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Full text of "Euripides' ansichten vom tode und vom jenseits [microform]"


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NEGA TIVE 



NO. 93-81309-19 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



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BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



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Original Material as Filmecl - Existing Bibliographie Record 



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Restrictions on Use: 



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Y/armbold, Franz | 

••• Euripidos* unaichten von tode und vom 
jenseits, von Gyi.'inasial-lehrer Franz Y/armbold .., 
Bernburg, Reiter, 1871. | 

34 p. 26 cm. ^ | 

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At head of title: Programm des Herzoglichen 
Carlsßynna3iums zu Bernburg ... | 



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TECHNICAL MICROFORM DATA 



FILM SIZE: ^^5 REDUCTION RATIO :__L.rJ!l 

IMAGE PLACEMENT: lA ^ IB IIB ^ 

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FILMEDBY: RESEARCH FUBLICATIONS. INC WOODBRIDGE. CT 




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1100 Wa/ne Avenue, Suite 1100 
Silver Soring, Maryland 20910 

301/587-8202 




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MRNUFflCTURED TO fillM STflNDfiRDS 
BY fiPPLIED IMfiGE, INC. 




^No.l, 



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rograiiiiii 



des 



Herzoglichen Carlsgymnasiums zu Bernburg 



Ostern 1891, 



womit 



ZU der öffenüiclieii Prüfung der ScMler 

am 30. Hlärz Vormittags 8 l hr in der Aula 

ergebenst einladet 

j)r. Friedrich Grünther, 

Director und Professoi-. 



Inhalt: 

1) Eiiripides' Ansichten vom Tode und vom Jenseits. 

Tom Grymnasial - Lehrer Franz Warmbald. 

2) Scliulnaeliricliteu. Tom Director. 



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i e r n b u r g. 

Druck von L, Reiter. 

1871. 



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leit dem Beginn des peloponnesischen Krieges hatte sich in Athen auf allen Gebieten des 
geistigen Lebens eine Bewegung vorbereitet, die in ihrem Verlaufe zu einer völligen Revolution, zu 
einem Umsturz alles Bestehenden führte. Im Staate hatte die reine Democratie der Herrschaft des 
grossen Haufens weichen müssen, an Stelle des kindlich frommen Glaubens, der die Werke des 
Aeschylus und Sophocles durchdringt, war der Zweifel, der Unglaube getreten und man hatte sich 
gewöhnt, Fragen der Religion mehr als Gegenstand des Witzes, denn als Sache des Herzens zu 
behandeln; die sittlichen und socialen Verhältnisse waren andere geworden. Der Staat war dadurch 
seinem Untergange nahe gekommen. Die Wurzel des Uebels, die Fäulniss in den sittlichen und 
religiösen Zuständen, erkannte man richtig, aber über die Mittel und Wege, das mit Macht herein- 
brechende Verderben vom Vaterlande abzuwehren, waren die -Meinungen verschieden. Während die 
eine Partei, an ihrer Spitze Aristophanes, sich mit allen Kräften dieser Bewegung entgegensetzte 
und in der Rückkehr zur allen Zucht und Sitte, wodurch die Kämpfer der Perserkriege so uner- 
wartete Erfolge errungen hatten, das einzige Mittel erblickte, dem Untergange des Vaterlandes vor- 
zubeugen, griff sein Gegner Euripides mit Bewusstsein in diese Bewegung ein, stellte sich an ihre 
Spiize und ward dadurch der Vorkämpfer einer neuen Zeit, in welcher Athen nach Verlust der 
polilischen Hegemonie das geistige Principat über Griechenland erlangte. Euripides Bestreben ging 
zuuäcii.st dahin, die herrschende Sittenverdi.rbniss zu beseitigen; Belehrung, Aufldärung schienen 
ilnn die geeigneten Mittel, diesen Zweck zu erreichen. Ein grosser Thcil des Volkes hatte, wie er 
selbst, mit den alten Ueberlieferungen gebrochen, die nur niüssige Erfindungen der Dichter und 
Priester zu sein schienen, darauf berechnet, das abergläubische Volk zu täuschen; das Volk hatte 
aber iXiclits, was es an Stelle des verlorenen Glaubens hätte setzen können. Euripides glaubte in 
der Philosophie Ersatz dafür gefunden zu liaben und von den] V/unsche beseelt, die Lehrrn dieser 
neuen Weisheit dem Volke mitzutlieilen, wurde er Dichter. iNicht innerer Drang trieb ihn zur dra- 
matischen Kunst, sondern die Aussicht auf bessern Erfolg: durch das Driuiia liullic er die neuen 
Ideen dem Volke leichter, als durch abstracles Lehren, zuzuführen. Alle Fragen, die das Volk 
damals mächtig erregten, zog er in den Kreis seiner Betrachtungen und behandelt sie in seinen 




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Tragödien. Die Resultate seiner Forsduiogen hat er in einer Fülle der geistreichsten und erhabeiiMen 
Sentenzen niedergelegt, die zu Ende des peloponnesischeu Krieges, wo er fast allein die attische 
RiilHie beherrschte, in Aller Munde waren; Plato citirt sie häufig in seinen Schriften und für Cicero 
hat jeder einzelne Ausspruch Beweiskraft, wie er es oifen ausspricht in einem seiner Briefe an 
Tiro Epist. ad Farn. XVi, -: Cui (Euripidi) tu quantum credas nescio. Egü certe singulos eius 
versus singula veritatis testimonia puto. Von tiefgreifendem Einflüsse auf seine Zeitgenossen sowohl 
wie auf die spätem Geschlechter waren die Ansichten, die er über das Jenseits vorträgt, hat doch 
jener ahnungsvolle Ausspruch Frgm. Phrix. 14: 

„Wer weiss ob das nicht Leben ist, was Gestorbcnseln heisst, das Leben aber Sterben ist", nach 
IVägelsbach. .Nachhomerische Theologie p. 460, in der platonischen Philosoiihie seine Ausbildung ind 
wisseaschafiliche Begründung gefunden. 

Ich Ulli im Folgenden Euripides Ansichten über den Tod im Allgemeinen, über das Jenseits 
iiiid librr (Ho Pnichten der Lebenden gegen die Todten zu entwickeln versuchen. 



Alle Menschen sind der Gewalt des Todes unterworfen, sie sind sterblich {%vriTol) im Gegfn- 
safz zu den unsterbHchen Göttern {d^dvaToc &eoi), er ist ein ihnen gemeinsames üebel {vonor 
axog Fram. Alex.), das Allen bevorsteht (ttuvtcov to ^avelv). Selbst die Mächtigsten der Erde, 
die im Besitz aller irdischen t.iiickseligkeit sind und deren Leben dem der Götter gleicht, können 
dem Tode iiichf entgehen und dieser umstand eben ist es, wodurch die Götter so hoch über die 
Menschen erhaben sind Frgm. Archel. 30: 

Tvoavrlg dvai d-£cov ßiog vo/ii^STar 
TO ^ir} d-avstv ydo oux sxei^ tu d'dXX'6xstr') 
Polyxena konnte sich, ehe Troja gefallen, als Prinzessin den Göttern vergleichen, mit Aus- 
nahme des Einen, dass sie sterblich war Hec. 356: l'crj dsotcrc itl^v rd yiax^av^Xv fiörov. Audi 
der kann sich nicht dmi Tode entziehen, der fern von Gefahren in Ruhe und Sicherheit zu Hanse 
wohnt Frsni. Aes;. 

'AaT&avsiv d^oipsiXsTai 
xul TCO -Aat" ol'youg Ixt 6g rjfihw noviav. 
Der Tod erscheint dem Menschen entweder als eine dvdyxri (p^ascog, als eine im Wesen 
der menschlichen Natur begründete Xoihwendi^keit, als Etwas, was der Mensch seiner Natur na(h 
erdulden niuss, uTieQ Ost xutu (ptJaiv diexnsqäv wie es heisst Frgm. Hypsip 6, oder aber er er- 

*) Die Citate sind nach der Ausgabe YonNauck, Leipzig, nur die Stellen aus der Medea sind na(h 
der Porson'schen, aus Hecabe und Andromache nach der Phlugk'schen Ausgabe, die Fragmente nach Matthias. 



scheint als dem menschlichen Geschlechte von der unsichtbaren, über Götter und Menschen erhabenen 
Macht der Moira verhängt, als ^oQcrifiov. Beide Anschauungen finden wir bei Euripides neben einander; 
wenn auch die erstere seinen physicalischen Studien mehr entspricht, so gesteht er doch auch der 
andern, mehr volksthümlichen, ihre Berechtigung zu, wir finden wenigstens kein Beispiel, dass er 
sie bekämpft. 

Die Zelt nun, wo der natürliche Tod eintritt, Ist das Greisenalter, wo die Kräfte des 
Leibes und Geistes den Menschen verlassen, wo die Schärfe der Sinne abnimmt, wo er einem 
Schatten oder nächtlichen Traumbilde vergleichbar ist und ihm der Tod als Erlöser erscheint von 
den Leiden, die das hohe Alter im Gefolge hat. Die Greise nennen sich daher Herc. für. lll: 
sTTsu fiovoi' xal döxtifia vvxtsqmttov Ivvvxlov oveiQcov^ „nur ein Schall, ein düsteres Wahngebilde 
nachtgeborener Träume" und Oedipus nennt sich Phoen. 1544: noXcov uI&sqoc d^aveg el'dwlov ^' 
nxvv IveQ&sv tj tituvov ovsiqov, „ein ergrautes, unscheinbares Gebild der Luft, einen aus Hades 
Nacht, ein flatterndes Traumbild." Dieser Zustand der Kraftlosigkeit macht den Menschen nicht 
nur mifähig zum Genuss der Güter und Freuden des Lebens, sondern er ist auch eines der grössten 
lebel, welche die Götter auf die Erde gesandt haben, und derjenige handelt nicht klug, der sein 
Leben bis in's höchste Alter zu verlängern trachtet, das auf dem Haupte der Menschen schwerer 
lastet, als die Felsblöcke des Aetna. Herc. für. G37: 

u reoTug fioc (fiXov. uxS^og ^6 t6 yrjqag dsl 

ßuQoTEoov Al'Tvag crxonskMv 

€7ll XQUTV XeiTUl^ 

ßXe(pdQ(ov (TxoTetvor 
(pdog tjiixaXvi^fav. 



Frani. Oenom. 4 



und Frgm. ine. 78 



oGTig ds d-vt]Tcov ßovXsTai dvg(ovvf.iov 
eig ytJQug sXdstv, ov Xoyi^tTui xaXcog. 
fiaxQog yuQ ulwv iLvqCovg tCxtsi novovg 



(X) yrJQug^ oiav eXnid^ r;dov^g exstg; 

xal nag Tig slg gs ßovXsT dyd-Qwirwv fjioXetv. 

Xaßiov de neiQav fiSTUiisXsiav Xafißdvst. 

log ovdiv laTi x^^Q^^ ^^ d^vrjTto ysvei. 
Desshalb hätten die Götter, wenn sie weise wären, den .Menschen ewige Jugend bescheert und das 
Aller von ihnen fern gehalten. Herc. für. 640 singt der Chor; 

TO de Xi'ynov (pöi'idv ts y^ — 

QUg flKTiti. XUTU XnfJLUTMV d' 
SQQOf flTjds nOT^ di(p6X6V 

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d'vaTiov Stoiiaxa ytal noXstg 
sldstv, dXXd 'AU.T ald-so" d — 
sl nTSooTüL (poosiad-M, 
,Das traurige, tödtende^Alter hass' ich: hinab in's Meer stürz' es! Nie zu der Sterblichea 
Häusern, noch zu den Städten nah'n sollt' es, sondern in Aethershühn stets auf Schwingen dahinfliehn!» 
Aber die Greise sind in ihrer Hinfälligkeit nicht nur sich selbst eine Last, sie sind aucli 
dem Jüngern Geschlechte im Wege, dem sie billig Platz machen sollten. Iphis sagt von den 

Greisen Suppl. 1112: 

o'h ;^o^v, STisiödv ^irjdsv cocpslw^i yrjv, 
d-avovTug looeiv icdxnodiov eivui vsoig. 
Das menschliche Leben vergleicht Euripides oft mit einer Saat, die der Erndte entgegen- 
reift. Frmii. Hvpsip. 6: dvarAauog ()%£* ßiov ^eoC^eiv wcrrs xdoTTi^tov axdxw, -Aal t^Jv ^h slia^, 
Tov d^ M' Der Greis ist reif zur Erndte [cogatog) und der Schnitter Tod kommt ihm zur rechttii 
Zeit. Hiermit trö^^tet Hercules den Admet für den Fall, dass sein Vater dem Tode erlegen wäre. 
Aic. 516: narrjo ys M^ iOQatog, el'neo ol'xeTcu. Dagegen gilt es als das grösste Unglück, zu früh 
iüwQog) zu sterben. Die sterbende Alcestis weiss daher für ihre Kinder von den (iültern nichts 
Besseres zu erflehen, als dass sie der Tod nicht vorzeitig treife, dass sie vielmehr hochbeglückt 
im Vaterlande die ihnen zugemessene Lebenszeit ganz geniessen möchten. Ale. 1G8: i^^ d-avsiv 
dwoovg natdag, dXX' svÖai^ovag h yrj najQioa Tsom'ov sxnX^Gui, ßCov. 

In ihrer traurigen Existenz wünschen die Greise oft den Tod herbei als Erlöser von ihn^ii 
Leiden, doch wenn er ihnen naht, beben sie vor ihm zurück, wie die Erfahrung lehrt, und das von 
ilHieu so oft und so arg geschmähte Alter ist ihnen dann plötzlich lieb und werlh. Diesen Vorwurf 
inaclii Admet seinem greisen Vater Pheres, der sich nicht hatte entschUessen können, die kurze 
Spanne Zeit, die iliiu noch ziun Leben vergönnt war, zu opfern, um dadurch das Leben seines ein- 
zigen Sohnes zu verlängern, obgleich sein Haus bestellt war und er Alles, was das irdische Leben 
an (ilückseligkeit bietet, im reichsten Maasse genossen hatte Ale. 653: 

yiot firjv Off uvd'QU XQ^ ttuSsTv sudui[.iova 
nsjTOvd-ag- ijßrjtTug fih iv zvQuvvCdt^ 
nutg J'/Jv syoj GOt tmyös öiddoxog dd^m'j 
lOGT^ ovic uTS'Avog xar5-«v(oV dXXoig do^iov 
Xetilieiv s^sXXsg 0Q(pav6v diagndffai. 

und fährt dann fort v. 669: 

fiuTTjv uQ* ot ysQOvreg evxovjai d-avstv, 
yrjgag xl>£yovTSg xul fiaAoov ;if^ovov ßiov. 
rjv d' lyyvg eXd-r d-dvajog , ov6eig ßauXetm 
^v/fö-xg/r, TO yvQc^^ ^' ovxh' fW avjoig ßagv. 



Wie die Natur einerseits dem menschlichen Leben durch die Auflösung der physischen und 
geistigen Kräfte ein Ziel gesetzt hat, so ist auf der andern Seite von der unsichtbaren, allmächtigen 
Gewalt der Moira dem iMenschen der Tod als Loos vorherbestimmt, und zwar nicht nur der Tod au 
und für sich, sondern auch Zeit und Stunde desselben, die jedoch dem Menschen nicht bekannt 
sind. Hercules räth dem Diener Ale. 782 sein Leben zu gemessen und fährt dann fort: 

ßgOTotg anaGi xuT&avetv otpeiXsTui^ 

XOVX lail- d'VrjTWV UGltg t^STTlGTUZUl 

Trjv aüQiov fiaXXovffuv si ßnoüecai. 
Polydor redet vom bevorstehenden Tode seiner Schwester Polyxena Hec. 43 : fj nsiQWfisv^ 
(sc. Tvxrj) dysi &avHv däsX(pTJv tmö'^ sfjujv ev rjiiaTi^ „ihr Verhänguiss will, dass meine Schwester 
sterben soll an diesem Tag." Ale. 20: TJj^e cy' sv r^fiega d-avsiv tcstzquotui, Ale. 105: xal iirjv 
Todfi xvQiov ^fiaQ, (it xQn G(p6 (.LoXetv xard yaiag^ „dies ist der entscheidende Tag, wo sie zu den 
Todteu hinab muss" und weiter unten: nsnQiofisvr} ^fisga ßidt^exat. 

Heber das dem Menschen vom Schicksal vorhergesteckte Ziel des Lebens kann weder er 
selbst, noch ein Gott dasselbe verlängern. Die einzige Ausnahme in dieser Beziehung macht Admet 
in der Alcestis- Sage. Wegen seiner Frömmigkeit hatte Apollo, nachdem er die Moiren berückt 
{MoiQag doXwffag)^ vom Geschick erlangt, dass dem Admet wenigstens, da es nicht in seiner Macht 
lag, ihn vom Tode überhaupt zu befreien, die Dauer seines Lebens verlängert würde, wenn sich 
Jemand fände, der an dem Tage, wo Admet hätte sterben müssen, für ihn freiwillig zu den 
Todten hinabginge. Ale. 11 erklärt Apollo: 

ov (Admet) d'avstv eoovcrdiirjv^ 

MoLQug d'oXwffag. riveaav ds fnoi d^eul 

^dfiTjTOV aSrjv tov nagavTix 8xg)tjy6tv, 

uXXov diaXXd^avia rotg xuto) vsxodv, 
und Admet sagt von sich selbst Ale. 939: c/o) d^ ov ov xQ^v tv^', nuQslg t6 iiögaifiov, Xvttqov 
did'§(0 ßCoxov. 

In Betreff der von Göttern mit sterblichen Weibern erzeugten Kinder treffen wir bei Euripides 
auf Widerspruch. Während sie nacfi Aic. 987: xal dsMv axoxioi (pd^lvovai natSeg h d-avuria 
»auch die Söhne der Götter sterben, schwinden in Todesnaeht," der Macht des Todes nicht minder 
als die Menschen unterworfen sind, darf Helena nach Apollos Ausspruch als Tochter des Zeus hilIiI 
sterben Gr. 1635: Zrjvog yug ovaav t,rjv viv u(pd'iTOv ;^o£a)i^, KdGioqC js IToXvd'svxst t \v diS'SQog 
moxulg üuvd-axog eGzai. Castor und Pollux tödten sich gegenseitig nach Hei. 142 , Hercules 
dagegen wird ohne den Tod geschaut zu haben und ohne von der Flamme des Scheiterhaufens 
verletzt zu sein, auf den Olymp zu den Göttern entrückt, wo er in goldener Ha He das reizende 
l^ager Hebe's theilt. Heraclid. 910 tröstet der Chor die trauernde Alcmene: 



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8(71 IV €V OVQaVM ßeßaxMQ 
Tsog yovog^ m ySQuid' 
^svyco Xoyov wg lov ' Aida 
d6[iov xuTsßa nvQog 
deivu (fXoyl (TwfjLu duiff&eLg' 
"Ußag t' 8qut6v xQ^^^^^ 
Xexog ;f()i'ö'£'ar xar^ avXdv 
Innerhalb der dem Menschen vom Schicksal gesetzten Frist des Lebens hat er vermöge 
seiner freien Selbstbestimmung über dasselbe freie, unumschränkte Verfügung wie über jedes andere 
irdische Besitzniuiu. Das Leben ist dem (iriechen ein grosses Gut, dessen Werth er sehr wohl zu 
schätzeil weiss, ja unter Umständen erscheint es ihm als das höchste Gut. Orestes verlangt von 
Menelaos keinen irdischen Besitz, sondern nur Erhaltung seines Lebens, denn das Leben sei ihm 
das theuerste Gut, Or <;44: oJ xQVl^^^' ^^^«^" XQ^-l^^^^ ^^ ^W '^^^ '^^'^'^'^^' 9^*'^^«^' -^^^^ ^^^'' 
i(xm> und Ale. 301: ^w^ng r«(? oröev IfTzi Ttfinorsoor Das Leben ist der einzige Besitz, der, 
Piiuiinl verloren, nicht wiedergewonnen werden kann, Suppl. 775: TO/7ro yuQ iwvov ßQorotg o^-a 
sau t«v«aV dvaXco&ev laßetv , ^pv^h' ßnorsiav. Wie sehr der Grieche das Leben liebt, mit 
welcher Wonne es ihn erlTdlt, das Licht der Sonne zu schauen, „im rosiges Licht" zu athmen, 

spriliii ipliigeiiiii aus, Iphig. Aul. 1249: 

'ev awTSii'OrGa ndvra vixt](T(o Xoyov 

t6 cpdig Tod" uvd-QfonoKTiv '^diarov ßUnsiv, 

TU vsqS-s d' oudsv fiaiveiui d" og svxsTat 

d-avetr. 
„Gcdranm in ein W .)r( fass' ich aller Gründe Kraft: Dies Licht der Sonne schauen ist 
das Süsseste, der Tod so grauenvoll. Rasend, wer zu sterben wünscht.'' Im Gegensalz hierzu 
steht der Schauder, den er vor der dunkeln Nacht des Hades empiindet, und die er nicht im Traume 

schauen mag, Frgni. Meleag. i:): 

jeQTirov TO (pwg fiot. t6 J' /'tto yrjv aöov a-Aorog 

Oi^f)' elg ovsiQor ovdslg uvd-QionMv [loXtTv. 
Duch nicht unbedinirt das höchste Gut ist dem Griechen das Leben, es giebf im Gegentheil 
n..ch höhere Güter für ihn, in deren Vollgeuuss das Leben eigentlich erst Leben für ihn ist, und 
deren Verlust es ihm zur PlVicht macht, den Tod zu suchen, dem Leben durch Selbstmord ein Ende 
zu machen Höher als das Leben steht dem Griechen die persönliche Ehre. Diese verliert er, so- 
bald er in Knechtschaft geiälh; um dieser Schmach zu entgehen, soll er den Tod suchen, wenn 
dies in seiner Macht steht, Frgm. Archel. 

£V ds (TOI flÖvOV TOOyWVfJi, fll^ ^Ttl ÖOvluaV HOTS 

Soi)' £xa]v £3L^>;^, naqov GOi ^iarS-aveTv tXsv&sQwg- 



Hec. 378: t6 Irjv firjv xaXuig fxeyag novog und Hec. 357 wünscht sich Polyxena den 
Tod, weil sie die Freiheit verloren: vvv slfil öovlrj. ngcoTa ^h Tovvofia &avgtv squv tC^tigi ovx 
6la)&6g ov, Barbarenart ist es, nach dem Verlust der Freiheit noch am Leben zu han^^en. Das 
beweist der Ausspruch jenes feigen Phrygers, Or. 1509: navTuxov f^v ^6v ^dXXov rj d-avelv Tolg 
(TijüipQoatv und V. 1523: nug dvrjQ^ xäv dovlog f^ Tig^ rjöeTut t6 (pwg ogäv. 

Die persönliche Ehre wird aber anch verletzt durch einen schimpflichen Tod. Die Furcht 
vor einem schmachvollen Tode ist daher ein weiteres Motiv zum Selbstmord. Odysseus fordert seine 
Genossen auf Cycl. 201 : ü ^avetv Sei, xaTd-avoi^^ie^' siJysving, ij l^wvTeg alvov tov ndqog ys ccuVo^sv. 
Aber auch die Rücksicht auf die lebenden, wie auf die verstorbenen Angehörigen legt dem Griechen 
die Pflicht auf, eines des Freien würdigen Todes zu sterben, wenn der Tod einmal unvermeidlich 
ist. Orestes fürchtet seinen Vater im Grabe zu beschimpfen, wenn er den über ihn verhängten 
Tod durch Steinigung erleidet, und er beschhesst daher, sein Leben durch Selbstmord zu endigen 
Or. 1169: ov (Agamemnon) od ycaTaiaxwM douXov naoacx^v d-dvuTOv, dkl' eXsv&sQiog xpvxrjv 
difnaoi. Hercules Gemahlin Megara fordert ihre Söhne auf, mit ihr freiwillig einen rühmlichen Tod 
zu suchen, denn das seien sie ihrer Famiüe und sich selbst schuldig, und sich nicht von Lykos 
ihren Feinden zum Spott wie Sclaven zum Scheiterhaufen schleppen zu lassen Herc. für. 284: 

rj^Lug f)" Ineidri dtt S-avetv^ d^vr;(TX6n' xoscov 
f-iri nijQl y.uTu^ard-evTug, 8xd^Qot(nv ysXcJv 
didövTug, Oi'fiol tov &artn' i-isi^ov xuxöv. 
o(peiXo^ev yuQ tioXXu diofiuaiv xuXd. 
<T6 fjisv doTirjGig eXußev si^xXsrjg dooog, 
CDcrr' ovx drey.T6v deiXiag S^uretv r/' vno' 
ovfiog ()' d^uQTvorjTog sv'xXsfjg rrocr/g^ 
eng Tovgds naXdag ovy. uv axGcotrui &eXot 
So'^av xax^v XaßövTug. 

Die Ehre, die persönliche, wie die der Familie, gilt dem edlen Griechen mehr als das 
Leben; es kommen daher auch Fälle vor, wo er durch die Schande, welche nahe Angehörige über 
ilin und sein Haus gebracht haben, zum Selbstmord getrieben wird. Leda erhä.igt sich aus' Gram 
über den üblen Ruf ihrer Tochter Helena, HeL 133 sqq., und aus demselben (irunde tödten sich 
gegenseitig ihre Brüder, die Dioscuren. Hei. 142 erzählt Teucros von ihnen: (r^ayatg dösX^ijg 
o"v€x' hnveuGut ßiov. 

Der Tod gilt endlich als das sicherste Mittel, dem Unglück, der \oth des Lebens ein 
schnelles Ende zu bereiten, denn heisst es Frgm. Antig. 17: ro ydo d-avstv xaxdiv iisyiaTov 
^uQfiuxov vofii^sTat. War es in den oben angeführten Beispielen dem Griechen Pflicht, den Tod 
7'U suchen, um der Schande zu entgehen, so findet Euripides dies zuletzt erwähnte Motiv zum Selbst- 
'"ord höchstens nur verzeihlich. Polyraestor hatte aus Geldgier Hercubas Sohn Polydor ermordet. 






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8 



8 

Da^ir haue iiecüba mii den übrigen Troerinnen furchtbare Rache an Ihm genommen, indem sie 
seine beiden Söhne -etödtet und ihn selbst geblendet hatten. Wenn unter solchen Umständen Poly- 
mestor das Leben unerträglich findet und er sich tüdiet, so findet der fhnr dies verzeihlich Hec. 1107: 

Gvyyvwad-\ oxav Ttg 'AqbIggov r; (psoeiv xuxa 
nud-r, TaXaivrjg t^analld^ai So»;?. 
Hercules dagegen, auf dem der Zorn der Hera noch viel schwerer lastete, als er von 
Wahnsinn befangen seine eigenen Kinder tüdtele in der Meinung seinen Todfeind zu treffen, dachte 
wohl auch einen Augenblick daran seinem Leben ein Ende zu machen, als er zur Besinnung zurück- 
gekehrt das grausige Werk seiner Hände erblickte, aber er ermannte sich und mit den Worten : „Wer 
dem Unglück nicht beherzt entgegentritt, der maq: auch eines Mannes Wehr nicht widerslehn," ver- 
bannt er jeden (Jedanken an Selbstmord und erklärt ihn geradezu für Feigheit Herc. für. 1Ö47: 

taxe^iunr^v de xuinen tv -/.a-Aolciv wr, 
^ri deiXCav o^Xo) tu'' bxXiTTiov (puog. 
Talg GiJi.L(fOQalg yao oct/c ov^ v^picxaTai^ 
ouö' dvöüog äv dijvaid-' vTtoaTtjvui ßeXog. 
Ajax, der in einer ähnlichen Lage war, indem er von der Göttin Athene mit Wahnsinn ge- 
schlafen Viehherden niedermetzelte in der Meinung seine Feinde zu tödten, besass nicht diesen mora- 
hschen Muth, sondern stürzte sich in sein Schwerdt, um nicht seinen Feinden als Zielscheibe des 
Spottes zu dienen. Teucros berichtet seinen Tod HeL 06: ohetov a,h6v wXea al^i enl '^icpog. 

Endlich ist auch die Liebe Motiv zum Selbstmord. Evadne stürzt sich in den brennenden 
Scheiterhaufen ihres vom Blitz getroffenen Gemahles Capaneus, um auch nicht im Tode von ihm 
zu lassen, und mit sterbenden Freunden zu sterben ist der süsseste Tod Suppl. 1000 : 

^diGTog yuo rot &uvuTog 
Gijv&rrjay.eir S^vt;Gy.ovGi (fiXoig 

und fährt dann fort 1022: 

JJsoG8(pov8tug d-uld^ovg^ 

GS Tov O^MVoi'T^ olnor s^(J- 

TToodoiiGa ij'i'X'J >^«TW yäg. 

PImdra uiil ilirem Leben durch Enlhaltung von Speise und Trank ein Ende machen, weil 

sie ihre Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolyt von diesem nicht erwidert sieht uuc! erhängt sich endlidh 

weil sie fürchtet, ilir üemalil Theseus möchte Kunde von dieser ihrer sündhaften Neigung erhallen 

Hipp. 600 sagt sie: 

ovx oJda 7ilt!V tv, yMT&urttv vcov tüioq, 
TÜv vTiv TtuQÖVTiDV ffi;/u«icor uxog jXOVOV. 
Wenn Helena, llel. 97 den Selbstmord für einen .\cl des W itluisinnes erklärt: iiavsn; 
ln,l Tk oio^oovcöv xUin T«<)' «V mit Bezug auf Ajax Tod, so spricht sie hiermit das Lrtheil des ge- 



i 

wohnlichen Volkes über den Selbstmord aus, bei dem das Ehrgefühl nicht allzu tiefe W^urzeln ge- 
schlagen hatte und an dessen Leichtsinn das Unglück und die Noth des Lebens spurlos vorübergingen. 

Was die Mittel betrifft, wodurch der Selbstmord herbeigeführt wurde, so machen Frauen 
in der Regel durch Erhängen ihrem Leben ein Ende; so Leda und Phädra. Evadne dagegen stürzte 
sich in den brennenden Scheiterhaufen ihres Gemahles. Männer tödten sich gewöhnlich mit dem 
Schwerdte und Helena erklärt es geradezu für eines Freien unwürdig, den Tod durch Erhängen zu 
suchen Hei. 298: 

d'avstv XQUTiGTOV Tiwg &uvoifi UV ouv xuXwg; 

uG^t^fioveg fi£v dy^ovcti fisraoGioty 

xdv toTgi dovXoig dvgjiQsneg vofii^eTac 

G(payal d^e^ouGt evysveg ti y.al yoKov, 

Wurde in diesen Fällen der Tod gesucht zur Wahrung der eigenen Ehre, wie der der 
Familie, oder als Erlöser von der Noth des Lebens, so wird er nicht gescheut, wenn es die Ver- 
theidigung der edelsten Güter gilt, des Vaterlandes, von Weib und Kind, in einem solchen heiligen 
Kampfe ruhmvoll zu sterben, ist nicht nur für den Kämpfer das höchste Lob, sondern auch seine 
Vaterstadt hat Theil an seinem Ruhme und blickt mit Stolz auf ihn, wenn es auch auf der andern 
Seite sie mit Schmerz und Trauer erfüllen muss, die Besten ihrer Bürger fallen zu sehen, denn 
nur diese trifft in der Regel der Tod Frgm. Temenid. 6: 

(piXsT TOI nöXeiiog ou ndvT^ svTvj^eh" 
eG&Xwv ds x^^Q^^ TTTcofjLuGiv vsaviiov, 
xaxoug ds fiiGet. Trj nöXsi /lev ovv voGog 
Tod' fcöTt, Toig ds y.uT&urovGi evyXssg. 
Umgekehrt bringt es auch der Stadt Schande, wenn einer ihrer Bürger sich nicht scheut, 
einen schimpflichen Tod zu erleiden Troad. 401 : 

GT£(paLvog ovy. aiG^oog noXet 
xuXwg oXeG&ui^ ^rj xuXüig ds dvgyXssg. 

Cassandra preist die für ihr Vaterland gefallenen Trojaner vor den Griechen glücklich 
Troad. 386: TQwsg ds tvqmtov fisv^ t6 xuXXigtov yXsog, vttsq nuTgug s&vtjgxov und Hcf iiba 
betrauert Astyanax wegen seines schmählichen Todes, den er gefunden, indem er von den Mauern 
Trojas herabgestürzt war: Avie glücklich wäre er gewesen, wenn er für sein Vaterland kämpfend 
gefallen wäre Troad. 1168: 

w ^iXtuB-^^ wg GOi &dvuTog rjXd'S dugTu^f^g' 
ei [isv yuQ s&avsg noo iroXswg^ ijßrjg tv^mv 
ydficov TS xal Trjg Igo&sov rvQavvLdog, 
^axuQiog rjGd^ aV, eX ti tlov^s fiaxuQiov. 



1 



\ 



Ü 

Treffen wir auch sonst häufig den Wunsch an, den man den Tod(en mit in's (irab gab, 
dass ihnen die Erde leicht sein möge, Alec. 46^^>: icovtpu aot x^^'^v sttuvw&s neaoi^ yuvai^ so verlangt 
dies als Vorzug Menelaus für diejenigen, die im Kampfe mit dem Feinde gefallen sind Hei. 851: 

sl yuo el(Tiv Ol d^eol coipol^ 
sVipi'x^v avöoa noXsf^iuor d^avov^^ uno 
•/or(prj i(UTU}i7i:iGX0i'(Tiv 8V Tt'i^ißco x^ovl^ 
xu'/Of'g (^ v(p* tof^ia (Ttsqsov s^^dWoiCL ytjg. 
Diese Stelle erklärt Buttmaun Lexilog. Kd. j, p. 115: eycßdXXsiv ist der eigentliche Ausdruck 
für einen Leichnam, den man unbestattet hinwirft oder liegen läs.^t und ist hier sehr schön durch 
eine Art Oxymoron gebraucht. Selbst den, welchen die Menschen schon bestaltet haben, lassen die 
nntter unter seinem Erdhügel, mit Wahl hier S'oa« genannt, von ihrer Seite unbeslallet liegen. (]. I». 
wie aus v. 851 hervorgeht und dem Beisatze (ttsosov erhellt, ohne ihm die Erde leicht zu machen."' 
Ist der Tod im Kampfe an und für sich schon süss. Hei. 814: dowvTug rj ft,^ (hwvrug fjdtov d-avsTv, 
so ist er aiich - iu Verdienst, das noch über das (irab hinausreicht und die besondere (lunst der 
(iütter nach sich zieht. 

Abtr nicht allein Männer und Jünglinge wetteifern in dem Streben, mit ihrem lllute dem 
Vaterlande zu nützen, auch schwache Frauen bieten freudig ihr Liebstes dar, wenn di<' Ehre des 
Vaterlandes dies Opfer verlangt. Die Sageugeschichte bot dem Dichter eine reiche Fülle von Bei- 
spielen, in denen sich der Todesnmlh, die Opferwilliskeil des weiblichen (Geschlechtes aufs (Jlänzciidsle 
zeigt: Jungfrauen starben freudig den Opfertod, nicht nur, um dem Willen der (iotlheit, die das 
Opfer verlangt hatte, nicht zu wider-treben, denn das vermag kein Sterblicher Jphig. Aul. i:)l)5: 
el d^ sßovXrjd-T] (Toifiu TO/'/tov ^'^OTSiug XußeTv^ SfiTTodiov ysvr'Goiiui ^yoi ^rrjTog oiffa ijj Ssm; sondern 
hauptsächlich, um durch ihr Blut dem Valerlande den Sieg zu erkaufen, um auch ihrerseits dazu 
beizutragen, die Heschimpftmg, die es von seineu Feinden erfahren, zu rächen, sich selbst aber 
unsterblichen Ruhm zu erwerben. Diese (irundsiitze spricht Iphigenia aus Iph. A. 1378: 

sl'g 6f.i* ^ EXXug /; usyiGirj näauL vuv unoßXsTrsi^ 
'Auv 8fiol 7roo^'(n>g ts raun' yal (DoKyutv -AaTac/afpai^ 
Tug TS fieXXoL'fTug yvvar/.ag }]v tl dnwGi ßdoßanoi^ 
firjxsd^ ui07iuL,eiv tür rüg oXßCag l'^ ^ FAXuöog^ 
Tov ' EXsrr^g JirravTag oXel^oov, 'rjriiv^ rjonufTSV Tlaoig. 
xaT'Ta TzdvTa xuT&uvovfTu üi'GOj.iut 'aul fiov xXeog^ 
'^ I'^XXdd^ (og r'Xsnd-socoo'u^ uay.dofOi' yerrGSTUi. 
Eine von Hercules Tüchteru, Macaria, erleidet freudig den Opfertod. um dadurch ihren 
Geschwislern die Rückkehr iu die Heimath, den Athenern aber den Sieg zu erwerben Heraclid. 500 sqq. 
Diese Liebe zum Vaterlande, das Bewusstsein, mit ihm auf's Engste verwachsen zu sein und ihm 



näai ydq fi "EXXrjGi xoivov hey.eg, ov^l Gol fiövi] 
bewirkten, dass diese Jungfrauen mit einer Opferfreudigkeit, mit einem Heroismus für das Vaterland 
den Tod erlitten, der dem lebenden Geschlechte, an das die Noth des Vaterlandes nicht minder 
grosse Anforderungen stellte, als schönstes Beispiel voranleuchlete und unwillkürlich zur Nachahmung 
aulfurderle. Sie waren nur von dem einen Wunsche beseelt, dem Vaterlande zu nützen, dasselbe 
gross und mächtig in der Zahl der Völker zu sehen; die Erfüllung desselben war ihnen der reichste 
Ersatz für die dlückseligkeit des irdischen Lebens, worauf sie durch ihren frühen Tod Verzicht 
leisteien. iphigenia fordert die (iriecheu auf, mit der Opferhandlung nicht zu säumen Iphig. Aul. 1397: 

d^vST^'j b'AjroQ&eiTS TQoCav. tuotu yclo fivrjfietd [lov 
dta fiu-AGOv^ y.al nuTdeg ovtoi y.ul yd/^ioi y.ai d'o^ l^y'j. 

Durch ihren Tod retten sie ferner das Leben vieler Männer, und das Leben eines Mannes ist 
mehr werth als das vieler Frauen Iph. AuL 1392: elg y^ dvt]o yoeiGGtov ywaiyAor avoim' oqiov ^dog 
und Iph. Taur. 1005: dviln fisv ax Ö6(.lmv S-ar(ov Trodsn'og, tu ds ynravyog «V^ev^. 

Endlich mag auch die Erwägung nicht wenig dazu beigetragen haben, sie in ihrem Ent- 
schlüsse, für das Vaterland freiwillig den Opfertod zu erleiden, zu bestärken, dass sie nichts desto 
weniger dem Tode, oder was noch schlimmer ist, der Misshandlung und Sclaverei entgegen gingen, 
wenn durch ihre Weigenmg zu sterben die Feinde obsiegten und ihre Vaterstadt von diesen zerstört 
würde. Diesen Gedanken spricht Macaria aus Heraclid. 511: 

xdXXior, oii^iui^ Tf;gi)\ a firj Tii^ot Jioie, 

TTÖXewg uXoi'Grjg x^^Q^-? tlg Ix^^iinv TrsGttr 

xantiT uTt(.ia ttutooc ovguv svyevovg 

nadovGur "Aidijv ixijdh I]GGov el'giöelr. 
Mcht minder bewundernswürdig ist der Patriotismus der Mütter. Sie geben das Liebste, was sie 
auf ^^i' Welt besitzen, ihre Kinder mit Freudigkeit hin, wenn das Vaterland dies Opfer verlangt, 
ja sie übertrellen an Seelengrösse und Vaterlandsliebe selbst die Männer. Praxithea, die Gemahlin 
des Erechtheus, opI"ert, obwohl mit blutendem Herzen, ihre Tochter dem W^ohle des Vaterlandes, 
denn das Vaterland ist ihr mehr werth als das Leben ihres Kindes; sie sagt Frgm. Erechth. 17: 
mU) iiy.v\ dXXu nuTQid' sfitjr (lüXXor (fJiXio uud fährt dami fort v. 30: 

fiiGiü yuvaty.ug, aiciveg ttqo too yaXov 

"Qrjv TTutdug eiXovTO y.al jraorveGar xay.d 



und weiter unten v. 51 



niehi weniger als seiner Fnmilie anzugehören Inh. Aul. 1384: 



uvtI yao i\fi>x^l<^ [iidg 
oux eGd unwg ou Tfjvd^ lyw glogo) jiuXn: 
o) jtdTQig^ el'&t ndvTeg dl vuiovgi gb 
ovTco (ftXoieVj (Lg lyco- xal (xidkog 
olxotiisv «r GSy xovdev aV nuGxoig xaxov 



2* 



\ 



rn 



^, 



uud Creon, der Beherrscher Thebens, weigert sich Phoeniss. 911 sqq. seinen Sohn Menoekeus zu 
opfern, obgleich Tiresias nur unter dieser Bedingung den Thebanern den Sieg verheissen hatte. 
Freilich nicht alle Frauen sind von einem so hohen Gefühle für die Ehre des Vaterlandes erfüllt, 
von einer so heissen, aufopfernden Liebe zu demselben beseelt. Clytämnestra weigert sich ihre 
Tochter Iphigenia dem allgemeinen Wohle zum Opfer zu bringen und benutzt diese Handlung, als 
sie dennoch auf besondern Wunsch ihrer Tochter vollbracht war, späterhin als Vorwand für ihre 
Untreue und für den an ihrem Gemahl begangenen schmählichen Mord. 

Wie Euripides über die Menschenopfer denkt, die auch noch in der historischen Zeit als 
Sühnopfer in einigen Gegenden Griechenlands vorkamen, besonders da, wo die Gottheit sich mit dem 
Tode eines Sciaven begnügte, cf. Hec. 134, wo Odysseus sagt: iiri t6v ägcarov Javawv näviiov dovXm 
c^ayuov ouvex' dmo^etv, zeigen die Worte, die er der Iphigenia in den Mund legt Iphig. Taur. 380: 

TU irjg d^sou de fi8jj.^0iJLai (TO^icrfiuiu^ 
rJTig ßooTMV fiav rjv ziq utlirjTui (povov, 
ßw^cov uneLoyei, ^utragov (og ^yoifievr], 
avTr] Ö£ ^vGLO^tg TJöexui. ßooTOxrovotg. 
ovic e(jd-' omog stvatsv rj Jiog dufiuo 
ArjTio TOGuvir^v ufiu&Lav. lyco fiev ovv 

TU TUVTUIOV dsoTaiV tCTidflUTU 

uniGTu XQLVO), TTuidog rjGd-rjvui ßoou, 
Toug d' lv^ud\ uhovg ovTug uvd^oionoiCTorovg, 
t elg Tov d-edv to (puvXov dvuipeQSiv öo'aw. 

oudevu yuo ol^ui dui^ioVMv elvui y.uxuv. 
.Doch uusre Gültiu ladF ich ob des Widersinns, sie, die den Mann, der eines Andern Blut 
vergoss,'ausschliesst von ihrem Tempei, üüi als Gräuel llieht, und selbst der Menschenopfer .^icii, 
des° Mordes freut. Nein, niiiimerinehr erzeugte solchen Aberwitz die Braut Cronions, Lelo! Darum 
acht' ich-s auch als eitle Fabel, jenes Mahl des TantaloF, dass Gütler sich an seines Sohnes Fleisch 
er^öizt. wie dieses Volk hier, weil es selbst nach Blute giert, wohl eigne Schuld auf unsre Gottheit 
überträi^i; denu kein unsterblich Wesen dünkt mich bü>er Art." cf. v. 463: 

w noTVi^ eX aoL zud" dosGxovTMg 
nolig r,Ö6 TsXsi, ds^ai d-vaiug, 
ug 6 TTuo" rjiilv vofiog ot'X oaCug 
"EllrGi didovg dvafpaivet. 
Endhch wild der Tod iiidii <z.>cheut. wenn dadurch das Leben der liebsten Angehürigtn 
erhalten weiden kann. Müller sind bereit den Tod zu erleiden, um dadurch das Leben ihren Kindern 
zu erretten, liecuba uill sich gern für ihre Tochter Polyxena an Achilles (irabe opfern lasseii 
Hec. 383, oder vereint mit ihr sterben; doch Odysseus weist sie zurück mit den Worten v. 39 : 



n 

uXig xögrjg evg &uvuTog, ov ngogoiGTSog 

liXkog TTQog uXXo)' firjds tovJ' w^eilofisv. 
„An deiner Tochter Tod genügt; nicht Mord zu Mord zu fügen ziemt uns: o bedürft's auch 
dessen nicht!" Andromache erklärt es geradezu für eine Schande, wenn sie sich weigern wollte 
für ihr Kind zu sterben Androra. 410: s^ol 6'ovsi^og nr; ^uvetv vtisq tsxvov. Fheres erklärt zwar 
den Brauch, dass Eltern für ihre Kinder sterben müssten, weder von seinen Vorfahren überkommen 
zu haben, noch erkennt er ihn überhaupt als griechisch an Ale. 681: od yuQ ttutqioov toW 6- 
ds^dfi?jv vofiov Tiatdwv ngod-vtJGxsiv nuTSQug oud"'EXXr]vtx6v; dennoch wäre es für ihn, den Greis, 
rühmlich gewesen, wenn er für seinen Sohn in den Hades gegangen wäre, wie Admet dies ausspricht 
Ale. 643: ovx i^d-eXrjGug oJt)' haXfirjaug d-avstv tov gou tiqo nuiöog — xuCtoi xuXov y^uv tovS^ 
dyMV ^yiovtGco tov gov tuqo nuiöog xutS^uvmv. 

Wie AIcestis sich dem Tode weiht, um dadurch die Lebenszeit ihres Gatten Admet zu ver- 
längern, so ist auch Menelaus bereit, für seine Gemahlin Helena zu sterben. Er sagt Hei. 849: 
diu ^8 TYjv £fjLj]v ovx uiiwGo) xuT&uvstv öd^aoTsyM; uud Macarla erleidet den Opfertod, um ihren 
Geschwistern das Leben zu erhalten Heraclid. 530: 

ijöe yuQ ipv^t] nuQu 

sxovGu xovx uxoüGW xu^uyysXXofiui 

S^rtJGxsiv ddeXcpiov Ttovde xd^uvTtjg vTtsg, 

svgrj/jLu yug toi fitj (piXoxpv^ouG^ iyio 

xuXXiGTOv evgrjx^ evxXewg XinsXv ßiov 
und Jolaos nennt sie wegen dieses ihres hohen Sinnes einen ächten Spross von Hercules' göttlich 
hohem Geiste HeracHd. 540: Gneg^iu Trjg d^sCug cpgevog '^HgdxXeiog^ und dass sie für ihre Familie 
sterben kann, ist ihr Ersatz für alle irdische Glückseligkeit Heraclid. 590: ngov^uvov yevovg- tuö^ 
uvtI nuidcov IgtC [xot xsi^rjXiu xal nugS'eveiug. 

Ehrenvoll ist es endlich für den Sciaven um den Preis des eigenen Lebens das des Herrn 
zu retten Hei. 1640: ngo dsGTroTwv toIgi yswuCoiGi dovXoig svxXetGTUTov d-urstv und Iphig. AuL 312: 
svxXesg toi dsGTroTiov d^vrJGxeiv vneg. 

War bisher die Entscheidung über Leben und Tod der freien Selbsbestimmung des Einzelnen 
anheim gegeben, so kann aber auch die dem Menschen vom Schicksal zugemessene Lebenszeit von 
Seiten Dritter verkürzt werden, und der Tod erscheint dann als Strafe für begangene Sünden und 
Verbrechen. Der Mensch soll als solcher menschlich denken und fühlen {d-vijTog Cor d-vrjTa (pgovslv 
^^i) und sich vor der Macht und dem Walten der Gottheit in Oemuth beugen; überhebl er sich 
über diese ihm von der Natur und dem Schicksal angewiesene Stellung, so trifft ihn dafür der Tod 
als göttliches Strafgericht. Penlheus weigert sich, den Dionysos als Gott anzuerkennen, obgleich dieser 
ibm die augeiischeiulichsten Beweise seiner göttlichen Macht gegeben hatte. Dafür verhängt der 
^oll über ihn die furchtbarste Strafe: er wird von der eisenen Mutter und den mit ihr schwärmenden 



A 



Bacchanlinneu in Stücke zerrissen Bacch. 1114. Für den Chor aber ist Pentheus Geschick eine 

weise Lehre v. 1325: 

sl (ü^ecTTiv oö"f/c ()aifi6viöv vnsofpoovei^ 
slg TOvd^dS-Qi^Gaq d-dvarov t^ysiaS^w dsovg. 
Clytämneslra hatte ihren Koni? und Gemahl getödtet; für diesen Frevel werden ihr die 
Götter einen gewaltsamen Tod bereiten, wie der Chor dies ahnungsvoll ausspricht Electr. 479: 

TO/on'J* uvay.ja donmoviov 
S'Auvev ärdoitlv Tvvdan}^ 
aa X6)iea^ y.u-xoipQCor xoQa. 
TOiyun (T8 TTOT^ ovoavtdai 
7i^{x\\iovatv &avuTOig' rj [xuv 
st^ 6Ti (poi'iov vno deoav 

Admet dagegen wundert sich, dass die Gülter den Tod seiner Gemahlin zulassen, da doch 
weder er noch sie selbst eine Sünde begangen hätte, wofür sie den Tod erlitte Ale. -240: 

OQu (TS 'xu/is^ Ovo y.uy(.og nSTrnuyoTagj 
ovdsv d^sovg dQucruvTug dvd-^ otov d^avsT. 
Den Gottlosen verderben die Götter mit seinem ganzen Hause, während sie der Tod des 
Frommen nicht erfreut. Diesen Grundsatz spricht Artemis aus in Bezug auf Hippolyt's Tod Hippol. V.yyy 

TOvg yuQ svGsßsig ^soi 
d-vr](Ty.orTug ov x^Coovgi' rovg ys firjv Tcaxovg 
aiholg TVAYOiüi y.uX dofxoig t^dXXvfisv. 
Diese göttliche Stral'gereditigkeit trifft nicht nur einzelne Menschen, sondern sie dehnt sich 
auch auf ganze Völker aus, die durch ihren Hochmuth den Zorn der Götter erregt haben. Daher 
erscheint auch der Krieg dem Furipides als ein Stral^ericht, das die Götter über das Menschen- 
geschlecht verhängen, um seinen Uebermuth, seine Selbstüberhebung zu brechen und die Frde von 
der erdrückenden Menge der Menschen zu befreien. Dies giebt Apollo als den wahren Grund des 
trojanischen Krieges an, und Helenas Schönheit benutzten die Götter nur, um die beiden mächtigsten 
Völker i^iHT Zeit ü! Krieg zu verwickeln. Fr erklärt Or. 1639: 

&8ol T(o TTJgde (Helenas) yMXliarsvfiaTi 
"ElXr;vug eig £»' y.ul (Dnvyug Ginnjyayov^ 
d-avuTOrg r^ e&rjy.uv, tf>? uiruvTXotev x^orog 
v(-ioiCiia &rrjTwv ucpS'oroi' nXrKJWfiarog 

Dasselbe führt auch als Ursache dieses verderblichen Krieges Helena an Hil. 38: 

jtoXtfxoi yuQ elgrJYByy.s (Zeus) ' EXhjviov x^ovi 
xui (l>nt>l^l diiGTr^YO(Gevy u)g o^Xo» poOTon» 
nXfjd'oug 18 xoiJcpiaBts fjLrjjeoa ;|f^ov«. 



|5 

Wie der Tod des Menschen in Folge einer götllidien Sirafe erfolgt, so wird er auch als 
Sühne für begangene Verbrechen vom irdischen Richter «her den Stlmhliaen verhängt. Orestes 
hatte die .Schuld des Muttermordes auf sein Haupt geladen und ist dadurch nicht nur der ewi-en 
sondern auch der zeitlichen Sirafe verfallen. Die zur Abur.heilung dieses Falles zusammenberufene 
Versammlung verurtheilt ihn zun. Tode durch .Steinigung und er emzieht sich nur mit MUhe dieser 
Strafe durch das Versprechet., noch an demselben Tage sich und seine am .«utter..,orde n.llschuldige 
Schwester Electra zu lödten. So berichtet der Bote Or. i)40: 

IJ.öXig J' eneKTs jw; iteiQoofierog &uvii:v 

iXrJuior '0Q£<7Tt;g- uihi'ixeiQi Si (TKpuyij 

vtcs^xst' h rjjd' iJ.uÄ)« Xci'feif ßior 

Gif V GOC 

War der Mensch gestorben, so trat an den (kriechen die wichtige Frage heran, ob nu't dem 
Tode des Leibes zugleich auch die Seele ihren Untergang befunden oder ob letztere noch nach 
ihrer Trennung vom Leibe fortlebe und in welchem Zustande. Auf keinem Gebiete der Theoloc^ie 
war seit Homer ein so bedeutender Umschwung eingetreten als in den Ansichten über den Zustand 
der abgeschiedenen Seelen im Hades. Hei Homer war die Seele nur das Princip des animalischen 
nicht des geistigen Lebens; dieses letztere hat seinen Sitz in dem Zwerchfell, den <poev8g, das die 
edleren Theile des Leibes, Herz, Leber u. s. w. von den unedlem scheidet. Mit dem ^letzten Athem- 
zuge entweicht die v^.;..; aus dem Körper und geht als wesen- und bewusstloses Scheinbild des 
.^lenschen, wie er im Leben war, in den Hades, während die geisiiiren Fähigkeiten desselben, Denken 
Wollen, Empfinden zugleich mit den (pQsvsg ihren Lntergan- finden, sei es durch Verwesun- sei eJ 
durch das Feuer des Scheiterhaufens. So führt der Todie ein bewusMioses Scheinleben'und ist 
nur momentaner Wiederbelebung fähig durch den Genuss von Blut, das die verloren gegan<renen 
9Qh8g für den Augenblick ersetzt. Denn wie das Leben der lödtlich Verwundeten mll'^dem^BIute 
entströmt, so kehrt es mit dem Genuss des Blutes zurück und mit dem Leben Hewusstsein Sprache 
und alles menschliche Gefühl.^0 Seitdem man aber die ^i^x^ nicht nur als Princip des animalischen, 
•^oiidern auch des geistigen Lebens ansah, musste sie natürlich auch ihre geistiijen Fähigkeiten mit 
in den Hades hinabnehmen, und so bildete sich der (Haube an eine selhstbew.jsste Fortdauer der 
Seele nach dem Tode, an ein Wissen derselben um oberwellliche Dinge : Die Seele geht als eio 
»»it Heuusstsein und Sprache begabtes sldioXov in den Hades, das wie die i/..;^^\ „die" Kraft, die 
i^^ben schafft und selbst Leben ist," ewig ist. Diese Gestalt ungefähr hatte der Volksslaube^ vom 
Zustand der Seele nach dem Tode zu Euripides' Zeit angenommen. Dieser Glaube, der sich im 
'^aufe der Zeit allmählich gebildet hatte, konnte sich daher auf keine bestimmte Autorität stützen; 
'»an wusste nicht, wer ihn zuerst gelehrt halte, und von den Todten war Niemand auferstanden,' 
er dem Mensch^i sichere Kunde von dem in Dunkel gehüllten Jenseits gebracht hätte. Er war 
*) cf. Nägelsbachs homerische Theologie, 7. Abschnitt. 



■in 
» 



t ' 



ü 

nicht im Stande, die Zweifel zu beseitigen, die den denkenden Griechen quälten und gab nicht die 
Beruhigung die man über eine so wichtige Frage verlangte. Auch Euripides befriedigten die 
Anschauun.'en und Vorstellungen des Volksglaubens nicht; dem Zweifel anhelmgefailen. war sein 
.anzes langes Leben ein fortgesetztes Suchen und Ringen nach Klarheit, nach (iewissheit über diese 
hochwichtige Frage. Er vertieft sich in die Lehren der Philosophie; aber auch diese vermag nichi 
die Zweifel zu lösen, die ihn bestürmen und er gewinnt endlich am Ende seines langen Lebens di. 
Leberzeu^ung, dass allein ein kindlich frommer Sinn, ein gläubiges GeraUth dem Menschen sichere 
Geuiilir l'eisten für sein Wohlergehen und die Gnade der Götter in diesem wie in jenem Leben. Kr 

spricht diese Resigualion aus Bacch. 200: 

oväcv <!oifi'Qöfi((T&u ToTai duifioai, 

xtXTiiie9-\ ondtlg aihu xurußaUt löyog, 
ovä' d dl (Ixowv 10 GOfOV Bußtirat tposvüv 
Näaelsbarh übersetzt diese St.He: „Wir führen mit den Göltern keinen klügelnden Streii, 
die LcbtTlie'lerungeii, die das Vaterland überliefen, und in welchem wir einen Besitz haben, der 
so alt ist als die Zeit, es stösst sie kein Vernünftelu, keine Dialectik um, auch wenn die (an^eblicbe) 
Weisheit durch das feinste, sublimste Denken gefunden worden ist." 

Uer Vulks..laubc unierschied drei lirade der Seligkeit, wen» man von Seligkeit iiberhaui.l 
in diesem Falle reden kann; zu welchem Grade der einzelne Mensch gelangte, darüber entschied 
nicht sein Verdienst und seine Würdigkeil, sondern einzig und allein seine Abstammung. .\ls 
höchste Stufe galt die Verselzuns in den Olymp oder den Himmel, ohne der Gewall des Todes 
erle.'en zu sein. So wird Hercules lebend iu den Olymp entrückt nach lleraelid. 9 u. 911 und He- 
lena verschuiudel und uird als Slcrubild zu ihren Brüdern, den Dioskuren an den Himmel verset/.l 
Ov 1635. tiue niedrigere Stufe der Seligkeit ist das Fortleben nach dem Tode auf den Inseln 
der Seligen. Achilles wohn, nach seinem Tode auf der Insel Lenke, wie Thetis sagt Androm. 126(i: 

Tov (pikiuTOv Gol nalö'' liioi t '^X'^^^" 
o^iet donoi'Q vaiovTa vrjfTiMTiicovg 
Aevy,r,v 'Aar dm^v evrog Evleivov tioqov. 
Auch Mnielaus ist es vom Schicksal bestimmt als Zeus' Eidam nach seinem Tode auf der 
lusel der Seligen zu uuhnen. Diesen Heschluss des Schicksals verkünden die Dioskuren Hei. 167o: 

y.ai T(ü nXuvtjif] MsvsXsco dstov naQa 
fjLaxuom' xuTOiyetv vr,a6v lari fioQCifiov^ 
auch ladmus wird nach der vJrheissung des Dionysos dorthin kommen Bacch. 1338: 

["jQtjg] iiaxaQiov ig alav aov nad-tÖQvaet ßiov 
und den Peleus nimmt Thetis zu sich in die Fluthen des Meeres, wo er als Gott von allem irdischen 
Leid befreit ewig mit ihr zusammen leben wird Androm. 1255: 



17 

[(Tf öe\ xaxMv dnaWd^aüa twv ßQOTrjciwv 

ud'UVUTOV Uifd'lTOV TS TTOltjffM &s6v' 

yunsiza NrjQSCog sv ^ofioig sfiov fiSTo, 

To XoiTiov rjd'T] S'sog GwoDu^aeig Ssd' 
Die Seelen aller andern Menschen gelangen nach dem Tode des Leibes in den Hades. Aber hier 
wartet nicht Aller dasselbe Loos, sondern wie man sich überhaupt das Leben in der Unterwelt als 
eine Fortsetzung, ein treues Abbild der hier durch den Tod unterbrochenen Lebensweise des Ein- 
zelnen vorstellte, so Avaren dort auch besonders die beiden Stände der Freien und Sclaven streng 
geschieden. Welchem Stande der Einzelne im Hades angehören wird, darüber schien besonders 
die Art des Todes entschieden z»i haben. So können Sclaven durch einen furchtlosen Tod sich 
das Anrecht auf jene höhere Stufe der Seligkeit erwerben, während Freigeborene anderseits durch 
einen schmachvollen diesen Vorzug verlieren. Polyxena lässt sich nicht nach Sciavenart an den 
Opferallar schleppen, sondern geht freiwillig in den Tod, weil sie auch im Hades die Schande 
fürchtet, Sclavin genannt zu werden Hec. 552 : h vsy.oot(n doi'Xr, y.syir(Td-ui ßaaiUg olcu ai(Txi>ro^ai 
und durch ihren standhaften Tod den Rang im Jenseits wieder zu erlangen hofft, den sie hier durch 
ihre Gefangennahme verloren. Zugleich mit der Erlangung dieser hohem Stufe der Seligkeit muss 
sie aber auch die Hoffnung schwinden lassen, mit ihrer Mutter nach dem Tode vereinigt zu werden; 
sie sagt Hec. 4i8: syst (?lv"Atdov y.eiao^ui x^'^Q^ (tsSsv. — Ehegatten, die der Tod getrennt, 
trösten sich mit der Hoffnung, im Hades wieder vereinigt zu werden. Admet bittet seine sterbende 
(iailin, im Hades das Haus zu bestellen und ihn zu erwarten, denn auch dort würden sie zusammen 
wohnen Ale. 3(33: ly.etüs iroogdoya /le, orav S-uno^ y.al dcof.i^ Irolfiu^^^ log (Tvvoiy.r,aovad ^oi. 
(lanz besonders von denjenigen war man überzeugt, dass sie im Jenseits vereint leben würden, 
welche zu gleicher Zeit gestorben waren. Aus diesem Grunde stürzt sich Evadne in den brennen- 
den Scheiterhaufen ihres Gemahles, und Electra höhnt Clytämnestra kurz vor deren Tode mit den 
Worten El. 1144: rn^ifevGsc dt ydv"Aidov dö^oig mtvbq 'S,vvrJ-deg Iv (pdei^ gemeint ist damit ihr 
Huhle Aegysth, der eben von Orest erschlagen war. 

Creusa glaubt, dass der von ihr ausgesetzte und desshalb todt geglaubte Sohn im Hades 
erzogen würde Jon. 953: "Aidov h dofiotg nutöfvsTui und Hecuba tröstet sich mit der Hoffnung, 
dass dem Astyanax die Wiuiden würden von seinem Vater im Hades besorgt werden, die sie selbst 
nicht hätte verbinden können. Troad. 1228 sagt sie: TelafiwGiv tXyrj tu fisv aldao^ai^ rXtifiMv 
MTQog ovofi exovaa^ Tuoya d" olr tu d^ev vsyooTai (poovTtst nuTr^g aedsv. Jungfrauen erhalten 
den Hades zum Bräutigam. Jasons Verlobte wird im Hades ihren Brautschmuck anlegen Med. 985 
veQreooig d^tjdrj ndga vi'iKfoyo^t'cH und von Helena heisst es, die Orestes im Begriff steht, zu 
ermorden Or. WO^'/'Aiörjv vvfi^iov ysxTTjiievr]. Megara hatte die schönsten Jungfrauen zu Bräuten 
ihrer Söhne auserw'ählt, statt dessen werden sie den Keren vermählt Herac. für. 480: (.isTußuXovGa 
'' ^ T^''xV 'i'f'f^iffug fjisv vfitr KtJQug dvTsdioy^ g;^en'. naTtjQ dt TtuTQog sgt/u ydfjLOcg bös/'Aidrjv voini^cov 
^Bvd-eQov, ytj(yog Tr/yadv. 



i 



% 



n 



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19 



In Betreff der Lage und der Ausstattung des Hades weicht die euripideische Darstelluns; 
gleichfalls in vielen Puneten von der homerischen ab. Per Ort, wohin die Seelen der Abgeschiedenen 
gelangen, befindet sich nicht, wie bei Homer, im fernen Westen, sondern er ist unterhalb der Erde: 
Hec. 1 sagt Polydor: rjxw vsxqmv xevd-fiüiva Xmwv, daher heissen die Todten ol xuru yaiug oder 
ol h fivxotg x^ovog, wie Herc. für. 45. Als Eingang zur Unterwelt nennt Amphilhryon Herc. für. 23 
eine Höhle im Vorgebirge Tänaron: Taivägov öid cTo>a ßsßrjx Ig^Aidov. Getrennt wird der Hade.s 
von der Oberwelt durch den Acheron oder Cocytos; aber wie jener immer als stehendes Gewässer 
erscheint, stellte man sich diesen als Strom vor, Hacch. 1361: tov ^eaTutßdzrjv ^AyJoovTa nXevcrug, Herc 
für. 770: h^sva Xtmov tov "Axsqövtiov , Herc. für. 838: noosvffug ^Ax^ooimiov noQov oder er 
wird einfach der unterirdische See genannt Ale. 902: ;^^ov/a XCiivtj, vom Cocylos dagegen heisst e« 
Ale. 467: li ^ACda t€ou[ivu)v Kwxvtov tb oseS-Qwv. Homer kennt zwar diese Gewässer der Unter- 
welt auch schon, aber sie setzten den Schatten auf ihrer Wanderung zum Hades kein Hinderuiss in 
den Weg; diese gelangen vielmehr unter Leitung ^es'Eofitlgipvxono^Ttog unangefochten zu dem Allen 
gemeinsamen Ziele. Hatte man nun aber einmal ein Gewässer als Grenzscheide zwischen der obern 
und der untern Welt angenommen, so musste man auch darauf bedacht sein, ein Mitiel zu linden, 
wodurch die Schalten in den Stand gesetzt würden, dies Hinderniss auf ihrer Fahrt zu überwinden. 
So entstand die Vorstellung von dem Kahne, der die Todten übersetzte. Oiesen Kahn iinden wir 
schon bei Aeschylus deutlich beschrieben Sept. c. Theb. 855: «U« yikov, w (filai, xai^ oroov 
6Qt(T(reT' dixtpl xoutI ndfiTiinov ;f£oon' mmXov, og uUv ()? 'Axsqovt" ufisißSTUf tuv vai'GioXoi' 
fjLsXuyxooxov dswoida, rdv uaiißfj "'noXXmi, rdv dvdXiov, ndvÖo-AOv elg d(pavrj re ;ff{)ö-ov. „Lasst 
im Sturm dpr Klagen um euer Haupt des Gramgeleites Ruderschlag mitrauschen, der dem schwarz- 
umflorten Trauerkalm stets folgt, dem jammerreichen, durch den Acheron zum Lande, das Apollon 
flieht, das sonnenlos Alles in ewige Nacht hinabschhngt." Von dem Fährmann findet sich jedocli 
nnrh keine Spur, die Gestalt desselben scheint vielmehr erst einer spätem Zeit anzugehören. iVacii 
Sehoemann, griech. Alterihümer, Bd. 2, p. 502 fand Pausanias den Charon als Fährmann der Unter- 
wdi ulth! früher erwähnt als in der Minyas, einem der jüngsten Gedichte des epischen Cyclus von 
einem nnbrkanntcn Verfasser; so weit die Werke der griechischen Dichter auf uns gekommen sind, 
findet er sich zuerst bei Euripides und zwar in der Vorstellung, wie sie sich von ihm bis zu den 
spätesten Zeiten des Heidenthunis erhalten hat. Man dachte sich ihn als Greis Ale. 432: 'Aida; 
6 fieXuyxahug ^£0? o t" enl xama nrjdaXko ts ysoiov vsicoonofJLTiog "ilei, sein Kahn ist mit 2 Ku- 
dern versehen, einem Steuerruder und einem andern, daher wird er genannt dimonov (rmcpog oder 
öixomT] IXdir:, oder wie es in der oben aus Ale. 432 angeführten Stelle heisst o Inl -acottu nrjda- 
Xuo ze yso(ov V^g/, er führt Keinen zur Oberwelt zurück, desshalb heisst er Herc. für. 431 dvcan^io; 
nXdrrj. Charon ist jeden Augenblick bereit, seines Amtes zu warten, seine Hand hält stets da;5 
Ruder Ale. 252: ooio Ölamtiov oqm (Txd(pog vstcvmv ds nood-^svg 8x^ov x^q' ^^^ xovtco AdQior. 
Daher erscheint auch der Uebergang vom Leben zum Tode sehr häufig unter dem Bilde einer SchÜFahn. 



Ale. 257 sagt Admet vom bevorstehenden Tode seiner Gattin: 

Otjiot, TiiXQuv ys Trjude iioi vavxXtjQiuv 
sXs'^ag, 

Noch später als die Gestalt des Charon erdichtete man das Fährgeld, dessen die Todten 
bedürften, das vuvtiXov oder den oßsXog. Von diesem finden wir bei Euripides keine Spur, während 
es von seinem Zeitgenossen Aristophanes bereits erwähnt wird. 

Seitdem die Phantasie den Charon erschaff"en hatte als vsycQOTiof^inog nach Ale. 434, als 
Geleiter der Todten, tritt die Gestalt des seelengeleitenden Hermes immer mehr in den Hintergrund 
und seine Functionen scheinen auf Charon übergegangen zu sein, zum Theil auch auf den Thanatos. 
Der 'EQf^itig x^orwg wird wohl erwähnt, z. B. Ale. 743: 7TQd(fowv as x^onog ^^ 'EQ^r^g^Aidrig 
TS dsxon, aber es ist nicht ersichtlich, welches Amt ihm obliegt; der Thanatos trägt Med. 1109 
die Leiber der von Medea ermordeten Kinder in den Hades: (pQovdog Ig^A'idav QdvuTog nQO(peo(ov 

War der Acheron überschritten, so passirten die Schatten die Pforte zur eigentlichen Unter- 
welt, die nuXat ayÖTov (Hec. 1.), die von dem dreiköpfigen Cerberus bewacht wurde. Heraclid. 23 
ist Hercules zur Unterwelt hinabgestiegen, TQiG(n{.iaTov yJvu slg (f(og dvd'^m: Als Herrscher in 
dieser unterirdischen Welt gelten Hades oder Pluto und dessen Gemahlin Persephone, Persephassa 
oder Köre, die Unterwell stellte man sich daher auch vor als die Gemächer dieser Gottheiten. 
Häufig kehrt die Bezeichnung wieder "Aidoo dö^ioi oder mit Auslassung von So^oi slg oder sv 
Jn)ov oder"^/()«; Suppl. iu20: TIeQüe(f,ovsCag r^^o d-aXd^iovg^ oder der Hades wird bezeichnet als 
Ort der Abgeschiedenen, der keinen Ausgang hat Frgm. ine. 247 : d^sol x^dviot, l^otpsQuv ddluvXov 
l-XovTsg Uquv tj^v ^dsioonsviov. Hades, der Name des Herrschers, wird auch selbst sehr häufig für 
die Unterwell gebraucht Hec. Süb: "Atdt] ngoGTi&etG^ tfiov dsfiug, Androm. 544 "Aidtjv x^oviov 
yM.Tußjj(Tsi. Im Hades haben noch ihren Sitz ausserdem der 'EQfitjg x^ovtog und der Odvurog. 
Aber diese Gottheiten werden in ihren Functionen und Culten nicht streng geschieden, was in dem 
durch die orphisch-pythagoräischen Mysterien verbreiteten Pantheismus seinen Grund haben mag. 
!n Folge dieser Theocrasie wurde nicht nur Zeus identisch mit Hades Frgm. ine. 155: aol, tm 
TTUi'TMv fjLsdsovTi^ ;^o//T Tisluvov T8 (psQco ^ Zsvg sIt "" ACör^Q oro/iia^diiisvog arsnysig, sondern auch 
der Thanatos mit Hades, der iäener mit dem Herrn. So sagt Hercules vom Thanatos Ale. 1130: 
lidyr^r Gwdj^iug duifidrwv tm ytoiQdvM und V. ^43 heisst es : IXd-inv d^ uvuütu tov fi6Xd[.i7re7TXov 
i'sy.oun' SdvuTov (puXd'^to. Wie in diesen Fällen der Thanatos dem Hades gleichgestellt wird, so 
verrichtet auch oft Hades die Functionen des Thanatos. AIcestis klagt Ale. 2(;(): dys/ (ns 'vexlUov 
i? uvXuv vn ocfQvGi yvuvuvysGi ßXenMv jTTSQWTog "A/dag. Auch ihre Attribute wechseln. Während 
?ewühnlich Hades im weiten schwarzen Gewände dargestellt wird und der Thanatos geflügelt, heisst 
Hades Ale. 260 geflügelt, nrsQWJog, und der Thanatos ist mit einem schwarzen Gewände angethau 
^Ic. 843: TOI' (jLsXdiinsTiXor Gdvarov y)vXa^M. Hades wird, wie Thanatos geradezu für unser 

3* 






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jTod" gebraucht Hippol. 1047 raxk ''Aidriq Quarog dvögl SvaaeßtX. In enger Verbindung mit der 
Theocrasie steht die Fusion der verschiedenen Culte. Ter greise Diener bringt El. 511 am Hrabe 
Agamemnons den Unterirdischen cnovdal: anovMg t£, Xvaag acxov ov yf'oco ^eVo/g, sansKra^ und 
zwar, wie aus dem Zusammenhange hervorgeht, aus ungemischtem Wein, während den Todten. 
wie den chthonischen Gottheiten das Melilcraton gebührte und diesen überhaupt sonst niemals 
CTTordul, sondern stets xf^f^'' dargebracht werden, denn Hades ist uanoröog dsog Ale. 424. 

Nach dem Volksglauben, der von diesem Pantheismus noch nicht inficirt war, herrscht 
Hades in der Unterwelt getrennt von den olympischen Göttern Hec. 1.: ?xw vs^qmv xeid-fiMvu ml 
axoTov nvXag hmnv , 'Iv " .Aidr,g x^oig w'/t(TTcu Sswv , und er wie seine (Jemahlin erfreuen sich 
nicht wie Apollo an frühlichem Gesang, sondern Trauerlieder, Zerfleischen der Wangen und Schlagen 
des Hauptes ist der Zoll, der ihnen gebührt Ale. 423: nuaecTTS xul fisvovrsg dvzr^xriüaTe naiäva 
TCO y.dTiod-ev danovdto d-ecö und Or. 960: 

Tid'eTauL "Kevudv ovuxu diu 7Tuo?]ldcov^ 

ai/j.uTrjoov uxav^ 

'ATV7T0V TB yioajog^ ov eXax « xara ;^^ovog 

veoTSotov IleQGefpaGGa '/.aXlCnatg &sd. 
Im Hades haben ferner alle dem Menschen feindlichen Mächte ihren Sitz: die Erinuyen, die Or. 2bU 
Priesterinnen der Unterirdischen genannt werden (evsQwv teoCai), Lyssa, der Dämon der Raserei, di«; 
gaitenlose Tochter des Urauos und der dunkeln Nacht, erscheint Herc. für. 838: nooevGaG' 
d^'AxBQorGiov TTOQov, l'eruüT die dkuGToosg, die rächenden Dämonen, bei denen Medea schwürl 
1059: iiu nao"Aidriv reoTsoong dXdGTooug, auch die Träume und alle gespenstigen Erscheinungen, 
die dsi^uTu üiid (paviuGfiaca kommen aus dem Hades Hec. 68: J gaotlu vv'§, tl irot' uTQOfiw, 
svii'xog ouco) öei^iaGi^ (paviuGfiaGt ; w norvia X&mv (.iskavoTTjeguyiov fj,rJT6Q oveCoMv. Der tiefste 
und schaurigste Ort des Hades ist der Tartaros, der Sitz der Keren. Von Hercules heissl es 
ilerc. iur. 850: detva fiuxurai de Krjgag dvay.uXwv rag TaozdQov. Theseus soll sich aus Scham 
iibcM- Hippolyts Tod, den dieser unschuldig auf seine Veranlassung erlitten, im Tartarus verbergen; 
Artemis sagt zu ihüi llippolyt. 1373: mog oix ^'^^ ytjg rdoraQu xovmeig dsfxug uiGxi^vdsig-, 

Der Hades ist auch der Ort, wo die grossen Verbrecher der Vorwelt ihre Strafe büsseu, 
Sisyphos und Ixion. Hercules, in der Meinung, noch in der Unterwelt zu sein, sagt verwundert 
Herc. für. 1103: ouri :^iGv(peiov slgoow neiQov und fährt dann fort v. 1298: tov aQ^iairM^ov 
^r^iov h dsGfiotGi huijjirlGOfiui. Tantalos dagegen schwebt hoch in Lüften und über ihm der 
verhängnissvolle Felsblock, der, mit goldenen Ketten am Olymp befestigt, jeden Augenblick auf ihi 
nieder zu stürzen droht Or. 982: 

|ttoXo//x/ rar ovimvov 

fiSGOv yß'ovog Te TSiufievuv ulwotJuaGi. 



nSTQav akvGSGi ;^(7yo'f«/o"f y)€Q0{.i6vav 
divaiGi ßuiXov a^ ^Oli'/inov^ 
%v 6v d-Q^voiGiv dvaßouGü) 
ySQOVTl TTUTOI TavTuXü). 

Characteristisch für die Unterwelt ist die tiefe, dunkle Nacht, die dort herrscht und im 
schroffen Gegensatz zu dem hellen Sonnenlicht der Oberwelt steht; auch alle Gegenstände sind von 
dunkler Farbe. Sie wird daher bezeichnet mit: dvijhoi dofioi Ale. 850, oder Hei. 515: ^'xovgu 
wg Msvslaog outtm ^slu^tpasg ol'xeiui d? aosßog x^orl ynv(pd-elg, oder Heraclid. iil8 "^i^ov sQSfjLVMv 
l'^avtjyaysv fivxwv naisgu G€&6v , oder Herc. für. 45: x^^^og ^eluivav oocpvr/v slgißuirs. Der 
Mantel des Hades ist schwarz, er ist iieXavon anlog und von derselben Farbe ist sein Haupthaar er 
heisst Ale. 439 6 fiaXayxukag &a6g. Schwarz sind die Flügel des Thanatos, daher er fiaXavoTrraQog 
genannt wird, schwarz ist auch das Wasser des Acheron Hec. 1105: tov eg ^ACda (laXaröxQWTa 
TTOo&fiov a'^(o rdXag. 

Wenn auch die grosse Masse des Volkes sich bei diesen rohen, dem Wesen der mensch- 
lichen Seele geradezu widersprechenden Vorstellungen von dem Zustande derselben nach dem Tode 
beruhigen mochte, so gewährten sie doch dem gebildeten, denkenden Theile der Nation nicht die 
Befriedigung, die er in einer Frage von solcher Wichtigkeit wünschen musste, der Zweifel, die 
üngewissheit wurde nicht beseitigt, in eben dieser Ungewissheil hat die grosse Liebe zum Leben 
die wir überall bei den Griechen treffen, ihren Grund und ebenso die Furcht vor dem Tode. Denn 
was leben heisst, wissen wir, aber wegen der Üngewissheit über das, was nach dem Tode folgt 
i-cbeut sich Jeder zu sterben Frgni, Phoen. 9: 

TO ^fjv yao Igiibv tou d-uvsii' d^ dnainui 
näg Tig (poßshai (p(og Xinatv xoÖ^ ^Xiov. 

Um Klarheit und Gewissheit über den Zustand der Seele nach dem Tode zu erlangen 
musste man vor Allem den Begriff und das Wesen derselben zu erforschen und festzustellen suchen, 
.^.lit dieser Aufgabe beschäftigte sich die Philosophie, aber, anstait die gewonnenen Resultate auf 
die Eschathologie anzuwenden und für diese fruchtbar zu machen, behandelten die alten Natur- 
philosophen, wenn sie es überhaupt thaten, die Eschathologie ganz unabhängig von ihrem sonst 
aufgestellten Systeme, ja es kommt nicht selten vor, dass die Sätze, welche sie über den Zustand 
der Seele nach dem Tode aufstellen, in directem Widerspruch mit ihren sonst vorgetragenen Lehren 
und Meinungen über das Wesen der Seele stehen. Dies ist bei Heraclit der Fall, dessen Schriften 
von nicht geringem Einliuss auf Euripides' Geistesrichtung gewesen sind. Während man nach „Zeller, 
die Philosophie der Griechen, Bd. 1, pag. 482," nur schliessen könnte, dass die Seele, wie jedes 
andere Ding, im Fluss des Naturlebens immer neu sich erzeugend, ihre persönliche Identilät nur 
bewahre, so lange diese Erzeugung auf die gleiche Weise und nach dem gleichen Verhältniss vor 
sich geht, dass sie dagegen als Einzelwesen untergeht, wenn die Bildung von Seelenstoff an diesem 



4* 



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22 

bestimmlen Puncle aufhört; und da nun dieser Stoff nach Heraclit in den warmen Dünslen besieht, 
welche Iheils aus dem Körper sich entwiclseln. theils durch den Alhem eingesaugt werden, so könnte 
die Seele den Leib nicht überleben. Dennoch schreibt er den körperfreien Seelen eine Fortdauer 
nach dem Tode zu, was aus einen, seiner Fragmente hervorgehl, in welchem er sagt, der Menschen 
warte nach ihrem Tode, was sie nicht glauben, noch hoffen: dy»gw7tovg ^£va äTio^aronag 'dam, 
oöx IXitonai oüde <)ox£o«(t<. In bestimmterer Form spricht diesen Satz aus Euripides Frgm. Phrix. 14: 

cig d'oldu; tl ??>■ toü»\ o yJxXriTui »arctr, 
tÖ S?v is 9-rrlaxstv IgtC; 
Wer weiss, ob nicht das eigentlich Leben ist, was Todtsein genannt wird, leben aber sterben 
ist. Mit diesem Glauben tröstet sich auch Admet beim Verluste seiner Gattin Ale. 935 : filo,, 
Vvyavxk da'fO«" lirvxidTSqov TO«>on vo^.t«, z««£(. oi doxoüvS-' ö><0?. 

Auf Heraclit weisen auch die Vorstellungen, die Euripides über die Dämonen vorträgt. Wie 
andere Dichter und Schriftsteller gebraucht auch Euripides das Wort d«.><ov an zahlreichen Stelleu 
gleichbedeutend mit »eo;, »sd, in specieller Bedeutung sind aber unter den Dämonen die Seelen 
der Abc^eschiedenen zu verstehen, die eine Mitlelslellimg zwischen Göttern und Menschen einnehmen 
un.l Iheils in der Luft schweben, theils sich in der Unterwelt belinden. Sie wachen über die 
Menschen und leiten das Geschick der Einzelnen, und wie der Grieche Alles, was dem Menschen 
Heil und Segen bringt, als in. Lichte weilend, Alles dagegen, was Unheil und Verderben bereitet. 
im iMinkel d<r \achi v.uhuend sich vorsleUl, so befanden sich die Glück und Heil bringenden Dä.nouei, 
iu der I uft die bösen dagegen hatten ihren Sitz in der Unterwelt und werden für den Menschet, 
„>X.VToo.g, oder was gleichbedeutend ist, ^,darooeg. Alcestis wird nach ihrem Tode ein sehger 
Dlimon" genannt ^äxa.na dai/^iov Alc. 'J'JG und Orestes beschwört Menelaos beim Geiste se.ne. 
Vaters Gr. «j74: 

ilfuxrjv ifjreo aov, '/.ul Xeyeir äyio Isyo). 
Vatersbruder, (lenke, dass er dieses hört, der Todte, der im Grabe wohnt: des Todlen 
Geist schwebt über Dir. Für Medea ist die Seele des von ihr gelödteteu Bruders ein dXdauon und 
^vohnte dessbalb in der Unterwelt; sie schwort Med. 1059: ^d to.), nao^'^^övr rsQTSoovg dXdrrrooa, 
In so c^rosser Abhänai-keit von den Dämonen wähnte der Grieche sein Geschick, dass c)«^>av 
geradezu die Bedeutung „Geschick, SchicksaF annahm. Hercules beklagt sich über sein hartes Geschick, 
indem er sa<^t Alc. 499: yal rövöe Toh^oT, daC^ovog mhov Uyscg- ay^Qo^ y^Q del x«. ttoo^ amK^ 
loxsT.. und Admet hält das Loos seiner Gemahlin für besser als das seinige Alc. 9:>>r>: y.vauog dafi^ov 
s^rvxeareoov to.>o,7 ropt.o. Die im dunkeln Schooss der Erde wohnenden rächenden Dämonen, 
die dXd<rroosg verfolgen nicht lutr den Frevler selbst und treiben ihn zu neuen Verbrechen an. bis 
er endlich seine Schuld sühnt, sondern sie suchen auch diejenigen heim, die mit dem Sunder lu 



23 

Berührung kommen und sind daher den Erinnyen nahe verwandt. Jason war mit Medea in engere 
Beziehungen getreten und desshalb sandten die Götter auch auf ihn den Rachegeist des von Medea 
ermordeten Bruders. Er klagt darüber Med. 1323: tov g6v dXdaioQ' slg e^' saxi^ipav ^sor xTuvovaa 
yuQ dri Tvv Gov xdffiv nageaiLOv ro xalXijtQWQOv slGsßrjg ^AQyoug axdcpog. Da nun der dldaziOQ 
ein Dämon ist, der begangenen Mord rächt und den Mörder verfolgt, so findet sich häufig <p6vog 
geradezu für uMgtmq gebraucht, z. B. Electr. 40: el ydQ nv laxev d'^kofi' sxow uv^q, sUovt' dv 
l'^rjsios TOV ""Ayuiisiivovog (povov dixr] t dv r^ldsv Alyiad-to tots. 

Geeigneter als die Physik des Heraclit war die des Anaxagoras, um daraus Schlüsse auf 
den Zustand der Seele nach dem Tode zu ziehen. Gleichgültig bleibt hierbei, ob Anaxagoras die 
Eschathologie selbst iu den Kreis seiner Betrachtungen gezogen, oder sich mit der allgemeinen 
Behauptung begnügt hat, dass Nichts vergehe, dass der Tod nur eine Auüösung in die Stoffe sei, 
aus denen die Welt und alle Wesen bestehen. Er sagt Frgm. 22 : rd ds yivsad-ui yal d7i6ni>a&at 
ovy. oo^wg vofiCQovGL ol "EXXrjreg- ov^sv yuQ ;^o^^« yiveiai, oude dnoUvTai, dXX' dn iövTcov 
XQrjudTWV GuiiiiiüysTuC TS xal dtaxQi'vsTui, xui ovTwg dv oQ&wg xalolev rd Ös yiveud-ui Gu^nCayeGd-ac 
ml TU ujiöXXuGd-ui dmxoCveGd-ai. Sein Schüler Euripides hat den Versuch gemacht, aus den Be- 
hauptungen und Lehren der anaxagoräischeu Philisophie die Eschathologie wissenschaftlich zu 
begründen, und wir werden sehen, zu welchen Resultaten er dabei gelangt. 

Als Grundstoffe, woraus Alles entstanden, nimmt Anaxagoras den Aether und die Luft au, 
aus welcher letztern sich die Erde gebildet habe.*) Zu diesen beiden Elementen tritt von Aussen 
der i\us, der denkende Geist, durchdringt sie, setzt sie in Wirbelbewegung und bewirkt dadurch 
die Entstehung der Welt und aller Wesen. Der i\us, diese weltbildende und ordnende Kraft ist, 
wie der Stoff, ewig, gleichartig, ungemischt, allmächtig und allwissend. Er ist in Allem, was eine 
Seele hat; nur die Quantität desselben, die den einzelnen Wesen zugelheilt ist, ist verschieden, 
nichi die Qualität, und während iu Allem Theile von Allem sind und alle Veränderungen in der 
.\atur wie bei den lebenden Wesen nur eine Folge der verschiedenen Mischung der Urstoffe sind, 
ist der Nus allein ungemischt und daher auch ewig. Allmächtig muss der Geist sein, weil er un- 
beschränkte Macht über den Stoff haben muss, dessen Bewegung nur von ihm ausgehen kann, und 
wäre er endlich nicht allwissend, wie hätte er Alles so auf's Beste ordnen können. Von diesem 
allgemeinen Nus ist wie in allen belebten Wesen so auch im Menschen ein Theil und dieser hat 
"Ht jenem die oben erwähnten Eigenschaften gemein , nur natürlich in geringerem Grade und nach 
\erhältniss der Quantität, die von ihm in dem Einzelnen ist. Tritt nun der Tod in Folge einer 
Veränderung der Mischung der Stoffe ein, so kehrt das, was von der Erde stammt, zu dieser, was 
'lagegen vom Aether herrührt, zum Aether zurück. Nichts geht unter. Frgm. ine. 174: 'Ai&sgu 
^«t futav ndvTMv ysvsTStoav uslöco, Frgm. Chrysipp. 6: 



*j Zeller, Geschichte der Philosophie der Griechen p. Qdd, sqq. 



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XO)Q^t^ ^^ oTiiffw TU fisv £X yaCag 
^vVT slg yatav, t« J' an uI&sqCov 
ßXacnovTu yovrjg slg ovguviov 
TTÖXov r>ld-B nuhr ^vrJGy.ei J' oinVsv 
Tiov yiyvofisvwv^ dia'AQivofJLSVov S^ 
uXXo noog uXKov 
{jioocprv Idtav uJtsdsi^s. 
Der alle Seher Tiresias lehn Racch. 27:;: dvo yäo, <J vsavCa, tu jrowi' iv dv»Q,.',noi(rr 
Jrn^rrne^sd- y? <)' J<rrJr, ovoixa i' Snöreoov ßoöls^ y.d\er attr, ^iv h %nootmv ly.TQe,fU ßQ^rov?^ 

„avu \ok TaXa..,;oo.i ,^«010.5 X,%w, St«- n).,i^,öa, d.,.niXoo ^0« „Zweierlei verehrt der Meuscb 
vor Allem Kind: Demeter .diese Güllin ist die Vuller Krde; nenne sie, wie dir's gefällt, mit welchem 
beider Namen du sie nennen willsi; sie niihri mit trocknen Gaben auf die Sterbhchen;) und diese« 
Bacchos, der ■ait ihr zun, Kampfe kam: der süssen Traube nassen Trank erfand er, gab den 
Menschen, was die jammervollen Sterblichen erlöst vom Harme, wann der Wein ihr Herz erfidll." 
In dieser bildlichen Darslelluna isi. wie aus v. -.'0 hervorgehl, unter Dionysos der Aether zu ver- 
stehen in Ulca. was Seele hau wallel der Nus, d. h. eine ,.of(>« .o'o., ein Theil jenes allgemenieu 
Nus Die Seele, f <-r', "»'1 <•" ««isU -o-'C, sind also verschiedene Begriffe, und, obgleich dies and. 
AnaKac-oras lehrt, so gebrauch! er doch beide Ausdrücke in derselben Bedeutung, wie schon Aristoteles 
bemerkt de aiiiiu, :., 2: '^vaidyooag rUr.e ,dv 2«po.' X.V«'"/"W « x«i i-oJv, manSQ ^Xnoii^' 
X«; .oor.oov, x"r>« d'«><forv ,k M"? r'x'^'- Als Symbol dieses allgemeinen Nus, den er das 
DUnnsie und Feinste aller Dinse nennt, führl er den Aelher an, und Euripides bezeichnet diesen 
i,u üegeusaize zu dem Theile des Nus, der in die belebten Wesen als Seele gedrungen isl, 

geradezu mU ald-Zo. 

Hei. 1015: ^ ^'^^^^ 

zun' yMjd-avovTiov ^^ [i£v ov, yvwfirjv J' sx£t 

ä'&uvuTOV elg äd-draiov uld-so l^nscTOJV. 

Die Stelle ist daher so zu erklären: Wenn der menschliche Leib gestorben, so dauert d.M" 

Theil des Nus der in ihm war, nicht für sich bestehend fort, sondern er vereinigt sich mit 

dem allgemeinen Nus, der hier al^^o genannt wird, und theilt dann natürlich auch dessen 

Ficrenscbaften, .1. li huT die y.r^ neol narrSg, die Allwissenheit; cf. auch Suppl. 1140: ßeßaci, 

oJx.V M ^ro. ndreo, ßeßäacv al^^o h^. vn. Sind nun aber der Nus und Aether identisch, 

al^^,o aber delchbedeuttüd mii Zeus, so konnte Euripides wohl sagen, dass ein Gott im Menschen 

sei. woraus die Unsterblichkeit der Seele von selbst folgt Troad. 884: o3 yr^g h^iia yJmyrjglr^r 

'^doav, o(>T/? TToV st (T.), d^GTonaaTog eUeva^, Zeh. eh' dvdyyr; r<^sog slre roTg ßoenov, ttoo;- 

eJid^r^v CS und vergleiche dazu Cic. Tusc. I,2G: Ergo animus, ut ego dico, divinus, ut Euripides 



25 

audet dicere, deus. Nach dem Tode löst sich also die Seele in den allgemeinen Nus auf und 
verliert dadurch ihre Souderexistenz. Daher konnle Euripides geradezu von einem Tode der 
Seele reden. Auch Anaxagoras soll behauptet haben, dass der Tod nicht nur den Leib, sondern 
auch die Seele angehe. So lässt ihn Plutarch sagen unter der Ueberschrift ttotsqov earlv t'nvog 
^ d-uvaiog, fvx^g rj aat^axog, dass die Trennung vom Körper der Tod der Seele sei, slvai de xul 
^wxrjg d-uvaxoY d'iux(oof(7f.wVj cf. Hei. 1)2: ipt>X(^-l ^e noXXal dt' e^' enl ^xai^iardoioig oou.Tgiv ed-uvov, 
Troad. 1214: TtQog di yul ijivx^v ai^sv s-xtsivs u. Hec. 21: lnsl"EyTooog dnolXvTai ^^x^]. Hiermit 
stimmen auch Aeusserungen übereiu wie Frgm. iMeleagr. 19. Nachdem Euripides gesagt, dass im 
Tode Jedermann Staub und Asche sei, fährt er fort: to iiriöev slg ovdsv otnei, aus dem bedingten 
Nichts geht der Mensch über in das absolute Nichts. In welchem Sinne hier Euripides das Leben 
TO iirjöev nennt, gehl aus einer andern Steile hervor Troad. G38: od raihov rw ßUnstr t6 yaTd^ureti- 
TO fiev ydo ovdiv, tm d' Ivsktiv elmdsg, cf. Alc. 3cSl: oiidiv ecS-' 6 yurd^aran'^ und in diesem 
Sinne nenut Admet seine verstorbene (lattin Alc. 404: Tr'v ov yh'oi'Gav ord' oqwguv. Nur aus 
dieser Anschauung heraus konnte Pheres sagen Alc. 720: y.uyAog dyoreiv ov usXst d-uvdvTi not. 
j,(jeschmäht zu werden kümmert mich im Tode nicht." Vom Aufgeben der selbstbewusslen Fortdauer 
der Seele nach dem Tode bedurfte es nur eines Schrittes weiter, um die Unsterblichkeit der Seele 
überhaupt zu leugnen. Ja, es konnte unter gewissen Umständen dem Griechen ein tröstlicher 
(iedanke sein, dass mit dem Tode Alles aus sei. Freuden hatte der Todle im Jenseits nicht zu 
erwarten, denn Iph. Taur. lu.s4: ol d-avovTsg ;fao^arwr t?;tü;/i£^«, und der (iedanke, dass Noth 
und Sorge auch dort den Menschen nicht verlassen, mochte für Viele peinlich sein, die in diesem 
Leben von Unglück heimgesucht waren. In diesem Sinne redet Macaria von ihrem freiwilligen 
0!)fertode Meraclid. 591: Tdd^ uvtI 7raiö(or bgtl f^iot ystf-u'X/u xal TruoS^evsi'ug^ sVti ()r yjhio x^ordg' 
eirj yt fjLSVTOt (jLrjdsv sl yuo t'^op^ev yay.st fisoif.ivag ol d-aYOV(.isvoi ßnoTiov^ ory. oid' onot tiq TQSijiSTat. 
An Stelle der Unsterblichkeit der Seele trat nun die Unsterblichkeit des Namens. Von dieser redet 
Orestes, wenn er zur iphigenie in dem Augenblicke, wo diese ihn opfern will, sagt Iph. Taur. 504: 
ro Gwfia d-vGSig toi^ilov, ovx'- Tovro/^iu, cf. Heraclid. 528: r;ysiGd' ottou dst G(o/iiu yard-urslv xode 
und Frgm. Erechth. 11: lyd) dk Tovg y.aXwg TS&vrjy.oTag ^rjv (ptjfxl (läXXov rov ßXsTreiv ro/^c: |it/; y.aXiog. 
Die Trefflichkeit eines Mannes lebt auch nach seinem Tode im Andenken der Menschen fort, während 
dem gemeinen, schlechten Manne mit dem Tode Alles hinslirbt, was der Mensch für begehrenswerth 
nält Frgm. Temenid. 1 : doSTt} y.uv d'dvi] Tig ovy. uTröXXrTat, tf, d' Oüytr' ovTog' yuyoiGi da unavTa 
(pQOuda Gfjv&uvord'' vtto x^ovog. Androm. 773: ovtoi Xet'Uiuva tiov dyud'wr drdnoir d^aiosiTUi 
XQovog' d ()^ dosTa yu.l ^arooGi Id^nei. 

Die Philosophie konnte also dem Griechen keinen Trost, keine Beruhigung über das Jenseits 
gfiben, im Gegentheile. die Consequenzen ihrer Lehren führten zu einer gänzlichen Negierung einer 
Unsterblichkeit der Seele. Da waren es endlich noch die Mysterien, die dem Griechen beruhigendere 
Ansichten über das Jenseits verhiessen, und von ihnen kann das Wort Lucians gelten, das er von 

4 



»11 



26 

den Tempeln der Götter sagt, dass theils Furcht, theils Hoifnung die Menschen zu ihnen trieb 
Vorzüglich waren es die orphischen Mysterien, die zu dieser Zeit eine weite Verbreitung gefunden 
halten und welche die tschathologie am ;iieisten ausgebildet halten. Aus diesen Mysterien war 
schon frühzeitig die Lehre von der Seelenwandening in die pythagoräische Philosophie übergeganget, 
und anderseits waren viele Lehren der letztern in die orphische Mysterientheologie aufgenommen, 
nachdem die Reste der pythagoräischen Schule aus Italien vertrieben sich mit den Orphikern, mi; 
denen sie in vielen Stücken hinsichtlich ihrer Anschauungen übereinstimmten, vereinigt hatten. Mit 
diesen Mysterien, die ihre Entstehung und Verbreitung einem wirklichen religiösen Bedürfnisse ver- 
dankten, sind jedoch nicht die Conventikel der Orpheotelesten zu verwechseln, eine „schmutzige und 
carrikirte Nachahmung" der erstem, die mit den eigentlichen Mysterien Nichts als den Namen und 
einige Aeusserlichkeiten gemein hatten. Diese dienten dem rohesten Aberglauben und wurden vielfach 
von Betrügern und Gauklern gemi^sbraucht, um die Leichtgläubigkeit und den L'uverstand der Menge 
zu ihrem Vortheil auszubeuten. Ihre Theilnehmer enthielten sich der animalischen Speise und gaben 
vor im Besitz alter, theils von Orpheus, theils von andern erleuchteten Sehern der Vorzeit her- 
rührenden Ueberlieftrungen zu sein. Gegen diese Betrüger zieht Euripides zu Felde Hippol. 952: 
Ijdr] VW auxet nal cJ/ u^pi'xov ßooäg (Tiioig 'AuirtjXsv, ""Oocpsa t avaY.T sx^v ßu'Axsvs TioXhov you^i- 
fiuTiov TiiJLwv xuTivovg' — TOvg ÖS TOiovTOvg eyio (psi'yeiv nQO(fU)Vio näar d'rjosvovai yuQ crs^avoir, 
Xöyoiaiv, alaxQu firjxuvcofxsvoi, cf. auch Ale. 965 sqq. und Cycl. 046 sqq. 

Auch Euripides gehörte zu den Eingeweihten der orphlschen Mysterien, wie dies zahlreiche 
Stellen in seinen Dichtungen andeuten. Von den Lehren dieser Mysterien wissen wir natürlich nur 
sehr wenig; doch scheint festzustehen, dass die Reinheit des Herzens als Grundbedingung der 
Glückseligkeit in diesem wie in jenem Leben angenommen wurde Bacch. 72: 

CO {.luy.aQ^ oCTtg ev^ULfnov 

TsXeTug 3^80) V sld wg 

ßlOTaV UyiGTSlSL 

Xai d-tUG6l>8TUl ^ll'XUV 

ev OQEGGl ßcr/x^i^MV 

6(710 ig y.ud'uoixolciv 
„Seliger, der, ein Götterfreund, in den Weihn der Unsterblichen heimisch, das Leben rein 
bewahrt, der im Gebirg umher göttlichem Sühntest aufjubelnd, die Seele heiligt". Die Geweihten 
erlangen im Jenseits einen höhern Grad der Seligkeit nach der Lehre dieser Mysterien, Ale. 743: 
el' Ti •/uv.st ttXsov eaz dyud-otg, tovtmv }xeTexovü "Aiöov vvixcprj TTaosÖQevotg, indem sie sich in 
der unmittelbaren Nähe der unterirdischen Gottheiten befinden. Im Uebrigen scheinen sich di.> 
Vorstellungen der orphisclien Mysterientheologie vom Zustande der Seelen im Jenseits von denen 
des Volksglaubens iiiclit nllzuweit entfernt haben. 

Endlieh linden wir auch Anklänge an die Lehre von der Seelenwanderung bei Euripides 
und zwar in ähnlicher Umgestaltung, wie wir sie bei Pindar anlretfen. Wie dieser verlaugt Euripides 



27 

die Rückkehr der Seele in die Körperwelt nicht als Strafe, sondern als Vorzug, als ein deutliches 
Kennzeichen für die Besten, oder, damit der Mensch die Fehler, die er in diesem Leben begangen, 
wieder gut machen könne, wenn die Götter seiner Seele nach dem Tode Rückkehr in einen menscWichen 
Leib gestatten. So singt der Chor Herc. für. 655 : el de ^eotg h' %vremg yal ao^pCa x«r^ üvÖQag, 
^^d.^ov äv 'rjßav etpeQov cpaveoov ;^«e«xr^^^ dQeräg '6(T0iütv fiha, xar^avovTeg t' elg «^V«? ^^hv 
alio.^ ÖLGGoh äv Ißar ^la/.lovg, 11 Övgyeveta Ö' .^nläv äv eJxe ^mg ß^rdv, xai T^pr ^v TO,'g re 
mxok av yviTn'uc xal to^ dyad-ovg. „Wäret ihr klug, Götter, und wäget Menschengeschick mit 
Weisheit, schenktet ihr wohl doppelte Jugend, ein helles Merkmal des Verdienstes, dem, welchen 
es schmückt; vom Hades kehrt er wieder zum Sonnenlicht, die neuen Bahnen zu wandeln'; Unedeln 
aber verlieht ihr ein einfach Lebensgeschick. So würden die Bösen am ehesten und die' wackeru 
Männer erkannt". 

W^ie vielfach auch der (ilaube an eine persönliche Fortdauer der Seele nach ihrer Trennung 
vom Leibe von Philosophen und Freidenkern angegritfen wurde, in dem Todtencultus, wie er sich 
im Laufe der Zeit von Homer an im griechischen Volke ausgebildet hatte, fand er immer neue 
Nahrung und Stütze Frgm. Antig. 17: rCg ydo neToalov üv.onelov oihd^cov öool odovaiaiv ih'xrei; 
zig d'drifid'Con' vey.vg^ el fitjder al(TMvoivTo rwr na&rji^idTcov; Dieser Cull hat seinen Grund und 
seine Entstehung in dem Glauben, dass der Geist der Abgeschiedenen eine selbstbewusste Existenz 
habe, dass er um die Vorgänge auf der Erde wisse und die Macht besitze, auf den Gang derselben 
einen gewissen Eiufluss auszuüben. Und seitdem das Volk sich gewöhnt hatte, die Seelen der Ver- 
storbenen als Wesen höherer Art, als I'ämonen und Heroen zu betrachten, nahm ihr Cultus immer 
grössere Dimensionen an, so dass ihre Gräber eine gleiche Verehrung wie die Tempel und Altäre 
der Götter genossen, an denen der Schutzflehende gleiche Sicherheit fand, wie im Tempel oder 
am Altare eines Gottes. So sagt Helena vom Grabmale des Proteus Hei. 798: egoi^eS-' r>7? to»V 
laov vaotg ^e(m> und die Gräber werden Troad. 96 geradezu Und xexinrjxdTwv genannt. Ihre Ver- 
letzung zog für den Frevler dieselbe Strafe nach sich, als wenn er das Heiligthum einer Gottheit 
entweiht hätte. 

Im Verkehr der Lebenden mit den Todten hatten sich im Laufe der Zeit gewisse Gebräuche 
('o/<//i«) gebildet, deren Verrichtung für die Hinterbliebenen nicht nur eine Zierde, sondern auch eine 
lieilige Pflicht war Suppl. ,-0: rd yaQ (pd^nwv rotg 6qw(7i xocrfiog, und Phoen. 1320: rotg ydg 
^uroiGi xQV Tov Ol' Te&vr^xöra itfidg didöria x^dviov evGeßeiv &edv. Die erste und heiligste 
IMlichi gegen einen Todten war die Bestattung mit den dazu gehörigen Gebräuchen und Handlunf^eu 
<ie sämr 'lieh von den nächsten Verwandten der Abgeschiedenen verrichtet wurden, und es galt als 
eine Schande, die Ausführung derselben den Dienstboten zu überlassen. Helena duldet nicht dass 
^naven Opfer und Geschenke nach dem Grabe Clytämnestras tragen Or. 106: uIgxqov ye fxsvTot 
^<>o(Tn6Xotig (psQBiv rdde. W ar der Tod erfolgt, so lag es den Angehörigen ob. dem Dahingeschiedenen 
^'e Augen zu schliessen Phoen. 1449 und sein Antlitz zu bedecken, da durch den Anblick eines Todten 



\ 



28 

die Gottheit entweiht wurde, denn, sagt Arlemis Hippol. 1437: Ifiol yao od ^e^iiq tpd-irovg ogäv odö' 
liilia xQaCveiv ^avaai^iotaiv hnvoatg, Hippol. 1457 : Ausserdem wurde aber auch Jeder verunreinigt, 
der mit dem Todten in Berührung kam. Desshalb pflegte man vor die Thür des Hauses, worir! 
ein Todter lag, ein Becken mit Wasser zu stellen, ''^rait der Heraustretende sich reinigen konnte 

Ale. 89 und Hei. 1430. 

War dies geschehen, so wurde der Leichnam gewaschen, geschmückt und öffentlich aus- 
gestellt [neoiaTsnetv, ytofill^en', nooTL&e<T^ai\ und Eltern priesen es als besonderes Glück, wenn 
ihnen von^ ihren Kindern dieser Dienst erwiesen wurde Med. 1032; Admet weiss seinem 
Vater keine härtere Kränkung zuzufügen als durch die Hrohung, dass er ihm nach seinem Tode 
diesen Dienst verweigern werde Ale. 662. Schmerzlich war es. wenn man diesen Liebesdienst Fremden 
überlassen musste. Darum preisst Cassandra die gefallenen Trojaner slücklich im Vergleich zu den 
Griechen Troad. 388: ovg d' tloi öoqv, ve-aooI y eg oho»g (psoo^svot yAwv vno - - ;f£0(7a' 
neoiCTalevTsg J>v ho^v '^no. Ouellwasser, TrvyaTov ?()roo, scheint gewöhnlich zum Bade verwendet 
zu sein, so Ale. 100, Troad. 1151, nur Hecuba bedient sich zu diesem Zwecke des Meerwassers. 

Vach den Verhältnissen des Einzelnen war die Bestattung mehr oder weniger reich; jungen 
Personen wurde in der Regel ein reicherer Schmuck zu Theil. So sagt Thanatos Ale. 55: veon' 
^d-ivövTiov i.ulloy 'dorvfiac yeoag. Gegen allzu grossen Aufwand bei Leichenbegängnissen spricht 
sich Euripides entschieden aus Troad. 1248: doyjn dt xolg ^avovai <)ia(ßsneiv ßoaxu, sl nXonGuo; 
Tcg TBvi^xai ^TSorcT^dTcor. 'XSvSv de yui^ocof.i' I^ttI tcov 'CoWriov röds. Bei bedürftigen Leilttn 
brachten die nächsten Angehörigen und Freunde den Schmuck für den Todten zusanunen; Hecuba 
bittet ihre Mitgefangenen um Unterstützung bei der Ausschmückimg des Leichnams ihrer Tochter 
Polyxena Hec. 615. Nur mussten diese Geschenke von befreundeter Seite kommen, denn sonst 
fürchtete man, den Todten zu beleidigen. Daher nimmt Admet den Schmuck von seinem Vater 
nicht an, den dieser für Alcestis bestimmt hatte. 

War der Leichnam gewaschen und bekleidet, so wurde er auf eine Bahre {(rrgwia IhTou. 

Hei. 1260) gelegt und nach der Stelle gebracht, wo der Scheiterhaufen für ihn errichtet war und 

wo sein Grabmal sein sollte. Dieser Act war die l'A<fOQd. Jeder, der dem Todten nahe gestanden 

im Leben, hielt es für seine Pflicht, ihn auf seinem letzten (iange zu begleiten. Die Dienerschaft 

Admets ist ungehalten darüber, dass sie durch Hercules Ankunft verhindert sei, ihrer Herrin diese 

letzte Ehre zu erweisen Ale. 765. Die ly.cpoo:i. geschah noch zur Tageszeit, wenn auch kurz ^or 

oder nach Untergang der Sonne, und es galt für eine Schande, des Nachts bestattet zu werden. 

Cassandra droht dem Agamemnon Troad. 444: n >««>«^? ^^^^^'<^ racprJGsi wycrog, ou>c ev r^^im- 

Die eigenlliche Bestallung begann mit Opfern, die man den unterirdischen Gottheiten brachte, nm 

sie dem Verstorbenen geneigt zu machen. Ter Leichnam ward verbrannt , nachdem er vorher mit 

Gel gesalbi war: Iphiirenia verspricht dem Orestes Iphig. Taur. 633: lav^co t" llaCio acofia cvv 

KujaaßsGco und in den brennenden Scheiterhaufen wurde Honig gegossen ibid. yal r^g oosia; 



29 

dvdsiidoQVTov ydvog ^^ovd-fjg fisXifTffTjg slg nvquv ßaXio (Tsd^sv. Während der 6X(pood wie bei der 
Verbrennung wurden den unterirdischen Gottheiten zu Ehren Trauerlieder gesungen Ale 422: nugears 
xul fjihovTsg uvT7jxt](raTs naiuva reo xaTiodsv d^ew. Bis der Leichnam vollständig verbrannt, die 
Asche gesammelt und beigesetzt war, wurden Wachen dabei ausgestellL Orestes überfällt der 
Wahnsinn, als er am Scheiterhaufen seiner Mutter Wache hält. Or. 391 antwortet er auf Menlaos 
Frage, wann das Rasen begonnen: wyaog (pvXdtjGcov öaikov uimQsciv und fährt weiter unten fort 
421: eycTov Tod"" rniao' hi ttvqu Ssqijl?] rdcpov. Das Behältniss, in dem die Asche aufbewahrt 
wurde, ist bei Euripides stets aus Cedernholz verfertigt (^xidoov TsxvdaiiuTa). Die Glieder einer 
Familie hatten denselben Begräbnissplatz, ja Personen, die sich im Leben besonders nahe gestan- 
den, Hessen sich nach ihrem Tode in demselben Sarge beisetzen Ale. 305, Or. 1065, Hec. 895. 
So wurden auch die Helden, die vor Theben gefallen, in einem Grabe beigesetzt mit Ausnahme 
des von Zeus Blitz erschlagenen Capaneus, der als IsQog ve-xoog (Suppl. 934) ein besonderes Grab 
erhält. Das Grab der ebenfalls vom Blitz ersclilagenen Semele ist umfriedigt Bacch. 10. 

Einen nothwendigen Bestandlheil der Bestattung bilden die Opfer, mit denen auch meist 
Gebete verbunden waren. Die Opfer waren theils blutige, Iheils unblutige. Von ersterer Art werden 
zunächst Menschenopfer erwähnt, die aber nur der grauen Vorzeit angehören. Polyxena wird auf 
Achilles Grabe geopfert. W^as hierüber Euripides denkt, zeigen die Verse Hec. 260: noxeoa t6 
XQ^v (7^^ ETTtjyay^ uvd'QCtmo(T(pay6tv iroog TtJi.ißov, srd'a ßaud-uietv jnäXXov TTQsnsi ; und Troad 622: 
Tsd'vrjxs (Tot natg noog Td(piO floXi/^svTj ccpayeta^ ^AxiXXkog^ ömqov uipuxM vexoio^ wo gerade die 
letzten Worte das Verwerfliche einer solchen Handlungsweise kennzeichnen. In historischer Zeit 
wählte man zu blutigen Todienopfern in der Regel ein schwarzes Schaaf El. 92 u. 513, während es 
für Barbarenbrauch galt, dem Toden Rinder oder Pferde zu opfern Hei. 1257: Iv ßaoßdooig fiev 
mnov rj xavoov vofxog. Hauptbedingung war, dass diese Thiere makellos waren Hei. 1258: öidong 
ye fxev di) ducyev^g ^ivßsv dCd'ov. Der Ort, wo die Opfer dargebracht wurden, war die nrod^ ein 
Altar von Stein, der auf dem Grabe stand. 

Die unblutigen Opfer {x^al) bestanden entweder aus Backwerk, von dem der neXuvog 
mehrfach erwähnt wird; auch kommen shttvooi ond-oaxdxai vor, eine Art Kuchen, über deren 
Heschaifenheit nichts bekannt ist, oder sie bestanden aus einer Mischung von Wein und Wasser 
oder dem sogenannten Mehkraton, einer Mischung aus Honig, Milch und Gel wie Iph. T. 157 sqq., 
oder aus Honig, Milch und Wein, wie Or. 115. Auch eine Locke von seinem Haar legte man auf 
dem Grabe der geliebten Person nieder, wie El. 91. Diese Opfer wurden in bestimmten Zeiträumen 
wiederh(»U, worüber wir jedoch bei Euripides keine näheren Bestimmungen finden. Helena sagt 
nur ganz allgemein Or. 122: « d^ slg ddeX^tjv xaioog IxTvovetv efirjv, uTvarS"^ vttktxvoo vsqxsqiov 
(!><0Qr'fxuxa. Sie galten nicht nur den Todten selbst, die man dadurch zu besänftigen und an das 
hrab zu locken gedachte {xrjXrjxrJQioi und vsxomv dycoyol werden sie desshalb genannt), sondern 
auch den Gottheiten der Unterw^elt, unter deren Herrschaft nun der Verstorbene gekommen war und 
die man dadurch diesem günstig stimmen wollte. 



30 

Die Gebete am Grabe eines Verstorbenen wurden in der Regel auf dem Grabhügel stehend 
verrichtet Or. 116: xal gtulg^ In äxgov x^fiarog Ulov tulös und nur in leidenschaftlicher Erregtheit 
kniete man nieder, schlug die Erde mit den Händen und rief den Namen des Todten Hec. 1305 u. El. 909. 

Der Inhalt der Gebete war den Verhältnissen des Einzeln entsprechend natürlich sehr ver- 
schieden. Gewöhnlich bittet man um Wohlergehen nicht nur für sich, sondern auch für Andere. 
Helena trägt ihrer Tochter auf, Clytämnestra an deren Grabe um Wohlwollen nicht nur für sich, 
sondern auch für Orest, Electra und Agamemnon zu bitten Or. 119: tv^svrj d' ävuyys viv liioC ts 
xul (jol x«fc n6(T6i yvM^r^v sxsiv zotv r"* u^lioiv zolvd^ o'vg umoXsaev d^sdg. Nächst dem kommt 
am häufigsten vor die Bitte um Rettung aus einer gegenwärtigen Gefahr und Bedrängniss oder 
um Unterstützung bei einem gefahrvollen Unternehmen. Achilles hat durch eine Windstille die 
griechische Flotte festgehalten; daher bittet sein Sohn ihn um günstigen Fahrwind Hec. 538 
und Electra verlangt, ihr Vater möchte ihr mit Allen, die vor Troja gefallen, bei dem beabsichtigten 
Muttermorde Hülfe leisten El. G80: vvv Ttuvia vsxoov tXd-s (Tr[.ifiaxov Xußun', olnso ys cm' aol 
0Qvyag dvuXcoauv dogi^x^^^^ GTvyovtrtv dvoaiovg iimcTonag. Wie gross das Vertrauen auf die 
Macht und Hülfe der Dahingeschiedenen war, dafür giebt den besten Beweis das Gebet der 
Mesara, Herc. für. 49o: «(>^^ov, lld^e -äoI g-mo. cparrj^^i ^lor 

uXyMQ yuQ tXd^MV Ixuvov uv ysvoio Gv. 
Komm, rette! Wenn auch Schatte nur, erscheine mir! Auch nur erscheinend wärst du mir ein 

starker Schutz." 

Wie es für den in der Heimalh Sterbenden ein tröstlicher Gedanke war, dass sein Leichnam 
von Freundeshänden be.-^tatlel und sein Grab geschmückt würde, so hielt es der Grieche für ein 
grosses Unglück, in einem fremden oder gar feindlichen Lande seineu Geist aufzugeben, wo er 
Niemand hatte, der sich dieser Pllichteu unterzog. Daher preist Andromache das Schicksal der ge- 
fallenen Trojaner Troad. 386. Polynices bittet seine Mutter und Schwester, sie möchten die zürnende Stadt 
beschwichtigen, damit ihm wenigstens so viel Land von seinem Erbe zu Theil werde, als zum Grabe 
Uüthig sei Phoen. 1 147. Personen, die auf dem Meere oder in der Fremde umgekommen, errichtete 
mau in ihrer Heimath ein leeres Grabmahl, ein Kenotaphion HeL 1055: wg J»? d-avovra g" Irdhor 
^M>«/ Tvoavvov Tr;de y^g uhrJGOfiai. Makaria hütet ihre Geschwister um ein Grabmahl in der 
Heimath Heraclid. 5o6: sl änaXXayv novm' y.al voGiog v^ilv soQsd-r, ttot tx dswr, fLSfivr^Gds Tr;y 
GüheiQav (og &uti>ai ;f06(.)»', und Orest nimmt dem Pylades das feierliche Versprechen ab, ihm auf 
dem heimathlichen Boden ein Kenotaphion zu errichten Iph. T. 695. In dieses Kenotaphion legte 
man wohl eine Locke des Verstorbenen, iph. Taur. 820 sagt Orest: x6[iug Gug firjiQl doPGu, gj, 
(pensir, worauf Iphigenia erwidert: fivrjfxeta y" ävü Gcofiarog rovfiov zdopto. 

Der Gedanke jedoch, dass sein Leib einst unbeweint und unbeerdigt den wilden Thiereci 
zum Raube daliegen werde, war dem Griechen der peinlichste, den es für ihn geben konnte; denn 
Nichtbeerdigung oder Verweigerung der Bestattung kam der gänzlichen Vernichtung seiner Person- 



lidikeit gleich, da die Bestattung nicht nur den Leib, sondern auch die Seele betraf. Die Seele ging 
sie zwar nicht in der Weise an, dass sie überhaupt nicht, wie bei Homer, in den Hades gelangen konnte^ 
wenn der '^eib nicht beerdigt war, denn der Geist Polydors sagt Hec. l : ?xo, vexQ^ov xsv^f^cova xal gxotoI 
nvXag Ximov, 'iv"Aiörig x^olg wxiGTui dswv, aber durch die Bestattung des Leibes wurde der Seele erst 
diejenige Fähigkeit und .Macht zu Theil, vermöge deren sie Kunde von oberweltlichen Dingen hatte 
und auf diese Einfluss auszuüben vermochte. Priamos Leichnam war nicht bestattet: desshall) wusste 
er auch im Hades Nichts von dem Unglück, das die Seinigen betroffen. Hecuba klagt Troad. 1.313: 
IloCafis, nQiufie, GV fisv SXo^svog dxa^pog, dy>iXog U.Tag t/nug diGiog ei. Es war daher Pflicht eines 
Jeden, wo er einen Leichnam fand, ihn wenigstens mit einer Hand voll Erde zu bedecken und ihn 
so der Wohlthat der Bestattung (heilhaftig werden zu lassen. Wer dies unterliess, brachte nicht 
nur Schande über sich und sein Geschlecht, sondern auch über das, dem der Todie angehört. ^Die 
Schutzflehenden" basiren auf der Nichtachtung dieses göttlichen Gebotes, indem Eteocles und^die 
Thebaner den Müttern der vor Troja gefallenen Helden die Bestattung ihrer Söhne vcrweicrern, ro>/^^ 
djiiovTsg ^eior, bis endlich Theseus dem Streite zu Gunsten der Mütter ein Ende macht mit den 
Worten Suppl. 537: d'oxetg xa'AovQyeTr"'Aoyog ov Mmiov vexQovg ; 

TJxiGTW TcaGfjg 'EXXddog xotvov roc)g, 
sl Tovg d-avovxag voGcpiGag mv xQ^v Xuxuv 
drdcporg ng t^si. 
«Die Todten nicht begraben, kränkt ihr Argos nur? wähne das nicht! Alles Volk trifft 
euer Hohn, verweigert ihr dem Todten seine Rechte, lasst ihn unbegraben". Nur dem bittersten 
Feinde verweigerte man das Begräbniss aus Furcht, er möchte im Tode seine Macht dazu benutzen, 
feindlich auf die Lebenden einzuwirken. Eurystheus, der die Heracliden vertrieben, will den Athenern 
aus Dankbarkeit, weil sie ihn als Kriegsgefangenen nicht gelödtet, nach seinem Tode ein Heiland 
sein, den Heracliden aber droht er der schlimmste Feind zu werden, wenn diese mit Heeresmacht 
inAttica einrücken sollten; aber diese Macht erhält er nur, wenn sein Leib bestattet wird und zwar 
an einem bestimmten Orte Heraclid. 1029. Damit dies nicht in Erfüllung gehe, lässt Alcmeue ihn 
tüdlen und seinen Leichnam den Hunden vorwerfen, damit er der für ihr Geschlecht verhängniss- 
vollen Bestattung nicht theilhaflig werde Heraclid. 1050. Diesen Aberglauben verspottet der aufgeklärte 
Theseus SuppL 543: vexQO,)g da Taoßelt\ el xovßrJGOVTai x^orC; r.>^ yevriTaL- ^;J xaraGycdi^mGi 
Y^ ^«SP^Vre^ v^cov; ^ zexv' h fivxotg x^ov6g (piJGu)Gt, i'^ tov sIgC tig Ti^MoCa-, Gxaidv ye t' dmXiofia 
^<; yXMGGrig TÖÖe, (poßovg 7rovtjoo>)g xal xsrovg dsäousvai. „Vor Todten graut euch, wenn des 
l^rabes Raum sie birgt? Und was besorgt ihr? Dass die Ruh'nden euer Land verheeren oder Kinder 
'» der Erde Schoos erzeugen werden, die dereinst euch züchtigen? Ja wahrlich unnüt;^, albern ist 
'Geschwätzigkeit, die frevelhafter, eitler Furcht ein Zeugniss stellt". 

Zugleich mit dem Tode trat die Traner um den Dahingeschiedenen ein Ale. 98 sqq. Diese 
J'atle ihren Grund theils in dem Schmerze um den Verlust einer geliebten Person, von der man 



y 



la„.e zeit .e.rennC war (Iph. Aul. 6M), .h^uTüT^ homenschen Vorstellung von dem Craurlgen 
t' nL :. abgeschiedenen Seelen, in, Vergleich zu .eichen, selhs, das Uh. es vo t„, 
Oeplag-en noch heneidens.enh ist F.n,. ^^ /Z: :J:^r ^Z^^^- ^^^^ 

li:!!:. ;1 Tea s -Lhte; hat die Traue.- die Verstorbenen ihre Berechtigung. Beden. 

toedo as Leid und die No.l,, .eiche die lange Dauer des Lebens den. Menschen sc afft, d,. 
sCvefen sCicUsalsschläge. denen er ausgesetzt ist, s« sollte .nan u.„ den To ten n.ch lagen, 
Tl. auch der Freuden bar. doch auch ..icht .„ehr von irdischen, Leid e.n.gesuc . vv,r 
!ie,;„rsollte .nan den betrauern, der geboren wird, in Anbetracht der vielen Le.den, denen er 
ent.'egengcht, und den Todten glücklich preisen Frg.n. Cresph. la: 

Tor fi'vra »Qrinlr, d? oa anxerat -/.axu, 
i6v J'«i' 9-arövTa xal nörmv niTcv.viiivor 

yainorrai; e,'<f»:noZ,'Tug iy.n^tnsiv dö/Kov. ^ ^ ^ 

lphi.e..ia will nicht betrauert sein von den ...r.gen Iph Aul. ^^ /'l!. . J^ f„,., , ,1,,., 
iL>« rO'X<k, ,ry ä,,l a,r,,a „A«,., ä,nCa„ ..nU.,, denn, lah.t 

''"""'"'i:^J:: l:Tt:.i:. »„ch ...gende Trcgründe an: der Tod ist eh. Allen gentei,,- 
sa,nes ü'be nd Etwas, das .M.en bevorsteht, .soll „.an n,i. Würde tragen K.-g,u. Ale. .«..ov . 

;: .. ;.o,..,.. .>. .«.-... «=.r.n. .0,.. ,...«. .. Aud™.. ,..0: '^«;-v\^;:i:;: 

re»>rrxörm'onss-näanr^Qdv»e,ono,<r.y^ds,QOi»s,.nnr,,fOg ,,,c ,la,in seinen 

Fern r ist der Tod i.u Wesen der menschlichen Natur begründet, und e.n Le el, das dann se. 
';;;;:. L. so« der ^.nsch nicht all., sehr beklagen P..gm. l.psip. .. .. ^--^^ ^ J^" 

1 ' ' „.'Aii. TirTr lirav/uüiiv tiooToiq. Dan., m.iueri dutii uic 

r r ::: :;r :;rr ^^^^^^^^^^^ ;:r :«^^^^^^^^^^^^^^^ 

* ., ., «„I. S. „Irf *. »*r b,l., Verl.« ,«», Km,l,,, s«,«« F^,». »,«. ..■ 

JUssgeschick trefle Ale. 417: ^■Ai,,A äräyx, rä.öe ....pooa, y.os,v. o« r«? - -C- ^ 

Hippoi. .i. End ich Sind die Klagen un, den Verstorbenen un..ütz, da s.e d.esen we e. zun. Id. . 
heraufzurühren vern.ügen, noch auch die unterirdischen Gottheiten sich ^'^'^^:^;;^^]^,P, 



33 

aSrjv awv (pQovTt^siv yowv xal natS^ dvTjasiv tov aov, el d-sloig (ttsvsiv; Unter allen Umständen 
aber soll sich der Schmerz um den Tod einer geliebten Person nicht leidenschaftlich äussern (/117 
vnsQfisTQwg uXyet Frgm. ine. 21), sondern der Mensch soll diesen Verlust mit weiser Mässigung 
erlragen. In dieser Beziehung stellt Euripides seinen Lehrer Auaxagoras als Muster auf, der, schon 
dem Greisenalter nahe, seinen einzigen Sohn durch den Tod verloren hatte Ale. 903 sqq. 

Aeussere Zeichen der Trauer waren zunächst dunkle Kleider Ale. 022; die Frauen schoren 
jhr Haar, klagten und weinten laut und schlugen sich Haupt und Wangen blutig Hei. 1053 und 
Ale. 101: ;t«tT>7 t olhig Inl nQod-vQoig lOfiaiog, u d^ vsxiUov nsv^ei niTver ov vsoXaia Sovnst 
XsIq yvvaiiciov. 

Die Dauer der Trauer mochte sehr verschieden sein je nach den Beziehungen, in denen 
man zu dem Dahingeschiedenen gestanden. Admet schwört, dass er nicht nur ein Jahr (Ale. 336: 
ol'ffM de nev&og ovx Itj'giov t6 gov) oder 12 Monate (ibid. 431: Geh'vag dunhy^ ly.Tilr^Qornevag) 
um Alcestis trauern werde, sondern sein ganzes Leben lang (Ale. 337: «U' fW «r alwv or^og 
ävisxij). So lange er lebt, will er sich aller Freuden des Lebens enthalten ibid. 342: nai'Gio de 
XiOfiovg GvfiTTOTwv ^' 6fi(h'ug GTScpävofjg rs fiovGuv d^" rj nv.TeTx inovg öofiovg. ov ydo ttot"* ort* 
UV ßuQßiTOv d^lyoiii" STc o^V «V ^qsv" l^aiQOi^i ngog yiißuv laxeiv avlov gu yuQ ^01 tsqx^uv 

l'iieiXov ßiov. Von seinen Unterthanen verlangt er, dass sie sich ebenfalls 12 Monate lang aller 
lärmenden Vergnügungen enthalten, schwarze Kleider anlegen und sich das Haar, den Pferden aber 
die Mähnen abscheeren ibid. 425 sqq. 

Die Bestattung des Leichnams war jedoch nicht die einzige Pflicht, welche die Hinterbhebenen 
gegen einen Todten zu erfüllen halten. Es lagen ihnen vielmehr noch andere Pflichten ob, die mehr 
sittlicher ^atu^ waren. Wie es für schimpflich galt, von einem Todten üebles zu reden, so hielt man 
für nicht weniger verwerflich, einem Todten gegenüber nicht die Gesinnungen zu bewahren, die man 
ihm im Leben gezeigt; der Freund soll dem Freunde auch im Tode treu bleiben. So sagt Odysseus 
11 ec. 311: oixovv toö^ uIgxqov, el ßltTiovTi fiev ff Um xQ*''^l^^^^^\ ^^«^ t)' oAwAg, ^ir ;^o(f»^ff7^' £r/; 
Leider lehrt jedoch die Erfahrung, dass die Freundschaft in der Regel mit dem Leben aufhört und 
dass sie selten über das Grab hinaus dauert Frgm. ine. 84: rvfißio yuQ ordelg niGTog ur&Qomwv 
(filog und Frgm. ine. m: Gndviov d^ uq' ^v S-uvovgiv äG(paletg (filoi y.uv o^od^ev loGiv to yuQ 
hstv nleov xQarEt Trjg eiGeßeiag' rj d" Iv offj&aXfiotg xf^QfQ ändXioX' otuv Tig ex ddfuov eX&r,. Und 
(loch bedarf gerade der Todte am meisten der Freunde Herc. für. 266: xuirenu ttouggco ttoXX' lyw, 
(fdoi'g bfiot'ig d-uYovTug ev dnwv oi> (piX^v (.iuX/gtu dtt; Ferner ist es Pflicht der Ueberlebenden, 
nicht nur Versprechungen und Gelübde, die sie dem Todten geleistet, gewissenhaft zu halten (Ale. 371), 
sondern es ist auch ihre Schuldigkeit, Versprechungen, die er Todten andern Personen gegenüber 
gethan, zu erfüllen und überhaupt in dem Sinne des Dahingeschiedenen zu handeln. Theonoe 
fürchtet Unrecht zu thun und ihren Vater im Grabe zu beschimpfen, wenn sie dem Menelaos nicht 
die Helena zurückgebe, da auch Pioteus, wenn er lebte, dieselbe ihrem Gemahl wieder gegeben 

5 



V 



I •», / 



34 



haben würde Hei. 1010 und 1028: a^ r w &avm' fioc ndrsg, o(rov / lyco gS-svco, oVnors ycsxX^JGH 
dvGasßijg «W sScTsßoüg. Wie es auf der einen Seile Pflicht des Ueberlebenden war, Nichts zu tliui 
oder zuzulassen, wodurch die Ehre des Verstorbenen befleckt wäre, so muss er auch, wenn es m 
seiner Macht steht, selbst vermeiden, des Verstorbenen Unwürdiges zu erleiden. Orest will sirt 
selbst tödien. um durch einen schimpflichen Tod nicht seinen Vater im Grabe zu kränken Gr. 1161'. 
War Jemand ermordet, so lag es endlich den Angehörigen ob, den Mörder zu verfolgen und Mori 
durch Mord zu sühnen. Wenn der Vater erschlagen war, so kam dem Sohne dies Rächeramt zu ; w&r 
kein Sohn da, so mussten sich die nächsten Verwandten dieser Pflicht unterziehen. Aegisth ver- 
heirathet Electra an einen gemeinen Mann, aus Furcht, es möchte dem Agamemnon aus ihrer Ehe, 
würde sie einem edela Manne vermählt, einst ein Rächer erstehen El. 40, und Pheres droht dem 
Admet mit der Rache seines Schwagers Ale. 731 : di'y-ag de dcofrerg toTgl ycrjdsiyTatg an. iiTaq^' Amaxo; 
o.?x6V laz^ h dvdodan', el ^r, a' ddelcp^g aifia npioor-Gerai. Selbst Frauen übernehmen dies 
Rächeramt. Hecuba rächt den Tod ihres Enkels Polydor furchtbar an dem perfiden (iastfreuiid 
Polymeslor, indem sie die Söhne desselben mit Hülfe ihrer Mitgefangenen tödtet und ihn selbst 
blendet Hec. 749 sqq. Iphigenia soll Orest und Pylades tödten, weil dadurch der von Hellas an 
ihr begangene Mord gesühnt würde Iph. T. 337: /«V dvah'Gycr.g '^evovg Toiovgös, rov cov^ElUg 
dnoTlüu 9)0. ov, und die Ermordung Helenas wird als ein rühmliches Werk dargestellt, weil .^ie 
durch ihren Untergang den Tod derer sühnt, die ihretwegen vor Troja umgekommen Or. li:54. 
Diese Pflicht im Verein mit dem ausdrücklichen Befehl Apollos vermochte sogar Orest und Electra 
zum Morde der eigenen Mutter zu bewegen EL 1093. 

yorov dr/M^cor cpovog, dnoy.Terco g" tyu) 

ycal nciig ^OoeGTrjg itaTol Tifi(ooorfx6vot. 

eJ ydo di'/.ui' txgn'«, x«t rat)"* hdiy.a. 
Mord würde in unendlicher Reihe auf Mord gefolgt sein, hätte nicht Apollo sich des Un- 
aUicklichen erbarmt und ihn durch den Areopag von der Schuld des Muttermordes freispreclien 
lassen, so dass das Wort der Dioscuren von ihm in ErfüUung geht El. 1290: 

TCSJTOco^svrjv yaQ fiotouv ly.nliJGug (povou 
evd'atfiovtJGSig twv(V' dnallaxd^ek ttovmv. 



Lateiu. 



(iri<'cliisfli. 



Deutsch. 

Französisch. 
Englisch. 

Hebräisch. 

liclisioD. 



Schulnachrichten. 



I. Pensa. 

Prima. Ordinarius: (iüuther. 

8 St. 1) Leetüre: Horaz, Oden, Satiren und Epit>tclu mit Auswahl. 3 St. (ilinther. 
Cicero, Tusc. I, pro Murena. Tacitus, Annal. II und Germania. Trivatim : Livius, 
lib. XXII mit Auswahl. 3 St. Cicero, Tusc. V (mit Ausnahme von cap. 13— IS). 2) Lat. 
Stil. Aufsätze, Exercitien und mündliches Uebersetzcn aus Süplie. Extemporalien. Stil- 
und Sprechübungen. 2 St. üeissuer. 

6 St. 1) Leetüre: Bemosthcnes, de pace, de Chcrsoneso, Philippica II. Thucydides 
lib. II und III. 3 St. Glliither. Im Sommer: Sophocles, Ajax. Im Winter: Homer, 
Ilias XVI — XXI. Privatim: XIII — XV und XXII — XXIV. 2 St. Meissner. 
2) Exercitien nach Böhme's Aufgaben; Extemporalien und grammatische Uebungen. 

1 St. «Uiither. 

3 St. Deutsche Literaturgeschichte (vom Beginn des 15. Jahrhunderts bis auf die 
Goethe-Schiller'sche Zeit) nach Weber's Leitfaden. Freie Vorträge über literargeschicht- 
liche Stoffe. Disposilionsübungen. Aufsätze. Schütze. 

2 St. Leetüre : Baumgarten's Chrestomathie für Prima. Exercitien nach Meissner's 
Materialien. Grammatische Uebungen. (liliither. 

2 St. Im Sommer : Leetüre : Shakespere , What you will. Exercitieu nach Jaep's 
England. Schulze. Im Winter: Leetüre: Bulwer, Pilgrims. Exercitien und Extem- 
poralien nach Jaep's England. Grammatische Uebungen, lledicke. 
2 St. (Facultativ.) Leetüre: Psalmen 100—107,1 — 15. Schriftliche Interpretations- 
und grammatische Uebungen. Pepolition der ganzen Formenlehre. Im Sommer: erst 
Spohr; dann Cramer. Im Winter: Halter. 

2 St. Im Sommer: Glaubenslehre. Die 3 ökumenischen Symbole nebst einschlägiger 
Kirchengeschichte und Lehre der heiligen Schrift. Im Winter: Die Augsburgische 
Confession gelesen und erklärt; im Anschluss hieran die Unterscheidungslehren der 
evangelischen Kirche. Erklärung wichtiger Schriftstellen nach dem Urtext. Bis 
1. Juli : Spohr; dann )yaiter. 

5* 



V 



30 



37 



«escUehte. 

?!:iiürlllaiik, 

Physik, 
liesang. 



ZlMchiH'ü. 



Turnen. 



\ 



3 St. Mittlere Geschichte. Repetitionen. CUnfher. 

4 St. Im Sommer: Trigonometrie. 3 St. Algebraische Geometrie. 1 St. Im WiDter: 
Stereometrie. 3 St. Reciproke Gleichungen höherer Grade. 1 St. Suhle. 
2 St. Lehre vom Lichte. Suhle. 

4 St. Gesang für die gesangfahigen Schüler der vier oberen Klassen. Tonbildungs- 
übungen. Für gemischten Chor: Choräle, Motetten von Möhring und SeifFert, Verleih 
uns Frieden von Mendelssohn, Chöre aus der Schöpfung und aus den Jahreszeiten vou 
Haydn. Chöre aus Precio.a von Weber, aus Teil von Rossini. Zigeunerleben vor. 
Schumann. Vaterlands-, Turn-, AVald- und Volkslieder. Für Männerchor : Chöre aus 
der Zauberflöte von Mozart, aus Norma von Bellini, aus Czar und Zimmermann vgl 
Lortzing. Lieder. Musikdirector Malter. 

4 St. (Facultativ.) Für Schüler der oberen Klassen. Zeichnen in Hinsicht auf den 
Character der Gegenstände in Blei, Kreide, Tusche. 2 St. Geometrisches Zeichnen. 
2 St. Döring. 
4 St. (während des Sommersemesters). lUrhter. 

^eC'IIIHla. OrdiiiariuM Ohcrielirer Dr. ^[eljjsner. 

Lateiu. 10 St. 1) Leetüre: Livius, XXI und XXII mit Auswahl. Cicero, Cato major. Pri- 

vatim: Cicero, or. pro Archia, Ligario, Deiolaro, Sulla. 4 St. Meissner. Vergi., 
Aeneis III, IV in Verbindung mit metrischen Uebungen (Distichon, Sapphi^che uui 
Alcäi.che Strophe). 3 St. Schutze. 2) Exercitien aus Süpfle. Mündliches Uebei- 
setzen aus Süpfle. Grammatik nach Ellendt-Seyffert. Extemporalien. 3 St. Meissnei'. 
6 St. 1) Leetüre: Plutarch, Pericles. Herodot, I, 122 — 214; II und III mit Aus- 
wahl. Homer, Od. III— VIII. Privatim: XVII— XXIV. Memorirt wurden III, 1— SC'; 
V, 1—43 und VI vollständig. 5 St. 2) Exercitien. Mündliches Uebersetzen aus 
Seyifert. Syntax nach Seyffert. Repetition der Formenlehre nach Koch. 1 St. Meissuei". 

Deutsch. 2 St. Im Sommer: Deutsche Literaturgeschichte (von den ersten Anfängen bis zum 

Beginn des 15. Jahrhundert>) nach Weber's Leitfaden. § 1—25. Im Winter: Abru-s 
der mittelhochdeutschen Grammatik und Leetüre des Nibelungenliedes nach der Auswahl 
in Heintze's mittelhochdeutschem Lesebuche (über 500 Strophen). Aufsätze uud 
Uebungen im Dispouiren. Schütze. 

Fruuzosix'h. 2 St. Leetüre: Baumgarten's Chrestomathie für Secunda. Exercitien nach Meissner'? 
Materialien. Grammatische Uebungen nach Plötz. tüiither. 

2 St. Leetüre : The lales of a grandfather by W. Scott. Mündliches und schriftliches 
Uebersetzen von Plate's Elemenlargrammalik. Lection 1—41. Im Sommer: Schulz«'; 
im Winter : liediclie. 

2 St. (Facultativ.) Form«nilehre nach Gesenius' Grammatik. Leetüre: Verschiedene 
Abschnitte aus Brückners Lesebuch. Schriftliche Uebungen. Im Sommer: erst Spohr: 

dann Cramcr. Im Winter: Walter. 

2 St. Mittlere Kirchengeschichie. Gelesen: Die Sonntagsovangelien im Grundtexte. 

\ Bis 1. Juli: Spohr j dann Walter. 



Griechisch. 



Englisch. 



Hebräisch. 



\ 



Reli;;iüiL 



eeschichte. 2 St. Römische Geschichte nach Weber's Weltgeschichte in übersichtlicher Dar- 
stellung. Günther. 

flatheiuatik. 4 St. Im Sommer: Die letzten Abschnitte der Planimetrie. 3 St. Gleichungen 
zweiten Grades. 1 St. Im Winter: Potenzen, Wurzeln, Logarithmen. 3 St. Geo- 
metrische Uebungen. 1 St. Suhle. 

Physik. 2 St. Im Sommer: Electricität. Im Winter: Wärme. Suhle. 

^lesaug. s. Prima. 

Zeichueu. s. Prima. * 

Turuen. s. Prima. 



'i»ri i'i 



ilnliuarius: im Sommersemester : Professor Dr. Suhle; 
im Wiiiterheiiiestcr: Obi'rf<'liri r jir. IfiNifrM', 



Latein. 



Griechisch. 



tieutsch. 



iiauzüsisch. 



10 St. 1) Leetüre: Ovid, Metam. Auswahl aus IV— VII. Metrik. 3 St. Caesar, 
B. G. IV— VI. Privatim: Lüder's Chrestomalhia Ciceron. 3 St. 2) SeyfFert's Gram- 
matik von § 234 — 342. Wiederholung der Syntaxis casuum und der Formenlehre. 
2 St. Extemporalien und mündliches Uebersetzen aus Süpfle. 1 St. Exercitien nach 
Süpfle. 1 St. Im Sommer: Gramer^ im Winter: lleilicke. 

7 St. 1) Leetüre: Xenophon, Anabasis IV und y, 3 St. Homer, Od. I, 320 — 444. 
I^> 1 — 250. 1 St. 2) Grammatik nach Koch. Verba auf fii und unregelmässige 
Verba. 2 St. Exercitien nach Halm I, 2. 1 St. Im Sommer: Cramer^ im Winter: 
llnlicke. 

2 St. Deutsche Aufsätze. Leetüre von Schiller's Teil und Wallenst^iu. Declamations- 
übungen. Schütze. 

2 St. Grammatik und Exercitien nach der Schulgrammatik von Plötz (Lection 1 46). 

Leetüre: Goebel, Choix de nouvelles du X4X siecle; Lcgouve, l'ours de la Maladetta; 

Bouilly, l'etoile polaire; Toeptfer, le grand Saint-Bernard. Schlitze. 

2 St. Lesung und Erklärung der Apostelgeschichte. Im Anschluss an die Reisen 

des Apostels Paulus, Besprechung der paulini sehen Briele in chronologischer Folge 

nebst Lesung uud Erlernung wichtiger Stellen. IV. und V. Hauptstück mit Sprüchen. 

Kurze Geschichte der Reformation. Walter. 

2 St. Mittlere Geschichte nach Weber's Weltgeschichte. Schätze. 

1 St, Geographie von Asien, Afrika und Australien nach Daniei's Leitfaden. Schitie. 
^alhcmatik. 4 St. Im Sommer: Repetition des ersten Cursus. Die Lehre vom Kreise. Gleichheit 

der Figuren. 2 St. Gleichungen ersten Grades. Proportionen und deren Anwendung. 

2 St. Im Winter: Rechnung mit algebraischen und gebrochenen Zahlen. 2 St. Auf- 
lösung geometrischer Aufgaben. 2 St. Suhle. 
Naturgeschichte. 2 St. Im Sommer: Botanik. Uebersicht der Pflanzen nach dem natürlichen 

System. Im Winter: Mineralogie. Suhle. 
«esang. s. Prima. 

Zeichnen. b. Prima. * 

Tiiriini. s. Prima. 



Jt>«'!i;;ioii. 



Geschichte. 
Geographie. 



V '• 



uai'ia. 



'66 



llr.iitiariii^ : lllM'rh'lir<'r Or. Schülze. 



driprlii'sfb 



Latein. 10 St. Eepetition der Formenlehre. Die wichtigsten Regeln der Syntax nach EUendt- 

Seyifert's Grammatik, verbunden mit mündlichen und schriftlichen Uebersetzungen fast 
sämmtlicher Uebungsstücke aus Ostermann's Uebungsbuch für Quarta. Erlernung von 
Yocabeln aus Ostermann's Yocabularium für Quinta. Extemporalien und Exercitieu. 

5 St. Schulze. Cornelius Nepos, Epaminoudas, Pelopidas, Agesilaus, Eumenes. 2 St. 

Iraiiiii'. 

6 St. Formenlehre bis zu den Verben auf fii excl. Leseübungen, Erlernung von 
Yocabeln, mündliche und schriftliche Uebersetzungen, sowie Exercitien nach Stier's 
Eleraentarbuch. 4 St. Schulze. Uebungen im Uebersetzen aus dem Griechischen nach 

Stier. 2 St. Schlitze. 

2 St. Grammatik (\Vort- und Satzlehre). 1 St. Aufsätze. 1 St. Schulze. 
2 St. Grammatik bis zu den unregelmässigen Yerben. Leetüre und Exercitien nach 
Plötz. Im Sommer: Walter; im Winter: Cranier. 

2 St. Erklärung des IIL Hauptstückes in Verbindung mit dem Spruchbuche. I. und 
IL Haiiptstück mit Erklärung. Lesung und Besprechung der Apostelgeschichte, sowie 
eines Theiles der Sonntagsevangelien. Erlernung von Sprüchen u. Kirchenliedern. }\ü\U'V, 
2 St. Im Sommer: Kömische C-eschichte. Im Winter: Griechische Geschichte nach 
Weber's \Yeltgeschichte in übersichtlicher Darstellung. Schlitze. 
, 1 St. Europa, nach Danicrs kleinerm Leitladen. Schütze. 

^iatm-gXi-hichte. 2 St. Im Sommer: Botanik und Zoologie (Reptilien). Im AVinter : Zoologie 
(Fische, Molluscen nohst Eepetition der übrigen Thierklassen) nach Leunis analy- 
tischem Leitfaden, lioilt'lmauu. 

^atliroiiitik. 3 St. Im Sommer die L.hre von den geraden Linien und A\'inkeln. Allgemeine 
Eigenschatten der Dreiecke. Im Winter: Die vier einfachen Rechnungsarten mit ab- 
soluten ganzen Zahlen. Suhle. 

€C9S1I^. s. Prima. . 

Zf ichnt'ii. 2 St. Freie Handzeichnuugen von Landschaften, Thieren, Blumen u. Ornamenten, »öring. 

Turiicu. s. Prima. 



l)»'Ul^^•ll. 
Frauzösi?>('h. 

Rclij^ion. 



(ie><'hi<litc. 



(»eoj2;raithit\ 



lilliilla Onlinariiis: €ollaborator \hilter. 



latclii. 



A 



Deutsch. 



10 St. Die ganze Formenlehre, sowie die Hauptregeln der Syntax nach Ellendt- 
Seyffert's Grammatik. Erlernung von Yocabeln. Leseübungen. Mündliche und schrift- 
liche Lebersetzungen der meisten iu Ostermann's Uebungsbuch enthaltenen Uebmigs- 
stücke. Im Sommer 7 St.; im Winter 6 St. M'alt.r. Repetition des Cursus für 
Sexta u. Quinta, mündliches Uebersetzen aus dem Lesebuche für Y u. Extemporalien. 
Im Sommer 3 St. \Taiiul>.)i(i. Im Winter 4 St. Craiuer. 

2 St. Grammatik nach Wendt. Declamations- und Leseübungen, sowie Uebungen im 
freien Vortrag. Auf^ätze und orthographische Uebungen. Bis zum 1. Juli Vfalterj 
dann Crauier. 



39 



Französisch. 



Relmon. 



2 St. Einübung der Elemente der Declinationen und der Hülfszeitwörter. Erlernung 
von Yocabeln. Leseübungen. Mündliche und schriftliche Uebersetzungen aus Plötz' 
Eleraentarbuch. Im Sommer: Walter. Im Winter: Cranier. 

3 St. Biblische Geschichte des A. T. seit David. Geschichten aus dem N. T. Kind- 
heits- u. Leidensgeschichte des Heilandes vor den betreffenden Festen. II. Hauptstück 
mit Erklärung und Sprüchen und Repetition des I. Hauptstückes. Uebersicht über das 
Wesen der Jleformation und die Hauptlehren der evangelischen Kirche. Die christ- 
lichen Feste. >falter. 

1 St. Im Sommer: Griechische, im AVinter: Römische Geschichte, nach Grubc's 
Characterbiklern. Warinhold. 

2 St. Das Wichtigste aus der mathematischen ..Geographie nach Daniel's Leitfaden; 
allgemeine Uebersicht der 5 Erdthei'e, speciell Europa. Kartenzeichnen. Warmholil. 

lyaturgeschiehte. 2 St. Im Sommer: Botanik. Im Winter: Zoologie (Säugethiere, Vögel, Amphibien, 
Fische), ilottelmann. 

3 St. Bruchrechnung und deren Anwendung auf bürgerliche Rechnungsarten. Die 

4 Spccies in Decimalbrüchen. Uebungen im Kopfrechnen. Hottelinaim. 
Rallisiraphie, 3 St. Uebungen in deutscher uud englischer Schrift, llottelniaun. 

2 St. Quinta und Sexta combinirt. Tonbildungsübungeu. Tonleiter auf dem Vocale a 
u. den Solmisationssilben. Choral. Zwei- u. dreistimmiges Lied. Musikdircctor Walter. 
2 St. Anfang der Schattiningen nach Yorlegeblättern. Döring. 
s. Prima. 



Geschichte. 
Geographie. 



Rechnen. 



Gesang. 



Zeichnen. 
Turnen. 



Latein. 



Sexta* Ordinarius: Cymuiisiallclirer Wariubohl. 

10 St. Die regelmässige Formenlehre nach Ellendt- Sevffert's Schulgrammatik. Eiu- 



ilciitsch. 



'Religion. 



Übungen der wichtigsten Genusregeln, Uebungen im mündlichen Uebersetzen nach 
Ostermann's Uebungsbuch lür Sexta bis Abschnitt XVII incl. Wöchentlich ein Exer- 
citium und ein Extemporale. Auswendiglernen der Yocabeln aus Ostermann's Yoca- 
bularium für Sexta. Warnihold. 

3 St. Laut- und Wortlehre (Eintheilung und Flexion der AVörter; der einfache und 
erweiterte Satz). Aufsätze und wöchentlich ein orthogräi)hisches Scriptum. Uebungen im 
Declamiren. Analyse einiger Stücke aus dei^Lesebuche von Hopf uud Paulsiek. Warinhold 
3 St. Biblische Geschichte des A. T. bis zu den Königen. Kindheits-, Jugend- 
und Leidensgeschichte des Heilandes. Einübung der o ersten Hauptstücke des luthe- 
rischen Katechismus, das erste mit Erklärung. Erlernung von Bibelsprüchen und 
Kirchenliedern. Halter,* seit Michaelis Ilottelmann. 

1 St. Alte Geschichte bis zum Untergang des weströmischen Kaiserreichs. Harmhold. 

2 St. Das Wichtigste aus der mathematischen Geographie. Kurze Uebersicht der fi 
Erdtheile, speciell die Länder Europas. Harmbold. 

Naturgeschichte. 2 St. Im Sommer: Einzelne Individuen aus der Pflanzen und Thierwelt (Wirbel- 
lose Thiere). Im Winter: Einzelne Wirbelthiere (Säugethiere, Vögel, Amphibien, 
Fische). Ilottelmann. 



Geschirlii* . 
Geographie. 



\"^- 



Rechnen. 4 St. Die 4 Species in benannten Zahlen. Vorübungen zu den Brüchen. Einfache 

Kechnungen aus dem bürgerlichen Leben. Uebungen im Kopfrechnen. Hottciuiaun. 
ftallignipMe. 3 St. Uebungen in deutscher und englischer Schrift. Hottelmann. 
(ät^du;;. s. Quinta. 

Zeichnen. 
Turni'15. 



2 St. Zeichnen nach Yorzeichnungen an der Wandtafel. Döring. 



I.fS« u. 
All Mit ze. 
Ueligiou. 



s. Prima. 

^^epliiii'^'^. Onliiiariiis: Lehrer BfiiiH'rke. 

fi.nUche Gniniinnfik. 1 St. Die zehn Redetheile. Flexion der Wörter. Der einfache Satz. Rennecke. 
OrtlioTiipliie. 2 St. Nach Haester's Lesebuche. Orthographische Regeln. Rennecke. 

4 St. Nach Haester's Lesebuche. Silben-, Wort-, Satzlesen. Declamiren. Renuecke 

1 St. Nach Engelien. llnuiecke. 

2 St. Biblische Geschichte des A. T. bis zur Theilung des Reiches Israel. Neues 
Testament: Von der Geburt Jesu bis zum Antritte seines Lehramtes. Die fünf Haupt- 
stücke ohne Erklärungen. Erlernung von Bibelsprüchen und Gesangbuchsversen. 

Rrunocke. 
Redmni. 4 St. Die vier Grundrechnungen in unbenannten Zahlen. Einübungen der wichtigsten 

Münzen, Masse, Gewichte etc. Kopfrechnen. HottHiuanu. 
SchreilKU. 4 St. Uebungen in deutscher und englischer Schrift. R«'ui.ecke. 
tiesan- 1 St. Notenkenntniss. Scala. Choräle und einstimmige Lieder. Reunecke. 

Iieo'^ra')hio. 1 St. Vorbereitende Kenntniss zur Geographie. Europa im Allgemeinen. Uennecko. 



Vcrzt'itliiii.« der in Prima und ^ernnda bearbeiteten Tlitmata. 

i'riina. 

I. Im Lateinischen. 

1) Ouod Cicero die«, in raaximis auimis splendidisque ingeniis plerunique existere honori,. 
potenliae, glo'riae cupiditates, id et raiione coniprobelur et exeniplis illusirelur (Cic. otT. I, 26). 
2-, Imperium Romanis ulrum virtute datum an fortuna. ;!) De Horalii pieiale crga deos, erga 
pairem, erga anncos. 4) Quem res plus nimio deleciavere secundae Mulatae quaiienl. (Hör bp. 
1 10. Klasseuaufsalz.) .^) Taciius dicit, gloriain ac virlutem infensos liabere. 0) Üe Ajaci. 
Soptiociei ingenio ac moribus. 7) Ouantuni viri prudenlia el forliludine praesianles ad cmlalis 
suae poleniiam ac aloriam augendam valeanl, exemplis ex rerum (iraecariim hislorla peliiis osten- 
datur (Klassenaufsalz.) P) romparalur Priisus Gernianicus cum Alexandre Magno (Tac. Ann. 11, >-)■ 
9) Marcet sine adversario virlus. (Seneca de provid.) 10) Quanlum Graeci praeceplis valenl, lanluni 
Romani, quod est maais, exemplis. 

II. Im Deutschen. 

1) L>ber Achill's Benehmen gegen llektor (nach Hom. II. XVlil, 22 - 24). 2) Etwas 
fürchten und hoffen und sorgen Muss der Mensch für den kommenden Morgen, Dass er die Schwere 



il 

ZuTeTl>eZTJ:'J"l 71":'' "^"'""" ''' '"»^ ^"«^ ™" erfrischendem Windesweben 

ta f st und Sd oe e Tr T ^?"'"'' '''"' ''' "'^"'°'')- '^ '^■> ««"^tze den, der 

erSn ilh zem ' r h •. "J T" ' '^ '"="' "" ''' '^"'«^ "^"S« "«'" »^^^' D'« "«« Leben 

d2 Kl se 'ufsiTi ^^ w " '*"*;"'"""' ''" "» "'"^'^ '^'' "- '-»« "- Schmerz- 
(bcnlle . hlassenaufsatz.) 5) Was macht den guten Redner? 6) Nicht in die ferne Zeil verliere 

riefn^r-'T^' V'^'"' (Schiiler-s Macbeth.) 7) Lockte die Neu U 
eil Menschen mit heftigen Reizen, Sagt, erführ' er wohl je. wie schon sich die weltlichen Oin-e 

ZrnTT T"'""' ^'"^""'^ ""'"^"" ""•' f>"™'"-- - Klassenarbe t) )Pi„en 
obsta (Ovid Remed. am.) mit besonderer Hiicksiclit auf Schiller's Wallensleiii. 0) Varnni b ic^ 
essmg ,n er Hamburger Dramaturgie so eingebend den französischen Nationalchar cter/ o) S e 
mstan e begünstigten das Aufblühen der Künste bei deu Griechen? (Nach Herder's Ideen 
eschiel e der Menschheit. Ruch t..) i,) Machet nicht viel Federlesen, Schre au . leiil 
Leichenstein: Dieser ist ein .Mensch gewesen, Und das heisst ein Kämpfer ein' (G etlie) 



I. 



Secunda. 

Im lateinischen. 



• 1) Magnitudinem Romanorum prope adversis rebus admirabiliorem fuisse, quam secuudis 
■xeniphs compiobetur. 2) Oppugnalio Sagunli secundum Livium enarretur. 3) CoLcordia res parvas' 
.escere discoria maximas dilabi, exemplis e Graecorum et Germanorum historia desumptls osten! 
diiur. 4) Ouod licer« m Laello dicit, multos parvo contenlos tenni vietu cultuque delectari 
«manornn. quibusdam exemplis comprobeiur. 5) De arguniento libri Ody.seae sep.inii tt ' 
i>) De laude rerum rustlcarum. 

II. Im Deutschen. 

]) Charaklerisilk der Personen in „des Sängers Fluch" von Uhlaud. 2) Die Manni<.falilg- 

kei( des Interesses an der Natur und der verschiedenariige Standpunkt ihrer Betrachtung. 3)'Hoino 

Oll sibi naius, sed pairiae. 4) Ueber die Erfordernksse einer guten Disposition. :.) üeber den 

i; in 7. r "''J''''^''- '-'^ Ueber den Charakter Hagen's im Nibelungenliede (Klassen- 

I ; P ,. ^'^ " '"■ "' ''''"'"'' ""•' '•'«'"'^« ''«« Menschen. 8) Worin hat die Auhäu- 

kei. des Menschen an seine Helmalh den Grund? 9) Schön ist der Friede, doch auch der Kri^ 

seine thre. (Schillers Hraut von Messina) lo) Leber die böse Sitte des Aufschieben.s. 

1 warum gereicht die Unbekannlscbaft mit der Zukunft dem Menschen zum Se^en? i-n Die 

t. luientwicklung der Menscl.bell (nach den. Eleuslsdieii Fesle von Schiller), l-;) Gott grüss! Manchen, 

oe ilim nicht danki. 14) Inwiefern lässt sich aus dem Aeussern eines Menschen auf sein inneres 

nlTrL ^''^ ^'^^^"'' '^'"^ '''' ■'«'>'<f«'es», verglichen mit der entsprechenden Erzählung des 

' odot III 39-43). 16) Es liebt die Welt, das Strahlende z« schwärze« Und das Erhabene 

neu blaub zu ziehn. (Schiller, „das Mädchen von Orleans». Klassenarbeit ) 






6 



42 

Aufgaben für die schriftlichen Arbeiten der Abiturienten. 

SommerNemei«iter 18^0. 

Da der Ausbruch des Krieges eine zweimalige schrifliiclie Abiiurientenprüfung (die erste 
Ende Juli, die andere in der Mitte des Monats August) nütliig machte, so erfolgen hier doppelte 
Themata. 

I. Im Lateinischen. 

1) Dijudicetur, num Aristoteles recte dixerit, irani calcar sive cotem esse virtutis: hat 
erepta inermem animum esse et ad conatus magnos pigrum inertemque fieri. 

2) Rectissime dicit Tacitus (Ann. IV, 33), gloriam ac virtutem infensos habere. 

I!, Im Beutsclien. 

1) Nicht in die ferne Zeit verliere Dich! 
Den Augenblick ergreife! Der ist Dein. 

(Schiller, Macbeth) 

2) Machet nicht viel Federlesen, 
Schreibt auf meinen Leichenstein : 
Dieser ist ein Mann gewesen, 
Und das heisst ein Kämpfer sein' 



(Goethe.) 



I. Im Lateinischen. 



(DiUei o d-eoq tm rnsoexovTa ndviu yoXoi'eiv. 

(Herodot. Vli, 10.) 

II. Im Deutsclien. 

Ueber das natürhche Band zwischen Arbeit und Vergnügen (Livius V. 4: labor volnplasqii 
dissimillima natura, societate quadam inter se naturali sunt juncta). 



43 
Tabellari^clie Uebersiclit des LectionisplaiieN. 



A. lach den Lehrern, 



\ 





1 

Prima. Secunda. 


Tertia. 


Quarta. Quinta. 


Sexta. 


Septima. 


Sa. 


1) Director 
Dr. Günther, 

Ordinarius vonJ. 


Horaz o. 

Griechisch 4 Geschichte 2. 
Französ. 2 Französ. 2. 
Geschichte 3. 




! 








16 St. 


•2) Professor 
Dr. Suhle. 


Mathematik 4 
Physik 2. 


Mathematik 4 
iPhysik 1. 
iM.ithemat. 
1 Geogr. 1. 


1 

Mathemat. 4. 
Naturgesch. 
2. 


Mathcmatik3. 








21 St. 


3) Oberlehrer ! Latein 5. y . ^ 

Dr. Meissner, j Griechische .griechisch 6 
Ordinarius von IL Dichter 2. ^iiecliiscü h 


— 










20 St. 


4) Oberlehrer 
Dr. Schütze. 


Deutsch o. 


Vergil 3. 
Deutsch 0. 


Geschichte u. 
Geographie 3. 
Deutsch 2 
Französ. 2. 


Griechisch 2. 
Geschichte u. 
Geographie 3. 




— 




20 St. 


.")) Oberlehrer 

Dr. Schulze, — 
Odinnrins von IV. , 






Latein S. 
Griechisch 4 
Deutsch 2. 


— 


— 




14 St. 


1)1 Ohcrlebrer 
Dr. Hedicke, 
Ordinarius von III. 


Englisch 2 


Englisch 2 


Latein 10. 
Griechisch 7 








— 


21 St. 


7 Citllaboraior 

Walter, 
Ordinai-ius von V. 


Rfli'rioii 2. 
Hebräisch 2. 


Religion 2 
Hebräisch 2. 


Religion 2. Religion 2 


Religion 3. 
Latein 0. 




— 


21 St. 


.*^) Oviniiasiallchrer 

Warmbold, — 
Ordinarius von VL 








Geschichte u 
Geographie 3. 


Latein 10. 
Deutsch 3. 
Geschichte u. 
Geographie 3. 




19 St. 


tt) (andidat 
Gramer. 








Cornel 2. 
Französ. 2 


Latein 4. 
Deutsch 2. 
Französ. 2. 




— 


12 St. 


10) Lolirer 
Hottelmann. 








Naturge- 
schichte 2. 


Naturge- 
schichte 2. 
Rechnen 3. 
Schreiben 3 


Religion 3. 
Naturgesch. 2 
Rechnen 4. 
Schreiben 3. 


Rechnen 4. 


26 St. 


11 1 Zeichenlehrer 
Doering. 


4 ausser der Schulzeit geleijene 
Zeichenstnnden für Freiwillige. 


Zeichnen 2. 


Zeichnen 2. 


Zeichnen 2. 




10 St. 


12) Tunilohrer 
Richter. 


Im Winter fällt das Turnen aus. 




13) Mnsikdircetor 
Walter. 


2 Stunden Gesang für Sopran und Alt 
2 « V V Tenor und Bass. 


Gesang 2 Stunden 
combinirt. 


— 


6 St. 


14) Lehrer 

Rennecke, 
Ordinarius von VII. 








— 






sämmtlichen 

Unterricht 

bis auf das 

Rechnen IG. 


16 St. 



\ 



44 



B. Nacli den lehrfäcliern. 



45 





'• 


N. 


III. 


IV. 


V. 


VI. 


VII. 


Religion 


2 


2 


2 


2 


3 


3 


2 


Detdsch 


3 


2 


2 


2 


2 


3 


9 


Latein 


8 


10 


10 


10 


10 


10 




Griechisch 


6 


6 


7 


> 
6 








Französisch 


2 


2 


2 


2 


2 






Englisch 

1 
1 


2 


2 












Hebräisch (facultativ) . . 


2 


2 


— 










MathematiJc und Rechnen 


4 


4 


4 


3 


3 


4 


4 


Geschichte und Geographie 

1 

! 


3 


3 


3 


3 


3 


3 


1 


Physik und Naturgeschichte 


2 


1 


2 


2 


2 


2 




Schreiben 


— 






— 


3 


3 


3 


Gesang 


1 
2 


2 


2 


1 


Zeichnen 


Fih 


r Freiwilliqe 


2 


2 


2 




Turnen 




Für alle Klassen im 


Sommer 4 iS7. 








(Wegen der vielfachen Veränderungen, welche im Lectionsplane während des Sommersemesters stattfinden 
mussten, ist bei der Tabelle A. nur das Wintersemester 1870 — 71 berücksichtigt. Tabelle B. erstreckt sich 
auf das ganze Schuljahr Ostern 1870 bis Ostern 1871). 



5L_Rescripte_desJerzoglicheii Consistoriums. 



Jahr und Datum. 

1870 

April 21. 

Juni 4. 

— 25. 



(iegenstaud. 



Juli 



29. 



November 7. 

— 8. 



Deceniber 10. 
1871. 

Januar 17. 
Februar 27. 



Die Direclion wird ermächligt, Wcht-Schuler der Anstalt zum Zwecke der Aus 
Stellung von Zeugnissen zun, Nachweis der Reife für gewisse G^naS" 
K lassen, resp. behufs der Erlangung eines Stipendiums, ztl prüfen 

Die Lehrer sollen in ihren persönlichen Angelegenheiten Vorstellungen nicht direei 
sondern urch Vermittelung der Direction an das Herzogliche C LloS 
gelangen lassen. ^uniisiorium 

Genehmigung des Leclionsplanes für das Wintersemester 

Anzeige, dass das Herzogliche Consistorium durch das Herzogliche Staatsministerium 
zun. ganzen, resp. .heilweisen Erlass des Schulgeldes für diejenigen SclS 
ermächtigt worden ist, welche den Eintritt in ein inländisch sHerzo"^^h 
Schullehrer-Seminar bezwecken. "ciiu^ucnes 

Die Verrechnung der Portoauslagen in Dienstsachen betreffend. 

üebersendung des Gymnasial-Etats fiir das Jahr 1871 

En.pfehlung der Schrift: „Zum Gedächlniss Markgraf Aibrecht des Bären von Anhalt 
gestorben am 18. Kovember 1170. Von Theodor S.enzel. Zerbsl, 1,70" ' 



III. Vermelirung des Lelirapparats. 

1) Hie Gyiiinasialliiidioilid wurde seit Ostern 1^70 vermehrt: 

a) Durch Geschenke: 

1) vom Herrn Oberbibliolhekar Professor Dr. von ll.i„.,„„„„ i„ WolfenbUltel • 

Zur Erinnerutjg an Gollhold Ephraim Lessing, i^riefe und Aktenstücke aus den Papieren 
der Herzoghchen Bibliothek und den Akten des Landeshauptarchivs zu wJlfenE 
Von 0. von ffeiiinnarni. Leipzig. 1870. ^wiienüuiiei. 

2) vom ordenlliclien Lehrer am Gymnasium zu Tborn Herrn Curtze- 

?lrsrh'rt"' -r 't'"" '" '"'^^ '"^'"^- ^'^ malhemadsch-bibllographischer 
versuch von Haximilian ( urize. lierlin. 1870. 

3) vom Oberlehrer Dr. tldssiier hierselbst- 

M^ Tnllii Ciceronis Cat« Major de senedute. Für den Schulgebrauch erklär, von 
ut. (arl Tlcissncp. Berlin. 1870. 



\ 



\ 



b) Our.:h A-isctiaffimg: „ ., c u . 

HeckeUeii und Masius, Jahrbücher. Weidiier, Anmerkungen zum Vergil. Sophocies, 
Anligone von Bockh. Sophocies ed. Oindorf.. Sophocies, .Ajax v. Wolff. Grhuiii, 
Wörterbuch (Fortselz.) Hibliolhek der deulschen NalionalHleralur des 18. und 19. 
Jahrhunderts (Forlsetz.). Fischer, Neuere Philosophie (Schluss). Weber, Weltge- 
schichte (Bd. V1!I.). Sanders' Wörterbuch der deutscheu Sprache. :! Bue. Wiltvvtr, 
Alex. V. Humboldt. Ewald, geologische Karle (Forlsetz.). Iloffmeister, Schiller's 
Leben Wiese, höheres Schulwesen. Spriiner, historische Karle. Cicero pro Sesiio 
von Koch. Petermann. .Millheilungen und Ergänzungen. Schillor, lyrische Versmaasse 
des Horaz. Pelronius ed. Buetheler. Poggeiidorff, Aunalen. Zarncke, literarisches 
Cenlralblatt. Grelle' Journal. Schellen, Spectralanalyse. Ihne, römische Geschichte. 
Boissier, Cicero. Schüler, lieschichte des siebenjährigeu Krieges. Bd. II. Ciceni's 
Reden von Kichler. v. Reumout, lie.schichle von Rom. (Schluss). (ioeihes Werke. 

•2) ViruK'lirufig des pliysikalisclien Appar;ifs. 

Es wurde anaeschaffi ein Ozo.iometer. eine l.abialpfeife mit manonuMrischen Flammen 7ur 
Darstellung der Schallwellen, eine Zuugenpfeife mit einer Reihenfolge zugehöriger Besonatoren .ur 
Unterscheidung der Oberlöne, ausserdem zur .Spectralanalyse ein Apparat zur Lu>kehrung der 
NatriuiiilUiinnien nach Bunseu. 

3) Venmhniiig ^\vs iiaiurgescliichtlichiii Aiiparais. 

üie vom früheren Her/oalichei. Oberbergamte dem Gymnasium übedassene Minerali.n- 
sammlinig aus den Double.len der A.ihaUi.schen Landessammlung im Herzoglichen Schlosse zu Harz- 
gerode (s. Programn, von> J. ISG'.i), deren Zusam.nenstelhn.g und Lebermitlelung wir dem Herrn 
Herdmeister Kegel in Neudorf verdanken, bildet eine sehr erfreuliche Bereicherung un.srer minera- 
logischen Seclion. I.ieselbe erhielt ferner noch Seitens des Oberlehrers Dr. Schulze und des Berg- 
assessors Herrn von .tlliert werthvolle Geschenke. ..,,., . , „„ 

Anderweitige höchst dankenswerihe Gaben wurden den. nalur<ieschichthchen Apparate zu- 
gewendet von den Herren: Amtmann Senlf in Klein -Wirschieben. Gutsbesitzer Richter in Drobel, 
Lpector So,„a„.r in Hohen -Erxleben, Apotheker Bocksbamn.er und Kinfahrer a. H. meaerker hier- 
selbst und von den Gymnasiasien Adolf WUrzler, Riobar.1 Flammaut, Carl Jacbi und Knnl llrumn... 

Angeschafft wurde eine Hariescala. 

4) \Cnii;hiiiiiü (It'N üiiisiKalischen Apparats. 

Deutsche Chorgesänge von Möhriiig op. iM. Abth. Ul. u. IV. 
Zigeunerleben op. 29 von R. Schumann. 



lY, Lehrer -Coliegiiuii. 

Der Oberlehrer Dr. llnli.ke erhielt für die Dauer des Sommersemeslers Urlaub zu einer 
wissenschaftlichen Reise „ach Italien. Zu seiner Vertretung wurde der Candidal des boheren S d 
amis <i«,tu> Irumer aus Cöthen dem Gymnasium zugewiesen. Derselbe bheb auch noch «ahiend 



47 

des Wintersemesters an der Anstalt zur Aushülfe. Während der Abwesenheit des Oberlehrers 
Dr. Hedicke verwaltete der Professor Dr. Suhle das Ordinariat der Tertia. 

Mit dem 1. Juli schied der Prediger Spohr nach langjähriger segensreicher Thätigkeit vom 
Gymnasium, dem er erst als Collaborator, dann als Religionslehrer angehörte, um das Directorat 
der hiesigen Herzoglichen Friederiken-Schule zu übernehmen. Er hinterlässt bei Lehrern und Schülern 
ein liebevolles Andenken. Das Provisorium, welches in Folge seines Wegganges eintrat, hat sich 
auch noch über das Wintersemester erstreckt. Die vacant gewordenen Standen wurden durch den 
Collaborator Halter, den Candida! Cramer und den Lehrer Huttelmaiiii versehen. 



1) Frequenz: 

im Sommersemester 


Prima 


13 


Secunda 


17 


Tertia 


30 


Quarta 


38 


Quinta 


44 


Sexta 


40 


Septima 


27 



V. Schüler. 

im Wintersemester 
11 

20 

28 

35 

48 

39 

20 

Summa 209 Summa 2Ö1 

unter diesen 64 Auswärtige, 10 Ausländer; 59 Auswärlige, 10 Ausländer. 

2) Mit dem Zeugniss der Reife wurden gegen Ende des Sommersemesters von der Anstalt 

entlassen : 

a) Paul nattliad, geboren den 5. Juni 1851 zu Hecklingen, Sohn des praktischen Arztes 
Herrn Dr. Matlhaei in Hecklingen. Er wurde Ostern 1863 in die (Juarta aufgenommen, 
war 2 Jahre Schüler der Prima und studirt Medicin, zunächst in Berlin. 

b) €arl Schmidt, geboren den 9. October ISfjO In Strenz-Naundorf, Sohn des Oeconomen 
Herrn Schmidt daselbst. Er trat Michaelis 1865 in die Quinta ein und wurde als 
Preussischer ünterthan auf Grund der Verfügung des Preuss. Unterrichts -Ministeriums 
vom 25. Juli 1870 nach 1 '/Jährigem Besuche der Prima zum Abiturienten -Examen 

'' zugelassen. Er wählte das Studium der Philologie und begann dasselbe in Leipzig, 
(ileichzeitig in das 107. (Sächsische) Regiment als einjährig Freiwilliger eingetreten, 
musste er bald nach dem Kriegsschauplätze und zwar zur Belagerung von Paris nach- 
rücken. Seit dem 2. December wird er vermisst. Seine ehemaligen Lehrer und Mit- 
schüler, bei denen er in ungetheilter Liebe stand, sind durch diese Be-orgniss erregende 
Nachricht tief erschüttert worden. Hoffen wir zu Gott, dass die Befürchtungen, welche 
auch seine Eltern theilen, sich nicht erfüllen mögen. 

3) Diese Ostern verlassen mit dem Zeugniss der Reife das Gymnasium: 

a) Otto («üiitlier, geboren zu Bernburg den 5. Februar 1853, Sohn des Gymnasialdirectors 
Dr. (iünther in Bernburg. Er wurde Ostern 1860 iu die Sexta aufgenommen, war 
zwei Jahre Schüler der Prima und studirt Jurisprudenz, zunächst in KieL 



\ 



_48 

b) lernanii I urpe!, geboren zu Bernburg den 30. September 1853, Sohn des verstorbenen 
Ministerialcanzlisten Herrn Toerpel. Er wurde Oslern 1860 in die Sexta aufgenommen, 
war 2 Jahre Schüler der Prima und studirt Philologie, zunächst in Leipzig. 

4) Ausserdem gingen im Laufe und am Ende des Schuljahres ab: 

a) Aus Prima: Friedrich Keniieberg zur Armee. 

b) Aus Secunda: Cirl von Siegsfeld zur Armee, Thilo llandt zur Landwirthschaft, Max 
Ziemaiiii zur Armee, Wilhelm Bunge zum hühern Subalterneudienst, Carl Anueeke zum 
Buchhandel und Knald Jiiarlepp zur Handlung. 

c) Aus Tertia: Bernhard Zweidorf zum Baufach, i'arl Killau auf das Francisceum in 
Zerbst, Kriedeiuauu (ireiner^ um Techniker zu werden, Otto Stenikoplf auf die Cadetten- 
schule zu Dresden, Robert Aiiuecke^ um Techniker zu werden. 

d) Aus Quarta: Ido von der Heyden zur Handlung, Felix i'Medner zur Privatvorbereitung. 

e) Aus Sexta: dliästav Waither auf das Gymnasium zu Dessau, Bernhard Tekhaiilller mit 
seinen Eltern nach Dessau, Wilhelm Hessler auf die höhere Bürgerschule. 

f) Aus Septima: Eriist TeichmUller mit seinen Eltern nach Dessau. 

5) Durch den Tod verlor die Anstalt den Septimaner Hermann E-ckstcin, Ptlegesohn des Agenten 
Htriij kuii; hierselbst. Der liebe hoffnungsvolle Knabe erlag am 25. November einer bös- 
artigen Gehirnentzündung. 



49 



V crzi'iiiiiiiss 



ilv 



Y 



Nclüjler, »elciii» hn Wiiiterhalbjalir 
Prima. 

Breijmann. Franz, Bernburg. 
Daude , Otto, Bernbarg, 
Deffener. Hermann, Osmarsleben. 
Follgrabe. Friedrich, Gröna. 
Günther, Otto, Bernbiirg. 
Homann. Wilhelm, Gänsefurth. 
Korn, Rudolf, ßernburg. 
Paetz, Udo, Bernburg. 
Sonntag. Bernhard, Bernburg, 
Stengel. Rudolf, Bernburg. 
Toerpel, Hermann, Bernburg. 

Secunda. 

Annecke, Carl, Giisten. 
Ruhlmann, Theodor, Bernburg. 
Valm, Bernhard, Bernburg. 
Fahrenhorst, Max, Bernburg. 
Fricke. Trangott, Bernburg. 
Gorlepp., Ewald, Bernburg. 
lloltzhansen. Friedrich. Bernburg. 
Kilian, Theodor, Frose. 
Landgraf, August, Bernburg. 
Morgenstern, Louis, Bernburg. 
Müller, Gustav, Bornburg. 



iSiW — n das Gviitüa^iuiit iM'suehten. 

Pabst, Julius, Bernburg. 
Pahst. Richard, Bernburg. 
Reuss, Hugo, Hecklingen, 
Reuss, Maa;. Hecklingen. 
Schilling, Emil, Bernburg. 
Seh rader, Wilhelm, Frose. 
Soehns, Franz, Aderstedt. 
Weitzel, Wilhelm, Bernburg. 
Zoellich, Eduard, Bernburg. 

Tertia. 

Annecke, Robert, Giisten. 
V. d. Briele, Consfantin, Coswig. 
Brumme, Alfred, Bornburg. 
Bnhlmann, Albert, Bernburg. 
Buzello, Gustav, Bernburg. 
Gasten, Otto, Hoym. 
Daude, Johannes, Bernburg. 
Drascher, Gustav, Hecklingen. 
Ecke, Otto, Bernburg. 
Flies s, Max, Bernburg. 
Gersott, Arthur, Bernburg. 
Graef, Arthur, Ilberstedt. 
Hundt, Otto, Bernburg. 
Hütter, Friedrich, Bernburg. 



Kanzler, Paul. Bernburg. 

Kessler, Alfred, Bernburg. 

Lohmeger, Emil, Preusslitz. 

Loth, Emil, Bernburg. 

Loewe, Carl, Freckleben. 

Milling, Friedrich, Bernburg. 

Procmmel, Albert, Gröna. 

Roth, Georg, Glöthe. 

Schumann, Carl. Bernburcr. 

Starke, Theodor, Bernburg. 

Stein, Paul, Freckieben. 

Toerpel, Philipp, Bernburg. 

Wohlgebohren, Georg, Hohen-Erxleben. 

Würzler, Adolf, ]3ernburg. 

Quarta. 

Ahlers. Carl, Hannover. 
Ahlfeld, Max, Bernburg. 
Bechtel, Paul, Leopoldshall. 
Bohnstedt, Adolf, Plötzkau. 
Bregmanti, Wilhelm, Bernburg. 
Calm. Louis. Bern])urij. 
Fahrenhorst, Paul, Bernburg. 
Falleg, Carl, Ballenstedt. 
Faulwasser, Maximilian, Gröna. 
Flamant, Richard, Bernburg. 
Foerste. Walter. Bernbur*;. 
Gerson, Reinhold, Bernburg. 
Glendenherg, Gottlieb, Bernburg. 
Grund, Georg. Bernburg. 
Gumpel, Otto, Bernburg. 
Haedicke. Max. Bernburg. 
Hess, Julius, Bernburg. 
Hohorst, Julius, Bernburg. 
Lsensee, Ernst. Sandersleben. 
Kanzler, Albert, Bernburg. 
Kanzler, Friedrich, Bernburg. 
Klinkhardt, Johannes, Bernburg. 
Kraaz, Richard, Cölbigk. 
Kühne, Oscar, Wittenberg. 
Modes, Walter, Bernburg. 
Morgenstern Hans, Bernburg. 
Niedner. Felix, Riulersdorf. 
Pichier, Hay\s, Bernburg. 
Proemmel, Georg, Gröna. 
Richter, Theodor, Grimschleben. 
Schuster, Gustav, Bernburg. 
Sommer, Wilhelm, Bernburg. 
Trenkel, Paul, Bernburg. 
Walter, Hans, Bernburg. 
Walter, Theodor, Bernburg. 



Quinta. 

An?iecke, Otto, Giisten. 
Blumenthal, Franz, Waldau. 
Borrmann, Friedrich, Bernburg. 
Brumme, Emil, Bernburg. 
Brumme, Erich, Bernburg. 
Buhlmann, Max, Bernburg. 
Dankwort, Friedrich, Bernburg. 
Fischer, Albert, Bernburg. 
Haarth, Paul, Waldau. 
Hahn, Reinhard, Neu-Gattersleben. 
Hundt, Richard, Bernburg. 
Holzmann, Ernst, Wedlitz. 
Jacobi, Carl, Frose. 
Jecht, Franz. Bernburg. 
Joachimi. Richard. Plötzkau. 
Isensee, Otto, Sandersleben. 
Kielhorn, Friedrich, Bernburg. 
Kilian, Albert. Bernburg. 
Kl au SS, Carl, PKitzkau. 
Körte. Gerhard, Bernburg. 
Knh?i, Otto, Bernburg. 
Lücke. Franz, Wedlitz. 
Marquardt. Hermann, Bernburg. 
Mehrhardt. Carl. Bernburg. 
Meissner. Louis, Gr. Mühlingen. 
Meissner. Richard, Bernburg. 
Nette, Friedrich, Bernburg. 
Pabst, Friedrich, Bernburg. 
Paetz. Richard. Bernburg. 
Petzold, Carl. Sandersleben. 
Pfannschmidt. Oscar, Bernburg. 
Pichier, Theodor, Bernburg. 
Richter, Paul, Grimschleben. 
Roth. Axel, Bernburg. 
Rüffer, Paul, Bernburg. 
Schmidt., Georg, Bernburg. 
Schmidt, Wilhelm, Bernburg. 
Schwenke, Emil, Bernburg. 
Schirenke, Friedrich, Bernburg. 
Senff, Conrad, Kl. Wirschieben. 
Siebert. Franz, Bernburg. 
Siebert, Richard. Bernburg. 
von Siegsfeld, Hans, Bernburg. 
Soehns, Carl, Plötzkau. 
Starke, Friedrich, Bernburg. 
Suhle, Paul, Bernburg. 
Thnsins . Otto , Waldau. 
Zieseke, Oscar , Waldau. 



\ 



50 



Sexta. 

Ahlers, Theodor, Hannover. 
Angermann , Paul, Bernburg. 
Berner, Otto, Bernburg. 
Bolze, Wolf gang, Bernburg. 
Breymann, Albrecht, Bernburg. 
Calm, Paul, Bernburg. 
Calm, Richard, Bernburg. 
Curtze , Friedrich , Bernburg. 
Francke. Gnillermo , Bernburg. 
Gumpel. Erich, Bernburg. 
Gumpel . Ludwig, Bernburg. 
Hel\]'t, Emil. Bernburg. 
Uohor^t, Wilhelm, Bernburg. 
Holtzhausen, Ernst, Bernburg. 
Hopf er, Franz, Bernburg. 
Jahn . Albert, Bernburg. 
Jaentsch, Richard, Plötzkau. 
Joachimi, Hugo, Plötzkau. 
Isaacsohn, Isidor, Güsten. 
Kessler, Johann, Bernburg. 
Kettmann, Julius, Strenz-Naundorf. 
Kraetz, Otto, Bullenstedt. 
Lohmeger, Max, Preusslitz. 
Lücke, Franz, Belleben. 
Morgenstern , Friedrich , Bernburg. 
Pichier, Friedrich, Bernburg. 
Rienecker, Paul, Bernburg. 
Roth, Paul, Glüthe. 
Roth. Walter, Bernburg. 
Saeuberlich, Carl, Gerlebogk. 



Schiele, Friedrich. Reinstedt. 
Schuster, Richard, Bernburg. 
Selig, Julius, Bernburg. 
Sommer, Gustav, Bernburg. 

Teichmüller, Gustav, Bernburg. 

Theices, Richard ^ Gr. Oschersleben. 

Windschild. Carl, Bernburg. 

Wohlgebohren, Franz, IIohen-Erxleben. 

Wüstenhagen, Louis, Bernburg. 

Septima. 

Bastian, Gerhard, Bernburg.' 
Bauermeister , Carl, Bernburg. 
Brumme, Gebhard, Bernburg. 
Calm, Jacob, Bernburg. 
Doering, Carl, Bernburg. 
Eckstein, Hermann, Bernburg. 
Glendenberg, Gustav, Bernburg. 
Graefe, Werner, Bernburg. 
Haarth, Albert, AValdau. 
Hacdike, Georg. Bernburg. 
Helhrig, Carl, Hohen-Erxloben. 
Morgenstern , Georg, Bernburg. 
Roth, Gottfried. Bernburg. 
Rudolph, Otto. Bernburg. 
Schmidt. Ma.v, Bernburg. 
Schmidt, Philipp, Bernburg. 
Schmidt, Robert, Bernburg. 
Schumann. Leberecht, Bernburg. 

Toerfler, Leopold, Bernburg. 

Wiele, Johannes, Bernburg. 



51 

Öffentlich den Bewohnern von Harzgerode für die unsern Schülern gewährte freundliche 
Aufnahme ausgesprochen habe, hiermit nochmals zu wiederholen. 

2) Am 6. September wurde von den Schülern des Gymnasiums unter Leitung des Musikdirectors 
Walter eine musikalisch -declamatorische Aufführung im Saale des Hotel Saupe zur Unter- 
stützung der verwundeten deutschen Krieger veranstaltet, welche den erfreulichen Reinertrag 
von 75 Thalern ergab. 

3) Hei der städtischen Feier der Capitulation der Pariser Forts am 29. Januar belheiligteu 
sich die Schüler der drei oberen Klassen am Festzuge. 

4) Am Tage des Eintreffens der officiellen Nachricht vom Friedensschlüsse wurde ausser anderen 
Festlichkeiten eine öffentliche Feier für sämmtliche hiesige Schulen veranstaltet, an welcher 
die Lehrer und Schüler des Gymnasiums Theil nahmen. Zu derselben zogen die Schulen 
von ihren betreffenden Localen unter Glockengeläute nach dem .Marktplatze. Hier hielt nach 
Absingung des Liedes „Lobe den Herren" der Herr General-Superintendent Dr. Walther die 
Festrede. Den Schluss der erhebenden Feier machte der Gesang von „Nun danket alle Gott." 



YIF 



i. 



Lage und Dauer der Perlen für das Jahr 1871. 



Aufaiiir. 



Ostern: 

Pfingsten: 

Sommerferien: 

Michaelis: 

Weihnachten: 



1. April 

27. Mai 
15. Juli 

30. September 

28. December 



einschliesslich 



3» 
9 
9 
3» 



Ende. 

17. April einschliesslich 
5. Juni ^ 

7. August „ 
16. October , 

8. Januar 1872. 



YL littel zur Unterstützung bedürftiger ScMler. 

Das Luckembach'sche Stipendium wurde m vergangenen Jahre wiederum dem Primaner 

Ueriuauu Türpel verliehen. 

Der Secuiidaiier \\\\\i^\m B.n^e erhielt ein Stipendium aus der Herzogl Leopolds-Stittun,. 
Die Zinsen der Fraucke-Stiftung bezieht slatutenmässig der Sextaner MXUvim franfkc. 



\ 



VII, Scliulfeierliclikeiten. 



1) Vor Besinn der Pfingslferien wurde (vom 1. bis :J. Juni) eine Turiifahr( nach dem Harze 
(Ballensledt, Meiseberg, Harzgerode, Mägdesprung, üernrode, Hexeulaiizplalz, Tliaie und zurud) 
unier I.eiluns des Turnlehrers lllcliter, sowie in Begleitung des Unterzeichneten und anderer 
Lehrer unternommen. \c\\ fühle mich gedrungen, den Danii, welchen ich schon fruit« 



■ .r* 



52^ 

Ordnung des öffentlichen Examens. 

Donnerstag, den 30. März, Morgens von 8—1 IJlir. 

Gesang. 
Prima: Physik: Professor Dr. Suhle. 
Secunda: Latein: Oberlehrer Dr. Meissner. 
Tertia: Französisch: Oberlehrer Dr. Schütze. 
Quarta: Griechisch: Oberlehrer Dr. Schulze. 
Johannes Klinkhardt: Der Choral von Kaiserslautern von Osterwald. 
Oscar Kühne: Der gelehrige Hauer von Kärner. 
Carl Falley: Täuw, Di will ik betahlen von Reuter. 
Quinta: Rechnen: Lehrer Hottelmann. 

Katurgesfhichte: Lehrer Hottelraann. 
Emil Brumme: Soldatenhed von einem 83. FüsiUer. 

Franz Blumenthal: „Die Fahne verloren — die Ehre nicht" von Hermann von Bismarcii. 
Franz Jecht: Vorwärts — Rückwärts von E. v. G. R. 

Sexta: Latein: Gymnasiallehrer Warm bo Id. 
Gustav Teichmüiler: Siebenundzwanzig Franzosen in einer fränkischen Schmiede v. Rück< i 
Albrecht Breymann: Des deutschen Knaben Tisciigebet v. Gerok. 
Theodor Ahlers: Ik sein ein wahrer Teufelskerl v. Elze. 

Septima: Deutsch: Lehrer Rennecke, 
Gottfried Roth: Von einem Knaben ein Gedicht, der immer sprach: „Das kann ich nicl; 

V. Kreibohm. 
Philipp Schmidt: Feldinstruction über die Zuaven v. Bodenstedt. 
Ottt Rudolph: Der kleine Gerngross v. Langbein. 

Gesang. 

Entlassung der Abiturienten. 

Gesang. 

Das Wintersemester wird Freitag den 31. \lärz mit der Censur sämmtHcher Klassen ge- 
schlossen. Der Anfang des neuen Schuljahres ist auf Dienstag, den 18. April, Vormittags 7 Uhr, 
festgesetzt. Die Prüfung neu einlretender Schüler findet Montag, den 17. April, Nachmittags 2 Uhr, 

im Schullocale statt. 

Pensionen für auswärtige Schüler ist der Unterzeichnete bereit nachzuweisen. 

Dr. Günther. 



-^XxO- 



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