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Full text of "Ernst Hamburger Collection 1913-1980"

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Er»s^ HQ*r)k»rjet' C» I lec^fOit 



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^ewish offi'oA/s }/) fle -ji^J^ 






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V .AlterthTJBi. 




Tel-xiViv/Jad Elijahu.den 19.oanuar 197:^ 
kargoliTi-Ütr.4 (Beth üilah) 
Israel. 



sehr geehrter 'rierr Dr .Hamburger ! - .,v, 

,ehr geen gerichteter. Brief vom 2.d.Iv ts .darf ich 

Auf Ihrer^.am ^Jll'' .{l- tlf^l\f^lls Lebenslaufs nätteiler: . 

Ihnen wxirscugen.ali die "^xer iicx i887.üesuch det, humanisti= 

üeboren als L.ohr jüdischer ^'^"^^'^.f ' ^^b^'g^Je-rUfunK-Rechtsstudiun, 
sehen Oynnasiur.s in Bernburg/ Anhalt. L906 Keife. rut^t ^.^ 

an den nniversitäter ^^^'^^^^I^'f ^^^^ "^3„SesIor!von Septeirber 1914 
Gerichtsreferendar .August 1914 Gerichtsa..esso r ^^^^^ ^.^ 

bis Herbst 1916 Kriegsfr( iwil liger (Csttronw-A H,gierungs- 

.u. Knde des Krieges ^^^i«f|f-^^^ä^.;;f,;rs;at'und ab K4.1928 Land. 
Sric^t^direV^r ii'Dfssiif'.95r''tlassu.g aus den anhaltischen 

Staatsdienst. , v»4. 

Tätigveit auf jüdischer, uebiet. vorstandsn itglied der jüdi= 

Zionist vor -^gend an.von 1920 J^^ [^^^^^^r des Vorstandes, Mitglied 
scher^ uen-einde in ^^«saau, sater vorsitzeraer ^^^ ^^^^^^^ 

aes Kuratoriums der Baro-in vp^^-°'^^:^'^I,!:'^"tltung zur Föraeru^g aer 
amtlicher -«^^-^^^^/^^^^l'^^^^ltttS tr ichi,eit..eise vorstand der 
Geisteswisse-scaaften.uleica7.eitit f\l\1J . ^anaesvorstandes aer 

Zionistische^ Crtsgrupp ^J^^^^^;^,"- ^J' ^JS^sSienst übersieuelte ich im 
ZVKD.Nac. mei-er .;ntlassur,g aus ^^"'^-^,^^;:is^^ior u-d Leitu-g des 
OVi.ober 1934 nach ^'^iP^i^''*" ^"-^,^J^/euttci?aii übernahn:.üleich= 
Zio- ..sttschen -^^■^T^e:^^«^^,^'!"^ ^„^'^J^f igral^itiscnev- Religionsgemei-de 
.eitig gehörte ich ^ .^^"^^^ ^t^i^chaft ehrenamtlicher Leiter 
in Leinijg an und war in dieser ^^^;^^°;"^. ^^^ FHrder-^jng und 
des .Sozialamts der gemeinde dem in.be.o^^ c^^^ ^.^ 

Finanzierung der judischen .vuswa^aerurg.ux „y^-ena im Bezirk 

Beru .sausbildung ^'^d-ümschicnU^^^g der judi.^ aen^oug^^^ 

Jiitteldeutschlana sowie die '^'^'^i°'^^"7f,^)^"^_' ' !_, g^^nF für ca.l i on.at 



oblae.AB lO-I*»!'!"', '„!'', ilQ AU. waSdcrü.^? räch dem dar.allcef 

Im KZ BucHenwald.ini "'•"•,;"' t*eitS 1041 Tütifkelt für das L,o. 

!Ur.i;sur/d;riS«:i"<«i^ie!iLie^JJc i. '^ifa.i,.. «.- 









4.^^ 



scheiden aus dem o^^dischen Die-ot. threr.vorsitzendf r des 

Ab 1944 bis heute bin ich Hon.^ecretary u a rri solcher 

Verbandes ehem. deutscher ^mter und -^"««f ^^^f ^^v 1^"°/-''' 
'>ür die .-iedergutrachung dieses Ltrsone^-Vreises 1;^^'.^^ „.j,, 
im .Vege der ,Viedergutmachung 1952 ..rnen.nung zun. Ministerialrat -.i^, 

späte- zum benatsp-asiderten ^.D. «nhaltischen Staatsdienst 
Vor sonstigen jüdiscnen enem. Beamten im annaitxooi 

sind mir bei<-annt : ijo,v-,o>^.,v -n ^i.ier deror iert 

1. Dr. Faul Gärtner ,s .n. .Staatsanwalt m Bernburt,, leider aeror 

u-nd umgekommen. ■^t^+ r,v>or--r*.PM prurFsrat a.D. Wohnt 

o Ott n^n'nr Refie^np-srat i'^ Lessau^etzt C;berregierungorau ö.x^. . 
2.Utto ^nnn,negifr-a t,'>'=" -^ !nWn rtes vo»^ Ihnen erwähnten, l9^J 

?:%?:iSrBl^.^;;r.in;he. U.d.e.l0K».at 1. B..sa„ d.r ».;;.»^ 
ich .10. reo« -l;;;*-4«»nrK,.i:.!«*f ;-5t'he4e. N.tl.e- das ™ 

en Rehmer,, as Ihnen ""»■'1""' |Jf ;jj^,S-ii„her ^loohaohtup£ 

Ihr sehr ergebener 



4^ 6ovH.n- / rUn^u^^^ 



29. Janvar 1*^12 



Hf?rrn Dr. Martin Altertmim 
Maraolin-Str. 4 (Beth Gilah) 



Sehr ge«h«ter Herr i>r. AitcrthUi"., 

NehmAn ^ie m^^-inen :oef=?ten Dan!c fuor cie eingehe ncle 1^^- 
ant.wort\irKi lueinaß ari H^rrr^ rr, Trümer ^^riohtoten u^'^d I^nen 
ueberadttßltep Hrlefos. Ich Mn Ihnen Bi^hr vcrlrunden, ciass sie 
crowohl Ihre T.a\ii:>cl:P als Duch r-^ro Taeti-^f^i^ -.^f juedixcliern 
c;;e/det bo einaohenf c f-^r?>>5.1--€rt hfihen, 

T'ini*5t.-*'»^l."^1 rt^t frnc»nn^ vorden srioi tc'ias 1-- . . .r>ic-:irv durch 
Ihro Information, i-^*as<^ --l-"- cdr .o >-rr.::tiriU./iu i'u -.w^^si usr v:ie...er- 
r,T4t.Tnach^"ina rrh-iltnn 'v^''"ir:n^ Ferner ^^ur iti di^m Arti'*--! c.^-.agt, 
dass Sia ^oit 192B Vorpitrxndor oc^:«^ Leiic-asarbGitscr^ricitr. x'^on 
Atihait Voren. Davor; ^nraehm^n ?ic: in IVirprii Schreil^n nicht-, 
.-> uud ich nob.ne daher an, ^U^^r:; Ihre 7» ' * lg^:-,it al-^ I^n.5gerLc^t-0- 
/ dircKtor al. 1.-.1028 -ich nicht auf .^m nn^'ij.t -- •. Ar^o. ^ - eri.chts- 
veser* volli;oo>-i'i hat. 






Dab>;bar hivi ich lhnc/.r auclA fuer Dir^^i ilitn i^is ruf soni-tige 
ju^-discüir .me.uciliac iicsi^isEf-- 4-.-*- i?n ^nha1ti-r>^ : taa^rr^ierst. 
An Ilerru Otto Cohu v.^ro- ii.; ,.. jhrei:>r-:Vi,cUGh wann etT3i^r.c ^u- 
sacitzlichcr Irfonnatioacn uo;->er meinen Vfstrr. ttc:>?- ^irron Tif^ot 
viPlar, infoloe soinor 'PaetioKoit al?? AlK^eorr^netcr uik^ irt> V'-or^tand 
dos C€.ntralvereins döutschor Staatshviu^rTer iur-dir-chnn C'lanT^.nH vor. 
Audi cor ..hoiaaxusio TAicrc^criüt-isU^r von Ic^r^^au, Herse, a€.r auch 
MitcjHr- ^er rT^vdonalver^amml.nrvj vi^r^ r?r rieht viedcrtiOlt vor« 
Hermann Cohn. 

I1i> nochwal. r^-err^ hio'r-en ^anv un^^^ \'r'rhindlichrn rinpfehlpnrron 

ihr sehr erae>^ner 






k.Alterthuni. Tel -Kviv/,Sad E]ijahu,cier J9.I'-ärz 1975- 



*/ 



Sehr geehrter Herr Dr. iianbure:er ! 

Ich dar^Ve l,.rer> r\xr Ihrer frdl. Brief vnn 29.1-1975. 
Da Sie ar^schrine-d wert auf neire frühere arheits = 
rechtliche i^ati.rkeit leger, darf ich roch Vlarsteller, 
dass ich scho- als -ar^dgerichtsrat v/orsitzerder des 
La-desarheitbgerichts Dessau war urd i^ £le±cher ä.i= 
ger Schaft ai^ch rach rreirer r^rrerrurg zun Lardge^ichts: 
di->'eVtor ((1.4.192R) bis 7,u i eirer Ertlassiir^g aus derr^ 

btaatsdierst tätig war. 

Die Artsbe7.eichr>u^g " iw^ir^isterialrat a.D. ", kürz] ich 
gelirdcrt ir " :^eratsrasidert a.D.", habe ich frst in 
.•v'ege der .-/iederguimac>in>^g erhalter. 

I'.it freundlichen G^üßer 
Ihr sehr ergeberer 



./ 



/ Wivhti.M 



RAR AVIQN 



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\^ AEROGRAMME • TIIK FHVN 





'^,v 



I«^r . 



isrn est Hamburger 




f^7 Riverside Drive 
New York,N,Y. 10024 




U.S.A 








5«». 



.J^^ 









E XPEDITEUR- SENDER — n"7lU;n 



Xw4liexth-uw- 






Tel-Avi v /Jad Lli.iah u 

Karßolir-btr.4 (Beth ^ilöihj 






Israel. 

i^iiK -iKiii 3n3)2 '7\:; ^nyn -»dV n"?«;^!! im nn au/inu/ mi^K 
ün aerogramme contcnant un objet quelconque sera envoye au ^.^^rf ""^^;;"^;;^^""■ 
An aerogramme conlaining any enclosure will be sent at a.rma.l-letter rate. 



X 



M 



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^ 



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Dr. Srnest Hamburger 
67 Riverstde Drive 
New York, N.Y. 1002i4 



14 • Oktober 1970 
U/689-SH,/lS 



Herrn Dr. David Arian 
20 Ha^eyasdim Street 
Jerusalem, Israel 



I 



Lieber Herr AriaUj..^ 

es ist eine lange Zeit her, dass Sie mich in 
den United Nations aufgesucht haben. Ich hoffe, es 
ist Ihnen inzwischen gut gegangen, und ich wende 
mich jetzt mit einer besonderen Bitte an Sie. 

Wie Sie vielleicht wissen, habe ich ein Buch 
** Juden im Oeff entlichen Leben Deutschlands" im Auf- 
trage des Leo Baeck Instituts, New York, veroeff ent- 
licht, das die Zeit von l848-19l8 behandelt. Wenn 
es Sie interessiert, koenner: Sie es auf einer der 
grossen Bibliotheken oder im LBI-Jerusalem einsehen. 

Ich bin jetzt dabei, die Zeit von 1918-1933. 
also die Weimarer Periode, vorzubereiten. Es kommt 
mir darauf an, die Parlamentarier und Beamten moeg- 
lichst vollötaendig zu erfassen, obwohl vielen nur 
einige Zeilen gewidmet werden, oder sie nur in groe- 
sseren Zusammenhaengen bearbeitet werden koennen. 

Hier moechte ich Ihre Hilfe fuer das Polizei- 
Praesidium erbitten, bei dem Sie ja beschaeftigt 
waren, Koennen Sie zunaechet fuer sich selber einige 
Zeilen ueber Ihren Lebenslaufgeben, ebenso ueber die 
Zeit, in der Sie im Polizeipraesidium beschaeftigt 
waren, eventuell ueber die Gebiete, mit denen Sie 
sich befasst habpn, oder sonst ueber einige Ereig- 
nisse oder Kt^i nne rungen, die fuer das Buch wichtig 
sein koennen. Ich waere Ihnen dafuer sehr dankbar, 

Bezueglich der anderen Juedischen Beamten des P.P. 
weiss ich natuerlich genug ueber Bernhard Weiss, Martha 
Mosse, die erste Polizeiraetin in Preussen, hat uns 
einen mehrseitigen Lebenslauf ueber ihre Arbeit und 

-2- 



\ 



- 2 - 



14. (»ctober 1970 
ü/689-EH/IS 



Herrn Dr, David Arlan, Jerusalem, 



I 



und sonstigen Erinnerungen geschickt. Neulich raachte 
mich Rudolf Schindler, der Ihnen wohl noch in Erinnerung 
sein duerfte, darauf aufmerksam, dass auch Regierungs- 
direktor Kaiser am Polizei-Praesidium, Berlin, Juedisch 
war, und dass er nach Israel gegangen ist. Wissen Sie 
von ihm etwas, und koennen Sie mir ueber ihn einige Infor- 
mationen geben? ♦ 

Sonst sind mir jüdische Deamiüe am P.P, Berlin - 
ausser mir selber, der ich Ja dort nicht gearoeitet 
sondern mich lediglich meinen parlamentarischen Aufgaben 
gewidmet habe - nicht bekannt. Kennen Sie noch Jemanden, 
oder haben Sie sonst noch Informationen, die fuer mich 
wicht iF sein koennten? Ueber die Abgeordneten bin ich aus 
persoenlicher Kenntnis bezw, durch die Handbuecher des 
Reichstags und des preussischen Landtags unterrichtet. 
Die lueaischen Beamten bei Braun und Severing sind mir 
prenuegend oekannt, und ueber die anderen 13eamten in Preussen 
habe ich ausreichendes Material, so ueber Platow, ||lttels- 
hoefer, ilerrnstadt, Neufeld; ferner Land*, Selig^i^Kesten- 
berF im Unterrichtsminlsi;erium. Von Kestenberg liegen Ja 
auch die Memoiren vor, ich habe trotzdem vor, mich gelegent- 
lich an seine Tochter zu wenden. 

ES wuerde mich sehr freuen, wenn Sie die Luecken meines 
Wissens etwas ausfuellen koennten, und ich waere Ihnen fuer 
jeden Hinweis dankbar. 

Mit freundlichen Gruessen in guter Erinnerung 



N 



\ 



Ihr 



Srnest Hamburger 



•Ist die Information richtig? Ich zweifle etwas, da Kaiser 
noch in dem Handbuch fuer Verwaltungsbearate fuer 1935 
erscheint . 



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DR. D. ARIAN 

20 Hameyasdim Street 

Jerusslem-Israel 




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.yy^jniAh^.'cU JiA/AMWr 







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28.5.1903 Born at nieraimovico.then German 3llabie,now Foland j 



1D21 - 1934 



1924 
1924 - 1928 
1928 - 1932 

1932 - 1933 
1933 



1»34 - 1943 
1944 - 1948 



1948 - 1949 

1949 - 



1964 - 



1962) 
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) 

1965) 



1962 - 1964 



1,6.1965 «i 




sinca 1952 
1962 - 1963 

Hose Addr«M 



Study of rolitical Science« an(5 Lawtünivarsitie» of 
Hunich,Br«slnu,Fr8iburg and Berlin 

Dr. Jur. 

Caciet officsr (n«**en<iar) 

District Adrainistration BerllnCReßierungsaseeaöor) 

Frussian Stete tSovittunant 

DlMala»«* b/ tha !J«tl nal-nocinllßt Government» 
now penaloned as :.in löteriel-Dirit;ent a.D. 

General ^to^tgage Bank of Falefitlne, Tal-Arir 

Secretary to the Plannln,; C >nBnis8lon of the Jewiah 
AKency for Fal^stine (pröparint,', coordinatlnti and 
followlng up the actiYitiaa of tha «oomiaaion in 
preparation of the futur« State of Israel} 

öaputy Secretary to the GoverMitnt of Israel 
Qovemnient of laraelt 

Deputy Civil Servica Conniissioner 
Acting Civil aervioe CoEBiisaioner 
President, Civil Service Disciplinary Court 

On bshalf of the Untted Nations, Tecr^ical Aesist- 
Sce Board (0PI3C) - Administrator o'^JJfi^Jji«^ 
^hiopinn Central Forsonnel Aüenoy, Addis- Ababa 

letired froa Israel State Service; continulng aa 
Mairibar ot the Government Gelectlon Board for 
Higher Government Cfficiala aod for the State 
0>ntroll«r« a Office 

Lecturer in Fublic Administration, Hebrew 
Unlv^rsity, Jerusalem, and Tel-Aviv 

n»iting Professor (Public Administration) Halle 
Salasaia Uhiversity, Aficis-Ababa 

to Bat-Sheva Arian, nee Kirwla; t«o daughtera 



r 



Jaruaalan. Israel, 20, ^taao J asdiaj Street, 
rh/ne 517^5 







% Ai? r^'^'^ "^^^ 





/ 




13. Dezember 19(7ü 



Lieber LoKtor .Iriaa, 



^.^ 2vf 1 5"-^°^'''" ^"^'^'^ ^"^^^ ^^- Schreiben vom 4. :Jove->^er 

'o?tr S fJ'"^ ''''^^^•^" "«i«^"^^> i^^ Generalanzeiger fu?r' 
.^ort.und.in uer icü oi e aun nicht nur brie.-lic>i ^onde^n -or 

nir aen; «r-rf/üll uii.,2 worden air ■,veitcr"r.elrcnV' "'' 

3czr.l, C'onr'M). Kaisers haben Sip •iiir'>i "ir^v + i- .■,,/• ^-i < • 

bf. 'io^?^^fprl<.3q''^n'i'""^H '?' ^'"^?f allr-rdlnis nicht" d;.isir 
Nuor'b 3. r -,"i^t^^-- '.t'-'; ^^^^^V'^^li-bff' sein k.nn.du ch die 
mitrr ^in n.;. ::,;V,^:' ;^*''- ^''^ i'^;et:.:-iccit aller juedischer be- 
^re.laohfJir ;ar- ,f •'n'"?'''' ''• -rf^^^^'?" -^CU3 habe icl. n^.tuorlich 

l^ri:inif 'nf '^"'^.^"" ^^^"'^^"^'f ''^^^'^ ^<^''^n"£:i^ 

0<4ff.^'. -^'^ «Y-A r.v, + ,T { ., , -%^ ' ^^-1 J-4 < ':;.;-ü-Lv. von .iOSwGIi lisch 

.sr.t,.; tt-, lu^.c.t, ...1;: i.üi. nexat VerT-eltunggl^iurbr-fc-. b-T-nn). .j^""'''" 
raren o-freunä, t.un: ich hab- ..,,.rcu. auf einer I^ieln-Thl^'t^rt, 
in uuosseJaorf wit-aer btsucht. .ie hsben pin Vtcn ■«^ ^r^'^T 
dnss 6io iha in I^r.el eine Aufeabe l^Lr V.r^al^n^ v^ 4'";:^ ;?-ft- 
J-->.en,dGnn er %t.r v.o-1 recht verbittert iI~'4:^T"n I',^- ^^^ 
-■^einu-u- r-'r>t ,:.<>■,,- ■-<• - "■■-'•' -^ ' ^'t-i !-, as.?-^: rridii i,;n nac;-; seiner 

hntt. %o;' inip"^ ■•'^t ?-.:ri'?h^"''\:"S ^»t^^r^«-^'-"'^^^ -stelle, gageben 
foir- 'n'- toinr- M- Ids ich xra K B ins loh rerelraaessl," vnr- 
Miuflrlusai^cn! " --^^--^en X3t..i. vL-x- weren in Breslau 

«eids m.lcn 'af^ir.':nL^^° Baeck Instituts .besprochen h^^lcn. Ich 
IroSvJr S^? r-'lM%oS"c rV^^'-° ^^^'' ■'eisoenlichkcitr.n.die r;at 

au'Süiin^^. rn^i tr ? " ^^\' fiearbeitun, der zahlreichen Beamten 

und rirnC^f^i^ «1-^^ ■ '''''-^ jue.ischer Beamter, von denei Jbaat 
B^a^.t" iP^'r-t i^Ml'L^"*'^'^'^^^ politisch h.rvor; etreter^en 

sterben st rai;4;n f'' ^"V' lebt,.Vora:.o«ic2.d r in l^äor^^'ffl 
eine l^^fulhrucil?" ^eLtJlif'i'f 'f ?'''i' '''^^^' -atnenauie. 
«in sorel.eltie. utberlegt .erdsn.un.; ich bin noch nicht ganz sicher. 



/ 



Xhie Giuosse an neicoii' r "werde ich gerne ausrichten, ich 
sehe XLU von Zelt za 2:ei t unc %! Lelefonier'c n auch niit 
einandf "^' unn er v.irci sich sicher ueb r Ihre i.rinn'i run? sehr 
freuerit ..ch danke ilintn schr|dass :-ie rair g^- st'jt ten, Ukiojix 
^.eiteri. 1^ lAI Fra^:,en fui ;Lit: z'd htncien und ich \vercie das 
gt rne ^an^ x.aben Sie noch einen i'aschenkaler.der fucr Ver- 
usalLungsbeHCite au^ ie' l.etvtcn J?.hreri d r -.'ei .arer Zeit? 
hr koe^nte u.ls ..rinne run^irjstuetüe äicLen ,Vvenn v3ie Ihn mir 
^<nih^iii.^^e uc-b^ rlüfjoen ^vollen« ^ie lAjtcrcieri iln nuch der i;c- 
uutzun^,,die nur venli^e ^'a^^c: in ^aispr. ci^ nelimen VvUcr>ie,pro.ipt 
rurucck erhallen« 



%:lt d'-L 



^^ 






n Orucisen und uoGhm^lz^ heralichcm Dank 



\ 



ihr 



1 



j~ 



KAMBDKOXEt - 6? Riverside Drive - »ew lork, n.Y. 1^2U 




2. Novtaber 1971 



Herrn Archivdirektor 
Stadtarohiv 
Stein tor-^^all l5 
33 Braxjnschweig 



'T. Israel 



K 7^^**' 



ütr« Ihr Schreiben A 295/71 

AV-56/Qu 

vom 3« Ausrast 1971 



\ 



\ 



\ 



\ 



Sehr geehrter 9«T Dr. ÄrMl» 



Sic hatten die IVeundlichkelt, mir die Adresse von 
Sic hawer. axe i dadurch zu ermoeglichen, 

Herrn Dr. Roloff mitz.ut«iien un^ mx Leider hat aies 

rieh mit ihn. «ü^ekt ü» ' eroxnd^ 'die v^^ Ihr^ Gatten beauf- 
kein Ergebnis gehabt, Frau ^°J*f J' ^* ^''"„^eb rolr, dasB 

tragt wurde, f ^«"V^^JZ-^^^^HrSS^chäS zur Verfuegung 
er alle Unterlagen dem Stadtarchiv Lraun&cni« .j^r^eber 

gestellt habe und leider nicht in der I^^ge se:., mir 
hinaus etwas «u sagen, 

. j^k.^ .4«h MlMeelieh der Vorbereitung 
'f ^^'•rS'rjSeft^Sef^uSl^m ä?fentlichen I^ben 
des zweitxsn ^«i^^"*'^''^,^^^ oL tZ „enden und Sie 7.u tragen, 
Deutschlands" ''•^«'tj,*^^"'^,i™:,i'-^^^'eirige fYagen beantworten 
,.>^ c-^« auf Grund dieser Unteriggen einigt» ri^«fc T5«tT«Affa 

Herr Amtsvorgaenger alles eser. tische mi-fe^^x^.. 

In dem Buch v.>„ Herrn Dr. Roloff "^^^^1^^%^\Z' 

Steet von ^Ji-" ^^^ -f, J^S^^l^^Tr ehoeJ'^ d;/Rattr 

gewisser Oustav ^f «''f ^Jnn W t an. Im Februar 191? ist er 
Kommissare ^^^^- Revolution^.- t^n.Im^^^^^^ ^^^^^^^ ^^ 

von diesem Kat -„urueoKbC-rcwR, «^ j^ 

den zu entoehmen waere. «^i^^^"!^ ^Sche^Partei er ange- 
irueher politisch i^^r^^^^setreten^t, welcher r ^^^^ 

hoerte und ob er noch ^P-^^P^r' un5 es wal« mir angenehm, 
e'LVgf reiS; Sr^Ihn^^fÄntkchen zu .oennen. 

./. 



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ERNEST HAMBURGER - 67 Riverside Drive, New York NY 10024 




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2. Februar 1972 



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Herrn 

Oberlandesgerichtspraesident A.D. 
Dr. Friedrich-Wilhelm Holland 
33 Braund schweig -^ 
Kollwitzstrasse 4 



Sehr geehrter Herr Holland, 



ich bestwetige den Einfang Ihres Schreibens vom 
19. Januar und danke Ihnen sehr, £ass Sie sich von 
neuem die Muehe gemacht haben, meine Fragen zu beantworten. 



Ihre Information ueber die Taetigkeit von Victor 
Heymann im Stadtparlament und als Praesidenx: der 
Braunschweiger Rechtsanwaltskammer ist mir wichtig. 
An Herrn Dr. Gutkind habe ich geschrieben. 



Mit verbindlichen Empfehlungen 

und nochmaligem Dank 



Ihr ergebener 






Der Bundesminister der Justiz 



- Archiv gr/73 ■ 



53 Bonn, den yj^, April 197? 



Fostfadt 
Ul. 20171 

Hausruf 



305 



Herrn 

Ernest Hamburger 

6? Riverside Drive 








New York. N.Y. 10024 
USA 

- Auf Ihr Schreiben vom 29. Kärz 19^/3 - 

Sehr geehrter Herr Dr. Ham.burger, 

als Anlage übersende ich Ihnen Inrem Wunsch entsprechend Ablichtung 
einer Liste der "Richter, Staatsanwälte und sonstige Justizbeamte, 
die Jüdische Mischlinge sind oder mit Jüdinnen und jüdischen Mischlingen 
verheiratet sind" aus dem Jahre 1937. 



Mit vorzüglicher Hochachtung 
Im Auftrag 

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^ ßv .lü cilsch, y e r s i j) jjt e n^. B e a^^J^ Pi^^ 



1. Richter. 



r^ichs.g^erichtj, 

RGRat 

Kaj]uiiej*5 eri ch t s b e 2l r^ : 



L^ ]. Gerlach, 



2. Brennhausen, LGDir. in Berlin, 



5. Er.Paech, 
4. Koch, 



II 



tt 



AGRat " 



5. Steinhaus, LGDir. " 

6. Reinshaus, AGRat " 

7. Dr.Korsch, LGDir«, 

■ AGRat " 



'8. Heegner, 



LGRat " 



9. Bierbaum, AGRat 



tt 



10. Wilde, 



A.u.LR. " 






1 ' * 



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OLGBezir k Bambe rg; 

^11. Kraus s, 
OLQB ezirk Dre sden : 



AGRat " Bayreuth, 



^ 1^. Dr. Joh.ivIüller,LGDir. " Dresden 
üIGBez irk Düs seld orf: 

^ Y6. Dr.Fölsch, AGRat " Wuppertal-Klberf eld 



'■-' ; 



T.GBfiz irk F-pankfurt a.iVi. : 

14. von Seggern, '' " Frankfui^t a.LI 

15. Bernd t oLGRat " " " 



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ö. iiecKer, 

17. i^iencke, 

18. x/iartino. 



LGRat »' 



AGRat " 



LGRau " 



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^ - 






oLGBezirk Pla mm: 
^^ 19. Dr. Grebe, 
--^ 20. Dr. Schlüter, 
^ 21. Rheinländer, 
^ ;;;2. Dr.Dr. Wiiiiiiier, 



LGDir. in Dortrü und 



AGRat " 



II 



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II 



')d:^^^l^^^'^'^?^^^-^^^^^ 



25. Liaitens, 



0LG3 .aMrk_ Koln:_ 



24. Droiike, 



LGRat " I'dan::heirii 



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5. Dr. Jansen, 



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" Köln 



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II 



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'26. Lingemann, 

uLGBfiZirk Koni .^s barg,:. 

. 27. Dr.Y/iedenhoeft, LGDir. '" Königsberg ^cu/; ^'i^-^^y/, :^. 

wLGB ezirk I>iilnchern 

y, 28. Dr.V^ölzl, 

29. V/alther, 

OLG Bezi rk Nürn berg; 



tt 



" München 



i^' 



LGRat " i-.ünchen 



^ 



30. Ehrl, 
51. Oppel, 



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" Mrnberg 



AGRat " 



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OLGBezirk Stettin: 



52. 'ioepffer. 



^>LG3ezirk Stutfert: 



55. Pf leider er. 



LGBezirk Zvveibrücken: 



LGDir. " Stettin 




AGDir. " Heilbronn 



34. Dr.Ritterspacher, LGRat " JPranlienthal 



55. Ritter, 



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Kaiserslautern. 



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- 5 - 



II. Mittlere und untere Beamte. _, 



Tr<^mnPT-c^erichtsbezirk;_ 



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U Peicel, 
2. Gerlach, 
5. Treptow, 

4» Kliemchen, 



y 5* Hartmann, 
^ 6. Kollosche, 
V 7^ Taubert, 
8* Pasternack, 



JustSekr. in Guben 
JOJInsp* in Brandenburg 
Justlnsp» in Berlin 

* 

OGVollz» in Charlottenburg 
Justlnsp* in Berlin-TZeddin^ 
JustSekr» in Landsberg 
GKVollz* in Berlin 
JustSekr« in Berlin 
justlnsp« in Berlin 
Justlnsp# in Charlottenbuig 
Justlnsp* in Berlin 
JOJinsp« in Schöneberg 



S. Stitz, 
10# Eaul, 
^y ^^^ Glockmann, 
y 12» 2iewe, 

OirrBezirk Gellet 
</ 15» Hameli 
j^U» Bentier, 

OLaSezirk Darmstadt: 
^ y^5^ Y/eber, KzlAss. in Y/oras 



JustSekr. in Hannover 
Justlnsp» in Meppen 



{ OirrBegi rk Pässeldorf I 

I ■ II ■■ ■ I ^ — I ■■ II ■ ■ 



— \ 



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16* Volkmann, Justlnsp. in Y/.-mberfeld 

17. Stutzinger, Justlnsp. in Duisburg 



OLGBezirk Pr ankfurt aA^aint 

KzlSekr. in Prankfurt/Main 



18. Lopper, 



CLaBezirk Kamburf^ 
/19. Schreiber, 
20. Gutzmann, 



Justlnsp. in Altona 
JustSekr. in Hamburg 



l 



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•- 4 - 



nr av^a^AT^^ Hamm: 
21* Yfirtz, 

OLG-Bezirk IClel:, 
22# Hölke, 



Juatlnsp. in lliinster 



JusWachtm. in 2:1 el 



23 • Barth, JOInsp. in rönigsDerg 

oj,r|T^ ^ r. n- -rv T.Tfir ienwerd er t, 

24o Rabenack, Justlnsp. in ISarienwerder 

QL&Besirk Stutt/^art: 

^25^ Ladewois, JustAss* in Stuttgart 

26 • Spangenterg, 






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in lübingen, 



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- 5 - 

III. N t a r e. 



2^) 



Kaiuir-er<ierichtsbezii^ 



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1. Joacaini Beutner in Berlin 



2. Gerhard ßollsrt 



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'd. Siegisniund Effnert^' 

4. Wolfgang Finster " 

5. Richard Grashoff " 



6. Franz Kremer 

7. V/alther Lorenz 



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8. Otto V/ilhel:n Frhr. von Lüdinghausen 
gen. Wolff ii^ Berlin 

9. Hermann Pohrt " Rheinsberg 



10. 2vlax Puhlmann 

11. Karl xvadke 

12. Ludv/ig Rüge 
15. Max Rumpel 

14. Gustav Rust 

15. Vialter Schmidt 

16. Iv/an Storp 

17. V/ilhelm Thiele 

18. Georg Thierkopf 

19. Erich Vogel 

20. Lothar V^^elt 



OLGBfiZirk Ha mburgj, 

21. Walter I^^eumann 

22. Karl Wichmann 

OLGBfizirk ^HammL 

23. Georg Schenkel 

OLGBezirk K ö nigsber.^.:. 

24. Kurt Zeisig 



" Berlin 
II " 

II II 

11 II 

" Kirchhain 
" Berlin 



II 



II 



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in Bremerhaven 



" Harriburg 



" Iserlohn 



" l^ikolaiken 



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QLGSpzirk j^.aumburgi. 



25. Eduard Müller 
23. Johannes ?onxue 



in C^uedlinburg 
«« Halberstadt 



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üT.Gßpzirk Rostock^ 



27. Curt Tardel 



" Rostock 



0LGße2irkiJa.nai 

28. Günther Gottschalk " Gotha 

29. Georg Pracht " Eisenach 



- 6 - 



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IV. EeichsToatentant 



U Hinrichs,Pr.phil*, OZRat in Berlin, 



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13 clcn Bcr::ir]2cn 



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des Herrn ^^--n^nnela-et-rn T)-r-.. .^^^>-e,.^ 



!• Richter 



1 . Drennliausezit 

2. Pr.Paech, 

4. steiniLaus, 

5 . EeiXLshaus , 

6. Dr.Eorsch, 

7. Eee^ner, 

8. Bierbaun, 

9. Wilde, 



IC-Dir. in Berlin 



LGDir. " 
AGHat ** 

LGDir. " 

AGSat " 

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0' r--?,cz±T)r Dresdcnl 
"' 10. Dr.Joh.üüller. LGDir. in Dresden 



LGDir. in Stettin 




11. Ooepffer» 



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- 2 - 



Il.rö.ttlcre u-Ad unt ere Eoar/^e. 

7r??.r:iaer.'Terlohts'ber:ir!-t. 

1. Pekol, Jus-bSeicr. in Guben 

2. C-crlach, JOlnsp. in Branden'ours 
5, Treptow, Justlnsp. inBln.-HeuIcölln 

4. KLieachen, OG-Vollz. in Charlottenburg 

5. Hartmann, Justlnsp." Sln.-^Teddin- 

6. Kollo scüe, JustSekr." Landsbers 

7. Säubert, GIWoUz. " Berlin 
8* Pastemack, JustSelcr." Berlin 

^. Stitst Justlnsp.« Berlin 

10. Kaul, Justlnsp." CharlottenlDur- 

11. Glocl^aann, Justlnsp." Eorlin 

12. Hicv;e, JOlnsp. « Schönebors 



E5« Kamel, 



JustSekr. in Hannover 



U. Bentlert Justlnsp. in neppen 

15* Schreiber, Justlnspo in Altena 

16. Gutsmann, JustSekr. in Harburg 

17. Holte, JustTTachtn. in 2iel. 



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- 5 - 



mmm^f "K^ Ä J" O *y» '^ 

III • ^i o C". ^ ^ 



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1 . Joachia Beutner in Berlin 

2. Gerhard Boller-t 



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5. Sisisamd Effneri; •• 
5, Bicliaxd Grasholf 

7. 'yTal-tüer loreaa 

3. ^ouo "iijej-i Berlin 



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2, Eercaim Poirt 

\ n, Sari Eadlce 

i 12. Ludwig EUG© 

15. Ilax HuLipel 



14., Gustav Eus 






tt EiieSsic'berg 
w Berlin 



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» Sircbiiain 



15, V/alter Schraidt " Berlin 

IS* Iwan Storp 

-17. \7ilheln Shiele 

18* Georg ^lliierlropf 

19, Erich Vosol 

20 • lotiiar ^elt 



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21« rJalter Eeucann 
22 ♦ ITarl Wiciii^^ann 






In Srenoriiavon 
•• Ham'burs 



23* GeorG Schenlicl in Iserlohn 



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r T ;B e z irk T6nUii<\:i^rr,^. 
24. Ivurt Zeisig 



45 



- 4 - 



in IJikolaikezi 



r,T.r.BGr.irk Nau'abuiT.L 



25 



'duard Ivlüller 



27. Curt Tardel 



in Quedlin'buTG 



26* Johannes Poinne " Ealterstad 



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" Rostocli 



1(^ 3^2 irk Jena;_ 

28« tr-"-r^^- GottscnaliS: 
29. Geors Pracht 



in Gotha. 
* Eisenach. 



^ 1 



Der Bundesminister der Justiz 

- Archiv 2l9a/72 - 



Herrn 

Dr. Ernest Hamburger 

67 Riverside Drive 

New York N.Y. loo24 
USA 



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53 Bonn, den 25. Januar 1973 

fottfadi 
T«l. 20171 

Hausruf 296 




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Sehr geehrter Herr Dr. Hamburger, 

die Recherchen, die ich auf Ihrem Brief vom 15. Dezember 1972 im 
Archiv des Bundes just izministeriums habe anstellen lassen, sind 
leider wenig ergiebig ausgefallen. Sie müssen wissen, daß die 
schriftliche Überlieferung der früheren Obersten Justizbehörden 
- soweit sie überhaupt erhalten blieb - auf verschiedene Verwahr- 
stellen verstreut und insofern ein Spiegelbild der zerissenen 
deutschen Nachkriegssituation ist. Als halbwegs einschlägige Quelle 
hat sich hier nur eine Zusammenstellung über "Richter, Staats- 
anwälte und sonstige Justizbeamte, die jüdische Mischlinge sind 
oder mit Jüdinnen und jüdischen Mischlingen verheiratet sind" 
aus dem Jahre 1937 angefunden. Nach Gegenstand und Zeitpunkt dürfte 
sie für Ihr Thema nicht von Interesse sein. Was die von Ihnen 
namentlich genannten Richter und Beamten angeht, konnten im Archiv 
lediglich die Personalakten Landsberg und Rosenfeld ermittelt werden. 
Sie enthalten, wie bei Personalvorgängen üblich, überwiegend büro- 
kratische Belanglosigkeiten. Von den wenigen Bestandteilen dieser 
beiden Akten, die möglicherweise biographischen Wert besitzen (vor 
allem Zeitungsausschnitte), habe ich die anliegenden Ablichtungen 
anfertigen lassen. Zu erwähnen ist noch eine 47 Blätter umfassende, 
zum Ablichten kaum geeignete Sammlung in der Akte Rosenfeld. Sie 



- 2 - 



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- 2 - 



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enthält größtenteils entweder an das Preußische Justiz- 
ministerium oder an Hosenfeld persönlich gerichtete Eingaben 
(Durchschriften) des Bezirkssekretärs und Landtagsabgeordneten 
Reinhold Drescher, Halle, in Gnadensachen. Diese Schriftstücke 
sind 1933 von der Gestapo im Gewerkschaftshaus Halle der SPD 
beschlagnahmt und offenbar als Belastungsmaterial zu der Per- 
sonalakte gebracht worden. 

Mit dem Schicksal der "Jüdischen Juristen in Deutschland" hat 
sich unlängst Robert M.W. Kempner beschäftigt. Vorsorglich 
darf ich Ihnen eine Ablichtung seiner in "Recht und Politik" 
1971, S. 112, 173 erschienen Abhandlung beifügen. 

Mit Aktenauskünften können Ihnen, soweit das Bundesarchiv nichts 
hergibt, unter Umständen auch das Geheime Staatsarchiv in der 
Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 1 Berlin 33, Ä'rchivstrasse 
12 - l4, oder das Deutsche Zentralarchiv in Potsdam behilflich 
sein. In die Obhut dieser Einrichtungen sind größere Teile des 
bis 1934 entstandenen Schriftguts des Reichs- und des Preußischen 
Justizministeriums gelangt. 



Mit freundlichen Empfehlungen 

Im Auftrag 



(Opitz) 



26. April 1973 



An den , t _i.4- 

Herrn Bundesminister der Justiz 
zu Hd. von Herrn Schlageter 

53 Bonn 
Postfach 



Betr.: Archiv 97/73 



Sehr geehrter Herr Schlageter,, 

ich danke Ihnen verbindlich fuer Ihr 
Schreiben vom 16. d.M. und die Uebersendung 
der Ablichtung der Anlage "Liste der Richter. 
Staatsan^aelte und sonstige Justizbeamte. die 
juedische Mischlinge sind oder mit Juedinnen 
und juedischen Mischlingen verheiratet sind" 
aus dem Jahre 1937. 



Juiüne- 



Mit vorzueglicher Hochachtung 



\ 



Dr.Ernest Hamburger 



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29. Maerz 1973 



An den ^ *..^ 

Herrn Bundesminister der Justiz ^ ^ .^^ 

zu Hd. von Herrn Oberlandesgerichtsrat Opitz 

53 Bonn 
Podtfach 



y 



-Arrhiv 219a/72-, 






Sehr gehhrter Herr Opitz, 

xy/J erat neuuc »^ , -luna war. drei Wochen 

gesandt worden ist und diese, die, als ic^orft r Wochen wohl 

nutzt« 

Ihre Informationen waren "i'^,^'^«^«^°'^gf J^f a^SSÜt haben. 
\^\. /?r*«Vo TVinp^n sehr fuer die Recherchen, die sie angesiiexiy iiai^c*t. 
Me ZeJtungsausscSnItte sowie einige der ^kten ueber Siegfrxed 

RiLnlelHind fuer raich wichtig, ^ «^«J^nnteJ^Sser 
Blaettern der Akte Rosenfeld habe ich kein Interesse. 

Dagegen koennte doch die ^usamenstellungueber "Richter^ 
Staatsanwälte und sonstige Justizbeamte, <3ie Duedische Mxschlxnge 
=4«^ •• aus dem Jahre 1937 von Bedeutung sein. Es Xoennten xn 
lirp;;son:re^eJnt werden, die in ÄrBucr^nieJ^r^irenzen 
als Juden erscheinen oder als «f J^«/Kt^55i^"»^tS"acht, 

bezeichnet worden «^"«^'-VT^t-uLda^on bitten; die Kosten werden 
wuerde ich Sie um eine Ablxchtung davon oitTieiw 

von mir getragen werden. 

°^« beiden Artikel Rober t M.W. ^ Kempners, _meines_alten^Kollegen^_ 

. ;iJ5 ;;jf tSnnJr IcS'hai;; mi; 1;;;:^ darueb« korrespondiert und dabei 
auf einige Irrtuemer hingewiesen. 

ich beabsichtige im Sommer einige Tage in ^-JJj/IJjS'ieSSt-"*' 
werde dabei das Geheime Staatsarchiv besuchen^wo fuer mich ^^^ ^^^ 

liehe Bestaende vorliegen. N*S=V„^^i°Jrieh IhSen sehr auch fuer diese 
leider nicht begeben. Jedenfalls danke ich ihnen senr au 

Hinweise. 

Mit bester Empfehlung 



Der Bundesminister der Justiz 

- Archiv 219 a/73 - 



53 Bonn, den 2?. Februar 1973 



Pottfodt 
T«l. 20171 

Hausruf 305 



Herrn 

Dr. Ernest Hamburger 

67 Riverside Drive 

New York N.Y. 10024 
USA 



44/, 



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'-'■«^^'*«"»^M«^«. 



- Auf Ihr Schreiuen vom 'd\, Februar 1973 - 
Sehr geehrter Herr Dr. Hamiüurger, 

meine Antwort auf Ihr Schreiben vom 15 . Dezember V^J2 ist am 25. Januar 
1973 an Sie abgesandt worden. Ich gehe davon aus, daß das Antwortschreiben 
inzwischen bei Ihnen eingegangen ist. Verneinendenfalls bin ich auf 
Wunsch gerne bereit, Ihnen eine Ablichtung davon zukommen zu lassen. 



Mit vorzüglicher Hochachtung 



Im Auftrag 




^/^/T^ 



ÄV 



(Schlageter) 



Cyi^/r 0e^/f^ 



KFAR MAIAL. 2 9 . Mä T Z 19 73. 

HOD HASHARON, ISRAEL 



Sehr geehrter Herr Hamburger , 
mit grossem Dank empfing ich Ihre liebenswürdigen Mitteilungen^ 
die ich'wiederum beeile zu beantworte n;doch gestatten Sie mir zu- 
nächst eine Vorausbemerkung: 

Sobald mir durch Ihren|ersten Brief bekannt wurde, dass Sie bereits 
ein historisches Werk veröffentlicht hat te n , brachte ich es in 
meinen Besitz und habe es in toto mit grossem Genuss gelesen ; hoff e nt- 
lich gelangt das tiefschürfende Buch durch Vermittlung der kompeten- 
ten Stellen auch in die Hände des Persone nkreises , f ür den es be- 



stimmt ist • 

Nachdem ich gestern m 



it Herrn Alter thum , der übrigens kürzlich zum 



Senatspräsidenten befördert worden ist, eine längere Unterredung 
hatte. sehe ich mich in der Lage, gewisse Unklarheiten aufzuhellen 



die sich in meinem 



früheren Bericht eingeschlichen hatten 



l.)Paul Gärtner, wie Alterthum aus Bernburg stammend, war dort 



Staatsanwalt , heiratete eine 



Christin, was damals eigentlich nur i 



n 



Grossstädten vorkam, und glaubte ,dadur ch den Ver folgu ngsmass nahmen 
des Dritten Reichs entgehen zu können, sah sich aber darin getäuscht 
und wurde später deportiert. 

2.)Wax Hurwitz war sogleich nach Ablegung des Assessorexamens 



ein 



Jahr l'ng als ßegieru ngsr at mi 



tischen Finanzdirek 



t einem Sonderauftrag in der Anhal- 

war das Finanz-' 



tion in Dessau tat ig .( Diese» Behörde wa 



instrumen 



t der Staatsverwaltung, nicht zu verwechseln m 



it i|dem Finanz- 



amt .das ja bekanntlich ei 



ne Reichsbehörde war.jDanach wurde er 



Rechtsanwalt in Dessau ,8pä ter Notar;e^-8 scheint nicht, dass er die 
Absicht hatte , dauernd Beamter zu bleiben. 

3.)Dr.Kurt Bibergeil war zunächst Staatsanw It ,dann LEndger ichts- 



rat- in der Kammer, der Alterthum 



als Direktor vorstand . B . ist aber 



nicht Direktor geworden, da er n 
spielte sich nach 1918 ab. 



och viele Vormänner 



hatte. Alles dies 



In gross 



ter Wertschätzung verbleibe ich 



Ihr sehr 




OTTO COHN 

KFAn I.1ALA.L 

HOD-HASriARON 
TEL. (03)926065 



19.4.73 . 



Sehr ge 



hrter Herr Hamburger, 



wiewo 



hl ich ann«fcimen darf.class Sie ein vi 



elbesthäf tigter 



Herr 



sind .sehe 



ich mic 



h doch genötigt , au 



Bemerkung in 



Ihrem letzten 



Schreiben , f:ür 



meine n 



besten Dan 



k dage »einzugehen, worin 



f eine bestimmte 
das ich Ihnen 
Sie zum Ausdruck 



bringe n 



dass Dr .Bibergei 



1 bei einem Arbeitsgeri 



cht tätig 



war 



Wenn 



ich gesagt habe, B. hat i 



n 



der Kammer gesessen ,dere n 



Vorsitzender 



Alter thum war ,so 



bezieht sich das nur 



au 



die 



2 .Zivilkammer des 



Landgerichts Dessau, hat a 



ber nichts 



mi 



t dem Landesarbeitsg 



tseericht daselbst zu tun 



Wie Sie im übrigen 



meinem kurzen Lebenslauf entnehmen 



wollen, wa 



r ich ja 



mx 



t der Anhaltischen 



Justizverwaltung 



nach meinem Ger 



ichtsassessorexamen nicht me 



hr verbunden 



muss a 



Iso bitten, si 



ch in 



der Hauptsache auf Erklärunge 



n 



der Herren A.und B. zu stützen 



In der Hoffnung 



Sie nicht unnu 



tz in Anspruch genommen zu 



haben, ver 



bleibe ich mit vorzü 



glicher Hochachtung 



Ihr sehr ergebener 




(^ 



\ 



n'iirv nivi"T 

PAR AVIDN 



AEROGRAMME • "^'WH niX't^ 




Mr. 



Ernest Hamburger 



67 Riverside Drive 



New-York,N.Y.10024__ U.S.A, 



• li;-t)lü bsp 



EXPEDITEUR — SENDER — n'71U;n 



n 



OTTO C©HN 



KFAR MALAL 

KOD.HASHARON 



TEL. (03)926065 
Israel. 



.■T>T)K -iKnn 3nDn ^vj «inyn "»qV n*?«;'!! im n3 nurinw mr^ 

Un aerogramme contenant un objet quelconque sera envoy^ au tarif d*#n« lettre ^.avion. 

An aerogramme containing any enclosure will be sent at airmail-lettcr rate 



E 

2 

-i 









3. )Dr. jur 



Kurt Bibergeil, na 



cto der Revolution von Dr. Colin aus 



preussen na 



ch Anhalt gekolt.Staatsatiw 



alt, Landgerichtsrat .zuletzt 



\ll- 






Landgeri 



chtsdirektor 



am Landgericht Dessau, 



lebt in San Francisco. 



Heisst jetzt 



Beaver.Galt in Dessau 



18 Jude;mir persönlich von 



Taufe nichts bekannt 



4. )Dr . jur 



Paul Gärtner 



Staatsanwa 



It in Bernburg 



-Es war mir 



leider nicht m 



ög 



lieh, über G.Näheres 



in Erfahrung 



zu bringen. - 






\^ 



//^' 



In Überschreitung mei 



ner Befugnisse mö 



chte ich mi 



r erlauben 




Ihre Aufmerksamkeit au 



f den Schwiegerso 



Hn von Bruno Weill ,Dr .Pfeil 



;u lenken, der m.W. Regierun 



gsrat im Finanzminis 



terium in Berlin 



war .Fr au 



Weill. die Wi 



twe Bruno Wei 



ll's.lebt in New-York 



Ausser 



Der guten 
den oben genann 



Ordnung halber möchte ich noc 



h folgendes bemerken 



ten Personen wäre 



n keine Juden in Anhl-alt 



in. öffentlichen Leben tätig.Jedoch waren 
aus dem Staatsdienst ausge 



drei Juden freiwillig 



schieden, nachdem s 



ie vorher kürzere 



oder läng 



ere Zeit 



Beamte waren, und zwar 



a)Max Hurwitz, 



tz. früher Regierung 



srat, danach Rechtsanwalt 



•" 



u 



nd Notar in 



Dessau; verstor 



ben 1960 (?) in Ramo 



Notar in 



b)Dr. schiff, früher Staatsanw 
Zerb8t;vor mehreren Jahren in 



alt »später 



t-Has chaw im , Isr ae 1 . 
Rechtsanwalt und 



c)Dr .jur . 



Fritz Mendershausen, 



Israel verstorben; 
früher Amtsrichter in 



Ross 



lau, später Rechtsanwalt und 



rHotar in Köthen;verstorben 



1958 in Haifa, Israel 



indem ich hoffe, Ihnen mit me 



inen Angaben gedient zu haben, 



begrüsse 



ich Sie in vorzü 



glicher Hochachtung 

Ihr sehr 



als 







December 10, 1974 



Dr. Frank F. Eaton 
2415 Glen Haven Road 
Lake Oswego, Ore. 97034 



Dear Dr. Eaton: 



4. * / 



/ 



^■ 



jt 



I beg to acknowledge, with thanks, receipt 
of your letter of December Ist, 1974. 

I am very grateful for the Information you 
have supplied about the Loewenthal family. It will 
help me finding out more about Felix Loewenthal 
and I will write immediately to some of the persons 
mentioned by you. I shall also contact my old 
friend Ernst Fraenkel, professor - now retired - 
at the Free University in Berlin, who had written 
to me several years ago that he was related to 
Otto Loewenthal in Altena. 



1 



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With renewed thanks, I am 



EH/ch . 



Sincerely yonrs^ 



Ernest Hamburger 



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Liter aturbespreihuriy V 



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Hessen .Ia,f oh, Wort iilu-r sei,.,. I'.T.„n --" '^ '^ ',-,,,|;^, ,;,' , '',|io Z.i. .l.r Na.i- 

Jahren der l•-^-o^ fnr Poli. U,.en.,1,a^^^^ ,, , ,5 p^- 

die HeransgaU. des zu bespre.4u.,n^^^^^^ ^^__ ^^^.^__^.___ _^_., Anweisunge,; nnd 

Dieses n.ad,. n,d>t n r m.t ^ ^te ■• " " Behörden sowie der „B.wegnni;- und 

Eingriffen des ..Fuhrers der -^1" '•>" » nT,,„e„te in einer liefgriindigen Einleitung von 
der Partei bekannt, sondern such ^"'^'^ ^"l^" ' '" ^\" , g goiten historisch nnd politisch .u 
26 Seiten und in einer Z"f "-■"<■"'■"'"■- '"^.If^iJdt V^^^^^ ^.. -l." einzelnen Ab- 

.naiysiereu. Ebenso dnrd.dad.t und anfsd.lulJreul. V" ,.i,..",i;,:," ;„Jer befassen wollen, sind 
.dmitteu des \\erkes. Für Leser d.e sul. n.. .'^" ;};;; '^^ [;;';:, j.;, Ann.erknngen wertvoll. 

das sed,sseiti6e Literatnrverzeuhn.s und „"l- J«^ J^ ^.^^-^ ;,^,,,i„ ,„„ „ennanu Glaser „Das 
DerRez. batin,I...eratuMerze>dn,,,da, ntu^tte rM,^^^^^^^ .^^.^^^ ^.^^^ ^ ._^ 

Dritte Reid." HerderBudiere. Nr. 9 ^.,:. IJOl) ^'^™; " . , ,j „ ieder/ugehen. sondern 
dieser Dcsprechnng den Inhalt des un.fangre.d.en ^^ "Vi J'"-^,]';; Ve k soll «ibrigeus eine 

rnd«e":i:tll' .I;r.1^:k!:re::;:nl,tiX"frX'ra::'leV:;,r -n. unter der .aziherr. 

.d,af, an Juden ''^eauB-c.. yerbred.en zu s^^.hnen. ^ Allgen.eine Zivilprozesse, 

Die Dokutnente ans <•■, ^'■'\''"" /.;;';.',', 'tzesse, 4. Verwaltungsgerid>ts,.rozesse, 5. 
2. Aufhebung von ^''''l''^'''' •. ^•,,//''' ^ j^^ J . ,, „ dJr deutschen Rassen.hre", 6. wegen 
Strafprozesse wegen „Kassensd.ande und '!,<'"_'.^'';""-",, ,;,.,, ,„„f|„r,.r Ilandinnpen iu der 
Besdiätligung „arisd.er- Hausangeste ll.n ,. ""••ß"' ^"t.> ' ,^ .' .„ Versti.lle gegen 

Weimarer Hei.uhlik, «. >vtg,n >cr l)..visf,iv.rntlMn, 11. weprn NnstolJr gogen ilu- 

:::tr -u!:;^:,^::":;:^:'.!;;;-- irX:^:;::«:::^^^^ .... ius^z i „..er ver. 

brechen -"J'^^.^, '[.^-'.V'rNaziherrsd.aft ist nid.t nur die Ken, suah.ne der Dok, ..tc 

Für «las iJrUMl iii»«.r un . «» r i,:.,, .. \ ,,|',.riiiiL'iMi ilcr Ilnans;;«- )or v.u «l<ii l'o- 

r"- -''T' r;;;:,:v,',,:;ta:;'i'';^.-r!..!':whe,';::;:;::tv,;,,f ■...s.d.... .b,« a,. 

kiiiiMi.fn h.aditlidi. ^^•"" man ud (;,. .i.t,- il.r Justiz «Inidi- 

„.Uo,,al«ozialisti.d,., Wa.,,s,,.„ ..d, ., L^^ , ,^^ 

gesetzt und die eiust unjl.lian,,.:' J.. "' ' ^ i„i,„er Rran»a,ner «d,l,eU- 

f,ie.e Verwandl,...g i«. nid,, auf e,„n,.,l P-l;;> '. ' • ;' .h, cllgc'r N„sd„n 'crwirklid,,. Diese 
,id, dnrd, Deportation un. -^^'^Y , '\7; '^ , '^'^ ' ','. ,,.er der .Jewahberrsd.af, sucht 

b'..-.'»K'= ''""' ',■;. '"'"i' ;„ e, i," 1er F n citcnr die- (^schichte d. s de„t«d,en lliclCer- 

das Werk ""; ;,.;'',;;:, ^^ ^^ , p'. i.'k .,,;t. ■ ..i.^wei. auf .lie ..itcra.u, behandelt. Der 

tuins und «einer M.IUMfcnani ,, , il„|„.r, Sd (später l')l. "> Lciud^eridctspra. 

,„, politischen Gründen verfoUlr l!,.l... r ""^' ' ^ '' , ' j^,,„,,.^, „ |.,,-,c,) nach/n» eisen. 

.ideu't in Honn) ^^.u in •"•-;;;;;;';;:.;■;/:;■ ^.^.V h rge.c.V,iid,c.n n, 

dall die '•■"'.;:■;-;;;■ ,, ' 1 ,1 e," .'i.-.,. C;e„i« gibt es ver,.in,.d,.. seid.,. li..b..r. 
recht .:.ne,,,C,ot,.c. Vit ^^.^^^^ _ ^ ^^,,, ,,^ , ,, „ ,„ | „ 

rnl.checdungen, ""<' " "^ " ^,,„„„ „;,,„ .,„,,k„„„, werd.,,. Der lu ,. te,ll vnlc.ehr che 

Dolninenlalion da« Urle.l ,o,. ..n.,. ■„ ii,.,.l,„,.rflibl in, deutsch.-,, Volke ist iu der 

Ansicb. 1 .If '•••'■•'-, ''••',;:';i:.S tei; war i,. Kc'- , . .'"u^ «eine Inebk, .dt ..ar der 

^i"'l,.';''l'.,, 1, . '!% -li.. P.rvertie g de. Red,,, in diesen, D,i„en Kecch. .Mb, g« 




Volitisihc und Militär ■^vsc!i'uhl(i 



.HOT 



.chtifSro« in aprZ.it vor dm. .rstrn AXrltkri. , .la. tlH-oreti.cJ.o MaUr.al für .1k nafonal- 
«ozialistisd.e Th.-sc: „Ge-ec-l.t ist, was .Lm Deuts.4..n Volke- frornnjl" ""'J !^-^^'fj 7'^' »-/^";' 
auf die Lphre des Univer.itUtsprofes.ors Kri(4. Kaufmann. I).r \\>z.. d.r 1912 auf d.r In.v.r. 
Bität Ki.l ein Teilnehmer an d.m re.l.tsphilosoi.his.l.en Seminar Kaufmanns war we.L aber, 
daß die Mehrlu-it der dur<^.^^e^ älf ren StudM.tM. gepen das social. Ideal Kaufmanns, d^-n 
sieereidu-n Krire", im Ansd.luß an die Lehren Stammlers und Hadl.ru.l.s lebhaft opponiert 
haben Kaufmann verlor unter den Nazis, ah Jude seiner Abstammung na.l. seu.- ..rd.ntl..be 
Professur und mußte 19^9 aus I)eut=.b!and fliehen. Von. 19-31 bis 19:iH h.elt er .n seu. m 
Haus in Berlin ein Privatseminar ab. in d.-.u ai>s^.sprocl.ene Antinaz.s sh4i zur ?e.st..en .\u.- 
,prad.e versammelten. Im Ge.en^atz zu Kaufmann war ein unbe.holier P-Pa.^.d.st der 
Naziherrsd.aft und ein «influßreid.er Lehrer von deutsdien R^d.tern der Professor Car 
Sd^mitt. Er hat es im Oktob-er 1936 vor einer Massenversammlung von Jxmsten fert.g.ebra ht 
zuTerküuden, der Kid.ter müsse ein Gefolg.mann des Führers sein und das Programm der 
NSDAP sei eine edite und zwar widiti-ste Reditsquellr. u , , i • • :,♦; 

Bei der s,äncligen Propaganda für e.ne soUbe Auffassung auf den H"d'Schulen .r, ,ur,st. 
,d,en Arbeiten und in Zeitsd.rifteu ist es zwar traurig, aber n,d,t unerklarh.h. daC d.e Just.z 
,nm r me , de Verfiibrnng von, Red.tsstaa, zur Despotie anheimgefallen isr Es komn,. nod, 
M."u daß der Stand der Juristen in Deutschland keine einheitbcbe \ors.ellung vom JS e=en 
de Red„s als eine,n übernationalen Ordnungsprinzip, das der \^ urde des >'"';<^"" ""f 
.e'ner im ividucllen Freiheit zu dienen hat. ausgebildet hat. ^o ist denn aud, bei der >U ht- 
er "re f in' 1933 von den Juristen, insbesondere von den Rid,.ern. so gut wie kein^ider 
"I, dge eistet worden. Es gab rühmenswerte Ausnahmen gerade in Hessen. Bekannt wurde 
d. m, tig 'A„ftrete„ des Sena.spräsiden.en Heldmann gegeuicber Roland Ireis er cnidi^w, 
S 9 „Rudolf") und and, das erfolglose tapfere Bemühen der Frankfur er Anwalte ^^ ' he ■■ • 
ledesweiler nud \i-oerbelauer n.n Eindämmung der B-ru sverbote. ■^•:'- 'f-"'^^;, '„'^J 
Frankfurt nnd in Kassel zu wüsten Gcwahak.en geg.-,, JuC^l.e ....a "J j' " ;'*^' ^o un.l i 
Anwälte gekommen, aie in Frankfurt von einen, Referenaar ^/f*/ fr'^'''' .' "''^^^kte 
Kassel sogar zur Ermoraung eines jüaisd.en Red,.sanwaltes gefuhrt ''»I"; » -> ^nj c^ irl 
fanden keinen Widerstand dnrdi die Bcdiürden ^ ^^^Z^'^'^ o , Ju Un "ülcJ 

einer Minderheit von RedUen «usgestattet war und dann ab ^^7'"'^" ^ ;^7\;^;; ^iA d ^e. 
entred.tet wurde. Der Despotismus verfolgte, ohne \^ulerstand zu finden m .n f'^^^'^l 
enire.-iiit i w.eiue. . i. ,' , , , i,..j,i,,p. ,,, iclio nn,er Mit\.irk,inc der obersten 

waltfaligen \ernid„„ng der Juden und be.-d,lob al. l U >>■;'<'-' ,- .e^,; .. l.edeuteto 
Behörden ei„sd,liemid, der Jus,iz die soge,,auu,e Lud osnng "'- "^ ''\-'^;;, j,,,; ,„ 
da, nid,, zu besclcreibeude sd,wers,e \ erbred,.,,. ,,,de„, ,l,e Jn, en ^ "' " '^^ \,';V,^7V .r- 
und, soweit sie nicht arbeitsfähig waren, ohne Ku.4.s,.-1„ auf Al,er oder C.es.1,lc d,t dur.1, 

hnngen. „der durch '^^^yi-^X^;^:^^:^,,,,, hingewiesen, daß ic^, den Inhal. 
de.^';J;::;i;-n'rU.::,.'t:rk;'';,,ir br..d,l,,,..l,af, wiedergeb,.,. ^ 
hinweisen, da... i......,u...rk.,,,.ge,ed.^^^^ 

T7 itl ic , m c .;, F. t heute kanm mehr zu sersteheu. daß die deu.s.he Jus„z. 
emphnclens 1 .i.li h ,,,. el^ ■•- f. • ' ,.^ sogenannten lilnts.hnt.gesetres no.-l, über 

Wie OS in dem >\eiK lu lui, in mr .mi . r .^ t ^...t.m» eine« -«o nnstenosen 

hei.sverlf^ed.er" .u be.e.d.n.-n und zmn 1 ode ---^-'-'^f "'*';,; V^,^;!'*;;» 1^1 o. und 

rW ^(A l);m rrleil wurde vo strebt. Die l.erubte suul der .Xinw i>un^ >on «^'' 

(Nr. MA. na> ^^ '\''\ ,>,,,,,„,,„ ..ecen Kassensdiande die Zudilhausstrafe zu verhangen. 

^dai; bereit. eMu,e Kid.te. 1 .n .e.un.,lw.b r -•;-• \" '''^ ^:. ^^ .hl" Georg Reukard 



) 



:::::r;.-r,-':d:s;::'rp:;;:d;,:.eine .•'M'f'-'-'-vf:--,;^';;:::;;;:^,;:;:;: 



308 



Litcmturbcsprcchiins 



UIU 



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l li:il)< n an t 



lor l 



111 \v a 



lulliin;: lies Rrchtsstaats in i 



iiuii Mathlstaat drs Dospotoii iiutj,M'wii 



kl. 



ll»sl wenn sie nu 
ilic UirhU-r ilcr nationa 



.4it ;ill<' ühor/fnj; 



te Nationalsozinlislen geworden sint 



1. Wie li«'inii\uns;slos 



lso/.iall?lis»li»^i» I.«lire verfallen sini 



1. l)eweisen viele Strafprozesse 



wecen IJassens 



S(4Knule und \ erletzunj,' « 



leutsdier Kassen«'lire, «lie vo 



ni 



deren Gerit 



•hten siefälU -worden suu 



1. In der Zeit vor 1933 war man in Trozessen benui 



Reid 
V 



jstrern 



In 



nn«l an- 



]> 



iht. 



die Intimsphäre t 



der Parteien m 



o 



'liehst zu sihonen. Prozes 



<se ans der Nazizeit zeigen geradezu 



eine :i 



hstheuliehe l.iisternheil in i 



ilrr Hehandliing ( 



;ler Intimsphäre. Ilierhei hat das Rei(^l3- 



irerii 



•hl Uilfestelliin: 



malem Kmpiini 



•xeleistet. indem es « 



len Begriff des Gesehleehtsvcrkehrs in einer nor 



len unverständliehen Weise erwei 



it«'rt hat. Ilierii 



her henurkt das Dukumenten- 



ner 



k anf S. 113: ..I>ie Sorge des Reiehsgeric 



•hts lim das Sehamgc 



fühl der tleutsrhen Riehter 



in einem an 



itan«l 

Inreh Answeitun 



iiK'r 



Enlsdu'idnng: daß nam 



ilidi 



selioitenen 



>v e r 



lel 
k K 



» moi 



„ff allenden Gegensatz zn der KonseipH-nz se , , „ , , 

\z des Tathestandes des Gesehleehtsverkehrs znsätzluh llnnderte von nnbc- 

lern Doknmcnten- 
ht hekannt wurde. Sie 



lien in Ziuhlhänser o« 



Mens( 

Iite nodi betonen, ( 



lor Gefängnisse gest 



lii(kl 



wnrüen 



ih 



lal] hoffentlieh zahlreiehe jnnge Mensehen von i 



eniii 



tiiis nehmen, denen 



il. 



die Nazizeit ans eigeiu 



ni l>lehen nie 



so 



llt 



en a 



her das Bild von der entsetzl 



lidien Kpoehe dents«her Gesehiehte dnrdi 



der ^erhältnis^e ergänzen, i 



\'\e d 



lese 



Doknnien 



in 



Stud 



Ulm 



B. d 



ic Wesen 



er 



teil 



nni: von 



te 1 
Flntfhlättern am 



)ei 



teil 



Verfoliilen hewir 



kt hahen. So hat 



12. Juni 1933 dnrcli das JugendsehÖffen 



<:eri(lit zu set 



hs W 



oeJien 



Haft 



vernr 



teilte 2l»jährige. 



heiiahte Ruth Cohnstaedt (Fal 



n) 



len Freitod gewählt. In gleicher Weise 



sind zahlreiehe aus i 



lern Beruf verdrängte Juristen 



ver 



fal 



iren. 



Dem Rez. sim: 



i 



und von denen einige freiwillig aus dem Leben ges 



•>0 Richter hekannt, die in Frankfurt ihren Beruf verloren haben 

chiedcn sind. 235 jüdische Anwalte sind in 



Frankfurt a. M. ihres Berufes heranht wort 



ilen, von denen nach einer Ansprache des Rechts 



anwalts Wedesweiler in der Sitzung « 
[lestens 19 eines gewaltsamen 



ler Anwallskammer vom Dezem 



her 1918 in der Nazizeit 



m » n i 

einer größeren Anza 



Todes oder durch Freitod verstorben sind, wobei noch 



hl Nachrichten damals fehlten. Die brutalen Verfolgunge 



n 



hab 



en 



cödien a 



us-jelöst. die sie 



b aus den Dokumenten naturgemäß nicht ergt 



)en. 



Avie scniwere seeli 



von 
Tra- 
11 



sehe Bedrückung um 



1 wirtschaftliche Notlage 



Nicht allen Verfolgten war der Ausweg voi 



Freiheitsberaubung. Deportation um 



d Ermordung durch Auswanderung mog 



lieh. Wo sie er- 



ren 



llt wurde, war sie insbesoiH 



lere für ältere Juristen meist eine 



harte Aufgabe. So sine 



lie 



Eheleute Scbreiber {VaÜ Nr. 43) uacJi Nordamerika ausgewandert, wo der e 



lemaliyie 



1 z. B. 

be- 



w 



ährte Riditer mit seiner Trau e 



ine Fremdenpension 



betrieb zur Erhaltung i 



1 

hres Lebens. 



Seine 



Erlel 



Uli: 



Is jüdischer Richter 1933/3-t sind im Dokumen 



tenbuch der Stadt Frankfurt 



(1963) veröffentlicht, ebenso wie 
Stellungen wie iuz 
mentenwerk. 



die des Frankfurter Rechtsanwalts Sclmar Spier. Solche Dar 

t ergänzen das Doku- 



wischen erschienene Lebenserinnerung 



'en an die Nazizei 



Der Rez. will 



ibsehließend zum Ausdruck bringen, ( 



laß 



er a 



Is ehemals Verfolgter die 



Gesinnung, in 



der das Dokumentenwerk geschaffen wurt 



le. hochschätzt. Heißt es doch in der 



..Z 

Toi 



Cupanimeiifa 



• uns" 



daß Minderheiten nie 



ht durch abstrakte Rechtssätze, sondern nur i 



eranz einer c 



von 



len verst 



lemokratisc 
Lei 



hen GeselUchaft geschützt werden können, u 



lurch 
nd daß unabhängig 



hied 



enen 



ireu i 



iber Rethtspositivismus o( 



ler Naturrecht nur eine wir 



klidi 



republikanisch gcsiun 



te Richterschaft zur Verteidigung 



des Rechtsstaales beitragen kann.' 

M. H. Maier 






.■ä 






\ 

67 Riverside Drive, New York NY 

10024 

Herrn Professor Dr. Ejrnst Pr^enkel/to n9ro.cIstiori ixM 

Ihnestrasse 58 /i "e^^I 1^"^ 

1 Berlin 33 ...7/ / ^1 a 

Liebe Praenlcels, 

wir haben lange nichts von Ihnen gehoerO hoffentlich 
geht es Ihnen beiden gesundheitlich gut. Wir selbst sind 
in Reisevorbereitungen, wollen um den ^O.d.M.^erum in 
Koblenz sein, wo ich im Bundesarchiv etwa zwei Wochen arbeiten 

moechte. 

Haben Sie irgend welche Reiseplaene? Dann lassen Sie 
es uns bitte wissen, damit wir in Verbindung bleiben koennen. 
Die Adresse in Koblenz ist: Hotel Union, Loehrstrasse 7 3. 
54 Koblenz. 

Beiben hohen Richtern der Weimarer Zeit habe ich 
einige sthwierigkeiten. um festzustellen, ob sie ^uedisch 
waren oder nicht. Es handelt sich um den Senatspraesiden- 
ten Freymuth. der wohl waehrend der Weimarer Zeit die 
Altersgrenze erreicht hat und pensioniert w?^^«"^^^«»^^ 
den Reichsgerichtsrat Grossmann, der vor seiner "ebernahme 
an das Reichsgericht wohl auch am Kammergericht m Berlin 
war. und um den Professor Waldecker, der ebenso wie diese 
beiden an der Uustiz" mitgearbeitet hat. Da Sie ja nach 
Sinzheimer die politische Chronik uebernommen habeb. habe 
ich eine leichte Hoffnung, dass Sie mir vielleicht dabei 
weiterhelfen koennen. Interessieren wuerde es mich auch, 
ob ^E.Schweizer, der Verteidiger von Buller 3 ahn, juedi seh 
war. Er kom*t zwar nicht in mein Buch, aber da alle anderen 
als Abgeordnete. Verteidiger usw. in diesem P^«^««^.^"^" 
tretenden Personen Juden waren, so lohnte es sich dies zu 

erwaehnen. 

Ich habe ein paar Stichproben in Jahrgaengen der 
"Justiz" gemacht und dabei festgestellt, dass im Durch= 
schnitt etwa 40% der Artikel von juedi sehen Autoren 
staS^en. Hier wird sehr viel ueber Weltbuehne, Tagebuch 
Fackel, Zukunft usw. gearbeitet, aber man vernachlaessigt 

voellig die juedische MitiJh§i§;L*8äB?€fefiipol^<^i8?^ °^^^ 
ueberplrteilich-republikanislh^/Zeitschriften wie 

"Gesellschaft", "Justiz". "Klassenkampf", Das f«ie Wort 
"Arbeiterwohlfahrt", bei denen die starke, zuweilen vor 
wiegende Starbeit ^on Juden soziologisch mindestens ebenso 
interessant, wenn nicht noch interessanter ist. Ich 
moechte das etwas zuruechtruecken. 



X 



Ein §onderdruck meines Artikels üeber die Bruening- 
Memoiren, der in der Fruehjahrsnummer der Internationalen 
Wissenschaftlichen Korrespondenz fuer die Arbeiterbewegung 
erscheint, wird Ihnen in diesen Tagen zugehen. Peter Loesche 
hatte tnich um den Artikel gebeten. 



Mit herzlichen GruesWfen fuer Sie beide auch von_^^^ 
meiner Frau 



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xebo .-iDBXiilocTx^iä^^^w f<*^ Ug|^i:«^r>xM difc uc aio ^iiiXiiov 

9XW neiix- .- '>ill -fi'^illo'itBaiiidBU 

''i^io^ sloi't BSd'' ,"iqmß:?(ne . . . t . ix:tarjL" . ;.. . ödoa. -jO|* 
"lov neixowus: ,9/CiBi3 öJtb naneb tea , ^^'idß3Iffcvr.:oj , , IiA 
ORH^d'j 8ne::rB9hn±rT fiop.xpoioisoa nsfjüL nov ixodißcrxM abnspeiiv 
'ol .itai i[9inßaRexs")nJ: '.ioon :*fiDin nn^w ,:if:'^^39it?:^nx 

.n3^r>9i:j'x:Jrio9uiLfS ßßv/:)9 aß.. :3:fdD3on 



/ . 




iKöln, den l6. 7.1965 




Sehr geehrter Mr. Hamburger ! 

Bei mir liegt noch immer Ihr Brief vom 25. 5- 196? unbeantwortet. 
Heute bin ich in der Lage, eine Ihrer Fragen zu beantworten, wobei 
Ich sofort eine Korrektur vornehmen muss. 

Ludwig Juliusberg ist von 191-^ - 1919 Senatspräsident im Oberlandes- 
gericht in Posen gewesen (nicht Oberlandesgerichtspräsident). 
Dieser Irrtum ist dadurch entstanden, dass er als höchster preussischer 
Beamter die gesamte deutsche Justizverwaltung der Provinz Posen den 
Polen zu übergeben hatte, nachdem der Oberlandesgerichtspräsident 
nicht mehr vorhanden war. Er ist dann Senatspräside nt am Kam mergericht 
gewesen. "^^ ^ 

V/egen Exzellenz Pereis habe ich an einen Bekannten geschrieben und 
warte deren Antwort ab. 

Zu der Familie des Senatspräsidenten Dr. Löwenstein habe ich keine 
Beziehungen, sodass ich dessen Vornamen nicht feststellen kann. 

Mit verbindlichen Grüßen 



Ihr sehr ergebener 




-wi 





i<^\h x^ 







LUFTPOSTLEICHTBRIEF 
AEROGRAMM 





VIA AIR MAIL 

MIT LUFTPOST 

PAR AVION 



Mr.Ernest Hamburger 

67 Riverside Drive t 

New Xork 24, N.Y. 



U.S.A. 






Absender: TV , Pir . F.rnr.t Fripripnt . hal 



Kaiser-V/ilhelm-Ring 29 



Köln 



Germ^ny 



Der Lüftpostleichtbrief dorf nach den Vorschriften des V/eltpostvertroges keine Einlagen enthalteiL 



> 






UNIVERSITY OF CALIFORNIA, BERKELEY 




BERKELEY • DAVIS • UWINE • LOS ANGELES • l\IVERSroE » SAN DIEGO » SAN FRANCISCO 



SCIIOOL OF SOCIAL WELFARE 



»rof. Walter Friedlander 
5437 Regent Street 
Dakland, Calif. 94618 




\ SANTA BARBARA • SANTA CRUZ 



BERKELEY, CALIFORNIA 94720 

den 23,Uezember 1966 



^'•> 



^^ 







jr*':^rne:^:t Hambur^'er 
6? Riverpide i^rive 
Kew York, N.Y. , 10G24 

Lieber Herr riamburrer , 

zun^ch.t möchte ich Ihnen und Ihrer ^^"i^^;.^;^ ^^V^^^r 
• v^.., n-in o-iiVkü-riP^ crpsundes,unc wenn mcV^lich fr^ed- 

Tlifr-s Jeue' jSh? Sünschrn So .ern ich ihrem Vorschlag im 

Snieihln vrürde , gesteht kaum ^ ine ..ussicht ,Gass icn .a a.seh 
barer Zrit dorthin kommen k'":nn. 

Thv.p V.rmutun- ist zutreffend. Der v^i^V^^^^^ rpntpfsjjhr 
i^h "hnpn schickte, stammte vom J^ruoer ae^ CberprMsiaenten biehr, 
\tr vSs^tzpnder d^r ostnreussi hen .nwaltskamm.er war. 

7,, Threr -/eiteren Frapre (in i ezu" auf oen 2.i3anä ihres 
-■u^heäKrn ich nur sa-m,uass mir von - inem ooerscnlesischen 
;^1cSÄn.-St Lichtrnstein:oer als Vertreter .er UbRPxn aen 
prpyc:=,i.rhpn L ndta<- eewShlt "rarGen sei.nicnts btk.-nnt is^--^^ 
Sehm in'cSss dies kein Verwandter von uns ^'^'V^^^^^^Sk^ 
Grosser -''ahrscheinlichkat mein rate uno ^"^^^^J 'vf /J^^^^^^^JJ^ 
v^^i,n Haa=?e als Vorsit-fnder der Uöi 1) mir ;, avon ^t-ds erzanit 
S^r^ionsf konSt^ Ihnen ci-ü. er aber aut:h wohl nerr^^eres 
Lechem.aener.lkonsul des Staates sraelxn..öln^ 

:-ran7,enheira-otrasse ^1 U-rutier rrxo-6 i^j.v.i -i ^h-i-or,QtPin 

p-.b.n. Aber zwei anüere Mit-lieaer aer ramiiit,_-i.htenstein 

vxaren als Richter -.eamte d^^^. ^«i™^^^^, f P^^^J' .^r etwa 1^29 
1) ;imtshpri ht rat i>amuel Licntenstem.berim.üer eL,va j..<c. 
L) .vm\.bi.e.i X u^. noWnnft iVter ihn '.virü am besten sein 

dort verstorben i'-t..^uskunlt ut.er ^' " | -, j,,. Jerusalem Dt 

ältester oohn, rrof .ür.Zvi nvneri , nAl^ A(isr -el; ,<i - ^erus lem 

petecn könnon. , -, • ^ i ,• n^^^-pn..tP^ n-ois 1Q33 in SUr.deutsch- 

?,) Amtsperichtprat Julius i^i^htenstein uis ^-^^ i. innesota, 
lano tMti..Jetzt als.lrofessor emeritus in -,t.. .ul,Kinne.ot . 



2222 Karshall ^-vve 



'..ip Code: 1^5104 lebend. 



Oruss. 



Ihnen unci Ihrer Gattin -ute .'ünsche uno h, rzlichen 



Ihr 



]i<i 






^ ^'dA^dy^,y r^c<U^, ^^/U^ruyi^ .>V/' 



t 

/ 



/, 



/ 



Gesellschaft 

für 

Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 
Oldenburg e. V. 

Geschäftsführung: 

Carl Gustav Friederichsen 

Bloherfelder Str. 62 A 

Tel. 55708 



29 Oldenburg (Oldb), 9 .Nov, 1971 



/ 



*, 1/ 



r r . 



r 5 



-ft / 



Herrn 

Ernest Hamburger 

57, Riverside Drive 

IT e w York 

N.Y. 1oo24 

TJ.S.A. 



fJU 



/ 



Sehr geehrter Herr Hamburger, 

zunächst möchte ich Ihnen den Empfang Ihrer Zei- 
len vom q.d.M. bestäti:-en und Ihnen unseren Dank über- 
mitteln. Erfuhren var doch erst durch -'-- S.hT'-ben,daß 
die dortifxe 7,e"^-'^-- '"'i-Pbon" nnserer nochniali"-en Bitte 
um Veröf+^entlichun- unseres dritten A,jfr.ufes entsprochen 
und unser Schreiben veröffentlicht hat, 

Selbstver stand]--- '='nd wir crerne bereits, Th,nen 
bebilfi'f-h -,u sein, lus diesem Grunde und der Tatsache, 
dlß Herr Dr. ^nno Meyer in s^^ine- '•rbp'+- -.ur Erfor^^hiung 
der Schicksale unser-- jüdischen Mitmenschen nur diejeni- 
gen Personen berücksichtigt, welche am ^C. 1.1 955 in Olden- 
bura- und Umgebung wohnten,werde ich eine Kopie Il-ires Schroi- 
hens auch dem Archivoberrat Dr. R-^rald Scbieckel, Oldenbui-g 
Nadorstf'- Str. 26, zusenden, da dieser am Wieders. Staats- 
ax-chiv Oldenburg tätig ist. Eine weitere Kopie wird Herr 
Dr. Enno Meyer, der erste Vorsitzende unserer Gesellschaft 

erhalten. 

Beide Herren werden "^hnen sicherlich geneue Angaben 

über den von Itoen gesn<->nten Personenkreis machen können. 



Mit freundlichem GruP 



Ihr (2- 



^ ^.o-^f 






Carl Gustav Friederichsen 
ehrenamtl.Geschäfts-T '^'rer 



ERNEST HAMBURGER 



- 67 Riverside Drive - New York, N.Y. 1002U 



2. Dezember 1971 



5' 



Herrn Carl Oi^rt-^v Frleaerlch^^en 
Gebells chai't tuor 

ühris tlich- Jur ellsche Zuaa -Dmenirbei t 

Oldenbinrj e#V, 
Bioiierie-tderstrasse 62 A 
29 Olaenbur? (Olr3b) 




Seiir« gt3en-t.Br ric-rr .■'rlcder'chaen, 



bt*3 "e 



^jj 



'jaiiV luer L -* Schrei b€>'' vom 9« Moveriber 



i:?71. £ö .>eut mioh, Jiaas Sie d'rch rar inen 'Hrief darauf 

äuiiiierksara reimcht v-rorden sind, da?^- der •»' üfbau" Ihren 

Aairui ^trroefl entlieht hat, \md ich hofie, öpss Sie da- 

üiii'oh die tevaenochten Iniorraatiori<:.n erhalten werden. 

Aul* Cinmd jlirf^r "efniehnnren habe i.:b bereits piner. 
Lriei von Herrn Dr, Eraio vleyer erhalten, der wichtl-^e 
Aulscniuesöe veber heF-^irmie Personen enthaelt, di^*^ in 
dfcn iü^eis inß'.ner erarbei ttini^^ eirbc7.o.-.en ^'verden nruessen* 
voa Herrn Archive De vrat Ijr. Harald Scliieckel habe ich 
noch nicnus f:ehoert5 werde -/oer venire tlich anch von diesera 
eüit Nacnricno erhalten, s.ndernfalis direkt an ihn 
schreiben, Heri-n i^-. Meyer habri ich auch geijeten, mir 
eine Photoccopie der BiograDhie Eml \iaixi'oßrj:^e 7-u smöen, 
die GLch Im 01d£.rbur^iö'heri IIciusKalender fuer 1926, 5^.61 f. 
belincet». 



üruss 



Mt iiocbmolip-em besuer J.ank und i reiündlmchem 



Ihr 



<// l 



/../ 



El e^^xito, datif. 94530 .^ a^..^^^ 



February 26, 1973 




y j 




f 



Sehr geehrter He-r Dr. Hamburger: 

1* US ,1t .ro,». lnte«,=. die l. *.fK,. ™„e«enme>,.„ A.s- 
.„e,e .»s .l„e. Ihrer »ortrceee. loh habe darin ver^l^t die Er - 
„*»„. ei„« Bahnbrechers i, deutschen .rteitsreohts, .eines 

u ^o Hpc, senat-praesidenten am Kaminerge rieht Dr. 
verstorbenen Mannes, des benex^^picic 

Alfred Gerstel, 

Dr. aerstel war Jahrelang schritstellexlsch und a.tiv als Arbeits- 
rechtler taetig.war Vorsitzender der Schiedsgerichte zwischen 
Arbeitnehmern und .-.beitgeben. in nichtigen Industrien. Er war von 

,,,^ A-^enatspraesidenten Vorsitzenaer 
1927 bis zu seiner Ernennung zum . 

des Landesarbeitsgerichts. 

Dr. aerstel gab mit dem lUnisterialrat Dr. G.Flatow. Prof .Dr.A. 
Huec. und Prof. Dr.H.C.Nipperdey die Entscheidungen des Keichsarbeits. 
gerichts und der Landearbeitsgeriohte heraus, die sogenannte Bens- 

heimersammlung . 

K-e. 1 -•:(-:! ^ie maE in Deutschland nicht mehr 
Die SaiTimlung erschien bis 1;.33. sxe ma(, m ^ 

existieren, ich habe die 18 Baende hier. 

ich hoffe da.s diese Hinweise von Interesse fuer Sie sind. 



Hochachtungsvoll 



Ihre 




{ 



I 



l 






I 




Mrs. Alfred Gerste 

7 587 Curry Avenue 

El Cerrito, Cal. 94530 



73 




March 7, 1973 



Sehr geehrte gnaedige Frau, 

nehmen Sie meinen besten Dank f'^^^J^^,^"""^^ 
liches Schreiben vom 26.V.M. Des Names Ihres Gatten 
erinnere ich mich, ich glaube, dass ich ihn von Georg 
IIa?Swrden Sie e^vaehnln. und mit dem ich seit unserem 
geme?nUmen Studium vor dem Ersten ^«J^krieg xn engjr 

Freundschaft verbunden war, in <3e^/t^'y^^^^„^^^^,^'tfnat8- 
v.r,i4- cehoert habe. Dr. Alfred Gerstel ist auch als Senats 
pjiesideSfbeim K;mmergericht in dem Werk von Kaznelson 
"Juden im deutschen Kulturbereich erwaehnt. 

Mein Vortrag durfte die Dauer von einer Stundejnicht 
ueber schreiten und fand zum Teil vor amerikanischen Histo- 
^fv^rn neben dem aus Deutschland stammenden Publikum statt. 

iS^Sbetlchf Li der Nennung. von ^^f --JJSi;;^^^-^"" 
bei Reichsministern nur auf Beispiele ^eschraenkt. von 
Juristen ist nur Nathan Stein genannt ^f ?«"' ^f }/^^; 
ein Ausnahmefall - ^andgerichtspaesident bereits in der 

>Monarchis:hen Zeit gewesen. K«»^""^^«""^ ' "°'^''J" Jf ^ ie fn 
Friedmann sind nur deswegen genannt ^«J^en, weil sie in 
Amerika bekannt sindr in <3er Weimarer Zeit waren sie junge 
Ar^eitsrichter und waeren unter diesem Gesichtspunrt nicnc 
zu erwaehnen gewesen. 

Ihr Hinweis auf Dr.Gerst»» ist dennoch sehr gichtig. 
Mein Vortrag stellte lediglich die Vorwegnahm« einiger Gedanken 
dar die ich in einem umfangreichen Buch ueber Juden im 
oeffentlicSen Lben in der Weimarer Republik verarbeiten 
moechte In diesem Buch muss natuerlich Dr. Gerstel meinen 
^aS habeS Ein entsprechendes Buch ueber die monarchische 
Zeit habe Jch 1^68 im^erlag J.C.B.Mohr in Tuebingen ver- 
oeffentlicht. 



Wuerden Sie so freundlich sein, mir die ^^^^tif^^J^ 
Daten ueber das Leben und die Laufbahn ^o'^^J^rJ^^^^J/" 
saetzlich zu denen, die in Ihrem Briefe enthalten sind, 



-2- 



/ 



\ 




n***'*' 





29, Maera: 1973 



Mrs. Aifrt^ö (^rstel 

El Cerrito, Calif. 94530 



S "hr f^p-shrte crnaedige Fra'-J, 

Herzlichen Dc>nk fuer Ihren Brief vo,r 1-. "^rrjc-rr. 
Es scheint, dass Sie an di<^sera Tage die Broschaere mit 
meinem Vortrag noch nicht crhalton h?.tt-3r,olA7o"il «ie 
am ^5, i\a*jrz a\:^^Gga\\i.u^n ist. Sollte sie inzwirjchen nicht 
eingetroffen sein, no teilen Sie e^ -nir Vitte nit, ir^h 
werde dann ein anderes iCxemplar an Sie abschicken lassen« 

Die liebensdaten Ihres Gatten, die sie freundlicherweise 
in Ihre'ü Briefe mitgetpilt habuHt sind r^^ir wichtig. V'a.?re 
es noah moealich hinsuzufuegent vann er den Dr.jur. gemacht 
hct uni W3nn er in öen Justizoieast einq^-treten ir^t,unr^ 
vo? Kr ifst doch geviss,i:'evor er Kammerqerichtsrat wurde 
eil« Anitsgerichtsrat oder LDndooric'ftsrat be«chaof i-ic/t 
worden, Da?;s er Kriegsteilnehmer war, entnehme ich daraus, 
das«? er bi?:;. zum F.rlaös der ^Juernl>erqer Ges€t:^.e im Arte 
creblieben ist« 

Ich canke Ihnen sehr fuer Ihr lir=*benßwuerdiqGE An- 
errieten, clie drei genannten ßaenrle luirj 5:ur Verfueguncj 
z\x stellen • Der Band von «^einstrom i<^t in der Bibliothek 
der; Leo T>eck: Inj:ntitia«:r>, auch ^as Buch von Goeooinqerj 
doch ^'enn Sie dieses nicht benoetiqen,f<o vaere ich Ihnen 
dankbar, wenn Sie es mir schicken wollten, ich kann e?> in 
meiner Privdtbibliothek bf?nutzen und brauche dann nicht 
jedesmal in der Bibliothek df?s Instituts nach 5:usrh lagen. 
Das I^uch von Bruno lilau besitzt das LBI nicht, und wir waeren 
Ihnen recht dankbar, wenn Sie es der Jdl)liothek des Instituts 
dedizieren wollen. 

Da Sie von der Zugehoerigkeit von Herrn Grossmann zum 
Republikanischen Richterbund sprechen- war Ihr Gatte in 
einer dieser Organisationen oder hat er sich, wie z.B. 
Georg Flatow zu einer politischen Partei l>ekannt? 

Nit nochmaligem Dank und freundlichen Gruessen und 

Kmp f ehlu nge n 

rnr 



\ 



15S1 duTxy cnvs- 
El dexrCto, datif. 94530 




March 16, 1973 



Sehr geehrter Herr Professor, 

vielen herzlichen Dank fuer Ihren liebensv^erdigen Brief. Ich 
bin .dr natuerlich klar darueber . dass ich keine Erv.ehnung .eines .annes 
in Ihrer, zeitlich beschraenkten Vortrag vor einem zum Tai .^erika- 
niscaen ^ublikum erwarten konnte.Ich oin nur dara^ bedacht dass 
sein Nane ur:d die schoepferisohe Rolle die er im deutschen Arbeits- 
recht spielte nicht vergessen .ärd. Ich bitte mir das zugute zu 



halten. 



Die rrevraenschten Dateh: 

X -. ..v 9 Anrnl 1879 in Laurahuette, Ober- 
Dr. ..Ifred Gerstel, geb. 2. Aprii \o(j 

t 

Schlesien. 

Er vmrde 1920 erst Kamergerichtsrat und auf seinen Wunsch - er 
sollte nie Beisitzer sein- im selben Jare Landgerichtsdirektor. 

1 Q27 Vorsitzender bei dem Landesarbeitsgericht in Berlin . 

1928 Senatspraesident am Kamaiergericht. 

eine Berufung zux« Reichsgericht etwas spaeter lehnte er ab. da 
er nicht Beisitzer sein wollteund auch das kulturelle Leben in Berlin 
nicht missen wollte .Er war ein durch 'ond durch musischer Hensch mit 
crossem Interesse an Musik und bildender Kunst. 
AM 30. 9;. 1935 «-^--de er " beurlaubt.« 

I. Frueh3.hr 1939 fand unsere nach Verhaftung durch Androhung des Kon- 
zentrationslagers erpresste Auswanderung statt. Wir waren 1 i Jal.r in 



•15S'I Cuixij cAvs.. 
El a^r^lio, Call\. 94^30 



n V. iQi.O nach Berkeley. IDort war er Vorsitzender des 
Cuba und Kamen im Dezember 19^0 nach t^er^ y 

• ^ ^rr, Tnhre IQ^^-^ legte er den 
j 4. T^^r^irc^i ^^^(^r Juristenkreises, im da^ire \y^ -^ & 
von ihm gegruendeten Berkeleyer üunoo 

^. rr^-^ ^-i^r\ Wiedera.uf nähme 
Vorsitz nieder, da er leidend und ueberanstrengt w.r. . .acn 

•„ ^™ tjpbst 1953 nach 31 Gerrite, doct 
der Beamtenpensionszahlungen zogen var im Hebst .5. 

starb nein Mann am 30.Msi 195'^. 

.*.a t».US .»r. I* ne« », .a,» .e. 3e„,tsp.a„.d,„t =.=pa^ .»-sc. 

Abstammung war, , 

Xcn bestze ein paar Baendo.en. die vielleicht von Intersse Tuer .ie sxnd: 

,.) ..e Verrolgun, der Juristen ^uedisc.er Abst.« durob den National- 
sozialismus von Dr. Horst Goeppinger. Hing Verlag. 

^ »cht fuer die Juden in den europaeischen Laendern von 
2.) Das Ausnahnerecht luer aie 

Bruno Blau. New York 1952 

3 ) L.influence du Kegine national- socialiste sur le droit prive 
alleland von H. Hheinstro.. erschienen ^^^^^^ ^^^,, ,,,, 

«enn diese Baendchen von Interesse fuer Cxe und nxcht zug . 

ich gerr bereit sie Ihnen zu schicken. 

Ve*l„d..c....e„ 0„H t«er de» v.r,prooh„e„ Text Ihre, Vo,«...s, ä,. U. 

jrit grosse« Interesse lesen werde. . 



Fiit freundlichen Empfehlungen 



Ihre 



i 







12. April 1973 



Mrs. Alfred Gerstel 

7587 Curry Avenue 

El Gerrite, Calif. 94530 



/ 



Sehr geehrte gnaedige Frau, 

vielen Dank fuer Ihren freundlichen Brief und fuer die 
Ergaenzung der Daten ueber Dr. Gerstel. Die Tatsache, dass 
Ihr Gatte in seiner fruehen Jugend getauft worden ist, hat 
in dem Zusammenhang mit der Bearbeitung seiner Person und 
seines Wirkens keine Bedeutung. 

Ich habe auch in dem Band ueber die monarchische Zeit 
die qetauften Juden mit einbezogen, sie allerdings, soweit 
Richter und Beamte in Frage kommen, in einem besonderen 
Kapitel bearbeitet, da ja Einstellung und Befoerderung da- 
durch beeinflusst war, ob ein Jude getauft oder in ^er juedi 
sehen Religionsgemeinschaft verblieben war. ^J^^^^^^^^^^^^'' 
punkt tritt in der Weimarer Zeit weit zurueck, und ich bin 
Soch nicht ganz entschieden, in welcher Weise ich i" ^«^ /" 
Vorbereitung befindlichen Bande die Darstellung in dieser 
Hinsicht organisieren werde. 

Im uebrigen habe ich vor. in den Mittelpunkt das 
schoepferische Wirken Ihres Gatten auf dem Gebiets des Arbeits 
rechts zu stellen. 

Verbindlichen Dank auch dafuer, dass Sie die Baende von 
Goeppinger und Bruno Blau an mich uebersandt haben. Sie sind 
inzwischen eingetroffen. Das Buch von Blau werde ich dem 
Leo Baeck Institut weitergeben. Auch das Bekenntnis zu 
Sling" hat mich interessiert. Ich werde noch zu ermitteln 
suchen, in welchem Jahre Sling gestorben ist? danach laeast 
sich das Erscheinen des Artikels ungefaehr datieren. 

Mit erneutem Dank und besten Gruessen 

Ihr ergebener 




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fci!tfij;)i:-;v ^!i.^ 'ii jr-'or ,r';-v Kill«'::' :^'>!o:i- umiii'^ic tOtenirti 
^bcrtditbcrid-fcrii.iDa . ;:t ::i;him r.cifii'iv icn Tvil [einet 
N:ri.r-.,;^!T li.^ri'hv :S.n:vl,"ioC ^iir y;M)C .Mi-cr •^^t)ttviu;ig 

ivvtIj'i; iu'o rr .^••;' <'1n ^>!'i »'^^i '^'-'^ niäci -Jxi^uo'Uit r h;c 
5rI'^nt:.Cfl(k:;n^ ;v« tiM; irf.-i l'ai. i^.!:> nu-r :.^l: bcnibnr, njci^ er 
liefern •>;i;'::i.^A c;.:: V.-utvM'dit iii fin^cn u-uHtt . 

fnnpfiit. Bio nx.r .>;iu .iUvi> i.ra uciit ^'»iiih.t h':-^ naM^ reifen 
LsiiD \;.L>r";T|!0\'r;' '{m^-tK'; i» i-;i)t;;.iull. 

'Vcrix; ;Vi fi'ijf '.v. -• . r- ■ 

!Uii,icrt [rr-li^n lor.-;^. ''.r-t t'^nb. ^a^ er ■.:^:i<t^ ::^ai ern|t 

nirt)t :m,i.rrr<M»«c.u :\iui r*o'M.-.lL, i)a! er om l^rbcitb- 

n>iiijri-o ihn, '»^V-n-^r ii;-rvi)i viv^fruiuirf, ict)L':i .cia u^ituiCi^ 
;vüHrn in-i'"'ui .^K.Ma.5jtcuc\T. '^iu-i) oruöx Tn\ nau ':>ic .^{nr.uf 

CMe'tt ein.'-- (5*crd;i. i)c:f.t.'hr'.''.ro i;xn-'\*rL 

^u^ nrd) cir? or>;:r.-; ^'i-t-murf, bcr i^t m-<^,rn tf^n cvi)f r^-v 

^^'^.rltSuoni. is,..-,-^:: :,,,t. büß r.» yor;-.-v,,r,:..b l .n^^ 

r et ..„bitl... bci!.v.:>.!t .Umu.te. ,,ft,r ■.tvmu.u.c. hc# 
?n burd) fo>.r >v.,r r.ic bind, ba;, or. WTcrum '^;^'" ; 
' U-ift eifoülo nm: oTicm nicht iiiKiitüctt iprrbon, b>i,-« Otinj 

hn« fein i'oh rr'-.ivKli rdiianvt moa, n.v .'.c tUlcir-c» t^■" 

> rdrtitrr fin.,ot.,^-.ci- -u, >m., .i^-- -t satt i.iü.t, h.c 

;?.1;,", ,, *'U CT .U.CV :ru--i.cf! uvJ^-i ..-.H, r...t bcm C^m 

;::,,. .N-.,„ ,.,„M... o..i, -..1, 0M-. n.:-'., .nb ,.U.,üvmusle 
,„,.,ni.crü..i.1,t,V -rC, ..^^^ -^Ir.r.Irr.nMn;, .oi:n,W m 
i,,-,,, IC,,! ..h ...nt :vi;,iMj»! HiTittn f^'.nff. a"-' '^1 fyn» 
i,,t,l „:•„!; neu, ;.•••■ >;. .•.•.pu,icvt.uitm-.a fnuv Uihtx uücx 

-MiVi.!. bir |o oi,.|iwl.-b.'"0 ,».nf.:rM- MUot nCli.; I,ot. riittintt» 
mmbt, lii f*ii'^>- •■' '-l'i>i>'", b.>i! er !« «!.uvn.,mT „eil 
b,ir/I) 011..' Hraft ri^i ,.l)u!irtKr i'.MiviiiriXiit f«' ilnviij^ruut, 
poil iilo.i'fKr ■3ti.I)f.1(2 uiib i>on ficiilmrtiura ^i^raiyqiiljl er- 
jct^ 'mciiieu tdnnrf- ^ 



l^Sf \^uixu crfijz. 
El C^xxiio, daUi 94530 




April3,1973 



Sehr geehrter Herr Professor, 

vielen Dank fuer Ihren freundlichen Brief vom 29.:4aerz und den 
inzwischen eingegangenen ?or'irag. Ich war sehr beeindruckt davon wie 
akkurat und interessant Jie dies Stueck Gescliichte in konzentrierte 
Form j^ebracht haben* 

Zur Srgaenzung der Daten: 

Dr. Gerstel hat den Referendar (mit vorzaeglich ) und den Dr.jur. 
1901 gemacht. Ueber das Assessorexamen habe ich nichts, nehme I905 an. 
Die Universitaet Goettingen hat ihm amuesanter weise 1951 das goldene 
Doktordiplom hierher gesandt mit dem .Ainsche fuer eine ebenso erfolgreiche 

Karriere hier. 

19t: w-arde er iLmtsrichtsr in Berlin, 1915 Landrichter in Berlin . 
1933 musste er sich vor Freisler im Justiztrdnisteriun wegen eines 
Nachrufs verantworten, den er ( 1928 ? ) fuer den Gerichtsbericht- 
erstatter Sling ( Schlesinger ) fuer die Vossische Zeitung geschrieben 
hatte. Ich erinnere mach nicht me die Unterred^ang verlief, aber die ange- 
drohte Entlassung nach dem beruechtigten Paragraphen ^1- erfolgte nicht. 
Ich schicke Ihnen eine Kopie dieses Artikels . 

Kein Kann war nicht ^Kriegsteilnehmer infolge einer alten Fussball- 
spi-lverletzung. Die letzte Zeit vor seiner Entlass^jng arbeitete er id.t 
dem Gehalt eines Senatspraesidenten am .Amtsgericht. 

Xein Mann war nicht ydtglied des Republikanischen Hichterbundes.Er 



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ehoerte der Demokratischen Partei an, war im Vorstand des Demokratischen 



Klubs. Aas der Zeit stairunt seine Freundschaft mit Theodor Heuss, 
mit dem er und spaet^r ich nach dem Kriege korrespondierte .Ich 
sah Heuss im Jahre 1958 'oel einem lunch im kleinen Kreise im 
Hause des Generalkonsuls in San Franc'.sco und er erzaehlte mir 
vde er sich fuer eine beschleunigte A^ed er auf nähme der Beamten - 
Pensionszahlungen eingesetzt haette imner nit dem Gedanken ?jn uns 
und me traurig er war.dass mein Mann dos nur so kurz erlebt hat. 
Noch eins um kein Missverstaendnis aufkommen zu lassen: -Ich weiss 

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nicht ob es vachtig ist.- Mein Mann war juedischer Acstair^^JUig, •• >^r 
er war in seiner fruehen Jugend getauft worden. 

Ich sende mit gleicher Post das Baendchen von Goeppinger fuer Ihren 
Frivatgebrauch und das von Bruno Blau mit der Bitte es freundlicher 
wise an das Leo Baeck Institut weiter zu geben. 
Mit verbindlichen 3ruessen 



Ihre 




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12. April 1973 



Herrn Dr. Horst Goeppinger 



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Sehr geehrter Herr Dr. Goeppinger, 

da mir Ihre Anschrift unbekannt ist, ^^^ediene ich mich 
der freundlichen Vermittlung des Ring-Verlages, um Ihnen 
dieses Schreiben zukommen zu lassen. 

TrVi bereite ein Buch ueber Juden im oef fentlichen I*ben 
DeutschlaSrin'der Weimarer Zeit vor. Es widd sich vornehm- 
lich mit Beamten und Richtern, ^«gierungsinitgliedern und 
Parlamentariers befassen, die in der damaligen Zeit gewirkt 
habenSnd versuchen, ihre Persoenlichkeit ""^^^-Ji^^^^i" 
Rahmen der Gesamtentwicklung des «^f^^ligen Deutschlands zu 
wuerdigen. Ein entsprechendes Buch Vf er Juden ^^ °«"«"*- 
lichen Leben in der monarchischen Zeit habe ich 1968 im 
Verlag von J.C.B. Mohr in Tuebingen erscheinen lassen. 

Fuer die Weimarer Zeit ist mir Ihr Buch ueber <3ie Verfolgung 
der Juristen juedischer Abstammung durch den Nationalsozialismus 
sehr wertvoll. Aus eigner Kenntnis weiss ich npch manches als 
H^maliaes Mitglied des Preussischen Ministeriums des Innern und 
des Priussischei Landtages, in dem ich ein Kollege d«« »Ministerial- 
dirigenten Dr. Siegfried Rosenfeld war. der im Pff^^^i^^^*^^" J"^^" 
minilteriSm d;s Gnldenv^esen und auch die Personalien der Richter 
einiger Oberlandesgerichtsbezirke bearbeitet hat. 

Ueber ihn und Dr. Kurt Rosenfeld, die Vettern ^^l^l^'H^". 
ich genug fuer die Bearbeitung, dagegen fehlt es ">i^^*" "«»^^^J"^ 
iebe? den Landgerichtspraesidenten ^r. Loewenthal in Oels Seme 
Taeticrkeit vollzog sich im Bezirk Breslau, den ich i"»,!'»"^*^*^ 
vertreten hISe, i?h habe Loeventhal auch ein oder zwei Mal gesehen 
unf JeisS. da«; er ein aufrechter Demokrat war und dass man ihn 
in Oels aich in weiter rechts stehenden «reisen schaetzte. Sonst 
aber erinnere ich mich nur der Tatsache, dass er vorher in Magde 
£rg als Richter gewirkt hat und damals in einem der ^«ithin 
bekannten Prozesse, entweder dem von Friedrich Ebert angestrengten 
BeleiSigSngsprozes; oder in dem Prozess Haas durch sein "jutiges 
Ein"etln fuer die republikanische Sache gegen seine Richter- 
kollegen bekannt geworden ist. 



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ERl^EST HAMBURGER - 67 Riversidc Drive - Nev '^9§^24^ 



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29, Dezember 1971 



Mrs, Gertrud jßald Schmidt 
58 Stalpert ätFaat 
den Haag, Nether lands 



Sehr geehrte gnaedige Frau, 



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gestatten Sie, dass ich mich in einar mich inter- 
essierenden Angelegenheit an Sie vende. Ich habe ein 
Buh "Juden im oeff entlichen Leben Deutschlands" im 
Verlage Mohr in Tuebingen, 1968, veroeff entlicht, das 
sich mit dem Leben und Wirken juedischer PersoGnlich= 
keiten im Rahmen der deutschen Geschichte der monar= 
chischen Zeit 1848 - 1918 beschaeftigt. Ich bereite 
jetzt das entsprechende Buch fuer die Weimarer Republik 
vor. In beiden Buechern werden Regierungsmitglieder, 
Beamte und Parlamentarier behandelt, 

Frau Susanne Simonis, die mir auch Ihre Adresse 
gegeben hat, teilte mir mit, dass Ihr Gatte Beamter 
im Preussiscaen Justizministerium v;ar. Ich weiss 
nicht, ob diese Information richtig ist. Ich selbst 
habe daiuals im Preussischen Innenministerium gearbeitet 
und war auch Mitglied des Preussischen Landtags, kann 
mich aber des Namens Ihres Gatten nicht mehr entsinnen, 

Falls Frau Simonis mich richtig informiert hat, 
wuerden Sie so freundlich sein, mir die wesentlichen 
Lebensdaten Ihres Gatten zu uebermitteln (Geburtsort 
und -Jahr, Studiengang, Werdegang in seinem Beruf 
einschliesslich der Taetigkeit im Ministerium und 
eine kurze Angabe darueber, was er eventuell in der 
Bmigration getan hat.) Aus dem Justizministerium habe 
ich lediglich von den ;juedischen Beamten den Ministerial« 
dirigenten Siegfried Rocenfeld und den Ministerialrat 
Hermann gekannt. Wichtig waere mir gegebenenfalls auch 
eine Information darueber, auf welchem Gebiet der Justiz» 
Verwaltung Ihr Gatte im Ministerium gearbeitet hat, sowie 
Hinweise auf charakteristische Erlebnisse, die er in 
seiner Laufbahn gehabt hat. 

Mit bestem Dank im voraus und 

verbindlichen Empfehlungen 



Ihr ergebener 



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ernest hamburqer - 67 Riverside Drive - New York, NY 

10024 



9. Februar 1972 



Herrn Dr. W. Gutkind 
69 Stocton Roäucr^ ^ 
Guildford 
Surrey 



/' 



Sehr geehrter Herr Gutkind, 

ich danke Ihnen bestens fuer Ihr Schreiben vom 
4. Februar d.J. und fuer die Uebermittlung der Daten 
ueber Ihr Leben und Ihren beruflichen Werdegang. 

Ich habe alles mit grossem Interesse gelesen und 
werde die Angaben in der kommenden Publikation ver- 
werten. 

Lassen Sie mich hinzufuegen, dass ich Ihnen 
fuer Ihre Muehewaltung um so mehr verbunden bin, 
als ich Ihr Geburtsdatum aus Ihrem Schreiben er- 
sehen habe, undden Wunsch aussprechen, dass Sie 
die geistige und koerperliche Ruestigkeit, die 
Ihr Brief erkennen laesst, sich noch auf lange 
Zeit erhatftn moegen. 

Mit freundlichem Gruss 
Ihr ergebener 



/ 



SENAT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG 



STAATSARCHIV 

3171-2/1 

(Bei Beantwortung bitte angeben) 

r 

Herrn 

Professor Dr.E. Hamburger 

532 Bad G-odesberg 

Hotel Kheinland 



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Hamburg, deH 22.Juni 196::) 



M 



pp. 



FernapreAer 36 11 21 
Behördennetz 31 

Poptansdirif t : 2000 Hamburg 1, Rathaus 









.4' 



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Sehr geehrter Herr Professor, 



auf Ihre An 
Juristen JJr 
Ernennung S 
in einer hi 
angegeben i 
stentum übe 
seines Lebe 
läßt sich a 



frage vom 19.d.Nts. nach der Religionszugehörigkeit des 
.Georg Schaps teilen wir mit, daß auf einem 1918 nach aer 
chaps' zum Reichsgerichtsrat angefertigten Personalbogen 
er vorliegenden Personalakte unter Religion "mosaisch" 
St. Lemncich ist Schaps vor diesem Termin nicht zum Ghri- 
rgetreten. Ob er diesen Schritt in den letzten Monaten 
ns noch getan hat ( er ist am 22. August 1918 gestorben), 
US hiesigen Unterlagen nicht ersehen. 

Hochachtungsvoll 




^/'^>^/> ^AA"^/ 




/^7-/^ r^ 



I.A. 



(Loose, jJr . ) 
i^xchivassessor 



Geldüberweisungen an Senatskanzlei - Amtskasse - Konten: HamburgisAc Landesbank Kto.-Nr. 336 • Po8tS(^lC(^.konto Hamburg 436 39 



/ 



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9. Februar 1972 



An die 

Hessische Allgemeine Zeitung 

35 Kassel 



Sehr geehrte Herren, 




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Herr Regierungspraesident a.D. Fritz Hoch teilte mir 
mit, dass im Archiv der Hessischen Allgemeinen Zeitung 
Artikel ueber den frueheren Polizeipraesidenten Hohenstein 
in Kassel aus den Jahren 1928, 1932 und 1968 vorhanden sind. 
Der letztere sei von Herrn Hermsdorf verfasst worden, der 
noch heute in Ihrem Archiv taetig sei. 

Diese Artikel sind von Interesse fuer mich. Ich bereite 
ein Buch vor "Juden im oef fentlichen Leben Deutschlands in der 
Weimarer Zeit". In ihm soll Hohenstein seinen Platz haben? 
er war der einzige juedische Polizeipraesident in der Weimarer 
Zeit, und es ist mir l>is jetzt noch nicht gelungen, Angaben ueber 
seinen Werdegang und sein berufliches Wirken xu erhalten. 

Ich habe Hohenstein nicht persoenlich gekannt, natuerlich 
als damaliges Mitglied der preussischen Verwaltung von ihm ge- 
wusst, und kann daher nicht aus eignen Kenntnissen schoepfen. 
Andere Bemuehungen, ueber ihn Informationen zu erhalten, sind 
bisher misslungen. 

Ich waere Ihnen daher dankbar, wenn Sie mir Ablichtungen 
dieser drei Artikel ueber senden wollten. Die Ihnen entstehenden 
Unkosten werde ich selbstverstaendlich ersetzen. Ein Buch ueber 
Juden im oef fentlichen Leben in der monarchischen Zeit (1848-1918) 
habe ich 1968 im Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) in Tuebingen 
veroeffentlicht, und die geplante Publikation wird gleichfalls 
in diesem Verlage erscheinen. 

Sollten Sie ausser den genannten Artikeln noch Informationen 
ueber Hohenstein haben, so waere ich Ihnen fuer eine Mitteilung 
sehr verbunden. 

Mit bestem Dank im voraus und freundlichen Gruessen 

Ihr ergebener 



/ 



ERNEST HAMBURGER 67 Riveraide Drive - New York, NY 10024 




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25. Fr-bruar 1972 



Herrn Wolfgang Hermsdorf f 

c/o Redaktion der Hessischen Allgemeinen 




35 Kassel 
Pressehaus 



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Sehr geehrter Herr Hermsdorf f , 

s nehmen Sie meinen besten Dank fuer Ihr Schreiben vom 
16. Februar d.J. und die auf den frueheren P°l^^^^"^ .^^^ 
praesidenten Hohenstein bezueglichen ^«^J^f "' „^|f°"^JJ?3t 
interessiert hat mich der Artikel von 1968. den Sie selbst 
qeschrieben haben; er enthaelt fuer mich wichtiges 
äa?e?ial. Herrn Eberth brauche ich nicht f^^^^f^^^f 
mein Buch keine Photographien enthaelt. Sie werden aus 
dem von Ihnen bestellten Exemplar ersehen, dass es ^^.^w^« 
io^m eines wissenschaftlichen Geschichtswerkes geschrieben 
ist Gern werde ich Ihren Wunsch erfuellen, Ihnen ein 

Bei;ge;empl" des Weimar-Bandes .ur B-^P^-^^^l/;^?^^:" "" 
■"«^■^ -3 c j4^„„^ nanri oTQi-hf»! nt . Das wird aileraings 
lassen, wenn dieser Band erscnemt. ^ao 

noch lange Zeit dauern. 

Juden im oef fentlichen Leben Deutschlands gab es in 
Kassel verglichen mit andern deutschen Grosstaedten nur 
wenJg. In meinem Buch werden Sie finden, dass Kassel die 
einzige Grosstadt war. die im Kaiserreich zu ^n fang des 
20. Jahrhunderts einen antisemitischen ^^l^^ll^^TJT^^^ 
Landtagsabgeordneten hatte, naemlich den Aratsgerichtsrat 
T ahtmann Auch werden Sie eine kurze Erwaehnung des 
Lattmann, «ucn wea-^je.. einflt^n der durch persoenliches 
Oberlandesgerichtsrats Sommer finden, aer auxt^u t «.=.00«! 
Eingreifen Wilhelms II. in die Befoerderungsstelle in Kassel 
k^! waehrend sonst juedische Richter in ^ener Zeit ueber 
die Eingangsstelle gewoehnlich nicht herauskamen. Da^ueber 
finden Sie Naeheres in dem Buch von Eva Ehrenberg, das ich 
fi^meLem Buch zitiert habe. Ferner hat «« «f "^^iS^S^ 
einige iuedinche Stadtverordnete gegeben? ich habe Juden, 
lie in der Kommunalpolitik und in der Kommunalverwaltung 
taetiS waren, in mein Buch nicht aufgenommen Im Weimar- 
Bande habe ich vor. von dieser Regel abzuweichen. 

Mi¥ bestem, nochmaligen Dank fuer Ihre Hilfsbereitschaft 
und Ihre guten Wuensche bleibe ich 

mit freundlichen Grupssen 



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Kassel, den 31. J."nuar 1966 



Lieber 



letzt 'üf Irxre Fraii;en über 



LiPher i'remd Hamburger, wenn ich Imien erst J^..^.u -; --"^gß'.^b-^esehen 
äinln Vat^r vom 2.12. antworten kann, so i^J: die . a.r^^^ ^^^ ^^^^ ..^^ ^^^ 

^xHem "dicken- ^ft^il für aen -f-^J'^^^^^Sx uns Kinder mit der Hand 
^itze- ich in dem Tn-ebuch, aa^ nein v^^-^ .-/estarps ßemerkun-en und 

4Ss laeine" geschrieben If*. nichts w er e über ^P^^ ,,i,terial v;oiter 

ruch nicht den 3rief ^-■n_Haase ^.^^f;, ^'^'^.t -ch zwar schon in der uan-i fie= _ 
t^esucSt und fand dabeiem ^'^^'^f ^^^I^J^^^i^^/des Tasebuches, das^- er scnriet 
h^üt habe, aber aünahm, es sei uer .nt^mri a.s ^^ ^^^ü-^ ^^urch aie ..in= 
a4on- aufbev.'ahrt hatte, £mr den ^'^ll-'f^S^^zt stellte ich fest, daß es 
Wirfwien der Zeit verloren Sej^^n sollte. Jetzt s^^^^ ,,.^ enthalt au^h die 
eine Ae'eiterbearbeitunc; ^^t, üie ^^J^^^^^^^ /..^er seit seiner Konm.v:3ber= 
.'örtliche Antwort an xiu-o haase, '^]^ f^ KriPÄvill ich abschreiben und , 

■;o; itudentenzeit befremdet war. ^^^^^J^^J^^Je die 3t eilen, die sich mit 

' beilegen; noch mehr '''■^'^-f lif^^f^^-^^Sr besSSSigen, bin ich nicht in der 
.vestarps Bemerkunsen ^^^r meinen _ J ^^ ^^ :aeinem Huhestana, daii ich 
La^e. Jrs ist uberxxaupt ^^^^ einzi. ai^^i schreiben mu3. Fremden .en 



l^:%s ist überhaupt f^/,^;;J^^l']:i^t,^DSt schreiben mu3. Fremden ^ 
keine Dchreiokraft menr habe ^=^^^^„\^,ti^ nicht - -ein V-ter, der ei^ri- pnilc 
seien seoe ich aas , Buch meixxes^^/.'teis^nicht^^^^^e^^ seiner-L^bensauffassun^" 



scher i;reTch"aas Buch meines '^pf^^^^i^^^^^^ Ji;;:rr34ine;''L^bensauffassun3'' 

lophtsche ^tuÄi--,*^^!^' f,^, 'ISch Über "^I^^S^'' ^^rt ^ ^^ehandelt in 
hinterlassen, m der er ^icn .uch uo.r b j^^^^^^^ ^^^ seinen ..icht- 

e^iner Biographie cucn seinen austritt cus ^Lisch und schenkte mei= 

l^tvltt^^.^^^^^^;^^^.,^^^?^^:^^ All aies ivmen ^-^us= 
nen YaT;er ^"^^^-r"«-— ^--^rT^ ,i; aie i.r^."ft, und ich will versuchen, ^mien 

^:triiS;ex-marei'v:Stäifdltch- zu -f of^-::,,,,,3chaft1^d^Mlosophie in 
lf ..^in Vater hat ^^ecipswgsenschait Volk.^art.ch.f^ ^^^ ^^ 

_erlin, Könif^soers und Furien ..tuuiei^i;. Schrrder sprach und I.arx 

sinniiien 'itudentenversa:ar.luj^|, la^^^- ^es.^roShen imd erlcLlrt, er haoe . s 
ochriften ablehnte, m d r ^is.mo.ion ^o,.pr ..-elernt, er könne 

..rpit-1 sehr ein^ehenu ^^^f']^^^''^,^'%^\osery, I.Jine- Zeitun3snotiz ;..i.er 

nur jedem -tudeuten ^'^P^^^^i^'^' ,,^^"-„'1^ im Kultusministerium Althoxi, 
^iese 7ersa.imluns ^eranlabte aen i^in^xr. x-u -ul^u ^,^^ ^^^^^ ^ 

eine Untersuchuni einzuleiten. ^l^-;^^:,g^ ^{l^^^ ,.11^3 berichten. )l'Trch 
besc:.affen u^^ einsehen können, ^,;"/\. ^''^^/v^^i^^^ - mit Koche rnbe;;eb:-i>- 
lin^eren .rmittlunjen -der -^ ^^\,^^i£^i^ haoe ihn danach ,e= 
über den späteren Um ^i^-,,^^-,^'"^^^.^ [loche, fand man den Studiosus r.och, 
fra^t) una den -.'reibur^^er "^^J^^J^^f ,,^,;^^^°ä^^erwarmmi; durch den :iektor 

^:^noSrdeS ^5S^SeSkSr25!i^ 

-Slfä^^LiLf llirfolMSie^ b eSi^^^ 

:lni3ter, da <,r als '^ozx.l<ls^^-t n^ ^ ^^^^if^eS: ha^te dex^ Re-iistra= 
sitze. (An Hand des ^,^^^!l; ^"l^^"^,^^ ^.]:.v.^ ^Z^ mein Vater 
tor des Kdl mir aie ^>kten U-'-' ^^-"^'.^,-„. .,„„ 7r>reini '-uixi^ derdeutschen 
^ .um .eiter..tuaium nach Zürich, f /)\:;;J^^^"^^f i^^si! irteressante,q^^itvej^= 
?: Sozialdemokraten anschlob.(In^d.n^^.. Beric'itf feis"^ 



t^t oericntrEor^r^iedon^mcines '^-^'^f ":;^,,,;:7,;^^^r..:;\,T'üeütschiand und lteicte= 
•^?^^ .f.va 1yo2l, r.ls /ater f ^^^Ti^h /uH ' bS Je s 1^V^° ^^^^ 

^■^r:,s der Zäricher Zeit, ^- ^^f J-^^^-f l^S^kU^n'zu"^ --J^-t^ 

&.!^.?::^;i^nd^,^^SuotrS:f SS^^,if:^fS?;i?1ntÄ:.hen zu Lünen. .. .oll^ 

ii ^: Alf J:^nai\Stanä- seit den 1^^^;^..-^fäf!^iSe Sm^Sl^? ■ l^^^cl^ ^ .er= 
'- •■ r.-Sfurt, .-.uch in U^i-^lf^^^' ;(,■^t^olc^' dim-inSeTln der '-^zizeit va,..-^..on 
lin -.rr, oe:,tand auch ^«^Ji'^f.'^fäiiiV^^iraua getreten, weix ol-.^ii. ('*; 
..:io aui-:'.löst. /US de:a '^^'^^^^^4' "^ Inron (iemeinaen -^ev.'ose:;, ^.;unx ^ 
/.Uer v.^.terlicuorseits 'f ^f"/;' '^'^H'r^ ^^' , :^. -^^estroiton konnten und :-.'Uileu; 
,:ie auch ihr.n L-ybonsunterl.-lt^ ...mil^ nicht ^^,uc.^ ^^^^^, ^^^.^^^ 



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'•■'"f ' J^n ^innt nu" ili^ Jon^^itslehre nbleuiite. a, hoch;. 



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- >,«^ sond^->rn auf Kächetenliebe, Vernunft und .jon^cen. :;ir h.-tten ir|den 
ocUlä.-^l'ren'^SelSionsunterrioht", eine Art Uor.-lunterricht und oek^men 

reini':;unj«n» 



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':eisti^j; 



....... Ltei^ske^teren ::rbeiter und wenige freihetlich. dankende Leute 

onc nf.-^^ '■^Mr^'-ertuni zu dieser ureiiieindeo ^nno 

. r -Pin 7nte? St trotz dringender Bitten unserer Ilnnauer freunde 1928 
■^^ ^-^n seines Vlters eine weitere Knndid.tur ab^elermt. :^r vmrae dn.^.ls 
tPi^^.ll^lt und s^ -te -ein wort, d-- s mir alte i'reunde i;araer vaeder De= 
S^-.ti'-^i hrben^1e?zt wisle er noch, daß es Z it sei. ochluß zu machen, 
oh er^es in eilii-en Jahren noch erkennen könne, sei er sich nicht sicher. 
Ss -rei ledLlich gründe des Alters, keine politischen '..runde. 
4! ":?nes /^ters hauT.t Interesse i^&Lt der ooziiii>olitik, uoerhaupt r^le«, 
v;^-en d^s ArbeitersihutzesoAn der oczinlversicnerun-Lr/O um A/OA.at er 
;e-^r?etv?äfti- mitgearbeitet und auch ivo.^aentare herauHgeseben. die in 
^^^7p!t;Ts Vorfall-- der nassen stark benutzt vmrden. ^s hat mehrere Auf= 
^.i:'.en -^elei /.'te'r h^t ja praktisch seinen Lebensunterhalt als freier 
,l?.^:?en -sieben. ^_^ei „^^ - ,^ ^^^g Aufsätze in Ta -es zei tunken. 

-'^fv.i?u'flozLlpoIIt?uSdci;ewerkschaftlichen Ze itschriften_ veröf fent 
'■^ L r%l-^^llQll,tt er r^--el-idßi- in der A^'A-Zeitun- über Sozialpolitik 
/A^/ii-;r4c*it;?^ Aber afch 3?euex.fr.,en naoen ihn interessiert. -.Ehrend des 
■""iJ. OS erschien eine größere Broschüre über "l.eue oteuern i-n Arie^-.". 
-:^^'?;%SieirsSter, mitreißender, temperaraentvoller Redner d.r seine 

^,;.:;-..:..i.::enhaft aua-beltete, dann aber völli^^ frei sprach. Seme -?ede 
.teann ije./isoennai-c ^uc-l-co , o-^-^-^-i hc^nnrio-pc. ve-rb-reitet. ^bri 



^^""..J^ J.+l^tixen eine i^ir^famierun- , insbes. von Haase durch nie . elu-= 
h^4 "uf etr^t^n'^uSd S?, aLs Haase sein Ant.-ia .Yanktionsvorsitaeraux jao. 
^Jch seklrs^ItS -- .den' vorstand _.eschrieben:jlch ^-^^^---^J^.f ^hr 



6 Xoer Scheideraann habe Ich -w<.-ni^stens ^ishet- nichts finden können, 
ich weiß aber, da.i mein Vater ilm nicht selir hoch -eschatzt hat, u.a mich 



ist 



^n au-- zudrücken, (ßitte dies nicht zu benutzen.; , • ■. „„ ■; -.1 

7! 00er West;;ips Liaex.kun,;en hat aein Vater «^^^i'^f .^l^^^t^^f^^.J'/l,".; 
rb-r zu '/iel zum Abscüreiben. ober cUe ürohuns mit <^'^^\^^^r°l'fl]°''^%f^^ 
rein V-^t-r, , daß er nicht -edroht habe, sondern _ ledi-licJo, er.clait h..be. 



der Unv/ille'v/sVanai']; wachsen und 




aor nicxiL nur als otudoül; , 



una vieles 

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souaern 



'-elosen und nicliU nur ,^-<jleson, 



;.uhe Alter hinein vi^i 
sondern durch:Se.-rbeitet hrt* iir 



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^";\Tf .iJ '^.xzeichnis sei er Lukturo und .lachte sich Auszü.,-e aus aen 
•^''wt die ori"3urüpraii ■lieh Bt..nü.:rariGch, spater, aln or meinte, 
s^inenlnier k^nnteA aS^>uszü,e vieileicnt auch ein,aal verwerten, m 
x,or:ri''lr:chrirto i.':;ider ist bei 



aer 
rarun^" fl^^^r geretteten Uestes rr'.st 
K.nin /r Ler re;';eliaalii!:, Lqtelnlsch 
iVt. und 'jriech. rhilosopiien, die 

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t 



/.rjrf;türun[: nieiner .olmunt^ ui.u der i l-i\= 
.•aies verloren i^e^^nui^en. opr-u^he-. trieo 
ni,d .Griechisch in der ta::lichen i.e.iture 
ach von ilua ererbt Imbo, ^rr-nzosisch 




x>t :ch. j'^iilcj. 'jeselL.'-ichrij't una o^'r ieiiiiilce- iesclisch' l't. 



Dnß er 



- 3 - 

r^^i-hf. Vnnnt« er bis in die nnturwissensctinftlichen Schriften. 

uoethe ^^nnt. ?; °g^o-,.p„,3 ^^f seineu tätlichen o^nzxerzBn ^.en nuch klei= 

..ele-sentlich, i-isbe.ondero .1 s X .^ ^^.^^ i.^^^_^^^ v/ieder. Seine .JoV= 

ne ■-'^^i^c^^f J^t/^ f,;ch ooinem i'uGscheiden aus der nvtiven Polifciä: ferti- 

S'?tpSerHSsSrder.4.ec .ucS sehr temper. rnentvoll werden koante, .-o er 
SniecSt sah; und fSr seine Überzeugung; mit Knchdruck eintrat, i^ar polit. 
n-r v;pr er ein aurcti seine Klugheit und Kenntnisse w 
JeVid ToiüTDerament sicherlich sehr oeachtlicher aesj^ 



v/ie durch seine Rede=; 
-afru-.rLmier.^4nr^;\chrrli;Tsehr-oe7chtlicher Ges^ner (Ich h^be ihn 
^ie! ru? /e?S Llua^en be^.leitet.) ^aß ihn die .anisterxalburokrntie 



seh^- 



.e.^e'tierte; ura nicht zusn^^en, fürchtete, weiß ich aus .^einer 



.ierli= 



ihiien auch hohe Achtung. lir war ohne jede 




schönste Gemeinschaft, die ich je erlebt habe. 

so, lieber I^rlund Ha.bur.er, nun hoffe i^^Ih^^ 

entwertet zu ^'^'J^^^±'l^^;^^l^t^ei^^r^ fernen, ^ damit -.vir 
SJI ^Sl ^in'^Zua™nirIffc^'mIt'iS..en^ einrichten können, /ir bürden uns 
S^JübS freuen .oc^ mehr Würden wir uns^ 

.-Sf ^^V?fnercJi^lSlnteriir'uis\^ui. irgendwo in.der fch.eiz treffen 

sr;riaS.\inä%SlS Jai^^Snnz üi^^lilden ; ihre Reiselust ist wieder 
n -^^^ vorher SntteiVbruar wollen wir den Anfan- machen und nacn C)Der3t= 
.°rf ?aTrenr;oirunser Sohn,^(mit^ 5;.n.ellcindern)^le;ot._ .nde^.prxl,. wenn 



3 



siTi Bodensee ai 



iipch 



V/O ?ir schon verschiedentlich ^^ewesen sind (aber nocn nicut im 



\ 



tum* L'ie Liemokratisierun 






1955"» das oie mit Au; 



;en= 
der politiacnen Bea.nten m i'remßen zwischen l'-; lö 
.^iu -i^^p-, u.. ox. .... ...skünften _^eföraert haben, werden Sie sicher vom 

■wf^ss^J erhalten h- ben. Me ßesprechunr^ m der ^--ranki.All^. Zt^. wr 
yerx- oo.r .la X „er-pde -it TOßem Interesse, v.me oie sich denken .^on- 

?:n .l; kürzlich blilinefn änderen ßuch (Über ^Merburs unter amerik.3esat= 
^'' ion pirem iun -en amerik. üeleurüen geschrieben) sehe ich aucn hier, 
zun^, von ''^^-^f ^J^''-^\^^^^^ .iP-.ctjicnte zu sdireiben. Ich dinke z.ß. nn 
,ao ^^-•i:«^,^^/,^Ji''i^Yalp Sinstellii von Ucutcchnationalen. Dazu muß man 
wio^är-.efcif Samala'^eS^sst'hat'^und zu welchem Zweck; die Unterschrixt 
ici .-einer U-^ltun,:; bekannten ministers üesa/;t dabei nicnts. 



Lad nun recht herzliche Grüße ,-uch an Ihre liebe Prau von meiner Frau und 



Liir, 



Ihrem 




^^i^ 






/iy^i^^/w-cc€rx4ji^ yj-^^Ct^ ^/v»^>»^ 



Meyer -Mißler 



330 



„Birkenhofes-, seiner Villa an der SA^'ach- 
hnuscr Hcerslraßc. verbrachte er. sd.on 
kränklich, die letzten vier Jahre seines Le- 
bens, nodi unbehelligt von dem in seinem 
Todesjahr durch die sog. Nürnberger Gesetze 
zum Staatsrcciit erhobenen Rassenwahn. 
l BN 9. 4. 1925 ^P); Rhdb. (P): H. Flieger. D. 
Weg z. IsabcUa. 1959. , U I^ A 1, ^^^^^ ^„^^^ 
315 

Moyer. Carl Hcinricii Wilhelm Arend Werft- 
dircktor. * 12. 11. 18G9 Bremen-Hastedt. t 13. 
12. 1942 Bremen, (ev.) 
V Carl Hcnridi Wilhelm. Bückcrmcistcr in Bre- 

1893 Johanne Margarethe MctsdikoU (♦ 1873) aus 

Brcmen-Vcgesack; 2 S, 1 T. 

M. trat, naahdcm er seine kaufmännische 



Ausbildung bei einer Getreidcfirma m Bre- 
men erhalten hatte. 1890 als Buc^ihaUcr oci 
der Werft von O Johann Lange in Bremen- 
Vecesacic ein. wo seit 1887- VictorNawatzKi 
Oberingenieur war. Da die Geschäftslage bei 
Johann Lange keine Aussicht auf Besserung 
zu bieten schien, kündigte M. bald wicacr 
und ging zum 1. 1. 1893 an eine Mascnmen- 
fabrik in Burg b. Magdeburg. Ende desselben 
Jahres aber hatte Nawatzki mit Hilfe von 
Bremer Geldgebern die Langesche Werft m 
die AG Bremer Vulkan Schiffbau und \.a- 
schinenfabrik umgewandelt und richtete nun 
an seinen alten Mitarbeiter die Bitte, nach 
Vcgesack zurüc3<zukehren. M. war bereit. Am 
2. 1. 1894 trat er beim Vulkan ein und wurüc 
sehr bald Prokurist und Leiter des kaufmän- 
nisciien Büros. In dieser Stellung widmete er 
seine ganze Kraft dem neu gegründeten Un- 
ternehmen, das bald zu großer Bedeutung 
emporstieg, und blieb ihm 45 Jahre lang treu. 
1912 wurde er zusammen mit den Oberin- 
gcnieurcn — Matthias Esser und — Wilhelm 
Knauer zum Direktor ernannt, am 1. 1. 1914 
zum stellvertretenden Vorstandsmitglied be- 
rufen. Nach dem Ausscheiden Nawatzkis im 
April 1922 ging die Leitung der Werft ge- 
meinsam an die drei Direktoren über. Ein 
wesentliches Verdienst erwarb sich M. durch 
die Förderung dos Wohnungsbaus für die An- 
gestellten und Arbeiter der Werft. Von An- 
fang an arbeitete er in dem auf Anregung des 
Landrats — Paul Berthold gegründeten Spar- 
und Bauverein Blumenthal mit, in dessen 
Vorstand er 1901 eintrat und bis 1924 ver- 
blieb. M. war auch Mitglied des Stadtrats von 
Vcgesack sowie des Vorstandes der dortigen 
Sparkasse. Seit 1937 gehörte M. dem Auf- 
sichtsrat der Flcnsburger Schiffbaugesell- 
schaft, in den Jahren 1934-42 auch dem Auf- 
sichtsrat der Friedrich Albert Pust Hociisce- 



fisdicrni AG Wesermünde sowie der Indu- 
blrie- und liandelskammcr Wesermündc an. 
Als er Ende 1938 als Direktor beim Vulkan 
aussdiicd. wurde er audi hier Mitglied des 
Aufsichtsrats. 

L 150 J. Sdüffbau in Vcgesack. hrsg. v. Bremer 
Vulkan Sdiiffbau u. Masdüncnfabr. Brcoicn- 

Vegesadc. 1955 (P). 

„^g Georg BesscU 

Mißlcr, Johann Friodrid), Kaufmann, * 7. 2. 
1858 Bremen, t 27. 9. 1922 ebenda. (ev.J 
V Justus. Schuhmadicr In Bremen; M Anna Mar- 
garethe Frid<e; 00 1001 Doris Marie Amahe 
Lübbcrs. 

Nadi seiner Ausbildung bei dorn brcmisdien 
Auswandcrerexpodicnlon Carl Ludwig Boc- 
dekor gründete M. 1881 in Bremen eine Vcr- 
mitlclungsiirma, die aus kleinsten Anfängen 
heraus „vielleidU zur bedeutendsten auf dem 
curopäisdicn Kontinent" wurde und 1914 
über 130 Angestellte besdiäftigte. Vom Nord- 
dcutsdien Lloyd, der in Bremen fast den ge- 
samten Fahrgastverkehr abwidvclte, als Lie- 
ferant von Auswanderern abgewiesen, arbei- 
tete er anfangs als Agent der Anker-Linie. Er 
kam dabei so gut ins Gcsdiäft, daß ihn der 
Lloyd seit 1885 gern heranzog und ein Jahr- 
zehnt später alles daransetzte. M.. der nach 
Antwerpen abzuwandern drohte, in Bremen 
zu halten. M. hatte es verstanden, in Ruß- 
land und in den slawisdien Ländern Südost- 
curopas ein vorzügliches Agentursystem auf- 
zubauen, und sdilcustc mit Hilfe von Filia- 
len, diu in Prag. Wien, Budapest. Sofia. 
Agram, Bukarest, Temesvar, Hermannstadt. 
Riga. Moskau. Kowno. Buenos Aires und 
New York entstanden, die Auswanderer in 
Massen zur Einschiffung nach Bremen. Das 
Geheimnis seines Erfolges bestand wohl vor 
allem darin, daß er die Werbung völlig auf 
seine eigene Person zuschnitt und seinen Na- 
men in den Auswandcrungsgobieten dadurdi 
jedermann bekannt, ja zum Begriff machte. 
Die Reisenden „fuhren mit Mißlcr" - mit die- 
ser Formel hob er sich aus der Sdiar der Ver- 
mittler empor und gewann in Bremen eine 
einzigartige Stellung, wenn auch kein Mono- 
pol. 189G verziditcte der Lloyd zu M.s Gun- 
sten auf Auswandcrerorganisaiioncn in Ost- 
europa und garantierte ihm für die Zuwei- 
sung der angeworbenen Fahrgäste 180 000 
M j'ährlidi. M. sdinitt seinen Betrieb nun 
völlig auf den Lloyd zu. Er arbeitete billiger, 
als es die Reederei mit einem eigenen Wcr- 
bungsappnrat vermodit hätte, und wurde 
bald geradezu als ein Teil des Lloyd betradi- 
tet. Insgesamt vermittelte die Firma, die sidi 
1922 in eine GmbH umwandelte, von 1835 bis 




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TELEFON 32 5992 - POSTGI RO 19 16 95 



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GRINDELWALD 








POSTKARTE CARTE POSTALE CA 






k. <^ / 





jeroi •H.J .Katzenstein 

ftjeu^isK Theolo,ical Seminary of America npn)3Kn D^^n^ U/^inn H^n 

T/ie Schocken Institute 




'0 



6 Balfour Street, Jerusalem n^*?«^!-«^ * l^ö*^^ ^"'"^ 

Tel. 31288 'Vü 



Ist Ol* May 1979 



iiTüf. li^rnest Hamburger, 
c/üLeo Baeck Institute Inc., 
129 t.. 73rd bt. , 
New lork (^i^iiöS^Ü 

üT^'bT IT 



1 



Uear Professor Hamburger: 

in the last LBI- 

News (vol.xWV^inter 1979) 1 read about your 
forthcoming book »'Juden im oeff entlichen Leben 
der Weimarer üepublick". 1 have no idea, whether 
you vill deal there in length with the Jewish 
Judges. In any case 1 like to offer you »»y 
my co-operation in this field, as my late 
father had been one of the two (?) Jewish 
benatspraesidents in l'russia. 

1 have still the 
original nomination-document signed by the 
P-M of Prussia Ü. Braun and by the Minister of 
Justice Schmidt from June 4, 1929, as 1 have 
kept with me all the other documents o^'^^s caree 
beginning with the nomination as "Amtsrichter 
by the Kaiser and signed by him as king of 
Prussia on April 22, 191o. 



sincerely yours. 




H.J .Katzenstein 



TUE ;SCiiOCKhN i^bTlTUTl:; Füii JKWliSU itKSEAUCll 
(Ji'TiiL Ji:.Wioli TÜEOLÜÜICAL bEMiXAuY ÜF AMEltlCA 

Jerusalem June 14, 1979 
6 Balfour ;Street 



i'rüfessor E, iiamburger , 
67 Uiverside Urive 
i\ev York ^\>l>lüo24j 
U • i^ • A . 



/ 



i> 



ear Professor Hamburger 



ma 



ay thauks Tor your 



mo 



st informative 



letter of May 29, 1979 



As 1 vas 



tili a child, when 1 left 



Uermauy in 1934, you vill uuderstand that 1 am not so well- 



versed vith Jevish judges in üermany 



1 am sure that under 



the Kaiser there were only very fev onos. 1 remember to 

told abüut Oberlandesgerichtsrat Sommer, who iiaa 



have been 

been a "klassenkame 



rad" of tlie Kaiser in Kassel 



bo 



th Oberlandesgerichtspraesidenten 



m 



Uelle üerr Woll'f (in the iirst 



two decades of this Century) 



and nerr Otto Meyer 

father was for a long time on 

üi' iteichsgerichtsrae 



(tili 1932) were baptized Jews. My late 

the "list Ä" for appointments 



te. The Oberlandesger ichtspraes ident had 



told liim: 
but to be 



" 1 have proposed you 
come a ;:Denatspraesiden 



to be a iteichsgerichtsrat , 
t is impossible". Therefore 



the nomination as pro 



sident came to him a 



nd to his colleagues 



as a 



reat surprise 



1 am no 



t familiär vi 



the court at Leipzig. In my days there was Kammerg 



th Jewish judges 

rperichtsra t 



m 



Kohn as a 



f» 



Hilfsrichter". 1 do not know, whether the former 



Justizminis 
Leipzig, was 



5ter Dr. David, who was 



later a benatspraesident in 



still a Jew 



iiere in Israe 



1 1 knew Landgerichts- 



direktor 0. bimon, wno we 
benatspraesi 



t back to Germany and became a 



bimon, wno went oacK xo uuhucüij ^^..^ ^ ^ ^ 

dent in Hamburg (?;, kaddgerichtsrat Loewenstein 



who also VvüA^t uctc 



k to üermany, die Landgeric 



htsraete Hirschbruch 



and Alterthum 



1 once met a daughter o 



f Oberlandesgerichtsrat 



l'^rankU^iO » Hamm, ober landesger i 



htsrat Kopfstein, Braunschweig 



lost his iife in 



iiaifa being on the "Patria 



", when the ship sank 



in the harbour owm, 



to an explosion, m o 



rder to prevent the 



deportation o 



f those "illegal" immigrants 



\i 



ith kiad wishes 



sincorely yours 
H.TjTatzenstein 



hjk/1 



\ 



first foid iiuNiVon 



■» 



' . 'S 



M 7 ^ ^^'- "f^^ ^^_i2_b^i-^'^ 



Sender 



L^^-h-^-S^^ 



^Tct^i tz" UT-^-'i^ 



addres; 






n'71'iür 



[c (.Tt^'i^u: c^-tiu^. 



-XiiE^jÜ--, 



IWÜ' 



Code 



7ip'n place 



,:V 



an aerogran.me containing any enclosure w,ll be sent by surf.ce 



secoi id toid ouj 'lOi) 



aerogramme TiiNma-N 
by airmai! imin ikit 







N'etc 



Li ■ Ä /^ 



<h^ 



June 26, 1979 



Professor li. J« Kat«onstein 

The Schocken Institute for Jewlsh Research 

Jewish »i«heologlcal Semlnary of Araerica 
6 Bai f cur Street 
Jerusalem, Israel 



of the 



Dear Professor Katzenstein, 

Thank you for yoar lettei^of «3^ne 14, 1979. I was inter- 
ested in the naiae of Oberlandesgerichtspraesident Wolf in Celle; 
I am 3ure he was baptized because there was not one non-baptized 
Personality with this rank. 

Ainong the names indicated by you in the last paragraph of 
your iett^jr, I know that of Landgerichtsrat Alterthum. Some 
years ago, an article appeared about him in the M.B. which I 
excerpted. I shall not mention hiro since if I did that wlth 
all I^ndgerichtsraete of the Jewish fa*th, the book would become 
a dictionary. Koofstein, on the other hand, will be mentioned, 
especially since his aonointment as the tyX^^X Jewish judge in 
Braunschweig aroused a bitter controversy ictiicLn the Left and the 
Right in the Diet of that land. In a great debate in the Diet 
the social-democratic Ministerof Justice defended the appoint- 
ment statÄng that Kopfstein was a convinced Üemocrat and 
Republican while most of the Braunschweig judges were not. At 
that tlroe, the coalitlon parties in which the Social Demoetats 
were represented tended to the Left, and Ropfsteiris appointment 
was uphGld. I knew of the gaiflefۀetof Kopfstein, when he tried 
to get to Israel on the Patria. His son wrote me extensively 
about that tragedy. 



Many thanks for your good wishes. 



S6ncerely yo\irs. 



Dr BENDAMIN KEDAR 

HAIFA (ROMEMA) 
24, OREN STREET 

PHONE 2 4 4043 



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(nnmi) na^n 
24 piK i'»m 

2 4 4043 .Vü 



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Haifa, 2. 1.72 



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Herrn 

E. Hamburger, 

Library Archives Research, 

6? Riverside Drive, 

Manhattan, N.Y. 



iny 



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J^' 




Sehr f^eehrter Herr Hambur^^er, 

meine Mutter, Frau Gertrud Kopfstein - ßraunschweis, 
Bankplatz 5- ,hat mich von Ihrem Brief an fliie unterrichtet, in 
dem Sie um Angaben ueber das Leben u. die Taetigkeit meines 
Vaters, Oberlandesgerichtsrat Dr. Felix Kopfstein, ersuchten. 
Ich mo chte mir daher erlauben, Ihnen mitzuteilen, dass ich 
im Besitz eines Dokumentes bin, das in dieser Hinsicht von 
Interesse sein duerfte: Als Beilage zur Braunschweiger 
Staatszeitung vom 17. Okt. 1928 erschian ein grosser Auszug aus 
dem Protokoll der Landtagssitzung, in welcher u.a. auch ueber 
die iilrnennung meines Vaters zum Landgerichtsrat debattert 
wurde. Ich steife Ihnen dies gern im Original od. photokopiert 
zur Verfuegung. 

Auch sonst stehe ich bereitwilligst zu Ihren Diensten, 
wenn Sie Anfragen an mich richten wollen, die zu Ihrem Thema 
nuetzlich sein koonnen. Ich niuesste mich da allerdings auf mein 
öedaechtnis u. iilindruecke verlassen; ich war 1933 10 Jahre alt. 



i'xit freundlichem liruss, 
B. Kcdar-KoDf stein 



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Dr. BENDAMIN KEDAR 

HAIFA (ROMEMA) 
24.0REN STREET 
PHONE 24 40 4 3 




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2 4404 5 .Vü 



Haiia,15.2.72 



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iT^o'sr ,- 



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1 .-At 



]V2 



Sehr seehrter Herr Hambu: 

indem ich Ihn.n Ihren Brief vom 13.1.72 dankend bestaetise, 
.oecnte ich efnTaeine. ^^^^^^^ ^^^^^ ^JZX^i. ^-U 
tL\rwlrsrn:rh:fStfh:r/rh;S^:rrrrch;Len ..^och unter ae. Ooppel- 
namen Kodar-Kopf stein) • 

Anbei uebersende ich Ihnen die Ori.inalausschnitte aus aar B^^^^^ 
.taatszeituns vom 17. 10.28.in denen das '^^^]^ ^ das Original zur 
sitzunn: berichtet wird, .'uer das Archiv stelle ^^^ -^^^^/^^^ ""^^^ 
verfue^e;uns,habe mir selbst eine Photokopie zuruecKbehalten. 

Jetzt za^ Ihren Anfragen: mein Vater wurde in ^Ibin- (Westpreussen) am 
^sl^^G als Sohn des .s^aeter in Beuthen O/S amtierenden, Oberrabbiners 
J; H^oS^t^in sobor;n; .r .am bei dem ^n.lueck aer ^^^^l^^^' 
ums Leben; (Wie oiewahrscheinlicn wissen handc t -/-J^^-^^^^^nLnderer ' 
im Haifaer Hafen untersegangene bchiif,aui weicnes aic ,1^;^^-^^ 
von der en-^l . Mandatsgewalt zwecks Verschickung ueberiuenrt worden waren. 
Die Jued. Widers. andsbewe-uns Ha-ana beabsichtigte ,das bcniii zu 
beschaedio.en,der .pren^stoff war jedoch fuer das morsche .chifl viel zu 
stark; so kam es zu dem Unglucck u. den vielen opfern;. 

Mein Vater -in- ^ohl kurz nach dem 1. Weltkrieg) von Beuthen nach Seesen a/H. , 
wo er IL mwaltspraxis eroef fnete. (Ich wurde <iort 1923 geboren), .oweit 
ich aus .en ilrzaehlungen meiner .ntern entnehmen konnte, muss die Praxis 
aussergewoehnlich eintraegUch -ewesen sein. Andrerseits erklaerte mir 
mein Vater wiederholt ,dass der Anwaltsberuf als solcher imn gar nicht 
zusac-te. Ich glaube ganz objektiv sagen zu duerfen.dass mein Valer ein 
aujsero-ewoehnl icher M-nsch war, dessen absoluter GerChtigkeitssmn, 
Aufrichtigkeit u, Bescheidenheit sich mit den verschiedenen Aspekten der 
Advokatentaetigkeit schlecht vortrugen. Daher nahm er gern die ihm 192b 
angebotene Stellung des Landgerichtsrats an. Wir uebersiedelten nacn 
Braunschweig, 1930 wurde mein Vater zum Oberlandesgorichtsrat beioerdert. 
Bezeichnenderweise wurde dies nicht einmal von der Rechtsopposition 
beanstandet. Der Nazi Rechtsanwalt Alpers (nlpert?) ,spaeter Minister 
in Brschwg. , danach in Preussen,mus.o von der korrekten Beruf sausuebung 
meines Vaters stark beeindruckt gewesen sein: als mein Vater 1933 in 
»Schutzhaft» genommen wurde, kam er auf Intervention A»s frei, der ihn 
bei einer Inspektion! im Gefaengnis antraf. Mein Vater fuehlte sich in 
seiner Richtertactigkeit sehr gluecklich. Jin iCnde wurde dieser gleich 
Anfang 1933 gesetzt. Wir uebersBiedelten dann nach Berlin. 

Mein Vater war noch seit der Studentenzeit (K.J.V.- V.J. St.) Zionist u. 
ziemlich aktiv in der jued. Gemeinde Brschwg. Besonders setzte er sich 
fuer die ostjued. iUnwanderer ein. In der damaligen Zeit war bei einem 
hoeheren Beamten sowohl Zionismus wie aucii das hlintreten fuer Ostjuden 
wohl etwas ungewoehnliches,wenn ich nach den muendlichen i^rzaehlungen 
alter Braun sc hweiger urteile. 






/c. 



Ueber die anderen von Ihnen genannten ?f's°«"l^°"';^'=i^''?^f "" ^f ^..^ 
Ihnen laider keinerlei wertvolle Mitteilungen iiB^cnen. Ich werde aoer 
lirn versuchen%eitere anfragen uober Brschwc .aie jued. .^^emexnde usw. 
zu beantworten, w«nn Sie solche vorbrinsen wollen. 

Ich erlaube mir. noch einises Material ueber meinen Vater beizulegen; 

03 steht Ihnen frei, dies nach Ihrem Gutducnken zu benutzen, .uer 

evtl. Huecksenduns (mit iu^snahme. des Ausschnitts •:Srschws. otaatszei oung .) 

v/acre ich dankbar. 



"^ n^i 



Mit bestem Gruss, 





/ 



ERNEST HAMBURGER - 67 Riverside Drive - Nev York, NY 10024 



25. Februar 1972 

Dr, Benjamin Kedar 

Haifa (Roinema) 

24 Oren Street ' ^ /f ^ 

Israel 





Behr geehrter Herr Kedar, 

nehmen Sie meinen besten Dank fuer Ihr Schreiben 
vom 15. d.M. Ihre Informationen und die Anlagen ver- 
vollstaendigen das Bild des Lebens und Wirkens Ihres 
Vaters, sodass ich nun imstande bin, eine lebensnahe 

Datstellung zu geben. 

nicht 
Ich hoffe, Sie veruebeln mir/, dass ich Sie fuer eine 
Dame gehalten habe. Ich aetnahm dem Doppelnamen in der 
Unterschrift, dass Ihre Frau Gemahlin als lochter des 
Oberlandsgerichtsrats Kopfstein unter Benutzung Ihres 
Briefpapiers unterzeichnet hat. Im Staatsrecht lernt 
man, dass das englische Unterhaus alles zu tun vermag, 
ausser einen Mann in eine Frau zu verhandeln. Zu meiner 
Betruebnis ist selbst das mir gelungen. Dafuer entschuldige 
ich mich. 

Entsprechend Ihrem Wunsche sende ich Ihnen alle Anlagen 
mit Ausnahme der Braunschveigi sehen Staatszeitung zurueck. 
Es war wirklich ein tragisches Verhaengnis, dass Ihr Vater, 
der so jung und in seiner Stellung, was ueberaus selten war, 
7ionist gewesen ist und in der juedischen Frage in Deutschland 
so hervortrat, nicht die Freude hatte, in Palaestina und 
dann Israel noch eine Reihe von Jahren zu verbringen. 



Mit besten Gruessen 



Ihr 



/ 



Anlagen 



r^' ... 



I 



Dr. Srnest Hamburger 
67 Riverside DIrJtve 
New York, N.Y. 10023 



14. April 1971 
EH/lS-T/332 



nmTvn Dr. Robert M,W. Kempner 
112 Lansciovm Court 
Lansdown, Pa, I905O 




Lieber Herr Kerapner^ 

ich bereite Jetzt aieinea Weimarer Band ueber 
die Juden im Qeffentlicheri Leben Deutachlands vor 
und vaoechte in zwei Dingen Eire Hilfe erbitten, 

Zunaechöt, wuerden Sie so freundlich sein, mir 
Ihre Biographie zu schicken? Vor allem kommt es mir 
natuerlich darauf an, dasß Bir Wirken im M.d.I sach- 
genaesG gescliildert werden kann; die Zelt nach 19j5 
muBS naturgemaess mit Ruecktiicht auf das Ziel des 
Buches kurz behandelt v;erden, aber auch darueber 
moechte ich selbstverstaenalich einiges bringen. 
In grossen Zuegen ist mir ja alles bekannt, aber 
ich moechte Irrtueiner vermeiden, und dartxm me&ne 
Bitte. 

Der zweite Punkt ist der folgende: Es sollen 
in dem Buch einige fuehrende juedische Richter 
erwaehn'', werden. Ich bin nicht oei allen, an die 
ich dei^e, sicher, ob sie volljuedischer Abstammung 
waren. Tav Artikel in "Recht und PolitikM967, ist 
mir bekannt. 

Ich erwaehne nur die, bei denen ich zweifelhaft 
bin Preymuth war meines Wissens Nicht Jude. Wie steht 
es mit Wilhelm Kroner, Hermann,^ Qrossmann, Alfred 
Orgler, Ei^nst Ascnner? Soviel ich vfaiss, waren sie 
alle juedisch oder von Juden abstammend. Koennen Sie 
dies bestaetigen? Schwierigkeiten haben ich mit dem 
Kanimergerichtsrat Loewenthal, den Sie erwaehnen. Ich 
kann die vielen Loewenthals nicht auseinander halten. 
Koennen Sie mir dabei helfen? Ein Loewenfchal wird in 



-2- 



*/ 



# 



- 2 - 



m. April 1971 
EH/lS-T/332 



Herrn Dr. ao. erc M.W. Keinpner, I^';j^^°^2l-!!l 

den Memoiren von Brecht ^^^ ^^f ^^Jf ^SeSr°wa; 
mi ni «?t erliim des Innern erwaehnt, ein anaerei w^x 
7ni«fflebi^p- vielleicht der selbe vmrde dann Lands- 
ärSSrSkdent L Oels in Schlesien Ich waere 
rt^lTll^ltlr wenn Sie mir schrieben, wie weit die 
gn'elSf "''anderen identisch oder verschieden waren. 

Au<^ dein Preusslscher Justlzt-iinisterium will Ich 
Sie^Sied Rosenthal und Franz Herr.aann erwaehne^^ 

ITn Seht:''? SiefeniSn^ehanLln Sie in EinGangs- 
stSnef 3?;" bel-indeS; ich habe dies auch in dem 
bereix.3 erschienenen Buche nichx, getan. 

Mit bestera Dank im voraus und herzlichen Gruessen 

* Il-ir 



Imest Ilainburger 



Dr. Robert M. W. Kempner und R. I. Levin 

(\ Rechtsanwälte 



\ 



6 FRANKFURT AM MAIN 

Feuerbadistraßeri6- • Telefon 72 20 45 






Herrn 

: ew --or:. ^'. ^. 1CC?P 



/ 



^sc^.f.zm^'^^ 



Lieber "-^^-^ -^^T.,,>,;.p- 






c? TT rv 



nen 2;u ^örer, -^m^l --p'^" 



j^y ^^p,.^ -^l^n, p-^o^^ '"' i-^^-- '-'■■^ ^--'-- 7 - -^v,X-K»-L 



.1 ^-J- - 



' r\ >•> O"*^ 



■ ■4-.- -^^ 1 ■;-, -^--r,o"~-i--i pi-^P-n'n" v.'e:^Äe i r '-.r en in der) 
nächster Tajen !-w?, etwas _ vsq..„,.enste1 1-.. . . 
Bekannten möchte ^- c^ ■>' -r -Teich bea-tworte^ • 

,,,.^.,^3. T'.one^- wa- e^" r lahh^ ter.ohn . Auch lenatsprä.ide; \:^^^^ l^^^^"^ 



I- ^-v^pp ;;) fi"" 



^sohne-^ von Arbeitsgericht ^>erl? , n ,^ .^ > _^ ^ ^ ^r^^c,- 4.^p.->^e- 
^,,,e.^e..Mi:. ir Kelbonrne .eetorber. wa^ ^^^ ^^\::r^i^:;:,,:,:.;,".p!' 
.,_. -n-:er fachte-- er einrt in Berli- -^weBe^ . J-^ e.-^ .^r 



'•r^r)rt c»»r|q 



-on Tr^..e-c«rlcvt, zuletzt Ken c-^c-^ichtsm , <ai^..^ ■ 



-;■'-•- 



c5P,f^er 



oT- o- -'^'^e -rn-v, A.ioh'he?: Frey^iuth , heriihn-' 



•4.^^, „r'> r»- <^ ^ TO-^p"»^ 



q 

TT 
O 



-anv -^ lichts'-bestlmtes sa^er. 7i ei leicht r-if er 

i, ,. „ ^.. >.nB:.ar^' -^ ^ . Jude war anch Lana-ericht.aire-^o. ^^^~ 



qii^ p' r> ^o'^"'-^--'' -^ '^ 



. • . ^,^^.1, s^ -^.^.^-^^o-ef.^ -■ -r^rlin. O^tr.t Lo^ndo- , und der .oahitp 
^.'^orf^itk.e. '^ ^ ^ " .^•u + o-K.Q+ nf-rpd Unsrer, in Auschwitz umge- 

^^^^^f^^-^Tote-^, späterer Kammergerichtsrat .Urea unger, 

kommen, 

j. -r 4-T.„i Tv^-i-^-1-ip^ '^e*^ repuhli^car.isch^ i* nht'^rhundes 

I^e-r Kamnier^erichtsra^ .o-werthal, Y^x :^\i.e . -^^ repu )ii ^ ^^ ^ ^ ,,.,.^^-1 

tV..o T.^^.^ -in andere- Leventhal, dessen ^;ornaine> ^^ ..^. c^tsDräsd 

Ho^ }- ''-•• J•l^'^e \v^n^. komne ich im Ilone^-. -^ ' ''""'., . i ^^tV^v 

^""'^^ LL ...T.p^-0-^e^in^--- ^- --psla-. s:^ - ^ enne -Ir siche-licb . 

den dritten Loewert. ^ - 

i^ leichsi- ~ ' -^'ster-^* 



^^ v-r'^e nich-^ \ -richtspräsident In uagde^- 

loT^ ooT.jp-tbaT aus Oels. 



^p^ n^or-"" Ol- 1 - o"» vrP-^ r'-^PS 



^} 



o 



*-n ^iocp loevro-tliali^ ha^en nichts z- tvrn mit den heutise-, Loewenthals, 
.p^,,^;^,, \,0P 7wp.-tp- Dfiutfohen Pernf'e^ " Ichard, von d«- -reien UnivP-- 






/? ^ r 



f'^n^-r^ n-»-! - 



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Ii<^s nur nebenbei. 



oppnfel^", nicht losentn?^] - ette .uri: ..o^.e-iA ^.x , - - -c^ 



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-i f=!te 



4- Q-r T n "1 



doch alra preussischer ^ nr'ta^pa'-^'^or-ir eter helca-^ 
n-ä •'ann yi^i «^tpr-isldiricwt . Le^ a ■.de--^ war r-e- -euud .ra- .errmanu, 
,./v-^ ;;,- vs>.o -ir.' ^c, ir, noinfi- -i^f^atK ai-^^^-Ucb -;<=f!ch-iehen p-^ bereite 
avc'- die- -r.hlai;... v.--: ^- ' el«^.dle„neen der rem>1il:anische- " ;H..ter vor 

-=raun.' Peverin^-, Orzesinkl, a^er auch die ^entrvi-^nmini.ter. -'ch der^ -rieGe 
,^,^^Ver vo- ^^^r.ai-- a,'. riTe -Am Chef der Viederc^tT.ac'-v-.-:sahteilür.£- 
In ^undePlnneTT.ini^terinm bernfer rrd -Bc^^t^n U-'- •— -'-erlanden^— -^-- 
•n>.-if5 3/=ienter befördert. 



-ci. -la-jbe, -^o-it fiind alTe "racer. a^isRer ''er n'^e- -3c 
r en 1 er en Sie s i ^ ""' 



/^ö-r. itI-ot» rr,n* r^v cjpTbnt. ^nler'ijt 



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5 f. ■'-err.li)clie"~ '^rünnen 



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D.. RCert M. W. Ke.pner. .eb. IT- Oktober 1899 in Preibur« -=-' 
aL in Berlin seit seine, ersten Le.ens.onat Ms zu sexner Ver.aftun« 
iure), die Gestapo Im März 1955 und anschliessende Auswanderung über 
Italien Frankreich nach den USA. 

».ck ■K.i.keit bei d« Sta.ts..«>ltsoh.tt Berli» auf B-pfehluns u a. 

2.1t al= stall". Hafarant «r dla praualascke Tatkahrapollz.., Ju.titl.r 
;, PO .la^talW da. l.»a..inlate.l«a, ..at^di. «, "« -c. .-- 
.a.a..alta. da. n 000 - «.» --;---:- '^:'::JZl...- 

verooTie, ^ ^ ^ „„ ^„„ MinlateriuB über alle diese Fragen, 
ersatznrozesse, Beschwerden an das MinisteriuB uue 

ersatzproz -B^teiliirun« an der Ausarbeitung von Denkschriften^ 

Tuaultschadenanspruche, Beteiligung au a „. ^ „ c+^«f*-fietz- 

über das Verbot der NSDAP als strafbare Verbindung i. Sinne des Strafgesetz 
Lhea, Vertretung der Anklage in zahlreichen ^-f 7----:--; 
Polizeioffiziere und Beamte wegen Beschi.pfung der Hepublxk. Beleidigung 
Tepriil nischer Minister. (Daneben hunderte v.n gewöhnlichen Rechtssachen 
lautachten und «OC^ Lehrer bei der Polizeiakade.ie. übrigens auch 
Dozent an der deutschen Hochschule für Politik.) 

^itschöpfer des Preussischen Polizei-Verwaltungsgesetzes ^^^f^^^^^^ 
Die Stellung war insofBrn eine Schlüsselstellung, als der Justitiar 

'irer eigenen Tätigkeit auf den verschiedensten Rechtsgebieten, 
ausser seiner eigenen Tatig ^^^^^ ^^^eren Ministerien und 

in ständiger Verbindung «it den Justitiaren aixer 

a. .a,i,L..pr^id..ta. .. ae^ «al» '«-^» »*"» Tm. Ira 

^..a« .«aata. »a.^lb ... iO. ..« «uo. durcV. d.a '" »«-/; '^°';, ^^ 

eaama Or.a.inati ».d aalnar »acWol.« Savarln, «.d W«.t . « d.a.ar 

"^^^^^ j.a+,-, h-ia ich am 18. Februar 1953 von 

Stelle auch noch unter Bracht tatig, bis icü am 1 . 

^ ..V. ^„ölf Jahre sfiäter in Nürnberg vernahm, aus dem 
ZZ^::^Z:^S^^^ ^es ^-annte-r.^^^^^^^^^^^^ 
gesetzes als politisch unzuverlässig (SPD, Reichsbanner, Liga für Menschen 
rechte, Republikanischer Richterbund) entlassen wurde. 

Während meiner Tätigkeit im Preussischen Innenministerium schlug ich im 
Tsalnhang mit den Denkschriften der Inneren Verwaltung, -«----;- 

T, T4V. „r,A w-itlers Verhalten im sogenannten Ulmer 
PrtHeeinräsidenten von Berlin und Hitlers veraax o ^ ., ^ rf 

Polizeiprasiae Beobachter des Innenministeriums teilnahm, jT 

Reichswehrprozess, an dem ich als Beobacnxer ae ^ . m^^« 

Tla S.r.f«rfol^, Bitlara .a,.« .oah,arrlitari.chan „.tar..b.a<,a und Mai.- 
aldam .laiLaltl. dia .»..ala... Hltlara .1. l..ti..r »uaia.d.,. 



* war der Referent« 



/ 



\ 



Dr. Robert M. V. Kempntr, c#b. 17. Oktober 1899 in ^raiburg l.ar., 
•bor In Berlin seit seinem ersten Lebensatost bis su seiner V©ihsftung^ 
durch die Gestapo im MÄra 1935 und snschliessende Auswanderung Iber 
Italien Frankreich nach den USA« 



Nach Tätigkeit bei der taatsanwaltschaft Berlin auf Etopfehlung u.a. 
von Ernst Heilmai^^Sns Preussisohe Innenministerium berufen, nach kurzer 
Zeit als atellv. Referent für die preusiasche Yorkehrspoliaei, Justitiar 
der Poliaeiabt eilung des Innenministeriums, «uständig für die Rechtsange- 
legenheiten der 76 000 - Mann preussisohen Polisei. (Grzensinki, Abegg, 
Klausener). Damals Schwergewicht auf |a politlsohwi Sacheni Bemonstrations- 
verbote, Zeitungsverbote, Parteiverbot8?^?Xlil8ffge r^stnahmen, - Schadens- 
ersataprozesse, Beschwerden an das Ministerium über alle diese Fragen, 
Tumultöchadonansprüohe, Beteiligung an der Ausarbeitung von Denkschriften ^^ 
über das Verbot der NSBAP als strafbare Verbindung im Hinne des Strafgesets- 
buches, Vertretung der /oiklage in zahlreichen Bis^^iplinarproaesseni^gegen 
Polizeioffiziere und Beamte wegen Beschimpfung der Republik, Beleidigung 
republikanischer Minister. (Daneben hunderte v6n gewöhnlichen Rechtssachen 
und Gutachten und MÄXäX Lehrer bei der Polizeiakademie, übrigens auch 
Bosent an der deutschen Hooheohule für Politik.) 



Bie tellung war insofern eine Schlüsselstellung, als der Justitiar 
außse- sftinor eigenen Tätigkeit auf den verschiedensten Hechtsgebieten, 
in stöiidiger Verbindung mit den Justitiaren aller anderen Ministerien und 
der Re£:ierungspräsidenten an sehr vielen Vorgängen anderer Referate mit- 
wirken musste. Beshalb war ich wohl auch dxirch das Vertrauen des rUnistert 
flBfXÄäöCXÄX Grzoaineki und seiner Nachfolger f^evering und Väntig in dieser 
Stelle auch noch unter Bracht tätig, bis ich am 18. Februar 1955 von ^ 
Henaann Böring, den ich zwölf Jahre später in Nürnberg vernahm, aus dem _ 
Innenminist er i\im herausgesetzt und aufgrund des sogenannten Berufsbeamten- 
gesetzes als politisch unzuverlässig (SPB, Beiohsbanner, Idga für üenschen- 
rechto, Hopublikanisoher Richterbund) entlassen wurde. 



* 



Während meiner Tätigkeit im Preussisohen Innenministerium schlug ich im 
Zusammenhang mit den lenkschriften der Inneren Verwaltimg, insbesondere des 
Polizeipräsidenten von Berlin und Hitlers Verhalten im sogenannten ülmer 
Reiohswehrprozess, an dem ich als Beobachter des Innenministeriums teilnahm,/ 
die Gtrafverfolgxmg Hitlers wegen hochverräterischen Unteraehmens und Mein- 
eides vor und gleichzeitig die Ausweisxmg Hitlers als lästiger Ausländer. 



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(Blun) K.; BA t\m la»t&r. Htmd, JM; «• 
Kath AliM Un. A»r M. IW«; ctiMrf^HiWfc 
Lm». MariOQ Lm (luiied Ut Mtlon). CtaML CMC. 
i'om , du I»p«riJil äi««r Co., l'JM — , *b« <*•«• 
M . «-ninn bd i. S Nai. lUnfc. Oiti1i>1l. Sdi«»- 
iMTk. K«Dpn«r 4 P«uU, N Y C. UaÜM. 0«l>Ht4W; 
UwtM U Keinpi»*!. Sm^w Land Imkat. lU«-. »t^ 
.lif. Nt* OrleAia »uitori taf{i»w». 8«rf««l «atadr. 
LS.NK. K'4i: 4i D«i'>nit«4 L«»Jon «f M«dt. M«|. 

• Wfe^too C. ot C. (pa^t »p , dif >. !«■• Crt»« 
AiKi. (put (•«».), Am. CoUoo mpp«« Um. («Mt 
[>f«)<l«n!). Cluta; ArHhwy (hurteritc* (Qfti- 
»wto»): Harrwd (N.YC), Arsy N»»y (WmI*»- 
uxi) Hcto« 4810 OcaNT Dr Offtc«: US N«t. 

KCMPNCR, Raitn Mu «toMn. liit«ro*l l««y«r. 
poltt leltDtiti. b. Prvlwrg, Ovmwiy, Ckt. 17, IM; 

• Wtltrr K. »nd Udis iRabiiioviuch) K. . Atiweal 

of J*«, pt^llt. ad., pt*. «tateatni.. oübImI.. 

oniM. of Ifmu. Freib'ic, Br«-»i*u (U. of U» »od 

PiMlr AteinstrD.I. studest Udi. if P».; n. lutii 

l^rdU Hahn; childr«n -UeUn M»iUr. Knäit Vt*r/t- 

im Ctmc to üM US in llfSfi. octwatlMd 

V.S citisra. Aat. to (tat« att>., BcrUo, I0M. judcr 

■unK-tptl ewirt. BfrUn, irr?, «upnlor iwl. eaumtiar. 

MlnJjtry »f ibe iDtT.of, B>>Tlin tebUf lefil ad<!Mr ^ 

PruwUn poUrt ffMrm of 76.000 mfn; (rf^'ommnded 

supprmiun of Nui pt-ty and pre9>futi«i of HiUei 

for Mch tretson and p«"}uni. V.^. Utrr »[.«tristtd 

by Hitler): ),nl»e cJtll >^nice trhunil 1928 S3: 

IrtUirer Ueraun Aead. Politia. Bch Social W(>rfc. 

prof polU »d. aM rrinlaolvO. PMk« iMt., Mf- 

lln. li^^t-SS; rouDKlor tatmMt law aad mraUw 

pfi>()l«>Bs. itM-S.^ Pm and Prof polH id . norto- 

n 041. n«fMiee. lulr, aaf Nta«. rraott. iNI-ai; 

rerrta aato ud a«t laat. Locai aad auu 0««t , U. 

of Pa. (rptrefa oo mmMaerf af Bwovcaa Artatar- 

iftipi ua<ter Caractte aod Cvi S<biin craBtit. 1939- 

i2; »9nt to fm tvutU. «t|4«aat« aod fgo. 

trUla; e9«n «OMultaat, D^pt. a( Jtsllrc. 

Sttmtadt Bfprlres and to »t of War on l«c»l. P«Ut.. 

paHrr aatf Intrilltemc t«chai4|iiri af B or opta« Ae- 

tatortUoi and fin ofvu In US . 1M3-45; UJI. 

naft prfiwrutof In N'iirmib*ft '.dal- «laln«! GMi1n|r 

Pticl «t ai, reMJorh dir L' 8 proMcaÜa«. INB' 

44: drt>. U.S. Chief of cmuufl for «ar erlaaaa. ^M 

pr«teCTJ*i>r «f Ocrnjui BrKb eatatart ■aaBera, ilite 

ttrt aiid JipioaiaU. NweiuhrrK. Il46 #. et)>frt eaot. 

in mtemat la«, tn^aanirxatlon natlrm. and 

■uüon of war irj«4r*li, l»31--. coa«. 

Uovt In Uchatara) om. IMI, iectum 

nunarotn arli , eatls.. uni«t and pvt ort« 

Aa. PoUt Bd. .Ksta , Am. Aead Polit a«l Sartol 

A<-l«nc«, Pa. Politteal 8rjm<-a AiMcution. Aa. Bae. 

for Tntfmat U». Gwaa* ßar. Autbor weftni botto. 

priaMrtty on (}ensaar. ttSI -. th» AidRinent !• Tbr 

Wilh^laiMnaae f^M, ItfiO: ttenaa Poltet AdmMstn- 

tloo. l'^'iS; Klchnaan and Arrarapi^v 1981 

UndPr CRWtmnlnatlan, lUft4; Tha Wk 

In (l«rman L»i»«u««f 1064: tdfh Stdn and Arm* 

Kniift Tv) of ll'mdn^ tUrtwand. 1M8 CanUH. 

Pf«f) loure. lioiM ll'J Laiadovat Ct , kOH- 

<(OTma. Pa. wm. 'itm 

KimPnm, Watt«. pbralflan; b Barlln. 0«. 
many. Jan 2S. 1103, i Waitar arvl l#dU (laM- 
nawltaA) K . M.O., U. HeKtelbcrc (kraanr. IHB. 
Cum t« US. 1M4. gaUimlM. 1941 iHUm ■•«- 
ifta» U. MdaUwfi. ttSt^tf: rcMrcB aast, «||l MM- 
ta Df «tto Wwbun. iDkiMr WllMin lart for ArIWif 
PkriMK;. >«>7 ». 3.VM: «M. jByiieiaa MU 
Bfrtiii U 8d> Maitctw. IMB-C; vi« ip» 
Data. 19B4 — . aanautvaly «aa^^.«!!. 
mf,, M» pr«f . IBM-«!. pr«l.. iM^ 
IMI« »aapoff n»(wd.. INB--. " 
BW. Ja. Pteaial Bac . A.M A. 
Sa(.. WarM Mad Aa«D AuUior arttdoi ynfl. 
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nUrtaaMMie »aaciBar 4keaai>. bN»4 ani kkBMV •»^ 
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KEMPNER, Robert M.W., U.S., political scientist, internationa 
lawyer; b. Freiburg, Ger., Oct. 17. 1899; s. Dr. Walter and 
Prof Lydia (Rabinowitsch) of Kowno; molher was first woman 
Professor appointcd by the King of Prusn^: : attended . Universi- 
ties of Berlin, Breslau, Pa.; D.I., U. of i^reiburg; m. Ruth Lydia 
Hahn; children: Lucian W.. Andre F. Counselor in toreign 
relations, international law and adn^inistration, counsel on 
reparation, indemnitication and nationality problems; member 
of German bar, since 1950; asst. to State Attorney, Berlin 19_6; 
iudge. Municipal Court, Berlin, I927;judge, civil service tribunal 
1931-^V lecturer, Ger. Acad. of Politics, School oi Social 
Work and Police Acad., sr govt counselor, Prussian Ministry 
of Interior, Berlin, 1926-33; counselor, international law 
and Jewish migration problems, 1934-35; administrative pres. 
and prof., political science, Fioienza Coli., Florence, taly 
and Nice, France, 1936-39; research asso., Govt. Inst U. ot 
Pa Phila 1939-41 ; expert Consultant to the Attorney General. 
Secy of War, the "M-Projecf* of President F. D. Roosevelt 
194->_45- U S prosecutor on Justice Robert Fl. Jackson s statt 
in Nuremberg, 1945-46; U.S. Deputy Chief of Counsel for War 
Crimes, Nuremberg, chief prosecutor of Nazi diplomats and 
Cabinet members, 1946-49; special research on history ol 
annihilation of European Jewry, since 1949; consu tant to 
Israel Govi um war crime matte. s, 1951, -53, Consultant on 
thp Eichmann case, 1960-61; lectured or taught at umversities 
of Penna., Wis., West Point Military Acad.. Erlmgen (Ger.) 
Zürich (Switzerland). Member: Amer. Acad. ol Politica and 
Sccial Science; Amer. Soc. for Internatl Law; Amer. Pohtical 
Science Assn; German Bar Assn. Author: Prussian Civil Service, 
1931- Twilight of Justice, 1932; Albanian Constitution, 1926, 
1940- Blueprint of the Nazi Undergrou-id, 1945; The German 
National Registration System. 1946; Prussian Burcaucracy on 
Trial. 1946; Police Administration in noverning post-war 
Germany 1953; Eichmann and Accompliccs, 1961 (in German 
and Hebrew); co-author: Code of Police Administration, 1931 ; 
Internal Security, 1933; Women in Nazi Germany, 1944; 
Judgement of the Wilhelmstrassen Trial, 1950. Contributor to 
professional and general periodicals. Hobbies: Library on crimi- 
nalcases;travel. Home: 1 12 Lansdowne Court. Lansdowne, I a. 



Reprinted from WHOS WHO IN WORLD JEW RY, 196^ 
BiJf'apiiiT^Tl^stititte, F.O.Br2l95, Tel- Aviv, Israel 



li^ 4 



Robert M.W. KEMPNER, 

ProcureuT qeneral adjoint ameiicain aux pioces de /Vuremberg. 




/ 



Vingt-cinq ans apres Nuremberg 



Extrail du n" 60/61 « Lo Mondo .luif » 



Octobre 1970 -Mars 1971 



CRIME S CONTRE L'HUMANITE 



Convention s'engagent ä adoptei toute mesme en vue de peimeüie l'extiadition 
des CTiminels de guene et des criminels contre rhumanite ». Mais cette Conven- 
tion reste muette sur la question d'une juridiction criminelle internationale et sa 
definition des crimes contre l'humanite est trop vague de sorte qu'elle n'a pas 
ete ratifiee par de nombreux Etats, y compris la Frcnce qui a ete l'initiatrice 
principale. La Republique Federale d'Allemagne, qui est l'Etat pour lequel la 
question se pose avec le plus de gravite. a du prendre sur cette question des 
dispositions speciales qui ne sont pas pleinea)ent satisfaisantes. 

3*^) Les accords franco-allemands du 23 novembie 1954 permettaient ä des 
criminels de guerre condamnes ä mort par contumace dans d'autres pays de jouir 
d'une liberte parfaite des lors qu'ils viendraient en Republique Federale AUe- 
mande et pourraient invoquer l'article 16 de la loi fonaamentale de la Republique 
Federale AUemande disposant « qu'aucun AUemand ne peut etie extiade ». Mais 
un accord franco-allemand a ete signe le 2 fevrier 1971. II permettra 
desormais ä la justice allemande de juger ä nouveau les criminels de guerre et 
les criminels contre l'humanite dejä condamnes par les tribunaux militaires^ fran- 
gais ou dans d'autres pays (ce devait etre noiamment le cas de l'ancien general 
Lammerding). 

4**) De nombreux criminels, refugies notcmment en Amerique Latine et dans 
certains pays du Proche-Orient, peuvent jouer un role important dans la vie eco- 
iiomique ou meme politiqur-; des pays qui les ont accueiilis. Les rapports du Comite 
d'Action de la Resistance frangiaise et de l'Union internationale de la Resistance 
sur ces activites en Proche-Orient contre Israel sont edifiants. 

Aujourd'hui, vingt-cinq ans apres Nuremberg, il est ä craindre que, pour ce 
qui concerne la repression des crimes contre l'humanite, l'humanite ne soit pas 
eicore suffisamment armee et que le retour ä la barbarie ne soit pas impossible. 

R.C. 



Vingt-cinq ans apres Nuremberg 



pcir Robert M.W. KEMPNER, 

ProcmeuT general adjoint ameiicain aux pioces de Nuremheig. 



VINGT-CINQ ans apres le debut des proces des criminels d"- guerre ä Nuremberg. 
le concept « Nuremberg » est sur toutes les levres. 11 ne se passe pas de jour 
oü la presse, la radio, la television. les etudes ou les livres ne parlent de 
« Nuremberg «. Ce vocable englobe les principes du droit des peuples qui se sont 
cristallises au cours des proces. II s'applique au caractere criminel des actes qui 
ont ete commis contre l'Humanite, specialement ce que l'on appelle le qenocide. 
ainsi qu'ä des termes comme « agression ». ou ä la responsabilite personnelle 
des plus hauts fonctionnaires de l'Etat, civils et militaires. En realite, « Nuremberg «. 
c'est une epee de Damocles suspendue au-dessus de nombreuses actions de la 
politique dans le monde entier. 

l Les principes de Nuremberg sont reconnus de fagon generale comme formant 
le droit international contractuel. Ils sont devenus le droit international commun. 
Une partie de ce droit est egalement fixee sous forme de Statut. Qu'on pense, 
par exemple, ä la Convention sur le genocide du 20 jai.vier 1951. qui fait de 
l'aneantissement des peuples le crime supreme. D'apres le droit criminel allemand, 
il constitue egalement un crime capital (art. 220 a. du Code penal allemand). 
Malheureusement. la Convention sur le genocide n'a toujours pas ete ratifiee par 
les Etats-Unis. La raison s'en trouve dans la crainte que. ä propos de l'execution 
de cette Convention, des Etats etrangers puissent s'immiscer dans la politique 
Interieure des Etats-Unis. La protection des droits de l'Homme est egalement 
consacree par un Statut, grace ä la Declaration internationale des droits de l'Homme 
du 10 decembre 1948. Dans la Constitution de Bonn, l'integralite de la dignite 
humaine, de la personne humaine et de son droit ä la vie son. garanties de maniere 
contraignante. C'est egalement une consequence de « Nuremberg »». 

N^cessit^ d'une Cour Criminelle Internationale 

II est tres regrettable que, vingt-cinq ans apres Nuremberg, l'epee de Damocles 
qui est suspendue sur la tete des agresseurs et des criminels qui attentent aux 
droits de l'Homme se soit epointee. Nous manquons de mcyens d'execution pour 
enqueter sur ces crim.es internationaux les plus graves et pour les sanctionner 
C'est pourquoi les discussions qui se sont elevees ä propos de la guerre du Vietnarn 
et des crimes qui se sont produits ä My Lai, crimes commis contre l'Humanite, 
sont extremement insatisfaisants. Le general Telford Taylor, ancien procureur general 



VINGT-CINQ ANS APRES NUREMBERG ^ 

au Tribunal militaire americain ä Nuremberg, a publie un livre tres remarquable 
intitule : « Nuremberg et Vietnam — une tragedie americaire «. II y a brillamment 
analyse les consequences ä tirer des principes de Nuiemberg quant aux evene- 
ments de My Lai. II attire l'attention specialement sur la responsabilit 3 de ceux 
qui commandent. Les developpements de Taylor pourraieiit constituer les bases 
pour l'activite d'une Commission internationale d'enquete ou d'une Cour Crimi- 
nelle Internationale. Mais il n'existe ni Commission d'enquete ni Cour Criminelle 
Internationale. C'est lä la grande lacune de notre drou der. peuples qui a cepen- 
dant legu ä Nuremberg une impulsion considarable. peut-etre la plus considerable 
de ces derniers siecles. 

II est evident pour toute personne eclairee et ayant le sens juridique que 
les crimes contre les droits de l'Homme et contre la paix ne peuvent pas etre 
juges par des juridictions nationales. Celles-ci ne sont nuliement en mesure de 
resoudre l'ensemble complexe de la Situation. Comment une juiidiction pourrait-elle 
rendre un jugement sur les crimes commis ä My Lai, sanr, savoir quelles activites 
ont ete ordonnees des deux cotes par les belligerants ? II convient d'entendre les 
temoins venus des deux camps. II est donc necessaire d'obtenir la coUaboration de 
juges de differents pays afin d'eliminer les considerations politiques qui peuvent 
jouer leur role aupres d'une juridiction nationale. Le Vietnam n'est que le dernier 
des exemples qui souligne aux yeux du monde la necessitt d'une juridiction inter- 
nationale. Mais d'autres crimes ont ete commis auparavant — en Asie. en Afrique 
et en Amerique du Sud — qui auraient du voir le jour d'une juridiction penale 
mternationale. Les actes de piraterie de l'air auraient du egalement etre juges par 
une semblable juridiction. 

Ces consequences auraient du etre deduites de Nuremberg et des travaux de 
IQ Cour de Justice internationale pour l'Extreme-Orient, pour autant qu'on veuille 
encore faire valoir le Droit dans la vie de la communaute internationale. 

Malheureusement, l'histoire du droit international montre que ce n'est qu'apres 
de grandes catastrophes internationales que ce droit regoit de nouvelles impulsions. 
Ce fut le cas ä Nuremberg. Si des millions d'hommes n'avaient pas ete mis ä mort 
dans les annees precedant 1945, jamais des juristes coiuageux comme Robert 
Jackson, le regrette membre de la Cour Supreme des U.S.A., n'auraient pu aller 
jusqu'au beut de leur idee, celle de prevenir de nouveaux crimes internationaux par 
une nouvelle legislation internationale. 

Si les plus hauts fonctionnaires, civils et militaires, du IIP Reich criminel 
n'etaient pas tombes entre les mains des Allies, jamais Nuremberg n'aurait pu 
etre erige en monument du droit international. 



Comment furent choisis les accuses de Nuremberg 

Grandes etaient les difficultes qui ont du etre surmontees dans la coUaboration 
entre nations, ä Nuremberg. Le choix des 22 accuses devani le Tribunal Militaire 
International comportait dejä des difficultes. Quatre points de vue jouaient uri 
role decisif : 1") il devait s'agir de grands criminels de guerre ; 2«) leur activite 
criminelle devait s'etre deroulee dans plusieurs Etats ; 3^^) ils devraient se trouver dejä 
en captivite (la seule exception concernait Martin Bormann dont on croyait au debut 



8 



LE MONDE JUIF 



qu'il pourrait etre retrouve ; en realite, on le recher che encore aujourd'hui). Le 
quatrieme parmi les points importants postulait qu'on dispose de preuves 
documentaiies. 

En faisaient partie les dossiers qui furent trouves dans les ministeres et les 
journaux tels que, par exemple, ceux de l'ancieu Gouverneur General Hans Frank, 
les journaux de guerre du General Franz Halder, ou les archives privees d' Alfred 
Rosenberg, ministre des territoires occupes de l'Est €t theoricien de la « Welt- 
anschauung » nationale-socialiste. 

La decouverte de tous ces materiaux docuir.entaires lut d'une importance parti- 
culiere pour la mise en accusation des activites des accuse^^ parce que ceux-ci et 
leurs complices, ä l'exception de quelques-uns, ne songeaient meme pas ä prendre 
sur eux leur responsabilite morale et juridique. A Nuremberg, la devise « Männer- 
stolz vor Königsthronen » (la fierte de l'homme face aux trones des rois) n'avait 
pas de valeur. La presque totalite des 199 accuses des treize proces de Nuremberg 
etaient dans la necessite de se voir presenter leurs propres activites criminelles, 
ordonnances et ordres de toutes sortes avant de pouvoir se rememorer leurs crimes. 
La bureaucratie, solide aussi dans le Troisieme Reich, avait heureusement conserve 
avec soin de tels documents de la honte, et les avait meme partiellement fait filmer 
pour les mettre en lieu sur dans des abris, sous terre ou ailleurs. 



Pourquoi Göring n'a pas avou6 



Durant les preparatifs des proces de Nuremberg, lous avons discute le point 
de savoir si un ou plusieurs des accuses se decideraient, peut-etre, ä faire des 
declarations reconnaissant ouvertement leurs crimes. Le procureur general americain 
Robert H. Jackson soutenait constamment que les documents allemands decouverts 
etaient plus que suffisants pour la condamnation des accuses. D'autre part, le 
general William Donovan, chef des Services secrets « Oifice of Strategie Services » 
— il fut pendant le premier proces et pendant quelques moif membre du Parquet 
americain — estimait que des aveux publics auraient eu une portee historique 
particuliere pour la posterite. Une semaine avrmt le commencement du proces, le 
general Donovan me pria de demander ä l'avocat de Görn^g, Maitre Stahmer, de 
venir le trouver. Nous voulions lui demander si Göring eiait pret ä assumer le 
poids de la responsabilite de ses crimes. L'avocat presenta ä Göring une liste des 
questions generales que nous lui posions. Les questions concernaient le point de 
vue de Göring sur le Troisieme Reich, ainsi que sur io:: preparatifs de guerre et 
les vues politiques de Hitler. Les reponses ecriles que fit Göring etaient insigni- 
fiantes. Du point de vue du droit criminel, elles etaient totalement depourvues 
de sens; Göring entendait echapper ä sa responsabilite. 

II fit plus que cela : il engagea toute l'influence qu'il conservait encore, 
en sa qualite de fonctionnaire supreme du IIP Reich, sur les survivants, pour 
empecher qu'aucun des accuses ne fasse des aveux. C'est ainsi qu'il interdit au 
Generalf eldmar schal Wilhelm Keitel de lire devant le Tribunal la confession ecrite 
qu'il avait preparee. Göring fondait son interdiction do la fagon suivante : « si 
Tun de nous echappe du radeau, c'est tout le rcdeau qui sombrera ». 

Parmi les accuses, seuls Baidur von Schiiach, le « Führer » des jeunesses 
hitleriennes, et Hans Frank, « Gouverneur General «• (Pologne) reconnurent devant 



4 



VINGT-CINQ ANS APRES NUREMBERG 



9 



le Tribunal 'es epouvantables crimes commis contre les Juifs. Un certain courage 
etait alors necessaire pour cela, meme si ieurs aveux contenaient certaines restric- 
tions. Dans mon livre recemment paru « Das Dritte Reich im Kreuzverhör » (1), 
je me suis particulierement occupe du probleme des aveux et specialement en ce 
qui concerne le comportement de Göring. La psychologie du Marechal du Reich, 
toute sa mentalite, m'apparurent en pleine clarte lorsque, interroge ä fond par 
moi sur le chapitre de l'incendie du Reichstag et sur les meurtres du 30 juin 1934, 
il se montra particulierement nerveux et ses mensonges se profilerent nettem ent. 



Pour la Psychologie des accuses 

II apparut de toute evidence ä Nuremberg que la psychologie des « grands 
criminels » contre l'Humanite, c'est-ä-dire des assassins de masses, ne differait 
que peu de la psychologie des assassins et brigands « cidinaires ». Celui qui quitte 
son gang devient pour ce dernier plus redoutable encore que le Tribunal ou le 
Parquet. On a pu s'en rendre compte lorsque beaucoup parmi les accuses de 
Nuremberg accablerent Albert Speer, qui s'exprima comme suit dans sa derniere 
declaration au proces: 

Äpies ce pioces, le peuple allemand mepiisera et maudiia Hitlei comme 
le fauteur contiime de son malheur. Le monde apprendia de ceüe histoiie non seule- 
ment ä ha'ii le regime dEtat dictatoiial, mais a le ciaindre [...] A cette epoque d& 
ia technique moderne, ce tut la piemieie diciatme qui employa pleinement les 
moyens techniques pour dominei son propre peupJe [...] En tont qu'ancien ministie 
d'un armement hautement developpe, je considere de mon devoii de declarei : 
une grande queiie nouvelle se termineia par l'aneantissement de la culture humaine 
et de la civilisation. Rien n'empeche la techniqw^ et la science dechainees d'accom- 
pliT contre l'homme lern ceuvre de destruction [...] C'est pourquoi ce proces doit 
devenir une contribution pour empecher ä l'avenir les guerres et pour fixer les 
regles fondamentales de la coexistence humaine. 

Lorsque, apres que Speer eüt purge sa peine de 20 ans de prison, je lui eus 
pose la question de savoir s'il s'en tenait toujours ä ce qu'il avait dit dans sa derniere 
declaration, il me repondit par l'affirmative. II est caracteristique des larges couches 
nationales-socialistes qu'elles le considerent encore aujourd'hui, apres la publication 
de ses memoires, comme un renegat. 

La creation d'une juridiction criminelle internationale n'a pas progresse depuis 
lors, et ceci pour un motif psychologique primordial : les hommes d'Etat ne fönt rien 
moins volontiers que de decouvrir devant la justice les vrais motifs de leur actiou. 
On ne s'expose pas ä un danger en ecrivant ses memoires qui souvent se revelent etre 
des ouvrages destines ä se blanchir. Par contro, il est dangereux de se presenter 
devant la justice et de donner des reponses ä des questions au cours d'un interroga- 
toire contradictoire. Un exemple en est fourni par le proces intente ä Wilhelm Frick, 



(1) «Le Troisieme Reich dans Tinterrogatoire contradictoire». (Voir le compte rendu 
dans «Le Monde Juif», n° 59). 



IC 



LE MONDE JUIF 



ancien ministre de l'Interieur du Reich, ancie.i compagnon de combat de Hitler, 
contre lequel j'ai mene personnellement l'accusation Jevan: le Tribunal Interna- 
tional de Nuremberg. Je le connaissais depuis le temps de ses exces nationaux- 
SGcialistes en Thuringe, des avant 1933. Les documents que nous possedions ä 
Nuremberg suffisaient pour obtenir sa condamnation. Ces documents demontraient 
sa co-responsabilite dans les deportations des Juifs et dans l'assassinat de malades 
dans les maisons de eure. A la difference de presque tous les accuses, il comprit 
la Situation perilleuse ä laquelle il s'exposerail en affrontant, conformement au 
droit anglo-americain, un interrogatoire ä titre de temoin, oü ses transactions finan- 
cieres personnelles viendraient alors en discussion. Dernier « Protecteur en Bohemie 
et Moravie«, il avait fait passer en Allemagne, peu de temps avant sa fuite, en 
prevision de la capitulation totale qui menagait le Reich, d'importantes sommes 
d'argent pour les mettre ä l'abri. Lui qui etait connu comme un bureaucrate brave 
et honorable, il craignait davantage la reveiation, au cours d'un interrogatoire 
contradictoire, de ses Operations personnelles, que la condamnation pour meurtre 
sur la base de documents qu'il lui serait possible d'interpreter en sa faveur, en 
tant que temoin dans sa propre cause. 

Pour donner un exemple de la maniere dont certains hommes d'E*at se mon- 
traient peu attaches. apres l'ecrasement de leur regime, ä leur but premi-.^r, prenons 
le cas de l'ancien ministre des territoires ä l'Est, Alfred Rosenberg. 

Ses declarations verbales, touchant ses buts pour la domination de l'Union 
Sovietique en cas de victoire allemande, etalent nebaleuses et delavees. Que 
pouvait-il donc avoir voulu preparer avant l'cgression de Hitler contre l'Union 
Sovietique, le 22 juin 1941 ? Qu'etaient donc en realite ses plans et ceux de Hitler? 
A Nuremberg, j'ai recopie les extraits suivants du Journal de Rosenberg, qui n'a pas 
encore ete publie. J'en cite la partie suivante, que l'on trcuvera plus tard, dans 
mes memoires. 



LE REICH JUSQU'A L'OURÄL, « QUEL ESPACE ! QUELLE TACHE ! >. 

Berlin, le 11 avril 1941. 

[...] Le Führer m'a invite a son quaiüei geneial Etant donne que je me lendais au 
Mondsee, je pouvais l'atteindre rapidement. 

J'avoue que, cette fois, j'y allais avec plus d'emotion que piecedemment. 
Plus je reüechis en details en etudiant aussi Je nouveJ afJas de geographie mili^ 
taiie de Niedermayei et plus je me lends compie de quelle tache, de quel espace... 
ii s'agit pour ceux qui amont ä s'y rendie aciifs. Sur Je pJan piatique, Je Fühiei 
m'a confie, en cas de gueire, le destin d'un espace qui, selon ser. piopies 
paroJes, repiesente « un conünent »» avec 180 millions d' hommes, dont enviion 
100 millions se tiouveront immediatement dans la zone de l'action militaire. A cela 
s'ajoute Je manque d'hommes appiopiies ä cette tache, et cela malqie tous 
les ficMers ! 3.000 specialistes des questions lusses iont rassembles dans mon 
Office (Amt), mais comhien paimi eux sont aptes leellement ä etre engaqes dans 
l'action ? En outie, I'Est est en realite quelque chose de ladicalement diffeient de 
l'Ouest, avec ses villes, son Industrie, sa disciphne. On ne pouna jamais se faire 
uns idee tiop noiie de la desolation ahn de se mettre d J'oeuvre en connaissance 
juste de la Situation. 



V 



VINGT-CINQ ANS APRES NUREMBERG 



11 



^DES LÄRMES DANS LES YEUX DU FUHRER »> 

Berlin, le 6 mai 1941. 

[...] Le 2 mai, je ne devais piesentei qu'un couit lappoit au Führer. Mais iJ se 
developpa en un entretien assez long. 

U approuva en principe les deux projets que Lammers avait prepares avec moi 
pour le cas eventuel de la guerre. 11 ne restait plus qu'ä se mettre daccord sur quel- 
ques vocahles de terminologie. Je remerciai le Führer pour cette mission et 
j'ajoutai : «Plus j'approfondis maintenant le prohleme, plus la tache me parait 
immense, car il s'agit de fonder et dorganiser tiois immenses Etats entiers. Le pro 
oleme russe est en plus. » Le Führer m'a replique, pendant que les larmes lui venaient 
Qux yeux : « Mais c'est une grande tache positive dont vous etes charge. C'est moi 
qui dois prendre la responsabilite de l'action. Staline n'attend plus que l'entree en 
guerre de l'Amerique [...] » Le Führer devait ensuite dicter le texte de son discours 
devant le Reichstag. II m'invita ä Bertchesgaden pour que je puisse discuter avec 
Göring et Keitel de tout ce qui concernait ma mission. Lä-bas, il aurait tout le temps 
de repenser avec moi tout Je probleme de l'Est. 



\ 



« CE QUE JE NE PEUX PAS DICTER » 

Berlin, le P"" juin 1941. 

: • Les dernieres semaines ont ete consacrees a de nombreuses discussions dont 
il a ete dresse un proces-verbal succinct et que je condense en un texte dicte. Mais ce 
qui ne se prete pas ä la dictee, ce sont toutes les pensees et les sentiments qui m'ani- 
ment, ä chaque heure, du travail pour la Solution des problemes de l'Est. 11 s'agit de 
liberer pour les siecles ä venir le peuple allernand de Ja pression de 170 millions 
d'hommes. Existe-t-il aujourd'hui une tache politique plus grande ! Le tsarisme a pu 
se developper sans encombre : apres la Mer Noire ,le Caucase, le Turkestan, la 
Mandchourie [...] La Prusse n avait toujours qu'a rester spectoteur et l'AUemagne de- 
vait toujours prendre en ligne de campte l'eventualite de voir Je Tsar se tourner 
quand meme contre eile, des qu'elle s'appreteraii a devenir independante de quel- 
que fagon que ce soit. La victoire sur la France en 1940, ^oilä le fait politique decisif 
pour les siecles ä venir. 

L'amere raison d'Etat observee par Hitler, qui devait se servir d'un homme aussi 
petit que Ribbentrop, a epargne beaucoup de sang allemand ; cette raison d'Etat 
tire maintenant ä sa ün, car, en 1941, c'est la Weltanschauung, la ligne de iorce 
dans l'histoire qui est devenu la veritable raison d'Etat. Je suis heureux, cn mon for 
Interieur, de ne pas m'etre prete ä quelque compromis que ce soit. Discipline certaine- 
jnem — en poJifique — , par contre, je n'ai jamais retire de la circulation mes livres 
et je n'ai pas fait mystere, la oü je pouvais compter sur la discretion des auditeurs, de 
mes considerations sur les conditions, en fonctium: du ^emps. J'aborde ,en tant que 
personnalite entierement intacte, une tache d'un3 dimension vraiment d l'echelle de 
l'histoire mondiale : fonder trois Etats d'environ 90 millions d'hommes, ä partir d'une 
meme conception, et orienter, par tous les moyens politiques, un autre Etat (Russie 
Moscovite) vers l'Est (encore 60 millions). VoHä ce qui est exige pour l'avenir : 
tenir bon, avec durete ,aussi dans l'action de tous les jours, avoir des nerfs inusa- 
bles et, malheureusement, la petite guerre avec de petits esprits, ä Berlin et dans 
les enviions. 



12 



LE MONDE JUIF 



En pendant qu'est eniiepiis ici un grand travail de piepaiaüon. Je leste soi- 
disant « ecarte » se pouisuit : ethnologie, oiganjsation des vacances, iestivites natio- 
nales-socialistes, questions d'enseignement, etc. Tout ced, je ne veux pas non plus 
l'oublieT, il s'agit actuellement de gagnei la paix apies la guerre [...]. 

Combien de condamn^s ä Nuremberg 

Voilä oü allaient les plans d' Alf red Rosenberg pour la domination de la 
grande Allemagne jusqu'ä l'Oural, apres la victoire finale attendue. Lui et ses 
complices furent condamnes ä mort et executes, mais non pas en raison de leurs 
reveries politiques, comme le pretendent leurs amis spirituels et leurs complices. 
Ceux-ci furent condamnes ä mort et executes au terme d'une procedure regu- 
liere, parce qu'ils avaient assassine des millioDS d'hommes et qu'ils avaient pille 
les pays qui leur etaient soumis — non par le feu et l'epee, — mais en employant 
les chambres ä gaz, les pistolets automatiques, la dynamile, les fils electrifies, en 
pnvant de nourriture et de chaleur. Si l'on fait le bilan des proces da Nuremberg, 
il convient de souligner le fait qu'aucun des 199 accuses (ä l'exception de Rudolf Hess) 
n'a ete condamne uniquement en raison des crimes contre la paix qu'il aurait commis. 
Les 23 pendus ont ete tous tenus pour responsables d'assassinats en masses : 
Göring, von Ribbentrop, Keitel, Kaltenbrunner, Rosenberg, Frank, Frick, Streicher, 
Sauckel, Jodl, Seyss-Inquart, ensuite les six medecins qui ont assassine leurs sembla- 
bles au lieu de les guerir ; et les six meurtriers du proces des Einsatzgruppen et de 
celui des camps de concentration. II convient de souligner que le nombre des accuses 
de Nuremberg etait minime par rapport au nombre des victimes. Le nombre des acquit- 
tements fut aussi grand que le nombre des executes. A l'exception de Rudolf Hess, les 
condamnes ä une peine privative de liberte furent liberes, dans les annees cin- 
quante. Speer et von Schirach furent les seuls ä purger leur peine de vingt ans 
de prison. 



La fidvre des grdces 

Peu de temps apres la fin du dernier proces de Nuremberg, le proces de la 
Wilhelmstrasse contre les secretaires d'Etat et les diplomates de Hitler (1949), 
une fievre des grdces commenga ä se manifester. Les amis et les lobbyistes des 
accuses utiliserent la tension internationale de la guerre froide et de la guerre de 
Coree pour obtenir la liberation des criminels nazis les plus importants. Hans 
Laternser, l'avocat de plusieurs des generaux nazis accuses, me narra peu 
avant sa mort le succes qu'il remporta dans l'obtention des grdces. « Aucun 
officier de haut grade de l'ancienne Armee allemande n'accepterait de s'engager 
dans la nouvelle Bundeswehr, aussi longtemps qu'il y aurait dans les prisons des 
generaux condamnes ». Teile fut son argumentation couronnee de succes aupres 
des personnalites qui travaillaient d l'edification de la nouvelle Bundeswehr. Les 
amis des officiers SS condamnes utiliserent de leur cote cette argumentation, en 
ajoutant : « Nous n'etions pas plus mauvais que les generaux condamnes ; si 
nous n'etions pas egalement grdcies, c'est alors seulement que nous nous met- 
trions d deballer les choses d fond ». 

Ils entendaient indiquer ainsi le fait qu'd Nuremberg, l'eventuelle co-respon- 
sabilite des generaux dans les actes des SS- Einsatzgruppen d l'Ouest n'avait 



VINGT-CINQ ANS APRES NU REM BERG 



13 



lamais ete completement etudiee. En outre, ils faisaient entendre que les gene- 
raux de la Wehrmacht et les amiraux avaient ete parfaitement au ccurant des 
meurtres en masse des Juifs ä l'Est. C'est ainsi. par exemple que Himmler, pre- 
nant la parole le 26 janvier 1944, devant 250 generaux de la Wehrmacht et amiraux, 
avait explicitement rendu compte de la Solution finale ol de l'extermmation de la 
Population juive. discours qui est reste totalement inconnu de 1 opinion P^^liqu^, 
Ce discours de Himmler avait ete prononce dans une grande salle de Theatre a 
i^osen. A quelques exceptions pres, les chefs militaires avaient applaudi aux 
declarations de Himmler. A propos de ce discours existent meme des notices ma- 
nuscrites de Himmler. II ne doit pas etre confondu avec dautres discours de 
Himmler, prononces par lui ä Posen dans les precedentes annees. 

Les consequences de Nuremberg pour la justice allemande 

Les gräces beaucoup trop prematurees accordees aux accuses de Nurem- 
berq par une Commission mixte anglo-ameiicaine, qui n'a meme pas demande 
an vote aux juges, a eu de iacheuses consequences pour la justice allemande. 
Ces gräces ont eu l'effet d'un frein psychologique pour les juges de profession 
et encore davantage pour les jures des proces contre les nationaux-rociahstes 

Comment, par exemple, devaient etre juges. sur les plans psychologique et 
luridique. les accuses de rangs moins importcnts. des lors que des personnalites 
de rangs plus eleves. depuis longtemps liberees de :eur prison. se presentaient 
en toute liberte comme temoins ? Neanmoins les tribunaux allemands sont par- 
venus ä condamner de iagon adequate de nombreux criminels nationaux-socia- 
listes au cours de proces pour meurtre et complicite de meurtre. ^, ^ , ., 

Cette action judiciaire porta avec succes sur deux categories : dabord celle 
des membres des Einsatzgruppen qui ont sevi contre les Juifs de iLst. On peut 
citer comme bon exemple le proces des Einsatzgruppen d'Ulm. un des premiers 
de ce genre. La deuxieme categorie etait celle des proces des camps de concen- 
tration. Le proces d'Auschwitz ä Francfort-sur-le-Main et les proces de Treblinka 
a Düsseldorf representent des monuments de la Justice. x t j • u 

L'Office Central des administrations judiciaires des «Länder» a Ludwigsburg 
a contribue ä ce resuhat. L'opinion publique en Republique federale a soutenu le 
deroulement de ces proces. ainsi que la presse, la radio et la television en 

temoiqnerent. , 

Par contre. les proces contre les « ingenieurs de la mort n. contre ceux qu on 
appelle les criminels bureaucrates. n'ont pu etre menes qu'avec de grandes düfi- 
cultes- c'est que le soutien energique de l'opinion publique leur faisait defaut. 
De larges cercles ne comprenaient pas que la responsabilite morale des crimi- 
nels de ceux qui ont donne les ordres ä tous les echelons. etait beaucoup plus 
ararlde que celle des bourreaux et des serviteurs des bourreaux. Le proces de- 
vant la Cour d'assises de Munich contre le general nazi Wilhelm Harster et contre 
le specialiste des questions juives Wilhelm Zoepf. le pendant d' Eichmann eii 
Hollande, accuses de l'extermination d'environ 100.000 Juifs de Hollande, a ete 
cependant plus important sur le plan de l'histoirc et a 6te mene de fagon e fficace. 
Le proces intente au general SS Karl Wolff. le chef d'Etat-major de Himmler, en 
raison de sa participation ä la Solution finale de la questioi. juive. fut egalement 
un exemple de justice bien rendue. Mais Wolff c ete libere pour cause de maladie. 
apres avoir purge le tiers seulement de sa condamnation ä quinze ans de prison. 
Dans le proces Harster comme dans le proces Wolff. le procureur Benedict Huber 



14 



LE MONDE JUIF 



a ete tout ä fait remarquable. Dans l'un comme dans l'autre, la responsabilite 
ciiminelle a pu etre etablie ä l'aide de documents. Quant au proces intente devant 
la Cour d'assises de Berlin contre les membres de la Gestapo locale impliques 
dans la deportation d'environ 35.000 Juifs de Berlin, on manquait de preuves 
documentaires de l'activite des accuses. Fideles ä la coutume des fonclionnaires 
superieurs de la Gestapo, ils niaient avoir gu connaissance du but de la deportation. 

« Prescription pour raisons m^dicales » 

En 1970 et en 1971, la « prescription pour raisons medicales .» a pris une 
giande extension. 11 n'y a pour ainsi dire pas de proces intente ä des iriculpes 
pourvus jadis de situations elevees, dans lesquels les medecins ne delivrent 
d'attestations de l'inaptitude de leur dient ä se presenter en justice. II ya plus 
de vingt ans, le cas de Horst Wagner, conseiller de legation au ministere des 
Affaires etrangeres, fut soumis aux autorites judiciaires de la Republique federale. 
Wagner avait collabore avec le Service des questions ju^ves de Eichmann au 
R.S.H.Ä. Bien que les poursuites aient ete intentees pour complicite de meurtre, 
le proces public n'a pas pu encore se derouler. De nom.breuses expertises medi- 
cales ont ete ordonnees ä propos de l'aptitude de Wagner de se presenter en 
justice. Un ancien juge bavarois qui, d'apres l'accusai."on, serait coupable de la 
mort juridique de l'ancien president de la Communaute juive de Nuremberq, 
Katzenberger, cherche ä echapper ä la justice grdce ä des attestations medicales. 
L'accusation contre l'ancien secretaire d'Etat, Ganzenmuller, Charge au ministere 
des Transports hitlerien de la coordination des trains de deportation, n'a pas 
encore conduit l'inculpe devant le tribunal. Depuis des annees, des procedures 
sont intentees pour participation au programme hitlerien d'elimination des « bou- 
ches inutiles», contre d'anciens presidents dp Cours Hes Länder et contre des 
avocats generaux. On n'est pas encore passe cc la phase decisive de la proce- 
dure. Est-ce l'age, la maladie ? II n'y a eu jusqu'ici aucune procedure suivie 
contre les hauts fonctionnaires nazis responsables du meutre de 4.000 pretres du 
temps de l'hitlerisme. Le manque d'energie mis par la Cour de Hambourg dans 
la poursuite des affaires du Ghetto de Varsovie, du Ghetto de Riga et de celle du 
colonel SS Streckenbach, est egalement de mauvais augure. 



Les « grands » et les « petits » 

Un bilan de la question montre cependant — quels que puissent en etre les 
jnotifs — que les hauts fonctionnaires du III" Reich, ccux qui ont pris part aux 
crimes graves contre l'Humanite, c'est-ä-dire les « grands » de l'administration et 
de la justice du IIP Reich, s'en sont sortis beaucoup mieux pour eux que les 
« petits »». C'est un resultat peu reconfortant. II aurait ete plus juste que l'accu- 
sation soit portee ä Nuremberq, non seulement contre les plus hauts, mais aussi 
contre les hauts fonctionnaires. Cela aurait certainement servi l'idee de la Justice. 

Neanmoins, les resuhats penaux des proces de Nuremberg et des proces de- 
vant la justice allemande ne doivent pas nous decourager. Les principes du droit 
international ont fait de grands progres gräce ä « Nurem.berg » et ont ete etablis 
sur de nouvelles bases. Desormais, c'est l'affaire de la communaute de veiller ä 
ce que son renforcement soit garanti par des Commissions internationales d'en- 
quete et par une Cour de Justice internationale. 



VINGT-CINQ ANS APRES NUREMBERG 



15 



ANNEXE 
LES PRINCIPES DE NUREMBERG 

Les principes de Nuremberg se deduisent des articles 6 ä 8 du Statut du 
Tribunal Militaire International du 8 coüt 1945 (accord de Londres). (1) Ils sont congus 
comme suit : 

ARTICLE 

[...] Les actes suivants, ou ]'un queiconque d'entre eux sonf des ciimes soumis d Ja 
junäicüon du Tiihunal et entiainent une responsabiJite individueJJe : 

a) Les crimes contre la Paix : c'est-d-dire Ja diiection. Ja preparafion. Je decJen- 
chement ou Ja poursuite d'une guerre d'agiession, ou d'une guerre de vioJafion des 
tiaites assuiances ou accoids inteinationaux, ou la paiücipation d un pJan conceite 
ou d un compJof pour J'accompJissement de J'un queJconque des actes qui piecedent ; 

b) Les crimes de guerre : c'esf-d-dire ies vioJafions des Jois et coutumes de Ja 
guerre Ces violations compiennent, sans y etie limitees, l'assassinat, les mauvais 
tiaitements ou Ja deportation pour des travaux ioices. ou pour tout autre hut, des 
copulations civiles dans les tenitoires occupes, l'assassinat ou Jes mauvais traue- 
ments des prisonniers de guerre ou des personnes en mer, l'execution des otages. 
ie piJJage des biens puhlics ou prives. Ja destruction sans motu des villes et des 
villages ou la devastation que ne justiiient pas les exigences mihtaires ; 

c) Les crimes contre l'Humanite : c'est-ä-dire l'assassinat, l'extermination, la 
reduction en esclavage, la deportation, et tout autre acte inhumain commis contre 
toutes populations civiles, avant ou pendant la guerre, C) ou bien des persecutions 
pour des motiis politiques, raciaux ou reJigieux Jorsque ces actes ou persecutions, 
qu'iJs aient constitue ou non une vioJation du droit interne du pays ou iJs ont ete 
perpetres, ont ete commis d la suite de tout crime rentrant dans la competence du 
TiibunaJ, ou en liaison avec ce crime. 

Les diriqeants, organisateurs, provocateurs ou compJices qui ont pris part a 
l'elaboration ou d J'execution d'un pJan concerte ou d'un compJot pour commet tre 
l'un queiconque des crimes ci-dessus definis sont responsables de tous lec actes 
accomplis par toutes personnes, en execution de ce pJan. 

ARTICLE 7 

La Situation officieJJe des accuses, soit comme chefs d'Etat, soit comme hauts 
ionctLTaires, ne sera consideree ni comme une excuse absoJutoue, m comme un 
motit d diminution de la peine. 

ARTICLE 8 

Le iait que l'accuse a agi coniormement aux Instructions de son gouvernement 
Le tait ^"^ ;° ^ J; ^g Je degagera pas de so responsabilite, mais pourra 

la justice l'exige. ^j^ 



(1) Serie bleue (version frangaise), vol. I. pp. 12-13. ^ ^ , ^ ,,,, 

r) Virgule substituee au point et virgule par le protocole du 6 octobre 1945. 




Das Dritte Reich im Kreuzverhör 

Aus den unveröffentlichten Vemehmungsprotokollen des Anklägers 

Robert M.W. Kempner 

300 Seiten, Leinen DM 32, ~ 

Studienausgabe Paperback DM 16, 80 

Robert M. W. Kempner, prominenter Vertreter der Anklage der Vereinigten 
Staaten von Amerika beim Nürnberger und bei späteren Prozessen, öffnet bislang 
unveröffentlichte Vemehmungsprotokolle der Verfahren, die das Dritte Reich 
vor ihre Schranken forderten. Diese Dokumentation wirft ein neues Licht auf 
unaufgeklärte Ereignisse und Schlüsselfiguren im Apparate des Dritten Reiches 
sowie weitere wichtige Geschehnisse: den Reichstagsbrand, den Rohmputsch, 
Rudolf Hess' Englandflug; Hitlers Privatsekretärin Johanna Wolf, Hermann 
Göring und Emmy Göring, die Generalfeldmarschälle Keitel und Gerd von 
Rundstedt den "Hofzahnarzt" Rudolf Blaschke, Geheimdienstchef Walter 
Schellenberg, Parteirichter Walter Buch, Hauptmann Fritz Wiedemann, 
Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Prinz August Wilhelm von Preußen, 
Prinz Philipp von Hessen, Prinz Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe, 
Staatsminister ato Meissner, Staatssekretär Paul Körner, Staatssekretär 
Hans-Joachim Riecke, Dolmetscher Paul O. Schmidt, «taat^^f ^«i^^^ ^^"'f^^ , 

Freiherr von Weizsäcker, Botschafter Rudolf Rahn, Botschafter Karl Ritter und 
SsTwörmann, SS-BrigadefUhrer Werner Best, Gesandter Werner von Bargen 
Joachim R^benrop, Professor Carl Schmitt, über die Stellung von Papst PiusXII, 
und drverhalten ä;s Ribbentropschen Auswärtigen Amtes zur Judenverfolgung, 
finden wir ebenfalls bisher unbekanntes Material. 

Die einzelnen Vernehmungen sind hier im Originalwortlaut Y^«**f ^^^f^"" "f 
mJ ^rsonen- und sachbezogenen Kommentaren versehen Aus der Fülle der 
S eSonalen Literatur über zwölf Jahre faschistischer Gewaltherrschaft m 
SrchlaS Wird dieses Buch herausragen, da es weder spekuliert, polemisiert 
^h dramatisiert sondern nüchtern und leidenschaftslos wörtlich aufzeichnet 
Ts Aieurtaus der engen und weiteren Umgebung Adolf Hitlers, oft angesichts 
Toher Freiheitsstrafen, ja des Galgens, aussagten, bekannten oder zu verschwei- 
gen su!hin: eine nicht nur im höchsten Grade informierende, sondern auch auf- 
regende Lektüre. 



Der unbestechliche Jurist und Sucher der Wahrheit hat mit diesem historisch, 
menschlich und kriminalistisch spannenden Werk seine bisherige publizistische 
Arbeit um einen bedeutenden Beitrag zur Zeitgeschichtsforschung ergänzt. 

Erich Maria Remarque: "Es gibt kein Buch, das ich in den letzten Jahren 
mit größerem Interesse gelesen habe. Ein Buch, wie man es sich wichtiger 
nicht vorstellen kann. '^ 

"Dieses gleichermaßen packende wie informierende Buch. Ein größeres 
Kompliment kann man seinem Verfasser kaum machen. " (FAZ) 

"Was hier gegeben wird, sind Aussagen ' höchster Würdenträger' vor 
einem äußerst geschickt und bohrend fragenden Staatsanwalt." (Welt der 
Literatur) 

"Die zeithistorische Qualität dieser Interviews liegt in den "Selbstporträts. " 
(Die Zeit) 

"Ich spreche laut Kempners Fragen vor mich hin und lese dann die Antworten. " 
(Botschafter a. D. Prof. Dr. Werner Peiser) 

♦♦Das BucK von Robeirt KemimeT» verdient daS Prädikat ' UnßCeWÖhnlich' . " 

(Rheinischer Merkur) 




BECHTLE VERLAG MÜNCHEN UND ESSLINGEN 



LISTOF PUBLICATIONS 



BY 



ROBERT M.W. KEMPNER 



Judges and Judged by Sling 
Prussian Civil Service 
Police Administration Code 

Twilight of Justice 
Security Police 



Edlted by R. Kempner. 

Berlin: Ullstein Verlag. 1929. Pp. 380. 

Berlin: Verlag für Recht und Verwaltung 

C. A. Weller. 1931. Pp. 60. (In lUing-Kautz series) 

Annotated by Klausener, Kerstiens, Kempner. 
Berlin: Verlag für Recht und Vcrvv^pltung 
C A. Weller. 1931. Pp. 494. 

Berlin: Volksfunk Verlag. 1932. Pp. 120. 

Berlin: Carl Heymann Verlag. 1933. Pp. 70. 
(Chapter in Bill Drews' Police Law) 



TheEnemyAlienProbleminthePresentWar The American Journal of International Law, 

The New Constitution of Albania: The Tulane Law Review, Vol. XV, No. 3. 1941 

A Model Constitution for European Vassal 

States 

Who is Expatriated By Hitler? - The University of Pennsylvania Law Review, 

An Evidence Problem in Administrative Law Vol. 90, No. 7. 1942. 

The Pennsylvania Gazette. 1942. 



Pennsylvania's Mission to Prussia 
Hitlers Criminal Code 
Women in Nazi Germany 

Blueprint of the Nazi-Underground 

The German National Registration System 



The Free World Magazine, Vol. I, No. 4. 1942. 

With Ruth Kempner. - u tt c 

Washington, D. C: "M-Project" of the President of the U. S. 

1944. Pp. 280. 

Washington State College Rescardi Studies, 
Vol. XIII, No. 2. 1945. Pp. 120. 

The Journal of Criminal Law and Criminology, 
Vol. 36, No. 5. 1946. 

Baden-Baden: Verlag Licht. 1946. Pp. 40. 



Prussian Bureaucracy on Trial 

TheNurembergTrialandthe German Mind The New York Times Magazine, October 6, 1946 



Murder by Government 

The Persecution of the Churdi - 

From the Secret Files of Alfred Rosenberg 

Survey of the Nuremberg Trials 

Distorting German History 



The Highest Paid Spy in History 

Blueprint of Murder 

Stalins „Separate Peace" in 1943 

The Nuremberg Trials as Source of Recent 
German Political and Historical Materials 



The Journal of Criminal Law and Criminology, 
Vol. 38, No. 3. 1947. 

Berlin: Der Monat (U.S. Mil. Government), 
VoLI, No. 10. 1949. 

Tuebingen: Archiv des Voelkerredits. Vol. 2. 1949. 

The New York Herald Tribüne, January 19, 1950. 

Also in: Information Bulletin of the U.S. Higli Commissioner 

for Germany, March 1950. 

The Saturday Evening Post, January 28, 1950. 
The Reader's Digest, June 1950. 

New York: The Congress Wcckly, March 6, 1950. 

New York: The United Nations World, 
Vol. 4, No. 3. 1950. 

The American Political Science Review, 
Vol. 54, No. 2. 1950. 



The Judgement in the Wilhelmstrasse Gase Uditcd in Gcm.n by R. Kempner witi, a fceword bv 
I iit juv*g ^^^ ^^^1 j-j^cnsel. 

Schwacbisdi (^,mucnd: Verlag Alfons Rucrger. 
1951. Pp. XXXIV, 346. 



Bezirksamf 

für Wiedergutmachung 

A. M, 249....997 ,,,,11/2-r eg 

(Bei allen Schreiben anzugeben) 

Ohne Angabe des Aktenzeichens Ist die Bearbeitung 11 
nicht möglich. « 



5400 Koblenz, den 

Mainzer Straße 108 
Postfoch 260 

Fernruf (0261) 31616/35783 



16.12.1971 



Sprechtag i 

Allgemeiner Sprechtag Donnerstag 

von 8.30 bis 12 und 14 bis 16 Uhr 

Nur in Haftsachen: Auch Dienstag 

An anderen Tagen ist Iceine Rüclcsproche möglich 



Herrn 

Ernest Hamburger 



Ab 25.5.1971 neue Tel. Nr. 38006 



67 Riverside Drive 



New York, N.Y. 10Q24/USA 



,t0^»t^*fM1tlU>t 




Betr. ; Entschädigungssache Olga Hohenstein nach Adolf Hohenstein; 
Eezu^; Ihr Schreiben vom 9.12.19717 



Sehr geehrter Herr Hamburger! 



In der obigen Angelegenheit nehmen wir unter Bezugnahme auf 
Ihre Anfrage vom 9.12.71 wie folgt Stellung: 

Der am 3.10.1937 in Südafrika verstorbene Verfolgte Adolf 
Hohenstein war früher Polizeipräsident in Kassel. Durch Be- 
schluß des ehemaligen Preußischen Staatsministeriums vom 
27.12.1932 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 
Am 31.8.1933 wurde Herr Hohenstein gem. § 4 des Gesetzes zur 
Wiederherstellung, aus dem Dienst entlassen. Im März 1936 
ist er mit seiner Ehefrau nach Südafrika emigriert. 

Der Sachverhalt zu dem hier vorliegenden Entschädigungsantrag 
wurde im v</esentlichen aus der Personalakte des Regierungs- 
präsidenten in Kassel, Az.: P/1 ~ PA Hohenstein - entnommen. 
Zur weiteren Aufklärung der Angelegenheit stellen wir Ihnen 
daher anheim, sich nach Kassel zu wenden, da die von Ihnen 
erbetenen Informationen mit Sicherheit aus der früheren 
Personalakte zu entnehmen sind. 

Die letzte uns bekannte Anschrift der Erbin Olga Hohenstein 
lautet: 

15. Mount Rydal Catherine Ave. Berea 
Johannesburg/Südafrika . 

Frau H. heute noch dort wohnhaft ist, entzieht sich unserer 
nntnis. Als Anwalt in dem V/iedergutmachungsverf ahren war 
rr M. Pineas, Johannesburg S.A., P.O.B. 522 tätig. Vielleicht 
ßt sich über ihn die heutige Anschrift von Frau Hohenstein in 
'fahrung bringen. 



Hochachtungsvoll 
I.A. : 



.kcb KchrivStanm 



Beer Tu vi ah, den 23. I^ov.l9G8. 



r 



c>i 



s 



X Beer i'uvisV tcr;*?! 

Sekr geehrter Herr Di-. Hamburger, 

wfi^rend Sie ^-lit der Darstellung des i^anpfes der 4eutschcn Jude« 
u» den öffentlichen Dienst bf:3Chäftigt r.ind, Ist vielleicht die folsrnde | 
Pjpisode von Intcrese«: 

Ick nackte im Jskre 1928 dir bsyriBche i^nsessor- Prüfunr; als der 
Ackt-üeste unter 15c i.andidaten ( Go Fmnkte ; Sie kennen wahrscheinlich 
dL dsi^.alige ba^Ticche i^rüf ungs-System) .i^.ch -nlage und Neigung wtre ich 
gerne Richter oder Be-J'.ter gewerden. 

Zunächst bewi^rb ich nich um die -aufnähme in die Eiste der B-w'-rber 
u« den höheren Justi'-dienst. Aber der Personalreferent ir l.ünchner Justi^- 
iinii-teriura, Linistrrialrat Sauer erklärte nir:- i«r..ch Ihrer i^ote Karben 
Sie für uns in betr&cht, aber *us Ihren .^»nen entnenne ich,dass oie '^ude 
-ind." Kr b-rief sich di.bei ^.uf einen L^ndtags-^eschlu^s von 19oo. Ich 
hätte das ^«'r-ne schriftlich gehabt und reichte ein Gesuch ein: es wurde 
i'ai^ bajigel «n Bedarf" «bge lehnt. , 

Wetter machte der i-iann ir. t-j niste riur, des Inneren die Sadae: »uf 
meine bev.erbung ur. den eintritt in die Innere Verwaltung 3nt^:ortete er 
if' schönsten ^s^risch:" über scha*.g'n3, Herr Kollega,. wie wollen denn 
Sie nitrier Prozession geh*» ?" iJi? Teilnähme an der irro^ession ^ )>\yr^- 
leichnari-T^ge erschien i^^^J^ofrenbar als eine ^iaupt*ufg*be eines /Je^.irks- 
amtHÄnris ( i^andr atvS ) • 

auch 



^l 



^amit das S.-tiTsi3iel nicht ifohle: ich vvandte nich auch an die ~ 
Reichs-£hn-Si;ektion.^jort s.gte der Personal-R.f.rent : /■ -eder Jurist 
russ bei uns werst ein Jahr lang ict^tions-Vorstand *n einer j^tation 
erster ilasL sein. Und seit uns ir, voiigen iVinter in hosenh.ir der 
Stitions-Vorstand .-in^r angelaufenen ^rille,' i. ci- i.ckenotive hirem- 
licf, nchE'.en v.ir k^-ine "ewerber nit brille nenr an. 

AUf der Reichspost-^^irektion (Oberpostdirektici.) erwiderte r^^n 
mir dass kein "f d'^rf an Juristen bestehe. Dass «.cht ±age später ein 
Lanäid*.t, r>-r drei -t-ller r. ch -.ir in der Reihe stand, in d-en '"^^^i^^'^" 
Postdienlt berufen wurde, gehört schon in ein anderes ^epitel: sein 
V°ter war- uberbürgerr,« ister und .ein Onkel der -i.eichspostrinister. 

verhirltnisrir.ssig 

Ich darf noch darauf hinv;cisen, dass %u meiner ,5eit/nehr jüdische 
vic>^t'r an den bav^rischen ObTla.nd^rerichten und rm Obersten Uyndcs- 
gericht v;aren ( sie hatte noch der ^K5nig ernannt) ^Is an den ..nts-und 
x-aBdge richten. ^^^.^ vor -A>)fl icher Hechachtung 

"LI. - /> 




Jskob Kohnstajnn 



'Vn-'-'^ 



/ 



13, Dezember 1963 
X/743 



Herrn Jakob Kohnstamm 

Beer l'uviah 

Israel 



j^gt^*^,. 



/ 



Sehr geehrter Herr Kohnstamni, 

Ihr Brief vom 23. v.M. hat mich sehr inte- 
ressiert^ und ich danke Ihnen bestens dafuer. 

Die Dcirstellung Ihres Schicksals als bayeri- 
scher Assessor und die vergebliche Be-nuehung um 
Aufnahme in den Staatsdienst sind eine wichtige 
Illustration ueber die Handhabung der Gesetze 
durch die bayerischen Behoerden. Besonders war 
ich erstaunt zu hoeren^ dass sich der Personal- 
referent im Justizministerium auf den Landtags- 
beschluss von I9OI gestuetzt hat, ueber den Sie 
in meinem Buche auf Seite 49 ois 5I die notwen- 
digen Informationen finden. Dass ein Beamter in 
der Weimarer ^eic diesen Beschluss noch als guel- 
tig angesehen hat^ ist wirklich unerhoert. 

Was den letzten Absatz liires Briefes betrifft - 
haben Sie Statistiken, die beweisen, dass zu Ihrer 
Zeit mehr Juedische Richter an den hoeheren bayeri- 
schen Gerichten taetig waren als an den Amts- und 
Landjzfsigerichten? Auch diesfwuerde mich interessieren. 

Mit nochmaligem Dank und besten Smpfehlungen 

Ihr ergebener 



Dr. Sinnest Hamburger 



EH/IS 



\ 



/ 



/ 




/ . l /, 



20. Dezember 1978 



Frau Dr. Cecile Lowenthal-Hensel 

Geheimes Staatsarchiv Preusalscher Kulturbesitz 

Archivstrasse 12-14 

1000 Berlin 33 



Ihr Zeichen :Tgb. Nr. 3230/78 

Ihr Scheeiben vom 5. Dezember 1978 



Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Lowenthal-Hensel, 

Wie soll Ich Ihnen fuer Ihr Schreiben ueber die Mit- 
glieder des Preusslschen Oberverwaltungsgerichta danken! 
Sie haben mir durch die Auswertung der Bestaende Rep.184 einen 
grossen Dienst erwiesen. Zwar wldd das In Ihrem Brief ent- 
haltene Material nicht In dem Teil meines Buches verwertet werden 
koennen, dessen Manuskript Ich In etwa zwei bis drei Monaten ao- 
zuschllessen hoffe, doch bleibt es ueberaus wichtig fuer den 
spaeter geplanten dritten Teil, (den Ich allerdings nrcht mehr 
werde bearbeiten koennen) . und Ich beabsichtige. Teile davon im 
Teil II unterzubringen. 

Lassen Sie mich einige Bemerkungen zu dem Material machen. 
Es Ist mir aufgefallen, dass nur ein einziges nicht getauftes 
juedlsches Mitglied. Dr. Ernst Isay, dem O.V.G. angehoert hat. 
Die anderen fuenf waren getauft; einer von Ihnen war. wie Sie 
richtig angeben. HaXbjude (v. Leyden) . Laesst sich aus Rep.184 
die ungefaehre Zahl aller Mitglieder des O.V.G. in der Weimarer 
Zelt ermitteln? 

Zv3 den einzelnen Personen das Folgende: 

Wilhelm Kroner habe Ich gekannt. Er wurde von den 
reaktionaeren Richtern am meisten gehasst. Sie wissen sicher, das« 
er die Magdeburger Richter wegen Ihres Urteils gegen Ebert scharf 
angegriffen hat und dass er daraufhin zu 3000 Mark Geldstrafe 
verurteilt worden ist. Dies wurde durch eine der Amnestieen 
niedergeschlagen, und Severlng entzog Kroner allen weiteren 
Machenschaften dadurch, dass er Ihn In das O.V.G. uebernahm. 

./. 



- 2 - 



Die Landtagsprotokolle enthalten vieles aeher den Fall "'^f "«^![ 
di^ ^lemiLn zwischen Links und Rechts. °^« ^--^^"^^ J^^iJ^'' 
Brews. die Sie im Fall Citron erwaehnen. nimmt darauf mplx-ite 

Bezug. 

Dr Isay habe ich nicht gekannt. Wenn er im Januar 

1929 zu einer politischen Partei gestossen ist. «o muss es 
damals die DDP gewesen sein. Die Staatspartex -"f ^ J^%^^^^^. 

1930 gegruendet. Vielleicht ist Isay ^^^^''^ "'■^^f^^J^^'^J^eri^. 
namigen Autor des Kommentars zum Gesetz ueber die Staatsangehoerig 
keit, das 1913 vom Reichstag angenommen worden ist.. 

Die Laufbahn von Lindenau ist sehr interessant. Ich 
wus8te«richt. dass er juedischer Abstammung ^«- J^;;;^^"''^^^ "'' 
b^d-ut^nder Aufstieg hat erst in der Kriegszeit begonnen, was 
auc; ganz bezeichnend ist. Im Juedischen Krankenhaus ist er. 

wie manche anderen bedeutenden :i-<'i^^^«" ^^^^^^t^'^^^^^Hchon 
Schiffer, der Deportation der Berliner Juden, die damals schon 

in vollem Gange war. entgangen. 

Viktor V. Leyden habe ich gut gekannt. Ich wusste nicht, 
dass er nach Indien ausgewandert ist. Meines Wissens war er 
eine Zeitlang in der Vorbereitungszeit Regierungsassessor an 
dem L:ndUsamt in Schlesien. In einem Bericht ueber ihn wurde 
auf seine juedische (halbjuedische) Herkunft ^^^^^«^^^^"^^ 
wiesen und sie mltseinem angeblich nicht -^^^^^^^^f ""^^" „^^^^ 
verhalten in Verbindung gebracht, waehrend seine '^""•. ^°"^"^'^""' 
LLn ihres Taktes gelobt wurde. Ich habe das damals in den 
AkJen c^elesen; dLL sind wahrscheinlich jetzt in Potsdam oder 
Merseburg Ich wusste nicht, dass eine Halbschwester von Leyden 
in die Fa;ilio Mendelssohn hineingeheiratet hat und diese dadurch 
trotz rein "arischer" Herkunft juedisch versippt geworden ist. 

Leyden war Mitglied der Deutschen Volkspartei, stand 
ziemlich weit rechts und hat als Leifler der Kö™"»""«!«^^^^^""^ 
uns nach dem Ausscheiden Mularts durch seine »^«^f""^^^^^,^^- 
Bevorzugung laendlicher Gebiete gegenueber den Staedten viele 
Kopfschmerzen verursacht. 

wenn Fritz C*tron. ohne sich politisch betaetigt zu 
haben, nach Par. 4 des Gesetzes vom 7 April 1933 entlassen 
worden ist. so muss das ein Racheakt irgend eines mit ihm 
::rfeindet;n Beamten gewesen sein. Er ^««f %«^%^°i^^"^:/"^- 
lassen werden muessen. was vorteilhafter als die Entlassung 
wegen Mangels an nationaler Gesinnung. Die luedischen 



./. 



- 3 



Pensionaere bekamen ihre volle ^«"f °"' ^i\"t=^^;^"^^:^f ^«an, 
Beamten 3/4 ihrer Pension, ^«^"-^«^"i^^^, ^f,,^'"'' ^''"^ 
bemueht. Citron die volle Pension zu verschaffen. 

Oppler ist sicher als ''^«"tkaempCer versetzt, dh in 
ein geringeres Amt abgeschoben worden. D»« hoerte T «^^«^ 
nach Erlass des Reichsbuergergesetzes von 1935 auf. Ich kenne 
mehrere solche Faelle. 

Nehmen Sie nochmals meinen herzlichsten Dank fuer Ihre 
wenmen öj.« v.4 4-i-*» diesen Dank Ihren Kol- 

Bemuehungen und uebermitteln Sie bitte ^^«^en l« 
legen, soweit sie sich an der Auswertung beteiligt haben. 

ich moechte diese Gelegenheit benutzen, um I^J"«" ;;^^ 

TT.,.«™ r»i-fen auch im Nemen meiner E'rau ein gesundes und glueck 

Ihrem Gatten aucn im wwic ^-a» wir uns waehrend 

liches Neues Jahr zu wuenschen. und hoffe, dass wir uns w 

des Jahres 1979 treffen werden. 



Mit herzlichen Gruessen von Haus zu 



Haus 



Ihr 



Maria-Theresia Loewenthal 



Berlin 15f Ülivaerplatz 8 
den 1^.5»'1973. 



/ 



/ 



An 

^^errn 

lernest Hambur.^er 

67 Riverside Drive 

Nr^w York N>Y. "^O^^A 

?.n2 iindicot 2-1 73ö 




V 



) 



yü^i 



^ 






//^v 

/ 



Sehr geehrter Herr Hamburger! 

Frau Hanna Reuter gab mir den von Ihnen an sie eerxcnteten^^r^c^,.^^^^ 

ich möchte mich ^^^-^^^^^l^^^j^nt^^al vorstellen, «err bin 
des Landgerichts Berlin Or. oie ir e meines Kannes zu helfen. 

ich bereit, Ihnen mit J.nxGem -^^//,^,;^f,ftfdt/lichsfeld als Sohn des 
Mein Mann vmrde am -"^ .9.18?^ . in Lexlicen. / ^^^^.^ ^^^ aöttingen 

Eatüciers Loewenthal geboren. ..r -^"-^^^„^ ReferendD.r nach Nordhausen 
und machte seinen Ur. in ^^^l^^'^sen. .^r kam als ^^ ^^^^ Landrichter 

und nach dem Assessorexamen ^^^l^^^/^^^^l^^'^'^^^t . Als solcher krm er 
und im Jahre 1922 zum Landgerxchtsdxrektor ernan ^^^^^^ Prozesses im 

zur Voruntersuchung des s. ='^*- J^^^^^'^f „J^Sf™ann und Landgerichtsrat 
Jahre 1926. Die Herrn ^andgerichtsdirektor -^oll unerhörten Weise 
Kölling, beide Nationalsozialisten, ^^^f J*^" ^^^ war geständig, aber selbst 
in die Untersuchung ein. Der Angeklagte UffH^H^^^^ ..aas (Jude) weiterhin, 
die Kriminalpolizei l-iagdeburg ^.g-,^:^^/,^^„;dkomissar Busdorf aus Berlin 
Da ersuchte der Cberprasident Horsihg den Abschluß wurde «einem 

die weiteren Ermittlungen zu ubernenmen. «^^^ ^^^^^^ ,^ i^^ge vor dem 

hann auch d^ e Leitung ^-^^^f ;i^f^":°^^\f,'Berlin und meinte: Herr Kollege 
Termin kam der Ministerialrat «olthofer aus .eri.^ ^^^^^ ^.^^_^^ 

Sie tun mir leid, wie Sie es auch ■"^f^^^^^"^^/ Ji^emeine Anerkennung, 
dergleichen geschah, im «-Centeil,^s_gab nur all ^^^^^^ ^^^ ^^^^^_ 
Auf Grund dieses senr schwierigen Pro.eßeswu ^,^^^ Position, über 

gerichtspräsident xn 0^1^{?°^'J;^f ^ustHnde - Deutschnational und national- 
■lie allein wegen der politischen -^^tande ^e Schwierigkeiten 

sozialistisch- das Kabinett -'?*\°'^^^^' f "^ "' ,i;.: • .e volljUdische Präsident 
belastet. Sie ^abeb Hecht, mein Mann war d^^^^ ,933 ,^,^ ,ir - 

in Premssen, und hat sich in ^ J-;^^^ = ;f,f,res;tzunc 19^5 wurde er zum 
nach Berlin gezogen.— Am :,, ^^^J^^\ZT Z^t±z in Berlin bestimmt. aIs die 
General geholt, und zum Wiederaufbau der ^f ^LJ zum Cheforäsident des 
Amerikaner nach Berlin kaB>en ernannten ^le^^^n^ ^l^ ^^^ ^'^^^^^ n,ode inne . 
Landgerichts Berlin, ^iese Stelle hatte h**+^ 
Er war auch Berlir^i^adt_yer or dneter . geholfen habe."- 

Ich hoffe, daß i^TTTn-nen '^^t^^^^.f*^^™'" Abzug Ihrer Schrift über 
behr dankbar wäre ich Ihnen, wenn oie mir einen g 

meinen Mann schicken würden. rr.i;p,pn 

ich wünsche Ihnen alles Gute und bin mit besten Grüßen 



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Ihre 




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24. Mai 1973 



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Frau Maria-Theresia Loewenthal 

Berlin 15, 
Olivaerplatz 8 



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-^Sehr geehrte gnaedige Frau, 

v.„o4-»r, nank fuer Ihr freundliches Schreiben 
nehmen Sie ineinen besten °^"^/^^J„ o^^anke. an Frau Reuter 
vom 14. Mai. ^-^,-^;;J%,^if ^Ins^'b^rbCergermei^ter in Magdeburg 
zu schreiben, wea.1 ^^^^fj^"" ^^"^or dort v^a?. ein so gutes Ergebnis 
und Ihr Gatte ^-^^^"^tte ich mich stets ;ergeblich bemueht 
L^ndge^i^hts^at Pietzlcef und Herr Schenk die beide in Oels wa 
konn?en mir keine nuet.liche Auskunft geben. 



?aren. 




Wertvoll v;ar 
der einzige nicht 
in Preussen v;ar. 



mir 
zum 
Es 



A^^c. Thr Gatte sich noch nach 1945 betaetigen 
Neu war mir, dass Ihr Gatte ^icn schv^ierige Zeit 

konnte, und ich freue mich, dass " J^^?^. ^J^^ehme an, dass da^r 
von 1933 bis 1945 ^i^durchkoi^en kon^ ^^^^ ,,3,^^- 

die Tatsache, dass er mit einer Nicnt^ueain 
lieh beigetragen hat« 

auch Ihre Bestaetigung. ^^^f ,^^- ^^^^raesident 
Christentum uebergetretene ^^""^^erxchtspraesiae 

gab mehrere volljuedische P^^^f^^f ^^J^; ^ g„t 

^ , ^^ riv F-t Rnpr m Breslau, aen xv-n ^j»-»». 

sich aber haben taufen lassen, so ^^- ^^^"^^ j^ ^^^^^ beiden werde 
gekannt habe, und Dr. SoelUng ^"„P^^i^"* a^S^en.denn juedische 
Ich. wenn auch in anderem ^'?f!«^^"^;;f;J^;^tum übergetreten waren. 
Landgerichtspraesidenten, die zum Christentum 

gab es schon in der monarchischen Zeit. 

Mit nochmaligem Dank auch «"^^^f ^^J^jj^^^llt^^ielbrich 
gleichfalls besten Wuenschen fuer Ihr Wohlergehen. 

mit freundlichen Gruessen 



Ihr 



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2, BeEeuiber 1971 



jleiene Langes trasse UG 
29 Oic;enb?rgi.C . 




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besLe:^ n^^nk ivcr -lir rroi-idliches Schreibun von 19. 
^Jc^e^'bl:•L• 1971 ^tnd die ;-»ertvoeilen Inroruiatioaer, die darin 
er.tiil^^lo:' i^n^.d* *>ehr Intereäcieren wiierde mich die Biographie 
li'l: l^^einboi*.- s in^ Oldenbui-git^cne- H£.usKai.ender i'psr i;2o, 
s" Va-TT'^'ich vTe-xi0 nich rü;tv.erlich tcü die Knkeiln von v^einbarg 
w-cep/vnnn ich ihre Adr^-se wuos;^^.e. Koerinten Sie mir ome 
?hotoi;opic dor baiden CeU^i- v.w;eh€.n l.ss...^ Kos.^n ^^^^J^" 
^.. 1 cH c--^et/t. n:r Hauskalonrsr ist rier racAl .-rh/^eltlicn. 

Ic: In riem Kii ueber Goxtlieb iMagnos die Jahc^süzaiii 190U 
.... .-Ol.; ^ichtir' Ich sehe, dasa er erst 13B3 geboren war und 
ti; :;^cr1tv;r;.^iL.haft*gc..e3en, ob das Jahr 19(4 clchtig ist. 

Auc:i ■ on ;fcr.wun ScUeer, altaii Loewens cain, war irdr nichta 
teica^uit. V.erj. Ich auf ;ruiid Hi-er "dtcoilun^en einen richtigen 

tlir: Z^^^ o;.fren!.llchen I.>ban nicht nehr hervorgor^re;*n. 

.-iichrvilG vcroindiichon Dt^nk i'uer Ihi-e riamuehungen und 

bes "-.e Ki'iptuhlunäcn 

Hir frgebener 






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Cambribge, iHaöö. 02138 




öept einher 26, 1^74 



i)r. Ernest Hamburger 
67 iiivf:r:jicie Orive 
/vev; lorK, i^.Y. Iuü24 



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Dear Jr. HamburiTer: 



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I received your letter of September 2^, 1:;;74 reg-araing Leopold Levy 
and am delighted to hear fron you again. -vhen Weismarin wrote to me 
that I should ask Jr. iamburger, the name was familiär but 1 did not 
think of :/ou. I am 



getting oid. 



You are right: I cane to ^^ew York to meet Cassin. In 1^^67> I saw 
Gassin again in Paris. It was just after Je «.raulle had made the remark 
about "les Juifs." And I irritated him somewhat when I attacked the 
European Court of Human Rights for its decision in the Delcourt case. 
He did not sit and he did not say that I was not right. 

As for Leopold Levy, I think that I will drop it. I had thought that 
the prominent judges of the period woula all be written up. Levy was 
only Amtsgerichtsrat but Tigjes, the Kammergerichtspräsident, '.hought 
i? highly of him as bankruptcy judge. He in fact was editor of Konkurs- 
f und Treuhanawesen, started by him in l'^27 with Ernst Jaeger, the leader 
in bankruptcy law, as Sponsor. After the war, the Journal was continued 
b^ other peo;)le and thev did not even have the decency of bringing a 
note on the founaer. This is one of the reasons ^^hy I thought I might 
collect some data if possible. 

Actually, I believe that the personal files of the rrussian judges 
are preserved and are in Bonn. They should have the birthdate. He reached 
retirement age in April 1^;$^. ./hat they nay not have, is the date of his 
death and where he died. 'i'hank you for giving me the two references. 



1 was in l^aris in July for a few days. x'ompidou has laessed up things 
but it is still Paris. And they are still very bourgeois, which I found 
nice and at the same tirae irritatin^^» 



V/ith kind regards, 



bincerely. 



Kurt H. Wadelmann 





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DR. MAX HERMANN MAIER 
Cai<9ia PosUl 26. Rolandia R.V.P.SX:. 
Estado Do Parana, Brazil 



Sehr geehrt- ^err H'^mhurper, 



C/ 



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Pazenda Jaü, den 4. Juli 196lf 



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ittier« 



./Am.ec>.st bitte ich Sie zu ent.chuWi<^en, d-^s. ich er.t heute Ihren ^^J^^ J«™ 
3^6.61 beantworte Xch..r^^^ 

:::ia :;?! ferro: :?«;: 'a:htt:S.en Beuche., unseres freunde. Hern,.nn Simon .us 
New york erfreuen durfte. prha] ten und wird Ihnen unmit + eibar. nnt- , 

...te. S:f i^tTShon rti^^% 'S:: SU ...n ich folgende Antworten .eben. 

I„ ----er Oberlande^e. -^-^n Jud en_^^^er^Iusti.ve^^^^^ hesond..e 
Vertmuensstellen nicht e^neeno^men /i. e ^^ Ministeri.lbuerokr^tie .tamm- 

Herr ^-"f «^^ -^.^t^; u "^^ Z ntru^ n^^he stand, .r ist als Norddeutscher in 
te, -eli-st k^tholi-ch r ^ " ^ heimisch Geworden, auf djejemokratie, S&ZJ^ e 

aer Frankfurter ^^mosphaere nie ganz ^eimi^ch e ^^^..^..^«.^^^^.^^^^^ 

Gesinnung -«ij.-°i J-*^^^^^^^ von juedischer Abstammung waren, 

ein-e-lte4he.vorBue.^licher Richter, -^^ .Juo Land sb er? und die OLO* 

von denen ich aus der ^^^mner^^n,, nenne : -n^^^P-p-lgj^^^^,, ^ p^esLau ), Aschaffen- 
^aeteFirsch ( sta-^^te ^^ "^f .^^^f;^ ^ ' /r^'i^^e n,s Scblesein oder Berlin ). 
bur ■ ( stammte aus Frankfurt )>WeiSer^ ( .J^^^^^J^^^ ^^ oualifizierte Beamte, die 
Diese Richter waren durchweg schon '^^''^^^;^^^^^'^1:^ , ^eine Rolle .nielten. 
aber nach aussen hm, in..e ^onder Lehrnäan, ein Klassenkamerad von mir, r,er- 

Viele Jahre v^r der ^'^ f^'JJ;^^ Lands^e-ichtspraesidenten Pape, der vorner 
soenlicher Referent aes ^ "•'^^^f^^^^'^, ™^'. ° f^„^ j^ae und lebt heute als Anwal" 
OLG Rat in Ka^.el war Hans Lehmann -^^^^Sr^aecJsten Haehe wohnte, erz^ehlte 
London. Pane, der m Frankfurt ^'^^^^'^^^^ ^,^.^ ^^ ,,i^ ^^.^e sor laengere Zei^ 
nir einmal, dass er Lehmann aus^ew^aehlt h-^e, weil er ^ ^, ^^^^^. 

i™ Preussischen Justizministe™ J;^;/™/f;Sf f ^^^ , .e..beitet und seine 
.. was man oben wo^.e • /"^^If."''^ " .^ „^, Bea.nst-mdungen ge:ue; rt. Auch er ist n . 
juedische .bsf.m^ung i^«\™;'- "f ^^t^e waehrend de- Weimarer Republik den Eindr^. 
aussen nicht hervorgd .ret -n. Icn ^^"^ J^ f'^ ^..^ ^^^ ficri.=cn-en .inn4 ^i^?" 

dass sich er alte "— -«^^.^^'^t^rerhalb d.r S tJz! Charakteristisch bleibt fuer 
.o st-rk e.-haltan nat wie gerade ^ ^"^rhalb d^r ü ^^^^.^.^^t He 'mann, scharf 

„ich die Persoenlichkeit de. ^^^^/j-^^^f^^i^f^:" 'v^.Sndsmitglied ..er deu.sch-natio- 
denkender JUrist, konsery: tiv, '^^^^^^^ J;^^^^J^p;o^e,tant, mit 'anti-smitioCx.en Neigun- 
nalen Partei in l^ankfurt.stre.gglaeubiger Protest^ ^,^ ^^^^^^^^ ^^.^^^^ ^.^^^^^^ 

■ gen waehrend der Weim-i-er Zeit - j^^ ■-^; . f^^ ,^^,x eindrucksvoll den damali,;an 
nach 1933 in Frankfurt, ^«r ue^erwaeltx.end^ ^^ ^^^ ^^^^^ ^^„, ,,, 

Staatssekretaer Fresler °f ^"ntlic.'. ent e .n ^^^ ^^ ^^^ gesagt: 

1 Atiril 19'^3 h^^-t mich lieldmann auf dam Gericht an .ei =,chamlose 

'•itfempfinde zutiefst mit Ihnen und ^^J^^'^^^^^^^,:, „ein Mitgefuehl 

Ungerechtigkeit, ie ^-^ ^^^ ^^^^^r s l^^ oScbS 19^3 a.f Grund des Alters- 
den -Betroffenen mitzuteilen. Hei 'mann 
Gesetzes in den Ruhestand getreten. 

1 ■ ,i«-P '-tp-^tsanwaltschaft und den Gerichten sogenannte 
Auch in Pfm. gab es be^ der ■V''rf^T\;^y,t vertreten wa-r-en. Dagegen bestand 
, pre^-.aereferenten, unter denen aber J^^^.^" ";::". ^.^^^.^ '„^ ^gr Arbeits-erichtsbar- 

^^ch in Ffm. ein erhoehtes 1^^--«--^^^!::^,^'' fe' Isses'sor, eine Note, die nur 
keit. OLG Rat AschaP.enburg ( e^'^ -remo.iscber e ^. ^^,.,„^J^^_^aa3 Mll^tsge^i cbt 
alle >a-.ar J.hre ^rre.cht ^mrde lie.s sic.^ . p„-nerfS^.e^sge.icht mit .rcssem 

versetzen. >> w-r auch gleichzeitig ^ : .^\°"! , ^„„„ ^^^ einem be^sst uebernommener 
^rf^lg taetig. ^xer Aschaffenburg wa. die J^ ^^^^f .^^f^^,:;; soziale und neue Rechts- 
.bschfuss seiner Laufbahn verbunden, ^^]^^^l^, ,-,f„,. stammten auch die 
■fraP-en mehr als eine BePt^rHerung ^^.^^^ ';^"" "^^.^^..^nl ( iatzt Professor in 
fieberen Berliner A-^,-.^f f f ^^'^^t ,f v'SS^Ä^V^Ä^rlie Sie wahrscheinlich 
London ) und Lehmann ( ■l^^^^.f """l s^en" lass bk den Arbeitsgerichten in Ffm. 
näheres wissen. Ich ^'^-^ "^f \^™,,:^. f ^^wesen sind. TSs mag dies daher kommen, 
Oued,ische Richter ^^^^^^^.^''\''''f,,T"llt f^f geschlo ■ sene Juristen zur ^.nwaDtschaf^ 
L.. ganz allgemein in Ffm. ^^«chtige uno aufgesch ^^^^^ ^^^^^^ ^^^^,^ ^ ^ 

Nei Jg empfanden. Hie ^^^f ZJ'S:^C^er Juristen aufgenommen hat. / 

un-l gerade nach dem 1. .Veit^^rie;. 






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Ohv^ohl in Hen ersten Jahren nac>> dem 1. Weltkrieg ein Man-el ^n "Reamten in der Ju-tiz 
he-t-nd lind die An^iRichten fuer Juri-ten de -halb ^enntig waren, sind doch zahl^^eiche 
gut nualifizierte Juri-.ten aus christlichen und juedischen Kreisen in Pfm. zur Anwalt- 
schart uehergogangen, weil sie, inshesondere die ueberaltereten Kriegsteilnehmer, 
sich in der abgegrenzten Beamtenl aufbahn nicht recht wohl fuohlten und ein viel wei- 
teres und unabhn engigeres T^etaetigungsfeld im freien "Peruf erblickten. 

So ist auch Hugo Sinzheimer seinem ganzen ^esen nach nicht dem "Beamtentum 
zuzurechnen, das ihm auch oft fremd gegenueher stand. Ich war mit ihm be:fYeundet, 
als er noch Vnhaen.^er Friedrich Naumanns war und habe in ihm einen -eiteren voezueg- 
lichen Freund gefunden. Die ^il^lerdigung i^^rnst Fraonkel'^ in 'Iq-t^ Ge^^enkre^e nuf ^>inz- 
heimer, abgedruckt in der Juri-tenzeitung vom 1.8.195'"^ N.15, ist ausgezeichnet. Ich 
kann dieser ershcoepfenden \Vuerdißung nur h^c. ^r^undeszeugnis hinzufuegen, dass Smz- 
heimer bei aller Hin^^be nn wichtige T^oliti-.che und c,ozi«lT^oTitiqche Aufgaben ein 
ruehrende-. menp-chliches Tnteres-.e fuer Familie und Freunde bewies. I5r irat bei hoher 
Intelligenz und .eres ^;em Wissen eine kuenstlerisch-naive Persoenliohkei t, die kein 
Organ fuer d-s '• Fi -dertraechtig - Maechtige^besass. Am Tage vor seiner Emigration 
stand seine Verh-^ftung durch die S.S. fest, was ich di)rch eine Indi<^.kreti on erfahren 
h-bee Zusammen mit anderen Freunden musste ^ oh K,S. bpschwoeren, "Heutschland 7^^_^^er- 
lassen, weil er immer wieder betonte, er koenne dies nicht eingehen. ^- e- zeitlebens 
niemanden ein Unrecht zugefuegt habe. Er wolle in Deutschland bleiben, und sich in 
der Stille wi-^senschaftlicher Ar' eit widmen. Dabei war Feindschaft gep:en Smzheimer 
o.er-^de in den soe^enannten nationalen Kreisen lebendig P-eb-lten ^vorden, in nenen nil^ 
toÄäf'^.r^--n Kr^inen, die ihm -ein Ver>-aten im T^-rl-me-ta-i sehen Ausschuss zur Pniet' 
der Krie^sniederla^^e zur T,.st le.-ten, wobei sie dieses Verhalten Ve...hmun^ ^^n^^ 

buT^cc ,,nd Ludendor^^- - noch w.hrh.i t^widri - d-^r^tellten. Nicht allgemein hekannt 
.^^, ^.^c, Sin'^.hPimeT^ als Kriminalität wnehrend seiner S^r-^chc^tunde bei d^n. ^^^mtrete- 
eines dienten, der ihn als Str-fv^^teidiger .ufsu.hte, ^^^r .s..._^.^ ihm ^^-^-^ne" 
Pnr)ier die P^^rp^-nhen d^^, -'traf. Gesetzbuches h-imlich not^o^te, mit ^.enen He- ^esu 
wnhrschpinlich - ^^onfliVt .^ev-^ + ^v. ^^i . ^^ h^t mir ^-.aehlt, das^ er sich ^o^ch^ + 
^oi+,on p-P-=— *- ^->--he. Tn\. h^^he Hie-e Kunst bei ^'e^ner^ mir beknnn + en bedeutenden -.tr 

-ya"Pte'''^i n-m-» '^n o'pt, T»0 '^'^'^"»^ . 

,,^H ..r ^.„o..>^«v....^n «-owie Poet und ^'J --enhihn m.w. w-^e^^T-^^'^ ^^^ w^^^m-p- i^.mhli- 
nicht zur Kröerterung steht. Sn g.^A keinen jueai^-chen OLG - o^i- T-G Prae-^ent-. 

,,pj..,+,,v,„„en Gon^--ldirektors ¥bx -R^aeuning der ^nlon Werko ^r^ Ran-u mitteilen. 
^^e noh Jhre lang Geraten ^"he un^ nn d^^en Auf<.^ chtn-^t i ov, -.c^ --.-« iVr'"" 
0„=f.- Roch war im KaiseT-T-eicb un-^ .-uob nT,-,e1.°r e^n ^o^n-^li^t, de- al^ " r-^ikal ■ 
galt, me Hanauer Ar^^oiterhevoellcenxn^ galt -uo- -^1=. " ^-..^-iv.i ■■ i.. e ^^--j;^ 

„^+, P ■=■!->- t-Pot7. -nolitlscVier Ge/'ens-et'r.e i™rne- xnit ver<^tanden h-e+te. weil :=!Te 
be-ide*'-in p-rz, fuer ,^ie Arheiternchaft gehabt h^ett^n und r^ich darueher einig gewe- 
sen waeren, dar^-i der ftrheiter P-leichhereo>^tigtes und selbstaendiger, Orgon im Unter- 
nehmen 'darr,telle un-^ durch un.hhaer^i^e Gew»rlr«ch"-t.n ^-P-tr^-en ^e^n ^«7^, r^"' 
nine- kannte die en<=0 ir,c>^e GewerkschaftRhewegunß- ^,t. Praeuning war ein Feind der 
Diffamierung der Gewerkschaftefa und derjenigen Personen, die fuer hessere Loehne und 
Arbeitsbedingungen k-emn^en. l?r hnt nach dem 1. Weltkrieg ^-^^^f «^^^^^^^'t'^' J;'^„ 
oeine Petriebsfuehrung von den Kommunisten und der kommunistischen Preise hefti^ an- 
gegriffen wurde und hat bei die-er Gelegenheit Hie vernuenfti^e und erfolgreiche 
Taetifkeit des " radikalen " Gu-t.'=iv Hoch gelobt. 

ich h.be mich berm,eht, Ihnen Mitteilungen zu machen, die Sie ni_cht au. Puech^^ 
und sonstigen Veroeff entlicheungen entnehmen koennen, sondern die auf eigenem Krle^. 
und eigener Erfahrung beruh a>.. t^s m-»^ nuet..lioh sein, wenn die «-i^; "'^^o"' ^^^^-fi 
r" ch Taublik und fotaiitaeren Staat in Deutschland bev.-usst erlebt h.t, solche^^-. 
luffe chnungen zur systematischen Verarbeitung macht, die Sie --/«f/f/"' ^fr. 
Ihnen weiterhin irgendwie dienlich sein kann, bin ich es gern, und bitte Sie, 

^en an mich nicht zu scheuen. / 

Mit freundlichen G?-uessen 



bin ich 

Ihr 



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DR. MAX HERMANN MAIER 
Cai^a Postal 26, RoUndia R.V.P.S.C. 
Estado Do Parana» Brazil 




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- 2 - ' 
^ «« 4^vi rMptm» Frankfurterin mir ihrer Hingabe an die arossen 

firl!teSLhen?ohnunJ schauten zahlreiche Pamilienbilder auf uns 
Jerabf die Sr Jungen^kaum beachteten, denn wir kannten oa diese 
nerao, °^^ •'-^■' . ? j^ »^er weniger retouchiert m die Welt 
t?fS?en^^eAau! Unsere Phantasie beschaeftigte sich lieber mit 
dinS?Serf der "Unbekannten" und mit solchen, auf denen es etwas 
zSs^hin gabf Zu letzteren gehoerten die GoetheBtaetten, die alte 
Gerbemuehle, das Wohnhaus und das Gartenhaus in ^^^i"i^'- !;-^*- ^tern 
^!f+ r,fvflir; iinq die Bilder der Unbekannten vertraut, da die -f^Jern 
Zeit wurden uns die ^^^'^®^ °^^ erzaehlten und uns auch unterrichteten, 

T.lnTHl 'eradf ?L SLd^r Seser Saenner erwaehlt hatten Es waren 
Leo^lf SoS^emannf GeSg von Siemens, Theodor Mominsen und August 
Weismaiin. ^ v 4 

T^«T. v«+or sehoerte dem Kreis aufrechter Demokraten an, die sich in 
5!^ ll!d deutschen Volkspartei um Sonnemann, W.del, Payer und die 
der Sueddeuxscnen vuxji&paii- ^„„o« oTien die Eltern in freundschaft- 

weraen xxesö»ii, ^^ -t- ^yps-en den Strom" zu schwimmen. Aber, so 

i au»« d.r Frankfurter PUlal,d.r Beut.chen Bj.jt.hr^a^ 

und hat dieses Amt do danre oeKiexucu > ±. . . ^ T>^Tn*+-iv nn/^ apnpin- 

f.rK?en.?.r.t einer .roaeenMa.cMnenfagl.3Uja^ 

sie noch vor dem Eintritt Italiens in aen ^^^;J;^° " Tt-ilien »eliefert 
Billigung der deutschen Regierung Kriegsmaterial an Italien eXl 

v^o+ ^Pici qnaeter ^eaen Deutsciiland Verwendung ^',eiunaen iiuo. ^" 
JjIgerL diesem Polten wurde ein fuehrendes ^'^itglied der Jaterlands- 
partJi. Die Wirtschaft war ihm nur ein Bereich ^«^^^^ ^^^^^f Jf ^• 
Er war Bankdirektor, aber das Geld hat er niemals ^i?f^J^2 Jke« und 
persoenlichen Beduerfnisse waren ^^«scheiden, und, als ihm Krieg und 
Tr,?i«tlon ein grosses Vermoegen wegnahmen, blieb die Heiterkeit seiner 



• 3 - 



frankfurt a/M. gükmuMl war, d#lmte öioh eine Unterhaltung der 
beiden liaenner i» i-lten Banl ueuüe in cer lirci: ^ertttrusue bi» 
tief in die Nacht aua, und ^ini^i« 3ea»te oer Bank warteten langet 
weil aie annahmen, daes wichtige Geoohoofte beeproohen wuerden» m 
Wirklichkeit haben sich die beiden Baxikdirektoren ueber eine Fauat- 
etelle und ueber das Buch von Vater awinrier ueber Schop( ..hauer unter- 
halten, hierueber die *ieit vollkommen vergas en und v.erliesaen die 
Bank mit ihre« aehelmriia, daa nur der Bankdiener Edelmann teilte | 

denn ea .^ab damala r^ocfc i^cine r .p,>eltueren. - ^^}^-^2r.ia''^?r-ut tar 
Yöter Ät'aerker an die Tradition dea Judentuaa .jer.unden ala die u<utter, 
wobei hinzukamt *Ä6a er ^«r..e ^eine ur^ und uriir^:rusByaeterlxche 
Herkunft von Prankfurter :.^bbinern betonte. Dieae» meineip üraarit 
einem herueUaten lelelirten, bin ich asu besonderem Porxke verp^^ichtett 
Der Tster meiner Frau war ein strengglaeubiger Jude, a» r^e ine Frau 
und ich seine lastliucnng zu unserer Verlobung erb-iten und ich ihm 
mein aiaubenabekem.tnie olfen darlegte, schuettelte oer alte guetige, 
doch in Keli^ionaaac'.fcn uii;.: 



^ebige lui^zin voller Becenken den Kopf, 



den 



gelehrten 



Ahn die Heue kai». Sein Name hat alle ^ider- 



Btaeßde "ua l«B"wi«i"aei«eümt und dem Äbkoeffiffiling unverdienten Glan« 
yerlieh.n» 

Dfe di» Eltern wtt«i«chten, das« ioh sin.n r.eli^ionsunterricht erhalten 
sollte, in dem 8in«ehenüer ul» es in den religionastJnden ^n der Vor- 
«c ule und den Öyanaaium der Fall war, die Treachichte des Juedxachen 
Volkes in den Bahnen der uJl..eßieinen ^^elt^eacsiokts gestellt »•rd«, 
bekam ich aolcii« Unterwe sun^ *u88i2.men mit «einem Jugf-nd. raune nst 
Adler von deaaen Vuter, der Direktor der juedisch.n ^^ uie, de« 
pv.iIantro;jlu3, war. Dieae stunden haben das jugendliche «««"•* tl« 
erÄTiffan. öia haben attaaerdem eine einzigartige .ugabe s«»«»*« ?•» 
die Stunde am Samatag Haohaittag vorueber, dann kletterten mein Freund 
uch ioh u.b.r die Hauer d«e an in» Ilrektorhaue anÄrei- »end en iaraell- 
tiöcben i-'riedhofa, cer wohl scixou hundert Jefcre aueaer Gebrauch war, 
aber Kit seinen alten ,,ai..in nievollen Jrabatainen, ••i"fV!ry^*]^ *" 
Gebueacri und den hohen Baeumen einen uav.rgleic lioh sc^oenen ^1**« 
zum :;pielen und craaehlen ab^L^b, den kein ^r^aohsener betrat. Der 
erste fteltkrieg hat mir aueaer anderwi Freunden auch dles.a heitere»«» 
Jugendfreund g.nomcj.n, der beim Mllit«et «in ebenso &uter Kamerad 
wie in und nach der i elliionaetunde war. 

Pia »sutter gehoerte einer j-raueneeneratl«» wif die fuer <iin» grueia«'- 
liche vueblldun« der «i^cdehen, fuer Frauenetudiam uüd iruuenbeiu.e ein- 
trat, teiner Jugend ifdt neuen Zielen die Bahn bereitend, die ihr salbst 
vereculojsen »-ar. Sie hat als Jun«.« ^raM die lateinische Sprache und 
hoehere Mathematik gelernt und 1 'Senokaaberg" n«*'^^,«'^^öensc^,<..tlioh. 
Studien «ifrlg betrieben. Alias liogmatisoha war ihr Lread, und heliglo« 
bedeutete ihr die gute Tat. Sa faellt mir aohwer, denen, die aie nicht 
k.iintsn. ein Bild ihres Wesens »u gaben, ao deutlich ea vor mir ateht. 
Üie hatte die Oabe, andere, vornehalioh Juengere lenachen, gut zu vor- 
stehen, ihnen alt warmem Heraen su hölf«n und ei. vor allen Eingen froh 
su machen. In Ihr.r Gegenwart konnte kein. Lebenaangat aufkOMian, dis 
heute ala ein Trundelement menachliehen Seine betrachtet wird. Die 
Mutter hatte aush grosasn Wert darauf .iolegt, das» die Soehne tuechtlg 
:,Bort trieben, -Schwimmen, Lohlittsehuh- und Skileafen, l eitan, »erfi- 
stelgen-, ala ich aber von Muenchen aua im aetteratein- und Kaioerüebir 
ge als Alleiagaengsr Klettert ouron ausfuehrte ur.d sie er:uhr, das» loh 
in den Kerlen melxien Betaetigun^adröng naoh den Dolomiten verlegen 
wollte, kam ei. mit dem Voraohlag angereist, die i«äri.n in den Dolo- 



I 



BitM ««•int«« SU verbringen, wee freudig angenoM« 'l^^^^J^! 
des Bergsteiger nolen» Yolenö zum Paesgaenger «achtQ* rie Mutter 
liebte alle» Lebendige und verabscheute nur iwei Dinge: die I'Uege 
und den Krieg. Selbst die •'kleine .eeeUachaftliche Luege»« war ihr 
vollkoaaen fremd, obvvohl ihr nicht unbekannt blieb, daee alle Kinder 
ein oder daa andere UüI luegen. Doch der kleine Uebeltaeter wurde 
atreng beatraft und .aeaerdem de» Täter gemeldet, was ihn beöChaemte, 
denn der Vater ueberlieaa die .rjsiehung der Kinder im ß 11 gemeinen der 
Mutter, die Freud und Leid mit irnen teilte und die Aufgaben de« aaua- 
halte lieber Ani^estellten uebcrlieee, ala die Betreuung der Kinder 
einxuöchraenken* Sie hatte ioaer Seit fuer una. Und da war .vuc^ noch 
unsere "Oma", die Mutter der Ißutter, die, mag sein waa wollte, aic 
Partei der Kinder . r.iriff , bei der man immer Hecht bekam, auch wenn 
aan im Unrecht wur, ^veil ihre ueberatroemende und verleihende Liebe 
izrenzenloa war* ich habe nur eine ernathafte Differenz in meinem 
Leben mit cier Mutter gehöbt. Ala 1914 der Krieg auagebrcchen war und 
ich ala Kriögöfreiwilliger in daa Heer eintrat, da ich da» VaterlanÄ 
ala angegriffen bei achtete, teilte aie dieae allgemeine Stimmung 
nicht, aondern verwarf auch diesen Krieg :le eine Schande der i^enach- 
heit. ::ie verstummte und litt, half unermuedlich und ueber ^^f. ^^"^^- 
te binaua, die Sot der Verwundeten und befangenen lindern und hielt 
dazu alle Einechraenkungen peinlich ein, da ihr Hamaterm und Verheim- 
lichen widerlich waren. Hat »ich der Solin ala li^oldat dem vaterlana 
zur VerfuQgung geatellt, dann wollten die liltern er&t recht aicht ihr 
Vermoegen dem Sta *t vorenthalten, und aie haben tataaechlich ihr gan- 
sea Vermoegen mit uanahme eines kleinen Teila, In England lag 
und von den i^iaaend ern beachlagnahmt wurce, ent ^n ihrer ^if^*^ . 
aehaftlichen Einsicht in Kriegs ; .-.leihe um,,e-vvandelt. Gleichseitig haben 
aie aber versucht, ^achrend dea Kriegee fuer den Frieden zu arbeiten, 
ms die Freund echi^ft mit den Oesimiunga^enoaaen ;.uidde, -^^ ;;««*»• 
und von Beufville nur bei^:.tigte. Das uebersprudelnde ^erz der »itter 
hat der Krieg gebrochen. Sie war durch den Krieg eine alte Frau ge- 
worden und iat mit 54 Jahren im Januar 1922 einer Grippe erlegen, 
Sie h^t noch drei Enkel, die Kinder meines Bruders, erlebt, und die 
Freude, dasa ich ihr meine ••atudierte Frau" ina Haue gebracht nabe, 
bei der aie die crfuellung eigener Wuenache froh begrueaete und mit 
der aie in aeltener Harmonie wetteifex^te, mir, dem aue dem Felde 
Zurueckgekehrten, ein gutes Heim au schc»ffcn. Oeber die Mutter 
achrieb Walther Schuecking, der Freund beider latern, uilaeaslich 
ihres Todeaj "Alle Lin^e dieser i^elt sah aie im Lichte der Guete und 
Menschlichkeit, jedes iremde Leid tng ihr «u Herzen, ihr haette man 
alles anvertr^iuen und von ihr haette man alles erbitten ;::oegen. 

Daa erate Jahrsehnt meinea Lebena war ein Kinüerparüdiea, aua dem ich, 
li^ie alle Kinder, durch den Vogel der ^iinerva vertrieben und der Sc ule 
der "Humaniora" augefuehrt furde, loch hat mich die Atmoaphaere des 
Alternhauaes, ^ie ich *slaube, tiefer und nachhaltiger heeinflusst, 
als das Oymnaaiuoi, daa ich von 1901 bia 1910 beeuchte. Daa humania- 
tische Leaaing-ii^iünaaium fuehrt ^»einen Ursprung auf daa 1520 gBffnxea^ 
dete Gymnaeium Fraxxofurtanum surueck. Damüils beschloss der Rat der 
Reiobsatadt, einen Soeldner einsuaparen und mit eelnem Lohn ilhelm 
Mesen, einen t:chueler des i::ra0inus von Rotterdam, ansustellen, damit 
er die Buer<^erkinder unterweise. Lange hielt die v^chule die nuetaliche 
Tradition c ufrecht. Jedem Schuöler im Zeugnia seinen Plata in der 






,4«.« «rtÄ's Me-a und tohueltr tr.;m wuoi^t«n, der 
Klai.^,e "■■^«'^'''^^^^"■^^•"f.^^^^'t/ort^riü uräe bei oer, uec torlichen .TO- 

n-^iuaa hatUn wir .-leinen ^^'' f;^« i"^,J' :*;, ^^^^.,,^,5.,,.;, : .!> „oetter 
Boch heute ..teher. :.ir ^/^ '..ua .^i.^«..r^o.^x. . i ^^^ ^^^ ^^^ 

cutlich vor ^---..-t '^^f'^l^^Snle d.. vr.b J. -^ "V^i.tlaa 

^eac..;:ber. u. -^^^^'^j^^y^^Ut mahnen Klnnt^ia.eu a«b«r die iencU^n- 
und prot.te 'f-?.J^," "^^itl "hr'.U ,t!t.ten. 'Ju..r Lc.rcr ...chte 

dSJhin u.oin«n .:it.rn a"^;^«» :ota!;^^ Icl - ioh eaUetzlich ge- 
üCfeserit nabe. .-'e.ai wir .an, ena -w.. .ßtrornta •■elteu, 

deren 'r^^^'-en i-.o^ch.tena .i-^e Kar 3-^ ^^^^^.^^ ^^^^ ^us der 

schule V. laudert -.vurde. '?®;^t., ^1 ein ort der Beuch^erde ooor -ch 

fest ... ■^«•«^•^/''^"^'f;^"i!'^^'i;ber d«n 'nS^ in der ocr.ul. 2.- 

der Nnerkecj^uivs, daas dem '^^"«^ "•**':^'^'i ^j.. i.ltern die vutoriu.«t 
?ell..rde, -----;;^.^:^^^-:ii^:i::;«r:;Tnot n^r.annt.n.^.a.hrend 
(jtr chule '.la 3ildun^..-n.tMiT -vo^ .--taites ihre eisenen v,«- 

denken hatten. • ber ole *f «^^^^/'if Ile- utaedtiachen .c: ulen cia^e- 

.ogen war, die oem -»iö^«. ?^-^'^"^'=^® "itBChui:lern war icli uchon ale 
vüu a-i.b'.ldta. Zu8..:.i..en i:a . «-^t/t? n'h^t.^^.? run Jede politische ^atc.l- 
' ^ekundyner yjlitiüCb interessiert, '"'^^ .'^ '-"^' f 'rlri^ri, en Lehrling 

erlaubte, 'ir l>iöen ^»^l^^f ^^^-i^/; *' ".^"e-f^nren ^ms .ierhart iiaurt.'aans 

j^ .,dv.erken die •«*'-'M-JJf.?t^ '':^iraie -'it^k an der b.ut.hcuden 
tum. ..US ibü.na ^'^*'" "'ir.'i'; aeoer Laire Le-au.>r0 und ueber v r- 
(ife^«li3Chaft kö.a.en, ^■\0'^«^,.f ^ "!;'^L oi"L aiu^utierten, aller- 
cr.«fee, die *ir im v"«^^-^^^Ji^^*rdi« LittrltHrKritlker der IranHiurter 
dinge nicht ^"^■■^'''^'":^"^«^ J^^!iV?t . iaea ..ooernem : chriffium ^ul,:,3- 
ZeUuni uno den *^'^'-'°^-:^":'''^'^tfcr >-be ich in den oberen /a^itoen 
ocaoo^^eAen Lehrer?, -^'vir^'^ouer Debatten ueber die elt und uu- 
Bit «.einem iichalCr-iund utia^ ::^t2h. rne" nen "RevoluBzer" nannte, 
«ere elt jcfuehrt, •'^l''l,^^^^t^:^l^.,.rxe, '.uch i:.n, den 
-^«ehrend lob l:m üla "v.to ^*^";l''5ihul-iat*e Ü^« =uic ■, itur, hat E^r 
n«ecu.ten .reund von ^^^-^^^^^^^^i^, -^^^n.: politische Vor- 
der ^r^ite «1-^'^^,^^ fil^; n^^.-r.len ^.. -^«n die r, ^i.i di.n ;-«- 
•a:.danäea. ■ «i ^«»^ V'^^^^^'r'ptd; haettei uno w^hrc.c;v.,iulich :.aC, . t. 
!nokr..ten die V«r-. u.atoa. ^^^i*** /'"l;''®'^, 5^„ Goaalde.-okr.ten. Doch 
ins Bett geschickt. ^l30 ^-i«-*^ J^^ i^^cheb Vergehen eine «solche 
icaan man »ich heute keum vo'^^'*'-*^-'-**^» **t°" .-^taie. Taa Urteil ueber 

Teilaa^uue fuer Jan,, ^'^^«^f^r rd??"?t. .orf;S und b.engt von 
politische i..aeoiite iat r-ü'-chem ..uade.l un-c. v^ri. 

ihren ..rfoLi-en tib. 



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- 6 - 



ir *ar«tt 25 .titurlentau, oi« im iruehj.-hr 1910 a«a ^^ .asluiü jer- 
U«8»9ii. voa ööiuea z.o«lf von ..^xtu biü aum . bitur dl« .c, ulc l» 
:.aua JuUn durchlaufen hatten. B«l unserer f 3.;;^.n^?|?^i,^;^'5,.f !^!' 

lieh, daea .in .uöe die dauleohe «ecft _ nialt. Jsr s, .rfcuuti,,ueit,s^ixji 
tung beiß AbiturivctöAaafsata. at,rec...ti*-keit lüt .ucr. <J..« buete Fui^da- 



luC'üt des -V.Chuli'iJ taut 0:0 • 



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ev/iaa. Und doch, v.i*j olt ;.iiid ^.i/Vere ' inge 



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tinem echt:rfen oder jiu.uüfiö'ii kkoc 



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ao oder e»o eich DChl:tenj:f.<:du; ein# Linie, 
ein Bu/-, ^in tiiikel, eine Falt, oin .al, 
t^iii l.ichta iui (jinea wilcen .^uropflerü ^ 
Gericht ** (::.thaü der ^(^Ißo;, 



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Das 
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3, Jahr2<äui:.t brachte Huchj^chulKi vuuiusi, Krie 



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be un 



den üniverui: -■ :en ?retburö, n>wienc?ve.., 



oiir-kebr uiid Ehe« 
3crlin und Kiel 



von :vchul2e~aaevörnits und I.ujo :.rentai.o : owie ale ^^^-^^^"^^^^^^^ 
Martin -olf f. i^^ra^^s von Li at und ^rheooor ii^mcj^r, vor allem aber 
die Ueboß eil u.'i(S : ecixiör« von .oritz ^leppatui, = ri .^ c, ,u.^ ai a 

Sb"t voA i-iuB uKd 'ct.ulft wird or in ein Leben «ntlaaaen, daa «r .ioh 

snrinri^t 80 «eU, da.» vleU iHuii^nten uaua Bindungen ouchen, die 

daon dea •«" In das ?bill0terl.iud auraeck crl-.'icht^rß. xch hatte 

mei-i'Bi aälteren I'ruaer frsuridsohäf tlloh varb:.ii^«;i, ^..-. .dbiioben 
ütH;.; auf ndcb o.n... hat, Ulh«l- Ohr. ;;'-l'^';;^-^.!^/^eJ/5ii^^^**'' 
• ir Mann »tr . itcr ..orü.a^uciit, «räcoeu wiöüenüchi. .lichor »•- 

•Chichtu-^oxacun.. und mit empfindlichen ^i'-«^* f^«.'^^^« '^«^'^JJf;*' 

SäÄe>inun.i mit ihm -...r aoU.rache, bei der er i.icn m das ..enken und 
ruthlirSeines ::e^.na0b«r ;«r«to.cudni3voll vrr.et.^te u..d nur durch 
die iraft «i '.e.-icr G.-d nktu and ;.ai.rind.. , ;.., iuqu-.Ih durch dl» 
^utorltaet die ...Itoreu, uebersieugte. .vueh ihn ...t der ercte ..elt- 
krie iuer :raut den dr«i -.oeimen und »einen , r^ußden ^»iiomiatn, 
Ohr luehrte uiioh ailt anderen 3vad«ntan zuo-mi.en, die csnn ofnen "^^ei» 
SldetJnrin ^.t* ■•:it^ neben der Univexaitaet ,hill: ■ -- : '.he CoUoquio 
4;bhielton und ;:5Beii.aaae Lektuere wieoenaehaf tl.c..fc. • wir.c .lefexen. 
S« wrde ernsthaft varbeltot. rf^f friert und busprochen, wie es nur 
In e?n" Semeinsohaft ..e.calefct. die nur e 1 n Ziel 1^»\. «" l^"«*^ 
ißd au erkeimen. ^r U->en PL.to, Uul.*, Kui.t, .'iohte "^*<i /^*f «^ "i*?. ^, 
«urden in Kuenchon ur.ter der Leitung «••seh ^ -•^^' ^c^n Kurt ■^rel^nß 
in die ühilijophii^che üetrwohtuu* v-n A-iei und u.. i9 ^eit -^Jß«» 
L«<cnh..rd «ftlaon ein fuuhrt, nlt dem ich epueter p. . . jt,nlioh ueber 



- 7 - 



den •imamUL !•§ auefuthrlich« Ru«okiipraoh«n nahm, wob«l leb sein«» 

kristallkli-iren Verstand und eeine verhaltene, doch lodernde Lelden- 
Bohaft fuer die Probiene von Staat und OoBsllachaft uwundert«. 
Kurt Grelling, dem wir Juengeren verdanken, dasa er kein« Unklarheit 
oder Phrase durchlieas, idt nach 195B mit aeiner Familie von der 
ftestapo um«j«braoht ■worden. 

Im Au,7uet 1914 hat mich der Krieg aus der Vorbereitung zub Beruf, 
aus den ?laenen fuer die Zukunft und aus dem buer^erlichen Leben 
iaeh hersusiieriasen, loh habe ihn an der Front, in Out, reuöt>en und 
Busaland äle Kavallerist und vom Jruel'.^cihr 1917 ab .>l8 ir.la;.teri8t 
in Frankreich erlebt. Hierueber will ich in dieser lUc^Jerschrift kei- 
ne Lln«elii»iten berichten «b:; eaer.en von eine» peraoenlichen 
Erlebnis!. La brachte in meluem Leben äen ersten ornathaften ^usam- 
menstoss mit dem deataclren Aotlasmitismue und will mir fuer die da- 
mali;?e Auffaaeun«^ von GeasllaChaft, Heer, Chriatentuar- and Judentum 
in Leutschl..nd charakteriotiach erscheinen. Ti« Schvvidron, m^t der 
ich als Xrieg*ifrei*illi.ifcr an die Front ausgerueckt bin, ist spaeter 
4. aelcädron des feud&len 1. les, HuBarenre.itaenta .'.eworden, Ih dem 
ich aum Yisewachtmeioter und Cffizieraaspiranten befoerdert worden 
b^n Als ich zum Offizier bei dem Regiment zur ^tahl stand, erklaerte 
mir'der . eüir.cntesdjatant, daaa das 1. Hu^iarenre^iment noch nie einen 
Juden als aktiven oder Offizier der : eaerve beaeaeen hübe und an 
dieser Tradition auch im Kriege festhalte. 5ir sind aV^er bereit, 
sasEte er zu mir, Sie üud Leutnant der i öütrve in u/äserem hegiment 
«u wae>^l«n, wenn Sie eine KloinlÄkeit ..ofort in Ordnung bringen. 
Mit der neini.keit war die A^nnahme der Taufe j. .«'eint. Bei Jea«« 
jungen juedlachen J^enacnen, der «a mit der Religion «^ns.- und wahr- 
Lft Bfcint, mu..ste die Taufe und tr.it ihr der selbstgev'.ehlte Ueber- 
trltt zum Christentum eine Rolle in seinem Leben geaolelt haben, die 
aber einem Huaarenritt nicht gleichkam. Die lintacheldung war bei mir 
lfe«n,3t gefallen. Und deafn.lb erwiderte ich nicht '^u ^i^% «o«" 
dern erklaerte: Ich werde Jude blu^iben. Der in vielen Saetteln ge- 
wandte Adjut..nt chlud dann vor, ich solle meine afcl zum Leutnant 
der Landv-ehr--. . -llerie he ntr.^ien, da ich d&un beio: egiment blei- 
ben koenne.. Ich lehnte diesen Vorschlag ab, ao .ich.ver es =^irj«o»^ 
wurde ius dem Kreis alter Keine roden =iuszu80heiäen. ich hebe mlon 
tun Meoeinen Pueovolk gemeldet und bin dann an '5er ei.*.j-ront rasch 
zum Leutnant der cterve der Infanterie befoerdert woroen, da dort 
im Oes-enaatz zum Osten Not an Offizieren hc rächte. Heute wird man- 
cher frugen, weah^lb ich nicht einfach als VlzewachtnieiBter bei der 
Trupps geblieben bin. icn ,-allte als junger 8».cnscb nicht auf <Ji« 
Stellung verzichten, die ...uezafuellen ich in der La^^e -ür. Hach der 
Machtergreifung durch rdtler hat mir meine üigenschoft als iront- 
• oldat noch das Danaergeaonenk einj/ebracht, den Beruf er^t zu einer 
Zeit cinzubuessen, in der ein -ntkonimen aus der Verfol.-ung eins« 
fundsr gleichkam. Debei waren weder dus Ki-iserreich noch das 5. heicn 

christliche otaaten. . , . . , ^,„v._* ..„j 

Ich bin noch in meinem 3. Jahrzehnt aus dem Krieg heimgekehrt und 
will als die ;:umms auoh meiner Erfahrungen die alten wenig behersig- 

ten lindar-'"orte hinsetzeni . . 

"ffroehlich ist fuer die Unerfahrenen aer /^rieg. 
Ton den irfahrsnen Jedoch gar mancher 
Schaudert zurueck, wenn er naeherkomrtt 

i^^ntaetst und ueberwseltigt". 



- 8 • 



Nach <l#r Heimkehr galt es, did unttrbroohene Auöbildung und tlne 
vor dcffi Krieg uxxi.ofangene wissenBChaftllche irbeit zu beenden aowie 
einen Beruf zu ergreifen, D^nxi die Jahre, die einer ruhigen und brei- 
teren Ausbildung vorbehalten waren, sind durch den Krieg ver8Chlua^;en 
worden. Bocfc ich habe ©ich auf den Wunsch eini^:er juengerer Freunde 
entachloesen, in Frankfurt ein rechtsphiloöophiüche» Colloquium abzu- 
halten, das sein r:u3tor in den Zusatamehkucnften in dor eigenen ötu- 
denteuzeit hatte. Dieae» Colloquium brachte mir den A-ichtli^ßten und 
•choensten :::rfolg meines Lebens, In ihm habe ich Deine Trau kennen 
gelernt. Wir hüben uns im Juli 1919 verlobt und unsere Ehe nach dem 
Erwerb von zwei Doktorhueten im Mai 1920 geschloaaen. Ich war noch 
Referendar und hatte noch aeimm ^'ordentlichen Beruf", aber wir haben 
es als einen Vorzug betrachtet, daaa die Fragen der liiederlaaaung 
^jLnd des : eruf 9 d'\nn ^emeineam beüchloaaen \mrdün. Auch wär der durch 
den Krieg ueberalterte aeferendar in der L^^e, den i^ebensuntej halt 
zu verdienen, da einige 'i^±% nach desi Krieg ein öülcher .^iangel an 
Juristen herrschte, dai. 



Äueacheiden aua dem et 



o^iiir niich bestandenem Aaaiaaorexümen das 
dienat auf Schv^ierigkeiten otieaa« 



I)ae *• Jahrzehnt brachte die Begruendung und den nusb-iU dea Be- 
rufs alö I'echtaanwalt und Kotar in Frankfurt am :ain. Ich habe 
die Pruxis geüieinaaci mit E^r^il Benkard bis zu seinem Tode, mit Gustav 
Spier biö zu seiner Auswanderung und liiit leorg 3onkard bio zu seiner 
Zulaaaung ula ..echtoan'alt beim Reichagericht auagnuebt. .ir hatten 
eine derBrti(>e harmoniöch© 3o2ietr.iet, d.^^ae auch nicht ein chatten 
der kleini^^tel. Lifferena in den vielen Jahren auf die ,-. rrieinsume Ar- 
beit fiel. ::ü war eins Lust cu -.rbeiten. Der Beruf dei; .nwaltö spielt 
üioh z^^ht in der l-auptöache unter den Augen der Oeffentlichkeit ab, 
doch Ich habe ^lefunden, das» ihn in seiner ^^sseneart nur ö.^r einge- 
weihte verateh't. Gewiss bleibt der Anwalt oin Reifer der . echtspflege, 
aber er muas zwei ringe von ^rund aus ver^itehen, die -er^desu kon- 
tr *er eracheinor*, nacrslich Pi^rtei zu nehinen und den : <3cht su dieaen. 
Literatur und raunst ke.-nen meist nur die eine ;.eite der Partsinahms. 
In i^tuiiirkürea Mseas als oer dichter muöi^ uuch der Anwalt dem koamen- 
dsn echt verbunden sein und mitwirken ^n einer sinrivollen £nt- 
Wicklung der 'lechta, flege, damit nicht Vernunft Unsinn und ^ohli«.'«- 
riags werden, i^in beachtlich^?r Teil aeiner Arbeit bleibt /Iritik as 
Osaetz und Ctuc^taakt. l:ec;hLai^ kann die Anw^jtltachaft nicht in eins» 
totall taeren >ta:.t edeihen. In welchem toofec sie sich nach l^i33 zum 
reinen Hi.ndlan;.<er der Gcwult und zum feigen Knecht der iV'acht herge- 
geben hut, habe ich noch mit Tchaudern erlebt. Unbedeutende Dinge 
des Alltags charakt*ärisieren mitunter die Situation Bchaerfer als 
grosse i:.reignisöe. Am 10. Kovember 1936 vtütte nicht einer der Kolls- 
Mn, die ich darum anfing, auch nur meine Unterachrift zu beglaubi- 
isn, denii ich haette ♦'von rechts wegen'' an diesem Tage ala Jude in 
iss JL.Z. ^ehoert. Dusa an dem ,,löichen dunklen Tags aeiner Frau und 
mir bswashrte rreundo in Treue beistanden und unsere Vua^vijndsrung 
in dsr r;ttCht vom 10. zux 11. November 19 56 ernioe^lichten, soll in 
Dunkbarkeit nicht uner1^uehnt bleiben. 



k 



- 9 - 



Daa 5. Jahrzehnt bracht« ti.feieifand. Aandlungw. Di« ^^"«^jj"?! . ._ 
aIb Beruf» in reutschland nahm 8«lt 1933 neue Gestalt an. Ri« »^ll«»- 
iTl SsSlte. öie Auf^.ben wurden grundverschieden. ««««^«f-^Jjf 
•Infinde loh et» als eine gan» rroeo« Gmide, nicht in du» fceta des 
tilii^l verstricht .orden und schlieu.lich die.er -«^^^^«Ji^J*«?., 
Macht durch die .vuswanderung entronnen zu «ein. -*'o**^«»,!'»^*" "* 
Jahre der . rbeit in r-eutßchland von 1935 bia gegen Ende ly 38 bei 
rlier -?«uer und ^roBoeai Leid in vieler Hineicht befriedigend. 2u- 
n ecfst wa? iSh als Jude «anerkannter it« t^feind" und «.uu^^te keine 
f^Mlhl ^olle t^ielen. Ich habe in diesen Kotzeiten xn die geaaaten 
J«ihS!tni8^e meiner hiontel Eixalicke penoiwen «ie niemals «uvor 
UM fointe iL in Ixiatenzfragen mit Bat und Arbeit«krart beistehen, 

gSJt«e?kt durch d.a :.c,fuehl. die gute Sache ^^^'^'^''^r^lJV^ .«n 
f in K;.mpf fuer daa :echt der Unterdrueckten '^^.d Verfolgten gegen den 
^tLt und .5 ine Sehoerden, und vor allcE gegen den saufen derer, die 



vom Unrecht eigene Bereicherun.^, 



erwarteten. Ich ha\>e unter einer Art 



j:h4"-^«s:rLiUv:d'L;;;iirB^ 

.«ine^Klienten n. ichtiseral.es eins .erich^ 

betraf :n'?ffimtr äbJraJKren! l^t'dooh nicht aelten in meine, 
lliro aer "nt3Chlus3 gefas.t worden, wie und wohin »i'^f /«fJ«^^'^!JJ 
.ftllta Von Jhr zu Jahr und apaeter von Äoche zu och© ..tie^ die 
loi d« SSr^engten. Di. Auslage aber ;«urden_in.er^en,.r. 1«/^«^^^ 



:S%i^Lr^u^TJi':it:!i!n.;ndeLeb.n.Kr.ft der Juden in .^^ 



«rboit ^l'ind mir meine xraa u;icr..uedlxch zur eite, die speziell dl« 
!uewHrder^ ?oJi.neter F^rülien und i.in2el.ur£>onen nach den land- 
wi^t S -tllchen '^iüolun^'en der lüA in ..r^entir.ien betreute, ich 
wirtoChcK-tJ-icnen ;^'^";"'* ■ " •, ^±aae laetiFiceit im RaiJften des HilfS' 
behalte mir vor, apiieter fcij:i..'iiA ux«»» Aucv.4.cn.<5i w 

varelna im einzelnen 

?:^Sd''-ir die 'ird^rTrehrzahr^irihreB- ganzen :«.en in der Heimet 
iert-r-^elt -^aren? ueber die .leicheam ueber Nncht öle Vertr-aibung 

reSiLibrocSriet! blieben, von ^«-^«•'^.--f-«" .^^^^ ^^^.^J^^ 
dem eriten Chook nicht gisiaehmt und '««»•J^«;^' :°f;;f ^.l^^J^J*" 
a!^ Leben feat an. Solche Haltung war nicht alxexc aus der «'«är.r- 
? f Leben reox "i.wua« von Leid und Verfole,un« zu erlclaercn. Ich 
habe iüinicr ;^ieder darueber nach<ieüuoht, Aoher f^*»«'^ «^""f,;'^;*°!^* 

lött <?le elbBt in äexi«n ir:(:na/ie Itbte, die der irnöi.acn una u« 

Lehren de© Judentums tntfre&ioet ¥.^iön« - 

SiiiT der fluechtllM wei88, wae ee bedeutet, Aen Haeachern entronnen 



len einea Asjls zu betreten. Als meine itrau und 



zu sein und den ßodon cxnwi» «.«/*.- -- - — 7"j~' t -j a , -.^v ta»»— 
lov. äff 6 Dezember 1938 in -anto« in Brasilien an Land feir^en, lles- 
ich SB. *'• |^«f®°°®^. |f-° „ns. erfuellt von Slucck und Leid, von ^r- 
een wir ein Leben niiiXer uns, «.huva^^v ^^" . « n 

fahrungen und Uoffnungen. "Zu neuen Ufern lockt ein n aer ^ug. 



- 10 - 



DM 6. Jahrzehnt gthoert «u di.s.« n.u«n L«*«a. »i«»^* ^"„^"•^^'**;?. 
Tr'«u«*n d«r Kinder jshre ahoit« loh, *iQt lieu. '»«lt. a«n '^rwald, di« 
Tro'en! ihre bui.ten Voegei und Sohisotterliug« und di« Freude an der 
Arbeit dea Landwirts kermcn zu lernon. Daa Vergangene '«";:."J^'^J^.,^ 
Rin« doch mit. Die Fürderun« dee T«:,e8 erfuellte eicL, aber ia ainter- 
irulä klang dio liusik rerBChwundenor Tege. Unaer Mr.ue auf der Jö*««« 
fit Hichtbarar Ausdruck £iolch*;r Lebensweiae. In dem ^onnraua .:teaen 
die Buecber. die wir uue Europe (Ritbrincen konnten, "n den «enden 
hien^en die Bilder, die uns schon 1b; .aten eitc in rTiUiKfurt lieb 
waren. Der Blick voe '"ohnraua g«ht ueber den Sorten und einen Teil de 
faaenda. ir fuellt .uf die dunkelsruenen '^l^^l^^f,:^'^^' ,;"/|?*J *^!° Ji 
Oran^xen «oldgelb leuchten, vor denen «ine habatte bunter BlujHen steht 
irde"a*^aie Kolibria och .irren, und .^er Blick .-eht weiter auf die 
Pllauzuntsöü und die Xxii^gtn zur Bearbeitung des --afde, auf .taelle un 
SchJunenfin d«r jungen Slodlun^azone ?ar..n^3, in der wir leben, habe 

lt^r:ic^rS;4ichf u^^or Braeillen. die en Woltteil,^^^^ 
abzuhandeln. Doch saien laii drei »'orten weni.ateno Weeenaauege dieaee 
L^ndi: ^eiaAnt? öle ch.r.vterioti.ch ulnd und -iteln.naer in Verbin- 
dung ateheni IndivlouaiSEUS, Toleranz, -eit«. Von iJrji^ilien mit «el- 
Hörwundernaen Qrensa jilt noch heute, wae vor rund 1-^/^J^f« "^Ji 
fhitmann von Iiord..cr.crika aua^erufen t^«'« "^«•. V«,"<i"^/^fj* ^^^ ff ^T., 
hinter uns, ehen loa auf eine neue, weit n^ecnsclreichere ^elt. Priac 
und stark ergreifen *ir öle, »elt i5er Arbeit und dea .;aröChea. 
Ich urtbi einet ,i*ähüfft, nsbon dea eigentlichen Beruf einer üroeaeereT 
G?Linach!it! der .er.cind«, der .^eiGHt.tadt, der. V.lerlano D.«n3te «v 
leisten, ich *eiaö, d.v^3 üülche "offnun« aunioht* ^eyorden iax. Der 
Kreia, ia de« ich adtarbtiten kui^n, hat einen ■beaoheidenen^rv^.dius. 



itm» üuö ii.ffi «irft , ha&n 



t in .-rcter Llnio von der Haltun- der naechst» 



(Jeneration ab. ihr koani.en wir unaere LrfjnruiUien und -.rkcnn.niaae 
ueb'riitteln in der Hoffr.uug, daee si« aolehes Gut .ufni:.nt und mki- 

X^T «c^atwi ekelt • . „ ^ . ^iv..* -M v..\#-Ät%'.* 

Wir ^ilöt v^urig uiic Alt, v.^rden ir..a'€r mdcder bei uns salbst ^-^^^^r 

öiöhcrhftit im .Qligeuoh^hcn tut : clbstbesinriung r.ot , durch die tjir 
alltiin dfat^ '^Ui,ii;oe,a^che** vollbringen, d.u3 nur :^0r ^öusch üann, a«M 

Augenblick Bauer vfex^löiben^e ^ v i t. -»-. 

Gofthrhut ^u i.inem Bild, auf dum Buech..r vor eint« vorueberziohenäe 

Gewitter mit hinein ochild beachuet.t -.aroen, dio folr^enäen Verse «•• 

.ßChriöben, ndt denen ich dieae 3etraohtung »chliea^en -aLI, i/^» f^ti 

^rend, der mit durch ööin '.ork und aeine Peraoenlichk^it ein LHi,;leite 

, mit uneröohofepfliohen ilaben wart 

"Manohea Herrliche d%r v^elt 
l I«t in Krieg und Streit aorroniienj 
j Wer becchuetütet und ©x^haelt, 
/ Hat dos :.choen»te Loa gewonnen» 

Soll dich das Alter nicht verneinen, 
3o mu3öt du es ^t mit önuorn lat^inen, 
Mueet viele loerdern, mancaeia nuetaeni 
Bau vcird dich vor Vernichtun^i beöchuetzen." 



r 




8. Juni 1961 



Sehr geehrter Herr Maier, 



^ 1. 4-^v.*.. -^nßsi* Ihr S hreiben vom 

Ich daniie Ihnen bestens x^uer ^^ ^^^^.; 3. ^^^^ 

rd'irge'in'dlesen Brler ein oc.rel.en an H^^^^ 
Joachiu iiarkwaldt bei. /lelxeicht J^'^^ "^® ^ ^^11 

lieh, es an den Adressaten '''^^Y^^lyn ^hTllhcnT 
ierde auch an Herrn aechtsanv-alt Cahn schreiben. 

Da Sie mir g. statten, mich rait f ^^f^Jf^^/^^^en 
an Sie zu .enden -\'i^lir"Slf zf ?m/:° f hLdelt 
^ifhTel der"Splu"n ? hriJ? nicTun. Vollataendig- 

St.'dlel^ -' -f \S rf^'^^s^Mcrufdr Ver- 
^"r^r;s?Ji?r'iäoireiscSe Er^eSSisse zu erar- 
Sriten'soSft sie? sÄe aus den Forschungen er- 

geben« 

Da Sie vor allem ein: !^esonders gate ^enntnis 

der Bichter und Staat sammelte in ^^^^^ ' „^^^itende 
hSen, so waeren mir Fdttefci langen ueber folgende 

Punkte isillkom. en: 

Bei meinen Feststellungen ueber ^f Jjf^f i^^" 

arate ist mir ^^^l^^^^^'^^'^^J^ line beson?. re 

Posten zu finden waren, ^^e. ^"^^f f .^^ J^j.°oenliche 
Vertrauensstellung yoraussetzt.n(z.u^pcr.oen^^^ 

Referenten) oder mit Bezie -ungen ai f^^H .. ^.^^en. 
zur Oeffentiichkeit «^«^^^ur Presoe v-rKnuep ^_ 

Haben Sie «^^^Pr^,^f^^?f^.^f^^^S s?fh die ieobachtun- 

chen .oennen? i^^^^^^^^i^^^^J-f ^®?t les auf die Richter 
rpn ueber Beamte nicht ohne weiteres aui ux^ 
gen ut-us-i "'^"^ , ,. Pflege er Beziehungen 2U der 
uebertragen, aber aic ir rxe^e ci ^ t«-;^ •n.i&i-^ach 
„^ u » T„„^ .-,o-r pliarer ^eiu vieij.acii 



Presse 
a; ch von 



wrd4 i-, Verlauf ler „ei larer ^ei. vielfach 



cn Gerichte ii auf£,enoni en 



War ein bestimmtes Interesse J'^^^^^^^^^f^l'^iP^e 
• J Ar-v^o t« Pbi te zu verzeichnen? Ich denKe 

heblicherer Prozentsatz jue iscncx axv.iiw 



.^ 



I 







\ 



^ 



/ 



tlgt war 6ls auf enderen Gebieten der Justiz* Dies 
maß sich z.Teil erklaeren aus äea besonderen Interesse, 
das juediache Beamte und Richter sozialen Fragen zu- 
gewandt haben, z.leil aus der ochaffung neuer dtellen, 
in denen strebsame j:.raefte,die dem Neuen zugaenglich 
waren, interessante und au> sichtsreiche Betaeti£ung 
2u finden ho^:fften. 

Wenn liinen etv»as ueber besonders Leistungen 
einzelner Herren in Ihrem frueheren Bezirk et?;as be- 



kannt ist. 



so 



v-aer 



ich fuer eine i^ii-teilung darueber 



dankoar. HUf o oinzheiiuer, d- r natuerlich besondere 
£rv>aehnun.v: finden muesste, ist rair nach seinem ..erde- 
gani7 bekannt und seint Schriften, die ja das Arbeits 



recht 



massgebend beeinflusst haben, sind m i^ew 



Yo rk 



Vorhand n. Da er zeitvveiliG ...bgeordneter war, und 



VOx 



allem als Gelehrter die iLntwicKlun beeinflusst 



hat. Äohosrt er in die Arbeit herein, ^eine bchriften, 
auch diejenigen.die er in der Emigration abgel'ass. hat, 
vor allem ueber 



auch sein Lebens eg 
koennen Sie aus 



die jueaischcn Klassiker des t^echts, 
s eg sina mir bekannt, aber vielleicht 



eif^encr Lenntnis^den einen oder anderen 



Punkt der nicht alisemein bekannt ist, er -sehnen. 

v'.aren Judsn in leitenden Stellang n im Bezirk 
Frankfurt vorhunden. Im allgemeinen oestana eine ooüeu, 

sie zu soxchen Posten za ernennen. Ausser in aer 
Hevolutionszeit und kurz danach, waren sie selben m 
itellunften ais leitende politische Beamte taetig. 
V,aren Ihnen juedische Lendgerichtsp^esidentoi ausser 
Eisner in Breslau und doelling in Berlin te..annt.' Der 
letztere hat ja leicer eiiu truebe i.nu va claunc ge- 
nomiiiai . 



ist. 



Ich stimiae Ihnen zu,dass die Darstellung von 
üustav Hoch in msch's Aufsatz nicht befriedigend is 
wie ja ueberhaupt dieser Aufsatz viele Unrichtigkei- 
ten enthiielt. ich wer le mich aber ait dem ^.ohn von ^ 
Koch, den ich seit der „ei arer k.eit gut kenne una uer 
HegierunKspr esident in Kassel ist, darueber 1" Ver- 
bindung setzen.. Da Gustav Hoch eine interessante und 
eigenwillige Persoenlichkeit war, v.uerde ich mxcii na- 
tuerlich sehr freuen, wenn Sie mir aus eigener beob- 
aohtunp. etv.as ueber ihn schreiben vyuerden. 

Ich entschuldige mich sehr, so viele Fragen ge- 
stellt zu hnben, aber ich wollte nichts auslassen, 
vms irgendwie interessant ;^ein koennte. öelbst wenn 
Sie rur zu einem Teil der Fragen aus Ihren Erleben und 
Ihren Kenntnissen Mitteilunfjsn m c.- en koennten.waere ich 
ihnen zu grossem Dank verpflichtet. 



Mit freundlichen Gruessen ihr 



^ 



^l 




ERNEST HAMBURGER - 



May 24, 1972 

67 Riverside Drive - New York, NY 10024 

ENdicott-2-1736 



(^tk^ 



/ 



Miss Gerda Neumann 
233 West 77th Street 
New York, N.Y. 10024 



Dear Miss Neumann: 



I have now read through all the documents 
and I am ready to return them to you with my best 
thanks. Please find enclosed a tentative draft of 
the description of the life and work ^^ J^^^^^?^^^^- 
I should be grateful to you if you would read it and 
qive me any suggestions which you may have for changes, 
additions or omissions. Please phone me about that 
at any time convenient to you, best between 8 and y 
in the evening. 

Do you still remember the years during which you r 
father was a member of the Repraesentantenversammlung 
and the Party to which he belonged? In this <;^^^ J- 'f''''^^ 
add this Information to the footnote on page 1, at tne 
appropriate place. 



With best wishes. 



Sincerely yours. 



enc. 



NIEDERSÄCHSISCHES 
STAATSARCHIV 



Tgb.-Nr. 



98 1/1039 - B 53 - Schie 



Es wird gebeten, obige Nummer bei der 
Beantwortung anzugeben. 



Luftpost 

Herrn 

Ernest Hamburger 

67 Riverside Drive 

New York 

N.Y. 1002^ 

USA. 



f 



29 OLDENBURG, den 30. Januar 197 
Damm 43 
Fernruf 2 54 64 




^r i, 



Oc/ i/ 



1 



i^ 




Betr.: Juden im öffentlicien Leben Oldenburgs 



Bezug: Unser 



Schreiben vom 26.11.1971 (AZ 981:1039 - B 553 - Schiej 




Sehr geehrter Herr Hamburger ! 

Kürzlich konnte festgestellt werden, daß der Schlachter und 
spätere Viehhändler Joseph David Josephs in Jever seit minde- 
stens 1887 Mitglied des dortigen Stadtrates war und auch lange 
Jahre als stellvertretender Stadtratsvorsitzender fungierte. 
Er hatte dieses Amtnoch 1917 inne und erhielt am Tage seiner gol- 
denen Hochzeit am 16.5.1917 das Ehrenkreuz II. lUasse zum Haus- 
und Verdienstorden des Herzogs Peter Friedrich Ludwig. Zu dieser 
Zeit war er auch fast hO Jahre lang Vorsteher der jüdischen 
Synagogengemeinde in Jever. Geboren ist er am 22.7.1835 in Jever. 
Ob er auch noch nach 191 8 dem Stadtrat angehörte und wann er ge- 
storben ist, konnte nicht ermittelt werden. 1920 hat er wohl noch 
gelebt. Falls Sie noch weitere Fragen zu seiner Person haben, 
so empfehlen wir Ihnen eine Anfrage bei der 

Stadtverwaltung in Jever 

29^2 Jever . 

Leo Trepp, der letzte Landrabbiner, hat eine umfangreiche Arbeit 
über die Geschichte der Juden im Lande Oldenburg verfaßt, die 
jetzt im Druck ist. Vielleicht kann er Ihnen die Druckfahnen des 
Werkes zugänglich machen. Seine Anschrift ist: 295 Montecito 
Boulevard, 9^558 Napa , Calif. 



Mit freundlichen Grüßen 
Ihr sehr ergebener 

i.A. 



Bank-, Postscheckkonto: Oberweisung erbeten an Regierungsliauptkasse Oldenburg, 
Bremer Landesbank in Oldenburg Kto. Nr. 1407 oder Postsdiedtkonto Hannover 16 



^.CW 



•t4,1,<JiX 



NIEDERSÄCHSISCHES 
STAATSARCHIV 



Tgb-Nr.08l/l039-B ?.kS - Schie 



Es wird gebeten, obige Nummer bei der 
Beantworfung anzugeben. 



29 OLDENBURG, den 

Damm 43 
Fernruf 2 54 64 



1 .6.1973 



Herrn 

Ernest Hamburger 

6? Riverside Drive 




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York 



N.Y. 10024 



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Betr. : Emil Weinberg; Joseph David Josephs 

Bezu^; Ihr Schreiben vom 2^.3.1973; unser Schreiben vom 30.1.1973 
(Az. 981/1039 - B 33 - Schie) 

Sehr geehrter Herr Hamburger I 

Der Vorgänger von Emil Weinberg, Landgerichtspräöident Wilhelm 
Bödeker, bat am 2.12.1918 um Versetzung in den Ruhestand, da er 
am 13. 10. 1*^18 das 7ü. Lebensjahr überschritten hatte. Weinberg 
wurde daraufhin nach einer Sitzung im Justizministerium vom 
4.12. am 3.12. vom Justizminister gefragt, ob er die Nachfolge an 
treten wolle. Am 9.12» erklarte er sich hierzu bereit, am 13.12, 
wurde er zum Präsidenten mit Wirkung vom 1.1.1Q19 ernannt* Über 
den Inhalt der Sitzung im Jus t izininis terinin konnte nichts ermit- 
telt werden. Offenbar war auch kein antierer für den Posten in Er- 
wäf^i^ng gezogen worden. 



ERNEST HAMBURGER - 67 Riverside Drive - 



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w- 



New York, NY 
1002^ 







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/ 



9. Februar 1972 



Mr. M. Pineas \ 

Johannesburg S.A. 
p.O.B. 522 
South Africa 

Sehr geehrter Herr Pineas, 

ich gestatte mir, mich in folgender Angelegenheit 
an Sie zu wenden. 

Ich habe im Jahre 1968 ein Buch ueber Juden im 
oeffentlichen Leben Deutschlands in der monarchischen 
Zeit (1848-1918) im Verlag Mohr in Tuebingen erscheinen 
lassen und bereite jetzt das entsprechende Buch fuer 
die Weimarer "eit vor. 

In diesem Buch wird der ehemalige Kasseler Polizei- 
praesident Adolf Hohenstein seinen Platz haben. Bei 
meinen Bemuehungen, ueber ihn Informationen zu erhalten, 
bin ich darauf hingewiesen worden, dass Sie die Angelegen- 
heit der Frau Olga Hohenstein in Bezug auf die üieder- 
qutmachung bearbeitet haben. Mir wurde auch mitgeteilt, 
dass Herr Hohenstein selbst am 3. 10. 1937 verstorben 
ist. 



-AH 



Da ich nicht weiss, ob Frau Olga Hohenstein noch 
am Leben ist, so wende ich mich an Sie mit der Frage, 
ob in Ihrem Besitz noch Dokumente sind, die Angaben ueber 
das Leben und berufliche Wirken Hohensteins enthalten. 
In diesem Falle waere ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir 
Ablichtungen von solchen Dokumenten uebersenden oder 
unmittelbar Informationen erteilen wollten. Dass es sich 
um ein ernsthaftes wissenschaftliches Unternehmen handelt, 
ersehen Sie aus dem Verlage, in dem auch das kommende Buch 
erscheinen wird, und daraus, dass die Arbeit sich unter 
den Auspizien des Leo Baeck Instituts vollzieht, das ja 
sicher auch in l^uedischen Kreisen Suedafrikas bekannt ist. 
Natuerlich bin ich auch bereit, an Frau Hohenstein selbst 
zu schreiben, wenn Sie mir bestaetigen, dass sie noch am 
Leben ist. Als ihre Adresse wurde mir angegeben: 15 Mount 
R)^al Catherine Ave. Berea, Jphannesburg. 

Ich selbst war in der Weimarer Zeit im Preussischen 
Ministerium des Innern und Mitglied des Preussischen Land- 
tags. 

Mit bestem Dank im voraus und verbindlichen 
Empfehlungen Ibr ergebener 



- 2 - 

Loewenthal erscheint in Ihrem Buche nicht. Ich l^o^nnte mir »ber 
vS?3tellen, dass Sie beider Sammlung des Materials auf ihn gestos 
sen sind uAd mir vielleicht damit behilflich sein koennten. 
Senn dKs der Fall ist. waere ich fuer Informationen fanHbar. 
Ein Versuch, mit der Witwe von Loewenthal. der in Deutschland 
gestorben ist, in Verbindung zu treten, ist misslungen. 

Ich danke Ihnen im voraus fuer alles, was Sie in dieser 
Sache tun koennen. Die Artikel von Robert Kempner, meinem 
frueheren Kollegen im Preussischen Innenministerium, sind mir 
bekannt. 

Mit besten Empfehlungen 



Ihr 




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185-139 Finohley 



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seh- geehx'ber Herr Dr. Rolohacmn, 




Gestatten Sie mir, 



dass icn mich an bie vjendcum 



Gestatten ^^)? J^^^l'i^y^^^,,^^^ usb-r _ 
von ihnen anseaicuu:^ _ aier ^.^'^^^-^^ RerAiblik Hilfe äi 
juedisr-he Bciuii-e viutfe.^ uer '^^^«^^J^; ' ryc. Kurt 

Frieaiaenaer jäe.chiieoen.a onh:. etp hlns^wieson 

auf iu.r ero3oe5 ^^^-^^4 ^.It ri^<5^^ er Iinen einen [K.vch- 
und .ar <*.ch 4Ht^|^^h^!b?n h't. icn cierf cner 
scala^ me.nes x,x-:.es • -, ; " ^^^gok neiner ..rDeit 

voraussef^en.aass ^^.^^ f;^^.^ o^^a^; ich habe -larieber 
ira ali«e:ueix)cn ai.tc rr .uont... ;-^j^' prie .H.enoer 

in Paragraph 5 laeiaes .oriefes au i.erra .. r 
Kurz gesproc.en. 

-..=. „i-prpr T-r'-'-^hrur.p i-a v/esent liehen die 
Ich kenn-' aus «if^-^'^- ^. ■''^, -'„-.;_+_„-, helio'-rip'n, der 

aucü m .-omn.ern. -on^^ xi '' .i°„ t^a der betreffenden ;^e.t 
bucns ues Preus.s,iscnen "-^ff ^^ "^^^ und •.itteilun.^än 
einig.. -orH.erkenntniB3c,d e ica ^^^to. an ,^^ .,entra:en 

von Ket;n.rn der .^1^^teri_ ' !f l^'^ememen unterrichtet. Ich 
aeichsbehoeraen ^.^^^^ ,^f; . ;r.,f ^f^^flic ;..er.t"albehoerden und 

die- .llpeneine <>taat3Vor'.«dtunt !:'^f,!^;^4,.,i ^.ni^'L^nd- 
Iokal uu. Kef.;ion.lbeho.raer •^.''^^^^a^, äie fC- 

•.virtscua.'-tsverwavine '.*.r,.v>. b.. i 

rinf,eres Interease haben. 

-:.,c: + -i vvPTv.Hjtur.F vird v^inlfoc/- zu rnfen 
„ein;*;; «H^^.4"Sfl-.;;;SSU".^ir%.v^S"?f in 

gericut^..>^ae3ldenten ''^^^^^^r^i^y ^.«i^ erinnere, >.ar 
t;laube es aber "-^«^iV "°^«'J/„il u^t - don arbaitsrich- 

tern ri^^^^'^^ ^^'.z}^t^J^Ate ^eis. ich nur von 



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einem, (Jadesohn) , der spaeter Arbeitsgerichtsdirektor 
vAirde und sich auch schriftstellerisch vielfach be- 
taetigt hat. Die heftigen 4ngriffe,die die .Ernennung 
Croner's zum Cberverwaltungsgericht nach sxch ge- 
zogen hat, sind mir noch gut in Erinnerung-: und ich habe 
DBin Gedaechtnis darueber an Kand der Lektuere der 

Landta^zsorotokolle aufgefrischt. Ich hoffe, auf dem 
Gebiet der Justiz von ihnen einige Informationeii er- 
halten zu koennen, vielleicht auch bezueglich der 
Laender ausserhalb Preussens. 

Wie ich in meinem Brief an Herrn Friedlaenaer 
scltrieb, kommt es mir nicht auf eine Namensliste an, 
sondern ich moechte an Hand vc n Kernen unci sonstigen 
iihgabtn versuchen, zu erraitteln ob sich besti .mte 
Schlussfolgerungen ueber die Rolle der in der Justiz 
unü Vcvwilt^inf beschaeftigten Juden ziehen la.ssen.ob 
sie auf bestimmte .Viderstaende gesto.:3en sind und 
welcher Art diese ^viderstaende im ^mt und ausserhalb 
des Amtes ^'.aren und ob sich fuer die Aufgaben, die sie 
durchgefuehrt haben, %'enigstens teilvveise gewisse ge- 
meinsame Schluesse ziehen lassen. .U eher die allgemeine 
Literatur, die nach 1945 in Deutschland ueber die V^ei- 
marer Republik und die unter ihr taetigen Bea .ten 

m hoher oder ^«eniger hoher Stelle erschienen ist, bin 
ich im v^esentlich en unterrichtet. 



^'^.enn Sie mir au5 Ihren Kenntnissen und ixfahrun' 
gen einige :iiiteilungen und Hinv.eise geben xwoennten, 

waere ich Ihnen zu grossem Danke verpflichtet. 
Mit freundlichen Gru essen 



Ihi' ergebener 



M^ s Resi HerensV'irgr r 



<Ä 



^2, uhrist church Avenue, 

London, n.M. b. 
^ rd üctober lyvb. 



^/if 



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Mr iürnest Hamburger 

CO. x.eo üaeck Institute 

Dear i»ur Hamburger , 

xnanK you ver aiuch lor your lettei ol* 2^ ra oeptember 
and its enclosure, DOth ot wnicn seem ratner 
g ratilying xo me, 

l'here are tww personal pomts and one general wtiicn i 
nave put on a ditierent sheet Jn uerman. 
m case of other questions j. am always ready to 
anewer tHern, 

i«Aay 1 wisn you a successrul linalism^ ot your 
certamly long and arduous task. 



2 enclosures. 




iou;fs sincerely, 

' J 



iiiirs Reoi Hegensburger 
(nee Cppeneieimer ) 



32, Christc'hurcb Avenue, 

London, N.W. 6 

7 th September 1975 



Mr Ernst Hamburger 

CO. Leo Baeck Institute 

New York. 



rear Mr. Hamburger, 

Mrs Tilly Loe.en^^orf fro^ Tel ^^i^/^^^^f^^J^^^^^^^ 
talk d by teleph^ne on h. r recent staym Snglana, 
told' me ' that yoa are p^ eparmg a publication 
about German Jewish politicians. 

MV late h.sbanu w' s Dr. jur . Norbert tieoensburser , 
bra^onschweig, prominent as Jtwish leaaer and as a 

If you axt intcrestbd «t all I siriall be only too 
pleased to give you any information you may require, 
the be ^v^|i of my memories ana aocuments. 



to 



Yours sincerely, 



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BRNEST HAMBURGER 



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67 Riverside Drive - New York. NY 10024 



Ji^K-l"^''^" 



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September 23, 1975 




Mrs. Resi Regensburger .^ 
32 Cbristchurch Avenue 
London: N.W, 6, England 

r ./'' -^-„.. — ... 

Dear Mrs. Regensburger j 

Thank you very »«ch for your IjJtej^/f/^^PSSn 
7. 1975 and for l^^lj^^^^':^^^^^^^, ^Sr .Norbert 
about your late '^"^^"f • ^^^„SJS^to me. Please find 
Regensburger xs o£ ^^^^^'J^^l^^%,, '..y forthcoming 

^So-Ü'iof Sill rral?zf that /an> not i" |gg- Jj^y 

'° f ^^ T>,^rto be kept i5 cStain lindts. I shall. 
book which ^^^„^°^.^^^;^Pif^" were good enough to point 
be very grate ful ^^ J«« ^^ text or to suggest additions 
out errors xn ^^^^ enclosed text or ^ l^^ convinced 
which you Kay cousxder «ssentxax. proposal you 
that 1 shall give serxous thought to any propu 

might make. 

After the paragraph ^le^°^^J,rHXoS'Kanter''and"^ 

I shall write some ^"^^"f 1,^^°^^^?"^? Saf f meSber of 
shall mention ^^^^ Norbert Regensburger^^ ^^^^^^ ^.^ 

the Jewish <=°™«"";;^y,f if ^"^e pirlgraphs dealing with 
not any more ^«i°"| to xt. The pa g p following 
Regensburger and Kanter wiii. ena v/xu • 
sentences : 

"Beide machten ihrem Leben in der ^^^ionalsoziali- 
st? sehen Zeit ein Ende, Regensburger xn, Aprxl 1933. 
SaiS im November 1938, an dem Tage '^e^^^°^^°";' 
Sz nachdem er sich aus Braunschwexg nach Berlxn 

gefluechtet hatte." 
Thanking you again for your help. 



I remam. 



Yours sincerely. 



Ernest Hamburger 



enc 



10. Mai 1974 



V 



Mr. Walter Schiff 

318 Shipley Road -- Apt.3?2 

Wilmington, Del. 19809 






Sehr geehrter Herr Schiff, 

ich danke Ihnen bestens fuer Ihr 
Schreiben vom 1. Mai. Das Bild im 
"Aufbau" hat mir eine reichliche Kor - 
responden7. seitens aller derer einge- 
bracht, die mich freundlicherweise 
bei der Vorbereitung meines Buches 
durch Informationen und Dokumente unter- 
stuet^t haben oder noch unterstuetzen. 

Leider muss ich Ihre Geduld auf die 
Probe stellen. Das Manuskript ir;t noch 
lange nicht abgeschlossen. Ich habe fuer 
das Buch ueber die monarchische Zeit mehrere 
Jahre gebraucht und werde fuer dieses Buch 
die gleiche oder eine noch laengere Zeit^ 
benoetigen. Das Herbeischaffen des Materials 
ist rauehsam und seine Bearbeitung schwierig. 

Selbstverstaendlich werden Sie benach- 
richtigt, sobald die Herausgabe des Buches 
vom Verleger angezeigt wird. 

Mmt besten Empfehlungen 



Ihr 



-BUCTsrf 8ßw:to '' 
rfoxm cioi i ' ' 


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Dr . Erneat Hamburger 
67 Riverside Drive 
New York, N.Y. 10024 



7. Maerz 1973 



Herrn Dr. Rudolf Schindler 
Jahnstrasse 13 
69 Heidelberg - 



Lieber Herr Schindler, 

heute nehme ich Sie beim Wort und erlaube 
mir, Sie um eine Gefaelligkeit fuer mein Weimar 
Buch zu bitten. 

In Oels in Schlesien gab es den einzigen 
juedischen Landgerichtspraesidenten in Preussen 
in der Weimarer Zeit, Dr.Loewenthal. Warum man 
si'-h gerade Oels fuer ihn ausgesucht hatte, weiss 
ich nicht, vermutlich weil dort der Kronprinz 
seinen Wohnsitz hatte, und man glaubte, dass die 
beiden Herren sich bei Cocktail Parties besonders 
gut verstehen wuerden. 

Loewatthal gehoert natuerlich in mein Buch. 
Ich habe von ihm in der Weimarer Zeit gewusst, 
glaube mich auch zu erinnern, dass er seine Befoer- 
derung seinem mutigen V3rhalten in einem der J^ruech- 
tiqten Mageebuger Prozesse zu verdanken hat, bei denen 
er sich gegen die reaktionaeren Richter gewandt hat 
(Haas Koenling Prozess oder der Landesyerratsprozess, 
bei dem Ebert als Klaeger auftrat) . B^^^er ist es mir 
aber nicht gelungen, das notwendige b^^o^^^P^^^^f, "^J^"^^ 
ueber Loewenthal zu beschaffen. Alle Versuche, lf% 
Leute, die frueher in Oels lebten, Information^zu etalten, 
sind gescheitert. 

Nun teilte mir in diesen Tagen Herr Dr teters von 
der URO mit, dass ein Herr E^und Schwenk, der frueher 
Rechtsanwalt in Oels war, dann nach USA auswanderte, 
und je?zt in Heidelberg lebe, vielleicht I'^f^^mationen 
ueber Loewenthal habe, oder Personen kenaen T^oennte, 
von denen solche Informationen zu beschaffen «aeren 
Schwenk waere nach seiner Rueckkehr ^Is Professor in 
der juristischen Fakultaet der üniversitaet «^idelberg 
taetig gewesen. Wuerden Sie so freuadlich sein festzu- 
stellen.ob Schwenk im Heidelberger Telefonbuch steht, 
Snd seiAe Identitaet zu ermitteln, eventuell.wenn dies 
zS nichts fuehrt, bei der Juristischen Fakultaet der 
üniversitaet nachzufragen? Ich nehme nicht an, dass er 
noch liest, aber jedenfalls duerfte seine Adresse dort 
bekannt sein. 



nann^seien Sie so gut mir mitzuteilen, ob Sie etwas heraus- 
SekSn^Jn Saben und^geben Sie mir die Adresse, damit ich mxch 
an ihn wenden kann. 

Ich hoffe, dass es Ihnen beiden gut ^^J? ^"2^ • "^^f Ln^^ 
der Zustand Ihrer Frau den Umstaenden nach ^^J^^^f^^^^^^ 
ist. Bitte gruessen Sie sie herzlich von uns beiden und 
herzliche Gruesse auch fuer Sie 

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Im bqerischen Justizdienat waren in der Weimarer Zeit etwa 
fuenfziq Richter und Staatsanwaelte. also etwa die gleiche Zrtl 
SeaS Ende der monarchischen -^eit. Hier 9«^«« «i»^« "^^^^Jf 
Entwicklung durch eine Eingabe der vaterlaendischen Verbaende 
SSenchens Nach der Angabe eines in der nationalsozialischen Zeit 
erscSieSI;« Buches von Sievert Lorenzen wurde diese Eingabe in den 
liJzunJen dls Landtages vom 29.4. 1925 und vom 1. 5. 1925 behandelt 
litenSgraphiLhe Berichte 1925. S.716 ff-? 794 «.) D^'^^J^^J^J . ^^ 
auch der Justizminister Guertner. spaeter 0^ l^^^'l^^'^V'^^J^^Xlllllr 
unter Hitler, zu der Frage der Einstellung ^uedischer Justizbeamter 
^^^lluna benommen. Wenn die Angaben von Lorenzen stimmen, waere es 
Stellung ^®"°'T^!?* . ^^"" _ ^gj. einschlaegigen Seiten der stenographi- 
Si'Bekcite'^SttanSfags'^LSs^nden? Vsten werden selbstverstaend- 

lieh ersetzt. 

Von üniversitaetspreofessoren. die in Frage kaemen. habe ich 
TnformaJionen ueber Nawiaski, der zum katholischen Glauben ueber- 
«t?eten ?"?? sSitsrecht an der üniversitaet Muenchen 9^1«««" ^^J„^^ 
?nf nacS dem zweiten Weltkrieg an der Vorbereitung der gf^^nwaertigen 
bSveJischen Verfassung fuehrend mitgewirkthat. Von 8°"^tigen Profes 
soJen jSedLcSer Abstimmung, die auf dem G^^f^^^'^" °«;^Jr^l^S^"" 
Rechts an anderen Universitaeten Bayerns wirkten, ist mir nichts 

bekannt . 

Ttn, auf r^tP Richter und Staatsanwaelte zur ueck zukommen« in welchen 
Posit?Snen sfcS diese In Ser Weimarer Zeit befanden, geht aus dem 
Positionen sicn axe»e jlw Guertner seit seinem Amtsantritt 

Buch v9n Lorenzen hervor, ebenso, dass üuercner aext 
neue juedische Richter nicht mehr eingestellt hat. 

Mit verbindlichem Dank im voraus fuer jede Hilfe, die Sie mir 
zuteil werden lassen koennen. und bester Empfehlung 



Ihr ergebener 



Dr. Ernest Hamburger 



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ATTORNEY-AT-LAW 
WASHINGTON, D. C, U.S.A. 



PROF. DR. EDMUND H. SCHWENK 

Office of the Jud^.e Aclvocate 
pn, Ur. Arnr.^, F.urope h Teventh Arny 
APO 11."^. 09^^03 



RECHTSANWALT 




r.errn 

Ernest Kambu] 

6T Riversir^'.e Drive 

Ilev York, H.Y. 1002^^ 




27. Maerz >9W 



V 



Pehr .creehrter Herr Far^.liurrTer! 

Ol Mpp>,^ 107^ prT.naere ich, dass ich, vie ich schon 
Auf Ihr nchreihen von ?1 . ^ aerz IJ .. e i . _ Landgerichts^ 

.e.enueher Herrn Dr. Pchindler ^^^^^^^J^^ Ser ausserstande, Ihre 
praesidenten Dr. Loeventhal berichten hann. -Ci r m ... 
drei T^racrenl^oTTiDlexe zu heantvorten. 

soweit ic. .ich erinnere, .ar ic. i. ^^^;^,:^:::^:^Z ^r^^^S^r^^. 
Landgericht "eis taeti^ Der ..alx e ^-f--,:;^„-ro:ialistischer .ePerenlare, 
Zur da.^-ali-en Zeit foriraerte sic.^ ein >ov^^ottieren. Daraufhin h.eantrar;te 

der es sich u.a. zum Ziel machte mich ^^^J^^^^^^^ nach -reslau, 

ich hei I errn Landgerichtspraesidenten i..oeventhal m.eine 

die er auch hevi.llirrte . ,., 

. ^ ^- •... .1^ ich in ^^erlin stationiert war, suchte ich Herrn Land.^e- 
ITach dem I.rie'ie, als icn in ..erxxi o„,p^t rriy in Frinnerunr ist, 

richtspraesiaenten -'^ ;/- , --fS on er;r' bI , eh^^^^ ^.u nationalsoziolis ■ 
erzaehte er mr, aass er aufgrund ^^^°^''ll^ . , Volksr^erichtshofs) 

tischen Groessen (ich .la.he so.ar ^^--//^f^^^,^"^,f,,',:Lht koennen nie TTaeheres 

.on de. ^■=^^i*--\f-Jrer'u:res'Te ^ot oSisoriäL.us und die .luedischen 
erfahren von ce,^ Autor des _^^c-es ^e . (-tuttfra.rt) unter Mit- 

.Turisten , Land.erichtsrat Dr ,ur ^orst .oe^^^^^^^^ ^^^^^,^^ .^ Rinr-Verla., 

arheit von Dr. ,1ur. Johann Ceor^ Reis.mueii i,,,ndr.erichts 

TT3 Villin-n/.chwarzvald. ich hesit.e f^^^^^^^,^^. Vielleicht kann 
r,raesident Dr. Loeventhal im Index ^«^^ ^^^''" mhert -. ''empner veiter- 

Ihnen in dieser A.nr.eler.enheit auch Rechtsanwalt ^r . Dooert . . ^^^ 
helfen 4ine Adresse ist Vranhfurt/"ain, Feuerhachstr . 2^ . 

inden ich hedauere, Ihnen nicht mehr .ehil^ich sein zu koennen, verhleihe 
ich 



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sehr erp^ehener 





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21. Maerz 1973 



Herrn Dr. Edmund H, Schwenk 
69 Heidelberg 
Leiblweg 3 







Sehr geehtter Herr Dr. Schwenk # 

von meinem Freunde Rudolf Schindler erfahre ich, dass 
er mit Ihnen ueber mein Anliegen gesprochen hat. Ich 
suche Informationen ueber den Landgerichtspraesidenten 
Dr. Loewenthal, der in Oels taetig war. 

Dr. Schindler schrieb mir, dass Sie nur wenig ueber 
Loewenthal aussagen koennten. Vielleicht aber koennen Sie 
mir Anhaltspunkte geben, die weiter fuehren. Es kommt auf 
drei Dinge an. 

Erstens - moechte ich eine Kurzbiographie ueber ihn 
haben. Ort und Jahr seiner Geburt, Studiengang, erste An- 
stellung im Staatsdienst, weitere Befoerderungen, Entlas- 
sung, Todesort und -jähr. 

Zweitens - moechte ich wissen^ ob Loewenthal im Judentum 
verblieben ist oder sich hat taufen lassen. Ich weiss, dass 
er eine christliche Frau gehabt hat. Ich weiss nicht, ob 
diese noch lebt. Der Versuch ueber Frau Agathe Rummler, die 
in erster Ehe mit dem Rechts/fanwalt Dr. Ernst Warschauer in 
Oels verheiratet und mit Frau Loewenthal befreundet war, In- 
formationen zu erhalten, ist missglueckt. Der Brief ist als 
unbestellbar zurueckgekommen, wahrscheinlich ist Frau Rummler 
gestorben. Ebenso ist ein Brief an den Landgerichtsrat 
Dr. Pietzker zurueckgekommen, der in Oels am Gericht taetig 
war und I^oewenthal gekannt hat. Vermutlich lebt auch er nicht 
mehr. Wenn Loewenthal im Judentum verblieben ist, waere er 
der einzige ungetaufte juedische Landgerichtspraesident in 
Preussen gewesen. 

Als Drittes moechte ich herausfinden, welcher Tatsache 
Loewenthal seine ungewoehnliche Befoerderung zu verdanken hatte 
Ich erinnere mich dunkel aus der Weimarer Zeit, dass er in 
einem der beruechtigten Magdeburger Prozesse als Richter fun- 
giert hat und dabei durch seine aufrechte demokratische Haltung 
aufgefallen ist. Es handelt sich entweder um den Beleidigung«- 



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11, Mai 1973 



Herrn 

Professor Dr. Edmund H. ScnwenK 

Office of the Judge Advocate 

HQ, US Army, Europe & Seventh Army 

APO N.Y. 09403 




.„««•r»'^-^ 



Sehr geehrter Herr Schwenk, 

bitte entschuldigen Sie, dass ich erst 
jetzt Ihr freundliches Schreiben vom 27. Maerz 
beantworte. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie 
mir mitteilen konnten, dass Dr. Loewenthal die 
Nazizeit ueberlebt hat. Soviel ich weiss, war 
seine Frau Christin, und das hat wohl mit dazu 
beigetragen. Ich versuche, die Fragen, zu denen 
Sie nicht Stellung nehmen konnten, von anderer 
Seite zu klaeren. 

Goeppingers Buch ist mir bekannt, ich 
habe an ihn geschrieben, um zu erfahren, ob er 
vielleicht in dem Buch nicht verwertete Informa- 
tionen ueber Dr. Loewenthal hat. Mit meinem 
alten Kollegen im Ministerium des Innern Dr. Robert 
Kempner stehe ich in staendigem Briefwechsel und 
Gedankenaustausch . 

Mit nochmaligem Dank und besten 
Empfehlungen 



Ihr ergebener 





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> Ernst Warschauer 

250 CABRINl BOULEVARD 
NEW YORK, N. Y. t0033 





pec.lt/72 



«^■ehr "-eehrter Herr Dr-uamDurgerA, _ 

icn Joe nicnx mi. neinea r.:ana in^üex^ geiect,äa icn -^eine 
.weite Frau .ewe^en oin. ..ein i.ana hat ver^cnieaen.licn 
i;r.Loewenthal erwaehnt ,aoe:- da- waren private ae-cnxchten. 
die ich nicht erwaennen moecute,da -ie hier nicht zur 
.acne .e.oeren. .r eolx ein ^uter Jari-^t ana ein au^^rech- 

ter Demokrat ^^.^i^'^^^ -ein. 

icn nabe mir aoer aie Aare^-e ^einer er-.en Prau be^or^t, 

die noch in Naernbexg leot.'^ie h.i-t j-t-t Agathe 

Kanunler...e,en-oar,er-tr..M,-.-rnberg..ie war ^hri.txn 

euenc-c wie Fr.u i^oewentnal und ich wei-,da- aie oeiden 

i-raaen -'ich ga. gekannt hao.n und ^ich nach dem .rxe^e 

ver^cnieaentlicn in Berlin getroffen haoen.Loewentnai^ 

.ind in der Hitlerzeit nach B.rlin ^ezo^en ana er i-t 

aort, soviel icn ^enoert haoe auch ge-torüen.'^exne 

,rau .ollte wonl xn der Lage .ein.etwa«=jeoer ihren Harm 

zu -a^en oder Innen vielleicat iidrt--en geoen. 

o. n- ,.;++ M in Ihrem Brief an i'rau Ruiamler 
Ich moecntc "^xe Dxttcn,xn xureiu i)i.xc-x 

nicnt zu erwaehnen.dar- Sie aie Aare.'-e durch mcn hauen, 
pie .Uten Beziehungen,aie viele Jahre zwi-^chen mexnem 
Mann^unu meiner ge-cnxeaenen i^rau bestanden haoen.^xnd- 
nicnt aurch aie "chuld meine=' ..anne-- in aen xetzten 
Jahren voelüg aogebrocnen worden. E- Koennte .exn,da.= 
,-.rau Kominler au^ re^en.iuent Innen keine Au^Kunf. gxot. 

Aber e- gibt in Tel-Aviv ein kleine-' Blatt der 
«icnlePier , in dem oft i5eitraege von meima ivuum er-chxenen 
oind Die-e-' ülatc hat .^rau summier immer zuge-chxcKt oe- 
konur.en.Vielxeicht la^^en Sie .ie ^laaben,d.- -xe xhre 
Adre-e daaurch erhalten haoen.lcn ueoerla-e e- natuer 
licu lnnen,aüer warum Veraacnt aufkommen la^-en.wenn man 
e'^ verninderxi kann. 



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Ich katm Innen noch eine andere AcLre<='^e ein^- fraeneren 
ßuten üeican..ten meinem ivianne^ aa« üei^ geDen,der zwar nicnt 
tjuri-^t war,aDer vielieicht etwa'=' u^rber die uei^^-er Ver- 
hael:ni^'"e wei^^^'.ü.r war tin ^ehr ^uter Piani^^t und «pieite 
oft in aem von mtinemT^egi-aende ten Kairimeriüa^ii. urcne^ter. 
Lr lebt ^eit j ahreT, in : ivianired i^'reuna »ca'^a "^en i'^.artino, 
via alla vine ,Locarno. 

Aa^^erdein lege xcn Ihnen einen Jirief bei von einem 
fraeneren Kecnt^anwc^lt -aa^ oel^,der (Jhri^t war ,eine jaedi«='ch: 
Frau und Kinder hatte und wohl dc^nalD gerettet worden i*='t. 
Vielleicut icami er Innen auch etwa'^ <='a^en, t^r hatte natuer- 
lich eine '^cnwierige La^e in aer xiitlerzeit und ion wei*^^ 
(nicht, OD '"eine Au<"^ac>en objeictiv ^ein werden! \'^erin ich mich 
^ erinnere, wa^ mein Mann oft daruebf^r ci^'^^ü'^ nat*"^ " 

h" hat meinem i^iann und mir immer '='enr leia ^etan,da^^ 
er ^ich bei dem von ii^rn^t l/iaa'^'^ ^o ^ut gemeinten Zu'='ammen- 
trefien mit Ihnen «=^0 ^^^ehr pa^^iv verhalten hat( ganz gegen 
'='eine ^on'^tige üewolinheitli^r naute ^ich «enr aui den i^e^uch 
gefreut. Aber e« vvti,r der Beginn f^'einer Krankheit , die wir 
damal^ nocn nicnt ericannt natten. 

Ich v/uen^cne Ihnen iLriol<- zu Ihiten Nachf or^cnungen 
und dem bevorstehenden üuch. 



Mit be^^'ter Empfehlung aucn an Inre G-attin 



Ihre 




^i^ io Cii4^Vi'^^^^^ 



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20. Deiisember 1972 



Herrn Hermann Weinkauff 

Praesident des Bundesgerichtshofs a.D. 



\ 



75 



Karlsruhe 



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t 



Sehr qeehrter Herr Praesident Weinkauff, 

Im Bundesarchiv in Koblenz haben mir die dortiqen Herren 
geraten, mich mit einer Frage, die sie nicht beantworten konnten, 
an Sie zu wenden. Ich gestatte mir, dies zu tun. 



Ich bereite ein Duch ueber Juden im oeffentlichen Leben 
DeutBChlandö in der Weirrarer Zeit vor. Es wird sich vor allem 
mit .iacieruncfsmitcri ledern, Parlamentariern und lieamt .n r>efassen* 
Kin entsprechende^3 '"^(Sa ueber die aonarchische Seit habe ich 
1968 ir.; Verlac; J.C/B. Mohr (Paul Siebec;^) Tuebingen erscheinen 
lassen« 

Ueber die Verhaeltnisse im KeichJ'tag und ir r'er P,eich3ver- 
waltunc •^lovie in den P«;rlamenten und Ver^raltuncen der i/ichtiqeren 

tftiffii? gelanae ich allmaehlich zur Vervollstaenciaunvi der Do- 
IcumentGtionj teils auf Grund eigeneri^ÄÄrfahrung als frueherer 

Olx^rrogieruncsrat im preussinchen Ministerium des Innern und 
Mitglied des^Preussischen Landtags, teils auf Grund dar Handbuecher, 
Archivalien und der Se^-^undaerliteratur, Ich bs2.i3he nicht nur 
Personcr: juodiscnen Glaubens ein, sondern auch :>isöicienten und 
getaufte Juden, soifeit sie von Seiten beider iilcern juedischer 

Ab**' tamiTüuncf waren« 

ÄUG-?crardentlich dajikbar i^aere ich Ihnon, wenn 3ie mich 
ueber die Verhaeitnisse am frueheren Reichsgericht oaterrichten 
wolit^^n. In meinem Buch aeber die monarchische Zeit habe ich 
natueriich rMuard von Simson behandelt, auch den Senat.^u3rae<=;iden- 
ten Loewcnotein, beides getaufte Juckrn, ferner zwei ueichsgerichts- 
raete, die dem juedischen Glaub^^n angehoerton. 



Puer die V'eimarer Zeit liegt mir bisher nur das Buch von 
Sievert Lorenzen »'Die vTuden in Cx^.r Justiz" vor. Es ist ein rtn- 
tisemitisches Pamphlet, enthaelt a}x?ir gewisse verwertbare Angaben. 
Lorenzen arbeitete im Reichsjustijaninisterium und hatte Zugang 
zu den Personalakten« 

Kach der Darstellunc von I,orenzen bafandcn fiicb am IZ^ichs- 
gericht 1919 neun mosaische Juden ( als mosaische Juden bezeichnet 
er solche, die der juedischen Glaube nsgemetnschaft angehoerten) « 
1922/23 sei ihre Zahl auf zwoelf gestiegen, dann auf acht zurueck- 
gegant^en und bis 1^32 wieder auf zehn und elf angewachsen. Ferner 



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r>»4^t,e/Tor-'(r-hfc drei aetaufte Juden, von 
oab es nach iXJrensen am Reichsgericnt arei g 

danen zwei Heichsanwaelte waren. 

«.»v^ »-•ir'Vii-lo <9ein? Befanden sich 
Koennen diese Sohlen «ngefaehr richtig sein ^^^^^ 

unter den juedischen «^^^f^J^^J^^^Sen SSonders erwaehnenswert 
Gab es Reichsgerichtsraete, deren wxrjen ^^^^^j^^^en Iteamten 

erscheint? Na^uerlich verde ich nicnj^^^j ^.^^ ^ 

und Richter behandeln oder ^"^J ""L^i i^t.den Lesern ainen O^^ 
Rahmen der Buchen sprengen .MexrZi 1 ^^ • ^^^^ B^^^ter in die 

samtueberblick ueber ^^^^^^^''^^^^JoS Sicht vertreten waren. 
Behoerden zu qeben.in *^?2??<.n der JuJtiz.von denen sie vorher 
sowie in Befoerderungsstellen der J^-^^l^^^^^^g^ varen.vaehrend 

Eiit wenigen ^'f^"^*^"^^"^"^^^" liberale? verfahren vurde. Nur dxe 
iLSrgft^n^So^elltiSÄtln'irrSf ich individuell schildern. 

^^ «oechte auch^älcrrn^äSr^J- -SSL^^^^^^^^ 

schoepfung.an den 'J^J^J^f^^^Sn ^;ir£eiter von Pressestellen 
Richter besonders interessiorrtn, ^.i 
auch de..r Just;ir,b.2hoorJen etj. 

. , -r *^,.^-.4-'on b-niecrlich des fniThcren Reichsae- 

richto. waore *ch I^^SJ^r uS ReLhsnnvnette in^r;..rmt,ä^.o am 
oef aehre Zahl nei. x^v.nt^.i 
Uf>ichaqericht qßvirict haben. 

Mit verbindlichem DanX in voraus und besten Emp«c.hlungen 

IVir eraebcner 



Vx. Kraost Hamburacr 






7-.^' BKFtefmann Wernkauff 



Str.9 



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ich selbst glaube mich noch zu erinnern, dass Loewenthals 
Ernennung zum Praesidenten mit der mutigen Haltung zusammenhing, 
die eJ^ls Rechter in Magdeburg entweder im ""^^'j-^'f^^^njl^^^j^ 
der Beleidigungsklage Eberts oder im Prozess Koelling-Haas im 
Gegensatz zu dln andern Magdeburger Richtern einnahm IfJ^^^ 
aber dessen nicht mehr sicher genug, um darueber ohne Bestaeti 
gung von anderer Seite etwas schreiben zm koennen. 

Fuer jede Information, mit der Sie mir weiterhelfen koennten, 
waere ich Ihnen sehr verbunden und bleibe 

mit besten Empfehlungen 
Ihr ergebener 



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Dr. Ernest Hamburger 



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VRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 

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DIF GEGENWART 

.Bichie • Dokumente 



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Mittwoch, 7. Juli 1965 / Nr. 154 / Seite 18 



WEIMAR 



Das Verhältnis deutscher Hochschullehrer ur freiheitlichen Verfassung / Von Theodor Eschenburg 



4 



Die Universitäten bemühen sidi mit respektablem Ernst, ihre Haltung in den Jahren des „DritteiReiches" 
zu klären. Über diesem Beginnen kommt leidit die Frage etwas zu kurz, wie es um die Vorgesdiidf bestellt 
gewesen sei. Was die Universitäten in den zwanziger Jahren mit der neuen Freiheit anzufangen wiken, das 
ist zumeist nur Gegenstand beiläufiger Erörterungen. Doch muß, was an deutschen JJodisdmlen tider Zeit 
der ersten deutsdien Republik geschehen ist, beklemmend genug gewesen sein, da das Grumfewfz sich 



<renötigt sah die Lehrfreiheit einer besonderen Bindung an die „Treue zur Verfassung" zu unterioerfen 
rClrEs',,enburg. Ordinarius für WUsensd,aftli^e Folitik an der Universität Tubm^n, l^suh^mU 
dem ..Universitätsleben vor 1933" auseinandergesetzt. Wir veröffentMen- '^"''' ^^f" ^' " ™''7-' 
M,.fiihrungen, die vor kurzem in dem Sammelhand „Deutsd.es Geisicsleben und Nal,onalsoz.absmus - 
EZZt:ag reihe der Universität Tübingen" im Bainer-Wunderlid^-V erlag, Tübingen, ersduenen s,nd. 



Wenn ich heute über das Leben an den Uni- 
versitäten vor 1933 sprechen soll, so vor allem 
aus eigenem Erleben. Von 1924 bis 1926 habe ich 
in Tübingen, von 1926 bis 1929 in Berlin studiert. 
Auch die Verhältnisse an der Universität Kiel 
habe ich etwas gekannt, weil ich in dieser Stadt 
aufgewachsen und während meines Studiums 
immer wieder in das Elternhaus zurückgekehrt 
bin. In Tübingen, aber nur hier, gehörte ich der 
studentischen Selbstverwaltung an und habe an 
dem Studententag in Berlin 1926, der jährlichen 
Versammlung der deutschen Studentenschaft, 
teilgenommen. Ich war Mitglied einer Tübinger 
Burschenschaft, einer schlagenden und farben- 
tragenden Korporation. Politisch bejahte ich zu- 
mindest seit meinem dritten Semester die 
republikanisch-demokratische Staatsordnung. 
Einen gewissen Einblick in das allgemeine Uni- 
versitätsleben über die drei genannten Hoch- 
schulen hinaus habe ich von der anderen Seite, 
von der ministeriellen Hochschulverwaltung, da- 
durch gehabt^ daß ich den preußischen Kultus- 
minister C. H. Becker, der mit mir sehr offen 
über die hochschulpolitischen Probleme gespro- 
chen hat, und ebenso einige seiner Beamten gut 
gekannt habe. 

Die politische Haltung sehr vieler Professo- 
ren zur Demokratie der Weimarer Republik 
könnte nicht verstanden werden, wenn man 
nicht einiges über ihre politische Haltung im 
Ersten Weltkrieg wüßte. Ich nenne nur als Bei- 
spiel die Schriften einiger angesehener Autoren, 
deren wissenscliaftlicher Ruf weit über Deutsch- 
lands Grenzen hinaus Anerkennung gefunden 
hat. so Rudolf Eucken „Die weltgeschichtliche 
Bedeutung des deutschen Geistes", Werner Som- 
bart „Helden und Händler — Patriotische Be- 
sinnungen", Otto V. Gierke „Der deutsche Volks- 
geist im Krieg", Ulrich v. Wilamowitz/Möllen- 
dorf „Reden aus der Kriegszeit", Reinhold See- 
berg „Was sollen wir denn tun?" und „Ge- 
schichte, Krieg und Seele", Max Scheler „Der 
Genius des Krieges und der deutsche Krieg". 
Die Liste ließe sich stark erweitern, auch noch 
um eine Reihe guter Namen. Wer heute diese 
Schriften ganz oder auch nur teilweise liest, ver- 
mag sich nicht mehr vorzustellen, daß diese Ge- 
danken und Vorstellungen erdacht, gesagt und 
niedergeschrieben werden konnten. Diese na- 
tionale Überheblichkeit, dieses Übermaß an na- 
tionaler Selbstgerechtigkeit und nationalen Sen- 
dungsbewußtseins, die geradezu grotesken Fehl- 
analysen und Fehlurteile, so vornehm und ver- 
geistigt vielfach die Diktion war, sind in weiten 
Kreisen der Professoren schon gleich nach dem 
Krieg nicht mehr verstanden, und deshalb ist 
auch diese Art von Literatur so schnell verges- 
sen oder vergessen gemaclit worden. 

Nur wer den Beginn des Krieges 1914 und 
die ersten Kriegsjahre — wenn auch nur wie 
ich als Kind zwischen zehn und zwölf Jahren 
— , wer die echte, tiefe kaum zu beschreibende 
Begeisterung, die durch alle Stände und 
Schichten ging, miterlebt hat, der wird noch 
ein gewisses entschuldigendes Verständnis für 



tegorien und wissenschaftlichen Methoden Pro- 
paganda treiben wollten und nicht konnten. 
Manche mochten sich dieses Opfers, das sie 
brachten, durchaus bewußt sein. In diesem Zu- 
sammenhang ist es uninteressant zu erörtern, 
in welchem Umfang eine ähnliche Kriegspropa- 
ganda der Professoren im damals feindlichen 
Ausland bestanden hatte. Von Bedeutung ist 
hier nur die Auswirkung dieser Art literarischer 
Betätigung deutscher Professoren auf die Ent- 
wicklung des deutschen Universitätslebens der 
Nachkriegszeit. 

In den Kriegs jähren erfolgte der erste große 
Einbruch in das Wesenhafte der deutschen Uni- 
versität. Aber dieser Einbruch hätte vielleicht 
nicht bleibende Bedeutung gehabt, wenn nicht 
der politische Streit in der öffentlichen Mei- 
nung und damit im Volk über die Verfassungs- 
reform und die Kriegszielpolitik auf die Hoch- 
schulen und damit auf die Professorenschaft 
übergegriffen hätte. Ging es im wesentlichen in 
der Professorenliteratur der ersten Kriegs jähre 
um die ideelle Rechtfertigung des Krieges, um 
die Deutschen im Interesse der Kampfkraft für 
den Krieg zu begeistern und in Begeisterung zu 
halten, so beginnt mit der Zäsur der Jahre 
I 1916/17 die an Vehemenz und Hartnäckigkeit 
zunehmende Auseinandersetzung um konkrete 
politische Ziele in der Innen- und Außenpolitik. 
Die Richtung gegen innere Reform und für 
äußere Expansion vertraten, um nur einige Na- 
men zu nennen, die Historiker Dietrich Schäfer, 
Georg von Below, Eridi Brandenburg und 
Eduard Meyer sowie der Theologe Reinhold 
Seeberg und der Jurist Otto von Gierke, letz- 
terer allerdings vorwiegend auf verfassungs- 
politischem Gebiet. Diese Richtung war die ak- 
tivere und verfügte über die wesentlich größere 
Breite als die andere Richtung. 

Fragwürdige Argumeiilation 

Auf deren Seite standen die Theologen Ernst 
Troeltsch und Adolf von Harnack, die zu den 
Autoren der frühen Kriegsliteratur gehört hat- 
ten, die beiden Staatsrechtslehrer Hugo Preuß 
und Walter Schücking, aber auch Ernst Del- 
brück, innerpolitisch mehr zu den Konservati- 
ven neigend, und Max Weber, der ausgespro- 
chen demokratischen Tendenzen anhing, aber 
zugleich Anhänger einer erweiterten kolonialen 
Expansion war. Die imperialistische, die in der 
Vaterlandspartei ihre Organisation fand und in 
ihr stark wirkte, hat eine Fülle von Kriegsziel- 
schriften herausgegeben und Kriegszielartikel 
publiziert, in denen die Fehler der Propaganda 
der ersten Kriegs jähre fortgesetzt und gestei- 
gert wurden. Mochten sich für diese aus dem 
außerordentlichen Anlaß allenfalls noch gewisse 
Entschuldigungen finden lassen, so gelten sie 
nicht mehr für die vorwiegend pseudowissen- 
schaftliche und höchst fragwürdige Argumen- 
tation der Kriegszielpolitik. Was sich in einem 
Teil des Schrifttums der expansiven Kriegsziel- 



ßere Resonaz. Stipendien gab es wenige. Die 
Studenten iimen überwiegend aus bürger- 
lichen Familn. Ein guter Teil von ihnen war 
in konservaiv^-nationalliberalen Vorstellungen 
aufgewachsei Viele Professoren der autoritären 
und, wie sieselbst sagten, nationalen — tat- 
sächlich meh oder minder nationalistischen — 
Richtung fühlen sich als politische Erzieher, so 
unpolitisch ach manche von ihnen waren. So- 
ziologisch de' ;en konnten gerade unter den Ju- 
risten und Istorikern nur wenige. Soziologie 
galt in stark-n Maße als eine verdächtige Wis- 
senschaft de^ Linken. Auf der demokratischen 
Seite gab es ausgesprochen politisch denkende 
Gelehrte, diein der Lage waren, den Studen- 
ten wissensd-.ftlich zum politischen Denken an- 
zuleiten, wie 1er Theologe Ernst Troeltsch, der 
Straf rechtsleJ^ er und Rechtsphilosoph Gustav 
Radbruch vid sein jüngerer Kollege, der 
^taatsrechtslhrer Hermann Heller, sowie der 
l^ationalökoi. m Emil Lederer und der Sozio- 
loge Karl Me laheim. 

Zu den jjsgesprochen politisch Denkenden 
gehört auch Carl Schmitt mit seiner^ 1928 er- 
schienenen Aerfassungslehre, die in ihrer Sy- 
stematik un. anschaulichen Vergleichung da- 




Wahl, aber der Geograph Uhlig, der sich an Be- 
deutung und Gelehrsamkeit mit den beiden Hi- 
storikern nicht messen konnte, gab in seinen 
Vorlesungen mit tränenerstickter Stimme im- 
mer wieder seiner Trauer über das Ende der 
Monarchie und den Verlust der Kolonien Aus- 
druck. In vielen Vorlesungen, vor allem öf- 
fentlich-rechtlichen und volkswirtschaftlichen, 
hielt man auf Neutralität, indem man über den 
neuen Verfassungszustand, soweit man es ir- 
gend konnte, schwieg, als ob er nicht existierte. 
Der Verwaltungsrechtler Professor von Köh- 
ler, letzter königlicher Finanzminister, der mit 
Exzellenz angeredet werden mußte, behandelte 
das Verwaltungsrecht möglichst ohne etwas 
über die Verfassung zu sagen, was möglich war, 
da die meisten Verwaltungsgesetze aus der 
Monarchie stammten. Die beiden einzigen, die 
meines Wissens für die Weimarer Republik 
Verständnis zu wecken versuchten, sachlich und 
unpolemisch, waren der Staatsrechtslehrer Carl 
Sartorius, ein liberaler Verstandesrepublikaner, 
wie man damals sagte, in seinen Vorlesungen 
über deutsches Reichs- und Landesstaatsrecht, 
und der Nationalökonom Curt Eisfeld in seinen 
betriebswirtschaftlichen Kollegs, soweit er da- 
zu Gelegenheit hatte. Zwar ist ein so angesehe- 
ner weit über Deutschlands Grenzen hinaus be- 
kannter Jurist wie Philipp Heck in seinen Vor- 
lesungen politisch nicht hervorgetreten, aber 
man wußte, daß er ein überzeugter Alldeut- 
scher war. Ich habe damals in einer Reihe von 
Professorenhäusern verkehren und dank meiner 
Zugehörigkeit zur studentischen Selbstverwal- 
tung auch an den gesellschaftlichen Veranstal- 
tungen des Lehrkörpers teilnehmen können. 
Wer sich zur Demokratie bekannte, sie be- 
jahte, auch wenn es nur in privatem Kreise ge- 
schah, galt gesellschaftlich in den weiten Kreisen 
der Professorenschaft als anrüchig. Man schrankte 
den persönlichen Verkehr mit ihm ein, soweit 
es eben ging. Es gab einen Nationalökonomen, 
einen friedlich bescheidenen Mann, Robert Wil- 
brandt. Er war im Grunde ein unpolitisdier 
Idealist, der seine sozialdemokratische Über- 
zeugung niemandem aufdrängte, aber sie auch 
nicht verbarg. Er wurde boykottiert und war 
gesellschaftlich völlig isoliert. Die Mehrzahl der 
Professoren stand nach meinem Eindruck nicht 
gerade feindselig, weil ihnen Feindseligkeit 
charakterlich nicht lag, aber doch mit äußerster 
Skepsis der Demokratie gegenüber. 



Das politische Klima an einer so großen 
Universität wie der Berliner war sehr viel 
schwerer zu bestimmen als das Tübinger. Un- 
ter den mir bekannten Historikern hatte nur 
Friedrich Meinecke ein wirklich positives Ver- 
hältnis zum neuen Staat, war aber in seinen 
politischen Äußerungen in Vorlesungen und 
Übungen sehr behutsam. Um Loyalität be- 
mühte sich Erich Marcks, wenn audi sein Pa- 
thos über Bismarck und das Kaiserreich immer 
wieder durchschlug und vielleicht mehr unge- 
wollt entsprechende politische Wirkungen bei 
seinen Hörern auslöste. Der mittelalterliche Hi- 
storiker Albert Brackmann sprach wenig von 
Politik in seinen Veranstaltungen, aber zeigte 
durch Andeutungen immer wieder seine Vor- 
liebe für die alte Monarchie. Streng korrekt 
verhielt sich mein eigentlicher Lehrer Fritz 
Härtung. Aber er hat mir einmal persönlich ge- 
sagt wie schwer ihm diese Korrektheit falle. 
Aus 'seiner preußischen Vorstellungswelt, die er 
schon im Elternhaus erlebt — sein Vater war 
preußischer Beamter — und stets bewahrt hatte, 
glaubte er für die Demokratie kein Verständ- 
nis aufbringen zu können. 

Ich habe die vorzügliche dreistündige Vor- 
lesung von Heinrich Triepel über Deutsches 
Reichs- und Landesstaatsrecht gehört, die zu- 
gleich eine höchst anschauliche Einfuhrung in 
die Verfassungspraxis gab. Aber der Vorbehalt 
gepenüber den Parteien, den er selbst vor al- 
lem in seiner Rede „Die Staatsverfassung und 
die politischen Parteien zum Ausdrude ge- 
bracht hatte, zeigte sich sehr deutlich. Gerade 
diese Rede, die damals Aufsehen erregt und 
starke Verbreitung gefunden hatte, hat dem 
ohnehin bestehenden Anliparteienaffekt neue 
Bestätigung gegeben. Auch für Tyiepel sollte 
die Staatsgewalt über den gescllschaftlidien 
Gegensätzen und über den Parteien stehen, 
aber das Problem war die Konstruktion m 
einem demokratischen Staat. Triepel war in sei- 
ner Vorlesung loval. Er übte Kritik an der Ver- 
fassung aber vermied feindselige Bemerkun- 
gen So vorzüglich seine Einführung in verfas- 
sungspolitisches Denken war, so sehr es ihm 
gelungen ist, die Studenten zum Umgang mit 
dem Verfassungsinstrument anzuleiten, ihnen 
die Verfassungsfremdheit zu nehmen, so spurte 
man doch sehr deutlich seine innere Ablehnung. 
Er erklärte nicht die Entstehung und Bedeutung 
der Verfassung vom Historisch-Politischen und 
vom Gesellschaftlichen her, sondern beschrank- 
te sich hier auf formale Hinweise. 



Von subtiler Skepsis bis zu schroffer Kritik 



Theodor Esdienhurg 



Foto Fritz Eadieu 



mals als einA der bedeutendsten Lehrbücher 



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Smend stand grundsätzlich der parlamenta- 
rischen Demokratie skeptisch gegenüber, wenn 
er es auch sehr subtil und für den normalen 
Studenten schwer verständlich sagte. Sehr 
charakteristisch ist sein 1930 ersdhienener Auf- 
satz „Hochschule und Parteien", der gerade „die 



eigenen Disziplin zu arbeiten gewohnt waren. 
Von denen, die in unterschiedlichen Graden den 
Prominenten nachstanden, rede ich nicht. Unter 
ihnen waren nicht jene Erscheinungen selten, 
die durch politische Großsprecherei, durch ag- 
gres«5ive Pathetik und Radikaütät um Ansehen 



ner Zeit aufbringen können, was keineswegs 
Billigung bedeutet. Wer irgendwie kriegs- 
dienstfähig war, drängte zu den Waffen — auch 
die Professoren jener Zeit. Aber auch die, die 
zu Hause bleiben mußten, wollten Dienst im 
Krieg auf ihre Weise um jeden Preis leisten, 
nämlich durch Wort und Schrift den Kampfgeist 
wecken und wachhalten. Zu Tausenden gingen 
die Hefte der Professoren ins Feld. In unzähli- 
gen vielfach stark besuchten Versammlungen 
wurden deren Reden oft mit großer Begeiste- 
rung aufgenommen. Von Propaganda verstan- 
den die Gelehrten nichts, darin lag ja gerade die 
Verfehlung, daß sie mit wissenschaftlichen Ka- 



fast unglaubhafte Mischung von Exzentrik, Ver- 
ranntheit und Rabulistik dar, wie man sie, wenn 
man es nicht wüßte, von einem Universitätsleh- 
rer nicht vermuten würde. Dabei waren diese 
wissenschaftlichen Autoren in jeder Beziehung 
unabhängig, keine staatliche Stelle zwang sie. 
Gewiß bestand bei ihnen eine Abhängigkeit von 
der öffentlichen Meinung, die sie aber selbst zu 
vertreten hatten. Man sollte diese Schriften 
nicht danach beurteilen, daß die Autoren ins 
Unrecht gesetzt worden waren, weil der Krieg 
verloren wurde, sondern nach ihren wissen- 
schaftlichen oder unter wissenschaftlichen An- 
sprüchen vertretenen Anliegen und Analysen. 



Schwarzweißrot gegen Schwarzrotgold 



Der zweite Schritt war die entscheidende und 
stark nachwirkende Verfehlung. Denn mit ihm 
waren die Weichen für die angeblich wissen- 
schaftliche Haltung eines nicht unbeachtlichen 
Teils der deutschen Hochschullehrer in politi- 
schen Fragen gestellt. Von dieser Verfehlung 
vermochte ein guter Teil der Professoren sich 
nicht mehr zu lösen. Es entstand vielleicht mehr 
oder minder unbewußt bei ihnen der Drang, den 
Fehler fortzusetzen, wohl nicht zuletzt, um den 
einmal begangenen so zu rechtfertigen. Mit 
'\ Recht sagt Sontheimer („Antidemokratisches 
' Denken in der Weimarer Republik"): „Als Ge- 
burtsstunde des neuen Nationalismus nimmt das 
Kriegserlebnis im antidemokratischen Denken 
der Weimarer Republik eine zentrale Stellung 
ein " Die Spaltung aus den Jahren 1916/17, die 
nicht etwa damals neu entstanden, aber stärker 
und formierter in Erscheinung getreten war, als 
sie vor 1914 zu erkennen war, blieb in der Re- 
publik bestehen, nur mit einer Umkehrung. Es 
waren in erster Linie die Anhänger der Bis- 
marckschen Ordnung, die Gegner der neuen de- 
mokratischen Verfassung waren. Sie vertraten 
zugleich einen scharfen außenpolitischen Kurs 
des durch den verlorenen Krieg geschwächten 
Reiches gegenüber den ehemaligen Feindmäch- 
ten. Die demokratische, die schwarzrotgoldene 
im Gegensatz zur schwarzweißroten Richtung 
bejahte teils aus Gesinnung, teils aus Einsicht 
die neue Verfassung. Zu ihr gehörten vor allem 
jene, die der Monarchie Bismarckscher Prove- 
nienz skeptisch oder ablehnend gegenüberstan- 
den. Aber auch manche hatten aus rationalen 
Überlegungen sich nach dem Zusammenbruch 
ihr zugesellt. Sie trat für eine gemäßigte Außen- 
politik ein, schon aus der Sorge, daß jeder 
scharfe Kurs Einheit und Existenz des Reiches 
gefährden könnte. 

Yerfasftungsziele und Außenpolitik 

Für die Revision des Versailler Vertrages, 
für den Abbau seiner Lasten und Diskriminie- 
rungen, für die Rückgliederung der verlorenen 
Gebiete, vor allem im Osten, traten alle Par- 
teien ein. Aber der entscheidende Unterschied 
bestand darin, daß auf der Rechten starke 
Kräfte über die Revision des Versailler Ver- 
trages hinaus den verlorenen Krieg ungesche- 
hen und die Weltmachtposition des Reiches 
wiederherstellen, ja noch ausbauen wollten. Für 
sie, gleichgültig von welchen Motiven, ideologi- 
schen, gesellschaftlichen oder ressentiment- 
bestimmten sie geleitet sein mochten, waren die 
Anhänger einer demokratischen Reform des 
Kaiserreiches, die meist auch den Gedanken 
eines Verständigungsfriedens vertreten hatten, 
schuld an der militärischen Niederlage — man 
sprach von der „Dolchstoßlegende" — und 
schuld an der Annahme des Versailler Diktats. 
Die Demokratie war in ihren Augen zugleich 
Vater und Kind des Friedensvertrages. Danach 



war wesentliche Voraussetzung für einen 
scharfen außenpolitischen Kurs die Änderung 
der politischen Ordnung im Sinne einer konser- 
vativ-autoritären Staatsordnung. Die Demokra- 
tie war in diesen Vorstellungen nicht nur eine 
falsche Verfassungskonstruktion, was breiten 
Schichten nicht ganz leicht plausibel zu machen 
war, sondern für das Reich unter dem Versail- 
ler Diktat ein nationales Unglück, ja eine na- 
tionale Schande — und das war als politische 
Parole sehr viel wirksamer. Daß die Verfas- 
sungsreform in erster Linie außenpolitischen 
Bedürfnissen Rechnung zu tragen habe, war ein 
im Kaiserreich viel gebrauchtes Argument, das 
vor allem von einem so seriösen Gelehrten wie 
dem Verfassungshistoriker Otto Hintze für die 
politische Rechtfertigung der deutschen konsti- 
tutionellen Monarchie vorgebracht worden war. 
Das Reich mußte zu seiner Behauptung in der 
Mitte Europas über eine starke Verteidigungs- 
organisation verfügen, und diese wäre nur in 
einer starken Monarchie gewährleistet. 

Diese Argumente wurden seit 1919 in umge- 
kehrter Richtung wieder aufgegriffen. Die De- 
mokratie wäre nicht nur die Ursache des außen- 
politischen Abstiegs, sondern sie verhinderte 
auch einen Wiederaufstieg. Durch die Koppe- 
lung von Verfassungsauffassung und außen- 
politischer Zielsetzung war die Möglichkeit ge- 
geben, einmal durch Vertretung außenpoliti- 
scher Ansprüche verfassungsgegnerische Asso- 
ziationen zu wecken und wachzuhalten, zum 
andern Angriffe gegen die Verfassung national 
zu rechtfertigen. Zwischen beiden Richtungen 
gab es viele Kombinationen und Variationen, 
zwischen offener scharfer Ablehnung und stiller 
Antipathie einerseits, zwisclien stiller Duldung 
und offener eindeutiger Bejahung viele Ab- 
stufungen. 

Im vergangenen Jahrhundert waren die 
deutschen Universitäten, ein wesentlicher Teil 
ihrer Professoren und Studenten, für die Eini- 
gung Deutschlands nicht immer gefahrlos ein- 
getreten. Durch diese Tradition fühlten sich 
breite Kreise der Professoren und Studenten- 
schaft legitimiert, für den nationalen Wieder- 
aufstieg Deutschlands, wie sie ihn verstanden, 
zu wirken. Daß Professoren verschiedener po- 
litischer Meinung waren und diese auch vertra- 
ten, brauchte nicht weiter aufregend zu sein. 
Das entscheidende war, daß der Streit teils laut 
und unmittelbar, teils verdeckt und indirekt um 
die Grundsatzfrage der Staatsordnung ging, daß 
der Streit in die Lehre eindrang und in der 
Lehre selbst stärker politisch-polemisch als in 
exakter gründlicher Wissenschaftlichkeit aus- 
getragen wurde. 

Die politischen Verhältnisse an den deut- 
schen Universitäten waren keineswegs einheit- 
lich. Aber die antidemokratische Richtung war 
im Trend aller deutschen Universitäten wohl 
die stärkere und trat auch stärker hervor. Sie 
I fand bei der Mehrzahl der Studenten die grö- 



iit Schmitt il;ß sich bei seiner Eigenart zu- 
nächst sehr schwer einordnen, zumindest konnte 
man sowohl 3us seiner Verfassungslehre als 
auch aus seinem 1931 veröffentlichten Vortrag 
über „Hugo Preuß in der deutschen Staats- 
lehre"' nicht entnehmen, daß er sich selbst der 
antidemokratischen Richtung zugehörig fühle 
und zugerechnet werden konnte. Erst später 
setzte die offehe Distanzierung von der parla- 
mentarischen IDemokratie und die Wendung zur 
autoritären Staatsordnung ein, die schließlich 
bei der Machtergreifung dazu führte, daß er 
rückhaltlos in den Dienst Hitlers trat. Aber der 
Einfluß dieser Professoren, die zum politischen 
Denken ausbilden wollten, war, im ganzen ge- 
sehen, gering. Das lag nicht an ihnen, sondern 
daran, daß die Bereitschaft zu einer solchen 
Anleitung innerhalb der Studenten auf kleine 
Kreise beschränkt war. Die politische Leiden- 
schaft, das politische Ressentiment überwogen 
die Bereitschaft und Fähigkeit zur politischen 
Analyse und Urteilsbildung. Das galt auch für 
erhebliche Teile der demokratischen Richtung. 
Wenn Max Julius Bonn in seinen Erinne- 
^rungen sagt, die akademische Welt grollte der 
Republik, so traf das für einen sehr beacht- 
lichen Teil zu. Sie stammte fast ausschließlich 
aus bürgerlichen Kreisen und vorwiegend aus 
den Schichten des Beamtentums der Monarchie. 
Friedrich Meinecke hatte 1925 von dem Res- 
sentiment einer „gestürzten Klasse, das heute 
die politische Luft in Deutschland so dick und 
schwer mache" gesprochen. 

Mit t ränenerstickler Slininic 

Als ich Os'tern 1924 nach Tübingen kam, war 
das politische' Klima an der Universität im Ver- 
hältnis zu manchen anderen Universitäten re- 
lativ milde. Eine antidemokratische studen- 
tische Kundgebung habe ich in vier Semestern 
nur ein einziges Mal, allerdings dann auch 
reichlich stürmisch erlebt. Immerhin machten 
die beiden Historiker Johannes Haller und 
Adalbert Wahl ohne Rücksicht auf das jewei- 
ilige Vorlesungsthema aus ihrer antidemokrati- 
sehen Haltung, aus ihrer Verachtung gegenüber 
ider Republik, deren Regierungen und ihrer Po- 
litik keinen Hehl. Bei Haller verging kaum eine 
Stunde, in der nicht eine scharfe, vielfach sogar 
gehässige gezielte Bemerkung, die sorgfältig 
vorbereitet und glanzvoll vorgetragen war, fiel, 
um mit großem Beifall aufgenommen zu wer- 
den. Wahls Bemerkungen waren nicht so ge- 
schliffen, aber nicht minder feindselig. So wurde 
von ihm die Doldistoßlegende, die ja eine der 
infamsten Propagandaparolen gegen die Repu- 
blik war, vor den Studenten ausführlich wis- 
senschaftlich begründet, nachdem sie vorher der 
mittelalterliche Historiker Dietrich Schäfer, 
einer der radikalsten unter den Alldeutschen, 
in seinen Publikationen vertreten hatte. Diese 
Verbindung von Wissenschaftlichkeit und Res- 
sentiment war das Gefährliche. Die Tendenz 
entsprach weitgehend studentischen Vorstellun- 
gen, aber die Studenten fühlten sich durch die 
Hinweise und Argumente ihrer Professoren 
gleichsam wissenschaftlich bestätigt. Ihr Glaube 
an die verba magistri war damals viel stärker 
als heute. 

Haller konnte, wenn er wollte, auch anders 
argumentieren. Ich entsinne mich einer Vor- 
lesungsstunde über den Vertrag von Olmütz 
1850, in dem Preußen sich den Forderungen 
Österreichs und Rußlands unterworfen hatte. 
Meisterhaft erklärte und verteidigte Haller die 
preußische Politik, letztlich um uns verständlich 
zu machen, daß die Annahme des Versailler 
Vertrages aus Gründen der Staatsräson hatte 
erfolgen müssen. Aber das war eine Seltenheit. 
Zwar ging es in den meisten anderen Vor- 
lesungen nicht so scharf her wie bei Haller und 



mica gegenüber dem heutigen Staat der Wei- 
marer Verfassung" behandelte. Hier verteidigt 
er grundsätzlich, ohne auf Einzelerscheinungen, 
auch nicht auf Auswüchse einzugehen, die Ein- 
stellung, sagen wir einmal der rechtsgerichteten 
Professoren und Studentenschaft. Popitz war 
Staatssekretär im Reichsfinanzministerium und 
Honorarprofessor; er verleugnete in seinen aus- 
gezeichneten Vorlesungen über Finanzwissen- 
schaft und Steuerrecht nicht sein bürokratisches, 
vorwiegend von administrativen Überlegungen 
bestimmtes Mißtrauen gegen die parlamenta- 
rische Demokratie. 

Einer der angesehensten Professoren der 
Berliner Universität war damals Martin Wolff, 
ein hervorragender Rechtslehrer von über- 
legener pädagogischer Begabung. Er war Jude, 
wirkte durch seine kleine Gestalt mit leichter 
Verkrüppelung des Rückens fast gnomenhaft. 
Aber seine Autorität war so stark, daß alle 
au.snahmslos still und gespannt ihm zuhörten. 
Er brauchte keine Konzessionen an seine Hö- 
irer zu machen, aber gelegentlich fiel immer 
.wieder eine bissige Bemerkung gegen die be- 
?■ stehende Staatsordnung, die wirkte und nicht 
so leicht vergessen wurde. Eduard Sprangers 
Sympathie für eine mehr autoritäre Staatsord- 
nung, schon aus seinen preußischen Traditions- 
vorstellungen heraus, war bei aller seiner Be- 
amtenloyalität, die er streng beachtete, unver- 
kennbar. 

Der große Althistoriker Eduard Meyer mach- 
te aus seiner feindseligen Haltung in seinen 
Kollegs kein Hehl. Die Geschichte Athens und 
Roms bot ja viele Möglichkeiten zum Vergleich, 
wenn sie auch manchmal nicht stimmten. Lud- 
wig Bernhard, der dem Hugenbergkonzern sehr 
nahestand, übte in seinen volkswirtschaftlichen 
Vorlesungen an wirtschaftlichen und sozialen 
Maßnahmen der Reichspolitik fast regelmäßig 
Kritik. Aber sie galt den Maßnahmen als sol- 
chen erst in zweiter Linie, vor allem sollten sie 
das System treffen. Von dem Theologen Rein- 
hold Seeberg, der 1925 Rektor war, stammt 
die Inschrift auf dem Gefallenendenkmal der 
Berliner Universität: invictis victi victuri — 
den Unbesiegten, die Besiegten, die siegen 
werden. Was dieses Wort bedeuten sollte, ließ 
die offenkundig antidemokratische und nationa- 
listische Haltung Seebergs erkennen. 

Ein hemmungsloser Feind des Weimarer 
Staates war der Germanist Gustav Roethe, 
einer der angesehensten Vertreter seines Fa- 
ches und bei den Studenten sehr beliebt. Von 
«ähnlicher Hemmungslosigkeit, aber noch radi- 
-' kaier war der Anatom Lubarsch. Konflikte in 
Hochschulfragen mit den Kultusministern, wie 
sie auch in der Monarchie hätten vorkommen 
können, wurden von einer Reihe von Univer- 
sitätsprofessoren, zu denen neben einigen schon 
genannten die Nationalökonomen Hermann 
Schumacher sowie der Kirclienrechtler und 
Kirchenhistoriker Hermann Stutz gehörten, 
ebenfalls Gelehrte von hohem Rang, dem „Sy- 
stem" zur Last gelegt. Während meines Stu- 
diums an der Berliner Universität überwogen 
die undemokratischen Tendenzen; an demokra- 
tiefeindlichen fehlte es nicht. Dabei habe ich 
mich nur auf einige angesehene Namen be- 
schränkt, deren Wirkung aber dank ihrer Au- 
torität um so stärker war. Man muß aber be- 
rücksichtigen, daß in jenen Jahren die Autori- 
tätsgläubigkeit im Wissenschaftlichen zwar ge- 
genüber der Zeit des Kaiserreichs nachgelassen 
hatte, aber wesentlich stärker war, als sie heute 
noch zu spüren ist. 

Unter den angesehenen Gelehrten können 
manche gewesen sein, die im Politischen zu 
einem anderen Ergebnis gelangt wären, wenn 
sie ihre politische Haltung mit ebensoviel In- 
telligenz, mit der gleichen Gründlichkeit und 
Sorgfalt ' kontrolliert hätten, wie sie in ihrer 



Begabung und Leistung fehlte. Ich lasse auch 
außer Betracht die Professoren, die gleichzeitig 
Abgeordnete waren. Sie wurden in erster Linie 
als Politiker gewertet, so von Freytagh-Lo- 
ringhofen und Martin Spahn, der vor Beginn 
seiner politischen Karriere beachtliche wissen- 
schaftliche Leistungen verzeichnen konnte. Im- 
merhin hob sich durch sein maßvolles Auftre- 
ten der Osthistoriker Otto Hoetzsch, der eben- 
falls deutschnationaler Reichstagsabgeordneter 
war, von ihnen ab. 

Zahlreiche von Professorenhand verfaßte 
Schriften mit offenen und versteckten anti- 
demokratischen Tendenzen sind in jener 
Zeit erschienen. Am stärksten traten im Be- 
reich der Geisteswissenschaften die Historiker 
und Staatsreclitslehrer, aber auch einige Natio- 
nalökonomen hervor. Von den Soziologen hiel- 
ten sich viele zurück oder standen, von Aus- 
nahmen abgesehen, auf der Gegenseite. Zu den 
Ausnahmen gehörten in erster Linie Othmar 
Spann und Hans Freyer, die sich mit den politi- 
sclien Problemen ernsthaft auseinandersetzten. 

„lleerlos, wehrlos, ehrlos*' 

Unter den protestantischen Theologen wag- 
ten sich nicht wenige weit vor. So finden sich 
in der Greifswalder Rektoratsrede des Theo- 
logen OttoProksch „König und Prophet Israels" 
aus dem Jahre 1924 die Sätze: ..Der Name Ver- 
sailles, über dem einst eine Kaiserkrone schweb- 
te, läßt heute das Blut gerinnen. Denn aus 
Versailles haben wir nur die Narrenkappe 
heimgebracht; und wir sind heerlos, wehrlos, 
ehrlos. Wohl hat Frankreich vor einem Jahr 
selbst den Vertrag von Versailles gebrochen, 
aber wir erfüllen, erfüllen, erfüllen . . . Wenn 
deutsche Art und christlicher Glaube sich ver- 
binden, dann sind wir gerettet, dann wollen 
wir arbeiten mit unseren Händen und des Tages 
warten, bis daß der deutsche Held komme; er 
komme als Propliet oder als König." Daß das 
nicht mehr Theologie war, bedarf keiner be- 
sonderen Hervorhebung, und ebensowenig, daß 
es hier an jeglichem ernsthaften politischen Ge- 
halt fehlte, aber diese Worte fielen nicht weiter 
auf. weil eine Reihe der Fachkoilegen Ahn- 
liches in ähnlicher Form sagte. Sehr viele 
katholische Professoren — nicht nur katholische 
Theologen — , die damals an der Universität 
eine relativ kleine Minderheit darstellten, wa- 
ren, von einigen Ausnahmen abgesehen, reser- 
viert, nicht zuletzt deswegen, weil ein beacht- 
licher Teil Anhänger des Zentrums war, der 
großen katholischen Partei, die auf dem Boden 
der Verfassung stand. Bei den Naturwissen- 
schaftlern und Medizinern war weithin Stille, 
wenn man einmal von den Vorlesungen ab- 
sieht, in denen manches harte Wort gefallen 
sein soll. Wenn aber einer sich an die Öffent- 
lichkeit wandte, wie etwa Lubarsch oder der 
Heidelberger Physiker Lenard, der Nobelpreis- 
träger v/ar. dann geschah es in einer kaum mehr 
an Radikalität und Emotionalilät zu überbieten- 
den Weise. 

Die Professoren der Rechten — um sie so mit 
einem kurzen Wert zu kennzeichnen, ohne daß 
damit die Zugehörigkeit zu bestimmten Parteien 
zum Ausdruck gebracht ist — fanden einen star- 
ken Anklang bei dem Gros der Studenten. Von 
den männlichen Studierenden, deren Zahl in je- 
ner Zeit bei hundertti-usend gelegen haben mag, - 
gehörte mehr als die Hälfte Korporationen an, i 
die wiederum in enger Verbindung zu ihren 
Altherrenverbänden standen. Die katholischen 
Korporationen unterschieden sich in ihren feu- 
dalen Korporationssitten und -Vorstellungen 
überhaupt nicht von den schlagenden Verbin- 
dungen, aber sie waren im allgemeinen politisch 

(Fortsetzung auf der folgenden Seite) 



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den Ehrenbürger der Stadt, Uni- 
versitätsprofessor Dr. Jakoto 
Herz, enthüllt. Daandt wurde ein 
Unrecht wieder giut gemacht, 
denn die Nazis hatten das frü- 
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iibende Cheml- 
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begehen, 
die Doktor- 
verleihenden 
lert wird. Die 
sbule Hanno- 
kalter Dux, der 
fetamimt und an 
ie ein Schiüler 
des grossen 
lenstein war, 
jn Feierstunde 
pihysikalisch- 
|ts, an die sich 
ItätÄbankett 

.Deutschland 
fem als 



Herz, 1816 In 
Tcn und 1871 in Erlangen gestor- 
ben, war der erste Jude in Bay- 
ern, dem eine Stadt das Ehren- 
bürgerrecht verliehen hat, und 
der erste jüäiscJifi^Ei;:öfeß«or, der 
zum ord eiitli^gi Pro fessor er- 
nannt würde. Der Deifcan der 
Universität Erlangen bezeicline- 
te Herz als den eigentlichen 
Schöpfer der chiruigischen^Ana- 
tomie. Z^/^' i/^y 

Herz galt aum als "Fanatiker 
der Wohltätigkeit**. Er hat nicht 
nur arme Mitbürger umsonst be- 
handelt, sondern Urnen auch 
noch Lebensonittel wad Kleider 
In die Wohnung gebracht und sie 
oft auch mit Geld ver^oirgt. 

H. joU 

Eine deuHche Mayo-Klinik 

Nacli d€aa^M||ld der Mayo- 
Klinik in^^^^^lrd in Wies- 
baden ^^^^^^ma^*-^-^)^jw 

Diagno^^^^^^^P« / 
modernüH^^H||pi& / 
stische Inscm^^Siropa / 



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ADVEf 

M«mb*r 

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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZE 



ITUNG ^ \) 



DIE GEGENWART 



Mittwoch. 16. Juni 1965 / Nr. 137 / Seite 15 



Berichte • Daiumente 



f^^. PROFESSOREN UNTER HITLER 

DargesleUt am Beispiel der UiiiversiUit Kiel von Karl Dietrleh Erdinauii 



Geburtstage sind im Leben von Personen wie von Instilulionen Anlaß zur Besinnung auf die Vergangenheit. 
Perioden, die zu bereditigtem Stolz Anlaß gehen, wediseln mit soldien, in denen es naheliegt, m rasdiem 
Darüherhinblidcen den Ansdiluß an neue Phasen zu erreidien. Daß die Universität Kiel, die Anfang Jum 
ihr dreihundertjähriges Jubiläum feierte, an den dunkleren Partien ihrer Gesdiichte nidit vorbeiging, ist xlir 
hodi anzuredinen. Der Lohn saldier Ehrlidikeit ist, daß in dem, was im rasdien Darüberhinweggleiten ganz 
dunkel bliebe, audi Liditseiten zutage treten. Der Kieler Historiker, Professor Karl Dietridt Erdmann, mußte 



in seinnu Xortra- über die GesdiiAe der Kieler Universität von 1933 bis 1945 nidit nur ^d^T'^X^e 



Den Auftrag, eine Vorlesungsstunde zu hal- 
ten über die Wissenschaft im Dritten Reich, 
möchte ich so verstehen: Wenn eine deutsche 
Universität aus festlichem Anlaß ihre Ge- 
sdiichte überblickt, um aus der Rückschau auf 
das Vergangene ein Bewußtsein ihres gegen- 
wärtigen Standortes zu gewinnen, so gehört 
dazu auch eine frontale Auseinandersetzung 
mit jenen Jahren, in denen der Christiana Al- 
bertina eine führende Rolle bei der wissen- 
schaltliclien Absichenmg der nationalsozialisti- 
schen Ideologie zugedacht war. 

Darf eine solche Betrachtung im Anonymen 
verharren? Sie würde ihren Zweck verfehlen. 
Wir wollen keine Hexenjagd veranstalten, und 
die Histoire scandaleuse bringt wissenschaft- 
lich nichts ein. Wir sind es aber dem intellek- 
tuellen Rang und der persönlichen Integrität 
einiger der für das damalige Profil der Kieler 
Universität charakteristischen akademischen 
Lehrer schuldig, daß wir uns mit ihnen, den 
toten und den lebenden, in der offenen Weise 
auseinandersetzen, wie es sich für eine akade- 
mische Vorlesung ziemt. Es besteht im übrigen 
für niemanden, der jene Zeiten in Deutschland 
lebend überstanden hat, Anlaß, dies von einem 
erhöhten Podest aus zu tun. 

Fiihrerprinziji statt Selbstverwaltung 

Die zwangsweise Gleichsdialtung der Univer- 
sitäten vollzog sich in Kiel in den gleichen For- 
men wie anderwärts. Mit der Gleichschaltungs- 
funktion wurde unter Beseitigung aller kon- 
kurrierenden Gruppen in der Studentenschaft 
der Nationalsozialistische Deutsche Studenten- 
bund, in der Professorenschaft der Dozenten- 
bund beauftragt. Die korporative Form der aka- 
demischen Selbstverwaltung wurde ersetzt 
durch das Führerprinzip. Senat und Fakultät 
hatten dem Rektor und den vom Rektor gewähl- 
ten Dekanen gegenüber nur mehr eine beratende 
Stellung. Politisch Verfemten wurde der Doktor- 
grad entzogen. Den Auftakt zu dieser Zerstö- 
rung von akademischem Recht und akademi- 
scher Freiheit bildete auch hier eine von Stu- 
denten inszenierte Bücherverbrennung. Der 
Philosoph Weinhandl, dem es in seinen Schriften 
aus der NS-Zeit auf eine Erneuerung des Mythos 
ankam, hielt dazu eine Rede. Die Üniversitäts- 
fahne wurde dem Zug der Studenten zur Ver- 
brennungsstätte der Bücher auf dem Wilhelms- 
platz vorangetragen, und niemand war da, der 
sie vor dieser Erniedrigung schützte. 

Die Universität ist als Teil der Gesellschaft 
in das politische Leben der Landschaft, in der 
sie steht, eingeflochten. Die politische Entwick- 
lung Schleswig-Holsteins zeigt in den zwanziger 
Jahren einen heftigeren Umschlag als irgendein 
anderer Teil Deutschlands. In den letzten kai- 
serlichen Reichstag vor dem Ersten Weltkrieg 
schickte die Provmz Schleswig-Holstein aus- 
i;chließlich AbgeoT^dnete der Sozialdemokratie 



sehen .den einzelnen war hier doch insgesamt 
eine liberale, weltoffene Geistigkeit bestimmend. 
Zu den für die Universität Kiel charakteristi- 
schen Namen mit weiter Ausstrahlungskraft 
hatten in den zwanziger Jahren die Juristen 
Walter Jelhnek und Gustav Radbruch gehört. 
Kiel erfreute sich der besonderen Förderung 
durch den von liberalen Reformideen erfüllten 
bedeutenden preußischen Kultusminister Becker. 
Von ihm ist das Wort überliefert, „daß Kiel 
unter den zwölf preußischen Universitäten die 
Stellung einnehme, die der Apostel Johannes 
unter den zwölf Jüngern gehabt habe". Im 
Augenbhck des Umbruchs 193.3 war die Profes- 
sorenschaft der Kieler Universität so zusammen- 
gesetzt, daß in den Augen der Machthaber nur 
eine radikale personelle Veränderung die Vor- 
aussetzungen schaffen konnte für die gewünschte 
Politisierung im nationalsozialistischen Sinne. 
Zu denen, die jetzt als untragbar galten, gehör- 
ten, ohne daß ich die Namen und Verdienste aller 
anderen aufzählen möchte, Männer wie Walter 
Schücking, Vorkämpfer der Völkerbundidee und 
Mitglied des Internationalen Gerichtshofs, Fer- 
dinand Tönnies, einer der wahrhaft schöpfe- 
rischen Geister bei der Ausprägung des Be- 
griffswerkzeuges für die neue Wissenschaft der 
Soziologie, Bernhard Harms, der Begründer und 
Leiter des Instituts für Weltwirtschaft, der 
Physiologe Hoeber, dessen Lehrbuch in zehn 
Fremdsprachen übersetzt war, und der Ger- 
manist Liepe, Hebbel-Forscher und Direktor des 
Kieler Theatermuseums. Auf einer Liste von 
Schriften, die im Jahre 1933 in der Kieler Uni- 
versitätsbibliothek als undeutsch ausgemerzt 
werden sollfen. fungierten die Namen von nicht 
weniger als 28 Kieler Professoren und Dozenten 
als Autoren. Von einer ebensolchen Zahl forderte 
die Studentenschaft unter Androhung von Ge- 
waltmaßnahmen, daß sie sofort ihre Beurlau- 
bung einreichen sollte. . 

Einige Jahre später, bei der 275-Jahr-Feier 
der Universität, meinte der Rektor Ritterbusch 
mit Genugtuung feststellen zu können, daß 
sich die Universität Kiel in ihrem personellen 
Bestände in den ersten Jahren nach 1933 nahe- 
zu vollständig erneuert habe, so daß sich nur we- 
nige Lehrstühle in der Besetzung gleichgebUe- 
ben seien. Von denen, die die Universität da- 
mals von sich stieß, sind einige jetzt nach Kiel 
gekommen, um das 300-Jahr-Fest mit uns zu 
feiern Im akademischen Ritual des farbenbun- 
ten Festes stellt sich die Verbindung unserer 
Universität mit der Wissenschaft in Deutsch- 
land, Europa, der Welt in der Breite dar. Die 
dankbar empfundene Anwesenheit aber von 
Melitta Gerhard, Rudolf Heberle, Richard Kro- 
ner, Otto Klemperer, Hans Neißer und Karl 
Zerioe vergegenwärtigt über jene Zeit der Ver- 
finsterung des Geistes hinweg eine Epoche aus 
der Geschichte unserer Universität, die zu den 
wissenschaftlich fruchtbarsten in ihrer 300jäh- 
rigen Entwicklung zählt. Der Rektor Ritter- 
busch fuhr in seiner Rede zur 275-Jahr-Feier 



sität die Chance eines .Meubcginns und einer 
neuen Besinnung bot. 

Was die Theologische Fakultät angeht, so ist 
sie zwar nicht verdrängt, aber zerrieben wor- 
den. Als nach den Illusionen des Anfangs starke 
Gruppen in der Kirche sidi auf das Bekenntnis 
besannen und von hier aus dem weltanschau- 
lichen Totalitätsanspruch des Staates wiüei- 
standen, haben sich auch Kieler Theologen in 
diesem Ringen um die Eigenständigkeit aer 
Kirche engagiert, unter ihnen - um einen 
Namen zu nennen — der spätere HistoriKer 
des Kirchenkampfes Kurt Dietrich Schmidt 
Den äußersten Gegenpol verkörperte der 
systematische Theologe Mandel, der — mit aem 
Titel einer seiner Aufsätze — „i:«.eii- 




der Wissenschaft ist nie geschwunden. Er wußte, 
daß die gläubige Gefolgschaft, die er verlangte, 
und der Geist der Wissenschaft einander aus- 
schließen Er ließ sicli darüber nicht tauschen 
durch die mancherlei Beflissenheit, die audi die 
akademisclie Welt ihm entgegenbrachte durch 
Charakterlosigkeit und Opportunismus, die sich 
im Bereiche der Universitäten nicht weniger als 
sonst in der Gesellschaft von der Madit und dem 
Erfolg beeindrucken ließen. In unserer Betrach- 
tung lassen wir diese Fälle beiseite. Für die 
Ortsbestimmung der Universität ist es je- 
doch lohnend, drei Grundtypen der wissensdiatt- 
lichen Verhaltensweise gegenüber dem Naüo- 
nalsoziahsmus zu überdenken, die wir im Be- 
reich der deutschen Wissenschaft und auch an 
der Kieler Universität finden. 

Zum ersten Typus gehören die charaktervol- 
len Gegner einer Ideologisierung. Hierbei ist, 
um einige Beispiele außerhalb Kiels zu nennen, 
an Männer zu denken wie die Pädagogen Litt 
und Spranger, die Theologen von Soden und 
Bultmann, den Philologen Ernst Robert Curtius, 
die Historiker Ziekursch und Ritter und manche 
anderen. Den Gegentyp stellen die Fälle dar, wo 
Wissenschaftler von unbezweifelbarem Rang 



sich nicht aus politiscliem Opportunismus, son- 
dern aus Überzeugung für den Nationalsozialis- 
mus einsetzen und ihr eigenes wissenschaftliches 
Tun mit dessen Ideologie in Verbindung brin- 
gen Lassen wir einen so absonderlichen Fall 
wie jenen Kieler Nobelpreisträger Lenard, spa- 
ter in Heidelberg, beiseite, der seine Polemik ge- 
gen Einstein mit der Propagierung einer deut- 
schen Physik und arlgemäßen Mathematik ver- 
band. Naclidenkcnswert bleiben solche Erschei- 
nungen wie etwa in der Literaturwissenschatt 
Hans Naumann und Ern.st Bertram, in der 
Rechtswissenschaft Carl Sdimitt, in der Philoso- 
phie Martin Heidegger wenigstens für die An- 
fangsphase des Regimes. Den dritten Typus stel- 
len jene zahlreichen Gelehrten dar, die, ohne 
nach außen hin im Sinne der nationalsozialisti- 
schen Ideologie positiv oder negativ profiliert 
zu sein, ordentliche Wissenschaft weiterbetrei- 

^ Richten wir den Blick auf die Kieler Univer- 
sität Wir begegnen diesen drei Grundeinstel- 
iungen hier in charakteristischer, individueller 
Ausprägung. Ich beschränke mich auf einige der 
Fälle, wo die politische Ordnung zum Gegen- 
standsbereich der Wissenschaft gehört. 



Distanz aus liberalem und konservativem Geist 



Ferdinand Tönnies, im Jahre der Macht- f 
ergreifung Hitlers 78 Jahre alt, gehörte zu jenem 
Typ des alten liberalen Professors, der seine gei- 
stigen Wurzeln in der Aufklärung und im deut- 
schen Idealismus hatte, der an die Möglichkeit 
des Fortschritts glaubte und von innerem Feuer 
glühte für den Gedanken der sozialen Gerech- 
tigkeit Wir besitzen von ihm das Manuskript 
für eine nach der Maclitergreifung vereinbarte 
und im Februar 1933 in Berlin zu haltende Rede 
Über die Lehr- und Redefreiheit". Sie war, dem 
Geist der Zeit ins Gesicht, ein Bekenntnis zum 
Naturrecht. Bemerkenswert ist seine Warnung 
vor einem Mißbrauch des Artikels 48 der Wei- 
marer Verfassung. Er ordnet die Universität 
politisch dem parlamentarischen System zu 
denn die Lehrfreiheit steht ihm als Grundrecht 
der Hochschulen in unmittelbarer Verbindung 
mit der Redefreiheit des Abgeordneten. Lnd in 
einer direkten Warnung und Anklage gegen das 
neue Regime erklärte er: „Nicht selten gibt es 
Staatsregierungen, die ihrem eigenen Interesse 
und somit wenigstens mittelbar dem In eresse 
des Staates selber zuwiderhandeln, die also die 
Rede- und Lehrfreiheit beschränken, weil sie 
selber zusammen mit ihren Dienern uneinge- 
schränkte Freiheit, z.B. frühere Regierungen 
mit Schmach zu bedecken, genießen wollen in 
Freiheit tyrannisch zu reden sowie zu handeln 
und, ohne Widerspruch gewärtigen zu müssen, 
Lehren zu verkünden, die jedem klaren und 
sicheren wissenschaftlichen Bewußtsein ^entge- 
:engesetztsind . ia_dl!rchJhre 



mittelbar beteiligt an der Vorbereitung des 
Attentats gegen Hitler. Fünfzehn Monate vor 
dem Anschlag entwickelte er den Plan dazu: 
Es wäre in der Theorie so einfach, diesen Ver- 
iDrecher zu beseitigen: Der vortragende Offizier 
bringt eine Mappe mit herein, die Sprengstoti- 
ladung enthält, legt die Mappe auf den Schreib- 
tisch von Hitler, läßt sich zu einem verabredeten 
Telefonanruf herausholen, und Hitler ist besei- 
tigt " Am Vorabend des 20. Juli sprach er mit 
Graf Stauffenberg den Plan noch einmal durch. 
Er starb für seine freiheitliche Gesinnung am 
Galgen in Plötzensee. Seine konservative Auf- 
fassung über das Verhältnis des einzelnen zum 
Staat und damit über das Wesen der Freiheit 
wurzelt im Unterschied zur naturrechtlich 
orientierten Gedankenwelt der Liberalen und 
Demokraten in dem, was er selbst als Universa- 
lismus bezeichnet. Mit seinen Worten aus einem 
Artikel über den Staat 1933, der als solcher 
nichts Originales enthält, aber den Ausgangs- 
punkt seines Denkens kennzeichnet: „Die Auf- 
fassung des Universalismus geht von der Ge- 
meinsdiaft aus und verweist darauf, daß der 
einzelne stets in eine bestimmte Gemeinschaft 
hineingestellt wird, in der er erst sein eigenes 
Dasein gestaltet. Im Gegensatz zum Individua- 
lismus erscheint die Gemeinschaft also nidit als 
die Summe der in ihr beschlossenen Personen, 
sondern als selbständiges und selbsttätiges We- 
sen Die Volksgemeinschaft stellt den höchsten 
Wert dar. Nur durch sie erhält der einzelne 
sei 



TTrie^der iibtraien L.inKeh. ü.s war aoer zugien 
die erste Provinz in Deutschland, die — und 
zwar schon im Juli 1932 — eine absolute natio- 
nalsozialistische Majorität aufwies. In der Kieler 
Studentenschaft, die vorwiegend aus Schleswig- 
Holstein stammte, machte sich eine entspre- 
chende Radikalisierung schon vor 1933 geltend. 
Der liberale Theologe Baumgarten und der Vol- 
kerrechtler Schücking wurden schon 1930/31 zum 
Gegenstand studentischer Provokationen und 
Radauszenen. Ein anderes Bild bot der Lehr- 
körper. Bei allen politischen Unterschieden zwi- 



iort: „JJIeser aUsöTüTe peisoneue ümorucr 
schloß eine rahige und stetige Entwicklung in 
den ersten Jahren nach 1933 aus." Das war eine 
euphemistische Formulierung für den studen- 
tischen Terror, der sich in jener Zeit breitge- 
macht hatte und der sich schäm- und ehrlos 
auch gegen die jüdischen Frontkämpfer, wie den 
Philosophen Kroner, unter den Dozenten rich- 
tete die ursprünglich noch durch das Gesetz 
geschützt sein sollten. Kein Rektor, kein Senat, 
der sich vor die bedrängten Kollegen gestellt 
hätte. 



Eine Stoßtrupp-Fakultät 



Ein Wort zu den Kieler Rektoren der NS- 
Zeit Im Augenblick der Machtübernahme am- 
tierte der Nationalökonom Skalweit. Er hatte 
im letzten Monat seines Rektorats, im Februar 
1933 Zumutungen nationalsozialistischer Studen- 
ten 'tapfer widerstanden. Einige Zeit spater 
wurde er an eine andere Universität versetzt. 
Sein Nachfolger, der Historiker Scheel, war nur 
wenige Monate im Amt. Zu den im April 1933 
angeordneten neuen Rektoratswahlen stellte er 
sich nicht mehr. Ihm folgte für zwei Jahre der 
Naturwissenschaftler Lothar Wolf. Er setzte den 
Dekan der Philosophischen Fakultät, den Altger- 
manisten Wesle, von seinem Amte ab, weil die- 
ser sich den Tadel des preußischen Kultusmini- 
sters zugezogen hatte wegen des in der Fakultät 
kund gewordenen Murrens gegen die nationalso- 
zialistische Personalpolitik. Politischer Einbläser 
dieses Rektors war der Historiker Petersen, An- 
gehöriger der Georgschule, die an unserer Uni- 
versität in dem 1930 verstorbenen Historiker 
Friedrich Wolters ihren Künder gefunden hatte. 
Wolf und Petersen wollten die „politische Uni- 
versität", und sie wollten sie von einer Kern- 
takultät her aufbauen. Als solche dachten sie an 
die Philosophische Fakultät, während sie die 
Theologie am liebsten ganz von der Universität 
weg in Priesterseminare verbannen wollten. 
„Grenzlanduniversität" sollte Kiel werden, wo- 
bei die Philosophische Fakultät mit ihren auf 
den Norden bezogenen Disziplinen von Geschich- 
te, Literatur und Sprachenwissenschaft als Trä- 
ger einer solchen Aufgabe nahelag. Unklar blieb 



g< 



aber, welche Zielsetzung sicli dabei für die 
Universität ergab. Sollte sie Träger des Volks- 
tumskampfes gegen die Dänen sein, wie es etwa 
die Hochschulblätter wollten, oder sollte der 
Volkstumskampf hinter einer allgemeinen 
Nordlandromantik zurücktreten, wie es eher der 
Ansicht Petersens entsprach? 

Die Philosophische Fakultät hatte im An- 
spruch auf die Führerrolle einen Konkurrenten, 
der das Rennen tatsächlich machte: Kernfakul- 
tät wurde nach einem radikalen Umbau die .lu- 
ristische. Von den früheren Lchrstuhlinhabprn 
war nur einer in Kiel belassen worden. In den 
ministeriellen Richtlinien für das Studium der 
Rechtswissenschaft wurden die Studenten auf- 
gefordert: „Bevorzug;; zunächst die rechtswissen- 
schaftlichen Fakultäten in Kiel, Breslau und 
Königsberg, die als politischer Stoßtrupp auser- 
sehen sind." „Stoßtruppfakultät" in der „Grenz- 
universität" — unter den beiden juristischen 
Rektoren Dahm (1935—1937) und Ritterbusch 
(1937_1941) hat die Universität Kiel die Rolle 
einer politischen Universität im Sinne der NS- 
Ideologie am intensivsten gespielt. Es folgte als 
Rektor der Mediziner Löhr, alter Kämpfer und 
Dozentenbundsführer, der in Kiel eine NS-Do- 
zentenakademie ins Leben gerufen hatte. Er 
starb nach einem halbjährigen Rektorat. Der 
Krieg brachte dann das Leben der Universität 
mehr und mehr zum Erliegen. Unter den Rek- 
toraten von Predöhl und Holzlöhner siechte sie 
dahin, bis der Zusammenbruch des nationalso- 
zialistischen Reiches auch für die Kieler Univer- 



^j^rofesso^^^Karl Dietrich Erdmann 

' -• ' -^ }' '-' Bild Haendler-Krah 

11 

gionsgeschichte als rassenkundliche Geistes- 
geschichte" betreiben wollte und für die 
deutsche Glaubensbewegung warb. Er trat in 
die Philosophische Fakultät über, die für die 
Ansiedlung einer arischen Rehgionsideologie 
günstigere Voraussetzungen zu bieten schien 
Ohne eigenen Dekan kommissarisch venvaltet 
und in der Fakultätenfolge vom ersten auf den 
letzten Platz gleichsam strafversetzt, hat die 
Theologische Fakultät trotz der einen oder an- 
deren Neuberufung — die mit den Worten eines 
Ministerialerlasses „Gewähr für eine welt- 
anschauliche und nationalpolitische Erziehung 
und Ausbildung der Theologiestudenten" bilden 
sollte — bis zum Ende des Dritten Reiches in 
der Universität kein eigenes Gewicht mehr 
gehabt. 

Nach diesem Überblick über das Schicksal 
der Kieler Universität in der Zeit des Dritten 
Reiches fragen wir uns, wie sich die Wissen- 
schaft dem nationalsozialistischen Totalitäts- 
anspruch gegenüber verhalten hat. Ganz all- 
gemein läßt sich für die deutschen Universi- 
täten vorweg feststellen, daß sie als Institution, 
als Gruppe von Menschen nie und nirgendwo 
zu einer so klaren Widerstandsposition gelangt 
sind, wie es weitgehend in den Kirchen der 
Fall v/ar, nachdem die Illusionen der ersten 
Jahre verflogen waren und die Rückbesinnung, 
sei es auf die Rechtsposition des Konkordats, 
sei es auf die biblische Grundlage der Verkün- 
digung, auch ohne primär politische Absicht die 
Kirchen allein dadurch zu Gegnern des Re- 
gimes machte, daß sie sich auf sich selbst be- 
sannen und die weltanschauliche Kompetenz 
der politischen Bewegung für ihren eigenen 
inneren Bereich radikal verneinten. 

Drei Typen von Lehrsluhl-Inhabern 

Aber wenn es bei den Universitäten insge- 
samt nicht zu einer so radikalen Rückbesinnung 
auf sich selbst kam, so sind sie doch auch nie- 
mals völlig integriert worden trotz aller äußeren 
Gleichschaltung. Das Mißtrauen der Bewegung 
und insonderheit Hitlers gegenüber den Stätten 



tat sich lächerlich machen." Dem alten Professor, 
der so redete, entzog man sein Gehalt. Er wurde 
auf eine so knapp bemessene und befristete Gna- 
denpension gesetzt, daß er sich nicht einmal 
mehr die Bücher kaufen konnte, die er zur Ar- 
beit benötigte. Dabei hatte er mit seinem be- 
kannten Begriffspaar von „Gemeinschaft und 
Gesellschaft" den neuen Gemeinschaftsideolo- 
gen wider Willen eine Propagandaformel in die 
Hand gegeben. Er ist sich dessen selbst bewußt 
gewesen. In einem unveröffentlichten Brief vom 
20. April 1934 heißt es: „Einige sagen . . ., es sei 
der Erfolg meiner Theorie von Gemeinschaft 
und Gesellschaft, der in der N-Ideologie vor- 
liege, und es ist dafür einiger Grund vorhan- 
den." Aber für Tönnies waren diese beiden Be- 
griffe ursprünglich feststellend und nicht wer- 
tend gemeint, und wenn man sich schon auf die 
Seite eines der Begriffe schlagen mußte, so war 
es für ihn die Gesellschaft und nicht die Gemein- 
schaft. „Ich habe immer alle Versuche", so 
schrieb er, „. . . sozusagen aus dem Handgelenk 
eine Volksgemeinschaft zu schaffen, für verfehlt 
und unbedacht gehalten, um so mehr, mit je grö- 
ßeren Ansprüchen sie auftreten . . . Was hinge- 
gen geschehen kann und der natürliche Gegen- 
stand einer sozialen Politik sein muß, ist die 
Ausdehnung des Wesens der Gesellschaft auf 
die weitesten Volkskreise . . . durch die Beseiti- 
gung aller Ungleichheiten und Abhängigkeiten." 
Von einer ganz anderen geschichtlichen Er- 
lobnisgrundlage ging Jens Jessen aus, eine der 
charaktervollsten Gestalten der deutschen Wis- 
senschaft in jenen dunklen Jahren. Angehöriger 
der Frontgeneration dos Ersten Weltkrieges, 
zählte er zu jenen in der Überzeugung konser- 
vativen, in ihrem unbürgerlichen Idealismus 
revolutionären Naturen, die in der Zeit der 
Agonie der Weimarer Republik ihre Hoffnung 
auf den Nationalsozialismus gesetzt hatten. Als 
solcher wurde der junge Nordschleswiger 1933 
von Göttingen nach Kiel berufen, um an Stelle 
des liberalen Harms die Leitung des Instituts 
für Weltwirtschaft und Seeverkehr zu überneh- 
men. Ein im gleichen Jahr von ihm veröffent- 
lichter Enzyklopädieartikel über „Nationalsozia- 
lismus" zeigt aber schon die beginnende Distan- 
zierung. Später in Berlin wurde der „Nord- 
mann", wie sein Deckname war, einer der Un- 
beirrtesten im Kreis der Opposition. Er war un- 



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nicht, daß der einzelne zu einem willenlosen 
Bestandteil der Gemeinschaft herabsinkt, son- 
dern innerhalb der Gemeinschaft an seinem 
Platz nach seiner Fähigkeit erlebt der einzelne 
die höchste Vollendung seines Wesens und trägt 
damit zugleich zu der höchsten Entfaltung der 
Gemeinschaft bei. Nach der Hogclschen Dialek- 
tik ... erhält der objektive Gri.st seine Verkör- 
perung sowohl im einzelnen wie in der Gemein- 
schaft . . . Ein Opfer des einzelnen, gegebenen- 
falls gesteigert bis zur Hergabe des eigenen 
Seins . . . erscheint . . . hier als das Natürliche . . .•' 
Dieser konservative Personalismus war in sei- 
ner Anwendung auf das heraufziehende totali- 
täre Regime illusionär. Deshalb erfolgte, als das 
Regime seinen wahren Charakter für die, die 
sehen wollten, enthüllte, in der Kämpfernatur 
Jessens die radikale Gegenwendung „bis zur 
Hergabe des eigenen Seins" in einem Sinn, wie 
er 1933 sicherlich nicht gemeint war, aber wie 
er vielleicht auch nicht ganz außerhalb des Vor- 
stellungsbereichs des jungen Gelehrten lag, von 
dem aus der Zeit vor der Machtübernahme das 
Wort überliefert ist: „Kommen sie ans Ruder, 
bin ich in der Opposition, das weiß ich schon." 

Varianten 

Jens Jessen war nur kurze Zeit in Kiel tätig. 
Die eigentlich beherrschende Erscheinung für 
unsere Universität im Zeichen des neuen Re- 
gimes war jene Gruppe junger Juristen, die her- 
berufen wurde, um ein Beispiel für die na- 
tionalsozialistische Durchdringung der Wissen- 
schaft zu setzen. 

Männer wie Dahm, Larenz und Huber haben 
mit ihrer Wissenschaft den Versuch unternom- 
men, nicht irgendeinem Staate, sondern diesem 
besonderen, auf dem völkischen Mythos aufge- 
bauten Staate die zugeordnete Reditsphiloso- 
phie, Strafrechtslehre und Verfassungslehre zu 
geben. Aber sie vertraten innerhalb des Natio- 
nalsozialismus eine bestimmte Variante des 
Rechts- und Staatsdenkens. Ihre Staatsidee war 
nicht rein instrumental. Sie sahen den Staat 
immer noch an ein überpersonales, hier völ- 
kisch verstandenes Recht gebunden, durch das 
im Strafrecht wie im Staatsrecht verhindert 
(Fortsetzung auf der folgenden Seite) 



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Von der Handelsakademie zur Hochschule St. Gallen 




Von Georg Thürer 



Ein großer Gründer 



^Zuweilen verwirrt und zerklüftet, hat unser 
Gemeinwesen doch stets wieder den Aufschwung 
genommen zu Entschließungen parteilosen Opfer- 
sinns und hat zur eigenen Größe, wie die Fasccs 
seines Wappens sie verkünden, sich erhoben. 
Manch anderer Vorgang moelitc größeres Auf- 
sehen bewirken; aber die künftige Geschichts- 
schreibung wird mit Ehren jenen Tag nennen, 
da wir eine Schule gegründet haben.» Der diese 
Worte sprach, war Theodor Curti, der große 
Landammann des «Schicksalskantons» St. Gallen, 
bei der Eröffnung der akademischen Bildungs- 
stätte am S.Mai 1899, am Ende des bewegten 
Jahrhunderts, das seinem Stande diesen Zu- 
namen gebracht hatte. Der aus Rapperswil stam- 
mende Staatsmann kannte seine Zeit und sein 
Land, hat er doch als Regierungsrat in den kar- 
gen Mußestunden, die ihm sein Amt und sein 
feuriges Wesen ließen, die großangelegte «Ge- 
schichte der Schweiz im 19. Jahrhundert» ge- 
schrieben. Schon seine Lebensspanne ist klar 
umrissen: Curti kam am Heiligen Abend des 
Revolutioas Jahres 1848 zur Welt, war also so 
alt wie unser Bundesstaat, und starb am 14. De- 
zember 1914, genau an jenem Sonntagabend im 
ersten Kriegsadvent, da der Dichter Carl Spitte- 
1er seine beinihmte Rede «Unser Schweizer Stand- 
punkt» hielt. Auch Curti war ein Dichter von 
tiefem Ernst und klassischer Schule, vor allem 
aber ein Pressemann von Geblüt. Sein Jahrgän- 
ger und Freund, der Glarner Landammann 
Eduard Blumer, bekannte an seinem Sarge: 
«Kein anderer Jonmalist hat durch die klassische 
Sprache, die Vielseitigkeit seines Wissens, durch 
den Edelmut seiner Gesinnung und durch poli- 
tische Charakterstärke die Tagesliteratur so sehr 
gehoben wie er.» Curti beschloß seine berufliche 
Laufbahn als Direktor der angesehensten Zeitung 
deutscher Sprache. Die Jahre 1902 bis 1914, in 
denen der Schweizx^r Demokrat und Sozialrefor- 
mer die «Frankfurter Zeitung» leitete, verliehen 
ihr die Züge dieser starken Persönlichkeit, die 
auch der Hochschule St. Gallen den Weg von der 
Anregung zur Wirklichkeit bahnte und sicherte. 
Die Anregung, es sei in St. Gallen eine Han- 
clchli och schule zu errichten, sprach der junge 
Schulmann Theophil Bernet erstmals aus. Dieser 
vom evangelischen Arbeitsethos seiner Vaterstadt 
erfüllte Jüngling, welcher in seinen Mannesjah- 
ren seit 1907 als Rektor der Kantonalen Han- 
delsschule in Zürich amtete, legte seinen Plan 
den St. Galler IVIitbürgern in einem Vortrag im 
Dezember 1895 dar. Wenn die Saat auf so guten 
Grund iiel, daß sie über alle Erwartung ra-sch 
keimte, so wirkten dabei drei günstige Umstände 
mit. 

Einmal lag der Gedanke, Fachhochschulen 
für die Wirtschaft zu gründen, in der Luft. Es 
war gewiß niclit von ungefähr, daß im gleichen 
Jahi-e, da in St. Gallen die Vorlesungen began- 
nen, auch die Hoclischule für Welthandel in 
Wien sowie die Handelshochschulen von TA^iizir: 
und Aach'-n ^hre "Sor* ^>itt**:ieu, Und die ent^pre- 
" eheriden Fachhochschtilen von Köln, Frank- 
furt a.M. und Berlin folgten im Laufe weniger 
Jahre. So errichtete das Jahrhundert, das bei sei- 
nem Beginn den Aufbau der Polytechnischen 
Hochschule in Paris und bald nach seiner .Mitte 
die heutige Eidgenössische Technische Hochschule 
in Zürich entstehen sah, den führenden Kauf- 
leuten entsprechende Fachhochschulen. 

Neben diesen offensichtlichen allgemeinen Be- 
weggründen hatte St. Gallen seine besonderen Ur- 
sachei\ und Kräfte, welche eine solche Gründung 
im Hochtal der Steinach begünstigten. Die 
Geschichtsschreiber hielten die verpflichtende 
Erinnerung wach, daß im altberühmten StKte 
des heiligen Gallus die Benediktiner in der Klo- 
sterschule eine Vorform der europäischen Uni- 
versität entwickelt hatten. Aber auch in der 
Stadt St. Gallen, welche schon im Spätmittelalter 
mit ihrer erlesenen Leinwand den Schweizer 
Welthandel mit Waren erster Güte begründete, 
war das Bestreben nach steter Weiter})ildimg vor- 
handen. Zur Zeit des Stadtvaters Vadian hörte 
man in den Kontoren der Fernhändler ein halbes 
Dutzend Handelssprachen. Im 19. Jahrhundert 
war das Textilzentrum von der licinwand zur 
Baumwolle und zur Stickerei übergegangen, und 
die erste Stickereistadt der Welt besaß um die 
Jahrhundertwende reiche Mittel zu Neugründun- 
gen. 

Entscheidend aber war, daß jene Anregung 
Bemets die rechton Männer anzusprechen ver- 
mochte. Da ist mm neben Curti vor allem Georg 
ßaumherpcr zu nennen. Er war wie der Staats- 
mann von der Sendung der Presse bei der Bil- 



einc höhere Schule (Akademie) für Handel, Ver- 
kehr und Verwaltung errichtet.» Sie wurde merk- 
würdigenveise nicht dem Erziehungsdepartement, 
sondern dem Volkswirtschaftsdepartement unter- 
stellt, dem Curti vorstand. 

Der sehr bescheidene Anfang 

Es war ein eigenartiges Zwillingspaar, das 
anfangs Mai 1899 im Westflügel der Kantons- 
schule zu atmen begann. Waren es zwei Mittel- 
schulen? Hatte die «Akademie» geheißene Hälfte 
das Zeug zu einer künftigen Hochschule? Am 
ersten Schultag schrieben sich sieben Studierende 
ein, zu denen sich allerdings noch gut sieben 
Dutzend Hörer gesellten, worunter viele Bil- 
dungsbeflissene waren, welche sich vor allem 
sprachlich weiterbilden wollten. Dem Manr.e, wel- 
cher den ersten I>ehrplan zusammenstellte, hatte 
eher ein Ausbau der Merkantilabteilung dei- Kan- 
tonsschule als eine eigentliche Hochschule vor- 
geschwebt. Dieser Dr. Hermann Wartmana war 
nicht nur ein einflußreicher Schulmann, sondern 
wurde auch der «Bismarck der Kaufleute» ge- 
nannt, war er doch fünfzig Jahre als Akturr des 
Kaufmännischen Directoriums, der jahrhunderte- 
alten St. Galler Handelskammer, ein starker 
Mann der Wirtschaft, und in der Wissenschaft 
besaß er als Gründer des Historischen Vereins, 
den er volle 55 Jahre leitete, seine hohen Ver- 
dienste und wichtigen Steine auf dem Spielbrett. 
Nur langsam mauserte sich Wart mann zu einem 
Freund des folgerichtigen Hochschul gedankens. 
Da die junge T^hranstalt mit dem Wegzug Cur- 
tis nach Frankfurt ihren geistigen Vater und 
Förderer schon nach drei Jahren verloren hatte, 
fehlte ihr der leitende Kopf. Hir Direktor, Karl 
Emil Wihl, gehörte dem Ix'hrkörper nicht an. 
Sein Beruf rief ihn als Architekten auf die Bau- 
plätze der damals mächtig aufstrebenden Stadt 
und sein ^Mandat als Nationalrat immer wieder 
unt^r die Kuppel des Bundeshauses in Bern. Ein 
Blick in den «Lektionen-Katalog», wie das Vor- 
lesungsverzeichnis damals hieß, zeigte denn auch, 
wie dürftig die eigentl ichen Fächer der Wirtschafts- 
wissenschaften und die Rechtskunde darin ver- 
treten waren. Es mag sein, daß die großen Ge- 
schäftsherren, welche damals ihre Gelder ohne 
sonderliciie Mühe sclieirelten, in Handelsdingei^ 
dem «Fingerspitzengefühl» das Beste zutrautci'i 
und im Zeichen der freien Wirtschaft ohne son 
derliche Rechtskon ntnisse zurechtzukommen hoff- 
ten, denn der Staat griff noch nicht mit so vielei^ 
Vorschriften in das freiflutende Leben ein, wie] 
es später Notzeiten und auch Wunsch und An 
spnich nach allgemeiner Wohlfahrt forderten. 

Ein neues Haus — ein neuer Name 



Die im Hinblit-k auf die verschiedenen Schul- 
ziele verfehlte Koppelung von Verkehrsschulc 
und Akademie dauerte nur ein halbes Jahrzelnil^ 
Dann behielt der Kanton die Mittplschu!«-, 
rend di'^ pol -tische Gemnin.ik-i- ^:^-*- _ 

gerne iuJdt und da^ kaufmännische Directorirtm 
die «Hdndels-AkadcmieT> übernahmen, die da- 
mals voi» allem Ausländer anzog und daher in 
den Gassen der Stadt oft scherzweise Academie 
polonaise geheißen wurde. Da auch die Kantons- 
schule ihren Zuwachs hatte und alle ihre Räume 
beanspruchte, mußte die Hausgemeinschaft mit 
ihr aufgegeben werden. Ein Neuhau empfahl sich. 
Sollte die Stadt, in welcher der Jugendstil sich 
besonders früh meldete, nicht auch der akademi- 
schen Jugend ein eigenes Haus erbauen? Die 
öffentliche Hand ließ ohnehin ein stattliches Bau- 
werk nach dem andern entstehen. Post und Bahn 
bekamen ihre Paläste im neuen Verkehrsviertel, 
und im Quartier Latin entstanden nun im 
Laufe weniger Jahre das Neue Museum, die Ton- 
halle, die Stadt bibliothek Vadiana und gleich da- 
neben im Jahr 1911 die ^Handels- Hoch schule-». 
Diesen Namen las man hoch über dem Stadt- 
bären, der das Hauptportal schmückte. War es 
aber wirklich eine echte Hochschule, welche vor 
dem strengen Maßstab akademischer Foi-schung 
und I^hre bestanden hätte? Wer die eher «lürftisr 
zu nennenden wissenschaftlichen Werke der un- 
ter dem b'dvtcn'at des norddeutsclien Prof. Dr. 
Eduard Otto Schul :c (1904—1920) amtenden 
Professoren durchging, mußte es bezweifeln, und 
auch die nur vier Semester betragende Studien- 
dauer konnte nicht eine den nationalökonomischen 
Lehrgängen der Univei-sitäten ebenbürtige Aus- 
bildung ergeben. Auch unter H(>ktor f)r. Karl 
Bürki (1920—1926) konnte die Grundlage nicht 
verbreitert und der wissenschaftliche Ausbau 
nicht gehitrig gefördert werden, weil für St. Gal- 
len nach der goldenen Zeit der Stickereiblüte eine 
bleierne Kri>e anl)rach. welche die Flügel der 

lülimtc. BH Aoj 



Dehes (1932—1938) stellte sich der er- 
, Uo(Tte Zuzug neuer Studentenscharen noch nicht 
'ein. Was sollte man in St. Gallen studieren, wenn 
man anderswo in der gleichen Zeit den ersehnten 
Doktortitel erwerben konnte, der nicht nur im 
akademischen, sondern auch im gesellschaftlichen 
Leben seinen Rang und Klang hatte! So sank 
schließlich im letzten Semester vor dem Zweiten 
Weltkrieg die Zahl der immatrikulierten Studie- 
renden unter hundert, wiewohl vorzügliche Pro- 
fessoren lehrten, unter denen wir vor allem Prof. 
Dr. Paul Keller nennen. Aber auch der hoch- 
angesehene Zürcher Anglist Bernhard Fehr 
pflegte zu sagen, daß er eigentlich in St. Gallen 
zum akademischen Lehrer und Forscher gewor- 
den sei. 

Inzwischen war der ]\fann mit einer neuen 
Konzeption und mit durchschlagender Tatkraft 
an die Spitze der Hochschule getreten. Der junge 
Jurist Prof. Dr. Walther Hug, welcher das Rek- 
torat von 1938 bis 1944 innehatte, brachte von 
der Harvard Univei-sity Erfabrungen mit, welche 
ihn zum Verfechter der amerikanischen Fall- 
methode (case System) werden ließen. Der Stu- 
dent sollte dazu angehalten werden, einzelne 
Fälle, wie sie sich in der wirtschaftlichen Praxis 
ergaben, von der allgemeinen Theorie her zu 
durchleuchten. So sollte der Wirtschaftsführer 
dereinst imstande sein, die gesamte wirtschaft- 
liche Wirklichkeit mit dem Rüstzeug seiner Aus- 
bildung wissenschaftlich zu meistern. In dieser 
Zielsetzung wurde der Rektor von seinem Pro- 
rektor Prof. Dr. Emil Gscll, der vorab die Aus- 
bildung der Handelslehrer betreute, kräftig un- 
! terstützt. Bei der Vorbereitung des neuen Hoch- 
^^; Schulgesetzes erfreute sich Hug des Beistandes 
I des Staatsrechtslehrei-s Prof. Dr. Hans Nawiasky, 
- welcher beim Ansturm des Nationalsozialismus 
I seinen Tjchrstuhl an der Universität München mit 
einer vorerst sehr bescheidenen Lehrtätigkeit in 
St. Gallen vertauscht hatte. Im Großen Rat be- 
gründete Dr. Thomas Holenstein, damals selber 
Dozent mit Lehrauf trag an der Hochschule und 
später Bundesrat, die Vortage überzeugend. Das 
neue Hochschulgesetz von Ende Oktober 1938 
erhob die Handelshochschule zu einer selbständi- 
gen Anstalt des öffentlichen Rechts und verlieh 
ihr das Recht der Doktorpromotion. Nun zog 
Rektor Hug als Haupt einer als ebenbürtig an- 
erkannten Hoclischule in die Konferenz der 
schweizerischen Rektoren ein, und sein Nachfol- 
ger Prof. Dr. Theo Keller (1944—1951) konnte 
bei der Fünf zigjahrfeier der Handelshochschule 
die Vertreter sämtlicher schweizerischer Hoch- 
schulen und einer Anzahl ausländischer Schwe- 
steranstalten begrüßen. 

Anlage der Studien — 
Aushau der Forschung: Institute 

Der neue Studienplan, dem die Handelshoc 
schule St. Gallen zunächst ihr Gesicht und neb 
den führenden Lehrkräften den Aufstieg ver^ 
«lankt, verlegte das Schwergewicht von den Vor-] 
josungen <uf die Hebungen, vom Vorl^^unirshaa 

%ab ^^S)en sogenannte Studienrichtungen; da- 

lu kamen deren vier für die Verwaltungswissen- 

> Schaft, und als zwölfte Studienrichtung konntcJ 

ij^ie Ausbildung zum Handelslehrer gewählt wer- 

|Tien. Allen Richtungen gemeinsam war, daß die 

Studien nach mindestens sechs Semestern und 



V mindestens hall)jähriger Praxis zum Li^enziat 

führten. Nach zwei weiteren Semestern konnte 

f der angehende Wirtschaftswissenschafter den 

\Dr. oec. (oeconomiae) und der Verwaltungswis- 

jsenschafter den Dr. rer. publ. (rerum publicarum) 

^/{erwerben. Die Anforderungen des Doktorates 

^, waren allerdings so streng, daß man noch manche 

'Jahre die St. Galler Doctores an den Fingern 

einer Hand aufzählen konnte. 

Neben der Lehre nahm sich die Hochschule 
auch der Forschung mit großem P'ifer an. Die 
Untersuchungen und Veröffentlichungen ihrer 
Dozenten gewannen an Ansehen. Daneben schritt 
der Senat auch zur planmäßigen Gründung 
eigentlicher Forschungsstätten. Die lange Reihe 
der Institute wurde im Jahr 193G durch das 
Schweizerische Institut für Verwaltungskursc 
eröffnet, das seither in über hundert Kursen viele 
Tausende von Beamten weiterbildete, indem es 
sie in wissenschnftli<'lier Denkweise zum Beispiel 
mit den grundsätzlichen Fragen neuer Gesetze 
vertraut machte. Bei der Eröffnung des heutigcni 
Sf'lnveizerischen Institutes für Außenwirtschaft.s- 
und Marktforschung (1943) war Bun<lesrat 
Kobelt zugegen, und er versprach sicli von der 
Neugründiuig nicht nur eine Hiistkanuner für 
den Wettknmpf auf <lem Weltmarkt, sondern 
auch eine Entspaiuuing der inneren Front, weil 
da.s nüchterne Wissen ül)er allgemeine Zusam- 
menhänge in Wirtschaft und Gesells.haft da.«; 
bloße Wähnen politischer Leidenschaft zu cr- 



zeit noch leidlich eingliedern, so erwartete man 
mit gutem Grund in der Nachkriegszeit einen er- 
heblichen Zuwachs von Studierenden. Ais daher 
am 8. Mai 1945 die Vorlesungen und Hebungen 
zur Feier der Waffenruhe ausfielen, rief Rektor 
Keller den Senatsausschuß zu einer Sitzung ein, 
um erstmals den Bau einer neuen Hochschule zu 
besprechen. 

Der Weg zum Neuhau führt durch das Volk 

Das Jahr 1951 sah zwei neue Gesichter an 
der Spitze der Hochschule. Im Hochschulrat 
folgte auf Stadtammann Dr. K. Naegeli das neue 
Stadtoberhaupt Dr. E. Anderegg, und die Lei- 
tung der Hochschule ging an Rektor Prof. Dr. 
Wolfhardt Friedrich Bürgi (1951—1957) über. 
Beide waren sich darin einig, daß ein groß- 
zügiger Neubau nur gewagt werden konnte, wenn 
die rechtliche Grundlage der Trägerschaft 
fester gestaltet werde. Ein Gasetz wurde aus- 
gearbeitet, nach dem sich Stadt und Kanton 
künftig zu gleichen Ansätzen in die Kosten der 
Hochschule teilen und je fünf Vertreter in den 
Hochschulrat entsenden sollten, dem als elftes 
Mitglied ein Vertreter des Kaufmännischen 
Directoriums, das einen jährlichen Beitrag zu- 
sagte, angehören sollte. Die Stimmung in Volk 
und Parlament des einstigen Schicksalskantons 
war ausnehmend günstig, denn das St. Galler 
Volk feierte in frtiher kaum je gekannter Ein- 
mütigkeit im Jahr 1953 den 150jährigen Bestand 
seines Kantons und war bereit zu bleibenden 
Werken der öffentlichen Hand. Ohne eine einzige 
Gegenstimme hießen der Große Rat und im Fe- 
bruar 1954 mit wuchtiger Zweidrittelmehrheit 
auch das St. Galler Volk das neue Gasetz gut. 
Die Raumnot war ja jedermann ersichtlich. Daß 
unter den bereits über 500 Studierenden mehr 
Studenten aus dem Kanton Zürich als aus dem 
Kanton St. Gallen waren, zeigte deutlich, daß 
die Hochschule eine iiberlokale Bedeutung ge- 
wonnen hatte. Die Raumnot hindert« indessen die 
Aufnahme von rund vierzig ungarischen Flücht- 
lingsstudenten nicht, die nach dem Aufstand ihrer 
Heimat gegen den russischen Druck die Freiheit 
im Ausland suchten. 

In der Nachkriegszeit erkannte die Hoch- 
schule ihren besondern Auftrag, der Oeffentlich- 
keit durch berufene Denker und Staatsmänner 
den Standort der Wissenschaft aufzuzeigen und 
neue Wege der Wirtschaft, des Staatslebens und 
der Kultur zu weisen. Schriftsteller wie Thomas 
Mann, Forscher wie der Nobelpreisträger Heisen- 
berg und Politiker vom Rang des edeln Robert ^ 
Schuman wurden ans Katheder gebeten, und die 
wichtigsten der großen Vortragsfolgen erschienen 
in Buchform. Wir nennen zum Beispiel die viel- 
beachtete Neue Weltschau, die Kunstformen des 
Baroekzeitaltei-s, die Rechenschaft über die Auto- 
mation und das Atomzei%lter sowie die Integra- 
tion Europas. Mehrmals i^prach Ludwig Erhard, 
der Bundeswirtschaftsn iniste^ ^^ deutschen 
Nachba^-staates, als Ga,st <jpr H\-l.scl;ule T^-'nö+',^ 

^.«,*cier)*ro<*«^ö"le, dereÄ Aw<a nur rand zwei- 
'hiinäeH "Pesnchern Plätzc4 bot, nusgesicdelt wer- 
den mußten. 

Es war ein ausgesprochener Glücksfall für 
die Entwicklung der Handelshochschule St. Gal- 
len, daß der 1952 zum Prorektor gewählte Prof. 
Dr. Walter Adolf Jöhr die Lösung der Baufrage 
als eine seiner Lebensaufgaben ansah, und er 
darf nun nach sechs Jahren seines Rektorates 
(1957_1963) mit berechtigter Genugtuung auf 
sein vollendetes und sehr geglücktes Werk blicken. 
Er erkannte gemeinsam mit dem kantonalen Bau- 
direktor Dr. Simon Frick und den städtischen 
Behörden, daß die notwendigenveise großzügige 
Anlage, welche allp Institute als Töchter zur 
Alma mater heimrufen sollte, die Kräfte von 
Kanton und Stadt überstieg. So leitete er eine 
Sammlung bei der Wirtschaft in die Wege, welche 
die stattliche Summe von über drei Millionen, 
das heißt rund ein Drittel der Bausumme, ergab. 
Nun konnte mit dem Projekt der beiden Basler 
Architekten Förderer und Otto, das vom Preis- 
gericht unter 117 eingereichten Bauvoi-schlägen 
als der best« empfohlen wurde, neuerdings der 
Schritt vor das Volk gewagt werden. Wiederum 
stellte sich die starke ^Mehrheit der Stimmbürger 
hinter das einmütige Parlament. Nur ein einziger 
der vierzehn Bezirke des Kantons schwang sich 
im November 1959 nicht zur Zustimmung auf. 
Der St. Galler Ilochschulverein, der heute nmd 
2500 Mitglieder umfaßt, hatte sich kräftig für 
das Anliegen der Hochschule eingesetzt. Nach 
dreijähriger Bauzeit konnte die neue Hochschule 
auf der Höhe des Rosenberges zu Beginn des» 
Sommersemesters 1963 bezogen werden. 



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Vom äußern und vom innern Gesicht 
der Hochschule St. Gallen 

hen Jaiirhunderl fiel der 



ersten Kriopsadvent, da der Dichter r'arl Spitte- 
1er seine henihinte Kode «Unser Schweizer Stand- 
punkt» hielt. Auch Curti war ein Dichter von 
tiefem Enist und klassischer Schule, vor allein 
al)er ein Pressemann von (ieblüt. Sein Jahrgiin- 
ffer und P'reund, der Glarncr Ijandanimann 
Eduard Blumer, bekannte an seinem Sarge: 
«Kein anderer Journalist hat durch die klassische 
Sprache, die Vielseitigkeit seines Wissens, diirch 
den Edelmut seiner Gesinnung und durch poli- 
tische Cliarakterstärke die Tagesliteratur so sehr 
gehohen wie er.» Curti beschloß seine berufliche 
Laufbahn als Direktor der angesehensten Zeitun^^ 
deutscher Spraclie. Die Jahre 1902 bis 1914, in 
denen der Schwei/x^r Demokrat und Sozialrefor- 
mer die «Frankfurter Zeitung» leitete, verliehen 
ihr die Züge dieser starken Persönlichkeit, die 
auch der Hochschule St. Gallen den Weg von der 
Anregung zur Wirklichkeit bahnte und sicherte. 

Die Anregung, es sei in St. Gallen eine Jlan- 
dclsJwchsrhulc zu errichten, sprach der junge 
Sehulmann Thropliil Bernet erstmals aus. Dieser 
vom evangelischen Arbeitsethos seiner Vaterstadt 
erfüllte Jüngling, welcher in seinen Mannesjah- 
ren seit 1907 als Rektor der Kantonalen Han- 
delsschule in Zürich amtete, legte seinen Plan 
den St. Galler iNfitbürgern in einem Vortrag im 
Dezember 1895 dar. Wenn die Saat auf so guten 
Grund fiel, daß sie über alle Envartung rasch 
keimte, so wirkten dabei drei günstige Umstände 
mit. 

Einmal lag der Gedanke, Fachhochsclmlen 
für die Wirtschaft zu gründen, in der Luft. Es 
war gewiß nicht von ungefähr, daß im gleichen 
Jahi-e, da in St. Gallen die Vorlesungen began- 
nen, auch die Hoclischule für Welthandiel in 
Wien sowie die Handelshochschulen von LvJ:p/j.T 
und Aachr>n ihre ^or;^ «utir^eieu, hnd die entl^ipre- 
ehenden Fachhochschulen von Köln, Frank- 
furt a. M. und Berlin folgten im Laufe weniger 
Jahre. So errichtete das Jahrhundert, das bei sei- 
nem Beginn den Aufbau der Polytechnischen 
Hochschule in Paris und bald nach seiner .Mitte 
die heutige Eidgenössische Technische Hochschule 
in Zürich entstehen sah, den führenden Kauf- 
leuten entsprechende Fachhochschulen. 

Neben diesen offensichtlichen allgemeinen Be- 
weggründen hatte St. Gallen seine besonderen Ur- 
sachen und Kräfte, welche eine solche Gründung 
im Hochtal der Steinach begünstigten. Die 
Geschichtsschreiber hielten die verpflichtende 
Erinnerung wach, daß im altberühmten Stifte 
des heiligen Gallus die Benediktiner in der Klo- 
sterschule eine Vorforra der europäischen Uni- 
versität entwickelt hatten. Aber auch in der 
Stadt St. Gallen, welche schon im Spätmittelaltcr 
mit ihrer erlesenen Leinwand den Schweizer 
Welthandel mit Waren erster Güte begründete, 
war das Bestreben nach steter Weiter})ildung vor- 
handen. Zur Zeit des Stadtvaters Vadian hörte 
man in den Kontoren der Fernhändler ein halbes 
Dutzend Handelssprachen. Im 19. Jahrhundert 
war das Tcxtilzentrum von der Leinwand zur 
Baumwolle und zur Stickerei übergegangen, und 
die erste Stickereistadt der Welt besaß um die 
Jahrhundertwende reiche Mittel zu Neugründun- 
gen. 

Entscheidend aber war, daß jene Anregung 
Bemets die rechton Männer anzusprechen ver- 
mochte. Da ist nun neben Curti vor allem Georg 
Baumberger zu nennen. Er war wie der Staats- 
mann von der Sendung der Presse bei der Bil- 
dung der öffentlichen Meinung überzeugt, ja von 
ihrem Auftrag in der modernen Gesellschaft 
durchglüht. Mit der gleichen Hingabe, mit wel- 
cher er der Welt das Unrecht vorhielt, das sie 
beging, indem sie Henry Dunant, den Gründer 
des Roten Kreuzes, in Vergessenheit geraten ließ, 
trat er für die Gründung einer Fachhochschule 
für Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen ein. 
Dabei schwebte ihm als echtes Gegenstück der 
ETH allerdings zunäclist eine hohe Schule des 
Bundes vor. Dafür schien ihm St. Gallen mit sei- 
nem «industriepolitischen Esprit» und als über- 
blickbare Mittelstadt, ohne die Unrast und Ablen- 
kung einer Großstadt, der rechte Ort zu sein. 

Nun galt es, die Oeffentliehkeit für den gro- 
ßen Plan zu gewinnen. Dieser Weg führte in 
St. Gallen wie kaum sonstwo durch die Presse, 
besaß die Stadt doch wie keine zweite Stadt der 
Welt gleich drei Zeitungen, die täglich zweimal 
erschienen, nämlich außer Baumbergers konser- 
vativer «Ostschweiz» und dem damals sehr ver- 
breiteten, Curti nahestehenden demokratischen 
«St. Galler Stadtanzeiger» noch das freisinnige 
«St. Galler Tagblatt». Dank der Vorbereitung 
durch die rührige Presse konnte Landammann 
Curti erst den Regicrungsrat und dann auch den 
Großen Rat für die Sache gewinnen, so daß das 
kantonale Parlament am 28. Mai 1898 beschloß: 
«Es wird in St. Gallen eine Verkehrsschule und 



einfTulJreicher SchuTmt 

der «Hismarck der Kaj 
•r do^'h fünfzig Jahre al.J 

he)i Directoritims, der j« 
ialler Handelskammer, f 
Mann der Wirtschaft, und in der Wissensciiaft 
besaß er als Gründer des Historischen Vereins, 
den er volle 55 Jahre leitete, seine hohen Ver- 
dieaste und wichtigen Steine auf dem Spielbrett. 
Nur langsam mauserte sich Wartniann zu einem 
Freund d(« folgerichtigen Hochschulgedankens. 
Da die junge I^^hranstalt mit dem Wegzug Cur- 
tis nach Frankfurt ihren geistigen Vater und 
Förderer schon nach drei Jahren verloren hatte, 
fehlte ihr der leitende Kopf. Ihr Direktor, Karl 
Emil Wild, gehöi-fe dem I^ehrkörper nicht an. 
Sein Beruf rief ihn als Architekten auf die Bau- 
plätze der damals mächtig aufstrebenden Sta<li 
und sein Mandat als Nationalrat immer wieder 
unt-er die Kuppel des Bundeshauses in Bern. Ein 
Blick in den «I^ektionen-Katalog», wie das Vor- 
lesungsverzeichnis damals hieß, zeigte denn auch, 
wie dürftig die eigentlichen Fächer der Wirtschafts- 
wissenschaften und die Rechtskunde darin ver- 
treten ^\arou. Es mag sein, daß die großen G(^- 
schäftsherren, welche damals ihre Gelder ohne 
sonderliche Mühe scheffelten, in Ilandelsdingcn 
dem «Fingei-spitzengefühl» das Beste zutrautca 
und im Zeichen der freien Wirtschaft ohne som 
derliche Rechtskenntnisse zurechtzukommen hofTj 
ten, denn der Staat griff noch nicht mit so vielei) 
Vorschriften in das freiflutende Leben ein, wi< 
es später Notzeiten und auch Wunsch und An-| 
Spruch nach allgejneiner Wohlfahrt forderten. 

Ein neues Hans — ein neuer Name 

Die im Hinl)Iick auf die verschiedenen Scliul- 
zielc verfehlte Koppelung von Verkehrsschulc 
und Akademie dauerte nur ein halbes Jahrzelni^ 
Dann behielt der Kanton die Mittplsclniie, 
rend di-^ portischo GeTTioin/ii^l. -'.■- -*Or* 
gemciiidJ» und das kaufmännische Directorinm 
die «Händels-Akademie-» übernahmen, die da- 
mals vor allem Ausländer anzog und daher in 
den Gassen der Stadt oft scherzweise Academie 
polonaise geheißen wurde. Da auch die Kantons- 
schule ihren Zuwachs hatte und alle ihre Räume 
beanspruchte, mußte die Hausgemeinschaft mit 
ihr aufgegeben werden. Ein Neuhau empfahl sich. 
Sollte die Stadt, in welcher der Jugendstil sich 
besonders früh meldete, nicht auch der akademi- 
schen Jugend ein eigenes Haus erbauen? Die 
öffentliche Hand ließ ohnehin ein stattliches Bau- 
werk nach dem andern entstehen. Post und Bahn 
bekamen ihre Paläste im neuen Verkelirsviertel, 
und im Quartier Latin entstanden nun im 
Laufe weniger Jahre das Neue Museum, die Ton- 
halle, die Stadt bibliothek Vadiana und gleich da- 
neben im Jaiir 1911 die ^H andels-II nchsdiule^. 
Diesen Namen las man hoch über dem Stadt- 
bären, der das Hauptportal schmückte. W^ar es 
aber wirklich eine echte Hochschule, welche vor 
dem strengen Maßstab akademischer Foi-schuug 
und Lehre bestanden hätte? Wer die eher dürftig 
zu nennenden wissenschaftlichen Werke der un- 
ter dem Rektorat des norddeutschen Prof. Dr. 
Eduard Otto Schutze (1904—1920) amtenden 
Professoren durchging, mußte es bezweifeln, und 
auch die nur vier Semester betragende Studien- 
dauer konnte nicht eine den nationalökonomischen 
Lehrgängen der Univei-sitäten ebenbürtige Aus- 
bildung ergeben. Auch unter Rektor Dr. Karl 
Bürki (1920—1926) konnte die Grundlage nicht 
verbreitert und der wissenschaftliche Ausbau 
nicht gehörig gefördert wei'den, weil für St. Gal- 
len nach der goldenen Zeit der Stickereiblüte eine 
bleierne Krise anbrach, welche die Flügel der 
bisher so unternehmenden Stadt lähmte. Bei sol- 
chem i\rangel an Mitteln konnten nur Männer 
von ungewöhnlicher Einsicht und Tatkraft neue 
Wege wagen. Und sie waren St. Gallen beschie- 
den. 

Doktorpromotion und neues Bildungsziel 

Eine wahrhaft grundlegende und aufbauende 
Rechenschaft bot Prof. Dr. Willi Nef, der Philo- 
soph der Hochschule. Er hatte in seinen «St. Gal- 
ler Handelshochschulfragen» bereits 1919 er- 
kannt, daß es gelte, die Volkswirtschaftslehre, die 
Privatwirtschaftslehre ( Betriebswissenschaft) und 
die Rechtskmule zu eigentlichen Zentralfächern 
des Bildungsganges auszubauen. Nur wenn diese 
akademischen Ansyjrüchen genügten, konnte eine^ 
Tages mit gutem Gewissen das Rechl , den Doktor- 
grad zu verleihen, vom Staat gefordert w^erden. 
Zum Glück stand mit alt Bundesrat Arthur Hoff- 
mann an der Spitze der Hochschul behörden wie- 
der ein Mann, der klar erkannte, daß Nefs Plan 
seine innere T^gik und Zukunft hatte. Rektor 
Paul Oettli (1926—1932) brachte von seiner Stu- 
dienreise durch die führenden Handelshochschu- 
len Mitteleuropas die Ueberzeugung heim, daß 
die Studiendauer ohnehin auf sechs Semester er- 
streckt werden müsse, was gemeinhin als Mindest- 
maß für eine bis zum Doktorgrad führende Bil- 
dung galt. Unter dem Rektorat von Prof. Dr. 



Dililung w i--(ii'<ciiaiilich zu meistern. In lii i : 
Zielsetzung wurde der Rektor von seinem Pro- 
i*ektor Prof. Dr. Emil Gsell, der vorab die Aus- 
bildung der ilandelsh'hrer betreute, kräftig un- 
I terstützt. Bei der Vorbereitung des neuen Hoch- 
L' Schulgesetzes erfreute sich Hug des Beistandes 
£ des Staatsrechtslehrei's Prof. Dr. Hans Nawiaskif, 
f welcher beim Ansturm des Nationalsozialismus 
* seinen Ix'hrstuhl an der Universität München mit 
einer vorei-st sehr bescheidenen Lehrtätigkeit in 
St. Gallen vertauscht hatte. Im Großen Rat Ix;- 
grün<lete Dr. Thomas Holenstein, damals .selber 
Dozent mit Lehrauftrag an der Hochschule und 
später Bundesrat, die Vorlage überzeugend. Das 
neue Ilochschulgesetz von Ende Oktober 1938 
erhob die Handelshochschule zu einer selbständi- 
gen Anstalt des öffentlichen Rechts und verlieh 
ihr das Recht der Doktorpromotion. Nun zog 
Rektor Hug als Haupt einer als ebenbürtig an- 
erkannten Hochsclmle in die Konferenz der 
sciiweizerisclien Rektoren ein, uiul sein Nachfol- 
ger Prof. Dr. Theo Keller (1944—1951) konnte 
bei der P'ünfzigjahrfeier der Handelslio<dischule 
die Vertreter sämtlicher schweizerischer Hoch- 
schulen und einer Anzahl ausländischer Schwe- 
stcranstalten begrüßen. 

Anlage der Studien — 
Aushau der Forschung: Institute 

Der neue Studienplan, dem die Handelshoc 
schule St. Gallen zunächst ihr Gesicht und neb.si 
ilen führenden Lehrkräften den Aufstieg ver-l 
■ dankt, veriegte das Schwergewicht von den Vor-j 
jesungen ^uf die Ueburgen, vom Vorh^uiiLnssaft 
iVn die ivjf'in en Arh(frdt>J»^'^*rsi:]ü;iiI-^^i-i--» ««i- e^cmr* 
iATJ0tff^'^rt^''if> der Wirtschaf tsAvissenschaftenj 
'Ifab es si^en sogenannte Studienrichtungen; da- 
zu kamen deren vier für die Verwaltungs\vi.ssen- 
schaft, und als zwölfte Studienrichtung konntd 
vdie Ausbildung zum Handelslehrer gewählt wer- 
, den. Allen Richtungen gemeinsam war, daß die 
•Studien nach mindestens sechs Semestern und 
1 mindestens halbjähriger Praxis zum Lizenziat 
; führten. Nach zwei weiteren Semestern konnte 
\ der angehende Wirtschaftswissenschafter den 
\Dr. oec. (oeconomiae) und der Verwaltungswis- 
isenschafter den Dr. rer. publ. (rerum publicarum) 
y erwerben. Die Anforderungen des Doktorates 
'jAvaren allerdings so streng, daß man noch numche 
Jahre die St. Galler Doctores an den Fingern 
einer Hand aufzählen konnte. 

Neben der fichre nahm sich die Hochschule 
auch der Forschung mit großem P'ifer an. Die 
Untersuchungen und Veröffentlichungen ihrer 
Dozenten gewannen an Ansehen. Daneben schritt 
der Senat auch zur planmäßigen Gründung 
eigentlicher Forschungsstätten, Die lange Reihe 
<ler Institute wurde im Jahr 1936 durch das 
Schweizerische Institut für Vcrwaltungskurse 
eröffnet, das seitlier in über hundert Kursen viele 
Tausende von Beamten weiterbildete, indem es 
sie in wissenschaftlicher Denkweise zum Beispiel 
mit den grundsätzlichen P^'iigen neuer Gesetze 
vertraut machte. Bei der Eröffnung des heutigen 
vSchweizerischen Institutes für Außen wiHschafts- 
und Marktforschung (1943) war Bundesrat 
Kobelt zugegen, und er versprach sicli von der 
Neugründung nicht nur ciju^ Rüstkammer für 
den Wettknmpf auf dem Weltmarkt, sondern 
Huch eine Ents])annung der inneren Front, weil 
das nüchterne Wissen über allgemeine Znsam- 
menhänge in Wirtschaft und Gesellschaft das 
bloße Wähnen politischer Leidenschaft zu er- 
setzen hat. 

In ähnlicher Weise gingen die andern Insti- 
tute zu Werke. Seit 1941 besteht das Seminar 
für Fremdenverkehr und Verkehispolitik. Nun 
folgten das Schweizerische Institut für gewerb- 
liche Wirtschaft (1946), das Versichcrungswis- 
senschaftliche Seminar (1949), das Seminar für 
Agrarrecht und Agrarpolitik (1951), die For- 
schungsgemeinschaft für Nationalökonomie (1952/ 
1953), das Institut für Betriebswirtschaft (mit 
Forschungsstelle für den Handel, 1954) sowie 
schließlich das Lateinamerikanische Listitut. Alle 
diese Institute beanspruchten insgesamt einen 
Kaum, der bald so groß war wie das Hochschul- 
gebäude selbst, in welchem zudem bis 1937 auch 
die von Prof. Dr. J. Jovanovits planmäßig aus- 
gebaute Eidgenössische Materialprüfungs- und 
Versuchsanstalt (EMPA) untergebracht war, ehe 
sie vom Bund übernommen wurde, ein eigenes 
Haus beziehen und sich unter Direktor Prof. 
Engeler trefflich weiterentwickeln konnte. Wie- 
wohl nun auch die meisten Institute auswärts 
untergebracht wurden, machte sich die Enge der 
räumlichen Verhältnisse im Hochschulgebäude, 
das auf nmd 200 Studierende berechnet war, 
immer empfindlicher spürbar. Ließen sich die 
besonders von Prof. Wildi betreuten etlichen 
Dutzend internierten Polen während der Kriegs- 



miitlgkeit im Jalir 1953 den 150 jährigen Bestand 
seines Kantons und war bereit zu bleibenden 
Werken der öffentlichen Hand. Ohne eine einzige 
Gegenstinune hießen der Große Rat und im Fe- 
bruar 1954 mit wuchtiger Zweidrittelmehrheit 
auch das St. Galler Volk das neue Gesetz gut. 
Die Raumnot war ja jedermann ersichtlich. Daß 
unter den bereits über 500 Studierenden mehr 
Studenten aus dem Kanton Zürich als aiLs dem 
Kanton St. Gallen waren, zeigte deutlich, daß 
die Hochschule eine überlokale Bedeutung ge- 
wonnen hatte. Die Raumnot hinderte indessen die 
Aufnahme von rund vierzig ungarischen Flücht- 
lingsstudenten nicht, die nach dem Aufstand ihrer 
Heimat gegen den nissischen Druck die Freiheit 
im Ausland suchten. 

In der Nachkriegszeit erkannte die Hoch- 
schule ihren besondern Auftrag, der Oeffentlich- 
keit durch berufene Denker und Staatsmänner 
den Standort der Wissenschaft aufzuzeigen und 
neue Wege der Wirtschaft, des Staatslebens und 
der Kultur zu weisen. Schriftsteller wie Thomas 
Mann, Foi-scher wie der Nobelpreisträger Heisen- 
berg und Politiker vom Rang des edeln Robert 
Schuman wurden ans Katheder gebeten, und die 
wichtigsten der großen Vortrags folgen erschienen 
in Buchform. Wir nennen zum Beispiel die viel- 
beachtete Neue Weltschau, die Kunstformen des 
Barockzeitaltei-s, die Rechenschaft über die Auto- 
mation und das Atomzei%lter sowie die Integra- 
tion Europas. IMehrmals f^prach Ludwig Erhard, 
der Bundeswirtschaftsn inistet des deutschen 
Nachbarstaates, als Gast *ier HAhschule T^nrlöf J^ 
L zu .sagcjfi. d.':fJ «M«^ uiit'ibt'r^ditstiejtX'erknstaltufigen 
% .^us detS HochfS'ihvIe, dereg^ Auia nur rund zveei- 
imndert Besuchern Plätze^ bot, ausgesiedelt wer- 
den mußten. 

Es war ein ausgesprochener Glücksfall für 
die Entwicklung der Handelshochschule St. Gal- 
len, daß der 1952 zum Prorektor gewählte Prof. 
Dr. Walter Adolf Jöhr die Lösung der Baufrage 
als eine seiner Lebensaufgaben ansah, und er 
darf nun nach sechs Jahren seines Rektorates 
(1957 — 1963) mit berechtigter Genugtuung auf 
sein vollendetes und sehr geglücktes Werk blicken. 
Pir erkannte gemeinsam mit dem kantonalen Bau- 
direktor Dr. Simon Frick und den städtischen 
Behörden, daß die not\vendigerweise großzügige 
Anlage, welche all^ Institute als Töchter zur 
Alma mater heimrufen sollte, die Kräfte von 
Kanton und Stadt überstieg. So leitete er eine 
Sammlung bei der W'irtschaft in die Wege, welche 
die stattli(.'he Summe von über drei Millionen, 
das heißt rund ein Drittel der Bausumme, ergab. 
Nun konnte mit dem Projekt der beiden Basler 
Architekten Förderer und Otto, das vom Preis- 
gericht unter 117 eingereichten Bauvorschlägen 
als der beste empfohlen wurde, neuerdings der 
Schritt vor das Volk gewagt werden. Wiederum 
stellte sich die starke ^Mehrheit der Stimmbürger 
hinter das einmütige Parlament. Nur ein einziger 
der vierzehn Bezirke des Kantons schwang sich 
im November 1959 nicht zur Zustinunung auf. 
Der St. Galler Hoclischulverein, der heute nmd 
2500 Mitglieder umfaßt, hatte sich kräftig für 
das Anliegen der Hochschule eingesetzt. Nach 
dreijähriger Bauzeit konnte die neue Hochschule 
11 uf der Höhe des Rosenberges zu Beginn des 
Sonunersemesters 1963 bezogen werden. 

Vom äußern und vom Innerei Gesicht 
der Hochschule St. Gallen 

W^ie vor einem halben Jahrhundert fiel der 
Neubau mit der Annahme eines neuen Namens 
zusammen. Dieser lautet seit Beginn des letzten 
Semesters Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- 
und Sozialwissenschaf ten. Der bisherige Name 
«Handels-Hochschule St. (Hallen» leistete der irri- 
gen ^Meinung Vorschub, daß das Schwergewicht 
auf der Ausbildung von Handelsleuten beruhe. 
In ähnlicher Weise, wie der Wirtschaftsteil der 
«NZZ», unserer führenden Schweizer Zeitung, 
immer noch mit «Handelsteil» überschrieben ist, 
obwohl unter diesem Titel auch viele andere Fra- 
gen der Wirtschaft mitbehandelt werden, hielt 
die Hochschule St. Gallen lange an der bisherigen 
Bezeichnung fest. 

Indessen wurde während der Bauzeit der 
iiuiere Ausbau keineswegs vernachlässigt. Eine 
Studienreform erstreckte die Zeit der Ausbildung 
für das Lizenziat auf sieben Semester. Die bis- 
herigen Kernfächer Betriebswirtschaftslehre, 
Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft be- 
haupteten ihren Vorrang und werden von drei 
nach ihnen benannten Abteilungen betreut. Die 
Technologisch-naturwissenschaftliche Abteilung 
ergänzt die.se Fachausbildung dadurch, daß sie 
die Studierenden mit den neuen Verfahren und 
Ergebnissen der ph^'sikalischen und chemischen 
Wissenschaften, zum Beispiel mit neuen Prüf- 
methoden, vertraut macht. Die Sprachlich-histo- 



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ERNEST HAMBURGER - 67 Riverside Drive - 



New York, NY 
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27. Januar 1972 



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Frau Dr. Luise Oppenheimer 
610 LaSalle Street 
Durham N.C. 27705 



Liebe Frau Dr. Oppenheimer, 

vielen Dank fuer Ihren Brief vom 23. d.M. und 
die Informationen ueber Juden im Kommunaldienst in 
Bayern. Die ZeitungsnJVtizen, die Sie mir freundlicher- 
weise ueberlassen haben, sende ich Ihnen wunschgemaess 
in der Anlage zurueck. 

Ein Kunreuther ist Miglied des Leo Bneck Instituts, 
und ich werde mich an ihn wenden, um Naeheres ueber 
seinen Vater zu erfahren. Walter Friedlaender ist ein 
alter Freund von mir, mit dem ich staendig in Verbindung 
stehe, und Aenne Hertz hilft uns gelegentlich als 
Volunteer, sodass ich sie ueber alles befragen kann, was 
sie noch in Erinnerung hat. Wir haben natuerlich auch 
das Material ueber ihren Bruder Paul Hertz. 

Universitaetsprofessoren moechte ich in dem kommenden 
Bande eo behandeln, wie ich es in dem ersten Band getan 
habe, d.h. vorwiegend diejenigen, die als Staatsrechtler 
oder Nationaloekonomen auf die Ausbildung der studenti- 
schen Jugend EAnfluss ausgeuebt haben, die spaeter inpen 
Staatsdienst ging. Natuerlich verfolge ich dabei kein 
starres Prinzip. So ist z.B. natuerlich Willstaeätet 
zu erwaehnen, der seinen Muenchener Lehrstuhl, wie Sie 
wissen, in der Weimarer Zeit aufgegeben hat, weil die 
Fakultaet Uch bei der Auwwahl von Assistenten von anti- 
semitischen Gesichtspunkten leiten liess. Nawiaski bearbeite 
ich, er war zwar getauft, hat aber einen grossen Einfluss 
als Muenchener Staatsrechtslehrer ausgeuebt, und auch 
den Philosophen Hoenigswald will ich kurz beschreiben. 
Wenn Sie ueber diese drei Gelehrten hinaus noch Anregungen 
haben, so wäre ich Ihnen fuer eine Mitteilung dankbar. 

Mit nochmaligem besten Dank und freundlichen Gruessen, 



Anlage 




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Luise M» Oppenheimer 



610 LaSalle Street Apt. 7 B 
Durham, N.C- 27705* 
^eb.5, 1972 



Lieber Dr* fiamburgerl 



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1- 



In Beantwortung Ihres Briefes vom 27. Januar teile ich Ihnen einige 
iamen mit, an die Sie vielleicht noch riicht gedacht haben« 

Sie schriebBn, dass Sie auch an Universitätsprofessoren INT|RESSIERT 
SIND, DIE ERHEBLICHEN SS Einfluss auf die akademische Jugendjausgeübt 

haben. ^ 

Die folgenden Professoren meiner alma mater Preiburg kommen mog- 
Jf licherweise in J^etracht: ffduard Heimann , Nationalökonom, ^später 
^ an der Univ. Hamburg, dapn an der New ächool for Social Research 
in New York. Sein Vater^^ Ehrenbürger der Stadt Berlin^ war Ihnen 
¥0hl bekannt. • Edmund Hüsserl . Philosophieprofessor in Preiburg, 
Begründer der Phänome^nologie , war in den zwanziger *^ahr§n beliebt; 
Vn' ^ sein AssL^tent und wohl bekanntester Schüler Helgegger wurde frei- 
lich i±Kk ein Nationalsozialist, stand dann wohl dem ExisterUalis- 
mus nahe. - Dankbar erinnere ich mich an Dr> K&niger, Juristische 
Fakultät, urjd Dr. Walb für Wirtschaftslehre; ob der letztere auch 
Jude war, bif)ich nicht ganz sicher; sein Assistent Dr. Jakob Kahn 
war schon anfangs der zwanziger *^ahre eifriger Zionist und ^x starb 
in Israel. - Mein "Doktorvater", v. Schulz e-Gäverhitz, war mit einer 
Jüdin verheiratet. - Prof. Dr. Mombert hatte ich in Statistik, weiss 
aber nicht mehr ob in München oder ^'reiburg. An der letzteren Univ. 
war auch Dr. Riesenfeld Jude, er lehrte anorg.Chemi«^ - 
Andere jüd. Prof. die ich erwähnen m'6chteJ Sinzheimer (Arbeitsrecht/ 
und Pranz Oppenheimer (Bodenreformer) in Jrankurt; Alfred PrlngsÄelm 
Schwiegervater von Thomas Mann, Mathematiker an der Univ. München. 
Dort lehrten auch Pari SÜssheim (Bruder des Ihnen bekannten Politi- 
kers Max SÜssheim) türkische Sprache und Kultur, ferne?^ üffenheimer 
(Kinderheilkunde) Strich für Literatuy^ich glaube auch Silberschmidt 
und/oder Neumeyer, beide JuristenX/«-^ 

Nobelpreisträger , ausser Willstätter, waren Otto Wallach , 1910, in 
Chemie; besser see Liste der Nobelpreisträger in Philo-Lexikon 1935 
Dieses Buch ist eine gute Quelle für viel ^aterial... 
James Pranck , G^öttingen Univ. und später ü..of Chicago ebenfialls 
Nobelpreisträge^ndere Namen: Prof . Hellinger (Hanna Hellingers Bru- 
der, Mathematiker in -Frankfurt, Dr . Siegfried Marck , Breslau und in 
- Max Scheler , Philodoph & Soziologe (JtMtMutiLeiri. An der Medizini- 
schen Akademie Düsseldorf lehrten I^of. Schlossmann > Eckstein und 
Prof .Dr. Selma Meyer , alle 3 in Kinderheilkunde*. Schlossmann organi« 
sierte "Gesolei" 1926, war elsenso wie Eckstein Leiter der Stadt. Kln- 
derklinlk» - Univ. Heidelberg: Prof .Otto ^radenwitz f.rBm. & bürger- 
liches Recht, Gund olf [Priher Gundelflngef ) Literaturhistoriker, 
Vorname Friedrich; in Frankfurt Carl Grinterg , Nationalbkonom. *: 

Ausserdem Philolexikon von 1935 und der inzwischen erschienenen 
Neuauflage empfehle ich Ihnen als Literaturquelle das 126a^erschie- 
nene Buch von Max Born & Hedwig Born "Der Luxus des Gewissens , 
Nymphenburger VerTagsbuchhahdlung. "~ 

Pills Sie irgendwann Prägen haben sollten, die ich vielleicht be- 
antworten könnte, schreiben Sie mir bitte. Ihre Arbeit interessiert 



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3. 294. Allein 1935/34 sind ueber 1600 V/issenschaftler, darunter 
mehr als 1 100 Professoren und Privat dozenten, rund lö^o des 
Lehrkoerpers entlassen worden.Dazu Zuruecksetzungen,Bearohungen, 
Jjr*^ indirekte Verfolgungen. Meyerhof ,Franck, Einstein, haber, Hertz. / 
Berlin und Frankfurt verlieren ueber 32i!b, Heidelberg ueber 24%, 
Breslau 22%,Goettingen Frei bürg Hamburg Ko ein 18-19% des Lehr- 
koerpers. Ziahlenmaessig am meisten die medizinischen, prozentuel 
in die juristischen Fakultaeten(21, 2%) Universitaeten mit 16,6% 
staerker betroffen als technische Hoch schul enllQ^JZ^l 



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• v^^^vfo nr Clemens Friedrich Meyer(l824-1898) 
1,47 f .In Arolsen existierte Dr. Clemens . eter Professor 

Schriftleiter <?e^ Petersburger ^J^^I^^J^^^if^a? nannte sich Meyer 

* fuer Germanistik i\«ei*5«^^^?:.^^Sl864-1928) war Vizeadmiral. 
fO von WaldecK. Ein ^ohn Meyer-Waldecksa864 1^ ^^^ ^^^^^ zitiert 

1^ 1914 Gouverneur und Verteidiger ^°2v^n=Kiid einer deutschen Residenz- 
Lbsöer« Helmut Nicolai, Arolsen-Lebensbild einer d^^ ^^^ ^^.^^^_ 

«i-.dt.l954 und J ue_di_sches Lexikon .auch info j^^ , y 

personen. 






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"Goetheprei-s* 
Kreis nicht • 
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Ivomrriissionss 



und ochule aristokratisch, ^inzelmensch zaehlt. .soziale 
stieren und interessieren nicht, ^-^vchen sich nicht klar, 

der liberalen Demokratie veraanKen. Gundolf ^^^olf skehl, 
ihre geistvollsten Vertreter. Geehrt unT^efoerdert'» " ''^ 
fuer George, von Becker komiaend beruehrte den exklusiven 

jirhbb niemals seine ^litirmue zur Vertei .^igun^^ der Deiiio- 
sie daruebüP sagten, atmete Verachtung;. Pa: teita^ungen 
it Zungen ,oerf entliche DisivU:. sionen unter ihrer V<uerde» 



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Sunday, May 30 



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Tilly Edinger ]iu 

Auf ihrem Weg zur Arüeft wur- 
de Tilly EdSnger von einem Auto 
angefsuhren. Einen Tag .späUT 
staub sie an den Verletzungen. 
Mit ihr ist eines der letzten alt- 
frankfoirter Originale und eine 
Wissenschaftlerin von Weltruf 
von uns geschieden. Ihr Vater, 
liudwlg, war als Gehirnanatom 
fülirend, und Ihie Mutter, Anna, 
betätigte sicli in der Sozialfür- 
sorge. Der Edingerweg in Frank- 
furt ist nach ihr benannt. 

Tilly Edinger wurde am 13. No- 
vember ia97 geboren, studierte 
in Heidelberg und schuf die 
GnindJage für die Wissenschaft 
der Paläoneurologle mit ihrem 
1929 erschienenen Buch "Die fos- 
silen Gehirne". Nach jahrelan- 
ger Arbeit am Senckenberg-In^^i- 
tut in Frankfurt musstc sie 1Ö39 
DeutÄclüand verlassen. Nach ei- /^ 
nem Zwischenaiiienthalt in En^ * 
lang kam sie nach Cambridge, 
Mass., wo die Harvard Universi- 
tät sie in Kenntnis ihrer Bedeu- 
tung und in Unkenntnis ilire.i 
Geschlechts anstellte. Die Verle- 
genheit, die entstand, als man 
merkte, dass man einer Dame 
einen Vertrag gegeben hatte, 
woirde schnell überwunden, und 
zwischen ihr und ihrem Chef, 
Prof. Römer, entwickelte sich 
bald eine der seltenen Freund- 
schaften, von der nicht nur bei- 
de Seiten, sondern auch manche 
Aussenstehenden profitierten. 

Nach Marie Curie war Tilly 
Edinger der nächste Doctor ho- 
noris causa in den Naturwässen- 
Schäften in Wellesley. Die Uni- 
versität Giesscn verlieh ihr den 
medizinischen Ehrendoktor, die 
Universität Frankfurt und die 
ßoiTbonne den naturwissenschaft- 
lichen. 

Carl Cohen, Cambridge, Masa, 






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THE UNIVERSITY IN EXILE 

THE GRADUATE FACULTY OF THE 
NEW SCHOOL FOR SOCIAL RESEARCH 

THE GRADUATE FACULTY OF POLITICAL AND SOCIAL SCIENCE HAD ITS GENESIS «N THE 

IIMIVPBCITY IN EXILE vÄlC BY THE NEW SCHOOL FOR SOCIAL RESEARCH 

IN VwIaS A hIvEN FOR dÄgUIShId EUROPEAN SCHOLARS PERSECUTED BY TOTALITARIAN 

GOVMNMENTS IN THEIR HOMELANDS BY ALVIN JOHNSON, THEN DIRECTOR OF THE 

NEW i?HOOL AND sSnED BY THE GENEROSITY OF HIRAM J. HALLE, THE ROCKEFELLER FAMILY, 

AND MANY OTHER CONCW THE UNIVERSITY IN EXILE MADE IT POSSIBLE, 

PWOrTO AND DÜRING W^^^ 167 IMPERILED SCHOLARS AND THEIR 

FAMIL K TO FIND SA^F^^^^^^^ FREEDOM ON THESE SHORES. ITS SAMPLE 

WASFOLLOWED BY OTHER ED^^^^ INSTITUTIONS, RESULTING IN THE RESCUE OF MANY 

ftp /ÄoPE^S FOREMOST THIN^^^^^^^ LEADERS. SOME EXILED SCHOLARS REMAINED HERE 

A?T«?uCLEuToFTHIS GRADUATE F^^^ WHICH WAS CHARTERED BY THE UNIVERSITY 

O^TiSe STATE OFN?W YORK IN 1 W4; OTHEW WERE BROUGHT OVER BY THE NEW SCHOOL 

WEN? ON ?0 TE/U:HING POSITIONS AT OTHER UNIVERSITIES, ENRICHING THE FABRIC OF 

HIGHER LEARNING IN THE UNITED STATES. 

THIS PLAQUE INSTALLED ON THE OCCASION OF THE NEW SCHOOL'S 50TH ANNIVERSARY, IS 

nEmcI™ TO THE FACULTY MEMBERS AND FRIENDS OF THE UNIVERSITY IN EXILE WHO FIRST 

?OW^ED THE GRA^^^^^^^ DURING ITS FIRST DECADE IMBUED IT WITH THEIR 

Ä?iON TÖ TRUTH AND ^^^^ LIBERTY. THEY CONSTITUTE AN HISTORIC CHAPTER IN 

AMERICAN HIGHER EDUCATION. 



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RUDOLF ARNHEIM 
SOLOMON E. ASCH 
MAX ASCOLI 
KARL BRANDT 
ARNOLD BRECHT 
GERHARD COLM 
FERNANDO DE LOS RIOS 
MARIO EINAUDI 
ARTHUR FEILER 
EMIL GUMBEL 
ALBERT HALASI 
EDUARD HEIMANN 
JULIUS HIRSCH 
ERICH HULA 
ALVIN JOHNSON 
ALFRED KAHLER 



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FRANK ALTSCHUL 

AMALGAMATED CLOTHING WORKERS 

OF AMERICA 
AMERICAN JEWISH COMMITTEE 
GEORGE BACKER 
GEORGE W. BACON 
WILLIAM H. BALDWIN 
JACOB BILLIKOPF 
CHARLES C. BURLINGHAM 
BENJAMIN J. BUTTENWIESER 
MRS. HENRY WHITE CANNON 
CARNEGIE CORPORATION OF NEW YORK 
JAMES H. CAUSEY 
WARD CHENEY 
GRENVILLE CLARK 
WILBUR L. CROSS 
GEORGE L. DAVIS 
JOHN DEWEY 
STEPHEN DUGGAN 
MRS. DORIS DUKE 
MRS. LEWIS A. ELDRIDGE 
MRS. RALPH M. ELLIS 
MRS. DOROTHY STRAIGHT ELMHIRST 

ELIZABETH GLENDOWER EVANS FUND 
SAMUEL S. FELS 

A. LINCOIN FILENE 

THOMAS K. FINLETTER 

FELIX FRANKFURTER 

LEON FRÄSER 

OTTO FROHNKNECHT 

MRS. BABETTE GOLDMAN 

ERNEST GRUENING 

HIRAM J. HALLE 

JULIA HALLE 

LEARNED HAND 

WALLACE K HARRISON 

MRS. PORBES HAWKES 



FACULTY 

HORACE M. KALLEN 

HERMANN KANTOROWICZ 

FELIX KAUFMANN , 

ALEXANDER KOYRE 

ERNST KRIS 

EMIL LEDERER 

FRITZ LEHMANN 

ABBA r. Lti^NER 

NINO LEVI 

CLAUDE LEVI-STRAUSS 

RUDOLF LITTAUER 

ÄtoOLPH LOWE 

JACOB MARSCHAK 

CARL MAYER 

JULIE MEYER 

BORIS MIRKINE-GUETZEVITCH 

HANS NEISSER 



FRIENDS 

DANNIE HEINEMAN 

IRA HIRSCHMANN 

MRS. DOROTHY HIRSHON 

NATHAN HOFHEIMER FOUNDATION 

OLIVER WENDELL HOLMES 

ROBERT M. HUTCHINS 

INTERNATIONAL LADIES' 

GARMENT WORKERS' UNION 
MRS. HENRY ITTLESON 
CLAY JUDSON 
VICTOR W. KNAUTH 
WOLFGANG KOHLER 
THOMAS S. LAMONT 
MRS. THOMAS W. LAMONT 
DEAN LANGMUIR 
MRS. TRUDE LASH 
MRS. HENRY GODDARD LEACH 
MR. 4 MRS. ARTHUR LEHMAN 
NATHAN W. LEVIN 
DR. & MRS. DAVID M. LEVY 
LUCIUS N. LITTAUER 
CARL M. LOEB 
HENI'Y R. LUCE 
BYRNES MACDONALD 
ROBERT M. MACIVER 
ARCHIBALD MACLEISH 
JACQUES MARITAIN 
WILLIAM MCCHESNEY MARTIN, JR. 
ALBERT MAYER 
CLARA MAYER 
JOSEPH MILNER 
HOWARD M. MORSE 
WILLIAM A. NEILSON 
EDWARD A. NORMAN 
MRS DANIEL O'DAY 
HARRY A. OVERSTREET 



APRIL 2 5, 1969 



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ALEXANDER H. PEKELIS 
KURT RIEZLER 
ALBERT SALOMON 
GAETANO SALVEMINI 
PAUL SCHRECKER 
RICHARD SCHULLER 
ALFRED SCHUTZ 
HANS SIMONS 
HANS SPEIER 
HANS STAUDINGER 
LEO STRAUSS 
ERICH VON HORNBOSTEl 
MAX WERTHEIMER 
ERNST KARL WINTER 
^'TRIEDA WUNDERLICH 
JULIUS WYLER 



WILLIAM S. PALEY 

MARION PASCHAL 

FRANCIS T. P. PLIMPTON 

GEORGE A. PLIMPTON 

JUSTINE WISE POLIER 

ELIOT DEMING PRAH 

BORIS PREGEL 

RALPH PULITZER 

ROCKEFELLER FOUNDATION 

NELSON A. ROCKEFELLER 

DAVID ROSE 

ROSENWALD FAMILY ASS'N 

THE JULIUS ROSENWALD FUND 

lAURENCE B. ROSSBACH 

JOSEPH HALLE SCHAFFNER 

HARRY SCHERMAN 

MRS. DOROTHY SCHIFF 

CARL SCHURZ MEMORIAL FOUNDATION 

EDWIN R. A. SELIGMAN 

EUSTACE SELIGMAN 

MRS. CLEMENT A. SMITH 

DANIEL CRANFORD SMITH 

MR. & MRS. OTTO C. SOMMERICH 

RENEE A. SPITZ 

MRS. SYDNEY S. SPIVACK 

MRS. ARTHUR HAYS SULZBERGER 

HERBERT BAYARD SWOPE 

PAUL TILLICH 

MR & MRS. JOSEPH URBAN 

MRS. FELIX M. WARBURO 

LOUIS S. WEISS 

MAURICE WERTHEIM 

WILLIAM C. WHITNEY FOUNDATION 

WOODROW WILSON FOUNDATION 

LEO WOLMAN 

SAMUEL ZEMURRAY 











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SITZUNG DES ZENTRALRATS 



29.1.1919 71. 



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29.1.1919 nachm. : Sitzung des Zentralfats mit der Sozialisierungskommission 

DZA Potsdam, Sozialisierungskommission 61, Bl. 24-29. Maschinenschriftliches Sit- 
zungsprotokoll (Erstschrift)i). Überschrift: „Niederschrift über die Sitzung beim Zcn- 
tralrat am 29, Januar 1919." 

Anwesend: von der So:^ialisierungskommismn Ballod^\ Hilftrdin^\ Lid*rir^\ Schum- 
peter^\ Vogelstein% Wilbrandf^^Heimantfi)', vom Zentralrat keine Anwesenheitsliste \ 
Sprecher: Cohen, Gri^esinski, Voigt, Heller, König, KohL 

Vorsit^: Cohen. 

Protokoll:^) 

Beginn: 16.00 Uhr^^); Schluß :^^) 

Verhandlungsgegenstände: 
/. Organisatorische Fragen der Soi^iaüsierungskommission (Fehlen einer Bestallung, 
Kompetenzen, Konflikt mit dem Reichswirtschaftsamt), 

2. So:(ialisierung des Bergbaus. 

3. Haltung der Regierung in der So^ialisierungs frage. 

1) Auf dem ersten Blatt rechts oben hs. Vermerk: „z.d.A. 31/1 E[duard] H[eimann]". 

«) Dr. Carl Ballod (1864-1933), von 1893 bis 1895 evangelischer Pfarrer, 1899 Privatdozent in 
Berlin für Nationalökonomie und Statistik, seit 1905 Mitglied des Preußischen Statistischen 
Landesamts, November 1918 Mitglied der Sozialisierungskommission. 

») Dr. med. Rudolf Hilferding (1877-1941); von Beruf Arzt, widmete er sich schon bald aus- 
schließUch dem Studium nationalökonomischer und finanzwissenschaftlicher Probleme (sem 
berühmtes Werk „Das Finanzkapital" erschien 1910); 1905-1917 war Hilferding Redakteur 
am Vorwärts, bei der Parteispaltung schloß er sich der USP an. November 1918 Mitglied der 
Sozialisierungskommission, 1919 Chefredakteur der „Freiheit". Weitere Angaben s. Oster- 
roth S. 131 ff. 

*) Vgl. Nr. 50 Anm. 46. ^ . . 

») Dr. Joseph Schumpeter (1883-1950), 1909 Professor für Volkswirtschaft in Czernowitz, seit 
1911 Professor in Graz, der sozialdemokratischen Partei Österreichs nahestehend; März 1919 
bis Juni 1920 österreichischer Finanzminister, 1925 Professor in Bonn, von 1932 an in 

Harvard. t j j 

•) Dr. Theodor Vogelstein (geb. 1880), Bankier, 1910 Privatdozent in München, wahrend des 
Krieges Mitglied des Vorstandes der Kriegsmetall A.G., später Mitinhaber des Bankhauses 
C. Kretschmar in Berlin; aktiv in der „Gesellschaft für soziale Reform", daher im November 
1918 in die Sozialisierungskommission berufen. 

») Dr. phil. Robert Wilbrandt (geb. 1875), seit 1908 Professor für Volkswirtschaft in Tübingen, 
der SPD nahestehend; November 1918 Mitglied der Sozialisierungskommission. 

•) Dr. Eduard Heimann (geb. 1889), Sohn des Philantropen und sozialdemokratischen Politikers 
Hugo Heimann (vgl. Osterroth S. 119 ff.), bereitete er sich nach dem Studium der Rechte 
und der Volkswirtschaft auf die HochschuUaufbahn vor; Dezember 1918 Sekretär der Sozia- 
lisierungskommission; in den Jahren der Weimarer RepubUk gemeinsam mit Paul Tillich 
führender Vertreter des religiösen Sozialismus. 

•) Das ProtokoU enthält keine Angabe darüber; der hs. Vermerk (s. Anm. 1) macht es )edoch 
wahrscheinlich, daß das ProtokoU - wenn nicht von Heimann selbst angefertigt -. von ihm 

zumindest durchgesehen wurde. , i. /vi 

") Das ProtokoU selbst enthält keine Angabc; die Sitzung war auf 16.00 Uhr anberaumt (s. Nr. 

70 S. 520). 
") Keine Angabe im ProtokoU. 



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Universitaetsprof essoren» 







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Noch aus der Ivaiserzeit Pi.nst Lanclsberg( IS^O-l^^?) 1885 ^ 

habiUtiert. 1893 verlangt Kurator von ^^^^^^l^^^f^f iJ^J^! 
Rpfoferderun« da er wegen Bekenntnis nur unbesolaeter extra 
o?Sm?!u3?^i8l5 etatlmaessiger Extraordinarius fuer dtraf- 
Techfund btrafprozess,1899 vor allau als Geschichtsschreiber 
Lf Lrts.isseLohaft'ordinarius. ^.rster und ein^^^^^^^ 

an dessen Abkunft kein Zweifel bestand, Rektor l«J;f :J|^^, .^.o^ 
mit 45 von 87 btimmen gewaehlt. Frit7-otier-oonao 1875-19o2) _ 

SaShtnersohn! 1901 in tonn habilitiert ^fj J^J^i^s^^f^-^^^eln 
Vor kerrecht Praecikat Professor. Uebtrsiedelt 191^ nacn i-oexn 
do?t unterrichtet und schliesslich Rektor. Handbuch des 

Voelkefrrc^ts^'' Alfred P^iliPP^f,^(^^^t;;ie'lio9 a" Jrof "" ^"^ 
tin Philippson, 1891 Dozent fuer Geographie ,1899 a.o.^ror. ^ 

nach Beiuf Lgen kehrt er 1911 nach ^°^^^^ ,,f,l^^lf.^f^ 
n^vom 1C9Q emeritiert, .^'il helni Levison (1676 -1S47 j , 
StSbeitI? rr^nu^ent a - Gern:aniae ^^^^^o rica 1905 Pri^vatdozent, , 
1912 a.o.Prof. fuer historische Bixawissensc haften, im .elt 
krie/ordentl. Lehr stuhl fMer mittelalterl. Geschichte in 
Bo^Sf BeSfuis Sch Berlin abgelehnt. ^-\-f°^^!^g^,^f,, 
Diplomat iker, Lehrer einer Generation von -^^i°^^f^^^o.?94o^ 
mittelalterlichen Geschichte . Felix hausdorff (1868-1942) 
Sai als atoTProf.nach Bonn 1911, 1915 nach Greifs.ald. - 

Issailchur( 1875-1941) Latheniatiker in Bonn, haussdorif, f 
au^gl^tS itlker kam Anfang des Krieges -^^^^^^^ L^ 
Leo üüitzer (1887-196ü) Romanist aus wien .habilitiert 1.18 *^ 
1925 nach Marburg, 193Ü nach Iloeln. 



7 



In Weimarer Zeit Alfred Lantoro^icz (1880-1^.62 ^' i^.^°^^„^-°- ,, 
1922 ord.Prof. --ahnh-M— '^°- ' ^^^' "tto Loewenstein(1889-1965) 
Psychia?rie!Uendete Landesklinik ^^\''\^^''%%f':f^^\^^^ 
1931 o.Proflund Direktor d.s ^atho-rsycholog.-.nstituts. 1928 
kam aus Kiel Otto_Toe£li^,Mathematiker (1881-1940). 1928 
mirde Al exander Sperber . geb. 1897 einziger Dozent an einer Uni- 
versitaet fuer das i'acn Judaica- Martin «Volf f . Jurist, buergerl. 
Recht und Rechtsgeschichte (1872-1953) in Bonn von 1919-1921, 
dann Berlin. G erhard husserl (1893 geb. .roemisches und buergerl 
Recht, 1926 als a.o.Prof. nach Kiel versetzt, 2 Jahre vorher 
a.o.Prof. in Bonn. Max Gruenhut (1893 -1964), 1922 inHa;uburg 
habilitiert, 1924 Lehrstuhl in Jena, 1928 Nachfolger Landsbergs 






mKluXe 
S.15« 
ff 



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Nobelpreis. ^. 1=;^' ^^ ^ ^ Akademie fuer Handels-und 
senschaften »i« !°^^^®?^5''J" ch Merton's Idee und Heranziehung 
S?1i:i;nSr;ScSni,äen Sandels^und Wi^rtschaftsdiszipiinen 

gepraegt« 



Kluke 
S. 170. 



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,^ 4- .«.^.^ •hk4-«» 2 Frankfurter, den Geheimen Justiz- 
^i^^'IS/^Si^^Ss^E^t fSer selnef hervorragenden Anteil an der 
rat Dr.jur. Henry "^^^•^•'^^ '"^' __ Mitarbeiter von Adickes und 
Vorbereitung der U. als vertrauter ^J-tarbelter von ^^^^^^ 

Justizrat Dr. Ludwig «exlbrunn.der in vielseitiger oe ^^^ 

Taetigkeit mit an erster stelle die erfolgrelcne y^^^ 

""i-?"in7;f !SS-!r34'\t85-S5rStid?!SJirdneter in der national- 
Oswalt(S.l77) 1849-iyj'*, i°_^,r„j^_, i^,, Metallqesellschaft. Heil- 
liberalen Fraktion. Auf sichtsratsmitgliedMetalig ^^^^ 

brunn 1870-1951, seit 1904 ««rausgeber der non ^^^verordneter 

Handelsrecht und Bankwesen-'.Fortschrittler^dann dd^ planvolle 

^r^ Sei SeSraJi^FÄ'^^einem^industriezentrum einge- 
setzt. 1919 - 1923 M.d.L. 



Kluke 
S.207 f 



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x^^«v«= v,4»it 1915 Berthold Freudenthal, der ihm vielleich 
^^""/"M^t^^iSern dS liSkoeSrs am naechsten gestanden und 
von den Mitgliedern ?®s. t^ ,,v"T. Tahre an seinen Plaenen mitgear- 
schon von der Akademie her viele Jj^^l/J^J^^I^eudenthal berief sich 
beitet hatte die «f«<=*^S;|jSJ|;ae;;g?uendung auf Wort Bismarcks,/' 
fuer sein letztes Ziei, ^"v ^I^^o^^i^n Tn Ministerialstellungen 
bei der Ablehnung ^er Berufungen nach Berlin 3^^^^^^ 











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REFERENCE. / \J ■' ^' - r ■ .^-»^^ 

Elias .iuerbachjir^ionier der Vervvirklichung, Stuttgart 1969 



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b.l25 ff 



Hermnn L.unk Begruender der modernen Physiologie blieb 
Professor an der tieraerztlichen Piochschule ,obvvOhl die 
i^erliner medizinische Far.ult^et nach cjfm loic _ uüois-hayinonds 
1896 ihn als einzigen zum Nachfolger vorschlug. Althoff 
fragte -unk an, ob er sich taufen lassen v.uerde,nacn Ver- 
neinung wird er nicht befoerdert. Auerbach hoert 8i:iinel 
ueber Lthik und l^ationaloekonomen, darunter üppenhei:.ier 
mit reicher Anre^-ung. 

0.154 ff Auerbach schildert Politisierung aer ötuaenoenschaft, Ent- 
stehung des VDbtjd'. r i.orps, Burschenschaften und Landsmann- 
schaften und die Entstehung aer Freien Studentenschaft , aamals 
Fini-venschaf t genannt, wo sich die Linke sammelte, daneben 
die ausgesprochenen jue. Ischen Organisationen. In Fuehrung 
der Finken sc haft seit etwa 1900 i:eil:.:ann,kaempf te gegen re- 
aktionaere Hi chtung, glaenzender DeTäTlrt^r , xazxsx da er keinen 
Treueid auf koenig ablegen wollte, wurde ihm die Zulassung 
zum i'ieferenaar verwehrt, vor ..ahlen zur akademischen Lesehalle 
legte .luerbach otandp unkt der national juedischen otudenttn 
zum Orgai. aer FinKtnschaft dar;Bab der Heaakteur aes Blattes 
''der Freie Jtudent" , Organ d^r Finkenschaf t , nahm den Beitrag 
auf,fuegte polemische .mtwort heil.anns gegen ihn hinzu. 
Auerbach schreibt auch ueber Lugen i'ff^ubler ,137 9 geboren, 
zuerst in Zuerich a.o. Prof essor , 19^5 Ordinarius in Heidel 
borg, wo er 1929 Litglie der Akademie aer Vviosenschaf ten 
wurde, ab 19b5 auf Aemter verzichtet , lehrt wie .er als Dozent 
an der Lochschule fuer die ..i ssenschaf t aes Judt ntums.1941 
Professur am Hebrew Union College in Cincinnati.1955 ge- 
storben. 

ü.lSl Vor uQü kriege otabsarzt Hirsch aer einzige jueaische Jtabs- 

arzt in der bayerischen Armee, in Preussen keiner. 

S.316 Julius Hirschber g 1900 Oröinarius in Berlin, hervorragende 

.lUgenarzt, Forschungen auf dem Gebiet der arabischen Ledizin, 
beherrschte die klassische arabische Sprache ,bekaempfung aes 
Trachoms in Palaestina. 

S.213 Die Posener Resolution von 1912 wonach Uebersiealung nach Pa- 

laestina in ^ebensprogramm aufzunehmen, undeutlich und unver- 
bindlich ,haette lauten muessen,dass jecer ^ionist die perscm- 
liehe VerwirKlichung seines . ionismus so schnell als moe^lich 

auf sich zu nehmen habe. Nur wenige Dutzend deutscher .äonisten 
vor 1914 nach Palaestina,auhh nach aem ioriege nur verhaeltnis- 



kleine Gruppe und .linzelne, sodass vor 1933 wohl kaum mehr 
als 1500 deutsche ^i.onistBn im Lande. 



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Paul Kluke,Die Stiftungsuniversitaet Frankfurt am Main 1914-1932 
Ul. Ver»ag Waldenar Rraraer BfM 1972 

S. 3^1 Wilhelm Merton geb. 1848 grosser Wirtschaf tsfuehrer uebernahm das 
vom Grossvater muetterlicherseits Cohen in FfM gegruendete 1881 
W^^V^"^ Gesellechaft A G erweiterte Unternehi^enf^sSin Lj^nswerk 
«ehoert air Vorgeschichte der üniversitaet und zu ihrer MitS- 

^-^^^fJJrwSü;! °i^ englische Staatsangehoerugkeit hat M.um di^ 

Jahrhundertwende zu Gunsten der deutschen aufgegebenirf, wie damals 

auch die Annahme der Taufe weiteres Zeichen dir volScomJenen 

f jnr""elung mit seiner Familie in die Maiastadt war." Er setzte 

)J I V-^^ '"®^ "®"® InstitutiÄnen ein, sehr interessiert an sozialen 
j' wSSJ!""*?''"*' rationeilen Aufbau einer praktischen SozJäpJtitik 

//9 *°"^* Planmaessig die Lage der Arbeiter verbessern,Grundleauna 
/^ moderner Betriebswirtschaftslehre verdankt ihm viel l^^^iS^ 

"iis ^r t";!"?^"**"?"9endgericht8pflege,Arbeiterw;hnun^wesen 
bis zur intensiven wissenschaftlich-sachlichen und finanziellen 
Foerderung der in Berlin erscheinenden Zeitschrift SoziaJe Praxis 
und zur Errichtung eines Instituts fuer Gewerbehygiene Sah Gr^nd! 
■angel der Gesellschaftsordnung darin, dass FuehJunS^cJichr 
bestenfalls formal-juristisch ausgebildet, aber nShtS Wirtschaft 

sSinSerun^K,""*" '°^^?':^ ^"^«^ vertrau t, was SJffLlschln" 
Staenden und Klassen vertiefte. Vgl. Leopold von Wiese. der ihn 

charakterisiert in^Gedenkworteh. ^y,y^ j 



Kluke 
S. 51 



50 



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wo th5i?or!li!lf^^^^^°'f® '?*'*'* ?*® Institut fuer Serumforschung 
wo Ehrlich arbeitete, als staatliche Forschungsstelle von Berlin 

2™L^frI^5'''''' verlegt. Stiftungen der Bankilrsfamilien S^J^r 
ermoeglichten weiteren Ausbau. Ehrl ich schrieb groesstes Verdienst 
an dieser Gruendung Althoff zu. Ehrlich schriebt ich verdanke Ihnen 
;SsS;aISf!ten"J?"/"- firW°egli<^hkeit. meine Ideen "?zSngend" 
wfi^nTf!! ? • ^* Assistent herumgeschubst. in die engsten Ver- 
haeltnisse eingezwaengt. von der Üniversitaet absolut ignoriert 

kSiiste^sLf^r'^?,^""'^^ ^°''' ^°^ ^«'^ "i« einen rJI an die' 
vi»i2 stelle erhalten und galt als Mensch ohne Fach.d.h. voll- 
kommen unverwertbar. Wenn Sie dann nicht mit starker Hand und 
genialer Initiative fuer mich eingetreten waeren.. .waere ich voll- 
kommen brachgelegt gewesen. "(Dies S. 103) 



Kluke 
S.llO 



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Üniversitaet ohne theologische Fakultaet. Die multiforme Gesellschaft 

ttLTT^r'K'^^ ^f"**^ ^" *^«^ politischen ZusammeSJeSSng 
raaanigfacher Gruppen ihre Aufgabe, in der reichen Differenziertheit 
T^^?™' ihre schoenste Rechtfertigung. .. .Unter den Stiftern ?ulr Sie 
Srir^'S^^'**' Juden, begreif lieh, dass sie zu endgueltiger SicheJJno 

umf?.^t^*'^"4'^^*".^^^^°*'^"'^*»^i^"g ge"«ä« in dem bisher S 
umstrittenen akademischen Bereich beitragen wollten. Auch die S<- 

wegen tiefen Assimilationsverlangens sie? hatten taufen lafs!; 
iman konnte doch nicht gut Mittel aus Ih^«^ u^!^ «ufen lassen, 
BiWungsstaetten verwenden soiaLfniZ^f ,^ "^ ^"®'' theologische 
sich auch ihrerseitrS iSdivli!2?? r^^ alteingesessene Glaeubige 
Das war aber bSher nJSh nJSt S^'fJiÜ^""""^"" ^*'"«' *-"i^ 'an<äen. 



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116 



/. Bud), 3. Kapitel 



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Universitäten gegründet und den Betrieb aller Wissenschaft geregelt hat; heute 
verzichtet die Universitas litterarum gleichmütig auf die königliche Disziplin von 
ehedem! So liegen die Dinge in der Wirklidikeit. Religion, Theologie^ KirAe 
kommen für die breite Masse und für das Gros der führenden Geister schlechter- 
dings niAt mehr in BetraAt, nur der KateAon, die Staatsgewalt, halt den Zu- 
sammenbruch der Kirche einstweilen noA hintenan. Die KirAe aber versteht die 
ZeiAen der Zeit so wenig, daß ihr reAter Flügel nur ihre eigenen Vorstellungen, 
Begriffe und Lehren für bereAtigt erklärt und der Linken geradezu das Existenz- 
reAt in der KirAe abstreitet ... Die KirAe kann siA den Luxus der RiAtungs- 
kämpfe wirkliA niAt mehr leisten; der Kampf gegen den Liberal^mus ist 
Brudermord und Selbstmord zu.leiA." Aus solcher krltisAen EmsiAt m die 
geistig-religiöse Situation ließ es Rade darum niAt genug sein mit der ublxhen 
Forderung naA einer TheologisAen Fakultät auA für Frankfurt. Er wußte, daß 
damit allein ja noA gar nichts gewonnen war«. Eine Theologische Fakultät mußte 
SiA vielmehr glaubenseAt, überzeugend und lebensnah zugleich einer siA radikal 
verändernden Welt darstellen. So schlug er vor, ihr in Erweiterung ihrer bis- 
herigen Funktionen auA einen Teil der Sozialfürsorge auf dem Wege der Ent- 
wicklung caritativer EinriAtungen zu unterstellen, dadurA würde sie mit dem 
praktischen Leben enger verknüpft, würde einflußreiAer und auch anziehender 
für tatenfrohe Geister werden. In einer lebendigen Religion sei das praktisAe 
Moment zu sehen, es sei zur Vervollständigung des Studiums die Einbeziehung 
der sozialen Fürsorge in das Eakultätsinteresse zu fordern, wenn auA Haupt- 
aufgabe der Fakultät die WissensAaft bleibe, Kenntnis und Erforschung ihres 
Gegenstandes, der Religion. 

Rade ging nun aber noA einen großen SAritt weiter und sah gegenüber der 
modernen Welt die religiösen Grundlagen ihrer Kultur trotz der KirAenspaltung 
wieder als eine große Einheit, die auA in einer umfassenden Theologischen Fakul- 
tät ihren Ausdruck finden könnte. Rade war zu dahingehenden Überlegungen 
sAon früher, von einem anderen Ausgangspunkt her, gekommen. Er hatte um die 
Jahrhundertwende in Auseinandersetzungen mit Harn.u'k und TroeltsA die 
ErnAtung religionswissensAaftlicher Lehrstühle gefordert, we, er glaubte daß 
dadurA ein lebendiges Wirken der Theologie in der modernen Welt in die Wege 
geleitet werden könne-«. Er hatte gemeint, daß das theologische Studium über die 
traditionelle dogmatisAe und praktisAe Ausbildung hinausgeführt werden müsse, 
daß SiA eine engere Verbindung zwisAen Theologie und WissensAaft durA 
die Einbeziehung einer allgemeinen vergleiAenden ReligionsgesA, Ate oder eben 
auA einer sogenannten ReligionswissensAaft herstellen lasse. Damit ist aber 
sAon gegenüber der konfessionsgebundenen Systematik, der allgemeinen ver- 
gleiAenden ReligionsgesAiAte eine aussAlaggebende Bedeutung für eine gegen- 
wartsnahe Theologie zugewiesen. Jetzt nun wollte Rade siA auA damit n.A 
mehr begnügen. Er wollte in der ihm vorsAwebenden TheologisAen Fakultät 
evangelisAe und katholisAe Theologen nebeneinander sitzen sehen, ,a, er betur- 
wortcte auA die Hereinnahme israelisAer Theologen in einer dritten Sektion 



Vorschlag einer dreikonfessionellen Gesamtfakultät 



117 



dieser Fakultät* ^ Protestantismus und Katholizismus hätten sdion ihre geson- 
derten Theologischen Fakultäten, das Judentum habe überhaupt noch keine. Seine 
Hochschulen, wo die Rabbiner ihre besondere jüdische Gelehrsamkeit lernten, 
seien private Gründungen, ständen abseits von der Öffentlichkeit. Hier sei nun 
wohl die Trennung von Staat und Kirche vorhanden, was so modern klinge; 
aber allgemein werde es mit einer solchen Trennung noch seine Weile haben, vor 
allem sei das Lebensproblem damit nicht gelöst, denn es liege in der Sache selbst. 
Die Wissenscliaft vom Judentum nehme eine Winkelstellung ein, solange sie 
nicht an den Universitäten frei und öffentlich gelehrt werde, jedermann zugäng- 
lich. Vielleicht ein einziger Lehrstuhl für Talmudistik in der Philosophischen 
Fakultät könne nicht Ausdruck einer lebendigen Religion von sechshundert- 
tausend Reichsdeutschen sein, hinter denen in der Welt noch elf Millionen 
Gemeindeglieder ständen. Daß von diesen sechshunderttausend ein Teil nicht 
mehr glaube, teile das Judentum mit den anderen Religionen, das Auseinander- 
fallen nach Lehre und Kultus in zwei Riditungen mit dem Protestantismus. Hier 
müsse der Staat helfen, nicht durch Eingreifen In die innerreligiöse Sphäre, son- 
dern eben mit der Errichtung bzw. Ermöglichung einer jüdisch-theologischen 
Fakultät. Es werde gar nicht leicht sein, eine vollständige Besetzung solcher 
Fakultät mit fünf Lehrstühlen (Altes Testament, Talmud [rabblnische Literatur], 
Geschichte des Judentums, systematische Theologie [Rellglonsphilosophle und 
-gcschlchtc], praktische Theologie) heute zu erreichen, und hier, in der Errichtung 
solcher Fakultät, Hege die große Aufgabe für Frankfurt. Das Judentum sei 
innerhalb der deutschen Gesamtkultur ein Faktor, der mit seinem Einfluß weit 
über seine Ziffer hinausreiche. Dieses Faktors und seiner Bedeutung habe sich die 
deutsche Nation, die deutsche Wissenschaft, der deutsche Staat zu bemächtigen. 
Er könne Ihn nur bekommen, erkennend und bildend, von seinem reinsten Eigen- 
besitz, von seiner Religion her. Die jüdischen Gelehrten aber wären damit vor 
eine große Aufgabe gestellt und könnten zeigen, was sie leisteten. Rade weist 
darauf hin, daß einst Abraham Gelger in diesem Sinne mit dem preußischen 
Kultusminister Eichhorn verhandelt und neuerdings Hermann Cohen in einem 
Jublläumsartikcl zur Judenemanzipation ein Gleiches gefordert hat. Preußen 
wäre nach Größe und Macht unter den deutschen Kulturstaaten dazu berufen, 
werde aber doch wohl nicht Kraft zu solchem Vorgehen besitzen. Aber trotzdem, 
„wir fordern die jüdisch-theologische Fakultät im Interesse einer deutschen 
Kulturnation. Konfessionelle jüdische Bedenken wollen wir erst abwarten, ehe 
wir ihnen widersprechen ... Es gibt in Staat und Kirche kluge Leute, die für die 
kleineren Gemeinschaften nur ein Achselzucken oder ein Lächeln haben. Aber 
aus der Sorge für die Geteilten und Kleinen setzt sdiließlich die gemeine Wohl- 
fahrt sich zusammen. Und das Judentum soll man weder verachten noch durch 
leidenschaftliches Für und Wider sein Selbstbewußtsein Ins Ungesunde steigern, 
sondern man soll seine Bedürfnisse erforschen und im Rahmen des vaterländisdien 
Gemeinwesens auf deren rechte Befriedigung bedacht sein." 

Rades Aufsatz ist eines der schönsten Zeugnisse für das deutsch-jüdische 



118 



/. Buch, 3. Kapitel 



Inelnanderwadisen, Zeugnis bis zu welchem Grade die große Aufgabe bereits 
wirklich gediehen war, ein Experiment, das dann ein knappes Viertel Jahrhundert 
später in der größten Tragödie der beiden Völker seinen umgekehrten Weg gehen 
sollte. Die Vorschläge wachsen In ganz ungezwungener Natürlichkeit aus dem 
Denken und Tun des Mannes. Wenn den jüdischen Mitbürgern seit einem Jahr- 
hundert die gesetzliche Glelchbereditlgung zuerkannt war und bis auf ganz 
wenige Reservate auch durchgeführt war, so erkennt Rade mit genau der gleichen 
Selbstverständlichkeit auch ihre Religion als einen wesenhaften Teil der aus ihr 
erwachsenen christlichen Religionen an, um deren Erhaltung oder — beinahe 
richtiger gesagt: Wiedergewinnung als wirklich formendes Element allen staat- 
lichen und öffentlichen Lebens sein Mühen geht. Dabei Ist In seinen Überlegungen 
das nehmende wie das gebende, das schöpferische wie stets auch zu empfangende 
Inelnanderwlrken geistiger Bewegtheit zu verspüren. Es ist allerdings auch eine 
Bewegtheit, die nunmehr rein Innerwcltlich orientiert ist: So erscheint als letzte 
Instanz, als höchster Richtpunkt auch für den Theologen Rnde die Kulturnation, 
jene historisch-politische Kategorie, die seit der Jahrhundertwende von den 
führenden Geschichtsdenkern, voran einem Friedrich Mcineckc, herausgestellt 
worden war. Darum war es auch kaum zu erwarten, daß die Kirchen einem 
derart begründeten Vorschlag Ihre Zustimmung gaben, ja vielleicht muß man 
sagen, geben konnten, wollten sie sich nicht selbst aufgeben. Sie konnten nicht 
eine gemeinsame Fakultät, mit ihrer Integrierenden oder, aus Ihrer Sicht gesehen, 
auflösenden Tendenz der Bekenntnisse unter dem Stichwort der Religionswissen- 
schaft hinnehmen. Eine echte Toleranz hingegen konnte vielleicht ein Neben- 
einander verschiedener Theologischer Fakultäten akzeptieren. 

Und wirklich ist ein dahingehender Vorschlag einmal gemacht worden und 
zwar von einem Mann, der aus jenem Kreise preußischer Konservativer herkam, 
bei denen die dirlstliche Grundlage ihrer politischen Anschauungen noch lange 
eine lebendige Kraft dargestellt hat. Im Herbst 1912 hat die „Preußische Kreuz- 
zeitung« einer Zuschrift des Pastors Martin von Gerlach aus Silberhammer bei 
Danzig Raum gegeben,^^ welche die, Errichtung auch einer Jüdisch-Theologischen 
Fakultät in Frankfurt vorschlug. Eine solche sei dann die einzige Jüdisch-Theolo- 
gische Fakultät neben den neun evangelischen und vier römisch-katholischen an 
Preußens Hochschulen und daher für die jüdischen Mitbürger, die zu Vollpreußen 
geworden seien, nur als billig zu erklären. Die Zuschrift legte vor allen Dingen 
aber auch den wissenschaftlichen Gewinn aus einer solchen Errichtung dar, für 
die alttestamentliche Theologie, die Talmudkenntnisse, für die Erforschung der 
jüdischen Hymnologie und Liturgie und für deren Bedeutung für die Anfänge 
des Christentums. Wollten die Juden eine solche Fakultät errlditen und mit Ihr 
im Anschluß an die Frankfurter Universität an die volle wlssensdiaftliche Öffent- 
lichkeit treten, könne man nur den reichen Segen Gottes, Ihres und unseres Gottes, . 
zu einem solchen Vorhaben erflehen^«. 

Aber auf diese Vorschläge Rades wie auch die Gerlachs blieb eine breitere 
Resonanz aus, und zwar fühlte sich auch das deutsche Judentum nicht bewogen, 



Haltung des deutschen Judentums 



119 



daran anzuknüpfen, um etweldie Forderungen dieser Art anzumelden. Es wurde 
wohl V. Gerladis Vorsdilag In der Monatsschrift des Centralverbandes der deut- 
sdien Staatsbürger jüdischen Glaubens mit Genugtuung kommentiert als ein 
Bekenntnis zu dem gemeinsamen Gott, als treffliches Zeugnis auch gegen die 
gotteslästerlichen Ausführungen des Antisemitismus im Stile des „Hammer". 
Aber man unterließ es durchaus, nun etwa positiv an die Vorschläge anzuknüpfen 
und seinerseits Forderungen für eine Verwendung eines Teiles der von jüdischer 
Seite aufgebrachten Stiftungsmittel zu einer Vertretung jüdischer Theologen an 
der Hochsdiule anzumelden. Schon hatte nämlich das Rabbinertum seine prin- 
zipiellen Bedenken zu erkennen gegeben. In dem in Berlin erscheinenden „Jüdi- 
schen Literaturblatt" ^'^ war die Zuschrift eines Gymnasialoberlehrers, Hans Bahr, 
der sich selbst als NichtJuden bezeichnete, veröffentlicht worden, welche als 
Anerkennung der in Frankfurt bezeugten Opferwilligkeit jüdischer Kreise für 
das allgemeine Wohl dort die Errichtung eines Lehrstuhles für Talmud-Forschung 
vorschlug. Dodi in seinem Kommentar zog der Herausgeber Rosenthal unüber- 
sehbar die Grenze gegenüber solchen und ähnlichen Vorschlägen. Er ließ erken- 
nen, wo für ihn die Grenzen der Mitbeteiligung des deutschen Judentums an der 
Universitätsgründung liegen mußten. Für ihn hat die Theologie zwei Seiten. Sie 
sei natürlich auch eine Wissenschaft, die durch ihre Gesdilchte mit der Entwlck- 
lungsgeschldite der Menschheit zusammenhänge und man würde, da die univer- 
sitas litterarum allem Geistesstreben der Menschen entsprechen solle, „die rein 
wissenschaftliche Behandlung der bezüglichen Gegenstände (ohne jede Berück- 
sichtigung einer Glaubensrichtung) recht wohl der Hochschule zutrauen". Aber 
theologisches Studium diene ja auch der Berufsausbildung der Geistlichen eines 
bestimmten Bekenntnisses, und hier wollte nun Rosenthal keinesfalls die Uni- 
versität eine solche Aufgabe für seine Glaubensgemeinschaft übernehmen lassen. 
Es könnte, so meint er, durchaus die Universität eine Talmud-Wissenschaft in 
ihrer Weise behandeln, „während man die besondere Behandlung (der Theologie) 
zum Zwecke geistlicher und gemeindlicher Ausübung den theologischen Seminaren 
überlassen könnte", oder auch, so lautet eine andere Formulierung, „wogegen die 
Rabbinerseminare ihrerseits die Standpunkte geltend machen können, welche 
für sie die herrschenden sind". Es hat also nicht etwa feindselige Ablehnung in 
der deutschen Öffentlichkeit dazu geführt,^-^ daß das deutsche Judentum bei einer 
Universitätsgründung, die in so hohem Maße auf Stiftungsmitteln seiner Kreise 
beruhte, bestimmte und ihm wesentlich dünkende Forderungen nicht hat errei- 
chen können. Vielmehr zeigten gerade Vorschläge, die sich um ein besonderes 
Verstehen, um die Aufhebung letzter trennender Schranken bemühten, daß 
jüdisches Selbstverständnis von sidi aus verzichtet hat, darauf einzugehen. Es 
wurde von ihm nicht etwa auch der Gedanke der einen Kulturnation auf- 
gegriffen, so wie er damals das deutsdie historische Verständnis formte und wie 
er von Rade vorgetragen war, um die so weit vorgeschrittene Assimilation bis 
zu ihrem Ende fortzuführen, eben weil er unter solcher Konzeption mit einer 
Aufgabe der Religion der Väter verbunden schien. Rabbiner-Lehrhäuser hatten 



120 



/. Buch, 3. Kapitel 



sidi in der Form der Jesdiiwa durdi die Jahrhunderte, auch in Zeiten der Not, 
außerhalb aller staatlidien Berechtigungen behaupten können. Dann waren 
gerade in Deutsdiland, als ein modernes Gegenstück dazu, besondere Rabbmer- 
Seminare gegründet worden, die sich zu bedeutenden und auch staatlich m ihrem 
Bereich anerkannten Hodisdiulen für die Wissenschaft des Judentums hatten ent- 
wideln können (ein Jüdisdi-Theologisdies Seminar in Breslau seit 1854; eine 
Liberale Lehranstalt in Berlin seit 1872 und ein Orthodoxes Seminar ebcndort 
seit 1873)^«. Diese schließlidi dem modernen Hochschuldiarakter entsprechenden 
Ausbildungsstätten hatten das Judentum überall in seiner religiösen Substanz 
und damit audi in seiner gesellsdiaftlidien Sonderstellung erhalten. Warum 
sollte man sie hier mit einem Eingehen auf soldie Vorschläge aufgeben oder 
zunächst in ihrer Aufgabenstellung gefährden, wo seit mehr als einem Jahrhundert 
in Deutsdiland die gesellschaftliche Gleichstellung seines Judentums Schritt für 
Schritt erfolgt war? Hatten doch die Erfahrungen dieser Zelt allseits erwiesen, 
und bestätigte es sldi auch täglich aufs neue, daß staatsbürgerliche Pflichten wie 
Rechte im öffentlidien Leben, in Frieden und Krieg, sich sehr wohl mit der 
Bewahrung einer eigenen Religion vereinbaren ließen. Wenn sidi von daher 
also keine Konfliktsituation ergab, die zu einem Sudien nach neuen Wegen 
drängte, so war andererseits die jüdische Orthodoxie in genau der gleichen Weise 
wie die diristllchen Konfessionen von der großen, allmählich allerfassenden 
Säkularisieningswelle bedroht, die das europäische Kennzeichen der Zeit war. 
Sie hatte von der modernen Philosophie und Naturwissenschaft ihren Ausgangs- 
punkt genommen und wurde täglich von daher neu verstärkt. So war audi aus 
diesem Gesichtspunkt eine gewisse Reserviertheit gegenüber der Universität gege- 
ben und mochte eine zu enge Verbindung mit ihr nicht geraten erscheinen lassen. 
Erst recht konnte für ein religiös noch gebundenes Judentum die Zugehörigkeit 
zu einer allen Bekenntnissen gemeinsamen Theologischen Fakultät im Sinne der 
Vorschläge Rades nicht akzeptabel erscheinen, da ja dann die auflösenden Kräfte 
auch aus einer vergleldienden wlssenschaftlidien Betrachtung der Theologie 
unmittelbar in die überkommene Glaubenslehre eindringen mochten. Die talmu- 
disdie als eine Gesetzesreligion war ohnehin gegen jede historisdie Analyse, die 
die Entwidilung der deutsdien Geisteswissenschaften seit dem 19. Jahrhundert so 
maßgeblidi bestimmt hat, besonders empflndlidl^^ 

Als späterhin dodi eine konfessionelle Vertretung des Judentums an der 
Universität eingeriditet wurde, gesdiah es auf andere Welse als durch eine Fakul- 
tät Für jene Lösung ist dann die Frage in ihrer gesamtdeutschen Problematik 
wie in den ortsgebundenen und den rein persönlidien Voraussetzungen nodimals 
und sehr eingehend zu behandeln (vgl. S. 333). Zunädist einmal wurde die An- 
erkennung für die finanziellen Leistungen jüdisdier Kreise für eine Universitats- 
gründung vielmehr in der Niederlegung anderer Sdiranken gesudit, die einer 
vollen Gleidibereditigung des deutsdien Judentums im bürgerlidien Leben nodi 
im Wege standen. Es hat ja gerade die deutsdie Universität, obwohl die 48er 
Revolution für Preußen formal die akademisdie Laufbahn freigegeben hatte, 



Prinzipielle Forderung jüdischer Gleichberechtigung 



121 



in praxi doch eine Einsdiränkung wieder gefunden. Jüdische Wissenschaftler 
wurden kaum je auf ein Ordinariat berufen, und so ist das Selbstbewußtsein 
einer so eminent befähigten Gruppe immer wieder zu einer nur allzu berechtigten 
Empörung getrieben worden. Gerade in Frankfurt konnte man auf die beschä- 
mende Behandlung eines Paul Ehrlidi hinweisen, dem in Berlin der Aufstieg 
versagt geblieben war und dem erst die Übernahme des hiesigen Serum- 
Instituts die angemessenen Arbeitsmöglichkeiten gewährte, die Ihn von hier aus 
zum Begründer der Chemo-Theraple werden ließen und ihm Weltruhm ver- 
sdiafFten. Es galt also, an der neuen Hochschule eine wirkliche Gleichberechtigung 
der Wissenschaftler ohne Rücksicht auf Ihr Glaubensbekenntnis zu erreichen und 
in bindender Form zu sichern. Diese Forderung Ist dann auch gerade vom Central- 
vereln, der sich die Verbindung politischer Loyalität und Treue zum Glauben der 
Väter zum Ziel gesetzt hatte, mit allem Nachdruck erhoben worden. Der Central- 
verein verfügte In Frankfurt über eine besonders starke und rührige Ortsgruppe, 
deren Vorsitzender, der Arzt Dr. Mainzer, zu seinen Versammlungen meist 
mehrere hundert, einmal sogar, als es um die Stellung der Juden Im deutschen 
Heer ging, zweitausend Teilnehmer begrüßen konnte*^. Natürlich wurde hier das 
Universitätsprojekt sehr frühzeitig beobachtet und mit großer Skepsis verfolgt. 
Denn auch an der neuen Gründung, so fürchtete man, mochte die Gleichberechti- 
gung nur auf dem Papier stehen bleiben, ^^ wenn sich etwa Innerhalb der Fakultä- 
ten antisemitische Tendenzen geltend madien würden und sdion In den Berufungs- 
vorschlägen, trotz prinzipieller Anerkennung der Glelchbereditlgung durch 
Gesetz und staatlldie Verwaltung, ausprägen würden. So wurde audi schließlich 
sehr deutlich ausgesprochen, daß ein Zusammenhang zwischen der Bereitstellung 
von Stiftungskapitalien und der Sicherung solcher Gleichberechtigung an der 
neuen Universität bestehen müsse. Jüdische Selbstachtung erfordere es darum, 
nicht auf ein „Erziehungsmittel unvergleichlicher Art" zu verzichten-'*. Im Früh- 
jahr 1912 endlich hat Mainzer und ein aus Berlin gekommener Redner, als die 
Universitätsverhandlungen zur parlamentarischen Behandlung im Landtage und 
der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung anstanden, nochmals die Frank- 
furter Glaubensgenossen ermahnt, „Im Interesse ihrer Ehre dafür zu sorgen, 
daß daraus nicht ein Institut werde, an dem die Juden in genau derselben Weise 
in ihren Rechten gekränkt und zurückgesetzt würden wie an den übrigen deut- 
schen Universitäten"2i. Auf dem Hintergrunde dieser Befürchtungen und Forde- 
rungen innerhalb der jüdischen Gemeinde gewinnen die Auseinandersetzungen 
um das Frankfurter Berufungsverfahren erst Ihre letzte Ausprägung. 

In dem Vertragsentwurf war an zwei Stellen (§§ 4 und 11) eine förmliche 
Zusage konfessioneller Gleichberechtigung gegeben, aber auch eine solche Zu- 
sicherung dünkte der Skepsis eines durch viel trübe Erfahrungen gegangenen wie 
auch selbstbewußt gewordenen Judentums noch nicht ausreichend. Als der Ent- 
wurf in dieser Form den Stadtverordneten zugeleitet war und audi In den Ver- 
sammlungen der Parteien diskutiert wurde, da hat in einer Versammlung des 
Fortschrittlichen Volksvereins Dr. Mainzer verlangt,22 daß die Stiftergruppe bei 



122 



/. Buch, 3. Kapitel 



der Regelung des Berufungsverfahrens an der Präsentation nur eines Vorsdilages 
festhalten müsse, weil es dann dem Minister „sdiwerer falle, unsachliche Ent- 
scheidungen zu treffen«. Wenn man zu den gegenwärtigen Bedingungen das 
Universitatsprojekt annehme, mache man sidi „zum Gespött der Welt« Er fand 
mit diesem Vorsdilage in der Versammlung zwar Widersprudi, aber bei einem 
Flügel auch sehr lebhafte Zustimmung. Die bleibende Opposition einer Minder- 
heit fortschrittlidier Abgeordneter im Stadtparlament zum Universitätsvertrage, 
die sich m den Schlußabstimmungen darum mit der sozialdemokratischen Frak- 
tion zusammenfand, hat eben hier ihre Wurzel. Und so hat man audi, wie uns 
noch begegnen wird, eine spätere Gelegenheit ergriffen, die Bedingungen einiger 
großer Stiftungsverträge entsprechend zu formulieren. 

Mit der hier dargelegten Zurüdhaltung von Seiten der jüdischen Orthodoxie 
blieb die Frage einer Repräsentanz der Theologie an der Frankfurter Universität 
nun doch auf die Erriditung einer evangelisch-theologisdien Fakultät allein bezo- 
gen. Als sie von akademischer Seite aufgenommen wurde, wurde sie — wie der 
erste Marburger Protest (s. S. 1 1 4) - allein aus dem Selbstverständnis der abend- 
ländischen Universität geführt. So hat Karl Lampredit, auf der Höhe seines 
Ansehens als der Historiker der Leipziger Universität, der die Geschldite als 
vergleichende Kulturwissenschaft in seinem großen Werk darzustellen unter- 
nommen hatte, sldi in einem Zeltungsaufsatz^s sehr kritisdi über die allzusehr 
nach nadisthegendcn Nützlichkeitsgesiditspunkten orientierten, parallel laufen- 
den Universitätsbemühungen in Frankfurt, Dresden und Hamburg, über „dieses 
kurzsichtig-ökonomische Wesen" geäußert. Lampredit meinte, daß man an der 
Schwelle eines emporkommenden Zeitalters innerlldier Kraft und sittlidier Hoheit 
stehe, und forderte, einer solchen Zelt sollten auch die Neugründungen entgegen- 
arbeiten durdi erneuerte, umgeformte Theologische Fakultäten, deren praktisdie 
Fächer als die sozial hilfreiche Seite insbesondere entwidelt werden sollten. 

^ Aus einer ähnlichen Haltung suchte auch Theobald Ziegler die Notwendig- 
keit einer Theologischen Fakultät mit dem Wesen der Universität selbst zu 
begründen. Das geschah in einer Vortragsreihe über „Universitäten und Univer- 
sitatsstudium", die er im Herbst 1912 in Frankfurt Im Freien Deutsdien Hodi- 
stift abhielt24. Natürlich könne es sidi, so meinte Ziegler, Immer nur um prote- 
stantisch-theologische Fakultäten handeln. Für eine katholisdie Fakultät liege in 
Frankfurt landsdiaftlich kein Bedürfnis vor, sadilidi stehe die katholisdie Uni- 
versitätstheologie gegenwärtig ohnehin in einer tiefen Krisis, die durdi das 
Motu propriu Plus X. und den von ihm geforderten Antimodernisteneid herauf- 
besdiworen sei. Wohl aber habe in dem großen Kampfe zwisdien Glauben und 
Wissen, als den sidi die moderne Kulturentwidlung darstellt, an dem die Univer- 
sitäten und alle ihre Fakultäten mitbeteiligt seien, die Theologisdie Fakultät eine 
ganz besondere Aufgabe. Staat und Orthodoxie seien leidit geneigt, sidi unter 
einer fable convenue zusammenzufinden gegen die akademisdie Freiheit des Fort- 
sdiritts und Lehrens insgesamt. Gegen, diese stets vorhandene Gefahr habe die 
liberale Theologie eine besondere Aufgabe, die Vermitdung und die Führung 



Haltung der Frankfurter Synode 



123 



zu übernehmen. S.e nehme geradezu den anderen Fakultäten einen Teil dieses 
Kampfes ab, dem wissenschaftliche Arbeit stets ausgesetzt sei. „So vermeidet eine 
Umversuat ohne protestantisch-theologisAe Fakultät zwar allerlei schwere Kon- 
flikte und peinliche Zwischenfälle; aber sie macht sich selber arm, arm an bedeu- 
tenden Menschen und arm an lebensfördernden und stählenden Geisteskämpfen; 
und sie lebt von Vorteilen, die ihr nun eben die anderen Universitäten sdiaflen 
und verschaffen müssen: sie hat den Gewinn größeren Friedens, aber nicht die 
Ehre, ihn selbst erkämpft zu haben durch einen die Geister stärkenden Krieg 
und einen ruhmvollen Sieg.« Frankfurt werde, dessen sei er sicher, auA nich' 
bleibend in dieser verhältnismäßig bequemen, aber auch wenig ehrenvollen Stel- 
lung seiner Universität verharren wollen. 

Die am unmittelbarsten betroffene und auch von Theobald Ziec-ler zur Tat 
angesprochene evangelische Kirche hat jedoch erst selir spät in der Öffentlichkeit 
ihre Haltung präzisiert. Sie hat selbst in ihrer Frankfurter Bezirkssynode noch 
?9n rt ' t" 'J"7^""«sdenkschrift des Oberbürgermeisters vom Frühjahr 

Untr "l" .". cV" ^'' '\^" ''"^"^ "^''""S der staatsverbundenen 
Un ertanenkirche d'- Schritte einer hohen Staatsregierung abgewartet. Im Früh- 
jahr 1912^ mit dem Abschluß der Berliner Verhandlungen über die Stiftungsform 
und di^ Organisation, verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß die Errich- 
tung der Universität unmittelbar bevorstehe. Jetzt endlich bat der Svdonal- 
Vorstand das Konsistorium, deswegen baldigst eine außerordentlidie Tagung der 
Bezirkssynode als der verfassungsmäßigen synodalen Gesamtvertretung des Kon- 
sistona bezirks Frankfurt am Main einzuberufen. Doch gegenüber dem Kon- 
sistonalprasidenten, der daraufhin sogleidi nadi Berlin zum Vortrag beim Kul- 

Er'TAJä'rTe H V"-^''"' ""r" '" '°'^ '"f Besdiwichtigung und Zeitgewinn. 
Er erklarte, die Eröffnung der Universität würde frühestens im Herbst 1914 
stattfinden, bis dahin seien aber noch viele schwierige Probleme der Satzung zu 
behandeln; über eine Theologische Fakultät sei noch in keiner Weise etwas fest- 
gelegt, und so konnten audi Verhandlungen der Bezirkssynode zu dem Thema 
bis zur nächsten ordentlichen Tagung verschoben werden. Herr von Trott der 
ds Minister auch der Geistlidien Angelegenlieiten im Namen seines königli'dien 
Herrn als des summus episcopus der evangelischen Kirche sprechen konnte, ver- 
modite leicht die von ihm gewünsdite Verzögerung beim Konsistorium durch- 
zusetzen, ohne sidi sachlidi jedodi irgendwie festzulegen, und aucli die Frank- 
lurter Kirchcnmänncr fügten sidi. 

• ^Tu"''r"''r l^ff"" ''"''" ^""" ^'"^' '^'••" Publizistisdien Kampf um 
eine Theoogisdie Fakultät mit seinen uns sdion bekannten Vorschlägen. Erst im 
Frühjahr 1913 trat der Protestantismus aus seiner gehorsamen Reserve heraus. 
Auf der kirdihdi-sozialen Konferenz, die in Barmen tagte, erklärte Eridi See- 
berg in seiner Eröffnungsanspradie nod, sehr vorsichtig, das Sdiweigen des Staa- 
tes zum Fehlen Theologisdier Fakultäten in den Universitätsplänen für Hamburg 
und Frankfurt am Main sei „unbegreiflich". Als daraufliin immer nod, nidits 
erfolgte, griff der „Evangelisdie Bund zur Wahrung der deutsdi-protestantisdien 



396 



///. Budj, 8. Kapitel 



/JU^ 



nicht mitmachten, welcher im ersten Anlauf sich bereit erklärte, die notleidende 
und in ihrer bisherigen Form ohnehin überflüssige Universität insgesamt umzu- 
formen zu einer neuartigen Bildungsstätte für die Bedürfnisse des Arbeitertums 
zur Herausbildung der neuen Führerschicht. In jenen Berliner Besprechungen des 
April 1920^^ hat wiederum Thomas in einer langen und wirkungsvollen Rede 
die hochschulpolitischen Vorstellungen seiner Partei zureditgerückt : nicht anstelle 
der Universität, sondern innerhalb dieser Hodischule sollte man eine neue Insti- 
tution begründen, die auch dem Arbeiter in seinen anderen Bildungsvoraussetzun- 
gen eine akademische Bildung vermitteln könnte^^. Mit einer solchen Gesinnung, 
die glücklidierweise den Parteifreunden sich mitteilte, ließ sich leicht eine Über- 
einkunft herstellen. Aus diesem Berliner Gespräch erfolgte die entscheidende 
Wende, die, wie schon dargelegt, zur Erhaltung der Universität geführt hat, und 
aus ihm ist auch in Jahresfrist die mit der Universität verbundene Akademie der 
Arbeit geboren worden. Als Grundlage für die weiteren Beratungen diente eine 
Denkschrift, die unmittelbar nadi dem Berliner Gespräch im Einvernehmen mit 
Thomas und unter Mitwirkung von Prof. Pape von Dr. Hugo Sinzheimer aus- 
gearbeitet worden ist. 

Sinzheimer, seit mehr als einem Jahrzehnt in Frankfurt als Anwalt tätig und 
jetzt ein Abgeordneter der Nationalversammlung, hatte die anstehenden sozial- 
pädagogischen und politischen Probleme wohl am tiefsten durchdacht. Er fand 
in der Akademiegründung jene Aufgabe, für die ihn sein Lebensweg mit einer 
immer tieferbohrenden wissenschaftlichen Bemühung und einer lebhaften poli- 
tischen Aufgeschlossenheit geradezu prädestiniert hat. Innerste letzte Triebkraft 
seines Handelns ist wohl ein leidenschaftlidier Humanismus, der sich nicht in 
billigen Deklamationen erging, sondern zum Handeln aus stets neu überprüften 
Einsiditen drängte. Sinzheimer stammte aus sehr wohlhabendem bürgerlidien 
Hause. Es gibt eine Schilderung von ihm als Studenten, ^^ der in München zu 
Lujo Brentanos Füßen saß, als ein elegant angezogener, etwas schmalbrüstig auf- 
geschossener Jüngling, enthusiastisch den Studien ergeben und von einer äußerst 
zähen und beharrlichen Kraft des Denkens, ohne ein rechtes Verhältnis zu Natur, 
bildender Kunst und Musik, desto leidenschaftlicher aber zu Theater und Lite- 
ratur, Verehrer Goethes wie auch Nietzsches und des Expressionismus. Erst all- 
mählich entdeckte in ihm der studentische Freund auch die geheime „Wunde die- 
ses analytischen Geistes, sein Judentum inmitten einer leidenschaftlichen Liebe 
für Deutschland und deutsches Wesen". Und er meint, Sinzheimer habe damals 
sdion oftmals Schmerzen erlitten, von denen auch seine näheren Freunde nichts 
wußten. Vielleicht ist es audi später so geblieben, seit er sich 1903 in Frankfurt 
als Rechtsanwalt niedergelassen hatte. So ist wohl damals, als es um die Uni- 
versitätsgründung ging, sein leidenschaftlicher Protest bei einem Ausspracheabend 
der Fortschrittspartei gegen eine Überantwortung der Stiftungshochschule an die 
staatliche Kontrolle, sein Eintreten für eine ganz „freie" Universität zu erklären, 
da er eben doch auch hier, entsprechend der allgemeinen Situation an deutschen 
Universitäten jener Zeit, eine Zurücksetzung jüdischer Wissenschaftler befürchten 



> 



^ 



Werdegang Sinzheimers 



397 



konnte. Es ist nidit bekannt, aber nidit unwahrscheinlich, daß er selbst damals 
auch den Wunsch nach einer akademischen Wirksamkeit hegte und nur zu stolz 
war, sich damit eventuell verbundenen Kränkungen auszusetzen. Obwohl die 
Frankfurter Universität ja ausdrücklich in ihren Satzungen Zurücksetzungen aus 
konfessionellen oder politischen Gründen auszuschließen versprach, hat sich Sinz- 
heimer in den ersten Jahren ihres Bestehens jedenfalls nicht um den Zugang zu 
ihr bemüht. Er ist damals ganz selbständig fragend sozialrechtlichen Unter- 
suchungen nachgegangen; er hat sich auch von der bürgerlichen Linken abgewandt 
und der sozialdemokratischen Partei angeschlossen, bei der er immer mehr als 
ein überragender Kopf und auch ein glänzender Redner hervorgetreten ist. In 
öffentlichen Kundgebungen der Kriegszeit hat er die Aufgaben sozialer Gereditig- 
keit und des Patriotismus wie auch einer künftigen europäischen Friedensgemein- 
schaft nebeneinander herausgestellt. Daneben hat er sich auch sehr lebhaft für 
Volksbildungsziele eingesetzt und hat sie gerade erst recht inmitten der äußeren 
Anspannung zu befördern gesucht, indem er eine Intensivierung und Verbrei- 
terung der Volksbildung sdion allein durch die großen Kriegsleistungen des 
gesamten Volkes für gerechtfertigt erklärte. Dabei erstrebte er eine Volksbildung, 
die den Geist der politischen Weltanschauung zu pflegen habe; doch warnte er 
ausdrücklich vor dem Mißverständnis, als ob damit ein unmittelbares politisches 
Treiben, das Bekenntnis zu einer inhaltlich bestimmten politischen Parteiansicht 
gemeint sei. Er verstand darunter vielmehr die Aufgabe, die Voraussetzungen 
eines politischen Denkens überhaupt klarzulegen, um allmählich aus einem geläu- 
terten Verständnis zu einer „allseitigen Durchdringung des öffentlichen Lebens 
mit sozialer Selbstverwaltung" zu gelangen, mit dem Endziel, aus der Bereiche- 
rung nationalen Kulturlebens durch eine Beteiligung immer weiterer Schichten 
den schuldigen Beitrag zur Weltkultur leisten zu können^''. 

Der Jurist Sinzheimer hatte sich bereits früh der Erforschung der Rechtsver- 
hältnisse in der Welt der modernen Arbeit zugewandt^«. Er hatte die Anregungen 
dazu empfangen von dem 1904 erschienenen Buche Karl Renners, des Führers 
der österreichischen Sozialdemokratie, über die „soziale Funktion der Rechts- 
institute". Seitdem beschäftigte Sinzheimer die Frage, „wie man die Welt der 
Arbeit rechtlich ordnen kann, ohne sie einem allmächtigen und deshalb dikta- 
torialen Staat auszuliefern und ohne sie der freien Initiative der Privatparteien 
zu überlassen, was gleichbedeutend wäre mit einer Anerkennung einer allmäch- 
tigen und daher diktatorialen Macht des privaten Kapitals" . Aus diesem Dilemma, 
das von der bisherigen Rechtsentwicklung nicht erfaßt wurde, die ja den Men- 
schen nur als Individuum erkannte und in der Welt der Arbeit nicht die Abhängig- 
keit des einzelnen Arbeitnehmers im modernen Großbetrieb berücksichtigte, fand 
Sinzheimer den Ausweg, daß er auf den kollektiven Arbeitsnormenvertrag hin- 
wies. Dieser Vertrag konnte durch den Zusammenschluß der Arbeitnehmer sie zu 
einem gleichmächtigen und daher wirklich in gleicher Rechtsposition handelnden 
Partner des Kapitals machen. 1907/08 erschien sein epochemachendes zweibän- 
diges Werk über den „Korporativen Arbeitsnormenvertrag"; von jetzt an ist 



398 



///. Buch, 8. Kapitel 



SInzhelmer in systematisdiem Fortgang seiner Untersudiungen zum Sdiöpfer 
des modernen Arbeitsredites geworden. Er Ist „den Weg von der Fadijurispru- 
denz über die Rechtstatsachenforschung und die Rechtssoziologie in die Rechts- 
politik" gegangen*®. 

In der pädagogischen Anwendung seiner Ansichten hat SInzhelmer gleldi- 
zeitig auch auf die verbesserte Erziehung der breiten Schichten gedrängt, um 
sie auch durch geistige Elnsidit zu befähigen, die ihnen gebührende Stellung 
als freie selbständige Glieder einer freien Gesellschaft einzunehmen und zu 
behaupten. So gehen rechtspolitische Einsichten und pädagogische Forderungen 
sinnvoll nebeneinander her. Den Umsturz hat er freudig begrüßt, als Herauf- 
führung der politischen Gleichberechtigung aller Staatsbürger. Er hat sldi jetzt 
aber sogleich gegen die Versuche einer umgekehrten Diktatur, gegen die Herr- 
schaft der Arbeiterklasse nach dem bolschewistischen Vorbild der Rätediktatur 
gewandt. Wohl hatte er die Berechtigung des Anspruchs der Betriebsangehörigen 
eines Werkes anerkannt, zur Wahrnehmung Ihrer sozialen und ökonomischen 
Belange eigenständige Organe zu schaffen. Aber gerade weil er mit seinem Werk 
die Grundlagen für die Institutionen der Betriebsräte gelegt hat, hat er es jetzt 
als seine wichtigste, eigenste Aufgabe angesehen, sich mit größtem Nachdruck 
gegen die Übertragung des Rätegedankens auf den politischen Bereich zu wen- 
den-". Allzu eindringlich hatte die russische Revolution die terroristische Mani- 
pulierung des Rätesystems, die damit mögliche pseudodemokratische Verschleie- 
rung der Diktatur, vor Augen geführt. SInzhelmer ist ein leidenschaftlicher 
Anhänger der zwar sozial einsichtigen und auszubauenden, aber Ihrer freihelt- 
liclicn Grundlagen stets sicheren Demokratie geblieben-^ In dem Ausschuß der 
Nationalversammlung zur Untersuchung des deutschen Zusammenbruchs, in wel- 
chem bekanntlich Hindenburg und Ludendorff als Zeugen mit Ihrem Auftreten 
die Farce der Verhöhnung der Abgeordneten des deutschen Volkes geboten haben, 
um von hier aus das Wort vom Dolchstoß in den Rücken des kämpfenden Heeres 
weit In die Öffentlichkeit zu tragen--, in diesem Aussdiuß hat SInzhelmer einen 
persönlichen Zusammenstoß mit der Arroganz Ludendorffs nicht gescheut, Ist 
aber dadurch selbst zum Zielpunkt gehässiger Angriffe geworden. Ob durch die 
fortgesetzten Beleidigungen tief getroffen, ob auch aus mancherlei Enttäuschun- 
gen über die politische Haltung in den Reihen seiner eigenen Partei bewegt, bleibt 
unbekannt, jedenfalls hat sich SInzhelmer damals entschlossen, aus aktiver poli- 
tischer Betätigung sich zurückzuziehen-^. Er hat sich als Kandidat zu den Wahlen 
für den ersten Reichstag der deutschen Republik, die für den Juni 1920 bevor- 
standen, nicht mehr aufstellen lassen. 

SInzhelmer mochte sich auch vergegenwärtigen, ein neues, seiner Begabung 
besonders angemessenes Betätigungsfeld im akademischen Bereich sich erschlossen 
zu haben. Wir hatten gesehen, wie im Umbruch des November 1918 der Kom- 
missarisdie Polizeipräsident SInzhelmer es als eine seiner ersten Amtshandlungen 
unternommen hatte, die Universität zu ihrer Aufgabe freier Forsdiung und Lehre 
zu beglückwünschen und sie in dem neuen freiheitlichen Staat der unbehinderten 



Denkschrift für eine Arbeiter-Akademie 



399 



Erfüllung ihres Wirkens zu versichern. Jetzt auch konnte und wünschte er selbst 
hier tätig zu sein — was er bis dahin wegen der bekannten konfessionellen Behin- 
derungen nicht erstrebt hatte: Aufgrund eines Berichtes der Universität aus dem 
Sommer 1919 wurde er im November gleichen Jahres vom Kultusminister zum 
ordentlichen Honorarprofessor in der Juristischen Fakultät ernannt mit dem Auf- 
trage, Vorlesungen aus dem Gebiete des Arbeitsrechts zu halten. Mit dieser Tätig- 
keit, das wußte er, konnte er für seine Ideen vielleicht nicht so unmittelbar wie 
als aktiver Politiker, doch letztlicli um so nachhaltiger und mehr in die Tiefe 
wirken. Die ständige Aufgabe eines jeden verantwortungsbewußten Mannes, „die 
Wirklichkeit der Demokratie mit dem Sinne der Demokratie in Übereinstim- 
mung zu bringen-^", konnte von hier aus ihre Erfüllung finden. Im pädagogischen 
Wirken galt es, „den demokratischen Gedanken lebendig zu machen", ihn zu 
innerlicher Aneignung zu bringen, auch in der ständigen Kritik am bestehenden 
Staat, die aber immer nur von einem echt demokratisdien Standpunkt aus vor- 
genommen werden sollte. 

Und gerade als Sinzheimer eine solche akadcmisdic Lehrtätigkeit aufnehmen 
will, kommt die Möglichkeit an ihn heran, in einem entscheidenden Moment zu 
der Frankfurter Universitätskrisc und den noch unausgereiftcn Hochschulpläncn 
der neu gebildeten preußischen Regierung ein gewichtiges Wort zu sagen: Er 
arbeitet auf der Grundlage der Berliner Besprediungen eine Denksdirift zur 
Begründung einer Arbeiter-Akademie aus-^. Er nutzt die Stunde zur Mahnung 
an die traditionsgebundene Universität, vor allem aber, um seine politlsdien 
Freunde vor dem zerstörenden Eingrilf in die Universität zu bewahren, die 
gerade hier in Frankfurt mit Ihren großen Unternehmungen aus dem Geist 
Mertons so viel soziale Aufgeschlossenheit bewiesen habe. Er warnt vor engen 
Funktionärsschlagwortcn und zeigt, daß es sldi jetzt nur darum handeln könne, 
eine Institution zu schallen, die auch unter dem allumfassenden Programm der 
Universität stehe mit der besonderen Aufgabe, den Weg in eine neue Zelt, zu 
einem wahrhaft freiheitlichen Sozialstaat finden zu helfen und statt der Gewalt- 
samkeit einer Revolution, die nur in eine Diktatur tühren würde, mit F.rzichung 
und durch Weckung der Einsicht zu arbeiten. Die zu erschalTende Arbeiter- 
akademie müsse also, so heißt es, „ihrem Teilnehmer eine Arbciterbildung im 
höchsten Sinne verschaffen, die sein Denken und Schaffen mit allgemeinen Ideen 
verbindet und auf seine allgemeine Lebensansdiauung einwirkt. Aus diesem 
Grunde soll nicht nur die Sozialwissenschafi In breitestem Sinne, sondern audi 
Philosophie, Geschiduc und Kunstlehre in den Vordergrund treten. F^s werden 
hierbei audi solche Fehrgebiete eine Rolle spielen müssen, die auf den bisherigen 
Bildungsanstaken zurückgetreten sind, insbesondere Politik und Sozialismus. Die 
Teilnehmer einer Arbeiierakademie sollen Führer ihrer Uerufsgenossen werden. 
Dieses Führertum können sie nur dann betätigen, wenn sie nicht nur auf die 
Berufsauffassung, sondern auch auf die gesamte Kulturgesinnung ihrer Berufs- 
genossen führend und bildend einwirken können." 

Sic müsse eine allgemeine Bildungsgrundlage für alle Teilnehmer gemeinsam 




^Q2 '"■ ß»"*' *• /^"P'"^ 

tionärdenken befangen, vielmehr den Ausbau der sdior, bestehenden Kurse für 
Betriebsräte vorgezogen. Wenn aud> die Frankfurter Parte.kre.se ""^ Gewerk- 
schaftsgruppen dank Sinzheimer und Thomas sich schnell überzeugen ließen, so 
hat es doch im Sommer 1920 noch recht tiefgehende Auseinandersetzungen m 
größerem Kreise gegeben, und die GewerksAaftsvertreter blieben noch sehr lange 
bei ihrer Forderung, daß sie selbst einen weitgehenden Einfluß auf dieZusammen- 
setzung des Lehrkörpers haben müßten". Als eine Stimme aus dem ynternehmer- 
kreise äußerte sidi andererseits die „Deutsche Allgemeine Zeitung sehr kritisch 
gegen den Akademiegedanken und die damit versuAte „Massenausbildung von 
Arbeitern zu politlsAen Beamten« ; sie schlug statt dessen ein Institut für prak- 
tisAe WirtsAaftskunde« vor, um darin Betriebsräte, Gewerkschaftsführer und 
Parteisekretäre fortbilden zu können-«. . 

Demgegenüber hat die Frankfurter Universität, seit sie aus ihrer größten 
finanzielle; Sorge sich befreit dünken konnte, ihrerseits sehr lo>^l - ^em neuen 
Plan mitgearbeitet. Der Senat setzte eine Kommission zur Prüfung der Anglie- 
d rungsfragen ein, in der neben dem Rektor und Prorektor, neben Freudenthal 
und Wober auA wiederum Sinzheimer und Pape ihre Gedanken vorbringen 
konnten. Man fühlte auch das eigenste Interesse nach wie vor mit der Verwirk- 
lichung des Akademiegedankens verbunden, da man nur so sich auf die Uaue 
der staatliAen Unterstützung sicher fühlte. NoA im Spätherbst erklarte einma 
Freudenthal in einer Ratsitzung als seine Auffassung, „daß die Umversitat nich 
zu halten ist, wenn die Akademie der Arbeit nicht zustande kc^mmt und damit 
auA die staatliche Unterstützung entfällt«-^». Es war ein vorläufiger Arbeits- 
ausschuß eingesetzt worden, der schon im August einen weiteren BeriAt über die 
allgemeinen Ziele der Akademie erstattete und VorsAläge über den Aufbau des 
Unterridnes in Wirtschafts- und Gesellschaftslehre, Rechts- und Staatslehre aber 
auA für Kurse zur Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der modernen Natur- 
wissenschaft und für die philosophisch-pädagogische Ausbildung der Teilnehmer 
vorlegte. Die Studiendauer wurde auf vier Semester veransdilagt. Irn November 
kam es zu einem Zusammentreffen mit einer Studienkommission der Gewerk- 
iten für die vor allem Robert Dissmann und E. Dittmer spraAen. Von 
gtwerksAaftlicher Seite wurde nun die Kostenfrage in den Vordergrund geste It; 
Lcn den sich darauf ergebenden VorsAlag, das zweijähnge Studium aus prak- 
tis hen GesiAtspunkten« abzukürzen, hielten gerade die ^^T'^TZ 
n der „reif HA erwogenen« zweijährigen Studiendauer fest. JedoA wurde beide - 
selts di; Teilnehmerzahl, die im übersAwengliAen Optimismus des ersten Planes 
mit tausend angenommen worden war. sAon drastisA besAnitten und für den 
Anfang auf fünfzig bis hundert besAränkt. Für den Lebensunterhalt einer sol- 
Aen Teilnehmerzahl maAten siA die GewerksAaften verbindliA, wahrend die 
Kosten des Lehrbetriebes der Sorge von ReiA und Staat zugewiesen wurden 

Mit dieser BesAränkung war der Weg freigelegt für ein Kompromiß, das auf 
der BespreAung in einem großen Kreise endliA angenommen worden .st. An 
dieser Erörterung zu Beginn des neuen Jahres nahmen die beiden preuß.sAen 



Der Griindungsvertrag 



403 



Staatsminister Haenisch und Lüdemann, Staatssekretär Becker, Vertreter von 
Reichsministerien, der Stadt, der Universität und ihres Lehrkörpers, der Freien 
und auch der Christlichen Gewerkschaften und endlich des Bundes für Volks- 
bildung teil. Als die Gewerkschaften auch jetzt noch ihren Anspruch auf „ent- 
scheidenden Einfluß auf die Verwaltung, auf die Berufung von Lehrkräften und 
auf den Lehrplan" (so Peter Grassmann vom Allgemeinen Deutschen Gewerk- 
schaftsbund (ADGB)) festhielten, war es nunmehr aber gerade Lüdemann, der 
sich dagegen zur Wehr setzte. Er wünsdite keine Gewerkschaftsschule entstehen 
zu sehen, wie er auch ein einsemestriges Studium strikt ablehnte, und nahm den 
entscheidenden Einfluß für den Staat in Anspruch. Staatssekretär Becker konnte 
leicht den Ausweg weisen, der sowohl in dieser Frage wie auch hinsichtlich der 
Studiendauer zu einer Übereinkunft führte. Bei der Akademie der Arbeit han- 
delte es sich darum, „einen neuen Bildungstyp zu schaffen, der in der Praxis erst 
erprobt werden müsse. Die Regierung sei bereit, zunächst mit der praktischen 
Arbeit zu beginnen. Er empfehle, zwischen der Regierung und den Gewerk- 
schaften einen Vertrag zu schließen und zunächst für ein Jahr anzufangen. Ein 
Jahr sei für das Experiment aber unbedingt notwendig''^" Auf dieser Basis wurde 
wenige Tage darauf in der Zusammenkunft nur eines Tages ein Vertrag zwischen 
dem preußischen Staat, vertreten durch seinen Kultusminister, und fünf gewerk- 
schaftlichen Verbänden (dem ADGB, AFA — Allg. freigewerkschaftlicher An- 
gestelltenbund, DGB — Deutscher Gewerkschaftsbund, Gewerkschaftsring der 
Arbeiter, Angestellten- und Bcamtenverbändc und dem Deutschen Beamten- 
bund) abgeschlossen. Nach diesem Abkommen plante die preußische Unterrichts- 
verwaltung unter Mitwirkung der genannten Verbände in Frankfurt „Einrich- 
tungen für eine hochschulmäßige Ausbildung nichtakademisdi vorgebildeter Per- 
sonen aus dem Kreise namentlich der Arbeiter, Angestellten und Beamten zur 
Wahrnehmung ihrer Tätigkeit in der wirtschaftlichen, sozialen und politischen 
Selbstverwaltung. Eine Ausbildung für Zwed^e der höheren Staatsverwaltung ist 
nicht beabsichtigt. Fachbildung und parteipolitische Schulung werden ausgeschlos- 
sen sein." Es sollte vielmehr eine systematische Hochschulbildung vermittelt wer- 
den, die „nach Ziel und Methode von kurzfristigen Kursen zur Schulung von 
Betriebsräten und Arbeiterführern grundsätzlich verschieden sein soll"-'-. Der 
Vertrag lehnte es ausdrücklich ab, schon Bestimmungen für die Dauer zu treffen. 
Er betonte vielmehr den Erprobungscharakter und legte nur die Übercinstmi- 
mung zwischen den Vertragsschließenden für die ersten Jahre fest. Neben der 
Teilnahme aus Gewerkschaftskreisen, für deren Unterhalt die präsentierenden 
Verbände die Kosten zu übernehmen hätten, war auch die Zulassung geeigneter 
Personen aus anderen Kreisen, etwa von konmiunalen oder Wirtschaftsverbänden, 
zu gleidien Bedingungen vorgesehen. Der Unterricht würde „hochsdnilmälsig 
mit besonderer Betonung der Gemeinsamkeit von Arbeitern und Angestellten 
gestaltet werden" (§ 2). Die Oberleitung hatte ein Akademieleiter zu führen, 
dem zur Unterstützung in der äußeren Verwaltung ein beratender Ausschuß 
beigegeben wurde. Der Leiter war von der Unterriditsverwaltung zu bestellen, 



404 



///. Buch, 8. Kapitel 



die jedoch bei seiner Auswahl und der der Lehrer „nicht gegen den ausgespro- 
chenen Willen der Vertragspartner verfahren" werde (§ 3). Neben einigen weni- 
gen hauptamtlich tätigen waren nebenamtliche Lehrkräfte aus dem Kreise der 
Universitätslehrer, aber auch sonst geeignete Persönlichkeiten (Praktiker) vor- 
gesehen. Den Hörern der Akademie stand „die Teilnahme an den Vorlesungen 
und Übungen an der Universität frei; sie haben ohne weiteres die Rechte und 
Pflichten der Besucher im Sinne der Universitätsstatuten". 

Es war ein Gründungsvertrag, aus dem das politische Pathos der Geburts- 
stunde der Idee, der leidenschaftliche Wille zur Umgestaltung der bürgerlichen 
Welt aus einer rationalen Einsicht, die akute Kampfstimmung des Frühjahres 
1920 verschwunden war. Schon die geringe Teilnehmerzahl, die jetzt noch vor- 
gesehen war, verbot es ja, in der Akademie eine Erfüllung der einstigen Ziel- 
setzung zu sehen. Statt dessen ist nun aus der Arbeiterakademie eine Institution 
geworden, die vertiefte Möglichkeiten persönlicher geistiger Formung an Men- 
schen herantragen sollte, denen bisher der Lebensweg den Zugang zu einer höhe- 
ren Bildung versperrt hatte. Die Realisierung der Idee Ist damit sehr viel weniger 
spektakulär geworden als ihre erste Konzeption. Die Akademiegründung wurde 
von Staatssekretär Becker bei der Eröffnungsfeier, die mit dem Beginn des Som- 
mersemesters an der Universität zusammenfiel und am 2. 5. 1921 stattfand, recht 
schlicht als ein „wesentlicher Beitrag zur Lösung der Erwachsenenbildung", etwas 
höhergreifend am Schluß der Ansprache als „Krönung der bisherigen Volks- 
bildungsbestrebungcn" bezeichnete^. 

Aber das ist nun wiederum auch nicht genug. Es steckte doch nicht nur ein 
kultureller Arbeitselfer hinter dem Akademiekonzept, sondern es blieb auch ein 
politischer Umgestaltungswille bestehen. Nur ist er inzwischen weniger illusio- 
när geworden; er weiß um die Mühsal geistigen Ringens, aber er behält die Über- 
zeugung von der Notwendigkeit künftigen Handelns, der Reform aus wohl- 
erwogener Elnslclit. Eine solche Aufgabe der sozialen Umformung aus dem Geist 
hält besonders Sinzheimcr wach und stellt sie in seinem Willkommensgruß an die 
Teilnehmer: Es gelte In der Akademie nicht Wlssenssdiätze aufzuhäufen, sondern 
„die lählgkelt zu erlangen, Menschen und Dinge zu erkennen, ihre Beziehungen 
zu formen, Wesentliches von Unwesentlidiem zu unterscheiden, unseren Erkennt- 
nissen Form zu geben und in allem den Geist zu erkennen, ohne den wir arme 
Schacher sind". Werde aber ein solcher Sinn des Forschens und Lernens erkannt, 
crwadisc auch „die Kraft zur Gestaltung, der Wille zur Verwirklichung, die 
Fähigkeit, aus dem Chaos Welten zu bilden, die brennende Begier zu vollenden, 
was uns innere Verpflichtung und Verflechtung zuruft"-"'^. Von einem solchen 
Willen her, der in seiner brennenden Kraft allerdings nur in wenigen glühte, 
kann man die jetzt ins Leben tretende Akademie der Arbeit vielleicht mit einer 
britischen Institution vergleichen, nämlich der wesentlich aus den Bemühungen 
der sozialistischen Intellektuellen, die sidi in der „Fabian Society" zusammen- 
gefunden hatten, entstandenen London School of Economics. Auch die britischen 
Sozialisten haben nicht auf Revolution und Diktatur des Proletariats vertraut, 



Aufgeschlossenheit der Universität 



405 



sondern sie sahen es als ihre Aufgabe an, eine geistige Elite heranzubilden, um 
aus einem sozialen Ethos eine reformerische Umgestaltung der Welt hervor- 
zubringen. Diesem Ziele diente neben der Schriftenreihe der Fabian Tracts die 
Londoner Hochsdiule, die zunächst als eine vollkommen unabhängige Organi- 
sation ins Leben getreten war, ohne anderswoher, auch nicht von der Londoner 
Universität, Mithilfe zu erbitten. Die Frankfurter Akademie war nicht nur jün- 
ger und konnte aus dem weiten Echo der Londoner Gründung Mut schöpfen, 
sie suchte und fand auch schon ein nahes Verhältnis zur Universität. Dies konnte 
geschehen, da zwischen den beiden Gründungen die ungeheuerliche Erschütterung 
lag, die die bürgerliche Welt ihrer früheren Selbstgewißheit und abgesdilossenen 
Zufriedenheit entzogen hatte und für ein neues Suchen zugänglich machte. Das 
galt für die deutschen Universitäten allgemein, auch wenn sie bisher von dem 
Novemberumsturz sich äußerlich noch wenig berührt gezeigt hatten. Und es war 
noch leichter auf dem Frankfurter Boden. Mit der notwendig werdenden Öff- 
nung konnte am ehesten die Frankfurter Hochschule den Anfang machen, noch 
jung und ungefestigt, überhaupt auf vielen Gebieten noch im Suchen und, ver- 
gessen wir es nicht, auch von ihrem Mitbegründer Wilhelm Merton schon immer 
auf die soziale Verpfliditung hingewiesen. Die Akademie war natürlich einst- 
weilen erst, wie es Becker in seiner Eröffnungsrede sehr richtig formuliert, cm 
eben erst vom Stapel gelassenes Schiff, das wohl schon in seinem Fahrwasser 
schwamm, aber noch nach allen Riclitungen des Aufbaues und der Aufrüstung 
bedürfe. Es war ein Segeln in die Zukunft, das auch vom Partner her eine stets 
gleichbleibende Aufgeschlossenheit erforderte. Die Verbindung mit der Akademie 
ist aber von Seiten der Universität nicht widerwillig, notgedrungen eingegangen 
worden, und sie wurde auch in der Zukunft immer gern gepflegt. 

Die Akademie ihrerseits hat die Fahrt mit gutem Mut und guten Kräften 
angetreten. Zu ihrem ersten Leiter wurde Eugen Rosenstock gewonnen. Er hatte 
sich 1912 in Leipzig im Alter von erst 24 Jahren für deutsche Rechtsgesdiichte 
habilitiert, aber gereift durch vierjährige Kriegserfahrung, auch vor Verdun, 
fand er an einer bequemen akademischen Laufbahn kein Genüge mehr, verkaufte 
seine Bibliothek und wandte sich der Arbeiterbildung als der großen Aufgabe 
der Zeit zu. Er hatte bei den Daimler- Werken in Stuttgart einen ersten Ansatz- 
punkt gefunden und dort eine Werkszeitung herausgegeben, war aber von dort 
sehr gerne einem Rufe Sinzheimers nach Frankfurt gefolgt. Er begriff seine Auf- 
gabe eines sudienden und prüfenden Ausbaues der noch ungefestigten Akademie 
durchaus als einen „kühnen Schritt in geistiges Neuland". Audi er glaubte, es 
gelte mehr zu sdiaffen als freie Volksbildung einerseits oder als Arbeiterbildung, 
wie sie bisher in Betriebsrätesdiulen oder auch in den in Münster durdi Plenge 
und Woldt ins Leben gerufenen Gewerksdiaftskursen getrieben worden war. Die 
Akademie, von den Gewerksdiaften getragen, die heute als eine wesentlidie 
politisdic Madit die Ordnung des Volkes mittrügen, mußte vielmehr „den Einbau 
der Arbeiterbildung in das Hodisdiulwesen des Volkes erzielen". Sie sollte 
„Niditakademikern Hodisdiulbildung gewähren" und damit in das deutsdie 



406 



///. Buch, 8. Kapitel 



Bildungssystem, in welchem „Mängel der Jugendschulung für schlechterdings 
irreparabel galten", eine Bresche schlagen helfen. Von solchen Auffassungen aus- 
gehend, entwickelte auch Rosenstock die Vorstellung eines sehr planvoll auf- 
gebauten Studienweges, in welchem Seminar- und Gruppenarbeit den Kern 
bilden soll. Mit dem Abdruck dieser Darlegung des ersten Akademieleiters in 
seinem Zentralblatt hat sich auch das anfänglich etwas zögernde preußische 
Kultusministerium diese Vorstellungen bejahend zueigen gemacht^''. 

Doch hat Eugen Rosenstock die Leitung der Akademie nicht lange in seiner 
Hand behalten. Gründe für seinen Fortgang sind nicht in sdiriftlichem Zeugnis 
überliefert. Ganz sicher gab es heftige persönliche Auseinandersetzungen gerade 
mit Sinzheimer, von dem Rosenstock meinte, daß er das Heil der Zukunft allein 
im Sozialismus zu finden vermochte, während er selbst eine zu enggläubige Bin- 
dung an eine politische Idee ablehnte und einen marxistisch bestimmten Sozialis- 
mus schon seit der ersten russischen Revolution von 1905 als überlebt angesehen 
hat^". So wollte er nicht nach einer vorbestimmten gesellschaftlichen Form streben, 
sondern allein in der offenen Fragestellung die Aufgabe der Akademie sehen. 
Sein von Unruhe erfüllter Idealismus mag sich audi überhaupt von den allzu- 
sidier in gewohnten Bahnen gleitenden Vorstellungen mancher Funktionäre und 
vieler seiner Hörer beengt gefühlt haben; die Absicht einer allzu zweckgebun- 
denen Sdiulung ist bei manchen Funktionären sicher nicht verschwunden gewesen. 
Ebenso gewiß ist es aber auch, daß Rosenstocks geistreiche, aber sprunghafte Art 
des Vortrages, die bis in das Eigenwillig-Absonderliche gehen konnte, sich über 
den Köpfen seiner Zuhörer bewegte und ins Leere stieß; so hat er den meisten 
von ihnen nicht allzuviel zu geben vermocht. Jedenfalls hat er schon in Jahres- 
frist, im März 1922, das Kultusministerium um Enthebung von seinem Amte 
gebeten, da „die Sache der Akademie und ihre friedliche Arbeit durch die Kämpfe 
um und gegen meine Person gefährdet zu werden droht''. Fr hat dem Oberbürger- 
meister von dem Gesuch Mitteilung gemacht und von jenem eine recht frostige 
Bestätigung erhalten; Voigt drückte ihm zwar formell sein Bedauern aus, aber er 
erklärte es für einen Schritt, der „midi auch nach den mir ebenfalls gemaditen 
Mitteilungen nicht überrasdit hat"-'-'. 

Die weitere Entwicklung der Akademie legt es zu meinen nahe, daß Rosen- 
stock innerhalb der persönlichen Differenzen den sadilichcn Gegensatz jener 
Monate über Ziele und Arbeitsmethoden der Akademie sehr viel mehr betont 
hat als es tatsächlich gegeben war. Weder hatte bei Sinzheimer der Glaube an 
das sozialistische Ziel seinen tiefechten Ffumanismus und die Forderung unbe- 
dingter geistiger Freiheit beeinträchtigt,'''^ noch ist die menschliche und die idecn- 
gcformte Vielstimmigkeit des Lehrkörpers der Akademie jemals prinzipiell be- 
schränkt worden oder gar tatsächlich verloren gegangen. An der Akademie wirk- 
ten Dozenten der verschiedensten politischen Auffassungen, von einem etwas 
romantisdien Konservatismus über katholische Sozialreformcr bis hin zu ortho- 
doxen Marxisten. Besonders stark war stets das Element der reformerisch suchen- 
den Sozialisten vertreten, die nicht mehr allein an den überlieferten Formeln 



Zielsetzung der Akademie 



407 



der Partei- und Gewerkschaftslehre Ihr Genüge fanden und die meist der jünge- 
ren Generation angehörten, von Engelbert Graf zu Erik Noelting oder den aus 
dem Umgang mit SInzhelmer geformten Ernst Fraenkel und Franz Neumann. 
Auch ein so heftiger sozialistischer Kritiker an der Lehre von Karl Marx wie 
Franz Oppenheimer hat jahrelang an der Akademie Vorlesungen gehalten. Später 
ist In den Kreis der Dozenten der belgische Soziallst Hendrik de Man eingetreten, 
dessen Lebensweg Ihn Immer wieder „gegen den Strom" geführt hat^". 

Ein sehr anschauliches Bild dessen, was die Akademie für Teilnehmer bedeu- 
ten konnte, besitzen wir In den Erinnerungen Osterroths, eines Ihrer bestquali- 
fizierten Hörer aus dem zweiten Jahrgang 1922/23, also unmittelbar nach dem 
Abgang Rosenstocks^o_ Osterroth, der Sohn eines sozialdemokratischen Reichs- 
tagsabgeordneten, war als Angehöriger des Bergarbeiterverbandes auf die Akade- 
mie gesandt worden. Auch er verstand es als das Ziel der Akademie, daß sie die 
Hörer befähigen sollte, „ihre besondere ,soziale Welt' wissenschaftlich zu er- 
fassen . . . und die Problemstellungen der Arbelt kritisch zu durchdenken". Wohl 
hat nach diesen Erinnerungen Im Hörcrkrclse verständlicherweise der „durch- 
schnittliche, kleinbürgerlich wirkende Gewerkschaftler-Typ" vorgehcrrsdu, der 
an der reinen Berufsfortbildung, insbesondere in Volkswirtschaft und Arbeits- 
recht, nicht aber an weiterführenden philosophischen oder gar religiösen Fragen 
interessiert war. Die geistig herausragende Gruppe aber hat es dankbar auf- 
genommen, daß Ihr die Probleme In sehr verschiedenartiger Beleuchtung und 
auch aus christllcli-sozialer oder auch liberaler Sicht geboten wurden. Zu den Mit- 
gliedern des frühen Lehrkörpers gehörte zum Beispiel auch Ernst Michel, der 
über christliche Soziallehre las und deshalb gern Christen-Michel genannt wurde, 
im Unterschied zu einem anderen Referenten, Wilhelm Michel, der über Arbeits- 
recht vortrug. Die Vorlesungen zur christlichen Soziallehre wurden von den 
Gewerkschaftlern des Normaltyps wohl gern geschwänzt, ein romantisch-konser- 
vativer Angriff eines Vortragenden (Dr. Heinz Marr vom Sozialen Museum) 
auf den Marxismus, mit Spenglerschen Argumenten gewürzt, hat beinahe einmal 
zu einem großen Spektakel geführt. Neben Klagen über schwerblütige Vor- 
lesungen mancher Dozenten, die nicht durch Diskussionen aufgelockert oder 
durch Arbeitsgemeinschaften vertieft wurden, begegnet die Dankbarkelt für das 
Erlebnis eines begnadeten Lehrers wie Franz Oppenheimer, der durch seine leben- 
dig zupackende Art und auch schnellzüngigen Witz eine große Wirkung auszu- 
üben vermochte. Sinzheimers Vorlesungen konnten zu gleicher Zeit gründlidi 
und improvisiert wirken, aber immer wußte er seine Zuhörer an der Heraus- 
arbeitung eines Gedankenganges selbst zu beteiligen. Einem aufmerkenden Manne 
wurde auch damals schon erkennbar, wie sehr SInzhelmer, der Führer des gerade 
in Frankfurt recht schwachen rechten Flügels der SPD, unter der parteilichen 
Enge litt, wie ihm insbesondere der flache Materialismus des Lokalblattes, der 
nVolksstimme", zuwider war, in welchem er nur einen Hemmsdiuh für die Ent- 
wicklung eines humanistischen Sozialismus erblickte''*. 

Die Akademie hat nadi dem Weggang Rosenstocks nicht mehr eine ständige 







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^in intellektueller Abenteurer 



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Mehrere Presseorgane haben 
des 85 Geburtstages des früheren 
Staat»- und Völkerrechtlers Carl 
Schmitt gedacht. 

Dabei ist leider die üble anti- 
semitische Hetze Carl Schmitts 
während des Dritten Reiches, sei- 
ne Beteiligung an der Vertrei- 
bung jüdischer Hochschullehrer 
und seine intellektuelle Unter- 
stützung des Dritten Reiches 
nicht hinreichend "gewürdigt 
worden. Anlässlich seines 70 .und 
80. Geburtstages sind sogar Fest. 
Schriften erschienen, die die 
wahren Kenner Carl Schmitts er- 
röten Messen. Erfreulicherwelse 
haben in der Frankfurter Allge- 
meinen Zeitung der frühere Bun- 
desrichter Professor Dr. Gerhard 
Leibholz und Professor Ernst J- 
Cohn auf den wahren Charakter 
Carl Schmitts und seiner lehren 
I hingewiesen. Professor Ernst 
Cohn hat ihn mit Recht des 



Hochverrat« am Recht bezichtigt. 



Ich selbst habe Carl Schmitt m 
meiner Tätigkeit als stellvertre- 
tender US-Hauptankläger in 
Nürnberg eingehend vernom- 
men. Es war eine meiner inter. 
essantesten Vernehmungen, bei 
der teilweise ein Beauftragter 
von General Lucius D. Clay teil- 
genommen hat. Wir sollten uns 
aufgrund der Vernehmung dar- 
über äussern ob Schmitt zur Ka. 
tegorie der ' Hauptkriegsverbre- 
cher gehöre. Hatte er durch seine 
Theorien und Lehren zur Vorbe- 
reitung des Zweiten Weltkriegs 
beigetragen? Oder hatte er "nur" 
die Jugend verführt? Ich liess 
Carl Schmitt über einige Themen 
sehreiben. Er sollte auch selbst 
zu zwei gegensätzlichen Thesen 
Stellung nehmen: "Warum ich 
ein Kriegsverbrecher bin" sowie 
zu der Gegenthese "Warum ich 
kein Kriegsverbrecher bin". Seine 



negatJve These war trotz seiner 
ungeheuren moralischen Bela- 
stung aus formellen Gründen ju- 
ristisch zutreffend, weil die intel. 
lektuelle Vorbereitung des Natio- 
nalsozialismus nicht unter die 
sehr eng gefassten Bestimmun- 
gen des Londoner Statute und 
des Kontrollratsgesetzes fiel. — 
obwohl ein gerader Weg von sol- 
cher ^^intellektueller" Tätigkeit 
diretofc nach Auschwitz und zu 

{ Angriffskriegen geführt hat. 
Für mich als Ankläger waren 

. jäfG Hinweise Schmitts auf seinen 

- ^us jüdischer Familie stammen. 

''den, im vorigen Jahr verstorbe- 
nen Kollegen Professor Erich 
Kaufmann von besonderer Be- 
deutung. Als Kaufmann im Wil- 
helmstrassenprozess als Verteidi. 
gungszeuge auftrat und seiner. 
Seite merkwürdige Theorien über 
die Schuld von Staatssekretären 
vor dem Gericht ausbreitete, 
konnte ich ihn mit seiner eige- 
nen bellizistischen Vergangen- 
heit konfrontieren. 



Als ich Carl Schmitt nach Be- 
endigung der Vernehmungen er- 
klärte, er könne nach Hause ge. 
hen, war er ungläubig und frag- 
te: "Bin ich denn nun entlas. 
sen?" Ich musste ihm erst klar 
machen, dass dies ohne weitere 
Verhandlung geschehen könne, 
aber nicht ausschliesse, dass er 
sich gegenüber deutschen Stellen 
noch zu verantworten haben wer- 
de. — "Was soll ich denn jetzt 
machen?", fragte er beim Heraus- 
gehen. "Vielleicht ist e-s das Be. 
ste, wenn ich in die Sicherheit 
des Schweigens flüchte." Mein 
Schlussatz zu ihm lautete: "Das 
hätten Sie schon viel früher tun 
sollen. Eß ist gewiss auch jetzt 
das Richtige." 

Leider hat Schmitt diesen Rat 
nicht befolgt und auch seine 
Jünger oder Kollegen hätten bes- 
ser getan, einen solchen "intel- 
lektuellen Abenteurer", um es 
gelinde auszudrücken, nicht 
durch Geburtetagsartikel zu eh- 
ren. Robert M. W. Kempner 









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Deutschlandreise erst, 

wenn Sie wissen, 
es mit Lufthansa 



• f 



nicht billiger 



II« 



Deutschland ehrt 
Richard C. Hottelet 

Der Deutsche Bundespräsident 
Dr. Gustav Heinemann verlieh 
dem bekannten amerikanischen 
Journalisten und langjährigen 
CBS-Korrespondenten in Bonn 
Richard C. Hottelet das Gross- 
kreuz der Deutschen Bundes- 
republik. Die Überreichung des 
Ordens erfolgte vor einigen Ta- 
gen durch den deutschen Gene- 
ralkonsul in New York Graf Po- 
sadowsky-Wehner, der dabei 
Hottelets Verdienste um die För- 
derung des Verständnisses für 
die nationale und internationale 
Politik der Bundesrepublik her- 
vorhob. 

Hottelets journalistische Kar- 
riere begann in Deutschland 
schon von dem Zweiten Welt- 
krieg. Er studierte damals an 
der Universität Berlin und be- 
tätigte sich gleichzitig als Kor. 
respondent im Berliner Bureau 
der United Press. Seine objektive 
Berichterstattung über die "Er- 
rungenschaften" des Dritten 
Reichs fiel im Propagandamini- 
sterium unangenehm auf und 
führte im Jahr 1941 zu seiner 
Verhaftung wegen "Spionage' - 
Verdachts. Nach seiner Freilas- 
sung arbeitete Hottelet für das 
amerikanische Office of War In- 
formation in London, Afrika und 
Italien. Drei Jahre später ging 
er zu CBS News über, für die er 
dann sechs Jahre lang als Kor- 
respondent in Bonn und West- 
Berlin tätig war. Seit dreizehn 
Jahren gehört er dem CBS Stab 
an der UN an. 



Koreanische CIA 

(Fortsetzung von Seite 3) 

zwischen ist er unter Hausarrest 
gestellt worden und darf keine 
Besucher mehr empfangen). Kim 
erzählte, dass er während seiner 
Inhaftierung auf dem Schiff, das 
ihn von Japan nach Südkorea 
brachte, zunächst zwei Tage lang 
an Händen und Füssen gefesselt, 
in einem dunklen Verliess Im 



Der Mann, der den lebenden Parlamente.! Ismiis sezierle 









xci o'rcit 



'it f(^ 



Dß Politik 11Jt!ü»/i 

Call Schrnitis zi:'<^bncren.sv.'ürdif,e 
Sel;iir-?to-o r^ch 19-;> boten jeweils 
An''iJ :•.- cirem A 

trärk-on. auch CU': l.liirun?' ac^ All- 
luv:::.(orrr.äi£. dss sich an wirklichoa 
cätr '. orgt^bliche::i Mar.fichi ivi Charak- 
ter d^\? v.':d3nvtliij^ B'.nvi.',nd'.>r.'0!i rieb, 
verratenden rr.craiir-clv^i Vcrurr.eihiii- 
«en auf c^^r äiren Se.u. dio ctwis gc- 






cGOi iui::u 



energischer. Vüidi,L'v:r,:;'.n d«:r Anhän- 
'W ande!-crsr:t>. J^tzi, da Carl 5'chniiil: 
(^VFi hc';tiSvi^i Miitwocb) '^5 Jahre alt 
v;ird, rr.3g sich cir.o kii'a'ere Beurtei- 
iunjj' der Verdienste u.id der Schsvä- 
clM-n dics'^s urnstrittcns'on und geist- 
reicnctcii der ccut>chca Stac.tsrechi:— 
lehrer aus dem ersten DriUel oes Ji^hv- 
h'inderts durchzusetzen bsginr.en, mai: 
i\zh die Bev.'ertun.fj mcn .erblicher 
Schwächen von der des Bleibenden im 
Work lösen. 

Carl Schmitt — g>'?joren am 11. J'J-li 
-1.3ci8 in Plottenbrri; boi Köln, Stadium 
c/... RechUw.'Scer.i-chaitou in Berlin, 
München und SlraiJburg, Habilita- 
\ion 1^15 ebenda, enter l.ebrstuhl 1921 
in Greifswald — brrj.-hte einen neuen 
Ten in die Staatsrechtslehre der Wei- 
marer Republik, die sich bis dahin und 
lc:nge Zeit noch vorwiegend neben Carl 
Schmitt (und einigen wenitren anderen, 
Jün^;ieien) iii den positivistischen For- 
men^ aus der Zeit des Kaiserreichs Ix?- 
wcgt hr^tte. die sich einigermaßen hilf- 
los, oft mit einer Ge-te spröder Abwehr, 
ätn pohtibChen Realitäten des 1918 neu 
erv.'ortw:nea Pari:imentarismus fsgon- 
i;b-r>ah. Schnüit karr- in seiner Untcr- 
;>uchun2 der „Geistcsgeschichtlichen 
La'{e des h€u1.i,:;;cn ParJamentarirmus'' 
(crstmalif? erschienen 1921) zu dem £r- 
gebnU. daß es dem Parlamentarismus 
als einer Renierungsweise, die von der 
Voriteilunr» lebe, aus der Diskussion 
frf-:ier Repräsentanten ergebe sich das 
Kichtij;e und Gcmcinv.'ohl-Taugliche 
mit '/hvan^^Tslaufigkeit, an der realen 
Grundlage fehle. ' » 

In der Konsequenz rückte Schmitt 
die B^-!-{riffe des Parlamentarismus und 
der Demokratie auseinander, die von 
emer zwar das Richtige wollenden, es 
c.ber oftmals etwas p'att begründenden 
oder ;Tar axicmatirch voraussetzenden 
Staatstheonc mehr oder weniger in 
eins .'Tcser.zt wurden. Kr suchte die 
legitim irrte Stac^ti e;ev'alt bei der P'C~ 
bisziiar bestätig- en Füi;rung, konkiet 
in der Figur des Reichspräsidenten, 
dessen Kabinettsbilaungsrecht und 
Motvercrdnun^sgi-.vait .Schmitt stark 
h».rau SS trieb, womit er eine taJsädiliche 
v.i\(\ am Ende verhängnisvolle Fntv.'ick- 
lun::^ in.tsipretatorisch förderte; „Sou- 
verän i;:t. wer über den Ausnahnie- 
Zl;s^.and ver;ur,t." Von seilen der Li- 
beralen (die damals ofc den Verlust 
der unverrüel'oarcn Vorg-gebenheiten 
der Bismardcisch- Wilhelminischen Ord- 
nung? entweder nicht bemerkt hatten 
oder nicht ver.vinden konnten) v.'urdo 
Schm.üt seine Pariamen^arismus-KritiK: 
rmä mr-hr noch seine Wendung zu als 
„autoritär'* \-erstandenen Regierungs- 
fon-zen veiübclt. Das geschah eine gu- 
le Wegstrerke v/eit sicher 'nit P.eciit. 
.\ber CS bleibt bestehen, daG .Schmitt die 
entscheidenden Sdiv.-äcnen des liberal 
verstandenen Parlamentarismus der da- 
rnaüson Zeit in einer Weise oflengelegt 
hat. die andeie Reaktionen verlan?,t 
hiitte als die, au.5 den Schwächen des 
Knllk'rrs auf die Haltlojiskeit der Kri- 
tik se.bct zu schließen. 



Carl Schmiit wird 85 / Von fVicdricii Karl l-ronmc 



Carl Schmitt, den sein akademischer 
We;;- in den Weimarer Jahren über 
Ordinariate in Bonn, Berlin «Irandeis- 

\.rl:;:,^ i!.. _ .... .,.,... • :■ zum 

Führerstant/' — ei ; Irrwet», d- r voib:- 
reitet war m de • ßcuundfiung der 
plebiszitiü ivoiüni.rripn Auiorität, d-^r 
freilich aiTch führ'e zu jener scinim.pf' 
beben Kechtfertif^un^ der ersten kon- 
zentriert e n 1" "' t IC n a Isozi a i is i i s cIi e n 
Sehiäclitereien im (jeiolne der Röhr.i- 
Afiärc 3931 unt.r dem SehlariWort 
,.Der Führer schü:-!. das Kecb.t". Diese 
For?n:l hat sc-tiic immer wieder de- 
nen als Stim-ul.-ais gedient, die Caii 
Schmitt ücs ,.uiorah.sche Minimum" ab- 
sprechen. (Ivichard .'chmid). 

Die le'i<iensc:V;:ttlichcn Sehii-.iit- 
Bckiim.pfer nehmen nicht .-^o dcatlioh 
zur Kenntnis, d'.H ihr Opfer s.;eh 
immeri^in naeli li.i paar ./ahron vom 
Führerstaat abkehrte; nicht zum „Wi- 
deri;tand- , gewiß, Schrnilt iiüiiin imnior- 
hin Absciüed von der Rolle des .staais- 
rechtliclien Laureati.-n von NS-Gnaden, 
die ihre verl'üb.re'dsche Kraft schabt 
haben muß. Nac't 1945 kamen für 
Sclimitt (eine d'^r Ironien der f'-ähcn 
•Besatzungspolitüv ^vollte es, daß er zu- 
näciist von den Ati'erikanern ..trut" be- 
urteilt wurde, wed er ja 1032-33 im 
Steatsprozeß wegf^n des Pa.pensv hen 
P''eußeD.';chiar;es vom 20. .luli li>32 <!as 
Reich, nicht das „rv-ak-ticnarc" Preu- 
ßen vertreten hatte) Jahre der Haft 
aUuMus die Schrift „Ex capl.ivitate 
Salus"). Es folgten der offizielle Ab- 
schied von der Lehr tat i;:^keit, der Küek/.u:-; 
in das heimatliche Plettenberg. la den 
letzten Jahren nat sich Schmitt bevor- 
zugi dem Volkcri v-ciii- /u.Äevvaridt (t;iiie 
späte F:ntdeckuniL];, Verschiebung des 
Arbeitsiekies, die oft bei bcdenicndcn 
Staalsrechtslehroin zu beobachten ist). 

Schriften wie di<i „Verfassungslehre'* 
(1S28) ei lebten nach dem Kriege Neu- 
auHagen. Schmitt hat auch, in der 
Stille einen Kreis um sich geschart und 
bewahrt, in de.ri er, jenseits des staat- 



lich I» .:• jt imievten Hoeh.-iiul-Kathcderr, 
anregend, «a sciiull)ildend wirkte. Daß 
nun. nachdem dne direkien „Schüler' 
adm, '!•;■' ^-'--..rbcri oder d - ^'■.■- 
dnkfi . e^ne iün::ere 

Tion '.von e.urehnus nicht rrs;ehna?<iri 
,.re<:h!>'* i-.U:he'iden) SlaaisrG>:'hl'^lehroni 
.sieh mehr iw.^v minder dcuilieh ah; in 
der Tradition der' Sehmitt-Schide .'de- 
•icnd cmpiindct, zei.ci. oen fo.-tvlrken- 
d.'Ti, i.'i.:rj ra",ev. streit enlrüek^'n KAra 
der Lehren dieses schiilerjirk^s. au- 
gieicii ;!bsioßc nden und lasziJaorenden. 
sprach:,. wtdi'','i.'n I'vTHr'.r.es. Auch n'-r: 
s:o^ennr.;^te Keue T/.nke t:>edient fdtn, 
im;3rvertßt niinehinal. oft aber euch mit 
dei sto'zen Geste desse'.t, der .d.h 
rühmt. 6>o vom Gejrner grse'jrniedeten 
^V^(l^.^ /AI t>, nutzen, vier Leiiren Carl 
Schmitts. 

Die eerbindeaden Ghedcr sind ji'fen- 
si'htMeh: r'ic Knlil; aivi Parlamentär 
rismius, dem die ..geis^es.cTeschiclvtlichen 
GruridlajL.cn" noch imm-.r ie'rUen, v.'a;-; 
daraus ab<;t;1eitet wivd, daij tatsäeh.dch 
allzuoft falsche, idciit mehr tra.'^fäli.-.'e 
Grund!a:ten unterge. el-^oben \eerejih 
Weiter ist zu nennen die Trenrn'.p.'^ ■='on 
(bioü^r) Legahläi; und (hoirerer) T.e":'ti- 
mitiit, ^vas jedem nur halbw:;5s V/.:i.,;1i- 
Jien erlaubt, sich al;-: im Besitz der 
Iye;^ilia\i!;it befindlich au.:iZLi;[;oben uavl 
sieh daniit berechtigt zu fühlen, über 
die Le';a.lität h!nv.'e?;zi;e:ehen, na ist die 
Reduzierung des Politischen <:\'J ei;: 
„Freund- Feind -Vcrnältnls", das jedci- 
falls nir-b.t »rdt einem flauten „Pari ..er- 
selia f ts"-Gerede v;iderle.j;,t werden 
koim. Schließlich isL da die Doutuf'^ 
der „Verfassung" als eines Proze.^ses 
der „Lntscne'dung" über poütisehö 
Li;h';ii lind Orduung. I^ies i;/i wohi ^^a;> 
Schhissclwort dafür, daß Carl Schmiit 
domi heutigen pluralistischen Parteien- 
und Verbaiidsstaat, der unter dem 
Flaggenechmuck eines vergange ^-en < 
„neutrale/i" Staatsbegrif Cs dahmse'?..ijt, 1 
einen ersten, noch nicht hin i eichend aus- \ 
gebauten Ar\satz für eine zcitgen'.afio.l 
Verfassungstheorie mitge^-.eben hat. 4 





Heinrich Muth, Carl Schmitt In der Deutschen Innenpolitik d 

1932, Historische Zeitschrift, Beiheft 1 hr 



es Sommers 
rsg.vom 



Theodor Schieder, Muen?ien 1971 S. 75-147 



S 76iHaette Schmitt sich auf die ueblichen staatsrechtlichen Hroer- 
terunqen beschraenkt, so waere es ihm kaum anders ergangen als der _ 
Hehrzahl c^er zeitgenoessischen Staatsrechtslehrer.von denen nur wenige, 
vie etwa Hans Kelsen, Hermann Heller oder x^udolf Si^mend,auch ausser- 
halb des engeren Kreises ihrer Fachgonossen bekannt geworden sind. 



[ 



s 93 I Schmitt wollte die Grundentscheidungen aus der Verfassungs- 
aenderung herausnehmen, also unantastbar machen wie Entscheidung fuer 
die Demokratie, fuer den Fortbestand der Laenderi'fuer eine grundsaetz- 
liche parlamentarmsche Kepraesentative Form der Gesetzgebung und der_ 
teaieruna" und '• fuer den buergerlichen Rechtsstaat mit spmen Prin- 
zinien Grundrechte und Gewaltenunterscheidunn"(V6riassungss-«^ehre, 
3. Auflaae Berlin 1954, S. 23 f . )Aber er stiess auf^\blehnung^DGr von 
dem fuehrenden Kommentator der Reichsverfassung verföchte ne..runcsatz 
"die VerfasBuna kann im iw. ge der Gesetzgebung geaendert werden- alles 
ohne Unterschied des Inhalts und der politischen Tragweifee •• war als 
herrschende Meinung anerkannt. Als iS^baenderbar fuehrt Anschuetz aus- 
druecklirh auf: Dundesstaat, Republik, Demokratie, Parlamentar^ismus 
(l2.zÄaf»EXSÄx Auflage Berlin 1930, S. 349 f). ^en Ihesen Schmitts 
verraor-htc c .r die Eigenschaft einer de lege ferenda beachtlichen_ 
Dolitischen Forderuna SHXKHr zuzuerkennen (S.351) :^ies ist eine posi- 
tivistische Verfassunasvorstellung.Bhracke , Grenzen der Verfassungs- 
aenderuna, 'Berlin 1953 5. }i 19 ff, besonders S 21 Anm.8 gibt eine 
Uebersicht neber die Anhaenger dieser herrschenden Keinung. Mit Aus- 
nahme von Kelsen und Schmitt, beide von entgegengesetzten Ausgangs- 
punkten herkommend, gehoerten alle damals fuehrenden Vertreter aes 
Staatsrechts ihr an. (So Hatschek,Stier-SomJ.o,l.aw2^skir,Poetzsch-Hef ..ter, 
Giese.VJalter Jellinek) . Politisch, woräün:hmacke leider nicht hinweist, 
gehoerten alle zur" Weimarer Koalition, viele zur DOP fuer oie einige 
von ihnen noch bis zum T^nde der Republik beratend taetig waren (s. 
Katthias-Morsey,Die deutsche Staatspartei in Das i^nde der Parteie n 
3.31 ff.passim) 



S 96jSchmitt deutete 1928 an, uns sprach die }3efuerchtung aus, dass 
das deutsche Volk, dessen Beduerfnis nach legalem Schein staerker ist 
als sein oolitischer Sinn, eine im Weg des Art.J6.eingcfuehrte 
Beseitioung der Verfassung eher hinnehmen wuerde, als eine im ^ege des 
Putsrhes oder der Revolution versuchte Verfassungsyernichtung. (Ver- 
fassüncslehre B. 114) Schmitt sagte auch,d^s, "iobald die zur Legalitaet 
dieses^Systems aehoerende Voraussetzung einer beiderseitig gleich le- 
galen Gesinnung^EHtadKHix entfaellt, gibt es keinen Ausweg mehr". 
Schluss folgernd aus der Taktik und dem Verhalten der NSDAP und KPD 
saat erT^s sei ganz unmoeglich wirklich staatsfeindlichen Parteien 
diä gleiche Chance zu geben und ihnen die legalen Moeglichkeiten staat- 
licher Willensbildung als Waffe in die Hand zu geben. (Deutsche Ju- 
ristenzeitung 37 (1932) Sp.958.) 



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Im Schutz des Worte 



Carl SohniUt \md dio Dichter 



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des 



\\f.:!i ein. S:aaL-:rechtsIohrcr vom 
A.syl r::-r> Dichte rworles spridit, darf 
riai^ 'dnntt'.T-.cr!, daß er etv'ns Gei"!5ii3s 
rr.C'ln:-. Ein A«yl ni-rimt in Anspruch. 
\vcT r'-'üt n"^oh!" ''7* *•"*•* ^'■•'»T* Schill*?, r!'? 

5:/<:7'j.".:, ois er :...•. :i. wuü 1Ü48 

Si.cnr.:,g;.'ihrieon'* zusprach, ins I\ie- 
:nüru5L--.nd des „hr.vs-la-Ioi gesetzten 
Legl^tc"." fe^raten!* Mir scheint ditse 
Ei-klcinin^ zu epi:::. Ji:.ch. — Wer dns 
F.?cht conki, !«t cbcndr.ir,?: a'j? dcai 
Sch'Jtz des Kerhts. dus er den'Kt, her- 
aus 2 et vetcn und bleibt dennoch seinen 
.*i:\-n!:t:onen iinwicVivunich unterstellt. 
Von der Tragik eiii'^:' Folrlien Wider- 
5i:ruc'';s werden iin^er:^ Koniinontatoren 
des Status quo ni-^bt eiiiinal ?:c<troift, 
Iri Coöensatz zu ihnoü. die das Ee.-te- 
hcnde zeniefi-ieren. rnviß dor RGch'5- 
dtr.kr-r nntizirMeren. lind fir Antizipr.- 
t Ionen haltet man von je niit Kopf irr^d 
I-IiT-^i'^n. T}^.< i~>t eine erriste Sache, weil 
die antizipierte Zukunft anders als die 
der Utopisten, unausbleiblich eiaes 
Toj^'ts GegCDwart Tvird. Denn der 
Rrrchr?denker direkt die Gefach ichte, 
und die GcTchichte geht unaufha.ltsnm 
cuvoh die C(.;:;on';*, art hindurch. Wer 
schützt ihn dann vor dem, v/as ihn ein- 

Da3 die Kirchen l-:ein Asyl mehr bk-- 
Icn. rauute bereits der jun^e Rcchts;^e- 
lehrte erfahren, t}.z er festijicllte. daß 
in dem Augenblick, wo in der letzten 
ev.'i,cen Lampe fvi-itt Öikchts eine Glüli- 
birne brennt, d'o Kirche iür die okono- 
T."i^*?cke Ordiiun.:,' eine be:4''eifliche 
GTo::-e ;_:ev.-cj-den i;:t: Sie hat den Frie- 
den 2nit 6.\:ivi\ Bes-eheiulen ger.c; dessen. 
Waj .c^ab ib^T». in dieser Ratlosigkeit das 



Vrrtrauvn in das Wort des Dichters? — 
lOr. der in einer !\Iischung von Studen- 
tenulk und Satyriauno mit dc^w über- 
nütigen, iVrsinagea seiner „Schatten- 
risTo" {V^\?^ die W'^rk";i "'■''""*,":''' > s.'^incr 



iiterariscl^en ?. . ■ ••■_'':te, 

Richard Dehinei ro von:.:; schonend 
wie Thomas Ivkum, rj.aubio an das 
Arcanum des dichtorisdicn Wortes. Kr 
wn;i3te es unter der Worrlava Theodor 
Däublers genauso behütet wie in der 
f^anz nach innen ..{espiefielteii Sprache 
Cr-r. Frci-ndes Kon rad V/eiss. ßeid:-- ge- 
horten für ihn zu-^r-m^men wif Mythos 
und Ceschichti?, und beide halfen" ihm, 
^eJ?^ Arcrjnnrn ^^u f^^ssen. Was in Daub- 
leis „Nord Mehl" entfesselte Geist- 
Fkstnsv- war, die •.irli „promelhidi.vch^* 
;:er:cn ("ir^^ ?chönfiiT5.iTs<inn vvcndct, 
brach sich im VVort):eslein des Dieijtcrs 
der ,.Cumäiscben Sibylle" zu einer Lei- 
densiorra der Gesehichte, die allein 
ihm gewahrte, dc'3 allzeit übeniom- 
mcne Ge'-^chick des „Okzident nleu 
Kationalismns'* ohne Hybris aus:zutra- 
gen. 

Cnri Schmitt hat beiden Diclitorn 
eine lebenslange Dankbarkeit bis in 
sein .-'elzigcs hohes Alter bewahrt; er 
hat ihnen :mch ni« einen anderen zu- 
gesellt, obsciion ib'-n mancher leben r- 
mäßig nüher gcw(?t:en sehi mag wie 
etv/:i Eenn. in mancher Dichtung hat 
er sieh v/ieciererkirnnt und weiterge- 
deutci. j;esonen, in keiner vielleicht eo 
wie in Melvilles „Ecnito Cercno". Aber 



Schutz hat er nur im V/ort sibyllini- 
seher Dichter gefunden; denn nur ihr 
Wort seht t:,'radenwe.q;i; diwih. alle Ge- 
fchicko hlndLU'ch auf ein neues ge- 



schichtliclios Cecht. 



/ 



V/ALTFR WARN ACH 



FAZ 



' » ! 
1 V. --. 



Z or.2. a.r:::rci:aa. 17 m\m 

/.-.VW Aufsatz über" Prb-fe.-süi'''^C;-i 
Scl^mitt in der F.A.Z. vom IL Juli: 
ßihr bei Köln cm Kiettenberg, unser 
Professor ist heute noch v.'ohnhaft in 
Pleitonberg, das isi V/estialen und 



niellaUimii Carl äclimitts 
i'Al 5JL^. ü.ntii 






Am IL 



24. w! 

Juli hat Friedrieh 




1973 

Karl I 
FrVmme" den 85. Geburtstag von Carl 
Schmitt in beisonderer Weise gewürdigt 

„, ..._ .,. _..-.. -- offenbar in der Absicht, unbescha- 

Sauerland; Entfernung nach Köln .117 det gewisser menschlicher Schwächen, 
Kilometer. Nicht also Plettcnberg Lei die dem Werk von Schmitt anhaften 
Köln, — Qs dürfte sich um einen mögen, das Bleibende dieses Werkes 
Druck- oder Hol fehler handeln. hervorzuheben und dem Tagesstreit zu 

Jupp Sdiöttler, Finnentrop/Sauerland entrücken. Dementsprechend ^vurde die 

vielfach geübte Kritik an diesem 
Werk selbst kritisch beleuditet: Sie sei 
offenbar mit Sclbstgerechtiakeit ge- 
trankt, reibe sicii an v^irklichen oder 
vorgeblichen Mangeln imCharal:ter des 
widerwillig Bewunderten, nehme nicht 
genügend zur Kenninis, daß .sich das 
Opfer der Krilil: selbst nach einigen 
Jahren vom „Führerstaat" abgewendet 

habe usw. ^ . , . 

Eine solche r>etrachtung kann mcht 
unwidersprochen bleiben. Carl SchmiU- 
hat nicht nur -'n führender Steile das 
totalitäre nationalsozialistische Kegimc 
ideologisch legitimiert. Er hat' — hier- 
auf hat öev Autor Ihres Bertrages 
selbst hingewiesen — den „Führer", als 
er am 20. Juni 1931 Huriderte von Men- 
schen ermorden ließ, zum Pluter des 
Rechts erklärt. Er hat als Staatsrat auf 
einer Ta;;ung in Berhn, über die sei- 
nerzeit uie ..Frankfu-ter Zeitung" aus- 
führhch im Oktober 1936 berichtet hat, 
bei seiner Eröifnungs- und Schlußan- 
sprachc die Tagung unter das Motto 
des Führers .^Indern ich mich des 
J'iden erwehre, kämpfe ich für das 
Werk des Herrn" gestellt. Wenn vom 
Blickpunkt des Naüonalsozialismuj das 
Judentum der Feind Nr. 1 war, so weiß 
man gerade nach der Deutung des 
Politischen bei Carl Schmitt, was diese 
Charakteri.=ierung bedeutete. „Begriffe 
Freund, Feind und PCarnpf or;^.a!ten 

il/rcn rc.'len Sinn dadarch, daß sie ins- 



'Lesondoro auf die reale Aloglichkcit 
der uhysischen Tötung Bezug ijaben 
und behalten.- Für alle wirklich lieil- 
.';ichtigrn war die letrte makabre Kon- 
se.yue.i;- (h:s von Curl Schmitt in Berlin 
gerühmten „großartigen Kampfes des 
Gauleiter-, Julius Streicher" blitzartig 
sichibar geworden. 

Gewiß, in den späteren Jahren hatfa 
Carl Sciunitt ^^eine Scliwicrigkciten mit 
der na- ion.ii.';o7i;ilis-; Lachen Promineitz. 
Aber es ist kein Zuf-ill, dü3 diorj Um 
nicht xum „Widerstand"' führten. 10.«. ist 
nicht bekannt geworden, daß Se'nnilt 
jemals eine seiner Äußerun^-^icn modifi- 
ziert, geschweige Gcnn revo.äert bot. 
Diese Au".^eriin.^:cn i^tehrn ai:-o nach 
wie \or im Kanm. Von tinem Irrtum 
kann nicht die Rede :'ein. Dies Ict auch 
nur iionsequcnt. Drnn aiic^ Reclit jst 
fiir Call Schmiit i'conkrete.s ,,Siluation.->- 
recht*'. Der Jurist hat sic!i nur d.:'n 
Fragen der Zeit zli öLfne.i und :>\:h 
jeweils an dorn 3Tatcriai zu orientieren, 
das der Zeitgeist ihm offeriert. Alle 
von ihm entwickelten Form.eln und Ee- 
giiiio sind vso dem jeweiligen Zeitge- 
si:hehen angepaßt. M.ötfen diese von 
ihm noch so sprachgewaltig und beste- 
chend enUvickelt v/ordcn sein, so kön- 
nen sie nicht die Tatsache verdecken, 
daß di::se Analysen letzthin i'.ur &^v 
Ausdruck cinec irih ilisüsch-rel ativisti - 
sehen Grundhaliung sinci, die alles, das 
heißt jedes polil,i^•v:he Regime — glei-nh- 
I gültig, vyclclier Rechts- oder Unrechts- 
I Prägung — ::u rc< htfei-tigon verm;.g. Kr, 
' ist diese Ilallung, die dem Werk von 
Caxl Schmitt steine Glaub vvürdigkeit* 
gej"i(^imen hat. 

/rrofessor Dr. jur. Gerliard T.eihho!/, 

J^.indciivcrtassungsi-ichter i. H., Gott i.ngeu 

/llochv€i rat an Lochs! irsi V/erlcn 

In der Würdigung Carl Schmitts an- 
'j^Plich seiri^H ?':. Cebur->:'T'gG?^ (F.A.Z. 
vom IL Juli) hat der Verfasser eine 
wesentlicho Episode des Lebens des 
Jubilars leider mierwähnt gelassen. 
Carl Schmitt führte den Vorsirz bei der 
berüchtigten Tagung „Judentum und 
Rechlswisscnsciiaft" im Jahre i937. Er 
war ihr Spiritus rector. Noch L-bende 
Teilnehnifr der Tagung mögen über 
die Rolle bericld.cn, v/elcho er damals 
gespielt hat. Ihm in erster Linie ist 53 
zu verdanken, daß .*<ie .sich zu einem 
Bbenso durdi Verlogenheit wie durch 
hetzerische Schiirfe gekennzeichneten 
Großangriff auf deutsch-jüdische Juri- 
sten ausgestaltete, deren Verdienste um 
das deutsche Ko'.'ht Vs-eder vor 1033- 
noch nach 194.'3 jemals angezweifelt 
/v'orden sind. Carl Schmitt hat davch 
diese Tagung seinen Teil dazu beigo- 
;ragen, die Wege zu ebnen, auf denen 
wenige Jahre ijpäter Millionen von 
MeuL^chcn „legitim" in die Gasöfen von 
Auschwitz und Treblinka gebradit 
werden durften. Das war die gleiche 
.,Legit:mitat'\ die Carl Schmitt schon 
Jen iMordtaten von 1931 in alier 
^ffentlichl^eit beilegte. Einen solchen 
Mann als ,,fasz!nierer.d" zu bezeichnen 
— v.de es der Verfasser jener Würdi- 
gung tut — , bedealct zu verkennen, 
daß das höchste Ziel aller Lehre vom 
pCecht die Verwirklichung der Gerech- 
tigkeit ist. V/cr wie Carl Schmitt der 
„Perversion der Hechtsordnung" — um 
einen sprechenden Ausdruclc Fritz 
i'on Hippels zu gebrauchen — absidits- 
^'oll zum Siege vciholfen hat, hat 
jeden Anspruch darauf verwirkt, von 
der Mitwelt oder gar der Nachv/elt als 
wahrer Gelehrter dos Rechts anerkannt 
zu werden. Für alle Zeiten muß er als- 
einer unter djnen geltem die sich in 
einer Schicksalsstunde der Menschheit 
des IIoch;errate."> an gerade denjenigen 
höchsten V/'^rttm scnuldig gcrnacnt 
haben, zu deren Hütern sie einst in. 
eingr iu iedei> Hm.'j^ii'iit, !^'}^*f<'''^W'\hff^h 

urd<;n 



Seite 4 



MB — 20. Oktober 11)72 



Ein Plan zur Lösung des Anglo-Irischen Problems 



Nr. 12 



Die Auseinandersetzungen zwi- 
schen Katholiken und Protestanten 
in Nord-Irland, die blutigen Ereig- 
nisse als Folge der Aktionen ka- 
tholischer Partisanengruppen wie 
auch des militanten Flügels der 
protestantischen Unionisten, die fast 
Tag für Tag und trotz allen Ver- 
mittlungsversuchen zu registrieren 
sind, erwecken unser besonderes 
Interesse. Dies nicht nur deshalb, 
weil angeblich Verbindungen zwi- 
schen den irischen Partisanen und 
Terroristen zu den arabischen Fa- 
tah-Kreisen bestehen, sondern auch 
weil die Vorgänge ihrer Struktur 
nach in bezug auf das Eingreifen 
und die Position der englischen 
Truppen eine weitgehende Paralle- 
le zu der Situation im ehemaligen 
Mandatsgebiet Palästina darstellen, 
wo ebenfalls Engländer sozusagen 
in der Mitte zwischen Juden und 
Arabern standen, ohne dass es ih- 
nen gelang, die national-politischen 
Gegensätze zu unterdrücken oder 
gar zu schlichten. In Nord-Irland 
handelt es sich allerdings nur in 
einem gewissen Masse um natio- 
nale Gegensätze, soweit auf der 
protestantischen Seite, den Unio- 
nisten, die für die Aufrechterhal- 
tung der Verbindung des Landes 
mit'' England eintreten, sich Kreise 
befinden, die. allerdings schon vor 
langer Zeit, aus England gekom- 
men sind. Der entscheidende Ge- 
gensatz liegt auf religiösem Gebie- 
te, da die Protestanten bei einer 
Verbindung des Landes mit der in 
entscheidenden Punkten von katho- 
lischen Gesichtspunkten bestimm- 
ten Irischen Republik eine Unter- 
drückung ihrer Freiheit befürchten, 
wobei allerdings auch ökonomische 
Gesichtspiuikte eine Rolle spielen. 
So läuft die irische Tragödie wei- 
ter, wobei den militanten Kämp- 
fern die Tatsache zugute kommt, 
dass die Iren in ihrem Freiheits- 
kampf gegen die englische Herr- 
schaft wohl in einzigartigem Masse 
die Methoden des Partisanenkamp- 
fes und des individuellen Terrors 
entwickelt haben und in dieser 
Hinsicht ein ,, Vorbild" für so man- 
_che andere Bewegungen in der Welt 
geworden sind. 

Es ist für uns umso interessan- 
ter, in einer Situation wie der ge- 
genwärtigen, die durch Partisanen- 
angriffe bezw. individuelle Terror- 
akte arabischer radikaler bezw. ex- 
tremer Gruppen gegen Israel und 
gegen Juden ausserhalb seiner Gren- 
zen charakterisiert wird, und in 
der die Bemühungen um einen 
friedlichen Ausgleich zwischen Is- 
rael und den arabischen Staaten 
stagnieren, einen Vorschlag zur Lö- 
sung des irisch-englischen Problems 
kennen zu lernen, der vom Minister- 
präsidenten der Irischen Republik. 
John M. Lynch, in einem Aufsatz 
unter dem Titel ,The Anglo-Irish 
Problem" gemacht worden ist (in 
der amerikanischen Zeitschrift „Fo- 
reign Affairs", New York ,JuU 1972). 
Lynch, dessen Position man viel- 
leicht, cum grano salis, in dieser 
Hinsicht mit derjenigen des ägypti- 
schen Präsidenten vergleichen könn- 
te, kommt in diesem Aufsatz zu 
folgenden sechs Schlussfolgerungen, 
die ihm als Basis für die Lösung 
des Problems geeignet erscheinen: 

„Erstens, ich betrachte den Be- 
schluss der Britischen Regierung, 
die volle Verantwortlichkeit für 
Nord-Irland für ein Jahr ab März 
1972 direkt zu übernehmen, als ei- 
nen positiven Schritt, weil dies die 
Anerkennung dessen bedeutet, dass 
es nicht möglich war, mit den 
bestehenden Strukturen zu arbei- 
ten. Aber dieser Schritt wurde nur 
als eine notwendige Vorstufe für 



eine Lösung dargestellt und nicht 
als Lösung selbst. 

Zweitens, ich meine, dass jeder 
Versuch, daran die volle Integra- 
tion von Nord-Irland in das bri- 
tische Vereinigte Königreich anzu- 
schliessen, verhängnisvoll sein wür- 
de. Eine erhebliche Minorität im 
Norden würde dauernd Widerstand 
leisten mit der Unterstützung der 
grossen Mehrheit des Volkes von 
Irland. Ein solcher Versuch würde 
einen Keil zwischen die Majoritä- 
ten der beiden Inseln treiben; und... 
Nord-Irland kann nicht behandelt 
werden ohne Bezug auf die anglo- 
irische Beziehung als Ganzes. 

Drittens, England sollte erken- 
nen, dass die Intransigenteren un- 
ter der Unionisten-Minorität in Ir- 
land kein Recht auf ein perma- 
nentes Veto gegen die Harmonie 
in den anglo-irischen Beziehungen 
haben; indem man dies erkennt, 
sollte man auf eine reale Regelung 
hinzuarbeiten beginnen. Eine solche 
Regelung sollte nicht Einheit durch 
Gewalt auferlegen. Aber während 
die frühere Regelung dahin tendier- 
te, eine fortdauernde Teilung zu 
ermutigen, sollte diese neue Rege- 
lung eine positive und direkte Er- 
mutigung für Einheit bilden, indem 
akzeptiert wird, dass die Befürch- 
tungen einer Gemeinschaft von we- 
niger als einer Million nicht dau- 



ernd einer Versöhnung zwischen 
allen Völkern beider Inseln im We- 
ge stehen sollten. Viele der Unio- 
nisti.schen Gemeinschaft begreifen, 
dass die irische Einheit unvermeid- 
lich ist, und sind in steigendem 
Masse willens, die Idee zu erwä- 
gen. Ihnen sollte man eine positive 
und direkte Ermutigung in dieser 
Richtung bieten. 

Viertens, während ich meine, 
dass die Teilung Irlands von Be- 
ginn an ein Fehler war. erkenne 
ich, dass die Erlangung der Ein- 
heit ein schwieriger Prozess ist. 
Dazu muss Vertrauen und Versöh- 
nung auf allen Seiten wachsen. 
Aber ich glaube, dass die irische 
Einheit das Ziel sein sollte, und 
eine Verpflichtung zu ihrer Errei- 
chung sollte seitens der Britischen 
Regierung eingegangen werden. 

Fünftens, es sollte klar sein, 
dass ein vereinigtes Irland nicht 
ein Irland sein soll, in welcheni 
der gegenwärtige Staat , .Süden" 
den „Norden" übernimmt und in 
seine bestehenden Strukturen assi- 
miliert. Es sollte eine Verhandlung 
geben, aber sie sollte über ein 
neues Irland sein. 

Sechstens, das neue Irland, auf 
das ich mich bezogen habe, sollte 
nicht irgend eine Herabdrückung 
des bestehenden sozialen oder wirt- 



schaftlichen Standards auf einer der 
Seiten in sich schliessen. Es gibt 
gegenwärtig Unterschiede, aber sie 
sind nicht unüberwindlich, und sie 
werden geringer. Die wirkliche Tei- 
lungslinie in Irland, soweit es die 
wirtschaftliche Prosperität angeht, 
lag stets zwischen Ost und West 
und nicht zwischen Nord und Süd. 
Gegenwärtig bringt die Verbindung 
mit England für Nord-Irland er- 
hebliche direkte und indirekte Sub- 
sidien. Bei allen Regelungsbestim- 
mungen würden diese Subsidien 
ohne Zweifel eventuell in Wegfall 
kommen; aber dies sollte im Laufe 
einer Periode durchgeführt werden. 
Die wachsende Integration der Wirt- 
schaften aller EEC-Mitgliedsländer 
sollte dabei helfen. Regionale Ent- 
wicklungs-Politik der EEG wird 
auch hilfreich für jeden Teil dessen 
sein, was weitgehend eine einzige 
Region ist — ebenso wie der all- 
gemeine Anstieg der Prosperität al- 
ler innerhalb der EEG. Darüber 
hinaus jedoch wird der Anblick 
eines vereinten Irland, der höchst 
förderlich für eine wirtschaftliche 
Prosperität auf lange Sicht hin sein 
wird, es befähigen, seine Energien 
darauf zu konzentrieren, ein bes- 
seres Leben für sein Volk zu schaf- 
fen — anstatt sie — wie gegenwär- 
tig, in Teilung und gegenseitiger 
Beschuldigung zu verschwenden." 



Ludwig Oppenheimer 75 Jahre 



Am 21. Oktober wird Dr. Jehuda 
Ludwige Oppeilheimer (Rechowot) 
75 Jahre. Dass dieses Tages in der 
Öffentlichkeit gedacht wird, bedeu- 
tet für den Jubilar wahrscheinlich 
eine tJberraschung. Er hat niemals 
Publizität gesucht, war nie auf eine 
Karriere bedacht. Trotz mannigfa- 
chem Hervortreten in wissenschaft- 
lichen und politischen Fragen ent- 
sprechen Stille und Zurückgezogen- 
heit weit eher seinem Wesen als 
die Wege, die man gehen muss, 
um bekannt und vielleicht berühmt 
zu werden. 

Ludwig Oppenheimer wurde in 
Berlin geboren. Er hat in Frank- 
furt a.M., Heidelberg und Berlin 
Volkswirtschaft und Soziologie stu- 
diert. Im Sinne seines Vaters, Franz 
Oppenheimer, und des französi- 
schen Sozialisten Proudhon, über 
den er bei Werner Sombart promo- 
viert hat, bekennt Ludwig Oppen- 
heimer sich zu einem freiheitlichen 
Sozialismus, „dessen Ordnungsprin- 
zip nicht die von oben her inte- 
grierende Herrschaft, sondern der 
von unten nach oben fortschrei- 
tende freiwillige Zusammenschluss 
selbsttätiger Kräfte ist". Wie seine 
iDeiden Vorbilder ist er überzeugt, 
„dass in der Gesellschaft wie im 
Leben der Völker die Geltung ei- 
nes auf sittlichen Grundsätzen bin- 
denden Rechts wieder hergestellt 
werden muss". 

In Deutschland hat Ludwig Op- 
penheimer eine vielseitige politisch- 
pädagogische Wirksamkeit entfaltet, 
insbesondere im Rahmen überpar- 
teilicher und übernationaler Ar- 
beitskreise und Forschungsgemein- 
schaften zum Studium politischer, 
wirtschaftspolitischer und sozialpo- 
litischer Fragen. Er spielte eine 
führende Rolle in den Bestrebun- 
gen deutscher und ausländischer 
Jugendorganisationen. um durch 
einen ..Weltbund der Jugend" einen 
praktischen Beitrag zur Versöhnung 
der Völker zu leisten. Seine 1929 
begonnene Tätigkeit an der Deut- 
schen Hochschule für Politik in 
Berlin musste er 1933 aufgeben. 
Anschliessend war er in der Reichs- 
vertretung der deutschen Juden an 



der Planung für eine jüdische Sied- 
lung in Paranä beteiligt. Im Jahre 
1938 kam er nach Erez Israel. Seit- 
dem, lebt er mit seiner tapferen 
Frau Else in Rechowoth. Die Kin- 
der. Michael und Rachel, sind Kib- 
buzmitglieder geworden. 

In Israel arbeitete Ludwig Op- 
penheimer vor allem in der Landes- 
und Wirtschaftsplanung. In einer 
umfassenden Analyse hat er die Be- 
triebsstruktur und die Wirtschafts- 
ergebnisse der Kibbuzim und der 
Moschawe Ovdim untersucht, um 
Grundlagen für die Beurteilung ih- 
rer Leistungsfähigkeit zu schaffen. 
Er hat erstmalig eine Voraussage 
für die Entwicklung des Beschäf- 
tigungsvolumens und der Beschäf- 
tigungsstruktur in regionalen Zen- 
tren ländlicher Gebiete erarbeitet. 
Wesentliche Foschungen galten dem 
Ziele, die landwirtschaftliche Pro- 
duktion nach dem tatsächlichen 
und dem zu erwartenden Lebens- 
mittelverbrauch auszurichten. Im 
staatlichen Planungsamt war Lud- 
wig Oppenheimer u.a. massgeblich 
an der Planung für Ober-Afule be- 
teiligt. 

Seit seiner Pensionierung <1960) 
hat Ludwig Oppenheimer sich in 
Zusammenarbeit mit führenden 
Fachleuten verschiedener Länder 
mit Problemen der Agrarstruktur, 
der Entwicklungspolitik und der 
Siedlungspraxis beschäftigt. Ein 
einsemestriges Kolloquium an der 
Universität Freiburg i.Br. (1964) 
und zwei von ihm initiierte inter- 



nationale Symposien, 1965 in Berlin 
und 1969 in Jerusalem, sind Zeug- 
nis dieser Tätigkeit. . 

Die während der Nazizeit unter- 
drückten und eingestampften Werke 
Franz Oppenheimers erneut der Öf- 
fentlichkeit zugänglich zu machen, 
war dem Sohne ein wichtiges An- 
liegen; seüier Anregung und eifri- 
gen Mitarbeit ist auch das Franz 
bppenheimer-Zentrum für Sozio- 
graphie an der Hebräischen Univer- 
sität Jerusalem zu verdanken. Von 
seinen eigenen Veröffentlichungen 
sind vor allem das umfangreiche 
Werk „Gross- und Kleinbetrieb in 
der Siedlung" (1933), der grundle- 
gende Artikel „Israel" in der Enzy- 
klopädie der Sozialwissenschaften 
(1955), unter Mitarbeit von A. Gaa- 
ton und M. Ater, und mehrere Bei- 
träge zu den genannten Symposien 
zu erwähnen. 

Alle wissenschaftliche und poli- 
tische Arbeit Ludwig Oppenheimers 
ist gekennzeichnet durch sein tiefes 
Interesse für den Ursprung der 
Dinge und durch sein Bemühen, 
immer die grossen Zuammenhänge 
zu sehen und weit in die Zukunft 
zu denken. Seine Wegweiser sind, 
wie für Franz Oppenheimer und 
Pierre Proudhon, Gerechtigkeit als 
„Ausgleich zwischen Freiheit und 
Ordnung" und Wahrheit als „Über- 
einstimmung von Wissen und Ge- 
wissen". Was wäre heute notwen- 
diger als solche Besinnung auf das 
Wesentliche- 

RUDOLF KÜSTERMEIER 



Das ELTERNHEIM in HAIFA-ACHUSA 
ladet alle Freunde zum 

B AZAR 

ein, der am Dienstag, den 24. Oktober 1972, 16.00 Uhr 
nachmittags, in der Mapu Str. 5—7 stattfindet. 

Der Reinertrag fliesst dem SOLIDARITÄTSWERK zu. 



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Zum Tode von Pearl Bück 



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Im Alter von 80 Jahren starb 
die Fraiu, doe China in die ameri- 
kanische Literatur einführte. 
Pearl Bucks erstes Buch "East- 
wind — Westwind" wurde erst 
veröffentlicht, als sie 38 Jahre 
|alt war, aber an ihrem 80. Ge- 
burtstag im vorigen Jahr waren 
es 85 Romane und Sammlungen 
von Kurzgeschichten, und 25 
weitere Arbeiten von ihr lagen 
bei ihrem Verleger vor. Der zwei- 
te Roman, den Pearl Bück 
schrieb "The Good Barth" wurde 
mit dem Pulitaer-Preis ausge- 
zeichnet, und 1938 erhielt sie den 
Nobel-Preis für Literatur. 

Pearl Bück wurde am 26. Juni 
1892 in Hillsboro in West Virginia 
geboren. Sie war erst drei Monate 
alt. als sie mit ihren Eltern Ab- 
salom Andrew und Caroline Stult- 
ing Sydenstricker, die beide Mis- 
säonare waren, nach China ging, 
und sie sprach chinesisch bevor 
sie englisch si5Vechen konnte. Im 
Alter von 16 Jahren kam Pearl 
Bück »urück nach Amerika. 1917 
gäng sie wieder, diesmal mit ih- 
rem Gatten John Lossing Bück, 
nach CQiina. wo sie in Nanking 
englische Literatur an der Uni- 
versität lehrte. 

Ihren grössten Erfolg errang 
sie dann mit "The Good Barth". 
Dieser Roman war 21 Monate 
lang aaif der Besteeller-Liste, 
wurde in 30 Sprachen übersetzt, 
wurde als Film gedreht mit Paul 
Muni, als Theaterstück am 
Broadway aufgeführt und mach- 
te Pearl Bück finanziell unab- 
hängig und dadurch zwr Philan- 
thropin. Ihre Haupteorge galt 
Kindern von asiatischen Frauen, 
die als Väter amerikanische Sol- 
daten hatten. Und für sie, die 
sicih ihr Leben lang für die 
Freundschaft zwisc hen Amerika 

Professor Adolph Lowe 

80 Jahre alt 

Am 4. März beging der weit j 
•über Fachkreise hinaus bekann- j 
te, in Stuttgart geborene Wirt- 
^ schaftler und Soziologe Adolph , 
Lowe seinen achtzigsten Ge- 1 
burtstag. Professor Lowe hatte 
Bwi.schen 1919 und 1926 dem i 
deutschen Arbeits- und Wirt- , 
Schaftsministerium in führen- 1 
den Stellungen angehört und i 
hat in den darauffolgenden Jah- 
ren an den Universitäten Kiel 
•und Frankfurt gelehrt. 1933 er- 
hielt er einen Ruf an die Univer- 
sität Manchester in England. 
1940 kam er nach USA, wo er 
dem Lehrkörper der New School 
lor So<'ial Research beitrat. Er 
hat zahlreiche Werke auf dem 



und China bemühte, war die 
Aufnahme der Beziehungen zwi- 
schen den beiden Staaten eine 
grosse Genugtuung. 

Pearl S. Bück ist in den Sielen 
gestorben. Vor kurzem vollendete 
sie ein Kinderbuch und in ihren 
letzten Monaten arbeitete sie an 
zwei Romanen, von denen der ei- 
ne "The Red Barth" das Schick- 
sal der Nachkommen der Men- 
schen schildert, die in ihrem 
Buch "The Good Barth" die 
Hauptpersonen sind. M.J. 



Alfred Panofsky 
gestorben 

Zu keiner Zeit seines Lebens 
hat Alfred Panofsky, der ehema- 
lige Berliner Privatbankier, im 
Rampenlicht der Öffentlichkeit 
gestanden 'und stehen wollen). 
Er lebte zurückgezogen, wie einst 
in Berlin, so auch in den Kriegs- 
jahren in London und zuletzt 
auf dem LanÜc in Arizona. Dort 
ist er. ein Siebziger, kürzlich ge- 
storben. Wo immer er gemein- 
nützig-hilfreich wirken konnte, 
geschah es ganz persönlich und 
unauffällig. Wer in Berlin wusste 
schon, dass er Teilhaber des 1818 
gegründeten «und Anfang 1938 
"arisierten") Bankhauses Jac- 
quier & Securius war geschweige 
denn, dass er schon vor 1933 
Hauptvorstandsmitglied des Ceri- 
tral-Vereins war und in schwieri- 
ger werdenden Zeiten dessen be- 
währt-er Schatzmeister und Bera- 
ter? Alfred Panofsky, ein natur-, 
kunst- und reiseliebender Mann, 
gehörte in erster Linie seiner Fa- 
milie und seinen Freunden, die 
in aller Welt um ihn trauern. 

egl. 




Jüdischer Friedhof 
in Köln-Deutz 



Gebiet der Volk.swirt-schaft und ohne «eeeres mogl.ch ^t 



"Ich kenne den alten jüdi- 
schen Friedhof in Köln-Deutz 
sehr gut, da sich die Gräber mei- 
ner Grasseltern dort befinden. 
Zu der Beschwerde von Herrn 

Seit Über 30 Jahren finden auf 
diesem Friedhof keine Bestat- 
tungen mehr statt. Es gibt kaum 
noch Angehörige der dort ruhen- 
[den Toten. . ,, 

Nur weil diese Graber "ewig 
.sind fand Herr Kratz die Gräber 
I seiner Angehörigen noch vor. 
I Doch auf jedem Friedhof der 
I Welt muss man sich um die 
1 Grabpflege entweder selbst küm- 
mern oder aber einen Grabpfle- 
gevertrag abschliessen, was 
durch die hiesige jüdische Ge- 
meinde seit sicherlich 20 Jahren 

Ich 



Jung geblieben 

Anneliese Landau 70 Jahre 

Wie wenig Dr. Anneliese Lan- 
dau, die seit 30 Jahren in Los 
Angeles wirkende Musikwissen- 
schaftlerin, in Deutschland ver- 
gessen ist, beweist der Umstand, 
dass vor kurzem zwei ihrer Arti- 
kel aus den dreissiger Jahren, 
nämlich in Karla Höckers Büch- 
lein "Hau.skonzerte in Berlin" 
veröffentlicht wurden. 

Genau so wie von ihren allge- 
meinverständlich gehaltenen 
Aufsätzen so war ihr früheres 
Publikum, in Berlin und im Lan- 
de, angetan vom Charme ihrer 
Vorträge über Musikgeschichte, 
der Werkinterpretation und der 
Komponisten-"PorträtieTung". Es 
waren kleine Meisterwerke, die 
nur vollbringen konnte, wer das 
Gebiet und die Kunst der dLszi- 1 
pliniert-freien Rede mühelos be- 
herrscht. Solche Erinnerungen 1 
gehen in die Zeit zurück, als Ver- 
anstaltungen der jüdischen Kul- ' 
turbünde in Deutschland für 
viele Menschen zur einzigen 
Form der geistigen und seeli- 
schen Entspannung wurden. 

Anneliese Landau betreibt Ih- 
re gehobene Musikbildungsar. 
beit seit drei Jahrzehnten in und 
von Los Angeles au.^;. Sie leistet 
sie nicht nur im jüdischen Be- 
reich, in dem sie lange die Leite- 
rin der Musikarbeit mehrerer Ge- 
meindezentren war, sondern vor 
allem im allgemeinen Volkshoch- 
Schulwesen. Ihre Klassen und | 
Kurse wie "Von Monteverdi bis i 
Mozart", "Das Zeitalter der Ro- 1 
mantik", "Geschichte der Kla- 
viermusik unter Einschluss der 
Moderne", finden immer mehr 
Zuhörer, und ihr fachliterari- 
sches Schaffen über die Stilge- 
schichte des Liedes, über jüdi- 
sche Komponisten und Dirigen- 
ten im deutschen Kulturkreis 
und über den Beitrag jüdischer, 
namentlich israelisc^her. Komix>- 
nisten zur modernen Musik, ist 
von grosser Bedeutung. — Ihr 
Aufgehen in ihrem Beruf hat 
Anneliese Landau, die am 5. 
März 1903 in Halle/Saale geboren 
I wurde und im Berliner Rund- 
I funk während der Weimarer Re- 
I publik arbeitete, aktiv erhalten. 

£. G. Lowenthal 



Gustinus Ambrosi 
80 Jahre 

Seinen 80. Geburtstag feierte 
dieser Tage der Bildhauer und 
Dichter Oustinus Ambrosd in 
Wien. Er wurde 1893 in Eisen- 
stadt geboren und war schon als 
Kind aussergewöhnllch musika- 
lisch. Doch Im Alter von sieben 
Jahren wurde er taubstumm. In 
den Jahren 1901 bis 1906 besuch- 
te er die Taubstummenanstalt 
in Prag und studierte in den 
nachfolgenden Jahren an der 
Prager Kunstgewerbeschule und 
der Grazer Staats.gew erbeschule. 
Seine Arbeiten umfassen vor al- 
lem Porträtbüsten und Aktfigu- 
ren. Seine grossen Aktdarstellun- 
gen verkörpern zeitlose Themen 
menschlicher Tragik, wie zum 
i Beispiel "Ikarus", "Kain" oder 
I "Orpheus". Ebenso schuf Ambrosi 
zahlreiche Porträtbüsten be- 
' rühmter Persönlichkeiten, dar- 
unter Rilke, Stefan Zweig. Anton 
Wildgans, Clemenceau, Pius XII., 
Kardinal Innitzer, u.a. 




America' $ Largesl German Langua^e Nt*ipapef 

2121 Eroodway, N«w York,N.Y.l0023 

Phen«i (212) T» 3-7400 

C«bU Addr«itt Aufbau New York 

Hani Steiniti, Editor 

Ludwig Wronkow, Ex«cü»iv« Editor 

John M. Horold, Advrtiiing Managor 

Wolter Ikioc, Cireulafion Monagmr 

Board of Dir«ctor%: 

Dr. Norbert Goldenberg, 

Pr»sid9nf and PuhHsh»r 

Jerry Brunei!, Chairman 

Eiste Frank, Vice President 

Werner A. Stein, Budget Diredor 

Werner D. Wohl. Direcfor 

Manfred George. Edifor I939-I9A5 

Ludwig Loewenitein, Presidei\f 1952 ? 966 

Michoel Schnaittacher, Jreasvrei 1934 1972 

Hellmuth Kohn. ChaiVmon 1968-1972 




Entered aj secoixf-class matler January 30, 1940, 

at N Y Post Office and at additionai maillrtg officc 

under Act o* March 3. 1879. 

Reg. U.S. PaL Off. No. 422,891. 

A OlvJjton of New World Club, Inc. 

Copyright 1973 by New World Club, Inc. 

Type sei br West End Prinling Corp. 
ADVERTISING RATES ON APPLICATIOII 

Vol. XXXIX— No. 11 Marcli 16. 1973 

442 



New Yorker Stadfchronik 

iimniiHmiiuHiiiiMiiiiiiniiiimuMiiiiiuniiininiiiiiiiiiiiiiHiiiiHnimimiiiininiiiiiiiiim 



Wir trafen in New York: 



Soziologie veröffentlicht und 
■wurdelm Jahre 1953 Ga.stprofes- 
sor an der Hebräischen Univer.si- 
tat in Jeru.salem. Ausserdem war 
er mehrere Jahre lang Leiter der 
For.schung.sarbeiten des In.sti- 
iute for World Affairs in New 
York. 



kann nicht verstehen, dass Herr 
Kratz nach seinem Besuch hier 
traurig davon gefahren ist, oh- 
ne einige Stunden damit zu ver- 
bringen, die Grabstätten seiner 
Eltern wenigstens etwas zu säu- 
bern." 

Edith Kasper, Köln 



Streng Tw- Passover Cruise 

nach den Caribbean 

mit allen traditionellen Gebräuchen. 

16. April von New York mit der TSS Queen Anna Maria. 
1 1 Tage nach San Jüan, St. Thomas, Aruba, Coracao. 

Dies* iri.ilit.on«IU- ( i uise der (;rrrk Line ist einem firiuligen und ge- 
n-nrnm Einhalten der ganzen re.s...arh Feiertage gewidmet. Bin Rabbmer 
und ein Kantor worden auf dem S<hiff sein. D.e S. honheit der traditio 
Hellen Seders. koM here Malil/eiten für Pessach. die in unserer Kashruth 
Kuehe v«,rbereltet sind; alles unter AufM«ht eines Rabbiners. Spezial- 
preise für Kinder die ganze Kamille ist am Feiertag zusammen. Kari- 
biMhe naf<n. die releh «ind an jüdischen Sitten. Und die herzliche V.hhX 
iMhkeit der (;rie. hen. die Ihren IVs.saeh nueh verschönert. Auf der voll- 
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in Philadelphia 

Im Philadelphia Civic Center 
Museum ist eine vom Memorial- 
komitee für die sechs Millionen 
jüdischen Märtyrer veranstalte- 
te Ausstellung "The Holocaust 
and the Resi.stance" eröffnet 
worden, die bis Ende März füx 
das Publikum geöffnet bleiben 
soll. Die ausgestellten Photogra- 
phien wurden im wesentlichen 
vom Yad Vajshem, der Gedächt- 
nisinstitution in Lsrael für die 
Nazi- und Krieg.sjahre, zur Ver- 
fügung gestellt. Die Ausstellung 
zahlt aber auch ihren Tribut den 
dänischen (und anderen) Wider- 
standskämpfern, die viele jüdi- 
sche Menschenleben zu retten 
vermochten. Anlass au der Aus- 
stellung ist die dreissigste Wie- 
derkehr des Jahrestages des jüdi- 
schen A'tifstandes im War- 
schauer Getto. 



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AusfuhrunK ßiös.serer Stan/aufti äKe. 



Ehemalige Senatorin 
Ella Kay aus Berlin 

"New York und Berlin haben 
so vieles gemeinsam im 'Besser- 
machen-wollen' " sagte Ella Kay, 
als sie — diesmal nicht auf 
Dienstreise — dieser Tage wie- 
der einmal in der Stadt weilte, 
in der sie oft Anregung und Vor- 
bild für ihre Arbeit fand, in der 
sie die Bürgerinitiative bewun- 
derte und mit der der Berliner 
verglich und die für sie so leben- 
dig und vital geblieben ist wie 
eh und je. 

j Ella Kay gehörte, ähnlich wie 
' die verstorbene Berliner Bürger- 
' meisterin Luise Schröder, zu je- 
! nen beherzten, zupackenden 
! Berlinerinnen, die nach dem 
'Krieg vom Volksmund als 
"Trümmerfrauen" bezeichnet 
wurden. Aber Ella Kay war noch 
viel mehr; und das werden nicht 
nur die nie vergessen, die ihr 
das Leben zu verdanken haben. 
Es war 1943. Ella Kay war seit 
langem in Widerstandsgruppen 
aktiv gegen die Machthaber des 
"Dritten Reiches" und vor allem 
gegen die Verfolgungen der Un- 
bequemen und Ausgestossenen. : 
1 Als sie selbst auf der schwarzen 
Liste stand und ihre Wider- 1 
' sUndsarbeit bedroht war, goss ; 
1 sie sich heissen Teer über Han- 
de und Füsse. um für einen lan- 
gen Krankenhausaufenthalt 
den Verhören der Gestapo zu ^ 
entgehen und damit den Ver- ^ 
folgten Zeit zur Flucht zu geben. , 
Es war die Hoffnung auf ein ; 
anderes, besseres Deutschland. ! 
die sie auch in ihren schlimm- 
sten Schmerzen aufrecht hielt. 
Nach dem Krieg gehörte sie zu 
den Ersten, die mithalfen, eine 
bessere Zukunft aufzubauen, als 
Senatorin und als Leiterin des 
Berliner Jugendressorts, aus 
dem sie erst 1962 durch Pensio- 
nierung ausschied. Doch ihr Be- 
mühen um eine Verbesserung 
der Altersfürsorge und einer ge- 
zielten Jugendarbeit hat sie 
auch heute noch nicht aufgege- 
ben, treu ihrem Motto: "Andern 
helfen ist eine Dauer-Aufgabe . 
Marino II. Wulff 



Louis Moreau Gottschalk 
neu entdeckt 

Im Musicale des New Yorker 
Liederkranz sPielte Amiram Ri- 
gai. in Tel Aviv geborener israe- 
lischer Pianist, vier Stücke des 
amerikanischen Komponisten 
Louis Moreau Gottschalk, die 
vom Publikum enthu.'^iastisch 
aufgenommen wurden. Der 1829 
in New Orleans geborene Gott- 
schalk — der. nur vierzig Jahre 
alt, als Opfer des Gelbfieber auf 
einer Konzerttournee in Rio de 
Janeiro starb — war Amerikas 
erster zu internationalem Ruhm 
gelangter Komponist, dessen 
Werke nach seinem frühen Tode 
auf lange Zeit in Verge.ssenheit 
gerieten und erst in unserer Zeit 
wieder neu entdeckt wurden; 
Rigai. der 1967 eine Gottschalk- 
Schallplatte aufnahm und vori- 
ges Jahr Gottschalks Buch 
"Compositions for Pianoforte" 
neu herausgab, gehört zu Gott- 
schalks wichtigsten Förderern 
und Interpreten. 

Gottschalks jüdischer Vater 
war aus England in Amerika 
eingewandert, seine Mutter war 
Französin. Seine musikalische 
Begabung trat frühzeitig zuta- 
ge; dreizehn Jahre alt wurde er 
zur musikalischen Au.^bildung 
nach Paris geschickt. In seinen 
Kompositionen mischen sich die 
kreolischen und lateinamerika- 
nischen Melodien und Neger- 
rhythmen seiner engeren louisia- 
nischen Heimat mit den Einflüs- 
sen der europäischen romanti- 
I sehen Schule, die er in Paris ken- 
i nen lernte. Nach Abschluss sei- 
I ner Studien war und blieb er 
'ein Bewohner der Neuen Welt, 
I mit zahlreichen Konzerten in 
den Vereinigten Staaten. Kuba 
; und auf anderen Inseln im Ka- 
ribischen Meer; auf diesen In- 
, sein lebte er lange, um der dort 
entwickelten einheimischen mu- 
sikalißchen Atmosphäre nachzu- 
I gehen. Seine Werke wurden viel 
I gespielt; aber nach seinem Tode 
I wurde seine kreolisch-südländi- 
I sehe Musikspezialität von ande- 
ren, moderneren Musik.schöp- 
fungen verdrängt und geriet, 
bis zur jetzigen Neuentdeckung, 
in fast völlige Vergessenheit. 

m. scb. 



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Will« Du wiwen, wie m.n Schulden tilgt in NiederlindiMh- 

oder w". min Fussballipiele liebt in Santiago (Chile)? 

Und ZZ i»t .in "Kohlenklau"? "Aufbau" sagt .. D.r gen.«. 



An den Regierungsgebauden m 
London Whitehall flattern die Fah- 
nen der neuen EWG-Staaten. Die 
Srmsche Regierung hat versucht; 
durch Bereitstellung erheblichei 
Slder und mit den Aufwendungen 
europäischer Länder, die die Aus 
tandsreisen ihrer Orchester subven- 
üoi^erten. die Volksbegeistenmg 
für das .grosse" Europa anzufa- 
chen Nicht nur für den kulturel- 
len Geschmack der verwöhnten Mi- 
norität ist gesorgt worden mii 
OtSmgala. Konzerten. Dichterlesun- 
ge^ sondern auch für die Belusti- 
!uncx der Massen mit Gewichtehe- 
S^n: Ringkämpfen, Fvissball. Leicht- 
athletik und europaischen Kocn 
kSl^ten in den A--tellungszentreii 
der Elektrizitäts- und Gaswerke 
überall im Inselreich. 

Die Briten aber haben mit ge- 
wohntem Phlegma achselzuckend 
rea-iert. Gleichgültigkeit oder Über- 
säUi-ung? im unaufhörlichen un- 
?be hörSaren Kulturzirkus Londons 
mussten Ereignisse mit europai- 
scher Note 'oeinahe unbemerkt blei- 
Sn Denn was ist „europaische 
Note'"' - Etwa ein Konzert der 
Berliner Philharmoniker mit einem 
sattsam l^ekannten - wenn auch 
ToSch gespielten - Beethoven 
nrooramm? Oder d^s Concertge 
bouw Orchester aus Holland mit 
einer raffinierten Auswahl europai- 
scher Musik des 18. Jahrhunderts, 
'espielt auf Originalinstrumenten 
•der Zeit'' Vielleicht eine Auswahl 
europäischen modernen Design^ 
oder antike Möbel, Schmuck, Por- 

NACHTRACi ZU 

,^LBUrVI 25 JAHIU ISR/VKI/ 

Das Vorwort für dies^^s Album 
schrieb Innenminister Dr. .losr. 
Burj;. 



z^llan in den führenden Kunst - 
auktionshäusern ? 

im Victoria- und Albertmuseum 
wurde jedoch Neuartiges inszeniert: 
eine Zurschaustellung von neun ein- 
zigartigen Kunstschätzen - f'^^' 
\e Nation, um die gemeinsame Tia- 
dition. die gemeinsamen Interessen, 
die Übereinstimmung zumindest m 
Kunst und Kultur zu unterstrei- 
chen. Gedämpft angeleuchtet ru- 
hen diese Schätze i^ samtdunklen 
Nischen einer besonderen Schatz- 
kammer. Dänemark ist mit zwei 
Bronzetrompeten heidnischer Vor- 
zeit vertreten. Irland zeigt einen 
Kelch, der erst vor emigen Jahren 
in einem Feld entdeckt -,Amrde und 
der trotz elementarer Einfachheit 
so erhaben schön ist, dass er der 
authentische Gralskelch aus christ- 
lichen Anfängen sein konnte. 

Deutschland prunkt mit ^^dem 
verschnörkelten „Kaiserbecher aus 
dem Berliner Kunstgewerbe - Mu- 
seum; Luxemburg behauptet sich 
mit einer handschriftlichen illumi- 
nierten Bibel des 11. J^^^rhunderts 
aus der Abtei Echternach; ein Fem- 
brandt verficht Hollands Anspnich. 
ein Rubens den Belgiens; Fiank- 
reich wirbt mit Georges de la 
Tour's „Falschspieler", Italien mit 
einer Michelangelo-Büste und Gross- 
britannien sieht sich in „Rennpfer- 
den" des Pferdemalers Stubbs. 

Die Ausstellung „Impressionisten 
m London" in der Hayward Gp.I- 
lery bietet ein unvergessliches E - 

lebnis. Monets, ^]!^^'l'''^ .^"^^ 
imd Derains Eindrucke Londons 
sTnd hier vereint, und die scnopte- 
rischen Anregungen, die ihnen das 
seltsame L.cht der Metropole und 
seine malerische Gestalt in Gemal 
den der britischen Meister Turner 
und Constable vermittelten. Im be- 
sC Sinn eine wahrhaft europai- 
sc-he Ausstelhmg. ^^^^^ ^^^,^^, 



talwert des Grundstücks. Da aoei 
die Bewertungen in der Mandats- 
z^it iTieist zu niedrig waren ist 
der Jahresertragswert zunacnst um 
•iO«/o zu erhöhen. Wenn die Ein- 
fchätzung aus den Jahren 1944 bis 
1946 ist, beträgt der Zuschlag dO'^o, 
i^d wenn die letzte Einschätzung 
^ch älter ist, werden 60^0 z^ge^ 
schlagen. Nachdem das englische 
Pfund heute IL 10.50 wert ist wird 
der errechnete Wert nochmals mit 



überzahlte Beträge ^^ückgefordert 
und zurückgeklagt werden können. 
Es ist durchaus denkbar, das^ 
die Diskussion um die Prinzipien 
dieses Gesetzentwurfs nicht nur m 
der Knesset, sondern auch m de^ 
breiten Öffentlichkeit sehr grund^ 
lieh geführt werden wird und dass 
ISolgedessen das endgültige Ge^U 
erheblich anders aussieht als der 
jetzt vorgelegte Entwurf. ^^^^^^ 



Franz Oppenheimers Werk 



Als im Jahre 19f>4 die akademi- 
schen Gedächtnisfeiern ^^If^sslicn 
des 100. Geburtstages Franz Oppen- 
f^atmers stattfanden, wandten sich 
alv unterzeichnete und cue iDeiden 
SöUe von Prof. Frai^ Oppenhei- 
mer an den Schriftsteller G. Kres- 
^el der bereits früher Aufsatze 
•LlSr oppenheimer veröffentlicht 
h^te. mit^der Bitte, eine hebi-ai- 
sche Biographie über ihn zii ver 
fassen, um auch d.r israelischen 

Jugend ein Bild ^'^'^^fj"^^^;^ 
mers für den Aufbau des Landes 
si wichtige Tätigkeit zu vermitteln 
vor einigen Monaten, genau -0 Ja - 
re nach Oppenheimers Emtrit m 
die zionistische Bewegung, erscaien 
nun das Buch ^^)!2 ,-iD^>n?o^N >(no.. 

Kressel zeichnet getreu den Wer- 
deoang Franz Oppenheimers. der ei- 
nem assimilierten Hause ents amm- 
le. aber den Weg zu Herzl und 
dem politischen Zionisnnis fand 
Der Verfasser beschreibt die nicht 
allzu bekannte Tatsache, wie es 
Oppenheimer gelang. Herzl zur Be- 
fürwortung der Ansiedlung im He - 
licron Lande noch vor der öffentli- 
chen Anerkennung dieser Bestre- 
bungen zu brnigen. inlc^lge f s g.|- 
meinsamor, Wirkens l^Mdoi ent- 



stand zur zeit der Zweiten Alijah 
im Emek Merchawiah als erste An- 
siedlung auf Ge^^einschaftsbasis 

Oppenheimers Weg und dei Wer- 
de-ang Merchawiahs bis zur Auf- 
fös^m- der Kooperative zu Begmn 
des zweiten Weltkrieges werden 
ern.ehend imter Zugr.mdelegiing e - 
ner Fülle von Material geschildert. 
Sas i^ Buchen., in hebräischen 
und ausländischen Zeitungen und 
Zeitschriften veroifentlica. w-iTde 
Auch reichliche, 'bisher unyeroffent^ 
liehe Quellen hat der Verfasser zu 
seinem Werke benutzt. 
^'Tuf Grund des der Komnnssion 
für den Literaturpreis auf den Na- 

üi^\^Sangenen Jahr ein Preis zu- 

'^" Orientierung der früheren 
Schüler und freunde von Fra^ 
Oppenheimer sei bei diesei Ge e 
<4nheit mitgeteilt, dass vor ca. zwe 
Ja u-en in Ramat Aviv nahe dei 
Un Jsitär eine Strasse nach ihm 
b^innnt wurde. Die Namenskom- 
SSi!en der Städte Ramat Gan 
und Natania beschlossen be^^t^ 
entsprechende StrassenU^iennungem 

mch der Kommission der Staat 
Haifa hegt ein dahingehender An 



i •amstag/Sonntag, 2./3. September 1972 

k ^ T iT-i -i-n ■ ^ I i^M 

r 



FEUI 



RUDOLF GOLDSCHMIT 



/ 



/ 



Anwalt des freien Geistes 

Zum 100. Geburtstag des Romanisten Karl Voßler 



Einen Mann wie ihn hat es in der Münchner 
Philosophischen Fakultät also wirklich ge- 
geben: den Gelehrten von Weltgeltung, der 
zugleich ein Herr von Welt war; den Professor, 
der sich, auch in politischen Fragen, als Beken- 
ner bewährte; den Philologen, sprach- und 
grammatikkundig wie nur einer, der dabei das 
absolute Gehör für jeden Hauch von Poesie be- 
saß (und der als Übersetzer selbst zum Dichter 
wurde); den aufgeklärten Souverän in seinem 
geistigen Reich, der öffentliche Ämter und 
Pflichten nicht scheute, der jedoch, als man ihn 
■wieder entließ, unverdrossen zu seinen Büchern 
heimkehrte und noch einige seiner schönsten 
Arbeiten schrieb. Karl Voßler — von wem als 
von ihm kann die Rede sein — ist am 6. Septem- 
ber 1872 in Hohenheim bei Stuttgart geboren, 
und wenn die Fakultät, der er von 1910 bis 1937 
angehörte, jetzt seines 100. Geburtstags gedenkt, 
so wird sie das nicht nur mit Stolz, sondern wohl 
auch etwas kleinmütig tun müssen; denn wer 
könnte sich heute mit einer Gestalt wie der sei- 
nen messen? 

Sdion sein Auftreten, seine äußere Erschei- 
nung erzwangen Respekt, sie wurden oft be- 
schrieben. Groß, dunkel, schlank, wirkte Voßler 
„in seiner grandiosen Nonchalance wie ein süd- 
ländischer Grande", lesen wir etwa; „wenn er 
mit seiner sonoren schwäbischen Stimme mühe- 
los seine schönen, ebenso anschaulichen wie tie- 
fen Sätze prägte, hatte er etwas von einem rit- 
terlidien Troubadour der Wissenschaft". Man 
rühmte seine Gentilezza oder „die durch Urbani- 
tät und Humor gemilderte, durch Artigkeit 
und Wohlgeartetheit zu sich verführende Stren- 
ge eines reifen männlichen Geistes". 

In den zwanziger Jahren, als er gleichzeitig 
mit dem alten Wölfflin in München las, muß sei- 
ne Wirkung — weit über die Hochschule hinaus 
— gewaltig gewesen sein, gerade weil er's kei- 
neswegs auf den Effekt angelegt hatte. Aber wer 
auch nur noch nach 1945 erleben konnte, wie 
Voßler als erster Nachkriegsrektor, durchaus 
nicht „autoritär", doch mit unbezweifelbarer, 
durch seine Person legitimierter Autorität, zu 
den Studenten sprach (und nebenbei wohl auch 
Kollegen oder Ministerialen die Leviten las),; 
wird die ernste Eindringlichkeit seiner Rede, 
diese Mischung von Würde, Mut und Humor, 
nicht vergessen haben — auch wenn Ältere mei- 
nen, da habe er schon begonnen, die Fäden, die 
ihn mit d?r Welt so vielfach verknüpft hatten, 
leise zu lösen; an einer schweren Krankheit ist 
er 1949 gestorben. 

Was er in der Geschichte seines Fachs, der ro- 
manischen Philologie, bedeutet, braucht hier 
nicht ausgebreitet zu werden. Zwei große Re- 
präsentanten hatte damals die Romanistik in 
Deutschland: Voßler und Ernst Robert Curtius. 
Von ihnen war Curtius der um vierzehn Jahre 
Jüngere, und um eben diese halbe Generation 
scheint er dem Heute näher. Curtius wandte sich 
dem europäischen Roman von Balzac bis zu Joy- 
ce zu, während Voßler den „berufsmäßigen Her- 
stellern von Romanen" noch ins Ohr flüstern 
mochte, „daß eher ein Reicher in den Himmel 
kommt als einer von ihnen zu der reinen Dich- 
tung". Curtius blieb, auch als seine Forschung 
immer mehr dem europäischen Mittelalter galt, 
temperamentvoll für die Wortführer der Pariser 
Moderne wie etwa Cocteau interessiert, wohin- 
gegen sich Voßler zur barocken „Poesie der Ein- 
samkeit in Spanien" hingezogen fühlte. Curtius, 
der Analytiker unter den beiden, ging auf Fak- 
ten und einzelne Bezüge aus, wo es Voßler, dem 
philosophischeren, um „Sinn" und „Figur" zu 
tun war. 

Begonnen hatte der junge Voßler einst mit der 



Attacke gegen eine Philologie, die, im Schlepp- 
tau der Naturwissenschaften, sich positivistisch 
mit dem Herausfinden von exakten phoneti- 
schen oder grammatischen Regeln und Gesetzen 
begnügte; auch Dichtung sollte da als Resultat 
von Quellen und Einflüssen erklärt werden. Ge- 
gen solchen Positivismus verfocht Voßler einen 
neuen „Idealismus". Er verstand die Dichtung, ja 
selbst die Sprache auch als Schöpfung der Phan- 
tasie und des freien Geistes und knüpfte, über 
den Materialismus der Gründerzeit zurückgrei- 
fend, an die Sprachphilosophie Wilhelm von 
Humboldts an. Mag sein, daß heute, da die Frage 
nach der „Struktur" und der sozialen Basis die 
Interpretation der Sprache beherrscht, der 
Rückgriff auf den deutschen Idealismus nicht 
gerade zeitgemäß erscheint; doch Voßlers Über- 
windung jener „Lautverschiebungsphilologie" 
hat zu ihrer Zeit Geschichte gemacht und wirkt, 
wie alles geschichtlich Produktive, weiter. 

Sein philosophischer „Lehrer" war der italie- 
nische Hegelianer Benedetto Croce, mit dem 
Voßler eine lebenslange Freundschaft verbinden 
sollte — und ein Briefwechsel, der zu den bewe- 
gendsten Dokumenten der europäischen Geistes- 
geschichte in der ersten Jahrhunderthälfte ge- 
hörte. Einer der Briefe Croces aus dem Jahr 
1941, als der Italiener längst isoliert und sein 
deutscher Freund aus allen Ämtern entlassen 
war, endet mit dem Satz: „So schlage ich mich 
mit ernstlichem Denken und ernstlicher Arbeit 
in diesen Jahren durch, die andernfalls allzu 
schmerzlich und quälend wären. Du hältst es 
ebenso, denn Du bist auch von der alten Genera- 
tion". Und an diesem Brief, der im Krieg von 
Neapel nach München geschickt wurde, klebte 
einen Zettel von unbekannter Hand: „Der Zensor 
verneigt sich in Verehrung vor Croce und vor 
Voßler". Auch das, immerhin, gab es damals. 

Die Gegnerschaft der Nationalisten hatte sich 
Voßler, der .schwäbische Demokrat, schon lang 
vor 1933 zugezogen. Wie er sich in seiner Sprach- 
theorie zum Anwalt des „freien Geistes" ge- 
macht hatte, so auch in der politischen Arena. 
Als Rektor der Münchner Universität belehrte er 
/1926 die studentischen Korporationen, die den 
' Ausschluß ihrer jüdischen Kommilitonen er- 
zwingen wollten, daß die Rasse „ein zoologi- 
sches, kein humanes Argument", aber „eine Uni- 
versität keine Menagerie" sei. Und er warnte, 
„solange man es noch öffentlich aussprechen 
darf", vor der lieichtigkeit und Feigheit, die In- 
telligenz zu maßregeln, und vor der „verbreche- 
rischen Pfuscherei jeden Versuchs einer Kultur- 
diktatur". Ein Jahrzehnt später, als dergleichen 
nicht mehr öffentlich ausgesprochen werden 
durfte, erhielt Voßler für solche Worte die Quit- 
tung. Unter beschämenden Umständen wurde 
der Münchner Ordinarius für Romanistik entlas- 
sen. 

Voßlers gelehrte (und auf einer hohen Stufe 
sogar „unterhaltende") Arbeiten sind bekannt 
und jedem Interessierten erreichbar: etwa seine 
Monographien über Racine, Tirso de Molina oder 
Lope de Vega, die Thomas Mann ihres „kriti- 
schen Frohmuts" wegen lobte; seine Essays aus 
der romanischen Welt; seine sprachgeschichtli- 
chen Darstellungen; vor allem auch seine Dante- 
Übersetzung, von der Hausenstein rühmend be- 
kannte, sie sei die erste, mit der er weiterkom- 
men werde, denn „sie ist von vollendeter Ver- 
ständlichkeit im Sachlichen". Kaum jedoch weiß 
man heute noch, in welchem Ton Karl Voßler 
sich 1927 in einer zur Reichsgründungsfeier fäl- 
ligen Rektoratsrede zu äußern wagte; an diese 
Rede, eine Warnung, vor den überhandneh- 
menden politischen Mythen, sei deshalb hier er- 
innert. 



KARL VOSSLER 

liehen Regenwetter. P| 
zerren wir die Gestall[ 
ner und Feldherren zil 
tern und Raubtiere n ul 
lichkeit, gerade das, \| 
von ihnen zu lernen: 
senheit und das umsil 
fühl . . . 

An zahllosen Bier-l 
man seufzen hören, vj 
bar unsauber doch 
seien, wie unwahr dJ 
Kabinette, wie gemeinl 
dünkt sich, indem maif 
geistig für die Politik, 
mutig, bequem, unlusj 
fen und Dienen am 
noch nicht einmal zil 



FRIEDRICH 



Der 

schlu 



Die Grotesk 



An den Wiener Grotc 
Begabungen des Wie 
bei Zsolnay erschein] 
leicht gekürzter Einlj 



KARL VOSSLER 



Wider die 



Peter Hammerschi 
Franz Josephs gel 
Adolf Hitlers naj 
hörte zu den originell 
Wien der Ersten Repu| 
ren 1928—1938, zwiscf 
hin und her pendelte! 
Jahrzehnte früher aufl 
hätte sich in der Grot( 
Morgenstern und Jo| 
sicheren Platz erworl 
heute nur noch ein pal 
Gefährten seines ein( 
literarische Feinschi 
weihte von früher hei 
verschollen, sein Nam^ 

Hiermit wird der vj 
sem in jeder Hinsicht 
Ende zu setzen. 

Es ist ein Versuch| 
liehen, aber doch mit 
ich soeben sein „Werk] 
er selbst, kodifizierter 
turhistorischen Ambil 
mals so genannt hätt(( 
nur zu geringem Teil 




3lc«f ^Siirdio Jcitiinft 



HINWEISE AUF BÜCHER 



Donnerstag. 14. Dezember 1972 Fcmausgabe Nr. 343 53 4 



Neue Werke zur Geschichte der arabischen Well 



[ 



A. H. Die Geschichtschreibung der arabischen 
und der gesamten islamischen Weh ist im deut- 
schen Sprachraum in den letzten Jahrzehnten 
eher vernachlässigt worden. Man hatte Facharbei- 
ten in Einzelgebieten veröffentlicht, jedoch die 
Gesamtdarstellung der islamischen Geschichte 
schien sich immer noch m erster Linie von den 
Leistungen der Spätromantik und des frühen 
Positivismus zu nähren. Diese für ihre Zeit sehr 
beachtlichen Werke hatten im wesentlichen aus 
der mehr oder minder kritischen Nacherzählung 
der orientalischen Quellenwerke, besonders der 
großen Chroniken und Geschichtskompilationen 
der klassischen und nachklassischen Epoche, be- 
standen. Auf diese Art und Weise war eine oft 
prall gefüllte und in ihrer Vielheit der wenig ver- 
trauten Namen und Ereignisse eher unübersicht- 
liche Geschichte der Persönlichkeiten und Kriegs- 
taten entstanden. Denn die erzählenden orientali- 
schen Quellen sind meist geschrieben, um Persön- 
lichkeiten und ihre Taten im Gedächtnis der 
Nachwelt festzuhalten. 

Der Hintergrund, vor dem sich Kriegstaten 
abspielen und Herrscherfiguren auftreten, ist dem 
Chronisten oft so geläufig, ja selbstverständlich, 
daß er höchstens beiläufig einmal diese oder jene 
Einzelheit der politischen oder wirtschaftlichen 
Strukturen, der sozialen Gruppierungen oder 
Ausrichtungen erwähnt. Doch gerade die Hinter- 
grundfragen interessieren uns heute: die ideologi- 
schen und Meinungsströmungen; die Stammes- 
gruppierungen und sozialen Schichtungen mit 
ihren Antagonismen und den Gründen der 
Gegensätze; die wirtschaftlichen Grundlagen 
eines Machtanstieges oder -Zerfalls; die politische, 
bürokratische, wirtschaftliche, militärische Orga- 
nisation der Reiche; die Gründe ihrer jeweiligen 
Veränderungen und ihres endlichen Zerfalles; ge- 
lungene oder mißlungene Reformversuche; kurz 
die konditionierenden Faktoren, ohne deren 
Kenntnis die Entscheidungen und das Vorgehen 
der Individuen, das Entstehen und Vergehen der 
Herrschaftsgebiete, das Aufblühen und Vergehen 
"anzer Kulturen gar nicht wirklich beurteilt und 
verstanden werden können. 

Diese Hintergrundfaktoren lassen sich freilich 
nicht aus den Chroniken abschreiben. Man muß 
sich ihre oft bloß fragmentarische Kenntnis in 
mühsamer Kleinarbeit erarbeiten, indem man 
Hinweise hier oder dort miteinander kombiniert; 
die Quellen in ihrer kaum zu beherrschenden 
Fülle immer gründlicher kennen und gegenein- 
ander kontrastieren lernt; alle erreichbaren nicht 
erzählenden Quellen mit heranzieht, von den lite- 
rarischen Denkmälern über die Baukunst bis zu 
den Münzen und den in viel zu geringem Maße 
erhaltenen und erst noch schwer auszulegenden 
Dokumenten wirtschaftlicher und politischer 
Natur. Diese große Arbeit, mehr eine für profes- 
sionelle Historiker als für die vorwiegend philolo- 
gisch orientierten Orientalisten, ist in Frankreich, 
England und Amerika angepackt worden, und bis 
vor kurzem mußte man sich der englischen und 
der französischen Sprache bedienen, wenn man 
einen Ucberblick über den Stand der modernen 
Geschichtschreibung auf dem Gebiet des Islams 
gewinnen wollte. 

In den letzten Jahren jedoch sind eine Reihe 
von Uebersichtswerken auch in deutscher Sprache 
erschienen, die darauf abzielen, auch dem 
deutschsprachigen Leser ein Bild der vorläufigen 
Resultate der neuen Geschichtsforschung im isla- 
mischen Raum zu vermitteln und ihm eine ein- 
dringendere Kenntnis der Lebensumstände und 
Mentalitäten zu verschaffen, als man sie der mehr 
personellen und anekdotischen Geschichtsdarstel- 
lung abzugewinnen vermag. Daß gerade heute 
eine bedeutende Notwendigkeit des tieferen Ein- 
dringens besteht, ist recht offensichtlich. Die poli- 
tische und kulturelle Konfrontation zwischen der 
unsrigen «westlichen» und anderen, früher in 
ihrem eigenen Raum recht abgeschlossen leben- 
den Hochkulturen, darunter der islamischen, 
wächst an Heftigkeit und Problematik mit jedem 
Jahr. Sie wirkt unübersichtlich durch die Tat- 
sache, daß heute Ideen, Techniken und Gegen- 
stände okzidentalen Ursprungs in alle ihnen einst 
eigenständig und fast kontaktlos gegenüberstehen- 
den Kulturkreise eingedrungen sind und in ihnen 
wirksam wurden. Sie haben die «anderen» Hoch- 
kulturen der Welt in eine Krise, aber keineswegs 
zum Verschwinden gebracht. Sie haben sich mit 
dem eigenständigen Kulturgut und Herkommen 
zu komplexen, unstabilen und oft krisenhaften 
Figuren gemischt. Nur wer sich einigermaßen 
über den Hintergrund der Fremdkultur Rechen- 
schaft zu geben vermag, in der das meist gewalt- 
same Eindringen der unsrigen solch große Ver- 



Eine Geschichlc der Frankfurier Universität 



talische Archäologie und Frühgeschichte von der 
Universität Halle (DDR), Burchard Brentje, ver- 
faßt hat, trägt noch recht deutlich die Züge der 
alten, mehr ^ anekdotischen Geschichtschreibung 
der Orientalisten an sich.' Sie erzählt und zählt 
auf, obgleich sie sich zum Ziele setzen möchte 
gerade auch die «Kulturgeschichte» und die «kul- 
turellen Leistungen» der Araber zu ihrem Recht 
kommen zu lassen. Auch ihre kulturgeschicht- 
lichen Teile laufen oft auf ein Aneinanderreihen 
von Namen, Buchtiteln, Leistungen hinaus, 
Gelegentliche Anleihen beim Vokabular des Mar- 
xismus (der Krieg gegen die aufständischen Zarj- 
Sklaven ist die größte «Klassenschlacht» der alt- 
arabischen Geschichte; unter dem Kalifen al- 
Mamun erfuhren «die Wissenschaften und 
Künste staatliehe Förderung») können die Tat- 
sache kaum verschleiern, daß hier im wesent- 
lichen anekdotische Geschichte getrieben wird. 
welche die Fragen nach dem Wie und Warmn 
kaum zu stellen" wagt. Zu rühmen ist die pracht- 
volle Ausstattung des Buches mit vielen wohl- 
gewählten Illustrationen sowie das Eingehen im 
Text auf die großen architektonischen Denkmäler 
des Islams. Der Verfasser bewegt sich an solchen 
Stellen spürbar in seinem Fachgebiet. Die Bilder 
enthalten auch manche Photographien von Denk- 
mälern aus den islamischen Sowjetrepubliken, die 
anderen Ortes nicht immer leicht zu finden sind. 



Wer in die Hintergründe der arabischen Ge- 
schichte eindringen will, nehme lieber den viel 
anspruchsloser erscheinenden Band Islam I der 
«Fischer- Weltgeschichte» zur Hand, den der fran- 
zösische Islamhistoriker Claude Cohen verfaßt 
hat.2 Seine Darstellung gewährt Einblicke in die 
Entwicklung der Institutionen der islamischen 
Staaten. Man findet Uebersichten über «Wirt- 
schaft und Gesellschaft der klassisch islamischen 
Welt»; die «Armeen und die politischen und 
sozialen Wandlungen» werden umrissen; die 
«Entwicklung der politischen und religiösen Be- 
wegungen» beschrieben; alles freilich in einer ge- 
drängten und nüchternen Form, die die Lektüre 
des Bandes zu einem Studium macht, nicht zu 
einem Genuß im Lehnsessel. Bei Cahen findet 
man Aufschluß über Dinge wie die Entwicklung 
des /f/m'-Wesens, Belehnung von militärischen 
und manchmal auch politischen Würdenträgern 
mit dem Steueraufkommen und später oft auch 
mit dem Ertrag bestimmter Landstriche, die mit 
dem Zusammenbruch der Geld- und Goldwirt- 
schaft im späteren Abbasidenreich ihren Anfang 
nimmt und sich durch die ganze Spätzeit hin- 
durch immer mehr ausdehnt, bis zur Epoche der 
Reformen nach europäischem Vorbild. Die 
Entwicklung verläuft hier gerade umgekehrt als 
in Europa, von einer Geldwirtschaft fort (die in 
der islamischen Klassik noch auf den antiken 
Grundlagen ruhte) und auf eine sich stets ver- 
festigende Variante militärischen Lehenswesens 
hin. 



Der 15. Band der «Fischer-Weltgeschichte» 
(Islam II) holt weit aus und umfaßt parallele Dar- 
stellungen der Entwicklungen in der Türkei, Iran 
und Afghanistan, Indien, in China und Südost- 
asien, soweit sie durch den Islam geprägt sind, in 
den ostarabischen Ländern und in Nordafrika, 
die verschiedene Fachleute geschrieben haben.^ 
Der vor kurzem verstorbene Orientalist Gustave 
von Grunebaum zeichnet als der Gesamtheraus- 
geber. Raummangel zwingt die verschiedenen 
Verfasser, bloße Umrisse zu zeichnen. Doch sind 
sie alle bemüht, die Strukturen der Reiche und 
Staatswesens zu erfassen und nicht allein Ereig- 
nisse aneinanderzufügen. Dem Darsteller des Os- 
manischen Reiches und der modernen Türkei, 
Stanford J. Shaw, einem Fachmann, der lange 
Zeit hindurch in den ottomanischen Archiven ge- 
arbeitet hat, ist es besonders gut gelungen, das 
Wesen des osmanischen Staates, seinen Zerfall 
und seine Reformversuche zu schildern. 



Gustave von Grunebaum selbst hat eine Dar- 
stellung der Geschichte des klassischen Islams ge- 
geben, die neben der englischen und auch in 
deutscher Fassung vorliegt."* In ihr gelingt es dem 
Gelehrten, die Zusammenhänge zwischen den gei- 
stigen Entwicklungen in der arabischen Welt und 
den politischen Geschehnissen deutlich werden zu 
lassen. Man findet Abschnitte über Dichtung, 
Philosophie, Kultureinflüsse aus der Antike, 
Theologie und religiöse Reform, Mystik, die ein 
Fachmann geschrieben hat, verbunden mit dem 
historischen Ablauf. Dabei fehlt selten ein Hin 



Universitätsgeschichten sind zu einer besonde- 
ren Gattung der Geschichtschreibung angewach- 
sen, und es gibt dafür verschiedene Vorbilder. Ein 
frühes und auf seine Art beispielhaftes bleibt die 
Geschichte der Universität Berlin von Max Len/ 
in ihrer ruhig darlegenden aus ausbreitenden 
Erzählweise, noch unberührt von Kullurkrise und 
Hochschulkritik. Ein anderes die zugleich monu- 
mentale und impressionistische Zürcher Universi- 
tätsgeschichte Ernst Gagliardis, fast überreich an 
Nuancen, stärker überschattet auch von pessimi- 
stischen Ahnungen. Die Universität Frankfurt, 
deren Geschichte Paul Kluke nun vorlegt, ist eine 
noch jüngere Schöpfung als die Universitäten von 
Berlin oder Zürich: sie" ist erst 1914 entstanden. ■'' 
Sie unterscheidet sich auch von fast allen deut- 
schen Hochschulen durch ihren Charakter als 
Stiftungsuniversitäl, der an amerikanische Schöp- 
fungen" erinnert. Daß dieser Typus gerade in 
Frankfurt Gestalt annehmen konnte (und in 
Deutschland weiter keine Nachfolge mehr fand), 
hängt mit der wirtschaftlichen und geistigen Be- 
sonderheit dieser Stadt zusammen. Ein reiches, 
kulturell anspruchsvolles und von einer jüdischen 
Elite mitgeprägtes Bürgertum gab den Ton an 
und war getragen von einer liberalen Tradition, 
welcher dfe ausgesprochen landesfürstlichen Uni- 
versitäten der näheren Umgebung wenig gemäß 
waren. Es ist ja wohl kein Zufall, wenn Goethe 
(dessen Namen die Universität Frankfurt übrigens 
seit 1932 führt) in Straßburg und Leipzig studiert 
hat, aber nie in Gießen oder Marburg. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in Frank- 
furt der erst 1866 erfolgte Verlust der politischen 
Selbständigkeit zwar einigermaßen verschmerzt, 
aber mit dem Hineinwachsen in das neue Reich, 
der Anteilnahme an seiner ökonomischen Expan- 
sion waren auch neue Möglichkeiten einer kultu- 
rellen Schöpfung erwachsen, die noch nicht ge- 
nutzt waren. Voraussetzungen waren gegeben: im 
Freien Deutschen Hochstift oder in der aus mo- 
dernem Geist entstandenen Handelsakademie. 
Wenn darüber hinaus eine Universität Wirklich- 
keit wurde, so ist das ganz wesentlich zwei Per- 
sönlichkeiten zu verdanken: dem Großunterneh- 
mer Wilhelm Merton, einem auch geistig hervor- 
ragenden Vertreter des Frankfurter Judentums, 
und dem Oberbürgermeister Franz Adickes. Was 
Merton an den bestehenden deutschen Universi- 
täten vermißte und was er mit der neuen Schöp- 
fung zu verbessern hoffte, war eine Ausbildung in 
sozialen und wirtschaftlichen Bereichen gegen- 
über einer einseitig formaljuristischen. Die längere 
Entstehungsgeschichte der Universität, die auch 
durch Gegenvorstellungen benachbarter und sich 
gefährdet "glaubender Universitäten belebt wurde, 
verfolgt der Autor anhand eines reichhaltigen 
Aktenmaterials. Die durch reiche Spenden ermög- 
lichte Stiftungsuniversität fügte sich aber gleich- 
wohl in den "preußischen Hochschulrahmen ein: 
das preußische Staatsministerium und das Abge- 
ordnetenhaus gaben ihre Zustimmung; dieses 
nach anfänglichen Widerständen. Die Stadt lei- 
stete einen bescheidenen, zunächst mehr symboli- 
schen Beitrag. 

Was die Universität von Anfang an charakte- 
risierte, waren einerseits das Fehlen einer theolo- 
sischen Fakultät, anderseits das Vorhandensein 
:einer wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen. 
Das Manko war zwar nicht unbestritten und auch 
inicht als Dauerlösung gedacht; tatsächlich kam es 
\iann zu theologischen Vorlesungen innerhalb der 
Philosophischen Fakultät. Von besonderer Bedeu- 
tung war die Einbeziehung jüdischer Gelehrter in 
dieses Vorlesungsprogramm, als Ersatz für eine 
zeitweilig geplante jüdisch-theologische Fakultät, 



* Paul KluKc: Die Stiftungsuniversität Frankfurt a. M 
1914-32. Verlag Waldemar Kramer, Franklin a. M. 1972 



die in Deutschland ein bedeutsames Unikum ge- 
wesen wäre. Doch konnte auch so dif- Universität 
Frankfurt zur Wirkungsstätte des frühvollendeten 
Franz Rosenzweig und vor allem Martin Bubers 
werden. Dazu kam evangelischerseits gegen Ende 
der zwanziger Jahre die überragende Gestalt des 
reü^iiös-sozralen Theologen Paul Tülich. der aller- 
dmgs der Fakultät durch das Ministerium oktroy- 
iert werden mußte. 

Nicht minder bedeutsam war die «WiSo- 
Fakultät», die eine Reihe glänzender Gelehrter 
aufwies: etwa den Soziologen Franz Oppenhei- 
mer, dem seines Judentums wegen das Ordinariat 
längere Zeit verbaut blieb und der in Frankfurt 
zu 'einem der Begründer dieser Disziplin auf der 
deutschen Universität wurde, dessen Nachfolger 
Karl Mannheim oder den dem Institut für Sozial- 
forschung vorstehenden Karl Grünberg. Dieses 
Institut verdankte seine Entstehung der Initiative 
und materiellen Förderung eines jungen marxisti- 
schen Gelehrten, der Sohn eines schwerreichen, 
sliftungsfreudigen Ueberseekaufmanns war. Bald 
schon "cab es Komplikationen, da die Universität 
- bei aller Dankbarkeit - wegen der immer ein- 
deutigeren Ausrichtung des Instituts in Sorge um 
ihren" Ruf geriet. Eine gewisse Entspannung trat 
ein. als 1930 Max Horkheimer mit der Instituts- 
leitung betraut wurde und als Ordinarius für 
Sozialphilosophic in die Philosophische Fakultät 
eintrat: er ist mit seinen Mitarbeitern Erich 
Fromm und Adorno noch kurz vor dem Herein- 
bruch des Dritten Reiches zum Inaugurator der 
«Frankfurter Schule» geworden. Auf andere be- 
deutende Persönlichkeiten können wir hier nicht 
eingehen: erwähnt sei der Mediävist Ernst H. 
Kantorowicz, der übrigens auf Anregung des 
Kurators durch das Ministerium und gegen 
anfängliche Bedenken der Historiker zum Ordina- 
riat gelangte. 

Der Universität Frankfurt war keine längere 
Zeit der ruhigen Entwicklung beschieden. Schon 
die vorgesehene feierliche Eröffnung im Herbst 
1914 fiel als ein Opfer des Krieges dahin. Viel 
kritischer wurde die Situation nach dem Zusam- 
menbruch, da die rasch voranschreilcnde galop- 
pierende Inflation der Sliftungsunivcrsität ihre 
materiellen Grundlagen entzog, so daß — trotz 
den großen Studentenzahlen - bereits ernsthaft 
die Schließung erwogen werden mußte. In lang- 
wierigen Verhandlungen gelang es, das Fortbeste- 
hen der Universität durch den Staat und die vStadt 
zu sichern. Diskussionen um eine Universitäts- 
reform kamen zwar in Gang, versandeten jedoch, 
in Frankfurt wie anderswo. Der Zug nach rechts, 
der weniger von den Professoren als von den Stu- 
denten ausging, machte sich auch in Frankfurt 
bemerkbar.ani übelsten bei den Tumulten gegen 
den neuernannten Honorarprofessor für Arbeits- 
recht, Hugo Sinzheimer. Wie stark die völkischen 
f endenzen auch in Frankfurt um sich griffen, er- 
wies sich anläßlich des Konfliktes der «Deutschen 
Studentenschaft» mit dem preußischen Kultus- 
minister Carl Heinrich Becker: wie alle anderen 
preußischen Studentenschaften hielt auch die der 
Stiftungsuniversität an ihrem großdeutschen Kon- 
zept fest. 

Auf den letzten Seiten seines Buches schildert 
Kluke das Umsichgreifen der nationalsozialisti- 
schen Studentenbewegung im Zeichen der Wirt- 
schafts- und Staatskrise. Die Darstellung, die bei 
sorgfältiger Herausarbeitung der Institutionen 
doch auch die einzelnen Persönlichkeiten leben- 
dig werden läßt, bricht mit dem Jahr 1932 ab. 
Dieser Einschnitt überzeugt nicht ganz. Eine 
Fortsetzung der wertvollen Universitätsgeschichte 
bis 1945 wäre über den Sonderfall Frankfurt hin- 
aus von komparativem Interesse, und man 
möchte es dem Verfasser wünschen, daß er sie 



noch vollende. 



Peter Stadler 



historischen Eigenraum, was dem Verfasser er- 
laubt, auf den besonderen Ton des arabischen 
Spaniens einzugehen, indem er Geschichten und 
Dokumente aus zahlreichen Quellen in Auswahl 
wörtlich übersetzt und darauf seine eigenen 
Interpretationen des geschichtlichen Ablaufes, 
aber auch von Wissenschaft und Philosophie, 
Dichtkunst und Mystik, aufbaut. Es entsteht so 
ein höchst lesbares Werk, das ein tieferes Ein- 
dringen in die arabische Kultur von al-Andalus 
zuläßt, selektiv im Charakter, aber ein Verständ- 
nis der letzten Hintergründe anstrebend, in denen 
Leben und Empfinden der spanischen Muslime 
wurzelten. Es sind die Kunstwerke, die diese in 
erster Linie erkennen lassen, wenn man sie fein- 
fühlig, wie Titus Burckhardt. /u deuten versteht. 



erschienen war. ist unter der Oberaufsicht 
G. v. Grunebaums überarbeitet, in vielen Einzel- 
heiten ergänzt und korrigiert worden. Durch die 
so entstandene Gemeinschaftsarbeit einer ganzen 
Gruppe von Mitbeiträgern und Revisoren ist ein 
recht vielseitiges Werk entstanden, das weder die 
klassische Kultur der Araber noch ihre heutige 
Problematk vernachlässigt. Es läßt sich natürlich 
nicht mit der vielbändigen Enzyklopädie des 
Islams vergleichen, deren zweite und verbesserte 
Neuausgabe heute allmählich voranschreitet und 
in Faszikeln veröffentlicht wird. Das Lexikon ent- 
hält jedoch, wie Proben deutlich machten. Aus- 
künfte über so gut wie alle Fragen, die einem ge- 
bildeten Laien bei seiner Beschäftigung mit den 
Arabern und ihrer Kultur auftauchen können. 



Rene König 

Studien zur Soziologie 

Thema mit Variationen 



/^ 



über dieses Buch 

Verändert Soziologie die Gesellschaft? Verändert die veränderte Ge- 
sellschaft die Soziologie? Die Beschäftigung mit den wechselseitigen 
Beziehungen von Wissenschaft und ihrem Gegenstand macht das Ver- 
hältnis von >Gesellschafi und Soziologie< zu einem zentralen Thema 
des Selbstverständnisses dieser Wissenschaft. Mit der vorliegenden 
Sammlung von Beiträgen schildert Professor Rene König die Rolle des 
>sozialcn Wandcls< in Gesellschaft und Soziologie; die Frage nach 
dem Verhältnis von Theorie und Praxis rührt nidit zuletzt aus diesem 
Problemkreis her. 

Der Autor 

Rene König (1906) ist Professor für Soziologie an der Universität 
Köln. Zu seinen zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ge- 
hört auch das Fischer Lexikon Band 10 >Soziologie<, Neuausgabe 1967. 




Fischer Bücherei 



Die Juden und die Soziologie 

In den zwanziger Jahren ging in Deutschland eine scherzhafte 
Anekdote um, die das Verhältnis der Soziologie zum Judentum 
betraf. Sie stammte aus Heidelberg und wurde dem hervor- 
ragenden jüdischen Germanisten Friedrich Gundolf zugeschrie- 
ben, so daß wir sie als politisch unverdächtig übernehmen und 
unseren Erörterungen voranstellen können. Diese Anekdote 
lautet folgendermaßen: nach einem Soziologenkongreß (wahr- 
scheinlich dem von 1924 in Heidelberg) seufzte Gundolf: >. Jetzt 
weiß ich wenigstens was Soziologie ist! Soziologie ist eine jü- 
dische Sekte.« Das Wort Sekte steht hier wohl für die Leiden- 
schaftlichkeit der soziologischen Diskussionen, für die zeitweiHg 
unübersehbare Esoterik des soziologischen Fachjargons, für den 
Eifer, mit dem die Soziologie ihre Unterschiedenheit von ande- 
ren Wissenschaften betont und eifersüchtig auf ihre Besonder- 
heit pocht, und schließlich auch für die manchmal harte Kritik, 
welche sie gegen das traditionelle Wissenschaftssystem und ge- 
gen die Grundlagen der alten Logik gewendet hat. Das Wort 
jüdisch steht dagegen ganz zweifellos für die Tatsache, daß un- 
ter den bedeutenden Soziologen die Zahl der jüdischen Gelehr- 
ten um ein Vielfaches höher ist als sonst der Anteil von Juden 
am Leben der Wissenschaft und der Kultur. So ist die Frage nach 
dem Beitrag des Judentums zur Soziologie sicher viel aktueller 
und berechtigter als in anderen Zusammenhängen. 
Die Wahrheit dieser Fechtstellung könnte man nun sehr leicht 
beweisen durch die Aufzählung der jüdischen Gelehrten, die in 
allen Ländern einen hervorragenden Beitrag zur Entwicklung 
der Soziologie und der Sozialwissenschaftcn insgesamt geleistet 
haben. Das würde allerdings für den Außenstehenden nicht viel 
bedeuten; denn ein Katalog von Namen, der außerdem natur- 
gemäß nie vollständig sein würde, kann die obige Behauptung 
bestenfalls illustrieren, niemals aber sie erklären. Aber selbst 
für den Fachmann wäre ein solches Vorgehen uninteressant. So 
werden wir einen anderen Weg zur Behandlung .^nseres Pro- 
blems suchen. 

In konsequenter Fortführung der soziologischen Erkenntniskri- 
tik und der Soziologie des Wissens gibt es schon längst eine 
»Soziologie der Soziologie«, welche die verschiedenen sozialen 
Rückverbindungen der Soziologie an historisrK kulturelle, na- 
tionale, Schicht- und klassenmäßige Wirklichkeiten untersucht 
und erhellt hat. Diese Soziologie der Soziologie hat sogar We- 
sentliches zum Selbstverständnis der Soziologie beigetragen und 
ihre Systematik von unbewußten Vorurteilen befreit. So ist es 

123 



I 



i 



zwar die fonnelle Freiheit und Gleidiheit zu, aber materiell 
herrschten die sozialen Unterschiede vor, die sich in zahlreichen 
diskriminierenden Zurüdcstellungen äußerten. Es ist kein Zu- 
fall, daß ein jüdisdier Sozialphilosoph, Karl Marx, diesen 
Unterschied zwischen formeller und materieller (d. h. sozialer) 
Freiheit so stark unterstrich. Er wandte ihn allerdings an, um 
die soziale Lage des Proletariats zu kennzeichnen, einer »Klasse 
mit radikalen Ketten, einer Klasse der bürgerlichen Gesellschaft, 
welche keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft, eines Stan- 
des, weldier die Auflösung aller Stände ist, eine Sphäre, welche 
einen universellen Charakter durch ihre universellen Leiden be- 
sitzt und kein besonderes Recht in Anspruch nimmt, weil kein 
besonderes Unrecht, sondern das Unrecht schlechthin an ihr ver- 
übt wird, welche nicht mehr auf einen historischen, sondern nur 
noch auf den menschlichen Titel provozieren kann, . . . einer 
Sphäre endlich, welche sich nicht emanzipieren kann, ohne sich 
von allen übrigen Sphären der Gesellschaft und damit alle übri- 
gen Sphären der Gesellschaft zu emanzipieren, welche mit einem 
Wort der völlige Verlust des Menschen ist, also nur durch die 
völlige Wiedergewinnung des Menschen sich selbst gewinnen 
kann«, wie Marx 1843/44 schrieb, zur gleichen Zeit, als er sich 
auch mit dem Problem des Judentums befaßte. 
Wir fragen nun: könnte man die eben zitierte Charakterisie- 
rung der sozialen Lage des Proletariats nicht auch auf das Ju- 
dentum anwenden? In der Tat säkularisiert sich in Marx die 
alte jüdische Verheißung der diesseitigen Erlösung aus uner- 
träglicher Not und endlosem Leiden zu einer allgemeinen Philo- 
sophie der revolutionären Vernunft. Und dieser Geist bleibt im 
Grunde bei ihm lebendig bis zum 24. Kapitel des »Kapitals«, 
wo von der »sogenannten ursprünglichen Akkumulation« als 
dem »Sündenfall« der politischen Ökonomie gesprochen wird 
und es am Ende heißt: »Die Stunde . . . schlägt«, d. h. der letzte 
Akt der Befreiung, der Emanzipation, der Erlösung hat begon- 
nen. Das Kapital, der Dämon, der die Welt in seinen Fängen 
hält, »von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutz- 
triefend«, wie es in biblischer Wendung bei Marx heißt, »der 
Greuel der Verwüstung« ist an sein Ende gelangt, und der Pro- 
phet ruft auf zum »Sprunge« aus dem »Reich der Notwendig- 
keit« in das »Reich der Freiheit«, wie es Engels in einer eben- 
falls theologischen Wendung später deuten sollte. Es ist inter- 
essant zu sehen, daß sich ganz ähnliche Gedanken bei eineni 
anderen jüdischen Sozialdenker kurz vorher finden, nämlich bei 
dem rheinischen Sozialisten Moses Hess, der Marx stark beein- 
flußt hat. Man kann Jie Weite und Tiefe des Unterschieds die- 
ser aus dem bewußten oder unbewußten Erlebnis der Stellung 
des Juden in der modernen Welt entworfenen philosophischen 
Vision mit ihrer unheimlidi erregenden Radikalität nicht deut- 



Die Juden und die Soziologie 

In den zwanziger Jahren ging in Deutschland eine scherzhafte 
Anekdote um, die das Verhältnis der Soziologie zum Judentum 
betraf. Sie stammte aus Heidelberg und wurde dem hervor- 
ragenden jüdischen Germanisten Friedrich Gundolf zugeschrie- 
ben, so daß wir sie als politisch unverdächtig übernehmen und 
unseren Erörterungen voranstellen können. Diese Anekdote 
lautet folgendermaßen: nach einem Soziologenkongrel^ (wahr- 
scheinlich dem von 1924 in Heidelberg) seufzte Gundolf: >. Jetzt 
weiß ich wenigstens was Soziologie ist! Sozio ogie ist eine ju- 
dische Sekte.« Das Wort Sekte steht hier wohl für die Leiden- 
schaftlichkeit der soziologischen Diskussionen, für die zeitweihg 
unübersehbare Esoterik des soziologischen Fachjargons, für den 
Eifer, mit dem die Soziologie ihre Unterschiedenheit von ande- 
ren Wissenschaften betont und eifersüchtig auf ihre Besonder- 
heit pocht, und schließlich auch für die manchmal harte Kritik, 
welche sie gegen das traditionelle Wissenschaftssystem und ge- 
gen die Grundlagen der alten Logik gewendet hat Das Wort 
jüdisch steht dagegen ganz zweifellos für die Tatsache, daß un- 
ter den bedeutenden Soziologen die Zahl der jüdischen Gelehr- 
ten um ein Vielfaches höher ist als sonst der Anteil von Juden 
am Leben der Wissenschaft und der Kultur. So ist die Frage nach 
dem Beitrag des Judentums zur Soziologie sicher viel aktueller 
und berechtigter als in anderen Zusammenhängen. 
Die Wahrheit dieser Feststellung könnte man nun sehr leicht 
beweisen durch die Aufzählung der jüdischen Gelehrten, die in 
allen Ländern einen hervorragenden Beitrag zur Entwicklung 
der Soziologie und der Sozialwissenschaften insgesamt geleistet 
haben. Das würde allerdings für den Außenstehenden nicht viel 
bedeuten; denn ein Katalog von Namen, der außerdem natur- 
gemäß nie vollständig sein würde, kann die obige Behauptung 
bestenfalls illustrieren, niemals aber sie erklären. Aber selbst 
für den Fachmann wäre ein solches Vorgehen uninteressant. So 
werden wir einen anderen Weg zur Behandlung -nseres Pro- 
blems suchen. ... 
In konsequenter Fortführung der soziologischen Erkenntniskri- 
tik und der Soziologie des Wissens gibt es schon langst eine 
»Soziologie der Soziologie«, welche die verschiedenen sozialen 
Rückverbindungen der Soziologie an historisrh kulturelle, na- 
tionale, Schicht- und klassenmäßige Wirklichkeiten untersucht 
und erhellt hat. Diese Soziologie der Soziologie hat sogar We- 
sentliches zum Selbstverständnis der Soziologie beigetragen und 
ihre Systematik von unbewußten Vorurteilen befreit. So ist es 

123 



liAer erfassen als durch einen VetgleiA mit den entspreAen- 
d^ GedS eLs niAt-jüdisAen Denkers wie Lorenz von 
S Sn Di^l.d dem BuAstaben na* - rnit Ausn^^^r 
tMUtisAen Folgerungen - genau die gleiAen wie bei mn 
^«rtfinnte soear sagen, daß Marx die ents Addenden Anre- 
XÄ s dne Thelrie des Klassenkampfes von Lorenz von 
SW^ m^angen hat. Aber es fehlt das EntsAeidende: die Un- 
e birtl Akeutnd RaAkalität d". FormuUerung, die der Une - 

bittliAkeit einer sinnlosen Situation «"«P^töff^i'^Y"^'^ 
ßune mit den Jahrhunderten zerronnen ist, eröffnet si* aum 
vÄr aus kein Weg mehr zu Go«, sondern nur noA der 
Wee zur Weltrevo ution, der der neue Gott der Zukunft ist. so 
erst werden durA die Radikalität der Fragestellung die extrem- 
"en Kräfte geweckt, die seither die gesamte Welt bewegt 
haben während Lorenz t>on Stein nur eine brave Schulph.loso- 
nhie ^on siA gibt, Ae heute höAstens histor sAes Interesse 
be^nsprÜAen k'ann. VielleiAt ist sogar Mar. d-etzte große 
EoiDhanie des iüdisAen Prophetentums, das aus der Wüste un 
ge ragt einrverdammungen der eitlen Welt über die Zerstreu- 
ten Sdlrenden ergoß. Später sollte Max We er in diesen sei 
ben altjüdisAen Propheten einen der ^«'"^ Vf/'^-if ns^e 
zur HoAreligion als Rationalisierung des alten magischen 
GlaubenT erlfennen; die Propheten wurden gle.Azeit.g »die 
geistigen Träger der Opposition gegen das Kon gtum« und ar 
beUe^n vorwiegend mitten Mitteln »der polit.sAen Unheils- 
andrKr wobei »lahwe ZebaoA« zum ahwe der Heer- 
sAa rerSs kdegerisAer SAaren, wird, die die verderbte Ge- 
genwart vernichten und das GottesreiA err.Aten wer- 

dTs ist wenn iA so sagen darf, Ae noA am ineisten heilsge- 
sch cht lieh g^undene und damit wohl auA radikalste Form der 
Sen Sozialphilosophie, die in zädillosen jud.sAen Revolu- 
rionären lebendig geworden ist, großen und kleinen; manAes 
davon kl ngt auA noA naA im sAulmäßig gewordenen ge- 
lehr°en Denken mehr bürgerliAer Observanz. So wird aus der 
MarxsA^n Unheilsphilosophie etwa bei Franz Oppenhe.mer 
dne Irt von umgekehrter Utopie, indem "/«" Gese schafts- 
vertrae niAt an den Anfang, sondern an das Ende aller Ge- 
ld, chfe verlegt als die freie Assoziation der MensAen aus dem 
Geetz der Vernunft. Er verwirkliAt damit wie v.ele andere 
^ne letzte Verheißung von Saint-Simon, der auf dem Toten- 
bette slg« er lebe noA immer in der Zukunft. Wo denn soll 
ein lüde Hoffnung finden, naA zweitausend Jahren erlittener 
ünbU wenn niAt unter Überspringung der unertraghAen 
GeeenWart die einzig in seiner Familie zuzeiten zu emem vor- 
übergehenden feiertä|liAen Frieden gebracht wird, in eine ferne 
ZÄ Ae man andererseits in verzweifelter SehnsuAt so 



nahe wie mögliA spüren möAte. So versetzt Marx mehrfaA 

die Revolution in »die näAste Zukunft«. . 

Darüber hinaus bewegen siA aber Ae Beziehungen ^sAen 
dem Judentum und der Soziologie auf weniger c^ramatisAen 
u^d subtileren Kanälen, Ae vielleiAt noA entsAeidendei^s ind 
als die großen Unheilspropheten. Wir müssen ja grunds™ 
davon ausgehen, daß mit den übrigen Religionen au* das Ju- 
dentum der allgemeinen Säkularisationstendenz der Zeit unter- 
Wt Allerdings gesAieht dies zweifellos langsamer und ferrier 
in gewissem sfnn^e anders als bei den anderen. Während s.A die 
beiden großen AristliAen Religionen msbesondere ^r Katho- 
UzUmuf, in der Säkularisation mit der wel.liAen MaAt verbin- 
den und selber zu weltliAen MäAten werden entfallt diese 
MögliAkeit beim Judentum ganz grundsatzl.A. Die lud'sche 
Religion der Diaspora hat in der Tat in keiner EpoAe ihrer Exi- 
stenz mit der weltliAen MaAt paktiert. Da nun d»= Säkularisa- 
tion langsamer verläuft und ein Biindnis mit der MaAt, ganz 
gleiA welAer Art, niAt in Frage kommt, finden wir jüdische 
Denker überall beteiligt, wo das soziale Denken stA als soziale 
Kriük vor allem Kritfk'der MaAt darstellt Seit Spinoza haben 
jüdisAe Denker auf der Seite derer gestanden, die es unternah- 
men, »die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen« 
und dem großen »Leviathan« einen Ring durch die Nase zu zie- 
hen u^ ihn an der Leine zu führen. Sofern die Soziologie zu 
einem guten Teil daran mitgewirkt hat, finden wir aus Aeser 
Lage heraus wiederum zahlreiAe jüdische Sozialdenker, die an 
ihr teilnehmen aus einer inneren I5erufung heraus, geschehe 
nun die Kritik des Staates im liberalen oder im sozialistisAen 

Allerdings wäre die Haupttendenz dieser Bewegung noch im- 
^er p a^^^^ ausgerichtet, was man als letztes Echo der mes- 
^anischen Einstellung deuten kann, die auf e^"^, ^^^^^^^^ J^f]^ 
hofft Wichtiger ist für uns die theoretische Sublimicrung des 
ursprünglich geistlichen Anliegens zur Begründung einer 
eigentlichen Wissenschaft von der Soziologie wie sie etwa m 
sLeränster Weise der große französisch- jüdische Soziologe 
Emile Durkheim seit den neunziger Jahren des vongen Jahrhun- 
derts durchführte. Mir scheint die Tatsache, daß er Jude war, 
in mehrfacher Weise für seine Soziologie insgesamt von Be- 
deutung zu sein. Sein Vater war Rabbiner und zeitlebens ha 
Durkheim mit der Anfechtung gekämpft, ob er sich selber nicht 
eher dem geistlichen Amte als der Wissenschaft widmen sollte. 
Seine Hörer erblickten gelegentlich in ihm den Visionär einer 
neuen Religion, die er allerdings im Gewände der strengsten 
Wissenschaft vortrug. Dabei ist Gesellschaft für ihn nicht ein 
Gegenstand neben vielen anderen Gegenstanden. 
Vielmehr ist GeseUschaft das wesenüiche Lebenselement des 

131 



130 



Menschen. Im normativen Charakter des Sozialen erfährt die < ''^* 
menschUche Existenz, die allzu leicht von romantischen Exzessen 
und dem Durst nach dem Unendlidien verführt wird, ihre Limi- 
tation, ihre Formung und ihre Grenze. Jede konkrete Bestim- ., 
mung des sozialen Daseins in irgendeiner Funktion bedeutet \ 
eine Begrenzung, eine Verneinung oder Versag:ung eigener Art , 
und damit soziale Selbstgestaltung des Menschen. Dieser Satz, 
der an die Metaphysik des großen Spinoza erinnert (»omnis 
determinatio est negatio«), wird für Durkheim mit einem merk- 
würdig theoretisch-praktischen Doppelsinn erfüllt, wie er im 
Ausdruck der »Disziplin« zum Vorschein kommt, den er gern 
für dies Formwerden des Sozialen verwendet. Er spricht darin 
übrigens auch aus calvinistisdier Tradition heraus, ohne die der 
französische Rationalismus nie zu verstehen wäre. Dieselbe - 
Disziplin, die sich im Wirklichen als Selbstdomestikation der 
Menschheit {F. Oppenheimer) auswirkt, erlegt auch dem For- 
scher Zurückhaltung in der Wertung auf, was sich für Durkheim 
zu einem zentralen Problem der soziologischen Methode zu- 
spitzt, mit der er die moderne Soziologie vielleicht am nadi- 
hahigsten beeinflußt hat. Dabei kommen wohl die tiefsten 
Rückverbundenheiten der jüdischen Situation mit der Soziolo- 
gie zum Vorschein, so daß wir gerade hierbei noch etwas ver- 
weilen müssen. j n • • 
Alles soziale Handeln trägt seinen Sinn in sich, so daß wir im- . 
mer schon wissen, was gemeint ist, wenn wir von irgendwel- 
chen sozialen Phänomenen sprechen. Wir sind ja selber diese 
Phänomene und nehmen in unserer Alltagsexistenz aktiv an 
ihnen Anteil. Das ist ein Vorteil und ein Nachteil zugleich für 
die Soziologie als Wissenschaft. Ein Vorteil insofern, als ich 
immer innerlich in meiner eigenen Erfahrung nachprüfen kann, 
ob irgenclwelche theoretischen Sätze wahrscheinlich sind oder 
nicht. Ein Nachteil insofern, als mit der subjektiven Verfloch- 
tenheit in das Geschehen auch alle Interessensysteme, die in 
diesem Geschehen lebendig sind, einen Zugriff auf die Theorie 
erhalten und diese entsprechend verfälschen. Das gilt grund- 
sätzlich für jedermann, ganz gleich, wo er im sozialen System 
stehen mag, nur für einen einzigen nicht — nämlich den Juden. 
Denn seine Art der sozialen Verflochtenheit ist grundsätzlich 
untersdiieden von der aller anderen Menschen. Er ist zwar ein 
Mitglied der Gesellschaft, die er zu erkennen unternimmt, aber 
er ist es auch wieder nicht, indem der Rest der Gesellschaft, 
gegen ihn diskriminiert und ihn zurückstößt. Nun kann dies 
dauernde Zurückgestoßenwerden auf die Dauer nicht ohne Wir- 
kung bleiben. So muß der Jude in der Gesellschaft, die gegen 
ihn diskriminiert, auf Distanz gehen. Mit dieser Distanznahme 
entscheidet sidi aber in grundlegender Weise seine Affinität zur 
soziologisdien Wissensdiaft; denn keine Wissenschaft ist ohne 

132 



« 



Distanzierung möglich. Seine ganze soziale Lage bringt den 
Juden dem sozialen Dasein gegenüber wie von selbst in cüe 

theoretische Situation. n 1 r j j. 

Im Gegensatz zum naiven Mitglied einer Gesellsdiaft durch- 
schaut der Jude schnellstens aUe die kulturellen Selbstver stand- 
lichkeiten, die in einer gegebenen Gesellschaft umgehen und 
eine rationale Erkenntnis verhindern. Er muß ]a seme eigene 
Verschiedenheit darum erfahren, weil die anderen sie ihm stan- 
dig vorhalten. So ist der Jude, solange gegen ihn disknmimert 
wird, den übrigen Mitgliedern einer Gesellschaft immer über- 
legen weil er sieht, was an dieser Gesellschaft besonders ist, in- 
dem er selber von seiner Umwelt als anders gekennzeichnet 
wird. Wenn man hat sagen können, Jude sei inan nur durch 
das Wissen um die eigene Lage, so kann man daraus folgern, 
daß dies Wissen nicht nur jüdisches Selbstbewußtsein zeugt^ 
sondern eine einmalige Chance gibt, die umgebende Gesellschah 
adäquat zu erkennen - ohne sich durch irgendeines der einge- 
bauten Interessensysteme diieser Gesellschaft die Unbescholtcn- 
heit der Augen verderben zu lassen. Aus der empfundenen Di- 
stanz zu den anderen, die eine aufgezwungene ist, ertahrt der 
Jude nicht nur sich selbst in einem Wissen besonderer Art, son- 
dern er gewinnt auch die Freiheit und Unbefangenheit der Er- 
kenntnis der anderen, wobei ihm wiederum zustatten kommt, 
daß er mindestens zum Teil auch ein" Mitglied dieser Gesell- 
schaft ist und ihre Abläufe und Regeln von innen her erlebt wie 
irgendein anderer. Was ihn von jenen unterscheidet, ist mit der 
Möglichkeit der Distanznahme die unbestechliche Freiheit und 
Unabhängigkeit des Blicks. . 

Da aber letztlich, wie wir schon von Anfang an sagten in der 
jüdischen Tradition die diesseitige gesellschaftliche und berut- 
liche Existenz des Menschen ein positiver Wert ist, so muL sich 
zunächst diese Freiheit des theoretisch-leidenschaftslosen Blicks 
auf die Gesellschaft richten, woher dann auch die intensive Teil- 
nahme jüdischer Gelehrter an der Entwicklung der Soziologie 
resultiert Sie erwächst aus einer einzigartigen Konstellation, 
die kaum ein anderer nachzuerleben vermag; denn nur der 
Jude kommt immer und immer wieder in die Lage, die erwähnte 
Distanz nehmen zu müssen, weil man ihn in sie hineinzwingt 
Da zu den kulturellen Selbstverständlichkeiten vor allem die 
nationalen Vorurteile gehören, liegt häufig eine wichtige Funk- 
tion des jüdischen Sozialdenkers darin, diese zu ent arven hr 
tut dies jedoch nicht, wie die antisemitische Unterstellung lau- 
tet weil das Judentum international wäre. Vielmehr nimmt 
auch der Jude teil am nationalen Leben der Gastvölker; nur da 
diese ihm regelmäßig die Möglichkeit der vollen nationalen Par- 
tizipation bestreiten, muß er wiederum in jene Distanzlage 
kommen, die ihm das Durchschauen der nationalen Stereotypen 

^}3 






.rUnbt selbst wenn er nidit die geringsten Beziehungen zu 
äwelÄen Rationalen Ordnungen hat Vics.^^^- 
irgenawciuici ctprpotvtjen ist jedoch wiederum eine ent- 

T?HiVCausse,zuTtoTBWründung einer ^^^^^^^ 
:tfvotSen da'sie dem BereiA des vorwissenschaft- 
lichen SeSstverständnisses der Kulturen angehören ohne des- 
'et übeSung es überhaupt keine Wissenschaft g.bt, vor 

f ITt'bÄlÄß der sAon genannte Geor, S.mm.f in 
seinem soziologischen Hauptwerk emen wenn auch kurzen so 
doch sehr gewichtigen Abschnitt von dre. Seu n über den 
»Fremden« einbaut, in dem nicht nur <* "" fi^ntt e^nisehen 

Tms daß der Fremde »die Einheit beider Bestimmungen« 

krcises Oder e neb, Position in diesem ist dadurch 

Äl- Uestr i/d'aLTn At von vornher^ in^^^^^^^^ 

-^°;:;n''lLncn°rn Snetr^^ ^^rEin^Üu = ho Zf 
FnZkthei die iesliches Verhältnis zwischen Menschen ent- 
hä t fwcr zu ei'ncr, am kürzesten so - j-^l^^-tÄ". 
stellation Belangt; die Distanz innerhalb des Verhältnisses be 
deutet daß der Nahe fern, das Fremdsein aber, daß der Ferne 
tlT^t IDenn das Fremdsein ist natürlich eine ganz positive Be- 
ziehünKeTne besondere Wechselwirkungsform; die Bewohner 
des Sirius sTnd uns nicht eigentlich fremd - dies wenigstens 

nkhtn einem soziologisch in "«"*' '^«■""'^".t^ür'ün s e 
Wortes - sondern sie existieren überhaupt nicht für uns, sie 
^ehen ienseits von Fern und Nah. Der Fremde ist ein Element 
nlr rruDoe clbst nicht anders als die Armen und die mannig- 
l,^h?nTLeren Feind. - ein Element, dessen immanente und 
S'tellünrzuSdch ein Außerhalb und Gegenüber em- 

stllen Ist wohl so viel wie in diesen paar Sätzen gleichzeitig ge- 
Llrwordm und zwar sowohl manifest und dem Wortlaut 
11 dsa^h indirekt und im Sous-entendu. Als erstes um- 
schreibt hferSimmeJ eine soziologische Kategorie, namlich die 



sich eine eigenartige Deuwng fj'^'^'^^Zrfut^l Z es 
europäischen Wirtschaftsgesellschaft, wo der Juae ,^ 

Upifif kein »Bodenbesitzer« und darum auch nicht raumlicn 
und idlellm gesellschaftlichen Umkreis fixiert ist. Es entsteh 

Ziehung dieser Situation ur die E"^^ ;'cklu^^i,^J^^ .penn der 

„..ch verbunden < Das he. ta^^^^^^^^^^^^ '^^U in- 

f "rh^ b t 1 mgeÄ cls^-l'-haft als einziger in die Situa 
tion kommt, dieser gegenüber »objektiv« sein zu können. Er ,t 
frei von Gebundenheiten und ^''"^'""fl.'^Stf To daß dem 
dieser Freiheit doch gebunden, ^f " *' "^^^^Indft'en Offenhei- 
Fremden gegenüber nicht ""^.^'^^^te der Be^ cntge- 

-dVr^rWorrzu^rmäÄ^^^ 

^'^rAmtCaet ^ Ab" fe's ^Mn ihr wie Si,n,n.l betont, 

S-'?^öSkl eines »abstiaktcienyerhah^^^^^^^^^^^^ 

den, indem sich hier Beziehungen aus ^aUgeme^^ne ^ 

,en« autbauen im Gegensa z zu den spez ^Acn U ^.^^ ^^^ 

derjenigen, die durch die Tradition yeroun 

Fremde mit uns verbunden ^"rch G eÄen«' ^^e ^^^^^^ 

135 



an gesellschaftlichen Tatbeständen bewahrr, aisu zu Soziologie 
wird. 

Bei allem ist es von entscheidender Bedeutung, daß die so ge- 
wonnene Freiheit der Distanz in einem Wissen eigener Art 
kulminiert. Abgesehen davon, daß auch das an alte jüdisdie 
Traditionen anknüpft, in denen jeder erwachsene Mann gehal- 
ten war, ein Minimum an Wissen über Religionsfragen zu ha- 
ben (so gibt es keinen jüdischen Analphabetismus), bewahrt 
diese Situation vor den vielen Versuchungen von Seiten der 
Mächte dieser Welt, die den Weisen und Gerechten nicht nur 
mit Macht und Geld, sondern auch mit Titeln und Avancement, 
Prestige und anderen Mitteln sozialer Einflußnahme zu verfüh- 
ren suchen. Vor alledem ist der jüdische Sozialdenkcr bewahrt. 
Gewiß erwächst aus dieser Situation gelegentlich eine gefährlich 
flackernde Freiheit, wie wir sie etwa in der Affinität von Ernst 
Bloch zu den Wiedertäufern und anderen adventistischen Sek- 
ten finden. Aber sie wird auch zu einem wesentlichen Bestand- 
teil der sozialen Kritik, die daraus erst jene Radikalisierung er- 
fährt, ohne die sie nicht wesentlich werden kann. Wesentlich 
sein heißt hier notwendigerweise radikal sein. Radikal sein be- 
deutet aber nicht nur, die Sache an der Wurzel packen, die — 
nach dem Worte des jungen Marx — für den Menschen immer 
nur der Mensch selbst sein kann; sondern es bedeutet auch, die 
Kritik in die Erkennmis dieser Gesellschaft fortzusetzen, die 
jetzt nicht nur nebenbei erkannt wird, um etwa irgendwelche 
Reformprogramme ins Werk zu setzen, sondern in jener zen- 
tralen Weise zum Objekt der Erkenntnis gemacht wird, in der 
die Gesellschaft mit ihrem eigenen Gesetz nicht nur sich selbst, 
sondern auch das Gesetz des Menschen offenbart, dem es be- 
stimmt ist, in Gesellschaft zu leben. 



Anmerkungen und Quellennachweise 

Die vorliegende Abhandlung ist zuerst als Vortrag am Baycrisdicr Rundfunk vor- 
getragen worden (Winter 1960/61). Sie erschien, herausgegeben von Leonard Rei- 
nisch. Die Juden und die Kultur, Stuttgart 1961. Der vorliegende Abdruck ist fast 
unverändert. Der Wiederabdruck erfolgt mit Genehmigung des Verlages Kohl- 
hammer, Stuttgart. 



Die liier vorgetragene Auffassung vom Sozialen ist die Voraussetzung für das 
Verständnis cTer Abhandlung über »Freiheit und Selbstentfremdung in soziologi- 
scher Siebt«. Sic wurde zuerst im Zusammenhang mit Max Weber vorgetragen in 
einer englisch geschriebenen Abhandlung: Reni König, German Sociology, in: 
/. Roucek. Contemporary Sociology, New York 1958. Das Thema kehrt auch wieder 
in Reni König, Die Situation der emigrierten deutschen Soziologen in Europa, 
die ich zum 5oiährigen Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im 
Jahre 1959 verörfentlichte (in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Soziaipsycho- 
logie XI, 1959) und die ebenfalls im vorliegenden Band abgedruckt ist. 




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ERNEST HAMBURGER 




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67 Riverside Drive - New York, NY 10024 



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16. Frbruar 1972 



Herrn Dr. Vlaus Arndt (Hamburg) 
Mitglied des Deutschen Bundestages 
Bundeshaus 
53 Bonn 




/ 



Sehr geehrter Herr Dr. Arndt j| 

Gestatten Sie, dass ich mich in folgender Angelegen- 
heit an Sie v;ende: 

Ich habe im Jahre 1968 ein Buch ueber Juden im 
oef fentlichen Leben Deutschlands im Verlag J.C.B. Mohr 
(Paul Siebeck) in Tuebingen erscheinen lassen. Es 
behandelt Rr gierungsmitglieder, Parlamentarier und 
Beamte der monarchischen eit (13^R-1918) und bezieht 
auch gelegentlich Gelehrte ein, soweit sie auf die 
Ausbildung kuenftiger Ve-waltungsbeamtei . influss hat- 
ten, also z.B. Professoren des Staats- und Verwaitungs- 
rechts. Ich bereite jetzt die entsprechende Publikation 
fuer die Weimarer Zeit vor. Das obengenannte Buch ist 
in mehreren Hunderten von Exemplarön von der Bundes- 
zentrale fuer politische Bildung beschafft worden. 

In dem ausgedehnten Schrif tv;echsel, den ich im 
7usammenhang mit diesen Veroef fentlichungen fuehrjkfe, 
habe ich auch wiederholt Vrrbinc'iung mit meinem alten 
Kollegen im. Preussischen Inaenministerium, Robert 
Kempner aufgenommen, und ich kenne seine Artikel ueber 
juedische Juristen in "Recht und Politik". Im Zusammen- 
hang ^"'amit hat mir Kempner eine Ablichtung Ihres Bj iefes 
vom 6. Dezem.ber 1971 zugehen lassen, in dem auf Ihren 
Grossvater, Professor Dr. Adolf Arndt Sen. hingewiesen 
wird. Ich habe ihn nicht in* meinem Buch, auch erscheint 
er nicht im Katznelson "Juden im deutschen Kulturbereich", 
dagegen in dem antisemitischen Machwerk Sigilla Veri. 
Da Dr. Arndt sen. auch in der VsTeimarer 7eit gewirkt hat, 
so waere ich Ihnen dankbar fuer eine Mitteilung, ob er voll 
juedischer Abstammung war. Nur solche Persoenlichkeiten 
nehme ich auf, unabhaengig davon, ob sie Dissidenten oder 
getauft waren? wuerde ich darueber hinausgehen, so muesste 
ich ganze Lexika schreiben. 

./. 



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imiigiMi*T""^'"l'r"°''*'™r'?B" - 



in Ihren. Briefe schreiben Sie cla.s Professor Ar.dt^un.ittel^ 
bar nach dem Ersten Weltkrxeg fue^ dxe Deutsche ^. „^/^^^i^i^emolcra- 

Weimarer Reichstag '^^"'?^^^^^^„^^5hl in dieser Form nicht stimmen, 
ten unterlegen sei. Dies ^^"" ^'^J^^,^" p^^r. es gab doch in Weimar 
lie ich schon Kerr>ptier mitgeteilt habe De ^^^^i ^^^^^ ^^^^^ 

keinen Reichstag, sondern f^?,^f^?J^t einem Sozialdemokraten nach 
ferner konnte ein Volksparteilei nicht eine ^^^ lediglich 

dem damaligen P^^"P<^'^^ional^ahliecht unte^liege^^ ^^^^.^^ Anzahl von 
darauf an, dass der Kandidat die fuer e^n Qrossvater cler Fall 
Waehler stimmen erhielt, und v,enndirs bei ^^^ ^^^^ ^^^ Mitglied 
„-,r so qalt eben sowohl der Soziaiaemo^ 
der'Deutschen Volkspartei als gevaehlt. 

„r,;-v,nnden wenn Sie in Ihrer Antwort 
ich waere Ihnen ^f ^f.^^^^J^f ^^f "^n den Band hereingehoert, 
klarstellen ^-'uerden, ob Dr A n^t .^ ^.^^^^ ^^^^^ ^^^ ,,^^ 

den ich jetzt vorbereite, und ^J^" ^^^^ ,^ollton. 
wichtigsten Lebensdaten uebrr ihn angeo 



M 



it besten Empfehlungen 



Ih'' rrgebener 



/ 




53 Bonn 



Dr. Claus Arndt (Hamburg) 

Mitglied des Deutschen Bundestages 



, am 

Bundeshaus 



2^.2.1972 



Fernruf 16 J.J. .. ..J-J" 

Die Wahl dieser Rufnummer vermittelt den 
gewünschten HausanschiuB. 

Kommt ein Anschluß nicht zustande, bitte 
Nr. 161 (Bundeshaus-Vermittlung) anrufen. 




Herrn Ernest H a m b u r 
Leo Baeck Institute 
67 Riverside Drive 

New York, NY 1002^ / USA 



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Sehr geehrter Herr Hamburger I 

Ich danke Ihnen sehr für Ihr freundliches Schreiben 
vom 16. Februar 1972, das mich am 22.2.1972 hier er- 
reichte. 

Auf Ihre Anfrage kann ich Ihnen mitteilen, daß mein 
Großvater, Professor Dr.^^dolf Arndt sen. - wie Sie 
schreiben - volljüdischer Abstammung war (d.h. seine 
beiden Eltern waren Juden). Er heiratete eine preußi- 
sche Offizierstochter nichtjüdischer Herkunft^ die 
Nazis bezeichneten meinen Vater daher als"Halbjuden" 
(sog. "Mischling liGrades"). 

Mein Großvater war Professor des Staats- und des Berg- 
rechts und ist 1926 gestorben. 

Meine Angaben über die Reichstagskandidatur meines 
Großvaters für die Deutsche Volkspartei stimmen ent- 
gegen Ihrer Annahme doch. Ihr Irrtum liegt darin, 
daß Sie annehmen, es sei ein Reichstag in 'Weimar ge- 
meint. Den hat es in der Tat nicht gegeben. Natürlich 
handelt es sich um den Deutschen Reichstag in Berlin. 
Entsprechend der Umgangssprachenbezeichnung der Zeit 
von 1919 bis 1933 als "V/eimarer ^^epublik" ist es aber 
üblich, den Reichstag jener Zeit (im Gegensatz zum 
Reichstag des Kaiserreichs oder des Norddeutschen 
Bundes^t- dem Bundestag von damals-) als "Weim.arer 
Reichstag" zu bezeichnen. Korrekter müßte man natür- 
lich sagen "Reichstag der Vieimarer Republik". 
Mit der Wahlniederlage in Halle war nur gemeint , daß 
mein Großvater eben nicht genügend Stimmen auf der 
Liste der DVP erhielt, wohingegen ein Hallenser Kan- 
didat der SPD genügend Stimmen erhielt. 
Die näheren Lebensdaten meines Großvaters werde ich 
Ihnen in Kürze aus Hamiburg übermitteln. Da mein Groß- 
vater vor meiner Geburt gestorl^en ist, weiß ich die 
erforderlichen Daten nicht aus dem Kopf, habe hier in 
Bonn aber keine Unterlagen. 



Mit freundlichen Grüßen: 
( Dr. Claus Arndt ) 



ERNEST HAMBURGER 



- 67 Riverside Drive - New York, 



NY 
10024 



2. Maerz 1972 



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Herrn Dr. Claus Arndt (Hamburg) 
Deutscher Bundestag 
Bundeshaus 
53 Bonn 

Sehr geehrter Herr Arndt, 

besten Dank fuer Ihr freundliches Schreiben vom 
24. Februar. Besonders danke ich Ihnen, dass f^e "»e^"^,,^ 
Mi^sverstaendnis aufgeklaert haben. Es ergab i.ch daraus. 

dass Sie in Ihrem Brief an Herrn ««"^^^^^f "^^^" ^^^J^' 
dass Ihr Grossvater "unmittelbar nach dem I- Weltkrieg 
zum Weimarer Reichstag kandidiert habe, und dass Herr 
Kempner dies in seinem Artikel uebernommen hat. Ich bezog 
das Wort "unmittelbar" auf das Jahr 1919. 

Sehr dankbar bin ich Ihnen auch dafuer, dass Sie mir 
die wichtigsten Lebensdaten Ihres Grossvaters uebermxtteln 
wollen. Als Staatsrechtslehrer wuerde xch ihn in mein 
ßSch ebenso wie Laband und Georg Jellinek aufgenommen haben, 
lein Ich Ihre Information gehabt haette. Ich moechte dies 
gelegentlich in einem geplanten Artikel nachholen. 

Mit freundlichen Gruessen 



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Dr. Claus Arndt (Hamburg) 

Mitglied des Deutschen Bundestages 

6a - RF - 302 



53 Bonn, gjri 10. März 1972 

Bundeshaus 

Fernruf 16 ?? ?.^.. 

Die Wahl dieser Rufnummer vermittelt den 
gewünschten HausanschluB. 
Kommt ein Anschluß nicht zustande, bitte 
Nr. 161 (Bundeshaus-Vermittlung) anrufen. 




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Herrn Ernest Hamburger 
Leo Baeck Institute 
67 Riverside Drive 

N e w Y o r k , NX 10024 
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Sehr geehrter Herr Hamburger \ 

Ich danke Ihnen für Ihren freundlichen Brief vom 
2.1viärf 1972, der mich am 6.3.1972 hier erreichte. 
Inzwischen hat meine Assistentin aus verschiede- 
nen Nachschlagwerken die erreichbaren Lebensdaten 
meines Grossvaters herausgezogen. Ich übersende 
Ihnen anliegend je eine Photokopie aus 

1) Ktlrschnef»s Gelehrtenkalender, Jahrgang ly^ö 

2) '^er ist's ?, VIII. Ausgabe 1922 

3) \Y.Ko3ch, Biographisches Staatshandbuch, 

Band 1, München 1963. 

Ausserdem konnte ich emitteln, ^^^.\^Z^.f^^\S^^' 
nes Grossvaters Jocob hiess ^^^ seine f^oitter eine 
geborene Levi -.var. .Vann die Eindeutschung des ur 
fprünglichen Familiennamens Aron in Arndt erfolgte, 
konnte ich jedoch ebensowenig mit Sicherheit klä- 
ren wLdie'' Frage, wann genau und unter ;'^1=^|J ,^'^;_ 

ständen mein Grossvater fK'^^^^^^n^^^ten lassS 
te. Die mir jetzt zugänglichen Lebensdaten lassen 
jedoch auch den Schluss zu, dass diese Kandidatur 
iicht nach, sondern vor dem ^'^'^^^'^^i^^S I^^b:^'^^?' 
In Walter Helkels ' "Zeitgenossen ' ^^^^^""^^^ 
Köpfe", Rowohlt-Verlag 1953, heisst es dazu, bein 
Vater (d h.mein Grossvaber CA), Adolf Arndt, war aer 
din^lige'siratsrechtler an der '^^t^^^^^'^' 
zu iener Zeit Rektor der Universität. Die Von an. on 
des Vaters! eines lutherisch getaufton Juden, kamen 

nuo Pov^merA Vater Arndt, der Professor, mit 

fai;ireicJen'o;d;n deutscher ^«-^-^^^^-^tf^^^^^j:,^: 
ein treuer Anhänger des monarichi sehen Go.tesgnaden 

tums, des Kaisers und i^«^lgf ' ^^^^^^f ^^^^^i'ijj^" 
konservativer zweimal im ;^ahlxreis jj'-^li^-; JJ;;^5^Jf ^i. 
zum Reichstag, unterlag aber beide '^'•^l\°^^^p^°^^^_ 
demokraten. Von einem Kuss, den B^^^^^f /5^,,^f f J^ 
sor Arndt in PriedricBtsrlh gab, wird noch heute m 



der Familie Arndt anekdotisch berichtet ("Vater behaup- 
tete später, sich seitdem die Backe nicht mehr ge-^aschen 
zu haben. " ) ^^ 

Sollte ich noch nähere Aufklärung liefern können, v/erde 
ich mich gern noch einmal melden. Aber vielleicht helfen 
Ihnen die jetzt illb ermittelten Daten schon et?/as fiÜr Ihre 
geplante Publikation. 



\ 



Mit freundlichen Grüssen: 

^^ [JUäjuj Wv^M 

( Dr. Claus Arndt ) 



ERNEST HAMBURGER 67 Riverside Drive, New York, NY 

nsrOi^Brrne» cinr^imidu<l neHnomnio>C t^b nx 



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mu 9iri ei; Xu', riul 

'xms'HL 19831^ "^x 







4. April 1972 ' ^^•^ßI^,£S 



Herrn Dr. Claus Aifndt.dield neffosnor/W noita-id non.r^.^ :txM 

53 Bonn , ^ . *. 

Bundeshaus Z" Ihrem Brief vom 

^ , . ri ,^,.-v>-:f '\ ' 10. Maerz 1972 



\ 



\ 



Sehr gehhrter Herr/Arndt, 




nehmen Sie meinen besten Dank fuer Ihr freundliches 
Schreiben vom 10. Maerz d.J. , die anliegenden Photo- 
kopien und die Nachforschungen, die Sie inzwischen 
angestellt haben. 

Aus Ihrem Brief ersehe ich, dass Sie es jetzt fuer 
moeglich halten, dass Ihr Grossvater Adolf Arndt sen. 
doch vor dem Ersten Weltkrieg kandidiert hat. Aller- 
dings ist Walter Henkels Buch "Zeitgenossen keine 
unbedingt zuverlaessige Quelle, aber es ist in der 
Tat wahrscheinlicher, dass er freikonservativer 
Kandidat vor 1914 als dass er ein Kandidat der Deut- 
schen Volkspartei in der Weimarer Zeit war. Im letz- 
teren Falle muesste er mindestens 72 Jahre alt gewesen 
sein, als er kandidierte, unä man wuerde doch kaum 
jemanden, der dieses Alter erreicht hatte, zum ersten 
Mal aufgestellt haben. 

Ich habe die Angaben bei Henkel und auch diejenigen 
in "Wer ist 's" von 1922 aufmerksam gelesen. Aus beiden 
qeht hervor, dass Ihr Grossvater Adolf Arndt sen. 1849 
qeboren ist. und dass seine Mutter den Maedchennamen 
von Fransecky (oder Franseky) trug. Dies deutet nicht 
darauf hin, dass Ihr Grossvater von Seiten beider Eltern 
iuedischer Abstammung sondern nach der Nazi-Terminologie 
"Halbjude" war. Damit wuerde er nicht 7.u dem Personen- 
kreis gehoeren, den ich in meinem Buche behandele, ««^"«ber 
ich Ihnen schon frueher geschrieben habe. Diese Schluss 
folgerung steht allerdings im Widerspruch zu dem, was Sie 
mir frueher geschrieben haben, und vielleicht koennen Sie 
dies aufklaeren. 

Ich hoffe, dass Ihr Vater, dessen politisches Wirken 
ich mit Interesse und Sympathie von hier aus verfolgt 
habe, noch am Leben ist, vielleicht waere er imstande, 
dies aufzuklaeren. Im uebrigen sah ich ausdem Buch von 
Henkel, dass er, offenbar in den ersten Jahren ^^r 
Hitler-Zeit, mit Rechtsanwalt Fritz Schoenbeck assoziiert 
war, was mich interessiert, da Schönbeck als Ministerial 
rat im Preussischen Finanzministerium, bevor er ao^t 
ausschied, beschaeftigt war. Er war dann ^"n^echst mit 
Otto Landsberg assoziiert und ist °"e"^ar nach dessen 
Auswanderung, in ein Assoziationsverhaeltnis mit Ihrem 
Vater eingetreten, falls Henkels Angabe richtig ist. 



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Ich bitte Sie um Entschuldigung , dass ich Sie noch einmal 
mit dieser Familienangelegenheit behelligt habe, es liegt 
mir aber daran, darueber voellige Aufklaerung zu gewinnen, 
um keine Irrtuemer in der kommenden Publikation entstehen 
zu lassen. ""vei j;xj.qÄ .> 

Mit meinem besten Wuenschen bleibe ich* p.urI: 



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mit freundlichen Gruessen 

Ihr 



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Dr. Claus Arndt (Hamburg) ^^"^ ^^fÖ^^ 



Mitglied des Deutschen Bundestages 

6a - RF - 302 



63 Bonn^ r^ 15. Mal 1972 

Bundeshaus 




/^/ 738 Sls? 



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Fernruf 16 



53 35 



Die Wahl dieser Rufnummer vermittelt den 
gewünschten Hausanschluß. 

Kommt ein Anschluß nicht zustande, bitte 
Nr. 161 (Bundeshaus-Vermittlung) anrufen. 



Herrn Ernest H a n b u r 
Leo Baeck Institute 
67 Riverside Drive 

N e V7 Y o r k, lT!ir 10024 



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Sehr geehrter Herr Hamburger l 

Leider ist Ihr letzter ^^rief im Geschäftsgang ver- 
loren gegangen. Da ich mich jedoch an seinen 'vesent- 
lichen Ihhalt noch aus dem Kopf erinnere, kann ich 
Ihnen heute dennoch antworten: 

Die Eltern meines Grossvaters hiessen Jakob Arndt 
und Rosalie Levi und waren beide «^uden» Von Frans ecl^ 
hiess die Schwiegermutter meines Grossvaters mit Ge- 
burtsnamen. Mein Grossvater heiratete Louise ^abler, 
deren Mutter eine geborene von Frans ecky' wa?'. Dies 
war in der Tat eine nicht jiüdi sehe preussische Offi- 
ziersfamilie. Ich füge hier anliegend eine Pijotokople 
aus dem ^Verk "Neue Deutsche Biographie" bei, aus der 
Sie ersehen können, dass diese Angaben zutreffen. Sie 
stimmen irtj läbrigen mit der amtlichen Ahnenfirschung 
der l-Iazi- Wehrmacht überein, die meinen Väter als so- 
gen annten^^Michschling l.^rades" (Halb Juden) und da- 
mit "wehrunwürdig", mich selbst als "Mischling 2. Gra- 
des" (jeweils im Sinne der sogenannten ".^fiürnberger 
Gesetze") und damit "beschränkt wehrwiiirdig" eingrup- 
pierte. ';/äre mein Grossvater nicht "Volljude" gewesen, 
wäre ich von den sog. "Niärnberger besetzen" überhaupt 
nicht mehr betroffen gewesen. 

Ich hoffe, dass die Abstammung meines Grossvaters da- 
mit zu Ihrer Überzeugung als rein jüdisch nachgewiesen 
ist. Sollten Sie jedoch dennoch Zweifel haben oder 
sonst eine Rückfrage für erforderlich halten, dann wä- 
re ich Ihnen für einen entsprochenden Hinweis dankbar. 



Mit freundlichen Grüssen: 
( Dr. Claus Arndt ) 




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Lieber Oonoase Kunze J 

Im letmten H#f% ron "Recht und Politik« ereohleji ef» '• 
itoifeatt Ton Robert K«apner «ber J«Ä»ehe Juristen la 
Demtaohland. Klne leaenaloa dl««#t Beitrages ^^S**| ^ 
gaedrfokllcher Krwihmng Ton "Reoht und Politik famd 
leh dle«#r Tage 1ä de^ J*dlaehen Zeltung "Die Stiiwae ^ 
dw In t#l Aviv ertwhelnondeii Organ der Landsmann-. 
sekaf» «^ irtkeiil»». l#h MIge 4i« Jfc«aplar ii*»«r lel- 
toaft lli« bei. Vielleicht interessiert Si« die Reteia- 
elea« * Ba leh gerade bei dlessn Aufsatz Kempners bln# 
w^l%^ Ich darauf hinweisen, dass in ihm mein Gross- 
▼a%#r (Prof. Dr. Adolf Arndt aen. ) nicht erscheint, ob- 
Mhl auch er su den J4dl sehen Juristen der s/omazlzelt 
g^^art. ir war vor de« ersten feltkrie§ Ordinarius flr 
Staats- und Bergrecht an der Universität Königsberg 1. 
Fr. (1906/06 Rektor) und nach dsa Weltkrieg Professor , 
^In* Halle und Marburg/Lahn. Von Ihm stÄnmen Kcamentare 
i «nr Blwiarokschen und zur Weimarer HelchsTerfassung 
' (die S.Auflage zu letzterem besorgte 1927 mein Vateri« 
frroeee LehrbScher zum preussisohen Bergrecht^und su« 
Staatsrecht. Unmittelbar nach dem I.Weltkrieg kandl<« 
te er (▼er«?ebli^äh7^far'aie Deutsche Volkspartel zum 
Weimarer Reichstag und unterlag In Halle si^en ^ottieJ^ 
demokraten. Qustav Heinomann hat bei meins« OrossTP«— 
einen seiner beiden Doktortitel erworben) er bat%e 
ihm zusammen mit Ernst Leramer in Marburg ein 3€Bü.nar 

sSl^Schiuas nooh eine Bitte: sa»»itte mts Pijf» *• 
liehen Dank fflr seinen Brief Tom 2.12.1971 und dlo 
te Belieferung des österreichischen BundesJustlM 
Dr. Christian Broda und des Clubs der SPS ^M loM» 
(Nationalratsfraktion) • 

Mit den besten «toschen ftr die beworstehendem »el^ 
und fÄr ein gesundes, frlsdllohes und erfolgroloho# 
1972 bin leh 






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S.April 1853 zu Laiulshut, einem altbayr. Ge- 
j^chlecht entstammeiul, sludiertc das., vurdc 
1813 Zivilk()mnii>sär bei der bayer. Armee, 1815 
Mitglied der Geueralintendanlur, 1816 Direkto- 
rialral des Rheinkreises. 1823 Vizepräsident dess., 
1825 Staatsrat, 182() Staatsininistor des Innern u. 
der Finanzen («Mini>tcrium Sparniansbcr-r»). Li- 
beral-westeuropäisch orientiert. 1831 entlassen 
u. zum Gesandten in London ernannt, lehnte A. ab 

u. 202 sich auf seine Güter zurück. 1833 President 
des Uei;entschaftsrates für Koni- Otto von Grie- 
chenland (gestützt auf England), 1831 Staats- 
kanzler in Athen, 1837 auch hier entlassen. 

Literatur: K. Th. v. Ilcigel, J. L. Graf v. Ar- 
man>pcrg (A.D.B. l.Bd.) 1875; J. M. v. Söltl, 
Ludwig I. u. L. Graf v. A. 1886; R. v. Armans- 
pcrrr, L. Graf v. A. (Di..s. München) 1919; Ros- 
witha V. Bary-Annanspcrg, J. L. Graf v. A. (N.D. 
B. l.Bd.) 1953. 

Arnibrnstcr, Emil, geb. 10. Febr. 1843, gest. 18. 
Sept. 1903 zu Freiburg im Breisgau als Amtsge- 
richtsdirektor das., war seit 1897 Mitglied des 
Bad. Landtags (Zentrum). Vorwiegend auf so- 
zialem u. karitativem Gebiet tätig. 

Armbruster, Hubert, geb. 12.Aug. 1911 zuBadcn- 
Baden, studierte in Bcrhn, Heidelberg, Freiburg 
im Breisgau u. Paris, wurde 1939 Referent bei der 
Industrie-u.HandelskammcrinFrciburgimBrcis- 

gau, erhielt 1910 einen Lehrauftrag an der dort. 
Universität für Staats-, VerwaUungs- u. Vülker- 
recht, wurde 1916 Referent beim Staatssekreta- 
riat i'u Tübingen u. Professor in Mainz u. 1948 
Delegierter für den Marshall-Plan bei der Orga- 
nisat'ion curopecnnc de Cooperation 6conomique 
(OECi:) in Paris. 

Eigene Schriften: Die Wandlungen des Haus- 
haltsrechts 1939; Der Vcrwaltungsjurist 1947; 
Handbuch der Montan-Union 1953. 

Armbruster, Johann Michael, geb. l.Nov. 1761 
zu Sulz in Württemberg, gest. 14.Jan. 1814 zu 
Wien (durch Selbstmord), Mitschüler Schillers auf 
der Karlsschulc in Stuttgart, Gärtner in Hohen- 
hcim, 1782 Sekretär bei Lavater in Zürich, mit 
ihm Schriftleiter der «Zürcher Zeitung» u. Her- 
ausgeber von Lavaters «Physiognomischen Frag- 
menten». 1785 redigierte er das in Kempten er- 
schienene «Schwäbische Museum ».Seit 1786 freier 

Schriftsteller in Konstanz am Bodensee, bekämpf- 
te in der Folge publizistisch die Franz. Revolu- 
tion, was ihm eine Anstellung im österr. Staats- 
dienst verschaffte. Seit 1801 in Wien, 1802 Zen- 
sor u. 1805 Hof:,ekrctär das., wo er 1809 die Zeit- 
schrift «Der Wanderer» begründete u. durch die 
«Vaterländischen Blätter für den österreiclii- 
schen Kaiscrstaat» (1809-13) auf die Erhebung 



Österreichs einwirkte. Seine Schrift «Wer ist ein 
üsterr. Krieger im Geist u. in der Wahrheit?» 
1813 ixehürt zu den ausgezeichnetsten Erzeugnis- 
sen der Publizistik im Zeitalter der Befreiungs- 
kriege. 

Literatur: K. Zimmermann, J. M. Armbruster. 
Sein Leben u. Wirken u. die Vaterländischen Blät- 
ter für den österr. Kaiserstaat 1934; dcrs., J. M. 
A., der Gründer der volkstümlichen poUtischen 
Presse Österreichs (Unsere Heimat, Wien 10. 
Jahrg.) 1937; Emil Dovifat, J. M. A. (N.D.B. 
l.Bd.) 1953. 

Arndgen, Josef, geb. 24. Febr. 1894 zu Rheydt, 
zuerst Stukkateur, war dann bis 1933 Angestell- 
ter im Zentralverband Christi. Lederarbeiter in 
Frankfurt a. M., Schriftleiter der «Deutschen 
Lederarbeiter-Zeitung» u. Gewerkschaf tslciter 
für das Gebiet Hessen u. Hessen-Nassau, später 
Lcbensmittclhändler, zeitweilig verhaftet, wurde 
1945 Mitbegründer der Deutschen Gewerkschaft 
u. der Chrirtlich-Dcmokratischcn Union in Hes- 
sen, hierauf Ministerialdirektor im Miidsterium 
für Arbeit u. Wohlfahrt in Wiesbaden, 1947 -Mi- 
nister u. stellvertretender Landesvorsitzender der 
Christlich-Demokratischen Union u. 1949 Mit- 
"■lied des Deutschen Bundestags. 

Arndt, Adolf, geb. 29. Sept. 1839 zu Potsdam, 
gest. 31. März 1912 auf Gartschin im Kreis Ba- 
rent, Rittergutsbesitzer, war seit 1898 Mitghed 
des Prcuß. Abgeordnetenhau:5es (frelkonscrvativ). 



Arndt. Adolf, geb. 21. Okt. 1849 zu Freienwalde 
'!n Sommern, gest. 22. April 1926 zu Marburg an 
der Lahn, war 1900-12 Professor des Staats- 
rechts in Könlgsber;^ später in Marburg. 

Eigene Schriften: Die Verfassungsurkunde für 
den preuß. Staat 1886 (7. Auü. 191 1); Das Staats- 
recht des Deutschen Reiches 1901; Verfassung 
des Deutschen Reichs 1919 (2. Auü. 1921) u.a. 

Arndt, Adolf, geb. 12. März 1904 zu Königsberg 
in Preußen, Sohn des Vorigen, studierte in Mar- 
burg u. Berlin (Doktor der Rechte), wurde 1932 
Landrichter, wa^JÜ^Tria-ßfechtsanwalt in Ber-_ 
limJiIid-49 Ministerialrat im Hess. Justizmini-. 
"T^^HumT 1948-49 außerdem Mitghed des Wirt- 
schaftsrats (Vorsitzender von dessen Rechtsaus- 
schuß) in Frankfurt u. seit 1949 Mitglied des 
Deutschen Bundestags (Sozialdemokrat). 

Arndt, Ernst Moritz, geb. 26.Dez. 1769 zu Scho- 
ritz bei Garz auf Rügen (damals schwedisch), 
gest. 29. Jan. 1860 zu Bonn am Rhein,, in patriar- 
chahsch-bäuerhchen Verhältnissen aufgewach- 
sen (sein Vater war erst 1769 aus der Leibeigen- 
schaft enüassen worden), studierte evang. Theo- 



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a. d. Handelshorliso mlc^. 1^^^^^ a,^,^, gteUg. 
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in d ^V-^^VIr Ucb. 03 ;^. A- l^...^,^^,^,.oeb. 03; 
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no^r. I. IUI. 09, ^•,.\'; ;:,^^i)t?,uuK 1-2; Ant- 

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L ADBI; K. Haebler, Die dt. Budidrudcer d. 
15. Jh.s im Auslande, 1924, S. 60-64; K. Löfflcr-J. 
Kirchner, Lex. d. gesamten Buchwesens I, 1935, 
S. 85; Die Erfindung Gutenbergs, ihre Anwen- 
dung u. Entfaltung in Lübeck, 1940; Benzing. 

Olof Ahlers 

/ 
/ Arndt, Adolf, Reditsgelehrter. * 21. 10. 1849 

Freienwalde (Pommern), 122.4.1926 Mar- 
burg/Lahn. 

V Jakob A.; M Rosalia Levi. 
Aus dem Justizdienst trat A. 1877 zur Berg- 
verwaltung über, wurde Geh. Oberbergrat 
in Halle/Saale, 1879 Privatdozent in Halle, 
1893 ao. Professor und 1900 o. Professor des 
Staats-, Verwaltungs-, Kirchen-, Kolonial- und 
Völkerrechts in Königsberg. 1913 emeritiert, 
wurde er 1920 Honorarprofessor in Marburg. 
- A. entfaltete eine reiche wissenschaftliche 
Tätigkeit auf dem Gebiet des Verfassungs- 
und Verwaltungsrechts (Preuß. Verfassungs- 
urkunde, Verfassung des deutschen Reiches 
vor wie nach dem 1. Weltkrieg, Verordnungs- 
recht, Reichsbeamtengesetz), zumal des Berg- 
rechts (Entwurf eines deutschen Berggesetzes, 
Preuß. Berggesetz) und seiner Geschichte 
(Geschichte des Bergregals und der Bergbau- 
freiheit), in letzterer Beziehung führte er 
eine heftige Polemik gegen Adolf Zycha. 
W u. 0. Verordnungsrecht d. dt. Reiches, 1884; 
Dt. allg. Berggesetz f. d. preuß. Staaten, 1885; 
Verfassungsurk. f. d. preuß. Staat, 1886; Bergbau 
u. Bergpolitik, 1894; Verfassung d. dt. Reiches, 
1895; Staatsrecht d. dt. Reidis, 1901; s. a. Verz. 
iw. Jurist. Dtld., Gal. v. Zeitgenossen Dtld.s auf 
d. Gebiete d. Reditswiss., 1902 (P). 
L Dt, Juristonzlg., Bd. 31, 192G, S. 660, 

Wilhelm Weizsäcker 

Arndt, Ernst Moritz, Historiker und Dichter, 
*26. 12. 1769 Schoritz (Rügen), t 29. 1. 1860 
Bonn, (luth.) 

V Ludwig Nikolaus A. (1740-1808), ursprüngl. 
rügensdior Loiboigcner, später Gutspächtcr in 
Dumsowitz, Grabitz u. Lobnitz b. Stralsund; M 
Wilholmina Friedorica Elconora Dorothea (1743 
bis 1804), T d. Nikolaus Schumacher (1706-62), Krü- 
ger in Lanckcn, u. d. Ilse Marie Gilow (1714-59) aus 
Vilmnitz; Güo Ludwig A. (1684-1758), Sdiäfer 
zu Putbus u. Darsband; Gmo Anna Subklew 
(1699-1794) aus Zargelitz; od 1) Greifswald 23.2. 
1801 Charlotte (Marie, tl801), T d. Prof. d. Na- 
turgcsch. u. Ökonomie Johann W. Quistorp, 
2) Berlin 8.9. 1817 Nanna (Marie, 1786-1869), 
Stief-SdiR» d. Theologen Friedr. Schleiermacher; 
S aus 1) Karl Moritz A. (1801-85), Forstmeister 
(E Arno Willibald A., preuß. Gen., Gouverneur 
V. Metz); 7 K aus 2). 

A. besuchte die Gelehrtenschule in Stralsund 
und studierte 1789-94 Theologie, Gesdiichte, 
Erd- und Völkerkunde, Spradien und Natur- 
wissenschaften in Greifswald und Jena; an- 



Arndes - Arndt 



schließend war er Hauslehrer bei Ludwig 
Gotthold Kosegarten. 1798-99 unternahm er 
eine Bildungsreise über Jena und Bayreuth 
nach Österreich, Ungarn, Italien und Frank- 
reich. 1800 wurde er Privatdozent für Ge- 
schichte und Philosophie in Greifswald, 1805 
ao. Professor ebenda, 1803 sowie 1806-09 
hielt er sich in Schweden auf (1806-07 Mit- 
arbeiter an der schwcd. Gesetzeskommission 
für Pommern, Redakteur des „Nordischen 
Kontrolleur"). 1809-11 war er in Greifswald, 
1812-16 Mitarbeiter des Freiherrn vom Stein. 
1818 zum o. Professor nach Bonn berufen, 
wurde er 1820 wegen angeblicher demago- 
gischer Umtriebe vom Amt suspendiert; 1822 
wurde das Verfahren zwar eingestellt, aber 
er wurde nicht rehabilitiert und durfte von 
1826-40 keine Vorlesungen halten; erst beim 
Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. er- 
folgte seine Wiedereinsetzung. 1848 war er 
als Abgeordneter für Solingen in der Pauls- 
kirche (rechtes Zentrum) Anhänger der preuß. 
Erbkaiserpartei. 

Durch das mütterliche Erbe war A. zum 
Poeten, zur versonnenen Träumerei mit fei- 
nem Verständnis für Frauen bestimmt, der 
nüchterne und praktische Sinn, den er vom 
Vater her besaß, hielt ihn zu einem tätigen 
Leben an. Der Sohn des Leibeigenen hatte 
eine starke Liebe zur pommerschen Heimat 
und dem angestammten patriarchalischen 
schwed. Fürstenhaus. Der aristokratischen 
Kultur des 18. Jh.s und den absolutistischen 
Staaten Preußen und Österreich stand er 
innerlich fremd gegenüber. A. begrüßte des- 
halb zunächst die französ. Revolution von 
1789 als das Erwachen einer Volksindividuali- 
tät, später stieß ihn der rationalistische Des- 
potismus der französischen Regierung ab, 
die er als eine Vergewaltigung des lebendigen 
Volksgeistes ansah. Unter den Eindrücken 
seiner Studienzeit, dem Einfluß Herders, 
Jakob Böhmes und Kosegartens konnte er 
sich nicht zu einer Tätigkeit als Pfarrer ent- 
sdiließen und suchte durch eine Studien- 
reise seine Persönlichkeit zu bilden. In seiner 
Neigung zwischen Schweden und Deutsch- 
land sdiwankend, fand er in der französ. 
Revolution ganz den Weg zu letzterem. 
Starken Eindrucke machte auf ihn die Ge- 
dankenwelt seines schwed. Kollegen Thomas 
Thorild, der von Kant, Herder, Jean Paul, 
Klopstock und der schwed. Volkstradition 
herkommend die Forderung einer den ger- 
man. Rechtsideen entsprechenden Volksord- 
nung aufgestellt hatte. A.s „Versuch einer 
Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern 
und Rügen" (1808) fand als Kampfschrift 
gegen adlige Bauernlegerei die Billigung 
Gustavs IV. von Schweden und führte 1806 



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__^^^^_^___^^^_^^^^ veroef fentlichte Bonn Buch ueber 
das Schicksal des deutschen 'Kapitalismus, 1927 ein zweites Buch 
ueber Geld und Geist, vom Wesen und Werden der ameritaanAscben 
KirkKBdcKÖcx Welt, sieht Amerika als Eunheit von Geld und Geist 
mit ungeheurem Keservoir jugendlicher Kraefte an. Ist seit 1919 
regelmaessiger Mitarbeiter an der Rundschau. 




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V.C6 






ratorien zu den Anfängen des 
Krebsprozesses zurückgehen 
muss. Das Weizmann-Institut 
hat zu diesem Zweck neue ex- 
periment'elle Techniken enfcwik- 
kelt. 



fen die Ausiösestoffe, der Virus 
und die Chomikalie, in der Zelle 
die gleiche Reaktion hervor? 

Das Institut konnte erfolg- 
reich bei einem Hamster mit 
dem Virus gesunde Zellen di- 



riiiiige aauern wurut, tTritu uiese 
Theorie hat sich bestätigt. "Die 
Höchstzeit betrug ein bis zwei 
Tage", sagt er. "Die verwandten 
Chemikalien waren 3,4- 
Benzpyren und 3-Methylchol- 
anthren." 



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Ml Ji Bonn 



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1 



Fasit 92j ährig ist er jetzt in 
seiner anderen Heimatstadt Lon- 
don gestorben, wo er schon als 
Münchner Universitätsprofes- 
sor imtmer sein eigenes Reitpferd 
stehen hatte. An der Isar war 
Moritz Julius Bonn damals eine 
populäre Figur, nicht nur wegen 
seines weltmännischen Witzes, 
sondern auch wegen seines poli- 
tischen Freimuts. 

Wenn der letzte Bayern-König 
den zierlichen Gelehrten im Eng- 
lischen Garten traf, hielt er ihn 
regelmässig zu einer langen Dis- 
kussion fest. Man kannte ihn 
aber auch jenseits des Ozeans, 
wo er seit einem halben Jahr- 
hundert Gastvorlesungen an 
führenden Universitäten gehal- 
ten hat und im ersten Weltkrieg 
an der Seite des Botschafters 
Graf Bernstorff um ednen 
deutsch- amerikanischen Aus- 
gleich rang. Afrika hat er an der 
Seite seiner englischen Frau, die 
ihn um Haupteslänge überragte. 



kreuz und quer im Sattel durch- 
streift, ein früher Erforscher und 
Kritiker der Problematik des 
"Kolonialismus". 

Bonn entstammte einer Frank- 
furter jüdischen Bankierfamilie, 
bei der sohon der junge Goethe 
Geld zu borgen pflegte. Zum 
Lieblingsschüler des grossen 
Wirtschaft slhistorikers Lujo 
Brentano wurde er durch eine 
Doktorarbeit, in der er die Fol- 
gen übermässiger Ausbeutung 
der amerikanischen Silberberg- 
werke durdh das Spanien des 16. 
Jahrhunderts schilderte: die er- 
ste europäische Inflation. Dann 
folgte eine Geschichte der engli- 
schen Kolonisation in Irland, die 
tief in die Probleme der sozialen 
Struktur nationaler Freiheitsbe- 
wegungen hineinleuchtete. Sein 
letztes, nur englisch erschiene- 
nes Hauptwerk, sagte vor dem 
zweiten Weltkrieg den unaus- 
weichlichen Zerfall des briti- 
schen Weltreichs voraus. 

Bonn war ein unermüdlicher 
Vermittler zwischen angelsäch- 
sischer und deutscher Politik, in 
brillanten Essays wie als diplo- 



j m atischer Sachverständiger in 
I Versailles und auf den Welt- 
wirtschaftskonferenzen der Zwi- 
schenkriegszeit. Auch als Hitler 
ihn aus Deutschland vertrieben 
hatte, hielt er vor englischen 
und amerikanischen Hörern und 
Lesern daran fest, es sei falsch 
und verhängnisvoll, das Dritte 
Reich mit dem deutschen Volk 
zu identifizieren. 

Zu seinem 60. Doktorjubiläum 
wurde er im Münchner Audito- 
rium Maximum für diese Lebens- 
leistung, die sich auch in seiner 
anschaulichen Selbstbiographie 
.spiegelt, begeistert gefeiert. Er 
wehrte selbstkritisch ab: "Auch 
ich habe manchmal Amgst ge- 
habt, aber Ich hielt es für un- 
erlaubt das zu zeigen. Vergessen 
habe ich manche bösen Erleb- 
nisse in Deutschland nicht, aber 
ich kann vergeben." (i.b.) 



In New York starb Bert Weil 
im 76. Lebensjahr, der Inhaber 
der Firma "Devonsheer Melb-ix 
Corporation", der als Erfinder 
des vi ellbeliebten Melba Toast 
Gebäcks gilt. 




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iJlcue 3iird)fr Z(\\m^ 



FEUILLETON 



|Trf.ftT» <». Tnn'n'* l*^'^ FernaMc^a^tc Nr. ^ ^ 



Zur Erinnerung an Max Born 



A(^s der Zeitung erfahren wir. daß Max Born im 
holten Alter von 87 Jahren in Göttingen gestorben 
ist: Max Born hat sich um 1915 einen Namen gemacht 
durch seine «Dynamische Theorie der Kristallgitter». 
In großangelegten monographischen Darstellungen 
bat er gezeigt, wie die Eigenschatten der Kristalle 
ans ihrem Aufbau aus Atomen quantitativ erklärt 




werden können. Da in einer solchen Theorie die ver- 
schiedenen Atomarten, welche das Kristallgitter bil- 
den, durch ihr Zusammenwirken die beobachtbaren 
Eigenschaften des Kristalls hervorbringen, treten 
in der mathematischen Darstellung kompli/.ierte Sum- 
men über zahlreiche Indizes auf, welche die Atome 
und Elementarzellcn des Kristalls unterscheiden. Viele 
Fachkollegen - ältere und auch jüngere - konnten 
sich, trotz aller Bewunderung für den großen Zug 
in diesen Arbeiten, nicht vom Gefühl frei machen, 
daß Born eine ungebührliche Vorliebe für kompli- 
zierte Summen mit vielen Summationsindizes habe. 
Wie ihm dann aber Hciscnher'^ 1925 seine erste, 
sehr undurchsichtige Arbeit zur Quantennieohanik 
des harmonischen Os/illators zur Beurteilung über- 
gab, bewährte sich die große formal-mathematische 
Erfahrung Max Borns glänzend. Denn Born erkannte 
sogleich, daß die Summationen in Heisenbergs Arbeit 
dem Gesetz der Matrizenmultiplikation entsprechen 
und daß diese Matrizen Operatoren in einem Hilbert- 
Raum sein müssen. Als Grundformel, die hinter den 
Heisenbcrgschen Entwicklungen stand, entdeckte er 
die Gleichung pq-\-qp=-ih: d. i. die berühmte Ver- 
tauschungsrelation der Quantenmechanik. Born sah 
sich daher nach einem jüngeren Mitarbeiter um, der 
die nöliitcn nvilh.:matischcn Kenntnisse haben sollte, 
um ihn bei der Weiterentwicklung der Theorie zu 
unterstützen. Er fand ihn in Fasqual Jordan, einem 
Schüler von Hilbert. Mit ihm veröffentlichte er noch 
im gleichen Jahr die erste mathematisch fundierte 
Arbeil zur Quantenmechanik, der bald eine zweite 



mit Heisenberg und Jordan als Mitarbeitern folgen 
sollte. Durch diese Arbeiten wurde das damals um- 
laufende boshafte Wort: «In Göttingen blüht zwar 
der Baum der mathematischen Physik, trägt aber 
keine Früchte», glänzend widerlegt. 

Wie dann die Wcllenmcchanik entstand, durch 
welche der Theorie erst eine mathematisch einwand- 
freie Grundlage gegeben wurde - die Schrödinger- 
schen Wellenfunktionen spannen den Hilbcrt-Rauni 
auf, in welchem die Operatoren wirken — , erkannte 
Born den physikalischen Sinn dieser zunächst rätsel- 
haften Theorie. Ihm verdanken wir die noch heule 
gültige statistische Deutung der Wellenfunktionen als 
Wahrscheinlichkeitsampliluden. So hat also Born 
in jenen Jahren entscheidend in die Entwicklung der 
Quantentheorie eingegriffen. Die Welt freilich war 
vor allem beeindruckt durch die genialen Leistungen 
der 25jährigen Gelehrten wie Heisenberg und Dhuc, 
denen die Lösung des Quantenrätsels geglückt war: 
ihre Namen waren in aller Munde. Und hinter ihnen 
ahnte man den Magus des Nordens, den Vate: der 
Atomtheorie: Niels Bohr. Born war kein Magus und 
kein genialer Jüngling, und so wurden seine Ver- 
dienste nicht in ihrer wahren Bedeutung erkannt. 
Als akademischer Lehrer hat er freilich stets die Be- 
wunderung und die Liebe seiner Schüler besessen. 

Ich selbst habe ihn in meinen ersten Semestern in 
Göttingen als Dozenten erleben dürfen. Er war eine 
vornehme, aufrechte Gestalt, so wie sein Charakter 
aufrecht und vornehm war. Er hat damals eine Vor- 
lesung über Relativitätstheorie für Flörer aller Fakul- 
täten gehalten, die wir mit Begeisterung besuchten 
und die eine pädagogische Meisicrleistung war. Wie 
habe ich meine älteren Kommilitonen beneidet, die 
an dem theoretischen Seminar, das er mit ficrnumn 
Werl zusammen leitete, teilnehmen durften: 

Die großartige Göttinger mathematisch-physika- 
lische Schule ist dann aber, noch während meiner 
Studentenzeit, der braunen Revolution /um Opfer 
gefallen. Born war, als N ichtarier, «nicht mehr trag- 
bar». Für ihn, der sich als Träger deutscher Kuliur 
und Bildung ganz als Deutscher fühlte, war das ein 
schrecklicher Schlag. Nach Amerika wollte er nicht 
gehen, und so war er glücklich, als ihm in Edinhurg 
eine neue Wirkungsmöglichkeit eröffnet wurde. Die 
wissenschaftliche und die politische Entwicklung die- 
ser ganzen Zeit findet ihre Spiegelung in dem kürz- 
lich erschienenen Briefwechsel von Born mit Alhcri 
Einstein, den der greise Gelehrte noch herausgegeben 
und erläutert hat. 

Nach dem Krieg ist Max Born im Jahre 1956 in 
die Schweiz gekommen, um an der 'lagung in Bern 
«50 Jahre Relativitätstheorie» teilzunehmen. Sein 
Haar war weiß geworden, sein Gang war leicht und 
sicher, so wie ich ihn immer in Erinnerung hatte. Er 
hat einen wissenschaftlich klaren, inhaltsreichen und 
aus persönlicher Sicht gestalteten Vortrag gehalien. 



diMchgeführt worden. Deshalb ist es ein großes Ver- 
dienst Ulrich Hausnwnns, des Ordinarius für Archäo- 
logie in Tübingen, den ersten Band einer Neubear- 
beitung des Handbuchs der Arcluudo'/w vorzulegen.-' 
Mit Recht hat er darin zwei Manifeste der oben ge- 
schilderten geistigen Situation beibehalten, die schon 
in der vorigen Ausgabe des Handbuchs 1939 erschie- 
nen waren: Ernst Buschor, «Begriff und Methode der 
Archäologie», und Bernhard Schv/eitzer, «Das Pro- 
blem der Form in der Kunst des Altertums». Andere 
Teile des Bandes sind dem Gegenstand entsprechend 
konservativer gehalten, so vor allem der zweite Teil 
des Bandes über die Schrift und die Schriftzeugnisse. 
Eine großartige neue Entdeckung hätte man hier 
^chon dadurch andeuten können, daß man den Ab- 
schnitt über die Schrift in Mesopotamien dem über 
die Schrift in Aegypten vorangestellt hätte, denn das 
höhere Alter der Schrift in Mesopotamien ist doch 
unbestritten und wird bekräftigt durch Marc Brandes* 
l-nldeckungen. aus denen hervorgeht, wie sich dort 
schriftliche Imagination in Steinstiftmosaikon und an- 
derem vorbereitet.-' Wie sich der Forschungsstand 
aber in den letzten dreißig Jahren verändert hat. tritt 
im Handbuch darin hervor, dass «alle Beiträge zum 
Abschnitt über die Schrift im alten Orient. Kypros 
und Kreta vollsiändig neue Originalbeiträge darstel- 
len», während die Abschnitte über die Inschriften 
(von A. Hehm) und über die literarischen Zeugnisse 
nur durch Zusätze auf den heuligen Stand der For- 
schung gebracht werden mußten. Für die Inschriften 
hat das G. Klaffenbach, für die literarischen Zeug- 
nisse W. H. Gross übernommen. Für den Beitrag 
Pernice hätte man sich kräftigere Ergänzung ge- 
wünscht. Zu den Nachrichten über Perspektive ver- 
zeichnen G. Richter in ihrem oben genannten Band 
und K. .Schauenburg in der Festschrift für U. Jantzen 
(1969) wichtige neuere Literatur, aus der ich Rudolf 
.Schnyders Abhandlung in der Zeitschrift für Schwei- 
zerische Archäologie und Kunstgeschichte 1962 her- 
vorheben möchte. Ueber Bilderzyklen (4.^3ff.) gibt es 
wichtige neue Arbeiten von K. Lehmann. M. L. 
Thompson und andern (vgl. Römische Mitteilungen 
1965, 116). Eine der Ciruppen, die in einem Gedicht 
des Herodas von zwei Frauen im Heiligtum des As- 
klepios von Kos bewundert werden, hat K. Lehm.ann 
in einem Marmorfragment von New York nachge- 
wiesen («American Journal of Archaeology», 1945); 
den Satyr an der Oi'eÜe, den ein Epigramm der 
Anthologie rühmt, G. Bakalakis in «Antike Kunst», 
I9(i6. Vor allem aber sollten zu den Illustrationen 
auf Papyrus die hochwichtigen Arbeiten von Kurt 
Weit/mann genannt werden, der im Index des Bandes 
nicht vorkommt, obwohl sich der Herausgeber Haus- 
mann selbst so verdienstvoll mit diesen Problemen 
beschäftigt hat. Auch Hausmanns Arbeiten sind nicht 
<j;enannt.'^ 



vielleicht den besten unter all den vielen Noiuägcu. 
die wir von den berühmten Gelehrten aus aller Welt, 
die damals versammelt waren, gehört haben. Als 
Meister in seinem Fach, als Mensch, der sich seiner 
Verpflichtung für die Mitmenschen bewußt war. wird 
er in unserer Erinnerung fortleben. Markus Eierz 



Antike als Gegenwart 



Es zeigt sich eine immer schärfere Trennung in 
unserer Gesellschaft, eine ganz andere, als sie Marx 
vorhergesagt hatte: die einen wollen das Leben mög- 
lichst gewinnbringend, zweckmäßig und bequem ein- 
richten, die andern fragen nach seinem Sinn, nach 
Maß und Rang und verstehen neu, was Askese heißt. 
Jene suchen in der Schule Vorbildung für praktische 
Berufe, diese lehren die Sprachen, in denen den Men- 
schen die kostbarsten Offenbarungen zuteil geworden 
sind. Sie suchen die geistige Uebcriieferung neu zu 
verstehen -«Geschichte als Lebenselemenl». wie es 
bei Wolfram von den Steinen heißt. Wer wollte leug- 
nen, daß Zweck und Gewinn immer deutlicher als die 
Ciötzen der letzten anderthalb Jahrhunderte hervor- 
treten und daß die Künste mit immer schrilleren 
Dissonanzen darauf reagieren? 

Um so kostbarer sind uns Dichtung, Bildkunst 
und geistige Bewegungen, die jenen Götzen entgegen- 
treten. Als ich vor zwanzig Jahren über «Orient, 
Hellas und Rom in der archäologischen Forschung 
seit 1939» zu berichten hatte, waren Entdeckungen 



genialem Buch «Griechische Vasen» (1969). Von des 
großen Vasenforschers John D. Beazleys Verdiensten 
und von seiner Schule zu sprechen, würde eine eigene 
Abhandlung erfordern, aber dies imd viel vom neuen 
Bild der griechischen Kunst überhaupt kommt in dem 
praktischen und mit viel Unbekanntem vorzüglich 
illustrierten Handbuch der ^griechischen Kunst von 
Gisela M. A. Richter zum Ausdruck, das zuerst 1959 
und nun 1969 schon in sechster Auflage erschienen 
ist,' ein beispielloser Bucherfolg auf diesem For- 
schungsgebiet. Von der neuen Auflage gibt es sogar 
eine Taschenbuchausgabe, nachdem schon 1966 eine 
deutsche Uebersetzung erschienen war. Nicht nur die 
wohlbekannten Gattungen der griechischen Kunst 
sind mit gleichmäßiger Sorgfalt berücksichtigt, son- 
dern auch Möbel. Textilien, Glas und Inschriften. 
Eine vorzügliche Bibliographie, eine hypothetische 
chronologische Liste von Hauptwerken, dazu Wort- 
erklärungen imd Indiccs erhöhen die Brauchbarkeit 
des Werkes. 

Sehr viel reicher illustriert als das genannte Werk 
h>man-Wedeki1iKs ist ein neues Buch desselben li- 



Sehr viel Fleiß steckt in W. Schierings neuem 
großem Beitrag, der sich bescheiden «Zur Geschichte 
der Archäologie» nennt. Schlußbemerkungen erklä- 
ren, warum die große Aufgabe nicht gleichmäßig und 
ie!f:.ch nur fragmentarisch bewi^.Uigt werden konnte. 
Die oben geschilderten geistigen Ereignisse, die für 
die Gegenwart so wichtig sind, treten kaum hervor; 
Buschor. Kunze, Payne werden nur beiläufig, Gi-uben 
und die großartigen Entdeckungen D. Ohlys in Aigina, 
seine Wiederherstellung der Aigineten überhaupt nicht 
ijenannt. Aber das Gebotene wird gute Dienste tun. 
Wer sich in das Gebiet einarbeitet, wird sich dankbar 
orientieren, in welche forschungsgeschichtliche Zu- 
sammenhänge die Autoren gehören, mit denen er zu 
tun hat. Eine Geschichte der Archäologie soll eine 
Geschichte der Forschung, nicht nur eine Geschichte 
der Besetzung archäologischer Lehrstühle sein. In 
Basel wäre Bachofen zu nennen gewesen, der nie 
Professor für Archäologie war. Erster offizieller Fach- 
vertreter war dort vor Ernst Pfuhl Hans Dragendorff 
auch um die Römerforschung in der Schweiz hoch- 
verdient. Unter den Museen wäre das Vindomssa- 
museum in Brucg zu nennen, das man das schönste 
Museum römischer Kleinkunst nördlich der Alpen 
genannt hat. 

I ücken sind unvermeidlich bei einer solchen bahn- 
brechenden Arbeil. Dankbar für das Gebotene kann 
man nur wünschen, das imponierende Handbuch 
möge mit derselben Energie weitergeführt werden. 
von der sein erster Band zeugt. j^^^^j Schefold 

1 Gisela M. A. Richter: A Handbook of Grcck Art. 
431 S. .'>2(» Abb. Phaidon. Loiulon und New York 1%*). 

J T Charbonncaux. R.Martin. F. Villard: Das archai- 
sche Griechenland (Universum der Kunst) 460 S., 4.54 Abb., 
ilavon 111 farbig. C H. Beck, München 1%9. 

1 liaiuilMieh «i>.' \rchiii>!ogie. Tni Rahnieii iIcs Hand 



«Konzert für jun^^e Leute» 

Eine «Einjiihrwv^ in die Welt der Musik» 
von Leonard Bernstein 

Kh. Das erfolgreiche Bemühen des berühmten 
amerikanischen Dirigenten Leonard Bernslein, die in 
seinen Konzert-, Rundfunk- und Fernsehprogrammen 
enthaltenen Werke so perfekt als nur möglich dar- 
zubieten, ist allgemein bekannt und auch gebührend 
anerkannt. Weniger bekannt ist aber in Europa sein 
nicht minder intensives Bemühen, der Musik neue - 
vor allem jugendliche - Hörerkreise zu gewinnen. 
In diesem Sinne fuhne er vor einigen Jahren im 
amerikanischen Fernsehen eine Reihe von Matineen 
durch, die er «Konzerte für junge Leute» nannte und 
in denen er nicht nur in sehr liebenswürdiger und 
drastischer Art von Musik erzählte, sondern auch mit 
seinem Orchester oder allein am Klavier in vielen 
kürzeren oder längeren Beispielen die von ihm er- 
wähnten musikalischen Erscheinungen zu tönendem 
Leben erweckte. Seine Texte wurden mit den Noten- 
beispielen und drei 17-cm-Schallplalten 1962 in New 
York veröffentlicht. - Seit kurzem liegt auch eine 
analog gestaltete deutsche Ausgabe vor.'^ Die Ueber- 
setzung wurde von Else Winter so geschickt vor- 
genommen, daß die lebensvolle, die jungen Leute un- 
mittelbar fesselnde Ausdrucksweise Bernsteins voll- 
konunen erhalten blieb. 

Das mit hübschen, meist humoristischen Illustra- 
tionen ausgestattete Buch behandelt zum Teil Pro- 
bleme, die selbst erfahrenen Musikologen Schwierig- 
keiten bereiten und für die auch Bernstein keine ab- 
solut überzeugenden Lösungen vorlegen kann. Die 
Art seiner Darstellung, die meist vom Gegenteil der 
angestrebten Lösung ausgeht, ist aber so spannend, 
daß die meisten der jugendlichen Leser gewiß dazu 
angeregt werden, den angetönten Dingen selbst weiter 
nachzugehen. — Und das ist ja schließlich der Haupt- 
zweck von Bernsteins Bemühungen. 

Die meisten Schwierigkeiten ergeben sich in den 
ersten beiden Kapiteln, deren Titel lauten: «Was be- 
deutet Musik?» und «Was ist klassische Musik?» 
Nachdem Bernstein gezeigt hat, daß vielen Musik- 
stücken die verschiedenartigsten literarischen oder 
bildhaften «Programme» unterlegt werden können, 
die alle zu stimmen scheinen, kommt er schließlich zu 
der einzig möglichen Definition: «Die Bedeutung 
der Musik liegt in der Musik selbst und sonst nir- 
gends.» Damit ist das jugendliche Publikum sehr ent- 
schieden auf seine eigenen, von Person zu Person 
wechselnden Flörerlebnisse hingewiesen. (Bei den Er- 
wachsenen ist CS ja ebenso!) «Klassische Musik» de- 
finiert Bernstein durch Beispiele aus der Epoche von 
Händel und Bach bis Haydn, Mozart und Beethoven, 
wobei als entscheidendes Kriterium die mit außer- 
ordentlichem Erfindungsreichtum gepaarte Formvoll- 
endung angegeben wird. Am Schaffen Beethovens 
wird der Uebergang in die Epoche der Romantik 
definiert. 



Weniger Schwierigkeiten bietet das Thema «Hu- 
mor in der Musik». Hier werden die von den Meistern 
bewußt oder unbewußt produzierten klanglichen 
Ueberraschungen in den Mittelpunkt der Betrachtung 
gestellt. Schwierig für den europäischen Leser ist dius 
dem Wesen amerikanischer Musik gewidmete Kapitel, 
da ihm die vorgelegten Beispiele zumeist unbekannt 
sein dürften. Aber aufschlußreich wirkt der Hinweis 
auf das Völkergemisch, das diese sogenannte «ameri- 
kanische» Musik hervorgebracht hat. Allgemein gül- 
tige Aussagen, die ähnlichen Quellen entspringen, 
finden sich dann in dem Kapitel «Volksmusik im 
Konzertsaal». Unmittelbar faßlich sind Bernsteins 
Ausführungen zum musikalischen Impressionismus 
und zu den Problemen der Orchestrierung, vor allem 
deshalb, weil er sie mittels der Schallplatten durch 
eigene Darstellungen von Debussys «La mer» und 
Ravels «BoltMO» klanglich eindringlich gestalten kann. 
Im letzten Kapitel wird versucht, einen Begriff von 
«sinfonischer Musik» zu geben; insbesondere durch 
Hinweise auf gewisse Methoden musikalischer Ent- 
wicklung, wie etwa Sequenzen, motivische Arbeit und 
Variationen. Bernstein selbst bezeichnet dieses Kapitel 
als das schwierigste des ganzen Buches und bekennt, 
daß er es nur deshalb einfügte, weil die ernsthafte 
Einstellung der jungen Leute, die er in seinen Kon- 
zerten beobachtete, sein Herz erfreute und ihn zu der 
herzlichen Bemühung anregte, sie in seiner Kunst 
weiterzuführen. - Solche Herzlichkeit durchstrahlt 
das ganze Buch. 

• T connrd Bernstein: 'Kon/ert für juncc Leute. Hine 
u uiie in die Welt der Musik /um Lesen und /um 



Universitaetsprof essoren 



/> 



? 




fuer Strafrecht, Straf -und Zivilprozessrecht. 
Eberhard Bruck (1877-19öQ) ,a>o. Prof. in Bonn 1932 fuer roem- 
und buergerl. Hecht. Daneben einige Halb Juden, Artikel bringt 
auch Schicksal in der Nazizeit. (Max Brau bach, Juedischer An- 
teil an der Bonner Gelehrsamkeit, Rheinische Viertel- 
jahrsblaetter, Jahr gang 32, 1968, Bonn, S. 402-418. jZitiert auch 
W.P. Eckert, Juedische v;issenschaf tle» des 19. und 20. Jahr- 
hunderts i;. ..heingebiet ,Monumenta Judaica, 2000 Jahre Ge- 
schichte und Kultur aer Juden am Rhein, ed. K. Schilling, 
ifiÜB 1963) 







REFERENCE. 



3.32 





Feter Gay 



Ernst Cassirer mit V.arbarg Institut verbunden, v.ird 0. .tober 
1^11 Professor a er Philosophie m Hainburg, i-iiin wurde die 
v»a bürg i;ibliothe^v gezeigt. Lr sagte, dass sie gefaehrliiih sei, 
er haette sie en^^v^eler zu vermeiden od r sich dort luer cahre 
zu vergraben , die i-'roblenie staenaen ihir^ nahe, aber ..as i^onkrete 
historische iv^aterial sei ueberv.aeltigenu. 



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ivrtrt.'nl-c lS-,lirt,licii«"H uyori »'' ^'V" L',' hohe <f."l bet «ehr> 

ichrcrn P"'*''''!*'K"v.''".' „'/„,;'„,,* i,, ^Vollen i>crtrcl«n, m 
„her »cm 3tn.u*m.nt.ictnMn ''"''"?^ «'•* " '^"^ "^ , ,,„f<,dilid)c 

j nt» cr>.rtcrlirti n'or. ^cr ^'\^''"!:' ^ siroiic un» »cn »on 
„ (icocnian •■« bK er ^^»1'''"«,»'" \°'',;\,J^ ,;:. ,.^' b,r bc«ti<hcn 

K» froiti-.^'* eobi. 6'f «"'"/•'*'„ V"™;"„Vcbmcn «c«»or unb 

uian'"t »«mit iihcrirtirnlcn. . . 

»Vr irf^ofn »n^- 3:n't*iini;i|ict'"nt. 

■mo.. bcowct)tiacM Sic «JJcirtiolommiiiarc ,^u tun. um 
r ?ic i'.'cifcrc i.'frfotiaJMt »■•c. 1«roiciior* Cohn on »et 

Ine :o::cr lliuocrrtät iu iiifjcrn? 
•> r-vaii-iic fl!ai;nnl)mcn <<co«n »•« . Sor/'^Hu"« ^« 

i:«:«: HC licr acocsn.tc yc^rHctr.»b on »«t »«* 

lii'cr ».Inirctiilnt («citott wir». 

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ir jolflon^c 'JJüttciluii«: . , „.,.,^ ^. 

«citot unb Senat bültcn c» für i^re »id»tigfte *I"/5*.„»»J 
atalxmiiriie l'ehrfreihcit unbcöinßt ^u m%tn, 3)«»fto!b. ft»» 
\\t mit aller CnticfticOcnheit für Öic unbcijinbette «P"otiÄ tit 
t»CA ftf rru iUcKliors (lohn cinflettcte ii. (£e wöre eine |elb|t. 
Kvitänblirt)c m\m b«^ ?»crtn ^rofenoM ^ J^" ««"S!^^" "***" 
öcn bcjonbcrcn l^cthöUnijicn un|crer Uniocrfttot. aflc» ,^u »er« 
meibcn. mae ^u einer mcilrren f<erid,örfunfl Der mt f übten 
rennte l'cibcr hat .^crr i^Uoicüor Cobn neueitcn» bieje pWm* 
ocmäne ^urüffhaltunfl burd> iein unnötige« ^"»"^"*;" IJ 

einer umirittcnen politi;d,en Tvraae «^^r»;^^^" l"/Jf^bcÄ^^ 
halten ^ettor unb Senat eine icdtcre Vchrtaüpfeit bC9 perrn 
i^Jelicrrllohn an unierer 2rtllerti*.n Uniaerttat .m :snte^^^^^^^^^ 
bor «luircrtjtcrholtunft Der Crönvur. "nb eine* unfle|torten i.ebr. 
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i9'«fl fOc Mittet Itereffifit Ite «an« gil*«IH 

I Selb ber Slfu»i»aW«r iftt SluWum ieftttittn, M«l« „natloit«!««" 
■ unteiftn «utjiJien boten in ktt ata« mstw Swnjn »etonftaUit, 
tiii »i« iettt an»ei« «ütjet länaft '«»••'*"•"'• 
fl f f p m m « n D ä t e. Uirt W». afl«» nut. bkU ttn«! ble »«i« 
eines lohnten, bet ni*t einnwl lint. (lonb, ni4t prtU. 3m»»t 
mehr toutbe boium bte Slölt« bet UnibetptS» wm lummeWo» 
oültet auäi(^teituMen. bie WüeSIi* eine »»«Je «"h«««»*' 

tat.e. liefe »«ftflse etbält but* bie «e« IBtMuna We|« 
3ta.,b«lJ e.böbte »ebcutuna. SH«n mttb (te etiD»|t«tn mOn« 
Tnb bie ein|e«un8 ein,, «" V.""«!;*..« 
„uc.i*«[ie, (»:b.in. »« """"' *•' ""'ji;; 
ßrünsc biei.9 3u t fi<f«..i*en. .u '''"6' "•^"* 

idicininc Mtn..me..t bet eiaenlli^e (5runb fut ba. »läWi* 

"""rieiei' iä.„mcrli*e 3uTÜtf»eidKn na* -n >'«I*» S;«»"«: 
ii, ci.. 1..! e...Ma »aitehenbcc Sali. ler «<"»' « «^^^^^^^^^ 
i*,tHM9er «..ioeriitiit bat ü* »eaenubet '''''«'•*•''"""• 

über 3n Äiaridiau iinb StuSenten meaen ""''l«™''''*fl*"' 
* i,u;ae„ eti. bieie. laae oo. bem S*«;"«"* .«^JS" 

„earbei... ha.^ .. =-^'r„"ti;;V^Z « nU"«^ 

'-%rr.ri?mfAr:e'^t:'r.^ra...n.-i^,.-:i: 

,U.i*.ei.u«8en ..«...»«/ *.','.%.» „. .„ 
|d,t,ben '"•.'".*''"''•,,, e.bn ni*t» me»t »• 

tun babtn mtl.. «.. »"* '"" 
loeii*«nt3ufammenb » " «; j,„si«B«t «neel«»«' 

tao Snbe eine. »««'« "''"" f "J «„Hin, «t U* 

.UMilubentenlumm iumnurem IJ^ . >" 

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hanrat., ^.e nu.t ^"«^'^*^':Jj;;*„''*",, ni<bt ncraencn. um wa. 

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£an6ta0 mt tlmotcfifältferati^iil 

^co§e tlnfcoge , ^ ^ 
ter eM(iol«emorcalifcbcn 3)ceulenfc«rtien 



iHcttor uuö ccnat öcr '^rcölaucr Uniociiitöt l)aben lu einer 
ht^hct in Tcutjriilnnb eiin,t(^ Daltelicnbcn ?l5e»ie flCflen bic 5"»^«« 
btr VfMrc iiHö Der Weinunfl<»äuncrut^ eine» UniDti:|itat9lchrcr$ 

Stcflunq (^cncnimcii. . . 

fiKicn bic ntif cinjtiinmiucn l<orjrt)lag Der f^rcelaucr luri* 
iti|((jcn »"HntuHüt crjolfltc ^i^crujuiifl l)c& ^Uokficrs ^ohn war 
bctaniniirfi von \\(ii\o\\a\]o\\a\\]i\\ä\ii\ 3tubcnlcn »n «abou- unD 
anmuU^iCiun, Murti 31brui«a öcc» l'chrbctrjebc» in bcr Unincr|ttat, 
mit tiuncrli(3icn ^InqrijicH luij rcpubli niniriic ctuDcntcn »nb 
b.irrfi JUcrffn von trdnftiqno^ unb ctintbombcu StcUunq fle^ 
nrntmcu l^or^c^ Ticjco Treiben lüurbc pon bcr nattonab 
"••ialtjiijrlKM ^ric^K uuö '4Nnrtci burrf) eine mniilojc .v>ct^c ac^fn 
'rvo^rJiov Cohn unb Qeqen bcn ^J?r!lor bei Ihnuerntfit ^rorfel-- 
ncMu unb a-qen ben ^.Keirliotcmmijjnr Äöliicr qnLrbcrt, obnjoiu 
btc iinatlirhcn unb Ihunerjitotebehbrbcn bntdi ihr •'^'vo^j'^»«^ 
<nfU..-'tfM aror,, öic ronblicrc ibcu cluben'en |n)ioerc aifitjrtiulb 
nn b?r Tvcrti-Murq bcr ivii^tcn 3Kucn trnr^cn. bie bei cnt|cfiiebencm 
<i^crnr!•f•s lonait beendet acmcien innren. 

U^roifMor l^-o!in Um nui eine ^In^raqe be& 'Perltner. .Wcntafl 
Forcen" itruiürf^rn i^ bicjcm r^lrttc in meniflcn ;,eilen icinc 
rtcHnrq um». 9rmlrcd,t im IroMi ^'"rnckqt (fr Im! b«cc. in 
.fMvnl Pui:.a unaniUM^.i'er ^>b'er.c. iuhnUl.di unb \odM mb\o^ 
PMö !cnu-.n;cct9 ctnm nn,. bejonborcni UU-tcnncrniut jeuqcnber 
HJrnc Qcnn,. ^.Kcltür unb 3cnnt bcr i^re<:^!flucr Unineriitat liaben 
Heien ^Jorniinb benulU. um bic ^Jc!lttriholelt Colin* on ber *rCö. 
lZ7lhur.-iiint i.ir nn rnc^bnr ^u etll.ren. c:ic habe« ihre ent. 

^Rcftor UMO 3cnnt haben bannt X>a^:' hohe «iut bcr Vehr^ 
ireiMeir tinb r-cr ircicn ^mci»ninq'>äuiicvnna non llniocnitatf^^ 
icbrert ntci^fJ-ncbcn. liniucrütut^-lehrer hnbcn bteie^ (wnl «cqcn. 
Kr nn 3*tn.^mini^.eri.Mn hnnuq nn<ii ni.rväncn ;;crtretcn in 
nrncu cm e" niir^rcKen qeftcu iorniPl an,tor,iqc "«Ö n"'"'*^^'J;^ 
.,;.,.,i«cr — a''n von TcirMnx inncrhnlb nnb nui;erhj'lb bc?« ^ov 
:;nfV cn'crtcrlich mnr. Ter rre.laucr ^.Ke!tor nnb ccnat ineirfien 

,m (ntnenrnn ui b.eicr Mnltunq bcm lolcn ^ ^^''''^' T h! . L rn 
^.M »"nt,cnnno-.inliitcu luotuiucrten. Den Vebencwifin brr »»f»' «^^^f" 
c.n.^d-.i.lfn trcifrubfu XcrvernUcn. ohne bnij P.eqcn ^'^ ^^0"« « 
•>fc i;roier'^'«? Cichn bcr (kcvwxcjU U^crninn erheben n^fr^/" »"""^ 
\n -hifr r.oiTheu vcr ben ^.KobnuituD'ntrn nehmen ^cttor nnb 
'-tvoi ieocn m bcr <:c!>ntliftiteit rtcHnno. qercn bie 'Of^'f*«""« 
m "'chruüatlit bc. isrol amn. cbn^ohl tic nd, bcn qeicHhiJcn 
«cit-nmi-nacu bnu unuithnbiq {nib unb btc («ircn^cn «hrer ^f* 
iiiqn'"'C bomit u!:eri(tirrJien. 

*,'V!r irftnen ^nc• 3*:aaltiiniiiiiieriuin : 

1. NC u'citcrc L'c'Mtüttarcit D<*> 'j^rcifcijore (Sohn an Der 
r^«- 'n::Ci llnipcriilht ]u jifficrn? 

^ c:'Ma'i:?lc *:^rai;nnlim:n qcacn öic «'^ortict^unq Der 
iiraibrrcn MnnMiinocn Dufii nationallo.MölMtyrtie 
3•l':^^Mtc" ^^^ OM^c^c *l<ortci'"i?nner M« erpretfen, 
>u:fh ric Der üecrDücte l?etr»ietr!cb nn Der '»tc»» 
l-i'cr tlnircriität qcitört roirD? 

:^. .Kc!t«»t iinD rennt Der Urioeriität i?reolau in ilire 
3c^I. Tüten uiii»rt',unjeiien? 



Mamt IRodicidittii 



WH ttm Vttnltfditii ftitiiM«iiiiiiiflffft«iii 

??.lrf)^<m am JrettQfi wti^ti ?Pod)e b«r i<Itiom< BelAIufj 
ücm Kfftor unb Sfnai Ut Unto«tiitnt Breslau flcaen ^rofenoi 
dofjn flt'taht trorben »at, ^ol fid> ^rofeflor Cof)n n«^ om J^xtim 
tclepljonili b<im Äultusminifiettum börübet bciAroert. ;^m 
1?crlauf Meier tcUpf)oniidKn Unterrebunfl würbe ^rot. ttobn 
Qcbetfit noi^ »erlin }u fommcn, um bter bie «nfleleflenbeit 
ae iiQUcr ^u beipredKn. XSeje »eipredjun« ^t bann am 6onn. 
jbcnb im Äultusminifterium itattflefunben. ^rofffjor Gübn Ja» 
\t\ntn ctanöpunft bcm mit ber ffmbrnebmuna ber (Seir^aftc be» 
lKeid)itomminur6 beim ÄuUu^miniftcrmm bcaLftrafltcn ^roteiior 
ftielilcr NUflJleftt. '3( u n m c b r bat «Uro? «acf^ler 
tVn keftor. ben ^roreftor unb ben te an ber 
luriitiidjcn T^ q f u 1 1 ä t an bcr Untoerjitat *'<»' 
au na* Berlin flebeten mit bcm (£riud)en. tbn baruber 
flur^utlarcn. wie e? ^u b^m ^^clrt>luR üon ^cftor unb f «"Ot fl^flcn 
a^fo» (inbn qefcmmin iei. Tu e ^opretf>un^fn werben ooraus. 
iUtlid, in ben erften lapeu bes OTonats ^^o"""' ,\";,„^!iV"f; 

iKT (KT! Wirb, für ba* -iUdniftciium unmofllid), »u bem neuen 
,lu.l (iobn ciellunfl ^u nel)mcn. 

• 

.-in^wüAcn bat btcier neue unb faft nort) prÖRcrc Sfanbal 

•nicrcr ll;urcr not ni rcr i^an^n iütiionid)aill.(fcen iUelt u.tD 

Mr.ilKr hinou. fir.;,u'. ^2lurehcn crrc^i. il^ir brnrfiten fleitern 

b rr"-^ ctnon leil lum ^iMolcitcrflarunflcn beut eher ^odjrt)u^ 

n^oKMorcn ilMf ircittraflcnr. biecr ^i^crtUi.« bos ^:Pre.Ifl..cr 

-ni.uc tinb icince. f.inifcn iKcftor^^ mar unb nuMrf)e fliunMüK^ 

^u^c -^^^^cuiun^ ni..n onrnt ^dien mwH. flvht nu. einer ^Jleuncnaui 

rM;nt.n%^o;f..,rtcb.ltlcr. a^rofcfior ^-- '" ^- 

hrncr rcr u. . i^retbt ..- ber fn • <1> 1 M n o n 9? e f t» r 

r^ n\. Uat f>'e ;'ljt an .^ i c 5U u r ^ e u « b b , e II n = 

::r r^^-t rM::„.n nch. ..nU^ bcm., .cid, pro^o 
^ ■;! rn i> öle Vcbr.roD.U T^un crbhrf. Incr^cn. Sbcnn ,nd> 
^\^'.:: C-ft. lo.t :vrro:Den f,n^ i:c,t b.c. u.M b.upt 
., .cn x.l'c.iv.iariU.rouTia,icu. .KlKr ^urttc n^e.: ubrr 
. .;, fuc- c hinaus. Mcie^ rsorflcbcn bce ^?rf..a..cr 

r^Mit n"or^k■M. 

-,cron bcn r ü I f « i di c n ctufienten 

ciem virfoln" ^J^'''» ^iccn caMcn leitete 

. UHcn HiMMmciitür uKr ^cn 3onat^bcrf)hiR cm. 

(rrdHiTte hier bcoriii lüort^i linD. ^Jlcr 

.., i;lcidinuiiii^ l,:ni.iinmt. ubcriicht ^y' 

^-■■«"r:^;;:;;;;,:;t;,,f;;;^=r*r;..r:: 



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"Volksv/acht für Schlesien" , fzj .Dezember 1932, llxiiamer 303. Z^-"'/. 



PROPB SSOREKPRO IE ST GEGEN DEH BESCHLUSS DES SENATS 



« 



DER BRESLADER UNITBRSIIAI. 



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P? 



In der heutigen Morgenausgabe der "Bossischen Zeitung" protes- 



rt 



tieren massgebliche Professoren der deutschen Universitäten gegen 
den BescO-Uss des Senats der Breslauer Universität, der sich gegen 
den von den lazistudenten seit V/ochen befehdeten rechtsstehenden 
Professor Cohn richtet. Der Beochluss kam zustande, weil Cohn sich 
kürzlich in einem Berliner^ Blatt unverhindlich zu der Erage einer 
eventuellen Sinreiseerlaubnis Trotzkis nach Deutschland geäussert 
hatte* Colin hatte zu dieser Frage v/eder positiv noch negativ Stel- 
lung genommen. 

Die Professoren, die gegen seine Behandlung protestieren, sind 
Professor der Theologie an der Kieler Universität - Baumgarten, der 
Yolkerrechtslehrer an der Universität Hamburg - Professor Mendel- 
sohn-Bartholdy, der Volkswirtschaftler an der Kieler Universität -' 

Professor Harms, und der Bonner Staatsrechtslehrer - Professor Ri- 
tt tt , 
chard Thema. Alle geben ihrer Entrüstung über die Haltung des Senats 

tt 

der Breslauer Universität im Falle Cohn Ausdruck.. 




ßcrnn,25.noocmbccH32 

XI. 5abroon0 ♦ Hr. 43 
^Injclnummcc 20 Pfcnnia 




/37 
<S8lh'at \ l<58'C§53 

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ft>lcr<clinliiönbüiiuciiicnt 
2.25 V)l5)>i. (3113Ü0I. 33cflcüücl5). 













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:;^e.^. 



Allgemeine Zeifun$ desDudenlums 



Cctlaö unb ecfjtiftlcltuno: öcriin W 15, Cmfcr 6U. 42. ffctnfprccT,cc: J 2 Oll.a 5074. : sportfdjcrffonto: gicrlln 304 72. .:. fflou«onto: a)tcoöucc 9)anl. S^cpontcnfofTe H 2, 



/^ 





Rei. 3Tu'if]vcnb Mcfc Seiten ncffTlvicbcn 
Ivcvbcii, I)äufen iinb üOcvflüi\^cii [irlj bic 
AUMHCnnalioncu über eine Xföfuni-j bev ^le- 
(]iovuntv:?Cviie. 5iocI) ftelit nidjt jcft, ob 
.toller ö^ev einige feiner betreuen im lünf» 
tincn .UcUnnett lievtrelen fein U1ev^cn. '^Un^r 
ffijon bic 'Uiin.ilidjleit, bau ^ic neue Hieiiie- 
rnna niaf^iieblid) Hon ber DlS^'-^ri?. be- 
cinfinfjt fein fönnle, nn^ ^ie Vln|pvnd)e, 
^ie C'^itler luie^ernln nnf bic ivü^runn 
biofer Dienicvnnti erljoben Iiat, Ijaben in 
(illcn Dcvfafjnnnvtvenen .Uveifen bey beut- 
feilen T^olfe^S, nlfo nncrj im l^^r^er bet beut- 
ffijen Snben, an ernftcr 5)i'3fnf|iün ocfüO^'t. 

91ian \)a[ biV? ^nvücfnctretene .^labinett l>on 
%c\\^n\ aU ben DJetter 5?entfd)(nnb'5 lun* ber 
Ueberjlntuna bnrd) ben 5iationaIfo,vali?» 
nuid n^ln-iefen. 5:ic Ijiftorifflic 5a^af)rl)eit 
oebielet bie ^yeftfteKnnn, bnfj .<perr imn 
%-\\K\\ nnb fein -Ünbinett -\nn(ui)ft il)rc 
VtuinaOc, im (N)enentalt ^n ivülieven ^Ke^ie- 
runden, in ber (^infeljaltunn be^i yjationnl» 
fo-^inli^^mnS in bie yieiiievnnavfüljrnnö 
jnOen. 

3^ic DiV(iierun(i imn ^niK» tiefnm, aU 
fie \Mtfer§''-}ln!pvnd) nnf '^(l(einl)errfdjaft 
nb(el)ntc, ben ^anE imm .<panfc -s^itlcr ,^n 
fpüven, nnb fie I)at fiel) im CNniffenfampf, 
in ben fie nc.^errt nmvbe, (ieme()vt. 2)iefc 
t a f t i f d) c 'Jkitmenbiofeit nOer ift ehun^3 
nan,'\ anbere§ al§ bie fj v n nb f ä tjli cI) c 
b')e(inevicr)aft c\^c\:\\ ^t\\ "iliationalfo.valid» 
nui^l Xie '4?flid)t ,vir ncrediten SLVn'tunn 
qebietet aber nnci) nn§ bie ^efiftefTunn, bnfj 
bie 'Jieriievnnn Hon ^^npcn nntifemitifcOc 
Cviitred)tnn(V?nnfprnfr)c ber !)cationnlfo.va- 
liften ftet'5 ".virncfnemiefen fjat. Wönen bie 
ariftofrntifd)en .Ureife, benen biefed .Unbi- 
nett entftommte, ^Hn-ftnnbni^S für bie ^(uf- 
fnffnna be^ foaenannlen fnltnreUen ?lnti- 
femiliomn-S I)iiben nnb ,^1 fi»-1<'llfil[)<Mtl^<^^lL^^ 
?(b(er)nnna ber beutfd)cn ^uiben neifien; 
„;'^nbi'i uerrcfrc" Kinat in iOrcn r'r)ren nl§ 
fd)iillc Tijjonnnv nur bn^t nnnetctn, bie 
.s\u'monie bc« beutfc[)en 5^^irttl•T)^fte4et>ens, 
U\^:, V(nfcl)en TeulfiTilanbS im ?lnd(nnbc ,^n 
oefädvben nnb bie über,^ar)lreifr)en inneren 
.Uonfliftc nofl) um einen nnnötirien jn Dcr- 
mel)ren. 

JBcforot fvnoen manrlje f^rennbc, ob ein 
toIcI)ev illUberftnnb fiel) nnd) bnnn ein- 
frrjnlten unvb, U)cnn bie neue iKe.iierunn 
^litlcrfdjc 5Jcrtrctcr in mafjocOcnbcr 8tcl- 



umm 




Inno nnfmeifen foUtc. 2)ic 5)i§fnffion fnljrt 
l)on'l)ier ans nnrl) ^nr (vrnuinnnn be§ allen 
qrnnbfäljlidjen Stveit^5, ob man ber reoo- 
intionär bnrcljfeüten antiparlamentari- 
fdjen ^JiS3'^;'r|.l nberr)an|it einen 2eil ber 
(Stnatvmadjt ausliefern bnrfe. 

2^ie (^efar)r cine3 GtaatSftreicI)?, eine§ 
füljncn .CMuauvbräniicny lum nidjt national- 
fo,vali|liid)en lUiinijterfoUenen, eine 'Juirf)» 
aljinnnn beS fafdjiftifrljen ilUirbilbS, fdjeint 
fie("|enunutifj öc^^t^in^^» ^^it Wx'i^ 8onnner 
biefes 3al)re§ ift ber fanatifdje ©laubc (\\\ 
^itlervi manifcljc Dictterfraft erfcljüttert. S)ic 
„nnüberunnblid)c iPemcQnno" Ijat fid) am 
6. 5ioUember c\V% bnrdianö Dermunbbar c\z- 
^eiiit alcidj,]eitio aber l)at ein Aiabinctt, bav3 
fel)r enerniftl) nnb mit n^of^n 53iad)tan' 
fprüd)cn feine 5){coiernnaöbancr auf min- 
befteuÄ Hier 3ar)rc n^^Kljäl^t r)attc, binnen 
fünf ^I'ionaten bem STrännen ber i^olfofräftc 
uieidjen muffen, ©erartifie Cynliuidluniien 
nuilfen \>t\\ iräoern ber ftaatlid]en 5Jlad]t- 
fnnllionen jn benfcn <^dm\. ®e§r)alb ift 
nicijt nnt einem all,^! bereiten CMnüber- 
medjfeln nnb [vt1"tlenen auf ein bon ^'pitler 
,^nm Xeil abljänoiacv^ 9^Niimc ^n redjnen. 
tDian meifj in "^iiw iBernf^^Mirnpiien, bie für 
eine Stabilifiernncj ^-iitlerldjer D3tad]t an§- 
fdjlaoncbenb maren, um bie 3citbcbinotf)eit 
ber nationalfo,valiftifd)Cn Jüemeonno, nnb 
man nnterfrfjäl^ nidit jene anberen 5iuci 
©rittet beS bentfdjen 5l^offe§, bie firt) am 
r>. 'iiiobeinber fel)r bcntlict) 0^0*^'^^ Eitler oc* 
ftcüt t)aben. 

©iefe Gruiäfinncien merben ancti bei ben 
9?ationalfo3ialiften eine 'W'ut i.>ifirn, n^rini 
fie etma, a\\ ber yieiiicvunnvlnnan'aoovtuni] 
beteilint, itjre bitlifien antifemitifdjen porbe- 
rnnnen ,^n TemonftrationSanträiien erl)eben 
foUten. Heber biefe taftifdjc ^lüiTfidjt l)in- 
nncji aber luerbcn ^voalition?Mienoffen ber 
9iSX)?rp. an3 ov*i'J^^Kil^^if^)CV ?tbtet)innia 
nnb praftifd)ec (yruniiinnn fict) lum 
5i\hinfd)en biftan^ieren, bie anftatt ber not- 
u^enbinen ^-lHn-ul)inunn neue Vlufpeit[dmn("| 
ber ^lUiU^n^ncnfiilie ^\\i fyotciß f)älten. 5)iefe 
reatpolttifd)e nnb nid)t bnvcf) bie JlH-illc ^c^:> 
nnentmenten 0^itimi§nnid ot'fetjenc (yntmidf« 
Innn fü()rt ^minfienb 3nr Vlblel)nnnn jener 
Uebernerlmfität in ber ©erüctilemadjeu nnb 
iI^eretenbnn("i«tt)eoretifer bie (Situation ber 
bcutfcljen 3nbcn fdjmari in fdjmar^ malen. 




'Jvrtrtcö i5o\)n — ed)viüc r>c.5 (sciilvrtl= 
k)cvctiii^ — !^cu<)'fljnrttioiu;tc ^Ux- 
teilten 0^0^» nrttlourtlfoiirtlifti5tt;c« 

2:cvvi>v 

5)ic fctpercn 5tno|d)veitunaen. bie fu-f) 
ein fleiner 2:cit ber 5i?ve'>lanei; 3iubiMUni« 
fdjaft c\^\\n\ \>£\\ jübifd)en Dvbinariuö ^;svo- 
feffor S)r. örnft ^i'^\)\\ hcxi ^uidiulben fom- 
men taffen, muffen in biefen ilMiittevn nnb 
Dom (sentraluerein mcniocr innn poli^eilidjen 
C<)eiict)t§punrt al3 luni bcm unfcvct ucv- 
faffuni-\§maf5i(ien (N)leictjbered)tinnna bc- 
trad)tet mevbcn. Sr^ir ^oeifeln nidit barftn, 
baf? JKeftor nnb gafnltät nnb ebenfo bie 
^43oli3ei ben n»^^» Sizilien Ijaben, bie tcil= 
meijc brutalen ?hb5fd)reitunaen ab^umcljrcn 
nnb \>a?j '^lbl)alten ber 'isorleuinoen ';>ro* 
feffor (^otjnS ^t fict)ern, man inan and) im 
ein.^etnen a\\ 9]iaimal)mon ober bereu l^wxdy 
fül)runa ivvitif üben. ?Tür nn-S bcntfaje 3in» 
ben n^'Ot ed nnx iueit -'».'•[■»IjeveS. 

(v>lcid;Ocvccf)üflunn »"» rtfaPcmifdicu 
l'ci)Vrtmt \\\x \\\\^ !UU or»cv itid)l. 

Diid)td rann c\i\\n\ 'l.svotelfor Cüil)n uorjic» 
bradjt merben abi fein ^ubeiein. ®e§l)alb 
foll er n^^Hialtfam an feinen T^ortefunaen 
nert)inbevt u^erben. (Sie^t fold)e brutale 
,^-)anbnreiflid)feit, fo ift bamit ein für un§ 
entfdieibenber '^Ibfa^ ber Söcrfafjnncj aufjer 
i^vaft ncfejjt. 

33ei ber nvunbiiil?Iict)en S^ebentunn biefer 
?tniiete(ienf)cit I)at ber 8l)nbifn^3 bei> (5en« 
trabereiiuS S>r. '»Hlfveb SlUcner ben 
Aturator ber llniDerfität, DieoiernnoSbväfi- 
beuten a. 5). H. SBabrcnfclb, in ^iH-e«. 
lau auf(u1uct)t, nadibem in auvoiebiiicr 
niüiffpvadie mit nnferen iBreotaner rvvenn- 
ben ';\\\ml nnb '^\d ber an nnteruelimeuben 
Sdjritle feftacftellt uuireu. I^cv r»ov= 
fi<Kni>c l»cd XMnt»col»crtmiit>c<^ 9;ic^cr= 
^t)Icficit t>cci iU Jl^., ^v. *2(l»t, mit» 
^i\ S\>tcncv Oc^iidjtcn X^cw Zi^cx-- 

(s>vrtf ^ c rt f « f cl t>» 3ic ixwc.ox iljnj 
t»ic aviini>frt^,nd)C JiC^idjtiiUcit t^eö 
TvrtUcci luir. Tcv Cl»cv^>rafii»cnt hiMH 
für t>icfc ^rttköinuK» l^urd^itM»^ 'X^cxt 
ftäiiMti^. 'r 

9lm !ö?onta(i, 21. ?^oDnnbcr, T)atten ber 
2)ivcftor bc^i (Scntialucrcinö, 3)v. i^nbipi^ 



U2 



fRoeckl-^^Cancischiihe 



27 eigene Filialen 

Y'V "1 in Tillen grösseren 

f/^M^ii^ Siödicn des Reiches 



♦^t^icitcv eine Uiitewcbmui im pvcuniltoeu 
.UultuöininiitaiHm über bca ilkci^Inuei' 
UniuCl•iilatvlfan^aL , ^ 

^io iir,uiiiil)eii — U>ie an£' ocn Xanec- 
uMtiTnaen befaimt - crfolato ^i^evujuna inm 
lu-i'foi1ov (SO DU in bic invi[tifdie ^^vninnnc- 
touunijlum Um\\l ^^^^ ^^^ aH^Iiln-ben bni 
vuinnn oecien Me inn-iaifnno^-iinM-uini J^i= 
ItvelMnuvn" bev nntional|i\yaUlti]d'en ^tn» 
bentenid]a!t bnvrf)3nlialten bereit jinb. 

^^Um ber ^liMebercröjfnnna bcr Unil>er|itat 
ani'^ililtuuKl), bem 2a/J{inKniber, verteilte Mc 
2^ eil t \ fl) n a t i n n ( c 3 n a c n b f r o n t 
(Teniklinaliomüc etiibentcii]cf)an) ein 
ainqblatt, in beni fie bic national|o,V'iinti' 
ifhea v^liibenten amrnt; ca luare „11«^^'= 

^>Oeiter loirb bem ^i a 1 1 o ii a 1 1 o 3 1 a « 1 

I i [t i i cl) eil e t u b c n t c n b n 11 Ö am." l 

ilUn-unirf n(^i"^"tf^)t ^\^ ^"^' ^W^)^'\ ^l ^^^ ■■ 

nüjolnte 5JJel)rI)eit in ilUirftanb imb Mam^ 

luer bcr Jvveien ilMeolaner (ctnbentcnHl).ilt 

batte, ^^w ¥roteft aoa^n T;vofe^n- CNo()n 

, icl)t qlcicl) bei beijen il^n-nfnna cinneteot 

linbe; bcr n n t i on n I f ,^ t n 1 1 [t i i ff) ^^^ 

rv r a f t i n im "^ r e n f n f ff) e n S a n b - 

tan unrb ffblieiUid) bie ^vatjctinlb nn ber 

JBcciifnna l>on ^Vvojefior e^olm jny laft 

aclcat — uicil bic 1ihitionnlio,^ialillen iin 

Iircil[ntcr)en i?anbtna troi^ be^i ^'vannen^ 

bcr !5:cnt|cr)nationaleii uer)äumt bniten, 

vecf)t.\citia ben in-eiifnieljcn ^naniftcrpvaii« 

bcnleu .^n Uinl)Ien . . , . ^ ,,• r - m. 
2^iv> ;^-(iiab(att ijt nlio cm beiinictico ^?Ib- 
Mnfen'bco t'rt 1 1 i d) c n ^roibcrilaiibc^^ c\cm^ 
bic^IUn1e(iinqen ^;UojeiJor (5of)na, aiialeidj. 
ober and) bic laute il^efimbniuv nj bcr - 
faqcn unr-acil\iilcn/?lbUf)nniia 
m\ l^roieffor e<of)ii forl,^nlal)ven. Jlc\\] b.c 
^Jatioiial ojialilten nnb bcrcn %HTt(coroanc 
iiidit biefc a3af)n betreten, (onbcrn mciterc 
ffirobiinqen anö[tof;eii nnb indbcfonbcrc ii}rc 
.C^üUniiiia Hilf eine ncnc ^tcaicvinm (eben, 
bic U)rcn JIBünfdjcn nefüfliacr i|t, umr ju 
ermatten. 



''l 



der ^udc Cot)u 

Tic 9]oilonoUi\Mnliftcn liot^cn im T^vcufulrficn 
Canblon eine ^^InfnUH' OcUcIlt Uuirmn „mKOi^ 

i nc^lAIc.t unubcn fei. 5<ad,ftclKnbc (^nunc« 
tunacn Vbcu bic bcftc VU.luuut nui b.cfc .siooc. 

l^icllcid)t i[t 0I6 (S■\nU^^ in Nmi 53vco(nucv 

vaio Sövc5(ou leinen )i•l^ilfl)eu mWml- 
II vorn iKvbontt; VKUTilt foU Me pDiIO; 

Lci^§ nnviiUivtVHnben, in bcv f ü n f juM cj 
D t b i n n V i c n ialiv,v'lintclnnn . f ^ ' 
^c i t i fl luivftcn. bio .^ c i 1 1 c b c n 8 \}y «^» 
bcr Alma mator a^'^'i^^ct battcn. 'm curi). 

gctbinanb Göl)u in bcv ßclamlcu iluUiu- 



UH'It bcv Cr^clebvtc m\ ilVltvnf, bcr i^caviinbev 
bcv i^dftcviolLHve, bcv ^tol.^ bcv Uinlunfilat nnb 
bcv 8tnbt, bic il)n ,^n il)vcn (vijvcnbnvocvn 
^^,-^ljIle. — 5:cv Mi}ntl)cinatifcv « f ^' b ))( o - 
tanc§, bc[jcn 5lOcvtjd)öbinifl im .Uvcijc bc§ 
Vcl)v(inpcvö in jcincv ''Xi\\l)i ,ynn DJcttov Vlne- 
bvnil [nnb unb bcv fpcitcv bei bcv ^cicv jcincö 
flolbcncn Xottininbiliiinn^ bnvrf) ein Xiploni 
nu^oe^eidjuct unu'bc, (\\\4 bcm j i n n fl c ni ii ü 
bic dlnvortcviitifrijc» Sd)(nfdüV.c I)icv ivtcbcv 

iYi}i'i'<^'n feien: C^nblid) I)oI'cn Sie fnv 

bi\^ c [ a m t c C c b c n nnfcvcv Uniucrfnut, bcv 

eie mit t v c n c ft c m lö c i ni n t « fl c | i\ l) I nn« luiijcn. 

hinflcn, ftctd bic 'tätiflilc Icilnnfimc öc;,ciflt. 

(«■H'fd)äft$fenntniS, vnlnflc 3odilidjfcit nnb )w\)U 

uioUcnbc C<)C|innnnfl flcflcn icbcn einzelnen, bcr 

bcv {}i3vbcvnnrt bcbnrftc nnb univbifl luov, ta^ 

iinncn bic (sivnnb.^itflc :^f)vcv nfnbcmifd)on lötifl- 

reit, bic fid) bcfonbcvö fllän^^cnb Innnäfivtcn, nl§ 

Sic mit (F-)U\d nnb 20iivbc nnfcvciS I) D d) ft c n 

?r m t c § umltctcn. 3)ic Unil)cv|ität bnnlt fiiv 

:C\f)ve Sricnftc nnb fvcnt [idj S()vcv ^l'cvfönlidjlcit 

nlö cinco !i.^ c f i b t n m d b n I) I) c m iO c v t. 

'K(h\c bic Icbcnbiflc iOcdjfchuivfnnfl bcc^ fvcnnb- 

fd)aftlid)cn nnb iuiffcnfdjiiftlicricn ^^kn-fct)vs, tn 

bcm 3ic and) in ^I)vcm uioblbcvbicntcn ^linbc- 

ftnnbc mit üiclcn, nnd) iiinflcvcn -Uollcflcn flc- 

MicOcn finb, Csb»en nnb nn^5 nod) lonflc cv- 

I)(il{cn HciOcn." — ^afoD (> n v o , bcv Cr- 

fovfdjcv bcv ^iolcnflcfdjidjtc, bcv ';n)ilofinil) nnb 

8iMno,vi'rvov[if)cv 3 n f b ^ v c n b c n 1 1) n I , 

bcv Cvicniaüft (gicflmnnb Jv v a c n f c I , 

bcv !l\*r)vcv bc§ jcUt nmticvcnbcn ')ic[lins. 

Tcv momentan alS AlampH^fati bicncnbcn 
jnvifti[d)cn ^afnltät flc[)ihtc 3 ^ t lU> 
^- r i c b r i d) U? c I) r e n b an, bcv in Wvcif5. 
mnb alo cvftcv :,'\nbc ,^nm Hlcttov flcmälid 
nnb, nad)bcm er m\ bcr ilH-cöIancv llnnn'v^ 
[itiit ciniflc 3al)vc flciuivtt baltc, and) cvftmalifl 
alö 3nbc (\n i^n^ aicid)6flcvid)t bcvnjcn nnivbc. 
?rn§ bcv 3icir)c bcv jnbifdjcn ?3Jcbi,^incv. 
bf\icn tvolj ancvfanntcv ^IVbcntnufl bac^ Cvbina» 
viat Dovcnt()aItcn blieb, toücn nnv ^luci ?luiniicv 
flcnannt locvbcn — bcv be(anntc io c v m a n n 
(j;oI)n. bcr in ciflcncv ,Ulini£ CMinbcvttanfcnbc 
liou ?lnflcnCvanfcn l)ciltc. nnb bcv C^vcnav.^t 
Oafüb e^üttftctn. bcv ebenfalls in fcuicr 
nnf ciflcnc .(loftcn nntevbaltcncn .Ulinit nn« 
5äl)liflc *|^üicnten bcl)anbeltc. 

Michael Fraenkel (Breslau). 

htid)t die Kcid^ODcrfafTuug 

2)cr ?ru5fd)uf) bcr Oloflodcv £tnbentenfd)aft 
r)nt IHH- mcl)vcren UV-iui)cn mit ficben atnnmen 
bev IKationalfir^ialiflcn m;b Amci 3tinuncn bcr 
AUn-povationoocvtvclcv flCflcn bvei 8tinnncu bcv 
eialiUiolniflnbentcn eine neue THTiaffimfl |iiv 
bic Dioftüdev £lubcnten[d)aft anflcnonnnen. ^\c 
ealmim i[t bamit ned) nidjt in .Uvait flctveten, 
fic 'bebarf lnelmel)r nod) bcv (<)cncl)nuannfl_ bcy 
afabcmifd)en Senate nnb bc3 nu'dlenbnvfli]djcn 
£taat<?mini[tcvinm§. 

Xicfe ^Inflcleflcnbcit, bic fid) inn-länfifl iniv 
anf bic llniuevlitdt ;)(oflod lHV,icr)t, ift inm be- 
fonbevcv iH^bcntnufl. Tic ^Tcutidjc etnbcntcn. 
diaft, jener nati"ünalfiMiali[tifd)c 53ercin, bcr 
\d) mit bicfcm Flamen innncr nod) ben 
?(nftrid) einer allflcmcinen f(ubcntifd)en il^evtve- 
tnnfl flibt, mill i)iev in OJoftod mit flntnicr 
llntevftiUumq be§ medlentnivflifdjcn -'-'•'mitu;- 
in-äfibentcn \>on ^MtlcvS (Knaben ben l'eviucl) 
mad)cn, fein neues 81nbentenved)t, ba«S er au 
bcm .(Unu'.-iöberflcr einbcntcntafl befd)lo[]en 
l)attc, in bic Xat nm.^nfclicn. 



%m bat bicr einen ncnen ^C-cfl onimbni, 
^cn ^^ubcn loenn m.in fic ,r. on nul)t_ivm,^ mic- 
fd)lii^?cu faim, boo) ]n ^euv;;'. ^^Ü f'f »^i^ 
'n/cnfd)en Aiocitcr .Ulaffc |nib -in^ .^iibcn« 
abuMcl)cn be-S a)iittelnlteve joll bter luv luiicvc 
ftiibievcnbc .Auflcnb in neuer ;^ovm nuflcfitbvt 
locvben. üiMv nebmon nirt)t an, t^^tW bno uu-cf. 
Icnbnvflifd)c 3taat>miniftcvinm C'5 loyalen unvb, 
biefc 3aWnifl in Mvatt .^t feigen nnb |o nncn 
beutndicn 'iUnfaffnnfl-lu'nel) ,\u bcflclieu. «eilte 
c« abcv tvpl?bc:n nefrlu'licn, fo nn'vbcn \v\x C[cm 
bic ^alninfl mi"t allev l^adjt anjnlniiUMfn 



- nes. 



Unter bcv llcbevfdjvift „CO (y. *ai<^iibcn 
tanen" uuutct „Xcv ^Ji a t i ü na l ) o.|i a - 
lift" in ^iOeimav, un^ni i\ud) bcvi^net, in 
flvofjcv ^^(nfmadinnfl nnt cmev ^cnintion anf, 
bic al[o bcflinnt: 

^Ini -^1 0. 10:1': taalen in einem 5)1 üOt* 
Tiniiicr iofrtt \iifrt 00 ,"oibcii, bie fui) 
einen ^Kebnev ano ^-iunlin oevfel)vicl'en bntten. 
AUMnMcidjncnb füv bic ^nfammcnruint jit bau 
bic %\bc\\ i'ovcn ^)Jaum nul)t bnvel) ba«. Vofal 
anffnd)len, fonbcvn bnid) eine luv. bu' biveU 
in il)v '^mnu'V führte in bicfco fli'lnuflteu io 
^rtf; ^ic im ^otM i.cfiiiMiitjcu (s>aftc 
xnni ^cl• l.irtmirt "«'«J^^^ uicvicn fomUciK 
1vol?bem flclnnfl e-^ einem IVationnlioyahltcn, 

^cv -lieievont bc-5 '?(benb-5, an bcm fid) faft bic 
aanTc llj;iil]ll)anfcv (Mcmeinbc ein £teUbuliem flc- 
icben battc, n>ar bcv ei)nbifno bec« l'anbe--ucr. 
('„nbcö^DJitlelbenlfdjtanb, ^^Ivtnr <^ djm c r t n c r, 
bcr mit bcv bemaflOflifdien nnb luflenljaftcn 
.U^nnbfcvmeife bcr ^iJätionalfo.nalM'ten aiued)nc c, 
fo ^\i bcv .sxn-ri)ev an bcv il^anb, mic alle 
.^ovd)iv, feine clflcne .^^bnnb' Höven mnnte^ 
.nein älMtnbcv, bafj cv )cn.cm ^avtcdilatt ba3 
Weaentcil bon bem nntflctcilt bat, mad 



bavc U.Hn-id)tcvitanec uuy iiinnu --^.1.^^ y.... 

MJatiönal,\Minliften- n. n. nvelbetc, ^cr)uu;vnicr 
liabe aefaat: „inrn nuifjtc i^cviud)en, ^'.) bic 
llovtmbanbc. fbe;.ieU bie XentidK ■^nvncr. 
TrK^H ncfüaia \\\ cvbi^lten, beim loenn loir 
Ä'i 00 um inb movflcn biefc U^evbänbe 
n i " iT^n ^Un-cvcnt be^. ^Hbenbi in ;iO i i;f ; 

td feit einbvinfllid) bavanf Imiflemicfeiv ba|i 
htiMK mm)c Wcui'(l)cn bovt, IUI ftc 
5>cv TciUiajcn InvHcniiMMt mit iirnt 
<I)vift(iilK« »lUHfoflCiu^.K"' tnMK<y»H»t 

it ci t tvHCii riiiiuca, niiDt «1» b'<^ <^>v;Um 

^iuiicu. 

IS-.5 l^cvlolmtc ficb iiidit, anf ba^5 cmnmel. 
fnvinm von bo-Siuilliflcv (vvjinbnnfl nnb bel'evi. 
dicv \!\W eimnflcDen, menn bieicv U^oviall m 
;; „iIDnu en nidit Vlnlaf^ fläbe, nnfevc AVCUH^C 
i« e<nb H»i> «<^»^ ^^'^* ^^" .sMUdKrti rtii 
^cr UOml^ M uMUvcn iicrmiftaUiinncu 
tii U»iif neu. ^Jidit be^:jl)aU>, med mtv md)t bc« 
lanfdit loevbcn looUen. 'im loir U^ih bat bic 
Def entlid)feit nid)t .^n fd)encn. .^^;»bcvn loci 
miv bic Vlnofiibvmiflcn imferjv njebncv iild;t 
11 miirtcii «nficit ivoüau Hnfevc piTUflcfcO- 

,c VvJhiftiflm fann ba? llnbeil. ba3 er- 
loflcne ak'vid)'tevftattnnfl anvuiitet mir Aimi flc- 
ri iflcn Xeil mieber flntmad)en Tic ^Jational- 
founliften folltcn fid) felbit ^n fdiabc fem, ilivc 
ecnfationcn bon joldjcn „.VHU-äjcrn ^mJK' 
äicl)cnl 



ben 



"ülad) Q 1 bie[e3 neuen £tnbentenvecT)te§ btl- 
■n nn fid) bic etnbcnten bevtfdjcr Vlb- 
a m m n n fl bic etnbentcnfd)aft; „fremb. 



tämmiflc bent[d)c £taatoanfleI)oviflc - n « 
iinlflävbentfd)c nbcv[ci?t alfo bic^inbcn - miif en 
evft einen bejünbeven 9Intvafl ftcHen, li'» d^e 
Vlnfnabmc an evveifben. 9)hin beyfitfbt "?it Mf^ 
.^ornmlicrmifl, luic baS bcr mittona joäialiftifdir 
'iorfibenbc bcr ©. St., ein flcmiffer Qs)crbarb 
Urüflcr, and) ^nfleflcbcn bat, ben ^^Irtifcl 109 
bcr 9Jcidjöbcr[n|funö bciunfjt ^ nmöcljcn. 



er. 



Jm Rötnpf gegen 6ic £ügc 

(v>c»u*Utlflc jaiuit»rtcbunrt ^f* ^* ^* 
in «ciViirt 

^n Jüeib.^ifl janb am 21. lUoocmbcr eine nn- 
aenil^biilid) [tarf befnd)tc ^lUotcftocviammlnno 
bcr DrtvS^-nbpc beö (F. ü). fl^'Ue» ^e» national- 
[oüaliftifdjcn 50ablfl»«0bbittfelm>inbcl flatt. 
ilUr locrbcn über biefc 'r>eviammlnnö in bc« 
nädji'tcn 3inmmcr bevidjlcn. 



/ 



^•^ 



■•»Man 





i 






h'^^. 



ök 



<IA 



-V 




?lrUMtonnu-tci i[t vciil) in ^^^aipvcdiimnt^» 
imb nvm c\\\ (vv(ol.ion. ;M)ve ;HuI)äiuicv au 
bcii Uiiiivvfitiitcii K\\K\ )ini> tatcubiivftiacv 
nl- Mo rvHl)iTi1il]ait. Sic tvoiiHMi im ciuion 

tif. ^luM'oliitiLmoii (Vin^icn it)non mcl)t mcl)V. 
:3}Ovl)alO l)iUn^i» jic jiil) U-Iiou i>|tcv'> uov 
qcUMAi. Uiii lai lliiiun-lit.V.-bctvtcl) yi bc= 
LMiiÜiiiion. 2iL^ vil)(vcinha X^onioiiftrationen 
lUiO ?:.-inNVU' |ia^ bcfannt. il^cvlm f)at rnjt 
in i.\- ;.;i Scnioftcr ^lT (etitcii .^oci r^'"«^)^^ 
iniiO:.:eiiv riiuiuil ^l^olisci in fcincui lim- 

fciioi\Mi i'oh'ina, Xdm inib Ooiunbcl ift ^m•rt) 
btv:^ l^un•I^»il^^il•llC treiben ^cv (^tubcntcii» 
[dliiit '^u einem unvüic()cn ;\-alUMi bicfci Uni= 
l)cifität>->lcl)vcv tlcmcn•^ou. 

Tic Vlttilniät ober iLn•^ovt neue 0^>fci'. 
jN0l;t ift bcv ln•^lMltlid)e';u•ofcjiov bcr^iccl)tc 
Xr. (^vii)t C> 1) n in '-IU-oi:Iau alo Cpfcv nu-:;= 
rr)cl)cn. Vln iciucn ivi|Knifl)aftlid)cn £nali= 
täten ^u "^u^i'iMi^ h^"^ ^^^ Stnbcntcnfffiaft, 
Jivnn it)r übevr)nupt ein ni\Yl)t viv Uritif .V-i* 
ftau^l^ feinen Vlnlafj. l^Jad) einer ijevDov^ 
viiacnben l^infbat)n ift bicfev 'JJuinn m 
jniuien 5a[)ven bnvii) ^av THn*tvituen bcv 
]uvi|liid)en 'ivat'nltat ^nm ovbentlulien '^^uo» 
^eiiov ernannt UHn•^cn. ('^r ift nud) fein 
i.iHU-tcibndjbeamter". ^x I)eiHt nur b'ol)n, 
iinb ev ift ein jübifdiev 2entid)ev. Ta-ö k^-- 
\\\v\\. eieunfje 2:fi(e ^cv 9t\ibentenfd)aft m 
?lu'fvnfn* an bringen. ^M)i*c ';^n•t ei ^vejje 
td)nvt ^ie C^rrec^nui, ^ie bei nmndieni ^er 
ran^aIieren^en * innren l.Vnte (s^\\<\\\ nidit 
rii^iene-? tiejc^:? (s-rlebni-^ ift. ''^^Xckw |tel)t in bev 
^}jienae, man liifU fid) an!l)eben, jo K)ie ctuni 
im eommcv biefeö ^\aI)vco ^le ä.Vntf)enci- 
!Jtationalfo3iali)ten aW" b'^'-^ ^U^iempa= 
Urteil hv-i iwx 'ikn^-ondjelfe anjaeftadjclt 
Umrben. 

3^ie ftaat(id)en (N)euni (ten nafjmen bic 
feIbftuerftänMid]c C^Vltuna ein, bie 2'l^al)rcv 
\>zi; '.)ied)t^t' allein Uertreten fbnnen. Ulian 
I)a} fidi in '-IHMitOen bcr tobenbcn ü-lJeni^e 
nid)t aefij()t, iinb .Unltuvminifter une^Hetiiu* 
bev 'J.U-evlanev llniuerfität bcnaten fid) bio= 
I)ev and) in ilU'evlau ben ^iUoteften nnb 
Xemonftrationen nid)t. Gelbft bie beutid)= 
nationale Stnbenten[d)aft vndte. in einem 
;^(nqblatt l>on bem Strafjenraban ab, \\m\\\ 
fic and) entfpved)enb il)rem antifemitifdien 
'i^u-teipronvamm n^a^Mi bie (*?rl)ebnnii eine--: 
jübifdien Xeutfd)en auf 'i>^\\ '|JrofefforenftiiI)l 
proleftierte. C^»V^unjd)en fommt 'lUoteffov 
Xr. (Hil)n feiner V' ()v\>jlid)t nad). 

^ie Vlnt^viff^^u'rue ebbt cv\>. Ta u>irb am 
n-2. Te^^ember in bte '].hil>atmol)nnnn bc^< 
.lieJ'or'-* bnrd) bic i^enfter l)ii<bnvd) eine 
.viajdje mit flinfenber j^lnifiafeit oi1f^)*en- 
H^-t. Xev bejal)rte n^eftor nnb feine (<>attin 
fid)('en fid) felbft in il)re periünlid)e epl)äre 
t)inein iu)n feinen (rd)anbl)nben mu-folat. 
iiüeniae Xa^e ,yu>or l)atte bie iiationalfoya-- 
liilijdie Vanbtanofialtion eine <\x^\\^ Vlnfrane 
an ba«> Staal<?minifterinm nevid)tet nnb b-.v^ 
(vintreten be^ JHeftor^s „für feinen ^rennb 
CNi)l)n'' «diarf an.icariffen. Vlm 'IX Tejembev 
m-üffenllid)t bie mit "^^w 'JJalionalfiMialiften 
fi)mi)atl)ifierenbe „ed)lefi{d)e ^U'itnna" einen 
Vlrtilel „Ivol^fi ober ber Aiaifevr'.'Sie i^'oift 
^i^rofeffor (.s'oOn an, loeit er fid) :,\\ einer Um« 
fraoe bcr i^erlincv übevpavtcilid)cn ;'UMt»ma 



vMxi% im „Sali Col)«'' 

3)\. '))\. (4>er ^PJontao ^}^>racn") i^'^^^Hcrt 

l)t^t. .. , ^ 

So erlebt ber bnrd) ba^? .^ermnrbenbc, 
jebem fnltioiertcn 'JJIenfd)en )uibev|(rebenbc 
Straf5enqel)enl bev Mintionalfoyaliften be- 
cinbrndte, bnrd) bie Vlnfva^c bev !)cS=J5^vaf- 
iion iHHleUte nnb bnrd) \>i\^: Vittentnt m-= 
ftänbiid)erfoeifc fd))uev cvfdjiitlerte ^Keltov 
einen nenen 'iUn-ftof^ nnb \\\\\x bon einem 
i^Malte, beffen politiid)ev ^(id)tnna ,vil)lvcid)C 
Uniuevfität'>^n*ofeffoven nal)eftel)en. ^A \\i 
nid)t mel)v bie alte antifemitifd)e V(i\vi= 
mentalion, qeqen bereu :Dnrd)ielmna bev 
JKeftov bi'>l)ev 'iOibevftanb rji^leiftet l)at. Ts^l^t 
ift ber Vlnavüf auf W^ politifd)e ("oebiet l)in= 
übevaetvaqen. 'IH'ofeffov (5o()n r)abe ferne 
'].iavteiflaivie qeu^inl' inbem cv fnv ben Alom^ 
miiniften'TvolUt ciuiictvctcn fei. C;U-ofeffot 
(sobu l)at fid) übvieieuvs nie nm ^l^litif ac= 
fiimmevt, nnb ev ift nie ^^avtdpotitifrf) I)cv« 
l>ovneiveten.) 



557 



^i^iv ioiffeu nid)t, ob i)ieftov nnb Senat 
ben UlU)i[lant in ber ^eitunn „VJi. l't." a^' 
Vriift hahkJii, el)e fic \\\ iljvcm nnUevuaub^ 
Iid)eu Cvntidjhif? nt^fommen finb. üi^ir u>i)ien 
nud) nidjt, ob beuniOrte Xvcibev l)inter ben 
Mnliffen an^? bev Vlenfjcrnnn ^|U-ofefjor 
(soOn-:! eine Staat^?aftion ivmad)t nnb -Kef« 
tor nnb Senat V' bem iHnbaniviivUoUen 
iIH^fd)lnfi iiebvämit liaben, ben fie ein un- 
nemöf)nlid)e? ^iUn-l)a(ten - - fofovt ber ^^UTfie 
übcrnnben. ^x lautet: 

„^)Je[tov nnb 3ciini IiaUcn c3 für i^ivo 
U)id)tinite ';M"lid)t, bic ndibeiniidio Vel)vfi\M 
beit uulH'binat },\\ fd)iil;en. Xovl)n(b finb fto 
mit nllcv Cvntiriiicbcnbcit für bie i;';l>ol)in- 
bovtc l'el)vtätin{ed bc^ ^j.irofeffi»vö (uUm ein- 
f|ot Voten, (yo »Dave eine fcUiitiHnitanMifl)C 
^;'.flid)t bei» '|Uofo[joV'> (ü^lrn (lounien, nntev 
ben befonbpvcn UUnliidtnijfen nnfoiiH- llui- 
ocvütat nllot' yi r>cvincibfn, )i>cv:: ;^n einer 
unütovcn ii*or)d)avfnna ber i'aiK fii:}v:n 
fonnte. Vcibev I)nt ^|.'vufcffor tü>l)n C'ie;.* 
Vtliditncuuifu* ;;MvruÜ)(iItiinn bnvd) fein nn- 
nötijioö MciiHutvctcn in einer ninftrittenen 
Volitifdien o^vOiK lun-iniJH'n loficn. XeoliaU» 
l)n(UMi nieftev nnb 3cniit eine U'citeve V?ct)r- 
töti.iteit be>? ^Uoiefjovv ("olm an nnfevev 
fdjlefifdjcn llniiHUiitat im ^^ntciefie bev \Hnf- 



.vrr/>^^?<-.yr 



♦ ♦ ♦ ^iit^ ©c^>i^S 



^•*-y'i 



^"^n 

ä/W'44 






/ölfiPclul-trÄcrkrö 



?lfv K\\X(^ brtDon fprarl), fid) entvi\|tcte ober 
iH'diitiote, je nad) Vtilitifdjcm lennH'vnment — 
lH>v nilcm ober: nl? fid) \>K\\m bie poIitiid)e 
ilvänleind)t ent.ninbete nnb ilVteiliolen nnb lln^ 
licteidaten ein l;n)'{lid)Co 2d)auipiel bot, bn l)nben 
Juir ^v'fdiUMrivn. ,;>ciü, bn ed)u>eir,cn ciiiadvcton 
ift in bev civbfun-en Ceffentlidircit, bolten mir 
c^j fiiv nnieve ^IM'üdjt .in fpverijeii: es Ijanbelt fidj 
nm ben mW Tüftevlwiv 

Xir Iatfnd)en finb fo befnnnt, ^k\\\ eine 
ÄMebrvl)o(imn fid) fuft eriiOrint. 0^-5 l)nt fid) 
l)cvnnsi^pftdlt, bufi be^< 3tn[)tl)elmfiil)vcrcj STüftcr- 
lun-rt C-i^vofumtev ;^nbc <\^w\i\\ ift. i^^üfterberrt 
foU t^i nid)t oe^yufil Iji'^ben. 5)ie (fntbediiiuv bie 
l>on ben liJntionnlfo.iinliften ^n einrv nncvl)övten 
.C^el?e (ii'\li'n ben l>evl)nf{ten MiVknfpielcv aii3^ 
neinilit univbe, l)nbe i{)n fo aflvoffcn, bafj cv 
l>oiMlie voet)enb ni'fu»bl)eit(id) nicberocu'ovfcn 
)iunbrn fei. So nnb tihnlid.) bevidjtctcn bie it)m 
nnl)c[tcl)rnbrn '-lUiittev. 

IKit l>ollcin '^Hnom'Ufcin I)aben )oiv nn3 in 
bnci l'(einlid)e aüv nnb UlMbev niri)t oinoemifdjt. 
Wleid) fevn Innen nn^? bic nori) fo miind)ev ilV- 
(icbeiiheit oielUndjt oevftnnbIid)C ("Kfle bev 
2dhibenfvenbe )oie bie .'i:MiUiinn biüinen 
IvininVheo obev offener (leinbfelinteit. äOiv 
mieben bie 3enfation, )oeil nnv if)vev uu'ber ,yr.r, 
.Unmpf noil) .viv ilH'ftiitinnnn Innoft ai^)oiifjtev 
5iiior)il)eiten bebnvften. ::^mnv UMif>ten \\<\x nid)t, 
biif{ bei i"siil)vev be<> Stolillielm, ber ^ihnfibent- 
fdiiiftvMnnbibnt Tnftcvbevn, iiibifd)e^:l "^M in \>m 
?Ibevn l)nt; olvr toiv ioufiten, bafj fo etuniö mön- 
lid) ift, bnn biv? nroftc Stmmcn üIhh' bie CmU^ 
bednnn Oiel mcl)v einev blinben '-lUn-cin' 
nenommenl)eit olo einev )onl)ven C^vfeniitnio bev 
Xinne entU'Vnniv UOoviibev ftaimte man? 
Xnvilbev, bnfi ein bciitfd)ev ;^iil)vov, ein Solbat 
fid) Vlbl^Iid) nk' ;"\nbcnftnimnlinn cntpii^H^te. ;"\)t 
fo elunv? Vln(nf{ ,inm 3tiiinien niid) fiiv nnö^ 
.Uc»m nnö fo etioao h^x-^w führen, einen lWen|d)en 
nlo cntel)vt nnnifel)cn obcv i()ii iit^ev flnvlft«* 
.'LMMninniffe n<'f»'lll^^'"'^f»i^V'r niib vcf(eltovifd)ev 
Vlvt l)inu»cn mit einem „llnb bod)!" iueitev an' 
.vunfennen? Mein^ \>v^\\ beiben: in nnfeven 
Vlinvn ift bie Lvntbednna (Vdicfft nninteveffnnt. 
:;^nlevcffnnt Joivb fie crft bnrd) i()rc be« 
iiHMfcnbc lv,u\ unbcrlencnbc ITioUe im Streit bev 



!).Keinuniien. lliib fjiev oevbient Oov nllem btc 
Steldinnnnlinu' beS „Teiitfd)iMi ütoUvtinnc«" i^e« 
niljtnna, bem bno 'Kinneir nm Jemen StimbpunU 
fidiiliil) befonbcvi* fd)ioev neu^ovben ift. 

„r ii \\ c V b e v n i ft n i dj i U lU l i n 
5IM 11 1 b e n t f d) e v ?" fdiveiOt e^^. „?( b e v 
c V i ft ö n i n 3 rf) i d i n I b e 11 1 f di c v. 
e^) 1 t e n t f dl e i b e t b n v d) b n o '^ Int, 
e V e n t f il) e i b e t n n d) bnvd) b n 9 
ed)irffal. JiOiv nehmen biefe Ir n t • 
f d) e i b n n n « « : ^ »« fl e v b e v n i ft ei n 
Seil t fd)er." 

20iv IhUhmi biefe V Cvntfd)eibnnn nidit^? liin.yi- 
,-infet?en. liJit i()v nOevniinmt ba$ ,,Tentfd)e 
iioUvtnm" n n f e r e ?liiffnfimia v>oii bem 'iiVfen 
beo ilJolfvtmn'>. Xenn l)icv tut baö [Nnftnm bev 
JlHiito m i f ri) II n a nidlt« ,inv Sad)e. ^vo^e iit 
eiiv^in niib nllein: (^> i b t e§ eine ^nftan;^, 
b ö l) e V n I § b i e 3 n f n m m e n f c b n n n b c i.' 
JIM n t e , bie ii b e v bie ;S n n e I) b v i o - 
1 e i t ,^ n einev 'lUW f o n e m e i n f di »i f l 
c n t*f d) e i b e t ? Tiv? „Tentfdjc iiiolfotum" 
nntiuovtct, lonv )oiv immev n^'imtioovtel liiiben: 
„;^a! Sdjidfiit nnb 'l^xW^V ^."Jnn fein, bnf^ im 
Jvolle Tüftevbevn. bn§ Sdiidfid im 3iimo beo 
„Tenlfdien iliolt-^tiimö" iH'joubev'j einbeiüin ent- 
fdiieben l)id, meil in bno „reiitfdie ^iUnivliim" 
eine <\m\ mevfioiivbine nnb hod))t oenniitiam 
einfeitine iHnfinfimui oom UbeiVn beo beutfdien 
'^•^\A.i(^i I)nt, eine Vlnffnfiimn. i>ev Tiiftevlnn-nv 
Sdjidfal in befonbevem litn)V entfpvidit.-tvv- iV^'M 
nnbeve Vliiffnffiinnen oom bentidKii ^lU^Vn, nidit 
minbev „bentfd)" nnb nidit minbev ed)t; in fio 
fd)idiiib>^ nnb millcibMniifiin l)inenuiiunKl)fen, be- 
beutet nid)t UH'ninev Cvnifdieibimn [üv beiilfdje 
T'oa*viael)öviol'eit nlc^ eine ,vif«dlio<* -iMniV^be nn 
eine ij'eiitidiheit beo M'iilitnvi^nui^s nnb politi« 
[djen .UoiifevOntioisMnuo, bie oaii.i brftimmt nid)t 
ben Zinnien bev Xentjdilieit fd)ledithin Oevbient. 
Xnö „Toiitfdie UHiU^>tnnr, riri)lmu"iadvnb 
fiiv einen nvofien leil bev notionoUjtiidien 
;;^nnenb, bnt einen bebeiitfnmen 3d)ritt oouoavt«:' 
netrtn. Xie ;Sidimft unvb evioeifen, ot» cC^ anf 
bem neu erobcvten ^^Unl« ftelienHeibt. nud) u>cnn 
er il)m nid)t mebr nnöcnbtirflidicn '^u>vleil ocr- 
biivöt. I>r. K. K.-J. 



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53$ 

tfditciIiaUuna bcv Cvbiunio unb nncä u»- 
l^ltintou !i'ol)il>otiicliC-' jiu- uicl)t tioolnu-. 

illUMt 'PvoKiJov l>ol)ii (lifo ,Vi einer 
inUitiü-l) uniftvittcncii ^raac" etcllima ae- 
iioiiunon l)at, ()at Cf feine „pfticl)taenui^{e 
••^uvüdl)altniui iV'l)vin()cn unb i[t „nicl)t nirl]V 
tvaot^u-". 2l^iv tonnten ^ev iiUTolanei Uni- 
iHnfitiit iel)V v^hlveiclie ^^alle nennen, in 
hcncn ^^HeoUinei- ^ivjlelJLnen il)ve ptlirl)t» 
iVMniine.-^nviUflMllnnn in politijilien ,sx(\cs\:n 
w i V 1 1 i ci) l)iUHMi ueiiniifen laffen, ol)ne ^aU 
Me llnioevlität ^alKAen einne;fl)vitten UMve. 
^luv> ()at '(.Uojejiov iH^hn nnn unvdui) 

Xev ,.'^)anitaa ^-Hi.n-ncn evtnn^uU ncl) 
bei ^betannten '^.jJevlönliditeiten iibcv il)ve 
(<initellnnii ,^n beni ^^U-obleni Vlii)(ved)t fnf 
ben luui ^en Alonunnniften an^j 'Kn[;Ianb 
nn-oeHMejenen IviHUi. (S*-:^ nntiumten bet 
ieil):vllelinibe 'ik^litilev i^uhi :i\ e I) xcx, 
^ev vell)^^Vl^^ifale Miibitänientnant n. (.vr)t» 
h a V b t , ber |vnl)eve HiationaliLMinütt 
Tv. Ctto 3tra(fcv, bcv (•i')eianMc n. 2». 
l) n -V^ i n b c n b u v c\ . bei* Gtaatoniiniftcr 
,U(Ul ^^eucvina, einige Alünfllev nnb 
3rl)viftitcllev, nnb aiiff) ^|^VL>ie|jol• büfjn 
(innevt fid): 

Jic c^xkvy y\d)oxi :^\\ bcn \d)x ,vil)lvcid)cn 

Avn'arn, bie" tein fncDlid) Tonlonbci- ol)nc 

fin-atiilti(iite ^^U'ütinin cincv 'Kcihc lum Um- 

itäll^cu " :)n boantuun-tcu ncrimiii. ^nS- 

inM"eiibcvc Mh-Tte i'o uoii !iL^i(l)ttafoit cr- 

iMicincn ',m uuiioiT. uiclcho o-vfnl)viniaon bie 

i.'iiiibov. in bcnou fiil) Ivi^l;!! bivlicv aufliicU, 

mit il]m uiib ieiiior lätiolcit aem'^djt liabcw. 

(vin ("iciiüaor '.HilHMtci- mivb itct'j fd)nO' 

univbi.i cnM]oiiuMi, an ^^(aitidovcn uni) 

^»iiivpiUitifcvii OaDca luii* mal}rI)aflio feinen 

lUiiUMKl-" 

liefe ^;!(enHevnnii bc^i ^;U-üfeiiin-§ (So!)!! 

luivb bem ÜMatt, biv^ i()n .^nv etcUnna- 

iuil)nie anfÜH-bevt nnb bcffen ?(nfvnne er 

nidu nnl)öilid) beantuun-ten unK, telc^- 

bDoniül] buidniei^eben. Cvo id)(eid)en fid) 

,Vuei \xh-iel)(ev ein. %H-o[eJior e^o^n \)ai 

'munlidi nnv eifdut, ,,c'\\\ (\^\\imx 'lix- 

Hcitcv frtuu fd)uUiuitvl»irt cvfitKhicii; 

\)i{i>c\\ u»iv i>rt(\crtcu ^Vrtl)fi)rtftirt feinen 

?ieie In'tiävnna ift lucber ^nUitifd), nod) 
ilt jie iiln'vbiinpt eine Glellnnnnnr)me. Gie 
rel)vr lebi^lid) in einer (Meiionübevileünnn 
bie iivnnb!iil;lid)en 'iUn-iinoiVt;nni"ien I)enun', 
bie eine objefliue C^nlid)eibnni'{ cvnu>nlid)en. 
Xie (<nl[d]eibnnii i\Mb|t luivb Uou 'Pvofe(jor 
l>ol)n nid)t oetvoifen. 

^l^ie eine bevavtia fjnvmfofe (viUavnna 
rine ./-l^eridiiufnnn bcr X?ane a\\ ber Uni^ 
bevfitiit ü^rcc^lnn" i)evbeifnf)ven foll, ift beni 
übjeliiuen iiVtvadjter unerfinblid). Xieie 
'^Unidjiivfnnfi ift and) (\ax iii-'i* \]\ (vvf,i)iM- 
nnna i^elieten. Xenn bie ifnornlen ijnbeii 
("leoen ' fie nid]t ranbnlieit, obioof)! ber 
',;JJ(. -0^" \\>\>i)i and) in ilU'eöfau taac(ann 
befannt luar, ef)e bie .,5'd)(efifdje 3eitnnn" 
iOn \\\\\\ Vlnhifj ibver "iU^Ieniif naOm. ^JJian 
lüäre faft, uieil fid) iuirUid) obieftibe^u'i'nibc 
für eine bcvartiae fdiiefe nnb fd)ar[e ii^e- 
nrteilnnn ber ,;jJi. DJi."-V(en|{eVnnrt nidit 
iinben I.ijfen, ^w be[)anblni oeneint: biefe 
il^enievfnn("\ taui fe()r aeleaen. 3el)r Helenen 
X>i'\\ Xvelbern, bie an^^ iviienbiue(d)en boU« 
tijdien ober anberen 'JJlütiuen a\\ ber U.^rev<- 
[anei Uniuerfität 5)in()e nid)t anffonnneu 
laffen luoUen. 

lief b^banerlid). baf{ fid) ^Keftor unb 
8ennf \\\ einem bevartia iibeveillen inib 
nvnnbioien UVfdjInw baben beltimnten Iafjfn.> 
(^i<' u)eiben il)n I)iMfentIidi a(<i 'JJiänner ber- 
,l/l\iffein"d)ajt, bie nen)o()nt finb. \\(\d] Ob- 
ieftiüitat nnb (%rcd)tiafeit ^n [tvcben, nnn- 



niel)r iibeibvüfen nnb and) ben 5)int finbcn, 
iljren ;\rrtnni einyinefteben. 

UU^lliii unbeeltiinblid) aber U>äre Cy, 
luenn bie ^nftan^jen, in beven •'panb bie 
yiU\l)vnna ber v^taatvantorilät aeleat ift 
ibve objeftibe •s>a(tnnn bnrd) bie a^nnblufe 
^^k'Ijanbtnnn einer ,;;niif')^^nnleluina" beein- 
flHJfen laffen uuniten. ülUr tonnen nnö 
iiid;t bcnfen, bafi ba^i Alnltnyminifterinm, 
ba»? feine (.vntfd)lnffe in rnl)iacr CbjeftiDität 
unb nid)t nnter bem I5inbrnct Don 
3(afd)enattentaten .^u treffen f)at, bie '^Into- 
ritat beö ))ied)lo nnb bC':i Staate^) nidjt a\\^) 



in biefeni J^alle bnid)ieben luiib. 

Xer »lall t.Hil)n ftel)t für jeben, bcr ob- 
jeftib yi \m\\^\\ c\m\\\i itt, einbentin nly 
fünft(id)e .Slonftrultion feft. l^^eiU ael)t c3 
um niel)r! 'Juinilid) um bie ^va^e, ob bcr 
Staat nod) i]en>iilt nnb in ber l'ane ift, fiffj 
bnrdjyifeben, er, beffeii (lenemyiu-tioe '^'ci- 
treter brty antoritatilK* '|Kin^ib fo bcfoii» 
ber*:!i f)od) loerlen. 2^er JlfaU ^i>[)\\ iinib 
^nur^irüfftein für bic^veftirtfeit bicninfd;ou 
Gtaat^Santorität neacnüber einer ^.^m-oc 
(innn, bie uiaf)rfd)einlid) in nidjt },\\ ferner 
äeit" feine i^eiueauno niel)r fein luirb. 






IMniDMMi 



6on5cr()crirf?t für Mc „(S. :0.'3ci t uuö'' 



ajrtfkitOiirc«, i21. Scjcmbct 1932. 

„niilualmorb in yinitonbiirar, fo Imdct 
bie Ucbcrfdjvift einc5 ^(rtifctö bcr in ^önuiö- 
bcvo i '^x. cvfdjcinciibcn 'JJntiünnlfLi3iaUiti- 
jdjcu ,;]]vcu[nfd)LMi ;-]citmia", 3ir. 279, Dom 
ÜO. ^e^embcr 19.'i2. ^w biefom Vlrtifcl luirb 
ein i\\\ einem ninbc beanuacneS fd)LMinlid)c3 
ii>erbrcd)cn bn,vi bemibt, baö „nde l)Juivd)cn 
Dom ^Uitimtmorb" anj.ytfvifdjcn. ^vi^^ienbcr 
latbi'jtanb flob '.Hnlafj 3U bcm öcrüdjt: 

"im lim ^Unnb bc3 «5. ^TiMcmbcr bei' nd)tiäI)rino 
eolm bi'6 (Scbloiici'S i^ t f f e niio bcv '?(ufil>ura:i: 
(2tvnne in IKnftcnbuio nid)t luiri) •C'^nic tnin, nlati 
micikn Mc bcfmotcu CWtcin bie ^iUiIiu'i. Vlm Wäii- 
Unni) minani fiuib ein bc^ aOcnc'3 fiMunicnbcv V[v: 
bcitcr in cincv \Hc{ciinrcOc nnhc bei Globt 
bcn f(ciucn ilVnuü .C^offfc mit buvd)U-lmittcncr 
.Ucl)(c. iln rijriftlidKn mio in iiibifdKU JUcifcn loitc 
bicfc Zc[{ nrtcf) ihrem l*»jrannlmevbcn einen 
fclbfn^cvitänblichcn VU)fcl>on <\\\'i foluie tiefftc^ 
lOJitmiühl mit bcn C^ltcin, in'?lvUmbcic mit bcr 
'U.'niltcv, W^M)^ cincv ^licbcvfnnit cntncocnfieht. 
Tvicbcvhnft arbeitet fcilbnn bie hiefiac 'iU^lijci nntct 
.\;Mn]nucl)nno cinit^v ^Ueunliflen an bcr *2(uttlii- 
vnna bC'i 'JJioibc^?. Tpd) bi-i jcld Icibcv bcvocbon^^. 
{^^ hatte in bcv 'JJodit nach bem Uk'rbvcrficn ^(xw- 
cvnb ae'ihncit nnb ocftüvmt, \\) bau bie l>iUi,U'iüriicn 
«rmitllnnaen fchv eiichu>crt Univben. ill'ie bie Cb: 
bitltiim bcv üciihc cvaab, i|t bev lub buvch ovofKn 
ÜUnlucvüift cinactictcn. 

Afnr,^ nari) bcm ikfanntmcvbcu bcr 2at fclilcn 
Mcriid)ie ein, \:>i\\\ cy fid) U>ohl nm einen „^Kitnal- 
nmib" lHinb:ln miUde. Clnupht cS \n\<> JKaftcii; 
bnvaer onbcn Kav ionr, inm mcld)ev (Seite fiMdic 
(^■)eviic1)te in ba-i i»oü advaacn mcvben, fühlten 
Juiv nncJ niriit UcvanUifd. hicv.^n i3tcl(nna nt nch^ 
mcn, ta mir ui bcr iivMjfcnfcliaft nnb Cbicttilutät 
bet i'chihben bao Unntnuicn haben, bafj fie Uulicn, 
b a \\ c ö ei n e n % i t n a l m a i b t a t f ii ih l i ci) 
n i cl) t n i h t. 

ili'ir fd)»oicacn a\\<h nüdi, um bie (^vmittbinjV'n 

bL'i ÜUiliui nifl)t ,^n ftihen, al<j bcr iiibifdie .Oönbicr 

VI. Dun intcrcfficitcr Gcite bc'ij .Miurbci iviboihtiot 

nnb omllid) Vvrnommen UMivbe. (^<J hanbeü fidj 

hier nm einen yjlcnfdicn, Uan bcm fcH^ft bie ,/;Uen- 

fnfd>e ,-{citnna" fd)vciht. bafj er Jocaen feiner lihDcv- 

Udjen ii-d)Uuuf)C al>j iäter nid)l m ^rayie tommt, 

bcn ..fie" aber alö clKntucUcn ^^nticilH'v lKtrad)tct. 

>3cn'fll>crf(änbüd) funute VI. fein Vllibi cimoanbfrci 

jtrtdimcifcn. (^r ift, luie acfaot, ein ?JJcnfd) mit 

nicht nur fdjUnuhcn, fnnbcvn man fani» faocn 

frnnfen ^JJcilu'n: feine 0)cifte?an(aoen finb nidit 

l)itha' aI«J bie bcS ad)tiiihriacn C^rnu'rbetcn ,ut K'^ 

nvvlen. Si» nahm er fid) bie *-ikubtid)lianna mehr 

oH ivbct nn'bcie m\ ix\\i'\\ nnb meinte, bie 

,,£d)anbc", af^J iwldii* bie '4.Unnchn»nnn nun in 

feiner franfhaften (*inhilbnna ricfenarafi baftiinb, 

nid)t übcrfcl>cn .in lünnen. ^o nrifi er nnmittcl- 

bin- ))ach feiner T^ernehmunn ^m\\ Wochahn. C^in 

(<^ir»rf. biifi er um l'-'Uen b'icb. (.<^ö iU aar nidit 

iui<5uibcnfen, iueldie ^l'hiinlaficn bie nationalfivuali-' 

ftifri)c *l>veffe im ^aile fcinc-i lobcj entluiifclt hatte. 

Vinc<3, unv3 bie „'IJvcnfnfdie i'lcilnna" fanft muh 

lur ,,(5ad)e" b»Md)te, finb mehr ober »iHMMoer 

*iu*rimitunacn nnb ber bei fuldjen VUiläffcn 

iiMiche (2tnbtllalfd). *Jinr nininU c<J JiMHibcr, 

bafj fie hierbei bie ha)il>tföfhlid)fte *iU"rn)ntnna. 

nl) (H')unf»t nber nn(>e)i>iif<t, mi)ri)to id) bohinne-: 

fteflt fein laffen, berfdimeiat. Oft CiJ mivllid) fo. ^\[\ 

anficr ben Vnm bi'r „*l'ronfnfdKn ^Si'itnna" fiwac^ 

führten SJJotilnn, meldK nid)t in ßraoe .tonnnen 



fuHcn, nämlid): rvinanücfrc ^^urlcdc, n{ad)ealt unb 
X'nftmorb, feine nnbcvc ilJJptilK' lunhanbcn linb? 
3d) mäd)te an bie „*lkcnfjifdjc :3cituna" cnuao 
bcfdicibcne Tvrarten ftcllcn: 

^\i ^cm Skrirt'.tcrfinttcr ^cr ,/Hrcunifd)cti 
;3cituurt" nirtjt (»ctoinit, Xk\\\ i^ \yov bcr (vr-- 
morbuiin beo ftciiictt .<>rtffrc im .Oaufc, wo feine 
(flicrii U'ohncn, in fmjcr ,Kit iiucinuU 
Orrtuutc, bcr *i^rnub rtt>cr iiori) immer rcdjt-- 
jcitio ciitbcift UMirbcY 

Dan CO am 3uunnbciJJ», Den 18. rc-,cjnlcr 
^. i^., bafcUift '. " m b r it t c it mal brannte 
MitD ein flröficrco Umiliiit nnr bnrd) bao cncr; 
flifri)C (^innrcifcn bcr rvcnctK>chr itcrDinbcrt 

Juurbf ? 

bau fid) in bcr 2tabt :)Ja-,Uit(Mua hartnoifia 
X>(i<i> (>")Criid)( crh»il<, bcr fleinc 'lUuno .v.ifffc 
Ortbc einmal bie *2r c ;i f; c r u n o fallen 
i n f f c n , baf; er luiifite, u» c r bie *i^ r a n b -- 
f < i f 1 n n a c n Der ü U i na l» : '< 

bafi man fid) alft» utohi fvanen ntu'*!, Dt» 
ni(t)t icnlan^ b«»o Wutii» \umu. einen unlu--- 
(incmcn lini(U>iffcr <\\\^ bcm rlvUtic >n faiaffcnt 

Ter 0'. '4.^ l)at foolcid) nadi C^-vfd;cincn 
bee> V(vtifcb5 in ber ,/yvo:titifri)cn ;:Uitnnir ben 
d)viitlid)en Tivcftor boo Aiüni(V>l'ev»v'r bVi-idito- 
nirbi,^inifd)cn UniDcriitäto . ;^n!titut 1 *j.5vof. 
Xv. :)iibpc, nuifhi'r bie Veid)onjcltion im 
;^a(le »ö a | f f e auvnofübvt hat, nclH'tcn, lid) \\\ 
bem 5)iitiialmovbDcv!^uct)t ^u äiifun-u. *;»rofcfför 
Tx\\?\K Ortt crflärt, ^af; ein in^tf«^)cr 
}Hilurt(mor^ iii bcr lUf^mtcn Hrridjto-- 
mcMthi ^fv 2lUlt nicr.iitK^ ffftf,cftfUt uuir^ 
bcn ift. (^'iii b»il>iniKlKUv»co Wr.ladjtcn fei 
.util) luui feinem VcDrcr un> 'innaanaer, 
iuof. Tr. *iijt^i»e, erftittiet nu>vbcii. 

Xev IMnbeoDevbanb C ft b v e n 1*5 o ii bev> 
(>. '-iv, ber feinen ^bubifuö 3aba\!{\) fo» 
fovt all Cvt nnb ctcKe oiM"aubt hatte, nnb bie 
Dvtöavnbpe M{ a ft e n b n v ^i bc^j (f. *^V balHMi 
.^nfailuneii nl(eN> mitenunmnnt, ma«S ^nr 
VlnfKarnno nnb il^rvnbiiVHia ^l'v ilH'Do If er uu^ 
bieneii fann. Ter oftpvenidfdjcii 'i'vcffe, ino» 
befonbcve abev bcv 'Juifteiilnirra'v. UMtvbe eine 
(vA-lliinr.m alMeocben, in bcv nidit nnv auf bie 
luificnfriiaitlidKu ovUäv.auion bcv t^vofeffin-eu ^ 
yiibbe nnb *;5ubbe ^^V^ui^ i^enemmcji, [pn- 
bevu and) auf ein (<> ii t a d) t c n beö fürysid) 
DevftinlHMien, in-bentlichen *ih-eic|^ev-> bcv ic\\\\\' 
tliiild)en 'HieiUenie (\\\ bev AUMiiiV>l'ove,cr Uni- 
Devfität, I>. Tv. '.Vuir V.UU) v , hinaounefc.i 
mnvbe. rmm djriftiicfje» thcoliinifilKn 
3tanbV»»nfte »uio lu-tradMet V iHj r b(U> 
JKitu«ihnorl>rtevüi1)t alö einen nüttelaun» 
ilrf)<n ♦?(ltcrrtJ«^»«t»eit. *iiWiter()ht lint bie 
;^ 11 ft I S t> r e f f e ft e n e ber uftbreufjl« 
fitieii, iiiobcfoiibere bev :K »i ft c ii l» n r ^ e t 
'lUeffe eine »IKltteiiiiurt \nr *iU"vii}fent« 
lldiunn ;uaelKn laffen, in U»eUl)ir bie 
,,Icttl»efiiiubOiUiofül)vnnaen'' t>cr ,/iire»i 
fllf(t)eii ;Ui<"»rt" ^»vd? biefe «inuiiiije 
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ber 'ikrbadit clnev^ iKtinalimnbro dl^ 
lüUIirt iinl»ertrüui)et l»eKid)nct *UHubon ift. 
2)ie .,*iveiifnfd)e ;V'itim«r Imt fv> natihlirf) nid)t 
jiiv nivtia nefiinbon. birfo inllavnno bev ^Viftis« 
pveffiitelle ab^ubniden. K. "Wache. 



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67 Riverside Drive, New York, N.Y. 10024 



26. Oktober 1973 



;a4 



Frau Dr. Susanne Miller 
Saarweg 6 
53 Bonn 




/ 



C. 



Liebe Frau Susie, 

inzwischen sind nun auch die Zeitungsausschnitte 
ueber Carl Schmitt angekommen. Ich danke Ihnen herzlich 
fuer Ihre Bemuehungen darum. Der Artikel von Fromme 
konnte wirklich Entsetzen erregen. Den richtigen Schmitt 
schildern weder Fromme noch Leibholz und Cohn einwandfrei. 
Der Antisemitismus blieb bei ihm konstant waehrend seines 
ganzen Lebens, schon von einer Jugendarbeit an. Im übri- 
gen hat er sich vom Nationalsozialismus Bes 1932 fern 
gehalten und das autoritaere System Hindenburgs und 
seiner korrupten Berater vorgezogen und eine Theorie 
daraus gemacht. Erst 1933 hat er sich dem National- 
sozialismus ergeben, und dann mit aller Wucht. Von 
der Verherrlichung von Preuss ist nichts uebrig geblie- 
ben. 

Cohn schreibt sehr entschieden ueber den "Hochverrat 
an hoechsten Werten". Ich stehe allem, was er schreibt, 
mit gemischten Gefuehlen gegenueber und habe dies auch 
Robert Weltsch geschrieben, als er im letzten Ynarbook 
des Leo Baeck Instituts einen Aufsatz von ihm ueber drei 
juedische Juristen publiziert hat. Er ist ein Talent 
doch kein Charakter, was ich in Breslau 1932 aus ummittel- 
barer Naehe beobachten konnte, als Studenten, Rektor 
und Denat der Universitaet sich gegen ihn wandten. Seine 
Stellungnahme zum Asylrecht fuer Trotzki zeugte von recht 
geringem Mut; Stampfer, der oft sehr diplomatisch war, 
hat in einer frueheren Zeit sehr mutig fuer das Recht 
Trotzkis auf Asyl gesprochen und geschrieben. 

Soeben hat Kissinger seine Pressekonferenz gegeben. 
Es ist eine sorgenvolle Zeit, fuer uns alle und besonders 
fuer Israel. Ueber Einzelheiten zu schreiben hat im 
gegenwaertigen Augenblick, in dem die Situation sich 
stuendlich aendert, keinen Sinn, aber es ist fuerchter- 
lieh sich sagen zu muessen, wie stark die innerpolitische 
Moral durch Nixon in einem Augenblick erschuettert ist, 
in dem ein Hoechstmass davon zum Einsatz der Macht der 
USA aussenpolitisch erforderlich waere. 

Viele herzliche Gruesse auch von meiner Frau 

Ihr 



/ 



LEO BAECK INSTITUTE 

JERUSALEM • LONDON • NEW YORK 



4 DEVONSHIRE STREET 
LONDON WIN 2BH 
01-580 3493 



11. !Ylai 1971 




Dr. Ernest Hamburger 
67 Riv/erside Drivye 
Mauj York 
N.Y. 10024 



Lieber Herr Or. Hamburger, 

besten Dank für Ihre Briefe vom 28. April und 5. f/' Jf ^^;^^^ 
erst v/or wenigen Tagen u^ieder aufgestanden und konnte leider Ihre beiden 
ftnf agen bei ProfesLr Cohn und Ministerialrat Schönbacl, -f "-^^^^^ 
sofort erledigen, zuerst u,aren die Sitzungen üs^. Es ist mir auch nicht 
nelunoen sofort die Beiden Herren zu erwischen, aber u-ir ..etden das 
baldrgUchst erledigen und schlim.stenf aUs Ihnen die be.den Auskünfte 
n,ch oeutschland oder in die Schujeiz senden. 

2u Ihrer Meinungsäusserung über den tsch>.ege-fluf satz "-^^ J^J^ 
saoen da^3 ich mohl in erster Linie für seine Aufnahme verantwortlich 
!!f ich habe ja auch die rsd.ktlonaUe Einleitung dazu geschrieben. Über 
di ".i enschaftlichen .ängel der Ubeit .ar ich .ir selbst ^r Oa e 
1 isten nicht -.orgfältig genug uaren, h^be ich auch gesehen, ts ist teil 
LI d iurch zu'erklären, da^ Hie U-neni..esten Herrn Esch.ege e - 
«rhino^en luaren Auch wir haben redaktionell klar gestellt, dai es sicn 
hieiteiirise^m Verfolgung und nicht um lyiderstand handelt. Andererseits 

r hl llhri^i es richtig mar, einer englisch-sprechenden üJelt hier u-ohl 
frrrsifnVa^VtLrrbL^den Widerstand junger Jüdischer .ensch^^^^^ 

allen Oingen i. Kriege -^-jjf J^,;, '^ ^^^^K^r s ^o^de^^zf dJJ^^hr- 
rcrs^XV^zu^br g n" en^-Ilr^hab^n^bereits einige Informationen erhalten. 
SiaUeirit möchten sle sich auch dazu äussern, ganz abgesehen dav/on, daß 
Hir uns Ja ev/tl. im Sommer sehen werden und darüber sprechen können. 

naher zum Letzten. lUas Sie vorschlagen, scheint sehr geeignet. 
lUir dachten otJan Ende 3uli. Allerdings wäre ein Treffen in Q^-^l""^- 

der SchuiBiz sein uierden. 



Ich^hoffe, also bald u/ieder von Ihnen zu hören w.<^ \(^<i Ad-«S<;c €^S 
-s ,- - , , -)^'- - Herzliche GrüSa 

ArnoldPaucker 



11 -M^ /r^'^ 



I 



31c«f 3iird)cr ocifinti^ 



n / 



FEUIL 



Eduard Fraeiikel /Aiin Gedenken 



Bei älterei/und jüngeren Altphilologen der 
deutschen Släweiz, mögen sie an Gymnasien 
oder Universitäten wirken, hat die Kunde vom 
Hinschied Eduard Fraenkels Gefühle herzlicher 
Trauer und dankbarer Erinnerung hervorgeru- 
fen Es war in jenen Tagen anfangs Februar 
nicht leicht, aus Oxford genaue Nachrichten zu 
erhalten, war doch das Haus an der Museum 
Road mit einemmal verwaist, da Fraenkel seiner 
Gattin innert weniger Stunden in den Tod nach- 
gefolgt ist. Wer je in Deutschland oder in Eng- 
land die Bekanntschaft der beiden machen und 
ihre hochherzige Gastfreundschaft erleben durfte, 
weiß daß hier die unerbittliche Krankheit des 
einen und die Resignation des anderen sich zum 
Abschluß einer Lebensgemeinschatt vereinigt 
haben die gekennzeichnet war durch tiefes gegen- 
seitiges Verständnis und die aufopfernde HiUe 
der Frau für den tätigen Mann. 

Als Fraenkel (geboren 1888) nach dem Stu- 
dium und der Habilitation in Götlingen und Ber- 
lin dort gefördert im besonderen von Friedrich 
Leo und hier beeinflußt auch noch von U. von 
Wilamowitz-Moellendorff, zu seiner ersten Pro- 
fessur nach Kieh kam, begann gleich eine pro- 
treptische Wirkung auszustrahlen Die lateini- 
schen Studien neu begründet und betrieben! Zur 
studentischen Jugend, die von dieser Fama in die 
Ostseestadt gelockt wurde, gehörten nicht wenige 
Kommilitonen schweizerischer Universitäten. Was 
damals Aufsehen machte, war eine kleine Schritt 
über die Bedeutung des römisch-lateinischen 
Altertums für den gymnasialen Unterricht: mehr 
noch als die lateinische Literatur habe uns Roms 
Staatlichkeit und Kultur, wie sie sich m den ge- 
schichtlichen Jahrhunderten so eindruckhch 
manifestieren, etwas zu sagen. Fraenkel war nicht 
der einzige, der solches dachte, aber derjenige, 
der die neue Losung deutlicher als die anderen 
verkündet hat. Mochte die Schrift von ihrem 
eieenen Verfasser später angezweifelt und ver- 
worfen werden, einzelne Anregungen sind von 
ihr aus in die Entwicklung der Altertumswissen- 
schaft des deutschen Sprachgebietes eingegangen. 
Stärker noch gilt dies für die erste große Publi- 
kation rein wissenschaftlichen Einschlages, das 
Buch mit dem treffsicheren Titel «Plaütinisches 
im Plautus». Eine Originalität des frühesten uns 
mit ganzen Werken erhaltenen römischen Autors, 
der als Komiker griechische Vorbildstücke ins 
Lateinische umgesetzt hat, wurde hier aufgezeigt; 
eine Originalität, die nicht nur von der person- 
lichen Begabung eines unbekümmerten Iheater- 
praktikers herrührte, sondern auch von einer 
angestammten Intuition auf dem Gebiet lateini- 
scher Sprache, italischen Witzes und romischer 
Musikalität. 

Die nächsten akademischen Etappen waren 
Göttingen und nochmals weiter südlich Frciburg 
im Breisgau, wo dann der Ausbruch der national- 
sozialistischen Herrschaft ein gewaltsames Auf- 
hören bringen sollte. Mehr noch als im Unter- 
. rieht weiteten sich in den Veröftentl.chungen 
nunmehr die Themata aus. Sie betrafen große 



Gebiete der lateinischen Literatur, ^twas mehi 
wohl diejenige der republikanischen EP^che als 
die der kaiserzeitlichen Jahrhunderte und etwas 
mehr ihre poetischen Sparten als den prosaischen 
Teil (hier aber das juristische Schritttum nicht 
vergessen). Doch gehörte zu Fraenkels Philo- 
loge (welchen Begriff er je länger desto strenger 
aufgefaßt wissen wollte) ganz selbstverständlich 
auch das Griechische. Seine hauptsächliche Nei- 
oung galt dem attischen Drama, der Tragödie 
sowohl wie der Komödie. Erst in späterer Zeit 
reifte die Frucht jahrzehntelangen Umganges mit 
den Werken des Aeschylus in der monumentalen 
kommentierten Ausgabe des «Agamemnon». Im 
Kommentarteil dieser Edition erweist sich auls 
schönste Fraenkels Interpretatio.nskunst die das 
Sprachlich-Stilistische gleichwertig neben das 
Textliche und Inhaltliche treten laßt; nicht bei- 
läulig sind großen Kennern der beiden antiken 
Idiome, Jacob Wackernagel und Wilhelm Schulze. 
Fraenkclsche Publikationen, die hauptsächlich 
sprachliche Probleme behandeln, gewidmet. 

Fraenkel war einer der frühesten Emigranten 
deutscher Hochschulen, und es spricht tur das 
Ansehen des noch nicht Fünfzigjährigen, daß er 
auf die latinistische Oxforder Professur, die mit 
dem Corpus Christi College verbunden ist, ge- 
holt wurde. Ob er den erzwungenen Weggang 
aus Deutschland innerlich je ganz überwunden 
hat - gleichviel, die andere Art akademischen 
Lebens und Unterrichts hat ihn in England wei- 
terhin ein fruchtbares Arbeiten und einen keines- 
wegs geringeren Einfluß auf die Jugend ent- 
falten lassen. Ja, von Oxford aus ist er nach 
seinem Rücktritt vom Amt, einem humanistischen 
Wandergelehrten gleich immer wieder zu Oast- 
wochen und Gastsemestern aufgebrochen, nach 
dem schweizerischen Freiburg, wo eine zweite 
Generation von Philologen unseres Landes ihn 
hörte, und öfter noch nach Pisa und Bari. MU 
Italien war er von seiner Jugend an dermaßen 
verbunden und vertraut, daß er das Italienisch 
mühelos beherrschte, und so konnte er denn sei 
dem Wechsel nach England dreisprachig doziere^ 
und publizieren. Von ihm zu sagen, er habe ein 
Reihe jüngerer Forscher der italienischen Altci 
tumswissenschaft mitherangebildet, ist nicht ^ 
hoch gegriffen. 

Eine Lebenssumme hat Fraenkel in seine 

Horaz-Buch gezogen, das 1957 englisch erschien- 

ist- keine systematische und vollständige D: 

Stellung nach diesen oder jenen biographisch 

oder literarischen Gesichtspunkten, sondern c| 

Erläuterung eines Großteils der Gedichte allj 

horazischen Gattungen und eine Besprechui, 

einzelner Gedichtbücher, doch dies so, daß w 

nicht Stückwerk vor uns haben, sondern ei^ 

ganzes Bild bekommen. Was wir schon für de. 

Agamemnon-Kommentar bemerkten und für da 

Plautus-Buch hätten dartun können, scheint in?^ 

«Horace» vollendet: Fraenkel als einer der inter 

pretes optimi in unserer Wissenschaft vom klass, 

sehen Altertum! Unter diesem Nenner wird sei 

Andenken dauernden Bestand haben. 



Hemz H äfft er 






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FEUTL 



Eduard Fraeiikel zum Gedenken 



Bei Ultere^Mjnd jüngeren Altphilologen der 
deutschen t><mwciz, mögen sie an Gymnasien 
oder Universitäten wirken, hat die Kunde vom 
Hinschied Eduard Fraenkels Gefühle herzlicher 
Trauer und dankbarer Erinnerung hervorgeru- 
fen. Es war in jenen Tagen anfangs Februar 
nicht leicht, aus Oxford genaue Nachrichten zu 
erhalten, war doch das Haus an der Museum 
Road mit einemmal verwaist, da Fraenkel seiner 
Gattin innert weniger Stunden in den Tod nach- 
geft>lgt ist. Wer je in Deutschland oder in Eng- 
land die Bekanntschaft der beiden machen und 
ihre hochherzige Gastfreundschaft erleben durfte, 
weil), daß hier die unerbittliche Krankheit des 
einen und die Resignation des anderen sich zum 
Abschluß einer I.ebensLemeinschaft vereinigt 
habon, die gekennzeichnet war durch tiefes gegen- 
seiti :es Verständnis und die aufopfernde Hilfe 
der Frau für den tätigen Mann. 

Als Fraenkel (geboren 1888) nach dem Stu- 
dium und der Habilitation in Göttingen und Ber- 
lin, dort gefördert im besonderen von Friedrich 
Leo und hier beeintlußt auch noch von U. von 
Wilamowitz-Moellendorff, zu seiner ersten Pro- 
fessur nach Kieh kam, begann gleich eine pro- 
trep ische Wirkung auszustrahlen. Die lateini- 
schen Studien neu begründet und betrieben! Zur 
studentischen Jugend, die von dieser Fama in die 
Ostseestadt gelockt wurde, gehörten nicht wenige 
Kommilitonen schweizerischer Universitäten. Was 
dan^.ds Aufsehen machte, war eine kleine Schrift 
übei die Bedeutung des römisch-lateinischen 
Altertums für den gymnasialen Unterricht: mehr 
noch als die lateinische Literatur habe uns Roms 
Staatlichkeit und Kultur, wie sie sich in den ge- 
schichtlichen Jahrhunderten so eindrücklich 
manifestieren, etwas zu sagen. Fraenkel war nicht 
der einzige, der solches dachte, aber derjenige, 
der die neue Losung deutlicher als die anderen 
verkiindet hat. Mochte die Schrift von ihrem 
eigenen Verfasser später angezweifelt und ver- 
worien werden, einzelne Anregungen sind von 
ihr ;ius in die Entwicklung der Altertumswissen- 
schalt des deutschen Sprachgebietes eingegangen. 
Stärker noch gilt dies für die erste große Publi- 
kation rein wissenschaftlichen Einschlages, das 
Buch mit dem treffsicheren Titel «Plautinisches 
im Plautus». Eine Originalität des frühesten uns 
mit ganzen Werken erhaltenen römischen Autors, 
der als Komiker griechische Vorbildstücke ins 
Lateinische umgesetzt hat, wurde hier aufgezeigt; 
eine Originalität, die nicht nur von der persön- 
lichen Begabung eines unbekümmerten Theater- 
praktikers herrührte, sondern auch von einer 
angestammten Intuition auf dem Gebiet lateini- 
scher Sprache, italischen Witzes und römischer 
Musikalität. 

Die nächsten akademischen Etappen waren 
Göttingen und nochmals weiter südlich Freiburg 
im Breisgäu, wo dann der Ausbruch der national- 
sozialistischen Herrschaft ein gewaltsames Auf- 
hören bringen sollte. Mehr noch als im Unter- 
. rieht weiteten sich in den Veröffentlichungen 
nunmehr die Themata aus. Sie betrafen große 



Gebiete der lateinischen Literatur, fctwas mehr 
wohl diejenige der republikanischen Epoche als 
die der kaiserzeitlichen Jahrhunderte und etwas 
mehr ihre poetischen Sparten als den prosaischen 
Teil (hier aber das juristische Schrifttum nicht 
vergessen). Doch gehörte zu Fraenkels Philo- 
logPe (welchen Begriff er je länger desto strenger 
aulgefaßt wissen wollte) ganz selbstverständlich 
auch das Griechische. Seine hauptsächliche Nei- 
gung galt dem attischen Drama, der Tragödie 
sowohl wie der Komödie. Erst in späterer Zeit 
reifte die Frucht jahrzehntelangen Umganges mit 
den Werken des Aeschylus in der monumentalen 
kommentierten Ausgabe des «Agamemnon». Im 
Kommentarteil dieser Edition \ erweist sich aufs 
schönste Fraenkels Interpretatiojiskunst, die das 
Sprachlich-Stilistische gleichwertig neben das 
Textliche und Inhaltliche treten läßt; nicht bei- 
läufig sind :4roßen Kennern der beiden antiken 
Idiome, Jacob Wackernagel und Wilhelm Schulze, 
Fraenkelschc Publikationen, die hauptsächlich 
sprachliche Probleme behandeln, gewidmet.. 

Fraenkel war einer der frühesten Emigranten 
deutscher Hochschulen, und es spricht für das 
Ansehen des noch nicht Fünfzigjährigen, daß er 
auf die latin istische Oxforder Professur, die mit 
dem Corpus Christi College verbunden ist, ge- 
holt wurde. Ob er den erzwungenen Weggang 
aus Deutschland innerlich je ganz überwunden 
hat - gleichviel, die andere Art akademischen 
Lebens und Unterrichts hat ihn in England wei- 
terhin ein fruchtbares Arbeiten und einen keines- 
wegs geringeren Einfluß auf die Jugend ent- 
falten lassen. Ja, von Oxford aus ist er, nach 
seinem Rücktritt vom Amt, einem -humanistischen 
Wandergelehrten gleich immer wieder zu Gast- 
wochen und Gastsemestern aufgebrochen, nach 
dem schweizerischen Freiburg, wo eine zweite 
Generation von Philologen unseres Landes ihn 
hörte, und öfter noch nach Pisa und Bari. Mit 
Italien war er von seiner Jugend an dermaßen 
verbunden und vertraut, daß er das Italienische 
mühelos beherrschte, und so konnte er denn sei» 
dem Wechsel nach England dreisprachig doziere 
und publizieren. Von ihm zu sagen, er habe ein 
Reihe jüngerer Forscher der italienischen Altei 
tumswissenschaft mitherangebikK t, ist nicht z 
hoch gegriffen. 

Eine Lebenssumme hat Fraenkel in seine 
Horaz-Buch eezogen, das 1957 englisch ferschiem 
ist: keine systematische und vollständige Da 
Stellung nach diesen oder Jenen hiographischt 
oder literarischen Gesichtspunkten, sondern d 
Erläuterung eines Großteils der Gedichte all 
horazischen Gattungen und eine Besprechui 
einzelner Gedichtbücher, doch dies so, daß w 
nicht Stückwerk vor uns haben, sondern ei 
ganzes Bild bekommen. Was wir schoo für dei 
Agamemnon- Kommentar bemerkten und für <Ja> 
Plautus-Buch halten dartun können, scheint im, 
«Horace» vollendet: Fraenkel als einer der inter 
pretes optimi in unserer Wissenschaft vom klassi 
sehen Altertum! Unter diesem Nenner wird sei 
Andenken dauernden Bestand haben. 

He'mz Haffter 



^ 



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^^Ühy..^. 



Zeitschrift der Deutschen Vereinigung für 
Politische Wissenschaft 



Aus dem Inhalt 



Daniel Frei 



Peter Hoschka/ 
Hermann Schunck 



Erfolgsbedingungen für Vermittlungs- 
aktionen In internationalen Konflikten 



Schätzung von Wählerwanderungen. 
Puzzlespiel oder gesicherte 
Ergebnisse? 



Westdeutscher Verla' 



N/iCHRICHTEN 



ERNST FRAENKEL 



A 



' 28. 12. 1898 - 28. 3. 1975 " / 

1 Ernst Fracnkel, naA 1945 unter den Senioren seines Faches einer der einflußreiAsten E™~erer 

und einer der bedeutendsten Vertreter der PolitisAen WissensAaft m DeutsAland .st am 
Karfr Uag 1975 in Berlin - seinen, akademisAen Wirkungsfeld sei, 1951 - verstorben^ Am 
28 Dezember hatte er seinen 76. Geburtstag feiern können. In den letzten Jahren waren .hm 
rahlrelA^ Ehrungen für seine Verdienste als Gelehrter. HoAsAul lehrer. In.nator und For- 
rerlrl'sensiaf^licher Einrichtungen sowie niAt zuletzt als ''^.-Pf^^*- ,'^-°,t"» ^ 
teil geworden: Zu ihnen zählen das Bundesverdienstkreuz, die Ernst-Reuter-Plakette, a« 
Ehrendoktorwürde der Universität Bern sowie die Honorarprofessuren der Un.vers.taten 

wt"sind"'drei^BüAe?ersd,ienen, die auf je bemerkenswerte Weise einen ersten Z-S^-S "» 
Werk und zur Persönlid.keit des großen Gelehrten erschließen. Dies sind der Sammelband 
-^.Reformismus und Pluralismus - Materialien zu einer ungesdir.ebenen pol.t.sAen Autob.o- 
' graphie., die Festschrift zum 75. Geburtstag .Klassenjust.z und Pluralismus, sowie d.e m 
fünfter, erweiterter Auflage publizierte Aufsatzsammlung .Deutschland und d.e '«'1'*«» 
Demokratien.. Die BuAtitel, die entweder von ihm se bs. stammten oder se.ne ausdruAhAe 
Billigung fanden, verweisen auf die Spannweite, Entwicklung, das E-gebnis und die SAwcr- 
punkte feiner wissensAaftliAen und publizistisAen Tätigkeit. Der Sammclband - e.ne Am- 
wahl politologisAer Abhandlungen aus fünfzig Jahren, die einem Gesamtschrifttum von 151 
Titeln entnommen sind - enthält eine biographisAe Vornot.z Fraenkels, m der s.A entschei- 
dende Hinweise für das Verständnis seines Gesamtwerks, der Mot.ve und Intentionen seiner 
ForsAungen finden lassen. Als fünf SAlüsselaussagen, die dieser biographisAen Notiz zu ent- 
nehmen sind, können gelten: 1. Von Jugend an war sich Fraenkel als d/""*" J"^f «~ 
bewußt, einer .Minderheitsgruppe, anzugehören. .Das Gruppenproblem das so eng n»t dem 
Phänomen des Pluralismus verknüpft ist, bildet mein pol.tisAes Ur-Erlebnis.. 2 'D''" ^«n 
Titel (Reformismus und Pluralismus) angedeutete These, der Pluralismus sei die Staatsform 
des Reformismus, stellt niAt die Ausgangspoition, sondern das Ergebnis meiner Bemühung«, 
dar.. 3. .Im Gegensatz zu den meisten sozialis.isAen Intellektuellen bin ^ niAt zur Arbei- 
terbewegung durA die sozialistisAe Theorie, vielmehr zur sozialist.sAen Theorie f^'f} '"'"'' 
Betätigung in der gewerksAaftliAen Arbeiterbewegung auf den Gebieten des ArbeitsreAo 
u d der Sozialpolitik gelangt.. 4. .Die waAsende Neigung, ^>']^f'f"'J""'"]"X%"' 
Analyse des FasAismus anzuerkennen, verstärkte meine Bereitschaft, den Marxismu als Sy- 
rern zu akzeptieren ... Der S.alin-Hitler-Pakt zerstörte die Illusion, daß eine Voll-Sozi.1.- 
sierung zu einer - weil klassenfreien - -wahren. Demokratie zu führen vorbestimmt se.. Dm 
Mi.erlebni. der .Roosevelt-Revolution- begründete die BereitsAaft. an der Err.Atung und 
En.wiAlung eines pluralistisAen Demokratie-Modell, m .zuarbeiten, wie es "J'' '"' f « N»*" 
Hi.ler-DeutsAland vorsAwebte.. 5. -Dem Plur.tlismus lag und liegt es ob, dem Reformism^ 
Z AbwehrwalTen zu liefern, deren er in seinem Defensivkampf gegen den Rad.kal.smu. «, 

Snul.ät "u°?Wandel in Fraenkels Grunderfahrungen. e.hisAen Überzeugungen, politisAen 
Zielsetzungen, seinen wissensAaftliAen ForsAungsinteressen und den gewonnenen Erkennt- 
nissen gipfelten in dem Entwurf einer pluralistisAen pemokra..e.heor,e. dem Ko"«P J*' 
.autonom-heterogenen - sozialsta.tliAen - pluralistisAen Reditsst.ate... deren Erarbeitung 



570 



Nachrichten 



s?In Lebenswerk durdizielit und krönt. Ungeaditct seiner viehähligcn und grundlegenden Ab- 
iiandlungcn zu den verschiedensten Fragestellungen und Sachbereichen der Politisdien Wissen- 
schaft im weitesten Sinne liegt seine größte Leistung und sein bleibendes, s.dierlidi zunehmend 
wirksam werdendes Verdienst in der Begründung des Neo-Pluralismus in Deutschland. So hat 
Fracnkel auch mit besonderem Interesse zur Kenntnis genommen, und es als angemessen und 
riditig begrüßt, daß seine Schüler, Kollegen und Freunde in der ihm zu Ehren verfaßten Fcst- 
sdirift zum 75. Geburtstag dem Problemfeld »Pluralismus und Demokratie« besonderes Ge- 
wicht verliehen. Muß es nicht angesidits dieser Tatsachen verwundern, daß Fraenkel. der 
mehrere Bücher schrieb, dem demokratisdien Pluralismus, der sicii zunehmend als sein Zentral- 
thema erwies, keine grundlegende Monographie widmete? ,. . t T^ 
Nadi der VeröffentliAung seiner Büdier »Amerika im Spiegel des deutschen politisdien Den- j 
kens« (1959) und der großartigen Pionierleistung »Das amerikanisdie Regierungssystemc j 
(1960) war ein Werk zum »parlamentarischen Regierungssystem« als nädistes Großprojekt ' 
geplant, das die Entwicklung, Funktionsweise und Problematik des Parlamentarismus in Groß- 
britannien, Frankreich und Deutschland zum Gegenstand haben sollte. Eine eingehende Dis- 
position lag seit 1962 vor. Eine Reihe von Studien, die das geplante Vorhaben begleiten soll- 
ten, gingen seit 1964 in die Aufsatzsammlung »Deutschland und die westlichen Demokratien« 
ein. Sie kennzeidinen, zusammen mit seinen amerikanischen Studien, den Gegenstandsbereidi 
seiner komparatistischen Forschungstätigkeit. In diesen Abhandlungen wurde zugleich die" 
Theorie des Neo-Pluralismus entwickelt. Am 22. September 1964 hielt Fraenkel anläßlich des 
45. Deutschen Juristentages in Karlsruhe einen Festvortrag zum Thema »Der Pluralismus als 
Strukturelement der freiheltllch-rcchtsstaatlichen Demokratie«. Es war das erste Mal, daß 
Fraenkel das Wort Pluralismus in den Titel einer Abhandlung aufnahm. Er hielt dies damals • 
noch für eine ausgemachte Provokation; zumal vor erlauciiten Juristenkreisen, In denen immer 
noch Pluralismus weitgehend In Carl Schmitts Beschreibungen begriffen und erörtert wurde. 
»Die These, Pluralismus stelle ein essentielles Merkmal einer jeden freiheitlidi rechtsstaatlichen 
Demokratie dar, steht mit der heutigen deutschen vorherrschenden Meinung im Widerspruch«, 
stellte er einleitend fest und kam für sich zum programmatischen Ergebnis: »Ist es angesichts 
der Tatsache, daß die Hinwendung zum totalen Staat aus der Negation des Pluralismus 
gerechtfertigt worden ist, nicht geboten, durch eine Negation der Negation zu vcrsuciien, den 
Totalitarismus durch einen Neo-Pluralismus zu überwinden?« 

Fraenkel trug sich seitdem mit dem Gedanken, neben einer Überarbeitung seines Amerika- 
buches und dem Parlamentarismus-Werk auch eine grundlegende Studie zur theoretischen Be- 
gründung des Neo-Pluralismus zu erarbeiten. Er hoffte, hierzu nach seiner Emeritierung im 
Jahre 1967 die notwendige Muße finden zu können. Das war ihm nicht vergönnt. E)ie Aus- 
wüciise der Studentenunruhen und des sich abzeichnenden Strukturwandels von Universität 
und Gesellschaft riefen bei ihm Skepsis und Widerstand hervor. Mit SchreAen meinte er zeit- 
weise, Parällelerscheinungen zur Endphase der Weimarer Republik ausmachen zu können. Die 
sektiererische Gesinnungstüchtigkeit von Bürgersöhnen, die im Namen eines fiktiven Prole- 
tariats wieder einmal das zarte Pflänzchen Demokratie in Deutschland zu gefährden drohten, 
war Ihm zutiefst zuwider. 

Mit Betroffenheit wurde er gewahr, daß er zunehmend von Vertretern einer neuen Studen- 
tengeneration nicht nur mit begründeter Kritik und neuen Fragestellungen konfrontiert wurde, 
sondern von einigen sogar zum Chefapologeten eines sich raffiniert versciileiernden Monopol- 
kapitalismus hergerichtet und gelegentlidi mit bornierter Kaltsdinäuzigkeit »zur Hatz« frei- 
gegeben schien. (Er mußte erleben, daß Steine in seine Fenster flogen.) Fraenkel wurde zur 
Zeit seiner Emeritierung an der Freien Universität Berlin in Konflikte einbezogen, die ihn 
menschlich tief erschütterten und trafen. Er war viel zu sehr Kämpfernarur, als daß er die 
erkannten und vermuteten Gefahren sowie empfundenen Ungerechtigkeiten an sich abgleiten 
lassen konnte. Seine Kräfte, durch eine Reihe schwerer Krankheiten zusätzlich geschwächt, 
wurden von anderen Problemen als der Durchführung seiner weitgesteckten wissenschaftlichen 
Pläne absorbiert. Es blieb dabei, daß die wiciitigsten Abhandlungen Fraenkels zum Pluralismus 
im wesentlichen auf die Aufsatzsammlung »Deutschland und die westlichen Demokratien« 
beschränkt blieben. Im Vorwort zur fünften, erneut erweiterten Auflage vom Jahre 1973 ver- 



Nachrichten 



571 



X (rWA. llterarisAcn »Auseinandersetzungen über 

und der GesAiAte .m NebenfaA c ne ^^ ^^^^^^„^^ •'^'«T"*.,'* Thrmmrond Carl 

S.udi.n wegwc.send bl,.K Hau«. b„^ ^^^ 

Schriften bei dem P'""»"" ""^„„."iit seinem Lehrer und spa eren Freund de 

sAaftliAe Orientierung von "«* =«^^^^ f j„„„ Gedankengebaude das heut.ge 1» 

0" "^Ä B':nÄliwt»^^^^ ^"f %trnUeWr;Senrn;«i*ne. 

rccnii wa c.--,r aufccbrochene tniireniuuii6 * ,k*;rcverirae«. mit der er I^ZJ 

letariat und dem ^^^J^ =^J^ f '? ^^^ Thema »Der nichtige Arbeitsvertrag . 

n,ers schrieb er seine I>»""^^^"°". ^"lehrers Assistent wurde 
zum Dr. jur. promovierte und seines Lenr 

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I 



572 



Nachritten 



-Nadidcm er sldi zunäAst libcral-dcmokratisdicn Studentengruppen und bald darauf dem 
Soziallstisdien Studenienbund angeschlossen hatte, trat Fraenkel 1921 der SPD bei, der er bis 

''zu ihrer Auflösung im Dritten Reich angehörte. Getreu der Epsteinschen Familientradition 
und mit steter Unterstützung Sinzhcimers widmete er sich frühzeitig der Arbciterbildung und 

^ bald vollbcruflich der Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionären - insbesondere des Deut- 
schen Metallarbeiter- Verbandes - auf den Gebieten des Arbeitsrechts und der Sozialpolitik. 
Hier entdeckte er seine große pädagogische Begabung, die ihn zeitlebens auszeichnete und die 
ihn auch während seiner Tätigkeit als Hochschullehrer zu einem der beliebtesten, anregendsten 
und faszinierendsten Dozenten werden lief^, dessen Vorlesungen und Seminare den Teilneh- 
mern einen unauslöschlichen Eindruck hinterließen. 

1927 eröffnete Fraenkel gemeinsam mit seinem Freund und Sozius Franz Neumann ein An- 
waltsbüro und fungierte seitdem als Syndikus des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes und 
Rechtsberater des Parteivorstandes der SPD, die er in arbeits- und verwaltungsrechthchen 

Verfahren vertrat. , ^n- i i • j 

Unter den zur Zeit der Weimarer Republik seit 1924 in zunehmender Dichte erscheinenden, 
zumeist arbeitsrechtlidie und später verfassungspolitische Themen aufgreifenden Publikatio- 
nen sind vor allem drei hervorzuheben. Zunädist, zugleich als erste größere Abhandlung, die 
Broschüre »Zur Soziologie der Klassenjustiz«, die 1927 in der »Jungsozialistischen Schriften- 
reihe* erschien, deren dem Austromarxismus nahestehende Herausgeber, mit deren Politik 
Fraenkel damals im allgemeinen sympathisierte, zum linken Flügel der SPD gehörten. Aus den 
Erfahrungen als Justizreferendar und der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit erwachsen, bemuht 
sich die Studie um eine marxistische Analyse der tiefgreifenden Spannungen zwischen Arbeiter- 
interesse, Anspruch auf Gleichbehandlung und juristischer Praxis in der Weimarer Republik. 
In einem wichtigen Vorwort zum Neudruck im Jahre 1968, den er zusammen mit vier seiner 
Aufsätze zur Verfassungskrise 1931-32 begrüßte, bemerkt Fraenkel zutreffend, daß die Studie 
trotz aufgezeigter Mängel auch heute noch als Versuch einer Wissenssoziologie des Phänomens 
der Klassenjustiz Beachtung verdient. ,«-. • k c 

1929 erschien sein richtungsweisender Aufsatz »Kollektiv Demokratie« m der 1924 im Aut- 
trag des SPD-Parteivorstandcs gegründeten Zeitschrift »Die Gesellschaft«. Ausgehend von 
dem zentralen Postulat der kollektiven Autonomie sozialer Organisationen wird dafür plä- 
diert, die politische Demokratie durch die kollektive Demokratie in der Weise zu ergänzen, 
daß die Bevölkerung auch jenseits der Stimmabgabe bei den Wahlen »durch ihre Organisatio- 
nen ständig am Integrationsprozeß des realen Staates teilnimmt« und damit zur Überwindung 
der erkennbaren Parlamentsverdrossenheit und zur Demokratisierung der Verwaltung »von 
unten her« beiträgt. Hierin sah Fraenkel eine realisierbare Chance, den sich autonom kon- 
stituierenden und frei agierenden Organisationen der Arbeitnehmer einen ständigen Einfluß 
auf die gerichtlichen (z. B. Beisitzer in arbeitsgerichtlichen Verfahren) und staatlichen Ver- 
waltungen (durch Einbau eines Laienclemcnts) sichern zu helfen. , • i j 
Dieser reformistische Grundgedanke, es der »Arbeiterbewegung (zu) ermöglichen, an dem 
Willensbildungsprozeß mitzuwirken«, wird schließlich in dem 1932 publizierten Aufsatz »Um 
die Verfassung« im Rahmen des nun entwickelten Konzepts der »dialektischen Demokratie« 
weiter verfolgt. Die dialektische Demokratie, als deren charakteristische Erscheinungsform der 
Kompromiß bezeichnet wird, soll dazu dienen, den Klassenausgleidi in den Bereichen zu be- 
wirken, in denen eine Verständigung erreichbar scheint. Der Antagonismus von Kapital und 
Arbeit soll nicht revolutionär, sondern vermittels sozialer Organisationen auf reformerischem 
Wege zugunsten der Interessen der Arbeitnehmerschaft ausgeglichen werden. Die Grundzüge 
der späteren pluralistischen Demokratieiheorie - die allerdings betont darauf verzichtet, die 
Hcraufkunft der klassenlosen Gesellschaft als historische Notwendigkeit anzusehen - werden 

erkennbar. 

Mit der Maditergreifung der Nation.ilsozialisten und der Errichtung des Totalitarismus in 
Deutschland finden auch Fraenkels wissenschaftliche Publikationen zunächst ein abruptes 
Ende. Von 1933 bis 1939 erscheinen lediglidi ein paar kurze Beiträge unter verschiedenen 
Pseudonymen in der in Paris gedruckten »Sozialistisdien Warte«, u. a. über den Sinn illegaler 
Arbeit. Obgleidi er wegen seiner Kriegsteilnahme zunächst auch als Jude dem Anwaltsbcruf 



Nadjrichten 



573 



Hanna Fraenkd. seine tapfere Frau, wrd 'l^" '" f ^'^f^hn^^Kurz vor der Emigration 
Re'chtlosigkeit. zur »"f°Pf"""B'''"''""v"r''« "j*7„ jas M n^^ -"n, .Doppelstaat, 

fn die USA. die im Jahre 1938 --^""'"^^fj^f.^^.tuä^^^^ '" ^^"^ 

abgeschlossen. Durd. Freunde vermitteU. kann « " '""""'7, .Th. Dual State. 1941 in eng- 
heit gebracht werden. In Amer.ka «"*''« """«^/„^^„rBehemoth. die erst. umfasse..de 
lischer. leicht überarbeiteter Fassung; "f'^J'^^^^^^ZsA.. Feder. Es hat sehr bald den 
Analyse des fasAistisAen Phänomens '°"'",5"" "";„ ?"^ Werk den SAlüssel zum Ver- 
Rang'eines Standardwerkes gewonnen^ Fraenkeh»t^^^m "»'"Xj^^beneinander eines sein, 
ständnis des nationalsoz.aUst.schen H""*»f'"PP'" '"„. „„d eines die gleiAen Gesetz, 
.igenen Gesetz, im allgemeinen beachtenden ■N°™«"«»3;";j,,', ,,„ Maßnahm.staat al. 

mfßaAtenden '«»«"'h-""."'"! ^HA be^rmm NaAdem wT ein unverändert., N.u- 
Prärogativ-Staat das Ergebnis wdlkurl.d> ''"""'?''• j?*^,j j;. f „A einer d.utsA«. 
drudt der englisAen Fassung '"*'-'" ""•"^^^'«raXlTdeutsAe Fassung des drui- 
Ausgabe. Auf vielfaches Drangen *« "'f^^X Weit, verlorenging. Der Verlust war ein 
fertigen Manuskripts vorlag d,. ''j«^/"/ '"f ' *'d^ "„/n Rüdcübersetzung des englischen 

itrÄ"''A'nX":.:-^u^^^^^^^^ ^""""'■" - 

ÄusTtmtkß sich Fraenkel 1939 - .^-^'-/«^"J^l^tlt D.SÄ 
942 an der Law School der UnWersität von Ch «go • d „ Gr^^^^^ 

schließend beteiligte er s.ch an ''"'=,"".7''^."'*^ ''*"„;* jfudie zur Rheinlandbesetzung 

der Befreiung befaßte. „-.j,.,- St^iatAüreer und R.gierungsbeamt.r erfolgte 

Sein erster .Auslandseinsatz, als >'"'"'l^";'*"/;"\7;\" Jde, Ausarbeitung eines demo- 
«dod. niAt in Deutschland, sondern m Sudkorea. ^°"^-'^^^°^^. „„. i„ dieser Zeit .r- 
Iratischen Wahlgesetzes und der SudkoreamsAenW^^^^^^^^^ ^^^ ^^^^^^ j„ 

Übt. .r als Rechtsbe^ter /^'^^^f J^S-ktTm vXrr'echt?. ist damals .ntsund.n.^. 
Kor.akr..g.s. S.m. Schr.ft •^°«'' , *'"° [,5, ;„ d.r .Schriftenreihe der Deutschen HoA- 
.rsAien als ein. der ersten Abhandlungen 1951 . na. heimg.k.hrt. als .L.it.r der 

sAule für Politik in B.rlm. Mit 'l^' '''S»"" "•"*?" j*'H„rsAaftsformen an der D.ut- 
Abt.ilung Ob.rstaatliAe Pol.t.k und «.'S'"*'""^' .^ L,!fbahn als HoAsAuUehrer. d.r .r 
;A.n HoAsAul. für Politik Berlm. «'"'/''»<'";\'f ' dem svster^atiS^ Auf- und Ausbau 
iA mit leidensAaftliAem Engagement w,dmete^ Neben de sys«mat.sA ^^^^^^^^^^ ^.^^^ 

ilr:;St"ei^t'ai!tÄL^l -n£"S. in die ValkergemeinsAaft de, 

vor allem der ""«rbruAUAen GeUunS^kratt des ^^^ ^^,^^^^ ^^^^^^ 

begründet und verfoAt.n. .Du. Process ot Law " j deutsAen und angel- 

Studenten zu entsAeidenden Lejtmofven. D" br' bn'. A„w»,t ^ „„^^^ 

säAsisA.n ReAts. faszinierende P-i>gOge und f^ '-"^«'/jsA rsAelnenden deutsAspra- 
B.r.its in der Emigration hatte Fraenkel ''^^ ",f " iJ^, \ „„i^.cn einer deutsAen Revo- 
d,ig.n .Neuen Volkszeitung. ..nenAufsa«rnK dem T«^^ '„^„S wTs tnsAaftliAe Tätigkeit in 

lution. veröffenthAt. der s,A für seme ''"""'8' P° "'^' " ^^sage an das .WunsAbild. 
DeutsAland als "Atungswe.scnd herausstellen sollte. E.ne klare Ab^^^^^^^ ^^^^^^^.^ ^^^_ 

.iner sozialen Revolution 'J^ ^».^''"'/f^Je^ sAland da h.erzu w^^^^^ ^ ^^ ^.___^^^ ^. 
VS:'i:^^tt^^t^^^u':^^'^' Bewegung demokra.isA neu x« 



574 



Nachrichten 



o'«nisie«n und ihr Verständnis für -das Wollen und Denken der westhAen D«"'»^""«"' 
zu gewinnen. .Die deutsAe Arbeiterb. ^-egung wird wieder auferstehen, wenn es i'^'"t\j}' 
ancelsiAsisAen Sieger dieses Krieges davon zu überzeugen daß eme verjüngte deutsAe 
Afbeiterbelegung die einzige Garantie einer friedliAen deutsAen Entw.Alung .st und wenn 
« w rhin gelingt, die deutsAe ArbeitersAaft zu überzeugen, daß s.e eme Zukunft n« 
habTn kann im Venrauen und in Zusammenarbeit mit den angelsäAs.sAen D-»^" ^ '''« 
die Welt davor bewahrt haben, in die NaAt der Diktatur zu versmken.. Im stalm.st.sAen 
Kommunismus sah er nur eine Fortsetzung des Totalitarismus unter »"'!"'" J°!";f"-™, 
Unter dieser Erkenntnis und Zielsetzung stand hmfort auA se.n wssensAaftl.Aes Werk. 
.DeutsAland und die westliAen Demokratien, wurden zum ForsAungsobjekt. d.e Konzeption 
des Neopluralismus zum Kernbestand seiner DemokratieAeorie. In kurzer Folge publizierte er 
hierzu ein umfangreiAes wissensAaftliAes Opus. _ , ,. , -i • j. 

ParteVoHtisA haf siA Fraenkel in DeutsAland niAt mehr engagiert. Er bheb amenkan.sAer 
Staatsbürger. Die deutsA-amerikanlsdie Verständigung fand in ihm einen der überzeugendsten 
Interpreten und Verfediter. Fraenkel widmete sich für den Rest seines Lebens ganz der Wis- 
sensd;aft und Lehre, wobei er der Lehrerausbildung ein besonderes Gewidit beimaß. Er nahm 
r^aßgeblich an der Eingliederung der HoAschule für Politik in die Freie Umvermat teil die 
als Universitätsinstitut nun den Namen seines 1957 verstorbenen Freundes Otto Suhr erhielt 
1964 wurde er der erste Direktor des John-F.-Kennedy-Instituts für Amerikastudien der 
Freien Universität Berlin, dessen Gründung wesentlich auf seine Initiative zurückging. Jahre- 
lang war er Vorsitzender der von ihm mitbegründeten Deutschen Gesellschaft für Amenka- 

Fr^atnkil hat in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens als akademisdier Lehrer ein vielseitiges 
umfangreiches wissensdiaftliciies Werk vollbracht. Er hat der Politologie m DeuwA^and 
wesentlidie Impulse verliehen. Zahlreiciie SAülcr sind diesem engagierten Lehrer ""d Gelehr- 
ten diesem großen, keineswegs immer bequemen, kämpferisciien Mann in tiefer Dankbarkeit 
verbunden. Er ist stets seiner Maxime beispielhaft treu geblieben, daß P() itologie »kern Ge- 
schäft für Leisetreter und Opportunisten* sei. Unter diesem Leitsatz sollte und wird auch 
Fraenkels wissensciiaftlidies Werk weiterhin diskutiert, kritisiert und fortentwickelt werden. 

In ihm wie in seinen Schülern und Freunden lebt er fort. rr;- t • j c. a ■ 

Winfried btejjaru 



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'^..u ..R..laae d^s "Aofbau" für U nj^r h a 1 1 u n g und Wissen 



No. 410 



Abschied von 

Marie Luise Kaschnitz 



Wie wir bereits an dieser Stelle 
berichteten, ist eine der bedeu- 
tendsten deutschen Schnfts^eUC-^ 
rinnen im Alter von 73 Jahren ge- 
storben. Marie Luise Kaschnitz 
wurde erst als Lyrikerin bekannt 
— hier erklang eine neue St.mme, 
keine laute, die nur Anklagen vor- 
zubringen wusste, sondern eine 
leise, besonnene, die es verstand 
neue Metaphern für die Erschei- 
nungen unseres der Technik verhö- 
kerten Jahrhunderts zu finden. 
Ihre Kurzseschichten offenbarten 
nicht nur ^dieses lyrische Talent, 
sie brachten eine Nuance, die e« 
kaum im modernen deutschen 
Sprachgebiet gab: die des Unheim- 
lichen, uns ewig Verschlossenen, 
Unerklärlichen. In ihrem bekann, 
testen ErzUhlband, "Lange Schat- 
ten", finden wir Erzählungen, vor- 
getragen in einer behutsamen, 
klassisch-ruhigen Sprachmelodie, 
die inzwischen selbst von den ra- 
dikaleren Kritikern als einzigar- 
tig anerkannt wurde — darunter 
die heute berühmte Geschichte 
"Das dicke Kind", diie sich liest 



als hätten Maupassant und Henry 
James da Pate gestanden, und die 
dennoch Zeugnis eines unverkenn- 
bar individuellen Talentes »st. 

Bei einem weiteren Publikum 
wurde sie b&kannt durch ihre 
Sachbücher, z.B. "Die En.gels- 
brücke", "Beschreibung eines 
Dorfes". Kurz nachdem man ihr 
den bedeutsamen Büchner-Preis 
verlieh, veröffentlichte sie ein 
Buch, das man nicht recht klassi- 
f zieren kann, das vield.skutierte 
"Haus der Kindheit", eine Wall- 
fahrt ins Unbewusste oder Vorbe- 
wusste der Kindheit, eine lange 
"Novella". die uns langsam ebenso 
in ihren Bann zieht wie das ge- 
heimnisvolle "Hadeka" seine Hel- 
din. Obwohl sie gleich danach 
m-it dem Immermann-Preis be- 
dacht wurde, ist ihr nie der Wclt- 
rahm etwa eines Heinrich Boli 
oder Günter Grass zuteil gewor- 
den. Das mag auch einfach daran 
liegen, dass sich kein angelsachsi- 
scher Verleger jemals ihrer ange- 
nommen hat. Richard PUnt 



Goethes West-Oestlicher Divan 
auf englisch 



Ein Stein bringt die 
alten Lykier zum Reden 

EfsiaunWche Parallele zum Fund von Rosette 



Von THEODORE STANGER 

Ein über 4 Fuss hoher Stein 
ruhte rund zwei Jahrtausende lang 
in der Erde. Jetzt könnte er nach 
Ansicht französischer Fachleute 
endlich den SchJmscl ziu" Enträt- 
selung des Lykischen, einer an- 
tiken Sprache Kleinasiens, bieten. 
An diesem Problem waren die Hi- 
storiker bisher gescheitert. Der be- 
arbeitete Kalkstein mit seinen vier 
Oberflächen wird bereits mit dem 
berühmten "Stein von Rosette" 
verglichen, dessen Inschriften rur 
Entzifferung der ägyptischen Bil- 
derschrift, der Hieroglyphen, ge- 
führt hatte. 

Der Stein aus Lykien, der süd- 
westlichsten Landschaft Klein- 
asiens, ist auf drei Seiten nüt über- 



einstimmenden eingcmeisMltcn 
Texten sowohl in lykischer Spra- 
che als auch in den schon bekann- 
ten Sprachen Aramäisch und 
Griechisch bedeckt. Ein archäolo- 
gisches Arbeits-Team unter Füh- 
mng von Professor Henri MeUgcr 
von der Universität Lyon m 
Frankreich hat diese Steintafel in 
der südhchen Türkei ausgegraben. 
Metzger, der von seinem Fund 
kürzlich in Paris berichtete, ver- 
trat — mit wissenschaftlicher Zu- 
rückhaltung — die Ansicht, der 
Stein aus Lykien "dürfte uns er- 
mögichen. wesentliche Fortschrit- 
te Im Ve^^täadnii d^r lykischen 
Sprache" zu machen. 

Die Inschrift auf dem Stein 
kündet von der Einführung zweier 
neuer Götter durch Pixodaros, ei- 



LITERATUR 



Das grosse Lebenswerk 
Ernst Fraenkels 



Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat, 
fürt/ Main — Köln. 

Warum sollte ein Buch angezeigt 
werden, das vor 25 Jahren unter 
dem Titel "The Dual State" in eng- 
lischer Sprache erschienen ist? Das 
von Ernst Fraenkel im nationalso- 
zialistischen Deutschland illegal 
verfasste, heraus geschmuggelte 
deutsche Manuskript wurde nicht 
aufbewahrt; der englische Text ist 
erst jetzt ins Deutsche zurücküber- 
setzt und publiziert worden. Habent 
sua fata libelli. 

Fraenkel hat bis zu seiner Emc- 
ritierung als Professor an der Frei- 
en Universität Berlin den Lehrstuhl 
für vergleichende Lehre der Herr- 
schaftssysteme innegehabt. Der Na- 
me des hervorragenden Kenners 
des Staatsrechts und des Arbeits- 
rechts und temperamentvoller 
Hochschullehrers ist weithin be- 
kannt geworden. Zu seinem 75. 
Geburtstag sind 1973 "Materialien 



Europäische Verlagsanstalt, Frank- 



Der cniilische Verlag Oswald 
Wulff Ltd. in London legt eine 
zweisprachige Ausgabe, deutsch 
und englisch, von Goethes West- 
Östlichem Divan vor: wohl das- 
jenige Werk Goethes, das sich der 
Übertragung und Einfügung in 
eine fremde Sprache am störrisch- 
sten widersetzt: aber der Über- 
setzer. J. Whaley, hat seine Auf- 
gabe hervorragend gelöst und die 
romantische Lyrik dieses Werkes 
in Versmass. Rhythmus, Bild- 
reichtum und Stimmung erstaun- 
lich gut wiedergegeben. Überset- 
zer und Verleger haben mit die- 
sem Werk, bei dem sie sich der 
Unterstützung des Kultusministers 

Lesebuch 



des deutschen Landes Rheinland- 
Westfalen erfreuten, eine bemer- 
kenswerte kulturelle Tat voll- 
bracht. 

Goethe hat den "Divan" (das 
Wort bedeutet ursprünglich nur 
eine Ansammlung von Menschen 
und hat keines v.'egs den erotischen 
Akzent, den man ihm vielfach ge- 
geben hat) an der Schwelle des 
Greisenalters geschrieben und da- 
bei einer deutschen literarischen 
Modeströmung, einem spontanen 
Orient-Enthusiasmus nach den na- 
poleonischen Kriegen, Ausdruck 
verliehen; ähnlich wie bei den 
noch später geschriebenen "Karls- 
bader Elegien" stand dabei ein 



junges Mädchen, das vorüberge- 
hend in Goethes Leben trat, Pate. 
Einige Gedichte im "Divan" 
stammen von ihr und andere sind 
Nachdichtungen persischer Lyrik: 
vielleicht der Grund, warum man- 
che späteren Herausgeber von 
Goethes Werken den "Divan" 
nicht in ihre Sammlung aufnah- 
men. Umso grösseres Interesse ge- 
bührt daher dem gelungenen Ver- 
such Whaleys, ihn nunmehr einem 
modernen englisch lesenden Pu- 
blikum zugänglich zu machen. 
Nachstehend eine Probe seiner 
Kunst, Originaltext neben Wha- 
leys Übertragung. 

Redaktion "Aufbau" 

Pnmer 



Wunderlichstes Buch der Bücher 
Ist das Buch der Liebe; 
Aufmerksam hab ichs gelesen: 
Wenig Blätter Freuden, 
Ganze Hefte Leiden; 
Einen Abschnitt macht die Trennung. 
Wiedersehn! ein klein Kapitel, 
Fragmentarisch Bände Kummers, 
Mit Erklärungen verlängert, 
Endlos, ohne Mass. 
O Nisami! — doch am Ende 
Hast den rechten Weg gefunden: 
Unauflösliches, wer löst es? 
Liebende sich wieder findend. 

Ja, die Augen warens, die mich küssten, 

Hüfte schmal, der Leib so rund 

Wie zu Paradieses Lüsten. 

War sie da? Wo ist sie hin? 

Ja! sie wars, sie hats gegeben, 

Hat gegeben sich im Fliehn 

Und gefesselt all mein Leben. 



Book of books, this is the strängest, 
This is the book of love. 
I have readit attentively: 
Pages few of gladness, 
Volumes füll of sorrow; 
One whole section Separation. 
Meet again — a tiny chapter, 
Only fragments! Grief in volumes, 
Explanations make them longer, 
Measureless, no end! 
Oh Nisami! — yet to end it 
You the proper way discovered: 
Indissoluble, who solves it! 
Lovers once again united. 

Yes, it was the kissing, from Khose lips, 
Yes, the looking, from those eyes, 
Rounded form, the slender hips, 
Like delights of Paradise. 
Was she there? Where not to find? 
Yes! it was her, that she gave: 
Fleeting gave herseif to bind 
All my life and me enslave. 



nen Prov^nigouverneur. Professor 
Metzger datiert die Entstehung 
der Stein-Beschriftung zurück in 
das Jahr 358 vor Christi Geburt, 
das erste Regierungsjahr des per- 
sischen Herrschers Artaxerxes IIL 
Durch den Vergleich des lyki- 
schen Textes mit der griechischen 
und aramäischen Version hoffen 
die Wissenschaftler, die Bedeutung 
immer noch unbekannter Buch- 
staben der lykischen Sprache zu 
ermitteln. 

Aramäisch war die offizielle 



Sprache im persischen Reich. Frü- 
here Funde von zweisprachigen 
lykischen Steintafeln verhalfen 
schon der Wissenschaft dazu, Ly- 
kisch ungefähr lesen zu können; 
aber von einer richtigen Kenntnis 
dieser Sprache war man noch sehr 
weit entfernt. Die Buchstaben des 
lykischen Alphabets, zu denen es 
keine Parallele in den indoeuropä- 
ischen Sprachen zu geben schien, 
trotzten allen Bemühungen der 
Sprach-Wissenschaftler. Professor 
Metzger und seine Kollegen hof- 



fen nun, das Rätsel zu lösen und 
den Code zu entdecken, der die 
entscheidenden Schlüsselbuchsta- 
ben entziffert. 

Die Lykier waren ein seefahren- 
des Volk und besiedelten die süd 
liehe Mittelmcerküste der heutigen 
Türkei und das rauhe, bergige 
Hinterland. Es wird angenommen, 
dass sie im Trojanischen Krieg 
mitgekämpft haben. Die Steintafel 
verbleibt in der Türkei als Eigen- 
tum der Regierung. (dpa) 



zu einer ungeschriebenen politi- 
schen Autobiographie" unter dem 
Titel "Reformismus und Pluralis- 
mus" erschienen. Ausschnitte aus 
den in fünfzigjähriger Lebensarbeit 
veröffentlichten Büchern und Auf- i 
Sätzen; auch eine Festschrift ist | 
ihm damals gewidmet worden. i 

Sein Lebensweg hat Fraenkel ! 
von der Ausbildung von Gewerk- 
schaftsfunktionären im Arbeits- 
recht und in der Sozialpolitik und 
vom Anwaltsbcruf nach den Ver- 
einigten Staaten, dann nach Korea 
geführt. Dort hat er als Beamter! 
der amerikanischen Bcsatzungshc- 
hördc, dann für die Marshallplan- 
Bchördc gewirkt. Wie der national- , 
sozialistische vStaat funktionierte, I 
hat er als einer der ganz wenigen | 
bis 193S zugelassenen jüdischen 
Anwälte studieren können, als er 
den Opfern des Unrcchtsstaates ju- 



ristischen Beistand lieh. Er beob- 
achtete die Rechtsordnung des von 
ihm so genannten Doppelstaates, in 
dem die Geltung des Rechts in fri- 
volem Zynismus für weite Lebens- 
bereichc aufgehoben und in ande- 
ren Situationen beachtet wurde. 

So stellt Fraenkel den Massnah- 
mcstaat des Nationalsozialismus 
dem Normenstaat gegenüber: die 
Beseitigung gesetzlicher und poli- 
zeirechtlicher Schranken und der 
gerichtlichen Nachprüfung sowie 
die Verfolgung der Ketzer auf der 
einen wSeite, die Bewahrung von Ge- 
wcrbefrciheit, Privateigentum usw. 
auf der anderen vSeite und die De- 
markationslinien, die sich mehr und 
mehr zu Gunsten des Massnahme- 
staatcs verschieben. Da die Juden 
nicht zu den "aufbauenden Kräf- 
ten" gehörten und Feinde waren, 
fiel die Regelung aller sie betreffen- 
den Fragen aus dem Bereich des 
Normenstaates heraus. Wie die Ge- 
richte sich dazu stellten und wie zu- 
nehmend in Wirtschaft. Arbeit, 
Wohnungswesen usw. der Spiel- 
raum der jüdischen Existenz einge- 
schränkt wurde, ist Gegenstand ei- 
nes bescMidercn Kapitels. Die Dar- 
stellung schlicsst mit dem Ausbruch 
des Krieges ah. 

Frno!«t Hamburger 



Fünfzigster Geburtstag 
des YIVO 

"Yivo", das "Institute for Jew- 
ish Research", das heute der Brenn- 
punkt und die wichtigste Sammel- 
stätte jiddischer Kultur und Spra- 
che ist, feiert dieses Jahr sein fünf- 
zigjähriges Bestehen. Das Institut 
wurde 1925 in Wilna (Polen) be- 
gründet und war dort fast 15 Jahre 
lang tätig, mit Zweigstellen und 
Korrespondenten überall in Euro- 
pa. Die polnische Niederlage gegen 
Hitlers Armee im Herbst 1939 be- 
endete die Existenz des Instituts; 
einer der wenigen Institutsleiter, 
die sich ins Ausland retten konnten, 
Dr. Max Weinreich, eröffnete kurz 
darauf, 1940, das Institut erneut an 
anderer Stelle, in New York, wo es 
sich seither befindet. Einige der Ar- 
chive und Teile der Bibliothek des 
Wilnaer Instituts konnten nach dem 
Kriege wiedergefunden und nach 
Amerika gebracht werden. Heute 
hat Yivo-New York eine Bibliothek 
von mehr als 3(X),000 Bänden. Die 
Fünfzigjahrfeiern werden ihren 
Höhepunkt mit einem Bankett am 
9. November haben, zu Ehren des 
nach dem Neugründer benannten 
"Max Weinreich Center for Ad- 
vanced Jewish vStudics". 



Menschenmaterial 

Wer dieses Unwort gebraucht, 
hat sich selbst zum Material de- 
gradiert. ♦ ♦ ♦ 

Kanonen sind Kannibalen und 
wollen gefüttert werden, daher 

•braucht "man" Kanonenfutter. 

* * • 

Das Futter für die Kanonen ist 
das "Menschenmaterial"; damit 
mästen sich also die Kanonen. 
Freilich, für die heutige Kriegs- 
technik sind Kanonen vorsint- 
flutliche Gebilde, die in Anbe- 
tracht der Atomraketenrampen 
belächelt werden; diese sind die 
Super-Kannibalen. 

* * * 

Menschenherz, wie wenig 
gleichst du dem Material, wie hat 
man dich malträtiert, materiali- 
siert, deplaziert! 

Fritz Weiniger 



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t bedeutenden Einzelwerken 




Adolf Grabowsky 



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GR.AnO \ VSKY ^ 
Gr-Mt: 



deutscher 1\, 1 i t i kw i s s ensrha f t 1 er und Sehr i f t s t o 1 1 er ; 
r>r . jnr . et . ror . pol . 

Adolf Grabowsky, kath. wurde am 31. Aug. 1880 in Berlin 
als KaufinannssoHn gebogen, £r oesuct^te ^ler das Askanisct^e Gymnasium und stu- 
dierte im Anschluß daran P^chts- und Staatswissen ..c^'aften an den Universitä- 
ten Berlin, Fraiburg i.Br., Genf und Wurzburg. Im Jahr« 1903 schloß er mit dem 
Referendarexamen ab und promovierte zum Dr. jur,et«rer,pol. Er trat sodann in den 
Justizdi-^'^ot ein, wandte »ich aber bald selbständiger Arbeit zu und unternahm 
später gröÖtro Reisen, A" der G'" .n'ionq der von inm herausgagebenen "Zeitschrift 
für Politik" ,1907-33 und wieder von 1954 bis 1969 ) und dem "Zentralblatt für 
Vormund Schaftswesen, Jugendgerichte jnd Fürsorgeerziehung "(1908-25) war Gc «eß- 
geblich beteiligt. Von 1913-23 gao er die politisch-kulturelle Halbmonatsschrift 
"Das Neue Deutschland" heraus, das Organ der "jungkonservativen" Bewegung {Kul- 
turkonservativianus) . 

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges, an dam G. als Unteroffizier teilgenommen 
hatte, lehrte er von 1921 bis 1933 als Dozent an der Deutschen Hochschule für 
Politik und war auch seit 1930 an die TH Berlin als Dozent für Politisc»-« For- 
schung berufen worden. Neben seiner Lehrtätigkeit ^ar G. v. 1926-3^. wissen- 
scnaftl. Mitarbeiter des Aus*. Amtes j. seit 1929 Herausgeber d»r "Welt^olitiscnen 
Bücherei'» u. politisch einem freiheitlichem Sozialismus nahestehend. 

Nach dem Umsturz im Jahre 1933 verließ G. Deutschlar^d im Jahre 19?4 und iieS 
sich in Basel nieder, wo er 1934 die Möglichkeit einer wiederaufnehme seiner 
Lehrtätigkeit erhielt. Hier gründete er nit r^ckefeller-Unterstützung 1934 Us 
"Weltpolitische Archiv", ein Lehr- und Forschungsin-stitut, das er bis in die jüng- 
ste Zeit hinein leitete. 1940 wurde »»r vor den ^Jationalso2iallSten ausgeoürgert. 

Nach 1945 unternahm G. zahlreiche Vortr^gsreisen in We:it-OeLitschland. Seit dem 
Sommer Semester 1950 lehrte er an der l.'niver-,.ität Marburg (Lahn) wissenschaftliche 
Politik, desgleichen seit 1952 in Gießen (bis 1966). 

Seine politische Ei'^stetlung entwickelte sich aus ursfr^ünglich Unks-konserva- 
tiver t-'ichtung auf eine demokratische und katholische Linie, doch stand er auch 
sciialistisct^en Gedankengängen a.j^geschlo^'^en geg<»nüber, 

ürte'- seinen zahlreichen Veröffentlicnuni^en seien zu nennen: "Politik»' (32), 
••Raum al3 Schicksal", Das Proolem der Geopolitik ('3), "Der Sozialimperialismus 
als letzte Etappe des Imperialismus" (39), "Dialoge um Alexander»» Geatalt und weit 
Alexanders des Großen (42), '»0er Gei it des englischen f^chts" (45), "Die Freiheit" 

b.w. 



Munzinger-Archiv/Internat, Biograph, Archiv 
4.10. ''969 - Lieferüng40/69 - P - 2992 



G llABOWSKY -f 
Cir-ME 

(45) '^'Die Politik, ihre Element« und ihre Probleme" (48), "Demokratie und 
Diktatur, Grundfragen politischer Erziehung" (49), "Politik im Grundriß" (52), 
"Einführung in die Politik" (53). "Aufgaben der Wissenschaft v.d.Politik" (56) 
und "Grundfragen der Geopolitik" (57). Seit ^954 gab. er, wie achon erwähnt, 
wieder das Internationale Jahrbuch der Politik hera.s. Eine Festgabe für G. 
mit ausführlicher Bibliographie ist in Vo-bereitung. 

von seinen erzählenden, lyrischen und dramatischen Werken seien erwähnt: 
"Oas Zeugende", »Der Kampf um Böcklin", "t3ett und der Zauberer", "Die zeugen", 
die Dramen "Der Herzog von westmi^ister" und "Die Neger", sowie die Bücher "Ge- 
spräche zwischen den Zeiten" (48) und '.Ritt «iurch die Zelten" (51). Auch Hör> 
spiele hat 6. verfaßt, 3o "Tropensriel", "Afrika ■ und "Die Schrecken skam.er". 
196-^ wurde er mit der G^'ethe-PlaKat.te durch den hes.iscren Kultusminister aus- 
gezeichnet, im Jan. 1961 mit de«, Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. 

.G. war verheiratet mit Liane, geb. Haarbn.cker und hatte zwei Söhne, vir- 
cenz und Eynar und «ine Tochter Rernadette. 

Am ?\ ^ug. 1969 ist G. im Alter von 88 Jahren in seinem Wohnort -Griesheim 
(Kanton Baselland), Schweiz gestorben. 

Entfernung des weißen Blattes Grabowsky bitte nicnt über: ehen! 



Munzinger-Arohiv/Internat. Biograph. Archiv 
4.10.1969 - Lieferung 40/69 - P - 2^--^2 a 



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AUFBAU 



Ijn Alter von 75 Jahren starb 
nach langem schwerem Leiden 
in New York Professor Emil J. 
Gumbel, auf seinem Fachgebiet 
der Statistik und Versicherungs- 
matheniatik ein Gelehrter von 
Weltruf, zugleich auch ein nim- 
mermüder Kämpfer, der der 
deutschen Liga für Menschen- 
rechte, allen Friedensbewegun- 
gen, dem Abwehrkampf gegen 
den Hitlerismus und Militaris- 
mus und vielen anderen humani- 
tären und fortschrittlichen Be- 
wegungen mit Leidenschaft und 
Opferbereitschaft gedient hat. 

Der gebürtige Münchner mach- 
te zuerst unmittelbar nach dem 
Ersten Weltkrieg von sich re- 
den durch die Veröffentlichung 
schonungsloser Antikriegspam- 
phlete ('*Vier Jahre Lüge") und 
dann, vor allem, durch seine 
nicht minder schonungslose Auf- 
deckung der Fehmemorde und 
der Tätigkeit der "Schwarzen 
Reichswehr" ("Vier Jahre politi- 
scher Mord"), ("Verräter verfal- 
len der Fehme"). Damit wurde er 
selber zum Gegenstand unver- 
söhnlicher Feindschaft der völ- 
kischen und später nationalsozia- 
listischen äussersten Rechten, 
und es häuften sich die Prozesse 
gegen ihn und, seit er sich als 
Privatdozent an der Universität 



• KEIN DÄNISCHER 
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Nome I 



Adresse. 



-g^NKAKTIENGESELLSCHAFT 
VESTER V0L0aA0E«4 
KOPENHAGEN V -DÄNEMARK 



Heidelberg niedergelassen hatte, 
die massiven Rowdy-Demonstra- 
tionen rechtsradikaler Studen- 
ten gegen seine Lehrtätig'keit. 
Sein bekanntes Wort von den To- 
ten des Weltkrieges, die "auf 
dem Felde der Unehre" gefallen 
seien, trug nicht dazu bei, ihn 
in diesen Kreisen populär zu ma- 
chen. 

Gleichzeitig aber vernachläs- 
sigte er nicht sein wissenschaft- 
liches Arbeitsgebiet: Statistik, 
Bevölkerungstabellen, Wahr- 
scheinlichkeitstabellen, Versiche- 
rungsmathematik. Als er in den 
Vereinigten Staaten ankam — 
er floh nach dem Sieg des Natio- 
nalsozialismus in Deutschlajid 
zuerst nach Frankreich, mit 
mehrjähriger Lehrtätigkeit an 
der Universität Lyon, und dann 
nach USA — wurde er zu seinem 
eigenen Erstaunen festlich be- 
grüsst und gefeiert: die damals 
neuen Staudämme der Tennessee 
Valley Administration waren al- 
lesamt nach seinen Berechnun- 
gen von maximalem Wasserdruck 
gebaut worden. 

Studien über "La Duree ex- 
treme de la Vie Humaine", "Re- 
view of flood frequency meth- 
ods", "Statistics of Extremes" 
ua die in diesen Jahren er- 
schienen, dokumentierten seine 
Forschertätigkeit. Fast alle sei- 
ne Schriften wurden wegen ih- 
rer kühnen neuartigen Theorien 
und Ergebnisse in zahlreiche 
fremden Sprachen übersetzt; 
noch in diesem Jahre seine Sta- 
tistics of Extremes" ins Russi- 
sche und Japanische. 

In den Vereinigten Staaten 
hatte Gumbel bis fast zuletzt ei- 
ne vielseitige und umfassende 
Lehrtätigkeit ausgeübt, vor al- 
lem an der "New Schoolfor So- 
cial Research", am Brooklyn Col- 
leg und an der Columbia-Univer- 
sität; zwischendurch auch mehr- 
fach als Gastdozent an der Frei- 
en Universität Berlin. Er nahm 
auch immer noch aktiv an allen 
Zeitereignissen Anteil und war 
ständiger Bescher politischer, 
literarischer und wissenschaft- 
licher Tagungen und Aussprach- 
en. 

Seit seine tapfere Frau, aie m 
den Jahren nationalsozialisti- 
scher Hassausbrüche mit muster- 
haftem Mut zu ihm gehalten hat- 
te, ihm vor einigen Jahren m den 
Tod vorausgegangen war, lebte 
er etwas zurückgezogener, aber 
die Wochenenden fanden ihn 
immer noch a^^f iieinen geliebten 
i auf den Hängen von Ver 
und New Hampshire. H. St 




Emil J. Gumbel 



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/l Auswärtiges Amt 

ZB 8-80,03.l/71 




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Bonn, den 22. »ktober 1971 



Herrn 

Dr. Ernest Hamburger 

67 Riverside Drive 



Ne w 



York, N.Y. 



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AnljS;« : 



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Sehr geehrter Herr Dr. Hamburger, 



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mit bestem Dank bestätige ich den Empfang Ihres an Herrn 
Vortragenden Legationsrat I.Kl. Dro Sasse gerichteten 
Schreibens vom 13. Oktober 1971. Herr Dr. Sasse ist mit Ab- 
lauf vorigen Monats in den Ruhestand getreten« Ihre Grüße 
haben ihn inzwischen erreicht. 

ke Sie sicher wissen, hat Frau Elisabeth Ereundt ihr Material 
Hoer Ludwig Haber auch dem Auswärtigen Amt mitgeteilt und 
d^it im Politischen Archiv eine Nachforschung nach weiteren 
EicLzelheiten ausgelöst. Da wesentliche Teile der alten Akten- 
bettände heute nicht mehr zur Verfügung stehen, ist dabei 
•leider nur wenig zutage gekommen. In seinem Erinnerungsbu^h 
"Dreiunddreißig Jahre Ln Ostasien" widmet der damalige kaiser- 
liche Ministerresident in Yedo, Max von Brandt, der Ermtrdung 
''des Kicnsuls Haber einen Absatz, den ich Ihnen in Ablichtung 
beifüge. Anläßlich des bevorstehenden Besuches von Prtfessor 
Eritz Haber in Japan eriijnerte die japanische Zeitung "Kfkumjin" 
an das fast 50 Jahre zurückliegende Ereignis: "Ein Onkel des 
Professors Haber hat in den Anfangs jähren der Meijiära in 
Hakodate einen Handel eröffnet und die japanischen Erzeug- 
nisse nach Deutschla^id ausgeführt. Er wurde vin der Hanc^ 
eines Rtwdy getötet. Seine Überreste ruhen in T' " 
bericht der B^.tschaft Tokyr vc^m 21 .2. ^''"'^ ' V E.' 

4" 



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- 2 -•! 



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- 2 - 



des Auswärtigen Amts vom 16.8.1924, die gleichfalls die be- 
vorstehende Reise des Professors Fritz Haber zum Gegenstand 
hat, enthält einen Hinweis auf die Gedenkfeier für Ludwig 
Haber am 11.8.1924: "Um die über die Ehrung eines Privat- 
mannes hinausgehende Bedeutung der Einladung von Geheimrat 
Haber zu charakterisieren, mag darauf hingewiesen werden, 
daß japanische offizielle Kreise das Grab des Onkels von 
Geh. Rat Haber, der als deutscher Wahlkonsul vor 50 Jahren 
von einem Japaner in Hakodate ermordet wurde, neu errich- 
ten ließen und daß am 11. August, (fem 50jährigen Todestage 
des Ermordeten, unter Mitwirkung des Bürgermeisters von 
Hakodate eine 3tägige Erinnerungsfeier am Grabe stattfand." 



\ 



il'' 









- 3 - 









ist, wurde er bei seine:^.-Versetzung in den einstweiligen 
Ruhestand als Be am tejx^e handelt und ihm das gesetzliche 
Wartegeld gewährt./ 

Mit großem Interesse habe ich Ihre Mitteilung zur Kenntnis 
genommen, daß Herr Oberregierungsrat Dr. Gurt Radlauer auch 
zu dem Kreise der jüdischen Beamten des alten Auswärtigen 
Amts gehörte und daß er noch am Leben sei. Da das Auswärtige 
Amt an Nachrichten über den Verbleib seiner früheren Ange- 
hörigen stets interessiert ist, wäre es sehr freundlich von 
Ihnen, wenn Sie bei Gelegenheit die gegenwärtige Anschrift 
von Herrn Dr. Radlauer hierher mitteilen wollten. 



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Mit den besten Empfehlungen 
Im Auftrag 



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(Er. Weinandy) 




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n;ciri 
'KT Am l:rcrspiel. von Inimunitäts"? 
die politischen Leidenschaften err-^ 
stisch einwandfreie Lö'.ungen suchen mtW 
Der Immunitätsiusschuß des Bundestag 



Fnnte auch 
Die von Rii/el zitierten ArlTeiten 
rch-n.inns und Hcrlans waren schon im Herbst 
^50 abi;eschlosse 1, aUo ein Jahr nach Zusam- 



destages, der die voflc.ge cier Strall! 
Fällen verlangt hat . . ., wird vom zwcii 
destag überprüft werden müssen. Gerade die 
Strafakten brincren die Parlamente erfahrunss- 



^iPipiS^s:'^ 




ermäditnis für die Deutschen 



ZiimTodestaÄ von Hennann Heller/ Von Martin Draht 



rj^.Xy.»' 



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"ITor drei Jahrzehnten verstarb — erst 42 Jahre 
^ alt — im Exil in Madrid Hermann Heller. 
Mit ihm erlosch eine der großen Hoffnungen auf 
die baldige Erneuerung der deutschen Staatslehre 
und politischen Wissensdiaft. Heller starb im 
Ausland, da er sein eigenes Land nicht mehr be- 
treten konnte, und er starb dort in dem Augen- 
blick, in dem sein eigenes Land seiner und sei- 
ner Arbeit nicht mehr zu bedürfen schien. 

Der kurze Lebensweg des Mannes, der schon 
bei der ersten Begegnung nicht nur durch sein ge- 
prägtes Gesicht, sondern vor allem durch die Klar- 
heit und Lebhaftigkeit seines Geistes auftiel, Heise 
sich nur in Zusammenarbeit aller, die von ihm 
wissen, seiner zahlreichen, aber verstreuten geisti- 
gen Schüler und Gegner und vor allem seiner 
heute in London lebenden Witwe, der Tochter 
Gustav Falkcs, rekonstruieren. 

Eine auch nur annähernd vollständige Biblio- 
graphie der Werke Hellers hat bisher noch nidit 
aurgestellt werden können. Unter seinen ersten 
Schriften befinden sich mehrere, die der zu Be- 
ginn der Weimarer Zeit aufblühenden Volkshoch- 
schularbeit gewidmet waren; daneben standen 
mehrere Arbeiten über Hegel, vor allem die 
Schrift »Hegel und der nationale Ma.htstaatsge- 
danke in Deutschland" . Schon bei diesen beiden 
grundsätzlichen Themen zeichnete sich ab, daß 
Heller eine neue Sicht des nationalen Gedankens 
und seine Verwirklichung erstrebte; er hat diese 
Richtung später weiterverfolgt und war bis zu 



se'nem Tode darum bemüht, dem früheren, mehr 
uach außen gewendeten deutschen Denken vom 
Nationalstaat ein anderes, die innere Einheit und 
(icsundheit forderndes und förderndes Denken 
und Tun an die Seite zu stellen. 

Viele sahen in ihm, dem deutschen luden, einen 
künftigen Frneuerer und Reformer des deutschen 
„Nationalismus", 
schätzten ihn deshalb 
oder bekämpften und 
fürdneten ihn. Was 
sich schon in der er- 
wähnten Schrift über 
Hegel ankündigte, hat 
er vor allem lortge- 
set/t in „Sozialismus 
und Nation'\ in „Na- 
tiofi, Staat und Sozial- 
demokratie" und in 
,, Politische Demokra- 
tie und soziale Homo- 
genität", hat er vor 
allem abgehoben gegen 
laschismus und Na- 
tionallsmus in Schrif- 
ten wie „Rechtsstaat 
oder Diktatur^'' und 
„Europa und der Fa- 
schismus". 

Sein größtes Werk war audi sein letztes: die 
„Staatslehre". Sie blieb ein Torso, weil ihm der 
Tod die Feder aus der Hand nahm. Mit ihr wollte 




Hermann Heller 



er nicht nur eine — der strengsten Kritik stand- 
haltende — Theorie für den Fachmann, sondern 
weit darüber hinaus eine überzeugende Darstel- 
lung des modernen deutschen Staates geben. 

So ging von Heller einer der wichtigsten Ver- 
suche aus, die in neuerer Zeit gemacht worden 
snid, den Staat und das Recht für das Bewußtsein 
der Deutschen neu zu fundieren und dem deut- 
schen Volke zugleich den Weg zu einer inneren 
Gesundung zu weisen. 

Die Staats- und Rechtsthcorle Hermann Hellers 
i'-r so modern wie sie vor 30 Jahren war; sie harrt 
noch immer ihres Abschlusses, der — auf der 
Grundlage, die Heller geschaffen hat — verwirk- 
lichen könnte, was Heller selbst sich vorgezeichnet 
hatte: die überzeugende, manche Gegensätzlich- 
keiten der Standpunkte im Hegeischen Sinne „auf- 
hebende" Darstellung des deutschen Staates und 
seines Redits in unserer Gegenwart und mit un- 
seren gegenwärtigen Aufgaben; eine Darstellung, 
die durch ihre sachliche Überzeugungskraft zu- 
gleich eine die Geister scheidende und ordnende 
Kraft entfalten müßte, weil Klarheit des Denkens 
zur Klarheit des Bewußtseins und damit 7ur Klar- 
heit des Handelns führt. „Unser gesamtes Wissen 
von Staat und Gesellschaft" — so Hermann 
Fleller — „ist produktiv und normativ, also ge- 
sellsdiaftsgestaltend und niemals objektiv oder 
neutral im Sinne von unbeteiligt." 



di^"^L^*^ /der Gutachten. Dürr sa 
deutYroier als Ritzel. Er hat — viel 
Absicht — die Katze aus dem Sack gj 
komme auf die Prüfung der Frage : 
Jahn die Erfüllung der politischen Ai 
nister Strauß auf den Wahrheitsgel 
Äußerungen zu überprüfen, nicht die 
Widrigkeit der Weitergabe des Protol- 
triflt. Will Dürr damit sagen, daß es 
sem Fall um ein politisches Delikt h| 
die Aufrechterhaltung der Immu 
fertigt? 

Die Immunitätsgrundsätze des 
kennen nur die generelle Ablehnung 
nitätsaufhebungen bei Beleidigungei 
Charakters, nicht aber bei änderet 
Delikten. Für diese gilt vielmehr, d.\ 
Schuldfrage, die Beweiswürdigung u^ 
rechtliche Interessenabwägung nichi 
Bundestags, sondern der ordentlicl 
sind. Das Parlament hat es bei sein 
düngen über die lmmunitäj:>aufhebu 
deren Schuldgehalt /u tun — es sei 
die Parlamentsjustiz, das heiik die i^; 
bestimmte mehrheitliche Fntschcidur 
oder Unrecht, über Schuld oder Nit 
Parlament kann sich in dieser Frag 
selber schützen, indem es die selbs 
Grundsätze strikt einhält. Das hat 
Ritzel und Dürr haben mich nicht 

Gewiß, sie können mildernde 
den Immunitätsausschuß geltend i 
sich bisher vorwiegend um einfacl 
minelle Vergehen gehandelt. D. 
Einhaltung oder Nichteinhaltui 
Sätze nicht so sehr an. Aber die 
gehöhlten Grundsätze vermögerj 
Leidenschaften, die durch den 
entzündet worden sind, nicht mc) 
Daran, daß die Grundsätze aiJ 
sind, sind die Vertreter aller Pci 

TheoA 



mm 



Nr. 8 / 20. 2. 1971 




DAS PARLAMENT 




/ 



Hermann Heller: 



Staatslehre 



Niederlande; XVI und 298 Selten. Leinen h.l. 21,- 

Hermann Heller hat in der Weimarer Aera 
l^Ä^'^r^A^rr^n^^^l^n 
a^s Emiqrant in Madrid verstorben. In Zei 

P?o1eßvof dem' Staatsgerichtshof in Leipz.g 
Tetä^e der preußis*en Soz,a><lemolcrat. 

'*^" '%'ot i:rdiese'rsta'arund" Re<hts- 
semem Tode, ist 1'^^^"' , Nachruhm be- 

^äfvi^rtl^hre^sS «"yrjb^^^^ 

sehe ^leriej .^^en Heft eine Heller- 

genannten Verlage). 

rt,« Hauntwerk, dessen Erstdruck der Ver- 

falfer "ai mehr «lebt hat, liegt nun in dieser 

970 e"s*ienenen Neuauflage vor Es gmg 

^^-orltri^-rbtS^ktr-ptt 

ra~inn?ilÄT.""Äe^rl 
durch den vordringenden Reditsposit.v.smus 
fb^fromwurde. Talädili* hat er gerade mt 
rliPsem Buche für eine neue, zu seiner ^eii m 
DeTirs'hLd allenfalls in An^^^ngen vorhan- 
dene Politisdie Wissenschaft den Rahmen 
gesteckt. 



neswegs als ein Gebilde sui generis gegen- 
übersteht. 

Der Staat vollzieht die „Organisierung und 
Ak^vie'i^'ng des «ebietsgesellschafthdien Zu- 
sammenwirkens", is a Is^ '^1^,^'^^ ^Ät 

-priß^^ar^^'^-Sd-nirÄ^^^ 

f.r!!-n:^Ä"Ä-.-Ä 

tionale" Slaatsaullassung, die in jüngster Ze t 
h,°erzulande merklich an Boden gewonnen hat, 
v^nhei nicht immer dieser Autor als der ur 
hebe qenannt wird, ja der Ursprung mog- 
Ucherweise nicht in jedem Falle bekannt ist. 

'^"'^ ''' ""J-BtmdeTrycM üX"sd;ie"dH*:; 
'^^iTk^geT-exstierendf Staat dennodi eine 
rh'^^t-^darsteU , Wird na^ch^^^^^^^^ 

rnd° Wirkung' inS"' Erhandelt sidi um 

zwar V ielheitlich bewirkte", danach aber „ein- 
S* wirkende" Macht Sie liegt im wesen - 
lichen bei einem „Maditkern . Was die Aus 
hMduna des .Machtkerns" herbeifuhrt, ist das 
GeseS der kleinen Zahl". Er müsse und 
;erdf faktisch, „über ein gewisses Maß von 
Entsdieidungsfreiheit ""^ jlam.t von demo 
kratisch nicht gebundener Macht verfugen . 

Nimmt man hier hinzu, daß Heller unter- 
halh des Machtkerns" die „Mitlauter er 
bfiS^t und nicht nadi einem "iittragenden 

Staatsbürgertum ruft so «J'" .'^ ^erung der 
Uinq, daß die „juristische Lok'ilisierung q 
Souveränität im Volke" ™>"<''h,n eine „poU 
Usche Wirklichkeit" bedeute etwas blaß^We 

-n-L^^a■criSerkÄef^u^^^^^^^^ 

raitrfS'"emerkt°ren";^en\eÄ. 



mus der sidi nicht einmal die bescheidene 
Forderung nach größtmöglidier Transparenz 
der Entscheidungsvorgange f b^^7t_^ Vielleidit 
ist Heller durch Leonard Nelson („Demokratie 
und Führersd.aft") und Kurt Hiller („Logo- 
kratie") beeinflußt gewesen. 

An zahlreichen Stellen des Buches fmdet 
man Auseinandersetzungen mit anderen 
Autoren Wenigstens in der Hauptsache abge- 
fehnt s^ehrman die Integrationslehre von Ru- 
rinlf Smend Was Hans Kelsen und Carl 
SchmittTeUifft. so ist Heller von SchmiUs De- 
zisionismus ebenso weit «i^^J^^^^ J^^^ JJ! 
Kelsens Gleichsetzung von Staat und Recrns^ 
Ordnung. Darauf ist hier ni.c^t naher emzu 
gehen; wohl aber sei erwähnt wie dieser 

^■TZ trih^:""' i^n-ilhf In ""nd1:lll- 
tläi'er'Bereirngslosigkeit" aneinancler ge- 
genüber; es bestehe zwischen Ihnen vetaehr 

eine „korrelative Z"°'"''"""9^;.P,^en Gebot 
Paul Tillich denken, der im ^"M\*!^^f:;'^ g"! 
,ia<: Spin selbst n seiner Machtigkeii ei 
kannte Dabe hat Heller so wenig wie T.llich 
d^ an gedacht, das Sollen im Sein gewjsser- 
S,aßen versdiwinden zu '«/^'^«"J ^^^^^en, 
weise will er keineswegs darauf yerzicnien 
Tdie jeweilige Macht an einer Rechtsidee zu 
messen". 

Es bleibt vielleicht nodi anzudeuten, daß 
er Gar Schmitts berühmt-berüchtigten „Be- 
ariff des Politischen" verwirft; daß er das 
^derstandsrecht bejaht; daß er .den Wir^ 

r^iofiiPTPn Und gewiß ist, hat man es ^"-^^ 

rrs:?- "öchst" .ewicM^- ,,'';^,'?rer'rn: 

ÄsX^upTwIrlfu'turnur durch die Hin- 
"unäbL d| anderen Schriften e.n Bild^ zu 

rsrak^irge'leX wirr Erns, Mas,e 




nahei ist sein Gegenstand „nur der Staat, 
JtlXsen der Renaissance im abendla dr- 

scben .Kulturkreis a-^^ge nur' eine l^Z. 
neuzeitlichen Staat vermöge ^ w ^^jssen- 
lehre gerecht zu werden, die "K^^turwisse 
Schaft" „Soziologie und als solche Wirklidi_ 
kei?swissenschaft" und „Strukturwissenschaft 

erklären". 

Alle gesellschaftlichen Phänoniene, so sagt 
Heuer, sind „prozeßartig" ; ^i« ^^«^en im F usse 
der Gesdiichte. Und was audi ^'^mm-Jils So 
zialaebilde oder sogar als ausgebildete Orga- 
r^Tsa^^n s^ch ausnimmt, geht aus mens*li*em 
Zusammenwirken hervor. Genauer gesagt, es 
ist auf ein Zusammenwirken reduzierbar, hat 
darüber hinaus keine Existenz, kein ...Ansieh- 
st So ist denn audi der Staat nidit von 
starrer objektiver Dinghaftigkeit . Es gioi 
"kein selbständiges, von der Vielheit der be- 
wirkenden Menschen losgelöstes Wesen des 
Staates". Als „geniales VVort des jungen 
Marx" wird dessen Feststellung zitiert daß 
der Staat „die Gesellsdiaft in Aktion" sei^Das 
bedeutet die Ablehnung des spezifisdi deut- 
schen Verfahrens, im Anschluß an Hege und 
Lorenz v. Stein Gesellschaft und Staat, als 
seien sie zwei getrennte Wesenheiten, einan- 
der zu konfrontieren, womit man die Verhul- 
lungsideologie des Obrigkeitsstaates gefunden 
hatte. Bei Heller tritt klar hervor, daß der 
Staat aus der Gesellschaft herauswächst, durch- 
aus ohne sich von ihr abzulösen, ihr also kei- 



illlllllWiilll 

Zeitschriftenschau / 

Europäische Gemeinschaft, Heft 2/1971 : / 

RaTolhrendorl: Offensive der Offnu^ä und 

K;r'To:no,h: Vo. „Sachzwan^- zur AuBen- 

rh'risllan Lutz: Mace Nos.rum7 Die Präsenz am 
Mittelmeer; _ . .„„ moa- 

-rK^Hnr H ii z e n • Das Verhältnis zu den USA. 
~ S P i n e 1 , i : fn.egra.icn .nd Induslriegesell- 

SiMcrawilz: Der innerdeutsche Hände, und 

HeInnTwagner: Das deutsche Dilemma und der 
europäische Ausweg. 
Die neue Gesellschaft, Heft 2/1971 : 
Peter^hrstian Witt: Zu. 100. Geburtstag Fr,edr.ch 

Sard JäcKe.: Deutsche Einheit 1871--1971; 
Dettmar Gramer: Dogmatiker .m ^om.^^ ^ '^-^^^^ 
Werner K u h I m a n n : Polize.d.enst - sozialer Dienst 

am Bürger; .^ gpp als Heimat; 

Heinrich G. h i t z e i . ij>^ n-^u»««- 

Peter L e n g s f e I d : Eigentum verpflichtet^ 
Theodor S c h v, e i s f u r . h : Friedliche Koexistenz, 
Ägischer Kamp, und Os^^pol^.^ ^^^^ 

Dokumentation. „Time wmy 

des Jahres". 




Recht und Macht 



I 






Gedanken zum modernen Verfassungsstaah Verlag 
V Hase* Koehler. Mainz; 282 Seiten, Leinen DM 25,-. 

Recht und Macht" - unter diesem Leitge- 
da'^en stellt Peter Schneider -.Ordmanus- 
Mainz — verschiedene seiner früheren Beitra- 
ge zu einem Sonderband zusammen. Es ist em 
Lspruchsvolles Werk daraus ci«;;^orden, re d. 
an eingebrachtem Diskussionsmaterial, voller 
kesselnder Reflexionen. Immer wieder ist man 
versucht, stilistisch besonders gelungene For- 
mulierungen einfach herauszuschreiben. 

Eine Edition früherer Aufsätze wird zuwei- 
len mit Skepsis betrachtet, hier aber ist die Ge- 
sTmtausgabe tatsächlich mehr als die Addition 
der einzelnen Beiträge. Das i""«.^« f P^"^^^^'" 
Verhältnis zwischen den ausgewählten Themen 
wird deutlich: Verfassungsauslcgung, Ver- 
sammlungsfreiheit, Rechtsprechung. Gewalte^- 
teilung. Widerstandsrecht — stehen sie nicht 



in enger Beziehung zu den uralten Problemen 
von Recht und Macht? 

Schneider gelingt es. den Leser in die 
schwierige Materie schrittweise einzuführen, 
ihm durch Zwischenergebnisse das Nachkom- 
men zu erleichtern. Dennoch: Dieses Buch will 
in der Stille gelesen werden, und nicht nur ein- 
mal Erst so "kommt man von der bloßen Au/- 
nähme ins Gespräch mit dem Autor, in dem es 
nicht nur Zustimmung geben muß; dennScfinei- 
der geht durchaus eigene Wege. So eJpfiehl'J 
er in seinem Eingangskapitel, — das deiiißucti^ 
den Namen gegeben hat — , dem reinji .Uadit- 
anspruch vielleicht eher mit dem P(»tilat des 
Maßes als dem der Gerechtigkeit zu tecegnen. 
Besteht nicht die Gefahr, so fragtÄdiaeider, 
daß sich gerade der Mächtige allzu leit au* 
im Besitz der Gerechtigkeit wähnt? 

In allen Beiträgen geht SchneÄnon kop. 
kreten Erscheinunj— ' '"^ 

aus, spart 






f^chlohmann/Friedlingstein: 



\ 



26. Pebi'uar 197«'> 
U/172- Eli/I3 



\ 



\ 



Eevrr. Professor Helrwt Hirsch 
4 IHieöselcloi'i' - 



üQhi' geeinter Herr Dr. Kirsch, 

vertindllchen Daric fucr Ihren Brief und Ihre 
Kiltteilxtncer vor; U.d.l^. 

Ica läue aa Frau Rosl Proellch geschrieben. 
If ii:r die CXche r,c leichi v;le loegllcn ;:u machen, 
ha.:c ici. dlo Abschrift ü^l. h.i(i.et3 an eiuu andere 
cl^. <lire L .,küile,niu, die xn irankfurt a.K. 

lebt, u::kchloict und Gl. tf :oen, i'f^« -'^9?!^^ • a^;- ^ 
EunifeP.. Dleoor wird et/v^eTie1.ch l<?lcnt er allen, 
die Kenec ■ cat."i:isieroei. .--^/.- «leionif.ch i-u uean^- 
wortcn. ...ua..u «le der Iluohc d. .chreibom. ueoci- 

-c- will er«l aelujn, v.u.lche» lii'tiebnis mein Schrei- 
ber hat vnö idcl- dann ar Herrn Werner Habel wenaen, 
deaiien :, ^a Sie mir f- -lich..rwel:>e mitE-auoilt 
hauen. 

Icii habe im Reichs tagshancLbucn diö B-.otCbraplilen 
von Clura Zetkin und Mathilde Waii angesehen una 
luch Üi^UB fesLgeatellt, das« die Korx-eKuur not- 
weadinst . Ihr Buch in uollaenülscher Sprache werden 

wir bestellen, 

der Bernstein- Eneels Kor. _ .ruienz ^;^. W^^,^, ^^^l^-^^JJ^?^ 

sind wir alle Ir.nen sehr ^^^a^' f^^'^J^'®'' hi^^^ -ete 
aus Ihrer eigenen Sammlung elnacnlie;^ allen. Ihrer -Ql-e» 
die Sifuna aberu^als von einer neuen Seile zeigen w«rd«n. 

Lu ue.nren habe ich Ihi-en lu-ief auch Herrn Dr.Grubel 
zur Ke,)ntnl3 gegeben, auch wegen der ;.^^elC£.exU.eit von 
Frau Halle. 



Mit freundlichen Oruesvien 



Ihr 



Dr.Srnest Hamburger 



i 



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I 



/ 



Seite 12 




Mimesis und Aufklärung 

Zu Max Horkheimers 75. Geburtstag am 14. Februar 



Der philosophische Gedanke, wenn er etwas 
taugt, hat ein Eigenleben. Einmal ausgesprochen 
oder niedergeschrieben, verselbständigt er sich, 
wird für andere verfügbar, die ihn aufgreifen, 
weiterdenken, abwandeln. So vollzieht sich seine 
Teilhabe am historischen Prozeß. Max Horkhei- 
mers „Kritischer Theorie" ist solches Schicksal 
in hohem Maße widerfahren: zwei Generationen 
schon hat sie Philosophen und Soziologen beein- 
flußt deren Werke heute unter der Kennmarke 
,Frankfurter Schule" in aller Welt diskutiert 
werden. Eine Schule, durch die sich bürgerliche 
Philosophen wie doktrinäre Marxisten gleicher- 
weise beunruhigt fühlen. 

Dabei hat Max Horkheimer weder in seinem 
Auftreten noch durch eine einzige seiner Veröf- 
fentlichungen jemals in dem Sinne gewirkt, den 
man heute gern als spektakulär bezeichnet. Das 
Gewicht des Arguments, die Klarheit, mit der 
ein Sachverhalt dargestellt werden muß, die Dif- 
ferenziertheit einer der Sache angemessenen 
Sprache haben ihm von jeher und wie selbstver- 
ständlich Respekt und Autorität bei Freunden, 
Kritikern und Schülern eingetragen. Inmitten 
einer akademischen Betriebsamkeit, die sich 
immer mehr im Dunstkreis von Massenmedien 
und Kongressen entfaltet, übte Horkheimer eher 
persönliche Zurückhaltung. Nicht, daß er sich 
dem Gebot der Stunde jemals entzogen hätte (er 
ist nicht der Typ des Denkers in einsamer Berg- 
hütte), aber mehr als mancher andere hat er ein 
Gefühl für das rechte Maß, pflegt er den jewei- 
ligen Anlaß besonders zu prüfen. 

Max Horkheimer ist Frankfurter. Obwohl in 

Stuttgart geboren und heute vorwiegend in der 

Schweiz lebend, bleibt Frankfurt die unlösbar 

mit seinem Wirken verknüpfte Stadt Hier hat 

Horkheimer, der als Sohn eines schwäbischen 

Fabrikanten zunächst für den Kaufmannsberuf 

bestimmt und ausgebildet war, gleich nach dem 

Ersten Weltkrieg Philosophie bei Hans Cornelius 

I studiert, dort habilitierte er sich 1925 mit einer 

i Arbeit über Kants Kritik der Urteilskraft, dort 

\ wtilTle er 1930 Direktor des Instituts für Sozial- 

I lorschung. dorthin kehrte er 1950 nach den Jah- 



ren des Exils in Genf, Paris und New York zu- 
rück. 

Die Schrecken der Mimesis hat Horkheimer 
wohl schon im Elternhaus erfahren: früh wurde 
er gewahr, daß Reaktionsweisen und Verhal- 
tensweisen eines jungen Menschen auf Nachah- 
mung beruhen, daß Charakteristika, die man 
gern der Vererbung oder gar der Rasse zu- 
schreibt, soziale Rollen sind, die durch Überlie- 
ferung erlernt werden und auf Atavismen beru- 
hen. Die Schrecken einer unkritischen Aufklä- 
rung erkannte er, noch bevor die Nazis ihn 1933 
verjagten. Der deutsche Gelehrte Max Horkhei- 
mer. der durch Kant, Hegel und Marx beeinflußt 
wurde und sich sehr rasch von den positivisti- 
schen Anschauungen seines Lehrers Cornelius 
trennte, sollte sehr nachdrücklich begreifen, was 
es heißt, ein Jude in Deutschland zu sein. 

Untrennbar von diesem Schicksal bleibt der 
vor zwanzig Jahren gefaßte persönliche Ent- 
schluß, unter welchen Vorbehalten auch immer, 
mit seinem Institut nach Frankfurt zurückzu- 
kehren. Objektiv wurde damit die Wende deut- 
scher Philosophie und Sozialforschung in der 
Mitte des Jahrhunderts überhaupt erst ermög- 
licht. Horkheimer kehrte zurück, und das philo- 
sophische Khma änderte sich. Eine ganze Gene- 
ration, die von existential-ontologischen Frage- 
stellungen eingeschläfert oder durch positivisti- 
sche Theorien steril geworden zu sein schien, 
wurde zum kritischen Denken erweckt. Frank- 
furt wurde zum Zentrum: Horkheimers, meist 
mit Theodor W. Adorno gemeinsam geleitete 
Seminare, Herbert Marcuses Gastvorlesungen 
gaben einen neuen Begriff von der mögUchen 
Rolle der Philosophie in dieser Zeit. Nie wurde 
das Verhältnis von Theorie und empirischer 
Forschung so reflektiert wie in den Arbeiten der 
Frankfurter Schule. Deren Begründer übt seit 
jeher eine Tugend, zu der viele deutsche Ordina- 
rien sich nur mühsam durchringen können: 
Horkheimer ist Meister des Teamwork. Alle, die 
ihm heute Glück wünschen, haben Anlaß, ihm zu 
danken. Die heilsame Unruhe, die sein Lebens- 
werk unter uns gestiftet hat, bleibt eine der letz- 
ten Hoffnungen für die Erneuerung der deut- 
schen Universitäten. IVO FRENZEL 



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Seite 28 / Mittwoch, 11. Juli 1973 / Nr. 158 



Feuilleton 



FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG» 



vy 



Die Solidarität endlicher Wesen 

Zum Tode des Sozialphilosophen Max Horkheimer 



i 



Max Horkheimer, der am 7. Juli 1973 
achtundsiebzigjährig in einer Nürnber- 
ger Klinik verstarb, gehört zu den gei- 
stig prägenden Figuren dieses Jahr- 
hunderts. In die Geschichte der deut- 
schen Philosophie und Soziologie ist er 
als Begründer der schulbildenden Kri- 
tischen Theorie eingegangen, die heute 
allenthalben, über den akademischen 
Bereich hinaus, studiert, erforscht, 
auch weiterentwickelt wird. Hierzu- 
lande zumal zählte sie zu den auslö- 
senden Impulsen der studentischen 
Protestbewegung, über die sie ins 
öffentliche Bewußtsein gelangte. War 
die Kritische Theorie während der 
fünfziger Jahre noch auf kleine Zirkel 
beschränkt, so wurde sie, etwa seit 
1968, zum vielleicht wichtigsten Fer- 
ment unbefangener Neuaufnahme und 
Diskussion der Marxschen Lehre m 
Westeuropa. Versuche freilich, Hork- 
heimers Schriften auf brauchbare 
Faustregeln zu bringen, sie zum Instru- 
ment tagespolitischer Agitation zu 
machen, mußten scheitern. Sie diskre- 
ditierten sich selbst — nicht, wie man- 
che Beobachter meinten, die Kritische 
Theorie. Der philosophische Gedanke 
widersetzt sich unmittelbarer Verwert- 
barkeit gerade dann, wenn es ihm 
ernst ist mit einer Praxis, die mehr 
wäre als ein angewandtes Rezept. Jede 
als unterschiedslos behauptete Einheit 
von Theorie und Praxis erweist sich 
als trügerisch. 

Daß jene Versuche mißglückten, 
zeugt zugleich von einer sachlichen 
Schwierigkeit, vor die das Horkheimer- 
sche Lebenswerk seine Interpreten 
stellt. Es ist objektiv brüchig, gezeich- 
net von den Kämpfen und Katastro- 
phen des Jahrhunderts. Ein abgerunde- 
tes „Hauptwerk" fehlt. Das hinterlas- 
sene Korpus besteht aus gelehrten 
Traktaten, Essays. Reden, tagebuchar- 
tigen Notizen, Aphorismen und Inter- 
views, selbst Dramenfragmenten und 
Novellen. Es enthält die durchgängigen 
Motive einer Philosophie, die sich bei 
aller sprachlichen Sorgfalt und Be- 
stimmtheit nicht auf bündige Thesen 
oder referierbare „Positionen" vereidi- 
gen läßt; ihr Lehrgehalt (auch darin 
weicht Horkheimer von traditionellen 
Bräuchen der Zunft ab) erwächst keiner 
überzeitlich-metaphysischen Thematik, 
sondern der historisch-gesellschaftlich 
bedingten Struktur und Bewegung 
ihrer jeweiligen Gegenstände. Indem 
Horkheimer, ausgehend freilich von 
eigenen, festumrissenen Begriffen, sich 
stets am Material gegnerischer Denk- 
ansätze abarbeitete, gewann seine Phi- 
losophie allmählich reichere Inhalte. 
Wer ihr Wesen erfassen wiU, muß die 
einzelnen Auseinandersetzungen nach- 
voUziehen, denen sie sukzessiv ent- 
sprungen ist. 

Als Horkheimer 1930 Ordinarius der 
Sozialphiilosophie und Direktor des 
Frankfurter Instituts für Sozialfor- 
schung wui-de, galt sein Hauptaugen- 
merk dem Denken Hegels, das zu einer 
wichtigen Quelle der Kritischen Theo- 
rie werden sollte. Hegel hatte die Ein- 
sicht in die Strukturen kollektiven 
Lebens insofern gefördert, als er, jeder 
bloßen Introspektion abhold, die Be- 
schaffenheiten der Individuen aus dem 
Geschichte verlauf zu begreifen suchte; 
In ihm sah er „Vernunft" am Werk, 
gesetzmäßiges Fortschreiten zu höheren 
Formen. Dem pfHchtete Horkheimer 
bei, was die Objektivität der Betrach- 
tung anbetraf. Aber er hütete sich, 
dem geschichtlichen Stufengang als 
einer allemal zum Rechten führenden 
Macht blind zu vertrauen. Nur ein 
fragwürdiger Idealismus bezieht nach 
Horkheimer die Opfer des historischen 
Prozesses in einen Heilsplan ein, ver- 
klärt sie metaphysisch: „Daß die Ge- 
schichte eine bessere Gesellschaft aus 
einer weniger guten verwirklicht hat, 
daß sie eine noch bessere in ihrem 
Verlaufe verwirklichen kann, ist eine 
Tatsache; aber eine andere Tatsache ist 
es, daß der Weg der Geschichte über 
das Leiden und Elend der Individuen 
führt. Zwischen diesen beiden Tatsa- 
chen gibt es eine Reihe von erklären- 
den Zusammenhängen, aber keinen 
rechtfertigenden Sinn." 

Gewiß, solche Sätze tauchen m un- 
verhohlen marxistischem Zusammen- 
hang auf, ihren geheimen Untergrund 



bildet jedoch der gütige Pessimismus 
Schopenhauers, dem Horkheimer seme 
frühesten philosophischen Erfahrungen 
verdankt. Kritisch ist Horkheimers 
Theorie, sofern sie im historischen 
Materialismus keine positive „Weltan- 
schauung" erblickt, sondern die De- 
nunziation eines — aufzuhebenden — 
Zustandes, in dem sich die Menschen, 
anstatt ihre ökonomischen Verhältnisse 
bewußt zu gestalten, zu deren stummen 
Vollzugsorganen herabwürdigen lassen. 
Kritisch — das wird seltener noch er- 
kannt — ist sie jedoch auch, weil sie 
mit Schopenhauer unerschrocken aus- 
spricht, daß die menschliche Gattung, 
selbst weiser organisiert, radikaler 
Endlichkeit verhaftet bliebe — ein be- 
dürftiges Etwas im Kosmos. Indem 
Horkheimer dieses Schopenhauersche 
Moment in seine Kritik an Hegel auf- 
nahm, vermochte er sich der Sugge- 
stion der von Lukäcs und Korsch neu 
entdeckten Dialektik zu entziehen, 
damit dem Dogma eines weltgeschicht- 
lichen Totalwissens, in dessen Dienst 
alle Mittel recht sind. Wie Theorie ins- 
gesamt, bleibt auch die Dialektik, Ein- 
sicht in die Endlichkeit unserer Ver- 
standesbestimmungen, selbst ein ver- 
gänglicher Aspekt des Kampfes der 
Menschen mit der Natur und ihresglei- 
chen 



Den eigentlichen Ruhm Horkheimers 
begründete die in neun stattlichen 
Bänden vorliegende, von ihm 1932 bis 
1941 herausgegebene „Zeitschrift für So- 
zialforschung"; sie erschien, zunädist m 
Leipzig, dann in Paris, schließlich m 
New York. In ihr veröffentlichten 
neben Horkheimer, der in grundlegen- 
den Aufsätzen Programm und katego- 
rialen Rahmen der „Zeitschrift" ab- 
steckte, bedeutende Autoren wie 
Adorno, Marcuse, Fromm, Löwenthal, 
Benjamin und Pollock. Die „Zeit- 
schrift" vereinigte theoretisch-kon- 
struktive mit empirischen Aufgaben. In 
ihr fand sich eine Gruppe unabhängi- 
ger, dabei engagierter Intellektueller 
zusammen, die an einer gemeinsamen 
Theorie des gesellschaftlichen Ganzen 
auf der Grundlage individueller For- 
schungsinteressen arbeiteten. Ergeb- 
nisse und Arbeitsweisen „traditionel- 
ler" Theorie wurden von ihnen nicht 
verworfen, sondern im Hegeischen 
Sinn „aufgehoben". 

Dadurch aber wurde positivistische 
Stoffhuberei, bloßes Spezialistentum, 
ebenso vermieden wie leere Spekula- 
tion. Faktum und Begriff blieben in 
geschichtlich bewegter, überaus frucht- 
barer Spannung. Die „Zeitschrift" 
zielte, in Horkheimers Worten, darauf 
ab, eine „Theorie des historischen Ver- 
laufs der gegenwärtigen Epoche" zu 
liefern. Ein empirischer Forschungsap- 
parat trat, neuartig genug, in den 
Dienst geschichtsphilosophischer Fra- 
gestellungen, wozu das Programm 
einer historisch brauchbaren Sozialpsy- 
chologie nicht weniger gehörte als die 
umfassende, auch ideologiekritische 
Problematik des Zusammenhangs der 
Kulturgehalte mit dem materiellen 
Lebensprozeß der Gesellschaft. Philo- 
sophische Sachfragen wurden dabei kei- 
neswegs vernachlässigt. So enthalten 
Horkheimers Aufsätze Kritiken der 
geisteswissenschaftlichen Methode Dii- 
theys, der Jaspersschen Weltanschau- 
ungspsychologie, der Daseinsanalytik 
Heideggers, der Anthropologie Schelers 
und des logischen Positivismus. Sie 
verdeutlichen, daß Kritische Theorie 
das einfache Streichen von „Sinn" 
ebenso verwirft wie Versuche, ihn 
autoritär zu setzen. 

Die Frage nach dem „Sinn", der — 
kantisch gesprochen — kein Dogma, 
sondern ein unausrottbares Interesse 
der Menschen ausdrückt, hat Horkhei- 
mer denn auch seit seiner Rückkehr 
aus den Vereinigten Staaten im Jahre 
1950 immer wieder beschäftigt. Sie 
stellte sich ihm in der Frage nach dem 
geschichtlichen Schicksal dessen, was 
in der bürgerlichen Gesellschaft „Ver- 
nunft" heißt. Untersucht hat sie Hork- 
heimer, einer der hervorragendsten 
Kenner der europäischen Aufklärung, 
in mehreren Schriften. Seine Reflexio- 
nen zum Thema begannen mit dem 
1941/42 entstandenen, unlängst veröf- 



fentlichten Essay „Vernunft und 
Selbsterhaltung". Sie konkretisierten 
sich in dem Buch „Eclipse of Reason", 
das 1947 erschien und 1967 deutsch un- 
ter dem Titel „Zur Kritik der instru- 
mentellen Vernunft" mit philosophi- 
schen und soziologischen Vorträgen 
und Aufzeichnungen aus der Nach- 
kriegszeit publiziert wurde. Seinen be- 
deutendsten Beitrag lieferte Horkhei- 
mer gemeinsam mit seinem Freund 
Adorno in der „Dialektik der Aufklä- 
rung", einem der wichtigsten Bücher 
der Gegenwart, das 1947 in erster, 1969 
in zweiter Auflage erschien. 

Freiheit, darauf laufen Horkheimers 
Erwägungen hinaus, ist wie ihr Gegen- 
pol zu untersuchen im Zusammenhang 
mit den Formen wissenschaftlich-tech- 
nologischer Naturbeherrschung, die bis 
heute Herrschaft über Menschen ein- 
schloß. Die ungeheuere Steigerung von 
Mittein droht mehr und mehr den 
Zweck zu zerstören, den sie verwirk- 
lichen soll: die Idee des Menschen. Zu 
ihr gehörte seit der Antike die Vorstel- 
lung, Vernunft walte nicht nur im sub- 
jektiven Bewußtsein, sondern auch im 
objektiven Sein. Unterdessen hat der 
gnadenlose zivilisatorische Prozeß Sub- 
jekt und Objekt einander entfremdet, 
dieses zum bloßen Material und jenes 
zum bornierten Werkzeug bloßer 
Selbsterhaltung herabgesetzt. Während 
subjektive Vernunft den Zustand sank- 
tioniert und sich ihm anzupassen ver- 
steht, laufen die philosophischen Ver- 
fechter objektiver Vernunft Gefahr, 
antiquierte Seinslehren, einen trügeri- 
schen Sinn zu verkünden. Horkheimer 
schlägt sich in keines der beiden 
Lager: „Theorie heute hat den Prozeß, 
die gesellschaftlich bedingte Ten- 
denz ... zur Instrumentahsierung des 
Gedankens sowie die vergeblichen 
Rettungsversuche . . . auszusprech.en." 

Angesichts der Selbstzerstörung von 
Aufklärung, ihres Übergangs in Positi- 
vismus dadurch, daß sie den — mzwi- 
schen geschichtswidrigen — Produk- 
tionsverhältnissen verhaftet blieb, un- 
ter denen sie einmal aufgeblüht war, 
halten Horkheimer und Adorno in 
ihrer „Dialektik" noch an der Idee in- 
nerweltlicher Versöhnung von Mensch 
und Natur fest. Sie hoffen, daß Auf- 
klärung, Geist: die als entfremdet ihrer 
selbst inne werdende Natur es vermag, 
den herrschaftlichen Anspruch zurück- 
zunehmen. 

Davon allerdings (das wurde ihm von 
manchem verargt) ist beim späten 
Horkheimer keine Rede mehr. Grund- 
lich belehrt über den Weltlauf, wei- 
gerte er sich, das „ganz Andere", das 
er zuvor der versöhnten Menschheit 
hatte vorbehalten wollen, noch länger 
als ein diesseitig Erreichbares /,u den- 
ken. Schopenhauer hatte in ihm über 
(den selbst noch „positivistischen") 
Marx gesiegt; die Welt war Horkhei- 
mer kein Absolutum, sondern ein 
durch die Beschaffenheit unseres — 
biologisch und sozial gebundenen — 
Intellekts und Perzeptionsapparats be- 
dingtes Produkt Freilich fc'.gtc aus 
alledem für Horkheimer keine positive 
Theologie. Gott — das war ihm, mit 
Kant und Voltaire, die Unmöglichkeit 
des Gedankens, das die Geschichte 
durchherrschende Unrecht und Leiden 
sei ein Letztes. Entsprechend verstand 
er unter dem — heute verblassenden 
I _- Theologischen keine Dogmatik, son- 
dern die Sehnsucht endlicher Wesen, 
aus der „verwalteten Welt" herauszu- 
kommen. Keineswegs war seine Spät- 
phase eine eitle Abkehr von den realen 
Nöten der Menschen. Die Einsicht ins 
malum metaphysicum enthebt nieman- 
den der Aufgabe, das malum physicum, 
die menschlich erzeugten und mensch- 
lich korrigierbaren Übel, zu bekämp- 
fen. 

Mit Max Horkheimer ist ein gütiger 
Mensch dahingegangen, ein großer Ge- 
lehrter, einer der letzten Aufklärer 
vom europäischen Format Voltaires 
und Nietzsches. In der Philosophie sah 
er kein Fach neben anderen Fächern, 
sondern die „Entschlossenheit zur in- 
tellektuellen und wirklichen Freiheit . 
— Darin besteht das Vermächtnis sei- 
nes Werks. ALFRED SCHMIDT 




Das Kleine 



MAX HORKHEIMER im Jahre 1969 



Foto Kleinhans 



Freibeuter der Sprache 

Arno Schmidt. Goethe-Preisträger der Stadt Frankfurt 



Messe der Virtuosen 



Arno Schmidt, mit vollem Namen 
Arno Otto Schmidt, seit 1959 in Barg- 
feld in der Lüneburger Heide in einem 
Holzhaus lebend, wurde am 18. 1. 1914 
als Sohn eines Polizeioberwachtmei- 
sters in Hamburg geboren. Sein phäno- 
menales Gedächtnis, das ihm für seinen 
detaügespickten und anspielungsreichen 
Erzählstil unerläßlich ist, ließ ihn schon 
als Schüler des Gymnasiums in Görlitz 
auffallen. Es heißt, er habe 22stel\ige 
Zahlen im Kopf multiplizieren können 
und er sei in den Kneipen Breslaus ^er 
studierte in Breslau Astronomie und 
Mathematik) als Gedächtniskünstler 
aufgetreten. 1933 brach er seine Stu- 
dien ab und arbeitete als kaufmanni- 
scher Angestellter in einer Textilfabnk. 
Im Krieg war er als Soldat in Frank- 
reich und Norwegen und geriet in eng- 
lische Gefangenschaft. Danach arbeit^ete 
er als Übersetzer an der britischen 
Hilfspolizeischule in Lüneburg. 

1946 begann er zu schreiben: Novellen, 
die er unter dem Titel „Leviathan" ver- 
öffentlichte. Der Erfolg erlaubte es ihm, 
sich als freier Schriftsteller niederzu- 
lassen. Er lebte in Cordingen (Lunebur- 
ger Heide), in Gau-Bickelheim, m Kastei 
an der Saar, in Darmstadt und ließ sich 
schließhch in Bargfeld nieden Er ver- 
öffentlichte die Romane „Brand s Haide 
und „Aus dem Leben eines Fauns" (1951 
und 1953), die Erzählungen „Die Um- 
siedler" „Kosmas" und „Seelenland- 
schaft mit Pocahontas". 1956 schrieb er 
einen „historischen Roman aus dem 
Jahre 1954": „Das steinerne Herz". Uto- 
pische und düstere Science-fiction-Ele- 
mente spielen in den Romanen ..Schwarze 
Spiegel" (Zeit der Handlung: nach einem 
1955 fingierten Atomkrieg) und ,.Die 
Gelehrtenrepublik", die im Jahre 2000 
gedacht wird, eine große Rolle. Er 
nahm das Motiv später wieder in seiner 
Novellenkomödie" „Die Schule der 
Atheisten" (1972) auf, die im Jahre 2014 
in Dithmarschen spielt, während Europa, 
von Atomkriegen zerstört, einer neuen 
Eiszeit entgegengeht. 

1950 er'^ch Ionen .Rosen Si Porree", 
■ oan Ar.^ w^...un Knff ;iLich Marc Crj- 



kerische Geist unter Westdeutschlands 
Schriftstellern, ist weit entfernt von 
vordergründig-publizistischer Intel- 
ligenz, und seine Meinungen sind nicht 
wie so bei vielen seiner Kollegen (im 
Schriftstellerverband) ganz vorne im 
Munde abrufbar. Vielleicht haben seine 
beiden letzten Bücher, „Die Schule der 
Atheisten" und das Mammutwerk 
Zettels Traum" allzusehr der Vorstel- 
lung vom obskuren Geheimniskrämer 
und misanthropischen Außenseiter 
Nahrung gegeben. Stoff für Detektive 
und Liebhaber. 

Eine solche Verdrängung ins Allzu- 
besondere wird der — man ist fast ge- 
neigt zu sagen — epochalen und all ge- 
meinen Bedeutung dieses Schriftstel- 
lers, Dichters und Übersetzers nicht 
gerecht. Arno Schmidt, der Erfinder 
der Bücher „Das steinerne Herz 1957 , 
Kaff, auch Mare Crisium (1961), 
"Kühe in Halbtrauer" (1964), „Sitara 
und der Weg dorthin" (1963), war für 
sehr viele gute, mit Sinn für Schönheit 
und Witz begabte Leser sehr lange 
die große Alternative zu Gesinnungs-. 
schmozenz und aufgeregtem Ge- 
schwätz, zu banalster Realistik und 
leicht errungenen literarischen tlteK- 
ten Arno Schmidt — das war eine 
Möglichkeit, den großen spekulativen 
Roman der Musil und Joyce fortzuset- 
zen unter verschärften Bedingungen. 
In der BundesrepubHk war es viel- 
leicht die einzige Möglichkeit, denn 
Doderer und Gütersloh sind Österrei- 
cher, leben in anderen geographischen 
und künstlerischen Breitengraden. 

Wo aber lebt Arno Schmidt, der in 
die Lüneburger Heide Gegangene? 
Zweifellos an utopischen Orten, die 
aber so real erscheinen wie die Phone- 
tische Erscheinungsform seiner Wörter 
und die assoziative Herstellung see- 
lischer, dialogischer, naturlyrischer 
Stimmungen. 

Utopisch ist auch sein wörterwildern- 
des Verfahren quer durch die Assoziatio- 
nen, die ihm seine introvertierte ^Finne- 
gans Wake"-Phantasie aufbürdet, fcs 
^ind durchweg - wenn keine emhei- 



Zum Kleinen, zu den kleinen Dingen 
und Menschen haben wir ein gebro- 
chenes Verhältnis. Wir empfinden es 
als niedlich teils, teils als lächerlich, 
gelegentlich als mitleiderregend. Poli- 
tisch ist es immer eine Malaise: klein- 
deutsche Lösung, Kleinstaaterei nebst 
Kleingeisterei. Manchmal freilich faszi- 
niert es uns, je kleiner es ist: in der 
Mikrobiologie, als Mini-Mode. Aber 
der „Andacht zum Kleinen" haftet 
doch seit Stifters Tagen eher etwas 
Betuliches, Biedermeierliches, Phili- 
sterhaft-Philatelistisches an. Wir sagen 
„kleine Leute" und „Kleinkunst" und 
denken beides zusammen, kurzerhand 
und kleinen Sinnes. In der Kunst 
haben wir uns, im Gefolge der ameri- 
kanischen Farbfeldmaler, Minimalisten 
und Realisten sehr an das Gigantische, 
an das Blow up der Formate gewöhnt. 
Doch nun scheinen sich in der kleinen 
Alten Welt, die das Große erst so ge- 
waltig aufsog. Gegenkräfte zu regen. 
Reden wir nicht von den Apologeten 
der Kleinschreibung, lassen wir auch 
die allzeit regen Kleingärtner und 
Kleinverdiener beiseite. Eine Galerie, 
„small size" (Kleinformat) benannt, hat 
kürzlich in Bern eröffnet, und die 
Galeristin will sich ganz auf kleinfor- 
matige Bilder, Zeichnungen und Plasti- 
ken spezialisieren. Ganz neu ist der 
Gedanke nicht, und eine wahre Apolo- 
gie des Kleinen in der Kunst, ein Plä- 
doyer für die Mini-Miniatur gibt es 
beispielsweise auch in der Stadt des 
Käfers. Der Wolfsburger Kunstverein, 
der freilich noch nicht Größe genug 
hat, sich zu den Kleinen im Lande zäh- 
len zu lassen, hat eine Ausstellung ein- 
gerichtet mit dem TiLc4 ..Das kleinste 
Museum der Welt". Wie doch das 
Kleine noch durch den Superlativ, 
diese Wortform auf Zehenspitzen, sich 
keineswegs zum Verschwinden bringt, 
sondern groß zur Winzigkeit aufreckt! 
Das „Tabu Format" soll attackiert, ad 
absurdum geführt werden. So sind 
denn die meisten Ausstellungsstücke 
kleiner als Swifts Liliputaner, die im- 
merhin ihre 14 Zentimeter maßen. Viele 
Künstler haben jetzt Kleines beige- 
steuert, von den „Mikroben" des Max 
Ernst bis zu Karl Valentins berühmtem, 
mit Pelz umkleidetem „Winterzahnslo- 
cher". Und Timm Ulrichs, der kleine 
Gernegroß, hat gar „Die Erdoberfläche" 
geliefert: Sand auf Papier, 1X1 Zenti- 
meter. Kleiner geht's wahrlich nicht. 

P. S. 



Moskauer Filmfestival 

85 Länder werden sich am achten 
internationalen Filmfestival in Moskau 
beteiligen, das am Mittwoch eröffnet 
und bis 23. Juli dauern wird. Unter dem 
Leitmotiv „Für Humanismus, Frieden 
und Völkerfreundschaft in der FUm- 
kunst" werden in diesem Jabr/^ r?Il 
hlme, 58 Kurzfilme und 49 Kur^^üme 
vorgestellt. Bei den Teilnehmern ialll 
die Abwesenheit Chinas und GroliDr>- 
tanniens auf, dessen Film von der Jury 
wegen „Pornographie" abgewiesen 
wurde. Über 800 Gäste werden m 
Moskau erwartet — darunter Carlo 
Ponti und Sophia Loren, Marcello Ma- 
stroiani, Marina Vlady, Anna Karina. 
Die Bundesrepublik wird von Maxi- 
milian Schell vertreten werden. Auch 
das — inzwischen getrennt lebende — 
Ehepaar Richard Burton und Elizabeth 
Taylor wurde eingeladen. 

Die Bundesrepublik wird durch Alfred 
Vohrers ..Und der Regen verwischt jede 
Spur" und durch den Kinderfilm „Tsche- 
tan. der Indianerjunge" von Hark Böhm 
vertreten. AFP 

Film über 
Janusz Korczak 

In Berlin haben nach jahrelangen 
Vorbereitungen die Dreharbeiten für 
einen Film über das Schicksal des pol- 
nisch-jüdischen Schriftstellers und Päd- 
agogen Dr. Janusz Korczak mit dem 
vorläufigen Titel „Der Märtyrer" be- 
gonnen. Koiczak, der mit seinen Wai- 
senhauskindern zusammen nach Tre- 
blinka deportiert wurde, erhielt im 
Herbst 1972 posthum den Friedenspreis 








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Theodor Heuss, AHsstellung (*f/u 



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Jastrov p, 191 ff 



Beqlueckvn^enscht Heuss fuer unentgeltliche Redaktionstaetigkeit; zu 
v.™,^^^^^ T^c,^->-r^w ici- f^infi ftnhulmeisternatur und fuer Gelesenes n 



bewundern, Jastrow 
leicht zu enthusiasm 



icht 



ieren.War Mitarbeiter an der Weltgeschichte Rankes, 



1905 Professor fuer Staatswissenschaften in Berlin, Elly Heuss-Knapp 
hoerte als Gasthoererin waehrend ihrer Berliner Studienzeit mit Be- 
geisterung Vorlesungen und Semibare Jastrows: Jastrows Seminar 
ist das beste an Berlin 



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14. AU&'Ust 1^61 



Liebe 'i-oni- Ferien sind, aber 

.„ d.r-.s Sie zur -f^Lt.",Ae jedenfalls nach 
ich nehiae au, <^^-'- ,,er Brief -'^vf ntdit nach 

bald ^-uec.K0^-^^5^J,. ra vir dieses ^a.r^^ .^ ^^^^ 

Ibrer nuecukehr "^^^^^^^1,^ aber l^f6^ ^° 

Europa i^o^-^^" Je iit rneinera Änliet'tn. 

schriftlich an ^le nii „._„. 



övjiix**-- .^ fir^n Tifit mich au 16^"" 

■u.si^-e jueclirche Institution -f. p^^^ 

. ^r%iie 'Shrift ueber ^- if^J^leit a^ -«^^^rlf^PD 
fordert, ®^"%,.,^ten in der -^^^-r rp^Pti Keit m der ^i'i^ 
J-inisterun.. Booten ^^^^^^ ,^^e ^';^^\,e,e^^m€sl0 3 

In > Mittelpunkt ^^^""^ ;^:^t i^c'ß Partei 3^ d^^^ Partei m 



jtei-en, ^^ 



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- -^'^ -^Sf ^r;!er uSini^^scnen^^ 
f---:?/^lirauf Sit?3ch ruehr^..:n .tcllo. 

worden sind. wpsU' aten sozioloeisc-^n 

■ V =,-ru-i handeln, '^ . ^®^;;iit\sche Betaeti- 
Ss v.ird '''^^i,^^^'',^. ueber die V^^^^^^,, m berlin 

S.nun, i^^er bestxn.te^MfL^^^ 

Beamte von d^r oi- ^^ ■^ntise:aic.scuc^^, .- ^^^ ..,.„ 

untersuhied^a, S3^^ .;,andlan. und bt.err.un,, 

St-oeiaung un. ^trei 

„ein^arer ^eit . v^terialsara-alun. besch;^eni,^t 

Ich bin -t^^t'ch'ile einzelner: ^andestexle .o^e^^_ 

-rrh!;" eÄ^- ^Ö^tcf^ein^^Erhanaeit sich a. 
sich l^hn)-, >- ,^,,gj. tehilfl-LCR ' '^^ 
rigeo Getitti^n dai-fci- 

f Ol. ende t'rafc',en. e-nunere, isc 

,. 3chles.i6-Holstein.^^-f^,tS^k. nervo. t^ 

in .cnles.i6 ^-^^fi^n afier um ^--^n'/uld^Üc^cn .dichter- 
der juaen ax^ /-f ^/^ss zwar f n e^^Y. Lll^ ni' ht gespielt 
ncn gewesen. ^c^^J'ffine be^eioLnende ^^^ n . der so frueh 
iiAtona, die '^^'^evlXon unseren l«^;if,^,^t die houi- 
haben, und i/J -^f.taU. erv.aehnen.;^enn i «^ ^^ ,,^^^ R^i.^en 
verstorbtnt-ilxr.una .^^Iten ^•■^"^''^ ',,„ennen a^e mir aus 

lunulpo.it^h voellig au-^^^^. ^,3,lex^^^^^^^^ 
der Arbeit ^F*^'^^; Dinge ss' en, ob "i^^^'^'-^^richten ist, zu- 

Ihrer "^^'^^^'^^.^lif nichts v.esentUches ^^^r ^^^ ,,oennen. 

^^.en Lan-'^^s^«^^if ^eine Informa tioner. crt 

trifft oder ob -jxt. lu 



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2. ^•ill Kantorowicz: Kantorowicz v.TiTüe 1227 zura 

IHn aoecHt ich unter lenjenigen Juuen autfu h en, gegen 
die eoen ihrer pazifistischen und ^'^i'^i^^^t:;^^^^,^^^*'''^ 

i.?n lebhaft" iiiitatioa seitens der Rechten entfaltet 
.or-^cn i3t? In di sem Fall hut sich selbst Stresemann be- 

^^Seht" aa Bec.cer einzuwirken, d:s. «^,^^,f ;^'S"cM'n S- 
"^^' - - in der Krie6sscnulafr.ce eir: Gu achUn er 



liense, da ü» 
stattet habe, d:..s von 



r.J Ti 



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Aüffaosun des Au 



aerti;"sn --ititss 



fib-eicit. Jie iuris tiEche Fakultaet von ..lel, die ^- joft^ 
o^;1 ^pn h'tte i'at 3ich iu diesen Fall seh', mutig geze.fct, 
nn «Vch tch^--m Becker von -tresemann« s Bedenken uir 
unu aich n-cn.^ua Dct,..t.i v vors.hlar festj-ehalten. i3h 

"„:^jSK%f;r;'LVt'.t.!i Tor K.ult!;t--™;.=end;..r,orUe«„ 

Ihrer L..innerua£ ueb.r dlc^ -acn. ctv o - 

ueb.r aie Mitglieder der ^^^^^^^^'f ^^^^ J vlelle^cat 

sen Beschlu.s "^^^^^^^^^^^ ^];^:^^l^'^ ]S^V^1 auch 

liegen darueu.r I^^■<^^;--ly°^f?,^ tt^r fs aere interes aat 



ohn?^'weitere£3 katerial darstellen, ab 



Linzeiiieitai zu -iraitteln. Viexleicht Koenm-n 



le 



anderem ^le^e 



jLt;bt 



dazu noch ^ ^ ^,, . 

direi^t oder uit Uile von üaade oier aui 
mit ■ eitvre xuforriationen verschaffen. 

äte^i^ ir.i;u?iSir nae.aich L^d. Kejtenbers u^ 
Selig. Gaede, aen ich tcfragt h'.b.. , hc.t «^-f^^^^^"^, ^^^ 
duerl'xise ..uaKueuft-:. £:£hen koennen. Ueb ^ I estenb.rL, w. 
iPV rru- ■ s lie, viel lit? ratur ucber inn vor, er -^ 
in XsSl! sLu hatt. ..einer >'^innerunr nach das^o^s- 
Sehnen ur.d sonstige ^^•i.^eaterrefcr.a, vicIlciclA^is^ 
Sie r,.ehi ueber ihn. Beide f'^-^^^^^-^f,^f ^".^ri und 
ausserhalb aer Cchsentour _ins -•'-'^^fj^; '^^^^/ ^'^^^f an- 
^-^Ti ,1e- Hrchtou bei f'^st je. er .itj-tsberatunfi 3. Xü-ri -n 
rp^ri -J rdi.. Laud§ ^mv mnl der erste üeamLe j cdi- 
i'^Ir ^bsUu^iuS: i:aünt rrichts ,xnist erium und er^U axs 
der'vertraue.amunu neck ers.der^ die ^.^x-bindup i.it aan 

Parla^nt und anderen f^^^^^^^ ^"f 'l^'-n^f ^c^an 
AVn finnr darin ab alo uriiijie la. .>o ^j- - m-^'- -»^^ 
inn aann a^iiu «l a yus-ietzli eh geben koennen, so- 

Inforraationcn ueb-4r diese j zus3ei<zj--i^i e.7-" ^ f.M -l ci'prium 
iie ueber et.aige andere jueiisciic =ear:ite lu 'iff/VlirScr 
iaere mir .ehr «illkonrnen. Die La^^^^-ß^Pf^^S ^ii^, "\"äcS 
die antisemitiiscL-jn Angriffe vor allen des ':farrtrs kocu 
gegefa Jeiic und Keatenberg sowie die preussischen ütr.ats- 
bue;aien,sind iiir bekarjit. 

Wenn Sie also einmal -eit fiuden.mlr ueber diese Din^e 
zu sc reiben, waere ich Ihnen vdAlich dankirr. xch uoffe 
davei auch ueber Sie pcrsoeniivh Gutes betreffs Ihrer Ge- 
sunuheit, Ihrer Arbeit u.s.v;. zu hceren. 
Viele herzliche Gruesse 

Ilir 



c? 



Hadträtin Jensen 



Kiel, den 9. Oktober 1961 



Herrn 

Lr. l!]rnest Hamburger 

67 luiverside Drive 

NEW Y ü II K 24, IT.Y 




Lieber Ernest Harnburger! 



In Ergänzung meines letzten Briefes darf ich. Ihnen nun heute das 
V/esentlichÄ^e aus den Akten des Preußischen Kultusministeriums 
mitteilen. Zunächst befindet sich dort ein Brief der Professoren 
Jelinek und Iladbruch an den Kultusminister Becker, m diesem 
Gehreiben bitten die beiden Professoren, daß der Kultusminister 
Herrn iCantoro\/iGz in erster Linie bei der Berufung berücksichti- 
gen m ö clrü T: "fTaji a c h scheint also auf der Vorschlagsliste der Ea- 

kultät Kantorov/icz nicht als Erster benannt v/orden zu sein und 
Jelinek und Iladbruch haben sich deshalb verpflichtet gefühlt, 
einen besonderen Brief an den Kultusminister zu richten. In dem 
Schreiben uird an erster Stelle auf die besonderen wissenschaft- 



lichen Qualitäten von K. hingewiesen. 



Zweitens 



'./ird betont, daß 



IV . 



un/rebülirlich lanr;e hcj,be warten müssen 



,.:uf 



eine Berufung, v/ahr- 



O J 



scheinlich wegen seiner politischen Haltung. Und drittens heißt 
es dann, daß nach Keinung der Eakultät die politisclien ^lußerungen 



von 



K. nicht gravierend sein könnten. 



Bann befindet sich in den Akten das Konzept eines Briefes des iCul- 
tusministers Becker an Stresemann. Dieses Konzept ist vielfach ge- 
ändert v/orden. Zunächst sollte es sclieinbar ein persönlicher Brief 
sein, dann ist er aber wohl doch als amitlicher Brief an Strese- 
mann abgegangen. Bern Konzept dieses Briefes beigelegt ist ein Zei- 
tungsausschnitt, nach dem, ein Kew Yorker Berichterstatter über 
Vorträge berichtet, die K. in Amerika gehalten hat. Kach dem Bericht 
des Journalisten soll K. auf die immer noch schv/ierige Lage in 
Deutschland hingewiesen haben. Besonders darauf, daß ja immier noch 
Besatzungstruppen in Deutschland stünden, aber schließlicji sei eine 
demokratische Besatzung immer noch besser als deutsche Tyrannen- 
herrschaf t . 



ist 



In den Akten findet sich dann die Antwort von Stresemann. Es 
ein kurzer dienstlicher Brief, in dem nur festgestellt v/ird, daß 
das Außenministerium keine Veranlassung sehe, zum Fall Kantorowicz 
Stellung zu nehmen, unterschrieben; Stresemann. 



Danach scheinen also die Bedenken ,;eQen die Berufung von K. nicht 
von Stresemann, sondern vom Preußischen Kultusmiinisterium ausgega^n- 
gen zu sein, was mich bei der Haltung der Universitäten dam.als auch 
gar nicht wundert« 

Soweit die Akten tind ich hoffe, Ihnen ein wenig damdt geholfen zu 
haben. 

luit besten Grüßen 




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Süddeutsche Zeitung Nr. 214 



Das politisclhe 




Ein Gutachten wider die Kriegsschuld-Propaganda 



HERMANN KANTOROWICZ: Gutachten zur 
Kriegsschuldfrage 1914. Aus dem Nachlaß heraus- 
gegeben und eingeleitet von Imanuel Geiß. Mit 
einem Geleitwort von Gustav W. Heinemann. 
Europäische V erlag sanstalt, Frankfurt a. M. 450 
Seiten, Leinen, 28 DM. 

Der Kampf gegen die „Kriegsschuldlüge" in 
der Zeit der Weimarer Republik ist und bleibt 
ein hervorstechendes Beispiel für die Verdrän- 
gung rationaler Überlegungen durch emotio- 
nale Momente im deutschen politischen Den- 
ken, in gewisser Hinsicht auch dafür, was wir 
heute Manipulation der öffentlichen Meinung 
nennen. Bezeichnend ist das Schicksal des um- 
fangreichen Gutachtens zur Kriegsschuldfrage, 
das Hermann Kantorowicz verfaßt hat und des- 
sen für das poUtische Klima der Zeit aufschluß- 
reiche Entstehungsgeschichte Imanuel Geiß im 
Vorwort behandelt. 

Bereits 1927 lag es dem Untersuchungsaus- 
schuß des Deutschen Reichstags vor, konnte 
aber erst jetzt wieder aufgefunden und veröf- 
fentlicht werden. Es ist in seinen Grundzügen, 
mit der Fülle des verwerteten Materials und 
seinen scharfsinnigen Analysen unverändert 
aktuell. Seine Ergebnisse sind durch die seithe- 
rige Forschung nur bestätigt worden. 

Kantorowicz war Jurist und sollte ein juristi- 
sches Gutachten abgeben. Dementsprechend 
sind Methode und Aufbau gehalten: an textkri- 
tische und rechtspolitische Untersuchungen 
schließen sich die beiden Hauptabschnitte „Fra- 
gestellung" und „Antwort" an. Damit ist eine 



klare Gliederung der weitschichtigen Materie 
erreicht. Kurz umrissen ist der Standpunkt von 
Kantorowicz der, daß — sofern man überhaupt 
von „Schuld" spreche und nicht einfach alles 
„Schicksal" nenne — nur eine normative Be- 
trachtungsweise angemessen sei, keine histori- 
sche, wie sie damals fast ausschließlich geübt 
wurde. 

Wie fruchtbar dieser Gesichtspunkt ist, kön- 
nen wir heute ermessen, wenn wir die Begriffs- 
verwirrung, die in den zwanziger Jahren in der 
„Kriegsschuldfrage" herrschte, gegen die Aus- 
führungen von Kantorowicz mit ihrer sorgfälti- 
gen Klärung der Begriffe halten. Auf Einzel- 
heiten einzugehen, würde hier zu weit führen. 
Eines nur muß noch erwähnt werden. Kantoro- 
wicz weist offen nicht nur auf die Widersprü- 
che in der deutschen Unschuldspropaganda hin 
— er nennt sie ein Stück Nachkriegspsychose — , 
sondern auch auf die innenpolitischen Folgen 
• dieser organisierten Agitation, durch die „die 
Gedanken, die Schichten, die Führer des vorre- 
volutionären Deutschland wieder zur Macht 
gelangt" seien. Noch schärfer spricht er 1930 
seine Überzeugung aus, „daß es sich bei der 
ganzen Schuldpropaganda um nichts als einen 
ungeheuren Volksbetrug handelt, der die mora- 
lische Mobilmachung zum nächsten Weltkrieg 
darstellt". 

Erkenntnisse wie diese standen freilich in 
schärfstem Gegensatz zur offiziellen deutschen 
Unschuldthese. Das Kriegsschuldreferat des 



Sympathienfür 



Auswärtigen Amtes war daher bemüht, eine 
Veröffentlichung des Gutachtens zu verzögern 
und schließlich ganz zu unterdrücken. Schwer 
zu begreifen ist, daß auch der Untersuchungs- 
ausschuß des Reichstages, dessen Tätigkeit ein- 
mal kritisch durchleuchtet werden müßte, die- 
selbe Linie einschlug. Im Fall Kantorowicz 
trägt er jedenfalls einen guten Teil der Verant- 
wortung dafür, daß das Gutachten, das viel- 
leicht doch eine politisch aufklärende Wirkung 
hätte haben können, nicht veröffentlicht wurde. 
Und diese Seite ist es, die uns gar nicht 
„historisch" berührt: die Unterdrückung einer 
mißliebigen Meinung. Bundesjustizminister 
Heinemann schreibt in seinem Geleitwort, daß 
das Schicksal des Gutachtens „einige beherzi- 
genswerte Lehren" enthalte: die Demokratie 
werde nicht geschwächt, sondern gestärkt, 
wenn sie ein Höchstmaß an freier und rationa- 
ler Diskussion nicht nur gestattet, sondern er- 
mögliche und ermutige. So gesehen seien Leben 
und Werk von Hermann Kantorowicz „auch 
heute noch ein Anruf, uns dem Risiko kritischer 
Selbstprüfung und der freien Diskussion in 
einer freien Gesellschaft offen zu stellen". 

Bernhard Knauss 

Lexikon über das Recht 

CARL CREIFELDS: Rechtswörterbuch. Unter Mit- 
arbeit von Hans Kauffmann, Hans Putzo, Heinz 
Ströer, Alfred Wagner, Dieter Guntz, Paul Henssler. 
C. H. Beck'sche V erlag sbüchhan^ung, München. 
1326 Seitejä^ Leinen, 48 DM. ^^^ 

Enzyklopädie 
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durchzusetzen, vvahres soziales ideal sei 





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Verteidigung und Anklage: 

Deutschland diskutiert die 
Freigabe der arabischen Mörder 

Von HORST FLÜGGE 



BONN. — Die deutsche Bundes- 
regierung, die im Augenblick der 
Flugzeugentführung und des ter- 
roristischen Erpressungsmanö- 
vers In Bonn unter Vorsitz von 
Bundeskanzler Brandt einen Kri- 
senstab gebildet hatte, blieb von 
Beginn an bei ihrer Überzeugung, 
dass die Erhaltung des Lebens 
der Geiseln jede der wenigen 
möglichen Entscheidungen be- 
stimmen müsse. Daran hielt sie 
fest, auch nachdem Israels Bot- 
schafter Ben Horin gegen die sich 
ankündigende Erfüllung der For- 
derung der beiden Araber inter- 
veniert hatte. Die israelische Re- 
gierung protestierte formell ge- 
gen die "deutsche Kapitulation", 
die dem Bemühen um internatio- 
nale Solidarität bei der Abwehr 
des palästinensischen Terrors 
schweren Schaden zugefügt ha- 
be. Der "Zentralrat der Juden in 
I>eutschland" war nicht zurück- 
haltender in seiner Kritik. Der 
Umgang mit Erpressern in einem 
Zustand der Panik lasse Schlim- 
mes für die Zukunft befürchten, 
erklärte er. 

Brandt blieb bei seiner Über- 
zeugung, dass es ohne Gefähr- 
dung der Geiseln nicht möglich 
gewesen wäre, der Erpressung 
nicht nachzugeben. Der Bundes- 
kanzler Hess die arabischen Staa- 
ten wissen, dass eine ernsthafte 
Gefährdung des Verhältnisses 
zur Bundesrepublik unvermeid- 
bar werde, wenn sie gegen die 
Bundesrepublik gerichtete Ter- 
rorakte der Palästinenser nicht 
unterbinden würden. 

CDU und CSU griffen die Hal- 
tung der Regierung im Wahl- 
kampf an und kritisierten mit 
Recht, dass nach dem Blutbad 
von Fürstenfeldbruck die Regie- 
rung: den Fehler beging, nicht 
voll die Kritik von Bundespräsi- 
dent Heinemann an den arabi- 
schen Regierungen zu überneh- 
men und sich jetzt nicht ent- 
schieden genug gegen die an der 
bisher letzten Erpressung betei- 
ligt gewesenen arabischen Regie- 
rungen gewandt habe. Die Bun- 
desre9;ieriing solle von Libyen die 



Auslieferung der drei Attentäter 
von München und eine Strafver- 
folgung der beiden Entführer ver- 
langen. Das war, nachdem die 
Attentäter aus den bayerischen 
Gefängnissen geholt und über- 
geben worden waren, nicht mehr 
möglich. Aber gegenüber Libyen, 
dessen Regierung auch noch eine 
Pressekonferenz der drei Atten- 
täter von München in Tripolis zu- 
liess. war Bonns Sprache 
schwächlich. 

Es ist sicher, dass die rasche 
Erfüllung der Forderung auf Frei- 
lassung der drei Mörder von 
München die Gefahr neuer Ter- 
rorakte eher vergrössert als ver- 
ringert hat. Bonn und München 
mussten seit dem September mit 
einem Anschlag, wie dem am 29. 
Oktober verübten, rechnen. Is- 
raels Kritik und Enttäuschung 
sind natürlich verständlich, aber 
da die Geiselnahme nicht in der 
Bundesrepublik erfolgte, war der 
Handlungsspielraum der Bundes- 
regierung und der bayerischen 
Landesregierung gering. 

Mit der Ausweisung der als Ge- 
fährdung der Sicherheit angese- 
henen Araber und mit dem Ver- 
bot der palästinensischen Orga- 
nisationen hat die Bundesrepu- 
blik versucht, die Gefahr einer 
neuen Erpressung zu verringern. 
Däss es keine hundertprozentige 
Sicherung gegen Erpressungen, 
wie die vom 29. Oktober, gibt, ha- 



ben auch schon Israel selbi^t, die 
Schweiz und England erleben 
müssen. 

Aber eine grössere als die bis- 
herige Sicherung, ein entschiede- 
neres Auftreten gegenüber den 
arabischen Staaten, die den Um- 
trieben der palästinensischen 
Terroristen kein Ende machen 
wollen und ein Boykott der Flug- 
häfen dieser Staaten wären mög- 
lich. Gewinnen Brandt. SPD und 
FDP die Wahlen vom 19. Novem- 
ber, dann werden sie gegenüber 
den die Terroristen direkt oder 
mittelbar unterstützenden arabi- 
schen Staaten härter und kon- 
kreter reagieren müssen, wenn 
die Regierung Brandt nicht in 
den Ruf kommen will, es gegen- 
über diesen Staaten an dem 
Selbstbewusstsein fehlen zu las- 
sen, das gegenüber allen anderen 
Staaten der Welt die Regierung 
Brandt auszeichnete. 

Bonn muss bereit sein, auch di- 
plomatische Rückschläge im Ver- 
hältnis zu den arabischen Regie- 
rungen in Kauf zu nehmen. Der 
sehr zweifelhafte Bericht über 
die Vorgänge bei dem Olympiade- 
Massaker in München und in 
Fürstenfeldbruck, der in Bonn 
nicht ausreichend diskutiert und 
nach seinen Konsequenzen unter- 
sucht worden ist, ging leider 
ebenso im Wahlkampfgetümmel 
unter, wie es in der Schlussphase 
des Wahlkampfes effektiven 
Massnahmen nicht dienlich sein 
kann, wenn diese Fragen, wie ge- 
schehen, nun in den Wahlkampf 
gezerrt wurden. Nach den Wah- 
len wird jetzt die kommende Re- 
gierung mehr und konkreteres 
tun müssen, als bisher. 



THEATER IN EUROPA 

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Udo Jürgens Theatererstling 
in Wien 

Weltpremiere des Musicals "Helden, Helden" 
im Theater an der Wien 



Heine-Ehrengabe 
an Hilde Domin 

Die seit ihrer Rückkehr aus d^r 
Emigration in Heidelberg leben- 
de Lyrikerin und Essayistin Hilde 
Domin erhält in diesem Jahr die 
1965 von der Heinrich-Heine-Ge- 
sellschaft Düsseldorf gestiftete 
Ehrengabe zum 175. Geburtstag 
Heinrich Heines. Der nicht do- 
tierte Literaturpreis soll laut Stit- 
tungsurkunde eine Persönlich- 
keit auszeichnen, die im Geiste 
Heines tätig gewesen ist. Die Eh- 
rengabe in Form einer Plakette 
war bisher nur einmal, und zwar 
an den Schriftsteller Max Brod, 
verliehen worden. 



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Wien rückte mit der Urauf- 
führung von Udo Jürgens Musi- 
cal "Helden, Helden" in das in- 
ternationale Blickfeld des Show- 
Theaters. Dem Staraufgebot auf 
der Bühne des "Theaters an der 
Wien" entsprach die Prominenz, 
die zur UNICEF-Gala — die Kar- 
ten kosteten das Dreifache der 
Normalpreise — im Zuschauer- 
raum Platz nahm. 200 Journali- 
sten aus der ganzen Welt waren 
angereist. Jürgens meinte schon 
im vorhinein: "Ich fühl mich gut, 
wir haben die Vorstellung bestens 
im Griff". Man hatte in den letz- 
ten Wochen zehn Stunden täg- 
lich geprobt, um dem Musical den 
besten Start zu geben. Es soll 
vier Monate auf dem Spielplan 
bleiben. 

Die Vorstellung lag griffig in 
der Hand des Regisseurs Rolf 
Kutschera und des Dirigenten 
Johannes Fehring, Beifallsstür- 
me lohnten die harte Arbeit. 
Doch den grössten Anteil am Er- 
folg hatte die Handlungs- und 
Dialoggrundlage des Stückes 
"Arms and the Man" von Bern- 
ard Shaw, im deutschen Sprach- 
bereich unter "Helden" bekannt. 
Das Buch für das Musical schrieb 
der Schweizer Hans Gmür, die 
Liedertexte verfassten Eckart 
Hachfeld, Walter Brandin und 



Professor Erich Kaufmann 
gestorben 



fc^ 



Der Senior der Professoren des 
öffentlichen Rechts und des Völ- 
kerrechts und ehemaliger Rechts- 
berater des deutschen Auswärti- 
gen Amtes, Professor Dr. Erich 
Kaufmann, starb im 93. Lebens- 
jahre in Karlsruhe; seine Beerdi- 
gung fand in aller Stille auf dem 
Friedhof in Saarn statt. Erich 
Kaufmann, scharfsinniger Jurist 
und glänzender Universitätsleh- 
rer, war infolge seiner völker- 
rechtlichen und staatsrechtli- 
chen Veröffentlichungen in der 
Fach- und politischen Welt eine 
umstrittene Persönlichkeit. 

Aus einer jüdischen Familie im 
pommerschen Demmin stam- 
mend, begann seine Universitäts- 
laufbahn noch im königlichen 
Preassen von Halle aus über Kiel, 
Königsberg, Bonn nach Berlin. 
Nach dem Ersten Weltkrieg 
.schockierte er seine Studenten 
durch bellizistische Auffassungen 
im Völkerrecht, die in krassem 
Gegensatz zu den friedensför- 
dernden Völkerrechtlern wie z.B. 
Quidde Schücking und Wehberg 
standen. Dennoch wurde er "aus 
rassischen Gründen" aus seiner 
Berliner Lehrtätigkeit und 
Schiedsrichtertätigkeit für das 
Auswärtige Amt in internationa- 
len Verfahren nach Hitlers 
"Machtergreifung" herausgetrie- 
ben. Das Auswärtige Amt zog ihn 
noch eine Weile zu, dann musste 
er in das Exil. Er überlebte die 
Besatzung in Holland teils wegen 
"privilegierter Mischehe", teils 
im Untergrund Nach dem Kriege 
wurde er in München wieder 
ordentlicher Professor. Als 
Rechtsberater des Bonner Aus- 
wärtigen Amtes nahm er an zahl- 
reichen wichtigen Verhandlun- 
gen teil und gelangte zu hohen 
Ehren während der Ära von Kon- 
rad Adenauer: Träger des Gros- 
sen Verdienstkreuzes mit Stern 
und Schulterband. Altkanzler des 
Ordens Pour le Merite für Wis- 
senschaft und Künste und akade- 
mische Ehren. 

Die Weltpresse schrieb über ein 
"Cannae seiner staatsrechtlichen 
Auffassung", als Kaufmann in 
Nürnberg im Wilhelmstrassepro- 
zess gegen Hitlers frühere Kabi- 
nettsmitglieder, von der Vertei- 
digung als Sachverständiger gela- 
den, eigenartige Verteidigungs- 
auffassungen vertrat. Er musste 
im Kreuzverhör biossgestellt wer- 
den, als er die Machtstellung von 



Hitlers Ministern und ihre Aus- 
plünderungsakte zu bagatellisie- 
ren versuchte und die absurde 
Meinung vertrat ein bestimmter 
Minister könne doch nur geringe 
Verantwortung gehabt haben, da 
seine Unterschrift unter einem 
anti -jüdischen Gesetz nur ver- 



Hans Gmür. 18 Chansons, Ensem- 
bles und Chöre zeigen deutliche 
Operettenspuren. Showstar Udo 
Jürgens hat nicht viele originelle 
Melodien zu bieten, doch sind sie 
alle reizvoll instrumentiert. Die 
nichtssagende Folklorechoreo- 
graphie von Todd Holender lang- 
weilte trotz bunter Kostüme 
(Maxi Tschunko>. 

Die Autoren haben den Stars 
zu danken, allen voran Michael 
Heitau, der unter lauter Pseudo- 
helden ganz offen den Antihel- 
den, den Schweizer Hauptmann 
Bluntschli spielt. Er hat sich in 
die serbische Armee verirrt, die 
gegen Bulgarien Krieg führt. Ga- 
briele Jacoby ist eine sensible, 
selbstsichere Raina; sie wechselt 
spielend vom Humor des Dialogs 
zur romantisierenden Lyrik ihrer 
Soll und Duette. Irmgard See- 
fried als Mutter Katharina kann 
ihre Opernlaufbahn nicht ver- 
leugnen und singt statt Oi>er 
Operette, aber mit Witz. Super- 
besetzung bot Peter Branoff als 
Major Paul Petkoff. Den Wider- 
ling Sergius Saranoff gab Louis 
Ries mit beachtlicher Charakteri- 
sierung. 

Die Aufführung hatte Schwung, 
gute Szeneneinfälle und straffe 
Struktur. Die Wiener Produktion 
ist ein grosser Erfolg; ob er auch 
anderswo zu erreichen Ist, lässt 
sich nicht prophezeien. 

Candida Kraus 



hältnismässig klein im Gesetz- 
blatt gedruckt sei. Trotzdem 
bleibt Kaufmann, der sich um 
die Bundesrepublik grosse Ver- 
dienste erworben hat, ein Gros- 
ser der deutschen Rechtslehre, 
wenn auch einer vergangenen 
Periode. 

Robert M. W. Kempner 






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Scientia 



HANS KELSEN 



(geb. 1881 in Prag, gest. 1973 in Berkeley, Calif.) Staatsrechtslehrer. 
1920-30 Richter am Österreichischen Verfassungsgericht schuf er 1920 die 
Verfassung der Republik Österreich. Außerdem lehrte er 30 Jahre lang in 
Wien, Köln, Genf, Prag, sowie nach der Emigration 1940 u.a. an der Harvard 
University und der University of California. 

Er ist der Begründer der „reinen Rechtslehre", die sich zum Ziel setzt, die 
Rechtswissenschaft von allen ideologischen, d.h. politischen, psychologischen 
und soziologischen Elementen zu befreien. Er ist einer der führenden Ver- 
treter des Rechtspositivismus. 



Kelsen's "pure theory of law" was first presented in his fundamental work, 
Hauptprobleme der Staatsrechtslehre (1911). Historically it has a certain re- 
lation to John Austin's "analytical jurisprudence", although Reisen became 
acquainted with Austin's work for the first time in 1940. The pure theory of 
law is a formal-logical analysis of the law, considered as a System of norms, 
based philosophically on the strict distinction between "is" and "ought". 
It is a normative and positive doctrine, opposed both to positivism, showmg 
the limitations of the positivistic approach, the whole legal order. His posi- 
tivism, is a formal analysis of the legal norm, of its elements and of the archi- 
tecture of the legal order. It reaches a climax in a grandiose vision of unity 
achieved in a pluralism of legal Orders through a supraordinated international 
law. 

Kelsen's concentration on the form of law recognizes the legitimacy of socio- 
logical investigations and the study of values in reference both to the contents 
and the making of law. Equally, his philosophical relativism of values is en- 
tircly compatible with his strong stand for democracy and the ideals of west- 
ern culture. (Encyclopedia Britannica) 



Wir stellen neu zur Subskription 
New^ subscription announcement 



HANS KELSEN 

THE COMMUNIST THEORY OF LAW 

Published under the auspices of the London Institute of World Affairs. 

Reprint of the edition London 1955. Aalen 1976. VIII, 203 S. Lwd. 
(The Library of world affairs, no. 26) ISBN 3.51 l.o9025.3. 

Subskriptionspreis bis 30. 6. 1976 
DM 40.- 

späterer Ladenpreis DM 48.- 
Erscheint Sommer 1976 / Publication in summer, 1976 



Inhalt: 

The Marx -Engels theory of State and law 

Lenin's theory of State and law 

Stuchka's theory of law 

Reisner's theory of law 

Pashukanis' theory of law 

The rejection of Pashukanis' theory 

Vyshinsky's theory of law 

Golunskii and Strogovich's theory of State and law 

Soviet theory of international law 

Conclusion. - Index 




T 



Prof. Hans Kelsen im 87. Lebensjahr 



HAUPTPROBLEME 
DER STAATSRECHTSLEHRE, 

ENTWICKELT AUS DER LEHRE VOM RECHTSSATZE 

Neudruck der 2. Auflage 1923. Aalen 1960. XXXVI, 709 S. Lwd. 

ISBN 3.511.00055.6. 

DM 90.- 



Das Werk enthält die erste Konzeption des Systems der reinen Rechtslehre^ 
Es wendet sich sowohl gegen die soziologische Betrachtungsweise, ^^^ - nach 
Kelsen - „sich des Rechtes wie eines Stückes naturgegebener Wirkhchkeit 
nach kausalwissenschaftlicher Methode bemächtigen will", als auch gegen die 
Naturrechtslehre, die „die Rechtstheorie aus dem Bereich positiver Rechts- 
sätze in den ethisch-politischer Postulate zieht". Das Werk geht von dem Ge- 
gensatz zwischen Sollen und Sein aus; es bemüht sich um die Aufhebung der 
DuaUsmen zwischen objektivem und subjektivem Recht und zwischen öffent- 
lichem und privatem Recht. Auch die Voraussetzungen für die spätere Lehre 
Kelsens von der Identität von Staat und Rechtsordnung als emes ideellen 
Systems gültiger Normen, sind in diesem Werk bereits ausführlich entwickelt, 
(öffentliche Verwaltung, 1967) 

t superfluo ricordare che quest' opera segnö nel 1911 la fondazione della 
teoria pura del diritto" come teoria del diritto positivo, che prese anche ü 
nome di „scuola viennese" dal Kelsen, che insegnava a Vienna e fu poi idea- 
tore della costituzione austriaca del 1920. (Nuova Rassegna, 1961) 

Inhalt: 

\. Na::;r^r;Nor^- ". S^se. u„d RecH„^ - 3^ Das V«H.Unis von 
kausaler teleologischer und normativer Betrachtung. Der Zweck m. Recht. 

II Die objektive Erscheinungsform des Rechtssaties 

Äbt. l Der wille im Recht. 4. Der psychologische Wille. - 5. Der Wdle un Pr.at- und 
Strafrecht. - 6. Der Wille des Staates. 

Abt II- Die logische Form des Rechtssatzes. 7. Der Rechtssatz im engeren Smne. (Der 
d^ Untertanen verpflichtende Rechtssat.). - 8. Der Rechtssatz m, engeren Smne 
iLiZZ). - 9 Der Rechtssatz im weiteren Sinne. (Der den Staat verpflrchtende 
Rechtssatz). - 10. Die Normentheorie Bindings und Thons. 

III Die subjektiven Erscheinungsformen des Rechtssatzes 
Äbt.° Di Rechtspflicht. 11. Moralpflicht und RechtspHicht. - 12. D- />-; - 
nunßtheorie - 13. Die Adresse der Rechtsnormen. - 1 4. D,e Lehre von der Selbst- 

eXh^Tg des Staates. - 15. Der GesetzgebungsprozeB. " >*^ «^^ ;;"^ 
Untertanenpflicht. - 17. Der Begriff des Staatsorganes. - 18. Die LeguUfve. 



19. Die Exekutive: Der Rechtsbegriff der Verwaltung. - 20. Die Persönlichkeit der 
Staatsorgane. - 21. Das Gesetz im materiellen und formellen Sinne; die Natur der 
organisatorischen Bestimmungen. 

Abt. II: Das subjektive Recht. 22. Die Interessentheorie. - 23. Die Willenstheorie. - 
24. Die Kombinationstheorie. - 25. Die Ableitung des subjektiven Rechtes aus dem 
Rechtssatze im engeren Sinne. - 26. Das subjektive öffentliche Recht. - 27. Ablei- 
tung des subjektiven Rechtes aus dem Rechtssatze im weiteren Sinne. - 28. Die ver- 
pflichtenden Rechte und berechtigenden Pflichten. - 29. Die Rechtsstellung des 
Wählers und des Monarchen. - 30. Organschaft und Stellvertretung. 



DER SOZIOLOGISCHE UND 
DER JURISTISCHE S T A A T S B E G R I F F 

KRITISCHE UNTERSUCHUNG DES VERHÄLTNISSES 
VON STAAT UND RECHT 

Neudruck der 2. Auflage von 1928. Aalen 1962. VIII, 253 S. Lwd. 

ISBN 3.511.00057.2. 

DM 30.- 



Der Grundgedanke des Werkes ist: „daß der Staat eine spezifisch normative 
Einheit und kein irgendwie kausalgesetzlich zu erfassendes Gebilde, daß er als 
Ordnung die Rechtsordnung, als überindividueller Wille die Personifikation 
dieser Rechtsordnung ist, und daß der übliche Dualismus von Staat und Recht 
eine unzulässige Verdoppelung des Gegenstandes juristisch-normativer Er- 
kenntnis darstellt". So die Vorrede des Verfassers, geschrieben 1927. Die Er- 
fahrungen danach haben aufgeschreckt: daß zwischen Staat und Recht zu un- 
terscheiden ist, sollte heute eigentlich kaum mehr strittig sein. Wie man aber 
auch zu dem „Positivisten" Kelsen stehen mag, - unzweifelhaft gehört er zu 
den bedeutendsten Rechtslehrern - seine konsequente Argumentation, seine 
scharfe Logik sind eine Herausforderung für jeden, der sich mit den grundle- 
genden Problemen von Staat und Recht beschäftigen will. So sehr wir heute 
gezwungen sind, für die handfesten Probleme der modernen Industriegesell- 
schaft ebenso konkrete Lösungen zu finden: die Lösungen sind - bewußt 
oder unbewußt - von Positionen beeinflußt, die Kelsen freilegt. Er zwingt zur 
kritischen Selbstprüfung. Und nicht zuletzt darum ist dieses Werk aktuell. 
(Der Arbeitgeber, Düsseldorf, 1963) 



t 



ÖSTERREICHISCHES STAATSRECHT 

EIN GRUNDRISS, ENTWICKLUNGSGESCHICHTLICH DARGESTELLT 

Unveränderter Neudruck der Ausgabe 1923. Aalen 1970. VIII, 256 S. Plastik. 

ISBN 3.511.OO707.0. 

DM 53.- 

„Da nicht eine politische Geschichte Österreichs, sondern nur der Wandel der das 
sogenannte Staatsrecht, das heißt: die Verfassung bildenden Normen geboten wer- 
den soUte, mußte - trotz der Innigkeit des Zusammenhanges des einen mit dem andern 
- dennoch alles, was nicht zum Inhalt der die Verfassung bestimmenden Rechtssätze ge- 
worden, wenigstens grundsätzlich fortbleiben. Dabei ist die DarsteUung eine streng quel- 
lenmäßige; auch der Wortlaut der Quellen womöglich beibehalten." 

„Diese Schrift ist vornehmlich als Lehr- und Lernbehelf gedacht. Möglichste Kürze war 
daher . . . geboten. Nichtsdestoweniger konnten gewisse Wiederholungen nicht vermie- 
den werden; vor allem, um die Entwicklung einer und derselben in verschiedenen histo- 
rischen Schichten auftretenden Verfassungsinstitution deutlich zu machen. Diesem^ 
Zwecke dienen auch die zahlreichen Verweisungen und das ausfuhrliche Sachregister." 
(Aus dem Vorwort) 

Inhalt: 

Teill: Das Staatsrecht der österreichischen Monarchie 

I. Von der März-Revolution 1848 bis zum Oktober-Diplom 1860 

II. Vom Oktober-Diplom 1860 bis zur Dezember-Verfassung 1867 

III. Von der Dezember- Verfassung 1867 bis zur November-Revolution 1918 

Die Gesetzgebung. - Die Vollziehung. - Die Grund- und Freiheitsrechte. - Die 
Rechtskontrolle der Verwaltung. - Das Verhältnis zwischen Österreich und Un- 
garn 
Teil 2: Das Staatsrecht der österreichischen Republik 
Die provisorische Verfassung 
I. Die Revolution im November 1918 

II. Die Verfassung vom 30. Oktober 1918 

III. Die Verfassungsnovelle vom 19. Dezember 1918 

IV. Die konstituierende Nationalversammlung 

V. Die Verfassung vom 14. März 1919 

VI. Der Staatsvertrag von St. Germain vom 1 0. September 1919 
Die Bundesverfassung 
1. Das Ende der konstituierenden Nationalversammlung 
II. Die Entstehung der Bundcsverfassung 

III. Das Bundes-Verfassungsgcsetz 

A. Systematik und aligcmeine Bestimmungen. - B. Die Gesetzgebung des Bun- 
des. - C. Die VoUzielmng des Bundes. - D. Die Gesetzgebung und Vollziehung 
der Länder. - E. Die Rechnungskontrolle des Bundes. - F. Die Rechtskontrolle 
des Bundes über Gesetzgebung und Vollziehung. - G. Als Verfassungsgesetze 
qualifizierte ältere Normen. - H. Übergangsbestimmungen 

IV. Der Staatsvertrag von Genf vom 4. Oktober 1922 
V. Die Landesverfassungen 

VI. Die Zukunft der österreichischen Verfassung 



DER STAAT ALS INTEGRATION 

UNRECHT UND UNRECHTSFOLGE 
IM VÖLKERRECHT 

RECHTSGESCHICHTE GEGEN 
RECHTSPHILOSOPHIE? 

Neudruckausgabe dieser 3 Schriften in einem Band. Aalen 197 L Zus. 253 S. 

Plastik. ISBN 3.51 1.OO708.9. 

DM 50.- 

Mit Lizenz des Springer -Verlags, Wien 



Die erste und dritte dieser zu einem Band zusammengefaßten Schriften (was 
mehr aus praktisch-wirtschaftlichen als aus thematischen Gründen erfolgte) 
sind Streitschriften. Die zweite soll der Rechtsfortbildung im Völkerrecht 
dienen. 

Der Staat als Integration. Wien 1930. 91 S. 

Hier setzt sich Kclscn .nit Kudolf Smcnds Integrationsichre auseinander. 
In der Vorhcmerkung schreibt er: 

„Ein Schlagwort ist in der deutschen Staatslehre aufgetaucht, um das sich 
eine (Iruppe von Schriftstellern gesannuclt hat, die mit großem Eiter das Ende 
einer alten und den Anfang einer neuen Wissenschaft vom Staate verkünden 
Es lautet: Integration. I'in c;elehrter von Namen. Professor Rudolf 
Smend, ist der l;dmrntr;iger der neuen Schule. In seiner Schrift: ..Vertassung 
und Verfassungsirc l.t" (Mim« hen l').>.H) hat er /war noch nicht die neue Leh- 
re als Sy.stem, al.et dod. das Piugtan.m einer künftig /u entwickelnden Inte- 
grationstheorir dargrstrlll. Diese will das P.ohlem des Staates und alle seme 
Probleme dadni.h h'.sen. daß sie den Staat .ds emen spezifisch sozialen Pro- 
zeß crkeimt. den sie als „Integialioii" be/eii hnet .'* 

„Wenn meine An.dy.r Art Smrnds« hen S(.,atslehie odei . besser, dieses Pro 
gr.mms einer Staat^lrl.ir einen im Veihaltnis /u dei kiitisierten Schritt 
so großen Umbnig angmonmirn Im( . so mag »las seine Rechtlertigung nicht 
nur in «Irt Uatkrn Wiiknng iMbrn. «len die Integialionstheiuie im Krei.se der 
Fa« ligenossen ausgelöst hat." 

..Dn.l s.hlirßli(h: da Smrnd srme leine ode. do« h »hte (oundlage in polemi- 
schem (;rgrns«t/ /i. 'Ut mriiun rnlwhkell. bin ich gem^tigt. diese gegen »hn 



8 



zu verteidigen. Ich benütze die Gelegenheit, den einen oder anderen Punkt 
meines Systems zu klären, um ihn gegen künftige Mißverständnisse zu schüt- 



zen. 



Rechtsgeschichte gegen Rechtsphilosophie? Eine Erwiderung. 
Wien 1928. 31 S. 

Richtet sich in scharfer Form gegen das Werk von Ernst Schwind: Grund- 
lagen und Grundfragen des Rechtes, 1928"'. Schwind polemisiert gegen die 
Reine Rechtslehre als „wirklichkeitsfremde Phantasterei" und bestreitet ihren 
Anspruch, als wissenschaftlich genommen zu werden. 



Unrecht und Unrechtsfolge im Völkerrecht. 

Sonderabdruck aus der Zeitschrift für öffentliches Recht, Band 12, 

1932. 128 S. 

„Die Lehre vom sogenannten völkerrechtlichen Delikt, d.i. die Lehre von der 
Rechtswidrigkeit oder dem Unrechtstatbestand im Völkerrecht, kann befrie- 
digend nur dargesteUt werden im engsten Zusammenhang mit dem Problem 
der Rechtswidrigkeit oder des Unrechts überhaupt, so wie es sich einer allge- 
meinen Rechtslehre darbietet. Denn dasjenige, was man als Völkerrechtsdelikt 
zu bezeichnen pflegt, ist nur ein besonderer Fall der Rechtswidrigkeit. Meh- 
rere hier auftauchende Fragen sind gar nicht solche des Völkerrechts, sondern 
einer allgemeinen Rechtslehre; und die Besonderheiten, die sich im Völker- 
recht ergeben, sind nur richtig zu verstehen, wenn man sie ständig mit der 
Problematik einer allgemeinen Rechtslehre in Verbindung hält." 

Inhalt: 

I. Der Unrechtstatbestand 

1. Unrecht und Unrechtsfolge nach allgemeiner Rechtslehre. - 2. Das Un- 
recht juristischer Personen. - 3. Das Subjekt des völkerrechtlichen Unrechts- 
tatbestandes. - 4. Das Objekt des Unrechts; Subjekt und Objekt der Un- 
rechtsfolge. - 5. Pflicht und Haftung des Staates. - 6. Die Typisierung der 
Unrechtstatbestände. - 7. Schuld- oder Erfolgshaftung. - 8. Die Wiedergut- 
machungspflicht. 
IL Die Unrechtsfolgen 
1. Allgemeine Charakterisierung. - 2. Die Repressalie. - 3. Der Krieg. 



+ Auch dieses Werk wird in unserem Verlag als Neudruck erscheinen: 

Subskriptionspreis bis zum Erschemen DM 30.-, Ladenpreis danach DM 35.-. 



ÜBER GRENZEN 

ZWISCHEN JURISTISCHER UND 

SOZIOLOGISCHER METHODE 

VORTRAG 

Neudruck der Ausgabe 1911. Aalen 1970. 111,64 S. Kart. 

ISBN 3.511.OO709.7. 

DM 13.- 



Diese Abhandlung ist die etwas erweiterte Wiedergabe eines Vortrags, den der 
Verfasser 1911 in der Soziologischen Gesellschaft zu Wien gehalten hat. Sie 
ist zum großen Teil aus verschiedenen Partien der „Hauptprobleme der Staats- 
rechtslehre" entnommen. 



DAS PROBLEM DER SOUVERÄNITÄT 

UND DIE THEORIE 
DES VÖLKERRECHTS 

BEITRAG ZU EINER REINEN RECHTSLEHRE 

Neudruck der 2. Auflage 1928. Aalen 1960. XII, 320 S. Lwd. 

ISBN 3.511.00056.4. 

DM 32.- 



Dieses kurz nach dem 1. Weltkrieg geschriebene Werk zerfällt wie sich 
schon aus dem Titel ergibt - in zwei Teile. Gegenstand des ersten ist die 
staatsrechtliche Souveränitätstheorie. Hier befaßt sich der Autor mit dem 
Begriff und Wesen der Souveränität als wesentlichem Merkmal jeden Staates 
und mit dem Verhähnis staatlicher Souveränität zur Posivität des Rechtes. 
Der zweite umfangreiche Teil behandelt das eigentliche Thema des Buches, 
nämlich das der Stellung der Völkerrechtstheoric zum Souveränitätsdogma. 
Hier wird das Verhältnis der beiden Normensysteme zueinander untersucht 
sowie die vielfachen sich daraus ergebenden Probleme erörtert. Pie Schluß- 
kapitel sind vornehmlich der Frage nach dem Primat eines der beiden Rechts- 
systeme gewidtnet. 



10 



VOM WESEN UND WERT 
DER DEMOKRATIE 

Neudruck der 2. Auflage 1929. Aalen 1963. VII,119S. Kart. 

ISBN 3.511.OOO58.0. 

DM 15.- 

Diese kleine Schrift gehört schon seit langem zu den klassischen Abhandlun- 
gen über Demokratie. Obwohl während der Weimarer Republik verfaßt, hat 
sie nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. 

Die Demokratie wird im Spannungsfeld der Kräfte von links (Bolschewismus) 
und rechts (Faschismus) gesehen und gewürdigt. Freiheit und Gleichheit, die 
Volkssouveränität, das Parlament und die Reform des Parlamentarismus, das 
Majoritätsprinzip, die Verwaltung, die bürgerliche (formale) und die proleta- 
rische (soziale) Demokratie - all diese Institutionen werden als Grundbegriffe 
und Probleme einer demokratischen Staatslehre behandelt. Unvermindert gül- 
tig sind auch die Ausführungen über das unzeitgemäße Privileg der Immuni- 
tät. 

Kelsen bekennt sich hier zur Demokratie als dem auf Relativismus und Positi- 
vismus gegründeten politischen System. (Bücherei und Bildung) 



WILHELM JÖCKEL 

HANS KELSENS 
RECHTSTHEORETISCHE METHODE 

DARSTELLUNG UND KRITIK IHRER GRUNDLAGEN 
UND HAUPTSÄCHLICHSTEN ERGEBNISSE 

Neudruck der Ausgabe 1930. Vin,214S. Geb. 

Subskriptionspreis bis zum Erscheinen 
DM 49.- 

Ladenpreis danach DM 58.— 



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Verlag und Antiquariat Kurt Schilling 

Postfach 1660 Haldenweg 10 • Telefon (0 73 61) 4 17 00 

708 AALEN 

Germany E 58 / febr. 1976 



Rudolf Aladär Metall 



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HANS KELSEN 

Leben und Werk 



19 69 



VERLAG FRANZ DEUTICKE WIEN 



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Von parteipolitischen Bindungen jeglicher Art hielt sich Kelsen je- 
doch fern und hat sich daher auch niemals der Sozialdemokratischen 
Partei angeschlossen, nicht nur weil er die politische Theorie des Marxis- 
mus ablehnte, sondern auch weil seiner Ansicht nach ein akademischer 
Lehrer und Forscher auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften sich kei- 
ner politischen Partei anschließen soll, da Parteizugehörigkeit die wissen- 
schaftliche Unabhängigkeit gefährdet oder beschränkt. 

Mit dem demokratischen Programm der österreichischen Sozial- 
demokratie, das zwar grundsätzlich auf dem Boden des Marxismus stand, 
praktisch aber nichts mit der im Anarchismus gipfelnden Staatstheorie 
von Marx und Engels zu tun hatte, war Kelsen in Übereinstimmung. 
Mit dem ökonomischen Programm der Nationalisierung der Wirtschaft 
hingegen konnte Kelsen als Individualist sich ursprünglich nicht abfin- 
den. Später, besonders unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Er- 
schütterungen, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit mit sich 
gebracht und auch seine in Kriegsanleihen angelegten Ersparnisse zu- 
nichte gemacht hatten, wurde er allerdings mehr und mehr cjeneist anzu- 
erkennen, daß das System des ökonomischen Liberalismus keine Garan- 
tie für die wirtschaftliche Sicherheit der Masse der Besitzlosen bildet und 
daß wirtschaftliche Sicherheit unter den gegebenen Umständen nur 
durch Planwirtschaft, also letzten Endes nur durch eine Nationalisierung 
der Produktion erzielt werden kann. Dabei blieb sich Kelsen der Schwie- 
rigkeit, die Nationalisierung der Produktion mit der politischen Freiheit 
des Individuums zu verbinden, wohl bewußt, war aber objektiv genug 
anzuerkennen, daß wirtschafthche Sicherheit für die große Masse wich- 
tiger ist als intellektuelle Freiheit. Kelsen fühlte sich nicht berechtigt, 
politisch aktiv für die Aufrechterhaltung eines Wirtschaftssystems ein- 
zutreten, in welchem er selbst und seinesgleichen sich wohl befinden, 
und gegen ein anderes Wirtschaftssystem aufzutreten, von dem er an- 
nehmen durfte, daß es im Interesse der großen Masse liegt. Ob er, als 
Nutznießer des Systems der freien Wirtschaft, es nun wünschen mag 
oder nicht - der Planwirtschaft schien ihm die Zukunft zu gehören. Er 
stand und steht daher einer sozialistischen und zugleich demokratischen 
Partei persönüch mit Sympathie gegenüber und hat daraus nie ein Hehl 
gemacht. Dazu bekennt er in seiner Autobiographie: 

„Stärker als diese Sympathie war und ist mein Bedürfnis 
nach parteipolitischer Unabhängigkeit in meinem Beruf. Was ich 
dem Staat nicht zubillige: das Recht, die Freiheit der Forschung und 
Meinungsäußerung zu beschränken, kann ich auch einer politischen 
Partei, durch freiwillige Unterwerfung unter ihre Disziplin, nicht ein- 



räumen. 



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33 



Die persönlichen Beziehungen zu sozialdemokratischen intellektuellen 
Kreisen dürften es mit sich gebracht haben, daß Kelsen, nachdem er 
Ende Oktober 1918 den Militärdienst verlassen und seine akademische 
Tätigkeit wieder aufgenommen hatte, von Dr. Karl Renner, dem Staats- 
kanzler der provisorischen deutsch-österreichischen Regierung, in sein 
Amt, die Staatskanzlei, berufen und beauftragt wurde, an der Vorberei- 
tung der definitiven Verfassung der Republik mitzuarbeiten. Kelsen 
hatte schon im Novem.ber und Dezember 1918, wohl in Erinnerung an 
seine Arbeiten aus den Jahren 1906 und 1907 über Wahlrechtsprobleme, 
einige kleine, in den damaligen politischen Kreisen Wiens viel beachtete 
Artikel über Fragen der Proporzwahl in der sozialdemokratischen „Ar- 
beiter-Zeitung" und in der bürgerlichen „Neuen Freien Presse" veröf- 
fentlicht und in dieser Zeitung auch zur Verfassungsnovelle vom Dezem- 
ber 1918 Stellung genommen. Mit einem Vorwort von Karl Renner er- 
schien 1919 eine von Kelsen kommentierte Textausgabe der Verfassungs- 
gesetzc der Republik Deutschösterreich, wobei sich Kelsen kritische Be- 
merkungen über die Gesetzestechnik der provisorischen Verfassung nicht 
versagte, was für die spätere rechtstcchnischc Gestaltung der definitiven 
Bundesverfassung von Bedeutung wurde. Größere Abhandlungen wid- 
mete Kelsen in seiner neubenannten „Zeitschrift für öttcntliches Recht" 
der Organisation der vollziehenden „Gewalt" und der Stellung der Län- 
der in der provisorischen Verfassung, welche von Karl Renner selbst ent- 
worfen worden war und die sich bald als ergänzungsbedürftig erwiesen 
hatte. An dieser „provisorischen" Verfassung hatte Kelsen nur gelegent- 
lich mitgewirkt, und es beruht demnach auf einem Irrtum, wenn später 
behauptet wurde, Kelsen hätte das sogenannte „Habsburger-Gesetz" 
und das Gesetz über die Aufhebung des Adels vom 3. April 1919 verfaßt 
oder auch nur beeinflußt. Seine Hauptaufgabe in der Staatskanzlci be- 
stand vielmehr in der rechtstechnischen Ausarbeitung der definitiven 
Verfassung. 

Da Staatskanzler Dr. Karl Renner mit den Friedensverhandlungen 
in St. Germain und mit den schwierigen Wirtschaftsproblemen, auf den 
„Trümmern des Reiches . . . ein Volk von zehn Millionen Menschen zu 
regieren", wie Renner im Geleitwort zu der erwähnten Textausgabe 
selbst sagte, vollauf beschäftigt war, kc^nnte er sich nur wenig um die 
Verfassungsfragen kümmern und beschränkte sich darauf, Kelsen die 
wesentlichen polnischen Direktiven zu geben. So schrieb er ihm nur 
zwei politische Grundprinzipien als Richtlinien vor, nämlich parlamen- 
tarische Demokratie und eine der C}licderung Österreichs in autonome 
Länder entsprechende, aber die Kompetenzen der Zentralregierung 
nicht zu sehr einschränkende Dezentralisation. Dabei sollte auch die in Vor- 






34 



bcreitung befindliche Weimarer Reichsverfassung, soweit dies tunUch 
war, als Vorbild benützt werden, was jedoch nur in einem sehr geringen 
Maß möglich war. Renner hatte nämlich in der Lösung der Präsident- 
schaftsfrage einen weitaus demokratischeren Standpunkt eingenommen 
als die Weimarer Verfassung, und überdies kam deren charakteristisch- 
ster Teil - die Regelung der Grundrechte - aus den noch zu erwähnenden 
Gründen für Österreich damals nicht in Frage. 

Kelsens eigene Tendenz war, die ihm gegebenen politischen Prinzi- 
pien in einer rechtstechnisch mögHchst einwandfreien Weise zu kodifi- 
zieren und dabei wirksame Garantien für die Verfassungsmäßigkeit der 
Staatsfunktionen einzubauen. Als den juristischen Kern der Verfassung 
betrachtete Kelsen den Abschnitt über die Garantien der Verfassung 
und Verwaltung, wobei er an Institutionen der alten Monarchie, an das 
Reichsgericht und an den Verwaltungsgcrichtshof, anknüpfen konnte. 
Dieser konnte mit unwesenthchen Änderungen in die neue Bundcsver- 
fassung übernommen werden; das Reichsgericht aber wurde durch Kel- 
sen zu einem echten Verfassungsgerichtshof, dem ersten dieser Art in 
der Geschichte des Verfassungsrechts, umgestaltet. 

Kelsen arbeitete mehrere Hntwürfe aus, um verschiedenen politi- 
schen Möglichkeiten Rechnung tragen zu können. In der Staatskanzlei 
gab es eine Verfassungsabteilung unter der Leitung des damaligen Sek- 
tionsrates, dann Ministerialrates der Staatskanzlei und spateren \'i/.c- 
prasidenten des Verfassungsgerichtshofes Dr. Cieorg l^-öhlich, und eine 
Abteilung für Verwaltungsreform imter der Leitung des späteren Senats- 
prasidenten am Verwaltungsgerichtshof Dr. l'gbert .Mannlicher. Heide 
Abteikmgen standen zu Kelsens X'erfugung und h:\bcn ihm bei seiner 
Arbeil sehr geholfen. In bezug auf die recb.tstechnische Seite seiner l-.ni- 
wurfe aber war Kelsen volhg freie Hand gelassen. 

In der damaligen Koalitionsregierung unter dem X'orsitz Dr. Karl 
Renners war als Siaalssekret;ir der chrislliehsoziale .\bgeordnete Dr. 
Michael .Wavr mit der polilisehen WM-bereilnng der X'erlassung betraut. 
Dieser war Professor der (lesehiehle an der rni\ersitat Innsbruck ge- 
wesen und halle als solcher kein Inieresse an spezifisch iurisiischen Pro- 
blemen, so dal.^ auch von dieser Seite Kelsen frei walten konnte. .Ms .Mit- 
glied der Christlichso/ialen Partei betrachtete .Wayr es als seine Haupt- 
aufgabe, seiner Partei uiuTwünschte Hestinuuungen aus dem Text der 
Verfassung fernzuhalten; ihn interessierten daher hauptsächlich die Ira- 
gen des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche und zwischen Kirche 
und Schule. Auf Mayrs banllul.^ führte Kelsen es zurück, dal.^ das alte 
Slaatsgrundgesetz von IS67 über die allgemeinen Rechte der Staatsbur- 
ger, das schon in der Monarchie diese 1 'ragen geregelt hatte, von der 



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Republik unverändert rezipiert wurde, so daß der von Kelsen als Be- 
standteil der neuen Verfassung ausgearbeitete Entwurf von Grund- und 
Freiheitsrechten nicht mehr in Frage kam. Kelsen bedauerte dies aber 
keineswegs, da das alte Staatsgrundgesetz durchaus nicht das schlechteste 
Produkt des politischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts war, dessen 
Einfluß auf ihn noch nachwirkte. 

Als aber die „verfassunggebende" Nationalversammlung fast am Par- 
teienstreit und an den zentrifugalen Tendenzen der Länder in ihrer 
Hauptaufgabe zu scheitern drohte, wurde am U. Juli 1920 ein Sachver- 
ständigenausschuß, bestehend aus Staatssekretär Dr. Mayr, Kelsen, Mi- 
nisterialrat Dr. Fröhlich und Sektionsrat Dr. Mannlicher, eingesetzt, 
der einen der von Kelsen ausgearbeiteten Entwürfe mit verhältnismäßig 
unwesentlichen Änderungen annahm. Im Verfassungsausschuß, dessen 
Vorsitzender Dr. Ignaz Seipel war, wurde der Bericht des Sachverstän- 
digenausschusses am 24. September, in der Nationalversammlung am 
26. September 1920 verabschiedet, da sich die Parteien schließlich auf 
eine politische Kompromißformel geeinigt hatten. So konnte denn am 
1 . Oktober 1920 das Bundcs-Verfassungsgesetz, die definitive Verfassung 
der Republik Österreich, vcrlautbart werden, über deren Vorgeschichte 
Kelsen selbst in seinem 1922 erschienenen Kommentar ausführlich be- 
richten konnte. 

Staatskanzler Dr. Renner hatte den Wunsch geäußert, dem Text der 
Verfassungsurkunde eine Art resümierenden Auszuges ihrer wesentlichen 
Charakteristika voranzustellen, weil seiner Meinung nach außer einigen 
Fachgelehrten niemand im Volk die ganze Verfassung lesen und kennen 
würde. Aber Kelsen verwies mit Recht darauf, daß eine derartige Präam- 
bel in ein Lehrbuch, nicht aber in die \'erfassung selbst gehört, und hat 
an Stelle eines Vorspruches in den ersten Artikel der Verfassungsurkun- 
de, die Österreich als demokratische Republik proklamiert, die \\ orte 
aufgenommen „Ihr Recht geht vom Volk aus", womit auch mit der übU- 
chen Cicwaltenterminologie radikal gebrochen wurde. 

Der Abschnitt aber, an dem Kelsen am meisten gelegen war und den 
er mit Stolz als sein persönliches Werk betrachtete, nämlich die Ver- 
fassungsgerichtsbarkeit, hatte in den parlamentarischen Verhandlungen 
überhaupt keine Änderung erfahren. In der Verwirklichung des Prinzips 
des Rechtsstaates, also des Prinzips der Verfassungsmäßigkeit der Ge- 
setzgebung und der Gesetzmäßigkeit der Vollziehung (Justiz und Ver- 
waltung) sah Kelsen die wirksamste Garantie der Verfassung und das 
charakteristischste Merkmal der österreichischen Bundesverfassung. 

Daß diese Verfassung sich bewährt hat, dafür spricht eindeutig die 
Tatsache, daß sie nach Überwindung des ständestaatlichen Intermezzos 

36 



von 1934 und nach der Befreiung Österreichs von der nationalsozialisti- 
schen deutschen Herrschaft als Rechtsgrundlage des freien und demo- 
kratischen Österreich 1945 wieder in Geltung gesetzt wurde. Daß aber 
Kelsen selbst zehn Jahre nach Annahme seines Werkes, als welches die 
Bundesverfassung gelten darf, infoige seiner Tätigkeit an dem von ihm 
konzipierten Verfassungsgerichtshof Wien verleidet werden und er ver- 
bittert seine Heimat würde verlassen müssen, konnte er freihch nicht 
ahnen. 

1919 war Eduard Bernatzik plötzlich an einem Herzschlag gestorben. 
Auf Antrag Adolf Menzels, des zweiten Ordinarius für Staats- und Ver- 
waltungsrecht an der Wiener Universität, schlug die Fakultät Kelsen 
primo loco zum Nachfolger vor. Über seine Aussicht, auch tatsächlich 
ernannt zu werden, war der immer schon pessimistisch veranlagte Kelsen 
allerdings skeptisch. Secundo loco war ein anderer außerordenthcher 
Professor vorgeschlagen, der sich ungeachtet seines Adelsprädika- 
tes vor nicht allzu langer Zeit der Sozialdemokratischen Partei ange- 
schlossen hatte, was Kelsen, wie bereits erwähnt, zu tun stets abgelehnt 
hatte. Die Leitung des Unterrichtsministeriums lag aber damals in den 
Händen des sozialdemokratischen Vertreters in der Regierung, bei 
Staatssekretär Otto Glöckel. Nach Kelsens Meinung war somit kaum zu 
erwarten, daß Glöckel, der die Ernennung vorzunehmen hatte, die Ob- 
jektivität aufbringen würde, einem parteifremden Kandidaten den Vor- 
zug zu geben. Dazu kam aber noch ein anderer Umstand : Bald nach Er- 
stattung des Fakultätsvorschlages wurde eine Versammlung der Profes- 
soren der Wiener Universität einberufen, um die Frage zu entscheiden, 
ob die Universität als ein „Betrieb" zu betrachten sei und bejahenden- 
falls an den Wahlen zum lokalen Arbeiterrat teilnehmen solle, wobei in 
dem Wahlstatut ein Bekenntnis zum xVIarxismus oder eine ähnliche For- 
mel als Bedingung vorgesehen war. Kelsen war entschieden gegen eine 
Beteiligung an der Wahl, wollte aber, um seine Ernennungsaussichten 
nicht noch weiter zu verschlechtern, an der Diskussion nicht teilnehmen. 
Als nun in der Versammlung sein Kollege, der ernstlich als Bernatziks 
Nachfolger in Betracht kommen konnte, sich für die BeteiUgung der 
Universität an den Arbeiterratswahlen aussprach, obgleich er bis vor 
kurzem sich alles eher denn als marxistisch gegeben hatte, geriet Kelsen, 
der bisweilen temperamentvolle Aufwallungen hatte, in Harnisch, ver- 
langte das Wort und wies darauf hin, daß die Verfassung der Arbeiter- 
räte mit dem Grundsatz der Freiheit der Wissenschaft unvereinbar sei; 
er erinnerte auch daran, daß die Wiener Universität vor nicht allzu lan- 
ger Zeit dem Erzherzog Friedrich in sehr unterwürfiger Weise ein Ehren- 
doktorat verliehen hatte und daß dieser Akt dynastischer Ergebenheit 



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LITERATUR UND KUNST 



Sonntag, 18. November 1973 Nr. 536 (Fernausgabe Nr. 315) 51 



Hans Kelsen und die «Reine Rechtslehre» 



Von Walter Ott 



An keiner modernen Rechtstheorie scheiden 
sich die Geister so deutlich wie an der «Reinen 
Rechtslehre» Hans Kelsens, Während die einen 
ihre Bedeutung' für die Jurisprudenz mit der- 
jenigen von Einsteins Relativitätstheorie für die 
Physik vergleichen, verdammen sie die andern als 
eine destruktive Lehre, die infolge der Formalisie- 
rung ihrer Begriffe dem politischen Mißbrauch Tür 
und Tor öffne. Kein Jurist des 20. Jahrhunderts 
hat einen so weltweiten Einfluß ausgeübt wie Kel- 
sen (seine Werke erschienen in 24 Sprachen), und 
keiner hat so viel Kritik einstecken müssen wie 
er. — Worum geht es also in der «Reinen Rechts- 
^lehre», und was ist von ihr zu halten? 

DAS POSTULAT DER REINHEIT 

Die «Reine Rechtslehre» will eine Theorie des 
positiven Rechts sein, und zwar des positiven 
Rechts schlechthin, nicht einer speziellen Rechts- 
ordnung. Die «Positivität» des Rechts besteht für 
Kelsen darin, daß es einerseits durch in bestimm- 
ter Weise qualifizierte menschliche Akte gesetzt 
und anderseits in einem gewissen Grade wirksam 
sein muß. Als Theorie will die «Reine Rechts- 
lehre» ihren Gegenstand erkennen, das heißt die 
Frage beantworten, was Recht ist, nicht aber, was 
es sein soll. Das Postulat der Reinheit bedeutet 
die Eliminderung aller «unjuristischen» Betrach- 
tungsweisen und Methoden (insbesondere Psycho- 
logie, Soziologie, Ethik und politische Theorie) 
aus der Rechtswissenschaft. 

SEIN UND SOLLEN 

Die spezifisch juristische Erkenntnis ist nach 
Kelsen auf die Erkenntnis von Rechtsnormen 
gerichtet. Eine Norm besteht nun nicht in Raum 
und Zeit, sondern sie ist der Sinn eines in Raum 
und Zeit gegebenen Willensaktes. Die Norm sagt 
aus, daß etwas sein oder geschehen, insbesondere, 
daß sich ein Mensch in bestimmter Weise ver- 
halten soll. Die Norm ist also ein «Sollen», der 
Willensakt, durch den sie gesetzt wird und dessen 
Sinti sie darstellt, ein «Sein». 

Kelsen betont mit dem Neukantianismus in 
aller Schärfe den Gegensatz von Sein und Sollen: 
Die Aussage, daß etwas ist, sei wesentlich ver- 
schieden von der Aussage, daß etwas sein soll. 
Daraus, daß etwas ist, kann nicht folgen, daß 
etwas sein soll; und daraus, daß etwas sein soll, 
kann nicht folgen, daß etwas ist. Die Unwider- 
legbarkeit dieser Basisthese der «Reinen Rechts- 
lehre» hat in neuerer Zeit Klug mit den Mitteln 
der Klassenlogik nachgewiesen. 

GELTUNG UND WIRKSAMKEIT 

Die spezifische Existenz einer Norm ist nun 
ihre «Geltung». Diese Geltung ist nach Kelsen 



weist, indem gegen die Mitglieder der Bande 
Sanktionen durchgesetzt werden können. Sobald 
aber die Zwangsordnung der Räuberbande inner- 
halb eines bestimmten Gebietes so wirksam ist, 
daß sie die Geltung jeder andern Zwangsordnung 
ausschließt, kann sie als Rechtsordnung und die 
durch sie konstituierte Gemeinschaft seh'r wohl als 
«Staat» betrachtet werden. Kelsen beruft sich auf 
die Existenz der sogenannten Seeräuberstaaten an 
der Nordwestküste Afrikas (Algier, Tunis, Tri- 
polis) vom 16. bis zu Beginn des 19. Jahr- 
hunderts. 

DIE BELIEBIGKEIT DES RECHTSINHALTS 

Aus dem Gesagten erhellt, daß nach der 
«Reinen Rechtslehre» jeder beliebige Inhalt zum 
Rechtsinhalt werden kann. Darin zeigt sich die 
für jede rcchtspositivistische Theorie charakte- 
ristische Trennung von Recht und Moral. In 
dieser Trennungsthese hat die Kritik, die natür- 
lich hier am vehementesten einsetzte, den eigent- 
lichen Sündenfall des Rechtspositivismus erblickt, 
vor allem deshalb, weil damit auch eine Gewalt- 
herrschaft wie diejenige der Nationalsozialisten 
als Rechtsordnung anerkannt wird. Doch verliert 
diese Charakterisierung viel von ihrem anstößigen 
Charakter, wenn man für «Rechtsordnung» eben 
den Kelsenschen Begriff des Rechts einsetzt, wo- 
mit man zur Aussage gelangt: Auch die Ordnun^ 
des nationalsozialistischen Staates war eine «irn 
großen und ganzen wirksame Zwangsordnung >, 
was wohl kein Kenner der historischen Verhält- 
nisse bestreiten wird. Daß etwas «Recht» ist, be- 
deutet für einen Positivisten wie Kelsen eben 
keineswegs, daß es auch ohne weiteres «ge-recht» 
und damit zu billigen ist. 

DIE IDENTITÄT VON STAAT UND RECHT 

Das politische Element der staatlichen Organi- 
sation besteht nach Kelsen in dem durch diese ge- 
regelten, von Mensch zu Mensch geübten Zwang, 
das heißt in den Zwangsakten, die diese Ordnung 
statuiert. Damit ist aber der Staat im juristischen 
Sinne nichts anderes als die Rechtsordnung selbst. 
In der normlogischen Betrachtungsweise der 
«Reinen Rechtslehre» ist der Staat als Subjekt der 
Staatsakte die «Personifikation» der Rechtsord- 
nung, er ist ein «Zurechnungspunkt», in dem sich 
die Einheit der Rechtsordnung ausdrückt. Jeder 
Staat ist somit eine Rechtsordnung, aber nicht 
jede Rechtsordnung ist ein Staat. Weder die 
Rechtsordnung einer primitiven Gesellschaft noch 
diejenige des heutigen Völkerrechts sind für 
Kelsen Staaten, weil sie einen zu geringen Grad 
an Zentralisation aufweisen. 

DIE JURISTISCHE INTERPRETATION 



voller Weise hervorgehoben hat, beruht das 
Gebäude der «Reinen Rechtslehre» auf «Fest- 
setzungen» im Popperschen Sinne. Da Fest- 
setzungen nicht wahr oder falsch sein können, 
sondern nur zweckmäßig oder unzweckmäßig, 
kann man natürlich über ihren Wert verschie- 
dener Meinung sein. So ist etwa die hypothetische 
Grundnorm von der Erfahrung her weder zu 
beweisen noch zu widerlegen. Kelsen selbst be- 
tont, daß die durch die hypothetische Grundnorm 
ermöglichte Deutung des Rechts eine mögliche, 
keinesfalls aber eine notwendige Deutung ist. Aus 
diesem Grunde behauptet die «Reine Rechts- 
lehre» nicht, wie ihr immer wieder vorgeworfen 
wird, daß die positiven Zwangsordnungen objek- 
tiv gesollt sind und man ihnen daher gehorchen 
müsse; sondern sie beschreibt diese positiven 
Oidnungen, als oh sie gesollt wären. Kelsens 
Positivismus ist ein kritischer, nicht ein dogma- 
tischer Positivismus, ein Unterschied, der leider 
oft verkannt wird. 

Die «Reine Rechtslehre» schöpft sicher nicht 
alle Dimensionen des Rechts aus. Die heutige 
internationale Rechtstheorie (z. B. Llewellyn, 
Rehbinder) unterscheidet zwischen drei verschie- 
denen Dimensionen des Rechts, denen verschie- 
dene juristische Disziplinen zugeordnet sind. Das 
Recht kann hinsichtlich seiner Faktizität, Norma- 
tivität oder Idealität untersucht werden. Für das 
Tatsächliche am Recht interessieren sich zum 
Beispiel der Rechtssoziologe und der beratende 



Anwalt, da sie erkennen möchten, wie die Ge- 
richte — möglicherweise unter Verletzung von 
Normen — effektiv entscheiden beziehungsweise 
in Zukunft entscheiden werden. Das Recht im 
Sinn eines Normensystems ist dagegen Gegen- 
stand der Rechtsdogmatik. Für das Recht in 
diesem Sinne interessiert sich zum Beispiel der 
Richter, der nach Begründungen seiner Entschei- 
dungen sucht. Das Recht im Sinn eines Ideals 
dagegen ist Gegenstand einer materialen Rechts- 
philosophie. Der Rechtsphilosoph fragt nach dem 
gerechten Inhalt des Rechts. 

Alle drei Fragestellungen sind legitim, und 
allen entsprechen natürlich ganz verschiedene 
Ansätze der Begriffsbildung. Die «Reine Rechts- 
lehre» ist nur eine mögliche, keineswegs aber die 
einzig mögliche Betrachtungsweise des Rechts. Sie 
enthält eine Strukturtheorie des Rechts, die in 
vielerlei Richtung befruchtend gewirkt hat, zum 
Beispiel auf moderne normlogische Untersuchun- 
gen (AIchourron/Bulygin), und die — wie Ver- 
dross gezeigt hat — auch von der Naturrechts- 
Ichre übernommen werden kann. Keine Antwort 
dagegen kann und will die «Reine Rechtslehre» auf 
die Frage nach dem Inhalt des Rechts geben. Un- 
abhängig davon, ob rnan diese Frage noch als 
eine «wissenschaftliche» oder bloß «politische» 
qualifizieren will, muß sie aber mit unabdingbarer 
Notwendigkeit vom Menschen immer wieder ge- 
löst werden, weil sie in rechtlichen Belangen die 
letztlich entscheidende Frage ist. 



Der Pluralismus Karl Poppers 



Von Hans Reiss 



Durch die Aufsatzsammlung Ohjective Knowl- 
edge (Oxford, Clarendon Press, 1972) sind Karl 
Poppers Ideen, die bisher wohl nur Fachphilo- 
sophen bekannt waren, einem weiteren Lesepubli- 
kum zugänglich geworden. In diesem Buch wie in 
linderen Schriften der letzten Jahre fällt ein 
kleenkreis ganz besonders auf: Popper bezeichnet 
ihn mit «Pluralismus». Es handelt sich um die 
Vorstellung, daß eine dualistische «Leib-Seele»- 
Konzeption nicht ausreicht, um den Produkten 
des menschlichen Geistes, etwa der Wissenschaft 
und der Kunst, gerecht zu werden. Popper spricht 
deshalb von zumindest drei Welten. Zu Welt 
«eins», der Welt der «Dinge», und Welt «zwei», 
der Welt des menschlichen «Bewußtseins», käme 
zumindest noch Welt «drei», die Welt des «objek- 
tiven Geistes». 

Ist Popper, der in seinem bekannten Werk 
«Die offene Gesellschaft und ihre Feinde» Piaton 
und Hegel ihrer Staatsphilosophie wegen so 
scharf kritisiert hat, nun plötzlich auf seine alten 
Tage Platoniker oder Hegelianer geworden? 
Keineswegs. Zwar sieht er wie beide eine Welt 
des obiektivcn Geistes als gegeben an, aber anders 



jektiver Art. Sie können von andern Forschern 
jederzeit überprüft werden. Die Annahme, das 
Entscheidende sei nicht die Nachprüfung von 
Theorien oder Hypothesen, sondern statt dessen 
die Erforschung der psychologischen, soziolo- 
gischen und historischen Bedingungen, aus denen 
Forschungen entstanden sind, ist verfehlt. Pop- 
pers Ansicht nach geht es darum, die Probleme 
und die Problemsituationen, die den wissenschaft- 
lichen Hypothesen und Theorien zugrunde liegen, 
zu erforschen. Diese sind aber nicht subjektiver 
Art, sondern objektiv gegeben. Deswegen können 
andere Forscher, die unter ganz andern Lebens- 
bedingungen arbeiten, wissenschaftliche Theorien 
überprüfen und zu ihrer objektiven Betrachtung 
derselben gelangen. 

Popper meint also, es sei nicht die Aufgabe 
der Wissenschaft, Wissen im subjektiven Sinne 
des Wortes zu studieren, in dem Sinne, in dem 
man gewöhnlich das Wort «ich weiß» oder «ich 
denke» gebraucht. Dies führe zu epistemolo- 
gischen Irrtümern; denn bei objektivem Wissen 
handelt es sich um Probleme, Theorien und 
Argumente, die völlig unabhängig davon sind, ob 



trennen. Die Wirksamkeit einer Norm ist die 
Seins-Tatsache, daß sie faktisch angewendet und 
befolgt wird, und darf nicht mit der Geltung 
identifiziert werden. Zwar ist ein Minimum an 
Wirksamkeit eine Bedingung der Geltung der 
Norm, denn eine Norm, die niemals angewendet 
und befolgt wird, pflegt man nicht als gültig zu 
betrachten. Die Wirksamkeit ist aber niemals der 
Grund der Geltung einer Norm: dieser kann 
immer nur in einer höheren Norm liegen, die die 
Erzeugung der niedrigeren Norm regelt und 
möglicherweise auch deren Inhalt vorausbe- 
stimmt. Diese Einsicht führt zur Lehre vom 
sogenannten «Stufenbau» der Rechtsordnung, der 
an einem Beispiel vorgeführt sei. 

DER STUFENBAU DER RECHTSORDNUNG 

Der Befehl eines Stcuerbeamten, eine be- 
stimmte Geldsumme zu zahlen, läßt sich nur 
darum als gültige (individuelle) Norm deuten — 
im Gegensatz zu einem entsprechenden Befehl 
eines Gangsters — , weil diese in Anwendung 
einer (generellen) Norm des Steuergesetzes gesetzt 
wurde. Die Norm des Steuergesetzes gilt ihrerseits 
nur darum, weil sie von der gesetzgebenden 
Körperschaft beschlossen wurde und diese durch 
eine Norm der Staatsverfassung ermächtigt ist, 
generelle Normen zu setzen. Fragt man weiter 
nach dem Geltungsgrund der Staatsverfassung, 
gelangt man schließlich auf die historisch erste 
Verfassung. Hier fragt es sich, wie die Geltung 
der historisch ersten Staatsverfassung begründet 
werden kann. 

DIE HYPOTHETISCHE GRUNDNORM 

Will man auch die Normen der historisch 
ersten Staatsverfassung als objektiv gültige Nor- 
men deuten, muß man nach Kelsen eine Norm 
voraussetzen, der keine reale Existenz mehr zu- 
kommt, die vielmehr eine bloß gedachte Norm 
ist Diese hypothetisch vorausgesetzte Grund- 
norm, die natürlich nicht dem positiven Recht 
angehört, setzt die historisch erste Verfassung als 
normerzeugenden Tatbestand ein und lautet wie 
folgt: Man soll sich so verhalten, wie die Ver- 
fassung vorschreibt. 

RECHTSORDNUNG UND RÄUBERBANDE 

Die Kelsenschc Grundnorm begründet also 
hypothetisch die Geltung der positiven Rechts- 
ordnung, und zwar jeder positiven Rechtsord- 
nung. Denn der Inhalt der positiven Rechts- 
ordnung ist von der Grundnorm völlig unab- 
hängig; er läßt sich nicht aus ihr ableiten. In- 
folgedessen kann keine positive Rechtsordnung 
als ihrer Grundnorm nicht entsprechend und 
daher als nicht gültig angesehen werden. Die 
Grundnorm bezieht sich aber nach Kelsen immer 
nur auf eine Zwangsordnung mit dauernder 
Wirksamkeit. Dies zeigt er an dem seinerzeit von 
Augustinus aufgeworfenen Problem der Unter- 
scheidung zwischen dem vStaat als einer Rechts- 
gemeinschaft und einer Räuberbande. Die Akte 
einer Räuberbande sind nach der «Reinen Rcchts- 
lehre» nur dann keine Rechtsakte, wenn sich die 
staatliche Rechtsordnung als die wirksamere er- 



Rechtsordnung ergeben sich für die «Reine 
Rechtslehrc» bedeutsame Einsichten zum Pro- 
blem der juristischen Interpretation. Da die Be- 
stimmung des Inhaltes einer niedrigeren Norm 
durch die höhere Norm niemals eine vollständige 
sein kann, die höhere Norm somit immer nur 
einen gewissen Rahmen gibt, kommt der Inter- 
pretation auf jeder Stufe konstitutive Bedeutung 
zu. Kelsen wendet sich also deutlich gegen die 
gesetzespositivistische These, der Richter habe 
bloß ein fix und fertig vorliegendes, in seiner Er- 
zeugung abgeschlossenes Recht anzuwenden. Die 
Tatsache, daß wer auslegt, in der Regel auch 
schöpferisch tätig wird, gehört heute zu den 
gesicherten Einsichten der juristischen Methoden- 
lehre. 

IDEOLOGISCHE VOREINGENOMMENHEIT? 

Die Erkenntnis, daß verschiedene rechtsposi- 
tivistische Lehren verdeckt im Dienste gewisser 
politischer Zielsetzungen stehen (das gilt z. B. für 
den Positivismus Labands, des führenden Staats- 
rechtslehrers der Wilhelminischen Aera), hat ver- 
schiedene Autoren dazu verführt, auch in der 
«Reinen Rechtslehre» ideologische Züge zu 
suchen. So wird etwas argumentiert, der Grund 
dafür, daß die Kelsensche Grundnorm gerade die 
wirksame, effektive Ordnung (und nicht eine 
andere) als Rechtsautorität einsetze, könne nur 
darin liegen, daß allein eine solche Ruhe und 
Ordnung im Zusammenleben der Menschen zu 
gewährleisten vermöge. Der Kelsensche Positivis- 
mus sei daher auf die Werte von Ruhe und Ord- 
nung ausgerichtet. Diese Argumentation über- 
sieht, daß die Wahl des Erkenntnisgegenstandes 
(nämlich der wirksamen, zwangsandrohenden 
Ordnungen) bei Kelsen aus erkenntnistheoreti- 
schen, nicht aber aus politischen Gründen erfolgt. 
Da Kelsen als Wertrelativist die Möglichkeit der 
Erkenntnis absoluter Werte verneint, erscheint es 
natürlich von seinem Standpunkt aus nicht als 
sinnvoll, zum Gegenstand wissenschaftlicher 
Erkenntnis ein Recht im absoluten Sinne zu 
machen; Recht muß vielmehr etwas sein, dessen 
tatsächliche Existenz durch beobachtbare Vor- 
gänge in Raum und Zeit offenbart wird. Und 
diese sieht Kelsen eben in der Positivität des 
Rechts, das heißt in der Tatsache, daß es von 
Menschen gesetzt und im großen und ganzen 
wirksam ist. — Ebensowenig kann man auf eine 
ideologische Tendenz der «Reinen Rechtsichre» 
(im Sinne des Liberalismus) etwa aus der «negati- 
ven Norm» Kelscns schließen, wenn die Rechts- 
ordnung keine Pflicht eines Individuums zu 
einem bestimmten Verhalten statuiere, so erlaube 
sie dieses Verhalten. Denn selbst unter Zugrund- 
legung dieser Norm könnte man den perfektesten 
totalitären Polizeistaat aufbauen, sotern nur hin- 
reichend viele Verhallensweisen ausdrücklich ver- 
boten würden. 

WÜRDIGUNG 

Eine gerechte Würdigung der «Reinen Rechts- 
ichre» hat einzusetzen mit dem Hinweis auf die 
Relativität des von Kelsen vorausgesetzten Be- 
griffs des Rechts. Wie insbesondere Walter, ein 
Anhänger der «Reinen Rechtslehrc», in verdienst- 



und unveränderlich, sondern vom Menschen ge- 
schaffen und dem Wandel unterworfen. Er folgt 
Bolzano und besonders Gottlob Frege, für den 
das Denken nicht die subjektive Tat des Men- 
schen, sondern der objektive Gehalt war. Worum 
es Popper geht, ist letztlich die Frage, ob eine ob- 
jektive Wissenschaft möglich ist. In seinem ersten 
großen Buch «Logik der Forschung» (Wien 1934) 
suchte er in einem modernen Kontext die Frage 
zu beantworten, die einst Kant stellte: «Wie ist 
Naturwissenschaft möglich?» Für Popper wird 
diese Frage zum Abgrcnzungsproblem, das er 
auch das Kantschc Problem nennt, also zur 
Frage: Wie kann man Wissenschaft gegen 
PseudoWissenschaft abgrenzen? Er löst das Pro- 
blem, indem er darlegt, daß es in der Wissen- 
schaft darum gehe, Hypothesen oder Theorien zu 
überprüfen und zu kritisieren. Alle wissen- 
schaftlichen Aussagen sind vorläufig, denn alle 
können falsifiziert werden, mögen sie sich auch 
noch so lange bewährt haben. Theorien, die aber 
nicht überprüft und falsifiziert werden können, 
sind nicht wissenschaftlich. Es gilt also nicht, 
Theorien zu verifizieren, wie es die logischen 
Positivisten annahmen. Das Falsifizierbarkeits- 
prinzip ist aber kein Sinnkriterium. Noch nicht 
falsifizierte Theorien können wahr sein oder 
nicht; nichtfalsifizierbare Theorien können auch 
wahr sein oder nicht; sie sind aber unwissen- 
schaftlich. 



Poppers Wissenschaftstheorie legt unmiß- 
verständlich dar, daß es kein absolut gesichertes 
Wissen gibt. In «Logik der Forschung» formu- 
liert er diese Auffassung prägnant: «Das alte 
Wissenschaftsideal, das absolut gesicherte Wissen, 
hat sich als ein Idol erwiesen. Die Forderung der 
wissenschaftlichen Objektivität führt dazu, daß 
jeder wissenschaftliche Satz vorläufig ist. Er kann 
sich wohl bewähren — aber jede Bewährung ist 
relativ, eine Beziehung, eine Relation zu anderen, 
gleichfalls vorläufig festgesetzten Sätzen. Nur in 
unseren subjektiven Ueberzeugungserlebnissen, in 
unserem Glauben können wir „absolut sicher" 
sein.» 

Diese Auffassung ist für Popper keine Re- 
signation. Im Gegenteil, er glaubt mit dem Phan- 
tom aufgeräumt zu haben, es könnte endgültige 
Antworten geben. Er findet, der Weg der Wissen- 
schaft werde «durch ihre unendliche, aber 
keineswegs unlösbare Aufgabe bestimmt, immer 
wieder neue, vertiefte und verallgemeinerte 
Fragen aufzufinden und die immer nur vor- 
läufigen Antworten immer von neuem und immer 
strenger zu überprüfen». 

Die Aufgabe der Wissenschaft ist also nach 
Popper durch die Methode des «trial and error», 
des Versuchs und des Irrtums, der Mutmaßung 
und der Widerlegung gekennzeichnet «Con- 
jcctures and Rcfutations» heißt auch bezeichnen- 
derweise eines seiner bedeutenden Bücher 
(3. Aufl. London, 1969). Wissenschaftliche Theo- 
rien sind Meinungen, Ansichten, Hypothesen, 
also nicht Wahrheiten, obwohl sie dies sein 
können, worüber aber nie Gewißheit herrschen 
kann. Aber diese Meinungen sind nicht rein sub- ' 



«Wissen ohne einen Wissenden». 

Popper vertritt die Ansicht, daß das Studium 
der wissenschaftlichen Probleme, ihrer Problem- 
situationen, der wissenschaftlichen Mutmaßungen 
(oder Hypothesen oder Theorien), der Diskus- 
sionen, der kritischen Argumente und der Rolle 
des Beweismaterials in der Argumentation, das 
heißt also das Studium der Welt des objektiven 
Geistes, von entscheidender Bedeutung für die 
Erkenntnislehre ist. Zur Bestätigung dieser An- 
schauung führt Popper die Tatsache an, daß 
Naturwissenschafter meist nicht behaupten, ihre 
Mutmaßungen seien wahr oder sie «wüßten» ihre 
Theorien im subjektiven Sinne des Wortes. Auch 
«glauben» sie keineswegs an diese Theorien. Im 
Gegenteil, sie betrachten ihre Theorien als Mut- 
maßungen über das, was fruchtbar ist oder 
fruchtbar sein könnte, und über das, was nicht 
fruchtbar ist, das heißt sie überlegen, welche 
Forschungen weitere Ergebnisse in der Welt des 
objektiven Geistes zu zeitigen versprechen. 

Außerdem können die objektiven Erkennt- 
nisse, welche sich aus Welt drei ergeben, Phäno- 
mene in Welt zwei erhellen und besonders ein 
Licht auf die subjektiven Gedankenprozesse der 
Wissenschafter werfen. Der Kehrsatz dieser Be- 
hauptung aber trifft nicht zu: wir lernen also 
nicht über Welt drei durch Betrachtung von Welt 
zwei. Aber Welt drei wirkt auch auf^Welt eins, 
auf die Welt der physischen Dinge, mittels Welt 
zwei, die sozusagen als Verbindungsglied fungiert. 
Denn Entdeckungen in Welt drei können Welt 
eins einschneidend verändern. 

Betrachten wir Welt drei, so ist sie zwar (gene- 
tisch) ein Produkt der Menschen, aber trotzdem 
(ontologisch) weitgehend autonom, obwohl die 
Menschen beträchtlich auf sie einwirken, indem 
sie Theorien entwerfen und diese kritisieren. 
Ebenso wirkt Welt drei wiederum beträchtlich auf 
Welt zwei. Durch dieses Ineinanderwirken wächst 
Welt drei weiter. Daß Welt drei autonom ist, be- 
deutet also: wenn einmal Probleme dieser Welt 
geschaffen sind, so bestehen diese Probleme nicht 
nur unabhängig von ihren Schöpfern weiter, 
sondern sie schaffen auch Probleme, die ihre 
Schöpfer weder voraussahen noch voraussehen 
konnten. Diese Probleme, die sich zwangsläufig 
aus der Existenz von Welt drei ergeben, können 
von uns entdeckt werden. Sie bestehen aber, ob 
man sie entdeckt oder nicht. Mathematische Pro- 
bleme, zum Beispiel etwa die Theorie der 
natürlichen Zahlen, sind dieser Art. Es gibt Pro- 
bleme auf diesem Gebiet, die. nachdem einmal 
die natürlichen Zahlen geschaffen wurden, sich 
aus ihrer Existenz ergeben und von uns nur 
entdeckt, aber nicht mehr rückgängig gemacht 
werden können. Und dies ist nur ^'m Beispiel. 

Popper verteidigt seine Auffassung von Welt 
drei, indem er darauf hinweist, daß es in der Bio- 
logie analoge Verhältnisse gibt. So schaffen etwa 
Spinnen ihre Netze oder Biber Dämme oder Tiere 
Pfade im Wald. Diese Strukturen bestehen weiter, 
unabhängig von den Taten oder dem Verhalten 
der Tiere. Ob ein Nest von einem Vogel bewohnt 
wird oder nicht, ist in diesem Kontext gleich- 




UNSERE LESER SCHREIBEN 



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Kelsens Berufung nach Prag 

Zu dem herzlichen Geburts- .Kelsens Berufung. Offensichtlich 



,,U(,,,,,(„,,,,ini||||MI||||||UllllllllllinilllllHillllinil!IIIIHIIIIIlllllllllillin«l.ll1MH|}i»rM^ 

• nach den mörderischen Ereignis- 
sen in Köln zu erholen und Ver- 
bindung mit dem freundlicheren 
und sichereren AiLsland aufzu- 
nehmen. Sein Lebensweg führte 
ihn in die Vereinigt-en Staaten. 
Die von Kaiser Karl IV 1348 
gegründete altehrwürdige Alma 
Mater blieb als wissenschaftliche 
Rumpelkammer zurück. Als sie 
Benesch 1945 durch ein blosses 
Dekret auflöste, schaffte er nur 
noch einen von den Nazis ge- 
schändeten Kadaver beiseite. 

Friedrich Bill 



tag.sartikel von Peter Fabrizius 
•Han.s Kelsen — 90 Jahre" ("Auf- 
bau", 15. Oktober) füge ich eine 
für den Gelehrten schicksalshaf- 
te Episode hinzu: 

Nach der Machtergreifung Hit- 
lers wurde Professor Kelsen sei- 
nes Köhicr Universitätslehrstuhls 
verlustig erklärt. Er stand, lebens- 
bedroht wie unzählige seiner Lei- 
densgenossen, buchstäblich vor 
dem Nichts. Eine gesicherte 
Rückkehr nach Wien nach den 
Anfeindungen, die er dort erdul- 
det hatte, war ihm versperrt. In 
dieser Situation wies der von mir 
redigierte Prager "Aufruf, Streit- 
schrift für Menschenrechte" auf 
die Gelegenheit hin, Kelsen und 
andere akademische Kapazitäten 
für die an wissenschaftlicher 
Verarmung leidenden deutschen 
Hochschulen in Prag und Brunn 
zu berufen. 

Dr. Ludwig Czech, Minister für 
soziale PHirsorge in Masaryks 
Koalitionskabinett und Vorsit- 
zender der deutschen sozialdemo- 
kratischen Arbeiterpartei in der 
CDR, und der slowakische Sozial- 
demokrat Dr. Derer, Unterrichte- 
minister, griffen die Anregung. 
KeL-^en an die deutsche Universi- 
tät in Prag zu berufen, mit Eifer 
auf. und Dr. Czech liess die zu- 
ständige Universitätsbehörde 
wissen, dass eine Berufung des 
weltl>ekannten Juristen der Re- 
gierung Masaryks erwünscht 
wäre. 

Kaum wurde dieser Gedanken- 
austausch, sicherlich durch In- 
diskretion, bekannt, veranstalte- 
ten in der "Deutschen Studenten- 
schaft" gleichgeschaltete Hoch- 
schüler in den Räumen der 
Universität eine lärmende anti- 
semitische Demonstration gegen 



eingeschüchtert, schob das juri- 
stische Professorenkollegium sei- 
ne Vorschlagsentscheidung ge- 
flissentlich hinaus, bis es sich 
durch Dr. Czech bewogen fühlte, 
Profe.ssor Kelsen, wenn auch nur 
mit knapi>er Stimmenmehrheit, 
in Vorschlag zu bringen. 

Kelsens mehrmonatiger Auf- 
enthalt in Prag gewährte dem 
Gelehrten die Möglichkeit, sich 



Gegen Gründgens-^'Legenden 



ff 



Das •'Mephisto"-Verbot für 
Deutschland sollte Exilforscher 
anregen, diesen Schlüsselroman 
von Klaus Mann endlich zu ent- 
schlüssein. Wer die Theaterge- 
schichte des Dritten Reiches 
kennt, kann feststeilen, dass sich 
Klaus Mann bei der Schilderung 
präzise auf Quellen gestützt hat. 
Einzelheiten des Werkes stim- 
men genau mit den Dokumenta- 
tionen in Joseph Wulfs "Theater 
und Film im Dritten Reich*' (Gü- 
tersloh 1964». sowie mit anderen 
noch unveröffentlichten, aber 
bekannten Studien überein. Wie 
bisher kein anderer hat Mann 
den Prunk und die Verlogenheit 
des NS-Theaters in einem krimi- 
nellen Staat blossgelegt und 



Kollegen half. Nur deutet er die 
Motive anders als Ourt Riess in 
seiner anfechtbaren Gründgens- 
Biographie. 

Man kann das NS-Theater und 
Gründgens so oder so deuten. 
Eine vergleichende Analyse der 
Werke von Klaus Mann und Curt 
Riess lohnt sich, zum Beispiel um 

festzustellen, wie beide jeweils 
den Mord an dem Schauspieler 
Hans Otto und Gründgens' Be- 
zahlung der Beerdigung inter- 
pretieren. In seiner Verehrung 
für den Schauspieler Gründgens 
hat Curt Riess ein schiefes Bild 
des Theaters im Dritten Reich 
gezeichnet — und das als nach 
Deutschland entsandter US-The- 



Probleni 

VietnM 
längen-, 
nam, 
diess', 
den. 
ne \ 
Kri^i 
rik, 
tet 
Ft 
rei 
Daii"^ 
rikan' 
läng.s 
Dolla: 
für di 
vert 
le u, 
fuh:; 
WeiJ 
Zc 
be 
W^ 
w- 



rung. da«^ 



die Karrieremacher als Typen i ateroffizier. Ihm durfte zum Bei- 



(nicht Porträts!) erfasst. Man 
lese Lion Feuchtwangers Brief 
an sieben Berliner Schauspieler 
in "Centum Opusculum" und ver- 
gleiche diese Typen mit dem Typ 
des Hendrik Hoefgen. Klaus 
Manns Buch, das einen Platz in 
der Geschichte des Exils hat. ist 

— auch wenn der Autor im Hin- 
blick auf Gründgens über die 
Stränge geschlagen haben sollte 

— ein durchaus ehrliches Buch, 
denn Mann verschweigt u.a. 
nicht, dass Hoefgen verfolgten 



spiel nicht die Behauptung un- 
terlaufen, unter Gründgens sei- 
en keine nationalsozialistischen 
Dichter gespielt worden, wäh- 
rend diese Inszenierungen im 
Anhang dokumentiert sind. — 
Beide Bücher bedürfen so bald 
wie möglich einer Wissenschaft 
liehen Analyse, um der bereits, 
eingetretenen Legendenbildun 
um Gründgens entgegenzuwir 

ken. 

Marta Mierendorff 

Hollywood. Calif. 



ISRAEL 



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Sonntag, 6. Mai: "Solidarity Sunday" 

Der grosse "Freiheitsmaxsch" für die Solidarität der New 
Yorker Judenheit mit den jüdischen Bürgern der Sowjetunion 
findet im Herzen von Manhattan am 6. Mai statt, beginnend um 
12 Uhr mittags in der Fifth Avenue, Ecke 72. Strasse, und endend 
auf der Dag Hammarskjöld Plaza, vor dem Palais der Vereinten 
Nationen. Es wird mit einer Gesamttaeteiligung von 100,000 Per- 
sonen gerechnet, gaben die Veranstalter bekannt, die "Greater 
New York Conference on Soviet Jewry". Auf der Hammajskjold 
Plaza werden dann die beiden New Yorker Senatoren Javits und 
Buckley zu den Marschteilnehmern sprechen. 

Am Abend des gleichen Tages findet dann in der New Yorker 
Philharmonie Hall die "Galabeobachtung" des 25. Geburtstages 
des Staates Israel statt, mit dem neuen israelischen Botschafter 
in Washington. Simcha Dinitz, als Haupt^precher. 



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Neues von der "Aktion Sülinezeiclien" 



In diesem Jahr werden 21 deut- 
sche Jugendgruppen im Rahmen 
der "Aktion Sühnezeichen" nach 
Polen fahren, um in den ehema- 
ligen Konzentrationslagern und 
jetzigen Gedenkstätten Ausch- 
witz, Maidanek und Stutthof tä- 
tig zu sein. Seit 1957 haben insge- 
samt 58 Sühnezeichen-Gruppen 
in Polen Aufbauarbeit geleistet. 



Die Jahresbilanz für 1972 dieser 
verdienstvollen deutschen Insti- 
tution weist aus, dass sich im ver- 
gangenen Jahr insgesamt 126 
Freiwillige gemeldet haben, dar- 
unter 60 deutsche Kriegsdienst- 
verweigerer. Die meisten Jugend- 
lichen meldeten sich zum Einsatz 
in Israel. H. E. 



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Erinnerungen 
an Hans Kelsen 



9 



Wie im "Aufbau" bereits kurz gemeldet, ist Professor Hans 
Kelsen am 19. April in Orinda bei Berkeley (Kalifornien) ge- 
storben. Max Knight, ein stündiger hochgeschätzter Mitar- 
beiter des "Aufbau", der Übersetzer von Kelseiis Hauptwerk 
"Die retne Rechtslehre", stellte uns die nachfolge^iden Vig- 
netten zur Verfügung, die er im Laufe vieler Jahre enger Zu- 
sammenarbeit mit dem grossen Rechtsgelehrten von diesem 
selber gehört hat. Redaktion "Aufbau" 



Profes.sor Hans Kelsen erreich- 
te ein Alter von 91 Jahren. Aber 
schon seit seinem 70. Geburtstag 
sprach er häufig über seinen Tod 
und dass er nicht mehr lange le- 
ben würde. Er sprach oft einen 
Vierzeiler, entweder ein Zitat 
oder von ihm selbst: 

Ich weiss wohl, was das Leben 

ist: 
Ich weiss, dass hier in dieser 

Welt, 
nach einer kurzen Galgenfrist 
das Kartenhaus zusammen- 
fällt. 
In seinen vorgerückten Jahren 
war Kelsen etwas vergesslich. 
Die Schwäche hielt sich durch- 
aus in bescheidenen Grenzen, 
war aber für den exakten Mann 
der Wissenschaft unerträglich. 
Als die englische Übersetzung 
seines Werkes "Die reine Rechts- 
lehre" im Stadium der zweiten 
Druckereifahnen war, kam er ei- 
nes Tages mit einem dicken Um- 
schlag von Fahnen und sagte: 
"Hier sind 50 Seiten Ihrer Über- 
setzung. Die Korrekturen koste- 
ten mich viel Zeit — in dieser 
Zeit hätt' ich alles selbst über- 
setzen können." Ich fragte, wa- 
rum es so lange dauerte; die 
zweite tjherprüfung habe doch 
nur den Zweck, zu sehen, ob die 
Korrekturen der ersten Fahnen 
richtig seien. "So?" wunderte 
sich Kelsen. **Ich hab' das alles 
schon korrigiert? Wusste ich gar 
nicht." 

In Genf entschuldigte sich 
Kelsen einmal bei einem franzö- 
sischen Studenten, den er er- 
kannte, aber dessen Namen er 
vergessen hatte. "Ich werde alt", 
meinte Kelsen. "Eines schönen 
Tages wtrde ich in der Früh auf- 
wachen und meine Frau fragen, 
wie ich heisse. weil ich meinen 
eigenen Namen vergessen wer- 
de." "Das macht nichts. Herr 
Professor", sagte der Student. 
"Sie werden vielleicht Ihren Na- 
men vergessen. Die Welt wird 
ihn nie vergessen." 

Kelsen schien einmal schlech- 
ter Laune, als er die Druckfah- 
nen seines Biographen Aladar 
Metall durchlas. "Biographien 
sind traurige Dokumente", sagte 
er. "Da wird man daran erinnert, 
was man alles im Leben falsch 
gemacht hat." 

Kelsen machte kein Hehl da- 
raus, dass er sich in frühen Jah- 
ren im antisemitischen Wien 
hatte taufen lassen, um in seiner 
Laufbahn nicht behindert zu 
sein, bekannte sich aber seit 
Jahrzehnten zum Judentum. Die 
"Rückbekehrung" fand um 1940 
in Genf statt, als ein Rabbiner 
ihn fragte, ob er sich als Katho- 
lik betrachte. Kelsen erklärte, er 
sei Jude und betrachtete seither 
diese Erklärung als seine unoffi- 
zielle Rückkehr zum Judentum. 



Eine seiner beiden Töchter lebte 
viele Jahre in Israel. 

Einmal fragte ich Kelsen, ob 
er früher anders geheissen hätte 
und den Namen ändern liess. 
"Ich weiss, warum Sie fragen", 
erwiderte er. "Die Nazis haben 
das einmal irgendwo geschrie- 
ben, zur Zeit als sie aus Roose- 
velt Rosenfeld machten. Ich ha- 
be nie anders geheissen, auch 
mein Vater Adolf Kelsen nicht, 
und niemand vor ihm. Den Ur- 
sprung des Namens kenne ich 
nicht. Es gibt einen kleinen Ort 
in Deutschland, der so heisst, 
aber meines Wissens hat meine 
Familie damit nichts zu tun." 




"Der Fortschritt der Naturwis- 
senschaften in der neueren Zeit", 
sagte Kelsen einmal, "ist das Re- 
sultat der Emanzipation von den 
Fesseln, in denen sie die Theolo- 
gie im Mittelalter gehalten hat." 
Anlässlich seines 75. Geburts- 
tages war Kelsen Gegenstand 
grosser Ehrungen. In einem für 
Veröffentlichung in Wiener Zei- 
tungen bestimmten Artikel er- 
wähnte ich die Staatsoberhäup- 
ter und andere bekannte Namen, 
die ihm Telegramme geschickt 
hatten, darunter auch einige 
führende österreichische Politi- 
ker. Ich zeigte ihm einen Ent- 
wurf des Artikels und er ersuch- 
te, die Politiker auszulassen. "Die 
haben ja nur Scherereien, wenn 
man in Wien erfährt, dass sie 
sich für einen jüdischen Wissen- 
schaftler exponiert haben. Es 
sind nette Leute, ich will ihnen 
in ihrer Karriere nicht schaden. 
Lassen wir sie aus." Und so ge- 
schah es. 

Als die University of Califor- 
nia Press Kelsen«? Buch "What 
Is Justice?" veröffentlichte, 
wollte ich ihm eine Buchbespre- 
chung übergeben, die das Werk 
mit Re.spekt und Bewunderung 
beschrieb. "Ach nein," erwiderte 
er. "Buchbesprechungen lese ich 
nicht — sie sind entweder Akte 
der Missgunst oder der Schmei- 
chelei." "Aber sie sind doch auch 
ein Zeichen, dass Sie beachtet 
werden, nicht?" "Nein", lehnte 
Kelsen ab. "Zeichen der Beach- 
tung ist, wenn andere Verfasser 
einen in ihren Fussnoten erwäh- 
nen." 

Kelsen hatte grosse Hochach- 
tung für Sigmund Freud, dessen 
Seminare an der Wiener Univer- 
sität er besuchte. Einmal, als 
Kelsen wieder korrigierte Druck- 
fahnen zum Verleger brachte, 
sprach er über Psychoanalyse. 
Er meinte ihre eminente Wich- 
tigkeit läge in der Erklärung 
psychischer Phänomene, war 
aber zurückhaltend über ihre 
therapeutische Anwendung. Er 
erzählte, er habe einmal eine 
junge Frau gekannt, die Selbst- 
mord beging, als sie in Psycho- 



Hans Kelsen 

Photo: Fred Stein 

analyse erfuhr, sie hätte sexuel- 
le Wünsche ihrem Vater gegen- 
über. Kelsen ging dies so nahe, 
dass er Freud über den Fall un- 
terrichtete. Freud schien Kelsen 
zuzustimmen, dass Psychoanaly- 
se hauptsächlich ein Werkzeug 
für den Wissenschaftler, weniger 
für den Arzt sei. Kelsen zitierte 
Freud mit diesen Worten: "Um 
zu erfahren, was in den Men- 
schen vorgeht, mü.ssen wir uns 
ihnen als Ärzte nähern." I>er 
Arzt in der Psychoanalyse ist so- 
mit nur ein Mittel zum Zweck. 
Kelsen erzählte, er hätte die Epi- 
sode Freuds Biograph Ernest 
Jones mitgeteilt, der sie jedoch 
nicht in sein Buch aufnahm. 
"Aber er hat mich in dem Buch 
Professor der Volkswirtschaft 
genannt" lächelte der Rechts- 
philosoph. "Es wäre besser ge- 
wesen, das wegzulassen." 

Max Knight 



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Ludwig Loewenstein, President 1952 1968 

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Vol. XXXIX— No. 18 May 4, 1973 

442 



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Hans Kelsen — neunzig Jahr 







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S>t^ole&sor Hans Kelsen, der i tungsbehörden einen Dispens 
ICue bebende Rechtsphilosoph, ! vom katholischen Wiederveiehe^ 
osste leoenat iv i^ ' lichungsverbot erhalten und auf 

Grund dessen geheiratet hat- 
ten»; diese Ehen waren, auf 
kirchlichen Druck von den Ge- 
richten ungültig erklart worden, 
eine Erklärung, die der Verfas- 



J'Ut neunzig geworden. Wie sel- 
■ ' ten kann man einen Superlativ 
ohne Einschränkung verwenden. 
Schon 1934 hat ihn Roscoe 
Pound. der Dekan der juristi- 
schen Fakultät der Harvard Uni 



veÄ the lea Jurist of^sungsgerichtshof seinerseits wi- 






derrief 

, Die Enttäuschungen und An- 
feindungen Keisens in dieser ver- 
wickelten und unerträglichen 
A^igelegenheit lührten zu Kei- 
sens Annahme einer Einladung 
eines Lehrstuhls an der Univer- 
sität Köln im Jahre 1930. Im 
Jahre 1933 musste er Köln ver- 
lassen und wanderte in die Ver- 
einigten Staaten aus. wo er von 
1942 bis zu seiner Emeritierung 
1951 der Fakultät der Univer.si- 
! tat von Kalifornien in Berkeley 
: angehörte. An dieser Universität 
I wuVde ihm die seltene Ehre zu- 
;tcil. dass die Bibliothek der So- 
zial'wissenschaften. noch zu sei- 
1 nen Lebzeiten, als "Hans Kel.sen 
JGraduate Social Sciences Li- 



the time" genannt. Sein Ein- 
fluss Lst weltweit. In allen Län- 
dern der Erde mit Ausnahme 
der kommunistischen ist seine 
im Kern antimarxistische "Reine 
Rechtslehre'* Grundpfeiler des 
th e o re ti sehe n Re c h tss tu d i u ms 
geworden. Und da sich juristi- 
sche Theorie schlies.slich immer 
in Gesetzen ausdrückt, kann 
man sagen, dass dajs Leben von 
Millionen Men.schen vom Denken 
Hans Keisens berührt ist. Vor 
allem natürlich in Österreich, 
dessen Verfassung er, schon 1920, 
auf Grund der Ideen seiner 
;Rechtslehre (die allerdings voll 
formuliert, erst später im Druck 
erschient geschaffen hat: diese 
Verfassung, wenngleich durch 
Novellen modifiziert und im tau- 
sendjährigen Reich für zwölf 
Jahre suspendiert «denn der jü- 
dische Vater der Verlassung war 
••untragbar") lebt heute noch. 

Keisens Geist und Einfluss ka- 1 . « , «^ 

men 945 durch seine wieder in Ein T^g. der m Schmerz und 
Kraft getretene Verfa.ssung nach ; Trauer in der E-' ""<;';»"g ."f % "" 



Jelne Bücher und Beiträge kön- ' 
nen beinahe eine Bibliothek fül- 
len; seine komplette Bibliogra- 
phie enthält 604 Eintragungen, 
in Üb< r.setzungen in 21 Sprachen: 
dazu kommen 1300 Bücher und ; 
Abhandlungen, die über ihn ge- ; 
schrieben wurden. j 

Auch nach seiner Pensionie- 
rung setzte Kelsen sein Schaf- 
fen fort, und überwachte, unter 
anderem, die engli.sche Überset- 
zung seiner Reinen Rechtslehre. 
In den letzten Jahren beschäf- 
tigte er sich mit einem Werk. 
"Logik der Normen", das weit 
fortgeschritten ist. In seinem be- 
scheidenen Häuschen in Berke- 
ley, wo er mit seiner Gattin Grete 
lebt, sa.ss er regelmässig am 
Schreibtisch: er schrieb mit 
' Tinte und Feder, nie mit Schreib- 
i maschine. 

i Heute jedoch ruht .seine Feder. 
' Der Unermüdliche rastet. Die 
i grosse Freude seines hohen Al- 
\ ters sind Blumen — er ist ent- 
i zückt von ihnen und füllt jedes 
■ Plätzchen der Wohnung mit Va- 
' sen. In .seiner Wei.sheit. Men- 
i schenliebe und Wärme ist er zu 
I einer lebendigen Legende gewor- 



Egon Stadelmann 
ausgezeichnet 

Der Leiter de^ Kulturre&sort^ 
der "New Yorker Staats-Zeitung 
und Herold" hat für seine Ver- 
dienste um die deutsch amerika- 
nische Verständigung auf kultu- 
rellem Gebiet das Verdienstkreuz 
erster Klasse des deutschen Ver- 
dienstordens verliehen bekom- 
men. Egon Stadelmann war in 
Berlin im Hause Rudolf Mo.sse 
journalistisch tätig und wurde in 
Amerika Mitarbeiter des "Auf- 
bau" und Kommentator der 
deutschsprachigen Sendung der 
National Broadcasting Company. 
Von 1948 bis 1968 war er Thea- 
' ter-, Musik- und Filmreferent 
i für die deutiäche Abteilung der 
i "Voice of America". 



brary" nach ihm benannt wurde, i den. 



Peter Fabrizius 



Gedenkhalle für badische Joden 

' Eine Gedenkhalle, in der ein 
Gedenkbuch mit den Personalien 
; und der Grabstelle von über tau- 
' send verschleppten badischen 
Juden aufgelegt werden soll, 
' wird auf dein zentralen Deporta- 
i tionsf riedhof Gurs in Südfrank- 
reich errichtet Die badischen 
Städte und Gemeinden finanzie- 
ren den Bau der Gedenkhalle 



am Iroadwoy, New York.N.Y. 10073 

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Hans St«initx, Editor 
Ludwig Wronkow, Execwfjve Editor 

John M. Horoid, Adverfiiing Manager 
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Michael Schnoittacher, Jrtoiorer 

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r^eirber of Audit Bureau of Cirrulrtion 
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Erinriptruna OH den 18. Oktober IV^II gemeinsam. Die Einweihung ist 



Vol. XXXVII- No. 42 Oct. 15. 1971 



ABC 



442 



ABC 



Ö.>^terreich zurück. Kelsen selber 
besuchte Wien 1965 auf Einla- 
dung der Regierung zur Sech.s- 
hundertjahrfeier der Universität. 
Hans Kelsen wurde am 11. Ok- 
tober 1881 w^ährend eines Besu- 
ches seiner in Wien lebenden El- 
tern in Prag geboren, promo- 
vierte 1906 zum Doktor der ^^^^ 
Rechte wurde 1911 Privatdozent ; ^^^^ 
und. trotz aller Quertreibereien.' 
denen in Wien ein "nichtari- 
scher"' Anwärter ausgesetzt war. 
1919 ordentlicher Professor. Er 
wurde Mitglied des von ihm .sel- 
ber gegründeten Verfassungsge- 
richtshofs. In den folgenden Jah- 
ren war er bemüht die Gültigkeit 
der sogenannten "Dispensehen" 
zu retten «Ehen von geschiede- 
nen Katholiken, die von Verwal- 



dischen Volkes fortlebt, ist der 
18 Oktober 1941. An diesem Tage 
— al.so vor 30 Jahren — setzte in 
Berlin, der einstigen gräs^sten jü- 
dischen Gemeinde in Deutsch- 
land, die schlagartige Aktion der 
grossen Abtransportierungen ein, 
von denen am Schluss nur die 
relativ wenigen verschont geblie- 



sind die in nichtjüdischen jVolk.sgenos.sen 
Ehen lebten oder solchen ent- | vollzogen sich 
stammten. 



dieser Möglichkeit beraubt. bUe- 
ben Tausende zurück, als hilf- 
lose, gefangene Objekte, der Gna- 
de und dem Willen der Macht- 
haber ausgeliefert. 

Um die Vernichtungspläne ge- 
gen die verbliebenen Juden zur 
Ausführung zu bringen, hatte 
man in jenen Tagen noch Rück- 
sicht auf die Gefühle eines be- 
trächtlichen Teils der eigenen 

zu nehmen. So 
^__ _ die meisten bru- 
talen Aktionen, vor allem die des 

der Dunkelheit 



für den 30. April 1972. den Depor- 
tierten-Gedenktag in Frankreich, 



vorgesehen. 



In den Jahren vor dem Krieg j 18. Oktober, in 
h^H^ die christliche Bevölke- der Nacht . . . Pensions- und Un- 
rund die Abwanderung eines ' terstützungsemplänger sowie Be- 

oro.ssen Teils ihrer 



elenden oder von dort weiter 
nach Auschwitz befördern zu las- 
sen. Die Arbeitsfähigen- wurden 
in die Rüstungsbetriebe einge- 
spannt und waren daher vorerst 
— bis zur letzten Deportierung 
Ende Februar 1943 — vor dem Ab- 
transport geschützt. 

Herbst und Winter 1942/43 
zeigten dann die Massentragödie 
auf ihrem Höhepunkte. Das war 



die Zeit der unzähligen 



Möbel 

mg ci.xro ..xo.^.-^..fe ^ o ; wagen, die Tag und Nacht die 

ovn<^<.pr, Teils inrer iüdisch'-n i wohner von Häusern, die sich in ; gt^j-^^^j^ durchfuhren, um das 
xiuwarr eesehen die aus wirt- nichtjüdisch^^m Besitz befanden, jüdische Freiwild für kurze Zeit 
Mitbuiger gestnen. uir «^.^ , ^ «^^f«,., r>T^r^r Alte Per- 1.. u^uo^.^^t^ rinc «irs den Woh- 



Ödön von Horvath- 
Gedenkfeier in Berlin 

Die immer aktive und rührige 
Berliner Akademie der Künste 
veranstaltet vom 19. bis 24. Okto- 
ber ein internationales Kollo- 
quium, da^ dem so jung ums Le- 
ben gekommenen gros.son Dra- 
matiker ödön von Horvath ge- 
widmet ist. Zu den Rednern die- 
ses Rundgespräches gehören Carl 
Zuckmayer, Alexander Lernet- 
Holenia und Hertha Pauli, die 
•'Aufbau"-Lesern nicht zuletzt 
durch ihre Beiträge m diesem 
Blatt bekannt ist und deren letz- 
ter Roman "Der Riss der Zeit" 
I allenthalben tiefen Eindruck 
' hinterlassen hat. 



nUr,rf^^r\^on ouer seelischen waren die ersten Opfer. Alte Per- 



zu behausen, das aus den Woh- 
nungen herausgeris.sen, auf 
Strassen und in Geschäften auf- 



Eigentumswohiiuitgeii 



%n 



sonaer.> Dt^vL»; ^.-u&v^- »-v. - — - i oiiiUNsc-u uii»u m ^^-^ 

in die "Altersver.sorgungsstelle j gelesen, auf den Wegen zur und 



Theresienstadf, um sie dort ver- 



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von der Synagoge festgehalten 
oder im Unterschlupf aufgespurt 
war von wo aus es in das Tal 
der Hölle befördert wurde . . . 

Nur einigen gelang, ein ge- 
fährliches und zerrüttendes 
"Untergrundleben" bis zum En- 
des des Krieges durchzuhalten, 
und nur wenige können auf auf- 
opfernde 'unbesungeiie Helden" 
als ihre Lebensretter weisen. Das 
Schicksal der Berliner Juden war 
an jenem 18. Oktober 1941 besie- 
gelt. Hans Erber 



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Mutter des ehemaligen österrei- 
chischen Bundesprä-sidcnten Mi- 
chael Hainisch. Frau Ottilie 
Gessler. begeht in den nächsten 
Tagen ihren 80. Geburtstag. Sie 
trägt ihren österreichischen Ti- 
tel '-bundeÄStaatlicher Fürsorge- 
rat" mit Recht: denn sie versorg- 
te alljährlich Hunderte von ar- 
men Kindern mit Winterkleidung 
und Schuhen. Als Waisen rätin 
des 1 Wiener Bezirks und Leite- 
rin des Josefstisches im 1. Bezirk 
gelang es ihr. da.s Los armer 
Menschen zu erleichtern. Frau 
Gessler, die mehrfach wegen ih- 
rer grossen Verdienste auf kari- 
I tativem und sozialem Gebiet aus- 
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Femauf^ffnhe 'Sr,280 BJntt 1^ 
Mifiwoch, 12. Oktober :l')6ß 



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Hans Kelstm 



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Am 11. Oktober feiert Hans KcImm;, iVrn von 1 

jlcm von iiiin so *,^cliel)leti europäisrlieii Konü- 

finit, in licrkeley ( Ivalilornieii) seinen 85. Geburt s- 

[aj?. Der *rereierle Gelehrte hat einen bewenden 

Lobensgaiiir hinler sidi. im Prag- der iisterreiehisch- 

mgarisehen ])o})pelmonarehie geboren, erhielt er 

leine wissens<-halt liehe Ausbihhmfi: an den Tniversi- 

Jiiten Wien inul lleidelber«:, avo or im Seminar 

P'Mnes Landsmannes und «reist i«2:en Vorläulcrs (Jeorj; 

Jcllinek Aviclitigv Anregungen empling. UM! m 

|^Vien habilitiert, |)ron\ovierte er \\;iliren«i des Krstcn 

Weltkrieges (1915) /um außerordentlichen Proies- 

Uor. Von 19P) ))is in'J<) lehrte er als Ordinarius 

iilTentliches Ke«-ht und Heehts{)liiloso])hie und war 

\\\u-\\ als rel*eri(>render Kiehter am neiigesclialfeiu-ii 

(\ errassungsprerichtshol" tätig, wo er die von ümi 

L()ii)ereitete ösl<ur(M<-hisrhe Ibuidesverlassung au- 

j-,u\\en«i('n oder auszulegen liatte, 

Politis<-he Schwiciigkeiten lidirten dazu, daß 
Ivelsen 1021) einen h'ul an die Iniversität Ki»ln an- 
•rlitn. Aber schon \^.y.VA siedr-lte ei-, der nalional- 
l-ozialistischen \'er!olg:\uig ent \vei(djen<l, an djis Gen- 
fer Institut rniversilaire <le Ilautes Kludo inler- 
hatiomiles und an die Deutselie Iniversität 
Prag über. Die l'rinneiung an seine PMO in 
({enl jäh abgehrochene (M'lolgreich(» Tätigkeit ivi 
(.h'U älteren Kollegen mxdi geg(Mi\\:irl ig. Die weit - 
;>oliti seilen Kreignisse jiihrt(>n Kels<Mi nacii dvn 
Vereinigten Staaten, wo er viele Jahre (h'm Delir- 
körper i\vv Berkeley-l'niversität V)ei San Francisco 
;.ng-']iörte. Zahlreiche Klu-ungen, worunter eine l)e- 
sonders gioBe Zahl von Khrendoktoraten, sind ihm 
zuteil ge\vordei>. u.a. Vtrechl, Harvard. Ghi<-ago. 
Salamanca. Paris, Wien, Alexiko. Zu erwähnen 
sind auch die Khrenmitgliedschaft des Jnstititt <le 
droit iniernational, die Zugehbrigkeit zu nationalen 
-Vkademien, aber auch der äußere Ki't'olg seines 
groB<Mi, oft neu verlegt(Mi Schrifttums. Die größte 
Fi-eude bereiteten al»#- Kelsen nicht die äußeren 
Anszei(duuuigen luid die ihm gewidmeten Fest- 
schrirt(Mi, .soMfU'rn die Ciabe der l'nivei-sity ol' Gali- 
l'ornia. wehdie eine Hans Kelsen Kibrary für Politi- 
r',\\ Sci(Mici' erriiditetc. 

KelMMi ist seil ^^'inpn e|)0(dialen «Haui)t j)roWe- 
men der Staat sreelit-slehre», die noch vor dem 
Frstcn Weltkrieg er^hienen sind (11)11), st(>ts an 
dem (Jedanken meht6<lis(dier Keinheit orientiert ge- 
blieben. Seine Bei rac htungsweiso besteht, im ( iegen- 
>atz und in i4'\bkehr von auf metapliysischen 
Gnnidlagen iH^ruhenden natuiTecdit liehen Auffas- 
sungen, auf->üier streng juristisclien Staatsrechts^ 
,('hre, auf,i:f*iner Theorie des positiven Kecdits, so- 
i ,nit auf einer Krsetzung metajdiysis(dier Postulatc 
I duv<di transzendentale Kategorien als den Bedin- 
ruij^geu der Erfahrung, bestimmt durch Kants \or- 
ftlkritik. "Vaiwl -it ilmi of? die von ihr4i in dle- 
fjrti Zusammenhang anofestrebte strenpre Abgren- 
iug des Sollens vom Sein zum Vorwurf ge- 
weht: Kelsen erl)]ickt m der Tat in der Heehts- 
nung ein Sy.slem von Normen und widei*setzt 
der kaus}dwis.sensehaftli<dien Orientierung, die 
len vers(düe<lenen Formen der soziologisidien und 
■irrechtliihen ^;taatsh>hre immer wieder ver- 
■ d, sieh dem Monojxd der ausschließli( h mn-ma- 
n Betracht luigsweise als «formalistisch» zu 
Lk setzen, Kelsens Gegner behau])ten, seine 
e Re<dit.slehre könne wed<'r einen waliren 
tsbegriif noch die Idee der Gerechtigkeit noidi 
laupt das nicht auf f(u-male Kiemente eines am 
sinhalt (im (b>gensatz zum Kechtswesen) 
.ierten Hecht sphänomen in Betracht ziehen. 



t 



Kelsen wäre \v(.hl d(-r letzte, der eine gewisse — 
dundi ihr AVesen notwendige — Einseitigkeit der 
Heiiu-n Keditslehre leugnen würde; denn mit d<^r 
Scheidung von Form und Inhalt und der dadurch 
mr.gii<dien ( iegenüb(ustellung von Kechtswescns- 
und He(ditsinhaltsbegrifl'en ist es erst möglich ge- 
worden, zwis(di(Mi Kechtsbegi-ilVen zu unterscheiden, 
,lio sich schhvhthin an jcvler Hechtsordnung be- 
währen und ilaher apriorischen Cliarakler haben, 
und solchen, die nur eine Typologie des Hechts- 
mhaltes darstellen und deshalb in einer vergleichen- 
den Hetracditung der historisrh gegebenen Hecdits- 
ordnungen gewonnen werden müssen. 

Aber was nurli duivli die Met hodenslrengf_ in 
\\(dil unv(M-gänglicher Weise erzielt Asurde, ist nicliL 
wenig und wohl der gelungenste Versuch einer aus- 
siddießlieh auf normativem Standpunkte fußenden 
Keidits- und Staatslehre: Dies gilt vor allem <lurch 
die s<diarfe Hervorhebung der strengen Trennung 
von Staats- un«l X'f.lkenvcht einei>eii> und Politik 
anderseits, in der reberwimluiig i\v^ ab.soluten 
Gegensatze.- des rMl'eiitlich<-!i Hechts un.i de> Privat- 
rechls, in der Heiativierung von l^egriffen, wie 
jcMien'des objektiven und des subjektiven h'eclits. 
v(m Hechisnorm und Hechtssubjekt und überliaupL 
von Heiditserzeugung und Hecht san Wendung. 

Gewiß ist Kelsen nicht der Ein/ige. der in der 
grotien sozialwissenschatt liehen Bewegung <ier 
ersten Hälfte des zwanzigsten dahvhunderts zu die- 
sen Ergebniss<Mi gelangt ist. Zu dem — wie ich 
annehmen mö(dite — erfolgten Aufstieg von der 
subjektivist ischen Sphäre des P>y(diologismus in 
den Bereich logisdi-objekl ivei' (ieltuug haben alle 
i(Mie großen X'org'.inger und ZeitgiMio.ssen Kel- 
's(.ns — vor allem die St,aats- und Hecht st hei.rie 
des Pnsitivismus im allgemeinen — wichtige Bei- 
träge geleistet. Die zum Teil leidenschaftlichen An- 
griffe gegen dies<> Vlethode rechtstheoretis«dien 
T)(Mik(Mis können aber den Erfolg der Heinen 
Hechtslehre in allen Kontinenten und selbst da.-i 
Echo })ei einer an i\vv Aleta])hysik orientierten Be- 
tra(ditungsw(üse (zum Beis|)iel Alfred A'erdross) 
nicht wcgleugium. Anderseits ist si(di aber auch Aev 
l-Jegrüiuler dvv Heinen Hecht sichre darüber im 
klaren, daß eine auf die Erforschung des formalen 
Wesens des Rechts geri<ditele Tätigkeit einer Er- 
gänzung bedarf, nämlich einer aufs Inhalt liidie ge- 
ri(diteten Ge.sellschaft sichre (Soziologie), die dann 
ihrerseits für die Infra^struktur der H^H-htsordnung, 
aber auch für die Anwendung und Auslegung der 
Hechtssätze Wesentliches auszusagen bat. 

HaiLS Kelsen selbst ist aber ^\eitei- unablässig 
in s(Mnem selbst gewählten und begrenzten Hahmen 
tätig. Xoch heute hemüht' efai<di um die Erfor- 
schung des fonnalen Charakters des retditliciieu 
Sollens im H^ihmen weitgespanjiicr recht alogischer 
IJntersutdiungen, eine AufgalKi, die heute im MittH- 
]>unkt des re<ditsphilosophisc.hen Interesses stehle 
Eindrücklich ist der Lebensgang des vielgeprüften 
Gelehrten, der seinem ursprünglichen Aufgaben- 
kreis in Zeiten äußeren Glanzes wie in Zeiten der 
Xot stets treu geblieben ist, nämli<'h der Hechts- 
' wissens(diaft als Wissens<diaft v«m Normen des 
rechtlichen Sollens selbstlos zu dienen. Heute ge- 
d(Mikt ein weltweiter Schülerkreis eines CJelehrten, 
dessen großer wissenscdiaftlicher Beitrag zur Ix'hre 
von Staat und hV<dit Fernwirkung in Zelt nnd 
l^aum beanspnndit und aus der modernen Geistes- 
ges<diichte der Sozialwissenschaften nicht mehr 
\\egzud(mken ist. 



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Paul (rHffO'nlirim 

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Ernst Böse, Hamburg 

Die wirtfdiaftUdie und gefcllfchaftlidic Krife mit ihren gefährlidien 
politifchcn Auswiikungen zwingt uns, auf das Problem der Krifenbekampfung 
die größte Aufmerkfamkeit zu riditen. Die folgenden Zeilen verfolgen darum 
den Zwedc, aus einigen Brofchürcn und Büdiern fozialiftifdicr Theoretiker 
die grundlegenden Gedanken herauszuftellen, die nidit nur die Agitation hc- 
frud'.ten können, fondern zugleidi audi die Anfatzpunkte für die foziahftifdic 
Tat aufzeigen. Die lebendige Theorie, die fidi um die finnvolle Erklärung 
der heutigen Krifcncrfdicinungcn bemüht, ift der Wegweifer zu den praktifchcn 
Aufgaben, die unferer Partei als dem Anwalt der nodeidenden Volksmaflcn 
geftellt find. y " 

• In allgemeinverftändlidier, flüfnger Darfteilung behandelt ProfclTor 
Dr. P. Hermberg die Urfadicn und die vcrfdiärfenden Momente der gegen- 
wärtigen Weltwirtfdiaftskrife in feiner Brofdiürc „Krifenablanf e'mß umi 
jetzt" (Carl Heymanns Verlag, Berlin, Preis i Mk.). Die widerfpruchsvolle 
Erfchcinung, daß auf der einen Seite ein Uebcrangebot an Rohftoffen, ein 
Lecrftehcn der Fabriken und auf der andern Seite zahllofe arbeitfudiende 
Mcnfdienhändc und bittere Not einander gegenüberftehen, bedarf nadi Hcrm- 
bcrg einer Erklärung, die nidit in Nebenumftänden, fondern in der gruuJ- 
legenden Konflruktion des gejamten hapitaliflilchen Syßems gefudit werden 
muß. Würde eine belTcrc Kenntnis der Markdagc Fehlleitungen unmöglidi 
madien, fo würden damit Krifcn nodi keineswegs verfdiwindcn, in denen 
viclm-^r ein Stüdc des gcfamten wirtfdiafdidicn Kreislaufes im Kapitalismus 
gcfchcn werden muß. Die Tatfadie, daß die Produktion in falfchcr Riditung 
gegangen ift, ift dcmnadi eine Fehlleitung bcfondercr Art, „die nidit aus 
Mangel an Einfidit erfolgt, fondern fidi aus dem ganzen Aufbau des 
kapiialillifchcn Induaricfy'ftcms und feiner wirlfdiafdidien Kräfteverteilung 
notwendig ergibt. Die Produktion muß augenfdieinlidi gerade durdi die 
günfligc Konjunktur zwangsläufig in Bahnen gelenkt werden, in die ihr der 
Vcrhraudi nicht folgen kann. Es mülTen Kräfte am Werke fein, die gerade im 
wirtfdiaftlidicn Auffdiwung das Mißverhältnis zwifdien Produktions- und 
Vcrbraudismöglidikcit dauernd vcrftärkcn". Der SdilülTcl zur Erklärung des 
kapitaliaifd.cn Krifcn/yklus liegt in der Erfdieinung, daß der auf Produk- 
tionsmittel gerichtete Einkommensteil in feinem Wadistum den dem direkten 
mcnfdilidicn Vcrbraudi dienenden Einkommen vorauseilt, alfo in der Dis- 
Proportionalität zwifdicn der Produktionsmittel- und der Konfumtions- 
niittclinduftrie. Die Wicderherllellung des Gleidigewidits erfordert cinp 
Steigerung der Verbrauchsmöglidikeitcn und als Mittel dazu die Prcis- 
fcnk*ung, die aber zur Krifenübtrwindung nur foweit wirkfam wird, als fic den 
Preis der Ware Arbeitskraft nidit mit fenkt, fondern llabil erhält. ,,Eine 
krifcnlindcrndc Wirkung haben aber die Preisherabfctzungcn nur, foweit fic 
nidit durdi Lohnkürzungen erkauft find." Erheblidi kompliziert wird, wie 
Hermberg meint, die gegenwärtige Wcltkrifc durdi das Zufammenfallcn der 
Induftrickrifc mit einer Agrarkrife ganz ungewöhnlichen Ausmaßes und durch 
jmg^ die Prcisdikiaiur des Monopolkapitalismus. Die außergewöhnlich hohen 
12 Arbeitslofcnziffein werden zurückgeführt nidit auf das Tempo, fondern auf 



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die plötzlidie Unterbrediung des fdinellen Tempos der Rationalifierung, den 
jähen Abbruch einer mächtigen Rationalifierungswellc. In Deutschland hat 
während der Rationalifierung das Tempo der Nadifrage nadi Arbeitskraft 
tnit dem des Angebots an neu zuwachfendcn Arbeitnclimcrn nicht Schritt 
gehalten. Die überreidilidi befetzten Jahrgänge der letzten Vorkriegszeit, die 
Abnahme der Sterblidikcit und der Zuf^rom der ins Erwerbsleben drängenden 
Frauen verfdiärften die Situation auf dem Arbeltsmarkt. In der vorausficht- 
lichen zukünftigen Bevölkerungsentwicklung (Geburtenausfall während des 
Krieges) ficht Hermberg für die Ueberwindung der Krife eine ungewöhnlich 
günftige Chance; „Dai bedeutet vielleidjt für das kapitali/lilche Induflricjyßerji 
die Kettung'* Hermberg fchließt fein Büchlein mit einem Appell an die mcnfch- 
liche Vernunft und mit der Aufforderung, den Blodc derer, die die planmäßige 
fozialiftifdic Bedarf sdedcungswirtfdiaft fordern, größer und fefter zu gcftalten. 
Auch wenn dicfc Krife überwunden wird, ihr werden immer wieder neue 
folgen — bis das Proletariat die Produktivkräfte bändigt und eine fmnvollcrc 
Gcfellfdiaftsordnung aufbaut. 
• »Wege aus der Krife" nennt fidi eine kleinere, in zweiter Auflage crfdiienenc 

Sdirift • des Heidelberger ProfclTors und Sozialiflen Emil Lederer (Mohr, 

Tübingen, Preis i Mk.). Die Grundurfadic der Krife mr^AIrfnuf der 
kapiuliftifchen Produktion fieht auch Lederer, wie Hermberg, in der Dis- 
proportionalität, d. h. in dem vcrfchiedcn rafchen Wadistum der Wirtfchafts- 
zwcige. Die pcriodifdie Wiederkehr der Krifen ift das Lcbensgefetz der 
kapitaliftifchcn Produktion. Aber zu diefcr Grundurfache treten nodi andere 
Gründe hinzu, die in ihrem Zufammenwirken erft die Sdiwere dicfer Krife 
verftändlidi machen. Lederer nennt als folche Gründe, die die Eigenart der 
gegenwärtigen Krife beftimmcn: die grundlegenden Veränderungen in den Er- 
zeugungsbedingungen der induftriellen Rohl\offe und Nahrungsmittel, die 
Veränderung im Altersaufbau der Bevölkerung (die Bevölkerung im Alter zon 
/; bis 60 Jahren erhöhte fidj in Deutfdnand von 1900 bis 192s von 32% auf 
^oVi Millionen), die Wirkungen des technifdien Fortfdirittes, die Zölle und 
internationalen Kartelle, die Reparationszahlungen und die Auswirkungen der 

' I'olitifchen Lage Europas, insbefondere Dcutfchlands, Die Liquidation der 
WirtfchaftsKrife kann nu: von der Preisfeite her erfolgen. „Die Balance kann 
nur durd» Preisfenkungen, fei es auch mit Vcrluften, herbeigeführt werden. 
Diefc erhöhen das Realeinkommen, crmöglidicn alfo das relative Anzeigen des 
Konfums, die erftc Vorbedingung für den Aufftieg." Lobnabbau ijl kein 
Ausxceg aus der Krife. Lederer ift der Auffaffung, d^ß die Krife der 
kapitalirtifdien Wirtfdiaft durdi kapitaliftifdie Mittel (Entwertung der zu 
großen Kapitalien, Vernichtung des ZinsgcnulTcs und der Gcwinnanfprüche aus 
Fchlinvcftitionen) behoben werden könnte •— „aber dodi nur eben könnte, 
wenn die kapitalirtifdien Mittel angewendet werden würden". Doch der 

;. kapitaliftifdie Automaiismus verfagt infoige der ftarken Stellung der markt- 
bchcrrfdiendcn Wirtfciiafiszweigc. Die dem Kapitalismus felbft immanenten 
Tendenzen, die „eine fixierte Wirtfdiaf: ohne Plan" fdiufen, haben feine 

' Elaftizität und feine Fähigkeit zur AnpalTung gehemmt. So bleibt als Ausweg 
nur die planmäßige Ordnung der gefelKdiaftlidien Produktivkräfte, die heute 
als Aufgabe durdiaus lösbar ift, denn wir haben einen genügenden Ucberblick 
über die Produktivkräfte; wir kennen die BcdürfnilTe der Bevölkerung, wir 
verfügen über die Mittel, den Produktionsaufbau zu fördern, wir kennen den 4M 4^ 
Mechanismus der Produktion und der Reproduktion, die Rolle, die die Yer- %9 



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tcllung des Kapitals in Betriebs- und Anlagekapital fpiclt, wir kennen die Be- 
deutung des Wadistumstempos einer Volkswirtldiaft und die neuen Aufgaben, 
die fich unfer Produktionskörper ftcUen könnte. 

Seine Behauptung, daß Lohnabbau kein Ausweg aus der Krifc ift» hat 
ProfelTor Lederer in einer befondcren Arbeit „Wirkungen des Lohnabbaues'* 
unter Beweis gcftcUt (im gleidien Verlage). Weder die Verminderung des Real- 
lohnes, noch die gleichzeitige Senkung von Löhnen und Preifen führen uns aus 
der Depreffion heraus. „Man kann vielleicht fo fagen: daß die Arbeitslofigkcit 
in der Krife nidit die Folge des Lohnniveaus ift, daß fie allerdings bei freier 
Konkurrenz auf das Lohnniveau unvermeidlidi drüdct (übrigens auch bei 
ßarken Organifationen), daß aber diefer Drude auf das Lohnniveau in der 
Krife überwiegend kein Heilungsfaktor ift." Die primitive VorftcUung, man 
könne immer, wenn Arbeitslofigkcit herrfcht, durch Herabfctzung der Löhne 
das Glcidigewidit wieder herftcllen, gehöre in die Rumpelkammer der Theorie. 
Zu bcaditen ift btfonders die Kritik der Theorien Caflels, der in der Arbcits- 
lofigkeit nur eine Funktion der Lohnhöhe fieht, den Organifationen der 
Arbeiterfchaft die Schuld in die Sdiuhe fdhiebt und für die Bcfeitigung aller 
MonopolftcUungen auf dem Markte, auch der Gewerkfchaften, eintritt. 

Von bcfondercr Bedeutung nidit nur für die Aufhellung noch dunkler 
Probleme der Theorie, fondern audi für die Richtung der fozialiftifchcn 
Politik in den nachftcn Jahren ift eine dritte Arbeit des Gcnoften Ledercr 
über yXedmifcljcr Fortfehritt und Arbeitsloftgkeit*' (dcrfelbe Verlag, Preis 
5 Mk.). Es ift fehr oft behauptet worden, daß der technifche Fortfehritt und 
die Rationalificrung zwar anfänglich Arbeiter freifetzen, daß aber gleidizcitig 
nach Uebcrwindung augenblicklicher Stliwierigkeiten die vorübergehend aus- 
gefdialtcten Arbeiter wieder in den Produktionsprozeß aufgefogen würden 
(Kompenfationsthcoric). Lcdcrer bekennt, daß audi er bisher diefc Auffaffung 
für ridnig gehalten habe, bei gründlicher Ueberprüfung jedodj z\i der Ucbcr- 
zeugung gekommen fei, daß der Gedankengang der Kompenfationstheoretiker 
nidit den Gcfamtprozcß erfaftc und nicht alle Glieder des Zirkubtions- 
prozclTes berüdtfichtige. Aus den Unterfudiungen Ledcrcrs über die inneren 
Zufammcnhiingc einer tcdinifch fidi rafch wandelnden Produktion folgt: 

1. Ob der tedmifdie Fortfdiritt eine ftrukturelle Arbeitslofigkcit, d. h. die 
Deprcffionspcriodc überdauernde Arbeitslofigkeit nadi fich zieht, hängt 
von feinem Tempo ab. 

2. Die Organifation großer Induftrien in Kartelle und Trufte hat die 
Tendenz, den tcchnifchen Fortfchritt zu befchleunigen und ihn zu fdinell 
werden zu laffen. 

3. Das Tempo des tcdmifdicn Fortfdiritts in der Konjunktur ift für die 
Schwere der Depreffion und für die in ihr herrfdiendc Arbeitslofigkcit 
verantwortlidi. 

4. Die Verheerungen, die der technifche Fortfchritt und die Rationali- 
fierung nach fidi ziehen, ftcllen das Problem der fozialiftifdien Bedarfs- 
deckungswirtfdiaft, die Fragen der gcfellfdiaftÜchen Organifation der 
Produktivkräfte erneut und mit bcfondercr Dringlichkeit auf die 

, Tagesordnung. 

Für die Orientierung der fozialiftifdien Politik in der nadi Ausdehnung 
und Struktur völlig geänderten Welt des Nachkricgskapitalismus bedeuiung»- 
voll zu werden verfpridit das vierbändige Werk Otto Bauers „Kapitalismui 
und Sozialismus nadi dem Weltkrieg", von dem crft der crftc Band unter 



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dem Titel „Rationali fierung — Fehlrationali fierung" vorliegt, dzT mit einer 
Darftellung der neuen Pioduktivkräfte und Produktionsverhältniflc beginnt 
(Wiener Volksbuchhandlung, Preis 4,30 Mk.). Mit den Arbeits- und 
Forfchungsmittcln des marjciftifchen Nationalökonomen und Soziologen geht 
Otto Bauer an die neuen Tatfachen und an die neuen Entwicklungstendenzen 
des Nadikriegskapitalismus heran. Um die Tatfachen der Rationalificrung, 
um die Bewußtwerdung ihres Wefens und ihres Sinnes, um ihre Beziehungen 
zur Gefellfciiaftsordnung und zum Sozialismus handelt es fich. 

Wer die vielfältige Arbeit des Politikers und Parteiführers zu beurteilen 
vermag, wird erftaunt fein über die Fülle des WifTens, mit der Otto Bauer uns 
mit den mannigfaltigen Formen der Rationalificrung bekanntmacht. Das 
Wefen der Rationalificrung befteht darin, möglichft viel Arbeit, die für den 
angeftrebten Nutzeffekt nicht notwendig ift, zu vermeiden und die dadurch 
/erf parte Arbeitskraft zur Vergrößerung des Nutzeffektes nutzbar zu madicn. 
Die. Entwicklung ift jedoch weit über die tecjinologifche Rationalificrung, d. h. 
die Einführung arbeitfparender Mafdiinen hinausgegangen. Die WifTcnfdiaft 
madit fich das gefamte wirtfdiaftliche Handeln untenan. „Verfteht man 
unter der Rationalificrung jenen Prozeß ruckhafter tedmÜcher und wlrtfchaft- 
licher Umftellung und Anpaffung, der dem Krieg und der Inflation folgte, fo 
war fie ein einmaliger, jetzt fdion abgcfchloflener Vorgang. Verfteht man 
dagegen unter Rationalificrung die Verwiüenfchaftlidiung der Arbeits- 
anordnung, der Verwertung der Arbeitskraft, der wirtfchaftlidicn Führung 
der Unternehmungen, fo ift fie keineswegs abgefdilofTen. Sic ift eine Ent- 
wicklungstendenz, die, durch die Umftcliungsprozefle der Nachinflationszcit 
mächtig angeregt, weit über fie hinaus wirkt und wirken wird. Eine Entwick' 
lungt in deren Anfängen wir erß ßehcn," 

Jede Rationalificrung wird in der kapitaliftifchen Gcfcllfdiaft fchließlidi In 
den Bereich der Fehlrationalifierung hineingetrieben. Es mülTcn In der kapi- 
taliftifchen Gefcllfchaft immer wieder Rationalifierungsmaßnahmen erfolgen, 
die vom Standpunkt gefcllfchaftlidier Produktionskoftenrcdinung Fehl- 
rationalifierungcn find, d. h. der Mehraufwand an fixen Koften ift zwar 
kleiner als die Erfparnis an Arbeitslohn, aber größer als die Differenz zwifdjen 
diefcr Erfparnis und dem gefellfchaftlichcn Mehraufwand für die Erhaltung 
der durdj die Rationali fierung arbeitslos gezvordenen Arbeiter. Die Produk- 
tionskoften des Unternehmers werden gcfenkt, die gcfellfdiaftÜchen Produk- 
tionskoftcn dagegen erhöhen fich; Die Quelle diefer Fehlrationalifierungen 
kann erft in der fozialiftifdien Planwirtfchaft verftopft werden. Auch der 
fozialiftifche Staat wird ratlonalJfieren mülTen, „aber er würde nur In dem 
Tempo rationalificrcn, in dem er die durch die Rationalificrung entbehrlich 
gewordenen Arbeiter in andere Betriebe, Berufe, Produktionszweige über- 
führen kann". 

Die fozialiftifdien Theoretiker und Praktiker muffen in gegcnfeitigcm Zu- 
fammenwirken den arbeitenden Mafien, die den Glauben an den Kapitalismus 
verloren haben, den Weg zur forialiftiichen Gefellfchaftsordnung aufzeigen. 
Kommuniftcn und Nationalfozialiften üben fich in faft nicht mehr zu über- 
bietender geifernder Demagogie, ohne auch nur im geringften fidi den Kopf 
darüber zu zcrbredien, welche Möglidikeiten gegeben find, um das Elend der 
Mafien zu lindern. Von uns aber erwarten unfere Anhänger mehr als 
Deklamationen und dimagogifche Verfprcchungen: nämlich die praktifche Tat. 
Kein ernfthaftcr SoziaUieniokrtt .ycrkennt die unermeßlichen Schwierigkeiten, 



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RfFERENCE. -f'* 

C\ ' "'"^ Theodor Lessing, Linmal und nie wie ier, Prag 1935, 

^Y Neudruck Guetersloh 1969 

Geb. Hannover 1872, bohn eines Arztes, unbrauchbarer Schueler 
Gartenbauschule A]aleni,dann Lehrling ira Bankhaus Alexander Simon, 
wieder zurueck zur Schule, übiturium, 1893 Universitaet Freiburg, 
Studium der Medizin, evangelisch, als er muendig ;\urde,spaeter 
Zionist, verheiratet mit Adliger, alle Kinder jueaische Namen, durch Tod 
des Vaters, Arztberuf aufgegeben,Schrif tstellerberuf , seit 18S 
^.Wanderlehrer, Vor tragsreciner, Kritiker,Publizist,xtezi tator.In 
Muenchen Bekanntschaft Theodor Lipp, Psychologie studiert , Dr. phil. 
Lehrer im Landerziehungsheizi in Haubinda, Gustav ^yneken, Antise- 
mitische Massnahme, Nichtaufnahme von Juden, erklaerte,dass er 
dann nicht Lehrberuf weiterfuehren koennte, 1904 Lehrerstelle in 

Dresden, soziale Arbeit, Sozialdemokratie und Gewerkschafter, 
wollte sich habilitieren, i^mpfehlung von Lipp an Husserl in 
Goettingen, dieser empfahl ihn fuer Technische Hochschule Hannover, 
wo er 18 Jahre Philosophie lehrte. Veroeff entlichte seit 1908 
philosophische Schriiten, vorher Gedichte , Dramen, Novellen. 
Als philosophische Schriften Schopenhauer-vmgner-Nietzsche und 
Philosophie als Tat vorbereitet. Spaeter Charakterologie .Gegner 
des Krieges, schrieb Geschichte als Sinngebung des oinnlosen.ünter- 
richtete waehrend des Krieges an Gymnasien von Hannover. vermochte 
sich nicht auf buergerlichen Beruf oder eine Partei festzulegen. 
Lrmordet von Nazis in Haus kKX in der Tschechoslowakei 19^3. 



Seite 4 

Im MB vom 18.12.1964 war eine 
Zuschrift von Wolfgang A. Schok- 
ken „Thomas Manns politischer 
Weg" enthalten, in welcher zu den 
am 13. und 20. November erschie- 
nenen Aufsätzen aus der Feder von 
Prof. Walter A. Berendsohn „Tho- 
mas Mann erfüllt die Forderungen 
des Tages" Stellung genommen 
wurde. In dem erwähnten Brief 
wird auf einen Aufsatz von Theo- 
dor Lessing hingewiesen, der sich 
im Jahre 1925 mit der Haltimg 
Thomas Manns zu ihm beschäftigte 



MB *— 1. Januar 1965 



Nr. 1 



KURT LOEWENSTEIN 



/ 



Rand - Juden, Rand - 

Samuel Lublinski - Theodor Lessing - Thomas Mann / 



und dem Dichter schwere Vorwür- 
fe machte, ja behauptete, er — 
Mann — habe ihn — Lessing — 
entscheidend dahin beeinflusst, zu 
einem „Skeptiker an der Kultur" 
zu werden. 



THEODOR LESSINGS TRAGISCHES ENDE 



Diese Bemerkung Theodor Les- 
sings bringt uns auf Zusammen- 
hänge, die nicht nur für seine ei- 
gene Stellung von grossem Inter- 
esse sind, sondern auch für die 
Haltung Thomas Manns zur Juden- 
frage und darüber hinaus für die 
Geistesgeschichte des deutschen 
Judentums, abgesehen von der Ge- 
schichte des deutschen Zionismus. 
Die in der Zuschrift erwähnte Stei- 
le ist einem Aufsatz Theodor Les- 
sings in der Zeitschrift „Junge 
Menschen" entnommen, die ein 
Lessing-Sonderheft (Jahrgang 1925, 
Nr. 10) herausgab. Der Anlass für 
die Veröffentlichung dieses Heftes 
war der Skandal, der um Theodir 
Lessing, damals Privatdozent für 
Phüosophie an der Technischen 
Hochschule in Hannover, ausge- 
brochen war. Der Sozialist Lessing 
hatte kurz vor der Wahl Hinden- 
burgs zum Reichspräsidenten im 
„Prager Tagblatt" einen Artikel ver- 
öffentlicht, der die Kandidatur des 



Feldmarschalls kritisch betrachtete. 
Die Folge war unter den Studenten 
in Haimover eine gegen Lessing ge- 
richtete antisemitische Aktion mit 
dem Ziele seiner Verdrängung vom 
Lehramt. Es drohte der Ausbruch 
eines Generalstreiks der Studenten 
aller deutschen Hochschulen. Les- 
sing wurde weder von den Profes- 
soren in Harmover noch von den 
dortigen Behörden unterstützt, die 
Rechtsparteien hetzten gegen ihn 
aufs heftigste, und es kam schliess- 
lich zu einem Kompromiss: Lessing 
stellte seine Vorlesungen ein, er- 
hielt vom Preussischen Kultusmini- 
sterium einen Forschungsauftrag, 
betätigte sich fortan publizistisch, 
auch als Vortragsredner und arbei- 
tete wissenschaftlich. Sein Ende 
war tragisch: Er wurde im Jahre 
1933 von Nazis in Marienbad in der 
Tschechoslowakei ermordet. So 
wurde dieser Mann im Gedächtrüs 
der deutschen Judenheit zu einem 
ihrer ersten Märtyrer der Nazizeit. 



te, dass mir meine deutsche Erzie- 
hung tiefer, als ich ahnte, im Blute 
lag, sodass ich unabhängig von mei- 
nem Wollen, tatsächlich assimiliert 
bin. Das bedaure ich in mancher 
Hinsicht. Denn Staatsbürger zwei- 
ter Klasse zu sein, gehört nicht 
zu den Annehmlichkeiten des Da- 
seins. Schon darum, weil er unse- 
re Nachkommen über solchen Kon- 
flikt wegheben wird, ist der Zionis- 
mus zu begrüssen." (Hierzu schrieb 
Rabb. Dr. Osias Thon [Polen] un- 
ter dem Titel „Eüi Abgefallener" 
eme Polemik in der „Welt", 1901, 
Nr. 46.) 

Später vertrat Lublinski seine 
extrem individualistische Einstel- 
lung in dem 1905 publizierten Sam- 
melbuch „Die Stimme der Wahr- 
heit, Jahrbuch für wissenschaftli- 
chen Zionismus" (herausgegeben 
von Lazar Schön — Verlag N. 
Philippi, Würzburg), und in gewis- 
sem Sinne in einer prophetischen 
Form. Denn er meinte dort u.a., je- 
der Jude müsse Individualist sein, 
habe doch der Sieg des Individua- 
lismus zum Fall der Ghettoschran- 
ken geführt. Die kulturelle Rechts- 



grundlage der Judenemanzipation 
müsse durch jede neue Bindung 
der Geselischaftskräfte erschüttert 
werden. (Setzt man an die Stelle 
des Begriffes „Individualismus" 
denjenigen des ihm eng verwand- 
ten „Liberalismus", so erhält die- 
ser Satz eine höchst aktuelle Fär- 
bung.) Lublinski hat, neben seinen 
literatur- und kulturkritischen For- 
schungen sich auch auf dem Ge- 
biete des Dramas betätigt; eines 
seiner Werke trägt den — überra- 
schenden — Titel „Günther und 
Brunhild". Sein bedeutendstes, 1910 
erschienenes Werk ist der Entste- 
hung des Christentums gewidmet; 
er leugnet die Existenz Jesu, wie 
es kurz (1908) zuvor Karl Kautsky 
in „Der Ursprung des Christen- 
tums" getan hatte. Auch eine Bro- 
schüre „Die Entstehung des Juden- 
tums" entstammt Lublinskis Feder 
und gab zu Kontroversen Anlass. 
Schon diese Hinweise zeigen, dass 
es sich bei ihm, dem zweiten Pro- 
tagonisten in dem „Drama", das 
hier zu schildern ist, um eine ei- 
genartige, schillernde und sozusa- 
gen am Rande vieler Entwicklun- 
gen stehende Erscheinung handelte. 



DER ANGRIFF 



JÜDISCHER SELBSTHASS 



Wer war nun Theodor Lessing, 
wenn wir seine Position als Jude 
werten wollen? — Es handelte sich 
bei ihm um eine allerdings recht 
interessante Randerscheinung des 
deutsch-.jüdischen Lebens. Sein Weg 
führte zunächst vom Judentum 
fort, er liess sich taufen, wurde 
dann vom Zionismus beeinflusst 
und kehrte 1900 (im Alter von 28 
Jahren) wieder zum Judentum zu 
rück. Zeitweise war er auch aktiv 
zionistisch tätig, machte dann je- 
doch eine Periode durch, in der er 
aufs heftigste dem Ausdruck gab, 
wofür er später selbst die prägnan- 
teste Formulierung gefunden hat, 
eine Zeit des jüdischen Selbsthasses. 
Im Jahre 1930 hat er dann, ausgehend 
von dieser Anwandlung und unter 
dem Eindruck der inzwischen erfolg- 



ten Entwicklungei^und der eigenen 
Erlebnisse, sein sehr bekannt ge- 
wordenes Buch „Der jüdische 
Selbsthass" veröffentlicht, worin er 
an einer Reihe von Beispielen (u.a. 
Arthur Trebitsch, Otto Weininger, 
Maximilian Harden, Walter Cale) 
diese Erscheinung darstellte. Es ist 
nun von grösstem Interesse zu se- 
hen, wie radikal Lessing in den im 
Jahre 1925 geschriebenen Sätzen 
über Thomas Manns Beziehung zu 
ihm den eigenen Selbsthass „ver- 
drängt" hat, und . dies obwohl er 
selbst eine nicht unbedeutende Lei- 
stung als Psychologe aufweisen 
konnte. In Wirklichkeit handelt es 
sich im Zusammenhang mit Tho- 
mas Manns Beziehung zu Lessing 
um einen Vorgang, der für diesen 
höchst peinlicher Natur war. 



WER WAR SAMUEL LUBLINSKI? 



Im Jahre 1910 veröffentlichte 
Theodor Lessing in der „Schaubüh- 
ne" (der späteren „Weltbühne") 
Siegfried Jacobsohns einen grossen 
Aufsatz über die Bücher von Sa- 
muel Lublinski „Die Bilanz der 
Moderne" (1904) und „Ausgang der 
Moderne" (1908). Auch Lublinski 
bildete eine Art von „Randerschei- 
nung" des jüdischen — und des 
zionistischen — Lebens. Er war 
schon vor dem Ersten Kongress zio- 
nistischen Ideen nahegekommen, 
nahm am Kongress teil, schrieb 
seit 1897 häufig in der „Welt" und 
trat in der zionistischen Agitation 
in Berlin auf. Im Jahre 1896 wur- 
de er in eine Diskussion mit Achad 
Haam verwickelt, nachdem er in 
der „Neuen Deutschen Rundschau" 
im Dezember jenes Jahres einen 
Aufsatz „Antisemitismus" veröffent- 
licht hatte, in dem er sich mit dem 
Problem der Assimilierbarkeit der 
Juden beschäftigte. Lublinski ver- 
trat darin die These, die Juden 
müssten durch Nationalisierung 
erst einen eigenen geistigen Cha- 
rakter gewinnen, wenn sie sich 



nicht jüdische Kultur in der ihr ei- 
genen Tiefe wirklich aneignen woll- 
ten. Darauf antwortete Achad Ha- 
am im Odessaer „Haschiloach" in 
seinem Aufsatz „Neuer Nationalis- 
mus" (enthalten im 3. Bande von 
„AI Paraschath Derachim"), in dem 
er sagte, es handele sich dabei um 
„Nationalismus zum Zwecke der 
Assimilation". 

Lublinski, aus Johannisburg 
(Ostpreussen) stammend, war schon 
in jenen Jahren ein angesehener 
Literatur-Kritiker, der das Gesamt- 
problem der Kultur in seinen 
Schriften im Auge hatte. Im Jahre 
1899 trennte er sich vom Zionis- 
mus; er veröffentlichte in der 
„Welt" (Nr. 45) folgende Abschieds- 
Erkläruns: 

„Der Zionismus hat sich zur Auf- 
:4abe gestellt, solchen Juden, dio 
sich in ihren Geburtsländern nicht 
assimilieren können oder wollen, 
eine öffentlich-rechtlich gesicherte 
Heimstätte zu schaffen. — Ich 
glaubte lange Zeit, zu diesen Juden 
zu gehören. Bis ich dann erkann- 



Der Aufsatz Theodor Lessings 
über Lublinskis Bücher, in denen 
sich dieser mit Naturalismus imd 
Neuromantik auseinandersetzte, 

trug den Titel „Samuel zieht die 
Bilanz". Die „Jüdische Rundschau" 
vom 11.2.1910 befasste sich in ei- 
nem Leitartikel mit dem „Fall Les- 
sing". Dieser Fall umfasste zwei 
Teile, deren einer uns in diesem 
Zusammenhange weniger interes- 
siert, obgleich es sich dabei eben- 
falls um einen Ausbruch des jüdi- 
schen Selbsthasses Lessings han- 
delte. Es ging um eine von Lessmg 
in der von dem rabiaten Antizioni- 
sten Geheimrat Prof. Ludwig Gel- 
ger, dem Sohne Abraham Geigers, 
herausgegebenen „Allgemeinen Zei- 
tung des Judentums" publizierte 
Reportage über eine Reise nach Ga- 
lizien. Darin hatte er ganz infame 
Behauptungen über seine dortigen 
Erlebnisse aufgestellt, und der Be- 
richt hatte eine sehr scharfe Ent- 
gegnung aus der Feder von Dr. 
Osias Thon — der uns oben be- 
reits einmal begegnete — zur Fol- 
ge. Einige Monate danach veröf- 
fentlichte Benjamin Segel in Lem- 
berg (später, auch unter dem Pseu- 
donym „Verax", ein bekannter an- 
tizionistischer Journalist in 



Deutschland) eine Broschüre dazu, 
der er einen Satz Thomas Manns 
aus der hier zu erörternden Pole- 
mik des Dichters gegen Theodor 
Lessing als Motto voranstellte. 

Zugleich aber betraf der „Fall 
Lessing" auch seine Behandlung 
des Buches und der Person von 
Samuel Lublinski. In seinem Auf- 
satz fanden sich u.a. folgende Sat- 
ze, die von der „Jüdischen Rund- 
schau" zitiert wurden: 

„Auf ein paar ganz kurzen fah- 
rigen Beinchen ein fettiges Syn- 
agöglein, sein Bäuchlein wie die 
Apsis weit in die Aussenwelt vor- 
gestreckt. Gleich wie der Frosch 
sein Bäuchlein vorplustert, wenn iT 
stolz tut und durch einen Tümpel 
schwimmt. Aber auf dem schwam- 
migen Bäuchlein kurz aufgepropft 
sass ein schwarz-rimdes Köpfchen... 

Aber das Männlein mauschelte 
sich gar naiv ins Zimmer und liess 
Wort Würmlein fallen. Und das Ge- 
bürtchen knickste sich wieder rück- 
wärts und machte neue Abschieds- 
sermönchen und mauschelte mit 
den Beinchen und streckte gar weit 
sein Bäuchlein heraus... Er heisst 
Samuel Lublinski und kommt aus 
Pinne in Posen." 



THOMAS MANN GREIFT EIN 



Dieser Aufsatz Lessings machte 
in literarisch interessierten Kreisen 
e^nen niederschmetternden Ein- 
druck. Eine Gruppe von Freunden 
Lublinskis wandte sich mit einer 
Erklärung an eine Anzahl von 
Schriftstellern, darunter auch an 
Thomas Mann, die angesichts die- 
ses Vorkommnisses ihr Bedauern 
darüber aussprechen sollten, dass 
es kein Ehrengericht für Journal! 
sten gäbe. Mann lehnte die Unter- 
zeichnung ab, schrieb jedoch zu der 
Angelegenheit einen Aufsatz für das 
in Berlin seit 1898 erscheinende, 
von I. Ettlinger gegründete „Inte- 
rarische Echo" (ab 1924, bis 1941, 
unter dem Namen „Die Literatur" 
publiziert). Der Beitrag erschien 
^n Heft 11 des Jahrganges 1910. Auf 
diesen Aufsatz nimmt Theodor Les- 



sing in seiner eingangs angeführten 
Äusserung vom Jahre 1925 Bezug. 
Thomas Mann bekennt sich zu 
Lublinski und nennt den Aufsatz 
Lessings „den stümpernden Versuch 
einer Heine-Imitation" (dachte er 
dabei wohl an Heine und Börne 
oder an Heines Angriff auf den 
Grafen Platen?). Er zitiert die auch 
von der „Jüdischen Rundschau" ge- 
brachten „antisemitischen" An- 
würfe, so^ar ausführlicher, indem er 
z.B. noch die Ausdrücke erwährt: 
„Talmudgebürtcben mit hypertro- 
phisch entarteten Schreib- und 
Redezentren", das „sein liebes Vä- 
terchen an einem schönen Schabbes 
aus Versehen statt eines rabbini- 
schen Traktätchens erzeugt" habe 
usw. Mann berichtet dann weiter: 
„Am Ende erscheint die missratene 



Nr. 1 



4 * I / 

MB 1. Januar 1965 j / 



Zionisten und Deutsche 

Zu einem Vorläufer der „Kunstwart"- Debatte 



maurische Synagoge Herrn Lessmg 
im Traum, teilt sich in viele kleine 
mauschelnde Missgeburten, die nicht 
sehen, nicht hören und nicht rie- 
chen können." „Das Ganze aber, 
gibt Herr Lessing uns zu verstehen, 
sei erstens das Porträt des Herrn 
Samuel Lublinski und bedeute dar- 
über hinaus den .schreibenden Ty- 
pus', den Herr Lessing den .esprit- 
jüdischen' nenne." 

Dazu nun nimmt Thomas Mann 
u.a. in folgender Form Stellung: 
Herr Lublinski ist kein schöner 
Malm, und er ist Jude. Aber ich 
kenne auch Herrn Lessing..., und 
ich sage nur soviel, dass, wer einen 
Lichtalben oder das Urbild arischer 
Männlichkeit in ihm zu sehen an^ 
^be der Schwärmerei geziehen 
werden müsste. Im Ernst: Nur der 
vermag die herausfordernde Un- 
möglichkeit des ..Schaubuhnen -Art - 
kels völlig zu würdigen, der zufal- 
Ug weiss welch ein .Gebürtchen 
als Autor dahinter steht. -Wer im 
Glashause sitzt, lehrt das Sprich- 
wort, sollte nicht mit Steinen wer- 
Jln und wer sich als Schreckbei- 
spiel schlechter jüdischer Rasse 
durchs Leben duckt, verrat mehr 
arunwissenheit. verrät schmutzige 
Selbstverachtung, wenn er sich für 
Pasquille bezahlen lässt. deren drit- 
tes Wort .mauscheln' lautet. Im 
Stile des wildgewordenen Provinz- 
Feuilleton über den .espritjüdischen 
Typus' zu satirisieren, steht präch- 
tig dem zu Gesicht, der selber in 
aller Welt nichts weiter als das 
schwächste und schäbigste Exeni- 
plar dieses in einigen Fällen doch 
wohl bewunderungswürdigen Typus 
vorzustellen vermag!..." Im folgen- 
den Heft des „Literarischen Echo 



hat Mann nochmals in einigen ..Be- 
richtigungen" zum gleichen Thema 
Stellung genommen, nachdem ihm 
Theodor Lessing dort und in der 
„Schaubühne" geantwortet hatte. Er 
erzählt u.a. von einem „Anerbieten" 
Lessings. sich mit ihm zu duellieren, 
das in Form eines Telegrammes und 
in unverständlicher Form an ihn 
gerichtet worden war (siehe hierzu 
auch: Erich Gottgetreu im MB vom 
18.IX.1963). 



Soweit die Vorgänge des Jahres 
1910, die Thomas Mann zu seiner 
Äusserung veranlasst hatten. Auch 
in der von Friedrich Naumann her- 
ausgegebenen „Hilfe" erfuhr Lessing 
in einem Beitrag von Paul Zschor- 
Uch eine scharfe Abfuhr; sein Auf- 
satz wurde als ..literarische Flegelei 
bezeichnet, und Siegfried Jacobsohn 
wurde aufs schärfste angegriffen, 
weil er ..als Jude zur ordinärsten 
Juden- Verhöhnung die Hand bietet' . 
Das ekelerregende Schauspiel dass 
zwei mehr oder weniger getaufte 
Juden den dritten Juden lediglich 
deshalb anpöbeln, weil er em Jude 
ist diese literarische Affenkomödie 
fordert im Namen des Menschen- 
tums zum Protest heraus", hiess es 
dort. 

Lublinski selbst reagierte auf 
Lessings Angriff nicht. In einem 
ihm in der ..Welt" (1911. Nr. 3) un- 
geachtet seiner Trennung vom Zio- 
nismus gewidmeten, warm gehalte- 
nen Nachruf aus der Feder von 
Georg Hecht (Leipzig) hiess es da- 
zu- Vor etwa einem Jahr hat er 
noch" eine gewisse Sorte von Lite- 
ratoren. die ihn anspie. gebändigt 
_ durch sein Schweigen. Damals 
erhoben sich die Besten der deut- 
schen Literatur der Gegenwart und 
traten für ihn ein." — 



der Buddenbrooks" wesentlich ist. 
erschien im Dezember 1912. Es war 
das Jahr der berühmten ..Kunst- 
warf'-Debatte. die einige Monate 
vorher durch den historisch gewor- 
denen Aufsatz von Moritz Goldstein 
Deutsch-Jüdischer Parnass" einge- 
leitet worden war (siehe hierüber: 
Moritz Goldstein: „German Jewry s 
Dilemma before 1914" in Year Book 
II 1957, des Leo Baeck Institute). 
Die Formulierung Thomas Manns, 
dass eine jüdische Autorschaft der 
Buddenbrooks" das Werk zu emem 



Seite 5 

,Snob-Buch" machen würde, mutet 
wie ein. unbewusstes. Echo dieser 
Debatte oder wie ihr Widerschein 
von der anderen Seite her an. Auch 
Mann gibt damit dem Gedanken 
der notwendigen „Grenzziehung" im 
Bezirke des Kulturschaffens Aus- 
druck — wie es in anderen Zusam- 
menhängen in der gleichen Periode 
in der Diskussion mit und über 
Werner Sombart der Fall war. All 
dies zeigt, wie sehr die Probleme 
in der Luft lagen. Es ist auch nicht 
ohne eine gewisse Pikanterie, dass 
der Literatur-Kritiker des von Fer- 
dinand Avenarius herausgegebenen 
Kunstwart" niemand anders als 
der gleiche Prof. Bartels war, mit 
dem sich Thomas Mann m seiner 
Zuschrift an die „Staatsbürgerzei- 
tung" auseinandersetzte. 



THEODOR LESSINGS GEISTIGE PARADOXIE 



WENN DIE „BUDDENBROOKS" VON EINEM JUDEN STAMMTEN... 



\ 



Es ist nur zu verständlich, dass 
die antisemitische „Staatsbürger- 
zeitung" in Berlin die Sache aufgriff 
imd Theodor Lessings Ausführungen 
teilweise abdruckte. Auch dies hatte 
ein Thomas Mann betreffendes 
Nachspiel, in dem vielleicht der in- 
teressanteste Zug der ganzen Ange- 
legenheit zum Ausdruck kommt. 
Der Dichter schrieb am 15.12.1912 
einen Brief an die Redaktion der 
Staatsbürgerzeitung", der unter 
dem Titel „Das Rassenbekenntnis 
Thomas Manns" erschien. Er nimmt 
darin Bezug auf die Kontroverse 
zwischen ihm und Theodor Lessmg, 
die der bekannte antisemitische Li- 
teraturhistoriker Adolf Bartels in 
dem Blatte behandelt hatte, und 
weist die von Lessing herbeigeführ- 
te Identifizierung von Thomas Mann 
mit der Familie seiner Frau zurück. 
Mann fügt hinzu, es sei nicht ganz 
richtig, wenn Prof. Bartels erklärt. 
er hätte seine von Lessing fingierte 
jüdische Abstammung mit keinem 
Worte bestritten. „Mich mit leiden- 
. schaftlicher Ausführlichkeit" — sagt 
■» Thomas Mann — „gegen diese Fik- 
tion zu wehren, schien mir nicht 
geschmackvoll... Meine Frau ist die 
' Tochter des Ordinarius für Mathe- 
matik an der Münchener Universi- 
tät. Prof. Alfred Pringsheim, und 
mtitterlicherseits die Enkelin der 
bekannten Schriftstellerin Hedwig 
Dohm. [Hedwig Dohm war eine 
Frauenrechtlerin und verfasste meh- 
rere Romane: sie war verheiratet 
^it Ernst Dohm, dem Redakteur 



I 

\ 



des „Kladderadatsch" und Verfasser 
des Librettos zu Offenbachs ..Schö- 
ner Helena".] Dass ich also eine 
Missheirat eingegangen sein sollte, 
wül meiner Bescheidenheit nicht so- 
gleich einleuchten. Ebensowenig aber 
habe ich mir träumen lassen, dass 
ich durch diese Heirat zum Juden 
geworden und dass meine Person 
und namentlich meine Arbeit nun 
.biologisch nach der jüdischen Seite 
hin zu verrechnen' sei. Wenn ich, 
dem hie und da auftauchenden Irr- 
tum von meiner jüdischen Abstam- 
mung ruhig und bestimmt wider- 
spreche, so geschieht es, weil ich 
eine wirkliche Fälschung meines 
Wesens darin erblicke und weil, 
wenn ich als Jude gälte, meine ganze 
Produktion ein anderes, falsches 
Gesicht bekommen würde. Was wä- 
re das Buch, das meinen Namen 
bekannt gemacht hat, was wäre der 
Roman .Buddenbrooks', wenn er 
von einem Juden herrührte? Em 
Snob-Buch", [von uns hervorgeho- 
ben — KL.]. Mann fügt hinzu, dass 
die Fremdartigkeit, die Prof. Bartels 
an seiner und seines Bruders Pro- 
duktion empfunden habe, wenig- 
stens teü weise wohl auf „jene latei- 
nische (portugiesische) Blutmi- 
schung zunickzuführen sei die wir 
tatsächlich darstellen". Er ist bereit, 
die Bezeichnung eines „romanischen 
Artisten" zu akzeptieren, nachdem 
Bartels für Richard Dehmel den 
Ausdruck ..slawischer Virtuose" ge- 
prägt hat. 

Diese Bemerkung, an der vor al 
lem der Satz über den Schöpffr 



Noch eine merkwürdige Para- 
doxie sei in diesem Zusammenhange 
berührt. Sie liegt in dem in jeder 
Hinsicht, äusseriich und innerlich, 
tragischen Schicksal Theodor Les- 
sings. Es war nicht nur tragisch 
durch sein Schwanken zwischen Ju- 
dentum und Christentum, zwischen 
Zionismus und jüdischem Selbst- 
hass (Thomas Mann erwähnt m 
seiner ersten Äusserung über ihn 
u a Lessing habe sich „in München 
als Zionist und Conferencier für 
Damen versucht"). Die Tragik liegt 
auch in seinem wissenschaftlichen 
Wege Der Philosoph und Kultur- 
kritiker Lessing hat in seiner Lehre 
Gedanken vertreten, die in mancher 
Hinsicht in der Nähe von Ideen 
lagen, die zumindest als Vorberei- 
tung der Nazizeit zur Wirkung ge- 
langten. .N^ch vcv Spengler schrieb 
er sein Werk: ..Untergang der Erde 
am Geist (Europa und Asien) 
(1921 1924). Seine kulturkritische 
und kulturskeptische, geistfeindliche 
Haltung, von der er behauptete, ge- 
rade das Verhalten Thomas Manns 
zu ihm habe ihn in entscheidender 
weise in dieser Richtung beem- 
flusst. führte ihn in die Nahe der 
Anschauungen von Ludwig Klages 
(ebenso wie Lessing im Jahre 187.. 
in Hann9ver geboren, ein merkwür- 
diges Zusammentreffen! ), wie diese 
etwa in dem Werk ..Der Geist als 
Widersacher der Seele" (1929. 1954) 
vertreten wurden. Das Ende Les- 
sings jedoch war dasjenige eines 
Märtyrers, der als Jude von der 
Hand der geistfeindlichen Barbaren 
getötet wurde! 



So bildet diese Episode aus der 
Literaturgeschichte der deutschen 
judenheit vor dem Ersten Wet- 
kriege einen m vieler Hmsicht auf- 
schlussreichen Verknüpfungspimkt 
von Menschen, Ideen, Tatbeständen, 
vor allem von Randerscheinungen 

d'er jüdischen und -^^^^t^^Z 
zionistischen Sphäre. J.^'^« .f f^^^^f^ 
tung zeigt die Notwendigkeit, m der 
Beurteilung der Stellungnahrne von 
Si der Öffentlichkeit wirkenden 
Persönlichkeiten ein hohes Mass ^ 
Zunickhaltung walten ^ .^l^^"^^^ 
Das Verständnis üirer Position er- 
?chliesst sich nur aus enier genauen 
K-pnntnis der Umstände der zeit 
Äer miteinander in Bejjehung 
Sehenden Personen. Dies gilt nicht 
Szt in diesem Zusammer^-ge 
für Thomas Mann und seine Kritik 
an dem ..Fall Lessing" d^eüj ihrer 
ungewöhnlichen Schärfe darauf hm- 
deutet. welch tiefe Erregimg den 
Schriftsteller ergriffen hatte - em 
Gefühl, das damals von zionistischer 
Seite nicht weniger f^^^^/^^^^,"^; 
druck gekommen ist Die Aufwvlh 
hing der Leidenschaften ^eigt wie 
bei feiner reagierenden P^^soiüich- 
v.eiten jener Tage das Empfinden 
dafür wach war. auf welch schwan- 
kendem Boden das äusseriich so 
Wühlgeordnete Dasein der deutschen 
Juden, auch in geistiger Beziehung, 
stand. Den damaligen Teilnehmern 
am Streit war dies vielleicht nicht 
immer bewusst. der rückblickende 
Betrachter jedoch vermag die Mo- 
tive zu durchschauen, die hmter 
den Äusserungen der Vergangenheit 
wirksam gewesen sind. 



Einer der Gründer unseres Werkes und Mitglied 
(ies Präsidiums 

KARL BICKn 

ist von uns gegangen. Wir verlieren in dem Dahin- 
geschiedenen einen tatkräftigen Freund, immer be- 
reiten Ratgeber und Förderer unserer Ziele. 

Sein Andenken wird in uns nie verlöschen. 

Das Solidaritaets-Werk 



Tel Aviv, 25X11.1964 




Seite 6 



MB 



1. Januar 1965 



ZUR AUFNAHME VON EIN\^ANDERERN 




Warum überlässt die israelische 
Bevölkerung die Frage der Einwan- 
dereraufnahme im wesentlichen 
Beamten, obwohl sie das ganze 
Volk angeht? Diese Beamtenschaft 
mag ausgezeichnet sein. Das aber, 
was von jedem einzelnen an Den- 
ken, Einfühlung imd Wissen ver- 
langt wird, geht aber über die Fä- 
higkeit einer an Zahl und an phy- 
sischer, wie psychischer Kraft not- 
wendig begrenzten Gruppe hinaus 
— auch dann noch, wenn in kur- 
zem eine intellektuelle Nachschu- 
limg der Beauftragten beginnt. 

Die Hilfe, welche die Frauenor- 
ganisationen leisten, ist in man- 
chen Entwicklungsorten und auf 
gewissen Arbeitsgebieten von gros- 
sem Belang. Doch ist sie durch 
den verhältnismässig kleinen Kreis 
aktiver Frauen gehemmt; vor al- 
lem aber durch räumliche Entfer- 
nung und durch den Kompetenz- 
streit zwischen Organisationen ver- 
schiedener Richtimg. Eine vor ei- 
nigen Jahren begründete Vereini- 
gung „Havatik Laoleh" blieb ziem- 
lich bedeutungslos, oder verursach- 
te neben Gutem auch Schaden, weil 
ihre Tätigkeit sich fast ausschliess- 
lich auf die Einladung von Ein- 
wandererfamilien in gepflegten 
Häusern lange im Lande Verwur- 
zelter beschränkte, und die emp- 
fangenen Olim den Unterschied in 
der Lebensweise überscharf emp- 
fanden. Es ist notwendig, sehr ge- 
nau zu durchdenken, in welcher 
Form die eingesessene Bevölkerung 
Einwanderern behilflich sein kann, 
um Taktfehler zu vermeiden und 
den Eingewanderten das Empfin- 
den zu vermitteln, dass eine sie 
brüderlich aufnehmende Gemein- 
schaft ihr gegenübersteht. Dass 
diese Aufgabe uns gestellt ist, dass 
£ür Israel (wie es oft scheinen 
mag) noch nicht die Zeit gekom- 
men ist, in der jeder Einzelne oh- 
ne das ständige Bewusstsein seiner 
Mitverantwortung für den Andern 
für feich leben darf, ist keine Fra- 
ge. 

BEREITSCHAFT ZUR ALIJA 

Der Vortrag von A. Ziegel vor 
den in der Einwanderungsabteilung 
der Sochnuth beschäftigten Beam- 
ten (abgedruckt in der internen 
Zeitschrift „Ba'ayot Haklita" (ii\yn 
n"DV/Ji) gibt ein Bild der mit 
der Einwanderung zusammenhän- 
genden Fragen. Es geht hier nicht 
nur um die „Ein wandererauf näh- 
me", sondern auch um die Anre- 
gung und Organisienmg der Alijah 
im Ausland. Dass Mass und Cha- 
rakter der Einwanderung unüber- 
sehbar sind, dass jede Vorberei- 
tung der Aufnahme auf „Annah- 
men und Schätzungen" beruhen 
muss, macht sie so schwierig. Es 
ist kaum zu begreifen, dass diese 
Arbeit im grossen ganzen bisher 
gelang. 

Abhängig ist die Alijah von 
wechselnden Beschlüssen fremder 
Regierungen imd da, wo Auswan- 
derung im Belieben der Juden liegt, 
von der wirtschaftlichen und ge- 
sellschaftlichen Situation des Ga- 
luth-Landes. Die Vernachlässigung 
intensiver zionistischer Arbeit in 
weiten Teilen der Welt bewirkt, 
dass die durch Ideen bestimmte 
Einwanderung geringfügig ist. 

Der Referent sprach verglei- 
chend von vielen Staaten, z.B. von 
Nordafrika. Die Hoffnung auf eine 
grosse Alijah aus Algier, das die 
Juden zusammen mit den meisten 
Europäern nach der Unabhängig- 
keitserklärung Algiers ver Hessen, 
wurde enttäuscht. Als französische 
Staatsbürger haben die algerischen 
Juden in Frankreich volle Arbeits- 
erlaubnis und in dieser Zeit der 
Prosperität vielfache Arbeitsmög- 



lichkeiten. Die Wohnungsverhältnis- 
se sind schlecht. Aber wie kann 
Israel (nach den Worten des Refe- 
renten) mit Frankreich konkurrie- 
ren, in dem für jedes Kind pro 
Monat 40 Dollar bezahlt werden, 
und wo Mittel- und Hochschulen 
gebührenfrei sind? Anders liegen 
die Dinge in Tunis und Marokko. 
Doch auch Tunis lebt in einer Pe- 
riode wirtschaftlichen Aufstiegs, 
und daran hat, nachdem ihre ar- 
men Familien und ihre Hilfsbe- 
dürftigen früher nach Israel aus- 
wanderten, die tunesische Juden- 
heit teil. Sehr viele von den Heran- 
wachsenden besuchen Hochschulen. 
Was sollte sie nach Israel locken, 
wenn es nicht der zionistische Ge- 
danke ist? Das einzige Land, in 
dem eine echte Verbundenheit mit 
dem Judentum und mit Israel be- 
steht, und aus dem eine grosse 
und leistungsfähige nordafrikani- 
sche Einwanderung kommt, ist 
Marokko. 

Es ist hier nicht der Raum, wei- 
ter von den vielen Staaten und 
dem Alijah-Entschluss ihrer Juden 
zu sprechen. Immer sehen wir das 
Gleiche: wo sich eine wirtschaftli- 
che Blüte entwickelt, haben auch 
die Juden Aufstiegsmöglichkeit, wie 
etwa in Südafrika. Es entschliessen 
sich aber, trotz all der dort beste- 
henden innerpolitischen Widersprü- 
che, nur wenige Familien zur Ali- 
jah. Wo aber der Boden wirt- 
schaftlich und gesellschaftlich zu 
schwanken begann, wie in Südame- 
rika, warten die meisten Juden 
erst einmal die Entwicklung ab — 
nicht anders wie es vor 30 Jahren 
die Juden Mitteleuropas taten. 
Dass damals Pal^tina unter der 
Mandatsregierung mit ihren eng- 
begrenzenden Zertifikatsgesetzen 
stand, heute aber der Staat Israel 
mit freier Einwanderung für jeden 
Juden die Tore öffnet, scheint in 
unserer Zeit realistischen Denkens 
keinen entscheidenden Unterschied 
zu machen. Nur da, wo Juden den 
erhöhenden Wert des Schaffens 
für die eigene Gemeinschaft fühlen, 
wagen sie frei — nicht getrieben 
von antisemitischer Bedrohung 
oder wirtschaftlicb;em Ruiw — die 
Alijah. 

Wenn das aber so ist, sollten all 
die Tausende von Israelis, die Jahr 
für Jahr ins Ausland reisen, sich 
ihrer Verantwortung für unser 
Land bewusst sein. Aü die jungen 
Menschen, die, oft für Jahre, als 
Lernende oder Arbeitende Israel 
verlassen, müssten die Pflicht emp- 
finden, einen Teil ihrer Freizeit für 
zionistische Arbeit herzugeben. 
VORBEREITUNGEN DER 
EINWANDERERAUFNAHME 
Bei dieser mangelnden Ueber- 
sicht über den Umfang der zu er- 
wartenden Alijah — nicht nur ir- 
rer Zahl, auch ihrer Zusammen- 
setzung: dem Familienstand, dem 
Alter, der Bildungsstufe, der Be- 
ruf sbeherrschung, usw. — ist es 
erstaunlich, dass die Aufnahmeplä- 
ne, die gemeinsam von allen be- 
teiligten Ministerien, der Soch- 
nuth und anderen Stellen aufge- 
stellt werden, im wesentlichen da- 
zu ausreichen, die Einwanderer 
aufzunehmen, und dass (trotz der 
vielfachen Enttäuschimg über das 
Zaudern potentieller Olim) im Jah- 
re 1963/64 von den vorbereiteten 
Einwandererwohnungen 17.560 ver- 
geben wurden — neben 2.500 Neu-, 
Wohnungen gleicher Art, die der 
Auflösung von Restbeständen der 
Maabaroth, der Unterbringung von 
Institutionen oder Volksschulen 
und der Mitansiedlung junger Paa- 
re dienen. Für das laufende Jahr 
wird die Zahl der Einwanderer- 
wohnungen um weitere 1000 er- 
höht werden, die sich auf 70 Orte 



verteilen. Und doch klagt der Re- 
ferent über den Mangel an einer 
für richtige Einwandererverteilung 
unentbehrlichen Wohnungsreserve 
und einer solchen von Mietsräumen, 
die eine grössere Beweglichkeit ge- 
währleisten. 80% von den in die- 
sem Jahr vorbereiteten 18.500 Woh- 
nungen werden im Entwicklungs- 
gebiet liegen, nur 20% in der Kü- 
stenebene, imd hiervon ein grosser 
Teil in wenig entwickelten Orten, 
wie Tel-Mond, Kfar-Jona oder Ka- 
dima. 

Welche von den vielfältigen Auf 
gaben der Alijah-Aufnahme vor- 
dringlich gelöst werden muss, ist 
eine Frage der Diskussion. Vor al- 
lem muss klar sein, ob die Pla- 
nung des Wohnungsbaus an erste 
Stelle zu rücken ist — die Alijah- 
Aufnahme wird mit Landes-Ent- 
wicklungs- und Sicherheitsplänen 
verknüpft — oder die der Arbeits- 
Vermittlung, 

Noch entschiedener als der Refe- 
rent betonte, sollten alle Bemühun- 
gen um Arbeit den Vorzug haben. 
Als Beispiel diene ein neugegrün- 
deter Ort, in den 400 Einwanderer- 
familien geschickt wurden, von de- 
nen alle, bis auf vier, die zuge- 
wiesenen Wohnungen verliessen, 
weil dort keine industrielle Arbeit 
für die Ankommenden vorbereitet 
war. Und der Referent bringt als 
Gegenbeispiel Dimona, wo eine 
starke Industrie entstand, das kei- 
ne einzige Familie verliess, das 
noch Tausende von Arbeitern auf- 
nehmen könnte — aber ohne zu- 
sätzliche Alijah bleiben musste, 
weil das Bauprogramm an diesem 
bereits entwickelten Platz keine 
weiteren Errichtungspläne enthält. 
Mir selbst scheint nicht ganz si- 
cher, dass der erste Ort verlassen 
wurde, weil nicht gleichzeitig mit 
dem Schikunbau für ,, Industriali- 
sierung" gesorgt wurde. Es gibt 
viele andere Motive, die den Olim 
einen Ort verleiden, und es gibt 
Massensuggestion, der sich nur die 
Selbständigsten und die Unaktiv- 
sten entziehen (Es würde sich loh- 
nen, hier eine exakte Studie durch- 
zuführen.) 

Aber wichtig ist an die Beobach- 
tungen in den Einwanderungslägern 
und Maabaroth zurückzudenken so- 
wie an die frühen Jahre in den 
Kibbuzim und jetzt an die Alge- 
rier in Frankreich zu erinnern. Ge- 
sunde Menschen sind bereit, sehr 
primitiv zu wohnen, wenn sie ihre 
Kraft richtig einzusetzen in der La- 
ge sind, und so auf Aufstieg durch 
eigene Leistung hoffen können. Das 
Bemühen, die Einwanderer Wohnun- 
gen ständig zu vergrössem und zu 
verbessern, also für die Dauer ein- 
zurichten, macht sie für die Auf- 
nahme von Einwanderern un- 
elastisch. 

Jeder von uns kennt aus seinem 
eigensten Kreis die Fälle, in denen 
dringend die in der gross-städti- 
schen Industrie verlangten Fachar- 
beiter vom Schiff aus in eine Ent- 
wicklungszone geschickt und dort 
als imgelemte Arbeiter beschäftigt 
werden sollten. Ziegel schreibt, 
dass solche Einwanderer — wenn 
sie genügend Energie haben — von 
Amt zu Amt laufen, ihre Zeit mit 
Wegen und Briefen an die ihnen 
von irgendwem genannten höchsten 
Persönlichkeiten verlieren und 
schlägt die Einsetzung eines end- 
gültig entscheidenden Ausschusses 
vor, der unvermeidliche Fehler bei 
der ersten Wohnungs-Zuweisung 
korrigiert. 

Ein minimaler Prozentsatz der 
für die Einwandereraufnahme vor- 
bereiteten Wohnungen wird jungen 
hier Geborenen zur Verfügung ge- 
stellt, überwiegend Funktionären. 
Die Einwandererorte würden aber 



ehi völlig anderes Gesicht bekom- 
men, wenn eine grössere Zahl von 
solch jimgen Ehepaaren nicht nur 
als „Beauftragte", sondern als Mit- 
lebende dorthin gingen. Sie könn- 
ten den Olim etwas von dem Pio- 
niergeist übermitteln, der in gewis- 
sen Kreisen unserer Jugend noch 
wach ist und dadurch wach erhal- 
ten würde, und sie könnten diese 
werdenden Gemeinden dazu brin- 
gen, „Community- work" zu unter- 
nehmen. Community-work heisst 
eine von zentralen Stellen unter- 
stützte Arbeit, die aber zugleich die 
in einer Gemeinschaft lebendigen 
Kräfte zusammenfasst und aus- 
nutzt. 

Von den in dem weitgreifenden 
Referat berührten Berufsfragen soll 
hier nur noch eine, unsern Kreis 
besonders angehende, besprochen 
werden : die der „mittelständigen 
Einwanderung". Diese könnte heute 
vorwiegend aus Südamerika kom- 
men. Sie scheint ein besonders 
wünschenswertes Einwandererele- 
ment nach Israel zu bringen ; und 
doch warnt Ziegel vor der Ermuti- 
gung dieser Alijah. Er errechnet, 
die in Südamerika bedeutenden Ka- 
pitalien würden durch den Wäh- 
rungsunterschied hier so gering, 
dass sie für einen Wohnungskauf 
fast völlig aufgehen. — Aber ist 
denn ein Wohnungskauf notwendig? 
Kann das öffentliche Bauprogranmi 
nicht einfachen Wohn- und Werk- 
raum für diese, meist mit guten 
Maschinen ausgestatteten, Kleinbe- 
triebe einschliessen? — Der Refe- 
rent sprach auch von den besonde- 
ren Schwierigkeiten für diese „Mit- 
telständler", in Israel Bankkredite 
zu bekommen, da fünf Bürgen ver- 
langt werden. Er regte danmi die 
Gründung eines speziellen Darlehns- 
fonds an, der von der Sochnuth 
gestützt werden müsste. 

Sein besonderes Interesse wand- 
te der Referent der Jugend zu, weil 
er seine Hoffnung auf die Entwick- 
lung unseres Landes und Verein- 
heitlichung unseres Volkes nur von 
den Kindern und den noch bU- 
dungsfähigen Jungen für erfüllbar 
hält, nicht von den Aelteren, der 
„Generation der Wüste". Anregun- 
gen, die er hier gibt, sind durch- 
aus zu bejahen : die Neubegrün- 
dung der von 22 auf 12 verringer- 
ten „Merkasej-Hanoar" zur Ele- 
mentar- (resp. Mittelschul-) Bil- 
dung und vorberuflichen Schulung 
der vielen Halbwüchsigen, die in 
den letzten Jahren mit ihren Fa- 
milien ins Land kamen. Daneben 

— dies scheint besonders wertvoll 

— Aufnahme eines besonderen Lehr* 
fachs in den allgemeinen Lehrplan : 
„Aufnahme der Einwanderer". Denn 
die bisherigen Erfahrungen bestä- 
tigen für grosse Teile der Einwan- 
dererkinder nicht die Erwartung 
des Referenten. Auch da, wo nicht 
die räumliche Entfernung eine en- 
ge Verbindung zwischen den, unter 
sich so ungleichen, neu in das 
Land kommenden imd den hier 
aufgewachsenen Kindern verhindert, 
bleiben sie sich meistens fremd — 
wenn nicht das Elternhaus eine 
Freundschaft fördert. 

Gewiss sind Kinder und sehr 
junge Menschen leichter zu bilden, 
und jede pädagogische Bemühung 
um sie ist für unsere Zukunft von 
grösster Bedeutung. Aber es scheint 
falsch und gefährlich von den älte- 
ren Olim als dem „Geschlecht der 
Wüste" zu sprechen. Jeder Einwan- 
derer, herausgerissen aus dem ihm 
Altgewohnten, hat etwas von der 
bildungsfähigen Natur des Kindes. 
Jeder steht erwartend vor dem neu- 
en Leben. Erinnern wir uns : wir 
alle waren ja einmal neu hier im 
Lande. * 

M. TP. 



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...... T..on..nn .Professor in Hamburg 

^ang auf Ranziger J^jjxstentag JW I910.dass^ ^.^ „.enschlicheres 

Ordnung des Wiener ^^f^^^®"^^. Maohfahre von Strafrechtslehrer 
und vernuenftigeres Strafrecht. Nachfahre von br^^^ entsi^ljei- 

fuehls bekaempft (Radbruch in Justiz, IV, Heft 1,S. 1 i.) 







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9. Dezemoer I97O 
u/317- iiH/ IS 



Herrn Dr. E. G. Lowenthal 

Kaunstrasse 3 '3 I 

1 Berlin 37 - '---^^^ 



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Lieber Dr. Lowenthal, 



ich stehe seit laengerer Zeit im Briefwechsel 
mit Dr. Brilling. Dieser behauptet, dass Guido Weiss, 
der in meinem Buch "Juden im Oeffentlichen Leben 
Deutschlands" erscheint^ MXchttuöe gewesen sein kann. 
Brilling stuetzt sich darauf, dass er seinerzeit die 
Liste der Juden in Neumarict^ln Schlesien, wo Weiss 
geboren war, durch£:eE9hen habe, und dass keine juedi- 
sche Familie Weiss dort existiert habe. Audn seine 
anderen Nachforschungen haetten nicht ergeben, dass 
Weiss Jude war; er haette nur einen juedischen Scnv/ieger- 
so^n gehaot, namens Stern (der gleichfalls in meinen 
Buch erscheint). 

Ich wende lich daher unter Bezugnahme auf Ihr 
Schreiben vom 7. Dezember 196^ an Frl.Poerg um Hilfe. 
In diesem Schreiben sagen Sie, dass Sie eine Mittei- 
lung vom Frankfurter Stadtarchiv erhalten haetten, 
dass gemaess Sterbeeintragung Weiss israelischen 
Glaubens war. Ich selber habe bei meiner jetzigen 
Nachfrage eine Bestaetigung dafuer nicht erhalten 
koennen. 

Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass Sie sich der 
Sache nach so langer Zeit noch erinnern, wollte es aber 
Jedenfalls versuchen. Koennen Sie mir aufgrund einer JnrA^^- 
schriftlichen Mitteilung des Frankfurter Stadtarchivs'^ 
ihre damalige Information bestaetigen? 

Mit herzlichen Gruessen wie immer 



Ihr 



Ernest Hamburger 



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3lrt 10ranfn:nrfung rotrll um ^^njahr 
irr ®rrrfjäflBnummrr gehrhu. 



rrlin JB 8 xitm 23. April 193C. 

linier litn Jinöcn ^^ 

3fprnfjjrvrfjpr: ^rnfrum 11340—11343 

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Namens des Preußischen Staatsministeriums habe ich Sie zum 
ordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät der Univer- 
sität zu Breslau ernannt. 

Jndem ich Jhnen die darüber ausgefertigte Bestellung übersende, 
verleihe ich Jhnen in dieser Fakultät die durch das Ausscheiden 
des Professors Hönigswald freigewordene planmäßige Professur mit 
der Verpflichtung die Philosophie in Vorlesungen und Übungen zu 
vertreten. Zugleich ernenne ich Sie zun Direktor des Philosophi- 
schen Seminars. 

Wie Jhnen bekannt, handelt es sich bei Jhrer Bestallung xm 
die Ernennung zum persönlichen Ordinarius. Ss finden deshalb in 
Bezug auf Jhr Diensteinkommen die für planmäßige i^xtraordinariate 
geltenden Bestimmungen auf Sie Anwendung. 

Sie wollen Jhr neues Amt zum Beginn des Sommersemesters 193Ü 
übernehmen und das Verzeichnis der von Jhnen hierfür anzukündi- 
genden Vorlesungen an den Lekan der Fakultät einsenden. 

Unter Pestsetzung Jhres Besoldungsdienstaiters auf den l.^pril 



1930 



An 



den ordentlichen Professor 
Eerrn Dr. Siegfried M a r c k 



in 



Breslau. 18. 



1930 bewillige ich Jhnen von diesem Zeitpunkte ab an Stelle 
Jhrer bisherigen Bezüge, zugleich unter Vorwegnähme der drei 
letzten Alterszvilagen, ein Grundgehalt von jährlich 7 000 RM, 
in Worten: "Siebentausend Reichsmark», neben dem gesetzlichen 
Wohnungsgeldzuschuß und den etwaigen Kinderbeihilfen. 

Die Bezüge wird Jhnen die Universitätskasse in Breslau in 
monatlichen Teilbeträgen im voraus zahlen. 

Pur das Jhnen zufließende Unterrichtsgeld haben die Jhnen 
bekannten allgemeinen Bestimmungen Gültigkeit. 

« 

Es wird Jhnen aber Gewähr dafür geleistet, daß Jhnen eine 
Einnahme an Vorlesungshonoraren von jährlich 2 OOü HM, in Wor- 
ten: -Zweitausend Reichsmark", verbleibt. Diese Zusicherung 
fällt fort mit dem Ablauf desjenigen Studiensemesters, in dem 
Sie von den amtlichen Verpflichtungen entbunden warden. 

Wegen Jhrer Ernennung zum Mitglied des wissenschaftlichen 
Prüfungsamtes ergeht besondere Verfügung. 

Den Herrn üniversitätskurator zu Breslau habe ich, zugleich 
zur Benachrichtigung der beteiligten akademischen Behörden, 

von Jhrer Ernennung in Kenntnis gesetzt. 

Jm Auftr\«e 




Zu der 



Antritts-Vorlesung 



über das Thema 



Fichtesüdee des geschlossenen Hondeisstastes 



welche 



Herr Dr. phil. Siegfried Marek 



behufs 



seiner Habilitation als Frivatdozent für Philosophie 

am Donnerstag, den 21. Juni 1917 

mittags 12'lt Uhr 

in der Aula der Universität 

halten wird, 

ladet ergebenst ein 

die philosophische Fakultät der Schlesischen Friedrich- Wilhelms-Universität Breslau 



ßuchdruckcrci H. ^Icikhmann, Breslau, Ohlmicrftrnfjc 8. 



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Aus Individuum und Gemeinschaft, Festschrift zur 
Fönfzigjahrfeier der Handels -Hochschule St. Gallen, 
St. Gallen, 1949 S. 455 



il. 



ßu 



de"^ Entwicklung der Grundrechte 
^QT Kreisl/^^; , , __ 

"^ von Hans Na wias ky 

-- _ mm '■ *■>***■■ ■ 'pj>iW*~~Tr ^ 

Die Idee der Grundrechte ist in der Zeit des Absolutismus entstanden 
als Reaktion gegen die ungehemmte Macht der staatlichen Gewalt, der die Einzel- 
person schütz- und wehrlos gegenüberstand. Es wurde die Forderung nach Aner- 
kennung eines vor staatlichen Eingriffen unbedingt gesicherten persönlichen Be- 
reiches erboten. Die Grundrechte waren sonach ursprünglich gegen die Staats- 
gewalt in allen ihren Erscheinungsformen, d.h. gegen den Staat als solchen, 
gerichtet, sie zogen seiner Betätigung in welcher Art immer eine unüberschreit- 
bare Schranke. So standen sie ihrem Wesen nach ausserhalb des Staates, waren 
von ihm unabhängig und von seiner Seite her unabänderlich. Diesem Sachverhalt 
entsprach es durchaus, dass die ersten Formulier ongen der Grundrechte in ge- 
sonderten Erklärungen erfolgten, die selbsttindig neben den Staatsverfassungen 
standen und daher auch durch Aenderungen auf seite der Staatsverfassungen gar 

nicht berührt werden konnten. 

Die ^..-itere EntwioklunA- ging dahin, die Grundrechtstakaloge in die 
Verfassungen einzubauen und so zu Bestandteilen der Verfassung zu machen .Man 
hat dabei wohl nur an einen technischen Portschritt gedacht, durch den die 
einheitliche Zusammenfassung aller konstitutionellen Bestimmungen erreicht 
werden sollte. Dagegen ist es offensichtlich gar nicht beachtet worden, dass 
mit der Aufgabe der äussern Selbständigkeit wivermeidlich auch die Aufhebxmg 
der inneren Selbständigkeit verbu:iden sein ausste. Denn nunmehr waren die 
Grundrechte Verfassungsbestimmungen wie andere geworden, sie wurden zur 
Disposition der verfassunggebenden Faktoren gestellt und konnten nach deren 
Wille>i luiter den für Verfassungsänderungen vorgesehenen Formen und Bedingungen 
Aendenuigen verschiedenster Art unterzogen werden. Das bedeutete aber zugleich 
auch eine grundlegende Wandlung in ihrem Inhalt und in ihrer Tragweite. Denn 
jetzt handelte es sich nicht mehr um Gegenrechte gegen den Staat, die 
für diesen unantastbar waren, sondern um eine vom Staate 




\ 



S. 454 



her gewährte oder, abgeschwächt gesagt, von ihm anerkannte Preiheitssphäre, 
die nach den einzelnen in Betracht kommenden Richtungen von ihm näher bestimmt 
werden konnte. An Stelle einer Abgrenzung und damit Einschränkung des Staates 
zugunsten der Rechte der Einzelpersonen war eine Abgrenzung und damit Ein- 
■chränkung der Rechte der Einzelpersonen zugunsten des Staates getreten. 

Wie wenig diese qualitative Denatiirierung zunächst bemerkt worden ist, 
geht daraus hervor, dass man unbedenklich einen Schritt weiter tat und die Prä- 
zisierurxg der Grundrechte nicht mehr der Verfassung vorbehielt, sondern auch 
der einfachen Gepetz^ebung überantwortete. Das geschah in der Weise, dass man 
es fürderhin als zulässig empfand, den das Wesen eines bestimmten Grundrechts 
charakterisierenden konkreter Freiheitßbereich durch die gewöhnlichen Gesetze 
abstecken zu lassen. Man sah darin nicht den geringsten Anlass oiner Gefahr, 
weil die Gesetze unter massgeblicher Mitwirkung der Volksvertretung beschlossen 
werden raussten und es keine grössere Gewähr der Freiheit zu geben schien als die, 
dass die Vertreter des Volkes und damit der Einzelpersonen selbst eifersüchtig 
über die individuelle Freiheit zu wachen hatten. 

Gewiss hatte man dabei zunächst an einen gewissen Rahmen gedacht, 
in den die Ausübung der Grundrechte eingespannt werden konnte und sollte, um 
gar nicht gewollte und darum nicht schutzwürdige Missbräuche auszuschliessen. 
Aber man unterliess es im allgemeinen, von einzelnen Grundrechtsarten abgesehen, 
die die Grundrechte regulierenden einfachen Gesetze in bestimmter T/eise ausdrück- 
lieh an einen Rahmen zu binden, weil man das angesichts der auf seite der Volks- 
vertretung vorausgesetzten Freiheitsbürgschaft für überdrüssig erachtete. Der 
Verzicht atif eine solche Bindung eröffnete aber der Gesetzgebung die Möglichkeit, 
jede BeschranJcun,- eines Grundrechts vorzunehmen, und diese Auffassung führte 
dann schliesslich zum Ergebnis, dass die Grundrechte überhaupt jeden Schutz gegen 
die Gesetagebunfe- einbüssten. Was übrig blieb war nur eine Sicherung gegen die 
Verwaltung, die ja ihrerseits der Gesetzgebung unterworfen war. 

Damit aber hatten die Grundrechte ihren eif^entllchen Sinn und Zweck 
eingebüsst . Sie hatten die Fähigkeit verloren, der Einzelpersonen einen vor 
Eingriffen des Staates geschützter. Bereich zu gewährleisten, und beschränkten 
sich darauf, ihr gegenüber der Verwaltung: den Anspruch auf den Nachweis zuzu- 
billigen, dass der administrative Akt sich auf die Grundlage einer gesetzlichen 
Ermächtigung bemfen könne. Damit aber wird nur der allgemeine Griondsatz der Ge- 
setzmässigkeit der Verwaltiuir, der Bich als selbstverst-ändliches Prinzip des 
Hechtsstaates herausgebildet hatte, im Bereich jedem einzelnen Grundrechts noch 
einmal wiederholt, womit natür- 



I 



\ 



S. 435 



lieh sachlich nichts gewoxmen ist, da es sich um einen wirkungslosen Pleo- 
nas.UB handelt. Aus diese. Grund hat die deutsche Staatsrechtswissenschaft seit 
der Zeit der Wei..arer Verfassung solche Grundrechte mit einem treffenden 

Ausdruck als "leerlaufend" bezeichnet. 

Die auf diese Ai-t eingetretene Abwertung der Grundrechte hatte aber, 
wie sich leicM, vermuten läset, nicht nur einen in der schärferen Erfassung 
des rechtlichen Gehalts liegenden theoretische. GrurKl, sondern in ih. ka. auch 
eine gewisse ,nn t. .che Tendenz zu. Ausdx.ck. Die ursprOngliche Konzeption der 
Grundrechte stellte die Einzelperson als selbständige Potenz der staatlichen 
Gemeinschaft gegenüber, was besonders in der Bindung der sozusagen obersten 
Staatsfunktion, der Gesetzgebung einschliesslich der Verfassunggebung, Gestalt 
gewann. Sie var also Ausdruck eines ausgesprochenen Individualismus. Die nun- 
.elo-ige Unterordnung der Gx^drechto ,mter die Disposition der Gesetzgebung ver- 
neinte den eigenständigen Charaicter der Einzelperson und liess ihr nur mehr exne 
von der Gesa^atheit abgeleitete und abhängige Position. Ler Individualismus 
wurde d^orch eine Art von Etatismus abgelöst. 

Dieser Systenwechsel hatte eine doE^ejto, .,hr v.rpchiedene ideelle 
Wurzel. Einmal entsprach er dem Vordringen einer urdversalistischen Staats- und 
^IIIITschaftsauffass^mg. Und dann beruhte er auf der Er.tstehung eines demo- 
kratischen Ideals, also aul^ dem Geda^icen der Herrschaft des Volkes, der sich 
auch der einzelne Volksgenosse zu fügen hat. ^ er auch aktiv an der Wxllens- 
bildung des Volkes beteiligt sein. Mit der Demokratie verbindet sich aber weiter 
das Ziel einer materiellen Gleichstellung der einzelnen Volksglieder, die nur 
durch positive Leistungen der Staatsgemeinschaft und da.it durch eine .taats- 
expansion verwirklicht werden kann. Staatsausdehn^ing bedeutet .eaoch not- 
wendigerweise Einengung des Bereichs und da.it der Freiheit ^^ -j-;^;—; 
Auf diese Weise erklärt sich eine scheinbar überraschende Parallelität autori- 

. , 4-- .v,^,^ q+«ataideale. die unter Umständen zu einem engen Bund- 
tärer und demokratif.chor Staat&iaeaio, axe lui 

nis führen kann, wie ia die Geschichte der Gegenwart aucb bewiesen hat. 

Freilicn ist der geschilderte Prozess der Abwertung der Substanz 
der Grundrechte nicht überall xmd in jeder Beziehung in der ^gegebenen radi- 
kalsten For«. erfolgt. Es sind vielmehr auch , bro.r^^T-t. .rsoheinun ^sweisen 
festzustellen, die auf gar.z verschiedene Motive zurückzufühi-en sind So findet 
Sich beispielsweise in — t.ten Staaten aus deu Bestreben heraus, eine 
gewisse Einheitlichkeit der Gesetzgebung in den Gliedstaaten herbeizufuhren und 
zu sichern, die Einrichtung, dass das Bundesverfassungsrecht gewisse Rechts- 
Grundsätze in die Gestalt von individuellen Grundrechten kleidet, in die einzu- 
greifen der gliedstaatlichen Rechtssetzung 



s. 456 



verwehrt ist. Auf diesem Umweg wird den Grundrechten, allerdings in erster Linie 
nicht um ihrer selbst willen, condem auG einer Vereinheitlichungstendenz heraus 
eine subetanzielle Bedeutung gesichert. Das ist beispielsweise der Tatbestand 
der Individualrechte der schweizerischen Bundesverfassung (Handels- und Gewerbe- 
freiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Ehefreiheit usw.), während im Gegen- 
satz dazu die kantonalen Verfassungen vielfach »«le erlaufende" Grundrechte ent- 
halten (persönliche Freiheit, Freiheit der Wohnung u. dgl. m.). 

Auf ganz anderen Erwägungen beruht es, wenn Verfassungen, wie bei- 
spielsweise die von Weimar, gewisse Grundrechte nur im Rahmen der allgemeinen 
Gesetze oder eines synonymen Ausdrucks schützen (Art. 118 Meinungsfreiheit, 
Art. 157 Selbstorganisation der Religionsgesellschaften). Hier bleibt das Grund- 
recht gesichert in seiner Substanz bestehen, und nur am Rande seines Bereichs 
werden Ab- und Umgrenzungen vorgenommen. Man hat diesen Rahmen als den der allge- 
meinen Rechtsordnung bezeichnet, vforunter man die f-rund sätzlichen Normen des 
bürgerlichen, des Straf- und Polizeirechts, eventuell noch des allgemeinen Steuer- 
rechts, verstand. 

Es drängt sich übrigens die Frage auf, ob diese Eingliederung in 
den Zaun der allgemeinen Rechtsordnung nicht das eigentlich zutreffende Modell 
für den Normal tatbe stand eines Grundrechts hätte abgeben sollen. Hätte man 
sich dazu entschliessen können, so wäre man zu dem ansprechenden Ergebnis ge- 
langt, dass jedes Grundrecht eine Kemzone aufweise, welche durch die der Ge- 
setzgebung üb erlassenen »»Einschr^inkungen", "Beschränkungen", "Ausnahmen •• , "Mass- 
gaben" und, wie die Modalitäten sonst ausgedrückt sein mögen, nicht berührt 
werden kann. Wenn die Staatsrechtstheorie in der Weimarer Zeit diese Konsequenz 
im allgemeinen nicht gezogen hat, wie der von ihr aufgestellte Begriff des "leer- 
' laufenden Grundrechts" beweist, so erklärt sich das letzten Endes daraus, dass 
ihr der Sinn für die Bedeutung der vorrechtlichen Idee bei der Auslegung der 
Gesetze - vgl. meine «Allgemeine Rechtslehre", 1. Aufl. 109 ff • t 2. Aufl. 157 ff. • 
noch nicht a,uf gegangen oder wieder abhanden gekommen war. Sie empfand aber gerade 
in bezug auf das Kapitel der Grundrechte auch gar keinen Anreiz zu solchen Ueber- 
legungen, weil ihr aus den oben dargelegten Gründen die Aushöhlung des Schutz- 
bereichs der Individualperson überhaupt keine Skriipel bereitete, sondern ganz 
der Tendenz der Rechtsentwicklung konform erschien. 

Auf diese Weise aber wurde zum Teil aus Naivität, zum Teil mit 
zunächst getarnter Absicht der allmählichen Ausserkraf tsetzung der Freiheits- 
garantien der Weg gebahnt, bis sie gänzlich in die Abgründe des Biktaturstaates 
versanken. 



I 



s. 457 



Es Ijedirf'te der abscheulichen Orgien der Rechtlosiskeit, die diesem 
Vemichtungsprozess folgten, um in weiten Teilen des euro^ischen Kontinente für 
die Rechtsgestaltung Verantwortlichen die Au^en für die Bedeutung und den Wert 
der die Preiheitsposition der Menschen verhürg|fenden Grundrechte wieder zu 
öffnen. Daraus ergab sich gewisfionaassen schltvgartig die Tendenz, die volle 
Bedeutung der Grund- und Frciheitar echte sukzessive wieder herzustellen. 

Zunächst setzte sich der Gedanke durch, das« die Gr>mdrechte als In- 
stitution nicht angetastet werden dürfen. Der nächste Schritt bestand darin, 
ihre Einschränkung aui' einen bestimmten Rahmen zu reduzieren, in den sie von 
vornherein hineingestellt sind, jenen Rahmen der allgemeinen Rechtsordntmg, 
der in der Vordiktaturperiode bei einzelnen Grundrechten als allein zulässige 
Begrenzung zugestanden worden war. Danach sind zugleich Sondergesetze, die sich 
gegen die Kernsubstanz einzelner Grundrechte richten wollen, ausgeschlossen. 
Als nächstfolgende Stufe kommt die Auffassung in Frage, dass die Grundrechte 
prinzipiell überhaupt nicht durch einfaches Gesetz sollen eingeschränkt werden 
dürfen, sondern nur durch verfassungsändernde Gesetze. Und schliesslich wird das 
Postulat vertreten, die Grundrechte bzw. einzelne von ihnen seien auch nicht 
durch Verfassungsgesetz abänderbex, sondern jedem Eingriff von Rechts wegen ent- 
zogen. Diainit wäre dann wieder zu dem Ausg^gspunkt des Grundrechtsgedankens 
zurückgekehrt : der Anerkennung eines der staatlichen Einwirkung entzogenen per- 
sönlichen Preiheitsbereichs. Der Kreisla u f der Entwicklung hätte s ich vollendet . 
Als Beispiele für diesen allmrblichen Aufwertungsprozess seien aus 

eigener Erfahrung folgende angeführt« 

In dem Entwurf der reuen ba , ycrischen Terfa.sstmg von 1946 waren die 
Grundrechte z^mächst ganz nach dem Muster des Weimarer Vorbildes in der dort 
üblichen Abstufung der verfsssungskräf tigen, der in den Rahmen der allgemeinen 
Rechtsordnun^r gestellten, der gänzlich leerlaufenden subjektiven Rechte gestaltet. 
Auf amerikanische Veranlassung wurde dann mitten in den Grundrechtskatalog ein 
Absatz eingefügt (Art. 12? I in der Passung des Ausschusses für Verfassungs- 
fragen), der lautet: 

"Die Grundrechte können nur aus Gründen der öffentlichen Sicherheit, 
Sittlichkeit und Gesundheit sowie zum Besten des Gemeinwohles durch die allgemeine 

Gesetzgebung eingeschränkt werden." 

In der Plenarsitzung wurde auf Grund einer neuerlichen amerikanischen 
Anregung die heute geltende Passung und zwar als ein eigener an die Spitze des 
zweiten Hauptteils «Grundrechte und Grundpflichten" gestellter Artikel (9ö) 
beschlossen I 



S. 458 



i 



"Die durch die Verfassung gewährleisteten Grundrechte dürfen grundsätzlich 
nicht eingeschränkt werden. Einschränkungen durch Gesetz sind nur zulässig, 
wenn die öffentliche Sicherheit, Sittlichkeit, Gesundheit und Wohlfahrt es 
zwingend erfordern ... Der Verfassungsgerichtshof hat Gesetze ... für 
nichtig zu erklären, die ein Grundrecht verfassungswidrig einschränken." 

Die prinzipielle Tragweite dieses Rechtssatzes ist in meinem Kommentar 
zur ^.ayoricchen Verfassung S. 59 f., U5 f., 176 ff-, eingehend beleuchtet 
worden. Dahei wurde aher auch in kritischer Hinsicht dargelegt, dass ihrem 
Wortlaut nach die gewählte Fassung insofem zu eng ist, als nicht schon jede 
Rücksicht der allgemeinen Wohlfahrt die Einschränkung eines Grundrechts legi- 
timieren kann, insofern aher zu weit ist, als die SchraJtken der allgemeinen 
Eechtsordnung, insbesondere der grundsätzlichen Bestimmungen des bürgerlichen, 
Straf- und Steuerreohts, keine Beachtung finden. Wie man diese Unstimmigkeiten 
im Wege der Auslegung der einzelnen Grjndrechtsartikel bereinigen kann, ist a.a.O. 

181 f. dargelegt. 

Unter Auswertung dieser Ergebnisse wurde für den HerrerJiiemseer Entwurf 
^■ines Grundf-esetzcs (August 1948) folgender Wortlaut vorgeschlagen! 

"Die Grundrechte dürfen nicht beseitigt werden. Darauf gerichtete Anträge 
sind unzuläsBig. Soweit sich aus ihrer.. Inhalt nichts anderes ergibt, sind die 
Grundrechte im Rahmen der allgemeinen Rechtsordnung zu verstehen. Eine Ein- 
schränkung der Grundrechte ist nur d^orch Gesetz und unter der Voraussetzung 
zulässig, dass es die öffentliche Sicherheit, Sittlichkeit oder Gesundheit 

zwingend erfordert." 

Es ist leicht zu erkennen, inwieweit diese Fornmlierung über die der 
bayerischen Verfassung hinausgeht oder sie einschränkt. Hervorgehoben sei der 
gänzliche Ausschluss der Kassation eine. Grundrechts, die prinzipielle Bindung 
aller Grundrechte an die allgemeine Rechtsordmmg, die Beseiti<?ung ihrer ge- 
setzlichen Einschränkung unter Bei^fung auf das allgemeine Wohl schlechthin. 

Der Konvent von Herrenchiemsee hat diesen Vorschlag akzeptiert und ihn, 
abgesehen von einer unwesentlichen textlichen Aendenuig, nur noch aus Gründen 
einer besonderen Vorsicht durch zwei Ergänzungen modifiziert, die an sich nichts 
Neues enthalten, nämlich die unmittelbar bindende Kraft der Grundrechte und die 
Unen tastbarkeit ihrer Substanz. 



Der Artikel 21 erhielt danach die Fassung! 



S. 459 



"1. Die Grundrechte dürfen nicht beseitigt werden. Auf ein solches Ziel 
gerichtete Anträge sind unzulässig. 



S.459 



"2. Die Grundrechte binden den Gesetzgeber, den Richter und die Ver- 
waltung unmittelbar. 

"5. Die Grundrechte sind, soweit sich aus ihrem Inhalt nichts anderes 
ergibt, im Rahmen der allgemeinen Rechtsordnung zu verstehen. 

"4. Eine Einschränkung der Grundrechte ist nur durch Gesetz und unter 
der foraufls.tzune zulässig, dass ee die öffentliche Sicherheit, Sittlichkeit 
oder Gesundheit zwingend erfordert. Die EinschrJinkung eines Grundrechts oder 
die nähere Ausgestaltung durch Gesetz muss das Grundrecht als solches unan- 

getastet lassen." 

Angemerkt sei noch, dasr. die vorübergehende Suspension einiger weniger 
Grundrechte im Fall eines Staatsnotstandes sowohl in der bayerischen Ver- 
fassung wie in dem Entwurf von Herrenchiemsee unter besonders scharfen Kautelen 
vorgesehen ist. 



Ein Rückblick auf den dargelegten Entwicklungsgang zeifft, dass der 
Portschritt der Gesetzeatechnik auf Grundlage geläuterter sachlicher Ein- 
sichten der Staatsrechtslehre es ermöglicht, gewisse oberste materiale Yer- 
fassungsgrundLagen mit der gleichen Unantastbarkeit auszuntatten, deren 
sie sich als Bestandteile des Kalug -echtes erfreuen können. Der oft erhobene 
Vorwiirf der Relativität und Brüch;l!igkeit des Rechtspositivismus ^and seiner darin 
gründenden Unzulänglichkeit lässt sich also, wenn man sich über die Möglichkeiten 
der Rechtssetzung zu tiefst und restlos klar wird und sie entsprechend auszu- 
schöpfen versteht, seiner Durchschlagskraft entkleiden. 

Diese Einsicht ist besonders wichtig, wenn man auf dem Standpunkt 
steht, dass es zun Wesen des R echtes gehört, positiv, d.h. gegeben ..u sein. 
Durch das Fehlen dieser Eigenschaft unterscheidet sich ja beispielsweise ein 
Gesetzesentwurf von einem geltenden Gesetz; vgl. darüber das Vorwort zur 
zweiten Auflage meiner «Allgemeinen Rechtslehre» (1948). In einen anderen Ge- 
dankenbereich gehört die Rechtsphilosophie und die ihr zuzurechnende Rechts- 
ethik. Sie untersucht nämlich, wie das Recht sein soll, nicht wie es ist, und 
stützt sich bei diesem Anliegen auf eine höhere Autorität, von der die obersten 
Gebote für die Menschheit ausgehen. In diesen RahiBen gehört auch das Naturrecht 
(vgl. Allgemeine Reohtslehre S. 29) ♦ 



\ 



\ 



Anhang 



\ 



Es ist nicht Aufgabe des folgenden, eine üebersicht über dU ausser- 
ordentlich umfan^eiche Grrundrechtsliteratur zu geben. Es handelt sich viel- 
mehr nur dar^un, in äusserster Beschränkung einige wenige Fingerzeige dafür zu 
bieten, wie man sich auf einfache ?/eise über die im Text dargestellten Auf- 
fassungen orientieren kaxin. 

IFeber die Entstehungs- und Ideengeschichte der Grundrechte unter- 
richtet man sich vielleicht am besten durch £, J ellinek , Die Erklärung der 
Menschen- und Bür-c^errechte, 1* Auflage 1895, oder derselbe, Allgemeine Staats- 
lehre, 1. Auflage I9OO, 15. Kapitel, Die rechtliche Stellung der Elemente des 
Staates 2» Das Staatsvolk, Die Auffass'ongen in der deutschen Staatsrechtslehre 
der Weimarer Zeit sind beispielsweise zu entnehmen aus: Anschütz. Die Ver- 
fassung des Deutschen Reichs (Kommentar), zuletzt I4. Auflage 2. Teil, 1932, 
S, 5o5 ff., insbesondere S. 5I7 ff., oder aus Thom a in Die Grundrechte und 
Grundpflichten der j^eichs Verfassung, I. Bd., 1929, S. 1 ff., insbesondere 
S. 33 ff. Über die Auffassungen in der SchvTeiz finden sich beispielsweise 
einige kurze zusammenfassende Ausführungen bei Fleiner, Schweizerisches Bundes^ 
Staatsrecht, 1925, S. 5I8 ff., während sie in Bu rckhard t , Kommentar der schwei- 
zerischen Bundesverfassung, 3. Auflage, 1931, auf die Erläuterungen der einzelnen 
Artikel zerstreut sind. In dem umfassenden Referat von Hans Huber "Die Garantie 
der individuellen Verfassungsrechte" für den s chv/eiz er i sehen Juristenverein I936 
spiegelt sich der Einfluss der Abwertungstendenz der Gri^indrechte im deutschen 
Staatsrecht der damaligen Zeit wider (v,-:l. hiezu meine kritischen Bemerkungen in 
der Diskussion, Verhandlungen d. schw. J. V. 1946, 4. E. , S, 67I a ff.). Bezüg- 
lich der neuesten Entwicklung darf auf meinen oben im Text erwähnten Kommentar 
zur bayerischen Verfassung, 1948> vgl. die angeführten Stellen, verwiesen werden. 

Zum SchlusB sei noch angemerkt, dass im Augenblick (22. April 1949) 
noch nicht feststeht, ob der in Bonn seitens des sog. Parlamentarischen Rates 
vorbereitete Entwurf eines Grundgesetzes für den Westen Deutschlands überhaupt 
und wenn, in welcher Form verabschiedet werden wird. Leider hat aeine Jetzt vor- 
liegende letzte Fassung jene von Herrenchiemsee in Art. I04 in Verbindung mit 
Art. 1 und in Art. 25 nur unvollständig übemoimnen. 



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Freitag, 18. August 1961 




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3leuc 3ürdi Leitung 



Ternausgahe Nr, 226 Blatt 7 





Trauerfeier 
für Prof. H. Nawiaskv 

^ St. Gallen, 16. August 

Wie bereits berichtet, ist am letzten Freitag: in 
St. Gallen Professor Dr. Hans Nawiasky im Alter 
von nahezu 81 Jahren den P^olpren eines Schlao:- 
anfalls erlegren. Welches Anseiien die.ser Rcehts- 
lehrer nicht nur in der Schweiz, sondern auch in 
Oesterreich und Deutschland besessen hat, zeigrtc 
sich anläßlich der Abdankung, die am Mittwoch- 
vormittag: in schlicliter Form in St. Gallen statt- 
fand. Neben Brktor Dr. W. A. Ferid, Dekan der 
Juristischen Fakultät der Universität München, 
Ministerialdirektor Leusser (München) als Vertre- 
ter der bayrischen Regrierung:, Prof. U. Scheuner 
(Bonn) im Namen der Vereinigrungr der dent.-^chen 
Staatsrechtslehrer und Landesamtsdirektor Dr. 
E. Grahherr als Vertreter der Vorarlbers'er Lan- 
desregrieruns: sprach auch Prof. G. Thiirer von der 
Handels-Hochschule als persönlicher Freund des 
Verstorbenen. 

Das Lehenshild Nawiaskys, wie es sich aus die- 
sen Ausführungren ergab, zeigrt eine sehr bewegte 
Laufbahn, die von den weltpolitischen Pjreigrnissen 
des letzten halben JabrhundertvS in tiefgreifender 
Art beeinflußt wurde. Nawiasky kam 1880 in Graz 




als Sohn eines prominenten Opernsängers zur 
Welt und verbrax-ht* seine Jugendjahre in Wien. 
Nach Frankfurt, übergesiedelt, besuchte er das dor- 
tige Humanistis<»he Gymnasium, doch zog es ihn, 
den Oesterreichcr, für seine Studien nach Wien 
zurück, wo er 1903 mit einer Dissertation «Die 
Frauen im österreichischen Staatsdienst» sich nicht 
nur den Doktorhut der Rechte erwarb, sondern 
auch die Aufmerksamkeit der damaligen k. k. 
Postverwaltung erregte, in deren Dienst er trat, 
bis ihm 1910 an der Juristischen Fakultät der 
Universität Wi^n eine Privatdozentenstellc ange- 

lysfpTi Wrrd^'. Scho^- *?'»'^'"' w-ron orn 



Landes Vorarlberg, seinen juristischen und staats- 
rechtlichen Rat in Anspruch genommen. 

Durch seine Publikationen beeinflußte er das 
staatsrechtliche Denken im ganzen deutsch- 
sprachigen Gebiet des freien Westens. Professor 
Nawiasky hat sich seine Schaffenskraft bis ins 
hohe Alter erhalten: 20 Bücher und rund 250 wei- 
tere Publikationen nebst zahlreichen kleineren 



IS Hauptcrarant der Freiheit, wobei er m der 
mokratre als wichtigsten Wesenszug nicht so 
rcbe Tatsache betrachtete, daß sehr viele Bur- 
ibe der Willensbildung beteiligt sind als viel- 
fl.r daß sich die Höchstzahl von Staatsbürgern 
Ir dir Geschicke ihres Gemeinwesens veran hvort- 
h ^^hl^n Darum fühlte er sich auch zeitlebens 
|,J Institution der Landsgemeinde eng verbunden. 
' In Hans Nawiasky, den man zu den eigent- 
'dien Begründorn der politischen ^^^f ^f ^^fj^ 
£i da^^f, hat die St. Galler Handeh-Hoch schule 
'n' markante Dozentenpersimlichkeit verloi.. 
•aren Einfluß im Rechtsleben sich noch lange gel 
md machen dürfte. 



Der Landwirtschaftstrafor im Straßenverkehr 

Die neuen Vorschriften d StraßenverkehrsfSPsetzes 
für landuirtschafüiche Moffahrzeuge und Anhänfier 




Auf den 1. August 1961 wurde der Bundesratr 
beschluß (BRB) über landwirtschaftliche Motoi 
fahrzeuge und Anhänger sowie gewerbliche Arbeit.- 

maschinen und AniMalimfi-Pnlirypiicro in TCmff. P't 



ier den uenraucn <u-s ,i;iniiviv ...v,.. ^ -^ - 

sentlich duldet. Der Halter, der ein landwirtschatt- 

iches Motorfahrzeug wissentlich verwendet oder 

eT^'nden läßt, obwohl eine im Fahrzeugauswei. 

vermerkte Plombe fehlt, wird, wenn keine Aende- 

run^ zur Geschwindigkeitserhöhung voi;gcnoniinen 



fahrzeuge und Anhänger sowie gewerbliche Arbeit.- rung zur .Gcsch^vlmhgkelt.el^lcdlung o^^^^^^ 
maschinen und Ausnahmefahrzeuge in Kraft g* wurde, mit Buße ^^f^'''^\?J'^^^^^ ^vr 

setzt. Nachstehend möchten wir Sie über einigj wenn das Fahrzeug der Behörde zum hi.et/en 
wesentliche Neuerungen orientieren: Plombe angemeldet T^ar. 

.... ., , , ,.. . -..«., _ . , - T ^c\a-\ ;^4- A\n TJnftnflicht- 



Jugendliche unter 14 Jahren dürfen auf öffeni 
liehen Straßen nicht mehr an das Steuer eine 
Traktors. Das Minde.stalter für Traktorfahrer i^ 
nunmehr auf 14 Jahre angesetzt worden. Jugend 
liehe zwischen 14 und 18 Jahren benötigen al 
1. Januar 39(52 zum P'ühren von landwirtschaffc 
liehen INfotorfahrzeugen auf öffentlichen Straßet 
einen Führerausweis und müssen sich einer theo> 
retischen Prüfung über die Kenntnis der Verkehrs 
regeln unterziehen. PjS ist beabsichtigrt, den Oberi 
Stufenschülern die IMöglichkeit zu geben, die.se Prüj 
fung im Anschluß an den polizeilichen Verkehrsf 
Unterricht in der Schule zu ab.solvieren. 

Zu beachten i.st, daß nicht nur der Lenker, dej 
das vorgeschriebene ]\Iindestalter noch nicht be-, 
sitzt, bestraft wird, wenn er einen Traktor führt, 
sondern auch der Fahrzeughalter, der diese Fahrt 
zuläßt oder nicht verhindert. 

An landwirtschaftlichen Motorfahrzeugen und 
Anhängern ist das Anbringen von Rückstrahlern 
oder Rückstrahlbelägen (rot) bis 1. Januar 1962 
vorgeschrieben. Anhänger müssen zudem vom zwe- 
weiße Rückstrahler aufweisen. Am Zugfahrzeug^ 
sind zwei rote Schlußlichter und links am hinter-^' 
sten Anhänger ein rotes Schlußlicht (Lat'-rne) erj 
forderlich. Ab 1. August 19G1 muß vom Beginn deij 
Dämmerung an bis zur Tageshelle oder wenn di 
Witterung dies erfordert hinten yinks nunmeli;^ 
rotes Tiiciit vorhanden sein. Der f l-i.iiT'/eugl 



Seit dem 1. Januar 1961 ist die Haftpflicht- 
versichor mg für landwirtschaftliche Motortahr- 
zeTge ob ^^atorisch. Wer ein unversicherte. Motor- 
fahrzeug führt, wird mit Gefängms und Buße^ be- 
strnt't wobei die Buße mindestens der Jahres- 
p^inii'e dJr entsprechenden Haftpflichtversicherung 
gleichkommen muß. :K 



ms. Die neuen Bestimmungen für den Geb amli 
von andwirtschaftlichen Motorfahrzeugen mit An- 
lä -em im allgemeinen Straßenverkehr, we Cbe 
das EKlgenössisdie Straßenverkehrsgesetz enthalt 
und die auf den vergangenen 1- A"ff"^t hin m 
Kraft gesetzt worden sind, wurdeTi im Gebiet des 
Kanto^ Zürich vom kantonalen Pcdizeikomm^^^^^^^^^ 
rliPser Tage den Bes tzeni von solchen l^ahizeugen, 
a so der f'-^..r/.>A.n Bevölkerr,ng, in einem R.»^- 
t^reiben ^^^^f^J^^^ 
ÄnTndli^Äer'oriererrsein will, daß für d^ 
BeniAt^ ng von Landwirtschaftstraktoren und An- 
hän-ergetihrten nunmehr neue, gegenüber aem bis- 

erigÄstand strengere -d/lie St..f^^^^^^^ 
verschärfende Bestimmungen m Kraft Mnd^ V on 

dieser Inkraftsetzung ist zu ^^^'«1^,^"; ^f .^l". a,n 
ihre guten Früchte trägt, den Verkehr ^«"^ J^/^^ 
^ dstraßen und in den Dörfern sicherer gestaltet 
■^ ^che Unfälle verhüten hiltt. 

;t In'^^em ein Uehelstand, daß land- 



er.t die Bänke der ersten Primarsohukte^endruk^, 
ken mochten, auf den hohen ^'^f" 'f K^hrzeu" 
thronten und das schwere sefahr ehe Fa rzeu 

rlnvch das Dorf, liinaus auf die T^f'l>l",.^f "%.,'; 
Wenn dieses b^unrnliisonde. sehr ""ßl'.'*/^.f '>f ' 
das von einer „„ccnfämilichen Sorfllosink^t. la 
VM-antwortunislo.iekeit der EUern dieser Kmder 
)e,e nunmehr von den Straßen unserer Land- 
Xfi verschwinden wird, so wird d..nut weniß- 
t ns eine der znhlreielien Unfalh,rsnrhe>, !^ms der 
Welt ee^chnfft. denen sich ein Verkehrsteilnehmer 
Tag für Tag ausgesetzt sieht. 

Entscheidender aber noch ist es. ^J»« die 

f ; ' r, :^k'aZ.e„n .Mre„. denen in zahlreichen 
Fa'l^en die Lenkung dieser Fahrzeuge «"^er ra t 
wird künftig eine Fahrpnil>n.<i abzulegen ahen 
r». ß bei Jugendlichen die Fahrrriitung tnr die 
tenkun" von landwirtschaftlichen ilotortahrzeiigen 

er e^zt zum Obligatorium erklärt wird, is m 
Grunde genommen das Eingeständnis einer /.cic«(- 
rJrlfnkefl die sich die Behörden bisher haben zu- 

:i';ui;i™'-kom,nen lassen. Die ^"^^^.^^ 
7-,blreich genug, die ihre eigentliche l i>ache m 
dieser leiditfertigkeit haben. Es ist angesichts sol- 

her Unfi e übrigens unverständlich, weshalb nich 
«Zn früher, bevor die neuen Be*™-;''^-^^'- 
Straßenverkehrsgesetzes in I^"-"* ,.^P,^f *A' "L't™ 

konnlen, gegen die "'"•",»"fr''*''^';,it ^enü"end 
von Traktoren (birch des Lenkens nicht genug, 
-undi-e Jugendliche und auch Erwachsene vor- 
gegangen worden ist - eine Maßnahme, die^sirii 
an-esi'chts des rasch zunehmenden Straßenverkehr, 
schmi or Jahren hätte verantworten ln.ssen Es 
väiT lediglicd, nötig gewesen, die bisher gel ende 
Be timning, daß eine Fahrprütnng zn erlegen 
h.be wer mit seinem Traktor am ewnrthchcn 
vXUlnZverMr teilnehmen oder sar in eine 
Stadt fahren wollte, auf alle lene ""^'"^'''"•"•"vX 
eine Strecke weit auf der öffentlichen Str.nße fah- 
ren niUssen! um ihre Aecker und Felder zu errei- 
chen Denn gerade mit solchen ^^^"Y'LZ.Zt 
einc-ängen und -ausgangen trugen uml tiagen sich, 
wie die täglichen Unfallberichte zeigen, die Ln- 
glücksfälle zu. 

Richti«' und in den Folgen hoffentlich heilsam 
ist es a ucli, daß das neue Gesetz den Bauern nun 
verbfetet «"/ dem Traktor mehr Persoven müzu. 
mTJ^ Sitz- und Stehplätze vorhanden sind 
oder die Mitfahrer auf Anhängern und deren 
I adung zu verfrachten, die nicht dazu geeignet 
sind Wer durch die Dörfer f.ährt, k.ann immer 
:r'ler feststellen, daß die Mitfahrer, meist Kinder 
und Halbwüchsige, wie Trauben an dcnJraUoren 
h-ingen die von den Vätern oder Jluf em ge- 
sS werden. Dabei geschieht es nicht sei en daß 
der lenker, etwa der Vater, ein KUinxmd m 
sefnem ink«, Arm hält, währeiul er mit der rech- 
ten Hand das Fahrzeug lenkt. Daß .hm bei solchem 
Hüterd enst, der ihn sichtlieh belundert, die Sicher- 
herieim -enken abgeht, ist otlenbar, und so 
briucht man nur in den UnfaUchrond-en der 
7-"™.ss. nachzuschlagen: es vergeht kaum eine 
Woche, daß nicht ein Unglück sich ereignet, sei es, 
daß der Vaier das Kir,d angesichts einer uner- 



Nawiasky zum Orrlinarins brtördert., doch unt^J- 
brach der Erste Weltkrieg: seine vielversprechende 
Dozent^nlaufbahn. 

Im Dienst« der k. k. Feldpost leistete er Mili- 
tärdienst, wobei er als FeUpo^tdirektor einer 
österreichischen Armee in Rumänien den Zusam- 
menbruch der Doppelmonarchie erlebte. Es ffclan? 
ihm als Oberstleutnant, das Gros der österreichi- 
schen Tmppen gresc blossen aus Rumänien nach 
best^rreich zurückzubrinj?en. 



Bereits 1914 hatte ihn ein Ruf an (Wg Lufhvio- 
MavimUians-TJniversität in München erreicht, dem 
er nun im Jahre 1920 Fol^e leistete; er las dort 
öffentliches Recht. 3928 wurde sein Extraordina- 
riat in einen ordentlichen Lehrstuhl umgewandelt. 

In München mußte Hans Nawiaskjs dessen 
Interesse sich schon fnihzeitig föderalistisch-demo- 
kratischen Ideen zuwandte, mit ansehen, wie 
Bitler und seine Gefolgsleute im deutschen Volke 
mehr und mehr Einfluß gewannen. Als unermud- 
Ucher Warner wies er auf die Gefahren lun, die 
ein braunes Regime mit sich bringen wurde. Dali 
ihm das den Haß der Nazi eintrug, hegt auf der 
Hand, und es kam vor, wie ein Riograpli 
Nawiaskvs zu berichten weiß, daß dieser einen 
geladenen Revolver auf dem Katheder liegen 
hatte, während er Vorlesung hielt. Mit der Macht- 
übernahme durch Hitler verlor der unersc^irockene 
Rechtslehrer seinen Lehrstulil m München und 
kam im Frühjahr 1933 als politisch Verfolgter in 
die Schweiz, wo er zuerst in Kreuzlmgen, dann 
in St Gallen Wohnsitz nahm. Durch Vermittlung 
von Rektor Dr. W. Hug wurde liim ein Lehr- 
auftrag an der damals noch recht kleinen II an- 
deJs-Hochsrhule für r»ffentliches Recht erteilt. 
Später entstand daraus ein Extraordinariat, und 
1945 wurde Nawiaskv Ordinarius, eine Stelle, die 
er bis zum elahre 1955 innehatte. Daneben riet 
er 1938 das der Handels-lTochschule angegliederte 
Schweizerische Institut für Verwaltungskurse ins 
T^ben, dessen Leitung er bis zu seinem Heimgang 
innehatte. Ueber hundert Venvaltungskurse wur- 
den unter seiner Aegide durchgeführt wol>ei Hans 
Nawiaskv sich nicht nur als gewandter Oi-gaui- 
sator er^vies, sondern durch seine ^lij^n^^"; ""^ 
Referentenwahl auch bewies, in welch hohem 
Alaße er sich ein Verständnis für die praktischen 
Fragen unseres schweizerischen Staatswesens er- 
arbeitet hatt«. 

Nach dem Zusammenbnich des Dritten Reiches 
wurde ihm erneut ein Lehrstuhl an der Universität 
mnchen angeboten. Allein ^---f ^, ^ f^.^^^^^T 
Wahlheimat und der Handels-Hochschule St. Gal- 
len treu. Doch verstand er es, durch Uebernahme 
einer Professur in München auch die dortngen 
Beziehungen wieder frisch anzuknüpfen. Nahezu 
Ms an seTn Lebensende fuhr darauf der unermüd- 
liche Gelehrte und Dozent alle vierzehn Tage nach 
München! um seinen dortigen Verpflichtungen 
gerecht zu werden. 

Es spricht für das Ansehen, das der Steats^ 
Tv^i^htler ^chon bei Kriegsende genoß, daß er auf 
mn ch der amerikanischen Besetzungsbehorden 
vr>n to bavrischen Regierung zur MUarhert an 
^nr Schaffung einer hayrischcn Verfassung zn- 
bezogen wrde und auch später der bayrischen 
I^TrSng und dem Landtag als R^Msheraier zur 
vSfüSung stand. Daneben haben aber auch oster- 
reicSe Instanzen, vor allem die Reg^erung des 



aiitwortlicii. LandwirtsciuiftlicliF .l^ilu'^C^ 
außerhalb des Bereiches einer geÄigenaen MfTi 
bclcuchtr.ng auf der Straße abgestellt werden, mi^ 
sen auf der dem Verkehr zugewandten Seite nutl 
einem nach hinten rot, nach vom weiß leuchtenderi| 
Licht versehen sein. . 

Richtungsändcrnngen sind durch Handzeichen 
oder mit einer Kelle oder mit Richtungsanzeigern 
anzukündigen. Werden sichthemmende Ladungen 
oder Anhänger befördert, muß ab 1 Januar 19b2 
eine geeignete Kelle mitgeführt werden, um damit 
das Abbiegen nach links anzuzeigen, soiem das 
Falirzeug niclit mit eineni Rückspiegel und Kicn- 
tungsanzeiger ausgerüstet ist. 

Es dürfen an einem Zweiachstraktor nur noch\ 
zxcei landwirtschaftliche Anhänger mügefnhrt wer- 
den Die Breite der Anhänger darf mit der Ladung 
'^5 "Meter erreiclien; lose befiu-derte Ladungen, wie 
lieu und Stroh, dürfen bis 3,5 Meter breit sein. 

Auf landwirtsclmftlichen Motorfahrzeugen und 
Anhängern dürfen nur noch das Arheitspersonal 
und Famillniangehimge des Betriebsinhabers oder 
seiner Arbeitnehmer mitgeführt werden. iMitlali- 
rende dürfen nur auf eingerichteten Sit^;- ""d 
Stehplälzen und, soweit dies gefahrlos möglich ist, 
auf der Ladebrü<-ke oder der Ladung Platz nehmen. 
Vor^rhulpßichtioe Kinder dürfen auf landwirt- 
s<'haftlichen Motorfahrzeugen und Anhangern nur 
mitgeführt werden, wenn sie von emrm mehr als 
14 Jahre alten Mitfahrenden heaufswhtigt sind; 
die Aufsicht durch den Führer geniigt nicht. 

Der Verwendungsbereich der landwirtschaft- 
lichen Älotorfahrzeugc entspricht im großen und 



^n-'cn, oft sehr dichten Verkehrs, auf 
^prtni zirkulieren konnten, ohne daß die 
^p-flieser Fahrzeuge sich über deren genügende