verden  (PL  63,  64,  65)  und  im  Südäquatorialstrom  (PL  75).  Außer  unverletzten 
Eiern  wurden  auch  leere,  mit  breitem  Riß  aufgesprungene  Eier  gefunden. 

9.  Ovum  hispidum  gigas  nov.  ov. 

(Taf.  V,  Fig.  Zu.  7;,.| 

Schale  390  u  Durchmesser  (ohne  Fortsätze) ;  in  weiten  Abständen  bedeckt  mit  kräftigen, 
großen,  etwa  120  u  langen  Fortsätzen,  die  an  ihrem  distalen  Ende  sternförmig  verzweigt  sind; 
die  kleinen  Äste  stehen  dabei  entweder  nahezu  rechtwinkelig  zum  Stamm  oder  sind  schräg 
distalwärts  gebogen,  wobei  sie  hin  und  wieder  sich  glockenartig  zusammenneigen. 

Die  Schale  ist  dünn  wie  bei  den  vorigen  2  Arten;  die  Eimasse  füllt  fast  die  ganze 
Schale    aus.      Da    nur    ein    in    Balsam    eingeschlossenes    Exemplar    vorlag,     war    eine    Aveitere 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     >'. 


'.i'i  Lohmann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 

Untersuchung    nicht    möglich.      Dasselbe    wurde    auf   der  Plankton-Expedition    in    J.-Nr.  48    im 
Floridastrom   gefangen. 

Den  dornigen  Cysten  reihe  icli  vorläufig  auch  die  drei  folgenden  Eier  an,  die  mit  ihnen 
im   Besitze  hohler,  von  der  Eihülle  ausgehender  Fortsätze  übereinstimmen. 

10.  Zweizipfeliges  Ei. 

(Ovum  hispidum  bispinosum   nov.  ov.) 

IT.! f.  V.  Fig.  5.) 

Im  östlichen  Teile  der  Sargasso-See,  in  Pl.-Nr.  52  wurden  einige  Eier  gefunden,  deren 
Hülle  an  zwei  gegenüberliegenden  Polen  in  je  einen  sehr  langen  und  spitz  auslaufenden  geraden 
Fortsatz  ausgezogen  war.  Diese  Fortsätze  bestehen  wie  die  Hülle  selbst  aus  einer  strukturlosen 
und  farblosen  Substanz  und  sind  hohl;  die  Eimembran  ist  zart  und  liegt  dem  Eiinhalt,  der  bei 
einem  Exemplar  in  zahlreiche  polyedrische  Furchungszellen  zerklüftet  war,  eng  an.  Die  Fort- 
sätze, deren  Wandung  doppeltkonturiert  ist,  sitzen  der  Eimembran  nicht  auf,  sondern  sind  Aus- 
stülpungen derselben.  Der  Durchmesser  des  Kies  beträgt  90  n,  die  Länge  eines  jeden  Fortsatzes 
380—400  u. 

Die  Fortsätze  waren  im  konservierten  Zustande  von  einiger  Steifheit;  auch  sind  ihre 
Konturen  durchaus  glatt.  Es  erscheint  mir  daher  wahrscheinlich,  daß  sie  als  echte  Schwebapparate 
dienen,    ähnlich  den  langen  Borstenfortsätzen   so    vieler   pelagischer   Diatomeen   und    Copepoden. 

11.  »Röhrenstatoblast.« 

{Ovum   hispidum  problematieum   [Clev.]    Lohm.) 
(Taf.  Y,  Fig.  2  u.  8.) 

1887,   »Röhrenstatoblast«   Hensen,   5.  Ber.  d.  Kommission,  p.  67,  Taf.  4,  Fig.  27. 

1899,    Hexasterias  problematica  Cleve,  Kgl.  Svensk.  Vet.  Äk.  Handlgr.,  Bd.  32,  Nr.  8,  p.  22.  Fig.  6. 

Diese  höchst  merkwürdige  Form  ist  zuerst  1887  von  Hensen  beschrieben  worden,  der 
sie  im  Februar  1885  sehr  selten  in  der  westlichen  Ostsee  fand.  In  der  Abbildung,  die  von 
K.  Moebius  herrührt,  wird  auffälligerweise  ganz  wie  bei  den  anderen  von  Hensen  als 
»Statoblasten«  bezeichneten  Organismen  das  kugelige  Ei  von  einer  scheibenförmigen  Membran 
umgeben,  in  welche  die  so  charakteristischen  sechs  röhrenartigen,  an  ihrem  freien  Ende  auf- 
gefransten Fortsätze  eingebettet  sind.  Alle  späteren  Beobachter  haben  nichts  von  dieser  Membran 
gesehen1),  und  auch  bei  den  Exemplaren,  welche  die  Plankton-Expedition  fand,  standen  die 
Fortsätze  vollständig  frei  auf  der  Hülle. 

Die  Plankton-Expedition    fand   nur  auf  der  Neufundlandbank  (PI.  23)  einige  Exemplare. 

Später  ist  die  Form  von  Vanhöffen  von  der  Westküste  Grönlands  im  Karajakfjord  beschrieben ; 
auf  der  Abbildung  (loc.  cit.  Taf.  6,  Fig.  3)  ist  der  Eiinhalt  von  der  Schale  zurückgezogen  und 
scheint  eine  Keimanlage  zu  tragen.  Auch  Osten  fei  d  fand  sie  in  Auftrieb  von  der  südwest- 
lichen Küste  Grönlands  (60°  7'  N.  Br.,  48°  29'  W.  L.,  Jagttagelser,  Kjobenhavn  1900). 


')   Ofr.   Ostenfeld  Jagttagelser   1900.   p.  48  u.  49. 


»Dornige   Cysten      und   verwandte   Formen.  33 


Auf  Europäischer  Seite  ist  sie  im  Ozean  zwischen  Island  und  den  Shetland-Iuseln  (Ost  en- 
feld,  loe.  cit.),  im  Skagerrak  und  Kattegat  (Cleve),  im  finnischen  und  bottnischen  Meerbusen 
(i,4"  27'  N.  Br.),  im  Englischen  Kanal  und  an  der  Murmanküste  gefunden.  Ausnahmslos  ist  sie 
sehr  selten.  Daher  sind  auch  die  Angaben  über  ihr  Vorkommen  nur  mit  Vorsicht  zu  verwenden. 
Bemerkenswert  ist  jedenfalls,  daß  sie  bisher  im  Gebiete  des  warmen  Wassers  gar  nicht  gefunden 
ist  und  sie  noch  in  so  salzarmes  Wasser  wie  das  des  nördlichsten  Endes  des  bottnischen  Meer- 
busens vordringt.  Im  allgemeinen  ist  sie  nur  in  Küstennähe  gefunden;  aber  zwischen  Island 
und  den  Shetland  -  Inseln,  vor  allem  aber  an  der  von  Cleve  angegebenen  Position  in 
56°  N.  und  23"  W.  L.  ist  sie  auch  auf  offener  See  beobachtet.  Im  Englischen  Kanal  bei 
50°  23'  K.  Br.  (im  Februar)  und  auf  der  Neufundlandbank  hei  47"  N.  Br.  (Ende  Juli)  liegen 
bisher  die  südlichsten  Fundorte  dieser  von  Cleve,  wahrscheinlich  mit  Recht,  als  arktisch- 
boreal  bezeichneten   Eiart. 

Wie  bei  den  im  Vorigen  besprochenen  Eiern  trägt  auch  hier  die  Eihülle  mehrere  röhren- 
artige, lange  Fortsätze:  aber  diese  Fortsätze  stehen  hier  nicht  unregelmässig  oder  gleichmäßig 
über  die  Eitläche  verteilt,  sondern  liegen  sämtlich  in  einer  Ebene.  Stellt  man  das  Ei  auf  die 
Kante,  so  erkennt  man  ferner,  daß  dasselbe  nicht  kugelig,  sondern  abgeplattet  ist  und  die 
Fortsätze  in  die  Richtung  und  die  Ebene  der  größten  Durchmesser  fallen.  Die  Fortsätze  sind 
ferner  an  der  Basis  und  ihrem  freien  Ende  verbreitert  und  tragen  an  letzterem  einen  Kranz 
feiner  hakenförmig  gekrümmter  Fransen.  Das  Ei  ist  30 — 50  u  groß,  die  Fortsätze  messen 
29 — 45  |j  und  sind  bald  etwas  kürzer,  bald  etwas  länger  als  der  Eidurchmesser. 

Mit  den  Pterospermen  hat  dieser  Organismus  offenbar  nichts  gemein.  Die  hohlen,  von 
ihn-  Eihülle   ausgehenden  Fortsätze  nähern   ihn   dagegen   der   hier  behandelten   Gruppe. 

Lemmermann  stellt  den  Organismus  zu  den  Pleurococcaceen,  Ostenfeld  hingegen 
bezeichnet  ihn  nur  mit  starkem  Zweifel  als  Alge.  Irgend  ein  besonderer  Grund,  denselben  als 
PHanze  zu  betrachten,  liegt  jedenfalls  nicht  vor.  Eine  chemische  Prüfung  der  Membran 
konnte  ich  nicht  vornehmen,  da  mein  Material  hierzu  zu  dürftig  war.  Vanhöffens 
Skizzierung  des  Schaleninhaltes  scheint  mir  aber  vielmehr  auf  die  Einatur  dieses  Körpers 
hinzuweisen. 

12.  Stern-Ei. 

(Ovum  hisjndum  stellare.) 

(Taf.  V,  Fig.  1  u.  3.) 

Im  ganzen  Gebiet  des  warmen  AYassers  stieß  die  Expedition  auf  ein  Ei  (Taf.  V,  Fig.  3), 
das  eine  sehr  zarte  farblose  kugelige  Hülle  besaß,  die  in  6 — <S  hohle,  spitz  auslaufende,  lange 
Fortsätze  ausgezogen  war.  Sowohl  die  Eihülle  wie  die  Wandung  dieser  Fortsätze  war  doppelt 
konturiert;  an  Länge  übertrafen  sie  den  Eidurchmesser  (70  |a)  nur  wenig  (80  m).  Ihre  Ver- 
teilung über  die  Eihülle  ließ  keine  bestimmte  Ordnung  erkennen.  Bei  einigen  Exemplaren 
liefen  die  Fortsätze  in  eine  äußerst  feine  und  blasse  Spitze  aus,  bei  anderen  war  letztere  scharf 
abgegrenzt.  —  Am  Inhalt  der  konservierten  Eier,  der  feinkörnig,  gelbbraun  erschien,  war 
nichts   Charakteristisches  erkennbar. 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


34  Lehmann,   Eier   und   sogenannte   Cysten. 

Das  Ei  trat  überall  nur  in  geringer  Anzahl  auf.  wurde  aber  in  2/3  aller  Fänge  aus  dem 
Gebiete  des  warmen  Wassers  gefunden  und  war  ziemlich  gleichmäßig  über  das  ganze  Gebiet 
verbreitet.  Meist  blieb  die  Zahl  unter  15  im  Fang,  nur  viermal  wurden  100  und  mehr 
Individuen  beobachtet,  die  maximale  Zahl  blieb  noch  unter  300  im  Fang.  Die  Maxima  lagen 
im  Floridastrom  (PL  30),  in  der  Sargasso-See  am  Rande  des  zentralen  armen  Gebietes  (PI.  36 
und  45)  und  vor  der  Mündung  des  Amazonenstromes  (PI.  111). 

Auf  einer  Fahrt  mit  dem  Kabeldampfer  v.  Podbielski  von  den  Azoren  nach  New- York 
beobachtete  ich  auf  hoher  See  im  Gebiete  des  Golfstromes  ein  Ei  (Taf.  V,  Fig.  1).  das  dem 
eben  beschriebenen  offenbar  selir  nahe  stellt.  Der  Bau  der  Eischale  war  ganz  derselbe,  nur 
war  sie  zu  etwa  15  langen  Fortsätzen  ausgezogen,  die  an  der  Basis  breiter  waren  und  sich 
infolgedessen  nahezu  berührten.  Der  Eiinhalt  war  feinkörnig  blaßgelb  mit  einem  tief  orange- 
roten Streifen,  der  von  einem  Eipole  ausgehend  fast  den  gegenüberliegenden  Toi  erreichte. 
Das  Ei  hatte  einen  Durchmesser  von   60  \x,  die  Fortsätze  waren  etwas  kürzer  als  das  Ei  (55  u). 


2.  »Umrindete  Cyste    Hensens. 

(Taf.  In.  VII.   Fig.  11— 15.) 

Dieses  Ei  wurde  zuerst  von  Hensen  in  der  Nordsee  und  im  Ozean  gefunden 
und  in  seiner  Arbeit  über  die  Bestimmung  des  Planktons  1887  (5.  Bericht  d.  Kommission,  p.  80) 
als  »Umrindete  Cyste«1)  kurz  beschrieben.  Er  gibt  an,  daß  die  Cysten  nicht  selten  leer  waren, 
in  der  Regel  aber  eine  protoplasmatische  Masse  enthielten.  Bisweilen  waren  die  Cysten  in 
eine  schleimige  Hülle,  die  sie  in  ziemlich  gleicher  Stärke  allseitig  umgab  (loc.  cit.  Taf.  IV,  Fig.  32a), 
eingebettet.  Am  stumpfen  Pole  der  Cyste  vermutet  Hensen  eine  Öffnung.  In  der  Ostsee 
wurde  sie  nie  beobachtet,  einzelne  Exemplare  fand  Hensen  aber  bereits  im  südlichen  Kattegat 
(2.  Aug.  85,  J.-Nr.  34);  in  der  Nordsee  kam  sie  ebenfalls  vor,  wurde  aber  erst  im  Ozean  zwischen 
Rockall  und  den  Hebriden  häufig. 

Die  Plankton -Expedition  (Taf.  I)  begegnete  der  Cyste  4  Jahre  später  in  demselben  Monat 
(2.  Hälfte  des  Juli)  auf  ihrer  Fahrt  nach  der  Neufundlandbank  wieder,  aber  an  zwei  sehr  weit 
getrennten  Stellen.  Zunächst  auf  europäischer  Seite  in  erheblicher  Anzahl  nördlich  der  Hebriden, 
von  wo  aus  sie  nach  Westen  sich  zwar  noch  bis  südlich  von  Island  in  22,7°  W.L.  verfolgen 
ließ,  aber  rapide  an  Häufigkeit  abnahm;  dann  auf  amerikanischer  Seite  nordöstlich  von 
Neufundland   im  Labradorstrom,   allerdings  nur  in   sehr  geringer  Anzahl. 

Seitdem  ist  das  Ei  nirgends  wieder  erwähnt,  obwohl  es  kaum  übersehen  werden  kann. 
Sein  Auftreten  mag  daher  in  der  Tat  örtlich  und  zeitlich  äußerst  beschränkt  sein.  Die  vor- 
liegenden Befunde  lassen  es  am  wahrscheinlichsten  erscheinen,  daß  das  Ei  einer  nordischen 
Küstenform  angehört,  die  bei  Grönland,    Labrador,   Island  und  der  Nordküste  Schottlands  lebt 


J)  In   den   Tabellen   mich   als    »Berindete   Cyste«    bezeichnet. 


»lTmrin(k'te   ('vste«    Mensen^ 


35 


und    im  Sommer    ihre    schwimmenden  Eier    ablegt.     Nachstehend    gebe   ich  eine   Übersicht  der 
Fundorte   und   des  Auftretens  des  Eies: 


Fundorte. 


Datui 


Fahrt. 


Fang. 


Anzahl  der  Eier. 


1. 
2. 
3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

'.). 
10. 
11. 
12. 


Südliches  Kattegat 

X W.-X.i  rdsee  (58°  15  Hr..  0°70Ö.L 

»  (etwas  W.  von  2)   . 

Nördlich  der  Hebri den  .    .    .    . 


'  l  st  lieh   von   Rockall 


Z.    VIII. 

27.  vu. 
31.  vu. 
30.  vu. 
19.  vu. 

29.  vu. 


1885 
1885 
1885 
1885 
1885 
1885 


Nördlich  von  Rockall 
Südlich    Island    .    .    .    . 


Labradorstrom 


20.  vn. 
81.  vu. 

22.  vu. 
29.  vu. 


1885 
1885 
1885 
1885 


HOLSATIA 


Plankton-Expedition 
HOLSATIA 


Plankton-ExpeditLo 


0—30  m 

0-140  in 

0—140  m 

1 1     50  m 

0—100  m 

0—50  in 

0—200  in 

0—2500  in 

(PI   5),  0-400  m 

(PI.  7),  0     400  m 

(PI.  10).  0—400  m 

(PI.  19),  0— 200m 


34  Eier  im  Fang  oder  1,1  pro  m. 

192  »  »  »  »  1,3  »  » 

v.  »  >  »  »  0,0  »  » 

85  »  »  n  »  1.7  »  » 

927  »  »  »  »  9,3  »  » 

1209  »  »  »  »  24,2  »  » 

2278  »  »  »  »  11,4  »  • 

611  »  »  »  »  (?)  »  » 

98  »  »  »  »  0,5  »  » 

7  »  »  »  »  0,03  »  » 

v.  »  »  »  »  v.  »  » 

V.  »  "  »  »  V.  »  » 


Alle  Fänge  sind  mit  dem  großen  Vertikalnetz  aus  Müllergaze  Nr.  20  gemacht  und  daher  zur 
Vergleichung  der  Resultate  verwendbar.  Aus  den  Fängen  6  und  7  ergibt  sich,  daß  das  Ei 
in  den  Wasserschicliten  von  0 — -50  m  Tiefe  (24,2  Eier  pro  1  m  Wassersäule)  sehr  viel  zahlreicher 
war  als  in  den  Schichten  von  50 — 200  m  (7,0  Eier  pro  1  m  Wassersäule);  ich  habe  daher 
überall,  wo  Netzzüge  aus  mehr  als  200  m  Tiefe  gemacht  wurden,  bei  der  Umrechnung  der 
Eizahl  auf  die  Einheit  die  tieferen  Wasserschicliten  als  leer  angenommen.  Das  Ei  ist  bisher  also 
nur  nordwestlich  von  Schottland  häufig  gefunden  und  nur  im  Juli/ August 
beobachtet  worden. 

Eine  genauere  Untersuchung  der  »umrindeten  Cyste«  ergibt  sehr  bald,  daß  dieselbe  ein 
Ei  darstellt  und  also  ebenso  wie  die  »dornigen  Cysten«  aus  dem  Kreise  der  Cysten  ausscheiden 
muß.  Mit  Nadeln  läßt  sich  leicht  die  äußere  wabige  Hülle  loslösen,  und  man  erhält  dann 
ein  langgestrecktes  ovales  Ei,  das  von  einer  farblosen  Hülle  umschlossen  wird,  dessen  Inhalt 
aber  ein  metamer  gegliederter,  wurm-  oder  madenförmiger  Embryo  bildet.  In  2  Fällen,  wo 
die  Gliederung  deutlich  war,  zählte  ich  5  Glieder,  deren  Breite  vom  stumpfen,  breiten  Ende 
nach  dem  spitzen,  schmalen  Ende  hin  abnahm.  An  einem  Exemplar  traten  cilien-  oder 
borstenähnliche  Anhänge  an  dem  einen  Rande  der  Glieder  auf.  Mit  Haemalaun  ließen  sich 
noch  Zellkerne  nachweisen,  aber  weitere  Details  waren  an  dem  mir  zur  Verfügung  stehenden 
in  Glyzerin  aufbewahrten  Materiale  nicht  mehr  zu  erkennen.  Bei  einem  Embryo  war  auf  der 
einen  Seite,  dem  breiten  Rümpfende  etwas  genähert  ein  fett-  oder  ölartiger  kugeliger  Tropfen 
eingelagert.  Eine  schleierartig  zarte  Haut  umschloß  die  Embryonen.  Die  Eihüllen  waren 
gegen  wässerige  Farbmittel  sehr  undurchlässig,  sodaß  nur  mit  alkoholischen  Lösungen  und  auch 
hiermit  nur  ganz  geringe  Durchfärbungen  erreicht  wurden,  und  zur  schnellen  Färbung  stets 
der  Eiinhalt  frei  präpariert  werden  mußte.  Die  äußere  wabige  Hülle  macht  ganz  den  Eindruck 
einer  erstarrten  Schaumhülle;  die  Mehrzahl  der  Blasen  ist  groß  und  durchsetzt  die  ganze 
Schalendicke,  aber  in  den  Beiührungslinien  derselben  liegen  Scharen  kleiner  und  allerkleinster 
Bläschen.     Trotzdem    ist    die  Oberfläche    der    blasigen  Hülle    fast    glatt,    und    ihre  Gestalt   und 

Loh  man  n,   Eier   und   sogenannte  Cysten.     N. 


36  Loh  mann,  Eier  und  sogenannte   Cysten. 

Dicke  stets  eine  ganz  regelmäßige;  über  den  Seiten  und  dem  spitzen  Pole  des  Eies  ist  dieselbe 
von  nur  geringer  Dicke,  in  der  Nähe  des  stumpfen  Eipoles  aber  wird  sie  sehr  dick  und  bildet 
eine  leicht  zugespitzte  Kuppe.  Sonderbar  häufig  sind  an  dem  spitzen  Eipole  die  Blasen  so 
angeordnet,  daß  bei  Betrachtung  des  optischen  Längsschnittes  der  Anschein  einer  Lücke 
zwischen  ihnen  hervorgerufen  wird.  Hensen  ist  hierdurch  zu  der  Vermutung  gefühlt,  daß  die 
»unirindete  Cyste«  eine  Öffnung  besitze.  Aber  eine  Betrachtung  des  Poles  von  der  Fläche 
zeigt  die  Kontinuität  der  Hülle  und  auch  die  Eischale  selbst  ist  völlig  geschlossen.  Außerdem 
aber  springt  das  Ei  bei  dem  Ausschlüpfen  des  Tieres,  wie  viele  leere  Eier  zeigten,  an  einer 
beliebigen  Stelle  auf,  meist  seitlich  und  in  der  dem  abgerundeten  Pole  zugewandten,  mit  dünner 
Blasenhülle  bedeckten  Hälfte.  Dabei  scheint  die  Eihülle  durch  einen  langen  Riß  aufzureißen, 
die  wabige  Hülle  hingegen  nur  ein  unregelmäßiges,  relativ  kleines  Loch  zu  bilden. 

Die  blasige,  braune  Hülle,  die  dieses  auch  durch  seine  gestreckte  Gestalt  sehr  auffällige 
Ei  auszeichnet,  ist  wahrscheinlich  ein  Schwebapparat.  Hierfür  spricht  mir  besonders  die 
ungleiche  Stärke  der  Hülle,  die  nach  dem  breiteren  und  daher  wohl  auch  schwereren  Pole 
des  Eies  hin  mächtiger  wird,  nach  dem  spitzeren  Eipole  hin  abnimmt,  als  wenn  die  Masse  des 
Eies  durch  die  Größe  und  Zahl  der  Blasen  kompensiert  werden  sollte.  Die  Länge  des  Eies 
mit  Hülle  beträgt   130  m,   die  größte  Breite  80  m. 

Eine  Schleimhülle,   wie  sie  Hensen  beobachtete,  habe  ich  nicht  gefunden. 


3.  Ei  in  becherförmiger  Hülle. 

(Taf.  I  u.  V,  Fig.  6,  6a . ) 

Kugeliges  Ei  mit  weit  abstehender  beuteiförmiger  Außenhülle;  Durchmesser  der  kugeligen 
inneren  Hülle  30  n,  Länge  der  äußeren  Hülle  90  m-   —  Sargasso-See  und  Mittelmeer. 

Dieses  durch  seine  sonderbare  Gestalt  sehr  auffällige  Ei  hatte  zur  Zeit  der  Expedition 
ein  sehr  beschränktes  und  scharf  begrenztes  Verbreitungsgebiet  (Taf.  I),  da  es  sich  nur 
innerhalb  der  Sargasso-See  fand  und  auch  hier  nur  im  östlichen  Teile  zwischen  dem 
44.  und  34.°  W.  L.  häufig  war.  Dieses  letztere  Areal  ist  dasjenige,  welches  den  höchsten 
Salzgehalt  des  Wassers  (36,9  und  mehr  °/00)  aufweist;  anderseits  ist  die  Sargasso-See  zwischen 
dem  40.  und  50.°  W.  L.,  wie  ich  bereits  früher  gezeigt  habe  (1896,  Die  Appendicularien  der 
Plankton-Expedition,  p.  95  und  125 — 126),  ganz  allgemein  an  Auftrieb  sehr  arm,  so  daß  hier  das 
nur  vereinzelte  Vorkommen  dieses  Eies  nicht  von  besonderer  Bedeutung  ist.  Wie  genau  aber  die 
Verbreitung  auch  der  seltneren  Auftriebformen  durch  Vertikalzüge  festgestellt  werden  kann  und 
wie  außerordentlich  gleichmäßig  demnach  die  Verbreitung  der  Organismen  im  Meere  sein  muß, 
zeigt,  daß  auf  der  Rückfahrt,  2  Monate  später  wiederum  genau  bei  der  Durehquerung  dieses 
Gebietes  das  Ei  von  neuem  gefangen  wurde.  Da  schon  bei  der  Hinfahrt  im  August  an  dieser 
Stelle  die  Verbreitungsgrenze  lag,  und  auch  im  Oktober  nur  wenige  Individuen  gefangen  wurden, 
tritt  ein  Wechsel  im  Auftreten  nicht   hervor. 


Ei   in  becherförmige   Hülle. 


:J7 


Das  Auftreten  war  folgendes: 


Südl.  Grenze  d.   Floridastromes 
Sargasso-See: 

Westl.   auftriebreicher  Teil    .     . 


Zentr.  auftriebarmer  Teil 


Östl.  auftriebreicher  Teil 


Shition. 

[ndividuen- 
zahl. 

Salzgehalt  des   Ober- 
flächemvassers. 

18      . 

PI.    30 

36   Ind. 

36,l°/oo 

Salzgeli. 

»     31 

8      » 

36,0  » 

» 

■ 

»     38 

13      » 

36,4  » 

» 

»      39 

v      » 

:s6.4  » 

» 

»     40 

V         » 

36,4  » 

» 

•      •    <. 

»     42 

V        » 

—     » 

» 

»     43 

6      » 

—     » 

» 

»     44 

11      » 

—     » 

» 

»     45 

V        » 

—     » 

» 

»      46 

14      » 

36,85» 

» 

»      47 

8     » 

—     » 

» 

• 

»     4S 

79      » 

37,0    » 

» 

»     50 

78     » 

36,9  » 

» 

»      51 

115      » 

—     » 

» 

»      52 

224     » 

36,9  » 

» 

»      53 

73     » 

—     » 

» 

»      54 

146     » 

37,0  » 

» 

»      55 

(iii      » 

—     » 

» 

»    118 

v      » 

37.3    » 

» 

»    119 

V         » 

37.2    » 

» 

Es  dürfte  das  Ei  also  irgend  einem  typischen  Bewohner  der  Sargasso-See  zugehören, 
doch  vermag  ich  auch  nicht  einmal  eine  Vermutung  über  die  Tiergruppe  auszusprechen. 

Interessanterweise  kommt  das  Ei  auch  im  Mittelmeere  vor,  wo  ich  es  bei  Messina  am 
18.  September  1896  in  einem  Vertikalzuge  aus  270  m  mit  dem  mittleren  Planktonnetze  in 
13  Exemplaren  erbeutete.  Für  das  Netz  der  Expedition  würde  dies  einem  Fange  von  78  Exemplaren 
entsprechen.  Es  gehört  dieses  Ei  also  zu  den  wenigen  Organismen,  die  wie  Myxosphaera  coerulea 
(Brandt,  Ergebnisse  der  Plankton-Expedition,  Bd.  I,  p.  368,  369)  und  Liihoptera  fmestrata  J.  M. 
(Popofsky,  System  und  Faunistik  der  Acanthometriden  der  Plankton-Expedition,  1904,  p.  52/53) 
liisher  nur  im  Mittelmeer   und  in   der  Sargasso-See  gefunden  sind. 

Das  Ei  selbst  ist  von  einer  kugeligen,  farblosen,  deutlich  doppelt  konturierten  Hülle 
umgeben,  die  an  dem  einen  Pole  sich  scheibenförmig  verdickt.  Am  Rande  dieser  Verdickung 
setzt  sich  das  Ende  eines  Schlauches  an,  der  von  der  abgestutzten  Polfläche  der  weit  abstehenden 
äußeren  Hülle  seinen  Ursprung  nimmt  und  das  Ei  in  dem  Hohlräume  der  letzteren  aufhängt. 
Die  äußere  Hülle  ist  stets,  wenigstens  bei  den  konservierten  Exemplaren,  unregelmäßig  bienenkorb- 
förmig,  leicht  doppelt  konturiert,  farblos  und  von  feinen  Runzeln  dicht  überzogen.  Mit  Haemalaun 
färbt  sie  sich  intensiv,  während  Bismarckbraun  noch  nach  15  Stunden  keine  Färbung  bewirkt 
hatte.  Sie  läßt  sich  leicht  mit  Nadeln  abpräparieren.  Das  abgeflachte  Ende  ist  in  der  Mitte 
durchbohrt;  hier  mündet  der  Schlauch,   an  dem  das   Ei  aufgehängt   ist. 

Lohmann,   Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


38  Loh  man  n.   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


Vom  Zellinhalt  war  wenig  erkennbar;  er  bildete  eine  grobkörnige  kugelige  Masse,  die 
an  dem  einen  Pole  etwas  eingesunken  war  und  hier  leichte  Lappenbildung  zeigte.  Doch  kann 
das  natürlich  eine  Folge  von  Schrumpfungen  bei  der  Konservierung  sein.  Durch  Färbungen 
ließ  sich  nicht  mehr  genaueres  über  den  ursprünglichen  Bau  feststellen. 

Die  Länge  der  Außenhülle  schwankte  bei  3  Exemplaren  zwischen  80  und  90  (i;  der 
Breitendurchmesser  eines  Exemplars  von  84  n  Länge  betrug  54  u.  Voraussichtlich  dürfte  die 
Müllergaze  20  daher  noch  die  Mehrzahl  derselben  zurückhalten,  so  daß  die  oben  angeführten 
Zahlen  dem  wirklichen  Vorkommen  des  Eies  zur  Zeit  der  Expedition  entsprechen  dürften. 

Diesem  interessanten  Ei  in  bechei'förmiger  Hülle  schließen  sich  vielleicht  am  nächsten  jene 
Eier  an,  die  von  Hensen  als  Sternhaar-  und  Barbierbecken  Statoblast,  von  C 1  e v e  als  Fungeüa 
arct/ca,  von  Van  hoffen  als  »Chinesenhut«  beschrieben  sind. 


III.  Andere  als  Cysten  gedeutete  Formen,  die  wahrscheinlich 
selbständige  pflanzliche  Organismen  sind. 

l .  Pterospermaceen. 

Kugelige  Zellen  von  30 — 130  n  Durchmesser  mit  fester,  aber  nicht  verkieselter  oder 
verkalkter  Membran,  die  eine  oder  mehrere  senkrecht  der  Schale  aufsitzende  Membranen 
trägt.  Im  ersteren  Falle  bildet  die  Membran  einen  äquatorialen  Schwimmgürtel,  im  letzteren 
schneiden  die  verschiedenen  Membranen  sich  und  rufen  eine  Felderung  hervor.  Nach 
Behandlung  der  Schale  mit  Kupferoxyd-Ammoniak  tritt  eine  äquatoriale  Teilung  derselben 
in  zwei  Hälften  zu  Tage.  Wahrscheinlich  selbständige  pelagische  Organismen,  über  deren 
Zelleib  aber  noch  gar  keine  brauchbaren  Beobachtungen  vorliegen.  -  -  Atlantischer  Ozean.  - 
Warme  und  kalte  Ströme. 

Charakteristisch  sind  vor  allem  die  senkrecht  der  Schale  aufgesetzten  Membranen  oder 
Flügelleisten,  die  nicht  eine  unmittelbare  Fortsetzung  der  Schale  selbst  sind,  vielmehr  von  einer 
besondern  äußeren  Membran  gebildet  werden,  welche  bei  den  Pterosperma- Arten  gürtelförmig 
im  Äquator  die  Zelle  umspannt  (Taf.  VI,  Fig.  10),  bei  den  übrigen  Formen  hingegen,  welche 
mehrere,  sich  schneidende  Flügelleisten  besitzen,  die  ganze  Schale  umhüllt.  Ferner  zerfällt 
nach  Behandlung  der  Schale  mit  Kupferoxyd-Ammoniak  die  Schale  von  Pterosperma  und  Pfemphaera 
durch   eine   äquatoriale  Furche  in   zwei  Hälften   (Taf.  VI,   Fig.  11    und  Taf.  VII,   Fig.  2). 

Verschiedene  Umstände  deuten  darauf  hin,  daß  während  des  individuellen  Lebens  sich 
Umgestaltungen  des  Zelleibes  und  der  Schale  einstellen.  So  wurde  bei  Pterosphaera  bald  ein 
sehr  kleiner,  die  Schale  bei  weitem  nicht  ausfüllender  dichter  plasmatischer  Inhalt  beobachtet, 
während  in  anderen  Fällen  das  vakuolige  Plasma  die  Schale  vollständig  ausfüllte.  Auch  war 
die  Schale  selbst  bei  Pterosperma  atlanticum  meist  sehr  dünn  und  veränderte  bei  wechselweiser 
Umsetzung  aus  Glyzerin  in  destilliertes  Wasser  ihren  Durchmesser  ganz  auffallend  stark. 
aber  bei  wenigen  Individuen  fand  sich  eine  dicke,  homogene  und  unveränderliche  Schale 
(Taf.  VI,  Fig.  5,  7  u.  8). 

Noch  auffälligere  Veränderungen  müssen  bei  Pterosphaera  eintreten,  wo  die  Schale  gewöhnlich 
undurchbohrt  ist  (Taf.  VII,  Fig.  2),  aber  bei  einigen  wenigen  Exemplaren,  die  sonst  in  nichts 
von  den  übrigen  Exemplaren  abwichen,  in  jedem  durch  die  Membranen  abgegrenzten  Felde 
eine  große,  mit  einer  Manschette  umsäumte  Pore  trugen  (Taf.  VII,  Fig.  8). 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     X. 


40  Lohmann,    Eier  und   sogenannte   Cysten. 

Da  der  Zellinhalt  in  keinem  Falle  eine  genauere  Untersuchung  gestattete,  da  er  entweder 
bis  auf  Spuren  zerstört  oder  aber  durch  langes  Liegen  in  Glyzerin  verdorben  war,  so  können 
erst  künftige  Untersuchungen,  die  vor  allem  lebendes  Material  betreffen  müssen,  über  die 
Stellung  der  Pterospermaceen  im  System  und  die  Bedeutung  dieser  verschiedenen  Bildungen 
Aufschluß  geben. 

Der  erste,  welcher  Pterospermaceen  beschrieben  hat.  ist  Hense n.  In  seinem  Werke 
über  das  Plankton  (1887)  (5.  Ber.  d.  Kommission,  p.  67,  Taf.  IV,  Fig.  28)  bildete  er  einen 
kleinen  kugeligen,  beschälten  Organismus  ab,  dessen  Schale  äquatorial  von  einer  radial  abstehenden 
breiten  Membran  umgürtet  wird.  Da  er  die  merkwürdige  Form  als  Vermehrungszustand  von 
Bryozoen  ansah,  nannte  er  sie  Statoblast  und  wegen  der  wellig  gebogenen  Form  der  Membran 
»welligen  Statoblast«.  Auch  unterschied  er  noch  eine  zweite  Form  als  »körnigen  Statoblast« 
(eod.  loco,  p.  67).  Eine  Reihe  anderer  Organismen,  die  er  ebenfalls  zu  den  Statoblasten  stellte, 
haben  sicher  keine  nähere  Verwandtschaft  mit  diesen  beiden  Formen,  sondern  stellen  Bier 
irgend  welcher  wirbellosen  Tiere,  wahrscheinlich  von  Mollusken  dar  (vergl.   p.  38). 

1894  beschrieb  dann  Pouch  et  zwei  sehr  ähnlich  gebaute  Organismen  aus  dem  Nord- 
meere  unter  dem  Namen  Pterosperma  rotundum  und  ovatum  (Voyage  de  la  Manche,  p.  178,  An- 
merkung und  Fig.  18A,    18B). 

Vanhöffen  fand  ebenfalls  in  nordischen  Gewässern  einen  anderen  hierher  gehörenden 
Organismus,  den  er  aber  als  »Krausenei«  abbildete  und  beschrieb  (Grönland-Expedition  d. 
Gesellsch.  f.  Erdkunde,  Berlin  1897,  Bd.  2.  Teil  1,  p.  301,  Taf.  6,  Fig.  4).  Im  Gegensatze  /u 
den  von  Hensen  und  Pouch  et  beobachteten  Formen  war  hier  die  Schale  von  mehreren, 
sich  schneidenden  Membranen  umgürtet,  so  daß  dreiseitige  Felder  von  ihnen  abgegrenzt  und 
umschlossen  wurden.  Jörgensen,  der  1899  an  der  norwegischen  Küste  Auftriebformen 
untersuchte,  fand  eine  diesem  »Krausenei«  nahestehende  Form  mit  polygonalen  Feldern,  erkannte 
ihre  Zusammengehörigkeit  mit  dem  Hensen  sehen  welligen  und  gekörnelten  Statoblasten  und 
schuf,  da  er  beide  für  selbständige  Organismen  hielt  und  Pouchet's  Beschreibungen  nicht 
kannte,  eine  neue  Gattung:  Pterosphaera  für  sie  (Bergens  Museum,  Aarbog  1899,  Nr.  6, 
p.  48).  Beide  Formen  sowie  eine  dritte  Art  beobachtete  er  lebend  und  konstatierte,  daß  der 
Schaleninhalt  gelbgrün  war;  doch  konnte  er  weder  Chromatophoren,  noch  Kern  auffinden. 
Er  nahm  an,   daß  die  Pterosphaeren  einzellige,  Halosphaera  nahestehende  Algen  seien. 

Ostenfeld  erklärte  1901  mit  Recht  den  Gattungsnamen  Pterosphaera  für  ungültig, 
und  führte  wieder  den  älteren  Po  uch  et  sehen  Namen  Pterosjjerma  ein.  Gleichzeitig  beschrieb 
er  mehrere  neue  Arten. 

Lemm ermann  stellte  1903  auch  diese  Formen  zusammen  mit  den  »Dornigen  Cysten« 
in  die  Kützingsche  Palmellaceen-Gattung  Trochiscia  (Nordisches  Plankton,  2.  Lfg.,  XXI. 
p.  18 — 19),  ein  ganz  unglücklicher  Gedanke,  der  sich  nur  aus  ganz  oberflächlichen  Überein- 
stimmungen verstehen  läßt,  und  wobei  die  tiefgreifenden  Unterschiede  in  dem  Bau  der  Schale 
aller  der  verschiedenen  Formen,  die  Lemm  er  mann  in  diese  eine  Gattung  zusammenwirft, 
vollständig  ignoriert  werden.    Alle  echten  Trochiscien  haben  eine  dicke  Schale,  die  solide  Warzen, 


Pterospermaceen.  41 


Dornen,  Stacheln  oder  Lamellen  trägt,  während  bei  allen  jenen  Formen  die  Schale  sehr  dünn 
ist  und  hohle  Fortsätze  oder  membrandünne  Lamellen  besitzt.  Ferner  teilt  sich  der  Schalen- 
inhalt der  echten  Trochiscien  wiederholt  in  der  Mutterschale  und  die  letztere  verflüssigt  sich, 
um  die  Tochterindividuen  frei  zu  geben,  während  bei  jenen  Meeresformen  entweder  wie  bei  den 
Eiern  der  Inhalt  die  Schale  mit  einem  klaffenden  Riß  sprengt  oder  in  feinen  Spalten  oder  Löchern 
die   Schale  verläßt,   letztere  aber  stets  Form   und  Konsistenz   unverändert  behält. 

Pterosperma  wird  daher  als  Gattungsname  beibehalten  werden  müssen.  Es  dürfte  sich 
nur  fragen,  ob  es  nicht  geboten  erscheint,  die  hierher  gehörenden  Formen  in  mehrere  Gattungen 
zu  verteilen. 

Zunächst  weicht  P.  labyrinthus  Ostenfeld  durch  die  Bildung  seiner  Flügelleisten  stark  von 
allen  anderen  Arten  ab;  unter  diesen  letzteren  aber  besteht  wiederum  ein  erheblicher  Unterschied, 
je  nachdem  nur  eine  äquatoriale  Membran  oder  mehrere  sich  schneidende  Membranen,  die  eine 
eigentümliche  Maschenbildung  bedingen,  ausgebildet  sind.  In  dieser  2.  Gruppe  wieder  nimmt 
zweifellos  P.  vanhöffeni  durch  die  Anordnung  der  Lamellen  nach  dem  System  der  Kanten  eines 
Tetraeders  eine  sehr  isolierte  Stellung  ein. 

Ich  schlage  daher  vor.  innerhalb  der  Familie  der  Pterospermaceen  folgende  3  Gattungen 
zu  unterscheiden : 

A.  Flügelleisten    eine    einfache    Membran    bildend: 

1.   Pterosperma  Pouchet:   Schale   mit,  nur   einer  sie   rings   umgürtenden   Flügelleiste. 

'1.   Pterocystis   nov.  gen.:    Schale   mit  wenigen  sich  schneidenden   Membranen,    die   dreiseitige   Felder  abgrenzen. 
:!.   Pterosphaera  Joerg.  (Lohm.):  Schale  mit  vielen  sich  schneidenden  Membranen,  die  vierseitige  oder  polygonale 
Felder   abgrenzen. 

B.  Flügelleisten  im  Querschnitt   T-förmig,   indem  ihr  freier  Rand  sich  bandartig  verbreitert: 

4.   PterOCOCCUS   nov.  gen. :   Schale   mit   vielen,   polygonale   Felder  begrenzenden  breiten  Leisten. 

1.  Gattung  Pterosperma  Pouchet. 

Schale  mit  einer  äquatorialen  Flügelleiste,  die  radial  von  der  Schale  absteht  und  fast 
stets  wellig  gebogen  ist.  Die  offenbar  als  Schwebapparat  dienende  Membran  scheidet  durch 
ihre  Ansatzlinie  die  Schale  in  eine  obere  und  untere  Hälfte,  die  unter  bestimmten  chemischen 
Einflüssen  aber  auch  normalerweise  (wahrscheinlich  in  besonderen  generativen  Zuständen) 
auseinanderweichen,  und  dann  nur  durch  eine  gürtelförmige  zarte  Membran  verbunden  bleiben. 
Wahrscheinlich  leiten  sie  eine  Teilung  ein.  Zustände  mit  Offnungen  in  der  Schale  sind  nicht 
beobachtet.  --  Schalendurchmesser  50 — 95  u.  —  Gebiete  der  warmen  Ströme  und  deren  Ausläufer. 

Pouch  ets  erste  Beschreibungen  und  Abbildungen  (Nouvell.  Arch.  d.  miss.  scientif.,  S.  5, 
p.  178,  Fig.  SAB)  sind  sehr  dürftig  und  da  auch  keine  Größenangaben  gemacht  sind,  wird  auf 
seine  Arten  kein  großer  Wert  gelegt  werden  dürfen.  Pterosperma  rotundum  hat  eine  kugelige, 
P.  ovatum  eine  gestreckt  eiförmige  Schale.  Beide  werden  von  einer  Flügelleiste  umgeben,  die 
durch  3  oder  4  stachelförmige  Hippen  verstärkt  wird.  Nach  den  Skizzen  sind  diese  Verstärkungen 
auf  2  Orte  verteilt,  die  einander  diametral  gegenüberstehen  und  bei  P.  ovatum  die  Pole  der 
Längsachse  einnehmen.     Bei  P.  rotundum  ist   die  Flügelleiste  sehr  schmal  ('/7   des  Schalendurch- 

Lo  hm  an  u,   Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


4"J  Lohmann,  Eier  und   sogenannte   Cysten. 

messers)  und  mit  einer  haldmondförmigen  Falte  versehen,  die  auf  eine  pathologische  Verbildung 
derselben  schließen  läßt,  wie  sie  auch  sonst  bei  Pterosperma  beobachtet  wird  (Taf.VI,  Fig.  6).  Ob  die 
Kippen  übrigens  wirklich  Verstärkungen  sind  oder  nicht  vielmehr  durch  Faltungen  vorgetäuscht 
sind,   wird   sich  schwerlich  mit  Bestimmtheit   sagen  lassen. 

Hensen  beschrieb  1886  zwei  hierher  gehörige  Formen  als  »wellige  Statoblasten« 
(5.  Ber.  d.  Kommission,  p.  67  und  Taf.  4);  die  eine  derselben  wurde  auf  Tafel  4,  Fig.  28  und  29 
abgebildet  und  im  Skagerrak  (1137  Exemplare  pro  Quadratmeter  Oberfläche,  20  Exemplare 
pro  10  Kubikmeter,  98  im  Fang)  am  26.  Juli  1885  gefangen.  Die  kugelige  Schale  maß  zirka 
84  \x  im  Dui'chmesser,  die  Flügellamelle  war  etwa  53  m  breit  und  sehr  regelmäßig  wellig  gefaltet. 
Die  2.  Form  wurde  im  Ozean  beobachtet,  aber  leider  nicht  abgebildet.  Sie  soll  der  vorigen 
ähnlich  gewesen  sein,  »nur  hatte  sie  nicht  die  Körnelung  der  Oberfläche«.  Wahrscheinlich 
handelt  es  sich  in  beiden  Formen  nur  urn  gekörn elte  und  ungekörnelte  Individuen  ein  und 
derselben  Art,  die  später  von  Jörgen  sen  Pterosphaera  moebiusi  genannt  ist  (Bergens  Museum, 
Arbog,    1899,   Nr.  6,   p.  47). 

Ostenfeld  fand  im  Koten  Meere  eine  weitere  Art,  die  durch  eine  sehr  schmale,  aber 
ebenfalls  wellig  gebogene  Flügelleiste  ausgezeichnet  war  [P.  undulatum  Ostenfeld,  Naturh.  Forening 
Kjobenhavn  1901,  p.  152,  Fig.  5). 

Auf  der  Plankton-Expedition  wurden  Pterospermen  fast  überall,  wenngleich  nie  in  großer 
Zahl,  beobachtet  (Taf.  III,  cfr.   p.  42—43). 

Die  Durchsicht  der  während  der  Zählungen  ausgesuchten  Exemplare  ergab,  daß  man 
außer  der  Breite  der  Flügelleiste  und  der  Größe  der  Schale  noch  die  Befestigung  der  Flügel- 
leiste auf  der  Schale  zur  Artunterscheidung  herbeiziehen  kann;  dieselbe  wird  nämlich  von  einem 
die  Schale  umgürtenden  Bande  getragen,  das  entweder  sehr  zart  und  von  der  übrigen  Schale 
nicht  abgesetzt  ist,  oder  aber  kräftig  entwickelt  erscheint  und  mit  seinen  etwas  von  der  Schale 
abgehobenen  Kändern  sehr  deutlich  li ervortritt.  Da  diese  Verschiedenheiten  bei  der  Teilung 
und  Fortpflanzung  eine  Rolle  spielen  dürften,  ist  anzunehmen,  daß  sie  gute  Artcharaktere  bilden. 

Sehen  wir  daher  ab  von  P.  rotundum  Pouchet,  das  möglicherweise  mit  P.  undulatum  Ostf. 
identisch  sein  mag,   so  erhalten  wir  folgende  Artenübersicht: 

I.  Schale  elüpsoidisch 1.  P.  ovatum   Pouchet  '|. 

II.   Schale   kugelig : 

1.  Gürtelband  stark  hervortretend ;  Schalenduixhmesser  erheblich  größer  als  die  Flügelleiste  breit : 

a)  Membran  nur  wenig  breiter  als  das  Gürtelband;   Schale   90 — 95  ju  Durchmesser  .     .     2.  P.  undulatum  Ostf. 

b)  Membran   erheblich  breiter  als   das   Gürtelband:   Schale    70  —  90  |a  Durchmesser      .     .     3.   P.  atlanlicum   n.  sp. 

2.  Gürtelband    sehr    zart,    von    der   Schale  nicht  abgesetzt:    Schalendurchmesser  gleich   oder 

kleiner   als   die   Breite   der  Flügelleiste.      Schale   50 — 90  |H  Durchmesser 4.   P.  moebius;  Jörg. 

1.   P.  OVatum   Pouchet, 

1894,  /'.  ovatum  Pouchet,  Voyage  de  La  Manche  ä  l'ile  de  Jan  Mayen  et  au  Spitzberg  (Nouvelles  Arch.  des 
amiss.  soientif.  t.  V,  p.  178,  Fig.  18B). 

1903,    Trachisan   ovata   (Pouchet)   Lemmermann,  Nordisches  Plankton,  XXI,    18,   Fig.  62. 


r)   Vielleicht    gehört    hierher   eine   neue   von   Cleve    P.  ohlongum  n.  sp.   genannte  Art  aus   der  Barents-See,    die 
aber  noch  nicht  beschrieben  ist  (Internat.  Meeresforschung,  Terminfahrt  August  1903,  Rußland,  70°  30'  N.  Br.,  36°  37'  O.  L.). 


Pterospermaceen.  43 


Schale  langgestreckt  ellipsoidrsch ;  Flügellamelle  breit  (wahrscheinlich  an  dem  abgebildeten 
Exemplare  zerfetzt).     Größe  nicht  angegeben.  —  Dyrefjord. 

2.  P.  undulatum  Ostenfeld. 

(Taf.  VI,  Fig.  4,  14,  16.) 

1901,  P.  undulatum   Ostenfeld   und  Schmidt,  Viel.  Medd.  naturh.  Forening  Kobenhavn,  p.  151/152,  Fig.  5. 
L903,    Trockiseia   undulata,   Lemmermann  in:  Abhandig.  Naturw.  Verein  Bremen,   Bd.  17,  Heft   2.  p.  349. 

Schale  kugelig;  Flügellamelle  sehr  schmal,  nur  wenig  breiter  als  das  kräftige  Gürtelband. 
Schalendurchmesser  45 — 95  p. 

Ostenfeld  fand  diese  Art  im  Roten  Meere  und  im  Golf  von  Aden  (im  Mai  und  Nov.). 
Auf  der  Plankton-Expedition  wurde  sie  bei  den  Kapverden  in  PI.  63,  64  und  65  beobachtet. 
Merkwürdig  ist  der  starke  Größenunterschied:  während  Ü  stenfeld  nur  Schalen  von  45 — 50  |u 
Durchmesser  beobachtete,   waren   die  Exemplare  von  den   Kapverden   90 — 95  p.  groß. 

3.  P.  atlanticum  nov.  sp. 

(Taf.   VI.    Fig.  1,  3,  6,  9,  10.) 

Schale  kugelig;  Flügellamelle  breit,  jedenfalls  erheblich  breiter  als  das  kräftige  und  stark 
hervortretende  Gürtelband.     Schalendurchmesser  70 — 90  M-. 

Diese  neue  Art,  die  wahrscheinlich  meist  mit  unter  P.  moebiusi  aufgeführt  ist,  wurde 
während  der  Plankton-Expedition  im  Nordäquatorialstrom  (PI.  65)  und  im  Südätpiatorialstrom 
(PL  79  u.  94)  beobachtet.  Da.  sie  aber  während  des  Aussuchens  nicht  von  der  folgenden  Art 
unterschieden   wurde,    ist    es  möglich,    daß   ihre  Verbreitung  eine  viel  allgemeinere  gewesen  ist. 

4.  P.  moebiusi  Jörgens. 

(Taf.  VI,  Fig.  2,  5.  7.  8,  11  —  13.  15,  15a.) 

1887,  »Welliger  Statoblast«    Hensen,   Plankton  i.  Kommissionsbericht   1882  — 1886.   p.  67,   Taf.  4.   Fig.  28  u.  29. 

1899,  PterospJiaera  moebii  Jörgensen,  Bergens  Mus.  Aarbog  Nr.  6,  p.  48. 

191(0,  Cysta  limbata   Cleve,   Kgl.  Svensk.  Vet.  Ak.  Handlgr.,   Bd.  34,  Nr.  1,  p.  18,  Taf.  4,  Fig.  15. 

1901,  Pterosperma   moebii  (Jörg.)   Ostenfeld,  Vid.  Medd.  naturh.  Forening  K^benhavn,   p.  151. 

L903,  Trocliiscia  moebümi  (Jörg.)  Lemmermann,  Nordisches  Plankton,  XXI,  p.  18,  Fig.  64  u.  65. 

Schale  kugelig;  Flügellamelle  sehr  breit,  meist  größer  als  der  Schalendurchmesser, 
wenigstens  ihm  gleich.  Gürtelband  sehr  zart,  von  der  Schale  nicht  abgesetzt.  Schale  50 — 90  m 
im   Durchmesser. 

In  der  Ostsee  fehlt  P.  moebiusi  Jörgens;  sie  ist  aber  bereits  im  Großen  Belt  bei  den 
internationalen  Meeresforschungen  gefunden  (Febr.  1903);  durch  diese  Untersuchungen  wurde 
ferner  ihr  Vorkommen  im  Kattegat,  Skagerrak,  Nordsee,  Nordmeer  bis  zum  70.°  N.  Br.  und 
im  Kanal  (Mai  1903)  nachgewiesen.  Ostenfeld  beobachtete  P.  moebiusi  im  Nordatlantischen 
Ozean  zwischen   57°  59'  und   63°   15' N.  Br.   und  2°   18'  bis  43°  34'  W.  L. 

Bemerkenswert  ist.  daß  die  Art  meist  nur  in  wenigen  Exemplaren  gefunden  wird ;  nur 
zweimal  wird  sie  in  den  Tabellen  der  Ergebnisse  der  internationalen  Meeresforschung  als  häufig 
bezeichnet    (im  Febr.  1903    an    einer  Station    des  Nordmeeres   61"  N.  Br.  und  4"  0.  L.  und  im 

Loh  mann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     >\ 


4-4  Loh  man  n,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


August  an  einer  Station  der  Nordsee  56°  47'  N.  Br.   und  6°  3'  Ö.  L.).     Im  Skagerrak  sowohl  wie 
im  Nordatlantischen  Ozean  scheint  sie  das  ganze  Jahr  hindurch  vorzukommen. 

Während  der  Plankton-Expedition  wurde  sie  fast  im  ganzen  Gebiete  der  Fahrtlinie 
gefunden  (Taf.  III)  ;  nur  im  westlichen  Teile  der  Irminger  See  vor  der  Mündung  der  Davisstraße  und 
östlich  der  Südspitze  Grönlands,  sowie  an  der  Mündung  des  Amazonenstromes  fehlte  sie  voll- 
ständig. Brackwasser  und  das  Wasser  der  polaren  Ströme  setzen  ihrer  Verbreitung  eine  Grenze; 
mit  den  Ausläufern  des  Golfstromes  geht  P.  moebiusi  aber  bis  zum  70°  N.  Br.  im  Nordmeere 
und  bis  in  die  Barents-See  hinauf.      In  der  Davisstraße  ist  es  dagegen  nicht  beobachtet. 

Die  größte  Individuenzahl  wurde  in  PI.  4  südlich  der  Faröer  gefunden,  wo  im  Fang 
360  Individuen  enthalten  waren;  meist  belief  sich  die  Zahl  auf  weniger  als  40,  in  dem  ganzen 
zentralen  Gebiete  zwischen  der  Neufundlandbank,  den  Bermuden,  Azoren  und  Kapverden  sogar 
auf  weniger  als   10  im  Fang. 

Ostenfeld  hat  P.  moebiusi  auch  im  Koten  Meere  beobachtet,  wo  sie  ebenfalls  selten  war. 

2.  Gattung  Pterocystis  Lohm. 

Schale  mit  einer  Mehrzahl  von  Flügelleisten,  die  dreiseitige  Felder  umschließen, 
im  übrigen  aber  derjenigen  von  PterosjJenna  und  PierospJiaera  nach  Stellung  und  Form  vollständig 
gleichen.  Ob  eine  Trennungslinie  der  Schale  in  2  Hälften  durch  Keagentien  sichtbar  zu  machen 
ist,  konnte  aus  Mangel  an  Material  nicht  untersucht  werden.  Zustände  mit  Öffnungen  in  der 
Schale  sind  nicht  beobachtet.  —  Nur  eine  Art  aus  dem  Norden  des  atlantischen  Beckens  bekannt, 
deren  Schalendurchmesser  zwischen  45   und    130  y.  schwankt. 

P.  vanhöffeni  (Jörgensen)  Lohm. 
(Taf.  I,  VII,  Fig.  10.) 

1897,  »Krausenei«,  Vauhöffen,  Fauna  und  Flora  Grönlands  in:  Grönland-Expedition  d.  Gesellsch.  f.  Erdk.  zu 
Berlin,   Bd.  2.   Teil  I,   Taf.  VI,  Fig.  4   und   p.  301. 

1899,   Pteivsphaera  vanJweffeni,  Jörgensen,  Bergens  Mus.  Aarbog  1899,  Nr.  6,  p.  47. 

1901,  Pterosperma   vanhoeffeni  (Jörgens.)   Ostf.,  Ostenfeld,  Vid.  Medd.  naturh.  Forening,  Kobenhavn.   p.  151. 

1903,    Trochiscia  vanlioeffeni  (Jörgens.)  Lemm.,  Lemmermann,  Nordisches  Plankton,  XXI.  p.  19. 

Schale  kugelig  und  von  6  Flügelleisten  überzogen,  welche  wie  die  Kanten  eines  Tetraeders 
angeordnet  sind,  so  daß  4  dreieckige  Felder  abgegrenzt  werden.  Durchmesser  der  Schale 
45  — 130  M-,  Breite  der  Flügelleisten  16 — 25  n.  Weit  verbreitet  im  Norden  des  Atlantischen 
Ozeans;  bis  zum  70°  N.  Br.  nachgewiesen;  südlich  von  48°  N.  Br.  bisher  nicht  gefunden.  Da 
überall  selten,  so  ist  es  nicht  ausgeschlossen,  daß  ihre  Heimat  im  warmen  Gebiete  liegt. 

Zuerst  beobachtet  wurde  diese  sehr  charakteristische  Art  auf  der  Plankton-Expedition  südlich 
von  Island  in  der  Irminger  See  (PI.  16,  60°  N.  Br.  und  27 °W.  L.,  Taf.  I);  doch  ist  sie  zuerst 
von  Vanh  offen  beschrieben,  der  sie  auf  der  Hin-  und  Rückreise  der  Grönland-Expedition  in 
der  Davisstraße  beide  Male  fast  in  gleicher  Breite  (19.  Juni  1892,  etwas  südlich  64°  N.  B.  und 
ca.  58°  W.  L.;  9.  Sept.  1893,  etwas  nördlich  64°  N.  Br.  und  ca.  55°  W.  L.)  antraf  und  als 
»Krausenei«    abbildete    und   kurz  beschrieb.     Wie  der  Name  erkennen  läßt,    hielt  Vauhöffen 


Pterospermaceen.  45 


den  Organismus  für  ein  Ei;  auch  sah  er  nur  3  meridional  verlaufende  Krausen  und  glaubte, 
daß  dieselben  an  beiden  Pulen  sich  unter  einem  Winkel  von  je  120°  vereinigten.1)  Jörgensen 
fand  P.  vanhoeffeni  dann  an  der  Westküste  Norwegens  in  den  Fjorden  der  Umgegend  von  Bergen 
und  in  dem  vorgelagerten  Nordmeere  wieder,  erkannte  die  eigenartige  Anordnung  der  Membranen 
und  stellte  sie  nebst  Formen  von  Pterosphaera  und  Pterosperma  zu  den  Halosphaeren.  Gleichzeitig 
nannte  er  die  Form  nach  ihrem  ersten  Beschreibe!'.  P.  vanhoeffeni  ist  außer  in  der  Davisstraße, 
im  Nordatlantischen  Ozean  und  an  der  Norwegischen  Küste  auch  noch  im  Nordmeere  bis  zu 
70°  3'  N.  Br.  (2°  15'  W.  L.),  sowie  im  Barents  Meere  durch  die  internationalen  Meeres- 
forschungen nachgewiesen.  Ostenfeld  erhielt  sie  ferner  aus  dem  ganzen  nordatlantischen 
Gebiete  zwischen  3°  22'  und  48°  29'  W.  L.  und  zwischen  58°  L2'  und  64°  20' N.  Br.  Aus 
südlichen  Gebieten  liegen  nur  wenige  Angaben  vor;  die  Plankton-Expedition  fand  im  ganzen 
übrigen  Teile  des  Atlantischen  Ozeans  kein  Exemplar  wieder ;  bei  den  internationalen  Meeres- 
forschungen wurde  sie  in  der  nördlichen  Nordsee  (nördlich  von  56°  N.  Br.),  im  Skagerrak, 
Kattegat  und  im  Großen  Belt  (Febr.  1903,  55°  1'  N.  Br.)  gefunden,  während  sie  in  der  Ostsee 
selbst  nie  beobachtet  wurde.  Außerdem  soll  sie  im  Febr.  1903  im  Kanal  und  bei  48°  34' N.  Br. 
und   5°  13' W.  L.   gefangen  sein.      Dies  würde  der  südlichste  Fundort  sein. 

Bemerkenswert  ist  das  Auftreten  auf  hoher  See  in  den  Ausläufern  des  Golfstromes,  sowie 
ihr  Vorkommen  während  des  ganzen  Jahres  nicht  nur  an  den  Küsten  Norwegens  (nur  im 
Jan.,  März,  Juni,  Aug.  nicht  beobachtet,  was  bei  der  Seltenheit  der  Form  nicht  von  Belang 
ist),  sondern  auch  im  Atlantischen  Ozean  selbst  (Ostenfeld;  nur  im  Mai,  Juni,  Nov.  nicht 
gefangen).  Auffällig  erscheint,  daß  P.  vanhoeffeni  immer  nur  in  einzelnen  Exemplaren  und  nie 
in  größerer  Anzahl  beobachtet  worden  ist.  In  auftriebarmen  Meeresteilen  könnte  die  durch- 
schnittliche Kleinheit  (Jörgensen  gibt  nur  47 — 53  \x  als  Durchmesser  der  Schale  an)  dies 
zum  Teil    erklären;    aber  gerade    in   den   nordischen  Meeren   reicht   diese  Erklärung  nicht    aus. 

3.  Gattung  Pterosphaera  Joerg.  (Böhm.) 

Schale  mit  einer  Mehrzahl  von  Flügelleisten,  die  vierseitige  oder  polygonale 
Felder  abgrenzen,  im  übrigen  aber  den  Flügelleisten  der  übrigen  Pterospermaceen  gleichen. 
Die  Schale  teilt  sich  in  Kupferoxydammoniak  durch  eine  äquatoriale  schmale  gürtelförmige  Zone 
in  2  Hälften;  in  der  Natur  ist  eine  solche  Halbierung  noch  nicht  beobachtet.  Bei  einer  Art 
sind  hingegen  Schalen  gefunden,  bei  denen  jedes  Feld  im  Zentrum  von  einer  großen  Öffnung 
durchbrochen  ist  (Tai.  VII,  Fig.  8). 

Jörgensen  stellte  1899  diese  Gattung  auf,  in  die  er  alle  Pterospermaceen  einschloß; 
da  für  die  Formen  mit  nur  1  Flügelleiste  bereits  von  Pouchet  1894  der  Gattungsname 
Pterosperma  eingeführt  war  und  die  Arten  mit  dreieckigen  Feldern  in  die  neue  Gattung  Pterocystis 
gestellt  werden,  so  bleiben  für  die  Jörgensensche  Gattung  nur  jene  Arten  übrig,  bei  denen 
vier-  oder  mehrseitige  Felder  auf  der  Schale  abgegrenzt  werden.     Jörgensen  selbst  beschrieb 

])  Ich  hatte  Gelegenheit,  die  von  Vanhöff  en  gefundenen  Exemplare  nachzuuntersuchen  und  ihre  Identität  mit 
den   von   der   Plankton-Expedition  und  von   Jörgensen   erbeuteten   Exemplaren  festzustellen. 

Lohmann,  Eier  und   sogenannte  Cysten.     N. 


46  Lohmann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


nur  eine  solche  Art:  P.  dictyon,  anscheinend  die  häufigste  und  verbreitetste  Form;  später  (1901) 
fand  Ostenfeld  im  Roten  Meere  2  andere  Arten,  die  er  P.  polygonum  und  reticulalum  nannte, 
und  1903  beschrieb  er  eine  4.  Art  (P.  labyrinthus)  von  den  Faröern,  die  aber  in  ihrem  Bau  von 
allen  anderen  Pterospermaceen  derart  abweicht,  daß  sie  zweifellos  eine  besondere  Gattung 
erfordert.  So  bleiben  also  3  Arten  übrig,  von  denen  aber  eine  (P.  polygonum)  nur  als  zweifelhaft 
berechtigt  gelten  kann.  Zu  ihnen  kommt  eine  neue  Art  der  Plankton-Expedition.  Dieselben 
unterscheiden  sich  folgendermaßen  : 

I.   Wenige    große,    vier-    oder    mehrkantige   Maschen    durch   die   Flügel- 
la m  e  1 1  e  n   gebildet: 

1.  Die    Lamellen     bilden     2     polare    fünfeckige    Waschen,    die    durch    5    viereckige, 

meridional   gestellte   Felder  verbunden  werden 1.   P.  nationalis  nov.  sp. 

2.  Die  Lamellen  bilden   2   polare   viereckige  Maschen,   die   durch  eine   dopj)elte  Keihe 

von  je   4  Fünfecken  verbunden  werden 2.  P.  dictyon  Jörgens. 

3.  Die   Lamellen   bilden  nur  vieleckige   Mascheu   (10 — 12): 3.    P.  polygonum  Ostenf. 

IL  Viele  kleine  vieleckige  Maschen  durch  die  Flügellamellen  gebildet:     4.    P.  reticulatum   Ostenf. 

l.  P.  nationalis  nov.  sp. 

(Taf.  VII,  Fig.  2,  2»,  9.) 

Schale  kugelig ;  die  breiten  Lamellen  bilden  2  polare  Fünfecke  und  5  meridional  gestellte 
Vierecke.  Durchmesser  der  Schale  80  m.  —  Brasilianische  Küste,  vor  der  Mündung  des  Amazonen- 
stromes (PL  112). 

2.   P.  dictyon   Jürgens. 
(Taf.  VII,  Fig.  7,  8C.) 

1899,  Pterosphaera  dictyon,  Joergensen  in:    Bergens  Mus.  Aarbog,  Nr.  6,  p.  48,  Taf.  V,  Fig.  27,   28. 
1901.    Pterospernia   dictyon   (Joergensen),   Ostenfeld  in:   Vid.  Medd.  Nath.  Forenmg  Kobenhavn,  p.  151. 
1903,   Trochiscia  dictyon  (Joergensen),  Lemmermann  in:  Xord.  Plankton,   2.  Liefg.,   XXI.  p.  19,  Fig.  67.) 

Schale  kugelig;  die  Lamellen,  in  den  einzelnen  Individuen  von  sehr  verschiedener  Breite, 
bilden  2  polare  Vierecke  und  2  äquatoriale  Doppelreihen  von  je  4  alternierenden  Fünfecken. 
Durchmesser  der  Schale  56 — 100  n  (ohne  die  Flügelleisten).  Neben  den  geschlossenen  Schalen 
kommen  aucli  solche  vor,  bei  denen  das  Zentrum  eines  jeden  Feldes  von  einer  großen,  von 
einem  manschettenartigen  Kragen  umsäumten  ( »thiung  durchbrochen  ist  (Taf.  VII,  Fig.  8).  — 
Floridastrom,  Nord-  und  Südäquatorialstrom  und  Guineastrom ;  Nordsee,  Skagerrak,  Nordmeer 
bis  zum   61°  34' N.  Br.   und  2°  5'  Ö.  L. ;  fehlt  im  Kattegat  und  in  der  Ostsee. 

Im  Mai  und  August  ist  P.  dictyon  in  der  Nordsee  nach  den  Ergebnissen  der  internationalen 
Meeresforschungen  häufig;  zum  Teil  sogar  sehr  häufig,  aber,  Avie  es  scheint,  sehr  viel  nur  als 
leere  Schalen.  Doch  beobachtete  Jörgensen  noch  bei  Bergen  lebende  Individuen  mit  gelb- 
grünem Zellinhalte.  Im  übrigen  Jahre  ist  sie  nur  vereinzelt  beobachtet.  —  Die  Plankton- 
Expediton  (Taf.  I)  fand  die  Art  nie  häufig-  und  nur  im  Gebiete  der  warmen  atlantischen  Ströme, 
vor  allem  in  dem  Gebiete  zwischen  den  Kapverden  und  Ascension;  in  der  ganzen  Sai'gasso-See 
wurde  kein  einziges  Exemplar  gefunden.  —  Wiederholt  fand  die  Plankton- Expedition  große 
Exemplare  mit  den  oben  erwähnten  Offnungen  im  Zentrum  der  einzelnen  Felder ;  während  die 


Pterospermaceen.  47 


geschlossenen  Schalen  50 — 90  m  Durchmesser  besaßen,  waren  diese  80 — 100  fi  groß.  Auch 
waren  die  Flügelleisten  dieser  durchlöcherten  Schalen  erheblich  breiter.  Der  Schaleninhalt 
gab   über  die  Bedeutung  dieser  Stadien  keinen  Aufschluß. 

3.  P.  polygonum   Ostenfeld. 

1901,    Pterospei'ma  polygonum,  Ostenfeld  in:  Vid.  Medd.  naturh.  Forening  Kobenbaven.  p.  151,   Flu.-!. 
1903,    Trochiscia   polygona,  Lemmermaim   in:    Abhandig.  Xaturw.  Verein  Bremen,   Bd.  17,    Heft  2,    p,  350. 

Schale  kugelig  mit  großen,  durchweg  vieleckigen  Maschen.  Durchmesser  der  Schale 
40  m.  —  Rotes  Meer. 

Diese  kleine  Form  dürfte  noch  genauer  darauf  hin  zu  prüfen  sein,  ob  sie  nicht  vielleicht 
mit  P.  dictyon  identisch  ist.  Nach  Ostenfelds  Skizze  (Fig.  3)  sind  die  Maschen  allerdings 
so  unregelmäßig  an  Größe  und  Form,  daß  ein  Artunterschied  nicht  unwahrscheinlich  ist. 

4.  P.  reticulatum  Ostenfeld. 

1901,    P.  retieulatum,  Ostenfeld  in:  Vid.  Medd.  naturh.  Forening  K0benhavn,   p.  151,  Fig.   I. 

1903,    Trochiscia    Ostenfeldii,   Lemmermann   in:   Abbandig.  Naturw.  Verein  Bremen.   Bd.  17,   Heft  2,    \>.  .'>('.*. 

Schale  kugelig,  mit  zahlreichen  schmalen  Lamellen,  die  viele  kleine  vieleckige  Felder 
abgrenzen.      Durchmesser  der  Schale  80 — 100  \x.   -    -  Floridastrom,   Rotes  Meer. 

Die  Plankton-Expedition  fand  diese  Art  im  August  einmal  im  Floridastrom  (PI.  30); 
Ostenfeld  beobachtete  sie  im  November  im  Roten  Meer,  ebenfalls  sehr  selten.  Nach  der 
Abbildung  muß  bei  den  Formen  des  Roten  Meeres  die  Masehenbildung  noch  erheblich  enger 
und  zierlicher  sein  als  im  Floridastrom. 

4.   Gattung  PteroCOCCUS  nov.  gen. 

Schale  mit  zahlreichen,  sich  schneidenden  Flügelleisten,  die  radial  von  der  Schale 
abstehen,  aber  nicht  einfach  lamellenförmig  sind,  sondern  an  ihrem  freien  Rande  sich  band- 
artig verbreitern,  sodaß  ihr  Querschnitt  T-förmig  wird.  Weder  Teilungen  der  Schale,  noch 
Offnungen  in  ihr  bisher  beobachtet.  —  Schalendurchmesser  28 — 30  \i.  —  Im  Mischgebiet  der 
polaren   Ströme  und   des   Golfstromes. 

Nur  eine  Art: 

P.  labyrinthus  Ostenfeld. 

190:>,   Pterosperinn   lahj/rintlais.   Ostenfeld   in:    Botany   of  tbe   Farnes    II   Pbytoplankton,   p.  .">78,   Fig.  127. 

Schale  kugelig;  Flügelleisten  am  freien  Rande  bandförmig  verbreitert  und  sehr  hoch, 
viele  unregelmäßig  polygonale  Maschen  umgrenzend.  Durchmesser  der  Schale  ohne  Leisten 
28—30  \x,  mit  Leisten   60  u. 

Auf  der  Plankton-Expedition  wurde  in  der  Irminger  See  zum  Teil  in  recht  großer 
Anzahl  (PI.  10)  ein  sehr  kleiner  eiartiger  Organismus  gefunden,  dessen  kugelige  Schale  nur 
30  n.  Durchmesser  hielt,  aber  von  einem  sehr  hochwandigen  Maschenwerke  überkleidet  wurde, 
dessen  Membranen  glashell,  an  ihrem  freien  Rande  bandartig  verbreitert  waren  und  der  Form 
ein  sehr  kunstvolles  Aussehen  verlieh  ;  mit  dem  Maschenwerk  zusammen  gemessen  ergab  sich  ein 
Durchmesser  von  55 — 60  m-     Inzwischen  hat  Osten feld  dieselbe  Form  in  2  Exemplaren  bei  den 

Loh  in  an  ii,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


4s 


Loh  mann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


Faröern  ebenfall«  gefangen  und  als  P.  labyrinthus  beschrieben.  Endlich  ist  sie  bei  den  inter- 
nationalen Meeresforschungen  im  Aug.  1903  im  Nordmeere  zwischen  Norwegen  und  Island  bei 
6311  3'  N.  Br.  und  2°  9' W.  L.,  sowie  bei  64°  3'  N.  Br.  und  7°  3  W.  L.  ebenfalls  in  nur  wenigen 
Individuen  beobachtet. 

Charakteristisch  für  P.  labyrinthus  ist  die  außerordentliche  Entwicklung  der  Flügelleisten, 
die  nicht  nur  eine  gewaltige  Höhe  (gleich  dem  Radius  der  Scbale)  erreichen,  sondern  auch 
an  ihrem  freien  Bande  bandartig  verbreitert  sind  und  dadurch  als  Schwebeapparat  eine  viel 
größere  Wirkung  ausüben  können  als  die  einfach  glatten  Flügelleisten  der  übrigen  Pterosperinataceen. 
Auch  ist  das  Band,  welches  somit  alle  Maschen  umsäumt,  an  seinen  Bändern  verdickt.  Die 
sehr  tiefen  Maschen  haben  eine  unregelmäßig  vieleckige  Form,  indem  die  Lamellen  wellenförmig 
gebogen  verlaufen. 

Es  ist  dies  neben  P.  dictyon  die  einzige  Pterospermacee,  die  in  großer  Anzahl  gefunden 
ist.     Es  kamen  auf  den  Fang : 


Golfstrom -Ausläufer  [ 

in   PL     2   (nördlich   der  Hebriden) 

18 

Ind. 

0—1  DU  m 

»      »       4   Atlantischer  Ozean 
»     »       6                  » 

I 

» 
» 

0— 400  » 
—        » 

»     »       8                  » 

— 

» 

—        » 

I""""g      1 

»      »10   (südlich   von   Island) 

2086 

» 

—        » 

»      »12   Atlantischer   Ozean 
»     »     13                  » 

621 
3993 

» 
» 

—        » 

»     »    IG                 » 

83 

» 

—        » 

Diese  Zahlen  haben  bei  der  Kleinheit  von  P.  labyrinthus,  die  mit  Leichtigkeit  die  Maschen 
der  Müllergaze  passieren  dürfte,  als  absolute  Werte  keine  Bedeutung.  Interessant  aber  ist  es 
doch,  die  Gültigkeit  dieser  Zählungen  zu  erwägen.  In  den  Ausläufern  des  Golfstromes  ist 
P.  labyrinthus  sehr  spärlich  gefunden,  wie  auch  später  im  Nordmeere  von  Ostenfeld  und  bei 
den  internationalen  Forschungen:  gelegentlich  einmal  ein  Exemplar.  Sogleich  mit  dem  Eintritt 
in  die  Irminger  See  wird  sie  häufig  gefangen,  um  aber  sehr  schnell  wieder  seltener  zu  werden 
(PI.  12  u.  16);  nur  in  PI.  13  kulminiert  sie  ein  2.  Mal  mit  rund  4000  Individuen.  Diese 
2.  Kulmination  ist  nun  ganz  offenbar  ein  Resultat  der  gewaltigen  Zunahme  der  Diatomeen  an 
dieser  Station,  wodurch  die  Netzmaschen  verstopft  und  viele  kleinste  Organismen,  die  sonst 
nie  wieder  von  den  Planktonnetzen  gefangen  wurden,  zurückgehalten  wurden.  So  wurden 
gerade  hier  große  Mengen  von  zwei  oder  mehr  Oiliaten  gefangen,  von  denen  ich  die  häufigere 
Art  durch  Filtrationen  von  Meerwasser  durch  Papier-  und  Taffetfilter  im  Golfstrom  auf 
40°  Br.  ebenfalls  nachweisen  konnte;  desgleichen  fanden  sich  Rhynckomonas  marina  und  andere 
nackte  Protozoen. 

Es  ist  deshalb  auf  der  Taf.  I  die  Kurve  für  das  Vorkommen  von  P.  labyrinthus  absichtlich 
farblos  gehalten,  um  ihren  problematischen   Charakter  zum  Ausdruck  zu  bringen. 


Pterospermaceen.  4!t 


2.  Pelagocystis  oceanica  nov.  gen.,  nov.  sp. 

(Taf.  I   und   VII,  Fig.  1,  3—6.) 

Kugelige  oder  ellipsoide  wasserklare  Gallertmassen  von  130 — 250  n  Durchmesser,  in 
welche  ein  oder  mehrere  bis  sehr  zahlreiche  Paare  kugeliger  Zellen  eingebettet  sind.  Jede 
Zelle  (20  n  Durchmesser)  ist  in  der  Regel  von  einer  farblosen,  glatten,  deutlich  doppelt  kontu- 
rierten  Schale  umgeben  und  besteht  aus  einem  blasigen,  peripheren  Plasma  und  einem  großen 
zentral  gelegenen  Kern.  Die  Kolonien  mit  nur  wenigen  Zellpaaren  sind  am  kleinsten,  mit 
der  Zahl  der  Zellen  wächst  die  Kolonie.  Bei  der  Teilung  des  Zellinhaltes  wird  die  Schale 
abgesprengt  und  völlig  aufgelöst,  so  daß  auch  in  den  größten  Kolonien  keine  Schalenreste  mehr 
zu  finden  sind.  Dagegen  grenzen  sich  die  Gallertmassen,  welche  ein  Paar  Zellen  umschließen,  durch 
eine  durchbrochene  Grenzschicht,  und  die  zwei  Zellpaare  umhüllenden  Gallertmassen  durch 
eine  scharf  begrenzte  kontinuierliche  Grenzschicht  gegen  die  übrige  Gallertmasse  ab.  Doch 
sind  diese  Abgrenzungen  nicht  immer  erkennbar.  —  Gebiet  des  warmen  Wassers;  offenbar 
sehr  empfindlich  gegen  Wechsel  der  Wassertemperatur. 

Die  Gallertsubstanz  ist  nach  außen  scharf  und  glatt  begrenzt,  in  einigen  Fällen  erschien 
die  Außenfläche  nach  Art  einer  Hautscbicht  fein  doppelt  konturiert.  Mit  Hämatoxylin  färbt 
sich  die  Gallerte  nicht,  obwohl  sie  die  Farblösung  leicht  bis  zu  dem  Zellplasma  durchdringen 
läßt.  Irgendwelche  Struktur  läßt  sich  nicht  an  ihr  wahrnehmen.  Aus  Glyzerin  in  Wasser 
übergeführt,  quillt  sie  kaum  merkbar  auf. 

Die  Zellen  durchsetzen  die  Gallerte  nach  allen  Richtungen ;  bei  den  kleinsten  Kolonien 
ist  die  Anordnung  eine  durchaus  regelmäßige,  mit  der  Zunahme  der  Zellen  wird  dieselbe  immer 
regelloser  und  zugleich  dichter;  immer  aber  liegen  je  2  Zellen  dicht  nebeneinander;  meist  kann 
man  auch  noch  ein  Zusammenliegen  von  je  zwei  Paar  zu  engeren  Gruppen  unterscheiden. 
Vergleicht  man  die  Zellgruppen  mehrerer  Kolonien,  so  wird  man  leicht  neben  den  aus  2  Zellpaaren 
gebildeten  Gruppen  solche  finden,  bei  denen  die  Stelle  des  einen  Paares  nur  durch  eine  Zelle 
eingenommen  wird  (Taf.  VII,  Fig.  4) ;  seltener  begegnet  man  Kolonieen  wie  der  in  Fig.  3 
dargestellten,  wo  eine  ganze  Vierergruppe  nur  durch  eine  einzige,  allerdings  abnorm  große 
Zelle  repräsentiert  wird.  In  diesen  Fällen  sind  offenbar  die  Teilungen,  welche  zur  Bildung 
neuer  Zellpaare  führen,  bei  einzelnen  Zellen  der  Kolonie  unterblieben,  die  dafür  an  Umfang 
zugenommen  haben.  Die  Zellen  stehen  untereinander  nach  der  Teilung  in  keinerlei  Verbindung 
und  auch  ihre  Anordnung  in  der  Gallerte  ist,  von  der  Anordnung  zu  Paaren  und  Vierzellen-,  ab 
und  an  noch  zu  Achtzellen-Gruppen  abgesehen,  eine  völlig  unregelmäßige. 

Meist  sind  die  Zellen  von  einer  dicken  Schale  umschlossen ;  doch  findet  man  hier  und 
da  Zellen,  bei  denen  diese  Hülle  aufgeplatzt  ist  und  sich  von  dem  Plasma  abgehoben  hat. 
In  anderen  lallen  kommen  neben  den  bepanzerten  Zellen  nackte  Zellen  vor,  die  dann  durch 
eine  Furchungsebene  halbiert  und  in  Teilung  begriffen  sind  (Taf.  VII,  Fig.  4).  Von  der  Schale 
ist  nichts  mehr  zu  sehen,  dieselbe  muß  vor  der  Teilung  resorbiert  oder  zu  Gallert  verquollen 
werden.  Diese  Vorbereitungen  zur  Teilung  und  die  Teilung  selbst  gehen  nicht  immer  bei  den 
Zellen  einer  Vierergruppe  oder  eines  Paares  gleichzeitig  vor  sich  und  dadurch  wird  dann  bei 
älteren   Kolonien   die  Anordnung  der  Zellen  immer  unregelmäßiger. 

Lohmanu,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     Jf. 


50  Lolimanu .   Eier   und  sogenannte   Cysten. 

Über  die  Bedeutung  der  großen,  sich  nicht  normal  teilenden  Zellen  weiß  ich  nichts 
anzugeben.  Ihr  Zellinhalt  erschien,  soweit  die  Konservierung,  in  Glyzerin  eine  Untersuchung 
gestattete,  aus  einem  peripheren  mit  Hämalaun  nur  schwach  sich  färbendem  blasigen  oder  auch  aus 
stark  lichtbrechenden  Körnchen  bestehendem  Plasma  und  einem  zentralen,  intensiv  Hämalaun 
aufnehmendem  Kerne  gebildet.  Letzterer  ist  bei  den  Riesenzellen  sehr  groß  und  mit  zahl- 
reichen Nucleolus-artigen  Körpern  erfüllt  (Taf.  VII,  Fig.  6).  Der  Zellinhalt  lag  der  Schale 
dicht  au,  während  er  bei  den  gewöhnlichen  Zellen  von  derselben  zurückgezogen  war  (Taf.  VII, 
Fig.  1,  3,  4,  5). 

Bei  diesen  typischen  Zellen  zeigten  sich  oft  zwei  große,  helle,  mit  Hämatoxylin  nicht 
sicli  färbende,  etwas  unregelmäßig  halbmondförmig  gestaltete  Inhaltskörper,  die  bis  auf  eine 
schmale  periphere  Zone  körnigen  Plasmas  und  einer  sie  trennenden  dünnen  Plasmaschicht  die 
ganze  Zelle  einnahmen  (Taf.  VII,  Fig.  5,  v.). 

Wenn  man  eine  Kolonie  mit  der  Nadel  zerfetzt  und  die  Zellen  aus  der  Gallerte  zu 
befreien  sucht,  so  tritt  zuweilen  sehr  deutlich  eine  an  den  ganzen  Kolonien  nicht  sichtbare 
Abgrenzung  der  Gallertmasse  in  bestimmte  Zonen  hervor,  indem  jedes  Zellpaar  von  einer 
durchbrochenen  und  daher  im  optischen  Schnitt  aus  einzelnen  Strichen  zusammengesetzt 
erscheinenden  Grenzschicht,  jede  Vierergruppe  aber  von  einer  zusammenhängenden,  schwach 
begrenzten  Grenzschicht  umschlossen  wird.  Weitere  Abgrenzungen,  durch  die  eine  noch  größere 
Zahl  von  Zellen  zusammengefaßt  wurde,  habe  ich  dagegen  nicht  beobachtet. 

Das  regelmäßige  Vorkommen  dieser  Kolonien  im  Gebiete  des  warmen  Wassers  und  die 
zum  Teil  recht  beträchtliche  Anzahl,  in  der  sie  im  Fange  auftreten,  sprechen  durchaus  dafür, 
daß  sie  eine  selbständige  Form  darstellen  und  nicht  etwa  nur  vorübergehende  Entwicklungs- 
zustände  anderer  Organismen  sind.  Schutt  hat  in  der  Bearbeitung  der  Peridineen  der  Plankton- 
Expedition  (Teil  I,  Taf.  26,  Fig.  911)  eine  Gallertcyste  mit  paarweise  zusammengelagerten 
Gymnodinien  ähnlichen  Sporen  abgebildet,  die  auf  den  ersten  Blick  manche  Ähnlichkeit  mit 
den  hier  besprochenen  Kolonien  hat.  Aber  zunächst  ist  die  Gallertmasse  im  Vergleich  zu  den 
Zellen  dort  viel  geringer  entwickelt  als  hier ;  ferner  bleiben  dort  die  Reste  der  in  einzelne 
Stücke  zersprengten  Schale  der  Zellen  im  Umkreise  der  Zellen  liegen,  und  zwar  sind  sogar  noch 
die  Schalenreste  der  Mutterzelle  der  ganzen  Kolonie  auf  der  Außenfläche  der  Gallertmasse 
erhalten ;  endlich  sind  die  Zellen  selbst  dort  eiförmig,  alle  einander  gleich  und  im  Leben  mit 
zahlreichen  wandständigen,  gelben  Chromatophoren  versehen. 

Der  wichtigste  Unterschied  zwischen  diesen  beiden  Gallertkolonien  besteht  in  dem  Vor- 
kommen sehr  verschiedener  Entwicklungszustände  der  Zellen  innerhalb 
einer  Kolonie  bei  der  hier  vorliegenden  Form  und  dem  Fehlen  derselben  bei  der  Peridineencyste 
Schutts.  Auch  das  deutet  darauf  hin,  daß  die  Form  der  Expedition  eine  selbständige  Art  ist, 
bei  der  neben  der  Vermehrung  durch  einfache  Teilung  der  Zellen  auch  eine  Sporen-  oder 
Schwärmerbildung  vorkommt.  Ein  weiterer  sehr  wesentlicher  Unterschied  beruht  in  der  Ab- 
grenzung der  ein  und  zwei  Zellpaare  umhüllenden  Gallertmassen  durch  besondere  Grenzschichten. 

Obwohl  Chromatophoren  an  den  konservierten  Zellen  nicht  nachgewiesen  werden  konnten, 
können    die    Kolonien    als    selbständige    Formen    nur    den    Protococcoideen  (Eng ler    und 


Pelagoeystis  oceanica.  51 


Prantl,  Natürliche  Pflanzenfamilien,  Teil  1,  Abt.  2,  p.  27,  1897)  eingeordnet  werden,  bei  denen 
vielfach  die  nicht,  wie  etwa  bei  den  Desmidiaceen,  untereinander  dicht  verbundenen  Zellen  in 
Gallertmassen  eingebettet  und  paarweise  zusammengelagert  sind.  Da  die  Zellen  die  Gallerte 
durchsetzen  und  nicht  wie  bei  den  mit  Eigenbewegung  ausgestatteten  Zellen  der  Volvocaceen 
der  Gallertaußenfläche  anliegen,  so  bleiben  nur  die  Tetrasporaceae,  Chlorosphaeraceae  und  Protococcaceae 
als  Familien,  denen  unsere  Form  angehören  könnte,  übrig.  Eine  sichere  Entscheidung  über 
die  Einordnung  in  eine  dieser  Gruppen  können  nur  Kulturen  bringen ;  aber  das  Vorkommen 
der  Riesenzellen  läßt  eine  Komplikation  der  Vermehrungsvorgänge  in  der  Kolonie  vermuten, 
wie  sie  bei  den  Pleurococcaceen  bisher  nicht  beobachtet  ist. 

Wahrscheinlich  stehen  die  Kolonien  den  von  Lern  m  er  mann  und  Ostenfeld  als 
Oocystis  pelagica  und  socialis  beschriebenen  Algen  sehr  nahe,  von  denen  die  erstere  im  Brackwasser 
der  Ostsee,  die  letztere  im  Kaspischen  Meere  vorkommt  (Lemm ermann  1903,  Nordisches 
Plankton,  Lfg.  2.  XXI,  p.  16  und  Ostenfeld  1901,  Vidensk.  Medd.  naturh.  Forening  i  Kobenhavn, 
p.  138 — 139).  Aber  bei  beiden  Arten  sind  die  Zellen  gestreckt  eiförmig  und  in  der  ganzen 
Kolonie  gleichartig  gebaut.  Lemm  ermann  sowohl  wie  Wille  stellen  daher  diese  Algen  auch 
zu  den  Pleurococcaceen. 

Vorläufig  möchte  ich  deshalb  die  Gallertkolonien  der  Plankton-Expedition  von  Oocystis 
trennen  und  als  eine  wegen  des  Vorkommens  verschieden  gestalteter  Zellen  in  einer  Kolonie 
nicht  zu  den  Pleurococcaceen  gehörende  Protococcoidee  betrachten,  die  ich  l'elugocyxtix  occuaica  nenne. 
Sehr  interessant  ist  die  Verbreitung  der  von  der  Plankton-Expedition  gefangenen  Form. 
Zunächst  ist  sie  durchaus  auf  das  Gebiet  des  warmen  Wassers  beschränkt  und  erreicht  ihre 
größte  Häufigkeit  in  der  Sargasso-See,  also  in  einem  Gebiete,  das  sonst  vielfach  durch  besondere 
Armut  ausgezeichnet  ist  (Taf.  I).  Im  Floridastrom  bereits  und  in  der  Golftrift  schon  bei  den 
Azoren  kommt  sie  nur  noch  spärlich  vor,  und  endlich  fehlt  sie  ganz  in  jenem  Abschnitte 
des  Südäquatorialstromes,  der  unter  der  Einwirkung  des  Benguelastromes  und  von  kaltem, 
aufsteigendem  Tiefenwasser  in  seiner  Oberflächentemperatur  auf  ^6 — 23,2°  C.  herabgesetzt  wird 
und  auch  durch  die  Wasserfarbe  und  die  Zusammensetzuno'  des  Planktons  von  den  Nachbar- 
gebieten  abweicht.  Sie  ist  also  zweifellos  eine  Pflanze,  die  ganz  besonders  hohe  Ansprüche  an 
eine  gleichmäßige  und  hohe  Temperatur  des  Wassers  stellt.  Sie  fehlt  daher  im 
Südosten  im  Gebiete  der  Kältezunge  von  PL  70 — 85,  obwohl  auch  hier  nirgends  die  Oberflächen- 
temperatur  unter  23°  sinkt  und  von  PI.  70 — 74  sogar  noch  26 — 26,4  beträgt;  dagegen  tritt 
sie  im  Floridastrom  bereits  bei  einer  Temperatur  von  20,1"  auf  und  wurde  in  der  Golftrift 
nördlich  der  Azoren  noch  bei  16,2°  beobachtet.  Aber  während  hier  im  Norden  die  Temperatur- 
alniahme  allmählich  erfolgt  und  das  Meer  in  den  oberen  Schichten  stark  durchwärmt  ist,  treten 
in  der  Kältezunge  des  Südäquatorialstromes  unvermittelte  Temperaturschwankungen  durch  die 
Durchmischung  des  warmen  Wassers  mit  dem  kalten  Wasser  des  Benguelastromes  und  der  Tiefe 
auf  und   machen   die   Existenz   unserer  Alge  unmöglich. 

In  den  Schließnetzfängen,  soweit  sie  unter  200  m  hinunterreichten,  wurde  einmal  in  dem 
bis  in  große  Tiefen  hinab  stark  durchwärmten  Wasser  des  Floridastromes  eine  Kolonie  mit 
35  Zellen  zwischen   600  und  400  m  erefaneren. 


&v 


W 


Lohmann,  Eier  und   sogenannte  Cysten.     N. 


52 


Lohmanu,   Eier  und  sogenannte   Cysten. 


Zahl  der  in  c 

en  Planktonfängen  erbeutet 

en  Ko 

lonien  der  Spore  (pro  Fang). 

PI. 

25. 

V. 

Floridastrom 

PI. 

» 

63. 

64. 

174 
143 

» 

31. 

100 

\ 

» 

32. 

V. 

» 

65. 

362 

Nordäquatorialstrom 

34. 

35 

• 

66. 

83 

» 

35. 
36. 

11 

8 

•| 

» 

67. 

602 

» 

» 

68. 

20 

■ 

» 

37. 

61 

» 

69. 

19 

Guineastrom. 

» 

38. 
39. 

9 
104 

» 

70. 

16 

» 

86. 

12 

40. 

1(15 

» 

90. 

204 

41. 

193 

» 

94. 

47 

42. 

206 

» 

96. 

23 

43. 

232 

» 

97. 

307 

44. 

405 

» 

98. 

125 

45. 

229 

» 

99. 

270 

46. 
47. 

199 
773 

'  Sargasso-See. 

» 
» 

100. 
101. 

?  (187  Zell.) 
308 

Südäquatorialstrom. 

48. 

733 

» 

102. 

235 

49. 

19 

» 

103. 

168 

50. 

426 

» 

104. 

74 

51. 

138  (?) 

» 

112. 

56 

52. 

815 

l 

» 

113. 

47 

53. 
54. 
55. 
56. 

2242 

1798 

1141 

449 

» 

114. 

V. 

Guineastrom. 

» 

116. 

V. 

Nordäquatorialstrom 

» 

iis. 

21  IL     . 

v.             ,  Sargasso-See. 
95       |J 

57. 

253 

» 

119. 

58. 

127 

» 

120. 

59. 
60. 

138 
41 

» 

121. 

14 

1> 

61. 

195 

» 

123. 
124. 

V. 
V. 

Golftrift 

IV.  Anhang-. 

Die  Cyphonautes-Formen  der  Expedition. 

Während  der  Plankton-Expedition  wurden  6  verschiedene  Formen  von  Cyphonautes  gefangen 
und  da  sowohl  das  Vorkommen  derselben  wie  die  Gestaltverschiedenheiten  ihrer  Schale  nicht 
ohne  Interesse  sind,  so  mögen  sie  hier  anhangsweise  kurz  beschrieben  werden,  obwohl  das 
Material  keine  genauere  histologisch-anatomische  Untersuchung  mehr  zuließ. 

Die  größte  Zahl  von  Cyphonautes  fand  sich  im  europäischen  Küstengebiete  und  besonders 
in  der  Nordsee  auf  der  Heimfahrt  (Karte  III).  Ein  zweites  Maximum  lag  im  westlichsten  Teile 
der  Fahrtlinie  nordöstlich  und  östlich  von  den  Bermuden  im  Floridastrom  und  in  der  Sargasso-See. 
Vereinzelt  kamen  Exemplare  in  der  ganzen  Sargasso-See,  bei  den  Kapverden  und  an  der 
Nordküste  Brasiliens  vor.  Es  tritt  also  die  enge  Abhängigkeit  der  Larven  von  der  Küste  und 
von  treibendem,  stets  reich  mit  Membranipora  bedecktem  Sargassum  sehr  deutlich  hervor. 

Dennoch  sind  einige  Cyphonautes  sehr  weit  auf  hoher  See  und  fern  von  treibendem 
Sargassum  gefunden.  Letzteres  wurde  während  der  Expedition  nur  an  den  auf  Taf.  III  mit 
-| — \-  bezeichneten  Teilen  der  Fahrtlinie  beobachtet,  ein  Gebiet,  das  sich  fast  genau  mit  dem 
Areal  deckt,  in  welchem  auch  Cyphonautes  regelmäßig  und  in  größerer  Zahl  in  den  Plankton- 
fängen auftrat.  Aber  vereinzelt  kamen  Cyphonautes  noch  bis  PL  117  und  118  vor,  obwohl 
hier  das  Vorkommen  treibenden  Golf  krautes  im  allgemeinen  sehr  spärlich  ist  und  während  der 
Expedition  nicht  beobachtet  wurde.  Doch  liegen  diese  Fundorte  immerhin  noch  im  Gebiete 
der  Sargasso-See. 

Ganz  abseits  von  treibendem  Bryozoen-bewachsenem  Kraut  und  von  der  Küste  ist  der 
Fundort  von  J.-Nr.  274  am  30.  Oktober  gelegen.  Die  Strömung  fließt  hier  im  allgemeinen,  als 
dem  Außenrande  des  nordäquatorialen  Stromzirkels  angehörig,  von  Westen  nach  Osten  oder 
von  der  Hochsee  auf  die  europäische  Küste  zu  und  die  Organismen,  die  hier  pelagisch  leben, 
haben  daher  einen  sehr  langen  Transport  durch  den  offenen  Ozean  hinter  sich.  Sargassum 
aber  gelangt  hier  nur  ganz  ausnahmsweise  einmal  her.  Die  einzige  Erklärung  scheint  darin 
zu  liegen,  daß  die  Larven  in  einem  Wasser  transportiert  werden,  das  früher  südlich  der 
Neufundlandbank  in  etwa  40°  Breite  floß  und  reichlich  Sargassumbüschel  enthielt,  von  deren 
Bryozoenkolonien  Larven  in  großer  Menge  produziert  werden  können.  Auf  der  Reise  nach 
dem    Osten    sind    dann    die  Algen    zu  Grunde    gegangen,    die   Cyphonautes    aber,    da    sie    keine 

Lohmann.   Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


54:  Lohmann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


Gelegenheit  fanden,  sich  festzusetzen,  auf  ihrem  Larvenstadium  stehen  geblieben.  Schon 
Schneider  berichtet,  daß  unter  abnormen  Verhältnissen,  wie  s"ie  die  Kulturgefäße  bieten,  die 
Cyphonautes  lange  ihr  pelagisches  Leben  beibehalten,  während  sie  sonst  sehr  bald  sich  festsetzen 
und  Kolonien  bilden  (Archiv  f.  mikroskop.  Anatomie,  Bd.  5,    1869,  p.  263ff.). 

Auch  im  Südäquatoiäalstrom  nördlich  der  Brasilianischen  Küste  hat  die  Plankton- 
Expedition  bis  weit  hinter  Fernando-Noronha  (Taf.  III)  einzelne  Cyphonautes  gefangen.  Die 
Bryozoenlarven  verhalten  sich  hier  also  ebenso  wie  die  Larven  litoraler  Krebse  nach  Ortmann 
(Ergebnisse  der  Plankton-Expedition,  Decapoden  und  Schizopoden,  1893,  p.  108 — 1 10  und  Taf.  X). 

Am  merkwürdigsten  ist  aber,  daß  noch  im  östlichen  Abschnitte  des  Guineastromes 
(PI.  69  und  J.-Nr.  170)  einzelne  Cyphonautes  gefangen  sind.  Auch  hier  kommt  der  Strom 
von  der  Hochsee  her,  wie  der  Golfstrom  nördlich  der  Azoren ;  aber  eine  Herkunft  der  Larven 
von  Bryozoen,  die  auf  treibenden  Algen  wachsen,  ist  hier  ausgeschlossen  und  der  Transport 
der  Cyphonautes  als  frei  im  Wasser  schwimmender  Larven  muß  daher  hier  ein  viel  längerer 
gewesen  sein  als  dort,  umsomehr  als  die  durchschnittliche  Schnelligkeit  des  Guineastromes  weit 
hinter  der  des  Golfstromes  zurücksteht. 

Während  der  Zählungen  sind  die  verschiedenen  Cyphonautes-Formen  nicht  auseinander 
gehalten  und  das  ausgesuchte  Material  ist  bei  der  überhaupt  nicht  großen  Häufigkeit  dieser 
Larven  in  den  Fängen  nur  klein.  Dennoch  zeigt  sich,  daß  in  der  Nordsee,  im  Gebiete  des 
Sargasso-Krautes  und  in  den  südlichen  Strömen  (Kapverden  und  Südäquatorialstrom)  je  eine 
besondere  Art  gefangen  wurde.  In  der  Nordsee  war  C.  compressus,  die  Larve  von  Membranipora pilosa 
häufig,  im  Floridastrom  und  in  der  Sargasso-See  kam  C.  sargassi  imv.  sp.  vor,  die  durch  die 
einander  parallel  verlaufenden  Rippen  im  vorderen  Schalenwinkel  sich  auszeichnet,  und  bei  den 
Kapverden  und  vor  der  Nordküste  Brasiliens  fand  sich  C.  aequatorialis,  eine  sehr  charakteristische  Art, 
deren  Ecken  in  lange  Spitzen  ausgezogen  sind.  Alle  3  Arten  sind  kräftig  gebildet  und  besitzen 
die  typische  dreieckige  Gestalt  der  Schalen. 

Außer  ihnen  wurden  nun  aber  noch  in  einigen  wenigen  Exemplaren  drei  andere  auffällig 
kleine  und  sehr  abweichend  gestaltete  Formen  erbeutet,  deren  Fundorte  sämtlich  im  südlichen 
Gebiet  und  zugleich  weit  vom  Lande  entfernt  auf  hoher  See  gelegen  sind.  C.  gibbus,  die  durch 
einen  vorspringenden  Buckel  des  Darmrandes  ausgezeichnet  ist,  kam  zwar  westlich  von  Fernando- 
Noronha  und  nicht  weit  nördlich  von  der  Brasilianischen  Küste  vor.  C.  parvus  aber  und 
rotundus  wurden  im  östlichen  Teile  des  Guineastromes  gefangen,  von  dem  schon  oben  die  Bede 
war.  Es  macht  den  Eindruck,  als  ob  bei  diesen  Ax-ten  nicht  nur  die  Schalenform,  sondern  auch 
der  innere  Bau  der  Larve  erheblich  von  dem  der  typischen  Cyphonautes  abwiche ;  aber  das 
sehr  spärliche  und  in  Glyzerin  aufbewahrte  Material  ließ  keine  genauere  Prüfung  zu.  Sehr 
bemerkenswert  ist  aber,  daß  C.  parvus  in  einer  Tiefe  zwischen  900  und  700  m  gefangen  wurde 
und  auch  C.  gibbus  aus  einem  Schließnetzfange  stammt,  der  die  Tiefe  von  800 — 600  m  durch- 
fischte, aber  nicht  fehlerfrei  gelungen  war.  Die  Tiefe  des  Meeres  betrug  in  der  Gegend  der 
beiden  Fänge  über  3000  m,  so  daß  direkte  Beziehungen  zur  Bodenfauna  ganz  ausgeschlossen  sind. 

Die  Gattung  Membranipora,  von  der  allein  Cyphonautes-Larven  bekannt  sind,  umfaßt 
bekanntlich  sehr  zahlreiche  Arten.     Waters  hat  vor   einigen  Jahren    eine  Revision    der  Arten 


(  'vphonautes-Forinen.  -)5 


vorgenommen  und  dabei  auch  die  geographische  Verbreitung  berücksichtigt  (Journal  Linnean 
Societ.  Zoology,  Vol.  26,  p.  654 — 693).  Er  erwähnt,  daß  nicht  weniger  als  156  Arten  unterschieden 
sind1)  (p.  654).  viel  mehr  als  irgend  eine  andere  Bryozoen-Gattung  aufweisen  kann:  dieselben 
sind  über  alle  Meere  verbreitet  und  kommen  sowohl  im  hohen  Norden  wie  im  tiefsten  Süden 
und  in  den  äquatorialen  Gegenden  vor.  Nach  den  ÜHALLENGEß-Berichten  (Narrative,  Vol.  I, 
p.  136)  ist  die  das  Sargassum-Kraut  so  dicht  überziehende  Bryozoe  Mernbranipora  iubermlata  Busk 
(M.  tehuelclia  d'Orb.  nach    Waters,  p.  674—676). 

Eine  Unterscheidung  der  verschiedenen  Cyphonautes- Arten  hat  zuerst  Schneider  bei 
den  in  der  Nordsee  lebenden  Larven  versucht  (Archiv  f.  mikrosk.  Anatomie,  Bd.  5,  1869,  p.  204  ff.). 
Er  wendet  sich  dabei  mit  Nachdruck  gegen  Claparede,  der  in  seinen  Beobachtungen  über 
die  Anatomie  und  Entwicklungsgeschichte  wirbelloser  Tiere  (1863,  p.  107)  3  verschiedene 
Altersstadien,  die  den  von  Schneider  aufgestellten  Arten  entsprechen,  hatte  unterscheiden 
wollen,  und  betont  dem  gegenüber  die  Konstanz  in  der  Körpergröße  und  der  Gestalt  der 
Schalen.  »Niemals  habe  ich  beobachtet,  daß  die  Körpergröße  sowie  die  Dreieckswinkel  dieser 
Spezies  in  einer  erheblichen  Weise  sich  verändert  hätten«  (p.  264).  Für  das  jüngste  Stadium 
Claparedes  führte  er  in  der  Tat  durch  Kulturen  den  Nachweis,  daß  es  die  Larve  von 
Mernbranipora  pilosa  war.  Ähnlich  urteilt  auch  Barrois  (Recherehes  sur  Tembryogenie  des 
Bryozoaires,  Lille  1877)  über  die  geringe  Variabilität  der  Cyphonautes.  Doch  betont  er 
unsere  Unkenntnis  von  den  jüngsten  Cyphonauteszuständen  und  ihrer  Entstehungsweise  und 
macht  auf  Sempers  Angabe  aufmerksam,  daß  er  ein  Abwerfen  der  Schale  und  die  Bildung 
einer  neuen  Schale  bei  Cyphonautes  beobachtet  habe  (Bullet.  Acad.  royale  Belgique,  tome  3, 
ser.  2,  1857,  p.  353).  Nach  vielen  vergeblichen  Versuchen  hat  er  Cyphonautes  gefunden,  deren 
Schale  mit  Sandkörnchen   bedeckt  ist  und  die   er  für  die  jüngsten  Stadien  hält. 

Ostroumoff  (Zoolog.  Anzeiger  1885,  Bd.  8,  p.  219)  konnte  zwischen  den  Cyphonautes 
von  Mernbranipora  repiachovi  Ostr.  und  denticulata  Busk,  die  bei  Sebastopol  leben,  keine  anderen 
als  Größenunterschiede  auffinden. 

Nach  dem  von  mir  untersuchten  Materiale  zu  urteilen,  variiert  die  Ausbildung  der 
Spitzen  und  Lappen,  in  welche  die  Winkel  z.  B.  bei  C.  sargassi  und  aequatorialis  ausgezogen  sind, 
nicht  unbedeutend,  und  bei  C.  sargassi  unterscheiden  sich  die  kleineren  Exemplare,  die  nur 
470  bis  540  n  größte  Breite  besaßen,  von  den  größeren  630  bis  660  |i  breiten  Individuen 
dadurch,  daß  die  Winkel  noch  abgerundet  waren  und  vor  allem  der  scharfe  Dorn  am  hinteren 
Schloßrandwinkel  noch  völlig  fehlte.  Die  charakteristischen  einander  parallel  laufenden  Rippen 
im  vorderen  Winkel  waren  gut  entwickelt  und  auch  sonst  kein  Unterschied  von  den  größeren 
Exemplaren  bemerkbar.  Natürlich  ist  es  möglich,  daß  hier  in  der  Tat  2  verschiedene  Arten 
und  keine  Altersstadien  vorliegen;  aber  so  lange  keine  Beweise  hierfür  erbracht  sind,  ist  die 
Annahme,  daß  wir  hier  Entwicklungszustände  einer  und  derselben  Larve  haben,  diejenige,  welche 
die  meiste   Wahrscheinlichkeit  für  sich  hat. 


r)   Hier  sind   29   fossile,   aber  meist   auch  jetzt   noch   lebende   Arten  mitgezählt. 

Lohmann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     >f. 


56 


Lohmann,   Eier  und   sogenannte   Cysten. 


Nachstehend  gebe  ich  eine  Übersicht  der  Schneider'schen  und  der  auf  der  Plankton- 
Expedition  gefundenen  Formen. 

A.  Schalen  ausgesprochen  dreiseitig,  nicht  rundlich  im  Umriß;  vorderer 
Winkel  mehr  oder  weniger  tief  ausgeschnitten  und  daher  zweihörnig 
oder  wenigstens   zweibuckelig: 

I.   Hinterrand   der  Schalen   erheblich   länger  als    der  Darmrand: 

1.  Von  der  Einbuchtung  des  vorderen  Winkels  der  Schalen 
ziehen  mehrere,  einander  und  dem  Darmrande  parallel  ver- 
laufende Bippen  nach  hinten:  gr.  Br.  600 — 620  )u;   Sargasso- 

See,  Floridastrom  (PI.  29,   30,  49) 1.   C.  sargassi  (Taf.  VII,   Fig.  22). 

2.  Die  Fläche   des  vorderen  Winkels  ist  glatt,   nicht   gerippt: 

a)  Der  Hinterrand  mit  einer  Reihe  nach  innen  vorspringender 
Buckel,   an  beiden  Enden  mehrere  kurze   Reihen: 

aa)   Schloßrand     auffällig    länger    als    der    Darmrand;    gr. 

Br.   688  u;  Nordsee  und  Ostsee  (häufig) 2.  C.  boreali*  (Schneider,  Taf.  16,  Fig.  9). 

bb)   Schloßrand '  nur    wenig  länger    als    der  Darmrand ;    gr. 

Br.   780;  Nordsee  (selten) 3.  C.  schneiden  (Schneider,  Taf.  16,  Fig.  10). 

b)  Der   Hinterrand  glatt,   ohne   Buckel: 

aa)   die  Winkel  der  Schale  gerundet;  gr.  Br.  483  |U;  Nordsee 
(PI.  126)    (häufig)    (Larve  von  Membranipora  j>i!osa) 

(Schneider,  Taf.  16,  Fig.  I)1) 

bb)   die   Winkel    der    Schale    lang,    spitz    dorneuartig    aus- 
gezogen;   gr.  Br.   630 — 690  u;   Kapverden,  Nordküste 

Brasiliens  (PI.  63,  100,  105) 5.  C.  aequatorialis  (Taf.  VU,  Fig.  23). 

TL  Hinterrand    der  Schalen    erheblich   kürzer   als  jeder    der   beiden 

anderen  Ränder;   gr.  Br.  195  |li;    Guineastrom   (PI.  69)       ...     6.   C.  oblongus  (Taf.  VU,   Fig.  25). 

B.  Schalen  von  rundlichem  Umriß;  vorderer  Winkel  gerundet  oder 
gerade  abgeschnitten,  ohne  jeden  Ausschnitt  und  daher  ohne  Buckel- 
oder Hörnerbilduug: 

I.  Darmrand  einfach  gerundet  und  gleichmäßig  in  den  Hinterrand 
übergehend;  gr.Br.  150  |u;  Guineastrom  (J.-Nr.  170,  700— 900m)     7.  ('.  }><nvus  (Taf.  VII,  Fig.  26). 

II.  Darmrand  gerundet,  aber  an  dem  Übergänge  in  den  Hinter- 
rand einen  vorspringenden  Buckel  bildend;  gr.  Br.  200  |a;  Nord- 
küste Brasiliens  (Südäquatorialstrom,  J.-Nr.  220;  600 — 800  m)     8.  C.  gibbus  (Taf.  VII.   Fig.  24). 

Quantitatives  Vorkommen  der  Üypltonautes  in  den  Fängen 

der  Expedition. 


4.  C.  compressus  Ehrenbg.    (Taf.  VII,    Fig.  21). 


PI. 

2. 

99   Individuen   im   Fang 

Europäisches   Küstengebiet 

» 

25. 

1                           »        » 

» 

26. 

1            »              »        » 

» 

27. 

28. 

184            »              »        » 
21            »             »       » 

1  Floridastrom 

» 

29. 

68           »             »       » 

» 

30. 

8           »             »       » 

')  In  der  Ostsee  ist  eine  nach  Form  und  Größe  C.  compressus  sehr  nahe  stehende  Form  nicht  selten,  deren 
Darmrand  aber  hinten  in  einen  stark  vorspringenden  Buckel  vorgezogen  ist,  ähnlich  wie  bei  dem  im  übrigen  ganz 
anders  geformten  C.  gibbus.  Ich  fand  Exemplare  von  330 — 390  |U  größter  Breite.  Diese  sehr  auffällig  gestaltete  Form 
mag  C.  lialticus  genannt  sein. 


Cyphonautes-Formen. 


57 


PI. 

31. 

417 

[ndividaeii 

im 

Fang 

» 

32. 

31 

» 

» 

» 

» 

33. 

1 

» 

» 

» 

> 

34. 

100 

» 

» 

» 

» 

35. 

467 

» 

» 

» 

» 

36. 

262 

» 

» 

» 

2> 

37. 

183 

3> 

» 

» 

» 

38. 

75 

» 

» 

» 

» 

39. 

16 

» 

» 

» 

» 

40. 

26 

» 

» 

» 

» 
» 

4L 
42. 

3 

25 

» 
» 

» 

» 
» 

Sargasso-See 

» 

43. 

4 

» 

» 

» 

» 

44. 

7 

» 

5> 

» 

y> 

45. 

49 

» 

» 

» 

» 

46. 

5 

» 

» 

» 

» 

47. 

14 

» 

» 

» 

» 

48. 

6 

5> 

» 

» 

» 

49. 

8 

» 

» 

» 

3> 

50. 

17 

» 

» 

» 

» 

52. 

3 

» 

» 

» 

« 

53. 

1 

» 

» 

» 

» 

63. 

1 

» 

» 

» 

Kapverden 

» 

91. 

1 

» 

» 

» 

| 

» 

100. 

1 

» 

» 

» 

I  Südäquatorialstrom 

» 

103. 

2 

» 

» 

» 

1 

» 

105. 

5 

» 

» 

5> 

Mündung  des   Rio  Tocantins 

bei  Parä 

» 
» 

111. 
113. 

5 
1 

» 

» 

» 
» 

!  Südäquatorialstrom 

» 

117. 
118. 

1 

2 

» 

» 

» 

}  Sargasso-See 

» 

124. 

V. 

» 

» 

» 

Golfstrom 

» 

125. 

SC 

» 

» 

» 

Kanal 

» 

126. 

|     853 

» 

» 

Nordsee. 

Lohmann,  Kier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


Figuren-Erklärung. 


Tafel  I. 

Verbreitung   lind  Vorkommen    verschiedener   Eier   und    sogenannter    Cysten:    TJmrindete    Cyste  Hensens,    Ei    in 
becherförmiger  Hülle:  Pterococcus,  Pterosphaera  und  Pterocystis;  Pelagocystis  oceanica  (»Sporen«   in  Gallertmassen). 

Tafel  IL 

Verbreitung  der  Fischeier. 

Tafel  III. 

Vorkommen  von  Pterosperma  und  Cyphonautes. 

Tafel  IV. 

Fig.    1.      Scomberesociden-Ei    Nr.    1     (p.    13). 

Fig.   la.  Scomberesociden-Ei  Nr.   1,  einzelner  Anhang  stärker  vergrößert. 

Fig.  2.     Scomberesociden-Ei   Nr.  2    (p.  13) ;    ds.  Dottersack,    d.  geschrumpfter  Dotter,    p.  Pignientzellen    auf   der 

Dotterwand. 
Fig.   2a.   Scomberesociden-Ei  Nr.   2,   einzelne  Anhänge  stärker  vergrößert. 
Fig.  3.     Schnur  von   Ovum  kispidum   brachiolalum   (Moeb.)   (p.  29):   (Cam.  lucid.,  Oc.  4.  Obj.  2). 
Fig.   3  a.   Einzelnes  Ei   aus   dieser  Schnur,   stärker  vergrößert   (Cam.  lucid.,   Oc.  4,   Obj.  4). 
Fig.   3b.   Teil    der  Schale    eines    solchen  Eis;    a)   äußere,    die  hohlen  Fortsätze    tragende   Schalenhaut,    b)   glatte,    ihr    eng 

anliegende   Haut,   c)   feine,   farblose,   glatte,  innerste   Membran   (in  den  leeren  Schalen   meist  zusammengefallen). 
Fig.   3  c.   Einzelne  Anhänge  von  Fig.   3  a  stärker  vergrößert. 

Fig.  4.      Ovum  kispidum  nationale  nov.  ov.   (p.  30),   (Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4). 

Fig.   5.      Ovum  kispidum  capense  nov.  ov.  (p.  30);   2  Eier  aus  einer  Eierschnur  (Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4). 
Fig.   5  a.  Einzelne  Anhänge  der  Schale  von  Ov.  kisp.  capense,  stärker  vergrößert. 
Fig.   6.      Ovum  kispidum   atlanticum  nov.  sp.   (p.  27),   Cam.  lue. 
Fig.   7.      Ovum   kispidum  kystiix  (Cleve)    (p.  27),    (Cam.  lucid.,    Oc.  4,    Obj.  4):    Exemplar    aus    dem    Kieler    Hafen    mit 

den  verschiedenst  gestalteten  Fortsätzen. 
Fig.   8.      Ovum  Mspidum  kysh'ix  (Cleve),   (Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4):  Exemplar  aus  der  Kieler  Bucht  mit  kurzen  Fortsätzen. 
Fig.   8a.   Einzelne   Anhänge   von  Fig.  8   stärker  vergrößert. 
Fig.  9.      Ovum  kispidum    hystrrix    (Cleve),    (Cam.   lucid.,    Oc.  4,    Obj.  4);    Exemplar    mit    typischen    Anhängen,    aus    der 

Kieler  Bucht. 
Fig.   9  a.   Einzelne   Fortsätze  von  Fig.  9   stärker  vergrößert. 

Fig.   10.   Ovum  kispidum  liystrix  (Cleve),   (Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4)  mit  keulenförmigen  Anhängen,  Kieler  Bucht. 
Fig.   10  a.  Einzelne  Anhänge  von  Fig.  10  stärker  vergrößert. 
Fig.   11.  Aus    dem    Ovum    kispidum    kystrix    (Cleve)     gezüchteter    Nauplius,     Seitenansicht    des    Rumpfes    (Cam.  lucid., 

Oc.  4,  Obj.  4). 


Figuren-Erklärung.  59 


Fig. 

7. 

Fig. 

7  a, 

Fig. 

8. 

Fig. 

9. 

Fig.   12.    Ovum   hispidum  hystrix    (Cleve),    (Cara.  lucid.,    üc.  4,    Obj.  4);    Exemplar  mit  langen  fingerförmigen  Fortsätzen: 

Kieler   Bucht. 
Fig.    12  a.  Einzelne  Fortsätze  von  Fig.  12   stärker  vergrößert. 

Fig.    13.  Aus   dem   Ovum  hispidum  hystrix  (Cleve)   gezüchteter  Nauplius   von  der  Dorsalfläche  (('am.  lucid.,   Oc.  4.   Obj.  4). 
Fig.   14.   Derselbe  Nauplius   von   der  Bauchseite   gesehen  (Cam.  lucid.,   Oc.  4,   Obj.  4). 

Tafel  V. 

Fig.    1.      Ovum  hispidum   stellare    aov.  ov.    (p.  33),    Cam.  lucid.,    Oc.  4,    Obj.  4).     Exemplar   nach    dem   Leben   gezeichnet; 

Golfstrom. 
Fig.   2.      Ovum  hispidum  problematicum  (Cleve)   (p.  32);  Flächenansicht. 

Fig.  3.      Ovum  hispidum  stellare  nov.  ov.  (Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4) :  konserviertes  Exemplar  von  der  Plankton-Expedition. 
Fig.  4.      Ovum  hispidum  problematicum   (('leve);  Seitenansicht. 
Fig.   5.      Ovum  hispidum   bispinosum   nov.  ov.  (Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4). 
Fi<>\   6.     Ei    in    becherförmiger    Hülle    (p.  36);    oben    schlundartiger    Zugang   von    der   Außenfläche    der    Hülle    zu 

der  Eischale,    die    hier   (p.)    stark    verdickt    ist;    h.   Hohlraum    zwischen  Außenhülle    und    Eischale    (Cam.  lucid., 

Oc.   2.  Obj.   7). 
Fio-.   lia.  Ei    aus    der    becherförmigen    Hülle  herauspräpariert,    um    die    freie    Aufhängung    des    Eies    zu    zeigen: 

e.   Öffnung  der  äußeren   Hülle   (hl.),   o.   wie  in  Fig.  6. 

Ovum   hispidum  gigas  (p.  31),   d.  Contur  des  Eidotters. 

Ein    einzelner  Fortsatz    mit    Cam.  lucid.,    Oc.  4,   Obj.  4    aufgenommen,    um    den  Vergleich    mit    den    übrigen    in 

gleicher  Vergrößerung  gezeichneten  Eiern  zu  ermöglichen. 

Ovum  hispidum  problematicum   Cleve  (p.  32);   Cam.  lucid.,  Oc.  4,   Obj.  4,  Flächenansicht. 

Ooum  Jdspidum  reticulatum  nov.  ov.  (p.  31);  Eiinhalt,  und  zwar  a.  ein  Stück  Keimepithel,  b.  3  Dotterschollen. 
Fig.  10.   Ovum  hispidum   reticulatum  nov.  ov.,  Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  4. 
Fig.   10a.  Einzelne   Anhänge   von  Fig.  10   stärker  vergrößert. 
Fig.   11.    Ovum   hispidum   magnum   nov.  ov.    (p.  30);    Cam.  lucid.,    Oc.  4,    Obj    4:    Exemplar    mit    stachelförmigen    glatten 

oder  distal  verästelten   Fortsätzen,   wie   sie  in 
Fig.  IIa  bei  stärkerer  Vergrößerung  wiedergegeben   sind. 
Fig.    12.    Ovum   hispidum   magnum  nov.  ov. ;    Cam.  lucid.,    Oc.  4,    Obj.  4,   Exemplar    mit    niedrigen   papillenartigen   Buckeln 

auf  der  Schale. 

Tafel  VI. 

Hit  Ausnahme    von   Fig.  9   und    1(1    sind    alle  Figuren    bei    derselben  Vergrößerung    mit    der   Cam.  lucid.,    (Uc.  4. 

Obj.  4)   gezeichnet. 

Fig.   1.     Pterosperma  atlantieum  nov.  sp.   (p.  42),  Seitenansicht. 

Fig.   2.      Pterosperma   moebiusi  Joergens  (p.  42),  Seitenansicht. 

Fig.   3.      Pterosperma  allanticum   nov.  sp.,   Flächenansicht. 

Fig.  4.      Pterosperma   undulatum  Ostenf.  (p.  42).  Seitenansicht. 

Fig.  5.  Pterosperma  moebiusi  Joergens;  dasselbe  Exemplar,  wie  in  Fig.  8  nach  der  Überführung  aus  Glyzerin  in 
destilliertes  Wasser.  Man  beachte  die  starke  Quellung  der  Zelle  gegenüber  dem  Verhalten  der  dickwandigen 
in   Fig.    7    abgebildeten   Zelle   derselben   Art. 

Fig.  6.  Pterosperma  atlantieum  nov.  sp.,  Flächenansicht  eines  Exemplares  mit  abnormer  Falte  (f.)  auf  dem  Schwimm- 
ring (cfr.  Fig.  9). 

Fig.  7.  Pterosperma  moebiusi  Jörgens;  Flächenansicht  eines  Exemplares  aus  dem  Guineastrome  mit  sehr  dicker  Zell- 
wand:  aus   Glyzerin   in   destilliertes  Wasser  übergeführt. 

Fig.  8.  Pterosperma  moebiusi  Jörgens:  typisches  Exemplar,  in  verdünntem  Glyzerin  konserviert,  aus  der  Sargasso-See 
(PI.  54)   (vergl.  Fig.  5). 

Fig.   9.      Pterosperma  aäantieum  nov.  sp.;   Seitenansicht  des  in   Fig.  (i   abgebildeten   Exemplars. 

Fig.  10.  Pterosperma  atlantieum  Jörgens;  schematische  Darstellung  der  Befestigung  des  Schwimmgürtels  auf  der  Schale; 
a)   Schale,   b)   Gürtelband,   c)   Schwimmgürtel. 

Loh  mann,  Eier  und  sogenannte  Cysten.     N. 


60  Lohmaun,   Eier   und   sogenannte   Cysten. 


Fig.  11.  Pterosperma  moebiusi  Jörgens:  Seitenansicht  eines  Exemplares  von  der  Norwegischen  Küste,  das  24  Stunden 
in  Kupferoxyd-Amniouiak  gelegen  hat  und  darauf  in  Ammoniak  und  destilliertem  Wasser  ausgewaschen  wurde. 
Die  doppeltkonturierten  Schalenhälften  (a)  haben  sich  vom  Gürtelbande  (d)  abgehoben,  indem  die  dünne  Ver- 
bindungshaut   (b)   stark  gedehnt  ist.      In   dieser   letzteren  finden  sich   unregelmäßige   Poren   (c). 

Fig.  12.  Pterosperma  moebiusi  Jörgens;  dasselbe  Exemplar  wie  in  Fig.  5  in  der  Seitenansicht  nach  der  Überführung 
in   Wasser.      Der  Gürtel   ist  dem   einen  Pole   genähert. 

Fig.  13.  Pterosperma  moebiusi  Jörgens;  Flächenansicht  des  in  Fig.  11  und  15  abgebildeten  Exemplares  vor  der  Über- 
führung in  Kupferoxyd-Ammoniak. 

Fig.  14.  Pterosperma  undulatum  Ostenf. ;  Seitenansicht;  die  Außenfläche  der  Schale  wird  von  einem  Netzwerk  von 
Körnchen   bedeckt,   das   polwärts   konvergierende   Stränge   bildet  (vergl.   Fig.   4   und    16). 

Fig.    15.    Pterosperma  moebiusi  Jörgens;   dasselbe   Exemplar  wie   in  Fig.    11   in   der  Flächenansicht. 

Fig.   15a.   Pterosperma   moebiusi  Jörgens;  Stück  der  Schale  von  Fig.  15   bei  starker  Vergrößerung. 

Fig.   16.  Pterosperma   undulatum  Ostenf.;  Ansicht  von  dem  einen  Pole  aus. 

Tafel  VII. 

Fig.   1.     Pelagocystis  oeeanica  nov.  gen.,    nov.  sp.    (p.  47),    Teil    einer    Kolonie    bei    stärkerer  Vergrößerung;    h1    äußere 

Begrenzung    der    Gallertmasse,    h2   Hülle,    welche    die    Gallertmasse    von    2   Paar    Zellen    nach     außen    begrenzt; 

h3   in   einzelne  kleine  Stücke   aufgelöste  Hülle,   welche   ein   einzelnes  Zellpaar  mit  dessen  Gallertmasse   einschließt; 

s.    dicke,     stark    glänzende    Schale    der    einzelnen    Zelle;     pl.    Zellinhalt:    r.    Rißräuder    der    Gallertmasse,    durch 

die   Zerschneidung  der  Kolonie   gebildet. 
Fig.   2.     Pterospkaera  nationalis    nov.  sp.    (p.  45)    nach    24  stündigem    Liegen    in    Kupferoxydammoniak,    wodurch    eine 

Trennung  der  Schale   in   2   gleiche   Hälften   durch   das  Auseinanderweichen   in   der  Linie  a  hervorgerufen  ist. 
Fig.   2a.   Pterospthaera  nationalis  nov.  sp.;    die   Schale   mit  ihrer  Habierungslinie    etwas    stärker    vergrößert    und    ohne   die 

Flügelleisten. 
Fig.   3.      Pelagocystis   oeeanica  nov.  gen.,  nov.  sp.;   kleine  Kolonie   aus   3  Vierergruppen  und    1    Riesenzelle   (m)    bestehend. 
Fig.   4.      Pelagocystis  oeeanica  nov.  gen.,   nov.  sp.;   kleine   Kolonie   aus   4  Zellgruppen  bestehend,   von   denen   3   vier  Zellen, 

1  aber    nur    3   Zellen    enthält.      In    2  Vierergruppeu    sind    alle  Zellen    beschalt    und    nicht    in    Teilung    begriffen; 
bei    1    Gruppe,    die    nur    aus    3   Zellen    besteht,    sind    alle   Zellen    nackt    und    geteilt;    bei   einer  4.   Gruppe   sind 

2  Zellen  beschalt,   2   Zellen  nackt  und  geteilt. 

Fig.   5.      Pelagocystis  oeeanica  nov.  gen.,  nov.  sp. ;   einzelne   beschalte  Zelle,   stark   vergrößert,  g.   Gallertmasse   der  Kolonie, 

s.    Schale,   pl.   Zellplasma,   v.   großer,   heller,   vakuolenartiger  Körper. 
Fig.   6.      Pelagocystis  oeeanica    nov.   gen.,    nov.   sp.;     einzelne    Zelle;     Schale     ist     furtgelassen.      Färbung    mit    Hämalaun. 

Großer   Kern  mit  nucleusartigen,   stark   gefärbten   Körpern. 
Fig.    7.      Pterospkaera   dietyon   Jörgens    (p.  45);    Schale    mit    Einzeichnung    des  Verlaufs    der  Flügelleisten;    p.   und  p.1   die 

vierseitigen  Polfelder. 
Fig.   7a.   Ptervsp/iaera   dietyon.  Jörgens;    optischer    Schnitt    durch    die   Schale;    s.    die    dicke   Zellwand,    m.    die    zarte    ihr 

aufliegende   Membran,   welche   die   Flügelleisten  bildet. 
Fig.    7b.    Pterosphaera   dietyon   Jörgens;   Ecke   einer  Masche   mit   der  feinen   Punktstruktur  des   Bodens. 
Fig.   7c.   Pterosphaera   dietyon   Jörgens:    Flächenansicht    einer  Masche    mit    der    peripheren    Reihe    kleiner    Knötchen   (k. ). 
Fig.   8.      Pterosphaera   dietyon  Jörgens;   großes  Exemplar  mit  zentraler   Öffnung   (o.)   in  dem   Boden    einer  jeden   Masche; 

p.   Polfeld;   m.   manchettenartiger  Kragen  im   Umkreise   der  Öffnung   (o.). 
Fig.   8a.   Pterospliaera   dietyon   Jörgens;   Flächenansicht  der  Pore   (o.)  und  ihres  Kragens   (m.). 
Fig.   8b.   Pterosphaera   dietyon  Jörgens;   optischer  Längsschnitt  durch   die  Pore   (o.)   und  ihre   Manschette   (m.) 
Fig.   8c.   Pterosphaera   dietyon   Jörgens;   Seitenansicht  des  wellig  gebogenen  Kragens   (in.). 
Fig.   9.      Pterosphaera  nationalis  nov.  sp.  (p.  45);   Schale   mit  Einzeichnung  des  Verlaufes   der  Flügelleisten:   p.  und  p.1  die 

5  seifigen   Polfelder. 
Fig.    10.   Pteroeystis  vanhöffeni  (Jörgens)   Lohm.   (p.  43);   bei  gleicher  Vergrößerung,   wie   Fig.  7   und   9   gezeichnet. 
Fig.   11.   Umrindete   Cyste   (p.  34),   ein   Teil   der  blasigen  Hülle   in   der  Aufsicht  bei   starker  Vergrößerung. 
Fig.   12.   Um  rindete   Cyste,   ein   Teil   der  blasigen  Hülle  im   optischen   Längsschnitt  bei   starker  Vergrößerung. 


Figuren-Erklärung.  61 


Fio-.   13.  U  inrindete  Cyste    Eensens,  Seitenansicht;   e.   Kontur  des   Embryos;   Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Ubj.  4. 

Fig.  14.  Umrindete  Cyste  Hensens;  vom  spitzen  Pole  aus  gesehen;  w.  blasige  Hülle,  in.  glatte  Eihaut,  e.  der 
Embryo:  Cam.  lucid.,  (Je.  4,  Obj.  4. 

Fi"-.  15.  Um  rindete  Cyste,  Ei  nach  Fortpräparation  der  blasigen  Hülle  und  Färbung  mit  Hämalaun.  Embryo 
zeigt  deutliche  Gliederung  in   5   Segmente   (I — V). 

Fig.   16.  Pterococcus  labyrinthus  Ostenf.   (p.  46);  Exemplar  in   Glyzerin,  Cam.  lucid.,  Uc.  4,   Obj.  4. 

Fig.  17.  Pterococcus  labyrinthus  Ostenf.;  dasselbe  Exemplar  in  destilliertes  Wasser  übergeführt  und  in  gleicher  Weise 
gezeichnet. 

Fig.  18.  Umrindete  Cyste  Hensens  (p.  34)  nach  dem  Ausschlüpfen  des  jungen  Tieres;  sp.  Rill  in  der  blasigen 
Hülle,   m.   glatte    Eihülle   mit   breit   klaffendem   Spalt,   ( 'am.  lucid.,   Oc.  4,   Ubj.  4. 

Fig.    19.   Umrindete   Cyste    Hensens;   optischer  Längsschnitt   des   Eies   mit  Embryo,   Cam.  lucid.,   Oc.  4,    Obj.  4. 

Fig.  20.  Pterococcus  labyrinthus  Ostenf.  bei  starker  Vergrößerung;  aus  der  Irminger  See  (Fl.  13);  s.  die  Schale  der 
Zelle,  r.  die  Wände  der  der  Hülle  aulsitzenden  Flügellei6ten  von  der  Kante  gesehen:  b.  die  bandartige  Ver- 
breiterung der  Flügelleisten   am   oberen  Rande;   Vcrdickum:    am  Yereinigungspunkt   dreier  Wände. 

Fig.   21.   Cyphonautes  compressus   Ehrenberg   (p.  54);   Exemplar  aus    PL  126    (Nordsee);   Cam.  lucid.,   Oc.  4,   Obj.  2. 

Ki'j.  22.  Cyphonautes  sargassi  nov.  sp.  (p.  54):  Cam.  lucid.,  Oc.  4,  <ilij.  2;  r.  retractiles  Scheibenorgan,  das  bei  dem 
schwimmenden  Tiere  am  vorderen  Schalenwinkel  (v.)  zwischen  den  Schalen  hervorgestreckt  wird:  s.  Schloßrand, 
d.  Darmrand,  b.  Hinterrand  (oder  ovaler  Rand):  p.  birni'öriniges  Organ.  \v.  ein  Teil  der  ovalen  Wimperschnur; 
a.  Eingang  zum  Atrium.  -  Alle  Cyphonautes  sind  in  gleicher  Weise  orientiert,  sodaß  rechts  der  Darmrand, 
links   der  Schloßrand   liegt. 

Fig.  23.  Cyphonautes  aeguatorialis  nov.  sp.  (p.  54):  Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  2. 

Fig.  24.   Cyphonautes  gibbus  nov.  sp.  (p.  54):  Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  2. 

Fig.   25.   Cyphonautes  oblongus  nov.  sp.   (p.  54);   Cam.  lucid.,   Oc.  4,   Obj.  2. 

Fig.  26.  Cyphonautes  parmis  nov.  sp.  (p.  54);  Cam.  lucid.,  Oc.  4,  Obj.  2. 


Lo hinan n,  Eier  und  sogenannte  Cysten      N. 


Inhalts-Verzeichnis. 

Seite 

Einleitung 3 

L  Fischeier  der  Plankton-Expedition (5 

II.  Eier  von  Wirbellosen  der  Plankton-Expedition 20 

1.  Sogenannte    »dornige   Cysten«    und   verwandte    Eiformen 20 

2.  »Umrindete    Cyste«:    Konsens 34 

3.  Ei   in   becherförmiger   Hülle 30 

III.  Andere,   als  Cysten  gedeutete,   wahrscheinlich  selbständige   pflanzliche  Organismen 29 

1.  Pterospermaceen 29 

2.  /'roliii-ori-oii/ei'ii    (')    ( l'clagon/stis    ort; mir, 1) 47 

IV.  Anhang:   Bryozoen-Larven   der    Expedition 51 

Figuren-Erklärung 56 


Plankton-Expedition,  Dg.X 


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Falxrilinip     der   Eocpcdiaon 


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Verbreitunp  und  Vör-kommen. 
einiger  Formen. 

]    Sporen,  die  in  100-250  u  große 

GaUertmasserL   eingebettet  sind. 

1mm  -  lOKolonieen  O  Vorkommen 

zu.  geling  fiir  die  grnph.  Darstellung *t~- 
1        I    Ei, das  in  eine,  abstehende,  becner 

förmige  Hülle  ^85  55 u  grl  einge  - 

senJrt  ist.  Darstellungsart  nie  oben, 

aber  1mm  -10  Individuen 
f  C     \    „  Umrindete  Cyste. "  Hensens  (130 

80 u  grl  ©Vorkommen  zu  gering 

für  die  gra/jb  Vorstellung,  sonst 

me-  bei  dem  Ei . 
I       I    Pterococcim     labvrinthus  Ostenf 

(60  u  DI  1mm  -  ZOTndiriduen  , 

sonst  nie  bei  dem  Ei 
©     Fterosphaera  cUctyon  Jörg. 

(65-100  u  Dl 

Pterocystis    rrwhöffeni-  Sorgens 

(85 ß  DI 


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Verlas  von.  Lip  sius  &  Tisclier-Kiel  iLLeipzi'i. 

Geograph-Anstalt  van."Wa§ruer  ..Debes. Leipzig 


Lohmaim  ,Fier   sog„Cysteii"iLS.  w. 


PlanhtoiL-ExpeditJon.  IT,N 


Tat'.  11. 


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Verbreitung  der  Fiseheier. 

I        I    Quantität.  'Vorkommen-;  1  mm  •  /Ei 

ün  Fang 
i        I   Quantität  Tor  kämmen  während  der 
Ozean  fahrt   IS 8 5  ,■  1  mm,  =  1  EL  im 
Tang 
O     Tischeier  mit  den,  Vertikalnetzen 
gefangen ,  nicJit  quantitativ. 
Scomberesociden,  -Ei  iT?  1 
-  "    J?2 
Macnerus  (?)  -Ei  (  ZacJcenei- 
q  •  Eensens  ) 


Maßstab    1:31157000 


»-■•     ■     Fahrttinie     der   Expedition.' 


H.Loluraun  £ez. 


"Yerlag  von  läp  siits  &  Tischer -JvieliLLeipxig. 

Geograph-Anstalt  van/Wagiter  fcDebes,Leipzig 


Lohmaim-.Eier  so^rysLenTiui^. 


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Plankton  Expedition  IV,  N. 


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Vorkommen  von. 

Pterosperxna  Pouchet  u.  Cyphonantes  I 

I       I   Pterosperma  ;  1mm  - 10  Indbrixt. 

im  Fang 
\       I    Cjphonenites ;  1  mm  ■ 5 Individ..\ 

0\  Zaht  zu  gering  für  die-  graphi- 
O  '    sehe  Darstellung 
Gä      Cyphoiuaites  compressus  JEhrbg. 
"         oblongus 

gibbus 
"         parvus 
"        aequatorüuis 
"         sargassi 
Die  konzentrischen,  schwarzen^  Linien  in. 
der  Sargasso  -  See.  und  deren  Umgebvng\ 
begrenzen  die  -rmv  Krümme!   /Ergeb- 
nisse der  Tlunkton   -  Expedition  ■,  Bd . 
I,  Taf.  4-)  festgestellten    Gebiete  irer  - 
schiedener  Häufigkeit  inv  Vorlc* 
A3l-     J      treibenden   Sargassums . 

•v    +  +  +  +   Strecke  der  Fahrtlinie .,  auf  der  il 

Sargassum   beobachtet   wurde,     I  ,» 
naeli  Brandt  (eodem,  loc,B<LI,Taf8& 


Kann1        ffl 

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Or'                E 

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S.2. 


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S.2, 


'Ulm. 


rS.2Z,0.6\ 


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Maßstab   1:31157000 


=ST*  Seemeilen 
^"Kilometer 


Fahrtlifiie     der   Ejcpedittow. 


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9.20. 


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J.IJ. 


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40 


30 


Il-Loluniuiit  öpz 


Verla  §  von  Lip  sius  &  Tisclier  -  Kiel  U-Leip  zig . 

Geograph.-\nstalt  von WaöieT  S.-Debes  Leipzig 


Lohmaim.,  Eier,  90^.  Cysten  u-s.-w. 


Plankton -Expedition,  TV,  N. 


Tai 


FUj.l. 


Pig-.Z. 


Fig  ;"' 


Fuf.3. 


Fiff.3? 


'■Z>\\ 


Fig.  7. 


Fici.8. 


Fl«!) 


Fujin 


Fu,  12 


Fiff.TI. 


Fuji 


Fnf10a 


FiffM. 


%  13 


"/' 


3.89U:iz?  vi. 


9.13.39-99     3919 


Z.    6.     109-5. 


10.       ■',"  /■',       7         II  Z<: 


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Lohntt 


Plankton-Expedition,  IV,N. 


Taf.v. 


.0 

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Fig.6a 


■ 


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Fig.5 


V 


Fig.  1 


I 


Fig.  8 


OL.  §2     l>\o°) 


Fxg.9 


Fig  W 


Fig.11. 


6 


10A.T: 


10? 


Tl. 


Plankton-Expedition  IV, N. 


Taf  vi 


Fix/  1 


Fi  11 10 


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Fiff.. 


Fixj.H 


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Fuj  IG 


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7.        II  16  15?   I)  ', 


2.        15     5. 


1Z 


Plankton -Expedition.  IV, N. 


Taf.vu. 


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Fig.. 


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Filj   II 


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Fi 


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Fui  LI 


Fix). 21). 


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Ftg.  16 


Fiti  /.V 


inj    />) 


Fig.  17. 


FUj     .' 


Fig.  i(i 


ii.    i.    lö.  ZI    )"     i         I      '    /;J    r,.ih  ,-;'.    ?? 


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LohrtiG 


Verlag  von  o&psius  &  Ülscher  in  jfCiel  und  Leipzig. 

Wandtafeln 

für  den  Unterricht  iu   der 

Geologie  und  physischen  Geographie 

herausgegeben  von 

Dr.  Hippolyt  Haas 

Professor  a.  d.  Univ.  Kiel 
gezeichnet  vom  Maler  Julius  Fürst  in  Kiel. 

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Preis  40  Mark. 

Die  Sammlung  umfaßt: 

\'l  Tafeln,    welche   die  Vulkane   und   die   vulkanischen  Erscheinungen  zur  Anschauung  bringen. 

3   Tafeln  zur  Erläuterung  des  Vorganges  der  Gebirgsbildung. 

7   Tafeln  zur  Demonstration  der  Verwitterungs-  und  Erosionstätigkeit. 

3  Tafeln  zur  Darstellung  der  äolischen  Wirkungen. 

7  Tafeln  zur  Darstellung  der  Tätigkeit  des  flüssigen  und  festen  Wassers. 
18  Tafeln  Profile. 

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Geologie  und  physischen  Geographie, 

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Dr.  Hippolyt  Haas 

Professor  a.  d.  Univ.   Kiel 
gezeichnet  vom  Maler  Julius  Fürst  in  Kiel. 

20  Tafeln  in  Bildgröße  von  45  X  öl  cm. 


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Eine 

neue  Berechnung  der  mittleren  Tiefen  der  Ozeane 

nebst  einer  vergleichenden  Kritik  der  verschiedenen  Berechnungsmethoden. 

Von 

Dr.  Karl  Karstens. 

1894.     32  Seiten  gr.  8°  und  27  Tabellen. 

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Über  den  Bau  der  Korallenriffe 

und  die  Plankton -Verteilung  an  den  Samoanischen  Küsten 

nebst  vergleichenden  Bemerkungen  und  einem  Anhang: 

Über  den  Palolowurm  von  Dr.  A.  Collin. 

Von 
Dr.  AugUStin  Krämer,  Marinestabsarzt. 

1897.     XI.   174  Seiten  gr.  8U.     Mit  34  Abbildungen  und    Karten. 

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Das  Süsswasserplankton. 

Methode  und  Resultate  der  quantitativen  Untersuchung 

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Dr.  Karl  Apstein. 

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Eine  neue  Bestimmung  des  Pols  der  LandhalbkugeL 

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Dr.  Hermann  Beythien. 

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Über  die  Weltkarte  des  Kosinographen  vonRavenna, 

Versuch  einer  Rekonstruktion  der  Karte  von  E.  Schweder. 

18  Seiten  gr.  8°  mit  2  Kartenskizzen. 
Preis  Mark  1,20. 


Druck  vou  A.  Hopfer  iu  Burg.